Die Präfekten von Ägypten in der römischen Kaiserzeit

711 56 4MB

German Pages 248 [124] Year 1950

Report DMCA / Copyright

DOWNLOAD FILE

Polecaj historie

Die Präfekten von Ägypten in der römischen Kaiserzeit

Citation preview

DISSERTATIONES

BERNENSES

HISTORIAM ORBIS ANTIQUI NASCENTISQUE MEDII AEVI ELUCUBRANTES

EBENDAS

CURAVIT

DIE PRÄFEKTEN VON ÄGYPTEN IN DER RÖMISCHEN KAISERZEIT

A. ALFOLDI

SER. 1, FASC. 1

VON

DIE PRÄFEKTEN VON ÄGYPTEN IN DER RÖMISCHEN KAISERZEIT

A. STEIN

VON

A. STEIN

1950

1950

BERNAE AEDIBUS A. FRANCKE

BERNAE AEDIBUS A. FRANCKE

Dem Andenken an

EDMUND

GROAG

(f 19. August 1945)

Druck von Adolf Holzhausen.s Nachfol1er in Wien

Vorrede Das Buch, das ich hiemit der Öffentlichkeit übergebe, ist aus Studien hervorgegangen, die bis in die Zeit meiner Primitiae zurückreichen. Schon damals hat mich das römische Ägypten und insbesondere die höhere Beamtenschaft dort lebhaft interessiert und angezogen, was mit meinen Bemühungen um die römische Prosopographie zusammenhängt. Diesem Gegenstand und den damit verbundenen Themen habe ich vor mehr als 30 Jahren meine erste größere Arbeit gewidmet. Sehr gewaltig ist seither das Quellenmaterial angewachsen, und es ist ja immer noch im F1uß. Doch liegt es schon längst in so reicher Fülle vor, daß der Versuch einer Zusammenstellung dessen, was wir aus unserer literarischen Überlieferung und namentlich aus den unerschöpflichen Massen der Papyri und auch der Inschriften herausholen können, nicht als zu gewagt angesehen werden kann. Dennoch dürfen wir uns nicht verhehlen, daß jeder Tag neue Erkenntnis erschließen und damit eine Vermehrung oder auch Korrektur unserer bisherigen Ergebnisse bringen kann. Leider fällt die Entstehung dieser Schrift in eine Zeit, die der Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fragen wenig günstig war. Die umwälzenden und furchtbaren kriegerischen Ereignisse, die eine Erschütterung, ja Revolution der ganzen Welt mit sich gebracht und eine neue Periode der Menschheitsgeschichte eingeleitet haben, können natürlich auch an dem Leben jedes einzelnen nicht ohne die nachhaltigsten Folgen vorübergehen, und sie haben sich auch in diesem geringfügigen Einzelfall (über den man nicht klagen darf, weil er so ähnlich, ja vielfach noch furchtbarer ganze Generationen getroffen hat) nachteilig ausgewirkt, nicht nur in dem Sinne, daß sie die persönlichen Schicksale des Verfassers aufs empfindlichste trafen und ihn drei Jahre lang im Konzentrationslager von jeder wissenschaftlichen Arbeit absperrten, sondern auch, indem sie die Benützung neu erschienenen Materials äußerst erschwerten. Gleichwohl hoffe ich, daß mir von neuen Publikationen nichts Wesentliches ent-

8

gangen ist, was auch durch die überaus freundliche Hilfe mancher auswärtiger Fachkollegen ermöglicht wurde, denen ich auch an dieser Stelle meinen innigen Dank auszusprechen das Bedürfnis fühle. Ich nenne vor allem Herbert BI o c h (Harvard University ), Colin H. R o b er t s und Ronald S y m e in Oxford, Eric Bi rl e y (Durham University), F. M. Heichelheim (University College in Nottingham), Artur Betz (Univ. Wien), M. David (Univ. Leiden) und die italienischen Freunde in Rom, Guido Barbiere, Gastone M. Bersan etti (t) und Attilio De gr assi, sowie den belgischen Gelehrten Siegfried I. De La et (Gand), insbesondere auch meinen Freund Andreas Alföldi (vormals Budapest, jetzt Bern), den rührigen und unermüdlichen Herausgeber so vieler wertvoller Publikationen auf dem Gebiet der Altertumsforschung. Tiefgefühlter Dank gebührt aber auch der Lucius N. Littauer Foundation und ihrem Präsidenten Harry Starr, die mir die Mittel zur vorliegenden Publikation in großzügiger Weise zur Verfügung stellten. Gewidmet ist dieses Buch dem Andenken des teuren Freundes, mit dem mich eine mehr als halbjahrhundertlange engste Arbeitsgemeinschaft verbunden hat und dessen unschätzbare Beiträge und Ratschläge ich nun zum erstenmal in meinen Publikationen schmerzlich vermissen mußte.

Pr aha (Prag), im November 1947. ,. Arthur

Stein.

Für wertvolle Mitteilungen in der seither verflossenen Zeit ist es mir ein Bedürfnis, auch noch zu danken Artur Be t z (Wien), M. David (Leiiden), M. Ho m b e rt (Brüssel) und Ch. Bradford Welles (Yale Univ.); ferner Andreas Alföldi auch dafür, daß er sich entsdtlossen hat, das Buch auch in diese, gleichfalls von ihm begründete Publikationsreihe aufzunehmen. Januar 1950.\

A. St.

Inhaltsverzeichnis Stitt

Vorrede ............ . Bibliographie und Erklärung der weniger Abkürzungen ..... . Die Präfekten •von Augustus bis Diokletian Zusammenfassung: I. Art der Quellenzeugnisse . II. Vizepräfekten .... III. Gehilfen des Präfekten IV. Heimatzugehörigkeit . V. Soziale Stellung . . . VI. Rangtitel und Amtsbezeichnung . VII. AmtcrLlufbahn , . . . • . . • . VIII. Amtsdauer • , • • • . . . . • . IX. Spätere Schicksale der Präfekten X. Anhang. Verschiedenes . Chronologische Rückschau .... . Anmerkungen . ........... . Anmerkungen zu der Zusammenfassung Nachträge und Verbesserungen Register ......... . 1. Sach, und Wortregister 2. Personennamen . . . . 3. Orts~ und Völkernamen

7

gebräuchlichen 10 13

167 169 171

172 174

1n 180

186 187 189 191 195 224 226

230 230 236

245

j! 11

1

1

Bibliographie und Erklärung der weniger gebräuchlichen Abkürzungen Im allgemeinen sei bemerkt, daß die am Rand in Klammern angegebenen Monats- und Tagesdaten nur den frühesten und den spätesten sicher überlieferten Zeitpunkt für die Verwaltung bei den betreffenden Präfekten bezeichnen. Die Artikel in der RE und in PIR ( ed. 1. und 11.), ferner die hier in der Einleitung erwähnten Werke von Cantarelli, Lesquier, Milne und Reinhardt werden nur gelegentlich zitiert, sonst soll auf sie hier ein für allemal hingewiesen werden.

Für Zitate der Quellen und der modernen Literatur gelten im allgemeinen die Abkürzungen, die in der PIR' gebraucht und dort vor jedem Band in dem Conspectus siglorum zusammengestellt sind.

J.

Baillet Inscr. Gr. et Lat. · Inscriptions grecques et latines des tombeaux des rois ou Syringes (Mem. publies par !es membres de l'Inst. fr. d'archeologie orientale. Vol. 42). BL = Preisigke-Bilabel, Berichtigungsliste der griech. Papyrusurkunden aus Ägypten. Breccia Iscr. ==Evaristo Bl'eccia, Iscrizioni greche e latine. 1911. (Catal. general des antiquites egypt. du musee du Caire. Vol. 57.) Henne = H. Henne, Liste des strateges des nomes Egyptiens ä l'Epoque Greco-Romaine. (Mem. publies par !es membres de l'inst. fra;,~. d'archeol. orient. du Caire LVI.) 1913. Hütt!= Willy Hütt!, Antoninus Pius, Prag 1. 1936. II. 1933. Lepsius Denkm. = K. R. Lepsius, Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien. 1849 ff. Milne Gr. Inscr. = Catal. du musee du Caire XVIII., Oxford 1905. Mitteis Chrest. 4 Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde. II 2 (1912). 1 Mommsen RgdA' = Res gestae divi Augusti. lterum edidit Th. Mommsen. 1883.

P. Athen.= Georgios A. Petropoulos, Papyri societatis archaeologicae Atheniensis. Mem. de l'acad. d'Athenes X. 1939. P. Basil. = Papyrusurkunden der öffentl. Bibliothek der Universität cu Basel. Berlin 1917. (Abband!. der Göttinger Gesellsch. d. Wissensch., phil.-hist. Kl. XVI 3.) P. Com. = Greek Papyri in the Library of Cornell University. Edited by W. L. Westermann and C. 1. Kraemer jun. New York 1926.

PGB = Mitteilungen aus der Papyrussammlung der Gießener Universitätsbibliothek. Papyrologia Lugduno-Batava: Vol. 1. The Warren Papyri. 1941. II. Einige Wiener Papyri. (P. Vindob. Boswinkel.) 1942. IIIA. Some Oxford Papyri ed. by E. P. Wegener. 1942. (P. Oxford.) P. Marmarica = II papiro Vaticano Greco 11. Citta de! Vaticano 1931. (Studie Testi vol. 53.)" P. Mert. = The Merton Papyri, vol. I ed. by H. J. Bell and C. H, Roberts, London 1948. P. Mil. Univ. = Papiri Milanesi. Pubblicazioni di „Aegyptus". Serie scientifica. Vol. 1. 1928. P. Oxf. = Papyrologia Lugduno-Batava III A. P. Univ. Lund IV= Aus der Papyrussammlung der Universitätsbibliothek zu Lund. IV. Bakchiastexte und andere Papyri, herausgegeben von Erik J. Knudtzon (Bull. de Ja Soc. roy. des lettres de Lund, 1945/6, III 1946). P. Vindob. Boswinkel = Papyrologia Lugd.-Bat. II. P. Warren = Papyrologia Lugd.-Bat. 1. P. Wess. Prag.= Papyri Wessely (unpubliziert). SB= Preisigke-Bilabel, Sammelbuch griechischer Urkunden aus Ägypten. SEG = Supplementum Epigraphicum Graecum. VPB (= P. Bad.)= Veröffentlichungen aus den badischen Papyrussammlungen.

Wilcken Chrest. = Grundzüge kunde. 12 (1912).

und

Chrestomathie

der

Papyrus-

,I! ,J 12 1

Es liegt in der Natur des Gegenstandes, daß ich mich häufig auf meine früheren Schriften berufen muß. Daher ist es vielleicht zweckmäßig, die bibliographischen Angaben für diese Bücher hier zu vermerken: Untersuchungen zur Geschichte und Verwaltung Ägyptens unter römischer Herrschaft. Stuttgart 1915. Römische Reichsbeamten der Provinz Thracia. Sarajevo 1920. Der römische Ritterstand. Ein Beitrag zur Sozial- und Personengeschichte des römischen Reiches. München 1927. Die Legaten von Moesien. Budapest 1940. (Dissertationes Pan• nonicae ser. I n. 11.) Die Reichsbeamten von Dazien. Budapest 1944. (Dissertationes Pannonicae ser. I n. 12.)

Die Liste der Präfekten Ägyptens, deren Wichtigkeit für alle papyrologischen Arbeiten und für alle Untersuchungen zur Geschichte Ägyptens, ja des römischen Kaiserreiches überhaupt nicht erst umständlich erörtert werden muß, ist wiederholt aufgestellt worden. Die letzte größere Schrift dieser Art ist, wenn wir von Untersuchungen über einzelne Präfekten absehen, das dreibändige Werk von L u i g i C a n t a r e 11i, La serie dei prefetti di Egitto, Mem. della R. Ace. dei Lincei, ser. V, I. Band: vol. XII (1906) S. 47-120, II.: vol. XIV (1910) 311-358, III.: 1912, 385-401. J. G. Mi In e, History of Egypt under Roman Rule' (1924) gibt zu Beginn eines jeden Kapitels über die einzelnen Kaiser eine Liste der Präfekten unter dem betreffenden Herrscher. Je an L esq u i er stellt in seinem groß angelegten Werk L'armee romaine d'Egypte d'Auguste ä Diocletien. Le Caire 1918 (Mem. publies par !es membres de l'inst. fr. d'arch. or, du Caire, t. 41) anhangsweise S. 509-518 (Les prefets d'Egypte d'Auguste ä Diocletien) eine ganz knappe Liste auf, die leider nicht frei von Unrichtigkeiten ist. In weit höherem Maße gilt dies von dem zuletzt erschienenen Verzeichnis, das wir bei Oscar William Reinmuth, The Prefect of Egypt from Augustus to Diocletian, XXXIV. Beih. der Klio (1935), finden. Die Aufgabe, die sich der Verf. vor allem gestellt hat, die Stellung des Präfekten und seines Wirkungskreises zu schildern, ist eine im allgemeinen wohlgelungene, wenngleid1 ohne Anspruch auf neue Ergebnisse geführte Darstellung und Zusammenfassung unseres Wissens um die Verwaltung Ägyptens in römischer Zeit. Allein die übersieht über die Präfekten und ihre Amtszeit in Ägypten, die im Anhang gegeben wird (Appendix I, Prefects of Egypt, S. 131-139), ist so unvollständig und ungenau und mit so vielen Fehlern behaftet, daß hievon nur mit Vorsicht Gebrauch gemacht werden kann. Die Versicherung des Verfassers, daß ihm an seiner Arbeitsstätte die ausgedehnte und weit verstreute Literatur nur unter großen Schwierigkeiten zugänglich gewesen sei, vermag nicht über diesen Mangel hinwegzutrösten.

(.,

14

15

Unter diesen Umständen schien es kein überflüssiges Beginnen, eine neue, dem derzeitigen Stande der Quellen und der Forschung entsprechende Ermittlung über die Persönlichkeit und die Chronologie dieser hohen Beamten aus dem Ritterstande, die vielfach in die Geschicke des Reiches einschneidend eingegriffen haben, anzustellen und die Ergebnisse möglichst übersichtlich und, wo es notwendig erscheint, eingehender zu begründen. Im allgemeinen verweise ich auf meine Artikel in der 2. Auflage der Prosopographia lmperii Romani und in Pauly-WissowaKrolls Real-Encyclopädie. Als 0ctavian nach der Besiegung des Antonius und dem Tode der Kleopatra im J. 30 v. Chr. Ägypten in eine römische Provinz umwandelte, ließ er gleich den C. Cornelius Gallus, der einen Hauptanteil an der Eroberung des Landes gehabt hatte, als Statthalter zurück. über die Stellung dieser Statthalter soll hier nicht nochmals gesprochen werden; 1 nur daran ist zu erinnern, daß es ausschließlich' Ritter sein sollten, die mit dem Titel eines praefectus Aegypti das Land regierten. Die lange Reihe dieser Männer eröffnet, wie gesagt, August 30 bis 27 oder 26 V.

Chr.

C. C orn eh us Gall us, Cn. f. Er war in der T ribus Amensis eingeschrieben, da er aus dem narbonensischen · Forum lulii stammte, 3 und zwar ex infima for-

tuna:' Seinen vollen Namen gibt die lateinisch-griechisch-hieroglyphische Inschrift aus Philae,'S. Ber. Akad. Berl. 18%, 469-482 CIL III 14147, 5 Dessau 8995 Ditt. 0r. Gr. 654, er findet sich auch bei Hieronym. chron. 187. 01. S. 162 H. Lyd. de mens. p. 179 Wuensch. Eutrop. VII 7, wo allerdings einige Hss. den Vornamen Cn. haben.· Es Jst der bekannte Freund und Gönner Vergils. Daß er als erster Phfekt Ägypten verwaltete, sagen Strabon XVII 819. Serv. ecl. X 1. Ruf. Fest. 13. Hieronym. a. 0. Synkell, 583; daß dies gleich nach der Eroberung Ägyptens im J. 30 geschah, Dio LI 17, l; ähnlich Eutrop. a. 0. Lyd. a. 0. Suet. Aug. 66, 1: Cornelium Gallum ad prae(ecturam Aegypti provexerat. Isidor·. etymol. 6, 10, 5: Cornelius GallrÄ praefectus Aegypti. Amm. Marc. XVII 4, 5: Cornelius Gallus Aegypti procurator mit der Zeitbestimmung Octaviano tenente res Romanas.

=

=

=

Seine Taten als Präfekt von Ägypten rühmt er selbst in der Inschrift von Philae (mit dem im hieroglyphischen Text verzeichneten Datum 15. IV. 29 v. Chr.), die den Bericht Strabons ergänzt, auch Hieronym. chron. S. 164 H. (Euseb. arm. S. 210 K. Synkell. 583 f.) und Amm. Marc. a. 0. sprechen davon. Zu der ruhmredigen Inschrift paßt, was Dio LIII 23, 5 über ihn berichtet, und das war ja auch die Ursache seiner Katastrophe, die Dio LIII 23, 6. 7; 24, 1 zum J. 26 erzählt. Doch muß deshalb nicht angenommen werden, daß er bis zu diesem Jahre in Ägypten blieb; sondern nur der Selbstmord des Gallus fällt ifi dieses Jahr, die Absetzung und Verbannung kann auch schon im J. 27 erfolgt sein. Die nächsten Präfekten Ägyptens' waren Aelius Gallus und C. Petronius, und zwar, wie dies am deutlichsten aus dem annalistischen Aufbau der Erzählung bei Dio (LIII 29, 3-8 arabische Expedition des Gallus, LIV 5, 4-6 zweimaliger Feldzug des C. Petronius gegen die Äthiopier) hervorgeht, in dieser, nicht in der umgekehrten Reihenfolge,• die einige Forscher nur deshalb angenommen haben, weil Strabon XVII 819, wo er die Stärke der ägyptischen Grenzgarnison angibt, zuerst von Cornelius Gallus, dann von Petronius und hierauf erst von Aelius Gallus spricht. Doch befolgt er hier nicht eine zeitliche, sondern eine sachliche Gruppierung. Denn gleich darauf (XVII 820) erzählt er wieder von den Kämpfen des Petronius gegen die Äthiopier, die er ausdrücklich in die Zeit nach dem Abzug des Aelius Gallus nach Arabien verlegt. Und daß Petronius nach Äthiopien als praefectus Aegypti zog, sagt Plin. n. h. VI 181. Genau das gleiche ergibt sich einmal aus dem Bericht des Augustus (res gestae c. 26), daß der arabische Feldzug des Gallus und der (erste), bzw. die äthiopischen Kämpfe des Petronius ungefähr gleichzeitig waren: eodem fere tempore in Aethiopiam et in Ar[a]biam, dann auch aus der Erzählung des los. ant. XV c. 9, wonach Herodes zur Zeit einer Hungersnot von dem Präfekten von Ägypten Petronius die Bewilligung zur Getreideeinfuhr aus Ägypten erlangte (XV 307). Und in demselben Kapitel (XV 317) wird von dem Kriegskontingent berichtet, das Herodes freiwillig nee/ dw xe,ivov ixeivov dem Aelius Gallus für dessen Expedition zum Roten Meer schickte. Man könnte daher höchstens annehmen, wie dies ja auch geschehen ist, daß Petronius zuerst nur als Stellvertreter des Aelius Gallus Ägypten verwaltet habe, ehe er selbst Präfekt wurde.

r,,.,L

1

,J

16

1.

17

!

Als Beweis dafür kann aber weder die Angabe (Strabon XVI 780) angesehen werden, daß Gallus den Auftrag erhielt, auch nach Äthiopien zu ziehen, noch die Tatsache, daß ein Teil der ägyptischen Streitkräfte den Gallus auf seiner arabischen Expedition begleitete (XVII 820).' Ebensowenig können · die Worte Dios (LIII 29, 4) Al1woc;wird ·er bezeichnet, weil der Auszug erst später (nach dem Tode Traians, z. 3 3-eofJTeaiavov) gemacht worden ist. Dieselbe Epikrisis im 7. Jahr Traians (103/4) wird auch in einem anderen, viel späteren Papyrus erwähnt, Bull, soc. Alex. XIV (1912) 196, 6 = SB I 5217 Z. 14 f.: /m:o Oin{Jlov Ma;li,ov ..-ofJ~r6,U0>6VL). Hingegen ist die Zensuseingabe P. Oxy. I 171 (vollständiger II p. 208) für das abgelaufene 9. Jahr eingereicht neo,; ,a ,el.evu:>i!.-\a fo:iJ Otlal.ee/ov Il.e6xJ.ov rnv -~r•116vo,. Eine andere Subjektsdekl\.ration, die auf seinem Befehl erfolgte, ist von M. Hombert und Cl. Preaux, Chron. d'Eg. XXII (43) 1947, 123 f., mitgeteilt, xara' -ricul.ti:a:J-ln:a VnO ,roii xea·rlegyptum rebelliones repressit. Daß Pius nicht, wie die Notiz bei Malalas besagt, den Krieg persönlich führte, geht schon aus der vita 7, 11 ( nec ullas expeditiones obiit) hervor und wird durch das völlige Fehlen des Titels proconsul für Pius bestätigt. Dazu paßt ferner die Charakteristik, die M. Ant. ,Zr; I 16, 22 von seinem kaiserlichen Adoptivvater gibt, xai 1:6notr;xai n:q&yµaai 'l"olgatl'l"oigiv0ia-r:e,n:nx.6v.26 1. Darin also ist gewiß Schehl beizustimmen gegen P. M. Meyer, Klio VII 123 f., und Kornemann, ebd. 124, 5. Ebenso hat Schehl 198ff. mit Recht es abgelehnt, für die Datierung des Aufstandes BGU 372 und die Münztypen zu verwerten. Aber wenn auch die Nachricht des Malalas falsch ist, daß Pius persönlich nach Ägypten reiste, um gegen die Aufrührer zu Felde zu ziehen, und daß er sich in Alexandria aufgehalten habe, so braucht deshalb nicht die Beziehung auf diesen Kaiser in allen Punkten verworfen zu werden. 262 Noch weniger darf man an dem Namen Dinarchus rütteln. 263 Dieser Name ist in den vornehmen Kreisen Roms nicht ohne Beispiel; wir kennen einen Senator dieses Namens, M. Aemilius Macer Dinarchus, den Sohn des Konsuls im J. 174, M. Aemilius Macer Saturninus.'" Eine Beziehung zwischen dem Präfekten und diesen Männern herzustellen,"' den Sohn des Konsuls etwa als Schwiegersohn (oder Schwiegerenkel) des Präfekten anzusehen, von dem er das Kognomen annahm, scheint mir doch etwas zu gewagt.

s.

Für die Zeitbestimmung des Präfekten Dinarchus hat Hütt! I 290 aus Aristides zu erschließen versucht, daß der Aufstand, dem Dinarchus zum Opfer fiel, vor die in der ersten Hälfte des J. 144 gehaltene Romrede ( or. XXVI K.) anzusetzen sei. Als gesichert kann man diesen Ansatz keineswegs ansehen. Sollte er zutreffen, dann bliebe für Dinarchus der Zeitraum zwischen 26. VIII. 142 und 12. V. 144, weniger wahrscheinlich das Intervall zwischen 11. VIII. 140 und 18. VII. 142, wie sich aus den oben dargelegten chronologischen Angaben für die Präfekten dieser Zeit ergibt. Wenn wir auf diese genauere Zeitbestimmung verzichten, dann bliebe noch das J. 149 (genauer zwischen 11. XI. 148 und 17. IV. 150) oder 153 (bis spätestens 28. VIII. 154) für ihn übrig. 6*

1

84

85 oano~ im 22. Jahr-268 Die zweite ist eine Eingabe, in der eine Ent-

M. Sem pro n i u s Li b eralis.

(29.VIII.)154 bis 158/9

Schon am 1. Thoth des 18. J. unter Pius (= 29. VIII. 154) erläßt er ein Edikt mit dem Befehl zur Heimkehr der aus ihrer ltlla Geflüchteten, BGU II 372 = Wilcken Chrest. 19: [Mä]exo;; [~e1,n:ed1vw;;] At/Jee[äl.,]s e,rne[xo,;] Alyva[·rnv J.iy]er. Dieses Edikt war, wie schon Grenfell und Hunt'" erkannt haben, in der Epistula an den Strategen Diodoros diesem übermittelt worden, die mehr als vier Jahre später in einer eidlichen Erklärung vom 30. Phaophi des 22. Jahres= 27. X. 158 erwähnt wird als laun:ol.fir; rearp,i'' e4; (ba{'}i-1jotV µov. Wir kennen ferner einen archistrator des Präfekten, den Tib. Claudius Agrippa, aexiu.-eet1va) lyvw 1r(JOO'aV!)(J'YJµ{vov O 'Plc!X'xo~. u P. Arch. X 8. 55 Es scheint doch ausgeschlossen, daß Macro als nur ernannter Präfekt von Ägypten, der. doch dieses Kommando nicht mehr übernehmen konnte, dennoch En-aexo!. .Aiy'Vternv genannt wird. Das wäre vielleicht an sich möglich in der Zeit zwischen seiner Ernennung und seinem Amtsantritt, aber es ist nicht möglich, daß auch noch Claudius eine geraume Zeit nach dem Tode Macros ihn noch mit dem offiziellen Titel faapxo, Aly'Vtei-ov bezeichnet hätte. 36 Auch ich bin jetzt nicht mehr geneigt, wie in meinem Artikel RE XVI 1568 die Ergänzung Beils ohne weiteres anzunehmen. 67 In diesem Fall wird allerdings die nach den Buchstabenresten durchaus unsichere Ergänzung des Namens gestützt dadurch, daß wie wir aus Philo wissen, Macro tatsächlich ein Freund des Flaccus war und daß er diesem zur Erlangung des Kommandos in Ägypten verhalf, Philo in Flacc. 3, 11, p. 122 1} te()~ MaJe()"JVa11iovLl~µ.~eiov [..-ov]).aµ.n(eonirov) ~yeµ.6,o;;dn:o [..-oii]

n:eoa..-( &y11aw;;) .-ovö«Mf( 6vw;;)X1J(l'i:ov,;)[xa]r' olx(lav) dn:oyeaq,IJ,. Es übernimrnt also die Weiterführung der für das Zensusjahr 187/8 von Aurelius Verianus anbefohlenen Volkszählung, die dann Papirius Dionysius durchzuführen gehabt hatte, nach dessen Abgang auch noch Tineius Demetrius. In eo!. I 8 Av([fJJ.iov ist wahrscheinlich auf seinen unmittelbaren Vorgänger Papirius Dionysius zu beziehen. S. 119, Z. 8 von oben nach „gerichtet" wäre die Anmerkung einzuschalten: E. Bickermann, Das Edikt des Kaisers Caracalla in P. Giss. 40 (Diss. Berlin 1926) bestreitet, daß es die Constitutio über das Bürgerrecht sei, vielmehr ein Nach trag dazu. Noch radikaler verwirft Laqueur Nachr. d. Gießener Hochschulges. VI 1 (1920) jede Beziehung zur Bürgerrechtsverleihung. S. 125, Z. 1 von oben: Aus diesem Grunde vermute ich (RE VII 1025), daß Chrestus der in der vita Alex. 19, 1 erwähnte Praefectus praetorio ist, den Alexander trotz seinem Sträuben oder vielleicht eben deshalb zu dieser Stellung erhob. S. 166: P. Princeton III 118 ist ein Fragment, das aus einer Berufungsschrift zu stammen scheint; in Z. 5 i!n:&exq, Alyvni:ov, 16 [~ye]µ.o,,,vaavn, Z. 23 ~yeµ.ovevaa[vn],in Z. 23 ist erhalten 9. Phaophi des 4. Jahres, der Kaisername fehlt (nach den Herausgebern im II. Jhdt.). Zu S. 143-145: Erst nach dem Abschluß des Druckes erhielt ich durch die Güte des Verfassers die Abhandlung üb~r Mussius Aemilianus von J. Schwartz, Bull. soc. d'arch. d'Alexandrie XXXVII (1948) 34-46. Leider muß ich die Ergebnisse dieser Untersuchung als völlig verfehlt ablehnen. Nach der Meinung von Schw. wäre Mussius Aemilianus identisch mit dem maurischen Usurpator Memor, dessen Name und Volkszugehörigkeit ihr Dasein nur einer Verderbnis der Überlieferung verdanken sollen. Mussius Aemilianus sei durch Macrianus und Quietus in den Senatorensland erhoben worden, ehe er die Stellung eines corrector erlangt habe. Der Schluß, daß die vita Saturnini der vita Aemiliani nachgebildet sei, ist ebensowenig haltbar wie die kühne Hypothese Ses'lons, auf die sich Schw. beruft, daß nicht weniger als vier Viten (Aemilianus, Probus, Firmus und Saturninus) abhängig seien von einer vita des Achilleus, von der nie jemand etwas gehört hat und die auch 15*

229

228 schon deshalb schwerlich existiert haben kann, weil, wie wir jetzt wissen (Schw. scheint davon nicht Kenntnis zu nehmen), Achildes Usurpators leus nicht Usurpator, sondern nur ln:avoe:fwri]aq:nj (s. auch Eigentumsdekla~ ration, Objektsdeklaration) 34. 62. 124 xcn:'olxtav cln:oyea(/)'1] (Censuseingabe, Steuersubjektsdeklaiiation, Volks„ zählungscingabc) 62. 66. 77. 87. 96. 102. 103. 110. 111. 113. 120. 121. 130. 138. 144. 146. Anm. 408. 4-02 ,fa:orJ11µta Anm. 197 drrox1/ 71 «exirJixaO'rJ)q68 Archiereus 31, 144 Achistrator (s. auch Strator) Architekt 40

75. 172

llqzovn, 104 Nezwv- Statthalter 25. 35. 161. 180 Arzt 48 Assentierung 77 s. auch probatio Audienz 36 Augustalis 80

Bäder 31. 35 Basilica 74 ßar:rtJ.14f.0)yqa,u,uanV, 34. 99. lll bcllum Parthicum 122. 183. Anm. 201 ßä,ua 43. 81. 131 beneflciarius 62. 92. 14-0.153. 159. 165. 171. Anm. Zus. 6 ß,ßUowv 82. 89. 127 ßißJ.io.fJ-J/x11 i yx-r1)0'EWV45

bibliothecae (s. proc. bibliothecar.) 183 bilingue Inschriften 43. 51. 54 - Papyri 124. 131. 139. 14-0.143 Bittschrift (ß,ßU,/wv, libellus) 90. 131. 182 bonörum possessio s. agnitio Bronzegefäße 38. 85 Bronzegewichte 34. 58 Bronzekrebs 18 Bronzestatue 50 Bronzetäfelchen Anm. 191 Bule (s. auch Ratssitzung) 131. 140. 141. 142. 147 Bürgerrecht 48. Anm. 271 censitor Brittonum 64 censor 30. 49 - perpetuus. Anm. 159 census (proc. ad census) 51. 60. 62. 66. 84. 103.120; 130f. 138. 182. Anm.370 a censibus (s. a libellis) 90. 109. 142 (xnvowv). 182

Censuseingaben (s. auch xm:' olxlav a, 37. 96. 120. 161. Anm. 371 äwxarox'I -rWv V1raexOvrwv (s. petitio bonorum possessionis) 143. Anm. 477 äudopuµO; (s. auch Konvent) 31. 64. 73. 86. 88. 164 d't«O"f/,udrnro; 101. 134. 144. 146. 150. 153. 155. 156. 157. 162. 163. 178. Anm. 464. 480. 495 fo,rny,ua 54. 57. 63. 70. [80] äi&w~iq 76 odrruv 37, 129. 143. 144. 150. 151. 180. Anm. 454 '11xmoi!Oq, (s. auch iuridicus) 36. 70. 77. 96. 97. 121.129.170.185 Anm.371 d,lectator (delectator) 78

dioecesis s. procurator ad dioecesin äw~xEiv 40. 180 Ötal4f.1jr1),{s. auch proc. ad dioecesin) 108. 113. 185 Diptychon, s. Holztafel dona militaria 50. Anm. 202 Jo:J-d; xetr1}; s. delegatus iudex und &va1ro,u1e7l ducenarius 116. 138. 145 dux (s. auch ure«r71l.&r11;)68. 137. 148. 184. Anm. ~36. Anm. Zus. 29 Edikte 21. 27. 29. 30. 31. 34. 37. 45. 51. 55. 66. 67. 69. 71. 74. 77. 80. 84. 115. 116. 172 egregius 96. 144. 177. Anm. 208 Et'l.11s. ala ~raxeiO't) 92. Anm. 127 ExarorrdeX7l) s. centurio ixyEy(!«µµ{vov xal 1C(!DO'cwrtßE{JJ.71µ,ivov (= descriptum et recognitum) 127

eminentissimus 94. 101. 126. 128. 136. Anm. 349. Anm. Zus. 23 /vrfo~6-raro; 102 lvnvt~, 39 ln:vyxcivw, lrrvxta 36. 49 imtvoe:J-wnj; (s. auch corrector) 142.

232

233

146. 151. 152. 158. 185 188. Anm. 495 bcaexo) AlyVm:ov passim Enal?xo, w-S-evta, (s. auch praef. an„ nonae) 102 ' Epheben 92 bwJ71µta Anm. 377

b,t,p,a" 40. 50. 51. 57. 61. 67. 73. 79. 81. 84. 92. 95. 99 f. Anm. 65 br:tmmpi, 56. 99 Epistolar 114 Epistrateg 37. 69. 85. 108. 109. 140. 153. 154. 162. 185. Anm. 217. 354 epistula (brunal1)) 45. 47. 50. 51. 53. 62. 63. 67. 69. 71. 80. 83. 84. 94. 104. 108. 113. 119. 127.134.Anm. 70. 187 ab epistulis (Kabinettskanzlei) 74. 75. 95. 143. 181 lrrfrpono, 26. 29. 71. 82. 119. 180. Anm. 5. 131 eques 172 Erasion (s. auch damnata memoria) 50. 51. 52. 99. Anm. 424 Erbschaftserklärung 140 iihrlX(!X1/) 22 Exeget 92 cxcmplar codicillorum 41. Anm. 134 E?oxWrnToq136. 137. Anm. Zus. 23 i~wv{oµat 71 Flotten (s. auch classes) 184 freigelassene (d11"dt=VfrE()ot) 26. 30. 94. 129. 172. 187.

frumentarius 142. 172 Gardekommandant s. praefectus prae" torio Geburtsbescheinigung Y..t.65. 76. 79. 91. 107 ' Gehaltstufen 116, 138. 145. 164. 181 yw&ex11, 22 Generalstabschef {Generaladjutant) 37.39. 184 yt=oµfr(tf/) (s. auch agrim\fsor) 124 YE(!OV