Christa Wolfs Medea: Voraussetzungen zu einem Text. Mythos und Bild 978-3928942539

Medea, die »guten Rat Wissende«, gehört zu jenen mythischen Gestalten, die von der Überlieferung je nach Bedarf umgedeut

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German Pages 196 Year 1998

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Christa Wolfs Medea: Voraussetzungen zu einem Text. Mythos und Bild
 978-3928942539

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Christa Wolfs Medea Voraussetzungen zu einem Text Mythos und Bild

Kindsmörderin wird Medea erst bei Euripides, im 5. Jahrhundert v. Chr., davor gibt es schon eine vielhundertjährige Geschichte von Quellen, in denen Medea zuallererst die Göttin, dann die Priesterin, Heilerin, die »guten Rat Wissen¬ de« ist - das bedeutet nämlich ihr Name. Wir sollten uns fragen, warum wir sie als böse, wilde, mörderische Frau, als >Hexe< brauchten, die man verfolgen und ausgrenzen muß. Das ist es doch, was wir alle von ihr wissen. Sie gehört zu jenen Gestalten, an denen die Über¬ lieferung je nach Bedarf viel gearbeitet, viel verändert und umgedeutet hat. Das Bedürfnis des Patriarchats nach Abwer¬ tung weiblicher Eigenschaften, dessen Wurzel die Angst ist, hat im Verlauf von Jahrtausenden gerade diese Figur in ihr Gegenteil verkehrt. Mir war klar, daß sie bei mir keine Kindsmörde¬ rin sein könnte - nie hätte eine noch von matriarchalen Werten beeinflußte Frau ihre Kinder umgebracht. Dann fand ich - unterstützt durch Wissenschaftlerinnen - den Zugang zu den frühen Quellen, die meine Ahnung bestätigten. Das war ein freudiger Augenblick. Christa Wolf

Christa Wolfs Medea

Christa Wolfs Medea Voraussetzungen zu einem Text Mythos und Bild

Herausgegeben von Marianne Hochgeschurz

Gerhard Wolf Janus

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Thomas J. Bata Library

TRENT UNIVERSITY PETERBOROUGH, ONTARIO

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Diese Publikation erscheint in Korrespondenz zu dem »Medea«-Ausstellungs-und Lesungs-Projekt vom 23. Februar bis 27. April 1997 im FrauenMuseum in Bonn, das vom Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und anderen gefördert wurde.

ISBN 3-928942-53-0 Erste Auflage 1998 Copyright für alle Beiträge dieser Ausgabe © by Gerhard Wolf Janus press, Berlin Umschlag nach einer Grafik von Martin Floffmann Fotos

Christine Behrendt, Bonn: S. 136-144, 159, 161, 164 u., 168-171; Ulli Steinmetz: S. 147-158; Andrea Simon: S. 172-174; Arwed Messmer, Berlin: S. 176-177; Jürgen Nogai, Bremen: S. 178-181; sonst Archiv des Verlages Schrift rotis antiqua, rotis semigrotesk Layout Martin Hoffmann Repro Druckhaus Galrev, Berlin Gesamtherstellung Offizin Andersen Nexö Leipzig

Inhalt Marianne Hochgeschurz

5

Erwünschte Begegnung

Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Notate und Gespräche Christa Wolf

11

Von Kassandra zu Medea

Christa Wolf

18

Tagebuchnotizen vom Juli und vom 11. November 1991

Margot Schmidt

20

Brief an Christa Wolf vom 30. Oktober 1991

Christa Wolf

21

Brief an Margot Schmidt vom 19. November 1991

Christa Wolf

22

Brief an Heide Göttner-Abendroth vom 13. Oktober 1992

Margot Schmidt

26

Brief an Christa Wolf vom 8. November 1992

Heide Göttner-Abendroth

30

Brief an Christa Wolf vom 11. März 1993

Margot Schmidt

34

Eintrag >Medea< im Lexicon Iconographicum Mythologiae Classieae

Gerard Seiterle

37

Artemis - Die große Göttin von Ephesos

Christa Wolf

38

Tagebuchnotizen vom 28. Oktober, 7., 11., 19. November 1992

Christa Wolf

40

Notate aus einem Manuskript 1993

Christa Wolf, Petra Kammann

49

Warum Medea? - Gespräch

Christa Wolf

58

Gespräch nach der /Wedeo-Lesung im FrauenMuseum in Bonn am 23. Februar 1997

Paul Dräger, Christa Wolf

64

Ein Nachtrag

Essays und Aufsätze Margaret Atwood

69

Zu Christa Wolfs Medea

Rita Calabrese

75

Von der Stimmlosigkeit zum Wort

Annette Kuhn

94

Sie spricht mit ihrer eigenen Stimme Medea bei Christine de Pizan

Anke Brunn

104

„... daß die Menschen ohne Angst verschieden sein können I" Gespräch über die Lektüre von Medea

Anna Chiarloni

111

Medea und ihre Interpreten

Anita Raja

120

Worte gegen die Übel der Welt Überlegungen zur Sprache von Christa Wolf

Arbeiten von bildenden Künstlerinnen und Künstlern 129

Medea altera - Eine Ausstellung im FrauenMuseum in Bonn

135

Medea altera - Eine Graphik-Mappe

Günther Uecker

145

MEDEA - 12 Radierungen

Angela Hampel

159

Medea-Projekt-Raum

Ines Geipel

165

Sigrun Hellmieh

Medea als Bild? - Gerda Lepkes Offsethanddruckbuch ZEICHNUNGEN ZU MEDEA

Gerda Lepke

168

Aquarelle zu Medea

Andrea Simon

172

Lithographien

Christine Dewerny

175

Skulptur Maske der Medea

Helge Leiberg

176

Zwei Blätter

Helga Schröder

178

Bilder und Projekte

Frank Reinecke

182

Zeichnungen zur Leipziger Inszenierung von Medea

186

Die Autorinnen und Autoren - Textnachweise

Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from Kahle/Austin Foundation

https://archive.org/details/christawolfsmedeOOOOunse

Marianne Hoehgesehurz

Erwünschte Begegnung Vorwort

„Wohin mit mir. Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen würde. Niemand da, den ich fragen könnte.“ Diese Schlußsätze von Christa Wolfs Medea, Fragesätze, die doch keine Fragezeichen tra¬ gen, für mich sind es Schlüsselsätze der >anderen Medeac Sind sie wie es auf den ersten Blick scheinen mag - Ausdruck eines resignativen Am-Ende-Seins der »wilden Frau