Ost- und West-Preußen, Polen und Litauen, Galizien und Lodomerien, Ungarn, die denselben einverleibten Reiche und Siebenbürgen, die Republik Ragusa und das Osmanische Reich, [8 ed.]

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Ost- und West-Preußen, Polen und Litauen, Galizien und Lodomerien, Ungarn, die denselben einverleibten Reiche und Siebenbürgen, die Republik Ragusa und das Osmanische Reich, [8 ed.]

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Cardulto

Umynghn

Matilu

D. Anton Friderich Büſchings Sthalat. preuß. Oberconfifforialraths, Directors des vereinigten Berlina und Eólniſchen Gymnaſiums iin grauen Siloſter zu Berlin , und der davon abhangenden beyden Schulen

Erdbeſchreibung

Zweyter

Theile

welcher Dit-und Weft Preußen , Polen und Litauen, Galizien und Lodomerien , Ungarn ,

die dens

leiben einverleibten Retcheund Siebenbürgen, die Republik Raguſa

und

das

osmanſche

Reich , enthält. 1

Xhte rechtmåßige Zuflage. Dit Komi. Statleri. u. Churf. Sachf. mie auch der Hochlddi. Eidgenoffenico. Zürich G , larus , Baſel , Appenzell und der löbl. Reichstadte S.Gallen , Mühlbauſen und Biel , Sreybeiten. bamburg, bey Earl Ernſt Bohn . -1788

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M 4 у

23 24

1 T .

Borrede.

Jiefer zweyte Theil , þat bisher die zweyte Hälfte des erſten Theils meiner Erdbeſchrei. bung ausgemacht, und deswegen iſt die Geſchichte deſſelben mit in der Vorrede des erſten Theils ente halten. Alle Länder , die er beſchreibet , ſind neu bearbeitet, ja umgearbeitet worden , nicht nur , weil ich zu ihrer Beſchreibung neue Húlfsmittel erlanget habe , fondern auch , weil ſie zum Theil durch ihre Könige eine neueEinrichtung bekommen haben. Das lekte giltvon Galizien und Lodomerien , von Ungarn und Siebenbürgen, die nun eine ganz andere Verfaſſung haben, als diejenige war, nach der ich ſie in der ſiebenten Ausgabe meines Werks beſchreiben mußte. Sie zu erfahren und anzus bringen , hat mir unſäglich große Mühe gemacht, und doch kann ich nicht glauben , daß ich bei der Umſchmelzung alles rechtgetroffen habe . Von Polen habe ich aus Warſchau, von einem gütigen Freunde, eine Bandſchriftliche Topographie geſchen tet bekommen , die der Grund zu einer ganz neuen Beſchreibung deſſelben ſeyn tann , und vollſtändig in dem zwer und zwanzigſten , und drey und zwans sigſten Theil meines Magazins für die neue His Ich ſtorie und Geographie , abgedruckt wird . angele ånlich gentlichſte, daß ich eine e wünſche aufs Topographie vondem Großherzogthum Litauen erlangen möge . Der gröfte Theil des unmittels baren osmanſchen Reichs hat nur viele Verbeſſe : rungen und neue Zuſäße bekommen, aber die unter deffelben Souß ſtehenden Lånder , ſind ganz ums gear

gearbeitet worden Solltees der ruſſiſchen Kala Terinn Katharina der zweiten , und dem römiſchen Kaifer Joſeph dem zweyten in dieſem Jahre nach Wunſch gelingen , ſo wird die osmanſde Regida rung in Europa ganz aufberen.

Gott iſt es , der

den Völkern die Gránzen ifjrer Wohnung und Herrſchaft ſeket, und die Menſchen ſind nur ſein Werkzeug, die er dazu gebrauchet; Jøm übers laſſe ich auch als Erdbeſchreiber, die Geographie von Furopa zu verändern nach ſeinem Wohlges failen. In Anſehung der Vergroſſerungs . Enta würfé der Menſchen , bin ich überzeuget,

daß fie

nur gelingen , in ſo fern ſie zu Gottes Plan gehis ten , und dieſer wird uns nicht zum Voraus mit getheilet , ſondern wir erkennen ihn erft aus dem Erfolg. Die Osmanen ſind in Europa das neueſta aus Aſia gekommene Volk ; ſie können auch gróa ſtentheils wieder dahin zurückkehren , und daſelbſt bely politiſcher Klugheit in einem engern Länderum . fang glücklicher ſein , als in Europa. Ich wuna ( che ignen bloß um deswillen eine geſunde Zurücka reiſe dahin, damit die vortreflichen Länder, diellie ſeit Jahrhunderten in Europa beſißen , beſſer be arbeitet und eingerichtet , und zur gröſſern Aufs nahme der ſchonen Künſte und der Wiſſenſchaften mehrere Ueberreſte der griechiſchen Kunſt und Ges lehrfamkeit an das Licht gezogen , auch zum wah . ren Nußen des menſchlichen Geſchlechts gebrauchet werden mögen .

Berlin am 2. Febr. 1788.

Bifeing .

1

Pas

Sonigreitygareusen,

!

A2

மான்

4

Das

Königreich

Preußen.

$. 1. Jaſpar Sennebergers Charte von Preußen überhaupt , welche 1576 zuerſt , hernach $ 1638 und 1656 abermals ang lidit getreten, iſt die erſte brauchbare Charte von dieſem lande, wel. che Janſſon, Dankert , de Wite , Difficher , Schenk , Somann , Seutter , und Cantelli, nachgeſtochen Kaben . Weit beſſer iſt diejenige , wel . che I. C. Rhode für die königliche Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin auf einem kleinen Bogen gezeichnet hat , denn ſie iſt aus des Enderſch und Es hat Suchodolez. Eharten zuſammen gezogen, nämlich Joh. Friedr. Enderſity 1753. 55 und 58 , von dem ehemals ſogenannten polniſchen Preuſe ſen, jeßigen Weft- Preußen, auf 3 Bogen eine Charte herausgegeben , und unterm K. Friedrich Wilhelm find beſondere Charten von dem Königreich Preußen aufgenommen worden , aus welchen der Ober. Leich . Inſpector von Suchodoles, auf königl. Befehl, 1733 eine zwar nicht fehlerfreye , aber doch im gars zen wohlgerathene allgemeine Charte verfertiget hat, welche die königl. Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin 1763 auf 5 Bogen ans Licht geſtellet , auch ei. nen ſchon von M. Lilienthal zum Stich gelieferten Grundriß von Königsberg, von neuem mit einigen Verbeſſerungen in Kupfer ſtechen laffen , und als den ſechſten Bogen der Eharte beygefüget hat.

Die ſu . chodo .

Einleitung.

5

chodoleßiſche Charte iſt auch auf 4 Bogen gebracht, und 1764 zu Königsberg von Sauerbrey in Kupfer geſtochen , aber nur in wenigen Abdrücken befanne Sonſt iſt nichts merkwürdiges von Preuß ſen erſchienen , und die Charte von dem preußiſchen worden .

(itauen , welche der Sandbaumeiſter Betge 1733 auf 2 großen Bogen durch die homanniſchen Erben aus. gegeben hat , iſt faum der Anführung werth. . 2. Preußen iſt theils mit der Oſtſee , theils mit andern Ländern umgeben : denn gegen Norden iſt Sdamaiten ; gegen Often die Woiwodſdiaft Tror im Großherzogtyum Sitauen , und Podlachien in Po. len ; gegen Süden Polen , und der fån. preußiſche Neşe Diſtrict; und gegen Weſten und Nordweſten, Pom . mern und die Oſtſee. Die Große des ganzen Reichs , nach dem Umfange, den es ſeit 1772 hat , betråge ungefähr 1212 geographiſche Quadratmeilen , und mit dem Nekdiſtrict, 1384. Dit- Preußen enthält 1100000 Sufen Sandes , ohne die Seen. 9.3. Was die Luft und Witterung anbetrift, ſo iſt ſie , wie in allen an der See gelegenen Låndern, ſegr veränderlich : die häufigen Winde aber reinigen die Iuft. Die Monate May, Junius, Julius und Auguſt, pflegen warm und angenehm , auch zuwei. len ſehr heiß ; hingegen der Herbſt pfleget oft nebe. liát, naß und unangenehm , und der Winter ſtrenge zu ſeyn ; wiewohl er auch alsdenn gute Schlittenbahn verſchaft , und alfo Handel und Wandel erleichtert. Gicht und Steinſchmerzen ſind hier zu lande gewöhn. licher, als der Scharbock. 9. 4. Das Land iſt größtentheils eben, die ofte umb (åbliche Seite aber iſt bergicht, gat große Wal. ber , 23

6

Das Königreich Preußent.

In diefer Gegend dei, und ungemein viel Sandfeen . entſpringen aud) die meiſten Flüfte , welche das Land Der Erdboden iſt faſt allenthalben durchſtromen . feßr fruchtbar an Weißen , Roggen , Hafer, Buch . weißen , Hirſe, Erbſen , Flachs, Hanf, Hopfen , Tabac , Gartengewächſen und Weide ; hingegen hat man nicht ſo viel Obſt , als man winſchet, daher vieles eingefügret wird.

Die Schwadengrüße, oder :

das ſogenannte Manna , wird vom Graſe in großer Die Viehzucht iſt wichtig ; in. Menge geſammlet. Die fonderheit die Pferde- und Kornvieh . Zucht. Luer Ochſen ſind von Wilddieben ausgerottet worden ;

2

hingegen wilde Schweine , Hirſche und Elanthiere find häufig ; es giebt auch andere eßbare und uneßbare wilde Thiere , unter welden Båren ſind, und vieler . Außer den Seefiſchen , als ley wildes Geflügel. Stören ,

( aus deren Rogen Caviar bereitet wird ,)

Pomocheln, (welche, wenn ſie eingeſalzen ſind, Dor . ſche genennet werden ,) Schollen , Butten und Flins dern , giebts in den Flüſſen und Landſeen mancherley Fiſche, welche zum Theil aus andern Ländern hieher gebracht worden find ,

und ſich vermehret haben.

Man hat viele Bienen, und alſo auch vielen Honig. Die Wälder find beträchtlich , und liefern Bau und Brenn Holz , Holzkolen , Harz und Potaſche ; die Eidhen nehmen aber ab. Man ſticht an einigen Dr. ten Torf, und an andern gråbet man Steinkolen . Der Bernſtein, (welcher Namevielleicht aus Brenn . ſtein entſtanden iſt ) wird nirgends in ſo großer Men . ge, als am Strande der tree im Königreich Preuf. ſen , und infonderhelt an den ſamländiſchen Küſten , gefunden , auf welche er bey heftigen Nord- und Weſte Win.

>

Einleitung .

2

Minden von den Wellen geworfen , auch aus den Sandhugeln an der See gegraben wird. Er gehöret zu den feſten Erdharjen , iſt durchſichtig und insge. mein gelb ;

der weiße aber wird für den beſten und

feltenſten gehalten.

Daß er flüßig geweſen , iſt dar.

aus klar , weil man Blåtter , Mineralien , Fliegen , Spinnen , Mücken, Umeiſen , Fiſche, Froſche, Geo würme,

Tropfen , Holz und Sand barinn antrift.

Er gehöret unter die Regalien , und man ſammelt jährlich für 16 bis 18000 Thaler. lerley kleine Sachen daraus .

Man bredvſelt ale

Frid. Sam . Bock hålt

ihn für das Harz der Bäume eines großen Harzwal. des, der eşemals da geſtanden habe, wo jest die Dſt. ſee ift. Eiſen. Erde iſt häufig vorhanden. J. 5. Folgende Flüſſe ſind die vornehmſten . 1 ) Die Weichſel, welche eigentlich bey Polen beſchrieben werden muß . Es fondert ſich von derſel. ben ein {chiffbarer Arm ab , welcher die Togat ge. nennet wird , und in das friſche Haf geket. Ueber die Weichſel hat König Friedrid) Wilhelm I, 1734 un. weit Marienwerder, eine Fähre anlegen laſſen , wela dhes die Polen vorher nicht verſtatten wollten . 2) Der Pregel, vor Alters Prigora und Pregolla, entſtehet ben Georgenburg aus der Vereinigung der Inſter, welche im Amte Uſchpiaunen ihren Urſprung þat, und der Angerappe , welche legte aus dem Maurſee bey Angerburg kommt, und bey Stobingen die Piffe aufnimmt. Der Pregel nimmt die Alle ben Behlau , und die Deume oder Deine bey Ta . piau auf , und theilet fich ungefähr 11 Mcile über Königsberg in zwen Arme, von welchem der rechte der alte, der linke aber der neue, oder narangiſche Dre. gel 24

8

Das Königreich Preußen.

gel genennet wird.

Dieſe beyden Arme fommen in

Königsberg wieder zuſammen , umfließen den Kneip. hof, Vereinigen ſid ), und ergießen ſich eine Meile von der Stadt mit zwey Mündungen ins friſche Haff. Der Fluß iſt von Inſterburg an ſchiffbar. 3) Die Jemel oder Můnimel, bey den Alter Chromus , auf polniſch Diemen oder Demonin , tómmt aus dem Großfürſtenthum Litauen , und ent. ſpringt bey Slonin .

Sie - nimmt die Scheſupe ,

Juhr und Tilſe auf ; hat ein zum Theil hohes und fruchtbares Ufer, verlieret zwey Meilen unter Tilſit ihren Namen ,

und fließet in zwer Haupt: Urmen ,

von welchen der nördliche die Ruſſe, und der ſüdliche die Gilge heißet , ins curiſche Haff. Jhr Sauf mee chet in Polen an 10 , und in Preußen 13 Meilen aus . 4 ) . Die Paffarge, welche bei Hohenſtein ent . ſpringet , und ſich nach einem {auf von 15 Meilen bey dem Kirchdorf Paffarge ins friſche Haff ergießet. 5) Die Alle, welche in Ermeland ihren Urſprung þat , und nach einem ſauf von 22 Meilen bey Beha lau in den Pregel fließet. Dieſe Flüſſe pflegen ſich zu gewiſſen Jahrszeiten und ben Sturmwetter gewaltig zu ergießen . Außer dieſen fiſchreichen und zum Theil ſchiffbaren Flüffen , Hat das Land noch andere große Gewäſſer , welche theils

eine

große Menge Fiſche

liefern ,

theils

dazu dienen , daß die Städte durch die Schiffahrt Werkehr mit einander haben können . Man rechnet vieher vornehmlich folgende. 1) Das friſche haft . ( eigentlich Sav , das iſt, See,) Sinus oder Lacus Venedicus, iſt 1 bis 3 Mei . len

5

Einleitung. len breit und 12 lang , hånget ber Pillau mit der Ort. fee zuſammen, welche Meerenge man das Gatt nens net , iſt aber fonſt von derſelben durch einen ſchmalen Strich Landes von derſelben abgeſondert , welcher die friſche Verung heißet , und 1190 bey einem lange anhaltenden Sturm und Ungewitter entſtanden renn foll.

Das Hatt iſt & Meile breit und 13 Fuß tief ;

das friſche Haff aber iſt nicht einmal ſo rief, als der Pregel, daher große und ſchwer beladene Schiffe nicht darauf gehen können , ſondern zu Pillau ausges laden werden müſſen.

In das friſdie Haff ergieffen

fich die Nogat, alte Weichſel , Paffarge, der Pre . gel, die Elbing, Huntau, Jafte und andere kleinere Flüſſe. In demſelben iſt inſonderheit ein anſehnli. dher Storfang. 2) Das curiſche Saff, Lacus oder Sinus Curó ..

nicus, von ſeinen ehemaligen Anwohnern den Curen , fo genannt, iſt dreyzehn Meilen lang, und bis ſechs Meilen breit , wird durch die curiſche Verung, , das iſt , Fichtenvorges auf eſthniſch Wendánicmi birge, beym Plinius, Mentonomon ,) von der Oſt. free geſchieden , hånget aber mit derfelben bey Memel zuſammen , woſelbſt die Meererge & Meile breit und Es hat Sandbånke und Unriefen , und es ereignen ſich oft gefährliche Stürme auf dem.

19 Fuß tief iſt.

Die Ufer find faſt allenthalben von Fiſchern bewohnet, die noch jeſt Curen genennet werden .

felben .

Es nimmt die Deine , Gilge, Ruſle, Minge und Dange auf. Der Landſeen , die 1 , 2 bis 8 Meilen in die Långe, und 1 bis a Meilen in die Breite betragen , iſt eine große Menge; und die größten ſind der Spits 25 dings.

Das Königreich Preußen .

10

dingsſee, der angerburgiſche, reiniſche und ter Drauſenſee. Es ſind auch einige Ranále angeleget worden , welche den Handel befördern. Dieſe ſind 1) Die neue Gilge , welche ben {appienen an .

fånget, und ſid) ben Skopen im Fluß Gilge endiger. Sie wurde 1613 angefangen , und 1616 zum Stande Die 1778 ausgegrabene neue Gilge iſt gebracht. ein geraumer Canal. 2) Die neue Deine , welche beym fönigl. Vor . werk Sdımerberg anfånget , und in gerader {inie bis Tapiau for :gehet , wo ſie ſich mit der Pregel vereini. niget.

Sie iſt 25 Meile lang.

3) Der kleine Friedrichs Graben , fånget un weit Rautenburg in der Gilge an , gehet ben Petrifen

13

in den Fluß Nemmonin , und iſt eine Meile lang . 4) Der große Friedrichs -Graben , fånget in der Wippe , die ein Arm des Fluſſes Nemmonin iſt ,

an, und gehet ben Sabiau in die Deine , und ift 3 Mei. Bende Friedrichs - Graben hat eine ver . len lang. witwete Gråfin Truchſes 1688 angefangen und 1696 geendiget; ſie gehören aber ſeit 1713 dem Könige. 9.6 . Das Königreich Preußen beſtehet feit 1772 aus zwen Daupttheilen, welche Oſt. und Weſt. Der leßté hat dieſen Preußen genennet werden. Namen 1773 bekommen , es iſt aber von demſelben Ermland ju Dit .Preußen , und von dieſem der Mai rienwerderſ. Kreis zu Weft. Preußen geſchlagen worden. Dit.Preußen hat 67 Städte , 121 kön .Demter, 350 Kirch . ſpiele, Weſt. Preußen und der Negdiſtrict 9o Städte, und 71 Fönigl.Zemter. Obgleich die Einwohner von ſeỹr verſchiedener Ankunft ſind, ſo machen doch die eigento lichen ,

>

II

Einleitung.

lichen Preußen , welche von den Deutſchen Herffam . men , auch einerler Spradle und Sitten mit ihnen haben , und zu welchen aud) alle deutſche Coloniſten gerechnet werden können ; die Litauer , welche Nach. kommen der alten Schalauer und Nadrauer ſind , und in der Sprache und lebensart mit den Einwoh. nern des Großherzogthumes Strauen überein kommen ; und die Polen , welche theils von den alten Sudau. ern , theils von Polen neuerer Zeit , berſtamnien , die 3 Hauptnationen , die Franzoſen, Engländer und Holländer der kleinſte Cheit der Einwohner aus. In Preußen ſind aud) Juden.

Man hat 1775 gezählet 1. In Dit.Preußen 1 ) im deutſchen Departement 2 ) im litauiſchen Departement

434206 Menſchen 341123

785329 2. Jn Weſt, Preußen 1 ) in dem eigentlichen Weft-Preußen 3 19281 ) in Ermland 97015

416296 Alſo in dem ganzen Königreich

1,202625 Menſchen .

Von den neuen Anbauern , welche ſeit 1719 nach Klein , Litauen geführet worden ſind , Nachricht folgen .

wird unter

Von 1700 bis 1755 iſt in Oft: Preußen die An. zahl der jährlich Gebornen von 24092 bis 28992, und der Geftorbenen von 14574 bis 19154 geſtiegen. 1756

12

Das Königreich

Preußert.

5756 waren der gebornen 2933 1 u . d. geſtorbenen 19574 21441 29937

1761

1767 1768

32125 31371

23558

1769

31406

1773 1771

31257 31075

17263 21453

1773 1773

29085 29677

1774 1775

31516

1776

30239 32448

1779 1778

31523

19413

23468 20248 23052 92130 27153 26806 30733

33027

29625

34593

21057

1779 1780

36757

1781

22455 36399

1782

37423 34823

1783 1784

34526 37174

1785 1786

36608

5

1774 1775

1776 1777

36430

29304 25905 22130 25922 27802

gn Weft.Preußen waren der geſtorbenen der gebornen 16984 22761 33366 21715 21178 21891

22366 271IO

23664

1779 1780

24839

27182 16350

24979

14578

1781

25980

48154

1778

1782

1

Einleitung.

ber geborneo

782

23546

1783 1784 1785

24158 27134 2601

1786

25559

13

der geſtorbenen

19904 16661 15669 14949 16106

Der Udel in Oſt-Preußen, beſteħet größtentheils aus deutſchen Familien ; doch führen auch einige we nige von den älteſten Zeiten aus Preußen, Polen und Liefland, ihre Abſtammung ber,

2ußer den Herzo,

gen von Holſtein , und den Fürſten von Anhalt. Delo fau, welche Güter biefelbſt haben , ſind darinn fole gende gräfliche Familien, (theils alte, theils 1786 new erhobene) angeſeffen , nåmlich : Dobna , Dönbof, Dzialinfti auf Flator und Patoſia ( ſeit 1786 ) Eglofftein , Eulenberg, ( bende feit 1786) Sinkena ſtein , Golz auf Grabionef und Walbruch , Gra. bowſki, Gröben , Grodzinſfi auf Chodjefen, Kalnein , ( alle 5 ſeit 1786 ) Kaiſerling , Kreuz, Krockow , ( ſeit 1786) Lebudorf, Lotrum , mis elczynſki, auf Gollan ( ſeit 1786 ) Schlieben , Sdwerin , Seegut, Trud fes , Waldenburg, und Wallenrodt. Zu den fremherrlichen Familien gehören Soderbeck, Ritlis, Königseck, Schro . ter und andere; zu den adelichen , eine beträchtliche Anzahl. Ju Weſt- Preußen beſtehet der Abel aus deutſchen und polniſchen familien . Die Unterthanen auf den adelichen Gütern , find erbunterthänige Leute , doch giebt es auf denſelben auch ſolche Leute , welche jwar , ſo lange ſie auf den adelichen Gütern wohnen, unter derſelben Gerichtsbarkeit ſtehen , übrigens aber freye

14

Das Königreich Preußen .

frene Leute ſind. Die Bauern und Unterthanen in den fönigl. Domainen , Hemtern in Dt . Preußen , find zwar zu Scharwerf und Dienſten ber den Vors werfen verpflichtet, aber 1719 von der Leibeigenſchaft frey geſprochen worden, doch gehören ihnen die Güter nicht eigenthümlich zu . Die ſämmtlichen Coloniſten ſind freye Leute. Alle adelide und unadelicte Lebin . Gürer in Oſt. Preußen , find 1732 , gegen Erlegung einer jährlich zu entrichtenden Geldabgabe, (welche der Allodifications , Canon heißet, ) für Allo . dial. und ErbsGüter erkläret worden . Die adelichen Güter ſind von allen Servis, und Fourage.Geldern, und von der Natural Fouragen Lieferung für die Reu. terey frey, ſtehen in Juſtizſachen unter den Ober.lan des, Juſtiz, Collegien, und in Cameral:Sachen erhal. ten ſie die Verfügungen durch die (andråthe der Kreis re.

Die hohen und niedern Gerichte , Jagden und

Fiſcheren innerhalb ihrer Grånzen , die Brauerey und Brantewein- Brenneren für ſich und ihre Leute, die Befreyung von allem Scharwerke , Burg . Dienſten , Mühlen Paß und Geſpann Fuhren , und noch einige andere Rechte und

Freyheiten , haben ſie nicht aus .

ſchließlich, ſondern dieſe ſind auch unterſchiedenen nicht adelichen Gütern verliehen. Die Dörfer beſtehen aus wirklichen Bauern und deferleuten ; doch giebt es Die Fles auch einige Strand- und Fiſcher. Dörfer . đen und Marktflecken ſind von Dörfern nur dar . inn unterſchieden, daß ſie einige mehrere Handwerker, als ſonſt auf den Dörfern verſtattet werden , aufneh . men , auch kleine Kråmeren und einige bürgerliche Nabrung treiben, Jahr- und Wochen Märkte halten dürfen. Die Städte ſind entweder unmittelbare, ( imme

.

Einleitung ( immediate) oder mittelbare (mediate ).

15 Jene ha.

ben iøre eigene Magiſtråte, welche die Gerichtsbarkeit über ſie ausüben , und von welchen an die Dberge richte appelliret wird. Die mittelbaren Srådte , ſten hen unter der Gerichtsbarkeit eines fönigl. Domainen . Amts, oder eines Sehnsherrn , der auch ein Antheil an den Rimmecen . Gefällen hat. Einige adeliche mediate Städie haben ein eigenes Stadtgericht, ihre Sehnsherren aber präſentiren die Richter, und an dieſelben ergehet auch die Appellation in Sachen über jehn Thaler.

In Finanz. Polizey- und Hantels .Sau

chen, ſtehen alle und jede Städte unter den Kriegs. und Domainen- Kammern . Die Stånde in Oſt-Preuſ. fen , beſtehen aus den Herren, dem Adel und den Städ. ten . Der lekte Landtag iſt 1740 gehalten worden. Bis 1772 wurden in Weft . Preußen die landſtånde in geiſtliche und weltliche, und die lebten wieder in adeliche und bürgerliche abgetheilet, und aus denſel. ben beſtund der Sandrath. Dazu gehörten 2 Biſchofe, 3 Woiwoden , 3 Kaſtellane , 3 Unter - Kammerer, 3 große Städte , und 27 kleinere Städte. Die außer. ordentlichen Landtage theilten ſich in die kleinen und in den gemeinen. Dieſe Verfaſſung hat aufgehöret $. 7 Die meiſten Einwohner, find evangeliſch , lutheriſch).

Weil unter den oft,preußenſden Colos

niſten biel Reformiere geweſen , ſo haben dieſelben nicht nur in Ståbten , als zu Königsberg, Memel, Infterburg, Gumbinnen 2c. fondern auch auf einigen Dörfern , ihre eigenen Kirchen erhalten , und an an . dern Drten halten ſie ihren Gottesdienſt mit in der Kirchen der Lutheraner . Die Römiſch, Extholis fchen haben in Dít.Preußen nur eine Kirche in KS. nigs.

16

Das Königreich Preußen .

nigsberg , eine bey Tiffit, ferner die ſogenannte het. lige Marienlinde , und einige auf den Dörfern . ' Es giebe nuch zu Königsberg einige wennoniren , mehrentheils aber katten ſie ſich im Amt Tilſit auf ,

1 und an der polniſchen Grånje ſind aus Polen vertries bene Unitarier , welche ſich im vorigen Jahrhune dert hieſelbſt niedergelaſſen haben : und obgleid) in dieſem Jahrhundert Befehlgegeben worden , daß fie das Land råumen ſollten ; ſo blieben doch einige Fas milien heimlich da, und wurden geduldet , fekten ſich auch nach und nach auf den Dörfern Ruben und Una dreswalde in den Beſik der Musübung des öffentli. dhen Gottesdienſtes. 1776 erlangte die unitariſche Gemeine zu Andreswalde, welche allein übrig gee blieben , die fonigliche Erlaubuiß , ihrem gottes. bienſtlichen Verſammlungehauſe auch die äußerliche Geſtalt einer K'irche zu geben . · Zum erſten Biſchof von Preußen , iſt Chriſtian 1215 gemacht worden. Biſchof Wilhelm theilte das geſammte Preußen in 4 Bisthümer ab , die nadıgebenbs das culmiſche, ermlandirde,

famländiſche und pomeſaniſche genen

net wurden , und unter dem Erzbiſchof zu Riga ſtun . ben . Als das land ſeculariſiret ward , råumte Markgraf Albrecht das meiſte von Preußen dem po. mefaniſchen , Samland aber und die Gegend um Seheſten in Natangen , dem ſamlåndiſchen Biſchof zur Aufſicht in geiſtlichen Geſchäfften ein . 1587 wur . ben bende Bisthümer aufgehoben , und das fam . låndiſche und pomeſaniſche Conſiſtorium er . richtet, jenes zu Königsberg , dieſes zu Saalfeld. Diefen fügte König Friederich Wilhelm das Genes ral. Kirchen

und Saul - Collegium , oder die beſtån.

Das Königreich Preußen. beſtändige Kirchen , und Schul . Commiffion ben , infonderheit die Kirchenrechnungen unter .

welche

ſud te. Die Verfaſſung des jeßigen einzigen Conſie ſtoriums ju Königsberg , wird hernach beſchrieben Jest ſind die gefammten lutheriſchen werden . Kirchſpiele in Oſtpreußen unter 28 Ergprieſter oder Inſpectores dertheilet.

In Weſt : Preußen find

die meiſten Einwohner der rómiſch Farholiſdien Šir. che zugeshan , und die erſten kirdzlichen Perſonen find Die Lutheraner haben nur 68 Kire zwey Biſchofe. den und Gemeinen , welche unter fechs Kirdjeno Inſpectoren ſtegen . §. 8. Zu Königsberg iſt eine Univerſitåt, eben baſelbit find auch 3 große Schulen , und das ſogee nannte Collegium Fridericianum , in den oſtpreußia fchen Stådten Saalfeld , { yf und Tilſit find Pro. vinzialſchulen , und zu Ragnit, Ungerburg , Ray ſtenburg, Weblau , {abiau , Holland , Memel, Pilfallen, Wilenberg und Darkehmen , ſind auch fogenannte lateiniſche Schulen. Alle dieſe genann. ten Schulen ſtehen unter der Aufſicht des oſtpreußie fchen Conſiſtoriums, die übrigen Schulen fordobl in den kleinen Städten als auf dem platten lande , find einer Special Rirchen ; und Schul -Commiſ ſion , welche zu Königsberg ihren Sig hat , unter: geben. Erſt in den legten Regierungsjahren K. Friderichs des zwenten , iſt das Schulweſen in Dito preußen beffer eingerichtet worden . Vorher waren unter den Polen und Litauern viele Dörfer, in wel. then niemand etwas geſchriebenes leſen konnte: fele der Vermehrung und Verbeſſerung der Landſchulen aber , findet ſich wohl fein 2 96.8

Ort, an welchem die Schule

18

Das Königreich Preußen .

Schulkinder nicht die eingehenden Verordnungen ler fen fonnten . Als 'bas Schulweſen auf dein platten Sande eingerichtet war , erfolgte 1743 ein fönigl. Res glement wegen Erhaltung derſelben in beſtändiger Drdnung . Unterm 21 Nov. 1767 hat der Kriegsrath Balthafar Philipp Genge, Beſiger der Graventhin fchen Güter , fein Vorwerk Joelfen , 5 Meilen von Königsberg, auf ewig zu einem Fonds für ein Schule meiſter : Seminarium gewidmet , welches unter der Special Kirdyen- und Schul Commiſſion ſtehet. Die königl. Beftätigung dieſer Stiftung iſt am 13 Febr. 1772 erfolger. In Weſt: Preußen iſt zu Elbing ein lutheriſches Gymnafium .

In Schottland bey Dans

zig , und zu Bromberg , ſind katy . akad. Gymnaſia , und zu Culm ift eine katholiſche Academie . $.9. Die Manufacturen und Fabrifen werden

immer mehr verbeſſert, und höher getrieben . Es geo Hören dahin die Glas- und Eiſen . Hütten und Ham mer , Papier , und Pulver - Mühlen , Kupfer . und Meffing- Hammer, die Tud). Kamelotten- Tafelzeug. Leinwand- und Strumpf, Manufacturen. Preußen Hat zum See sisandel für ſich ſelbſt und für Polen und Litauen , eine ſehr bequeme Sage. Er wird nach und aus Königsberg , Pillau , Memel und Elbing getrieben , bey welchen Städten man einige genauere Nachrichten von demſelben aufſuchen kann . Won dem Handel der 3 erſten Städte , iſt nur hier das all. gemeine anzuführen ', daß 1772 - dahin, auf 1371 Selo ſchiffen für 2, 189, 425 Rthl . Waaren gebracht, und auf 1441 Schiffen für 3,637,963 Rthl. preußiſche, polniſche und litauiſche Waaren bafelbſt ausgeführet worden.

1780 betrug die Einfuhr auf 1488 Schiffen , 1,958

Einleitung.

19

1,958, 819 Rehl., und die Ausfuhr auf 1477 Schif Von Elbings Handel, rebe fen , 3,981, 432 Rthl. man die Beſchreibung dieſer Stadt an . Die einhei. miſchen litauiſchen und zum Theil polniſchen Waa . ren , welche an auswärtige Kaufleute verhandelt, und durch Schiffe ausgeführet werden , ſind, Maſte båume, Dielen und geſchnitten Holz, Theer, Weid , aſche, Pottaſche, Hirſch- und Elans.Håute , Jeder, Pelzwerf, Bernſtein , Wachs , Honig , Schwaden . grüße, Hanföl, Flachs, Hanf, Lein- und Hanf. Saa . men, Garn, Segeltuch, Borſten , Kirſd). und Elans. Geweihe und Klauen , Getreide , allerhand Grüße , Reģi, geräucherte Sachſe, Flindern , Dorſd ;e, Stó . te, Caviar , Meunaugen , eingefaljen Fleiſdy, Wůr, fie, Butter , Ealdı , Elansmark , Haſelhů net. für Preußen und das

Großherzogthum

Litauen werden wieder eingeführet , Wein , verſchiedenes Salg, Cevůrze , Ludhet , Seidenzeuge , Herin. ge, Zinn , Eiſen , Kupfer , Bley , Cabac , 34 der , Syrup , Reiß , Roſinen , Kaffe , Thee,

Mandeln, Indigo und Braſilienholz, Obſt, u.d.gl, überhaupt auf 1441 Sd iffen , für 3,637,963 Rehlr. Die preußiſden Geldforten ſind folgende : i preuß. Pfennig iſt eine eingebildete Münze , 6 gegen auf preuß. Stilling , 3 Schillinge machen i preuß , Groſchen, 3 preuß. Grofden 1 Důrchen, 6 preuß. Groſchen i Sectifer , 18 preuß. Groſchen : Acht Bebner , 20 preuß. Groſchen 1 Mark preußiſch , welches feine wirkliche Münze ift ; 30 preuß. Gros fchen I preuß. Gulden , welcher 8 ggr. ſächſiſdien Geldes gleidit, und 3 preußiſdie Gulden 1 Rryli, Ein brandenburgiſches a ggr. Stüd wird in Preuſ B fem

Das Königreich Príußen.

ſen ein Achthalber genonnet , weil es 74 preußiſcje Groſchen ausmacht. Das polnifde ( Beld beträgt

te e

nur ball fo viel , als das preußiſche; denn ein preufo fiſcher Schilling macit zwer polniſche aus , u . f. 10 . 1 polniſcher Trojack iſt ſo viel als i preuß . Důtchen . Von Danzig wird gemoechſelt auf Königsberg; von Königsberg aber wechſelt man auf Amfterdam . §. 10. Die älteſte preußiſche Geſchichre, laſſe ich ihrer Dunkelheit wegen unberühret. Unter den kleinen Wülfern , welche hieſelbſt gewohnt baben , ſind die Sudauer ,

Galinder und Scalavos

nier die vornehmſten geweſen. Der Name der Preu . Ben iſt erſt im jelinten Jahrhundert bekannt gewor . den , wird aber von den Alten auf mancherley Art, als Pruci , Prucci , Pruzi , Pruti, Brutii , Bruchii geſchrieben . Ehedefſen , als die Litauer in Curland, Schamaiten, u . einen öſtlid) an dieſen liegenden nicht breiten Strich Landes eingeſchränkt waren , gehörte

alles übrige land , welches nadimals den Situl Des Großherzogthums Litauen bekommen hat , zu Ruß . land , und alſo aud ) das Land an dem obern Shiß Niemen oder Memel : daher iſt ſehr wahrſcheinlich , daß , ſo wie Pommern von ſeiner Lage am Meer den Namen bekommen hat , alſo Poruſſia , oder Prutzia , das neben Rußland liegende , oder an Rußland grånende Land, bedeute . Die preußiſche Geſchichte klåret ſich etwas auf , als die polniſchen Könige , die heidniſchen Preußen zum oder Preuſſen ,

Chriſtenthum zu bringen ſuchten , und zu dieſem Boleslaus I Zweck die Waffen zu Hülfe nahmen . machte damit den Anfang , und züchtigte die Prei . Ben bafür , daß ſie 997 den Heiligen Adalbert oder Albred)

C

!

Einleitung

21

Albrecht umgebracht hatten , welcher ihr Lehrer reyn Seine Nachfolger hatten viel Handel mit wollen . ihnen ; und obgleich Boleslaus IV Preußen 1148 Im perwůſiete, ſo wurde er dod) 1163 geſchlagen. drengeanten Jahrhundert verwüſteten die Preußen Culm , Evjavien und Maſuren , ſo daß der maſovi. de Jerzeg Conrad die durch Freundſchaft ihm ver . wandten Fürſten um Hülfe anſprechen mußte , da denn diejenigen mit einem Kreuß bezeichnet wurden, welche gegen ſie , als Feinde des chriſtlichen Na. Meil aber alles mens , ju Felde ziehen ſollten. nichts half, ſo rief gedachter Herzog die deutſchen Kitter oder Kreuzherren zu Hülſe, daß ſie die Grán. jen vertheidigen ſollten , die 1230 das culmiſche und dobriniſche Gebiet zuerſt auf 20 Jahr , hernach auf edig bekamen , nebſt allen , was ſie ſonſt in Preuſ Dieſe brachten endlich mit fer erobern würden. Hülfe der Schwerdtråger das Land innerhalb 53 Japren unter ihre Gewalt, und die Ordensmeiſter Der nahmen 1309 ihren Siß zu Marienburg. Krieg mit den Litauern, foſtere auch viel Volt und Der Orden wurde zu übermüthig und grau.

Blut.

lam , verlor aber fein Anfehn mehrentheils , als er 1410 bey Tannenberg und Grünwald von den Polen én einer greulidhen dyladt eine große Niederlage 1454 fiel der größte Theil Preußens von den erlitt. deutſchen Rittern ab , und ergab ſich an den polni. fdyen König Caſimir IV . In dem dreyzehnjährigen grauſamen Kriege, weldier darüber entſtund, wurde . Vor demſelben gåhlte . Preußen gar ſehr verwüſtet. man 21000 Dörfer, nach demſelben waren nur 3013 Man gåölte auch nach nicht verbrannte, übrig. dem B 3

iz

Das Königreich Preußent.

dem Kriege 1919 wüſte Kirchen . Einige Hunderte tauſend Menſchen famen un . Endlich wurde 3466 ausgemacht, daß derjenige Theil von Preußen, wel . cher jest Weſt. Preußen heißet, als ein frener Reichs. ſtand , in des Königs Schuß , der andere Theil aber den Rittern und ihrem Hochmeiſter bleiben ſollte. Db ſich nun gleich dazumal der Drden verpflichten mußte, feinen noch übrigen Antheil an Preußen, von Polen zu ſehn zu nehmen : fo fuchte er doch nachher fich dieſer Sehnshandlung zu entziehen , welches ihm aber nicht gelingen wollte. Darüber kam es 1519 wieder zum Kriege , 1525 aber zu Krafau zum Fries Ben , in welchem der Markgraf Librecht aus einem Rochmeiſter ein weltlicher Herzog von Hinterpreußen ward , welches er von Polen zu Lehn nehmen mußte, aber durch Erbrecht auf ſeine månnlidhen Nachkom . men , und wenn dieſe ausgeſtorben , auf die Brů . der und deren månnliche Nachkommen bringen ſollte. Solchergeftalt nahm das Regiment der Ordensritter in Preußen , welches 300 Jahr gedauert hatte, ein Ende.

Der neue Herzog führte die Reformation in

feinem Sande ein , und ſtiftete 1544 die Univerſitat zu Konigsberg. Churfürſt Jochaim Friedrich brachte 1618 das Herzogthum Preußen an das Chur. haus Brandenburg, mit welchem es von der Zeit an beſtändig verknüpft gendeſen iſt. Georg Wilhelms Regierung fiel in die unruhigen und trůbſeligen Zei. ten des dreyßigjährigen Kriegs, in welchen Preußen von den Schweden ſeør viel litt. Sein Sohn , der machtige Churfürſt Friderich Wilhelm , nahm zwar erſt die ſchwediſche Partey , wandte fich aber darauf jur polniſchen ,

und wurde 1657 durch den welaut.

fdhen

Einleitung. fchen und brombergiſchen Vertrag , von dem polni ſchen Könige Johann Caſimir frey von der Beleh nung , und mit allen ſeinen männlichen Nachfom . men , für einen

unumſchränkten Herrn feines Un .

theils von Preußen , erkläret ; erhielt auch die Kerro fd aften Lauenburg und Bütow auf die Art, wie ſie vormals die Gerjoge von Pommern gehabt hatten. Er vergrößerte die Macht feines Hauſes auch durch andern Zuwachs , und erwarb ſich den Namen des Großen .

Sein Sohn und Nachfolger Friederich ,

erhob óas Herzogthum Preußen zu einem Könige reich und fekte fid ) und ſeiner Gemahlinn am 18ten Jänner 1701 zu Königsberg die Krone auf, wurbe auch von den andern chriſtlichen Pringen für einen König erkannt:

die Republik Polen aber erkannte

dieſe königl. Würde nicht.

1709, da die Peſt an

fieng, ſtarben in Preußen und Litauen 59196 , und 1710 fogar 188537.Menſchen . König Friderich Wit helm , welcher 1713 die Regierung autrat , bevól. terte Preußen durch die Huldreiche Aufnahme von et. was mehr als 20000 Seelen aus dem Erzbisthum Salzburg, und machte überhaupt viel heilſame und rühmlidie Anſtalten. Ihm folgte 1740 K. Friedr. der zweyte, welcher den Seehandel wieder empor gebracht, 1747 im Finanzweſen eine Lenderung gemacht,3751 an die Stelle der Hauptamter 9 nachøer wieder aufgehou bene Juſtikcollegia errichtet, die Handhabung der Ge. rechtigkeit ſehr verbeſſert, und 1752 zehn lanbråthe ver . ordnet hat . 1757 drang ein großes ruſſiſches Kriegse beer in Klein . Litauen ein , durch wskhes dieſes land febr veriðůſtet wurde , und von 1758 bis 1762 war Dit. Preußen in den Händen der Ruffen, im lektge. B 4

24

Das Königreich Preußen.

nannten Fahr aber wurde es dem Könige von Preu . Ben wieder eingeräumet . 1772 ließ König Fribe. rich der zweyte feine Rechte an Weſt . Preußen nicht nur in einer beſondern Sd;rift ausführen, ſondern nahm auch von dieſem Sande , vermoge des mit dem Wien ner- und S. Petersburger Hof geſchloſſenen Bun . des , wirklichen Beſik , welches ihm auch am 18ten Sept, 1773 der König und die Republik Polen förm . lich abtrafen , und der Sehnsherrlichkeit, welche in dem welauiſchen Vertrage vom igten Septemb. 1657 feſtgeſegt war , entſagten , auch Art. 6 bis 19 und Art. 21 dieſes Vertrags , gånzlich aufhoben und ver . nichteten , und -Preußens königl. Würde erkannten 1773 legte der König dem erlangten Weft Preußen diefen Namen ben , und 1777 kam die Grånze mit Polen zur Richrigkeit. S. II. Seit 1772 nennet fich der König , einen König von Preußen ,

da vorher der Äusdruck Der ganze

Rönig in Preußen gewöhnlich war.

tonigliche Titul laufet alſo: 7.König von Preuſo fen , Markgraf zu Brandenburg, des beil. romifch. Reichs Erzkammerer und Churfürſt. ſouverainer und oberſter Serzog von Schles fien , ſouverainer Prinz von Oranien , Deus ſchatel und Valengin , wie auch der Grafs ſchaft Glas ; in Geldern , zu Magdeburg , Cleve, Jülich , Berg , Stetcin , Pommern , der Caſſuben und wenden , zu Mecklenburg und Croſſen Gerzog ; Burggraf zu Důrns berg , Fürſt zu halberſtadt , minden , Car min , Wenden , Schwerin , Rageburg, Oſts friesland und Mörs ; Graf von Sobenzols lern ,

Einleitung.

25

fern , Ruppin , der Njark , Ravensberg , so's benſtein , Tecklenburg, Shwerin , Lingen , Büren und Leerdam ; Serr zu Ravenſtein , der Lande Roftocł , Etargard , Lauenburg, Arlay und Brcda ac. Das königl. preußiſche Wapen , iſt ein ſchwarzer , ausgebreite.

Bürow ,

ter , und mit einer goldenen Krone gezierter Udler, im filbernen Felde. Die Regierungsgemalt iſt un . umſchrånft , und das Reich iſt erblich.

§. 12. Der ſchwarze Adler - Orden , wel. dhen König Friderich der erſte am Tage vor der Kro. nung zu Königsberg ftiftere, hat zum Zeichen ein golden blau emaillirtes , dem malthefiſchen ähnlich gebildetes Kreuz, in deſſen Mitte auf der einen Seite des Königs Namen FR . zuſammen gezogen , in je. der von den vier Mittel - Efen aber ein ſchwarzer Udler mit ausgebreiteten Flügeln gebildet iſt.

Die

Ritter tragen dieſes Kreuz an einem orangenfarbenen breiten Bande von der linken Schulter über der Bruſt nach der red )ten Hüfte zu. An der linken Seite ba. ben ſie einen auf den Rock gejtidten ſilbernen Stern , in deffen Mitte ſich ein ſchwarzer fliegender Udler be. findet, der in der einen Klaue einen Lorbeerkranz , in der andern aber einen Donnerkeil bålt , mit der Ue. berſchrift : SVVM CVIQVE. Der König iſt allemal Großmeiſter, und die Anzahl der Ritter foll ſich, das fönigl. Haus nicht mitgerechynet, bis auf 30 erſtrecken , iſt aber wirklidy großer. Nächſt diefem hat K. Frid. ber zmente 1740 den Orden pour lemerite geſtiftet,bel ſen Zeidhen ein achteichter goldener und blau , email. lirter Stern ift, der an einem ſchwarzen mit Silber B 5

einges

26

Das Königreich Preußen .

eingefaßten Bande getragen wird , ſdrift hat: Pour le merite.

und die Ueber.

9. 13. Die Stelle eines Statthalters in Preußen, bertritt der commandirende General aller Truppen im Königreich , welcher dem ganzen Kriegesweſen vorzu . ſteben , und zugleich Gouverneur der 3 Feſtungen zu Teyn pfleget. Oſt:Preußen , hat folgende Collegia, welche i6 . ren Siß zu Konigsberg haben. Das Etats : Miniſterium , beforget die lan. deshoheit in politiſchen und Firdlichen Sachen in Dít . Preußen, Sitauen und dem Bistum Ermėland, und beſtehet aus 4 wirklichen geheimen Staats und Kriegs. Miniſtern, weld en 2 Ober- Secretáre zugeordnet ſind, und unter welchen die geheime Staats-Kanzlei ſtehet. Die 3 erſten Miniſter ſind der Oberburggraf , der Kangler, und der Dbermarſall. Es ſteher aber Das Etars. Miniſterium in Unſehung ſeiner Geſchäfte unter dem fön . Staatsratky zu Berlin, an deſſen Den partemens es Berichte abſtarten, aud , derfelben in des Konigs Namen ausgefertigte Befehle, Keſcripte und Anweiſungen , annehmen und befolgen muß. Die Ober.Landes. Juſtis Collegia , find die

Regierung zu Königsberg und das Sofgericht zu Infterburg . Sie verwalten die Civil- und Criminal. Juſtik, die Hypotheken- und Pupillen.Sachen .

In

der Regierung figen 3 Miniſter des Etats -Miniſte, riunis , und ſie wird in den obern und untern Senat abgetheilet; jener iſt das Tribunal, dieſer die Rie gierung. Von derſelben hånget das sofinals: Gea richt, und das Criminal Collegium zu Königss

1 berg, ab.

Das oſtpreußiſche Conſiſtorium , hat einen

Einleitung.

27

und beſtețet einen Ber Miniſter zum Präſidenten aus juriſtiſchen und kirchlichen Kåthen. Das oſtpreußiſche Sofgericht zu. Inſter. burg , hat einen Director und Råthe. In den Städten und auf dem Lande wird die Juftig theils durch die Stadtgerichte und Magiſtráte, theils durch die Juſtig: Commiſſionen, theils durch die Erb.Haupt Hemter, theils durch das Ermländiſche landvogteir: Ger richt, verwaltet. Der Juſtik.Commiſſionen ſind im Königsbergiſchen Regierungs. Departement 7 , nem . lich die Samländiſche ( jeßt zu Königsberg , ) die Lapiauſche, die Preußiſch .Enlauiſche, die halbe Unger : burgſche, die Saalfeldſche, die Neibenburgiſche ; und an ftatt einer Kreis . Juſtig: Commiſſion , das Erm . ländiſdie Sandvogter. Gericht zu Heilsberg ; und im Infterburgiſchen Hofgerichts. Departement 4 , nám. lich die Infterburgiſche und halbe Ungerburgiſche, dieMemelſd;e und {yckſche. Die adelichen Erbbaupt. amfer find , Gerdauen und Nordenburg , Gilgen. barg ,

Schönberg.

Das Dr. Preußiſche Finanz- und Cameral- Wea fen, der ſehen zwey Kriegs, undDomainen Kams mern , deren eine zu Königsberg , die andere aber zu Gumbinnen ihren Sik hat ; jene verfiehet Oft. Preußen an ſich ſelbſt und Ermland, dieſe Litauen, Sie beſorgen die Kammergüter, das Forſtweſen , Ma. nufacturen , Magazine (deren eilf ſind , ) und unter ihnen ſtehen die königl. Beamten und Generalpächter, bie Renter , Rechnungs- Bau und andere Kammer. Bediente, auch die Steuer- und Kåmmeren. Bediente ber Stådte.

Zu Königsberg iſt ein Commercien .

und Admiralitåts. Collegium , unter welchem das Seen gericht

28

Das Königreich Preußen .

gericht zu Memel , und die Wettgerichte zu Memel und Dilſit, ſtehen .

Die Srádre find in 6 Kreile

Bertheilet, deren jedem ein Kriegs- und Steuer Rath Sie ſind als Cominiilarius locorum , vorſiehet. der (andeebergiſche , Mohrungiche , Neidenburgi. ſche, Raſtenburgiſche, Tapiauſche und Ermländiſche Preis. Das piatre Land ijt in Anſebung der Etenere und Marſd ). Sadien in Kreiſe abgetheilet, deren jeder einem Landrarh untergeben iſt.

Im oſta

preußiſchen Kammer Departement, find 8 , nemlich der Bran ? enburgiſche, Mohrungenſche, Meidenburga fohe, Roſtenburgſche , Sdaafenfdhe , Eapiauſche, Braunsbergſche und Heilsbergſche; die benden lebten find in Ernland. Im litauiſchen Kammer. Depar . tement find 3 , nemlich die Inſterburgſche, Sehſien . ſche und Dienfoiſche. Das Accifer Zoll. und Licent: Weſen , fehet unter einer beſondern Direction , welche zu Königs. berg ihren Siß hat. Für Weſt. Preußen, ward 1772 zu Marienmer .

der ein Ober “ of und Land-Bericht , errichtet, welches 1773 vermoge Befehls des Staatsraths ju . Berlin vom 14 Jan. den Namen weſt-prcußiſche Regierung bekommen hat. Dieſe verſiehet die lan . deshoheits- und firchlichen Sachen , in ganz Weſt. preußen , in den dazu gelegten ehemaligen oſtpreußi. Fichen Hauprämtern Marienwerder und Rieſenburg, Eben dieſelbige verwaltet die und im Nebbiſtrict. Civil- und Criminal Juſtig, die auch das sofgericht: zu Bromberg beſorget, unter welchem der Brom . bergiſche , Inowroślawfche, Caminſche, Kroniſche und Conigiſche Kreis, ſtehen.

Unter der Regierung ſtehen

1

29

Einleitung.

ſtehen die Kreis. Juftijs Commiſſionen zu Stargard, Culm , Marienwerter , Stolzenberg , tas lantvoge tengerid )t zu Lauenburg , und das Großwerder Voig. teisgerid t zu Marienburg , und unter dem Hofgericht die Kreis Juſtiz:Commiſſionen zu Conig und Schnei bemühl, und die Kreis- Juftitiariate ju Žempelburg, Filehne , Fordon , Kzin , Deutſd) Krone und Ja. ftrow . Die Magiſtrate ſtegen in Juſtikſachen auch unter der Regierung. Das Finanzweſen , verwaltet die weſtpreußis ſche Krieges- und Domainen Kammer zu Elias rienwerder , und im Negdiſtrict die Teputation derſelben , welche zi1 Bromberg iſt. Die Städre find unter 4 Kreiſe vertheilet, deren jebem ein Kriegese und Steuer- Rath vorfiehet.

Das platte land wird

in Steuer . und Marfit -Sachen von 11 Landråtben bea forget, unter welchen eben ſo viel Spreiſe ſtehen , nem: lich der Mittelauſche , der Marienburg Chriſtburg. und Elbingſche , der Martenwerberſche, der Culm . ſche, der Dirſchauliche, der Stargardſche, der Cou niffche , der Brombergſche , der Kronfche , der norraklawſche.

Caminfche , der

In Anſehung der Acciſe und des Zolls ,

ift

Weſtpreußen in das Fordonſde und Neu Fahrwaſo feriche Departement abgerheilet. $ . 14. Die königlichen Einkünfte aus Preufs fen , mogen jährlich 4 bis 5 Millionen Thaler bes tragen . D. 15. Von dem preußiſchen Kriegskeer, liegen in Oſt. Preußen37 , und in Weft. Preußen 12 Baraila lons Infanterie , und in beyden Theilen des König. reichs 70 Eſquadrons Dragoner, Huſaren und Boso nia .

Das Königreich Preußen .

20 miafen .

Jedes Regiment hat feir:en Diſtrict oder

Canton, in welchem die junge Mannſchaft aufgefchrie: ben wird . -

$ . 16. Die Landesbeamte ſind , der Obers

marſdall, der Oberburggraf, der Ranzler, und der Landhofmeiſter, welche leßte Stelle 1786 wieder hergeſtellet worden . ;

. 17. Es folgen nun die benden Haupttheile des Königreichs.

I.

Dft - Preußen .

Es beſtund ehedeffen aus drey Haupttheilen , wele ES che Samland, Vatangen, und Oberland , genennet wurden, und zu welchen die kleinern Diſtris cre Dadrayen , Bartenland , Galinderland , Pogefanen und Pomeranien , gehörten. Heutt ges Tages cheilet es ſich in Unſehung der Finanzs Ver. waltung in das deutſche oder Königsbergiſche , und in das litauiſche Departement . Die genauere Abtheilung der Stadte , Flecken , abelichen Güter und Dörfer, kann entweder nach den Kreiſen der Juſtig :Commiſſionen ,oder nach den ſteuerråth , lichen und lanoråchlichen Kreifen gemacht wers den : jene iſt bey dem Juftig.Departement, diefe bey bei Kammer. Departement gewöhnlich. Ich er. wähle die legte, weil ſie bey der Beſchreibung der übrigen königl. preußiſchen Länder zum Grunde liegt, boch ſoll die erſte, ſo gut es möglich iſt, mit derfelo ben verbunden werden .

A. Das

Oft. Preußen.

A.

31

Das deutſche oder königsbergiſche Departement. Es erſtrecket ſich über 42 Städte, 52 Aemter , und

280 Kirdyſpiele , unter welden lekten

7 refornirte

und 7 römiſch-katholiſche find.

1. Die Städte . 1. Die Hauptſtadt des ganzen Kinigreid;s. Königsberg, Regiomontum , auf polniſch Kroles wiecz , auf litauiſch Raralauczuge, welche eine von den vornehmſten Saubelsfiádten in Europa iſt, und am Fluß Pregel, aber welchen 7 Bråden ſind , unterm 54ſten Gr. und 43 Minuten nordlicher Breite , auf einem unebenen Boden , liegt. Sie hat 1255 ihren erſten Anfang genommen , als der böhiniſdie König Primislaus I dem . Orden wider die heidniſchen Samländer zu Hülfe tam , und auf ſein Anrathen zuerſt das feſte Schloß , und hernach die Stadt erbauet, ihm zu 1264 wurde Ehren aber Königsberg genennet wurde. fie an einen andern Ort verlegt, und 1286 bekam fie cul mildes Kecht. Die Stadt iſt anſehnlich , und wohl ges bauet, der Wal , welcher 1626 um dieſelbe aufgeworfen worpen , hat 1 und deutſche Meile in Umfang , 34 Raveline und 8 Thore , und fließet viele Gärten , den großen Schloßteich , imgleichen einige 28iefen und Becker in fid ). Der ganze Umkreis der Stadt , trågt 2 Meis len aus , die Unzahl der Häufer aber belief 1780 fich auf 4908 , und der Einwohner 178 auf 54368 , die Bejas şung und Fremden ungerecnet. Sie iſt immediat , und beſteht eigentlich aus drey verbundenen Erdoter , Altſtadt, libenicht und Kneipbof , davon die benden erſten in Samland! liegen , die dritte aber in Natans gen ; mit silf Borſtådten , aus dem Schloß mit fünf Wors

32

Das Königreich Preußent.

Borſtadten , und aus der Feftung Friderichsburg. Die Altſtadt, iſt bis 1455. dylechthin Königsberg , pache her aber zum Unterſchied des lébenichts , die uitſtadt ges nennet worden. Sie beſtehet aus 16 Sirchen , und man gåhlet auf510 Häuſer in derſelben, unter welchen über 100 Målzens Brauerhäuſer ſind. Die öffentlichen Schäude find : die Pfarrkirche zu S. Nikolai , die altſtáctiſche Pfarrſchule , von 5 Klaiſen und 9 febrern , das ſoges nannte Pauperhaus für 30 arme Schüler ; das 1750 neuerbauere Rathbaus ; auf welchein feit 1773 die öfs fentliche Stadt : Bibliothek ſtehet , das Pojthaus , der Funkerhof , ipelder 1710 von neuein erbauet worden , auf welchem Hochzeit , und andere Ehrena Mable ausgerichtet werden , dazu auch der Junkera garten gehåret , wo das altſtådriſche Bier geſchentet wird , und die Bürgerſchaft und andere ihre eitliche Zus fanımenkünfte halten, und der eigentlich für die Kaufleute und målzenbrauer angelegt worden , dabingegen für die Handwerker und andere geringere lente der Gemeingar, ten iſt ; und endlich die Badſtube. Zur Alltſiadt geborert als Vorſtådte : 1) der Steindamm , welcher am beſten bebauet iſt, in den Vorder- und Hinters Steindamın abs getheilet wird , und eilf Gaffen hat. Auf demſelben liegt die å teſte fönigsbergiſche Kirche, welche 1255 erbauet iſt, und der polniſchen Gemeine zugehört ; und das ſogenannte Dinghaus , in welchem ehemals das ſteindammiſche Ges richt zuſammen tam . 2 ) Der neue Kobgartent, auf welchem Plaß ebedeffen die Einwohner der alteit Stadt und des Steindamins ihr Vieh und Pferde geweis det , und Ackerwerk getrieben haberi. Man findet hier auf einem Hügel die neue roßgartenſche Birdie, des Ten Prediger zum altft& otilden Minifterium gehört , das altftädtiſche großbürgerliche Witwent und Waiſen aus, Das altftädtiſche Perthaus , und das Schießhaus. 3 ) Die Laade mit der Caftadie, woſelbſt der altſtädtiſche Gtadt- und Zimmer - Hof, die Reifferbahn , und zwiſchen dem alten und neuen Graben die große Stadtwieſe, auf der las Radie aber die Altſtådtiſchen Kaufmannd. Speicher, die Waagen

Ort: Preußen .

33

Wagen , die Pachåuſer , das Bethaus der Mennoniten , der Deerhof , das königliche Licenthaus , in welchem das Admiralitåto: uno licent - Collegium zuſammen kommt, u. fo w . Zum Holsthor der alren Stadt hins aus , liegen die Kohl - Speider, deren viele in Mobus häuſer verwandelt ſind , iind vor denfelben iſt der Ochs ſenmarkt , und der altſtädtiſche Schlachthof. Zurecha ten , weiter hinauf, iſt die ſogenannte Lomſe oder Lamſe, nebſt dem Weiden -Lamm , auf welchem lebten das anas tomiſche Theater der Univerſitet, und eine engliſche les der : Manufaktur ift .

Der gébenicht , welcher bald nach dem Jahr 1300 angelegt, und ebedeflen die Neuſtadt genennet worden, theilet sich in zwen Lyseile. Der eine Theil wird insges mein der Berg genannt, und enthalt an offintlicben ( $ cs båuden , die Stadtkirche, die Stadtſchule und den Ges meingarten. Der andere Theil liegt unter dem Verge , und begreift das Rathhaus , in weldem feit dem Branis de von 1764 auch Wohnungen und Kauflåden ſind;. cas große Hoſpital, welches eine eigene Kirche hat , und ehemals ein Kloſter geweſen iſt; und den Münchenhof , der auch ein Kloſter geweſen , nachher aber in ein Maa gazin verwandelt worden iſt. Außerhalb dem Zbor geboret zum Låbenicht der ſogenannte alte und neue Unger, nebſt den Steegen . Der Sacheim , welcher großentheils zu dem Schloß gehöret, iſt die allerålteſte unter den königsbergiſchen Freybeiten, und bald nach der Erbauung der Stadt angeleget worden. Man findet hier die römiſch - katholiſche Kirché, welche 1777 neu ers bauet worden , die evangeliſch - lutheriſche Kirche , die litauiſche lutheriſche Kircbe, und das 1701 geſtiftete und 1703 eingeweihete fönigliche Waiſenhaus mit einer Kas pelle, Der königliche große imd kleine Holzgarten , die Holz - Råmmerey und Holz Schreiberev , liegen auch auf fackheimiſchen Grund und Boden. Der Lobenid)t brannte 1764 ab.

2 T6.84 .

Der

34

Das Königreich Preußen.

Der Kneiphof,iſt unter den drey Städten die jingite; denn e . iſt erſt 1324 der Aufang mit deſſelben Erbauung gemacht worden . Er ſteht auf einer som Pregel wins floſſenen Inſel, und wegen Mangel des Grundes, auf elternen Pfalen , welche durch die Länge der Zeit cijena hart geworden. Er hat 13 Straßen , unter welchen die lange Gaſſe die anſehnlichſte in ganz Königsberg iſt. Uns ter den offentlichen Gebäuden iſt zuerſt die zomkirde zu merken , welche Herzog Euderus 1332 aus der Untfiadt hieher perlegeu ließ . 1721 wurde in derſelben die vors treffliche Orgel zuin Stande gebracht, deren Pfeifen ſich auf 5000 erſtreden . Auf der Kirche fteht die waliens rodiſche Bibliotbel, welche über 5000 Báide enthält, Auf dem Kirchhof iſt die kuriphofiſihe Kathedrala šoule. In dem unweit davon gelegenen Pauperhauſe , werden 30 arme Knaben mit fot , Stube , Betten und Kleis dung frey gehalten. Auf der andern eite der Doma kirche , iſt der fogenannte Sidofshef , in welchem jest die luih. Hofprediger wohnen . Gleich daneben iſi das Unis verſitats - Gebånde , oder das ſogenannte Collegiuni , mit den dazu gehdrigen Wolynungen. Die Univerſitát , wels che von der Stadt , Regiomontana , von ihrem Ctifrer, Albertina , und von dem Pregelſtroni, Pregelana , ges nennet wird , hat Markgraf Ulbredot 1544 geſtifret. Auf derſelben lehren 38 Profeſſores, ohne die Diagifter. In der Communitåt find 8 Tiſche , an deren jedem zwdif Studenten effen ; 28 Alumni ſpeiſen umſonſt daran. Es find verſchiebene große und kleine akademiſche Stipendia vorhanden . Bep der Akademie iſt auch die fonigl, deut: ſche Geſellſchaft. Auf dem Rathhauſe kommt der 1724 vereinigte Magiſtrat aller dreyen Städte zuſams men. Der kneiphofifde Junkerhof, hat mit dem alt: ſtådtiſchen einerley Verfaſſung und Gebräuche, Ann Boll:perk und am Pregel , liegt der Funkergarten und der Gemeingarten. Die an der grünen Brüde auf dem Pregel gelegene anſehnliche Kaufmannsbörſe, iſt 1724 wieder erbauet worden, und mit ſinnreichen Geinalden in 60 feldern aubgezieret. Unten am kleinen Plat , iſt dås

Oft - Preußen .

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das grobenſche Stipendienhaus für einige adeliche Stüs dirende. Was die zum Kneiphof gehörigen Gründe bes trifft, ſo iſt anfänglich die vordere der innere Vors ſtadt , welche aus einer breiten Straße , und dem ſoges nannten Schnürleinsdamm beſtebet , auf welchem die Syragoge der Juden . Auf der Laſtadieliegen die Kaufs manns :Speicher ; und auf der Holzwieſe iſt ein Zuchthaus. Die hintere oder außerite Vorſtadt, beſteht auch aus einer breiten Straße und etlichen Quergaſſen. Der alte Darten , der obere und untere Saberberg. Der ſogenannte Vafle . Garten , verſorget die Stadt mit Gartengewächſen reichlich. In der hintern Vorſtadt, iyaa ben die Altſtadrer das ihnen zugehörige l'oſpitsi z :1 S. Georgen , in welchem ungefähr 60 Xrme mit Wohnung und Effen verpflegt werden , und bey welchem eine Kai pelle iſt. Auf dem Ober - Haberberg liegt das kneiplos Fiſche Witwenſtift. Die haberbergiſche Kirche , iſt eine der ſchönſten in Königsberg. Nun iſt noch das Schloß mit den dazu gehörigent Vorſtädten åbrig. Das Schloß iſt als ein långlichres Vierect gebauet , und der inwendige plag iſt 136 ges meine Schritte lang und 75 breit. Die Morderſeite dera ſelben ſcheint die allerålteſte , und ſchon zur Zeit des Ors bens erbauet zu feyn. Die Drt, und Süd Seite hat Martgraf Albrecht der Veltere gebauet ; die Weſtſeite aber iſt vom Markgrafen Georg Friederich aufgeführt worden . In der letzten iſt die evaugeliſche Schloßfirde, die Bibliothek, die Umtsſtube, das Hof: Salsgericht, das Hofgerichts : Archio , das 1699 hieher verlegte Cons Fiftorium , der ſogenannte inofkomitiſche Saal , welcher 274 Werkicuhe lang und 59 breit, und das Collegium Medicum , welches unter dem Conſiſtorio zuſammen kommt. In der Dit : Seite ſind das große Schloßthor , åber welchem ſich das Collegium medicum verſammlet, verſchiedene Zimmer får den commandirenden General in Preußen , und für durchreiſende fårſtliche Perſonen , und in tinem angebaueten Pavillon die königliche Kriegs- und Domainen Kammer, die Rechnungs :Kammer , die Renta

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Kammer , die Ucciſe und audere Collegia . In der Nors derſeite find der Verſammlungsort des Staate- Miniſtes rjums , die Regierung und andere Collegia , die geheiz me Kangler , nebſt dem Arcov , das Banco : omtoir , die Bernſtein : Kammer , und das Berſammlungszimmer der königl. deutſchen Geſel chafr. In der Sürerſeite ſind viele Zimmer , von welchem der Kainmer :Präſident unterſchies dene bewohnet. Am Ende derſelben ſteht der bobe Schloßthurm , auf welchen man auf 284 Stuffen ſteigt, und von dannen die ganze Stadt, und einen großen Theil des umliegenden Landes , imgleichen das friſbe Haff iberrehen kann . Die bornebmiten zum Schloß gehöris gen (Gebäude , find , der Marſtall, welcher auch die Rüft. tammer in ſich faffet , der luſtgarten , der Hetzgarten und der große und kleine Jägerhof. Es gehören ferner zum Schloß folgende fünf fogenannte Freybeiten oder Vorſtådte: 1 ) Die Burgfreybeit, welche den Plaß vor und neben dem Schloß , und verſchiedene Gaſſen begreift. Das merkwürdigſte auf derſelben iſt die kon : gl. Münze, an deren Stelle ehemals ein Kloſter geſtanden hat , die deutſch reformirte Pfarr - Kirche, die nicue franzöſijde Kirs che, der Verſamınlungsort der polniſch -reformirren Gemeis . ne auf dem Saal der deutſchen Schule ; das große Co: mooienhaus ; der Schloßteich , an welchern luſtige Går: ten liegen , und das Collegium Fridericianum . Das lebte iſt mehrentheils nad ) dem Fuß des balliſhen Paeda gogii regii eingerichtet worden . Es werden durinn junge Peute unterrichtet und erzogen , deren , ſo viel man laffen tann , auf dem Collegio ſelbſt , die übrigen aber in der Stadt wohnen . 2 ) Der Tragheim , welder in den vordern , mittlern und hintern eingetheiler wird. Außer der tragheimiſchen Kirche , welde 1783 abbrannte , und den vielen Gårten , iſt hier das Friulein - Stift. 3 ) Der vordere und hintereRoßgarten , welche aus einer langen Straße, und einigen ungleichen Neben : Gafien beſtehen, und woſelbſt außer einer Kirche und dem Arbeitshaus, nichts merkwürdiges ift. 4) Die Y7eue Sorge, welche jekt die Königsſtadt genennet wird, und in welcher ſchöne Hins for

!

Olt Preußert.

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ſer anzutreffen ſind. Die franzöſiſ. reform . Kirche, iſt 1733 erbauet. 5) Ein Theil des Sackheims, welcher oben bey der Stadt Pöbenicht beſchricben worden . Die Feſtung Sriderichsburg , ift 1657 recht vor dem Kneiphof , angelegt worden. Sie iſt ein regelmäßiges Piereck , mit breiten Waſſergraben und dein Pregel , in welden auch daſelbſt der Kupferteich tritt , rings umges ben . Es iſt darinn eine Kirche und ein Zeughaus. Bon der Stadt Königéberg iſt noch etwas überhaupt zu benierken . Seit 1731werden die Straßen des Abends durch 1350 Laternen erleuchtet. Sie iſt allezeit eine der vornehnıſten See- und Handels - Stådte geweſen , und bat cheinals mit zu der Hanſe gehört. Der Handel iſt noch wichrig , und wird durch den fregel befördert, der die größtev Schiffe tragen kam, und 160 bis 240 Schuhe . breit ift. 1752 ſind hier 493 Schiffe aus der See , 298 Struſen und Wittinen , und 373 Solztriften ang koma men . 1772 famen aus der See 826 an , deren Waa. ren auf 1,912,993 lithlr. geſchårzet wurden , 1780 aber 672 Schippe, welde für 1,401,193 Rthlr. Waaren eins brachten . In dem eifien 1772ſten Jahre , betrug die Ausfuhr auf 847 Schiffen , 2,562, 606 Rthlr. und 1780 auf 678 Schiffen , 1 , 825 , 227 Kihlr . Die Einobs ner ſind mehrentheils Deurfde, und der evangeliſch): lus theriiden Religion zugethan : es giebt aber auch hies felbft viele deutſche , engliſche, bolåndiſche und franzos ftic) :reformirte Familien , und eine anſehnliche Sucens ſchaft. Die reformirte franzöſiſche Colonie, beſtand 1780 and 369 Köpfen . Es giebt bier unterſchiedene Mias nufacturen . Außer den Arinen , welche in den Hoſpirå: lern und Armenhäuſern ihren Unterhalt genießen , wers den aus der General : Armen : Caffe wöchentlich ben . nahe noch 800 unterhalten und verpfleget. 17-4 ſind die dren Städre vereiniget, auch die Gericht8 : Collegia der Ståste , Vorſtádre und Freyheiten , in ein Collegium zu : ſaningen gezogen worden . Dieſe Stridte ſind von Eins quartirung der Soldaten ganz frey , als welche in den Þorſtåoten liegen ; und ſie halten ihre eigene Militz. 63 1701

Das Königreich Preußen . 1 1701 ſelte ſich Friderich , der erſte König in Preußen , alle hier die Tönigliche Krone auf. Von 1734 bis 36 hielt ſich König Stanislaus von Polen hieſelbſt auf. 1758 wurde 1764 brainte beynahe der fie von Nuſjen beſetzt . eilfre Theil der Stadt ab , wie oben beym obenicht ans gemerkt worden , und 1775 legte eine neue Feuersbrunſt 55+ Wohnhäuſer in die Afdhe ; es iſt aber alles abges brannte! ſchöner wieder aufgebauet. 38

1

Unter dem Ober : Hofprediger zu Königsberg ſtehen in der Stadt 7 Kirchen , unter der altftädtiſchen Inſpeca tion 6 , unter der kneiphofifcheu 2 Kirchen , und unter der lobenichtiſchen i Kirche. 2 ) im

Tapiauſchen freuerrechlichen Rreiſe ;

beſſen Kriegs. und Steuer - Rath zu Königsberg woignet. ( 1) Fiſchhauſen , eine kleine immediat Stadt ain fria fchen Haff, welche von 1289 bis zur Reformation, der Sitz der ſamländiſchen Biſchofe geweſen. Es iſt hier eine Kirchen : Inſpection über 8 Kirchen, eine Kreis- Juftiß :Coms miffion , und ein königl. Kammeramt. Das Schloß ift mit Mauern und Graben umgeben .

(2) Pillau , diz Vormauer und der Schlüſſel zu Preussic Ben von der Seefeite, ein wichtiger Hafen , eine gute Fea ftung , und auf der Spitze einer Erozunge wohlangelegte kleine inmediat Stadt, von 114 Feuerſtellen, mit breiten und geraden Straßen, und vielen nach hollandiſcherArt gebaues ten und meublirten Haufern. Es iſt hier ein beſtandiger Zus famunenfluß von Seelenten und Reiſenden . Die größten Schiffe werden entweder vier erleichtert, oder bleiben hier lies gen, weil das friſche Haff nicht fotiej iſt, daß ſie über dasſelbe nach Königsberg kommen könnte . Es ſind 1772 aus der See angekommen 106 Schiffe , deren Waaren 108, 806 Rthlr. betrugen ; 1780 aber 335 Schiffe, deren Waaren auf 475400 Rthlr. geſchaket worden. Die Ausfuhr betrug 1772 auf 155 Schiffen 437279 Kthlr. und 1780 auf 325 Schiffen , 1,184,812 Rthlr. Die fes ftung

Oft - Preußen .

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ftung iſt faſt ein regelmäßiges Fünfect , die Bollmerke Find anſehnlich , und alle zu einer Feſtung gehörige Ges báude ſind ſtark , ordentlich und ſchön. Es iſt hier aud ein fönigl. Vorrathahaus. In dem Feſtungsthor fiebt mau Friderich Wilhelm den Großen in Stein zu Pferde, und auf dem Thor iſt ein ſchöner Wachthurm . In der Feſtung iſt eine Kirde , in welcher ſowohl die Putheraner, als Reformirten , den Gottesdienft halten. Ueber dem Seitenthor , nach den Außenwerken zu , fteht Mars in einer martialiſchen Stellnng , und ſicht nach Schweden hinaus. In der Feſtung iſt ein reicher Vorrath von gros bem Geſchåg. 1626 bemachtigten fich ihrer die Schwes den , und befeſtigten ſie noch mehr , verließen ſie aber 1635. Friderich Wilhelın der Große rezte die Feſtungs . werke in den jegigen Zuſtand, und 1722 legte König Fris derich Wilhelm die jellige Stadt an. 1758 nahmen die Ruſſen Beſitz von der Feſtung. (3) Labiau , ein altes Schloß , und kleine nahrhafte inmediat Stadt , am Fluß Deine, welche 1642 Stadts gerechtigkeit erhalten hat. Auf zwey Seiten iſt ſie mit Waſſer umfloſſen , und auf den andern beyden mit einem Mal und Graben umgeben. Unter der hieſigen Kirs chen- Inſpection ſtehen 6 Kirchen . Bier endiget ſich in der Deine der große Friderichs. Graben , (4 ) Tapiau , ein zwar o oeurlic) angelegtes , aber geringes immediat Städtchen , welches erft 1722 einen Ben Magiſtrat und Stadtgerechtigkeit erhalten hat. demſelben fließt die Deine in den Pregel. Auf dem gros Ben und mit Graben umgebenen Schloß , iſt Ivormals das Archio des Landes vermahret werden . 1777 iſt hier eine geiſtliche Inſpection über 6 Pfarrkirchen errichtet worden , auch iſt hier eine Kreis : Juſtitz Commiſfion . ( 5) Welan , cine altgebauete und ſchon 1336 angeleg. te iremediat Stadt , auf einer Inſel, beym Einfluß der Alle in den Pregel , die zwar eigentlich in Natangen liegt, aber doch in dieſen Kreis gehöret. Sie hat eine große und kleine Vorſtadt , 244. Håuſer , und eine geiſtliche Jaſpectiou úber 18 Kirchen. Nach dem Brand 04 1736

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Das Königreich Preußen .

Brand 1736 hat ſie zmar beffere Häufer , aber doch ihre vorige gute Nahrung nicht wieder bekommen . In der Geſchichte iſt ſie vornehmlich der am 19 Sept. 1657 bies felbſt mit Polen geſchloffenen Tractaten tegen berühmt, in welchem dem Churfürſten Friderich Withelm die Sous verainitåt im Herzogthum Preußen übergeben , und die hernach zu Bingoft oder Bromberg beſtåtiget worden ; doch hébet der Vertrag von 1773 , die meiſten Artikel des welauiſchen wieder auf. ( 6 ) Quenburg , eine kleine abeliche Stadt von 179 Feuerſtellen, welche 1400 am Fluß alle angeleget iſt. 3) Im bartenſteinſohen oder landsbergiſiten Kreiſe teffen Kriegs-und Steuer Rath zu Dom . nau wohner. ( 1 ) friedland , eine immediat Stadt an der Ade , welch) 1312 angelegt worden , und von polniſchen und ſchwedichen Einfällen, wie auch vom Feuer öftern Scha :: den gelitten har . Jekt fins åber 2000 Menſchen. 1777 iſt hier eine geiſtliche Inſpection über 11 Pfarrkirchen er: richtet worden. ( 2 ) ; omnau , ein geringes mediat Städtchen , iſt 1400 erbauet, und 1571 anch) 1776 abgebrannt. (3 ) Preußifch s Eylau , Gilavia Boruflica , zum Uns terſchied von Deutſch - Eylau alſo genannt , eine kleine immediat Stadt , deren Schloß 1328 erbauet worden, Es iſt hier eine Kreis: Juſtiz: Commiſſion, und 1782 was ren hier 1455 Menſden . (4 ) Kreutzburg , eine kleine 1350 erbauete immediat Stadt , von 228 Feuerſtellen , woſelbſt noch ein altes Schloß zu ſehen iſt, welches die Ritter 1252 aufgerichtet haben . 1777 iſt hier eine geiſtliche Inſpection über 13 Pfarrkirchen errichtet worden . ( 5 ) Sheiligenbeil, Sancta Civitas, auf folniſch Sivids ta Siekierka , eine immediat Staðt , bon 335 Feuerſtels len , an der Garft, oder Garft, die ſich hier mit der Baba nau pereiniget, und ins friſche Haff fådt. Sie ſou ſchon 1301 erbauet feyn . Sie iſt fowohl wegen des guten braus nen Biers, als wegen der alten Preußen Übgðtterey, welche den

Oft: Preußen .

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den Abgott Curcho bier unter einer großen Eiche vers ehret haben, bekannt. Als die Chriſten die Stadt neu anges legt , libeint ſie anſtatt des alten Namens Seiligſtadt, von dem Stadtwapen den Namen Heiligenbeil , das BBapen der zivey freuziveis, ftehenden Beile aber dabont befommen zu haben , weil nad zerſtörtem Gottesdienſt der ſo lange gehegte heilige Wald preis gegeben worden , und die Stadt von dem Holzhandel vortheilhafte Naha tung erhalten . Die Wundergeſchichte , welche die neuerit Scoriftſteller von einer Art ( dergleichen ſich aber im Stadtrapen nicht findet ) erzählen , mit welcher die leilige Eiche roll feyn unigebaueu worden , iſt den altern Ge. fchichtſchreibern ganz unbekannt. Die Stadt iſt 1463 , 1519 und 1677 ganz ausgebrannt. 1777 iſt hier eine geiſtliche Inſpectiou åber funfzehn Pfarrkirchen errichtet worden . (6) Zinten oder Zinthen , eine kleine iminediat Stadt, an der Stratge , mit welcher ſich hier der kleine Fluß Anger vereiniget. Sie iſt ſchon vor 1313 eine Stadt ges Nefen , und in den heidniſchen Zeiten er bauet worden . 1520 , 93. 1624 , 29 und 1716 , iſt ſie entweder ganz, oder größtentheils , abgebrannt. 1520 wurde ſie von den Polen vergeblich angegriffen . Ben der Stadt ſind zwey Berge, von welchen einer der heilige Berg , und der andere der Wunderberg , genennet wird . Bende Na. men find in papſtlichen Zeiten entſtanden . (7 ) Landsberg , eine kleine 1335 privilegirte mediat Stadt , am fluß Stein , deren lehnsherr jetzt eiu Graf von Schwerin iſt. Hier iſt der berufene Mefferſchlucker Andreas Grünheyde 1745 begraben , dem ein verſchlud : tes Meſſer glüdlich wieder ausgcſihnitten worden. ( ) Bartenſtein , eine gut gebaudte Stadt, von 30.7 Feuerftellen, in einer angenehmen Gegend an der Aue . Sie iſt 1331 angelegt, eine immediat Stadt , und hat unter allen preußiſ . Städten ehedefſen Vorfik uud Rang erhalten. Das ehemalige hieſige Schloß , welches die Kitter um die Mitte des izten Jahrhunderts erbauet haben , bat ik alten Zeiten eft feindliche Anfälle erlitten . Es iſt hier ein C 5

Das stönigreich Preußen. eine geiſtliche Inſpection åber i Kirchen . 1656 faix ' hier König Guſtav Adolph von Schieden mit dem Churfürſten Friderich Wilhelm zuſammen. Die Stadt hat vielleicyt zuerit Bartelsſtein ton dem Biſchof Bars tholomäus , welcher die Preußen zur chriſtlichen Re: ligion gebradt hat , geheißen. Eiu bieſelbſt in trin gehauenes Bildniß defelben , iſt lange an einem finiftern und einſamen Ort verſteckt geweſen , bis eß 1769 auf drin Marktplat auf ein fchöned fubgeſtell gefetzt worden . Zu gleicher Zeit hat der tonigt. Gencral Graf Friderich von Anhalt , Toivont dicie Statie, als eine andere von der Guſtebalva Filia Woidewuti , melche auch Offentlid, anfs geſtellet worden , zu Berlin in der Porcellainfabris theils in kleinen weißen Figuren , theils auf Taffetaffen abbile ben laffen . Eben dieſer General hat vor der Hauptwade zu Bartenſtein eine große Tafel aufrichten laſſen , auf welcher die Namen der Officiere fleben , die von 1700 bis 1760 ihr lebeu iin Dienſt des Königs gegen Feinde verloren haben , und an Rathhauje 3 anbere , nemlich eine Sitten - Policem : (Fcuerordnungs), und Meilen Las fel. Der Inhalt dieſer 4 Tafeln iſt nachmalb zu Frides richſtadt auf 2 Bogen in Folio gedruckt worden . 4 ) Im Raſtenburgiſchen ſteuerrechlichen

N Kreiſe, deſſen Kriegs , und Steuer. Rath zu Kaflen . burg wohnet. ( 1 ) Oerdauen , eine kleine 1352 angelegte mediat Stadt, am Fluß Onet , mit 2 dabey liegenden Schloſs Das neue fern , der Grafen und Herren von Schlieben. Schloß iſt prachtig , und hat einen ſchönen Garten . Die Stadt hat den Namen von einem alten preußiſchen Edels mann Gerdam , ben deifen Burg fie 1325 angeleget worden . Durch den daben befindlichen See Banctin , fließet das fchon gquannte Flüggen Omiet. Die Stadt hat 19. Feuers ftellen , und über 1600 Menſchen,

( 2 ) ( Tore

Dit: Preußen .

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( 2 ) Nordenburg , eine kleine mediat Stadt, am Fluß Aſchudn ... Unter der hieſigen geiſtlichen Jaſpection ftehen 7 Kirchen. ( 3 ) Drengfurth , ein immediat Städtchen , am Fuß eines Bergs , und am fluß Dmet , ift 1403 angeleget worden . ( 4 ) Xaftenburg , eine feine immediat Stadt , an der Guber , mit cinem Sdloß Sie hat 1329 ihren Anfang genommen , und ob ſie gleich 1348 von den Litauern zers fidret ward , fo wurde ſie doch ſowohl, als das Schloß bald wieder erbauet , und in Bertheidigungoſtand gereget, Sie iſt mit einer Maner , und ſeit 1629 auch mit einem Wall umgeben . Die deutſche Pfarrkirche iſt eine der groſs Peſten und beſten in Preußen , und unter den 3 Previgern , die an derſelben ſtehen , iſt der erſte zugleich Ergprieſter , und hat 36 Kirden unter ſeiner Aufficyt. Die in der los nigsbergiſchen Vorſtadt liegende Kirche zu S. Katharinen , iſt eineder ålteſten im Königreich Preußen : und die Kirche zum heil. Seiſt, ſtehet in der Mitte des großen Hoſpitals. In dieſem 1736 zuerſt angelegten großen Hoſpital, wers den 20 Armen mit Geld, Speiſe und Depuratſtüden wohl unterhalten . In dem zweyten Hoſpital werden Ar. men von Almoſen und Freygebigkeit gutthåtiger leute ers balten. Die Schule hat einen Rector mit 3 Collegen. Die Stadt hat über 2000 Menſchen , und die Einwohner find faſt ganz der evangeliſchen Kirche zugethan . Die bornehmfte Nahrung derſelben , beſtehet in einigem Kaufs handel, in Brauweſen , Ackerbau und Handarbeit. Nachft Fiſchhauſen hat die Stadt unter allen preußiſchen lands ftåsten die ineiſten Feldhufen ; denn ſie biſiket terſelben 102, Es iſt hier ein Poſtaint. Auf dem Schloß has ben von 1356 an bis zur Seculariſation des Landes auf 40 Pfleger, oder Commentbure, wie auch 9 Hochmeiſter, reſidirer. 1531 ward Hiefelbft zwiſchen den Evangeliſchen und den Wiedertäufern eine Unterretung gehalten. (5) Barten , eine kleine immediat Stadt , welche ziemlich wohl bebauer iſt, und ein Schloß hat, welches nado

44 .

Das Köni g

Preu . ßen h nach der Mitte des 14ten Fuhrhunderts an der Liebe ans geleget, und zuweilen von den poniefaniſchen Biſchofen und Ordensherren bewohnet wordeli. reic

( 6 ) Schippenbeil , eine mißige immediat Stadt, am Fuf Ulle, mit welchem ſich hier die Cuber vereiniger. Sie iſt 133G errichtet worden , und hat durch Krieg und Feuer viel Schaden gelitten. 1750 brannte ſie halb ab , iſt aber beſſer wieder erbauet worden. 5 ) Immohrungſchen ſteuerrárhlichen Krei. ſe , deifen Krieges und Steuer- Kath ju Mohrungen wobilet. ( 1) liebſtast , eine kleine 1414 - erbauete immediat Stadt , mit eir : ein 1329 angelegten Schloß, welche durch verſbiedene Feucrsbrünfte, auch im (dhwediſben Kriege, vielen Schaden erlitten hat. Sie hat über 1200 Mens ſcheu. ( 2 ) Múblhaurin , eine geringe immediat Stadt , welche 1338 angeleget , und 1455 in Brand geſteder worden . Sie bat an 1400 Menjchini . ( 3 ) holland oder Preuſſiſch - Solland , eine imme. diat Stadt auf einem Fügel, am Fluß Meeste, init eis nem Bergfchloß , weches per 2 ters Patzlot geheiffen hat. Sie roll 1290 von einigen bolåndiſchen Erelleulen er . bauet und benannt rern , die nach Ermordung des Gras fen Florentit s V hicher geflohen. Sie hat 37 Feuers ftetlen , Mauin und Thürme , lange und breite Straßen , frene Fiſcheren und Schiffahrt auf dem nicht weit da: von befindlichen Drauſenjee , und 1780. gåhlte man über Die Bartholomái Kirche iſt groß . 2900 Menſchen . Sit dem Schloß halten die Reformirten ihren Gots tesdienſt auf einem großen Saal , und außer der Stadt ſtebet die Giorgen Kirche. · Das jetzige Hoſpital iſt 1690 angeleget. Uuter der bieſigen geiſtlichen Inſpection , ftes hen 23 Kirdſpiele. Vor Alters war die Stadt den Hers ren vou Ezebinen verſeket ; Markgraf Georg Friderich aber har fie 1576 für 30000 Gulden wieder eingeldſet. Sie iſt 1543 , 1010 , 1663 und 1695 abgebrannt. In den dftern

Oft - Preußen .

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oftern polniſchen und ſchwediſchen Kriegen iſt hier manches denkwürdige vorgefallen . 1521 wurde ſie von den Polen eingenommen . 1722 iſt hier eine Salzfactoren , und 1728 ein königl. Borrathshaus angeleget worden . Das gegens wärtige Schloß hat Herzog Albrecht zu bauen angefans gen , und unter Georg Friderich iſt es fertig geworden. Es iſt mit Graben , Mauern , und Zugbrúden verſehen , und hat eine vortrefliche Ausſicht, ( 4) ohrungen , eine kleine immediat Stadt , in welcher die Grafen von Dohna ein ihnen eigenes Schloß has ben. Sie ſoll 1302 angeleget, und 1328 völlig ausgebauet feon, nad dem das alte nun meiſtens abgebrod ene Schloß ſchon 1280 war erbauet worden . Der Ort iſt moblaclegen, mit Mauern und einem gedoppelten Graben umgeben, ind mit dem See Mohrung und dem großen Müllen eich fall al: lenthalben umfloriin . Nahe rabev iſt der Sderting - Eee, Die Stadt iſt wigen der polniſchen Landſiraße natybait. 1997 brannte ſie ganz ab, iſt aber ideit beffer wieder cuiger bruet worden . Es iſt hier auch eine reformirte Gemeine. 1410 ward ſie von den Polen, 1461 vom Drden eingenoms men , und 1520 zündeten die polen die Stadt an , (5) Saalfild, eine vor 13 20 erbauete immediat Stadt, auf einer Höhe am Måwing , der durch einen 1776 er neuerten Kanal mit den See Geferich vereiniget ift. Nach Ubichaffung des pomeſaniſcbeu Bisthums , ward bicjelbit 1587 das oberländiſche Conſiſtorium angeordnet ; auch if bier eine geiſtliche Infpection über 51 Kirchen , und eis ne Kreis: Juſtis :Commiſſion . 1588 hat Georg Friderich bieſelbſt' die dritte preußiſche landſchule geſtiftet. 1789 zählte man 1346 Menſchen. ( 6) Liebmůhl, auf polniſch) Dinilonilyn , ein imme. diat Stådrchen an dem kleinen Fluß fiebe, mit einim 1337 aufgeführten Schloß , auf welchem ſich gegen das Ende Des 16ten Jahrh , die pomejauiſchen Biſchofe aufgehalten Die Stadt hat 156 Feuerfiellen. haben . iunies biat Städtchen an dem fiſchreichen See und Sluß Dres wenz, von 193 Feuerſtellen, welche 1782 an 1500 Wieng ichen

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Das Königreich Preußen ,

Es wird hier viel Tuc gewebet : fchen enthielten . Das Sc ! oß iſt 1270 oder 1302 erbauet. 1400 ward der Ort in die Aſche geleget. 1737 iſt hier eine Salzs factorey anigeridtet worden. 1740 fand man unweit der Stadt , auf dem königl. Borwerk Preuſch - Görlite , in der Erde 1134 Stücke rómiſder Münzen. 6) Im Veidenburgiſchen ſterierrárblichen

2

Kreiſe; deffen Krieges- und Steuer. Rath zu Neiden , burg wohnet. (1 ) Die adeliche mediat Stadt Gilgenburg , liegt zwiſchen den Seen Groß- und Klein - Damerau. Das gråflich Finkenſteiniſche Schloß, liegt dicht vor der Stadt , Nach cer tannenbergiſchen Schlacht 1710 warà das Stadts den in die Aſche geleget, 1520 ausgeplündert. Sekt hat es 119 Feuerſtellen. 1578 brannte es ab , und in den fchwediſchen Kriegen iſt es vollends vertorben . ( 2 ) Sohenſtein , eine kleine 1337 erbauete immediat Stadt mit einem Schloß , am Urſprung der Pafjarge. Das Schloß iſt 1312 angelegt worden. Die Stadt hat 178 Feuerſtellen. (3) . Paſſenheim , ein 1336 erbauetes Städtchen , zwiſchen dem Calben - imo deleſch - See , von 170 Seuers ſtellen , welche etwa 900 Menſchen enthalten . ( 4 ) Ortelsburg , ein 1669 angelegtes immediat Stadtchen, an einem Landſee, fammt einem alten Schloß. 1629 am 22 May nat Churfürſt Georg Wilhelm hieſelbſt mit dem Könige Uladislaus eine Unterredung gehalten. Die Stadt hat in 131 Feuerſtellen über 1000 Menſchen . (5) Willeniberg , ein immediat Städtchen an der polniſchen Grånze , welches 1724 Stadtgerechtigkeit era halten , unb 184 Feuerſtellen hat. ( 6 ) Weidenburg , eine immediat Stadt , mit einert Bergſchloß, an dem kleinen Fluß Neide, von 321 Feuera ſtellen. Es iſt hier eine Kreis : Juſtitz: Commiſſion , und eine geiſtliche Inſpection über 25 Kirchen. ( 7) Soldau , auf poluiſch Dzialdowo, eine offene Immediat Stadt mit einem Schloß, an der polniſchen Grånze.

Dit : Preußen.

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Orånze. Das Schloß iſt 1306 und die Stadt 1349 anges legt, und hat Sfters Brandſchaden erlitten , ſonderlich 1733 und 1748. Es find hier 264 Feuerſtellen . 1656 hatte der Kómg von Soreden , Karl Gaſtav , hieſelbſt fein Quartier. 7)

Folgende Stådte ,

gehören zu

Dpt . Preufe

fen , find aber der weſt preußiſchen Kriegs , und Domainen - Rammer untergeben , und an ihrer State die weſt , preußiſchen Städte des Bisthums Ermen land der oft s preußiſchen Kriegs , und Domainen . Kammer zugeſchlagen. ( 1 ) Marienwerder , Inſula Mariana , auf polniſch Kwidzin , eine wohlgebauete immediat Stadt, mit eis nem Schloß, ohnweit der Weichſel, an der ſogenannten alten Nogat, welche fich mit der Liebe Vereiniget, und ben der Montauer Spige in die Weichfel ergi /bet . Chedeflen baben hier die pomeſaniſchen Biſchöfe und einige Groß. gebieriger des Ordens ihren Sitz gehabt , und jeħt ift bier der Siß der weſt . preußiſcheu Negierung und der Kriegs- und Domainen - Kaumer. Sie zuerſt 1233 auf einem Werder , Quidjin genannt, angelegt , balb lycra nat aber an den gegenwärtigen Ort verlegt werden . Die alte Domkirche iſt in Dit Preußen die größte Kirche, und hat ehemals , ihrer guten Bruſtwehr halber , aud zur Feſtung dienen fdnnen. Das Schloß iſt weitlåuf tig und altmodiſch. Es iſt hier eine geiſtliche Inſprction über zwölf Kirchſpiele , und eine Kreis- und Juftit - Comu miſſion 172 iſt hier eine Salzfactorey , und 1728 ein Pos nigliches Borrathshaus angelegt worden. Durch Uebera arvemmung , Krieg und Feuer iſt die Stadt oft beld do digt worden . 1440 machten Land und Städte hieſelbſt den bekannten Bund wider den Drden . 1520 ftund fie eine harte Belagerung aus. 1613 hielt ſich Ehurfürſt Johann Sigismund eine Zeitlang hier auf. 1709 im Dctober famen hieſelbſt der Zar Peter der erſte und der König von Preußen Friderich der erſte zuſammen . ' 1734 im Jalio begab ſich Stanislaus Aus Danzig hieher.

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h Da : Kidnigreic Preußen .

( 2 ) Riefenburg , eine immediat' Stadt am Fluß lie . be auf einem Berge. Sie ficheint den Namen von dem altpreußiſchen Lande' Refin , welches da heruni gelegen , bekommen zu baben. Auf polniſch wird ſie Prabutha (ein uraltes Haus ) genennet. Das Schloß , weldes ålter iſt, als die Stadt , und auf einem Berge liegt, iſt fehr verfallen. Auf demielben haben die pomeſaniſche lo Biſchofe bis 1587 gewohnet, und 1628 iſt ein vergeblist cher Friedenscongreß ziviſchen Polen und Schweden auf demſelben gehalten worden. In der 1169 erbaueten Stadt , iſt eine deutſche und polniſche Kirche , und ein königliches Kammeraint. Die Burger ernähren fich von einigem Handel , vom Brauweſen , Viehzucht und Uderbau. 1323 , 1914, and 1422 wurde ſie von den Polen in Brand geſteckt, 1028 , 1688 and 1728 iſi fie wieder abgebrannt. 1556 iſt hier ein Synodus gehalte . worden, Nahe bey der Stadt find drew Landſeen. ( 3 ) Roſenberg , ein kleines mediat Städtchen an zwey Landſeen , iſt 131Q angelegt , und 1400 mebrens theils durchs Feuer verzehret worden . ( 4) Hardenſee oder Garnſee, auf polniſch Schlein : no , 'eine kleine immeờiat Stadt , an einem ſehr fleinen Landſee , in einer angenehmen Gegend. Das Schloß iſt alt.

(5 ) Sreyſtadt, ein geringes immediat Stådtchen , welches aber an einem See eine vortheilhafte Lage hat. ( 6 ) Biſchofswerder , eine immediat Stadt, an der Affe oder Offa , zu welcher 1325 der Grund gelegt worden . Seit dem großen Brande 1730 , iſt ſie ziera : · lich ordentlich gebauet. 1786 iſt die Kirdien - Inſpection von Rieſenburg bieber verleget worden.

(7) Deutſch - Eylau , ein offnes immediat Städte chen mit einem alten Schloß, an einem großen See , in einer angenehmen Gegend. Anmerkung.

Der Kriegs- und Steuer : Rath

welcher dieſe Stådte beforget , hat aud die weſtpreußi. fchen

D14. Preußen.

49

Ichen Städte Marienburg, Chriſtburg , Neuteich , Tolkes mit und Stuhm , unter ſeiner Aufſicht.

2.

Die langråthlichen Kreiſe.

1) Der ſchaackenſche Kreis , welcher in Ju. ſtik .Saden zu dem tapiauſdien oder neubaufena ſchen Juſtin • Commiſſions - Kreiſe gehåret. begreift ( 1)

Folgende kSnigliche Domainen Aemter.

a . Das Amt Todiſtadt. a) Die Halbinfel, auf deren Spitze Pillau liegt , wird das preußiſche Paradies genennet , weil die lage vorirefilich , mmd an Dingen , welche die Sinnen und das Gemith ergogen , ein Ueberfluß Nieſelbſt iſt. Uus der Feſtung kommt inan in eine Ebene, wo das Haff einen ſchönen halbrunden Buſen macht ; auf deffen Waſa fer Soráne , Mewen , wilde Enten , Schnepfen , und andere Waffervogel in Menge ſich aufhalten. Man fålyrt um dieſen Buſen nach Alt Pillau , welches zwar insgemein nur ein Fiſcherdorf heißt , aber doch aus zwey an einander liegenden Dörfern , ult: Pilau und Wos gram , beſteht. Ju Ult- Pillau iſt eine kleine Kirche mit einem offnen Kirchhof, wo alle pillauiſche Letchen hinges Nahe an der Kirche iſt auf führer und begraben werden. einem ſteilen Berge die Pfundbude, das ehemalige Zolls haus , als die Liefe allhier noch vorbey gieng. Dies ſtarke und hohe Gebäude, dienet den Schiffern auf der Gee, zu einem feuchithurni , und zum Zeichen , wornach fie urtheilen, daß fie dem pillauiſchen Safen nahe find. Bon dieſem Hauſe kaitn man rings , umher ein großes Stůď von Samland, Natången , Ermeland und über pidau weg ; etliche Meilen hint , die Nerung zwiſchen dem Haff und der See, und die Schiffe ein- und auslaufent ſehen , welche Ausſicht auſſerordentlich angenehm ift. Nach Dem Dentist . 8

go

Das Königreich Preußen .

dem Haff hin , bev Bogram , liegt die Storbude, ivo ter Siſch Stór aufgebracht, gefodt, eingepackt , und der Caa 3 viar oder Stórrogen zubereitet, und verſendet mird. Ilm dieſe AI Gegend fangen die Fiſcher bis 30 Urten wohlſchmecelis der See- und Haff Fiſche; um die Droſſelzeit aber fals leur die Droffeln , Kramsvögel und Amſeln in erſtauneus der Menge. Uebrigend ſind dieſe Dörfer voller Küchens und Dbft : Garten . Ueber den alt piltaniſchen Ades 1 kamint man durch eine Fahle wüſte Gegend zu einem Vorwerk mit Sedern , und zu dem ſogenannten pillauis fchen Krug an ein iiberang luftiges und reines Wåldcben , welches mit vielerley Bäumen ausgeziert, und Fu dicht iſt, daß man im Regen trocken darunter weggehen kann . Vielleicht hat die Anmuth dieſes kleiuen 29alds der gans zen Gegend den Namen des Paradieſes verídjafft. b ) Tenkitten , oder 5. Albrecht , ein Dorf an der, Dítrec, wo man nod) Urberbleib el von der erften driftli, den Kirche in Preußen fieht, welche dem beil. Adelbert, der bey Fiſchhauſen 997 am 24 April ermordet iſt, zum Ungedenken aufgebauet worden. Hier iſt auch ehemals die Tiefe geweſen , da die Schiffe eingegangen ſind. c) Lochſtadt, ein Dorf, zwiſchen dem friſchen Haff und der Oſtſee, wofelbft man die Spurez des alten War fergangs erkennet , über welche Tiefe man jetzt init Was Das alte bereimte gen und Pferden ſicher wegfährt. Schloß Kochſtadt iſt noch zum theil übrig , und man ſieht auf demſelben die grauſamen Kerker der alten Herrſchaft. Hier iſt das Umr. d ) zwey kleine Strandórter auf der Curiſhen 17eb rung , nemlich Pillauſche und Ult - Pillauſdhe Tiefe.

b. Das Amt Fiſchhauſen , in den alten Schloß ben ber Stadt dieſes Namens. Zu Palmniden , an der Oſtſee, wohnet der Strand auffeber, unter welden das Bernſtein:Schöpfen ſteher. c. Das

:

Oft : Preußen ,

51

a Das Amt Dirſchleim , an der Oſtſee . In dem felben wird der reinſte Bernſtein geſchöpft , geſammlet and gegraben, d. Das Amr Bragau. e . Das Ant Sdiaaten . Schaaken , ehebeffen Schoka, ein altes und verfallenes Solos, neben welchem das Vorwerk und ein Dorfliegt, eine Meile vom curiſchen Kaff. woſelbſt man gemeiniglich zu Schiffe geht, wenn man zu 2Baffer nach Memel reie ſen will. Hier iſt das Amt , und eine geiſtliche Inſpes ction , unter welcher 13 Pfarrkirchen ſtehen .

f. Das Umt Captau , deſſen Sik das alte Schloß im Kirchdorf Captau , iſt. g. Das Amt Grünhof , an der Oſtſee. Das Kirche dorf Kudau , iſt ehemals wegen ſeiner bequemen Lage ein Pag mit einem Schloß geweſen , von weldem letzten , nur noch wenig lieberbleibíel vorhanden ſind. Das Dorf iſt auch wegen des Sieges merkwürdig , den der Orden 1370 über den litauiſdjen (Sroßfürſten Kinftud hieſelbſt era fodt, zu deſſen Angedeuken in der Nähe im Felde des Dorfes Tranjau , eine ſteinerne. Såule aufgerichtet wors den , die noch ſteht. h. Das Umt Kaporn oder Caporn . In der fapor niſchen Seide, die ein königl. Forft iſt, in welchem Elan : thiere und Rehe geheget werden , ſteht mitten auf dem Bege die ſogenannte vier Brüderſåule, melche , allér Bahrſcheinlichkeit nach vier Ordensbrüdern zum Anges denken aufgerichtet worden , die hieſelbſt ums Jahr 1295 bon den heidniſchen Sudauern angefallen und erſchlagen worden . Die darauf geſekten Bilder, ſtellen die Gefialt der Ordensbrüder gar wohi vor. Dieſe Gedächtnißſäule iſt, wenn ſie verfaulet geweſen , über 400 Jahre nach dem zuerſt gebildeten Original unterhalten worden . i. Das Umt Raymen, oder Caimen, iſt in dem Schloß dieſes Namens. 1525 hat ſich hier ein unbeſonnener Baueru : aufſtand ereignet, der aber bald gedämpfet worden , k . Das

52

Das Königreich Preußen .

k . Das Ant Sriderichsberg , nicht weit von Königse berg. 1. Das Amt Kalthof , unweit Königsberg. Hier werden zuweilen die Muſterungen und alle Herbſt Uebun: * gen der oftpreußiſchen Infanterie , gehalten. m . Das Umt Iteuhauſen. Teuhauſen , ein Kirce dorf und altes Schloß , I Meile von Konigsberg wel ches ehemals den königsbergiſchen Domherren zuni Soma merhauſe gedienet , dein Markgrafen Albrecht aber ſorrob! gefallen , daß er ſich daſelbſt oft aufgehalten, und mit der Sago beluftiget hat. Hier iſt der Siß des Amts. n. Das Amt Waldau , am Pregel, welches von einem alten Schlos benannt wird . o . Das Amt Xoſſitten, auf der curifcben Nerung. Die curiſche Verung , ( Peninſula Curonenſis) gehöret zwar nur zum Theil zu dieſem Amt fie kann aber hier am füglichſten beſchrieben werden. Sie nimmt ihren Anfang beym Dorf Kranzrug, und endet ſich gegen Memel über, ſcheidet die Oſtſee und das curiſche Haff, hat 14 bis 15 Meilen in der Långe, und eine Viertelmeile, auch in mans Dieſer i cher Gegend etwas mehr , in der Breite. ſchmale Strich fandes ift fandig , wüſte und unfruchtbar. Der Wind richtet auf demſelben große Bermůſtungen an, båufet den Sand zu großen Hügeln , ſo daß die arınſelis gen Einwohner ihre Häuſer oft verſeken müſſen, und ſtårs zet viele Fichtenbäume nieder, davon das Holz zerſtreuet berum liegt und verbirbet; wie denn überhaupt an der Seite der Oſtfee die meiſten Bäume theils halb , theils ganz verdorret ſind, und als fable Pfåle da ſtehen. In dieſem Walde giebt es noch einige Hirſche. In das cu : riſche Haff erſtrecken ſich unterſchiedene Haken, oder ſo ges nannte Vorgebirge , die idegen des leimichten und ſteiners nen Grundes ſehr gefährlich find. Von den kleinen und fdhlechten Dörfern , welche auf der Nerung gefunden wer: den , gehören zum UmtRoſſitten , fünf, unter welchen Noſfitten das merkwürdigſte; denn hier iſt der Sit des Vier Amts , und es iſt ehedeſſen ein Schloß geweſen . der hieſigen Fiſcher -Dörfer , gehören zum Umt Memel.

(2) Hun.

Dſt - Preußen.

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(2) Hundert ſieben und achtzig adeliche Güter, unter welchen einige merkwirdige. a . Suchshofen , ein angenehmer Ort , zwey Meilen von Königsberg am Pregel, den der Staatsminiſter Fuchs angeleget bat , welcher aber icht der gråflich lottumſchen Familie zugehöret. b. Solſtein , am Pregel , der ſich nicht weit davon in das friſche Haff ergießet , eine kleine Meile von Königsberg. ' Es gehöret der Derzoglich : Hols ſtein -Becichen Familie. c . Die Ditte oder Schaleniche Ditte , ein nahrhafter und volfreicher Marktfleden am curiſchen Baff, der zu den Weſſelhoffchen Gütern gehöret. d. Trutenau , ein zu adelichen Rechten erhobenes Gut im Umt Neuhauſen, woſelbſt der Buchhändler Foh. Jakob Kanter eine anſehuliche Papiermůble , und zur Verferti: gung der Preß - Karten oder Preß - Spåne, welche zum Preſſen der Tücher und Zeuge gebrauchet werden, ein Glåts werf nach engländiſcher Art , auch eine Schriftgießerey, angeleget hat. 2) Der Tapiauídie Kreis, welcher in Juſtig. Sachen zu dem neuen tapiauſchen oder Juſtig, Commiſſions -Rreiſe gehöret , und begreift

( 1 ) Folgende königliche Domainen: Aemter. a. Das Amt Großhof und Kleinhof Tapiau , auf dem Schloß bey der Stadt Tapiau, in welcher die Kreis: Juſtiz - Commiſſion ihren Sik hat. b . Das Umt Taplaken , welches von einem Schloß den Namen hat. c. Das Umt VTatangen , deſſen Sitz in der Stadt Adenbnrg ift. d. Das Amt Labiau, deſſen Siß dus Schloß bey der Stadt dieſes Namens iſt. Das anſehnliche Dorf Groß Sriderichs Graben , liegt an dem Kanal gleiches Namens. C. DAS Amt Laukiſchlen , im Kirchdorf dieſes Nas mens. f. Das Amt Welaufen .

6. DAS

1

54

Das Königreich Preußen

g. Das Amt Salad , im Schloß des Kirchdorfs dieſes Namens. h. Das Amt Lappoenen . ( 2) Hundert und neunzig adeliche Güter , una ter welchen ? a. Sandittert Schloß init zugehörigen Gåteru der gräflichen Familie von Sdylieben . 6. Wohnsdorf, ein wegen ſeines Alterthums berühms tes Schloß , zwiſchen Alenburg und Friedland , der freys herrlichen ſchröteriſchen Familie gehörig . Vor Alters hieß es Capoſtete. c. Friderichſtein , ein ſchönes Schloß am Préget, wels des mit andern davon benannten Gütern , einer Haupts Linie der Grafen von Dönhof gehöret. d. Das Kirchen- und Schul-Amt Spanegeln, welches dem deutſdyreformirten Kirchen- und Soul: Collegium zu Königsberg gehöret, 3 ) Der brandenburgiſche Rreis , welcher in Juftig . Sachen zu dem Preußiſch : kylauſten oder Brandenburgiſchen Juftig - Commiſſionss Kreiſe gehöret. (1 ) Folgende königliche Domainen Aemter . a. Das Amt Brandenburg. Der Marktflecken Brans denburg , der zum Theil ziemlich wohl bebauet iſt , und mebrentheils von Fiſchern bewohnet wird , liegt am fri: fchen Haff, in welches hier der Fluß Friſching fáut. Das hieſige ehemalige Schloß, iſt zuerſt 1266 vom Markgras fen Otto zu Brandenburg erbauet , und , als die Preußen és 1520 zerſtörten , von neuem wieder aufgeführet , und endlich wieder abgetragen worden. b . Das Amt Karſhau, unweit Königsberg. c. das Amt Hoppelbude . d. Das Amt Ueberwangen . e. Das Aint Balga , in dem Marktfleden Balga .? und auf dem daſigen alter: Schloß, am friſchen Haff, wel genannte Liefe , mit der es hier ehedeffen durch eine ſo Ditres

1

Oft - Preußeit.

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Oſtſee vereiniget war. Der Orden hat fich dieſes Drts chon 1238 bemachtiget. f . Das Amt Carben , bey Heiligenbeil. g . Das AmtPreußiſch - Eylau , auf dem Schloß in der Stadt dicſes Namens . (2) Vierhundert und ein adeliche Güter und Dér. ter , unter welchen

5

a . Kafe- oder Sabe -Stromt, ein Kirchdorf am friſchen Haft , wofelbſt ebedeflen eine Mündung des Pregel zum friſchen Saff war , der 1741 verdåmmet worden , um die Hauptmündung deſto mehr zu vertiefen. b. Doninau , ein Schloß , deffen Beſitzer die Lehnsa herrſchaft über die Stadt Domnau hat. s. Õroß- und Klein-Waldeck , ein Ritterfit , in der fen Nabe die alte preußiſche Stadt Komouve , nebſt der berühmten Heil. Eiche , geſtanden haben ſou. 4) Der Raſtenburgiſche Kreis, welcher in Ju. ſtik -Sachen theils unter dem

halben Angerburgis

ſchen Juftis . Commiſjions: Rreife ſtehet. begreift

1

1

Er

(1 ) Folgende königlidie Domainen Aemter. a . Das Amt Xaſtenburg, deffen Sif das alte Schloß bey Rajienburg iſt. Unter den bazu gehörigen Dertern , iſt die heilige Linde , Sacra Tilia , Linda Mariana, auf polniſch Swiata Cipka, ein berühmter Wallfahrtsort, in einen angenehmen Shal , zwey Meilen von Raſtenburg , und eine Meile von der ermlindiſchen Stact Reffel. Die jebige Kirche iſt ein foſtbares Gebäude , ar: deffen pordern Seite ein Lindenbaum mit einem Marienbilde abgebildet ift. Vor den hohen Altar iſt ein künſtlicher Baum zu fes ben , auf welchem eine filberne Bildfåule der Maria ſtes het. Den Goitesdienſt verſehen Er: Jeſuiten. Auf einem der benden Märkte , welche hier jährlich gehalten werden , wird fart mit Leinwand gehandelt.

b.

DAS

56

Das Königreich Preußen .

b. Das Amt Bartenſtein , deffen Sitz das Vorwert Lieffen iſt. c. Das Amt Barten , welches feinen Sitz auf dem alten Schloß bey Barten bat . d . Das Amt Wandlafen . Es iſt aus den adelichen Gütern entſtanden , welde Konig Friderich Bilhelm 1737 den Grafen und Herren von Schlieben , für 42000 Thas ler abgekaufet hat.

die

(2) Zweyhundert vier und funfzig adeliche Gửa ter und Terrer

( 3 ) Das Erbhauptamt Gerdauen und Tor. denburg , welches der Ritter Georg von Schlieben für ſich und ſeine Nachkommen , wegen der den Dr. densrittern wider Polen 1460 geleiſteten Hülfe , fraft eines vom Hodymeiſter von Richtenberg 1469 verließe. nen, und von der folgenden ( andesherrſchaft beſtätig. ten Privilegiums erhalten Hat, und noch der gråflicha ſchliebenſchen Familie erb- und eigenthümlich jugea Zu deviſelben gehören die benden kleinen håret. Ståbte Gerdauen am See Barcin , und nors denburg am Flüßgen Aſchwón .

M 5) Dex 17eidenburgiſdie Kreis ,

welcher in

Juſtikſadıen unter den ncidenburgiſden Juftige Commiſſions-Rreis gehöret, und begreife

( 1) Folgende königliche Domainen Aemter . a. Das Amt Weidenburg , deſſen Siß das Schloß Key Neidenburg iſt, b. Das Umt Willemberg , deſſen Einwohner Polen ſind. Das Anthaus iſt bey der Stadt dieſes Namens. C. Das Amt Ortelsburg , welches Polen zu Eins wohnern hat. Sein Sik iſt auf dem Schloß bey der Stadt dieſes Namens. d. Das Amt Friderichsfeld. e. Das

Oft. Preußen.

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e. Das Amt Mensguth . f. Das Amt Soldau , deffen Sie das Wortert Niet berhof, ohnweit Soldau iſt. (2 ) Das Erbam Gilgenburg , welches der gråflichen Fintenſteiniſchen Familie erb . und eigen . thümlich zugehöret ,

und polniſche Einwohner hat.

In.demſelben iſt außer Stadt und Saloß Gilgeni burg , auf polniſch Dombrowno , zwiſchen den benden fifchreichen Seen Groß. und Klein - Damerau, melde der kleine Fluß Wicker verbindet , zu beo merfen. Tannenberg , ein Kirchdorf , woſelbſt am 14. Jul. 1410 zwiſchen dem deutſchen Orden und den Polen eine große Schlacht vorgefallen iſt.

( 3 ) Acht und achtzig adeliche Gürer. 6) Der Mohrimgenſche Kreis , welcher in Juſiig . Sachen unter dem falfeldiſchen Juſtig Commiſſions : Kreiſe ſteget , und begreift (1) Folgende königliche Domainen : Pemer, a. Das Amt Mohrungen , auf dem Vorwerk Deus hof bey njohrungen, b. Das Amt Preuſcholland , auf dem Vorwert Weestenbof unweit Preußiſch Holland. c. Das Amt Dollſtådt, auf dem Borwerk Alts Doüſtådt. d. Das Amt Liebmühl , auf dem Schloß in der Stadt Liebmühl. e . Das Amt preuſehmark , in dem Fleden dieſes Namens , welcher ein mit einem Oraben umgebenes Schloß hat. f. Das Amt Oſterode, auf dem Schloß in der Stadt Oſterode. g. Das Amt cohenſtein , auf dem Schloß in der Stadt Hohenſtein , h. Das D 5

7

Das Königreich Preußen .

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h . Das Amt Behlenhof, deffen Sitz das Vorwerk blejes Namens ift. (2 )

1

Drei Hundert und zehn

adeliche Güter,

ünter welchen die gråflich Dohnaſchen und die grafich Dönhofſchen die vornehmſten ſind. Die dohnarchen werden von zwen Hauptlinien der Burggrafen und Grafen von Dobna beſeffen , nemlich von der Reichertswaldiſchen , die ſich in die Laudiſche und Weichertswaldiſche theilet , die unter fid ein kleines Majorat und Fideicommiß errichtet haben ; und von der Pianifchen (von der Herrſchaft Vianen in Hollind zubes namt, ) welche 3 Diajorate hat, deren eines auf Schlobits ten , das zweyte auf die Profeliigifden und Ceileneus fchen Güter, und das dritte auf Schlooien , gegründet iſt. Die Linie , welche das letzte beſiket, hat auch die Cars windenícken Süter, von ihren nach Schweden gegangenen Bettern gefaufit, bon ivelchen Carwinden , das Haupts gut , das älteſte Debnaiſche Gut in Preugen , idyour im 15ten Jahrb . erworben iſt. Die genannten Familienſitze, ſind wohl und ſchön gebauete Schidffer. Die oonbofichein Güter dieſer Gegend, ſind Sie ans WE ſehnlichen Quittainenſchen , und gehören der zweyten Hauptlinie der Grafen von Do:ihof. 7 ) Der Marienwerderiſche Kreis , welcher aber unter der weſtpreußiſchen Krieges und Domai: nen .Kammer , auch in Juſtikſachen unter der 11as rienwerderſden Juſtiz:Commiſſion ſtebet, uno begreift (1 ) Folgende königliche Domainen : Alemter . a. Das Aint Marienwerder. Die Marienwerdes riſche fiederung, har einen einträglichen Boden, und iſt Fiart bebauet; und zum Unterhalt des großen 2Deichſels damms , trågt das Amt , die Stadt und der umliegende del bey . b. Das Amt Kieſenburg .

(2 )

For

Oft - Preußen .

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(2) Folgende Prbánter. a . Das Erbamt Deutſch Eylau , gehört der gråflicha finkenſteiniſchen Familie eigentlůmlid) und erblich zu. és hat zwey lutheriſche und zwey katholiſche Kirchſpiele. Das Erbamt, und die dazu gehörige Regiſtratur , iſt in dem Wohnſik des Erbamt - Hauptmanns zu Raudau . Dazu gehört Seewald , ein anſehnliches Schloß der Grafen von Finkenſtein , mit einem ſchönen Garten und einer Pas piermühle. b. Das Erbhauptamt Schömberg, hat neun Kircha friele, gehört auch der gråflich finkenſteiniſchen Familie eis genthümlich und erblich , und wird zu Seinrichau ges halten . Es gehdret dazu : a) Schömberg , ein Städtchen und Schloß , der gråflich - finkenſteiniſchen Familie zugehörig. Es liegt an einem Landſee. b) Sintenſtein , ſonſt Sabersdorf genannt, ein Flecken am Graudenz-Gee, mit einem prachtigeu Schloß und Garten der gråflich sfinkenſteiniſchen Fainilie. c) Langenau , Kirchdorf und Kitterfitz. (3) Eine Anzahl adeliche Güter. Unmerk. Der Braunsbergiſche und der Seilsbergis iche Kreis , aus welchem das Bistum grmland beſte: het, wird zwar von den oſtpreußiſchen Landes : Collegien verwaltet , gehöret aber zu Weſt-Preußen.

Das litauiſche Departement begreift Klein Litauen , welches vier und zwanzig Meilen lang und acht bis zwölf breit ift , und aus der alten Landſchaft Schalauen , dem größten Theil von Dadrauen , und einem dauen beſtehst.

kleinen Theil von Su.

Es gehöret aber ein kleiner. Diſtrict

von Litauen unter das oſtpreußiſche Kammer. Depar. tement,

60

Das Königreich Preußen .

tement, und das Sitauiſche erſtrecket ſich hingegen auch über das halbe Natangen , nemlich über das ſo genannte polniſche. Es wurde 1710 durch die Peſt von ſeinen Einwohnern faſt ganz

entblößet.

König Friderich Wilhelm zog von 1712 an , viele tauſend Schweiker, Franjoſen, Pfälzer und fran. fen , und 1733 und 34 noch etwas mehr als 20000 Salzburger ins land , welde dieſen můſten Strich { andes anbaiteten , die überflüſſige Waldung und Stråuché. ausrotteten , die Moråſte austrockneten, Ståbte , Dórfer, Kirden und Vorwerke anlegten , fo daß ſich das land in wenigen Jahren gar nicht viel mehr ähnlid, rahe ,

und die vielen Millionen

koſten , welche der König auf ſeine Anbauung und Einrichtung verwendet hatte , reichlich erfekte. Von dem Schaden , den 1757 die Ruſſen in demſelben anriditeten , hat es ſich bald wieder erholet. Un ſich iſt es der fruchtbarfte Theil des Königreichs. Der Boden iſt ungemein ergiebig , und die Weide vors trefflid , wovon die viel tauſend Laſten Getreide, die theils in den königl. Vorrathshäuſern aufgeſchüttet, theils ausgeführet werden , die guten Ochſen und Kühe , vortrefflichen Pferde und guten Schäfereyen , die gute Butter und ſchmackhaften Kåſe , unwider. fprechlich zeugen. Fiſche, gute Hölzungen , und Wildpret, giebt es in großer Menge. Manufaktu . ren ſind aud ) im Jande ; inſonderheit wird viel gro. bes und feineres Eud) , leder 2c. verfertiget und zu bereitet. . Die Litauer , als die alten Einwohner, des ren Anzahl aber nidit groß iſt , Şaben eine mit der curiſchen und lettiſchen verwandte Sprache , in wel. dje man die Bibel und einige Religions - Bücher ůber

1

Dſt ? Preußen .

61

überſéket hat. Sie ſind nicht die einfdſtigen und rohen Leute, dafür man ſie gemeiniglich ausgiebt, ſondern haben ihre růjmlichen Eigenſchaften fo gut , mie an. dere : wenigſters ſind ſie unter den Königen Fride. rich Wilhelm und Friderich dem zweiten ganz andere Menſchen geworden , und dieſe Verbeſſerung iſt vors . nehmlich durch die unter ißnen angelegten neuen Schulen , beren 1756 über 1700 waren , hervorge. bracht worden .

Die

Schweißer verſtehen ſich ſehr

gut auf die Viehzucht, und die Franzoſen auf den Handel und Tabacfsbau , weld )en legten ſie einge. führet haben ; die Salzburger aber veritehen ſich una ter allen Einwohnern am beſten auf die gute Wirth. Phaft.

Die Schweißer ,

Franzoſen und Franken,

ſind durchgångig reformirt; daher es auch in Klein Litauen zehn reformirte deutſche und franzöſiſche Kirchſpiele giebt ; die andern 62 find lutheriſc ), es iſt auch ein facholiſches vorhanden. partement begreift

Das litauiſche Deo

1. Die Stadte.. 1) Folgende Ståbte haben einen gemeinſchaftli ohen Steuerrath und Commiſſarius loci. (1) Gumbinnen , eine 1724 in einer angenehmen und bortheilhaften Gegend regelmäßig angelegte immediat Stadt, an der mitten durch hin fließenden piffa, von uns gefähr 200 Häuſern, in welchen man 1782 gezähler hat 4798 Menſchen . Sie iſt der Sit der litauiſchen Kriegs . und Domainen - Kammer , der Kammer - Juſtitz - Depus. tation , der Krieges- und Doniainen - Ober : Salz - Kaſs Re , der litauiſchen Accije : und Zoll : Direction des Infterburgiſchen Kreis - Contributions: Amts, eines königl. Proviant : Amts ,des uſchballen Forſtamis. Die öffent: lichen Gebåude ſind das Conferenzhaus der Kriegs- und Domais

Das Königreich Preußen . Domainen - Rammer , die deutſche und franz. reformirte Kirche in der Neuſtadt, die lutheriſche Kirche in der Arts ftadt, und das Falzburgiſche Hoſpital, welches feinen eis geneu Prediger hat. Es giebt hier eine gute Strumpf Manufaktur. Unter dem hieſigen lutheriſchen Probſt Hes hen 12 , und unter den reformirten Inſpector 7 Kirchen . (2) Inſterburg , eine mittelmäßige immediat Stadt an der Angerap, welche unterhalb der Stadt fich mit der Infter vereiniger . Sie iſt 1572 angelegt, und 1727 mit Palliſaden umgeben worden ; hat ungefähr 350 Häuſer , und 1782 hatte ſie 4528 Einwohner. Unter der hieſigen Inſpection ſtehen 22 Kirchen, Außer der evangeliſch -luther. ift hieſelbit auch eine reformirte Kirche. Vom Getreides bandel , und von dem ſtarken und geſunden Bier , wels ches hier gebrauet wird , hat die Stadt ziemliche Naha Das Schloß iſt in der Mitte des vierzehnten tuttg. Jahrhunderts erbauet , und vom König Friderich Wil . helm I. verbeſſert. Auf demſelben hat das 1724 errichtete oſtpreußiſche Hofgericht ſeinen Sit. 1590 und 1690 hat fie großen Brandſchaden erlitten . ( 3) Darkehmen , ein geringes immediat Städtchen , an der Angerap , welches 1725 Stadtgerechtigkeit erhala ten hat, und 1732 von den Salzburgern volkreicher ges macht worden iſt. Es iſt daſelbſt eine Luch - Wollens und Leder - Manufaktur. 1782 waren hier an 1600 Menſchen . ( 4) Goldap , eine ziemlich nahrhafte, aber gering gebaute immediat Stadt , an der polniſchen Grånze , die Markgraf Utrecht 1564 geſtiftet hat. Hier wird viel Meth gebrauet und ausgeführet. Nahe bey derſelben iſt der hohe Berg gleiches Namens, von welchem man eine Nusſidyt auf 12 Meilen weit hat. (5) Stallupsbnen , eine immediat Stadt , wel. che 1722 Stadtgerechtigkeit bekommen hat. 1782 hatte fie 2354 Menſchen . Sie freibt guten Handel mit Vieh . (6 ) Pilkallen , ehemals ein Dorf , feit 1724 aber eine. immediat Stadt , deren Einwohner gute Nahrung has * ben . Es iſt hier eine lutheriſche und eine reformirte Kirche. 1782 waren hieſelbſt 1162 Menſchen.

( 7) Schir:

Oft : Preußen .

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( 7 ) Schirwind , eine geringe immediat Stadt , wels che bis 1725 nur ein Dorf war , in weld em Fahr ſie aber zu einer Stadt gemacht worden . 1782 batre fic 1230 Menſchen : ( 8) Ragnit , eine kleine immediat Stadt an der Mes mel , welche 1722 mit Stadtgerechtigkeit begnadigt wors den , weil der Ort bis dahin nur ein Marktflecken geweſen war . Das hieſige Schloß iſt eines der älteſten im Lande, und ſchon zu det Heiden Zeit berühmt geweſen , 1255 bom Diden beſſer aufgeführt, und , nachdem rů die Heia den verbrannt , 1357 abermals erbauet , und Canoshurb genennet worden , bis man es hernach von dein verbey fließenden Waſſer Ragnit bengont hat. Unter der fieſta gen geiſil. Inſpection ſtehen 10 Kirchſpiele. Die Stadt iſt 1757 von den Nufſen ganz eingeåfdert , aber hernach beſſer wieder erbauet worden. 1782 har man 1882 Meus fden gezählct. Die Ausſicht von dem ſogenannten Kids aigsberge iſt ungerneine angenehm . (9 ) Tilſit, Tilſe, Chronopolis, eine immediat Stadt, die größte , wichtigſte und nahrhafteſie nach Königéberg. Sie hat 1552 Stadtgerechtigkeit erhalten , das Schloß aber foll ſchon 1289 erbauet ſeyn. Die Meinel flicßet 42 Der Scordſeite , und vermittelſt derſelben freibt ſie nach Königsberg und Polen Handel mit etreide , Leins fact, Holz , Wads , Butter und andern Lebensinits teln. Sie beſteht eigentlid ) aus zien langen und breis ten Straßen , welche die deutſche und die hohe Gaffe heißen , zu welchen noch die ſogenannte Freyheit , als eine Vorſtadt , komnit. Die Anzahl der åuſer bes läuft ſich auf 600 , und der Einwehner auf 7coo. Auf fer der evangeliſch -deutſchen und litauiſihen Kirche , iſt hier auch eine reformirte Kirche; vor der Stadt iſt noch cine lutheriſche Kapelle , und Meile davon eine rós miſch -katholiſche Kapelle, Drangowſki genannt. Nes ben der deutſchen Kirche iſt die 1586 geſtiftet königlis dhe Provinzialſchule. Unter der hieſigen Kirchen - Ina ſpection ſtehen 10 Kirchſpiele. In Hoſpital wer . den

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Das Königreich Preußen .

den bis 90 Perſonen verſorget. Im Peſthauſe werden jeßt arme und kranke Leute verpfleget, und in Paupers hauſe, 10 Knaben unterhalten . Es iſt hier auch ein Uits wenſtift und eine Salzfactorey. (10 ) Memel, pon den Euren oder letten Klaipade genannt, eine Handels {tadt. Feſtung und Bafen am cinis ſchen Haff, in welches hier die Dange filt. Dieſe ime mediat Stadt iſt 1250 erbauet , 1312 befeſtiget, and 1328 vom lieflåndlichen Wandmeiſter an den preuji den Hochmeiſter übergeben worden . Der Şafen hat einen guten 18 bis 20 Fuß riefen Eingang , und iſt durch zwey Rißbänke, die über 50 Ruthen weit ins Haff hinein ges hen , und 11000 Thaler gekrſter haben , noch ſicherer gez macht worden . Er liegt unter den Kanonen der Feſtung. Die Cradt wird in die Altſtadt und Frideridysitadt abgen theilet, und iſt mit einem Wall von 2 ganzen und 3 balbert Bollwerken uingeben. Sie hat etw.is iconiale aber ge rade Gaffen , und meiſtens ſteinerne øluier . . 1783 zihite man 514 Hauſer, 5559 Menſchen. Außer der deutich n lus theriſchen Stadt- Kirche,iſt hier auch ein : litauiſche, eine res fornirte, und eine Katholiſche Kirche. Unter der uthe is ſchen Inſpection , ſteben 10 Kirchſpiele. Die Bürger er : náhren ſich vom Handel , Bierbau , Aderwerf , Seiffies den , Fiſchfang sc. inſonderheit wird von bier piel Flachs, Leinſaat, Garn , Hanf , und Holz ausgeführet. 1752 fino 70 Schiffe eingelaufen , und 69 ausgegangeii, 1772 aber 439 Schiffe, und 1774 fogar 500 Schiffe, welcher ſtarker Unwachs der Schifffahrt, durch die Ausfuhr des aus litauen hieher gebrachteti Holzes , verurſachet wurde. Sie betrug 1972 auf 439 Schiffe. 1777 kamen 683 Schiffe an , und 681 giengen aus. Die Ausfuhr be: trug 641078 Rthlr. 1780 machte die Einfuhr auf 479 Schiffen , 82225 Rthlr: hingegen die Wusfubt auf 474 Schiffen , 941398 Rthlr. aus. 1783 liefen 793 Schiffe aus . Das hier verfertigte Schifthauwerk, iſt berühmt; es iſt auch ein Schifbauwerft angelegt worden. Ehemals gehörte ſie Stadt mit zu der Hanſe ; daher fie auch 1254 bað kåbediſche Recht atinahm .' Die Citapelle ben

Di - Preußen.

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der Stadt , beſtand aus vier meiſt regelmäßigeu Baſtios nen , nebſt den nöthigen Ravelinen und halben Monden . Man hat ſie aber eingehen laffen , umd die Gebäude ir derſelben , ſo wie den Boden , verkauft. 1323 , 1379, 1457, 1540 und 1678 iſt die Stadt abgebrannt , und 1757 von den Ruſſen nach einer kurzen Belagerung eroa bert worden , 2)

Folgende Städte haben auch einen gemein .

fchaftlichenSteuerrarh und Commiſſarium loci. (11) Ungerburg, iſt eine 1571 aus dem Dorf Neuen . dorf errichtete , und in neuern Zeit gut angewachſene, prohl angebaute , und mit Palliſaden umgebene immediat Stant, mit einem 1312 erbaueten feſten Schloß , am Maur- See , aus welchem der aus dem See Strengel entſtehende Fiuß Angerapp hervor fðmmt. Dieſer See ift 2 Meilen lang und breit , und der Ualfang in dem felben war ehebeffen wichtig . Der Cabah und Kiſain find Buſen dieſes Sees. Mau hat 1782 hier 2213 Mens idhen vom Civilſtand gezählet. Es iſt hier eine geiſtliche Inſpection über 14 Kirden. 1734 und 1736 hielt ſich 8. Stanislaus Hieſelbſt eine Zeitlang auf. ( 12) Cotzen , eine kleine immediat Stadt , mit einer 1285 aufgeführten Schloß, zwiſchen welchem und der Snadt , ein 1765 gegrabener Kanal den See lepentin mit dem großen Maur - See vereiniget. Sie iſt vont Martgrafen Albrecht Friderich vor 1589 zu einer Stadt gemacht, und mit dem Namen des Schloſſes belegt wors ben. 1782 waren hier 1154 Menſchen. In dieſer Ges gend hat man römiſche Münzen gefunden. ( 13) Marggrabowa , eine immediat Stadt , neben dem Schloß Oletko. Sie lieget an einem Landſee , und hat den Namen von Ihrem Stifter , dem Markgrafen Ulbrecht , welcher Tie zum Ungedenken der Unterredung erbauere , die er nicht weit von hier mit dem polniſ. Kos nige Sigisnund Auguft gehalten , der in Poren an der Crånze , 8 Meilen davon , die Stadt Auguſtowa 1560 anlegre. Nicht weit davon haben die fchwediſder und 2 Sh . 8 U. dur

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Das Königreich Preußen.

churfürſtl. Soldaten 1656 die Latara geſchlagen , und den gefangenen Fürſten von Radzivil befreyet. ( 14) Lyf, eine 1435 erbauete nahrhafte immediat Stadt, an dein Landſee Somnau , der auch von der Etadt benennet wird. Sie zählte 1782 über 2000 Mens fchen ; es iſt hier eine Inſpection über 70 Kirchen , eine 1588 angelegte Provinzialſchule , und 'ein Schloß , wel: ches 1272 auf einer Inſel in dem See aufgeführt iſt. 1656 haben die Tatarn in dieſer Gegend viele Grauſam . Feir ausgeübet. , 1688 und 95 hat die Stadt igroßen Brandſcaden erlitten . (15) Biala , eine Pleine immediat Stadt, welche erft 1772 Stadigerechtigkeit erhalten hat. 1782 waren hier 795 Menſchen . (16 ) Johannesburg , von den Polen. Sansbork oder Pyrch genannt , eine kleine immediat Stadt, von gutem Pne:hn , in einer Ebene , am Fluß Puſch , der unweit der Staot aus dem Groß Warſchau:See tommt, bürch die Stadt fließet, und vier Meilen von derſelben bey der pola niſden Stadt Novigrod ſich mit dem Fluß Narew vereis niget. Die Stadr hat ben Namen von den ben ihr lies genden 1346 zuerſt erbaueten Schloß bekommen. Bis 1645 iſt ſie ein Fleden gemeren , in dieſem Jahr aber vom Churfürſten Friedrich Wilhelm zu einer Stadt ges macht worden . Es iſt hier eine kirchliche Inſpection über 8 Kirchen , und ein königliches Vorrathshaus. Die Stadt bat die freye Fiſdierey in dem See Klein :pagandt. 1687 Litte fie Brandſchaden . 1698 anterredete ſich Churfürſt Friederich III mit dem neuen polniſchen König Auguft II hieſeibſt vier Tage lang. 1709 hielt ſich K. Stanislaus auf dem Schloß auf. In eben dieſem Jahr und. 1710 fturben die meiſten Einwohner au der Peſt. Es fånget hier die Johannesburgiſche Seide an , welche 12 Mei ten lang , und eine von den größten in Preußen iſt. ( 17) Aris , eine geringe immediat Stadt am See gleiches Namens, welcher König Friderich Wilhelm Stadts gerechtigteit verliehen hat. Menſchen.

1782 waren hier gegen god ( 18)

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(18 ) Tifolaiten , eine kleine immediat Stadt, wela dhe 1722 Stadtfrenheiten erhalten hat . ' 1782 hatte ſie 1202 Menſchen . Sie lieget am Ende des Nikolaitenfees, der ein langer Arm des Spirdingſees iſt, welcher ſich bis Rhein erſtredet, ( 19) Sensburg, ein immediat Stådrchen, an einem See, in einer ſchönen Gegend . Es iſt 1348 erbauet, 1520 von den Polen geplündert und angezündet, und 1568 durch eine Feuersbrunſt in die Aſche geleget worden . Man záhlete 1782 an 1200 Menſchen. (20 ) Rhein , eine kleine immediat Stadt, mit einem 1376 erbauetem Schloß, am Rheinfee , der ein Arm dcß Spirdingſees iſt.

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67

Oft . Preußen .

2. Die landráthlichen Kreiſe 1) Der Inſterburgiſche Kreis , welcher in Juſtißfachen unter dem Inſterburgiſdien und Memela fchen Juſtik.Commiſfions.Kreife ftebet. Dahin ge.

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(1) Folgende königliche Domainenámter . a. Das Amt Althof . Miemel , auf dem Bormert dieſes Namens bey Memel. Zu demſelben gehöret die Hälfte der curiſchen Fehrung von 7 Meilen . 6. Das Umt Clemmenhof. Das Amthaus iſt una weit Memel , auf dem Vorwert dieſes Namens, c. Das Amt Þrókel oder Prškuls, auf dein Vorwerk in dem Kirchdorf dieſes Namens. d . Das Umt beydelrug, in dem Marktflecken diefeß Namens , am Fluß Schiſche. e. Das Umt Ruß, in dem gleichnamigen großen Kirch , derf, am Fluß gleiches Namens. f. Das Umt Kubernere , bey dem nahrhaften Markt. Recen RauFebnen , an der Ruß, in der tilfitſchen Vies derung , welche eine Meile unterhalb der Stadt gilfit anfångti alles niedrige Land um die Prme der Memel, Silge

1

LET

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Das Königreich Preußen.

Silge und Ruffe begreift, und ſich bis an das curiſche Raff e ftredet. Sie iſt eine von den fruchtbarſten Gegenden Mrs ganzen Landes, ungefähr 4 Meilen lang und eben fo ! bieit. Die Einwohner ziehen viel Vieb , und verſorgen " nicht allein Preußen , ſondern auch andere Provinzen mit gi ter Butrer und Kåſe, haben auch wichtige Fiſcherenen. Die Pferde ſind zwar groß und ſtart, aber weder foon noch dauerhaft. Außer der Gerſte wachſet bier faſt gar Fein Getreide und kein Holz. Dieſes Marſchland iſt im Frůbjahr den Ergießuvgen der Flüffe ausgefeßt, die oft großen chaden anrichten . g. Das Umt Balgarden , bey Zilfit, dazu das abges bauete Vorwerk Plauſchwarren gehöret , auf weldbem 1767 den Mennoniten ein offentliches Bethbaus bewilliget for worden. h. Das Amt Baubeln.

i. Das Amt Winge, am Fluß Memel. k. Das Umt lintuhnen . In dem großen Kirchdorf Icmeykiſchlen , werden jährlich zwen Jahrmärkte gehals ten . Bey dem Schanzenkrug theilet ſich der Memels ftrcm in die benden Hanptarme Nuß und Gilge, und bier ift 1778 der neue Gilge- Banal gegraben worden , durch welchen der Gilge bey ihrem Ausfluß aus der emel ein gerader Lauf verſchaffet worden. 1. Das Amt Heinrichswalde. m. Das Amt altbof-Ragnir , bey Ragnit. n. Das Umt Schreitlaufen , da wo ſich die Jura mit der Memel vereiniget. 0. Das Amt Raſſigkemen , am Fluß Memel , wel: cher bey dem Dorf Schmallenikn : Hugriogallen aus Pow ten kommt , daher daſelbſt ein Waffer:200. Amt iſt. p . Das Amt Sommerau . 9. Das Amt Gersfullen. r. Das Umt Budupdhnen. 8. Das Umt Lesgewangminnen , an der Inſter. t . Das Amt Lobegallen . Zu Lasdehnen iſt auf der Ocheſchupe eine Fähre. u. Das Amt Örümblowtaiten . 2. Tal

Oft: Preußen .

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1. Das Umt Urcbpiqunen , unweit Pillatlen. y. Das Umt Dirſchlemen , oder Dorſchkemen . 2. Das Amt althof- Inſterburg. Bey Groß : Jås gerndorf iſt 1757 ein hißiges Gefecht zwiſchen den Preuſs ſen und Kuſſen vorgefallen , in welchem jene den Kürzera gezogen haben . 2. Das Amt Georgenburg. Der Drt dieſes Namens, iſt ein altes 1336 erbauetes Schloß und Kirchdorf. Ben denfelben entſtehet der Pregel aus Vereinigung der Juſter uno Angerap. b. Das Amt Woulinen . Das Amt Ruſſen . c. Das Amt Bralupáhnen. f. Das Amt Kattenau. 8. Das Umt Stannaitfchen . b . Das Amt Schirgupåbnen , Warrdorf benannt wird. 1. Das Umt Dangkehmen .

welches von einen

k. Das Umt Budwetſchen oder Budweitſchen , auf odarten dem Borwerf 1. Das Umt Öcritten oder Göritten. m. Daé StutsAmt Tralehnen , an der Piffe , beftes betauố 8 Borwerken , und 16 Dörfern , und iſt vortreff lich eingerichtet. Trakehnen iſt der Hauptort deſſelben . n. Das Umt mattiſchlehmen . 0. Das 2int Waldautadel. p. Das Amt Colminglehmen . 9. Tas Amt Bredauen, auf dem Vorwerk Caſſuben , I. Das Solzfloßamt zu Waſſawen oder Groß affas ben , an der Rominte , ſchaffet aus der romintſchen Heio de, auf der Rominte, Piſſe und dem Pregel , jährlich ei. u große Menge Brennholz nad Königsberg. Das Amt Kiauten , in einer gibirgichten Gegend, no ein Eifevhammer angeleget worden . t. Das Umt Königsfelde. u . Das Amt Weebern . x. Das Umt Dinglaufen .

y . Das

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Das Königreich Preußen.

z. Das Amt Büglien , auf dem Vorwerk diefes Nas mens.

a. Das Aint pliden. 3. b . Das Unt Gaudifchkemen , Didladen . c . Das Amt udoallen .

auf dem

Vorwert

d. Das Uint Jurgaitſchen ,

+

( 2 ) Zweyhundert adt und zwanzig adeliche Verter. Unter denſelben find die fürſtlich : deflauiſchen Güter , welche einen ſches nen Strich Pandes , am linken Ufer des Pregels, 41 Meia lou laug , und bis Meilen breit ausmachen. König Friderich Wilhelm der erſte , als Er Preußen in Gefell. Raft des Fürſteu Leopold von Deſſau beſudite,hat denſelben ermuntert und vermogt, einige wüfte liegende Güter fåufs lich) an ſich zu bringen. Der Fürſt hat fich dazu millig entschloſſen , und nachſtehende Güter und Dörfer mit baarem Gelde von den Eigenthümern , und derſelben Ers ben und Gläubigern erkauft , nemlich , das Buriert und Dorf Groß : Bubainen , mit dem Kruge, Walde , und dein darinn gelegenen Vorwerk Milchbude , auch den Wiefen jenſeits des Pregelflufjes ; den Krug Blein -Obe: lifchlen , mit dem dazu gehörigen Walde und Nedern , und mit dem Walde genaunt die vier sufen ; das Gut und ! Dorf Recin : Bubainen , mit dein dazu verſchriebenent Kruge , das Vorwerf Abſchraten ; und die Dörfer Bens ? Pehmen , Klein Obeliſchken , Jardzuhmen , Roſa đen , Klein - Ballaunen , mit dem Kruge , Kermuts ſchinen , Matteningken, Klein = Plateniſchken , Stran ſchen und Zerlen ; der Fürſt hat auch mit königl. Era laubniß dem Magiſtrat der Stadt Kneiphof : Königsberg den Canon , irelchen er von dieſen Gütern and Dérfern gehoben , fir baares Geld abgekauft, um auch das do . minium dire&tuin dieſer Güter zu erlangen. Ferner hat Er durch) ordenilichen Kauf an ſich gebracht , das Vora wert Schwagerau , mit dena dafigen Kruge und Walde, rechs

DIT: Preußen ."

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ſechs Bauern im Dorf Wippeningken , nebſt der Ges redytigkeit, einen Krug in einem diefer Bauernbluſer ans zulegen , eine Wieſe zu Cafeningken , imgleichen die Gůs ter , Vorwerke und Dörfer Korkitten , ſamt dem Kruge, 2. Ide und Kirchen - Lehn , Mangarben , Schloßberg , Parndeničn , Schmilginnen , woynothen , nebit dem Kruge , atfchulen , mit den Kruge zur Zuer, und Duru gehó igen Adern und Wieſen . Weil nun der , Fürſt ſich dem Könige durch den Untauf dieſer Gåter willfäirig gezeiget, anſehnliche Summen Geldes daran geren et, aud) aus ſeinen fanden und Deutſchland, viele Familien mit großen Koſten nach Preußen gebracht, das durch die Güter in guten Stand gereket, und die königl. fandi : Contribution vergrößert : To bat der König diefers legen , und wegen ſeiner vieljährigen wichtigen Dienſte . ihm und ſeinen Fürftlichen Nachkommen , ein Gnadens' Privilegium åber alle vorerwähnte mit baarem Gelde kaufte Güter gegeben, welched vom 28ſten Auguſt 1770 iſt. Es brachten dieſe Güter 1736 ſchon 22000 Rthlr. ein, aber 1757 wurden ſie von den Ruffen ſo perwäſtet, daß einige Dörfer feitdem nicht wieder aufgebauet worden ſind. Bus bainen , am Pregel , eine Meile von Suſterburg, iſt das grðſte und beſte Dorf ; Vorkitten , ein Kirchdorf, iſt der Pin des füriilid )en Unus. Es liegt beym Einfluß der Murine in den Pregel. Die Rautenburgiſchen Güter , welche yor dem Hauptort Kautenburg an der Silge, den Namen haben , gehören der gråflich Keyſerlingſchen Familie. Sie liegen in der Zilfitroen Nehrung. 2)

Der Oleskode Kreis , welcher zu dem

3 Inſterburgiſchen Juſtig.Commiſſione. Rreiſe gehöret , und begreift (1) Folgende königliche Domainen : Jemter. 1. Das Amt Dieglo,welches von dem Sd Oto , bey der Stadt Marggrabowa , den Namen , feinen Sitz aber auf dem Borwert Seedranten hat. b. Das

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Das Königreich Preußen .

b. Das Amt Czichen , c . Das Umi Polommen . d. Das Amt Stradaunen , in welchem das Pfarrs dorf diefes Namens ift. e. Das AmtCzimodhen , zu welchen der Fleden Bale linowen gehöret. f. Das Umt lyt , welches bey der Stadt Cyk auf eis ner Inſel in dem See Somnau ſeinen Sik bat , Oſtrofoun , ein Pfarrdorf , dazu das Dorf Proßten gehöret, bey welchem die Grången vom Herzogthum lia tauen, von Polen und Preußenzuſammen ſtoßen, und es 1545 eine Grånzſäule errichtet worden iſt. g. Das Umt Drygallen , in welchem das Pfarrborf dieſes Namens ift . h . Das Amt Johannsburg, welches feinen Sig auf dem alten Schloß bey der Stadt dieſes Namens bat. Su derſelben iſt der Landſee Warſchau , der drey Meilen lang , und in welchem eine Inſel ift . ' Das Amt wird , auch von dem Vorwerk Cupken benannt. (2) Fünf und vierzig adeliche Güter. Zu Andreswalde oder Roszinowen , iſt eine unitas riſche Gemeine , welche 1776 - die königl. Erlaubniß erhals ten hat, ihrem gottesdienſtlichen Verſammlungshauſe auch die außerliche Geſtalt einer Kirche zu geben. 3) Der Seheſtenſche Kreis , welcher in Ju. ftißfachen zu dem lykſchen Juftik.Commiſſions.Kreiſe Er begreift gehörer. ( 1 ) Folgende königliche Domainen Aemter. a . Das Amt Angerburg, auf dem Vorwert, welches eine viertel Meile von der Stadt dieſes Namens liegt. b. Das Amt popiollen . c . Das Amt Sperling . d . Das Amt lågen , oder Althof Legen, deſſen Siz das Schloß bey der Stadt dieſes Namens ift.

e. Das Umt Seheften , in welchem das Pfarrdorf gleiches Namens ift.

f. DAS

Dit: Preußen .

73

t. Das Amt Schnitten , g . Das Amt Rein, welches feinen Siß auf dem Amts borwerk Lewken hat. In demſelben iſt der Spirdings fee, welcher der großte Pandſee in Preußen. Nicht weit von dem Dorf Quida , kommt der Fluß Dyſch aus dies fem See , welcher hernach in den See Willuſchki und Barſchau , und aus demſelben nach Johannsberg fließet. h. Das Amt Urys , auf dem Vorwerk Skomatko. (3) Das Erbamt Neuhof, welches jeßt der . Familie von Drigalski erb- und eigenthůmlich zuge. håret,

und ſeinen Namen von dem Ritterſik und

Pfarrborf Veubof bat. (3) Hundert und vier adeliche Güter, als die Steinorriſchen der Grafen von Sehndorf 2c.

II. Weſt

74

II.

Weft - Preußen.

un 1454 618 1772 , während welcher Zeit die e » Land von Oit Preußen gerrennet geweſen , war es ein eigener und beſonderer Staats. Körper , der mit Polen nichts , als den König und deſſen einzige Perfon , gemein Hatte , und mit der Krone durd ; ein Denn als es von gem fles Bündnih verknüpft mar. dem deutſchen Orden abfiel, und ſich unter des pile niſujen Königs Caſimir IV Soup begab , bedung es ſich ausdrücklich aus , daß es mit der Republie Polen nid) ts wolle zu ſchaffen haben , ſondern der König folle die ſie angehenden Sachen ſelbſt beſchlies ßen und verordnen , auch zu dem Ende oft ju ifnen tommen , und Landtage anſtellen. mer behan.ptet,

Es hat alſo im.

daß es als ein frener Staat mit

gleichem Recht als Polen und Litauen ,

einen Ks.

nig erwähle , der nach der frånung den Preußen ihre Privilegien eidlich beſtätigen muffe , und als. Denn erſt die Huldigung empfange, und daß derfel. bige ohne Zuziehung der Stånde in Sachen des lan. des nichts mornehmen fönne. Dieſe Stånde waren 1 ) geiſtliche, nämlich der Biſhof von Erins lano , Präſident des Landraths , und vornehmſtore Landesſtand, und der Biſchof von Tulm. Der Konig ernannte vier Canonicos aus dem ermlandi. ſchen Kapitel , von welchen das Kapitel einen , ud zwar denjenigen , welchen der König vorzüglich ame pfağl, zum

Biſchof von Ermland erwählte . Den

Bifcho

Weſt: Preußen.

75

Biſchof von Culm ernannte der König ſchlechthin , ohne Zuziehung des Kapitels. 2 ) weltliche, nåma lid, die adeliden , oder 3 Woiwoden , der culmi. fiche, marienburgiſche und pomerelliſche, 3 Raſtels lane , und 3 Unterkåmmerer , und die bürgerli den , oder die 3 großen Srádre Thorn , Eli bing 'und Danzig. Pris dieſen Gliedern beſtand Der Landratly. Die Biſchöfe , Woiweden und Kaſtellane , waren zugleid, polniſche Reidis . Senas toren , nadidem ihnen 1569 gemiſle Stellen im Ses nat waren angewieſen worden. Die orợentlichen Landrage hårten ſchon im ſiebzehnten Jahrhundert auf ,

die außerordentlichen aber blieben ,

und

wurden vom Könige ausgeſchrieben , welcher auch Zeit und Drt derſelben beſtimmte. Wenn der Kom nig den gemeinen Landtag ausſdyrieb , feßte er auch die Zeit zu den fleinen Landtagen an ,

auf weldhen

Die landbothen erråhlet und bevollmachtiget wurden . Zu den polniſchen Reichstagen wurden zwar außer der Ritterſchaft, auch die 3 großen Sradre ein. geladen , es war ihnen aber weder im Senat noch in der Sandboren . Stube ein gewiſſer Plak angewieſen ; daher fie nur ihr Anliegen den Sandes . Inſtructios nen einverleiben ließen , und die Beförderung deffels ben den adelichen Råthen und Boten empfahlen. Der ſogenannten kleinen Städre , waren 27 , nån. lidy, Marienburg, Chriſtburg ,

Stum , Neureich,

Tolfemit, Graudenzi Strasburg, Jeſſen , Neu . marf , Rheden , Golub , Lautenberg , Schönſee, Dirſdau, Mewe, Neuburg , Schweß, Pugig, Stargard , Sdiónect , Berend , Konig , Balden . búrg , Friedland, Tuchel,

Rammerſtein ,

Slus dau.

1

76

Das Königreich Preußen .

chau." Diefe hießen fønigliche Städte , und die übrigen Städte waren die biſchöfliſch ermländiſchen

. und culmiſchen. Der Udel hatte in jeder Woiwodą fchaft feine Sand- und Saloß . Gerichte, und das Tribunal zu Peterkau war deſſelben leßte Inſtanj, Von den Magiſtråten der 3 großen Städte , appele lirte man an die föniglichen af fforial - Gerichte, und von den Magiſtråren der kleinen Städte , an die Staroſten , Polen .

und von dieſen an den König von

Im rechzehnten Jahrhundert breitete ſich hier die Reformation ſehr aus , ſo daß in den vornehm . fen Siádten die Anhänger der evangeliſchen Kirche, den Gliedern der rómiſch · fatholiſdyen Kirche weit überlegen waren , und in kleinen Städten und auf ben Dörfern gieng es zum Theil eben ſo zu , allein in der folgenden Zeit ward vieles geändert.

Die

Könige von Polen hatten jwar den Städten die freye Uebung des evangeliſchen Gottesdienſtes beſtätigt, es blieben aber wenige übrig , in welchem die Evan. geliſchen Kirden hatten, in den übrigen hatten ſie Es wurde diefiften den Karholifen abtreten muffen. auch der Adel durch mancherler Mittel von der evan , geliſchen Kirche abwendig gemacht. In dieſem Zuſtande blieb das Sand bis 1772 , 0 % es wieder mit Dit . Preußen verbunden wurde , die Etädte Thorn und Danzig ausgenommen , weldje mit Polen in Verbindung blieben . König Friderich der groente gründete ſeine Anfoderung an Pomerellen , auf das Rech : der Erbfolge, und auf das Recht der Dberlehns Herrſchaft , wie fernach ausführlicher vorkommen wird , und die übrigen Provinzen des Her .

Weſt . Preußen. Herzogthums Preußen ,

77

nahm er wegen bes'feinen

Vorfahren ſo lange entzogenen Beſißes der Provinz Pomerellen , und wegen anderer nicht geltend ges machten Anſprüche. Es beſtehet Weft. Preußen jekt noch eben ſo wie vorher aus vier Theilen .

1. Die Culmiſche Provinž , oder Culs merland , Culinigeria , weldies bis 1772 eine Woiwodſchaft war. Das culmiſche Bistbum iſt das älteſte unter den Weft . Preußiſchen , und ums Jahr 1215 oder 1222 von dem maſoviſchen Hero jog Conrad geſtiftet worden . Zu dem biſchöfliſchen Sprengel gehören die Kirchen im Culmiſchen und Marienburgiſchen. Daß er ſich auqi einen Bichof bon Pomeſanien nennet , iſt ein leerer Titul., aufer daß die Stücke des ehemaligen pomeſaniſchen Bis . thums , welche 1466 an Polen tamen , unter ſeine geiftliche Aufſicht geleget worden. Das Dom - Ra. pitel beſteht aus dem Suffragan und Archidiaccnus, aus dem Decanus und neun Canonicis , welche von dem Biſchof und von den übrigen gemahlet werden , Dieſe Provinz enthält 1. Die Städte, welche unter einem Kriegs . und Steuer - Rath ſtehen . 1) Culm , auf polniſch Chelmno , eine Stadt an der Beichfel, auf einem erhabenen Drt. Mit ihrer Erbaus ung ift 1239 der Anfang gemacht worden. Sie wurde von einem maſoviſden Herzog dem deutſchen Drben übers laffen , fiel aber von deinſelben ab , und begab fich unter Polen , 216 die Deutſchen die Herrſchaft über ſie belas men , pflegte hier das höchſte Gericht von Preußen zu

reyn ,

78

Das Königreich Preußen .

reyn , daher das culmiſche Recht ſo berühmt, und faſt von ganz Preußen und Maſuren angenommen worden . Sie iſt groß , aber ſchlecht bewohnt. Ebemals war ſie eine Hanſeſtadı, fie ſtund auch unter dem Könige , gehörs te unter die ſogenannten großen Städte , und alſo zum Landesrath ; jeßt aber hat der Biſchof darüber zu gebies ten . Bom deutſchen Orden hatte ſie ehedeffen die Freys heit , Münzen zu ſchlagen . 1554 wurde hiefelbſt ein Gyma naſium errichtet , weld )es aber keinen langen Beſtand ges habt hat. 1457 hat ſich ihrer der deutſche Drden , yon dem ſie abgefallen war , wieder bemådhriget, ſie iſt aber in der folgenden Zeit von den Polen wieder eingenommen worden. 1544 litte ſie großen Feuerſmaden. Es ſind hier eine katholiſche Akademie , und eine königliche Cadets ten : Schule , 5 Kidſter , und eine evangeliſch) s lutheriſche Kirche , und eine Kreis Juftiß- Commiſſion. 2) Culmenfee, Chelmza , eine kleine Stadt , welche eine Meile von Eulm entfernet , und der Siß der Doms kirche und des Domfapitels des Bisthums Culm ift. Die

Stadt iſt 1251 angeleget. 3) Sridet , Brieſen , auf polniſch Wambrisna , eine kleine Stadt, weldge 1331 erbauet worden . 4) Gollup , auf poiniſch Golub , eine kleine königl. 6. Stadt und Schloß, am Fluß Drebnitz , woſelbſt des Kos nigs Sigismund III Schweſter, Anna , fich aufzuhalten pflegte, der auch das umber liegende Gebiet gehörte.' ESO ift hier eine evangeliſch - lutheriſche Kirche. 5 ) SchSuſce , auf polniſch Kowalewo , eine kleine Fönigliche Stadt , woſelbft bis 1772 das Schloßgerict des Woiwoden , und außerdem der kleine Landtag dieſer Woiwodſchaft gehalten worden , und bey welcher der fåchs fiſche General Boſe 1716 die conföderirten Polen geichlas gen hat . 6) Graubenz , ehemals Grodek, aufpolniſch Oruds ziadz , keine königl. Stadt, auf einer Inſel , welche der Fluß oila macht, der hier mit zwen Armen in die Weicha fel fließet. Das Schloß liegt auf einer Hdhe , und hat eine Kirche. In der Stadi iſt auch eine Kirche, welde den

Weſt :Preußen.

79

den Evangeliſchen 1598 genommen worden; daher ſie ih sen Sottesdienſt auf dem Rathhauſe halten , dabey fie auch ihre Schulen haben . Die Fefuiten haben hier 1645 ein Collegium errichtet, welches 1647 durch einen Reiches tagsſchluß befiåriget worden , und jeßt ein ein. Fath . Gns mnafium ift. Es ſind hier auch 2 Klöſter. Die Stadt iſt 1299 er bauet. Ehedeſſen wurden hier und zu Marienburg die preußiſchen Landtage wechſelsweiſe gehalten . Die widrige Feſtung bey dieſer Stadt harKönig Friedr. II. anlegen laffen . 7) Lautenburg, auf.polniſch Lidzburg , eine kleine idnigl. Stadt. 8 ) Kavernie, oder Kurczentit , eine kleine Stadt an der Drebuit . 9) tobau , auf polniſch Cabawa , eine kleine Stadt und Schloß , woſelbſt die culmiſchen Biſchofe wedſelbs weiſe mit Ulthaus , wohnen . 1545 brännte ſie ab , anfs fer der tatholif. Pfarrkirche, 'iſt hier noch eine Kirche und ein Kloſter. 10) Neumark, auf polniſch Tovemiaſto , eine kleine königliche Stadt, an der Drebniß , die 1319 erbauet worden .

11) Straßburg, auf polniſch Brodnica , eine königl. Etadt mit einem Schloß , am Fluß Drebnits. Sie iſt 1285 errichtet, und weil ſieehedeffen Feſt war, oft bela . gert und eingenommen worden. Es ſind hier außer der fatbcl. Pfarrkirche noch 2 kathol. Kirchen , und eine lus theriſche.

1

12) Leffen , auf polniſch Taſyn , ( Lafobin ) eine kleine !328 erbaucte und faſt gang mit Waffer umgebeue königl. Stadt. 13) Rhyden, oder Reben, auf polniſch Radzyn , ela ne kleine Eenigliche Stadt mit einem Schloß.

2.

Die landrathlichen Kreife.

1) Der Culmſche Kreis, in welchem (1) Das Umt Culm oder Altbaufen, Allhaus, auf polaifa Starogrod , sin Schloß, auf cinein Hågel an der

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Das Königreich Preußen .

der Weichſel , mit einem Fleden. Das Schloß iſt eine ber beyden Reſidenzen des Biſchofs son Culm . König Friedr. II. hat hier ein adliches Cadetten - Corps errichtet . ( 2) Das Umt Culmfie. ( 3 ) Das Unit Örgudenz. (4) Das Amt Engelsburg . Engelsburg, auf polniſch Pokrzywno, ein Fleden . (5 ) Das Amt Roggenhauſen , ehedeffen eine königl. Polniſche Dekonomie . Es hat von einem Schloß umd Dorf den Namen . ( 6 ) Das #mt Abeden . (7) Das Umt Lippinken . ( 8 ) Das Amt Przydworsz. ( 9 ) Das Amt Brzezinten . ( 10) Das Amt Unislaw . 2 ). Der Michelauſche Kreis , der feinen Nas then von dem Sdyloß Michelau hat, und folgende Domainen -Hemter begreift . ( 1 ) Das Umt Gollup . ( 2) Das Amt Strasburg. ( 3) Dis Aint Lautenburg . ( 4 ) Das Amt gibau , ( 5 ) DAS Amt Brattian . (6 ) Das Amt Brottorchin . (7 Das Amt Longorrel oder Lontorret

Sie II. Die Marienburgiſche Provinz . hatte ebedeſſen einen Woiwoden , der unter den preußi. Tchen der erſte war , und die marienburgiſche Staros fiey , tvar die vornehmſte en Preußen . Sie begreife

I Folgende Stadte. 1 ) Elbing, auf polniſch Elbląg (Llblang) , eine ziemns tich große und nach alter Urt feſte königliche Handelsſtadt, am Fluß Elbing , der aus dem Drauſenſee fomnit . Sie Iftar 339 an dem Ort , wo ſie jeħt ſteht , gebauet worden . Ihr erſtes Privilegium iſt vom Jahr 1246 , in welchem

&

Weſt Preußen .

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Die thr auch die Münzgerechtigkeit ertheilet worden. neue Stadt iſt 1347 privilegirt. Zwiſden der Altſtadt und der Borſtadt, in welcher die Speicher der Kaufleute I find , fließt die Elbing , und die Altſtadt iſt von der Neus 1 ltadt durch Mauern und Graben abgeſondert. Die Haus i fer fiad hoch , ſchmal und altmoriſchi faſt wie zu Dans Big, und die Gaſſen , wegeu der ſogenannten Beyſchlåge, enge. Die Katholiken haben ſeit 1616 die Pfarrkirche zu 6. Nikolai inne , welche 1777 vom Blik entzündet aba brannte, die Putheraner aber haben zwey Kirchen in der Uleffadt, eine in der Neuſtadt, zwen in der Vorſtadt. Sie beſtehen ſo wie die evangeliſchen Landkirchen in dem elbinger Gebiet , unter der Kufficht des hieſigen evangelis Gen Inſpectors. Die Reformirten haben auch eine Kir: he und dieMennoniſten oderMennoniten verſammlen ſich in einem Hauſe. Das Rathaus brannte 1777 ab. Das Die Stadt hat mit zur Gymnaſium iſt evangeliſch . Hanſe gehåret ; und weil ſie eine lübediſche Colonie ift. Jo bedienet fie fich des Lübiſchen Rechts , hat aber dabey ihre beſondere Willkühr. Das ehemalige 1237 errichtete Schloß, iſt 1454 von der Bürgerſchaft geſchleift worden . Die Feſtungswerte ſind nach dein Werder zu nicht erheb lich , auf der andern Seite aber ein wenig beffer ; inder i fen wird die Stadt für eine der ſtårfften Feſtungen in Preußen gehalten. Sie ſtehet in geiſtlichen Sas den , in ſo weit es ihrer verſchiedenen Religion und ihren Rechten ungeſchadet geſchehen kann , unter dem ermlåna diſchen Biſchof. Der Seehandel iſt unter der kón, preußis liben Bothmáßigkeit ſehr empor gekommen ; denn es ſind bier 1783 eingegangen 276 Seeſchiffe, 614 polniſche Bes fäfſe uud boly : Zriften , und 106 Bordinge, und ausges gangen 276 Beeſchiffe , und 400 polniſche Gefäſſe. 1784 tamen an ,400 Seeſchiffe, 1035 polniſche Gefäſſe und Holz- Iriften, und giengen aus 400 Seeſchiffe, 670 polniſ. Gefäffe , und 112 Bordinge. 1785 betrugen die ausges gangenen Waaren an Werth 3, 258, 919 Rthl. preuß, Cour. 1440 vereinigten ſich hier diepreußiſchen Edelleute und Städte, zur Aufrechthaltung ihrer Geſetze und Pris viles . & a Th.8% .

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Das Königreich Preußen .

vilegier, Marienburg , Conik und Neuſtaðt Shorn aber Jedoch traten 1450 von dieſem Bündniß wieder ab. 1454 fiel cud) dieſe Stadt ſo wie faſt ganz Preußen von dem deutſchen Drden förmlich ab , und begab ſich unter polniſchen Schuß. 1626 und 1656 ergab ſie ſich den Schweden freywillig . 1657 wurde ſie zwar im brombers gischen Vergleich bem Chu fürſten von Brandenburg, Friderich Wilhelm , verſprochen , daß er ſie po lange zu Prande haben ſollte, bis ihm 400coo Nthlr. ausgezahlt ſeyn würden , und 1660 ward ſie ihm aufs neue durch eine ſchriftliche Verſicherung zugeſtender ; allein , er bes kam ſie nicht, und das Geld ward ihm auch nicht bes zahlt. 1698 nahm ſie deſſelben Sohn ein , gab fie aber durch einen 1699 gerdloffenen Vertrag der Republit zus růd, als er ſeine Sculdfoderung auf 300000 Th. heruntera gefekt hatte, und man ihm zum Unterpfand eine ſo genannte ruſſiſche Krone , und Juwelen , welche der Republik zus gehörten , mit der Zuſage gegeben harte , daß , wenn die Schuld nicht innerhalb vier Jahren abgetragen würde, ihm frey ftehen ſolle., das Gebiet der Stadt in Beſit zu nehmen und zu nußen . Als nun dieſe Zahlung nicht ers folgte, ließ Friderich , nach angenommener königlichen Würde, 1704 das Gebiet dex Stadt Elbing in Beſik nebmen , und ichoß der Stadt in eben demſelben Jahr noch die Summe von 70000 Thalern vor , damit ſie die Coutribution bezahlen konnte , welche Karl der zwölfte ihr auferlegt hatte. 1703 wurde ſie von den Schweden bes feßt, und mit der vorhin genannten Contribution beleget, und 1710 den Schweden von den Ruſſen mit ſtürmender Hand weggenommen. 1772 kam ſie an den König von Preußen. Sie wird von dem nahgelegenen Drauſenfee, auch Urbs Drufiana genannt, und war ehedeſſen die zweyte unter den ſogenannten drey großen preußiſchen Städten . 2 ) Marienburg, auf polniſch Malborg, eine konigt. Stadt, im kleinen marienburgiſchen Werder , ain Fluß Nogat, auf der Höhe , in einer angenehmen und fruchta baren Segend. Gegen über ſchränkt derwerderſche Damm den Nogatſtrom , ein , iſt aber der Befeſtigung des Schloſs fes

Weſt - Preußen .

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res ſchädlich. Ueber die Nogat gehet eine 539 Schuh lange holerne Brüde. Das altmodiſche feſte Schloß , iſt eher als die Stadt, erbauet worden : denn jenes roll 1281 , diere aber 1302 errichten ,und der Name eines vorhin daſelbſt geſtandenen Dits zentrin abgeſchaft feyn . Auf dieſem Soloji wire cheoefen der preußiſche Landesſchat verwaha ret. Die Bürger der eigentlichen Stadt , ſind der evans geliſch -lutheriſchen Kirche zugethan , in den Vorſtådtent aber wohnen viele Katholiken. Es iſt hier eine lutheriſche geiſliche suſpection über die Kirchen im großen Werder. Eleit ehemals der Hauptſitz der Hochmeiſter des deutſchen Diorns geweſen . Die preußiſchen Landtage wurden wechs felsweife hier und zu Graudenz gehalten. Jetzt iſt hier eine Kreis : Sufritz:Commiſſion, und das Großwerder Yoga tengericht. 1460 wurde ſie von den Polen, 1626 und 1655 bon den Schweben eingenommen. 1644 brannte das Scien ab. 3) Theiſtburg , aufpolniſch Kryszbort , eine foniga liche Gradr , mit einem alten 1247 angelegten Bergſchloß , am Fluß Sorge , der über Elbing in den Drauſen fållr. Es iſt hier eine evangeliſch)-lutheriſche, und eine katholiſche Kirche, und ein Kloſter. Hier ward ehedeſſen das Schloßa Sie iſt 1400 abges gericht des Woiwoden gehalten . brannt, und 1626 von den Schweden in Beſig genommen worden . 4 ) Keuteich , ein königl. Ståttchen , im großen Wers ber , am Fluß Schwenty oder Inge , welches 1329 ers bauet, und ſowohl 1400 durch eine Feuersbrunft, als ſonſt in verſchiedenen Kriegen , ſtark beſchadiget worden, Es iſt hier eine lutheriſche Kirche. 5) Toltemit , ein Städtchen 4m friſchen Haff, wels des 1361 erbauet worden. 1767 brannte es bis auf das Soloß und einige Scheunen nach ab . 6 ) Stuhm , eine kleine königliche Stadt und Schloß, in einem kle nin Landſee, wo ehedeſſen der kleine Landtag der Woiwodſchaft Marienburg , und ein Landges richt gehalten worden . Es iſt hier eine lutheriſde Kirs de. Sie ſoll 12491 oder nach anderer Meynung, 1278

1

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Das Königreich Preußen .

erbauet regn. 1410, 1454 und 1401 iſt ſie dem deutſchen Drden von den Polen entriffen , und 1626 und s6 von den Sweden eingenommen worden .

4 2) Der Martenburg . Chriſtburg und Els bingrohe Rreis. Der ElbingſcheRreis, theilet ſich in die Sdhe und Niederung, weldje legte den Elbingſchen Werder ausmachet. Der Mariens burgſdhe Rreis, machet den Marienburgiſchen Werder aus. Man nennet Werder, ( lateiniſch In fula ,) das land, welches aus einem niedrigen Sumpf und Moraſt urbar und wohnbar gemacht worden. Die Werder ſind an Gras und Getreide ſehr fruchtbar ; Hügel findet man

nicht

viel darinn ; und

der

elbingiſche Wald iſt unter allen der größte.

An vie . 4 len Orten müſſen ſich die Einwohner mit Torf, ja Außer Hafen mit Stroh oder Stoppeln behelfen. und Repþúhnern , und anderm Geflügel, findet man

fehr wenig Wildpret in den Wåldern ; es giebt aber

Wolfe. Die Flüſſe liefern gute Fiſche. Die Bie . for nen- und Vieh . Zucht iſt gut , inſonderheit ſind die Pferde in gutem Ruf.

Die Einwohner der Were

der , find jederzeit freye Bauren geweſen , und werden Fönigliche Unterſaffen und werderſche Leute genennet ; fie haben auch cólmiſche Güter und cólmiſches Reche von den Ordensherren erhalten ; doch ſind diejenigen , welche jeßt unter der Stadtobrigkeit ſtehen , einge. forånkter, als die königlichen im marienburgiſchen Werder.

Sie reden deutſch und polniſch , und find

größtentheils lutgeriſch und fatholiſch ; der Refor. mirten ſind wenige , der Mennoniten aber giebt es Der große marienburgiſche Werder, piele, wird größtentheils von der Weichſel und Nogat ein . geſchlor.

Weff : Preußen. geſchloffen ,

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erſtredt ſich bis ans friſche Haff, und

enthält über 2130 Hufen, weldie in Zing , und Schar. werts , Hufen , in Schulsen , und Kirchen Hufen, (welche die fatholiſche Geiſtlichkeit beſiket ), eingethei . let werden ; bazı auch die vierzig Hufen der Stadt Marienburg , und die zwanzig Hufen des Stadt. dyens Neuteich gehören . Im montauiſchen Wald, entſteht der Fluß Tiege, ( Tyge,

Tye), welcher

anfänglich Schwenty genennet wird, des Wer. bers ganje länge durchfließet, das Städtchen Neu . reich mit zwen Armen ganz einſchließt, und endlich Der große ben Haberhorſt ins friſche Haff fällt. marienburgiſche Werder , hat feine ſogenannten fünf Winkel , nämlich den montauſchen , rohonaus fchen , lichtenauſchen , neureidiſchen , und leſwisſchen ,

und enthält 13 evangeliſche Kirch.

Im erſten Winkel ſind 5 Dorfſchaften , dars fpiele. unter 2 Kirchdorfer ; im zweyten 7 Dorffdjaften , dare unter 2 Kirchdorfer; im dritten 7 Dorfſchaften , dar unter 4 Kirchdorfer ; im vierten find , außer dem Städtchen Neureich , 8 Dorfſchaften , darunter 3 Rirchdorfer ; und im fünften ſind 14 Dörfer, dar, unter 3 Kirchdorfer . In allen diefen Winfeln ſind auch vier eintråglidje fönigliche Vorwerke, nåmlich Klein . Montau , Leſfen , Kaminfen , und Kaltene bof. Das liegenhofiſche Gebier , welches über 632 Hufen enthält, iſt ein Theil dieſes großen Wer. ders ; außer dem Schloß und Flecken Tiegenbof, am Fluß Siege , find darinn 30 Dörfer , und unter denſelben 3 evangeliſche. Das daran grånzende båre entha e waldiſobe ober barenhöfiſche Gebiet , 195 Hufen , : '5 Morgen und 5 Dörfer, (darunter a evant . F 3

Das Königreich Preußen .

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evangeliſche Kirchdörfer ſind.

Endlich iſt noch zum

großen marienburgiſchen Werder der ſcharpauſche. Winkel zu rechnen , welcher 96 Hufen uns über .. 14 Dörfer enthält , und der Stadt Dangig gehört. Der kleine marienburgiſche Werder , liegt zmi. fchen der Nogat und dem

Sę . Drauen ,

und hat

ehedeſſen der Fiſchaniſche Werder geheißen . Die preußiſchen und holländiſchen Hufen , nebſt den Weia delåndern , welche darinn gefunden werden , und ben wohnet ſind , werden auf 966 Hufen 12 Morgen gezähler.

Auf den preußiſchen Hufen ſind 21 Dorfu

ſchaften , und auf den holländiſchen Bufen und den Weideländern find 16. Es find in dieſem Werder vier evangeliſche Kirchſpiele .

Deyde marienbur.

giſde Werder find 1525 an die Krone Polen gekom men , welche einen Staroſten zum Dber . Dekonom dahin feste,

der vor allen Staroſten im polniſchen

Preußen den Vorzug Hatte. Der elbingiſdeWer der wird zum Theil zum marienburgiſchen kleinen Werder gerechnet. 1 ) Das Amt Marienburg , welches and dem bes ſchriebenen großen und kleinen Marienburgiſchen Werder beftehet. 2 ) Das Amt Chriſtburg. 3) Das Amt Stuhm . Stuhmdorf, ein Dorf, wofelbft 1635 der zwiſchen Schieden und Polen 1629 auf rechs Jahr geſchloſſene Waffenſtillſtand, auf 26 Jahre verlängert worden. 4) DAS Unit Tollemnit.

5) Das Amt Strasburg. III. Pomerellen oder Klein - Pommern. Die Geſchichte deſſelben , iſt in der äusführung der Rechte Sr. Königl. Majeſtår vón Preuſ fen

Weſt : Preußen .

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ſen auf das herzogthum pomerellen , ac. fole Pomerellen heißet gendermaßen erzählt worden. das land zwiſchen der Weichſel, Nege , Ditfee und dem brandenburgiſchen Pommern. Unter den Staa « ten , welche aus dem machtigen Reid, der Wenden zwiſchen der Elbe und Weichſel , entſtanden , war derjenige der anſehnlichfte, welcher das heutige Pom. mern , Pomerellen , die Neumarf und Ufermark be. griff.

Das zuverläßige und nicht unterbrochene Geo

ſchlechtregiſter der Herzoge von Pommern , fånge vom Svantibor I an , welcher 11p7 geſtorben iſt, und unter deſſen 4 Söhnen zwey geweſen , die Haupt. linien gefiiftet haben. Wratislav I ftiftete. Die linie der Herzoge von Pommern, Slavien und Caſuben , die bald zu Stectin , bald an andern Orten ihre Reſidenz hatte. Sie ſtarb 1637 mit Bogislav dem bierzehnten aus , und ihre Srande fiefen , vermoge der Erbverträge, an das Churhaus Brandenburg. Bo . gislav I ftifrete die linie der Herzoge von Pomerel. len , welche das land zwiſchen der Grabo , Weichſel und Nebe, oder das eigentlich ſogenannte Pommern beſaßen , und die Stadt Danzig zu ihrer Refideng Ulls dieſe Linie Fehon 1395 in männlichen hatten. Erben ausgieng , båtte Pomerellen natürlicher Weiſe, an die Herzoge von der erſtgedachten Stettiniſchen Sinie fallen ſollen , ſie wurden aber durd , die Kunſte griffe und überwiegendeMachtPrimislavs des zweyten , Herzogs von Polen , davon ausgeſchloſſen , der auch dem Wendiſchen Adel in Pomerellen angenehmer war, und bei dieſer Gelegenheit den Titul eines Kos nigs von Polen annahm . bem Thron ,

Seine Nachfolger auf

blieben zwar eine Zeitlang im Beris pon F4

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Das Königreich Preußen .

von Pomecellen , den ſie aber nach 1306 thells burch die Marggrafen von Brandenburg , theils burch den deutſchen Orden , verloren.

Jene , welche entweder

ſeit , oder auch vor der Verbindung des Landes der Slaven mit dem deutſchen Reid) , von den Kaiſern ju lehnsberrn der Herzoge von Slavien und Pom mern verordnet waren , auch von dieſen dafür erkannt

wurden , ( f. die Beweisurkunde Num. 1 ) forderten in nad Meſtrins II Tode, Pomerellen als ein erledigez , tes und ihnen heimgefallnes Lehn , konnten aber erſt nach 1306 zum Befiß des größten Theils deffelben , Danzig ausgenommen , gelangen , und überließen denſelben 1311 dem deutſchen Orden für 10000 Mark Silber, ſo daß ſie nur das (and zwiſchen den Flüſſen Seba und Grabo behielten , darinn (auenburg , Bů tow , Stolpe und Slave liegen. Der Drben mußte Pomerelleu nebſt dem Titul an Polen abtreren , wel. ches beſonders 1343 und 1436 geſchah , und endlich mußte er 1466 ben ganzen weſtlichen Theil von Preus Ben , oder das nachmals ſogenannte polniſche Preus Was bisher kürzlich ges fen, an Polen überlaſſen. ſagt worden , kann man durch die glaubwürdigſten Urkunden und Geſchichtſchreiber beweiſen , die auch Daß des oben erwähnten Meſta angezeiget worden. wins II , legten Herzogs von Pomerellen , nåchſte Wettern und Seitenverwandte , die Herzoge Bogis. lav und Dito geweſen , von welchen jeher zu Stetting und dieſer zu Wolgaſt reſidirte , wird durch eine alte Stammtafel bewieſen , welche ſich auf MeſtrinsII Geſtåndniß, auf das Zeugniß dieler Urkunden, und auf die übereinſtimmige Ausſage der pommerſchen Geſchidytfahreiber gründet.

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Sie Båtten alſo ſowohl nady

Weft- Preußent.

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nach der Drbnung der Natur , als nach der einges

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faţrten Lehnsfolge fuccediren , und alle übrige Präs

entment rendenten ſowohl von der weiblichen Linie , wie die ndesdy Herzoge von Polen , als die , welche ihr Recht auf Raie andere Gründe baueten , ausſchließen ſollen , und

Mefimin II felbft erkannte und beſtätigte ihr Reche - exter durch einen offentliden Tractat von 1264 , in welo Forter dem er Barnim , Herzog von Stettin, feinen Bluts . ein verwandten , ( Confanguineum ) nannte. Es waren aberci audh die Stände von Pomerellen von dem Erbrecht

mellemin der Herzoge zu Stettin alfo überzeuget , daß ver . Dernig feriebene derſelben , inſonderheit die Abteyen Oliva, o Earnowiß , und Buckow , noch bey Lebzeiten Meft . Fictwins, und mit deſſelben Bewilligung , ihre Privi.

} legien und Befikungen durch die Herzoge von Stettin n mee beſtätigen ließen , und dieſe nenneten in den Urkun . en,* den, den Herzog Meſtwin ihren Vetter ( Cogna. pentrum ). Aller dieſer Gerechtſame ungeachtet , wur.

- 2

ben doch die Herzoge von Stettin durch die Polen

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bon der VerlaſſenſchaftMeſtwins verdrungen . Wenn

slidoes aud wahr wäre , daß die Ritterſchaft vor Pomer erdigb rellen den Herzog von Polen Primislav den zwenten le od zu ihrem fünftigen Landesherrn erwählt , und Mefte newin der zweyte ihnen ans Echmachheit darinn nach nädie geſehen hätte, welches die pommerſdhen Geſchicht. Bofdreiber erzählen , ja, wenn auch Meſtwin der zweyte

Eten

gedachten polniſchen Herzog zu ſeinem Nachfolger er .

ine#nannt hätte, wie Dlugoß behauptet: fo fonnte doch Polen daraus tein Recht an Pomerellen berleiten , mpin l, and welches den Rechten der Herzoge zu Stettin , die ſich erical auf Blutsverwandſchaft und Vertråge gründeten, und

formell alſo alter und flårfer waren , und der anerkannten nad Dber. 85

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Das Stönigreich Preußen .

Dberlehnsherrlichkeit der Marggrafen von Brane Eine Oberlehnso denburg , Eintrag thun fonnte. Herrſchaft der Könige von Polen über Pomerellen, iſt unerweislid ), gefeßt aber , fie fonnte erwieſen wer . den, fo fonnten ſie dod, die Herzoge zu Stettin von der Erbfolge ihrer Vettern und Seitenverwandten Zuf den Friedensſchluß zwiſchen nicht ausſchließen . Boler und dem deutſchen Orden von 1466 , fann fich die Krone Polen nicht berufen , denn der Deutſche Drden konnte igr feine großere Rechte abtreten , als Die Herzoge er ſelbſt auf eine gültige Weiſe hatte. zu Stettin , welde rechtmäßige Nachfolger der Here yoge von Pomerellen waren , fennten ihre Redite an dieſer Erbſchaft nicht ausführen , ſondern mußten Sie dieſelben bloß durch Proteſtationen verrahren . brachten unterðeffen ben aller Gelegenheit von Po. merellen fo viel an ſich , als möglich war , und fien . gen aufs neue an , fid des Tituls der Herzoge von Sie haben nie . Pommern beſtändig zu bedienen . mals förmlich Verzicht auf Pomereflen gethan , und ihre Rechte auf igre Nachfolger, die Churfürſten Es iſt alſo der König pon Brandenburg gebracht. von Preußen als Churfürſt von Brandenburg und Herzog von Pommern , befugt, die Rechte, welche feine Vorfahren die Herzoge von Pommern von je her an Pomereflen gehabt, zu gelegener Zeit geltend Zwar Gaben die alten Marggrafen die . zu machen . fes land , und ihre Redste, die ſie als Marggrafen von Brandenburg an demſelben gehabt, dem deut. fchen Orden verkauft , ſie haben aber die Richte, welche ihre Nachfolger lange hernadz durch die Erbe fchaft der Herzoge von Pommern erworben haben , und

Weſt-Preußen .

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und die viel ſtärker ſind , als die Anforberung der ala ten Marggrafen , weder verkaufen können , nody wollen : man kann auch wider die Gültigkeit oder fortdaurende Verbindlichkeit dieſes Verkaufs , ſehr wichtige Einwendungen machen , die vier angeführet werden . Es iſt alſo klar , daß der König Pomerel. len aus zwen gleich wichtigen Rechtsgründen wieder gefodert habe , nämlich aus dem Erbfolgeredt, und aus dem Recht der Oberlehnsherrſchaft. Die Einwohner dieſer Provinz find eñemals, zum Unterſchied von den andern , Pommerinfen gee nennet worden. Sie hat zu polniſchen Zeiten einen Woiwoden gehabt, welcher der dritte unter den preußiſchen war , einen Unters & ininerer uxd Schwerdtråger. Der Starofregen waren fünf, nämlid , die Sluchauiſche, Sdwegiſche, Tuchelſche. Dirſdauiſche und Pußigſche.

Es folgen nun

I. Die Städte. 1) Folgende haben einen gemeinſchaftlichen Kriegs. und Steuer -Rath. ( 1 ) Dirſchau , Derrau, auf polniſch Tczewo, (Tſches wo,) eine feſte königl. Stadt an der Weichſel, die 1209 erbauet fenn folt, ebedeſſe. Sau geheißen hat, und der Hauptort einer Grafſchaft geweſen iſt. Miczugius ftifs tete 1238 hieſelbſt ein Kloſter für Prediger- Mouche. 1310 und 1432 oder 33 iſt der Ort in die Aſche geleget worden , uud 1577 brannte er aberinals ab. 1926 und 1655 ward er von den Schweden eingenommen . Sie war ehedeffen unter den kleinen Stådten in Pomerellen die erſte auss ſchreibende Stadt , der Sig eines Landgerichts, und eine fönigl.

1

Das Königreich Preußen .

königl. polniſche Dekonomnie. E # iſt hier eine lutheriſche Kirche, und ein Dominikanerkloſter. ( 2 ) Berend , auf polniſch Bernt, eine kleine Stadt, !! mit einer katholiſchen und einer lutheriſchen Kirche. ( 3 ) Mewe, Gniewie, ein königliches Stådtchen und Schloß, beyin Einfluß des Fers in dieWeichſel. Es kam 1283 an den deutſchen Orden , der daſelbſt eine Feſtung anlegte. 1463 mußte es ſich den Polen ergeben , und 5 1626 und 1655 deli Schweden . Der Hauptkirche haben fich die Katholiken 1598 bemachtiget , die Lutheraner has 1 ! ! ben noch die andere Kirde.

(+) Neuburg oder Teuenburg , ein königliches Stådtchen , welded mit der einen Seite die Weichſel, mit der andern aber Boråſte berühret. Seiner wird ( d)on benm Fahr 1310 gedacht. 1458 jagten die Bürger die polni ſche Berakung bingus , daher fich die Sireutherren des Drts bemachtigten , denen er aber 1464 oder 65 von den Polen wieder abgenommen wurde. 1626 und 1655. nah. men in die Schweden in Beſis . Es iſt hier eine luthes de riſche Kirche, eine katholiſche Kirche, und ein Kloſter. ( 5 ) bleuſtadt , eine kleine Stadt. ( 6 ) Pugig oder Paugke, auf polniſch Puco (Pug. Po .) ein Stidtchen mit einem feſten Schloß. Auf der eis nen Seite iſt es mit Moråſten umgebenr. 1464 wurde der Ort nach einer langen Belagerung von den Dånen, 1626 von den Schweden , und im folgenden Fahr wieder von Die Ditfee macht zwiſchen den Polen eingenommen. Danzig und Paußte einen Meerbuſen , welcher Daugkers wid genennet wird. ( 7 ) Schöneď , am Fluß Fers, ein königliches Städte den und Schloß. Es fcheinet nach dem Fahr 1180 er : bauet zu ſeyn. Sechs Jahre nach ſeiner Erbauung wurde es von den Preußen zerſtöret , aber bald wieder erbauet, worauf es entweder durch Kauf, oder Lauſch von den Johans niter Rittern an den deutſchen Orden kam . Es iſt hier eine evangeliſch - lutherifdie geiſtliche Inſpection und Kirche. ( 8 ) Stargard , Starogard , eine kleine königlice Stadt, am Flußi Fers. Als der Drt nod) ein gleden war,

Weft- Preußen.

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war , gab ihn der pommeriſche Fürſt Subislam den 30s hanniter : Rittern , welche die Jobanneskirche darinn ers baueren. Auf der Stelle , wo er nuu ſtebet , iſt er vom deutſchen Arden 1339 erbauet , oder erneuert , und gånga lich vollendet worden ; mit welcher Verlegung der Stadt die Johanniter Ritter gar nicht zufrieden waren. 1645 wurde ſie von den Polen eingenommen , und 1655 ergab fie ſich den Schweden. Hier iſt der kleine Landrag von Pomerellen gehalten worden , und ſie iſt unter den kleinen Stådten in Pomerellen, die zweyte ausſchreibende tabt geiveſen . Außer der lutheriſchen Kirche, iſt hier audi eis ne katholiſche, es iſt hier auch eine Kreis: Juſtiß : Comis miffion . 6) Die verbondenen Stådre vor Danzig. a . 6. Albrecht, woſelbſt 6 Patres iniffionis find. b. Ult - Schottland, wojelbſt ein Kloſter der barmherá zigen Brüder, und ein königl. kathol . akadem. Gymnaſium . c . Stolzenberg , woſelbſt ein Kloſter der Reformas ten Barfüffer , und eine Kreis Juftiķcommiſſion, d . Schidlig. e. Langefuhr . f. Veu -Schottland . 2 ) Folgende haben auc) einen gemeinſchaftlichen Kriegs. und Steuer- Rath (1 ) Konig, Choinig , eine kleine königl. Stadt, an der Srånze der Neumark. Ben derſelben hat ehedeffen ein feſtes Sdloß geſtanden. Sie hat 2 lutheriſche, und 3 romijd , fatholiſche Kirchen, 1 Auguſtinerklofter, und ein tathol. Gymnaſium , welches ebedeſſen ein Jeſuiter:Collea gium war, es iſt hier auch eine evangeliſch-lutheriſche Kiro den Inſpection . Der ganze Rath iſt lucheriſch , und hat feit der hier 1555 geſchehenen Reformation ,kein : n rdiniſch katholiſchen aufgenommen. Sie handelt vornehmlich mit Seer , Luc und Wolle. Unter den kleinen Städten in Pomerellen, iſt ſie die dritte ausſchreibende Stadt gewes jen , und hat die einverleibten vier Städte Friedland Schlochau , Hammerſtein und Luchel , zuſammen berus fen . Es berſammleten fich auch in derſelben die adelis den

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richtet. Das Kloſter hat das Recht, Bernſtein zu ſama - meln. Um'daſſelbe her iſt ein wohlgebaueter Fleden an: geleget. Daß der jegige Safen der Weichſel , auf einem Grund und Boden angeleget ſer , der in Anſehung des Eis gentbums dem Kloſter Dliva , und in Anſehung der fans deshoheit dem Könige von Preußen als Fürſten von Pomes rellen zugehdre , iſt 1773 in einer eigenen Schrift, ges nannt , preuves & defenſe des droitsdu Roi ſur le port & péage de la Viftule , ausgeführet worden . In dieſer Schrift wird aus Urkunden dou 1235 , 1283, 1291 uns 1 342 gezeiget , daß die Landesherren von Pomerellen im Klofter Pliva deu eigenthümlichen Beſit der ganzeu weſte lichen Gegend zwiſchen der Oſtſee, Weidſel und den Bås chen Strieß und Svilina, nebit dem Ufer der Weichſelund der Ditree, dem Kloſter verſichert, auch erklåret haben , daß der Seeſtrand , welcher dem Kloſter eigenthümlich zugehöre, vom Hafen in der Weichſel , das ift , vom jegt ſogenann . ten Vorder : Gatt, welches der alte damalige Hafen rede, anfange, und ficb bis an den Bach Svilina erſtrede. In dieſem Diſtrict rev der jegzige Safen der Weichſel, wels cher das Wefter : Fahrwaſſer genannt werde , und die ' Plate , begriffen , denn beyde lågen zwiſchen dem alten Hafen und der Gvilina. Ul6 der alte Hafen durch Sand berſtopfet worden , und die Stadt Danzig mit dem Vor , haben umgegangen , den jeßigen Hafen anzulegen , habe fie 1643 mit der Abter Oliva einen Vertrag errichtet , in welchem ihr die Ubten den Boden , auf welchem er nach mals (und zwar mit Widerſpruch der Ubten) angeleget worben , auf 93 Jahre gegen einen jährlichen Zins von 100 Reichsthalern abgetreten ; die Stadt habe in dieſem Bertrage erkannt , daß der Grund und Boden der Abtey fich bis an das Ende des Seeſtrandes auf beyden Seiten erſtređe ; fie habe auch ohnlångſt in einer offentlichen Schrift zugeſtanden , daß der Boden , anf welchem der jeßige Hafen angeléget ſey , der übten Oliva zugehöre, ją daß dieſe noch jetzt das dominium directum über dieſen Boben habe. Sie wolle zwar behaupten , daß das ibe abgetretene dominium vtile ihr eine Art des Eigenthums bers

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Weſt : Preußert.

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berſchaft habe, und das man alio dicfeit Boßen als ein Stück des Danziger Gebiers arſehen müſie : es verſchaffe aber das dominium vtile fein doininium pleifl'm ges fdweige ein territoriale , es habe aud) die Abten das ius territoriale über den Boden , auf welchem der Hafen reni ſelbſt nicht gehabt , und alſo auch nicht an die Stadt abs treten können . Der König , webber iure poftliminii dent Beſik von Pomerellen , und das ius territoriale über alle Güter deo Kloſters Dliva bekommen habe , fønne den eina phiteutiſchen Contract, welchen die brey mit der Stadt Danzig eingegangen , wieder aufb , ben : ja er fónne al3 nunmehriger Schutzherr der Abter dieſen Vertrag rernich : ten , welchen die brey wider die canonifchen Sie eBe cins gega igen . Da nun der 100111 als jetziger Landesi fürſt von Pomerellen und von der Uber Clica , 6 fire des Hafens Tey , ſo gebor:en ihm auch die haben , die für die Schiffe und 23aaret welche in demjiben a fom men , bezahlèt werden milleni. Daraus , daß der König bou Polen bisher eine pålfte der Pralgeloes vejrgcu , die zweyte Hälfte aber der Stridt Danzig für die Unterhaltung tes Hafens gelaffen , erbelle rohon , daß das Geld , wila hes in den Hafen erleget wird , dem Landesjárften , in deſſen Gebiet der jebige Hafen iſt, zugehöre , und dieſer feyider König von Preußen , dic Stadt aber könne gate keinen Anſpruc an gedachten Abgaben machen, denn ter Hafen gehöre ihr nidit zu , fie unterhalte ihn auch nicht mehr, und für die ehemals daran gewandten Koſten , ley fie fourch den vieljährigen Genuß hinlänglich kejablet. Der Danziger Werder, Zulawa Gdantia, welcher von der Weichſel, der Motlan und ihren Lafitt umgeben wird, begreift 33 Dörfer , die ſich auf1400 Hufen Landes belaufen . Es ſind darinn 12 Kirchdorfer, nåinlich Stüblau oder Stieblau , Gütland oder Juta land, Oſterivick , Worthitz , Trutenau , w : zlow , Gotteswald , Reichenberg , Bålemarl , GoBinder , Restau , afinbuben , welches reformnirt iſt, und 2 Kids pelleit. Von der Kirchdorf Stiebiau der 6. ub au , hat der ſtieblauiſche Werder den Nament . Jn de Kirchi dorf Gütlan8, ſind ju Kriegesjetteri Shanzeit aufgevrorë fest i Il. 84.

ich

98

e Das Königr

en

Preuß

.

fon worden . Zu Sdmerblock an der Weichſel, wohner lauter holender. Die Morlau trennet den Danziger Werder von der Danziger C7icderung , welche mit der folgenden Nehrung nicht verwedſelt werden muß. Die fürfie. Sehrung, auf polniſch. Dizina , iſt ein ſchmaler , aber langer Strich kandca ziviſchen der Dſtree, den Armen der Weichſel und dem friſchen Haff , der fich bis nach Pillau erſtrecket. Sie iſt 11 Meis len lang , und ihre größte Breite beträgt 5 Meilen von Danzig ben Stutthof, ungefähr eine halbe Meile. Das nach der Weichſel liegende land , iſt urbar gemadat , mud dienet zu Uder: Wiefen- und Weide -.Land , das ſeewerts gelegene aber , und alles Land zwiſchen der See und dem Haff, iſt Waldung und Heide. Der von der Oſtſee aus: geworfene Sand , hat nicht nur einzelne Stellen des ut's bar gemachten Landes bedeďt und unbrauchbar gemacht, ſondern es ſind auch in einem Strid, der anderthalb Meile 10 lang , und eine halbe Meile breit iſt, alle daſelbſt geſtans dene Bäume mit Sand bedecet. Daher gab die naturs forſchende Geſellſchaft zu Danzig 1767 die Preiðaufgabe auf, wie weit dem weitern Unwadis der Sanddünen am beſten borgebeuget werden könne. In derſelben iſt das merkwürdigſte die Feſtung lilůnde oder Weidfelniüuide, welche am Ausfluß des weſilidyen Arms der Weichſel in die Oſtſee, liegt, und derſelben gerade gegen über, jenſeits des St: onis , iſt die Weiterſchanze, Sie hat den Nas men von der Mündung der Weichſel, gehöret der Stadt zu , iſt ſtark , und hat eine Kirche und einen guten Safen . 1734 ward ſie von den Sachſen eingenominen. Sonft find hier die Kirchdorfer Bobnfae , Echồnbaum , Kob , belgrube, Teukrug, Preberngu und Tiegenorth belegen , ( 5 ) Das Amt langfuhr und ficuſdottland. (6) Das Um Mirchau . Mirchau , auf polniſch Mirachow , ein Flecken . Marien -Paradies , ein CarthåuferaKloſter , unweit Mirchau , zwiſchen zwey Eeen , iſt das einzige dieſes Drs dens in ganz Preußen. ( 7 ) Das Umt Subtau . ( 8 ) Das Amt Sobbewig . 10 ) (9) Das Amt Brincť .

Weſt - Preußen.

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( 10) Das Umt Starczin oder Starſien . ( 11 ) Das Amt Carthaus. 2) Der Stargardſche Rreis , in welchem ( 1) DUB AmtSchöneck . ( 2) DAS Amt Stargard. Peplin , ein Kloſter Ciſtercienſer :Ordens, deffen Abt Commiffarius, Vicarius generalis und Vifitator aller Kids ſter dieſes Ordens in ganz Polen, iſt. ( 3 ) Das Amt Mewe . ( 4) Das Amt Byfhow. (5 ) Das Umt Veuenburg. (6 ) DAS Ait Mewe. (7 ) DAS Amt Berend . (8) Das Amt Peiplin. ( 9 ) Das Amt Bordczichow . ( 10 ) Das Amt Komorsz. ( 11 ) Das Amt Pugig. ( 12) Das AmtMünſterwalde und Oſtrowitt.

2) 8. b. c. d.

Die Aemter. Das Aint Schweg . Das Umt Tuchel. Das Anit Schlochow . Das Umt' Sammerſtein . e. Das Amt Jaffienis.

IV . Ermland, Varmia , Epiſcopatus Var mienſis, welches gang von Dit. Preußen umgeben iſt, und deswegen unter dem landes-Collegium deſſel.

ben ſtehet. 1. Der Srådte Rreis , zu welchem gehören 1) Braunsberg, auf polniſch Brunsberg, eine zieinta lich große Handelsſtadt an der Paffarge , welche eine Meile davon ins friſche Haff fållt. Sie iſt 1255 erbauet, und nach dem Namen des pragiſchen Biſchofs Bruno bes nennet worden ; wird durch den Fluß in die Altſtadt, wela dhe bemauert iſt, und Neuſtadt , welche Palliſaden hat, abgetheilet, iſt volkreich, und brauchet das Lübiſche Recht. S 2 178

100

Das Königreid

Preußen .

1782 hatte ſie mit den benden Vorſtädten ; 621 Fruciffel: len und 4370 Menſchen. Es iſt hier eine katholiſche geifts liche Inſpection. Das katholiſche Oymnafiuin und Edu len - Inſtitut, war ebedeifen ein Seluiter: Collegium , wel: ches der gelehrte iind berühmte Sardinal und ermländiſche Biſchof, Stanislaus Sofius, ſtiftete, daber es von ihm Hofianum genennet wurde. Es iſt auch ein Sonnenf ( 0 ſter hieſelbſt. 1260 ward hier die erinländiſche Domkirche mit 16 Pfründen får ſo viel Domherren errichtet. 1461 jagten die Einwohner die polniſche Beratung aus der Stadt, und nahmen den ermländiſchen Biſchof auf , der es mit dem deutſchen Orden hielt. 1637 Imachte König Uladislaus durch eine öffentliche Urkunde die erſten hieſis gen Patricier. Ehemals gehörte dieſe Stadt unter die ſos genannten großen preußiſchen Stådte, und alſo zum Lana desrath , nachher kam ſie unter den Biſdof, und war die Hauptſtadt des Bisthuins. 2) Frauenburg , auf polniſch framburg, eine kleine und offene Stadt , am friſchen Haff, in welche ſich hier der Kanal , die neue Bude genannt , ergießet. Mit ihrer Erbauung iſt 1279 der Anfang gemadhet worden , und ſie bedienet ſich des Lübiſchen Rechts. Daú Domkapitel von 16 Domherren , hat hier ſeinen Sitz , und die Domkirche ſtehet auf einer Höhe. Der berühnite Mathematiker Nia kolaus Kopernikus war hier Domhers, und ſtarb hieſelbſt am 24 May 1543. Sie hatte 1782 bit ocu Borſtädten 1808 Menſchen . 3) Mehlſace , eine Stadt und Schloß an der Wals Tcha , welche in die Paffarge fließer. Die Stadt hat 314, und die beyden Vorſtådte haben 100 Feuerſtellen. 1782 faud man in jener uud dieſen über 2000 Menſchen . Die Stadt iſt 1326 erbauet. 4) Wormdit , auf polniſch Orneta , Stadt und Schloß , am Flåfiden Drewenz , erbauet 1316. Šie hatte 1782 nebſt der Vorſtadt, 348 Feuerſtellen und über 2000 Menſchen . Es iſt hier ein Nottnenkloſter. In der Borſtadt Pillau , find 12 Feuerſteller . 5 ) Guttſtadt, Auf polniſch , Dobre Miaſto , eine Stadt an der, Ulle , welche 1326 erbauet worden , und vie :

Weſt: Preußen .

IOI

vieles ausgeſtanden hat. Es iſt hieſelbſt eine Collegiata kirde von fünf Canonicis , und 1782 hat man über 2300 Einwohner gezáhlet. 6) Geilebers , ehedeſſen Lecberg , eine feine Stadt, an derude , mit einem ſchönen Yefidenz chlog des Bis fiyoff von Ermland. Die Stadt an ſich hat nur 273 Feuerſtellen , mit den Vorſtådten aber 400 , und 1782 fand man über 3200 Menſchen. Sie iſt vor 1240 er's baget. 1521 brannte ſie ab . 1703 hatte der ſchwediſche Korg Karl XII vier ſein Hauptquartier, Es hat bier das biſchbilide crniländiſche kandvogtengericht ſeinen Sits , wels deo 1772 errichtet worden , und ein der Oſtpreufliſchen Regierung unter Vorfenes IIntergericht iſt. 7) Biſchofsitein , oder iſtein , ein Stadrden, wels des 1385 erbauet, 1455 von dem deutſchen Orden in Bea fis genommen , und 1589 abgebrannt iſt . Die Stadt fiſi hat nur 240 , mit den Vorſtådten aber 370 Feuers Keller. 1782 waren hier 2141 Menſchen. Die Pfarrs fiche cerbauet von 1776 bis 1981 ) iſt ein ſchönes Gebäude. 8) Kornél, oder Reffel , ein Städtchen und Schloß. Die Stadt iſt 1337 von den Domkapitel erbauer ; fat an fish felbſt mir 155 , mit den Vorfladten aber 333 genera falen, und ungefähr icoo Menſchen. Ein Theildeg Cafloſſes, iſt zum Zucht- und Armen : Hauſe eingerichtet. Qirs dem ebenjaligen Jeſuiter Gymnaſium iſt ein kathol. Ebulen: Inſtituterrichtet worden. Man findet hier ein Jungjankloſter

9) Sreburg , eine kleine und offene Stadt , welche lihen vor 1389 erbauet war , an fich 136, mit 3 Borſtåds ter aber 228 Feuerſtellen , hat. 1782 zählte mau 1534 Venſchen. Es iſthierein altes Schloß. 1783 brannte ſie ab . 10) Biſchofsburg , oder Biſchburg , auf polniſch) , Biscupiec , eine kleine und offerre Stadt, am FlußDim mier, erbauet 1395 , mit ungefähr 1400 Menſchen, 17665 brante ſie ganz ab, und wurde nür ſchlecht wiedererbanet. II ) Wartenburg , eine kleine Stadt , mit einem Ehloß, zwiſchen den Flüffen Piſſa und Kermes , welde fic hernach vereinigen , und in den See Wabang fließen. 1782 G 3

102

Das Königreich Preußen .

1782 fand man in der Stadt und ihren Borſtådten 241 Feuerſtellen und 1562 Menſchen . 1455 ergab ſie ſich an den deutichen Orden. 1494 brannte ſie ab. Es iſt hier ein Bernhardiner Barfüßerkloſter. 12 ) Allenſtein , auf polniſch Olsztyn , eine kleine Stadt mit einem Schloß an der Ale , welche 1374 ans geleget worden. Un fich hat ſie 222, und mit den benden Vorſtidten aber 283 Feuerſtellen , und 1782 fand man ůber 2000 Einwohner. 2. Die landrarhlichen Kreiſe , nemlich 1 ) Der Braunsbergiſche Rrcis, in welchem folgende königl. Domainenåmter (1) Das Umt Braunsberg, deſſen Sitz das Schloß in der Stadt cirfes Namens iſt. ( 2) Das Amt Frauenburg, auf dem Borwerf Ros gitten . ( 3 ) Das Amt Mehlſack , auf dem Schloß in der Stadt Meblack. ( 4 ) Das Amt Wormdit , auf dem Schloß zu Worindit. ( 5 ) Das Amt Guttfradt , auf dem Vorwert Schmolainen . (6) Neun und zwanzig adeliche Derter. 2) Der Seilsbergiſhe Kreis , in welchem folgende königlidie Domainen Aemter. ( 1 ) Das Ait Beilsberg , auf dem Vorwert XTeuhof. (2) Das Amt Roefſel, auf dem Borwerk Biſchofs . dorf , am See Sain. ( 3 ) Das Umt Seeburg , auf dem Schloß in der Etadt Seeburg . ( 4 ) Das Umt wartenburg , auf dem Schloß in , der Stadt dieſes Namens. ( 5 ) Dus Amt Auenſtein , auf dem Schloß in der Stadt Udenſtein .

Erſter

TE

103

1

Erſter Anhang zu Weſt-Preußen

von dem

Ne

- Diſtrict.

he 5709 - Diſtrict, welcher ſeinen Namen von D der Verze , auf polniſd) 17orec , ( 77ores ) hat,auf deren benden Seiten er lieget , beſtehet aus Stúden der gro3 - polniſchen Woiwodſchaften Polen , Gnefer, Inowroşlaw, und Brzeſc, weldie dem Könige von Preußen 1773 von der Republik Polen abgetreten terden. Das Stück deſſelben , welches zwiſchen den Fleifen Nieke, Drage und Kudcow liegt, hat im Viergebn : en und funfachnten Jah Hundert zu der Neus maf , und alfo den Markgrafen von Brandenburg gehört, wie in der Ausfůc rung der Recice zc. 6.29f erwieſen worden . Die Gränzen des Nieß . Diſtricts, den man gang füglich das Vegeland hennen könnte , find 1776 und 1777 feftgelegt wor. den.

Er iſt in ſofern zu Welt. Preußen gi fulagen

worden , daß er unter der weſt. preußiſchen Regiem rung auch Kriegs . und Doinainen ,Kammer zu ma. rienwerder ſiehet, jedod) als ein beſonderes Land , da. her auch demſelben zu Bromberg theils ein Sofges riche, theils eine Kammers Deputation vorge feßet worden. Ben Bromberg fångt in der Brahe ein neuer ( chiffbarer Ranal an , welcher der broms berger Ranal genennet wird,

und ſich oberhalb

Nakel in der Nege.endet. Er hat innerhalb der er. fien

1

104

Anhang zu Weſt -Preußen

ſten 2000 rheinlanoſchen Ruthen , 8 Schleuſen , nimmt als denn nadi ungefähr 809 Ruthen einen Cpei e a fi anal auf,

der aus der Netze abgeleitet

worden , läuft von dánnen noch ihco Ruthen bis zu der neunten Schleuſe , und vereiniget fich nach 700 Nuthen mit der Nebe. Er nimmt ſeinen Weg durch eine moraftige Gegend, über welche oberhalb Nofel der neue Damm fchreitet.

führet ',

den der Kanal burd).

Der $ 7ézdiſtrict enthält

I. Folgende Erådte, meldie unter 4 Kriegs - und Steuer Råthen ſteheni, 1. Unter dem erfion ftehen 1 ) Camin , eine Stadt, Es iſt hier ein Collegiata ftift , und ein fôrigl . Doinainenamt. 2 ) Deutſch : Krone, anf polniſch Wale # , (Walez ) eing Grade , welche ehedefien der Hauptort eines Prowiat, und der Sin einer Staroftey war. Jegt iſt hier ein Kreiss Juſtitiariat. In diteru beiten gehörte ſie zu der Neumark, und die Sanilie von Wedel war im Beſitz derſelben . Hier iſt ein fa hat.Gymnafium , welches aus einer Jeſuitera Reficenzuſtande1 . 3) Silein , auf polniſch Wiclyn , eine Stadt auf eia ner Inſel in dit cte, w.lche orm fürfiliden Hauſe Saa pieba zugehåret; das hier ein Patrimonialgericht hat. Es iſt hier eine evangeliſch lutheriſche Kirche , deren Prediger jugleid Inſpector niber eine Anzahl Kirchen ift. 4 ) Salow , eine Stadt, in welcher eine evangel. Kirche. 5 ) Partiſch Friedland , eine Stadt , in welcher eine lutheriſche Kirchen infectieu iſt. o Jaſtrow , auf polniſch Jaſtroro, eine Stadt an Ser Kuddow , in welcher ein Preis : Juſtitiariat. 7 ) Tiroiante , eine Stadt, in welcher viele Juden wohnen . 8) Lobſenz, auf polniſch Lubyczyniee, ( Lubiefchiz nietz,), eine Stadt, in weldier viele Tuchweber, und faſt lautex evangeliſch - lutheriſche Einwohner ſind, welche eine Kira

# 11

von dem Net - Diſtrict.

105

Kirche haben. Es iſt hier ein Bernhardiner Barfüßer: kloſter. 9) Miaſteczko , eine abeliche Stadt. orſcha ) 10) Mirotzen , auf polniſch Morsza , ( eine Stadt, welche dem Grafen Malachowſki gehåret, der auch unterſchiedene Dörfer in dieſer Gegend beſitzet. 11 ) Radolyn , ein Stadtchen , unweit der Netze. 12) Schlop , auf polniſch Szlop, Slopå, eine ades liche Stadt, in welcher eine evangeliſch) - lutheriſche Kirs de ift. 13) Schneidemåhl, auf polniſch Pyla , eine Stadt an der Kuddois , in welcher eine Streis : Juftis Commiffion . 14) Schönlanke , auf polniſch Trzelanka , eine ades liche Gradt , in welcber eine evangeliſch -lutheriſche Kirche it, und einige 100 Ludweber wohnen. 15 ) Tiet , chedeffen Tůcz , ( Tårdh ,) auf polniſch Tuczno , ( Tutono, ) eine adeliche Stadt , woche ber Ulters zu der Neumart gchdret hat , und ein Eigens thum der Familie von Wedel geweſen iſt. 16) Vandsburg , Vansburg , Wensburg , eine Stadt, gehöret dem Grafen von Potulice, welder auch biele Dorfer in dieſer Segend befißet. 17 ) Wirfis , eine adeliche Stadt, 18) Groß Diffet , euf polniſch Wyſoka , eine adelis he Stadt, in welcher ein Capitel von ſechó Canonicis iſt. 19 ) Zempelburg , eine Stadt. 20) Budzin , eine kleine Stadt, 21 ) Chodziesz , ( Chodfiero , ) Chodzirfa ,' eine Stadt auch an der eüdſeite der Rege , welche dem Cra fen Grundzonſtw geboret. 1768 wurde ſie vor den Cona föderirten verbrannt. 22) Tfcharnifow , nach polniſcher Schreibart Czarnis Now , eine kleine Stadt an der Nebe , auf der Südſeite derſelben , welche 1768 bis auf eine Vorſtadt nach , abs brannte. 23) Erin , eine kleine Stadt.

Cols

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Anhang zu Weſt-Preußen

24 ) Gollancz , (Botlantſch) eine Stadt, des Gras fen Mieltſchinſki. Hier iſt ein Bernhardinier Barfüßers Klofier. 25 ) Margonin , eine Stadt , der gråflichen Familie von Sforzewſki. Es giebt auch ein Dorf diefs Namens. 26 ) Szamoczin , Samoszin , eine Stadt. 27) Ilfcs , Ufcie , eine Stadt an der Südſeite der Neke. 2. Unter dem zweyten Kriegs- und Steuer - Rath fte zen 1 ) Bromberg , oder Bramberg , auf polniſch Srs: gosz , ( Biogoſch ,) eine Stadt an der Brabe, welche ſich mit der Weichſel vereiniget. Sie iſt der Sig eines Hofs gerichts , einer Kammer - Deputation , einer Kriegs. kaffi , ciliee Domainetikaſſe , u . a . m . und eines königl. Aims, es furget alich bier der ichiffbare Kanal an , wels der ſich oberhald Narel in der Wiese endet. Es iſt hier eine fathel. Pfarrfice , Gymnaſium , weices aus dem Sefuitei- Golleanın entſtanden , ein Carnieliter: Bernhar : diner : Bars user und Clariffen : Nouneit : Stoffer. 1787 murde die evangeliſche Kirche eingericbtet. Der Stadt: timmeren grboren unterfdiederie Bormerfe und Dorfer. 1657 wurde hier ein Vertrag zwiſchen Poien und Churs brandenburg erridtet. 2 ) Barczin , ( Kartiohin ,) ein Stactchén , des Gra . fen karbodi , an der Mehe. 3 ) Polniji . Grone , auf polniſch Roronow , eine Sto't an der Brahe , in me!cher ein fönigl. Amt iſt, das zu viele Dörfer und Müllen gehören. Auch iſt hier ein Ciftiicienfor ONónchenfleſter. 4 ) Fordon , aud : Sordan , eine Stadt an der Geich , fil , moſclbſt die vorbeugebenden Schiffe einen 2011 erles sen. Sie wird auch Polniſch Foroon , zum Unterſchiede von dem nal gelegenen Dorf Deutſch - Sordon , genannt. EG iſt hier ein Freis - Juſtitiariat, und katholiſcher Prebít, dem das Dorf Jaruſchin gehört.

5) Tafel

von dem Nekdiſtrict.

107

5) Catel, auf polniſch Tallo , eine Stadt an der Nege, mit einem von Moråſten 'umgebenen Schloß. Shes deſſen war bier ein Staroſt , jeßt iſt hier ein königl. aut, zu welchem einige Lörfer und einige Mühlen gehören. 6 ) Szulice, (Schulis . ) Sulec , (Buler;,) e ne Stad an der Weichſel. Ben derſelben find ſogenannte Hollins der angelegt. 7) Bembit oder Gombice, eine Stadt. 8 ) Gniewtowo, ' eine Stact. 9) Gonjawa , Bonzaide , eine Sadr . 10) Insivrotlaw , oder Inowraglaw , nach pols niſcher Schreibart Inowroclaw , auf deutſch Jungen : leslau , eine bemauerte Stadt , welche unter polniſcher Herrſihaft der Sitz eines Woiwoden , größern Kaftellans und Staroſien war. Es iſt hier ein fånigl. Amt, und ein Franciſcaner-Kloſter 11 ) Bruſchwitz, auf polniſch Kruszwica, (Rruſch . vitza ,) cine alte Stadt ain Ser Goplo, mit einen Schloß. Es iſt hier ein fönigl. Amt. Unter polniſcher Herrſchaft, war ſie der Siß eines kleinen Kaſtellans, und eines Stas roſtent. Das cujaviſhe Bisthum ift zuerſt in dieſer Stadt geſtiftet worden. Außerhalb verſelben ſteher die Peterss kirche, ben welcher ein Kapitel von 20 Domherren iſt. 12) Kwieczyszewo, ( Kwietſchiſchewo,) eine Stadt. 13 ) Labiſchin , nach der polniſchen Schreibart labiss zyn , eine Stadt auf einer Inſel in der Neß , mit einem Borwerfe. Sie gehöret , nebſt vielen Dörfern, der gráft. Familie von Skorzewſki. Es iſt hier ein Reformatens Barfüßerkloſter. 14) Mogilno , eine Stadt , in welcher ein Benedictis nerklofter. 15 ) Paloſc, eine Stadt an der Netze. 16 ) Rinarczew , ( Xinartſchew ;) ein Städtchen , der gråflichen Familie von Sforzewſki. 17 ) Szubin , (Schubin , ) ein Städtchen , des Gras fen Micielſki, welchem auch' verſchiedene Dörfer gehören . Es iſt hier ein katholiſcher Probſt, welcher ein paar Dór. fer gehören.

18 )

708

Anhang zu Weft- Preußen 2c .

18 ) Strzelno , eine Stadt , 'iu ipelcher Coronigi Præ. monftrat. ord. S. Norberti , auch Pråmonſtratenſers Nonnen. 19) Wilatowo , eine Stadt. 20 ) Kcin, Lcyna, Znin , lat. Znena, eine kleine königl. Stadt mit einem Borwert, aufer welder der König nichts in dieſer Gegend befizet. Ehedeflen war hier eine Stas rojien , welche der Oberſtaroſt von Großpolen befas, und es ward hier cis Landgericht gehalten , jetzt iſt hier ein Kreio- Fuſiitiarist. Dem hieſigen katholiſdhen Probſt ges. hören ein paar Dörfer. Es ſind hier Karmeliter -Donche.. II. Die landråthlichen Kreiſe, fend der Brom ,

1

bergiſche, der Caminſane, Cronfare , und Jno . wrazlawſde Kreis . Unter dieſelben ſind die ks . niglichen Domainen - Alenter alſo rertheilet, daß Der zu Bromberg wohnende Iufiisbeamte verwaltet : tie Fuſtitz in den Aemtern Bromberg , Tiszewiz. Gniewłowo und illur inuo ; Der zu Nafel wohnende , die Jufritz in den Aemtern Tafel, Caronowo , Camir, und mirobcy ; Der z!l Schneidenůhi wohnende, die Juſtik in den Aemtern Helgnigwo , lebehnke , Yeuhof, Deutſch . Crone, Poitollit; und Bialoslio ; Der zu froidratlaw wohnende die Suftit in den Leitern Inowratlaw , Kroszwiz , Strzelno , mos gilno und Jnin ,

1!

Zwer

109

Zweyter

zu

Die

Anhang ,

Weft - Preußen.

Herrſchaften

Lauenburg

und

Bitow.

iefe Herrſchaften Haben ebedeſin der Krone Pos Dulen -gehöret. K. Caſimir úverlici fie 1455 an den Herzog Erich zu Ponimern , jeto ) ehre Sehns . verbindlich keit; hingegen von 1463 an ( aben die Herzoge zu Pommern dieſelben als ein freyes lehnt Dieſe fuchte zwar in der der Krone Poten beſeffen . folgenden Zeit die Herzoge wegen derſelben zu lehn. dienſten zu bringen ; ſie wollten ſich aber nidit dazu verſtehen , und 1526 wurde vergliden , daß die Here goge zu Pommern dieſe Herrſchaften als Erblehn ohne alle Dienſtleiſtung beſigen , jedoch bey) einer jeden Regierungsveränderung in Polen , die Leönempfänge niß ſuchen , dieſelbige aber oyne Entgeld erhalten ſoll. ten.

Nach dem Tode Herzogs Bogislaf XIV, nut

den ſie von der Krone Polen als eröffnete lehen gezogen ,

ein.

und von den Unterthanen die Huldigung

und Eidespflicht eingenommen : allein , 1657 wer'. den ſie durch den zu Welau geſchloſſenen , und zu Bromberg oder Bidgoft beſtätigten Vertrag , dem Churhauſe Brandenburg als ein frenes lein , wie folche die Herzoge zu Pommern gehabt , übergeben, und von demſelben ohne Eidesleiſtung zu sehn ema pfangen.

Sie haben über 100 Jahre lang tộre ela denen

110 Zweyter Anhang zu Weſt- Preußen . genen Gerichte gehabt, die beyde . zu Sauenburg wa . ren , nämlich das G : 00 . und land - Gericht , welches die erſte Inſtanz war , und von welchem man ſich 1773 wurde das an das dafige Tribunal wendete. Grod , und

land. Gericht in ein Sandvogtergericht

verwandelt, und das Tribunal aufgehoben , die Herrſchaften aber wurden in Juftiß und kirchlichen Sadjen der weſiprrußiſchen Regierung untergeben. In denſelben wohnen noch viele [ .fſuben , daher faſt in allen Kirchen polniſch und deutſch geprediget Die Abgabe Orr jurium ftolae von der pro. wird . teſtantiſchen Einwohnern an die katholiſchen Geifilis Die Herrfdhaf. chen , iſt 1769 abgeſchafft werden. ten begreifen

1. Die Serrſihaft Lauenburg , welde unge fähr 8 Meilen lang , und 6 Meilen breit iſt , und vornehın ich enthält 1 ) Lauenburg , eine unnittelbare Stadt an der les ba. Der erſte Prediger an der Stadtkirche, iſt zugleich Inſpector über die beynen tanoxfarren des Vimts Lanens burg. 1682 brunnte ſie ab. Es gehören ihr 8 ftrine Derter. 2 ) Leba, ein Städtchen am Fluß gleiches Namens, und nahe berm lebeſcher See. In firchliden Sachen ſtehet es unter der Charbrowſchen Inſpection. 2. Die Serrſchaft Bürow , welche ungefähr 6 Meilen ins Gevierte hat , und deren vornehmſter Ort iſt Bütow , eine unmittelbare Stadt , mit einem Schleß. Der Prediger an der Stadtkirche iſt zugleich Inſpector über die 3 landpfarren des Amis. Die Stadt brannte 1629 ganz ab. Shr gehören z Derter.

Polen

Volen und Litauen ,

fammt

den mit ihnen

verbundenen

Ländern.

Polen

U12

Pole n .

S.I.

Mercators, Blaeu und Janſons Charten, von Polen , find einander gleidy,

fehr mana

M gelhaft und unvollkommen , ohne Ubrbcia lung in Proonijen und Wuinocfit: aften , und haben wenig Derter . Guillaume te jur Sieur de Beau: plan , welder 17 Jahre in permifden Dienſien als Krieges, Baumeiſter und Kaupmanın geſtanden, bat die erſte gute Chat: von Peten aufgenommen , wel: die dieſen Staat nicht nur nad ſeinen Provingen , ſondern auch nadı ſeinen Woiwodſchaften vorfiellet , abar fehr wenije Derter hat.

Sanſon d ? Zobes

ville ſtellte ' hierauf 1659 cine Charte von Curland und Schamaiten auf einem Bogen , 1665 Ober- und Nieder - Podolien auf zwey Bogen , die Maſau und Podlachien auf einem Begen , Ober , und Nieders Wolhynion auf zwey Bogen , 1666 aber Obers und di Nieder • Polen auf zwey Bogen , und das Greſheto jogtqum Litauen auf vier Bogen an das lidt. Er Hub auch ganz Polen und Litauen xebſt den dazu gehöris gen ( åndern, ſowohl auf einen einzigen , als auf vier zuſammenhangende Bogen gebracht. Die fupfer : platten und den Verlag von allen dieſen fanſonſdent Charten , hat nachmals Robert von Vaugonin an fich gebracht, unið feiten Namen mit auf dieſelben gefegt.

Die Specialcharten find groß genug , ha: ben

12

Einleitung.

113

ben'aber nicht viel Derter , und die Namen der Dere Unterdeſſen ſind die -beau. ter ſind oft unrichtig. planiſchen und ranſonſchen Charten der Grund von allen den Charten auf einem Bogen , welche Viſs ſcher , Jaillot, ( nachgeſtochen von Covens und Niortier ) de Wit, (auch von Covens und rior, tier nachgeflochen ), Dankeres , Valk , Allard , Komann zu zweyen malen , Schenk und andere Wilhelm de l'Jsle gab herausgegeben haben. geſtoch Charte einige Verbeſſerungen , enen ſeiner 1707 und ſie iſt von Covens und Mortier , Schent und Lottern nachgeſtochen worden . Noch beſſer iſt diejenige Charte , welche Tobias Mayer verfertis get, und die Homanniſche Werkſtåte 1750 bekannt Ros gemacht hat : ſie hat aber nicht viel Derter. bert von Vaugondy gab 1752 eine Charte von Po. et ramen aus , und Boud An Charten von einzelnen hat auch eine geliefert. Provinzen ſind mir , außer den oben angeführten, nur eine von der Woiwodſchaft Poren , welche G. f. M. gezeichnet hat , eine von den Herzogthümern Oswietfchim und Zator , und eine von der Maſau mo Cujavien , bekannt. Von dem Großherzogthum Litauen , iſt (Mercators Charte nicht brauchbar : al leln, die große Charte , welche Vic. Chriſtoph fürſt von Radzivil , auf ſeine Koſten aufnehmen und Janſſon 1613 geſtochen hat, iſt ſchon ſehr ſchågbar. Die Janſſon . Waesbergiſche Werks fiåte hat dieſelbige auf einem gewöhnlichen Bogen laſſen ,

geliefert, und die von Danferts, Wit , Covens und Mortier, Ottens und Lotter ausgegebenen Charten, find von gleicher Große. 2 Th. 82 .

Die Sanſonſche, auf vier Bogen

114

Poien .

Bogen habe ich oben ſchon genannt. Beffer als die bis er genannten , iſt die Charte des Jeuiten Jos hann Zieprecki , welche Tob. Mayer in Anſen hung des Mathematiſchen verbeſſert, und die Son manniſdie Werkſtate 1749 herausgegeben hat. Von der ſogenannten Ukraine , hat der vorhin gerühmte le Valjeur de Beauplan eine Charte von

adt Bogen gezeichnet, deren Original zu Paris iſt. Sis bildet die Woiwodſchafren Kiow, Braclaro und Podolien ,

auch die angränzenden Woiwodſchafter Wolhynien und Roth Rußland ab , und iſt zu ihrer Zeit ſehr braudzbar geweſen . Im blaeuiſchen ut

las findet ſie ſich auf vier Bogen , welche Sanſon (wie oben [djon erwähnet worden) , aut Covens und Mortier, nachgeſtochen haben.

Ein Auszug aus dero

felberi auf einem Bogen, iſt in des Verfaſſers Defcri ption " d' Ukraine enthalten , und zu Rouen , und zwar verkehrt , geſtochen . Nadher iſt eben dieſer Bogen umgezeidznet, und zu verſchiedenen malen gee ſtochen worden . Alle bisher genannte Charten von Polen und die tauen ſchien diejenige große Charte von 16 Bogen, zu übertreffen , welche zur Zeit des Königs Johann Caſimir aufgenommen , und auf Befehl des jeßigen Königs Stanislaus Auguſtus verbeſſert fenn ſoll, und von welcher der Buchhåndler Joh . Jacob Rang ter zu Königsberg eine Copie an ſich gebracht hatte, die er 1769 zu Berlin einem Kupferſtecher überlies ferte. Sie hatte das Neue , daß auch die einzelnen Diſtricte oder Powiaty der Woiwodſdjaften angege ben waren : allein ich fand gar bald , daß ſie viele falſche Grinzen ,

auch viele unridrige Sagen und Namen

Einleitung.

115

Namen der Derter babe , und widerrieth alfo den Stich derſelben. Weil er aber nicht zu hindern war , verbeſſerte id, eine Anzahl Fehler in derſelben , und die angränzenden Sånder wurden durch geſdrickte Mána Die Charte ward 1770 ferrig , vera ner beygefüget. lor aber den nur geringen Credit, weldoen ſie erlangte , Unterdeſſen brachte ſie doch Georg Frida gar bald. rich Uz zu Nürnberg , auf vier zuſammenhangende Die noch größere Charte von 24 Bogen , Bogen . und einem allgemeinen , welche Kerr pon Pfau , unter dem Titul Regni Poloniae, magni ducatus Lituaniae nova mappa geographica , concellu Bo rufſorum regis, geliefert, und deren Titulblat C.B., Glaſsbach 1770 zu Berlin geſtochen hat, iſt auch ſo genau , richrig und brauchbar nicht, als man ges wünſcht hat, fie iſt auch durch die angränzenden låna der um verſchiedene Bogen unnöthiger Weiſe vera Die Carte generale et nouvelle größert worden . de toute la Pologne , du grand Duché de Lithua nie et des pais limitrofes , gravés par B. Folin, Ca pitaine au Corps d'Artillerie de la couronne de Po.. logne, à Varſovie 1770 , vier Bogen , würde zu den ziemlich guten gehören, wenn ſie nicht höchſt un. Beſſer als

deutlich und ſchmußig geſtochen wäre.

alle dieſe angezeigte Charten , iſt die Carte de la Po. logne , welcke Herr I. A. B. Rizzi Zannoni 1772 zu Paris auf 25 Bogen an das Licht geſtellet, und ju welcher der gelehrte Fürſt Joſeph Alerander ja. Dieſe ben blonowſki die Hülfsmittel geliefert hat. ſtunden aus Zeichnungen von Gegenden welche des fürſten Großvater ſelbſt þatte aufnehmen laſſen. Die geometriſche Richtigkeit der Charte , foll groß ſeyn ;

116

Polen .

Feyn : ſie hat aber Fehler in den

Gränzen der Pro

vinjen , und in den Namen. Keine Charte feltet it diefen Staat nad, dem kleinern Umfang, den er 1773 zu bekommen angefangen hat , ' vor. Im Lue guſt 1772 find zu Berlin vier Blåtter von einer neuen pion Specials Charte von Polen fertig geworden , welche ein Supplement zu der Charte von 25 Bogen vom Jahr-1770 þeißen , und gut geráthen find. S. 2 Das Wort Pole , bedeuter in der Landese ſprache ein plattes und ebenes Sand ; daß aber das Königreich und die ganze Nation davon den Na. men gabe , iſt noc , nicht ausgemacht. Es grånzet dieſes Reid ), die mit demſelben verbundenen Länder mitgerechnet , an Rußland , Preußen , das osmani. ſche Reich , Galicien und ſodomerien , Deutſchland, und die Difee. Bis 1772 war es ungefähr 13400 geograph. Quadratm . groß , feit dieſem Jaộr aber mag es etwa noch 10000 deutſde 2. M. groß fenn. Seine Grängen mit den ruſſiſ. Dſtreichif. und preuſe fiſchen Ländern ,

ſind 1776 und 77 durch eigene Como

miſſionen und Receffe beſtimmet. Auf der rufiifchen Grånze gab es in der Woiwodſchaften Rion und Braclaw noch Ungewißheit und Streit , welche aber 1780 und 1781 völlig gehoben worden . V. 3 Die Luft iſt etwas kalt, aber geſund. Erb. beben ſind in den Jahren 1000, 1016 , 1200, 1257, 1303 , 1348 , 1358 , 1785 und jwey im Jahr 1786, Das land iſt faſt allenthalben verſpåret worden eben , þat wenig Borge , aber ungemein fruchtbare Felder , und daher einen Ueberfluß an Getreide, wie denn faſt jährlich einige tauſend Schiffe und Floße, die mehrentheils mir Getreide beladen find, die Weich . fel und Nogat hinab gehen. In Podolien, Volhynien und

Einleitung.

117

und der Ufraine, wächſer es in großer Menge ohne viele Zubereitung und Düngung des Ackers , in Großs und Klein Polen aber muß fchon mehr Arbeit auf den acerbau gewendet werden , da es denn aber and Litauen gleiche Pro nicht an reichen Ernten feblet. dolien , und in Schamanten wachſet, außer vielem Getreide, auch viel Hanf und Flachs. Die Weide ift In Podolien wächſer das Gras fo h ch , vortrefflich. daß man manchmal faum die Hörner der Odyjen , Die Frucht, welche darinn gehen , erblichen kann. barkeit des { andes und den Ueberfluß der Lebensmite tel, fann man auch daraus erfennen , wenn man ben denfet , daß von 1701 bis 1718 beſtandig unterſchie. bene Kriegsheere in Polen geweſen ſind ,

und das

Dem dennoch es niemals an Brodt gefehlet hat. ungeachtet bekommen die Reiſenden in den Wirths. þåuſern auf dem Lande mehrentheils nichts zu effen ſondern müſſen alles nothige in den Städten einkau. fen und mit ſich

führen , woran die ſchlechte Bezah .

lung der einheimiſchen Reiſenden Schuld iſt , daher ſich die Wirthe mit nichts verſehen , weil ſie befürch .. ten , daß ſie kein Geld dafür bekommen werden. Das polniſche Manna ,

eine Speiſe, welche

ſehr bäufig gebraucht wird , wächſet in einem Kraut, und ſieht wie Hirſekörner aụs. Die landleite ſamme len es auf den Wieſen und ſumpfichten Orten vom zwanzigſten Jun . bis ans Ende des Julius. Die polniſchen Kermesbeeren müſſen im Man geſamm . let werden , wenn ſie noch nicht gang reif ſind , denn : im Julius Friechen Würınchen aus denſelben , die Blåschen hinter fich laſſen , weldie feine Tinctur weder zum Färben , noch zur Arzenen geben . Sie wach. 3

118

Polen .

wachſen in der Ukraine in großer Mengè, bey Wari ſchau und Krakau , und ſind ehedefſen ſtark nach Genua und Florenz geführet worden , jeßt aber bea kümmert man ſich nicht mehr darum. DerVeins ſtock fommt an verſchiedenen Gegenben

gut fort,

man leget id, aber wenig auf den Weinbau . In : vielen Gegenden giebt es anfehnliche Tannen - Fichaj ten - Büchen- und Eichen : Wålder , noch mehrere aber ſind nach und nach ausgehauen ,

dünne gea

worden , ' und ausgerottet, ſo daß es in den Gegens den derſelben , wo ſie geſtanden baben , nun an Holz Honig und Wachs iſt" påufig ., Deri mangelt. Meth , welcher in großer Menge bereitet wird , hatten feinen Namen von dem ches Honig bedeuter.

poiniſchen Wort Miod , wel.

Die Viehzucht iſt wichtig . Es werden jährlich viele tauſend Ochſen ausgetrieben. an Pferden iſt.

1

ein Ueberfluß ,und ſie sind ſtarf , ſchon lind ſchnell. Schafe und Ziegen ſind in ſtarker Anzahl vorhanden , und jene geben zum theil feine Wolle.

Das Wild .

pret iſt häufig . Es giebt hier nicht nur viele wilde Shiere , die auch in andern Ländern anzutreffen find, fondern auch einige , die daſelbſt ſelten oder gar nidyt Das Elanthier ( arf polniſch gefunden werden . Los ), wird in Polen ,

Litauen ,

und Eurland oft

geſehen und geſchoſſen, fein Fleiſch iſt gut und ſchmacf . Es ift fo groß haft, und das Fell ſehr brauchbar. als ein ſtarkes Pferd , hat Haare, Füße und Klauen wie ein Hirſch, einen Kopf wie ein Pferd , jedoch mit einem Geweih , und Ohren wie ein Efel, fann ſchnell laufen , und über die Flüffe fchwimmen . Wilde Widder werden þinter Braklaw in den Wüſten

ta

119

Einleitung. Wüſten geſehert, und haben nur ein Born.

Der

Biſon , polniſch Jubr, iſt einem Dchſen nicht uns ähnlich , aber von dicferm Leibe , und hält ſich in die tauen auf. Der Vielfraß polniſch Roſomak, findet ſich in den Wäldern zwiſchen Litauen und Ruß , land. Der Walf thut vielen Schaden . SIS bať , ein Thier, welches einer wilden Ziege åhnlich, ift in Podolien . Mit den Båren wiffen die Polen Geld zu , verdienen , indem ſie bieſelben , in fremde Lånder führen , welches aber nun nidyt mehr ſo Håu . fig geſchiehet als ehedeflen . Der Auerocs wird in der Maſau , aber jeħt ſehr ſelten erblicet. Wilde Schweine ſind ziemlich Häufig. Lichhörnchen ,

Marder ,

Súchſe, Lüchle, hafen ,

Biver,

Siſchottern , giebt es in ziemlicher Menge. Die Rehböcke werden häufig von den Wölfen aufgefrero fen.

Wilde Pferde hat die Ukraine in großer An.

jahl, und ſie wurden zu Huſaren Pferden in großer Unzahl ausgeführet. Sirſche, Daihitſeise und wilde Raßen find ſelten. Der wilden und zahmen Vögel , kann ich nicht gedenken . Durch die in den Woiwodſchaften Sandomie und Krakau angelegten Salgfiedereyen , hat Polen wie. der eigenthümliches Salz bekommen , doch erſeket es das verlorne Steinſalz von Bochnia und Wieliczka noch nicht,nach deffen Verluft Polen jährl.153333 } Thl. für fremdes Salz ausgegeben har. AnMineralien von vielerley Art, fehlt es nicht, ſie ſind aber bisher entwe. der aus Faulheit oder Eiferſucht wenig aufgeſuchet und zum Nußen des Staates angewendet worden , oder man iſt ungeſchide daben zu Werfe gegangen. Ums Jahr 1785 waren in Polen' und Litauen 284 hohe $24

120

Polen .

Hohe Elfen - Oefen vorhanden , welche in 40 Wochen 85000 Centner Guß . Eiſen lieferten , die 60763 Centner und 67 Pf. neues Eiſen ausmachten . Suppen . Feuer zählte man 41, und alles rein geſchmiedete Ete ſen aus den Defen und {uppen Feuer, betrug jahr . lid) 64863 Centner 67* Pfund , f . mein Magazin JĄ. 19. S. 447. F.

Außer den Eiſengruben ,

finden

aud Bleygruben im Gange , als ben Chęzciny: Das Bleyerz bey Dikus; enthåle Silber , es iſt aber in diefem alten Bergwerfe nichts erhebliches mehr zu finden . Alter Kupferbergbau iſt auch vorhander , und an einigen halb Metallen , als Galmey und Zink, fehlt es auch nicht. In Groß . Polen giebt es viel Seen , unter welchen einige fiſchreiche find. Von dem See Gos plo , gehört nur noch das ſüdliche Ende zu Polen . Von den Flüſſen ſind nachfolgende acht infonderheit merkwürdig.

1 ) Die Důna oder Dzwina , Duna , Kubo, tommt aus Rußland, und macht zwiſchen demſelben und Litauen die Grånze. 2) Die Memel , Chronus , auf polniſch nie . men , entſpringet in der Woiwodſchaft Novogrodet, und fließet durch Litauen und Preußen ing} curtſche Kaff. 3 ) Die Weichfel, Viſtula, auf polniſch Wis fla , das iſt , ein hangendes Waſſer , entſpringt in Soleſien im Fürſtenthum Teſchen , beym Anfange des carpathiſchen Gebirgs, gehet durch Polen , und nachdem ſie daſelbſt ſowohl, als in Preußen , vere ſchiedene Flüſſe aufgenommen , fålle ſie unter Dan . sig in die Ditree ; durch zwey andere Arme aber, Vogac

Einleitung.

***

nogat und Alt Weichfel genannt, in das friſche Sie iſt zwar fehr breit, Haff. untiefer .

wird aber immer

5) Der Dnieſir , Dneſtr, Danaſris, bey den Griechen Tyras oder Tyres, entſpringet aus einem Ece am

carpathiſchen Gebirge , und fließt zwiſchen

Polen und der Moldau ins ſchwarze Meer. 6) Der Bog oder Bug , entſpringe in Pobo. lien , und fällt in den Dnieper. 7) Der Dnieper, Dnepr, Danapris, Boryſthe nes , entſteht in Rußland , und fällt, nadidem er einen Weg von 40 Tagereiſen , oder 200 Meilen zu růd gelegt hat , ins (dwarze Meer.. 8 ) Der Pufypietſch ( Przypiecz ), oder Przy . petſch , (Przypecz) I'ripetius , entſpringt in Gallia cien und lobomerien , und fließet in den Dnieper. g . 4 Polen und Litauen enthalten viele lundert Städte , ſie ſind aber mehrentheils ſchlecht gebauet. Der königlichen ſind 230. f . mein Magazin TĄ. 16 . S. 12. f. In einer 1771 gedruckten' polniſchen Schrift VOR dem Beytrage einer jeden Woiwodſchaft zur Beſoldung des Kriegesheeres , find in Groß . und Klein , Polen 8u Srådre genannt , in weldien da . mals Juden waren , die Kopfſteuer erlegten.

Die

Anzahl aller Menſchen hat bis 1772 fohwerlich über acht bis neun Millionen betragen , und in feio ner gegenwärtigen Große mag der Staat etwa fünf Hierunter bis ſechs Millionen Menſchen haben . Der legten ſind ſehr viel Deutſche, und Juden. gegåhlet 1781 Litauen) ( ohne Polen hat man in 187, 831, 1784 aber 199134 Kopfe. Man kann ſich aber auf folche Zahlungen gar nicht verlaſſen , denn

$ 5

1

Polen . # 8 iſt bekannt, daß mehrmals die Hälfte der Juden, von dem Dete , wo die Zahlung geſchehen ſoll , ent weicht , und erſt wiederkommt, wenn der Luſtrator wieder abgereiſet iſt, ja man gält auch für ſehr wahr. fcheinlich , daß dieſer fich beſtechen laſſe ,

und alſo

durch die Finger fehe.. Wahrſcheinlicher weiſe iſt die wirkliche Anzahl derfelben in Polen noch einmal ſo groß , als das Verzeichniß ihrer Kopfe angiebt, und in Polen und Litauen zuſammen machen ſie vermuth. lich ungefähr eine halbe Million aus.

Es iſt merk.

würdig , caß fie die meiſten Wirthshäuſer inne has ben , vornehmlich in Klein Polen und im Großher. zogthuin (itauen.

Der Ruf der Religions - Dulo

dung lockte 1782 tauſende fremder Familien nach Polen. Unterſchiedene vom hohen und reichen Adel erhoben fich über alle Vorurtheile und Vorwurfe , festen fremde Familien mit beträchlichen Koſten auf ihren Güthern an , erlaubten ihnen Kirchen zu bauen , und ließen Prediger für ſie kommen ; andere räumeten den neuen Ankommlingen nur Felder und Häuſer, entweder gegen einen jährlichen Zins, oder gegen Ur beit, ein , von dieſen ſind aber viele wieder aus bem Sande gegangen . Wenn man die Polen als Bürger des Reichs betrachtet, find fie theils Edelleute, theils Stadrleure oder Bů ger , theils Bauern. Ein Edclinann heißt" ant polniſch Szlachcic, (Schlachizig ),

und die adeliche Würde Schlas

chetſmo. Der. Udel iſt ſehr zahlreich, aber groß. tentheils arm . Die vornehmſten Familien find reich, und nehmen viele hundert arme Edelleute in Dlenfle, welche ſich zu Jungen, Dienern , Wirthſchafts.Com miſſarien , Schagmeiſtern , Matſchållen , und unter andern

Eiūteitung.

123

Sie ſtreben ſehr andern Titeln gebrauchen laſſen. nach Titeln , und die vielen Sandåmter in den Woi. wodſchaften und Diſtricten , geben auch Gelegenheit zu vielen Titeln , welche auf die Kinder erben. Der berhaupt Haben die polniſchen Edelleute große und viele Privilegien und Vorrechte, ja die Hochberühmte polniſche Frenheit kommt eigentlich nur dem Udel iju . Sie haben über ihrer Bauern Leben und Cod zu gen bieten , welche daher in ſehr ſchlechten Umſtänden , Ein je und in einer elenden Leibeigenſchaft ſtehen . der iſt unumſdrånfter Herr über ſeine Güter , von welchen der König keine Abgaben fordern fann , und auf welche auch keine Soldaten geleget werden dürfen. Stirbt ein Fremder auf eines Edelmannes Gut, und þinterläßt keine Erben , fo fällt ſeine Verlaſſenſchaft dem Herrn des Guts anheim : ſtirbt aber ein Edel. mann ohne Erben , fo fann der König feine Güter einem andern nicht verleihen , ſo lange noch Ver . Wenn ein wandte bis ins achte Glied da find. Edelmann gar keine Erben und Verwandte hinter. läßt , ſo kann der König feine Landgüter für Rich nicht behalten , ſondern muß ſie einem andern wohl. Die Häuſer der verdienten Edelmann verleihen. Ebelleute find eine ſichere Zuflucht für Leute, welche ein Verbrechen begangen haben , denn fie dårfen aus denſelben nicht -mit Gewalt herausgeholet werben . Die Richter in den Städten , können aud ) feine adeo liche Unterthanen und Güter mit Urreft belegen. Die Edelleute fowohl, als ihre Unterthanen , erlegen feis nen Zoll von ihrem Vieh , Getreide xe . welches fie zum Verkauf ausführen . Ein jeder hat das Redit, Salz- und Erz - Gruben auf ſeinen Gütern zu bauen . Keine

1

124

Polen .

Keine Obrigkeit, ja der König Felbſt nicht ,' fann einen Ebelmann ohne vorhergegangene Citation und Ueberführung, gefangen nehmen ; es ware denn der felbe ein Dieb , den andere Diebe dreymal angegeben þårten , oder , wenn er in einem andern Verbrechen erfappet wird, imgleichen wenn er keinen Bürgen ſtelo Ein Edelınann ſteht allein uns ten kann , oder will. ter dem Könige: er darf ſich aber außer Landes vor demſelben in feinen Sachen ſtellen , wenn ſie nicht die fönigliche Kammer angehen , fondern muß im Sande Die geiſt. und weltliden Ehren gerichtet werden. ſtellen und Hemter fönnen nur aus dem Adel befeket werden. Der Adet fann auch nur allein Sandgüter b. figen , daber die landgüter audy adeliche Güter geo n nnet werden; doch haben die Birger einiger Stådte, die bald hernach vorkommen , das Privilegium, land, Die Edelleute fønnen ohne Unter . güter zu beſigen . Fchied in den Städten Häuſer haben, müſſen ſich aber alsdenn den bürgerlichen Pflichten unterwerfen ; und wenn fie bürgerliche Handthierung treiben , ſo verlie . Ein jeder Edelmann ren ſie ihre adelichen Rechte. hat das Recht , den König mit zu wählen ; ja , ein jeder iſt der Krone fähig , wenn er von ſeinen Mit. brüdern durch frene Wahl dazu erhoben wird.

Dieſe

und andere dergleichen wichtige Vorrechte , hat der Udel theils durch die Frengebigkeit der Könige, theils durch die Gewohnheit erlanget. Ein alter und ge. borner Edelmann , hat vor einem neugemachten viele Porzüge. Die adelichen , privat , und bürgerlichen Sachen werden in den Sandgerichten abgehandelt ; und wenn der Edelmann mit den föniglichen Gütečn einen

1. !

Einleitung

125

einen Streit hat, ſo wird ſolcher von einem Com . mifforialgericht unterſucht. Was die Bürger anbetrift, ſo hatte ſchon Bo . leslaw der fünfre (1257) und legizko der rechte oder ſchwarze eingeführet, die deutſchen Bürger, welche fid) in den polniſchen Städten wohnhaft niedergelaſa fen hatten , nach dem magdeburgiſchen Recht richa ten zu laſſen , ſie hatten denſelben ſo gar erlaubet, nach Magdeburg appelliren zu können . Weil aber R. Caſimir der dritte dieſe Appellation , wie Dlugoß faget, für unſchicklich und unanſtandig hielt , (wele ches ſie auch wirklich war ), fo errichtete er 1356 ein ' deutſches Jandgericht zu Krakau , deffen 7 af foren aus den Magiſtråten

der nådyſłen Städre erwählec

wurden , und wenn von dieſemlandgericht an das bodyſie Landgericht appelliret wurde, fo mußten in demſetben zwey Bürgermeiſter aus jeder der folgeriden Städte, Krafau , Sandomir , Bochnia, Wieliczka , Kaſi. mir und Jifusj, das Endurtheit ſprechen . Als eben dieſer Konig Kaſimir der dritte 1343 mit dem deuts fchen Orden einen Vertrag erricrete , ließ er denfel. ben auch durd, die Abgeordnete der Srådte Krakau , Polen, Kalisz, Sandomir , Sandect, Wladislaw , Brzeſt unterſchreiben , und den 1436 mir eben die em Drben errichteten Vertrag unterſdyr ben, a fer den 3 erſten Städren , auch Lemberg , Plock und War. fchau .

Zu den Conföderationen von 1428, 1668 und

allen folgenden, ſind auch polniſche Städte gezogen worden , deren Abgeordnete ſich nach den Sanoboren unterſchrieben haben ; es ward auch in die Contodes" rations.Acte von 1664 ausdrücklid ) gefeber, daß die Ståbte mit zu der Conföderation gehörten.

Die wich.

126

Polen .

wichtige Acte der Vereinigung Polens mit Sitauen , yon 1569 , unterſchrieben auch a Deputirte aus der Stadt Krakay. Auf dem Reichstage, der 1505 zu Radam gehalten wurde , erſchienen auch ſtådtiſche Deputirte. Selbſt zu der Königsroahl ſind von 1632 an , da Wladislaw erwählet wurde, gewiſſe Städte 2, berufen worden , und haben die pacta conventa mit unterſchrieben , und dieſes iſt noch bey der Wahl K.

Auguſts Il geſchehen , es ſind auch die ſtädtiſchen Deputirte auf den Kronungs . Reichstagen eben fou la wohl als die landboten , zu dem fönigl. Handkuß ges laſſen worden .

Dieſe Stådte find , Krafau , Powite

fen , Wilna , Lemberg , Warſchau. Daß man ſiete von 1733 an nicht mit zu der Königswahl gezogen hat, iſt gewaltthårig; und heber ihre verjährten Rechte nicht Haben gleich ihre Deputirte weiter nichts geo auf . than , als daß ſie den Stimmen der Sandboten bengea treten ſind, ſo muß man doch bebenfen , daß auch die meiſten adelichen Stimmen, nur Ehrenſtimmen find, und ſich nach den anſehnlichſten richten . Die Bayern ſind zwar gröſtentheils Leibeigene der Edelleute, dod) giebt es auch Beyfpiele freygen

laſſener Bauern. S. 5 Die polniſche Sprache, iſt eine Mundo art der ſlawoniſchen . Die deutſche Sprache mirð in Polen ſtark geredet , und die deutſche Nation hat fich auch um die Polen ſebr verdient gemacht ; denn

fie gat ihnen den Weg zum guten Geſchmack in der Gelehrſamkeit und im Handel gebahnet, und viele Ståbee aufgebauet und in Aufnahme gebracht. Caso ſimir der große ließ ſichs infonderhelt angelegen fenn, viele Deutſche durch Hoffnung, anſehnlicher Vortgeile nach

Einleitung

127

nad Polen zu ziehen ; raumete ihnen die fruchtbar ſten Länderenen ein , und erlaubte ihnen auch den Gea Die lateiniſce brauch ihrer eigenen Gefeße. Sprache iſt in Polen felbft unter dem Póbel ges man achtet aber. fo. wenig auf die Länge und Kürze , oder den Accent der Silben , als auf die Reinigkeit der Sprache. wöhnlidi;

§. 6. Ju Anſehung der Religion , iſt zu bea merken , daß bald nach dem Anfang der Reformation in Deutſchland , diefelbige auch in Polen eingedrun . gen fey , und nicht nur bey dem gemeinen Mann , fon . dern auch ben dem Adel , den Senatoren und ante ren Großen des Reichs , folchen Benfall gefunden Babe , daß die Evangeliſchen die Katholiken an der Zahl übertrafen , wenigſtens ihnen gleich famen, und Konig Sigismund Auguft, dem fie ihre Glaubens. bekenntniffe übergaben , geſtund ihnen bereits 1550 gleiche Rechte mit den Katholifen zu ,

derſtattete

ihnen auch den Zutritt zu allen Ehren und Würden des Reichs. Dieſe Privilegia wurden ihnen auf dem Reichstage zu Vilna 1563 ,

und auf dem Unions.

Reichstage ju ſublin 1509 , von allen Stånden des Königreichs Polen und Großherzogthums Litauen, noch weiter beſtätiget. 218 durch den Tod dieſes Königs der jagelloniſche Stamm erloſd; en , und der Efron erlediget war , wurde 1573 zu Warſchau zwiſchen allen Ständen des Reichs eine General- Cona föderation geſchloſſen , die das Grundgeſek der nach maligen Staatsverfaſſung der Republik Polen warb , und darinn zugleich nach dem Ruſter des Religionse friedens in Deutſchland , gwiſchen allen der chriſtli. chen Religion zugethanen Parcheyen , ein beſtåndi, ger

11 128

Polen .

ger Friebe errichtet , und den Katholiſchen , Griechen, Sutheranern und Reformirten , welche die damals in Religionsſachen Diſſidirende waren, gleiche Freyhel. ten und Rechte zugeſtanden , und verſichert wurden. Dieſes Grundgeſen iſt nadigehends von allen Köni. gen beſchworen , und in allen Reichsſchlüffen beftås tigt , und erſt dadurch entfråftet worden , daß in dem am dritten Sept. 1716 zu Warſchau geſdyloſſenem , und am drenßigſten Jan. 1717 beſtätigtem Friedense : tractat, der den Erangeliſchen und Griechen ſo nach. theilige vierte Artifel eingerückt, auf dem Convocas tions . Reichstage von 1733 aber , und auf dem P. 2

cifications. Reichstage von 1736 noch mehr erweitert und beſtätigt worden. Seit dieſer Zeit ſind die Pros ir teſtanten und Griechen mit dem Namen der Diſlis dencen beleget worden , der dod in den ältern Conse ſtitutionen , und namentlid) in der von 1572 zuerſt, von allen Religionsparthenen in Reid ), die Katho. lifen mit eingeſchloſſen , alſo gebraucht wird , daß ſie Diffidentes quoad religionein genennet werden . K. duguft der 'zweyte verſprad, zwar in einer fenerlidhen Erklärung , den nach neuer Schreibart ſo genanns ten Diſſidenten , daß der angeführte und berüdirigte vierte Artikel ihren alten Rechten auf keinerlen Weiſe ſchädlich oder nachtheilig ſeyn ſollte: allein , ſie lebo ten nichts deſto weniger von dieſer Zeit an in einer fchweren Unterdrückung. Vermoge der Reichsvero faffungen , welche auf dem 1736 angelegten Pacifica. tions: Reichstage errid )tet worden , ſoll feiner juin König von Polen und Großherzog von Litauen er: wählet werden , wofern er ſich nicht gle römiſch ,fas tholiſchen rechtgläubigen Religion bekennet; und die Konie

Einleitung.

129

Königinn foll'aud) entweber in eben dieſem Glauben Der geboren renn , oder ſich doch dazu befennen. Konig wird auch mit einein beſondern Vorzuge Or. Die römiſchkatholiſche Reli. thodoxus genennet. gion roll im Sande die herrfdende und allein red )t. gläubige feyn. Auf dem Reichstage von 1768 ,

Rußland ,

Preußen ,

Dänemark ,

nahmen fich

Oroßbritannien

und Schweden , der ſo genannten Diſſidenten det . geftalt an , daß işnen nach vielen Schwierigkeiten durch eine förmliche Conſtitution zugeſtanden wurde, die Errid tung eigener Confiſtorien , die ungehinderte Haltung eigener Synoden , um auf denfelben alles zu verordnen , was ihre Lehr , Drönung und Kir. dienzucht, Gebrauche und das Verhalten ihrer Kir . chenlehrer angehe , die Entſcheidung der Diſpenſa. tions- und Eherdzeidungs Fälle zwiſchen diffidentiſchen Eheleuten , die Verbefferung der alten Kirchen , in deren Beriş ſie nach den Geſeken der Jahre 1633, 1660, und 1917 geblieben ſind, die Erbauung neuer Kirchen an die Stelle der verfallenen , freye Relie gionsübung und Verwaltung der Sacramente, und das Recht, ihre Verſtorbenen in und bey den Kire den in der Stille zu begi aben . 1775 verloren zwar die Diffidenten erwas von den ihnen 1768 bewilligten politiſchen Würden ,

aber die Religions . und Kir.

hen-Freyheiten welche ihnen beſtätiget wurden , blie. ben doch noch ſehr erheblich. Die Evangeliſchen fingen nun ſogleich an , die 1570 zu Sandomir er . ridtete , len 1582 ,

und auf den folgenden Synoden zu Po. zu Wodzislaw 1583 , zu Wilna 1585. und

ju Thorn 1595 erklärte politiſche und Kirchliche Union unter 2 Th. 8 A.

130

Polen .

unter einander zu erneuern , und ſchrieben in demſel. ben Jahr eine General Synode nac Siffa aus , die aber nicht wurde , was ſie ſeyn ſollte, fondern nur eine Großpolniſche.

Der polniſche Generallieutenant

Auguſt Stanislaus Freyherr von der Golz war Schuld daran , daß die politiſche und firchliche Union zwiſchen den Reformirten und Lutheranern in Syno. den und Conſiſtorien nicht wieder allgemein wurde, doch iſt noch Hofnung vorhanden , daß ſie es wieder werden mögte , weil ſie in Litauen noch nicht gang aufgehöret hat. * Von den Griechen haben fich viele mit der römiſchen Kirche vereiniger, und beißen Uniren , andere aber beharren in der Trennung, und heißen Disuniren. Die legten wurden mit unter den Diſſidenten begriffen . Die Güter und Einkünfte der katholiſchen Geiſte

lichkelt find ſehr groß : denn ſie machten ſonſt faſt zwen Drittheile der Güter in Polen aus, wenn man dies jenigen baju nimmt ,

auf welche ſie Gelder vorgest

ſchoffen hatten , und die fie unterpfändlich beaßen. Der König und die geſammten weltlichen Stande, beſigen alſo nicht mehr , als den dritten Theil der Lånderevyen des Reidis, und bloß die Zehnten , wel. che die Kleriſey zichet , nißmen nach Abzug der Une koſten den fünften

Theil der Einfünſte aller Güter

im Königreich weg. Außerdem wachſen ihr noch ungah. lige anderė Vortheile zu . Die Jeſuiten hacten ehederſen in Polen 16, und in Litauen 8 Collegien, und befaſſen in beyden verbundenen Staaten , 32 Millionen pol. niſche Gulden :(5

M.Thaler) an Güthern, das iſt , an Häufern und Låndereyen . Ihr Kirchengeråck von Gold und Silber , welches in die Münge zu War :

6

Einleitung.

131

Warſchau geliefert, geſchmolzen, und verinůnget wurde, betrug 369120 polniſche Gulden 11 gr . 2 Schillinge.

g . 7 Gleich nach der Einführung der chriſtlichen Sehre in Polen , befanien cie Einwohner durch die fremden Geiſtlichen , welche häufig hieher kamen , eini gen Geſchmac an den Wiſſenſchaften . Zu Boles. laus des erſten Zeit fieng man an , die Beredſame keit zu treilen.

Unter den Königen von Sigismund

dem er ten an , bis auf Vladislav den ſechſten Baben die Wiſſenſchaften am meiſien in Polen geblühet , nach der Zeit ſind die polniſdzin Muſen eingeſchlafen , und noch nicht ganz wieder aufgewachet. Man leget fich aber dod ) auf die Reinigkeit der lateiniſdien und pole niſchen Spradie , in welchen bunden auch Polen geo fchichte Dichter aufgeſtellet hat , als Naruszewicz und Sarbiemſti , man machet and , die gried iſche Sprache, und die neuere Philoſophie befannter, leh. ret die nathematiſden Wiſſenſchaften, treiber die Na. turlehre, Fuchet die {andesgeſchichte zu verbeſfern, und die alten guten Schriforteller ju nuken . Daß in Polen nicht ſo viel gesruckt wird , als in den an. dern Ländern , förume zum Theil von dem Mangel vermögender Verleger, freygebiger Wohlthårer, und mohleingerichteter Buchdruckreyen her , doch hat der Sofbuchhåndler Michael Grdil viele Bücher in die' polniſche Sprache überſeben , und in derſelben drucken laſſen , und iſt dadurch ein Beförderer nub . licher Kenntniſſe in Polen geworden . Die beſten und nůßlichſte Anſtalten zur Beförderung der Wiſſenſd af. ten, in dieſem Staat , ſind die Erziehungs-Coin . 32 me

Polen.

132

miſſion , und das adeliche Cadetten Corps zu War. (dau , welche man dem König Stanislaus Auguſt zu danken hat.

S. 8 Im 1776ſten Jahr wurde Polens Einfuhr an fremden und Ausführ an einheimiſchen Waaren und Producten , nach den Zolbüchern genau berechy, net , und gefunden , daß die Einfuhr 48640669, und die Ausfuhr nur 22, 09360 polniſche Gulden betrage, alſo jene , die nur 26544308 polniſche Gula den intereffe , l. mein Magazin T. 16. S. 32. 33. 1777 machte die Einfuhr 47, 488867 , und die Aus . fuhr 29 , 839238, alſo jene 17,649629 polniſche Gul. den mehr als dieſe aus.

Um das ſchreckliche Unter.

gewicht im Handel zu Heben , der Schwelgeren Ein. halt zu thun , und den einheimiſchen Manufaktus. ren aufzuhelfen , wurde 1776 verordnet , daß keine Perſon , weder von dem einem noch von dem andern Geſchlecht , welche nicht zum Adel gehört , Gold, Silber , Perlen , Edelſteine und Spiken am Leibe tragen, auch keine koſtbareniPelzwerkegebrauchen ſolle. Es ward auch außer dem Udel , allen andern Ein wohnern der Republik verboten , zur Bekleidung in rer Bedienten ſich anderer Tücher, Borten , Hüte , Müßen , 2c . und anderer Stoffen , zu bedienen , als die in dem Gebiet der Republik verfertiget ſind .

Gold und Silber ſolle zu fold;en divereyen nicht gee i braudt werden.

Auch auf die Uniform der gemei.

nen Soldaten bey dem Kriegsheer der Republik, rollo fich dieſes Verbot erſtreden . Es ſolle auch kein frem . des Leber zu Beinkleidern , Såtteln , Geſchirr, x . gebraucht werden ,

man folle keine auswärts ge. mach .

1

Einleitung.

133

madte Kutſchen und Wagen , irbene Geſchirre und Farance, einführen. Jede Woiwodſchaften ſollen das Recht haben , ſich eine Farbe zu einer Uniform zu ermählen , und dieſe ſollten nur die Senatoren und Miniſter ,

welche in den Woiwodſchaften Siß und

Stimme oder Beſikungen haben , und die Edel. leute dieſer Woiwodſchaften tragen : dieſe Uniformen aber ſollen nur von Tuch , das in Polen gemacht iſt, verfertiget ſeyn. Dieſes Gefeß ſoll vom iſtenMay 1778 Durch dieſe und andere an ſeine Kraft befommen . nachmalige Verfügungen ,

iſt die Einfuhr um et.

Die Polen was betrådtliches vermindert worden . führen aus allerley Getreide, und Hülſenfrüchte, Manna,

Flachs , Hanf ,

Seinſaat ,

Hopfen , Ho.

Talg , Ochſenhaute, Juften , Schaf.

nig, Wachs, " olle , Pech , Weid , und Pott , Aſche , Salpeter, w Mafibåume, Bretter , Edjiff - Bau- und Stab. Holy, Ochſen , Pferde, Leinwand , Strice von und andere Santés , Producte und wieder Hanf , ein , Weine , Gewürze, Tücher , ſeidene und reiche Zeuge , feine Leinwand , Perlen , Edelgeſteine, Sil. ber Kupfer , Meſſing, Stakl , Pelzwerk und andere Baaren . Vom 1 Oct. 1752 bis legten Dec. (1756 wurden zu leipzig für Polen und Litauen 402, 112 Thaler 6 gr. Gold , und 6,230, 807 Thaler 6 gr. 11 ; PF. Silber gemünzet. 1769 ward ein neues Münzweſen einges richtet, und man verfertigte aus 72572 Mart 5 loth feinen Silbers 5,805785 Gulden oder Viergroſchen . ſtücke, 80 auf die feine Mark gerechnet, und 16 % auf einen Dufaten. 1779 und 80 wurde neues Geld von fei. nem Gepräge gemacht. Die Dukaten wurden ju 16 Oula I 3

1 134

Polen .

Gulden in der königl. Caffe angenommen . Sie ſowohl, als alle Silbermünzen bis zu den Gulden herunter, dieſe mit eingeſchloſſen , bekamen des Königs Stanise laus Auguſtus Bildniß. Das Silbergeld wurde nach dem Conventionsfuß ausgepräger ; folglich aus der feinen colniſchen Mark zehn Thaler Stücke, zwanzig halbe Thaler den Stücke,

( 8 ggr .) aditzig polnilde Bulden

Stůce, (4 ggr.) hundert und lectuig balbe Zulu den Stücke, (2 ggr ,) drenhundert und zwanzio Sils bergroſchen Stücke, ( iggr . ) alſo war das kleine Silbergeld von gleichem Gehalt mi- dem groben. An Kupfergelde, befam man drey Rupfergrofiber Rupfergroſhen , balbe Kupfers groſchen , und Schillinge. (ſolidi.) Lud , zu dem Kupfergelde waren die Srempel ſehr gut gee ſchnitten. Zuf dem Reichstage von 1786 war man Scůcke,

der Meynung , daß dieſer beſchriebene Münzfuß die einzige Urſache fey , warum man im gemeinen Leben kein Silbergeld niele rehe, aber die wahre Urſache des Mangels an demſelben war , weil die Schak. Commiſſion geduldet harte, daß der Dukaten von 164 auf 18 Gulden , alſo 5 gr. über ſeinen wahren Werch geſtiegen war. Und dennoch wollte man den Munjo fuß des Silbergeldes nicht ändern . Die Münzver. ſtåndigen ſagten voraus, daß in ganz kurzer Zeit man gar fein Silbergeld mehe ſehen werde , und daß hin. gegen die fón. Coffen nichts als Dufaten bekommen würden . Die Schaß.Commiſſion fand , daß dieſes wahr fer , und ließ neues Silbergeld ausprågen , von welchein 831 auf die colniſche feine Mark gehen , oder einen polniſden Gulden ausmachen. $. 9

Einleitung.

135

$ . 9 Alles , was vom Lech , als bem Anfån . ger des polniſchen Volfs und Reichs , und ſeinen Nachkommen bis auf den Piaſt , geſaget wird , iſt dunkel, fabelhaft und falſdy. Der erſte polniſche Annaliſt , welcher des Leds in der polniſchen Ger ſchichte gedenkt , iſt ein Ungenannter , welcher ſeine chronicam principum Poloniae cum eorum geftis, erſt am Ende des vierzehnten Jahrhunderts geſchrie. ben hat , und dieſer ſchreibt ausdrücklich , daß er ihn aus böheimiſchen Annaliſten genommen habe. Unter dieſen iſt Dalemil der erſte , welcher den Tſchech hat , und bey ihm kommt das Wort Loch in der Bedeutung eines Jünglings vor . Uus dies ſem Nennwort, hat man nachmals einen eigenthům . lichen Namen gebildet , wie Prof. Schlöjer wahr. ſcheinlich gemacht hat. Piaſt, welcher ungefähr 840 aus einem Sandmann ein Fürſt des Volfs foll geworben ſeyn , iſt vornehmlich deswegen merknür. dig , weil ſein Stamm viele Jahrhunderte in Polen und Schleſien geblühet hat , und weil von ihm noch heutiges Tages alle einheimiſche Tonige , aber auch die einheimiſchen Candidaten zur Krone,

Piaften

genenn « t werden . Miecislaus der erſte, der vierte nad Piaſt, und deſſelben Großenfel , roll die Regie. rung 964 angetreten haben . Er nahm 965 den chriſtliden Glauben an, und beredete auch ſein Volt daju. Sein Sohn und Nachfolger Boleslaus der erſte magte ſich der Fönigl. Würde an , welchen Tis fel auch ſeine Nachfolger Miecislaus der zwente, Cas fimir der erſte und Boleslaus der zweyte gebraucht haben , mit dem legten aber ſoll er aufgehöret haben, und erft vom Premislaus gegen das Ende des drena JA sebno

136

Polen . A

zehnten Jahrhunderts wieder hergeſtellet ſeyn . Bos leslaus der dritte, einer der ſtreitbarſten Fürſten , theilte. 1138 die Länder unter vier feiner Söhne, mit Uebergehung des fünften oder jüngſten , welche Thei. lung zu vielen Streitigkeiten und Unruhen Gelegen. Þeit gab . Vorhin gedachter Premislaus, ein Firſt von Groß- Polen , nahm 1295 den fönigl. Titel wies der an . Uladislaus der kleine fam 1309 zum Beris

von ganz Polen , weldies auch von der Zeit an unter Sein einziger Sohn Cafimir einen Fürſten blieb . der Große ,

eignete fid

Roth

Rußland zu ,

und

machte es zu einer polniſchen Proving, gab den Ju. den große Frenheiten , und beſchloß 1370 den piaſti Ihm hat Polen feine Geſeke , Ge fdyen Sramm . richte , Ordnung , die meiſten Städte, Schlöſſer Nach ihm wurde und andere Gebäude zu danfen . der ungariſche König Ludewig zugleich König in Po. len , und nach ſeinem Sobe ward feine zweyte Prin. geffinn welde warb ; Taufe

Bedrig 1384 zur Königinn gekronet , um fid , der Großherzog von Litauen Jagello bes 1386 die chriſtliche Religion annahm , bey der Uladislaus genennet wurde, fich mit der Kö .

niginn vermihlte , gefrónet ward , und einen neuen fönigl. Stamm anfieng , welcher der jagelloniſche heißt, und bis 1572 den rolniſchen Thron beſeffen hat. Er brachte das Großherzogthum Litauen an das Reich , Sdiamanten unter ſeine Gewalt, und über. wand die deutſchen Kirrer 1410 in der tannenbergi. ſchen Schlacht. Sein zweyter Sohn Caſimir der vierte nahm den Theil von Preußen , weldier beuti. ges Tags Deſt . Preußen heißet , in ſeinen Schuß, · und den andern mußte der deutſche Orden von ihm

ju

i Einleitung ju lehn nehmen .

173

Uuter Deſſelben jüngſten Sohn

Sigismund dem erſten , ward Markgraf Albrecht 1535 aus einem Hochmeiſter ein Herzog von Preußen, und ein Belehnter des polniſchen Königs und König. reichs. Sein Sohn Sigismund Auguſt machte den neuen Herzog von Curland , Gotthard Ketlern, zu feinen Lehnsmann , und brachte 1569 die Vereini. gung des Großherzogthums Litauen mit dem RS . nigreich völlig zum Stande , liefland ergab ſich an Polen , und es wurden auch Vorhynien , Podolien, Pudlachien und Kiovien mit Polen verknüpft. Mic tým hörte 1572 die mannliche jagelloniſche Linte auf .

Hierauf wurde der Staat von Königen aus

mancherlen Häuſern beherrſcht.

Heinrich Herzog

von Anjou , Königs Henrichs des zwenten in Frant. reich Sohn , erhielt die Krone 1573 unter gewiſſen Bedingungen; und es wurden einige Gelegebemadie, nach welchen der König und ſeine Nachfolger das gee meine Weſen regieren ſollten. Er gieng heimlich aus Polen nach Frankreich , daher ihm 1575 bas Reid, genommen, und dem fiebenbürgiſchen Fürſten Stephanus Bathori gegeben ward , welcher 1578 die beyden großen Tribunalgerichte zu Peterkau und lublin anlegre, und , wenn er långer gelebt håtte, den Ruhm und die Macht des Reichs vermuthlich er . weitert haben würde: er ward demſelben aber zu früß entriſſen.

Sigismund der dritte ,

ein ſchwediſder

Prinz von des polniſchen Königs Sigismund Au. guſt Schweſter Catharina , verlor liefland , welches Guſtav Adolph von Sdweden wegnahm . Sein Sohn Wladislaus der vierte,

befeftigte die Ruhe

des Reichs , und fand demſelben nidyt ohne Ruhm bor. I 5

174

Polen . Er wollte einen neuen Ritterorben unter dem

Namen der Ritter von der unbefleckten Jungfrauen ftiften , welches Vorhaben aber ins Stecken gerieth , und legte 1647 die Briefpoſten an . Nach reinem Gode war ein unruhiges und wegen der Unglücsfälle

etde

betrübtes Interregnum , indem die abgefallenen Kom faken das Reich gewaltig erſchütterten . Der 1649 erwählte neue König Johann Caſimir , des vorigen Bruder , roar gegen die Schweden unglücklich , wele chen er 1660 im Oliviſchen Frieden Liefland abſtehen mußte, legte 1668 die Regierung misvergnügt nie. der , und gieng nach Frankreich . Er war der lezte aus dem weiblichen Stamm von jagelloniſcher Her . kunft in Polen . Litel eines

Der Papſt beehrete ihn mit dein

Rechtgläubigen , ( Wisniowiecki).

Jum : folgte Michael Thomas Wisniowiczki , ein gelegrter Herr , aber ein Edelmann ohne Ehrenſtelle und Güter , und auf dieſen 1674 der Kron . Große marſchall und Großfeldherr Johannes der dritte So. bieſky , der ſich durch einen Sieg über die Türken ben Chooſchin , ben Weg zur Krone bahnte, und Wien entfeßen half. Er ſchloß 1686 mit den ruſſiſchen Zaren Johann und Peter einen Frieden , fraft deſſer der größte Theil der Herzogthümer Kiow und Smo . lenſi an Rußland abgetreten wurde. Nach ſeinem 1696 erfolgren Code ward Auguſt der zweyte, Chur. fürſt von Sachſen , zum König erwählet , welcher durch den carlovißiſchen Frieden die Feſtung Kami. niek wieder an Polen brachte; aber 1706 im can . ſtåddiſchen Frieden dem Stanislaus Leszczinſki das Reich abtreten mußte , welches er doch nad der fchwediſchen Niederlage bey Pultama , wieder in Berie

a

Einleitung.

175

Berik nahm , da Stanislaus weichen mußte. Er ſtiftete ben Ritterorden vom weißen Adler , und ſtarb 1783. Sein Sohn und Nachfolger Auguſt der zweyte, behauptete mitHilfeeines ruſſiſchen Kriegsheers, 1734 wider Stanislaus den Thron , welcher lekte Lothrin Nach ſeinem Tode ward 1764 Stanis , gen bekam . laus Zuguſtus Poniatowſki zum König erwähler, unter deſſen Regierung wegen der Freyheiten der Diſſidenten ein grauſamer innerlicher Krieg entſtund, während deſſen die benachbarten Mächte Rußland, Deſtreich und Preußen ſich verbanden , ihre Unſprů. che an Provinzen des Staats geltend zu machen , wie ſie denn 1772 Befig von denſelben nahınen , es auch dahin brachten , daß ſie ihnen 1773 auf einem Reichs tage förmlid ) und feyerlich abgetreten wurden . Die Grången wurden 1776 durch Commiſſiarien beſtim . met , und well in Anſehung des Königreichs Preue ßen Schwierigkeiten entſtunden , fo verzog es fich mit der völligen Beſtimmung dieſes Theils der Gråns jen bis 1777.

Wenige Staaten haben ſo gewiſe

beſtimmte Grången als jekt der polniſche, und das iſt der größte Vortheil den er für den Verluſt fast des dritten Theils feiner ehemaligen Größe , erlangt Man recinete damals ., vas bloß die jährlia bat. dhen Einkünfte des Königs aus dem Salzbergwer . fen , Kammergutern , Dekonomien , Zöllen , u . . in Anſehung des Oſtreichiſchen Landes - Antheils des ruſſiſchen des preußiſchen

2,698000 824000 513580

alſo überhaupt

4,035580

polniſche Gulden betrügen, f. mein Magazin Th. 16 . S. 96.

140

Polen .

S. 46. Dieſe harten Schidfale Hatten doch den Nußen , daß von 1776 an alle Reichstage fried . lich), ruhig und ordentlich gehalten und vollendet wur. den ,

inſonderheit der Grobnoiſche von 1784.

Es

gab ſich nemlich der König alle mögliche Mühe, um felbft in ſolchen Materien eine völlige Uebereinſtim , mung zu Stande zu bringen , in welchen er gewiß voraus wuſte , daß die meiſten Stimmen auf ſeiner Seite waren. Das ſonderbare, welches ſich auf dem Warſchauer Reichstage von 1786 zugetragen bat,

wird hernach (9. 12) vorkommen. 5. 12. Der Titel des Königs , lautet nach der geroöhnlichen aber nicht richtigen Schreibart der Na. men ,

im dent{dhen allo : König in Polen und

Großherzog in Litauen , Reußen , Preußen , maſovien , Samogicien , Kiyovien , Volby, nien , Podolien , Poblachien , Liefland , Smos tenſko, Severien und Tſchernichovien ac. Das Wapen des Reichs , iſt ein filberner Adler im ro . then Felde wegen Polen , und ein ſilberner Reuter im rothen Felde wegen litauen .

Der Ritterorden

vom weißen Adler , welchen König Auguft der zweyte , 1705 erneuret hat, und der an einem blauen Bande getragen wird , hat zum Zeichen ein durch. richtig roth emaillirtes goldenes Kreuk,

mit einem

weiſſen Nande , und zwiſchen den Spißen ſtehen vier Feuerflammen. Auf der vorderſen Seite ift der polniſche weiße Adler ,

welcher auf der Bruſt ein

weißes Kreuzimit den Churſchwerdtern trågt ; auf der andern Seite aber ſteht in der Mitte des Königs Name A. R. mit der Umſchrift : pro fide, rege et lege.

Ueber dem Kreuß iſt eine mit Diamanten vers

Einleitung.

141

1 Den Stanislaus. Orden , hat verſekte Krone. König. Stanislaus Uuguſtus geftiftet. S. II Polen war ehemals ein Erbreid ), nachge. hends gieng vor dem Antrit der Regierung des neuen Königs die Erklärung deſſelben zum König von den Stånden vorher , die Könige aber nenneten ſich nicht bloß durch Bewilligung des Volks , ſondern zugleich durch Succeſſionsrecht, Erben des polniſchen Reichs, und der damit verbundenen Länder. Dieſen Titel hat Sigismund Auguſt zulegt gebraucht; nad delo fen Aberben das Gefeß gegeben wurde , daß kein König bey ſeinen Lebzeiten einen Nachfolger beſlim . men , oder erwählen , noch zur Wahl einen Reichs . tag anſeßen , noch endlich auf irgend eine Weiſe je. manden zur Nachfolge in der Regierung verhelfen folle :

fondern es folle zu ewigen Zeiten nad, dem

Code des Königs die Wahl allen Reichsſtånden frey bleiben , weldies auch bisher beobachtet worden. Es iſt alſo Polen nun ein Wahl . Rönigreich). Der Wahlplaß , iſt ben dem Dorf Wola , unweit Warſchau , an einem auf freyen Felde belegenen, und mit einem Graben und Wal umgebenen Ort , wela dher 3 Pforten hat , eine gegen Morgen für Große Polen , eine gegen Mittag für Klein , Polen , und eine gegen Abend für Litauen. Zur Bequemlichkeit des Reichsraths, wird daſelbſt ein hölzernes Haus aufgerichtet, welches ſie Schopa heißen . Die Landboten verſammlen ſich außerhalb deſſelben , und ihr Ort heißt Rolo , d. i. ein Kreis , worinn ein Raih gehalten wird ; der übrige Adel aber , welcher zur Wahl ſich einfindet, bålt ſich weiter davon in aufgeſchlagenen Zelten auf.

Die Wahl geſchichet von

142

Polett.

1

von den geiſt- und weltlichen Reichsråthen, und von dem geſammten Adel , der ſeine landboten dazu abſchicket, es fann aber auch ein jeder Edelmann ſelbſt kom. men ; von den Städten Krakau , Polen , Wilna, Lemberg und Warſchau , welde aber weiter nichts thun , als daß fie dem

+

Adel bentreten , und von den

ehemaligen großen preußiſchen Städten , Thorn und Danzig. Die Conföderation von 1688, hat zuerſt das Gefeß gemacht, daß kein anderer , als ein ro . miſch . fatholiſcher , auf die Wahl fommen r le . Der gewählte König muß die von den Ständen in polniſdier Spradse vorgelegten Palta calvinta, welche feit 1572 gewöhnlich find , entweder'in rigener Pere fon , oder durch ſeinen Geſandten , beſchworen , alss benn wird er als König ausgerufen , und in der fra . fauiſchen Hauptkirche vom Erzbiſchof von Gneſen gekroner. S. 12 Polen und das mit demſelben vereinigte Großherzogthum Litauen , machen eine ſolche R -PU blie aus , in welcher der König zwar als tas Haupt angeſehen wird , der Reichsrath , nebſt dem übrigente Adel, aber das meiſte zu ſagen hat. (penes regem majeſtas, penes ſenatum auctoritas , penes ordinem equeftrem libertas ). Die Verſammling der Reichs : ftande, wird der Reichstag genannt. Die Reidis . tage werden aus zweyerley Urſachen gehalten , nim .

V

lid ) wegen der Rathſchläge, welche das gemeine We. fen betreffen , und wegen der Gerichte. Sie ſind entweder ordentliche oder außerordentliche: jene mer . den nach den Gelegen alle zwey Jabre angeſeket ; dieſe aber im Norýfall auch vor Ablauf derſelben . Der Ort derſelben iſt ordentlicher Weiſe Warſchau , und

1

143

Einleitung.

und allemal der dritte Reichstag ſollte zu Grodno in Sitauen gehalten werden , allein in der zwanzigjähri. gen Regierung Königs Stanislaus Auguftus, wurde 1784 der erfte Reichstag zu Grocno angeſtellt.

Bor

demſelben gehen die Landrage , oder beſondere Zu . ſammenfünfte des Udels her , welche der König rekt, und dazu in jeder Woiwodſchaft und Landſchaft ge. wiſſe Derter beſtimmt ſind. Zuf denſelben werden die Abgeordneten des Adels , ober die Sandboter , (nuntii terreſtres, oder , delegati provinciales) geo wählet , welchen entweder beſondere Befchle auf den Reichstag mitgegeben werden , oder man giebt iijnen überhaupt die Macht, das gemeine Beſte zu beob. achten. Hiernachſt wurden ehemals allgemeine Zuſammenkünfte , oder General - Landtage angeſtellet, nåmlich in Großpolen zu Kolo, in Klein . polen zu Kortſcin , welche Stadt aud) Nowe Miaſto heißt , in Litauen zu Slonim , in der. Maſau und Podlachien zu Warſd ;au , in Wolhynien zu Wlo . dimir , dazu die vornehmſten Beamte , bie netiere wählten Landboten , und diejenigen Edelleure, welche {uſt dazu hatten , zu kommen pflegten , und von da ſie zum Reichstage felbft giengen .

Allein ,

fie ſind

nach und nach eingegangen , ausgenommen die Mas ſauer fommen nach den beſondern Landtagen , noch zu einem allgemeinen zu Warſchau , zuſammen . Ehedeffen konnte ein jeder Reichstag durch eines ein . igen Sandboten Widerſprud) zerriſſen werden , ec mogte die in Ueberlegung gekommene Sache ferbſt, oder etwas entferntes und mit Gewalt herbeygejege. nes betreffen . Ein folcher Widerſpruch vernic tete zugleich alles , was vorhin fchon ausgemacht war ; daber

Polen .

144 daher

es

ſo

viele vergebliche Reichstage in Pos

len gegeben hat , und unter der Regierung Königs Huguſt des Dritten , iſt kein einziger zum Stande gen . kommen. Durch die 1768. eingeführte neue Reichs. tages Ordnung, iſt dieſes unvernünftige alte Vorreche der Landboten , welches dem Eigenſinn eines einzigen bas Uebergewicht über die Einſicht und den Wunſch hundert vernünftiger Patrioten gab , auf die Mate rias flatus eingeſchränkt worden , das iſt auf Krieg und Frieden, 'neue Wuflagen und Truppenvermehrung, denn nur in dieſen Fällen rollte eine volige Einför. migkeit des Landboten zu einem gültigen Saluß no thig reyn. ' 1786 trug rid) auf dem Warſchauer Reichstage das ſonderbare zu, das zwar ein landbote ein förmliches widerſprechendes Manifeſt gegen den 6

Reichstag eingab , aber dabey erklärte , daß er das durch denſelben nicht unterbredien wolle. Bas von den Sandboten , dem Reichsraty und dem Könige bes milligt wird , das hat die Kraft eines reichsrågigen Schluſſes und Geſekes, und wird gedruct. Wenn fich der Adel entweder zur Zeit des Interregni, oder bey Lebzeiten des Königs verbindet , eine Conföderation genennet.

wird ſolches

S. 13 Dhne Zuziehung und Bewilligung der Reichsſtånde , kann der Konig feinen Krieg führen, feine Armee zuſammen bringen , keinen Frieden ſchlies ßen , fein offentliches Bündniß mit jemanden errich . ten , keine Geſandten in wichtigen Angelegenheiten abſenden , keine Schakungen , Steuern und neue Zolle auflegen , den Münzfuß nicht verändern und beſtimmen , keine Gefeße machen , feine Gerichte an . legen , keine Religionsſtreitigkeiten ſchlichten , nichts von

Einleitung.

145

von den fönigl. Gütern veräußern, und keine Haupf. fache, die das gemeine Wefen angeßt , vornehmen und ausinachen. Unter ſeinen eigenen Rechten, welche er allein und nach ſeinem freyen Belieben ausübet, war bis auf den Reid )stag von 1773 und 74 das vorneşmſte, daß er für zicólf Millionen Polniſde Gulden Einfünfte von Staroſteyen austheilen , auch nach ſeinein Gefallen Seiratoren und Miniſter ma. dhen forinte , ob er gleich ohne Bewilligung der Stånde , die Ehrenamter meder vermehren nach vere mindern , einer Perſon nicht mehrere wichtige Zeme teľ zugleich geben , noch einer eine Ehrenftelle neha men durfte : allein auf den genannten Reichstage, find nach dem Vorſchlage und Willen der benachbar. ten Brey Mächte ,

welche den Staat eingeſchränkt

þatten , ($ ; 9) auch der Geralt des Königs noch ents gere Gråttjén gefekt worden. Es ward nämlich atte ftatt des ehemaligen Reichsraths , ein ſogenannter immerwåhrender oder beſtåndiger Rath, (Con ſeil permanent), errichtet , und dem Könige an die Seite gefeßt , welcher mit ihm für die Vollziehung ber Gefeße, und für die äußerliche und innerliche Ruhe forgen , den Unterthanen , die ſich mit Bitte ſchriften an denſelben wenden , die gehörige Antwort ertheilen , und die Ungehorſamen an ihre Pflicht erinnern ſoll. Auf dem Reichstage von 1770 wurde noch dieſes feſtgeſegt, daß der immerwährende Rato von einem Reichstage zu bem andern Macht und Bewalt haben , dwar fei: te Gefeße geben , noch fich gerichtliche Gewalt anmaßen, aber doch die Vollo jiehung der Geſeke beſorgen, und den Jurisdictionen Feine Auslegung der Gefeße erlauben follo . 3 Ch: 82 .

Es follen

auch

146

Polen .

auch alle Miniſter , Gerichtsbarkeiten und Einwoh . * ner der Republik , wes Standes fie auch ſind , der. bunden reyn ; die Antworten , Requifitorial- und Ermahnungs . Schreiben , die von dein immerwah. renden Ratų ertheilet worden , vollfommen zu hören und anzunehmen , widrigenfalls ſie von dem immer. Wenn währenden Hath ſuſpendiret werden können . aber jemand meynet Grund zu haben über diefen zu klagen , ro kann er ſolches auf dem nächſten Reichs tage thun , auf welchem dergleichen Klagen durch die Mehrheit der Stimmen entſchieden werden ſollen . Dle Glieder dieſes immerwährenden Raths , wer . den aus Großpolen , Kleinpolen und Litauen , und zwar theils aus den Senatoren , theils aus dem Rit. Von terſtande, auf jedem Reichstage erwahlet. demſelben hangen die Departements und Reids Colo legia ab , unter welche die Staatsgeſchäfte verthellet ſind, und das Departement der auswärtigen Etaats. fachen beſtehet aus Gliedern des immerwährenden Raths , der ſo gar das Recht die Gerege zu erklären Der Marſchall deffelben , hat den Rang ausüber. Zu allen über alle Reichsbeamte beyder Nationen . n hen Stelle , bis auf die, erledigten geiſt , und weltlic welche 1775 dem Könige allein vorbehalten ſind, ſchläget ber immer währende Rath drey Candidaten Wenn vor , aus welchen der König einen erwähler. ſich aber ein Biſchof einen Eoadjutor wünſchet, fo wird der König nicht eher ſeine Einwilligung daju geben , bis der Rath Durch die Mehrheit der Stim . men die Perſon genehmiget hat. In Abweſenheit des Kanglers, der im Rath fikt, befoinnt der Mar. 27 fchall das Siegel.

Alle Näche des Raths find ret. bune

Einleitung.

147

bunden , redis Monate in der Reſidenz zu verbleiben , und bey jeder Seljion unausbleiblich die erſcheinen. Wer dawider handelt , wird das erſte mal mündlid ) daran erinnett , jum zweyten male fcrifilich vorn gan zen Rath in Pleno requirirt, und zum dritten male gånzlich davon ausgeſchlosſen , und ein anberer aus derſelben Proving an ſeine Start , wie gewohnlich, Wenn der Pråſes in einem Departement ermåglet. nicht erſcheinen kann , dextritt deſſen Stelle der erſte Condemnate ſchaden feinent in der Droning. Rath , wenn er ſchon ernannt iſt, wohl aber, ehe er Wenn es die Notwendigkeit ers erwablet worden . fordurte , das ein Nach aus dem Ritterſtande etwas auf den Reichstage vor zutragen hatte : ſo kann er , gleich einem Landboten , von dem Reichstags. Mar. ſchau eine Stimme verlangen , wenn der Rath durch In 26. eine Deputation davon benachridriger iſt. weſenheit des Marſdalls im Kath , vertritt der erſte Ritterſtandé , oder aus der

in der Ordnung vom

Proving, aus welcher der Marſchall iſt, ſeine Stelle. Wenn eine anweſende oder abweſende Perſon auf dem Reid)stage zum Rath erwählet worden , dieſe Function aber nicht annehmen wollte , ſo ift er ger halten , ſich binnen Zeit von fechs Wochen zu ento ſchließen , damit der Rath in Pleno aus derſelben Provinz und von eben dem Stande, einen andern eré willen fónne. Auf dem Reichstage von 1778 bot der Udel dem Könige die Verleihung der Staroſteyen wieder an , er nahm fic aber nicht an , 'doch ließ er fichs gefallen , die eigene Verleihung einer Anzahl kleiner Staroſteyen oder königlicher Güther wieder zu übernehmen. 2

Die

Polen .

148

Die Reichstags · Gerichte , ſollen vermogę deſſen , was auf dem Reichskage 1776 feſtgefeget wors den , zu Warſchau gehalten werden . Zu jeder Como deng ' follen 24 Richter aus dem Sénat und Ritter. Hande nöthig reyni; und daher allezeit 26 dergleichen Richter dem Könige zur Seite bleiben , außer benin die zur Cadeng berufen ſind, um im Nothfal die feh. lenden zu erſeken. Die erſte Cadeng fieng 1776 am erſten Dctober an , und dauerte ſechs Wochen , die zweyte am erſten Febr. 1777 , beide für Polen , die dritte am erſten Junius für Litauen , und ſo wird ale vier Monate eine neue Cadenj bis zu dem füfiftigen Reichstage angefangen. Das Gericht urtheilet über das crimen laeſae majeſtatis , über das crimen per duellionis, über die Proceſſe des unterdrückten Bür, gers , über die Beſchwerden lüber die Miniſter des Reiche, und über die Glieder des beſtåndigen Raths, und in der legten Inſtanz über einen Richter , wels cher ſich einer jeden Beſtechung ſchuldig gemacht hata $. 14 Die hohen Ehrenſtellen in der Res publik , oder die Reichsbeanite,

Haben fünferletj

Titel , aber völlig gleiche Rechte. Ich laſſe diejes nigen weg , welche von Provinzen und Dertern be. nannt werden , die jegt nicht mehr zu der Republik gehören. Alle diejenigen, welche dieſelben bekleiden, bekommen den Titul Excellenz. Den Anfang ma . chen der Erzbiſchof von Gneſen , und zehn Biſchöfe. Der Erzbiſchof von Gneſen , iſt ein ſters ver. ordneter Geſandter des römiſchen Hofs , ( Legatus

| natus ) , oberſter Geiſtlicher, ( Primas ,) und der vor , nehmſte im Reich , ( Primas regni, Princeps).

oder primus.

Er verrichtet die Krónung des Königs und

Einleitung .

149

und der Königinn ; unb ift Canonicus natus der Kirche zu Plokk. 1749 Hat er auch vom Pabſt Bes nedict XIV das Recht bekommen , ſich wie die Care dinále roch zu kleiden , ørn Suth derſelben ausge. nominen . Seinen Sie hat er in der Stadt 10 . witſch, er þat audy einen eigenen Marſchall, Kreuk . tråger und Kangler. Die Bifchofe folgen alſo auf einander : 1) Der Biſchof von Krakau , welcher Herzog von Severlen iſt, deſſen geiſtliche Gemale ſich über die brey Woiwodſchaften von Kleinpolen im eigentlichen Verſtande, erſtredet, und der an -Ein fünften alle Biſmofe, auch ſelbſt den Erzbiſchof von Gneſen , übertrifft. Es find djon verſchiedene Fras fauiſdie Biſchofe Cardinäle geweſen. : 2) Der Bis fchof von Wladislaw , in Cujavien ,

welcher ,

wenn der Erzbiſchof von Gneſen abweſend, oder gar keiner vorhanden iſt , deſſelben Stelle vertritg. 3) Der Biſchof von Poſen , zu deffen Dioces nicht nur die Woiwodſchaft Pofen , ſondern auch ein Theil von Maſuren und Warſchau gehöret. Wenn der Primas und der Biſchof von Cujavien nicht gegen . nårtig ſind , hat er den Vorſię bey der Königswahl. 4) Der Biſbof von Wilna , deſſen Dióces fich durch Litauen und Weiß - Rußland bis an die Grån. gen von Mafuren erſtrecket. Dieſer und der vorher. gehende wechſeln im Range mit einander um. 5 ) Der Biſchof von Plopt , welche über den pultos wiſchen Diſtrict in Maſuren bie oberlandésherrliche Gewalt hat , ſo daß man von ihm ſich nicht an der König wenden kann. Zu feiner geiſtlichen Gerichts: barkeit gehört auch der dobrziniſche Diſtrict. 6 ) Der Biſchof zu Lust in Wolhinien , zu deſſen Dióces auch

Polen .

150

auch ein Theil von Maſuren und Poblachien , und von der Woiwodſchaft Brfese in Litauen gerort. Dieſer und der vorhergehende Biſchof mechiplu im Rang ab. 7) Der Bilibof von Sitamaiten, welcher ſid, zugleich einen Biſdof von Pilten in Eur . land nennet.

8 ). Der Biſchof von Chelm .

9)

Der Biſdof von Klow und Ldhernichow . 10) Der Biſchof von Kaminies in Podolien. Es folgen die Woiwodeni, Palatini. Eines Wois woden (Woiewoda) Verrichtung iſt , daß er in den Feldjügen den Udel auf ſeiner Woiwodſchaft (Wojewodizvo) anfügret, daher er auch den Nia . men von Woyna , der Krieg , ' und Wodz , ein Ans führer , hat ; und in Friedenszeiten die Zuſammen , künfte des Udels beſorget, denſelben und ber den Gerichten den Wusſchlag gieber und ſie regieret ; die Preiſe der Sachen , welche zu Markte kommen , Feket , ( ausgenommen , wenn der Reichstag iſt, und Krieg geführet wird ; ) die Aufſicht über Gewicht und Maaß hat, und die Juden in ſeiner Wojwodfchaft (chuket und richtet. Einige Woinoden , wollen Ger neralivoiwoder beißen .

Keiner kann zwen Woiwod.

(diafren zugleich haben. Sie Jaben ihre Unter . Woiwoden . Unter die Woiwoden ſind einige groß ſere Caftellane gemiſchet, und ſie folgen alſo auf eine ander : der Caſtellan von Erakau , der Wois. wode von Rratau , von Polen , (welche beide in Siß und Stimme mit einander abwed felul) , von Wilna,

von Sondoinit , der Caſtellar von

Wilna , der Woiwode von Kaliſd ) , Troki, Siradien , der Caſtellan von Troki, der Vois . podc von Lentſchiga, der Staroſt von Sda. mair

M

-95.1

Einleitung .

maiten ,

der Woiwode von Brſers in Cujas vien , Rijow , Wolhinien , Podolien , Luis

blin , 17owogrod , Plogk, Maſuren , Pod. lachien , Rawa, Brſes in Litauen , Eiftisi law , Braziaw , Niinft , um 1766 iſt nodi ein Moimode gemacht worden, nämlich der von Gnes fen. Nach dieſen folgen die Caftellane. ( Caltel. lani). Sie ſind in Friedenszeiten weiter nichts, als Keidsråthe , und Haben keine Gerichtsbarkeit ; in Kriegeszeiten aber bcy einem allgemeinen Huffik, vertreten ſie die Stellen der Woiwoden, deren Gene. rallieutenants fie find , und unter welchen fie den Adel anführen. In der Landesſpradie werden ſie mit einem Vorzug Berren genennet, da denn der Drt , über welden ein Caftellan gefoke iſt , in reis ner Benennung nod) mit fi ofer ( fi, verlängert wird ; LE. Pan Pofnanfit, der Herr von Pofen ; Pan Plorzki, der Herr von Plopf. Sie werden in großere ( Caftellanimajores), und kleinere (Caſtelo lani minores ), abgetheilet ; jene gaben von den Woi. wodſchaften , dieſe von den Diſtricten , in welche dies ſelben abgethelict ſind , den Titel: jene rigen mit den Woiwoden in ciner Linie, und auf Lehnſtühlen, dieſe fißen hinter den Wolwoden auf Bånken. Uebri. gens aber haben ſie gleiche Rechte und Würde.

Die

größern ſind, der Caſtellan von Poſen , Son , domir , Raliſch , Woynitſch , Oneſen , Si. radien , Lentſchiga , Schamairen , Befestz in Cujavien ', Kijow ,

Wolhynien ,

Kami .

nies , Lublin , Bielſt, 17owogrodek, Plosk, Tidern , Podiachien , Rawa , Brlefis in Lis tauen , Wiſlaw , Brazlaw, Danzig , Ninfe. Die KA

152

Polen .

Die kleineren find ber Caſtellan von Miendfirs fitrah , jwillig , Rogodno,

Radom , Sas

widoft, Landek, Sarrem , Sarnowo, mas logoft , Wielun , Chelm, Dobrſyn , Polas niets,

Prfemetſa , Briziwini Tſchedow , Rolpirs , Biechowo , Brſeſiny , Spigts mierſch) i Inowiode , Rowal , Sfantok , Gocharſhow , Warſdymu , Hoſtin , Wizna , Rasions , Sſierptfo , Wirobogfod , Ripin , Safiotſohim , Tziechanow , Liw , Sllonte, Ronar in Siradien , Konar in Lertſohiga , und Konar in Cujavien , Endlich folgen die Staars- und Krieges Bediente , (Miniſtri or . dinis fenatorii ), welde ſind , der Krons Großs marſital , der Großmarſchall von Litauen ; der Rron Groß , Feldherț , der Großs felds herr von Litauen ; der Rron . Grofkanzler , der Großkanzler von Litauen ; der Krons Un . terkanzler , der Unteitanzler von Litauen , der Rron . Großfchagmeiſter, der Großſchagmeis ſter von Litauen ; der Kron.ofmarſchal , der Sofmarſchal pon Litauen ; der Kron . Unter • Feldherr, der Unter

Feldberp von

Litauen ; der Rron - SofoSchasmeiſter , der Sof - Schatzmeiſter von Litauen . Dieſe rech . zehn Perſonen haben im Reichsrath den Vorfik vor den größern und kleinern Kaſtellanen . Sie haben große Madhe und Anſehen , und ein jeder unter ihnen fann zu den höchſten Reichs · Ehrenamtern gelangen. $. 15 Der Ober - Secretair des Reichs und der " von Litauen ,

vertreten bey Şofe und bey dem

Hof.

1

153

Einleitung

Hofftaat der Kamjler Stellen , in Abweſenheit deró ſelben, haben auch den Rang über alle lano Beamte und Hof Bediente, den Hofmarſchall angenommen. Sie ſind allezeit von geiſtlichem Stande.

Nach ih .

nen haben die Referendarien den nächſten Rang, Beren Polen zwey , jund Vitauen auch zwer hat, und von welchen einer ein geiſtlicher, und der andere ein Weltlicher ift. Sie haben heutiges Tags mit der Anhörung und Vortragung der Klagen der Privat. perfonen nichts mehr

zu thun ,

ſondern ſchlichter

die Streitigkeiten , welche unter den Beſißern der königlichen Gürer und Dekonomien und derſelben Bauern vorfallen , in ihren beſonpern Gerichten , welche Referendariatus genennet werden .

Sie fißen

auch mit in den Affefforial- und Relations . Gerich . ten. Die übrigen Beamten des Reichs und Groß herzogthums Nitauen , find , der Oberkammerer, der Sof- Schagmeiſter, die Rangley . Directos kes , Inftigatores oder Generat. Procurato. res, die Fähnriche, soffåbnriche, Schwerdts tråger, Ober- und Unter Stall ineiſter,

Kús

denmeiſter, Mundrohent n ,

Porſchneider ,

Trachrelle , f.ro.

Jägermeiſter,

Untertrychleffe,

$ . 36 Eine jede Woiwodſchaft und Diſtrict hat volgende Lanobeamte , welche Dignitarii genen . net werden , nämlid) einen Unterkåmmerer , Fåhn. rich , Richter , Truchſes , Oberniundſcent, Unter. : richter ,

Untertruchfes,

Untermundſchenk ,

Fåger .

meiſter, Rottmeiſter, Schwerdttråger , Unterrott: meiſter , Schafmeiſter, Einige unter denfelben, als der Schwerbetråger , Obera und Unter. Mund. R5 fihenf,

:

Polen .

154

fchenk, Dbet . und Unter': Truchſes unb Shakmei. Pter , haben nur den Namen und das Anſehen , aber feine wirkliche Verrichtungen ; dod ) würden nie die . felben noch wohl haben , wenn der König ſich in ih. ren Woiwodſchaften aufhielt. Die übrigen verwal. Der Unterfåmmerer ten ihr Amt noch wirklich . hat jegt nur mit den Sachen , welche die Gränzen und die Landgüter betreffen, zu thun . Die Schloß Beamte gehören audy ķieher . Unter denfelben find die Staroſten , oder Echtok .Umímänner , (Ca. pitanci judiciales) die vornehmſten , als welche nicht allein die Zufiche über die toniglichen Schlöſſer ha. ben ,

fondern aud) den Frieden und die öffentliche

Ruhe in ihren Staroftenen beſorgen , und dieſelden vor Gewalt. Diebten und Räubern schüßen . Sie können die Sandleute , Birger und Zceliche richten utid befirafen , vpliftrecken zulegt die Urtheile , wel. che die Kochſten Gerichte gefället baben , beſorgen den Nußen und die Einkünfre des Königs , welde dem. felben aus der Birthſchaft und aus den Schakun gen , oder Lieferungen der Land , und ſtädtiſchen Leute zufließen , und haben die Sdstoffer , Dörfer und Bauerhife , imgleichen die fonigl. Flecken und Dör . fer unter ſich. Jeder Staroſte hat ſeinen Verweſer, den man insgemein den Linterſtaroſten kennet, wel. cher in ſeinem Namen die ganze Staroſten verwal. tet ; imgleichen einen Burggrafen , der die offent liche Sicherheit erhält , und die richterlichen Uus . ſpůdie zur Erfüllung bringt; ferner bey den ordentli. dhen Gerichten einen Grod- oder Gdloß . Rid ). ter , und einen Gerichtſchreiber, welcher ein Grods ſchreiber heißet.

Die Staroſteren ſind nicht nach den

Einleitung.

155

den Woiwodſchaften , fondern meiſtenthells nach den Schlöſſern und Sandesſtrichen unterſchieben ; einige þaben auch mehr als einen Bezirk unter ſich. Es ſind auch Staroſten ohne Gerichtsbarkeit, deren 211. zahl größer, als der vorigen , und einige Biſchöfe, große Herren und begüterte Ebelleute haben auch ihre In den Städten find Schloſſer und Staroſten. Bürgermeiſter und Kathmånner, und auf den Dörs fern Schulzen mit ihren Gerichtsverwaltern und Der gemeine Mann in Städten , Fle. Sdroppen . den und Dörfern ſtehet theils unter dem Könige, theiſs unter der großen Herren und Edelleuten, theils Er wird mehr nach Gutdin. unter den Geiſtlichen. ken , als nach gewiſſen Geſeken , begerrſcher.

D. 17. Die hohen Gerichte , find , 1) das Kron : Tribunal, weldjes in bürgerlichen und pein lichen Sachen des Udels dås lekte Urcxeil ipricht, und erſt zu Petirfau für Großpolen , und bernad ) zu lublin für Kleinpolon , von einerley Richtern gehal. ten wird ;. die theils geifilide, theils weltliche Pers fonen ſind. Ein gleiches Tribunal für Litauen , wird erſt zu Wilna, und bernady entweder zu Minſe, oder zu Nowogrodef gehalten , hat aber nur weltliche Nidfer. 2) Die Schab.Commiſſion für Pos len und Litauen, welche die Rechnungen der Gross fchaßmeiſter , die Regiſter der Zollbedienten , und . mit einem Wort , alle Sachen , welche die Kroneins künfte betreffen , unterſud;en . het diefeiben,

Der Reichstag wih. ſo bald der immerwährende Rath zu

Stande gekommen ift.

Untet den Regierungen vor dem

156

Polen .

dem König Stanislays Auguftus, wurde der Schan der Republik von den Schafmeiſtern beiynake will: führlich verwaltet ; denn ob ſie gleich keine neue Auflagen machen konnten , ſo waren ſie doch in der Art der Beytreibung und Verwendung der einmal ans genommenen, bloß und unmittelbar von dem Reichs. tage abhängig.

Da nun unter der Regierung Au .

guſtus des briten , von 1734 an, keiner zu Stande ge. kommen war , ſo hatte ein Schakmelſter nach dem andern den Schak in Verwirrung übernommen , und ſich dieſe bald mehr bald weniger zu Nuke zu machen K. Stanislaus Auguftus ſucytę diefer Un . gewußt. ordnung gleidh beym Antritt ſeiner Regierung abzu Helfen , die alten Rechnungen , wurden ſo gut als es fidh fhun ließ, geſchloſſen, und þeyden Schafmeiſtern eine von ihnen unabhàngige Commiſſion an die Seite geſeket. Seitdem werden die Einkünfte der Repu . Es find aber, auf blik trey und ordentlich veripaltet. eine fonderbare Weiſe, pieſe Commiſſionen , welche bloß mit der Verwaltung der Staatseinfünfte fichs beſchäftigen ſollten , zugleich Richter in allen Zoll . Wechſelo und Handlungs. Sachen überhaupt , und entſcheiden in denſelben ohne weitere Appellation . Der bey dieſem Bericht eingeführte ſummariſche Proceß . zieher noch fehr piele andere Sachen dahin , weil es ben jedem Contract ben Partenen frey ftehet , den Richter auf dem Fall eines daraus entſtehenden Streits , voraus zu beſtimmen , ohne daß ein Gea richt ſich unterſtehen darf , dergleichen Proceß abzus weiſen. Dieſe ausgebreitete Rechtspflege, hat den Schak Commiſſionen großes Anſehen verſchaffet, und daher miro die Stelle eines Schag. Commiſſairs fej nem

1

SE

7

Einleitung .

137

nem zu Theil, der ſich nicht fehr darnach bemühet, und viele Gonner und hohe Freunde bat. 3) Die gua fammengeſekte Sof. oder Ranzley -Gerichre beps der Larionen , die in alle Sachen , weldie die Städte und Tenutarien der fönigl. Gürer betreffen , richten , an welde auch die Uppellationen von den Municipalſtådten , und von den Gerichten der Woi. moden in Sachen der Juden , gelangen. 4) Das 1768 errichtete Aſſeſſorialgericht, welches aus Affefforen Der katholiſchen und evangelifdien Kirchen in gleicher Bahl beſtehet, und deswegen Collegium inixtum ger hennet wird, iſt 1745. in die Hofgerichte beyder Na. tionen verfeget worden , und ſeitdem ifi die Benen . tung der zuſammengeſepten ofgerichte gewöhnlich. Es fiken die beyden Kanzler in denſelben , und det Reichstag wählet die Benſißer derfelben nach den Schak Commiſſionen. 5) Das Gericht der Res ferendarten , welches die Streitigkeiten zwiſchen den Hebungsbebienten des Königs und den Tenutarien der fönigl. Güter an einer , und den Bauern auf benſelben an der anðern Brite , ſchlidytet. 6) Das Gericht der Obermarſdålle , welches dem Hof folget , ſich bis aufdrey Meilen von der Reſidenz ere ſtrecket, und in allen Sachen richtet, die zur Erhala ' 7) Die Gráitz. tung der öffentlichen Ruße diener . gerichte , welche an den Gränzen von Rußland und von der Walachen , gehalten werden , und die Streitigkeiten zwiſchen Prira perſonen beyder Nationen ſchlichten. Zu den Untergerichten , gehören die Landgerichte in den Diſtricten der Woi. wodſchaften , die Gerichte derjenigen Staroſten , welche Gerichtsbarkeit haben, die Berichte der lins ter's

158

Polen .

terkammerer , die Städten, u. a. m.

Magiſtrátgerichte in den

Die gortesdienſtlichen Perfonen , ſtehen inse geſammt unter den Biſchöfen und dem Erzbiſchof. Die Haupteinrichtung des gelftlichen Geridyrs haben Die Biſchöfe , deren Stellen. Durch Verroeſer , oder Visarios , imgleichen durch Kangler uno Officiale vertreten werden , unter welchen lekred der vornehmſte der Haupt- oder allgemeine Official þeißet;

die übri.

gen aber werden Kriegsofficiale genennet. Von den Biſdöfen und von denenjenigen , welche ihre Stellen vertreten , appelliret man an den Erzbiſtof, ents lich aber an den Pabſt. Die geiſtlichen Ridjter be ftrafen die Leute ihres Standes unmittelbar ; gegen weltliche aber müſſen ſie ſich zur Vollſtreckung ihres Urtheils den Beyftand der Stadt. und Sand Beam . ten ausbitten. Durch die Tractate von 1768 und 75 ſind die Diſidenten von den fatholifden geiſtlichen Gerichten befreyet, und in ihren Kirchenfaden , ihren Synoden und Conſiſtorien untergeben worden . Ş. 18 31 Anſehung des Stats Einkünfte , und Ausgaben , iſt 1775 eine neue Conſtitution gea macht worden. 1776 übergab man auf dem Reichs. tage ein Verzeichniß der Zusgaben und Einnahmen, vermoge deffen die Ausgaben zum Civil Uufwand 13,838152 poln . Gulden zum Militär Lufwand 18,656000 ju Penſionen

alſo überhaupt

3.326036

'34, 820188 Gulden ,

Hingegen die Einfünfte nur 15,070175 Gulden betru . gen .

Um nur den großen Mangel von 197750008 Sule

Einleitung,

159

Gulden zu Geben , feate der Reichstag dle Zusgaben auf 16 Milionen 836569 Gulden berunter, nachdem der König , welder jährlich 2, 666666 Gulden ba. Die ben follte, freywillig eine Milion fahren ließ. Ausgabe wurde nun festgelegt ju a3686922 poln . Gulb . Dom i Sept. 1776 bis legten Luguli 1778 nahm

der Kron . Sdjak in Polen ein , 23154975 polniſche Gulden, und gab aus 23092867 P. O. ſo daß 62085 p.G. übrig bleiben. Vom Sept. 1778 bis legten Auguſt 1780 , war die Einnahme 25832706, und die Ausgabe 23537406 p.G. es blieben alſo 13062 : 8 p . G. in Sdak . Von 1780 bis 1782 blieben im Sdake 2,044088 poln. G. übrig , von 1782 bis 84 ,

2, 364,289 P. G.

Vom 1 Sept. 1784 bis dalin 1786 betrug die zweyjábrige

Einnahme des Kronidases 26,661,971 p.G. und die Ausgabe 24,500,614 p. G. 23 gl. und der Beſtand 2, 161,356 p. 6. 7 gl. Die Linnahme des litauiſchen Schages mit dem Beſtande von der lebren Rechnung , 10, 900, 670, und die Wusgabe 10,774,360 P. G. alſo der Beffand 26,310 p. G. Folglid) þat in dieſen benden Jahren betragen die Einnahme aus Polen und Litauen que fammen , ( die Beſtände von den beyden vorhergehen. den Jahren mitgeredynet,) 37,462,641 p. G. weide 6 , 243 , 7733 Tbaler betragen , alſo in 1 Jabr 3,031,886 Thaler 18 g1. Die Ausgabe, 35,274,974 polniſdje Gulben , welche 5, 879,162 Thaler qusma . dhen , alſo in 1 Jahr 2, 939 , 581 Thaler. Eine geo nauere Nachricht von den Einkünften und Ausga . ben der Rep. Polen von 1775 bis 86, findet nian in meinem Magazin für die hiſtorie und Geos gras

160

Polen .

graphie, Th. 16, S.55 bis 1o5, TK. 17 , S.568 bis 576, Th. 19 , S. 455 bis 462 Tb. 21, S. 482.

Die

' ju ordentlichen Ausgaben find 1776 angeſeket 11,628, 461 polniſche Gulden , und von dieſer Sums me ſind für den König beſimmt 2, 666,666 Gulden , welche 444, 444 Thaler betragen . .Ş. 19 Endlich iſt noch des Kriegsweſens zu gedenken. Die Republik fönnte ein mådyriges Krte.15o heer auf den Beinen þalten, weil ſie eine große Me ige vortrefflicher Pferde zießet, und bie Polacen du ch gute Zucht zu fehr brauchbaren Soldaten geina ne werden fönnent, wie diejenigert, weldie bey der fortige lich.preuffiſchen Armee befindli o ſind , beweiſen : ale tein , in ganj Europa ift fein Staat fo fchwach , und ſeinen Nachbaren fo wenig fue bebar, als diefer. Eher mals foußte man in Polen 00.1 feiner in Sold ſtehen den beſtåndigen Milig , ſondern gant Polen jog ju Felde , wenn ein allgemizines Lufgebot ( Pofpolice Ruſchenie ) auf einem Reichstage beſdyloffen wurde. Die Litauer fiengen 1557 zuerſt an , gur Beſchukung ihrer Grängen eine belånbige Mannſchaft auf den Beinen zu balten und zu befolden , und die Polen folgten ihrem Beiſpiel ; indem ſie zur Beſchüßung Der Grånzen gegen die Streiferenzen der råubetiſdheut Nachbaren , gemiffe Solbaten bewilligten , die ihrert Sold von dem dazu gewidmeten vierten Theil der Eina fünfte der königl. Tafelgüter bekamen, welcher in der

Lano.Schakkammer auf dem Schloß zu Kawa wers Kahret wurde , und davon dieſe Soldaten Quarrian kit Mer genehnet wurden.

Weil dieſelben aber zur Vers

theidigung des Landes nicht hinreichten , ſo wurden nodj andere Soldaten gerorben , und beſtunden aus Reu

Einleitung.

161

Reuterey und Fußvolt. Ade Truppen werden in die Kron- und Litauiſche.Urmee eingetheilet. Nach denk 1776 feſtgelegten Etat , ſoll befteben i Die Kron . Urmee an Reuteren aus

3322

an Fußvoll aus

7860

zuſammen aus

13409 Köpfen .

Die litauiſche Armee an Reuteren aus

2670

an Fugvoll aus

2075

zuſammen aus beyde Arineen aus

4770 Kopfon. 18179 Kopfen .

Sie iſt aber gemeiniglich nicht ganz vollſtändig, mie denn 1784 nur 17649 Köpfe vorhanden waren. Genauere Safeln von den polniſchen und litauiſchen {ruppen ſtehen in meinem 11Jagazin für die Siſtos tie und Geographie Th.16 , S. 109-112 . TH. 20, S. 316. 317.

Ein allgemeines Aufgebot iſt jeßt nicht

mehr gewöhnlich , fichaffet auch der Republic gar keio men iußen mehr. $. 20 Das polniſche Reich beſtehet aus dren aupttheilen, welche ſind Große und Klein Pos len, und das Großherzogthum Litauen. Dieſe Fintheilung hat im polniſchen Staatsrecht ihren groß fen Nußen , weil dreyer Völker und dreyer Provinzen gebacht, und auf den Reichstagen aus allen dreyen wechſelsweiſe ein Marſhall gewählet wird ;

davon

man ein megreres in Lengnidis jure publ. regni Gemeinſchaftlich guit Poloni T. 1. p. 18 leſen tann. Polen und Litauen gepóren die Verzogthümer Euro land und Semgallen 138.8

$

I. Grobes

Polena

162

I.

Groß - Polen.

Wielkopolſka

Prowincya ,

welches auch Nieder , Polen genennet wird . Jm engern Verſtande , beſtehet es nur aus den Woiwod . ſchaften Poſen , Kaliſd ), unb Gneſen , ( welde leste erſt in meuern Zeiten von der zweyten abgeſondert iſi ;) denn der Staroſt dieſer Woiwodſchaften , belge der Ober . Staroft von Groß . Polen , unb. der Landtag, welchen dieſe Woiwodſchaften zu Sroofa Galten, wird Nan nimmt der Sandtag von Großpolen genannt. aber auch den Namen Groß -Polen in einer ſo wei . ten Bedeutung ,

daß er folgende Woiwoofdhaften

und Länder begreift. 1. Die Woiwodſchaft Poſent Wojewodztwo Poſnanſkie Palatinatus Posnanienſis. Sie hat 1772 ein Stück verloren, welches nun zu dem preußiſchen Neß . Diſtrict gehöret , und beftehet nun noch aus zwey Diſtricten ( Powiaty , ) welche fino Powiat poznanſki und Powiat Roſcianti ; und eben ſo viel Staroſteyen . Der Staroſt von Pos ſen , Heißt Ober - Staroſt von Groß Polent , (Staroſta general Wielkopolſki ,) weil er ſieben Staroſteyen und Grods vorſtehet, von welchen zwey in dieſer Woiwodſdhaft , die übrigen aber in den beya den folgenden ſind.

Die Landtage dieſer Woiwod . fchaft

Einleitung.

163

fchaft werden zugleich mit dem Sangrage der Wolwob . fchaften Kallſdy und Gneſen , zli Srobka.gehalten : Alle drei Woiwodſchaften zuſammen erwählen zwolf Landboten , vier Deputirte , und zwey Comm Tarienia In der Woiwodſchaft Poren, ſind 9 Senatoren , 3 vom erſten Rang , nämlich der Biſchof , der Wol. mode und der Caſtellan von Poſen , und 5 vom zwerya ten Rang , nämlich vie Caſtellane von Miedjurgic , Rogoszno , Szrem , Prgement, und Krjiwin. Noch find in der Woiwodſchaft fünf Abrenen , von welit, en der Konig zwen vergiebet. Die Fahne dieſer Woia wob {chaft , !enthält einen weißen Udler , mit zum Flug ausgebreiteren Flügeln , im rothen Felde. Es folgen nun die benden Diſtricte infonderheit. I Powiat Poſnanſki,

der Diſtrict Porin .

1. Die Land, oder adelichen Güter, zu wel . den , außer den Dörfern , folgende Städte und Städtchen gehören . i) Goslina murowana , ein Städtchen von 104 · Rauchfången . 2) Kazmierz, ein Städtchen von 27 Rauchfången . 3) Kamienno. Råbmen , ein Stadtden an einemt kleinen Fluß , der ſich in die Warta ergießet , von 7 Rauchfangen . 4) Livowel, Polniſch -Deuſtadt, eine kleine Stadt von 255 Rauchfangen. 5 ) Międzychod, eine Stadt von 314 Rauchfången, an der Sarta , mit einer esangeliſchen Riche. 6) Oborniki, ein Städtchen vou 92 Raudfångens an der Warta. 7) Obrycko, eine Stadt von 180 Rauchfången. 8) Oſtrorog , ein Städtchen von 68 Rauchfangeit. 9) Pniewi , ein Städtchen von 98 Rauchfangen. 10) Kyczywot, ein Ståotchen von 84 Raudfångett:

164

Polen .

11) Szamotaly , Sambter, eine kleine Stadt von 145 Rauchfången an einem Bach , der in die Barta fließet. 12 ) Grzymałow , eine Stadt von 415 Rauchfangen. 13 ) Stobnica , ein kleines Städtchen von 27 Rauch fången , an der Warta. 14 ) Sierakow , Zirkau , eine kleine Stadt von 160 Rauchfången , an der Warta . 15) Stenžewo, ein Städtchen von 71 Rauchfången . 16) Trzciel , Tirſchtiegel , eine kleine Stadt von 114 Rauchfången , an der Obra. 17) Trzciel nowo , cine kleine Stadt von 140 Rauchfången . 18) Wronki , eine Stadt von 214 Rauchfangen , an der Warta . Sie brannte 1768 gröſtentheils ab. 2. Die geiſtlichen Güter , zu weld ) en außer den Dörfern gehören 1 ) Bledzew, Bleſen , ein Städtchen von 105 Rauchs fången , an der Obra. Es iſt hier eine Abtey Ciſterciens 1 fer Ordens . 2 1 2 ) Buf , eine kleine Stadt von 220 Rauchfången . 3) Chwalszewo, eine kleine Stadt von 142 Rauch,

fången. 4) Pszczew, ein Städtchen von 108 Rauchfången . 5 ) Piotrowo, ein kleines Stadtchen von 14 Rauchs fången. 6 ) Srzodka , ein Städtchen von 49 Rauchfången. 7 ) Wenetowa, ein kleines Stådtchen von 21 Rauch. fången . 8) Paradyz , paradis , eine Abtey Ciſtercienſers. Ordens, am Fluß Pachlitſch oder Jordan , welcher das Städtchen Liebenau in dem benachbarten ſchleſiſchen fürs ftenthum Glogau gehöret. Der König vergiebt dieſelbige. 3. Die königlichen Gůcer , zu welchen außer den Dörfern , folgende Städte gehören 1) Poznan , Poren , Posnania , die Hauptſtadt von Groß- Polen , eine ziemlich große Stadt an derWarta und Pross

Groß- Polen.

165

Prosna, zwiſchen Hügeln , welche mit einer doppelten Mauer und einem tiefen Graben umgeben iſt , und jens ſeits der Warta, die Vorſtådte Schrodka und Waliſches wo hat , die mit einem großen Sumpf umgeben , und los wohl, als die Stadt felbſt , den Ueberſchwemniungen des austretenden Fluffes manchmal ſehr unterworfen ſind. Das Schloß liegt auf einem Hügel zwiſchen der Warta und Prosną, und iſt feſt. Es hat hier der Woiwode, ein größerer Caſtellan , und der Dier: Staroſt von Groß : Po, len ſeinen Sitz, dem letzten gehöret die hieſige Staroſter. Außer verſchiedenen Kirchen und Kldſtern, iſt hier ein ehes maliges Jeſuiter : Collegium , welches der Biſchof Adam Konarſki, nach dem Muſter des braunsbergiſchen geſtiftet hat, in der Vorſtadt ein akademiſches Gymnaſiuin, wels ches der Biſchof Joh. Lubranſki errichtet hat , daher es Athenaeum Lubranſcianum , genennet wird , ein S ! ifto. Seminarium , und eine Commenthurey des Johanniter, Ordens , welche 1170 errichtet worden . Der biſchöfliche Hof iſt neben der Domkirche, welche 1772 abbranute, und liegt zwiſchen Moråſten. Das hieſige Bisthum iſt das erſte und älteſte in Polen , von Kaiſer Otto I zur Zeit Mietſchiflavo I geſtiftet, und dem Erzbisthumn Mags deburg untergeben worden , unter welchem es auch eine geraume Zeit geſtanden hat , bis es unter das gneſeniche Erzbisthum gekommen . Der Handel mit Deutſchland , hat die Stadt in Aufnahm gebracht, welche auch dus Etapelrecht, nebit vielen andern Privilegien , hat Hier wird ein Landgericht gehalten. In dieſer Gegend hat das Chriſtenthum in Polen ſeinen erſten Aufung genommen . 1703 wurde die Stadt von den Schweden , und 1716 von den Polen eingenommen . 1764 erlitte ſie großen Brands fichaden, inſonderheit brannte die ganze Judengaſie ab. 2 ) Skwirzyna , Schwerin , eine Stadt von 324 Rauchfången , an der Warta , welche hier die Obra auf. nimmt. Es iſt hier eine evangeliſche Kirche. 3 ) Rogoszno ſtare', eine Stadt von 216 Rauchfans gen . Hier ift ein kleiner Raftellan .

L3

4 ) Se:

166

Polent, 4 ) Rogosznő nowe, ein Städtchen Bon 103 Raud ,

fången. 4.

Die Landſchaft Frauenſtadt ,

Ziemia

wſdowska , in welcher 1. Die adlidien Güter, zu welchen außer den Dörfern gehöret

Slichtyngow , Schlichtingheim , eiiie kleine Stadt von 166 Rauchfang: n, an der ſchleſiſchen Gränge. Sie iſt zur Zeit des dreyßigjährigen Krieges von evangeliſchen Es iſt hier eine evangelis Schleiern angeléget worden. ſche Kirche. 2. Die geiſtlichen Důter ,

zu welchen außer

ben Dörfern gehöret Swięciechowo , eine kleine Stadt von 261 Nauchs fången. 3. Die königlichen Güter , zu welchen außer 2 Dörfern gehören 1 ) Wſchowa, Srauftast, eine bemauerte Stadt von 1035 Rauchfången , auf einer Ebene , 11 Meilen von Polen , an der clefifchen Gränze, welche von Deutſchen erbauet worden, auch noch vicie deutſche Einwohner bat. Es ſino hier drey) evangeliſche Kirchen . Mit Ochin und 29.lle wird ein ſtarker Handet getrieben. Es iſt hier eine Staroſter , und ein Landgericht . Sie gehörte in alten Seiten zu dem ( ch ! efiſchen Fürfienthuin Glogau , König Caſimir aber nahm ſie 134 } weg , verſprach aber ſie ben ihren Privilegten und Frenheiten ,worunter auch die Många gerechtigkeit war, welche fie von den glogauiſchen Fürften bekommen batte , zu erhalten . 1644. brannte ſie faſt ganz ab. 1706 erlitten die vereinigten Sachſen und Kuſſen bieſelbit von den Schweden eine ſtarke Niederlage... 2), Zeysztaot , die Teuſtadt , den 173 Rauch . fången. ļi. Pos

Groß- Polen: H.

167

Powiat Kosčianski , in welchem

1. Die Land oder adelichen Güter , zu wel . hen außer ben Dörfern gehören 1 ) Czempin , ein Städtchen von 93 Rauchfången, 2) Dubin , ein Städtchen von 93 Rauchfången . 3) Goſtyn , eine Stadt von 259 Rauchfången . 4 ) Roſtarzewo, ein Stådrchen von 87 Rauchf. 5) Grodzisko, Gr& , ein Städtchen von 93 Rauch . fången . 6 ) Bojanow , eine Stadt von 429 Rauchfången . Sie hat eine ebangeliſche Kirche. 7) Bogaftawo , ein Städtchen von 109 Rauchf. 8) Bergowa , Unruhſtadt , eine Stadt von 296 Rauchfangen , welche einem Grafen von Unruh gehöret, aud eine evangeliſche Kirche hat. 9) Xiądz , ein Städtchen von 72 Kauchfången. 10 ) Leszno , Liffa , Polniſch : Ciſſa , eine Stadt Bon 1446 Rauchfangen. Dieſer Ort war ebedeifen nur ein Dorf : als aber Graf Raphael Leſchzinſki viele Evans geliſche , welche aus Schleſien , Bdhmen , Mühren und Deſtreich fich eingefunden , liebreich aufnahm , und ihnen freye Religionsåbung verftatiete , nahm der Ort zu , und ward zu einer Stadt. Die Einwohner treiben guten Han , del. Es iſt hier eine lutheriſche Kircoy 210 lateiniſche Ehule , und eine reformirte Kirche und Gymnaſiuin illu Are. Es pohnen hier ſehr viele Juden , welche eine große @ynagoge haben . Dieſe Stadt iſt der Stammort der Grafen Lerchzinſki , von welchen der letzte Stanislaus, König von Polen , und Herzog von Lothringen geworden iſt. Dieſer hat die Stadt 1738 an den damaligen Reichs, grafen und nachherigen Fürſten Aerander Foreph Suls kowſki verkaufet, bey deſſen Familie ſie noch iſt ,und mit ihrem Zugehör den Sitel einer Grafſchaft führet. 1656 verließen die Einwohner die Stadt aus Furcht vor den polniſchen Truppen, welche auch die leere Stadt plünders ien und in die Ufche legten. 1707 wurde ſie auch von ten Ruſſen verwüſtet, aber nachher viel beſſer wieder auf 4

1 168

Polen.

aufgebauet. 1767 verlor fie, in einer ſchredlichen Feuers. brunſt 986 Gebäude. II ) Xpdzyna , Reifen , eine Meile bon polniſch Liſſa, ein Schloß, welches vor 1705, da es von den Sach . ſen verbeerer wurde, eines der ichónften Gebåude in Pos len Ipar, in einer überaus angenehmen Gegend lag, auf einer Inſel , im Fluß und nahe an einem Walde , durch welcheu man in gerader linie nach Lina ſehen konnte . Es hat auch der leichzinſkiſchen Familie zugehöret, jetzt aber iſt es fürſtlich Sulfowſkiſch. 12) ieycko gorna , eine Stadt von 201 Rauch fången. 13 ) Oſieczna , Storchneft , eine Stadt von 253 Rauchfången. 14) Opalenica, ein Städtchen * .103 Rauchfången. 151 poniec , eine Stadt von 266 Rauchfången . 16) Xałoniewice, eine kleine Stadt von 178 Rauch fången. 17 ) Xawicz , eine Stadt von 1041 Rauchfången, unweit der ſchleſiſchen Gränze , welde mit einem ſchlecha, ten Wall umgeben iſt. Die Einwohner find insgeſamint Deutſche und Lutheraner , und unter denſelben ſind viele Suchmacher , daher auch der Dandel des Orts größtenos theils in Süchern beſtehet. Die Stadt gehöret dem fürſt. * lichen Hauſe Sapicha. Konig Karl XII hatte hier 1704 fein Winter : und Haupt: Quartier, blieb auch biefelbſt bis in den Auguft des folgenden Jahres. 1707 ward ſie von . Ruſſen angezündet, und 1768 von Conföderisten gang abgebrannt, 18 ) Rydznyna , oder Rydzyna , eine kleine Stadt von 168 Rauchfången . 19 ) Piaſeczna gora , ein kleines Städtchen von 39 Rauchfången . 20) Sarnowo , eine kleine Stadt von 198 Rauch . fången. 21 ) Szmigiel, Schmiegel, Smigel , eine Stadt von 477 Feuerſtellen. Sie hat eine evangeliſche Kirche.

22)

Groß- Polen. 22) mit einer 23 ) 24)

169

Wolsztyn , eine Stadt von 221 Rauchfången , evangeliſchen Kirche, Kębłow , ein Städtchen von 62 Rauchfången. Zbąszyn , Bentſchen , eine kleine Stadt von

362 Rauchfangen , an der Obra. 25) Zabcromo , eine kleine Stadt von 181 Rauch , fången , in welcher eine evangeliſche Kirche iſt. 2. Die geiſtlichen Güter , zu welchen außer den Dörfern gehören 1) Dolsk, eine kleine Stadt von 132 Rauchfången. 2) Krobia , Breben , eine kleine Stadt von 189 Rauchfången . 3 ) Krzywin , Krieben , ein Städtchen von 79 Rauchfången , der Sitz eines Kaftellans.

4 ) Przement, Priment , ein Städtchen von 33 Rauchfången , auf einer Inſel in der Obra. Es iſt hier ein kleiner Raftellan , und eine Ciftercienſerabter . 5 ) Wielidowo , ein Stdotchen von 95 Rauch . fången. 3. Die königlichen Güter , ju welchen außer den Dörfern gehören 1) Babimoſt , Bomſt , ein Städtchen von 250 Rauchfången , mit einer evangeliſchen Kirche.

2 ) Broyce , Bråts , eine kleine Stadt von 155 Rauchfången , in welcher eine evangeliſche Kirche. $ 3 ) Kopanica, Kopniß , ein Städtchen , von 77 Rauchfangen , an der Obra , mit einer evangeliſchen Kirs dhe. Nicht weit davon liegt das Kloſter Obra . 4 ) Kościan , die Hauptſtadt des Diſtricts, von 198 Rauchfången , an der Obra , zwiſchen Moråſten. Es iſt hier ine Staroften , auch wird hier ein Landgericht ges balten, 1 5 ) Moszna , ein Städtchen von 71 Rauchfången , unweit der Warta

& 5

6 ) Szrzem

Polen.

170

6 ) Szezem , eine kleine Stadt von 243 Rauchfåns gen , auf einer Inſel an der Warta . Hier iſt çin kleiner Kaſtellan,

II.

Die Woiwodſchaft Wojewodztwo

Gneſen

Gniezninskie

Palatinatus Gneſnenſis, welche 1768 von der Woiwodſchaft Kaliſch abgeſona dert worden, aber wenige Jahre hernach den größten Theil ihres Zugehörs verloren hat , nämlich die Die ſtricte Kcin und Nakel. I Powiat Gniezkinſki

150 I Die Land : oder adelichen Güter, zu welchen außer den Dörfern gehören I ) Czerniejewo, ein Stådtchen von 85 Raudsfången , 2 ) Iornowice, ein Städtchen von 58 Rancjången. 3 ) Kiszkowo, ein Stadtchen von 38 Rauchfången. 4 ) Copichito , ein Stadtchen von 60 Rauchfangen . 5) Royoivo , ein kleines Städtchen von 19 Rauch

fången. 6) Sloči, Schofen, eine kleine Stadt von 157 Rauchs fången. 7 ) Wrzeſia, Wrechen , eine kleine Stadt von 202 Ranchfangen . 8) Willowo , eine Picine Stadt von 160 Raudha fången. 9 ) Dobra Dneſinſkie, von 6 Dörfern . 2 Die geiſtlichen Gürer , gu welchen außer den Dörfern gehören

Trze :

Groß - Polen .

171

Trzemeszno, ( Trſemefchno ), eine kleine Stadt, von 173 Rauchfången . In derſelben iſt eine Abtey Cunont corunr regularium S. Auguſtini.. Der Abt ift beſtändiger Canonicus bey der Metropolitankirche zu Gneſen . Das Kilofter hat eine ſchakbare Bibliothet , die in einem ſchon nen Saal aufgeſtellet iſt.

3. Die königlid )en Gürer , zu welchen außer ben Dörfern gehören . 1 ) Gniezno, Gneſen, die Gauptſtadt von Großpolen, von 454 Naud)fången die älteſte Stadt im Reich, liegt 7 Meilen von Poren , und 14 von Raliſch, in einer Ebene, zwiſchen Seen und Hügeln , iſt bemauert , groß , und der Siß eines im Jahr 1000 geſtifteten Erzbisihume. Bos leslaus der erſte faufte den Preußen den leichnam des von ihnen erſchlagenen heil. Adalberts oder Albrechts ab, und ließ denſelben (hieber bringen , und in der Hauptkirche begraben , und König Sigismund der dritte , foenfte itin ein fitbernes Grabmal ; ob feine Gebeine aber bieribit noch vorhanden , oder von den Böhmen 1038 weggefüiss ret und nad Prag gebracht find ? darüber ift zwiſchen den Polen und Böhmen ein unnüber uitd nie zu hebender Streit. Das Domkapitel bat einen eigenen Kanzler. Es iſt hier ein Woiwvode, ein großer Caſteltan , eine Sta: roſten , welche der Oberſtaroſt von Großpolen beſitzt, und ein Gymnaſium ; auch wird hier ein Landgericht gebalten. Ehemals wurdeu hieſelbſt die Könige gekrönet. 1613 brannte faſt die ganze Stadt ab. 2) Klecko , cin Stådtchen von 84 Rauchfången. 3 ) Mieſciſko, ein Ståstchen von 43 Rauchfången . 4) Pobiedziſka, eine kleine Stadt von 153 Raucha. fången. 5 ) Powiedź , ein Stådtchen von 65 Rauchfången. II Powiat Rcynſki, 1 Die adeliden Güter, zu welchen außer den Dörfern gehören 1 ) Lękno, ein kleines Städtchen von 48 Rauchfången.

172

Polen .

2 ) Zerniki , ein kleines Städtchen von 43 Rauch fången. 2 Die geiſtlichen Güter, zu welchen außer der Dörfern gehöret Wagrowiec, eine kleine Stadt von 613 Rauchfáns. gen , mit einer Abrey Ciftercienſer: Ordens. III

Die Woiwodſchaft Kaliſch Woje w od 3two

Kaliſkie,

Palatinatus Galifienfis, Von derfelben iſt 1768 die Woiwodſdjaft Gneſen ab. geſondert worden , und 1772 iſt von dieſer ein Stück berloren gegangen . Vor der Theilung und dem Verluſt, beſtund ſie aus 6 Diſtricten . Von den 6 Grods , hatte nur eins einen beſondern Staroſten, die 5 übrigen hiengen von Großpolen ab.

dem Oberſtaroſten von

Der Udel hielt die Landtage gemein. !!

ſchaftlich mit demi Adel der Woiwodſchaft Poſen zu Sjroda í um 12 Sandboten , 4 Deputirte , und 2 Commiſſarien zu ermählen .

Die Woiwodſchaft hatte

8 Senatoren , 4 vom erſten Rang, nämlich den Erj. biſchof zu Gneſen , den Woiwoden von Kaliſch , und die großern Kaſtellane zu landen , Naklo , Biechon und Kamin .

Es waren in der Woiwodſchaft vier

Abteyen, von welchen der König drey vergað.

Dieſe

Verfaſſung hat ſich nun ſtark geändert , wie zum Theil aus der folgenden Beſdireibung erhellen wird. In dieſem Abſchnitt iſt die Rede von der Woiwod. Fichaft Kaliſch ,

zu welcher drey Diſtricte geboren. Die

Groß- Polen.

173

Die Fahne derſelben , enthält den Kopf eines Lueroch . fen , welcher zwiſden den Hörnern eine goldene Krone, in der Naſe aber einen goldenen Ring trågt , in einem von Silber und roth geſchachteten Felde. i Powiat Kaliski.

1. Die adelichen Gürer , · zu welchen außer den Dörfern gehören 1) Chocz , eine kleine Stadt von 5 Rauchfången . 2 ) Chorob , ein kleines Städtchen von 22 Rauchs fången. 3) Dobrzyca , ein Stadtchen von 82 Rauchfången . 4) Iwanowice , fångeni.

ein Stådtcher von 86 Rauch .

5) Kozminek , ein Städtchen von 96 Rauchfången . 6) Oſtrow , eine Stadt von 366 Rauchfången . 7) Keszow , eine kleine Stadt von 211 Rauchfången . 8) Kaszlow , eine kleine Stadt von 135 Raucha fången. 9) Zduny , eine Stadt von 791 Rauch fången , mit åner evangeliſchen Kirche. 2. Die geiſtlichen Güter, zu welchen außer den Dörfern nur das Städtchen Opatowek , von 80 Rauchfången. gehöret 3 ) . Die königl. Güter, zu welchen außer den Dörfern geboren

1) Kalisz, die Hauptſtadt der Woiwodſchaft von 649 Rauch fången .Sie iſt mit Moråſten , Mauern und Thůr men umgebene, und dadurch befeſtigte Stadt , zwiſchen zwen Armen des Pro$na. Das hieſige bey der polniſchen Nation in dem größten Anfehn geweſene ehemalige Jeſuia ters

174

Polent.

ter Collegium , hat der gneſeníche Erzbiſchof Stanislans Karfowffi auf ſeine Koſten angeleget . Es hat hier reinett Sitz der Boiwode und ein großerer Kaftellant , auch iſt hier cine Staroſter , welche der Oberſtaroſt vou Groppo, len bifitet , und ein landgericht . 1655 wurde die Stadt von den Schweden beſetzet. 1706 ward hieſelbſt der ſowes difdhe General Mard feld init feinen Truppen von der zuſammen geesten Armee unter des polntichen Königs Auguſt II Ermmañdo , aufs Baupt geſblagen und gefalls gen genommen . 2 ) Salmirzyce , Salmirſchürz , eine kleine Stadt bon 210 Rauchfången . 3) Stary Kalisz , ein kleines Ståd.dyen von 16 Rauchfången . 4) Odalanow , Åselnau , eine kleine Stadt von 128 Rauchfången . 5) Stawiszyn, ein Städtchen von 93 Rauchfången . II. Powiat Koninfie. i Die adelichen Gúter, zu welchen außer den Dörfern gehören I ) Brudzew , ein Stadtchen vor 59 Rauchfangen . 2 ) Grzmiszew , ein Stådtchen von 60 Raucha

fången . 3) Kazimierz , ein Stådtchen von 42 Raud)fången , woſelbſt 1907 der ſchwediſche König Karl XII den unglůđs lichen Patkul lebendig rådern ließ. 4) Kleczew , eine kleine Stadt von 142 Rauda fången. 5 ) Kychwald, ein Stådtchen von 53 Rauchfången , 6 ) Slézin , ein Städtchen sot 43 Rauchfången . 7) Tuliszlow , ein Stådden von 49 Rauchfången .

8 ) Wire

Groß - Polen .

175

8) Władisławow , ein Städtchen von 86 Rauch fången. 2.Die geiſtlichen Güter , zu welchen außer den Dörfern gehören. 1) Ladek, ein Städtchen von 44 Rauchfången . 2 ) Zagerow , ein Städtchen bin 87 Rauchfången. 3 Die königl. Gúter , Dörfern gehören

zu welchen außer den

1) Brdow , ein Städtchen von 47 Naud ;fången.

2 ) Konin , ein Städtchen von 112 Randfingen , an der Warta , mit einem alten Edluß , 8 Meilen vent Die hieſige Staroſien beſitzt der Oberſiaroſt Kalifch. von Großpolen. Es wird hier das fandgericht gehalten, 3 ) Boto , ein Städtchen von 58 Rauch fången , auf einem Berge, den die marra mit zivey Arinen einſchließt. Hier verſammeln ſich alle landboten von Großpolen vor dem General-Landtage, kud bey einem allgemeinen Uufa gebot die Edelleute aus Großpolen. III

Powiat Pyzdrfti.

1 Die adelichen Gürer. Außer den Dörfern 1) Bain , eine kleiue Stadt von 119 Rauchfången. 3 ) Borel , eine kleine Stadt von 172 Rauchfångenta 3) Iurocin , ein Städtchen von 95 Rauchfången . 4) Zaniemysl, ein Städtehen von 47 Rauchfangen. 5) Juraczewo, ein Städtchen von 64 Rauchfången. 6 ) Jutroſin ; cine kleine Stadt von 191 Raucha fangen . 7 tiowe Miaſto , fleuſtadt , eine kleine Stadt von 106 Rauchfången. 8) Bornik , eine kleine Stadt von 112 Rauchfången. 9 ) Kobylin , eine Stadt von 258 Nauchfången . 10) Krotoszyn, Leine Stadt von 295 Rzuchfången , 11 ) Kaza

176

Polen . 11 ) Kuzmin fary ( alt Kuzmin ) , eine Stadt von

216 Rauchfangen . Kuzmin novy , (neu fuzinin ) hat nur 77 . 12 ) Mirosław , eine kleine Stadt von 122 tauch . fången. 13) Wieljyn, ein Städtchen von 67 Rauchfånger . 14 ) Pogorzela , eine kleine Stadt von 104 Rauchs fången. 15 ) Zberlow , eine kleine Stadt von 104 Rauch , fången . 2 Die geiſtlichen Gúter, von 57 Dörfern und Stupca , eine kleine Start von 168 Rauchfangen. 3 Die königlichen Gücer , von 16 Dór ferri, und a Srådten , welche ſind 1) Pyzdry , Peiſern , eine Stadt an der Warta , son 201 Rauchfången , 9 Meilen bon Kaliſch . 1768 brannte fie ab. Die hieſige Staroſtev gehöret dem Dberitaroſten von Großpolen. Es wird hieſelbſt das fandgericht gehals ten . Hier ſtürzte 1707 der ſchwediſche König Karl XIL . vom Pferde in den Fluß , und gerieth in große Lebens :

gefahr. 2) Srzoda, eine Stadt von 193 Rauchfången.

i IV

Xoiewodztwo

Sieradzkie

Die Woiwodſchaft Sieradien h Palatinatus Siradienfis, enthåle 4 Diſtricte, und 2 Staroſteren . tage werden an zwey Orten gehalten ,

Die land . zu Sjadel ,

um 4 Landboten , und zu Piotrkom , um 2 Deputirte und einen Commiſſarius zu erwählen.

Die Woje 100 .

Groß- Polen.

177

wobſchaft hat fünf Reichsbeamte , xwey vom erſten Kang, nämlich einen Woimoden und einen großern Kaſtellan , und drey vom zmenten Rang , nämlid ). die kleineru Kastellane zu Roſpirs , Spicimierz und In derſelben ſind zwey ab. Die Fahne dieſer Woiwodſchaft, zeiger eſo ' men aufrechtſtehent en balben ſchwarzen gekrönten 18. men im gotdenen Feide , und einen Balben ſchwarzen Konary in Sieradien .

tenen ,

gefrenten Hofer, im rothen Felde.

Vor Alters war

diefe. Provinz ein Herzogthum , und wurde den jüne gern fåriglitren Prinzen gegeben. I Powiar Sieradzky.

1 Die adelidhen Güter , zu welchen außer vielen Dörfern, geboren ( 1 ) Barzenin , ein Städtchen von 47 Rauchfangen . ) son ( 3) Dobra, eine kleine Stadt von 131 Rauchfången . (4 ) Widaws, eine kleine Stadt von 130 Rauchfáns gen , an einem Bach der in die Warta fåüt. (5 ) Staczew , ein Städtchen von 54 Rauchfången . (6 ) Staw , ein Stådtchen von 68 Rauchfangen . a Die geiſtlichen Gürer , welche außer 34 Dörfer begreifen 1) Turc ( Turzt ,) eine kleine Stadt von 120 Rauch . fånger. 2 ) Uniejow , eine kleine Stadt von tro Rarchfåns gen , an der Warta , welche dem Erzbiſchof von Gneſen gehöret. 1331 brannte ſie ab . 1376 war hier eine Bers fam :nlung der Polniſchen Geiſtlichkeit. 3 Die ESniglichen Gåter, zu welchen außer den Dörfern gehören 1 ) Sieradz, Siradia , die hauptſtadt der Woiwods Ichaft , von 260 Raucfången , liegt in einer Ebene, und bat M 2 Th. 8 2 .

Polent.

178

hat an der Warta ein Schloß. Sie iſt der Sit des Bois woben , und eines großern Kaftellans, eines Staroſten , und des Landgerichts . ' 1290 wurde ſie von den Tataren , 1292 von den Böhmen , und 1331 vom deutſden Drden verwaftet. 2) Szczeczow , eine kleine Stadt von 116 Rauds fången. 3) Warta , eine Stadt von 186 Rauchfången , ant Fluß gleiches Namens. II Powiat Szadkowſkie. 1 Die adelichen Güter.

Außer einer großen

Anzahl Dörfern. 1 ) Lutomierſt , eine Pleine Stadt von 136 Rauch

fången. 2) Laft, eine kleine Stadt von 167 Rauchfången . · Die geiſtlichen Güter. Außer den Dóra feľn

1) Pabianice , eine kleine Stadt von 106 Rauch fången. 2 ) Kzgow , eine kleineStadt von 121 Rauchfången. 3 Die königlichen Güter , außer 15 Dörfern Szadek , eine kleine Stadt von 101 Rauchfången , in welcher der Landtag zur Erwählung 4 Landboten , und 1 das Landgericht gehalten wird. III Powiat Pjotrowſkie.

1 Die adelidhen Güter.

Außer vielen Dor.

fern Kozprza , ein Stådtchen von 75 Rauchfången. 2 Die geiſtlichen Güter.

Außer vielen Dore

fern 1) Grocholice, ein Städtchen von 46 Rauchfången, 2 ) Wolbotz , eine kleine Stadt pon 156 Kauda

fånger.

3 Die

Groß- Polen.

179

3 Die königlichen Gåter. Außer 9 Dörfern I) Piotrkow , Petrilau , Peterau, Petricovia , die Hauptſtadt des Diſtricts, liegt zwiſchen Moråſten , und ift temauert : Vor Alters find hier die Könige erw.dhlet, auch iſt hier eine Zeitlang der Reichstag gehalten worden . Jeßt wird hier das hohe Tribunal får Großpolen , det Provinzialiquodas der Geiſtlichkeit , der Landtag zur Wahl zweyer Deputirten und eines Commiſſarii , und das Landgericht gehalten . Es iſt hier eine Staroſtey , ein ehemaliges Jeſuiter - Collegium , und ein Collegium piarum fcholarum. 1640 und 1731 brannte die Stadt ab , und 1786 verlor fie durch eine neue große Feuers . brunſt ihre meiſten und beſten Häuſer. 2) Sulejow , ein Städtchen von 78 Rauchfången, in welchem eine Abtey Ciſtercienſer Ordens. 3 ) Tuszyn , ein Städtchen von 79 Rauchfången . IV. Powiat Rademſkt. 1 Die adelichen Güter. Außer vielen Dörfera 1 ) Kamienſto, ein Stågtchen von 68 Rauchfången . 2) Konicepol , eine kleine Stadt von 159 Raucha fången. 3) Ptarono , ein Städtchen von 64 Rauchfången, 4) Zytne , ein Städtchen von 69 Rauchfången. 2 Die geiſtlichen Gücer , Dörfern beſtehen

welche aus laufer

3 Die königlichen Güter.

Außer den Döre

fern Xadomit, eine Stadt von 203 Rauthfången.

Y Das

180

Polen.

V

Das Land Wielun, Ziemia

Wielumskie,

Terra Velunenſis , Hat zwen Diſtricte, erwählet zwey Sandboten , einen Depatirten , und einen Commiffarium , und hat ei. nen kleinern Kaſtellan. Die Fahne dieſer Proving enthält ein fo genanntes lamm Gottes , welches eine weiße Fahne an einem Kreuß tråget , und aus deſſen Bruſt Blut in einen goldenen Kelch ſprüßet; im ro. then Felde. I Der Wielunſohe Diſtrict,

in welchem

1) An adelichen Gütern , außer den vielen Dörfern ( 1) Dziatoszyn , eine Stadt von 252 Rauchfången. ( 2) Oriakow , ,ein Städtchen von 49 Randfangen . (3) Praszka, eine kleineStadt von 122 Rauchfången. (4) Wieruszow , eine Stadt von 178 Rauch fången , 2) An geiſtlichen Gütern , 44 Dörfer und Güter.

3 ) Anköniglichen Gütern, außer 28 Dörfern , ( 1 ) Wiclun, die Hauptſtadtdes Landes und des Di ftricte , der Sitz eines kleinern Raftellans , eines Staros ften , des Landtags und Landgerichts , und eines Colle gii piarum ſcholarum . Sie hat 283 Rauchfånge. (2) Bolesławice, eine Stadt von 149 Rauchfången . H Der Oſtrſewfchowſche Diſtrict, in welchem

1 An adelichen Gütecn ; fern ,

außer den Dör .

i

1) Bas

1

18 !

Groß - Polett.

1) Baranow , eine Stadt von 80 Rauchfången. 2) Kempno , eine Stadt von 291 Kauchfången . 3) Kobylo gora , Schildberg , ein Städtchen von 51 Rauchfången.

*... 2 An geiſtlichen Gütern , ein Dorf von 30 Rauchfången. 3 An Königlichen Gütern, außer 9 Dörfern, 1) Oſtrzeszow , die Hauptſtadt des Diſtricts , in wels der eine Staroſtey iſt, und das Landgericht gehalten wird. Sie hat 165 Rauchfånge. 2) Grabow , eine Stadt von 135 Rauchfången . 3) . Mirtat , auch Myszat, (17yſchat)Mielſtadt, eine kleine Stadt von 94 Rauchfången . 4) Borel, ein Stådtchen von 47 Rauchfangen.

VI

Die Woiwodſchaft Rawa Wojewodztwo Kawskie Palatinatus Ravenſis, beſtehet aus drey kleinen ländern, und in einem jeden derſelben hålt der angeſeſſene Adel feinen beſondern Die Woiwodſchaft erwählet fechs lariobo. Sandtag. ten , zwen Deputirten und einen Commiſſarium , vel. che legten von den drey {åndern wechſelsweiſe erivåh. let werden. Sie liefert vier Senatoren , zwer vom erſten Rang , nåmlich den Woimoden großern Kaftellan ,

und einen

und zwey vom zweyten Rang,

nämlich zwei kleinere Kaftellane. Die landesfahne enthält im rothen Felde einen riwarzen Adler , auf deffen Brust der Buchſtabe'R ſtehet. M 3

I Ziemia

182

Polen.

I Ziemia Rawska. 1 Die adelichen Gúter , beſtehen in einer groſo fen Anzahl Dörfer, und folgenden Städten. 1) Bialta , ein Stådtgen von zr Rauchfånger , von welchem der Diſtrict Bietſt den Namen hat. 2 ) Głowno , ein Städtchen von 60 Rauchfången . 3 ) Wewe miaſto , eine kleine Stadt vou 99 Rauchs fången ain Fluß Pilcza .

2 Die geiſilichen Güter , zu welchen außer Men Dörfern gehören, 1 ) Iezow , eine kleine Stadt von 91 Rauchfången. 2) Slierniewice, eine Stadt von 169 Rauche fången . 3) Mogilnica, ein Städtchen von 75 Rauchfången . N

3 Die königlichen Güter , zu welchen außer 16 Dörfern , gehören 1) Rawa,die Hauptſtadt der Woiwodſchaft und des Landes diefes Namens , am Fluß Rawa, mit einem Schloß , welches auf einem Felſen ftehet. Sie hat 165 Rauchfinge , iſt der Siß des Woiwoden , eines größern Kaſtellans , und eines Staroſten , es wird auch in ders felben ein fansgericht und ein Landtag gehalten . Auf dem hieſigen Saloß wird der vierte Theil von den Eins künften der Fönigl. Güter zur Bezahlung der Grånzſola daten niedergelegt, und die Staatsgefangenen werden auch dafelbft verwahret. 12 ) Stara: (alt :) Rawa, ein Dorf von 53 Naudia fången. II Ziemia Sochaczewita , das Land So. dyatſchew , welches aus den Diſtrict 7fczas now begreift , und unter dem Grod und Staroſten zu Sochaczew ſtebet. I Die adelichen Gürer. Qußer den Dörferng Grodziſk, eiu Stictchen von 62 Raud fången . Die

183

Groß - Pofen.

- 2 ) Die geiſtlichen Güter. Außer den Dörfern , gowicz , eine Stadt von 474 Rauchfången , am Fluß Blura , mit einem Schloß , welche außer der Donu. tirche, noch drey Pfarrkirchen , einige Kildſter ,ein Gyma naſium , und eia Collegium piarum fcholarum hat. Sie ift der Bauptort eines Herzogthums, welches vermoge einer Abtretung von 1210 , dem Erzbiſchof von Gues ſen gehöret. 3 ) Die toniglichen Gürer. Außer den Dóra fern, (1) Bolimow , ein Städtchen von 69 Rauchfången . ( 2 ) Wiſkitki, ein Städtchen vou 75 Rauchfangen. (3) Tiszczonow , ein Städtchen von 86 Rauchs fången . ( 4 ) Sochaczew , die Hauptſtadt diefes Landes, com 75 Rauchfången , liegt am Fluß Efura , und hat auf einem hohen Felfen ein Schloß . Sie iſt der Siß eines kleinern Kaſtellans , und eines Staroſten , es wird auch hiefelbft der Landtag und das Landgericht gehalten. III Ziemia Goſtynſka , Das Lano Goſtin , welches auch die Diſtricte Gombin und Gas binſkic , begreift , und unter dem Grod uno Staro. ften zu Goſtin ſtebet. 1 Die adelichen Güter. Außer den Dörfern , 1 ) Itow , eine kleine Stadt von sro Rauchfångerr. 2 ) Kutno , eine kleine Stadt von 164 Nauchfången. Sie brannte 1783 ab. 3 ) Riernozia, ein Städtchen von 33 Rauchfången.

2 Die geiſtlichen Gåter , welche lauter :Dori fer find.

Unter denſelben find große,

von 48 , Radziwie von 66 , Rauchfången .

als Jamno ,

Zlatow , don 53

3 Die königlichen Güter. Außer den Doro fern 90

1) 60

184

Polent.

1) Ogbin , Gombin , eine Stadt von 99 Rauchfången , bon welcher ein Diſtrict benannt wird, in welcher auch der Landtag des Lanbes Goftin gebalten wird. 2) Goſtynin , ein Städtchen von 43 Rauchfingen . 3) Osmolin , ein Stádrden von 45 Kaudfången. BI VII

Die Woiwodſchaft Lentſchig, Woiewodztwo

leczy & it

Palatinatus Lancienfis, Hat vier Diſtricte , welche von den Städten Leczy, ca , Orlow, Brzeziny und Inowlodz, benennet worden . Die Landtage derſelben werden zu Lentſchik gehalten , um vier { andboten , zwey Deputirte und einen Commiſſarium zu erwählen. In dieſer Pol, modſchaft ſind zwey Senatoren vom erſten Rang, nám . lich der Woiwode und größere Kaffellan von dentſdie . und dreye vom zweyten Rang , nåmlich die kleinern Kaſtellane von Brzeziny , Fromlodz und Konary. Die Fahne enthält einen halben weißen gefronten Loſer und einen Halben ſchwarzen linksfißenden ge . fronten Cowen , im rothen Feide. 1 Jin Diſtrict Lenczyca , find lauter adeli. che Gürer , zu welchen außer einer großen Anzahl Dörfer ,

gehören

1) Krosniewice, ein Städtchen von 36 Rauchi fången. 2) Parzenczow , ein Städtchen von 84 Rauchs fangen.

2 Der

Groß- Polen.

183

2 Der Diſtrict Brzeziny , von lauter åbeli, chen Gütern , zu welchen , außer den Dörfern , gehören 1 ) Brzeziny, eine Stadtvon 242 Rauchfången, 7 Meilen von Lenidhita , am Fluß Palica. Hier iſt ein kleiner Kaſtellan , es wird auch hieſelbſt das Landgericht gebalten . 2) Będkow (Bendkow ) ein Städtchen von 89 Raudi, fången . 3) Ujazo, ein Städtchen von 52 Rauchfången : 4 ) Strykow , eine kleine Stadt von ivi Nauchfången. 3 Der Diſtrict Ortowſki, in welchem 1 Die adelidhen Güter ; außer vielen Dörfern, 1 ) Bielawy , ein Städtchen von 74 Rauchfången . 2 ) Sobota , ein Städtchen von 44 Rouchfången . 3 ) Zychlin , ein Städtchen , von 59 Rauchfåugen. 2 Die geiſtlichen Güter, welche außer vielen Dörfern , ſind, 1 ) Pigtek , ( Piontel ) , eine kleine Stadt von 107 Rauchfangen , welche bem Erzbiſchof zur Gneſen gehört. Eie liegt ziviſden Moráſten am Fluß Bſura . 2) Grzegorszew , ein Städtchen von 72 Rauch fången. 3 ) Kazimierz,ein Städtchen von 48 Rauchfången. 4) Lodz, ein Städtchen von 64 Siauchfångeu . 3 Die KSniglichen Gürer, welche außer den Dörfern ſind, 1 ) Dąbie ( Dombie ) ein Städtchen yon 41 Raiichis fången. 2 ) Inowlodz, ein Städtchen von 46 Rauct fången, Am Fluß Pilcza. 3 ) Ktodawa, eine Stadt von 151 Rauchfången. 4 ) Dąbrowice, eine Stadt von 139 Rauchfangen. 5 ) Lezcycv , ( Lentſchitza ), Lancicia , die Hauptſtadt der Woiwodſchaft, von 203 Rauchfången , welche in Mos råſten am Fluß Bjura liegt, mit einer Mauer und einem X 5 Grge

186

.

Polent.

Graben umgeben iſt, und ein Schloß quf einem Felſen hat. Sie iſt der Sitz des Woiwoden , eines großeru Kaſtellans, und eines Staroſten ; auch wird hier der Landtag , das Landgericht , und ein Provincial - Synodus 1462 brannte ſie ab , 1294 der Geiſtlichen gehalten. murde ſie von den Litauern , und 1656 , als die Sobives den ſie beſetzt hatten , von den Polen in die Aſche gelegt, und alle Einvohuer , ſonderlich aber die Suden , muss ten über die Klinge ſpringen.

VIII

Die Woiwodſchaft Brzeſcie, + Woiewodztwo

Brzeskie Kujawskie,,

Palatinatus Breſtienſis, llegt in Cujavien , welche landſchaft aus dieſer und "Der folgenden Woiwodſchaft , und aus dem Land Sie iſt fruchtbar, hat auch viele Dobrzin beſtehet. fiſchreidie Scen , unter welchen das füblidje Ende des Der Biſchof von Cujavien , Sees Goplo ift. hieß vor A ! ters Biritof von Rruswica , ' weil das Bisthum zuerſt in der Stadt dieſes Namens anges Dlugloß hat es Miecziso law I im Jahr 966 geſtiftet, Boguphalus aber ſchreis bet die Stiftung derſelben Mieczislaw II gu. 216 leget wurde.

Nach dem

es von dannen nadi der Stadt Wladislaw verleget ward , bekam der Biſchof den Namen des wladis , laviſden , jeßt aber wird er der cujaviſche ges nannt. Er heißt auch Biſchof von Poinmern , weil der größte Theil der Woiwodſchaft Pomerellen M4 feit

187

Groß - Polen.

feit dem zwölften Jahrhundert mit zu ſeinem Kirch . Er wohnet auf ſeinem Reſidenza ſprengel gehöret. Die Woiwodſchaft Brfesz ſchloß zu Wolborz. beftehet aus vier Diſtricten , nachdem der Diſtrict Krusmica an den preußiſchen Ne biſtrict gekommen iſt. Die Sandrage derſelben und der Poiwodſchaft Inowroclaw , werden gemeinſchaftlich zu Radziejono gehalten.

Man erwaplet auf denfelben vier landbo.

ten , zwey Deputiete , und einen Commiſſarium . Die Woiwodſchaft hat brey Senatoren vom erſten Rang, nåmlich den Biſchof von Eujavien , den Woi. woden , und einen großern Kaſtellan , und drey vom fieyten Rang , nämlich drey tleinere Caſtellane. Die cujaviſche Fahne enthält einen halben weißen gee Frönten Adler , und einen halben ſchwarzen links[io benden Löwen , beyde im rotben Felde. I Powiat Brzeſcie Rujawſkie.

1 Die adelichen Gürer , welche außer den Dörfern , find, Lubranie , cine kleine Stadt von 95 Rauchfången . 2 Die geiſtlichen Güter , welche außer der Dörfern , Find, Włocławek , eine Stadt von 179 Rauchfången . 3 Die königlichen

Gürer .

Uußer den Dör.

fern ,

Brzeſcie Kujawſkic , Breftia Cujaviæ , die Haupts ftadt der Woiivodfchaft undeines Diſtricts , liegt in einer Ebrne zwiſchen Moråſten , iſt init Oraben , Ball und Mauern umgeben , der Sig des Woiwoden , eines groſs fern Kaſtellans , und eines Staroſten ; es wird auch bies felbſt das Landgericht gehalten. Sie hat nur 65 Rauchs fånge.

3 Die

188

Polen.

Poriat Kowalſkie. I Die adelichen Gåter. Außer den Dörfern , Lubien , ein Srådtchen von 41 Rauchfången . Die geiſtlichen

Güter.

Acht Dörfer.

3. Die königlichen Gürer. Eilf Dörfer, und Kowal, eine Stadt von 144 Rauchfången , der Hauptort des Diſtricts, woſelbſt das Landgericht deffek: ben gehalten wird , eine Staroſtey und ein kleiner Kas ſtellan iſt. III Powiat Radziejowoſti. 1 Die adelichen Güter. Lanter . Dörfer. 2 Die geiſtlichen Gürer.

Zehn Dörfer

3 Die Ksniglichen Güter. Neun. Dörfer und 1) Radziejow , ein Städtchen vou 78 Rauchfången, welches der Hauptort des Diſtricts , und woſelbſt eine Staroſter iſt , auch der Landtag der Doimodidaften Brſos und Inowroclaw gehalten wird . Die - P . P. pia rum ſcholarum haben hier eine Reſiden 2) Sapolno , ( Sompolno ) ein Städtchen von 35 Nauchfången. IV Powiat Przedecti. 1 Dic adelichen Güter. Außer den Dörfern , 1 ) Chodecz , ein Städtchen von 35 Rauchfangen. 2) Stara ( Alt ) Izbica , ein Stådtchen von 53 Rauchfången . 3) Yowa (Tcu :) Izbica , ein Städtchen von 13 Raudhfången. 2 Die geiſtlichen Güter , von 5 Dörfern . 3. Die königlichen Güter, von 17 Dörfern, und Przedecz, ( Prfedetſch) einer Stadt welche der Haupt: ort des Diſtricte !, nofelbſt auch eine Staroſtey ijt, und das Landgericht des Diſtricts gehalten wird .

IX Die

Groß - Polen.

189

IX

Die Woiwodſchaft Inowroflaw , Wojewodztwo

Inowroclawskie,

Palatinatus Juni- Vladislavienſis, iſt auc, ein Stück von Cujavien , und beſtard aus zwey Diſtricten , deren Udet zugleich mir den aus der vorhergehenden Woiwot ſchafe, ſeinen Zandice su Sie hatte Oren Errareres ,zmen Radziejon hielt. vom erſten Rang, nåmlich den Woiwoden , und ele nen größern Kaſtellan ; lind einen vom zwenten Kong, nämlich den fleinern Siaſtefan ju Bydgosc. Es iſt aber der größte Theil dieſer Woiwodſchaſt an Ben König von Preußen abgetreten worden , und madjet jeßt einen beſondern K'reis des Neb -Diſtricts aus . Die Landesfahne enthält einen halben rothen gefróna ten Adler in der einen , und in der andern Sjålfre ei. nen halben fd warzen links [rkenden gefronten Löwen,

1 im goldenen Felde. Die Woiwodſdraft machet jegt nur 1 Powiat aus , in welchem 1 Die adelichen Güter , von 28 Dörfern und zwey Stådten , welche lekten find 1 ) Słuszew , ein Städtchen von 73 Rauchfången. 2 ) Xaciąžel , eine kleine Stadt von 116 Muuichs fången. 2 Die königlichen Güter , von 12 Dörfern , und Podgurze, ein Städtchen an der Weichſel, von 45 Rauchfången .

X Das

190

Polert.

! X

Das Land Dobrzyni, Ziemia

Dobrzynska,

Dobrinenfis terra , begreifet dren Diſtricte , welche unter dem Grod zu Bobrownik freben. Der langtag wird zu Lipiny gea balten , und auf demſelben werden zwey Sandboten , Es ein Deputirter und ein Commiſſarius erwåblet. ſind hier drey kleinere Kaſteliane. Die Landesfahne enthalt einen Mannsfopf mit Körnern , welcher nicht nur oben , ſondern auch am Hals eine Krone tråget, im röthlichen Felde.

7

UN

1 Der Dobrzynſche Diſtrict , welcher aus lauter adelichen Dörfern beſtehet. 2 Der Rypinſche Diſtrict, welcher auch bloß adeliche Dörfer enthält. 3 Der Lipiniſche Diſtrict. 1) Die adelichen Gürer. Außer den Dörfern . Skępe, ( Stenpe ) ein Städtden von 85 Rauche fången. 2 ) Die geiſtlichen Gürer, von 37 Dörfern. 3) Die königlichen Güter, zu welchen außer den Dörfern gehören. 1) Dobrzyn , Dobrinia , die Hauptſtadt des Land :8

und eines Diſtricts , von 162 Rauchfången , welde at der Weichſel auf einem Felſen liegt. Es ift tier ein fleis ner Kafellán , auch wird hieſelbſt das Lantgericht des Diſtricts gehalten, 2) Bos

!

Groß - Polen .

191

2 ) Bobrowniki, ein Otittchen von 61 Rauchfans gen , an der Weichſel , der Sitz eines Staroſten , une ter deffen Grod die ganze Landſchaft ſtehet. 3 ) Tieszawa, eine kleine Stadt von 131 Rauch . fången. 4 ) Rypin oder Repin , ein Stadtchen von 72 Rauch . fången , am Fluß Odlet, von welchem ein Diſtrict bés nannt wird , und welches der Sitz cincs kleinern Kaſtela lans, und des Landgerichts des Diſtricts. 5 ) Lipiny, ein Stadtchen von 88 Rauchfången , von welchem der Diſtrict benannt , und in welchem der Landtag dieſer Landſchaft, und das Landgericht, gehala ten wird. Anmerk. Permöge der Grenzreceffe vom 22 Auguſt 1776 und 17 Jul. 1777 , welche mit Preußen errichtet worden , machet der Fluß Drewiguta , oder Drevenza , oder Drewenz von da an , wo er ſich mit der Weichſel ver, einiget , bis dahin , wo er die Piſia aufnimint, und her : nach eben dieſe Pifia , die Grånze zwiſchen dem polniſchen und preußiſchen Gebiet. Un der Piſia oder Piſſa ftehet der zwanzigſte Orangpfal bey dem Wirthshauſe Birlena krug, auf polniſch Brzozowa Karozma, und die Grånze geset an dem Fluß gegen Oſten alſo fort, daß auf der pols niſchen Seite die Dörfer Kredki Wielkie , Smolniti , der Moraft Oſtroweť , Dzierzno puffe , Dzierno Zies manſkie, Bokitnica , Oſtrow , Gorkowa Cientusz, Szczutowo , Płociczno , Galomin , Ruda Zielunits und Zielun bleiben. Sierauf zeiget ſich ein Grånzſtein, der von des deutſchen Ordens Zeit her ,mit einem Kreuk bezeichnet iſt , und an dem Fluß Działdowka, auf deutſch Soldau , ftehet. Dieſer Fluß macht ferner die Grinze, bis an den Ort, welcher die ſchwediſche Schanze genennet wird , woſelbſt bey dem Dorf leck wielkie , welches zu Preußen geföret, der letzte Grånzpfal ftehet.

XI Die

1

Polert .

192 ,

XI

Die Woiwodſchaft Ploßt Woie w odztwo

Plockie

Palatinatus Plocenſis, beftehet aus 5 Powiaty oder Diſtricten, und aus derze Sande Zawstryyn . Alle dieſe kleinern landſchaften Die landrage ftehen unter dem Grod zu Plokk. werden zu Kaciaj gehalten , und auf denſelben wer. den vier (andboten , giver Deputirre und ein Com . miffarius erwäglet.

Es ſind dren Senatoren vom

erſten Range , nåmlid der Erzbiſchof von Plopf, und der baſige Woiwode und größere Kaſtellan, und zwene vom ' zweyten Range, nämlich die kleinern Rae ſtellane zu Racia; und Sierpsf.

Die Landesfahne

enthält im rochen Felde einen feinarzen Adler , auf deſſen Bruſt der Buchilabe Pfleget. I Der Ploskiſche Diſtrict.

1 Die adelichen Gürer, welche in lauter Dår. fern beſtehen. > Die geiſtlichen Güter , auch insgeſamme Dörfer. 3. Die königlichen Güter, neun Dörfer und ploc , ( ploge) die Hauptſtadt der Woiwodíchaft und dieſes Diſtricts, eine bemauerte Stadt von 389 Raucha ången an der Weichſel, von deren Robem Ujer ſie eine angenehme Ausſicht hat. Sie hat ein Schloß , und iſt der Siß eines Biſchofs , der unter dem Erzbiſchof von Gneſen ſteht , und Fürſt vom pultuſ fiſchen Gebiet im kande liw in Maſuren iſt, des Boimoden , eines graßen Kaſtellans und eines Staroften , unter deffen Grod die gans

{

Groß - Polen.

193

ganze Bolwodſchaft ſtehet, und des Landgerichts dieſes Diſtricts. Das Domkapitel hat faſt gleiche Einkünfte mit dem Biſchof. Der Probſt deſſelben , iſt Herr von dem fielunſchen Gebiet, und von den Edelleuten , die barinn wohnen , daher er fich einen Fürſten dieſes Ses biets nennet. Es iſt hier eine Benedictiner:Abtery , welde der König vergiębt , ein Gynınaſium und ehenialiges See Die Einwohner treiben guten Hans fuiter : Collegium . bel.

In Jahr 1754 brannter liber 12go Häufer ab.

2 Der Plonfriſche Diſtrict. 1 ) Die adelichen Güter, fauter Dörfer 2 ) Die adelichen Gürer , auch bloß Dörfer. 3) Die königlichen Gürer," außer einem Derf. Plonſk , (Plopſk) , der Hauptort deſſelben , iſt vine Stadt von 103 Raudfången, acht Meilen von Prokk. Hier wird das Landgericht des Diſtricts gehalten . 3. Der Bielſeifche Diſtrict, in welchem 1) Die adelichen Dörfern beſtegen ,

Gúter , welche aus vielen

2) Geiſtliche Güter ſind nicht vorhanden. 3 ) Zu den königlichen Gütern geħoret, außer ela nem Dorf, Bielſf , ein Städtchen in einer Ebente , zwey Meis len von Plokk, der Hauptort des Diſtricts , in welcheni auch das Landgericht deſſelben gehalten wird. Es hat 45 Rauch ſånge. 4 Der Sierpſriſche Diſtrice. Die adelichen Güter. Äußer vielen Dörfern (1) Viezun, eine kleine Stadt vou 149 Rauchfangen . (2) Zuromin , ein Stådtchen von 52 Rauchfången . 2.36.84

N

( 3) Sierps

Polen .

194

3 ) Sierpca Potowa, ein Städtchen von 46 Rauds fången. Außer 8 Dörfern, 2) Die geiſtlichen Güter. Alts und Zeu -Sierpc (Sierp3 ) eine Stadt auf eis nem Hügel zwiſdsen Moråſten , fünf Meilen von Plost, Sie iſt der Hauptort des Di. son 138 Rauchfången . ſtricts, und Siß eines kleinen Kaftellans. 3) Königliche Guter, ſind nicht vorhanden . 5 Der Razion [chiſche Diſtrict,

1)

Die adelichen Güter, beſtehen in lauter

Dörfern. 2) Die geiſtlichen Güter, find 7 Dörfer, und Razia3 . (Xazioních ) , eine Stadt , zwiſchen Moe råſten , acht Meilen von Plokk. Sie iſt der Hauptort des Diſtricts , deſſen fandgericht auch darinn gehalten wird , und hat 62 Rauchfånge , und einen kleinern Kaſtellan. 6 Das Land Zawſkrzyn, Ziemia Jawſkrzyno ſka , welches aus 3 Diſtricten beſtehet.

1) Der Wilawiſche Diſtrict, in welchem eine beträchtliche Anzahl

adelicher Dörfer ,

5 geiſtliche

eben fo viel königliche , und die königliche

Dörfer , Stadt Mtawa, zum Deven , von 157 Rauchfången . Hier wird das Landgericht des Diftricts gehalten.

2) Der Srzenſtiſche Diſtrict, welcher lauter abeliche Güter begreift, die außer vielen Dörfern , ſino, ( 1) Kneborg, ein Städtchen von 35 Raudfången. ( 2 ) Radzanow, Ragenburg, ein Stådrchen von 54 Rauchfången , am Fluß ukra , mit einem Schloß , wele des auf einem Felfen ſteht, 8 Meilen von Plokk. ( 3 ) Srzen

Groß.Polen .

195

(3) Srzent, ein Stådtchen auf einer Ebene, von 77. Raudſången, mit einem Schloß , welches von großen Moråſten umgeben iſt. Hier wird das Landgericht des Diſtricts gehalten.

3) Der Vriedszborziſche Diſtrict , der von dem Dorf Diedezborz den Namen bat , welches au$ 34 Rauchfången beſteøer.

XII

D W

Maſau. Woiewodztwo

Mazowieckie

Palatinatus Maſovienſis, wird auch wohl die Woiwodſchaft Tſcheift ge. nannt. Die mafau , ober Yaſuren , Malovia, ift vom Anfang des polniſchen Reichs an , als ein Theil defelben angeſehen worden ; und ob es gleich nach dem Tode Mietſchislavs II abgefallen ſeyn ſoll, ſo ſoll es doch Caſimir I fidy wieder unterwürfig geo machet haben .

Als Boleslaus III , 1138 die polni

ſchen Landſchaften unter feine vier Söhne theilte, beo tam der zwente Boleslaus IV , die Maſau, von dem fie fein Sohn desco erbte, der ſie feines Vaters Brue der Caſimir vermachte , deſſen jüngſtem Sohn Con . Solchergeftate tab fie hierauf durch Erbſchaft zufiel. Katte diefe landſchaft ihre eigenen Herjoge , von wel dhen Wenceslaus 1329 ein Sehnsmann des Königs Johann von Böhmen wurde. Ils aber dieſes sin Na nigs

196

Polen ,

nigs Sohn Karl folche Sehnsherrlichkeit dem polni. fchen König Caſimir dem Großen abtrat, mußte dér maſauiſche HerzogSiemenit ſein land von demſelben zu Sehn nehmen . 1526 ſtarb der männliche Stamm der maſauiſchen Herzoge aus, worauf das Land gang unter Polen kam ; und obgleich König Sigismund I gebeten wurde, ſeinen Soln Sigismund Huguſt zum Herzeg über daffelbe zu machen : fo that er doch fole ches nicht, ſondern beſtårigte die Redyte des Landes , König und verknüpfte es 1529. mit Großpolen. Stephan nahm es 1576 in die Gemeinſchaft der Rechte des Reichs auf, wiewohl mit Benbehaltung einiger Gewohnheiten deſſelben . Zwermal iſt es den Könis ginnen zum Leibgeding gegeben , und eine Zeitlang iſt es durch einen königlichen Stathalter regieret worden ; 1575 aber bekam der Woiwode der Marau gleiches Anſehen mit den übrigen. Staravolfci :18 fichagte die Anzahl der adelichen Familien in der Mas ſau, zu ſeiner Zeit auf 45000. Die Woiwodſchaft Maſau , iſt die größte in ganz Polen , denn ſie beſtehet aus zehn Jåndern oder kleinen Sandſchaften , welche unter 16 Grobs oder Staroſteyen vertheilet ſind.

Der Udelerwablet

zwanzig landboten , zwey Deputirte und zwer Com . miſſarien , welche legten nach der Reiße aus einem jeden der zehn Sånder genommen werden. Es find hier zwey Senatoren vom erſten Range, nåmlich der Woiwode der Maſau , und der größere Kaſtellan ju Czersk, und ſechs vom zweyten Range , nåmlid, die fleinern Kaftellane zu Warſchau , Wiznia , Wiszo grob, Zakroczym, Ciechanow , und liv . Die land . tage werden zu Warſchau gehalten .

Die Fahne der Moi.

Groß- Polen .

197

Woiwodſchaft enthält einen gefronten weißen Adler, ber ſeine Flügel ausgebreitet hat , im rochlichen Fele de.

Es folgen nun die einzelnen Sånder.

I Der Warſchauer Diſtrict. 1 Die

adelichen

Güter ,

welche aus einer

großen Anzahl Dorfer beſtehen. Einige find merk. würdig , als ( 1) wola , eine halbe Meile von Warſchau , mos felbſt , vermoge der Conſtitution vou 1587 , die Könige vou Polen , auf einem vieredigten Platz unter freyem Himmel gewahlet wordeii . Es find hier ( 2 ) W :Ugnow , ein Dorf von u Rauchfången , mit einem prachtigen Schloß , welches König Johannes der dritte , ober Sobieſti erbauet hat , der auch 1696 hieſelbſt geſtorben iſt. Jetzt gehöret es der fürſtl. Fa- . milie Czartoryſti . 1732 errichtete König Anguft der zwente hieſelbſt ein Lager von den auf deutſchen Fug eingerichteten Truppen , , und ließ dieſelben allerhand Kriegesübungen madjen . Die Städte , welche hieher gehören, find ( 1) Kadarzyn, ein Stadtchen von 50 Rauchfingen . (2) Olunieiv, cin Städtchen 'von 58 Rauchfången . ( 3 ) Radzyinin , ein Städtchen von 50 Raudy. fången. 2 Die geiſtlichen Güter , ter Dörfern

beſtehen aus faut.

3 Die königlichen Güter , ſind außer den Dörfern 1 ) Warszawa, (Warſchawa ) , Warſchau , die Hauptſtadt in der Maraut, und Reſidenz des Königs von Polen , in welcher die Reichstage gemeiniglich gehalten werden , die auch der Siß des Woiwoden voti der Maa fau , eines kleinern Kaſtellans , eines Staroſten , eines Landgerichts und Landtags iſt. Sie liegt faſt mitten in N 3 Polen ,

198

Polen .

Polen , an der Weichſel , in einer großen und fandichten Ebene , und beſteht ans der Stadt ſelbſt , und aus der Worſtådten Zeuſtadt , Szolec , Bielino , Cerchno, Grzybow, Wielopols, blowy-Swiat, (X7eue Welt ), Alerandria und Krakom. Die Stadt ſelbſt, beſteht aus einer langen , engen und unreinen Hauptſtraße, und aus unterſchiedenen Nebenſtraßen. Die Vorſtådte ſind ſchon, haben breite und reine Straßen , viele ſteinerne Ges bäude , anſehnliche und ſchöne Pallaſte , Kirchen und Klos fter. 1767 waren in wenigen Jahren hieſelbſt einige zwans zig neue Straßen angeleget , und über 200 nene Håuſer erbauet. 1787 hat man in Warſchau und Praga gezählt * 3141 Häuſer oder Poffeffionen , welche mit Zahlen verſes hen ſind , an Rauchfången aber ſind in Waridau felbſt 11692 , und in Praga 655 vorhanden . Man hat in dies rem Sahr auch gezáblet , in Warſchau felbſt 89448 , in Praga 66913, überhaupt 96,143 Menſchen von Civilſtande, Vorzüglich iſt daſelbſt die koſtbare zaluſ kiſche Bibliothek, welche die Gebrüder Andreas Stanislaus Roſtka und Jo . feph und Andreas , Grafen Zaluſfi, geſammlet , und dem fiönigreich und der polniſchen Nation geſchenket has ben. Sie beſteht aus mehr als 200,000 Bånden , und ift 1747 eröffuet worden. In der Stadt felbft findet man die Collegiatkirche zu S. Johannes , welche die · Hauptkirche iſt, ein ehemaliges Geſuitercollegium mit eis ner Kirche, und ein Auguſtiner : Mönchenkloſter mit einer Kirche. In der Zeuſtadt, find die Kirche und das Klos fter der Pauliner : Eremiten , das Hoſpital des heiligen Lazarus , die Kirche und das Kloſter der Dominicaner, die Kirche und das Kloſter der Benedictiner : Nonnen , die Kirche des beil . Benno , welche den Deutſchen zum Gots tesdienſt dienet , die Pfarrkirche der heil. Jungfrau Mas rie , die Kirche und das Kloſter der Franciſcaner , das Hoſpital und die Kapelle der barmherzigen Brüder , die Kapelle des heiligen Georgs, die Kapelle und das abes liche Collegium clericorum regularium Thcacinorum , die Kirche und das Collegium P. P. piarum ſcholarum , die Kirche und das Kloſter der Nonnen vom Drben der 90 % heile

1

Groß- Polen.

199

heil. Brigitta , die Kirche und das Klofter der Kapnziner , das Zeughaus , und unterſchiedene Pallåſte , als , der Pals laft des påbſtlichen Nuntius, der gråflich jaluſtiſche, der radzivilſche, u. a . m . Leldino bat eine beſondere Ges riditobarkeit, und iſt von der leſchinftiſchen Familie ans gelegt worden . Sie liegt höher , als die Stadt. Die vornehmſten Gebäude in derſelben , ſind die Kirche und das Kloſter der Karmeliter , und die am Ende des Jahre 1781 eingeweihete ſchöne Kirche der augsburgiſchen Confere fionsverwandten. In der Vorſtadt Grzybow , tft widts twerkwürdiges ; in der Vorſtadt Wielopole aber findet man die Kirche und das Kloſter der Franciſcaner , eine ehemalige Reſidenz oder ſogenanntes Terragium der Jes Die fuites , und zmes Häuſer des Biſchofs von Krakow. Håuſer , welche zwiſchen dem krakauiſchen Thor und der Neuſtadt ſtehen , werden mit dem gemeinſchaftlichen Nas men Podwale beleget, und daſelbſt iſt der Pallaſt des litauiſchen Metropoliten , mit einer Kapelle , in welcher die mit der römiſchen Kirche vereinigten Griechen Gots tesdienſt balten. Vor dem frafauifcben Thor, ſteht das metallene und vergoldete Bild Königs Sigiómunds der dritte auf einer marmornen 26 geometriſche Squhe hos ben Säule, welches Deutmal K. Wladislaw der vierte Das nicht weit das im J. 1643 und 44 errichtet hat. von entfernte königliche Schloß , weldes K. Sigismund der dritte hat erbauen laffen, ſteht in der Vorſtadt Kras Pau , auf einer Höhe, und iſt ein weitläuftiges Gebände, welches aus drew Theilen beſielt, nåmlich aus dem Ras fitel , auf polniſch Grod , woſelbſt der Staroſt von Wara ichau ſeine Gerichtsbarkeit verwaltet, aus dem eigentlis chen Schloß , woſelbſt die fonigl. Wobuung , der Senas føren Saal, die Landbotenſtube , und das Reichsarchiv , und aus dem dritten Theil , woſelbſt der Schaßmeiſter der königl. Dekonomien ſeine Wohnung hat. Um 15 Dec. 1767 brannte die Seite beffelben , welche gegen die Kras lauer Vorſtadt lieget, ab, und am is Dec. 1783 war dies fer Pallaſt weit ſchöner und prächtigen durch den Bau meiſter vou Mertini widerhergeſtellt. , Nahe beym königl. N 4 Schloß

200 Polent. Schloß iſt die Kirche und das Kloſter der Franciſcanet Nonnen , welchem das manneklofter eben dieſes Ordens und deffelben Kirche gegen über fteht. Auch Fiudet man in der krakauiſchen Vorſtadt noch ein Karmeliter Nonnens and München - Kloſter, jedes mit einer Kirche ; ein Klos fter ,"melches von der Heimſuchung Marià benamnet wird, die Pfarrkirche zum heil. Kreuz, und die ſogenannte mos ffowitiſche Kapelle, in welcher der ruſſiſche Zar Waſili Iwanowitſch Schuiſfoi eine Zeit lang begraben gemerent iſt. Der dritte Theil der Eimvohner der Stadt, beſtebet aus Husländern , inſonderheit Deutſchen . König Sigida mund der dritte, hat bier zuerſt ſeine Reſidenz aufgeſchlas gen , welche feine Nachfolger benbehalteu haben . 1569 ward den Litauern zu gut der Reichstag hieher verlegt. 1655 wurde die Stadt von den Schweden beſetzt, die hier eine große Beute aus Polen zuſainmen fchleppten ; es hielten ſich auch einige vornehme ſchwediſche Kriegs- und Staats : Bediente , imgleichen verſchiedenes vornehmes Frauenzimmer hiefelbſt auf, als die Polen 1656 die Stadt belagerten , und nach einer ſcharfen Gegenwebr mit Aca cord einnalymen . Die Schweben bekamen zwar einen freien Abzug, die Beute, aber ward den Polen zu Theil. Als aber Rarl Guſtav heranrådte , und der polniſche Kduig Johann Caſimir ihm mit feiner Armee entgegen gieng , fam es ben Praga zu einer Schlacht, die dren Lage währte, bis die Polen mit Hinterlaſſung ihres las gers und Geſchützes ſich zurück zogen ; worauf die Stadt abermals von den Schweden mit einer kleinen Beſakung verſehen , und die Befeſtigung beſchädigt wurde. 1702 nahm Karl der zwölfte Warſchau ein , welches keine Bes fakung hatte , und feste fich in Praga. 2 ) Praga, cine Stadt, welche gerade gegen Barſchau åber , jenſeits der Weichſel liegt, ſo daß fie gemeiniglich Sie hat als eine Vorſtadt derſelben angeſehen wird. 655 Rauchfarge , und 1787 waren hier 6695 Menſchen . 3) lljazdow ', ein königl. Luftfchloß unweit Warſchau, an einem angenehmen Ort, woſelbſt Bader find. 4 ) Piaſeczno , ein Städtchen von 88 Rauchfången. Es iſt der Hauptort einer Staroſtey ohne Gerichtsbarkeit. 5) Star

Groß- Polent.

201

5) Stanisławow , ein Städtchen von 75 Rauchs fången. II Der Bloniſche Diſtrict. Die adelichen und geiſtliden Güter, find lauter Dörfer, zu den königlior chen gehören außer 5 Dörfern, Bionie , eine Stadt , 4 Meilen von Warſchau , der Hauptort des Diſtricte, von 104 Rauchfangen. Nicht weit davon liegt das Kloſter Szpilow , ( Schpikow ). III Der Diſtrict Tarczynſki. 1 Die adeliihen Güter , ' find lauter Dörfer.

2 Zu den geiſtlichen Gütern , gehören , auſe fer 9 Dörfern, Tarczyn , ein Städtchen , von 58 Rauchfången , s Meileu von Warſchau . 3 Königliche Güter ſind nicht hier. IV Das

Eand Liw , Ziemia Liwſka,

machet

nur einen Powiat, und eine Staroſtey aus. I

Die adelichen Güter.

Pußer vielen Dór.

fern 1 ) Dobre, ein Städtchen von 42 Rauchfången . 2) Koluszcyn, eiu Stadtchen son 75 Rauchfången. 2 Die geiſtlichen Gůcer.

Außer den Dörs

fern Kamieńczyk , cin Städtchen von 78 Rauchfången . 3 Die königlichen Hüter.

Uußer den Dôr.

fern

Liw, ein Städtchen von 71 Rauchfången , am Fluß fiwyecz , der Hauprort des Landes, und Sitz eines klei nern Kaſtellans und eines Staroſten , es wird auch in demſelben das Landgericht gehalten.

N 5

V Das

20 %

Polen .

V Das Land Czersk, Ziemia Czerſka. I Der Czerſkiſche Diſtrict, in welchem 1 ) Die adelichen Güter, welche in lauter Dår. fern beſtehen

2) Die geiſtlichen Güter , zu welchen auße den Dörfern , gehöret ,

9

Gora, eine kleine Stadt von gs Rauchfången , ax der Weidſel. 3) Die königlichen Güter , zu welchen außer 9 Dörfern gehöret Czerſk , (Tſcherſl ), Cirna , Ciricium , Cyriſcum , ein Stådtchen von 32 Rauchfången an der Weichſel, det Hauptort des Landes und Diſtricts dieſes Namens , 5 Meiler von Warſchau . Sie hat ein auf einem hohen Felſen liegendes Schloß , iſt der Siß eines großern Ras ftellano, und eines Staroſten , und vor Atters iſt ſie der gewöhnliche Sik der Herzoge von Maſuren geweſen . Es wird hier das Landgericht des Landes gehalten. Der Grodzieſtiſche Diſtrict, 1) Die adelichen Güter, ſind eine große Ano zahl Dörfer

a) Die geiſtlichen Güter. Außer 18 Dörfern, Przybyszewo, ein Städtchen von 78 Rauchfången. 3) Die königlichen Güter. Außer 4 Dörfern, 1 ) Grodziec, ( Grodzieß ) ein Stdotchen von 59 Kauchfången , 7 Meilen von Warſchau. 2) Goszczyn, cin Städtchen von 66 Rauchfången . 3 Der Warczkiſche Diſtrict. 1 Die adelichen Güter.

Viele Dörfer und

( 1 ) Białobrzeg, ein Städtchen von 38Rauchfången ,

(2) Glos

Groß - Polen .

203

(2) Głowaczew , ein Städtchen von 44 Rauchs fången . ( 3 ) Zeliszewo, ein Städtchen von 30 Rauchfången. (4) mingt , ein Städtchen von 75 Rauchfången. (5 ) Karczew , ein Städtchen von 48 Rauchfången. ( 6) Paryszew , ein Stadtchen von 73 Rauchfången . (7) Seroczyn, ein Städtchen von 43 Rauchfången. ( 8) Sennica , ein Städtchen von go Rauchfången. ( 9 ) Wodynie, ein Stådtchen von 55 Rauchfånger. 2 Die geiſtlichen Güter , 7 Dörfer und Wyszymierzyce, ein Städtchen von 59 Rauch. fången . 3 Die königlichen Güter. Außer den Dóra fern, Warfa, ein Städtchen von 82 Rauchfången , am Fluß Pilcza. 3 Der Garwolinſkirche Diſtrict. 1 Die adelichen Güter. Viele Dörfer und ( 1). Glinianka , ein Städtchen von 36 Rauchs fången (2) Kołbiel, ein Städtchen von 33 Rauchfången .

2. Die geiſtlichen Güter , 30 Dörfer , und (1) Stoczeß , ein Städtchen vou 78 Rauchfången. ( 2) Ceglow , ein Städtchen von 43 Rauchfången . 4 Die königlichen Güter.

2ußer den Dór.

fern ( 1 ) Garwolin ,cin Städtchen von 81 Rauchfången . (2) Catowicz , eine kleine Stadt von 166 Rauds fången. :: VI . Das Land Ciechanow , Ziemia Ciecha. nowſka , beſtehet aus 3 Diſtrieten , welche unter einemGrod ſtehen

1 Dic

204

Polent.

10. I Die adelichen Güter , beſtehen in einer groc. fen Anzahl Dorfer. Die geiſtlichen Gürer. Uußer 20 Dörfern Czerwinſt , ein Städtchen von 48 Rauchfingen.

3 Die Königlichen Gürer. Qußer den Dör. Fern, ( 1) Ciechanow , die Hauptſtadt des fandes und Dia ſtricts, von 132 Rauct fången . Sie liegt in einer Ebene, ift mit einem Wall umgeben, und hat ein Schloß, welches Von Warſchau iſt fie zwolf zwiſchen Moråſten lieget. Meilen entfernet. Sie iſt der Siß eines kleinern stas ftcllans , und eines Staroſten , es wird auch hieſelbſt das Landgericht gehalten . (2 ) Janow , eine Stadt von 159 Rauchfången . (3 ) Przasnysz , eine Stadt von 167 Rauchfången Tel am Flug Walbuſch. Sie brannte 1769 ab. ( 4) Chorzele , eine kleine Stadt von 108 Rauchst fången. ( 5 ) Sochocin , ein Stådichen von 42 Rauchfånger . 2 Der Przasnyskiſche Diſtrict, in welchant Zußer vielen Dörfern lanter ' adeliche Güter ſind. gehöret Hleher Krzynowtoga Miata, ein Städtchen von 78 Kauchi fången. 3. Der Sochogkiſche Diſtrict, der lauter adeo liche Güter enthålt , welche Dörfer find. VII Das Land Rozonska.

. 1 Die adelichen Bürer.

Sauter

Dörfer .

2 Die geiſtlichen Güter. Auch lauter Dorfer. 3 Die Königlichen Güter. fer, und

Funfzehn Dors

1) ROS

Groß- Pofen.

205

1) Rozan , die Hauptſtadt des Landes von 65 Rauch fången, am Fluß Narew , mit einem Schloß , welches auf einem Felſen fiehet. Es iſt hier ein Staroſt , auch wird hieſelbit das Landgericht gehalten . 2 ) Malow , eine kleine Stadt von 152 Raudis fången. VIII Das Land Zakroczym ,

Ziemia Zakros

czymſko , i Der Sakrotſchimſihe Diſtrict. Die abelia chen und geiſtlichen Gürer find lauter Dörfer; zu den königlichen Gütern aber gehören außer den Dörfern , 1 ) Zakroczym , ( Safrotichim ), ein Stadtchen an der Weichſel, von 69 Rauchfången , mit einem auf eis nem Hügel ſtehenden Schloß. Sie iſt der Hauptort des Landes und Diſtricts dieſes Namens, der Siß eines kleis nern Raftellans und eines Staroſten ; es wird auch bies ſelbſt das Landgericht gehalten. 2) Powetitiafto, einStädtchen von 47 Rauchfärger . 2 Der Serogkiſche Diſtrict. 1 Die adelichen Güter : Inuter Dörfer, und Staſielsk, eine kleine Stadt von 92 Randfången. 2 Die geiſtlichen Güter. Außer den Dörfern , Pultuff. eine Staột von 342 Rauchfången , am Fluß Narew , welche vollig unter der Oberherrſchaft des Biſchofs von Plopt ftehet. In derſelben iſt ein ehemas liges Jeſuiter - Collegiumn . 1324 und 64 wurde ſie von den Litauern berbrannt. 1703 ſchlug der ſchwediſche Karl der zwölfte hiefelbſt die Sachſen . 3 Der Vowonycyſchiſche Diſtrict,

befteget

in geiſtlichen Gütern , welche Dörfer ſind, IX Das Land Lomza ,

Ziemia Lomjenſka,

1 Der Lomziſche Diſtrict, welder gröſtentheils qus adelichen Gütern und Dörfern , und Symas

206

Polen.

Smokosowo , einem Stadtchen von 80 Raudy. fången , beſtehet. Die geiſtlichen Güter ſind 17 Difer, und die Föniglichen Güter ſind , außer den Dörfern 1 ) lomza , eine Stadt an dem fchiffbaren Fluß Narero , der Hauptort des landes und des Diſtricts dies fes Namens , 20 Meilen von Warſchau. Hier iſt eine Staroſtey , auch wird hieſelbſt das fandgericht gehalten. 2 ) 7owogrod , eine klejue Stadt von 139 Rauchs fången , am Flub Ngrew , welcher hier den Pyſch aufs ninimt. 3 ) Kutno , eine Stadt von 189 Rauchfången . 2 Der Zambrowſite Diſtrict, welcher aus lauter adelichen Gütern und Dörfern beſteher. 3. Der Rolinſche Diſtrict, þat lauter adeliche Dörfer, und 1) Stawiſka , eine kleine abeliche Stadt- ven 143 Rauchfången . 2 ) Konopki utraque Biatyfton .

4 Der Oftrolenſkiſche Diſtrict , in welchem 2 königliche Städte 1 ) Oſtrołenka , eine Stadt von 278 Rauchfången, am Fluß Narew. 2) Zambrow , ein Städtchen von 72 Rauchfången. X Das Land Nur , Ziemia VTurſka. 1 Der Turſche Diſtrict. 1) Die adelichen Gůcer.

Eine große Anzahl

Dörfer.

a ) Die geiſtlichen Güter.

Sauter Dörfer.

3 ) Dieksniglichen Güter. Außer den Dörfern , far , der Hauptort des Landes und Diſtricts, ein Städtchen you 63 Rauchfången , liegt am Fluß Bug, welcher hier den Fluß Nurcze ( Nurtſche) aufnimmt. Es iſt hier eine Stgrofter, auch wird hiefelbft das Landges 2 ) Det richt gehalten.

Klein - Polen .

207

2 Der Oſtrowſche Diſtrict. 1) Die adelichen Güter. Viele Dörfer, Oſtrow , eine kleine Stadt von 103 Rauchfånger, begreift

2) Die geiſtlichen Güter, unter welchem Prok, eine kleine Stadt von mı Rauchfången . 3 Der Ramienieckiſche Diſtrict. 1) Die adelichen Gürer , welche lauter Deco fer find 2) Die geiſtlichen Güter. Außer vielen Dörfern Wyszkow , ein Städchen von 72 Rauchfången, XI Das Land Wiska , Ziemia Wiska . I Der Wiskifithe Diſtrict.

1 Die adelichen Gürer. Eine große Anzahl Dörfer, und ( 1) Graiero , ein Städtchen von 43 Rauchfången . ( 2 ) Jedwalme, ein Städtchen von 51 Raud fånget . ( 3 ) Szczucin , eine Stadt von 270 Rauchfången. 2 ) Die geiſtlichen Gürer ; nur 4 Dörfer. 3 Die königlichen Güter ; 22 Dörfer und 3 Städte . ( 1 ) Xadzilow , ein Städtchen von 32 Rauchfåne gen. ( 2) Wizla oder Wizna , die Hauptſtadt des Landes und des Landes dieſes Namens, don 141 Rauchf. am fluß Narewo, welche der Siß eines kleinern Kaſtellung und eis nes Staroſten ift , in welcher auch das Landgeridot der Provinz gehalten wird . (3) Walosz (Wonsorch eine kleine Stadt von 129 Rauchfången , XII

208

Polen .

; XII Das Land Wyszogrod , Zlemia Wys . Bogrodſka , qi

i Die adelichen Gürer.

Sauter Dürfer .

, Die geiſtlichen Gürer. Dörfer, und Stabte 1 ) Bodzanow, ein Städtchen von 40 Raudífången. 2) Czenſinſk, ein Stådtchen von 29. Nauchfång in , an der Weichſel, in welchen eine Abtey Clericorum regul. welche der König - bergiebet. 3 Die ESniglichen Hüter, Dörfer, und Wyszogrod , (Wiſchogrod) , eine Stadt von 195 Rauchfången an der Weichſel , mit einein Schloß auf eis Sie iſt der nem Hügel, 12 Meilen von Warſchau. Hauptort des Landes , in welchem das Landgericht dela felben gehalten wird , auch der Siß eines kleinern Reſtels lans , und eines Staroſten. 1747 branute fie halb ab .

Anhang

zu Groß - Polen

von den

Danzig

Städten

und

welche im Umfange des

Thorn ,

Königreichs

Preußen

Tiegen. Danzig, Dantifcum , Gedanum , auf polniſch Odan , eine berähinte Handelsſtadt und Feſtung am eichfels Die zwey Ficinen ſtrom , eine Meile von der Oſtſee. Flüſſe Radaune und Motlau gehen durch die Stadt, auf jener iſt eine Mühle von 18 Gången, und dieſer fließer zwiſchen der Alt : und Neu : Stadt iu zmey Armen , die fich beym Ausgang aus der Stadt wieder bereinigen , und , ſo wie bie Radaune , in die Weichſel fallen. Sie ift

Danzig und Thorn .

209

iſt groß , nach alter Art ſchön , hat aber meyxentheils enge Straßen , woran die ſogenanuten Beyſchläge viel dald ſind , die in Gallerien oder Altånen vor den Håus fern beſtehen , auf welche man vermittelft einiger Štu . fen ſteigt , und iber dieſelben in die Şiuſer geht. Urier denſelben ſind mehrentheils gute gewölbcte Keller. Die Stadt hat wenigſtens 60000 Einwohner , die vielen Fremden , welche theils des Handels wegen dahin toms men , theils durchreiſen , ungerechnet. Júre Privilegia und Freyheiten ſind wichtig ; denn ſie hat Sitz u. Stimme auf dem polniſchen Reichstag und bey der Königswahl, darf Münzen ſchlagen , Bernſtein ſammlen 2c. K. Caſis mir ertheilte 1657 dem Magiſtrat , den Schoppen und Hundertmännern , die adeliche Würde , daß fie fünftig Nobiles genennet werden ſollten. Die Stadt beſteht eis gentlich aus zwey Stådten , der Alt- und Neu - Stadt, und einigen Vorſtadten. Es fiud hier zwölf lutheriſche Kirchen , die Kirchen im Pazareth , Zuchthauſe und Spends hauſe nicht mitgerechnet, zwey reformirte und ſieben faz tholifche , auch ein ehemaliges Jeſuiter : Collegium und Die lutheriſche Marien- oder große einige Kløfter. Pfarr - Kirche iſt die anſehnlichſte unter allen . Der erſte Prediger an derſelben iſt Senior des Miniſteriums, deſſen Glieder einander an Wurde und Anſehen gleich ſind, und von welchen zwen allemal Doctores der Theologie ſeyr Auf dem lutheriſchen akademiſchen Gymnaſiuin müſſen. im grauen Kloſter , fehren ſieben Profeſſores , und ein Sector der polniſchen Sprache. Um die Stadtbibliothel, die darinn ſteht , hat ſich Adrian Engelke fowohl in Una fehung ihrer Einrichtung , als Verinehrung, ſehr vers dient gemacht. Die Rathhäuſer in der Alt- und Neus Stadt , unter welchem legten die Pfundkammer iſt , wo der Waarenzoll erlegt wird , der Junkernhof, die öffent liche Wage und das Zeughaus , find altvåteriſche Ge. båude. Auf der Kaufmannsborre , welche der Artushof genannt wird , hat die. Bürgerſchaft dem König Auguft dem dritten im Jahr 1755 eine marmorne Bildſaule errich tet. Ehemals war die Stadt eine der vornehmſten Han: 2 feſtåds 3 [ 5.8A .

210

Anhang zu Groß - Polen.

Teſtådte, und fle gehört jeßt noch unter die vornehmſten Handelsſtådte in Europa. Es laufen aus der See jähr: lich über 1000 ( im 1768ften Jahr 1151) Schiffe ein , wel, che Wolle , Leder , Dalch , Butter , Wachs , Potaſche, Klapbolj , Pelzwerk , und andere Güter und Waaren , die durch polniſche Fahrziuge auf der Weichſel eingebracht worden ſind , abholen ; und Weine , Gewürze , Tücher, feidene und wollene Zeuge, Del , Heringe , Upothekers waarén , Salz , Eiſen , Bley und andere Braren ein: bringen . Die meiſten europäiſchen Mächte, haben hier ibre Reſidenten und Conſuls. Die meiſten Einwohner find lutheriſch , hingegen die vornehmſten und reichſten find mehrentheils reformirt. Sie hålt eine eigene Bes ſatzung . Die Feftungswerke find anſehrlich , ſonderlich gegen Abend und Mitternacht , wo die Stadt von Bers ý gen oder Hügeln umgeben iſt, die bdher ſind , als die Stadtthürme , und unter, welchen der Biſchofsberg und Hagersberg die vornehmſten ſind. Aufdem erſten hat der Doctor der Arznenwiſſenſchaft Nathanael Mathåus von Wolf , ( geſt. 1784) eine Sternwarte an und ein gerich : tet , und der hieſigen Naturforſchenden Geſellſchaft zur Berwaltung überlaſſen , auch 4000 Ducaten zu einem Capital bermacht , deffen Zinſen zum beſten der Stern warte angewendet werden. Auf dem lekten hat in alten Zeiten ein Schloß geſtanden , das ſo , wie der Berg, von einen Namens Hagel benennet worden , der wegen ſeis ner Tyrannen in demſelben erſchlagen , und ſein Schloß

1

eingeåſchert iſt. Es iſt auch daſelbſt ein herrſchaftliches Erbbegräbniß geweſen , wovon die Urnen - Statue oder Sårſtinnen . Seule ein offenbarer Beweis iſt , die man daſelbſt ums Jahr 1664 gefunden. Nahe dabey zeiget man nicht nur den Ort , wo die Ruſſen 1734 vergeblich Sturin geloffen , ſondern auch das große Grabmal, wels ches diejenigen in ſich ſchließet,die bey dieſer Gelegenheit umgekommen find. Was die Geſchichte der Stadt anbe : trifft, ſo iſt aus, alten Nachrichten erweislich , daß die alte Stadt Danzig ſcou ums Jahr y97 eine nahınhafie Stadt , und kein bloß Dorf oder Fledeu mehr geweſen fen,

Danzig und Thorn.

21

fen, denn Toomas von Prag berichtet, daß Adalbert oder der heil . Albrecht im Jahr 997 (nach der preuß. Somms lung B.1.5.372, ſchon 965) nad)ber Stadt Gidanie oder Gcdanie gekommen ſey , welches die jetzige alte Stadt Danzig iſt. Die neue Stadt iſt 1311 von den Kreuther. ren angelegt, und erſt 1343 mit Mauern und Graben bes feftiget worden . 1454 entzog ſie ſich dem Joch der Kreuka herren , und unterwarf ſich unter gewiſſen Bedingungen dem polniſchen König Caſiınir , von weldien ſie unter ans dern die Münzgerechtigkeit erhielt. Als ſie dem König Stephanus ohne vorhergegangene Beſtätigung ihrer Redite nicht huldigen wollte , ward ſie 1577 von demſelben in die cht erklärt , und belagert ; der Streit wurde aber durch Vermittelung bengeleger , und der König nahm die Stadt nach einer öffentlichen Abbitte zu Gnaden an , und bes ſtåtigte ihre Redite, nebſt der freyen Ausübung der evans eliſchen Religion ; Fie mußte aber dem König eine Sum. me Geldes erlegen . 1734 nahm ſie den König Staniss laus auf, mufte aber darüber von der ruſſiſchen und råch fiſchen Armee eine harte Belagerung, und ſtarke Bombar's dirung, ausſtehen ; da fie fich denn endlic ), nachdem alle Hoffnung des franzöſiſchen Entſatzes zu Waſſer geworden war, und Stanistaus einen Weg gefunden hatte , zii entkommen , dem Churfürſten von Sachſen , Auguſt dem dritten , als ihrem rechtmåßigen König und Qeriu , unter: warf. In der neueſten Zeit ſind zwiſchen dem Magiſtrat und der Bürgerſchaft heftige Streitigkeiten geweſen , die mühſam bengeleget , und durch die Ordinatio regia civic tati Gedanenſi praeſcripta yon 1752 gehoben worden, aus welcher die ganze Regierungéform der Stadt , und die Rechte derfelben zu erſehen . Sie liegt in der Disces des cujaviſen Biſchofs , den ſie auch ehret , in ſo weit ihre verſchiedene Religion und ihre Rechte es zulaſſen . Pros leniåus ſetzet nahe an die Weichſelminde eine Stadt, worla dhe er Skurgon nenut. Der Stadt gehört außerhalb iba ter Mauern 1) Der Danziger Werder , und 2 ) Die

212

Anhang zu Groß- Polen .

2) Die friſche Liehrung , worden .

welche oben

beſchrieben

3) Die ſogenannte Söhe , poln. Wyzyna , auf wel: cher das Städtchen Sela oder Seel iſt , welches auf der dußerſten Spite des krummen und ſchmalen Strich Lane des liegt , der ſich in die Oſtſee erſtredet, und den Paus Perwick macht. Hier legen ſich Schiffe vor Anker. 1572 brannte dieſes Stadtden ab. Sonſt find auf der Höhe noch acht Kirchdorfer , nämlich 20 Gottes Engeln, Oh ra , Müggenhahl, Prauſt, Biſchlau, Láblau , Wons nenberg , Rambeltſch. Thorn , auf polniſch Torun , an der Weichfel, iſt die ålteſte Stadt in Preußen , und war ehedeffen die erſte unter den 3 großen preußiſchen Städten , bermahrte auch das preußiſche Landesarchiv. Ihre Erbauung hat fie dem erſten Landmeiſter des deutſchen Ritterordens, Hero man Balk , zu danken , welcher 1231 die Burg Zhorn ers bauete , bey der im folgenden Jahr eine Stadt angelegt worden , die der unbequemen Lage balber ſchon 1235 wics der abgebrochen , und eine Meile weiter die Weichſel hinauf an den jetzigen etwas erhabenern Ort verleget fenn foll. Den Namen hat ſie vermuthlich daber , weil den Drdensbrüdern dadurch ein Thor oder Eingang ins land Preußen eröffnet worden . Sie iſt nach und nach zu eis ner berühmten handelsſtadt , und mit in den Bund der Hanſeſtadte aufgenommen worden . Ehemals batte fie ein feſtes Schloß, welches 1454 abgebrochen worden , war auch ſonſt befeſtiget. Sie wird in die alte und neue Stadt abgetheilt , welche leßte vor Alters ihren eigenen Magiſtrat gehabt, 1454 aber mit jener vereiniget , und aus beyden eine Stadt und ein Magiſtrat gemacht wors den , doch ſind ſie noch inwendig durch eine Mauer und einen Graben von einander abgeſondert. Die Bürgers ſchaft iſt jeßt wohl nicht über 1000 Mann ſtark , und größtentheils evangeliſch ; es find aber den Evangeliſchen nach und nach von den Römiſchkatholiſchen ihre Kirchen genommen worden , ſo daß die Neuſtádter ihr ehemali, ges Rathhaus zu einer Kirche zubereitet,

die Altftåoter aber

Dånzig und Thorn.

213

haber 1755 am Markt eine neue Kirche zu bauen angefans gen haben. Dablutheriſche Miniſterium , beſtehet aus eia Sie haben ein nem Senior und acht Predigern. Gymnaſium , welches 1594 einge peihet worden , und gelehrte und berühmte Rectores und Profeffores ges habt hat. An demſelben ſtehen fünf Profeſſores, und ein Sector der polniſchen Sprache. Die Reformirten haben einen Prediger , und halten ihren Gottesdienſt in einem Die Juden haben eine kleine Schule . großen Hauſe. Die Katholiken haben nun in der Stadt drey Kirchen , nebſt zwey Kidſtern mit Kirchen. Die Ieſuiten hatten . hier ein Codigium , welches zuerſt 1605 ángelegt, und Die Bürger beſitzen 1699 von neuem erbauet wnrde. viele Landgüter mit adelichen Rechten . Die thorniſchen Pfefferkuchen , angenehmen Stecrüben, und gute Seife ſind berülmt. Die hölzerne Brüde über die Weichſel, iſt faft eine halbe Stunde lang, und beſtehet aus zwey Theis len, welche die Inſel Bazar macht. Die bålfte nach der Stadt zu, wird die deutſche Brücke über die deutſche Meichfel, und die andere nach Polen zu belegene vålfte, die polniſche Brücke über die polniſche Weichſel, genannt. Der trom wird immer breiter, und folglich aud die Bride, von welcher , weil ſie unfeſt und wantend iſt, das Eis faſt jährlich ein Dritte wegnimmt, ſo daß ſic ſehr foſibar zu unterhalten iſt. Ju der Jobanniskirche fins det mau ein Epitaphium des hieſelbſt 1472 am 19 Fånner gebohrnen berühmten Mathematikers 7ikolaus Copers 1454 fil die Stadt von dem deutſchen Orden milus. ab , und begab ſich unter die Krone Polen . · 1485 ers bielt ſie das Stapelrecht. 1629 wurde ſie vom ſchwedis lichen Könige Guſtav Adolph vergeblich belagert , und allen umgeben . 1645 veranſtaltete um dieſe Zeit mit König Uladislaus der vierte hieſelbſt ein ſogenanntes liebs reiches Geſpräch zwiſchen der Katholiken , Lutheranern and Reformirten , um dieſelben zu vereinigen , welches fich aber mit Zintereyen fruchtlos endigte. 1655 nahm der ſchwediſche König Karl Guſtav die Stadt mit Accord ein, und ließ ſie ziemlich befeſtigen . 1658 ward ſie von 3

214

Anhang zu Groß - Polen .

den Polen und Brandenburgern, und 1703 von Karl bent zwölften bombardirt und erobert; und im fektgedachten / Jahr wurde alles, was zur Befeſtigung der Stadt diente , geſchleift. 1708 bis 1710 wurde die Stadt durch die Peſt von ihren Einwohnern ſehr entblößt ; fie iſt auch ſonſt in 1724. am 16 Kriegeszeiten ſehr mitgenommen worden . Sulius entſtund aus einer geringen Urſache, da ein jeſuitis ſcher Student ben einer Proceſſion die evangeliſchen Zus . ſchauer aus Uebermuth angriff, ein Auflauf, welcher des folgenden Tages noch heftiger wurde , ſo daß der Pibel mit Gewalt in die Schule , und das Jeſuiter - Collegium drang , und allerhand Gewaltthåtigkeiten ausübete , mos für der Präſident Roßner , nebst einigen andern , den Kopf hergeben , und die Stadt eine Geldbuße erlegen mußte. Der Stadt gehören über 25. Dörfer mit vier ebangeliſchen Kirchen. Eine Meile von der Stadt liegt die katholiſche Kapelle zur heiligen Barbara , dabin am dritten Pfingſttage eine große Proceſſion aus der Stadt angeſtellet wird.

1 II

Klein

Polen

Malopolſka. Prowincia, welches auch Ober - Polen genannt wird , und ei. gentlich nur die drey Woiwodſchaften, Krakau, Sena begreifet ; es ſind aber auch die Landſchaften Rußland , Pollinien , Podolien , Kio. Dieſe vien und Poblachien dazu geſchlagen worden . Provinz hat 1772 einen ſtarken Verluſt erlitten , denn domir und { ublin ,

1 das Haus Deſtreich har aus den davon abgeriſſenen Stůcken ein ganzes Königreich unter dem Namen Galizien und lodomerien errichtet, und ſeine Redite an denſelben in einer eigenen Sdhrift ausgeführet. Jeßt

215

Klein- Polen .

Jeft gehoren zu Klein , Polen im weitläuftigen Verſtande noch die folgenden Stücke.

1

Die Woiwodſchaft Krakow , Wojewodztwo Krakowſkie, Palatinatus Cracovienſis, welche , nachdem

ſie 1772 alles ,

was jenſeits der

Beidiſel liegt , verloren hat, nur noch drey Powiaty oder Diſtricte begreifet , die unter fünf Staroſtenen ſtehen , welche der Oberſtaroſt von Kleinpolen ( Staroſta General Malo Polſki,) beſiket. Der Udel hålt feine Landtage zu Proszowice , und der Uns ter-Råmmerer des Diſtricts Krafow , hat das Recht, ihn zuſammen zu berufen. In dieſer Woiwodfihaft (ind drev Senatoren vom erſten Range , nämlich der Biſchof, der größere Kaſtellan ; und der Woiwode von Krafon . Die große krakauiſche Procurar tur (Wielkorządy Krakowſkie) iſt zur Verwal. tung gewiffer föniglidier Güter und Einkünfte in der Gegend ven Krakow verordnet worden , und kömmt beym Dugloß ſchon im Jahr 1356 por.

Udein, beu.

tiges Tags verdienet ſie den Namen der großen, gar nicht mehr. Ihre Einkünfte beſtehen , außer den bernach vorkommenden Dertern , jeßt nur aus geo wiſſen Gefällen von Wirthshäuſern , Mühlen , der Ucciſe, welche in den Thoren der Stadt Krakau erleget wird , und aus dem Zehnten von dem Holz, wolches die Weichſel hinab geführet wird. Der Pacho 24 ter

216

Polen .

ter zaplet dafür jährlicy in den fåniglichen Schak un gefähr 20000 polniſche Gulden guter Münze , und bas zu dieſer Procuratur gehörige Amt Tiepolo. min , bringet ungefähr eben ſo viel ein. Die Woi. wodfchaft hat Mangel an Holş , daher die 1787 entdeckten Spuren von Steinfolen , wichtig ſind .

ha

18

Der Michinſche Berg , enthilt ſchönen Marmor . Die Fahne Zu Buffo iſt eine Salzliederen. der Woiwodſchaft, enthält einen gefrönten weißen Udler mit goldenen Kleeftengeln in den Flügeln , im rochen Felde. Es folgen nun die Diſtricte. i Der Diſtrict Krakow . 1 Die adelichen Gürer. Außer den Dörfern , 1 ) Chrzanow , eine Stadt auf einem Berge , von 201 Rauchfangen . 2) Modrzejow , ein Städtchen von 26 Rauchfången. 3 ) 670wagora , eine Stadt von 115 Rauchfången.

2

2 Die geiſtlichen Gürer , eine Anzahl Dor. fer, und 1) tarkow , eine Stadt von 225 Rauchfången . 2) Putt , eine kleine Stadt von 128 Rauchfången . 3 Die königlichen Gürer ; außer den Dörfern, 1 ) Rrupom , Cracovia, Carodunum , die Hauptſtadt des ganzer Königreichs, liegt an der Weichſel und Rus dawa , welche lebie hieſelbſt in die erſte fållt , in einer fruchtbaren Gegend. Die eigentliche Stadt Krakow , ift init Mauern , Wall und Graben umgeben , und enthält viele Kidſter und Kirchen , unter weldien letzten die Mas rienkirch : die vornehmſte iſt. An der Abendſeite iſt eine Worſtadt, in welcher ſchöne Garten find ; und neben ders friben iſt das fönigl. fuſthaus mit den dazu gehörigen Gebinden, Gåsten und Firbteiden , die mit einer Mauer ungeben ſind . uf der Süderſeite nach der Weichſel zu , prblittet inan das weitläuftige tonigl. Schloß auf einem gelien , wriches mit Bauern , Thürmen und Bollwers ten umgeben iſt, und einer kleinen Stadt åhnlich fiebet. ES

4

Klein Polen .

217

Es gehören dazu der Tönigl. Pallaft, welcher ehedeffen die Reſidenz des Königs geweſen iſt , die Domkirche , zwer andere Kirchen und verſchiedene Häuſer. Gedachte Dome kirche wird von dem heil. Stanislaus benannt, der hier Bifchof geweſen , und 1076 von Boleslaus dem zweyten berm Altar mit eigener Hand umgebracht worden , weil er demſelben mit feinen vielen Ermahnur:gen zur Laſt ges fallen. Er liegt bieſelbſt in einem filbernen Sarge bes graben. In dieſer Kirche, in welcher der Gottesdienſt ben Sag und Nacht fortgeſeget wird , iſt ein wichtiger Echaß vorhanden , es wird auch in derfelben ein Theil der Reichstleinodien verwahret , und die vibrigen ſind im königlichen Pallaft, woſelbſt der Reichsſchafmeiſter die Aufſicht über dieſelben hat. Die Schlüſſel zu den Bei håltniſſen derſelben , ſind in den Händen des Kaſtelland von Krakow , und der Woiwoden von Krakow , Poſen, Wilna , Sandomir , Kaliſch und Iroßf. In der Dom kirche werden feit 1320 nach der Gewohnheit , und ſeit 1564 und 69 , vermoge der Geſetze , die Könige gekro net , ſie haber hieſelbſt auch ihr Begräbniß. Der kra kquiſche Biſchof iſt zugleich Herzog von Severien, und von feiner großen und einträglichen geiſtlichen Gewalt, ift oben in der Einleitung gebandilt worden. Das Biss thum tråger jährlich 40000 Thaler ein. Das Doinkapia tel beſtebt cus'36 Canonicis und andern Prieſtern , die insgeſammt reiche Einkünfte haben . Gleich neben dem Schloß liegt die Vorſtadt Stradom , in welcher einige Kirs doon , Kidſter und Hoſpitåler find , und aus derſelben kommt man über die Weichſel , vermittelſt einer Brude, in die von dem Könige Caſimir dem zweyten benannte Stadt Kazmierz oder Kafimicrs , welde als der zweyte Theil der geſammten Stadt Krakau anzuſeben , derfelben gegen Morgen jenſeits eines Arms der Weichiel liegt , mit Mauern uingeben , und von Caſimir dem Großen anges legt iſt. Das bornehmſte in derſelben iſt die liniverſi tåt , zu deren Errichtung der König Caſimir 1343 ben Anfang machte , und 1364 den Stiftungsbrief gab , an ihrer Vollendung aber durch den Tod gehindert wurde, 95 daher

218

Polen .

daher fie 1401 Bom König Vladiſlav Jagello und ſeiner Gemahlinn Hedewig zum Stande gebrad)t ward. Sie hat eilf Collegia , und der Biſchof von Krakow ift beſtåns diger Kanzler derſelben . 1780 iſt ſie zur Hauptſchule der Künfte und Wiſſenſchaften in dem Königreich Polen eingerichtet, und ein Seminarium angelegt worden , in welchem diejenigen gebildet werden folten , die Lebrer der Nationalſdulen zu werden wünſchen. Anitatt der ehemaligen 4 Facultaten ſind nun 4 Collegia, bon welchen 2 das vierte nicht philoſophicum , fondern phyſicum heißet, und jedes hateinen Präſes. Die Bibliothek hat 4400 Hand ſchriften , ohne die bebräiſchen. Die ehemalige Univerſitat, litre 1549 einen gewaltigen Stoß, als alle Studenten an eis nem Sage ivegreiſeren, reif fie glaubten, man habe ihre Mits brüder nicht genug gerochen , die in einer geringen Sache theils zu Tode fameit, theils veridundet wurden . Es iſt hier aich ein ehemaliges Jefuiter Collegium , und ein Colle gium 'piarun ſcholarurn. Mit dieſer Stadt hångt die Judenſtadt zuſamnien. Endlich iſt noch gegen Norden das Städtchen , oder die Vorſtadt Klepars, (Chepardia), zu merken , welches feine Mauern hat, aber einige Kirs dyen und den biſchöflichen Paliaſt enthält. Die Stadt Krafau iſt groß, und war ehemals ſehr , auſehnlich und blühend; iſt aber ſehr in Abnahm geraihen , nachdem die Reſidenz von hier verlegt, und ſie in den bepben fchwes difchen Kriegen ſtark mitgenommen worden . Sie iſt nicht mehr ſo volfreich , als ſie ebedeffen geweſen. 1778 zählte man ist der eigentlichen Stadt nur 8894 Menſchen, unter weldhen 600 Weltgeiſtliche , Mönche und Nonnen , und 132 Studenten waren. Die Deutſchen und Staliener brachten die Handlung ehedeffen hiefelbſt in große Aufs Die krałaniſchen nahme, fie iſt aber nun gering. Bürger haben dieſes Vorrecht , daß . von dem Stadtrath nicht anders , als an den König appellirt werven , dies fer aber forohl ihre , als auch die Sachen von der Ståds te Kazimierz und Klepars , nicht anders , als in Krakau, richten kann. Der hieſige Woiwode hat das Redit, den Rath zu wählen , aber nicht abzujegen. Der Kaftellan von

Klein - Polen .

219

Don Rrakat, hat son Atters her , einer unbekannten Urs fache wegen , den Rang vor dem hieſigen Woiwoden , und allen andern Wpimoden , und bekönimt den Titel, Vas ftris. Sonſt hat er außer der Nämen und den Eina: fünften , mit den andern Raftellanen nichts gemein , ſons dern iſt bey ſeiner Ehrenſtelle von allen andern Alemterit, ganz freu ; im Rath aber muß er doch mit ſitzen. Es iſt hier auch eine Staroſter , welche der Oberſtaroſt von Kleinpolen befint. Auf dem Schloß wird das Landges Die Einwoha richt des krakauiſchen Diſtricts gehalten. ner haben das Recht, ſich Landgüter anzukaufen , und diefelben zu befißen , doch můſſen ſie nicht über zehn Dieis len von der Stadt entfernet reyn. Was die Geſchichte der Stadt betrifft, ſo rou fie im Jahr 700 von einem polni ſiden oder 'boheimiſchen Fürſten , Namens Eracus , anges leget fenn , welches aber ganz ungewiß iſt. Das hieſige Bisthum iſt im Jahr 1000 errichtet worden. Die Stadt hat 1257 das magdeburgiſche Recht bekommen . Sie iſt oft abgebrannt , als 1241, 1260 , 1439, 14620. 1473, 1494, 1504, 1652 und 1702 ; 1707 und 1708 hat die pet hies felbft viele tauſend Menſchen aufgerieben. 1559 ward fie von den Schweden belagert und erobert ; 1657 aber mußte fie fich wieder an die Polen ergeben . 1702 wurde ſie von den Schwedeu eingenommen. 1768 wurde hier eine Sons föderation errichtet, und die Conféderirten wurden in der Stadt von den Ruffen belagert, auch , nachdem die Stadt mit ſtürmender Hand erobert worden, zu Gefangenen gemacht. Während der Belagerung braunten die Confo derirten die Vorſtådte Klepars, Weſſela und Piafeť ab. 2 ) Claratomoa bder Yogila, eine reiche, ſchöne und fefie Ciſtercienſer Abtey , eine Meile gegen Díteú vou Kras kau, an der Weichſel , die wegen des Birabes der Könis ginn Vanda berühint iſt, und ein Gymnaſium hat , wels ches von der geſammten polniſchen Ciſtercienſer Congre: gation unterhalten , und von den jungen Mändjen derfel: ben beſucht wird . 3 ) Będzin , eine Stadt von 229 Rauchfången . 3 ) OL

Polent.

220

4) Pllusz , ( Olkuſch .) oder Oliosz , eine kleine Stadt, von 133 Rauchfången. Sie war ehedefſen wegen * ihrer Bley , und Silber: Bergwerke berühmt, die ſehr ergies big waren , ſeit vielen Jahren aber verfallen ſind. 4 Die große krakauiſche Procuratur. Xuſ ſer 18 Dörfern, 1 ) Stomniti, eine kleine Stadt von 155 Rauch : fången. 2) Proszowic, (Proſchowig ) eine kleine Stadt von 147 Rauchfangen. Sie iſt ein Landſitz der ålteſten Kos

nige geweſen. 3 ) Boſzyce, eine kleine Stadt von 97 Rauchfången . II Der Proszowizkiſche Diſtrict, i Die adelichen Güter. Außer den Dörfern , Dzistoszyce , eine kleine Stadt von 159 Rauchfáns gen , dein Biſchof von Krakow zugehörig , in einen tiefenr. Dhal. 2 Die geiſtlichen Güter. Außer den Dörfern , 1 ) Brzesło nowe, eine Stadt von 138 Rauhfången . 2) Staimierz, eine kleine Stadt von 132 Naust)fången , in einem tiefen Thale , an dem kleinen Fluſſe Skalmierka . III Der Xionfiſche Diſtrict. į Die adelichen Güter, Außer den Dörfern , 1 ) Roszow , ein Stadtchen von 27 Rauchfången. 2 ) Wodzisław, eine Stadt von 210 Rauchfången . 3) Xiąz, ( Rſions), oder Wielki (Groß) Xiąz, eine Stadt, von 130 Rauchfången 7 Meilen von Krakow , der Hauptort des davon benannten Diſtricts, in welchem das Landgericht deffelben gehalten wird. Die hieſige Staroften beſitzt der Oberſtaroſt von Kleinpolen. 4) Maly, (Klein ) Xiąz iſt ein Dorf in eben dieſem Diſtrict , vou 49 Rauchfången . 2 Die geiſtlichen Güter .

Eine Anzahl Dor.

fer , und

1) Jędrs

Klein - Polen. i ) Jędrzejow , eine kleine Stadt von 175 Rauch fången, in einem Thal an einem Bach . Sie gehöret dem hieſigen Kloſter. 2) Miechow , eine Stadt von 181 Raudífången , deren Lage der Gegend um Jeruſalem ähnlich ſeyn ſoll,von welcher ihr Stifter Gryphius Jara, zum Ungedenken feia ner dahin vorgenommenen Wallfahrt, das Muſter ges nommen , und dieſen Ort den Rittern des Grabes Chriſti 2 eingeräumet hat , welche regulirte Chorherren ſind.

3 Die königlichen Güter. Zwanzig Dår. fer , und 1 ) Wolbrom, eine Stadt, von 137 Ranchfången . 2) Zarnowiec , eine Stadt an einem See, von 150 Mauchfången . IV Der Lelowſche Kreis . i Die adelichen Gürer. Viele Dörfer , und 1 ) . Janow , eine feine Stadt von 103 Rauchfången. 2) Kromotow , eine kleine Stadt von 153 Raucha fången. 3 ) Mrzygłod , eine kleine Stadt von 162 Raucha fången . 4 ) Ogrodzieniec , ein Städtchen von 74 Rauch fången. 5) Pilca , eine Stadt von 290 Rauchfången , in deren Nachbarſchaft der Fluß Pilca , welcher auch Pilcza genennet wird , entſtehet. 6) Szczekociny , eine Stadt von 191 Rauchfången. 7 włodowice, eine kleine Stadt von 113 Rauchs fången. 8) Jarli, eine Stadt von 299 Rauchfången. 2 Die geiſtlichen Güter. Außer den Dörfern, 1 ) Ktobuco, eine kleineStadt von 171 Rauchfången . 2) Mſtow , eine kleine Stadt von 108 Rauchfången . 3 Die koniglichen Güter. fern,

Außer ben Dór.

1 ) Geot

Polen . 1) Czeſtochowa , ( Tfchenſtochowa,) iſt der Name eines gedoppelten Orts. Vien :Tichenſtochowa, iſt eine kleine Stadt am Fuß des Klarenbergs , auf welchein ein Kloſter vom Orden des heiligen Pauls des Eremiten ſtehet , dahin zu einem Marienbilde gewallfahrtet wird . Dieſes Kloſter, welches auch Jasno Gura genennet wird, iſt befeſtiget, und hålt ſeine eigene Bejakung. Ehedeffen war allezeit einer der vornehmen Ordensleute Commans dant, und wurde von dem Orden ſelbſt geſetzet, 1765 aber verordnete die Krönuings - Heidotags : Conftitution , daß der Commandant fünftig ein Weltlicher féin , iind von dem Könige beſteller werden , aud) die Einkünfte von den Gütern , welche zu dieſer Feſtung gehören , Ben Reich bea rechnen ſollte. Man hat dieſes Kloſter iminer für eins der reichſten in der Welt gehalten , und behauptet , daß Deſſelben Güter und Herrſchaften wohl den funfzehnten Theil von Polen ausmachten . Die unter dem Klarens berge ſtehende Stadt Vieu - Trdhenſtochowa , hat eine abgeſovvert liegende Vorſtadt, Namens S. Barbara . Eine halbe Stunde von der Stadt, in der Ebene, fteher die Stadt Częſtochowa ſtara , (Alt : Tſchenſtochowa ,) pon 283 Rauchfången , in welcher auch ein Paulinerklo. fter iſt. Dieſer Ort wurde im Unfange des Jahrs 1774 verbrannt. Das Kloſter auf dem Klarenberge, pard 1655 von den Schweden dergeblich belagert. Bey der Stadt fiel 1665 zwiſchen den königl. und lubomirskirchen Truppen ein Treffen , zum Nachtheil der erſten vor. 16700 vermählte ſich hiefelbſt König Michael mit Kaiſer Leopolds Schweſter Eleonora . 1772 eroberten die Ruffen das Klos -fter nach einer langen Einſchließung, welde mit einer ernſtlichen Belagerung fich endigte. 2 ) Krzepice , eine kleine Stadt von 186 Rauch fången. 3 ) Lelow, eine Stadt von 133 Rauchfången , wela che am Fluß Pilica , 11 Meilen von Krakow liegt. Sie, iſt bemauert, hat eine Staroſtey , welche der Oberftaroſt von Kleinpolen befiber , und iſt der Ort , in welchem das Sandgericht dieſes Diſtricts gehalten wird,

4 ) Olsz

Klein - Polen .

223

4 ) Olsztyn , eiv Stådtchen auf einem Berge, von 83 Rauchfången. 5) Prupow , eine kleine Stadt von 130 Rauch: fången,

Anha 11

g ..

Severien, Das Herzogthum Siewierzi fann nur Unhangsweiſe ben dieſer Woiwedſliljaft bes Es liegt zwiſdyen Derſelben und ſchrieben werden . Schleſien ,

und hat ehedeffen zu Schleſien gehörer.

Herzog Primiglav von Teſchen , faufte 1359 die Stadt Sewer nebſt dem ganzen Weichbilde, von Here jog Bolofhen zu Schweidnik und Herrn zu Fürfien , berg , für 3300 Mark , welchen Kauf K. Karl der Sommersberg vierte im Jahr 1359 beſtätigte. Script. rer. fil. Tom . I. pag. 729 .

1443 verfaufte Herzog Wengel zu Teſdien dieſen Diſtrict, an das Bisthum Krakow , für 6000 Mark Prager Gro. ſchen , welches brey Jahre hernach zum wirklichen Der Biſchof von Krakow, Befik deſſelben fam. welcher ſich von demſelben einen Herzog nennet, iſt vollfommener Ober- und Landes .Here deſſelben , und ſelbſt die darinn wohnenden Edelleute , ſind ſeine Line terthanen ; er ertheilet auch die adeliche Würde , wele che jedoch aber den Gränzen des Herzogthums nicht erfannt wird. Die Republik Polen fiehet dieſes Land nicht als ein ihr zugehöriges Stück an ,

und

fein polniſcher Edelmann nennet einen Severiſchen, ſeinen Herrn Bruder. Die merkwürdigſten Oerter beffelben , ſino

1) Sies

Polen.

224

1) Siewierz , Severia, die Hauptſtadt , mit einem feſten Schloß auf einer Inſel in einem großen See. 2 ) Kozieglowki oder Koziglowy , ein Städtchen, 3 ) Soncow , (Sonzow) , auf der Folinſden Ebarte Soliszow , (Solifchow ); ein Städtchen. 4 ) Czeladz, ( Tſchelaos ), oder Czelacz, ( Tfchelatſch ), ein Städtchen. IN II

Die Woiwodſchaft Sancomir , Wojewody two

Sadomiriti,

Palatinatus Sandomirienfis, begreift , nachdem ſie alles , was jenſeits der Weicha ſel liegt, 1772 verloren hat , noch rechs Diſtricte , welche unter rechs Groos und Staroſteyen ſtehen . Der Landtag des Udels , wird zu Opatow gehalten. Es ſind hier zwen Senatoren vom erſten Range, nämlich der Woiwode und gröſſere Kaſtellan von Sadomirz , und fünf vom zweyten Range , nämlich die kleinern Kaſtellane von Wizlice , Radom , Za. wichoft, Malageſt , und Polanice. Die landese fahne enthåle einen von oben herabgetheilten Schild , in -beffen einen Hälfte brey roche und drey weiße Linien , in der zweyten aber auf einem la . ſurfarbidyten Grunde drey Reihen von Sternen er . blickt werden.

Es folgen

nun die Diſtricte.

I Der Sondomirſche Diſtrict. Die adlichen Güter . Außer den Dörfern 1 ) Bogorya , ein Si& orden von 81 Rauchfången , 2) Cmielow ( Smielow ) , eine Stadt von 179

Rauchfången.

3 ) Dena

14

225

Klein Polen

3) Denkow , eine Stadt von 125 Rauchfången . 4) Gliniany, ein Ståorchen von 43 Rauchfången , 5 ) Janikow , ein Städtchen von 51 Rauchfången . Jwaniſlo , eine Stadt von 138 Rauchfången. 7) Klimontow , eine Stadt von 142 Rauchfangen , 8) Oſtrowiec, eine Stadt von 210 Rauchſängen. 9) Opatow , eine Stadt von 478 Rauchfången , in einer fruchtbaren und angenehmen Segend , mit einer, anſehnlichen Stiftskirche. Hier wird der Landtag der Woiwodſchaft gehalten. 10 ) Ozarow , eine kleine Stadt von 197 Rauchf. II ) Kakow , war ebemals eine volfreiche Stadt, in welcher die Socinianer , oder , wie ſie in Polen heiſ fen , die Arianer , ein Gymnaſium und eine Buchbruce rey hatten , 1643 aber verjaget wurden. Der rakomiſche Catechismus, bat davon den Namen. Seht iſt der Ort eine geringe Stadt , von 126 Rauchfången. 12) Staszow , eine Stadt von 348 Rauchfången . 13) Laſocin , eine kleine Stadt von 107 Rauchf. 14 ) Tartow , eine Stadt von 149 Rauchfången.

1

2)

Die geiſtlichen

Gůther.

Außer den

Dörfern, 1) Bodręcin , ( Bodrecin ) , eine Stadt von 135 Rauchfången. 2) Koprzywnica , eine Stadt von 215 Rauchfången , 3) Runow , eine kleine Stadt von 131 Rauchfång gen , welche unter des Biſchofs von Krakow Bothmåßige teit ſtebet. In dieſer Gegend find gute Marmorbrüche. 4 ) Lagow , eine Stadt von 199 Rauchfången , 5) Slupia , ein Städtchen von 91 Rauchfången. 6 ) Wazniow , ein Städtchen von 36 Rauchfången , Wachodo , (Wonchozko ) eine Stadt von 113 Rauchfången . 8 ) Zawicholt, (Sawichoſt,) eine kleine Stadt von 164 Rauchfången , mit einem Sdiloß an der Weichſel, 'wo ſelbſt ein kleiner Kaftellan und ein Ronnenklofter iſt. 1205 wurden hier die Ruſſen geſchlagen, 2 Th. 8A.

P

3) Die

226

Polen.

3) Die königlichen Güter. Uußer iz Dór. fern, O Sandomierz, (Sondomiers ,) ober Sandomirz, ober Sedomir , (Sendomir , Sandomiria, Sendomiria, die bemauerte Hauptftadt dieſer Boimodſchaft, von 616 Rauchfängen , der Mündung des Flujjes San gegen über, 12 Meilen von Krakow . Ihre Sage iſt ungemein anges mehm , daher Caſimir der Große und andere Könige fidh Sie iſt der Sik des gern daſelbſt aufgebalten haben. Woiwoden , eines großern Kaſteland, und eines Staros ften , és mird auch das Landgericht des Diſtricts Sondos mirs hieſelbſt gehalten. Sie enthält ein reiches Collegium Canonicorum , ein ehemaliges Jeſuitercollegium , und andere Collegia . Das Schloß, welches auf einem fteilen Feljeut lieget, iſt 1656 von den Schweden in die Luft ges ſprenget worden . Die fendomirſche Starojies), ift unter allen die einzige, welche, vermoge eines beſondern Bors rechts , weder verpfändet , noch auf ewig verpachtet wers den kann. 1259 haben die Tataren und Ruffen bieſelbſt ein gråuliches Blutvergießen angerichtet. In der Kirs chengeſchichte iſt die Verſammlung berühmt, welche 1570 hiereibſt bon böhmiſden , lutheriſchen und reformirten Geiſtlichen angeſtellet , und auf welcher zwiſchen dieſen dren Kirchen ein Bündniß errichtet, aud der ſogenannte Confenfus Sendomirienfis abgefaffet worden . 1702 am Auguſt machte der Adel hier der Religion , dem König Auguſt II, und der Freyheit zum Beſten, unier fidh eix Bündniß , welches mit einem Eine bekräftiger wurde. ( 2) Proſperoid , ein Städtchen von 41 Rauch fången . (3) Š . Rr3v3 , ( 8. Krſys,) Mons fandæ crucis, ſonſt auch der Keleberg , Mons calvus, genannt , weil teine Bäume darauf ſteben , iſt der höchſte in ganz Polert, Auf demſelben ſtehet die regulirte Benedictiner:Ubrey gleb dhes Namens , zu welcher piele Wallfahrten geſchehen.

II Der

Klein : Polen :

227

II Der Radomfite Diſtrict. í Die adelichen Dörfern ,

Güter.

Wußer vielen

i ) Ciepielow , ein Städtchen von 93 Rauchfången . 2 ) Jedlinſko , ein Stådtchen von 92 Rauchfången. 3) Janowiec , -eine kleine Stadt von 175 Rauchfåns gen, unweit der Weichſel. 4 ) Zygmahłow , ein Städtchen von 14 Rauche fången. 5) Ražanów , ein Städtchen von 55 Rauchfången. 6) Lipſko, eine kleine Stadt von 117 Rauchfången . 7 ) Przyſucha , eine Stadt von 190 Rauchfången . 8 ) Przyłyk , eine kleine Stadt von 130 Rauco fången. 9 ) Granica , ein Stådtchen von 59 Rauchfången. 10) Grabowiec, ein Stadtchen von 70 Rauch fången . II) Klwow , ein Städtchen , von 91 Rauchfången. 12) Szpolowiec, (Schidlowietą,) eine Start von 203 Rauchfången , in welcher mehr Juden als Chriften wohnen , welche leßten mit den in hieſiger Gegend zubts reiteten Waaren , als Stab : und Guß : Eiſen , Nuß- und Bau - Holz, Mühl- und Schleif-Steinen, wie auch mit Kalk, Getreide, Håuten, u . 8. m . handeln. Sie werden bis Soa lec auf Wagen , hier aber auf die Weichſel gebracht. Das Eiſenwerk lift 2 Meilen von hier und heißet Brin . 13 ) Sienno , eine kleine Stadt von 118 Rauch fången . 14) Gniewoszow , ein Städtchen von 64 Raucha fången . 15) Wola, eir Stådtchen von 27 Rauchfången.

9 Die geiſtlichen Güter.

Außer vielen Dore

fern, 1) Granica , ein Stádtchen von 7 Nauchfången. . on 3) Skrzynno, ein Städtchen von 71 Rauchfången . 4 ) Sie .

228

Polen.

4 ) Sieciechow , ein Städtchen von 81 Rauchfången. 5 ) Skaryszow , eine kleine Stadt von 100 Rauch fången . 6 ) Jastrząb , ein Städtchen von 55 Rauchfången . 7 ) Wirzbica , eine kleine Stadt von 116 Rauchf. 8) Wierzbrzit, ein Städtchen von 34 Rauchfången, 3 Die königlichen Güter.

Wußer den Döre

fern , 1) Radom, die Hauptſtadt dieſes Diſtricts, von 252 Rauchfången , welche mit Wall und Mauern umgeben, der Sig eines kleinern Kaſtellans , eines Staroſten , und des landgerichts dieſes Diſtricts , vornehmlich aber des polniſchen Schatz - Tribunals , ( Tribunal theſauri,) oder der Rechnungskammer für Polen iſt, welches am Mona tage nach dem Feſt des heil. Stanislaus anfängt, und ſechs Auch iſt hier ein Collegium piarum Wochen währet. ſcholarum . 2 ) Kozieniec , eine kleine Stadt von 209 Raucho fången. 3) Psyczywoł , eine kleine Stadt von 115 Rauchs fången. 4 ) Zwolin , eine kleine Stadt von 169 Kauchfången. 5 ) Solec, eine Stadt von 262 Rauchf. an der Weichſel. III Der Oporſihinſche Diſtrict. i Die adelichen Güter.

Außer den Dörfern,

1 ) Białaczow , ein Städtchen von 72 Raudos fången. 2 ) Drzewica , ( Drſewitza,) eine kleine Stadtvon 109

Rauchfången, am Fluß gleiches Namens, der ſich in die pilica ergießet. Ihr Beſiger hatte ſie 1775 dadurch in Aufnahme gebracht , daß er viel deutſche Künſtler und Handwerksleute dábin gezogen , und das meiſte auf deuts ſchen Fuß eingerichtet hatte. 3) Gielnow , ein Städtchen von 61 Rauchfången, 4 ) Gawarczow , ein Städtchen von 87 Hauchs fången.

5) Kons:

Klein - Polen .

929

5 ) Konflie; eine Stadt von 291 Rauchfången . 6 ) Odrzywoł, ein Städtchen von 56 Rauchfången . 2 Die geiſtlichen Gürer. 32 Dörfer, und Zarnow , ein Städtchen von 32 Rauchfången , Kloſter Sarzowſki, von 16 Rauch fången . 3 Die königlichen Güter , 17 Dörfer und Opoczno , ( Upotſchno,) die Hauptſtadt des Die ſtricts, von 262 Rauchfången , in welcher eine Staroſten iſt. IV Der Chenzinſche Diſtrict.

I

Die adelichen Güter.

Dörfer 1) 2) 3) 4) 5) fången.

Eine große Anzahl

und Piotrkowice, ein Städtchen von 31 Rauchfången , Ora , ein Städtchen von 40.Rauchfången . Secenzin , ein Stådtchen von 80 Rauchfången . Soblow , ein Städtchen von 90 Rauchfången. Wtonczanow , eine kleine Stadt von 131 Rauch

2 Die geiſtlichen Güter. Außer den Dóra fern , I) Kurzelewo , eine kleine Stadt von 143 Kaucha fången. 2) Kielce, eine kleine Stadt, am Fuß eines Berges, auf welchem ein Kloſter ſtehet. Sie hat 351 Rauchfånge, eine Collegiatkirche und einen Pallaft des Biſchofs von Krakow , die von ihr benannte anſehnliche Serrſchaft, und die in derſelben befindlichen Erzgruben , gehören, welche ehedefſen Kupfer , Blev und Eifen geliefert haben . Eiſen wird noch geſchmolzen. Die Erzgruben find bey dem Dorf Widzina gora geweſen. 3 ) Dalszyca , eine kleine Stadt von 152 Raucha fången. 3 Die Königlichen Güter. fern, 3

Außer den Dór.

i) Che

$ Polen .

2.30

1 ) Chęciny, ( Chenzini,) die Bauptſtadt des Dia ftricts, von 250 Rauchfången , welche 13 Meilen von Kra . tow , auf einem ebenen Ort, über derſelben aber auf ein nem Felſen ein Schloß liegt. Es iſt bier eine Staroſter mit Gericht, auch wird hieſelbft das Landgericht des Dis Der gröfte Theil der Einwohner find ſtricts gebalten. Suden , welche zu dem Perfall der Stadt viel beygetragen haben . Ben derſelben sind alte Blen : und Silber - Grus ben , welche jetzt dem hieſigen Staroſten gehören , eher deffen aber königlich maren . Man bereitet mehr Glåtte Die alten Marmorbrůche, find theils verfallen , als Bley. theils verwachſen. Es fand ſid ehedeffen auch fafurſtein in dieſer Gegend . 2) Mitogoszcz , (malogoſchtſch ) oder Malos goſt, eine Stadt von 179 Rauchfången, in welcher ein Kleiner Raftellan ſeinen Sik bat, 3) Przedborz, eine Stadt von 154 Rauchfången . 4) Radoszyce, eine kleine Stadt von 17 Rauch fången. V Der Wisligkiſche Diſtricę. 1 Die adelidhen Güter. Außer den Dörfern , 1) Dębno , ein Städtchen von 37 Rauchfången . 2) Chmielniki , eine Stadt von 253 Rauchfången , 3) Kurozwęki, eine kleine Stadt von 144 Rauch . ! fången. 4) Olesnica , eine kleine Stadt von 130 Rauchs fången . 5) Pacarzow , eine kleine Stadt von 164 Rauchs fången, 6 ) Die artgrafſchaft Pinczow , ( Pintfchow . ) welche der gråffichen Familie Wielopolſka , als eine Dra dinache oder Ordination , das iſt , als ein Majorat gehd ret. Der Beſiger derſelben muß allezeit den Namen Der Hauptort Musikowſki, ( Miſchkonfti ,) führen . Pyncrow (Pintſchow , ift eine Stadt von 616 Raucha fången , in welcher ein Gymnaſium .

2 Die 2

3

Klein Polen

231

Außer den Döra 2 Die geiſtlichen Güter. fern , I) Buco ( Bufto ,) eine Stadt von 180 Rauchfången . 2 ) Opatowiec, eine kleine Stadt an der Weidſd , von 118 Naudfången.

3 Die koniglichen Gårer. Außer den Dörfern , 1) Korczyn , eine Stadt von 280 Rauchfången . 2) Szydłow , eine Stadt von 195 Rauchfången . 3) Pierzchniça, ein Städtchen von 75 Rauchfången, 4 ) Stobniça , eine kleine Stadt von 176 Rauch fången. 5) Wislica , eine Stadt von 189 Rauchfången .

III

Die Woiwodſchaft Lublin , Boiew od 3 two

Lubelſkie,

Palatinatus Lublinenfis, hat drey Diſtricte, jwen Grods uno Staroſtenen, jmen Senatoren vom erſten Range , nåmlich den Woiwoden und einen großern Kaftellan , und erwäh. let auf dem Xandtag zu { ublin, drey Landboten, zwey Deputirte, und einen Commtſſarius.

Die Landes.

fapne enthålt einen rechts laufenden weißen Hirſch , der um den Hals eine Krone trågt , im rothen Felbe. Es folgen die Diſtricte. I Der Lublinſche Diſtrict, Powiat Lubelſki. In meiner Topographie fehlet er, ich rege ihn aber hieher wegen der Hauptſtadt Lublin , die Hauptftadt der Woiwodſchaft und des Diſtricts gleiches Namens, liegt an dem kleinen Fluß P 4 Byſtrzica ,

232

Polen.

Byſtrzica, in einer fruchtbaren und angenehmeu Segend, 14 Meiten von Sadomirz , 35 Meiten von Krakow , 24 von Warſchau , iſt mit Mauern , Graben und großen Seen umgeben, und hat ein Schloß auf einem hohen Fela ſen an einem großen See. Sie iſt der Siß des Woiwos ben , eines großern Kaſtellans und eines Staroſten. Es wird auch hieſelbſt der Landtag des Adels dieſer Woiwoda ſchaft, das Landgericht des lubliniſchen Diſtricts , und von Quaſimodogeniti bis S. Thomas das Kron : Tribunal für Klein - Polen gehalten. Die Stadt enthålt verſchiedene Kirchen und Kidſter , unter welchen auch ein ehemaliges Sefuiter -Collegiumn iſt. In den Borſtådten wohnen groß . tentheils Juden , die eine anſehnliche Synagoge haben . Auf die brey Meffen , oder Sahrmärkte , die hier jährlich gehalten werden , und deren jede einen Monat dauret, kommen deutſche, griechiſde, armeniſche, ruſfiſche, türs kiſche und andere Kaufleute in großer Penge. 1240 wurde die Stadt von den Tataren angezündet, und hierauf war ſie eine Zeitlang in ruſſiſchen Händen. 1447, 1606 und 1768 , litte fie großen Brandſchaben , und 1656 ward fie von den Schweden ausgebrannt. 1703 wurde ſie von den Schweden eingenommen , und in eben dem Jahr wurde hier ein außerordentlicher Reichstag gehalten , II Der Urſendowſche Diſtrict.

1 Die adelichen Güter.

Außer einer großen

Anzahl Dörfer, ( 1) Bylcbawo, eine kleine Stadt von 101 Rauchs fången. (2) Baranow , eine kleine Stadt von 118 Rauch . fången. (3 ) B ſkupice, ein Städtchen von 63 Raudifången , ( 4) betšvce, eine kleine Stadt von 150 Rauchfången. ( 5 ) Czemerniki, eine Stadt von 199 Rauchfången . (6) Oluſto, ein Städtchen von 94 Rauchfången . ( 7) Chodel, ein Ståstchen von 62 Rauchfången . (8) Jozefow , eine tleine Stadt von 172 Rauchs fången an der Weidſel. ( 9) Pras

Klein - Polen .

2331

( 9 ) Prawno , ein Städtchen von 39 Rauchfången. ( 10 ) Kurow , eine Stadt von 267 Rauchfingen . (11) Konſkowola, eine Stadt von 212 Rauchfången . ( 12) Bamionka , eine Stadt von 171 Rauchfången. ( 13) Leczno , ( Centfchno ), eine Stadt von 253 Raudfången . 1775 brannte ſie ganz ab. (14) Lubartow , eine Stadt von 415 Rauchfången. ( 15) Markuszow , eine kleine Stadt von 120 Rauch . fången . ( 16) Opole , eine Stadt von 226 Rauchfangen . ( 17 ) Mnichow , ein Städtchen von 72 Rauchfången . ( 18) Kluczkowice , ein Städtchen von 30 Rauchf. ( 19 ) Piaſki, eine kleine Stadt von 140 Rauchfans gen , brey Meilen von Lublin , in welcher eine Refors mirte Kirche iſt. (20 Unnopoli, ein Städtchen von 42 Rauchfången . (21) Rawa , ein klein Stadtchen von 20 Raumf. (22) Firley , ein Ståd : chen von 67 Rauchfången . (23 ) Wyſokie, ein Städtchen von 9C Rauchfången , (24) Winiawa, ein Städtchen von 96 lauchfangen . (25) Bilgorey, eine Stadt von 368 Rauchfången , ( 26 ) Trampol, ein Stådtchen von 72 Rauchfången. ( 27 ) Goray , eine Stadt von 1293 Rauchfången. (28 ) Janow , eine Stadt von 290 Raumfången . ( 29 ) Modliborzyce , eine kleine Stadt von 162 Rauchfången . ( 30) Zaklikow , eine kleine Stadt von 130 Rauch fången. 2 Die geiſtlichen Güther. Lußer 45 Dörfern, Pachaczow , ein Städtchen von 68 Rauchfången . 3 Die Königlichen Güther. Adyt und viere zig Dörfer , und ( 1 ) Kazimierz , Cafimiria , eine Stadt von 293 Rauchfången zwiſden Felſen an der Weichſel , 7 Meiten von Lublin , die guten Handel treibet. Sie iſt eine von den Städten , welche das ſogenannte ſechsſtädter Gericht ausmachen. Hier ſegte der ſchwediſche König Karl Gus ſtay 5

234

Polen.

ſtav 1656 über die Weichſel , and ſchlug Czarnieđi, ben Kaſtellan son Kiow. (2 ) Kazimiecz nowy, ein Städtchen von 25 Rauche fången. ( 3) Stomiany Paprel, ein Städtchen von 58 Sauchfingen . (4 ) Parczew , eine Stadt von 274 Rauchfången. (5) Oſtrow , eine Stadt von 294 Rauchfången. ( 6) Urzędow , (Urſendow ) eine Stadt von 289 Rauchfången, an einem See, der Hauptort des Diſtricts, 7 Meilen von Lublin . (7) Wąwolnica , ( Wonwolniza ) ein Städtchen yon 78 Rauchfången . III Das Land Stenſizka , Ziemia Stężycka. 1 Die adlichen Güter. Viele Dörfer , und ( 1) Adamow , ein Stådtchen von 68 Rauchfången. (2 ) Bobrowniki, eine kleine Stadt von 126 Raudos fåugen . ( 3) Drazgow ( Dronegom ) , ein Städtchen von 65 Rauchfången . ( 4) Okrzeja , ein Städtchen von 59 Rauchfången. (5) Lyrobyki, ein Ståbrchen von 89 Rauchfången. (6 ) maczejowice, eine kleine Stadt pon 118 Raudha fången. (7) 7owodwor , ein Städtchen ' von 30 Rauchs fången . ( 8) Woyciefskow , ein Städtchen von 43 Raucha fången. (9) Jeleckow , eine Stadt von 203 Rauchfången . 2 Die geiſtlichen Gůței. Fünf Dörfer, und Laſkarzew , ein Städtchen von 71 Rauchfången. 3 Die Königlichen Gürer. Fünf und zmano gig Dörfer, und (1 ) Stężyca, (Stenſiga) auch Stezycy, (Stenfitſch ) die Bauptftadt des Landes am Fluß Bieprz , unweit der Beich

235

Klein - Polen .

Beichfel. Sie hat 126 Rauchfånge, und iſt der Sitz einer Staroſten. Sie iſt in der Polniſchen Geſchichte, wegen des 1575 hieſelbſt zur Abfeßung Königs Heinrichs gebaltenen Reichstags , und wegen einer 1606 hier anges ſtellten Verfamınlung des Adels , bekannt, ( 2) OErzeja, ein klein Städtchen von 18 Rauchfången . IV Das Lukowſche Land, Ziemia Lukowska. 1 Die adlichen Güter.

Viele Dörfer, una

(1) Kock ( Roze ) eine Stadt am Fluß Wieprz, vom 272 Rauchfången. (2) Radzyn , eine Stadt von 182 Rauchfången. ( 3 ) Siedlce, eine kleine Stadt von 170 Rauch , fången . ( 4) Serokomla , ein Städtchen von 58 Rauch fången . 2 Die geiſtlichen Güter.

Sieben Dörfer.

3 Die königlichen Gúther. Fig Dörfer , und

Fünf und dreiſe

Lukow , die Hauptſtadt deß Landes , 14 Meilen von Lublin, Sie liegt in einer Ebene, hat auf einer Seite eia nen Moraft, auf der andern einen Wall, 248 Rauds fånge, iſt der Siß einer Staroſtey , und des Landgeridots diefes Diſtricts, und hat ein Collegium piaruin ſcho larum , Anmerk. Dbige drey Boimobfdjaften machen das eft gentliche KleinPolen aus,

IV

Polent.

236

IV

Die Woiwodſchaft Poblacient, Woie w

o dztwo Podlaskie,

Palatinatus Bielcenfis. Dieſe Landſchaft haben die Polen und Boleslaw ber fünfte im breyzehnten Jahrhundert dem Volf der Janwingen abgenommen. Nachmals iſt wegen dels ſelben zwiſchen Polen und Litauen viel Streit gewes fen ., ſie iſt aber 1569 unterm König Sigismund 2u.. guſt , auf dem Reichstage zu Lublin , mic Polen vera knüpft , worden. Die Einwohner ſind Maſuren , Rufe fen und Polen. Die Woiwodſchaft beſteht aus drey Ländern , ſtehet unter eben ſo viel Groos und Staro ſteren , hålt auch ihre Landtage an dren Orten , und

4

erwählet auf denſelben fechs Landboten , zwey Depu tirte und zwey Commiffarien . Sie hat zwen Sena. toren vom erſten Range , nåmlich den Boimoden und Kaftellan von Poblachien . Ihre Fahne enthält das Wapen des Großherzogthums Litauen in weißen Felde, nämlich einen bewaffneten Mann zu Pferde, welcher ein Schwerdt in der rechten aufgehobenen Hand , und auf der andern Seite einen weißen 210 . ler im rothen Felde führet.

Es

folgen nun bie

Diſtricte. I Das Land Bielsk ,

Ziemia Bielska.

1 Die adelichen Güter. Außer den Dörfern , 1) Białyſtse , eine Stadt, der Braniglichen Famia lie zugehörig. Sio iſt als Reſidenz des Kron :Groß- Felds Herrn

Klein .Polen .

237

Herrn Grafen Branidi ſehr bekannt geworden , und hat in der Neuſtadt ein ſehr ſchönes Sdiloß. 2) Bodi , eine kleine Stadt von 224 Rauchfången . 3) Jaſionowka, ein Stadtchen von 58 Rauchfangen. 4) Orla , ein Städtchen von 90 Rauchfången. 5) Tykoczin , ( Tilotſchin , ) oder Tylocin , eine Stadt in einer Ebene am Fluß Narew , 10 Meilen von Bielſk , von 293 Rauchfången , mit einem feften Schloß, weldes theils von dem Fluß , theils von Moråſten umges ben iſt, in welchem ehemals der königl. Schaş verwah , König Sigisa ret, auch die Münze gepråget worden . mund Auguſt ftellete das Schloß aus dem Verfall rieber her. König Auguſt II ſtiftete hier den weißen Adler: Drden . 2 Die geiſtlichen Güter.

24 Dörfer.

3 Die königlidien Güter. Eine große Ano zahl Dörfer , und folgende Städte, 1 ) Auguſtow , eine Stadt von 218 Rauchfången, an einem See , erbauet von dem k . Sigismund Auguſt. 2) Branft , eine Stadt von 176 Rauchfången , am Fluß Nur , 3 Meilen von Bieht, woſelbſt der Randtag der Woiwodſchaft, und das Landgericht des Diſtricts gebala ten wird, 3) Bielſt, die Hauptſtadt der ganzen Woiwodſchaft, und des Landes dieſes Namens, der Siß des Woiwoden und eines großern Kaſtellans, von 215 Rauchfången . Sie liegt am Fußchen Bialla, welcher fich init dem Fluß Nas rew vereiniger , und hat einen weitläuftigen Ünfang. Die Juden treiben hier ſtarken Handel. 4 ) Bnyezen, ( niſchin) eine Stadt von 227 Rauchs fången. Hier iſt König Sigismund Auguſt 1572 geſtorben . 5) Goniądz , eine Stadt von 243 Rauchfången. 6 ) Kleszczele, (Kleſchtſchele, ) eine kleine Stadt bon 181 Rauchfången . 7) Farew , ein Städtchen am Fluß gleiches Ras mens , bier Meilen von Bielſt , von 79 Rauchfangen. 8 ) Xaygrod , eine Stadt an einem See , von 154 Raudfången .

9) Sua

Polen.

238

9 ) Suraz , ein Städtchen von 99 Rauchfången , zwiſchen Hügeln am Fluß Narew , 3 Meilen von Bielfe. Das Land Mielnick, Ziemia Mielnicka.

II

1 Die adlichen Güter. Uußer den Dörfern, ( 1 ) Sorodyszcze, eine kleine Stadt von 108 Rauch. fången, ( 2) Konſtantynow , eine kleine Stadt von 189 Rauchfången. ( 3 ) Międzyrzecz; ein Städtchen von 62 Rauchs fången . ( 4 ) Międzyretz, eine Stadt von 362 Rauchfångent. ( 5 ) Viemirow , ein klein Städtchen am Bug, von 19 Rauchfången. (6 ) Kosz083 (Boſchoſch ) eine kleine Stadt von 151 Rauchfången. ( 7) Sarnati, ein Städtchen von 56 Naudfangen . 2 Die geiſtlichen Gürer. 3

Die königlichen

Zwolf Dörfer.

Güter.

Sechs

und

zwanzig Dörfer , und ( 1 ) Loſice, ( Lorite), eine Stadt von 192 Rauch : fången . (2 ) Mielnik , die Hauptſtadt dieſes Diſtricts , und der Sitz ſeines Landtags , Grods und eines Staroſten , liegt am Fluß Bug, hat 103 Rauchfänge, und auf einem Hügel ein Schloß. Sie iſt vou Dros hiczyn fünf Meilen entfernet. III

1

Das Land Drohiczyn.

Die adlichen Güter.

zahl Dörfer , und (1 ) Ciechanowiec ,

Eine große Ano

eine Stadt von 298 Rauch,

fången. (2) Grodziſk , ein Städtchen von 31 Rauchfången. ( 3) Roßow ( hvoldhow ) eine kleine Stadt von 100 Rauchfången.

(4) mor .

SA

Klein - Polen.

239

eine kleine Stadt von 129 Rauch ,

( 4 ) Mordy , fången. (5) Miedzna , eine kleine Stadt von ioo Raucha fången . (6) Rudfa , ein Städtchen von 58 Rauchfangen. (7) Sokotow , eine Stadt von 230 Rauchfangen . ( 8) Siemiatycze , ( Siemiaritſche) eine Stadt von 285 Rauchfången. (9) Sterðynia, eit Stådtchen von 58 Rauchfången. ( 10) Wyſokie Mazowieckie , eine kleine Stadt voit 122 Ranchfången. ( 11) Motobudy , eine kleine Stadt von 129 Raucha fången. ( 12) Wegrow , Wengrow ), eine Stadt ain Fluß Kimiek , in welcherdie Lutheraner und Reformirren eine gemeinſchaftliche Kirche haben . Sie hat 303 Rauchs fången , gehört dem Grafen Kraſinſki, und liegt to Meis len von Warſchau . 2 Die geiſtlichen Gůrce . Dörfer.

Ein und zwanzig

3 Die königlichen Gůcer, zwey Dörfer, und Drohiczyn , ( xrohitſchin ), oder Drohicin , die Hauptſtadt dieſes Landes, und der Sitz eines Staroſten ; es wird auch der Fandtag und Gröd da gehalten. Sie liegt am Flug Bug , 10 Meilen von Bielſk , 30 von Warſchau ; und hat 236 Kaud)finge:

V Das Land Chelm , Chelmſká ziemia , Chelmnenſis terra,

iſt das einzige von Roth Rußland , bber von der ruſſiſchen Woiwodſdaft, bey Polen geblieberte Stůd ,

240

Polen .

Stücf, hat zwei Diſtricte ,

von welchem aber der

Krasnoſtawſe 1772 ein Stüc verloren bat , und hält ſeinen Sandrag ju Chelm , aufwelchem es jwen Xandboren, einen Deputirren und einen Commiſſarium In demſelben ſind zwen Senatoren, nåm . erwählet. fich der Biſchof zu Chelm , und der kleinere Kaſtellan dafelbſt. Die Sandesfahne enthält einen gehenden weißen Båren zwiſajen drey Bäumen , im grünen Felde. 1 Der Chelmſche Diſtrict. 1 ) Die adelichen Hüter ; außer' Ben Dörfern , 1) Cuboml, eine Stadt von 563 Rauchfångeu . 2) Minichnionka , ein Städtchen von 82 Ranch fången. 3 ) UTaiejom , eine Stadt von 336 Rauchfången. 4) Vrchowek , ein Städtchen von 74 Rauchfången . 5) Regowiec , eine kleine Stadt von 143 Rauchs fången . 6) Swierze y Staryti, eine kleine Stadt von 122 Rauchſången , am Bug. 10 Siediszcze , ein Städtchen von 39 Rauchfången . 8 ) Sosnowica, ein Stictchen von 13 Raud fången . 9) Woystawice , eine Stadt von 221 Rauchfången, 10) Pawłow, ein Städtchen von 86 Rauchfången . II) Sawin , ein Ståorden von 78 Rauchfången . 2 ) Die königlichen Güter ; außer den Dörfern , 1 ) Cheim , die Hauptſtadt des Landes und des Dis ſtricts dieſes Namens , welche der Sie eines Bistbums iſt; der Biſchof aber hat ſeine Reſidenz nicht hier, ſondern zu Krasnoſtaw . Es iſt hier auch ein griectiſcher mit der römiſchen Kirche vereinigter Biſchof, und ein Collegium piarum fcholarum . ' Noch ſind hier ein kleiner Kaſtellan, und ein Staroſt; es ivird auch hieſelbſt der Landtag des Landes, uno vas Xandgericht des Diſtricts, gehalten . Das Soloß

Klein - Polen .

241

Schloß liegt auf einem hohen Hügel. Die Stadt hat 402 Rauchfånge. 2) Opalin , ein Städtchen am Bug, von 64 Naucyf, 3) Ratno , ein Städtchen von 99 Rauchfången . 2 Der Kranoſtawſche Diſtrict. 1). Die adelichen Gürer. Außer den Dörfern , 1) Gorzkow , ein Städtchen von 44 Rauchfången. 2 ) Turobin , eine Stadt von 286 Raud fången . 3) Zollieivka , ein Städtchen von 73 Rauchfången : 4 ) Krasniczyn , ein Städtchen von 80 Nauchfången . 2) Die königlichen Güter. Außer 20 Dörfern , 1 ) Krasnoſtaw oder Krasnyſtaw , die Hauptſtadt des Diſtricts ,von 487 Raudkfången . Sie iſt bemauert, und ſtehet an einem großen See , hat auch ein Schloß , niee ben welchem der Fluß Wieprz fließet. Sie iſt der Siß des Biſchofs von Chelm , des Grods dieſes Diſtricte , und Hier ſaß Maximilian , Erzherzog von eines Staroſten . Deſtreich , 1588 gefangen , nachdem er von Zamoyſki an der ſchleſiſchen Gränze zu Bitſchin war geſchlagen , und zur Uebergabe genöthiget worden ., 2) Tornogura , eine kleine Stadt von 113Rauchfången. VI Der Ueberreſt der Belzkiſchen Woiwoda

fchaft , von welcher das meiſte zu Gallizien und Lodomerien gehåret. 1 ) Die adelichen Güter , welche beſtehen in 16 Dörfern, und Korytnica, einem Städtchen von 84 Rauchfången . 2 ) Die geiſtlichen Gürer, welche a Dörfer find. 3) Die koniglichen Güter, welche ſind in Dår. fer , und Dubienka , eine Stadt von 274 Rauchfången. VII 2 2 Ch.8 2.

2:42

Polen.

VII

Die Woiwodſchaft

Wolhyn , 31

Wojewodztwo

Wołynskie,

.

Palatinatus Voliniæ, Haben ſich lange Zeit ſowohl die Sitauer, als Polen zugeeignet. Jene verlangten 1448 auf dem Reichs, tage zu { ublin , daß ſie ihnen zuerkannt werden møgte : dieſes aber geſchah nicht nur dinals nicht, ſondern 1569 auf einem andern zu Lublin gehaltenen Reichs. Sie iſt groß, tage, wurde ſie mit Polen verknüpfet. þat viel Wald , und einen Ueberfluß an Getreide. In den Wåldern findet man Rosmarin , Spargel und andere Gewächſe von folcher Güte, wild gervac). ſen , daß ſie von den gebaueten faſt nicht unterſchie. ben werden können. Die Seen find reich an Fiſchen . Es þat aber dieſes (and einigemal große Verwůſtuna gen erfahren , inſonderheit 1618 , da die Cataren 30000 Menſchen , nebſt anderer Beute , daraus megführten . Die Einwohner ſind Ruſſen, wie ihre Sprache, Religion und Sitten bezeugen , auch mu. thige und kriegeriſche Leute.

Der größte Theil der

Woiwodſchaft gehöret zu der Ordinacion Oſtrog ; der übrige iſt in dren Diſtricte vertheilet , deren jeder fel. Die Sandtage werden wechſelsweiſe nen Grob hat. zu { uck und Wlodzimirzec gehalten. Wuf denſelben erwählet man rechs Sandhoten , brev Deputirte und Es ſind hier brey Senatoren einen Commiſſarium . vom erſten Range vorhanden , ndmlich der Biſchof von luck , der Wolmode und der Kaftellan von Wo. lyn.

Klein - Polen. Inn.

243

Die Kriegesfahne enthält ein weißes Cavaliere

Kreuß, im blauen Felde, in deſſen Mitte ein rothes Schildlein mit einem goldenen Kreuß iſt. Uuf des Fürſten Radzivils Charte von Litauen , ift Wolyn in das diefſeitige und jenſeitige abgetheilet : jenes liegt auf der Weſtſeite , dieſes auf der Ditfeite des Fluffes Sluczo í Der Krzemienientiſche Diſtrict. 1 Die adelichen Güter. Eine große Anzahl Dörfer , und folgende Stådte, 1 ) Baranorka , eine kleine Stadt von 100 Rauch fången. 2 ) Biatozurka , eine Stadt von 207 Rauchfången . 3 ) Berezdow , eine kleine Stadt von 171 Rauds fången. 4 ) Krasnystaw , ein Städtchen von 73 Rauche ſången. 5) Bazylia , eine Stadt von 288 Rauchfången , am fluß Slucz. 6 ) Brycow , eine Stadt von 242 Rauchfången . 7 ) Sorynha , eine kleine Stadt von 155 Rauche fången . 8 ) Jampol, eine Stadt von 282 Rauchfången , am Fluß Soryn. 9) Konſtantynow , eine Stadt am Fluß Slucz, ven 672 Rauchfången. 10) Kurczyk, ein Städtchen von 65 Rauchfången . II ) Kozin , eine kleine Stadt von 148 Rauchfången 12) Buniom , eine kleine Stadt von 138 Rauch fången . 13) Brafitow , eine Stadt von 274 Rauchfången. 14) Kulczyn , eine kleine Stadt von 165 Rauc . fången. 15) Kamionka, ein Stadtchen von 65 Rauchfången . 16) Krupiec, ein Städtchen von 72 Rauchfången . 17) Kuga

244

Polen .

17) Kuzmin , eine Stadt ain Fluß Slucz , you 282 Rauchfången. 18 ) Cachowce , eine Stadt von 400 Rauchfangen . 19) Teofipol , ein Städtchen von 55 Rauchfången . 20 ) Lubar , eine Stadt von 543 Rauchfången . 21) Lubar nowy (neu) eine Stadt von 248 Rauda fången . 22) Labun , eine Stadt von 532 Rauchfången . 23) Lanowce, eine kleine Stadt von 156 Rauch , fången . 24 ) Oſtropol, eine kleine Stadt von 192 Raucha fången . 25 ) Serbinowka , eine kleine Stadt von 133 Rauch fången. 26) Olezieniec nowy (neu) eine kleine Stadt von 154 Rauchfången . 27) Olezieniec ſtary ( alt) ein Ort von 171 Raudha fången . 28 ) Ozochowoce, eine kleine Stadt von 170 Rauch fången . 29) Potonne ſtare ( alt) eine Stadt von 479 Raucha fången . 30 ) Potonne nowe , ( neu ) eine Stadt von 334 Rauchfången . 31 ) Płycza , eine kleine Stadt von 126 Raucha fången . 32) podherészcze , ein kleines Städtchen von 10 Rauchfången. 35 ) Poczajow , ein Stådochen von 21 Rauchfången , 34) Radziwiłow , eine kleine Stadt von 140 Raucha fången. 35 ) Rohmanow , eine kleine Stadt von 109 Rauche fången . 36) Szepetowka , eine Stadt von 241 Rauchfangen . 37) Kawuta , ein Städtchen von 75 Rauchfången . 38 ) Szumſk , eine Stadt von 192 Rauchfangen . 39) Szudyłkow , eine Stadt von 252 Raudy, fången.

40 )

=

Klein - Polen .

245

40) Wisniowiec, oder.Wisnowiec,(Wisnowiets .) eine Stadt von 365 Rauchfången , auf der Nordſeite des Fluffel Horyu , welche der Hauptort eines Herzogthums iſt. " Auf der Südſeite des Fluſſes liegt Wowe Miaſto , das iſt die Neuſtadt. 41 ) Wyszgrodet, eine kleine Stadt von 120 Rauch fången. 42) Wołoczyſka, eine Stadt von 291 Rauchfången. 43) Werba , ein kleines Städtchen von 30 Raucha fången . 44) Zasław , eine Stadt von 844 Rauchfången, am Fluß Soryu ,' der Hauptort eines Herzogthums. 2 Die geiſtlichen Gürer.

Vierzehn Dörfer.

3 Die königlichen Güter , Achtzehn Dörfer, und Krzemieniec, (Krſemieniets .) eine königliche Stadt von 607 Rauchfangen , der Hauptort des Diſtricts, der Sit des Grods deſſelben , und eines Staroſten . Das Schloß liegt auf einem hohen Felſen . II Der Lugkiſche Diſtrict. 1 Die adelichen Güter.

Viele Dörfer, uno

folgende Stádte, 1 ) Annopol , eine Stadt von 229 Rauchfången . 2) Bilikicow , ein Städtchen von 75 Rauchfången . 3) Ulerandrya , eine kleine Stadt von 122 Raucha fången. 4 ) Michałowka , ein kleines Städtchen von 14 Rauchfången . 5 ) Berezne , eine kleine Stadt von 143 Rauchs fången. 6) Bereznica , eine Stadt von 262 Rauchfången, 7 ) Bereſt, eine Stadt von 286 Rauchfangen . 8) Czartoryſk, ( Tſchartoriſk ,) eine Stadt von 272 Rauchfången , mit einen Schloß am Fluß Ster, der 2 3 Kaupts

246

Polen .

Hauptort eines Fürſtenthums , gehöret dem fürftlichen Dauſe Radzivil. 9 ) Dereznia, ein Stadtchen von 100 Rauchfången , am Fluß Horyn . 10 ) Ręczna , ein kleines Städtchen von 9 Raudf. 11 ) Douszkopol, eine kleine Stadt von 108 Rauchs fången . 12) Dubno , eine Stadt am Fluß Frma, von 1127 Rauchfången , in welcher ſeit 1774 die Contracte des pola niſchen Adels am heiligen Dreykönigstage gehalten wer den, welche vorhin zu Lemberg gehalten wurden . Bie ges håret dem fürfil. Hauſe Lubomirſki. 13) Sorochow , eine Stadt von 367 Rauchfången. 14) Moſſor, ein Städtchen von 43 Rauchfången. 15 ) Soryngrod, eine Stadt von 166 Rauchfången . 16 ) Sutewiczow , ein Städtchen von 65 Rauchf. 17 ) Suszeza , eine kleine Stadt von 145 Rauch fången. 18 ) Ktewan , eine Stadt von 275 Rauchfången . ( 19) Warkowice , eine Stadt von 185 Rauchfangen , 20) Kaszogrod, ein Stådtchen von 65 Rauchfången . 21 ) Kotti , eine Stadt von 299 Rauchfången . 22) VoweMiaſto , ( Neuſtadt) eine kleine Stadt SOM 179 Rauchfangen . 23) Konec, eine Stadt von 272 Rauchfången. 24 ) Sorodnica, ein Städtchen von 57 Rauchfången . 25) Buſtyn , ein Städtchen von 93 Rauchfången . 26) Cobaczowka ', ein Städtchen von 91 Rauchf. 27) wzielnica , eine kleine Stadt von 103 Raudha fången . 28 ) Meedzynec , eine Stadt von 299 Rauch fången . 29) Międzyniecz, eine kleine Stadt von 164 Rauch: fången. 30 ) Morawica , ein Städtchen von 65 Raucha fången. 31 ) Olyka , eine Stadt von 594 Rauchfangen, der Fauptort eines Herzogthums, welches eine Drdinacyeoder ein Majorat iſt , und dem fürklichen Hauſe Radzivil gra bdret.

Klein - Polen.

247

håret. Die Republit hat dieſe Ordination 1589 'beſtåtis get. Es iſt hier eine Univerſität , ein Seminarium und ein Collegiatſtift. 1752 litte die Stadt großen Brande Idaden . 32) Oſtrog , die Hauptſtadt, der davon benannten Drdination , von 765 Rauchfingen, nicht weit vom Fluß Koryn , an einem kleinern fluß , welcher ſich unterhalb der Stadt mit jenem vereiniget.' Auf der anderu Seite des Flufſes liegt eine Neuſtadt oder Nowe Miaſto. Es iſt zu Oſtrog ein adeliches Collegium Nobilium . Die Ordination Oſtrog , begreift einen großen Theil von Wolyn . Sie iſt ein ehemaliges Herzogthum , defſen lekter Beſitzer, Herzog Sanusz von Oſtrog, Kaſtels lan von Krakow , 1009 zum Nugen der Republik Polen verordnete , daß der jedesmalige Beſiber dieſes landes, zum Dienft der Republik 600 Mann auf den Beinen hals ten ſollte , daß auch uach Abgang des Mannsſtammo feie ner Familie , aus dieſer Ordination eine Commenthures des Johanniter - Drdens gemacht , und diefelbige von den Woiwodſchaften einem Ritter deffelben verliehen werden follte. Als nun 1673 Alerander Oſtrogſti ſtarb , ohne männliche Erben zu hinterlaſſen, ſchritte der Adel der Wois wodfchaft Krakow zur Wahl eines Johanniterritters, wels cher die Güter dieſer Drdination gedachter Stiftung gee maß befißen ſollte , und ſie ffel auf den Fürſten Hieronys mus Lubomirſki. Die übrigen Woiwodſchaften waren langſamer in ihrer Wahl , und die. Republik ſelbſt ſchob auf, von einer Zeit zu der andern die Beſtåtigung der Wahl welche die Woiwodſchaft Krakow angeſtellet hatte. Dieſe Ungewißbeit, und die Nachfidt des Fürſten Hieronymus fubomirſki , veranlafſetę den Fürſten Joſeph Lubomirſki, fich der ganzen Ordination unter dem Vorwand zu bemächs tigen , weil ſeine Gemaļinn aus dem Haufe von Ditrog ren. Er hinterließ die reiche Erbſchaft ſeinem Sohn , und als dieſer 1720 ſtarb , brachte ſie ſeine Tochter, unter Ben günſtigung Königs Augufts II , ihrem Gemal , dem Fürs ften Sangufto zu. Dieſer wollte im Anfang des Sabrs 1754 24

248

Polen.

19754 die Güter der Didination Bertheilen , welches doch der Stifter eben fowohl, als die Veräußerung derſelben , berboten hatte. Darüber entftanden große Bewegungen , Der König befahl, die Sache bis zum Reichstage in ihrer Verfaſſung zu laſſen , der Reichstag aber zerriz, wegen des Zanks tiber die Ordination . ierauf verordnete der König auf Vorſtellung von 36 Senatoren , daß die Güter der Ordination verwaltet werden ſolltea , und febte zu dem Ende eine Commiſſion und Adminiſiration nieder . Bon den zelyn Commiſſarien ſollte jeder jährlich 12000 , und von din fünf Adminiſtratoren jeder jährlich sooo polniſche Gulden aus den Einfünften der Ordination bekommen, bem Fürfien Sanguito roliten 100,000 Gulden ausge: zablet werden , und das, was aledenu von den Einfünften nod) übrig blibe, ſollte nach Warſchau in Verwahrung gebracht werden. In dieſer Verfaſſung blieb die Ordinas tion bis 1758 , da der König dem Fürſten Janus Sans guffo , unter den vorigen Gerechtſamen , wieder in den Beſit dieſer Gåter ſetzte. 1766 wurde auf dem Reichda tage verordnet, daß die Beſitzer der Drdinationsgüter jährlich 300000 polniſche Gulden zahlen , dieſe aber zur Iluterhaltung eines Regiments Soldaten zum Dienſt der Republik angewendet werden ſollten . Auf dem folgendent Reichstage von 1773 , wurden Commiſſarien ernennet, um dieſe Conſtitution zur Erfüllung zu bringen , es machte aber der Johanniterritter : Drden abermals Anſprüche an die Ordinations:Gåser , und wurde von Deftreich , RuB: land und Preußen unterſtützet. Die Republit verordnete alſo eine Commiſſion zur Unterſuchung dieſer Anſprüche, und ungeachtet dieſelben nicht für gültig gehalten wurden, fo verordnete ſie doch , daß ein Groß- Priorat und ſechs Commenthurenen får polniſde imb litauiſche Edelleute ges ſtiftet werden, und für die ſieben Pfründen 130000 polnis fche Gulden , von den vorhin erwdhnten 300000 Gulden genommen , die übrigen 180000 Gulden aber zum Nus Ben des errichteten Regimients angewendet werden ſollten. Der bevollmachtigte Miniſter des Drdens Graf von Sas gramoſo, nahm dieſe Verordnung im Namen deſſelben an, und

Klein Polen .'

249

und entragte allen weitern Anſprüchen an die Güter der Droination , die drey Miniſter der genannten drey Höfe aber garantirten dieſe Entſagung. 1774 amu 7 December wurde ein Geſet gemacht, daß das Priorat aus einem Groß-Prior , Baillif oder Großkreuß, und rechs Coinmeus thuren beſtehen , die Beſiber dieſer Pfründe aber jährlich zehn Procent Reſpons- Gelder nach Malta ( chiqen ſollten . 33 ) Oſtrowiec, eine kleine Stadt von 115 Raucha Fången. 34 ) Mitatyn , ein Städtchen von 48 Nauchfången. 35 ) Rafalowla , ein Städtchen von ' 67 Raucha fången . 36) Xowne , eine Stadt von 545 Rauchfången . 37). Subkov , ein Stadtchen von 51 Ranchfången. 38 ) Oſtrozel, ein kleines Städtchen von 17 Rauch fången. 39) Soful , ein Städtchen von 99 Rauchfången . 40) Stepan, eine Stadt von 521 Rauchfången, am Fluß Horyn. 41) Stobychwa, eine kleine Stadt von 105 Rauch . fången. 42) Szpanow , eine kleine Stadt von 118 Rauch. fången . 43 ) Targowica, eine kleine Stadt von 182 Rauchf. 44 ) Caykury , eine kleine Stadt von 153 Rauchs fången. 45 ) Trojanowka, eine kleine Stadt von 122 Rauch ,

fången. 46) Tuczyn , eine kleine Stadt von 149 Rauchf. 47 ) Janowſka, ein kleines Stådtchen von 35 Rauch . fången. 48) Wlodzymirzec , ( Wlodfimicſet ,) eine kleine Stadt von 118 Rauchfången , in welcher ein Grod und wechſeldweiſe mit fuck der laudtag der Woiwodſchaft ges balten wird.

Sie iſt auch der Siß eines Staroſten.

2 ) Die geiſtlichen Güter.

Eine Anzahl Dors

fer, als Białyſtor, von 53 Rauchfången , und 1 ) Lesniowka, ein Stådtchen von 66 Raud )fången. 25 2 ) Fogya

250

Polen.

2) Kozyszcze, ein kleines Städtchen vou 39 Rauchs fången. a ) Torczyn , eide Stadt von 251 Rauchfången . 3 ) Die königliden Güter.

Fünf Dörfer,

und Luck , ( Lutzę,) Luccoria, die Hauptſtadt in Wolyn , am Fluß Styr oder Ster , mit einem Schloß, auf wels bem der hieſige Biſchof wohnet, und die Jeſuiten ein Gols légium gehabt haben . In der Stadt felbſt, welche 597 Rauchfånge hat, iſt ein griechiſcher mit der römiſchen Kira che vereinigter Birdyof, welcher den Rang vor den Polot: der und Smolenſtiſchen Biſchöfen zu haben behauptet, und ſich in Offentlichen Unterſchreibungen des Titels eines Exar chæ totius Ruffia bedienet. Es iſt hier der Sig des Wois woden , eines großern Kaſtellans , und eines Staroſten , and wird hieſelbſt der Grod der Landſchaft, und wechſelos weiſe mit Wlodzimirzce der Landtag derfelben gehalten , 1429 war hier eine amehnliche Zuſammenfunft, auf wels der Kaiſer Sigismund , zwey Könige und andere fürſtlis de Perſonen erſchienen . 1752 brannte ſie größtentheils ab, III Der Diſtrict Prodzimir. Eine Unzahl Dors 1 Die adelichen Gürer. fer, und 1) Bisſelna , ein Städtchen von 97 Rauchfången . 2) Kamien , eine Stadt von 233 Rauchfången . 3) Tieſachacze , eine kleine Stadt von 148 Rauch: fången. 4 ) Ozduitycze, ein Städtchen von 56 Rauchfången , 5 ) Poryd , eine kleine Stadt von 108 Hauchfången . 6 ) Turzyſt , eine Stadt von 307 Raudfången . 7 ) Uſcitug , eine Stadt von 211 Rauchfången , bey welcher der Fluß Lug fich mit deu Bug vereiniger. 2) Die geiſtlichen Gürer, Dörfer und 1 ) Włodzimirs , (molodfimrfch .) eine Stadt von 521 Rauchfången , am Fluß Lug, welcher fich mit dem Bug bereiniget. Es iſt hier ein griechiſchermit der römiſchea Kirche

2

Klein - Polen.

251

Kirche bereinigter Biſchof, welcher den griechiſchen Erzbi. ſchöfen von Polock und Smolenſt vorgehen will, und ſich Protothronium metropolia Kiovienfis fchreibet. Das lußkiſche Bisthum iſt hier zuerſt angeleget worden . 2 ) Jezierzany , ein Stådtchen von 63 Rauch , fången. 3 ) . Die königlichen Güter. Dörfer, und 1 ) Rowel , cine Stadt von 263 Rauchfången , der Vauptort eines Herzogthums. 2 ) Milanowica, eine kleine Stadt von 121 Raudha fången. 3 ) Wyzwa , eine kleine Stadt von 118 Rauchs fången. 4 ) Swinaichy , eine kleine Stadt von 102 Raucha fången.

VIII

Die Woiwodſchaft Podol, Wojewodztwo

Podolſkie,

Palatinatus Podoliae, oder wie die Deutſchen gemeiniglich ſagen , Podolien , iſt ein ungemein fruchtbares {and , ſowohl in Anſeo hung der Weide , als des Getreides , ſowohl in 2b . ſicht auf die Bienen . als Vieh . Zucht. Guagnini ſchreibet , das Getreide vervielfältige rich Hundert. mal , und aus dem Graſe rageten kaum die Dörner der Dchſen hervor.

Um die Mitte des Landes iſt das

Gebirge Dedoborfchen , welches ſich von Norden gegen Süden erſtrecket , aber die Flüſſe Sebrutſche und Smotrſie durchläßt. ' Pobol hat vor Alters ele gene

252

Polen . '

gene Herzoge gehabt. es an Polen.

Caſimir der Große brachte

Wladislav Jagello gab es 1396 dem

frafowſdyen Woiwoden Meiſtin ,

und 1403 ſeinem

Als die. Bruder , Boleslaw Svidrigal, zu Lehn . Tër im folgenden Jahr es mit dem deutſchen Orden in Preußen hielt , kam Podol an Polen zurück.

Da

machten die Litauer Anſpruch daran , drangen auch beſonders 1448 auf dem Reichstage zu Lublin ſtarf, und noch meộr 1456 auf dem Reichstage zu Peter. kau darauf , daß es zu Sitauen geſdılagen werden follte.

Aflein , 1569 ward es auf dem Reichstage zu

Lublin mit Polen vereiniget , wobey es aud) blieb, bis es unterm König Michael 1672 den Türken , weldie es erobert hatten , abgetreten wurde , welche auch bis 1699 im Beſik deſſelben blieben, da es durch den Carlowiger Frieden an Poſen zurück fam . Es wird als ein Stück der llkraine , und zwar der pol. -3 niſchen , angeſehen . Wenn die Woiwodſchaft Bracı law mit zu Podol gerechnet wird , ro nennet man ſie Vieder -Podol, hingegen die podoliſche Woiwod . ſchaft , wird alsdenn Ober-Podol genannt. Dieſe wird in die Diſtricte Czerwonogrodzki, Kamis viecki und Latyczewſki, abgetheilet: allein die

i

beyden teßten ſind unter einem Staroſten vereiniget, welcher Staroſta general Ziem Podolſkich ge. nennet wird , und der erſte gehöret nun faſt ganz zu dem Königreich Gallipien umd Lodomerien. Der land. tag wird zu Kaminiec gehalten , und auf demſelben werden fedis Landboten , zwen Deputirte und ein Es ſind hier drey Sena . Commiſſarius erwähler. toren vom erſten Range, nämlich der Biſchof und der Die podolifche großere Kaftellan von Kaminiec. Fahne

1

Klein : Polet . Faßne enthält die Sonne , im hellblauen Felde.

253 Es

folgen Run die Diſtricte. 1 Der Latitſchewſche Diſtrict. 1 ) Die adelichen Güter. Zußer einer großen 1 Anzahl Dörfer, i ) Jottuszlow , eine Stadt von 254 Rauchfången . 2 ) Joltuszlow Podlesny , von 235 Ranchfången . 3) Sloboda Joltuszlawa, von 114 Rauchfingen , 4) Mezyrow , eine kleine Stadt von 106 Rauch fången. 5 ) Sloboda Miezyrowka , von 93 Rauchfången. 6) Pereznia , eine Stadt von 199 Rauchfangen , am Fluß Wolczek. 7) Dereznia huta , von 71 Rauchfången. 8 ) Sloboda Dereznianſka , von 37 Rauchfången . 9) Derežnia Kalna , von 102 Rauchfången. 10) Czarny Oſtrow , ( Tſcharny Oſtrow ,) eine Stadt von 22.4 Rauchfången , bey welcher der Bog ents Aehet. In dieſer Gegend hat vor Alters Koroſten oder Iſporeft , die Hauptſtadt der Drewler oder Drewlianer. geſtanden . 11) Czerniejowce , ein Städtchen von 102 Rauchs fången . 12) Jaryszow , eine Stadt von 299 Rauchfången , nicht weit vom Dnieſter. 13) Konſtantynow nowy, (neu ) eine Stadt von 308 Rauchfangen . 14 ) Luczyniec, eine Stadt von 205 Rauchfången. 15 ) Mlochylow , eine Stadt am Dnieſter , doa 1167 Rauchfången. 16 ) Międzyborz, (mienoſibors ,) eine etabt am Fluß Bog , von 706 Rauchfången , welche mit großen Moråſten umgeben iſt , daher man nur auf Brücken zu derſelben kommen kann.

17) Mikołajow , eine Stadt von 374 Rauchfången.

18) Mis

Polen .

254

18) Michalpol, ein

Städtchen

von 93 Raucha

fången. 7 19) 20) 21 ) 22) 23 )

Oganynce , eine Stadt von 201 Rauchfången. Pitawa, eine Stadt von 262 Rauchfången . Pilow , eine Stadt von 224 Rauchfången. Szarawka, eine Stadt von 250 Rauchfången. Stara (alt ) Szeniawa, eine Stadt von 344 Rauchfången . 24) Iowa ( neu ) Sziniawa, von 189 Rauchf. 25) Szarogrod, eine Stadt von 1124 Rauchfången. 26 ) Snitowka , ein Städtchen von 89 Raudha fången. 27) Snitkow , eine Stadt von 202 Rauchfången. 28 ) Wonkowce, eine Stadt von 383 Rauchfången. 29 ) Zinkow , eine Stadt von 358 Rauchfången . 30 ) Zamiechow , eine Stadt von 240 Nauchfången. 3.1 ) Bar , eine Stadt von 406 Rauchfången , in welcher, 1768 eine berüchtigte Confideration errichtet worden . 2) Die geiſtlichen Güter.

1

Neun Dorfer.

3 ) Die königlichen Güter. Viele Dörfer, und 1 ) Latycrew , oder Latyczow , ( Latitſchewo ,) die Hauptſtadt des Diſtricts , und der Siß des Grods deffels ben , der aber mit dem zu Kaminiet vereiniget iſt. Sie liegt am Fluß Wolczel, Woltſcher, der unterhalb ders ſelben ſich mit dem Bog vereiniget, und hat 366 Rauchf. 2) Chmielnik, eine Stadt von 497 Rauchfången . 3 ) Jaruga , ein Ståotchen von 63 Rauchfången . 4 ) Ropaygrob , eine kleine Stadt von 171 Rauchs fången . 5 ) Cetniowce , eine kleine Stadt von 172 Rauch. fången. 6) 7) g) 9) fången,

Podole, eine kleineStadt von 109 Rauchfånget. Ploskirow , eine Stadt von 312 Rauchfången . Utunow , eine Stadt von 264 Rauch fången . Wierzbowiec, eine kleine Stadt von 144 Rauch

2 ) Der

Klein - Polen.

255

2 Der Raminiesiſche Diſtrict. 1) Die adlichen Güter. Außer den Dörfern , 1 ) Brzezie , eine kleine Stadt von 140 Raud , fången. 2 ) Dunajow , eine Stadt von 300 Rauchfången . 3) Sulsztyn , eine kleine Stadt von 136 Rauch fången. 4 ) Grodek , eine Stadt von 462 Rauchfången. 5 ) Jarmulince, ein Städtchen von 56 Rauchfången. 6) Kupin , ein Städtchen von 76 Rauchfången. 7) Kalus} , eine Stadt von 136 Rauchfången , am Dnieſtr, über welchen hier 1769 die ruffiſche Armee in die Moldau gieng , und ben welcher 1672 die Sataren gee folagen wurden . 8 ) Kuzmin , ein Städtchen von 46 Rauchfången , 9) Kitaygrod , eine kleine Stadt von 150 Rauchs fången. 10) Miniowce, ein Städtchen von 80 Rauchfången. 11) Xalom , eine kleine Stadt von 142 Rauchs fången. 12 ) Orynin , ein Städtchen von 73 Rauchfånger . 13) Studzienica, eine kleineStadtvon 157 Rauchs fången . 14 ) Salanow , eine Stadt von 527 Rauchfången. 15 ) Sokolec , eine kleine Stadt von 137 Raudha fången. 16) Smotryo , eine Stadt von 287 Rauchfången, am Fluß gleiches Namens. 17 ) Solopkowce, eine kleine Stadt von 118 Nauc . fången . 18) Trampol, ein Stådtchen von 88 Rauchfångent. 19) Szalawa , eine kleine Stadt von 114 Rauchs fången . 20 ) Jwaniet, eine Stadt von 250 Rauchfången .

2 ) Die geiſtlichen Gürer. Ein und zwano sig Dörfer, und Czerce, eine kleine Stadt von 121 Rauchfången. 3 ) Die

Polen .

256

: - 3) Die königlichen Güter. Außer den Dör. fern , und I) Kaminiec ( Kaminiety ) Podolſki , Camene. cum Podoliae, die Hauptſtadt der Woiwodſchaft, und des Diſtricts dieſes Namens , zwey Meilen von Choczyn in der Moldau , mit einem mehr von der Natur, als durch die Kunſt, befeſtigten Schloß , welches auf einem Felfen liegt , und ehedeffen für eine ſtarke Feſtung gehala ten wurde , nun aber ſehr verfallen , jedoch die beſte Fes ſtung in Polen ift. Unter derſelben fließt der Fluß Smoa trica, welcher in den Dnieſter fållt. Die Stadt hat 943 Rauchfånge , iſt der Siß des Woiwoden , eines großeren Kaſtellans , des Staroſten , welcher dem hieſigen und fatitſchewſchen Grod vorſtehet , des Landtags der Bois wodſchaft , eines römiſch - katholiſchen , und eines armeniſchen Bischofs. Das katholiſche Bisthum iſt 1375 entſtanden. 1651 ward die Feſtung vor den Rojaa ken vergeblich belagert , 1672 aber von den Zürfen mit Gewalt zur Uebergabe gebracht, und erſt 1699 im caru lowitziſchen Frieden wieder abgetreten. Nahe dabey ift das Sort der Dreyeinigkeit, in welchem eine Bejas kung lieget. 2 ) Balin , ein Städtchen von 36 Rauchfången, 3) uſzyca, eine kleine Stadt von 123 Rauchfången.

IX

Die

Braßlamiche

Braclawſki

Woiwodſchaft

Wsiewodztwo ,

Palatinatus Bratzlavienſis, iſt ein Theil der ſogenannten polniſchen Ukraine, wird auch als ein Stück von Podol angeſehen , und in dieſem

Fall

Tiederpodol genannt.

Es beſteht aus

Klein : Polent.

257

aus drey Diſtricten (Powiaty ) , welche von den Stådren Winnica, Braclaw, und Zwinog : 00 , benannt werden , und welche insgeſammt ihren Grob zu Winnica haben, wofelbſt aud) der Landtag gehal. ten wird , auf weldiem man rechs ( andboren , zwen Deputirte , und einen Commiffarium erwählei. Dieſe Wahl iſt in Kriegeszeiten zu Wlodomir in Wolyn angeſtellet worden . Es ſind hier nur zwen Sena di ren vom erſten Mange , nämlich der Woiwode and Kaſtellan von Braclaw. Ihre Kriegsfahne enthält ein goldenes Cavalier Kreuk , in deffen Mitte ein blauer Schild , mit vem balben abnehmenden Mond, im rothen Felde.

1 Die adelichen Gürer.

Eine große Anzahl

Dörfer , und 1) Buti, eine kleine Stadt von 136 Rauchfången. 2 ) Berszada , eine Stadt von 342 Rauct fången . 3 ) Brachitow , eine kleine Stadt von 213 Rauch fången an einem See, aus welchem der Fluß Now kommt. 4 ) Balowka , eine kleine Stadt von 109 Rauch fången. 5 ) Czeczelnik , eine kleine Stadt von 114 Maudy. fången . 6) Czuryłow , eine kleine Stadt von 149 Rauchs fången. 7 ) Czhinowka, ein Städtchen von 87 Raudsfången. 8 ) ( 398zczowa, eine kleine Stadt von 118 Rauchs fången. 9) Dasyow , eine kleine Stadt von 112 Rauchi fången. 10 ) Dziemkow , ein geringes Stádrchen von 21 Rauchfången. 11) Granow , eine kleine Stadt von 179 Rauds fången . X 2 Th. 87.

Polen .

258

12) Januszgrad , ein Städtchen von 55 Rauche fången . 13) Jozefgro8 , eine kleine Stadt von 100 Rauch , fången. 14 ) Janow , eine kleine Stadt von 281 Rauch fången . 15) Senice ,

eine kleine Stadt von 202 Rauch:

fången . 16 ) Komargroo, eine kleine Stadt von 174 Raudia fången . 17) Krute ,

ein kleines Städtchen von 19 Rauch :

1 fången 18 ) Konela, ein Städtchen von 62 Rauchfangen. 19) Ralnie , eine kleine Stadt von 154 Rauch: fången . 20) Krasne , eine Stadt von 398 Rauchfången. 21) Lipowiec, eine kleine Stadt vou 126 Raudha

fången. 22) Ladyszyn , eine kleine Stadt von 180 Rauch : 1

fången. 23) Culaszowka, eine kleine Stadt von 190 Rauch fången . 24 ) Monaſterzyszcz0 , ein Städtchen von 68 Rauch

fången . 25) Mosny , eine kleine Stadt von 197 Rauch fången .. 26) Muraffa , eine kleine Stadt von 183 Rauchf. 27 ) Miaſtowka, eine Stadt von 386 Rauchfången. 28) Tiemierow, eine Stadt von 326 Rauchfången, in welcher 1737 ein Friedenscongreß, zwiſchen römiſch ruſfiſch- und türkiſch -kaiſerlichen Gevolmachtigten, anges ſtellet wurde. Sie gehöret der fürſtl. Familie Potocki. 29 ) Obodowka, eine kleine Stadt von 133 Rauch fängen. 30 ) Pikow , eine kleine Stadt pon 147 Rauch fången. 31 ) Peczera , eine kleine Stadt von 203 Rauchf. 32) Pnyłuka , ein Städtchen von 64 Rauchfången,

Klein - Polen .

259

The

33 ) Raszkow , eine Stadt von 321 Rauchfången . 34) Xaygrod , eine kleine Stadt von 100 Rauchfa 35 ) Szawran, eine kleine Stadt von 121 Rauchf. 36) Strzyzowka, eine kleine Stadt von 201 Rauch . fången. 37 ) Siedliszcze , ein Städtchen von 70 Rauchf. 38) Tulczyn , ' eine kleine Stadt von 179 Rauch fången . 39) Wieszdowka , ein Städtchen von 60 Raucha fången. 40) Troscianiec , ein Städtchen von 59 Rauchs fången . 41 ) Tetijow , eine kleine Stadt von 102 Raucha fången . 42 ) Piatyhory Miaſto, ein Städtchen vou 77 Rauchf. 43 ) Targowica, eine kleine Stadt von 188 Raucha fången , am Fluß Sinucha , der in den Bog fått. Sie hat den Namen von dem Handel , welcber hier als au eis nem Grånjort mit Neu -Servien , oder wie es nun heißt, Neu -Rußland getrieben wird , und vorher mit den Sapo. roger Rojaken getrieben worden. 44 ) Teplik , eine kleine Stadt von 197 Raucha fången. 45 ) Tywrow , eine kleine Stadt von 102 Rauchf. 40) Tomaszpol, eine kleine Stadt von 104 Rauch. fången . 47) Suman oder Uman , eine befeſtigte Stadt und Herrſchaft des Hauſes Potodi , welche 1768 von den aufs růhriſchen Bauern jåmmerlich verwüſtet worden. Sie hat 418 · Rauchfånge. 48 ) vooroszytowla, ein Städtchen von 59 Rauch, fången. 49) Zywołow , ein Städtchen von 96 Rauchfången . 50) Zerniszcze , ein Städtchen von - 86 Rauch ,

fången . 51) Balta, ein Grånzort am Flüßchen Kolima. " 2 Die geiſtlichen Gürer. R ?

Vier Dörfer.

3 ) Dig

960

Polen.

3 Die königlichen Güter. Eine Anzahl Dörfer, uno i) Bractaw , ein Städtchen von 53 Rauchfången , welches mit Wall und Graben umgeben iſt, und am Bog ftehet. Es wird auch S. Petersſtadt genannt, weil es S. Peters Bildniß im Wapen führet. 1654 ward es den Koſaken weggenommen. 2) Lityn , eine Stadt von 233 Rauchfångent. 3) Taraszcza , eine kleine Stadt von 114 Rauch fången. 4) Winnicz oder winnicza (Winnitſcha ,) eine Stadt von 244 Rauchfången , der Siß des Landtags, Orods und der Staroſten der ganzen Woiwodſchaft, ftebet ant Bog , iſt mit einem Wall umgeben , und hat ein ehes maliges Jeſuiter Collegium . 1650 wurden bey derſelben Die Sataren geſchlagen . 5) Stare Miaſto , (Altſtadt) eist Städtchen von 94 Manchfångent.

/

IX

Die Woiwodſchaft Kijow Woiewodztwo

Kijowſki ,

Palatinatus Kiovienſis, ·

iſt auch ein Theil von der ſo genannten likraine. Nad langem Streit zwiſchen den Polen und Litauern , ob ſie zu Polen ober Litauen gehören rolle ? har K. Sigismund Äuguſt dieſelbige 1569 zu jenem geſchlas . gen. Im andruſſowiſchen Vergleid) von 1667, trac die Republik das Stück von der Ukraine , welches jenſeits des Dnieper liegt, nebſt deſſelben Einwohnern den Koſaken auf ewig, die Stadt Kion aber auf zwey

Jabre

261

Klein - Polen . Jahre an Rußland ab.

Dieſes wurde von 1686 gle

To beſtåtiget , daß auch die Stadt Kiow auf ewig an Rußland überlaſſen ward, und der König von Polen machte ſich anheiſchig , in Briefen an den ruſſiſchen of fich des Titels von Kiow nicht zu bedienen . Es iſt alſo bey Polen nur der kleinſte Theil der Woiwods fdjaft Kiow geblieben.

Dieſe beſteher aus den Dia

ſtricten Zyromitſki, Kijowſki und Owruczki, weldje unter eben ſo viel Grods und Staroſteyen ſte. hen . Die Sandtage werden in Friedenszeit zu Zytos mirz, in Kriegszeit aber zu Wlodimir in Wolyn geo Halten . Man erwählet auf denfelben zwey Landbou ten , zwey Deputirte und einen Commiſſarius. Es ſind hier drey Senatoren vom erſten Range , nåm . lich der Woiwebe und Biſchof von Kiom , und ein großerer Kaſtellan.

Die Kriegesfahne enthält einen

weißen Engel, mit einem Schein um den Kopf, in der rechten Hand die Spiße eines gezogenen Schwerdts, gegen die Erde , und deſſen Scheide,

eben ſo in der

linken Hans şaltend , im goldenen Felde. 1 , Der Kijowſche Diſtrict, 1 Die adelichen Güter. Viele Dörfer, uno 1 ) Biatopol , ein Städtchen von 89 Rauchfången , 2) Bitytowka, eine Stadt von 223 Rauchfången, 3) Boradzanka, eine kleine Stadt von 172 Rauch fången. 4 ) Barszozaiowka, ein Städtchen yon 78 Rauch fången , am Fluß Ros. 5) Brufitow , eine Stadt von 381 Rauchfången. 6) Czerwong, eine kleine Stadt von 134 Rauch fången . 7 ) Chodorkow , eine Stabt von 555 Rauchfången. 8) Demidow , ein Städtchen von 57 Nauchfången.

R 3

9) R

$5

262

Polen .

2) Xyszczow , eine kleine Stadt von 191 Rauchs fången. 10) Jisnohorodka, ein Städtchen von 80 Rauchs fången . 11 ) Jwuica , ein Städtchen von 77 Rauchfången. 12 ) Kotelnia ſtara (alt) eine kleine Stadt von 177 Rauchfången. 13 ) Iowe ( neu) Kotelnia , ein Städtchen von 41 Rauchfingin 14) Lifianka , eine Stadt von 457 Rauchfången . 15 ) Stembław, eine kleine Stadt von 181 Rauchs fången. 16) Olchowiec , eine Stadt von 280 Rauchfången , 17 ) Leszczyn , eine kleine Stadt von 173 Rauch fången. 18 ) Międzyniecz , (Mienoſinetſch ) ein Städtchen fon 71 Rauchfången. 19 ) Makarow , eine kleine Stadt von 147 Raucha fången. 20) Kiowoſiotti, ein Städtchen von 87 Rauchfången . 21 ) Pawolocz , eine Stadt von 396 Rauchfången, Am Fluß Rastawica. 22 ) Pohrebyszcz0 , eine Stadt von 432 Rauchs fången. 23) Ruzyn , eine Stadt von 262 Rauchfången . 24 ) Chodorow, ein Städtchen von 90 Rauchfången . 25 ) Smiło, eine Stadt von 348 Rauchfången , der Hauptort einer Herrſchaft , welche dem fürſtlichen Hauſe Lubomirſki gehöret. 26) Sorodzyszcze, ein Stadt von 388 Raudy. fången. 27 ) Olszana , eine Stadt von 261 Rauchfången. 28 ) Turya , eine Stadt von 281 Rauchfången . 29) Szpola , eine Stadt von 260 Rauchfången . 30) Wafitow , ein Städtchen von 52 Rauchfången. 31 ) Włodarka , eine kleine Stadt von 272 Rauch fången .

32 ) 394

0

10

Klein . Polen .

263

32) Zabołyn , eine Stadt von 213 Rauchfången. 33 ) Kamionka , eine kleine Stadt von 152 Kaucha fången. 2 Die geiſtlichen Gürer .!

Eine Anzahl

Dörfer , und 1 ) Saft: w , eine Stadt von 347 Kauchfången. 2) Radomysl, ein Stådtchen von 63 Rauchfången . 3

Die königlichen

Güter.

Eine große

Anzahl Dörfer, und 1) Biatocerkiew , eine Stadt am Fluß Ros , von 613 Rauchfången , bey welcher die Tataren 1626 eine große Niederlage litten . 2 ) Stawiszcza (Stawistfcha) eine Stadt von 447 Raud)fången. 3) Bohustaw , eine Stadt von 381 Rauchfången . 4 ) Czerkaſy , ( Tſcherkaſi,) eine Stadt von 528 Rauchfången, am Dnieper , welche ehedeffen eine Regis meniſtadt der Roſaken war. 1637 wurde ſie von den Po. len eingeſchert. 5) Briałozor, eine Stadt von 372 Rauchfången. 6) Lomowate, eine kleine Stadt von 175 Rauchs fången. 7 ) Dymir, eine kleineStadt von 185 Raudsfången . 8) Sermanowa, eine Stadt von 231 Raucha fången. 9) Korſun , eine Stadt von 182 Rauchfangen, am Fluß Ros , welche ums Jahr 1581 vom König Stephan erbauet worden . 1o) Sachnowka , ein Städtchen von 75 Rauchs fången. 11 ) Kwihtli, eine kleine Stadt von 169 Rauca

fången. 12 ) Koczowata, eine Stadt von 271 Rauchfången . 13 ) Raniow , oder Kaniew , eine kleine Stadt von 251 Rauchfången , am Dnieper , mit einem Schloß vad griechiſchen Kloſter. 14) Kozow , ein Städtchen von 86 Rauchfangen. 15 ) X 4

264

i

· Polen.

15) Rowanowfa , ein Städtchen von

75 Raud)

fången . 16) Siwira , eine kleine Stadt von 227 Rauchs fången. 17) Szawulicha , ein Städtchen pon 75. Naudha fånzen 18 ! Trehtamirow , ein kleines Städtchen von 25 Rauchfången . 19) Jwinogrod, eine kleine Stadt von 204 Raudy: fången . 20) Balnobłota , eine Stadt , fon 315 Rauch : Fången . 2. Der Zyromitſiſche Diſtrict.

1 Die adelichen Güter,

Eine große Anzahl

zahl Dörfer und 1 ) Berdiczom , eine Stadt von 447 Rauchfången. Sie har berühmte Jahrmärkte. 2) Kaygrodel , ein Städtchen von 92 Rauch fången, 3 ) Czartoryia Pfara , ( alt) eine kleine Stadt von 113 Rauchfången . 4) Czartoryia nowa ( neu ), ein Städtchen von 70 Rauchfangen . 5 ) Czudnow , ( Tſchudnow ) alt und neu ,' eine Stadt von 555 Rauchfången , auf beyden Seiten des Sluſſes Teterom . 6 ) Piatka ; eine kleine Stadt von 181 Rauch : fången, 7 ) Ianuszpol, eine Stadt von 277 Rauchfången, 8 ) Czerniechow , eine kleine Stadt von 203 Rauch. fången. 9) Gornoſtaypol, cine kleine Stadt von 112 Raudje fången. 10) IwanPove, ein Städtchen von 97 Rauchfången, 11 ) Kodnia, eine kleine Stadt von 182 Rauchfången, 12) Boroſtoszow , eine Stadt pon 357 Rauds fången , 13 ) Kras

Klein- Polen.

265

13 ) Krasnopol, eine kleine Stadt von 203 Rauchs , fången. 14 ) Jlinft , ein kleines Sådtchen von 20 Rauci . fången. 15 ) Malin , ein Städtchen von 59 Rauchfången . 16) Miropol ſtacy ( alt. ) ein Stådtchen pon 80 Rauchfången. 17) Miropol nowy , (nen,) eine kleine Stadt von 108 Rauchfången. 18 ) Prazow , ein Städtchen von 65 Rauchfången . 19) Stobodyszcza, eine kleine Stadt von in Hauch . fången. 20 ) Trojanow, eine Stadt von 293 Rauchfången . 21 ) Ulezomier } , ein Städtchen von 40 Rauds fången . 22) Xiawercze, ein Städtchen von 42Rauchfången, 23 ) Zwiachel , eine kleine Stadt von 234 Rauch fången. 2 Die geiſtlichen Güter , 5 Dörfer. 3. Die königlichen Güter. 7 Dörfer , und Žytomierz , die Hauptſtadt des Diſtricts , und der Sit feines Grods und Staroſten , woſelbſt auch der fandtag der Woiwodſchaft gehalten wird . Sie liegt am Fluß Çeterow , und hat 303 Rauchfånge,

3. Der Diſtrict Owrutfuts. 1 Die adelichen Güter.

Außer einer großen

Anzahl Dörfer, 1) Brachin , eine Stadt von 249 Rauchfangen . 2 ) Czarnobyl , eine Stadt von 250 Rauchfången, am Fluß Przypiec, 3 ) Choynik , ein Städtchen von 109 Rauchfången, 4 ) Labrię, eine Stadt von 118 Rauchfången. 5 ) Cuchyny, ein Stadtchen von 90 Rauchfången, 1 6) Yarodycze , eine kleine Stadt von 175 Rauch fången, am Fluß uſchai R5

7 ) 1701

266

Polent . 7) Yorzyriſt , ein Stådtchen von 72 Rauchfången. 8 ) Olemit, eine kleine Stadt von 112 Rauchfången. ) Wielenoniti , eine kleine Stadt von 146 Rauchs .

fången.

2 Die geiſtlichen Güter.

37 Dörfer.

18 Dörfer, und 3 Die königlichen Hüter . Owrucz, ( Owratſdi) die Hauptſtadt des Diſtricts, ber Sitz feines Grods und Staroffen . Sie hat nur 162 Rauchfänge. Aniert . Czernichowſki Woiewodztwo, die moois wodſchaft Tſchernichow , ein ehemaliges Fürſtenthum , wurde 1618 von Rußland an Polen durch den im Dorf Diwilin geſchloſſenen Frieden , abgetreten , und dieſe Ub tretung ward 1634 alſo beſtåtiget , daß fich der ruſſiſche Bar auch des Titens eines Fürſten von Zſchernichow bes gab. Allein , unterm König Johann Caſimir , nahmen die Ruffen außer andern Landſchaften , auch dieſe den Pos len weg , und behielten ſie 1667 im andruſſowiſchen Fries den , welches 1686 durch den moſkowiſchen Frieden beſtås tiget wurde. Es haben zwar noch zwey Senatoren vom erſten Range , von Czernichow den Titel, nåmlich ein . Woiwode und ein größerer Kaſtellan : es werden auch auf dem Landtage dieſer Woiwodschaft , der zu Wlodimir in Bolyn gehalten wird , vier Landboten , zwey Deputirte und ein Tommiffarius erwählet , und man rechnet zwey Diſtricte mit ihren Grobs und Staroſten , zu derſelben , nåmlich den von Czernichow und Gowogrod : allein , die Städte , von welchen dieſe Diſtricte den Namen has ben, gehören zum ruſſiſchen Reich , und es låuft alles , was von dieſer Woiwodſchaft gefaget wird , blos auf Namen und Zitel bingus.

! TI

41

267

III Das Großherzogthumn Litauen .

$. 1 .

Litauen , ben ben Einheimiſchen Liewa ; war ehemals ein fehr waldichtes und wenig angebau , tes land.

Nachdem es aber unter Sigismund I und

den nachfolgenden Königen zu mehrerer Ruhe gekom . men iſt, ſind die Waldungen dunner gemacht , und das land iſt mit mehrerem Fleiß bearbeitet worden. Es liefert viel Pott- und Weid » Uſche , bauet viel Getreide und Buchweißen , verfertiget aus dem

vie.

len Honig wohlſchmeckende Getränke, als Meth, lips piſ, Mallinieck; hat vortreflide Wieſen, gute Vieh . zucht, Schafe, deren Wolle ſebr fein iſt, wichtige Fiſchereyen wegen der vielen Landſeen ; Wåldern find Båren , Wolfe ,

und in den

wilde Schweine ,

Auerochſen , Reße , und ungemein viel Hafelhühner. Allein , ſo gut auch das land iſt , ſo ſchlecht iſt doc) die Wirthſchaft. Der beſte Ucker liegt wüfte , das Heu verdirbet auf den guten Wieſen, und die Wåls der gerathen durch Verwahrloſung in Brand. Alle Lebensmittel ſind ungemein wohlfeil, aber es iſt we. nig Geld unter den Leuten , daher von Ioo an Zinſen 10 bezahlet werden . 8. a Lußer den Römiſch-katholiſchen , find auch viele lutheraner, Reformirte, Griechen, Socinianer, Juben und Muhammedaner im Sande. Das land hat , ſeiner genauen Verbindung mit Polen ungeach . tet, ſeine eigenen Gefeße, Hemter und Armee.

9.3 Die

268

Polen .

6.3 Die älteſte Geſchichte derſelben iſt dunkel, ungewiß und fabelhaft. So viel iſt gewiß, daß vor Uiters, als die Litauer in Curland, Schamaiten und einen öſtlich an dieſem liegenden nicht breiten Strich Landes, eingeſchränket waren, alles übrige Sand, wel. des nachmals den Tirul des Großherzogthums li tauen bekommen hat , zu Rußland gehöret hat. Nelor , der ålteſte ruſſiſche Geſchichtſchreiber , rech. net Sitwa zu den ruſſiſd;en Propingen, und Polozf zu Den ruffiſchen Städten , welchen der Großfürſt Dleg im Jahr 907 von den griechiſchen Kaiſern einen Eric Die eben genannte Stadt Poloze, but ausmachte. ijt merkwürdig , denn ſie war im leßten Viertel des zehnten Jahrhunderts der Sie des Fürſten Rog.

2

wold, deſſen Tochter Rogneda der ruſſiſche Großfürſt Wladimir der Große , zur Gemalinn begehrte , und als die Prinzeſſinn ſich nicht dazu entſchließen wollte, se derſelben Vater mit Krieg überzog , und ſich ſeiner é

Hauptſtadt bemachtigre, ' wobey Rogwold nebſt zwey : Söhnen erſchlagen , die Rogneda aber dem Sieger zu Theil ward . Dieſer zeugte mit ihr den Jafaslaw , und als er ſid ) von ihr ( chied , ließ er Poloze wieder ſchickte die Rogneda mit ihrem älteſten Sohn Jſaslar dahin , und räumte ihr die Stade

aufbauen ,

und das idazu gehörige land als ein abgetheiltes Für. Dieſes Fürſtenthum , welches Jſas ftenthum ein. law und ſeine Nachkommen beſaßen, und Poloze zur Hauptſtadt hatte , begriff ganz Litauen , bis an den Fluß Niemen oder Memel , und einen großen Theil yon (iefland. Nach Abgang dieſer Fürſten , entſtund im dreyzehnten Jahrhundert das Großherzogthum Sitgur

1

1

Das Großherzogthum Litauen .

269

Litauen , und Ringold nahm 1230 -zuerſt den Titul Die ruſſiſchen eines Großfürſten von Litauen an . Geſchlechtsbücher, ( Rodoslownie, ) leiten dieſe Großa fürſten von den ehemaligen polozfiſchen Fürſten her : es fehlet aber der Beweis dieſer Abſtammung. Die Großfürſten bezwungen Poloze , und unterwarfen fich alle übrige ruſſiſche Derter derſelben Gegend. Mit dem Woiſtinit gieng der alte herzoglide Stammt 1268 aus. Gegen das Ende des dreyzehnten Jahrą. erhielt Wicen aus Schamaiten die großherzogti. che Würde; deffen Sohn Gedimin ihm 1315 in der Regierung folgte,

welcher Wilna erbaute , und zu

ſeiner Reſidenz machte.

Er überwand den ruſsiſdien

Großfürſten Stanislav zu Kiow , und wurde, als er dieſe Hauptſtadt erobert hatte , zum Großfürſten von Rußland ausgerufen, welchen Titel ihm aber die polniſchen und litauiſchen Gefd ichtſchreiber nicht gea ben.

Sein Enkel Jagello hielt um des polniſchen

und ungariſchen Königs Judewig hinterlaſſene Prin. deſſinn Hedwig , die zur Königinn gekronet war, an, und verſpracy, daß er mit ſeinem ganzen Volk zum Chriſtlichen Glauben treten ,

Litauen mit Polen ver.

binden, und die verlornen ( ånder wieder an das Reich bringen wolle .' Den Polen gefiel dieſer Antrag : ver Großherzog wurde durch öffentliche Geſandte einges laden , kam 1386 nach Krafon, wurde getauft, und Uladislaus genannt , und , nachdem er mit der Ko. Im folgenden niginn vermåhlet war , gekrönet. Jahr gieng er nach Litauen , ſchafte die alten aber: gläubiſchen Gebrauche ab, bewegte viel tauſend Men. ſchen zur Annehmung der chriſtlichen Religion , fifa tete das Bisthum zu Wilna , und ordnete die Rir. dens

270 chengebräuche.

Polen. 1392 machte er ſeinen Vetter Alex

rander oder Vitol zum Großherzog von Litauen, je. doch der Vereinigung mit dem Reich ungeſchadet, weil der König die Oberherrſchaft behielt. 1401 ward die Vereinigung von Litauen auf dem Landtag zu Wilna , durch einen Bekräftigungsbrief befeſtiget. 1408 nahm der Großherzog den deutſchen Rittern 1413 wurden auf einem Landtage Schamaiten ab . im Städtchen Horodlo die lita: ter in Anſehung der Bedienungen und Geſeke den Polen gleich gemachet,

NI viele von ihren Geſchlechten unter die polniſchen eine geſchoben , und die Wapen vereiniget. Es wart auch verordnet , daß die Attauer ihren Großherzog vom König von Polen erhalten , und die Polen , wenn ihr König ohne Kinder oder ohne erbliche Nachkom . men abgienge, zugleich mit den Litauern den König wählen ſollten . Schamaiten nahın den chriſtlichen Glauben an , und es wurde daſelbſt ein Bisthum , nebſt andern geringern geiſtlichen Aemtern , geſtiftet. 1499 wurde mit den Litauern das 1413 errichtete Bůnds niß erneuert, wozu noch dieſe Erläuterung fam, daß weder die Sitauer ohne Vorwiſſen der Poien einen Große Herzog , nodi dieſe einen König ohne die litauer er . wählen ſollten. 1561 unterwarfen die Schwerðfråger ſich und ihr noch übriges Theil von Liefland , der Bothmaßigkeit des Königs von Polen , als Große Herzogs von Litauen , und der neue Herzog von Cure land, wurde ein litauiſcher Sehnemann. 1569 ward auf dem Reichstage zu {ublin, den die Polen und die tauer gemeinſchaftlich hielten , das Großherzogthum alſo mit dem Königreich vereiniget, daß es nur ein gemeines Weſen und unter einem

Fürſten ſeyn ſolle

Das Großherzogthum Litauen.

271

te. Diefen ſollten bende Völker in Polen , und zwar zum König von Polen und Großherzog von Litauen, erwählen ; dergemeinſchaftliche Reichstag ſollte jedeco zeit in Warſchau gehalten werden ; beyde Vstfer ſollten einen Rath und eine landbotenſtube, und die Münze von gleichem Werth, auch die Bündniſſe, Hülfsrólfer und alles gemein haben. Ueberbieß wurden den li. tauiſchen Reichs. Råthen und abelichen Landboren , ihre Stellen unter den polniſchen Ständen angerie. fen , und es kam zugleid, Liefland , welches bisher Litauen ſich allein angemaßet hatte , folchergeſtalt an das Reich , daß es zu Polen und Litauen zugleich ges rechnet wurde. In den Reichsgefeßen von 1673,1677 und 1685 ward ausgemacht,

daß immer der dritte

Reichstag zu Grodno gehalten werden ſolle ; doch wurde der Convocations , Wahl . und Kronungs . Reichs- Tag ausgeſchloſſen .

1697 wurden die polni.

fachen und litauiſchen Rechte einander gleich gemacht. 1772 nahm Rußland einen Theil von Litauen in Beſik. g. 4 Litauen beſtehet jeßt noch aus ſechs Woiwoda ſchaften , die dem Range nad) alſo auf einander fola gen : die wilnatiſche , trokiſche, polotſkirche, novogrodekſche, befeſbiſche , und minſkirche. Die erſten benden machen das eigentliche Litauen (Litwa fama ,) und die folgenden das litauiſche Rußland ( Rus Litewſka ,) aus , welches wieder eingetheilet wird, theils in Weiß :Rußland, (Rus Biala ,) dazu die Woiwodſchaften Poloze , und Minff gehören ; theils in Schwarz -Rußland , (Rus tſcharna ,) dazu die Woiwodſchaft Nowo. grodef , und die Diſtricte Rſetſch und Moſirſki geho. ren , theils in Poleſfien , (Poleſie,) dazu die Wol. woda

Polent.

272

wobſhaft Brzeſc gehöret. Zu dieſen Woiwodſchaf. ten kommt noch das Fürſtenthum Schamaiten ,

auf polniſch Jmuids oder Rzieſiwo Jmudeſki.is

Eine jede Woiwodſdiaft wird in gewiſle Diſtricte kli (Powiaty) abgetheilet; was aber zu jedem Diſtrict gehöre ? das zeigen die Landcharten an. Es giebt in Litauen noch beſondere Fürſtenthümer, die von ih . ren eigenen Fürfien regieret werden ; dergleichen ſind Slukk, Nieswitſch zc. zelnen Theile ,

Ich beſchreibe nun die ein

aber nicht ſo genau als Polen , weil

2:

es mir dazu an Hülfsmitteln fehlet.

I Das eigentliche Litauen , Litwa fama. 1

Die Wciwodſchaft Wilno ,

Woie:

wodztwo Wilenſki, Palatinatus Vilnenſis, begreift fünf Diſtricte, deren jeder feinen Landtag bes ſonders , und zwar an dem Ort, wo er ſeinen Orod hat , hålt, auf demſelben aber zwey landboten , und zwer Deputirte zum Tribunal von Sitauen wähler. Die Fahne der Woiwodſchaft, zeiget auf einer Seite im blauen Felde , das Wapen des Großherzogthums, nämlid) einen gewaffneten Mann, der auf einem weiſ. fen und laufenden Pferde riket, mit der rechten Hand feinen Säbel über dem Kopf hält ,

und am linken

Arm einen Schild mit Kreußen führet: auf der an . bern Seite der Fahne aber im

rothen Felde, das alte

Wapen der Litauer, weldes dieſe Geſtalt hat, untis, und den Namen der dren weißen Säulen hat. 1 ) Powiar Wilenſki. Er hat 4800 Feuere ſtellen. ( t ) Wilna, wilda , Wilno, die Hauptſtadt des Großa

.

Das Großherzogthum

Litauen .

273

afo

Großherzogthums, und der Sitz eines Woiwoden und 11, großern Raftellans, des fandtags und Grods des . Dia El . ſtricts Wilna, welcher lette von dem Boimoden abhånget. cre Sie liegt an dem ſobiffbaren Fluß Wilia , da, wo die is lifa hineinfågt, und ſtehet in einer bereichten Gegend, auf vielen Hügeln ; iſt ſehr groß , und hat zwey große t Beb Vorſtådte Untokolla und Rudaiſchka. In dem alten i verfallenen königlichen Schloß iſt das Zeughaus, und der in Eribunalſaal, und gegen über die 1386 erbauete koſtbare ei Schloßkirche, die einen großen Schak verwahret , und 8 die prächtige marmorne Kapelle des heiligen Caſimirs ents hålt , welches Heiligen filberner Sarg 30 Centner wiegen foll. Es find in der Stadt über 40 Kirchen , darunter eine lutheriſche , eine reformirte, eine Juden:Synagoge , eine 1.

M.

tatariſche, eine griechiſche, und die übrigen ſind katholiſch . Der altern Berwüſtungen , welche die Stadt 1610 und 16 ; 5 von den Ruſſen , 1737 aber von einem Brande er fahren hat, nicht zu gedenken , ſo hatſie 1748 durch eine erſchredliche Feuersbrunſt 13 Kirchen , die jüdiſche Synas goge, 25 Paláſte, 469 ſteinerne Håuſer, Hoſpitaler, Höfe, Badſtuben , Klöſter , Mühlen , 146 Krambuden und Upor thefen , und ſehr viele Speicher und Waarenbehältniſſe, und 1749 nocy 6 Kirchen , das Rathhaus, 8 Paláſte, und 277 andere ſteinerne Gebäude, verloren. An der Kapelle des heiligen Caſimiro allein find ganze Millionen verloren ges gangen . 1760 und 1775 haben neue heftige Feuersbrüne biele Kirchen , Kidſter und Häuſer in die Aide geleget. Das hieſige römiſch - katholiſche Bisthum iſt 1387 geſtiftet ; es iſt hier auch das Domkapitel, und es halten ſich hier viele Geiſtiche und Ordensleute auf. Die 1570 vom Biſchof vas lerian Schuſtowfti Protafeiiß geftiftete und 1579 vom Kos nig Stephan beſtåtigte Univerſitet, iſt in dein ehemalis gen Jefuiter : Collegium . Der Biſchof iſt ihr beſtändiger Kanzler, und mit derſelben iſt ein Collegium nobilium , ders einiget. Die Patres piarum ſcholarum haben hier ein Collegium . Es iſt hier auch ein griechiſcher Metropolit, und ein griechiſches Studium theologiae ſpeculativae. Das Tribunalgericht, welches hier gehalten wird , fånget in der Th.8 2 .

274

Polen .

der zweyten Woche nach Oſtern an , und währet zwanzig Wochen lang, alsdenn die Richter ſich entweder nach Nouda grodek oder Minſk begeben. Der Magiſtrat ift 1568 durch ein Privilegium vom König Sigismund Auguft dem Adel gleich gemacht worden ; daher die Kinder der Magiftrats , perſonen Landgüter beſiken können. Weil hier viel Jus den und Muhammedaner find , ſo werden wöchentlich dren Fenertage gefevert. Die Stadt treibet ſtarken Hans del, und ſchickt ihre Wittinnen bis Königsberg. Sie iſt vom Großherzog Gedimin erbauet. 2 ) Riernow , ein Städtchen am Fluß Wilia , wos

I

felbſt die erſte Reſidenz der Großherzoge geweſen iſt. 3) Giedrovcie oder Grotvoice , ein Städtchen . 4) Dubinki , eine Stadt, der Hauptort eines Fürſtenthums, welches dem Fürſtl. Hauſe Radzivil gehöret. 5 ) Inturki, ein offenes Städtchen. 6) Ziemęczyn, (Siementſchin ) oder Vliemienczik, (Piemientſchik,) ein Städtchen . 7 ) Miedniki , ein Fleden . 8) Zyzemſk , ein Städtchen . 9) Brudzewo , ein Flecken . 19) Dworzyszcze, (Dworſiſchtſche , ) ein Städte

chen. II ) Soleczniki, (Soletſchniti,) ein Städtchen . 2 ) Powiat Lidzki, Hat 5030 Rauchfange. 1 ) Lida , eine Stadt und Schloß , wofelbft der Landtag und das Landgericht des Diſtricts gehalten wird , und eine Staroſtep iſt. 2) Qubicy , ein Städtchen. 3 ) Tacz , ( Tatſch ) und Roniawa , offene Stadts chen . 4) Beniakony , ein Stadtden , 5 ) . Blottno , eine Stadt. 6) Jyemuny, oder Zermony , ein Städtchen. 7 ) Bialogrod , Milaw , labieda , Jelna , Bine lica , kleine Stådte.

8) Jos

Das Großherzogthum Litauen .

275

8) Soludel , und Kozanka , kleine Stadte. 9) Szczuczyn , (Schtſchutfchin , ) ein Stådtchen , in welchem ein Collegium P. P. piarum ſcholarum ift. 10) Kamionka , Waſiliſki, Wawiec , (Wawiesse ) Zablocie und Vowyowor , kleine Städte.

3) Powiat Oszmianſki, Hat 8420 Rauchfänge. 1) Oszmiana , ( Orthmiana , ) die Hauptſtadt des Diſtricts , und der Sitz des Landtags , Grods und Staro , ſten deſſelben , 7 Meilen von Wilna . 2) Zupcany , ein offenes Städtchen. 3 ) Smorgonie , eine Stadt. 4 ) Byſtrzyca, ( Biſtrfitsa , ) eine Stadt am Fluß Wilia. 5 ) Daugieliszki, ein Stadtchen. 6 ) Cuczay , (Luthai , ) ein Städtchen . 7) Slubokie , oder Glybokie , ein Städtchen , wela dhes nach der Folinſchen Charte zu Polozk gehöret. 8 ) Oſinhorodoß , eine Stadt . 9) Danilowicze, ( Danilowitſche ,) eine Stadt. 10) Miadziol , oder Miedzial , eine Stadt. 11) Serwecz , ( Serwetſch, ) oder Sierwecz , ein Stådtchen . 12) Dolhinow , ein Städtchen . 13) Krayit , eine Stadt. 14 ) Wileyka , oder Wylifa , ein Städtchen . 15 ) Zodziszki , oder Sodziſki , eine Stadt am Fluß Wilia. 16) Sorodek Pieczkowſki, ein Städtchen . 17) Slowinſt , ein Städtchen . 18) Olszany, ( Olſhany.) oder Olfiany, ein @tadta

then , hatte vor Alters. den Titel eines Herzogthums. 19) Traby , und Dziewieniszli, Stådte. 20 ) Sierwiliszki, (Sierwiliſchli ,) ein Stådtchen. 21 ) Bogdanowo , ein Städtchen . 22) Sobotnili , ein Städtden . 23) Lipnyszki, (Lipniſchki ,) ein Städtchen . 24) Iwie , eine Stadt.

25) DUE

276

Polen. 25 ) Duda , oder Dudy , ITaliboli, und Kamien,

Stadtchen. 26 ) Wiszniow , (Wiſchniow ,) eine kleine Stadt, 27) Woloczyn , eine kleine Stadt. 28 ) mlodziezno , oder Molodeczna , eine Stadt. 29) Pierczaie , ( Piertſchaie ,) ein Städtchen . 4 ) Powiat Braslanſki ,

fat 1160 Rauch

fänge. 1 ) Braslaw , Bratislavia , die Hauptſtadt des Dis ftricts , der Sit feines Landtags , Grods und Staroſten , 20 Meilen von Wilna , ftebet an einem See , aus wels chem der Fluß Druia in die Dúna fließet, und hat ne. ben ſich auf einem Felfen ein Schloß . Es iſt hier eine griechiſche mit der römiſchen Kirche vereinigte Abtey . 2) Druja , ein Städtchen an der Dúna. 3 ) Uzmiata , eine kleine Stadt , welche auf der Folinſchen Charte in der Woiwodſchaft Polokt liegt. 4 ) Pohoſt, ein Fleden . 5 ) Widzy , eine kleine Stadt , welche auf der Fo: kuſchen Charte zu dem vorhergehenden Diftrict gerechnet wird. 6 ) Pelikany oder Belikany, ein Städtchen . 7) Opſa oder Opieszło , eine kleine Stadt. 8) Dryswiaty , ein Stådtchen und Schloß am Se gteiches Namens , fünf Meilen von Braslaw . 9) Druiwar , ein Städtchen . 10 ) Raiszany , eine kleine Stadt, 11 ) Jezioroczke, ( Iefiorotſche , oder Jeziorce, ein Städtchen . 5 ) Powiat Wilkomirzki , Kat 4580 Rauch : fånge. i ) Willomirz , Wilkomeria , die Hauptſtadt des Diſtricts, und der Sitz des Landtags, Grods und Staros ften deſſelben , ſtehet am Fluß Swięta ( Swienta ,) und fcholarum . Chennaio bat fie hat ein Collegium piarum auf einem Felſen ein Odloß gehabt. 2 ) Onyks

Das Großherzogthum Litauen .

277

2 ) Onrrszty, ( Onixſchti) oder Onirty, eine offene tabt. 3 ) Uszpole , (urchpole) eine Stadt. 4 ) Sapiehof, ein Städtchen . 5 ) Dunſtany , ein Städtchen. by Solol , ein Städtchen , welches auf der janarnya ſchen Charte zu dem vorhergehenden Diſtrict gerechnet wird. 7 ) Wiewaszow , ein Städtchen . 8 ) Dogely und Batan . Städtchen. 9) Koltinyany , eine kleine Stadt , welche in der

!

Folinſchen Charte zu dem Ofenrianſchen Diſtrict gerechnet wird. 10) Bolnity und Poboiſko , kleine Städte. 11) Szerwęty , (Scherwenti) oder Szirwety, ein Städtchen . 12 ) Muszniki, eine Stadt.

2. Trokie Woiewoztwo ,

die Woiwod .

ſchaft Troki , Palatinatus Trocenſis ,

begreift

vier Diſtricte, und Hålt eben ſo viel Jandtage in der Hauptſtädten dieſer Diſtricte , auf deren jebem zwey Sandboten und zwey Deputirte erwählet werden , hat auch vier Grods und Staroſtenen . Es ſind hier zwery Senatoren , nåmlich der Woiwode und Kaſtellan von Trofi. Die Fahne der Woiwodſchaft enthält den litauiſchen Reuter im blauen Felde. 1) Powiar Troki, þat 2120 Rauchfänge. 1 ) Troli , von einigen auch Trod , (Trogl) ges nannt , die Hauptſtadt der Woiwodſchaft, der Sik des Woiwoden , eines großern Kaſtellans , des Landtags und Grobs dieſes Diſtricte , ftehet an einem See, in welchem es vorzügliche Muránen giebt , in welchem ſie auch auf einer Inſel ein Schloß hat. Die hieſige Staroſten hänget von dem Woiwoden ab. In der Pfarrkirche iſt das Árs chis S 3

278

Polen .

dyin der Boiwodſchaft , und ein berühmtes Marienbild , Außer derſelben ſind hier noch zwen Kirchen . Die Stadt iſt von dem Großherzog Gedimin 1321 erbauet. : 1390 wurde ſie abgebrannt, und 1655 von den Ruffen zerſtöret, Sie iſt vor alters eine Zeitlang der Siß der Großherzoge von Litauen geweſen , ehe derſelbige nach Wilna verleget worden. Sie wird Yeu Troki zum Unterſchied von dem Dorf Alt- Troki genannt , welches lebte etwa eine halbe Meile davon entlegen iſt, und eine Benedictiner Abe' tey hat. 2 ) Poporcie, oder Poporzy , ein Städtchen.

2

3) Xudnili, ein Städtchen, welches auf der Folins fchen Charte in dem wilnoiſchen Diſtrict ftehet. 4 ) Olkieniki oder Olenil , ein Städtchen am Fluß Merecz. 5 ) Drany , eine kleine Stadt. 6) Merecz , ( eretſch ) eine königliche Stadt am Fluß gleiches Naniens, welcher ſich unterhalb derfelben mit dem Fluß Niemen vereiniget. Shre Lage iſt ſehr ana genehm , daher König Wladislaw IV fich hier oft aufhielt, und 1648 bieſelbſt ſtarb. 7 ) Viemanowice, ein Städtchen am Fluß Riemen . 8 ) Olyta , ein Städtchen auf beyden Seiten des Sluſſes Niemen , iſt ein fðnigl. Schlüſſel, d. i. ein Las felgut. 3 ) Wisztiniec, (Wiſchtiniet ) ein Städtchen an eis nem See. 10 ) Niemanowice, am Niemen , ein Stådtchen, II) Wizan oder Wyſainy, ein Städtchen an einem See . 12 ) Przerosl , eine kleine Stadt. 13 ) Philipow und Loozyce , ein Städtchen . 14) Calvarie , eine kleine Stadt , in einem Walde , an der Scherchupe, fünf Meilen von der preußiſchen Grånze , woſelbſt 120 chriftliche und 300 jüdiſche Familien wohnen, welche likten weitläuftigen Handel treiben. Sie gehörer dem Hauſe Sapieha, welches auch die drey Meia len davon belegene Serrſchaft Kirsna befizet. 2 ) Pos

Das Großherzogthum Litauen .

279

2) Powiat Grodzienſki , 'hat 8800 Rauch. fänge. In alten Zeiten iſt dieſer anſehnliche Dio ſtrict ein Herzogthum geweſen . i ) Grodno , die Hauptſtadt des Diſtricts , der Site feines Landtags , Grods und Staroſten , iſt mittelmäßig und imordentlich gebauet , aber nach Wilna die beſte Stadt in Litauen. Sie liegt am Fluß Niemen , theils auf einem Berge , theils im Grunde, und iſt mit andern Bergen umgeben . Das alte mit einem fehr tiefen Graben umgebene Schloß , iſt verfallen , fo daß nur noch Das neue ein Flügel davon bewohnet werden kann . Schloß iſt groß , regelmäßig und ſchon . Der große Saal , die Senatſtube und die Kapelle find vor ana dern Zimmern ſchon . Am Schloßplatz ſtehet das ſchd ne Kanzleyhaus. In der Stadt find neun katholis ſebe und zwey griechiſche Kirchen , und die Juden haben eine ſteinerne Synagoge. Das ehemalige Jeſuiter : Cole legium hat eine prächtige Kirche ; die neue Kirche der Cars meliter Nonnen iſt auch ſchon . Die griechiſche Abtey ift mit der römiſchen Kirche vereiniget. Der radzivilſche Pus laſt, iſt ein ſehr großes, und der fapiehiſche ein ſchönes Gea båude am Markt. Der Markt, die Schloßſtraße und der Schlofplatz find ſauber und gepflaſtert, die andern Straßen aber nicht, ſondern ſehr unrein . 1673 iſt auðs gemacht worden , daß hier allemal der dritte Reichstag gehalten werden ſolle . Zur Zeit des Reid,stags ſind wohl eher vier Zimmer mit den Stallungen an einem gelegenen Drt auf ſechs Wochen mit 400 Ducaten Miethe bezahlet worden. Nabe bey der Stadt iſt ein wohl gebauetes for niglich Vorwerk , und in der umliegenden Gegend waren 1777 verſchiedene königl. Manufacturen in einem guten Gange. 1753 iſt faſt die ganze Stadt abgebrannt. 1 ) Skydel, Rotra oder Kodra, Oſtrynia und Jes zioro , Stádtchen , das letzte lieget an einem See. 3) Soza , Przelom , Przywalka , und Cyszkowo, ( Liſchkow ,) kleine Städte am Fluß Niemen . S4 4) Rota

280

Polen. 4 ) Xotnica und Salata , Stadtchen.

5 ) Die Herrſhaft Serrey oder Sieraje, hat ehes deſfin den Fürſten Radzivil zugehidret, und iſt nach des Fürſten Bogislau 1569 erfolgtem Tode, an effelben Socha ter tudovicia Carolina gefallen, welche Markgraf fudwig son Brandenburg heirathete , den ſie 1687 dieſe Herra fchaft eigent hůmlido ſchenkte, und nach deſſen Tode fie an das. Churhans Brandenburg fiel . Sie wird jekt durch einen Generalpacrer verwaltet, welcher die Pachtgelder an die königliche preußiſche Landrentey zu Gumbinnen bes zahlet. Sie begreifet a . Serrey over Sicraje , ein Stadtchen , in einer bergichten Gegend , am Flüßchen Pers, welches aus dem See Duſchna komint , und fich mit dem Niemien bereinis get. Es hat eine katholiſche und eine reformirte Kirche, und eine Judenſchule. Es ſind auch in und um Serres , Lutheraner. b. Drey Vorwerke und 22 Dörfer. 6 ) mietela , ein Städtden. 7) Szyenny , oder Sienny , ein Städtchen . 8) Berezniki, çin Städtchen. 9) Dowſpodal, auf der Folinſchen Charte Duſpus da , ein Stad : chen.

'10 ) Pakalorzow , auf der Folinſchen Charte Bala : liary, eine kleine Stadt an der Grånze von Preußen . 11) Szepokiny, oder Sopodiny ( Sopoglini,) eitt Otáötchen . 12 ) Perſtun , oder Preſtum , eine kleine Stadt. 13 ) Lipit, eine Stadt. 14) VTowydwor , Sidra , Dąbrow , ( Donbrown) Zabulow , trovinkowice , kleine Städte.

15 ) Konudy , Sokolia , Janow , oder Janowa, Kuryczyn , ( Buritſchin , ) Xudzin , Straza , kleine Otádre.

16 ) SAS

281

Das Großherzogthum Litauen . 16 ) Zabludow und Grodet , kleine Stadte.

17) . Suprasl, ein uralteß und ſehr reiches griechis Iches Kloſter , welches einen großen Zulauf hat , and mit der römiſchen Kirche vereinigt iſt. Es ſieht unmittelbar unter dem Pabſt , und es iſt hier eine Stifte : Buchdrus derey und Bibliothek. 18) Krynki , Odelft und Indura , auf der Folina fchen Charte zidura , Städtchen . 19) Swiſlocz , ( Swiſlotſch ), oder Swiſlosz, (Swijloſch ), Solowaczyn , (Bolowatſchin ), und Skys . del , Stadtchen . 3) Powiat Rowienſki, fat 1550 Rauchfänge. ( 1 ) Kowno , oder Cauen , die Hauptſtadt des Dia ſtricts , der Sit ſeines Landtags , Grods and Staroſten , iſt eine ziemliche Handelsſtadt, an dem Ort, wo der Fluß Wilia in den Fluß Niemen fließt. Sie iſt des guten Lipa pig und Meths wegen berühmt, hat viele deutſche Eins wobner , ein ehemaliges Jeſuiter - Collegium mit einer prachtigen Kirche , überhaupt zehn fatholiſche Kirchen , und eine lutheriſche. ( 2 ) Der Sriedensberg, liegt 14 Meile von Kowno, im Walde an der Wilia. Auf demſelben ſteht ein bes rühmtes Kloſter , welches 24 Einſiedler vom Drden Kas maldoli bewohnen. Es hat dieſes 1674 angelegte pracha tige ebdude dem Großlangler von Litauen , Chriſtoph Paz , ſeinem Stifter, an acht Tonnen Goldes gekoſtet. Der Marmor iſt daran verſchwendet , die Kirche iſt mit vortrefflicher Alfreſco : Maleren an der Dede und Rup , pel, und andern Driginal - Schildereyen der berühmtea Es gehört ein Bezirl von 300 ften Meiſter verſehen . Baueru dazu. linn begraben.

Der Stifter iſt hier mit ſeiner Gemahs

( 3) Preny am Niemen , Zyzmory , oder Zygmos niyn , Xumszyfty , oder Romiszyszki, und pozayscie , Stådtchen .

4 ) Por

Polen.

282

1

4) Powiat Rupitſki, þat 5020 Rauchfänge. ( 1 ) Rupiszki , eine Stadt. ( 2 ) poniewisz Lyowy, eineStadt , in welcher: der Landtag und Grod.dieſes Diſtrictsgehalten wird , auch CIR Collégium P. P. piarum ſcholarum ift.

( 3 ) Poniewisz Stary , ein geringes Städtchen . *** (4) Jurgiany , ein Städtchen . ( 5) Poniemuny , oder Ponimany und Rankuszki ,

Städtchen . (6) * Terſten in Litauen , ein Städtchen. ( 7) Pozwole , ein Städtchen . ( 8 ) Prokroye , eine Btadt ( 9 ) Zwabiszki , ein Städtchen . : ( 10) , Salary , (Salonti) , eine kleine Stadt. ( 11 ) Birze , (Birſe), eine kleine Stadt, der Haupte ørt eines dem Hauſe Radzivil zugehörigen Fürſtenthums, mit einer katholiſchen , einer lutheriſchen und einer refors 1625 wurde ſie vom ſchwediſchen Ki mirten Birdye. Bey dieſer Stadt nige Guſtav Adolph eingenommen . Find durch Erdfälle viele Gruben entſtanden , welche 30 , 40 bis 60 Schritte im Umfange haben. ( 12 ) Radziwilis ;ky ; (Radfiwiliſchli ), eine Stadt, in welcher eine reformirte Kirche iſt.

II. Das litauiſche Rußland ,

beſtehet

1 Aus der Landſchaft Podleſie , oder Poleſie ,

welche aber gemeiniglich

Brzeſkie

Woiewodztwo , die Woiwodſchaft Brſest in Litauen , Palatinatus Breſtienſis in Lituania , genannt wird. Die Moråſte ſind in dieſer Woiwoda ſchaft ſo groß , daß ſie das Anſehn einer offenen See haben , und von denſelben þat ſie den Namen Podo. leſie bekommen .

An Honig und Fiſchen hat ſie eio. nen

Das Großherzogthum Litauen .

283

nen Ueberfluß , inſonderheit werden die Fiſche in gro . ßer Menge an der Luft getrocknet , und in die benad). barten Provinzen geführet. Wenn der Fluß Miu . chaviec , ( Iuchawies) weldier in den Bug fålle, mit dem Fluß Pina , weldier in den Pripe fållt, durch einen kurzen Kanal vereiniget würde, fo würde dadurch die Schifffarth aus der Weichſel in den Dnieper , und alſo zwiſchen der Oſtſee und dem ſchwarzen Meer , zum großen Nußen des Landes eröffnet. Es hat aber Graf Oginſki eine andere Verbindung zwiſchen der Oſtſee und dem ſchwarzen Meer dadurch bewerkſtelliger, daß er zwiſchen den Flüſſen Szczara , ( Surtſdara ) und Pripes, einen Kanal zu Stande gebracht, weil der erſt ge nannte Fluß in den Niemen , und der zweyte in den Dnieper fällt.

Dieſer Kanal dienet zugleich zur

Austrocknung der großen Moråſte im pinſkiſchen Diſtrict. Es fånget adit polniſche Meilen von der Stadt Slonim in der Szczara an , gehet durch den See Swiznica , und endiget im Fluß Jaſiolda, welcher in den Pripes fällt, ſieben Meilen von der Stadt Pinſe. Seine Jånge wird ungefähr acht Meilen betragen.

1784 befuhr ihn der König ; es

gieng auch ein Sdiff von 35 Laſten aus Cherſon durch denſelben nach Königsberg , und 1787 eines mit 100 Lonnen Salz .

Die ganze Gegend,

durch welche

er gehet, gehört dem gråflichen Bauſe Oginſki, und iſt im pinſ eiſden Diſtrict. Die Woiwodſchaft Brzeſc begreift zwen Diſtricte jeder þat ſeinen eigenen Grob, und hålt feinen beſon . dern Sandtag , auf welchem zwey Landboten , und zwey

! 284

Polen .

jwey Deputirte erwählet werden .

Die Senatoren

find der Woiwode und Kaftellan von Brzeſc.

Die

Fahne enthålt die litauiſchen Reuter im blauen Felde. 1 ) Powiar Brzeſki, fat 17000 Rauchfånge. 1 ) Brzeſc , (Brſeſg ) , die Hauptſtadt der Woiwods schaft und des Diſtricts dieſes Namens , der Sit des Woiwoden und eines großern Kaſtellans , des Landtags, Grods und Staroſten des Diſtricts, iſt eine befeſtigte Stadt , mit einem auf einem Felſen gelegenen Schloß, am Fluß Bug , in einer moraftigen Gegend. Hußerhalb der Stadt iſt ein königlicher Palaſt und Garten. Die hieſige berühmte Synagoge der Juden , wird von dieſer Nation aus allen europäiſchen Ländern und Reichen bes ſucht , ſowohl Studirens als Promovirens halber. Es iſt hier ein griechiſcher Biſchof. 2 ) Rykowice , ein Fleden . 3) Olyzaroſtow oder Oleyzroſtaw , ein Städtchen . 4 ) Wiſlyce und Czarnowszyce, ( Tſcharnawrchice ) ober ( zornawczice, Städtchen. 5 ) Wolczyn , (Woltſchin ), eine kleine Stadt, wels de 1783 durch ein Ungewitter verwüſtet wurde. 6) Kuzna in Litauen , ein Fleđen. 7) Wyrokie in Litaueri , ein Städtchen . 8 ) Wierszchownice , (Wierſchchownit .) ein Stådtchen . 9 ) Puscza (Pustſcha ) und Mialawiſka oder Mios lawiſla , Stådtchen . 10 ) Szereszow , (Schereſchow ) , und Pruszany, (Pruſchani), Stadtchen. Das erſte gehört dem Grafen von Flemming , und brannte 1755 faſt ganz ab. II). Rzeczyca , ( Rfetſchitza ) Stadtchen . 12) Kobryn , ein Städtchen , welches vor Ulters den Titel eines Herzogthumsgehabt hat. Es iſt hier eine griechiſche mit der römiſchen Kirche dereinigte Abtey. 13 ) Gorodek , ein Stådtchen . 14) Untopol oder Zantopol , ein Städtchen . 15 ) Kamien und Dwin , Städtchen . 16) ZA .

Das Großherzogthum Litauen.

285

16 ) Zablocie , ein Fleden . 17) Oltusz , ein Städtchen . 18) Blawatyce am Bug , ein Fleden , wisznice, ein Städtchen, 19 ) Lomazy oder Ljcmoſy , ein Städtchen. 20 ) Roden oder Kodenof, ein Stådtchen am Bug. 21 ) Pierciasz , ( Picnſciatſch ) , ein Fleden . 22) Biala , ein Städtchen am Fluß Krſna , der Hauptort einer Grafſchaft, dem fürſtlichen Hauſe Rad zivil zugebdrig. 23 ) Thereſpol, ein Städtchen am Bug. 24) Pratulin , ein Floden am Bug. 25) Janow , ein Flecten am Bug. 2 ) Powiat Pinſki, Hat 5000 Rauchfånge. 1 ) Pinſt oder Pinſo , die Hauptſtadt des Diſtricts, der Siß des Landtags , Grods und Staroſten deſſelben , liegt am Fluß Pina , mitten zwiſchen ungeheuren Morås ſten. Sie wird ſowohl von Fudent, welche hier eine Sys nagoge haben , alb von allerhand Glaubensgenoffen , ins fonderheit von Griechen bewoont. Die letzten haben hier einen Biſchof , der mit der römiſchen Kirche vereiniget iſt. In der ehemaligen Feſuiter - Collegium war eine Apos thefe, eine Seltenheit in dieſen Gegenden. Das Iuchs tenleder, welches hier verfertiget wird , hålt man für das befte im ganzen Reich . 2) Strumien , ein Städtchen. 3) Dawidow , eiu Ståotchen zwiſchen zwey Armen des Flufiis Slucz. 4 ) Turow , ein Städtchen am Przepiec. 5) Sniadin , eine Stadt am Fluß Przypiec. 6) Doroſkiewice oder Doroskjowice, ein Städtchen. 7) Lutowa , ein Städtchen. 8) Zarecze und Olewſka, Stådte am Fluß Dlewſka, 9 ) Zubtowice , ein Ståbtchen , 10) Derby , ein Städtchen . 11 ) Xokitno , ein Städtchen, 12) flowy Kowel , und Xatno, kleine Städte.

13) CA.

286

Polen .

13 ) Cachowicz , (Lachowitſch ) ein Fleden .. 14) Janow , ein Städtchen. 15) Bedzycza, ( Bedfitfcha ), eine Stadt. 16) Chomiſt , ein Stadtchen. 17 ) Beréza , ein Städtchen mit einer Karthauſe. 18 ) Pieſti und Olzany , Stádechen. 19) Podhacie und Labyszyn , (lahirchin ), Stådte doen . 20) Wychonicc ober Wychonice ein Städtchen . 21 ) Kozangrodek, oder Borangorodek, ein Ståbts dhen .

22) Tachwa, ein Städtchen. 23) Wielkie Wielice , und Kolno , Städtchen.

2

Aus

Schwarz - Rußland ,

Rus

Tſcharna , welches größtentheils aus der Woi wodſchaft

Nowogrodek ,

Woiwodztwo

Nowogrodzkie , beſtehet , die auf lateiniſch Palatinatus Novogrodenfis genannt wird. Sie iſt in dren Diſtricte abgetheilet, von welchen jeder feio nen eigenen Landtag , Grod und Staroſten bat , auch Es zidey ſandboten , und zwer Deputirte erwähiet. find hier zwey Senatoren vom erſten Range, nåm . lich der Woiwade uno Kaſtellan von Nowogrodek. Die Fahne eines jeden Diſtricts iſt roth , und ents hålt den litauiſchen Reuter im blauen Felde. 1 ) Powiac Diowogrodzki. 1 ) Wowogrodek, die Hauptſtadt der Woiwodſchaft und des Diſtricts gleiches Namens , ftelet auf einem Berge , und iſt der Sit des Woiwoben , eines großern Kaſtellans , des Landtags , Grods und Staroſten dieſes Diſtricts ; es wird auch hier und zu1 Mine, ein Fahr um das andere , das litauiſche Eribanalgericht 20 Wochen laug gehalten. Es find hier unterſchiedene katholiſche und griechiſche Kirden und Kidſter , und ein ehemaliges Icful

Das Großherzogthum Litauen.

287

Jeſuiter - Collegium . Vor Alters wurde die Stadt und ibe Diſtrict abgetheilten Prinzen des großherzoglichen Hauſes eingeräumet. Die Stadt iſt 1340 und 1390 zer : fiðrt worden . 2) Wſielub und Dolatycze , Stådtchen. 3) Cubecz, (Cubetſch ), eine Stadt am Fluß Niemen 4 ) Borclice und Jeremice , Stadtchen . 5 ) Turczec ( Turtſchek ) ein Städtchen. 6 ) Kubiczewice, (Rubitſchewige) ein Städtchen . 7 ) Stolpce, oder Stolpcy , eine kleine Stadt am Fluß Niemen 8 ) Swierzno oder Swierzyn , ein Städtchen am fluß Niemen , woſelbſt ein griechiſches Studium theol. dogmaticae et inoralis und ein Seminarium ift. 9) Kunoſy , ein Städtchen. 10 ) Mir , eine kleine Stadt und feſtes Schloß init einer Grafichaft, welche dem Hauſe Radzivil gehöret. 11 ) Wieszwiesz , ( Wiefchwierch ) oder Zieswig, eine fürſtlich Radzivilſche Reſidenzſtadt, und der Haupta ort eines Herzogthums und Majorats , welches 1589 be : flåtiget worden . Sie liegt am Fluß Uſcha , hat ein ehes maliges Seſuiter Collegium , und eine regulirte Benedictis ner Abter. 1706 wurden die Feſtungswerke von den Sdyweden zerftdret. 12) IsPolosz, ( Istoloch ) oder IsFoldž, eine Stadt. 13 ) Bled, (Klete) eine kleine Stadt, der Hauptort eines Fürſtenthums , welches dein Hauſe Radzivil gehört. 14) Lipa, Czernichow , Garylowo, Darew , Pods lefie , Stådden. 15) " Tacza , ( I7atſcha) und Tepr , Städtchen . 16 ) Lachowice oder Lachowicze, ( Cachowitſche) eine kleine Stadt , welche der Hauptort einer Grafſchaft ift. Bey derſelben wurden die Rofafen und Ruſſen 1660 geſchlagen . 1706 wurde ſie von den Sweden einges nommen und verwüſtet. 17) Lipik, ein Städtchen. 18) Polonka , ein Städtchen , welches faſt nur von Fuden bewohnet wird.

19 ) Zes

288

Polen.

19 ) Zeleznica , (Selesnita) ein Fleden . 20 ) Towy Mysz, (Mirch ) eine kleine Stadt, der Hauptort einer Grafichaft. 21) Stolowice , ein Städtchen und Commenthurey des Johanniter : Drdens , welche der Fürſt Nic. Chriſtoph Radziwil 1610 für ſeine Familie geſtiftet har. 22) Wolczads , (Moltſchads) anf andern Charten Wolcarz , ein Städtchen . 23 ) Oure , ein Städtchen . 24) Dworzec , ( Dworſes ) ein Städtchen . 25 ) waluwka , eine kleine Stadt. 26 ) Pomagydle , ein Städtchen , 27) Zdziędciol , (Sofiendziol) ein Städtchen, 28 ) Czyrin , Tichirin ) eine Stadt .

.

2 ) Powiat Slonimſki, 1 ) Slonim , die Hauptſtadt des Diſtricts, und Sitz des Landtags , Grode und Staroſten deffelben . Hier wird auch der General - fandiag von Litauen gehalten , Es war hiefelbft ebedeſſen eine Reſidenz der Jeſuiten , Vor Alters wurde dieſe Stadt mit ihrem Diſtrict abges theilten Prinzen des großherzoglichen Hauſes unter dem Sitel eines Herzogthums eingeråumet. 2 ) Iniow , Driwina , Jargoma und Sczurecz, (Stſcharetfib ) Stådtchen . 3) moſty , eine kleine Stabt , welche auf andern Landcharten zu dem Powiat lidfli in der Woiwodfchaft o , gerechnet wird. 1 Wiln 4 ) Piaſti, ein Stadtchen am Fluß Zelwia . 5) Międzyrzec, (Miendfirſetz ) ein Städtchen. 6) Decrczyn , (Teretſubin ) , ein Fleden. 7) R08z, (Koſch ) ein Städtchen . 8) Lyszłow oder Luszkow (Tiſchlow , Lufchlow ), ein Städtchen . 9 ) 3dzytowo oder 38zydow , ein Städtchen . 10 ) Koszow , ( Koſchow ), ein Städtchen , 11) Zurowice oder Zyrowice , ein Stådtchen . 12) Buszacz , ( Burchatfch ), Bytin und Zeziers nice , Stadtchen .

3 ) Pos

Das Großherzogthum Litauen.

289

3) Powiat Wolkowyfei. 1 ) Wolkowiſt , die Hauptſtadt des Diſtricts , der Sitz des Landtags, Grocs' und Staroſten deſſelben . 2 ) Izabelin und Zelivia , Stadtchen . 3 ) Prozow oder Porozow , eitt Stådtchen . 4 ) 7owy Dwor , ein Srástchen .

4) Zzieſtwo Sluckie, das Berzogthum Slugt, Ducatus Slucenfis, iſt auf 30 Meilen lang und breit , und gehört dem Hauſe Radziwil . 1 ) Stud , ( lut ; ), eine große bdize!'ne tadt am Fluß gleicbes Namens, mit drev Schloffern , unterſdie denen katholiſchen und griechiſchen Kirchen , auch einer lutheriſiben und reformirten Kirde , und einem reformir. ten unuafina. 2 ) Srossow und Kozmin , kleine Städte. 3) Kopyl, riu Städtcben, mit dem Titel eines fers gogthums , hat eine reformite Gemeine und Kirche. 4) Radzylow , ein Stadtchen . 5 ) Branczyce ( Brantſchiße) ein Stådtdjen. 6) Romanow , ein Stadtben , 7 ) Zyewice , ein Stadtchen . 8 ) Siennieszow oder Bierniczow , ein Städtchen . 9 ) Bielowicze, ( Hielowitſche), ein Stadtchen, 10) Raczlowice , (Batchlowige ), ein Städtchen , 11 ) Urzecze, ( Urſetſche) , eine Stadt. 12) , Oreja , eine Stadt, 13 ) pohoſt, ein Städtchen . 14 ) Koza , ein Städtderi. 15 ) Cuban , eine Stadt am flug Drefa . 16 ) Wolczyn oder Wielczyny, eine kleine Stadt. 17) Petrykowo, eine Stadt am Fluß Przypiec. 18 ) Xzaryce, ein Städtchen. Anmerk. Die Powiaty Mozurſki und Rzecziki ges hören zwar auch zu Schwarz: Rusland, aber zu der Xoi: wodſchaft Minſt. 3 Aus 3 2 Th.8X

290

Polen.

3 Aus Weiß - Rußland , Rus Biala, Ruflia alba , welches ebemalige Stück von Rußland permuthlich von den Litauern alſo genannt worden, um dieſe von ihnen eroberte Provinz von dem übri. gen ruffiſchen Reidy, oder von Gros , Rußland , zu unterſcheiden .

Es iſt aber nicht gewiß bekannt , wo.

Her das Benmort weiß kommt ? oder , was es an. zeigen ſoll ? Es begreift ſeit 1772 nur noch folgende Woiwodſchaften, nadidem das übrige an Rußland gekommen iſt.

1) Woiewodztwo Minſkie ,

10 11

die Minfa

Fiſche Woiwodſchaft, Palatinatus Minſcenfis, Sie hat gren Diſtricte, in deren jedem ein Landtag geo halten wird , um zwen Sandbeten und zwey Depu tirte zu ermåølen . In derſelben ſind zmey Senas . , toren vom erſten Range , nåmlid) der Woiwode und

1

1 Kaſtellan von Minſk.

Spre Fahne iſt , purpurfar .

big, und enthält den then Felde.

Sitauiſchen Reuter

im ro .

(1) Powiat Minſki, hat 5000 Rauchfånge. 1 ) Minſk , die Hauptſtadt der Woiwodſchaft und des Diſtricts dieſes Namens , ſtehet am Fluß Smif lotſd . Sie iſt der Sit des Woiwoden , eines großern Caſtellans, einer Staroſten , des Landtags und Grods dieſes Dis ſtricts , und alle zwey Jahre eines Tribunalgerichto , l. pilna und G7ovogrodeß. Es ſind hier zwen Schloſſer, ein ehemaliges Seſuiter , Collegium , und eine griechiſche mit der römiſchen Kirche vereinigte Abter. 1656 wurde fie von den Kuſſen eingenommen. 2 ) Sorodyszcze (Borodiſchtſche) eine kleine Stadt, in welcher eine regulirte Benedictiner Abtey iſt. 3) Sorodek Oſtrowczyci, eine kleine @tadt. 4) Sorodek Solomireczki, eine kleine Stadt. s Boys

Das Großherzogthum Litauen .

291

5 Koydanow , ein Stadtchen , der Hauptort einer Grafſchaft , welche dem Hauſe Radzivil gehört. Es iſt hier eine reformirte Kirche. 6 ) Krasnojeſielo , ein Städtchen . 7 ) Bielorucz (Bieloratſch ) ein Stadtchen . 8 ) Chotow, ein Stadtcheu . 9) Wolna , ein Städtchen, 10 ) Katow uno Saſtaw, Städtchen. 1 ) Radzoszkowice doer Radoszkowicze , ( R20 sorchkowitſche) eine Stadt. 12) Kolodzicie oder Kolodzieje, ein Städtchen . 13) Berezyna oder Bereczyna , ein Städtchen am Fluß gleiches Namens. 14 ) Dokszyce , ( Dofſchitze) eine Stadt, bey wela" cher der fluß Berezyna entſpringt. 15 ) Gruſka und Krupki, Fleden, 16 ) Bobr , eine kleine Stadt. 17) Liczyce , Kryczin und Sabin , Stådtchen. 18 ) Radziwilowo ein Fleden . 19 ) Boryszow ,, (Borisſchow ) ein Städtchen am Fluß Bereſina. 20) Untopol und Smolewice oder Smolewicze, tådtchen , 21) Jhumny oder Igumny , eine kleine Stadt. 22) Cubaszyni , ( Lubaſchin ) , ein Städtchen . 23) Brodzrec, ( Brodſiet ), und ( Swislocz, Swiss loeſch ) , kleine Städte. 24) Boguszowice , ( Boguſchowige), Oczyce (Ota Tchitze) und Dułora ,. Stadtchen . 25 ) Citwa und Srebnia , kleine Städte. 26 ) Mohylna, ein Stådtchen. 27 ) Szak . (Schak) ein Städtchen . 28) Piafecğna, (Piaſetſchna), ein Städtchen. 29 ) Zygyn , (Sitſchin ) ein Städtchen.

( .) po,

Polen .

292

(a ) Powiat Rięcyck , hat 850 Rauchfänge. 1 ) Xzęczyca , ( Åſentſchiga ) eine Stadt , am

Dniepr. 2) Smiczok , ( Smitſchok) ein Städtchen. 3) Sorwal , ein Städtchen am Fluß Bereſina. 4 ) Strzeszyn , ( Strleſdin ) eiu Fleden. 5) popolowa und Doboszna , Städtchen . 6) Bobryfe, eine kleine Stadt am Fluß Bobruia, der ſich hier mit der Bereſina vereiniget. 7 ) Sloboda Brolowſka , am Fluß Bereſina. 8) Serbasze, ( herbaſche ) oder Sorbaczewicze ( Gorbatſchewitſche) ein Städtchen. $ 9) Blufto Dobrowiedi und sluſko Pobaryale, Städtchen. ( 3) Powiat 17o3yrſti, Hai 1000 Rauchfånge. i ) Mozyr , die Hauptſtadt des Diſtricts , der Sig det fandtags , Grods und des Staroſten deſſelben , ftes bet am Fluß Pripes. 2) Babica , eine Stadt am Fluß Pripek. 3) Antoniow , ein Städtchen , 2 ) Woiewodztwo Polockie, wodſchaft Polock ,

die Wois

Palatinatus Polocenſis,

þat alles {and jenſeits der Dúna , und alſo auch die Hauptſtadt, von welcher fie benannt wird , verloren . In dem Stück dieſſeits der Düna , welches ben is tauen geblieben iſt, ſind die folgende Stådie. Die pur, purfarbichte Fahne,

enthält den litauiſchen Reuter

im rothen Feloe. 1) pruja , ein Städtchen an einem See. 2) Prozoroki , auf einigen Charten Proforony,'ein Stådtchen .

3) Bos

Das Großherzogthum Litauen .

293

3 ) Bobynicze , ( Bobinitfche ) , ein Städtchen ari eben dem See , an welchem Pluja ſteht.

4) Plyra, eine Stadt an einem See. 5 ) Kublicze , (Kublitſche ), ein Städtchen , und Uszaczka , (ufcbatfchla ) , ein Flecken am Fluß gl. ich 8 Namens, der ſich unterhalb deſſelben mit der Dwina vers einiget. Er war ebeseffen ein feſter Plat . 6 ) Sjeliszcze, (Sieliſchtſche ), ein Städtchen. 7) Woron , ein Städtchen. 8 ),Stary und Zowy Lepel , zwey Städtchen an cinem See . 9) Susza, (Suſcha ), ein Städtchen an einem See. 10 ) Bamien, ein Städtchen an eben demſelben See, an welchem das vorhergehende fteht. II) Ula , ein Städchen am Fluß Dúna , ben wels dem die Ruffen 1564 geſchlagen wurdena 12 ) Czaszniki , ( Tſebaſchniti) ein Städtchen , wo felbſt die Ruſſen 1567 geſchlagen worden, 13) Czereja , eine kleine Stadt .

14) Krasnislaw , ein Städtchen . III. Xzieſtwo Zmuydzkie , das Herzoga thum Smuids, oder in der Landesſprache Szaa maiten , ( Schamaiten ), lateiniſch Ducatus Samogitiae, Qar von alten Zeiten Her den litauern gehört, und iſt mit denſelben entweder von einerler, oder von einem beſondern Herzog regieret worden. 1404 wurde es den deutfájen Rittern überlaſſen , vier Jahre hernach aber wieder genommen , und 1411 vere ſprochen , daß fie es nach des Königs Uladislaus Jas gello und Großherzogs Alexanders Tode wieder. hae ben ſollten .

1431 nahm es den chriſtlichen Glauben an , I 3

Polen.

294

an , und außer einem Bisthum , wurden daſelbſt noch andere geringe geiſtliche Hemter geſtiftet. Das Land iſt maldidye, hat aber doch viel fruchtbaren Boden und ungemein viel Honig . Es hat drey See natoren vom erſten Range , nåmlich einen Biſchof, Staroſten und größern Kaſtellan . Der Staroſt wird von dem Adel gewählet , Hat mitten unter den Senatoren ſeinen Siß , denn er þat unter den weltli. chen Senatoren des Großherzogchuins Ittauen , den fünften Plak. Man rechnet in Schamatten 6300 Feuerſtellen . Das Land iſt in fünf und zwanzig Tiſtricre abgetheilei , welche heißen : Wilkis, Wielona , Lyramoly , Jaswony , Tendzias gol , Roſienie , Widuklew , Krozki, Rors ſobrew , Biržniany,

Malik Talik Dirivian , Wies

ſawian Pogur, Tives , Wielktech) Dirwian , Scandowo , Telsze , Uzwidy , Recow , Gondin , Ploţele .

Berzan , Zorany, Polongow und In einem andern Ver eidhniß , lauten

unterſchiedene Namen ganz anders .

Sie ſtehen ins.

geſammt unter der Staroſter zu Roſien . Eben da. felbſt werden die landtage gehalten , um zwen Sands boten und dren Deputirte zu erwählen . Die Di ſtricte ſind nirgends abgerridinet und beſchrieben , da . her ich die Derter nach denſelben nicht ordnen kann. Es find aber folgende Derter die merkwürdigſten . In dem füblichen Theil der Landſdiaft. 1) Roſienie, die ehemalige Hauptſtadt des Landes, iſt jeßt nur in einem geringen Zuſtande, aber doch noch der Hauptort eines Diſtricts , und der Siß des Landtags, Es iſt hier Grods und Staroften dieſes Herzogthums. ein Collegium P. P piarum ſcholarum . Sie liegt am Fluß Dubioja , ( Dubica ) 3 ) Wis

3

295

Das Großherzogthum Litauen .

2 ) Wiðukle , ein Städtchen , der Hauptort eines Diſtricts. 3) Taurogi , Tauroggen , ein Städtchen am Fluß Jura , der Hauptort einer Herrſchaft, welche gute Pferdea und Hornvieb -Zucht, auch Filderen und Dildpret hat. Sie iſt durch Ludovica Carolina , Prinzeſſinn von Rada ziwil , welche Markgrafen Ludwig von Brandenburg zum Gemahl gehabt hat, an das churbrandenburgiſche und königl. preußiſche Haus gekommen , dem ſie noch gehört.

4) Woynuta , ein Städtchen . 5 ) Gardenſk , ein Städtchen . 6 ) Seydany, ein Städtchen. 7) Twery , ein Städtchen. 8) Retow , ein Stådtchen , der Hauptort eines Diſtricts. 9 ) Zorany , ein Städtchen , der Hauptort eines Diſtricts. 10) Plongiany , oder Plouguny, ein Stådtchen. 11) Uswidy , oder Uzwięta , (Uswienta ) , Stådtchen , der auptort eines Diſtricts.

ein

12) Kurtowiany , ein Städtchen . 13) Kadzywilowka , ein Städtchen . 14) Koginiany , ein Städtchen. 15 ) zawodowo , (Schawdowo ) , ein Städtchen , der Hauptort eines Diſtrict8. 16 ) Szawlany , (Schawlani) , ein Städtchen . 17 ) Wornie, oder Miedniki, eine kleine Stadt, der Sitz des Biſchofs von Schamaiten . Dieſes Bisthum iſt 1417 von Wladiflaw Jagello geſtiftet worden . 18) 19) 20 ) 21)

Rielmy , ein Stadtchen , Kroze, eine Stadt, mit dem Titel einer Grafſchaft. Koltyniani, ein Städtchen . Cydowiany , ein Stådtchen .

22 ) Beyſagola, ein Städtcheu. Z 4

23) Cy .

296

Polenta 23 ) Cytowiany , ein Städtchen. 24 ) Grönkiszki, ( Brintiſchti ), ein Städtchen . 25) Bzydlow , und Krokinow , @tadtchen .

26) Kroki, ein Städtchen, der Bauptort eines Diſtricts . 27) Betygola , oder Bietigola , und Surwiliszki, ( Surwiliſdiki ), oder Sierweliszki , Stådden . 28) Bidrakol, ein Städtchen . 29) Eyragola , eine kleine Stadt, der Hauptort et nes Diſtrict8. 30) Pernarewo , ein Stådtchen. 31 )

.

Iaswoyriy , oder Jaswony, eine kleine Stadt.

32 ) JeslökundCzogiszki, ( Tſchogiſchki ), Stådtchen. 33) Kieydany , Cajodunum , eine Stadt am Fluß Niewiaga , der Hauptort einer Graffcbaft , welche dem fürſtlichen Hauſe Radziwil gehört. In der Stadt iſt auf ſer einer fatholticben Kirche und einem Karmeliter Klofter, auch eine lutheriſche Kirche, eine reformirte mit einem Gymnaſium , und eine ruſſifiche Kirche.

34) Wielona , ein kleine Stadt am Fluß Niemen , der Hauptort eines Diſtricts. 35 ) Jurborg , Georgenburg , eine kleine Stadt, am Fluß Niemen , der Hauptort eines Diſtricts. 36) Bielgady und Szafki, (Scharki), Städtchen. 37) Bogoſlawienſtwo, ein Städtchen. 38) Szrednik, ein Städtchen am Fluß Miemen . 39) Czerwony dwor , ( Tſcherwony Dwor ), ein Stád chen am Fuß Niemen.

In

40) Sapiezyszli , ein Städtchen am Fluß Niemen . 41 ) Kubile , ein Stadtchen . 42) Grzyszkabudzie, ein Städtchen. 43 ) Wladiſlawow , ein Startchen . 44) Wierzbolow , ein Städtchen,

Das Großherzogthum Litauen .

297

In dem nordlichen Theil der Landſchaft liegen, 45) Piątek , (Piontek ), eine Stadt. 46) Szawle , (Schawle ), ein Ståptohen 47) Burszany , eier Ståbtchen . 48 ) Popielany , ein Städtchen . 49 ) mozeily , ein Städtchen . 50) Okmigny, ein Stårtchen. 51 ) Szafinow , (Schalinow ) , ein Otábtchen . 52) Janiszki, ( Ianiſobki) , eine kleine tadt. 53) Jagory , ein Städtchen. 54 ) Byrziniany , eine kleine Stadt, der Hauptort cines Diſtricts. 55 ) Tyriszlew (Tirkſchlew ), ein Stádrcena 56) Szludy , schludi) , Schoden , ein Stadtchen . 57 ) Mafiady, ein Städtchen. 58) Plotele , eine kleine Stadt der Hauptort eines Diſtricts. 59) Tryszki, ( Triſchki ) , eine kleine Stadt , der Hauptort eines Diſtricts . 60) Telsze, (Telfche), eine kleine Stadt, der Saupt. ørt eines Diſtricts. 61 ) Lukinga , ein Städtchen. 62) Olfiady , eine kleine Stadt. 63) Kretinga , Krotingen , ein Städtchen . 64) Poiaga , (Potonga) , Polangen , ein Stadta chen , der Hauptort eines Diſtricts , 65) Borszany , (Rorſchani), ein Städtchen :

IV Zu

298 Zu Polen u. Litauen zugleich, gehbren

IV .

Zu Polen und Litauen zugleich, gehören

die Herzogthümer

Curland und

Sémgallen.

Soi. leſe Sande ſind zugleich mit tief. und Eſth.land Dieauf unterſchiedenen åltern Charten, jedoch ſehr mangel- und fehlerhaft abgebildet. und gute , denſelben ,

Eine beſondere

obgleich nicht vollkommene Charte von hatM.Adolph Groot , ehemaliger

Prediger zu Windau , verfertiget, und deffelben Sohn Adolph Groot , vollendet : und ſie iſt 1747 zu Nürnberg bey den þomanniſchen Erben auf zwey Bogen unter des curländiſchen Ober . Baumeiſters Barnikel Namen , ans Licht getreten . Im Jahr 1770 erſchien ſie in Kanters Verlagezu Berlin von Schleuen geſtochen , von dem jüngern Groot vers beffert, und in die Kirchſpiele abgetheilt. g. 2 Das Wort Curland , in der lettiſcher Sprache Rur , Semme , foll fo viel als Jubrs Ejemme , das iſt, ein land , das ſich an oder in die Es Ejee erſtrecket , auf deutſch Seeland, heißen. hat zu Grenzen gegen Abend die Diree, gegen DNitternacht den rigiſchen Meerbuſen und Liefland, gegen Morgen das eigentliche Litauen , ( mit wels chem die Gränge nicht ganz richtig iſt) , und gegen Mittag Schamalten . Die Långe deſſelben beläuft fich über 50 und die größte Breite auf 30 Meilen ,

ap

die Herzogth. Curland u. Semgallen . 299 an andern aber nicht die Hälfte , ja es läuft gegen Đen gang fp: Big gu. $. 3 Das land hat mehrentheils , im Golding, fchen , Windauſitien , Aiſdiwangiden 26. ausgenom men , einen Farfen , fetien und thonichten Boden , und es ſind viele Wålder und Sümpfe darinn anjll. treffen ; daher ſind die curländiſden Wege ſo beo Im Herbſt und Frühjahr ftehin die niedri . gen Wieſen unter Waſſer , welches aber eine Art ſdrien.

der Düngung für ſie iſt.

Die ehemaligen guten

Sandwirthe haben ſich bemüher , die fumpfichten Der. ter trocken , und ju Teichen , die ſie Stauungen nen . nen , zu machen ; dieſe werden dren Jahre nach eine ander mit Sommerſaat beſået, hierauf aber wieder dren Jahre unter Waſſer gefeßt, und mit Fiſchen verſehen , da ſie denn ruhen . Sonſt giebt es in Cur. land gute äecker ,

vortreffliche Wieſen ,

guten

Flachsbau , einen Ueberfluß an Seefiſchen , in den Påldern , Båren , Wolfe, Jüchſe , Füchſe , Mar. der , und Elanthiere , Haſen und wilde Sdyweine, und inſonderheit vielerley Federwildpret , an der Oſto ſee viel Bernſtein ; und außerdem Eiſen . Stein- und Gyps. Gruben , und Geſundbrunnen. Die vornehm . ften Flüſſe ſind außer der Dúna, die Curland von lief land ſcheidet, die Windau , fertiſch Wenta , welche In Schainaiten entſpringt , und bey der Stadt Win . dau in die Ditſee fällt ; und die 2a , lettiſch Leela Uppe , d . i. der große Bach , welche dieſen Na. men erſt bey Bauffe bekommt, wo die Muß und Niemel, litauiſch Muſch und Diemen , ſich vers einigen. Bende entſpringen in Schamaiten , und alle Höfe in Litauen , die an der Muſch liegen, heiſ fen

300 Zu Polen u .Litauen zugleich, gehören fen Domuſd , und die an der Memel heißen Pos niemen. Die kleinen Flüſſe ſind, Abau , Berſe, Bartau , Anger, Eckau , Suſſey , u. a . m . $ . 4 Die Einwohner des landes, find theits Deutſche, theils Lettent , theils Lieben oder Lies wen , welche legten aus Liefland nach der Gegend Kolke ,

vier Mellen dieſſeits und vier Meilen jen.

reits Domešneß ,' nach der windauiſden Seite zu , gekommen zu ſeyn ſcheinen, zwar unter ſich noch ihre alte Sprache reden , ihren Gottesdienst aber in lettie Tcher Sprache haben .

Es find alſo die deutſche

und Titauiſche Sprache, die Hauptſpradjen in Eurland , und in beyden wird in allen Kirchen Goto tesdienſt gehalten , nämlich erſt in der lettiſchen, und alsdenn in der deutſchen.

Die Wohnungen der lete

ten in Semgallen , find ganz ſchwarze Raud )ſtuben, die, weil ſie bloß von über einander gelegten und mit Moos verſiopften Balken erbauet , und mit

Stroh gedeckt find , gar leicht in Brand gerathen . In dem eigentlichen Eurland wohnen ſie etwas, ors dentlicher . Die wenigſteu ( etten können lefen, woran der Mangel an Schulen Schuld iſt. Eurland nahm 1522 die evangeliſche Lehre an , vereinigte ſich auch darüber 1532 durch ein beſonderes Glaubensbündniß mit den rigiſchen ; es war daher ganz lutheriſch , als és fich der Krone Polen unterwarf, und man fand feinen Katholiken im Lande. Allein , die nach maligen Frrungen,

welche zwiſchen den Herzogen

und Edelleuten entſtanden , und verſchiedene polnia ſche Befehle und Commiſſionen nach ſich und ins Sand zogen , haben der Katholiſchen Religion den Weg ins land geöffnet, uno igr Kirchen verſchaffet, To

die Herzogth. Curland u. Semgallen.

301

ſo daß ſie nunmehr mit der lutheriſchen einerley Vorrechte hat , die 1717 , 27 und 68 ſehr erwei. tert worden . Da auch einige Edelleute die

5 fatholiſche Religion angenommen ,

und in ihren

Kirden einzuführen geſuchet haben : ſo iſt derſelben Ausbreitung dadurch anſehnlich befördert worden ; ja, 1758 bekam das Land aud) einen rómiſsta, facholl ſchen Herzog. Durch die Vermählungen der Her . zoge mit Prinzeſſinnen von dem reformnirteit

1

} 1

Glaubensbekenntniß , ſind auch Reformirte in das Land gekommen , welde Kirchen erbauen důre fen, aber durch die Gefeße von allen landesbedienun . gen ausgeſchloffen ſind.

Seit 1754 iſt das Gefeß,

daß die Juden dieſes Sand ganz vermeiden ſollen, feſt geblieben , doch iſt es nicht ſtrenge beobachtet worden . Die evangeliſch slutheriſchen Kirs chen , find entweder in den Städten , oder auf dem platten Sande.

Jene , find encreder Kirciſpiels,

Kirchen , 0. i. folche, ben welden der Landeshere das Patronatrecht, der eingeſeſſene #del aber nebſt den Städten ſelbſt das Compatronatrecht beſiken : oder ſolche, über welche die Städte durch) landesfürſte tiche Privilegia das Patronatrecht ganz allein Habena Die Landkirchen, werden eingetheilet , in Rirdy, ſpiels ( 2 mts : unb adeliche Kirchen . In den erſten ſind entweder die eingeſeſſenen Edelleute allein , oder zugleich mit dem Fürſten , Patronen , in den jwenten iſt der Herzog allein Patron , und in den dritten hat der Udel, ganz allein das Recht die Pres diger zu wahlen und zu berufen , und es iſt keine fürſtliche Beſtätigung nöthig.

Alle Prediger ohne

Ausnahm , ſtehen unter dem fürſtlichen Conſiſto , riunie

302

Zu Polen u. Litauen zugleich, gehören

rium , und unter der Huffidit des Superintendenten , Den der Prebyte, und der Kirchen . Viſi'aroren. Superintendenten und die Probſte leket der Herzog allein , die Kirdien -Viſitatoren aber ſchlåget auf ei. nein Sandtage die land chaft vor , und der Derzog bejtårigei ſie durch den Sandag abidzied . $ . 5 Der curländiſche Adel , oder eine wohly

gebohrne Ritters und Lindjcizaft der Serzog , chůmer Curtand und Seingallen , hat große Vorredite,

und unterſcheidet

den alten von dem

neuen Adel fehr ſorgfälrig. Weil aver nur in den Jah. ren 1620 , 31 und 34 Rircei båske , gehalten mor. den , ſo ſind ſehr viel neue Geſchiechter hinzu gekom . men , die nicht mit in den Verzeichniſſen gedachter Nach Maßgebung eines Rits Ritterbånfe ſtehen. terbankſchluſſes vom Jahr 1634 , und einer Verorde nung vom Jahr 1676 , kann fein neuer Edelmann bis ins dritte

Geſchlecht eine Ehrenſtelle erlangen,

oder ein obrigkeitlichés Imt verwalten ; man kann ihn auch nicht zum Geſandten machen ; es rey denn, daß er ſich um die Republik gar ſehr verdient ges macht habe , oder von einigen alten Häuſern aufges Ein curländiſcher Edelmann hat das nommen ſey. Recht des Indigenats in Polen , ſo wie ein polni. ſcher in Curland , bende aber genießen die damit vers knüpften Vorredite nur alsdenn , wenn ſie ſich an Drt und Stelle anſäſſig gemacht Haben , und ein Curländer gelanget jeßt ſchwerlich zu einem Ehren . amt in Polen , wenn er nicht katholiſch wird ; ein fatholiſcher Pole aber fann in Curland eine der er . ften Stellen erhalten , die Kanzlerwürde ausgenoma men.

An den polniſdhen Reichstagen nimmt der curiſche

die Herzogth . Eurland u. Semgallin. 303 curiſche Adel fein Theil. Ein Edelmann, der am Seeſtrande wohnet, hat das Strandrecht. Ein Edela mann kann nicht leicht gefangen genommen werden . Nody andere Verordnungen von 1569 , 76 , 87 , 88 und 1650 befreyen ihre Unterthanen , Vafallen und Hausgenoſſen von Äuflagen , Zoll und Acciſe von dem , was ihnen zugehört , und man darf keine Sole daten auf ißren Gütern einquartieren. Sie beſigen ihre Güter erb, und eigenthümlich, und zur Erhale tung der Geſchlechter iſt das Redit der Erftgeburt Sie geben von ihren Erb gütern gang eingefüşrt. und gar keine Steuern noch andere orderitliche Abga. ben , fondern nur in Kriegeszeiten den Stoßdienſt, in Anſehung deſſen 1727 beliebet worden , daß er künf. rig aus 200 Reutern ( von ungefähr ebein ſo viel Ha. ken ) beſtehen , oder der del an derfelbien State im erſten Jahr des Kriegs 30,000 Thaler , und in den Der folgenden jährlichy 10,000 Thaler geben ſolle. Udel hat ſeine Unterthanen auf den Ertigütern allein zu feinen Dienſten , und der Herzog kann ſie zu fei. nen andern Dienſten zwingen. Der Udel kann auch ſeinen Unterthanen eigne Ordnungen niachen , doch ohne Verlegung des Staatsrechts . ( Er entſcheidet in Civilſachen unter feinen Unterthanen nach Gut. důnken , und die Leibesſtrafen ſtehen gang in ſeiner daher er ſeinen Bauer mit Ruthen ſtrei. Der dhen laſſen kann , ſo oft er es nöthig findet. eigentliche Staupenſchlag durch Bütteľs Hand , ift hier ſo wenig als die Landesverweiſung gewöhnlich,

Gewalt ,

weil der Erbherr dadurd ) einen Unterthan verlieren würde, den er doch aufs möglidiſte zu erhalten ſucht. Hat der Bauer ein Verbrechen begangen , auf wel= dhes

304. Zu Polen u . Litauen zugleich , gehören ches die Lebenstrafe gefekt iſt , ſo muß der Gutshere ein Criminalgericht anfeßen , und darüber erkennen laffen , weldes in den Statuten ben hundert Gulden Strafe befohlen worden. Die Edelleute ſind ins. geſammt einander abidh . Sie haben in den Kirch . ſpielsfirdyen das Patronatrecht mit dem Herzog gea meinſchaftlich ; aw crosm aber hat der erzog fol. che, davon er allein Datron ift, und der Udel gleich . falls , in deſſen Kircien der Superintendent mit Zus ziehung einiger benachbarten Prediger , die neuen Prediger auf Vorlangen des dels ordiníret und eine führet. Sie können jagen , wo ſie wollen ; unter Herzogs Karl Regierung aber: ſind die alten Kam . merjagden um Mitau wieder hergeſtellt , und dem Abel iſt unterſagt worden , daſelbſt und auf fürfili. cher Grånze zu jagen. In Kriegszeiten , oder wenn die Verbindungen mit der Republik Polen es mit ſich bringen , leiſten ſie ihren durch Verträge aus. gemachten Roßdienſt, und der Herzog fein Vafalla. gium beſonders; folles ſie aber ſåmmtlid ) auffiken, ſo muß ſie der Herzog perſónlich anführen. Jest iſt kein Fall abzuſehen , da ein Herzog von Eurland das Recht zum Kriege auszuüben Gelegenheit ba ben ſollte. 9. 6 Curland gehörte ehedeffem zu liefland , und þat mit demſelben bis ins drevzehnte Jahr undert einerley Veränderungen erfahren . Beydes wart von dem deutſchen Orden eingenommen , welcher Als aber um auch bis 1561 darinn regieret hat. dieſe Zeit die Ruſſen in das land fielen , und der Orden

ſich ſelbſt nicht mehr zu helfen wußte: trat der lebte Herrenmeiſter , Gothard Ketler , Tiefland an den König

die Herzogth . Curland u . Semgallen.

305

König von Polen, als Großherzog von Litauen , ab, und ließ ſich dagegen von demſelben mit Curland und Semgallen , als weltliden Berzogthůs mern , erblich belehnen. Solchergeſtalt nahmen 1561 die derzogthümer Curland und Semgal. len ihren Anfang , welche 1569 auf dem Reid,stage zu ( ublin eben ſowohl mit Polen als Litauen verei: niget wurden . Der neue Herzog führte die evange. liſche Religion völlig ein. Zwiſchen deſſelben Söh . nen und Nachfolgern , den Herzogen Friderich und Wilhelm an einer , und dem curländiſchen Adel an der andern Seite , en ſtanden iın anfange des fieb , zehnten Jahrhunderts große Unruhen , welche eine polniſche Commiſion nach ſich zogen , die 16 17 eine Regiments . Formel und gewiſſe Statuten errichtete, dadurch die herzoglichen Rechte in vielen Stücken geſchwachet wurden ; es ward auch den Katholiken die frene Religions - Uebung , und den Polen und { i. tauern das Indigentat, ja wenn ſie ſich anfefig madj. ten , der Zutrit zu allen Ehrenåmfern verſchaffet. Herzog Jacob verbeſſerte ſeine Finanzen und den Handel rehr ,' erriditete Handels . Verträge mit ver. ſchiedenen europäiſchen Höfen , es ward ihm 1664 von England die caribiſche Inſel Tabago in Amerika abgetreten, er rüſtete für andere Mädyte Kriegesſchiffe aus , und ſchickte dem polniſchen Könige 1652, außee ſeiner Lehnspflicht, tauſend Mann zu Fuß zu Hülfe. Unter dem ſectyſten Herzog Friderich Wilhelm, wurde das {and im Anfang des achtzehnten Jahr: hunderts von den Schweden und Ruffen ſehr mitges nommen ; er vermählte ſich aber 1710 mit der ruſſi. fchen Prinzeſſinn Anna , die nach ſeinem 1711 er. U folga 2 Ch.84.

306 Zu Polen u. Litauen zugleich, gehören folgren Code , unter dem Schuß ihres Dheims, des Zaren Peters des erſten, im Beſiz des Herzogthums blieb, und 1716 ihren Witwenſig in Mitau nahm . Es mußten ihr die meiſten und beſten herzoglichen Hemter, welchenicht verpfändet waren , eingeråumet werten , fie ldſete auch von den verpfändeten die ein träglichſten ein , To daß von den übrigen Aemtern unmöglich ein fürſtlicher Hofſtaat unterhalten wer . den fonnte. Es kam zwar des verſtorbenen Hero zogs Vaters Bruder, Ferdinand, die Regierungs. nachfolge zu , welche er auch antrat , aber nicht wes gen der Religionsveränderung, die falſch iſt, fon . dern um deswillen mit dem Adel viele Streitigkeiten

1

þatte , weil er ſid, meiſtens außerhalb Jandes auf. hielt , und abweſend die Regierung verwalten wollte, auch Pfandhalter mit Gewalt aus fürſtlichen Gütern verſtieß. Daher mußte 1717 eine eigene Commiſ. fion aus Polen nady Curland abgehen, welche dem Herzog Ferdinand , ſo lange er abweſend wåre , und das dehn nicht empfangen håtte , die Regierung ab nahm , und den Oberråthen ließ , weldie ſie auch bis 1737 führten. Es berathſchlagten ſich auch die polniſchen Stånde darüber , wie ſie das land nach dem Code des Herzogs Ferdinand dem Königreich ein . verleiben , und es in Woiwodſchaften theilen wollten . Dieſes verurſachte den cürländiſchen Standen aller. len Sorgen wegen ihrer Religion und übrigen Freya Heiten , daher fie , des fönigl. Verbots ungeachtet, am Ende des Junius 1726 zu Mitau einen außer. ordentlichen Landtag hielten , und auf demſelben des Königs in Polen natürlichen Sohn , Grafen Moriſ pon Sachſen , mit allen ſeinen Nachkommen 7månn. lidhen

die Herzogth . Curland u. Semgalien . 307 lichen Geſchlechts , zum Nachfolger nach dem Tode deſſelben , beſtimmeten.

Ferdinands, Gegen dieſe

Wahl, feste ſich nicht nur der Herzog Ferdinand, fon . dern auch Polen erklärte fię 1727 auf dem Reichs tage zu Grodno für ungültig , und fekte die nähere Verknüpfung des Landes mit dem Königreid, nady dem Tode Ferdinands, durch ein neues Gerek feſt. Die patriotiſdygefinneten Curländer beſchwerten ſich welchen die Republik Polen

über dieſen Eingriff,

in igre Freyheiten gewagt, aufs ſtårtſte, und behaup . teten , daß die Stånde des Herzogthums das Redit, einen Fürſten zu wählen , von ihren Vorfahren ere und durch keinen einzigen verſuchten Eins griff verloren håtten. Sie beriefen ſich auf die Un . terwerfungs . Verträge , in welden ausgemact rey, daß Curland zu ewigen Zeiten eine mittelbare beuta þalten ,

Tche Obrigkeit, folglich audy das Recht behalten ſolle, ſidy nöthigenfalls einen Fürſten zu erwählen . Ich fahre aber in der Erzählung fort. 218 Anna Jwa. nowna nach Peters II Tode im Jahr 1730 den ruffiſchen Thron beſtieg , vermählte ſich der fünf und ſiebzigjährige Herzog Ferdinand mie Johanna Mage dalena, einer Prinzeſſinn von Sachſen . Weiſſenfels, und empfieng 1731 dürdy feinen Geſandten Friderich Goth. von Bülow zu Warſchau die ordentliche Bea Weil er aber dem Sande lehnung vom Könige. nicht traute , ſondern glaubre , es rey voll von Mis. vergnügten und ſeinen Feinden , ſo kam er nicht zum Unterdeſſen ließ die wirklichen Beſik deſſelben. Kaiſerinn Anna nach dem Tode des polniſchen Ko. nigs Auguſt des zweyten, ihre Truppen in Curland einrüfen , weil ſie es zur Errichtung eines Waffen U 2 pla.

308 Zu Polen u , Litauen zugleich, gehören plages , und Anlegung eines Theils der Magazine, Eben diefelbe hatre ſchon für ſehr bequem anfah.

!

vorher 1732 am polniſchen Hof erklären laſſen , daß fie in die unmittelbare Einverleibung des tantes nie. mals willigen , ſondern daſſelbe ben ſeinem Recht, als ein Lehn der Republik urter ſeinen eigenen Her. zogen zu ſehen , beſchůßen würde. Dieſes ließlich aud) die Republik Polen endlich gefallen , und beo fchloß 1736 auf dem Pacifications - Reichstage zu Warſchau ,

daß nach

Abgang des

Ketleriſchen

Stamms mit dem Herzog Ferdinand, das Herzoge thum Eurland , vermittelſt freyer Wahl der Starde, Da nun im fol. ſeine eignen Herjoge haben ſollte. genden Jahr nach Ferdinands Tode , mit weldjen der Kettleriſdie Mannsſtamm ganz ausgieng , die Wahl der Ssånde , auf Empfehl der ruffiſden Kai. Ober: Kammerherrn ,' des feiligen ſerinn , ihren römiſchen Reichs Grafen Einſt Johann von Bis

ron , einen gebornen Curländer, und deffelben många liche Nachkommen , traf : wurde dieſelbe 1737 durch ein Senatus Confilium zu Frauſtadt belåtigt , und die wirklide Belehnung des neuen Herzogs erfolgte Allein , fein 1739 an ſeinen Bevollmächtigten . Glück wurde bald unterbrochen ;

denn die ruſſiſche

Großfürſtinn und Regentjun Unna ließ ihn 1740 mit ſeiner ganzen Familie in Verhaft nehmen , und Die curländiſchen fchichte ihn 1741 ins Elend . Stände erwählten zwar 1741 ten Herzog von Braun . fchweig - Wolfenbüttel, Ludewig Ernſt, der ruſſiſchen Regentinn Gemahls Bruder , zum neuen Herzog ; es iſt aber dieſe neue Wahl nie zur Wirkung gefom . men, hat auch ohne Gewalt nicht dazu kommen kön. nen.

die Herzogth. Curland u. Semgallen. 309 nen .

1758 wurde durch ein Senatns Confilium

herzogliche Stuhl für erledigt erflaret,

der

und der få.

niglich) polniſd ;e uno churfürfilich - fächſiſche Prinz Karl zum Serzog von Curland ernennet, zu deſſen Vortheil die ruſſiſche Kaiſerinn Eliſabeth auf alle igre Fonderungen an dieſes Serjogthum , Verzicht that. Im Anfang des Jahrs 1759 erfolgte ſeine Beleh . nung : ' toch wollten ſich die curländiſchen Landſtande nidit eler zur Huldigung verſtehen , als bis der neue Herzog ihnen gewiſſe Reverſalien , welche die Si dherheit der evangeliſchen Religion betrafen, ausges ſtellet hatte, worauf die Huldigung nod ) in eben dem . ſelben Jahr erfolgte. 1762 geſchahen in Anſehung Eurlands wichtige Dinge ; denn erfilich rief der ruf. fiſche Kaiſer Peter der dritte der Herzog Ernſt Jou Hann und ſeine Familie , von Jaroslawl , wo er viele Jahre lang gewohnet hatte , zurück , und fekte ihn in völlige Freyheit ; hiernádiſt aber gieng er mit dem Vorhaben um, nach vorbergegangener Verzicht leiſtung Herzogs Ernſt Johann auf Curland , fel. nen Dheim, den Herzog Georg Ludewig von Hol. ſtein · Gottorf ,

zu der Würde eines Herzogs von

Curland und Semgallen zu verhelfen.

Als aber

ſeine Abſegung und ſein Tod die Ausführung dieſes Vorhabens hinderte , gab die Kaiſerinn Katharina die zweyte nicht nur dem Herzog Ernſt Johann die ihm ehemals zuſtändig geweſenen Güter in Curland, welche bis dahin unter ruſſiſcher Verwaltung geſtan . ben hatten , zurück , ſondern entließ ihn aud) mit feia ner Familie nach Curland ,

und verſicherte ihn

und die Seinigen Jhrer Gnade und Beſdiů. kung. Der Serzog ließ von S. Petersburg aus U 3 unterm

310 Zu Polen u . Litauten zugleich , gehören unterm 20 Jul. ein Refcript an die curländiſchen Oberråthe und Landſchaft ergehen , darinn er ſich dem vom Herzog Karl auf den sten Zuguſt anges fekten Sandtag widerfekte, und erklärte , daß , da er ſich keines Lehnfehlers gegen die Republik und den König von Polen beroußt fery, er auch nidic gewillet fen , ſeine auf die Herzogthümer Curland und Sem gallen unſtreitig erworbenen Rechte fahren zu laſſen. Der vorgeweſene Sandtag wurde dadurch rückgängig gemacht , und Herzog Ernſt Johann reiſete am 23 Auguſt a . St. von S. Petersburg ab , um von Curs

+

land wieder Befig zu nejmen . Er kam nicht allein 1763 wirklich dazu , und Herzog Karl mußte weis chen , ſondern es ward auch auf dem polniſchen Cone vocations, Reichstage von 1764 der Schluß gefaßt, daß Ernſt Johann Biron , als der einzige rechtmåfo ſige Herzog von Curland erkannt und erklärt , die 1758 geſchehene Inveſtitur aufgehoben , und für null und nichtig erklåret, der Herzog Ernſt Johann aber von dem fünftigen neuen Könige die Belehnung per . fönlich empfangen , oder , wenn rein 2lrer, ihm fols ches nicht zuließe , fein älteſter Prinz Peter für ihn, und auch zugleich fchon mit für ſich ſelbſt , als Nach. folger folche empfangen , niemals aber fidy jemand von ihnen in auswärtige Dienſte begeben , und bis jum Abſterben ber' månnlichen bironſd en Linie , bey dieſer Familie die Herzogliche Würde verbleiben, nacho Her aber es mit dieſem Herzogthum weiter , wie es die Vertråge erfordern , gehalten werden ſolle. Auf dem Reichstage von 1768 wurden Conſtitutionen fiir Curland gemacht , und in denſelben gewiſſe Rechte des Herzogs, die vou der landſchaft in Zweifel gezond

gen

die Herzogth . Curland u. Semgallen. 313 gen waren , feſtgeſeket.

1769 trat der alte Herzog

die Regierung des {andes feinem Erbprinzen Peter ab , der 1770 die Huldigung einnahm . Der alte Herzog ſtarb am 28 Decemb. 1772. Im Jahr 3774 ward ju Warſchau abermals eine Conſtitution für Curland gernacht. Der Herzog ſtiftete 1775 aus ſeinen eignen Mitteln zu Mitau ein akademi[dies Gymnaſium .

Auf dem Reid ,stage von 1776 befiås

tigte die Republik Polen dem Herzog, der Ritterſchaft und Landſchaft , den Städten und allen Einwoh.

1 nern der Herzogtýúmer Curland und Semgallen, ihre Rechte , Privilegien , Freyheiten und Vorzüge , die ihnen gegeben worden , inſonderheit die Inveftitur des Herzogs , die pacta Subiectonis , das dem Adel ertøeilte Privilegium , das Privilegium des Herzogs Gothard , die Regierungs . Formel , das pactum des Herzogs Ernſt Johann , welches am 8 Junii 1737 gemacht worden , und den Vergleich vom 2u. guſt 1776 gmiſchen dem Herzoge und den Srånden. S. 7 Der erſte Herzog Gothard , hat den bis .

her beybehaltenen Titul angenommen , von Gottes Gnaden Gemgallen ,

in Liefland, zu Curland und herzog . Das curiſche Wapen

beſteht aus vier Feldern.

In dem erſten und vier .

ten iſt ein rother Löwe mit einer goldnen Krone im weißen Felde , wegen Curland ; und wegen Sem . gallen im zweyten und dritten Felde ein gekröntes Halbes Elanthier , mit natürlichen braunen Farben, im blauen Felde. In der Mitte des Schildes liegt fonft ein kleines nady der Långe in zwen Felder geo theiltes Mittelſchiidlein , welches ſich aber nach dem regierenden Hauſe richtet.

Ilm das Wapen iſt ein 4.4 Für:

312 Zu Polen u. Litauen zugleich , gehören

Fürſtenmantel von Purpur und Hermelin gehängt, welchen zwey goldne gefrónte Lowen Halten ; das ganze Wapen aber iſt mit einem Fürſterhut bedecket. S. 8 Die herzoglichen Einkünfre , ſollen ſehr anſehnlich ſeyn , und die Doinain ni iber ein Drittel des ganzen Landes ausmachen .

Weil nun

überdieß das land zum Handel an der See ' fehr beo quem liegt : ſo kann ſich ein Herzog von Cicland ſehr bereidyern , wenn er ein guter Haushalter iſt. In Kriegeszeiten, wenn das { and von fremden 28 fern mit Yuflagen gedrůcket worden , hat das Herzogliche Haus allezeit den dritten Theill davon übernommen, womit der Ädel nicht zufrieden geweſen , ſondern eine Unterſuchung , welche Haaien : Reviſion genen . net wird , vorgeſch agen , dazu man es aber an Ver. jogli her Seice nie kommen laſſen . 9. 9 Vermöge der Regierungsform der Hero zogthümer Curland und Semgallen , welde 1617 durch eine königlich - polniſche Commiſſion eingerich tet worden , ſind im Sande vier Oberråthe , nåm. lich ein Land , Sofmeiſter , Ranzler ,

Ober.

Burggrafund Landmarſchall, nebſt noch zivey Rechrsgelehrten , welche in der Regimentsformel Doctoren der Rechte beißen , jeßt aber fürſtlide Råthe genennet werden . Dieſe ſechs Perſonen man den den Geheimenrath des Herzogs aus. Die Oberrårbe verwalten in Abweſenheit, Minderjäh. rigkeit, Krankheit , oder nach dem Tode des Here jogs , die Gerechtigkeit, und fertigen Befehle, Ure theile und andere zur Regierung gehörige Sachen in derſelben Namen aus. Oberhaupileuce ;

Rådyſt denſelben ſind vier

zwey in Seingallen , nämlich zu

die Herzogth.Curland u. Semgallen. 313 zu Mitau und Seelburg, und zwey in Curland, nämlich zu Goldingen vind Tukum. Dieſe ſprechen den Udelidien und Unadelichen in den ihrer Gerichts . barkeit anbefohlnen Kreiſen , in Sachen der erſten Jn. ftanj, Recht. Uus denſelben werden die Stellen der abgehenden Oberråthe befeket, und unter einem jeden ſtehen zwey Gauptleute ,

auf welchen der Herzog

Die Stellen der abgehenden Ober Hauptleute beſeßt. Von dem Gericht der Ober , Hauptleute , gehen die Appellationen an das fürſtl. Sofgericht , worinn der Herzog und die Oberråthe richten , welches jähr. lich zweymal gehalten wird, und ſich in das Uppella tions- Criminal: und Conſiſtorial. Gericht theilet , in welchen legten beyden es noch andere Benſiqar erhåle. Von da gelangen die Appellationen , wenn ſich die Sadyen åber 600 polniſche Gulden erſtrecken , an den König ' von Polen . Des Adels ' peinlide Sar den , werden vom

Fürſtlichen Hofgericht mit Zuzies

þung der vier Oberhauptleute entſchieden , wovon man an den König appelliren kann , außer in Sa. chen , die vorfeßlichen Mord , Brand , Schåndung, Raub

und

öffentliche Gewaltthätigkeit betreffen.

Der Kanzler richtet auch in Rirchenſachen , mit Zuziehung des Superintendenten und vier Probſte. Die Streitigkeiten zwiſchen dem Fürſten und Udel, gehören unmittelbar vor den König . Das Geriche in den Städten , gehört entweder dem Magiſtrat, oder dem Hauptmann des Diſtricts, in welchem der Beklagte iſt, zu , nachdem die Sachen ſind , und die zweyte und lebte Juiſtanz iſt das Hofgericht. Ben Schuloforderungen , werden die Mannrichs ſfer (Executoriales) gebraudiet. U 5

Alle zwen Jahre ſchrei.

314 Zu Polen u . Litauen

zugleich, gehören

ſchreiber der Herzog nach Mitau einen Landtag aus, und jedes Kirchſpiel läßt einen dazu abfertigen .

Bevollmådytigten

S.10 Das Redit des Herzogs von Curland, Ges fandte abzuſchicken , beſonders auch an die Republik Polen, babe id) in meinen wöchentlidien Nachrichten Jahrgang 14 St. 6 und 7 bewieſen. $. 11 Man ner.net Curland und Semgallen , im Gegenfak des piltenſiten Diſtricrs , das ori denſite, und dieſen legten Diſtrict, das ſtiftifide. Curland und Semgallen ſind in Ober - halpra mannſchafren ,unddieſe in gewiſſe Kreiſe uber Diſtris cte, welche Kirchſpiele genennet werden, abgetheilet. 1

1. Das eigentliche Curland. Dazu gehört 1 Die Oberhauptmannſdafi Goldingen , welche aus adyt Kirchſpielen beſteht.

Dieſe ſind

1). Das goldingſche Kirchſpiel, in weldjen 8zu bemerfen : ( 1) Moldingen , lettiſch Kuldiga , cine cine Stadt, am Fluß Windart , in welcher hier ein Fall iſt , mit einem alten Schloß. Goldingen und Windau find die älteſten In einem der Stadt Goldingen Stådte in Gurland. 1355 ertheilten Privilegium , werden ihre Burgeineiſter, Ratbmaun und Bürger genennet. Ihr Schluß war vor Alters der Sitz eines Comnienthurs. Sie war ehemals eine anſehnliche Handelsſtadt, die girte Nahrung hatte, weil ſich hier die Herzoge zinveilen aufhielten . Uußer der lutheriſchen Kirche, iſt hier auch eine katholiſche. Hier iſt ein fürftliches Alınt. ( 2 ) Der Ort Ehden , wobey ein Eiſenmerk und Rus Pferhammer. 2 ) Das windauſche, bazu gehört ( 1) Windau , lettiſch Wente , cine Stadt, am Flaß gleiches Namens , der hier in die Oſtſee Fådt, von mito tela

die Herzogth. Curland u . Semgallen .

315

telmäßiger große , mit einem Hafen. Es iſt hier eine Hauptmannſchaft. Ehedefſen war hier ein Schiffbaus Serft. Sie macht mit Goldingen die alteſten Stadre des Landes aus , hat aber kurz vor 1495 durch Brand ihre Privilegia verloren , daher ihr in dem genannten Jahr der Seermeiſter Wolter von Plettenberg ihre altent Privilegia und Freyheiten erneuerte. Ihr Schloß war der Siß eines Commenthurs. Außer der Stadtkirche iſt hier auch eine Schloßkirche. (2) Das fürſtliche Amt Rohthof. 3) Das alfdwangſdhe; darinn Alfchwan . gen , ein Schloß, bey weldem ein Flecen liegt. 4) Das haſenpothſche; darinn der Flecken und das alte Schloß Safenpotly , welches gegen einem gleichnamigen Schloß im piltenſchen Diſtrictüber liegt. 5) Das grubinſohe ( 1) Cibau , eine fürſtliche See : und Handels- Gtadt an der Oſtſee , iſt offen , von mittelmäßiger Große , und beſteht aus lauter bölzernen Hänſern , die ein Stockwerk hoch ſind. Sie iſt von den Petten erbauet , und ſoll den Ramen von dem lettiſchen Wort Leepaja haben , wels dhes ſo viel iſt, als ciu Drt, wo Linden ſtehen , dergleis chen hier auch ehedeffen viele geweſen ſind. Die heutigen Letten nennen die Stadt noch immer Leepaja. Im dreyzehnten Jahrhundert ſind hier ſchon deutſche Eimpoh ner geweſen ; am Ende des funfzehnten und im Anfange des ſechzehnten Jahrhunderts nahm der Ort merklich zu ; und da ſich bieſelbſt die Deutſchen vermehrten , fo ward eine wirkliche Stadt daraus , die 1.625 ihr Privilegium erhielt, in welchem ihr der freve Handel mit allerley Waa : ten , wie ſie fold )en vor Alterð her gehabt, gelaſſen wurde. Wegen der Banfälligkeit der alten lutheriſchen Stadtfirche, ward 1742 der Grund zu einer neuen gelegt , die nach der neueſten Bauart aufgeführt iſt , ein italieniſches Dad , und um daſſelbe ber eine Gallerie bat . Die Stadtidule hat drey Collegen , und einen Schreib : und Rechen : Meiſter. Die Katholiſchen haben hier auch eine Kirche. Der Hafen iſt nicht tief genug , daß fchwer be, ladene

316

Zu Polen u.Litauen zugleich, gehören

ladene Schiffe in denſelben einlaufen könnten , die daher auf der Rehbe liegen bleiben müſſen ; außerdem aber iſt er får erleichterte Schiffe ſehr bequem ; nachdem ihn Herzog Ernſt Jobann 1737 vertiefen , und durch eine Baſſerarbeit vor der Verſchlemmun verwahren laſſen . g Es laufen hier manches Jahr über 150 Schiffe ein , die Hant , Leinſaamen sc. einladen . Es iſt hier eine Strands bogiem). Neben der Stadt iſt ein Landſee , welcher von ihr den Namen hat.

( 2 ) Grubin, ein geringes Städtchen mit einem Schloß, einer deutſchen und einer lettiſchen Kirche. Es iſt hier eine Hauptmannſchaft. ( 3 ) Der Drt heiligen Aa , woſelbſt eine Kirche und Strandvogtey ift , liegt an dem Flübchen gleiches Naa mens , weldjes die Grånze zwiſchen Curland und Schas maiten iſt. 6 ) . Das durbenſche Rirchſpiel, in welchem Durben , ein altes Schloß , und geringer Flecken Von dieſem Ort hat ein kleiner mit einer Kirche. Es iſt hier eine Haupts ſandfee den Namen . mannſchaft. 7 ) Das gramsdenſche Rirchſpiel, in wele chem Gramsden , ein adeliches Kirchdorf. 8 ) Das

frauenburgſdhe;

darinn Frauens

burg , woſelbſt ein verfallenes Schloß , fürſtliches eine Saupte Umt und eine Kirche : 1 Schrunden an der Windau , hat mannſchaft. ein verfallenes Sdiloß , und eine Kirde. Es iſt hier eine Hauptmannſchaft. Zu dieſer Ober - Hauptmannſchaft Anmerkung . gehören zien Probſteyen , nåmlich die goldingſche, mit brenzehn fürſtlichen und acht adelichen Kirchen ; und die grubinſche, mit acht fürſtlichen und neun adelichen Kirchen . 2 Die

die Herzogth. Curland u . Semgallent. 317 2 Die tukumſche Ober : hauptmannſchaft, bazu folgende Kirchſpiele gehören 1) Das tukumſche; darinn das Städtchen Tus kum , mit einem verfalleneq Sd )loß. 2) Das candauſche ; darinn ( 1 ) Candau , ein Städtchen am Fluß Abau , mit eis nem fürſtlichen Amt. Das ehemalige Schloß iſt einges' gangen . Es iſt hier eine Hauptmannſchaft. ( 2 ) Ungern, woſelbſt eine Kirche und ein Eiſenwerk.

3) Das zabelnſde ; darinn Zabeln , ein den am Fluß Abau ,

Fle.

woſelbſt Ueberbleibfel von ei.

nem Schloß zu ſehen. 4 ) Das talſenfche ; zu welchem das Amt und der Flecken Talſen gehört.

5) Das angiſdhe , in welchem die Kirchdorfer Groß : Ang , Deus 2n5 und Allr - Ang . Anmerkung. Zu dieſer Ober - Hauptmannſchaft gehört die candauſche Probſtey, unter welder adt fürfil. und vierzehn adeliche Kirchen ſtehen . Unter jener , iſt die römiſch -katholiſche zu Sehmen .

II. Semgallen , Semigallia ;

dazu gehöre

1 Die mitauiſche Ober : auptmannſdalt, welche aus neun Kirchſpielen beſtehet. Dieſe ſind 1 ) Das mitauſde. ( 1 ) Mitau , Mitavia und Mitoa , lettiſch Jelgawa, die Haupt- und herzogliche Reſidenz - Stadt am Fluß 47 iſt ziemlich weitlåuftig , enthält aber in ihrem Umfangé viele Gärten und ledige Platze . Außer zwey lutheriſchen Kirchen , nåmlich der deutſchen Hauptkirche , bey wels der der Superintendent beyder Herzogthümer Dber : Pas ſtor

318 Zu Polen und Litauen zugleich , gehören ſtor iſt, und der lettiſchen Kirche, giebt es hier auch eine 1740 vollendete didne reformirte , und eine katholiſche, Der Herzog und die fandesregierung hat hiefelbft ihren Sit. Außer der Stadtſchule , iſt hier noch ein akademis ſches Gymnaſium , welches von ſeinem Stifter dem Her: zog Peter benennet wird , und imn Anfange des 1775ften Es hatte damals neun Fahrs eingeweihet worden iſt. Profeſſoreš. Nußerhalt der Stadt , doch nahe bey ders Telben , iſt das herzogliche Schloß , welches Herzog Ernſt Sohann vor ſeinem Fall zu bauen angefangen , nach wies der erlangtem Herzogthum aber der prachtigen Anlage gemå fortgeſeket hat . Es liegt in einer angenehinen Ges gend , auf der Stelle des alten Schloſſes, und iſt zwey Stocwerke hoch. Unter einem Flügel des Gebäudes, ftes hen in einem hellen Gewölbe die herzoglichen Leichen in mehrentheils zinnernen und inwendig koſtbar ausgeziers ten Sårgen . Mitau iſt ſchon 1435 eine Stadt geweſen , welche ein eigenes Gericht , und eigene Dronungen ges habt. Anſtatt der alten Polizey :Verordnungen von 1590 bis 93 , gab ihr Herzog Friderich 1626 eine ordentliche Polizey . ( 2 ) Annenhof, Dorf uud Amt , mit einem verfallea nen Schloß. (3) Vårzau , ein herzogl. Luftfchloß unweit Mitau . 2) Das ekauſche ; darinn Ekau , ein Kirche dorf am Fluß gleiches Namens. 3) Das baldonſhe; darinn Baldonen, ein Kirchdorf. 4) Das neugutſche; Kirchdorf.

barinn VTeugut,

ein

5) Das feffauſche; darinn Seſſau , am Fluß gleiches Namens , ein Kirchdorfa 6 ) Das bauſkiſche ; darinn ( 1) Bauſke, oder Bauſchke, eine Stadt zwiſchen den Flüffen Muß und Memel , mit einem nicht, weit davon auf

24

.17 14

3

=

die Herzogth .Curland u. Semgalien. 319 auf einem Felſen liegenden Schloß , Bauſtenburg ges nannt, wo die zwen Flüſſe fich vereinigen , und hernach ald ein einziger Strom den Namen Ua führen. Gegen dem Schloß über , auf der andern Seite der Muße , iſt das Amt Bauſke. Die Stadt hat ſich ehemals bis an das Schloß erſtrecket, iſt aber durch oftmalige Feuersa brünſte verringert worden. Sie hat eine deutſche, und eine lettiſche Kirche. Herzog Friderich hat ihr 1635 eine Polizev - Ordnung nach Art der mitauiſchen gegeben , ſie iſt aber ſchon lange vorher eine Stadt geweſen. Es iſt hier eine Hauptinannſchaft. ( 2 ) Rubendahl, ein Amt , mit einen großen und forta baren Luftſchloß , welches Herzog Ernſt Johan , ver era langter herzoglichen Gürde anlegen laſſen , und nach wie der erlangtem Herzogthum völlig ausgeführt hat. Seine Bauart und innere Einrichtung zeugen von gutem Ges ſchmad . Uußer demſelben hat der Be.zog noch die Luftſchloſſer friderid sluſt und Schwerdthof in den Gegenden der Hauptſtadt. (3) Bey Groß- und Klein - Barbern , iſt ein Sauer. brunnen . (4) Schönberg , am Fluß Memel, ein adelicher lutherifcher Hof , mit einer ſchönen katholiſchen Kirche, und einer ehemaligen Geſuiter - Reſidenz. 7 ) Das grånzboffiche : darinn Grånzhof, mit einer Kirche. Ben Gemåurthof am Flüfchen Smerhe, fiel 1705'eine Schlacht zwiſchen Schweden und Ruffen zum Vortheil der erſten , vor. 8) Das doblehnſde; darinn Doblehn , ein altes Schloß, ein fürſtliches Amt, und eine Kirche: auch iſt hier eine Hauptmannſchaft. 9 ) Das neuburgſete ;, darinn 17euenburg, ein Schloß und eine abeliſdhe Kirche. Anmerkung. Zu dieſer Ober - Hauptmannſchaft gea hören drey Probſteyen , nåmlich die mitauiſche , mit ador

320 Zu Polen u . Litauen zugleich, gehören acht fürſtlichen Kirchen, und einer adelichen ; die bauſkiſche, mit eilf fürſtlichen und vier adelichen Kirchen ; und die doblehnſche, mit zehn fürſtlichen und dreyzehn adelia den Kirchen . 2 Die ſeelburgiſche Ober - Sauptmanns fchaft , dazu fünf Kirchſpiele gehören , find

welche

1) Das aſcheradenſche; barinn herbergen , ein adelicher Hof und eine Kotrche am Fluß Sufen .

1

2) Das ſeelburgfde; darinn (1) Seelburg , lettiſch Sehnspills , ein ehemalia ges Städtchen und Schloß am Fluß Důna, welches in alten Zeiten der Sit des Biſchofs von Semgallen ge weſen , der davon der ſeelburgſche geriennet worden ; jetzt aber ein Amt mit einer kleinen Slobode. Aus einer påbſtlichen Urfunde vom Jahr 1245 erhellet , daß bey Errichtung des Erzbisthuins zu Riga , ganz Semgalien , den dritten Theil , welcber dem deutſchen Orden gehört, ausgenommen , zu gedachtem Erzſtift geſchlagen , und das jemgalleniche oder feelburgiche Bisthum aufgehoben worden. Das Stådtchen kommt ſchon in aften Urkunden bor , und 1621 erhielt es vom herzog Friderich ein neues Privilegium , es iſt aber ganz verfallen . ( 2) Sriderichſtadt , oder Keuſtadtchen , lettiſch Jauna Ribga , ein Städtchen an der Dúna , mit einer lutheriſchen Kirche. Es hat dem Herzog Friderich ſeinen Urſprung zu danken , deffen Witwe eg 1647 aus dem Perfall , darein es in der Kriegszeit gerathen war , wies der hergeſtellet har. Von hier an wird Semgallen bis an ſeine äußerſte Spiše , das Oberland genennet. (3 ) Jacobſtadt, ein Städtchen an der Dúna , mit einer katholiſchen und ruffiſch - griechiſchen Kirche. 1771 hat es durch das aufgethürmte Eiß der hoch angeſchwolles nen Dúna, uuſáglichen Schaden erlitten . Die daſīgen Lutheraner halten ſich zu der Kreuzburgiſchen Kirche, die jenſeits der Düng im ruffiſchen Gebiet iſt. Es haben dies

die Herzogth . Curland u . Semgallen . 321 dieſen Ort ruſſiſche Erulanten angelegt , und Herzog Jas cob hat ihn 1670 mit Stadtrecht und Freyheit begabet. Es wohnen hier viele Bårenleiter , die als privilegirte Müßiggånger mit ihren Tanzbåren weit und breit ums her ziehen ! Anmerkung. Der in dieſem Kirchſpiel belegene Aukenſche Bee , iſt zwey geographiſche Meilen lang, und über eine halbe Meile breit , und ſehr firdreich : inſonder : heit aber ſind die Kaulbarſche deſſelben im Xanbe berühmt . Er ſoll durd ) einen Erdfall entſtanden ſeyn , bey weldem alle an dieſem Ort geſtandene Wohnungen mit verſunken, welches theils dadurch wahrſcheinlich wird, weil man zus weilen mit beu Netzen Ueberbleibel von Häuſern herauss giebet, theils durch die Errfalle bey Birſen. 3) Das nerftenſche; darinn das Schloß und die adelidie Kirdje Werften .

4) Das düneburgſche siſche ; barinn

und

Ueber - Lang

( 1) Zllurt , ein adelicher Flecken , mit einer ſchönen katholiſchen Kirche und einein ehenialigen Seſuiter - Cola legium, wie auch mit einer griechiſchen unirten Kirche. Shemals waren Herrſchaft und Kirche lutheriſch.

( 2 ) Subbat , ein adelicher Flecken , mit einer kas tholiſchen Kirche , an einem kleinen See , auf deſſen ana dern Seite ( teu : Subbat mit einer lutheriſchen Kirde , liegt. Anmerkung. 1 ) Zur Feelburgſchen Probſtey gehd , ten eilf fürſtliche und achtzehn adeliche Kirchen . 2 ) Der Herzog befizet auch das Herzogthum Sagan, - und die freye Standesherrſchaft Wartenberg, beyde in Soleſien .

12

2 Th.84.

£

Anhang . 1

322

Zu Polen u . Litauen zugleich , gehören

A er piltenſche

n

han g.

Diſtrict , welcher ehemals das

D curlandiſche Bisthum oder Griff genen . net ward , und im eigentlichen Eurland liegt , hat den Namen von dem alten Schloß Pilren , welches der dåniſche König Waldemar Der zweyte um das Jahr 1320 erbauen ließ , da er in dieſer Gegend zur Befehrung der ungläubigen Einwohner ein Bis . thum errid )tete. Als er den Biſchof , der auf dem. ſelben ſeinen Siß haben ſollte, fragte wo das Schloß ſtehen folle ,

an !wortete derſelbe, da , wo Pilten,

das iſt, der Junge, ſteht, und mit dieſem Na: men ward das Schloß belegt. Dieſes piltenſche Bisthum fam einige Jahre bernach), ſo wie gang Curland , an die Deutſchen ; und die Sachen blies ben in folchem Zuſtande bis auf das Jahr 1559 , da der lekte Biſchof, aus Furcht vor dem Einfall der Ruſſen , die benden Bistýůmer Pilten und Defel an König Friderich den zweyten von Dänemark verkaufte, welcher fie feinem Bruder Wagnus , anſtatt deſſels bén Antheils, an Holſtein , gab , der 1560 Befin davon nahm , das Bisthum ſeculariſirte , und vie. len ſeiner Freunde und Diener anſehnliche Gürer da , rinn fchenfte. Als Gothard Ketler im folgendeni Jahre Liefland der Krone Polen unterwarf, wurde ausgemacht , daß Herzog Magnus anſtatt des cur . ländiſchen Bistýums das Schloß Sonneburg auf Defel bekommen , jenes aber dem neu n Herzog Kes ler mit zu Theil werden ſolle : allein , nach Herzogs Magnus im Jahr 1583 erfolgtem Tode , wollte ſich, der piltenſche Diſtrict weder dem Herzog von Eur. land

die Herzogth. Eurland u. Semgallen. 323 land , noch, dem polniſchen Reich unterwerfen , ſon. dern verließ iſid auf däniſchen Schuß. Dieſe Strei. tigkeiten wurden endlich 1585 alfo bergelegt , daß König Friderich der zweyte von Dänemark für ſeine anfoderung an dieſem Sande 30000 Rthlr. von der Krone Polen annahm , welches Geld der Herzog von Preußen und Markgraf von Brandenburg, Georg Friderid ), ausjahtte , dafür ihm dieſes land in eben dieſem Jahr 1585 von Polen zum Unterpfand gegee ben wurde. Den Einwohnern ward die frene Ues bung des evangeliſchen Gottesdienſtes beſlåtigt. 1597 erkannte eine verordnete Commiſſion dem Herzog Friderich von Curland das Recht zu, den piltenſchen Diſtrict von dem Markgrafen Georg Friderich zu Brandenburg , gegen den Pfandſchilling von 30000 Thalern , einzulöſen , und eben dieſes erlaubte Re. nig Sigismund der dritte im folgenden 1598ften Jahr dem Herzog Friderich dergeſtalt, daß der Her's zog und ſeine Nad folger dieſen Diſtrict ſo lange beo ſigen ſollten , bis der König oder ſeine Nachfolger dem Herzog gedachte Summen wieder bezahlt haben würden . 1617 brachte ein curländiſcher Edelmann, Namens Herrmann Mandel , dieſe Byporhef an fich , und ſie wurde ihm vom Könige von Polen un. ter dem Namen einer Staroſtey bewilliger. 1656 løſete Herzog Jacob dieſelbige vem Maydel wieder ein , und kaufte in eben dieſem Jahr auch die Schwe. ben aus , welche ſich des Diſtricts bemächtiget hat. ten , dafür ſich zwar der piltenſche Adel unter ſeine Bothmåßigkeit begab , fich ihm aber bald Kernach widerfekte , bis er ſich 1661, vermoge des grobin . fchen Vertrags vom 25 Februar , unter ſehr vortheil. a Baften

324 Zu Polen u. Litauen zugleich, gehören Haften Bedingungen abermals unterwarf.

Fride.

rich Cafimir brachte dieſen Vergleich nach zwanzig Der piltenfche Diſtrict Jahren völlig zum Stande. bekam einen beſondern Oberhauptmann , der ſich zu Hafenpoth aufhielt, und unter ihm ftunden ſechs Landråthe, und der Hauptmann zu Neuhauſen. Vermoge der Regierungsformei dieſes Diſtricts von 1717 , wird derſelbe durch ſieben polniſdie Zandråthe regieret , und die Appellationen gehen von der Rea Uuf dem Reichstage gierung bloß an den König. Don 1776 hat die Republik Polen folgendes verorb. net : Wir erhalten unſern piltner Diſtrict bey feio nem weltlichen Srande , bey der Regierungsform , bey der bürgerlichen und geiſtlichen Gerichtsbarkeit, und ber den Verordnungen , die durch uns und uns ſere Vorfahren in Anfehung deſſelben gemacht und Wir wiederholen und befeſtis gegeben worden. gen alle alte und neue Tractaren und

Rechte ,

die

ſich darauf beziehen und ihu angehen ; beſonders er. Galten wir die Einwohner und Städte bey ihren Pete vilegien , und dem ruhigen Befiße ihrer Güter , auf ewige Zeiten. Da wir uns nach den Conſtitutionen þon 1631 , 35 , 69 , 1720 und 64 richten , welche dem Ritterſtande die Sicherheit ſeiner Güter gewah . ren , und nachy der Conftitution des Convocations. Reid ,stags von 1764 , unter dem Titul des Herzog. thums Curland; ſo erſtrecken wir folche mit eben die. fer Verſicherung auch auf den piltener Diſtrict, gen ben und befeſtigen dem Ade ! das Recht, Güter , welche von nicht.adelichen Perſonen beſeffen werden, durch Recht und am gehörigen Drt wieder an ſich zu

die Herzogth. Curlaid u. Seingallen . 323 zu brirgen.. Es hat dieſer Diſtrict ſeinen eigenen Superintendenten , und fein eigenes Conſiſtorium . Zu demſelben gehdren ſieben Rirdſpiele. 1 Das haſenpothſohe ; darinn Saſenpoth , ein verfallenes Styloß auf einem Berge. a Das neuhauſenſche. 3 Das

fackenhauſenſche;

darinn Sacens

hauſen , ein Schloß. 4. Das ambotenche; darinn Amboten , ein Schloß , auf einem Berge.

5 Das piltenſche, barinn 1) Pilten , eine kleine Stadt , am Fluß Windau, mit einem Schloß und einer Staroſtey. 2) Angerinůnde, ein Kirchdorf am Flaß Irbe, wos ben ein altes verfallenes Sdloß. 6 Das dondangenſche, barinn 1) Dondangen , ein Schloß , welches ebedeffen ein Zafelgut des rigiſchen Erzbiſchofes geweſeu , nachher von einem piltenſchen Biſchof gekauft worden , hiernachft 1561 an den Herzog Magnus von Holſtein gekommen , der es , nebſt andern Gütern verpfändet hat, worauf es nach vielen Veränderungen endlich in neuern Zeiten an den Dbrſtlieutenant, Johann Ulrich von Saden , und defels ben Nachkommen gelanger iſt. Es gehden zehn Dörfer dazu , darunter Anſtruppent, woſelbſt ein guter Geſunds brunn iſt.

2 ) Das Vorgebirge Domesneß , welches die hols ländiſchen Schiffer de curfche Vorſt van de blaue Berg nennen , erſtrecket ſich gegen Norden in den liefländiſchen Meerbuſen binein , und von demſelben geht auf vier Meis lent # 3

326 Zu Polen u .Litauen zugleich, gehören -20. len eine Sandbank in die See , davon , die außere Hälfte unterm Waffer unſichtbar , und überdien , oftwarto ben derſelben ein unergründlicher ſtiller Abgrund iſt. Damit niún die Schiffer, die nach Liefland regeln , vor dieſein ihnen ſehr gefährlichen domesneſiſchen Ref gemarnet werden ; ſo ſind am Ende des Landeb, nabe her der to mesneſiſchen Kirche , gegen die Sandbank zu , zwey biers edichte Feuerbaren gegen einander über gebaut , deren eine zwolf Faden , oder Klafter , die andere aber 84 Fas den hoch iſt, auf welchen vom i Vug. bis Jeuner alten Stils , von der Abenddemmerung an bis zum Nebrach des Tages , ſtarke Jeuer unterhalten werden . Erblicten die Seefahrenden 'nur ein Feuer , ſo ſind ſie recht am Ende des Refs , und außer Gefahr ; ſehen fie aber beybe Feuerbaken , fo find fie in Gefahr. Auf dieſen Bufen werden jährlich ungefähr 8 bis 900. gaden Brennholz, und 100 Faden Kienholz verbrannt, Sie gehören zum adelichen Gut Dondangen , von dem ſie ſechs Neilen entfernet ſind, und welches für ihre Unterhaltung von der etadt Riga jährlich 2500 Thaler grober Münze em prångt. Der nahgelegene ſehr große Wald reicht solz genug dar. Die Beſiter haben die Freyheit, mit den Houåndern zu handeln, und der adeliche dondangenſche Strand, iſt eilf Meilen lang. 7 Das erwahlenſche, welches mit dem pilten . ſchen verbunden iſt. Der hieſige Ort Erwahlen, wird zum Unterſcheid von einem andern gleichnami. gen im tukumfchen Kirchſpiele , Groß : Erwah , len genennet.

Die

327

Die

Königreiche und

Gallizien

Lodomerien.

§. I.

an hat von dengelben eine Landcharte , welche M. Homanniſche die n Erben zu Nürnberg 1775

an das lidt geſtellet haben. Sie iſt aus der Zane nonyfchen Charte von Polen gezogen , hat aber gegen Dſten das Stück von Wolyn und Podol , welches das Haus Deſtreich noch zu dieſem Staat gezogen hat , und ihm abgetreten worden iſt, nicht in ihrer Grånze, iſt auch nicht in Kreiſe abgetheilet, fondern r noch die alten Namen der polniſchen Provinzen bo 1782. ſtellte Joh . Mich. Probſt zu und Diſtricte. Augsburg eine andere Charte von dieſen Königreichen auf 1 Bogen an das Licht, welche zwar die Geſtalt des Landes richtig zeiget, weil ſie ein Nachflich von ei. ner zwen Jahre vorher geſtochenen Charte iſt, aber viele Fehler in den Namen hat, und der Eintheilung Die auf faiſer des Staats in 18 Kreiſe, ermangelt. lichen Befehldurch Herrn Liesganig aufgenommene Originalcharte, beſteget aus 80 Quadraten , deren . jebes za Wienerjoll lang, und 24 Zoll breit iſt, und eine Meile beträgt in derſelben 4 Zoll.

S. 2. Es haben dieſe Königreichenicht die Grån. gen der Lånder Gallizien und lodomerien, oder Halitſch und Wladimir, von welchen ſie benennet werden, ſon , dern ſie beſtehen aus folgenden Stücken, welche von Klein. E 4

Das Königreich

328

Kleinpolen getrennet find , nåmlid) aus einem Theil der Woiwodſchaften Krafow , Sandomir und Lublin, aus einem Theil des Landes Cyelm, aus den ganzen Poiwodſchaften Belz und Rußland, oder Roth - Ruß . land , und dem Sande Halitſch , und aus Stücken der Woiwodſchaften Wolyn und Podol. Sie grånzen gegen Weſten an das oſtreichiſche Schleſien , gegen Norden an Polen , . gegen Diten auch an Polen und an den Diſtrict Bukowina , welchen das Haus Deft. reich von der Moldau bekommen hat , gegen Süden an Siebenbürgen und Ungarn. Die Grobe derſel. ben bered )nete der Ingenieurs lieutenant von Moller 1773 auf 2700 Quadratmeilen , jede von einer Stun , de Wegs.

:

Nach des Ubis Liesganig Cyarte von

dieſem Staat, beträgt die Größe deſſelben ungefähr 1200 deutſche Quadratmeiten , und gleichet alſo der Größe des Königreichs Preußen , nad, einer andern Berechnung aber 1300 deutſche Quadratmeiten . 6. 3 Die Südſeite deſſelben , liegt an dem car. pathiſchen Gebirge, deſſen Gipfel zuweilen im Sommer mit Schnee bedecfet , und in unterſchieden nen Gegenden niemals von Schnee entblößet werden , auch an andern Gebirgen, welche als eine Fortſekung des carpathiſchen angeſehen werden können . Die Weichſel machet gegen Norben bis dahin , wo ſie den Fluß San aufnimmt, die Grinze : dieſer hat feinen Urſprung auf der ungariſchen Grange am Bere ge Sanna. Der Dnieſter entſtehet auch an einem Berge, welcher auf der Gränge von Ungarn liegt, und der Pruth an einem Berge, der auf der Grånze von Siebenbürgen iſt. Seit der Zeit das Haus Deſtreich im Befig dieſes landes iſt , ſind die vorher febr

Galézien und Lodomerien .

329

fehr ſchlechten Wege ungemein verbeſſert worden . Jährlich werden große Summen angewendet , um Sümpfe ausjutrocknen , Dämme anzulegen , und durd, moraſtige Gegenden fahrbare Wege zu bahnen. Die großen Heiden ſollen mit Coloniſten beſeket, und urbar gemachet werden. Dieſes iſt ſchon mit der Beide zwiſchen Stanislaw und Tſdialow geſchehen. Der ebene Theil des Landes iſt noch lange nicht genug angebauet , aber ſehr fruchtbar an Getreide, und in ſeinen füdliden Gegenden auch) an Flachs und Fanf, es iſt auch die Viehweide gut ; ver bergichte i

Theil iſt reich an Mineralien .

Zu dieſen gehören

Erdfarben , Talk , Marienglas, Marmor, Alaba. ſter, Belemnite , Achate, Chalcedonier , Carneole, Dnyche, Dpale, Jaſpis , Bergkriſtall, An :ethyſte, Granate, Topaſe', Sapphire , auch Rubine und Diamanten, Steinſalz bey Bochnia und Wieliefdhka, Brunnenſalg, Vitriol , Queckſilber , Spiesglas , Gallmen , Eiſen, Bley, etwas Zinn, Kupfer, Sil . ber und Gold , aud) verſteinert Holg. Die Rind. vichzucht iſt hin und wieder wichtig. Wachs hat man überflüßig.

Honig und

S. 4. Mir iſt berid , tet und Verſichert worden, daß man 1776 in dieſen Reichen gezählet Habe 254 Städte , 57 Flecken , 6395 Dörfer , und 2,580,796 Einwohner , nåmlid) an Katholiken , Griechen und Proteſtanten, månnlichen Geſchlechts, 1,221,038, und weiblichen Geſchlechts 1 , 215,558 , und an Juden, mannlidyen Geſchlechts 71281 , und weiblichen Ges ſchledits 72919.

Die Richtigkeit dieſer Summen ,

muß ich dahin geſtellet ſeyn laſſen , ſo wie die Rich. tigkeit der 1785 öffentlich bekannt gemadyten Suma men ,

Die Königreiche

330

men , von gezählten Cohne die Bufomina ) 3 , 501789 Menſchen , unter welchen 19427 Geiſtliche, 17440 Ausländer ,

Ebelleute , 4858

und 193399 Juden

geweſen ſeyn ſollen. Eine andere Angabe von 1786, welche auf 2 ,797000 Menſchen gehet, und unter den. felben 157000 Juden rechnet , ift glaubwürdiger. Bloß in den Jahren 1783 und 84 hat man die Ver. mehrung auf 100000 Kópfe geſchåget, uner welchen 10000 Coloniſten, die infonderheit aus Polen gekom . men , nicht mit begriffen geweſen. K. Joſeph II Hat verordnet in den Gerichtsſtellen die deutſche Sprache einzuführen. S 5 Die Evangeliſchen haben vom Kaiſer 30. feph II in dieſem größtentheils römiſch. farholtſchen Sande offentliche Religions- Freyheit bekommen , als zu Lemberg , in der Cameral-Herrſchaft Järonnow , und an andern Orten . Die römiſch. katholiſchen Geift. lichen, werden nach und nach aufgeklärter und vollkom . mener . S. 6 Durch die Coloniſten , welche aus Deutſche land hieher gekommen , kat das Land viel Handwer. fer und Künſtler bekommen , auf deren Vermehrung man überhaupt bedacht, und deswegen auch der Hand. wertszins ſo wie die Gewerbſteuer überall aufgehos ben iſt. Auch die Juden werden nach und nach ſo wie an den Aderbau , alſo auch an nügliche Handwerke gewdhnet.

Die Schafzucht und die wollen Manu.

facturen ſind noch ſehr zurück. eine Seinewand. Manufactur.

Nun iſt zu Sambor

S. 7 Zu Semberg iſt eine neu errichtete Univerſio råt von 4 Facultåten. Eben daſelbſt iſt ein Gymnas fium und eine Normalſchulc. jacz , Drohobik und Tyniec,

Zu Jaroslaw , Bues find 4 Hauptſchulen, UMO

Galtizien und Ludomerien .

331

und zu Bochnia , Staniontel i Sandeza. Ducla, Tarnom , Rzefom , Przemist , Zamoſc , Broon , Brzejany , Tarnopol, Zalescuit, Stanislawow und Stryi, ſind vierzehn Kreisſchulen. 9. 8. Das land führet aus, viele tauſend gemåſtete Ochſen , weldie nach Schleſien und Sachſen getries ben werden , Ochſenhåute und daraus bereitete Leber. Waaren, Honig und Wachs, inſonderheit viel Salz, mit weldiem der Handel frey ift. 8.9 Die eigentlichen Königreiche Galližien und Lodomerien , oder “ alitſd ) und Wladimir , find ehedeffen mit unter dem Namen Rocb.Rußland begriffen worden , welches von Alters her Ruſſen beo mohnet haben, auch in alten Zeiten zu dem ruſſiſchen Reich, gehöret hat. Als , des ruſſiſchen Großfürſten Mladimir des Großen Sohn Jaroslaw , Roth- Ruße land beherrſchte , war es viel größer , als nachmals. Unter Jaroslaws Söhnen, warb es im eilften Jahr. hundert in unterſchiedene Fürſtentøymer vertheilet, unter welchen auch Halitſch und Wladimir waren. Der ungarifdie Konig {adislaus brachte fchon 1084

i

6

einen Theil von Roth . Rußland unter ſeine Botmáſ figkeit, wie Thurocz verſichert. Caſimir Herzog von Polen , verjagte den Herzog Wladimir von Halitſch 1182 , und verordnete erſt Miecislaw , und 1185 den Herzog Romanus von Wladimir zum Herzog von Halitſch. Der vertriebene Herzog Wladimir nahm ſeine Zuflucht zu dem ungariſchen König Bela III, welcher ihn aber in

Verwahrung nahm , und auf

Bitte der Einwohner des Fürſtenthums Halitſch, welche den Romanus nicht haben wollten , ſeinen gwenten Sohn Andreas, mit einem Kriegsheer nach Halitſch, ſchickte,

der für ſich Beſik davon nahm . Jedodhe

332

Das Königreich

Fedoch Wladimir entwiſchte 1187 aus der Gefangene fchaft , fam durd) Hülfe des polniſchen Herzogs Ca. fimir 1188 wieder zum Beſik von Halitſch, und ber. trieb den Andreas. Der Streit , welcher darüber zwiſchen den Ungarn und Polen entftund, ward zwen Jalre ßernach beygeleget. Als Wladimir 1198 oh .

* ne Kinder ſtarb , beniächtigte ſich Romanus Herzog zuWladimir des Herzogthums Halitſd),und beherrſchte alſo Halitſch und Wladimír , Roth - Rußland unterwürfig.

ja er machte ſid , gang Er kam 1208 in einer

Schlacht mit den Polen um , uns obgteich Romanus Igorewitſd, durch Hülfe des ungariſchen Königs An. breas II zur Regierung gelangte , fo verlor er ſie doch fchon 1212 mit ſeinem Leben, und die Unterthanen ba. ten der König Andreas II, daß er ihnen feinen Sohn Kolomann zum König geben mögte , welcher auch * 1213 dazu gefronet wurde , aber 1221 das Reid, des oben genannten Herzogs Romanus Enkel Micislar Micislawitídy abtrať ,

der ein Vaſal von Ungarn

Nach deffelben Tode um das Jahr 1225, fekte blieb . fich zwar der ruſſiſche Prinz Daniel Romanowitſch in den Beſig von Halitſch , es kam aber zwiſchen ihm unb den Ungarn zum Kriege, in welchem dieſe um das Jahr 1236 den Sieg davon trugen , und König Bela IV ernannte den Radislav zum Herzog von Har litſch ." Nachmals follen die ungariſchen Könige die . rem { ande einheimiſche ruffiche Fürſten zu Regenten gegeben , unter Bela IV und Stephan V aber ſoll es Ungarn auf gleiche Weiſe wie Dalmatien und Croa. tien zugehöret und gehorchet haben .

Es werden ver .

fchiedene Zeugniſſe und Beweiſe bergebracht , daß Halitfch und Wladimir auch den ungariſchen Königen Sadise

Galizien und Lodomerien.

333

Ladislao IV und Ludewig dem Großen zugehöret habe. Der legte trat Roth Rußland 1352 an den polniſchen Caſimir unter der Bedingung ab, daß wenn Caſimir månnliche Erben befáme, Roth.Rußland gegen hun derttauſend ungariſche Gulden an Ungarn zurücffal. len , wenn er aber ohne månnliche Erben ſein Leben beſchlöffe , Roth- Rußland ohne Erlegung einer Sum . me Geldes wieder an Ungarn kommen , und K. Ju Das legte dewig die polniſche Krone erlangen folle. geſdjah 1370 , und K. Sudewig gab Roth . Rufland an Ungarn zurück, worauf demſelben ein Statthalter vorgeſeket wurde. Ludewig ſtarb 1382, und hinterließ zno Töchter , von welchen Maria, die ålteſte, Konie gin von Ungarn , und Hedwig , die jüngere , Köni. Jene vermálte fich mit Si. gin von Polen wurde. gismund , welcher die Regierung von Ungarn übers nahm , diefe entriß auf Antrieb des Jagello, Große Herzogs von Litauen , der Krone Ungarn Roth .Ruß . Von dieſer Zeit an blieben dieſe land und Podolien . Lånder bey Polen, und die Könige von Ungarn führs ten nur Titul und Wapen von Gallizien und Lodomes rien.

Endlich machte die Kaiſerin Königin Maria

Thereſia ihre in einer beſondern Schrift ausgeführte Anſprüche aufdieſe Lånder , geltend , und nahm die. felben 1772 in Beſik, ſie wurden ihr auch 1773 von dem Könige und der Republik Polen förmlich und feyerlich abgetreten , und 1776 wurden die Grånzen völlig beſtimmet und feſtgeleget.

Sie vereinigte aber

Gallizien und lodomerien nicht wieder mit Ungarn, ungeachtet die Stände dieſes Reichs ſolches verlang . ten , ſondern ſie erklärte dieſelben für einen beſondern Stagr.

. 10

Die Königreiche

334

$.10 Die Kaiſerin Königin Maria Thereſia Hat Gallizien und Lodomerien in ihrem Titul nach Slavonien , und alſo zulegt unter den Königreichen gefekt. DasWapen von Galizien , ſind zwey gol. bene Kronen in rothen Felde , und das Wapen von Lodomerien , iſt ein blauer Sdild mit 2 Querbalken , welche mit rothen und weißen Vierecken bereket ſind. S. 11 ' Das R. K. Landes , Guberniiim die oberſte landesſtelle. þeißet

nur

iſt

Der Vorſiger in demſelben

Landesfürſtlicher Commiſſarius ;

ift

aber gemeiniglich ſo wie jegt , K. K. wirfiicher Gehei. merrath , und alſo eine Ercellenz. Der nächfte nach demſelben þat den Character eines wirklichen Hofraths, und alsdenn folgen die Gubernialråthe. Die Wieliskaere und Bochnier Salinen , Werke, ftehen unter der Direction eines wirklichen f.F. Hofraths. Zu lemberg iſt eine Domainen . undSud . Salz.Adminiſtration ,und der Adminiſtrator iſt ein Gubernial. Rath .

Ueber derſelben ſtehen ein paar

Cameral - Directionen , und die Sud.Salz-Xemter . Ein jeder der 18 Kreiſe , in welche dieſe Konigreiche abgetheilet ſind, hat ſeip eigenes Kreis-Umt. Maurs Siegel- und Tabacks - Gefälle, Gaben auch ihre beſondere 2dminiſtrationen. Die oberſte Juſtig.Stelle, hat 2 Präſiden . ten , welche den Character der wirklichen Gegeimen : råthe füşren , und die Räthe heißen wirkliche Hof råthe. Das Appellations -Gericht iſt mit einem Präſidenten, Vice .Präſidenten , und Råthen bereket, und eben dieſes gilt von den beyden Landrechten. Das Generalsmilitair -Cominando, hat zum Haupt, einen

Feldmarſchall.Jieutenant , welcher der com .

E1

Gallizien und Lodomerien. commandirende dhen iſt.

General

in

benden

335 . Königreia

9. 12. Die Landes- Erb ,Aemter ſind , der Obrift: Land , sofmeiſter, der Obriſt: Land. Marſchall, der Obriſt: Land- Råmmerer, der Obriſt.Land -Rüchenmeiſter, der Obriſt: Land, Jagermeiſter, der Obriſt. Land . Stallmeiſter, der Obriſt - Land - Njunoſdienk , der Obriſte Lano-Silber. Råmmerer , und der Scubens Meiſter oder Erbtruchfef . Ø. 13 Unter polniſcher Herrſchaft brachten dieſe Jånder ein 1,936777 polniſche Gulden, und die Salzo werke 1,870000 Gulben , alſo überhaupt 3,800774 Gulben : als ſie aber an das Haus Deftreich kamen , wurden alte Einkünfte wieder hervorgeſucht, und die Einnahme ward burch 10,532745 polniſche Gulden vermehret , ohne die Zölle; militariſche Contribution , und die auf die Erbguter gelegte Abgabe, von zwolf Procent, zu rechnen. S. 14 Die Königreiche ſind in 18 Rreiſe einge. theilet. Ein Kreishauptmann þat 1500 fl. Gehalt, der erſte Commiffarius 600 fl. dren andere Commiſ. ſarii haben jeder soo fl. ein Gecretår 400 fl. ein Caſo firer 500 f. ein Controlleur 400 fl. zwen Cangelliſten jeder 300 fl.

Es befinden ſich auch in jedem Kreiſe

ein Wundarzt und eine Hebamme , es hat auch ein jeder, oder ſoll doch haben einen Phyſicus. Es folgen nun die Kreiſe. I Der Myslenizer Kreis , in welchem 1 ) Myslenice , die Kreisſtadt, ain Fluß Baba. 2 ) Landskron , Randskorona , eine Stadt, über welcher ein Schloß auf einem Feljen liegt. 3) Stawyna , eine Stadt. 4) pod

336

Das Königreich

4) Podgorze, eine königl. Colonie- und Manufacturs Stadt, nahe bey Krakow und Caſimirz, von welcher 1783 verſichertwurde , daß fie durch nene Einwohner ſchon in gute Aufnahnie gekommen ſey. 5) Brzeznica , eine Stadt. 6) Das Gerzogthum Uswiecim oder Aurohwitz, nebſt Žator , und den gleichnamigen Stådten , iſt von der Woiwodſchaft Kratom , von Schleſien und Ungaru eingeſchloſſen . Es hat vor Alters zum frakauiſchen Ges biet gehöret, bis der polniſche Herzog Caſimir es 1179 ſeines jüngſten Bruders Wladislaw , jüngſtem Sohu Mies ciðlaw , Herzog von Ober:Schleſien , oder Oppeln , Ras tibor , Teſchen und Troppan , gegeben. Diffelben Nacha komm Johannes , Dom Scholafticus zu Krakow , bekam es zum Erbtheil, und nennete ſich einen Herzog von DS wiecim . Dieſer bekannte ſich, nach dem Beyfpiel der meiſten {chleſiſchen Fürſten , 1327 für einen Vafallen jos hannes Königs . zu Bdheim und Polen , und nennet in der barůber ausgefertigten Urkunde, die Stadt Oswiecim , dds Schloß Zator, und die Stiote und Marktfleđen sant, Zips , Wadowicz und Spinowicz , als Derter des Landes Dowiecim , welches er und ſeine Erben und Nachfolger vom gedachten Könige zu lehn trage und tragen follten . Er fiarb aber ohne Erben ,, und Oswiecim kam wieder an den Herzog zu Zeſchen und Groß-Glogail. Es hatte hier : auf aus dieſein Hauſe einen Prinzen zum befondern Hers zog bis auf Januſfius, welcher von dem polniſchen Kos nige Caſimir IV bekriegt wurde, weil er Polen hatte aus pländern helfen , und ſich genöthiget fahe, ſein Herzog thum Oswiecim 1457 an gedachten König Caſimir und an die polniſche Krone für 50000 Mark breiter pragiſcher Groſchen, 48 Stúde auf eine Mark gerechnet, zu verkau : fen . In der darüber abgefaffeten Urkunde, werden die Derter , welche zu dem Herzogthum gehören , folgender: maßen angegeben : die Städte Uswieczyń und Kant , die Dörfer Bielany, Lauki, Babicze, Lipnik , Vfyek, Brzeſcye, monowicze und Duvory , und die adelichen Dörfer Ults und VTeu -Polanta, wloſyenicza , Poram . BA,

Gallizien und Lobonierjen .

337

ba , Grodczyecz , Sparovicze , Gidek , Vittovicze, Glabovicze , Bulovicze , zanicze , Malecz , Czacu: ga , Hovawyeſz , Rovziny , Sbroſlovice , Brzezins. Pa, Kayſko, Francyſkovicze, Przecyeſſyn , Bliedcziey, Vithkovice , Vilamowice , Selznerovice , Bnyakow , Dyvc Poffe, Mikluſſovice, Piſſarovice, Salenow , Bijera, tolovice , Komorovice, Zebraça , Reſivina , Rablovia , ce , Staravy 6 , Januſlovice , Tharmally. Eben dies ſer Herzog Januſſius, verkaufte 1494 an den polniſchen König Johann Albrecht, uud an die Krone Polen , auch das Herzogthum Zator für 80000 ungariſche Coldgul den , der König aber machte ſich auheiſcig , dem Herzog und deſſelben Gemalin anf Lebenslang jährlic) 200 Mark gemeiner Münze, und 10 Fåffer Galz zu geben ; eo ſollte auch das Herzogthuir erſt nach beyder Eheleute Jode in des Königo und der Republik Gewalt kommen. In der über dicſen auf und Berkauf ausgefertigten Urkunde , werden als Zugehôt dr8 Herzogthums, das Schloß und die Stadt Zator, Flecken und Dörfer genannt. Es find aber die angeführten Urkunden in Sommerbergs filefiaca rum rerum fcriptoribus T. I. pag. 807-813 zu finden . Endlich hat Kinig Sigismund Auguſt 1564 beyde Herzog . thümer zu einem Körper , und dieſe genauer mit Polen verbunden , auch die Einwohner derfelben, mit Vorbehalt ihrer Gewohnheiten , den übrigen Einwohnern des Reichs gleich gemacht. 1) Uswiecim , .oder Oswieczyn , ( Oswietſchin ,) Auſchwitz , die Hauptſtadt des Landes , unweit welcher der Fluß Sola fließet , der ſich mit der Weichſel vereis niget. 2 ) Kenti , eine kleine Stadt. 3 ) |Biella, ein Stådtchen an der ſchleſiſchen Grånze. 4 ) Jywiec, ( Siwiet ) Seypuſch , ein Stadtchen , 5) Bårwald , ein Städtchen . 6 ) Wadowice , ein Städtchen . 7) Sator , eine Stadt am Fluß Skawa , der in die Weichſel fließet.

3T4.8A

II Der

338

Die Königreiche

Il Ter Bochniſche Rreis , in welchem 1 ) Bochnia , die Kreisſtadt, welche ihrer Salzberg: werke wegen berühmt iſt , und zu der Zeit , als die daſis gen Salzgruben zuerſt entdecket wurden , nämlich 1251 , nur noch ein Dorf war. Nicht weit von derſelben Fliefs ſet der kleine Fluß Kaab , der in die Weichſel fållt. Die Stadt hat rings umher Berge und Hügel. In derſelber iſt ein Gymnaſium . Die Bochnier Salzgrubén, machen nur einen langen und ſchmalen Strich aus, der ungefähr 75 fünfelligte Lachter von Mittag nach Mitternacht breit, 1000 bon Morgen nach Abend lang , die große Tiefe aber 100 und etliche 20 iſt. Das Salzgebirge fånget fich ſogleich mit Flowerf an , und das Salz liegt darinn auch alles gangweiſe. Das Salz iſt noch etwas feiner, als das zu Wielitſchka , inſonderheit wenn man tiefer hins unter Fømmt. Es wird alles klein gehauen , und in Fåſfer geſchlagen . Man findet ſichwarze Stúde zertrümmert Holz unter dem Salz. So weit als das Salz gehet, iſt alles dermaßen trocken , daß es ſtiebt. Man trift hier auch Alabaſter an. 2 ) Wieliczka (Wielitſcher ,) eine Stadt, mit einem berühmten Salzbergwerk , in einem Thal , eine Meile von Krakau . Die Stadt iſt nicht nur ganz untergraben, fondern es reichen auch die Gruben auf jeder Seite nocy einmal fo weit binaus , als ſie groß iſt. Sie erſtrecken fich von Morgen gegen Abend,auf 600 , von Mittag ges gen Mitternacht auf 200 , und in der größten Tiefe auf · go facher , die fachter zu 5 Drescher Ellen oder 10 Fuß gerechnet. Ef håret aber damit das Salz noch nicht auf , ſondern gehet noch immer in der Liefe , und in der Långe nad Morgen und Abend, man weiß nicht wie weit, fort ; in der Breite aber hat es feine Grånze. Schächte ſind jetzt zehn , und das ganze Salzgebirge ift inwendig durchaus ohne Quellen . Die Gänge oder Stre: đen unter der Erde, find ſehr geråuinig ; in vielen finden ſich hin und wieder Ulråre und Kapellen , die in das Salz oder feſte Gebirge gehauen ſind , und darinn ben einem Crucifir, oder anderm Gedächtnißbilde eines Heiligen , beſtans

Gallizien und Lodomerien.

339

beſtändig ein brennendes licht unterhalten wird. Die Derter, wo das Salz ausgehauen worden, oder noch ans . gebauen wird , nennen ſie Rammern ; und einige davoa find ſo groß, daß gar füglich eine große Kirche in denſelben ſtehen könnte ; andere ſind Magazine , entweder für die Fåffer mit Salz , oder zum Veu für die Pferde, und noch andre ſind Stålle, darinn nach Beſchaffeuheit der U beit in der nächſten Gegend , zehn bis funfzehn Paar Pferde beyſammen ſtehen . In einigen Kammern , wo vorrem Waſſer geſtanden , ſind die Wände imd der Furboten mit vielen tauſend Salzkriſtallen , die manchmal ein halb Pfund und mehr wiegen , über und über beſeist, weldes wenn viel Licht an dergleichen Derter kammt, uncenieint ſchon anzuſehen. In einigen ſind zur Unterlinkung des Das Calz Gebirgs ſtarfe Pfeiler von Salz gelaſſen. liegt oben in großen unförmlichen Klunipen , auswelcheu Würfel von 30, 40 bis 50 Elen gehauen werden könnt: ten , unten aber iſt Floßwerk. Die ſchledyſte und wohls feilſte Art , iſt das ſogenanute Zielona , das iſt , Gråtta falz , welchen Namen es vermuthlid daher erhalten , weil grauer Berg oder Petten mit eingemiſcht iſt, mmd daher etwa einigen grünlich geſchienen hat. Es beſteht aus lauter Salzlriſtallen von verſchiedener Große. Eine reis nere und thougrere Art iſt das Szybikowa, und die dritte Gattung , Kriſtallſalz, oder Sal gemmae , findet ſich in kleinen Stücken mit dem Gebirge vermengt, wovon es abgelöſet wird , da es denn allemal entweder in Würfel, oder in rechtwinklichte Prismata ausrådt. Zum Verkauf, wird dergleichen ordentlich nicht ausgearbeitet. Die Farbe der Salzſteine, iſt dunkelgrau mit gelb untermengt. Man hat zwar aus der Sole , welche ſich in den Gruben faminlet, bis 1724 Salz geſotteu , nach der Zeit abete find die Siedereyen zur Erſparung des Holzes unterlaſſen worden. Es finden ſich im Salz ſowohl, als im Ges birge, einzelne Stüden ſchwarz Holz, manchmal wie ftarke Aeſte eines Baums , welches das gemeine Volk für das Bieb braucht. Die Entdeckung des Salzcs , ſoll uns gefähr 1251 geſchehen ſeyn , und zwar ſoll man es zuerſt in Y 2

1

Die Kidnigreiche

340

in Bochnia , einige Zeit darauf aber in Wielitfchla gefutte Den haben . 1644 und 1696 iſt durch Verfehen Fener in die Gruben gekommen , welches lange gebrannt hat. In der Stadt iſt ein Gymnaſium . 3) Uſcie Solne., eine Stadt 4 ) Staniotel , eine Stadt, 5) Brzeſto , eine kleine Stadt. 6 ) Woyntez (Woinitſch ), oder Woynid (wote nit ), ein Stådtchen am Fluß Dunajeß , 9 Meilen vor Krakow. 7) Tuchowo , eine offene Stadt. 8 ) Wysznica oder Wysnicz ( Wisnitſch), eine Gtadt. III Der Sandetſche Rreis, in welchem 1 ) Kłowy Sandecz , Heu Sandetſch , die Kreis Radt am Fluß Dunajet , in welcher eine Collegiatkirche ift. 2) Stary Sanders , Alt Sandetſch , ein gerina ger Drt. dt eine Sta . 4) Limanow , eine Stadt. 5) Howitary , eine Stadt. 6 ) Broſiento , eine Stadt. 7) Piwnicza ( Piwnitſcha ), eine Stadt.

IV Der Tarnowſche Kreis, in welchem 1) Tarnow , die Kreisſtadt. In derſelben iſt ein Bisthum für den Landfrich , welcher ehebeſſen unter dem Biſchof zu Krakow geſtanden hat , errichtet worden . 2) Zabno , eine Stadt. 3 ) Dąbrowa, ( Donbrowa) eine Stadt.

4) 5) 6) 7) 8 )

Pilsno , eine Stadt am Fluß Wigloka. Cienskowice , emne Stadt. Radowisl, eine Stadt. Bolowa , eine Stadt. Biecz ( Bietro ), eine Stadt. 9 ) Uyſsie , eine kleine Stadt an der Weichfel. V Der

11

1

Gallizien und Lodomerien .

341

V Der Duklaſde Kreis , in welchem 1) Dukla , die Kreisſtadt, 2) Krosno oder Kroſſen , eine Stadt zwiſchen den Flüßen Infiolda und Wisloka, in welcher die ungariſchen Weine und andern Waaren niedergeleget werden . 3) Brzozow , eine Stadt. 4 ) Sriflal, eine Stadt. 5) Stryzow , eine Stadt. 6 ) Czudz , ( Tſchuds ) eine Stadt. 7) Vliebilec , ( " Tiebiletz) eine Stadt. 8 ) Kanczuga , (Bantſchuga) eine Stadt. 9 ) Przeworſk, eine Stadt auf einem Hågel. 10 ) Lancut (lanzut) oder Landshut, eine Stadt, VI Der Preſchowſche Kreis , in welchem 1) Rzeszow ( & fcfchow ), die Kreisſtadt. 2 ) Rudnit , eine Stadt am Fluß San . 3) Rozwadow , eine Stadt, 4 ) Baranow , eine Stadt. 5 ) Mielec, (Mielet;) eine Stadt am Fluß Wibloka : 6 ) Bolbuszow , (Kolbufchow ) , eine offene Stadt mit einein 1769 von den Conföderirten zerſtörten fürſtlich Lubomirſkiſchen Soloß. 7 ) Przeclaw , eine Stadt am Fluß Wisloka . 8) Dembica , eine Stadt an eben dieſem Fluß. 9 ) S ¢ diszów , (Sendifchow ), eine Stadt. 10 ) Cezayit , eine Stadt, VII Der Przemysliſche Rreis , in welchem 1) Przemysl, Premislia , die Kreisſtadt am Flug San , jenſeits deſſen auf einem hohen Felſen ein Sdilos ftehet. Sie iſt der Sitz eines römiſch - katholiſchen und cines griechiſchen mit der römiſchen Kirche vereinigten Bin ſchofs . 2) Krakowiec, eine Stadt. 3 ) Bobrowka , eine Stadt. 4 ) Sieniawa , eine Stadt,

5) Jaroslaw , eine Stadt am Fluß San. ♡ 3 6 ) Pruchs

342

Die Königreiche 6) Pruchnik , eine Stadt. 7) Dubieto , eine Stadt . 8) Dynow , eine Stadt. 9 ) Trzyglod , eine Stadt. 10) Babice , eineStadt. II) Kuſſakow ', eine Stadt. 12 ) Rybotycze (Xybotitſche ), eine Stadt.

VIII Der Sanokſche Kreis, in welchein 1 ) Sanof , die Kreisſtadt am Fluß San , welder auf einem Hügel ein Schloß ſtebet. 2 ) Listo , eine Stadt , 3) Tyrawa , eine Stadt. 4 ) Byaligrod , eine Stadt. 5) Lutow.ſka , eine Stadt.

1

aber

IX Der Samborſobe Rreis , in welchem I) Sambor, die Kreisſtadt welche am Dnieſter liegt, und ein Schloß hat. 1779 brannte ſie ab . 1786 iſt hier eine große Leinewand manufactur; auch eine Leinemand. und Zwirn - Sleiche nach facifiſcher Art, angeleget worden . 2 ) Smry Sambor , ( alt Bambor , ) eine geringe Etadt. 3) Drohobicz , ( Drohobitſch ) eine Stadt. 4) Turla , eine Stadt. 5) Stolie , eine Statt am Fluß Driwa. 6 ) Stry , eine Stadt am Fluß gleiches Namens, 7) Woloſzca , (Wolofhza ), eine Stadt. 8 ) Caſti , eine Stadt. 9 ) Dobromil , eine Start . 10 ) Krobienice, eine Stadt.

X Der Lembergiſche Kreis, in weldjem 1 ) Cemberg , Lwow , bey den Dómanen Ilwuw , Leopolis , die Hauptſtadt des Reichs, in einem Thal , ain Fluß Pelten , welche groß , mit Mauern , Wall, Bollwerken und Gräben befeſtigt, auch mit Hügeln und Bergen , von welchen man ſie überſehen kam , umgeben Sie iſt der Siß iſt , und nude ſchöne Häuſer hat. des

Gallizieu und Lodomerien .

343

des fandes - Gubernii, der Contracte, eines römiſch - ka . tholiſchen Erzbiſchofs , eines griechiſchen Biſchofs und armeniſ en Erzbiſchofs, ivelche bende mit der römiſchert Kirche vereiniget ſind, eines griechiſchen Studii theologiae fpeculativae , Collegii pontificii clericorum regularium Theatinorum , f. Sedis apoftolicae in regno Poloniae Milionarioruin , einer Univerſitåt, und Bibliothek , und einer Normal - Schule. Sie hat zwey Schlöſſer , eia nes innerhalb und eines außerhalb der Mauern , wel . ches lekte auf einem hohen Berge liegt , und kann ſich des befeſtigten Barfüfer - Kloſters anſtatt einer Citadelle bedienen. Außer der prachtigen Rathedralkirche , giebt és hieſeibſt noch verſchiedene andere Kirchen, unter welchen auch eine ruſſiſche, eine armeniſche, und eine evangeliſcha lutheriſche iſt, reiche Kidfter , unter welchen ſich das Dos minicaner : Kloſter am meiſteu hervorthut, darinn ein Marienbild verehret wird , und zwey Judeuſchulen. Bis 1773 ſind hieſelbſt die Contracte des polniſden Adels am heil. Dreyfðnigstage gehalten , in dieſem Jahr aber nach Dubno verlegt worden , wodurch die Stadt einen großen Sie treiber ſtarken Theil ihrer Nahrung verloren hät. Handel. Die Einwohner ſind aus verſchiedenen Natios nen vermiſchet, und es ſind hier jeßt an 30000 Mens fchen vorhanden . Das hieſige katholiſche Erzbisthum , iſt 1361 oder 62 errichtet, 1375 nach Halitſch verleget worden, 1416 aber ſchon hier wieder geweſen . 1656 wurde die Stadt von den Kuſſen und Koſaken zwey Monate lang bergebs lich belagert ; 1672 ſtund ſie eine Belagerung von den Sürfen aus , die ſie endlich mit 80000 Thalern ab. kaufte , und 1704 wurde ſie vom ſchwediſchen Könige Karl dem zwölften durch Sturm und mit dem Degen in der Fauſt erobert , da ſie vorher noch nie erobert worden war . 2) Jarizow , eine Stadt. 3 ) Bilka , eine Stadt. 4) Dawidow , eine Stadt. Bobrta , eine Stadt. 6) Wibranowka , eine Stadt. 7 ) Strzeliſta , eine Stadt.

» 4

$) Chos ,

344

Die Königreife

8) Chodorow , eine Stadt. 9) Rozdol, eine Stadt . 10 ) Komarno , eine Stadt. ' II ) Kudet, eine Stadt. 12) Lubin , eine Stadt. 13) tawaria, eine Stadt. 14) , Grodek, eine kleine Stadt, deren Neuſtadt 1787 faſt ganz abbramte 15 ) 10 czyſta , (Mostfchyſka ) , eine Stadt. 16) Wisnis, eine Stadt. 17) Sandowa , eine Stadt. 18 ) Bruchnal , eine Stadt. 19 ) Jawokow , eine Stadt. 20 ) Sklo , eine Stadt. 21) Janow , eine Stadr. 22) Jariczow , ( Iaritſchow ,) eine Stadt. 23 ) Kulikow , eine Stabt. 24) 3olliew , eine Stadt. 25) Bamionka , eine Stadt. XI Der Tomaſdowiſche Kreis , in welchem 1) Tomaszow , die Kreisſtadt, 2) Laszowka, cine Stadt. 3) Jocefow , eine @tadt, 4 ) Krzeszow , eine Stadt. 5) Tarnogrod , eine Stadt. 6 ) Cieszanow , eine Stadt, 7 ) Wielty , eine Stadt . 8 ) Oczy, eine Stadt. 9) . Lubaczow , eine Stadt. 10) Lubica , eine Stadt. XII Der Jamoſcifche Kreis , in welchem 1 ) Samorc, die Kreisſtadt. Die Neuſtadt iſt bes trächtlicher, als die Altſtadt. 2) Szebreszin, eine Stadt. 3) Krasnobrod , eine Stadt, 4 ) Krynice , eine Stadt. 5) Rachonie , eine Stadt.

6 ) Tys

%

Gailizien und Lodomerien,

345

6 ) Tyszowice , eine Stadt, 7) Brylow , eine Stadt. 8 ) Grabowice , eine Stadt. 9) Skierbezow , eine Stadt. 10) Sorodio , eine Stadt.

XIII Der Belziſche Kreis , in welchem 1 ) Bels , die Kreisſtadt. 2) Sokal , eine Stadt. 3 ) Kriſtianpol, eine Stadt. 4 ) Miofty, eine Stadt. 5 ) Radziechow , eine Stadt. 6) Sokolowkx , eine Stadt. XIV Der Brodiſche Kreis, in welchem 1) Brody, die fblecht gebauete Kreisſtadt, in welcher ftarker Handel mit dem Osman. Reich getrieben wird. 1779 iſt ſie in Handelsſachen von Gallizien und lodomerien aus. geſchloſſen , und hat gleich den Seehafen Trieſt und Fiume, beſondere Handelsfreyyeiten bekommen . 2 ) Cesniow , eine Stadt. 3 ) Oleſto , eine Stadt. 4 ) Podkamin, eine Stadt.' s) Markopol, eine Stadt. 6 ) Stary Zberaz , eine Stabt. 7 ) Towy Zberaz , eine Stadt. 8 ) Die Altſtadt iſt der Hauptort eines Herzogs +thums. 1649 hatten hier die Polen ein Lager , in wels dem ſie von den Koſaken und Lataren eingeſchloſſen wura den , und große Noth ausſtunden. 9) Iczerna, eine Stadt. 10) Zborow , eine Stadt. 3 NI ) Kozlow, eine Stadt. 12) Tarnopol, eine Stadt. XV Der Zloczowſche Kreis , in welchem 1 ) Zloczow , (Slotſhow ) eine Kreisſtadt. 2 ) Dobrotwur , eine Stadt. 3) Buft , eine Stadt, in welder eine leder , Manus faktur iſt, Ys 4 ) Glis

346

Die Königreiche

4 ) Glinian , eine Stadt. 5 ) Olszenica , eine Stadt. 6 ) Przemnislany , eine Stadt, 7 ) Danajow , eine Stadt, 8) Marajow , eine Stadt. 9 ) Firlefo :v, eine Stadt. 10) Brzeza.y , eine Stadt. II ) Kohatyn , eine Stadt. 12 ) Bnichnicze , eine Stadt. * 13 ) Zurow , eine Stadt. 14 ) Burztyn, eine Stadt. 15 ) Kozowa , eine Stadt. 16) Mifulince , eine Stadt. , eine Stadt. 17 ) Stru 18) Skalat, eine Stadt. 19) Gryzanolow , eine Stabt. 20) Cržembowla , eine Stadt. 21 ) Toſte , cine Stadt. 22) Janow , eine Stadt. XVI Der Mariampolſche Kreis, welcher un. ter polniſcher Herrſchaft das Halitfcher land hieß, 3 in weldem 1 ) Mariampol, eine Kreisſtadt am Dnieſter. 2) Salicz ( alitſch , ) auf ruffiſch Galitſch , lateia niſch Halicia , eine Stadt am Dnieſter , welche vor Als ters die Hauptſtadt eines beſondern Herzogthums , und anfehnlich war. Von derſelben wird Gallizien benannt. Es ſind hier ergiebige Salz- Quellen und ein Salzamt. 3 ) Woinilow , eine Stadt. 4) Zurawna, eine Stadt, 5) Zydeczow , ( Sidatſchow ,) eine Stadt am Fluß Skip , der ſich unterhalb derſelben mit dem Dnieſter vers einiget. Das Schloß liegt auf einem hohen Hügel. 6 ) Liniatyce , eine Stadt. 7) Sololow , eine Stadt. 8 ) Bolechow , eine Stadt. 9) Jeſupol, eine Stadt am Dnieſter.

10 ) Sos

Gallizien und Lodomerien.

10) 11 ) 12) 13 ) 14) 15 ) 16) 17 ) 18 )

347

Sorozanka , eine Stadt. Jawalow , eine Stadt, Podhaice , eine Oradt. Zlotniki, eine Stadt. Wisniowzve, eine Stadt. Monaſteriſka , eine Stadt. Baczaz , eine Stadt, Banysz , eine Stadt. Potot, eine Stadt.

XVII Der Stanislawowſche Kreis , in welchem 1) Stanislawow , eine Kreisſtadt. 2) Rozniatow , eine Stadt. 3) Balusz , eine Stadt. 4 ) Dolina , eine Stadt. 5 ) Lyſice , eine Stadt. 6 ) Podhoroczany , eine Stadt am Fluß Byſtrica. 7) Solotwina , eine Stadt. 8 ) Ottynia , eine Stadt. 9) Tvsmenice , eine Stadt. 10) Thomaz, eine Stadt, II ) Chozimirz , eine Stadt. 12) Mihalze , eine Stadt. 13) Obertyn, eine Stadt. 14 ) Delatyn , eine Stadt. 15 ) Pezynyzince , eine Stadt. 16) Jablanow , eine Stadt. 17) Kutty , eine Stadt . 18 ) Piſtyn , eine Stadt. 19) Zablatow , eine Stadt am Pruth . 20) Kolomea , eine Stadt am Pruth , mit einer Salzſiederer . XVIII Der Zalestſchykiſche Preis , in wels chem 1 ) Zalesczyk , eine Kreisſtadt. 2 ) Grudel, eine Stadt am Dnieſter. 3) Kraš

e

348

Die Königreich

sc:

3) Kroluwka , eine Stadt. 4) Bilze , eine Stadt. 5 ) Ufieczka , eine Stadt. 6) Capowce , eine Stadt. 7) Jaslowiec , eine Stadt. 8 ) Ezortkow , eine Stadt. 9) Huozarnow , eine Stadt. 10) Choroftkow , eine Stadt. II ) Ýuſiatyn , eine Stadt. 12) Probuzna , eine Stadt. 13 ) ( zortfow , eine Stadt. 14 ) Rolen Siany ,' eine Stadt. 15) Skalat , eine Stadt.

Anmerkung. Der kleine Fluß Sebrawce , oder Sobrucze, nun Poborze genannt , macht die öſtliche Grånze von Gallizion und Lodomerien, von dem Bog an bis zum Dnieſter, und fåüt eine Meile unterhalb Choczim Man hat ihm den Namen poborze in den Dnieſter. gegeben , weil der in der Zannonnſchen Charte alſo ges nannte Fluß , den man in dem öſtreichiſchen Manifeſt von 1772 zur Grinze angenommen hatte , ſich nachher unter dieſen Namen nicht finden wollte , da man denn dieſen weiter nach Dſten fließenden Fluß, mit dem Namen Podorze belegte.

1

Anhang

349 A nang

von

der

Bufowina.

S. I ieſes son dem Hauſe Deſtreich neu erworbene Sand , welches auch die Bukreine, und vom gegen Weſten an Siebenbürgen und an Gollizien und los domerien , gegen Norden an den Dneſtr , gegen

Dſten und Süden an die Moldau. Diefe Grånze mit der Moldau fångt drenviertel Stunde vou Cho . tin ober Chotſchin an , gehet quer über den Pruth, gerade gen Süden bis an den Fluß Sereth , welcher bis dahin, wo er die Moldava aufnimmt, die Grange iſt. Alsdenn gehet ſie die Moldava hinauf bis an den Fluß Piſtrig ober Piſtricza oder Biſtercza , und denn an dem Fluß Totruſch hin bis an Siebenbürgen. 8. 2 Die Große des Landes , wird auf 178 deutſche Quadrat Meilen berechnet. Nach des molo dauiſchen Fürſten Demetrius Kantemir Beriche, bat ein Theil dieſes Sandſtrichs ehedeffen zu Siebenbür. gen gehöret, iſt aber von dem Fürſten Stephan dem fünften oder großen an die Moldau gebradyt worden. Dem Hauſe Deſtreich), welches Anſprud , daran ges macht , und ihn in Beſik genommen hatte , ward er durch den Grånz -Scheidungsvertrag vom 25 Februar 1777 um deſto williger auf ewig abgetreten , weil dem Hofe zu Conſtantinopel, wegen ſeines Zwiſtes mit Rußland, an der Freundſchaft des Wiener Hofs viel gelegen war .

Allein der Fürſt von der Moldau Gres

350

Anhang von der Bukowina .

Gregorius Ghika , war mit dieſer Abtretung ſehr un . zufrieden , und ob gleich ſein Widerſpruch die Huldi. gung , welche das Haus Deſtreich am 11 October 1777 zu Ezernovich einnehmen ließ , nicht hinderte,

{

fo veranlaßte er doch , daß er am folgenden Tage auf Befehl des Sultans hingerichytet wurde. 6.3. Es iſt ein bergichtes und watdichtes ( and . Der Urſprung des großen Eidhenwaldes wird ro - eri gåblet. 1496 gieng ein polniſches Heer von 80000 Mann nach der Moldau , und belagerte Suticava vergeblich.

Auf dem Rückmarſd), ward es von des

Fürſten Stephan des Großen Truppen fo angefallen und geſchlagen , daß eine große Menge umfam , und ůber 20000 gefangen genommen wurden , welche Der Fårſt wollte mehrentheils Edelleute waren. dieſe nicht auslöſen laſſen , ſondern er ließ ſie an Pflüge ſpannen , und das Feld , auf welchem die Schlacht geſchehen war , umpfügen ,

und mit Eis

cheln bepflanzen . Hieraus entſtand ein trefflicher Eichenwald , den die Moldauer wegen des polniſchen Bluts , mit welchem er war gefårbet worden , den tothen Wald nenneten , und das iſt der Wald Bus kowina. Das land hat vermuthlich Metalle und andere Mineralien , wenigſtens führen dle Bache Goldkörner unter ihrem Sande.

Die Pferde , welche hier fallen , ſind zwar kleia und unanſehnlich , aber ſehr dauerhaft und ſtark, und baben einen fo karten Huf, daß er die rauheſten Bege ohne Hufeiſen vertragen kann. 8.4 Im Märzmonat 1777 har man in dieſem Sande gejáhlt, 4 Ståbte, 2 Marktflecken, 284 Dör . fer , und viele einzelne Hütten, 17047 chrifliche, 526 jüdiſche,

-

Anhang von der Bukowina.

351

jüdiſche, und 294 Zigeuner . Familien . 1786 gab 1787 ( ft ver . man ungefähr 132000 Einwohner an. ordnet worden , daß der Adel nicht mehr in Bojaren und Maſilen ( gemeinadeliche Familien ) , ſondern in den Serrn und Ritter : Stand eingetheilet were den ſolle: zu dem erſten gehören die Grafen , Frey . Herren, und der Biſchof des Landes.

Die Zigeuner

find entweder Goldwäſcher , ( Kudari), oder Löffel macher, (Lingmani). Die Einwohner des Landes ſind der griechiſchen Kirche Jugethan, und die Geifte lichkeit beſteht aus einem Biſchof, der zu Radauch wohnet , aus 415 Popen , 96 Diaconen , 466 Ka. lugiérn oder Mönchen , und 88 Nonnen. Sie iſt unter øſtreichiſcher Regierung dem tűyriſchen Patriars chen zu Carlowiß in Syrmien untergeben worden . g. 5 Das land iſt , 1786 als ein Kreis zu Ga. Sizlen und sodomerien geſchlagen worden.

Man kat zwey Rathe , einen Criminalrichter , zwey Affefforen und einen Kanzeliſten angeſeket. Die merkwürdigſten Derter ſind folgende. 1 ) Czernovicz, Czernauc, ( Tſchernovitſch, Tſcher , naut ), die Hauptſtadt , und der Sitz der Landesvers waltung. Sie liegt am Fluß Pruth . 2) Cosmin , ein Dorf am Fluß Catſchur , der fid in den Pruth ergießt , nicht weit von jener Stadt. In der Nachbarſchaft deſſelben fiehet man die Trümmer eia ner ſehr alten Stadt. 3) Szeret , Siret , eine Stadt am Fluß gleiches Namens. 4 ) Suczava ( Sutſchawa ) , eine Stadt am Fluß gleiches Namens , welche ehedeſſen die Hauptſtadt der Moldau , und der Siß des Fürſten war. Sie liegt auf einem ebenen Hügel, hat hohe Mauren und Graben , und gåhlte ehedeffen 40 ſteinerne und hölzerne Kirchen , und 1бооо

352

Anhang von der Bukowina.

16000 Häuſer, one bie Ballåſte des Fürſten und der Bojaren . Nachdem aber die fürftliche Reſidenz von hier verlegt worden , iſt die Stadt ganz in Verfall gerathen . ihr aufzuhelfen , bat fie Kaiſer Joſeph der zweyte 1786 zu einer freyen Handelsſtadt erklåret , und ihr uns terſchiedene Privilegia ertheilet. 5 ) Radamcz oder Radauz , ein Marktflecken ain Fluß Suczava, in welchem der obengenannte griechiſche Biſchof wohnet. 6 ) Piatra , ein Marktfleđen , am Flaß Biſtrija , 7 ) Biſtriza , eine kleine Stadt am Fluß gleiches Namens ,

Das

ST

11

g

a

1

11 ,

mit

den

einverleiften

Ländern

und

Siebenbürgen.

Das Th :8x .

35+

Das Königreich Ungarn.

§.

I

inter den vielen Charten von Ungarn , deren

U

Verfertigung durch die häufigen Kriege mit den Osmanen veranlaßet worden, iſt diejenige

eine der merkwürdigſten , welche der Hauptmann

.

Müller ,auf Veranlaſſung der königlich -ungariſchen Kammer verfertiget, und 1709 mit einer Zuſchrift an den Kaiſer Joſeph , ans Licht geftellet, Somann aber auf vier großen Bogen nachgeſtochen žar. Sa. ex Jens Tabula Ungariae ampliori ſignificatu recentiſſimis pariter et antiquiſſimis relationibus et monumentis concinnata & c. welche die Homanni. ſchen Erben 1744 Herausgegeben haben, iſt mit můh . famen und langwierigem Fleiß , und großer Fritiſcher Geſchicklichkeit verfertiget , und ſtellet ſowohl den neuen, als alten Zuſtand dieſes Königreichs vor , iſt aber in Abſicht des leßten vollkommener , als in Anſehung des erſten. Keine Charte leget Ungarns ehemalige Abtheilung in vier Kreiſe und in Geſpanſchaften , ſo deutlich und richtig vor Augen, als diejenige , welche auf einem kleinen Bogen unter folgendem Titel ans {idht getreten iſt : Tabula noua inclyti regni Unga riae, iuxta nonnullas obſeruationes Samuelis Myko viny concinnata ab Andrea Erico Fritſch , Poſonii Man hat auch von dem Rector Sjaszfy eie nen kleinen Atlas in der Größe eines gemeinen Hal. ben

1753.

Einleitung.

353

ben Bogens, welcher außer dem Titulblatt, neunzehn Blåtter von der alten , mittlern und neuern Geogra. phie dieſes Reichs ,

enthält.

Das jebige Ungarn

bilden ein allgemeines Ehårtchen , welches nach den vier Kreiſen abgetheilet iſt, und vier beſondere Blåt. ter von eben ſo viel Kretſen , ab . Alle dieſe Blåtter ſind 1750 und 51 zu Presburg geſtochen, und zur Era läuterung derſelben , dienet das Compendium Unga. riae geographicum , deffen erſte Ausgabe zu Prese burg 1753 ; die zweyte ftark vermehrte und verbeſſerte aber 1767 gedruckt worden. Ware Matthiae Belii Notitia Ungariae nouae ganz heraus gefommen , ſo þåtten wir in derſelben von jeder Gefpanſchaft eine :

beſondere don Mikoviny gezeichnete Charte erhalten ; da aber außer dem Prodromus nur zuver Tomi ge drucker worden , ſo ſind auch nur von den Geſpane (diaften , Polony , Lipto , Thuroß und Zolyom, beo fondre Charten erſchienen . Die erſte haben die Ho. manniſchen Erben nachgeſtoden. Die Charte von

A

der Grafichaft Zips in . Prodromus, hat Paul Kran de Rokuſch gezeichnet, Franc. Flor. Ezaki aber har eine beffere geliefert.

3

: :

Die prachtige und ſehr koſtbare

Deſcription du Danube, depuis la montagne de Ka lenterg en Autriche, juſqu'au confluent de la rivie par Mr. le re Jantra dans la Bulgarie, Comte Louis Ferdi de Marſigli, traduite du Latin , à la Haye 1744 in großem Folioformat, fünf Bände, beſchreibet den (auf der Donau von dem Kalenberge oberhalb Wien an, bis Giorgio und Roſczig in Bul. garien, theils auf zwen allgemeinen , rheits auf Rieben zehn befondern Charten , auf welchen aber feine an dere Derter ſtehen , als vie auf benden Seiten an dem Strom 32

356

Das Königreid ) IIngarn .

Strom liegen. Schön und prächtig, aber nicht ſehr rich. rig und genau, iſt die Charte von Ungarn und von den demfelben einverleibten tåndern auf 16 großen Bogen , die zuſammengeſeket werden können , welche der K. K. Feldmarſchall Graf von Lacy , durch den Mau jor Müller zeichnen , und 1769 bar in Kupfer ſtechen laffen. Klein , von 1 Bogen, im gewöhnlichen For. mat, aber ſchöner und richtiger als die eben genannte Charte , bildet Ungarn und die eingerleibten lån. der , die Charte ab , welche Sam . Krieger, ein Ingenieur , gezeichnet hat , und die 1780 in Carl Gottlieb von Windiſch), Geographie von Ungarn, an das lidyt getreten iſt. $. In alten Zeiten bieß Ungarn Pannonia , welcher Name von den Pannoniern herråret, die abkömmlinge von den Slawen geweſen , und ſich aus Hodymuth Panówe , d. i . Serren, von dem flawi. Tchen Wort Pan , ein herr , genennet haben ; bat þer ſie ben den Ausländern Pannonier heißen. Es hat aber das alte Pannonia nid)t das ganzejeßige Un. garn in ſich gefaßet, und das jekige Ungarn,begreife nichtdas ganze Pannonia . Der Theil des jeßigen Ungarns , welcher von dem carpathiſchen Gebirge , der Donau und der Theis eingeſchloffen wird , bieß vor Alters Iazygum Metanaſtarum regio.

Metana.

ftae wurden ſie genennet , weil ſie von andern Orten hieher gekommen waren ; und Jazyges , in alten Urkunden Jazi , auch Baliſtarii und Baliſtaei , weil fie gute Schüßen waren ,

von Jaß ,

ein Bogen.

Woher der Name Sungarn oder lingarn komme? wird unten g. 13 unterſuchet werden . Die Ungaren auch felbft, nennen ihr Sand Magyar Orszag, wie $. 13

Einleitung.

357

. 13 vorkommen wird, die Osmanen nennen es Ma. giar Ili, die Polen Wengierſkie. $. 3 Das Wort Ungarn , wird bald im engen ,

oder eigentlichen , bald im weiten Verſtande genom men ; nimt man es in jenem, ſo hat es zu Grenzen gegen Mittag den Fluß Drave , der, es von Slawo. nien und Serwien abſondert ; gegen Morgen die Wallacher und Siebenbürgen ; gegen Mitternadje bas carpathiſche Gebirge, durch welches es von Gal. fizien und Lodomerien getrennet wird , und gegen Abend Mähren , Deftreich und Steiermark ; einige aber nehmen es in ſo weitläufrigem Verſtande , daß fie auch Slawonien , Dalmatien , Bosnien , Sera wien und Siebenbürgen , ja auch wohl die Moldau, Der die Walladsey und Bulgarien dazu rechnen . n fånigl. ungariſche Statthaltére Ingenieur Krieger bat berechnet , daß das eigentliche Iingarn , das Ees meſcher Gebiet mitgerechnet, 2790 , Siebenbür. gen 630 , Dalmatien, Croatien und Slawonien 810 Quadratmeilen groß fery, alſo betrüge Ungarn mic den einverleibten Ländern, 4230 Quadratmeilen . . 4. Die vornehmſten Gebirge in Ungarn ſind : 1) das carpathiſche, ( Tatra ,) welches auf der måh . riſchen , ſchleſiſchen , galliziſchen und lodomeriſchen Grånge iſt, und Ungarn nebſt Siebenbürgen gegen Norden in Geſtalt eines halben Mondes umgiebt. In der Zipfer- und Liptauer Geſpanſchaft iſt es am hoch. ſten , ſo daß man es ben þeiterm Himmel zu Erlau in Ungarn , und zu Krakau in Polen , erblichen kann. Die dafige Höchſte Spige , Heißet Rrywan .

des eigentlichen Tatra,

Ein paar andere hohe Gegenden

des Tatra, beißen Fatra und Matra , jene iſt zwi. Iden 3 3

358

Das Königreich Ungarn .

Schen der Thuroßer, und Liptauer. Geſpanſchaft, dieſe in der Heweſers Geſpanſdaft.

In der unterſten Geo

geno iſt es mit gemeiner Waltung , in der zweiten mit dem Linbaum , welcher mit dem Kienbaum viel ähnliches , aber långere Tangeln hat ,

die auch

von Dunfeler Farbe ſind, in der dritten mit Krumholz ( einem Strauch des Sinbaums,) bewachſen ;

und die

oberſte beſteher aus ungeheuren ſteilen Felfen , welche beſtåndig mit Schnee bedecket, und zwiſchen welchen verſchiedene Seen von klarem Waſſer find.

2) Die

weißen Berge, gegen Morgen, und 3) die Berkes reder Berge, gegen Rußland zu . 4) Die Cegio fchen Berge , Montes Cetii , jenſeits der Donau , welche bey dem Fluß Leitha anfangen , und Steyer . mark und Deſtreich von Ungarn ſcheiden. 5 ) Der Wald Bakony, um die Mitte des Kreiſes biefſeits der Donau , der über 12 Meilen lang, 4 bis 5 Mei len breit, und faft bloß mit Eichenbäumen bewach. fen iſt. 8.5 Die vornehmſten Flüſſe ſind : 1 ) Die Donau , ben den Ungarn Duna , bey ben Slaven Dunay , latein. Danubius, weldie in Sd)waben , und zwar im Fürſtenbergiſchen Gebiet bey Don Eſchingen entſpringer, aus Deutſchland gee gen Morgen mitten durch Ungarn und das osman . ſdhe Reich fließet, und nachdem ſie ungefähr 60 mei. ftentheils (difbare , und die geringern mitgerechnet, ůber 120 Flüſſe aufgenommen hat , durch einige Ar me mit großer Heftigkeit in das ſchwarze Meer ſtürzet, ſo daß man ihren Strom und ihr Waſſer auf vers ſdiedene Meilen weit in demſelben bemerken kann . Ehemals führte diefer Strom von da an , wo er die deut

Einleitung .

359

deutſchen Gränzen verlåßet, den Namen Iſter. Das Vorurtheil, daß er bey dem ſo genannten eiſernen Thor, und bey den Ueberreſten der trajaniſchen Brücke, für große Schiffe nicht fchifbar rey , hat die Erfal). rung widerlegt, infonderheit iſt 1785 ein Schiff mit einer kaiſerl. Flagge die Donau hinab gegangen , wel. Der hauſen iſt ſein be dhes 32 Kanonen führet. rühmteſter Fifd ), und aus dem Rogen deſſelben wird Caviar gemacher. 2) Die Ward , Morawa, Marus, Marchus, ſcheidet Deſtreich und. Mähren von Ungarn , und fällt etliche Meilen von Presburg in die Donau . Bey Mähren wird ſie ausführlicher beſchrieben. 3) Die Waag , Vagus,vor Alters Cuſus, ben den Ungarn Vag - Viz , bey den Slaven Wah, entſtehet aus dem carpathiſchen Gebirge , in der Liptauer Gee ſpanſchaft, nicht weit von Wáſek, aus zwei, Quellen, und fließet in die Donau.

Sie hat einen ſchnellen

und reißenden Jauf, und trit oft aus ihren Ufern. Sie hat Sachſë von anſehnlicher Größe. 4) Die Gran , bey den Ungarn Garom , bey den Slaven hron , latein. Granus ,

entſpringet in

der Gómörer Geſpanſchaft , auf dem ſogenannten Königsberge , und fließet, nach einem Sauf von 24 Meilen , in die Donau. 5 ) Die Teiß , ungar. Tiszsza , flaw . Tyſſa, latein. Tibiſcus, entſtehet in der Marmoroſcher Ge. ſpanſchaft aus zwey Quellen, deren eine die ſchwarze, und die andre die weiße genannt wird. auf dem carpathiſchen Gebirge.

Beyde find

Der Fluß iſt , ſo

lange er zwiſchen den Bergen fließet, ſahnell und flar, nachher aber langſamer und trüber , nimmt die klei. nern 34

360

Das Königreich Ungarn .

nern Flüſſe Bodroch , Kornat , Szamos , ( Sa mofius ,) Röros ( Chryſius) und Maros , (Ma. ruſius,) auf, und ergießet fich vier Meilen über Bela Er iſt ſehr fiſchreich , inſonder. grad in die Donau. heit an Hechten und Karpfen. 6) Temes , Temeſſus, entſteher aus den ſieben . bürgiſchen Gebirgen , fließet bey Caranſebes , lugos und Temesvar vorber , zertheilet ſich , und inachet ver . fchiedene Moråſte, bis er endlich nicht weit von Panczo. wa in die Donau fålle. 7) Die Drave , Draw , Drava , Dravus, kommt aus Steiermark , machet die Grånzſcheidung zwiſchen Slawonien und Ungarn , und fållt endlich unter dem Dorfe Darda in die Donau . 8) Die Arrabo, gemeiniglich Raab, entſpringet in Steiermark, und fließet unter Raab in die Donau. 9 ) Die Leitha , Litaha , ein kleiner Fluß , der zwiſchen Oeſtreich und Ungarn fließet , und bey Ale tenburg in die Donau fållt. Es giebt auch drey merkwürdige Seen, nämlich 1) den Plattenſee, odér Balaton, in der Simeghier Geſpanſchaft, welcher zwölf Meilen lang und an ei. nigen Orten zuen Meilen breit iſt , an deſſen Ableia tung in die Donau und Verwandelung in urbares land , ſchon lange gearbeitet worden . 2) Den Zeuſiedler . fee, auf lateiniſd ), aber unrichtig, Peiſo, auf ungariſch Ferro, zwiſchen der Oedenburger und Wieſelbur. ger Geſpanſtaft. Der Ort den er einnimmt , iſt ehéceſſen mit Dörfern bereket geweſen. Bei dem Erdbeben im 1763ften Jahr braufete und ſchäumte er ftark. 1725 wurde das Waſſer etwas falzig. þat zwar keinen merklichen Zufluß von Waſſer, durch Båe

%.

Einleitung.

361 .

Bäche und Flüffe, fchmidt aber doch zuweilen auf, und tritt aus ſeinen Ufern. Er iſt zum Theil ausges trocknet, und hat Sümpfe hinterlaſſen , die mit Ero len bewachſen find. Sein ſüdliches Ende iſt ein Rohrgebüſche. 3) Den Palitſcher See , in der Botſdyer -Geſpanſchaft. Er iſt faſt 6 Klafter tief, hat beynahe 3 Meilen im Umfang , und ſein feſter und reiner Boden iſt mit dem beſten alkaliſchen Salz bedecket. Die Einwohner der daran liegenden Dör. fer, gebrauchen ihn als ein Geſundbad. 5.6 Ungarn lieger in dem nordlichen gemäßige ten Erdgürtel. Der obere oder mitternachtliche Theil iſt bergig , falt , und zum Theil unfruchtbar, aber geſund ;

der mittlere Theil iſt ebener und wärmer ,

aber wäſſerig und zum Tbeil fandig ; und der untere oder fübliche Theil iſt eben , warm und fruchtbar, aber der vielen Moråſte und Sümpfe wegen ziemlich ungeſund. Die im beſondern Verſtande alſo genannte ungariſche Rrankheit , ( Cſömör , Trcdmor , welches Wort eigentlich Efel bedeutet ,) beſteht dem Anfange nach in Knoten , die unter der Hand am Arm entſtehen . Wenn ſie mit Knoblauch , Eſſig und Salz zur rechten Zeit ſo lange gerieben werden, bis ſie zergehen , ſo wird der völlige Ausbruch der Krankheit gehindert. An dieſer Krankheit, welche eine Art des bißigen Fiebers iſt, iſt vornehmlich die Unmäßigfele im Eſſen und Trinken ſchuld , und hier . nächſt trågt auch viel dazu ben , daß, wenn bey Tage die Hike ſehr groß geweſen , die Nächte kalt ſind , daher man ſich leicht verfälten kann. Die Peſt kommt aus der Türkey, und wird durch Anſteckung hießer ausgebreitet .

35

7

1

362

Das Königreich, lingarn .

9. 7 Es iſt Ungarn mit allem bemjenigen , was zur Nothourft und Bequemlichkeit des Lebens erfor. dert wird , ſo reichlich verſehen, daß jemand geſaget hat: extra Ungariam non eft vita , fi eft vita , non eft ita. Das ebene Sand bringet hervor an Gewachs ſen , Gras , (in vielen Gegenden mehr als Manns hoch .) Tabak, Safran, Spargel, Zucker- und War ſer -Melonen, Hopfen, alle Arten des Getreides , ine ſonderheit vortreflichen Weißen , und Meiß , Hůle ſenfrüchte, Reiß, Hirſe, Budweißen, Waid, Krapp, Baumwolle, verſchiedene Arten von Baum . Frůdyteng als Pfirſidie , Ubrikoſen , Mandeln , Maulbeeren , der Wepfel, Birnen, Pflaumen und Zwetſchen, (aus welchen die Stiwawiga , ein Magenſtårkendes Gea tråne , gebrannt wird , )

und anderer , nicht zu gen

denken , verſchiedene Gartengewächſe , als , rothen und weißen Kopf - Kohl , der groß und ſchmackhaft wachſet, u. a. m. auch Hanf und Flachs. An den Ber. gen und auf den Hügeln, wachſen vortrefliche Weine trauben.

Die beſten Reben hat Mathias Corvin ,

aus Syrmien nach Ungarn verpflanzen laſſen . Der edelſte und berühinteſte Wein , iſt der Tofayer, wel. cher in der Zempliner Geſpanſchaft, in einem nicht großen Diſtrict wad;ſet, daher die Menge deſſelben nid )t groß iſt; es werden aber Weine aus den benach . barten Gegenden mit unter dem Namen des Tokaver Weins verkaufet. Die ſo genannte Effenz, iſt der köſtlichſte Wein , Hernach folgen der Ausbruch , der Maſchlaſch, und alsdenn die gemeinen Weine,welche aber wieder ſehr verſchieden ſind. Die häufigen Wål. der , liefern Bau- und Brenn :Holz.

An Minera .

lien , hat man Gold , Silber , beybe felten gebiegen, Kupfer,

Einleitung.

363

Kupfer , Eiſen , Blen , Zinnopel, ( ein alkaliſches Silberery , davon der Centner 6 bis 8 korh giebt , ) Queckſilber, Zinnober, Spiesglas, Arſenik, Stein, folen , die meiſten Arten von Uuripigment , Sdiwe. fel, Vitriol , Marfafit , Steinſalz und gefochtes Salz,

Salpeter ,

Magnete ,

Asbeſt ,

Marmor

von mandherley Farbe , Alabaſter, Sandſteine, und Edelſteine , die freylid geringer als die aſiati. ſden , zum Theil aber ſehr gut ſind. Un Thieren, hat man gute Pferde * ), Ochſen, meiſtens weißgrau, ( deren Zucht abnimmt, ) Büffel , Kühe , Eſel , Mauleſel, Schafe , (deren Zudyt ſich vermehret und verbeſſert, ) Ziegen , Schweine, und mancherley Gattungen von wilden Thieren, Vögeln und Fiſden , unter welchen Hirſche, Damhirſche, Rehe, Gemſe, Båren , ſüchſe , Fudiſe, Marder , Iltiſſe, Kanin . chen und Haſen , Biber, Trappen , Auerhühner , Rephühner , Birkhühner , Hafelhühner, Phaſanen , ſehr viele Bienen , Hauſen , Sachſe, u.ſ.wo. Ungarn iſt auch reich an Saurbrunnen , falten

und warmen Bådern , und die meiſten Geſpanſchafa ten ſind mit denſelben verſehen. V. J. 5. Cranz, hat ſeiner Analyſi Therm. Herculanarum Daciae Trajani, angehånget,

ein Verzeichniß dieſer Geſundbrunnen welche nach den Kreiſen und Geſpan .

ſchaften des Königreichs eingerichtet iſt. auch Quellen von anderer Art ,

als ,

Es gießt

die neufolli.

ſchen in Herrengrund , und die ſchmolnigiſchen , wel. de Cementwaſſer mit ſich führen ; códtende Quel: * ) Deren Zucht zu befördern, 1785 eine eigene Verorbnung ergangen iſt.

364

Das Königreich Ungarn . 1

Quellen , in der altfohler Geſpanſchaft ; verſteis nernde , in der Liptauer Geſpanſchaft , und Eiss quellen , in der torner Geſpanſchaft. S. & Ungarn hat 1776 gehabt, 65 Stádre,( vr bes, ciuitates,) 376 privilegirte Marktfleckeri, (op pida priuilegiis donata , ) 8548 Dörfer. Geringe Dörfer, die nicht viel über drenßig Häuſer haben , find mie Marktgerechtigkeit verſehen , daher man ſich nicht wundern darf, wenn in einer Geſpanſchaft hun . dert und mehrere Marktflecken find. und Preßburg , find ſchöne Srådte.

Ofen , Peſty , Schöne Luſt.

und Sand Häuſer fehlen nicht.' Man hat in Ungarn 1776 gezáhler , 3, 170000 Menſchen , Siebenbür.

/ gen , Slawonien und Kroatien ungeredynet, welche zuſammen an 2 Millionen Menſchen baben ſollen , Ungarn fönnte weit mehr Menſchen , als es wirklich Hat , ernähren.

In neuern Zeiten hat man ſich Mů. be gegeben, ſchlecht bewohnte Geſpanſchaften beſſer zu bevolfern : allein von den vielen Bauern , welche aus Deutſch, Lothringen, aus Schwaben und andern låna

dern an der Donau , hieher gekommen, iſt faſt die Hälfte bald nach ihrer Ankunft geſtorben, theils wegen der ungewohnten und ungeſunden Luft, theils wegen des wohlfeilen Preiſes der hißigen Getränke. Die Bin. wobner des Landes find verſchiedener Herkunft. Die eigentlichen Ungarn , ſind zwar weit geſitteter, als ihre Vorfahren , aber es iſt doch ben dem gemei. nen Volf noch manches Merkmal des Urſprungs Die Jazygen und Cumanen werden

übrig.

mit zu den Ungarn gerechnet.

Die jebigen Jazy.

gen halten die ungariſchen Geſchichtſchreiber nicht für

:)

Einleitung.

365

für Abfömmlinge von den alten Jagogen ,

deren

g. 2 gedacht worden , ſondern mennen , daß fie von gewiſſen Pflichten , die ſie in Kriegszeiten und Feld . zügen geleiſtet, und von den dafür erhaltenen Freys heiten den Namen hårtren. Jør {and iſt nad, ihnen von den Cumanen oder Cunern bewohnt worden, welche daher bey ungariſchen Schriftſtellern auch Fagygen Heißen,

und bey den alten Schriftſtellern aud, Ilzen oder Gazen . Von den Jazygen und

Cumanen komme hernach bey der Landſchaft Klein . noch etwas vor. Sie batten ehe. deſſen große Privilegien , die aber 1638 auf. Eumanien

gehoben worden. Der Großgraf ( Palatinus ) , des Reichs , führet unter ſeinen Titeln auch dieſen, daß er Comes et Iudex Cumanorum heißet : und bekommt von den Jazygen und Cumanen jährlich 3000 Ducaten . Ein anderer Theil der Einwohner iſt ſlamiſchen Urſprungs , und dazu gehören die Böhmen ,

Croaten ,

Serwier oder Raigen,

Rufſen und Wenden. Sie bewohnen den öſtli. den und nördlichen Theil von Ungarn in der pres . burger , neutraer ,

trentſchiner , arvaer ,

lipsauer,

thuroßer, altfohler , bacſer , honter , neograber, gömörer , und odenburger Geſpanſchaft, find auch fonſt noch durch Ungarn gerſtreut. Es ſcheint, daß fie von den älteſten Zeiten ber hieſelbſt gewohner ga. ben. Zu der deutſchen Tarion , gehören Deſtrei. cher, Steiermårker, Bayern , Franken, Schwaben und Sachſen. Es ſcheint , daß ſie zu eben der Zeit nach Ungarn gekommen ſind , als die Sachſen sich in Siebenbürgen niedergelaſſen haben : nad ) der Zeit aber hat der Krieg , der Handel , und die Frucht. bar .

1 366

Das Königreich Ungarn.

barkeit des Landes, noch mehrere Deutſche ins Sand gezogen , weldie ſich ſonderlich unter der Regierung öſtreichiſchen Hauſes vermehret haben. Die

des

Wlachen ,

von uns gemeiniglich Valachen gee nannt , welche neben Siebenbürgen und der Wala. chey wohnen , baben mit der übrigen Walachen in Shracien , Macedonien , Theſſalien und Albanien, einerley Urſprung. Sie nennen ſich ſelbſt Rumane, oder Rumunje , das iſt, Rómer , weil ihre Vor. fahren römiſche Unterthanen und Bürger geweſen find. Den Namen Wlachi, welchen ſie felbft mit

Unwillen verwerfen , haben vermuthlich die Sla . ven aufgebracht, er wird auch von den Griechen ges braucht. Er bedeutet ein nomadiſches oder herum . jiehendes Vole , daher ihn die türkiſchen Völfer Durch Tjuban áberſekt haben , welcher Name hers nach in Polen und Albanien bekannt geworden iſt. Zu den Fremdlingen in Ungarn , gehören die Griechen , welche der Handel veranlaßet hat , hice Her zu kommen ; die Juden , deren Anzahl hieſelbſt ehemals weit größer war , als ſie jekt iſt, (denn die Tabellen von 1776 gaben nur 32943 an ), die Túrs ken , und die Zigeuner , (Zingari, oder Czingani), welche lekten ſonſt ein herumſchweifendes Volf was ren , nun aber genöthigt werden , fidh an beſtimmten Drten aufzuhalten , den Ucker zu bauen , und den Grundherren eben das zu leiſten , wozu andre Unter. thanen und Bauern verpflichtet ſind.

Die Ungarn , (dazu auch die Slawen kommen) , und die Deut ſchen , werden in den Relchsverordnungen allein regni. colae , und die Stånde des ungariſchen Reichs', ge. nennet ;

alle übrige heißen externi,

extranei und fo .

7

Einleitung. forenſes.

367

Es können aber die Deutſchen und über,

haupt die Ausländer , in Ungarn feine adeliche Gů. ter erkaufen , bevor ſie ſich das Indigenat erworben haben , wofür ſeit 1741 in die Landes. Caffe 1000 kremnißer Ducaten erleget werden müſſen : aber ein geborner Ungar ,

wenn

der kein Edelmann iſt,

daſſelbige erlanget , entrichtet er dafür nur die Hof. Cafe, welche ungefähr 1000 Gulden betrågt. Alle Husländer ſind des Indigenats fåhig , ausgenom . men die Venetianer und Polen ,

welche durch die

Reichsgeſege davon ausgeſchloffen , und als gefäør. 'liche Feinde des Reichs angeſehen worden ,

weil je.

ne bas Königreich Dalmacien zu fünfmalen an fich geriſſen haben , und dieſe wegen der eşemaligen vie. len Kriege. Aus obigem erhellet, daß die Ein . wohner von verſchiedener Gemüthsart feyn müſſen '; body hat das gemeinſchaftliche Verkehr ſie einander fehr ähnlich gemacht. Sie ſind großtentheils von ſanguiniſch. choleriſchem Temperament. Der Adel iſt zahlreich , und eben ſo gut gefictêt, als.ber Adel Seit Kaiſers in andern eůropäiſchen Staaten. Karls des fechften Zeit, verheirathen ſich viele Magna. ten mit deutſchem Frauenzimmer: es kleidet ſich auch jekt faſt alles bieſige vornehme Frauenzimmer auf deutſche Weiſe, uud verläßt alſo den ungariſchen Anzug , der doch viel vorzügliches zu Kaben ſcheinet.

! Der- Adel Hat inſonderheit ſeit Königs Andreå des zweyten Zelt, große und mancherley Vorrechte und Freyheiten, zu welchen, inſonderheit dieſes gehore, daß er von ſeinen Gütern , die er ſelbſt unmittelbar gebraudjet, ohne

ſeinen Unterthanen

die Nußung

derſelben zu überlaſſen, dem Könige nichts entrichtet. Meil

ch

Das Königrei

368

Ungarn .

Weil aber dieſes eine Veranlaſſung geweſen iſt , daß viele:bürgerliche Perſonen ſich haben in den Udele ſtand erheben laſſen , um der damit verknüpften Freyheiten zu genießen , und ſolches zur Schmåle. rung der königlichen Einkünfte gereichet : ſo iſt nun . mehr die Erlangung des Adelſtandes auf manchers Ein Edelmann , ley Weiſe eingeſchränfer worden .

ber keine Landgüter hat, wird ein Armaliſt genannt. Es giebet viele Edelleute, welche ihrem Adel'ungés ſchadet ein Handwerck treiben . Das Wort Joba. gpion , welches ebedeſſen von edlen Perſonen gee braucht wurde ,

hat nachher die Bedeutung eines

an

feines Sißes

den

Boden

thanen bekommen ;

gebundenen Unter . Kaiſer Joſeph ber zweyte aber

þat 1786 verordnet , daß es in dieſem Verſtande gar nicht mehr gebrauchet werden ſolle , ſondern alle Unterthanen ſollten ohne Unterſchieb ihrer Nation und Religion ,

für igre Perſonen als frenzügige

Leute (für welche ſie damals erkläret wurden) , ange. ſehen, und allenthalben als ſolche gehalten und geach). tet werden . Einem jeden ſlehet nun frey, nach Bee lieben ,

auch ohne Einwilligung ſeiner Grundherr.

fchaft, zu Heirathen , zu ſtudiren, Künſte und Hand . werke zu erlernen , und das erlernte aller Orten aus. zuüben.

Keiner, noch rein Sohn oder Tochter , noch

eine andere zu ſeiner Familien gehörige Perſon , fann ju Hofdienſten ſeiner Grundherrſchaft gezwungnn werden , ſondern es ſteht bey ihm , ob er ſie für Lohn annehmen will oder nicht. Ein jeder Unterthar fann fein bewegliches und erworbenes Vermogen nach Ber lieben verkaufen , verſchenken , vertauſchen, verſeken , vermachen , doch bem barauf baftenden beſtåndigem Reduc

Einleitung

369

Recht der Grundherrſchaft ungeſchadet.

Hűe folo.

len im ruþigen und ungeſtörten Genuß ißrer Belis Bungen gelaſſen, und nicht wider ihren Willen von dla nem Comitat und Ort nach dem andern verfeßet werden. In den Gegenden , wo es an Holz zum Bauen mangelt , wohnen die Bauern , und vornehmlid, die Raiken , in der Erde, in Hölen oder Kellern , wela dhe ſie zur Wohnung eingerichtet Kaben , und zwar ſo, daß entweder nichts , oder doch nur der Raudha fang, oder das ganze Dach , ſehen iſt. $. 9

bervorraget und zu

Es giebt in Ungarn vier Hauptſprar

chen . Die ungariſihe Sprache, oder die lan desſprache der eigentlichen Ungarn , iſt mit den Sprachen der Wogulen , Kondiniſchen Oſtiafen, Finnen , Syrjänen , Permiaken , Boriafen , Eiche. remiffen und Mordwinen , berwandt ;, es ſind audy tatariſche und alte perfiſche Wörter Im Schreiben bedienen ſich die

in derfelben. Ungarn der

lateiniſchen

Buchſtaben. Die deutſche Spra . che , hat Þiefelbſt nach der Verſchiedenheit der deutſchen Nationen , auch verſchiedene Munde arten . Die ſlawoniſche Sprache, wird nach

der Anzahl der Nationen , in die böhmiſche, krog: tiſche, wendiſdie, raißiſche , ruffiſche und illyriſche abgetheilet. Von der walachiſchen Sprache, wird Hiernachſt ben der Walachen gehandelt werden . nur von nicht Sprache lateiniſche wird auch die gelehrten und vornehmen Leuten , ſondern auch wohl von dem gemeinen Mann , vom lebten aber rebr fohlecht ,

geredet ,

ja in den ungariſchen Hofſtellen,

und Gerichten, wirb alles in lateiniſcher Sprache per. Aa 2 Th.8 4 .

370

Das Königreich Ungarn .

verhandelt. Die Sprache der Ziganer, ift aus was lachiſchen , flawiſchen , ungariſchen und anderer Nas tionen verdorbenen Wörtern zuſammengefekt. S. 10 Die chriſtliche Lehre iſt, aller Ver. muthung nach , bald nach den Zeiten des Herrn in dieſen Såndern

zuerſt., bekannt geworden ; denn da

aus dem Briefe des Apoft. an die Römer K. 15 , 19. erhellet , daß er das Evangelium von Jeruſalem an bis nach Juyrien verkündiget habe ; Jlyrien aber das heutige Dalmatien , Croatien und Slavo. nien gutentheils in ſich begriff: ſo iſt wohl nicht zu zweifeln , daß einige Nachricht davon bis in das benachbarte Pannonien eingebrungen ſen.

Im vier .

ten Jahrhundert hatte Sirmien fdon Biſchöfe , und die Gothen , welche Dacien bewohnten , hatten auch Bergleichen.

Unter den Ungarn aber iſt das Chri.

ſtenthum erſt im zehnten Jahrhundert recht ausges breitet worden , als der Fürſt Geyſa nach 974 , und zwar wie man aus Aloldo Peklarn beweiſet , 980 , fich taufen ließ , und noch mehr unter derſelben Sohn und Nachfolger Stephan , der ſeiner eifrigen Bemů. þungen wegen, den Namen eines Upoſtels und Heili. gen bekommen hat.

1523 fieng hieſelbſt die Refore

mation an , als Martinus Cyriacus, aus deutſchau gebürcig , zuerſt die gereinigte Sehre predigte ; in Siebenbürgen aber wurde ſie ſchon 1521 durch einige lutheriſche Schriften veranlaſſet. Von der Zeit an giengen viele Ungarn Studirens halber nach Deutſche lanb zurück. Zwingli Jeþrſaß vom heiligen Abend. mahl, wurde kurz vor oder gleich nad ) 1530 von ei. nem Namens Matthias Devay , der es anfänglich mit Suthern gehalten , in Ungarn bekannt gemacht, und

Einleitung.

371

und vor dem Jahr 1557, mußte man auch ſchon von Calvins Lehrfäßen , die von dieſem Jahr an þåufi Von der Zeit an , da ger angenommen wurden .

die Jeſuiten nach Ungarn und Siebenbürgen gekom . men ſind , hat die evangeliſche Kirche manchen An . griff erlitten , ſonderlich aber vom Anfang des fieba zehnten Jahrhunderts an . Dieſen Druck aber Bat K. Joſeph durch ſein Toleranz- Patent aufgehoben , und den Proteſtanten die freye Religionsübung, Kirs chenbau , u. ſ. no. verſtattet, aber die ihnen von den Katholiken genommeneKirchen, haben ſie nicht wieder bekommen . Sie haben Superintendenten und Ser nioren . Die Vorſteher der römiſch) katholiſchen Kirche, find Erzbiſchöfe und Biſchöfe , die vom Ko. nige gemåhlet, und vom Pabſt beſtätiget werden . Die Namen der Erzbisthümer und Bisthümer kommen Die Aebte und Probſte werden hernach g. 16 vor. auch vom Kinige ernennet, und bedürfen der påbſtli. chen Beſtåtigung nicht. Der apoſtoliſche Konig þat auch das Recht die Canonicos zu ernennen , ungead ;. tet bisher die meiſten von den Biſchöfen ſind ernen . Die Prälaten haben größtencheils net noorden . große Einkünfte , welche hernach bey ihren Siken angegeben werden ſollen. Die Gewalt des Pabites iſt aber in Ungarn ſo groß nicht, als in andern Rei, chen ; denn man darf nicht an ißn appelliren , und er fann die geiſtlidhen Güter nicht vergeben , ſondern nur beſtätigen. Der König genießet die Einfünfte von den erledigten Bisthümern ſo lange , bis es iým belieber , dieſelben wieder zu beſeken ; daher pflegte ehedeſſen das Erzbisthum Gran jederzeit einige Jahre lang ledig zu bleiben . Dieſe und andere Gerechts 2a a ſame

: 372

Das Königreich Ungarn .

ſame der ungariſchen Könige in Kirchenſachen , hat Adamus Franc. Kollarius in ſeinem Libro fingulari de originibus et uſu perpetuo poteſtatis legislatoriae circa facra apoſtolicorun regum Ungariae , Wien 1764 in groß 8, ausgeführet. Die illyriſche Varion, hat beſondere bürgerli. che und gottesdienſtliche Redite. Zu Wien iſt ein Buch in Folio gedruckt worden , welches das von der Kaiſerin - Königin Majeſtát am Fånn . 1777 unterſchriebene Reglement für die Jlyriſche Das rion enthält , welches demjenigen gemäß iſt, was 1774 u. 76 auf den zu Karlowik gehaltnen nicht unir. ten biſchöflichen Synoden gemeinſchaftlich abgehan. delt worden. Es iſt zwar fchon unter dem 27 Sept. 1770.ein illyriſches

National . Reglement bekannt

gemacht worden , welches dasjenige enthåle, was 1769 auf einem National - Congreß verabredet wors den , und die Privilegien , das Religionsweſen , und die Perſonen der illyriſchen Geiſtlichkeit angeşet : ale lein es þaben ſich ſeitdem die Umſtände geåndert, und daher iſt auch das National - Reglement geån. dert worden. So wie es nun lautet , fol es die Vorſchrift für alle in Ungarn ,

Croatien , Slavou

nien, dem Temeswarer Banat, (Gebiet) den Carlſtådter und Warasdiner Generalaten , imgleichen in den Provinzial. Militår • und Kameral . Bezirken befind. liche höhere und niedere nicht unirte Geiſtlichkeit graeci ritus, feyn. In demſelben werden die Prlie vilegien , welche der illyriſchen Nation 1743 und 1763 ertheilt worden , beſtätiget. Die Nation Foll nicht unter der ungariſchen Hof. Kangley , ſondern unter einer eigenen illyriſchen Hof . Deputacion -ftehen. Der

Einleitung .

373

Erzbiſchof und Metropolit ſoll blos als der illyriſchen Nation Vorſteher in Geiſtlichen Sachen , aber fei. nesweges in weltlichen Sachen , angeſehen , von iþr gewählet , und von dem Könige beſtåriget werden. Seine Einfünfte beſtehen in 6000 Fl . aus der Efter ger Cameral- Caffe, in 3000 Fl aus der Temeswarer Cameral. Caffe , und in den Zinſen von 38000 Fl. Capital ,

welches bey dem königl. Hof -als Schuld

:

ſtehet , und zur Hypothek des Kammergut Dallya hat. Er bat auch den Nugen von den Gütern Hes Unter demſelben ſtehen radin unb Pankofcze.

1

folgende nicht unirte Bisthümer , das Verſchecz. oder Caranbeſer, das Temeswarer , das Bacſer, das

Araber ,

das Pakraßer ,

das Ofner und das

Carlſtådter Bisthum . Die erzbiſchoflich Syrs miſche Disces , begreift rechs Protopopiats . Ber zirke , mit 175 Pfarren und Dertern , und noc) 28 Filialen , welche zu andern Pfarren gehören , zehn Protopopiats . Bezirke , welche 287 Pfarren und Derter , und 37 zu andern Pfarren gehörige Filiale, begreifen .

Zu der Temeswarer Dióces gehören

zehn Protopopiats. Diſtricte , welche 207 Pfarren und Derter , nur 37 zu andern Pfarren gehörige Fio liale begreifen. Die Verſcheczer Diocés , enthält 6 Protopopiats : Bezirke , in welchen 239 Pfarren und Derter , Flliale ſind.

und 29 zu andern Pfarren gehörige Die Arader Dióces , beſteher aus

14 Protopopiats. Bezirken , in welchen 481 Pfarren und Dorter, nebſt 126 zu andern Pfarren gehörige Filia. le , ſind. Die Ofner Dióces, hat nur 3 Protopopiats . Bezirke, welche 48 Pfarren und Derter , und 17 zu andern Pfarren gehörige Filiale enthalten . Die a 3 Bac

ch

i re

n s ar ig s g at n a 7 Un opi . D s Kö 3 r e e e op rk oc cſ s ezi ot nat ier t n i a r n r e ea B P er e D v B ,r h e, öpri ceh d ert asr i alß epho o D g D n . un 61 óPcfe zu krwe ot t n u es Pr Pa e .B Dhien , harre ne er t c e d s d ag h3 r l rk en 0 unle De ,at un li4c7 gi , erin rweer rr 10 Pörfi ia bopi a d d h l s n å t e fi En , tſoip . zu an lſt Pf ceg ei F a o r n is gern e ar r e e i r P . Be 9en te , rb b eC ch D 0 k e d d n a r r l 8 r n 1 fe uhnö De , un 30 zi al , in we er 1 arPr ge li nd e nd f u i i z P a ſ Fi . , , d 4

Die Biſchoffe, ſollen aus den Kloſtern genoma men , und vorzüglich geſchichte Perſonen dazu ausge. Zu jeder Synodal - Verſammlung , ſuchet werden . ſie geſcheße wegen der Wahl eines Biſchofs , oder wegen anderer Urſachen , muß vorher die landesfürſt . liche Genemhaltung geſuchet , und die Ankunft eines kaiſerl. fönigl. Commißarii abgewartet werden, Dem Metropoliten werden für die auszufertigende Bulle

19 Caranſebes und zu Temeswar, 200 Kremnißer Due caten , von dem Bacſer und Arader Biſchof 150, von dem Pakraker 125 , und von dem Ofner und Karl. ſtådter, 100 Kremnißer Ducaten . Die Ordination und Prieſterweihe, muß umſonſt ertheilet werden , ic. Für die landesfürſtliche Beſtätigung, bezahlet ein Erzbiſchof und Metropolit an die illyriſche Hofdepu. fation 2000 , und an die ungariſche Hofkanzley 1000 Fl., ein Biſchof zu Bacs und Temeswar, jeder zwey . mal 1000 Fl., von den übrigen vier, jeder zweymal 500 Fl . und einer 500 Fl. Die Anzahl der Proro . presbyteriare oder Protopopiate, iſt vorher ſchon Zu Popen oder Pfarrern, ſolo angezeiget worden. len nur Untert anen aus den Kaiſerlich - königlichen Erblanden beſtellet werden.

Ein Kirchſpiel von 130 Sjáu .

EX

0

Einleitung.

375

Häuſern , roll nur einen , eins von 250 Häuſern nur gwen , eines von mehr als 250 Häuſern nur drey fun . girende Popen haben, und dieſe Anzahl Toll ohne aus. ' drückliche landesfürſtliche Bewilligung nicht über. ſchritten werden. Dieſſeitige Untertianen , follen fich nicht zu Ippeck , oder an andern unter türkiſcher Bothmåßigkeit ſtehenden Orten zu Prieſtern weihen , Und zu Archimandriten erwählen laſſen . Der in den canoniſchen Rediten der griechiſchen Kirche keines .

*

weges gegründete Gebrauch , die Popen nach dem

3

Tode ihrer Weiber in die Kloſter zu verſtoßen , zum Kloſtergelübde gegen die Gefeße der Religion zu zwingen , und ihre Kinder dem åußerſten Elende zu überlaſſen , wird abgeſchafft, und die verwitwer

7

ten Pfarrer folen künftig bey ihren Pfarren gelaffen werden . Jedes Kloſter foll jmer geiſtliche Vorfte. þer Haben, entweder einen Archimandriten und Igu. man , oder einen Igumen und Vicarium . In den Klöſtern follen nid)t bloß Hieromonachi , ſondern auch einige Monadii fenn , jene fino Prieſter , dieſe follen nuklidhe Handwerke verſtehen , als die Gärtnes rey ,

das Kochen ,' die Kellnerey ,

und Schneider : Handwerk.

das Sduftere

Jede Dióces foll ihre

Conſiſtorium

haben , und bey dem Erzbiſchof ein Conſiſtorium , an weld )es appelliret werden kann , ſeyn. Von dem lekten fann man ſid, an den fön . Tyron wenden.

Die Conſiſtorien haben nur in geiſtl. Sa. den zu richten , doch können ſie auch die Gefangennek . mung eines Geiſtlichen beſorgen , und die Streitig

feiten zwiſchen zwey Geiſtlichen in Amtsſachen , ſchlich ten. In Criminal- und Civil- Sachen , hångt der Clerus eben ſo wie der Lanenſtand, von der weltl. Ha 4 Db :ig.

376

Das Königreich Ungarn .

Obrigkeit ab , als , pon dem Hof. Kriegesrath, von der oberſten Juſtikſtelle, und von der ungariſchen Hof. Kanzlen . Alle 1754 , 58, 59 u . 61 , wider die um ſich greifende Bigamie ergangene Verordnungen, werden erneuret. Zur Verfdhaffung der Bücher, welche zum Unterricht der Jugend, zum offentlichen Gottesdienſt und zur Hausandacht nöthig ſind , iſt Ju Wien unter Uufſicht der illyriſchen Hof . Deputa. tion , eine Buchdruckerey der illyriſchen und orientalis ſchen Sprachen errichtet worden . Zu einem Natio . nal . Congreß rollen 75 Depucirte kommen , nåmlich 25 aus dem Kriegsſtande, 25 aus dem Provinciali, und 25 aus dem Clero. Wegen Haltung der Feuer. tage , wird zwar der illyriſchen Nation der frene Geo brauch des atten Calenders nach den dieſerwegen ere Baltenen Privilegien beſtätiget, ſie ſoll aber an Orten , wo auch Römiſd ) - Katholiſche wohnen , die vier gröſ fern

reiniſch- katholiſchen

Feyertage , als

Oſtern ,

Pfingſten Weihnachten und Fronleichnam , den erſten Tag mit fevern , wenigſtens den ganzen Tag die Handlungs- und Handwerks , Gewölbe verſchlieſ fen , und keine grobe oder knechtiſche Arbeit verrich, ten. Der griechiſche Calender , welcher 1774 auf der biſchöflichen Synode zu Carlomik vorgelegt wor. den , wird beſtätigt. In offenen Orten , wo nur niche unirte Glaubensgenoſſen graeci ritus , wohnen , und ſchon Popen find , können Kirchen ohne Anfrage Hingegen in geſchloſſenen Orten,

erbquet werden .

und in folchen , wo Einwohner von verſchiedener Ree ligion find , aud) in folchen , wo ſchon eine griechiſche Kirche iſt , und eine zweyte erbauet werden ſoll, muß kein Kichenbau ohne Erlaubniß der illyriſden Hofa

Depu.

Einleitung. Deputation vorgenommen werden .

377 Die Verbeſſer

rung der Kirdyengebäude, farin ohne Unfrage gerdiez þen . 26. In dieſer Verfaſſung iſt nadyher die Ver. änderung entſtanden , daß am vierten Dec. 1777 die illyriſche Hof. Deputation aufgehoben , und die Ans gelegenheiten der illyriſchen Nation in dem Provin . ciali der ungariſden Hof Kanzley zu Wien , im Mi. litari aber dem Hof . Kriegsrath, aufgetragen worden . Ein Theil der Unterthanen von der griechiſchen 1 Kirche , hat ſich mit der fatholiſdyen Kirche vereini. get , und dieſe Unirten ſtehen unter ihren Biſcho. fen zu Ofen und Munfatſd ). Die Wiedeiránfer oder wennoniten , welche in der presburger, nelle traer und trentſchiner Geſpanſdaft geweſen , find

*

1761 und in den nach folgenden Jahren von dem Ergo biſchof von Gran , Franz , Grafen Barkoczy , un. Die Juden terdrücker und ausgerottet worden . werden hin und wieder in den Städten und Flecken Sie zahlen nur ihren Grundherren Abga. geduldet. ben , in die Kriegécaſſe aber geben ſie nichts. S. ir Der Gelehrſanıkeit, befliſſen ſich unter den Römiſch .Katholiſchen ehedeffen am meiſten die Jeſuiten , welche auf den Univerſitäten zu Tirnau, Dren , Raab und Caſchau , und auf verſchiedenen

4

Gymnaſien, die Theologie, Philoſophie, Mathema: tif , Beredſamkeit, und andre frene Künſte lehreten. Nachdem aber dieſer Orden aufgehoben worden , find die Schulen der patrum piarum fcholarum mehr empor gekommen . In den Kloſtern legen ſid, die Benedictiner , Paulliner und andre Orden, nad ih. Dié ratio educa rer Art, auch auf das Studiren. tionis totiusque rei ſcholaſticae per regnuin Hun. V as gariae

i

378

Das Königreich Ungarn .

gariae et provincias eidem adnexas,

Wien 1777,

zeiger die Einrichtung der neuen Univerſitåt zu Ofen , und die Beſchaffenheit der alten und neuen Gymnas Für die ungariſche ſien, und der gemeinen Schulen . adeliche Jugend , iſt durch königliche Huld 1763 zu Wartberg in der presburger , und 1768 zu Waigen in der peftyer Geſpanſchaft, eine Ritterſdyule angeleget Die Lutheraner und Reformirten legen auf und Gymnaſien den Grund der Wiſ Schulen ihren worden.

ſenſchaften, und begeben fich alsdann , auf die ho. hen Schulen in Deutſchland , in den Niederlanden Die griechiſch . morgenländiſchen und in Helvetien . In Chriſten , fangen auch an, beſſer zu ſtudiren . der Reditsgelehrſamkeit wurde ſonſt nur Privatun. terricht ertheilet ; nun aber wird ſie zu Tirnau auf der Akademie , und zu Erlau im juriſtiſchen Collegio, öffentlich gelehret. S. 12 Die Bürger befleißigen ſich der Handwer, ke und Künſte noch nicht ſo ſtark und gut, als ihnen nüglich wäre. Zu Miskol; þat 1786 die Tuchwebeo rey ſtark zugenommen. Sonſt erſtrecket ſie fich meie ftens nur auf grobe Tücher. Die sandlung haben die Griechen und Raiken im untern Theil des Reichs größtentheils an ſich gezogen : es treiben auch die Juden ſtarken Handel. Bisher aber ſind der Man gel an Kunſtfleiß bey den Einwohnern , und die nicht vortheilhafte Lage zum Abſaß der Landes . Produs cte ben auswärtigen , Hinderniſſe eines, ausgebrei . teten und vortheilhaften Handels geweſen. Der legten Schwierigkeit konnte abgeholfen werden , wenn man die Flüſſe zum Beſchiffen bequemer machte, und durch Canåle mehr verbånde.

Man führet aus

Ungarn aus , Weine, Heu , Strob, Gerſte, Saf. ran ,



Einleitung.

379

ran , Del , Taback , Waid, Krapp , Hanf, Flachs , Metalle und Mineralien , (als Kupfer , Bler , Spiesglas , Regulus , Zink, Meſfing , Gallmey in großer Menge , Vitriol), blaue Farbe, Salz, Vieh, Håute , Leder , ſehr viel Wolle, auch ſehr viele Pottaſche, Hafenbålge und anderes Pelzwert, Talch Wachs ,

und

vornehmlich Getreide,

inſonderheit

Weißen und Hafer. Von einigen dieſer Sanbeswaa . Aller ungariſcher ren iſt beſonders etwas zu ſagen. , muß an der Deſtreich gehet Wein , welcher nach Gränze aus den Sdhiffen genommen , und auf der Achſe nach Wien gebracht werden : nach andern deuts ſchen Ländern aber fann er auf der Donau weiter ges führet werden .

Deſtreich empfånget jährlich unge.

fähr rechsmal hundert tauſend öſtreichiſche Megen Getreide aus Ungarn. Es werden dahin jährlich ungefäßr hunderttauſend Ochſen , und über vierzig tauſend Schweine getrieben : allein beyde Arten der Thiere kommen guten Theils aus den türkiſchen lån: In Ungarn werden wieder eine dern an der Donau. , Seide , Del , mancher . , Zinn Gewürze geführet, ley Manufakturwaaren , und andre auswärtige Sa chen . Die Geldſorten , welche in Ungarn gewohns lich , find : 1) feit 1765 von Kupfer, ein lingriſch , (in ungariſcher Sprache Pene, in flavoniſcher Rralovſzky), deren fünfe einen Kaiſergroſchen ause machen , ein Gröſchl, (Parak ), welcher der vierte Theil eines Kaiſergroſchen iſt, ein Rreuzer, (Orais zar) , welcher der dritte Theil eines Kaifergroſchen iſt, Polturak , (in ungariſcher Sprache Poltura, in flavoniſcher Pulgros ), welcher ein halber Kai. ſergroſchen iſt; 2 ), von Silber , ein Groſchen oder

Rais

ich

Das Königre

380

Ungarn .

Kaiſergroſchen, (in ungariſcher Sprache Garas; iu ſlavon . Groß ); deren zwanzig einen rheiniſchen Gulden ausmachen ; ein fünfer (5 Kreuzer ), ein Siebner , (in ungariſcher Sprache Seteſd ), in ſlae poniſcher Schedmak), welcher ſieben Kreuzer aus. madit ; ein Zehner (10 Kreuzer), ein Siebenzeb.

. ner, (ungar. Tjariaſdy, flavon. Seztak oder Sſes ftat ), welcher ſiebenzehn Kreuzer betrågt ; ein hals ber Gulden , ( ungariſch Pul

Slaty) ,

Ful- forint, ſlavoniſch

ein Gulden ,

und ein Thaler.

Nun iſt auch alles ſogenannte Conventions . Geld, welches in den deutſchen Landen des Hauſes Deſtreich gilt, in den ungariſchen Ländern gangbar, als , harte Thaler, Golde.

Zwanzig- und Zehn - Kreuzerſtücke. 3) von Seit dem Iſten May 1771 gilt ein Krems

niger Ducat hier ,

ſo wie in allen Sanden des

Hauſes Deftreich, vier Gulden achtzehn Kreuzer, ein Nagy Banier oder Kaiſerlicher Ducat aber zwery Kreuzer weniger , (von benden Arten hat man auch doppelte ), ein faiſerlicher Souverainsd'or , zwolf Gulden vierzig Kreuzer.

Ø. 13 trifft,

Was nun die Geſchichte des Landes bee

ſo iſt aus alten hiſtoriſchen Denkmalen er . daß die alten weſtlichen Einwohner von

weislich ,

Ungarn Pannonier, die mitternachtlichen aber Ja. 3ygen geheißen haben . (9. 2) Die Römer brachten Pannonien unter ihre Gewalt , und beperrſchten es faſt 400 Jahre lang ; ihnen nahmen es die Panda. Jen am Ende des dritten Jahrhunderts weg , und behielten es 40 Jahre.

Als ſie aber im Jahr 395

nach Gallien giengen , bemachtigten ſich die Gothen ihrer Siße , welche von dm Hunnen aus ihren alten Woh .

Einleitung

381

Wohnungen vertrieben waren , und ihnen bald dari quf auch dieſe neuen Siße einräumen mußten. Die Gefdyichte der Sunnen ; Awaren und lingarn , in ſofern ſie zur Erläuterung der alten Gefdjichte dies fes Landes und ſeiner Einwohner dienet , beſdireibet der Jeſuit Georg Pray,

weldjer die aſiatiſche

Geſchichte der genannten Völfer aus Deguignes hiſtoire generale des Huns, geſchöpfet hat , kürzlich folgendermaßen. Die Sunnen , von den Sinefen Kiong -nu genannt ,

haben in den älteſten Zeiten

das Sand , welches Sina gegen Norden lieget , bes wohnet , und die Sinefen haben wider ihre Einfälle die berühmte Mauer erbauet.' Sachdem ihr Reich von den Sineſen zerſtöret worden, haben ſich die mite ternachtlichen Hunnen gegen Abend gewendet, und fich erſt an der Wolga , hernach aber zwiſchen der afowſchen und caſpiſchen See niedergelaſſen . Im Fahr 374 giengen ſie über den Donſtrom , und ka: men in Europa an. Sie bezwungen erſt die Alanen, bernach im Jahr 376 die Gothen , welche in Dacien, d. i. zwiſchen dem ſchwarzen Meer und der Teiße wohnten.

Im Jahr 377 nahmen ſie beyde Panno.

nien ein , und im Jahr 397 fiengen ſie an , fich tau. fen zu faffen. Unter ihrem König Attila , war ihre Herrſchaft am weiteſten ausgebreitet , dochigerieth ihr Reich nach deſſelben 454 erfolgtem Tode in Verfall, und mit deſſelben Sohn Dengizich gieng es 489 gang unter , nachdem ſie von den Gepidern und Gothen waren bezidungen worden. Ihr Ueberreſt wohnte vom Dnieſter bis über den Don , und theilte ſich in die cuturgurifchen und ururguriſchen Sunnen ab. Die Awarer find in Aſien unter dem Namen der

382

Das Königreich Ungarn .

der Geugener bekannt geweſen .

Um die Mitte des

rechſten Jahrhunderts wurden ſie von den Türfen , welche Ueberbleibfel der Hunnen waren , und das altaiſdhe Gebirge bewohnten , überrounden , da fie fich denn theils nach Sina , theils nach Europa bea 1 gaben. Dieſe lekten ſind von den griechiſchen und lateiniſchen Schriftſtellern durch einen Frrthum Awa. rer genennet worden , ob ſie gleich die eigentlichen Awarer nicht geweſen , auch anfänglich mit dem Nam men der Vardoniren , ( vielleicht von einem Chan , Die lateiniſchen Namens Var ), beleget worden. Schriftſteller legen ihnen auch den Namen der huns . niſchen Awarer bey,

entweder weil ſie geglaubt,

daß ſie urſprünglich Funnen geweſen , oder weil ſie ſich mit den Ueberbleibfeln der Hunnen zu einem Volk vermiſchet haben , nachdem ſie dieſelben überwunden Hatten. Wahrſcheinlicher Weiſe Haben ſie ſchon vor 553 die Moldau und das {and auf beyben Seiten des Dnieſterſtroms inne gehabt, und hernach auch das Land der Gepider oder Dacien eingenommen. 568 räumten ihnen die Longobarden Pannonien ein .

598

und 599 nahmen ſie Dalmatien weg , welches ihnen aber 640 die Croaten und Serwier wieder abnah. men .

Hingegen erweiterten die Awarer ihr Gebiet

gegen Bayern zu , und beherrſchten auch das Land Allein . im achten zwiſchen der Ens und Save.

Jahrhundert wurden ſie von Karl dem Großen ſehr eingeſchränkt, unterwürfig gemachet, und zur Anneh. mung der chriſtlichen Religion gebracht. Endlich ſchlugen fie fich zu den Ungarn , welche aus Aſien famen . Dieſe lingarn find den lateiniſchen Geo ſchichtſchreibern ſchon zu der Zeit , als ſie noch in Aſien

Einleitung.

383

Afien waren , unter dieſem Namen , oder unter dem Namen Hunugari , bekannt geweſen , haben alſo denſelben nicht erſt von dem Schloſſe Hungu bekom . men , Von den griechiſchen Geſchichtſchreibern find

fie Türken genennet worden .

Im fediften . Jahr.

Hundert wohnten die Ueberbleibfel der Sunnen un. ter dem Namen der Türken nahe bey den Sineſen, und theilten ſich in die öſtlichen und weſtlichen. Zwi. fchen beyden war der Fluß Irtiſch die Grange.

Die

weſtlichen Túrken erfirecten ſich von dieſem Fluß bis an den aſowſden See , wurden aber im achten

. Jahrhundert fo eingeſchränfet, daß ſie zwiſchen den Stromen Wolga und Don wohnen, mußten.

218

ſie aber auch von dannen durch die Pazinaciten, ( Perfchenegen ) , vertrieben wurden , gieng ein Theil

4

von ihnen gen Oſten , und ließ ſich in einer Gegend von Perſien nieder , (davon vermuthlich die Geutigen Türken herkommen) , die übrigen aber wandten fich gegen Weſten , und nahmen Siebenbürgen und die Moldau ein , welches wahrſcheinlicher Weiſe vor dem achthundert und zwey und zwanzigſten Jahr geſchehen iſt. Sie wurden aber 889 von den Pa . zinaciten , (zu welchen vermuchlid, aud ) die Cunen oder Cumanien gehöret haben) aus Siebenbürgen vertrieben , und ließen ſich hierauf an der Leiſie nie. der. Im Jahr 896 nahmen fie auch das land zwis ſchen den Flüſſen Gran und Waag ein . So weit Pray. Nach dieſer Geſchichte , find, die Hungari und Ungri, .einerley Nation , und aus Ueberbleibfeln der Hunnen entſtanden. Allein , man kann dieſes nicht für gewiß annehmen.

Der Name Ungar

heißec

384

Das Königreich Ungarn .

Heißet eigentlich Uger ,

und

nach einer andern

Schreibart Uigur und Jugur , und iſt fein ei . genthümlicher Name, ſondern ein allgemeines Menn. wort , welches (eben ſo , wie die Wörter Tfitud , Scych , Uſtiak oder Ufdtak ; Barbar , u.a. m .) einen freinden , oder einen Ankömmling aus eis nem andern ( ande , bedeutet , und dieſe Bedeutung nod) Heutiges Tags in der mongoliſchen Sprache hat. Nad; dein Abulgaſi ſind die Ugern ein mongoliſdier Stamm , oder haben erſt im Lande der Mongolen , zwiſchen den Gebirgen Tugra Tubuſ luk , uſkun luf, Tugna und Kutt gewohnet : ſie ſind aber endlich un . ter einander uneinig geworden , und ein Theil von ihnen iſt in den alten Wohnſiken geblieben , ein anderer aber hat ſich an den Fluß Irtiſch begeben . Hiermit ſtimmen die ſineſiſchen Unnalen überein , welche Deguignes gebraucht hat ; denn nach dieſen Haben die Ugri in , der unterſten Gegend des Irtiſch . Fluſſes, oder in der Gegend von Turfan , gewohnet. Don hieraus miſſen ſie weiter gegen Weſten gegan gen ſeyn , ' und ſich da niedergelaſſen haben , wo jeßt auf und an dem Gebirge Ural die ufiſche Statt. Halterſchaft iſt, von welcher man Th. 1. S. 1078 f. nachſehen kann .

Denn der Mönchy Carpin , in der

Beſchreibung ſeiner im dreyzehnten Jahrhundert an. geſtellten Reiſe, nennet dieſe Gegend Groß . Un. garn , und Rubruquis ſtimmet nicht nur darinn mit ihm überein , ſondern feget auch hinzu, daß die Spra. che der Einwohner dieſer Landſchaft, mit der Sprache der Ungarn einerley rey, und daß die Ungarn von daher. Die ruſſiſchen Annaliſten müſſen geglaubt

gekommen waren.

V

Einleitung

385

geglaubet haben , daß ſich die Ugri noch weiter gegen Norden in die Gegenden , welche von den Wogulen bewohnet werden , hinbegeben hätten ; denn ſie nen nen die Wogulen auch Ugritſihi, o. i. Ugern , und dieſes iſt auch um deswillen nicht unwahrſcheinlich , weil die wogulſche Sprache mit der ungariſchen nabe verwandt iſt. Alsdenn hat auch das jugoriſche Geo birge , welches Rußland von Sibirien trennet, den Von dem Gebirge Ural, Namen von den Ugern. oder aus den Gegenden , wo die Quellen des Jaifs find , wurden ſie durch die Petſchenegen oder Pazi. naciten vertrieben , und begaben ſich an die Wolga. Wie weit ſich dieſes Volt in ſeinen Ståmmen , ſom wohl gegen Süden , als gegen Norden , ausgebreie tet habe, erheller in Anlegung der nordlichen Gegen . den daraus ,

weil die ungariſche Sprache mit der

Sprache der Wogulen , Eſthen ,

Sappen , Finnen ,

Sirjanen , Permiafen , Wotiafen , Tſcheremiſſen, Mordwinen und fondiſden Oſtiaken , verwandt iſt, Davon Johann Eberhard Fiſchers Unterſuchung de origine Ungrorum ,in ſeinen Quaeſtionibus Petro . politanis, nachzuſehen.

Gegen Süden Gat man eine

Spur von iğnen in dem Namen der Stadt Mads Tohar , deren Trůmmer im kaukaſiſchen Gouverne. ment des ruſfiſchen Reichs am Fluß Kuma, bis auf ben Keutigen Tag zu ſehen ſind, (S. 1253) und von wel. chen ich im fünften TheilmeinesTagazinsfür die Geographie und siſtorie , Abbildungen geliefert habe. Es hat nåmlid, dieſe Stadt von den Ungarn, welche eine Zeitlang in der Nachbarſchaft der Perſer gemolnet haben , ihren Namen , denn dieſelben nen . nen ſich nicht nur bis auf den Heurigen Tag ſelbſt Bb Wagyar 35.82 .

eich ngarn . U

Das Königr

386

, Demanen , Arabern , andern Wſianern, und von den ſlawiſchen Nationen an der Donau , 'alſo genennet, haben auch dieſen Namen ſchon gehabt, als ſie am

Jaif und an der Wolga wohneten , (Abul

gaſi S.45).

Die Ruſſen und Polen aber haben den

Namen Wengry oder Ungarn behalten ,

welchen

die Ungarn von ſich ſelbſt nie gebrauchet Haben . Alles bisher geſagte , erläutert aud ) , woher es fomme, daß die Sprache der Ungarn nicht nur mit der Spra. che der Wogulen , (welche ſidy felbſt wantſchi non , nen ), und anderer vorhin genannten Völker, verwandt iſt , ſondern auch tatariſche und alte perſiſche Wörter hat. Nach dem Bericht der ruſſiſchen Annáliſten, ſind die Ungarn oder Madſchar im Jahr 848 über Kiow nach der Donau gegangen , haben die Wolo. chen vertrieben ,

und das Land derfelben eingenom .

men , welches hierauf von ihnen benanntworden . Im Jahr 973 fiengen ſie an , die chriſtliche Reo

ligion anzunehmen , dazu ihr Fürfi Genſa den Weg bahnte , deſſen Sohn Stephan vermuthlich im Jahr 983 getauft; auch nach des Vaters y97 erfolgtem Tode , der erſte einheimiſche König der Ungarn gea worden iſt, doch hat er den föniglichen Titul erſt im Er führte die Jahr 1000 zu führen angefangen . chriſtlide Religion , in ſeinem lande vollends ein , er . Bisthimer , Ubtenen und Kirchen , und

ridyrete

wurde nach ſeinem Tode unter die Zahl der Heili. gen verſekt. Jøm folgten noch zwanzig einheimiſche Könige , von welchen der zwente , Namens Peter, fich und ſein Reich , jedoch ohne Einwilligung der Stånde, in des Kaiſers Heinrich des dritten Schue begab ;

Einleitung.

387

1 begab ; der dritte , Andreas der erſte, das Reich in 1 drey Cheile abtheilte, und einen feinem Bruder Bela, unter dem Namen eines Herzogthums , gab : der achte, Sadislaus der Heilige, Croatien und Dalma. tien an das Reich brachte, und in großer Hochad :tung ben ſeinem Volk ſtand ; der zwölfte. Genfa der zwente im Jahr 1154 die Sachſen nach Siebenbürgen rief; Der ſiebzehnte, Andreas der zweyte , dem Adel große Privilegien ertheilte, darunter auch dieſes war , daß derſelbe die Madyt haben ſollte, ſich den Königen zu widerſeken , wenn ſie etwas wider die Reichsgeſeke unternahmen , welches erſt 1687 aufgehoben und abs geſchafft worden ; der neunzehnte, Stephan , fidh Bul. garien zinsbar machte ; und der lebte , Andreas der britte, im Jahr 1301 ftarb.

Hierauf folgten zwolf

auswärtige Könige, unter weldien (udewig der erſte im Jahr 1356 das von den Venetianern fo oft ange griffene Dalmatien endlich ganz wieder mit dem Reich vereinigte ; Siegmund 1390 die Moldau und Wala. chen zum Abtrag eines Tributs nöthigte , aber hinges gen drengehn Städte der zipfer Geſpanſchaft, nebſt den Schlöſſern Podolin uud lublyo, und den dazu geþöri. gen zwey Stådten , und etlichen Dörfern , an Polen

1

verpfändete; Marthias Sd leſien , Mähren und laufik von den Böhmen erhielt. Unterm Uladislaus dem zweyten, kam das ius conſuetudinarium , melches tri

}

partitum genennet wird , zum Stande ; und Ludewig der zweyte, der fekte von dieſen Königen , blieb 1526 in einer unglücklichen Schlacht wider die Osmanen ben ý

Molacs. Hierauf kam das Reich an das Öſtreidiſche

i

Haus, bei welchem es bis auf dieſen Tag geblieben. Der erſte König aus dieſem Hauſe , Ferdinand der Bb 2 erfte,

388

Das Königreich Ungarn .

erſte, Karls des fünften Bruder, hatte mit ſeinem Nes benbuhler Johannes von Zapolya , viel zu ſchaffen , und mußte ihm Siebenbürgen, nebſt einigen Stücken von Ungarn , abtreten ; welche Abtretung fein Sohn und Nachfolger Marimilian der zweyte beſtåtigte. Rudolph der zweyte mußte das Reich bey feinen lebs zeiten ſeinem Bruder Matthias überlaffen , dazu die Ungarn halfen. Dieſem folgte Ferdinand der zweyte, Ferdinands des erſten Enkel, dem der ſiebenbürgiſche Fürſt, Bethlen Gabor, das Reich 1620 entriß, weldjes er aber im folgenden Jahre wieder abtreten mußte. Ferdinand der dritte ward in einen Krieg mit dem Für. ften von Siebenbürgen , Georg Rafoky, verwickelt ; und obgleich fein Sohn, Ferdinand der ſechſte, zum Ko nig von Ungarn erwähler und gekrónet wurde, fo ſtarb er doch noch vor ſeinem Herrn Vater ; und ſein Bruder Leopold'wurde 1654 König.

Unter ſeiner Regierung,

brachen die wegen der Religion und anderer Urſachen entſtandene Unruhen , in einen innerlichen blutigen Krieg aus , in welchen der GrafTököly die Osmanen mit hinein zog , die aber keinen Vortheil davon hat ten . Siebenbürgen wurde wieder an das Reich geo bracht. Die mißvergnügten Ungarn fanden hernach an Franciſcus Nafoky ein Haupt, unter welchem ſie nach dem Abſterben des Kaiſers Leopolo , deſſelben Nachfolger Joſeph zu bekriegen fortfuhren, bis ſie 1711 wieder zum Gehorſam gebracht wurden . In eben dieſem Jahre ſtarb Joſeph r und ſein Bruder Karl der ſechſte, welcher den Thron beſtieg , brachte 1718 durch den paſſarowiger Frieden den gangen temese warer Bannat , ein Stück von der Walachen , den größten Theil des Königreichs Serwien ,

mit der Haupt.

Einleitung. Hauptſtadt Belgrab ,

389

ein Stüc von Croatien und

Bosnien , und den übrigen kleinern Theil von Sla . wonien , an ſich . 1739 gieng Belgrad , nebſt gang Serwien , die öſtreichiſche Walachen , die Inſel und Feftung Drſava , das Fort S. Eliſabeth , und der erworbene norblide Theil von Bosnien , welcher an der Save liegt , wieder verloren, und gerieth den Osmanen in die Hände.

1722 wurde auf dem

Reichstage zu Presburg dem öſtreichiſchen Hauſe die Erbfolge in Ungarn

dergeſtalt verſichert , daß , ir

Ermangelung männlicher

Nachfornmenſchaft,

die

weibliche der königlichen Würde fågig ſeyn folle. Als daher Kaiſer Karl der ſedyſte im Jahr 1740 mit Tove abgieng, beſtieg deſſelben älteſte Prinzeſſinn, Maria Thereſia , Gemahlinn des nachmaligen römiſchen Kaiſers Franz , den ungariſchen Thron, und wurde 1741 gekrönet. Ihrem Gemahl trugen die Reidis. ſtånde 1741 die Mitregentſchaft auf : und eben dieſes thaten ſie auch 1765 deſſelben Sohn, dem Kaiſer Io . ſeph dem zweyten. 1772 wurden die an Polen verpfändet geweſenen 13 Marktflecken , wieder an Ungarn gebracht. . 14 Ein König von Ungarn wird nach Vora

ſchrift des Geſekes, der katholiſche, und wegen der Bemühung, welche Stephan der erſte in Bekehrung der Ungarn zum Chriſtenthum angewendet hat , der apoſtoliſche genernet , welchen Titel Pabſt Cleo mens XIII, 1758 für die Kaiſerinn Königinn Maria Therefia, und alle ihre Nachfolger beſtåtiget hat. Die Reichokleinodien , nämlich die goldene Krone, das Zepter , das Schwerdt des Königs Stephan, und der felben Mantel , Handſchuhe und Schuhe, imgleichen das ſilberne Kreuz , welches das Apoſtelamt bezeich. net , wurden ſonſt zu Presburg auf dem Schloſſe ver. Bb 3 wahrt,

Das Königreich Ungarn.

390

wahret , Kaiſer Joſeph der zweyte aber þat fie nach Wien bringen laſſen. Zu Presburg ſollte auch die Krónung durch den Erzbiſchof zu Gran geſchehen , K. Jofeph der zweyte aber þat ſich nicht fronen laſſen . Das Wapen des Königreichs, iſt ein in die Sånge Herab ge beil er Sdilo , deſſen rechtes Feld roth, und durch vier filberne Streifen geſpalten iſt ; das linke Feld iſt auch roig , und hat ein ſilbernes erzbiſchöfli. ches Kreuß, welches auf einem dreyfachen grünen Hügel ſteker. $ . 15. Ungarn iſt ſeit 1687 ein Erbreich des erz herzoglid) 8ſtreicifden Hauſes , und kraft der 1723

1

zu Presburg gemachten Verordnung, ſind auch die Prinzeſſinnen der Reichsnachfolge fähig, dergeſtalt, daß , wenn die Karolinſite Nachkommenſchaft erlo ſchen ſollte, die jofephinſde, und nach deren 26 . gang die leopoldinſche in Portugal, auf den Thron kommt. Der erſte Erbpring wurde egedeſſen ein Her. zog von Ungarn genennet, jeßt aber heißt er ein Erzo herzog von Deſtreich. 1764 Hat Königinn Maria Chereſia den Ritterorden des Heil . Stephani , erſten apoſtoliſchen Königs in Ungarn , erneuert , und am 5ten und often Man die erſten Großkreuze,

Com . menthure und Ritter aufgenommen. Das Ordens . zeidien ist das ungariſche Kreuß , welches die Groß. kreuke an einem breiten Bande von der rechten Sculo ter zur linken Seite Herab , die Commenthure aber an einem Bande auf der Bruſt , und die Ritter an dem Knopflochy tragen. Die Bånder ſind von ro . ther Seite mit einem grünen Streif an benden En. Neben dem Kreuß ſind die Buchſtaben M. T. den . gu fehen , es iſt auch die Umſchrift Publicum merito. rum praemium zu leſen .

Auf der Rückſeite des Sreu .

1 Einleitung .

391

Kreuges ſtehen in einem Kranz von Eichenblättern auf weißem Felde folgende Worte : Sancto Stephano Die Großkreuke tragen auf Regi I. Apoftolico. der Bruſt einen mit Silber geſtickten Stern , in delo ren Mitte ein Kranz von Eichenlaub , und darinn das Ordensfreuß zu ſehen iſt. S. 16 Es ſoll zwar ein König zu Ungarn in Regierungsſachen 'nicht thun was er will , ſondern die Reichsgeſeke binden ihm in vielen Stücfen die Hånde : die Macht defelben nimmt aber ſo wie die Gewalt der Fürſten anderer Staaten , je långer je mehr zu , und Kaiſer Joſeph der zwente hat ſie ſehr erhöhet.

Es gieber in Ungarn eben ſo wie in Eng.

land , eine Hofparthen, und eine Gegenpartşey ders ſelben : jene ſuchet die Königliche Gewalt;3: erwei. tern , dieſe bemůbet fich , dieſelbe in iþren alten Schranken zu erhalten . Seit Karfs des ſechſten Tobe , iſt jene allezeit die ſtärkſte geweſen , und die

:

Urſachen ſind leicht zu finden . Der Hof ertheilet den Magnaten hohe civil, und militäriſche Aemter nicht nur in Ungarn , ſondern auch in Deſtreich , und Sie verhena zieket ſie dadurch zu feiner Parthen.

rathen ſich gern mit dſtreichiſchem Frauenzimmer , und werden eben dadurch öſtreichiſch geſinnet. Die meiſten Magnaten wohnen zu Wien , laſſen auch ! daſelbſt ihre Kinder erziehen . Alle Biſchofe fino dem Hofe völlig ergeben .

Die meiſten Proteſtan . ten ſind auf mancherley Weiſe gewonnen , Raiſer Joſeph der zweyte , iſt von einem ungariſden

Magnaten erzogen worden , ſpricht die ungariſche Sprache ſehr gut, erſbeinet zumeilen in ungariſcher Kleidung , durchreiſet das Königreich oft, und läßt Bb 4 fich

392

Das Königreich Ungarn .

fich in demſelben allenthalben ſehen und ſprechen laſ ſen. Dadurch hat er die Herzen aller Einwohner des Reichs gewonnen . Um Hofe iſt eine ungariſche

Leibwache, und der Kaiſerl. Königl. Schwiegerſohn, ber Herzog von Sachſen Teſden , hat in Ungarn geo wohnet. Seit dem 1763 geendigten Kriege, liegen ver. ſchiedene deutſche Regimenter in Ungarn, hingegen die

>

Ungariſchen Regimenter ſind theils in Deutſchland, theils in Galizien und ſodomerien , theils in den italieniſchen Staaten des Hauſes Deſtreid), in Bee fakung. Jegt darf der Hof manches thun , das im vorigen Jahrhundert eine Empórung nach fich gezogen haben würde. Gefeßt auch , daß es eini. ges Geſchren erreget, fo iſt es doch nicht ſtarf, wah . ret auch nicht lange , denn das Volk wird von den Großen nicht mehr aufgewiegelt, ſondern vielmehr zum Gehorſam ermahnet. König Andreas der zwente, ertheilte den Edelleuten im Anfange des dren. gebnten Jahrhunderts , große Frenheiten . Sie rolli. ten weder Contribution , noch irgend eine andere Abgabe von ihren Güthern und Infaßen entrichten , hingegen mit ſolchen ihren Gütern und Infaßen willkürlich ſchalten und walten , daher jeder Reichss ſtand auf ſeinen Gütern auf gewiſſe Art einen Sans desherrn vorſtellte. Kein Reidysſtand follte gefång. lich angehalten , oder gar verurtheilet werden , er wäre denn gehörig vorgeladen , und durch Urtheit und Recht eines Verbrechens überwieſen worde: 1. Wenn eines dieſer dreyen Vorredyte verleßet wurde, ro ſollte ein jeder befuge reun,

ſich dem Könige uns geſtraft, und ohne des Verbrechens der beleidigten Majeſtåt beſchuldiget zu werden , öffentlich zu wi. derſeken . Daraus entſtanden ſo viel Unruhen, Meus

Einleitung.

393

Meutereyen und Empörungen , daß fchon K. Karl der fechſte dieſes lekte Vorrecht gang aufhob. Die erſten Vorrechte wurden im rechzehnten und ſieben . zehnten Jahrhundert, da das Haus Deſtreich we. gen der benachbarten Demanen ſehr viel nachgeben mußte , gewaltig ausgedehnet. Allein die Umſtån . de ihaben ſich geändert , und die Reichsſtånde wer . den nach und nach in die alten Schranken zurůd geo bracht , und für den Hof willfähriger gemacht. 9. 17 Die ungariſchen Reichsſtände werden

in 4 Klaffen getheilet; und in den Reichsgeſegen unter dem Namen Populus verſtanden. 1) Zu der erſten gehören die Prälaren ,

wel.

che die Gewalt über geiſtliche oder Kirchen . Sachen , und den Rang úber alle übrige haben , ausgenom. men , daß der Palatinus des Reichs den Rang Dieſe ſind : vor allen hat. a . Der Erzbiſchof von Gran und der von Jener iſt Primas von Ungarn , Obers Colozſcha. Secretår und Kangler, des påbftlichen Stuhls lega. Er tus natus , und Fürſt des heil. róm. Reidis . allein hat das Reche , den König zu frönen , iſt beſtändiger Obergeſpan der Graner Geſpanſchaft, macher Edelleute auf ſeinen Gütern , u . f. w. Unter ihm ſtehen fechs Bilihydfe, nåmlich der von Erlau , Witra , Raab , Vab , fünfkirchen und Vesz. dazu noch die griechiſchen Biſchöfe zu Ofen und Munfats , welche fish) mit der römiſchen Kirche Seine vereiniget haben , gerechnet werden können. prim ,

jährlichen Einkünfte wurden ehedeſſen über 360000 Gulden geſchåget.

Darunter Find 12 bis 13000 Gula

den, welche er als ehemaliger Oberwardein von gang Bb 5 Ungarn

394

Das Königreich Ungarn .

Ungarn aus den Bergwerken empfänget, nämlich von jeder Mark feinen Goldes i Fl. 36 Kr. und von jeder Mark Silbers neunzehn Denarien .

Der Erzi

biſchof von Colocfı, hat die zweyte Stelle nach jenem , und iſt auch Bifchof von Bars ; feine Suf fraganei find die Bildsfe von Hroßwiradein , Cranad , Zagrab , Sirmien , Bosnien , Sies benbürgen und Bukow in der Walacher. Am erſten Jänner 1777 iſt das große Erzbisthum Gran zerſtucket, und es ſind die Bisthümer Varallya in der Grafſchaft Zips , 17euſohl in den Bergſtädten, und Roſenau in der Gómörer Geſpanſchaft davon abgeſondert worden. Es ſind auch in eben demſelben Jahr noch neue Bisthümer zu Stuhl- (Veiſſens burg und Stein am Unger errichtet worden, welche unter dem Erzbiſchof von Gran ſtebeit. b. Die Biſchöfe , welche eben genennet worden. Sie ſtellen eine gedoppelte Perſon vor , nåmlich eine geiſtlide und weltliche, find meiſtens Ober. Geſpane der Geſpanſchaften , in welchen ſie ihren Siz Haben , Xus dem voro und die vornehmſten im Reichsrath. Hergehenden Verzeichniß derſelben erhellet, daß dreys zehn in lingarn , und vier auger Ungarn ſind. c. Die Aebte ,

unter welchen der Abt von des

Heil. Martins Abtey der vornehmſte war ; denn der heil. Stephan hat dieſe Abten geſtiftet, und der be ffand unter keinem Biſchof noch Erzbiſchof, ſondern Er fatte auch zwen unmittelbar unter dem Pabſt. Suffraganeos, welche waren der Abt im Walde Bafo . ny , und der zu Tigany. Es iſt aber die Abtey Martinse bag aufgehoben . d . Die vornehmſten Probſte ( Praepoſiti maio res, ) als der Probſt des Kapitels des Heil. Martins auf

395

Einleitung.

auf dem Hügel bey dem Schloſſe Zips , der presbur. giſche Probſt, der Probſt des Pråmonſtratenfer - Ora dens ju telesz , der großwaradeinſche z . Dieſe ja . ben auf dem Reichstage gemeinſchaftlich mit den Kan Von dem Probſt zu Stuhl. piteln eine Stimme. Weißenburg iſt noch anzumerken, daß er den ungani. fchen Biſchöfen gleicher. Anm . Die Paulliner und Pramonſtratenſer Mönche, wers den audy zu den Ständen gerechnet, und haben Sik uud Stim: me auf dem Reichstage bey den Magnaten .

2) Zu der zweyren Klaſſe , gehören die ja . gnaten oder Reichs Barone. (1 ) Die großeren Reichs -Baronie, welche vors güglich Reichs , Barone Heißen , und die Erzämter des Reichs verwalten , ( die aber nid)t erblid ) find ,) nåmlich der königliche Groß - Graf, Palatinus regni, welcher der vornehmſte ift,

in den wichtig .

ſten Angelegenheiten des Reichs des Königs Stelle vertritt , und alſo allezelt Locumtenens regius ift, an deſſen Stelle die Könige aud ) wool einen Locum tenentem , oder Statthalter regen , der nicht Große der Reid )s; und Sof Richter , Iudex der Ban ( Prorex) von Dalma. tien , Croatien und Slawonien ; der Schans Graf iſt:

curiae regiae ;

meiſter , Magiſter Tauernicorum ( Tavar heißt bey den Ungarn ein Sdan,) regalium ; oder The faurarius regni Ungariae, welche Würde , nachdem ſie über hundert Jahre erlediget geblieben , 1782 der Ober , Vund. wieder ertheilet worden ; fchenke ,

Magiſter

pincernarum ;

der

Ober.

Trucſes , Magiſter dapiferorum ; der Obers Stallmeiſter , Magiſter agafonum ; der Obers Rammerherr , Magiſter cubiculariorum ; der Thůrs

396

Das Königreich Ungarn .

Thůrbůrer oder oberſte Trabantenhauptmann, Magiſter ianitorun ; der hofmarſchal , Magi fter curiae ; und der Capitaneus von der könig . lich -ungariſchen Leibgarde , welcher 1765 eine Stelle unter den Reichs, Baronen bekommen hat. Siehe Car. Aldr. Belii, commentationem de ar. chiofficiis regni Ungariae , Ungari Baronatus vo. cant , Lipſiae 1749 in 4to.

Dieſe Reidis.Barone ha.

ben einen ſehr geringen Gehalt, wie denn in Ungarn die meiſten Aemter nur Ehrenſtellen ſind : Der Palan: tin aber hat einen Gehalt von 30000 Gulben . 2 ) Die kleineren Reichs Barone, oder die

Unter dieſen haben der Grafen und Freyberren. Preßburger Obergeſpann und die beyden Brons båter , und nach denſelben die übrigen Ober : Ges ſpane, (Supremi comites,) den Rang vor den übri. gen Grafen und Frenherren. 3) Zu der dritten Riaſſe gehören die Ritter oder Edelleute; die entweder adeliche Güter , ober nur adeliche Privilegien haben ;

jene werden nobi

les poſſeſſionati , dieſe aber armaliftae genennet. 4) Zu der vierten Klaſſe gehören die koniglis chen Freyſtadte, (ciuitates liberae atque regiae. ) welche mit zum Reichstage berufen werden , und nicht unter den Grafen ftehen , ſondern dem Könige zuge hören , (peculium ſacrae coronae , ) und einen Rath haben , dem gemeiniglich ein Stadtrichter und Bür. Sie ſind von zwiefacher Art : germeiſter vorſteht. (1 ) Solche, die unter dem königl. Schafmeiſter Rehen , und bey demſelben belanget werden müſſen , als ; Bartfa , Rarpona , Cafdhau, Comorra , Debregen ,

Eiſenſtadt ,

Eperies , Günz , Leuts

Einleitung.

397

Leutſchau , Miodra; Teuſat , Oedenburg, Ofen , Peſth , Presburg, Raab , Szathmar, Viemethi , Szakolga, Szeged , Tirnau , Jas grab in Croatien , und Jombor. ( ) Solde , die unter dem Perſonali praeſentiae regiae ftehen als : Altfohl, Baka :Banya, Bazin , Brezno, Cremnig , Bela-Banya oder Ungariſc : Teus ſtadr , Gran , Resmark , Rönigsberg, Leuts fchaú, Libech - Banya, nagy -Banya, Kleur Tohl, Ruſt , S. Georgen, Schemniz, Stuhl. Weiſſenburg, Trentſchin , Zeben , und andre mehr. Einige unter dieſen königlichen Fremſtådten fino Bergſtadre, und ſtehen unter ihrem Kammer . Grafen , welcher von der Hoffammer zu Wien ab . þånget; nämlich Cremnis , Schemnitz, beus ſohl, Libeth - Banya , Bela -Banya , Baka. Banya , Rönigsberg , von deren Gemeinſchaft getrennet find Rönigsberg und felfo -Banya, in der ſzathmariſchen Geſpanſchaft. Hiernächſt giebt es auch Freymárkte, oppi da libera , unter welchen : (1 ) die Sedizehn los genannte Scadre oder vielmehr Marktflecken in der Grafſchaft Zips. Dieſe ſind : Bela , Laibiß , Wenhardsdorf , Deutſchendorf Gniſen , Michelsdorf, Fieudorf, Riſtdorf, Vallens dorf , Fülk , Pudlein , Varallya, Magdorf, Georgenberg , Lúblau ,

und Durandsdorf.

(2) Die Seyducken - Flecken , (oppida Haidoni calia ,) welche beſondere Vorzüge haben , nämlich Vamos.Perts , Sathaz, Böszörmeny , Do. rog, Danas , Szoboszlo , Polgar.

( 3) Die

Bergflecken, Coppida metallica ,) als : Schmolz. nib ,

398

Das Königreich Ungarn .

nis , Schwedler, und ſo weiter, welche unter dem königlichen Fiſco ſtehen.

( 1 ) Die sufaren : Fle .

đen, (oppida militaria ,) der Serwier oder Kaiken, in der batſcher und bodroger Geſpanſchaft, und in temiefchwarer Gebiet , welche unter dem Hof.Kriegs . rath ſtehen . Mit der ungariſchen Ritterſchaft haben gleiche Freyheiten die erzbiſchoflidhen und biſchöflichen Edelleute, welche Pradialiſen genennet werden ; wenn ihr Adel vom Könige beſtåriget worden , wer. Unter den fie der Reichsritterſchaft gleid) geachtet. denſelben find heutiges Tags die Edelleute oder Vafallen des Erzbiſchofs von Gran , in zwery

Gerichtsſtühle, ( Sedes,) vertheilet, in den vaikis ſdhen und verebeliſchen ; ſie ſind von der Gerichts . barfeit der Geſpanſdiaften ausgenommen , und har ben ihre beſondern Obrigkeiten , ſowohl in Anſehung des Groß- Grafen, als der Vice Grafen und der Riche ter der Udelichen . S. 18 Ungarn wird von dem Könige und von den Reichsſtånden regieret , durch die Reichstage, die ungarifde soffanzley, den königl . Statthal terey, Rath, die königl. Kammer , die Geſpan . fdhaften , und den Senat der königl. Stádre. Ein Reichstag ( comitia regni,) welcher diaeta heißet , ſoll alle drey Jahre , wenn es des Königs, oder des Reichs Beſte zu erfordern (dieint , vom Kö. nige nach) Presburg, durch fón. Briefe ausge{chrieben werden . Soldem fon . Befehlzufolge erſdeinen alsdenn an dein bestimmten Tage die geiſt- und weltlichen Mae gnaten perſönlich in dem Zimmer der Magnaten ; die Ritterſchaft und Städte aber ſchicken zwen Abgeord . nete ,

Einleitung .

399

nete , welche in dem Zimmer der Stånde zuſammen kommen .

Die abwefende geiſt- und weltlid) e Magna.

ren ſchicken auch ihre Abgeordnete, welche man alle. gatos abſentium zu nennen pfleget.

Die Reid )s .

ſtånde tragen dem Könige ihre Ungelegenheiteii vor , und der König legt ißnen dasjenige , was er für ſich und für das gemeine Beſte verianget , in gewiſſen Propoſitionen por , zu weld; en ſie ihre Einſtimmung geben . Die volle ungariſche sofkanzley , welche os & manus regis genannt wird , iſt zu Wien , und wird von einem königlichen Hoffanzlei regieret , außer

welchem

geheime Referendarien ,

Secre.

tåre , und viele Subalternen darinn ſigen , welche Glieder derſelben von den faſt råglid) einlaufenden Targeldern unterhalten werden . Von den Referen . darien beſorget einer die Publica , zwen die Ungele: genheiten der Städte , einer die Juftig ,

einer die

Religionsſadyen , und einer die Angelegenheiten des ungariſchen Cleri. Sie fertiget die Edicte des Ko. nigs in bürgerlichen , Kirchen und rechtlichen Sa. chen für Ungarn und die einverleibten Reice, Croaa tien , Dalmatien und Slavonien , aus. Es gehören dahin alle Sachen ,

weldie an den Kinig gelangen,

und bloß von deſſelben Wilführ abhangen .

Alle die.

jenigen , welche perſönliche Audienz bey dem Könige haben wollen , u . f. w. muffen ſich zuerſt bey derſel. ben melden . Sie hat aber übrigens gar keine Vera bindung mit dem Reiche, ſondern richtet nur des Ko nigs Willen aus ; ſie hat aud) jekt keinen Einfluß mehr auf die Reditsſachen,

1 Die

400

Das Königreich iingarn .

Die hohe königliche Starthalterey (Conſi. lium regium Locumtenentiale,) zu Ofen (ehedeſſen zu Preßburg,) hat den Palatinum zum Präſidenten , und beſtehet aus 23 Råthen , welche deć Konig aus den Prälaten , Magnaten und Rittern willkührlich wählet. Kaiſer Karl VI Hat fie 1723 angeleget. Sie beſorget aus königlicher Gewalt die öffentlichen bůre. gerlichen Sachen , welche entweder durch die landese geſeke verordnet , oder mit denſelben übereinſtimmig find, in Ungarn und den einverleibten Reichen . Sie ſtehet unter der ungariſchen Hofkanzley , an welche alle bey derſelben angebrachte Sachen , gelangen, das mit ſie die Meynung dieſes Collegii prüfe , und ent. weder beſtätige oder åndere. Die königlichen Beo feble , welche in der Hoffanglen ausgefertiget werden, befördert der ſtatthalteriſche Rath weiter. Sie heiſ. fen Intimata excelſi conſilii regii Locuintenentialis. Die königliche Sdagkammer , wird in die

ungariſche und BergwerkssRanımer, (Ungarica et metallica camera ,) abgetheilet , und beſorget die königlichen Güter , Einfünfte und Rechte. Die hohe Königlich -ungariſche sofkammer , iſt von Presburg nach Ofen verleget worden, hat einen Pra. fidenten und 24 Råthe , und beſorget die fonigl. Do. mainen und Regalien ,die dem königlichen Fiſco ane Heim fallenden Güter ,

das Salz- und Zol . Wefen . Zu derſelben ſind die königl. Rammerverwaltung zu Caſdau , und in Anſehung der Contributionen

acht Provinzial-Commiſſariate, geleget worden . gene heißet die tonigl. zipfiſde Rammervers waltung , ( Adıniniſtratio Scepuſienfis ,) weil ſie in dieſer Geſpanſchaft ſo lange ihren Sie gehabt, bis Rai.

Einleitung:

401

Kaiſer Marimilian der zweyte fie 1567 nach Caſchau verlegt hat. Die königliche Bergwerkskams mer , hat ihren Sik zu Schemnik , beſorger in den Bergſtädten das Bergwerfs , und Münz - Weſen , und ſtehet unter der Hofkammer zu Wien. Unter derſelben aber ſtehen die Bergkammern zu Kremnić, Neufohl, in der zipfer Geſpanſchaft und zu Königsberg. Die ungariſchen Grafſchaften oder Geſpans ſchaften , Comitatus, auf ungariſch Varmegye, auf flaw . Stolice , find kleine abgemeſſene Provinzen , welche in zwey , oder mehrere Diſtricte abgetheilet find. Eine jebe hatte iğren Obergeſpan oder oberſten Grafen , einen Untergeſpan , Steuereinnehmer oder Rentmeiſter , ( Perceptor ) , notarius, obere Stuhlrichter , und Unter . Stuhl. richter. Die erſten nennet man im Lande Supre mos iudices , die anderen Vice-iudices nobilium, Eine jede Geſpanſchaft hat alle dieſe Beamten , wel. che adeliche, und in der Grafſchaft mit Gütern verv rehen ſeyn müſſen.

Der Untergeſpan Hat 600 Fl.

der Rentmeiſter 300 ,

Ser Notarius 300 , von den

Oberſtuhlrichtern jeder 150 , und von den Unterrich . tern jeder 50 Fl. , außer einigen Accidentien. Der Obergeſpan hat von dieſer Würde ordentlich 1500 Fl. Alle dieſe Beſoldungen werden aus der Geſpanſchafts . Caffe bezahlet. Der Name Obergeſpan , rühret daher , weil vor Zeiten , als die ungariſchen Könige ihr Kriegsbeer felbft anführten , die Herren der Grafo [dhaften diefelben begleiten , und ihnen mit ihren Solo daten zur Seite feyn mußten , deswegen ſie comites regis pießen . Dieſe Würde iſt in zwölf Geſpan . fchaften erblich , in andern aber iſt ſie entweder mit EC einem 2 TH. 8 2.

Das Königreich Ungarn .

402

einem hohen Reichsamte , oder mit der biſchöflichen 1

Würde verbunden . K. Joſeph II Hat die Obergeſpang. würde mit den iþr anklebenden Rechten , denjenigen , welche ſie hatten , gelaſſen , wirkliche zu der Vere waltung der Obergeſpansgeſchäfte aber andere Obergeſpane und königliche Commiffarien net , ¡ die allezeit gegenwärtig ſeyn müſſen.

ernens Die

Adel erwählet, und der oberſte Graf hat nur das Recht , drey vorzuſchlagen , aus welchen der Adel Dieſe Zemter bedürfen der Beſtår tigung des Hofs nicht , und dauren ſo lange, bis der

einen erwåblet.

Obergeſpan den Comitat erneuret , (welches alle ſechs Jahre geſchehen foll) , alsdann entweder andere Bee amten erwählt , oder die alten beſtårigt werden, wenn ber Adel mit ihnen zufrieden iſt. Auf den Verſamm . lungen oder Landtagen dieſer Geſpanfchaften , wers den bürgerliche, rechtliche und ökonomiſche Sachen Alle dieſe Geſpanſchaf. berathſchlaget und verfüget. ten haben ihre Benennungen von darinn belegenen Schlöſſern bekommen , wie denn der ungariſche Na. me Varmegye , eigentlich das Gebiet oder den Di. ſtrict eines Schloſſes bedeutet . Man macht aber in Ungarn einen Unterſchied zwiſchen Arx oder Caſtrum , Der lekte Name wird eigentlich und Caftellum . Ebedeſſen von den Sißen der Ebelleute gebraucht. als die Schloſſer den Feind noch aufhalten konnten , hieß der Befehlshaber auf einem Schloß , Caftella nus ,

auch Comes caftri,

heutiges Tags ,

da die

meiſten Schlöſſer verwüſtet ſtehen , ſind keine Caſtelo lane mehr in Ungarn . S. 18 Die öffentlichen Einkünfte, in den Contributionen ,

Zollen ,

beſtehen

Bergwerfen und Mines

Einleitung

403

Mineralien , Salzwerfen , ( die der Krone zugehoa ren ) , fönigl. Domainen , zu welchen die Frey , und Bergſtådte gehören , und in den Gütern und Reche ten , welche dem königlichen Fiſcus bengelegt ſind. Kaiſer Joſeph der zweyte hat das Steuerweſen auf Die Contribution von ganz einen andern Fuß gefekt. Ungarn , betrug fonſt jährlich 3,300000 Gulden , 1764 Alle Abga. aber war ſie auf 4,700000 Fl . gefekt. Die Berg. ben und fönigl. Einkünfte ſind erhöhet. werke zu Schemnik und Kremnik werden faſt ganz Sie haben von 1740 bis allein vom Hofe gebaut. 73 faſt für hundert Millionen Gold und Silber auf gebracht, welche zu Kremnik ausgemünzet worden . Seit 1773 liefern ſie jährlich für drey Milionen Gold und Silber , ohne die andern ganzen und halben Mes talle zu rechnen . 1770 beſtunden die königl. Ein. künfte in folgenden Summen.

Das Camerale betrug Das Montaniſticuin Das Bancale Das Politicum

Das Contributionale Das Commerciale

4,253003 Fl. 5,300118 , 42 Kr. 2,890731 58992

.

15 20

5,473579 : 27728 ,

15 * 44

:

18,004153 Fl.

18

Kr.

ſ. 19 Das Königreich Ungarn kann leicht eine Kriegsmache von 100000 Soldaten auf die Beine bringen ; darunter 50000 Mann in Sold fteben , und eben ſo viel von den Provinjen geliefert werden , dies jenigen ungerechnet, welche die einverleibten Reiche ſtellen.

Die Infanteriften heißen Seyducken , oder Cc 2 nach

1

404

Das Königreich Ungarn.

nad ) einer fönigl. Verordnung von 1741, Suſareit zu Fuß ; und die Reuter Suſaren . Der Name suszar bedeutet den zwanzigſten , von dem ungar ſchen Wort Susz, zwanzig , denn vermoge des Ver: trags von 1445 , mußten zwanzig Uckerleute einen Reuter ſtellen , welcher Buszar genennet wurde. Geſpanſchafrs beyducken ſind Infanteriſten , weldie den Geſpanſchaften dienen , um die Straßen von Dieben , Räubern und andern Unordnungen Sie werden auch zum Dienſt der rein zu halten . Geſpanſchafts. Beamten , und zur Züchtigung der. jenigen gebraucht, welche wegen ihrer Verbrechen eine geringere als die Todesſtrafe auszuſtehen haben . Die Panduren ſind ſehr gute Soldaten . Sie kóns. nen alle Beſchwerlichkeiten des Kriegs ausſtehen , ſcheuen keine Widerwärtigkeit und Gefahr , und find dem Sandesgerrn und ihren Officiers ſo getreu , daß fie das Entweichen für das verabſcheuungswürdigſte Verbrechen halten . Unſtatt des Soldes , beſigen und nugen ſie gewiſſe Sandſtriche in Croatien , Sla . wonien und im temeſdywarer Gebiet , ner Contribution unterworfen .

und find fei.

9.20 Die Verwaltung des Rechts in bůr iſt bis 1786 febr ungewiß , par .

gerlichen Sachen ,

teyiſch und deſpotiſd) geweſen ,

in dieſem Jahr aber

ſind die Gerichtshöfe und Gerichtsſtühle geändert und Die oberſte Juftigſtelle , der die verbeſſert worden. höchſte Einſicht und Leitung der untergeordneten Ges richte oblieget, hat den alten Namen der Septemviral Tafel, ( Tafel der 7 Männer , aus welchem ſie ans fänglich beſtand ,) behalten , es darf aber fein Rechts Handel an dieſelbige zur Reviſion gebracht werden , es ware

Einleitung

405

wåre denn , daß die ſtreitenden Partenen zwen ver'. ſchiedene Rechtsſprůche erhalten håtten . Hernach iſt ein anderes Appellations, Gericht únter dem alten Na. men , einer königlichen Tafel, errichtet worden, weldjes zwiefache Sißungen bat , und alle aus den Geriditshöfen in Ungarn und Kroatien errichteten Gerichtshofen der erſten Inſtanz, durch Appellation 'an ſie gelangende Prozeſſe revidiret. Bende Collegia find zu Ofen , und halten ihre Sißungen das ganze Fahr hindurch. Jedes Hat einen Präſidenten, Vice. Präſidenten , und eine Anzahl adelicher Benſiker. Die 4 Diſtrict- Tafeln ,' und in Kroatien die Ses richts : Tafel , find Geridite der erſten Inſtanz. Die Comitats, iind privilegirre Bezirks - Ges richte, ſind für Streitigkeiten von geringermn Belange, denn alle wichtigere werden gleid, bey den Diſtrict. Tafeln angångig gemachet. Auch die Gerichte der freyen königl. Städte, und die Berg Gerichte, für das landvoll aber die Berrenſtühle, und für die Markıflecken der Local Wagiſtrat , ſind auch Gerichte der erſten Inſtanz, die niemand vorben ges hen fann ; doch wird der Prozeß in dieſen Gerichten nur ſummariſch behandelt, undwer mit dem Urtheils. ſpruch nicht zufrieden iſt, kann den Prozeß vor dem Comitatsgericht mit allen Formalitäten anfangen. Alle genannteGeridyte, halten ihre Sißungen das ganze Jahr hindurch . Die Gerichtchöfe und Gerichte, welche andere Namen hatten, find aufgehoben. Cris minal Prozeſſe der adelichen und unadelichen , mer. ben bey den Comitatsgerichten und Localmagiſtråten als der erſten Inſtanzen abgehandelt , von denfelben aber gehen ſie , wenn ſie adeliche Perfonen betreffen , Cc 3

406

Das Königreich Ungarn .

an die königliche Tafel, und wenn ſie unabeliche und bürgerliche betreffen , an die Diſtrictstafeln. , Den adelichen ſtehet auf dem Wege der Gnade der Recurs zu der Septemviral-Tafel, und den unadelichen zu den königlichen Commiſſarien offen.

Die Beyfi

Ber der Gerichte müſſen die Prozeſſe eigenhåndig auss arbeiten , auszeichnen und vortragen , denn die Landa richter (Protonotarii) ſind abgeſchaffet. Es iſt eine neue Gerichts , und Projeß · Ordnung herausge kommen . Das geiſtliche Gericht, welches zur Unterſuchung Sachen verordnet iſt, wird in jedem geiſtlichen der

1

Bisthum und Kapitel gehalten, von dar die Sachen nach dem Się des Erzbiſchofs, hierauf an den påbfte Was aber der Primas regni lichen Hof gelangen. entſcheidet, wird nicht an den Nuncium apoſtolicum 1 gebracht. 8. 21 Ungarn wird von allen in Ober- und Dies der: lingarn abgetheilet , aber doch auf verſchiedene Weiſe. Einige nennen den Theil von Ungarn , wel. cher über der Donau nach Gallizien zu liegt , Ober . Ungarn , und den unter der Donau liegenden Wies det:Ungarn ; andere aber ziehen von der Caſchauer Geſpanſchaft bis da ,mo das temefchwarer Gebiet und die firmiſche Geſpanſchaft zuſammen ſtoße, eine Mit. tagslinie , und nennen den nach Abend zu liegenden Theit Nieder - Ungarn , und den , welcher nach Morgen zu liegt, Ober's Ungarn. Den legten wollen wir folgen. Hiernächſt iſt Ungarn im corp.

iur, ungar, von 1723 art. 31 , in Anſehung der Regie rung , nach den vier Dicaſterien in vier große Rret. fe, und zwey und funfzig Geſpanſchaften , (co mita .

Einleitung. mitatus , ) dle auf ungariſch Vármegye,

407 heißen ,

abgetheilet. Eine große Veränderung hat K. Joſeph II da . durch machen laſſen , daß er die Abtheilung der Geo ſpanſchaften nach Nieder- und Ober Ungarn , und nach den 4 alten Kreiſen , aufgehoben , und dafür eine Abtheilung in zehn Gebiete, eingeführet hat, bey welcher die Geſpanſchaften der Königreiche Slas ponien und Kroatien mit unter den ungarſchen ſtehen .

Anmerk. Ich hatte ſowohl die ungariſchen als flawoni. fchen Namen der Derter ſo geſchrieben , wie ſie ausgeſprochen werben múffen , wenn ſie nicht dadurch für die Ungarn und Glawonier unkenntlich geworden wären : es iſt aber ihre Uus : ſprache erſt in Klammern beygefüget worden. S wird in un: gariſchen wie roh , er wie zich oder tſch , i faſt wie g ausge: ſprochen .

Ec4

Das

408

Das

Königreich

und

Sclavonien

Syrmien.

ie Charte von Sclavonien , Iſtrien , Cårnthen , Bosnien , Kroatien , und Dalmatien , die Geb. Münſter gemachet hat , iſt ſehr klein , roh und unvollkommen . Auguſtin sirſdvogel,zeicha nete eine etwas beffere , welche Ortelius lieferte , und nachher 1571 auch eine von Illyrien , an das licht ſtellete, die Joh. Sambucus gezeichnet, und die Sage unterſchiedener Derter , die in der Hirſchvogelſchen Charte unrichtig angegeben war, verbeſſert hatte. Mercator zeichnete von Sclavo. nien , Kroatien , Bosnien , und einem Theil Dal. matiens, eine neue Charte , welche Wilb. Blaeu und Matthias Quade wiederholten, die aber auch noch nicht viel bedeutete. Der Feldmarſchall Graf von Rhevenhüller ließ 1720 durd, Joſeph Ga. dea , eine große Charte von Sclavonten und Syrs mien auf zwen Bogen zeichnen , und zu Wien durch Joh. Adam Sdymußer in Kupfer ftechen. Dieſe Charte hat aber viel Fehler , iſt auch nicht graduirt. Die Homanniſchen Erben zu Nürnberg , brachten dieselbige 1745 auf einen Bogen , und gaben ihr auch Grade der Länge und Breite, die aber unrichtig ſind.

S. 2. Es iſt gleich viel, ob man den Namen des Landes Sclavonien

oder Slavonien ,

fchreibet. Die

1

{

Das Königr. Sclavonien und Syrmien . 409 Die erſte Schreibart, iſt den alten griechiſchen , las teiniſchen und frånfiſchen Schriftftellern , den Ur kunden , Münzen und Siegeln der ehemaligen Kja nige des Landes , wenigſtens vom eilfren Jahrhun. dert an , gemäß , und jeßt wird in der Landesſprache der Name im Anfange mit den Budiſtaben Szl gea ſchrieben ; hingegen die Ruſſen , Niederdeutſchen , Holländer, Englander, Dánen und Schweden, ſchrei. Das Königreich ben den Namen mit einem Si. grånget gegen Abend an Kroatien , auf den drey übrie gen Seiten aber iſt es ' von den fchifbaren Stromen Drave , Save und Donau , von den Illyriern Dunag genannt, eingeſchloſſen . vereinigen ſich mit dem dritten . nirgends eine Brücke gebauet.

Die benden erſten Ueber dieſelben iſt

Durch dieſe Strome

wird es von Ungarn , Servien und Bosnien, geſchie. den. Mit Kroatien und den geſammten Militår. Diſtricten , mag es 879 Quadrat -Mellen groß ſeyn .

Ś 3 Es wird in ſeiner Länge von einer Kette hos Her Berge durchſchnitten , welche fid) aus Kroatien hieher erſtrecket , immer ſchmåler wird, ſich bey Vu.. Fovar der Donau nähert, ben flok dieſelbige berüh. ret , hierauf vom ſüdlichen Ufer den Strom abwärts gehet , und endlich eine Stunde unterhalb Carlowik aufhöret. Die gid) ſten Berge ſind , nach des Ree gierungsraths von Taube Verſicherung, 458 Klafter, ober 2748 Schuhe über die Strome erhoben . Alle Berge Find entweder mit Gebüſchen , oder mit hohen Bäumen , oder mit Weinſtöcken , oder mit Obſtbåu . men bewachſen . Die Wälder ſind beträchtlich, und beſtehen aus Eichen , welche bis Syrmien einen faſt an einander hangenden Wald ausmachen , hiernachft aber Cc 5

410 Das Königr. Sclavonien und Syrmnien . aber aus Büchen , Birken , Pappelbäumen, Erlen , türkiſchen Haſelnußbäumen , wilden Obftbåumen, und wilden Weinſtocken.

Die meiſten Arten der zahmen

Obſtbäume, ſind ziemlich ſelten , weil ſie nicht gee nug angepflanget werden, doch ſind außer zahmen Ka . ſtanienbäumen , bie Zwetſchen- und Pflaumen Båu. me häufig , weil die Jüyrier aus den Früchten der. felben ihr angenehmſtes geiſtiges Getrånfe brennen , welches ſie Rafy , ouch Schlivavicza, ober Slibo. wice nennen, auch iſt an Kaſtanien. Mandel- und Feia gen Bäumen fein Mangel.

Die weißen Maulbeer.

båume, werden um des Seidenbaues willen in großer Menge gezogen.

Das Süßholz iſt überflüßig vor.

handen, mit Weinſtocken ſind alle Hügel und niedrige Berge bepflanzet , und man hat weiſſen und rothen Wein . Der beſte und meiſte Wein wachſet in Syra mien , und der daſige dunkelrothe Wein , ift ſo gut als der von Montepulciano. Es giebet fehr viele Sümpfe, Moråſte und Seen im Sande , und die ers ſten , welche durch Wustretung der Strome entſtehen, mogen wohl den achten Theil des Bodens einnehmen . Sie verderben durch die faulen Dünfte , welche aus ihnen aufſteigen , die Luft, und es würde alſo ſehr nůklich ſeyn , wenn ſie abgezapfet würden. Von da an , wo die vorhin beſchriebene Kette von Bergen aufhöret, bis Zemlin , und auch am ſüdlichen Ufer ber Drave, und nördlichen der Save, beſteher Syr. mien theils aus kleinen Hügeln , theils aus flachem {ande und fruchtbaren Ebenen , untermiſchet ſind. und alſo ſchwer.

die mit Moråſten

Der Boden iſt ein fetter Shon, Man dünget die Zecker nicht,

und beſtellet ſie überhaupt ſchlecht ; fie tragen aber doch

1

*

Das Königr. Sclavonien und Syrmien . 411 boch Weißen , Mayb , ( Kuferucz ,) Roggen , Hafer , Erbſen , Kichern , Bohnen , Linſen , Dinkel oder Opelt , Hitfe und Sdwaden , (welcher in Syrmien wild wächſet,) reichlich. Wenn der 2cfer gedünget wird , und die Witterung vortheilhaft iſt , vermehret ſich der Weißen dreyßigfältig, und im ungedüngten Boden zwanzigfaltig , der Mayß aber auf gedüngten Zecfern dreytauſend , und auf unge. düngten, zweytauſendmal .

Der Mayß hat oft deh .

ren , die einen Schuh lang ſind. Dus Getreide blei. bet in Haufen unter dem freyen Himmel liegen , wird auch nicht gedroſchen , ſondern von Pferden und Dohſen ausgetreten. Der Tabacksbau wird gut ge trieben, vornemlich in der Poſcheganer Geſpanſchaft, und der daſige Tabac giebet dem türkiſchen nichts nach.

Die Viehzucht iſf die Hauptbeſchäftigung Die Ochſen werden an den Pflug und

der JÄyrier.

Wagen geſpannet, und häufig nach Deutſchland jum Verkauf getrieben . Die Büffel werden zu der Ar beit gebrauchet, aber nicht gegeſſen. Die Kühe nu. Bet man nicht zu Butter , Kåſe und Milch, und die meiften Kuhkålber werden geſchlachtet. Die Schwei. nezucht iſt ſehr ſtarf, doch wird wohl der drite Theil der Schweine aus Servien und Bosnien hieher ge. trieben , und in den Eichen und Büchen Wäldern ge måſtet. Es werden ſehr viele Schweine nach Deutſch land getrieben . In dem eigentlichen Sclavonien iſt die Schafzucht geringe , in Syrmien iſt ſie ſtärker und beſſer, auch die Wolle iſt daſelbſt beffer.

Auch

die Pferde ſind in Syrmien größer und beſſer. Alles Pich muß im Winter und Sommer unter freyem Himmel bleiben , weil feine Stålle gebauet werden und

1 412

Das Königr. Sclavonien und Syrmien.

und vorhanden ſind. Die Båren , Wolfe, Füchſe und Marder , thun dem Vieh großen Schaden . Suchſe und Dachſe werden um der Felle willen verfol. Die Fiſchottern ſind häufiger als die Biber. get. Die Bergmauſe oder Biliche, arif illyriſch Puh, find Håufig .

Die Udler , Gener , Habichte und Falken ,

thun viel Schaden .

Ebbares wildes Geflügel iſt

überflüßig vorhanden , als , Trappen , Berg. Haſels Birf- und Reb . Hühner , Faſanen , Schnepfen, wilde Gänſe und Enten , Wachteln , Droſſeln , Krainmsvögel , u . a . m. Die drey Hauptſtrome, und die kleinen Flüſſe und Bäche , find ſehr fiſch. reich . Der Haufen wird in der Donau häufig gefangen , und aus ſeinem Rogen Caviar , aus Die der Schwimmblaſe aber Fiſchleim bereitet. Heuſdrecfen thun oft großen Schaden , deſto můß. lider aber iſt die Seidenraupe , welche man feit 1761 ziehet , und ſchon viel Seide gewinnet.

Der

bergichte Theil des Landes , hat einen Ueberfluß an Die bem warmen Bådern und Geſundbrunnen. rühmteſten Båder fino zu Daruvar und Patracz. Im Sommer iſt es hier ſehr heiß ; der Winter iſt zwar im Gebirge ſcharf , dauert aber felten über zwen Monate.

Im Gebirge iſt die Luft rein

und geſund , an den drey Hauptſtrömen aber ſehr ungeſund. $.4 Schöne Städte , Marktflecken , Schloſſer, und abeliche Höfe, muß man hier nicht ſuchen, viele mehr iſt die Bauart ſehr ſchlecht. Wenn man Pen terwardein und Efek ausnimmt ,

To find die Gaſo

ſen in den Städten nicht einmal gepflaſtert,

und man

Das Königr. Sclavonien und Syrmien, 413 man findet ſelten ſteinerne Häuſer ,

ſondern die

meiſten ſind von Holz und Leimen erbauet , auch zum Theil mit Schilf und Rohr gedecket. Die beſten Gebåude ſind die Kirchen , Klöſter und Ka. fernen . Die ehemals ſo häufigen Einfälle und Permiſtungen der Osmanen und Tataren, haben die Edelleute abgeſchrecket, ſich ſchöne Wohnfiße zu er . bauen ,

und obgleich mehr als die Hälfte des Kör

nigreichs aus abelichen Herrſchaften und Landgů . tern beſtehet, fo find doch die Beſißer derſelben faft immer abweſend , und wohnen in Ungarn , Dörfer find erſt ſeit Deutſchland und Italien. der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts angeleget , denn vorher gab es nur zerftreuete Bauerhäuſer, fie find aber reßr ſchlecht gebauet. Die adelichen Herrſchaften find zu groß , daher ſdylechter Unbau. und geringe Bevölkerung des Landes rühret. Die alten Einwohner nennet man Illyrier , fie fino aber ſlavonifdhen Urſprungs , und durch Neuan kommlinge von ihrer Nation aus Ulbanien , Dale matien , Kroatien , Bosnien , Servien und an . dern Ländern , von Zeit zu Zeit verſtårket worden , welches auch noch geſchiehet. Inſonderheit kam 1696

in diefes

durch Krieg faſt

ganz, entvolferte

land , ein zahlreicher Haufen Illyrier aus dem OsmaniſchenGebiet. Mit den Styriern haben ſich viele Wlachen oder Walachen vermiſchet , und derſelben Sprache angenommen . Die nach und nach bieber gekommene Deutſchen ,

mogen etwa

den zehnten Theil der Einwohner ausmachen. lingarn waren ehedeſſen zahlreich , aber. nad, und nach wieder verloren.

Die

haben ſich Die Sis

geus

414

Das Königr. Sclavonien und Syrmien .

geuner find nun Bauern , und dürfen nicht mehr herum ziehen , daher ſie hier und in Ungarn Bleus bauer genennet werden .

Die Einwohner werden

jährlich gezåhlet, die Magnaten und Edelleute mit 1777 hat man in ihrem Geſinde ausgenommen . eiche nur 235000 Menſchen ge. dem ganzen Königr chen und ſclavoniſchen Soldaten funden , die Geiſtli mitgerechnet, jedoch die deutſchen und ungariſchen Eine kleine Anzahl Regimenter ausgenommen . für ein land von dieſer Größe und Fruchtbarkeit. Es ſind zwar in neuern Zeiten neue Juyrier aus dem Venediger Dalmatien , und ziemlich viele Deutſche, welche hier ſo wie in Ungarn insgeſamt Schwaben genennet werden , hieher gekommen , und haben ſich angebauet : weil ſie aber fich felbſt Haben Håuſer bauen müſſen, und die Edelleute ihnen nur brey Freyjahre gegeben , ja ſie wohl gar zu Leibeigenen gemacher haben : ſo ſind ſie größtens Die Sauptſpras theils wieder davon gegangen . che des Landes, mird zwar die illyriſche genannt, die alte wahre illyriſche Sprache,

iſt aber nicht

welche nur noch auf dem Gebirge in Albanien geres det wird , ſondern eine Mundart der ſclavoniſden, die feit dem vierzehnten Jahrhundert mit der tůra fiſchen Sprache vermiſcht iſt , daher ,

um die neu

aufgenommenen Worte auszudrücken , noch ein Buchſtabe erfunden worden , ro daß die illyriſche Sprache jekt 45 Buchſtaben þat. ſoll die beſte Mundart geredet werden .

In Syrmien Die deut.

lihe Sprache breitet ſich in Sclavonien , ſo wie in allen ungariſchen Ländern , ſtart aus , weil die Edelleute und andre fich gern mit deutſchem Frauen zim.

Sclavonien und Syrmien .

415

zimmer verheirathen , welches die Kinder deutſch er . ziehet , weil die jungen Edelleute zu Wien in der thereſianiſchen Ritterſchule deutſch erzogen werden, auch zum Theil unter der adelichen ungariſchen leib. wache daſelbſt dienen , und weil in Sclavonien deut, fche Regimenter liegen, auch deutſche Bauern, Hand. werfer , Poftknechte und Poſtmeiſter hier ſind. Zu Efek und Peterwarðein wird faſt lauter Deutſch ge ſprochen , auch eben dafelbſt, ſo wie zu Zemlin und an einigen andern Orten , in den katholiſchen Kir. chen wechſelsweiſe deutſch und illyriſch geprediget. Zu Zemlin und an andern Orten werden deutſche Schauſpiele aufgeführet , in den Soldaten . Bezirfen der Grånz. Regimenter , unter weld )en viele Deutſche Officiere dienen , werden alle offentliche Geſchäffre in deutſcher Sprache abgehandelt, und bey den Waffen . übungen aller Regimenter, wird die deutſche Sprache. gebrauchet. Die ungariſche Sprache nimmt je långer je mehr ab. $ . 5 Aus des Apoftels Paulus Brief an die Ká.

mer Kap. 15, 19 erhellet , daß er die driſtliche Reli. gion in Illyrien verfündiget hat.

Im Anfange

des vierten Jahrhunderts war die damalige Stadt Syrmien der Siz eines Biſchofs , und wenn die Stadt Murſia va geſtanden hat , wo jeßt Eſet iſt, ſo iſt auch daſelbſt in der erſten Hälfte des vierten Von dem dier . Jahrhunderts ein Biſchof geweſen . zehnten Jahrhunderé an , da die Osmanen in dieſe lån. der einzuðringen angefangen haben , ſind viele in der chriſtlichen Religion ſchlecht unterrichtete Illyrier ju Von 1557 der muşammedaniſchen Religion getreten . hieber Ungarn aus Lehrbegriff reformirte an iſt der gefom .

1

416 Das Königr. Sclavonien und Syrmien . gekommen , und im fiebzehnten Jahrhundert Harten die Reformirten ein Paar hundert Kirchen ; 1776 aber waren nur noch drey reformirte Kird dörfer in der Gegend von Effek. Jegt ſind die Einwohner des Königreichs theils der rechtgläubigen Morgenlån. diſchen oder griechiſchen , theils der römiſch - katholi. ſchen Kirche zugethan. Ein Theil der erſten at fich unter gewiſſer Bedingung und Vorbehale mit der lekten vereiniget, und dieſe mit gerechnet , machen die römiſch -katholiſchen etwas mehr als die Hälfte aller Einwohner aus , es iſt aber nur ein einziger roo miſd). fatholiſcher Biſchof im Sande , welcher ſich 1739 aus Bosnien hieher begeben , und dem die ades liche Herrſchaft Diakowar zu ſeinem Unterhalt anges wieſen worden , wie er denn auch in dem Marktfile . cen dieſes Namens wohnet. Mit dem Bosniſchen Bisthum , von weld; em

er ſich benennet , iſt 1773

auch das Syrmiſche vereiniget worden .

Seine Ein.

künfte betragen jährlich 25000 Fl . von welchen er aber , ſo wie alle farholiſche Biſchöfe in den ungari. ſchen Ländern , jährlich 21 Procent zur Erhaltung der Feſtungen abgeben muß. Zu ſeinem Kirchſpren: gel gehöret Syrmien , nur Vukovar ausgenommen , welcher Ort unter dem Bisthum Fünfkirdien ſtehet, und ein kleiner Theil von Sclavonien , inſonderheit Eſſef und die umliegende Gegend.

Die übrigen ka.

tholiſchen Gemeinen in Sclavonien, ſtehen unter dem Biſchof zu Agram in Croatien. Die Franciſcaners månche haben funfzehn wohlgebaute Kloſter , in wele den 1776 über 1200 Kopfe waren , die Kapuziner 1, und nach Poſdega find 6 Paulinermånche geſeßt, und

8

Sclavonien und Syrmien .

i

417

und anſtatt der ehemaligen Jeſuiten das Schulweſen zu beſorgen . Die Juyrier und Wlarsen ,

welche der

rechtgläubigen morgenlandiſchen Rirde zu . gethan ſind , bürfen, verinoge landesfürfil. Veroro, nungen , von den Katholiken nicht Schismatiker ge. nennet werden , ſondern idir Unite , und in of fentlichen Befehlen und Verordnungen heißen ſie, die uns liebe- illyriſche b7ation .

Jür Kirchen.

weſen war einer großen Verbeſſerung bedürftig, welche auch auf einer unter dem Vorfiß eines landesfürſtli. chen weltlichen Commiſſarius, am 21 Septemb. 1776 zu Carlowiß angefangenen , und am dritten Jänner 1777 geendigten Kirchenverſammlung ihrer Biſchöfe, Die Schlüſſe ber. zu Stande gebrad)t worden . felben haben nicht nur die landesfürftliche Beſtäti. gung erhalten , ſondern ſind auch in ein förmliches landesfürſtliches am zweyten Jänner 1777 unterſchrie. benes Edict gebracht, und als ein öffentliches Landese gerek in Deutſcher und illyriſcher Sprache zu Wien gedruckt worden . Ein Auszug daraus , ſlebet oben 6.1463 in der Einleitung zu Ungarn. Der Metro : polit und Erzbiſchof , welcher 1740 ſich von Belgrab nach Carlomiß begeben hat , wird von der illyriſchen Nation ein Patriarch genannt , und den vier an . dern Patriarchen der rechtgläubigen morgenländiſchen Kirche gleich geachtet.

Er bekommt zwar von dem

Landesfürſten den Litul eines Patriarchen nicht, aber gemeiniglich welcher ihm

den Charakter eines Geheimenraths, den Litul Ercellenz, bringt. Sein

Kirchſprengel erſtrecket ſich jeßt nur über Syrmien, über die Stadt Effet und die benachbarte Gegend, und a 16.82

418

Sclavonien und Syrmien .

und über die Bukowina.

Ein meſyreres von demfero

ben ſtehet oben S. 1464. Unter ihm fehen adyt Biſchöfe, nåmfich von Temesvar , 'von Caranſebes, moelcher zu Werſchen wohnet , von Bacs , welcher zu Neuſatz wolnet , von Urad , von fen , von Pau kracz , von Karlſtadt , welcher zu Koftainicz wohnet, und von Raducz .

Con allen dieſen Biſchöfen iſt

nur einer in Sclavonien , nånilid, der von Pakract. 1776 waren im ganzen Lande adytzehn griechiſche Mönchenflöſter, und unter denſelben einige pråd tige Gebäude ,

es nahın aber die Kirchenverfammlung

von 1776 zum Grundſak an , daß alle Klofier, die nicht wenigſtens acht Möndie , die Vorſteher mit eingeſchloſſen , aus eignen Mitteln unterhalten fonn. ten , eingelen ' , und mit andern verbunden werden follten. Ihr Vermögen beſtehet mehrentheils in {åndereyen und Grundſtücken , felten in Capitalien .

. 6 An die illyriſchen Biſchöfe und morgenlån . biſdjen iſt 1776 der landesfürſtlidje ernſtliche Zuftrag ergangen , land . Schulen anzulegen , und fleißig zu beſuchen , damit die Jugend beſſer unterrichtet write de : es iſt auch 1776 zu Wien ſowohl ein Sandbuch für Schulmeiſter der illyriſchen nicht Unirten Privat. Sduulen in den kaiſerlich) - königl. Erblanden, als ein von der carlowißer Verfammlung beſtätigter Catechismus in illyriſcher, wladiſcher und deutſcher Sprache auf landesfürftliche Koſten gedruckt , und in allen ungariſchen Ländern ausgetheilet worden , ele ner zu gleicher Zeit gemadsten Schulordnung nicht zu gedenken. Die jungen Geiſtlichen dieſer Kirdje, werden bloß in den Klöſtern unterrichtet , und zwar kur in der Theologie.

Für die tatholiſchen Jayrier, befor.

! Sclavonien und Syrmien. beſorgen die Franciſcaner das Schulweſen .

419 Die

hohe Schule zu Poſega , iſt nach Aufhebung des Jeu ſuiterordens eingegangen , und 1776 in ein Gymnaa fium verwandelt worden, deſſen Beſorgung ſechs aus Ungarn berufene Paulinerniðnche bekommen haben. Die Jflyrier haben eine natürliche Gabe und Neigung zur Dichtkunſt, welche aber nicht ausge bildet iſt. Die Geleþrten aus dieſer Nation , han ben ihre Gelehrſamkeit in andern Låndern erlanget . Es iſt hier ein großer Mangel an Handa $. Fabrifanten und werksleuten , Manufakturiſten , Künſtlern , daher die rohen Materien , welche das

"

Auf land hervorbringet, nicht verarbeitet werden . landesfürſtlichen Befehl rollen die Geſpanſchaften und der befehlende General, ausländiſche Handwerks leule in das Land ziehen , es laſſen ſich auch von Zeit zu Zeit deutſche Handwerksleute Riefelbſt wohnhaft nieder , ſie rollen auch aus den Sandeskindern infona Das derheit Maurer und Zimmerleute madjen . {andvolt macht faſt alles , was es nöthig hat, ſelbſt. Für die Wollenmanufaktur in dem Marktflecken Pode der zum Schloß Daruvar gehört, welche deutſche Tuchmacher errichtet haben , waren 1776 noch keine Färber und Tudſcheerer vorhanden. borje,

8.8 Zur Handlung find die Jüyrier fehr gee $ .

fchickt und geneigt,

allein die Schifffahrt auf den

bren Stromen , wird durch Unciefen , Sandbanke, Bäumeund Schiffmühlen ſehr beſchwerlich gemacht. Die vornehmſte Ausfuhe des Landes , beſtehet in natürlichen Landesgütern , Dornehmlid) in Getreide und Schlachtvieh ; jenes gehet ſeit 1770 vornehmlich nach

Italien , über Siume,

theils auf der Saver theils

1

420

Sclavonien und Syrmieni.

theils auf Wagen und Packpferden ,

und die Zus.

fuhr deſſelben betråzt jährlich etwa eine halbe Mile lion Gulden : dieſes wird am meiſten durch Ungarn nach Deutſchland getrieben , auch etwas nad Ve . Die geſammte Uusfuhr der Landesgüter nedig. :( bringet jahrlich wenigſtens anderthalb Millionen den fremden Geldes hieber ,

und die Einfuhr aller

fremden Waaren mag ungefähr eine halbe Million Das {and wird aber doch nicht reicher, betragen. weil der Vortheil im Handel durch die Abgaben an ben Landesfürften , und durch die Einkünfte der ade. lichen Güter, welche außerhalb Sandes verzehret mer: Wenn man holländiſche ben , wieder fortgehet. Duraten

und deutſches

Conventions , Geld

aus.

nimmt, ſo iſt hier fein anderes Geld als öftreichiſches gewöhnlich. 0.9 Dieſes Land gehörte vor Alters zu Panno. nien , den Namen Sclavonien aber hat es von den 1 Sclaven bekommen , weldie ſich hier im Fiebenten Jahrhundert feftfesten.

Im achten Jahrhundert

hatte es Herzoge , und wie es ſcheinet, ſo wurde es im neunten Jahrhundert in Ober- und Nieder. Scla . vonien getheilet, gerieth aber bald darauf in die Ges walt der Ungarn. Der ungariſche König Stephan vereinigte 1031 Ober . Sclavonien mit Croatien. Der heilige {adislaw

vereinigte es wieder mit

Un.

garn . Der von dem König Matthias 1470'ernannte Bann von Croatien uno Slavonien , fog bas land aus, ohne es gegen die Osmanen zu vertheidigen, wele che es 1471 zum erſtenmal verwüſteten , und 1563 behielten.

1587 wurden die den Osmanen entriffene

Stücke von Ober . Sclavonien , ju Croatien geſchla . gen

Sclavonien und Syrmien.

421

gen , und das vereinigte Sand ward das Reich Sclá. Donien genannt . Nacher ward auch Nieder : Scla. vonien den Osınanen abgenommen, und hieß das Reid ) Sclavonien , jenes Croarien aber mit Ober . Sclas vonien zuſammen genommen , wurde Croatien ges nannt. Seit dem carlowiger Frieden von 1699 , ift clavonien beſtåndig bey dem Hauſe Deſtreich ge. blieben , es war aber durch die Osmanen gar ſehr vere wüftet. Bis 1745 beſtund es bloß aus Soldatene Bezirfen , die Einwohner waren frey von aller Con . tribucion , aber verpflichtet, die Grånzen befekt ju halten , und in Kriegeszeiten viele Truppen zu ftellen. 1745 fieng man an, einige den Soltaten entbehrliche, und abwärts von den türkiſchen Grången liegende Bezirke, anders einzurichten , Gelranſchaften daraus zu machen , dieſelben der Krone lingarn einzuverlei. ben , die Einwohner von allen Kriegsdienſten zu be . freyen , und ihnen eine måßige Contribution aufzuleo. gen . Dieſe Einrichtung kam erſi 1747 völlig zum Stande , und die Bezirke der Grång. Soldaten wura den auch beffer eingerichtet.

Nun hat mehr als die

Hälfte des Landes eine bürgerliche Verfaſſunga und iſt in drey Geſpanfchaften eingetheitet , welche der Krone Ungarn einverleibet ſind , nichts beſtoweniger wird Sclavonien als ein Zugehör des Königreichs Croatien angeſehen , deſſen Stände 1729 auf dem Reichstage zu Presburg verlangten, daß Sclavonien wieder mit datien vereiniget werden mögte. Die bürgerliche Provinz , heißet hier , ſo wie in allen un gariſchen Ländern , das Provinciale, und die Sola datenbezirke werden das Militare genannt. In jea legen ſich die Einweyner bloß auf Ackerbau, DO 3 Vieh.

nem

422

Sclavonien und Syrmienta

Viehzuche, Fiſcherey und andere bürgerliche Gemere be , in dieſem

auch auf den Krieg, ſo daß fie Bürs

ger , Bauern und Soldaten zugleich find . S. 10 Die Reichsſtånde, welche Siß und Stima me auf den ungariſden Reichstagen haben , es iſt aber ſeit 1764 keiner gehalten worden .) ſind nur in 1

den Geſpanſchaften , und ihre Reichsſtandſchaft Håne get bloß von dem Beſik adelidher Güter ab. Sie Find der Biſchof zu Diakovar, oder der katholiſche Biſchof von Sclavonien , die Magnaten oder Reichs Barone , d. i : die Fürſten , Grafen , und Freyherren , die gemeinen Edelleute , welche adeliche Güter befizen , und die königliche Freyſtadt Poſega . Der Biſchof und ein jeder Magnat hat eine beſondere Stimme , alle Edelleute einer Geſpanſchaft haben 24 . ſammen nur zwey Stimmen , und die Stadt Pos ſega hat eine Stimme,

Die Edelleute ,

welche

keine adeliche Güter befiken , ſondern Bauerhofe be. wohnen , Heißen hier ſo wie in den andern ungaria ſchen (åndern , Urmaliften, und werden als Bauern angeſehen , von welchen man ſie auch im außerlichen Nicht nur die Anfehn - nicht unterſcheideni fann. Bauern , ſondern auch die Bürger in den Städten und Marktflecken , ja auch viele begüterte Kaufleute, Alle Illyrier , die 169o aus den find Seibeigene. türkiſchen Ländern hieher gekommen, find Leibeigene geworden : Kaiſer Joſeph II aber hat die Leibeigeng In fchaft hier eben ſo wie in Ungarn, aufgehoben. ben Geſpanſdaften wird die landesfürſtliche Gewalt burch die großen Freyheiten der Reichsſtånde vere minderé, in den militäriſchen Bezirfen aber, in wels hen keine Reichsſtände ſino , regieret der König un 1

1

Sclavonien und Syrmien.

423

umſchrår.ft , jedoch mit Beobachtung der Reichsa gefake. 9.11 In jeder Geſpanſchaft, ſind ſo wie in tino garn und Kroatien , ein Obergeſpan , (der aber gea meiniglid) abweſend , ) ein Untergeſpan , ein Renta meiſter, ein Einnehmer , ein Secretår nebſt Untere Secretåren , vier Ober Stuhlrichter, zwolf Unter. Stuhlrichter. Der Obergeſpan wird vom Könige ernannt, alle übrige Beamte werden von den Ma. gnaten und begûterten Edelleuten erwählet , doch bringt der Obergeſpan bey jeder Wahl drey in Vore ſchlag , aus welchen einer erwählet wird. Alle Bee amte můffen Edelleute fenn , 1777 aber beftunden fie aus gebornen Ungarn , Kroaten und Deutſchen , weil man die Sclavonier zu ſolchen 2emtern noch nicht fähig hålt. Weil die drey Geſpanſchaften aus adelia chen Gütern beſtehen, welche die Erbgerichtsbarkeit haben , ſo werden daſelbſt die meiſten Rechtsſachen von den adelichen Gerichten entſchiedent. Betrift die Sache einen Våuriſchen Edelmann , ſo wird ſie ben dem Untergeſpan und den Stuhlrichtern im Namen Der Herrſchaft , unter welcher der Edelmann einen Bauerhof beſiget , ordentlich entſchieden. Von den adelichen Gerichten fann an das Geſpanſchafts-Gen richt , und von dieſem in gewiſſen Fällen an die for migliche Tafel appelliret werden . Von dem Stadte gericht zu Porega , gelangen die Sachen auch an die Fönigliche Tafel. In weltlichen Rechtsſachen und peinlichen Fällen , haben die Sclavonier von der ka. tholifchen und griechiſchen Kirche , wenn ſie weltlin chen Standes find, einerter Obrigkeit , Richter und Gelegeá aber in Sachen , welche das Religionsme. DO 4 fen

424

Sclavonien und Syrmiert.

i fen und die Privilegien des illyriſchen Volfs betref. fen , ſtehen die Sclavonier und alle Illyrier unmit. telbür unter der 1767 ju . Wien errichteten Kaiſers dich sköniglich-illyriſchen Sof-Deputation , vor welche auch alle Angelegenheiten der griechiſchen Geiſts lichen gehören , ſie mögen aus den milfråriſchen Beo zitten , oder aus den Geſpanſchaften ſeyn . Wer mit derſelben Ausſpruch nicht zufrieden iſt ,

kann

ſeine Beſchwerden bey dem Landesfürſten ſelbſt an. bringen. 9. 12 Das land mag für den Sandesfürſten jähr. ſich ungefähr eine Million Gulden aufbringen , von welcher etwa die Hälfte zur Beſoldung der Beamten und Kriegesvolfer, und zur Erhaltung der Feſtungen , öffentlichen Gebäude , ac. wieder angewendet wird. Der wichtigſte Theil derſelben , beſtehet in der Con tribution , welche ſiark ift , und bloß in den drey Gea ſpanſchaften jährlid 170000 fl. betråget , und in den 1 Rollen von aus- und eingehenden Waren , welche in. ſonderheit zu Zemlin beträchtlich ſind . In den Freyſtadten

Pakracz, Daruwar , gülof und Kuhes

wo , hat der Landesfürſt auch den Zehenten von Gea treide , Ziegen und Schafen . F. 13 Die Geſpanfchaften deſſelben, fommen here nach unter den ungariſchen vor , weil es dem König. reich Ungarn ganz einverleibet , und von dem mili. tairiſchen Grång. Bezirf, fommt unten eine beſondere Machricht vor.

1

Das

425

1 Königreich

Das

und

Kroatien

Dalmatien. Croatia ,

. , , ſtrecket fich vom Fluß Drave bis an das adria. tiſche Meer , grånget gegen Morgen mit Sclavonien uno Bosnien , Krain . ab ,

gegen Abend mit Steiermarf und

Die Kroaten ſtammen von den Sclaven

und ſind zur Zeit des Kaiſers Heraclius im

Jahr 640 in dieſe Gegend Dalmatiens geformen , Sie aus welcher ſie die Awaren vertrieben Gaben. haben ehedefſen Krwaren oder hrowaten , d. i. Bergbewohner , geheißen , worauis die Griechen Chrobaten machten.

Im aditen Jahrhundert ento

ſtanden unter den Kroaren Herzoge ron Kärnthen, Friaul,

Sclavonien , Krotien oder Dalmatien zu Jabra, Kroatien oder liburnia , und der Awaren in

Pannonien.

Sie geriethen zwar unter die Oberþerra

ſchaft Kaiſers Karl des Großen , machten ſich aber von 845 bis 853 großtentheils frer , und vereinigten fich mit den Bulgaren.

Die dalmatiſchen Kroaten

unterwarfen ſich 867 dem griechiſdien Kaiſer , und nachher erhob ſich unter ihnen ein Sidnig Eriſcimir, deſſen Sohn Dircesla 994 vom Hofe zu Conftansia . Demetrius Zwini. nopel als König erkannt wurde. mir , ein jüngerer kroatiſcher König , entzog Dalma. tien der griechiſchen Hoheit,

und ließ diefes Reid ). DO 5 nidid

426

reich

Das Stönig

ien

Stroat

.

nicht aber Kroatien, 1079 vom Pabfte zu einem Ko. nigreich erheben. Mit Kroatien wurde durch Freys gebigkeit des ungariſchen Königs Stephan , 1031 Dber . Sclavonien vereiniget. Nach des Demitrii Zwinimir Tode , wurben Ober. Sclavonien , Kroa . tien und Dalmatien von dem ungariſchen Könige dem heil. Sadislao erobert , und mit Ungarn wieder ver . bunben . Dalmatien warb von Kroatien getrennet, dieſes aber 1091 als ein Zinsreich dem ungariſcher Prinzen Ulmus gegeben , doc , tam es durch freywil. lige Ergebung der Kroaten 1102 wieder an den König Coloman von Ungarn , deſſen Nachfolger feit dieſer Zeit ſtets Könige von Dalmatien und Kroatien gea wefen find. Im Jahr 1587 legte man die den Dse manen entriſſenen Stücke von Ober - Selavonien zu Kroatien , und nannte das vereinigte land das Reich Sclavonien . Als nachher auch Nieder.Sclavonien den Osmanen enfriſſen wurde , nannte man dieſes das Reid Sclavonien, und jenes Kroatien mit Ober . Sclavonien zufammengenommen , Rroatien.

(fa

1. TH. S. 1664) Es iſt eine unrichtige Benennung, wenn der Theil Kroatiens , der an der See liegt das bergigte Dalmatien , und der jenfeits der Berge belegene Theil , bas mitcellåndiſche Dals. matien genennet wird. Als der Name Dalma. tien aufhörte, wurde von den einheimiſchen ganz ll. lyricum und Liburnia für Kroatien genommen , und dieſes in das roche, weiße und fervifche Rroatien eingetheilet. Das jebige Königreich Kroatien iſt zwar mit Ungarn verbunden, aber dem ſelben nicht einverleibet, ſondern ein beſonderes Reich , welches kein jekiges Erbwapen 1496 bekommen hat..

Die

E 7

*

Das Königreich Kroatien .

427

Die Kroaten kommen in der Sprache unter allen ſogenannten ilyriſchen Völkern den Polen am näch . Ein jeder Kroat iſt ein geborner Soldat , und ſten . wird von Kindesbeinen an in den Waffen geüber. Sie ziehen mit Freuden in den Krieg , und bleiben ungern zu Hauſe. Sie werden zu Kriegeszeiten mit Gewehr verſehen , und empfangen den gewöhnlichen Sold. Ihr ( and bringet guten Wein ; ſie bayen aber nicht mehr, als ſie ſelbſt verbrauchen . Sowohl im Sande ſelbſt , als außer demſelben im Kriege , leo ben ſie wie Brüder zuſammen , und ſtehen alleſamme für einen Mann .

Bisweilen fangen ſie Unruhe an,

weil ſie dem Landesfürſten von ihren Zecfern Grunds zins entrichten müſſen ; denn ſie wolten entweder Sol. baten oder Bauern ſeyn , und in jenem Fall von ih. Sie find theils der rå. ren Leckern nichts erlegen . miſch - katholiſchen , theils der morgenländiſchen oder griechiſchen Kirche zugethan , welche lezten fich audy. Altgläubige nennen , aber keine aclide Güter bee fißen dürfen , doch fönnen fie bey den Kriegesvölkern Die geiſtliche zu den höchſten Ehrenſtufen fteigen. Macht des Königs in Kroatien iſt eben ſo groß als in Ungarn , er kann Biſchöfe und Zebte ein - und abu feken , Kirchenverſammlungen anordnen und habe Die Grånze zwiſchen dem Militair und ten, u . 7. w . Provinzial. Diſtricte , Save und Kulpa qus .

machen feit 1781 die Flüſſe

Nun

1

428

Das Königreich Ungarn .

Nun folgen die neuen Gebiete von Ungarn . I Das Raaber Gebiet, von 7 Geſpanſchaften in Nieders Ungarn. : 1 Die Wieſelburger Gefpanfdaft , unga. riſch Ioſony, Vármegye , Mofonienſis comita. tus , wird meiſtens von Deutſchen , auch von einigen Ungarn und Kroaten bewohnet. Sie iſt durchgehende ebeni, an Getreide und Gras ſehr fruchtbar, und füh ret ihren Ueberfluß nach dem Lande unter der Ens. Die Laitha theilet ſie in zwey Diſtricre, nämlich in den Diſtrict dieß- und jenſeits der Lairba. 1) Diefſeits der Leitha liegen (1) Altenburg , ungariſch Altenburg , 0 , vår, Stare Brady , ein gut gebaueter Marktflecten , bey welchen die Laitha in die Donau fließet, und deffen Schloß faſt ganz in ein Kornhaus vermandelt worden iſt. Er iſt großrentheils ein Eigenthun der ungariſchen Königinn , aber , nebſt der darzu gehörigen Berrſchaft, welche jáhrs lich 80000 ft. einbringt, und dem Schloß Halbthurn , 1766 von der Kaiſerinn Königinn Maria Thereſia deroſelben Frau Tochter Maria Chriſtina , Gemalinn des Prinzen Albert von Sachſin , angewieſen worden . Durch dieſe Gegeriden gehet kein anderer Weg aus Ungarn nach Deutſdia land , als neben dem Schloß hin. Er wurde 1529 vor den Demanen eingenommen , 1605 angezündet, 1619 bemächs tigte ſich ſeiner Bethlen Gabor, 1663 zogen ſich hier die taiſerl. Volker zuſammen, ( 2 ) Carlburg , ung. Oroszvár, ein Marktflecken und Caſtel der Grafen von Zichy , an einem Arm der Donau , ! ( 3 ) Rajfa, Radendorf, ein Marktflecken , woſelbſt viele a deliche Höfe find, an einem Arm der Donau.

(4) Bits

Ungaru an ſich ſelbſt.

428

(4) Kitſee, ung. Tidptſény, ein geräumiger Markt fleden, mit einem Caſtel, in einer großen Ebene. Er ges hört den Fürſten Eferhazy. ( 5 ) Porz -Weuſiedl, ung. Caithfalu, ein Marktfles den , ain gluß Laitha. Es iſt hier eine gute Leder -Mas nufactur. 2) Jenſeits der Gaitha. ( 1) Wieſelburg , ung : Moron oder Morony, ix alten Urkunden Muſun , lat. Muſonium , ein offener Marktfi.ckrn , in einer fruchtbaren Gegend , der zum ale tenburgiſchen Gebiet gehöret. Ehebeffen war er eine feſte und anſehnliche Stadt. ( 2 ) Kleuſiedl, Tefider , ein Marktfleden in einer Gegend, die guten Wein und Getreide trågt , liegt am Neuſiedler See , und gehöret zur altenburgiſchen Herrs . fchaft. Es war hier ebedeffen ein königl. Reſidenzſchlos. (3) Gallos, Gols, ein wohlbewohnter Marktflecken, der zum Aderbau bequem iſt, und faſt mitten in der Pros vinz liegt. (4) Jorndorf oder Zundorf, und Weiden, Viden, artifleden. ( 5 ) Jois, Mois , X7yulas , ein Marktfleden. ( 6 ) Salb-Thurii, ung. Fél:Toróny, Hemipyrgum , ein wohlgebauter Ort mit einem königl. Luftſchloß, welches Kaiſer Karl VI erbauen laſſen , liegt an einer Änhdhe in einer ebenen Gegend , zwiſchen Faſanenhöfen. Eben ges nannter Karl verfiel hier am zwölften Oct. 1740 in eine tödtliche Krankheit , an welcher er zu Wien ſtarb. 1768 iſt er auch der Erzherzoginn Maria Chriſtina gegeben worden. (7) SzentMiklos , St. Viiklas, Fanum S. Nicolai, ein Caſtel, welches mit einem Graben umgeben iſt , nebſt einem Pfarrdurf dieſes Namens, liegt in einer freyen Eber ne , und gehöret den Grafen von Zichy.

2 Die

Dedenburger Geſpanſchaft ,

Soprony Vármegye,

ung .

Sopronienfis comitatus,

grånget an Deftreich, und hat im obern. Theile Deut. fche,

Das Königreich Ungarn .

430 ſche ,

im

untern

Theile

aber

Kroaten zu Ein .

wohnern.

Sie iſt eine der beſten , fruchtbarſten und volfreichſten in Ungarn , daju die Nadbarſchaft von Deſtreich viel beytrågt, dahin die Einwohner ihre Landesfriichte, verkaufen . Die Obergeſpanſchafts würde befiket das Haus Eſterhazy erblich . Sie bes ſtehet theils aus fünf Diſtricten , und find theils aus unterſchiedenen Herrſchaften. 1) Der obere Diſtrict außerhalb des Raab . fluſſes.

Er enthält

1) Drey königl. Freyſtábte. (1 ) Dedenburg oder Edenburg, ung. Soprony (Schoprony, ) oder Suprun , latein . Sopronium oder Sempronium , die beſte unter den fðnigl. Freyſtådten in dieſem Diſtrict. Sie iſt zwar nicht groß , aber wohlges bauet und bewohnet , und hat große Borſtådre. Es find hier unterſchiedene kathol. Kirchen und Kisfter, feit 1779 ein Domkapitel, ein lutber. Gymnaſ.und eine luther .Kirche, an welcher zwey Prediger ſtehen . Die Einwohner legen ſich oprnehmlich mit großem und ſorgfältigem Fleiß auf deit Weinbau. 1605 wurde die Stadt vergeblich belagert, 1619 von Bethlen Gabor eingenommen , und 1676 brannte fie meiſtentheils ab. Unter den Landtagen , welche hier gehalten worden , iſt ſonderlich der von 1681 merkwürdig , als auf welchem den Proteſtanten vom Kaiſer Leopold die freye Religionsåbung beſtåtiget, aber auch ziemlich ſtart eingeſchrånket worden. Der hieſige Wein iſt beliebt und berühmt, und wird ſtark ausgeführet. • (2 ) Ruſt, Ruftinum , eine kleine Stadt , welche aber doch unter die königl. Freyſtådte gehåret; Sie liegt nicht weit vom Neuſiedler See , und ernábret ſich vom Siſchfang , Uders und Wein - Bau. Der legte iſt anſehns lich und vortreflich), und der hieſige edie Wein iſt nach dem Lockaier der ſtårtſte. Nach Deutſchland , Polen und Stalien , werden viele bandert Eymer Deffelben geſchidt, und

Ungarn an ſich ſelbſt.

431

und daſelbſt für Socaier getrunken . Ob er gut ſey, průc fet man daran , wenn er wie Weingeift brennet. Man darf nur ein Meffer ins Glas tunken , und an das Licht halten . ( 3) Eiſenſtadt, ung. Kissmárton, flaw . Zelezne Mieſto, eine königl. Freyſtadt. Die Stadt liegt an den Grängen vou Deſtreich , hat auch ehemals eine Zeitlang dazu gehöret , bis die ungariſchen Stände 102 ; auf der Dedenburgiſchen , und 1637 und 38 auf dem preßburgi: Then Reichstage um die Wiedereinlöſung dieſer verpfåns deten Stadt angehalten. 1768 iſt ſie größtentheds, und mit ihr zugleich der efterhaziſche Pallaſt abgebrannt. 1770 blieben in einer neuen Feuersbrunſt, nicht viel über zwan zig Hauſer übrig. 2 ) Folgende Marktfleden Dundelskirchen , fehér : Egyhas, deffen weiffer Bein berühmt iſt , Groß Höflein , Maria Lauretten , gemeiniglich Corctto ang. Låretom , Margerethen, ung. Szent Margita , der bemauert iſt , S. Martin , ung. Szent Marton , mattersdorf, ung . Tagy -Marton , Velenmark, ung. Tyel, Purbadh ung . Felete: Daros, welcher bemauert iſt. Hier iſt guter Weinwachs. 3) Die Herrſd ;aften des fürſtlichen Hauſes Eſtera gazy. ( 1 ) Die Serrſchaft iſenſtadt , von dem Schloß benannt, welches bey Eiſenſtadt auf einer Ánhdhe liegt. (2 ) Die Serrſchaft Sornſtein , deren Hauptort der Marktflecken Bornſtein , ung. Száruks , iſt. ( 3) Die Serrſchaft Landſee, von dem Marktfleden Landſee , ung. Lanſée , benannt. (4 ) Die Serrſchaft Kabersdorf, deren Hauptort Kabersdorf, ung. Kábold , ein Marttflecken ift. ( 5 ) Die Herrſchaft Sorchenſtein , welche den Nas men von dem feſten Bergſchloß forchenſtein, ung. Srák: no, hat , unter welchem das Pfarrdorf Forchtenau , ung. Srakno a Ullya , lieget,

( 6 ) Die

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Das Königreich Ungarn .

( 6 ) Die Herrſchaft Cuthaus. ( 7 ) Breitenbrunn , ag. Szeless Rut , ein be mauerter Marktfreden , woſelbſt guter Weinwachs iſt. (4) Rroisbad) , ung. Ratos , das iſt , Krebsbach , ein Marktflecken mit einern Caftel, gehöret dem Biſchof zu Kaab . 2 ) Der obere Diſtrict, iinterhalb Deden , burg , in welchem ein Marktflecken. 1) Die Marktfleden Steinberg , ung. Kohalom , Cutzmannsburg , Schützen , ung. Lovó, und Szents Witlos. 2 ) Schottern , Sajtór, ein Pfarrdorf, bey welchem das prächtige Laſtſchloß Lfterházy, ung. Erzerbáz, nicht weit von dem Neuſiedler See. 3 ) Der untere Diſtrict außerhalb des Raab , luſſes , zu welchem die Marftflecken Cſepreg oder Tſarapring,

Beo und Sajroskál gehören.

4) Der obere Infels Diſtrict , in welchen bie fürſtlich efterhagiſche Herrſchaft Rapudar , von einem Marktflecken und Schloß benannt. 5 ) Der untere Inſel : Diſtrict,

in welchem

die Marktflecken Cſorna , Szany und Szill.

Der

erſte liege auf der Inſel Kabakos , die Rabau , Rabae inſula, die vom Fluß Raab gemacht wird, hat ein geräumiges und fruchtbares Feld , in welchem eí. ne Probſter des Prämonſtratenſer - Drdens ift , ber er zugehöret. 3 Die Raaber Geſpanſchafc, ungår. Gyor Vármegye , Jaurienſis comitatus , wird gröſtens theils von Ungarn bewohnet. Der jedesmalige Bio ſchof zu Raab, iſt Obergeſpan diefer Grafſchaft. Sie hat 4 Diſtricte.

1) Der

Ungarn an ſich ſelbft. 1) Der Schokurer Diſtrict.

433 Ein Dorf aus .

genommen , welches deutſche Einwohner hat , baben alle übrige Ungarn . 2) Der Tokorcher Diſtrict.

Er hat Deute

ſche und Ungarn ju Einwohnern , und beſtehet aus lauter Dörfern . 3) Der wüſte Diſtrict, an der Donau . Ja einem Dorf wohnen Deutſde , in einem Kroaten, in allen übrigen Dertern, Ungarn. Der merkwürdigſte Ort iſt Szent-Marton , Martinsberg, Fanum S. Martini, ein ehemaliges Kloſter , in Geſtalt eines Schloffes , an eis heni Berge, welcher davon Mons facer Pannoniae genennet worden . Herzog Genſa hat es angefangen , K. Stepban aber vollendet , und mit Benedictiner : München bereket, Der Abt führte den Situl eines Erzbiſchof , und ſtand unmittelbar unter dem Papſt, es iſt aber das Kloſter 1786 im December aufgehoben worden . Der Berg iſt ganz mit Weinſtocen bepflanzet, und rund um ihn her, iſt eine große und fruchtbare Ebene. 1594 wurde das Klofter bon den Demanen eingenommen , 1597 aber von den Rai ferlichen wieder erobert. 4 ) Der Tſchilisksfer Diſtrict , am Fluß Iſchilis, in welchem Haab, ung. Gyor, Jaurum, Javarinum , bey den RS : mern Arrabo, iſt erſt ſeit 1742 eine kon . Freyſtadt, aber eine alte und ſtarke Feftung, in einer angenehmen ebenen Gegend, da , wo die Donau , der Fluß Raabụnd die Rabniß zuſammen fließen , von deren Gewäffer ſie rund umgeben iſt. Sie hat lauter ſteinerne Häuſer , breite und gerade Gafſen , einen 3. Biſchof, (welcher jährlic ) 20000 Gulden Einkünfte hat,) und ein Domkapitel. Man findet hier noch einige romifche Atterthümer. Den Raiſern Ferdinand I und Maximilian II hat Stadt und Schloß in Unſehung der Befeſtigung vieles zu danken . 1529 verließ die Beratung die Stadt aus

1 T4.8 A ,

Furcht

434

Das Königreich Ungarn .

Furcht vor den Démanen freywillig , und zündete das Schloß an. 1566 brannte ſie ab. 1594 fam fie durd Accorb in der Deinanen Hände , denen ſie 1598 Graf Adolph vou Schwarzenberg durch eine Kriegsliſt wieder wegnahm . 1749 wurden den Lutheranern und Reformir, ten ihre Kirchen und Schulen in der Vorſtadt und Neu : ſtadt abgenommen. 4 Die Romorner Geſpanſchafe, Komá. rom Vármegye, Comaromienſis comitatus, liegt Der erſte Theil iſt et über und unter der Donau. In was bergigt, dér zwente eine fruchtbare Ebene. jenem bricht man ſchönen Marmor , dieſer hat einen Ueberfluß an Getreide, Weinen , und wegen der guten Weibe auch an Rindvieh.

Es ſind Geſundbrunnen

vorhanden . Un einigen wenigen Orten wohnen deuts ſche und böhmiſche Slawen , die meiſten Einwohner Die Würde eines Obergeſpans, aber ſind Ungarn. gehoret der Leopold Nadasdiſchen Familie erblich zu. Sie beſtehet aus 4 Diſtricten. 1) Der Inſel Diſtrict, iſt ein Theil der Inſel Schütt. (1) Komorn, Romárom , Komárno, Komaroniam , iſt ſeit 1751 eine königliche Freyſtadt , lieger in den dus erſten Winkel der Schütt, und gleich earneben iſt eine noch nicht überwundene Feſtung, welche gegen Abend mit einem tiefen Waſſergraben , gegen Mittag und Mitters nacht aber mit der Donau und Wag umgeben iſt , welche Gewäſſer gegen Mittag zuſammenfließen . Kaiſer Ferdis nand I hat ſie erbauet , und ſie iſt von den Dimanen nies mals erobert, 1594 aber belagert, und 1663 angefallen worden. 1763 wurde die Stadt von einem heftigen Erds beben , und 1767 und 68 durch ſtarke Feuersbrünfte , fihr verwüſtet. 1783 erfolgte abermals ein ſtarkes Erdbeben , durch welches das Schloß zur Bewohnung unbrauchbar wurde, welches auch noch in eben dieſem Jahr abbrannte. Die

i

Ungarn an ſich ſelbſt.

435

Die Stadt gebdrte ehedefſen ganz den Fuden , welche in derſelben eine Münze hatren . (2) Butta , ein Marktfleden auf der Schütt , ar ben oftlichen Arm der Donau , deffen Einwohner von der Siſcherey leben. 1664 ward eine Schanze bey demſelben aufgeworfen . ( 3 ) Wiegyer, Vagy •Megeyer , ein Marktfleden , der gut gebauet und bewohnet iſt. 2 ) Der Geſteſcher Diſtrict , von dem verfalo lenen Schloß Gesztes benannt. Szny , oder , wie ihn andere nennen , Schene, ein adelicher Drt, am weſtlichen Ufer der Donau , woſelbſt man in einem Felde , welches die Einwohner Pannonien nemen , Ueberbleibſel der alten Stadt Bregerium , und manderley Alterthümer findet. Dieſer ehemalige Fleden , ift 1781 zu einem Marktfleden gemacht worden. 3) Der Udwarder Diſtrict, welcher ſeinen Namen von dem Dorf Udward hat. 4) Der Dotiſer Diſtrict. ( 1 ) Tata , (Data .) Theodatum ,ein anſehnlicher Markta fleden , welcher' auf einem Marmorberg liegt, hatte ehes mals ein ſchönes königl. Schloß, welches inſonderheit Mat. thias Corvinus ſehr auszierte. Er iſt jetzt ein nahrhafter Drt , und gehöret zum gråflich - eſterhazyſchen Gebiet. Das hieſige Bad wird Park beſuchet. ( a) To: Város , ein Marktfleden. (3 ) Almás , ein Dorf, am weſtlichen Ufer der Don nau , welches wegen einer Waſſerleitung, die der königlig che Baumeiſter Samuel Mikowini im Jahr 1747 auf Bes fehl der føniglichen Rammer angeleget hat , und wegen eines Schwefelbades , merkwürdig iſt. ( 4 ) VTeszmély , ein Dorf , woſelbſt Kaiſer Albrecht 1439 an einem Durchfall, den er von vielen genoffenen Melonen bekommen , geſtorben ift. Er hat faſt lauter Reformirte zu Einwohnern.

5 Die

ch

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Das Königrei

Ungarn .

5 Die Eiſenburger Geſpanſchaft ; uingar. Vas-Vármegye , Caftriferrei comitatus , an der Fteyermarki chen Gränzen .

In derfelben wechſeln

Ebenen und Hügel angenehm ab. Jene geben zum ergiebigen Ackerbau und zu einträglicher Viehzucht Gelegenzeit. Dieſe Gat man mit Weinreben aus Champagne bepflanzet , die Wohl angeſchlagen ſind , und einen Wein geben, welcher dem dyanıpagner ſite ähnlich iſt. Die Wälder liefern Bau- und Brenn. Holz,

Wiltpret und Schweine.Maft . Bauinfrüchte

Hat man in Menge , infonderheit große und ſchmack hafte Pfirſichen. Sie wird von Ungarn , Deutſchen , Wenden und Kroaten bewohnet. Die Obergeſpans. würde befißet das gråfliche Haus Barchyan erblich . Sie iſt in 5 Diſtricte abgetheilet.

1 ) Der Gunſer Diſtrict. ( 1 ) Gång oder Guns , ung . B0835g, flaw. Kyſeg. Ginfium , ſeit 1649 eine königl. Freyſtadt am Fluß gleic des Namens , in einer angenehmen und an Wein und Getreide fruchtbaren Gegend , nebſt einem nach igaris ficher Art init einem Wall und Graben umgebenen efterha: ziſchen Schloß, unter einem mit Weinſtöden befetzten Hů. gel. Eswar hieſelbſt das höchſte Siericht, des jenſeits der Donau liegenden Kreiſes. Sie hat 1729 viel vom Feuer ers litten , und 1777 3.78 brannte die Stadt nebft dem Schloß ab . Ehemals war ſie eine Zeitlang an Deſtreich verpfän det. 1532 belagerte der osmaniſche Sultan Solymar die Stadt vergeblich , und 1621 wurde ſie von des Gas briel Bethlen Truppen auch vergebens angegriffen . ( 2) Pinkafeld, Pinkafei, ein Marktflecken init einem Caſtel , in einer angenehinen Gegend, am Fluß Pinta.. Es iſt hier cin angenehmer und nüslicher Sauerbrunnen . (3) Schleining, Schlaning, ungar. Szálonae, Sa lonioa, ein Schloß auf einem fteilen Berge , nebſt einem bemaus

Ungarn an ſich ſelbst

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beniauerten Märktfleden . Er geboret der Battyaniſchen Familie. ( 4 ) Groß- Petersdorf , Femet Szent Mihály , ein Marktfleiten von Deutſchen, welche mau Hienzen nens uct , bewohnet. ( 5 ) Rechniß , und Sadarch , oder moderis , Markta flecken . Deyde gehören der Battyaniſchen Familie.

2) Der Diſtrict Stein am Anger ,

in weta

chem ( 1 ) Stein am Unger , ung. Szombathely , ver Alters Sabaria , ein gut gebaueter , volfreicher und bes nianerter Marktflecteur, iir einer angenebinen Ebene , am Finß Günz , welcher aus den Ruinen der alten roniſchen Stadt Sabaria entſtanden iſt , aber eine ganz andre Gies ftalt als dieſelbe har. Man hat in der umhérliegenden Cegend altei Seinåuer und alte Münzen gefunden . Er iſt der Geburtsort des byeil. Martins, Biſchofs zu Tours in Frankreich , und ſeit 1777 der Sik eines Bifchofer. Es werden auch die Beſpanſchaftsverfarunlungen bieſelbſt gee 2 halten . Bey demſelben ſtehet ein Schloß auf einer Anhdhe. ( 2 ) Sár -Vár, ( d.i, Roth . Burg. ), ein adeliches altes Schloß , am Fluß Raab , welches init Mauern und Gras beu unigeben ist , und bey welchem ein Marktflecken liegt. (3) Ikevaár , ein Darktfleceu ain Fluß Herpenyd. 3). Der Bieſinger Diſtrict. ( 1 ) Gieſing, gemeiniglich Gübing, ung. Yemeths uj-Vár, ein volfreicher Marktflecken , dermit einer Mauer ungeben ift , und beu welchein eiu Schloß auf einem rebre haben Felfen, dieſer Felfieri aber ganz frey und von andern Bergen abgeſondert liegt. Ehemals gehörte dieſer Ort dem Herzog Lorenz in Sirmien , nach defferr Tode , als feine wichtigen Güter der Krone anheim fielen , ihn König Ludewig ums Jabr 1523 dem Franciſcus Battyani, das maligemBann in Dalmatien und Xayrien , ſchenkte, bene beffen Familie er noch iſt , und zwiſchen Wäldern, Bein hügeln und fruchtbaren Accferu , eine ſehr angenehme Las ge bat, (2 ) ROS . Ec 3

438

Das Königreich Ungarn.

( 2 ) RothensThurn, ung. Vörås :Vár, Arx rubra ein Schloß auf einer amuthigen Ebene, am fluß Pinta, gehöret den Grafen Lybody. (3 ) Sanct Gotthard , ungar. Szent Gotthard , Fanum S. Gotthardi , ein Marktfleden mit einem Schloß, an der Raab , über welcher hier eine Brüde von Holz ges bauet. 1664 wurden die Domanen hiekelbft von den Kais ferlichen überwunden. Der Deusdrmender Diſtrict. ( 1) Körmend, ein Marktfleđen am Fluß Raab , ir ciner fruchtbaren Gegend, mit einem ſchönen Schloß, den Grafen Battyani gebdrig. 1605 im Botíchtaiſchen Krieg, mußte ſich das Schloß aus Hungersnoth ergeben , ward aber bald wieder erobert, und gieng alødenn abermals vers loren . 1621 nahm Battyani es wieder ein. ? ' ( 2 ) Liſenburg, ung. Vas- Vár, Caftrum ferreum , war ein febr feſtes Schloß in dieſer Gegend , und das vornehmſte in dieſer Grafſchaft, welche den Namen davon

hatí es ſind aber die Feſtungswerte, nebſt den Gebäuden, geſchleift, und das hieſige Domkapitel iſt nach Stein am Anger verleget worden. Jeßt iſt hier noch ein Markt: fleden . 5) Der Remengeſchalyer Diſtrict, in wel. chem nur ein Marktflecken iſt, nemlich Játosháza, am Fluß Marzal.

1

Er gehöret den Genueſern.

6 Die Weſprimer Geſpanſchaft, ungariſch Veszprim Vármegye, Veſprimienfis coinitatus, wird meiſtens von Ungarn , außer denſelben von deut . Ahen und böhmiſchen Slaven bewohnet. Der Bo. den iſt ſehr fruchtbar an Getreide und guten Wein. Hölzungen, und in denſelben allerhand Wildpret, ſind påufig . Der Bakonyer Wald beſteber meiſtens aus Eicheln , und måſtet große Heerden Schweine. Das Eiſenbergwert zu Kislod , fann erheblich wer . den ,

Ungarn an ſich ſelbſt.

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den , denn es enthält auch Alaun , Vitriol, Anti. monium , und Berggrün. Die Geſpanſchaft iſt in den obern , mittlern und untern Diſtrict abge theilet.

4

1

1

1) In dem obern Diſtrict, iſt Pápa , ein großer und wohlbewohnter Markts flecken , am Fluß Marzal, nieben welchem ein Caftel auf einer Ebene liegt. Ehemals war er mit einem Waffers graben und einer gedoppelten Mauer, und das Schloß auch mit einem Graben umgeben, ſo, daß er eine Feſtung abyab , die 1594 in der Domanen Hånde gerieth , ihnen aber 1597 vom Erzherzog Marimilian wieder weggenoms men wurde. 1600 wurde ſie von den Dsmanen vergeba. tich angegriffen. 1702 Find die Feſtungswerke geſchleifet worden. Die eheinalige hieſige reformirte Scule, ift 1751 zerſtöret worden. hazy.

Der Ort gehdret den Grafen Efter

In dem mittlern Diſtrict. ( 1 ) Devetfer , ein Marktfleđen am Fuß des Bergs Somlyó , auf welchem ſehr guter Wein wächſet. ( 2) Vaſárhely , ein guter Marktfleden , der viel Weiu biuct. (3) Tüskevár , ein Markffleden .

3 ) Jı dem untern Diſtrict. ( 1) Veszpriin , weſprim , eine Stadt , in einen Shal , woſelbſt ein Biſchof und Dointapitel iſt : jener hat jährlich 59000 Gulden Einkünfte. Seit 1702, da die Feftungsıverfe geſchleifet worden , ift fie ein ofner Ort. Bey denſelben ftebet auf dem Rüden eines Berges ein Schloß, welches mit einer alten Mauer umgeben iſt. Nach des Matthias Corvinus im Jahre 1490 erfolgtem Lode, wurde ſie von den Deutſchen eingenommen , 1551 von den Osmanen belagert und erobert; 1565 bemachtigten ſich ihrer die Chriſten, 1593 abermals die Domanen, und 1598 Ee 4 wies 1

440.

Das Königreich Ungarn .

wiederum die Chriſten. 1655 wurde ſie von den Demaa Men vergebens angegriffen , welche 1663 die Stadt plüss derten und anzündeten , von der Beratung des Schloſſes aber geſchlagen wurden . (2) Palotta , Palatium , ein vieredichtes Schloß , nebſt einem guten Marktfleden , unten am bakonyſden Walde , war ehedeffen ein Luſthaus oder Palaſt des Mats thias Corvinus, und , weil es mit einem breiten - Graben und einer hohen Mauer umgeben war , eine gute Feſtung

1

wider die Osmanen , von welcher fie 1565 bergeblich bes lagert, 1593 aber durch Accord eingenommen , fünf Jahre hernad, aber freywillig wieder verlaſſen worden. Jeßt gehöret der Ort der gräflich fitſchrſchen Familie. (3) Warchon, ungar, Nagy Dafonts , flaw . Was yon , ein wohlbewohnter Marktfleden , mit einem alten

Soloß , gehåret den Grafeni Sitſchy. 7. Die Graner Geſpanſchafe, ung . Eszters gom Vármegye, Strigonienſis comitatus, lieget an beyden Seiten der Donau , iſt mehrencheils ber . gidit, hat aber auch einige Ebenen , welche mit Fanfe ten und niedrigen Hügeln abwechſeln , wird von Ungarn , böhmiſchen Slawen, und einigen Deutſchen bewohnet , und in den Graniſchen und Parkaner Der jedesmalige Erzbiſchof Diſtrice abgetheilet. von Gran iſt Obergeſpan dieſer Grafſchaft : wenn aber fein Erzbiſchof vorhanden iſt, wird die Geſpan . fdjaft durch einen Adminiſtrator verroaltet. 1) Der Parkaner Diſtrict, welcher den Nar men hat von Párkány oder Parkan , einem Markifleden. Er war ehemals ein fefter Ort an der Donau und liegt gerade gea gen Gran über , da wo der Fluß Gran in die Donau fließet.

> Der

1

1

Ungarn an ſich ſelbſt.

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2) Der Graner Diſtrict , in welchem (1 ) Gran; ung. Esztergom , flaw. Oſtryhom , lat. Strigonium , eine königl. Fromftadt an der Donau , dan wo der Fluß Grau in cieſelbe füllt, in einer luſtigen Ges gend. Sie war eheinals der Sitz des vornehmſten Erze biſchofs und Primas des Rrichs, imgleichen des Domkas pitels , welches letzte aber feit 15 + 3 zu Tyrnau iſt, und der Erzbiſchof von Gran reſtbirt zu Preßburg. Endes heißt aber die Stadt doch noch eine erzbiſchofliche Stadt. Sie beſtehet eigentlich aus 4 Theilen , welche ſind, die kos nigliche Freyſtadt, die Naißenſtadt, das feſte Schloß , oder die Feſtung auf einem hohen Felſen , und die darunter belegene Wafferftadt an der Donau . Konig Stepban I iſt hicſelbſt geboren , und in der von ihın erbaueten Doms kirche begraben. 1543 iſt die Stadt von den Dümanen zum erſtenmal erobert, und ihnen erſt 1595 wieder entriſs fen worden . 1604 wurde ſie von ihnen vergeblich belas gert , aber im folgenden Jahr wieder eingenommen . 1683 bekamen die Kaiſerlichen fic durch Accord in ihre Gewalt. Es ſind hier warme Bader. ( 2 ) Szent György , Georgenfeld , ein Marktfles đen des Erzbiſdors , etwa 300 Sdiritte von der Feſtung

Gran . (3) Der Thomasberg , Szent-Támás , ein Markts fleden auf einem Berge, nabe bey der Feſtung Gran. Er gehörte dem Domkapitel.

11 Das Peſther Gebiet , von 5 Geſpanſchaften und a landſchaften , in Nieder-Ungarn .

1 Die vereinigten Geſpanſchaften Peſth , Piliſab , und Scholth. So lange die Könige von Ungarn zu Ofen ihren Sie hatten, waren dieſe Geſpanfchaften völlig von einander abgeſondert: fie ſind aber vereiniget worden, nachdem man ſie der os. manifchen Bothmaßigkeit entriſſen hat.

Es giebe biex

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Das Königreich Ungarn.

Hier zwar einige Gebirge und Wålder, aber eine noch großere Ebene zwiſchen der Donau und Theis , die aber doch meiſtens randig und unfruchtbar iſt. Der Haupifluß iſt die Donau , die kleinern ſind ajas, Theis , Sagyva , Galga , Rafos und Tapja. In den bergichten Gegenden iſt die Luft des Winters falt, und des Sommers gemåfiget; hingegen in den groſo Fen Ebenen iſt der Winter rauh , und der Sommer faſt unerträglich heiß , es folgen aud) auf die heißen Lage ſehr falte Nädte , die Mücken ſind für Men . (dhen und Vieh refr beſchwerlich , und an gefundem Waffer iſt ein Mangel. In den bergichten Gegen. Auf den wächſet guter róthlicher und weißer Wein. dem häufigen fandigten Boden, kommt kein Getreide fort, an andern Orren aber gehet der Aderhau etwas beſſer von ſtarten , doch nicht ohne große Schwierige keiten. Auf der wüſten Ebene giebt es gute Vieho weide , auf welcher das Vieh weit und breit berum irret. Die Einwohner ſind Ungarn, böhmiſche Sla. wen , Deutſche , und einige dalmatiſche und thraci. ( che Colonien . Von dieſen vereinigten Geſpanſchaf ten, iſt der Palatinus regni Obergeſpann . Die gange Landſchaft wird in vier Diſtricte abgetheilet. 1) Der Wagiſche Diſtrict, darinn ( 1 ) Peſth , Deft, Peſtum , oder Peftinum , eine mit Mauern und Gråben umgebene fönigl. Fremſtadt in der Ebene an der Donau , gegen Dfen über, dahiu feit 1769 eine Schifbrice führet, welche bende Städte unterhalten . Der Strom iſt hier 300 Klafter breit. Man kann fie får die beſte Stadt in Ungarn anſehen , denn ſie hat viele Edelleute zu Einwohnern , lauter ſchöne Pauſer, unters fchiedene Paláſte, auch in den Vorſtädten ſchone Gårten . 1775

Ungarn an ſich ſelbſt.

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1775 hat ſie erſchredlich viel von der ausgetretenen Dos nau gelitten. Man findet hier das Ober:Uppellations: Bericht, welches in tabulam regiam und ſeptemviralem abgetheilet wird , und ein Jupalidenbaus, weldes 300 @chritte lang , eben ſo breit, und dren Stockwerk hode von Steinen aufgeführet iſt, 1776 hatte ſie an 13550 Menſchen . Das nahe dabey gelegene Feld Ralos, (80. Porcb .) am Bach Rakos d. i . Krebsbach , iſt durch die auf demſelben gehaltenen Reichstage und Königswahlen bes rühmt geworden. 1526 und 41 wurde ſie von den Dsmas nen eingenommen , welche ſie bis 1602 behielten , da fie ihnen von den Ungarn abgenommen , und gegen einen abermaligen Angriff der Démanen bertheidiget, im fols genden Jahre aber aus Furcht verlaffen wurde , und den Osmanen abermals in die Hände gerieth), welche ſie 1084 in Brand ſtedien , und ſich nach Ofen begaben . Die Raia ferliden nahmen zwar hierauf Beſig von der Stadt , liefs ſen ſie aber wieder fahren, und bekamen ſie erſt zwey Sabre hernach , in einen ſehr elenden Zuſtande , wieder , and welchem ſie durch des Kaiſers Leopold Gnade herausgeriſa fen wurde. 1721 war hier eine Commiſfion , welche die Religionsbeſchwerden der Proteftanten unterſuchte , und im folgenden Jahre zu Prefburg geendiget ward. ( 2) Vacz , (Wát .) Warzow, Wagen , Waigen , Vaclum , eine wohlbewohnte biſchoflide Stadt an der Dos pau , die eine angenehme lage und fruchtbare Aeder hat. Das hieſige Bisthum hat Geyſa der Große 1074 oder 75 angeleget; es tragt jährlich 50000 Gulden ein . Das Collegium Thereſianum oder die Thereſianiſche Ritterſdjus le, hat dieKaiſerin:Königin Maria Thereſia zur Erziehung junger ungariſcher Edelleute anlegen , und 1768 einweis hen laffen . Die Stadt hat ihre Aufnahme vornehmlich den anſehnlichen Jahrmärkten , und inſonderheit den Ochſens markten , zu danten . Sie iſt durch oftmalige Feuersa brünſte verwüſtet , auch vielmals erobert worden . ( 3) 680818 , ein ſchöner adelicher Marktfleđeni, 2 Meilen von Perth. Das prachtige fufticuloß fiehet einer Feſtung ånlich .

( 4 ) 26 .

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Das Königreich Ungarn .

( 4 ) 2830d, ehedeffen Oftmach , ein adelicher Markts Pleden , in einer erhabenen und ſchönen Gegind. a) Der korſchkemeriſche Diſtrict. ( 1 ) Berffeinet , Egopolis , ein großer und von vie. len adelichen Familien bewohnter Marktflecken , diffen Wiehinärkte anſehnlich find, und der katholiſche und refor: mirte Kirchen hat. Von dieſem Ort wird eine Heide benannt , welche faſt funfzig Meiten lang und eben ſo breit iſt. Ihr Bos den iſt mit Sand bedecket, unter weldein tleine zerbro ehene Muídelſchalen gefunden werden , und die wenigen Steine , welche man'antrift , ſind aus dieſem Sance zita ſammengebaden . Man fåhret oft einen halben Tag, ohne einen Baum , oder ein Haus, außer den Poſthäuſern anzutreffen. Es ideidet aber auf dieſer Seide febr viel Kindviel . Man erblicket auch auf derſelben ganze Syeer: Den von Trappen , Adlert , und an den Moråſten vers ſchiedene andre Vigel. (2) Körös , ein wohlbewohnter adelicher Marktfles đen , der ſtarke Vichzucht treibet. Die Reformirten bas ben hier eine große Kirche, und ein Gymnaſium . ( 3 ) Czegléd , ein weitläuftiger Marktfleden , in eis

ner fruchtbaren Gegend , der Ackerbau und Viehzucht trei bet, und den Nonnen zu S. Claren in Ofen , gehåret. Es iſt hier eine katholiſche und reformirte Kirche. Er iſt nach Der ficambriſchen Schlacht der erſte Siß der ſiebenbürgia fden Sikler geweſen. ( 4) Die Markifleden Abony , Ktagy -Kata , und Sawkfar. 3 ) Der Piliſcher Diſtrict , welcher von der Nordfeite Berge, Wålder, und mit Wein bewach . fene Hügel , an der offlichen Seite aber fruchtbare Ebenen , Viehzucht, Hecfer , und Weinbau hat. ( 1 ) Ofen , nng. Buda , bey den Slawen Budin, iſt der Name einer alten und neuen Stadt. Das alte Ofen , bey den Römern Aquineum genannt , hat in der Ebes

Ungarn an ſich ſelbſt.

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Ebene geftanden , welche fich von den Vorſtåbten Vleue Ofens an , zwiſchen den Piliſcher Bergen und der Donau erſtrecket, und ſoll ehemale Sicaanbria, genennet worden fern. Heutiges Sages iſt es ein geringer Marktflecken , in und um welchem man die wüſten Steinbaufen und Hes berbleibfel der alten großen Stadt , und manches romia fche Ueberbleibfel findet. Der Ort gehöret zu den Kions gütern , und die Zichiſche Familie , welche eine Zeitlang im Beſitz deſtelben geweſen, bat andere Güter dafür bes tommen . Veu :Ofen iſt von Bela IV angeleget, und eis ne königl. Fremſtadt, welche über 21090 Menſchen hat. Sie lieget auf einern felſigten Berge an der Donau , war ehemals die Hauptſtadt des Reichs, die königl. Refidenz, and inter allen ungariſchen Städten die größte und ſchon lie , iſt aber durc) viele Belagerungen , Eroberungen und Benipůſtungen ſehr herunter gekommen , doch erholet fie ſich wieder . Sie iſt mit Mauern und Graben umgebeny und ſtark befeſtiger. Neben derſelben lieget ein feſtes Schloß , von welchem ein Theil, der aus Zyrnau bieber perfekten Univerſirat eingeräumet iſt, welche einen Bů. cherſaal, eine Sternwarte, einen anatomiſchen Saal, eine Kunſt- und Naturalien -Rammer hat. Sie hat drey Dok ſtådte, die auf einer Seite bemauerte Waſſerſtadt, die an der Donau lieget , Teuſtift, und die Raigenſtadt Tha: ban , in welcher a griechiſche Biſchöfe molinen , ein unirs ter und nicht unirter. Der Wein , welcher auf den ums liegenden Bergen wachſet , iſt dunkelroth , und den Bur: gunder Wein am Geſchmad ähnlic , ſo wie er auch oft unter deffelben Namen verkauft wird . Weil er ſtarf fühs let , trinker man ihn nur bey der Sonnenhibe. Es wachs fen hier auch herrliche Melonen . Dieſe berühmte Stadt iſt von 1529 bis 1686 in der Demanen Gewalt geweſen , und hat ihnen , aller angeſtelleten Verſuche ungeachtet, nicht eher , als iin letztgedachten Jahr , entriffen werden können , da ſie aber in einem ſehr elenden Zuſtande war, 1635 und 1723 wurde ſie durch eine Feuersbrunſt faſt gang vertilget. -Zwiſchen hier und Pefth gehet auf der Donau eine Schiffbrüde.

( 2 ) Di.

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Das Königreich Ungarn .

(2) Diſégrad, Plindenburg, Bhendenburg , Vif. fegraduin , altum Caftrum , Arx alta , war ehemals ein feſtes Schloß auf einem hohen Felfen , in welchem die uns gariſche Krone verwahret wurde; und unter demſelben an : der Donau war eine Stadr mit einem Palaſt , von mehr als 350 Zimmer , in welchem ſich die Könige, wegen iha rer geſunden Luft, Ahonen Garten und anderer Unnehms lichkeiten, fleißig aufbielten . Es daurete aber das Slud des Drts nur bis an den Tod des Matthias ; und legt iſt das Schloß ein wüſter Steinhaufen , die Stadt aber ein armſeliger Marktfleden geworden . (3) Sambéë , ( Schambel.) ein verfallenes Schloß auf einer Ebene, zwiſchen angenehmen Bergen , mit eis nem Marktfleden , gehörer zu den Krongütern. (4 ) 8. Andreas Inſel, Ros Inſula, in der Donau , iſt drey Meilen lang und eine Viertelmeile , mehr oder weniger , breit , und hat einen ſehr fruchtbaren Boden. Sie gehöret mit ihrem Marktflecken zu den ungariſchen Krongütern . 8. Andreas , Szent Endre , Fanum f. Andreae, . an der Donau , ein Marktfleden , von nicht unirten Rais Ben bewohnet, deren zu Ofen wohnende Biſchof fich hier oft aufhält. ( 5 ) Das eugeniſiche Vorgebirge , oder der Euges niusberg, Eugenius Hydgye, ein angenehmer , mit Weins ſtöden und Waldung beſeßter Berg an der Donau , ba, wo diefelbe mit ihrem Arm die Jufel Cſepel machet. Die darueben liegende luftige und fruchtbare Ebene hat unges' fåhr eine Meile im Umfang, und enthalt außer einem eugeniſchen Caſtel, noch verſchietene Bauerhofe. Der Prinz Eugenius , welcher ſich hier gern aufhielt, hat hie. Der arabiſche Schafe brinigen laffen . ( 6) Die Inſel Cſepel , (Tſchepel) liegt eine Viers telmeile unter Dfen in der Donau , und iſt anf benden Seis ten mit kleinern Inſeln umgeben , deren zur finken ro ſind ; die zur Rechten aber ſind beträchtlicher , und unter denſelben iſt inſonderheit die Phalanen . In fel zu merfen , welcbe 1000 Sdritte lang und mit Holz bewachſen iſt, imglets

Ungarn an ſich ſelbſt.

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imgleiden die Safen - Inſel , auf welcher eine verfallene Kirche iſt , die von der heil. Margaretha erbauet ſenn rout, daher einige Erdbeſchreiber auch die Inſel Crepel die Mars garethen : Jnſel genennet haben. Cſepel iſt fünf ungari iche Weilen lang , ſandig , doch nicht unfruchtbar , und hat , außer anberm Wilopret , inſonderbeit viele Haſen . Ehemals war ſie ein Leibgeding der Königinnen , und ein Thiergarten , Im achtzehnten Jahrhundert hat ſie der Prinz Eugenius , und nachmals die verwitwete Kaiſerinn Éliſabeth beſeffen. Jeßt ſtehet fie unter der hohen ungas + riſchen Kammer. Bon vier Marktflecten , die ehedeffen darauf geweſen , iſt nur noch übrig geblieben : a . Rátglede, ein Marktflecken , welcher von einer raibiſchen Colonic den Namen hat, und ehemals ganz ans Fehnlich geweſen iſt. 1698 bekam ihn Prinz Eugenius, welcher neben dem Drt ein prachtiges Caſtel erbauen ließ. b. Die neun Fleden dieſer Inſel, find vormals (ción geweſen , jeßt aber ſind ſie geringe Dörfer. Von denfels ben wollen wir nun anmerken : Ljepel, davon die Sufel den Namen hat, und Titsly , welder der Stammort der tókbliſchen Familie iſt.

4 ) Der Sdolther Diſtrict , darinn ( 1) Colocía , (Colozſcha ) Rologa ,eine erzbiſchSfliche Stadt, die ehemals in großem Flor war, aber nachdóKönigs Ludewig Tod'abnahm , und als Ofen von den Démaneu erobert wurde. 1686 ward ſie wieder kaiſerlich und ein erzbiſchöflicher Siß , hat fic feitdem nach und nach wies der erholer. Der beil. Stephan ftiftete hier ein Bistbuin , und Genja II ein Erzbisthum . Der Erzbiſchof hat jábra lich 30000 Gulden Einkünfte. ( 2 ) Solt , (Scholth ), ein Marktfleđen , nicht weit von der Donau , welcher ſich auf den Aderbau und die Viehzucht leget. Das ehemalige Schloß , welches neben demſelben lag , iſt zerftdret worden . ( 3) Die Marktfleden Patay und Vetſe, bende mit ungriſden , und Hajos , gröftentheils mit deutſchen Eins wohnern , (4) Pan ,

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Das Königreich Ungarn .

(4) Pandur, in dem unterften Dinkel der Geſpans Ichaft, ein Dorf , nach welchem das raikiſche Fustolk ir neuern Zeiten Panduren geneunet werden. 2 Die seveſcher und äußere Szolnoker Ge ſpauſoafr, welche vereiniget ſind , Baben auf eje ner Seite viel Berge, die an der Neograder Grange am höchſten ſind , und den Namen Matra führen, auf der andern Seite aber giebt es jügel und Eber nen . Sie werden großentheils von Ungarn , auch böhmiſchen Slawen und Deutſchen bewohnet ; es find aud) die Zigeuner bieſelbit zahlreich. ſdyof von Erlau iſt jederzeit Obergeſpan.

Der Bi. Die vereis

nigten Geſpanſchaften madsen 4 Diſtricte aus.

1 ) Der Matura Diſtrict , am Gebirge bie fes Namens, enrhält Sirot : vár, einen Marktflecken und Schloß, wo der Fluß Tarna entſpringet, im nyariſchen Gebiet. 2) Der Gyöngyöſcher Diſtrict, in welchem (1 ) Apecz , ein Marktfreden . (2) Gringyss, ein wohlbewohnter Marktflecken am Fluß gleidies Namens, unter dem Berge Mátra , in eia ner weiten Ebene , hat ein Feſuiter - Gymnaſium gehabt, und iſt feiner Jabrmärkte und ſeines Weins wegen be. kannt. ( 3) Satvan , war ehemals eine Feſtung , am Fuß des Berges Matra , am Fluß Sadwa , iſt aber, nachdem fie 1678 den Osmanen wieder abgenommen worden , bers wüſtet. Unter derſelben liegt ein Marktflecken, welcher gut gebauet und volkreich iſt. Die hieſigen großen Baſ fermielonen find berühint. ( 4 ) Pásztó , iſt ein geringer Marktflecken, am Fluß Sadwa , deſſen Einwohner fich vom Aderbau ernähren ,

( 4 ) Pa

Ungarn an ſich ſelbſt.

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( 5 ) Pata oder Gyöngyös Pata , iſt ein Marktfles eten , welcher unten am Berg Diatra , gegen Gyöngyes über liegt.

1

?

3) Der Tarner Diſtrice, am Flüßgen Carna, in welchem ( 1 ) Erlau , ung . Eger , flaw. Jager, lat. Agria, eine Stadt in einem Thal am Fuß gleiches Namens , ift mit alten Mauern umgeben . Sie hatte vormialo gute es båude, iſt aber durch die häufigen Belagerungen und Era oberungen , welche ſie erfahren hat , in einen ſchlechten Zuſtand verſeker worden ; aus welchem ſie ſich doch nach und nach wieder erholet, weil hier ein Biſchof iſt, der 80000 Gulden jährlicher Einkünfte hat , und Biſchof, Graf Karl Eſterhazy , eine neue Straße unter dem Nas men Karlſtadt angeleget hat. Die Univerſitåtsgebåude find ſchon , und die hieſige prachtige Sternwarte iſt 1781 bódig zu Stande gekominen. Es wächſet hier ein guter weißer und röthlicher Weitt, und nicht weit ron der Stadt find warme Båder. König Stephan derHeilige , hat die Stadt zuerft erbauet. 1552 wehrte ſie fim gegen die Dómanen tapfer , 1569 aber mußte ſie ſich denſelben ergeben . 1606 überrumpelten dieKaiſerlichert die Stadt, und hauſeten ůbel in derſelben , konnten aber dem Schloß nicht beykommen . Eine Stunde weit bon Erlau , lag das Schlog Sorcontraſti, welches der Graf und Biſdrof Franz Bara koko ſchön und prádytig erbauet , fein Nachfolger aber Verfallen laſſen hat. Es ſtand auf einem Hügel zwis fchen zwey Bergen , auf welchen benderſeits fünf oder fechs kleinere Euſthåuſer unter gleidein Namen waren. Nahe daben in einem angenehmen Walde, iſt ein ſchönes Kloſter des neuen Ordens der Nagaráir.

2 TK. 8 2 .

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( a) See

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3

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Das Königreich Ungarn .

( 2) Seves , ein Marktflecken , hatte ehedeflen ein feſtes Schloß , von welchem die Geſpanſchaft den Namen führet, nun aber iſt es ein Steinhaufeu. (3 ) Mallar , ein Marktflecken .

4 ) Die dußere Solnoker Geſpanſchaft, in welcher ( 1 ) Szolnok , ein ehemaliges Schloß , davon die Geſpanſchaft den Namen hat, mit einem Marktfleden . (2) Füred oder Föred , Torok Szent Millos, Thur oder Thuro , und Déva -Panya , Marktfleden ,

3 Die Teograder Geſpanſchaft, Comita tus neogradienſis , ungar. Viográd vármegye, iſt zwölfMeilen lang, und fünf bis ſechs Meilen breit. Sie iſt gegen Mitternacht bergigt und waldigt, hat aber auch gegen Mittag und Morgen fruchtbare Ebe. nen. Die meiſten Berge find höher , als die nie drigen Wolken, z. E. der Medueſch , Sfanda, Ma. tra . Die vornehmſten Flüffe in Derſelben find Ipoly, ( Eipel, Jpel) , und Sagyva, und die vor . nehmſten Sauerbrunnen , ter garabiſche, poltari. ſche, filefiſche, effergariſche, fürtöfiſche, Balatnyſche, tiſſoronifiſche, x . Es giebt hier auch Quellen , die des Sommers eistalt und des Winters warm ſind. Auf dem Berge Schalgo, entzündete fich im Som . mer 1767 die Erde, welche ſchwefelartige Dämpfe enthielt, von ſelbſt, und glimmte mit einem ſtarken Rauch zwey Monate lang . Der Ackerbau iſt in der mittågigen Gegend gut , und der Weinbau aud), wie denn inſonderheit der kosdiſche , rabiſche, effe gifdhe,

Ungarn an ſich ſelbſt. giſche,

451

und jobbagyſche Wein von fehr guter Art

ift. Die Viehzucht iſt an einigen Orten ziemlich gut. Die Einwohner ſind Ungarn , böhmiſche Sla . wen , und einige Deutſche. Dieſe Geſpanſchaft

wird nach den biſchöflichen Dióceſen in hagy- und Kiſdyhograd , 0. i. Groß- und Klein . Neo. grad , eingetheilet, davon jene unter dem Erzbiſchof von Gran , dieſe aber unter dem wakiſchen Biſchof fehet.

Außerdem wird ſie auch in vier Diſtricte

abgetheilet , welche ſind : 1) Der Loſconsiſche Diſtrict, welcher gang bergigt und waldigt iſt , und enthält ( 1) Gáts, (Watſch ) (law . Bálitſch, ein Bergſchloß, welches den Namen von den Halitſchern , die vor Alters in Roth : Rußland wohnten , bekommen bat , und zum Offentlichen Gefängniß der Geſpanſchaft gebraucht wird. Es gehöret den Grafen von Forgatſch . In dem Markts fleden legte Graf Furgatſch wollene Manufacturen an .

( 2 ) Divin , ein Schloß auf einem ſehr ſteilen Fela ſept. 1576 ward es von den Domanen eingenommen, die es bis 1593 behielten. 1679 ward es dem unruhigen Ba lafſa abgenommen und zerſtöret, ſo daß es jekt ein Steina baufen iſt. Es gehört dem Grafen Sichy. Unter dem, felben lieget ein Marktflecken. (3) Lofonts , (Torchontz ) , flaw. Lucſenets , liegt in einer von Bergen eingeſchloſſenen Ebene , und wird des vielen Koths wegen , der nach einem måßigen Regen i und bey derſelben cntſtehet, im Scherz Luteria Unga rorum genennet. Die Geſpanſchaftoverſammlungen wera den hier gelyakten . Dieſerregen , und in Anſehung der vielen Edelleute , die an dieſem Ort wohnen , kann man ihn für den Hauptort der Geſpanſchaft balten.

Die Jahr

märkte ſind ſehr anſehnlich .

입 $ f2

Dec

Das Königreich Ungarn . 2) Der Filekiſche Diſtrict, barinn (1) filet, ein ehemaliges feſtes @ chloß , das auf ein

nem ſteilen felſen ſtand, anwelchem es in drey Abtheilungen hinangebaut war ; es iſt aber nach mehrmaligen Bes lagerungen und Eroberungen vom Zdkóli in die Luft ges Das Gebiet gehöret den Grafen sos fprenget worden . hári. Der Marktflecten , welcher unter dem můſten Schloß gleiches Namens lieget , iſt ehemals anſehnlicy geweſen , inſonderheit wegen der vielen adelichen Sa. milien , die darinn wohnten : allein , jeßt iſt er ein ganz geringer Ort . Einige tauſend Scritte davon iſt ein gus ter Sauterbrutin . ( 2) . Salgo , (Schalgo) , ein måſtes Soloß auf eis nem ſteilen Berge, welches die Osmanen 1551 durch eine Liſt einnahmen , und bis 1593 behielten. 1726 bekam es der Baron Szluha von Iklad. 3 ) Der Szetfcheniſche Diſtrict, barinn ( 1) Szetſény , flaw . Secany , ein Marktflectent, ünter einem zerſtörten Schloß , auf einem Hügel lieget. Die Demanen haben es einmal 42, und einmal 20 Sabre lang im Beſik gehabt. Es gehöret nebſt ſeinem Gebiet, ben Grafen Forgatſch. (2 ) Soloks , Rabenſtein , ein Schloß auf einerte hohen und fteilen Felſen , der allenthalben mit Wåldern umgeben iſt, wurde 1552 von den Démanen eingenoma men , und 41 Jahre lang beſeſſen. 1663 fiel er ihnen abermals in die Hände, und ſie behielten es 20 Jahre lang.

Es gehöret den Forgatſden und Szemeren . (3 ) Bujal, ein Schloß zwiſchen Gebirgen auf eis nem ſteilen felfen , iſt eſterhazifch.

4) Der Rekkdiſche Diſtrict, (1) Rekls , Modry : Ramen , Blauenſteitt, eitt Marktflecken, über welchem ein ebemals febr feſtes Soloß auf einem Felfen lieget , daß die Osmanen 1576 einnah. men , und 1603 wieder verloren . Nachdem die Rakos Bianer es abgebrannt haben , iſt nur ein Theil deſſelbett wieder erbaut. Es gehöret den Grafen oon Balaſſa. (2) Ipo

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Ungarn an ſich ſelbſt.

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( 2) Ipoly - Gyarmath , flamen. Darmoty , ſonſt auch Balaias Byarınath , ein Marktfleden , der Gras fen von Halaſie , am Fluß Ipoly . Ueber demſelben lies get ein Bergſbloß. (3 ) Nagy Orofly , ein Pfarrdorf ehedeffen ein Marfrflecken , iſt von einer ruffiſchen Colonie angeleget, weldres auch der Name anzeiget , denn Groß heißet ben den Ungarn ein Ruſſe, ( a) lograd , war ehemals ein guter Marktflecken mit einem wohlbefeſtigten Berg - Schloß , iſt aber jetzt nur ein Pfarrdorf, das zum Gebiet des Biſchofs von Was gehöret. Die Geſpanſchaft hat davon den Namen. ( 5) Vadkert , ein Marktflecken , iſt erzbiſchoflicha graniſch, und von Kaiſer Karl dem ſechſten zu einem Markts fleden gemacht worden . 4 Die Borſdoder Geſpanſdaft, in Ober . uugarn Borſod Vármegye, Borſodienſis.comi. tatus , hat einen fruchtbaren Getreide. Boden , gute Viehzucht, Weinbau , Walder, ein Kupferbergwerk zu Ruda . Banya , warme Bäder und Geſundbrum . nen. Sie wird von Ungarn , böhmiſchen Slawen und einigen Deutſchen bewohnet , und abgetheilet 1 ) in den Miſchkolzer Diſtrice, in welchem ( r) Miſkolcz ( 1Miſchkolz) , ein großer und volkreis cher Markıflecken , mit dem Comitato: Hauſe. Er iſt ſos wohl ſeines guten Weins, als der daſigen adelichen Spåra fer wegen betarnt , lieget in einer an Getreide fruchtbas ren Gegend am Fluß den Szynwa , und gehöret der Krone . 178 ! verzehrte eine Feuersbrunſt 568 Gebäude, und man ſchåtte den Schaden auf 260387 Fl.

(2 ) Di08 : Gvor , ein Marktflecken , am Bach Sins ma , über weldem ein verwüſtetes Schloß lieget, ( 3 ) Cláth , ein rarktfleden. (4) Onod , ein Marktflecken und Schloß am Fluß Sajo , welcher in den Kriegen , und ſonderlich durch die 1707 FF 3

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Das Königreich Ungarn.

1707 daſelbſt gehaltene rakoky dhe Berſammlung bekannt geworben . 2) Der Erlauer Diſtrict, am Flüßchen Erlau. (1) Keresztes , ein ſtark bewohnter Marktflecken in einer ebenen Gegend , ber welchem verſchiedene Schlachren gebaiten worden , inſonderheit 1596 . ( 2) Kövesd ,Mezo-Kövesd, ein Marktfleden , der den Zunamen von ſeiner Lage hat.

3) Der Sendroer Diſtrict, ( 1) Szendre , Szent Andras, ein Marktfleden , an der Bodwa , welcher ehedeffen mehr bedeutete, mit einem zerſtörten Schloß. Ani Ufer des. Fluffes entſpringet ein Schwefelwaſſer. (2) Uszalo , ein gut gebauter Marktfleden an den kleinen Fluß Manyoſch . ( 3 ) Edcleny , ein guter abelicher Marktfleden an ber Bodwa . (4) Borſod , ein Pfarrdorf, von welchem die Ges ſpanſchaft den Namen hat. Es war ehedefſen ein befes ftigter Ort. 4) Der S. Peterer Diſtrict, ' welcher den Namen þat von Szent Peter , Oppidum S. Petri, einem Marktflecken , am Fluß Sajo. Tapoltrán , iſt ein Dorf mit mineraliſchen Quellen .

* Die StuhlsWeiſſenburger Geſpanſchaft , ung . Székes fejér Vármegye, Alba regalenſis comitatus, beſtehet gröſtentheils aus Ebenen , in wel . chen Geen und Sümpfe ſind. Der Fluß Sarmik verurſachte in dieſem und in dem Weſprimer Comi. tat große Moråſte , trat auch oft aus , daher hat man einen Kanal zur Ableitung des Waſſers aus den Moråſten gegraben, und ſie dadurch gröftentheils trocken und urbar gemacht.

Auf der Nordſeite ſino Berge

Ungarn an fidy felbft.

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Berge mit Eichenwald bewachſen , welche Bakony und Vertes (Wertefch ) beißen . Der legte iſt eie

ļ

ner der beräsmieſten in Ungarn , denn er erſtrecket fich durd; viele Geſpanfdjaften bis Ofen . Die meis ften Einwohner find Ungarn und Deutſche, es gieber aber aud) böhmiſche Slawen , Raigen und Juden . Die Geſpanſdyaft hat 3 Diſtricte.

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1 ) Der Scharmelliker Diſtrict, enthåle ( 1 ) Stuhl : Weiffenburg , ungar. Székes : fejers Vár , Alba regalis , flaw . Pieligrad , eine königl. Freya Atadt , an einem moraſtigen Ort , den der Fluß Sármit macht. Sie iſt nicht nur dieſer ihrer Rage wegen feſt, fons dern war ehedeffen auch mit andern ſtarken Feſtungswerker verſehen , die aber 1702 geſchleifet worden. Von der Stadt aus geben drey ſehr breite Dänime, zwiſchen welchen Kirs chen , Hiuſer, Gårten und Wieſen liegen , fo , daß doa ſelbſt , als in Vorſtådten , inehr Leute wohnen , als in der Stadt ſelbſt. Vor Zeiten find hier die Könige gekrönet, und gemeiniglid) auch begraben worden. Die beſten Haus fer waren verfallen, und die Stadt iſt in große Ubuahme gekommen ; ſie ward aber dadurch wieder in einige Auf. nahme gebrad )t, daß 1777 die Kaiſerin Königin das ehea nalige Domkapitel wieder hergeſtellet, auch den erimirten Probſt deffelben zu einem Biſchof gemachet hat. Man zähler hier ſchon an 19000 Einwohner. 1490 wurde ſie vom Ri . nige Marimilian eingenommen und geplündert. 1540 naha men ſie die Raiſerlidser, drey Sahre aber hernach die Démas nen ein . 1593, 98 und 99 wurde ſie von den Kaiſerlichen vergebens belagert,und 1601 zwar erobert , ihnen aber gleich im folgenden Jahre von den Osmanen wieder abgenoms men. 1688 kam ſie in kaiſerliche Hånde. ( 2 ) Woor, Mohr, ein volkreicher Marktflecken , den gröftentheils Deutſche bewohnen. 2) Der Trohakwarer Diſtrict ", von einem ehemaligen Schloß benannt. Er hat die 3. Markt. Ff 4 flecken

eich

Das Königr

456

Ungarn .

fleden Adony, an der Donau , Lovász.Berény, und Saárosd. 3) Der Bitſøker Diſtrict, in welchem der Marktflegen hanzabeg oder Erd , ein großer und volfreicher Ort. 6

!

Groß- Cumanien ,

ober das Rumers

Land , Runſag, Cumanorum maiorum regio , hat den Namen von den erſten Cumanern , welche K. Stephan II 1121 als Hülfstruppen annahm . Die Cumaner reden nun die ungariſche Sprache und ſind meiſtens reformirt.

Sie treiben Ackerbau und Viehe

zucht. Ihr kleines { and hat vortreflide Melonen , aber Mangel am Holg. Es begreift nur 6 bewohnte Derter , weldie find ( 1 ) Madarász , ein reformirtes Pfarrdorf. (2) Rarczag-uj -Szalas, ein großer und volkreicher Marktflecken. (3 ) Turkeve, ein reformirtes Pfarrdorf. ( 4 ) Bis :Szállás , ein reformirtes Pfarrborf. ( 5 ) Szent-Marton , ein katholiſches Pfarrborf. ( 6) Kun -Selyſég . Cunorum fedes, ein reformirtes Pfarrdorf. Klein - Cumanien , ungariſch, Ris.Runok, Cumania ininor , iſt mit Groß : Cumanien vere bunden , und hat auch den Namen von den Cus manen , deren hier wohnende Nadykommen die ungari. fche Sprache reden , und ſich zum Theil zu der res formirten Kirdie bekennen .

Un gutem Waſſer und

an Holz fehlet es , aber der Boden iſt fruchtbar am Die Landſchaft Getreide und av guter Viehweide. enthåle 1 ) Kun .

Ungarn an ſich felbſt.

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1 1 ) Kun -Szent- iklos, ein Pfarrborf, welches in einer ebenen und fruchtbaren Gegend liegt. Es war im 16ten Jahrh. ein feſter Plak. 2) Szabad : Szalas , Libera manfio , ein refom mirtes Pfarrdorf , welches ſtark bewohnet iſt , und in eis nem offenen Felde liegt , das Aecker und Wieſen hat. 3) Phelep Szalas, Silep Szalas, Philippi man . fio , auch ein reformirtes Pfarrdorf , in einer ebenen und fruchrbaren Gegend. 4) Sálász, ein weitläuftiger und voffreicher Marlis flecken, mit einer katholifeben und einer reformirten Kirche,

7 Das Land der Jazygen , oder Philiftaer , ( lat. Baliſtarii, Baliftaei, verdorben Philiftaei , ) wel. che hier 1086 anſåßig gemacht wurden. Ihr fånd. gen hat guten Acerbau , und gute Weide zur Vieho zucht. Sie ſprechen nur ungariſd ) , und ſind gros ſtentheils katholiſch. Sie ſtehen , ſo wie die Cumaner, unter dem Palatin von Ungarn . Ihr { åndgen begreift 3 Marfirflecken und 8 Dörfer. Jene ſind, ( 1) Jász : Berény , ein großer und wohlbewohnter Martflecken , am FIMB Sadwa , welcher die übrigen in Anſehung der Größe und Fruchtbarkeit ihres Feldes übers trift. ( 2 ) 2pathi, ein Martfloden , beym Einfluß der Konſka, in die Theiſe. ( 3) Arok :Szálás, ein wohlbewohnterMarktflecken , !

III Das Neutraer Gebiet, von 4 Geſpanſchaf. ten , in Nieder.Ungarn .. 1 Die Presburger Geſpanſchaft, Porony Vármegye , Comitatus Polonienſis, liegt an der Öſtreichiſchen Gränze , zwiſchen der Donau und Moa rama , ift zwölf Meilen lang und acht Meilen breit. Die $ fş :

Das Königreich Ungarn .

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Die Berge in derſelben ſind der Anfang des carpa. thiſchen Gebirges . Das land um Sirnau , iſt das beſte und fruchtbarſte. Die Sdůrt, hat einen fructe baren Boden. Die großen Flüffe in dieſer Geſpans ſchaft ſind die Donau , Morawa und Wag ; die kleinern der Dudwág, Blawa , Tyrna, Paolas Woda , Parna , Gidra , Rudawa ic. Die Luft iſt geſund, vornehmlich an den Bergen , aber nicht ben den Moråſten an der Donau. Die Einwoh. ner find Ungarn, Deutſche, bdhmiſche Slawen und einige Kroaten .

Es

giebt hier auch viele Juden.

Die obergråfliche Würde , iſt ſeit 1599 bey dem pal. fyſdhen Haufe erblich. Die ganze Landſchaft wird

abgetheilet , in fünf Diſtricte , welche die Ungarn Proceſus, nennen , und davon jeder einen adelidjen Richter hat , und in den majfifiben Stuhl . Sheile ſind :

Diefe

1) Der obere ußere Diſtrict , welcher der äußere genennet wird , in Anſehung der Schütt , außerhalb welcher er liegt. Darinn find , (1)

fünf königliche Freyſtadre, nåmlich : :

a ) Preßburg , ungar , Porony , flaw . Preſpurel, lat. Poronium , oder richtiger Piſonium , ehedeffen and Brecislaburgum und Iftropolis , eine königl. Freyſtadt und heutiges Tags die erſte ſchönſte und volfreichſte Stadi, die Hauptſtadt des Reichs . Sie liegt unter einem Bers ge , auf welchem das Schloß ſteht , an der Donau , hat eine angenehme lage, vor vielen anderu ungariſchen Ståds ten eine gefunde Luft , auch guten Weinbau . Die Volks : Die meiſten menge beträgt 27 bis 28000 Menſchen . Birger find Deutſche. In der dem heiligen Martin ge widnieten Domkirche , find ſeit Ferdinands I Zeit die uus gariſchen Könige gekrönet, es ſind auch in dieſer Stadt die

1

Ungarn an ſich ſelbſt.

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die Reichstage meiſtens gehalten worden , welches 1411

-

:

unter dem Könige Sigismund zuerſt geſchehen . Uußers dem haben hier ihren Siß das Confilium regium Locum tenentiale , feit 1723 ; die hohe königl. ungariſche Rama mer, ſeit Ferdinands I Zeit, und der Erzbiſdrof von Gran, ſeit eben dieſes Kaiſers Zeit. Man findet hier auch ein Domkapitel , von vierzehu regulirten Domherren , deffen Probſt Urchidiaconus der Geſpanſchaft iſt , die Haupts Normal:Schule in der ehemaligen? Jeſuiter:Reſidenz, und ein evangeliſdyes Gymuaſium . Der Wohnhäuſer der eis gentlichen Stadt ſind wenig über 200 , und die Befeftis , gung beſtehet in einer gedoppelten Mauer und einem Gras ben . In den weitläuftigen Vorſtådten ſind zirey Nons nen und vier Monchen Klofter , eine 1776 vollendete ſchöne ſteinerne Kirche der lutheraner , in welcher Kaiſers 30: fephs II gemaltes Bildniß in lebensgroße aufgeſtellet wor's den, und eine 1759 erbaute anſehnliche Caſerne. Die Vor: ſtadt, welche an der mittåglichen Seite der Stadt liegt, iſt ſchön angebauet, und hier ſieht man auch den an ſich ganz unanſehnlichen Königshügel, auf welchem der neuerwählte König zu Pferde das Schwerdt des heiligen Stephans, gegen die vier Himmelbgegenden ſchwentet, 1. dadurch anzudeuten , daß er das Land gegen alle und jede Feinde bertheidigen wolle . Seitdem die Stadtthore abgebrochen find , iſt die Stadt mit den Verſtädten vereiniger. Die Polhöhe iſt hier 48 Gr. 8 Minuten , 2 Secunden . Die Stadt iſt ſehr alt, und ſoll zuerſt von den Jazygern anges leget fehn . Sie iſt oft belagert worden , hat auch durch Feuersbrúnſte vielen Schaden gelitten, al: 1515 , 63 , 90 , 1642. b ) Tirnau oder Tyrnau , ungar. Fagy Szoms bath , flawoniſch Trnawa, in Urkunden , Zumbathely, latein. Tyrnauia , eine wohlgebaute Snigl. Freyſtadt , auf benden Seiten des Fluffes Tyrna, in einer fruchtbaren aber ungeſunden Gegend. Sie enthält neun Kirchen, und ebenſo vielKidſter,darunter einige ſchôn ſind, auch das erzbiſchöflichs graniſche Domkapitel , welches hieher verleget worden, als die Domanen 1543 Grau eroberten ; die 1635 geſtiftete,

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Das Königreich Ungarn.

und 1772 mit einer mediciniſchen Facultåt vermehrte Unis verſitåt, mit einer Sternwarte, iſt nad Ofen verleget worden . 1 Seit 1724 iſt hier das höchſte Gericht des åber der Donau liegenden Kreiſes . Das ehemas lige Jeſuiter: Collegium iſt nebſt einigen andern Stiftuns gen , 1783 zu einem Invalidenhauſe gemachet worden . Sie iſt zwiſchen 1220 und 1240 angeleget. 1683 ward fie von den Tököliſchen in die Arche geleget , und 1704 wurden die rakoßiſchen Truppen bey dieſer Stadt geſchlagen, c) Modern , ungariſch modor , flaw. Modra , eis ne königl. Freyſtadt, von ungefähr 350 Håuſern , unten am carpathiſchen Gebirge, in einem Thai , welches auf Es find bier einer Seite mit Weinbergen umgeben iſt. zwey evangeliſche Bethbåuſer. 1907 iſt ſie eine konialiche Freyſtadt geworden. 1619 , 20 , 63, 82 , 1705 , bat fie in den Kriegeunruhen viel gelitten. 1729 brannte ſie großa tentheil ab. d) Pofing , ungar, Bozyn , flaw , Pezynek , lateis niſch Bazinga , Bazinium , eine kleine, aber wohlgelegene tonigl. Freyſtadt , auf einem etwas erhabenen Drt. Die Einwohner legen ſich auf Weinbau , Sandel und Hands werker. 1605, 1620 und 1655 iſt ſie eingeårchert worden , e) Sanct Jörgen, ungar. Szent György, flawon. Swaty Jury , latein. Fanum S. Georgii , eine kleine und ſehr in Abnahm gerathene königl. Freyſtadt, in wels der ein Collegium P. P. piarum ſcholarum , und bey wels cher vortreflicher Wein wächſet. Vor Ulters hat es bea rühmte Grafen von S. Georg und Poſing gegeben. In den bethlenifchen und rakokiſchen Unruhen hat fie viel gea litten. 1663 ward ſie von den Dsmanen verwüſtet, 1728 brannte ſie ab. ( a) fünf Schloſſer , welche zum Thell neben obigen Freyſtådten liegen. a ) Das preßburger Schloß , liegt ein paar huntert Schritte von der Stadt Preßburg -gegen Abend, auf eia Her luſtigen Hbhe, und iſt befeſtiget. Es iſt die Wohnung des Königs , wenn fich derſelbe hier aufhålt , und vers wahrete ebedenen in einem ſeinervier Shårme die Reichsa fleins'

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Ungarn an ſich ſelbſt.

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Meinodien , welche von der Strdnung an bren Tage geres --ben werden konnten, und unter welchen die alte goldene Krone vornehmlich merkwürdig iſt, ſie ſind aber nach Wien gebracht worden. 1762 und in den folgenden Jahren , ift ce inwendig ſehr verbeſſert worden . Unter demſelben liegt ein Marktflecten , welchen die Ungarn pofony Várs alya , und die Deutſchen Schloßberg nennen , und worinn viele Juden wohnen ; die auch den gidßten Theil der Einmoliner , des nahe daber liegenden Fledens Zus dermanõel , ausmachen. Außerdem gehören noch zum Gebiet dieſes Schlofjes die benden Marktflecken Samas ria, auf lawon. Shomorin, auf deutſch Somerein , und Szerdahely, auf der Schütt , und dreyzehn Fleden , b ) Das Schloß Sanct Georgen, welches nahe bep der Stadt dieſes Namens, auf einem Hügel lag, iſt nun mehr ein wiſter Steinhaufen . Es geboret den Grafen Palfy , und zum Gebiet deffelben der darunter liegende Fleceu fleuſtift, die Caftele Kiralyfalva , auf deutſch * Snigseyden , auf flam . Tíchtwrtce, und német On: ráb , die Marktflecken Grünau , und Crotortól , auf deutſch Coipersdorf, fünf Fleden, u. 1. w . c) Das Schloß pofing, liegt an der Nordſeite der Stadt dieſes Namens, geboret den Grafen Palfy , und hat ſieben Caſtele unter ſeinem Gebiet. d) Das Schloß Bibersburg, Voroſts, flaw . Czere. wenys (Tſcherweny ) Ramen , liegt auf einem hohen Hügel des carpathiſchen Gebirgs, und gehöretder gråflicha palforchen Familie. Zum Gebiet deſſelben gehören, das Caſtel Szuha , die Marktflecken Szuha , Alfo Dios, ( Alichó Diórch ) auf ſlamon. Dolni Orellany, und auf Deutſch Windiſch Yußdorf, Cſeszte , flawon. Czaſta , ( Tichaſta ,) Ompitál , flawon. Sumpytal, und andere Derter. e) Das Schloß Szomolán , Schmolenit , liegt auf einem hohen Hügel , in einer waldichten Gegend , und gehört dem Grafen von Erdódy. Su deffelben Ges biet gehören die Marktflecken Szomolan , und $ 343 Diós, (sålſch8-Dióſd , ſlaw . Gornj Oreſſany , deutích Oberstufdorf ( 3) Pria

ich

462

Das Königre

Ungarn .

( 3) Privilegirte Marktflecken . a ) porony Varallya , davon beym preßburger Schloß gehandelt worden . b ) Ratſdidorf oder Ratſchersdorf, ungariſch Retſe, ( Rétſche,) unten an einen Berge, eine Mieile von Preß burg , iſt gråflich -palfyſch, und ſeines guten Weins wegen bekannt. 1732 brannte er größtentheils ab . c) Landſits , Lahnſit , feblèsz, ( Bſchekléſch ,) auf einem erhabenen Ort , neben dem oben gedachten Caſtel gleiches Namens . d) Waptberg, Schempit , Seng, der gråflich -eſter: haziſchen Familie zugehörig , in welchem 1763 die Patres piarum ſcholarum , eine Schule angeleget haben . e ) Grünau , Grinnau , Grynava, in einer grünen und luſtigen Gegend, woſelbſt ſehr guter Wein wächſet. f ) Cziffer , ( 3fiffer, ) iu einer großen Ebene , gehde ret verſchiedenen Herren. g) Szuba , Dürenbach , nicht weit vom Caſtel dies fes Namens , deſſen Einwohner vom Ader- und Weina

Bau leben . h) Czeszte , (3 chesſte,) neben dem Schloſſe Bibers , burg , auf einer luſtigen Höhe. i ) Onipitál, Sumpital, unten an einem Berge. k ) Windiſch- oder Unter -Fußdorf , ungariſch Alſó Diós , ( Ulſchó- Dióſch ) flawon. Dolnj Oreſany, iſt gråfa lich :palforch . 1) Ober : Viufdorf, ingar. f81f8 Dios , ( Solfche: Dioſch , ) flaw. Gornj:Oreſſany, bey welchem ein edler und geſunder Wein wächſet. m ) Szomolan , Smolenit , unter dem Schloſſe dies Tes Namens. n) Spaczá , Deite , und Boleraz , kleine Mart'te fleden . 2) Der untere & ußere Diſtrict , welder ent .

fått

463

Ungarn an ſich ſelbſt.

Die privilegirten Warftflecken . a ) Galantha , ein feiner und wohlbewohnter Drt, in einer frud tbaren Gegend. b ) Szered , Sered , an der Wag , welcher ſeiner Jahrmärkte , und ſonderlich der Ochſenmärkte wegen , bes rühmt iſt. Er liegt neben dem Schloß Szempthe, wete ches zur Geſpanſchaft Neutra gehöret. c) Abrabam, Szent Abraham , ein Marktfleden . 3) Der obere Diſtrict der Schürr.

Die

Schůrt , (welches Wort eine Inſel in einem Fluß, 1 oder einen Werder , bedeutet,) inſula Cituatum oder Cituorum , von den Ungarn Cſallóköz, (

challó ,

kös) genannt, wird von der Donau gemacht, durch welche fie auch dreymal getheilet wird. Der erſte Theil, Namens Visz- Kos, gehöret zu dem vorber gehenden Diſtrict: der zweyte liegtzwiſchen den zwey größern Armen der Donau , iſt zwölf Meilen lang, und wird die große Inſel , Tagy: Sziget , ge. nannt ; und der dritte , welcher einen Raum von unt. gefähr rechs Meilen einnimmt, heißt Sziget. Rås. Die Inſel iſt infonderheit an Früchten und Gras ſehr fruchtbar; denn das Getreide verdirbet der Nebel. 2n Wilo, allerlep Fiſchen und Holz iſt kein Mangela Unter ihren Einwohnern ſind die Kropfe ſehr gemein. Karl der Große hat die Hunnen auf derſelben geldila. gen. Der obere Diſtrict derſelben enthält (1) Die Burg Lberhard , welche in einer Ebene liegt , alt, und mit Graben umgeben iſt. Zu derſelben gehdret das Dorf gleiches Namens , und unterſchiedent andere

( 2 ) Die privilegirten Martofleden . a ) Pispski , Büſchdorf oder Biſchofsdorf, dier Bifchoorf, iſt wohlbewohnt, und gehört dein Erzbiſchof

464

1

Das Königreich Ungarn.

von Gran. Hier iſt eine Ueberfahrt in die Wieſelburger Geſpanſchaft, ber welcher 1704 eine Schladt vorfiel. b) . Summarein , oder Somerein , hat. Samaria, beffer , S. Maria , ung. Somorja (Schomorja ) flaw . Schomorin , ein alter und der vornehmſte Ort auf der Inſel, in welchenr die Provinzialgerichte gehalten werden . Er treibt einen ſtarken Handel , iſt aber oft abgebrannt. Ergehöret unter das Gebiet des preßburger Schloffes. c) ( fotortoe, ( Bichotertsk ) flaw . Czwetel, deutſch Loipersdorf,in UrkundenCeopoldsdorf iſtein geringerDrt. d) błagy -Magyar , Groß- Magendorf, iſt groß und wohlbewohnet. 4) Der untere Diſtrict der Schütt, begreift ( 1) Den privilegirten Marktflecken Szerdahely, Serdahel , welcher daher den Namen hat , weil er mits ten auf der Inſel liegt. Er iſt wohl bebauet , und gehd ret zum Gebiet des preßburger Schloſſes. ( 2) Die Marktflecken Bids, Lgybázor :Gelle, und

Vaſurat. 5) Der jenſeits des Anfangs vom carpa . thiſchen Gebirge , belegene Diſtrict, iſt unge. fåhr ſieben Meilen lang, aber von ungleicher Breite. Es gehören hieher ( 1) Die Schloſſer a ) Dévén , Cheben , welches auf einem Berge, bep . dem Zuſammenfluß der Morawa und Donau liegt , und dem gråflich palfvſben Hauſe gehöret. b) Boroſtyánko , Ballenſtein , auf einem fteilen Felſen des carpathiſchen Gebirgs, gehöret dem palfyfchen

Bauſe. c) Detrets , Blaſenftein, flaw . Plaves , liegt auf einem hohen Felſen , und iſt auch palfyſch. d ) Lleffe, Scharfenſtein , welches verfallen iſt, und Unter deffen Gebiet das Caſtel und der Maiktflecken S. Johannes gehöret. ( 2) Das berühmte Paulinerkloſter Marienthal, Vallis divae Mariae , Coenobiun b. virginis Mariae, iſt wegen

Ungarn an ſich felbft.

405

2

wegen eines Marienbildes, zu welchem häufige Watfahr.

1.

ten geſchehen , in großem Ruf. und geſunde fage.

11

Es hat eine angenehme

( 3 ) Die Caſtele Stompba , Detrets, Malaczka, atle dreve palfyſch ; Lévárd in den Marktflecken Wagya gévárd , auf deutſch Groß -Schützen , welcher kollonit, richiſch ; 5. Johann, welcher Name zwey Caſtelen zus kömmt, Dépén .Ujfalu und Devén , welche beyde pal, fyſch find. (4 ) Die privilegirten Marktflecken. a) Dévén , Theben , unter dem gleichnamigen Bergſchloß , beym Einfluß der March in die Donau . b ) Stompba , Stamphen , flaw . Stupawn, iſt palforch , und liegt am Fuß eines hohen und ſteilen Mar. mor:Felſen , aufwelchem das Schloß Ballenſtein , ung . Boroſtyákes, Flaw . Stupawſy Zamef , ſtehet, enthält das vorhin gedachte Caſtel. c) Malaczka , ein feiner und wohlbebaueter Ort. d) Gajár, Gayring , an einem ebenen Ort , wo die Rubau und Marc zuſammen fließen . e ) Viagy - Lévárd, flaw . Levary , deutſch Groß. schůgen , iſt follonitſchiſch , und wohl bewohnt. f) Sanct Johann , Szent Janos , ein feiner und gut gebauerer Ort, welcher zu dem verfallenen Bergs ſchloß Scharfenſtein , unig . Llers, gehöret. g ) Blaſenſtein , ung. Detrelo , flaw . Plawets, geo håret der grift. Palfyſchen Familie, und zu demſelben der ſchon genannte Ort Malazka. 6)

Der Waſket Stuhl ,

Vajkenſis ſedes,

machet eine beſondere Republik aus , deren Haupt der Erzbiſchof von Gran ift, hat auch ſeinen eigenen Statthalter, Vicegrafen , adeliche Richter, Nota. rius und Quảſtor.

Die Edelleute werden Prádias liſten genennet , von denen in der Einleitung zu die. ſem Abſchnitt 9. 16 gebandelt worden . Dieſes Lånd . den Og 2 TH:84 ,

466

Das Königreich Ungarn .

chen liegt auf der Schütt',

wird in den obern und

untern Diſtrict abgetheiletl, und begreife: ( 1 ) Dajla, einen ziemlich großen und gut gebaueten Marktfleden. (2) Bacsfalva, ein geringes Dorf , welches auf der Inſel der einzige Ort iſt, der Bein bauet. Die Beutraer oderbeitrer Geſpanſchaft, ung . Hitra Varmegye, ſlam. CTytryanſká Stos lice , Nitrienſis ' comitatus, iſt ungefähr 12 Meilen lang , an einigen Orten 6 , an andern aber faum 2 Meilen und noch weniger breit , fehr bergicht, und mit nukbaren Fiuſſen reichlich verſehen , welche find, Vitra , Sitwa , Livina , Dud. wag, Blawa, Soleſihka, Wijawa, Chwops nige 2c. Es giebt in derſelben auch fruchtbare Ebe.

die Wag ,

nen , auf der Heide Jatro, fehr gute Weide und Viehzucht , guten Uckerbau , guten Weinwadis , Sie wird von Sauerbrunnen , und warme Båder. Ungarn , böhmiſchen Slawen und Deutſchen bewoh. net. Sie wird in 5 Diſtricte abgetheilet ,welche ſind : :) Der Zeitriſde Diſtrict, in welchem ( 1) Eritra , Keutra oder Teitra , Nitria, ein fes ftes Bergſdloß , am fum gleiches Namens, deſſen ſchon im neuen Jahrhundert gesacht wird. Ju demſelben iſt der biſchöfliche Palaft, die Kathedralkirche und das Doms kapitel von 12 Domherren . Die darunter liegende biſchof: liche Stadt, wird von dem Fluß in zwey Theile getheilet, iſt volfreich , aber mit niedrigen Hiuſern bebauet, und bat wenig gutes Waſſer. Das hieſige Bisthum iſt vom Geyſa dem Zweyten angeleget, 1150 mit Einkünften und einem Domkapitel verſehen worden . Zur biſchoflichen Dioces gehåret ein anſehnlicher Sheil dieſer Geſpanſchaft, und die trentſoiner Geſpanſchaft. Der Biſchof hat jahre lid)

+ 9

Ungarn an ſich ſelbſt.

467

lich auf 40000 Gulden Einkünfte. Stadt und Schloß wurden 1619 von Bethlen Gabor eingenonimen , und 1663 den Domanen in die Hände geliefert , im folgenden Jahr aber wieder erobert. ( 2 ) ( Teuhäuſel , ung . Erreg : ( Errcheg :) Ujvar , (das iſt das biſchofliche Erreg . ) Flam . ( Towe - Zámky , Ujvarinum , am Fluß Nitra , war ehemals ein feſtes Schloß , welde$ 1573 zuerſt befeſtiget, und durch 10 Bes lagerungen berühmt, 1724 und 25 aber auf falſerl. Befehl geſchleift worden . Nun iſt es bloß ein ofner Marktfles den , deffen Einwohner fich bom Aderbau und von der Viehzucht ernähren. ( 3) Das Schloß Ohymes , (Ghymeſch ) oder Dy . mes , ( Dymeſch ) liegt auf einem hohen und felfichten Berge , und gehöret den Grafen von For; atſch . Unter deniſelben iſt ein Marktfleden . ( 4 ) Sempte , Schintau , Scintawa , ein eſter hazyſches Schloß , nebſt einem Marktfleden , am fluß Mag . (5 ) Suran , ( Schuran ) ein Markifliden , war ehemals ein beträchtlicher Ort, mit einem nun verfallenen Bergſchloß . ( 6 ) Sellye , (Schellye ), ein Marktfleden , an der Wag , welcher ehedeſſen ein feſter Drt war. Er ſtehet unter der kön. Kainmer, (7 ) Urmény , ein Marktflecken , in einer erhabenen und fruchtbaren Gegend , angenehm belegen , und einer der beſten dieſes Diſtricts . (8 ) Miocronol, ein geringer Marktflecken , der ſich vom Ackerbau ernähret, ( 9 ) Romiáthi , war ehemals ein feſter und anſehns licher Drt , ießt aber iſt er ein Marktflecken . Er gehos ret zum Gebiet des Sdloffes Ghymeſch. (10) Ujlak, ein Marktflecken, der Grafen Forgatích. 2) Der boinigifone Diſtrict, welcher enthält : ( 1) Boinig , Baimocz, (Baimon ) eiu Schloß auf einem Berge , der palfyichen Familie zugehörig . Neben demſelben liegt am Fluß Mitra ein mittelmäßiger Markt, Gg2 plecten

468

Das Königreich Ungarnt.

fleden gleiches Namens , woſelbſt ein wohleingerichtetes warmes Bad iſt. (3) Keſſell8:2 %, liegt auf einem felſichten Berge, imd gehöret der maythenyſchen Familie. (4 ) Prividye , deutſch Priwis , flaw . Priwica, Prividia , ein Marktflecken , darinn viele Suchmacher und Schuſter wohnen . Er gehöret jár boinißiſchen Herrs fchaft. ( 5 ) X7emet Prona , Deutſch Prona , Vemetzkes Prawno , ein Marktflecken , hat fruchtbare Aeder. , (6) ZamboFret, (Achambolret) ein Marktflecken . (7) Szlatſany , Slacſán , ein Marktfiedeu des nic triſchen Biſchofs. 3 ) Der Bodokiſche Diſtrict, in welchem (1 ) Bodol , ein Dorf, der gråfl. berenyſchen Fa: milie, ( 2 ) Vagy : Topoltſan , ( Topolchan ) Groß : Tos poltſchan , flam . Welike:Topolcany , ein weitläuftiger und wohlbewolinter Marktflecken , bey welchem Safran gebauet wird. Er iſt ehedeffen eine königl. Freyſtadt ges weſen . Neben demſelben liegt das graft . berenyſche Eas

ftel towarnok , zu welchem eine Herrſchaft gehöret. ( 3 ) Bayna , ein Marktfleden , deffen Einwohner eine und Alder - Bau treiben . (4 ) Radosna , Radoſchin , ein Marktflecken des nitriſchen Biſchofs ; Pereszlény, ein Marktflecken. 4) Der lijhelyſche Diſtrict, in welchem ( 1 ) VTeuſtadt an der Wag , Vág -Ujhely , VTowes Meſto nad Váhem, Ujhelinuin , ein Marktfleđen , wel cher durch oftınalige Feuersbrůnſte reiner guten Häuſer beraubet worden . Der hieſige röthlide Wein iſt febr bes liebt. 1530, 1599 , 1620, 24, 63 iſt er von den Dimas nen verwüftet worden . .. ( 2 ) Creithe , flaw . Czachtice , ein altes Schloß auf einem Hügel , mit einem darunter liegenden Markts fledten , welcher Komarno genenuet wird, und deſſen Eins wohner ſich auf den Ader- und Wein -Bau legen . (1) Wer .

!

Ungarn an ſich ſelbſt.

469

( 3 ) Werbau , Verbo , Wrbowe, Verbovia , ein wohlgebauter und gut bewohnter Marktflecken , in einem angenehmen und fruchtbaren Shal . Die Einwohner les gen fich theils auf den Ader- und Wein - Bau , theils auf Handwerker. (4 ) Psítény , Pifchtyán , ein Marktfleden , wels cher zum galgoniſchen Gebiet gehöret, und zwiſchen den Grafen Erdory und Forgatſch getheitet iſt. Hier find an der Wag berühinte warıne Bider , welche keine ordenta liche Quellen haben , ſondern man gribet am Ufer Grus ben , die , nachdem der Fluß machſt, oder abnimmt, weis ter von demſelben nnd näher gemacher werden müffen , md darinn badet inan fich . Sie ſind ſehr heiß, und man findet ſie auch im Fluß , wenn man den Grund derfelben mit den Füßen öfner. ( 5 ) Viteng , Chtelniga , ein . Marktfleden unter den ſogenannten weißen Gebirge , der fich vom Adera und Wein Bau ernäisret. Er gehöret zum jokoiſchen Gea biet der Grafeu Erdódy und Zlobos.

(6 ) Leopoldſtadt, Leopoldopolis, eine regelmäßig angelegte Feſtung an der Wag, in einer moraftigen Ebes ne , welche Kaiſer Leopold 1663 anſtatt der verlornen Fes ftung Neuhäuſel, zur Bededung des Landes anlegen laf Sie iſt aber jegt in ſchlechtein Vertheidigungea ſen . ftande. (7 ) Freyſtadt, ung : Galgos, flaw . Freysſtal, ein Bergſchloß an der Wag, welches dein Grafen Erdódy gebåret, 1663. von den Osmanen eingenominen , im fol genden Fahr aber wieder verlaffen worben . Unter dema felben liegt ein Marktflecken an bein fteilen Ufer des Fluſs fes , deffen Einwohner vornehmlich vom Ucker: und Weins Bau leben . (8 ) Ujvaroita , euſtádl, Mieſtegako , ein Markte Aleden , dicht ben Leopoldſtadt, im Gebiet des Soloffes Galgocz. ( ) Koſtolán , ein Maltflecken, der guten Acerbau treibet. 69 3

( 10 )

470

Das Königreich Ungarn .

( 10 ) 0 : Tura , Stary Turá , das ift , Alt- Lura , ein Marktfleden , deffen Einwohner von der Biehzucht leben . (11 ) Brezowá , ein Marktfleđen, der Uderbau und Handwerker treibet. ( 12) Deithe, ein Marktflecken , der von dem Durchs Auſſe des Flufſes 'Blawa in 2 Theile getheilet wird , von welchem einer zu der Presburger Geſpanſchaft gehöret, 5) Der Szakolniſche Rreis , in welchem ( 1) Szałolga , Skaliga, Skalis, die einzige koa nigt. Freyſtadt dieſer Geſpanſchaft , auf einem Felfen (Škala ) an der mähriſchen Gränze. Weil ſie in Kriegsa zeiten viel gelitten hat , ſo iſt ſie nicht anſehnlich. ( 2) Solitſch , ein ſchöner Marktfleden , Schloß und Herrſchaft an der Morau ; welde Kaiſer Franz an fich brachte, auch 1753 die daran grånzende Herrſchaft Cog niotzo dazu kaufte, und ihr einverleibte. 1780 vermachte die Raiſerin -Königin Maria Thereſia , Holitſch und Golding dem Großherzog Leopold von Toſcana. Zu Holitſch iſt eis ne Manufactür von weißem Geſchirr, welches auf fran : zöſiſche Art mit kleinen Blumen bemalet wird. ( 3 ) Egbel, ein Marktfleden, in welchem ein ſchwes felhafter Brunn iſt. Er bauet viel Hanf. ( 4) Radoſób , Radoſchowge, ein Marktfleden in eis ner ſchönen und fruchtbaren Ebene. ( 5 ) Szenitze , Senit , ein Marktfleden , darinn viele Edelleute wohnen , im berentichiſchen Gebiet am Fluß Chwonniße. (6) Szabatiſtye , Sobotiſcht, ein Marktfied'en am Fluß Chwoynike, mit einem Caſtel, und einer ehemaligen wiedertauferiſchen Colonie , welche ſich aber hat zur ka tholiſchen Kirche bekennen múffen . ( 7) Sandorf, Sandorfalva, ein Marktfleden im korlatkdiſchen Gebiet.

3 Die

Ungarn an ſich ſelbſt.

23

471

Die Trentfdiner Heſpanſchaft, ungariſch ,

Trentſin Vármegye,

Trentſchinienſis comitatus, liegt am Fluß Bag , und läuft an den måhriſchen Gränzen bis nad ) Schleſien fort. Die Einwohner

derſelben ſind böhmiſde Slawen , unter welche Edel. leute gemenget ſind , die ungariſch ſprechen. Die ober geſpanſchaftliche Würde, geboret dem Hauſe Jl. ( yeshajy erblich. 1 ) In dein untern Diſtrict , find ( 1 ) Trentini ( Trentfhin ,) eine königl. Freyftade an der Wag. Das hieſige feſte Schloß , welches auf eis nem ſteilen felfen liegt , gehöret zum iNyeshafiſchen Ges biet. ' In derſelben find noch verſchiedene große römiſche Buchſtaben von Stein gehauen , zu ſehen . Ilmweit dies fer Stadt zu Teplig , iſt ein warines Bad , defien größte Wärme 104 fahrenbeitiſche Grade betragt, (2) Beglo . ein mit einer Mauer umgebener volt. reicher Marfifleden an der Wag , welcher verſchiedenen Herren gehöret, Das hieſige Schloß bieß ehedeffen Bos lond Dar , d . I. Narren : Schlog. In dem Dorf Chochol : na , eine Stunde von hier , iſt ein Geſundbrunnen . 2) In dem mittlern Diſtrict, in welchem (1) Beluſſa , ein Marktflecken . (2 ) Dubnitz und Domaniſch , Marftflecten ( 3) Jllapa , ein Marktflecken , mit einem Schloß, an der Wag. ( 4 ) Kofa , ein Marktfleden , ( 5 ) Lednige , ein Marktfieden und verfallenes Schloß , an der måfriſchen Gränze. ( 6 ) Puchow , ein Marktfleđen, welcher ſeiner Ducha webereyen wegen bekannt iſt. ( 7) Pruſka , ein Marktflecken und Schloß. 3) Der obere Diſtrict , in welchem (1 ) Dag :Besztercze, Beſterga, Biſtricia , ein Markts

fleden an der Wag.

Am andern Ufer des Fluffes, gegen denta Og 4

Das Königreich Ungarn .

472

demſelben über liegt ein Schloß auf einem fteilen Felſen . ( 2 ) Predinir , ein Marktflecken . (3) Rajet , ein Marktfleđen , in welchem warme Båder ſind. ( 4) Bitſchin , ein guter Marktflecken , mit einem Schloß. ( 5) Kisutga s Ujhely , flam . Vtowé Meſto , Ujhe. Jinum , ein Marktflecken , am Fluß Kiſcuta, bon wels dem er den Namen hat , zum Unterſchied von Neuſtadt an der Wag. Er treiber einen ſtarken Weinhandel. (6 ) Solna, Silein , Zilina , ein Marktfleden in einer fruchtbaren Gegend. (7) Teplits, Warin oder Barin , ein Marktfleden. 4 Die Barſcher

Geſpanſchaft ,

ungariſch

Bars Vármegye , flawoniſch Tekowſka Sto . tica , Comitatus Barſchienſis, iſt ungefähr zehn Meie Ten lang , und 3 bis 6 Meilen breit. Die Haupt.

Adffe ſind die Gran , Vitra und Sitva , oder Zitama . Es gieber hier nicht nur Sauerbrunnen, nåm. lich die bukoviſchen und ebedeßiſchen , ſondern auch warme Båder , weldie unter die berühmteſten in ganz Dieſe ſind das Glashüttners Ungarn gehören . oder klenniſche Bað , und das eiſenbachiſche, Es wächſet in dieſer Geſpanſchaft oder wihniſche . und in den ebenen Gegenden gutes guter Wein , Getreide .

Die fremnißiſchen und konigsbergiſchen

Goldgruben , ſind lange nid )t mehr ſo ergiebig , als ſie ehedeffen geweſen . Die Viehzudt iſt in den bergich . ten Gegenden gering , doch ziehet man viele Schafe ; und in den ebenen Gegendeniſt ſie auch nicht betrachte Die Einwohner find Ungarn , böhmiſdze Sla : lich. wen und Deutſche. Die landſchaft beſtehet aus fol. genden Diſtricten : 1 ) Der

-

Ungarn an ſich ſelbſt.

473

1) Der oflaniſche Diſtrict , barinn (1 ) Jwey königl. Frcyſtadre , nämlich : a) Kremnig , Cremnicium , ung. Rørinócz -Bánya , flaw . Kremnicza , die vornehmſte Bergſtart in Ungarn . Sie liegt in einem tiefen Grund zwiſchen hohen Bergen , ſo daß man ſie nicht eher fichet, als bis man nabe dabey ift. Die Stadt an ſich ſelbſt iſt nur ein ganz kleiner Ort , der zwey Kirchen , ein Franziſkaner Klofter, nicht über dreyſa fig Häuſer und ein Schloß enthält ; aber die Vorſtådte find deſto größer , und beſieben aus neun Gaſſen , nebſt einem Armenhauſe mit einer Kirde , und einem lutheris ſchen Bethhauſe. In dieſer Stadt iſt die. königl. Bergkamna mer, und die Münze , in welche das gefundene Gold und Silber aus allen Bergftarten gebracht wird. Die hieſige Gegend der Goldgruben , wird in den Hinter- und Por: der Zech eingetheilet; jener enthält fieben Gruben , und dieſer zwey ; alle neun Gruben aber find foniglid . Hiers nachft ſind noch Gruben , welche ſowohl der Stadt übers haupt , als einzelnen Bürgern, gehören. Heutiges Tags ſind die Gruben weniger ergiebig , als ehedeflen. Der zu Schlich gezogene Kies , hält zwe» bis drey Duentchen Gold im Centner. Zuweilen findet man etwas gebieges nes Gold , es kommt auch wool in blatterichter Geſtalt vor. Neben der Stadt liegt auf einem Hügel ein Schloß, in welchern eine Pfarrkirche iſt. Daß die Leute, welche in den Bergwerken arbeiten , vielen Gebrechen unterwors fen find, hat ſeine begreiſlidien Urfachen. In den botſkaji ſchen , rafobiichen und torslifchen Unruhen , hat die Stadt mit ihren Bergwerken viel gelitten. 1751 hatte fie die ungewohnte Ehre , den römiſchen Kaiſer, Franz I bey fich zu ſeben , welcher auch in einen ſehr tiefen Schacht in der Bergkleidung fuhr . 1765 wurde ſie vom Kaiſer Foſeph II beſucht. 1777 brannte ſie größtentheils ab. b ) Königsberg, ungar. Uj-Bánya, flaw. Itowas Bánya , das iſt , nova fodina, Regiomontum , eine Bergſtadt, in einem Shal, der die Berge , init weldien fie umgeben iſt , anſtatt der Mauern dienen . So rauh

und traurig die Lage iſt , ſo ſchlecht find auch die Häuſer, und 68 5

474

Das Königreich Ungain.

und ſo gering ihre Anzaht. Es find hier zwen Kirchen, Davon die eine zum Krankenhaufe gehöret. Das ehemas lige einträgliche Golobergwerf dieſes Drts iſt eine Zeit : lang liegen geblieben , 1770 aber war es wieder in Gange, und hatte außer der königlichen Grube noch einige gemein ſchaftliche. Zuweilen findet man etwas gediegenes Gold . Die Nahrung des Orts beruhet mit auf den Glashütten, 1664 brannten die smanen Ackerbau und Bierbrau . denſelben ab. (2) Marktflecken und Schloſſer, nåmlid ) : a ) Oszlány , Wszlan , ein Marktfleđen , deffen Lage angenehm iſt, der umherliegende Ader aber iſt ſchwer zu bauen. 1662 und 83 ward der Ort von den Dsmanen eingeäſchert. b) Seilig-Kreuz , ungar . Szent Kereszt, flawoniſch Swaty Kriz , Fanum S. Crucis , ein Marktfleden an Fluß Gran , in einer luſtigen und erhabenen Gegend, bat guten Aderbau und Wieſenwache, und ein Caſtel. Er ges håret nebſt einer Herrſchaft dem Erzbiſchof von Gran, uud iſt zu verſchiedenen malen abgebrannt, ſonderlich 1726.

c ) Zernóg , Zernowig , ein Marktflecken am Fluß Gran , in einer bequemen und fruchtbaren Gegend , ift fonderlich feines guten Brods wegen bekannt, welches den benachbarten Dertern verkauft wird , und gehöret der ſchemuißiſchen Bergkammer. d) Wella Polya , sochwies , ein kleiner wohlbe. wohnter Marktflecken , in einem angenehmien Thal , ges håret den P.P. S. Pauli des Eremiten. e) Sallo , (Schafch -ko,) Sachſenſtein , ein Schloß auf einem hohen und ſteilen Felſen am Gran , welches mit ſeinem Gebiet der Bergkantmer zu Schemnik gebåret. f) Rewiſchtye, Rém , ein Soloß auf einem bohen Berge , am Gran , welches der Schemnitziſchen Kammer gehöret. ( 3) Eine große Anzahl Pfarrbörfev ,

davon 14

zum faſtdiſchen , oder hladomerſchen Gebiet, 12 zum

+ :

Ungarn an ſich ſelbſt.

475

remyſchtiſchen Gebiet, über 18 jum erzbiſchoflich.grans fchen Gebiet der Stadt Heilig .Kreuş , 24 verſchiedes nen Herren , ' und .6 der Stadt Kremniß geboren . Von denfelben iſt anzumerken : a) Bileno , ( Sofleno , ) Glashütten , der ſeiner portreflichen warmen Båder wegen , berühmt iſt , unter welchen das ſogenannte Schritzloch) vornehmlich merkwüra dig . Dben auf dem Hügel, in welchem ſie ſind , ſtehet eine Kirche , auf deren Kirchhof die Erde ſo heiß iſt, daß die feichen , die daſelbſt begraben werden , in einem hala ben Jabre verweſen , und zu Aſche werden . Der Ort lieget im faftoiſchen Gebiet.

3 b) Alſó -Soány , im remiſchtyſchen Gebiet , woſelbſt ein Sauerbrunn iſt. c ) Klemes :Kosztolány , ift anſehnlich , und ein Artis telort der augſpurgiſcheu Confeſſionsverwandten , woſelbſt fie offentlichen Gottesdienſt haben. Er gehöret der foßto, laniſden Familie. d) Eiſenbach , Dychnye , iſt wohl bewohnet, und ges höret der Stadt Schemnik . Der Ort iſt ſeiner bortreflis chen warmen Båder wegen burühmt. Das beiffe Quell: waſſer wird von den Quellen durd) bölzerne Kanile auf 350 Schritte weit bis in die Vadſtuben geleitet , da es denn eine gemaßigte Warme bat. 2) Der Lewiſche Diſtrict. ( 1 ) Folgende Marktflecťen und Schlóffer. a ) Lewenz , ungar. Léva , ſlam . Lewise , 'ein fürfta lich -efterhaziſder geringer Marktfle & en , mit einem wüs ften Bergfchloß , welches ehebeffen durch oftmalige Bea lagerungen und Eroberungen berühmt geworden, b) 0 : Bars , ( 0 -Barſch .) Berſemburg ,Telow , ein geringer Marktflecken am Fluß Gran , der die umber liea , gende Ebene oft überſchwemmet. Die Geſpanſchaft hat davon den Namen , und er hat ebedeſſen den Titel einer königl. Freyſtadt gehabt. c) Vas

476

Das Königreich Ungarn .

c ) Vlagy -Sarlo , Weliké.Scharluhy , 'ein Marktfles den , der zum Uderbau gutes Feld hat , und zum Gebiet des Erzbiſchofs von Gran gehöret. ( 2) Vagy : Solos , ein Marktfleden , bey welchem ſehr guter Wein wådiſet. 3) Der Kiſd - Topoltſchaniſche Diſtrict, darinn

( 1) Folgende marktflecken und Sdıldſſer. a) Kis -Topoltfan , ( Riſch.Copoltſchan ,) Klein -To . poltſthan , ( lawon. Male - Topolczany , ein Marktfles cen init einem Caſtel. Er hat gutes Aderland. Fu dems ſelben pflegen die Geſpanſchaftsverſammlungen gehalten. zu werden, b) Sruſſow , ein verfallenes Bergſchloß , in welchem ehemals das Geſpanſchafts- Urchiv verwahret worden . e) Szent Benedel , Swaty Benedek, Fanum S. Be nedicti , ein ehemaliges Benedictinerkloſter , welches nuu Es liegt auf dein ho: dem Domkapitel zu Gran gehörer. hen Ufer des Fluſſes Gran , iſt befeſtiget, und hat daher die Geſtalt eines Sdlofjes . Darneben liegt ein Markte flecken. d ) Aranyos : Maróth , flaw. Hiorawet oder Mos rawge, ein Marktflecken , der guten Aderbau treibet. 4 ) Der Werebeliſche Diſtrict and Gerichts . ſtuhl, Proceſſus et ſedes verebelyenſis, darinn die Edelleute, welche Prádialiſten genennet werden, bloß dem Erzbiſchof von Gran , als ihrer höchſten Dbrige feit , unterworfen ſind, auch ihren beſondern Pala. tin und Magiſtrat haben ; die übrigen Edelleute und Bauern aber , haben Geſpanſchaftsrechte. Wir bes merfen darinn Verebély, Wrable , ein Marktfleden , welcher ehes deffen befeftiget geweſen , am Fluß fitva . Zu dem Dis ftrict gehören noch unterſchiedene Dörfer.

IV Das

Ungarn an ſich ſelbſt.

477

IV Das Fünfkirchner Gebiet, von 6 Geſpana

1

4

ſchaften , in Nieder:Ungarn. 1 Die Tolner Geſpanſchaft ,

ungar. Tólna

Vármegye , Tolnenſis comitatus, liegt an der Doe nau und Sarwiß , iſt ſehr fruchtbar an Getreide, Wein und Tobak ; die Berge ſind mit Wåldern bes feket , und der Hauſen - Fang in der Donau iſt febr beträchtlid ). Sie wird von Ungarn , Raißen, Deutſchen und böhmiſchen Slawen , bewohnet.

Der

jedesmalige Biſchof von Fünffirchen, iſt Obergeſpan dieſer Grafſchaft, welche in 3 Diſtricte abgetheilet iſt.

1 ) Der Scrimontorner Diſtrict, enthåle ' ( 1 ) Simons :Thurn , ungar. Simon : Torna , eie nen wohlbewohnten Marktflecken an dein Ort , wo die Flüſſe Scharwitz, Sid und Kapos zuſammenflieſſen. Er hat ehedeffen ein feſtes Edhloß gehabt. Hier wird die Ges ſpanſchaftsverſammlung gehalten . 1686 wurde er von den Kaiſerlichen erobert, nachdem ihn die Osmanen lange beſeffen hatten. (2 ) Die Marktfleden Döbr & F33 , Dombovar , auf einer Inſel, welche das Scharwaſſer macht , mit einein zerſtörten Schloß, Ueregb, Ozora , Pincehel, am Fluß Kapoſch , Regel , Tamafi, am Fluß Sajo (Scajo.) 2 ) Der Foldvarer Diſtrict. ( 1) foldvar , ein Marktflecken an der Donau , der jetzt der Univerſitåt zu Ofen zugehöret. Bey demiſelben iſt ein ſtarker Hauſenfang in der Donau. ( 2 ) Die Marktflecken Battaszeg und Pilis. (3 ) Szekszard , Sefard , ein anſehnlicher und wohlbewohnter Marktflecken an dem Scharwaffer , ebes deſſen mit einem feſten Schloß, iſt wegen eiver Abtey des 1Eriðfers , in welcher K. Bela I begraben liegt , und wes gen ſeines rothen Meins berühint, der den Burgunder an Farbe ånlich ift, und an Güte übertrift. ( 4 ) Tól

478

1 Das Königreich Ungarn .

( 4) Tólna , bolna , ein Marktfleden an der Dos nau , von welchem die Geſpanſchaft den Nainen hat , der ebedeffen eine königl. Frenſtadt war. 3) Der Wölgyfdier Diftrict, in welchem ( 1) 58gyesz , ein Marktflecten , in defin' Nachbar: Tchaft der Kapoſch ſich mit dem Scharwaſſer vereiniget. (2) Rolded , ein Marktfleden . 2 Die Baranyer Geſpanſibaff, ung. Baras nya Vármegye, Baranyenfis comitatus, liegt zwis ſchen der Drave und Donau, iſt fruchtbar an Getrei de , Gras ,

Gartenfrüchten , und Wein , hat viete

Wålder , und Marmor von verſchiedenen Farben, wird von Raißen , Ungarn , und Deutſchen bewoh. net , und beſtehet aus 4 Diſtricten . 1) Der Baranyer Diſtrict, in welchem ( 1) Boly , ein Marktfleden . ( 2) Mohács , Mohatſd), ein bekannter Markt: fleđen , unweit der Donau , welche ſich in dieſer Gegend theilet , und die Brigitten : Infel machet. Er iſt ſowohl durch die unglüdliche Niederlage , die König Ludewig II in dieſer Gegend 1536 vom osmaniſchen Sultan Solyman erlitte, und nach derſelben nicht weit davon in einem durch : wühlten Fuhrt, von ſeinern umgefallenen Pferde erſticket wurde ; als durch den 1687 daſelbſt über die Dömanen er : fochtenen wichtigen Sieg, berühmt geworden. ( 3 ) Szeleſs , ein Marktfleceu . ) Der Schitlofiber Diftrict, in welchem (1) Siklos , (Schikloſch) auch Soklos , ein Markt: fleđen an der Drawe , der ſehr guten rothen Wein bauet. Ueber demſelben liegt ein Schloß auf einem hohen Hügel, auf welchem K. Siegmund ein halbes Jahr gefangen ge reffen hat. (2) Bellye , ein Dorf beym Einfluß der Drave in die Donau, mit einer großen königlichen Herrſchaft. Fier ist

Ungarn an ſich ſelbſt.

479

ift der größte und wichtigſte Hauſenfang , von dem man Stúde , die 15 Centner gewogen , gefangen hat. 3 ) Der Fünfkircher Diſtrict , in welchem (1 ) Sünfkirchen , ungar. Pets , ( Pétſch .) flawon . Pet Koſtolu , Quinque ecclefiae , ehedeffen Pente ( fünf) eine bischofliche Stadt , welche ihren Namen von der Pes terélirche und ihren 4 Kapellen hat. Sie war vormals eine anſehnliche Stadt mit einer berühmten Univerſitat, die ſelir ſtart beſuchet wurde , hat aber von ſolchem Unſes hen viel verloren. Unterdeffen , weil ſie ein biſchöflicher Sib iſt, und ein Domkapitel hat, auch überaus angenehm liegt , und guten Weinbau hat , ſo koinnt ſie nady und nach in großere Lufnahm , iſt auch im Anfang des 178often Jahre zu einer fånigl. Freyſtadt erklåret worden Der Biſchof Climo hat hier eine Offentliche Bibliothek und ein Münzkabinet geſchenket. Die ehemalige Kirche der Geſuiten , iſt eine der pråchtigſten in Ungarn . Der hieſige Biſchof hat jährlich 30000 Gulden Einfünfte. Man bat hier in neuern Zeiten viele römiſche Alterthümer gefunden, und es iſt wahrſcheinlich , daß hier die Stadt Serbinuin , geftanden hat. In dem Schloß, welches auf einem Berge Das Bistum hát König Ste: liegt, wohnen die Biſchofe. Phan 1009 geſtiftet. ( 2) Picsvár oder Magyar :Pécsvár, ein Marktfle: den und Schluß , nicht weit von der Donau . Er wird von Ungarn bewohnet, hingegen bemet - Persvar , von Beybe Deutſchen , und Rátz- Pecsvar , von Raißen . ſind auch Marktfleden . 3 Die Syrmiſche Geſpanſchafi , Sirmia Vármegye, Sirmienſis comitatus , oder das Hero zogthum Syrmien , welche von dem Fluß Vuka ana fånget, und fic , bis Zemlin erſtrecket, und von relo chem nod) jeßt der Fürſt Odeſcalchi den bloßen Titul führet. Darinn iſt 1 ) Lie Herrſchaft Guſtar,

ich

Das Königre

480

Ungarn .

2) Die Serrſchaft Vukovar. In dem Drt dieſes Namens werden die Geſpanſchafts:Gerichte gehalten.

3 ) Die Serrſchaft Juok. 4) Die Serrſchaft Carlovicz. 5 ) Ein Theil der Serrſchaft Zemlin , denn ein Theil ſtehet unter dem Generalat.

4 Die Werowitiger Geſpanſchafe , Vero. Bei Vármegye , Comitatus Veroczenfis , oder Veroviticenfis, dazu der größte Theil der Berry ſchaft Walpo , geſchlagen worden . 1 ) Die Serrſchaft Derocza oder Veroviticza , in welcher ( 1 ) Verocza pder Veroviticza , ein Marktflecken, in welchem ein Franciſťanerkloſter. Ehebeſſen war er ein feſter Drt.

(2) Turnajlicza , und andere Dörfer. 2) Turanopecz , an der Drave, und andere adeliche Süter. 3 ) Die Serrſchaft Dalpo , in welcher der Marktfles den gleiches Namens , mit einem Franciſkanerkloſter. 4 ) Effee , auf türkiſch , Veſek , eine ſtarke Feſtung an der Drave, auf deren benden Seiten weitläuftige Mos råſte find , über die ſowohl als über den Fluß , und über einen in den Moråſten aufgeworfenen alten römiſchen Damm , eine hdizerne Brüde erbauet iſt , die bis Dave in Ungarn , in der Baranner Geſpanſchaft reicht , und beren Långe , Ifthuanfius im Anfange Feines dreyzehnten Buchs auf 8565 Schuhe ſchåret. Der Sultan der D8. manen Solyman , hat diefelbige 1566 anlegen , und über 20000 Mann daran arbeiten laſſen. Sie iſt im fiebzehns ten Fahrh. von den Ungarn ein paarmal ganz verwüſtet

1

Slavonien .

481

worden. In dieſer Feſtung hat Pev befehlende General in Slavonien ſeinen ordentlichen Sit . Der Ort iſt ſehr mit ſchlimmen Fiebern geplaget , und wird, fo wie Peter wardein , der Deutſchen Kirchhof genannt. Er wird wegen ſeiner Beratung, und weil in der Gegend deſſelben das flawoniſche Cavallerie- Regiment liegt, zu den Soldas ten . Dertern gerechnet. 1529 wurde die Stadt von der: Dimanen erobert , 1537 von den Kaiſerlichen vergebens belagert , 1600 aber eingenommen. 1664 brannte Graf Zrini die Brücke bis auf den Grund ab , ſie ward aber von den Osmanen bald wieder hergeſtellet. 1685 brannten die Ungarn abermals einen Theil davon ab , und in fola geuden Jahr vernichteten ſie diefelbe durchs Feuer ganz und gar. 1687 wollte ihnen die Eroberung der Stade nicht gelingen : nach der Schlacht ben Mahoiz aber , ber ließen ſie die Démanen von ſelbſt, Es iſt hier ein Frans ciſkaners und ein Kapuziner-Kloſter . Man glaubet hier die Trümmer der Stadt Murſia ober Murfa , entdecket zu haben , wenigſtens hat man viele ró . miſche Alterthümer an Waffen , Münzen und Inſchriften hiefelbſt gefunden. Der Regierungsratb von Taube ſuchte 1726 in den Inſchriften den Namen Murfia , zu finden , welches ihm aber nicht glådte. Nichts deſtoweniger glaubte er , daß dieſe Stadt in dieſer Gegend geweſen ſen , náms lich da , wo die Vorſtadt Unter -Waroich iſt. Denn als dieſe um die Mitte des achtzehnten Fahrhunderts erweis tert werden ſollte , mußte man alles römiſche Mauerwerf abbrechen , welches das Anſehen einer Fiftung hatte, und ben Hügel zwiſchen den Vorſtädten und der Eeſtung , wels cher der Galgenberg beißt , 300 Schritte lang , und 250 Schritte breit , bedeckt. Man zog daſelbſt ſo viel Ziegel und Quaderffeine aus der Erde , daß man init denfelben die Landſtraßen Drey Meilen um dieſen Drt her , pflaſtern konnte. Endlich hat nian 1784 wirklich eine Juſchrift auf weißen Marmor gefuuden , in welcher Col. Murf, vors kommt. ſ.meine wöchentl. Nachr. Fabrg, 13. St. 5. Nun könnten die hieſigen Moråſte , der Lacus Murhanus oder Mulianus ſeyn , deſſen Jordanes gedenket. $$ 6 ) Dia. a Th. 82.

.

482

Das Königreich Ungarn .

5 ) Die Serrſchaft Erdod. 6) Distovar , Marktfleden , Burg und adeliche Herrſchaft, dem bier wohnenden katholiſchen Biſchof ges hörig , welcher auð Bosnien ſeinen Sitz hieher verleget Am sten hat. Er hat jährlich 25000 fl. Einkünfte. Sånner 1777 iſt hier auch ein Domkapitel von einem Domprobſt und vier Domherren fewerlich geſtiftet worden , jedoch mit ſo geringen Einkünften . daß der Domprobit nur goo , der åltefte Domherr nur 600, und von den übris gen jeder nur 500 fl. bekommen hat. In dieſer Herrs foaft ſind noch keine Dörfer angeleget, ſondern die Häus ſer liegen zerſtreuet umher. 7) Die Herrſchaft Gaſſics, in welcher ein Franciſtas nerkloſter. 8 ) Die Serrſchaft Ørafovicza. 9) Die herrſchaft Vuchin .

5 Die Sdymeger Geſpanſchaft, ungar. Sos mogy Vármegye, Symeghienfis comitatus, liegt zwiſchen dem Fluß Drave und dem Plattenſee, und wirb von Ungarn , Kroaten , Raißen , Deutſdien , und böhmiſchen Slawen bewohnet. Sie iſt gegen Morgen bergigt, und dennoch iſt in der ganzen Graf fchaft fein Stein zu finden . Sie gat gute Eichen wålder , audy gute Weide , und einen fruchtbaren Getreideboden , iſt aber voll von Sümpfen , und Hat Fein gutes Waſſer. Der Platrenſee , Balaton , ein ehemaliger fiſchreicher See , der zwölf Meilen lang , gwen bis fünf Meilen breit , und rund umher mit guten Weinſtöcken beſeket war , iſt nun abgelaſſen. Die Diſtricte des Comitats find :

1) Der Igaler oder Roppaner Diſtrict, ( 1) Igal, ein Marktflecken, (2) Kopa

.31

Slavonien .

483

( ) Koppány, ein Marktfleđen, welcher ſeiner ehea maligen Befeſtigung beraubet worden. 2) Der Raniſcher Diſtrict, von dem kleinen Fluß Kaniſcha, welcher durchhin läuft, benannt.

( 1 ) Babolcſa , oder Babotſa , ein Marktfleđen, wel cher ehedeflen befeſtiget war. ( 2) Die Marktfleden Berszéncze, (Bresznit )Kesz. thely an dem See, und Segésdvár. (3 ) Caprony , ein gutes Dorf , woſelbſt die Crimi nalgerichte der Geſpanſchaft gehalten , auch die Gefanges nen verwahret werden. 3) Der Raporcher Diſtrict, in welchem (1) Rapos - Vár, ein Marktflecken , am Fluß Kas Hier pos , welcher chedeifen ein feſtes @ chloß batte. werden die Geſpanſchaftsverſammlungen gehalten. ( 2) Saard , ein Marktfleden .

( 3 ) Somogy-Vár , Simigiuni, ein Pfarrdorf, wels ches ehemals ein feſtes Schloß gehabt hat. Die Grafe ſchaft hat davon den Namen . 4 ) Der Sigether Diſtrict. ( 1 ) Grinz - Sigeth , ungariſch szigeth . Var , ein Marktflecken am Fluß Almaſch , in einem Moraſt, mit einem Kloſter, und einer abgeſondert im Meraft liegenden Feſtung. Dieſe wurde 1556 von den Démanen vergebens belagert. 1566 grif Solymann fie abermals an , und ob er gleich während der Belagerung ſtarb, To bemächtigten fich die Osmanen doch der Stadt ; der tapfre Commendante Graf Nic. Brini, aber that mit dem Reft ſeiner Beſaßung aus dem Schloſſe einen Ausfall, und ſtarb fechtend. 1864 ward fie von den Kaiſerlichen vergeblich angegriffen , 1689 aber mit Accord eingenominen . ( 2) Selle , ein guter Marktflecken.

$ 62

II Das

484

Das Königreich Ungarn .

V Das Agromer Gebiet, von 6 Geſpanſchaften 1 Die Salader Geſpüuſchaft , in Nieder -Uns garn , ungar. Szala Vármegye , Saladienſis co mitatus , liegt an der Grånje von Steiermark, hat waldreiche Berge , frudyrbare Hügel und Ebenen , 1

guten Weinwachs , Getreide und Baumfrüchte, im Ueberfluß, ſtarke Viehzudyt, viel Honig und Wachs. Der abgelaſſene Plarrenſee gehöret gröſtentheils zu derfelben . Sie wird von Ungarn, Kroaten und böhe miſchen Slawen bewohnet.

Die Obergeſpanswürde

hat das gråfliche Haus Altyan erblich . cte der Geſpanſdraft find

Die Diſtri

1) Der Inſel Diſtrict. ( 1) Cfafa - Tornya, Tfchatathurn , ein anſehnlicher und volfreicher Marktflecken , mit einem alten Schloß ," vont welchen wenig übrig iſt , dazu aber eine Herrſchaft von neunzig und einigen ſehr votkreichen Dörfern gehöret. Sie lieget zwiſchen der Mur und Drave daher man ſie die Inſel Muralsich nennet. Sie hat gute Viehzucht und guten Wein , und gehöret einem Grafen von Utthan. ( 2) Cegrád , ein Marktflecken beyin Zufanintenfluß der Drawe und Mur , welcher zu der Herrſchaft Iſahaka thurn gehöret. ( 3 ) Strido , Strigova , Stridonia , auch Strigova, ein Marktflecken in einem angenchmen Thal , zwiſchen Hügeln , die mit Weinſtöden beſetzet ſind , nicht weit voin Fluß Mur ; iſt nach einiger Meynung das alte Stridonium, wo der Kirchenvater Hieronymus geboren iſt. (4) Die Marktflecken Szerdahely , Rottorie und Perlak , oder Prelok. ( 5 ) Rag Ranifa , ein Pfarrdorf, in deffen Nahe in der Mur Gold ausgewaſchen wird . Wer reines Gold , in der Schwere eines Dukaten gefainmlet hat , betsinnt das für vom Rentmeiſter drey Galten , und das Gold wird in die Münze geliefert.

3 ) Der

Slavonien . 485 2 ) Der Diſtrict des Santhoer Sitzes , von 5 Marftflecken und 69 Dörfer. ( 1 ) Szent-Gróth, Fanum S. Gotthardi, ein Markts fledten an der Sala , mit einem Caſtell, muß von einer andern Ort gleiches Namens, in der Eiſenburger Geſpana ſchaft , unterſchieden werden . (2) Keszthely , ein großer Marktflecken auf einer Kbhe am Platten - See. ( 3 ) Süregb , ein Marktflecken auf einem hohen Berge , mit einem Schloß , wo der Bifchof von Weszprint zu wohnen Pfleget. (4) Belf8 -Turgye und Salſs Turgye , Markta fleden. 3)

Der Diftrict des kleinen Kapornaker

Siges , in weldjem ( 1 ) Kaniſa , ( Kaniſcha ,) oder Caniſa , cin Markta fleden an Moråſten , gehöret dem Hauſe Batyany. Er iſt ehedeffen eine gute Feſtang geweſen , welche 1702 gęs ſchleifet worden . ( 2 ) Ris,Komarom , Klein - Komorn , ein Marts flecken, der ehedeſſen ein feſter Ort war. , ( 3 ) Szalaber , ein Marktflečen, (4 ) Kapornak , ein Pfarrdorf, Abtey Benedictiner - Drdens.

mit einer alten

4 ) Der Diſtrict des Tapolser Sitges. ( 1) Tapoltza , ein Marktfied'en , welcher ehemals wider die Domanen mit einem gedoppelter Walt ungeben worden , jegt aber ein offener Ort iſt. Er hat ein ſchmes Felhaftes. Bad. Der Wesprimer Biſchof hat hier ein Luſt Schloß. ( 2 ). Die Marktflecken Czobang und Szigliget . Bey . jedem iſt ein Bergſchloß.

; ( 3 ) Tibon , ein Schloß auf einem Felſen , am Plats ten: See , mit einem Marktflecteit.

HH3

5) Der

486

ch

Das Königrei

Ungarn .

s) Der Diſtrict des großern Bapornater Siges. ( 1 ) Egerszeg , am Fluß Sjala , welchen einige Szalad nennen , war ebedeflen mit Mauern 'uingeben , iſt aber jetzt ein offener Marktflecken , in welchem die Geſpana ſchaftsverſammlung gehalten wird. ( 2 ) Løv8 , ein Marktflecken . 6 ) Die untere Limbacher Serrſchafr. ( 1 ) Alfó: Lendva , ein altes Schloß , mit einem Marktfleden , gehörte ehedeflen den Grafen Banfy , die ausgeſtorben ſind, nun aber den Fürſten Eſterhazy . ( 2 ) Belfo :Lentbi und Cresztreg , Marktflecken . ( 3 ) Die Herrſchaft Bellatinz , wird von lauter Vandalen bewohnet, urd begreift einen Marktfladen und 19 Dörfer ; jener heißet Turniſcha , unter dieſem iſt Bellatinz. 2 Die Warasdiner Geſpanſhaft, in Ober. Slavonien , Varasdiai Várinegye, Varasdinea . fis comitatus. Sie beſtehet aus vier Diſtricten . 1) Der Warasdiniſche Diſtrict. ( 1 ) Varasdin , Warasdin , eine königl. Freyſtadt am Fluß Drave , welche befeſtiget ift, auch durch eine fefte Burg beſchůbet wird , deren Hauptmannſchaft ben der Familie der Grafen von Erodd erblich iſt, und zu wels der viele Häufer in der Vorſtadt, qud Dörfer und Di. ftricte gehören. Die Stadt an ſich ſelbſt iſt klein , aber die Vorftådte ſind groß. Sie iſt vom Könige Andreas II, und deffelben Sohn Bela IV , in einer großen Ebene erbauet und privilegiret worden. Als der General von Herber: ftein fie 1597 den Demanen entriffen hatte, ward ſie zum Sitz des Generalats erwählet, welches aber nachmals nach Caproncza verleget , und Warasdin zum Sig des Ban gemachet worden . Es brannte aber 1776 faſt die ganze Stadt ab , worauf der Ban ſich nach Agram begab. Das Gebiet der Stadt iſt beträchtlich unter andern ge håret Kneghnecz , vor ulters Kbeene , dazu . Das

Slavonien .

I

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TA!

487

Das warme Bad zwiſchen der Stadt und einém hos hen Berge , 'hief anfänglich Aquac Jafae , hernach Ther mae Conſtantinianae. ( 2 ) Steffanecz , ein bemauertes Caſtel.. ( 3) Mellen , ein zerſtörtes Schloß , mit ſeinem zu: gehör. ( 4) Vidovecz , ein Caſtel. (5 ) Die bemauerten Caſtele , Ivanecz, woſelbſt ebe beffen Eiſengruben geweſen , Czerje und Bela , welche den Grafen von Erdódy , gehéren. (6 ) Toplicza , Schloß und Herrſchaft dem Donikaa pitel zu Zagrab gehörig , hat warme Båder. (7 ) Martianecs , eine alte Burg . ( 8 ) Szent Erſebeth , ein bemauertes Caſtel, 2) Der Winigiſche Diſtrict , welcher an 1 Steyermark grånget, und guten Weinwachs hat. einem mit , Burg ehemalige eine , (1 ) Vinicza Marktleden . (2 ) Babinecz , welches für das alte Anicium gehala ten wird. ( 3 ) Die Schloffer MarufTevecs, eigentlich Marias

fevcz, Klenovniť , und Trafoſtein . ( 4) Die Caſtele Kriſovlian , Komar , Jelenovor und Cralinecz. ( 5 ) Lepoglava , ein Kloſter der Eremiten des heil. Pauls. 3) Der untere Zagoriſche oder der Rrapinis fche Diſtrict. ( 1 ) Die alten Schloffer Metten und Oſtercz, find zerſtöret. Senes iſt vorhin genannt worden, ( 2 ) Die Caſtele Jajesda , Gotbalovecz , wofelbſt der Fluß Krarina entſpringet , Bellecz , Speti Kris, Sancta crux , Ilirkovecz . Rumor . ( 3 ) Prahovicza , eine Burg , mit

(4) Krapina , einem Marktflecken , von daher Czech und Lech ausgegangen, und die Reiche Böheim und Pos len KH 4

488

Das Königreich Ungarn .

len geſtiftet haben ſollen. Die Burg gehöret der gråflis den Familie Keglevich. In dem Marktflecken iſt ein Franciſkaner - Kloſter. Das hieſige warme Bad ift bes rühmt.

3 Die Rreutzer Geſpanſchaft, in Oberſlavo: nien , Rriſiai Vármegye , Kriſienſis comitatus, iſt viele Jahre lang mit der Zagraber Geſpanſchaft vereiniget geweſen , 1756 aber davon gerrennet wor. den . Sie begreifet

1 ) Zwer königliche Freyſtadre, welche ſind ( 1) Kreug , Kóros Vaſarhely , Kriſeoczi, Cri fium , welche Stadt ſehr alt , und ehedeffen die Haupts Gewiß iſt, daß ſtadt von Slavonien geweſen ſeyn ſoll. der K. Sigesmud ihre Privilegien erneuert und beſtätiget hat... Die obere und untere Stadt hatte ehedefſen jede ihren beſondern Magiſtrat , fie find aber unter der Könis gin Maria Thereſia unter einem Magiſtrat vereiniget wors den . Es iſt hier das Geſpanſchaftshaus , and ein Paus linerklofter , und in der Vorſtadt iſt ein Franciſkaners Elofter. ( 2 ) Kaproncza , eine Stadt in einer Ebene , mit einer Feſtung , in welcher die Parochialkirche , ein Frans ciſkanerklofter , und das Rathhaus. 2) Zwey Diſtricte. ( 1 ) Der Kaproncziſche Diſtrict. a . Ledbreg , eine Rurg mit einem Marktfleden . b. Raszinya , eine Burg mit einem Markifleden. c. Opot , ein altes zerſtörtes Schloß. d. Bukovecz , ein bemauertes Caſtel, zu welchem das angebaute Gut Szent Peter gehöret , woſelbſt viele Alterthümer aus der Erde hervorgezogen worden . find hier Spuren einer ehemaligen Stadt, e. Lalovecz, ein Ort , woſelbſt auch Alterthümer gefunden worden.

(2 ) Der

TO

Slavonient.

489

( 2 ) Der Kreußer Diſtrict , welcher großer als ter erſte iſt. a . Hreben und Kys Kenilek , gemeiniglich Reka, alte zerſtörte Schlofler. b . Vagy Kemlel, gemeiniglich Kalniť, ein Schloß auf einem hohen Berge. Es iſt hier eine große Sjöhle. Der hieſige rothe und weife Wein iſt ſehr gut. c. Guſtherovecz , ein bemauertes Caſtel. d . Miholcz, ein Markiſeđen, Gradecz und Toms

bro Ivanich , Herrſchaften , gehören dem Biſchof von Zagrab. e. Verbovecz und Rakovecz, Herrſchaften des Gras fen Patachich . f. Glogoncza , war ehedeffen eine Probſtey , und gehörte hernach ſo wie Tkalecz , den Jeſuiten zu Zagrab. g. Opatovecz , eine ehemalige Abten , hat den Jea fuiten zu Warasdin gehörer. h . Lourechina , ein bemauertes Caftel. i. 17oszloving , Mons Claudii , ein Bezirk , mel: cher den Grafen Erdod von Monyoroferet gehöret , die davon Montis Claudii , comites fiipremi, genclinet wers , den , man weiß nicht warumı ? Es gehören zu dieſen Ses zirl fiebenzehn angebauete Güter, auf welchen liber 800 Seelen find. Die Katholiken haben hier die Pfarren (s. zelovo und Ludine , die nicht unirten Griechen die Pfarre Miklovsta. Der hieſige Wein iſt beliebt. Der Markt. fleden Podgorszla, ſcheinet hier geſtanden zu haben . Es war hier auch ein Schloß und Marktfleden Namens Karid ). 4 Die Zagraber oder Agramer Geſpanſchaft, in Oberfflavonien , Zagrabigi Vármegye , Za grabienſis comitatus, welche ſich von dem Fluß lone ja, bis an das atriatiſche Meer erſtredet. Sie hat . ſieben Diſtricte , von welchen die beyden legten gang zu Kroatien gehören.

HBS

1) Der

490

Das Königreich Ungarn .

1 ) Der Seliniſche Diſtrict. . ( 1 ) Selina, ein Ort, welcher in Szvetom Iwanu und Szent Miklos abgetheilet wird , jener Theil hat von Johannes dem Tiufer, dieſer von dem heiligen Ni colaus, den Namen . , ( 2 ) Borako oder Boſatovina , eine Herrſchaft. ( 3 ) Lupoglav , gehöret dem Biſchofe von Zagrab . ( 4) Pzer , jekt Prarjevo, ein ehemaliges Schlog , in welchein eine Probſter der heil. Cosmas und Damian geweſen iſt. 2 ) Der Zagraber Diſtrict. ( 1 ) Zagrab , ital. Sagabria , deutſch Agram , la : tein. Zagrabia, und weil ſie auf einem kleinen Verge liegt, der ehedeffen Grecs hieß, auf lateiniſch auch civitas mon tis Graecenfis Zagrabienfis, eine königl. Freyſtadt , die Hauptſtadt von ganz Slavonien , ſeit 1776 der Siß des Ban , ſonſt auch der Siß der königlichen Tafel für Kroa: tien , und eines Biſchofs und Domkapitelé . Sie liegt an der Save , welche ſowohl als die Kulpa wegen der Schif barkeit, ihr Bequemlichkeit zum Handel verſchaft. Auf einer Seite der Pfarrkirche ſtehet ein Nonnenklofter , auf der andern, ein ehemaliges Jefuitercollegium , und auf der dritten ein Tapuzinerklofter , auch iſt hier das Frangepas niſche Seminarium , und eine Univerſitet, der ehemals die Jeſuiten borſtunden . Unter den Vorſtådten , iſt Mans duffepecz , gemeiniglich auch Sarmicza , genannt , die vornehmſte. Im ſechzehnten Jahrhundert war hier eine Buchdruckerey , welche nach ihrer Wiederherſtellung 1756 verbrannte , 1769 aber iſt eine neue auf des Domkapitels Grund und Boden angeleget worden , welcher mit einer beſondern Mauer umgeben iſt. Der Biſchof hat 20000 Fl. Einkünfte , muß aber ein Bataillon Soldaten unter: halten , deſſen Obriſter und zugleich Sommendant von Dubicza , ein Domherr ift. ( 2) Des zagrabiſchen Domkapitels Güter tiraljes pecz , Caffina, 2c. und das biſchöfliche Gut Chucherje oder Vugra , ſonſt Vugrovecz. ( 3) Meda

Slavonien

491

( 3) Meowe, ein zerſtörtel Schloß. ( 4 ) Die Bezirke Puſaha und Berdovicz.

1

3

3

1

3) Der Poflavanſche Diſtrict, welcher dieſ ſeits und jenſeits der Save liegt , und in welchem die Herrſchaften Sziszeg , Siſcium , Selin und Sjavo ujvar , gemeiniglich Novigrad , u. a . m . die biſchöfliche Herrſchaft Braſtovicza , auf einem Berge , woſelbſt ein verwüſtetes biſchöflidhes Caſtel, und ein Franciſkanerkloſter ; Gore , eine Herrſchaft des Probſts des Domkapitels, und verſchiedene Dörs fer ,

die entweder dem Biſchof von Zagrab , oder

dem Domkapitel gehören .

4)

Der

Lomnicza , Goricza ,

Diſtrict

jenſeits

der

Save.

ein zwiefacher Ort dieſes Namens. woſelbſt Jahrmärkte gehalten werden.

In Kroatien liegen , das biſchöfliche Schloß Pos kupſko, der Ort Topuszko, und ein warmes Bad . 5) Der Podgoriſche Diſtrict. ( 1 ) Szamobor , ein Schloß auf einem hohen Ber: ge , unter welchem ein Marktflecken liegt. Es gehörer jekt einem Grafen von Erdödy , und hat in ſeinem Gebiet

Kupfergruben . ( 2) Olich , oder Ochich , eine wüſte Rurg auf ei nem hohen Berge , welche in der Geſchichte berühint iſt. Seßt iſt in die Stelle derſelben das bemauerte Caſtel Keresztinecz gekommen , welches unter Szamobor liegt. ( 3) Jaſca , ehedeſſen Podgoria , eine Burg , nebſt dem Marktflecken Jaszterbarszlo. ( 4) Petrovina, ehedefſen Petrina , eine Freyheit , dem Domnkapitel zu Zagrab gehörig. ( 5 ) Domagopich , Czvetkovich, und Draganich, adeliche Freyheiten.

6 ) Der

1

492

Das Königreich Ungarnt.

6) Der Diſtrict jenſeits der Rulpa , enthält das Schloß Ozolium , zu welchem eine weitläuftige Herrſchaft gehöret , die Herrſchaft Szteniciniek , an der türkiſchen Grånze , in welcher Kaiken wol . nen ; 17ovigrad , am Fluß Dobra , Berlogh , ein Caſtel, und unterſchiedene andere Derter. Eine Anzahl der hieher gehörigen Dörfer , dem militäriſd)en Gebiet geſchlagen.

5 Die

iſt 1768 zit

porcheger Geſpanſchaft ,

Poregai

Vármegye , Poſſeganus f. Poflegienſis comitatus, Sie hat die beſten Wege in ganz Slavonien , und von Pakracz bis in Kroatien erſtrecket ſich eine ganz gerade mit Obſtbäumen beregte Sandſtraße, zu deren Siderheit an beyden Seiten des Weges viele Solda. tenhåuſer erbauet ſind.

Die Menge der Maulbeers

båume zum Beguf des Seidenbaues , iſt in dieſem Comitat ſchon anſehnlich. 1 ) Porega , Porchel , bey den Osmanen Boczega, eine königliche Freyſtadt , am Bach Drlova , init einem alten verfallenen Bergſchloß , ehemaligen Jefuitercollegio , welches jetzt ſechs aus Ungarn berufene Våter der froma men Schulen verſehen , einem Franciskanerkloſter , und einem Conſiſtorio des Biſchofs von Zagrab. 2) Die Serrſchaft Butrinu , welche von Kroatien zu Slavonien geſchlagen worden , daher der Fluß Illova nicht mehr , wie ebedeſſen , die Grånze zwiſchen Kroatien und Slavonien ift. 3 ) Die Serrſchaft Szirach . 4 ) Die Serrſchaft Patracz. ( 1) Der Marktflecken Pacracz , iſt der Siß eines morgenländiſchen Biſchofs , und des Conſiſtoriums dels felben , hat auch eine katholiſche Pfarrkirche , Caſerneut und warme Båder. In derſelben giebt es die meiſten und

t

Slavonien . 493

und größten Bireu in Slavonien. Sie liegt mitten in der ſogenannten kleinen Waladey. ( 2) Das Schloß Darovar , mit dem Marktflecken Podborje. In der Nähe des Schloſſes , welches dein Grafen dieſes Namens gehöret, ſind zwey warme Båder ; eines derſelben hat der Regierungsrath von Taube 1776 in cinem alten römiſchen marmornen Bade, entdecket. 5 ) Die Berrſchaft Sztraſemon , in welcher an den Orte , von welchem ſie benannt wird , 1776 ſchon ſeit ge. raumer Zeit, Shnupftücher und verſchiedene kleine Bana ren aus ſlavoniſcher Seide gewebet wurden, 6) Die Serrſchaft Velika. 7) Die Abtey Buttjevo, welche den Jeſuiten zu Pos Phek gehdret hat. Hier iſt eine Caſerne. 8 ) Die Serrſchafi Pleternicza , in welcher eine Caſerne. 9) Die Serrſchaft Blaſto. 10.) Die Herrſchaft Czernit, 11 ) Die Serrſchaft Bresztovacz. 12) Die Herrſchaft Captol.

1

6 Die Severiner Geſpanſchaft, welche 1776 errichtet worden , als die Haupt : Intendenza zu Trieſt aufgehoben , und von dem ſogenannten Litorale, oder von des Hauſes Deftreid Seeplaßen an dem adriati . ſchen Meer , der Theil , in welchem Fiume lieget , zu Ungarn geſchlagen , und mit Carlſtadt und allein was von Flume bis dahin , und zwiſchen Krain und der Caroliner Straße lieget, zu einer Geſpanſdaft gemadhet wurde .

Ein Theil dieſer Geſpanſchaft Yat

ehedeffen zu der Ugramer Geſpanſchaft in Kroatien gehöret , iſt aber eigentlich ein Stück von Dalmas tien, welches vor Alters Iapydia hieß.

1

494

Das Königreich Ungarn .

In derſelben ſind zwey berühmte Landſtraßen , die zum Behuf des Handels angeleget worden , nem . lidh die Caroliner und Joſephiner Straße. Die Caroliner . Straße iſt 650co Schritre lang , und zum Behuf derſelben find Berge abgetra. gen und Felſen geſprenget, und dadurd) tiefe Thåler und Abgründe ausgefüllet worden. Der Berg Petſch, im ungariſchen Dalmatien , iſt in einer Långe von 400 Klaftern geſprenget, und dadurch ein Weg über die Alpen von 12 Stunden eröfnet worden , der an benden Seiten hohe ſteinerne Wände hat , und an II Klafter breit iſt.

Die von Mauerſteinen verfers

tigten Brücken , durch welche die Felſen an einandet, gehånget find , verdienen nicht weniger Bewunde. tung

Es ſind dergleichen inſonderheit über den

Berg Sungari in einer Långe von 187 Klaftern geo führet worden . Mit Zurichtung dieſer merkwürdi. gen Straße, iſt 1726 der Anfang gemadiet worden. Auf derſelben werden die Waaren mit großer Bes quemlichkeit zwiſchen S. Veit am Pflaum und Carl ſtadt gefahren ;

am

lekten Drt aber kommen ſie auf

den Fluß Culp , aus dieſem in die Save , und als. denn in die Donau . Sonſt findet man zu S. Veitam Pflaum eine Zucker. Manufakt. und eine Wadesbleid ;e. Die Joſephiner -Straße, iſt eine Sandſtraße, welche von hier und Carlobago nach Carlſtadt führet, und über Berge und Thåler 4 Meilen lang gezogen iſt. Sie wurde 1776 angefangen , 1777 gieng fie ſchon liber den hohen Gipfel, des vorher unwegſam geweſenen Berges Vratnik ; 1778 wurde der rauhe ſo genannte Capellenberg durchgebrochen , und an der großen Tþuinerbrice lebþaft gearbeitet,

und 1780 famen

!

Kroatien .

495

tamen auf dieſer Straße nach Sein , außer den War gen auch Kanonen mit ihrem Zugehör , an . an derfelben fteher nach jeder Meile eine kurze Såule , und alle 2 Meilen eine hohe Prramide , alle von weißem Marmor , und oben mit Sonnen - Uhren ver. Tehen , und auf benden Seiten der Pyramiden fließec Waſſer aus denſelben, für Menſchen und Vieh . Långſt dieſer Straße find bewohnte Häufer, Kirchen, Müh. len , Schmieden , und Wirthshäuſer angeleget wor. den. Sie hat den Namen vom Kaiſer Joſeph dem zwenten. Die merkwürdigſten Derter dieſer Geſpanſchaft, find außer Szeverin oder Severin , von welchem Dró, der nicht weit von Bellovar lieget, die Geſpan. ſchaft benennet wird , ' am Seeſtrande. 1) S. Veit am Pflaum , Retar, ital. Siume, lat. Flumen S. Viti , Vitopolis, eine Seeſtadt, an einem Bus ren des adriatiſchen Meeres, welcher il Golfo di Carnero, Sinus Flanaticus und Polenus, geriennet wird , und in welchen fich hier der Fluß Fiumara oder Rela ergießet. Sie liegt im Thal , in einer ſchmalen Ebene, die gute Weine, Feigen und andere Früchte tråget. Die Stadt iſt volfreich , und hat eine Collegiatkird) . Dem ehemalis gem 1627 angelegetem Jeſuiter - Collegium , gehörete die Herrſchaft Caſtua . Die hieſige Zuderliederen ,verfielice die oſtreichiſchen Länder mit Zuder , und gehöret Der Fius marer Compagnie. Den bieſigen Freyhafen machet die Fiumara. Aus demſelben werden viele Güter und Waar ren ausgeführet, davon ein anſehnlicher Theil aus Ungarn kommt, zu deffen bequemern Serzuführung Kaifer Karl vt von hier nade Carlſtadt in Kroatien, die befchriebene koſts bare ſandſtraße hat anlegen laſſen. Sonſt finder mait zu S. Veit am Pflaum auch eine Wachöblets che. Die Stadt iſt fren von Steuern und Contribu : tionen .

Eheseſſen iſt ſie dem Herzogthum Krain einver: leitet

496

Das Königreich Ungarit.

leibet geweſen , und hat mit demſelben alle Auflagen ge. tragen ; iſt aber ſchon 1648 von der krainifthen Landſchaft nicht niebr für ein Mitglied erkannt worden . Um Fiume wohnen noch 3biztri oder alte Carnier, die den Ziklern in Siebenbårgen am nachſten kommen . 2 ) Terſat , lat. Terſactuin , ein Caſtell, zwiſchen der Fiumara und dem Strande des adriatiſchen Meers. 3 ) Orobnik , ein Caſtel auf einem Berg. 4 ) Die Gérrſchaft Bukari oder Buccari, welche den Namen von einem Caftell und Marktfleden hat. In derſelben wurden zu Raunagora an der Carolinerſtraße, 1773 die afrikaniſchen und ſpaniſchen Schafe , welche der damalige Hof Commerzrath zu Wien , über die See nach Fiume Foinmen ließ , zuerſt angeſeket, weil ihr Begleiter, der ſpaniſche Schäfer Garcas Morena , verſicherte, daß dieſe Gegend , das Clima und Gras , mit Caftilien große Vehnlidykeit habe : es ,ward aber doch 1775 Mier: Fobal oder Tercopoli auch an der Caroliner -Straße, zum Hauptſik diefer Schafe erwihlet. 5 ) Srelin , ein Caſtell und Marktfleden. 6) Bulariza , oder Bufaricza , ein Caſtell . 7 ) Porto Re, gemeiniglict Kraljevicza , ein Hafen. 8 ) Sovi , ein Schloß am Meer , in welchem ein Kapitel iſt. 2) Zeng , Sein , Segna , lat. Segnia , chedeffen Senja, eine königliche Freyſtadt am Meer , der Sit eines katholiſchen Biſchofs und Domkapite ( s . Ehedeffen war hier eine berühmte Hauptmannſchaft , hernach war fic der Siß des Befehlshabers der Confinien in Kroatien ; hier: auf verkaufte die ungariſche stammer fie , ſo wie alle obige. Derter dem Hof - Commerz · Rath zu Wien, und alles ward zu der Intendenza commerciale zu Trieſt geſchlagen , welches bis auf den Anfang des 1776jten Jahrs gedauert hat , da der Hof-Commerz-Rath aufge: hoben worden , und alle dieſe Oerter wisder au Stronrien gekommen ſind. Der hieſige Hafen , iſt zu einem Freys Hafen erkläret worden , und ſeitdem hat der See: Vandel merklich zugenommen . 10 ) Cars

64

Ungarn'an fich felbft.

497

10) Carlobago , ein Marktfled'en am Meer , woa felbft ein Rapuzinerkloſter iſt . K. Joſeph II hat den hieſio gen ſehr bequemen Hafen mit großen Koſten einrichten , auch von hier nach Carlſtadt , die Landſtraße in guten Stand reßen laſſen , und jene 1785 für einen Freyhafen erklåret. 11 ) Brod , ein Caſtell, unweit der Kulpa.

Die feſte Stadt Carlſtadr ,

oder Karlſtadt,

flam. Karlowits, von welcher ein Generalat ber nannt worden , iſt erſt 1577 unter K. Rudolph dem zweyten innerhalb der Burg Dubovacz , von dem Erzberzog Carl angeleget, und nach ſeinem Namen benannt, 1582 erſt mit einem Wall umgeben, und 1781 zu einer fåniglichen freyen Handelsſtadt erhoben , auch am 14 Junii 1782 baju feyerlich erklåret worden. Sie liegt an dem

Fluß Kulpa.

Der Carlſtådter

nichtunirte griechiſche Biſchof, wohnet nicht bier, ſondern zu Koſtainicus als die Stadt 1776 com . merzialiſch gemacht, und mit einem Bataillon deuts ſcher Truppen befeßet wurde , kam das froatiſche Gea neral. Commando von hier weg , kehrte aber hiee her zurück , als der Hof Commerzienrath zu Wien aufgehoben wurde. Von der Joſephiner Lands ſtraße, welche von hier nach ein und Carlobago führet,

ſiehe oben die Severiner Geſpanſchaft.

VI Das Großwarðeiner Gebiet ,

von 6 Gen

ſpanſchaften, insgeſammt in Ober: Ungarn. 1 Die Saboltſcher Geſpanſchaft, ungariſch Szabolcs Vármegye , Szaboltenlis comitatus, iſt eine weite und ſehr fruchtbar Ebene , welche alle Arten des Getreibes, und feßr gutes Obft, im größten Ueber . 3 T4.8 4 .

498

Das Königreich Ungarn .

Ueberfluß hervorbringet, auch für Rindvieh Weiden in Menge , aber gar keinen Wein , auch kein gutes Die Theiſfe bringet ihn zwar viele Waſſer hat. Portheile, aber auch durch ihre Ueberſd )wemmun. gen nicht wenig Schaden, inſonderheit dadurch , daß ſie viele Sümpfe zurück låßt. Sie wird gröſtentheils von Ungarn bewohnet , doch find nun auch Ruffen und Wallachen vorhanden. Sie hat folgende Diſtricte

1 ) Der Klein. Warðeiner Diſtrict ( 1 ) Klein : Wardein , ungar. Ris Várda , ein Marktflecken an einem moraftigen Ort , nahe ben der Seiße, deſſen ehemaliges feſtes Schloß zerſtöret iſt . (2) Mándol , ein Marktfi. im forgatſchiſchen Gebiet. > ) Der Vadudwarer Diſtrict, in welchem

1

(1 ) fagy - Kallő , ein Marktfleiten , der befes ſtiget geweſen iſt. Er iſt der beſte Drt in der Geſpana ſchaft, und dienet zu ihren Verſammlungen . ( 2) Tiadudvar und Ujvaros, Marktflecken.

3 ) Der Dadaer Diſtrict, in welchem ( 1) Polgár , ein Marktflecken an der Sheiffe , mels cher dem Erlauer Domkapitel gehöret. ( 2 ) Szabolcs , ein Pfarrdorf , iſt ehemals ein Schloß und anſehnliche Stadt geweſen ,ljeßt aber ein gerina ger Drt. Von demſelben hat die Geſpanſchaft den Namen , ſo wie er von Szabolcs, dem alten Heerführer der Ungarn, 4) Der Bathorer Diſtrict, in welchem Bathor , ein Marktflecken, nebſt dem Caſtel Vtiyor Bathor, wovon das alte bathoriſche Geſchlecht den Nas men hat , dem er auch gehöret.

A

n bang

Vtánás , Dorog, Satház, Vámos Pért , Beszermény, Szoboszló, ſind ſieben Heyducken Marktflecken , welche ihre Freyheiten von Joh. Cors vin

Ungarn an ſich ſelbſt.

499

vin Herleiten . Stephan Borskan , und hernach 1606 auch K. Rudolph II befreyete ſie von der Geſpanſchafts. gerichtsbarkeit, und 1746 ſind ibre vorigen Priviles

7

gien aufs neue beſtätiget worden. Die Einwohner find Ungarn , meiſtens von der reformirten Kirche, Doch wohnen auch einige Ruffen unter ihnen. 2 Die Biharer Geſpanſchaft, Bihar Váre megye , Biharienfis comitatus , iſt eine große Eber me , welche durch unterſchiedene Flüſſe, inſonderheit Durch den Berettyo und Köröſch bewäſſert wird , die oft austreten und Sümpfe zurücke laſſen. Der Box den iſt von ſeinem þåufigen Salpeter fruchtbar an Getreide und Weide, und die Viehzucht iſt erheblich. Die wenigen Hügel find mit Weinſtocken bepflanzet. Man findet hier Kupfer , Eiſen , Marmor , Alaba. ſter, und warme Båder. Sie hat Ungarn und War lachen zu Einwohnern .

Ihre Diſtricte find

1) Der Warðeiner Diſtrict, in welchem ( 1 ) Groß : Wardein , ung . Várad oder Itagy vás rad , eine Feſtung am Fluß Köröſch , welche ehemals dee Reliquien des Leil. Konigs Ladislaus wegen berühmt war , nun aber der Siß eines Biſchofs, ( ber jährlich 70000 Gulden Einkånfte hat , aber 53000 zum Beſten ſeiner Kirche anwenden , und dem Hof berechnen muß.) eines Domkapitels , und eines Archi - Gymnaſiums ift. Die neue biſchofliche Reſidenz und neue Domkirche, bat Biſchof Patatſchitſch erbauen laſſen. 1556 und 1613 wurde die Stadt von den Siebenbürgern eingenommen ; 1598 von den Demaneu vergeblich belagert , 1660 aber mit Accord eingenommen , welche ſie auch 1664 im Frieden behielten , 1692 aber wieder verloren , und den Ratierlia chen übergeben mußten. Es wird hier dunkelaſchgrauet Marmor mit róthlichen Flecen gebrochen , to find auch etwa eine Weile von bier , warme Båder. Si a ( a) Petti

}

900

Das Königreich Ungarn .

(2 ) Zegardein , wird durch den Fluß Köror son Groß -Warbein geſchieden , und beſtehet aus brey Thei. len , welche heißen , Püſpski, Várad , das biſdofliche Bardein , Olaszi -Várad, das walachiſche Barbein , und Batona Város , die Soldatenſtadt. ( 3 ) Acht Marktflecken , nemlich Bihar , ( auch Bis hor, und Bohor) eine ehemalige Feſtung, Cſatár, Eleso , Bissllaria , Olasz-Varad, Püspski : Varad,Telego Mezo und Velencze. 2) Der Sparrether Diſtrict, in welchem (1) Debreczen , ( law . Debrecyn , ſeit 1715 eine Fönigl. Freyſtadt in einer ſchönen und fruchtbaren Ebene, die zwar groß und volfreich, (ſie hat über 25000 Einwoha ner , ) aber ſchlecht gebauet iſt , und weder Mauern noch Shore bat. Es haben hier ſowohl die P. P. piarum ſcho larum , als die Reformirten , ein Gymnaſium , und das legte iſt anſehnlich . Die Geſpanſchaftsverſammlungen werden hier meiſtens gehalten. Die Viehzucht iſt in hies figer Gegend anſehnlich : man findet aber auf zwolf und snehr Meilen weder Berg noch Walb , fondern es iſt alles 1564 , Heide , uab folglich auch großer Holzmaugel. 1640, 1681 und 1726 litte fie großen Brandſdaden . (2) Die Marktfleđen Tagy Bajom , Böszörmény oder Bereg -Boszormény , Derecſke, Baba , Komedy, Komjár, Beretg8 - Ujfalu . '

3) Der Ermelleker Diſtrict, in welchem ( 1 ) Dloszegh , ein großer und volkreicher Marktflesi den , der Wein und Tabak bauet, welcher leßte zu den bes ften ungarſehen gehöret. ( 2) Margita , Mitffe , Szépelyhid oder Szekélys Sida , und Szekély : Varos , am Fluß Berettyo , über welchen hier eine Brücke gebauet iſt . 4) Der Belenyeſcher Diſtrict, in welchem ( 1 ) Die Marktfleđen Cſeffa, Sarkad und Szalontha (2) Belenyes , ein Marktflecken , von welchem der Diſtrict den Namen hat. ( 3 ) Valls , ein Marktfteden . 4) Soto

Ungarn an ſich ſelbff.

. *

501

( 4 ) Fornacza ofer Sunaga , ein Pfartdorf, nicht weit von welchem ein Berg iſt , in dem ſich eine merta würdige Höhle befindet, deren Fenkrechte Habe auf 50 Klafter betrågt , und die 5 Abtheilungen hat. In derfels ben findet mau Zapfen von Tropfſteine, halb und ganz Berſteinerte Gerippe von Menſchen und Shieren , und Wan . de , die mit Eis åberzogen ſind. 3 Die Bekeſcher Geſpanſchaft, Békes Vár , megye , Bekefienfis comitatus , durch welche der

$

1

drenfache Kóróſd, fließet . Sie hat allerley Getreide, inſonderheit ſehr guten Weißen im Ueberfluß , die Weide ift guf, und die Rindviehzucht nicht geringe, aber der Wein iſt nur bey Gyula gut, und an Holz fehlet es , daher die Einwohner Strok , Rohr unb gedörreten Kuhmiſt brennen . Es iſt auch wenig gue tes Waſſer vorhanden . Die Geſpanſchaft wird von Ungarn , böhmiſchen Slawen und einigen Walachen und Raiken bewohnet, und wird in den bekerchio ſchen und tſchabiſchen Diſtrict abgetheilet.

1 ) Der Bekeſcher Diſtrict , enthält ( 1) Bebes , ( Békefch ) einen Marktflecken am Ichwars gen Köröſch, von welchem die Geſpanſchaft benennet worden. ( 2 ) Demet -Gyula , Julia, ein Schloß , deffen ehes malige Befeftigung nicht mehr vorhanden iſt, über dem Marktfleđen gleiches Namens , der auf einer Inſel ftes het , die der ſchwarze Köröſch machet, und in welchers die Geſpanſchaftsverſammlungen gehalten werden . (3 ) Magyar-Gyula , ein volfreicher Marktfleden. 2 ) Der Tſchabaer Diſtrict , in welchem ( 1 ) Tfaba , (Tſchaba,) sin katholiſches Pfarrdorf. ( 2) Szarwas , ein wohlgebaueter Marktfleden. 4 Die Arader Geſpanſibaft,

angar. Arad

Vármegye, Aradienſis oder Orodienſis comitatus, Ji 3

hat

1 502

Das Königreich Ungarn .

hat guten Theils einen bergigten mit Holz bewachſen nen Boden , der Fuß der Berge aber , und die Hito gel, find mit Weinfidcken bepflanget, die guten Bein im Ueberfluß geben . Ackerbau und Viehzudit find

1

auch gut, und die Maroſch liefert Fiſche und Krebſe. Die Einwohner ſind meiſtens Blachen , außer wel.

1 chen noch Ungarn , Deutſche und Armenier vorgan, den ſind. Sie enthåle 1 ) Tót-Várad oder Tot Váradya ,ein verfattenes, aber ehedeflen feſtes Schloß , mit einem Marktflecten . 2) Rádne, ein Pfarrdorf am Fluß Maroſch), das jest bem Herzog zu Modena geboret. Es war ehedeffen ein volfreicher Ort. 3 ) Uj- Arad , ehedeffen Orod , Kleu - Arad , eine Feſtung am Fluß Maroſch , welche die Domanen angeles get haben , Prinz Eugen von Govonen aber hat ihre Ben feſtigung befohlen . In derſelben hat ein griechiſcher Bia ſchof feinen Sitz Sie hat zwey Vorſtådte , die aber das bon entfernet liegen, 4) O:Urad , Alt : Arad , ehemals ein feſtes , nun berfallenes Schloß, mit einem Marktflecken , am Maroſd . Anmerk. Bey Alt- und Veu : Urad , iſt an dem Fluß Maroſch , eine neue und erhebliche Feſtung angeleget wors den , die der Maroſch gegen Morgen und Mitternacht umfließet. Sie iſt im Anfange des 1776ſten Jahrs völlig zu Stande gekommen. 5 ) Die Marktfleđen Gyorok , Magyar: Pecff& , (Ungariſch -Petſchka) Olate: Pecka,(Walachiſch Petſche ka) Soborſia . 6) Solymos , ein Pfarrdorf mit einem verfallenen Grånzſchloß, auf einem hohen Felfen, welches unterſchies dene osmanniſche Belagerungen ausgehalten hat. Es iſt noch ein Pfarrdorf dieſes Namens vorhanden .

5. Die Tfdyanader Beſpanſchaft ,

ungar.

Cfanad Vármegye , Clanadienſis comitatus, wird von Ungářn , Wlachen und

Raigen bewohnet. U Cras

Ungarn an ſich ſelbſt.

2

1) . Cfanad, ( Tſchenad ), eine biſchöfliche Stadt, am Fluß Maroſch , die vor Zeiten anſehnlich und wohl befeſtis get war, nachher aber ihrer Befeſtigung beraubet worden . Der hieſige Biſchof hat 9000 Gulden jährlicher Einkünfte. 1595 kam fie in der Osmanen Hånde. 2) Makó , ein Marftfleđen am Fluß Maroſch , ges. höret dem Biſchof zu 3ichanad.

6 Die Zſchongrader Geſpanſchaft ,

$

!

7

503

ungar.

Cſongrád Vármegye, Cſongradienſis comitatus, hat Slawen , Ungarn , Raigen , und einige Deuts ſche zu Einwohnern , 1 ) Szeged, Segedin , eine feſte kon. Freyſtadt, da, wo der Fluß Maroſch in die Teiße fällt , hat zwey Borſtådte, einen ſtarken Ochſenhandel, eine Menge von Fiſchen , und fruchtbare Aeder. 1513 hatte ſie noch keine Mauern, aber doch einen Graben und Wall. Einige Zeit hernach gcrieth ſie den Osmanen in die Hände, welche darinn ein Schloß. von Ziegelſteinen erbauten . 1686 nalmen die Kaiſerlichen dieſe Feftung den Demanen ab , und ſchlugen die herzueis lende Hülfe. 2 ) cſongrad , eine alte verfattene Burg , da , 100 der Fluß Küróſch in die Seiße fällt. Die Geſpauſchaft hat davon den Namen, Bey derſelben iſt ein Marktflecken . 3) várárhely , ein Marktfleden , am Sumpf Hod, iſt reich an Getreide und Vieh , und gehöret den Grafen Karoly. 4 ) Szentha , ein verfallenes Schloß , ben welchem Prinz Eugenius 1697 einen Sieg über die Domanen ers fochten hat.

VII

Das Neuſoler

Gebiet ,

von 6 Geſpan .

ſchaften . 1 Die Thuroger Geſpanſchaft, ungar. Thus rócz Vármegye , Thurotzienſis comitatus, iſt an fünf Ji 4

504

Das Königreich Ungarn ,

fünf Meilen lang, aber nur an wenig Orten dren Mellen breit. Sie iſt eine von hohen Bergen, wels che zum carpathiſchen Gebirge gehören, eingeſchloſſene Ebene , und daher ungemein angenehm .

Der Bos

den iſt ziemlich fruchtbar, ſo, daß die Einwohner ben guten Jahren nicht nur hinlängliches Getreide haben, ſondern auch andern etwas davon überlaſſen können ; fällt aber einmal, (welches doch ſelten geſchiehet,) ein schlechtes Jahr ein, ſo müſſen ſie ihr Broot anderswo kaufen. Die Viehzucht iſt hier die Hauptſache. Die vornehmſten Flüſſe ſind die Wag und der Thuros, von welchem lekten die Geſpanſchaft ihren Namen baben ſoll. Im hayiſchen Gebiet find die warmen Båder zu Stuben , und ben Budiſch , Dubow , und an einigen andern Orten ſind Sauerbrunnen. Die Einwohner find böhmiſche Slawen , ungariſche Edelleute und Deutſche. Die lekten hålt man får

7 5

einen Reſt Gothen , denn ihre Sprache iſt andern Die Obergeſpanse Deutſchen wenig verſtändlich. würde beſiket das Haus Rewa erblich.

Sie beſte

Het aus folgenden Diſtricten : 1 ) Der Szklabinyrche Diſtrict, darinn (1 ) Szklabinta oder Sklabina, ein großes Schloß auf einem hohen Berge , welches in das obere, mittlere und untere eingetheilet wird , und der revajiſchen Familie gehöret, aber ganz verfallen iſt. ( 2) Sanct-Martin , Szent-Warton, flaw . Swas ty:Martin , Martinopolis , der Hauptort der ganzen Geſpanſchaft am Fluß Thurok, iſt ein privilegirter Markte feden ; ziemlich weitläuftig und wohl bewohnet. In demſelben werden die Offentlichen Verſammlungen des Adels angeſtellet , und die Provinzialgerichte gehalten. Er gehöret zum Gebiet des Soloſſes Szklabinya der rifa vajifchen Familie, (3) Suka

Ungarn an ſich felbft.

505

(3 ) Sutran , (Gutſhan ) flaw . Sucany, ein weite låuftig gebauter Marktfleden an der Wag , der kaum eis nen Schatten ſeines ehemaligen Anfebens übrig hat. ( 4 ) Turan , Turany , ein Marktfleđen an der Wag, unter hohen Bergen, in einer fruchtbaren und luſtis gen Gegend . Er gehöret dein revajiſchen Geſchlecht und zum Szklabinyſchen Gebiet. 2) Der Blatnisſde Diſtrict, darinn (1) Blatnitza , ein Schloß auf einem ſteilen Fels fen , gehöret der pronyaiſchen Familie.

115

( 2 ) VTetzpal, ein volkreicher Ort mit drey Caſtelen, welcher ein ſogenannter Artikelort der augſpurgiſchen Cons feſſionsverwandten iſt. Der Fleden Bella , iſt faſt der größte in der ganzen Geſpanſchaft. 3 ) Der Moſchosüſche Diſtrict. Morchog , flaw. Mosſowoe , Moſchovia, war ehes mals ein großer und reicher Marktfiecken , iſt aber ſehr in Abnahme gerathen . Die hieſigen Fahrmårfte find bes rühmt. Die Einwohner legen ſich auf Uderbau und Hands werker. Er gehöret zum Gebiet des blatniķiſchen Solofs fes der revajſchen Familie.

1

3

4 ) Der Jnioer Diſtrict , darinn ( 1 ) Inio , ein Schloß , welches ehemals Thuros. geheißen hat, und 1252 der Sik einer Probſten der heilis gen Jungfrau Maria geworden iſt, welche von Ferdinand II und III den Sefuiten zu Syrnau eingeråumet wurde, die ein Collegium daraus machten. Unter dem Schloſſe liegt der Marktfled'en Znió :Varallja, welchen die Slawen von dem ehemaligen Seſuiters Collegio , welches in demſelben

war , Klarchtor, Kloſter, nenuen, (2 ) Toth Prona, Slowenſka :Prawna, Windiſda Proben, ein Marktfleden, der ſich vorn Uderbau ernähret. ( 3) Budis , ein Dorf, wobey ein berühmter Sauera brunn iſt. Ji 5

1 Dia

506

Das Königreich Ungarn .

2 Die 7euroler Geſpanſchaft, ung. Zólyom Vármegye, Zolienfis comitatus, iſt an zehn Mei. len lang , und an einigen Orten vier bis fünf Meilen breit, an andern aber viel ſchmåler.

Das {and iſt

faſt ganz bergigt ; dieſe Berge aber ſind zum Theil reich an Ergen und Mineralien. Man findet in

1

denſelben etwas Gold und Silber , inſonderheit aber eine Menge des vortreflichſten Kupfererzes , imglei. chen Eifen , Zuripigment, Dueckſilber, Chryſoco.la und Siegelerde. Die Flüffe dieſer Landſchaft find der Gran , Biſtriga , Szalatna und Carpona, ober Rrupenitza . Unter den Sauerbrunnen find die berühmteſten der oßtroſkiſche, eine halbe Meile vom Sdloffe Vigles , der Altſoler,

der am Fluß

Gran , der ribarſdie , tſatſinſche, bakuchiſche; war. Zu me Båder aber ſind zu Neuſol und Ribar.

4

Herrengrund hat man Cement - oder Kupfer.Waſfer. Der Ackerbau iſt gering , man hat aber ziemlich gute Viehzucht, inſonderheit viel Schafe. Die Einwohner find böhmiſche Slawen ; unter den Edelleuten find Ungarn , und unter den Bürgern verſchiedene Deute ſche. Die Würde eines Obergeſpans , gezoret der, gräflich Revaiſchen Familie erblich zu. Die land . ſchaft beſtehet aus zwen Diſtricten , welche ſind: 1) Der obere Diſtrict , barinn ( 1 ) Drey königliche Freyſtadre , nåmlich : a. WTeufol, ung. Besztertze Bánya , flaw . Bans fra Byſtrica , Neofolium , eine königl. Freyſtadt, und die beſte Bergſtadt, in einer angenehmen Gegend , am fluß Gran . Sie war viel auf råchſiſche Art gebauet , hatte ſeit dem Anfang des 1777ſten Jahres einen Biſchof, 6 Kirchen , unter welchen auch evangeliſch - lutheriſce was ren ,

1

7 J

.

1

1

Ungarn an ſich ſelbſt.

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ren , ein ehemaliges Jeſuiter Collegium und Gymnafium , und war ſowohl wegen ihres Wochenmarkts , als wegen ibres guten Biers , und wegen der Kupfererze, die in den umber liegenden Bergen gefunden werden, berühmt : auch der Sit einer Bergkammer : ſie brannte aber 1783 faft gauz ab, ſo daß nur die Silbergaffe nebſt zwey andern kleinen Gaſſen ſtehen blieb , es wurde aber das abgebranna te gröſtentheils noch in demſelben Jahr ſchöner wieder auf gebauet. 1500, 55,91, 1653 erlitte ſie ſchon großen Brands Tchaden , und 1762 brannte ſie ganz ab. Von Kremnik wird dieſe Stadt durch einen hohen Berg geſchieden , über welchen ein bequemer Fuhrweg angeleget worden , um die kremnißer Erze nach der Teufoler Silberhütte zum Wusſchmelzen zu führen . An der Nordſeite der Stadt liegt ein feſtes Schloß. Eine Stunde Weges von Neuſol lieget Tajova , wo 1 eine königliche Kupfers und Saiger:Hütre iſt. b. Libethen , Libetha , ung. Libéth Bánya, flaw , Lubjetowa , eine königl. freye Bergſtadt , welche klein und gering iſt, ehedeffen auch Gold- auch gute Kupfers und Eiſen . Gruben hatte , jetzt aber zur Nabrung den Acerbau zu Hülfe nehmen muß. Sie iſt 1379 zu einer königlichen Freyſtadt gemacht worden , und wird von der Bergkammer zu Neuſol verwaltet. s. Brezno Bánya , ſlaw. Brezno , deutſch die Bries , Britzna , eine königl. Freyſtadt am Fluß Gran, welche oftmalige Feuersbrůnſte erfahren hat. Sie legt fich ſtark auf die Schafzucht, und der hieſige fogenannte Brinſen Käſe, iſt in dieſer Geſpanſchaft berühmt. Die Stadt hat 1655 die Würde einer königl. Freyſtadt erhala ten , welches nach einiger Meynung ſchon 1380 geſchehen ſeyn ſoll. Die P. P. piarum fcholarum haben hier ein Kloſter. Die meiſten Bürger ſind evangeliſch, haben aber Tein Bethhaus. (2) Drey Marktflecken , nåmlich : a. Xadwány , am Fluß Gran , nahe bey Neurol. welcher ſich von Handwerkern und kleinem Spandel eruiba ret, gehöret der radwanfenſchen Familie. b . Catha

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Das Königreich Ungark .

b. Toth -Liptre, Slowenſko Liptcze , Woindir Liptroh , ein königlich privilegirter Marktfleden , unter dein Schloſſe Liptſche , ernähret ſich mehrentheils vom 7 Uderbau. c. Ponit , ein Marktfleden , woſelbſt Eiſen gebros chen wird. Die umber liegende Ebene wird von Bergen eingeſchloſſen. (5 ) Serrengrund,Spania Dolina, Vallis domino rum , eiu Bergflecken, unweit Neuſol,der zwiſcheú den Spitzen der Berge liegt, und von lauter Bergleuten bewohnet wird. Er iſt wegen ſeines weitläuftigen Kupferbergwerkes , und Cement- oder Kupfer :Waſſers , berühmt , welches zuerſt 1605 entdedet worden ſeyn ſoll. Es find hier jeßt über zwanzig Kaminern , in welchen es theils aus den Seiten herabtropfelt, theils aus der Erde quillet. Es

wird durch hölzerne abſchůßige Rinnen in hölzerne Kaften, und aus dieſen wieder in tiefere Kaſten geleitet. In die Binkel der Rinnen werden Eiſenſpåne geleget, die theils von den zu Kremnik gedrebeten Walzen abfallen , theils vom alten Pocheiſen hierzu verwendet werden . Pian erzeuget aber hier jährlich nicht über 40 bis 50 Centner Cementkus pfer. Es wird hier auch Kupfers oder Berg-Grün berei: tet, und der Centner nach Wien für hundert Sulden vers tauft. Atle Herrengrundiſche Kupfererze find güldiſd ), Daher in den Pochwerken das Gold -ſo viel möglich iſt, aus den Schlichen gezogen wird. Durch einen Stoller fåbret man von Herrengrund nach Hitgebirg , wo eine königliche Kupferhütte iſt. 2 ) Der untere Diſtrice, darinn (1) Zwey königl. Freyſtadre, nåmlich : a. Altfol , ung. Zólyom , flaw. Zwolen , Vetufo lium , die Hauptſtadt dieſer Grafſchaft , an ſich aber ein Kleiner Drt , deffen erhabene fage angenehm iſt , und nes

.

ben welchem die Flüſſe Gran und Szalatna fließen . Die Geffanſchaftsverſammlungen und Sedes judiciariae wers den hier häufiger als zu Neufol gehalten. Das Schloß iftserfallen. Außerhalb der Stadt ſind 2 guteSauerbrunnen . b . Bors

3

Ungarn an ſich ſelbſt.

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b . Korpona , flam . Krupina , deutſch Karpfen , lat. Carpona , iſt von geringem Anſehen , hat aber eine Tehr angenehme lage mitten unter Weinbergen, und mans derley ſchöne Früchte , imgleichen ein Gymnaſium P.P. piarum ſcholarum . 1417 ward ſie von den Huſſiten, und nachher von den Böhmen verwüſtet. , 1708 ward ſie von den Rafogianern in die Afdhe geleget. (a ) Jwey Schlöſſer, nämlich : a. Degles, (Wegléſch ) liegt auf einem ſteilen de ſen , und iſt efterhaſiſch. Ehemals war es eine Grånzo ' feſtung. b . Dobroniwa , Dobrona , Débring, lieget auf einem Felſen , iſt aber in einem ſchlechten Zuſtande. (3) Sechs Marktflecken , nåmlich : a. Vlagy :Szalatna, flaw. Slatina , ein geringer Ort am Fluß Szalatna, im Gebiet des Schloſſes mes gleich b. Otſchova , ießt aud ein geringer Ort. Das Uderland iſt gut. Matthias Bel, deſſen bekanntes Werk von Ungarn uns ſo nützliche Dienſte leiftet, iſt hier ges boren , c. Dobróna , Debring , Dobroniwa , iſt wohl berolynet, und liegt nahe beym Schloß dieſes Namens. Er hat zwar ehemals königl. Privilegien erhalten, gehöret aber doch zum Gebiet des Altſoler Schloffes. d. Babaßel, Babina , hat eben ſo guten Nder, als der vorhergehende Ort, und gehöret einem Grafen Bereny. e Szasz , in alten Urkunden Klemeth Pelfot , hat fruchtbares Uderland, und gehöret zum Gebiet des Schleſ fes Solyom . f . Pelfos , Plieſovtze , Toth Pelfos , giebt keine Zehenden , wie die vorhergehenden . Dieſer Marktfleden hat nebſt S3483 , Dobrong , und Babaszek, das jus gladii immediatum , daher ihre Appellation an den per Tonalem praeſentiac regiae gehen . ( 4) Ribar , ein merkwürdiges Pfarrborf voro andern .

Auf den Feldern deſfelben ſind in einem Hü. gel

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eich

Das Königr

Ungarn .

gel warme Båder von ungemeinen Heilungskräften , Erma aber auch von fonderbarer Beſchaffenheit. 600 Sdiritte davon , nach Mittag zu , in einer grase reichen Wieſe eines kleinen ſchönen Thals, ofnete ſich ehedeſſen eine Höhle , die wegen ihrer ſchädlichen Dämpfe in einem üblen Ruf war. Die Dünſte dito ſer Höhle , die allem Anſehen nach, Schwefeldünſte waren , verurſachten den Vögeln und andern Thie. ren den Tod. Juwendig brach mit großer Gewalt ein Waſſer hervor , welches in eben der Kluft wieder verſchlungen wurde. Die Dämpfe waren zwar tödtlich, aber nicht giftig; denn man fonnte das Waſſer trinfen, und die getödteten Vögel und Thiere effen.

FBels

Nachricht im hamburgiſchen Magazin, Band 4. ' S.69f. Die Höhle iſt aber nun ſchon lange mit Steinen angefüllet. Unweit iſt davon ein Sauer. brunen .

3 Die Sonter Geſpanſibaft , Hontenfis co mitatus , beſtehet aus zwen Theilen , gmiſchen wele dhen ein Stück von der Neograder und Selienſer Gea ſpanſchaft liegt. Die Obergeſpanswürde befißet das gråfliche Haus Kohary erblich. 1 ) Tagy sont, Groß sont , ift von Belao Banya bis Moras, auf neun Meilen lang , und in den breiteſten Gegenden, nåmlich zwiſchen Varſaner und Kovar , fünf Meilen breit , låuft aber gegen Mittag ( pig zuſammen . Die landſchaft iſt ganz bera gig ; es ſind aber ſowohl die mitten im Sande , als an der Gränze liegenden Berge , und ſonderlich die legten , reich an Gold , Silber und Bley. ' Die Fluf C.

Ungarn an ſich relbſt.

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Flüffe ſind die Donau , Gran , Ipola und einige ganz kleine. Bey den Flecken Gydgy und Szanto ſind warme Båder ; am lekten Ort iſt auch ein be.

- rühmter Sauerbrunn , dergleichen man auch bey den Flecen Szalatnya , Gyógy und Feiſs,Palojta fins det . Auf dem Berge Sjitna , welcher der höchſte in der Geſpanſchaft iſt , findet man eine Quelle, wel. che im Sommer eiskalt , im Herbfte aber warm ift. In dem füb. Es giebt auch einige Geſundbrunnen . lichen Theil der Geſpanſchaft wächſet etwas Getreide

20 und ein guter Bein . Die Viehzucht iſt gering. Auf den Erzgebirgen iſt die Luft der Gruben wegen nicht geſund. Die Einwohner find Ungarn , böhmiſche Die Obergeſpanswürde hat Slawen und Deutſche. In dieſer Sandſdjaft iſt das Haus Kohary erblich. ( 1) Der Schemnißiſche Diſtrict, in welchem ( 1 ) Schemnity , Schemnicium , angariſd ) Selmet, Banya , Flaw. Sſtawniga , vor Alters auch Schebnit und Bana genannt , eine ziemlich große und boltreiche Štadt, welche in einem langen Ebal dergeſtalt gebauet iſt, daß die Häufer auf benden Seiten deſſelben und an den Hügeln hoch hinauf zerſtreuet ſtehen. " Der evangeliſchen Einwohner , die iber zwen Drittel der Stadt ausmachen , find 6 bi87000,und ſie haben eineKircheund ein Gymnaſium . Die Staöt libertrift alle andere ungariſche Bergſtådte an Große und anMenge derÉrzwerke, hat eine Bergſchule, es iſt hier auch der Sit einer königl. Bergkammer und eines Ober - Kammergrafen . Die hieſigen Gold- und Silbera Berg -Werte zeigen in den königlichen Gruben felten ges diegen ſichtbares Gold , obgleich faſt alle Erze Gold hals ten , in den gewerkſchaftlichen Gruben aber iſt das gedies gene Gold nicht ſo ſelten. Gebiegen Silber iſt noch filte ner. Ueberhaupt ſind die hieſigen Gold-und Silber -Gruz ben ziemlich reich , und der Arbeiter in denſelben ſind über 5000 ; wie viel einträglicher fie aber ehemals geweſen, als

512

Das Königreich Ungarn .

) jeſt, erhellet daraus , daß man gegen das Ende des vos rigen Jahrhunderts hieſelbft wöchentlich 3 bis 4000 Mart Silbers machte, jeßt aber tömmt es etwa auf 1000. Das hieſige Erz enthalt mehr und beffer Gold , als das Kremnißer ; der Gewinn iſt aber auch nicht groß : doch hat man 1751 eine ſehr reiche Goldader entdeckt. Die Untos ſten , welche der Hof jährlich auf die hieſigen Bergwerke wenden muß , belaufen ſich über 500000 Gulden. ( 2 ) Bela- Bánya , (0.i. weiße Grube ) flaw . Bela , deutſch Důln , Diln , latein. Dilna, vor Alters Sejérs Bánya , welcher Name einerley Bedeutung mit dem ers ften hat, ein ſchlecht gelegnes und gebautes Bergſtädte chen , deffen Bergwerke aufgehoben ſind, daher fich die Einwohner des Uderbaus befleißigen , der ihnen ſauer wird, ( 3 ) Szebekleb , Plaw . Sebechleby, deutſch "Klib, ein von einer råchfiſchen Colonie angelegter Marktfiles đen , gehöret dem graniſchen Domkapitel. Ehedeffen iſt dieſer Ort der Siß der Landtage und des Archivs dieſer Geſpanſchaft geweſen , nun aber wird der Landtag zu zes menge gehalten , wofelbſt auch das Archiv ifto ( 4) 1Temethy , Vlemetz , iſt 1731 unter die priviles girten Marktflecken aufgenommen worden , und leget ſich auf den Ackerbau. Der Name zeiget an , daß der Ort eine deutſche Colonie Fey . ( 5 ) Saagh , Sagh , ein Marktflecken , war ehes, mals wegen einer Probſtey der heil. Fur:gfrau des Prås monſtratenſerordens berühmt, und gehörte hernach dem Seſuiter- Collegio zu Neuſol, nun aber dem daſigen Biſchof.

( 6) Sanct Anton , Szent Antal, Marktfleden . (7) Bala Bátya , Pugang, Buggang, flaw . Pus Banet , eine königl. Frey- und Berg - Stadt , hat Solde und Silber:Gruben , welche aber meiſtens auf Hofnung bearbeitet werden , daher fich die Einwohner vornehmlich vom Wein- und Ađer Bau ernähren. 1664 wurde fic von Den Domanen geplundert und verbrannt, () Dec

Ungarn an ſich felbft.

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( 2 ) Der Bathiſche Diſtrict , in welchem ( 1 ) Bath , flam . Batopcje , frauenmart , cin Marktflecken , der guten Ader- und Wein : Bau , imglei chen anſehnliche Jahr:und Wochen : Márkte bat. 1774 brannte er ganz ab.

>

( 2 ) Perfony , Pilſen , ein Marktflecken , war eine alte Bergſtadt und Colonie der Sachſen , die ehemals auf Gologruben arbeitete , run aber Ackerbau treibet. Er gehöret zum Gebiet des Erzbiſchofs von Gran. ( 3 ) Maros , ein Marktflecken an der Dondu.

4

( 4 )Im DorfMagyarad iſt ein Sauerbrunn, und zu Szanto find warme Bårer. ( 5 ) Skalka , ein Marktflecken .

( 3) Der Bozokiſte Diſtrict, barinn a. Bozok , flaw. Bzowik , ein Marktfieden mit eis nem Schloß , hatte ehemals eine Pråmonftratenſer-Probs ſter , welche aber eingegangen iſt ; und gehörete hernach den tirnauiſchen Geſuiten. b. crábrág , ein Bergſchloß , gehöret der koharis iden Familie , deren Stammhaus es iſt. c. Dregely, ein feſtes Schloß auf einem fteilen Bers ge , wurde 1552 von den Osmanen erobert , und ihnen erſt 1593 wieder abgenommen. 1649 nahmen fie daffelbe abermals weg. Es gehöret dem Erzbiſchof von Gran. d . Sont , ein Fleden , welcher ehemals der Haupts oit der von ihm benannten Geſpanſchaft geweſen .

2) Ris . ( Kiſch . ) Bont,

Plein hont , iſt

von Teisholz bis Rimaßombath ungefähr 3 Meilen lang , und von Sjuha bis Toth .Hegymek höchſtens eine Meile breit. Die Flüſſe dieſer landſchaft fino Rima und Szuha. $

Sie iſt ganz bergidht , und Hat

daher fchledyten Ucerbau und geringe Viehzucht, Die Luft iſt geſund. Man gråber hier gutes Eiſen , finder auch verſchiedene Sauerbrunnen . Die Ein . ke 2 Th.8 4. mog.

!

514

Das Königreich Ungarn.

wohner ſind größtenthells böhmiſche Slawen ,

zum

Sheil auch Ungarn . a . Rinia -Szombath , flawon. KimswllásSobota , Groß - Steffelsdorf, ein wohlgebauter und bewohnter Marktfleden , am Fluß Rima, in ejuer ebenen und zum Ackerbau Tehr bequemen Gegend , iſt der Sitz der Land: chaftsverſammlungen . Die Eimvobner legen fich aufer dem Acerbau aud) auf Handel und Handwerker. b. Teißholz, ungar. Tiszólt , flawon . Tiſchowet , Taxovia , ein Marktfleden , bey welchem Eiſen und Ma: gnetſteine gegraben werden . Nabe dabey iſt ein Sauer. bruntha

4 Die Liptauer Geſpanſchaft , ungar . Lipto Vármegye , Liptovienſis comitatus, gemeiniglich die Liptau genannt, iſt ungefähr ſieben Meileit lang , und ein bis zwen Meilen breit, ganz bergigt und kalt. Die hieſigen Berge ſollen die Ulpen , (dweis zeriſchen und tyrolifdhen Gebirge fowohl an Höhe als Merkwürdigkeiten übertreffen.

Die Felſen ſind ber

wundernswürdig, ſonderlich die deminfalviſhen, von welchen einer Namens Benikowa , faſt fenkredit aufſteigt, und an 3000 Schritte hoch iſt. In dies fen Felſen giebt es ſehr große und tiefe natürlidze Hoge len , Darinn durch verſteinerndes Waſſer viele fonder. bare Figuren gebildet worden , die an Große und Get ſtalt von den Ochſen . und Pferde Knochen ganz vers ſchieden ſind. Die vornehınſten Flüſſe ſind die Wag und Biela. Der füßen Quellen iſt eine große Menge, der Sauers und Geſund-Brunnen auch eine gute Anzahl , darunter die bokiſchen vornemlich ju merken ; und wunderbare Waſſer giebt es auch von verſchiedener Art. Die Quellen bey Szentiman umb

Ungarn an ſich ſelbſt.

515

und Stankoivan , erſticfen durch igre Zusdünſtun .

C

-

gen die darüber fliegenden Vögel. In der Höhle der lekten , findet man zuweilen ein Harz , welches dem Bernſtein ziemlich ähnlich iſt. Zum Uckerbau iſt wenig Gelegenheit ; die Viehzucht iſt auch gering, indeſſen ſind doch die hieſigen Kåſe vorzüglich berühmt. Holz iſt häufig vorhanden, und an Metallen iſt dieſe Geſpanſchaft ſehr reich. Die bogiſchen Gruben gee ben Gold , welches das beſte in Ungarn reyn , und dem arabiſchen gleichen ſoll. Auf den boßiſchen Bere gen ſind auch Silbergruben. Man findet auch efe was Eiſen , ſehr viel Antimonium , auch Nitrum und andere Mineralien. Die Einwohner ſind böhmiſche Slawen mit untermengten ungariſchen Edelleuten . Die obergeſpanſchaftliche Würde gehöret dem Hauſe guneshazy erblid ). Es hat dieſe Geſpanſchaft eine Zeitlang den Titel eines Herzogthums geführet, als Matihias Corvinus ſie ſeinem Sohn Johannes Cor . vinus , unter dieſem Titel gab , nady deſſen Code aber þat er wieder aufgehöret. aus vier Diſtricten .

Die Landſchaft beftehet

1) Der óſtliche Diſtrict, in welchem ( 1) Sradel , ehedefſen Lipto -Ujwár, ein Schloß, welches das einzige in dieſem Diſtrict iſt , und der Kama mer gehöret. ( 2) Sanct ITicolas , ung . Szent Mikloſs , flaw . Swaty Mitulaß , Nicopolium , ein Marktfleđen , in welchem gemeiniglich die kleinen Geſpanſchaftsverſamms lungen gehalten werden. Es iſt hier eine Reſidenz der Seſuiten geweſen , welche nicht weit von hier auf dem Grund und Boden von Wrbika ein ſchönes Collegium hata ten . Der Ort hat oft, ſonderlich 1713 , 19, 24, 32, groſ fen Brandſchaden erlitten , und 1773 brannte er ganz ab. KP 2 ( 3) Wrbis

516

eich

Das Königr

Ungarn .

(3 ) Wrbita , Verbige, ein Markfeden , nahe ben dem vorigen , geboret unter das bradelidbe Bebiet. Hier haben die Sejuiten ein Collegium gehabt. 1773 brann :e er zugleich mit dem vorhergebenden Ort faſt ganz ab. (4) Gibba, Geib, Sibbe, ein Berg - und Marftflecken des brabelſchen Gebiers , in welchem außer einer fatyoliſ. Kirche auch eine evangeliſche ſogenannte Artikelkirche iſt. Er liegt nicht weit vom Berg Briwan. Es fino hier Salzquellen. ( 5) Botza , ein Bergflecken in einem tiefen Shal, welches aus drey Theilen beſtelset , die Ober :Botza , Un : ter : Boga oder Joachimsthal, und Bobrow genennet werden . Das umherliegende Land iſt theils könizlid , theils adelich . Die hieſigen Sauerbrunnen ſind von gu: ter Kraft. Das Goldbergwerk liefert zwar vortrefliches Golo , iſt aber im ſchlechten Zuſtande. Die ſogenannten Urburarier , welche die Koſten dazu bergeben , und denea es geboret , erlegen dem König und der Edelleuten davon weiter nichts , als einen 31. ( 6 ) Szent- Janos, S. Johannes , ein Dorf, son deffen ſchädlichen Quelle oben gehandelt worden. Auf dem hieſigen Kirchhof bleiben die Leichen nichr als 100 Jahre lang unverweſet.

2) Der mittågige Diſtrict , darinn ( 1 ) Deutſch - Liptſch, ungar. LTémet-liptre , flaw . németja :Cuptfa , ein ziemlic) weitläuftiger Marktfle: đen , bey welchem ehedeflen Metallgraben geweſen , 8: nige mennen , daß er zuerſt vou leipziger Kaufleuten an: geleget worden ſex. Er gehöret zum litauiſchen Gebiet, hat zwen Kirchen , und iſt der Verſammlungsort des Adels zur Veränderung der Provinzialobrigkeit. ( 2 ) Demienfalva , ein Fleden , wovon die berühm teu şüblen den Namen haben . 3) Der weſtliche Diſtrict , barinn ( 1) Tyrawa, ein Schloß auf einem Felfen , welchen shemals die einzige Zuflucht faft der ganzen fandídat war,

IIngarn an ſich ſelbſt.

517

mar , ober 1707 im rafrtziſchen Kriege zerſtöret worden. Es gehörét jelzt, nebſt dem ganzen Gebiet , der königl. Kaniner . ( 2) Roſenberg, flaw . Rygomberg , ein volkreis cher Marktflecten , der init dem Salz , welches auf der Wag hieher gebracht wird , einen ſtarken Handel treibet, und ein Gymnaſium der P. P. piarum ſcholaruin hat. Er hat ein Caſtel, und gehöret zum Infawiſchen Gebiet. 1607 hielten die Evangeliſchen Wieſelbſt eine Kirchenverſamms lung , auf der vier Superintendenten verordnet wurden . 4 ) Der micternachtliche Diſtrict, darinn ( 1 ) Szelniga , Selnitsa , in litauiſchen Gebiet. (2 ) Trnowets , Tarnog , auch im lifauiſchen Ges biet , und ( 3) Bobrowens , fagy . Bobrog , drey geringe Marktfleđen. 5 Die Arwer oder Orawer Beſpanſchaft, ungar. Arva Vármegye , Arvenfis comitatus, liege zwiſchen der ſchleſiſchen Gränze und dem 'carpathiſchen Gebirge , und erſtrecket fich bis nad Polen . Mits ten durch dieſelbige fließet der Fluß Arva , welcher in die Wag fällt.

Sie wird für die unfruchtbarſte

und armſte Geſpanſchaft in Ungarn gehalten , von böhmiſchen Slawen bewohnet , unter welche Polen gemiſcher ſind, und beſtehet aus dem obern und un . tern Diſtrict.

5

I ) Welitſchna , oder Welta Wes , Tagy :Salu , ein Marktflecken , der ſo wie 2) Rubin , Airó - Rubin , ein Marktfleden , in welchem die Geſpanſchaftsverſammlungen gehalten wer: den , im untern Diſtrict lieget 3 ) Arvá , ( law . Orawa , ein Bergſchloß, deſſen Untertheil noch im Stande, iſt.

KE 3

4 ) Turs

Das Königreich Ungarn .

518

4 ) Cardoſiin, Twrdoſchin, und Trfftena, Markts fleden , im obern Diſtrict.

6 Die Gömörer Geſpanſchaft, in Oberuns garn , ung . Gsmør Vármegye , Göinörienfis co . mitatus ,

wird von Ungarn ,

böhmiſchen Slawen

und Deutſchen bewohnet , und nach den Thålern und Flüffen in 4 Diſtricte abgetheilet. I) Der Rarkoer Diſtrict, in welchem Ratkó , ein Marktflecteu , ipo viele Gerber wohnen , 2 ) Der Scherker Diſtrice, in welchem Rima - Szecs , ein Marktfleđen, der gute Jahrs , märkte hålt. 3) Der Putnoter Diſtrict, in welchem ( 1 ) G8mór , ein Marktflecken, welder ſich auf den Uđer- und Tobado - Bau legt, am Fluß Sajo im zſchalis fchen Gebiet. Die Geſpanſchaft hat davou den Namen. ( 2) Putnok , ein Marktfleden . Der Roſenauer Diſtrict, in welchem ( 1 ) Tſchetnel, ein wohlbewohnter Marktfieden , nes ben welcem in einer Ebene ein Caſtel liegt. Er iſt ſeiner Eiſenwerte wegen betråchtlich , das Eiſen -Erz aber komint aus dem nahen Berge Hrader. (2) Dobſau oder Tobichau, Dobrcha, flaw : Dope Ichina, ein Bergfleden , wo viele Deutſche wohnen , und der ſeines Kupfers , Eiſens , Asbeſté , und Papiers wes gen bekannt iſt. Die Kupferbergwerke ſind die erbeba lichſten ( 3 ) Pelſchog, Pleſſuwcze, ein Marktfleden am Bach Sajo , in welchem die Provinzial- Berſammlung der Ges ſpanſchaft gehalteir wird. ( 4) . Roſenau , ung. Roſnó Bánya , flaw .Rožngs wa , ein biſchöflicher Bergfieden , der zwiſchen den Bers gen auf einer Ebene am Sajo angenehm liegt , ehemals ein Jeſuitec, Collegium hatte, das nun eine biſchöfliche Wohs nung

3

#1

1 1

Ufugari an ſich ſelb2.

5.29

nung iſt , und durch ſzine Gold- Silber- Kupfer :Quedfils bet- und Zinnober . Vergwerke, imgfeichen durch ſeine Hands werker und Wochenmårfte bekannt iſt. Er gehöret zum Gebiet des Erzbiſchofs von Gran . ( 5) Kráßna : Górka :Varallya , eitt altes girtes Schloß , welded angenehnt liegt, und der freyherrlichen audraichiſchen Familie gehörer. Ben demſetben iſt eine ery giebige Quedfilber :Grube , in welcher man ſchönen Zins pober bricht. (6 ) Jólfwa , Jelſchau , Alnovia , ein Marktflecken mit einem Caſtel , wo auch viel Gerber und Schuſter wohnen ; gehöret der fohariſchen Familie. (7) Etagy Rocze, ein Diarktfiecien. ( 8) Murány , ein verfallenes Schloß auf einem fehr hohen und ſteilen Felſen , hat nur einen einzigen Zus gang, und gehöret der kohariſchen Fanilie. In den hies figen Bergen findet man Magnetſteine

VIII

Das Munkatſcher Gebiet , von 5 Gs

fpanſchaften , in Oberungarn .

I Die linghwoarer Heſpanfchaft, ungariſch . Ungh , Vármegye ,

Unghenfis comitatus , wird

von Ungarn und Ruffen bewohnet, und in den ungh . wariſchen , ſobrangifchen , und kapoſohiſchen Diſtrier abgetheilet. 1) Krajna yfi, Ukrajnia inferior, iſt der Name einer bergigen Gegend , an çatpathiſchen Gebirge, darinn eine rufftiche Colonie wohnet. 2 ) Oroszveg, ein großer Fleden, am Fluß laborka, woſelbſt ein griechiſcher init der Römiſch -katholiſchen Kirs che vereinigter Biſdof feinen Sit hat. 3 ) Vinna , ein Schloß auf einem refyr fteiten Berge, unter welchem ein Marttfleden liegt. 4 ) Szobráng, Sobranz, ein Marktfieden . Bey dieſem geringen Drt iſt eine heilfame Quelle. K14 5) Ungh

520

Das Königreich Ungarn.

5) Ungh : Dar , eine ſtarke Burg , am Fluß Ungh , mit einem Marktflecken , darinn die Jeſuiten ein Gymnas fium hatten. Die Grafſchaft hat davon den Namen , und es iſt der Hauptort einer Herrſchaft. 6) Szerednye , ein Pfarrdorf mit einem Schloß , der barkokiſchen Familie zugehörig.

alten

7) Tagy :Kapos , oder Groß - Kaporch , eitt Marktflecken , welcher ehedeſſen in einem beſſern Stande geweſen iſt. 2 Die Beregher Geſpanſchaft , ungar . Bes Bereghienſis comitatus hat

regb Vármegye ,

1

Ungarn und Ruffen , nebſt einigen Wlachen , zu Einwohnern , und wird in den Tiffahátiſchen , Rafſoniſden , Feldwideker und Munkatſcher Diſtrict, und in die Serrſchaft Munkátſch , ab: getheilet. 1 ) Raszan , ein Marktfleden . 2 ) Munkáts, ein faſt unüberwindliches Schloß, auf einem hohen und ſteilen Felſen, der in einer weiten Ebene liegt , und deſſen natürliche Feſtigkeit durch Kunſt und Fleiß noch mehr vergrößert worden. Es iſt der Hauptort einer Herrſchaft, welche ehedeflen ein Herzogthum ges nennet wurde. Unter demſelben liegt ein Marktflecten am Fluß Latorſa , in welchem ein mit der katholiſchen Kirche bereinigter griechiſcher Biſchof wohnet , und ein griechis ſches Kloſter iſt. 16,8 ergab ſich das Schloß nach einer dreyjährigen Einſchließung an die Kaiſerlichen ; und Lda kolys Gemalinn , welche es ſo lange vertheidiget hatte, mußte ſich in kaiſerlichen Schuß nach Wien begeben , da denn außer der tókölyſchen Familie auch ein reicher Schatz hiefelbft gefunden ward. 1703 verſammleten ſich hieſelbſt die Rakobyaner. Als aber derſelben Rebellion gedåmpfet war , fiel das Schloß der königlichen Kammer anheim .

3) Bea

5

-1

Ungarn an ſich ſelbſt.

52 I

3 ) Beregh , ein Marktflecken .

4 ) Beregh- Szasz, ein anſehnlicher Marktflecken , welcher wegen einer fädñſchen Colonie den Namen Bes regh - Szasz bekommen bat , denn ( Szasz heißt bei den Ungarn ein Sachſe , ) m aber bloß von Ungarn bewolje net wird . Das alte Schloß iſt jeßt ein Steinhaufen ., 5 ) ráry , ein beträchtlicher Marktfleden , 6) Ulfo :Derette , ein Marktflecken.

3 Die Ugotſcher Geſpanſitaft, ung. Ugots fa - Vármegye, Ugotſenlis comitatus , iſt mit Bergen und Felſen bereket, und unter jenem iſt der Saik der gröſle.

Die Ebenen ſind fumpfig , und

alſo wenig frudytbar.

Alſo find aferbau , Vieh . zucht und Weinbau unerheblich , aber die Wälder find wichtig , ſie enthalten auch viel Wildpret , und die Teiße iſt fiſchreich. Die Einwohner ſind Ungarn, mit Ruſſen vermiſchet, es giebt auch Walachen un Sie iſt in 2 Diſtricte abgetheilet. ter ihnen. 1) Der Diſtrict dieſſeits der Teiße , enthält Tagy: Szolás , einen adelichen Marktfi den , nicht weit von der Leiße , welcher ehedeſſen ein gut gebaueter, und zieinlich feſter Ort war. 2) Der Diſtrict jenſeits der Teiße , in wel. chem Salmi oder Solmi, ein Marktfleden in einer Ebes ne , deu ehedefſen ein Graben einſchloß , der nun vera fallen iſt.

4 Die Sathmarer Geſpanſchaft, ung.Szath , mar Vármegye , Szathmarienſis comitatus, wele che gröſtentheils eben iſt, aber viele Sandfelder bat,

5

dodh

Das Königreich Ungarii.

522

doch kommt außer den andern Getreidearten , der Mays ſehr gut fort.

Die Viehzuche iſt nicht ſtarf, aber der Weinbau fehr gut , denn der größte Theil der Berge und Hügel iſt mit Weinbau beſeker. Die Wålder enthalten viel Wildpret. Die Berge ent. Halten , und liefern Gold , Silber , Kupfer , Ziegel, Untimonium , Schwefel, und andere - Mineralien . Die Einwohner ſind gröſtentheils Ungarn , es giebe auch Wlachen , Kuſſen , böhmiſche Slawen, und

Deutſdie.

Die Würde eines Obergeſpans , gehöret der gråflich - karoliſchen Familie erblich. Sie hat 4

Diſtricte. 1) Der Kraszner Diſtrict, welchen die Flüſſe Er enthält Kraszna und Samoſch waffern. ( 1) Beltel, einen Marktfleden . ( 2 ) Cſenger , einen Marktfieden mit einem Schloß ( 3 ) Darocz oder Kraly : Darocz , einen Markts

Becken . ( 4 ) Erdód , eineu Marktflecken der Grafen Karoly, welcher vor Zeiten ein Feftes Bergſchloß gehabt hat , das aber im ſiebenbürgiſchen Krieg der Erde gleich gemacher worden . Bon demſelben ſcheinet das berühmte erdidiſch Haus ſeinen Namen bekommen zu haben, doch wollen an . dere ſolche Benennung von dem Erdódi in per Tolnaer Geſpanſchaft herleiten. 2 ) Der Tagy.Banyer Diſtrict, in welchem ( 1 ) Yagy- Banya, (das iſt, die großeGrube,) Rap nil- Banya , Rivulus dominarum , von einem Bach uj varos, Zeuſtadt, eine Metallſtadt, die zu den königlicher Freyſtadten geboret, ehedeffen aber , nebſt den hieſiger Bergwerfen, ein Eigenthum der Königinn war. Die hies !ſigen Gold- und Silber- Bergwerke, welche ſchon 1347 ges bauct worden , ſind ſehr' betråchtlich, und die Dukaten, welche hier geſchlagen werden , ſind mit N. B, bezeichnet.

Ungarn an ſich ſelbſt.

523

Es iſt hier ein Oberberg - Inſpectorat:Amt, Münz-Umt, Berg - Umt und Berg -Gericht. Nicht weit von hier iſt ein ſehr guter Sauerbrunnen . ( 2) Ungariſch - Zeuſtadt , ungar. Selfs : Bánya , Uj -Bánya , eine Metall- und königliche Frey.Stadt. Sie bat ſeit einigen hundert Jahren den Bergban ununterbros dhen getrieben. K. Leopolo kaufte 1690 die hieſigen Berg werke an die königliche Kammer für 25420 Gulden . Das gewonnene Gold und Silber wird in die königliche Münze nady Nagy Banya geliefert. (3) Die Marktfleden, Vagy :Peleszke, uj-Varos , Szenyet Várallyą . 3 ) Der Samoſchkoffer Diſtrict ,

am Fluß

Samoſch , enthält (1 ) Sathmar oder Szathmár:Xénethi , eine td nigl. Freyſtadt, die eigentlich aus ziven Städten beſtes het , welche ſind Szathmar , auf einer Inſel iin Fluß Szamos und Teniethi, gegen über an dein einen Arm des Fluffes belegen ; bepde aber find 1715 zu einer Stadt vereiniget worden . Die erſte iſt befeſtiget. 1554 mur , den ſie von des Kaiſers Ferdinand I Truppen erobert , ges plündert und in die Aſche geleget ; 1562 von den Somaa nen belagert und angezündet , aber nicht erobert ; 1554 vom König Johannes, 1605 vom Stephan Betskay, 1660 vom fiebenbürgiſdhen Fürſten Barskay , 1662 von den Kaiſerlichen eingenommen ; 1681 von den Dsmaneu belas gert. 1646 hielten die Reformirten bieſelbſt einen Nativa nalſynodum . 1715 wurde hier ein Frieden geſchloſſen , der den Rafotiſchen Unruhen ein Ende machte .

(2 ) Die MarktReden Sefer : Gyarmath , am Sas 3 moſch , Jánt, Matolcs , am Samord ), Tarpa. 4 ) Der 17yerer Diſtrict , in welchem ( 1 ) Lcles , ( Etfched ) ein adeliches Schloß , wel des ehemals eine Feſtung war. ( 2 ) Karoly, oder Vagy -Károly, ein weitläuftiger Marktfleden mit einem ſchönen Caſtel. Er iſt mit einem breia

514

Das Königreich Ungarn .

Breiten und tiefen Graben umgeben , 1 Grafen Raroln.

und gehöret den

( ) Vagy :Majteny , ein alter Marktflecken , am Fluß Krasna ; eine Meile von Karol». ( 4 ) Szalka , ein guter Marktflecken. 5 Die XIarmaroſder cſpanfihaft, Mar: mation , ung. X.ramaros oder Warmaros Vármegye, Maramarufienfis comitatus, wird durch das farpatiſche Gebirge von Galizien und der Mol. dau getrennet, und wegen deſſelben iſt ſie ganz bergig, ein kleiner Strich an der Teiffe ausgenommen . Sie bauet fod Getreide im

Ueberfluß , hat gute Schaf.

zucht und Wildpret.'

Die Wålder find erheblich, wichtiger aber iſt das Steinſal , welches zu Rhonas. zek ohnweit Szigeth, in 3 Gruben , und in långlich. ten Stücken von 50 bis 80 Pfunden ausgehauen wird. Durch ſtarken Regen werden von den karpathiſchen Gebirgen allerhand edle Steine , ſelbft Diamanten, herabgeſchwemmet, und im Sande gefunden. Sie Find hårter als die böhmiſchen . Die Geſpanſchaft hat Ungarn , Ruſſen , Wlachen , und einige Deut. fche zu Einwohnern, welche legten vermuthlich Nach kommen der Sachſen ſind, die um des Bergbanes willen hießer gezogen worden.

Die Diſtricte find

1) Der obere Diſtrict ,

an der Moldauer

Grånze , ohne Städte und Marktflecken . 2) Dec Raſſoer Diſtrict, an dem kleinen Fluß Kaſo, auch ohne Stådte und Marktflecken.

3) Der Sigether Diſtrict, in unterm Theil

.

der Geſpanſchaft, in welchem auch nur Dörfer find.

4 ) Der

1

Ungarn an ſich ſelbſt.

525

4) Der untere Diſtrict , auf der Grånge der Ugotſcher Geſpanſchaft , der aud) nur Dörfer hat. 5 ) Die Sorrfdafr Borſto , in welcher ( 1 ) Sigeth , zigeth , ein Marfefieden , wo die S ſpanjchaftsgerichte und Provinzialverſammlungen ges halten werden, und eine Salz- Niederiage iſt. ( 2) Soszszu : 1ezs , auf walachiſch Tempilung , auf ruſtiicb, Dlube polje , Campus longus , ein Markt flicten an der Leiße, den oftmaligen Ueberſchwemmungen ausgeiebet . ( 3 ) Ur- lezó , Campus dominorum , oder Koros, Mezi, ein Marttflecken . (4) Badſto , ein Pfarrdorf, woſelbſt ein Salz- Berge und Gruben -Amt iſt. ( 3 ) Rhona zél , ein Pfarrdorf , auch mit einem folchen Amt. Hier iſt das Salzbergwert. 6) Die Berrſchaft Suszth , in welcher ( 1 ) Susztb , ein auf einem ſehr hohen Felſen belege. nes von Natur und durch Kunſt feſtes Schloß , unter welchen ein Marktflecken liegt. Nicht weit davon ſiud, die Duellen der Teiße , unten am farpathiſchen Gebirge. 1556 nahmen die Siebenbürger das Schloß ein ; und 1605 brachte es Stephan Pototan in ſeine Gewalt. ( 2 ) Terro , ein Marftflecken an der Teiß. ( 3 ) Diff, Deft , ein Marktflecken , welcher deuts ſche Einwohner hat.

IX Das Caſauer Gebiet ,

in Oberungarn ,

von 5 Geſpanſdaften. 1 Die Zipfer Geſpanſchaft, ungar. Szepes Vármegye , Scepuſienſis comitatus , iſt 10 geome. triſche Meilen lang und 6 breit , und hat ungefähr 28 Meilen im Umkreiſe. Sie iſt faſt ganz bergig und waldig , toch giebt es hin und wieder, inſonders beit

526

id , Ungarn .

e Das Königr

Heit in der Mitte, eine angenehme Ebene , fruchttras gende Wecker, Wieſen , und fiſchreidhe Flüſſe. Das carpathiſche Gebirge , iſt hier am allerhöchſten ; außer demſelben "aber ſind zu merken der Odrens berg , ſlawon. Wolowetſch , der Königsberg ; ſlawon . Kralowa Bora , welcher ſeinen Namen von dem Könige Matthias Corvinus hat , der 1474 auf demſelben geſpeifet;

der Magura , der Ihla , der Reberg , oder Råuberberg, und der Bran , fko. Der Leubiger Wald iſt auch merkwürdig. Dus dieſen Bergen entſtehen folgende Flüſſe: 1) der

Popper, ( Poprad,) welcher aus dem Popperſee auf dem weſtlichen Theile des karpathiſchen Gebirgs ente ſtehet, und in Polen in den Fluß Dunawek fällt. 2 ) Dunawets , oder Dunajes , entſtehet aus den mitternachtlichen Höhlen des karpathiſchen Gebirgs, und ergießet ſich in die Weichſel. 3) Die Run , dert', (Hernat , Hernadus , ) entſtehet unter dem Königsberge, da, wo die Gömörer und Liptauer Ge. ſpanſchaft an einander grången , und fließet in die Zeiß.4 ) G lnis, entſtehet auf dem Odyſenberge, und fällt in den vorhergehenden. Andrer kleineren Flüffe zu

geſchweigen . Die { uft iſt hieſelbſt zwar falt , aber geſund. Wein wädyſet hier nicht, wohl aber Getreide , als Weißen , und ſonderlich gute Gerſte , welche die beſte in dieſem Tyeil von Ungarn iſt. Erbſen wachſen hier auch ſehr gut, und auf den Flachsbau leget man ſich gleichfalls ſtark. Die Viehzucht iſt auch gut.

Von wilden Thieren findet

man Båren , Jüchſe, wilde Schweine, Damhirſche, Wolfe, Füchſe , Murmelthiere, ( Mures Alpini , ) Hafen und vornehmlidy Gemſen , welche aber idwar jut

Ungarn an ſich ſelbſt.

527

zu fangen ſind. Hirſche, Marder und Biber giebt es hier nicht. Auf die Bergwerfe legen ſich die Eins wohner nicht viel , weil ihnen der Ackerbau bequemer iſt; indeffen mird doch Kupfer und Eiſen gegraben. Die Einwohner ſind Deutſche , böhmiſche Slaven, und Puffen , unter den Edelleuren aber ſind viele Ungarn . nand dem

Die Grafſchaft Zips fam unter K. Ferdi. dritten an die Cſaky , und kurz vor 1671

theilten ſich die Brüder Franz und Stephan in dies ſelbe.

Des erſten Antheil ward 1671 an die königl.

Kammer gezogen , weil er an der Dökslifchen Unruhe Theil nahm . Dem andern Grafen ward 1690 ſeines Bruders ehemaliger Theil der Grafſchaft überlaſſen , er trat aber an die königliche Kammer , fein Recht auf die Hälfte des Schmolnißer Bergwerks , nebſt den Dertern Samolnik und Stroß, und ſeine Hälfte des Markts . Schwedler , ab. Die Obergeſpanwürde Defißet das gråfliche Haus Efafy erblich. - Spanſchaft beſtehet 1 ) aus 3 Diſtricten .

Die Go

Dieſe ſind

( 1) Der erſte Diſtrict, in welchem a . Rásmart , ung. Kesmark , Flar . Kesmarck, welche auf Deutſch aud Kaiſersmart, lat, Caeſareo . Fo . rum, genennet wird , eine königliche Freyſtadt, am Pop perfius , iſt eine der alteſten ungariſchen Städte, und mit Mauern und Shůrmen umgeben. Sie enthält dren Kirchen , und vor der Stadt iſt eine evangeliſche Kirche und ein Gymnaſium . Die Eiuwohner , welche griften : theils Deutſche find, legen fich auf Handel, Acerbau und Handiverter. Matthias Corvinus hat ſich inſonderheit um die Stadt verdient gemacht. Im Huſſitiſchen Kriege ift fie 1433 gepländert und eingeäſchert worden. 1436 hielten hiefelbſt die polniſchen und ungariſchen Magnaten eine

528

Das Königreich Ungarit.

eine Verſammlung. In 'den bürgerlichen Kriegen des fiebzehnten Fahrhunderts ift fie oft eingenommen worden . 1576, 1720 und 21 brannte ſie ab. Das alte Schloß iſt zerſtöret. b. Altdorf , ung. U-Salu , ein Marktflecken . (2) Der zweyte Bezirk, in welchem à . Leutfchau , ungar. Lotſe, flaw . Lewocza , eine königl. Freyſtadt, und die Hauptſtadt der Grafſchaft, auf einem Hügel, welche mit ſtarken Miquern und zwölf Thür: men umgeben iſt, eine fchöne Kirche hat, welche dem heil. Sakob gewidmet iſt, und ehemals ein Jeſuiter Collegium , welches jedoch die Minoriten beſorgen , adeliches Gymna: fium und Convictorium . Die Einwohner ſind mehrens theils Deutſche. Heutiges Sages iſt kaum ein Schatten von dem ehemaligen Anſehur der Stadt mehr übrig. Sie iſt zuerſt 1245 erbauet, und um deßwillen Leutſchau ges nennet worden , weil hier anfänglich eine Warte geweſen , von welcher man die Leute geſchauer, oder die herum ſtreifenden Dataren beobachtet hat. 1285 ward ſie von den Sataren zerſtöret, aber bald wieder aufgebauet. In . den Jahren 1332, 42 , 1432 , 41 , 1550 und 99 iſt ſie abge: brannt , 1600 von der Peſt heimgeſucher, 1601 von den Heyduđen , und 1602 vom Sigismund Bathory geplins dert , 1605 voa den botf fayſchen Heyduden erobert , 1619 pom Gabriel Bethlen, hernach vom Georg Rakozy, 1682 vom Dökoly , und 1703 vom Franz Rakoby eingenom . men , lekten aber 1710 wieder entriffen . 149+ wurde hier zwiſchen den Königen von Ungarn und Polen ein Vertrag geſchloffen. Die Buchdruckerey , welche hier von der Breueriſchen Familie angelegt worden , hat die Feuersbrunſt von 1752 größtentheils vernichtet. b . Donnersmare, cfåtörtékhely, Srwartel, Op. pidum S. Ladislai . oder Quintoforum , ein Marktflecken mit einem Nonnenklofter , der Stamınort der Grafen Senkel , welche ehemals von demſelben Domini Henkel de Quintforo hießen.

c Cans:

Ungarn an ſich felbſt.

529

c. Gansdorf, ( Johannsdorf , ) Gánok, Ganos wet , ein Pfarrdorf, in deſſen Nabe ein heilſames Sauers waſſer entſpringet. d. Kapsdorf, Baposztafalu , Srahiſobige, ein Pfarrdorf, ben welchem ein Berg iſt, auf den ſich die Eins wohner der Geſpanſchaft , wegen der Tataren , 3 Fabre lang , nemlich bis 1245 aufgehalten habenr. (3) Der dritte Diſtrict , in welchem a . Gölnity, ein volfreicher Markt- und Berg - Fles đen , mit einem Berg-Amt, am Fluß gleiches Namens, Er hat ergiebige Eifer- und Kupfer-Bergwerke, einen Eis ſenhammer, eine Eiſendrat: Fabrif , und viel Eiſenſchmies de. Er iſt der voruehmſte Ort der gråflich Tſdatiſchen Herrſchaft. b . Linſiedel , Remethe , ein Marktflecken , wela cher ergiebige Eiſen - Gruben und ein Bergamt hat , am Fluß Gollnik . c. Stoß, ein Markt- und Berg - Fleden , woſelbſt gutes Eiſen gegraben wird , und 3 Eiſenhåmmer ſind. d . Schwedler , ein Bergflecken , der reichhaltige Kupferadern hat, und ein Bergamt.

#

e. Schmolnitz, Szomolnok, ein Bergfleden , der deutſche Einwohner , und ein erhebliches Kupferbergirerk, und eine Bergwerks -Adminiſtration hat. Der ganze hies fige metallreiche Diſtrict um das Gebirge , iſt von innen und außen voll von Schwefelfies , daher das hieſige Rus pfer- oder Cement-Waſſer, nicht nur innerhalb der Grus ben, ſondern auch außerhalb überall hervorbricht, und viel 1 reichhaltiger , und Kupfer fallen zu laſſen tüchtiger iſt, als das im Serrengrund. Man erzeuget jdhrlich bis taua ſend Centner Cementkupfer, es werden auch Kupferer'že Unter dem hieſigen in der hieſigen Grube gewonnen . Oberamte , ſtehen die Bergwerke zu Sdymólnik , Stoos, Schwedler , Einſiedler , Gólnik , Krumpad ), Wagens drüffel, Neudorf und Wallendorf, insgeſamt in der Zipſer Geſpanſchaft, imgleichen Unter- und Ober-Meßenfeiffen , uub Faſſuo, in der Abanwarer Geſpanſchaft , Tobfdjan uno 2 Th . 84 .

530

Das Königreich Ungarn .

und Roſenau , in der Gómörer Gefpanſchaft. Es wird aud an dieſes Oberamt in Rechtshåndeln von dem Nagy: Banyer Oberamt appelliret. Ju dem botſtavſchen Kriege 1604 , wurde der Ort von den Henducten in die Aſche gee leger. f. Baldorz , ein Dorf, nicht weit vom Zipſerhauſe, wojelbſt ein warnes Bad und ein Sauerbrunn iſt. g. Rrumpach, Krombach , ein Pfarrdorf, am Fluß Hernath , welches feines vortrefflichen Eiſend wegen be rühmt iſt, und der gråffich - zichakyſchen Familie gehöret. 2) Aus der Provinz der ſechzehn Städte ober Marktflecken , welche von der Geſpan cchaftss Gerichtsbarkeit ganz abgeſondert ſind. Bis 1775 þieß fie die Proving der dreyzehn Städte und Marktflecken, wurde 1412 von dem ungariſchen Kinige Sigismund , an den polniſchen König Wladislaw Jagello für 37000 breite Böheimiſche Grofchen verpfändet, und kam erft 177a wieder an ' Ungarn , und zwar ohne Bezahlung des Pfand. Schillings. 1775 am zwanzigſten Februar wurden den ſogenannten dreyzehn Zipfer. Städren noch dren andere , welche bisher unter der unmittele baren Gerichtsbarkeit des Lüblauer Dominii geſtanz den hatten , einverleibet , nåmlich lůblau , Pudlein, Knieſen, und die Provinz bekam nun den Namen der Sechzehn Zipfer. Stádre. Dieſe erhielten auch ein andres Siegel, welches den faiſerlichen Nas men und die Worte , Sigilluin ſedecim oppidorum fcepufienſium , 1774 , enthält, und dem befondern Grafen der Provinz, wurden drey Affefforen zugeord. ner. Iglo iſt nun der Ort der Provinzial- Verſamm . lung.

Die ſechzehn Städte, liegen in der Grafſchaft

Zips zerſtreuet, und ſind eigentlich nur Marktflecken, wie

3

Ungarn an ſich ſelbſt.

531

wie ſie denn auch auf lateiniſch nur Oppida genennet werden .

Sie folgen alſo auf einander .

1) Bela , ein Marktfleden in einer angenehmen Ebene, nicht weit vom Popperfluß , welcher durch viele Feuersbrünſte ſehr beſchadiget worden iſt , ſich aber doch wieder erholet, imd wohlhabende Einwohner hat.

2 ) Laibits, ung. Lebit, flaw. Lubiga, ein Markts fleden an einem Bach gleiches Namens , welcher vor Als ters mehr als viermal ſo groß geweſen , als er jekt iſt, da er ungefähr 200 Wohnhäuſer enthält. Er iſt infonderheit durch Feuersbrünſte verwüſtet worden , dergleichen 1659, 1680 und 1708 hieſelbſt gewütet haben. Die Einwohner ernähren fich theils vom Holzhandel, theils vom Uderbau . 3 ) Menhardsdorf , flaw . Wrbowo , ein ſchlecht gebauter und bewohnter Marktfletten . 4) Deutſchendorf, flaw . Poprad , ein Marktfiles den, beffen Lage überaus angenehm ift ; denn auf der eis nen Seite hat er den Fluß gleiches Namens , auf der ani dern aber eine große Ebene. Vordem Brande 1718 war er vermogender, als jeßt. Marktfrenheit hat er erſt 1774 bekommen. Die Einwohner leben von Aderbau . 5) kniefen , Gnasna , Gnasoo , ein Marktflecken am Popperfluß , welcher Aeder hat , die nicht unfruchti bar ſind. 6) Michelsdorf , flaw. Strafa , ein verfallener Marktfleden , welcher ehedeffen im guten Flor geweſen. 7) Neudorf , flaw. Lowa Wes , ung. Iglo, Iglovia , von einigen Neocomium , iſt unter allen dieſen Marktfledten am beften gebauet und bewohnet, und hat ehemals Mauern gehabt. Er liegt am Fluß Heruath. und die Einwohner legen ſich ſowohl auf den Ackerbau, a16 auf die Bergwerle , wie fie denn aris den nahgelegenen Bergen Kupfer und Eiſen graben. Jetzt werden hier die Berſammlungen der Sechzehn Städte gehalten , et har hier auch ſeit 1773 die königl. Adminiſtration der Seda jebu Ståote , ihçen Sig.

8) Riss

532

Das Königreich Ungarn .

8) Risdorf, ungar.Ruszkonot , ſlaw . Kuffinows56, ein Sarkıfleden , in einer unfruchtbaren Gegend , derjen Einwohner ſich mehrentheils vom Holzhandel ernähren . 9 ) Wellendorf , ung. Olaszy , flaw. Wlaſki, la . tein . Villa italica , Olaszium , ein Marktflecken , an einem kleinen Fluß , der ſich in den Hornat oder Kundert ergieſ: fet. Er iſt ehemals eine italieniſche , oder lateiniſche Cos Jonie geweſen , wie die Namen deſſelben anzeigen ; jekt aber wird er von lauter Deutſchen bewohnet. Dab umher liegende Feld iſt fruchtbar und angenehm. 10) fülc& oder Sie , ung. Fülka , flaw. Wella , ein Marktflecken , welcher in Verfall gerathen iſt , ob er gleich ein großes und fruchtbares Feld hat. 1773 verlor er 54 der beſten Häuſer durch eine Feuersbrunſt. II) Pudlein , ung. Podolin , flaw. Podolinet , ein Marktflecken ain Popperfluß, in welchem guter Hans del getrieben wird , und die P. P. piarum ſcholarum eine Schule angeleget haben . Das umberliegende Land iſt nicht fruchtbar. Außerhalb iſt eine Kapelle auf einem Hús gel, welche der heil. Anna gewidmet , und der Wallfalır: ten , imgleichen einer heilſamen Duelle wegen , bes rühmt iſt. 12) Kirchdorf,ung. Szepes Váralya, Flaw. Podha rad , ein feiner Marktflecken , welcher unter dem Zipſer Schloß liegt , und am Himmelfahrtstage einen anſehnlis chen Fahrmarkt hat. 13 ) Masdorf, ung. Matxhaeočs , flaw . Matejo, wacze oder Matejowze , Matthaei villa , ein Marktfile: den am Fluß Popper, welcher unter andern 1718 faſt ganz abgebrannt iſt. 14) Georgenberg , ung . Szombathely , flaw . Spiſka Szobota , Mons S. Georgii , ein Diarktflecten, der ain Popperfluß eine angenehne Lage , und zwar eint etwas kleines , aber doch fruchtbares Feld hat. Er iſt zwar oft vom Feuer verwüſtet, aber doch gut wieder auf: gebaniet worden. 15 ) Cublau , Cubowna , Lublyo, ein weitlaufa tiger und volfreicher Marktfleden , unter dem Schloß die: ſes

Ungarn an ſich ſelbſt.

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ſes Namens , deffen Fahrsund Wochen Märkte bekannt ſind , und dahin Wallfahrten geſchehen . 16 ) Duransdorf , oder Durlsdorf, flaw . Twarocza na , ein Marktflecken , der ein weitläuftiges Feld , und gute Hötzung hat.

4

17 ) Zipſer : Saus , ungariſch , ehedeffen Scepus , jekt Szepes :Vár , flaw. Sipſki Samel , Scepulienſis arx , 'ein Schloß , von welchem die Geſpanſchaft benennet worden . Es liegt auf einein fieilen Felſen , und iſt von Natur und durch Kunſt feſte , die Mauern aber Find dein Einfalle nahe. Johannes von Zapolya iſt auf demſelben geboren . Fin totſtauſchen Kriege 1604 hielt es eine Bes lagerung aus . 1703 wurde es von den Rakotzyanern ers obert , 1710 ihnen wieder entriffen ; und jetzt gehöret es der gråfl. Zſchafnſchen Familie. Uuter demſelben liegt der Marteftecken Szepes V & rallia , deſfeu oben gedact mors den , und nahe daber auf einem Hügel das Kapitel der Domkirche des heil. Martins bou Szepus , welches 1776 zu einein Bisthum erhoben worben , und der Sik des Bis ſchof8 iſt. Die Serrſchaft Tſchawnie, welche den Jeſuiten gehöret hat , iſt dazu geſchlagen. Richt weit davon iſte eine verſteinernde Duelle , und in einem Berge neben dem Schloffe iſt eine Hohle , in welcher das Waſſer ces Wins teré flüßig iſt, des Sommers aber gefrieret, ſo , daß man daraus Eis holet , um das Getränke zu erfriſdien. 3 ) Aus dem Sig der zehn Lanzenträger ( ſe . des decem lanceatorum ). Er hat den lezten Namen daher , weil die Edelleute dieſer Landſchaft den ehema . figen Königen mit Sanzen bewafnet, folgen mußten, ſo oft ſolches die öffentliche Wohlfahrt des Reichs, oder ein wider gemeinſchaftliche Feinde unternommee ner Krieg ,

erforderte.

Sie fochten aber nicht an.

ders , als unter Unführung ihres Königs , und zu . . nächſt neben demſelben , und waren alſo unter ſeinen vornehmſten leibwächtern.

Bela IV hatte ihre Vor. II 3 rech .

Das Königreich Ungarn .

334

rechte vermehret ; fie haben ihren Vice Grafen , und dieſer hat einen Richter der adelichen ; mit den gröſ fern , oder untern Sie , haben ſie einerley Grafen. Der zerſtreueten Flecken und Dörfer dieſes Siges find vierzehn , davon die merkwürdigſten : 1 ) Abrahamsdorf, Abrahamfalva, Abrahamows cze, ein ſtarkbewohnter Fleden , der ſehr fruchtbaren Ader hat.

2) Komarocz , beſtehet jeßt nur aus einem Hauſe, hat aber einen guten Sauerbrunnen . 3 ) Sorka , wo auch Sauerbrunnen find. 4 ) Kiszocz , hat Sauerbrunnen von verſteinernder Natur. 5 ) Bethlsdorf, Bethlehemfalva, war ehemalt unter den Siteln der turzoiſchen Familie,

Die Scharoſiber Geſpanſchaft , ungar. Saros .Vármegye , Saroſienſis comitatus, wele che viele und hohe Berge enthält, und von Ungarn, böhmiſchen Slawen , Deutſchen und Ruſſen bewoh. net wird.

Sie beſtehet aus 4 Diſtricten , nåmlich

aus dem weſtlichen , nordlichen , oftlichen und ſüdlichen Diſtrict. 1) Der Scharoſcher oder weſtliche Diſtrict, in welchem ( 1) Zeben , ungar. Szebeny , flaw . Sabinow , Cibinium minus, eine kleine königliche Freyſtadt, am fluß

Partſa , welche ſich 1604 an die Botſtanſchen , und 1663 an die Domanen ergeben mußte. ( 2 ) Viagy- @ aros , ein wohlbewohnter Marktfles den , mit einer Burg , wovon die Grafſchaft den Namen hat,

3 ) Der

Ungarn an ſich ſelbſt.

535

2 ) Der obere ober nördliche Diftrict , welchem

i

in

( 1 ) Barthfeld , ungar. Bartfa , flam. Bardiow , eine königliche Freyſtadt, (dazu fie 1736 gemachet wors den ) am Fuß des farpathiſchen Gebirges , welche eheders fen ſtark mit Wein nach Polen handelte, auch Weberftühle für feigene Bånder und Spitzen , Iconiſch Gold und Sil. ber hatte, und mit guten Sauerbrunnen verſehen , aber durch oftmalige Feuersbrünſte , von welchen die neueſte fich 1774 zugetragen hat , in Armuth gerathen iſt. ( 2) Berszevisse, ein adelicher Marktflecken , ( 3 ) Siebenlinden , Bethars , Septemciliae , ein adel. Marktfleden an den ſcepuſiſchen Grängen. (4) Palocſa, ein adelicher Marktflecten. 3) Der øſtliche oder Tapolyer Diſtrict , ini welchem Zanusfalva, ein Marktflecken. 4) Der untere oder füdliche Diſtrict. ( 1 ) Eperies , flaw. Breſſow , Eperieſenum , eine königl. Freyſtadt am Fluß Tartſa .' Sie iſt mit Graben , Mauern und Zhůrmen umgeben , und der Się des böchs ften Gerichts , des dieffeits der Seiße belegenen Kreiſes , einer ehemaligen Reſidenz und Gymnaſium der Jefuiten , und zweyer Kidſter . Die evangeliſch-lutheriſchen Stände legten hier in dem fiebzehnten Jahrhundert ein Collegium illuftre an , welches 1067 eingeweibet, in neuern Zeiten aufgehoben , 1951 aber mit der Kirche wieder hergeſtellet wurde. 1604 wurde fie von dem Botſtay eingenommen. 1684 wurde Idroly hieſelbſt aus dem Felde geſchlagen, und in dem folgenden Jahre mußte fich die Stadt den Kais ſerlichen ergeben . ( 2 ) Somos , ein Marktfleden. ( 3 ) Sóvar , Salzburg , ein Marttfleden , nahe bey Eperies , welcher Salzgruben hat ; weil aber das Salz mit irdiſchen Theilen vermiſchet iſt, wird es in Waſ ſer aufgelöſet, und hierauf ausgekocht.

3 ) Die

536 .

Das Königreich Ungarn .

5 ) Die Serrſchaft Wakowic , in welcher Gaboltho und Zbaro, Marktfleden. 3 Die Abaujwarer Geſpanſchaft ,

ungar.

Abauj Var Vármegye , Abaujvarienſis comitatus, hat Nahrungsinittel für ihre Einwohner an Uebers fluß, dieſe aber ſind Ungarn, böhmiſdie Slawen und Ruſſen , und in den Städten Deutſche. Sie beſteher aus fünf Diſtricten ,

welche ſind der kas

ſobauiſche, füſeriſ.be, zſcherhatiſche, fikſoiſche und corner Diſtrict. Der legte iſt 1781 dieſer Ger ſpanſchaft einverleibet worden , aber ein beſonderer kleiner Comitat geweſen , deſſen Obergeſpanswürde der kegleritſchiſchen Familie erblich gehörte.

1 ) Der kaſdharter Diſtrict. ( 1 ) Karchau, ung . Kara, flaw. Roſlice, Caſſovia, eine königliche Freyſtadt und Feſtung, am Fluß Hernath oder Kundert. Sie iſt der Sik der Geſpanſchaftsgerichte , einer 1657 geſtifteten hohen Schule, eines Archigymna fiums und einer Cameral-Adminiſtration , hat auch ein Durch Ableitung des ſtehen: wohlverſehenes Zeughaus. den Waſſers dieſer Gegend in den Hernath , iſt die Luft ſehr verbeffert worden . 1400 wurde ſie von den Po len vergebens belagert ; 1535 nahm ſie König Joa hann mit Liſt ein ; 1556 brannte ſie ab. 1604 wur's de die hieſige große und anſehnliche Pfarrkirche den Luthes ranern genommen . Da nun noch andre Unterdrückungen dazu kamen , ſo ſchlugen ſich die Kaſchauer zur Partey des Stephan Borstay , welcher 1606 biefelbft ſtarb. Nach ſeinem Tode kam die Stadt wieder in Kaiſerl. Gewalt. 1619 ergab ſie ſich an Bethlen Gabor, 1644 an Georg Ras kony , 1681 an Idroly , und 1685 an die Kaiſerlichen. ( 2 ) Enitke , ein Marktfleden . (3 ) LAS

I

Ungarn an ſich ſelbſt.

537

(3 ) TTagy : Ida , ein Schloß auf einem erhabenen Drt, mit einer darunter belegenen Pfarrdorf, gehöret zum tíchakiſchen Gebiet. 2) Der Fuſerer Diſtrict , der lauter Dörfer Neben dieſem iſt begreift. Ujr var, Aba - Ujvar , cuburg , Arx nova , mit einem ehemaligen feſten Schloß , welches der Statta halter Aba im 11 Jahrh. erbauet hat ; aber jetzt nicht mehr vorhanden iſt. Die Geſpanſchaft hat davon den Namen . 3 ) Der Tſcherehater Diſtrict, in welchem ( 1) Jászszo , Jaliau , ein feſtes Bergſchloß , in welchem eine Prämonſtratenſers Probſtey und das Geſpans fchafts : Archiv zu finden . Im Shal liegt ein geringer ! Marktflecten. Es ſind hier Eiſen- und Kupfer-Gruben . (2 ) Ober- und Unter:Metzenfeif, felis es alſo mes senſoft, find zwey große Marktfleđen einer alten ſáchris fchen Colonie , welche Kupfer- und Eiſen - Bergwerke bauen. ( 3 ) Szepſi , Sepſi, ein Marktflecken, welcher eben mals mit einer Mauer umgeben geweſen iſt. 4) Der Sikſoiver Diſtrict ( 1 ) Göng , ein Marktfleđen , welcher chemals eini prachtiges Schloß hatte, davon man nur noch Ueberbleib . fel fiehet. ( 2) Szantho , Santho , ein Marktflecken . ( 3) Szikszo , Sillo , ein Marktflecken , der einer zweymaligen Niederlage wegen , welche die Osmanen hie. felbſt erlitten haben , merkwürdig iſt.

4 Die Torner Geſpanſchaft, Torna Várs megye , Tornenfis comitatus , liegt am Fuß des farpathiſchen Gebirges , iſt unter allen ungariſchen Geſpanſchaften die kleinſte , und voller Berge, die aber nach Art des farpathiſchen Gebirges verſchiebene natürliche Merkwürdigkeiten enthalten. 15

Sie wird

von

$ 38

Das Königreich Ungarn .

von Ungarn bewohnet, unter welche aber Slamer und 1 Rufen gemiſdyet fino, und in den obern und untern Diſtrict abgetheilet . Die Würde eines Obergeſpans, gehöret der feglevitſiſchen Familie erblich. 1 ) Der obere Diſtrict. ( 1 ) Torna , ein offener Marktfleden , im Gebiet der Grafen Keglevich. Die Geſpanſchaft hat davon den Nas men , und Hålt in deniſelben ihre Verſammlungen . Das ehemalige Bergſdloß bey demſelben , iſt auf Kaiſer Lipa polds Befehl geſchleifet worden. ( 2 ) Szad-var , ein Schloß auf einem ſehr hohen Fel: fen , welches auf Befehl des Kaiſers Leopold geſchleifet worden. Es gehöret zum eſterhazuſchen Gebiet. ( 3 ) Die Szádeloiſche Shle iſt groß , und enthält viele Kuochen , und Merkmale , daß ſie bewohnet gewe: ſen ſey . 2) Der untere Diſtrict.. Er begreift 21 Dóra Merkwürdig iſt Szilitze , ein Dorf, welches einer wunderbaren Hible wegen merkwürdig iſt , die ſich bey demſelben in einem Berge findet. Die Gegend iſt wegen der Hügel und Wål der unfruchtbar, die Luft rauh und falt. Die Kluft der Höhle, iſt nach Süden gekehret, und die Defnung 18 Klafs ter hoch und & breit, folglich weit genug, den hier ſehr ſtark und faſt beſtåndig wehenden Sådwind aufzufangen. Flyre unterirdiſchen und felſichten Sånge erſtreden fich nach Mittag , weiter als jemand unterſuchet hat. SO fer.

tveit man hinein kommen kann , iſt fie 50 Klafter tief und 26 weit. - Das Wunderbare bey der Höhle iſt, daß, wenn aufzen der Winter, am ftrengſten , inwendig die Luft lau, und wenn die Sonne am heißeſten fcheinet, hier eiskalt ift. So bald der Schnee ben hereintretendem Frühling ſcomilzt, ſchwitzet aus der innerften Wölbung der Höhle, wo ihre åußere Fläche der Mittagsſonne ausgereket iſt, oin klares Waffer , das hin und wieder herabtröpfelt, und son der inwendigen Rälte in Eis verwandelt wird , davon Zapfen ,

1

eria

Ungarn an ſich ſelbſt.

539

Zapfen , ſo did , wie große Fåffer, herabhangen , fich in Heſte ausbreiten , und ſeltſame Geſtalten bilden. Auch das Waſſer, das von den Zapfen auf die ſandichte Erde herabtrópfelt i gefrieret unglaublich geſchwinde. Die Kålte nimmt immer zu , je heißer es außen wird , und in den Hundstagen iſt alles vol Eis. Die Anwohner füh . len mit dem Eiſe des Sommers das laue Brunnenwaſſer ab, ichmelzen es auc) an der Sonne und trinken das Bar, fer. Gegen den Herbſt 311, wenn die Nächte falt werden , und die Luft fühler wird , fångt das Eis in der Ndile an , aufzuthauen , und bey eintretendem Winter iſt alles Eis weg , die Hdhle völlig troden und gelinde warm . 418 denn trift man in ihr Schwärme von Fliegen und Můs den , Haufen Fledermåufe und Nachteulen , auch baſen und Füchſe an , bis ſie wieder bey angehendem Frühling voll Eiß wird . lleber der Höhle iſt ſehr hobe Erde , die, wo ſie der Mittagsſonne ausgeſeket iſt, häufiges und fets tes Gras trågt. Eine ausführlichere Beſchreibung und phyſikaliſche Unterſuchung dieſer þöhle findet man ini Hamb. Magazin . Band IV . S. 60 f. in einem überſetze ten Uufrag des gelehrten Matth. Bels. 5 Die Sempliner Geſpanſchaft , ungariſch , Zemplin Vármegye,

Zemplinienfis comitatus, bat Ungarn, Deutſche, böhmiſche Slawen und Rufo fen zu Einwohnern , und vier Diſtricte. 1) Der Groß Nihaler Diſtrict, in welchem ( 1 ) Bútka , ein Marktfleđen. (2 ) Somonna , ein Marktflecken und Schloß , an einem angenehmen Drt , am Fluß laborta. (3) Oroß Mihal, nagy -Mihály , ein feiner und wohlbewohater Marktfleden , in einer fruchtbaren Gegend. (4 ) Sztare oder Sztara , ein Darktfleđen. ( 5) Szina, ein Marktfleden.

mo Der *t

540

Das Königreich Ungarn.

2 ) Der Waranower Diſtrict, von 6 Markta flecken. ( 1 ) Gall :Szécs , ein Marktflecken . ( 2 ) Stropko , StropFowe , ein Marktflecfen , nes ben welchem ein Schloß iſt .' (1) Terebes , ein Marktflecken , neben welchem ein eingefallenes Schloß iſt . Die Pauliner haben hier eine Kirche und Kloſter. ( 4) Ujhely , Sator - Ujhely , ein wohlbewohnter Marktflecken , an einem angenehmen Ort, woſelbſt vor: treflicher Wein wachſet. (5 ) Varano , ein Marktflecken mit zwer Caſtelen. ( 6 ) Zempleny , war ehemals eine feſte Burg, nuna mehr aber iſt es ein Marktflecken, am Fluß Bodrog, son welchem die Geſpauſchaft den Namen hat , und woſelbſt die Ungarn ihr erſtes Lager gehabt haben ſollen. 3 ) Der Diſtrict, unterhalb des Gebirgtes. ( 1) Keresztur , ein ziemlich weitläuftiger Marktfles den , in einer fruchtbaren Gegend, welche ihres vortreflis den Weins wegen bekannt iſt. (2) Máda , ein Marktflecken . (3 ) Megyaszo , ein Marktfleden . ( 4) Patae , Sáros : Patat , ein wohlbewohnter Marktfleden am Fluß Bodrog , welcher ehemals eiu bes rühmtes rakobyſches Schloß hatte , und eine königliche Freyſtadt war. Die ehemaligen Feſtungswerke find ges fchleift. Die Jeſuiten hatten hier ehedeffen eben ſowohl als die Reformirten ein Gymnaſium ; das lebte hat Sis gismund Rakoby nach der Vorſchrift des Johannes Cos menius , angeleget. Es wachſet hier ſehr guter Wein.

1 (5) Szerencs, ein Marktflecken , nebſt einer!: Schloß und Caſtel, in einer angenehmen und fruchtbaren Gegend. ( 6 ) Tallya , Tarczfal und Tolcſva , find drey Marktflecken , die ihres FSſtlichen Weins wegen , welcher dem Tokayer an Güte gleicht , berühmtſind. 7) Tokay

Ungarn an ſich ſelbſt.

541

( ) Tokay , ein anſehnlicher Marktfleđen , in einer angenehmen Gegend , bey dem Zuſammenfluß der Zeiße und bes Bodrogs , hatte ehemals ein feſtes Schloß, wel, ches aber im rafotzuſchen Kriege geſchleifet worden. Es iſt hier ein Gymnaſium der P.P. piarum fcholarum , und ein Stapuzinerkloſter , ' am meiſten aber iſt der Ort ſeines köftlichen Weins wegen berühmt, welcher am Geldymad und Kraft alle ungariſche Weine übertrift, doch gilt dieſes eigentlich nur von dem Weine , welcher auf dem Berge Mézes -Málé , das iſt , Honigſeim , wächſet. Es giebt vier Haupt-Urten des Sokaper Wein, nämlich die Effenz, (welche vor allen den Vorzug hat,) ein beſſerer und gerina gerer Ausbrud , und genieiner Jokayerwein . Dian bereia , tet auch in hieſiger Gegend aus ſogenannten Muſcatellers trauben eine Art Muſcatweins , und aus den ſchwarzen Trauben , einen rothen Wein. Alle Arten des Tokayers seins, find nach dem Unterſchied der fage der Weinberge , fehr unterſchieden , und die Weinberge, welche an der Oſt lichen Seite liegen, liefern die beſten Weine. Durch diya miſche Berſuche weiß man , daß der Sofaverwein eine viel größre Dienge Olichter, ſalzigter und geiſtiger Theile enthält, als alle übrige Beine , und daß ihm dieſe feine Starke und Süßigkeit mittheilen . Die Effenz iſt am ſuja reften, weil ſie bloß ang den durch die Sonnenhitze ausge: trodneten Trauben bereitet wird. 1527 und 1534 haben die Ferdinandiſchen Truppen dieſen Ort eingenommen ; 1565 ward er abermals erobert ; 1556 vom fiebenbürgi Ichen Fürſten Joh. Sigisinund vergeblich belagert; '1598 brannte er ab. 1605 zwang.ihu der Fürſt Botffay zur Uebergabe, nach deffen Tode er ſich wieder zum Kaiſer Rudolph wendete , der ihn dem Grafen Georg Turzort ſchenkte. 1621 und 1624 wurde er dem Bethlen Gabor abgetreten , kam aber bald wieder in kaiſerliche Gewalt . 1681 wurde er vom Zdkdly , und 1703 poin Rakotzy era obert.

4 ) Der

542

Das Königreich Ungarn .

4 ) Der Inſel Diſtrict. ( 1 ) Kiraly Selmets , ein Marktfleden . ( 2 ) Lelesz, ein Marktflecken, woſelbſt eine Probſter der Pråmonſtratenſer iſt , und in dem Schloſſe wird das Archiv der Geſpauſchaft verwahret.

X Das Temeſcher Gebiet. X

Es iſt aus dem

ehemaligen Teinefchwarer Banat entſtanden, wels ches 445 deutſche Quadratmeilen groß war , zwiſchen den Flüſſen Donau, Leiße und Maroſch und hohen Gebirgen lag. Die lekten , welche als eine Forefes kung des karpathiſchen Gebirges angeſehen werden , und deren höchſte Spißen Samnik und Furluk heiß fen , trenneten es von Siebenbürgen und der Walas chen. Die Fleineren Flüffe, welche es durchfließen, vereinigen ſich entweder mit der Semes , oder mit der Donau ; die Temes aber, welche ſelbſt zu den flei. neren Flüſſen gehöret, kommt von dem vorhergenann. Dieſe Flüſſe treten oft aus, und ten Berge Semnif. hinterlaſſen Sümpfe und Moråſte, die zum Theil ei. ne anſehnliche Ausdehnung haben , und wegen ihrer faulen Wusdůnſtungen der Geſundheit der Menſchen fchädlich find , hingegen Eorf liefern. Die Wälder enthalten Eichen, Bådsen , Birken , Fichten , Sin . den und Lerchen . Båume. Un Baumfrachten bat man inſonderheit Kirſchen, Pfirſichen und Pflaumen, und aus den lekten wird ein Getränt bereitet , welches man Raky nennet. Der Wein, welcher hier gebauet wird , iſt angenehm und geſund , bleiber aber nicht leicht über ein Jahr lang gut. cene land ,

Das ebene und tro .

iſt ſehr fruchtbar an allerley Getreide ,

man bat auch mit dem Reis in ſumpfidhten Gegenden gut

Das Temeſchwarer Banat.

543

gut gelungene Verfuche.gemacher. Tabat , Hanf, Waid und Färberrüche, gedeihen gut. Es wird viel Horndieb gezogen, und zum Theil aus dem lande ger crieben. Die Schafheerden find ſtark; die Eichen und Buchen.Wålder ſind für die Schweine-Maſi vor . theilhaft.

Honig und Wachs ſind häufig , es wird

auch viel Seide gebauet.

Wildpret und Fiſche hat

man überflüßig. Die meiſten Fliiſſe und Bächefüşı ren in ihrem Sande Goldkörner , es liefern auch die Bergwerke Gold , Silber , Kupfer , Blen und Etu fen.

Die

geſammten Bergwerfe ſind unter vier

Berg. Reviere oder Berg.Pemter vertheilet ,

weldie

find das Bogfchaner mit Reſchika , das Oramikaer, Dognakkaer und Sasfaer , gu'welchem legten aucy der Bergflecken Moldova gehåret. ift die Bergwerks. Direction .

Zu Temeſchwar

Die Einwohner ſind Raißen , welche ſich felbft Sribi, das iſt, Serbier, nennen , Wlachen , Bule garen , Deutſche, Zigeuner , auch Ungarn ,

Juden ,

italieniſche und franzöſiſche Coloniften . Infonderbelt feit 1763 haben ſich viele tauſend deutſche Familien hither begeben , und das Land anbauen geholfen , da. her die deutſche Nation faſt den vierten Theil der Eine wohner ausmacher. Das land gerieth 1552 unter die Bothmåßigkeit

der Osmanen , welche es erſt 1716 wieder verloren , und im Paffarowiger Frieden dem Kaiſer abtraten , worauf der Feldmarſchal Graf Fr. Mercy von Mr. genteau demſelben eine neue Einrichtung gab. Die Dsmanen verwüſteten 1738 einige Diſtricte faſt gånge lich , als es aber 1739 im Belgrader Frieden dem oſtreichiſchen Hauſe beſtåriget worden , (doch ſo , daß die

544

Das Königreich Ungarn .

die Osmanen den Sjørenyſchen Banat oder Diſtrict behielten , führte der Baron von Engelshofen den Mercyſchen Plan zum Anbau des Landes aus. Gleich

1 nach ſeiner Wiedereroberung, wünſchten die Ungarn, daß es ihrem Königreich wieder einverleibet werden mogte , man fand aber dieſes damals zu Wien nicht für gut , ſondern der Banat ward ais eine königliche Domaine angeſehen , und nicht mit Ungarn verbun. den ; allein 1779 ward es Ungarn einverleibet , und in 3 Geſpanſchaften vertheilet, welche nun mit der Bacſer Geſpanſchaft das Temeſdher Gebiet ausmachen. 1 Die Temefchwarer Geſpanſchaft,

welche

aus 4 Diſtricten beſtehet.

1

1) Der Temeſchwarer Diſtrict , enthält (1) Temeſchwar , ung. Temesvár , lat. Temma, Temesvarinum , eine regelmäßige Feſtung und ſchon ges bauete königl. Freyſtadt am Fluß Beg , zwiſchen den Moa råſten , welche derſelbige verurſachet , der Sig des Genes ral-Commando , des Schanader Domkapitels , und eines griechiſch unirten Biſchofs, der jährlich 16000 fl. Einfünfte hat. Bey der Stadt iſt ein feſtes Schloß. Sie hat meis ftens deutſche Einwohner , die Straßen ſind breit und ges rade , und die Häuſer faſt insgeſammt nac) italieniſcher Urt gebauet , aber die Luft iſt ungeſund. In der Fabris kenvorſtadt oder Joſephsſtadt ſind Manufacturen , in wel chen die einheimiſche Seide verarbeit !t wird. Dieſe Stadt war ſchon unter König Karl dem erſten im 14ten JahrĄ. volfreich und feſt. Das Schloß wurde 1445 erbauet, und nachher von Zeit zu Zeit mehr befeſtiget. 1551 warb fie von den Osmanen vergeblich belagert , 1552 aber eins genommen ; 1596 und 1597 von den Siebenbürgern fruchto los angegriffent ; 1690 von den Kaiſerlichen eingeſchloffen, 1716 aber vom Prinz Eugenius erobert. 1743 wurde fie

sine königl. Freyſtadt.

(2) Die

Das Temeſchwarer Banat.

445

(2) Viele Dörfer. 2) Der S. Andreas Diſtrict, in welchem Szent Andras , oder Sanct Andreas , Schóng dorf, Engelsbrunn, und andere große und wohlgebauete Dörfer . 3) Der Lippaer Diſtrict, 'in welchem (1 ) Lippa, Lipova, eine Feſtung und Marktflecten , am Fluß Maroſch , welche Karl Robert zuerſi befeſtiget , Markgraf Georg zu Brandenburg aber durch neue Bolls werke und andre Befeſtigungen verſtärket hat. Die Ein. wohner ſind Raiken und Deutſche. 1551 nahmen die Dia maneu dieſe Feſtung ein, ſie ward ihnen aber in eben dema Telben Jahr wieder weggenommen . 1552 verließ fie der kaiſerliche Commendaut aus Furcht, und zündete ſie an, I die Osmanen aber loſchten das Feuer, befekten und behiels ten fie bis 1595 , da ſie ihnen von den Siebenbürgern aða genommen , und als dieſe ſich auf die türkiſche Seite folagen , 1603 von den Kaiſerlichen erobert wurde. 1614 gieng ſie abermals verloren , und 1688 wurde fie wieder erobert. ( 2 ) Viele Dörfer, als Gutenbrunn , 17eudorf, Charlottenburg, u.a. m . 4) Der Werſdieger Diſtrict , in welchem (1) Verres, Werthets, ehedefferi Vetgenye, ein Marktflecken. Er liegt am Fuß des gleichnamigen Bergen, hat an taufend Häuſer , bauet Wein und Seide, Bier wohnet der griechiſche Biſchof von Caranſebes. ( 2 ) Crafovár, Denta , an einen Kanal , der aus der Semes bieber geleitet worden , Morawitsa , und ans dere beträchtliche Dörfer.

2 Die Torontaler Geſpanſchaft, die aus. getrocknete und urbar gemachte Moräfte, fruchtbare Ebenen, und eincrågliche Wålder fat. Diſtricte abgerheilet . 2 16. 8

.

Mm

Sie iſt in 4

1) Der

reich

Das König

546

nt .

Ungar

1) Der Groß Sancr YiJikloſcher Diftrict, in welchem ( 1 ) tagy Szent Miklos , ein Marktflecten. (2 ) Viele und große neue Dörfer , die von deutſchen bewohnet werdey .

2) Der Betſchkerer Diſtrict, in welchem ( 1 ) fagy - Becskerek, ein Marktfleden am Flul Bega , mit einem verfallenen ech.oß. ( 2) Viele Dörfer.

3) Der Rap.Caniſcher Diſtrict, in welchem ( 1 ) Rat Kaniſa , ein volfreicher Ort. (2) Viele Dörfer. 4) Der Uypetſcher Diſtrict , in welchem ( 1 ) Ui- Pécs , es volkreicher Drt. ( 2) Biele andere Dörfer. 3 Die Rrarchower Geſpanſchaft, welche ber gig und waldig iſt , und gute Bergwerfe hat. 1) Der Lugoſcher Diſtrict, in welchem ( 1 ) Cugos, ein Marktflecken , von goo Håufern, ant Fluß Temes , zwiſchen Wåldern , iſt ehemals befeſtiget geweſen. Er hat Deutſche, Raißen und Wlachen zu Eins wohnern. Uuf den umher liegenden Kalkhügeln withfet Wein, ( 2) Kraſlova oder Karaſowa, ein gut gebauetes Dorf, von welchem die Geſpanſchaft den Namen hat. ( 3) Reſiga, ein Dorf, in deſſen Eiſenwerken To: pfe , Bomben , Kugeln und andere eiſerne Sachen gegara

fen werden . 2 ) Der Rapolnafcher Diſtrict, in welchem ( 1 ) Kapolnas , ein Dorf. ( 2) Die Dörfer Valeamare, Koſtova, facſet, mit einem Perfallenen'Bergſchloß ,Boszur oder Boſſur, u. 4. t.

3 ) Der

Das Temeſchwarer Banat

16

547

3) Der Oraviger Diſtrict, in welchem ( 1 ) Dravicza , ein Berofleđen , in einem Thal, der Hauptort , der in dieſer Geſpanſchaft und in den Mis ſitår : Diſtrict befindlicher Bergwerke', die ſehr gutes Kupfer liefern. Die Einwohner ſind meiftens Deutſche. (2 ) Dognaſka , ein Bersflecten , bey welchem man Kupfer- und Bler : Ers , die Silber enthalten , und Ek ſen gewinnet. Es iſt hier ein Bergamt. ( 3 ) Bográn, bogfchen , ein Dorf am Fluß Berfos wa , welches Eiſenhåmmer und Schmelzöfen hat. Der Eiſenſtein wird vou Dognaſchka hieher gebracht. 4 ) Der Caranſchebeſcher Diſtrict, in welchem Caranſebes, ein Marktfleden , am Fluß gleices Namens , welcher ehemals ſchöner und anſehnlicher war , und durch die große Niederlage bon tůrfifcben Waaren , die vou hier zu Lande nach Siebenbürgen gebracht murs den , iu Flor kam. Der von dieſem Ort benannte gries chiſche Biſchof,wohnet zu Perſets. fiche Colonie geweſen .

Der Ort iſt eine romi.

5) Der Bultfcher Diſtrice, von einem Dorf benannt.

4 DieBatſcher u . dieBogroder Geſpanſhaft, liegen an der Donau bis dahin, wo ſie die Teiße aufnimt, ſind voller MoräfteundSämpfe und ohne Holg, andeſe ſen ſtate Schilf und der gedörrete Kork des Rindviehes gebrannt wird . Die Römerſchanze, iſt ein bee wundernswürdiges Wert der Römer , welches ſich von der Donau bis an die Teiße, verſchiedene Meilen

3

lang alſo erſtrecket, das ihre Vorber . Seite gegen Nordweſten , der Rücken aber gegen den Winkel, den die benden Strome machen , gefehrer iſt. Vor jener war ein tiefer Graben, der nun eine Wieſe ift. Hier haben die Römer vermuthlich einen Schifbau gehabt, denn Mm 2

Das Königreich Ungarn .

548

denn man hat am Ufer aus dem Schlamm , und bin und wieder aus der Erde , viele ' römiſche ro ftra , Anfer , und mancherley Werkzeuge , hervorge. zogen , die zu Tittel in dem Zeughauſe verwahret werden ; man findet aud ) zuweilen Waffen , Mún. zen ' und andere römiſche Dinge in dieſem Winfel. In demſelben wohnen aud heutiges Tages die Tſchaikiſten , oder öſterreichiſchen Sdyif .Soldaten auf der Donau , welche nach dem vollzähligen Fuß 1113 Köpfe ausmachen , und einen Obriſten zum Bes fehlshaber haben . Sie ſind mit einem Pallaſch, einer kurzen Flinte, und zwen kieinen Piſtolen , bewafnct, ſehr fühne Schifleute, lauter Jüyrier und Wachen, von der griechiſchen Kirche, und ihr Obriſter iſt alle. zeit von der illyriſchen Nation . Jhr Bezirk erftre. cet ſich nicht ganz bis an die Römerſchanze, fondern von der Donau an , da wo Carlowiß lieget, in einer ſchrägen Linie bis an die Teiße , dod ſo , daß Sablia mit eingeſchloſſen iſt. Es werden dieſe Geſpanſchaften in 3 Diſtricte gee theilet. 1) Der obere Diſtrict , enthält ( 1 ) Zombor, Sambor, ſeit 1751 eine königl. Freya ftadt, in welcher eine königl. Cameral Adminiſtration it, weil die beyden Geſpanſchaften gröſtentheils der Königl. Rammer zugehören . Die Einwohner ſind gröſtentheils

;

Naißen , ( 2 ) Baya , ein volfreicher Marktfleden . (3) Apatin , ein Marktfleden , der von Deutſchen bewohnet wird. 2) Der untere Diſtrict, in welchem ( 1) Leuſas , ehedeffen die Peterwardeiner Schan: 3e , weil ſie gegen Peterwardein in Slavonien über liegt.

Das Temeſchwarer Banat.,

549

Sie iſt feit 1751. eine bemauerte königl. Frenſtadt , mit guten Häuſern bebauet. (2 ) Bács , Bats , ein Marktfleden , eine Meile von der Donau , in einer fruchtbaren Gegend , den meiſtens Raißen bewohnen. Das von demſelben benannte Bistum, iſt ſchou feit den 12ten Jahrh. mit den Colotſer Bistum vereiniget. ( 3 ) Futak , ein nahrhafter Marktfleden , von Raja ken und Deutſchen bewohnet. (4) Uj-Palanka , ein Pfarrborf, welches ehedeffen von den Démanen mit einem Graben und einer Schanze verſehen worden , die aber nicht mehr vorhanden ſind.

3 ) Der Teißer Diſtrict, in welchem (1) Szent Maria, Szabadka, ſeit 1779 Chereſiena ftadt, Therefianopolis, und eine königl. Freyſtadt an der Zeiße. Sie hat Ungarn und Raißen zu Einwohnern. (2) Szentha , Zentha, ein Marktflecken , bey wel. chem die Osmanen 1696 in einer großen Schlacht übers wunden worden.

(3) Becſe , ein wohlgebaueter Marktfleden , an der Teiße. ( 4 ) Kaniſa , ein Marktflecken , der mit dem Drt gleiches Namens in der Salader Geſpanſchaft nicht vers wechſelt werden muß. (5 ) Titul oder Tittel, ein oben ſchon genannter Drt, der ehedeffen ein nun verfallenes Bergſchloß zum Schutz batte. Hier find Schifzimmer : Werfte , ein Zeugs haus und andere Vorrathähäuſer , für den Schifbau ; es wohnet hier auch der Stab der Sidhaifiſten.

}

mm 3

Die

.

Militäriſche Grånz - Diſtricte

$ 50

Die

militäriſchen

Grånz- Diſtricte

in Kroatien und Slawonien , gegen das osmanſche Reich. 1. In Rroatien.

2

as Generals Commando ift in der Stadt Carlſtadt, welche oben in Ungarns Agramer

Gebiet , und zwar in der Severiner Geſpanſchaft, bea Es ſtehen unter demſelben folgende Regimenter und Soldaten-Bezirfe.

ſchrieben worden.

Das Ogulinſche Regiment , welches feio Hen Namen von der Burg und dem Schloß Ogulin hat , wofelbft der Stab lieget. Thuin , ein altes Schloß. Zwey Stunden davon iſt der hohe Berg Rlek , den man zu Zagrab rehen kann. Ijodruffe, oder Veduſch , war ehedeſſen ein berühmter Ort, und hat viel Alterthümer. Das Szluiniſche Regiment , wird von dem Zerſtörten Schloſſe Szluin benannt , és liegen auch im Umfange ſeines Bezirks noch andere alte wüſte Schloffer und Caftele. Der Stab des Regiments lag ſonſt zu Barilovich , iſt aber von dannen nach Carlſtadt verleget worden . Unter den Dertern , in dem Bezirk dieſer Regio menter, iſt auch Plaſco oder Pláſty, woſelbſt ein griechiſcher nichtunirter Biſchof wohnet , der ſich epiſcopum partium Caroloftadienfium et Segnien. fium , nenner,

Das Likaniſche Regiment , hat ſeinen Stab Zu den alten und vornehmſten du Goszpich . Schloß

in Kroatien ' unb Slavonient.

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Schlofern , gehören , Osztervicza , in dem Dorfe Pajariſche, Buſin , welchen Namen einige Derter

Führen , Kercsmar, ehedeſſen Kercs, Gractacs, Der Sig des Obriften des Grånz-Huſarenregiments.

Das Corbauiſche Regiment , hat ſeinen Stab zu Bunic ). Es iſt hier ein alter Drt, Namens

Udbina oder Udvina ,

tadt liegt.

dergleichen auch bey Carl.

Die Schlöſſer Poolopach , Verpila ,

und andere mehr. Der Diſtrict des likaniſchen Regiments, iſt ber. gig und unfruchtbar ; der Diſtrict des Corbaui.

fden Regiments aber , þat fruchtbare Zecker und Beiden . Des Otrochacziſchen Regiments Stab liegt ju Orrobacz , welches egedeſſen eine Stadt war. Das Schloß Proſor, liegt auf einem hohen Berge. Das Schloß Kaczky , war ehebeſſen eine Abtey. Die Banaliſchen Confinien , find 1750 ein .

Sie grången gegen Diften an das gerichtet worden . Grabiskaiſde Regiment in Slavonien , von mele diem ſie durch die Flüffe Sztruga und Save geo ſchieden werden ; gegen Mittag an den Fluß Bunna, und an das osmaniſche Gebiet , an Perna , an den Fluß Oln bis Kosje ober Kofibrod ; an das Generalat Carlſtabr, an die ſpanſchaft und an die Thopuszfiſche Norden an die Flüſſe Glin , Kulpa,

gegen Weſten Zagraber Geo Abren , gegen Save xe . Es

liegen in demſelben zwey Infanterie:Regimenter, nämlich das Gliniſche und Roſtonicziſche , und ein Bufaren -Regiment. Im Bezirk des Kliniſchen Regiments , ſino die Derter Glina , Szrachicze , Perna , u. a. m . Der mm 4

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Militäriſche Grånz : Diſtricte

Der Stab liegt zu Petrina, welchen geräumigen Drt ehedeſſen die Osmanen 1592 angeleget baben, und der ſeinen eignen Bezirk zwiſchen den Flüſſen Peo trina und Kulpa hat. $ Im Bezirk des Koſtanicziſchen Regiments , iſt Roſtanicza , der Siß des Obriſten , und eines Biſchofs der nichtunirten griechiſchen Kirche , der ſich von Carlſtadt benennet. Ueber dieſem Ort liegt auf einem Berge ein Schloß , welches ehedefſen die Feſtung Ded hieß. Es gehören auch dieſem Regi ment die Derter Jeszenovecz , Dubicza an der Wunna , Zrin , Gvozdanszko , Divuſſe , dahin ſtarf zu der Heil. Catharina gewallfahrtet wird , Per del, ein Schloß , Comogovina, Chulrict ), und andre Dörfer. Es giebt auch Sd offer hieſelbſt, als alt Perrina , Vinodol , Pecſki, S. Clemens , Budichina , ind andere. In den Bezirken des Kreutzer- und Sanct Jürgen - Regiments Derter :

ſind

die

vornehmſten

1 ) Caproncza , eine königl. Stadt und Feſtung: Bald nach 1546 ward hier eine Hauptmannſchaft zur Bes fchüßung der Grånze errichtet. Hernach iſt das Generas lat von Warasdin hieher geleget worden , und ſo lange hier geblieben , bis 1756 Belovar angeleget worden .

2) Janodovecz , ehedefſen Küvar , ein Caſtel, eine Stunde von Caproncza . 3 ) Gyurgyevecz , Caſtellum S. Georgii, ein Caſtel, von welchem eines dieſer Regimenter ſeinen Namen hat. ( 4 ) Dernje und Dirje, Caſtele. ( 5 ) Chasma, ein Marttflecken , in welchem der Kos nig Coloman begraben liegt. Er iſt am Fluß gleiches Na mens,

in Kroatien und Slavonient.

i

553

mens. Ehedefſen war hier ein Kapitel , es hatte auch der Biſchof von Zagrab biefelbſt eine Stefidenz. Die Urkunden gedenken von 1232 an eined alten und neuen Chasnia .

(6 ) Ivanich , eine Feſtung , welche mit dem biſchof: lichen Ort gleiches Naniens nicht verwechſelt werden muß. ( 7) Pitomacha , Camarcha , Kloſter , von einem ehemaligen Kloſter beuannt , Kacfa , wofelbft Münzen der alten flavoniſchen Könige gefunden worden , ( zirl's veno , und andere Derter :

1

( 8) Bellovar, ein 1756 angelegter feſter Plaß, wo ſelbſt daš kroatiſche Generalat feiner Sik gehabt hat, als es vou Baraddin hieher verleger worden , und bieſelbſt ſo lange blieb , bis 1786 das Generalat den Carlſtädter Ges neralCommando untergeben wurde . Die Slavoniſchen Confinien ,

welche auch

ber Diſtrict Sumberg oder Sichelberg genannt werden, der von einer Burg den Namen har. giebt es unirte Griechen.

Hier

2. In Slavonien . I Das Generalat beſtehet aus dem Peter. wardeiner • Broder - und Gradiſkaner Regt. intent , die einige Feſtungen und Confinien beſept Halten. Die merkwürdigften Derter , find folgende 1 ) Peterwardein , Péter-Vára, eine ſtarke Feſtung an der Donau , welche 1526 von den Dsmanen erobert, 1087 von ihnen verlaſſen , und von den Ungarn beſetzet, 1616 aber noch merkwürdiger wurde , als die Chriffen in der Gegend derſelben unter demn Commando des Prinzen Eugenius von Savoyen , einen widtigen Sieg über die Dimanen erhielten . 2) Carlovicz , ein Marktflecken an der Donau , in welchem der griechiſchePatriarch der illyriſchen Nation ſeinen Mm 5 Site

554

Mditariſche Grång . Diſtricte

Sitz hát , feitdem er 1740 von Belgrad hieher gezogen ift. 1776 war hier eine Kirchenverſammlung der Biſchofe der illyriſchen Nation , unter dem Borfitz eines faiſerlis dhen Commiſſarius , auf welcher das Kirchenweſen dieſer Nation ganz umgeſchmolzen und verbeffert wurde. 1699 wurde nahe bey Carlowicz ein Conferenzhaus mit vier Thüren für die kaiſerlichen , osmanſchen , polniſchen und venetianiſchen Geſandten erbauet , die hier einen 20affenſtilſtand auf 25 Jahre ſchloffen. Jeßt iſt dieſes Gebäude eine Kapelle , genannt Maria Frieden. 3 ) Szalankamen , ein Marktflecken an der Donah, mit einem Schlonie , gegen welchem über die Teiße in die Donnu fållt. 1691 erhielten die Chriſten biefelbſt einen wichtigen aber blutigen Sieg über die Osmanen . 1716 fiel in hieſiger Gegend abermals eine Action zwiſchen beys den vor: 4) Zemlin , Semlin , Singidon , ein Marktflecken, beym Einfluß der Save in die Donau , und imireit Belgrad . Er war ehedeſſen ein geringer Ort: nachdem aber Belgrad unter die osmaniſche Bothmaßigkeit geras then iſt , haben die meiſten chriſtlichen Familien dieſe Stadt nach und nach verlaffen , und fich bieber zu wohnen begeben. Solchergeſtalt iſt er bis auf 300 Feuerſtellen angewachſen. Weil denſelben alles berühren muß , was powohl auf der Donau , als auch zu Kande, aus dem ogo maniſchen Reich und der Levante über Belgrad nach Biex gehet : ſo iſt hier ein Geſundheitsrath verordnet worden, um zu verhüten , daß die Peſt nicht aus der levante nad Ungarn und Deſtreich gebracht werde. Dieſer Seſunds heitsrath laßt alſo alle türkiſche und morgenländiſche Waas ren , ja ſogar alle Handbriefe öffnen , beräuchern , und etliche Tage an die freie fuft legen ; albdenn wird ſein Siegel aufgedrücft , und die Sachen werden weiter vers fendet. Hier måffen auch alle Reiſende die Hälfte der Quarantaine halten. Die zwente Bälfte der Quarantaine muß 3 Stunden von Hier 311 Panorta gehalten werden . 5 ) Cupinova, ein feſter Plaß an der Save.

6 ) Xas

9

in Kroatien und Slavonien.

555

6) Ratſcha, eine Feſtung auf einer Inſel beym Zuſammenfluß der Save und Drina. 7) Grusvica , ein Caſtel bey dem Einfluß der Bosna in die Save. Hier iſt ein Wachtthurm . 8 ) Brod , eine kleine Feſtung mit einem Marteftes 3 đen , an der Save. Hier iſt ein Wachithurm .

! 9) Aft -Gradiſka , ein befeſtinter Marktfleden , auf beyben Seiten des Fluſſes Save. Der Fluß Struga ( cheis det hier das Militare und Provinciale. 2. Die Confinien . Von den drey Granz-Re: gimentern zu Fuß , hat das Gradiſtiſche ſeinen Stab zu

Teu Gradiſka , und begreift die ſo ge.

nannte kleineWalacey , die Abtey Belusztena, Kralieva Velika , ( welchen Ort man mit der Herrſchaft Velika nicht verwechſeln muß .) a . a. m. Der Stab des Brodiſden Regiments , liegt zu Vincovcz , am Fluß Boſut. Das Peterwardeis niſche Regiment , begreift dieserrſchaft Semlin faft gang, und die ehemalige Herrſchaft Mitrovics, mit dem Save.

Marktflecken

dieſes

Namens an

der

Die Grången ſind bey Bag und Nacht mit Schild. wachen alſo bereket, daß einer von den andern nur ei. nen Büdyfenſchuß ſtehet. Un gewiſſen Dertern , wo der Uebergang leicht iſt , ſind auch TØůrme, entre der von Steinen , oder von Holg, welche Cſerdaken und Kullen genennet werden , und eine kleine Bee fakung gaben.

Der

er

556

Der

chwar

Temeſ

ict .

Diſtr

Der Temeſchwarer Diſtrict der Grånz Soldatent. Er nimmt den untern Theil des ehemaligen Ba. nats ein , iſt guten Theils moraſtig , hat aber in der Mitte fruchtbare Ebenen , und an der Seite der Wallachery, Berge, die Kupfer , Bley und Eiſen liefern . Er begreift überhaupt 158 bewohnte Derter. In demſelben find folgende alte Feſtungen , die zum Theil Marktfreiheit haben .

1

I ) Pántſova , Pantſchowa, ehedeffen Pannua, ein gut gebaueter und bewohnter Ort an der Semes. Hier ſind Contumaz-Anſtalten . 2) Ui Palanka , Vleu - Palanka , da wo der Fluß Karaſch ſich mit der Donau vereiniget , in einer fruchtbas ren Ebene, Nicht weit von hier ſind die Trümmer des ehedef ſen berühmten Schloſſes Sorom, zu ſehen. Von hier : aus ſiehet man auch Wege, welche die Römer in Felo fen eingehauen haben , und die ſich an der Donau , von Moldowa und Columbak, bis Laktalia und Po . letin erſtrecken .

1

3 ) Alt -Orrova oder Orfchowa, vor Alters Urfava, beym Einfluß der Tſcherna in die Donau , ein Ort , der ſchon unter den Römern eine beträchtliche Feſtung war . 4) Meadia , Mchadia , im izten Jahrhundert Mihálá , ehebeſſen eine gute Schanze.

1

Eine Meile davon , in einem engen und langen Thal, wo der Fluß sſderna von dem Berge Moras rut herabraufdhet; und die Krajowa und Belarega aufnimmt, iſt der Ort, den die Römer ad aquas nen . neten.

Es ſind daſelbſt zehn , theils warme, theils heiße

Der Grang: Soldatent.

557

Heiße Quellen und Båder , welche nach Salz ſchme. chen , und nach Schwefel riechen , das tribe Kalkbad Nicht weit vor demſelben find 2 ausgenommen . Soldaten -Cafernen , und eine dritte für die Kranfen , auch ein Wirthshaus, ein paar Schuppen, und eine In dieſer Gegend hat man un . fatholiſche Kapelle. terſchiedene alte römiſde Sad;en , auch Münzen gee funden. Auf dem Räuberberge , iſt eine merkwürdige Höhle. In dieſem Diſtrict find aud ; zwen Bergflecfen, nåmlid), 1 ) 173oldova , an der Donau , vor einer Inſel gleis des Namens . Er iſt von der Seliffura umgeben , und mar ehedeflen eine erhebliche Feſtung, iſt aber jeßt ein ſehr geringer Ort , von Raiten bewohnet. 2) Gen - 3oldova , oder Bosnick , ein neuer son Deutſchen uud Blachen bewohnter Ort , eine Fleine halbe eile von jenem Ort. In der Nähe deffelben iſt ein erz haltiges Gebirge , das infonderheit Kupfer iind Blen liefert, welche Metalle in den beyden Schmelzhitren, ben Neu - Moldava geldimolzen werden. Daß die Römer hier fchon Bergwerte gehabt haben , zeigen die aus der Erde gegrabenen Inſchriften und Grabmåler. Vermuthlich war hier der Sitz der Colonie Centum putea . 3 ) Safta, in einem Shal , an einem Bach , wofelbſt Kupfer und Bley gewonnen worden , auch Cementwater 0fich findet. Die wallachiſchen våuſer ſind ſehr geringe, e die deutſchen ſind beſſer, Zu Kubin , ſind Contunaz - Anſtalten. das alte Schloß Bevee geſtanden.

Hier hat

Das

558

Das

Großfürſtenthum Siebenbürgen.

Ø. 1 . ebaſtian Münſter hat ſchon eine Charte vom Nach demſelben Siebenbürgen geliefert. ſtellte Johannes Sambucus , ein Ungar , 1566 zu Wien eine beſſere an das licht, welche Ortelius in und ſeine Sammlung von ' Sandcharten aufnahı Gerhard Mercator umarbeitete und verbeſſerte. Dies fes Charte gaben ſowohl Wilhelm und Johann Blaeu , als Johann Janſſon unter ihren Namen Coronelli machte ſchon eine beſſere , und

heraus.

Joh. Marandi Viſconti ließ gegen das Ende des 17ten Jahrhunderts zu Hermannſtadt in Siebenbürs gen eine noch beſſere in Kupfer ſtechen , 2 Bogen abgedruckt wurde.

Nun nahm

die auf Fried..

Schwan ; das land auf, und widmete ſeine Charte Natthaeus Seuters dem Kaiſer Karl dem ſechſten . Charte, verſpridyt beym erſten Anblick etwas gutes, welches aber bey der genauern Unterſuchung verſchwin . bet.

Etwas beffer iſt diejenige, welche Joh. Bapt.

Homann aus Müllers großen Charte von Ungarn, Siebenbürgen 2c. 309, und Schmeijel hernach etwas Die Charte , welche vor vollkommener machte. Krewiß Beſchreibung Siebenbürgens ſteht , iſt ſeşr unrichtig ,

und diejenige Charte ,

welche Stephan sofony

Siebenbürgen.

559

Lofong feinem Buch Harmas Túfór genannt ,

beyo

fügte, hat viel Fehler. Von 1769 bis 1773 haben 16 Kaif. Kón . Officiere eine genaue Charte von die . ſem Sande aufgenommen , die aber nicht durch den Stich befannt gemacht worden . 1780 hat die Geſellſchaft Naturforſchender Freunde zu Berlin, des Herrn von Fichtel Nachricht von den Verfleinerun. gen in Siebenbürgen , eine Charte bengefügt, die ihr mit der Verſicherung zugeſendet worden , daß ſie vorzüglich richtig rey ,

und die der Verleger des

Buchs hat in Nürnberg in Kupfer ſtechen laſſen. Sie übertrift auch in der That alle vorhergehenden , und verdienet alſo auch gekauft zu werden ; ſie hat aber doch auch Mängel und Fehler.

Die größten Måns

gel ſind , daß ſie feine Grabe der Långe und Breite bat , and daß unterſchiedene Stühle und Diſtricte nidit genannt ſind ; zu ihren Fehlern aber gehöret, daß die Grånzen einiger Geſpanſchaften , Stühle und Diſtricte, audy verſchiedene Namen angezeigter Derter , nicht ganz richtig ſind , und daß mandyer Dre nicht gerade da liegt, wo er liegen můſte. Siebenbürgen iſt ein Theil vom alten Da. cien , und zwar derjenige , welcher ſeiner Sage wee gen der mittelländiſche, und in Anſehung der råmi. ſchen Regierung der bürgermeiſterliche genennet wurde. Den deutſchen Namen hat das Land vermuthlich) pon

ſieben Burgen oder Schlöſſern , die ehemals darinn berühmt geweſen. Den lateiniſchen I7amen Tran. filvania , Hat es daher bekommen , weil es jenſeits der Wälder , die das carpathiſche Gebirge im .. geben , gelegen ift; und eben um

deswillen nennen es

Das Großfürſtenthum

560

es audy die Ungarn Erdely , welches Wort eine waldige und bergige Gegend bedeutet , und die Ds. manen brauchen auch den Namen Erdel .

Gegen

Mitternacht wird es von der ungariſchen, galiziſdhen und moldauiſchen Gränze umgeben ; gegen Morgen iſt die Bukowina und Moldau ; gegen Mittag die Waladier und der ehemalige Temeſchwarer Banat; Seine Größe und gegen Abend wieder Ungarn. wird auf 1080 deutſde Quadratmeilen geſchåper. S. 2 Es iſt mit Bergen ganz umgeben , daher es eine gemäßigte Luft, und geſundes Quell- und Fluß. Waſſer hat ; und ob es gleich bergig und wale dig iſt, ſo ſind doch auch fruchtbare Felder vorhan. den , ſo daß es dieſem Lande an nichts von dem feh. Die let , was zum Unterhalt des Lebens gehöret. ſiebenbürgiſchen Berge erſtrecken fich von Mitter. nacht nach Mittag, und laufen auch an der öſt- und weſtliden Seite fort . Mitten im Sande endigen fie ſich in wein- und metallreiden Hügeln . Die hoch. ſten Berge ſind unweit Foyaras , und beſtändig mit Die weintragenden sügel, Sd nee bedecker. ſind in der mittågigen Gegend des Landes ;

der

Wein wird aber an einigen Orten, des rauhen Norde An edlen Steinen windes wegen , nicht recht reif. hat man Topaſe im Zibnifluß , Chryſolithe auf an dem Szelifterberge, Granate bey Bulfan ; Chalcidonier , Orindie , Sinfure , Care Halbedlen niole,

Agathe ,

und

Porphyr, Granit , meine Steinarten .

außer

Spuren von Metallen an. banden ,

denſelben , Jaſpis,

Marmor , Alabaſter und ges In allen Bergen trift man Gold ift häufig vor.

und kommt nicht nur aus Bergwerken,

fons

Siebenbürgert:

561

ſondern audy aus Flüffen und Bächen , babon bera Silber Kupfer ; Bley , Eiſen , Stahl; nach . Zinobei und Queckſilber, Antimoniuin, Zink, Blende und Urſenik in Kriſtallen, hat man auch, des Schwei fels, Vitriols, der Steinkolen; Kieſe und Markaſice, und des Bergols , nicht zu gebenken. Das hieſige Stein . Solg gehöret mit zu dem Salj : Stoce, Dec ju Okan ben Rimni in der Wallachen, anfånget, Durdy die Moldau und Siebenbürgen bis Sowar im Una garn , auch bis Wielitſchka und Bodynia in Galo ligien und sodomerien ſich erſtrecket, ünd am Cars

$

3

1

patiſchen Gebirge fortſtreidet. Dieſe ungeheure große Salzmeſſe ſteigt und fållt , nach Art der Gebirge; gehet audbe iſt nicht befannt.

Ihre Långe kann man auf 120,

und ihre Breite auf 15 bis 22 deutſche Meilen ſchaa ken .

Sie bringer Salzquellen Kerror, dergleichzeit

in Siebenbürgen an 120 Orten , und über 300 ſind ; ob es hier gleich feine Salgfiederenen giebt. f. Joh . Ehreinreichs von fit:rel Gelch dre des Steins fatzes und der Seeingruben im Großfürſients tbum Siebenbürgen , 1980 in gr. Quart, in wele cher and alle Mineralien und Foßilien dieſes Sana des auf einer Tabellé verzeichnet ſind. Der Handel mit Steinſalz, iſt jegt allen Unterthanen erlaubet. Man kann rechnen , daß bloß in Siebenbürgen jáhra fidy eine Million Centner Steinſalz an das Tageslide gebracht werde. Alle ſiebenbürgiſche Flüſte, und alle Bache , ja ſelbſt die Gewäſſer , die durch Regen : güffe entſtehen , führen Gold , der Aranyos aber Die übertrift in Anſehung deffelben alle andere. Goldwaſcher ſind , außer den Wladen , Nn : 14: 89 .

die art den

nthum

Das Großfürſte

562 4

den Flüſſen wohnen , meiſtens Zigeuner.

An Ges

wachſen hat das Sant Gras, geſunde Kräuter, Ges treide, Hülſenfrüchte , Weinflöcke und Holz ; an Thieren , Pferde' die berühmt find, Schafe die hier beffer find , als in Ungarn , Bienen , die Honig und Wachs ſelbſt zu einer widhtigen Ausfuhr liefern, allerleywilde vierfüßige Thiere, Geflügel, und Fifdie, vornehmlich Büffel, Baideſet, ( bonafi) Brandhir. ſche, ( trogelaphi), Båren , wilde Schweine, Jüdiſe, Gemſen , Marder , Hermeline und Biber. Unter den Quellen ſind 1 ) Geſundbrunnen ,

als die

Hunyadiſchen , welche warm ; die weißenburgiſchen, welche falt; die cſifiſchen und olach -falviſchen , wel. che ſchwefelicht; imgleichen die romliotſchen und verebiſchen.

2 ) Unterirdiſche warme und fals

zige , als die falzburgiſche. 3 ) Sauertrunnen, als die Komorodifche, u. a. m. 4 ) Verſteinernde Waffer, die almaliſchen im udvarhelyſchen Sik. Die vornehmſten Flüſſe ſind : 1) der Szamos, Sa mofius , der auf der biſtrißiſchen und marama. ruſiſchen Gränge entſtehet, und , nachdem er ben Dees den kleinern Stamos aufgenonimen hat, nach Ungarn gebet. 2) Der Maros, Maruſius, Me. riſcus, der aus den mitternachtlichen Gebirgen der Sikler entſteht , ſich mitten ins land ergießet , und, nadhdem er die kleinen Flüffe Aranyos und Ros del , aufgenommen , gegen Súdrveften in Ungarn eintritt. 3) Aluta , der Allifluß , Olta , entſpringt unten am carpathiſchen Gebirge in der mitternachtli. chen -Gegend der Sifler , und fließer durch die öſt. liche und füdliche Gegend des Landes in die Wallas chen.

Dieſer Fluß iſt ſchifbar.

Was im Sande

febles,

7.

Siebenbürgen:

563

Feplet ; infonbérbeit an Sachen der Kunſt, wird aus Deutſchland und der Türkey vermittelſt Bes Hana dels herbep geſchaffet:

$. 3 Siebenbürgen bewohnen verſchiedene Bids tionen : ) lingarn ; welde mit den andern Una garii dem Urſprung , Naturell , Eitteii, Der Sprai dhe und den Beſchafftigungen nach übereinkommen : 2 ). Zikler , oder Seklet , Szekelyek , tarëiniſd) Siculi . Der Name Szekelg bedeutet einen Bůs ter"; und mit demſelbigen ſollen diejenigen Pacinas citen oder Perſdenegen beleget worden ſeyn , die als Hüter oder Bewohnet béo Grången den bergigrent Strich an dem Fluß Maroſch und bey der Quelle der Alutá ben ohnit haben . Sie hatten eşebeffen iña res Alterthums wegen beſondere Vorrechte, welche aber nach und nadyabgeſchaffei fing. Sie reden jege die ungariſche Sprache, ſprechen ſie aber gröber aus; und haben audi nodi Wörtri ihrer alten Sprache im Gebrauch. Ihre Sitren ſind auch von den ungaria Tchen verſchieden: 3 ) Die Sachſen , auf ungariſch Szaffok, ſind die in Siebenbürgeri befindlichen als ten Deutſchen. Es ſcheinet, daß lange vor Genfa des givencën Zeit in Siebenbürgen Sachſen oder Deutrdie gewohnet haben , er aber berief entweber 1143. odër 43 viele heue Deutſche Fainitieri hieheří welchen ei große Vortheile ; und bes ſondere Frenheiten_Verſprachy: Es fejeinet , daß fie ſich mit jenen ältern Deutſchen zu einem Vola te bereiniget baben : Sie legten nady und nach viele gute Derter art. 6. Andreas der zwente eta theilte 1224 der ganjeni deutſchen Nation in Siebena Nr 3 bürá

564

Das Großfürſtenthum

birgen eine Beſtätigung der ihr von feiitein Großva : ter derliehenen Frenheiten , und vermehrte dieſelben unter andern barinn, daß er ihr den ſüdlidsen Strich Siebenbürgens , von Brog bis Burgenland , dieſes mit eingeſchloſſen , unter dem Namen der Hermann. ftädter Geſpanſchaft , rigenthümlich überließ , ihr Quch alle darinn fallende Zehuden ſcherfte , unter der Bedingung, daß fie ſoldie ihren Kirchenlehrern geben ſollten , ja ſie ſogar von der Woiwoden Gerichtsbar. feit befrenete. Dieſe Frenheiten beſtätigte K. Karl der erſte im drenjehnhundert und ſiebzehnten Jahr, und in dieſer Urkunde werden die ſiebenbürgiſchen Deutſchen zum erſtenmal Sadfen genennet .

Die

folgenden ungariſchen Könige , haben das National. Privilegium der Sachſen beſtätigt. Dieſe Sachſen find zwar Orm Naturell und den alten Gebrauchen nach , über welche ſie ſteif Halten , von den beyden vorhergehenden Nationen unterſchieden , aber doch heutiges Tags den Ungarn in vielen Stücken åhrlich, und legen ſich , wie dieſelben, auf das Studiren, den Sprieg, die Künſte und Handlung . Ihre plattdeut ſche Sprache, fommt mit der niederſächſiſdjen viel überein . Die Kleidung des weibliden Geſdyled to iſt von der ungariſdien verſchieben . Dieſe ſind die drey Hauptnationen , ſeit 1784 aber werden ſie nicht mehr als ſolche unterſchieden ; auch die übrigen Ar. ten der Einwohner nicht mehr Fremdlinge genentief, noch um des Bürgerrechts theilhaftig zu werden , ge nöthiget, ſich mit einer der dreyen genannten Natiǝnen ză verbinden. Unterdeffen ſind dieſelben '1) Deutſche, welche mit den übrigen deutſchen Völkern einerlen Sprache reden , die von der Sprache der Sachſen vers

-

Siebenbürgert.

365

verſchieden iſt; 2) Wiachen , auf ungariſch Olas bok , die ſich für Nachkommen der alten romis ſdien Colonien halten , und ſich daher Romunius oder Rumuny , das iſt, Römer , nennen ; ſie fom men auch in den Arten der Speiſen und in der Kleis dung mit den alten Nidnern viel überein , lieben die italieniſche Sprache, und die Woiwoden laſſen ihre Pergie und Secretåren aus Italien kommen , wie

denn aud) die wenigen , welche ftudiren, nac ) Padua zu reiſen priegen .

Von dem Urſprunge der Wlachen

werde ich bei der Walachen Handeln, und will hier nur anmerken , daß ſie von den Sachſen und andren Na . tionen auch Bulgaren genennet worden . Sie le 1 ben in den bergigren Gegenden , und legen ſich bloß auf den Ackerbau. Sie haben ſich vom Anfang an , da ſie den chriſtlichen Glauben angenommen , ju det griechiſchen Kirdie bekannt ; von der Zeit an aber , da die Siebenbürger unter das Erzhaus Deſtreid gekome men , haben die Jeſuiten allezeit getrachtet, fie an ſich zu locken , und unter dem zweydeutigen Namen der graeci ritus unitorum ' mit der römiſchen Kirche zu vereinigen . Der walachiſchen Geiſtlichen Geſchicke lichkeit erſtrecket fich nicht weiter , als daß ſie gut les ren und fingen fönnen . Will einer es ja dem andern etwas zuvor thun , fo geħet er nach Buchareſt in der Walachey , lernet Dafelbſt ein wenig gute Lebensart, Ceremonien , und zierlich walachiſch reden , kommt aber übrigens ſo unwiſſend zurück, als er dahin gerele fet iſt. Der gemeine Wtach lebet in grober Unwifo fenheit , ſo daß kaum der zwanzigſte das Gebet des Herrn berſagen kann. Siehe Acta hift, eccleſiaſt. Band 10. S. 110 f. B.11. $ .694f. B. 12. S.60 f. Nn 3 3)

566

hum

Das Großfürſtent

3) Arinenter ,

welche ihre beſondere Sprache ha .

ben, und ſich vornehmlid) auf den Handel legen . Sie ſind 1672 zuerſt hieher gekommen. 4) Griechen , die fich auch mebrentheils des Handels befleißigen. Die gemeinen Ungarn und Wlachen nennen alle Kauf. ( eute, von weldiem Volfe ſie auch rinn mögen, Grie. chen. Von den måbren , die als Wiedertåu fer von Gabriel Bethlen aufgenommen , und nach 21. Vinz verlegct worden , von den Polen , welche als Socinianer bießer gefommen find ,

uno inſonderheit

zu Clauſenburg ſich niedergelaſſen haben , und von den Ruſſen , die ſchon im achten Jahrhundert ſich Aus Weis - Rußland hieher begeben haben ; und pon welchen die Derter , deren Namen fich mit Drog anfangen , von piern oder Raigen ,

den Bulgaren . Bers in ihrer Sprache Rau

Bok, von den Siebenbürgern auf lateiniſch Thra. çes genannt , die fid) im oten und 17ten Jahr: hundert bieber begaben , und mit den Wlachen vereis niget þaben , ſind noch Ueberbleibfel vorhanden . Daß Slawen hier geweſen , begeugen die Namen der Derter , welche ſich mit Tor , ( welches Wort ein Slave hi deutet,) anfangen .

Es giebt auch Juden

und Zigeuner hiefelbſt , und die legten ſind nicht ſo müßig und faul, als die Zigeuner in Ungarn , ſon . Dern ſie ſind entweder Spielleute , oder Schmide und Schlöffer, aber ſie handeln mit Wieb und Pfer. Den , uno die meiſten ſind Goldmaſcher. Sie zahlen Thren Tribue in Waſchgolde, und das übrige wird ihnen bezahler. Sie kennen die Gegend , wo ſie mit Vorteil Golo waſchen werden , ſehr genau .

Die

Siebenbürgen .

567

Die Bauern in Siebenbürgen ſind zur Stiafe für ihren

1514 vorgenommenen Aufruhr ,

in eben

demſelben Jahr aller Freyheit verluſtig erklåret, und zu einer harten Leibeigenſchaft verdammt worden, welche noch fortdauert. 1768 gehörten zu dem Xande der Ungarn zu dem Sande der Sekler

ju dem lande der Sachſen

1602 Derter, 41.3 260

76

du den Fiſcal Dertern

alſo waren in ganz Siebenbürgen 2351 Derter, nämlid) Städte , Markoflecken und Dörfer. Die Anjahl

der 1, 250000 .

Menſden ( chágte

g. 4 Der

man

römiſch - katholiſchen

1786

auf

Kirche,

find Ungarn , Zekler und einige wenige Sodiſen zu. gethan ; ſie hat mit der in Ungarn einerlen Recht und Frenheit , und nur einen Bifchof zum Vorſte. her , der zu Weißenburg ſeinen Sik hat, und uri. Der refor: ter dem Erzbiſchof von Colocſa ftehet. mirten Kirche, find bloß Ungarn und Zefler erge. ben ; ſie hat einen Superintendenten zum Vorſteher, und iſt , vermoge der Reichsgeſeke , die zweyte in der Ordnung. Die evangeliſch , lutheriſche

Kirche hat bloß Sachſen und einige wenige Ungarn Sie iſt , in Anſehung der Anzahl zu Arihångern. der Glieder , die ſtärkſte , ja man fann überhaupt wohl 25 Proteſtanten gegen einen Katholiſchen rech. nen.

Die Sehrer derſelben ſind in 14 Kirchſprenget Nn4 vertheis

568

Das Großfürſtenthum

vertheilet, welche Univerſitatem ecclefiafticam Saxo . num

in Siebenbürgen ausmachen , und auf den Sy.

Sie wird von eis noden Sik und Stimme haben. nem Bifchof oder Superintendenten regieret, der allezeit zu Berethalom oder Birthelm Oberprediger, Fr und die hodiſte Inſtanz in Kirchenſachen iſt, miru pon cen Dechanten der Kapitel ernållet. Birtheim iſt

auch ein Confiftorium ,

Zu

peldem alle

Decani berwohnen müſſen , und eben daſelbſtwer. den auch die Kirchenverſammlungen gehalten ; es wird auch dalbßt die SummeGeldes ausgezohler, welche die Geiſtlichkeit dem Landesfürſten entrichten muß , und die Kaiſer Karl der rechſte den Jefuiter 34 Clauſenburg ſchenkte. Die Soçinjanei , oder wie ſie ſich leibſt nennen , Unitarier , waren eher Beffen die Herrschende Party in Giebenbürgen : fię haben einen Superintendenten zum Vorfieber. Dieſe vier Kirden ſind durch die Reidisgerege beſtätiget. Mau bat 1766 gezahlet 93835 Römiſche fatholiſche, 140043 Reformitte , 130365 lutheraner, und 28647 Es ſind aber unter dieſen Summen mes Unitarier. ber die Römiſch Katholiſchen in Herrmannſtadt und Cronſtadt, deren Anzahl nicht gering ift, noch die Unitarier , die pon ihren Kirchen entfernet leben, mit begriffen . Die griechiſd )- morgenlandiſhe Kirche , ju der ſich die Wiachen und Griechen be kennen , wird durch ein beſondres Privilegium des Fürſten gefchùßet,

und in die Kirdie , die mit der

fatholiſdjęn vereiniger iſt , und der Diffentienten, abe Jener ſteht ein Biſchof nebſt Prieſtern gerheilpt. por , und dieſe bat feit 1761 auch einen eignen Bi. fdof, welcher zu Roſinar in Hermannſtädter Stuhl wohnet.

Siebenbürgen .

569

Die Wlachen haben 1761 eine Anzahl von

wehnet.

547243 Seelen ausgemacht , die große Menge im Burzlånder Diſtrict ungerechnet. Hieher gehören, außer den Griechen , auch die Armenianet', deren einige in Unſchung des Gottesdienſtes pon den Grie. chen unterſchieden ſind , andre aber fich zur fa: holi . fd en Kit die halten . Es find auch in den locis arti. çularibus Anabaptiſten vorhanden . $. 5 Die Katholifen haben eine hobe Sdule zu Claufenburg , und verſchiedene Gympaſia ; die

Reformirten , Evangeliſdhen und Unitarier , haben auch Gymnaſia und Echulen , in welchen die an . fangsgründe der Wiſſenschaften gelehret werden , Hernac reken die Refo: mirten ihr Studiren in der Edweiz und in den Niederlanden , die Sachfen aber in Deutſchland welter fort. S. 6 Daß Siebenbürgen oor Zeiten ein Stück von Daçien geweſen fer , iſt oben fchon angemerket worden ; außer den Daciern aber wohneten auch die Geten biefelbft , welche ein Thraciſches Volk waren. Kaiſer Trajanus befriegte , überwand und rødtere den dacifchen König Decebalus, machte ſein Land zu einer römiſchen Provinz , und erwarb ſich durch. dieſe Thaten den Zunamer Dacius .

Er führte nach

der Hauptſtadt des landes Sarmizegethuſa eine rda miſche Colonic , und ließ fie Ulpia Trajana nennen , von welcher man noch zu Parhely, Merkmalefindet. Pon folder alten römiſchen Oslonie zeugen viele ge . Untermn Gallie fundene Inschriften auf Steinen . aus gieng Dacien im dritten Jahrhundert wieder. Perloren , und ob es gleid ) vom Claudius wieder un . Serwürfig gemacht wurde , fo wurde es doch -vom Nin 5 Aure. lo

570

Das Großfürſtenthum

Aureliani's verabſårimet; ' baber es tas römiſche und rich in die vorige Frerheit

Joch ab drittelte ,

Hierauf fam das Sand unter der Gothen, verfekte. und in Anfang des fünfren Jahrhunderts unter der Hunnen Borhmäßigkeit ; diefen wurde es zwar von den Gepidern und Gothen mit Hülfe der Römer wieder entriffen , es mußte ſid, aber im fechſten Jahr. hundert den . Uvaren , und im neunten den Ungarn Dieſe ſind im Jahr 889 von den Pau unserwerfen. ginaciten oder Petſdenegen vertrieben werden , welde einige Schriftſteller für einen Zweig der Hunnen hale ten , und zu denſelben auch die Cuner oder Cumaner ja auch die heutigen Jazyger und Zefler König Stephan der erſte nahm vou ifnen herleiten. 1002 Siebenbürgen in Beſik , und vereinigte es mit dem Königreich Ungarn , feit welcher Zeit die allges rechnen ,

meinen føniglich ungariſchen Verordnungen und land. tagsſchlüffe , in Siebenbürgen eben ſo , wie in Un. Hierauf iſt Siebenbürgen garn , gegolten haben. Als K. Ludewig durch Woiwoden regieret worden. der zweyte im 1516ten Jahr umkam , und hierauf ein Theil der Ungarn den Riebenbürgiſchen Woiwoden Johann von Zapolya , ein andrer aber des Kaiſers Kari des fünften Binder Ferdinand 'zum König er: wählte , entſtund zwiſchen beyden Partenen ein blu . tiger Krieg , der endlich 1538 durch den Frieden ju Wardein beygeleget, und ausgemacht wnrde , daß Pohannes Siebenbürgen und den Theil von Uni garn , den er inne hatte , Lebenslang mit dem Sitel eines Königs von Ungarn , bebatten , nach ſeis nem Tode aber , wenn auch ein Sohn von ihm vor . handen wäre ,

alles dem König Ferdinand ,

oder

deſſer

Siebenbürgen..

571

deſſen Erben zufallen Pille. ' Wirde Johannes einen

Sohn hinterlaſſen , ſo ſolle derſi

zum Beſik aller våterlichen Güter, unter dem neuen Titel eines Bjer. zogs von Zips , gelangen . Es verurſachte aber die folgende Zeit eine Veränderung . K. Johannes

ſtarb' 1540 , und hinterließ einen Sohn , Namens Johann Sigmund , der durch Hilfe der Tür.

ken, Siebenbürgen als ein Fürſtenthum beſaß . Nach dieſem wurde Stephan Battory zum Fürfien er .

wählt , welcher König von Polen ward, und in Sie. benbürgen feinen Vetter Sigismund Battory zum Marbfolger hatte, der ſich von der türkiſchen auf die

ungariſche Seite ſchlug. Dieſer verſprach dem Kai. ſer Rudolph dem zweyten die Abtretung des Fürften , thums. Siebenbürgen gegen Oppeln und Ratibor, und eine jährliche Penſion von 50000 Rthlon , kielte

aber den Vertrag nicht, ſondern nahm -Siebenbür. gen wieder in Beſik , und trat es bald darauf ſeinem Vetter , dem Cardinal Andreas Battory , ab. Weil

derſelbe auf die türkiſde Seite hieng , ſo wollte ihn Kaiſer Rudolph nidyt leiden , ſondern half dem Woi. woden der Walader , midjael, zum ſiebenbürgi. ſohen Fürſtenthum , der aber bald beym faiſerſ, Hof in Perdadıt geriech , und das Fürſtenthum dem General Georg Baſta , einraumen mußte. Dar.

ůber entſtunden große Unruhen. Die Siebenbür. ger wollten weder den Midyael, noch den falferl. Ge. neral haben , ſondern ergaben ſich an ihren alten Für. ſten Sigismund Battory , welcher ſich aber genothie get fab , dem Kaiſer das Fürſtenthum zu überlaſſen, wofür er andere Güter in Schleſien bekam . Die Siebenbürger fuhren indeſſen fort , fich wider den Kaiſer

572

DAS Großfireſtenthum

Staiſer aufzuleijnen , hatten den Verhlen Gabor zım Anführer ; und als man ſie zur Annelmung der fa . tholiſchen Lehre zwingen wollte ,

erwähiten ſie den einen evangeliſchen Herrn , zu ibrem Fürſten , dem ſogar ganz Ungarn zufiel, das her ihn der Kaiſer 1606 zum Fürfien in Siebenbür. gen und Statthalter von Ober , Ungarn erklären lubre. Auf diefen folgte Sigismund Rakoky, Stephan Botskay ,

der aber bald wieder abbanfte ,

worauf Gabriel Pattoty i6o8 das Fürſtenthum erhielt , nach deffen

Ermordung Gabriel Berhlen 16 13 in der Regierung folgte , der dem Kü:rig Ferdinand dem zweyten das ungariſche Reich entriß , folches aber 1621 wieder abirat , und ein Fürft des römiſchen Reichs wurde, welches Titels er fich, aber 1624 wieder begeben mußte. Mad ; ſeinem 1629 erfolgten Tode, kam das Fürften: hum an Georg Rafoky den erſten , dem ſein Cohn Rafon der zwente folgte , der es mit den Schweden hielt, Ungarn feindlich angriff, und hier: nadali aud) Polen befriegte ; durch dieſe lekte Una ternehmung aber die Osmanen beleidigte , die iba zwangen , die Regierung niederzulegen , welches er audh 16 8 that .

Hierauf erwählten die Stände den Franciſcus Reder zum Fürſten , Rafoky aber trachtete miéder nach der Regierung , weswegen ihn

die Demanen bekriegten , und anſtatt des Reden den Achatius Barsfay zum Fürſten einfegten , der aber

gegen Rofoky nicht aufkommen fonnte , 1

daher er

das Fürſtenthum dem ehemaligen rafoknſchen Gene. ral , Johann Kemeny, abtrat, darüber aber von den Osmanen in Wereft genommen wurde , die den Kriegligegen Rafogy fortfekten ,

der endlid ) in eis nem

i

1.

Siebenbürgen .

573

nem Treffen , das bey Claufenburg vorfiel, töbtlich verwundet wurde , und an ſolcher Wunde ſtarb . Barſkan wurde' hiernächſt von den Stånden abge. febt , und Kemeny an ſeine Statt erwählt, deſſen Wahl die Osmanen für ungültig erklärten , und 1661 den Michael Apaifi zum Fürſten machten ; dagegen Kemeny auf die Seite des rémiſchen Kaiſers trar, aber 1662 auf der Flucht mit dem Pferde fürjte sind umfám , paffi hingegen im Frieden 1644 in fei. ner Würde unter " beyder Kaiſer Sduk verblieb.

6

.

1

-1

1687 bemächtigten ſich die Deftreider und Ungarn des ganzen Fürſtenthunis , melches fic ) 168y der kaiſerl. Oberherrſchaft ſchlechterdings unterrdorf, dem Fürſten Apaffi aber wurde die Nachfolge für ſeine Nachkommenſchaft beſtätigt. Ulls derſelbe 1690 ſtarb , fiel Tófóly in Siebenbürgen ein , wurde aber bald wieder hinaus gejagt , und Michael 2paffi ver : zweyte warb Fürſt an ſeines Vaters Statt. 1699 verblieb Siebenbürgen im carlowiger Frieden dem ungariſchen Reidy; und obgleid) im Anfang dieſes Jahrhunderts Franciſcus Rakony Anſpruch daran machte , po wurde er dod) zu Paaren getrieben , und, als der Fürſt Mich . Upaffi 1713 ohne Erben ſtarb , Siebenbürgen mit Ungarn völlig vereinigt, davon es 2m Ende aber hernach wieder getrennet worden . Kaiſerin : verwit die erhob Jahrs wete des' 1765ſten

Königin Maria Thereſia , das Fürſtenthum Sieben . bůrgen zu einem Großfürſtenthum , weil es von an . dern Kronen gang unabhångig , und ſowohl wegen feiner Größe und Sage , als auch wegen ſeiner innerlis den Kräfte“, ein beträchtlicher Staai ſera

$. 7

574

Das Großfürſtenthum

Die ſiebenbürgiſche Regierung , iſt von 5. der ungariſchen völlig unterſchiedrn , durch gemein . ſchaftliche Bewilligung des Fürſten und Volfes, (wie die Adprobata , Concordata und Diplomata aus . weiſen ) , monard; iſch , ariſtokratiſch eingerichtet, und gehört ſeit 1722 den Pringen und Prinzeſſinnen des Ein fiebenbürgis ditreichiſchen Hauſes erblich. fder Großfürſt , Wapt ,

der ehedėſſen durch eine freme

nun aber feit 1722 durch die Erbfolgë gut

Regierung kommt, hat zwar eine mit dem König von Ungarn und Erzherzogen zu Deſtrelch vereinigte Macht, reinte Regierung und Rechre ſind aber dode von benden unterſchieden : in dein Žitul des Hauſes Oeſtreich, fommt das Großfürfienthum Siebenbürgen gleich nach den Kos Das Wapei der ſiebenbürgiſchett nigreichen vor. Ungarn iſt ein Udler , das Wapen deë Sekler die Sonne und der Mönd , und das Wapen dei Sacja ſen ſind ſieben Burge. $ . 8 Die ſiebenbürgiſchen Standė ſeit 1784 werden nicht mehr nach der Anzahl der Nationen it lingarn, Jekler und Sadſen (denn dieſer Unters ſchied iſt aufgehoben ) wohl aber nach dem Unterſchied der Religion in Katholiſche, Reformircë, Evani 1 getiſche und linitarier", aber auch nach dem Beni ſpiel Ungarns in Prélaten , Magnaten; Ldels teute und königl. Bürger , eingetheilet. zu den Prälaten gehören der ſiebenbürgiſde Bifchof, die Zebte , Próbſte; und regulirte Domherren. Die Magnaten , werden in hohe Reichsbediente , Orai fen und Freyherrn abgetheilet. Die Edelleutè, find theils Ungarn , theils Seklet:

Der ſiebenbürgiſche Adel

Siebenbürgen.

2

575

Adel hat das Indigenat in ganz Ungarn , und das Recht, ſich daſelbſt niederzulaffen , wo er will und Xllein , der ungariſche Udel bat daſſelbige fann.

I

Redit in Siebenbürgen nicht, und königl. Sør ger beißen nur allein die Sachſen.

.:

§. 9 Das Großfürſtenthum Siebenbürgen wird im Namen des Großfürſten und der Magnaten res gieret , durch die Landrage ,

die Kanzlen , das fó .

nigl . Gouvernement, die königl. Kammer, dié Graf: ſcafren der Ungarn , und die Gerichtsſtible und Magiſtrare der Sefler und Sachſen.

1) Die lands,

#tage (Comitia provincialia) , merden von dem

1

Fürs

ſten nach Hermannſtadt ausgeſchrieben , und in die obere und untere Gerichis : Tafel unterſchieden . An der obern Tafel (ißt das hohe Gouvernement mit den Prälaren , Grafen und Freiherren . an der untern Tafel berathſchlagen ſich die königl. Tas fel, und die Abgeordneten von den Grafen der Un.

garn , und von den Gerichtsſtühlen der Sekler und der

königl.

Beſte.

Sachſen ,

über das gemeinſchaftliche

Beyben ſteht im Namen des Großfürſten

ein föniglicher Commiffarius vor ; der die fonigl. Anträge den Stånden faverlich vorlegt 3 ) Die hohe ſiebenbürgiſche Kanzley , welde die fürftli. chen Edicte ausfertiget, iſt in Wien , und hat in offentlichen Sachen weder mit der ungariſchen , noch mit der 8ſtreichiſchen Kanzlen einige Verbindung. 3 ) Das hobe Gouvernement, deſſen Siß zu Hermannſtadt iſt, beforget die öffentlichen Geſchäffte des Großfürſtenthums in geiſtlichen und bürgerlichen Sadjen ,im Namen des Großjürfien .

Es ſteht dem .

felben ein Eouverneur vor , dem aus den dreyen Nati:

576

Das Großfürſtenthum

Nationen , und zwar aus den Katholiken , Reförä mirten und Erangeliſchen , gemiſte Käthe zugeordà mer find. 4) Die ſiebenbürgiſde Kammer , zu Hermannſtadt , welche die öffentlichen Einfünfte des Landes ,, die Domainen , und Bergwerfs- Angele. genheiten beſorget, in Anſchung welcher ( egten ſie der Bergwerks, Hoffammer

ju Wien untergeben iſt,

hingegen das Oberbergamt zu Zalarna inter ſich hati . 1o Die Einfünfte fließen aus den Steuren;

Zollen , Metallen , Mineralien , Steinſalz , fönigl. Domaineti und der Gitern , welde dem fånigl: Fifcus fuerfam worden , und we den von der fieben. burgiſchen Kammer gehoben. 1770 wurden 2,198770 Fl. 42 Kr. an Gold , Silber und Kupfer ausge: mingeč , dajù das tarib die Metalle geliefert batte: Die gefaminton landesfürſtliden Einfünfte betragen in dieſem Jahr 3,941707 Fl. 175 Kr. die ausga ben 3,743670 Fl . 8 Kr. Ehemals konnten die Sie benbürger eine Rriegesmadie von 80 bis 90000 Mann in das Feld ſtellen ; nuninehr ſtehen nur ſechs Negłnienter im Solbe , die das { and beſchůken , und einen commandirenden General zum Oberhaupt has ben .

1762 iſt, nach dem Beiſpiel der Croaten uns

Slawonier, eine Nationalmilik von fünf Infanteriei Regimentern , einem Regiment Dragonêr , und eis nem Regiment leichter Reuterety, erridhtet worden : $ . 11 Was die Verwaltung der Gerechtiği Eeit in bürgerlichen und Kirdyenſadjen dnbetrifft , To wird die Gerechtigkeit in bürgerlichen Sachen im Namen des Großfürſten von den Unter - und Obets Gerichten verwaltet , doch ſo , daß eine jede von den drejen Nationen iør beſonderes Gericht gata

ben

1

Siebenbürgen .

577

den fdnigl. Freyſtadten der Sachſen werden die Sao den der Bürger zuerſt vom Stadtrichter , und hiere nächſt vom Stadtrath unterſucht. Davon appellicet man an die Städteverſammlung , der ein königl. Graf der Nation vorſteht, und alsdenn an die königl. Tafel. In den Geſpanſchaften der Ungarn , werden die Sachen der Edelleute zuerſt von den Richtern der Edelleute , und alsdenn vom

gangen Adel untera

Die Appellation gehet auch an die königl. In den Gerichtsſtühlen der Sekler , die ihre beſondern Gewohnheiten und Privilegia haben , unterſuchen die königl. Richter , oder Pro . Pråtores die Sadien der Setler , und in zweifelhaften Fällen ſudjet.

Tafel.

ſchicken ſie dieſelben an den königl. Grafen , und von da an die königl. Zafel. Dieſe königl. Tafel ( Tabula regia ), die einen Präſidenten , nebſt Pro. tonotarien und Affefforen hat, iſt das höchſte Gericht. Für die Kirchenfachen iſt ein einziges Gericht in der

Reſidenz des Fiebenbürgiſchen Biſchofs ,

von

demſelben gelangen die Sachen an den Erzbiſchof, Metropoliten , hernach an den påbſtlichen Nuncius und an den romiſdhen Hof. Siebenbürgen wurde ſonſt in der ſiebenbürgiſchent Sandes .Kanglen eingetheilet in das Land der Uns garn , in das Land der Setler , in das Land der Sachſen , und in die Loca Taxalia oder Sis

ſcal- Gürer, ſeit 1786 aber hat es folgende Abtheilung. I Neun königliche Freyſtadte.

1) Sermanſtadt, ung. Szeben , lat. Cibinium, die Hauptſtadt Siebenbürgens, und eine königliche Freyſtavo. Sie war anfänglich ein Dorf, unter dem Namen Serr: manns 1 Th.8 2 .

.

578

Das Großfürſtenthum

mannsdorf , und wird auch noch in dem uralten Stadts Fiegel Villa Hermanni genannt. Wer aber der Hermann geweſen, nach welchem ſie benannt worden ? iſt ungerrig. Sie liegt auf einer Ebene am Fluß Zibin , ift groß , wohl gebauet, mit einer doppelten Mauer, und mit riefen Gras ben umgeben. Das Gouverneinent, die königliche Kams mer , das Appellationsgericht, die Landtage , und außer: dem der commandirende General in Siebenbürgen , haben bieſelbſt ihren Sit. Es iſt hier auch ein lutheriſches Gyms naſium , und es war hier ein Jeſuiter - Collegium . Das Jahr der erſten Erbauung dieſes Drts, fann nicht angeges 1160 bekam er viele gute Gebäude , und ben werden. 1223 vom K. Andrea II gute Privilegia. 2 ) Medwiſch , ungar. Medgyes , latein. Mediat und Medgyeſchinuin , eine königliche Freyſtadt , die in einem tiefen Ihal auf der Südſeite des größern Kotels fluſſes , lieger. Der Anfang ihrer Erbauung , fällt in das Sahr 1146. 3 ) Kronſtadt, ungar. Braſſo , (Brárcho,) walach. Braſchó, latein . Corona , Braſſovia , cine königliche Freyſtadt, die fowohl in Abſicht auf die Menge der Einwohner, als auf das Anſehu , nad Hermannftadt die zweyte Stadt, auch ein berühmter Handelgort iſt. Sie liegt am Fuß eines ſteilen Berges, der mit Holz bewachs fen , und auf deffen Gipfel'eine fatholiſche Kapelle ift, it mit Mauern , Thürmen und Graben ungeben , hat eine lutheriſche und zwey fatholiſche Kirchen , ein evangeliſches Gymnaſium , und ein ehemaliges Jeſuiter: Collegium . In der Stadt ſelbſt, wohnen lauter Sachſen . Sie hat aud drey große Vorſtädte , nåmlich die Altſtadt mit zwen fåchſiſchen Kirchen , die Blumenau , die meiſtens von Lutheriſchen Beklețn bewohnet wird , und zwey Kirchen hat, und die Belgerve oder Bulgarey , nach den Dulgas ren over Wlachen alſo genannt , die eine eigne Kirche und einen Biſchof haben . Ungefähr eine halbe Biertel Stunde von der Stadt , iſt der Schloßberg , auf welchem ein altes Schloß ſiehet. Sie hat ihren Anfang 1203 ges nom .

Siebenbürgen

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nommen . 1529 wurde Stadt und Schloß von Peter, Woiwoden der Moldau , erobert und geplündert.

3 Unmittelbar unter dieſer Stabt ,

ſtehen

(1 ) Die vier königl. freyen Marktflecken , welche bas ius vitae et necis haben , nåmlid) : a . Merenburg oder Marienburg, ungar. F818vár, mit einer Burg oder einem Caftel. Bey demſelben wur's den die Siebenbürger 1529 von den Moldagern geſchlas gen . Zu dieſem Ort gehören , in Anſehung der erſten In ftanz, drey königl. freye Dörfer. b. Roſenau , ungar. Rosnyo , unınittelbar unter welchem zwey königliche frene Dörfer ſtehen . c. Jeyden oder Zaiden, ungar. Sekete:halom , was lach . Kotle. d . Tartlen oder Tartlau , ungar. Prdsmar , wels cher Marktflocken groß und wohl gebauet iſt. 1529 wurde er von den Moldauern verbrannt. (2) Vier königliche frene Dörfer. Die bona nobilitaria der Stadt Kronſtadt find a. Die ſogenannten ſieben Dörfer , welche von eta angeliſch - lutheriſchen Ungarn bewohnet werden . b . Dren Dörfer, in deren einem , welches Neudorf heißt, evangeliſch - lutheriſche Sachſen und Ungarn wohnen . €. Drey gange walachiſche Ddifer, welche jeßt milis täriſch find. 4) Biſtrig oder Profen ,ung. Besztertze, lat.Biftricium , eine tonigl. Frenſtadt , liegt in einer großen Ebene, am Waffer Biſtritz: Der Anfang ihrer Erbauung fáüt ing Sabr 1206. Die Reformirten habent hier ein Gymnaſium , und die Patres piarum ſcholaruin , haben auch eitis. Die Hügel , welche die Ebene einſchließen , find mit Weinſtos den bepflanzet. 5 ) Shabbitrg, ung. Segesvar, eine königl. Freso ſtadt , auf der Südſeite des großern Kotel-fluſjes , in eis Hem engen Shal, uno atn Fuß eines Hügels , auf wels сфеnt

580

m Das Großfürſtenthu

chem ein Schlos ſtehet. Sie iſt 1168 angeleget. A18 fid viele Bürger aus der ſo genannten Burg oder obern Stadt in die urtere gezogen hatten , und jene der Gefabr. gang wüſte gelaſſen zu werden , ausgeſetzt war , befahl König Wladišlaw 1513 , n'aß diejenigen , welche in der untern Stabt noch keine eigene Häuſer batten , wieder hinauf in die obere ziehen mußten ; und auswärtigen neuen Anbaus ern in der Burg, verſprach er eine ſiebenjährige Freyheit von allen öffentlichen Abgaben . 1528 eroberte und plåns derte Stephan Batbori die Stadt.

6 ) Neumarft , lat. Agropolis , ein gedoppelter Markıfleden . Der eine, liegt auf einer Höhe, iſt mit eis ner Mauer umgeben , ſtark bewohnet , und gut gebauet : der andere , liegt nicht weit davon in einer weitläufrigen Ebene , unweit dem Maroſcbfluß , und hat ein reformirs tes Gymnaſiuín , welches ebedeffen zu Weiffenburg gewes fen: es iſt auch hieſelbſt die fonigl. Safel. 7 ) Karlsburg , ungariſch Károly var , lateiniſch Alba Carolina , eine wohlgebauete königl. Freyſtadt und Feſtung , nicht weit von Fluß Maroich , auf einer Unho: he in einer angenehmen Gegend , mit Aeckern und Wein bergen weit und breit umgeben, Den Namen Alba Iulia, fou fie von Raifers 2. Aurelius Antoniuns Mutter, Sulia Auguſta , haben : den Namen Karlsburg aber hat ſie von ihrem Verbeſſerer, Kaiſer Karl VI . Unter der Feſtung lieget der Marktfleden Weiſſenburg , ung. Sejer : Dar , lat. Alba Julia , den andere eine Stadt nennen . Der hier wohnende ſiebenbürgiſche Biſchof . har jährlich 12000 Gulden Einfünfte. 1236 iſt dieſer Drt von den Sataren ſehr verwüſtet worden. 8 ) Clauſenburg, ungar. Rolosvar, lat. Claudio. polis, vor Vlters und von den Wladen noch jeßt Clus genannt, eine königl. Freyſtadt, am Fuß eines aus Thon ( chiefer beſtehenden , ziemlich hohen , auch ganz fren und abgeſondert liegenden Bergen , von deffen Mitte an bis zu dem Gipfel man viete kugelrunde , dren bis fünf Schuhe dide teine, fiehet. Unter dieſem Berge, in einem ſchds nen Shal, welches ganz von Bergen umſchloffen iſt , am kleis

Siebenbürgen .

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kleinen Szamos , liegt die Stadt. Sie iſt die vornehmſte im Lande der liebenbürgiſchen Ungarn , weitläuftig und volfreich , und hat viele ſteinerne Häuſer , iſt auch mit Mauern und Thürmen umgeben . Man findet hier eine tatholiſche bohe Schule, ein Gomnaſium der Reformirten , und ein Gymnaſium der Unitarier. Die leßten , welche zahlreich ſind, haben auch eine eigene Buchoruterey. Bis 1603 beſaßın ſie die Hauptkirche , in dieſem Fabr aber, wurde ſie innen abgenommen , und den Jeſuiten gegeben , deren Collegium und Kirche fie zerftdret hatten. An dem Stadthor Portina , liefet man noch eine Ueberſchrift, wels che zur Ehre des Kaiſers Trajan geniacher worden . Die Stadt ward 1601 vom Sigismund Bathory vergebens bes lagert , 1693 von dem neuen aufgeworfenen Fürſten eros bert, ihm aber im ſelbigen Jabre vom faiſerlichen General 1659 fiel bey derſelben Baſta , wieder abgenommen. zwiſchen Rakoby und den Démanen , ein Haupttreffen bor , in welchem jener tödtlich vermundet wurde. 1662 ward ſie von Apaffi mit Hülfe der Démanen eingeſchlor fen , und 1664 eingenommen , als die Beſaßung einen Aufſtand machte. 9 ) Broos , ungar. S308 ; Waroſch , lat. Saxopo . lis , eine tonigl. Freyſtadt, in einer angenehmen Ebene. nicht weit vom Maroſch - Fluß. Sie iſt 1200 erbauet, und wird für die ſiebente fachliche Stadt gehalten , 1784 aber iſt ſie eine königl . Freyſtadt geworden. Auf dem ſogenannten Brodfeld , ungar. Kenyer: mero, erfochten die Siebenbürger 1479 über die Doma nen einen voulommnen Sieg.

II Eilf Geſpanſchaften , deren jede ihren Ober. geſpan , Untergeſpan , und General. Perceptor hat, Es iſt aud) eine jede, nach Masgebung ihrer Größe, in 2 , 3. und nod ) mehrere Zirkel eingetheilet, und jeder derſelben hat einen Subſtituten , Vice. Geſpann , und ordentlichen Stuhlrichter , (ordinarium iudicem nobi. D03

582

Das Großfürſtenthum

nobilium.) Un jeder Gerichtstafel figen auch 6 afteſ ſoren , ein Notarius , u. ſ. w. Noch hat ein jeder Zirkel ſeine kleinern Abtheilungen, jeder von 4, 6 bis 8 Dörfern , und auch dieſe haben ihre beſondere Eubſtituten , Vice- iudicem nobilium , und einen Coinmiſfar , welche geringe Sachen felbſt abthun, von größeren aber Bericht abſtatten . 1 Die Unter:Albenſer.oder Karlsburger Ge. ſpanſdaft, in welcher zu bemerken ! ) [ tagy- Alf8: und Kis : Aranyos , Bergórter , ak dein Fluß Aranyos. 2 ) Ubrudbánya, Oroß-Schlatten, lat, Auraria, ein Marktflecken und der pornehmſteOrt unter der Metallſtáds ten . Es ſind hier Gold- und Silber : Gruben, es hat audi ebedeſſen das Oberbergamt hieſelbſt feinen Siß gehabt. 3 ) Salatna , Zlatna , Rlein : dlatten , Auraria parva, ein Bergflecken, in einem angenehmen Ibal, durch welches der Fluß Unipol lauit, in welchem reiche Golda und Quedtilber- Grubin ſind , die ſchon zur Zeii der Dar cier und Römer bekannt, und ehemals Detråchtlicher ge: wefen find , als jebt. Die Wlachen leben dieſen Ort als die Hauptſtadt ihrer Nation in Siebenbürgen au, und beſuchen ihn an den Markttagen ſehr fleißig . Er iſt der Siß eines Oberbergamts , welches unter der Siebenbůra giſchen Kammer zu Hermanſtant ſtehet, und die vielen als ten Aufſchriften , welche man hier findet, machen ihn für einen Alterthumsforſcher Febr merkwürdig. Samocius , Lazius, Köleſer und Fridwalſky , haben die hieſigen und übrigen in Siebenbürgen anzutreffenden Aufidriften gea fammlet und bekannt gemacht. Etwau eine halbe Stunde gegen Mitternacht von 342 latna, iſt der Sarcebajer Berg , auf welchein ein Solde bergwerk iſt, deflen goldreiche Kiefe , son 2 bis 10 , 30 , 40 und oft noch mehr Loch Gold im Centner haben , es mat aber 1770 nod nicht in dem Zuſtande, welchen man wünſche

Siebenbürgen .

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wünſchte. Es find auch ben dieſem Ort zwey Quedfile berwerke , und in der Brennbütte zu Zalatna , werden jährlich etwa 60 Certiner Quedfilber ausgebrannt. 4 ) Enyed, Hagy :knyed, ein wohlbewohnter Markts fleden, wo ein reformirte. Gyninaſium , und in der Mitte des Drts ein mit Waffergråben umgebenes Schloß iſt. In der umher liegenden Gegend ſind viele rómiſdie Münzen in den Nedern und Bergen gefunden worden . 5 ) Szent : Benedet , und m. Igen , Fleden. 6 ) Tövis , ein Marktfleđen am Fluß Maroch , woſelbſt ein Paulinerflofter ift. 7 ) Vojasd , ein Flecken . 8 ) Tótfalu , S. Michael, Caftrum f. Michaelis, ein Schloß auf einem hohen Felſen . 9 ) Borberek, ein Schloß , auf einem hohen Felſen , das mit Thürinen befeſtiger iſt, und neben ſich