Sancti Aurelii Augustini De diversis quaestionibus ad Simplicianum

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Sancti Aurelii Augustini De diversis quaestionibus ad Simplicianum

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CORPVS CHRISTIANORVM Series Latina

XLIV

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CORPVS CHRISTIANORVM Series Latina

XLIV

A VRELII AVGVSTINI OPERA PARS XIII,

1

TVRNHOLTI TYPOGRAPHI BREPOLS EDITORES PONTIFICII

MCMLXX

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AVRELII AVGVSTINI

DE DIVERSIS QV AESTIONIBVS AD SIMPLICIANVM

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Almut MUTZENBECHER

TVRNHOLTI TYPOGRAPH! BREPOLS EDITORES PONTIFICII MCMLXX

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f, fln,~iritu mendacii per quem deceptus est Achab. 1} Bei der Beantwortung verweist Augustin auf 2,1,§ 4, wo er die Frage, ob Gott auch einen bösen Geist zu seinem Dienst heranziehen könne, bereits behandelt hatte, eine Frage also nach dem Verhältnis Gottes zum Bösen, die ein Angelpunkt in der Auseinandersetzung zwischen katholischen und häretischen Christen war. Deshalb möchte ich annehmen, dass diese Frage wieder zu den polemischen gehört.

Von Simplicians Fragen haben also nur Quaestio 2,4 und wohl auch 2,1 und 2,5 rein exegetischen Charakter. Die übrigen stehen in der Tradition der antihäretischen Quaestiones. In Augustins Antwort tritt dieser Aspekt weit zurück. Der Form nach entspricht die Behandlung der Quaestiones des 2. Buches ihrem Genus, für das u.a. auch ihre unterschiedliche Länge bezeichnend ist. Im 1.Buch jedoch mit den beiden Fragen zum Römerbrief, deren antihäretische Tradition sich so weit zurückverfolgen lässt, ist Augustin von dem vorgegebenen literarischen Genus abgewichen und zur fortlaufenden Exegese übergegangen. Erst nachdem er die ganze Perikope Vers für Vers ausgelegt hat, lenkt er die Aufmerksamkeit auf wesentliche Begriffe seiner Exegese und gelangt damit wieder in das durch Simplicians Fragen geforderte Genus zurück. Der Schluss von Quaestio 1,1 zu Römer 7 setzt sich, wie wir sahen, mit dem manichäischen Begriff des Gesetzes auseinander. 1) In den letzten drei Abschnitten von Quaestio 1,2 wird anhand eines Vergleichs von Römer 9 mit Sir.33,10-15 zuerst Gottes Erwählung allein aus Gnade als Resultat von Augustins Exegese hervorgehoben und dann von daher Antwort auf die Fragen nach dem freien Willen und nach Gottes Gerechtigkeit gegeben. 3) So weist uns die Form ebenso wie die Behandlung der in der Tradition mit diesen beiden Perikopen verknüpften Fragen darauf hin, dass hier erst der Schluss Augustins Antwort auf die von Simplician gestellten Fragen enthält. 2. Buch 1 im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des Paulus in der abendländischen Theologie des 4. Jahrhunderts. 4) ( I) 2, 6, 1. I. (2) 1, 1, § 15-17. (3) 1, 2, § 20-22. (4) Die Formulierung nach CAMPENHAUSEN Hans von, Lateinische Kirchem,ältr, Stuttgart 2 1965, wo auf p. 10 und 152 in aller Kürze Wesentliches über dieses Problem gesagt ist.

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EINLEITUNG

XV

Warum aber ist Augustin bei der Beantwortung der beiden Fragen des ersten Buches von dem vorgegebenen literarischen Genus abgewichen und, besonders bei der zweiten Frage, so ausführlich geworden, dass er sich dafür bei Simplician entschuldigen zu müssen glaubte ?1) Weil es um den Römerbrief ging ; und der betraf Augustin deshalb, weil er eng mit seiner Bekehrung verknüpft war, 1) ganz persönlich. Simplicians Frage zu Römer 9 wurde der Anlass dazu, dass Augustin nach langem Bemühen um den Sinn dieses Kapitels•) hier endlich zu einer ihn befriedigenden Interpretation gelangte.') Er hatte erkannt, dass der Mensch von sich aus nichts vermöge, sondern in allem ganz auf die Gnade Gottes angewiesen sei. Diese neue Einsicht, in seinen späteren, besonders den antipelagianischen Werken weiterentwickelt, hat eine tiefgreifende Wirkung auf das abendländische Christentum ausgeübt. Das Neue dabei sind nicht so sehr seine Gedanken über Sündenstand, Glaube und Gnade im einzelnen, als vielmehr die Konsequenz, mit der er das seiner Intention Entsprechende übernahm und zu einem einzigen Komplex zusammenfasste. Eine intensive Beschäftigung mit Paulus hatte im Westen um die Mitte des 4. Jahrhunderts eingesetzt. In dem halben Jahrhundert von etwa 360 bis 410 ist eine ganze Kette lateinischer Pauluskommentare entstanden, 6) während es bis dahin lateinische Kommentare nur zum Alten Testament, vorwiegend zur Genesis und zum Psalter, sowie zu den Evangelien und zur Apocalypse gegeben hatte. Wie es zu diesem plötzlich erwachten Interesse kam, ist ein komplexes Problem. Wir können hier nur auf die Ursachen eingehen, die unser Zusammenhang erkennen lässt. Eine Ursache ist im vorigen Abschnitt bereits angedeutet worden. Die Manichäer stützten sich als treue Gefolgsleute Marcions in ihrem Kampf gegen das Alte Testament vornehmlich auf Paulus und argumentierten mit seinen Aussagen über das (1) cf. 2, 6, 1. 2.7/32.• (2) cf. p. XVIII. (,) cf. I, I, 1. 6/11. (4) cf. den der Edition voraufgcschickten Text von r1lratl. 2., 1, 3; prad. saMI. 4, 8; p,rs,11. 20, 52; 21, s,. (s) Von den nach ,6o verfassten Kommentaren des Marius Victorinus sind uns die zu Gai., Phil. und Eph. erhalten. Verweise darin lassen es jedoch als möglich erscheinen, dass Victorinus alle Paulusbriefe kommentiert hat; cf. BENZ E., Mari111Vit1ori1111S 1111d die En1111itlt:/ung dtr abmd/ändis,hm Wi/lmsmtlaphysill, Stuttgart 19,2, p. 2.2. Schon vor Ende 384 sind ebenfalls in Rom die Kommentare des Ambrosiastcr zu allen Briefen ausser Hehr. entstanden, 386 in Bethlehem zu Gai., Eph., Titus und Philem. die Kommentare des Hieronymus, der die Absicht gehabt hatte, alle Paulusbriefe zu kommentieren; cf. Hum. i11Eph. lib. 2., Pracf. Auf Augustins Kommentare (siehe unten p. XIX, n. 4) folgten dann noch vor 410 diejenigen des Pdagius zu allen Briefen ausscr Hehr.

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EINLEITUNG

XVI

Gesetz, soweit sie ihre Ansicht darin bestätigt fanden. 1 ) Die Sekte hatte sich im Westen ausgebreitet und wurde bald nach der Mitte des 4. Jahrhunderts schon als eine solche Gefahr angesehen, dass kaiserliche Gesetze gegen sie erlassen wurden. 2) Der Kirche fiel die Aufgabe zu, sich mit ihrer Lehre auseinanderzusetzen. Ein wesentliches Thema dabei war die Paulusexegese. Über den akuten Anlass hinaus, sich mit der manichäischen Exegese einzelner Verse befassen zu müssen, 8) entstanden auf katholischer Seite sogleich fortlaufende Kommentare der paulinischen Briefe, in denen die polemische Absicht jedoch nur mehr oder weniger deutlich hervortritt. 4) Zur gleichen Zeit wurde der Neuplatonismus durch lateinische Übersetzungen des heidnischen Rhetors und Philosophen Marius Victorinus 6) breiteren Kreisen im Westen bekannt. Dieser Victorinus bekehrte sich zum Christentum. Die einzigen exegetischen Schriften, die er als Christ verfasst hat, waren Pauluskommentare. Spuren einer antimanichäischen Tendenz zeigen sie nur selten. 8) Hier waren paulinische Vor( 1) Eine Darstellung über Paulus bei den Manichäern, die alles vorliegende Material berücksichtigte, gibt es nicht. Als nützliche Vorarbeiten vergleiche etwa : MoNcEAux Paul, Le Manichien Fauslus de Mile,,. Reslil11tionde ses Capitula, in :

Mlmoires de /'l,utilul National de France, Acadl111i1 des ln.rcriplionstl &/les-Llttr1s, Bd. 43, Teil 1, Paris 1933, p. 1-111 ; BöHLIG Alexander, Die Bibelbeidm Mani&häern, Diss. (Maschinenschrift), Münster 1947; Christliche Wurz.einim Mani&häismus,in : Bulletin de Ja S«iltl d'Archlologie Copte 15, 1958/6o, 41-61; FRENo W.H.C., The Gnostic-Mani&haean Traditionin Roman North Africa, in : The JournalofEule1ia1tical Hislory 4, 1953, I 3-26; RIES Julicn, La Biblechez.saint A11gusli11 el &hez.les 111anichlm.t, in : Revue des Etlllks Augmtinimnes 7, 1961, 231-243; 9, 1963, 201-215 ; 10, 1964, 309-329 mit reichen Literaturangaben ; PuEcH Henri-Ch., Saint Paul chez. /es Manichlm.t d' Asie Centrale, in : Proteedingsof the IXth InternationalCongrm for th, History of Religions,Tokyo & Kyoto 1958, Tokyo 1960, p. 176-187. -Als Quelle wichtig sind in diesem Zusammenhang die Fragmmla Tebestina 6-13 (PLS 2, 1382/88). (2) cf. DE STOOP Ern.,Essai .rur Ja diffusiondu 111anichlis1111 dans/'1111pir1 romain = Universill de Gand, Rec11eilde lravaux publ. par la f a,11/tlde phi/01ophieet leltres 38, Gand 1909 - über die Manichäer in Rom p. 120-144; GAUDEMETJean, L''Eglis, dan1/' tmpire romain(IVesiitles) = Histoire du Droil el des lnslil11lionsd, /' ~gli11 m Ouidmt 3, Paris 1958, p. 617-619. (3) Vor dieselbe Aufgabe, eine häretische Paulusinterpretation durch eine orthodoxe zu widerlegen, sah sich schon Irenaeus gestellt ; cf. haw. 4, 41, 4. (4) Vergleiche ausser den oben, p. IX-XI, zu Rom. 7 und 9 angeführten Stellen - um nur einige Beispiele zu nennen - bei MARIUSV1cTORINUSin Gai. z, 19 (n65C) ; in Phil. 2, 6-8 (12088) ; bei .AMBaosIASTER in I Cor. 1, 2 (194C) ; in 2 Tim. 3, 6-7 (5 21A) ; bei AuGusnNUs in Gai. 46 (2138) ; in Rom. 49 (2073). (5) cf. SEJOURNEP., Viclori11111 Af,r, in : Di&tionnair,de Thlologie Catholitp#, Bd. 15, 2, Paris 1950, c. 2887-2954, und die Einleitung von HADOTPierre, Mari111 Vittori1111s, Traiti1 Thlologiquessur la Trinitl, Paris 196o, p. 7-89, mit der Bibliographie auf p. 91-92, dazu CouRCELLEP., Les Confessions••. Antl,ldents tl PostlriJI (cf. p. XX, n. 3), p. 69-74. Zu seinem Verhältnis zu Paulus cf. GoRE C., Victori11111 (6), in : Dictionary of Christian Biography, 1887, p. I 129-1138, besonders p. II 37s ; HARNAC~ Dogmmguchi&ht,,Bd. 3, p. 33-36, und SEJOURNE,1. c., 2943/6 : La foi et la gricc. (6) Siehe n. 4.

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EINLEITUNG

XVII

stellungen in neuplatonischem Sinne relevant geworden, und Paulus wurde mit neuplatonischer Begrifflichkeit gedeutet. 1) Daneben aber tritt uns hier in ersten Ansätzen ein grundlegend neues, man möchte fast sagen paulinisches Paulusverständnis entgegen, mit dem Gewicht auf den Themen Rechtfertigung, Glaube und Gnade. 1) Diesem Neuartigen begegnen wir wieder in dem so ganz anders gearteten, eher stoisch gefärbten Werk des Ambrosius. 3) Vereinzelte Aussprüche sind denen des Marius Victorinus verwandt, ohne dass wir eine Abhängigkeit feststellen könnten. Ambrosius zeigt uns in einer breit ausgeführten Deutung des Benjamin auf Paulus, dass er ihm als Verkünder des Evangeliums den Vorrang zuerkennt.') Dennoch hat er keine exegetischen Werke zu Briefen des Paulus geschrieben, sondern nur in verschiedenen seiner Werke einzelne Verse oder längere Abschnitte ausgelegt. 6) Eine Tendenz konnten wir dabei nur seiner Behandlung von Rom. 7 in De I acob anmerken, die sichtlich auf die Manichäer ausgerichtet ist. 1) Voll entwickelt finden wir das neue Paulusverständnis bei Augustin, jedoch nicht gleich nach seiner Bekehrung, sondern erst hier in dem Simplician gewidmeten Werk, der ersten Schrift aus seiner Bischofszeit. Bereits als Manichäer hatte Augustin sich mit Paulus beschäftigt ; zumindest hatte er sich die manichäischen Paulus betreff enden Behauptungen zu eigen gemacht, dieser widerspreche sich selbst und stimme mit dem Alten Testament nicht überein. 7) Diese manichäischen Vorurteile zu überwinden, dazu verhalf ihm die neuplatonische Lehre, 8) die er in einer der letzten und wichtigsten Etappen, (1) Siehe besonders in Eph., z.B. bei der Erliuterung von Eph. 1, 4 (1238/1242). (2) cf. in Gai. 3, 22 : ut faks sola l,su Christi sufli,ial ad iuslifttantJ111111 /ibwaliOM1111f111 IIOStram(1172B) ; - in Phil. 1, 29-30 : Pro ipso (sc. Christo) igihlr do1111111 nobis""1il, 111,rtdamus in 111111(1203A), cf. in Eph. 1, 19-20 (1249B). Daneben finden sich aber auch Äusserungen wie in Eph. 2, 16 : Noslrtml pmeia1II nibil 111,llisi solN111 ,rlller, tpd supwa11il0111nia (1259AC), cf. in Epb. 2, 8 (1256A); -in Epb. 1, 14: Et gralia,sl fJ11tU1111rit11111 nostr11111 : Mitramim 111,ri/11111 111111111S 111ag,um,, qllOda&tipihlr: glorill ,i,u III qui prtUstitil, non1iN1qlli a&e1pit (1247A). : (Phil. 1, 29); (3) pamil. 1, II, 49 : QlltUfol,s d,i dotum, 111,si,111bab,s 1mp111111 cf. ib. 1, I 1, 48 zu I Cor. 12, 9 ;- Cain II Ab. 1, 7, 27 : Vnd, bm, apostolusqutui /1gi1inlwprts nongloriabal11rin llir/11/1sua, 11d111ini11111111 11 apo110/or11111 1111dit1bal 11 tpnt(Jllid1111IgratitU di11ina,11s1non 111wilisui nibi/qu, nos babn-1qllOdnon atteperi11111S. habes.•. zu I Cor. IS, 9s und 4, 7; in LN,. 1, 10 : •.. Cbrisl,u, tpd Q11idmim if11J11il, 111id q11odbON111J esJ nobis q11oq111 bon11111 uidui poss,t op,ra111r ,· 'fl#1II mi111111i11ral11r 11 Den ganzen Paragraphen hat Augustin später in antipelagianischen Schriften zitiert ; - cf. HARNACK, Dogmmgmhithle, Bd. 3, p. 47. sos. (4) Joseph8, 44-13, 76 ; 13, 76 : Praet1llil igihlr Pt111l11S 11mu,XIIIHralporlio, s,d lamm bab,nt tl alii pratdi,ator,s graJilJIII Jlllllll. (s) So z.B. epist. 7 (Maur. 37) über I Cor. 7, 23 ; ,pist. Maur. 73 über Rom. 4, s ; S, 19s; 7, 7s; Ja,.1, 4, 13-16 über Rom. 7, 7-25. (6) cf. p. X. (7) eonf. 7, 21, 27; cf.,. Adi111.1 ; ,. Ftlll.tl. 11, 1 ; 30, 1-4; 31, 1-2. (8) ,onj. 7, 20, 26-7, u, 27.

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EINLEITUNG

XVIII

welche zu seiner Bekehrung führten, in den von Marius Victorinus übersetzten Schriften kennenlemte. 1) Die neue Erkenntnis packte ihn im Innersten. Dennoch verlor er das Christentum nicht aus dem Blick. 2) Es drängte ihn, die neu gewonnenen Einsichten mit der Bibel zu vergleichen. 3) Zunächst griff er zu Paulus.') Wir wissen, dass er in der kurzen Zeit bis zu seiner Bekehrung den Galaterbrief gelesen hatte, also gerade den Brief, auf den sich seit Marcion die Feinde des Alten Testaments - und unter ihnen die Manichäer - vornehmlich beriefen, 5) und den Römerbrief, wo er schliesslich das erlösende Wort fand, angefangen hatte. 6) Bei dieser vermutlich ersten intensiven Beschäftigung mit Paulus 7) tritt die Motivation des Interesses durch Neuplatonismus und Manichäismus8) deutlich hervor. Was aber diese Lektüre damals für Augustin bedeutete, lässt sich wohl kaum mehr feststellen ; denn eingehend darüber berichtet hat Augustin erst 12-15 Jahre später in den Confessiones ;9) und dort beurteilt er das Ereigni nach seinem neuen, erst bei der Beantwortung von Simplicians Fragen gewonnenen Paulusverständnis. Hält man den Abschnitt aus den Confessiones aber mit den kürzeren bald nach der Bekehrung verfassten Berichten 10 ) zusammen, so zeichnet sich doch wenigstens so viel ab, dass Augustin damals bei Paulus sowohl theoretische Einsichten 11 ) als auch praktisch-ethischen Rat für sein Leben suchte. 12 ) Bei Paulus fand er die von ihm als wahr erkannten neuplatonischen Einsichten über Gott und sein Wort wieder, doch durch neue Erkennt(1) ,onf. 7, 9, 13; 8, 2, 3. (2) ,. acad. 2, 2, , : C11111 ,cce tibi libri q11ida111 ... incredibileincmdi11111 t0ntilar1111I . ... Respexi lamm, ,onftteor,quasi de itinere in illam religionem,quae pueris nobis insila 1st 11 medullitus inplicala; uer11111 aulem ipsa ad se nes,imlem rapiebat. Itaque tituba,u properam haesitansarripio aposto/umPaulum. (3) beal. uit. 4 : L,clis aulem Plotini pau,issimis libri.r,•.. ,onlataquec11111 eis, (JIIIJlll11111 sit exarsi... potui, etiam i//orum au,torilale, (Jllidiuina mysteria tradider1111t, (4) cf. n. 2; conf. 7, 21, 27. (,) &onj.8, ,, II. (6) conf. 8, 12, 29. (7) conf. 8, 12, 29 : (Ponticianus) /orte supra mensam lusoriam, quaeflllle noserat,

adtmdil codi,em: 111/il,aperuil, inuenilaJ>oslo/11111 Pau/11111 •••cui egocum indicassemillis 1111 scripturiscurammaximam inpendere,ortus esl sermo.•• ; cf. , . a,ad. 2, 2, s (siehe p. XIX, n. 1). (8) cf. ALLGEIER Arthur, Der Einfluss des Mani,häiJ11Jus auf die exegetischeFragttttllung bei Augustin, in : Ame/ius Augustinus, Festschrift der Görresgesellschajl z.11111 1,00. Todestage,hg. von GRABMANN M. & MAusBACH J., Köln 1930, p. 1-13. Ein Kenner wie Alexander BöHLIG schreibt in : ChristlicheWurz.eln... (cf. p. XVI, n. 1), p. 61 : Vielleicht kann man seine (Augustins) intensive Beschäftigung mit Paulus auch aus Anregungen seiner manichäischen Zeit erklären. (9) conf. 7, 21, 27. (10) ,. acad. 2, 2, ,-6; beat. uit. 4. (11) ,. acad. 2, 2, , und beal. uil. 4; siehe die Zitate von n. 2 und 3. (12) ,. acad. 2, 2, , (Fortsetzung des Zitats) : Neque enim uere,inquam,isti tanta potuissenl uixissmlque ila, 111eos 11ixi1semanifeslum esl, si eorum lillerae atque rationes huit tanlo bonoaduersarmlur; cf. util. ,red. 17, 35.

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EINLEITUNG

XIX

nisse ergänzt und vollendet. 1) Andererseits aber las er Paulus auch auf höchst persönliche Art, indem er, so heisst es später in den Confessiones, an sich selbst das Gelesene überprüfte.') Seine ihn tief betreffende und zur Entscheidung drängende Entdeckung - so erschien es ihm zumindest aus späterer Sicht - war das Beispiel der in Christi Menschwerdung verkörperten Demut, das den Kleinen offenbart, den Weisen jedoch verborgen war (Matth.11,25). 3) Damals aber kann Augustin die Absolutheit der Forderung nach Demut noch nicht erkannt haben; denn seine Paulusexegesen der folgenden Jahre') zeigen, dass er im Glauben immer noch ein Verdienst des Menschen sah. 6) Erst bei Beantwortung von Simplicians Fragen gelangte er auf Grund seiner eingehenden Interpretation von Römer 9 zu der Einsicht, dass der Mensch alles, auch den Glauben, allein der Gnade Gottes zu verdanken habe. Damals hat er das Pauluswort Quid habes quod non accepisti (I Cor.4,7) in seiner ganzen Tragweite erfasst. 8) Man kann also sagen, dass Augustin erst als Bischof die letzten Konsequenzen seiner Bekehrung innerlich vollzogen hat, dadurch dass er die vollständige Abhängigkeit des Menschen von Gott anerkannte. Diese aus dem Römerbrief gewonnene Einsicht eröffnete ihm den Sinn seines Lebens. Und so hat auch Paulus, insbesondere der Römerbrief, den Bericht seines Lebens in den Con/essiones wesentlich geprägt. 7) Von der Entwicklung des neuen Paulusverständnisses treten nur einzelne Punkte hervor. Als zwei Ursachen der neuen Auffassung haben wir den Zwang zur Auseinandersetzung mit den Manichäem erkannt sowie die Affinität, welche Neuplatonismus und Christentum der damaligen Zeit zu haben schienen. Jedoch bleibt vieles offen, vor allem der (1) eonf. 7, 9, 13-1j; 7, 21, 27 : EI eo,pi 11 iflllffli,tplidtpddilla&Nml11I J1g,ra111,ha& ,onmmdation, gralia, 111111 di,i {p. 1 jO, I 3-1J) ; ,. a&ad.2, 2, j-6 : ••• tll"ripio

am,

aposto/11111 Pa11/11111 ••• Perltgi 10111111inlmlissi1111 altp# easli1si1111. T1111t 1#1"0 tpll#ll11/oe11111qu, i4m /11111int asptrsolanla st mihi phi/osophiae fa,i11 aperuil,11I••• 111111 IÜmo,,slran pohd111111. Das Wort ,astissi1111 bezieht sich, so möchte ich annehmen, darauf, dass Augustin jetzt als Christ Paulus las und nicht mehr als Manichicr. (2) eonf. 8, j, 1 I : Sie int1//tgeba111 1111ipso 1xperi111mlo id qtlOlll,g,ram, f/ll01llodo u,ro tontll/Jisterlladtier1111 spiri/11111 •••(Gai. j, 17). (3) ,onj. 7, 9, 13-14; 7, 21, 27; 8, 2, ,. (4) di111r1. IJ""'II. 51. 66-73. 76 (nach 388); i11Rom., in Gai., in Ro•. i111pn-J. (394/391). (j) diuers.(JIIIJIII. 66, 7 : Nttpl6 ltx mala tsl, IJ""' oslmdil ho111ini in (J1lib,u P,ttalonm,

llin&11/is iattal, 111per fakm i111ploralo liberalorisaJIXilio11 so/lli 11 trigi tl ftrmissi1111 1onslit11i111ereal11r ,· in Rom. 6o : Q11odtr._t,o eru/i111,unoslrllm 111,· qtlOllt111l1111 bOIIIIIII operam11r i//ius qlli tredmlib111 in II dat 1piril11111 sane/11111,· cf. relra&I.1, 23, wo Augustin diese und ähnliche Aussprüche beanstandet. (6) cf. 1, 2, § 9; r1trael. 2, I, 3 ; prauusl.Santi. 4, 8. (7) Man denke nur an die Bedeutung von Begriffen wie gralia, do1111111 (1111111111), «eiptr,, •istri,ordia, NOtaliofür das Werk. Siehe im übrigen die im Jnd,x tmtloNIIII zu den Confmiones angeführten Stellen.

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XX

Anfang. Eine Herkunft der neuen Paulusinterpretation aus dem Osten ist wohl auszuscheiden. Zwar gab es dort den Römerkommentar des Origenes, und seit dem Anfang des 4. Jahrhunderts entstanden weitere griechische Pauluskommentare, doch lag das Gewicht auf anderen Themen als im Westen. Paulus galt vor allem als Theologe geistlichmystischer Erkenntnis, der Gottesschau und Reinheit des Lebens. 1} Ob nun aber wirklich Marius Victorinus, der erst in hohem Alter zum Christentum übergetreten war, 1) als Initiator der grundlegend neuen aus Paulus gewonnenen Erkenntnisse anzusehen ist ? Wir wissen es nicht. Doch können wir das Bild noch ergänzen. Wenn auch nie deutlich greifbar, so steht doch ein Mann mit allem, was wir zu dem neuen Paulusverständnis angeführt haben, in Verbindung : Simplicianus. 8) Deshalb müssen wir näher auf ihn eingehen. Unsere Kenntnis über ihn stützt sich, da er allem Anschein nach schriftstellerisch nicht hervorgetreten ist,') vornehmlich auf Augustins Bericht in den Confessiones sowie auf vier von Ambrosius an ihn gerichtete Briefe. 6) Die wenigen äusseren Daten, die wir daraus entnehmen können, sind folgende. Über Ort und Zeit von Simplicians Geburt haben wir keine Nachricht. Doch war er 386 mindestens 60 Jahre alt, ist also im ersten Viertel des Jahrhunderts geboren, wie Augustins Angabe in den Confessiones zeigt : iam uero tune senuerat. 8) Schon in früher Jugend hat er als frommer Christ gelebt. 7} Er war von scharfem Verstande, bewandert in der heidnischen Philosophie. Aus theolo-

(1) cf. CAMPENHAUSEN Hans von, Lateinisch, Ivr,hen11ät1r,Stuttgart 1 1965, p. 1~2. (2) HIER. uir. i/1. 101 schreibt über Victorinus : EI in extr1111asnu,tule Christi

se tradensjidei. (3) cf. T1LLEMONTL.S. Le Nain, Ml111oir1s pour s~ir ä l'histoir, 1ttllsiastiq111 des six premiers si1,les,Bd. 10, Paris 1705, p. 397-401. 558; CouRCELLE Pierre, Rether,h,s sur /es Confessionsde saint Augustin, Paris 1950, p. 168-174. 2ns; L,1 Confessio,u d, saint Augustin dansla tradilion/ittlraire. Antlcldents et postlritl, Paris 1963, p. 40-42. 59-67; PAREDI Angelo, S. Ambrogio, la sua etä, Milano 1 1960, p. 167. 18j. 515s. Traills thlo/ogi(Jllls sur la trinitl, Bd. 1 = 520 ; HADOTPierre, in : Marius Victori1111s, Sources Chretiennes 68, Paris 1960, p. 12-18 ; SoLIGNACAime, in : Lu Confessions, lib. 8-13 = CEuvres de saint Augustin (Bibliotheque Augustinienne), Bd. 14, Paris 1962, p. 530-533. (4) Siehe den Abschnitt über Simplician bei GENNAD. uir. ill. 37 (R1cHARDSON). (5) ,onf. 8, 1, 1-8,5, 10; AMBR. epist. 2. 3. 7. 10 ( = Maur. 65. 67.3 7.38) ; cf. AuG. ,pisJ. 31; quaest.Simpl. lib. 1 praef. ; 1, 2, § 1 ; lib. 2 praef. ; 2, 2, § 1 ; lib. 2 conclusio; tiu. 10, 29; PAUL.MED. tJitaAmbr. 46. 49. (6) conf. 8, 1, 1; cf. ,iu. 10, 29 : a sancloseneSimpli&iano.PAUL.MEo. uila Ambr. 46 bezeichnet ihn beim Tode des Ambrosius 397 als aeui maluru.r. (7) ,onf. 8, 1, 1 : Et inmisisti in mentem meam 11is11111q111 esl bonum in ,onspe,111 meo pergeread Simplitianum, qui mihi bonusapparebatstrllUStuu.ret lucebalin eogratia tua. Allllieram ,tiam, quod a iuuentutesua deuolissimetibi uiu,ret ,· iam uero tun, senueratet longa a,tat, in .tam bono studio sectandaeuiM IIIIU 11111/ta ,xp,rtu.r, 11111/ta edoctusmihi 11idebatur: et uer'esi&eral.

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XXI

gischem Interesse hat er weite Reisen gemacht. 1) Dass er um 354 längere Zeit in Rom gelebt hat, wissen wir ; denn dort stand er Marius Victorinus bei der Annäherung an das Christentum bis hin zur Taufe (vor 354) 1) als Freund zur Seite. 1) Etwa zwanzig Jahre später finden wir ihn in Mailand wieder, bei der Taufe des Ambrosius am 30. November 374 als pat,em i·n accif,ienda g,atia.') Was mit dem Wortpate, hier auch gemeint sein mag, jedenfalls hebt es Simplicians Bedeutung auch für Ambrosius hervor. Im Jahre 386, als Augustin in seiner inneren Bedrängnis ihn um Rat fragte, war Simplician in Mailand. Er drängte Augustin durch den Bericht von der Bekehrung des Marius Victorinus zur Nachahmung und verfehlte seine Absicht nicht. Daraufhin bedurfte es nur noch eines letzten Anstosses zu Augustins eigener Bekehrung. In den Confessiones erwähnt Augustin nur diese erste Begegnung. Aus einer Bemerkung in De ciuitate dei wissen wir jedoch, dass weitere folgten. 6) Wie vertraut beide miteinander waren, geht aus dem Begleitschreiben zu dem Simplician gewidmeten Werk hervor. Nach dem Tode des Ambrosius am 4. April 397 und vor dem 28. August desselben Jahres ist Simplician Nachfolger des Ambrosius als Bischof von Mailand geworden. 1) Ob er vorher Priester gewesen ist, lassen die Quellen nicht erkennen. 7) Während seiner kurzen Amtszeit hat er das Ansehen des Mailänder Bischofssitzes zu erhalten vermocht. Das geht aus Briefen, die an ihn gerichtet waren, sowie aus Konzils-

(1) AMBa.,pist. 2 {Maur. 65), 1 : S,J (Jllid111q,wJ ipn IUlbilu 11 a nobis r,q,dras. 11 odq,d,-llllk#tognitiOllisditmltllgrolia 10111111 orb1111 pwagrtllMU,1 ,otlil/ü,,w l1tli01lin«hmus "' dillnlis Ni,ib11101ll1II11ilM hlli,u l1111j)IIS d,p11ltJl#ris,tUri prMswli111 ingmio tliam inte/Jegibi/ia,onplttlms, 111po1, fJlli 1tit1111pbilosophiMlibros, fJIIIIIIIa lllrt> ,11111jiMi

si111 d,Nii, d,111onstr•1soleas II p/,rosf/114lt1111 i11111Us 1111, 111pri,u sml,mhllll m nds smplis 111'1110fJIIIIIIIllila I01'11111defet,ril. (2) cf. CouaCELLBP., L,s Conf11sio,u •••Alltl,ldmts 11 posllrill (cf. p. XX, n. 3),

p. 5S7s. (3) ,onj. 8, 2, 3-8,4, 9. (4) ib. 8, 2, 3. Dass nicht Simplician die Taufe vollzogen hat, geht aus PAUL. Mim. llila Ambr. 9 hervor : po1111/mn1""" 11 llisi a ,alholi,o ,pistopo d,J,,r, btzplitllri ,· cf. PAIUIDI A., S. Alllbrogio, Ja 11111lla,p. 185. Dort auch über das Taufdatum. (5)

10,

29.

(6) Zum Todesdatum des Ambrosius cf. DtmDEN F. Hornes, Tb, Uj, 1111d Ti111u of St. A111bro11, Bd. 2, Oxford 1935, p. 491, n. 1. -In den Akten des Konzils von Karthago vom 28.8.397 wird Simplician schon als Bischof bezeichnet; cf. MANs1 J.D., Saeror11111 tontilior11111 ,ollttlio, Bd. 3, Fircnze 1n9, col. 738. (7) Den Adressen der von Ambrosius an Simplician gerichteten Briefe ist nichts zu entnehmen, da beidenNamen keine Bezeichnung des Ranges beigefügt ist. -Augustin setzt ,onj. 8, 1, 1-8, 5, 10 keinen Titel zu dem Namen des Simplician. Auch in ,i11.10, 29 führt er Simplician, als er von der Zeit um 387 spricht, wieder nur mit Namen an, fügt jedoch als nähere Bezeichnung hinzu : qlli poslea Mlllio"'1,msi 1ttluio, prtlUldil epis,ojJ#S.- Paulinua nennt ihn in llila A,,,br. 46 nur mit acincm Namen, obwohl er zu den Namen der vier Minncr, die über die Nachfolge des Ambroaiua berieten, auadtücldich hinzufügt : '""' di«o,,i.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 3) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 6) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. TRID. ad Simplic. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5-397; ANAST.I ad Simplic. (= HIER. episl. 95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANs1, l.c, col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUTE.-Ch., Le conci/ede Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Venerius; cf. MANSI, l.c., col. 763. (3) cf. AMBR.epist. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. conf. 8, 2, 3 : Na"aui ei (sc. Simpliciano) circuitus erroris mei. Vbi aulem conmemoraui/egisse1111

quosdam/ibrosP/atonicorum,quos Victorinusquondam,rhetorurbis Romae, quemchristiaf11111'1 defunctumeue audieram,in /atinam /inguam lranstu/isset,gratulatus est mihi, quod non in a/iorumphi/osophorumscripta incidissemplenaf allaciarumet deceptionumsecundum e/ementahuius mundi (Col. 2, 8), in istis autem omnibm modis insinuari deum et eius uerbum. (4) cf. HOLTE Ragnar, Blatitude et sagesse.Saint Augustin el /e problemede Jaftn th J'hommedans /a philosophieancienne,Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (5) cf. WoLFSON H.A., Philo. Foundations of Re/igious Philosophy in ]udaism, Christianity, anJ ·Js/am, Bd. 1 = Structure anti Growth of PhilosophieSystemsfro111 Plato to Spinoz.a2, Cambridge Mass. 2 1948, p. 17-27. 107-n3. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praescr. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Siinplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Hamack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäem. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6 ) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dogmmg11,hi,bt1, Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. H· (2) Aloa. ,pist. 7 (Maur. 37), 1-3 : •.. dllttlari t, inn11111Uti 111ihi,,11111alitpdd tl,

Pa11/iapo110/i1,riptis tora111 poj)lllo ad di1pNtandmnadnmler6111, qllOd1i111 pro/"""""1 in in 1enlenliisaNdien/1111 erigal, diip11tanlemaumdat, ,on.riliiJNix ,onpra1hmdat11r, 1Nbli1111 111111 qt1iain plerillJIIIila s, ip1a mi.r exponat ser111onih111, NI iJ, qui lraclal, nihil inumial, qllOdadi,ial S1111111,tJ& 1i 111/ilaliqNiddi,er,, grlllllmatiti 111agis IJUll1IIdi1j>Nlaloril f1111gal11r 111,mw,. Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit Simplician geschrieben ist, weiss man nicht. (3) lat. I, 3, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. 3. (s) htal. Nil. 4; cf. p. XVIII, n. 3.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 8) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (t) VIGIL. Tam. ad Si111pli,.über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5-397; ANAsT.I ad Si111pli&. (= Hma. epi.rt.9j) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen; Akten der Korwle von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, I.~ col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Lt con,i/e dt Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Venerius; cf. MANSI, l.c., col. 763. (3) cf . .AMBR.epi.rl.2 (Maur. 65), I (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. conf 8, 2, 3 : NflN'a11iei (sc. Simpliciano) &irt11ilmerroris mti. Vbi a11t1111 ton111emora11i /egi.rse1111 (JIIO.tdamlibro.rPlalonicor11111, quo.rVi&torin11s q11onda111, rhetorurbi.rRomae, que111 christia"11111dt/1111&111111 esseaudiera111, in lalina111 /ing11a111 lran.rluiissel,gratu/a/111erl 111ihi,qllOd non in a/ior11111 philosophoru111 s&riptaincidis.re111 plma fallatiar11111 et m,epliON1111 smmt/11111 1/t111mtah11im111,mdi (Col. 2, 8), in islis a11lt111 0111nibm 111odi.r insiNlllf'im11111 et ti,u 111rb11111. (4) cf. HOLTE Ragnar, 13/atillllket sagme. Saint A11g11.11in tl le probli111t dt la ftn th /'ho111111e dans la philo.rophiean&imne,Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (s) cf. WoLFSON H.A., Philo. Foundalions of Religio11.r Philo.rophyin ]udai1111, Chrislianity, anti l1/a111,Bd. 1 = StrucJurt anti Gro111th of Philo.rophi& Syste1111 jr0111 Plato lo Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-113. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. prae.rcr.7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Siinplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6 ) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäern bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dog,,,mgmhi,ht,, Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. 33. (2) Awea. tpisl. 1 (Maur. 37), 1-3 : ..• delttlari 1, in.ri1111a1li mihi, """ aliq,dd d, P1111/i apostoli striplis ,oram poj>Nload di.rp11lt1ndll111 ads11111trt111, qllOdtius pro/""""'11;,, tONiliis uix ,onprathtndalur, sublim, in stnltnliis auditnltm triJ!.al,di1p11lanltmautndal, ""'1 (Jlliain plerislJIIIila 11 ipsa .ruisexponal strmonibus, 11/is, qui Jra,lal, nihil in11mial, IJIIOd adi,ial S1111111, tl& .ri 111/iJ aliquid dicert, grammatiti 11101.is q11a111 dispulaloris/11n1,alll1' 11111Mr1. Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit Simplician geschrieben ist, wciss man nicht. (3) lat. 1, 3, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. 3. (s) btal. llil. 4; cf. p. XVIII, n. 3.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 4or muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 3) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 6) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. Tam. ad Simplic. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5-397; ANAsT. I ad Simplic. (= HIER. epirt. 95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origcnes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANs1, l.½ col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen; cf. BABUTE.-Ch., Le contilede Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Venerius; cf. MANSI,1.c., col. 763. (3) cf. AMBR. episJ. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. conf. 8, 2, 3 : Nan-aui ei (sc. Simpliciano) circ11iJ111 erroris mei. Vbi aute111 conmemorauilegisse111• IJIIOSdam librosP/aJonicor11111, quos Victorinusq11onda111, rhetorurbi1Romae, q11e111 chrisliamm, de/1111&/11111 esseaudieram,in lalinam linguam transtu/issel,grat11/at111 est mihi, quod non in alior11111 philosophorumscripta incidissemplenafallaciarum et deception11111 secundtm, 1/ementahuius mrmdi (Col. 2, 8), in istis autem omnibm modis in.rinuaride11111 eJ ei,u 11erb11111. (4) cf. HOLTERagnar, Bealitudeet sagesse.Saint Augustin et Jeproblemede Jaftn d, /'homme dans Japhilosophieancienne,Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (5) cf. WoLFSON H.A., Philo. Foundalions of Religious Philosophy in judaiJ111, Chrislianity, and Islam, Bd. 1 = Structure and Growth of PhilosophieSystems from Plato to Spinoz.a2, Cambridge Mass. 2 1948, p. 17-27. 107-113. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praescr. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Siinplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1} war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2} Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3 } In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6 ) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dogmmgeschi&ht,, Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. B· (2) AMBR. ,pist. 7 (Maur. 37), 1-3 : •.• dtlttlari lt insilllldlli 111ihi,e,1111aliqllid tJ,

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 8) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. Tam. ad Simpli,. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5-397; ANAST.I ad Simplic. (= HIER. epist. 9s) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, l.c, col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Lt ,ontile de Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Vcnerius; cf. MANSI,l.c., col. 763. (3) cf. AMBR. epist. 2 (Maur. 6s), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. ,onf. 8, 2, 3 : NflN'aui ei (sc. Simpliciano) ,irc11il11s erroris mti. Vbi aulem ,onmemorauilegisse1111 IJIIOSdam librosPlaloni&or11111, q11osVictorin11sq11ondam, rhelorurbis Romae, q11em,hrisliamm, de/1111&111111 esseat«Üeram,in lalinam /ing111J111 lrans/11/issel, gratulal11sesl mihi, qllOd non in alior11111 philosophorumscripla in,idimm plenaf allatiar11111 et tkcepliomm,seclllUUIIII 1/tmenla huim mtmdi (Col. 2, 8), in islis aultm omnibm modis in.riflllllf'ide11111 et ei,u uerb11m. (4) cf. HoLTE Ragnar, Blalillllk el sagme. Saint A11gmlinet le problemede Jafo, tk /' hommedans la philosophiean& ienne,Paris 1962, besonders p. 145s. 18s s. (5) cf. WoLFSONH.A., Philo. Fotmdalions of Religio11sPhilosophy in ]llllaillll, Chrislianily, and Islam, Bd. 1 = Str11clureand Growlh of Philosophi, Systemsfro111 Plato lo Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-n3. 1ss-1s,. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praes,r. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Sitnplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 1) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dogmmgmhi,hle,Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. H· (2) AMBR. ,pisl. 7 (Maur. 37), 1-3 : ..• tklttlari lt ituilllldSJi mihi, ,11111 aliqllill d,

Pa11/iapostoli striplis ,oram pojJll/oad di.tpulandllmad.rumtrtm, quod tius profll1UUIIII ;,, tonsiliis uix ,onprathendalur,111blimein senltnliis auditnltm triJ!.al,di.rpulanltmaamdal, 111111 tp1iain pltrilq111ila 11 ipso s11isexponat 1tr111onib111, 11/ is, qui lraclal, nihil inumial, tp«>dadi,ial 11111m,a, si 111/italiquid diurt, gra111111atüi ma!,Üq11a111 dispulalorisfun!,alur """'"'· - Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit SimpJician geschrieben ist, wciss man nicht. (3) Ja,. 1, 3, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. 3. (j) btal. llil. 4; cf. p. XVIII, n. 3.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 8) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. Tam. ad Simp/ic. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5-397; ANAsT.I ad Simpli&.(= Hma. epi.rl.95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANs1, l.c, col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Le ,on,ile tk Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Vcncrius; cf. MANSI, l.c., col. 763. (3) cf. AMBR. epist. 2 (Maur. 65), I (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. conf. 8, 2, 3 : NtlN'a11iei (sc. Simpliciano) circuilm errori.rmti. Vbi a11temconmemora11i ltgisse 1111

quosdamlibrosPlalonicorum,quos Viclorinusquondam,rhelorurbis Romat, qmm chrislia1111111 tkfuntt11111 esseamlieram,in /alinam /inguam lranslulissel,gra111/a1111 esl mihi, quod non in a/ior11111 phi/osophorums&riplaincidissemplenafa/la&iar11111 et deceplionumsttllfll»IIII 1/emmla hui111mundi (Col. 2, 8), in islis a11lemomnib111 modis insi1111ari d,11111et eius uerbum. (4) cf. HOLTE Ragnar, Blatitlllk et sagesse.Saint Aug111linet Jeproblemed, /a fa, M l'hommt dans /a philosophieancimne, Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (5) cf. WoLFSON H.A., Philo. Foundalions of Religious Philosoph_yin judaiJ111. Cbrislianity, anti Islam, Bd. 1 = Stru,ture and Growth of PhilosophieSystemsfro111 Plato to Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-n 3. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praes,r. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Siinplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Hamack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1} war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2} Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3} In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dog,,,mgmhi,hlt, Bd. 3, p. ,6, in n. 1 von p. 33. (2) AMBR. tpisl. 7 (Maur. 37), 1-3 : •.• delttlari lt insi11111Uli mihi, tllll/ aliqllitJd, Ptlllli apostoli striplis ,oram populo ad disp11lt11UUJ111 ads11111trt111, quod eius profundlllll;,, tonriliis uix ,onpraehtndalm-, sublime in stnltnliis audimltm tri1,al, diJpulanltm autndal, hlm quia in pltris(JIII ila 11 ipsa suis exponal strmonibus, 11/ is, q11ilraclal, nihil inumial, tJIIOd aditial Sllum, a, si uelil aliquid dittrt, grammaliti ma1,ir q114111dispulaloriI fun1,altll" Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit Simplician geschrieben ist, wciss man nicht. (3) lae. 1, ,, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. 3. (s) btal. Nil. 4; cf. p. XVIII, n. 3.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 4or muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt.') Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. Tam. ad Simpli,. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.j-397; ANAsT.I ad Simpli&.(= Hma. epi.rl.95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origcnes zu verurteilen; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, l.c; col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Le ,ontile de Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Vcnerius; cf. MANsI, l.c., col. 763. (3) cf. AMBR. epist. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. ,onf. 8, 2, 3 : Narraui ei (sc. Simpliciano) circ11il111 errori.rmei. Vbi autem conmemoraui/egisse1111 quosdam/ibros Platonicor11111, quos Victorinus qllOfldam,rhetorurbis Romae, quem chrisliafllllll tkf1111tt11111 esseaudieram,in lalinam /ing11a111 lran.rtu/i.rset, gratulatus ul mihi, qllOd "°"in a/ior11111 philosophorumscripta imidissemplenafalla&iarumet dmpliomm, seclllllUIIII 1/ementahuim 111,mdi (Col. 2, 8), in islis aulem 0111nib111 modis in.rinuaritk11111 et ei,u uerb11111.

(4) cf. HOLTE Ragnar, 13lalitt«ket sagem. Saint Augustin et Jeproblime de la ftn tk l'homme dans /a philosophieantienM, Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (5) cf. WoLFSON H.A., Philo. Foundalions of Religious Phi/osophy in Judaism, Chri.rlianity,and Islam, Bd. 1 = Structure and Growth of Phi/osophi, Systems jr0111 Plato to Spi110z.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-n3. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praescr. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Sitnplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 1} Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäern bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dog,,,mgmhi,hle, Bd. ,, p. 36, in n. 1 von p. 33. 111ihi,'11111 11/iq,ddd, (2) AMBR. episl. 1 (Maur. 37), 1-3 : ••• ,u/utari 11 insi111111Jli Ptlllli 11po110/i uripli.r ,oram populo ad di.rpultmdN111 ads11111n-t111, qNOd1i111 prof """"11, ;,, tONiliis uix ,onpra1htndal11r,.rublimein Jtnlenliis audimltm trigal, dispulanltm aumdal,

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libros Platonieorum,q1101Vietorinusquondam,rhetorurbis Romae, q111111 ehrisliadefun&/11111 esse audieram,i11/atinam lingtlllllllranstulisset,gratulatus est mihi, quod non in alior11111 phiJosophorumsmpta ineidiJJ1111 pJma fa/latiar11111 et due.tJtion11111 11&11111#1111 ,Jemmta hui111mundi (Col. 2, 8), in istis a11tem0111nib111 modis insiNlaf'i de11111 11 ei,u uerb11111. (4) cf. HOLTE Ragnar, 13/alitudetl sagtJJt.Saint Augustin tl /1 probJemede Jaftn ,u /'ho111111e dans Japhilosophiet111&imne, Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (s) cf. WoLFSON H.A., Philo. Fotllldalionsof R1/igio11sPhi/osophy i11 ]llllaiS111. Cbrislianity, and Islam, Bd. 1 = Stn«ture and Gro•th of Phi/osophi, Systems jrOIII Plato lo Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-113. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praeser. 7. (JIIOJdam

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Simplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2 ) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäcm. 3 ) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6 ) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuw~isen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dogmmgmhithlt, Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. B· (2) AMBR. tpisl. 7 (Maur. 37), 1-3 : ... tklulari lt in.1i11M1Jsli mihi, '""' aliquiJ ,ü Pa11Jiaposloli striplis toram populo aJ disp111andli111 ads11111n-t111, quod tius pro_(und11111 i11 tONiliis uix ,onprathtlllkJlur, subli1!lt in stnltnliis audimltm tTl,P,t1I, di1/mlanlu'1 aatndal, ""'1 quia in pltristp11 ila 11 ipsa ruis txpnnal strmonibur, ul ir, qui lraaal, nihil in11mial, quodaJitial n111m, a, ri utlil aliq11iddicrrt, Jl.rammalüi ma_r,isqua111di1pulalnri1 (11n_p_alur Ob dieser Brief vor oder nach Au~ustins Bc~cgnung mit Simplician geschrieben ist, wciss man nicht. (3) Ja'- 1, J, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. ,. (s) btal. 11il. 4; cf. p. XVIII, n. J.

1IINMrt.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 8) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. TRID. ad Simplic. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.s-397; ANAsT.I ad Simpli&.(= HIER. tpirt. 9j) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, l.c, col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Le tontilt de Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Venerius; cf. MANs1,l.c., col. 763. (3) cf. AMBR. epist. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. eonf 8, 2, 3 : Narra11iti (sc. Simpliciano) ,imlillls erroris mti. Vbi a11tt111 tonmtmorauiltgim 1111 IJIIOSdam librosPlatoni&or11111, quos Vittorinus q11onda111, rhttor urbis Romae, qutm ,hrisliat111111dt/1111&111111 esst audieram,in lalinam /ing111J111 transtulisset,gratulatu.resJ mibi, quoll non in alior11111 philosophorumstripta incidissemplma falla&iar11111 tl dmpliON1111 stt11111#1111 1/tmenla buiu.rmundi (Col. 2, 8), in istis tlllltm omnibu.rmodis insiflllaf'idt11111 ,t ,i,u uerbum. (4) cf. HOLTE Ragnar, Blatitudt tl sagmt. Saint Augustin tl le problt111t de la ftn l'bommt dans la pbilosopbiellntimne, Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (s) cf. WoLFSON H.A., Pbilo. Foundations of Religious Pbilosophy in ]udaiS111, Cbristianity, and Islam, Bd. I = Strutlure and Growtb of PhilosophieSyslt1111 jr0111 Plato to Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-113. 1s5-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. praes,r. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Simplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine En vähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 5 ) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäern bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung 1

(1) Dog111mgmhichlt,Bd. 3, p. ,6, in n. I von p. B· (2) AMBR. tpisl. 7 (Maur. 37), 1-, : ... tklutari lt in1i1U11J1li mihi, """ aliq11id,u Pa11/iapo110/i1,riplis ,oram pop11/oad di1pulandN111 ads11111trtm, q11odti111prof,md11111 i,,

tonsiliis 11ix ,onprathtnda/11r,sublimt in unltnliis audimltm rn)!,al, di1pulanlrm aatndal, l11111 quia in pltrisqt11ila 11 ip1a ruis txponal 1trmonib111,11Iis, qui lraclal, nihil in11mial, f'IOdaditial m11m,at si utlil aliquid dictrt, f.rammalüi ma_t,iIqua111di1pula/oriJ f,111,t,ahtr 11111Mr1. Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit Simplician geschrieben ist, weiss m:m nicht. (J) Ja,. 1, ,, 9-1 ,6, 26 ; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. ,. (5) btal. 11il. 4; cf. p. XVIII, n. ,.

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 1) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 8) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 8) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. TRID. ad Simp/i,. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29-M97; ANAsT. I ad Simplit. (= HIER. epi.rl.95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origcnes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, l.c, col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Le eoNile de Tllrin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Vcnerius; cf. MANs1,l.c., col. 763. (3) cf . .AMBa.episl. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. ,onf. 8, 2, 3 : NflN"fllliei (sc. Simpliciano) eirellilm errori.rmei. Vbi t111le111eonmemorauilegi.r.r,1111 (JIID.tdam libro.rPlatonieorum,q110.tVielorinus qllOfldam, rhelorurbis Romae, quem,hri.rliafllllll dejUnt/11111 es.reaudieram,in latinam lingllll11I lran.rtu/isset,gratulalu.rerl mihi, quod non in aliorumphilo.rophorum .reriplaimidi.r.r,111 plma falla&iar11111 el dmpti01111111 .ree11111#1111 1/emmla hllius mtmdi (Col. 2, 8), in i.rtis flllltm omnibus modi.rin.rinuarideNIII11 eius uerb11111. (4) cf. HOLTE Ragnar, Blalitude el .ragem.Saint Augustin et Jeprobltme de la ftn M J'ho111111e dan.rla philo.rophiean& imne, Paris 1962, besonders p. 14ss. 18 ss. (s) cf. WoLFSON H.A., Philo. Fotmdation.rof Religiou.rPhilo.rophyin ]udai.t111, Chri.rlianity,and Islam, Bd. 1 = Stn«t11r1and Growlh of Philosophi, Sy.rlemsfro111 Plato lo Spinoz.a2, Cambridge Mass. 1 1948, p. 17-27. 107-113. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht; cf. prae.rer.7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Simplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Harnack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1} war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte ; und das erweckt den Eindruck, als sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor.') Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 5 } Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Do„111m1,mhühtt,Bd. ,, p. 36, in n. 1 von p. B· (2) Awaa. tpist. 7 (Maur. n), 1-3 : ... tklutari lt iniinuasli mihi, ,11111aliq11idM

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ERNST ZINN z.1111160.

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Gebm-lstag

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VORWORT Diese Ausgabe ist dank der Finanzierung durch die DEUTSCHEFORSCHUNGSGEMEINSCHAFT möglich geworden. Professor W. ScHNEEMELCHER/Bonnhat ihr gegenüber zwei Jahre lang die Verantwortung dafür getragen. Dann ist Professor G.N. KNAUER/Berlin an seine Stelle getreten. Beiden Herren möchte ich lebhaft danken für das Interesse und die entgegenkommende Hilfsbereitschaft, die sie meinen Angelegenheiten trotz der starken Inanspruchnahme durch ihr Amt an der Universität jederzeit erwiesen haben. Auch von anderer Seite ist die Arbeit gefördert worden : Professor Knauer hat ein Seminar über das Werk gehalten und dazu das Manuskript dieser Edition benutzt. Auf Fragen, Anregungen und Vorschläge von ihm und den Teilnehmern seines Seminars hin konnte es mehrfach ergänzt und verbessert werden. Herr Fritz GEBHARDT/Göttingenhat wesentlich zur Klärung der im zweiten Abschnitt der Einleitung behandelten Fragen beigetragen, und Herr Peter BROWN/Oxford hatte die Freundlichkeit, denselben Abschnitt im Manuskript kritisch durchzusehen. Fräulein Doris EPPERLEIN/Stuttgart hat im Vetus-Latina-Institut in Beuron Bibelzitate überprüft; die Herren Dr. Eberhard BARTSCH/Köln,Jürgen BRANDES/ Göttingen und Jörn Rüdiger IHDE/Hamburg haben Bibliotheksarbeiten in Göttingen und Hamburg für mich erledigt. P. Dr. T. VANBAVEL/Heverlee war so freundlich, die Liste der Ausgaben und Übersetzungen zu ergänzen. Herr Roel VANDERPLAETSE/Brügge hat das mühevolle Korrekturlesen mit bewundernswerter Akribie bewältigt. Ihnen allen danke ich aufrichtig für ihre bereitwillige Hilfe. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Damen und Herren an verschiedenen Bibliotheken in dankenswerter Weise auf meine Fragen und Wünsche eingegangen sind. Hamburg, im Juli 1969

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EINLEITUNG I. Das Werk in der Tradition. I.

Das Werk im Zusammenhang mit dem literarischen Genus der Quaestiones.

Das von Augustin Simplicianus, dem Nachfolger des Ambrosius, gewidmete Werk gehört zu den Quaestiones et Responsiones, diesem nach Form und Inhalt weit gefassten literarischen Genus,1) im engeren Sinne zu den exegetischen Quaestiones. Diese leiten sich von der Homerexegese her. Auf die Bibel übertragen hat sie zuerst Philo bei seiner Exegese des Pentateuch, 2 ) die allerdings fast schon die Form eines fortlaufenden Kommentars hat. Das erste erhaltene christliche Werk mit Fragen zur Bibel sind die Quaestiones ueteris et noui testamenti CXXVII des Ambrosiaster (etwa 370-375). Den christlichen exegetischen Quaestiones liegen gewöhnlich einzelne Bibelverse, deren Auslegung umstritten oder schwierig war, oder sich widersprechende Verse zu Grunde. Die Fragestellung geht oft bis auf die christliche Gnosis des 2. und 3. J ahrhunderts sowie auf Marcion zurück ; und so gehören denn auch die exegetischen Quaestiones bei den Christen wesentlich in den Bereich der Auseinandersetzung zwischen Orthodoxen und Häretikern. Da die späteren Häretiker ihre Argumente meist dem Arsenal ihrer Vorgänger entnahmen, sind verschiedene Quaestiones immer wieder aktuell geworden. Sie stehen mit ihrer polemischen Argumentation in einer festen Tradition. Simplicians Fragen, die der Anlass für das Werk waren, sind uns nicht erhalten. 3) Auf Grund von Augustins Wiedergabe zu Anfang der einzelnen Quaestiones sowie nach der Tradition können wir uns jedoch eine Vorstellung davon machen. Quaestio I,I zu Rom.7,7-25. Den genauen Wortlaut der Frage lässt Augustins Wiedergabe nicht mehr erkennen. Da es sich jedoch eindeutig um eine Quaestio handelt, 4) ist so viel klar, dass Simplician nicht einfach um eine fortlaufende Auslegung des Abschnittes gebeten haben kann, sondern unter ( 1) Als Literatur dazu cf. BARDYGustave, La littlral11repatristique desQuaeslion,s 11 Responsionessur l'E,rilure sainte, in : R111ue Biblique 41, 1932, 210-236. 341-369.

SI5-B7; 42, 1933, 14-30. 21I-229. 328-352, und DöRRIE Heinrich & DöRRIBS Hermann, in : Reallexikon für Antike und Chrislen/11111, Bd. 6, Stuttgart 1966, '42-370, s. v. Erotapokriseis, mit weiteren Literaturangaben. (2) Nur in lateinischen und armenischen Fragmenten erhalten. (3) Zur Zeit des Gennadius muss es den Brief noch gegeben haben ; cf. llir. i/1. 37 (RICHARDSON): Est eim epistula proposilio1111111, in qua inlerrogandoquasi di.r,ilurus dotel do,torem. (4) 1, 1, 1. 19. - Angaben wie diese, ohne Nennung von Autor und Werk beziehen sich auf q11a4.rl. Simpl. (Buch, Quaestio und Zeile).

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EINLEITUNG

X

einem bestimmten Gesichtspunkt gefragt haben muss. Einen Hinweis darauf gibt uns Augustin durch die Art, wie er den ihm von Simplician vorgelegten Abschnitt des Römerbriefes kennzeichnet. Er führt nicht nur den ersten und den letzten Vers an, wie es ja nahe läge und wie er es bei der zweiten Frage auch tatsächlich tut,1) sondern er zitiert auch noch Vers 21. Diesen Vers hat Augustin nicht wie den Anfangsund Endvers wörtlich wiedergegeben, sondern ihn aus : INVENIO ERGO LEGEM MIHI VOLENTI FACERE BONVM, ZU : IGITVR LEX VOLENTI MIHI BONVM EST, umgebildet und dadurch die Antithese zu dem ersten Vers : LEX PECCATVM EST, her-

vorgehoben. Dem gegenüber scheint ihm der letzte Vers, den er durch die etwas vagen Worte et cetera credo usque ad illud einführt, in diesem Zusammenhang minder wichtig gewesen zu sein. 2) Augustins Wiedergabe der Frage zielt also auf einen vermeintlichen Widerspruch in den Aussagen des Paulus über das Gesetz. Und gerade auf diesen Widerspruch geht Augustin in den letzten drei Paragraphen seiner Antwort ein. Hier setzt er sich polemisch mit der Behauptung der Manichäer auseinander, Paulus habe mit dem Worte lex zwei verschiedene Gesetze gemeint : wenn er etwas Gutes davon aussage, das Gesetz Christi, im abwertenden Sinne das Gesetz der Juden. In diesem Widerspruch, so scheint es, haben wir den Kern von Simplicians Frage zu suchen. Bestärkt wird diese Annahme durch die Tradition der Exegese von Römer 7. In demselben Sinne wie hier hat das Kapitel schon in der Auseinandersetzung der orthodoxen Christen mit Marcion ein Rolle gespielt. 3) Später behandelt Ambrosius in De Jacob 1,4,13-16 (wohl aus dem Jahr 386) die Verse 7,7-25 mit der ausdrücklichen Absicht, auf zwei Fragen') zu den scheinbar widersprüchlichen Aussagen über das Gesetz in Vers 13 zu antworten : Quomodo bonum mandatum, quod mihi mors est ? und : Quomodo non mihi mors quod per bonum licet mihi operatum est mortem ?6) Auch bei Augustin selbst führt uns die Behandlung von Rom.7,7-13 mitten in die Auseinandersetzung mit den Manichäern 6} und mit einer den Marcioniten verwandten Sekte. 7} Ebenso wendet sich Pelagius bei der Auslegung von Rom.7,7 und 12 gegen die Manichäer. 8} Dass jedoch die ganze Perikope 7,7-25 in der Auseinandersetzung mit den Manichäern zur Debatte stand, (1) 1, 2, l. 3-8. (2) 1, 1, J. 14-19. (3) cf. TERT. adu. Mar,. S, 13, 12-15.

(4) Er gebraucht dafür das Wort propositio {p. 14, 12; 15, 18), einen anderen l,rminus letbnitta für das Genus. (s) p. 13, 1ss ; 14, 16s. (6) ,. Faust. 15, 8 (a. 397/400) und serm. 153 (a. 418). (7) ,. adu. leg. 2, 7, 28 (a. 421). {8) in Rom. 7, 7, PLS 1, 1142 (vor 410).

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EINLEITUNG

XI

bezeugt Hieronymus. In epistula 121,8 (um 407) nimmt er bei seiner Beantwortung der Frage nach der Bedeutung von Rom.7,8 Stellung zu der von den Verächtern des Gesetzes vorgebrachten Deutung und zieht zu dem Zweck das ganze Zeugnis - totum testimonium - heran. Quaestio 1,2 zu Rom.9,9-29. Bei der zweiten Frage hat Simplician ausdrücklich um die Auslegung der ganzen Perikope gebeten : tota ipsa contextio disseratur.1) Welche besondere Absicht er damit verband, erkennen wir aus Augustins Wiedergabe der Frage nicht. Hinweise darauf müssen wir in der Tradition suchen. In Marcions Bibel fehlte das ganze Kapitel ; er hat es also, vermutlich seines alttestamentlichen Gehalts wegen, verworfen. 2) Origenes zieht Rom.9,16-21 dort heran, wo er den freien Willen des Menschen gegen Häretiker verteidigt3.) In demselben Zusammenhang behandelt auch Ambrosiaster die Verse 9,16 und 9,18 4 ) und Augustin selbst bei einer früheren Auslegung des Römerbriefes die Verse 9,11-13 und 9,15-21. 6 ) Ebenso war die Frage nach Gottes Gerechtigkeit im Hinblick auf die Erwählung Jakobs und die Verwerfung Esaus zu einem umstrittenen Thema geworden. Origenes erklärte sie durch deren Verdienste und Sünden in einem früheren Leben. 6) Hieronymus fürchtete, bei der Beantwortung einer Frage nach dem Sinn von Rom.9,14-19 durch Verteidigung von Gottes Gerechtigkeit in die Ketzerei des Basilides und der Manichäer zu verfallen. 7) Beide Themen sind auch Augustin bei seiner Antwort an Simplician wichtig. Als einziges Anliegen nennt er bei der Zusammenfassung des Inhalts in den Retractationes die Verteidigung des freien Willens : J n cuius quaestionis solutione laboratum est quidem pro libero arbitrio uoluntatis humanae, sed uicit dei gratia;8) und er beschliesst seine mühevolle Behandlung der Frage nach Erwählung und Verwerfung ganz im paulinischen Sinne mit der Verteidigung von Gottes Gerechtigkeit durch den Hinweis auf die Unerforschlichkeit seines Waltens. Dass auch Simplicians Frage auf diese Themen zielte, oder zumindest auf eines von beiden, ist also wohl anzunehmen. Zu Simplicians Fragen zu den Büchern der Könige erfahren wir aus der Praefatio von Buch 2, dass er um eine Auslegung nach dem Litteralsinn gebeten hat. (1) I, 2, 1. 8. (2) cf. TERT. adu. Marc. 5, 14, 6. (3) princ. 3, 1, 8-24; cf. in Rom. Praef. (PG 14, 833A). (4) quaesl. lest. n (a. 370/5). (5) in Rom. 60 und 62 (a. 394/5). (6) cf. princ. 2, 9, 7. (7) epist. 120, 10 (a. 407). (8) 2, I, 3•

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EINLEITUNG

XII

Quaestio 2,1 zu 1 Reg.10,10 und 16,14. Die Frage bezieht sich auf zwei scheinbar einander widersprechende Bibelstellen. Sie lautet: Quomodo dictum sit: Et insiliu,it spiritus domini in Saul, cum aUbi dicat: Et spiritus domini malus in Saul. 1 ) Zwar könnte man sich gut vorstellen, dass Häretiker, die das Alte Testament ablehnten, Orthodoxen diese verfängliche Frage vorgelegt hätten, doch habe ich nirgends eine solche Quaestio gefunden. In lateinischer Sprache hat es sie wohl auch kaum gegeben; denn keine der im Vetus-LatinaInstitut zu den beiden Zitaten gesammelten Stellen weist in der Formulierung auf eine Quaestio hin. So bleibt ungewiss, ob Simplician die Frage in polemischer Absicht oder aus exegetischem Interesse gestellt hat. Quaestio 2,2 zu 1 Reg.15,11. Hier gibt Augustin an, worauf es Simplician bei seiner Frage ankam: Qitomododictum sit: P eni t et me quod constituerim regem Saul. Quaerisenim ... , quomodo peniteat aliquid deum, in quo sit omnis frraescientia.2) Ähnlich hatte schon Marcion gefragt, der Gottes Reue als Zeichen der Wandelbarkeit und mangelnder Voraussicht ansah und daraus schloss, der Gott des Alten Testamentes könne nicht derselbe wie der des Neuen sein : Sie et paenitentiam apud illum praite interpretaris, quasi proinde mobilitate uel improuidentia, immo iam ex delicti recordatione paeniteat, quoniam quidem dixerit : paenituit, quod regem f ecerim Saul, praescribens scilicet paenitentiam confessionem sapere mali operis alicuius uel erroris.8) Auch weiterhin hat die Frage im Kampf zwischen Orthodoxen und Häretikern eine Rolle gespielt. Wir finden sie z.B. später noch einmal bei Augustin,') dann bei Gregor dem Grossen 6) und im Griechischen bei Pseudo-Justin 6) und Theodoret. 7) Simplician wird hier also nach Argumenten zur Widerlegung häretischer - zu seiner Zeit manichäischer - Einwände gegen das Alte Testament gesucht haben. Quaestio 2,3 zu I Reg.28,7-19. Augustin gibt Simplicians Frage so wieder : V trum spiritus immundus qui erat in pytonissa potuerit agere, ut Samuel a Saule uideretur et loqueretur cum eo.8) Diese Perikope ist von der Zeit des Origenes an bis (1) 2, I, 1. 24-26. (2) 2, 2, 1. 1-5. (3) TERT. adu. Marc. 2, 24, 1. (4) ,. adu. leg. 1, 20, 40-42; 2, 10, 35 (a. 421). (s) in I Reg. 6, 2, 7 (PL 79, 421/2). (6) quaesl. et mp. 36 (PG 6, 1246). (7) quatsl. in I Reg. 32 (PG 80, 557/6o); cf. ÜRIG./r. p. 297s). (8) 2, 3, 1. 1-3.

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Reg. 4 und

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~,

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XIII

ins 8. Jahrhundert immer wieder behandelt worden. 1) Bei den Griechen waren die Homilie des Origenes sowie die Entgegnung des Eusthatius berühmt ; bei den Lateinern haben Ambrosiaster1) und Filastrius 3) vor Augustin die Frage behandelt. Er selbst hat sie später in De cura pro mortuis gerenda4) noch einmal wieder aufgenommen. Worum es dabei ging, zeigt die Formulierung des Origenes: dp' ovv €l o T1J~"KovTosv7To rTJv .... (S. 0 't. , ,, Y'}V ,1v Ka1, aVYJyay€v avTov 17 €yyaurp1,µv os, €sovu1,av €X€L Sa,µov1,ov if,vxfjs 7rpoq,1771,Kfjs; 5) oder etwa die des Filastrius (a. 383/391) : Quomodo itaque anima impia piam sanctamque animam... poterat ab in/ eris excitare ?6) Es geht also um die Macht des Bösen über das Gute, ein Argument, mit dem Häretiker versuchten, das Alte Testament unglaubwürdig zu machen. 7) Mit derselben Frage stellt sich auch Augustin im Verlauf seiner Abhandlung in die Tradition : Quod si hoc mouet, quod licuerit maligno spiritui excitare animam iusti. 8} Dass Augustin mit diesen Worten Simplicians Anliegen wiedergibt, wäre von der Tradition her durchaus möglich.

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Quaestio 2,4 zu 2 Reg. 7, 18. Bei Augustin lautet sie: Quid sit quod scriptum est: lntrauit rex David et sedit ante dominum.9) Claudius Taurinensis hat sie später als rein exegetische Frage verstanden. Das zeigen die einführenden Worte zu der exzerpierten Quaestio in seinem Kommentar zu den Büchern der Könige. 10 ) Auch Augustins Antwort enthält nichts, das auf einen polemischen Charakter der Frage schliessen liesse. Eine Quaestio über dieses Zitat habe ich ebenso wie über diejenigen der beiden folgenden Fragen sonst nirgendwo gefunden. Quaestio 2,5 zu 3 Reg.17,20 heisst bei Augustin: De uerbis beati Heliae qu1·busait: 0 domine, testis huius uiduae, cum qua ego inhabito apud ipsam, tu male f ecisti, ut occideres filium eius. 11} Das Zitat hätte Anlass für eine verfängliche Frage zum Alten Testament geben können, doch mag sie auch nur auf einer exegetischen Schwierigkeit beruhen. Wenigstens zeigt Augustins Antwort keine Spuren von Polemik, von denen man auf eine Tendenz der Frage schliessen könnte. (1) cf. WASZINKJ.H., Ter/111/iani De anima, Amsterdam 1947, p. 582s. (2) quaesl. lest. 27. (3) baer. 26, 1-2. (4) 15, 18 (um 424). (5) in 1 Reg. 28, 2 (GCS 3, p. 284, 20-22). (6) haer. 26, 2, 1. 11s. (7) cf. ÜRIG. in I Reg. 28, 3 (GCS 3, p. 284, 26 - 285, 7). (8) 2, 3, 1. l 7s. (9) 2, 4, 1. IS. (10) in Reg. 2, 5 (PL 50, 1089B) : Quid in ha, sessioneinte//egendllm es/. (11)

2,

S, 1. 1-3.

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XIV

Quaestio 2,6 zu 3 Reg.22,19- 23 lautet : De spiritu mendacii per quem deceptus est Achab. 1} Bei der Beantwortung verweist Augustin auf 2,1,§ 4, wo er die Frage, ob Gott auch einen bösen Geist zu seinem Dienst heranziehen könne, bereits behandelt hatte, eine Frage also nach dem Verhältnis Gottes zum Bösen, die ein Angelpunkt in der Auseinandersetzung zwischen katholischen und häretischen Christen war. Deshalb möchte ich annehmen, dass diese Frage wieder zu den polemischen gehört. Von Simplicians Fragen haben also nur Quaestio 2,4 und wohl auch 2,1 und 2,5 rein exegetischen Charakter. Die übrigen stehen in der Tradition der antihäretischen Quaestiones. In Augustins Antwort tritt dieser Aspekt weit zurück. Der Form nach entspricht die Behandlung der Quaestiones des 2. Buches ihrem Genus, für das u.a. auch ihre unterschiedliche Länge bezeichnend ist. Im 1.Buch jedoch mit den beiden Fragen zum Römerbrief, deren antihäretische Tradition sich so weit zurückverfolgen lässt, ist Augustin von dem vorgegebenen literarischen Genus abgewichen und zur fortlaufenden Exegese übergegangen. Erst nachdem er die ganze Perikope Vers für Vers ausgelegt hat, lenkt er die Aufmerksamkeit auf wesentliche Begriffe seiner Exegese und gelangt damit wieder in das durch Simplicians Fragen geforderte Genus zurück. Der Schluss von Quaestio 1,1 zu Römer 7 setzt sich, wie wir sahen, mit dem manichäischen Begriff des Gesetzes auseinander. 2) In den letzten drei Abschnitten von Quaestio 1,2 wird anhand eines Vergleichs von Römer 9 mit Sir.33,10-15 zuerst Gottes Erwählung allein aus Gnade als Resultat von Augustins Exegese hervorgehoben und dann von daher Antwort auf die Fragen nach dem freien Willen und nach Gottes Gerechtigkeit gegeben. 3) So weist uns die Form ebenso wie die Behandlung der in der Tradition mit diesen beiden Perikopen verknüpften Fragen darauf hin, dass hier erst der Schluss Augustins Antwort auf die von Simplician gestellten Fragen enthält. 2.

Buch I im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des Paulus in der abendländischen Theologie des 4. Jahrhunderts.') (1)

2,

6, 1. 1.

(2) 1, 1, § 15-17. (3) 1, 2, § 20-22.

(4) Die Formulierung nach CAMPENHAUSEN Hans von, Lateini1cheKirchenväter, Stuttgart 1 1965, wo auf p. 10 und 152 in aller Kürze Wesentliches über dieses Problem gesagt ist.

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XV

Warum aber ist Augustin bei der Beantwortung der beiden Fragen des ersten Buches von dem vorgegebenen literarischen Genus abgewichen und, besonders bei der zweiten Frage, so ausführlich geworden, dass er sich dafür bei Simplician entschuldigen zu müssen glaubte ?1} Weil es um den Römerbrief ging; und der betraf Augustin deshalb, weil er eng mit seiner Bekehrung verknüpft war, 2) ganz persönlich. Simplicians Frage zu Römer 9 wurde der Anlass dazu, dass Augustin nach langem Bemühen um den Sinn dieses Kapitels 8) hier endlich zu einer ihn befriedigenden Interpretation gelangte. 4) Er hatte erkannt, dass der Mensch von sich aus nichts vermöge, sondern in allem ganz auf die Gnade Gottes angewiesen sei. Diese neue Einsicht, in seinen späteren, besonders den antipelagianischen Werken weiterentwickelt, hat eine tiefgreifende Wirkung auf das abendländische Christentum ausgeübt. Das Neue dabei sind nicht so sehr seine Gedanken über Sündenstand, Glaube und Gnade im einzelnen, als vielmehr die Konsequenz, mit der er das seiner Intention Entsprechende übernahm und zu einem einzigen Komplex zusammenfasste. Eine intensive Beschäftigung mit Paulus hatte im Westen um die Mitte des 4. Jahrhunderts eingesetzt. In dem halben Jahrhundert von etwa 360 bis 410 ist eine ganze Kette lateinischer Pauluskommentare entstanden, 6) während es bis dahin lateinische Kommentare nur zum Alten Testament, vorwiegend zur Genesis und zum Psalter, sowie zu den Evangelien und zur Apocalypse gegeben hatte. Wie es zu diesem plötzlich erwachten Interesse kam, ist ein komplexes Problem. Wir können hier nur auf die Ursachen eingehen, die unser Zusammenhang erkennen lässt. Eine Ursache ist im vorigen Abschnitt bereits angedeutet worden. Die Manichäer stützten sich als treue Gefolgsleute Marcions in ihrem Kampf gegen das Alte Testament vornehmlich auf Paulus und argumentierten mit seinen Aussagen über das (1) cf. 2, 6, 1. 27/32. (2) cf. p. XVIII. (3) cf. 1, 1, 1. 6/11. (4) cf. den der Edition voraufgeschickten Text von relracl. 2, 1, 3; praed. san&I. 4, 8; p,rseu. 20, 52; 21, H· (s) Von den nach 360 verfassten Kommentaren des Marius Victorinus sind uns die zu Gai., Phil. und Eph. erhalten. Verweise darin lassen es jedoch als möglich erscheinen, dass Victorinus alle Paulusbriefe kommentiert hat; cf. BENZ E., Mari111Victorinus11nddie EnhPiclt:lung der abendländischen Wil/ensmelaphysilt:, Stuttgart 1932, p. 22. Schon vor Ende 384 sind ebenfalls in Rom die Kommentare des Ambrosiaster zu allen Briefen ausser Hehr. entstanden, 386 in Bethlehem zu Gai., Eph., Titus und Philem. die Kommentare des Hieronymus, der die Absicht gehabt hatte, alle Paulusbriefe zu komme.ntieren; cf. HIER. in Eph. lib. 2, Praef. Auf Augustins Kommentare (siehe unten p. XIX, n. 4) folgten dann noch vor 410 diejenigen des Pelagius zu allen Briefen ausser Hehr.

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XVI

Gesetz, soweit sie ihre Ansicht darin bestätigt fanden. 1) Die Sekte hatte sich im Westen ausgebreitet und wurde bald nach der Mitte des 4. Jahrhunderts schon als eine solche Gefahr angesehen, dass kaiserliche Gesetze gegen sie erlassen wurden. 2) Der Kirche :fieldie Aufgabe zu, sich mit ihrer Lehre auseinanderzusetzen. Ein wesentliches Thema dabei war die Paulusexegese. Über den akuten Anlass hinaus, sich mit der manichäischen Exegese einzelner Verse befassen zu müssen, 3) entstanden auf katholischer Seite sogleich fortlaufende Kommentare der paulinischen Briefe, in denen die polemische Absicht jedoch nur mehr oder weniger deutlich hervortritt. 4) Zur gleichen Zeit wurde der Neuplatonismus durch lateinische Übersetzungen des heidnischen Rhetors und Philosophen Marius Victorinus 6) breiteren Kreisen im Westen bekannt. Dieser Victorinus bekehrte sich zum Christentum. Die einzigen exegetischen Schriften, die er als Christ verfasst hat, waren Pauluskommentare. Spuren einer antimanichäischen Tendenz zeigen sie nur selten. 6) Hier waren paulinische Vor( 1) Eine Darstellung über Paulus bei den Manichäern, die alles vorliegende Material berücksichtigte, gibt es nicht. Als nützliche Vorarbeiten vergleiche etwa : MoNCEAUXPaul, Le Manichlen Fau.r/111 de Milev. Reslit11lionde ses Capitula, in :

Mlmoires de /' Institut National de France, Acadlmie des lnscriptions el Be//es-Lettres, Bd. 43, Teil 1, Paris 1933, p. 1-111 ; BÖHLIGAlexander, Die BibelbeidenManichätrn, Diss. (Maschinenschrift), Münster 1947 ; Christliche Wurz.einim Manichäismus,in : Bulletin de la Sociltl d'Archlologie Copte 15, 1958/60, 41-61; FRENn W.H.C., The Gnoslic-Mani&haean Traditionin Roman North Africa, in : The JournalofEulesiaslica/ History 4, 1953, 13-26; RIES Julien, La Bib/echez.saint Augustin et chez./es manichlens, in : Rev111des Etudes Augu.rtiniennes7, 1961, 231-243 ; 9, 1963, 201-215 ; 10, 1964, 309-329 mit reichen Literaturangaben ; PuECH Henri-Ch., Saint Paul chez. /es Manichlen.rd' Asie Centra/e, in : Promdings of the IXth InternationalCongressfor the ffistory ofReligions,Tokyo & Kyoto 1958, Tokyo 1960, p. 176-187. -Als Quelle wichtig sind in diesem Zusammenhang die Fragmenla Tebeslina 6-13 (PLS 2, 1382/88). (2) cf. DE STOOP Em.,Essai sur /a diffusiondu manichlismedansl'empire romain = Universitl de Gand, Recuei/ tk tratJauxpubl. par /a f acultl de philosophieet lellres 38, Gand 1909 - über die Manichäer in Rom p. 120-144; GAUDEMETJean, L'bglis,

dansl'empire romain(IVe- ve siecles)= Histoire du Droil el tks lnslitutions tk l'Jfglis, 111 O&&idml 3, Paris 1958, p. 617-619.

(3) Vor dieselbe Aufgabe, eine häretische Paulusinterpretation durch eine orthodoxe zu widerlegen, sah sich schon Irenaeus gestellt ; cf. ha,r. 4, 41, 4. (4) V crgleiche ausser den oben, p. IX-XI, zu Rom. 7 und 9 angeführten Stellen - um nur einige Beispiele zu nennen - bei MARIUSV1cTORINUSin Gai. 2, 19 (n65C) ; in Phil. 2, 6-8 (1208B) ; bei AMBROSIASTER in I Cor. 1, 2 (194C); in 2 Tim. 3, 6-7 (52.1A); bei AuGuSTINUSin Gai. 46 (2138); in Rom. 49 (2073). (5) cf. SEJOURNEP., Viclorinm Af,r, in : Diclionnair, de Thlologie Catho/iq111, Bd. 15, 2, Paris 1950, c. 2887-2954, und die Einleitung von HADOTPicrre, Marius Vi&lorin111, Traitls Thlo/ogiquessur la Trinitl, Paris 196o, p. 7-89, mit der Bibliographie auf p. 91-92, dazu CotraCELLE P., 'Lei Confmions •••Antlcltknts ,1 Postlrill (cf. p. XX, n. 3), p. 69-74. Zu seinem Verhältnis zu Paulus cf. GoRE C., Victori11111(6), in : Di,tionary of Christian Biography, 1887, p. 1129-n38, besonders p. II 37s ; HARN.ACE.Dogmengeschi&hte, Bd. 3, p. 33-36, und SEJOURNE,l. c., 2943/ 6 : La foi et la grice. (6) Siehe n. 4.

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XVII

stellungen in neuplatonischem Sinne relevant geworden, und Paulus wurde mit neuplatonischer Begrifflichkeit gedeutet. 1) Daneben aber tritt uns hier in ersten Ansätzen ein grundlegend neues, man möchte fast sagen paulinisches Paulusverständnis entgegen, mit dem Gewicht auf den Themen Rechtfertigung, Glaube und Gnade. 2) Diesem Neuartigen begegnen wir wieder in dem so ganz anders gearteten, eher stoisch gefärbten Werk des Ambrosius. 3) Vereinzelte Aussprüche sind denen des Marius Victorinus verwandt, ohne dass wir eine Abhängigkeit feststellen könnten. Ambrosius zeigt uns in einer breit ausgeführten Deutung des Benjamin auf Paulus, dass er ihm als Verkünder des Evangeliums den Vorrang zuerkennt.') Dennoch hat er keine exegetischen Werke zu Briefen des Paulus geschrieben, sondern nur in verschiedenen seiner Werke einzelne Verse oder längere Abschnitte ausgelegt. 6) Eine Tendenz konnten wir dabei nur seiner Behandlung von Rom. 7 in De Jacob anmerken, die sichtlich auf die Manichäer ausgerichtet ist. 8) Voll entwickelt finden wir das neue Paulusverständnis bei Augustin, jedoch nicht gleich nach seiner Bekehrung, sondern erst hier in dem Simplician gewidmeten Werk, der ersten Schrift aus seiner Bischofszeit. Bereits als Manichäer hatte Augustin sich mit Paulus beschäftigt ; zumindest hatte er sich die manichäischen Paulus betreffenden Behauptungen zu eigen gemacht, dieser widerspreche sich selbst und stimme mit dem Alten Testament nicht überein. 7) Diese manichäischen Vorurteile zu überwinden, dazu verhalf ihm die neuplatonische Lehre, 8) die er in einer der letzten und wichtigsten Etappen, (1) Siehe besonders in Eph., z.B. bei der Erläuterung von Eph. 1, 4 (1238/1242). liberalione111qt11 (2) cf. in Gai. 3, 22 : ul fides solalesu Christi sujfi&ialad iustiftcalio,u111 110slra111 (1172B); - in Phil. 1, 29-30 : Pro ipso (sc. Christo) igilur donu111 nobisdedit, 111credamusin et1111 ( 1203A), cf. in Eph. 1, 19-20 ( 1249B). Daneben finden sich aber pme iam nihil est, ni.ti solu111 ereder, auch Äusserungen wie in Eph. 2, 16 : Noslr11111 qui superauitomnia( 1259AC), cf. in Eph. 2, 8 ( 1256A) ; - in Eph. 1, 14: Et gralia est IJlltlemeri/11111 noslru111 : ultra mim meri/11111 m111111s magnt1111, quod aeeipitur : gloria ei11s 1st qui pra111ilit,non eius qlli ampit (1247A). (3) pamil. 1, II, 49 : Quae fides dei donum est, .tieut habes1cript11111 : (Phil. 1, 29); cf. ib. 1, 11, 48 zu 1 Cor. 12, 9 ;- Cain et Ab. 1, 7, 27 : Vnd, bme apostolusquasi /egis interpresnon gloriabaturin uirtute sua, sed minimu111 se apostolorumessedicebalet quicquidessetgratiae diuina, essenon merili sui nihilquenos habereqllOdnon aeeeperi111us. Quid mim i111J11il, habes..• zu I Cor. 1s, 9s und 4, 7; in Luc. 1, 10 : •.. Christus, qui 111id q11odbommJest nobisquoquebonum11ideri possel op,ratur ,· q111111 mim miseratur el IIO&at. Den ganzen Paragraphen hat Augustin später in antipelagianischen Schriften zitiert ; - cf. HARNACK, Dogmmgesehiehte, Bd. 3, p. 47. sos. (4) Joseph8, 44-13, 76 ; 13, 76 : Praeeel/itigitur Paulus et eius exllheralportio, 11d lamm habmt et alii praedi&atores gratiam suam. (s) So z.B. epist. 7 (Maur. 37) über 1 Cor. 7, 23 ; epist. Maur. 73 über Rom. 4, s ; ,, 19s; 7, 7s; ja&. 1, 4, 13-16 über Rom. 7, 7-2s. (6) cf. p. X. (7) eonf. 7, 21, 27; cf.,. Adi111.1 ; ,. Fausl. n, 1 ; 30, 1-4; 31, 1-2. (8) eonf. 7, 20, 26-7, 21, 27. a

XLIV

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XVIII

welche zu seiner Bekehrung führten, in den von Marius Victorinus übersetzten Schriften kennenlernte. 1) Die neue Erkenntnis packte ihn im Innersten. Dennoch verlor er das Christentum nicht aus dem Blick. 2) Es drängte ihn, die neu gewonnenen Einsichten mit der Bibel zu vergleichen. 3) Zunächst griff er zu Paulus. 4 ) Wir wissen, dass er in der kurzen Zeit bis zu seiner Bekehrung den Galaterbrief gelesen hatte, also gerade den Brief, auf den sich seit Marcion die Feinde des Alten Testaments - und unter ihnen die Manichäer - vornehmlich beriefen, 6) und den Römerbrief, wo er schliesslich das erlösende Wort fand, angefangen hatte. 6) Bei dieser vermutlich ersten intensiven Beschäftigung mit Paulus 7) tritt die Motivation des Interesses durch Neuplatonismus und Manichäismus8) deutlich hervor. Was aber diese Lektüre damals für Augustin bedeutete, lässt sich wohl kaum mehr feststellen ; denn eingehend darüber berichtet hat Augustin erst 12-15 Jahre später in den Confessiones ;9) und dort beurteilt er das Ereigni nach seinem neuen, erst bei der Beantwortung von Simplicians Fragen gewonnenen Paulusverständnis. Hält man den Abschnitt aus den Confessiones aber mit den kürzeren bald nach der Bekehrung verfassten Berichten 10 ) zusammen, so zeichnet sich doch wenigstens so viel ab, dass Augustin damals bei Paulus sowohl theoretische Einsichten 11 ) als auch praktisch-ethischen Rat für sein Leben suchte. 12 ) Bei Paulus fand er die von ihm als wahr erkannten neuplatonischen Einsichten über Gott und sein Wort wieder, doch durch neue Erkennt(1) conf. 7, 9, 13; 8, 2, 3. (2) &. acad. 2, 2, 5 : Cum ecce tibi /ibri quidam..• incredibileincendiumconcitartml • •.• Respexi lamm, conftteor,q111JJi de itinere in i/Jam re/igionem,quae pueris nobis insila esl ,1 medu//itus inp/icata ; uerum autem ipsa ad se nescientemrapiebal. llaque tilubans properanshaesitansarripio aposto/umPaulum. (3) beat. uit. 4 : Lectis autem P/otini paucissimis/ibris, ..• conlalaquecum eis, quantum potui, etiam il/orum auctoritate,qui diuina mysteria tradiderunl,sie exarsi..• (4) cf. n. 2; conf. 7, 21, 27. (5) conf. 8, 5, II. (6) conf. 8, 12, 29. (7) conf. 8, 12, 29 : (Ponticianus) /orte supra mensam /usoriam, quae ante nos eral, adtenditcodicem: tulit, aperuit, inuenitaposto/umPau/um•••cui egocum indicassemi/lis 1111 scripturiscurammaximam inpendere,ortus est sermo..• ; cf. c. acad. 2, 2, 5 (siehe p. XIX, n. 1). (8) cf. ALLGEIER Arthur, Der Einfluss des Manichäismusauf die exegetischeFragesle/1,mgbei Augustin, in : Aurelius Augustinus, Festschrift der Görresgese//s,hajlz.um 1500. Todestage,hg. von GRABMANNM. & MAusBACH J., Köln 1930, p. 1-13. Ein Kenner wie Alexander BÖHLIG schreibt in: Christliche Wurz.ein... (cf. p. XVI, n. 1), p. 61 : Vielleicht kann man seine (Augustins) intensive Beschäftigung mit Paulus auch aus Anregungen seiner manichäischen Zeit erklären. (9) conf. 7, 21, 27. (10) ,. a,ad. 2, 2, 5-6; beat. uit. 4. (11) ,. acad. 2, 2, 5 und beat. uit. 4; siehe die Zitate von n. 2 und 3. (12) ,. a,ad. 2, 2, 5 (Fortsetzung des Zitats) : Neque enim uere,inquam,isti tanta potuissent uixissentqueita, ul eos uixisse manifestum est, si eorum /itterae atque rationes hui&tanlo bonoaduersarentur; cf. uti/. cred. 17, 35.

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XIX

nisse ergänzt und vollendet. 1) Andererseits aber las er Paulus auch auf höchst persönliche Art, indem er, so heisst es später in den Confessiones, an sich selbst das Gelesene überprüfte. 1) Seine ihn tief betreffende und zur Entscheidung drängende Entdeckung - so erschien es ihm zumindest aus späterer Sicht - war das Beispiel der in Christi Menschwerdung verkörperten Demut, das den Kleinen offenbart, den Weisen jedoch verborgen war (Matth.11,25). 3) Damals aber kann Augustin die Absolutheit der Forderung nach Demut noch nicht erkannt haben ; denn seine Paulusexegesen der folgenden J ahre 4) zeigen, dass er im Glauben immer noch ein Verdienst des Menschen sah. 6) Erst bei Beantwortung von Simplicians Fragen gelangte er auf Grund seiner eingehenden Interpretation von Römer 9 zu der Einsicht, dass der Mensch alles, auch den Glauben, allein der Gnade Gottes zu verdanken habe. Damals hat er das Pauluswort Quid habes quod non accepisti (1 Cor.4,7) in seiner ganzen Tragweite erfasst. 6) Man kann also sagen, dass Augustin erst als Bischof die letzten Konsequenzen seiner Bekehrung innerlich vollzogen hat, dadurch dass er die vollständige Abhängigkeit des Menschen von Gott anerkannte. Diese aus dem Römerbrief gewonnene Einsicht eröffnete ihm den Sinn seines Lebens. Und so hat auch Paulus, insbesondere der Römerbrief, den Bericht seines Lebens in den Confessiones wesentlich geprägt. 7) Von der Entwicklung des neuen Paulusverständnisses treten nur einzelne Punkte hervor. Als zwei Ursachen der neuen Auffassung haben wir den Zwang zur Auseinandersetzung mit den Manichäern erkannt sowie die Affinität, welche Neuplatonismus und Christentum der damaligen Zeit zu haben schienen. Jedoch bleibt vieles offen, vor allem der (1) conj. 7, 9, 13-15; 7, 21, 27: Et coepiet inueni,qllidq11id illa&11er11m /egera111, hat tonmendalionegraliae luae diti (p. 1jO, 13-1 j) ; &. acad. 2, 2, j-6 : ... arripio ... Per/egi to/11111 inlenlissimeal(JI#castissime.TuneuerofJ111J11hlloc111111J114 aposto/11111 Pa11/11111 iam /11111ine aspersotanta se mihiphi/osophiae facies aperuit,111 •••ea111 demonstrare pohdss,111. Das Wort castissi111e bezieht sich, so möchte ich annehmen, darauf, dass Augustin jetzt als Christ Paulus las und nicht mehr als Manichäer. (2) conj. 8, j, II : Sie inte//egebamme ipso experimenloid q11od/egeram, quomodo •••(Gal. 5, 17). &aroconcupisceret ad11er111sspiril11111 (3) conf. 7, 9, 13-14; 7, 21, 27; 8, 2, 3. (4) diuers. quaest. s1. 66-73. 76 (nach 388); in Rom., in Gai., in Rom. imperf. (394/395). peccalor11111 (s) ·Jiuers.quaest.66, 7 : Neq111/ex ma/a est, quaeoslendithominiin tp1ib111

"'111

tdncu/is iaceat, 111per ftdem implorato /iberatorisauxi/io et 10/ui et erigi et ftrmissim, &onstituimereatur,· in Rom. 60 : Q11odergo credi111111 nostrum est ,· quod autem bo1111111 operamuri//ius q11icredentib111 in sedat spiritum 1anct11111 ,· cf. retract. 1, 23, wo Augustin diese und ähnliche Aussprüche beanstandet. (6) cf. 1, 2, § 9; relra&t.2, 1, 3 ; praedest. sanct. 4, 8. (7) Man denke nur an die Bedeutung von Begriffen wie gralia, donum (munus), accipere,misericordia,110,atiofür das Werk. Siehe im übrigen die im Index auctorum zu den Confessionesangeführten Stellen.

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XX

Anfang. Eine Herkunft der neuen Paulusinterpretation aus dem Osten ist wohl auszuscheiden. Zwar gab es dort den Römerkommentar des Origenes, und seit dem Anfang des 4. Jahrhunderts entstanden weitere griechische Pauluskommentare, doch lag das Gewicht auf anderen Themen als im Westen. Paulus galt vor allem als Theologe geistlichmystischer Erkenntnis, der Gottesschau und Reinheit des Lebens. 1 ) Ob nun aber wirklich Marius Victorinus, der erst in hohem Alter zum Christentum übergetreten war, 2) als Initiator der grundlegend neuen aus Paulus gewonnenen Erkenntnisse anzusehen ist ? Wir wissen es nicht. Doch können wir das Bild noch ergänzen. Wenn auch nie deutlich greifbar, so steht doch ein Mann mit allem, was wir zu dem neuen Paulusverständnis angeführt haben, in Verbindung : Simplicianus. 8) Deshalb müssen wir näher auf ihn eingehen. Unsere Kenntnis über ihn stützt sich, da er allem Anschein nach schriftstellerisch nicht hervorgetreten ist,') vornehmlich auf Augustins Bericht in den Confessiones sowie auf vier von Ambrosius an ihn gerichtete Briefe. 6) Die wenigen äusseren Daten, die wir daraus entnehmen können, sind folgende. Über Ort und Zeit von Simplicians Geburt haben wir keine Nachricht. Doch war er 386 mindestens 60 Jahre alt, ist also im ersten Viertel des Jahrhunderts geboren, wie Augustins Angabe in den Confessiones zeigt : iam uero tune senuerat. 6) Schon in früher Jugend hat er als frommer Christ gelebt. 7) Er war von scharfem Verstande, bewandert in der heidnischen Philosophie. Aus theolo-

(1) cf. CAMPENHAUSEN Hans von, Lateinisch, Ivnhenvät1r, Stuttgart 1 1965, p. 152. (2) HIER. 11ir.ill. 101 schreibt über Victorinus : Et in extrema 11ne&111te Christi

11tradmsftdti. (3) cf. T1LLEMONTL.S. Lc Nain, Mlmoires po11r sm,ir ä l'bistoire etcllsiastiq111 tks six pr1111ier1 siic/11,Bel. 10, Paris 1705, p. 397-401. 558; CouRCELLEPierre, Recher,hu 1111'/es Confessionsd, saint A11guslin,Paris 1950, p. 168-174. 25 3s; Lls Confessions tk saint Allgustin dansJatraditionlittlraire. Antlcltknls et postlritl, Paris 1963, p. 40-42. ,9-67; PAREDIAngelo, S. Ambrogio e Ja sua etä, Milano 2 1960, p. 167. 185. 515s. ,20; HAnoT Pierre, in: Mari111Vi&tori11111, Traills thlologiq111s 1111'Ja lrinitl, Bd. 1 = Sources Chretiennes 68, Paris 196o, p. 12-18; SoLIGNACAime, in : LesConfessions,

lib. 8-13 = CEuvres de saint Augustin (Bibliotheque Augustinienne), Bd. 14, Paris 1962, p. 530-5 33· (4) Siehe den Abschnitt über Simplician bei GENNAD.uir. ill. 37 (R1cHARDSON). (5) conf. 8, 1, 1-8,5, 10; AMBR. episl. 2. 3. 7. 10 ( = Maur. 65. 67.3 7.38) ; cf. AuG. ,pist. 31; quaest.Simpl. lib. 1 praef.; 1, 2, § 1 ; lib. 2 praef. ; 2, 2, § 1 ; lib. 2 conclusio ; ci11.1 o, 29 ; PAUL.MED. vita Ambr. 46. 49. .reneSimpli&iano.PAUL.Mim. 11ilaAmbr. 46 (6) ,onj. 8, 1, 1; cf. ci11.10, 29 : a .ran&lo bezeichnet ihn beim Tode des Ambrosius 397 als aeui 111atll1'UJ. (7) conf. 8, 1, 1 : Et inmisisti in men/1111 111ea111 ui111111tp11 esl bo1111111 in ,on.rpect11 11110 et Jutebaiin eogralia tua. perger, ad Si111pli&it11111111, q11imihi bOflllJapparebals,r11111111111 Alldiera111 11ia111, (JIIOd a i1111mt11te sua tk11oli1si1111 libi ui,m-el,· ia111 uero 11111& 1en11erat et longa aetate in la111bono studio se&landae 11ia1tua, 11111/ta 1xp,rt111,11111/ta edoct111 111ihi llitkbatllf': et uere sie erat.

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gischem Interesse hat er weite Reisen gemacht. 1) Dass er um 354 längere Zeit in Rom gelebt hat, wissen wir; denn dort stand er Marius Victorinus bei der Annäherung an das Christentum bis hin zur Taufe (vor 354) 2) als Freund·zur Seite. 8) Etwa zwanzig Jahre später finden wir ihn in Mailand wieder, bei der Taufe des Ambrosius am 30. November 374 als patrem i·n accipienda gratia.') Was mit dem Wort paterhier auch gemeint sein mag, jedenfalls hebt es Simplicians Bedeutung auch für Ambrosius hervor. Im Jahre 386, als Augustin in seiner inneren Bedrängnis ihn um Rat fragte, war Simplician in Mailand. Er drängte Augustin durch den Bericht von der Bekehrung des Marius Victorinus zur Nachahmung und verfehlte seine Absicht nicht. Daraufhin bedurfte es nur noch eines letzten Anstosses zu Augustins eigener Bekehrung. In den Confessiones erwähnt Augustin nur diese erste Begegnung. Aus einer Bemerkung in De ciuitate dei wissen wir jedoch, dass weitere folgten. 6) Wie vertraut beide miteinander waren, geht aus dem Begleitschreiben zu dem Simplician gewidmeten Werk hervor. Nach dem Tode des Ambrosius am 4. April 397 und vor dem 28. August desselben Jahres ist Simplician Nachfolger des Ambrosius als Bischof von Mailand geworden. 8) Ob er vorher Priester gewesen ist, lassen die Quellen nicht erkennen. 7) Während seiner kurzen Amtszeit hat er das Ansehen des Mailänder Bischofssitzes zu erhalten vermocht. Das geht aus Briefen, die an ihn gerichtet waren, sowie aus Konzils-

(1) AMBR.,pisl.

2 (Maur. 65), I : S,d quid 111 quod ipse dubiles el a nobis requiras~ 61adqllirmda, ,ognitionisdi11ifllJ8 gralia 10111111orb1111 peragrtllltrisel &otlidiatll# /,ctioni nocturnisa, diurnis 11i&ib11s omne11itaeh11i11.t tempm dep11ta11eris, a&ripraeserti111 ingenioeliam intel/egibi/ia,onpleclens,11tpoteq11ietia111 philosophiaelibros, q1111111 a uert> sint de11ii,demonstraresoleas et plerosq11e1am inanes 1111, 111prim scribm/11111 in nd1 s&riptissermoquam 11ita1or11111 def,cerit. (2) cf. CouRCELLEP., Les Confessions •••Antlcldents el postlritl (cf. p. XX, n. 3),

tt1111ftdei

p.

sns.

(3) conf. 8, 2, 3-8,4, 9. (4) ib. 8, 2, 3. Dass nicht Simplician die Taufe vollzogen hat, geht aus PAUL. Mim. llita Ambr. 9 hervor : post11/auitnon 11 nisi a ,atholicoepiscopodeber,baptiz.ari,· cf. PAREDIA., S. Ambrogio , la Sllll ela, p. 18 5. Dort auch über das Taufdatum. (5) 10, 29. (6) Zum Todesdatum des Ambrosius cf. DuooEN F. Hornes, Th, Life and Timu of St. Ambrose, Bd. 2, Oxford 1935, p. 491, n. 1. - In den Akten des Konzils von Karthago vom 28.8.397 wird Simplician schon als Bischof bezeichnet; cf. MANs1 J.D., Sacror11111 &oncilior11111 collectio,Bd. 3, Fircnze 1759, col. 738. (7) Den Adressen der von Ambrosius an Simplician gerichteten Briefe ist nichts zu entnehmen, da beidenNamen keine Bezeichnung des Ranges beigefügt ist. -Augustin setzt conf. 8, I, 1-8, 5, 1 o keinen Titel zu dem Namen des Simplician. Auch in ,i11.10, 29 führt er Simplician, als er von der Zeit um 387 spricht, wieder nur mit Namen an, fügt jedoch als nähere Bezeichnung hinzu : qui postea Mediolanm.tie&&lesiae praesedit episcop,u.- Paulinus nennt ihn in 11itaAmbr. 46 nur mit seinem Namen, obwohl er zu den Namen der vier Männer, die über die Nachfolge des Ambrosius berieten, ausdrücklich hinzufügt: 11111,diatoni. ,

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akten hervor. 1) Zwischen dem 9. September 400 und dem 16. Juni 401 muss er gestorben sein. 2) Simplician stand also als geistlicher Berater und Freund in enger Verbindung gerade mit den drei Männern, in deren Werk uns die neue Paulusinterpretation begegnet. Mit dem Neuplatonismus war er vertraut. Er räumte ihm nicht nur eine Sonderstellung den anderen heidnischen Philosophenschulen gegenüber ein, wobei er sich auf Col.2,8 berief, sondern war auch der Überzeugung, dass der Neuplatonismus wegen seiner Lehre von Gott und seinem Wort als eine Vorbereitung auf das Christentum anzusehen sei. 3) Beides geht auf eine griechische Tradition zurück, die wir schon bei Clemens von Alexandrien') und aufs Judentum bezogen bei Philo 6) finden. Es ist wohl möglich, dass Simplician sie auf seinen Reisen im Orient kennengelernt hat; denn im Westen ist sie bis dahin nicht bezeugt. 6) Erst mit Marius Victorinus setzt hier ein dieser Tradition entsprechendes Bemühen ein. So nahe die Annahme nun auch liegt, Simplician habe als christlicher Mentor den Neuplatoniker Victorinus mit dieser Tradition bekannt gemacht, so entziehen sich die Zusammenhänge doch gänzlich unserer Kenntnis. Nur so viel dürfen wir wohl sagen, dass Simplician durchaus in der Lage war, dem Victorinus Verständnis entgegenzubringen, wenn er versuchte, neuplatonische Spekulation in die christliche Lehre einzubeziehen. Noch weniger vermögen wir zu erkennen, ob Simplician es war, der Victorinus auf die Bedeutung des Paulus hingewiesen und mit der neuen Paulusinterpretation bekannt (1) VIGIL. TRID. ad Simplic. über das Martyrium von Alexander, Martyrius und Sisinnius vom 29.5.397; ANAsT.I ad Simplic. (= HIER. episl. 95) (a. 400) mit der Aufforderung, gewisse Lehren des Origenes zu verurteilen ; Akten der Konzile von Karthago (siehe p. XXI, n. 6) und von Toledo vom 9.9.400, cf. MANsI, l.c„ col. 1007. Die Akten des Konzils von Turin vom 22.9.398, das möglicherweise unter dem Vorsitz des Simplician stattgefunden hat, enthalten keine Namen ; cf. BABUT E.-Ch., Le concilede Turin, Paris 1904, p. 223-231. (2) In den Akten des Konzils von Toledo (siehe n. 1) wird sein Name noch genannt, in denen des Konzils von Karthago vom 16.6.401 aber bereits sein Nachfolger Venerius; cf. MANSI,l.c., col. 763. (3) cf . .AMBR.episl. 2 (Maur. 65), 1 (Zitat auf p. XXI, n. 1); AuG. conf. 8, 2, 3 : Na"aui ei (sc. Simpliciano) circuitus'"oris mei. Vbi aulem conmemorauilegisse1111 quosdamlibrosPlalonicorum,quos Victorinusquondam,rhetorurbis Romae, quemchristiaf1U111 defuntlum esseaudieram,in lalinam /inguam lranstulissel,gratulatus est mihi, quod non in aliorumphilosophorumscripla incidissemplenaf allaciarumel deceptionumsecundum elementahuius mundi (Col. 2, 8), in istis autem omnibusmodis insinuari deum et eius uerbum. (4) cf. HOLTE Ragnar, Blalitude et sagesse.Saint Augustin et le problemede la /in J, l'homme dans la philosophieancienne,Paris 1962, besonders p. 145s. 185s. (5) cf. WOLFSON H.A., Philo. Foundations of Religious Philosophy in Judaism,. Christianity, and Islam, Bd. 1 = Structure and Growth of PhilosophieSystemsfro111 Plato lo Spinoz.a2, Cambridge Mass. 2 1948, p. 17-27. 107-113. 155-157. (6) Tertullian hat auf Grund von Col. 2, 8 die ganze heidnische Philosophie verworfen und in seiner Polemik auch mit dem Platonismus keine Ausnahme gemacht: cf. praescr. 7.

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gemacht hat. Wir können lediglich feststellen, dass Simplician wegen seiner nahen Beziehung zu Victorinus ein unmittelbarer Zeuge der, wie Hamack es nennt, 'Combination von genuinem Neuplatonismus und hochorthodoxem Christenthum unter dem Zeichen des Paulinismus' 1) war. Bezeugt ist Simplicians Interesse an Paulus erst viel später. Ambrosius erwähnt in einem Brief an Simplician von etwa 386, dass dieser ihn zu Predigten über Paulus angeregt habe, und gibt auch dessen Begründung dafür wieder. 2) Daraus geht hervor, dass die schwer verständliche Tiefe des Paulus Simplician beschäftigte; und das erweckt den Eindruck, ~ls sei es Simplician um einen unmittelbaren Zugang zu Paulus zu tun gewesen. Die Predigten des Ambrosius hingegen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, gehören in den Bereich der Auseinandersetzung mit den Manichäern. 3) In den gleichen Zeitraum fällt Augustins erste Begegnung mit Simplician. Als Punkt eines gemeinsamen Interesses hebt Augustin in seinem Bericht den Neuplatonismus hervor. 4) Was aber fehlt, ist eine Erwähnung des Paulus. Das ist umso verwunderlicher, als Augustin selbst doch eben erst dessen Bedeutung für sich entdeckt und das, was ihm in den neuplatonischen Schriften wichtig geworden war, mit dessen Briefen verglichen hatte. 6) Von Simplicians Beschäftigung mit Paulus haben wir eben gehört. Hinzu kommt, dass Paulus in den Bereich des Marius Victorinus fällt, mit dem sich Augustin in gewissem Sinne identifizierte, als er ihn in den Mittelpunkt des Berichtes über seine erste Unterredung mit Simplician stellte. So sehr nun aber auch alles darauf hinzuweisen scheint, dass schon damals ein gemeinsames Interesse auch an Paulus bestand, bezeugt ist er erst elf Jahre später durch Simplicians Fragen zum Römerbrief, besonders durch die damit verbundene Bitte um eine fortlaufende Erklärung des 9. Kapitels, sowie durch Augustins Antwort, die einen solchen Gehalt gewann, dass sie den Rahmen des literarischen Genus der Quaestiones sprengte. Simplicians Interesse muss zu diesem Zeitpunkt auch durch den Gegensatz zu den Manichäem bestimmt gewesen sein. Das erhellt aus der Tatsache, dass er Augustin um die Lösung (1) Dogmengeschichte, Bd. 3, p. 36, in n. 1 von p. 33. (2) AMBR.epist. 7 (Maur. 37), 1-3 : •.• delectarite insinuasti mihi, &11111 aliquid d,

Pau/i aposto/iscriptis corampopulo ad disputandumadsumerem,quod eiusprofund11111 in consiliisuix conpraehendatur, sublimein sententiisaudientemerigat, disputantemaccendal, ila s, ipsa suis exponat sermonibus,ut is, qui tractat, nihil inueniat, lum quia in plerisq111 quodadicialsuum, a&si uelit aliquid dicere,grammaticimagis quam disputatorisfungatur munere.- Ob dieser Brief vor oder nach Augustins Begegnung mit Simplician geschrieben ist, weiss man nicht. (3) lac. 1, 3, 9-1,6, 26; cf. p. X. (4) cf. p. XXII, n. 3. (5) beat. uit. 4 ; cf. p. XVIII, n. 3.

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von Quaestiones gebeten hat, die ja eine literarische Form für solche Auseinandersetzungen waren, insbesondere aber aus seiner Fragestellung zu Römer 7. Wie gerne wüssten wir, von wo das neue Paulusverständnis seinen Ausgang genommen hat und in welchem Verhältnis Simplician dazu stand l Die Versuchung, ihn in das Zentrum der hier aufgezeigten Zusammenhänge zu rücken und als Mittler, wenn nicht gar als Initiator anzusehen, ist gross. Doch lassen die Zeugnisse das nicht zu. Gesichert ist lediglich, dass er zur Beschäftigung mit Paulus angeregt hat und ein Zeuge des neuen Paulusverständnisses war, von dessen ersten Spuren in den Kommentaren des Marius Victorinus an über Ambrosius bis hin zur Vollendung in dem ihm von Augustin gewidmeten Werk. Hier merkt man der Paulusexegese ihre Herkunft nicht mehr an. Der Neuplatonismus spielt keine Rolle, und eine antimanichäische Tendenz ist ausser in dem Annex von Quaestio r,1 kaum noch zu bemerken. Augustins Exegese hat den einen Sinn, die Gedankengänge des Paulus zu erfassen. Sie steht in sich selbst - so sehr, dass Augustin später die Pelagianer darauf hinweisen konnte, dass er die Antwort auf ihre Fragen bereits in diesem Werk gefunden habe, längst ehe es überhaupt Pelagianer gab. 1) Hier, bei der Beantwortung von Simplicians Fragen, hat Augustin zu seiner Gnadenlehre gefunden. 3. Quellen. Die hier umrissene Tradition der Quaestiones als solcher sowie der Paulusexegese ist nicht gleichbedeutend mit den von Augustin für seine Antworten herangezogenen Quellen ; denn einerseits greift er innerhalb dieser Tradition nur auf bestimmte Vorgänger zurück, andererseits zieht er aber unter Gesichtspunkten, die nicht direkt mit den einzelnen Quaestionen zusammenhängen, auch andere Autoren heran. Die Quellen im einzelnen zu bestimmen, ist schwer, mitunter auch gar nicht möglich. Wörtliche Zitate kommen ausser von Bibelstellen in diesem Werk nicht vor. Augustin entwickelt das bei anderen Vorgefundene, ohne sich namentlich auf jemanden zu beziehen, zustimmend oder im Widerspruch weiter und fügt es seinen eigenen Gedankengängen ein. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass es zu Augustins Zeit schon eine feste sowohl für den Osten wie für den Westen gültige Tradition der Bibelexegese gab, die Augustin also bei verschiedenen Autoren, sogar auch durch mündliche Tradition hat kennenlernen können. Mit Sicherheit oder zumindest mit ( 1) cf. p,rs111.21, 55.

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einiger Wahrscheinlichkeit lassen sich seine Quellen nur dann bestimmen, wenn Verschiedenes zusammentrifft, wie etwa wiederholte Berührungspunkte mit einem bestimmten Werk, Augustins erwiesene Beziehung zu einem Autor oder eine gemeinsame literarische Tradition. Hier soll nur auf Augustins Beziehung zu denjenigen Autoren eingegangen werden, die jeweils für eine ganze Quaestio nicht nur für einzelne Gesichtspunkte in Betracht kommen. 1j Quellen der Fragen zum Römerbrief. 2) Origenes 3) hat die spätere Exegese des Römerbriefes so stark beeinflusst, dass es wohl nur auf Grund genauer Einzelinterpretation möglich wäre festzustellen, ob Augustin seinen Kommentar selbst gelesen hat') oder ob er die von Origenes herrührenden Einzelinterpretationen 5) anderswoher kannte. Eine indirekte Beziehung besteht ohne Zweifel. Den Kommentar des Ambrosiaster 8) zum Römerbrief hat Augustin sicher gekannt. In seiner Quaestio zu Römer 7 folgt Augustin zuweilen dessen Exegese. 7) In der Quaestio zu Römer 9 hingegen setzt er sich damit, dass dieser Jakobs Erwählung und die Verwerfung Esaus durch Gottes Vorherwissen erklärt, 8) kritisch auseinander. 9) Die Annahme, dass Augustin die dritte Regel des Tyconius10) mit Zitaten aus Römer 7 und 9 sowie dem für Augustin entscheidenden Zitat r Cor.4,7 in seine Überlegungen zum Römerbrief einbezogen habe, wird durch sein um die Zeit der Abfassung von quaest. Simpl. bezeugtes Interesse an Tyco-

( I) Letztere sind im apparatusfonli11111 aufgeführt. (2) Ein dringendes Desiderat ist eine eingehende Untersuchung des Verhältnisses der Pauluscxegese des Marius Victorinus zu der des Augustinus. (3) Als erste Orientierung über Augustins Verhältnis zu Origenes cf. ALTANER Berthold, K/eiM patristische Schriften = Texte und Untersuchungen 83, Berlin 1967, p. 224-2,2. (4) Dann müsste er ihn im Original gelesen haben; denn die Übersetzung des Rufinus stammt erst aus den Jahren 40,/6. (,) z.B. 1, 2, 1. 64,/8, die Deutung des 11erb11111 breuiansaus Rom. 9, 18 auf das Symbol, die sich dagegen bei Ambrosiaster nicht findet. (6) Eine Untersuchung über Augustins Verhältnis zu Ambrosiaster gibt es noch nicht. Hinweise siehe bei MARTINI Coelestinus, Ambrosiasler, de a11ctor1, operibus,theo/ogia,Roma 1944, p. 4,s. (7) cf. Index auctorum,p. 101. (8) In Rom. 9, n-13 (p. 313, 17-20): Sciendoenim quid unusquisqueil/or11111f11t11111S

essetdixit : hie eril dignu.r,qui erit minor, et qui erit maior, indignu.r.V num elegitprae1cienliaet alterum spreuil. Der ganze Abschnitt über Rom. 9, n-22 ist von diesem Gedanken geprägt. (9) Non igitur ex praescientia110/uitintel/egifactam 1/ectionemminoril, ut maior ,i seruirel,1, 2, 1. 1n/8; cf. 1, 2, § 5 und§ 10-13. (10) Zu dem Einfluss des Tyconius auf Augustin cf. HoLL K., G,sa111111e/11 Aufsätz.e z.ur Kirchengeschicht, des Westens,Bd. 3, Tübingen 192.6,p. 101, n. 1, und P1NCHERLE(siehe p. XXVI, n. 2).

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nius 1) sowie durch sein bald darauf abgegebenes Urteil gestützt, Tyconius habe hier über Gnade und Gesetz gut argumentiert, wenn er auch deren Sinn noch nicht voll ausgeschöpft habe 2) Dass Augustin auch die Exegese des ·Ambrosius 8) von Rom.7,7-25 in De Jacob') kannte, ist anzunehmen; denn Ambrosius hat dieses Werk gerade zu der Zeit, als Augustin in Mailand war, aus Predigten zusammengestellt. 5) Ambrosius beginnt seine Exegese von Rom.7 mit I Cor.4,7, 6) also mit dem Wort, das Augustin später den Zugang zu seinem vollen Paulusverständ.nis eröffnete. Quellen zum zweiten Buch. Im zweiten Buch hat Augustin zwar verschiedentlich zu einzelnen im Laufe der Abhandlung auftauchenden Fragen Quellen herangezogen, 7) doch scheint nur seine Antwort auf die Frage nach der Erscheinung des Samuel als ganze von Quellen abhängig zu sein. Im Gegensatz zu seiner Behandlung der Fragen zum Römerbrief steht er hier fest im Zusammenhang mit der Tradition. Bei der Beantwortung dieser Quaestio scheiden sich die Autoren in solche, die den Geist iuxta historiam 8) wirklich für den des Samuel hielten, in solche, die den Geist für ein Trugbild ansahen, und in solche, die die Frage unentschieden Hessen.9) Augustin erwägt beide Möglichkeiten, lässt die Frage aber schliesslich offen. Ein weiteres Merkmal, die Heranziehung von 2 Cor.II,I4 und Luc.I6,26, kennzeichnet eine andere Gruppe unter diesen Autoren. Kombiniert man beide Merkmale, so bleiben als mögliche Quellen für die Deutung

(1) epist. 41, 2 (a. ca. 395/7). (2) Doelr. ehrisl. 3, 33, 46 : Tertia regula... potesl etiam sie dici de gratia el mandato... Laborauil in ea disserendaTiconiu1bene,sed nonplene. Disputans enim defak et operibu1 opera nobis dixit a deo dari merilo fidei ,· ip1am uerofidem sie essea nobis, ut nobis non sit a deo; - cf. P1NCHERLEAlberto, Da Tieonio a Sani' Ago1tino, in : Rieerehe Religiose 1, 1925, 443-466, und La formaz.ione teologieadi s. Agostino, Roma s.d. (1947 oder 1948), Kap. 7. (3) Ober die Beziehungen zwischen Augustin und Ambrosius gibt es noch kein zusammenfassendes Werk. (4) l, 4, 13-16. (5) Wohl 386, cf. PAREDIAngelo, S. Ambrogio e la 111a ela, Milano 2 1960, p. 532; cf. AMBR.episl. 7 (Maur. 37), 3. (6) Iac. 1, 4, 13 (p. 13, 3). (7) z.B. zur Frage der Bedeutung des Wortes spiritus in der Bibel (2, 1, § 5) und im Zusammenhang damit nach der Interpretation von Gen. 1, 2b, cf. ÜRBE Antonio, Spiritus Dei ferebatur 1uper aquas. Exegesis gn61ticade Gen. 1, 2b, in : Gregorianum44, 1963, 691-730, besonders p. 721s. · (8) cf. AuG. quaesl. Dulc. 6, 1. (9) cf. WASZINK(Zitat auf p. XIII, n. 1).

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XXVII

iuxta historiam nur Origenes 1), für die These des Trugbildes vor allem Tertullian 2) und Ambrosiaster. 3) Von Origenes ist Augustin auch hier wieder wie bei den Fragen zum Römerbrief zumindest indirekt abhängig.') Verschiedene Fragestellungen stammen bereits von ihm. Ob Augustin dort, wo er die Möglichkeit eines Trugbildes erwägt, von Tertullian abhängig ist, lässt sich nicht ohne weiteres entscheiden; denn Ambrosiaster, der seinerseits Beziehungen zu Tertullian hat, steht zwischen den beiden Autoren. Möglich wäre es immerhin, dass Augustin den Gedanken, auch die bösen Geister könnten im Dienste Gottes Wahres verkünden, 6) der bei Ambrosiaster fehlt, von Tertullian übernommen hat. 6) Auf Ambrosiaster nimmt Augustin Bezug. Nicht nur hört man in der Formulierung der Fragestellung, die ja vermutlich nicht auf Augustin, sondern auf Simplician zurückgeht, dessen Worte hindurch, 7) sondern Augustin polemisiert im ersten Paragraphen gegen ihn, was sich sowohl im Inhalt als auch in wörtlichen Anklängen zeigt. 8) 4. Testimonia. Augustin kommt selbst mehrmals auf sein Werk quaest. Simpl. zurück. Auf die Frage nach der Erscheinung des Samuel 9) schickt Augustin wenige Jahre vor seinem Tode dem Dulcitius eine Abschrift der Antwort, die er früher Simplician auf dieselbe Frage gegeben hatte. 10) Bei der Besprechung von quaest.Simpl. in den Retractationes11)führt Augustin die Themen der einzelnen Fragen an. Doch fehlt die letzte. 12 ) Er muss sie übersehen haben, denn es (1) in I Reg. 28. (2) anim. 51, 5-9. -Man

ist noch weit davon entfernt, Tertullians Einfluss auf Augustin ermessen zu können, da man sich bei dieser Frage bisher fast ausschliesslich auf die Stellen stützt, an denen Augustin Tertullians Namen nennt ; cf. BARDY Gustave, Saint Augustin et Tertu/lien, in : L'annle thlo/ogiqueAugustinienne 13, 1953, 145-150. (3) quaest. lest. 27.

(4) Ob die lateinische Übersetzung der Homilie über den Anfang von von Rufinus oder erst aus späterer Zeit stammt, ist umstritten. (5)

2,

1

Reg.

3, 1. 73-87.

(6) anim. 57, 5 : Et lamen il/e daemon,poslq11a111 circ11mslante1 circ1111111enire lemptauit, in.rtantiadiuinaegratiae uictus id quod in uero e.rtinuitus confttetur. (7) 2, 3, 1. 1-3 : utrum spiritus immundusqui eral in py Ion iss a potueril agere,111 Samm/aSau/e uideretur et /oqueretur cum eo; AMBROSIAST. quaul. Jest. 2.7, Überschrift : an pi I h o n i s .ra Samuhe/ excittlllt1"itet ipse ab ea II i s II s 1it ad Saul. .sit et /ocutus (8) z.B. 2, 3, 1. 30-36 : .•. inui/111 ... 110/en1 ..• consentirel,· AMBROSIAST. quaul. lest. 2.7, 1 ••• ,onsensit... inuitus... 110/untarius. (9) quaul. Du/c. 6, 1. (10) quaesl. Du/c. 6, 2-4 = quae.rl.Simpl. 2, 3. (n) retract. 2, 1. (12.) CASSIOD. inst. diu. 1, 2, 3 hingegen gibt sie an.

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EINLEITUNG

XXVIII

gibt keinen Anlass an ihrer Echtheit zu zweifeln. Eine ret'l'actatio bringt er nur zu der in 1,1 behandelten, noch heute umstrittenen Frage nach dem Subjekt des Sprechers in Rom.7, 7-25. 1 ) Während Augustin die Worte des Paulus von dem Unvermögen zum Guten früher dem Menschen unter dem Gesetz zuschrieb, der noch nicht unter der Gnade steht, ist er im Verlaufe der Auseinandersetzung mit den Pelagianern zu einer pessimistischeren Auffassung vom getauften Christen gekommen. Später schienen ihm die Worte auch den geistlichen Menschen zu betreffen. 2} Zu der zweiten Frage hebt er die Bedeutung des Resultats hervor, zu dem ihn sein Bemühen um die Interpretation von Römer 9 geführt hatte. Es war ihm nicht mehr gelungen, den freien Willen des Menschen zu retten. Die Gnade hatte gesiegt. Den Gedanken, dass auch der Wille ein Geschenk Gottes sei, hat Augustin im Zusammenhang mit Quaestio 2,1 dann noch einmal berührt. In den beiden kurz vor seinem Tode verfassten Schriften De praedestinatione sanctorum und De dono perseuerantiae hebt Augustin die Bedeutung der zweiten Frage zum Römerbrief noch stärker hervor. Gott habe ihm die Lösung offenbart, dass der Mensch ohne vorauf gehendes Verdienst alles allein aus Gnade von Gott erhalte. 3) Beide Bücher von quaest.Simpl. sind, obwohl sie nicht dem literarischen Genus der Bibelkommentare angehören, doch sogleich in deren Tradition übernommen worden. Schon vor 410 hat Pelagius Gedanken aus dem ersten Buch in seinen Römerkommentar aufgenommen ;') und wenige Jahre später zieht Eucherius das zweite Buch bei der Erläuterung von Fragen aus den Büchern der Könige heran. 5) Zu klassischen Kommentaren aber hat erst Cassiodor die beiden Bücher erhoben, indem er sie in seinen Institutiones diuinarum litterarum in die Reihe der von ihm empfohlenen Kommentare zu den einzelnen Büchern der Bibel aufnahm. 8) Mit dieser Aufzählung hat er den Grund gelegt für Kompilationen von Bibelkorn(1) BENolT Pierre, Exegm und Theologi, (Exlgis, 11 thlologie, Paris 1961), übers. von REICH E.S. = Kommentare und Beiträgt z.11111Altm ,md Neuen Testament, Düsseldorf 1965, p. 223s, hält den Menschen unter dem Gesetz für das Subjekt, NYGREN Anders, Der Römerbrief, Göttingen '1965, p. 203-222, jedoch den Christen. JoNAS Hans, A11_~1stin und das pa11/inische Freiheitsproblem,Göttingen 1 1965, p. 63s, weist die Alternative als unangemessen zurück. (2) cf. 1, 1, l. 20/1, mit dem Apparat der Parallelstellen bei Augustin. In den ersten drei dort angeführten Werken herrscht die frühere Ansicht, nat. et gral. bedeutet einen Übergang, die späteren Werke enthalten die Auffassung vom Subjekt als dem Christen. (3) Nach dem Zusammenhang zu urteilen, in dem das Wort reutla11ilhier steht, ist es ein Hinweis auf Matth. 1 1, 2s ; cf. conf. 7, 21, 27 und p. XIX, n. 3. (4) cf. SouTER Alexander, in : Textsand Studies, 9, 1, Cambridge 1922, p. 187> und den Index auctor11111 dieser Ausgabe, p. II 9. (s) cf. Index au&1or11111, p. n6. (6) insl. di11.1, 2, 3 und 1, 8, 12.

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EINLEITUNG

XXIX

mentaren, wie wir sie von seiner Zeit an bis hin zu Thomas von Aquin antreffen. Cassiodor selbst machte mit dem Exzerpieren von quaest.Simpl. den Anfang, als er grosse Teile des ersten Buches in seine orthodoxe Bearbeitung von Pelagius' Kommentar zum Römerbrief übernahm. Da ja Pelagius seinerseits das Werk schon benutzt hatte, trifft hier sozusagen Augustin auf Augustin. Cassiodor hat in Pelagius' Erklärung der einzelnen Verse von Römer 7 viele kürzere Partien aus Quaestio1,r eingeschoben, nur wenige aus 1,2 in die Erklärung von Kapitel 9. Stattdessen folgen auf die Erklärung von Rom.10,12a mit einer besonderen Überschrift 1} fast die ganze Quaestior,2 sowie kurze Exzerpte aus dem zweiten Buch. Mit einem Verweis auf die Digression 2} wird dann die Erklärung von Römer 10 da fortgesetzt, wo sie unterbrochen worden war. Darüber dass der Einschub auf Cassiodor selbst zurückgeht, lassen seine eigenen Worte keinen Zweifel: Qui etiam scribens ad Simplicianum, episcopum M ediolanensem, sublimes et exquisitas de eadem epistula tractauit aliquas quaestiones ; quas nos praedicto codici3} iudicauimus inserendas ne, dum expositio diuisa quaeritur, legentis intentio noxie differatur.') Ob der Einschub aber ursprünglich an der jetzigen Stelle mitten in der Erklärung von Römer ro gestanden hat und ob er damals schon die nicht zum Thema gehörigen Exzerpte aus quaest. Simpl.2,1 und 2,2 enthielt,geht aus diesen Worten nicht hervor. In den folgenden zweieinhalb Jahrhunderten erscheinen in Kommentaren zu den Büchern der Könige bei Isidor Partien aus quaest.Simpl.2,1 und fast die ganze Quaestio 2,3, bei Claudius von Turin mehr oder weniger das ganze zweite Buch ;6} die Kommentare zu den Paulusbriefen von Beda und Florus, die aus Exzerpten aus Augustins Werken zusammengestellt sind, enthalten fast identische Partien des ersten Buches. 6) (1) Incipil expositio de libro sancti Augustini excerpla e locoad sanctumSimplician11111, De Jacobet Esau. Q11aelicet non in ordinelraclalus huius posila esse uideatur, /amen ideo praetermissanon est, quia necessariaalqueperfecta esl, el ob hoc hit (Grenoble 2.70 : in quaternion, ista) conscripta,ut loci ipsius obscuritatereuelata legentis senmm euidenter iJ/uminel,PL 68, 4 76 C. (2) Hie iam ortlinead tracla/11111 reuer.rusapostoli est, PL 68, 487 C. (3) cf. insl. diu. 1, 8, 1. (4) ib. 1, 8, 12. (p. 31, 9-13); cf. SouTER, in : Textsand Studies 9, 1, p. 319. (5) GREG. M. in 1 Reg. enthält keine Zitate aus q111Jesl. Simpl. lib. 2, ebensowenig BEDA quae.rl.Reg. (6) Der Kommentar zum Römerbrief des Hrabanus Maurus (PL 111) enthält bei Simpl., die aber für die der Auslegung von Rom. 7 und 9 Exzerpte aus q111Jesl. Textkritik dieses Werkes wertlos sind, derjenige des Sedulius Scottus (PL 103) keine, obwohl dort sicher Gedanken aus qNaest.Simpl. verwertet worden sind. Der Kommentar des Claudius Taurinensis ist noch nicht ediert. Handschriften davon habe ich nicht eingesehen, da auch die Exzerpte aus dem zweiten Buch in seinem Kommentar zu den Büchern der Könige nirgends zur Verbesserung des Textes beigetragen haben.

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EINLEITUNG

XXX

5. Datierung. Trotz dem Zeugnis des Gennadius, Simplician habe Augustin, als dieser noch Priester war, durch Briefe zu bibelexegetischen Arbeiten angetrieben und von ihm die Lösung vieler Fragen zur Bibel erhalten 1) - womit nur unser Werk gemeint sein kann -, ist an Augustins Aussage, quaest.Simpl. sei das erste Werk, das er als Bischof geschrieben habe, 2) nicht zu zweifeln; denn gerade mit der Besprechung dieses Werkes eröffnet Augustin das zweite Buch der Retractationes, das die Werke aus seiner Bischofszeit behandelt. Damit wäre eine genaue zeitliche Bestimmung gegeben, wenn das Datum von Augustins Bischofsweihe bekannt wäre. Seit Baronius 3 ) und den Maurinern') aber ist die Frage danach umstritten und meiner Meinung nach noch immer nicht überzeugend gelöst. 6) Da man umgekehrt versucht hat, die Bischofsweihe durch quaest.Simpl. zu datieren, möchte ich, um dem circulus uitiosus zu entkommen, die Datierung der Bischofsweihe hier auf sich beruhen lassen und lediglich auf deren feste Punkte verweisen, den terminus post quem, nach dem 4.5.395, auf Grund der Datierung von Epistula 29, die Augustin noch als Priester geschrieben hat, 6) und den terminus ante quem, den 28.8.397, als Augustin die Akten des dritten Konzils von Karthago schon als Bischof unterschrieb. 7) (1) uir. i/1. 37 (R1cHARDSON): Simp/icianus episcopusmu/tis epistu/is hortalllSes/ Augustinum adhuc presbyterum, agitare ingeni11111 et expositioni scripturartmJllll&ar1, •.. Vndeet mu/tas ad eiuspersonamscripturar11111 quaestionesabso/11il. (2.) 2, 1, 1 : Libror11111, q110s epis&opus e/abora11i,primi duo111111 ••• ; cf. praed. san&I.4, 8 : in ipso exordioepiscopatusmei, und ähnlich perseu. 20, s2 ; 21, ss. (3) Anna/es ecc/esiasti&i,Bd. s, Roma 1607, p. 13 : ad annum 395. (4) Vita san&tiA11g11stini 4, 1, 4, in der Mauriner-Ausgabe, Bd. II, 1, Paris 2 1838, c. 359s. (s) Darüber zuletzt PERLER Othmar, Das Datum der Bischofsweihedes heiligen des Etudes A11gt1Sliniennes II, 1965, 25-37. Zur Kritik möchte Augustinus, in : Re1111e ich hier nur zwei Punkte herausgreifen. Auf p. 28 führt P. selbst Beispiele für Prospers ungenaue Datierung kirchlich-literarischer Ereignisse an, die entgegen seiner Absicht gerade Zweifel an Prospers Datierung von Augustins Bischofsweihe in das Jahr 395 (chron. I, p. 463, 1204) aufkommen lassen. 'Die absolute Zeitbestimmung der Konsekration' überzeugt deshalb nicht, weil der zeitliche Abstand der von P. herangezogenen Briefe zu dem einzig datierbaren, episl. 29, sich nur vermuten, nicht aber genau bestimmen lässt. [Die erweiterte Fassung de saint Augustin, Paris 1969, p. 164-178, ist mir erst nach Abschluss in : Les 11oyages des Manuskripts bekannt geworden. Sie behebt meine Vorbehalte nicht.] Ausser der bei P. angegebenen Literatur cf. CASAMASSA Antonio, in : En&ic/opedia lta/iana, Bd. 1, 1929, p. 915, der für das Jahr 396 eintritt. (6) Cf. PERLER,l.c., p. 32s; [Les voyages... , 1969, p. 70, n. 1 ; 173]. (7) cf. MANs1 J.D., Sacror11111 &onci/ior11111 &olleclio,Bd. 3, Firenze 1759, col. 930. - cf. SoLIGNACA., Les Confessions= Bib/iothiqueAugustinienne,Bd. 13, Paris 1962, p. 49s. - Es Hesse sich ein noch früherer lerminusante quem gewinnen, nämlich der Todestag des Ambrosius am 4.4.~97, wenn aus der Bezeichnung beatissimipapa, Ambrosii in epist. 31, 8, demselben Brief, in welchem Augustin in § 4 dem Paulinus von Nola seine Erhebung zum Mitbischof des V alerius mitteilt, eindeutig

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EINLEITUNG

XXXI

Eine weitere Frage spielt bei der Datierung sowohl der Bischofsweihe als auch von quaest.Simpl. eine Rolle. Man meinte, die Weihe möglichst früh ansetzen zu müssen, um Augustin für die am Anfang des zweiten Buches der Retractationes aufgezählten Werke, darunter umfangreiche wie die Confessfones und Contra Faustum, genügend Zeit zuzugestehen. Doch ist auch die hintere Grenze dieses Zeitraums problematisch. Das im 2. Buch an achter Stelle besprochene Streitgespräch mit dem Manichäer Felix hat Augustin in den Dezember 404 datiert. 1 ) Da jedoch einige der danach aufgeführten Werke schon vor 404 entstanden sein müssen, ist an dieser Stelle die chronologische Folge der Werke in Frage gestellt. 2) Damit scheidet auch der Gesichtspunkt der für das Schreiben dieser Werke erforderten Zeitspanne aus. Untersucht werden muss jedoch, ob das Werk zu dem annähernd gesicherten Datum von Simplicians Bischofsweihe, bald nach dem Tode des Ambrosius am 4. April 397,3) in Beziehung gesetzt werden kann. Es wäre zu fragen, ob Simplician bereits Bischof war, als er Augustin seine Fragen stellte, und falls nicht, ob er es kurz vor oder erst nach der Übersendung des ihm von Augustin gewidmeten Werkes geworden ist. Zeugnisse darüber gibt es keine. Wir müssen deshalb versuchen, aus der Art, wie Augustin den Adressaten bezeichnet, Aufschluss darüber zu erhalten. Zarb hat darauf aufmerksam gemacht, dass Simplician in quaest.Simpl. nirgends als Bischof bezeichnet wird. 4) Dasselbe gilt auch für das Widmungsschreiben zu dem Werk, dessen Adresse lautet : Domino . .. patri Simpticiano A ugustinus in domino salutem. Über den Rang des Simplician besagt das jedoch nichts ; denn Augustin spricht Bischöfe in den ihnen gewidmeten Werken bald nur mit ihrem Namen an, 5 ) bald fügt er ihren Rang hinzu. 6) In den Adressen seiner Briefe bezeichnet er Bischöfe zwar für gewöhnlich mit coepiscopus oder consacerdos, doch setzt er mitunter auch nur ihren Namen. 7) hervorginge, dass Ambrosius damals noch am Leben war. Das müsste eine genaue Untersuchung von Augustins Sprachgebrauch in dieser Hinsicht ergeben. (1) retract. 2, 8, 2. (2) [Zur Datierung von c.Fe/. und zu den damit zusammenhängenden Fragen cf. PERLER 0., Les 11oyages •••, 1969, p. 25 5, n. 2 und 3.] Als Literatur hinzuzufügen Schriften, in : Zeitschrift für di, wäre WUNDT Max, Zur Chronologiea11g11stinischer Neutestamentliche Wissenschaft21, 1922, 128-135. (3) cf. p. XXI, n. 6. (4) cf. PERLER, Das Datum der Bischofsweihe,p. 26. (5) cf. op.monach.1, 1 : sanctefrater Aure/i. (6) cf. cur.morl. 1, 1 : coepiscopeuenerandePau/ine. (7) cf. epist. 38. 148. 253. Dass Simplician am Anfang des Werkes sowie in der Adresse des Widmungsschreibens pater genannt wird, ist Ausdruck von Augustins persönlichem Verhältnis zu ihm, nicht aber die einem Bischof zustehende Anrede. Das haben bereits die Mauriner hervorgehoben (Vita s. Auguslini 4, II, 2).

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EINLEITUNG

XXXII

In späteren Äusserungen über das Werk bezeichnet Augustin Simplician ausnahmslos als Bischof. Von dem Fragesteller heisst es : Hoc a me beatae memoriae Simplicianus M ediolanensis episcopus aliquando quaesiuit,1) und von dem Adressaten : Librorum ... duo sunt ad Simplicianum, ecclesiae M ediolanensis antestitem, qui beatissimo successit Ambrosio, de diuersis quaestionibus ,2} und in primo libro duorum, quos ad beatae memoriae Simplicianum scripsi, episcopum Mediolanensis ecclesiae, sancti Ambrosii successorem, ... cum ad episcopum Simplicianum, sicut dixi, scriberem.8) Nun hat man gesagt, Augustin habe Simplician so erst im Rückblick genannt. Das könnte sein. Doch fällt die Konsequenz der Bezeichnung auf. 4 } Beachtung verdient ausserdem, dass die Kennzeichnung des Adressaten als Bischof von Mailand und Nachfolger des Ambrosius in den Retractationes als Apposition in den Titel des Werkes eingeschoben ist. Auch diese enge Verknüpfung mit dem Titel könnte darauf deuten, dass Augustin den Rang des Simplician bezeichnet, den dieser zur Zeit der Übersendung des Werkes hatte, zumal Augustin in De ciuitate dei, wo er in einem anderen Zusammenhang lediglich eine Äusserung Simplicians wiedergibt, mit einer dort gar nicht erforderten Genauigkeit von Simplician als von dem späteren Bischof von Mailand spricht : sicut a sancto sene Simpliciano, qui poste a Mediolanensi ecclesiae praesedit, solebamus audire. 5) Für die Datierung des Werkes lässt die Art von Augustins Bezeichnung des Adressaten nur die Vermutung zu, dass er sein Werk dem Bischof Simplician gewidmet habe, also nach dem 4. April 397, ja dass dieser vielleicht auch schon als Bischof gefragt habe. Als gesicherter terminus post quem für unser Werk, das ja das erste aus Augustins Bischofszeit ist, kann jedoch nur der terminus post quem für seine Bischofsweihe, der 4. Mai 395, gelten. 6} Einen terminus ante quem, (1) quaest.Dulc.6, 2. (2) rllract. 2, 1, 1. (3) praed.sanct. 4, 8, fast gleichlautend in perseu. 20, 52 und 2 I, s5. (4) In den Confessiones,wo Augustin von einem Ereignis spricht, das vor Simplicians Bischofsweihe liegt, nennt Augustin ihn immer nur mit seinem Namen (8, 1, 1 ; 8, 2, 3-4; 8, 5, 10). (5) 10, 29. (6) MARTIN Josef, Abfassung, Veröffentlichungund Überlieferung110nAugustins Schrift 'De doctrina christiana', in : Traditio 18, 1962, 69-87, handelt auf p. 70-73 über die Datierung von quaesl. Simpl. Sein Ergebnis, die Schrift sei zwar nach dem 4.4.397 übersandt worden, es sei jedoch zwischen ihrem Abschluss und der Überreichung ein längerer Zeitraum anzusetzen, beruht auf Voraussetzungen, die zum Teil nicht stimmen. Ich möchte hier nur die wichtigsten richtigstellen. 1) p. 71 : Die Worte domin, 11eresancte et suscipiendepapa finden sich in epist. 37 nicht. 2) ib. : In einigen Hss kommt der Zusatz episcopuszu Simplicians Namen doch vor. 3) p. 72 : q111ust. Simp/. 1, 1, 1. 6/8 bezieht sich nicht auf einen früheren Entwurf des ersten Buches, sondern auf die Behandlung derselben Fragen in

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EINLEITUNG

XXXIII

der den in Betracht kommenden Zeitraum nach hinten begrenzte, haben wir nicht. Da Augustin aber vor dem 28. August 397 Bischof geworden sein muss und kaum längere Zeit verbracht hat, ohne an einem Werk zu arbeiten, wird er Simplician die Antwort auf dessen Fragen noch im Jahre 397, spätestens aber im Frühjahr 398 übersandt haben. 1) II. Die Überlieferung. 1. Verzeichnis der Handschriften. 1) a) Handschriften, die das ganze Werk oder ein vollständiges Buch enthalten : BRUXELLES,Bibliotheque Royale 1.• II.1072 saec.XIII, foll.102r-111v: ,et,., ep.37 (AHZ) 2.• 119-124 a.1466 (Korssendonck), foll.9ov-103v (S) 3.• 1235-53 saec.XV, foll.133r-156v : ep. 37, ,et,. (S) CAMBRIDGE, Trinity College 4.• 64.B.2.21 saec.XIVin., foll.95r-114r : ,et,., ep.37 (TV) CESENA 5. D.XXI,V saec.XV, foll.114v-133r : ep.37 FIRENZE,Biblioteca Laurenziana F 6. 0 Medic.-Fesul.X saec.XV, foll.261v-277v : ,etr., ep.37 (S) HEILIGENKREUZ

,

H 7. 241 saec.XII/XIII, foll.79v-92r : lib.2 (AHZ) KöLN, Dombibliothek 8.* 77 saec.XII, foll.73v-102v: ep.37 (AHZ) LENINGRAD, Publichnaja Biblioteka 0

früheren Werken, cf. den zugehörigen Apparat der Parallelstellen bei Augustin. 4) ib. : epist. 31 ist an Paulinus von Nola und seine Frau Therasia gerichtet, nicht an Paulinus von Mailand, den späteren Biographen des Ambrosius. 5) p. 77 : epist. 37, 1. 4-6, sind mit donorumsuorumAugustins literarische Arbeiten gemeint, 111uner11111 spirita/i11111, 1. 19, und dei data, I. 29, zeigt, wie der Vergleich mit 0111ni11111 nicht aber seine Erhebung zum Bischof. ( 1) Ein dringendes Desiderat für die Augustinforschung wäre eine Chronologie, die nur Gesichertes enthielte : von datierbaren Ereignissen und Werken die post quemund anlequem.Hinzukommen müsste Daten, für alle übrigen den termi1111s eine relative Chronologie von Ereignissen und Werken, soweit sie sich aus ausdrücklichen Verweisen erschliessen lässt. Absehen müsst man dabei von den relract., weil deren chronologische Folge nicht überall als gesichert gelten kann. Bisher erfordert es unverhiltnismässig viel Mühe herauszufinden, welche von den in der Literatur angeführten Daten wirklich gesichert und welche nur erschlossen sind. (2) Ein Sigel am Rand kennzeichnet die für die Edition benutzten Handschriften, 0 die vollständig kollationierten, * diejenigen, in denen Stichproben gemacht worden sind. Auf die Bezeichnung der Handschriften folgend bedeutet retr. bzw. ep. 37, dass in der Hs retracl. 2, 1, bzw. episl. 37 dem Werk voraufgeht, lib. 1 oder 2, dass jeweils nur eins der beiden Bücher in der Hs enthalten ist. Darauf folgt in Klammern die Angabe, zu welcher Hss-Familie der Text in der betreffenden Hs gehört. - Von folgenden Hss sind Mikrofilme im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft : Nr. 1-4. 6-9. n-12. 15. 18-27. 29-32. 35. - Zu den von den Maurinern benutzten Hss cf. p. LXI s.

xuv

J

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EINLEITUNG

XXXIV

C 9. 0 Q.v.I.3 a.397/426 (Corbie), foll.1bisr-49r 1)

:

ep.37 (C)

LILIENFELD

10.* 105 saec.XV (Klein-Mariazell}, foll.72v-83v : lib.2 (AHZ) LONDON,British Museum 11. 0 Add.17291 saec.XII, foll.46r-72r : ep.37, retr. (8) 12.* Royal 5.C.VI saec.XIV, foll.186r-197r : ep.37 (TV) MANTOV A, Biblioteca Comunale 13. D.111.3 (num.progr. 429) a.1468, foll.44r-57r : ep.37, lib.1 MELK 14. 610 (124 C.2) saec.XV, foll.183r-199v : lib.2 MILANO,Biblioteca Ambrosiana A 15. 0 R.42 sup. saec.X/XI (Bobbio), foll.79v-106v : ep.37, lib.1 (AHZ)

B

P

Z

T V

16. R.68 sup. saec.XV (Pizolpasso}, foll.118r-152v MILANO,Biblioteca Nazionale Braidense 17. AD.IX.16 saec.XV, foll.39v-69r : retr., ep.37, lib.1 OXFORD,Bodleian Library 18. 0 632 saec.X 0 ., foll.IIIv-46r : ep.37 (8) Oxi'ORD, Brasenose College 19.* 122) saec.XV, foll.49v-64v : ep.37 (TV) OXFORD,Merton College 20.* Coxe XIV saec.XIII, foll.239r-246r : ep.37 (TV*HZ) PARIS,Bibliotheque de l' Arsenal 21. * lat.350 saec.XV (Saint-Victor), foll.55r-73v : ep.37 (TV) PARIS, Bibliotheque Nationale 0 22. lat.2033 saec.XII/XIII (Saint-Amand-en-Pevele), foll.2v-23r : ep. 37, retr. (e) STUTTGART, Württembergische Landesbibliothek 23. 0 theol.fol.207 saec.XII (Zwiefalten), foll.64r-92r: ep.37 (AHZ) TRIER, Stadtbibliothek 24.* 156/1213 saec.Xv11n. (St.Matthias), foll.148r-163r: retr., ep.37 (S) 25.* 165/1217 saec.XV (Mainzer J esuitenkolleg), foll.24v-33r: lib.2 (ö) TROYES 26. 0 40 11 saec.XII (Clairvaux}, foll.12rr-137r : retr., ep.37 (TV} VALENCIA,Biblioteca de la Catedral 27. 0 59 saec.XIV, foll.159v-168v : ep.37 (TV) VALENCIA,Biblioteca Universitaria 28.* 483 (29) saec.XV, foll.5ov-7or: retr. (8) VATICANO, Citta del 29.* lat.445 saec.XV, foll.273v-284r: retr., ep.37 (AHZ) 30.* lat.500 saec.XV, foll. 38or-406v : ep.37 (AHZ) 31.* lat.501 a.1452, foll.133v-15ov: retr., ep.37 (AHZ) VENEZIA,Biblioteca Marciana ( 1) In der Hs falschlich als fol. 5o bezeichnet. (2.)Deponiert in der Bodleian Library.

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EINLEITUNG

XXXV

32. • 1801 a.1471, foll.65r-78v : retr., ep.37 (8) 33. 2069 saec.XV (Sancti Leonard.i prope Veronam), foll.49r-77V: ep.37 WIEN, Österreichische Nationalbibliothek 34.• 4603 saec.XV, foll.179r-185v : lib.2 (AHZ) ZWETTL

35.• 296 saec.XII/XIII,

foll.197r-215v : ep.37, retr., lib.1 (AHZ) Zeitliche Übersicht über die Handschriften : saec. Nr.

1. 2. ff

0

3. 0

V 9 X 15.18 XII 7-8.11.22-23.26.35 XIII 1.20 XIV 4.12.27 XV 2-3.5-6.10.13-14.16-17.19.21.25.28-34 XVI 24 Über die örtliche Verteilung der Handschriften lässt sich, selbst wenn ihre Herkunft in den meisten Fällen unbekannt ist und man deshalb von ihrem jetzigen Aufbewahrungsort ausgehen muss, doch etwa sagen, dass 8 im Westen verbreitet war (England, Frankreich, Brüssel, Trier), AHZ im Osten (Süddeutschland, Österreich, Norditalien) und TV wieder im Westen (England, Frankreich, Spanien), während C vermutlich aus Afrika stammt. b) Handschriften, die Exzerpte 1) aus dem Werk enthalten : BRUXELLES,Bibliotheque Royale 11733-39 saec.XV, foll.93r-112v : Exzerpte aus verschiedenen Werken, u.a. aus quaest.Simpl. GRENOBLE 270 saec.XII, foll.16r-18r : Exzerpte aus quaest.Simpl. 1,2; 2,1 und 2,22) (ß) NAPOLI,Biblioteca Nazionale Vind.lat.2 saec.VIII, foll.34v-35v : epist.37 und quaest.Simpl. 2,3

4. g 5. 0

PARIS, Bibliotheque Nationale lat.2755 a.1711/8 (Jean Hardouin), foll.5r-2or: Exzerpte aus quaest.Simpl. PARIS, Bibliotheque Sainte-Genevieve lat.214 saec.XIII, foll.1v-13v : retract.2,1 und quaest.Simpl. 1,1,2 bis zum Schluss (S) RoMA, Biblioteca Casanatense ( 1) Exzerpte unterscheiden sich von einzeln überlieferten vollständigen Büchern durch ihre Oberschrift oder durch ihre Umgebung. (2) HAMBURG theol. 1046 saec. XIII/XIV, Nr. 9 : Ex libro S. A11g111tini ad de Jacobet Esau expo1itioist nach Mitteilung der Bibliothek endgültig Simpli&ia1111111 nicht mehr aufzufinden.

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CASSIOD. (cod. Grenoble 270)

EINLEITUNG

XXXVI

, 6. 0 641 (B.IV.18) saec.lX (Benevent), foll.188v-189r : quaest. Simpl.2,4 Von diesen Handschriften stammt je eine aus saec.VIII. IX. XII. XIII. XV und XVIII.

Beschreibung der für die Edition benutzten Handschriften der direkten Überlieferung. Von den mir zu quaest.Simpl. bekannt gewordenen 35 Handschriften habe ich unter dem Gesichtspunkt des Alters und möglichst verschiedener Herkunft sowie auf Grund von Kollationen und Stichproben 10 als Grundlage für die Edition ausgewählt. 2.

C Leningrad, Publichnaja Biblioteka

Q.v.I.3 1)

a.397/426 1)

LowE E.A., Codices Latini Antiquio,es, Bd.11, Oxford 1966, Nr.1613, Bibliographie auf p.32 MuTZENBECHER, Codex Leningrad, Bibliographie auf p.406-410. Inhalt : AVGVSTINVS fol.1bisr.v epist.37; foll.1bisv-29v quaest. Simpl.lib.I ; foll.29v-49r 8) id.lib.2 ; foll.49r-86r c.epist./und. ; foll.86r-106r agon. ; foll.106r-152r doctr.christ.lib.1.2. Beschreibung : feines weisses Pergament; 153 foll. von 309 : 250 mm mit zwei Kolumnen von 28 Zeilen. Die Hs ist sehr gut erhalten. Die Schrift ist eine Unziale vom ältesten Typ und, wie ein Vergleich mit anderen Hss zeigt, afrikanischer Herkunft.') Für das Titelblatt ist Capitalis quadrata verwendet, sonst sind Titel sowohl wie Kolophone in grösserer Unziale und im Unterschied zum Text mit Worttrennung geschrieben. Die ersten drei Linien eines jeden Werkes sind mit roter Tinte geschrieben ; bei einigen Kolophonen wechseln rote und schwarze Linien. An Lesezeichen gibt es einen Punkt in mittlerer Höhe, dasselbe mit folgendem Spatium, ein Spatium ohne Punkt oder einen vor den Schriftspiegel gezogenen grossen Buchstaben. Sie dienen sowohl zur Worttrennung und zur Kennzeichnung hebräischer Namen als auch zur Bezeichnung von Sinnpausen, vornehmlich grösserer Pausen, sowie von Anfang (1) Kollationiert nach einem Mikrofilm, den Abt E. DEKKBRS von Steenbrugge mir freundlich zur Verfügung gestellt hat. (2) Zur Datierung cf. MUTZENBECHER, Codlx Leningrad,p. 432-435. (3) In der Hs versehentlich als fol. 5o bezeichnet. (4) LowE, CLA 11, 1613 : a 10111n,hat angular11ntial of Jh, oldesltype111ith a dislin&I

Afri,an j/a1Jour.

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EINLEITUNG

XXXVII

und Ende von Zitaten. 1) Dieser Übergang von der Wort- zur Satzinterpunktion ist ein Zeichen für das hohe Alter der Handschrift.1) Das Mass des Gebrauches von Satzinterpunktion wird ersichtlich aus einem Vergleich zwischen der Interpunktion einiger längerer Bibelzitate in dieser Hs und deren Schreibweise in der Vulgata per cola et commata, 8) die uns die antike Satzgliederung erkennen lässt.') Das Ergebnis zeigt die folgende Tabelle. Absätze Interpunktion in der quaest. in C Simpl. Vulgata Zitat

1.686/7 adplicauit / 6) 17 688 illorum• 1 Spat. 693 altissimi• 693 unum 1 • 1 Reg.16,15-16 2,1,272/6 273 eum• 7 274 noster/ 320 habeam/ 11 1 Cor.13,1-3 2,1,318/25 322 transferam / 324 meam/ 1 Cor.12,7-11 331 uirtutum• 12 2,1,327/34 331/2 prophetia• 334 uult• Bedenkt man, dass sowohl das Zeilenende als auch der Punkt keine eindeutigen Pausenzeichen sind, sondern dass das erstere keine Beziehung auf den Sinn zu haben braucht, der letztere auch für Worttrennung benutzt wird, so ergibt sich, wie unregelmässig und sparsam diese Zitate in C durch Zeichen gegliedert sind. Das hier gewonnene Bild gilt ebenso für den übrigen Text von quaest.Simpl. Als Kürzungen kommen im Text ausser b· und q• nur Nomina Sacra vor. Hervorzuheben wären dms, dm1, dmo, dom, dme. Für noster kommt ii vor. Die Orthographie weicht selten von der Norm ab. Typisch, wenn auch nicht durchweg gebraucht, sind : qum und quum, qur und quur, quuius sowie scribtus und scribtura. Korrekturen in Unziale gibt es aus verschiedener Zeit, darunter die des Schreibers der Hs, (alle= C1} c• und ausserdem Korrekturen in Minuskel ( = C8). Es finden C1 sich einige lateinische und einige griechische Marginalien, die Sir.33,10-15

1,2,683/693

(1) cf. MUTZENBECHER, Codex Lmingrad, p. 414-417, wo Beispiele für die Worttrennung und alle Belege für hebräische Namen aufgeführt sind. (2) cf. MOLLER Rudolf Wolfgang, Rhetorilch, und syntaktisch, lnt1rp1111leti011. Unt,rmchungen z.ur Pammb,z.eichnung im antilem Lat,in, Diss. Tübingen 1964, p. 34-37. (3) Nach der Ausgabe von WEBER Robcrtus, Stuttgart 1969. (4) cf. MÜLLER (siehe n. 2), p. 28-33. - Siehe dazu die Abbildung von fol. 26v. (s) Das Zeilenende kann die Funktion eines Lesezeichens übernehmen.

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EINLEITUNG

XXXVIII

sich auf den Inhalt beziehen. Sie scheinen beide etwa um 700 in Norditalien eingetragen worden zu sein. 1) Der Schrift nach stammt die Hs, wie wir sahen, aus Afrika. Nach den Marginalien zu schliessen, muss sie um 700 in Norditalien gewesen sein. Später ist sie nach Corbie gekommen, wo sie im zweiten Katalog des Klosters aus dem 11./12. Jahrhundert als Nr.17 bezeugt ist. Von 1638-1791 ist sie in SaintGermain-des-Pres gewesen und von da aus nach Petersburg gekommen. Die Mauriner haben die Hs für ihre Augustin-Ausgabe benutzt, ebenso später die Editoren des Wiener Corpus, und auch für die Ausgabe von doctr.christ. im Corpus Christianorum ist sie herangezogen worden. A Milano, Biblioteca Ambrosiana R.42 sup. 2) saec.X/XI

PEYRONAmedeus, M. Tulli Ciceronis orationum . . . /ragmenta inedita, Stuttgart/Tübingen 1824, p.28.193-195 ÜBERLEITNER,Augustinus-Oberlie/erung, Bd.1, l, p.127. Inhalt : l. IOHANNES CHRYSOSTOMVS adhort. ad Theoa.l ; 2. Psalmi quos beatus H ieronimus ordinauit pro penitentia esse canendos; cf. Clauis Nr.629; 3. Expositio beati Hieronymi in psalmum CXVIII, inc. Centesimus octauus decimus psalmus magnum in se -, PL 100, 597; 4. AvGVSTINVSfoll.79v-8or epist. 37; foll. 8or-106v quaest.Simpl. lib. 1 ; 5. CAESARIVS serm. 55; 6. serm. 158; 7. serm. 16; 8. serm. ARELATENSIS 10,2-3; 9. PSEVDO-AVGVSTINVS serm.Leclercq 2 (Clauis Nr. 419) ; 10. serm. 251. Beschreibung: Pergament; I +118 Folien (fol.118 ist Palimpsest) von 227 : 178 mm mit 25 Langzeilen auf der Seite. Die Lagen sind durch römische Zahlen bezeichnet. Die Hs ist gut erhalten, nur auf einigen Blättern ist die Tinte etwas verblasst. Die Schrift ist eine Minuskel. Die Folien 79v-106v sind von mindestens zwei Schreibern geschrieben, ein Wechsel ab fol. 85v. Kürzungen werden verhältnissmässig wenig gebraucht. Zu erwähnen wären vielleicht das Zeichen p für post und ihl für Israel. Auffällige und wohl aus älteren Vorlagen stammende Orthographica sind die fast ausnahmslose Schreibung von ( 1) Zu Kürzungen cf. MUTZENBECHER, Cod,x Leningrad,p. 418s, zu Orthographie und Silbenteilung ib., p. 419-427, zu Korrekturen ib., 428s, zu Marginalien

ib., p. 429-431. (2) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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EINLEITUNG

XXXIX

quu1',die ja auch für C charakteristisch ist, sowie von inquid. Korrekturen sind selten und stammen zum grössten Teil vom Schreiber selbst oder von zeitgenössischen Händen. Sie werden im kritischen Apparat alle mit A 2 bezeichnet, nur eine einzige viel spätere mit A 8 • Auf fol.rr7v findet sich die Eintragung : Hunc tibi Christe deus librum Theodorus offert, die sich vermutlich eher auf den Stifter als auf den Schreiber bezieht. An fünf verschiedenen Stellen steht von Händen des 15. Jahrhunderts ein Vermerk, dass die Hs nach Bobbio gehört. Am unteren Rand von fol.rr wird dazu als Signatur die Nummer 97 angegeben. Unter dieser Nummer findet sich die Hs im Katalog des Klosters von 1461, cf. PEYRON,p.28.193s. Auf fol. rv ist vermerkt, dass die Hs im Jahre 1606 von Bobbio in die Biblioteca Ambrosiana gekommen ist. Goldbacher hat die Hs für seine Edition von Augustinus epist. 37 benutzt, wo er sie mit dem Sigel A bezeichnet. B

Oxford, Bodleian Library 6321) saec.XI MADAN F., CRASTERH.H.E. & DENHOLMN., A Summary Catalogue of Western Manusc,ipts in the Bodleian Library ... , Bd. 2,1, Oxford 1922, p.133, Nr. 1957. YoUNG

Inhalt : A 2) : AvGVSTINVSfoll.Illv-rr epist.37; foll.rv-3ov quaest.Simpl.lib.r; foll.3ov-46r id. lib.2. - B : AvGVSTINVS foll.47T-63r (eine Lage fehlt zwischen fol.62v und fol.63r) diuet's.quaest. 69.73.74.66.68.67.57,1-2.53,r (Fragment) 8). 62 (Fragment)') ; foll.63r-65r nicht identifiziert, inc. : confirmauit. nondum dixit apposuit -, expl. : - benedixit filios tuos in te ; foll.65v-67v fiktiver Brief an einen Erzbischof von Bordeaux. Beschreibung: Pergament; A+B+C haben zusammen III+ 120 Folien, von 216 : 152 mm. In A sind 23 Langzeilen auf der Seite. Dieser Teil der Hs ist gut erhalten. Die Hs ist in Minuskel geschrieben. Korrekturen stammen aus verschiedenen Zeiten ; mindestens drei Hände - die erste gleichzeitig mit dem Schreiber - lassen sich, wenn auch nicht in jedem einzelnen Falle, unterscheiden. Sie werden alle mit (1) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Fotschungsgemeinschaft. (2) Die Hs setzt sich aus drei verschiedenen Hss A.B.C zusammen. A und B stammen aus dem 11 ., C aus dem 15. Jh. Bei der Beschreibung wird nur Teil A berücksichtigt. (3) Bis 111ha1&i111pler1,PL 40, c. 3 5, 1. I 6. (4) Ab spt,i, spirilm 1an&IIIS11inn111si, int,llegmdllm111, PL 40, c. 54, 1. 35.

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EINLEITUNG

XL

B 2 bezeichnet. Von einer Hand, die aus einer späteren Zeit datiert als die des ersten Korrektors, sind ab und an ua,ias lectiones über die entsprechenden Wörter des Textes geschrieben worden. 1) Der äussere Rand der Blätter ist mit Zeichen für nota und kurzen Hinweisen auf den Text gefüllt. Auf foll.31v und 32r ist der Rand quer zum Schriftspiegel eng in Kursive beschrieben. 2) Die Hs ist vielleicht in Frankreich geschrieben und vermutlich zu Anfang des 17. Jahrhunderts an die Bodleian Library gekommen. Goldbacher hat die Hs, der er das Sigel O gegeben hat, für seine Edition von epist.37 benutzt.

F Firenze, Biblioteca Laurenziana Medic.-Fesul.X 8)

saec.XV

ÜBERLEITNER,A ugustinus-Übe,Uef e,ung, Bd. I, I,

p.64.

Inhalt : Werke von AvGVSTINVS,an 104. Stelle : fol.261v ,etract.2,I ; foll.26rv-262r epist.37 ; foll.262r-271r quaest.Simpl. lib.r ; foll.271r-277v id. lib.2. Beschreibung : Pergament ; 304 Folien, in zwei Kolumnen mit 50 Linien beschrieben. Die Hs ist gut erhalten. Die Schrift ist eine Minuskel. Über den Seiten steht die laufende Überschrift - AvG. AD SIMPLICIANVM L.I (11). Die Hs ist im Auftrag von Cosimo de' Medici geschrieben worden.

H Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek 2411)

saec.XII/XIII Xenia Be,na,dina : Sancti Be,na,di . . . octauos natales saeculares ... celebrantes Antistites et Conuentus Cistercienses prouinciae Aust,iaco-Hungaricae, pars secunda: Handschriften-Verzeichnisse. Die Handschriften-Verzeichnisse de, Cisterciense,-Stifte ... , Bd.1, Wien 1891, p. 181s.

Inhalt: AvGVSTINVS foll.1v-58v serm.dom. ; foll.59r-79r epist.

( 1) Im kritischen Apparat mit 11. /. B angeführt. (2) Die Tinte ist so verblichen, dass ich den Text nicht lesen konnte. (3) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Fonchungsgcmcinschaft.

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EINLEITUNG

XLI

147 ; foll.79v-92r 1) quaest.Simpl. lib. 2 ; foll.91r-103r quaest. Dulc. ; 5. ANONYMVS: De praedestinatione disfrutatio ypomnesticon, inc. : Adde,-e etiam hoc quam -. Beschreibung : Pergament; 108 Folien mit 28 Langzeilen auf der Seite. Die Hs ist gut erhalten. Sie ist in Minuskel von mehr als einem Schreiber geschrieben. Die Korrekturen stammen vermutlich vom Schreiber selbst.

p

Paris, Bibliotheque Nationale lat.2033 1) saec.XII/XIII LAUER PH., Bibliotheque Nationale. Catalogue general des manusc,-its latins, Bd.2, Paris 1940, p.287s. Inhalt : AvGVSTINVSfol.2v epist.37 ; foll.2v-3r retract.2,1 ; foll.3r-14v quaest.Simpl. lib.1 ; foll.14v-23r id. lib.2; fol.23r 1'etract.1,12 + mag. ; fol.36r retract.1, 9 + lib.arb. ; fol.78r.v retract.2,65 ; foll.78v-86v quaest.Dulo. ; fol.86v retract.1,23 + in Rom. ; fol.98v 1'etract.1,24 + in Gal.; fol.117v retract.2,56 + anim. ; foll.15ov-152v sermo ARIANORVM (PL 42,677-684) ; AvGVSTINVS fol.152v retract.2,52 + c.Arrian. ; fol.164r epist. 36 ; fol.171v serm.351 ; fol.177v contin. ; fol.187v epist.143, 5-11.

Beschreibung : Pergament ; 187 Folien von 390 : 265 mm mit zwei Kolumnen von 39 Zeilen. Die Handschrift ist gut erhalten. Die Schrift ist eine frühgotische Minuskel. Als laufender Titel steht über der Seite ad Simplicianum lib. I (II). Der Text ist sorgfältig interpungiert. Wenige Kürzungen sind verwandt werden. Hervorzuheben wäre spe für spiritus, nur gelegentlich findet sich auch sps. Die seltenen Korrekturen stehen am Rand ; es sind einzelne Buchstaben und nur ausnahmsweise ein ganzes Wort. Als Marginalie steht auf fol.16r ein Hinweis auf die Retractationes. Die Hs kommt aus S.Amand-en-Pevele, wie das Ex-libris auf fol.rr und 2r zeigt, und hatte dort die Signatur A 48. Spätere Signaturen sind Le Tellier de Reims 257 und Regius 36331 • (1) Eigentlich fol. 91; bei der Zihlung ist die Zahl 87 ausgelassen. (2.)Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungs-

gemeinschaft.

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EINLEITUNG

XLII

Z Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek theol.fol.207 1) saec.XI/XII LÖFFLER Karl, Die Handschriften des Klosters Zwiefalten, Linz 1931, p.3os.

Inhalt : AvGVSTINVSfoll.1v-17r serm.46; foll.17r-3ov serm. 47 ; foll.3ov-42r un.bapt. ; foll.42r•48v LEo M. tractatus aduersus errores Eutyclietis ; AvGVSTINVS foll.48v-52r psalm.c.Don. ; foll.52v-64r in Rom.imperf. ; fol.64r.v epist.37 ; foll.64v-8u quaest.Simpl. lib.1 ; foll.8u-92r id. lib.2 ; foll.92r-103v quaest. Dulc. ; foll.103v-109r PsEvno-AvGVSTINVS hypomn. lib.6; foll.109r-111v Augustinus ad Vincentium, inc. : Frustra filii mali iustos vos dicitis - ; fol.111v S. Augustinus et caeteri episcopi ad Donatistas, inc. : Si id quod uobis praestitit deus - ; AVGVSTINVS foll. lllV-l21V epist.153; foll.121v-131r epist. 149 ; foll.131r-132v epist.189 ; foll.132v-133r S. Augustini epistola ad Bonifacium, inc. : Vt enim constitueretur in ecclesia-; foll. 133r.v S.Augustini epistola ad Emeritum, inc.: Et illud non est tacendum etiam cognitos - ; foll.133v-141r(?) S. Augustini epistola ad Donatistas, inc.: Quid ad nos pertinet de sarcinis -. Beschreibung : Pergament ; 142 Folien von 255 : 180 mm, mit 30 Langzeilen auf der Seite. Die Handschrift ist sehr gut erhalten. Die Schrift ist eine Minuskel. Unter den Kürzungen fallen auf : epc, spe neben sps, sowie ihc. Die Kürzung epc für episcopus scheint selten zu sein. Im Supplement von LINDSAY, N otae, wird als Zeuge dafür nur Bern 292, eine Hs aus Metz von etwa 1060, angeführt. Dieselbe Hs sowie Stuttgart H.B. VII 29, eine Hs aus Konstanz von 1034/46. werden als Zeugen für spe angeführt. Die Form ihs für Jesus scheint häufiger vorzukommen. 2) An Korrekturen kommen vorwiegend Umstellungen vor, die durch übergeschriebene Buchstaben (a, b, c) oder durch je zwei Punkte bezeichnet werden. Die wenigen anderen Korrekturen scheinen vom Schreiber selbst zu stammen, mit Ausnahme von zwei über der Linie eingefügten uariae lectiones auf fol.7ov. Als Marginalie findet sich in quaest.Simpl. ein Verweis auf die entsprechende Stelle in quaest.Dulc. Auf fol.rr wird als Eigentümer der Hs das Kloster Zwiefalten angegeben : liber sancte Marie de Zuiuilda. ( 1) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft. (2) cf. LINDSAY, Nota,, Supplement, p. 6s.

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XLIII

T

Troyes, Bibliotheque Municipale 4on 1) saec.XII (vor 1153)2) Catalogue general -

4°, Bd.2, 1855, p.33-42.

Inhalt : Die Hs enthält 13 Werke von AvGVSTINVSin der Reihenfolge der Retractationes von serm.dom. bis nat.bon. (wenn man von einigen Auslassungen absieht) : fol.121r.v ,etract.2,1 ; fol.121v epist.37 ; foll.121v-131r quaest.Simpl. lib.1 ; foll.131r-137r id. lib.2. Beschreibung: Pergament; 207 Folien von 490 : 340 mm, in zwei Kolumnen zu 41 Zeilen beschrieben. Die Hs ist gut erhalten. Die Schrift ist eine sorgfältige frühgotische Minuskel. quaest. Simpl. ist von einem einzigen Schreiber geschrieben. Der laufende Titel oben auf den Seiten lautet : Ad Simplicianum episcopum Uber primus ( secundus). Eine sinnvolle Interpunktion ist konsequent durchgeführt. Korrekturen kommen kaum vor. Die Hs ist in Clairvaux geschrieben 3) und illuminiert worden.') Sie ist der zweite Band einer Sammlung von Augustins Werken kleineren und mittleren Umfangs, die zu Lebzeiten des hl. Bernhard in Clairvaux zusammengestellt worden ist. In den Katalogen von Clairvaux, dem Fragment von 1186/ 1200 sowie dem vollständigen von 1472, ist diese Sammlung beschrieben. In dem späteren Katalog trägt unsere Hs die Nummer F.79. 6) V

Valencia, Biblioteca de la Catedral saec.XIV 591 ) ÜLMOS CANALDA E., Catdlogo descriptivo : Codices de la Catedral de Valencia, Valencia 2 1943, p.52s.

(1) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft. (2.)Die Augustin-Sammlung, von der Troyes 4oD ein Teil ist, wird in einem Brief erwähnt, der vor 1153 geschrieben ist; cf. LECLERCQJ., Les manuscrits de l'abbayede Liessies,in: ScripJorium6, 1952., 51s. (3) cf. ib. (4) cf. DIMIERA., Saint &rnard et J'arl. Extrait de Sinl Bernardu.rvan ClairtJaux, G,dm/eboelt:,1953, p. 2.95-306; Zusammenfassung in: Scriptorium9, 1955, 174. (5) Zu dem ganzen Absatz cf. DE GHELLINCKJ., Une ldilion 011 une co//eclion mldiha/e des opera omnia de saint Augustin, in : Liber F /oridu.r.Mille/lateinische Studien (Festschrift Paul LEHMANN),hg. v. BiscnoFF B. und BRECHTERS., St. J., l.c., p. 51-53. Ottilien 1950, p. 63-82.; LECLERCQ

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XLIV

Dulc.

,et,act. CASSIOD.

ISID.

Inhalt : Schriften von BEDA und anderen ; AVGVSTINVS fol. 159r epist.37 ; foll.159r-164v quaest.Simpl. lib.r ; foll.164v168r id. lib.2. Beschreibung : Pergament ; 175 Folien von 400 : 280 mm in zwei Kolumnen zu 68 Linien beschrieben. Die Schrift ist zum Teil fast verlöscht und kaum zu entziffern. Die Hs ist in Minuskel geschrieben. Zur Bezeichnung von Abschnitten und Zitaten dienen Paragraphenzeichen oder grosse Initialen. 3. Die indirekte Überlieferung. Für den Text von AvGVSTINVS, De VIII Dukitii quaestionibus 6,2-4, sind cod. Boulogne 48, saec.IXtnc• (=B), cod. Leningrad F.v.I.10, saec.VIIIex• (Corbie) (=C), die Hs P dieser Edition 1) sowie die drei indirekten Zeugen Eugipp, Isidor und Claudius Taurinensis herangezogen worden. Diese Autoren haben Quaestio 2,3 nicht quaest.Simpl., sondern indirekt quaest.Dulc. entnommen. Das zeigt sich daran, dass das Wort inquam, mit dem Augustin das Exzerpt dort als solches kennzeichnet, bei allen dreien steht. Für Eugipp habe ich die Ausgabe von Knöll 2) benutzt; zu den beiden anderen Autoren siehe unten. Die Zitate aus Retractationes 2,1 sind nach der Ausgabe von Knöll 3 ) verglichen worden.') Für die Institutiones diuinarum litterarum von Cassiodorus habe ich die Edition von Mynors 6) benutzt. Für den Kommentar zum Römerbrief habe ich ausser der unter dem Namen des Primasius Adrumetanus 1537 erschienen Erstausgabe von J. Gagney 6), abgedruckt in PL 68, 415-506, die einzige jetzt noch zu dem Werk vorhandene Hs, Grenoble 270 vom Ende des 12. Jahrhunderts, 7) benutzt, die Souter nicht für die Vorlage der Erstausgabe hält. Dort ist der Kommentar anonym überliefert. Für die Fragen zu den Büchern der Könige von Isidor ist zu der Ausgabe von Faustinus Arevalo (7 Bände, Roma 17971803), abgedruckt in PL 83, 391-410, cod.Autun 27 aus der (1) Zu B cf. L1NDSAYW.M., PalaeographiaLatina, Bd. 2, London 1923, p. 33; zu C cf. DoBIAs-RoznESTVENSKY0., Codice.rCorbeien.re.r Leninopolitani= Acad. de.r.rcimce.r d, /'URSS. T,-a11aux de /'Institut de l'hi.rloirede Ja scienteet de Ja lechni(Jllt> ser. 2, fase. 3, Leningrad 1934, p. 143s ; ZU p cf. p. XLI. (2) KNÖLL Pius, CSEL 9, 1, 1885. (3) KNÖLL Pius, CSEL 36, 1902. (4) Dabei hat sich gezeigt, dass Knöll zweimal zu unrecht die Lesart der von ihm bevorzugten Hss-Gruppc CDER in den Text aufgenommen hat: p. 131, IJ de.r,ribitur(richtig de.r,ribatur)und p. 133, 18 .ran,(richtig plan,). (5) MYNORS R.A.B., Oxford 1 1961. (6) Lyon 1537. (7) Beschreibung bei SoUTERA., in : Textsand Studies 9, 1, Cambridge 1922, p. 325-326.

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EINLEITUNG

XLV

Mitte des 7. Jahrhunderts, geschrieben in westgotischer Halbunziale, 1 ) verglichen worden. Eine Ausgabe von Bedas Exzerpten-Sammlung aus augustinisehen Werken zu den Paulus-Briefen bereitet Dom Irenee Fransen für das Corpus Christianorum vor. Seine Transskription der Hs Saint-Omer 91 aus dem 9. Jahrhundert 2), die Wilmart als dem Original am nähesten stehend ansah, durfte ich freundlicherweise für die hier vorliegende Ausgabe benutzen. Für den Text des Kommentares zu den Büchern der Könige von Claudius Taurinensis habe ich die Ausgabe in der Appendix zu den Werken des Eucherius von J.A. Brassicanus, Basel 1531, abgedruckt in PL 50, 1047-1208, benutzt. Von dem Bedas Sammlung analogen Werk des Florus ist das Original des 2. Teils im cod.Lyon 4848) erhalten. Eine Abschrift des Originals ist der cod.Troyes 96 aus dem 9. Jahrhundert.') Nach beiden Hss habe ich den Text verglichen. Paris, Bibliotheque Sainte-Genevieve 2146) saec.XIII Catalogue general -

8°, Bd.45, 1915, p. 127s.

Beschreibung : Pergament ; 204 Folien von 350 : 240 mm, beschrieben in zwei Kolumnen zu 44 Linien. Die Hs ist gut erhalten. 8) Sie ist in gotischer Minuskel geschrieben. Der laufende Titel über den Seiten heisst : Ad Simplicianum. Die Hs ist sorgfältig interpungiert. Die Korrekturen stammen vom Schreiber selbst oder von zeitgenössischer Hand. Auf dem unteren Rand von fol. 1v steht in einer Schrift (1) cf. ROBINSON R., Manuscripts27 and 107 of the Mmucipa/ Library at A11t11n = Me111oir1 of the American Academy 16, Rome 1939; LoWE, CLA 6, 727a. (2) cf. Catalogueglnlral- 4°, Bd. 3, 1861, p. 54. (3) cf. Cata/ogueglnlra/ - 8°, Bd. 30, 1900, p. 128. (4) cf. Cata/ogu,glnlra/ - 4°, Bd. 2, 1855, p. 58. Zu Original, resp. Abschrift cf. CHARLIER Celestin, Les manuscritspersonne/sde F/orus de Lyon et son activill Jittlraire, in: Ml/anges E. Podechard,Lyon 1945, p. 71-84 und La compilalion A.Ngtntinienne de F/or111111r l'apotr6, in : RevueBlnldictine57, 1947, 132-186. (5) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft. (6) Von hier ab bezieht sich die Beschreibung nur noch auf foll. l-34v.

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CLA VD.

TA VR. FLOR.

g

Inhalt : Zum Teil sehr umfangreiche Exzerpte aus 22 verschiedenen Werken Augustins, darunter auf fol. 1v retract. 2,1 ; foll.1v-8r quaest.Simpl.1,r,2 Non ait peccatum non feci bis zum Schluss des Buches ; foll.8r-13v quaest.Simpl. lib.2 ; foll.28v-34v aus diuers.quaest.

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BEDA

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EINLEITUNG

XLVI

des r8. Jahrhunderts Ex libris S. Genouefae Parisiensis. Die Hs hatte die alte Signatur G.4.

n Napoli, Biblioteca Nazionale Vind.lat.2 (Vind.r6)1), r. Teil 2) saec.VIII

T abulae codicum manuscriptorum praeter graecos et orientales in BibUotheca Palatina Vindobonensi asseruatorum, Bd.r, Wien r864, p.2. LowE, CLA 3,r938, Nr.39r-393 ÜBERLEITNER,Augustinus-ÜberUeferung, Bd.r, I, p.r52. 8)

Inhalt : A obere Schrift : foll.rr-1rr HIER0NYMVSuir.ill.; foll.rrr-2or GENNADIVSuir.ill.; AvGVSTINVSfol.2ov haer., Appendix (PL42,c.50,n.1) ; foll.2rr-22r epist.22r-224 ; foll.22vVETERISET N0VITESTAMEN32r haer.; fol.32v ÜRDOLIBR0RVM T!; foll.32v-34r PsEvno-GELASIVS decr.2.Teil; AvGVSTINVS fol.34v,l.r-r3 epi,st.37 ; foll.34v,l.r4-35v, 1.8 quaest.Simpl. 2,3 ; foll.35v-36r HIERONYMVSepist.146 ; foll.36r-38r CAPITVLA SANCT0RVM PATRVM ; foll.38r-42v GENNADIVSdogm. ; fol.42v HIERONYMVS epi,st.50(?). - B untere Schrift : Fragmente von LvcANVSund PELAGONIVS. Beschreibung : Pergament, Palimpsest. Die obere Schrift in kräftiger goldbrauner Tinte. Teil I der Hs umfasst 41 Folien von etwa 200 : r85 mm mit 32-34 Langzeilen auf der Seite.') Die obere Schrift lässt sich mühelos lesen. Es ist eine irische Minuskel. Interpungiert wird selten : entweder durch einen Punkt oder Zeilenschluss oder bei grösserem Einschnitt mit drei in Dreiecksform angeordneten Punkten; danach folgt jedesmal ein grosser Buchstabe. Die Kürzungen sind typisch für die frühe Minuskel aus Bobbio. 6) Die Orthographie weicht kaum von der Norm ab. Zu bemerken wären : einmal U für O (consulari), fehlendes P (sumsit, pedetemtim, aber temptandos), bei griechischen Wörtern, die gewöhnlich richtig geschrieben sind : F für PH (fantasma), und einmal I für Y (Pithonius, aber pythonissa). ( 1) Kollationiert nach einem Mikrofilm im Besitz der Deutschen Forschungsgemeinschaft. (2) Die Hs besteht aus drei verschiedenartigen Teilen: I. foll. 1-41 ; 2. foll. 42-75 ; 3. foll. 76-159 {LoWE, CLA 3, Nr. 391-398). (3) Weitere Literaturangaben bei LoWE, CLA 3, p. 47. (4) In der Beschreibung bezieht sich alles, was nicht der oben angeführten Literatur entnommen ist, nur auf foll. 34v-35v, 1. 7, mit dem Augustin-Text. (5) cf. LINDSAY W.M., The BobbioScriplori11111: il1 early MinmculeAbbrniations, in : Zentra/blallfilr BibJiotbeJ:swum26, 1909, 293-306; LoWE, CLA 3, 391.

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EINLEITUNG

XLVII

In Komposita wird AD assimiliert vor F, P, S (aspicimus) und T, nicht assimiliert vor M und S. IN wird assimiliert vor P, nicht assimiliert vor L und M. Nur an drei Stellen hat der Schreiber selbst kleine Korrekturen vorgenommen. Die Hs ist zweifellos in Bobbio geschrieben. Auf fol.rr findet sich ein Ex-libris von Bobbio aus dem r5. Jahrhundert. Über die Wanderungen der Hs finden sich genaue Angaben bei Lowe. Zur Zeit der Mauriner befand sie sich vermutlich in S. Giovanni a Carbonara di Napoli. Goldbacher hat die Hs für seine Ausgabe von epist.37 benutzt. Dort hat sie das Sigel V. Roma, Biblioteca Casanatense saec.Xln64r 1)

"

LowE E.A., Scriptura Beneuentana. Facsimiles of South ltalian and Dalmatian Manuscripts from the Sixth to the Forteenth Century, Oxford r929, Bd.r, Tafel XXXIII mit Beschreibung ÜBERLEITNER,A ugustinus-Überlief erung, Bd. r, 2, p. r82s. 2) Inhalt

: patristische Werke und Exzerpte ; foll.188v-189r AvGVSTINVS, quaest.Simpl.2,4. Beschreibung: Pergament; IV+ 189 Folien 3) von 250: 210 mm mit 28-29 Langzeilen. Die Hs ist teilweise durch Nässe beschädigt, auf foll.r88-r89 je an einer unteren Ecke. Die Hs ist von zwei Schreibern in Scriptura Beneuentana geschrieben. Verschiedene Kürzungen kommen vor, darunter au für autem. Die Hs kommt aus der Biblioteca Capitulare von Benevent.

4. Das Abhängigkeitsverhältnis

der Zeugen.

Die für die Edition herangezogenen direkten und indirekten Zeugen lassen sich trotz gelegentlicher Kontamination in ein Stemma einordnen, das Gültigkeit hat, wenn es auch die Überlieferung einiger weniger Stellen nicht aufzuhellen vermag. (1) Kollationiert nach Photokopien in meinem Besitz. - Die Hs besteht aus zwei Teilen. Die Beschreibung bezieht sich nur auf den zweiten, foll. 82-189. (2) Weitere Literatur zu der Hs ist in der Biblioteca Casanatense zusammengestdlt. (3) Fol. 166 gibt es nicht.

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EINLEITUNG

XLVIII

C

vor (426)

ß vor

575 CASSIOD. (um ns)

(vor Ende

(vor Ende

10

10.

Jh.)

Jh.)

BEDA (vor 735)

Pg AHZ

BF

FLOR.

TV

w bezeichnet das Original, a. ein Corpus von vier nach der Reihenfolge ihrer Entstehung

angeordneten Schriften Augustins. Diese ·Anordnung legt es nahe, Hippo als Entstehungsort von a. anzusehen. Die Zeit der Zusammenstellung muss vor 426, dem Erscheinungsjahr der zweiten Ausgabe von De doctrina christiana in vier Büchern, liegen, da das Corpus die Erstausgabe des Werkes mit nur zwei Büchern enthält. 1 ) Schon a. war nicht fehlerfrei. Das zeigen die C und ß gemeinsamen Fehler. 2) Da von ihnen die Bewertung des durch Recensio gewonnenen Textes abhängt, muss hier näher auf sie eingegangen werden. 1) 2,5,l.2/3: ... tu mals fecisti, ut occideres (ut occideres C/fJ,CASSIOD. CLAVD. : occidere retYact.:i)(3 Reg.17,20). Möglicherweise haben die RetYactationeshier der direkten Überlieferung gegenüber die ursprüngliche Lesart bewahrt ; denn in der Septuaginta steht -rov 8ava76Jaa,. Da es für die Form occideYein der lateinischen Überlieferung, wo dieser Vers nur selten zitiert worden ist, jedoch keinen Beleg gibt, habe ich nicht gewagt, sie in den Text zu setzen.') (1)

cf. retract.

2,

4,

1 ; MuTZENBECHER,

Codex Leningrad,p. 434s. 437. ß gekommen

(2) Auf welche Weise die richtigen Lesarten in Untergruppen von

sind, ist nicht ganz klar ; cf. p. LII. (3) In einer einzigen im übrigen zu 8 gehörigen Hs der direkten Überlieferung, dem cod. Venezia, Bibi. Marc. 1801, aus dem Jahre 1471, habe ich die Form oc,idtr, gefunden. Da dort ebenfalls wie in den Retra,talionesin 2, I, 1. 2 5 di&al11r steht und ausserdem der betreffende Abschnitt aus den Retra&taJiones in der Hs f/lllUJI. Simpl. voraufgeht, ist durchaus mit der Möglichkeit zu rechnen, dass beide Formen von dorther in den Text übernommen worden sind. (4) Von den drei Stellen, an denen sich in den Retra&laJiones die Zitate aua quaest. Simpl. von dem Text der direkten Überlieferung unterscheiden, kommen

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EINLEITUNG

XLIX

2) 2,3,l.65 : non ipsos homines sed imagines eorum {eorum TV, Dulc. : om.C/BFHPZg, Dulc.(CLA VD.) n). Das Wort eorum hat sich in der .direkten Überlieferung nur in TV, ausserdem indirekt in Augustins eigenem Exzerpt in De VIII Dulcitii quaestionibus erhalten. Das Wort ist als Gegensatz zu ipsos homines erforderlich. Vergleiche dazu conf. 10,8,15 : nec ipsa (sc. montes etc.) sunt apud me, sed imagines eorum. Überhaupt tritt imago im 10.Buch der Confessiones bei der Beschreibung des Gedächtnisses immer mit Attribut auf. 3) 1,2,l.476/80: Sie enim respondet deo, cum ei displicet quod de peccatoribus conqueritur deus, quasi quemquam deus peccare cogat, cum ipse neminem peccare cogat {cum ipse - cogat Pg, BEDA FLOR. : om.C/ ABFZ-TV,CASSIOD.), sed tantummodo quibusdam peccantibus misericordiam iustificationis suae non largiatur. Der Konzessivsatz cum cogat ist direkt nur von einer Untergruppe von 3, indirekt bei Beda und Florus überliefert. Das Verständnis erfordert ihn. Fehlte er, so müsste der Satz sed tantummodo .. . von quasi abhängig sein, was keinen Sinn ergäbe. 4) 1,2,l.256/7 : cur haec misericordia defuit Esau, ut etiam ipse (ipse TV : om.C/ABFPZg,CASSIOD.) per illam bonus esset. Das Wort ipse :findet sich nur in den Hss TV. Es ist für den Zusammenhang notwendig ; denn nur vor ipse ist etiam sinnvoll, nicht aber vor per illam (sc. misericOYdiam). 5) 2, 1,l.235/9 : illud certe arbitror non temere dici : quotiens in sanctis eloquiis commemoratur spiritus dei nec additur aliquid, siue ille patri et filio consubstantialis sanctus spiritus siue aliqua creatura inuisibilis intellegatur, malum (malum i.t.HZ, CLA VD. : malam C/BFi.m.HPgTV) tamen non posse intellegi, nisi addatuY malus etiam. Hier bezieht sich die nur von dem einen Ast von y bezeugte Form malum richtig auf spiYitus, während die feminine Form der übrigen Hss fälschlich auf creatura bezogen ist. 1) 6) 1,2,l.134 : Nulla ergo electio {-tione C/ABZ-TV -tio est Pg), antequam esset quod eligeretur. Für diese Stelle gibt es keine indirekten Zeugen, und es war eine Konjektur erforderlich.

Die Hs C kann a. als der Vorlage von ß nicht gleichgesetzt C werden, da ß dort, wo C Lücken aufweist, 1) den vollen Wortlaut bietet. die beiden anderen hier nicht in Betracht: 2, 1, 1. 25 : &11111 a/ibi di&al(dicatur F, r1tra&I.) ist di&almit Auslassung des Subjekts s&riplura(cf. HoFMANN-SZANTYR, p. 412) als /,clio dilficiliorvor dicatur der Vorzug zu geben. 2, 1, 1. 142 : Wegen der Parallelität der Glieder ist ,uiusque(cuiusquam H, retra&t.)beizubehalten. (1) Zu danken habe ich Herrn cand. phil. G.D. WARNS, Berlin, einem Teilnehmerdes Seminars von Prof. Knauer, dafür dass er mich durch seine gründliche Interpretation der Stelle davor bewahrt hat, auch 1, 1, 1. 29/30 inseminalrix als Fehler von a anzusehen. Zu der Vorstellung cf. AvG. nupt. et con,. 2, H, 55 (p. 312, 19s) : uilium quippe inseminalumes/ persua.rionediaboli (per quod sub peccalo nali nml). (2) Siehe unten auf p. LV. XLIV

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EINLEITUNG

L

ß

ist, wie sich an gemeinsamen Fehlern zeigt, der Archetypus aller Hss der direkten Überlieferung 1) ausser C : 2,1,l.389 2,1,l.206 2,2,l.37/8

add. uel Umstellung innotescant (-scat C)

Für die Zeit der Entstehung können wir als terminus ante quem das Jahr 575 ansetzen, wenn es richtig ist, Cassiodors Exzerpte wegen ihrer Verwandtschaft mit dem TV-Text von ß herzuleiten. y

Nach gemeinsamen Fehlern zu urteilen, hängen die meisten Hss der ß-Familie wiederum von einem gemeinsamen Hyparchetypus ab : 1,1,l.71 add.ueteris 2,3,l. 107 uirorum (uiuorum) 2,6,l.8 Umstellung

8

Belege für eine gemeinsame Vorlage von BF Pg sind : 2,3,l.2 2,3,l.98

Saul Samuel uideret (sam- a saule uideretur) condicionis mortem (-cionem mortis)

Es folgen Belege für die Zusammengehörigkeit weiterer Untergruppen: BF

1,l.365/6 1,2,l.351 2,3,l.35 2,3,l.54.6o 2,6,l.21 I,

Pg AZ/HZ

1)

I,I,l.114/5 I,2,l.152

;

deum (spiritum) uocati (uocantis) sanctus propheta (spiritus prophetae sancti) Umstellungen intueri (contueri) Umstellungen

1,1,l.130.315

add.lege a, bzw. peccatum om.ideo 2,3,l.61 ille ... effigies (illa ... figmenta) 1, 1,1.8 ein grosser Zusatz 1,2,l.62/3.73/5 Abwandlung des Textes 1,2,l.131 add. genera. Gemeinsame Fehler siehe auf p. LVII.

2 ,3,l. 7

TV

( 1) Da das Exzerpt g der Überlieferung nach eng mit P verwandt ist und ausscrdem fast das ganze Werk umfasst, rechne ich es hier mit zu den Hss der direkten Überlieferung. (2) A enthält nur Buch 1, H nur Buch 2.

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EINLEITUNG

LI

Auch die meisten indirekten Zeugen lassen sich in das Stemma eingliedern. Da Dulc. den Fehler von a., 2,3,l.65, nicht teilt, wird Augustin Dulc. das Exzerpt aus quaest.Simpl. dem Original w und nicht dem Corpus a. entnommen haben. Die Retractationes liessen sich nur dann in das Stemma ein- retract. ordnen, wenn sich dort a. gegenüber wirklich die richtige Lesart erhalten haben sollte. 1) In diesem Falle wären sie auf w zurückzuführen. Sowohl der Text von inst.diu. als auch der von in Rom. zeigt CASSIOD. gemeinsame Fehler mit TV, wie z.B. 1,2,l.306.335.747 1,2,165.290 347.458/9.621/2 1,2,l.662

Umstellungen Auslassungen nec tarnen (sed tarnen non)

Da Cassiodors Text andererseits aber auch nicht alle Sonderfehler von TV teilt, muss die Überlieferung vor der Vorlage von TV von dem gemeinsamen von ß ausgehenden Ast abzweigen. Die Exzerpte bei Isidor enthalten keine Stelle, die für a.-Fehler ISID. in Betracht käme, und nur zwei, an denen Varianten zwischen C und ß vorkommen. An beiden Stellen hat Isidor die richtige Lesart, hat also weder mit ß noch mit C einen Fehler gemeinsam: 2,1,l.389 2,1,l.414

aliquid C,ISID.(uel aliquid {J,CLA VD.) ipse ß,ISID.CLA VD.(om.C)

Deshalb kann sich sein Text weder von C noch von ßherleiten. Ob er aber von a. oder direkt von w abstammt, lässt sich auf Grund des beschränkten Materials nicht entscheiden. Da Beda und Florus in r,2,l.478/9 den schon in a. fehlenden BEDA/ Satz bewahrt haben, 2) ist anzunehmen, dass sie direkt auf FLOR. das Original w zurückgehen, und zwar über eine gemeinsame Vorlage, wie sich an vielen Stellen zeigt, so z.B. : 1,1,l.48 peccatum (legem) 1,2,l.596/7 om.attulit - perditionem 1,2,l.6o3 add.suas.

Claudius weist charakteristische Fehler von HZ auf, enthält CLA VD. jedoch nicht alle Sonderfehler der beiden Hss. Er muss also vor der Vorlage von HZ von dem von y ausgehenden Ast abgezweigt sein. Beispiele für gemeinsame Fehler sind : 2,1,l.211/3

2,3,l.48

quoddam ... myterium quo ... figurarentur HZ, CLA VD. (quiddam ... mysteriumque ... praefiguret) add.parte HZ,Dulc.(CLA VD.)

( 1) Siehe auf p. XL VIII den 1. Fehler von a. (2) Siehe auf p. XLIX den 3. Fehler von a.

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EINLEITUNG

LII

n Das Exzerpt enthält nur epist.37 und quaest.Simpl.2,3. Die Varianten geben wenig Aufschluss. Vermutlich gehört n nicht zu y, weil es den Fehler 2,3,l.107 1) nicht teilt, jedoch vielleicht zu ß, weil es eine allen Hss ausser C gemeinsame orthographische Variante enthält : 2,3,l.56 Salustius. Diese Belege reichen nicht dazu aus, die Hs in das Stemma einzufügen. Das Exzerpt mit quaest.Simpl.2,4 lässt sich ebensowenig in das Stemma einordnen, da es keine kennzeichnende Variante enthält.



Obwohl nun die Überlieferung von quaest.Simpl. ungewöhnlich günstig ist, dadurch dass sie sich sowohl wegen Alters und Herkunft der Hs C als auch wegen früher, zum Teil von Augustin selbst gemachter Exzerpte bis in die nächste Nähe das Originals zurückverfolgen lässt, so ist sie doch nicht restlos geklärt. Wie kommt es, dass sich in Untergruppen von ß und y, ja sogar noch von 8 richtige Lesarten an Stellen finden, wo nicht nur ß,sondern wegen dessen Übereinstimmung mit C auch a schon Verderbnisse enthalten haben? Bei dem 2., 4. und 5. der oben angeführten Fehler von a 2) könnten die richtigen Lesarten durch Konjektur in die Hss der direkten Überlieferung 3) gekommen sein. Die Annahme einer Konjektur liegt besonders bei TV nahe (2. und 4. Fehler), da für diese Hss Änderungen an schwer verständlichen Stellen charakteristisch sind,') wenn sie auch sonst den Text gerade entstellen. Wie aber erklärt sich das 3. Beispiel ? Der in allen Hss der direkten Überlieferung ausser Pg fehlende Konzessivsatz ist für eine Konjektur nicht nur zu lang, sondern auch zu treffend formuliert. Er kann eigentlich nur durch Kontamination in die Hss Pg gekommen sein. Aber womit soll die 8-Überlieferung in der Vorlage von Pg kontaminiert worden sein ? Bei Beda und Florus steht die richtige Lesart. Doch obwohl Pan einer anderen Stelle sogar einen Fehler mit Beda und Florus gemeinsam hat, 6) halte ich es dennoch für unwahrscheinlich, dass schon im Mittelalter die Exzerpt-Sammlung der beiden Autoren auf die direkte Überlieferung von quaest.Simpl. eingewirkt hat, und muss mit einem non liquet schliessen.

5. Bewertung der Zeugen. w Nichts lässt uns daran zweifeln, dass das Original w durch (1) cf. p. L. (2) cf. p. XLIX. (3) In diesem Fall rechne ich CLAVD. lieferung, da sich sein Text von fJherleitet. (4) cf. p. LVIII. (j) 19 1, 1. 29/30 insi1111alrix (in11111inalrix).

im,.Beispiel

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-

zur direktenOber-

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EINLEITUNG

LIII

a getreu wiedergegeben wurde, wenn man von den wenigen

oben aufgezeigten Fehlern absieht, die sich ja, wie wir gesehen haben, abgesehen von einem mittels der Überlieferung beseitigen lassen. Der Text von a ist bei Übereinstimmung von C und ßgesichert. a Stimmen sie nicht überein, so muss zwischen den beiden Varianten, resp. bei Unstimmigkeit der Zeugen von ß zwischen mehreren Varianten gewählt werden. Bei der Entscheidung gibt, wenn indirekte Bezeugung hinzukommt, gelegentlich diese den Ausschlag. Den hohen Erwartungen, die man in einen zu Augustins Leb- C zeiten in Afrika auf feinstem Pergament mit sorgfältiger Schrift geschriebenen Codex setzt,1) entspricht die Qualität des Textes nicht unbedingt. Seiner Herkunft entsprechend hat C uns aber eine Reihe guter Lesarten bewahrt, besonders in Bibelzitaten. 2) Warum ich sie dafür halte, möchte ich in einigen nicht ohne weiteres einleuchtenden Fällen näher erläutern. 1,1,l.22/4.258/60.354/5 Rom.7,6 vor :

: Nur an diesen drei Stellen kommt das Zitat

Nune uero euaeuati (einmal liberati) sumus a lege, m01'tui (mortis) in qua detinebamur ..• Im griechischen Text steht a1To8avovr€s,und entsprechend findet sich die Variante -roO8avd-rov in DG it vgo1. .An allen drei Stellen hat C mortui, einmal allein, das zweite Mal von einer einzigen wegen ihrer nahen Verwandtschaft mit AZ nicht für die Edition benutzten Hs gestützt, das dritte Mal von Florus, der einzigen indirekten Überlieferung zur Stelle. Im Vetus-Latina-Institut finden sich noch zwei weitere Belege für m01'tui : TERT. monog. 13 (v.l. mOYtis) und ORIG./RVFIN. in Rom.7,6. Im Verein mit dem griechischen Text lassen diese Belege erkennen, das C, obwohl es durch die übrige Überlieferung kaum gestützt wird, mit dem beharrlichen mOYtuieine alte Form bewahrt hat. 1,2,l.68 : Hier steht in C und bei Florus ambo für mase. plur. ace., in allen übrigen Hss ambos. Augustin scheint, wie ein Vergleich mit anderen Werken zeigt, beide Formen verwendet zu haben. Da die Form ambo nach Angabe des Servius 8) im 4. Jahrhundert für veraltet

(1) LoWE, CLA C.L.A. series.

II,

1613, nennt ihn deshalb°"' of lh6 111011precio111 in th, mtir,

(2) Eine Zusammenstellung siehe auf p. LVIIIs, neben den Fehlern von (3) Am. 12, 342; ecl. S, 68.

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p.

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EINLEITUNG

LIV

gehalten wurde, ist sie als lectio diffecilior anzusehen und gehört deshalb in den Text. 2,1,l.8 : Da bei Augustin wie bei Ambrosius für I Cor.13,12 teils im Text, teils unter den Varianten fa&iem1 entsprechend dem Griechischen 1rpoaunrovvorkommt,') habe ich es in den Text gesetzt. 2,2,l.37/8: Im Zusammenhang mit der Frage nach Gottes Wissen und VorherwiEen heist es hier:

Si autem ... et apud eum (sc. deum} nondum sunt quae futura sunt, ... , bis ergo ea sentit, uno quidem motlo secundum futurorum praescientiam, altero uet'o secundum p,,aesentium scientiam. •.. N ec enim potest quae uentut'a P,,aenoscit nosse cum uenennt, n i s i bis in n ote s ca t, et pt-aenoscendo antequam sint et cognoscendo cum iam sunt. Der Text ergibt nur dann einen Sinn, wenn nisi bis innotescal dasselbe bedeutet wie oben bis et'go ea sentit. Grammatisch wäre das einwandfrei : deus als Subjekt sowohl des Haupt- wie des Nebensatzes. Allerdings müsste innotescet'e dann dasselbe bedeuten wie cognoscet'e. Im ThLL ist diese Bedeutung nicht angeführt, doch findet sie sich sowohl bei Forcellini wie bei Souter, Glossat''Yof Late„ Latin, mit je einem Beleg. Das bei Forcellini angeführte Zitat DIG.26,7,5,10 bringt der Thesaurus nun aber gerade als Beleg für die übliche Bedeutung von innotescere = cognosci. Das kommt daher, das der Thesaurus dem Text von Mommsens Ausgabe folgt, während Forcellini die Variante als richtige Lesart angesehen haben muss :

e~ quo innotuit tutori (v .1. innotuit tutor) se tutorem esse. Auch in der von Souter angeführten Stelle P ASS.coron.6 1} - von Bonifatius Fischer auf "spätestens 6. Jahrhundert, wahrscheinlich 5. Jahrhundert" datiert•) - gibt es an der entscheidenden Stelle Varianten:

quod ... declat'at . .. peritissimos •.. innotescat mansuetudini uestnu (innotescat mansuetutlo uestt'a Fam.B ausser 8; sciat mansuetuäo -uestraB 8) eos ... christianos esse. Die griechische Übersetzung der Stelle aus dem 12. Jahrhundert , , f _\ , f ""' , ' ... 1au t et : Ew,yvw-rw '1 'Y°"'1JVOTTJ) vµ,wv 'TOVTovs XPLführt diese Stelle unter innotes&o als Beleg für die Bedeutung ,onnaltr,, apprm.Jr, an. (3) Verz.dcbnis dw Sigel fiir Kirchens,hriftst,J/er= Vt/111 Latina 1/1, Freiburg Br. 1 1963, p. 32.

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EINLEITUNG

LV

Zur Charakterisierung der Hs stelle ich die wichtigeren Fehler zusammen 1} : I. an Stellen, an welchen ß zusammen mit der indirekten Überlieferung die richtige Lesart bietet :

fJu.indirekte

C 1,1,l.1

adinterrogata Simpliciani 2)

1,1,l.54

in qua (inquam C 1 ) om. om. quorum om.

1,1,l.74/5 1,2,l.476/7 2,3,l.36 2,3,l.63 2.

an Stellen, an welchen C 1,1,l.131 1,1,l.162

ad Simplician. (ß,retract.,POSSID., (de diuersis BEDA,FLOR.) quaestionibus) (ß,BEDA ,FLOR.) inquit 62 Buchstaben 19 Buchstaben cur 31 Buchstaben

(ß,BEDA,FLOR.) (ß,BEDA,FLOR.) (ß,Dulc.,n) (ß,Dulc.,n)

ß allein die richtige Lesart bietet : ß

om. quae patitur pro peccato pellente 1,1,l.163 uideo 1,1,l.279.283 1,2,l.211 non 1,2,l.542 non 1,2,l.688/9.715 blasphemare 1,2,l.812 mensura numero et pondere8) praesentiebant 2,2,l.42 om. 2,2,l.62/3 quoniam /or2,2,l.152 tasse recte oritur 2,5,l.34 om. 2,6,l.13 constringi 2,6,l.25

1,1,l.72

Überlieferung

31 Buchstaben qua fallitur profecto fallente uide pro in plasmare numero et pondere et mensura praesciebantur 39 Buchstaben quomodo oriatur 16 Buchstaben constricti

Es folgen einige Fehlerarten mit Beispielen. Fehler in Bibelzitaten : 1,1,l.63/4

2,1,l.192

1 Tim.2, 14 : seducta es t. Für das est gibt es im Griechischen keine Entsprechung, auch im Lateinischen findet sich kein Beleg, Rom.8,16 : für qui (quia/o-r,) ebenfalls nicht.

(1) Wegen der Bedeutung von C sind im kritischen Apparat sämtliche Abweichungen der Hs vom Text angeführt. (2) Gleichlautend in der Überschrift und im Kolophon; cf. p. LIXs. (3) Dieses ist die einzige Umstellung unter den Fehlern von C; cf. p. LVIII.

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EINLEITUNG Matth.25,29 : aufertur {auferetur). Im griechischen Text steht das Futur. Im Lateinischen findet sich das Präsens belegt nur im kritischen Apparat zu FILASTR.152,4 und zu CONC.Araus.16.

Für den Bibeltext brauchen diese Fehler nichts zu besagen; denn ihrer Art nach können sie reine Flüchtigkeitsfehler sein. Im allgemeinen gibt C den Bibeltext sehr viel getreuer wieder als ß. Durch falsche Worttrennung der Scriptura continua sind folgende Fehler entstanden : quoniam hoc/miserat constituisse si et prona materiem et aliam ut sed ita qui si si certo

1,1,l.33 1,1,l.49 1,2,l.233 1,2,l.336 2,3,l.48s 2,4,l.11 2,5,l.33 2,5,l.34

quo animam omnis erat constituisti sed {set C•) pro bona materie metalli aut sedit quasi sie ergo. 1)

Bei 1,2,l.641 kann man die Entstehung eines solchen Fehlers beobachten. In C* steht in perditione/misse (= in perditionem isse). Daraus macht c• in perditione missi. Auch ß scheint konjiziert zu haben; denn in A heisst es in perditione isse, in Pg-TV in perditionem missi.

Etwa 35mal ist ein kurzes Wort wie et, est, non oder in ausgelassen oder hinzugefügt worden, siehe etwa 1,1,l.114.143.156 für Auslassungen und 1,1,l.155; 1,2,l.33.275 für Zusätze. Etwa 8omal sind innerhalb eines Wortes ein bis zwei Buchstaben ausgelassen oder fälschlich hinzugefügt, z.B. epist.37,l.1 ib.,l.30 1,1,l.23 1,1,l.55

1,1,l.70 1,1,l.123 1,1,l.274 I,2,II

1,2,l.343 1,2,l.755

sincerissimea (-ssima C1) coito {cogito) aut (ita ut) expecto (ex peccato C 1) sine legem per ftde laudatio (laudat) quod (quo C 1) quasi (quia nisi) nutritu (nutu C•).

(1) 1, 2, 1. 6o ist zwar kein Fehler entstanden, aber der Punkt zur Lesehilfe ist falsch gesetzt : gralia. IIIOtalionis (gralia4 tlfKalionis ).

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EINLEITUNG

LVII

Etwa 60 mal sind Fehler durch Verwechslung von Buchstaben entstanden, wie z.B. : epist.37,l.20 ib.,l.24 I,I,l.157 ib. I,2,l.I50

confirmabit (-uit) sine (sane C 1) nouit (nolit) · ducit (dicit C 1 ) audere (uidere).

C2 hat Flüchtigkeitsfehler weitgehend korrigiert, jedoch ande- C11 J rerseits durch Konjektur neue Fehler in die Hs gebracht, wie z.B. : . epist.37,l.30 I,I,l.23 1,1,l.114 1,1,l.136 1,1,l.145/6

conicito ut C 1 coito C* (cogito) ut C 1 aut C* (ita ut) eam magis C 1 magis C* (magis eam) cognoscet C 1 cognosce C* (cognoscit) dicimus C 1 dicimur C* (richtig)

Interessanterweise hat C2 Fehler der Hss-Gruppe FPg in die Hs hineingebracht. uoluntas diabolo erat C 1/FPg (uoluntate diabolus erat C* et cett.) animaduertendum sane est C 1/FPg (ohne est C* et cett.)

2,1,l.176

Auch der Minuskelkorrektor hat bisweilen Flüchtigkeitsfehler verbessert oder an fehlerhaften Stellen falsch konjiziert : epist.37,l.3/ 4 1,1,l.32 1,1,l.62

Ebenfalls hat 1,2,l.535

2,1,l.297

mei quem ut ca meique ut C* (mei meque ut) datam esse C 8 datum est C* (tantum) arbitr quia ( ?) c• arbitror C* (richtig).

caFehler

von FPg in die Hs hineinkorrigiert:

enitendum ... si dominus adiuuerit C•fFPg (..• adiuuet C* et cett.) in illo loco ubi dictum erat C 8 /FPg (ohne ubi C* et cett.).

Der Wert von C liegt vor allem in der treuen Wiedergabe von Bibelzitaten sowie der Bewahrung ungewöhnlicher Wörter und Wortformen. Dieser Vorzug wird beeinträchtigt durch die Menge schwererer und leichterer, durch flüchtiges Abschreiben bedingter Fehler. In den wenigen Fällen, wo es sich

(1)

Zu den Korrekturen in Unziale cf. MUTZENBECHER,

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Codex Leningrad,p.428.

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ca

EINLEITUNG

LVIII

um bewusste Änderungen handeln könnte, ist keine bestimmte Absicht zu erkennen.

fJDa in den von fJstammenden Hss kontaminiert worden ist, lässt sich der Text von fJ nicht immer, wohl aber in den meisten Fällen bestimmen. Dafür sind die Hss TV der wertvollere Zeuge als y, wenn auch andererseits gerade sie Interpolationen und falsche Konjekturen enthalten. 1) y ist durch AHZ besser bezeugt als durch 8. Für den Bibeltext gilt eine andere Bewertung. Am getreuesten ist er in (B)FPg überliefert, während AHZ und TV häufiger Änderungen nach der Vulgata enthalten. 2) Von den allein durch fJbezeugten guten Lesarten 3) möchte ich hier nur eine einzige besprechen, deren Bewertung begründet werden muss : 1,2,l.812. Bei der Paraphrase von Sap.11,21 hat C dieselbe Reihenfolge der Glieder wie das Bibelzitat : mensura, numero et pondere, doch fehlt zwischen den ersten beiden Gliedern das et. In der Septuaginta fJ hat die Glieder umheisst es : µlTpcp Kal api8µij, Ka.icrra.8µ,ij,. gestellt, jedoch beide Male durch et verbunden: numero et pondere et mensura. Nun zitiert Augustin diese Stelle zwar zu 95% in der richtigen Reihenfolge der Glieder'), und auch das einmalige et ist-allerdings nur bei Umstellung der Glieder - in seinen Schriften belegt. 6) Zu bedenken ist ferner, dass die Lesart von C, wenn sie als Fehler angesehen wird, die einzige Umstellung unter den Fehlern von C wäre. Trotzdem habe ich die Lesart von fJin den Text aufgenommen, weil mir die pathetisch getragene Periode das et vor dem zweiten Glied, vor allem aber einen rhythmischen Satzschluss - mensuf'a disponit (statt pondef'e disponit) - zu erfordern scheint.

Fehler von fJsind folgende : 1. an Stellen, an welchen C zusammen mit der indirekten Überlieferung die richtige Lesart bietet :

/3 •1,1,l.35l) 1,2,l.68 • 1,2,l.271 •2,1,l.24

2,1,l.389

C u. indirekte

mortis ambos om.et insiluit

mortui ambo et insiliuit

add.uel

uel deest

Überlieferung (C,FLOR.) (C,FLOR.) (C,retract.R/BFGHM) (C,i.t.retract., i.t.CASSIOD.) (C,ISID.)

(1) cf. l, l, 1. 8. I6. 29. 171; l, 2, 1. 62/3. 73/5. 131. 733/5; 2, 4,}. 9/10. (2) Beispiele für BFPg 1, 1, 1.158/9; für AHZ 1, 1, 1.54; 1, 2, 1.428; 2, I, 1.322; 2, 1, 1. 194; für TV 1, 1, I. 311. 204; 1, 2, 1. 4. 423. 428/9. 585. 690/3. 723. (3) Aufgeführt neben den Fehlern von C auf p. LV. (4) Angabe nach dem Material des Vetus-Latina-Instituts. (5) cf. in lob, p. 569, 5. (6) Varianten in Bibelzitaten werden mit* bezeichnet, weil sie anders bewertet werden müssen als die übrigen Varianten.

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EINLEITUNG

LIX

an Stellen, an welchen C allein die richtige Lesart bietet :

2.

C epist. 37,l.7

add.in mortis quaerit/quaerat sit mortis auersio facit deus / om. humiliauit facie insiluit spiritum sanctum conditoris

•1,1,l.22 1,1,l.171

1,1,l.172 •1,1,l.258 1,2,l.407 1,2,l.540 •1,2,l.695 •1,2,l.710 •2,1,l.8

•2,1,l.30.71 2,1,l.2o6 2,1,l.218

add.est

2,1,l.234

praesenti / praesentiarum innotescant

2,2,l.37/8

in deest mortui quaesierit est

mortui euersio fecit dominus humilauit faciem insiliuit sanctum spiritum conditoris est deest praesentia innotescat.

1

)

Die Qualität des Textes entspricht, wenn man von den zahlreichen Flüchtigkeitsfehlern in C absieht, etwa derjenigen dieser Hs. Die Fehler von fJbeziehen sich zu einem grossen Teil auf den Bibeltext. Den übrigen nur leichten Änderungen merkt man die Tendenz an, den Text zu glätten. Sie bietet an keiner einzigen Stelle allein die richtige Lesart, Die es sei denn die Bibelvariante von retract. in 2,5,l.3, erwiese indirekte .sich als richtig. Doch beruht fast ausschliesslich auf ihr die ÜberliefeEntscheidung über die Fassung der Überschrift. rung Stellt man die ganze Bezeugung der Überschrift zusammen - also

( 1) 2, 2, 1. 152 quomodo(q11oniam C) wäre hinzuzufügen, falls die Lesart von C richtig sein sollte. - Als 3. Gruppe kämen noch diejenigen Stellen in Betracht, an denen 8 zusammen mit C allen anderen Hss gegenüber die richtige Lesart hat ; denn wir konnten das Zusammentreffen von 8 mit C feststellen. Bei der Gelegenheit werden in 3 einige ß-Fehler durch richtige Lesarten aus C ausgemerzt worden sein. I, 2, }. 314 2, I, 1. 36 2> I,

2, I,

* 2,

I,

2,

I,

1. 39 1. II4 1. 194 1. 288

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,111.

C/8

add. esse enim (autem) omnes non om. sed audi.ret singula unicuique/singulis dictum ita

esse deest autem non omnes sed audierit singulis unicuique ita dictum.

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EINLEITUNG

LX

vor epist.37, am Anfang von Buch I und am Schluss von Buch I und 2, sowie in der indirekten Überlieferung -, so ergibt sich folgendes Bild 1) : (P)g,,-etract.2,1,1POSSID. ad Simplicianum de diuersis quaestionibus AB F(P)-TV,(t'etract.(capitula,titulus), ad Simplicianum praed.sanct.,pe,-seu.,CA SSIOD.), BEDA FLOR. ad interrogata Simpliciani C Wegen der subjektiven Bedeutung des Wortes inter,-ogata,sowie wegen des Widerspruchs zu den Worten der t'etract., wo es libri ad Simplicianum und nicht lilwi ad quaestiones Simpliciani heisst, 2) kann die Version von C nicht richtig sein. 3) Zwischen den beiden anderen Varianten zu entscheiden, ist nicht leicht. Schlechter bezeugt ist die längere Fassung, wenn man auch retYact. als Zeugen für sie ansehen kann. Dennoch habe ich mich für diese Fassung entschieden. Einerseits gibt es unter den Titeln von Augustins Werken keinen, der den Namen des Adressaten ohne Angabe des Inhalts führte, vergleiche etwa Ad Orosium contf'a Priscillianistas et Origenistas.') Andererseits finden sich die Worte de diue,-sis quaestionibus genau so in einem anderen Titel : De diueYsis quaestionibus LXXXIII.

Der besondere Wert der indirekten Überlieferung liegt, soweit sie sich unabhängig von a direkt vom Original herleitet, darin, dass sie an Stellen, wo sich die Lesarten von C und ßunterscheiden, ausschlaggebend hinzutritt. 6) Im übrigen trägt sie verschiedentlich zur Klärung der Überlieferung bei. Nimmt man die Überlieferung von quaest.Simpl., die so nahe an das Original heranführt, als exemplarischen Fall für andere augustinische Werke mit einer weniger günstigen Überlieferung, so lässt sich daraus die Erkenntnis gewinnen, dass eine Tendenz, den Text zu glätten und Bibelzitate der Vulgata anzugleichen, schon früh eingesetzt hat, dass aber andererseits vereinzelt auftauchende Lesarten in Hss, welche im übrigen einem bestimmten Texttyp folgen, richtig sein können, zumal wenn es sich dabei um seltene oder nur im Griechischen belegte Formen von Bibelzitaten oder um Wörter ( 1) Eingeklammert werden die nicht eindeutigen Zeugen. (2) cf. GENNAD. llir. i/1. 37 (RICHAB.DSON) : 11111/tas ad I i III p Ir I O 11a 111 seriplurar11111 quaeslione,abso/11il. (2) cf. MUTZENBECHER, Cod4xLmingrad,p. 44os. (4) Im Text von relratl. 2, 44 bezeugt Augustin selbst den Wortlaut. In den Capitula ist die Inhaltsangabe fortgefallen ; in der Überschrift von 2, 44 ist sie verkürzt wiedergegeben. (s) Siehe die zu den Fehlem von C und /Jauf p. LV und L VIIIs aufgeführten Beispiele.

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EINLEITUNG

LXI

und Worformen handelt, die zu Augustins Zeit ungebräuchlich waren. 6. Die Ausgaben. 1) Die Editio princeps von quaest.Simpl. scheint die in Augustins Gesammelten Werken von Amerbach (1505-1517) enthaltene zu sein. In mancher Hinsicht ist sie für die folgenden Ausgaben bis hin zu derjenigen der Mauriner bestimmend geblieben. Wie in den Handschriften gehen hier dem Werk das Widmungsschreiben und der betreffende Abschnitt aus den Retractationes vorauf. Die Titel der beiden Bücher lauten : Ad Simplicianum de solutione qua,undam quaestionum ex epistola Pauli ad Romanos liber ,Primus und Ad Simplicianum de solutione qua,undam quaestionum ex libris Regum libe, secundus. Noch Erasmus und die Löwener Patres haben diese Fassung beibehalten. Der Text der einzelnen Quaestiones ist nicht unterteilt. Am Rand ist der Fundort von Bibelzitaten angegeben, ausserdem sind einige Varianten angeführt. Der Text gehört zu dem in der Handschriftengruppe AHZ überlieferten. In der Erasmus-Ausgabe, die keine Varianten bringt, macht sich ein erstes leichtes Abrücken vom AHZ-Text bemerkbar, was sich dann in der Löwener Ausgabe verstärkt. Dort sind auch Handschriften der 8-Gruppe herangezogen worden, deren Lesarten gelegentlich als Varianten am Rand erscheinen. Damit ist die Löwener Ausgabe aber immer noch nicht aus dem Umkreis der von y abhängigen Handschriften hinausgekommen. Erst die Mauriner haben Handschriften aller zu der hier vorliegenden Ausgabe benutzten Hss-Familien herangezogen. Es sind folgende : Nummer des Hss-Verzeichnisses 1) a) 9

b) 5 a) 30 a) 31 a) 32 a) 21

Bezeichnung der Mauriner Corbeiensis Genouefaeanus Vaticanus Vaticanus Vaticanus Victorinus

Zugehörigkeit zu Hss-Familien C

8 AHZ AHZ 8 TV

(1) cf. DE GHELLINCK J., Patrisliq11e11 1ll(!Jm-4ge,Bd. 5, Bruxelles/Paris 1948 (Neudruck 1961), p. 339-484(2) cf. p. XXXIII-XXXV.

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EINLEITUNG

LXII

Nicht identifizieren konnte ich einen Andegauensis und einen S orbonicus. Die Mauriner sind auf Grund der von ihnen benutzten Handschriften noch weiter von dem AHZ-Text abgerückt als die Löwener und dadurch zu einem weitgehend verlässlichen Text gelangt. Doch bleibt die Verwandschaft mit der AHZ-Gruppe sowie mit den früheren Ausgaben immer noch erkennbar, was sich in der Neigung verrät, den Text zu glätten und die Bibel nach der Vulgata zu zitieren. 1) Nur ausnahmsweise haben die Mauriner Lesarten von C, die in keiner der anderen von ihnen herangezogenen Handschriften belegt waren, in den Text übernommen. 2) Im kritischen Apparat ist ein Teil der Sonderlesarten von C aufgeführt, merkwürdiger Weise aber keine der grösseren Lücken. Im Text der Mauriner ist die Zahl der Lesarten, die in keiner der von mir herangezogenen Handschriften bezeugt ist, klein - zu klein, so schien mir, als dass zur Bestimmung ihrer Herkunft der zeitliche Aufwand für die erforderlichen Kollationen 8) gelohnt hätte, zumal diese selbst dann noch nicht vollständig gewesen wären, da ja zwei der von den Maurinem benutzten Handschriften nicht identifiziert werden konnten. Es wäre uns also nicht möglich gewesen, etwaige Konjekturen der Mauriner zu bestimmen, was für ihre Arbeitsweise aufschlussreich gewesen wäre. Eins aber können wir mit Sicherheit sagen : sollten die Mauriner Konjekturen in den Text aufgenommen haben, so-können es nur sehr wenige gewesen sein. Der Ausgabe der Mauriner ist keine weitere kritische Ausgabe des Werkes gefolgt. Für das Wiener Corpus hatte Kukula mit den Vorbereitungen zu einer Ausgabe begonnen,') doch ist sie nie erschienen. III. Die neue Edition. I.

Der Text.

Um zu zeigen, welche Bedeutung Augustin quaest.Simpl. zumass, sind dem Text seine späteren Zeugnisse darüber in den Retractationes, in De praedestinatione sanctorum und

(1) Als Beispiel cf. 1, 2, 1. 576/7, wo die drei vorhergehenden Ausgaben denselben Text wie die Mauriner haben, abgesehen davon dass bei Amerbach wie in den Hss 111statt quod steht ; 2, s, I. 19, wo sich die Lesart der Mauriner schon bei Erasmus und in der Löwener Ausgabe findet; 1, 2, 727, wo alle vier Ausgaben den Text der Vulgata haben. (2) 1, 2, I. 44S und 650. (3) Der drei von den Maurinem benutzten Valieani und des Vielorinm (Handach.riften-Verzeichnis Nr. 29-3 I und 21) sowie der drei früheren Ausgaben. (4) cf. GoLDB.ACHER. A., CSBL 58, 1923, p. LXVI.

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EINLEITUNG

LXIII

De dono perseuerantiae voraufgeschickt, ausserdem - wie in den Handschriften - das Begleitschreiben, mit welchem Augustin sein Werk Simplician zugesandt hat. Am inneren Rand des Textes sind die Kolumnen der Mauriner-Ausgabe (= µ) und des Abdruckes in PL 40 angegeben sowie die Folien des Leningrader Codex C, deren Beginn im Text selbst durch einen Strich bezeichnet ist. Am äusseren Rand stehen die im I. Buch, das im Gegensatz zum 2. Buch die fortlaufende Exegese eines Bibeltextes gibt, jeweils behandelten Verse aus Römer 7 und 9. Damit wird der durch Alter und Herkunft bedingten Einzigartigkeit dieser Handschrift Rechnung getragen. Die Paragrapheneinteilung habe ich von den Maurinem übernommen. Die alte Hs C weist keinerlei Zeichen einer Unterteilung der einzelnen Quaestiones auf. Im zweiten Buch sind sogar die einzelnen Quaestiones nur durch Pausenzeichen oder überhaupt .nicht voneinander getrennt. 1) In einigen Handschriften der Familie ß finden sich Unterteilungen durch illuminierte Initialen oder Paragraphenzeichen, besonders ausgeprägt in der Hs V. Doch wird der Text dadurch nicht konsequent in Sinnabschnitte gegliedert. Die Zeichen markieren häufig auch nur den Anfang einer neuen Periode. Die Interpunktion beruht nicht auf handschriftlicher Überlieferung, also auch nicht auf antiken Prinzipien. 1) Die Leningrader Hs konnte nicht als Vorbild dienen, das sie zu sparsam und unregelmässig interpungiert ist. 8) Sie verrät uns nichts darüber, in welchen Sinnabschnitten Augustin den Text diktiert hat, was für das Verständnis des schwierigen Textes eine unschätzbare Hilfe gewesen wäre. Die übrigen Handschriften zeigen das übliche Bild mittelalterlicher Interpunktion, von der nicht ohne weiteres auf die antike Interpunktion zu schliessen ist.') Die Orthographie des Textes richtet sich fast ausnahmslos nach der Leningrader Handschrift. Wenn ich einige ihrer Eigenheiten nicht in den Text aufgenommen habe, so ist das aus einer grundsätzlichen Erwägung geschehen, deren Resultat anfechtbar sein mag. Es gibt zwei Gesichtspunkte bei der Wahl der Orthographie eines spätantiken Textes. Entweder versucht man, derjenigen des Originals so nahe wie möglich zu kommen, oder aber man verwirft Abnormitäten im Hinblick auf eine unbeeinträchtigte Lesbarkeit des Textes. Für

(1) (2) (3) (4)

cf. MuTZENBECHER, Codex Leningrad,p. 417, n. 36. cf. MÜLLER R. (cf. p. XXXVII, n. 2). cf. p. XXXVII und Codlx Leningrad,p. 414-417. cf. Mtb.I.Ell, 1.c., p. 18-21.

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EINLEITUNG

LXIV

letzteres habe ich mich entschieden, wenn auch die verworfenen Formen in dem hier vorliegenden konkreten Falle kaum irritiert hätten. Ich habe also Formen wie scribtura, quum und quur nicht in den Text gesetzt, obwohl besonders letztere mit ziemlicher Sicherheit auf a, wenn nicht schon auf "' zurückgeht. Das zeigt die Variante quorum statt cur in C1}, die auf die Schreibung quur in der Vorlage schliessen lässt. 1} Um jedoch beiden Gesichtspunkten gerecht zu werden, habe ich alle nicht in den Text übernommenen Orthographica von C in einem besonderen Apparat zusammengefasst, mit Ausnahme von Namen, deren orthographische Abweichungen bei allen Handschriften zu den Varianten zählen. Was Augustin von der breiten Skala der Entlehnungen aus der Bibel - vom wörtlichen Zitat bis hin zu blossen Anklängen - wirklich als Zitat empfunden hat, lässt sich nicht bestimmen. Deshalb sind von Bibelzitaten nur diejenigen durch kursiven Druck hervorgehoben, auf die Augustin mit scriptura dicit oder ähnlichen Wendungen als auf etwas von aussen, d.h. aus der Bibel, in seine eigene Darlegung Hineingenommenes aufmerksam macht oder welche er zur Argumentation mit einem begründenden enim unverändert in seinen Text einschiebt. Zöge man im Hinblick auf den modernen Leser den Rahmen weiter, so geriete man in Gefahr, den Fluss von Augustins Rede durch ein Übermass an Unterbrechungen in unangemessener Weise zu stören. Alle abgeänderten Zitate werden, soweit sie nicht durch scriptura dicit etc. eingeführt sind, im Apparat der Quellen mit cf. angezeigt. Durch Majuskeln wird der im 1. Buch nach Art eines Kommentars ausgelegte Text von Römer 7 und 9 hervorgehoben. Eine weitere Frage war, wie weit Anspielungen und Reminiszenzen im Apparat der Quellen zu verzeichnen seien. Im allgemeinen habe ich es so gehalten, dass auch kurze Anspielungen verzeichnet werden, sofern nicht das zugehörige Bibelwort sowieso in dem Abschnitt behandelt wird. Eine Ausnahme habe ich mit 1,1, §16-17 gemacht. Hier breitet Augustin bei seiner polemischen Auseinandersetzung mit der manichäischen Exegese von Römer 7 ein kunstvolles Gewebe aus den betreffenden Bibelworten, deren bedeutsamsten Teilen und kurzen, mitunter auf ein einziges Wort beschränkten Anspielungen wie einen Teppich vor dem Leser aus. Um seiner Absicht im einzelnen folgen und die kunstvolle Art des Aus-

(1) 2, 3, 1. 36. (2) Die Schreibung q1111r ist auch für die Hs A charakterjc-tisch, die im 10./11. Jahrhundert vermutlich in Italien geschrieben ist.

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EINLEITUNG

LXV

drucks ermessen zu können, habe ich hier versucht, über alle Anklänge Rechenschaft zu geben. 1) Den von Augustin benutzten Bibeltext zu bestimmen, muss ich Spezialisten überlassen. Gerade für den Römerbrief fehlen noch nötige Vorarbeiten. 2) Um aber bei solchen Varianten zum Bibeltext, die nicht ohne weiteres als Fehler oder Angleichungen an die Vulgata anzusprechen sind, dennoch ein Kriterium an die Hand zu geben, ist im kritischen Apparat vermerkt, wenn im griechischen Text ein entsprechender Ausdruck zu der Stelle bezeugt ist. Die Bezeugung durch die Vulgata habe ich aus dem Grunde nicht zu einzelnen Varianten hinzugefügt, weil man, ohne ein falsches Bild zu geben, den Vergleich verschiedener Texttypen nicht auf einzelne Wörter beschränken kann. 8) Überall dort, wo die Wahl zwischen Varianten schwierig war, habe ich die im Vetus-LatinaInstitut gesammelten Belege verglichen. Aus diesem Material stammen, sofern es sich nicht um Zitate aus den Evangelien handelt,') die Hinweise auf einzelne Handschriften der 'Itala'. Darüber hinaus habe ich bei fraglichen Stellen auf den Wortlaut der Bibelzitate in anderen Werken Augustins verwiesen. Von besonderem Interesse für den Bibeltext sind die allein von C bezeugten Lesarten. 2.

Die Apparate.

Der Apparat der Quellen ist weiter gefasst, als sein Name Font. besagt. Verwiesen wird nicht nur auf Quellen im eigentlichen Sinne, sondern auch auf Schriften, die dazu dienen können, den Rahmen der Tradition für quaest.Simpl. abzustecken. Der Apparat mit Parallelstellen bei Augustin soll es er- cf.Ave. möglichen, die in quaest.Simpl. entwickelten Gedanken in Augustins Werk einzuordnen. Die Werke sind hier in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Auf Abschnitte aus den Retractationes ist in diesem Apparat nur verwiesen, soweit sie (1) Zu dieser Frage sagt Pierre CouRCBLLBin der Diskussion übet thi11111 Magister, Bd. 3, Paris I9H, p. 243s, bibliqueset exlgis, augustiniemu,in : A11guslin11s a propos von Lagardes Verzeichnis der von Augustin benutzten Bibelzitate : En rlalitl, il n'y a riend, complel.Un pareil lra11ail n, J, serailjtJ111ais. Pour /es Confessio,u je rherais d' uneldilionqui 1ssaierailde rindre loutes/es rlminiscentesdu texte ,· 111ais alors, au lieu d, lrois lign,s que prlsenle /' apparal d, Labriolle, /es n,uf dixiemes d, Japag, disparaltraientdans /es rljlrences. (2) In den Augustins Bibeltext nahestehenden Freisinger Fragmenten fehlen Römer 7 und 9; cf. DB BRUYNBDonatien, us Fragmentsd, Freising (lpltres d, s. Paul et lpltres calholiques)= CollectaneaBib/ica Latina 5, Roma 1921, und dazu FRBDBHermann Josef, A/tlateinischePa11/us-Handschriften = Aus dir G,schicht,dir lateinischenBibi/ 4, Freiburg 1964, p. 102-120. (3) Als Beispiel möge die Ausführung über Sap. II, 21 auf p. LVIII dienen. (4) Zu den Evangelien cf. )ÜLICHERAdolf & MATZKOW Walter, Itala. Da.r N111eTestamentin a/t/ateinischerÜberlieferung,4 Binde, Berlin 1938-1963. XLIV

'

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EINLEITUNG

LXVI

den Inhalt betreffen. Als Zeuge für den Text erscheinen sie im Apparat der Zeugen. Test. Im Apparat der Testimonia sind sowohl die wörtlichen Exzerpte, mit Angabe des ersten und des letzten Wortes angeführt, als auch, durch cf. bezeichnet, Paraphrasen oder Anklänge, deren Wortlaut die Beziehung zur angegebenen Stelle noch erkennen lässt. Trad.text. Auf jeder Seite ist angegeben, auf welchen Zeugen der Text beruht. Bei den Testimonia sind, sofern sie nicht für die ganze Seite gelten, die Zeilen angegeben, das Schlusswort nur dann, wenn das Zitat im Apparat der Testimonia schon auf einer voraufgehenden Seite steht. App.crit. Der kritische Apparat enthält von C alle Varianten bis hin zu reinen Verschreibungen oder Wiederholungen. Um die Entstehung von Varianten zu erklären ist gelegentlich / für Zeilen- oder // für Kolumnenschluss hinzugesetzt. Von der übrigen direkten Überlieferung und den Testimonia sind Sonderlesarten nur dann aufgenommen, wenn sie für die Überlieferung aufschlussreich sind. Orthographische Varianten sind ausser für Namen nur dann angeführt, wenn sie die Zusammengehörigkeit von Handschriften kennzeichnen. Der Apparat ist an sich negativ. Doch habe ich wegen der Bedeutung der Hs C die positive Bezeugung bei Lesarten hinzugefügt, die direkt nur dort überliefert sind. Ist eine Lesart von c• verworfen, die von C2 aber in den Text aufgenommen, so ist im Apparat zu dieser {C2) hinzugefügt worden, um klarzustellen, dass C2 die Lesart des Textes bietet, jedoch nicht als einziger Zeuge. Seltener kommt dasselbe auch umgekehrt vor bei verworfenen Varianten von C2 • Zu den Testimonia sind bei Abweichung ihrer Zeugen untereinander diese in Klammern hinzugesetzt. Die Entscheidung bei der Wahl zwischen Varianten wird gelegentlich durch Verweise auf Literatur oder auf den Sprachgebrauch Augustins begründet Seine Werke sind ohne Autorennamen zitiert, wenn sie nicht wie z.B. in Rom. leicht zu Verwechslung Anlass geben. Orth.cod.C. Darunter steht der Apparat mit den verworfenen Orthographica von C. IV. Ausgewählte Bibliographie.

r. Ausgaben. 1) a) in Gesamtausgaben Libri diui Aurelii Augustini ... , II Bände, Basel (Amorbach, Petri & Frohen) 1505-1517 Bd.3, p. pra-t4a diuers.quaest.

---(1) Hier werden die Ausgaben und Übersetzungen

aller fünf in CC XLIV A/B

erscheinenden Quaestiones-Werke Augustins aufgeführt.

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EINLEITUNG 4, p. 1a-c1a 4, 1s-'4f 8, Ee1a-5f II, i3b-4e

LXVII

quaest.Simpl. quaest.euang. quaest.Duk. quaest.Matth.

Aurelius Augustinus : Omnium operum ... repurgatorum a mendis innumeris per DES.ERASMVM ROTERODAMVM, 10 Bände, Basel (Frohen) 1528-1529 Bd.4,p.232-256 quaest.euang. 256-262 quaest.M atth. 378-431 diuers.quaest. 439-466 quaest.Simpl. 466-479 quaest.Dulc. Aurelius Augustinus : Opera ... per theologos Louanienses ... , 10 Bände, Antwerpen (Plantinus) 1576-1577 Bd.4,p.141-155 quaest.euang. 156-159 quaest.Matth. 231-263 diuers.quaest. 264-280 quaest.Simpl. 280-288 quaest.Dulc. Aurelius Augustinus : Operum . . . monachorum Ordinis S. Benedicti e Congregatione S. Mauri ... , 10 Bände, Paris (Muguet) 1679-1700 Bd.3,2, 1680, col.237-276 quaest.euang. ( =PL 35,col.1321/64) 275-286 quaest.Matth. ( =PL 35,col.1365/76) Bd.6, 1685, col.1-78 diuers.quaest. ( =PL 40,col.n/100) 79-120 quaest.Simpl. ( =PL 40,col.101/48) ( =PL 40,col.147/70) 121-140 quaest.Dulc. b) in Sammelbänden Aurelius Augustinus : Opuscul,aplurima, Venedig (Dionysius Bertochus) 1491 Ira-K7a quaest.euang. O6a-Schluss diuers. quaest.

Opus quaestionum diui Augustini, ed. Lyon (Jean Trechsel) 1497 quaest.euang. G5b-Bb8a Bb8a-Ee8b diuers.quaest. Gg1a-7a quaest.Dulc.

BADIVS

Iodocus,

Aurelius Augustinus : Epitome operum A ugustini (Io. PISCATORivs), Bd.3, Augsburg (Heinrich Steyner) 1537

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EINLEITUNG

LXVIII

3. quaest.M atth. 6. quaest.Dulc. 7. quaest.Simpl. 8. quaest.euang. 9. diuers.quaest. c) Einzelausgaben Aurelius Augustinus : Quaestfonum Euangeliorum libri duo, Köln (J. Gymnicus) 1530 2. Übersetzungen. Englische MuLDOWNEY,JAFFEE, McDONALD, MEAGHER,EAGAN, DEFERRARI, Saint Augustine : Treatises on various subfects = The Fathers of the Church 16, New York 1952 p.425-466 quaest.Dulc. BuRLEIGH John H.S., Saint Augustine: Earlier witings = Library of Christian Classics 6, Philadelphia & London 1953 p.370-406 quaest.Simpl. lib.1 Französische (Euvres completes de s. Augustin, l>ouJOULAT& R.AuLx, 17 Bände, Bar-le-Duc 1864-1873 Bd.5,p.318-350 1) quaest.euang. 351-359 quaest.Matth. 428-489 diuers.quaest. 490-520 quaest.Simpl. 521-535 quaest.Dulc. (Euvres completes de s. Augustin, PER0NNE, EcALLE, VINCENT, CHARPENTIER,BARREAU,34 Bände, Paris 1869-1878 Bd.9,p.135-193 quaest.euang. 194-211 quaest.Matth. 21,p.1-116 diuers.quaest. 117-178 quaest.Simpl. 179-208 quaest.Dulc.