Briefwechsel : Sämtliche erreichbare Briefe von und an Telemann [1. Auflage]

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Briefwechsel : Sämtliche erreichbare Briefe von und an Telemann [1. Auflage]

Table of contents :
Title Page
Vorwort
I Telemanns öffentliche Tätigkeit (Hans Große)
II Telemann als Kapellmeister und Korrespondent „von Haus aus" (Hans Große)
III Telemann als Lehrer und Förderer seiner Schüler (Hans Große)
IV Telemann und seine Dichter (Hans Große)
V Telemann über seine Werke (Hans Rudolf Jung)
VI Telemann und Uffenbach (Hans Rudolf Jung)
VII Telemann und Mattheson (Hans Große)
VIII Telemann und Carl Heinrich Graun (Hans Große)
IX Briefe zeitgenössischer Musiker an Telemann (Hans Rudolf Jung)
Abkürzungsverzeichnis
Anhang
Literaturverzeichnis
Chronologisches Verzeichnis der Briefe
Quellenverzeichnis
Bildverzeichnis
Register
Inhaltsverzeichnis

Citation preview

Georg Philipp Tekmann

.

Briefwechsel

Georg Philipp Telemann Briefwechsel Sämtliche erreichbare Briefe

von und an Telemann

HERAUSGEGEBEN VON HANS GROSSE UND HANS RUDOLF JUNG

VEB DEUTSCHER VERLAG FÜR MUSIK

LEIPZIG

i. Auflage Alle

VEB

Rechte vorbehalten

Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1972

Lizenznummer:

ES

418— 515/A26/72 13

B

2

Printed in the German Democratic Republic Gesamtherstellung

:

Röderdruck

Vorwort

Inhalt und Bedeutung des Briefwechsels Schon immer sind handschriftliche Briefe, Kompositionen und andere Dokumente Objekte privater Wertschätzung und Lieb haberei gewesen. Ihr Besitz schließt das Einverständnis mit ihrer wissenschaftlichen Erschließung ein, sofern ein allge meines Interesse daran besteht. Briefausgaben bedeutender Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst bilden stets eine

wertvolle Quelle für die Bereicherung eines Lebensbildes und für die vertiefte Einsicht in Zusammenhänge verschiedener Art. Allerdings ist es selbst in der Gegenwart keineswegs einfach, einen Überblick über den gesamten Schriftverkehr eines Künstlers mit seinen Zeitgenossen, Freunden und Dienst herren zu gewinnen und die erhaltenen Dokumente möglichst vollzählig zu ermitteln, wenn dazu noch wenig Vorarbeiten geleistet wurden. Leider haben gerade die letzten Kriege und deren Folgeerscheinungen manche Bestände in Archiven, Bibliotheken und Privatsammlungen teilweise oder ganz ver nichtet1, die Autographe in viele Länder verstreut und zum

Teil unklare Besitzverhältnisse

entstehen

lassen.

Wenn 200 Jahre nach dem Tode Georg Philipp Telemanns

noch mehr als 130 Briefe und andere handschriftliche Doku mente erfaßt und in Fotokopien zusammengetragen werden konnten, so ist diese Zahl im Vergleich mit den Briefsammlun gen etwa Lessings und Klopstocks2 freilich gering. Betrachtet man aber die vorliegenden Briefausgaben von Musikern aus der Zeit Telemanns3, so scheint eine Ausgabe der Briefe von und an Georg Philipp Telemann beim bisherigen Stand der und zum gegenwärtigen Zeitpunkt Telemann-Forschung durchaus gerechtfertigt.4

Die vorliegenden

schriftlichen

Dokumente

Telemanns

aus

verschiedenen Stationen und Zeiten seines Lebens ebenso wie die an ihn gerichteten Briefe sind selbstverständlich sehr unter schiedlichen Charakters. Es sind „Briefe" im engeren und weiteren Sinne : dienstliche Eingaben, halbamtliche Schreiben, hingeworfene „geschäftliche" Ankündigungen und Aufforderungen 2um Kauf oder Vertrieb von Werken, BeAntwortbriefe, ge werbungs- und Empfehlungsschreiben, schnell

mischte Briefe, freundschaftliche Briefe an gleich- oder höher an Gönner, gestellte Persönlichkeiten, Huldigungsschreiben

Widmungen und Eintragungen in Stammbücher. Sie gewähren Einblicke in Telemanns Beziehungen zur Um welt, sein Verhalten

vorgesetzten Behörden, Freunden und Schülern gegenüber, seine Reaktion auf bestimmte Ereignisse, seine Einschätzung des Schaffens und der Bedeutung von Zeit genossen. Telemanns Persönlichkeitsbild kann durch die De tails ebenso wie durch die zusammenfassende Betrachtung zu Briefgruppen um einiges erweitert werden. Auch bisher unbe

zu bestimmten Fragen seiner schöpferi schen und verlegerischen Tätigkeit sind wertvoll, besonders wenn man bedenkt, wie wenig schriftliche Äußerungen über eigene Werke es vergleichsweise von anderen Zeitgenossen Telemanns, wie Bach, Händel, Fasch, Graupner u. a., gibt. Vergegenwärtigt man sich die in fast alle Himmelsrichtungen kannte Einzelheiten

und viele Länder reichenden tatsächlichen und vermutlichen Verbindungen Telemanns, wird die an sich schon bekannte

„Weltoffenheit" und weite Anerkennung des Komponisten plastisch sichtbar. Diese Verbindungen charakterisieren mehr als weitschweifige Einschätzungen

seine künstlerische Stellung

und Wirksamkeit in seiner Zeit. Telemanns hohes Ansehen unter den deutschen Musikern beweisen vor allem die an ihn gerichteten Briefe von Händel, C. Ph. E. Bach, Graun, Scheibe, Sorge, Agricola, Quantz und Pisendel. Für die meisten zeit

genössischen Musiker bedeutete es Ehre und Anerkennung, mit dem berühmten Hamburger Musikdirektor in Verbindung

zu stehen. Aus den hier geschlossen veröffentlichten

schrift

lichen Zeugnissen lassen sich aber auch neue Aufschlüsse über Telemanns private Sphäre, seine kleinen Freuden und großen 6

und Nöte gewinnen. Schließlich wird ganz allgemein einiges von der sozialen Lage und gesellschaftlichen Stellung der Musiker im 18. Jahrhundert aus manchen Briefen Schwierigkeiten

Telemanns selbst und anderer Musiker an ihn deudich.

Der Stil dieser unterschiedlichen Schreiben entspricht ihrem jeweiligen Zweck. Telemann gehörte nicht zu jenen Persön lichkeiten das mag der Kenner anderer Briefsammlungen berücksichtigen -, die das Briefschreiben kultivierten und zu einer kunstvollen Beschäftigung machten.5 Dazu hatte er wohl

-

bei dem unablässigen Bemühen um die Verbesserung seiner sozialen und gesellschaftlichen Stellung und bei seinen hohen

und umfassenden künstlerischen Zielen kaum Zeit. So verwen det er manchmal, besonders in den frühen Belegen, ebenso wie alle seine Zeitgenossen den steifen und weitschweifigen „Kanz leistil". Aber zugleich finden wir auch Briefe, in denen er sich von allen Fesseln der Etikette befreit und auf jedes schmückende Beiwerk verzichtet. Sogar in einigen sicher sehr rasch konzipier ten Briefen, wie beispielsweise an den Rigaer Kaufmann Hollan der (Nr. 59-61), zeigt sich seine schriftstellerische Gewandt heit, die er ja in zahlreichen Kantatentexten und Gedichten ebenfalls unter Beweis gestellt hat.6 Freilich fließt die poetische Ader nicht immer mit der Natürlichkeit und Schlichtheit, wie etwa Lessing sie forderte.7 Aber wenn man die in den dreißiger Jahren geschriebenen Briefe Telemanns mit manchen früheren Versen (z.B. in der Autobiographie von 171 8) vergleicht, spürt man doch die gewonnene Reife im sprachlichen Ausdruck und empfindet den Briefstil insgesamt natürlicher und flüssiger. In dichterischen Huldigungen zeigt aber Telemann, daß er auch über eine äußerst blumenreiche Sprache verfügte, wenn sie ihm für den Zweck geeignet erschien.

Mit zunehmendem Alter verzichtete

er immer mehr auf die

Verwendung von Fremdwörtern und Zitaten in französischer oder lateinischer Sprache, ganz im Gegensatz etwa zu dem Dresdener Konzertmeister Johann Georg Pisendel, der in seinen Briefen an Telemann (Nr. der von fremdsprachlichen „Gelehrtensprache" festhielt.8

an

7

11

7- 120) noch um

Einflüssen

1750 eng

überwucherten

Selbstverständlich

bediente sich Telemann

-

besonders in

seinen offiziellen oder halbamtlichen Schreiben und

gen - noch

des damals üblichen Zeremoniells.

Widmun

Bei den

„For

malien" eines Briefes, besonders in Anrede und Grußformel am Schluß, richtet er sich nach der gültigen „Vorschrift" für den Briefverkehr mit höher- oder gleichgestellten Personen.9

Es fällt aber auf, daß er wohl nur ein einziges Mal die bis weit in die zweite Hälfte des 1 8. Jahrhunderts hinein allgemein übliche französische Anrede

und Schlußwendung10 benutzte

(Brief Nr. 59).

Zur Überlieferung Die Fundorte der Briefe und Dokumente sind Archive und Bibliotheken in der DDR (Berlin, Leipzig, Merseburg, Rudol stadt, Weimar), in der BRD (Aurich, Darmstadt, Frankfurt am Main, Göttingen, Hamburg, Lüneburg, Wilster in Holstein), in der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik (Tartu, früher Dorpat), in Österreich (Wien), in Holland ('s-Gravenhage) und in der Schweiz (Bern). Wann und wie die Briefautographe in die obengenannten Orte gekommen sind, wird, soweit es sich ermitteln ließ, in den Anmerkungen zu den betreffenden Briefen angegeben. Den Bibliotheken und Archiven, die durch Bereitstellung der Originale oder Übersendung von Filmen oder Fotokopien die Herausgabe dieser Publikation förderten, sei an dieser Stelle für die Genehmigung zur Veröffentlichung herzlich gedankt. Zahlreiche Briefe von und an Telemann wurden in der Ver gangenheit bereits wissenschaftlich ausgewertet und auch ein zeln oder als zusammenhängende Briefgruppen publiziert. So benutzte Max Schneider schon 1907 als Grundlage seiner bio graphischen Darstellung und der Werkzuordnung Dokumente aus der Eisenacher, Frankfurter und Hamburger Zeit Tele-

Den Uffenbach-Briefwechsel erschloß nach dem Stand der damaligen Telemann-Forschung Willibald Nagel bereits 19 12. Später legte Eberhard Preußner diesen Göttinger Brief

manns.11

8

bestand seiner Uffenbach-Darstellung zugrunde. Den gesamten Briefwechsel Telemanns mit Carl Heinrich Graun publizierte

Berthold Kitzig 1927. Max Schneider und andere benutzten diese Korrespondenz auch auszugsweise in ihren Arbeiten und machten damit zahlreiche Musikhistoriker auf die übrigen Briefe von und an Telemann in der Universitätsbibliothek Tartu aufmerksam. So haben seit den dreißiger Jahren manche neben den Göttinger und Hamburger Telemann-Forscher Briefen auch diese Quelle in ihre Arbeit einbezogen (Hans Hörner, Werner Menke, Erich Valentin, Martin Ruhnke, Günter Fleischhauer u. a.). Vor allem der zweite Weltkrieg und seine Folgen dürften bis heute verhindert haben, daß dieser aufschlußreiche Briefbestand in Tartu eine geschlossene Ver öffentlichung oder intensivere Ausschöpfung erfuhr. Für die Erforschung des Lebens und Werkes mancher Briefschreiber wie Scheibe, Sorge, Mizler u. a. bietet er wertvolle neue Hin weise.

Verlag und Herausgeber sind der Überzeugung, daß für die ebenso wie weitere Entwicklung der Telemann-Forschung für die künftige Pflege seiner Werke eine Zusammenfassung sämtlicher erhaltener Briefe und anderer handschriftlicher Dokumente zum Leben und Werk Telemanns erforderlich ist. Schließlich wird eine nicht unbeträchtliche Zahl von Briefen hier erstmalig vollständig dargeboten; einige Briefe konnten erst in allerjüngster Zeit aufgefunden werden und sind bisher auch der Telemann-Forschung nicht bekannt. Diese Ausgabe bietet darüber hinaus den Vorzug, dem Benut

Quellengut zusammengefaßt und mit ausreichender Kommentierung versehen vorzulegen. Die Herausgeber waren darüber hinaus bemüht, Irrtümer und Fehlinterpretationen früherer Veröffentlichungen in Schreib weise, Übertragung und inhaltlicher Auslegung nach dem

zer bisher weitverstreutes

zu beseitigen. Bei neuesten Stand der Telemann-Forschung diesem Vorhaben wurden sie von zahlreichen Musikwissen schaftlern und Institutionen

unterstützt und beraten ; ihnen sei

an dieser Stelle besonders herzlich gedankt. Die Herausgeber den sprechen die Hoffnung aus, daß diese Briefsammlung 9

Freunden Telemannscher Musik gerade durch manches Detail persönlicher Art noch besseren Einblick in die Lebensum stände und Schaffensbedingungen des Meisters geben, auch die noch manche Anregung aus diesen hier Telemann-Forschung erstmals geschlossen vorliegenden schriftlichen Äußerungen ziehen kann, und nicht zuletzt mögen viele Institutionen und angeregt werden, bisher unbekannten Do kumenten nachzuspüren, die zur weiteren Vertiefung des Bil des von Georg Philipp Telemann und seiner Zeit beitragen

Persönlichkeiten

können. der Enkel des Hamburger Musikdirektors, Telemanns Briefwechsel mit Graun möge der „musikalischen 1816 wünschte

Welt mitgetheilt werden"12. Herausgeber und Verlag glauben, nach mehr als 150 Jahren diesen Wunsch Georg Michael Telemanns in umfassender Weise erfüllt zu haben.

Zur Edition Einteilung in Briefgruppen nach über geordneten Gesichtspunkten und der Verzicht auf die bei

Die vorgenommene

Briefausgaben sonst meist übliche, streng chronologische Ordnung ergaben sich aus der Verschiedenartigkeit der vor liegenden mehr als 130 Dokumente. Zwischen 1704 und 1767 geschrieben, umspannen diese schriftlichen Zeugnisse aus dem Leben Telemanns einen Zeitraum von 63 Jahren. Eine chrono logische Anordnung nach den Lebensstationen Leipzig-Sorau-

Eisenach-Frankfurt am Main- Hamburg hätte nicht nur wegen der Zufälligkeit der Quellenüberlieferung große Lücken auf gewiesen, sondern wäre vor allem hinsichtlich der Thematik schwer überschaubar gewesen. Deshalb wurden die Briefe nach den sich aus dem Inhalt heraus anbietenden Problemstellungen bzw. nach Telemanns Beziehungen zu bestimmten Persönlich keiten zusammengefaßt. Innerhalb der einzelnen Briefgruppen wurde jedoch die chronologische Anordnung weitgehend ge wahrt. Die Herausgeber sind sich bewußt, daß damit nicht alle auftretenden Probleme gelöst wurden und auch andere Mög 10

lichkeiten der Einteilung bestehen. Einige Überschneidungen inhaltlicher Art würden sich aber wohl auch bei anderer Glie derung kaum vermeiden lassen.

Eine Einführung in jede Briefgruppe und entsprechende An merkungen am Ende sollen den Leser die Zusammenhänge der Texte mit anderen Bereichen und Problemen erkennen lassen und ihm damit das Verständnis erleichtern. Da durch die Zusammenstellung zu Gruppen die chronologische Reihen folge der Briefe nicht gewahrt werden konnte, enthält der

Anhang eine chronologische Übersicht mit Angabe der Stand orte und Signaturen der Originale. Die Herausgeber benutzten zur vorliegenden Veröffentlichung ausschließlich Originale, Filme oder Fotokopien. Ihre Wie dergabe erfolgt nach folgenden Gesichtspunkten : 1. Alle Briefe werden in vollem Wortlaut wiedergegeben. den Abdruck

wurde verzichtet,

der Briefanschriften

Auf

sofern

nicht einen Bestandteil des Briefes selbst darstellen. 2. Orthographie und Interpunktion der Brieftexte entsprechen dem Original. In lateinischer Schrift geschriebene Sätze, Wör ter oder Silben werden kursiv wiedergegeben. Echte Abkür zungen, wie z. B. „u." für und, „d." für den, „Nov." für November usw., erscheinen als solche. 3. Bei den Abkürzungen in Form von Schnörkeln oder Schlei sie

fen haben die Herausgeber nach unterschiedlichen Prinzipien übertragen. Jung hat zur vollen Wortform ergänzt, Große hat die vor allem bei Anreden vorkommende

1-förmige Schlinge nach dem unterdrückt oder ein „1" mit Wortsinn durch je abschließendem Abkürzungspunkt übertragen, was zur Zeit Telemanns im Druck häufig so gehandhabt wurde. Da diese Differenzen keinerlei Auswirkung auf den Inhalt der Briefe haben, sind sie nicht korrigiert worden, um das Erscheinen des Buckes nicht unnötig zu verzögern.

Flüchtig geschriebene Kasus- und Verbalendungen werden zur vollen Wortform ergänzt. Durch Überstreichung gekenn zeichnete Konsonantenverdopplungen

werden ausgeschrieben

(tut statt »).

Das für die lateinische Endung

us

gebräuchliche Sigel y wurde

sinngemäß aufgelöst, die besonders in der Anrede p-ähr.liche Schlinge mit etc. wiedergegeben.

übliche

Die im Text häufig vorkommenden verschiedenartigen Kürzel für Herr (Herrn, Herren) oder Mhh. für „meines hochver ehrten Herrn" wurden immer zum vollen Wort bzw. zur An rede ergänzt.

Bei Währungsangaben wird mitunter ein nicht eindeutig identi fizierbares Zeichen verwendet. Aus den angegebenen Summen kann man schließen, daß es sich um Mark handelt. Das Zeichen wurde demzufolge mit M. übertragen. 4. Im originalen Brieftext durch Unterstreichung hervorge hobene Stellen erscheinen gesperrt. Allerdings war nicht in jedem Falle mit Sicherheit festzustellen, ob alle Unterstrei chungen vom Schreiber selbst, vom Empfänger oder gar von einem der Sammler oder späteren Benutzer hinzugefügt wur den. Das betrifft aber nur die wenigen Briefe, von denen die Herausgeber nicht die Originale selbst einsehen konnten, sondern sich ausschließlich auf Fotokopien stützen mußten. Groß- oder Kleinschreibung einzelner Wörter war 5 . Die wegen der oft ineinander übergehenden Buchstabenformen nicht immer mit Sicherheit zu bestimmen. Bei den von uns getroffenen Entscheidungen traten jedoch in keinem Falle Unklarheiten in der inhaltlichen Interpretation auf. 6. Auf Quellenbeschreibungen und textkritische Anmerkungen die Ausgabe nicht philologisch zu überlasten. Übersetzungen bzw. Erklärungen heute weniger geläufiger Fremdwörter, besonders aus dem Lateinischen und wurde

verzichtet,

um

Französischen, werden in den Anmerkungen

gegeben.

In den Brieftexten werden folgende Zeichen verwendet [

>


vor dieselben zur Erniedrigung. Meine Vertheidigung gegen meine Feinde werden Sie und andre mit Ver gnügen lesen. Diese aber nimmt wenig Raum ein. Gott stärke Sie in ihrem hohen Alter ! ich verharre biß in Tod Ew. HochEdelgebohien Lobenstein, den 29.

aufrichtiger wahrer Verehrer u. Diener

Apr.

G. A. Sorge.

1767.

Nachschrift. Ehe ich diesen Brief fort schicken konnte, erhielt einen von meiner armen verlaßenen Tochter, worinnen sie mir ihre Kranckheit der Gelbsucht, und ihren erbarmenswürdigen Zustand berichtet, und mich bittet, sie zu mir kommen zu laßen. Da mir nun mein Vater-Hertz über ihren Jammer bricht, so habe es ihr erlaubet, und ersuche Evf. HochEdelge£ohren auf das allerdemüthigste, Sie wollen die christliche Liebe und Barmhertzigkeit an ihr beweisen, und ihr beförderlich seyn, daß sie von einigen Ihnen Bekannten reichen und gut34*

thätigen Hertzen einen Zehrpfennig auf die Reise bekommen möge.107 Das wird Ihnen was leichtes seyn, denn ich weiß in was vor großen Estim109 Sie in Hamburg bey der Kaufmannschafft und Jedermänniglich stehen. Da auch mein Buch nun würck-

lich unter der Preße ist, so bitte den vollen Werth à 1 6 ggr. auf so viel Exemplaria, als Sie colligirt haben mit meiner Tochter, um das Porto zu ersparen, so gleich zu senden. Ich schwöre Ihnen hiermit, daß Sie gleich nach Pfingsten und vielleicht noch eher die Exemplaria erhalten sollen. Das Buch wird auf recht weiß Papier abgedruckt, und es wird Ihnen gefallen. Ich ver harre davor mit ewiger Danckbarkeit Ew. HochEdelgebohten gehorsamster Diener

Lobenstein den

3.

Maii

G.

1767

A.

S.

Inliegendes bitte meiner Tochter behändigen zu laßen. Ihr Logier

auf dem Kehrwieder in dem 6ten Hof über dem zweyten Saal, 3 Treppen hoch, werden Sie wißen.

115.

Georg Friedrich Händel an Telemann am 25. /14. Dezember 1750 a) französischer

Originaltext

ä Londres

ce

— 14

de

Decem.br 17 jo.

Monsieur

J

'etois sur le point

tres agreable

Lettre

le tems de pouvoir

de

partir

tue

de

la Haje pour Londres,

fut rendüe par Mr

entendre

chanter

342

lorsque

Votre

Passerini. J'avois justement son Epouse. Votre Appuy et

suffisait a exiter ma curiosité non seulement, mais aussi 'approbation, cependant j'etois bientôt convaincu

recommendation

a

Luy

accorder toute

ï

Ils s'en

mqy meme de son rare merite. devoir

vont

pour l'Ecosse, a remplir

le

d'un Engagemant qu'ils ont pour des Concerts, pendant une

six

saison de

Là Elle pourra

mois.

et alors (comm'

Angloise,

je

te(msy a Londres)

services qui dependront

ne

se

perfectioner dans la Langue

ils ont intention a manquerai pas

sejourner

Leur

de

pour

rendre

quelque

toutes les

de moy.

D'ailleurs j'etois fort touché de Vos expressions polies et toutes rem plies d'Amitié, Vos manieres obligeantes et Votre Reputation m'ont

fait

trop d'impression sur mon Coeur et sur mon

Vous

rendre le Reciproque due a

trouverai toujours

en moy un

Votre gentilesse.

retour plein

de

Esprit, pour

pas Vous

ne

Soye^ su*r Çue

sincérité et

de

veritable

Estime.

je

Vous

ave^ b'en

Vous

remercie du bel Ouvrage du Systeme d'intervalles que

voulu me communiquer,

il est digne

de

Vos Occupations

et de

Votre Scavoir.

Je

Vous felicite

de

asse^ avancé, et je

la parfaite Sancté que Vous jouisse^ dans un Age

Vous souhaite

de bon

sorte de prosperité pendant plusieurs les Plantes exotiques

la

vivacité qui

contribuer envoye

Vous

etc.

cy

et soutenir

m'offre avec un sensible plaisir a y Vous fais donc un Present, et je Vous

Je

Je jointe)

en quelque maniere.

de toute

Ans a l'avenir. Si la passion pour

pourroit prolonguer Vos jours,

est naturelle,

(par l'adresse

Coeur la Continuation

une

Caisse

de

Fleurs,

que le Con

naisseurs de ces Plantes m'assurent d'etre choisies et d'une rareté

Char

PLANTES LES MEILLEURES DE TOUTE L'ANGLETERRE, la mante,

s'il

medisent le vray,

VOUS AUREZ DES

pour en avoir des Fleurs; Vous en sere^ ^ meilleur Juge, j'attens Votre decision la dessus. Cependant ne me faites pas languir long temps pour Votre agreable Reponse a celle cy, puisque je suis avec la plus sensible Amitie, et passion parfaite saison est encore propre

Monsieur

Votre tres humble et tres obeissant

Serviteur George

343

Frideric Handel

b) deutsche Übersetzung

London, 25-/14- Dezember 1750 Sehr geehrter Herr,

Ich war gerade im Begriff, von den Haag nach London abzu reisen109, als mir Mr. Passerini Ihren höchst liebenswürdigen Brief übergab. Ich hatte noch Zeit genug, seine Frau singen zu hören. Ihre Unterstützung und Empfehlung genügte, nicht nur meine Neugier zu erwecken, sondern ihr auch meine volle Anerkennung zu bezeigen, da ich sehr rasch selbst von ihrem seltenen Verdienst überzeugt war. Sie gehen nach Schottland, um ein Engagement auf eine sechsmonatige Konzertsaison zu erfüllen. Dort wird sie sich in der englischen Sprache vervoll kommnen, und ich werde (da sie sich noch eine Zeitlang in London aufhalten wollen) nicht versäumen, ihnen alle Dienste zu erweisen, die in meiner Macht stehen.110 Übrigens war ich tief gerührt von Ihren so artigen, ganz und gar von Freundschaft erfüllten Worten. Ihre liebenswürdige

Art und Ihr Ansehen haben in meinem Herzen und in meinem Geist starken Eindruck hinterlassen, so daß ich Ihre vornehme Gesinnung gern erwidern möchte. Seien Sie gewiß, daß Sie mich stets voll Aufrichtigkeit und wahrer Hochschätzung finden werden. Ich danke Ihnen für das wundervolle Werk über das IntervallSystem111, das zu senden Sie die Freundlichkeit hatten; es ist

Ihrer Bemühungen und Ihres Wissens würdig. Ich beglückwünsche Sie zu der vollkommenen Gesundheit, deren Sie sich in so vorgerücktem Alter erfreuen, und wünsche Ihnen von ganzem Herzen Beständigkeit jeglichen Wohler gehens noch für viele Jahre. Wenn die Liebhaberei für exotische Pflanzen und dergl. Ihre Tage verlängern und die Ihnen eigene Lebhaftigkeit verjüngen könnte, so biete ich Ihnen mit auf richtiger Freude an, etwas dazu beizutragen. Ich mache Ihnen dann ein Geschenk und sende Ihnen (durch beifolgende Adresse) eine Kiste mit Blumen, von denen mir Kenner dieser

H4

Pflanzen versichern, sie seien auserlesen und von bezaubernder Seltenheit; wenn man mir die Wahrheit sagt, so werden Sie die besten Pflanzen von ganz England erhalten ; die Jahreszeit ist günstig, so daß Sie noch Blüten daran haben werden. Sie selbst werden der beste Richter sein; und ich erwarte ihr Urteil

Ihrer Antwort auf diesen Brief schmachten, da ich in tiefer Freundschaft und mit aller Wärme bin, darüber.112 Lassen Sie mich indessen nicht zu lange nach

freundlichen

Monsieur, Ihr ergebenster und sehr gehorsamer Diener George Frideric Handel

ii 6.

Georg Friedrich Händel an Telemann am 20. September 1754

a) französischer

Originaltext

Monsieur

Ily a quelque

temps que j'ay

fis preparer

une provision de plantes exo

pour Vous les envoyer, quand Jean Carsten le Capitain (a qui je fis parler pour Vous les faire tenir) me fit dire qu'il avoit apri que vous tiques

etie^ defunt; Vous ne doute^pa que

Vous Jugeré^ trouve^ en

donc de la

de

retour

de

bonne nouvelle, et que vous

de

pour

j'ay

et j'ay eû Soin de

auré^ presque toutes; Come le

qu'au mois envoyer

par

de

que

je dois avoir d'entrendre

que

vous

de

plantes exoti

embrassé cette occasion avec beaucoup

faire trouver cettes plantes, et vous les Capitain Casten ne doit pas partir d'icy

Decembre prochain,

le premier

extremement.

même

lui avoit Consigné une Liste

vous les procurer,

plaisir,

Le

rapport m'affligea

Capitain Jean Carsten qui vient vos quartiers, me mandes par un amy cette

perfaite Sanctè;

d'arrive icy ques,

Joye

ce

il

a bien voulû

ce

Charger

de les

Vaisseau qui partire d'icy, dont vous trouvere^

34J

dans cet que

ce

Billet

ty joint

petit present

Supplii a Souhaite

k

que

nom du

j'ose

Capitata

vous

offrir

et du vaisseau.

tri parfaite,

souhaite

Soit agreabk; Je Votre Sante que je

vous

me vouloir donner des notwelle de

Je

et toute Sorte de proscrite,

vous vous

qui Suis avec un

estime inviolable,

Monsieur votre tres bumble et tres obeissant Serviteur

G. F. Handel** a Londres

ce 20

Sepr.

*7J4-

b) deutsche Übersetzung

London,

20.

September 1754

Monsieur, vor einiger Zeit ließ ich einen Vorrat exotischer Pflanzen vor bereiten, um sie Ihnen zu schicken, als Jean Carsten der Capitän (mit dem ich verabredete er möge sie für Sie aufbewahren) mir sagen ließ, er habe erfahren, Sie seien gestorben. Sie werden

nicht zweifeln, daß diese Mitteilung mich äußerst betrübet. (Und) Sie werden daher meine Freude beurteilen, zu hören daß Sie sich vollkommener Gesundheit erfreuen. Derselbe Capitän Jean Carsten, der soeben aus Ihrer Gegend hier angekommen ist, schickt mir durch einen Freund diese gute Nachricht, und daß Sie ihm eine Liste der exotischen Pflanzen mitgegeben hätten, die man Ihnen verschaffen möge. Ich ergreife diese Gelegenheit mit vielem Vergnügen, und habe Sorge getragen diese Pflanzen zu finden

:

und Sie werden sie fast alle bekommen.

Da Capitän Carsten (selbst) nicht vor nächstem Dezember abreist, will er dafür sorgen, sie mit dem nächsten abgehenden Schiff zu schicken, von dem Sie in der Beilage den Namen und den des Capitäns finden. Ich wünsche, dies kleine Geschenk, das ich Ihnen anzubieten wage, möge Ihnen angenehm sein;

ich bitte Sie, mir Nachricht über Ihre Gesundheit zu geben, von der ich wünsche sie sei vollkommen; und alle Art von Wohlbefinden,

und bin mit unverbrüchlicher

Achtung

Monsieur

Ihr sehr ergebener und gehorsamer Diener G. F. Handel.

117.

Johann Georg Pisendel an Telemann am 16.

April

1749

Dreßden den i6.ten Aprilis 1749. HochEdelgebohrner etc. ja aller

Verehrung würdigster Herr Bruder !

Endlich hab ich das Vergnügen mit denen versprochenen responsorjsll* des seeligen Herrn Zelenca aufzuwartten, unter herzlichem Wuntsch, daß von diesen Mandelbaum der Herr Bruder viele, viele süße Früchte genießen möge. Meinen Nahmen bitte nochmals hierbey verborgen zu halten, ich habe zwar die Überschrifft, und in fine115, das Laus Deo116 so mit cophen laßen, wie es im Buch gestanden, halte es aber vor wenigerm Verdacht, wenn ersteres verendert und abgekürtzt etwann: Responsoria pro Hebdomada Sancta117 und den Autorem darzu: letzteres Gratias118 aber gar ausgelaßen würde: es wäre sonst zu deutlich, daß man das gantze Buch in Händen gehabt, da vielmehr glaubend zu machen, als hätte man dieses Werck

nicht ohne viele Mühe und Zeit nach und nach zusammenge bracht. Die in der Eyle mit untergeloffenen errata119 bitte zu excushen120. aus dem hintan gesetzten Schluß ist zu sehen, daß

er dieses Werck, woran er

wol lang zuvor mag gearbeitet

vollendet hat. Doch, quid ad rem?121 wird die Sach auch sonst gut. er ist gestorben als Kitchen-Compositeur am hiesigen Königlichen Hof ao 1745. den 22 Decemb:re als haben,

ab 1723

:

347

eben etliche

Preußen

Tag zuvor, nemlich den

den lieben

Dreßden

18

Ejusdem122

die

das Jungferncräntzgen

Herrn abge

nommen.123

Herr Cattaneo macht sich seiner Faulheit wegen hier bey Hof immer verhaßter; gleichwol sucht er augmenthet124 zu werden; wo ihm nur nicht ein Strich durch sein Concept gemacht wird, wie ehemaln seiner Schwester geschehen. Doch, es ist seine affaire.

Über die schlechte Conduit125 des Neruda, daß er meinen mir abgedrungenen Brief den ich Verdachts wegen nicht evititea126 ohne einige Handschrifft unter den kahlen Glaucomatew: als wären es herrschafftliche Sachen, habe mich herzlich können,

geärgert, u depreche129 deßwegen auf das nachdrücklichste: er ist ein leutscheuer wunderlicher Mensch. in Berlin hab ich ihm addressht an die Herren Graun die ihm alle Ehre angethan, da sie

ihn aber auch gerne hören wollten, so versprach er

bey durch, ohne sein es

seiner retour, er gieng aber stillschweigens Versprechen zu halten, u ist izo in Dreßden, es heist aber, wie ich von andern höre, daß er in etlichen Wochen den dortigen

Dienst annehmen u deßwegen von hier abreißen werde.129 Das Hertz ist bey ihm nicht so offen, er hat vielmehr was heim liches und dückisches. in seiner Violin u Composition ist er gantz gut130, wenigstens nicht übel; weiln aber zu einem Meister mehr gehört, so zweiffle, daß er ein besonder original werden wird. die liebe philavtie131 ist ihm weiter zu sehen verhinderlich : er hat allerdings einen guten Zug aus dem ital. Daummel Be cher gethan, u: da ich zweiffle daß der Herr Bruder jemals aus seiner Correspond: einiges Vergnügen oder Satisfaction haben werde, so will fast selbst bitten, sich nicht weiter mit ihm ein-

zulaßen, indem er es nicht würdig, oder wo ja sich doch selbst dieser Ehre unwürdig gemacht.

so hat er

M.r Hass u Sig: Faust: werden wills Gott auf bevorstehenden Junium gantz gewiß hier wieder seyn und erwarttet, sie stehen alle beyde bey Ihr. Maj. in vollkommenen Gnaden unter gröster Distinction vor allen andern, die der Music wegen am gantzen

Hof sind.182 Der Herr Bruder will erst

erst urtheilen,

ob

es

noch warten und alsdann

wahr, daß kein Welscher

i4i

dem andern

getreu: Mein Schluß ist schon längst daß ein Welscher schon von Mutterleib an, noch in folio133, ehe es so mit ihm zur Blüte oder Frucht gekommen, arglistig, falsch, dückisch u interessirt ist, weiln er so schon empfangen und gebohren wird : will man ja das schöne Wörtgen: getreu an ihnen gebrauchen, so mögte man ohne comparais:13* das an sich getreue Thier, einen Hund sich vorstellen, der so gar sein gut naturell vergißt, wenn es auf das intered135 ankornt u sich deßwegen mit allen seines Ge schlechts herumpeißt: so ist revera13e ein Welscher mit seinem heucheln u schmeicheln, insonderh. wenn es aufs intered an körnt. Die Prob seh ich hier alle Tag, u kan der Wind nicht so

oft sich endern als deren ihre Freundschafft unter sich. Von dem Herrn Secret. Krause137 in Berlin habe noch nichts gehört noch gelesen, es könnte aber künfftig geschehen, wenn anders das große parturiunt Montes133, ich meyne das Werck einer neuen u allgemeinen Einrichtung der Music noch seinen Fortgang haben sollte, da er vielleicht die Feder führen u die Bolsen verschüßen wird. ich halte die beyden genannten Meister vor be sonders habiP30 viel nutzbahres zu schaffen, auch wol daß sie eine neue und sehr gute Einrichtung vor die NB Berlinische Music machen können, allein daß sie allgemein seyn soll, will mir nicht in Kopf; eben so wenig, aber daß Mathematische Entdekkungen die Bahn darzu eröffnen sollen. Ziefer-Wüßenschafften mögen wol zeugen von der Richtigkeit u guten Ordnung der Music, aber sie können das Leben, den guten Geschmack, und die von einer Zeit zur andern benöthigte Verenderungen und

Erfindungen nicht geben, da das Gehör die Verenderung liebt wie das Auge die Kleider Moden. basta. ich werde eine herz liche Freude haben wenn ich erleben sollte, daß das bereits zur Hand gelegte Papier zu der Music allgemeinen Besten von dem vor allen andern hierzu geschicktesten unvergleichlichen Herrn CapellMT Telemann ergriffen u emplqyrtl*0 worden. je höher und größer der Widerstand, desto größere Ehre ist dabey zu erlan gen. Es ist ohnlängst ein pihce herauskommen, das nennt sich den Critischen Musicum an der Spree, und es soll wöchentlich (nifallor)1*1 mit ein oder 2 Stück continuirt werden: ich halte davor das obiger Herr Secr. Krause dabey die Feder führe, ob 349

Herrn Mitzlern oder Herrn Scheibe142 im Verdacht haben will : die Sach ist im höchsten Grad Marckschreyerisch : ich hab zwar noch nichts davon geleßen, ujudicire1*3 nur daraus, was davon geredet worden, u in der Zeitung davon gestanden : darinnen die Herren Graun die Herren Benda u die Herren Bach erschröcklich erhoben sind144, daß auch wer nicht alle dem Beyfall gebe deutlich seine Mjdas Ohren145 am Tag legte : ich weiß nicht die expressiones solln noch viel härter seyn. ich weiß Gott lob wer die Herren Graun, u daß sie große Meriten1*6 haben, ich man gleich

weiß aber auch daß sie lang (doch sub rosa)1*7 unter meinen Händen geweßen.148 ich weiß was der Herr Benda ist, aber auch daß seine Brüder nur Scholaren und der eine noch in fieril*9 der andere aber von schlechter Hoffnung150: ich weiß wer der alte Herr Bach, daß er allerdings große Meriten hat151, ich weiß aber auch wer sein Sohn in Halle ist etc.152 worzu dienen nun solche Marckschreyereien, qui bene distinguit, bene docet153. Doch mich geht auch diese Wäsche nichts an, u ich kan davor Gottlob gar ruhig schlaffen, da ich auf Serieusere Dinge zu dencken Ursach habe, die ewig dauern.

Der Herr Mitzler hat auch neulich in der öffentlichen Zeitung unter dem articul von Konskie mit einrucken laßen : daß der ge lehrte D. Mitzler diesen u diesen braven Männern (die Nahmen u expressiones sind mir ausgefallen) das Diploma als neuen Mitgliedern etc. überschicket.154 darunter er auch den Herrn Quant^ öffentlich genannt, der doch schon vor länger als einem halben Jahr das zugeschickte Diploma zwar mit größter Höf lichkeit wieder zurückgeschickt. eben wieder Marckschreyerey. wie auch sich selbst vor gelehrt auszuschreyen. Wie hat doch die Welt das eitle so lieb und die garstigen Lügen so gerne! Nun was Lustigeres: des Herrn Music Director: Rheinholds einzige Jungfer Tochter hat den 14 huius15S sich verheurathet, an einen Organisten bey der S;t SophienKitchen allhier in Dreßden, einen annoch jungen Menschen156, damit sie einan der, da sie schon ziemlich an Jahren avancirt, nachgeben kön nen: Wie man sonst von poenitent^ Pfarren157 zu sagen pflegt, so mag es auch bey diesen Organistendienst heißen da er nicht über

80

Thl. abwerfen wird; indeßen bleiben

i/o

sie dem

Herrn

Rheinhold als Papa über dem Halß liegen, loghexi da, schlaffen da, und eßen und trinken da, und singen alle Woche: Er will uns alle etnehten. Das ist ihre gantze provision166 zusammen, und laßen sich auch nichts abgehen. ich wünsche daß nicht sieng allein der Mund, und daß es geh aus Hertzens Grund, so wer den sie sich auch nicht bettügen. Um nun recht vergnügt zu schließen, so weiß ich die Größe meiner Freude mit Wortten nicht genug auszudrucken die ich wahrhafftig gehabt, über die mir allererwünschteste Nachricht, daß der Herr Bruder am verwichenen 14 Mertz sein 68tes Jahr zurückgelegt u zwar bey solcher Leibes= und Gemüthsbeschaffenheit als kaum im

28.ten

geweßen. Gottes Güte sey davor hertzlich geprießen, und erhalte diesen von der gantzen Musicalischen Welt so hoch geachteten und um dieselbe sich schon längst verdient ge machten großen Lehrer und Meister noch sehr viele Jahre, und zwar in gleicher wie oben bemelder Leibes und Gemüths Beschaffenheit zum größten Ruhm und Ehren der lieben Music und zu gantz ausnehmender Vergnügung und Freude aller wahren aufrichtigen Freunde und Diener. fiat.169 Wie oben das 68.te

Jahr fast dem

28:(en

gleich geweßen, so laße auch der

gnädige Gott deßen 86:stes Jahr diesem angepriesenen 68:*en Jahr gleich werden. Anbey überschicke von denen verlangten

Erdgewächsen, was ich aufbringen können160, herzlich wün schend, daß nur etwas davon anstehen möge: da ich mich nicht selbst darauf verstehe, so habe einen ehrlichen und erfahrnen darüber gegeben, welcher mir auch nach drücklich verbiethen laßen, ja nichts benetzen zu laßen,welchem Gärtner

comission

ich auch folgen müßen. Übrigens ist schon alles bezahlt, und darf der Herr Bruder sich darüber weiter keine Sorge machen, und wo nur wenigstens etwas darunter anständig, so bin schon Satisfait161. Da es nun einmal hohe Zeit von meinem unnützen Geschmier aufzuhören, So recommendire162 mich zu Dero ferner gütigen Andencken und verbleibe in alter unverbrüchlicher Treue und Ergebenheit Meines verehrungswürdigsten Herrn Bruders ganz eigener Diener

/ G Pi

sende

l

[Randbemerkung

Pisendels:] beliebig so bitte um eine kleine Nachricht, wie die Sachen ankommen und ob sie auch dienlich sind, weilen ich sehr begierig danach.

Wenn

es

Liste der überschickten Pflantzen

No.

1.

Aloe Afr.folio in Summitate triang. Margaritis.163

2.





).









4.

J.

Serrata flore rubro. Succotrina folijs puncto tis in dorso. Zeylanica pumila folio variegatis.

Cereus Peruvianus Spinosus. —

6.



Sexangularis.

7. Euphorbium antiquorum verum. 5.

Tbytim(fi)lus

9. Ficoides

Afr.

ai^pides

Afr.




erecta terretifolia non

caule Squamate

Multipl.

nihil glanca Summitatibus

foliorum Spinosis, spinulis instellam dispositis. Aloe Afr. Margaritifera Medio.

10.

u.

Lan^aroli Rubro.

Dieses letztere ist mit seinem Erdreich und (Schirbre)164 zur beßeren Vorsicht ad Sustentation165 verwahret worden.

P. S. Die lieben

astra geben immer so eine gütige inßuent^166

als ich wünsche, so hoffe daß

wir beyderseits unsere Absicht,

diein der Unschuld besteht, erreichet haben werden. ut supra.167

118.

Johann Georg Pisendel an Telemann im

Jahre

1750168

Hert^ innigstgeliebtester Herr Bruder, Wahrer Hertzens Freund !

Billig sollte ich mich schämen diesen Titel zu gebrauchen, weiln ich dem Caracter einer wahren Freundschafft durch so langes Stillschweigen nicht allerdings nachgelebet; dennoch bin ich 3J2

zu bekennen, daß meine wahre Hochachtung vor Demselben, auch ohne Feder und Diente unendlich sey, und Ihm allerdings vor meinen grösten, alleredelsten und besten Freund halte, und Zeit lebens halten werde; ob ich nun gleich diesen groben Fehler begangen, der mir auch sehr leid ist, auch so verwegen, frey

bey so unruhigem Dienst, und so weitläufltigen Brief= Wechsel leichtlich vorfallen kan, so bin doch innigst überzeuget, daß

Herrn Bruders allzu noble Neigung gegen einen alten ehr lichen Diener nichts leichters überstehet, als ein Versehen, das ohne Malice169 oder Vorsatz geschehen, zumaln da ich gantz gehorsamst darum bitte. Vor die mir gütigst übermachte 2 Briefe den Kritischen Musicum betreffend170, dancke gantz ergebenst: Überhaupt habe von allen dem, was neuerlich an der Spree von der Music herauskommen ist, noch gar nichts geleßen, da ich allein aus dem, was etwann davon denen Zei tungen einverleibet worden, zur Gnüge ersehen wie /: doch sub rosa :/ lieb man auch zu Berlin das Eitle habe, und wie auch dort der Weitzen nicht ohne Spreu sey. /: zwar exceptis excipendisln:j Ob Finazzi der arme Goliath darzu aufgelegt, denen Teutschen Hohn zu sprechen, oder die Ital: Nation zu ver des

fechten, sehe noch nicht172, und um desto weniger, da seine eigenen Landsleute nicht viel aus ihm machen: Daß er soll

in Modena gewesen seyn, davon will hier kein Italiäner, ob sie ihn gleich kennen, nichts wüßen, sie sagen ein Lehr Meister kan er wol geweßen seyn, aber: ein CapellM.1 niemals ; wie sie denn im Brauch haben, daß wer ein Musicalisches Stück von seiner eigenen Composition aufführt so heist er Maestro, ob er gleich in keinem Dienst stehet, so auch wer einen informirt, heist Maestro, eben als wie hier in Sachsen ein jeder informator (abusive173) Magistet geheißen wird: Der rechten CapellMf aber gibt es blutwenig die den Namen führen dörfften oder können, und werden ihrer wol nicht 6 in gantz Italien seyn, als in Venedig. Rom. Turin, Milano, u vielleicht einer in Neapel: daß er aber ein Mitglied der Filarmonischen Gesell schaft seyn kann, thut nichts zur Sach, weiln die Welschen mir geantwortet, daß viele habile Männer, die keine Mitglieder, hingegen viele nicht habile, die gleichwol Mitglieder wären, und Capellmeister

23

Telemann,

Briefe

hätte izo gantz eine andere Beschaffenheit damit, als vorhin geweßen, nach allen Umständen, muß er sehr mediocre17* in seiner Wüßenschafft seinen Landsleuten

geweßen seyn, weil kein einziger von die doch überhaupt Brahler sind, nichts

Besonders von ihm machen. Die Antwort des Herrn Scheibe hat meines Bedunckens mehr Gutes, doch verdreusts mich, daß er unserm unvergleichlichen und nicht genug zu rühmen den Herrn Teleman, den ich wahrhafftig mit sehr großer Veneration175 Hand und Füße küße, und vor so iooooo Schönes hertz

lich dancke, nicht noch mehr

justice1"16

widerfahren

laßen.

es bey den weisen Ausspruch meines Hertzlieben Herrn Bruders, daß beyde nicht aus einer gerechten Absicht geschrieben, wenigstens aus keinen solchen Gründen, die die Leser von einer Wahrheit überzeugen könte, und daß hierzu ein Richter gehöre, der außerdem daß er ein gantzer Meister, auch das 8:'e Geboth im Catechismo wol auszuüben müße.177 /: Vom Herrn Scheibe mögte mir wol einen kleinen redt178 mir wünschen, weiln ich noch gäntzlich keinen Concept von ihm

indeßen bleibt

gesprochen wird als : die Bache, die Bendas etc. Wer der alte Bach geweßen weiß ich wol180, aber auch daß seine Söhne außer dem in Berlin181, habe; mich wundert, daß alles so

en general179

der auch sehr gut, ihm nicht das Waßer reichen; wenn er den alten Benda wegen seiner guten Violin auch niedlichen gusto

billich, in der Composition aber mit vielen hat er außer sehr wenigen Sinfonien etwan 3-4 nicht ge macht, und ich weiß gar wol, wie es damit zugegangen182: seine Brüder aber sind nur Scholaren. er nennt den Pfeiffer, davon habe wenig extra gutes gesehen.183 Mit denen Herren Grauens wird gemeiniglich eine Confusion, die schönsten u feurigsten mit Douceur melierten Sinfonien sind nicht von dem berühmten Herrn CapellM.r Graun sondern von seinem Herrn Bruder dem ConcertM.rls* so heißts auch der Graun wäre 2 mal in Solos zu setzen lobet, so ists

Welschland geweßen, nein, jeder nur einmal u zwar der ConcertM.r hat etliche Monath /: länger aber nicht :/ von M.r Tartini profitht, der CapellMf ist nur hineingeschickt worden, Sänger zu hohlen185, wie er mir damals aus Florentz geschrie ben, so hätte er unter etliche 60 Sängerinnen nur eine getroffen,

)J4

die gut musicalisch geweßen, und wie ihm der damalige Gusto189, so wol im Kirchen als Theatralischen. stilo in Italien gar nicht gefiel. Daß Tartini durch seine Anwesenheit in Praag187 gantz Böhmen musicalisch gemacht haben soll, ist falsch, er selbst war überzeugt, daß sein stiluslss in Deutschland nicht gefallen, deßwegen er wieder nach Welschland gegangen, sich 2 Jahr eingeschloßen und einen etwas andern stilum formht. ich weiß

viele von größten Italiänern die erst ihren stilum in Teutschland geendert u brillanter gemacht haben189, dahero mir das raisone-

welschen Meister gefällt, welches Heinichen in Notis seines General Basses re/eriret, wenn er ihn also redent ment190 eines

einführt: unsere Welsche Nation inclinirt von Natur mehr zur Dolcesga der Music, so gar daß sie sich offt hüten muß, nicht dadurch in eine Schläfrigkeit zu verfallen, die meisten Auslän der hergegen inclinhen von Natur allzuviel zur Vivacitet der Music, wodurch sie gar leicht in Barbarismum degenerhen. Wenn aber selbige sich die Mühe geben wollten, uns unsere Tendresse der Music zu rauben, und mit ihrer gewöhnlichen Lebhafftigkeit zu vermischen, so würde ein Tertium herauskommen, das aller Welt gefiehle.191Hier mögte ich wol sagen, wer ist zu dieser glücklichen Mi schung wol geschickter als die Teutschen ? ich darf weiter nichts hiervon melden, weiln ich ohndem wieder das decorum192 gehan delt, ich melde nur noch in Kürze, daß den 16. Octob.r unser Herr Weiß der vortreffliche Lautenist gestorben, ingleichen den 14. Novembf darauf unser unvergleichlicher Herr Panta leon™, also daß dadurch die Dreßdnische Music 2 ihrer größten Brillanten verlohren. Daß sich der Herr Bruder nicht mit den Porpora19* verworren, ist sehr wol gethan, Herr Scheibe hat ihm [!] sehr wol beschrieben: viel Geschrey wenig Wolle, er ist und thut hier gar nichts, und hat doch jährlich 1200 Thl. Besoldung. Wegen Herausgabe der Zelenkischen Sachen196 glaube ich nicht, daß große Vorsicht mehr nöthig, wenn man

nur nicht weiß, daß es von mir kommen ist. Gott bezahle den gerechten Eiffer überreichlich, sollte es aber mit einigen Verlust deßen so pretieusen196 Lebens seyn, so wünsche ich eher, daß ich niemaln darzu Anlaß gegeben hätte. ich bin und ersterbe meines 23*

Herzallerliebsten Herrn Bruders mit unaufhörlicher

Hochach

tung aller aufrichtigst ergebenster Diener

G. Pisendel) [Unterschrift mit Tinte durchge fast unleserlich] strichen