Römische Grabbauten der frühen Kaiserzeit

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Römische Grabbauten der frühen Kaiserzeit

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Limesmuseum Aalen Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart Öffnungszeiten des Limesmuseums: Täglich außer montags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr Gruppenführungen nach Vereinbarung

Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands Nr. 22 Zu beziehen über Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, Altes Schloß (Sekretariat der Archäologischen Sammlungen)

Umschlag Vorderseite: Ziegel (later) mit Stempel der in Aalen stationierten Reitereinheit von 1000 Reitern AI. (a) II FL(avia pia fidelis Domitiana milliaria). Gefunden im Kastellbad. Umschlag Rückseite: Inschrift, gefunden in der St. Johanniskirche, Aalen. Ao: Limesmuseum Aalen. I(ovi) O(ptimo) M(aximo) D[ol(icheno)]/T(itus) Vitalius [Ad]/ventus De[cur(io)] Al(ae) II Fl(aviae) pro sa[lu]/te sua et su[or(um)/v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito). Jupiter Dolichenus, dem besten und größten, (hat) Titus Vitalius Adventus, Befehlshaber einer Turma (Schwadron von 42 Reitern) der Ala II Flavia, für sein und der Seinen Heil (den Weihestein mit dem Bildnis des Gottes aufstellen lassen und damit) sein Gelübde eingelöst froh und freudig nach Gebühr.

HANNS GABELMANN

Römische Grabbauten der frühen Kaiserzeit

Herausgegeben von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e. V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen. Schriftleitung: Dr. Philipp Filtzinger, Stuttgart Druck: Druckhaus Waiblingen J 979

Vorwort Herrn Professor Dr. Hanns Gabelmann, Archäologisches Institut der Universität Bonn, verdanken wir den Überblick über die römischen Grabbauten der frühen Kaiserzeit. In seiner Habilitationsschrift befaßt sich Herr Gabelmann mit den .Werkstattgruppen der oberitalischen Sarkophage'; er ist Mitarbeiter am -Corpus der antiken Sarkophagreliefs'. Herr Gabelmann beschäftigt sich vor allem mit der römischen Plastik der Nordprovinzen. Mit seinen Studien zur Grabkunst ist es ihm gelungen, die engen Verbindungen zwischen Oberitalien und der Rheinzone herauszuarbeiten. In Baden-Württemberg sind bis jetzt nur Teile von Grabdenkmälern nach Art der Igeler Säule bei Trier bekannt geworden. In den Fundamenten der Kirche in Risstissen (Alb-Donau-Kreis) sind Reliefs mehrerer Grabdenkmäler vermauert. Es war immer ein Anliegen von Herrn Professor Peter Goessler, diese qualitätvollen Reliefs zu retten, bevor sie durch die Witterung ganz zerstört werden. Hierzu ist es jetzt höchste Zeit. Bei Kirchentellinsfurt konnte Oskar Paret nur noch Teile eines Familiengrabes, das zu einem römischen Gutshof (Villa rustica) gehörte, bergen. Das Grabmal war bereits im Mittelalter als Steinbruch benutzt worden. Vier Köpfe des Grabmals sind im Lapidarium des Württembergischen Landesmuseums im Stiftsfruchtkasten (Schillerplatz i) ausgestellt (Nr. 39). Zu Pfeilergrabmälern gehören die an mehreren Orten in Baden-Württemberg gefundenen pyramidenförmigen Schuppendächer sow.ie Pinienzapfen von bisweilen beträchtlicher Größe als Bekrönung dieser Schuppendächer. Ph. Filtzinger

Geschmack und Vermögen bestimmen die Form des Grabmals In keiner Gattung der römischen Architektur ist die Vielgestaltigkeit der Formen so unübersehbar wie bei den Grabbauten. Diese Vielfalt ist vor allem durch die Verwirklichung persönlicher Wünsche der Auftraggeber zu erklären. Der Phantasie waren hier weniger Grenzen als in der Nutzarchitektur mit ihren festgelegten Funktionen gesetzt. So ließ sich z. B. der Großbäcker Eurysaces vor der Porta Maggiore in Rom einen Grabbau errichten, der sich aus übereinandergestapelten Getreidescheffeln (Abb. 44, 1.2) zusammensetzt. Ein Liebhaber von Circusspielen erbaute sich bei Ariccia ein Grabmonument (sog. Grab der Horatier und Curiatier), das von hohen Kegeln bekrönt, an das Aussehen von Zielsäulen (metae) im Circus erinnerte. Einer der reichen Weinhändler der Trierer Gegend ließ sein Grabmal mit einer aus Weinamphoren aufgebauten Pyramide bekrönen und von zwei mit Fässern beladenen Moselschiffen einrahmen. Der „fröhliche Steuermann" des Schiffes dient heute noch auf Flaschenetiketten der Weinreklame. Mit einem aufwendigen Grabbau (monumentum, vom lat. monere - mahnen) Verband man die Absicht, sich der Nachwelt im Gedächtnis zu erhalten. Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert n. Chr., in dem zahlreiche antike Grabmalformen auf unseren Friedhöfen wiederaufgenommen wurden, ist unsere Zeit, was die Verewigung in Monumenten angeht, skeptischer geworden. Allein im Süden Europas, wo die Bestattung in mit Marmorplatten verschlossenen Wandnischen (locnli) noch Völlig antiken Sitten entspricht, werden heute noch Mausoleen errichtet. Ebenso wie in der römischen Staatskunst Triumphe und Siege durch Bögen und Säulen der Nachwelt überliefert wurden, sollten die zumeist an den Ausfallstraßen der Städte stehenden Grabbauten die memoria an die Verstorbenen wachhalten. Nicht nur die Inschrift, sondern auch Porträtstatuen und auf die Toten bezogene Reliefdarstellungen sollten von ihrer Person, ihrem Leben und ihrer gesellschaftlichen Stellung künden. Während der römische Adel sich zumeist auf eher schlichte Grabanlagen beschränkte, konnten Schichten wie die Freigelassenen, die ihnen fehlende gesellschaftliche Wertschätzung durch übertrieben reiche Grabbauten kompensieren. Der Vergleichsweise größte Grabluxus wurde sicherlich Von den seviri

Pan, rechte Nebenseite des Poblicius-Grabrnals, Köln

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(Sechsmännerkollegium) getrieben: dies waren ehemalige Freigelassene, die, zu Geld gekommen, den Kult der vergöttlichten Kaiser zu versehen hatten. In der römischen Grabarchitektur ist wie in anderen Gattungen der römischen Kunst eine eklektische Haltung zu beobachten, die erlaubt, auch Formen anderer Kulturen wiederaufzunehmen. So ließ sich z.B. C.Cestius vor der Porta Ostiensis in Rom - in Nachahmung der ägyptischen Pharaonen - eine Pyramide mit einer Grabkammer im Inneren errichten. Das Rundgrab des Kaisers Augustus sollte, obwohl äußerlich in hellenistischer Bauordnung gehalten, an die Gräber etruskischer Könige erinnern. In Pompeji wird in der Form der Exedra (halbrunde Sitzbank) eine Form in die Nekropolen übernommen, wie sie zuvor nur in griechischen Heiligtümern als Sitzgelegenheit für vornehme Festteilnehmer errichtet worden war.

Trimalchio bestimmt die bildliche Ausstattung seines Grabes Die Anweisungen der Auftraggeber an die Steinmetzwerkstätten müssen, wie uns erhaltene schriftliche Quellen lehren, bis in die Details gegangen sein. Bei Petron (Cena Trimalchionis 71) ist uns ein allerdings als Satire gedachtes Gespräch mit einem Steinmetzen überliefert. Trimalchio macht hier genaue Angaben über die bildliche Ausstattung seines eigenen Grabes: zu Füßen der Statuen des Ehepaares sollen die Lieblingshündchen Platz finden. Die Frau soll eine Taube in Händen halten. Von den dargestellten Weinamphoren soll eine zerbrochen sein und über ihr soll ein Sklavenjunge über seine Unachtsamkeit weinen: ein ausgesprochenes Genremotiv! Der Relief schmuck soll die Kämpfe des von Trimalchio favorisierten Gladiator mit Namen Petraites vorführen. Auch sollen Schiffe die Quelle seines Reichtums anzeigen. Trimalchio selbst - er hat es als Freigelassener zum sevir gebracht - soll auf einem Tribunal bei einer Geldverteilung (wie in der Bildkunst - vor allem auf Münzen - sonst nur der Kaiser) gezeigt werden. Als Kleidung maßt sich Trimalchio die toga praetexta (weiße Toga mit purpurfarbenem Randstreifen) an, die eigentlich nur den Beamten aus dem Patrizierstand zukam. Auch in dem sog. Testament eines Lingonen (CIL. XIII, 5708), das durch eine ins io. Jahrhundert n. Chr. gehörende Pergamentkopie einer antiken Inschrift überliefert ist, gab es detaillierte Angaben für eine Grabanlage: Der Verfasser des Testaments wünscht, daß für ihn eine Grabnische mit einer Sitzstatue aus Marmor errichtet wird. Ein davorstehender Altar, in den die Urne eingelassen werden soll, dient dem Totenkult. Das Ganze sollte wie üblich in einem Grabgarten (cepotaphium) stehen. In solchen Grabgärten wurden nicht nur

Blumen, sondern auch Obst und Wein angepflanzt. Notwendig war deshalb bei großen Anlagen sogar eine Wasserversorgung. Zur Pflege des Lingonengrabes sollten drei Gärtner mit Lehrlingen angestellt werden. Aus einem auf einer Marmortafel erhaltenen Plan einer Grabanlage ist sogar noch die strenge Geometrie der Bepflanzung zu entnehmen. In den Grabgärten standen vielfach aufgemauerte Triklinien, auf denen sich an den Totenfesten (Parentalia und Rosalia) die Angehörigen zum Mahl versammelten. Dabei wurden auch den Toten Speisen vorgesetzt - eine Sitte, die auf dem Balkan noch heute geübt wird. Der Gedanke, für die Toten Grabbauten zu errichten, wurde aus Rom und Italien wie auch andere Formen der Grabkunst (z. B. Grabstelen und -altäre) in die Nordprovinzen übernommen. Daß es auch im römischen Germanien des i. Jahrhunderts n. Chr. bereits Grabbauten gegeben hat, konnte früher nur vermutet werden. Zur Gewißheit wurde es erst durch die sensationelle Entdekkung des Poblicius-Grabmals (Abb. 18-21), das jetzt im Kölner Museum wiederaufgebaut worden ist. Das früheste datierbare Fragment eines Grabbaus am Rhein ist ein erst 1974 mit anderen Architekturteilen geborgener Architrav (Abb. 22). Er trägt eine tabula mit Inschrift, die von Greifen gehalten wurde. Die beiden Brüder, für die der Grabbau errichtet wurde - M. und C. Cassius -, gehörten der Legio XIV Gemina an, die von 13 v. Chr. bis 43 n. Chr. in Mainz stand.

Bautypen Maiisoleumsgrundform Im Zentrum unseres Interesses sollen diejenigen Formen von Grabbauten stehen, die in die Nordprovinzen übernommen und dort weitergebildet worden sind. Dabei handelt es sich vor allem um turmartige Grabbauten mit zwei und mehr Geschossen. Der für diese Grabbauten häufig verwendete Begriff des .Grabturmes' wird diesen Erscheinungen jedoch nicht gerecht, denn das Obergeschoß dieser Bauten öffnet sich zumeist in einer Säulenstellung in griechischer Bauordnung. Regelrechte, auch in ihrem oberen Teil geschlossene Grabtürme gibt es hingegen in Nordafrika und in Palmyra. Die Bauten, die hier abgebildet werden, verbindet - so variabel sie im einzelnen auch sein mögen - eine bestimmte Grundform: sie setzen sich zusammen aus einem geschlossenen, unzugänglichen, hohen Untergeschoß und einem sich

öffnenden Obergeschoß, das die Statuen der Verstorbenen aufnehmen kann. Das geschlossene Postament kann glatt gelassen und nur oben und unten von Profilen eingerahmt sein (z. B. Abb. 3.12) oder es wird von Pilastern seitlich eingefaßt und dann durch einen Architrav und einen Fries oben abgeschlossen (z. B. Abb. 5.16.18). Die Zweiteilung in ein geschlossenes Sockelgeschoß und einen sich in einer Säulenstellung öffnenden Oberbau verbindet diese Bauten mit dem berühmtesten antiken Grabbau, dem Mausoleum von Halikarnaß (Abb. 2), das zu den sieben Weltwundern gezählt wurde. Für die Grundform unserer Monumente läßt sich daher der Begriff .Mausoleumsgrundform' verwenden. Das Mausoleum von Halikarnaß hat seinen Namen von dem karischen König Mausolos, für den der Grabbau um 350 v. Chr. von seiner Frau und Schwester Artemisia errichtet worden ist. Ein griechischer Architekt, Pytheos, leitete den Bau und am Bildschmuck wirkten die berühmtesten griechischen Bildhauer (Skopas, Timotheos, Bryaxis, Leochares) mit. In der Antike hat man dann freilich - wie auch noch heute - jeden stattlichen Grabbau als Mausoleum bezeichnen können. Bewußt war jedoch, daß man Grabstätten von Königen so nennt (Florus 2, 21, 10: „- sepulcbra regum sie vocant —"). In der wissenschaftlichen Terminologie ist der Begriff, wenn wir von ..Mausoleumsgrundform' sprechen, dagegen eingeschränkter: wir verwenden ihn hier nur für Bauten, die in ihrer Grundstruktur dem Mausoleum von Halikarnaß entsprechen. Die Form des Grabbaus des Mausolos hat ihrerseits Vorbilder in Lykien (Landschaft im Süden Kleinasiens): so z. B. in dem aus Xanthos nach London transportierten sog. Nereidenmonument aus den Jahren um 400 v. Chr. (Abb. i). Die Friese mit Kampfszenen, die den oberen Abschluß des Sockels schmücken, hat auch das Mausoleum von Halikarnaß übernommen. Mausolos war nach dem großen Aufstand der Satrapen gegen den persischen Großkönig 363 v. Chr. auch Herr über Lykien geworden. So erstaunt es nicht, daß Artemisia, bzw. ihr Architekt Pytheos die Grabbauten lykischer Fürsten als Vorbild für den Grabbau in Halikarnaß wählte. Die Bestattung von Toten in Grabkammern auf hohen Pfeilern hat in Lykien eine alte Tradition. Es ist eine Form, die durch die äußere .Erhöhung' der Toten ihre Entrückung in eine andere Welt andeuten soll. Der Oberbau des Nereidenmonumentes stellt in seiner äußeren Form einen griechischen ionischen Tempel dar (Abb. i). In klassischer Zeit konnte es nur ein Dynast aus einem griechisch-orientalischen Randbereich wagen, für seinen Grabbau eine Form zu übernehmen, die in Griechenland nur den Göttern vorbehalten war. Der Anspruch des Grabherrn auf göttergleiche Verehrung spiegelt sich auch darin, daß sich das Fürstenpaar im Giebel des Grabtempels wie Götter thronend darstellen ließ. Der Fries über der Cella zeigt, daß den Verstorbenen sogar Stiere geopfert worden sind.

Die Mausoleumsgrundform war auch in der Zeit des Hellenismus noch ausschließlich fürstlichen Personen vorbehalten: so ist das Mausoleum von Belevi (bei Ephesus) wahrscheinlich das unvollendete Grabmal für den Makedonen Lysimachos, einen der Nachfolger Alexanders des Großen. Neuerdings ist ein Grabbau der Mausoleumsgrundform bereits im späten 4. Jahrhundert n. Chr. auch in Attika nachgewiesen. Der von E. K. Tsirivakos in Kallithea, einem Vorort von Athen, ausgegrabene Bau hatte eine Höhe von ca. 8,30 m (Vorberichte: Archaiologika Analekta i, 1968, 108; 4, 1971, io8ff.). Über einem Kalksteinpodium, das oben von einem Amazonenfries aus Marmor abgeschlossen war, erhob sich ein Naiskos (=Aedicula) mit zwei freistehenden Säulen. In dem Naiskos, der die kleinstmögliche Form eines Tempels darstellt, standen drei Statuen. Spätklassische und hellenistische Aediculen auf Podien sind in Fragmenten zahlreich nachgewiesen, vor allem in Tarent und auf Sizilien. Ein Exemplar mit ionischen Säulen hat in Rhodos rekonstruiert werden können (Clara Rhodos i, 1928, 54).

Römer errichten sich fürstliche Mausoleen Ein wichtiges Zwischenglied zwischen den Mausoleen klassischer und römischer Zeit ist das sog. Therongrab in Agrigent (Abb. 3). Man nahm früher an, in ihm sei der Tyrann Theron aus dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. bestattet. Die Anlage ist jedoch in Wirklichkeit viel später. Sicherlich war es das Grab einer führenden Persönlichkeit, nur können wir sie nicht mit Namen nennen. Ins Innere des Podiums führt keine Tür, aber es ist darin eine Grabkammer vorhanden. Die Öffnung wird nach der Belegung wieder mit Steinblöcken zugesetzt worden sein. Der Oberbau ist geschlossen, auf den Wandflächen sind Scheintüren angebracht. Die ionischen Ecksäulen tragen ein dorisches Gebälk (glatter Architrav, Metopen und Triglyphen): es ist dies eine Mischung von Bauformen, wie sie erst im späten Hellenismus (späteres 2. Jahrhundert v. Chr.) üblich wird. Die obere Bekrönung des Therongrabes ist unbekannt: am wahrscheinlichsten ist ein Pyramidendach. Der Bau steht noch ganz in der griechisch-hellenistischen Bautradition. Dies zeigt sich vor allem auch daran, daß er auf allen Seiten gleichartig ausgeführt ist. Die römischen Grabbauten tendieren hingegen zu ausgesprochen fassadenhaften, auf den Betrachter ausgerichteten Lösungen (Abb. 6ff.). Hier äußert sich ein tiefer Wesensunterschied zwischen griechischer und römischer Architektur, der sich auch auf andere Gattungen erstreckt. Seit dem i. Jahrhundert v. Chr. taucht die Mausoleumsgrundform in zahlreichen Vertretern in römischen Nekropolen auf. Die ursprünglich nur für fürstliche

Personen vorbehaltene Form wird nunmehr von immer breiteren Schichten übernommen. Entscheidend waren hierbei weniger die soziale Stellung als die ökonomischen Verhältnisse der Erbauer: so konnte sich im i. Jahrhundert n. Chr. auch ein einfacher Legionsveteran wie L. Poblicius einen Grabbau errichten, wenn er über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügte. Daß nunmehr auch bürgerliche Personen sich Grabbauten in Tempelform errichten lassen, hängt mit einer Erscheinung zusammen, die man treffend als Privatapotheose (Vergöttlichung von privaten Personen) bezeichnet hat. Den frühesten literarischen Beleg für diese Tendenz finden wir in einem Brief Ciceros an seinen Freund Atticus. Der Brief ist nach dem Tode von Ciceros Tochter Tullia im Jahre 45 v. Chr. geschrieben (12, 36, i). Cicero will seiner Tochter ein fanum, d. h. eigentlich ein Heiligtum errichten. Um die Apotheose zu erreichen, soll die Anlage nicht wie ein Grab, sondern wie ein Tempel aussehen.

Sau lenfronttypus Die hier zusammengestellten römischen Grabbauten der Mausoleumsgrundform aus Italien und den Nordprovinzen können nach dem Aussehen der Obergeschosse in bestimmte Typen unterteilt werden, wie es unsere Typentafeln mit maßstäblichen Zeichnungen (Abb. 41-44) zeigen. Der i. Typ zeichnet sich durch eine offene, freie (sog. prostyle) Säulenstellung aus (vgl. Abb. 41, 1-4 und Abb. 4.5.14.18). Es können zwei (Abb. 41, 1.2) oder auch vier Säulen (Abb. 41, 3.4) an der Front verwendet werden. Wir bezeichnen den Typus daher als .Säulenfronttypus'. Die Statuen der Verstorbenen stehen in den durch die Säulen gebildeten Vorhallen oder Nischen wie in einem kleinen Tempel. Grabbauten vom Säulenfronttypus können mit einem Giebel oder aber auch mit einer geschweiften Pyramide bekrönt werden (Abb. 41). Die zweite Lösung findet sich vor allem in Oberitalien und im Rheinland (Abb. 41, 3.4 und Abb. 14.18).

Aediculatypus - Baldachintypus Eine einfachere Form des Oberbaus hat keine Säulen an der Front, sondern faßt die Statuen durch seitliche Wände, die vorne als Pilaster ausgebildet sein können, ein. Bei derartigen Grabaediculen sprechen wir vom ,Aediculatypusc (Abb. 42). Auch er kann mit Giebel (Abb. 42, 1.2 und Abb. 8) oder mit geschweifter Pyramide (Abb. 42, 3.4) als Bedachung vorkommen. Besonders leicht wirkt der Oberbau, wenn er rundum aus Säulen besteht, so daß

die Statuen der Verstorbenen von allen Seiten zu sehen sind (Abb. 10.15.16). Der Oberbau wirkt über den Statuen wie ein architektonischer Baldachin, daher der Begriff .Baldachintypus' (Abb. 43). Baldachine über Statuen sind eine Form, wie sie ursprünglich Götterkultstatuen vorbehalten waren. Auch hier sehen wir also eine ursprünglich sakrale Form in den Sepulkralbereich eindringen. Die architektonischen Baldachine der römischen Grabbauten können sehr verschiedene Formen aufweisen. Am häufigsten sind Baldachine in Form regelrechter Rundtempel (sog. Monopteros, Plural: Monopteroi, Abb. 43, 1.2). Daneben kommen jedoch auch quadratische Formen vor: sie können horizontales Gebälk haben oder wie ein quadrifrons (d.h. ein Bogentor mit vier Öffnungen, Abb. 43,3) aussehen. Sehr originell und einmalig ist ein Baldachin mit drei Säulen und entsprechendem konkav eingeschwungenem Gebälk mit Pyramidenbekrönung in Aquileia (Abb. u; 43,4). Statt des sich öffnenden architektonischen Obergeschosses kann auch ein geschlossenes verwendet werden, was schon am Grab des Theron (Abb. 3) zu beobachten war. Die Verstorbenen erscheinen dann nicht als Statuen, sondern als Relieffiguren. Die Lösungen sind jedoch derartig verschieden, daß man nicht von einem einheitlichen Typus sprechen kann (Beispiele für derartige ,Relieffronten' auf Abb. 44). Die maßstäblich nach bestimmten Grabbauten gezeichneten Typentafeln (Abb. 41-44) zeigen auf den ersten Blick wie ungeheuer die Größenunterschiede bei römischen Grabbauten sein können: als der größte hier betrachtete Grabbau erweist sich das Juliermonument in St. Remy (Abb. 43,2. H. 17,80 m), als der kleinste das Volumniergrab in Padua (Abb. 42,1. H. 3,90 m). Sicherlich hat sich Größe und bildhauerische Ausstattung der Bauten auf den Preis ausgewirkt Die höchste in Italien inschriftlich nachgewiesene Summe für einen Grabbau (wahrscheinlich eines Freigelassenen) sind 500 ooo Sesterzen (= 5 ooo aurei, Goldstücke. CIL X, 5624). Wie Duncan-Jones (Papers Brit. School at Rome 33, 1965, 201) im Verhältnis zu den Jahresgehältern militärischer Ränge errechnet hat, schwanken die Kosten für eine Grabanlage von etwa einem Viertel bis zum Anderthalbfachen des Jahresgehalts.

Italien südlich des Apennin Pompeji Römisches Leben läßt sich nirgendwo besser kennenlernen als in den Vesuvstädten, aber auch der Bereich der Toten hat sich nirgendwo besser erhalten als in den Nekropolen vor den Toren des antiken Pompeji. In den Nekropolen ist wie in der ganzen Stadt der Zustand des 24. August 79 n. Chr. fixiert, als für Pompeji die Katastrophe begann: Pompeji ging unter in einem Asche- und Bimssteinregen, der den folgenden Tag - nach dem Bericht von Zeitgenossen - schwarz wie die Nacht machte. Als der älteste der pompejanischen Grabbauten in Mausoleumsgrundform stellt sich das sog. Girlandengrab vor der Porta di Ercolano (Abb. 4.5; 41,1) heraus. Das Untergeschoß ist massiv durchgeschichtet, besitzt also keine Grabkammer. Es ist auf der Vorderseite mit vier, auf der Nebenseite mit drei Pilastern gegliedert. Auf den Nebenseiten sind oben zwischen den Pilastern Girlanden aufgehängt, von denen das Grab den Namen hat. Zugehörige Fries- und Kassettenteile bezeugen einen Oberbau, den V. Kockel als prostyle Aedicula mit Giebel (Abb. 41,1) rekonstruieren konnte. An der Vorderseite spannte sich über den Kapitellen ein Marmorarchitrav (Abb. 4), der heute neben dem Girlandengrab aufgestellt ist. Die Architrave der Nebenseiten bestanden, wie die übrige Architektur, aus Tuff. Der Bau gehört also noch in die sog. Tuffzeit Pompejis. Ein genaueres Datum läßt sich über den Stil der Wellenranken der Friese (Abb. 4) gewinnen. Die drahtartig verdünnte Ranke mit den zackigen und gekerbten Akanthusblättern läßt sich gut mit der Ranke des Caesartempels auf dem Forum Romanum vergleichen. Der Caesartempel ist 42 v.Chr. beschlossen und 29 v.Chr. eingeweiht worden. Schräg gegenüber vom Girlandengrab, auf der anderen Straßenseite, steht der Grabbau der Istacidii: von ihm sind drei Säulen des Obergeschosses mit Gebälk wiederaufgestellt worden (Abb. 10). Die ionischen Kapitelle, die zur Wiederherstellung benützt worden sind, gehören allerdings zu einem anderen Bau. Die ursprünglichen Kapitelle waren korinthisch. Die Halbsäulen des Unterbaus bestehen aus Ziegeln, waren jedoch, wie die erhaltenen Reste zeigen, ehemals überstuckiert. In dem großen, allseitig offenen Monopteros des Obergeschosses hatte eine größere Anzahl von Statuen Platz. Die im Sockel befindliche Grabkammer ist im 3. pompejanischen Stil ausgemalt, d.h. der Bau ist augusteisch oder etwas später anzusetzen. Gehört hat er der Familie der Istacidii, den letzten Besitzern der berühmten sog. Mysterienvilla bei Pompeji. Eine andere Nekropole Pompejis, die durch ihre hohe Verschüttung besonders

gut erhalten ist, liegt vor der Porta di Nocera. Hier finden wir zwei Grabmäler mit Säulenfronten (Abb. 6.7), eines mit Aedicula (Abb. 8) und eines mit Quadrifrons als zweitem Geschoß (Abb. 9). Der Grabbau des P. Vesonius Phileros (Abb. 8) und seiner Angehörigen besteht im Oberbau völlig aus Ziegeln. Der Giebel ist über den erhaltenen Resten rekonstruiert. P. Vesonius Phileros war sevir Augustalis, gehörte also der reichen Freigelassenenschicht Pompejis an. Nach der Anordnung der Inschrift ist P. Vesonius Phileros in dem linken togatus zu erkennen. In der Mitte steht seine Tochter Vesonia und rechts ein Freund, M. Orfellius Faustus. Die Männer tragen die toga des mittleren i. Jahrhunderts n.Chr. (mit herausgezogenem umbo und sinus). Der Gewandstil mit linearen aufgelegten Faltenschüren findet sich allenthalben an Sepulkralstatuen in den Munizipien und Koloniestädten. Bei den beiden Säulenfrontdenkmälern (Abb. 6.7) wissen wir nicht, wie sie bekrönt waren. Am ehesten waren es auch hier Giebel. Den Grabbau West Nr. 9 (Abb. 7) hat sich ein Ehepaar errichten lassen, das in der Nische in steifer frontaler Haltung thront. Der viersäulige Oberbau des Grabbaus des M. Octavius und der Vertia Philumena (Abb. 6) bot Nischen für drei Statuen. Dem in einem Panzer als Militär erscheinenden Sohn des Ehepaars ist der Ehrenplatz in der Mitte eingeräumt, M. Octavius rechts außen erscheint nicht in der römischen toga, sondern im griechischen Himation (lat. pallium), um dadurch seine Bildung zu dokumentieren. In der Nische links steht die Frau des M. Octavius, Vertia Philumena. Beide haben sich den Grabbau gemeinsam für sich und ihre Nachkommen errichten lassen.

Oberitalien Steinmetzen aus Oberitalien am Rhein Besondere Bedeutung für die Übermittlung von Grabmalformen in die Provinzen nördlich der Alpen hat Oberitalien gehabt. Vor allem aus Oberitalien, der Provence und Spanien wurden die Angehörigen der Truppen im frühen i. Jahrhundert n.Chr. am Rhein rekrutiert. Daß aus Oberitalien Steinmetzen dem Heere an den Rhein gefolgt sind, hat sich an den Typen und am Stil der frühen römischen Grabstelen am Rhein bereits nachweisen lassen. Auch an den Grabbauten lassen sich jetzt enge Verbindungen beobachten. Eine besondere Rolle in dieser Frage spielen die Grabbauten von Sarsina (Abb. 12-14), das bereits in den Ausläufern des Apennin oberhalb von Cesena (Emilia) liegt. Hier 13

wurde in den späten dreißiger Jahren eine ganze römische Nekropole in einem Flußtal entdeckt. In den Schwemmschichten des Flusses sind die Teile der zusammengestürzten Grabbauten vorzüglich konserviert worden. Da die Denkmäler aus Haustein (Kalkstein) bestanden, konnten sie teilweise wieder aufgebaut werden, Die drei Grabbauten, um die es hier gehen soll, trugen die geschweifte Pyramide, die auch nördlich der Alpen so häufig als Bekrönung von Grabbauten verwendet wurde. An den beiden ehemals nebeneinander stehenden, zwillingshaft gleichen Grabbauten der Murcii finden wir das Prinzip der Verdoppelung gleichartiger Grabmäler, das wir auch von Grabaltären und -Stelen kennen. Die beiden Grabbauten in Sarsina waren für das Brüderpaar Aulus und Lucius Murcius Obulaccus bestimmt. Im Park der Stadt Sarsina wurde der des Aulus wiederaufgebaut. Nur er ist daher hier auf Abb. 12 und 13 wiedergegeben: über einem dreistufigen Unterbau folgt ein oben und unten durch Profile eingerahmtes glattes Postament, das auch die Inschrift trägt. Der Oberbau besteht aus einer prostylen Aedicula mit zwei korinthischen Säulen. Auf den Nebenseiten sind die Säulen mit den Pilastern der Anten durch Balustraden miteinander verbunden. Im Hintergrund der Nische ist eine Scheintür angebracht: diese sog. ,Grabestür' hat sepulkralsymbolischen Sinn. Sie ist wie auf Stelen und Sarkophagen das Tor zum Jenseits. Eine Grabkammer ist in dem Monument nicht nachweisbar. Die Bestattungen fanden in Urnen in dem Grabgarten davor statt. Datieren lassen sich die beiden Grabbauten der Murcii durch ihre reiche Bauornamentik, insbesondere die Wellenranke des Frieses über den Architraven (Abb. 13). Der gekerbte Blattschnitt des Akanthus ist noch typisch spätrepublikanisch: Vergleiche führen in die Zeit des Zweiten Triumvirates, d.h. zwischen 40 und 30 v.Chr. Das dritte der Grabmonumente aus Sarsina, ein Säulenfronttypus mit vier freistehenden Säulen im Oberbau (Abb. 14), konnte im Museum von Sarsina zum größten Teil wiederaufgebaut werden. Der Bau wurde für Aefionius Rufus errichtet. Der hohe Sockel des Grabbaus ist oben durch einen dorischen Metopen- und Triglyphenfries abgeschlossen: es ist dies eine Form, die wir im i. Jahrhundert n.Chr. von zahlreichen Grabbauten in italischen Munizipien und Koloniestädten kennen. Seit augusteischer Zeit tritt die dorische Ordnung in der römischen Architektur stark zurück und so werden auch die MetopenTriglyphenfriese an den Sockeln der Grabbauten aufgegeben. An den Grabbauten nördlich der Alpen, die ja erst in nachaugusteischer Zeit einsetzen, treten die Metopen-Triglyphenfriese bezeichnenderweise nicht mehr auf (vgl. Abb. 18). In den Interkolumnien des Oberbaus am Grabbau des Aefionius Rufus standen die Statuen der Verstorbenen: Reste von vier Statuen sind erhalten. Ihre genaue Verteilung ist jedoch unklar. Die ,Cella' des Oberbaus war auch hier mit einer Scheintür versehen. Als Akrotere waren vier freiplastisch gearbeitete Sphingen,

die gleichzeitig als Grabwächter dienten, verwendet. Stilistisch ist der Grabbau des Aefionius Rufus etwas später als die Monumente der Murcii anzusetzen: dies zeigt vor allem die Wellenranke, die nicht mehr dem etruskisch-italischen Typ folgt, sondern mit sich regelmäßig abgabelnden Schößlingen deutlich hellenisiert ist (vgl. die Ranke des Girlandengrabes Abb. 4).

Baldachingräber in Aquileia Gleichfalls aus Fragmenten wiederaufgebaut wurden zwei Grabmonumente in Aquileia: das eine steht an der Zufahrtstraße von Aquileia (Abb. 15), das andere im Garten des Museums (Abb. u). Das erste erhebt sich über einer Plattform, die Löwen als Grabwächter flankieren. Darüber folgt ein hoher quadratischer Sockel, der durch ein Mäanderband zweigeteilt ist. Im unteren Teil sind noch Reste eines bisellium und von fasces erhalten, die darauf hinweisen, daß es sich um den Grabbau eines Beamten handelt. Aus dem Inschriftrest läßt sich leider sein Rang nicht mehr erschließen. Über dem quadratischen Sockel erhebt sich ein runder Baldachin (Monopteros) mit geschuppter Pyramide und Pinienzapfen als Bekrönung. Die Statue des Verstorbenen, die diesen in der toga zeigt, ist wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt worden. Der Baldachintypus mit Monopteros ist in Oberitalien außer in Aquileia auch an einem Grabbau aus Altino (jetzt dort im Museum) nachweisbar. Gleichfalls ein Baldachingrabmal ist das der Curii (Abb. u) im Garten des Museums von Aquileia. Der Sockel des Monumentes ist rund und über ihm erhebt sich - ein geradezu barocker Baugedanke! - auf nur drei (unter den Kapitellen ergänzten) Säulen die dreieckige Bekrönung mit konkav eingezogenen Seiten: sie besteht aus Architrav, Fries, Konsolgebälk und der geschweiften Pyramide. Diese wird von einem gleichfalls dreieckigen Kapitell mit einem Ei darüber bekrönt. Unter dem Baldachin steht die Statue der Curia Marcella. Außer der genannten Verstorbenen waren jedoch auch andere Familienangehörige in der Grabanlage bestattet, wie die (unpulizierten) Inschriften auf der steinernen Einfassung des Monumentes lehren. Sogar auf die Brüstung wurden steinerne Urnen gestellt. Sie tragen pyramidenförmige Deckel, die der Bekrönung des Baldachingrabmals völlig entsprechen. Nach dem Stil der Statue und den Blattformen des Kapitells dürfte das Monument um die Mitte des i. Jahrhunderts n.Chr. entstanden sein. Die Frage nach der Herkunft der geschweiften Pyramide ist nicht nur für die oberitalischen Grabbauten wichtig, sondern vor allem auch für die der Nordprovinzen. Die Lösung der Frage ist entscheidend für das vieldiskutierte Problem 15

der Herkunft des .Pfeilergrabmals' vom Typ der Igeler Säule (Abb. 32). Als Bekrönung von Grabbauten kommt die geschweifte Pyramide vereinzelt auch südlich des Apennin vor allem an Grabbauten Vor: so einmal in Pompeji und dann an Grabbauten ehemals in Nettuno und Terni, die abgerissen wurden, Von denen wir jedoch noch Zeichnungen besitzen (s. Gabelmann 112). An hellenistischen Monopteroi können wir die Form gleichfalls schon nachweisen. An Grabbauten kennen wir sie aus dem Osten Von einem rekonstruierten Bau in Termessos (K. Lanckoronski, Die Städte Pamphyliens und Pisidiens II [1892] 105 Taf. 17), Vom Absalomgrab im Kidrontal (J.M.C. Toynbee, Death and burial in the roman world [1971] Abb. 70), der Tholos des Felsgrabes ,E1 Khazne Fara' un' in Petra und einem runden Baldachingrabmal an der Straße nach Magnesia am Mäander (J. Keil, österr. Jahresh. 26, 1930 Beibl. 46 f.). Auch das quadratische Baldachingrabmal Von Dana in Syrien (Abb. 39) trägt die geschweifte Pyramide als Bekrönung. Der genannte Grabbau in Termessos wiederholt sehr genau die Form des Lysikrates-Monumentes in Athen (334 V.Chr.): Über einem hohen Sockel erhebt sich eine Tholos, deren Säuleninterkolumnien durch Wände geschlossen sind. Nur ein Interkolumnium war, wie H. Bauer neuerdings beobachtet hat (Ath. Mitt. 92, 1977, 197 ff.), offen gelassen, um den Blick auf eine Statue im Inneren (wohl eine Dionysosstatue) freizugeben. Es ist dies ein Beispiel, wie die spätklassische Sakralform eines Göttertempelchens Von der Grabarchitektur übernommen wird. Das Lysikrates-Monument ist das früheste erhaltene Beispiel eines Rundbaus mit Schuppendach. F. Oelmann hat gezeigt, daß die geschuppte, geschweifte Pyramide mit rundem Grundriß ursprünglich eine Form der Gerätkunst ist: sie findet sich tatsächlich zuerst an kleinformatigen Pyxiden (Büchsen). Diese ursprüngliche Funktion war in Oberitalien im frühen i. Jahrhundert n.Chr. von Voll bewußt: So finden wir steinerne Deckelpyxiden als Urnen vor allem in den Nekropolen von Este. Als man dann dazu überging, Urnen in Grabaltäre einzulassen, bedeckte man - Vor allem in Aquileia - die Höhlungen in deren Innerem gleichfalls mit geschweiften Pyramiden. Grabaltäre mit derartigen Bekrönungen wanderten ausgehend von Aquileia über Noricum (Österreich) bis ins östliche Rätien (Chiemseegebiet).

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Provincia Narbonensis Auch in der Provence, der antiken provincia Narbonensis, muß es - nach erhaltenen Resten zu schließen - zahlreiche Grabbauten in Mausoleumsgrundform gegeben haben. Davon steht einzig und allein noch das Juliergrab bei St. Remy in vollständiger Erhaltung aufrecht. In der Nekropole von Trion in Lyon sind zum Teil die Untergeschosse von Grabbauten erhalten: Der Sockel des Grabbaus des Satrius war oben durch einen dorischen Fries mit Bukranien und Rosetten in den Metopen abgeschlossen, ein Motiv, das an Grabbauten in Italien im i. Jahrhundert v. Chr. überaus Verbreitet war (z. B. Abb. 14). Der Sockel des Grabbaus des sevir Q. Calvius Turpio ist dagegen seitlich durch Pilaster eingefaßt und oben durch einen Fries mit Wellenranke abgeschlossen, entspricht insofern also Völlig dem Poblicius-Grab in Köln (Abb. 18). Von der Säulenfront mit der auch das Obergeschoß des Grabmals des Turpio zu ergänzen ist, ist nichts mehr erhalten. Zu einem Säulenfrontdenkmal mit Giebel hat Varene kürzlich einige Blöcke in Nimes rekonstruieren können. Im Typus entsprach dieser Bau Völlig dem Nereidenmonument aus Xanthos (Abb. i) oder dem noch aufrecht stehenden Grabbau bei Haidra (Abb. 40) in Tunesien. Der reliefierte Sockel eines Grabbaus ist in die Seitenwand der Kapelle St. Julien bei Martigues (Esperandieu I 124) eingemauert: dargestellt ist ein frontal sitzendes Ehepaar im Kreise seiner Angehörigen - hierzu gehört offensichtlich auch der Von rechts herantretende Soldat mit Pferd, der einem togatus die Hand gibt.

Juliergrab bei St. Remy Das Juliermonument in St. Remy haben nach der Inschrift drei Söhne mit dem Familiennamen lulius ihren parentes errichtet. Da in der Rotunde Statuen von zwei togati stehen, sind damit nicht die Eltern, sondern nicht näher bestimmte Vorfahren gemeint. Ihren Namen muß die Familie durch C. lulius Caesar bei einer Bürgerrechtsverleihung erhalten haben. Aus dem Fehlen einer Grabkammer hat man früher geschlossen, das Juliermonument sei ein Kenotaph (Leergrab). Dafür ergeben sich von der Inschrift her keinerlei Anhaltspunkte. Neue Untersuchungen zeigten, daß das Sockelgeschoß nicht massiv durchgeschichtet ist, sondern im Inneren einen Hohlraum hat. Dieser wurde jedoch erst sekundär für Bestattungen verwendet. Die ursprünglichen Bestattungen müssen - so wie wir es auch in Oberitalien beobachten können - in dem ehemals sicher Vorhandenen Grabgarten Vorgenommen worden sein.

Aufbau und Datierung Das erhaltene Monument (Abb. 16) baut sich aus drei Geschossen auf: über drei unterschiedlich hohen Stufen folgt das oben und unten von weit ausladenden Profilen eingefaßte Postament, das für alle hier untersuchten Grabbauten typisch ist. Seitlich ist es durch Pilaster eingefaßt. Dazwischen finden wir auf allen vier Seiten Reliefszenen. Über dem Postament steht ein Quadrifrons mit korinthischen Ecksäulen und Bogenöffnungen dazwischen. Verwandte Formen kennen wir aus Pompeji (Abb. 9) und aus dem syrischen Raum. Von allen bisher betrachteten Grabbauten unterscheidet sich das Juliermonument dadurch, daß über dem Quadrifrons ein drittes Geschoß folgt. Dieses stellt einen offenen Rundtempel dar, der die beiden Togastatuen birgt. Die Vorbilder für den runden Baldachin weisen in den Raum südlich der Alpen (vgl. Abb. 10.15). Auch im Detail lassen sich italische Besonderheiten nachweisen: So enden z. B. die Kanneluren der korinthischen Säulen mit halbmondförmigen, nach unten hängenden Bögen (vgl. Abb. 17 mit 13). Die Datierung des Juliergrabmals hat über die Bauornamentik insbesondere die korinthischen Kapitelle und die Wellenranken (in den Archivolten des Quadrifrons und im Fries des Monopteros) gewonnen werden können: sie weisen den Bau in die Zeit des Übergangs vom Spätrepublikanischen zum Frühaugusteischen. Auf dem Fries des Quadrifrons sind in antithetischer Anordnung Meereswesen (Seekentauren und -greifen) dargestellt, die einen Schild halten. Dies ist ein aus der Triumphalkunst auf private Grabdenkmäler übernommenes Motiv. Auf den Meerwesensarkophagen des späten 2. Jahrhunderts n. Chr. wird an die Stelle des Schildes ein Porträtclipeus gesetzt. Die Meerwesen in der Grabkunst werden gerne mit der Vorstellung von der Reise der Verstorbenen zur Insel der Seligen verbunden. Im Halten eines Porträtclipeus geht es, wie F. Matz (Arch. Anz. 1971,104 ff.) gezeigt hat, jedoch vor allem um die Entrückung der Verstorbenen.

Deutung der Sockelfriese In den Sockelreliefs des Julierdenkmals durchmischen sich griechisch-hellenistische Bildschemata mit römischen Elementen. Eindeutig römisch sind auf der hier abgebildeten Ostseite (Abb. 17) zwei togatia.m linken Rand des Reliefs. Auf der West- und Ostseite ist in den Kampfszenen je einmal ein pilum, d. h. ein römisches Wurfgeschoß, dargestellt. Der Reiterkampf auf der Nordseite und die Fußschlacht auf der Westseite sind sicher nicht mythologisch zu deuten. Die Eberjagd auf der Südseite übernimmt Bildelemente aus griechischen mythologi18

sehen Darstellungen (kalydonische Eberjagd, Tod der Niobiden), stellt diese aber in einen wohl biographisch zu verstehenden neuen Zusammenhang. Auf der Ostseite (Abb. 17) wollte man früher eine vom Pferd gezogene Amazone erblicken. Die Bildvorlage mag auch aus einer Amazonenschlacht stammen, doch ist die Figur, soweit bei der schlechten Erhaltung noch zu erkennen, männlichen Geschlechts. Die Szenen am Sockel des Juliermonumentes dienen vor allem der Verherrlichung des Geschlechts der Julier: Die Kampfszenen, in denen eine Victoria mit Tropaion (Abb. 17) nicht fehlt, sollen an kriegerische Erfolge erinnern. Gallische Gegner sind jedoch - vielleicht aus Rücksicht auf die Umwelt - als solche nicht kenntlich gemacht. Die Themen Kampf und Jagd haben in der Sepulkralkunst eine lange Vorgeschichte: beides sind Bereiche, in denen sich die virtus des vornehmen Mannes entfalten kann. Als Vorbilder müssen den Bildhauern des Juliergrabmals hellenistische Gemäldekopien vorgelegen haben: das zeigen insbesondere die starken Verkürzungen und die diagonalen Tiefenaufschlüsse in den Kompositionen. Hellenistisch im Typ sind auch die schlauchförmig durchgezogenen Lorbeergirlanden, die von Eroten getragen werden. Auch diese gehen, wie F. Matz gezeigt hat, auf hellenistische Vorlagen zurück. Spezifisch für den Stil der römischen Bildhauer in der Provence sind die tiefe Schatten werfenden Bohrrillen, die die Konturen der Figuren begleiten. In der stadtrömischen Kunst kommt diese Besonderheit erst in der beginnenden Spätantike vor.

Germania Romana Poblidus - Grabmal in Köln Im Gegensatz zum Juliermonument, das immer aufrecht gestanden hat, mußte das Poblicius-Grabmal in Köln (Abb. 18-21) mühsam aus seinen Bestandteilen durch G. Precht wieder rekonstruiert werden. Teile des Baus waren schon 1884 am Chlodwigsplatz in Köln bei Bauarbeiten zutage gekommen. An der Wiederentdeckung der Fundstelle durch Amateurforscher in den Jahren nach 1964 hat die Presse lebhaften Anteil genommen. Im Jahr 1970 hat das RömischGermanische Museum in Köln die bisher entdeckten Teile des Grabbaus für eine halbe Million DM angekauft, um den Bau in der Eingangshalle - als Zeugen der römischen Vergangenheit unmittelbar neben dem gotischen Dom - wieder aufzubauen. Die Rekonstruktion (Abb. 18) ist in allen wesentlichen Teilen

gesichert. Es steht allerdings zu erwarten, daß eine - zur Zeit nicht mögliche weitere wissenschaftliche Nachgrabung noch weitere Blöcke erbringen würde. Typologisch handelt es sich beim Poblicius-Grabmal nach unserer Terminologie um einen Säulenfronttypus mit geschweifter Pyramide als Bekrönung (Abb. 41,4). Die beste Parallele südlich der Alpen ist das Grabmal des Aefionius Rufus (Abb. 14) in Sarsina: Durch diese schlagende Übereinstimmung läßt sich nachweisen, daß der Denkmaltypus aus Oberitalien an den Rhein übernommen worden ist (vgl. Abb. 41,3.4). Seine jüngere Entstehung bezeugt das PobliciusGrabmal dadurch, daß sein Sockelgeschoß nicht mehr oben durch einen dorischen Metopen-Triglyphenfries (vgl. Abb. 14) abgeschlossen wird, sondern daß es seitlich durch geriefelte Pilaster mit Kompositkapitellen und einem ionischen Architrav und Fries mit Wellenranke darüber eingefaßt wird. Die vier - z. T. nur in Fragmenten erhaltenen Statuen sind nach der Rekonstruktion wieder in die Interkolumnien des Oberbaus (Abb. 19) gestellt worden. Dabei hat es sich gezeigt, daß die Männerstatue ohne Kopf im rechten Interkolumnium (vom Betrachter aus gesehen) eigentlich - ihrer größeren Breite wegen - in die Mitte gehört, d. h. die Hauptperson L. Poblicius selbst darstellt. Die mit Kopf erhaltene Männerstatue in der Mitte ist nur der besseren Anschaulichkeit wegen dorthin gestellt worden. Die in der Inschrift genannte Tochter Paulla hat wieder ihren ursprünglichen Platz im Interkolumnium der rechten Nebenseite erhalten. Diese Stellung ließ sich aus den Anbringungsspuren eines Metallgitters schließen, das ehemals die Säulenzwischenräurne verschloß. Daß es sich bei der kleinen Statue wirklich um die Tochter des Poblicius handelt, habe ich daran nachweisen können, daß das Mädchen die toga praetexta trägt, die - außer Beamten aus dem Patrizierstand - nur Kindern freier Bürger zusteht. Von den Knaben wird die toga praetexta mit Annahme der Männertoga (toga virilis), von den Mädchen am Tage vor der Hochzeit abgelegt. Die Tochter Paulla ist also, was auch aus der Kleinheit der Statue zu schließen ist, unverheiratet gestorben. Wenn die Mädchenfigur im Interkolumnium der rechten Nebenseite des Monumentes die Tochter Paulla ist, kann die im Typus der .Großen Herkulanerin' dargestellte Frauenfigur im linken Interkolumnium der Frontseite nur die Frau des L. Poblicius sein. Da diese in der Inschrift nicht genannt ist, nach der Schlußformel („Dieses Monument darf nicht auf einen Erben übergehen") jedoch genannt sein müßte, haben B. und H. Galsterer vorgeschlagen, einen weiteren Inschriftblock von ca. 50 cm Höhe zu ergänzen, auf dem die Gattin des L. Poblicius und ein Sohn, der dann in dem jetzt in der Mitte stehenden togatus zu erblicken wäre, erwähnt worden sind. Die beiden in den Inschriftresten der vorletzten Zeile noch erhaltenen Männernamen können dann nur als Freigelassene zu verstehen sein. Diesen gab man das Recht, sich in dem Grabbezirk bestatten zu lassen, Statuen erhielten sie jedoch nicht.

Datierung Für das Pobliciusmonument war zunächst Von Kahler durch den Vergleich des bekrönenden Kapitells mit der Mainzer Juppitersäule (nach 59 n. Chr.) eine Datierung in die Jahre 50-60 n. Chr. vorgeschlagen worden. Dieser Spätdatierung widersprach man mit Hinweis auf das fehlende cognomen im Namen des Poblicius. Das hätte einen Terminus vor dem Jahre 42/43 n. Chr. ergeben, da erst danach an rheinischen Soldatengrabsteinen cognomina regelmäßig in die Inschriften aufgenommen werden. Da cognomina sich aber auch schon vor dem genannten Jahre finden, kann von einem bindenden Terminus heute nicht mehr gesprochen werden. Die am Ende der Inschrift zu ergänzenden beiden cognomina sagen für die Datierung nichts aus, da hier die Freigelassenen genannt sind, die ihren Sklavennamen immer schon als cognomen zusätzlich zum Vor- und Familiennamen des Patrons erhielten. Auch über die Legion, der L. Poblicius einst angehörte, läßt sich kein genaueres Datum ermitteln: Die legio V Alauda (die berühmte Lerchenlegion) lag seit der Varuskatastrophe (9 n. Chr.) bis zum Bataveraufstand (69 n. Chr.) in Vetera Castra (Xanten). - Am genauesten kann die Datierung des Poblicius-Monumentes auf stilistischem Wege erfolgen. Durch Vergleiche der Statuen mit datierbaren Militärgrabsteinen kommt man für die Entstehung des Poblicius-Grabmals in die Vierziger Jahre des i. Jahrhunderts n. Chr., d. h. in die Frühzeit des Kaisers Claudius.

Lucius Poblicius, ein Veteran aus Xanten Da Poblicius als Veteran gestorben ist, hat er sich nicht als Militär darstellen lassen, sondern als Zivilist in der toga. Als Angehöriger einer Legion besaß er das römische Bürgerrecht - im Gegensatz zu den Soldaten der Hilfstruppen (auxilia) - freilich schon beim Eintritt ins Heer. Nach dem Stimmbezirk (der tribus Teretina), dem er als cives Romanus angehörte, stammte er wohl aus Campanien. Ob der Waffenfries im Oberbau immer auf eine militärische Laufbahn des Verstorbenen weisen muß, ist noch nicht geklärt: Jedenfalls ist auch dieses Motiv von öffentlichen Triumphalmonumenten übernommen. Der auf den Nebenseiten des Grabbaus erhaltene Reliefschmuck (Abb. 20: Pan mit Syrinx, Abb. 21: Mänade) entstammt dem dionysischen Bereich. Wie viele seiner Zeitgenossen auf ihren Grabsteinen erträumte sich auch Poblicius das Jenseits als ein seliges, rauschhaft beschwingtes Leben. Von der Rolle der Meereswesen in der Grabsymbolik war schon die Rede: Am Poblicius-Grabmal wird das Thema durch zwei Tritonen mit Fischschwänzen und Steuerrudern (als

Akrotere beidseits der Dachpyramide) aufgenommen. Die Aeneas-AnchisesGruppe, die jetzt auf dem bekrönenden Kapitell steht, hat einst sicher nicht dazugehört: sie entstammt erst dem späten 2. Jahrhundert n. Chr.

Pobliciusmonument erlaubt Rekonstruktion weiterer Grabbauten in der Provinz So wie einst die Igeler Säule (Abb. 32) bei der Rekonstruktion der Neumagener Grabmäler durch von Massow als Vorbild gedient hat, so wird auch das Poblicius-Monument in Zukunft erlauben, einzelne Blöcke von Grabbauten des i. Jahrhunderts n.Chr. in ihrer ursprünglichen Position innerhalb eines verlorenen architektonischen Aufbaus zu erkennen. Für eine Reihe von Grabbauten mit Reiterkampfszenen wurde hierzu schon vom Verfasser ein entsprechender Versuch unternommen. Das Thema der Reiterkämpfe ist uns schon am Juliermonument (Abb. 16.17) begegnet. Aus der Rheinzone kennen wir inzwischen Fragmente derartiger Grabbauten aus Wesseling-Keldenich, Koblenz, Arlon und Nennig. Daß es sich bei diesen Fragmenten nicht um Teile öffentlicher Bauten gehandelt haben kann, ist aus der Konformität der Reiterfriese an einem Ort (vier Bauten in Koblenz, mindestens drei in Arlon) zu schließen. Ein Teil der Inschrift ist nur von dem Monument aus Wesseling vorhanden, von dem im ganzen fünf Blöcke erhalten sind: hier ist ein Frauenname, Perrnia PaulflaJ, genannt, der darauf hinweist, daß die Familie Perrna wahrscheinlich aus Chiusi (Clusium) in Italien stammt. Bei dem militärischen Thema auf dem erhaltenen Friesblock (Abb. 23) wird der Grabinhaber ein Soldat gewesen sein. Seine italische Herkunft spricht dafür, daß er entweder ein höherer Offizier oder ein Legionssoldat war. Im letzten Falle müßte er zu den Reitern einer Legion gehört haben, deren Zahl unter Vespasian 120 betrug. Als Offizier könnte der Verstorbene sowohl in einer Legion gedient oder aber eine Reitertruppe (ala) befehligt haben. Als praefectus alae erreichten römische Ritter die höchste Stufe der ritterlichen tres militiae (Kohortenpräfekt, Militärtribun in einer Legion, Alenpräfekt). Das Erkennen der Vorgänge auf den erhaltenen Fragmenten von Reiterkampfszenen kommt einem Vexierspiel gleich. So sind auf dem Block aus Wesseling (Abb. 23) Reste von zwei Reitern und vier Pferden zu entdecken. In Form eines regelrechten Puzzle ist es gelungen, aus den verschiedenen Blöcken, das ungefähre Kompositionsschema wiederzugewinnen (Abb. 29). Es ist zu betonen, daß alle Blöcke (Abb. 23.25-28) von verschiedenen Monumenten stammen. Trotzdem war die Komposition sehr einheitlich. Die linke obere Ecke der Komposition gewannen wir aus den beiden Blöcken in Arlon (Abb. 25.26), auf

denen zwei übereinander gestaffelte Reihen von römischen Reitern einen Angriff vortragen. Der Block aus Wesseling (Abb. 23) hat gleichfalls auf der linken Seite gesessen und gibt uns die Bodenlinie. Von rechts sind den Römern Germanen begegnet: wir finden sie auf einem Block in Koblenz (Abb. 28). Das fehlende Riemenzeug auf den Flanken der Pferde zeigt, daß die Germanen ohne Sättel geritten sind. Einer der Germanen ist schon gefallen: er trägt langes in den Nacken herunterfallendes Haar und die lange barbarische Hose. Sein Oberkörper ist nackt. Dies sind an römischen Monumenten allgemein ikonographische Kennzeichen für nördliche Barbaren, ohne daß dabei ethnisch genau (z. B. zwischen Kelten und Germanen) geschieden worden wäre. Das Zusammenprallen der beiden gegnerischen Reiterzüge zeigt ein Block in Arlon (Abb. 27). Nach antiker Ikonographie kommt der Sieger immer von links: Dadurch ist für den antiken Betrachter von Vornherein klar, wessen Seite die sieghafte ist. Im ganzen war die Komposition der Reiterfriese sehr schematisch und sterotyp: Die Reiter waren gleichartig gereiht und übereinander gestaffelt. In die stadtrömische Kunst werden Vergleichbare Kompositionsprinzipien erst an der Marc-Aurel-Säule (Vor 193 n.Chr.) eingeführt. Stilistisch bestehen allerengste Beziehungen zu rheinischen Reitergrabsteinen (vgl. Abb. 23 mit 24): die Wiedergabe der schweren Pferdeleiber und des Sattel- und Zaumzeugs stimmt weitgehend überein.

Werkstatt für Reitergrabsteine in Mainz Die Werkstatt, die die Reitergrabsteine Verfertigte, hatte ihren Sitz in Mainz. Um den Grabstein des C. Romanius (Abb. 24) läßt sich eine ganze Gruppe bilden (sog. jRornanius-Gruppe'). Die ala Noricorum, der C. Romanius angehört hat, wurde im Jahre 70 n.Chr. nach Niedergermanien Versetzt. Der Grabstein muß daher noch in der Zeit des Kaisers Nero entstanden sein. Damit ist auch für die Gruppe der Reiterkampffriese auf den Grabmonumenten eine Datierung in neronisch-frühflavische Zeit gewonnen. Es könnte gut sein, daß einzelne der Grabinhaber bei der Niederwerfung des BataveraufStandes (69/70 n.Chr.) beteiligt waren. Da die Bataver selbst sehr geübte Reitertruppen hatten, mußten ihnen entsprechende römische Einheiten gegenübergestellt werden. Der enge stilistische Zusammenhang des Blockes aus Wesseling mit den Mainzer Reitergrabsteinen läßt darauf schließen, daß die Werkstatt, die den Grabbau in Wesseling errichtet hat, vom Oberrhein an den Niederrhein gekommen ist. Die Werkstätten müssen z.T. ihren Aufträgen nachgezogen sein. Der Kalkstein, aus dem die Monumente im i. Jahrhundert n.Chr. bestehen, wurde zu Schiff aus Lothringen importiert. Da die Grabbauten nicht in der Nähe der Lagerfestungen 23

am Rhein, sondern z.T. weit im Hinterland standen, ist anzunehmen, daß sie nicht mehr für aktive Soldaten, sondern für Veteranen errichtet wurden. Diese wurden auf ihre alten Tage durch Landbesitz abgefunden. Die Grabbauten haben dann oft in unmittelbarer Nachbarschaft der Villen gestanden. Trotz der fragmentarischen Erhaltung lassen sich über das Aussehen der Reitergrabmäler noch einige Anhaltspunkte gewinnen. Die Zone, in der die Reiterkampffriese gesessen haben, muß seitlich durch Pilaster eingerahmt gewesen sein: An zwei Fragmenten in Arlon (Abb. 25.26) sind die geriefelten Pilaster unmittelbar seitlich angearbeitet. An dem einen Fragment in Arlon (Abb. 25) ist das obere Ende des Pilasterschaftes erhalten, über dem die Kapitellzone gefolgt sein muß. Unsere Reiterkampffnese haben also - wie am Juliermonument von St. Remy (Abb. 16) - die quadratischen Sockel der Grabbauten geschmückt. Darüber folgte ein zweites Geschoß. Reste davon besitzen wir aus Arlon und Wesseling. Aus einem gekrümmten Architravblock mit einem Waffenfries in Arlon läßt sich ein kreisförmiger Oberbau erschließen. Da der Architravblock zu kurz ist, läßt sich allerdings kein Monopteros mit freistehenden Säulen ergänzen. Im Oberbau, der sicherlich auch Statuen aufgenommen hat, muß vielmehr der rückwärtige Teil durch eine Quaderwand geschlossen gewesen sein, so wie wir es von einem vor kurzem von Monika Verzar rekonstruierten Grabbau in Sestino (Toscana) kennen. Der Oberbau des Grabmals aus Wesseling muß quadratisch oder rechteckig gewesen sein. Auch hier sind erhaltene Architravstücke zu kurz, um Säuleninterkolumnien überspannt zu haben. Das Obergeschoß ist daher wohl als Aedicula ähnlich wie bei der sog. Grabkapelle aus Kruft (Abb. 30) mit geschlossenen Rück- und Seitenwänden zu ergänzen. Die Bekrönungen der Grabbauten werden wahrscheinlich wie beim Poblicius-Monument aus geschweiften Pyramiden bestanden haben.

Rekonstruktion der Krufter Grabkapelle und Krufter Säule Außer dem Poblicius-Monument haben sich zwei weitere rheinische Grabmäler des i. Jahrhunderts n. Chr. rekonstruieren lassen. Im Gegensatz zum PobliciusMonument hat man die Rekonstruktion jedoch nur zeichnerisch ausgeführt. Ein Wiederaufbau der Monumente, deren Blöcke in den Magazinen des Rheinischen Landesmuseums Bonn ruhen, scheiterte bisher aus Raumgründen. Die Blöcke kamen in einem römischen Tuffsteinbruch zu Tage, der nach der mitgefundenen Keramik schon um 100 n. Chr. verfüllt worden sein muß. Dabei dienten auch die beiden Grabbauten als Auffüllmaterial. Für beide ist danach eine vortrajanische

Entstehung anzunehmen. Der Architekt Mylius, dem wir die zeichnerische Aufnahme verdanken, hat das eine der Monumente als ,Kruiter Grabkapelle' (Abb. 30), das andere als ,Krufter Säule1 (Abb. 31) bezeichnet. In der Grabkapelle standen die Statuen eines Ehepaars in einer Aedicula, deren Rückwand und seitliche Wandstücke geschlossen waren. An den Ecken standen Pilaster mit korinthischen Kapitellen. Auf den seitlichen Wandstücken ist die Figur eines Attis erhalten. Attis - als Gott des Werdens und Vergehens in den Kreis der Kybele gehörig - erscheint häufig auch auf den Nebenseiten rheinischer Grabstelen. Von den Statuen der Verstorbenen ist nur jeweils ein großes Fragment erhalten. Links, d. h, zur Rechten des Mannes, stand die Frau. Der Mann trug die toga, war also als Zivilist dargestellt. Von einer Bekrönung der.Grabkapelle' hat sich nichts erhalten, doch möchte ich mir auch hier am ehesten die übliche geschweifte Pyramide vorstellen (Abb. 42,4). Von der ,Grabsäule£ (Abb. 31) hat sich ein Block der Pyramide tatsächlich erhalten. Der Giebel in der Rekonstruktion von Mylius (Abb. 31) muß allerdings gestrichen werden, wie schon Kahler erkannt hat. Das Monument baut sich über mehrere Stufen auf, die offensichtlich mit Meerwesen verziert waren. Über den Stufen folgt ein Sockel mit Konsolengesims. Der Oberbau ist seitlich durch Pilaster eingefaßt. Im Gegensatz zu den bisher betrachteten Monumenten sind die Verstorbenen jedoch nicht mehr in Statuenform, sondern in Relief dargestellt. An dem Block unten rechts sind noch die Füße einer Männerfigur erhalten, wie eine Kontrolle am Original ergab. Das auch an der ,Grabkapelle' (Abb. 30) noch sich öffnende Geschoß mit rundplastischen Statuen wurde also an der .Krufter Säule' (Abb. 31) geschlossen und die Statuen in Relief übersetzt. Wir beobachten hier zum ersten Mal ein allseits geschlossenes ..Pfeilergrabmal', wie es uns in der Igeler Säule (Abb. 32) noch vollständig erhalten ist.

Poblicius - Grabmal löst Entstehungsprobleme des Pfeilergrabmals Das Problem der Entstehung des Pfeilergrabmals hat die ältere Forschung intensiv beschäftigt. Erst durch die Auffindung des Poblicius-Grabmals ist eine Lösung möglich geworden. Am Anfang stehen Grabbauten der Mausoleumsgrundform. Ihre Oberbauten waren mit tragenden und lastenden Einzelgliedern (Säulen, Architraven) Architektur in griechischen Bauordnungen. Die Erscheinung, daß die Oberbauten geschlossen und die Statuen in Relief übersetzt werden, ist eine Entwicklung, die erst im späten i. Jahrhundert n. Chr. am Rhein einsetzt. Sie ist eine schöpferische Weiterbildung der Formen, die aus dem Raum südlich der Alpen übernommen worden waren. Die Igeler Säule (Abb. 32), nach 2

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der zahlreiche Pfeilergrabmäler rekonstruiert werden können, bezeugt in ihrer vertikalen Gliederung klar die Herkunft von der Mausoleumsgrundform: wir finden den mehrstufigen Unterbau, den Sockel und ein Figurengeschoß mit seitlichen Pilastern. Daß darüber an der Igeler Säule noch eine Attica folgt, ist auch für Pfeilergrabmäler ungewöhnlich und ohne Parallele. Über dem Atticageschoß folgt dann die geschweifte Pyramide, deren Weg aus Oberitalien an den Rhein geführt hat. Da die Pfeilergrabmäler keine freitragenden Einzelglieder mehr aufweisen, kann der ganze Bau in zunehmendem Maße mit Reliefs überzogen werden. Daß jetzt auch ehemals tragende Teile wie die Pilaster mit übereinandergestellten Figuren dekoriert werden können, ist eine Erscheinung, die sich am Rhein erstmals an der Basis der Jupitersäule in Mainz (nach 59 n. Chr.) findet. Der Vorgang der Entwertung tektonischer Teile beginnt allerdings bereits am Poblichis-Monument, wo auf der rechten Nebenseite statt der Riefelung eines Eckpilasters eine tanzende Mänade erscheint. Auf den Pfeilergrabmälern des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., die hier nicht mehr behandelt werden können, wird im Vergleich zu den Grabbauten des i. Jahrhunderts n. Chr. eine ganz andere Thematik bevorzugt. Im i. Jahrhundert n. Chr. dominieren in der Grabkunst am Rhein militärische Themen (Soldatenstelen). An den Grabbauten fanden wir sie in Form der Reiterkampffriese. Daß diese nicht bis ins 2. Jahrhundert hineinreichen, ist kaum zufällig. Seit der Festigung der politischen Verhältnisse in flavischer Zeit (Einrichtung der Provinzen Germania inferior und superior unter Domitian) dringen ..bürgerliche' Themen in der Grabkunst vor: so entwickelt sich aus dem Totenmahl der Grabstelen das sog. Familienmahl der Pfeilergrabmäler. Neue realistische, auf das Leben der Verstorbenen bezogene Szenen treten auf: Arn Sockel der Igeler Säule ist eine Kontorszene dargestellt, die den Reichtum der Verstorbenen schildert. Im Fries des Figurengeschosses tafelt die Familie und in der Attica wird eine Tuchprobe vorgenommen. Die Wurzeln der meisten dieser häufig wiederholten Szenen lassen sich südlich der Alpen fassen. Doch die Blüte dieser realistischen Kunst hat unbezweifelt im Moselland gelegen. Auch in Raetien fand nach moselländischem Vorbild das Pfeilergrabmal Verbreitung. Schöne Beispiele befinden sich in den Museen von Augsburg und Regensburg.

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Noricum Die wiederaufgebauten Grabmäler in Sempeter Zu den bedeutendsten Entdeckungen nach dem 2. Weltkrieg gehören die Grabmäler Von Sempeter (St. Peter im Sanntal) in Slowenien (Abb. 33-38). Die Fundstelle liegt etwa 12 km Von Celje (Cilli, Celeia) entfernt. Das antike Celeia gehörte zur Provinz Noricum. Entdeckt wurden die Grabmäler 1952 beim Abgraben Von Schotter. Sie waren Vom Fluß unterspült worden und in das Flußbett gestürzt, wo sie Von Kies bedeckt wurden. Dabei blieben die Teile so vollständig erhalten, daß sie unter Leitung Von J. Klemenc in einem Antikenpark in §empeter mit nur geringfügigen Erzänzungen wiederaufgebaut werden konnten. Die Monumente in Sempeter zeichnen sich gegenüber allen anderen hier besprochenen dadurch aus, daß sie - wie die meisten norischen Grabdenkmäler aus einem guten weißen Marmor bestehen, der im Bachergebirge gebrochen wurde. Durch die Grabbauten in Sempeter ist es - wie beim PobliciusMonument - möglich geworden, sich auch das Aussehen anderer norischer Grabbauten Vorzustellen, deren Reste eine Rekonstruktion bisher nicht erlaubten. Die beiden hier abgebildeten Monumente, das der Spectatii (Abb. 33.34) und das der Ennii (Abb. 35-38) haben die Merkmale der Mausoleumsgrundform: einen hohen, oben und unten profilierten Sockel und ein sich öffnendes Obergeschoß. Nach der hier Vorgeschlagenen Typengliederung der Mausoleumsgrundform handelt es sich in Sempeter um Säulenfrontdenkmäler mit Giebeln (Abb. 41,2). Die Vorstufen für diese Denkmalform können wir in Italien fassen: zu Vergleichen sind das Girlandengrab Vor Porta di Ercolano (Abb. 4.5; 41,1) und der Grabbau West Nr. 9 Vor Porta di Nocera (Abb. 7) in Pompeji. Die Säulenfrontdenkmäler können mit Giebel und mit geschweifter Pyramide (Abb. 41) als Bekrönung auftreten. Insofern gehört auch das Monument des A. Murcius Obulaccus in Sarsina (Abb. 12) in die Ahnenreihe der Monumente Von Sempeter. In Pompeji und Sarsina liegt über den Frontsäulen immer ein horizontaler Architrav. An den Grabbauten von Sempeter werden die Säulen hingegen von einer Archivolte überspannt. Während an dem größeren Monument, dem der Spectatii (Abb. 33), über der Archivolte ein regelrechter Giebel mit Horizontalgeison (Giebelboden) folgt, ist am kleineren Monument der Ennii (Abb. 35) auf dieses Verzichtet. Am Monument der Spectatii entspricht der Archivolte an der Front im Inneren eine mit einer Muschel Verzierte Halbkuppel, die eine Apsis überspannt. In dieser thronen - wie Kultstatuen in einem Heiligtum - die Verstorbenen. Nach 27

der Inschrift auf dem Stylobat (Auflager der Säulen) hieß die in der Mitte sitzende Frau C. Septimia lusta. Sie war die Frau des C. Spectatius Priscianus, dem sein Vater C. Spectatius Finitus - nach der großen Inschrifttabula am Sockel - den Grabbau hat errichten lassen. Vater und Sohn waren duoviri iure dicundo von Celeia, d. h. Bürgermeister der Stadt. Es handelt sich also um Angehörige der politisch führenden Schicht, die auch materiell am besten gestellt war. Der mit 45 Jahren verstorbene Sohn wird in der Statue rechts außen (vom Betrachter) zu sehen sein, da er dann - wie in der römischen Grabkunst üblich - seine Frau zur Rechten hat. Der Vater hat sich dann in der Statue links außen darstellen lassen. Vater und Sohn tragen die im Vergleich zum i. Jahrhundert knapper anliegende toga des 2. Jahrhunderts n. Chr. ohne umbo (hervorgezogener Bausch, vgl. Abb. 19). Am Monument der Ennii (Abb. 35) hätte das Obergeschoß für eine Aufstellung der Statuen nicht ausgereicht. Man zog es deshalb vor, die Verstorbenen wie auf einer Grabstele in Büstenform (Abb. 38) darzustellen: im oberen Register erscheint das Ehepaar Q. Ennius Liberalis (rechts) und seine Frau Ennia Oppidana (links), im unteren Register zwischen zwei trauernden Eroten die mit 17 Jahren verstorbene Tochter Kalendina. Ein mit 30 Jahren verstorbener Sohn Vitulus erscheint seltsamerweise nicht auf dem Monument. Auch in der Inschrift ist sein Name kleiner als der der anderen geschrieben. Frau und Tochter tragen - wie das in der norischen Sepulkralkunst häufig der Fall ist lokale Tracht. Für die verheiratete Frau gehörte dazu eine Haube, deren Form örtlich sehr verschieden sein kann. Künstlerische Einflüsse aus Aquileia Der bildhauerische Schmuck der Grabmäler von Sempeter (Abb. 33-38) ist von hoher Qualität. An den Reliefs lernen wir eine weitere Besonderheit kennen, die auf Noricum und Pannonien beschränkt ist: Die Reliefs sind allseitig von Profilleisten gerahmt, die am oberen Rand verschiedene ornamentale, geradezu -barocke' Bildungen aufweisen können. Die Herleitung dieser sog. ,norischpannonischen Volutenornamentik' hat die Forschung viel beschäftigt. Vor allem hat man in ihr eine Nachwirkung von keltischen La-Tene-Formen sehen wollen. Die Anregung, Reliefs mit geraden Profilleisten zu rahmen, ist aus Oberitalien insbesondere Aquileia - nach Noricum übermittelt worden. An Altären finden wir diese Besonderheit seit augusteischer Zeit. Profilleisten weisen auch marmorne Reliefbilder auf, die in Wanddekorationen eingelassen wurden. Nach Meinung des Verfassers lassen sich die frühesten der norischen Volutenornamente von den Rändern von Inschrifttabulae herleiten. Enge Bezüge zu den Grabaltären von Aquileia lassen sich auch den konkav eingezogenen Postamenten ablesen, auf den die Relieffiguren innerhalb der Rahmungen gestellt sind. 28

Im Gegensatz zum germanischen und gallischen Raum treten realistische Themen in der norischen Sepulkralkunst ganz zurück. Statt dessen finden wir zahlreiche Szenen aus dem griechischen Mythos. Die norischen Bildhauer müssen hierfür über Vorzügliche Vorlagen verfügt haben. Das Besondere ist, daß wir hier zahlreiche Szenen finden, die außerhalb von Noricum nicht kopiert worden sind. Auf dem Monument der Spectatii sind in den großen Relief Bildern der unteren Zone des Sockels Szenen aus der Iphigeniensage (Abb. 33.34) dargestellt. Rechts und links des großen Mittelfeldes erscheinen unten die Dioskuren (Castor und Pollux), die als Gestirnsgottheiten auf kosmische Bezüge anspielen. Auch die dionysische Thematik fehlt nicht: rechts und links der Inschrift ist seitensymmetrisch je eine Gruppe eines Satyrs und einer Mänade dargestellt. Auf den Nebenseiten der unteren Eckblöcke erscheinen tänzelnde Satyrn als Jahreszeiten.

Mythen in der römischen Grabkunst Der Sinn der Mythen in der römischen Grabkunst ist oft nicht leicht zu enträtseln: am ehesten noch dann, wenn ein ,Entrückungsmythos' dargestellt ist. Am Grabbau der Ennii ist dies gleich zweimal der Fall. Beides sind Entführungen, die luppiter inszeniert: Auf der Vorderseite (Abb. 35.37) trägt er in der Gestalt eines Stieres Europa übers Meer, auf der rechten Nebenseite entführt er diesmal in der Gestalt eines Adlers den Ganymed in den Olymp. In derartigen Entrückungsmythen fand man Hoffnung auf ein seliges Leben nach dem Tode, das dem der Heroen gleich gedacht wurde. Doch bedeutet die Verwendung des Mythos in der Grabkunst überhaupt schon die Teilhabe an einer höheren, heroischen Welt. Ein dionysisches Thema wird am Grabbau der Ennii auf der linken Nehenseite angeschlagen (Abb. 36): der Bildhauer hat hier eine der Figurengruppen vom Monument der Spectatii (Abb. 33) wiederholt. Wir meinen die Szene, wie ein tänzelnder Satyr einer Mänade das Gewand wegzieht. Die Tendenz, die Grabbauten immer mehr mit figürlichem und dekorativem Relief zu überziehen, haben wir auch im gallorömischen Raum beobachtet. Selbst Pilaster, die im i. Jahrhundert n. Chr. noch regelmäßig kanneliert waren, werden in Sempeter mit Pflanzenkandelabern oder Ranken gefüllt. Die Klarheit der architektonischen Formen wird dadurch immer mehr überspielt. Die gallorömischen Pfeilergrabmäler (Abb. 32) sind förmlich von unten bis oben zu Trägern von Relief geworden. Demgegenüber bewahren die norischen Grabbauten in ihrer Gesamtform die italischen Vorbilder viel getreuer. In beiden Bereichen erfolgte zunächst ein enger Anschluß an Vorbilder südlich der Alpen. Dann setzt jedoch eine eigene Entwicklung ein, die zu verschiedenen Lösungen 29

führt. Die Unterschiede betreffen sowohl die äußeren Formen der Bauten wie auch die Themenbereiche der Reliefs. Dazu kommt das unterschiedliche Verhältnis von Relief und Reliefträger. An Rhein und Mosel wird von den Grabstelen das Prinzip der Figurennische auch auf die Pfeilergrabmäler übertragen, während in Noricum die Profilrahmungen für die Reliefs ornamental weitergebildet werden.

Wurzeln der Kunst in den Nordprovinzen Die neuen Zentren der Bildhauerkunst im Norden des römischen Reiches sind von stadtrömischen Vorbildern weitgehend unabhängig. Es ist daher verfehlt, die Kunst der Provinzen einseitig an der stadtrömischen Kunst zu messen. Diese Vorstellung verkennt völlig die schöpferische Eigenart von Bereichen, in denen in der Spätantike auch neue politische Zentren (wie z. B. Trier) entstehen. Die These, daß die Kunst in den römischen Provinzen minderwertiger sei, basiert auf dem veralteten zentralistischen Denkmodell, nach dem man sich die Kunst außerhalb der Hauptstadt nur als ..provinziell' Vorstellen konnte. Neue Forschungen haben Vielmehr gezeigt, daß die Kunst der Nordprovinzen ihre Wurzeln im mittelitalischen Hellenismus hat. Über die Kunst der römischen Munzipien und Koloniestädte südlich des Apennin gelangten die Kunstformen nach Oberitalien und Von dort in die nördlichen RandproVinzen. Im Falle der Kunst des Ostens des römischen Reiches hat man im Gegensatz zum Westen und Norden nie denBegriff .provinzialrömisclY angewendet, da dort die Eigenständigkeit der alten, zu römischen Provinzen gemachten Kulturlandschaften wie Griechenland und Kleinasien nicht zu leugnen war. Die Provinzen des Ostens waren gegenüber dem Norden sehr Viel konservativer. Dies zeigt sich auch in der Grabarchitektur Kleinasiens oder Syriens. So sind an dem Baldachingrabmal Von Dana (Abb. 39) die architektonischen Formen noch Völlig im Sinne griechischer Bauordnung Verstanden. Die schlichtere Grundhaltung äußert sich auch im Fehlen einer zusätzlichen Relief Verzierung. Der Hellenismus setzt sich im Osten des Reiches ungebrochen in die römische Kaiserzeit hinein fort. Ebenso traditionsgebunden wie das Baldachingrabmal Von Dana ist der noch fast Vollständig erhaltene Grabbau bei Haidra (Ammedara) in Tunesien (Abb. 40). Nur eine schlichte Inschrifttabula ist auf der Vorderseite des glatt gelassenen Sockels eingeritzt. Die Form des Grabtempels auf hohem Sockel, von dem die Entwicklung der hier untersuchten Grabbauten ausgegangen war (vgl. das Nereidenmonument, Abb. i) ist hier auch in der mittleren Kaiserzeit noch rein erhalten. 3°

Abbildungen

Abb. i 32

Nereidenmonument aus Xanthos, London, Britisches Museum

Abb. 2 Mausoleum von Halikarnaß, Rekonstruktion von Krischen

33

Abb. 3 Sog. Grab des Theron, Agrigent 34

Abb. 4 Architravblock vom Girlandengrab, Pompeji (s. Abb. 5)

Abb. 5 Unterbau des Girlandengrabes. Nekropole vor Porta di Ercolano, Pompeji

35

Abb. 6 Grabbau des M. Octavius, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji 36

Abb. 7 Grabbau West Nr. 9, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji 37

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Abb. 9 Grabbau Ost Nr. 20, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji

Abb. 8 Grabbau des P. Vesonius, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji 39

Abb. 10 40

Grabbau der Istacidii, Nekropole vor Porta di Erolano, Pompeji

Abb. 11

Grab der Curii, Aquileia

Karte mit den im Text genannten Grabbauten

43

Abb. 13

Grabbau des A. Murcius Obulaccus, Sarsina

Abb. 12

Grabbau des A. Murcius Obulaccus, Sarsina 45

Abb. 14 46

Gipsmodell des Grabbaus des Aefionius Rufus, Sarsina

Abb. 15

Grabbau, Aquileia 47

Abb. 16 Juliergrab, St. Remy 48

Abb. 17 Unterbau des Juliergrabes, St. Remy 49

Abb. 18 Grabbau des L. Poblicius, Köln, Römisch-Germanisches Museum 5°

Abb. 19 Oberbau des Poblicius-Grabbaus, Köln (s. Abb. 18) 51

Abb. 20 Pan mit Syrinx, linke Nebenseite des Poblicius-Grabbaus, Köln (s. Abb. 18.19) 52

Abb. 2i

Mänade, rechte Nebenseite des Poblicius-Grabbaus, Köln (s. Abb. 18.19)

53

Abb. 22 Architrav des Grabbaus der Cassii, Mainz, Mittelrheinisches I.andesmuseum

Abb. 23 Block von Grabbau mit Reiterkampffries aus Wesseling - Keldenich, Bonn, Rheinisches Landesmuseum 54

Abb. 24 Grabstele des C. Romanius Capito, Mainz, Mittelrheinisches Landesmuseum 55

Abb. 25 Eckblock von Grabbau mit Reiterkampffries, Arlon, Musee Luxembourgeois

Abb. 26 Eckblock von Grabbau mit Reiterkampffries, Arlon, Musee Luxembourgeois 56

Abb. 27 Block mit gegeneinander gerichteten Reitern, Arlon, Musee I.uxembourgeois

Abb. 28 Block mit Reiterkampf. Koblenz, Landesmuseum 57

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Dr./V/Uu« 192H-

Abb. 30 Sog. Grabkapelle aus Kruft, Bonn, Rheinisches Landesmuseum 59

Abb. 31

Sog. Krufter Säule, Bonn, Rheinisches Landesmuseum

Abb. 32 Igeler Säule, Igel bei Trier

Abb. 33 Grabbau des C. Spectatius Priscianus, Sempeter 62

Abb. 34 Rechte Nebenseite des Grabbaus des C. Spectatius Priscianus, Sempeter

Abb. 35 Grabbau der Ennii, Sempeter

Abb. 36 Linke Nebenseite des Grabbaus der Ennii, Sempeter

Abb. 37 Europa auf dem Stier, Grabbau der Ennii, Sempeter (s. Abb. 35.36)

Abb. 38 Aedicula des Grabbaus der Ennii, Sempeter 64

Abb. 39 Baldachingrabmal, Dana (Syrien)

Abb. 40

Grabbau bei Haidra (Ammedara)

mit Giebel

1 Pompeji, Girlandengrab

2 äempeter, C.Spectatius Priscianus

mit Pyramide

3 Sarsina, Aefionius Rufus

Abb. 41

4 Köln, L. Poblicius

Säulenfronttypus

mit Giebel

2 Pompeji, Vesonius Priscus

1 Padua, Volumnii

mit Pyramide

3 Bologna

4 Bonn, aus Kruft

Abb. 42

Aediculatypus

rund

A

ix^ifts^^ra^innui9niaK^aiiiu:m^jnnL]rfn.

2 St. Remy, lulii

1 Aquileia

quadratisch

dreieckig

3 Speyer, aus Bierbach

4 Aquileia Abb. 43 Baldachintypus

1 Rom, M. Virgilius Eurysaces

2 Dass.

3 Rom, C. Poblicius Bibulus

4 Sempeter, Secundiani Abb. 44

Relief front

71

Bilderläuterungen Abb. i Nereidenmonument aus Xanthos, London, Britisches Museum. Nach Photo British Museum B. 5635. Zur Rekonstruktion zuerst G. Niemann, Das Nereidenmonument in Xanthos, Versuch einer Wiederherstellung (1921), neuerdings P. Coupel - P. Demargne, Le monument des Nereides, Fouilles de Xanthos III (1969). - Die Front des Monumentes wurde aus originalen Teilen vor kurzem im Britischen Museum wiederaufgebaut. Die Höhe des Sockels mußte jedoch erheblich reduziert werden. - Der große Fries am Sockel: Kampfszenen. Der kleine Fries am Sockel: Kampf, Eroberung und Übergabe einer Stadt. Zwischen den Säulen die ,Nereiden' (besser: Aurai, Windgöttinnen). Die ionischen Kapitelle setzen die des Erechtheion in Athen voraus. Unter dem Fries mit Jagdszenen kein Architrav. Im Giebel das antithetisch sitzende Herrscherpaar. In der Cella einst steinerne Klinen für die Toten aufgestellt. Abb. 2 Mausoleum von Halikarnaß. Nach der Rekonstruktion von F. Krischen, Weltwunder der Baukunst in Babylonien und Jonien (1956) Taf. 26. - Die aufgehenden Überreste des Mausoleums wurden im 15. Jh. n. Chr. in das Johanniterkastell von Halikarnaß (Bodrum) verbaut. 1846 wurden die Friesblöcke und andere Skulpturen nach London ins Britische Museum gebracht. 1856 wurde der Standort des Mausoleums durch C.T. Newton wiederentdeckt. Da Newtons Grabungsplan große Mängel aufweist, erfolgt seit mehreren Jahren eine Nachgrabung durch dänische Archäologen: s. zuletzt K. Jeppesen - J. Zahle, American Journal of Archaeology 79, 1975, 67 ff. Krischens Rekonstruktion basiert auf den Angaben des Plinius d.Ä. (naturalis historia 36, 30-31): Länge an Nord- und Südseite 63 Fuß, Gesamtumfang 440 Fuß. Die Peristasis hatte 36 Säulen. Über einer Pyramide von 24 Stufen stand eine Quadriga. Die Gesamthöhe betrug 140 Fuß (42 m). Die Friese im Osten wurden durch Skopas, im Norden durch Bryaxis, im Süden durch Timotheos und im Westen durch Leochares ausgeführt. Architekten waren Satyros und Pytheos (Vitruv VII praef. 12-13). ~ Nach Jeppesen saß am oberen Abschluß des Podiums nur der Amazonenfries. Der von Krischen darunter angenommene Kentaurenfries wird von Jeppesen noch ohne ausreichende Gründe für die Basis des Viergespanns angenommen. Die Elemente der ionischen Ordnung des Baues sind durch die Funde von Jeppesen jetzt komplett: außer weißem Marmor wurde auch farbiges Material verwendet (Säulenplinthen aus bläulichem Stein). Für den von Krischen rekonstruierten Stufensockel gibt es nach Jeppesen keinen Anhaltspunkt. Abb. 3 Sog. Grab des Theron, Agrigent. Nach Negativ DAI Rom 68.2933. P. Marconi, Agrigento (1929) 124 ff. Abb. 79.80. - Im Süden vor der Stadtmauer von Agrigent gelegen. Das weit ausladende Profil des Sockels nur auf drei Seiten, auf der Rückseite fehlend. Der quadratische Sockel an der Basis 4,81 m lang und 3,91 m hoch. Der quadratische Oberbau 3,97 m lang und insgesamt 3,73 m hoch. An den Ecken ionische Säulen mit attischen Basen, dazwischen auf allen vier Seiten Scheintüren. Über den Säulen ein dorisches Gebälk aus glattem Architrav und Metopen-Triglyphen-Fries. Der ganze Bau verjüngt sich leicht nach oben. Abb. 4.5 Girlandengrab, Nekropole vor Porta di Ercolano, Pompeji. J. Overbeck, Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken (4. Auf. 1884) 405 Abb. 202. A. Mau, Pompeji in Leben und Kunst (1908) 434. Th. Kraus, Die Ranken der Ära 72

Pacis (1953) 37 f. Ch. Börker, Blattkelchkapitelle (1967) 202 ff. Ders., Jahrb. d. Dt. Arch.Inst. 88, 1973, 310. - Rechts vor Porta di Ercolano gelegen. Aufrecht stehend nur noch der Sockel. Kern massiv aus Gußmauerwerk, außen durch Tuffblöcke verkleidet. Vier Pilaster an der Front, drei auf den Nebenseiten, dort Girlanden zwischen den Kapitellen aufgehängt. Im oberen Teil der Front Einlassung für eine Inschrifttabula. Oberbau jetzt von V. Kockel rekonstruiert (noch unpubliziert, vgl. Abb. 41,1): rechts und links freistehende Säulen mit Chimärenkapitellen (jetzt versehentlich in der Aedicula am Macellum eingebaut). Darüber Marmorarchitrav mit Rankenfries (Abb. 4). Auf den Nebenseiten dasselbe in Tuff (jetzt links vom Girlandengrab aufgestellt). Der Dreiecksgiebel ist durch einen erhaltenen Geisonblock aus Tuff gesichert. Alle Tuffteile waren einst weiß überstuckiert. In die sog. Tuffzeit, d.h. die Zeit des 2. pompeianischen Stils gehörig. Abb. 6 Grabbau des M. Octavius, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji. H. Eschebach, Die städtebauliche Entwicklung des antiken Pompeji (1970). P. Zanker, Jahrb. d. Dt. Arch.Inst. 90, 1975, 283 Abb. 15. G. Precht, Das Grabmal des Lucius Poblicius (1975) Taf. 33. - Auf Eschebachs Plan der Nekropole vor Porta di Nocera West Nr. 13. Unten am Sockel kleine Nischen für Urnenbestattungen. Am Sockel marmorne Inschrifttabula. Die weiße Stuckierung am Sockel ahmte isodome Quadern nach. Im Oberbau vier freistehende Säulen an der Front (in der oberen Hälfte modern ergänzt), Kanneluren aus Stuck. Im Hintergrund drei Rechtecknischen mit den erhöht stehenden Statuen der Verstorbenen. Oberer Teil der Rück-, Zwischen- und Seitenwände ergänzt. Abb. 7 Grabbau West Nr. 9, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji. P. Zanker, Jahrb. d. Dt. Arch.Inst. 90, 1975, 280 Abb. 12.-Auf Eschebachs Plan (a.a.O.) der Nekropole vor Porta di Nocera West Nr. 9, unmittelbar links neben dem großen exedraförmigen Grab der Priesterin Eumachia. Der gesamte Bau ehemals stuckiert. Am Sockel ist eine imitierte Quaderung zu ergänzen. Die zwei freistehenden Säulen des Oberbaus aus Ziegeln, größtenteils ergänzt. Basen und Kanneluren (unten noch erhalten) in Stuck ausgeführt. Ionische Kapitelle mit diagonal gestellten Voluten. Aufbau darüber modern ergänzt. In der Nische des Oberbaus Sitzstatuen des verstorbenen Ehepaars. Abb. 8 Grabbau des P. Vesonius, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji. Gabelmann 115 Nr. 15 Taf. 33,2. - Auf Eschebachs Plan (a.a.O.) der Nekropole vor Porta di Nocera West Nr. 23. In den Sockel zwei Inschrifttabulen eingelassen. Reste der dicken Stuckierung noch teilweise erhalten. Oberes Drittel der Seitenwände und Giebel mit Architrav modern ergänzt. In der Nische - etwas erhöht - die Statuen der Verstorbenen: außen zwei togati, in der Mitte eine Frau. Abb. 9 Grabbau Ost Nr. 20, Nekropole vor Porta di Nocera, Pompeji. Th. Kraus, Lebendiges Pompeji (1973) Abb. 134. - Auf Eschebachs Plan der Nekropole vor Porta di Nocera Ost Nr. 20. Im Sockel eine Nische für die Einlassung einer Urne wie häufig in Pompeji. Im Oberbau auf getrennten Piedestalen Pfeiler mit vier angearbeiteten Säulenvorlagen (ehemals stuckiert), erbaut abwechselnd aus Ziegel- und Steinschichten. Korinthische Kapitelle, innen roh gelassen. Bau aus der spätesten Zeit Pompejis (zerstört 79 n. Chr.). Abb. 10 Grabbau der Istacidii, Nekropole vor Porta di Ercolano, Pompeji. A. Mau, Pompeji in Leben und Kunst (1908) 430 f. A. de Franciscis - R. Pane, Mausolei Romani in Campania (1957) 17 ff. Gabelmann 112 Anm. 66; 115 Nr. 20. - Am Sockel je vier tuskanische Halbsäulen aus Ziegeln, Kanneluren wie auch die Quaderung der Wand 73

stuckiert. Im Inneren durch Tür zugängliche Grabkammer mit Nischen für die Aufstellung von Urnen, sehr einfach im 3. pompeianischen Stil ausgemalt. In der Mitte der Kammer ein Pfeiler als Stütze für die Gewölbe. Architrave und Frieszone des Sockelbaus aus Ziegeln. Obergeschoß als Säulenrundbau aus Tuff. Drei Säulen mit Gebälk modern wieder aufgestellt. Die Kanneluren waren gefüllt (nur in der Mitte ganz erhalten). Die ionischen Kapitelle, die bei der Rekonstruktion verwendet wurden, sind nicht zugehörig, sondern stammen von dem gegenüberliegenden Grabbau Nr. 4 rechts (Hinweis V. Kockel). Der Bau hat ehemals - noch nicht wiederaufgefundene - korinthische Kapitelle getragen. Im Monopteros sind mehrere Statuen zu erganzen. Das Grab gehörte - nach Inschriften aus dem Bezirk - der Familie der Istacidii, den letzten Besitzern der Mysterienvilla. Abb. ii Grab der Curii, Aquileia. G. Brusin, Aquileia, Guida (1929) 252 f. Ders., Führer durch Aquileia und Grado (9. Aufl. 1964) 125 Abb. 70. G.A. Mansuelli, Archeologia Classica 4, 1952, 69 f. Taf. 21,4. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 191 Abb. 38. -Mit Einfriedung des Bezirks erhaltene Grabanlage, im Garten des Museo Nazionale von Aquileia wiederaufgebaut. Steinerne Balustrade auf Stufen: zwischen pyramidenbekrönten Eckpfeilern profilgerahmte Platten mit Grabinschrift (diese auch auf oberster Stufe darunter). Neben die Eckpfeiler auf die Brüstung quadratische Urnen gestellt mit Pyramiden als Deckel. Sockel des Grabbaus als kreisrunde Trommel. Säulenschäfte des dreieckigen Oberbaus modern ergänzt; ionische Kapitelle mit diagonalen Voluten. Architrave und Friese konkav eingezogen, darüber Konsolengebälk, konkav geschweifte Pyramide mit dreieckigem Kapitell und Ei als Bekrönung. Die Frauenstatue s. bei V. Santa Maria Scrinari, Catalogo deüe sculture romane, Museo Archeologico di Aquileia (1972) 37 Nr. 102. Abb. 12.ij Grabbau des A. Murcius Obulaccus, Sarsina. Nach Photo DAI Rom 57.1619; 59.1442. S. Aurigemma, Boll. del centro di studi per la storia dell' architettura 19, 1963, 65 ff. - Aus der Nekropole von Pian di Bezzo bei Sarsina, jetzt im Stadtpark von Sarsina wiederaufgebaut. Stand ehemals neben zwillingshaft gleichartigem Monument in demselben Grabbezirk. Auf gestuftem Sockel oben und unten profiliertes Postament mit der Inschrift: A(ulus) Murcius An(nii) f(ilius) Pup(inia)/Obulaccus Übersetzung: Aulus Murcius Obulaccus, Sohn des Annius, aus der Tribus Pupinia. Im Oberbau zwei freistehende korinthische Säulen, mit den Antenpfeilern der rückwärtigen Nische durch halbhohe Balustraden verbunden. Im Hintergrund Grabestür. Fries des Gebalks mit Wellenranke geschmückt. Geschweifte Pyramide mit korinthischem Kapitell und Vase als Bekrönung. Ergänzte Teile aus anderem Material (Travertin): z. B. Stylobat, Schaft der linken Säule, Kapitell der rechten Säule. Gesamthöhe 8,92 m. Abb. 14 Gipsmodell des Grabbaus des Aefionius Rufus, Sarsina. Nach Photo DAI Rom 73.1123. Aurigemma a.a.O. 23 ff. Gabelmann 114 Nr. 10. - Aus der Nekropole von Plan di Bezzo bei Sarsina. Im Museum von Sarsina ist das Säulengeschoß des Monumentes wieder aufgebaut. Die bekrönende Pyramide ist daneben aufgestellt. Auf dem Sockel die Inschrift (nach G. Susini, Atti Acc. Naz. dei Lincei, Rendiconti 10, 1955, 243 ff.): [• ( ) A]-fionius C(ai) f(ilius) A (ulus) A[-fionius? ] Postum[ia] Rufus [ ] mat[er] ex testam [ ] C(ai) f(iliae) Polla[e] Der Familienname muß Aefionius oder Affionius gelesen werden, die ältere Konjektur Asfionius kann nicht richtig sein. Über der Inschrift dorischer Fries mit Triglyphen und 74

Metopen, diese mit Bukranien und Rosetten gefüllt. Vorderseite des Stylobats mit Mäander geschmückt. Im Oberbau vier freistehende korinthische Säulen, darüber Gebälk mit Wellenranke. Auf der Vorderseite der (unzugänglichen) Cella Scheintür, auf den Nebenseiten Pilastergliederung. Genaue Aufstellung der Statuen nicht bekannt. Geschweifte Pyramide mit korinthischem Kapitell und Vase als Bekrönung. Sphingen als Akrotere. Abb. i} Grabbau, Aquileia. Nach Photo Fototeca Unione 4534 Jh. 1958. G. Brusin -V. de Grassi, II mausoleo di Aquileia (1956). - Gefunden bei Fiumicello in zwei Campagnen 1890/91 und 1952/53. Mit den antiken Bestandteilen (in dunklerem Ton) - sehr stark ergänzt - an der Zufahrtstraße von Aquileia wiederaufgebaut. Die Plattform mit den flankierenden Löwen ist ohne antike Teile ergänzt. Der sich auf zwei Stufen erhebende Sockel durch Mäanderband zweigeteilt: im unteren Teil bisellmm (Hocker) undfasces, nur in kleinen Resten erhalten, darüber Reste der Inschrift, im oberen Teil Pilasterstellung mit Arkaden dazwischen. In diesen sind Girlanden aufgespannt, darunter fischleibige Tritonen und eine Stierprotome. Im Fries über dem Architrav Ornamentband mit Palmetten und Gorgoköpfen. Der Monopteros mit sechs korinthischen Säulen auf rundem Sockel. Im Fries Wellenranke, darüber Konsolgebälk. Geschuppte Pyramide mit Pinienzapfen als Abschluß. Togastatue des Verstorbenen in der Rotunde. Abb. 16.17 Juliergrab, St. Remy. Nach Photo Fototeca Unione Nr. 11311 Jh. 1965. H. Rolland, Le mausolee de Glanum (21. supp. ä Gallia, 1969). Gabelmann, Gnomon 44, 1972, 520 ff. Zur Thematik der Reliefs zuletzt F. Brommer, Rom. Mitt. 81, 1974, 318 ff. Neben dem Bogen von St. Remy (dem antiken Glanum) original erhalten. Umgebender Plattenbelag modern. Reliefierter Sockel, von Pilastern eingefaßt, auf drei höher werdenden Stufen. Nord: Reiterschlacht, West: Kampf um Gefallenen, Ost: links togati, rechts Kampfszenen, Süd: Jagdszene. Über den Reliefbildern von Eroten getragene Lorbeergirlande, in den Girlandenschwüngen Masken. Reliefierter Sockel von weit ausladenden Profilen oben und unten eingefaßt. Zweites Geschoß (,Quadrifrons') mit korinthischen Ecksäulen. Archivolten der Arkaden mit Wellenranken und Gorgohaupt in der Mitte geschmückt. Auf dem Architrav der Nordseite die Inschrift: Sex(tus) L(ucius) M(arcus) luliei C(aii) f(ilii) parentibus sueis Übersetzung: Sextus, Lucius und Marcus, die Julier, Söhne des Gaius, ihren Vorfahren. Mit parentes können hier nicht die Eltern gemeint sein, da die Statuen in der Rotunde zwei togati sind. Im Fries des Quadrifrons Meerwesen (Tritonen, Ketoi und Seegreifen). Der Quadrifrons war durch Metallgitter geschlossen. Im Monopteros waren zur Einbringung der beiden Togastatuen zwei der korinthischen Säulen herausgenommen und anschließend nicht mehr genau in die richtigen Achsen gestellt worden. Im Fries des Monopteros Wellenranke. Schuppenpyramide als Bekrönung. Abb. 18-21 Grabbau des L. Poblicius, Köln, Römisch-Germanisches Museum. Nach Photo Rheinisches Bildarchiv 144409, 144414, 131975, 131983. G. Precht, Das Grabmal des L. Poblicius (1975). Gabelmann 114 Nr. 12 (dort die bisherige Lit.). Zur Inschrift B. und H. Galsterer, Die römischen Steininschriften aus Köln (1975) 55 Nr. 216 Taf. 47. zu den Statuen Gabelmann, Bonner Jahrb. 179, 1979. - 1884 und 1965-67 am Chlodwigplatz in Köln gefunden. Nach 1970 im Römisch-Germanischen Museum durch G. Precht wiederaufgebaut. Aufbau weitgehend gesichert: originale Teile heben sich etwas dunkler ab. Nach B. und H. Galsterer ist zwischen die beiden Reihen von Inschriftblöcken eine weitere Blockreihe einzufügen. Die Lesung der Inschrift nach B. und H. Galsterer: 75

L(ucio) Poblicio L(uci) f(ilio) Tere(tina) / vetera(no) leg(ionis) V Alatida (!) ex testamento / et Paullae f(iliae) et vivis /[ coniugi]/[et L(ucio?) Poblicio f(ilio) /[et libertis] / [L(uäo) Pobliäjo Modesto L(udo) Pfoblicio /. /[H(oc)J m(onumentum) h(eredem) [n(on) s(equetur)]. Übersetzung: Für Lucius Poblicius. den Sohn des Lucius aus der Tribus Teretina, / den Veteranen der 5. sog. Lerchenlegion nach seinem Testament / und für seine Tochter Paula und die Lebenden / , seine Frau / und Lucius Poblicius, seinen Sohn / und die Freigelassenen / Lucius Poblicius Modestus und Lucius Poblicius —/ Dieses Monument darf nicht auf den Erben übergehen. Sockelgeschoß seitlich durch Pilaster mit Kompositkapitellen eingefaßt, dazwischen auf Vorder- und Rückseite Girlanden aufgehängt. Auf den Nebenseiten dionysische Darstellungen: außer der einen Pilaster übergreifenden Mänade (Abb. 21) nur Füße erhalten. Die von Precht auf der rechten Nebenseite eingebaute Büste einer aus einem Blätterkelch aufsteigenden weiblichen Flügelgestalt mit Früchten („Fruchtbarkeitsgöttin?") in ihrer Position nicht gesichert, daher am Monument jetzt verdeckt. Im Fries des Sockelgeschosses Wellenranke. Vier freistehende Säulen im Obergeschoß: dazwischen links die Frau des Poblicius als Große Herkulanerin, in der Mitte (mit Kopf) der Sohn des Poblicius, rechts L. Poblicius selbst (in der Antike sicher in der Mitte). Im Interkolumnium der rechten Nebenseite die Tochter Paula in toga praetexta. Auf den seitlichen durch Pilaster mit Kompositkapitellen eingefaßten Wandstücken neben Baum mit Schlange links Pan mit Syrinx, rechts Pan mit Hasen. Über den Pansgestalten rechts tragische Maske, links fliegender Eros. Über dem Architrav Waffenfries. Die geschuppte Pyramide beidseitig von Tritonen mit Steuerrudern eingefaßt. Die auf dem bekrönenden korinthischen Kapitell jetzt aufgestellte Aeneas-Anchises-Gruppe sicher nicht zugehörig (so Gabelmann 114 Nr. 12 und P. Noelke, Germania 54, 1976, 4181°). Die Gruppe gehört erst ins spätere 2. Jh. n. Chr. Da sie auch vom Chlodwigplatz stammt, wird sie einst in einem Grabgarten in der Nahe des Poblicius-Monumentes aufgestellt gewesen sein.

Abb. 22 Architrav des Grabbaus der Cassii, Mainz, Mittelrheinisches Landesmuseum. Nach Photo des MittelrheinischenI.andesmuseumsMainz. K.-V. Decker - W. Selzer, in Aufstieg und Niedergang der römischen Welt II. 5 (1976) 544 Taf. 14 Abb. 21. W. Selzer, Mainzer Zeitschr. 71/72, 1976/77, 23iff. Taf. 62. Gabelmann in Anm. 52. - Gefunden 1974 Bretzenheimer Weg, Mainz. Architrav von einem größeren Grabbau. Von diesem weitere Architekturteile vorhanden. Die Gliederung in Dreifaszien-Architrav und Frieszone darüber nur auf der linken Nebenseite vorhanden. Auf der Vorderseite statt dessen profilierte Inschrifttabula. Linke ansa (Henkel) wird von geflügeltem Greifen gehalten (rechts gleichartig zu erganzen). Inschrift: M(arcus) Cassius M(arci) f(ilius) Ouf(entina) Med(iolano) v[eteran(us)]/leg(ionis) XIIII Gem(inae) an(norum) [—J/C(aius) Cassius M(arci) f(ilius) Ouf(entina) Med(iolano) fratefr mil(es)]/leg(ionis) XIIII Gem(inae) an(norum) XLV stip(endiorum) [—]/h(ic) s(iti) sunt. Übersetzung: Marcus Cassius, Sohn des Marcus aus der Tribus Oufentina, aus Mailand, Veteran aus der Legio XIIII Gemina im Alter von [—] Jahren, und Gaius Cassius, Sohn des Marcus, aus der Tribus Oufentina, aus Mailand, sein Bruder, Soldat der Legio XIIII Gemina im Alter von 45 Jahren nach [—] Dienst-Jahren, beide liegen sie hier. Die Brüder waren römische Bürger und stammten aus Mailand. Ihre Legion lag von 13 v. Chr. bis 43 n. Chr. in Mainz. 76

Abb. 23 Block von Grabbau mit Reiterkampffries aus Wesseling-Keldenich, Bonn, Rheinisches Landesmuseum. Gabelmann. Bonner Jahrb. 173, 1973, 135 ff. - Mit vier anderen Blöcken von demselben Grabbau 1967 gefunden. Ausschnit aus einem nach rechts gerichteten Reiterzug. Reste von vier Pferden und zwei Reitern: links oben Bein eines Reiters und Schwert über Pferdebauch. Dann Hinterbeine und Rumpf eines Pferdes und Reiter. Sattelzeug wie üblich bei römischen Reitern. Große phalera auf der Hinterflanke des Pferdes. Unter dem Bauch des Pferdes zwei Pferdeschwänze und ein Pferdebein. Die auf einem anderen Block erhaltene Inschrift lautet: . . . item Perrnia Pauf—]. . . Übersetzung: Außerdem Perrnia Pau(la oder - lina). . . Abb. 24 Grabstele des C. Romanius Capito, Mainz, Mittelrheinisches Landesmuseum. Nach Photo Mittelrheinisches Landesmuseum. E. Esperandieu, Recueil general des basreliefs, statues et bustes de la Gaule romaine 7 (1918) Nr. 5852. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 163 h Abb. 26. - Gerüsteter Reiter zu Pferde über Gefallenen hinwegsprengend. Der Reiter hält in der Linken den Schild und in der erhobenen Rechten die Lanze. Der Panzer nicht als Leder-, sondern Kettenpanzer zu verstehen. Hinter dem Reiter calo (Pferdeknecht) mit zwei Lanzen. Inschrift: C(aius) Romanius l eq(ues) alae Norico(rum) / Clauä(ia) Capito l Celeia an(norum) XL stip(endiorum) XIX / b(ic) s(itus) e(st) h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit). Übersetzung: Gaius Romanius Capito, Reiter der ala Noricorum, Angehöriger der tribus Claudia, aus Celleia (Celje in Slowenien), mit 40 Jahren nach 19 Dienstjahren, hier liegt er begraben. Der Erbe hat es nach dem Testament machen lassen. Abb. 2^ Eckblock von Grabbau mit Reiterkampffries, Arlon, Musee Luxembourgeois. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 149 f. Abb. 17. - Am linken Rand Pilaster. Nach rechts Ausschnitt aus einem Reiterzug. Reste von drei gleichartig bewaffneten Reitern mit hastae (Lanzen) in der erhobenen Rechten. Hinter dem vordersten Reiter noch ein Stück des Schildes sichtbar. Abb. 26 Eckblock von Grabbau mit Reiterkampffries, Arlon. Musee Luxembourgeois. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 151 ff. Abb. 18.-Am linken Rand Kanneluren eines Pilasters. Nach rechts Reste von drei römischen Reitern: zwei in der oberen, einer in der unteren Zone. Der Reiter links oben hat die Lanze waagrecht zum Stoß eingelegt, der untere Reiter hält die Lanze schräg nach unten. Über dem Helm trägt dieser Reiter offensichtlich ein Tierfell. Danach scheint er ein signifer (Feldzeichenträger) zu sein. Das signum kann zusammen mit dem Schild in der Linken gehalten worden sein (vgl. Grabstele des Q. Carminius Ingenus, Worms, Esperandieu a.a.O. 8 Nr. 6014, Hinweis M. P. Speidel). Über dem Panzer trägt der Reiter eine Binde, die zumeist - ohne daß wir genau wüßten, was sie bedeutet — als .Feldherrnbinde' bezeichnet wird. Abb. 27 Block mit gegeneinander gerichteten Reitern, Arlon, Musee Luxembourgeois. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 154 f. Abb. 21. - Ausschnitt aus zwei gegeneinander gerichteten Reiterzügen: von links Reste von drei Pferden, von rechts ein Pferd. Von den Reitern nur rechts ein Stück des ornamentierten Schildes erhalten. Abb. 28 Block mit Reiterkampf, Koblenz, Landesmuseum. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 143 f. Abb. 10.ii. — 1969 bei Baggerarbeiten an der Stelle der römischen

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Moselbrücke gefunden. Ausschnitt aus einem Reiterkampffries mit zwei nach links sprengenden Pferden und einem am Boden liegenden sterbenden Germanen. Von den Reitern nur ein Bein erhalten. Der Germane trug nach der unregelmäßigen Fläche auf den Oberschenkeln offensichtlich flauschige Hosen. Entlang der Bodenlinie der Langschild des Germanen mit Schildbuckel. Abb. 29 Rekonstruktion des Kompositionsschemas der Reiterfriese. Aus Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 200 Abb. 39 (Zeichnung von E. Pfaff-Hübner). - Das Schema wurde aus den - von verschiedenen Grabbauten stammenden Blöcken Abb. 23.25-28 rekonstruiert. Aus diesen läßt sich eine stereotype Reihung der Reiter in mehreren übereinander gestaffelten Zonen erkennen. Von links ritt römische, von rechts germanische Reiterei heran. Die Römer ritten mit, die Germanen ohne Sättel. Abb. jo Sog. Grabkapelle aus Kruft, Bonn, Rheinisches Landesmuseum. H. Mylius, Bonner Jahrb. 130, 1925, 180 ff. Taf. u - In einem Steinbruch bei Kruft gefunden und von Mylius zeichnerisch rekonstruiert: über glattem Sockel von Pilastern eingefaßte Rechtecknische. In dieser Statuen des verstorbenen Ehepaars. Auf den Schmalseiten der Nische zwischen den Pilastern Attisfiguren. Über dem Architrav Waffenfries und Konsolengebälk. Wahrscheinlich mit geschweifter Pyramide zu ergänzen, vgl. Abb. 42,4. Abb. ji Sog. Krufter Säule, Bonn, Rheinisches Landesmuseum. Mylius a.a.O. 180 ff. Taf. 10. - Gabelmann. Bonner Jahrb. 173, 1973, 192 Abb. 34. - Zusammen mit den Blöcken der Krufter Grabkapelle (Abb. 30) gefunden. Von Mylius zeichnerisch rekonstruiert. Von den Stufen nur ein Block mit dem Schwanz eines Meerwesens (Triton?) erhalten. Sockel unten mit Profil, oben mit Konsolgebälk abgeschlossen. Obergeschoß seitlich durch Pilaster mit glattem Schaft eingefaßt. Figuren der Vestorbenen ehemals in Relief dargestellt: hiervon nur ein Block rechts unten erhalten. Auf ihm noch die Füße des verstorbenen Mannes erhalten. Der Fries über dem Architrav mit Wellenranke geschmückt. Von dem von Mylius rekonstruierten Giebel keine Reste vorhanden. Giebel nach Kahler zu streichen. Von der Pyramide nur ein Block erhalten. Abb. 32 Igeler Säule, Igel bei Trier. Nach Photo Landesmuseum Trier RD, 74.14 H. Dragendorff - E. Krüger, Das Grabmal von Igel (1924). H. Cüppers, Trierer Zeitschr. 31, 1968, 222 ff. E. Zahn, ebenda 227 ff. Beil, (neue Zeichnung der Igeler Säule). Ders., Die Igeler Säule bei Trier (1968). - Im Dorfe Igel heute noch aufrecht stehend. Die Thematik des Reliefschmucks macht man sich am besten mit Hilfe von Zahns Zeichnung klar. Die Südseite ist die Hauptseite. Auf Abb. 32 links die Süd-, rechts die Ostseite. Dreistufenunterbau (Relief nur Nord und West erhalten). Unterste Stufe: Meerwesen; Mittlere Stufe: Treidelszene; Oberste Stufe: Delphinreitende Eroten. Sockel. Süd: links Kontorszene, rechts Tuchprobe; Ost: Tuchwerkstatt?; West: Wagenfahrt; Nord: Umschnürung eines Tuchballens. Hauptgeschoß, durch Pilaster eingefaßt. Süd: unten die Inschrift D(is) M(anibus) P(ublio) [Aelio] Secu[ndino patri suo exe]voca/t[o Aug(usti) et See] uri(i) [s et .] / nod [o fjilis Secundini Securi et Publiae Pa/catae coniugi Secundini(i) Aventlni et L(udo) Sac/cio Modesto et Modestio Macedoni filio ei/ius Lud(i) Secundinius Aventinus et Secundi/niu[s SJecurus parentibus defunctis et / sibi vivi ut (h)aberent fecerunt. Übersetzung: Den Todesgöttern. Für Publius Aelius Secundinus, ihren Vater, ehemaligen Freiwilligen des Kaises, und des Securius 78

für die Söhne des Secundinius Securus, und für Publia Pacata, der Frau des Secundinius Aventinus, und für Lucius Saccius Modestus und seinen Sohn Modestus Macedo haben die Lucier Secundinius Aventinus und Secundinius Securus als für ihre verstorbenen Verwandten und sich selbst (das Monument) errichten lassen, um es (zu Lebzeiten) zu besitzen. Nach Dragendorff ist der rechts stehende togatus Securus, der einem seiner Söhne in der Mitte die Hand reicht. Links in Chlamys Aventinus. Deutung des Medaillons nicht gesichert. Ost: unten Nymphe, oben Taufe des Achilleus im Styx; West: oben Perseus befreit Andromeda; unten Perseus mit Andromeda; Nord: Himmelfahrt des Hercules im Zodiacus. Fries. Süd: Familienmahl; Ost: Küche; West: Abgaben bringende Pächter; Nord: Gebirgstransport mit Saumtieren. Attika. Süd: Tuchprobe; Ost: Kontorszene; West: Wagenfahrt; Nord: Eros mit zwei Greifen. Giebel. Süd: Hylas und die Nymphen; Ost: Mondgöttin; West: Mars und Rhea Silvia; Nord: Sonnengott. Auf Figuralkapitell der Dachpyramide von vier Frauenbüsten gehaltenes Ei, darüber Ganymed vom Adler geraubt. Abb. 33-34 Grabbau des C. Spectatius Priscianus, Sempeter. J. Klemenc - V. Kolsek P. Petru, Anticne grobnice v Sempetru (Antike Grabmonumente in Sempeter, 1972) 14 ff. J. M. C. Toynbee, Death and burial in the roman world (1971) 173 f. Abb. 62. Inschrift: Situla 5, 1963, 127 Nr. 371.372. Zur norisch-pannonischen Volutenornamentik zuletzt: Gabelmann, Bonner Jahrb. 177, 1977, 239. - Nur geringfügig ergänzt wiederaufgebaut. Sockel auf zweistufiger Basis. In der unteren Zone Szenen aus der Iphigeniensage. Rechts: Iphigenie in Aulis. Vorderseite: Orest schreibt Iphigenie einen Brief. Links: Flucht auf das Schiff. Inschrift, flankiert von dionysischen Paaren (Satyr und Mänade): C(aio) Spectatio C(aii) fil(io) Cla(udia tribu) / Prisciano II vir(o) i(ure) d(icundo) [an(norum) XL] V / C(aius) Spectatius Finitus [II vir] / i(ttre) d(icundo) Cl(audiae) Cel(eiae) pater [infelids]/simus fedt. . . Übersetzung: Für Gaius Spectatius Priscianus, Sohn des Gaius, aus der Tribus Claudia, Bürgermeister, im Alter von 45 Jahren, hat (das Monument) Gaius Spectatius Finitus, Bürgermeister von Claudia Celeia, der unglückliche Vater, errichten lassen . . . Zweite Inschrift auf der Vorderseite des Stylobats: C(aie) Sept(imiae) C(aii) f(iliae) lustae / an(norum) LV ttxori Sp(ectatii) Prisciani. Übersetzung: Für Gaia Septimia lusta, die Tochter des Gaius, im Alter von 55 Jahren, die Frau des Spectatius Priscianus. - Oberbau mit tordierten freistehenden Säulen, die eine Archivolte überspannt. Sitzstatuen der Verstorbenen in rückwärtiger Apsis mit Muschelgewölbe. Giebel mit Konsolgebälk und Gorgo als Akroter. Abb. 35-38 Grabbau der Ennii, Sempeter. Klemenc - Kolsek - Petru a.a.O. 13 ff. Toynbee a.a.O. 173 Abb. 61. -Sockel auf zweistufiger Basis. Vorderseite: Europa auf Stier über das Meer reitend. Auf den seitlichen Feldern Kratere mit Weinstöcken. Linke Nebenseite: Gruppe von Satyr und Mänade. Rechte Nebenseite: Ganymed von Adler entführt. Auf den Pilastern Wellenranken und Pflanzenkandelaber. Inschrift auf Tabula an der Vorderseite des Stylobats: Q(uintus) Ennius Liberalis et Ennia / Oppidana fec(erunt) sibi et Kalendinae f(iliae) an(norum) XVII / et Vitulo fil(io) an(norum) XXX. Übersetzung: Quintus Ennius Liberalis und Ennia Oppidana haben es erbauen lassen für

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sich und für Kalendina, ihre Tochter, die 17 Jahre alt wurde, und für Vitulus, ihren Sohn, der mit 30 Jahren starb. In der Aedicula des Obergeschosses die Büsten der Verstorbenen in Relief; oben das Ehepaar, darunter die Tochter, flankiert von auf Fackeln gestützten Eroten. Meerwesen auf den Architraven. Rosettenschmuck in der Tonnendecke, in der I.unette Kranz mit Bändern. Schräggeisa mit Konsolengebälk. Gorgo als Mittelakroter. Abb. 39 Baldachingrabmal, Dana (Syrien). Nach Photo DAI Rom 69.1413. E. Will, Syria ' 26, 1949, 277 f. Taf. 14,1. - Fundament aus anstehendem Felsen gearbeitet. Über einer Stufe glatt gelassener, oben und unten profilierter Sockel aus isodomen Steinschichten. Quadratischer Baldachin getragen von vier Säulen mit glatt gelassenem Schaft. Ausrichtung der Schauseiten der ionischen Kapitelle inkonsequent. Frieszone über dem Architrav Sförmig profiliert. Konkav geschweifte Pyramide als Bekrönung. Abb. 40 Grabbau bei Haidra (Ammedara). Nach Photo M. Eisner 1^.70-07-139. L. Crema, L'architettura Romana (1959) 503 Abb. 645. P. Romanelli, Topografia e Archeologia delPAfrica Romana (1970) Taf. 199 b. Inschrift: CIL VIII i, 440; VIII Suppl. l, 11520. - Über einstufiger Basis hoher Sockel aus isodomen Quaderschichten mit Kammer im Inneren. Inschrift auf der eingeritzten Tabula nur in geringen Spuren noch leserlich. Im Oberbau vier freistehende korinthische Säulen mit glattem Schaft. Stark erweitertes Mittelinterkolumnium. Architrav durch Faszien und Profile gegliedert. Glatte Frieszone. Am Giebel fehlen nur die Schräggeisa. Abb. 41,1 Nach der Rekonstruktionszeichnung von V. Kockel, Die Grabbauten vor dem Herkulaner Tor in Pompeji (erscheint demnächst). - Vgl. Abb. 4.5. 2 Nach J. Klemenc - V. Kolsek - P. Petru, Anticne grobnice v Sempetru (1972) i 6 f . - Vgl. Abb. 33.34. 3 Nach S. Aurigemma, Boll. del centro di studi per la storia dell'architettura 19, 1963 Abb. 53. - Vgl. Abb. 14. 4 Nach G. Precht, Das Grabmal des L. Poblicius (1975)

Abb. 3 8.-vgi. Abb. 18-21.

Abb. 42,1 Aus Monselice. Nach A. Furtwängler, Das Tropaion von Adamklissi (1903) Taf. 8,1. 2 Nach Photographie. - Vgl. Abb. 8. 3 Von Via della Beverara, Bologna. Nach G. Bermond Montanari, Not. Scav. 12, 1958, 9 Abb. 17. 4 Jetzt Bonn, Rheinisches Landesmuseum. Nach H. Mylius, Bonner Jahrb., 130, 1925 Taf. u. Ergänzt mit geschweifter Pyramide s. Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 192 Abb. 40,3. -Vgl. Abb. 30 (Grabkapelle). Abb. 43,1 Nach G. Brusin - V. de Grassi, II mausoleo di Aquileia (1956) Abb. 25. - Vgl. Abb. 15. 2 Nach H.Rolland, Le mausolee de Glanum (1969) Taf. 4. - Vgl. Abb. 16.17. 3 Museum Speyer. Nach Gabelmann, Bonner Jahrb. 173, 1973, 188 Anm. 86 Abb. 40,8. 4 Nach Photo. - Vgl. Abb. u. Abb. 44,1 Nach P. Ciancio Rossetto, II sepolcro del fornaio Marco Virgilio Eurisace (1973) Taf. 46. 2 Nach Ciancio Rossetto a.a.O. Taf. 44. 3 Nach R. Delbrueck, Hellenistische Bauten in Latiurn II (1912) Taf. 21. 4 Nach Klemenc - Kolsek - Petru a.a.O. 16 ff. Abb. 41-44 wurden von E. Pfaff-Hübner maßstäblich gezeichnet. Bei Abb. 42,2; 43,4 wurde die Höhe der Grabbauten geschätzt, da bisher keine Maßangaben vorliegen. Auf die Wiedergabe der Inschriften mußte in den Zeichnungen verzichtet werden. 80

Abkürzungen und Literatur

CIL Gabelmann

Corpus Inscriptionum Latinarum H. Gabelmann, Römische Grabbauten in Italien und den Nordprovinzen, in: Festschrift für F. Brommer (1977) 101 ff.

ALLGEMEIN L. Crema F. Matz J.M.C. Toynbee

L'architettura romana (1959) Hellenistische und römische Grabbauten, Antike 4, 1928, 266 ff. Death and burial in the roman world (1971)

ITALIEN SÜDLICH DES APENNIN R. Bianchi-Bandinelli Sculture municipali delP area sabellica tra l' eta di Cesare e quella u.a. di Nerone, Studi Miscellanei 10, 1963/64 P. Ciancio Rosetto II sepolcro del fornaio Marco Virgilio Eurisace a Porta Maggiore (i973) F. Coarelli Su un monumento funerario romano neu' abbazia S. Guglielmo al Goleto, Dialoghi 1,1, 1967, 46 ff. B.M. Felletti May La tradizione italica neu' arte romana (1977) A.de Franciscis Mausolei romani in Campania (ca. 1968) R. Pane V. Kockel Die Grabbauten vor dem Herkulaner Tor in Pompeji (erscheint demnächst) W. von Sydow Ein Rundmonument in Pietrabbondante, Rom. Mitt. 84, 1977, 267 ff. Ders. Eine Grabrotunde an der Via Appia Antica, Jahrb. d. Dt. Arch.Inst. 92, 1977, 241 ff. M. Torelli Monumenti funerari romani con fregio dorico, Dialoghi 2, 1968, 1,32 ff. M. Verzar Frühaugusteischer Grabbau in Sestino (Toscana), Melanges de l' ficole frangaise de Rome 86, 1974, 385 ff. P. Zanker Grabreliefs römischer Freigelassener, Jahrb. d. Dt. Arch.Inst. 90, 1975, 267 ff.

OBERITALIEN S. Aurigemma G. Bermond Montanari G. Brusin G. Brusin V. de Grassi G.A. Mansuelli /. Marcello

I monumenti della necropoli romana di Sarsina, Boll. Centro di Studi per la storia delP architettura 19, 1963, i ff. Bologna, Via della Beverara: Ritrovamento di un monumento funerario a cuspide, Not. Scavi 12, 1958, 2 ff. Nuovi monumenti sepolcrali di Aquileia (1941) II Mausoleo di Aquileia (1956) II monumento funerario di Maccaretolo e il problema dei sepolcri a cuspide in Italia, Archeologia Classica 4, 1952, 60 ff. La Via Annia alle porte di Altino (1956) 81

PROVINCIA NARBONENSIS A. Allmer-P. Dissard Trion (1887) I 67 ff. II 271 ff. /./. Hatt La tombe galloromaine (1951) D.E.E, und Two romano-provencal portrait reliefs, Melanges de l'ecole franF.S. Kleiner gaise de Rome 88, 1976, 243 ff. (= St. Julien - les-Martigues) F.S. Kleiner Artists in the Roman world. An itinerant workshop in ancient Gaul, Melanges de l' ecole frangaise de Rome 89, 1977, 661 ff. H. Rolland Le mausolee de Glanum (1969) P. Varene Blocs funeraires de Nimes, Gallia 28, 1970, 91 ff. GERMANIA ROMANA H. Draggendorff Das Grabmal von Igel (1924) E. Krüger F. Drexel Die belgisch-germanischen Pfeilergrabmäler, Rom. Mitt. 35, 1920, 27 ff. H. Gabelmann Römische Grabmonumente mit Reiterkampfszenen im Rheingebiet, Bonner Jahrb. 173, 1973, 132 ff. Ders. Die Typen der römischen Grabstelen am Rhein, Bonner Jahrb. 172, 1972, 124 f. W. Gauer Die raetischen Pfeilergrabmäler und ihre moselländischen Vorbilder, Bayer. Vorgeschichtsbl. 43, 1978, 57 ff. H. Kahler Die rheinischen Pfeilergrabmäler, Bonner Jahrb. 139, 1934, 145 ff. W. von Massow Die Grabmäler von Neumagen (1932) F. Oelmann Aquileia und die Igeler Säule, in: Studi Aquileiesi offerti a G. Brusin (1953) 169 ff. G. Precht Das Grabmal des L. Poblicius (1975) F. Rebecchi A proposito dei monumenti »a torre« nella regione renana, Archeologia Classica 27, 1975, 65 ff.

NÖRICUM /. Klemenc /. Klemenc- V. Kolsek - P. Petru

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Rimske izkopanine v Sempetru (1960) Anticne grobnice v Sempetru (Antike Grabmonumente in Sempeter, 1972)

Typographie: Hubert Hettrich Umschlag und photographische Beratung: Karl Natter

Bisher erschienen: Otto Roller, Die römischen Terra-Sigillata-Töpfereien von Rheinzabern i (Aalen 1965), 2., unveränderte Auflage 1969 Otto Doppelfeld, Die Blütezeit der Kölner Glasmacherkunst 2 (Stuttgart 1966) vergriffen Elisabeth Nau, Römische Münzen aus Süddeutschland, Zeit der Republik 3 (Stuttgart 1967) Günter Ulbert, Römische Waffen des i. Jahrhunderts n. Chr. 4 (Stuttgart 1968) Elisabeth Nau, Römische Münzen aus Süddeutschland, Zeit des Augustus und Tiberius 5 (Stuttgart 1969) Jochen Garbsch, Der spätrömische Donau-Iller-Rhein-Limes 6 (Stuttgart 1970) Philipp Filtzinger, Limesmuseum Aalen 7 (Stuttgart 1971), 2., erweiterte Auflage 1975. Fritz-Rudolf Herrmann, Die Ausgrabungen in dem Kastell Künzing/Quintana 8 (Stuttgart 1972) Hans-Jörg Kellner, Die Sigillatatöpfereien von Westerndorf und Pfaffenhofen 9 (Stuttgart 1973) Maarten J. Vermaseren, Der Kult des Mithras im römischen Germanien 10 (Stuttgart 1974) Astrid Böhme, Schmuck der römischen Frau n (Stuttgart 1974) Dieter Planck, Neue Ausgrabungen am Limes 12 (Stuttgart 1975) Helmut Bender, Römische Straßen und Straßenstationen 13 (Stuttgart 1975) Gerhard Bauchhenß, Jupitergigantensäulen 14 (Stuttgart 1976) 83

Dietwulf Baatz, Die Wachttürme am Limes 15 (Stuttgart 1976) Horst-Wolfgang

Böhme, Römische Beamtenkarrieren 16 (Stuttgart 1977)

Ursula Heimberg, Römische I.andvermessung 17 (Stuttgart 1977) Barbara Pferdehirt, Die römischen Terra-Sigillata-Töpfereien in Südgallien 18 (Stuttgart 1978) Wolf gang Gaitzsch, Römische Werkzeuge 19 (Stuttgart 1978) Helmut Bender, Römischer Reiseverkehr 20 (Stuttgart 1978) Udelgard Körber-Grohne, Nutzpflanzen und Umwelt im römischen Germanien 21 (Stuttgart 1979)

Bisher erschienene Faltblätter:

Pb. Filtzinger

Limesmuseum Aalen. Kurzführer. 2. Aufl. (Stutgart 1978) - Kurzführer durch das ..Limesmuseum Aalen", das ,,Römische Parkmuseum Aalen", das „Römische Lapidarium Stuttgart" (im Stiftsfruchtkasten, Schillerplatz i und auf dem Stiftsplatz) und den ,,Römischen Weinkeller Oberriexingen" in: Die Römer in Baden-Württemberg (Stuttgart/Aalen 1976) 206 ff., 434, 518 ff.

Ph. Filtzinger

Römer und Germanen am Limes. Zinnfiguren-Diorama im Limesmuseum Aalen (Stuttgart 1970).

Ph. Filtzinger

Römisches Parkmuseum Aalen (Stuttgart 1973).

Ph. Filtzinger

Römisches Parkmuseum Aalen. Die Jupitergigantensäule von Walheim. Sonderdruck aus: Fundberichte aus Baden-Württemberg i, 1974, 437-482 mit 29 Textabbildungen.

Ph. Filtzinger

Martinus, Soldat und Christ (Stuttgart 1976).

E. Nau

Anfänge der römischen Münzprägung. Münzausstellung im Limesmuseum Aalen (Stuttgart 1968).

D. Planck

Der Limes bei Schwabsberg, Buch und Dalkingen (Stuttgart 1975).

D. Planck

Das Freilichtmuseum am rätischen Limes (Stuttgart 1978).

D. Planck

Kastell Grinario/Köngen a. N.

84

H. Klumhacb

Die Jupitergigantensäule von Hausen an der Zaber (Stuttgart 1968).

Ph. Filtzinger

Römischer Weinkeller Oberriexingen (Stuttgart 1970).

S. Junghans

Diorama in Oberriexingen. Weinernte in römischer Zeit (Stuttgart 1972). Vergriffen.

O. Roller

Die Landwirtschaft in den Nordprovinzen des Römischen Reiches. Oberriexingen i, 1973. Vergriffen.

H. Reim

Ein römischer Gutshof bei Inzigkofen, Kreis Sigmaringen. Oberriexingen 2, 1974. Vergriffen.

O. Roller

Die Landwirtschaft in den Nordprovinzen des Römischen Reiches (2). Römische Erntewerkzeuge: I. Sicheln und Sensen. Oberriexingen 3, 1974. Vergriffen.

O. Roller

Die Landwirtschaft in den Nordprovinzen des Römischen Reiches (3). Römische Erntewerkzeuge: II. Mähmaschinen. Oberriexingen 4, 1975-

O. Roller

Die Landwirtschaft in den Nordprovinzen des Römischen Reiches (4). Römische Erntewerkzeuge: III. Baum- und Rebmesser. Oberriexingen 5, 1976.

W. Czysz

Römische Gutshöfe (i). Oberriexingen 6, 1977.

W. Czysz

Römische Gutshöfe (2): Die Hofanlage. Oberriexingen 7, 1977.

U. Körber-Grohne Pflanzenanbau auf römischen Gutshöfen. Oberriexingen 8, 1978.

Karte mit den im Text genannten Grabbauten 43