Strategie, Taktik und Gefechtstechnik in der Ilias Analyse der Kampfbeschreibungen der Ilias 9783830035862, 3830035861

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Strategie, Taktik und Gefechtstechnik in der Ilias Analyse der Kampfbeschreibungen der Ilias
 9783830035862, 3830035861

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Schriftenreihe

Altsprachliche Forschungsergebnisse

Band6

ISSN 1617-5999

Verlag Dr. Kovac!

Rupert Wenger

Strategie, Taktik und Gefechtstechnik in der Ilias Analyse der Kampfbeschreibungen der Ilias

Verlag Dr. Kovac Hamburg 2008

~ VERLAG DR. KOVAC '

FACHVERLAG FÜR WISSENSCHAFTLICHE

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LITERATUR

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ISSN:

1617-5999

ISBN:

978-3-8300-3586-2

© VERLAG DR. KOV AC in Hamburg 2008

Umschlagillustration: Rupert Wenger Printed in Germany Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, fotomechanische Wiedergabe, Aufnahme in Online-Dienste und Internet sowie Vervielfältigung auf Datenträgern wie CD-ROM etc. nur nach schriftlicher Zustimmung des Verlages. Gedruckt aufholz-, chlor- und säurefreiem Papier Alster Digital. Alster Digital ist alterungsbeständig und erfüllt die Normen fl1rArchivbeständigkeit ANSI 3948 und ISO 9706.

INHALTSVERZEICHNIS 1. 2 2.1 2.2 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 4

4.1 4.2

4.3 5 5.1

5.2 6 6.1 6.2 6.3 7 8 8.1 8.2 8.3 8.4

EINLEITUNG 3 VORGABEN FÜR DEN DICHTER UND DEN HEUTIGENANALYSTEN 7 7 Einschrlnkungen für den Dichter Vorgaben für den heudgen Analysten 9 12 ABLAUF DES KAMPFES 12 Gefechtstechnik der Infanterie 20 Gefechtstechnik der Streitwagen 22 Erster Kampftag 42 zweiter Kampftag 47 Dritter Kampftag Vierter Kampftag 88 KRÄFTE/RAUM/ZEIT 92 92 Krlne Raum 93 95 Zeit GLIEDERUNG/AUFSTELLUNG 96 Gliederung der Krlfte 96 Schlachtordnung 102 FÜHRUNGNERSORGUNG 106 106 Führung Führungsmittel 109 113 Versorgung 116 STRATEGIE 121 TAKTIK Kampfarten 121 Kampfformen 123 124 Aktionsarten 127 Die Schlacht

8.4.1 Taktisches Konzept 8.4.2 Handlungsmöglichkeiten in der Schlacht 8.4.3 Phasen der Schlacht 8.5 Das Gefecht 8.5.1 Handlungsmöglichkeiten im Gefecht 8.5.2 Phasen des Gefechtes 8.6 Angewandte Taktik

1

127 129 130 132 132 134 135

8.6. l Entscheidung im Stehenden Kampf 8.6.2 Einsatz der Reserven 8.6.3 Übergang zum Aufgelösten Kampf 8.6.4 Stabilisierung der Lage nach Aufgelöstem Kampf 8.6.5 Kampf um Sperren 8.7 Folgerungen 9 EINSATZGRUNDSÄTZE/GEFECHTSTECHNIK

9.1 Infanterie 9 .1.1 9.1.2 9.1.3 9.1.4

Gefechtsformen Promachoskampf Promachoskampf gegen Kampf der Phalanx Nahkampf

9.2 Streitwagen 9.2.l 9.2.2 9.2.3 9.2.4 9.2.5

136 139 140 143 146 148 151 151 151 168 172 173

180

Grundsätzliche Einwände gegen die dargestellte Gefechtstechnik Kampfwertbestimmende Merkmale Streitwagen im Angriff Verwendung des Streitwagens im Epos Folgerungen

180 182 184 191 201

9.3 Steilfeuer 10 BEWAFFNUNG/AUSRÜSTUNG 10.1 Wurf- und Schusswaffen 10.2 Hieb- und Stichwaffen 10.3 Schutzausrüstung 10.4 Folgerungen 11 ZUSAMMENFASSUNG ÜBERSETZUNG VERWENDETER ZITATE MILITÄRISCHE BEGRIFFE

203 205

LITERATURVERZEICHNIS

257

2

207 210 212 213 214 219 245

1.

Einleitung

In der Literatur über die Ilias sind Arbeiten über Strategie und Taktik bisher eher selten. Die im Epos geschilderte Gefechtstechnik 1 wird häufig analysiert, ohne bisher ein schlüssiges und befriedigendes Gesamtbild liefern zu können. Ihre Abhängigkeit von der eingesetzten Waffentechnik ist geringer, als moderne Menschen mit ihrem Bild einer sich rasant entwickelnden Waffentechnik anzunehmen geneigt sind. Waffen und Schutzausrüstung waren meist nur geringfügig zu modifizieren, um mit der jeweiligen Gefechtstechnik kompatibel zu sein. Die Frage nach dem Kausalzusammenhang zwischen Waffenentwicklung und Gefechtstechnik soll hier nicht erörtert werden, weil das Thema dieser Arbeit der im Epos geschilderte IstZustand und nicht die Entwicklung der einz.elnen Bereiche über die Epochen sein soll. Strategie, Taktik, Gefechts- und Waffentechnik sind jedoch in Grenzen voneinander abhängig, sollten daher in einer Gesamtschau untersucht werden. Voraussetzung fllr eine Analyse ist das Erkennen der Wirkungsabsicht, die der Dichter mit seinem Epos verfolgt. Die von manchen Analysten vorgebrachte Ansicht, den Dichter und seine Zuhörer hätten ein fllr uns heute unverständliches besonderes Vergnügen am Rezitieren und Zuhören von grausamen Heldentaten der Heroen vergangener Zeiten, überzeugt angesichts der Abneigung, mit der der Dichter den 6U:uQbc;)beschreibt, Krieg als verhasst, schlecht und jammervoll (cm,yt:Qbc;,KaKOQov b' avtoaV'tELTta'tflQ KLEMKQua Ar~,

7tQO'[L1ALOV LQT]V 7tOLVT]b' ou -ru;

1tal.boc;ty(yvr-ro 'tE8VT)W'tcx;)mindestens seine eigene Unterabteilung mit ihm oder seiner Leiche. Kommandanten können sich in jeder Situation und an jedem Ort ihrer Untergebener bedienen 14• Verlassen solche Kräfte die Schlachtordnung, können Lücken in der Schlachtordnung entstehen, die von Nachbarn beziehungsweise Kräften in der Tiefe aus Eigenverantwortung geschlossen werden müssen. In der Ilias wird keinerlei Führungsmaßnahme eines Kommandanten erwähnt, die das Schließen von Lücken beinhaltet. Durch das 14

Auch H. van Wces meint in !.Morris, B.Powell ,,A new Companion to Homer" S.672, die unmittelbaren Gefolgsleute eines Promachos würden sich ständig in dessen Nlhe aufhalten und damit auch ihren Platz in der Schlachtordnung mit diesem vcrlndcm. Er leitet dies aus der blutigen Nennung von meist anonymen Untergebenen ab, die bei verschiedenen Gelegenheiten Hilfsdienste wie Vcrwundetcnbcrgung oder Gefangencm1lckf0hrung fllr die Promachoi dun:hftlhrcn, wobei sie sich offensichtlich immer in unmittelbarer Nlhc zu diesen aufhalten

17

Zwilckgehen ganzer Unterabteilungen muss die Schlachtordnung jedenfalls ihre Stabilität verlieren. Die Nennung des Vorkämpfers meint also wirklich die gesamte Formation, wobei der Promachos den Kampfwert dieser Formation im Gefecht repräsentiert. Er hat tatsächlich den Wert für die Kampfkraft des gesamten Heeres, wie er im Epos immer dargestellt wird 15• Die vorspringenden Kämpfer tragen in dieser Art der Kampffllhrung naturgemäß das höchste Risiko und damit auch die höchsten Verluste. Nachdem im Epos die Kommandanten aller Ebenen selbstverständlich als Vorkampfer besonders gefordert sind, müssen die Verluste unter ihnen auch besonders hoch angesetzt werden. Von den im Schiffskatalog angeführten Kommandanten beider Konfliktparteien fallen im Verlauf des Epos, also an nur vier Kampftagen, rund 45%. Mit diesen Verlusten bezahlen die Promachoi für ihre herausragende Rolle im Gefecht. • Das von vielen Forschem gesehene ,,Zeitproblem" 16 löst sich auf einfache Weise. Hintereinander dargestellte Szenen laufen tatsächlich nacheinander ab, außer der Dichter erklärt den Ablauf ausdrücklich als synchron. In Xl/489-530 laufen zum Beispiel zwei räumlich getrennte Gefechte, eines um Hektor und eines um den Telamonier Aias synchron ab. Am Übergang zwischen den beiden Kampfräumen erwähnt der Dichter, dass Hektor, der von den soeben geschilderten Kämpfen noch nichts erfahren hat, in einem anderen Kampfraum im Gefecht steht und setzt dann mit der Schilderung dieses Gefechtes fort

(oubt 7tW"EK'tWQ 7t€U9€'t €7t€LQa µax11c;; tn' IXQl(J'[€Q(X µaQVa'tO7tlXOT)Q' 6 ytQWVtnnoLo naQT}OQLac; ant'taµve cpaoyavc,., awawv). Sollte der Dichter beabsichtigen. dies als Folge seiner angewandten Taktik zu werten? Es gibt im ganzen weiteren Epos keinen Nachweis fllr den Einsatz geschlossener Streitwagenverbände im Angriff gegen formierte feindliche Kräfte, wie dies aus ägyptischen Quellen fllr die Bronzezeit zu erschließen ist. In der Regel kämpfen einzelne Streitwagen in Phasen weitgehend stationärer Kampffllhrung in enger Anlehnung an die Phalanx, aus ihr oder aus Lücken zwischen ihnen auf dieselbe Weise, wie ein Promachos durch Vor- und Rücksprung in die Zone feindlicher Waffenwirkung. Der zweirädrige Streitwagen ermöglicht dabei engste Wenderadien. Speere werden am Wendepunkt gegen die feindliche Phalanx geworfen. Treffen zwei Streitwagen in der Zone feindlicher Waffenwirkung aufeinander, sitzt meist einer der beiden Kämpfer ab, während sein Streitwagenlenker den Wagen dicht bei ihm hält. Lediglich ein Duell zwischen zwei aufgesessenen Streitwagenbesatzungen wird geschildert, wenn Diomedes mit Athene auf Ares triffi

A0i)VT)·ami'.1e'tn' (Vers V/840-859) (Ml:e'to bt µtiO'tLya Kai rivia ITaAAi.tc; AQT)L7tQW'tC,., txe µwvuxac; tnnouc; ... ot b' Ö'te bT] oxebov ijaav tn' aMi)Aounv IDV'tE1, nel:ovc;b' t~61tL8EO''tTjO'EV noAtac; 'tE

Kai t0'8Aoi,c; fQKOc;tµev noAtµmo). Bei den Kretern wird eine Tiefenstaffelung erkennbar, wenn Meriones hintere Phalangen fUhrt

{MTJQWVT}c; b' äQa ol nuµa'tac;

O'tQUVE

q>aAayyac;)2°.

Der Traum Agamemnons löst den entscheidungssuchenden Angriff der Achaier aus. Wie lange vorher in einer gewissen Patt-Situation keine dramatischen Kämpfe zwischen den Konfliktparteien stattgefunden haben, erwähnt der Dichter nicht. Der Vergleich mit vermischten Ziegenherden legt nahe, dass die Kommandanten hauptsächlich ihre Kräfte an den zugeordneten Platz in der Schlachtordnung fllhren und die Trennung vermischter Kräfte

wc;'t' ai.n6ALa 7tAa'tt' ai.ywv ai.n6Aol ävbQec;.QE'ia bLaKQLVWO'lV tnd KE voµ4> µLyEWO'lV, wc;'toi,c;

organisieren21 (Toi,c; b'

iJyt:µ6vt:c;bLE'ICOO'µEOV tvea Kai. tv8a oaµLVT]V b' i.tval). Eine weitere Ordnung der Kräfte innerhalb der Fonnation in lineare Glieder ist weder aus dem den Aufmarsch beschreibenden Text, noch aus dem Gleichnis abzuleiten. Der Rat Nestors, die Kräfte geordnet nach Stimmen und Sippen aufzustellen, zeigt ein mögliches Ordnungskriterium der Kräfte in der Schlachtordnung. Ziel dieser Maßnahme ist die bessere Unterstützung der Kräfte untereinander, also wohl die Erhöhung der Stabilität der Schlachtordnung. Er selbst organisiert die Aufstellung der Kräfte aus Pylos allerdings auch nach besonderen taktischen Erfordernissen, wenn er die Streitwagen vor seiner Infanterie disloziert. Von Seiten des Befehlshabers ist dagegen keinerlei Versuch zur Steuerung der Schlacht durch ein besonderes Dispositiv erkennbar.

nuµa'tac; q>aAayyac;zeigt eine klare Tiefenstaffelung der Kräfte

20

Van Wees erkennt in „Greek Warfarc" S.: 155 im ,,Antreiben" der hinteren Phalangen durch Meriones nur das Vorantreiben zurückgebliebener Kllmpfer. Hier werden jedoch mehrere Phalangen durch Meriones ,,angetrieben". Es handelt sich also um geschlossene Fonnationen, die in der Tiefe stehen und durch Meriones geführt werden. 21 Heilmann halt in "Schlachtszenen" das Ordnen der Verbande durch die Kommandanten fllr einen Nachweis fllr geometrisch in Linien gegliederte Formationen. Der Vergleich mit den vermischten Ziegenherden widerlegtdiese Ansicht selbstverstlndlich.

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und nicht mehrere Reihen von Kämpfern in einer Phalanx, wobei die hinteren Kräfte nach heutiger Definition als örtliche Reserven der Kreter zu sehen sind Die Aufstellung des achaischen Heeres beginnt von rechts und scheint 11/494-759 vorerst die Truppeneinteilung der Achaier darzustellen: Boioter, Orchomenos, Phoker, Lokrer, Abanter, Athener, Argos, Mykener, Lakedaimonier, Pylos, Arkadier, Epeier, Dulichion, Kephalenen, Aitoler, Kreter, Rhodos, Syme, Nisyros, Myrmidonen, Phylake, Pheraier, Methone, Trikka, Ormenion, Argissa, Enianer, Magneter. Die Ordnung von rechts wird bei der Aufstellung der Phoker angesprochen (BolW'twv b' iµ7tAriv tn' aQ1.an:Qa0WQ11aaov'to) wobei das Kontingent aus Orchomenos übersprungen wird. Sein Kommandant ist ein typischer Held zweiter Kategorie, wie sie fl1r häufig fl1rNebenaufgaben herangezogen werden. Dies lässt vermuten, dass dieses Kontingent als Reserve hinter den Boiotern steht. Bei den Kontingenten aus Salamis und Sparta wird die Ordnung nochmals angesprochen. Bei den Myrmidonen wird erwähnt, dass sie nicht in der Aufstellung stehen. Die Mykener stehen nicht im Zentrum. wie man erwarten könnte, sondern etwas rechts davon. Der Katalog muss nicht streng als Truppeneinteilung gesehen werden. Jedenfalls beabsichtigt der Dichter, ihn zumindest in Teilen zur Lokalisierung von Kräften zu nutzen. Zu beachten ist also in den weiteren Untersuchungen jede Nennung emes der besonders lokalisierten Kontingente. Im Falle der Boioter zum Beispiel will der Dichter dann die betreffende Szene an der rechten Flanke des achaischen Heeres positionieren. An dieser Stelle wird erstmals der Begriff O"tLXEQµ118TJ'tT)V 'tW µtv

aq,'{nnouv)

und Phegeus wirft seine Lame

iyx.cx; auf Diomedes (Argos), trifft ihn aber nicht. Diomedes kämpft noch zu Fuß und trifft mit seinem Speer den Phegeus. Sein Bruder ldaios springt vom Wagenund flüchtet. Diomedes erbeutet den Wagen.Bei den Trojanern erzeugt der Vorfall Unsicherheit und Furcht. Sie gehen nach Verlust ihres Streitwagens und dem Angriff von Odysseus mit ihrer Phalanx zurück, die Achaier beginnen nachzudrängen.

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Abanter

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1

=Achaier

= Trojaner und Verbündete = \Viderspruch zu Schiffskatalog

■ ■ ■ = Zweikampf mit Angriffsrichtung

Zusammen,drken im Text beschrieben

4 • • • F Bewegung im Text beschrieben Abb.2: Erste Phase, Einleitungskämpfe und erstes Zurückdrängen der Trojaner Agamemnon (Mykene) stößt den Kommandanten der Halizonen Odios den Speer in den Rücken, als dieser seinen Wagen wendet. ldomeneus (Kreta) sticht den Maionen Phaistos beim Besteigen seines Wagens, und Menelaos dem Skamandrios (Troja) die Lanze (wechselweise EYXOLOV rjEV L7t7tWVq>ELb6µEVoc;). Dieser zeige nach dem Schuss auf Menelaos und nun auf Diomedes zu wenig Wirkung. Aineias nimmt ihn auf seinen Wagen, den er selbst lenkt. Dabei preist er den Wert trojanischer Pferde für Flucht und Verfolgung (aAA' ay' tµwv oxtwv tnt.ßtjaEO ÖQaLbr)aLotoL T~LOL L7t7t0L

tnLa'taµEvoL 1tEbLOLO KQaL7tVaµaA' tv8a Kai tv8a btu>KE µEv iJbt cptßEa8aL). Pandaros wirft die Lanze auf Diomedes, was jedoch ebenfalls ohne Wirkung bleibt. Diomedes lehnt ein Fluchtangebot seines Lenkers ab und besteigt auch nicht seinen Streitwagen (oKVELWb'

L7t7tWVtnLßaLvtµEv). Er wirft sein Geschoss (ßtAoc;) und tötet Pandaros. Aineias springt vom Wagen, um zu kämpfen, wird jedoch von Diomedes am Oberschenkel getroffen und von Aphrodite gerettet. Der Streitwagen wird von Sthenelos erbeutet.

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F+•I ~ ·r1~., :

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.............. . IM.mne I • 11:pei.r 1 #••········· Aqos

!Tbnker:

Abb.4: Dritte Phase, weiteres Vordringen des Diomedes, Aufueffen auf Aineias Die trojanischen Phalangen werden zurückgedrängt. Diomedes triffi in der Tiefe der trojanischen Schlachtordnung auf Aineias. Dieser riegelt den achaischen Einbruch in der Tiefe ab24• Der Dichter hat den Einsatz des Aineias in der Tiefe bereits durch mehrfaches Aufueten von Kämpfern aus dem Umfeld der Dardaner angekündigt und damit diesen Einsatz verständlich gemacht. In dieser Szene zeigt der Dichter seine Präferenz fllr die Nahkampfwaffen im Vergleich zum Bogen. Er legt Aineias ein Lob des Streitwagens fllr Flucht und Verfolgung in den Mund Pandaros bedauert, ihn zu Hause gelassen zu haben, um ihn zu schonen. Er war also ursprünglich der Meinung, der Streitwagen sei nicht mehr wert, in den Krieg mitgenommen zu werden, wird aber nun durch eigene Erfahrung und den Rat des Aineias vom Gegenteil überzeugt. Andererseits meint Diomedes, dass der Streitwagen tm Promachoskampf keinen besonderen Vorteil bringe. Erstaunlich mag erscheinen, dass ein Held erster Kategorie die Flucht hier gleichwertig neben die Verfolgung stellt und sie nicht als unheroisch verwirft. Gemeint ist vom Dichter unter Flucht und Verfolgung wohl jede Art der beweglichen Kampfführung außerhalb der geordneten Gefechtsformen. Er sieht damit die Flucht völlig 24

Das Abriegeln in der Tiefe zeigt, dass es sich um einen achaischen Einbruch und nicht um einen Durchbruch handelt, wie ihn Latacz in "Karnpfparllnese" S.116 sehen will.

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pragmatisch als Kampfform mit dem Ziel, die eigenen Kräfte der Vernichtung durch den Gegner zu entziehen und unter günstigeren Voraussetzungen wieder zur Wirkung zu bringen. Diese Sicht ist zwar wenig heroisch, jedoch militärisch rational. Anstelle des Feierns von Heldentaten der Vorfahren tritt wertfreie Beurteilung taktischer Verfahren. Ares in Gestalt des Kommandanten der Thraker Akamas und der V/460-517 Kommandant der Lykier Sarpedon rufen die Trojaner zum Widerstand

7tou auf. Sarpedon beklagt das Zurückgehen der Kräfte aus Ilion (fJc; a'tEQ

Aawv 7tOALVt~tµev

iJb'€7tLKOUQWV oloicn

'[f O'OLO'L '[Ct)V vüv ou '[LV' iyw ibtnv bvvaµ' ovbt KaO'L'YVTJ'tOLO'L

vofJaaL, aMa Ka'ta7t'twaaovaL KVvec;wc;aµlAtov'ta,;µeic; bt µaxoµea8' oi'. 7tEQ't 1 i7tLKOUQOL evnµev). Aineias erscheint wieder auf dem Schlachtfeld und greift in das Gefecht ein. Hektor gelingt es, die Trojaner zum Stehen zu bringen (ot b' iAeA(x8TJaav Kai ivavdoL Ea'tav AxaLWV).Die Achaier verteidigen.

Offensichtlich gingen nur die Kräfte aus Ilion im Zentrum zurOck. Die Verbündeten links und rechts vom Zentrum kritisieren das Verhalten des Zentrums, halten also selbst noch weiter vorne. Der Dichter hat zumindest das Halten des Raumes durch die Thraker in Vers IV/532535 angekündigt. Dabei fllllt auf, dass der Kommandant der Lykier persönlich, der der Thraker hingegen nicht selbst, sondern ein Gott in seiner Gestalt auftritt. Auch richtet sich der Appell des Sarpedon an Hektor persönlich, der des Ares jedoch etwas unbestimmt an die Söhne des Priamos, die wohl zusammen mit Hektor im Zentrum der trojanischen Schlachtordnung kämpfen. Wenn beide appellierenden Führer auf den entgegengesetzten Flügeln des trojanischen Heeres eingesetzt sind, ist ein gemeinsames Zusammentreffen im Zentrum eher auszuschließen. Der Dichter wendet also den Kunstgriff über einen Gott in Menschengestalt an, um dieser Szene Plausibilität zu verleihen. Aineias riegelt den Einbruch in der Tiefe ab. Hektor beginnt den frontalen Gegenangriff gegen die eingebrochenen Achaier. Weiters legt die gesamte Szene mit den Kommandanten der Lykier und

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Thraker nahe, dass diese mit ihren Kräften noch weiter vorne halten, der achaische Angriff also einen tiefen Einbruch, nicht jedoch einen Durchbruch erzielt hat.

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. : Aineias :

111111111111111 •

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Abb.5:Achaischer Einbruch Agamemnon trifft den Gefllhrten des Aineias Deikoon mit dem V/ 533-589 Wurfspeer und tötet ihn. Aineias tötet die Zwillinge Krethon und Orsilochos (Epeier), Menelaos verschiebt sich in Richtung Aineias und geht gegen ihn vor. Antilochos, Sohn Nestors, kommt ihm vermutlich von hinten zu Hilfe (-rov b' tbev Av-riAoxoc;µeya8uµou Nt(T'[OQbwc;AAt~vbQc;).

Nestor

versucht, das Geschirr des Pferdes zu durchtrennen, wird aber von Hektor angegriffen. Diomedes nimmt ihn als Streitwagenlenker auf seinen Wagen, während die beiden ursprünglichen Lenker das Gespann Nestors retten. Dabei preist er den Wert des Gespannes ftlr Flucht und

oxtwvinlßiJaio,

oq>Q(X rt»,at OWL T~LOL L7t7tOL €7tLO"'Caµt:VOL 7t€bLOLO KQ(XL7tVa µaA' ev0a KaLev0a Verfolgung (aM'

ay' eµwv

cj>tßia0aL). Diomedes und Nestor greifen Hektor an. bLWKtµiv iJbe Diomedes wirft den Speer, triffi aber nur den Streitwagenlenker Hektors. Dieser sucht sich einen anderen Lenker. Zeus bringt den Angriff des Diomedes zum Stehen, der bereits gefährlich ftlr die Trojaner wird. Hektor ruft seine Kräfte zum Angriff auf, wobei er sie anspornend Nahkämpfer (ayxtµaXT)"Cal) nennt. Er äußert die Absicht, das Lager aufgesessen aus der Bewegung anzugreifen, weil sein Sperrwert gering ist (VTJ7tLOL ot aQa bTJ"Cabi "Cdxia µ11xav6wv"Co bt: (!ta aßAT'JxQ'oubt:VOOWQa"'[(X b' OlJ µtvEQEVaa1eoc;·auTIA.OL ayyEM6VTWV

110AwKQOTaq>ouc;TE ytQOv-rac;At~a0aL tnl

naibac;

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nVQYwv ... uAaKTJbt TLc; eµ11Eboc;eC1Tw µt) A6xoc;

45

EiCJtA0t;)CJL n6ALv Aawv anE6v'tw). Das Heer selbst überwacht die

Achaier und soll ihre Flucht mit den Schiffen verhindern (µt'J nc.x;1ml

buxVUK'ta KaQT] KOµOWV'tEc;AxaLOl

EtryELV OQµT)CJWV'taL tn'

EUQta VW"Ca0aAaCJCJT]c;). Als Verluste dieses Kampftages werden 12 Trojaner und eine unbekannte Zahl von Achaiem genannt.

Neuerlich wird als Zielsetzung die Verhinderung des Abzuges der achaischen Kräfte formuliert. Die Sicherungsmaßnahmen zeugen wiederum von militärischer Kompetenz des Dichters und seiner handelnden Personen. Das trojanische Heer unmittelbar vor dem Lager der Achaier macht einen überraschenden Angriff gegen die Stadt unwahrscheinlich, jedoch nicht ausgeschlossen. Daher reicht in der Stadt eine schwache Sicherung aus minder kampfkräftigem Personal. Die Achaier bereiten sich im Lager auf die Nacht vor. Dazu werden auf IX/ 80-89 Rat Nestors sieben junge Führer mit je 100 Mann zwischen dem Graben und der Mauer als Sicherung eingesetzt (E7t't' eCJav f)yEµ6vEc; uAaxwv,EKa'tOVbt EKaCJ"tC.,, KOVQOL äµa CJ"tELXOV boA(x' fyxEa xal 'tELXEDc; ~ov i6v'tEc;·). XEQCJlv exov'tEc;·Kab bt µtCJov'tetQu

Die Stärke der Sicherungskräfte deutet auf einen Kampfauftrag hin. Sie haben die Zeit fllr die Formierung des achaischen Heeres zur Verteidigung der Mauer zu erkämpfen. Die räumliche Enge zwischen Graben und Lager der Achaier erzwingt den Einsatz einer kampfkräftigen Sicherung. Damit haben diese Kräfte die Funktion eines Gefechtsvorpostens. Der Dichter stellt hier die unterschiedlichen Sicherungsmaßnahmen der beiden Konfliktparteien unmittelbar gegeneinander und gibt damit dem Zuhörer die Möglichkeit, diese miteinander zu vergleichen und mit den differierenden Ausgangslagen zu verknüpfen. Unter den aufgezählten Führern der achaischen Wachen befindet sich auch Meriones, der die Reserve des kretischen Kontingents kommandiert. Dieselbe Funktion kann man fllr die . anderen eingeteilten Kommandanten (Helden zweiter Kategorie) annehmen. Solche Aufträge sind fllr Helden erster Kategorie eher unzumutbar

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und entehrend. Die :zahl sieben wird wohl auf Gegebenheiten des Gelindes zurOckzufbhrensein, die der Dichter als nicht besonders relevant fi1rdas Epos unerwähnt lässt.

Der zweite Kampftag treibt die Handlung in die vorgesehene Richtung einer

drohenden Niederlage fllr die Achaier. Das Gleichgewicht zwischen den beiden Parteien ist auch nach dem Ende der Eingriffe der mit den beiden Seiten sympathisierenden Götter noch nicht getlhrdet. Erst das unmittelbare Eingreifen des Zeus treibt die Lage in die gewünschte Richtung. Weiters wird an diesem Kampftag der Widerspruch zwischen der trojanischen Strategie und Hektors taktischer Zielsetzung entworfen. Hektors Zielsetzungen schwanken pennanent zwischen dem Wunsch nach Flucht der Achaier und Verhinderung der Flucht mit anschließender Vernichtung des achaischen Heeres. Auf taktischer Ebene werden zwei Beispiele fi1r Sicherung und eines fllr die Stabilisierung der Lage nach Flucht und Verfolgung sowie die Folgen eines geschlossenen Streitwageneinsatzes am Beispiel seines Proponenten aufgezeigt.

3.5 Dritter Kampftag Agamemnon sammelt alle Führer der Achaier bei den Vorposten. Nestor rät X/0zur Aussendung eines Spähtrupps, der aufklären soll, ob die Trojaner in die 502 Stadt zurückkehren, oder vor den achaischen Mauern nächtigen wollen (äe1e1a '[f µT]'tWWCTL µe'ta C1aayavov), einen weichen Lederhelm (Ka'taiwt) und einen Schild (miKo;), Odysseus einen Eberzahnhelm (KWETJ... {>Lvoü

7tOLTJ'tT)V noAte1Lvb' EV'tOCT8ev iµäo-LvEV'tE'ta'toC1'tEQEWiov q,o(JtoV'to f36Ei;WiaL rrijµa 'tl9EV'tEEbt ol 458q>QC>vtovnboaEi oi.o(;

aw-rc,., aEVb6vt;J, ftv

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8t:Q(inwv EXEnoLµtvL Aawv). Peisandros geht gegen Menelaos vor. Beide geworfenen Speere bleiben ohne Wirkung. Peisandros zieht die Streitaxt, wird aber von Menelaos durch das Schwert getötet. Der Paphlagone Harpalion nimmt den Kampf mit Menelaos an, sein Speer durchschlägt aber ebenfalls nicht den Schild des Menelaos. Als er zurückspringt, wird er durch einen Pfeil des Meriones getroffen und getötet. Ein Teil der Paphlagonen geht mit der Leiche zurück nach Troja. Paris tötet Euchenor mit einem Pfeil. E>t:Q(inwv taucht hier als ein Untergebener auf, Seine Steinschleuder weist ihn als Infanterist der Phalanx aus. Wieder wird der Bogen als wenig wirkungsvoll charakterisiert. Im rechten Abschnitt steht Hektor den beiden Aias gegenüber. Dieser XIII/ Abschnitt wird von den Boiotern, Lokrern, dem Kontingenten aus Phtia und 674Athen und den Epeiern verteidigt. Hektor hat die Lage am linken Flügel 723 noch nicht erkannt. Der kleine Aias kämpft im engen Verbund mit dem Telamonier, weil ihm die Deckungsinfanterie fehlt. Die Lokrer sind nur mit Bogen und Steinschleuder bewaffnet und haben keine Schutzausrüstung. Sie werden als Steilfeuerelement eingesetzt (ovb' a.Q'OtAtabtJ µt:yaA11'tOQL

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TQWE«;Jllf.1Vf101C0VCOCJl7VE1CAovEOV YQQourco). Diese Krtfte bringen die TrQjancr zum Stcbca Der Kampfweise der Lokrcr wird hier vom Dichter hohe Wultsam«it

zugebilligt.

obwohl seine Sympathie. wie bereits dargestellt,

bei den

Nabkampfwaffen und nicht beim Bogen liegt. Pulydamas rlt, die Reserven nach vorne m holen. weil die trojaniscbco XllU Krtfte um die l .Kampfgruppc m schwach fur eine Entscheidungseien. und 723-

Ober das weitere Vorgeben durcbzufiUuen 837 (mrraetywv tQiw wc;JJOlboui dvat (l{>lO'(a·n:avt1J YtlQ CJE1tEQl

dann eine Lagebcurteihmg

mtQtwaa41E8a ßovAffV11 KEV tvi Vl'JEocnno,\t,K,\t')tcnniCJWµEVai ~ KEV inn'ta 1C't8iA1JCJl8E6c;b6µEva1 KQ(X'tc;,

7taQ VT]WViA8wµEV ant')µovEc;). Hektor sitzt ab (aU'tuca b' tf, oxiwv crov'tEUXECJlV a,\'[Q xa~)

und gibt Pulidamac.den Befehl, die bestenKomnun,daot.cn in

(llovAubaµa diesem Raum m kooz.eotriereo

ai, µtv aU'toü EQUJCaKE

'IUXV'tm;aQUTtooc;).Er selbst gebt in den liolcen Abschnitt, wo er die 3 .Kampfgruppe mit schweren V er1usten sowie Paris und Aioeias mit ihren Kampfgruppen im Einsatz findet Er beschimpft Paris, der sieb rechtfertigt. er habe mit großem Einsatz geklmpft. Hektor nimmt alle Krtfte mit sich in den rechten Einbruchsraum. Dort greifen die Trojaner tiefgestaffelt an

(wc;

7tQO µtv aAAot ClQTlQ(>'[Ec;, aU'taQ tn' a,\,\01, xaAJC4, µaQµatQOVtE«;aµ' 1JYE!,10VECJCJlV E7tOV'tO). Pulydamas, Kebriooes,

T~Ec;

Phalkes, Orthaios, Polyphetes, Palmys, Askanios und Morys klmpfen hier bereits. Letztere sind Phrygier, die erst am zweiten Kampftag eingetroffen waren. Die Achaier halten vorerst dem Aufprall stand.

67

Offensichtlich vermutet Pulydamas noch ungebundene trojanische Kräfte in der Tiefe, was allerdings angesichts des klar erkennbaren Einsatzes der 2. und 4.Kampfgruppe im Bereich der 3. nicht mehr zutriff\. Hektor müsste vorerst seine örtliche Reserve aktivieren. Wenn diese aus der 2.Kampfgruppe bestanden hätte, wäre sein Zorn gegenüber Paris gerechtfertigt, weil dieser aus eigener Initiative voJZeitig und an der falschen Stelle in den Kampf eingegriffen hat. Nachdem keine ungebundenen Kräfte hinter der l .Kampfgruppe stehen, muss Hektor in den linken Abschnitt gehen, um dort Kräfte abzuziehen. Die 2. und 4.Kampfgruppe werden herangeflllut und alle Kräfte konzentriert. Pulydamas erhält den Auftrag, die besten Kämpfer zusammenzuhalten beziehungsweise zu konzentrieren. Hektor sammelt also eine Reserve aus den besten Kämpfern, um in dieser Krisensituation das Gefecht zu seinen Gunsten herumzureißen. Der Rat des Pulydamas lautet ähnlich, wie in Xll/210-229, mit dem Zusatz, darüber eine Lagebeurteilung abzuhalten. Diesmal stimmt Hektor zu, zur Ausführung gelangt jedoch nur der Teil des Rates, in dem Pulydamas die Konzentration der Kräfte in diesem Kampfraum fordert. Es findet keine Lagebeurteilung statt, die Trojaner räumen auch nicht das achaische Lager. Hektor konzentriert alle seine Kräfte an einem Punkt, wobei wegen der Enge des Raumes ein Angriff in mehreren Staffeln erfolgen muss. Hier liegt eine an dieser Stelle unverständliche Wiederholung des bereits einmal abgelehnten Rates, ein Widerspruch im Verhalten Hektors und ein Bruch mit den folgenden Ereignissen vor. Auch die Rede Hektors an Paris ist in dieser Form nicht gerechtfertigt. Paris kann unmöglich für die Verluste der 3.Kampfgruppe verantwortlich gemacht werden. Die Begründung für die Kritik an Paris müsste sich auf das selbständige und vorzeitige Eingreifen in einem anderen Kampfraum beziehen. Aus dem tatsächlichen Ablauf ergibt sich die bemerkenswerte Situation, dass Paris, der in Vl/521-529 für zu wenig Einsatz getadelt wurde, nun für unangebrachten Einsatz kritisiert werden sollte. Er weist folgerichtig auf seinen erbrachten Einsatz hin. Auch das Absitzen Hektors erscheint als Fehler, weil Hektor selbst den Befehl für das Zurücklassen der Streitwagen am Graben gegeben hat. Es ergibt sich der Eindruck, in diesem Teil des Gesanges häuften sich die Fehler. Bei der sonstigen Sorgfalt des Dichters möchte man diese Fehler eher späteren Bearbeitern zuschreiben, die den Ablauf des Gefechtes nicht

68

ausreichend verstanden haben. Nestor triffi die verwundeten Agamemnon wid Odysseus wn mit ihnen die Lage zu beraten. Agamemnon schlägt vor, Teile der Schiffe ins Meer zu ziehen wid in der folgenden Nacht mit dem gesamten Heer zu fliehen. Odysseus widerspricht wid weist auf die verheerende Wirkung fllr die

XIV/ 74133, XIV/

Kampfmoral hin (ou YCXQAxaLol axt'JaouaLv n6At:µov VllWV aAa b' 371iA1eoµt:vawv). Man beschließt, trotz Verwundung in den Kampfrawn zu 387 gehen, wn zumindest die Kämpfer anzufeuern. Auf Anraten eines alten Kriegers (Poseidon) ordnen die verwundeten Kommandanten der Achaier ihre Kräfte. Die stärksten Waffen und Schutzmittel werden an die stärksten

ooaaL dQI.CJ'[aL tvl crrQaTCf' iJbt µtylO'CaL Kämpfer ausgegeben (aCJ1tlbt:c; iaaaµEVOL ... oix6µt:VOL b' tnl TtaVTac;lV EQTJ'tUOVtO flEVOV'tEc;) (Vers Xll/84, 85, XV/3). Der Dichter gibt ein weiteres Beispiel ftlr die Stabilisierung der Lage nach Flucht und Verfolgung. Hektor kommt wieder zu sich und greift neuerlich in den Kampf ein. Als die XV/ Achaier Hektor erkennen, gibt der Kommandant der Aitoler Thoas den Rat, 281die Infanterie auf die Schiffe zurückzunehmen und nur mit den Vorkämpfern 367 zeitlich begrenzt zu verteidigen (7tATJ0uv µtv nmi. vf)ac; avw~oµEv anoveECT0aL·au'tol b', ÖOOOLCXQlO'tOl tvl O'tQ(X'tCf' Eux6µE8' dval, O'tT)OflEV, d

KEV nQCirrov EQV~oµEv av'ttaCTaV'tEc; boVQa't'

avaax6µEvoL). Die Vorkämpfer gehen durch Apollon erschreckt fluchtartig

71

zurück, Hektor geht mit den Trojanern zur Verfolgung über. Im zerstreuten Kampf (KEbaaBEimi uaµivrp tötet Hektor Stichios und Arkesilaos, Vorkämpfer der Boioter und Athener, Aineias den Medon aus Phtia und Iasos, deren Waffen er erbeutet, letzterer ebenfalls aus dem athenischen Kontingent. Pulydamas tötet Mekistes, Polites den Echion, Agenor den Boioter Klonios, Paris den Deiochos von hinten. Die Achaier gehen über den Graben durch die Mauer auf die Schiffe zurück die Trojaner stoßen aufgesessen nach. Apollon räumt eine Gasse durch den Graben

(7tQOMQOt0Ebt oi~ An6Mwv (>Ei'6x0m; Kant-roto ßa0Eifl'; noaalv tQEinwv tc; µtaaov Ka-rtßaME, yEUQWO'EV bt KtAEu0ov µaKQT)ViJb'EUQEiav,ooov -r' tnl boUQ6c;tQWTJyiyvE-rat). Bei den Schiffen kommt der Angriff der Trojaner zum Stehen. Die Achaier setzen bei der Abwehr der trojanischen Streitwagen Bootshacken ein. In dieser Szene gibt der Dichter Hektor noch einmal die Chance, seine taktische Zielsetzung zu revidieren. Verzichtet Hektor auf einen neuerlichen Einbruch in das achaische Lager und nimmt dieses nur in eine enge Einschließung, ist die Flucht der Achaier in der folgenden Nacht durchaus realistisch. Genau hier sollte der neuerliche Rat des Pulydamas aus XIII/736-744 stehen, in dem er auf einen Verzicht auf den Sturm auf das Lager und die Abhaltung eines Kriegsrates drängt. Auch das Absitzen Hektors vom Streitwagen passt in diesem Fall besser ins Bild, weil er im Gegensatz zu der zitierten Stelle hier tatsächlich aufgesessen ins Gefecht flihrt. Der Verdacht, an dieser Stelle hätte sich im Zuge einer nachträglichen Kompilation ein Fehler eingeschlichen, verstärkt sich.

Kfl:>aa0E(miuaµivq steht hier als Terminus technicus den Gegensatz zu mabit.1 uaµiv11 oder einfach mabilJ. Er bezeichnet hier Rückzug und Verfolgung. Durch den Graben wird durch Apollon eine Gasse angelegt. Die Mauer ist teilweise eingerissen. Die achaische Verteidigung steht an den Schiffen. Die Sperre ist also teilweise geräumt und unverteidigt. Der aufgesessene Angriff wäre auch nach heutigen Grundsätzen gerechtfertigt. Das Schwergewicht des Kampfes liegt wieder bei den Athenem und Boiotem. Bei der Verfolgung werden neuerlich Streitwagen eingesetzt. Die Aufnahme der achaischen Vorkämpfer erfolgt erst bei den Schiffen ('Oe;

72

o't µtv naQ« VTJUCYLV EQTl'tUO\l"CO µtvov,:t:i;}. Besser und nachhaltiger wlre es gewesen, mit der Infanterie wieder die Mauer zu besetzen und die Aufnahme im Schutze der Sperre durchzuftlhren. Der Dichter verzichtet darauf zugunsten der Darstellung einer weiteren Variante im Kampf um Sperren. Die fehlende Verteidigung des Grabens und der Mauer sowie die Rlumung einer Gasse durch den Graben erlauben die aufgesessene Verfolgung durch die Sperren hindurch und zeigen damit die letzte fehlende Variante des Kampfes um Sperren auf. Weiters wird an dieser Stelle eine neue Variante der Stabilisierung der Schlachtordnung nach Flucht und Verfolgung eingefllhrt, wenn die Achaier ihre Kräfte teilen und jeweils mit den vorne eingesetzten Kräften zeitlich begrenzt verteidigen, während die Kräfte in der Tiefe eine neue Verteidigung aufbauen. Nach heutiger Terminologie würde man dieses Verfahren als raupenartiges Zurückgehen bezeichnen. Unter nA118ix; ist die als Deckung der Vorkämpfer fungierende Phalanx zu verstehen. Der Trojaner Kaletor versucht Feuer auf die Schiffe zu werfen. Aias trifft XV/ ihm mit dem Speer in die Brust und tötet ihn. Hektor trifft mit dem Speer 419statt den Aias dessen Gefolgsmann (0EQ(inwv) Lykophron. Aias ruft 500 Teukros um Hilfe gegen Hektor. Dieser trifft den Streitwagenlenker des Pulydamas, Kleitos, beim Abdrehen in den Nacken. Pulydamas birgt den Streitwagen und kämpft selbst abgesessen weiter. Teukros versucht Hektor zu treffen, seine Bogensehne reißt jedoch. Teukros wechselt im Zelt zu Schild, Helm und Lanze. Hier wird wieder ein Musterbeispiel für einen Streitwageneinsatz im Promachoskampf geboten. Beim Tod dieses 0EQa7tWV gibt es keinen Hinweis auf die sonst üblichen rasselnden Waffen. Als Nachweis für die Zugehörigkeit zur Phalanx ist dies jedoch nicht zu werten. Aias betrauert eher einen Freund, was aber auch keinen Nachweis für die Zugehörigkeit zu einer sozial höheren Schicht des Getöteten bedeuten muss. 9EQ(l7tWVscheint nur ein Unterstellungsverhältnis auszudrücken.

73

Hektor tötet den Kommandanten der Phoker Schedios, Aias im Gegenzug XV/ den Kommandanten der trojanischen Infanterie (T)yEµwv nqvAtwv)

515-

Laodamas, Sohn Antenors. Pulydamas tötet den Kylenier Otos, einen 590 Gefährten des Kommandanten der Epeier und erbeutet seine Rüstung, Meges zielt auf Pulydamas, triffi jedoch den Kroismos. Im Gegenzug wird er von Dolops im Nahkampf angegriffen. Die Lanze durchschlägt jedoch dessen Schild nicht. Menelaos kommt Meges zu Hilfe und tötet Dolops mit der Lanze. Um seine Leiche entbrennt ein Promachoskampf. Menelaos springt zurück und fordert Antilochos zum Vorsprung auf. Dieser wirft den Speer, die Trojaner weichen zurück, trotzdem wird Melanipos getroffen. Hektor springt vor um den Waffenraub zu verhindern, worauf Antilochos zurückspringt. Er wird von den Trojanern mit Geschossen überschüttet. Ein Kommandant der Infanterie macht nur Sinn, wenn die Phalanx unabhängig von den Promachoi kämpft, weil ansonsten Promachoi als deren Kommandanten fungieren. Im vorliegenden Fall waren die achaischen Phalangen unabhängig von ihren Promachoi eingesetzt, nicht jedoch die trojanischen. Es gibt auch sonst nirgends im Epos einen von den Vorkämpfern unabhängigen Kampf der Phalangen und auch keine weitere Erwähnung eines Kommandanten der Infanterie. Alle diesbezüglichen Überlegungen müssen daher im Bereich der Spekulation bleiben. Die tiefgestaffelten trojanischen Kräfte ('toiaL b' an' 6cp0aAµwv vtcpo; axAuo;

OOEV A811VTJ... "EK'tOQ(Xbt cj>QaaaaV'tO ~T)V aya0ov

' ' X ' ,t.,.-' E'taLQOVc;, f)µEV uO'Ol µE't 6 7tl0'0 EV a'l'eO"taO'aV '

'

XV/ KaL 615 •

, S.., .(. , S..I OVvE µ"XOV'tO, f)v

0oijaLv) werden von Hektor öaaoL naqa VTJVO"iµax11v tµaxov'to nochmals unter Einsatz seiner eigenen Person nach vorne gerissen. Der Dichter beschreibt die Motivation beider Seiten fllr den folgenden Entscheidungskampf ('toiaL bt µaqvaµtvoLO"LV ob' t'jv v6o;' T)'tOLAxawi b' OUK ecpaaav cj>EV~Ea0aL t'.,n' EK KaKOU, aAA' oAEE0"0aL,TQWEO"LVµfYaAoLO"L KaL EYXEO"LV

aµq>LyooLaL).Dabei handelt es sich um das erste gesicherte Aufeinandertreffen der Phalangen, weil der Dichter ausdrücklich festhält, dass die Kämpfer nicht mehr auf Speerwurf und Pfeilschuss warten, sondern mit den Nabkampfwaffen aufeinander losgehen (ooo'

aQaTot

YE 'tO~WVaucac; aµq>lc; µtvov oub' E't' aKOV'tWV,aM' iyyv8Ev i.cnaµEVOLEva 0uµov EXOV'tEc; o~taL a~lvi;JO"L µaxov-ro

oi y'

bTJ1lEAiKEO"O"L KaL

KaL ~lq>EO"LVµfYaAOLO"L KaL fYXEO"lV

aµq>L"yoowL).Dieser Nahkampf stellt mit seiner Dramatik den Kulminationspunkt der gesamten Schlacht dar. Patroklos bittet Achilleus, in der Rüstung des Achilleus mit den Myrmidonen XVI/ in den Kampf zur Rettung der Schiffe eingreifen zu dürfen. Achilleus 130genebmigt es, macht jedoch zur Auflage, dass Patroklos nicht zur 198

75

Verfolgung der Trojaner übergehen dürfe (i:K VT')WV tAacrac;itvaL 'TtaALv

... µ11b' tnayaM6µt:voc; n0Atµ4->Kai bTJLO'IT)'tL Twac; tvaLQ6µt:voc; 7tQO'tLiALov T)Yt:µovt:unv). Patroklos nimmt die Waffen des Achilleus, wobei er auf die flir ihn zu schwere Lanze (iyxoc;) verzichtet und stattdessen nur die beiden Speere (b6Qu) nimmt. Achilleus ordnet inzwischen die myrmidonischen Kräfte. Diese sind in fllnf Gruppierungen (CJ'tLXt:c;) gegliedert. Automedon bereitet den Streitwagen des Achilleus flir Patroklos vor. Neben den beiden Hauptpferden wird noch ein Beipferd eingespannt. E'tl~ tritt deutlich als Terminus technicus flir eine bestimmte Formation auf. Es wird in byzantinischer Zeit flir den Einzelvers in der religiösen Lyrik verwendet. Dies würde die Übersetzung mit Reihe, Glied nahe legen. Eine Linie zu vier Glieder meint vier Reihen von Soldaten. N\lll benötigen solche Reihen keine Kommandanten, weil die gesamte Linie als Einheit arbeitet und nicht in horizontale, sondern höchstens in vertikale Unterordnungen geteilt wird. In den römischen Streitkräften wurden Glieder auf Kommando ausgetauscht, um dem Feind stets neue unverbrauchte Kämpfer gegenüberzustellen. Dies geschah jedoch auf Befehl oder Kommando des Kommandanten der gesamten Formation. Nichts Derartiges ist in der Bias zu entdecken. Eine Linie zu mehreren Gliedern wäre auch nicht mit Wellen zu beschreiben, weil eine solche Formation bereits aus geringer Entfernung als kompakte Einheit und nicht als Folge von Gliedern gesehen wird. Es handelt sich bei den Stichen offensichtlich um eine tiefgestaffelte Gefechtsform aus mehreren untergeordneten Gefechtsformen, die selbst wieder eine gewisse Tiefe aufweisen können. Die Führung solcher selbständiger Formationen durch eigene Kommandanten ist selbstverständlich notwendig, weil sie im Gegensatz zu den Gliedern einer Linie nach taktischen Gesichtspunkten eingesetzt werden. Die Myrmidonen treten hier wegen der Enge des Raumes in stärkerer Tiefenstaffelung auf, als in der offenen Feldschlacht. Achilleus motiviert die Myrmidonen. Diese rücken eng zusammen (wc; b' XVI/

Ö'tt: 'toixov CXVflQ CXQa:QlJ 7tUKLVOicrL A(0oLcrt bwµa'toc; inprJAoioß(ac;211, , .l. 1 , n • , 0.1. , , 216, avt:µwv LV\€€LVWV, wc; aQaQOV KOQUoec;'t€ KaL acrnwt:c; XVI/ {S.

76

6µaA6EO"O"al aanu; tXQ'aanib' EQE&bE, K6Qui;l«JQUV,O:VEQ(lb' O:VllQ"275lj,aüov b' lnn6KoµoL K6Qu8Ei;;AaµnQOiaL aAoLO"lvEu6v-rwv, &,). Die Aias gehen mit den Achaiern verzögernd kämpfend in Richtung Graben zurück (wc;TQWEc;Elo; µtv 6µ1Aabov aitv lnov'to aAA' ö-cE biJiAe>EwvQivac:;

KaKa EL\ETO fiaMac:; A8frVTJ. "EKTOQLµev yaQ E7t(}VT)O'aV µT]TLOONTL,fiouAubaµavn

b' a.Q' oö 'tLc:;&; ta8Ariv Qai;ETo

86

ßouAiJv.). Bei der Verfolgung werden wieder vorwiegend Streitwagen eingesetzt. Hektor bleibt in der Offensive, obwohl die Gefahr eines Eingreifens des Achilleus akut ist. Er würde auch persönlich einem Kampf mit diesem nicht ausweichen, zeigt daher angesichts des bekannten StlrlceverhAltnisses wieder Hybris. Die Stabilisierung der Lage nach der neuerlichen Flucht der Achaier wird hier auf zwei Faktoren zurückgeführt: Einerseits fllhren die beiden Aias wieder den bereits einmal (Vers Xl/544-595) dargestellten Verzögerungskampf, andererseits werden die Trojaner durch den von Iris im Auftrag Heras waffenlos auftretenden Achilleus abgeschreckt. Auch hier wird kein neues Beispiel fllr die Stabilisierung der Lage nach Flucht und Verfolgung eingeführt, sondern ein bereits dargestelltes, wobei das Eingreifen der Götter wohl den eigentlich stabilisierenden Faktor darstellt. Das Fortfllhren der Haupthandlung in die gewünschte Richtung erhält damit Vorrang vor der Vermittlung militärischer Erkenntnisse. Die Kampfhandlungen am dritten Kampftag werden auf einem wesentlich höheren Gewaltniveau ausgetragen, als die der vergangenen beiden Tage. Rituelle ZweikAmpfe und versöhnliche Szenen, wie die des persönlichen Friedensschlusses von Gastfreunden, fehlen. Die verAnderte Zielsetzung beider Parteien hat zu einer Eskalation der Gewalt geführt. Der Kulminationspunkt der gesamten viertAgigen Schlacht fällt in diesen Kampftag. Daher wird auch dem Konflikt zwischen trojanischer strategischer Zielsetzung und taktischer Umsetzung breiter Raum gewidmet. Die ausführlich dargestellten KAmpfe dieses Tages transportieren eine hohe Zahl taktisch relevanter Fallbeispiele: • •

AufklArung, Angriff in vier Varianten,



Abwehr eines feindlichen Sturmes,



Stabilisierung nach Flucht in fünf Varianten,

• •

Angriff gegen Sperren in fünf Varianten, Bereinigen eines Einbruches in einer zum ersten Kampftag alternativen Variante,



zwei alternative Führungsverfahren.

87

In zwei weiteren Fällen von Stabilisierung nach Flucht und Verfolgung steht die Fortflihrung der Haupthandlung im Vordergrund, die angewandten taktischen Nonnverfahren stellen Wiederholungen dar, die eigentliche Entscheidung fllllt durch göttliches Eingreifen.

3.6 Vierter Kampftag Am Morgen des 4.Kapftages versammeln sich die Achaier zum Kriegsrat. XIX/40-

Neben den Kämpfern kommen auch die Steuennänner der Schiffe 54 (KUJ3EQvi)-raL), die Verwaltungsleute (-raµuu) und die Essensverteiler (ahoLO botiiQE 1tEb{oLO ). Achilleus rüstet sich mit seinem Streitwagen. Die Aufstellung der Trojaner auf einem Hügel deutet eher auf defensive Kampfführung hin. Die Gliederung des ersten Kampftages könnte theoretisch wieder eingenommen worden sein. Bei den Achaiem könnte Achilleus auch den Ehrenplatz in der Mitte der achaischen Ordnung eingenommen haben. Der Dichter gibt keinerlei Hinweis.

88

Lykaon (Apollo) treibt den Aineias zum Kampf mit Achilleus. Aineias XX/259wirft den Speer, der aber den Schild des Achilleus nicht durchschlllgt. Die 329 Lanu des Achilleus durchschlllgt den Schild des Aineias, der diese aber durch Ducken venneiden kann. Achilleus greift mit dem Schwert an, worauf Aineias einen Stein als Waffe nimmt. Poseidon wirft ihn aber zu seinem eigenen Schutz auf einen trojanischen Flügel, wo sich die Kaukonen (vermutlich Teil des Kontingentes der Pelasger) gerade auf den Kampf vorbereiten (Aivda bdOTJ't' AQydwv 7t\JKLVOV A6xov·

34

ti yaQ AxLMtuc;

axepµtv inn-ra

tc;, tnt-rEMEv lKaO'tt;jCXQE'tt;J Ka-ra O't{xac;·tv b' Ayaµtµvwv {>11tav-rocj>aAayyac;KEKA6µEvoLt-raQOto"L

7tQW'tQOVfWV bwQLCTL Ka'ta'tQUXWKaL tbwbt;j Aaouc;,uµt'tt:QOVbt EKa'.CT'tOU 8uµov

at~w). Die Versorgung wird daher vom Dichter trotz geringer heroischer Ausstrahlung ausreichend beleuchtet, wobei offensichtlich nur der Rat des Idomeneus unter die vom Dichter beabsichtigte Belehrung des Zuhörers fällt. Die im Epos beschriebenen Maßnahmen würden die Versorgung der Kontingente über längere Zeiträume durchaus ermöglichen. Damit soll nicht den Griechen zur Zeit des Dichters die Fähigkeit zugesprochen werden, eine derartig umfangreiche überseeische Expedition zu organisieren, durchzuführen und die Versorgung sicherzustellen. Der Dichter skizziert lediglich mit wenigen Pinselstrichen die möglichen Maßnahmen zur Versorgung eines Heeres dieser Größenordnung, weist damit seine Kompetenz in allen militärisch relevanten Fragen nach und verleiht seinem Epos Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit seinen Zuhörern gegenüber.

7 Strategie Die strategische Zielsetzung beider Parteien wird vom Dichter klar herausgearbeitet Hektor definiert die der Trojaner in XII/243 als Verteidigung des Vaterlandes

(aµuvea8aL 7tEQi7tlX'tQT)c:;). Sie ist also klassisch defensiv. Agamemnon nimmt in 111/281-291 das Angebot Hektors nach einer möglichen Rückgabe der Helena und der geraubten Schätze als Ergebnis eines Zweikampfes an und fügt noch die Forderung nach einem Bußgeld hinzu (d bt x:' AAt~avbQa~Kal Tvbto; ai\1etµov ui.6v). Am Ende des dritten Kampftages bringt Pulydamas denselben Vorschlag, weil er den neuerlichen Einsatz

von Achilleus

fllrchtet (7tQWLb' u7n1oiot

aµ 0WQTJX0EV'tE~ O''tTJC16µe0'

1tVQYOV~·

'tCf'b' ai\yt0v,

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1

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t0EA1:JC1LV

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TQWEtc;a'.Qt')LiAwv i,7t' Axai.wv 7tQOTQ07tabf)voßEOVTO µtMLVCXWV arro VT]WV, aM' ET1 aQ' av8i.crrav-ro, "Ev8a b' aKtbacr8tlOT)c;vcrµi.VT]c;). VtWVb' vrr6n1eov Lilb' EVTtqa xaA1eoc;t)txr'·ö b' tv boALX60'1CLOV KOVLt;JO'l 7ttO'WVeAt yaüxv ayOO'TCf). lboµtvtuc; b' E,1(µtv VfKUOc; EYXDc;E0'7tCXO'aT', oub' aq' ET' a,.\,\a

l>tMlO'aTo Ttuxra

JCai\a wµouv

atAtcr8al' t1tdytTO yaQ ßtAEtO'O'LV. Ou yitQ ET' Eµ1tt5>ayuüx 7tobwv i')v 6Qµt')8EVTI,OUT'aQ' trrai.taL µt8' f.OVßiAoc; OUT'aAtacr8aL

TwQa lCaLtv

b' ou1eETL{>i.µa 1t6btc; EQOV t1e crrab(t;Jµtv aµuvrTo VT]Attc;i')µaQ TQEcrcraL

1t0Atµow). Die beiden Phalangen stehen in dieser Szene. Dies könnte man als Bedingung filr das Vorliegen des stehenden Kampfes annehmen. In XIII/712-716 erklärt der Dichter, warum die Lokrer nicht filr den stehenden Kampf geeignet seien (oub' aQ' OLAuxbt;J µtyaAtjTOQLAOKQOL E7tOVTO" ou yaq crL crrabi.t;Jvcrµi.Vt;J µi.µvt iAovKTJQ' ou yaq EXOVK6Qu8ac;xaAKtjqtac; lrr1tobacrti.ac;,ooo' EXOV

Kai. µtiALVa boüqa, aM' aqa T6toLGLVKai. f\)O'[Qtti acr1ti.bac;tt,1(1)1(,.\ouc;

122

oloc; awrc,.,).Die Phalangen müssen also über Schutzausrüstung und Waffen verfügen, die ein zumindest temporlres Stehen bleiben im feindlichen Feuer und die

ooµi'.VT)nicht mit dem Führung des Nahkampfes ermöglichen. Trotzdem darf cnabi'.t;1 Promachoskampf gleichgesetzt werden, weil die angeführten Bedingungen auch für den Fall eines Nahkampfes ganzer Phalangen außerhalb des Promachoskampfes zutreffen. E'tabi'.t;1 ooµi'.VT) meint also einen stationären Kampf in den Gefechtsformen, wobei örtlich begrenzte Vor- und Rückbewegungen vor allem der Vorkämpfer durchaus möglich sind 54 , KEbaa0dmi vaµi'.VT) hingegen den beweglichen Kampf nach weitgehender Auflösung der Gefechtsformen. In weiterer Folge werden die Gefechte nicht nach heute üblichen Kampfarten, sondern nach den in der Ilias genannten kategorisiert.

B.2 Kampffonnen Von den heutigen Kampfformen werden mehrere beschrieben, mit Masse jedoch ohne Zuweisung eines Terminus technicus: Der Gegenangriff wird in XI/ 70-180 breit entwickelt, wenn Agamemnon nach dem achaischen Rückzug bis in das Lager nach erfolgter Aufklärung am dritten Kampftag die Trojaner auf einer Höhenkuppe angreift und bis an deren Stadtmauer zurückdrängt. Für diese Kampfform liegt sogar mit nai\iw~u; ein Terminus technicus vor. Er wird einmal in XIl/71, 72 als Möglichkeit der Achaier von Pulydamas angesprochen, wobei es sich nach heutiger Definition dabei um einen möglichen Gegenstoß und nicht um einen Gegenangriff handelt. In XV/69-72 und XV/601, 602 wird der tatsächliche Gegenangriff der Myrmidonen unter Achilleus prophezeit. Gegenstöße finden immer wieder statt. Als klassisches Beispiel sei hier auf den begrenzt erfolgreichen, spontanen Gegenstoß des Diomedes in VIII/ 253-265 verwiesen. Eine Unterscheidung zum Gegenangriff macht der Dichter nicht, beide Kampfformen werden mit nai\iw~u; bezeichnet. Der Kampf um Sperren, wird in allen Details dargestellt. fachkundige Zuhörer erwarteten in einem Epos über die Belagerung und Eroberung von Troja natürlich 54

Latacz versteht in "Kampfj>arlnese" S.68 cn:abbJ ooµlvri als Kampf Mann gegen Mann, also vermutlich den Nahkampf. Wie es dasWort cn:ab{1J(W'trfµl) ausdrückt, soll hier eher dasstationlre Element im Vordergrund stehen. Im Gegensatz dazu stellt Kebao8dal') öoµ{vri das bewegliche Element dar, das zur Auflösung der Ordnung fllhrt. Gerade cn:ab(1J ooµ(vri kommt kaum kamptbeschreibend vor. Der Begriff soll in dieser Arbeit als Terminus technicus fllr Stehenden Kampf verwendet werden, obwohl seine Verwendung als solcher im Epos nicht wirklich beweisbar ist. Jedenfalls ist es kein Terminus technicus fllr den Nahkampf ganzer Phalangen, weil er in der einzigen kamptbeschreibenden Szene fllr einen typischen Promachoskampf steht.

123

Hinweise auf die Technik des Kampfes um Befestigungsanlagen. Dass dies nicht an Hand der Stadtmauer von Troja, sondern der Lagermauer der Achaier geschieht, resultiert aus dem vorgegebenen Handlungsablauf und beweist auf der anderen Seite das Genie des Dichters. Der Verfolgung wird ebenfalls breiter Raum gewidmet. An drei Beispielen zeigt der Dichter die Folgen nicht konsequent beendeter Verfolgung. Der Verzögerungskampf wird mehrmals geschildert, wie zum Beispiel in Xl/566-569

(Al'.ac;b' MAmE µtv µVT)aacncn:o0ovQlboc;MlCllc;aÖ'tu; U7tOO"tQEcj>0di:;, Kai cj>aAayyac; TQWWV i.nnobaµwv· o'tt bt 'tQW1tacncE'tocj>El'.rynv. EQ11WO"acncE

nav'tac; bt 1tQOEEQYE 0oac; E7tLvi)ac; OOEUELV). Hinterhalte werden mehrfach erwähnt, nie jedoch in den Kampfschilderungen explizit dargestellt. Sie dienen offensichtlich vorwiegend der Behinderung der feindlichen Versorgung, wie dies in XXIV/778-779 aufgezeigt wird (a~E'tE vüv TQWEc;~vi\a aO"tv bl, µT}bl n 0uµciJ bdmi't' Aqydwv nuKLvovi\6xov). Lediglich auf dem

von Hephaistos neu geschaffenen Schild des Achilleus wird ein Hinterhalt vorgefilhrt

(oi b' Ö'tEbiJ {i LKaVOV Ö0Lacj>unvdKE i\omaaL EV7tO'taµciJ,Ö0L'[ a(>bµl ßowv ayii\ac; Kai 7tWEa Kai\a o~ 811.Au'tEQaL bt yuvaiKE~ i:vi µEyavt:aKt:V,aMo-rt: b' tv nuµa-rm.ol Kt:At:uwv·näc; b' aQaxaAK4>). Wenn er in hinteren Reihen Befehle erteilt, könnte man auf Kräfte in der Tiefe schließen, die seinem Kommando unterstehen. Allerdings gibt es im Epos keine Stelle, in der ein Befehlshaber ein Kontingent aus der Tiefe in den Kampf einfuhrt. Lediglich in XIll/735-801 führt Hektor alle verfügbaren Kräfte im rechten Einbruchsraum zusammen, um dort die Entscheidung zu erzwingen. Dabei wird jedoch keine Heeresreserve angesprochen, sondern die Kräfte aus einem anderen Kampfraum abgezogen. Insgesamt nutzen die Befehlshaber ihre Reserven auffallend wenig. Der Grund dafür liegt wohl in den mangelnden Führungsmitteln und der Überlastung der Befehlshaber. Der Einsatz der Heeresreserven durch Kontingentskommandanten und sogar namenlose alte Krieger zeigt, dass klare Führungsstrukturen der Gesellschaft des Epos fremd sind. Die Postulierung des Grundsatzes der Einheit der Führung ist erst dem 20.Jahrhundert zu verdanken.

8.4.3 Phasen der Schlacht In der Ilias wird die Schlacht vom Dichter als Summe einzelner räumlich und zeitlich begrenzter Gefechte gesehen, wie dies auch heute üblich ist. An drei Stellen zeigt der Dichter, dass seine Lageschilderung im primär dargestellten Handlungsstrang nicht für das gesamte Schlachtfeld gültig ist: In IV/330-335 befinden sich die Kephalenen unter Odysseus noch in der Phase des Aufmarsches, während im Zentrum der Kampf bereits begonnen hat ( 7tO:Qbt

Kt: nO'taµ4> aAa bt 7lQOQEOV'tl aQci, µoQµUQOV'CC( ibwv, ava'[ el>Qaµ'07tlOO'W,wc;'[otf TubdbT)oißoEi'ox8ac; Ka7tE'toLOJ3a8dTJUQOU \J7t0 KLVT)aav,:oc; .•• W'; XQOO ciaaL)(Vers Xl/571-573), At:uKv truu,QEiv, tv yab;i W'tav-roALAat.6µt:vaXQOt:ma&rt:~)(Vers XVIl/373-375). Die Tiefe der Gefechtsform soll ihre Stabilität sicherstellen und den Ersatz ausgefallener Kämpfer der vordersten Linie ermöglichen. Dazu ist eine Ordnung in lineare Glieder nicht notwendig.

159

Nach Thukydides dient die geometrische Ordnung der klassischen Phalanx hauptsächlich der Disziplinierung der Kämpfer. Das Kämpfen ohne festgelegte Ordnung mit Vor- und Rücksprüngen und der Vermeidung des Nahkampfes wird als Merkmal barbarischer Kampfweise beschrieben und als Gegensatz dazu das Festhalten des zugewiesenen Platzes in der Gefechtsform auch unter Feinddruck als Ideal der Hopliten aufgebaut75• Disziplin soll also die individuell verschiedene Kampfmoral auf dieselbe Höhe anheben. Thukydides stellt hier die beiden unterschiedlichen Kampfweisen als klarem Gegensatz zueinander. Die Beschreibung der Kämpfe in der Ilias ist mit ihrer hohen Beweglichkeit der Kämpfer innerhalb der Phalanx wohl eindeutig mit der von Thukydides beschriebenen barbarischen Kampfweise zu identifizieren. Jedenfalls ist in der Ilias das Festhalten des zugewiesenen Platzes in der Schlachtordnung nirgends als Zielvorstellung formuliert, die Beweglichkeit der Kämpfer innerhalb der Formation geradezu das Merkmal der homerischen Kampfweise. Die Aufrechterhaltung einer festen Ordnung erfordert stlindiges Einwirken der Kommandanten, was angesichts der Mehrfachrolle der Kommandanten in der Ilias nicht möglich erscheint. Die feste Ordnung würde im Gefecht also rasch verfallen, eine derartige Ordnung vor dem Gefecht wäre dann aber im Gefecht nicht mehr besonders relevant. Für den Historiker mag die Frage im Hinblick auf den Übergang zur Hoplitenphalanx von Bedeutung sein. Im Epos gibt es jedenfalls keinerlei konkreten Hinweis auf geometrisch geordnete Phalangen 76 •

75

Thukydides legt diese Ansicht dem spartanischen Feldherrn Brasidas anllsslich eines Zuges gegen die Lynkesten in den Mund. (IV/126) 76 Wenn Latacz in "Kampfparlnese" S.SS das Wellengleichnis als Beleg fllr eine lineare Gliederung und Tiefenstaffelung innerhalb der Phalanx sehen will, so übersieht er, dass die zitierten Stelle in IV/422-429 sowohl das Auftreffen mehrerer linearer Glieder, als auch das mehrerer 1!,,.ava1i,w aufeinanderfolgender tiefgestaffelter Fonnationen beschreiben kann. (~ tOt' ~• idwvto cpa>.ayyaj.Die tiefgestaffelte Phalanx bildet dann eine Welle, die dahinter folgenden die nächsten, was am einfachsten mit cmxec; übersetzt werden könnte, womit auch die Übereinstimmung mit den modernen Gefechtsfonnen gegeben wllre. In der zweiten Szene in XIll/795-80 I, die Latacz als kürzeste und plastischste Darstellung einer Phalanx sehen will, kommt das Wort Phalanx allerdings nicht vor. Es könnte sich genauso gut um Stichen, also mehrere Phalangen hintereinander handeln. Auch das Mauergleichnis kann nicht als Nachweis fllr die lineare Gliederung innerhalb der Phalangen gesehen werden, weil einerseits Mauem nicht zwangsweise aus gleichmilßigen Reihen von Steinen bestehen müssen und andererseits die Dani im Gefecht auch dicht geschlossene Fonnationen bilden, die von der Feindseite wie Mauem aussehen jedoch nicht aus geometrischen Gliedern bestehen. Im Übrigen sind weitere wichtige Aspekte einer Mauer ihre Unbeweglichkeit und ihr grundsätzlich defensiver Charakter. Sollen wir der Methode von Latacz folgend der Phalanx auch diese Merkmale zuordnen? Das Ordnen der Krlfte in IU446, wie es nach Heilmann "Schlachtszenen" S.62 als Nachweis fllr die lineare Ordnung innerhalb der Phalangen gesehen wird, überzeugt ebenfalls nicht, weil einerseits der Bergriff Phalanx in der zitierten Stelle nicht vorkommt und andererseits die Kommandanten wohl mit der Aufstellung ihres Kontingentes innerhalb der Schlachtordnung und der Einnallme der Gefechtsfonnen des Kontingentes genügend Ordnungsaufgaben zu erfllllen haben. Alle drei als Belege

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Das Hauptargument gegen den Einsatz des einzelnen Streitwagens aus der Phalanx heraus, wie er im Epos hlufig beschrieben wird, bildet die mangelnde Kompatibilität mit der als Leitbild angenommenen Vorstellung von der klassischen Phalanx. Mit Übernahme der Formationder Dani als Leitbild fllr die Phalanx des Epos löst sich auch dieser Widerspruch. Einzelne Streitwagen können problemlos durch diese Phalanx nach vorne und nach dem Waffeneinsatz wieder hinter die schützende Deckung zurück springen, wie dies häufig im Epos beschrieben wird. Bei der Durchquerung der Phalanx von hinten genügt ein akustisches Signal an die KAmpfer der Phalanx, um unbeabsichtigte Zusammenstösse mit diesen zu vermeiden. Die seitliche Beweglichkeit der KAmpfer ermöglicht dasjederzeitige Öffnen und Schlie8en von Gassen fllr den Streitwagen. Auch zwischen den einzelnen Phalangen gibt es Rawn fllr Vor- und Rücksprung der Streitwagen. Der beim Kontingent von Pylos beschriebene Einsatz der Streitwagen vor den Phalangen bildet die Ausnahme, wird daher vom Dichter explizit dargestellt und entspricht auch nicht mehr dem state of the art im Streitwageneinsatz, wie in Kapitel 9.2.3 noch darzustellen sein wird. Um die Frage zu klaren, welche Form des Kampfes dem Dichter bei der Konzeption des Epos vor Augen gestanden ist, wurden sämtliche Zweikämpfe namentlich genannter Klmpfer des Epos auf den Waffeneinsatz hin überprüft. Nur klar zuordenbareWaffeneinsAtze, wie abgeschossene oder geworfene Waffen, sowie andererseitsTötung oder Verletzung durch Hieb oderStich, wurden gewertet, Einsitze, die nur durch das Verbum, wie zum Beispiel omal,;nv, ttEva(Qnv,

rcAt']ooEtV

beschrieben sind, wurden nicht berücksichtigt.

angefllhrten Zitate k&men die lineare Form der Glieder nicht nachweisen, weil sie auch fllr die Gefecbtsform der Dani zutreffen, die eindeutig keine lineare Gliederung kennt.

161

Eingesetzte Waffen

7% 19%

74% ■

Wurf- und Schusswaffen

• Hieb- und Stichwaffen "" Beides alternierend

Abb.19: Waffeneinsatz der 220 Zweikämpfe der Bias Der Wurfkampf dominiert gegenüber dem Nahkampf mit Hieb- und Stichwaffen klar im Verhältnis 4:1. Daraus kann abgeleitet werden, dass dem Dichter ein überwiegender Wurfkampf analog zu dem der Dani vor Augen gestanden hat. Die Nahkämpfe mit Hieb- und Stichwaffen werden mit Masse als Duelle der Promachoi im Zwischenraum zwischen den Phalangen geführt. Für den Wurfkampf eignet sich die offene Formation der Dani mit ihren großen Abständen und der hohen Beweglichkeit der Kämpfer innerhalb der Gefechtsform wesentlich besser als die der klassischen Hoplitenphalanx. Alle im Epos beschriebenen Eigenschaften des Kampfes, wie der Promachoskampf mit Vor- und Rücksprung, der Kampf um Leichen in der Zone feindlicher Waffenwirkung, die Beweglichkeit der Kräfte innerhalb der Schlachtordnung während des Kampfes stützen diese Annahme. Es wird also in weiterer Folge davon ausgegangen, dass unter dem Begriff Phalanx eine offene Formation von Kämpfern ohne geometrische Ordnung nach dem Beispiel der Dani zu verstehen ist. Damit wird auch die Vorstellung von Stichen deren lineare Glieder durch jeweils eine Phalanx gebildet werden, unhaltbar, weil keine geometrisch geordneten Glieder zu erwarten sind. Hintere Phalangen, wie sie im Epos mehrfach genannt werden, sind also nicht die hinteren Glieder einer geschlossenen Formation, sondern Kräfte in der Tiefe, also Reserven auf allen Hierarchieebenen, ohne die eine aktive und/oder reaktive Beeinflussung des Gefechts und der Schlacht und damit eine erfolgreiche Kampfführung ausgeschlossen wäre. Erst dann sind sie als taktische Grundelemente

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anzusprechen, weil sie auch andere taktische Aufgaben übernehmen können, als die in vorderster Linie kämpfenden Phalangen. Es wäre nun die Frage zu klären, welchen Gliederungselementen die Phalangen zuzuordnen sind. Wie in Kapitel 9.1.1.1 erläutert, wäre die Phyle das kleinste Gliederungselement, das eine Stix bildet. Für die Phalangen bliebe dann die Ebene der Stadt, des Familienverbandes, Clans, Oikos oder möglicherweise der Phratrie. Wenn die fünf Stichen der Myrmidonen aus je zehn Schiffsbesatzungen bestehen, so könnte jede Schiffsbesatzung eine Phalanx bilden, wenn die Phalanx in der Hierarchie eine Stufe unter der Stix steht. Die Phalanx würde dann je nach Schiffsgröße aus 50-120 Mann bestehen. Ihre Größe ist damit durchaus dem Familienverband, Clan oder Oikos angemessen. Die Phalanx ist also die Gefechtsfonn der ureigensten Kräfte des Promachos, die er als Deckung nutzt, die ihm Schutz bei Verwundung und Sicherstellung der Bestattung im Falle des Todes bietet. Mit ihr verlässt er das Schlachtfeld, ohne eine größere Lücke zu öffnen, die filr das Gefüge der Schlachtordnung destabilisierend wäre. Der Abstand der Kämpfer innerhalb der Phalanx ist sicher nicht als normiert anzusehen 77 • Er ergibt sich aus dem notwendigen Platz filr die ungehinderte Handhabung der großen Schilde, filr den Vor- und Rücksprung der Promachoi und filr das Ausweichen heranfliegender Speere. Das Zusammenrücken der Kräfte in bestimmten taktischen Lagen weist auch nach, dass die Phalangen im Regelfall lockererstehen. Das Mauergleichnis in XVl/211-217 kann nicht als Beweis gegen diese Seitenabstände gewertet werden, weil es eine absichtlich zusammengerückte Sonderform der Phalanx darstellt, wie sie in besonderen Situationen angewandt wird. Bei einer Tiefe von drei bis fünf Mann und einem angenommenen Platzbedarf von rund 2,5 Meter je Mann 78 wäre die Phalanx dann etwa 25-35 Meter breit.

n Allgemeingültige Normabstlnde kann es fllr das gesamte Heer gemllß Kapitel 2.2 wohl nicht ~egeben haben. 8 Van Wees gibt in „Greek Warfare" S.169 den Normabstand in einer griechischen Phalanx vor dem Zusammenschluss mit 6 Fuß und nach dem Zusammenschluss mit 3 Fuß an. Die Bilder von den Klmpfen der Dani zeigen größere Abstinde, wobei in diesem Fall nicht von Normabstinden ausgegangen werden kann. Sie halten einfach einfach einen Abstand zwischen den KAmpfem, der ein Ausweichen anfliegender Geschosse ermöglicht. Hier wird von einem durchschnittlichen seitlichen Platzbcdarfvon etwa 2,Sm ausgegangen.

163

2x Einsatzschussweite der dominanten Waffensysteme= -4o-60 Meter, In der Regel wesentlich geringer Abb.20: Ausmaß und Abstände der Phalangen Diese ganz grobe Abschätzung der Ausmaße der Phalanx zeigt klar, dass das Ausscheiden einer derartigen Phalanx aus der Schlachtordnungkeine Lücke hinterlässt, die durch das ,,Feuer'' der Speere nicht bis zum Eintreffen von Reserven aus der Tiefe überwacht werden könnte. Das Zusammenrücken der Phalangen wird in XIIl/129-135 während des Gefechtes zur Abwehr eines feindlichen Sturmes und einmal in XVl/209-217 beim Aufinarsch der myrmidonischen Kräfte zum Gegenangriff beschrieben. Der Dichter vergleicht diese Formation mit einer festgefügten Mauer. Während es in der ersten zitierten Stelle um eine taktische Maßnahme im Gefecht handelt, folgt in der zweiten ein Vorgehen vor dem eigentlichen Gefecht, das der Dichter mit einem Schwarm Wespen vergleicht, das ioLK6'tE~ also nicht mehr in dieser kompakten Form erfolgt (ambca bt atj1eeacnv

itextov'to) (Vers XVl/259)79 •

79

Van Wees hat bereits in „Greek Warfare" die dichte Aufstellung vor dem Angriff und das Ausschwärmen beim Vorgehen mit dem Vorgehen der Dani in Neuguinea verglichen .. Dieser Vergleich überzeugt im Gegensatz zu Latacz Hypothese, weil er mit dem im Epos geschilderten Ablauf und den vom Dichter verwendeten Gleichnis besser kompatibel ist.

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Abb.21: Formation der Dani vor dem Vorgehen gegen die feindliche Schlachtordnung Das Mauergleichnis setzt nicht zwingend eine geometrisch geordnete Formation voraus, wie es das Beispiel der Dani verdeutlicht. Beim Vorgehen löst sich die enge Gefechtsform auf.

Abb.22: Vorgehen der Kämpfer gegen die feindliche Schlachtordnung

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Der Vergleich mit einem Wespenschwarm deckt sich sehr gut mit dem Bild vorgehender Stammeskämpfer der Dani. In diesem Fall hat dasZusammenrücken der Kämpfer keine unmittelbare taktische Zielsetzung, weil es beim Vorgehen sofort aufgegeben wird. Im Gefecht werden wieder die normalen Abstände eingenommen. Es scheint sich beim Zusammenrücken der Gefechtsfonn in diesem Fall nur um eine kollektive Drohgebärde zu handeln. Es droht einen Sturm durch die Zone feindlicher Waffenwirkung auf Nahkampfentfernung an. Im Falle des Gegenangriffes der Myrmidonen scheint diese auch Erfolg zu haben. Nach einem einzigen Waffeneinsatz des Patroklos gehen die trojanischen Kräfte weitgehend kampfloses zwilck, die Handlung springt sofort wieder in den Kampfraum bei den Schiffen. Ein derartig massiver Stoß durch ein gesamtes Kontingent in die Flanke der trojanischen Angriffskräfte muss wohl zwangsweise ein rasches Zurückgehen der getroffenen Kräfte auslösen. Die Schlachtordnung der Streitkräfte der Konfliktparteien des Epos sollte man sich also nicht als eine dichtgeschlossene Linie mit mehreren Gliedern Tiefe vorstellen. Eine Truppe, die in Linie zu mehreren Gliedern aufgestellt ist, gleicht keinesfalls den heranrollenden Wellen des Meeres, wie dies der Dichter in einem seiner Vergleiche schildert, weil diese Truppe bereits aus einer geringen Entfernung als geschlossener Block gesehen wird. Das Auge ist nicht mehr in der Lage, die eng stehenden Glieder als mehrere Linien hintereinander wahrzunehmen. Mehrere derartige Blöcke hintereinander mit den entsprechenden Tiefenabständen werden hingegen sehr wohl als Wellen gesehen. Wenn das Kontingent von Orchomenos hinter dem der Boioter aufgestellt wird und jedes territoriale Kontingent selbst aus mindestens zwei Reihen von Phalangen besteht, dann verfilgt die Schlachtordnung zwei Stichen mit mindestens vier Reihen von Phalangen hintereinander, wobei die Zahl der Phalangen in den hinteren Reihen kontinuierlich abnehmen sollte, weil der Einsatz von starken Kräften in der Tiefe unökonomisch erscheint. Heute wird als grober Anhalt rund ein Drittel der Kräfte jedes Gliederungselementes in der Tiefe eingesetzt.

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Abb.23: Mögliches Aussehen der Gefechtsform eines kleineren Kontingentes

166

Das Gleichnis stellt also nicht die Tiefenstaffehmg der Phalanx, sondern die der Gefechtsform einer höheren Ebene, also die der Stieben dar, die Phalangen bilden in ihm die einzelnen Wellen. Dies ist selbstverstAndlich mit dem Wellen ebenso, wenn nicht besser vergleichbar, wie die Konstruktion linearer Glieder ~ b' ö-r'

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1

aiyuxA4> noAUT)XEL icüµa 8aMe1011c; OQVU't tnaaOVtEQOV ZEQa µtv i')w,; f!VKai attE'tO LEQOV fjµaQ, 'tcxj>QaµaA' aµo'ttQWV l3tAE'fjn'tE'tO,nin'tE bt Aa6QVtwv t(3E(3TJKEL .. nQ6a0Ev b' EXEVaanlba miv'too' tlOT)v MT)QWVT)aµaQ'tE, Ka't 1

1

aanlba mivtoa' f.LOT)V 'taUQELT)V" 'tf)c;b' oü 'tl bLiJAaaEV,aMa noAu 7tQlVtv KaVACfl

f.llYT)boALXOV MQu· ~T)Lq>oßoavEt xal 0

aMouc; AQYdouc;i1etAEuo-aaAt')µEvaLivl>al>Enav-rac;). Der Promachoskampf stellt eine deutlich unterschiedliche Entwicklungsstufe gegenüber der Hoplitenphalanx der klassischen Zeit dar. Hervorstechendste Merkmale sind das Überwiegen des Wurfkampfes und die Betonung der individuellen Kampfleistung im Gegensatz zur Leistung des Kollektivs der Hoplitenphalanx und der Dominanz der Hieb- und Stichwaffen im Kampf der Hopliten. Die Hoplitentaktik macht die Annäherung an die Phalanx des Gegners und den Übergang zum Nahkampf der Phalangen ohne vorangegangenen Wurfkampf aus der Phalanx heraus zur Regel. Im Promachoskampf kommt es nur in Ausnahmesituationen zum Nahkampf der Phalangen. Jeder Versuch, den Promachoskampf als Nahkampf gesamter Formationen zu sehen, macht Hilfskonstruktionen über die Erzähltechnik des Dichters notwendig, und kann aus militärischer Sicht nicht überzeugen, weil er in sich widersprüchlich bleibt und grundlegende militärische Erfahrungen nicht berücksichtigt. Die Auflösung einiger Widersprüche durch die dargestellte Sicht des Promachoskampfes wurde in Kapitel 3.1 bereits aufgezeigt. Das Unverständnis heutiger Analysten gegenüber dem Promachoskampf zeigt auf der anderen Seite, dass das Verständnis dieser Gefechtstechnik zur Zeit der Entstehung der Dichtung Allgemeingut gewesen sein muss, sonst wäre der Dichter gezwungen gewesen, eme weitgehend widerspruchsfreie Erklärung der dargestellten Gefechtstechnik zu geben. Diese hätten ohne ,,historische" Vorkenntnisse dieselben Verständnisprobleme gehabt, wie heutige Analysten.

9.1.3 Promachoskampf gegen Kampf der Phalanx Die Frage, welchen Stellenwert der Promachoskampf im Vergleich zum Kampf der Massen einnimmt, war bisher Thema unzähliger Auseinandersetzungen. Vorerst wäre einmal der Begriff Massenkampf zu definieren. Der geschlossene Kampf beider Schlachtordnungen kann nicht als Massenkampf gesehen werden, weil es ihn nicht gibt. Die Kräfte in der Tiefe stünden vor ihrem Einsatz jedenfalls nicht im Kampf. Auch die hinteren Kämpfer in der Phalanx stehen meist nicht im direkten Kampf, weil sie ihre Waffen noch nicht einsetzen, sondern auf ihren Einsatz warten. Wie die Szene XVIl/365-375 zeigt, wird über die gesamte Breite des Schlachtfeldes in völlig unterschiedlicher Intensität gekämpft. Flucht und Verfolgung sind die einzigen Aktionsarten, die über die gesamte Schlachtordnung Gültigkeit haben, weil ein

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Durchbruch an einer Stelle die gesamte Schlachtordnung zum Einsturz bringen muss, wenn er nicht durch Reserven rechtzeitig abgeriegelt und bereinigt werden kann. Ein Massenkampf müsste daher eine räumlich begrenzte Erscheinung sein, deren Ausdehnung einmal zu definieren wäre. Gemeint ist wohl der räumlich begrenzte Kampf ganzer Phalangen gegeneinander einschließlich ihrer Promachoi. Weiters wäre der Begriff ,,Kampf' zu definieren. Wenn er ganz allgemein den Gebrauch von Waffen meint, dann kämpft selbstverständlich auch der einfache Deckungsinfanterist der Phalanx im Promachoskampf, wenn er auf den Vorsprung eines feindlichen Promachos mit Speerwurf reagiert, auf den Ausfall eines von zwei sich duellierenden Promachoi wartet, um dann in Aktion zu treten, oder auch nur mit seinen Waffen eine abschreckende Wirkung auf gegnerische Promachoi ausübt. Promachos und Deckungsinfanterist kämpfen dann zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Der Promachoskampf wäre dann ein Massenkampf, ohne allerdings die räumliche Begrenztheit zu berücksichtigen, weil die Masse der Kämpfer an ihm in irgendeiner Form beteiligt isl Wenn allerdings unter Kampf nur das fechten in Form von Stoß und Parade Auge in Auge mit dem Gegner gemeint ist, lässt sich damit überhaupt kein widerspruchsfreies Bild des Kampfes im Epos mehr ableiten, weil dies Nahkampf voraussetzt und der Nahkampf ganzer Phalangen im Epos nur einmal explizit dargestellt wird. Statt dem nicht präzise definierten ,,Massenkampf' sollte also der Begriff ,,Nahkampf der Phalangen" verwendet werden, wobei die Definition des Nahkampfes in Kapitel 9.1.4.1 besprochen wird Im dargestellten Promachoskampf kämpft also auch die Deckungsinfanterie, der Kampfwert der Phalanx wird jedoch hauptsächlich von den Promachoi bestimmt. Der behauptete Gegensatz Einzel- gegen Massenkampf löst sich auf, weil Promachoi und Deckungsinfanterie gemeinsam kämpfen, auch wenn sie räumlich nicht immer eng beisammen stehen und ihre Wirkung ungleich ist.

9.1.4 Nahkampf

9.1.4.1 Definition Vorerst gilt es zu klären, was der Dichter unter Nahkampf versteht. Der Begriff Nahk!lmpfer (ayxt.µaXTJ'tal) wird im Epos häufig verwendet, allerdings immer in derselben Phrase TQWec;Kat

AuKLOL

Kat MQbavot

ayxtµaX11'taL Für eine

weitergehende Untersuchung eignet sie sich nicht. Bemerkenswert ist, dass O'tab(lJ

uaµ(vri beziehungsweise au'toO'tab(lJ neben dem stationären Kampf auch den Nahkampf bedeuten kann. Nachdem der Begriff im Gegensatz zu KebaaBdari

173

ooµ{VT)zu stehen scheint und wohl meist wirklich das Stationäre des Kampfes ausgedrilckt werden soll, kann er als Nachweis fiir einen Nahkampf in weiterer Folge nicht verwendet werden.

Au-rooxeb'

AA1ea66ciJau-rooxebov 6QµiJ6TJaav... Oi b' aµcj>' AA1ea66ciJamoox.eoov Qµt'J6TJcrav... Aivdac; bi: 7t(?W'[Oc; a1e6v-r1.aevlboµevt;oc;· aM' ö µi:v av-ra ibwv iJAeua-ro xaA1eeoviyxoc;, aixµri b' Aivdao JCQabaLvoµtVT) 1ea-rayah1c;

4>xe-r',tnd

(i äi\wv a-rl{3a(lijc;ano xeLQ6TJ, tnl b' ovQiaxoc; neAeµ{x6TJiyxeoc;· iv6a b' inn-r' acj>{nµtvoc; ...). Die ößQLµoc;AQTJc;.1ea{ vu 1ee bT) tLcj>eeaa' au-roox.eb(x

µM' EYXQtµ8d~·ot b' av-rwt ulEi; Ax,a&.WVvoooov-rEi; ~upEo(v

'tE

Kal

EYXECJlV aµty\JOlCJlV woav ano odwv·ö bt x.aaaaµEVoc; 7tEAEµ(x.8T)) (Vers Xlll/136-148). Die Trojaner scheinen zumindest auf Nahkampfentfemung herangekommen zu sein, sind aber für einen solchen bereits zu schwach, weil die Achaier ihre Phalanx verdichten und alle verfilgbaren Reserven einsetzen. Die personelle Überlegenheit des Angreifers als Voraussetzung für einen erfolgreichen 16

Latacz sieht im ZusammcnrOcken eine Sonderform der Phalanx, die hauptsllchlich in der

Vcrteidigwigangewandtwird. Er nennt ihn Synaspismos und halt ihn fllr eine Fr1lhfonn des makcdonischen Synaspismos. Das ZusammcnrOcken der Krilfte ergibt sich aus der Erfahrung, dass personelle Überlegenheit den Nahkampf entscheidet. Sowohl Angreifer als auch Verteidiger müssen daher versuchen, im Falle eines Sturmes rlumlich begrenzt eine möglichst dichte Formation zu bilden. Nachdem das Zusammenr1lcken auf den Flanken der Formation Lücken aufreißt, ist in der Regel wohl die Einfllhrung von Reserven aus der Tiefe in die Gefcchtsform notwendig. Ein normiertes Verhalten mit feststehenden Abstanden sollte jedoch nicht erwartet werden, weil die Voraussetzungen fllr militlrische Normen in den Streitkräften des Epos nicht gegeben sind, wie dies in Kapitel 2.2 dargestellt wurde. Außerdem widerspricht es dem Gleichnis des zum Angriff schwirrenden Wespenschwarmes in der als Beleg hauptslchlich verwendeten Szene des Angriffes der Mynnidonen unter Patroklos.

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Stunn und nachfolgenden Nahkampf ist also nicht sichergestellt. Es folgt wieder ein typischer Promachoskampf, was das Auseinandergehen der Phalangen auf Speerwurf distanz voraussetzt. Im zweiten Fall folgt keinerlei Kampfschilderung für den myrrnidonischen Flankenstoß unter Patroklos, die Handlung springt sofort auf den Bereich des frontalen Kampfes, in dem typischer Promachoskampf geschildert wird. In der räumlichen Enge des Lagers wäre eine dichtgedrängte Formation von mehreren hundert Mann nicht geordnet zu bewegen. Im zweiten Fall verfolgt das Zusammenrücken also nicht unbedingt die Zielsetzung, einen Nahkampf zu suchen. Vielmehr droht es den Nahkampf nur an, um dem Gegner eine entsprechende Flankenbedrohung zu signalisieren und ihn damit zum Rückzug aus dem achaischen Lager zu zwingen. Es stellt also eine kollektive Drohgebärde dar und findet damit eine auffallende Parallele zur Drohgebärde der Dani im Film ,,Dead Birds". Eine weitere Parallele ist im darauffolgenden Vorgehen der Dani zu sehen, das am besten mit dem Wespengleichnis, mit dem der Dichter an dieser Stelle das Vorgehen der Myrrnidonen illustriert, zu beschreiben wäre. Bei den Dani folgt dem Vorgehen kein Nahkampf, in der angeführten Szene der Ilias offensichtlich ebenfalls nicht. Tatsächlich kommt in der Ilias nur ein gesichertes Aufeinandertreffen der Phalangen im Nahkampf vor 87 , das der Dichter auch ausdrücklich in Gegensatz zum sonst XV/707-746 am dominierenden Promachoskampf stellt. Dies geschieht Kulminationspunkt der Schlacht, an dem den Achaiern die Möglichkeit ihrer Vernichtung, den Trojanern die endgültige Rettung der Stadt vor Augen stehen ('toio't

bt µaQvaµtvowtv

öb' fJv v6o;· T)'tot Axawl

oux tcj>aaav q>€U~€a8at im:' tx

xaxoü, aM' EO'taaav €Vl1tQTJC7ElV 1C'C€VEElV tiQWac; Axawuc;. Ol µt.v '[Cl q>QOVEOV'CEECTLV µt:yaAoLCTL KaL ixov-rt:c;O~ECTL (Vers XV/708-712). Der Dichter weist ausdrücklich iyxt:aLv aµcj>LyooLCTL) daraufhin, dass die Kämpfer nicht mehr auf Speerwurf und Pfeilschuss warten, sondern mit Nahkampfwaffen die Entscheidung suchen. Im Gegensatz zur Szene XIll/130-133 nimmt der Dichter in dieser Szene die Spannung nicht zurück, sondern weist mit der betonten Darstellung des Nahkampfes den Zuhörer auf den Höhepunkt der Kampfhandlungen, also den Kulminationspunkt hin. Die gesamte Szene zeigt wohl am besten die militärische Kompetenz des Dichters. Hier möchte man ihm selbst Kampferfahrung zubilligen, weil es sich bei den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Sturm nicht mehr um handwerkliche Kenntnisse handelt, die man im Zuge seiner militärischen Ausbildung erwirbt Die Szene könnte nach erfolgter Abstraktion auch heute noch als Grundlage für einen Unterricht in infanteristischer Gefechtstechnik dienen und würde dem Taktiklehrer mehr als nur Lehrbuchweisheit bescheinigen. 11

Latacz hat das Problem des Sturmes erkannt. wenn er in "Kampfparlnese" S.126-129 das VorrOcken in den feindlichen Geschosshagel als höchst riskant beschreibt. Er glaubt jedoch, dass jeder Vorsprung eines Promachos die hinter ihm stehende Phalanx zum Sturm mitreisen soll. Der Entschluss zum Sturm flllt jedoch auf höherer Hierarchieebene und erfordert ganz gezielte Vorbereitung durch die Kommandanten. Genau diese werden in dieser Szene beschrieben und sonst nirgends.

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9.1.4.3 Folgerungen Der Begriff Nahkampf kann einzelne Promachoi, Kleingruppen und ganze Phalangen betreffen. Wenn im Epos CJ'tabbJ uaµ(VT] beziehungsweise amoCJ'tab(t;J kampfbeschreibend vorkommen, muss der Rahmen, in dem sie verwendet werden, überprüft werden. Nahkämpfe zwischen einzelnen oder Kleingruppen von Promachoi finden sowohl im Stehenden, als auch im Aufgelösten Kampf statt, stellen keine Besonderheit dar und haben kaum Auswirkungen auf die taktische Lage. Der ,,Massennahkampf' ist als Definition zu wenig scharf. Er sollte durch den Nahkampf der Phalangen ersetzt werden. Damit wird er auch von der Ebene der Schlacht auf die des Gefechtes verschoben. Auf der Ebene der Schlacht gibt es mit Ausnahme Flucht/Verfolgung keine allen Kräften gemeinsame Aktionsarten, weil bei der geschilderten Breite der Schlachtordnung nur ein neuer Entschluss des Befehlshabers, ein erfolgter Durchbruch oder eine erfolgreiche Umfassung eines Flügels die Lage bei allen Kräften in eine Richtung hin grundlegend verändern kann. Nachdem zur Erzielung einer Entscheidung im Gefecht der Nahkampf der Phalangen nicht notwendig ist, die Mehrzahl der Entscheidungen sogar eindeutig im Promachoskampf flUlt,besteht keine Notwendigkeit, an den Übergangstellen zwischen Aktionsarten/Kampfformen/Kampfarten eine Phase des Nahkampfes ganzer Phalangen zu suchen oder zu konstruieren. Der Nahkampf der Phalangen setzt die Überwindung der Zone feindlicher Waffenwirkung voraus, was nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich erscheint. Der Sturm unter feindlicher Waffenwirkung findet im Krieg selten statt, wird daher vom Dichter fllr den Höhepunkt der Kampfhandlungen, den Kulminationspunkt auf gespart. Hier beschreibt er explizit das Vorliegen aller Voraussetzungen, den Verzicht auf den Promachoskampfes und den Nahkampf mit den dafür notwendigen Waffen. Im vorliegenden Fall bringt er keine Entscheidung zu Gunsten des Angreifers, weil der Handlungsstrang dies nicht erlaubt. Daraus abzuleiten, dass der Dichter ihn fllr wenig wirksam zur Herbeiffihrung einer Entscheidung hält, ist daher nicht zulässig. Die Fortführung der Handlung des Epos hat selbstverständlich Priorität vor der Weitergabe militärischer Erkenntnisse.

9.2 Streitwagen 9.2.1 Grundsätzliche Einwände gegen die dargestellte Gefechtstechnik

Bisher wurden von modernen Analysten hauptsächlich folgende Einwände gegen die im Epos geschilderte Gefechtstechnik der Streitwagen vorgebracht und als Begründung gegen deren Realismus verwendet:

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Der vielfach dargestellte Einsatz einzelner Streitwagen aus der Phalanx heraus sei mit dieser nicht kompatibel, weil deren Ordnung und Geschlossenheit keinen Raum fllr die Bewegungvon Streitwagen in ihr und aus ihr zulasse.



Das häufige Absitzen der Streitwagenklmpfer im Kampf degradiere den Streitwagen zu einem reinen Transportfahrzeug Wld nehme ihm daher seinen Sinn als Kampffabrzeug.

Speer oder Lanze seien fllr den aufgesessenen Streitwagenklmpfer Wlgeeignete Waffen, einzigsinnvolle Waffe fllr den Kampf vom Streitwagen sei der Bogen. Wie in Kapitel 9.1.3 dargestellt, beruht die scheinbar mangelnde Kompatibilität des Streitwagens mit der Phalanx lediglich auf dem Leitbild der Hoplitenphalanx. Mit Übergang auf das fllr den Wurfkampf optimierte Bild der Phalanx fllllt dieses Argument in sich zusammen. Den beiden anderen Argumenten sei der Bericht Caesars Oberden Streitwageneinsatz der britannischen Gallier aus ,,De bello gallico•• 4/33 entgegengehalten (Genus hoc est •

ex essedis pugnae. Primo per omnes partes perequitant et tela coiciunt atque ipso te"ore equorum et strepitu rotarum ordines p/erumque perturbant, et cum se inter equitum turmas insinuaverunt, ex essedis desiliunt et pedibus proeliantur. Aurigae interim paulatim ex proelio excedunt atque ita currus conlocant ut, si il/i a multitudine hostium premantur, expeditum ad suos receptum habeant. Ita mobilitatem equitum, stabilitatem peditum in proeliis praestant, ac tantum usu cotidiano et exercitatione efficiunt uti in declivi ac praecipiti /oco incitatos equos sustinere et brevi moderari ac jlectere et per temonem percurrere et in iugo insistere et se inde in currus citissime recipere consuerint). Die etwas kryptische Formulierung Ober das Herumfahren auf dem Schlachtfeld könnte das Vor- Wld Zurückspringen der Streitwagen im Promachoskampf beschreiben, dass Caesar offensichtlich nicht deuten konnte. Seitliche Verschiebungen in oder hinter der eigenen Formation dienen wohl dazu, Schwachstellen fllr den nlchsten Vorsprung in der feindlichen zu suchen. Das Eindringen in die Einheiten der Feinde mit der Möglichkeit des raschen Rückzuges aus ihr und die Fertigkeit der Streitwagenfahrer zum Wenden ihrer Fahrzeuge auf engsten Raum auch im schwierigen Gelinde deuten jedenfalls auf einen Promachoskampf mit dem Streitwagen, weisen ihn jedoch noch nicht nach. Jedenfalls kämpfen die Streitwagen nicht als geschlossener Verband, sondern einzeln oder in Kleingruppen. Der Kampf mit dem Speer vom Fahrzeug, der Wechsel zwischen auf- und abgesessenen Kampf und das nahe Bereithalten des Streitwagens am abgesessenen Kampfer sind weitere Parallelen zu den Schilderungen im Epos. Caesar, dessen militärische Sachkenntnis unbestritten ist, beschreibt diese Art des Streitwageneinsatzes als Augenzeuge, was seine Historizität wohl eindeutig nachweist.

181

Er erkennt den Sinn dieser Gefechtstechnik nicht, wohl weil sie mehr auf die Kampfmoral seiner Soldaten wirkt, als gefechtsentscheidende Verluste zu verursachen, wie er im Folgenden beschreibt. Der Dichter der Ilias hingegen weiß genau, aus welchem Bedrohungsszenario sie resultiert und wie der Streitwagen mehr oder weniger wirkungsvoll einzusetzen ist.

9.2.2 Kampfwertbestlmmende Merkmale

Den Streitwagen werden in der Aufstellung der Kräfte aus Pylos in IV/ 297-299 wohl die Aufgaben von Kampfpanzern im Zusammenwirken mit Infanterie zugewiesen

(i1t7riim;;µev 7t(?W'tacrov L7t7t01.0'LV Kai OXEO'q>L, 7tEl:ouc;; b' tt61tL8E O'IT)O'EV i:µEv 1t0Aeµow). Sie sollen den Weg durch die 1t0Aeac;;TE 1eai ta0Aouc;; EQKoc;; feindliche Phalanx im geschlossenen Angriff für die Infanterie bahnen. Angesichts ihrer Geschwindigkeit wären sie das ideale Mittel für den Sturm. Die Infanterie kann im Gegenzug durch Streitwagen gewonnenes Gelände besetzen und halten, sowie diese bei einem Misserfolg aufnehmen und der Schlachtordnung damit Stabilität verleihen. Knapper und präziser, als es der Dichter hier tut, kann man die auch heute noch gültige Aufgabenverteilung zwischen Kampffahrzeugen und Infanterie nicht formulieren. Hauptaufgabe des Waffensystems ist also der Durchbruch durch die feindliche Verteidigung, gebildet durch die Infanterie des Gegners. Die Bekämpfung von feindlichen Streitwagen und die Vernichtung flüchtender Feindkräfte, für die sich der Streitwagen auf Grund seiner Beweglichkeit besonders eignet, kann vorerst nur eine sekundäre Aufgabe darstellen 89 • Ob Streitwagen die Rolle des modernen Kampfpanzers übernehmen können, hängt von ihren kampfwertbestimmenden Merkmalen ab. Diese gilt es hier zu untersuchen. Panzer sind Offensivwaffen, deren Wert von folgenden Faktoren bestimmt wird: 89

R.Drews sieht in "The end of the Broll7.CAge" die Rolle des Streitwagens in der Bronze7.eit als dominant, die der Infanterie als völlig untergeordnet. Dabei Obersicht er die Notwendigkeit engen Zusammenwirkens von Streitwagen mit standfester Infanterie als Defensivelement. Der Kampf geschlossener Streitwagenverbände gegeneinander wird als Regel angenommen. Im Kampf gegen Völker niedrigerer Kulturstufen ohne eigene Streitwagenverbände sei der Streitwagen daher kaum zum Einsatz gekommen. Die Schockwirkung und Oberlegene Beweglichkeit machen den Streitwagen allerdings zum idealen Waffensystem gerade gegen derartig qualitativ unterlegene Gegner. Genau wie beim Kampfpanzer im ersten Weltkrieg konnte er gegeneinen solchen Gegner gefechtsentscheidende Wirkung erzielen. Der erste Nutzer des Streitwagens musste ihn zwangsweise gegen Infanterie einsetzen, weil es auf der anderen Seite ja noch keinen Streitwagen gab. Erst mit Einführung des Kampffahrzeuges auch auf der Feindseite wuchs dem Waffensystem die Sekundllraufgabe der Bekämpfung feindlicher Kampffahrzeuge zu. Die Bewaffnung des Streitwagens musste also auf die Bekämpfung standfester, das heißt gepanzerter Infanterie und nicht auf die Bekämpfung von feindlichen Streitwagen optimiert sein.

182



Feuerkraft in Fonn weitreichender, prlziser undwirkungsvoller Waffen,



Panzerschutz, der sie beflhigt auch im Feindfeuer ohne entscheidende Verluste an den Gegner heranzukommen,



Beweglichkeit



Schockwirkung. Die Schockwirkung beruht auf ihrer Geschwindigkeit und geringen Verwundbarkeit, die dem Verteidiger bei fehlender oder schwacher Panzerabwehr den Eindruck vermitteln können, er könne in der geringen zur Zielbekämpfung zur V erfllgung stehenden Zeit nicht genügend Ziele aus dem angreifenden Verband herausschießen, um den Angriff vor den eigenen Linien zum Stehen zu bringen. Dies bringt im Zusammenwirken mit eventuellen Anzeichen von Nervosität bei den Kameraden und Vorgesetzten einen Verteidiger dazu, seine Stellung fluchtartig zu verlassen. Derselbe Mechanismus wirkt im Übrigen mit umgekehrter Rollenverteilung auch für den Angreifer. Wenn er merkt, dass seine Verluste im Zuge der Annäherung ein Herankommen an den Gegner in einer kampfentscheidenden Stärke nicht zulassen, brechen immer mehr Angreifer die Annäherung ab und gehen zurück. Die moderne Panzerabwehr und die Gewöhnung an den Panzer haben die Schockwirkung im Laufe der Geschichte der Panzerwaffe stark reduziert. Im Vergleich zum modernen Kampffahrzeug verfllgt der Streitwagen über keine höhere Feuerkraft als der Infanterist. Gegenüber Infanterie, die mit Bogen oder Schleuder bewaffhet ist, besteht für den Streitwagenkämpfer mit Speer oder Lanze sogar Reichweitenunterlegenheil Seine Panzerung beschränkt sich auf Kämpfer und Wagenlenker, schützt also nicht das Laufwerk, nämlich die Pferde. Auch an Panzerschutz ist daher der Streitwagen dem Infanteristen kaum überlegen. Es bleibt lediglich die höhere Beweglichkeit und eine über die Zeit abnehmende Schockwirkung. Der Streitwagen ist daher eher mit dem Schützenpanzer 90 der Panzergrenadiere zu vergleichen, der dem Infanteristen an Feuerkraft ebenfalls kaum überlegen ist und dessen Panzerung ihn nicht zur Bewegung im direkten Feindfeuer beflhigt. Die Möglichkeit des auf- und abgesessenen Kampfes stützt diesen Vergleich noch 91 • 90

Der Begriff Mannschaftstransportwagen (MTW) wlrc noch prlziser, weil dem Streitwagen die Kamptltraft, Oberdie ein moderner KampfschOtzcnpan7.erauch ohne seine Infanterie vcrfllgt, fehll Im deutschen Sprachgebrauch werden MTW meist auch SchOtzenpanzergenannt. Die auf beiden Typen aufgesessene Infanterie wird im Deutschen meist als P&ll7.C1'gl"Clladierc bezeichnet, obwohl der aus dem englischen Sprachgebrauch Obcmommcne Begriff mechanisierte Infanterie fllr die auf MTW aufgesessene Infanterie korrekt wlrc. 91 Finlcy meint in ,.Die Welt des Odysscus" S.157 der Dichter billige dem Streitwagen im Gefecht nur die Rolle des Transportmittels zu, das den Klmpfer auf das und von dem Schlachtfeld zu bringen und ihn am Schlachtfeld hC111mzulcutschiercn habe. Das Wissen um den richtigen Gebrauch des Streitwagens sei also lange vor der Zeit des Dichters verlorengegangen. Nun ist genau dies die Funktion des heutigen SchOtzcnpanzcrs, der den Infanteristen auf dem Schlachtfeld dorthin bringen

183

Jedenfalls war der Streitwagen mit seiner Beweglichkeit bis zur Entwicklung geeigneter Abwehrwaffen das Offensivelement, das im Kampf auf das Zusammenwirken mit einem Defensivelement in Form einer standfesten Infanterie angewiesen war, wie dies Homer auch betont.

9.2.3 Streitwagen Im Angriff Wie in Kapitel 9.2.2 ausgeführt, war die ursprüngliche Hauptaufgabe des Streitwagens der Durchbruch durch die feindliche verteidigende Infanterie. Dazu war ein rasches Durchqueren der Zone feindlicher Waffenwirkung und die anschließende Bekämpfung standfester Infanterie, das heißt eine hohe Durchschlagsleistung, erforderlich. Diese wird von der Lanze oder vom Speer wesentlich besser erbracht, als vom Bogen 92 • Lanze/Speer waren also ursprünglich durchaus rational begründbare Waffen von Streitwagenkämpfern. Die Lanze wurde auch von den gepanzerten Reitern der europäischen Spätantike bis zum Ende des Mittelalters als Hauptwaffe gegen gepanzerte Feindkräfte geführt. Östliche Reiternomaden, die meist der Beweglichkeit gegenüber der Panzerung den Vorrang einräumten, bedienten sich dagegen hauptsächlich des Bogens 93 , weil bei ihnen Durchschlagsleistung keinen so hohen Stellenwert einnahm, wie bei den europäischen Rittern. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Lanze/Speer und Bogen zur selben Zeit aber je nach Bedrohungsszenario räumlich unterschiedlich als Hauptwaffe der Streitwagenkämpfer eingesetzt wurden. Im Epos dominiert jedenfalls Lanze/Speer. Gegen Stämme auf frühem Promachoskampfniveau, wie zum Beispiel die Dani, muss ein heranrollender Streitwagenverband eine enorme Schockwirkung ausgeübt haben. Die Zeit für die Bekämpfung der Streitwagen war vor dem Hintergrund der Reichweite und ,,Feuergeschwindigkeit" der Wurfspeere und der Geschwindigkeit der Streitwagen jedenfalls zu gering, eine für das Scheitern des Angriffes genügende Anz.ahl von soll, wo er abgesessen zu kAmpfen hat. Der Dichter kennt diese Funktion, der moderne, dem Schützenpanzer zeitgenössische Historiker nicht! Die damit dokumentierte Kompetenz des Dichters beim Gebrauch des Streitwagens unterscheidet ihn von den militlrisch nicht vorgebildeten Analysten. 92 Siehe hiezu Kapitel 10.1 93 Finley nennt in ,,Die Welt des Odysseus" S. 157 den Speer als eine fllr den Streitwagen unbrauchbare Waffe und folgert daraus, der Dichter habe über den richtigen Einsatz des Streitwagens nicht mehr Bescheid gewusst. Auch Drews meint in "The end of the Bronze Age", die einzige dem Streitwageneinsatz angepasste Waffe sei der Bogen und leitet daraus ab, alle Streitwagenverbände der Reiche um das Ostbecken des Mittelmeeres waren mit Bogen ausgerüstet gewesen. Dieser Schluss wurde von Drews zwar ausgesprochen, nicht jedoch bewiesen. Der bei Caesar beschriebene Einsatz von Speeren bei den Brittaniern weist nach, dass der Bogen keineswegs die ausschließliche Waffe der Streitwagenkämpfer sein muss. Gerade das Beispiel der europäischen Ritter und der östlichen Reiternomaden zeigt, dass unterschiedliche Bedrohungsszenarien in verschiedenen RAurnenzur selben Zeit auch unterschiedliche Antworten in Entwicklung und Einsatz von Waffen zeitigen.

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Streitwagen auszuschalten, um den Angriff vor den eigenen Kräften zum Stehen bringen zu können. Der moderne Infanterist steht im Kampf gegen Panzer vor genau derselben Problematik. Heute geht man von 30 - 50% Verluste als Abbruchskriterium eines Panzerangriffes aus. Die menschliche Psyche dürfte sich in den dazwischenliegenden Jahrhunderten nicht so weit geändert haben, dass dieses Kriterium nicht annähernd auch für die Zeit der Entstehung des Epos Gültigkeit haben sollte. Es geht also darum, auf möglichst große Entfernung in möglichst kurzer Zeit möglichst viele angreifende Kampffahrzeuge kampf- oder bewegungsunflihig zu schießen. Mit der gewohnten Kampfweise des Promachoskampfes vorwiegend mit dem Speer ist ein solcher Streitwagenangriff nicht aufzuhalten. Notwendig ist die Nutzung eines Waffensystems mit höherer Reichweite und schnellerer Schussfolge, um genügend Ziele in einem längeren Zeitraum bekämpfen zu können. Nach Stand der damaligen Waffentechnik kann dieses Waffensystem nur der Bogen sein. Während heute Speerwerfer 60 Meter als gute Wurfweite ansehen, tragen burmesische Stämme Bogenwettkämpfe mit traditionellen Stabbogen auf 140 Meter Entfernung aus. Mathematisch lässt sich die Reichweite von Wurfspeer und Bogenpfeil im lufterfilllten Raum wie folgt ermitteln:

Flugbahn Speerwurf und Bogenschuss Speer ohne Anlauf

30 E 25 C: 20 Q) 15 J: _,,"~ :o 10 ::c 5 ;. ,,_,r' 0

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Speer mit Anlauf

·-.,,.,,.,.._,...,...

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Bogen

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Schussweite in m

Abb.25: Reichweiten der Wurf und Schusswaffen Folgende Annahmen wurden getroffen: Speer Masse 800g Durchmesser 30mm Anfangsgeschwindigkeit 25m/s

185

.

Pfeil 30g 11mm 40m/s

Die Anfangsgeschwindigkeit des Pfeils entspricht der Verwendung eines Stabbogens. Sie liegt etwas unter der des teueren Kompositbogens und deutlich unter der des Reflexbogens der östlichen Reiternomaden. Der Stabbogen dürfte wohl die Waffe des einfachen Infanteristen sein, während der in der Odyssee beschriebene Kompositbogen des Odysseus auf Grund seiner komplexen Herstellung reicheren Kämpfern vorbehalten sein sollte. Die Anfangsgeschwindigkeit des Speeres wird durch die Hebelmechanik des menschlichen Annes begrenzt und entspricht wohl ungeflihr der, die ein heutiger durchschnittlich trainierter Sportler erreichen kann. Die Maße und Gewichte der Geschosse entsprechen heutigen in Wettkämpfen verwendeten. Der Munitionsvorrat bei Speeren wird in der Ilias mit zwei je Mann angegeben. Die Zahl der Pfeile im Köcher wird nicht genannt, übersteigt jedenfalls zwei beträchtlich. Nachdem auch der für einen weiten Speerwurf notwendige Anlauf entfällt, liegt die tatsächliche Feuergeschwindigkeit bei rund zehn Pfeilen pro Minute und damit weit über der der Speerwerfer. Beide Waffen haben zumindest auf die Pferde der Streitwagen ausreichende Wirkung. Der Bogen schaffi also im Vergleich zum Speer einen doppelten Vorteil bei der Bekämpfung schneller Massenziele. Er verlängert die Zeit zur Zielbekämpfung um mehr als das Doppelte und die Zahl der abgegebenen Schüsse in der Zeiteinheit rund um das Fünffache. Bei Verwendung des Bogens steigt daher die Zahl der bekämpften Ziele bei vorausgesetzter annähernd gleicher Treffwahrscheinlichkeit auf mehr als das Zehnfache an. Hierbei ist das Munitionsproblem beim Speer noch gar nicht berücksichtigt. Weiters muss im Auge behalten werden, dass das Waffensystem Streitwagen durch einen Mobi/itykill noch nicht unwirksam sein muss. Für das Ausschalten des Kampffahrzeuges muss mindestens seine Waffenwirkung neutralisiert werden. Hat also ein Infanterist mit einem Speerwurf einen Streitwagen zum Stehen gebracht, sieht er sich immer noch der Waffenwirkung wenigstens durch den Streitwagenkämpfer ausgesetzt, in dessen Speerreichweite er sich damit befinden muss. Für die persönliche Sicherheit des Verteidigers ist also die Bekämpfung des Streitwagenkämpfers prioritär und nicht die der Pferde 94 • Ist der Infanterist dem Streitwagen durch Einsatz des 94

Drews hält in „The end of the Bronze Age" den mit Speeren bewaffneten Infanteristen fllr den

gefährlichsten Gegner des Streitwagens und leitet daraus das Auftreten von starken Infanteriekräften als Hauptursache fllr das Ende der Streitwagen als Kampffahrzeug und in weiterer Folge des Zusammenbruchs der bronzezeitlichen Kulturen um das Ostbecken des Mittelmeeres ab. Ein angreifender Streitwagenverband kann aber mit der geringen Zahl verfügbarer Speere vor dem Hintergrund der geringen Bekämpfungszeit, der nicht besonders guten Treff- und Wirkungswahrscheinlichkeit und der äußerst geringen Wahrscheinlichkeit, die Waffenwirkung der Streitwagenbesatzung auszuschalten, nicht realistisch vor der verteidigenden lnfanterieformation zum Stehen gebracht werden. Standfeste Infanterie muss darüber hinaus immer schon in Verbindung mit Streitwagen gekämpft haben, was auch die Beschreibung und die bildlich überlieferten Darstellungen der Schlacht von Qadesh nachweisen.

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Bogens jedoch erheblich reichweitenüberlegen, kommt der mit Speer oder Lanze ausgerüstete Streitwagenkämpfer bei einem Mobilitykill auf Bogeneinsatzschussweite nicht bis auf die Reichweite seiner eigenen Waffen an den Verteidiger heran. Die Waffenwirkung des Streitwagens ist ebenfalls neutralisiert, der verteidigende Infanterist entzieht sich dem Nahkampf mit dem feindlichen Streitwagenkämpfer und gewinnt dadurch entscheidend an persönlicher Sicherheit. Dass dies der Streitwagenkämpfer als feige, unfaire Kampfweise sehen muss, liegt wohl auf der Hand Zu einem unbestimmbaren Zeitpunkt in der Geschichte muss ein den Promachoskampf praktizierender Stamm die Erfahrung gemacht haben, dass ein Hagel von Pfeilen vorwiegend gegen die Pferde einen angreifenden Streitwagenverband vor den eigenen Linien zum Stehen bringen kann. Damit war der Streitwagen nicht mehr in der Lage seine Hauptaufgabe, durch die Zone feindlicher Waffenwirkung stürmend einen Durchbruches durch die feindlichen Linien zu schaffen, zu erfüllen. Sein Einsatzspektrum wurde bedeutend eingeengt. Auf diese, aus Sicht der wohl meist der sozialen Oberschicht entstammenden Streitwagenkämpfer unbefriedigende Situation konnte man auf mehrere Arten reagieren: •

Wenn die Streitwagenbesatzung selbst mit Bogen ausgerüstet würde, könnte man zumindest bei der Feuerkraft wieder mit demVerteidiger gleichziehen und diesen wahrend des Sturmes mehr als mit Speer oder Lanze abnutzen und damit die eigenen Verluste reduzieren.



Ein teilweiser Schutz fllr die Pferde gegen Pfeile, die auf größere Entfernung wenig Durchschlagsleistung aufweisen, könnte die Phase der Annäherung weniger verlustreich gestalten.

Der Bogen wäre als unehrenhaft zu tabuisieren und damit vom Gefechtsfeld weitgehend zu verbannen. Die ersten beiden Lösungsansätze wurden offensichtlich von den Ägyptern, der letzte von den Achaiern und möglicherweise von Teilen der kleinasiatischen Völker gewählt. Darstellungen ägyptischer Streitwagen zeigen meist Decken über dem Rücken und doppelt vor der Brust der Pferde gelegt, die man wohl als Schutz gegen Waffen geringer Durchschlagsleistung sehen kann. Die Streitwagenkämpfer sind ausschließlich mit Bögen bewaflhet. •

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Abb.26: Darstellung eines ägyptischen Streitwagens in der Schlacht von Qadesh In der Ilias werden Bogen als Waffen der Feigen klassifiziert und damit tabuisiert. Nach einer bei Strabon in 10/12 genannten Inschrift auf dem Artemistempel in Amarynthos soll für den Lelantinischen Krieg eine Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien über die Nichtverwendung von Wurf- und Schusswaffen getroffen worden sein (To µtv oüv rci\tov wµoi\6youv

ai\i\T]i\al(; ai rc6i\nQ{vov,:aL E1tLµ14innoL 1:t: Kai. amoL Al'.ac:;bt KAovtn Tt:Aaµwvtcx;· l\J bi µLViyvwv· f:UQU yetQ aµq>' wµot0LV EXt:LoaKcx;· aMa Kai T)µt:il;Kt:io' innouc; 'tt: Kai t:ia b' tna~mct:

noAuv Ka8' öµtAov 6na,wv. aAA' oux QQt:Lcpw,:ac;Ö'tt:

ot:uaL1:o btwKt:Lv· ou yaQ nwc; fJv oiov t6v8'

it:QCi,tvi. b(q>QQµäo0aL Kai. tn{oxt:LV WKtac; innouc;), wobei es aber hier zu keiner Schussabgabe kommt, weil der Wagen nur durch den Fahrer besetzt ist. Der

195

zweirädrige Streitwagen erlaubt kleinste Wenderadien, womit es möglich erscheint, innerhalb weniger Sekunden nach dem Speerwurf wieder in die Deckung der Phalanx zurückzukehren. Die um die Eigengeschwindigkeit des Wagens gesteigerte Anfangsgeschwindigkeit des Speeres bewirkt eine höhere Reichweite, ermöglicht deshalb ein früheres Abdrehen und damit eine kürzere Verweilzeit in der Zone feindlicher Waffenwirkung. Die Flugzeit eines gegen den Streitwagen geworfenen Speeres beträgt auf 20 Meter Entfernung rund eine Sekunde, das Treffen des fahrenden Streitwagens erfordert also wegen seiner Geschwindigkeit die Wahl eines entsprechenden Vorhaltes. Die nicht vorherzusehende Abdrehrichtung des Streitwagens stellt ein zusätzliches Problem für den feindlichen Speerwerfer dar. Ein derartiger Vor- und Rücksprung ist also unter einem überschaubaren Risiko möglich. Eine andere Variante ist der Vorsprung des Streitwagens, das Absitzen des Kämpfers und ein Zweikampf mit einem feindlichen Promachos. Als Beispiel sei hier der Zweikampf des Asios gegen Idomeneus aufgezeigt ('tCf'b' Aawc; fti\0' tnaµuvrWQ

'[W bt 7tVELOV'tE JCa'[' wµwv ail:v ex'TJVIOXEi oloc; tlW'tCf,) fMMov'tt:c; TQWWV(,iJyvuv-ro a,\ayym;·biJ(,a 't68' o'i µtv nQ006E ouv EV'tEOlbalbaAtowl µaQvav'to TQWCJiv'tE 1eal "'EK'tOQlXMKOKOQUO"tlj, o'i b' 102

Den Streitwagen als historisch bedingtes Symbol fllr den K.lmpfcr zu Pferd zu sehen, wie dies einige Analysten annehmen, wird durch die ganz spezifische Kampfweise des Streitwagens, die nicht auf Kavallerie übertragbar ist, widerlegt Weiters wlrc das Reitpferd wohl nicht als Transportmittel fllr Verwundete und Ausrüstung am Gefcchtsfeld geeignet, wie schon Heilmann in "Schlachtszenen" S. 144 festgestellt hat.

203

ö1n8ev ßaMovrEc; tMv8avov· ooot n xaQµ11c;). Daraus ist allerdings nicht abzuleiten, dass alle anderen die konträre Gefechtstechnik benutzen, wie es einige Analysten sehen wollen. Der Dichter stellt exemplarisch eine alternative Gefechtstechnik vor, gibt jedoch keinerlei Hinweise, welche Kontingente diese ebenfalls benutzen. Die Paionen mit krummen Bogen (Tia(ovEc; ayKUAo-r6~oL) kämen durchaus in Frage. Aus dem Text lässt sich weder die Exklusivität der Lokrer, noch die weitere Verbreitung dieser Gefechtstechnik eindeutig ableiten. Die dargestellte Gefechtstechnik lässt die Lokrer nicht automatisch für jeden Promachoskampf untauglich erscheinen. Gegen einen Gegner mit derselben Bewaffnung wäre ein Promachoskampf durchaus denkbar, allerdings mit einem durch die höhere Einsatzschussweite der Waffen bedingten größeren Abstand zwischen den Phalangen. Dies hätte den Vorteil, dass sich die Überwindung der vergrößerten Zone der Waffenwirkung durch ganze Phalangen vor dem Hintergrund der weit höheren Feuergeschwindigkeit und der fehlenden Schutzausrüstung für den Angreifer wesentlich verlustreicher gestalten müsste. Ein Nahkampf der Phalangen wäre dadurch äußerst selten, wenn nicht gar auszuschließen, was den Verzicht auf Schutzausrüstung wiederum plausibel machen würde. Im Verbund mit Phalangen, die über Schutzausrüstung verfügen und hauptsächlich mit dem Speer kämpfen, schaffi die Gefechtstechnik der Lokrer allerdings Probleme. Befinden sich die lokrischen Phalangen auf gleicher Höhe mit den konventionell kämpfenden, so setzen sie sich der Waffenwirkung feindlicher Speere aus, gegen die sie keine Schutzausrüstung haben, und geraten im Extremfall in einen Nahkampf mit feindlichen Phalangen, für den keine brauchbaren Waffen vorhanden sind. Genau diese Gefahr zeigt der Dichter auf. Bleiben sie auf einer ihrer Waffenreichweite entsprechenden Entfernung vom Gegner stehen, erzeugen sie eine Ausbuchtung in der Schlachtordnung, die dem Gegner Ansatzmöglichkeiten gegen die Flanken der Nachbarkontingente bietet. Auf Ebene des Gefechtes sind ja, wie in Kapitel 8.5.1 dargestellt, Flankenangriffe durchaus erlaubt. Die gewählte Gefechtstechnik lässt das lokrische Kontingent in der Tiefe hinter den vordersten Phalangen stehen und erzwingt das Schießen über diese hinweg, also ein indirektes Feuer. Der kleinere Aias benötigt als Vorkämpfer zur Deckung eine Phalanx, schließt sich daher einem anderen Kontingent an und kämpft im Verbund mit aAA' 11-roL dessen Vorkämpfer (wc; -rw 1taQßEßawrEµaA' ECJ'taaavaAAt']AoLLV. TEAaµwvuib,;i

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ical ta8Aol

E~Ebtxov-ro 61t1t6'tE µLV Kaµa-r6oQEEO'KE 7tObT]VEKE' EQKoc; aK6v-rwv·). Poseidon rät in XlV/376-377 zur Verwendung großer Schilde fllr die stärksten Krieger, mit denen der Stoß Hektors abgeriegelt werden soll (öc; bt

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µevtxaQµoc;, EXELb' oi\(yov aaKoc; wµc,.,,XELQOVL cj>w'ti. bmw, ö b' EV(X71 , ,;y

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Pferden, die hielt ihm dicht an den Schultern schnaubend immer der ügelhalter nd so schien es ihm. als er sich bedachte, besser zu sein: Hinzugehen zu ineias. Den aber fand er ganz hinten in der Menge, wie er dastand, noch immer dem göttlichen Priamos zürnend, weil er als Tapferen ihn nicht htete unter den Männern ldomeneus... doch er schrie nach den Gefährten, dem Askalaphos, den er , und Aphareus und Deipyros und Meriones und Antilochos, den Meister des Kampfgeschreis, die trieb er an und sprach zu ihnen die eflügelten Worte: ,,Hierher, Freunde, und helft mir, der ich allein bin" Deiphobos und Paris, die er sah, und den göttlichen Agenor ... so ute dem Aineias sich der Mut in der Brust, als er die Schar der Mlnner ah, die ihm selbst nachfolgten nd die um Alkatoos stürmten an im Nahkampf ... und Aineias warf als ter mit dem Speer nach ldomeneus, der aber sah ihm entgegen und wich us der ehernen Lanz.eund der Speer des Aineias fuhr mit Schwung in die Erde, nachdem er umsonst aus der wuchtigen Hand gestürmt war nd ldomeneus zog aus dem Leichnam die langschattende Lanz.eheraus, och vermochte er nicht mehr, die anderen schönen Waffen ihm von den Schultern zu nehmen, denn bedrängt wurde er von den Geschossen. Denn icht mehr beständig waren ihm die Gelenke der Füße in Stürmen, weder nachzuspringen dem eigenen Geschoss, noch auszuweichen. Darum hrte er zwar im stehenden Kampf ab den erbarmungslosen Tag nd diese verband er mit der gutgedrehten Wolle des Schafes von einer Schleuder, die ein Getlhrte ihm trug, dem Hirten der Mlnner m den machten sich die Paphlagonen, die großherzigen, zu schaffen, legten ihn auf den Wagen und fllhrten ihn zur heiligen Ilios, bekümmert; d mit ihnen ging der Vater, Tränen vergießend, doch keine Buße wurde in filr den Sohn, den gestorbenen ektor aber hatte nicht erfahren, und wusste nichts davon, dass ihm zur Linken der Schiffe die Mlnner erschlagen wurden... sondern er hielt sich ort, wo er zuerst in die Tore und Mauer hineinsprang Dort, wo die Schiffe des Aias lagen und des Protesilaos auf den Strand der uen Salzflut hinaufgezogen ort hielten die Boioter und die Jonier, die schlepprockigen, die Lokrer

232

00

d Phtier und die strahlenden Epeier mit Mühe ab den Anstürmenden von Schiffen und vcnnochten nicht von sich wegzustoßen den der Flamme leichen göttlichen Hektor. Die einen waren Auserlesene von den thenem, und unter ihnen ft1hrteder Sohn des Peteos Menestheus, und 'hm folgten Phidias und Stichios und Bias, der tüchtige, doch bei den Epeiem der Phyleus-Sohn Meges und Amphion und Drakios; und von den htiem Medon und der standhafte im Kampf, Podarkers. ... Diese lk8ß1PftengerOstet vor den Phtiem, den hochgemuten, sich wehrend um die Schiffe, zusammen mit den Boiotem

unoS- So

standen die beiden, dicht zusammengetreten, beieinander. Doch 1wstt1rhAftig, dem Telamon-Sohn folgten viele und tüchtige Männer als wann immer Ennattung und eflhrten, die ihm den Schild abnahmen, Schweiß die Knie ankam.Doch dem Oileus-Sohn, dem großherzigen, folgten nicht die Lokrer, denn nicht hielt ihnen stand ihr Herz im tehenden Kampfe, denn sie hatten nicht erzgefllgte rossmllhnige Helme hatten nicht gutgerundete Schilde und eigene Speere: Auf Bogen ertrauend und Schleuder aus gutgedrehter Wolle des Schafs waren sie 'tgegangen nach llios, womit sie hernach häufig schossen und die Reihen Troer durchbrachen. Damals nun kämpften die einen vom in unstreich verzierten Rüstungen gegen die Troer und Hektor, den rzgepanzerten, die aber schossen von hinten, verborgen, und die Troer edachten nicht mehr des Kampfes, den sie wurden verwirrt von den kläglich von den Schiffen und den Lagerhütten die Pfeilen. Und da waren roer zurückgewichen nach llios, hätte nicht ...

111/737-

·e Troer aber, die hochgemuten, nachdem sie die Mauer überstiegen, da tehen die einen beiseite mit Waffen und andere kämpfen, wenige gegen 'ele, verstreut über die Schiffe. Aber gehe zurück und rufe hierher die Besten! Und dann können wir den ganzen Rat bedenken: Ob wir in die Schiffe, die vielrudrigen, fallen, ... oder ob wir alsdann von den Schiffen fortgehen unbeschädigt

jxIIl/749

Und sogleich sprang er vom Wagen mit den Waffen auf die Erde

jxIIl/792-

kanios und Morys, die Söhne des Hippotion, die aus Askanie, der starkscholligen, als Ablösende gekommen warenam Morgen zuvor

l794 jxIIl/800,

~01

So die Troer; die einen voran, geschlossen, hinterdrein die anderen, von Erz funkelnd, folgten sie zugleich den Führern

po111s06, jund überall rings an den Reihen versuchte er es, den Fuß vorsetzend, ob j

233

1so1

sie ihm irgend wichen, wie er schildgedeckt vorging V/30-36 Denn weit entfernt von der Schlacht lagen ihre Schiffe heraufgez.ogenam Strand der grauen Salzflut Denn als die vordersten hatten sie zu Ebene hin heraufgez.ogen,die Mauer aber an den hintersten errichtete. Denn ganz und gar nicht, so breit er war, vermochte der Strand alle Schiffe zu fassen, sondern eingeengt waren die Völker. Darum lagen sie gestaffelt heraufgez.ogenund erfllllten des ganzen Gestades große Bucht so weit die Höhen sie umschlossen. V/74-79 Doch auf, folgen wir alle so wie ich es sage: Die Schiffe, so viele als erste hinaufgezogen sind, dicht am Meer, schleppen wir und ziehen sie alle in die göttliche Salzflut, und vertäuen sie hoch an den Ankersteinen, bis heraufkommt die unsterbliche Nacht; ob dann vielleicht ablassen vom Kampf die Troer. Dann könnten wir hinabziehen die Schiffe allesamt Jetzt aber muss ich dir ganz den Verstand absprechen, wie du geredet! Der IV/95du verlangst, man sollte mitten in Krieg und Schlachtruf die gutverdeckten 102 Schiffe in die Salzflut ziehen, dass es den Troern noch mehr nach Wunsch ausgeht, wo sie schon die Oberhand haben, und sich uns das jähe Verderben herabsenkt! Denn die Achaier werden den Kampf nicht aufhalten, wenn man die Schiffe ins Meer zieht, sondern nach hinten spähen und zurückweichen aus der Schlacht. Da wird dein Vorschlag verderblich werden, Herrscher der Völker Aber aufl Folgen wir alle so wie ich es sage: Die Schilde umgetan, so viele die Besten im Heer sind und die Größten ... Welcher Mann aber standhaft ist und hat einen kleinen Schild an der Schulter, einem Geringeren gebe er den und tausche in einen größeren Schild Diese trugen ihn zur Stadt, den schwer Stöhnenden. Doch als sie nun zur Furt gelangten des gutströmenden Flusses, Xantos, des wirbelnden, den Zeus, der unsterbliche, zeugte, dort legten sie ihn vom Gespann auf die Erde und schütteten Wasser über ihn jxIV/506, Und ihnen allen ergriff ein Zittern unter die Glieder, und jeder spähte um sich, wohin er entfliehen könnte dem jähen Verderben 1so1 Da machten sie bei den Wagen halt und blieben stehen jxv/3 her aufl folgen wir alle so wie ich es sage: Der Menge befehlen wir, zu V/294den Schiffen zurückzugehen. Wir selber aber, die wir uns rühmen, die 98 Besten zu sein im Heer, bleiben stehen, ob wir ihn zunächst zurückhalten, ihm entgegentretend,die Speere empor gehalten. Dann, meine ich, wird er,

234

'tOeutar ~

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,.. er ist, im Mute sich fürchten, in die Menge der Danaer zu

1

/352-

jxv/478 jxv/516, ~17 V/573-

Schnell um die Aias' her, und Idomeneus, Kretas Beherrscher, Teukros auch, und Meriones auch, und dem kriegerischen Meges, ordneten jene die Schlacht, die edelsten Helden berufend, gegen der Troer Gewalt und Helctors;aber von hinten zog die Menge des Volks zurück zu den Schiffen chaias So sprach er und schlug mit der Geißel von der Schulter herab auf die Pferde, den Troern zurufend, Reihe filr Reihe, und die, mit ihm zusammen, lenkten alle mit Zuruf die wagenziehenden Pferde mit unsäglichem brei. Voraus aber Phoibos Apollon riss leicht ein die HAngedes tiefen lünllbensmit den FOßenund warf sie mitten hinein und überbrückte ihn mit inem Weg, groß und breit, so weit der Schwung eine Speeres reicht joie aber machten bei den Schiffen Halt und blieben stehen nd er traf den Kleitos, des Peisenor prangenden Sohn, des Pulydamas tlhrten, des erlauchten Panthoos-Sohns, der die Zügel in HAndenhielt; er mühte sich mit den Pferden, denn dorthin lenkte er sie, wo die weit isten Reihen sich drängten, dem Hektor und den Troern zu Gefallen. nd um die Schultern legte er den Schild, den vierschichtigen. nd Aias ergriff den Laodamas, den Anfllhrer des Fußvolkes nd er sprang heraus aus den Vorldlmpfern und schleuderte den schimmernden Speer, um sich spähend und rückwärts wichen die Troer or dem schleudernden Mann. Und er warf nicht vergebens sein Geschoss, dem des Hiketaon Sohn, den hochgemuten Melanippos, der gerade Kampf kam, traf er in die Brust bei der Warn:, und er stürzte hnend, und um ihn rasselten die Waffen. .... So sprang auf dich, elanippos Antilochos zu, der standhafte, die Waffen zu rauben. Doch tging er nicht dem göttlichen Hektor, der ihm entgegengelaufen kam urch die Feindseligkeit. Antilochos aber hielt nicht stand, ein so schneller IAAl"'l'ferer war, sondern er flüchtete... So flüchtete der Nestor-Sohn, und "hn überschütteten die Troer und Hektor unter unsäglichem Geschrei mit stöhnenbringenden Geschossen. Und er blieb stehen und wandte sich, als r zur Schar der Gefllhrtengelangte j[)erm als er sich zurückwandte, prallte er gegen den Rand des Schildes, en er selbst trug, bis zu den Füssen reichend, als Schutz gegen Speere

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Und ihnen stieß von den Augen die Wolke des Dunklen Athene, die unsägliche, und sehr ward ihnen Licht nach beiden Seiten: Nach den Schiffen hin wie nach dem gemeinsamen Kampf. Und Hektor gewahrte sie, den guten Rufer, und die eigenen Geflihrten,sowohl die hinten abseits standen und nicht kämpften, wie die anderen, die den Kampf kämpften bei n schnellen Schiffen

F68~

her auch Hektor blieb nicht im Haufen der dichtgepanzerten Troer ..... So g Hektor geradezu auf ein schwarzbugiges Schiff, dagegen türmend

jxv/694-

~95

och ihn stieß Zeus von hinten mit sehr mächtiger Hand, und trieb auch Volk zugleich mit ihm

V/69903

nd denen, wie sie kämpften, war dieser Gedanke: Ja, die Achaier einten, nicht zu entrinnen dem Unheil, sondern zu Grunde zu gehen; den roern aber hoffie der Mut in der Brust eines jeden, die Schiffe zu erbrennen und zu töten die Helden, die Achaier

V/70712

m dessen Schiff nun erschlugen die Achaier und die Troer einander im ahkampf. Und nicht die Schüsse von Bogen erwarteten sie aus der Feme d nicht die Würfe von Speeren, sondern nah beieinander standen sie, mit inem Mute, wtd kämpften mit scharfen Beilen und mit Äxten und großen Schwertern und zweischneidigen Lanzen ie Schiffe, die uns viele Leiden brachten, wegen der Feigheit der ltesten, die, wenn ich kämpften wollte bei den hinteren Schiffen, mich ~selbst stets gehindert und das Volk zurück gehalten

VI/87-91

Hast du sie aus den Schiffen vertrieben, so kehre zurück ... und dass du icht in der Freude an Kampf und Feindseligkeit die Troer mordend gegen ßios die Männer anführst

Vl/139142

Und er ergriff zwei wehrhafte Speere, die ihm in die Hände passten. Die Lanze allein aber nahm er nicht des untadeligen Aiakiden, die schwere, große, wuchtige: Die konnte kein anderer der Achaier schwingen, sondern allein verstand sie zu schwingen Achilleus

Vl/169172

Fünfzig Schiffe waren es, schnelle, die Achilleus nach Troja angefilhrt atte, der z.eusgeliebte und in jedem waren fllnfzig Männer an den Ruderpflöcken als Geflihrten.Und fllnfhatte er zu Führern gemacht, denen er vertraute, Weisung zu geben, er selbst aber herrschte große mit Macht

pcw113-!Die eine Reihe filhrte Menesthios im funkelnden

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Panzer ... Von der zweiten!

IVl/295 ~Vl/303-

ros

jxVl/362, p63 jxVl/380ps2 Vl/394-

ber war der streitbare Eudoros Führer... Von der dritten war der streitbare eisandros Führer... Die vierte aber fllhrte der Alte, der Rossetreiber ~ boinix, die fllnfte aber Alkimedon, des Laerkes untadeliger Sohn nd wie wenn ein Mann eine Mauer ftlgt mit dichten Steinen eines hohen auses, die Gewalten des Windes abzuwehren, so ftlgten sich aneinander ie Helme und Schilde, die gebuckelten. Schild drlngtc denSchild, Helm Helm und Mann den Mann, Und es berOhrteneinander rossmlhnige Helme mit gllnzenden Bügeln, Wenn sie nickten, so dicht standen sie einander nd sofort stOrmten sie heraus, Wespen gleichend ... und wenn nun im Vorübergehen ein Mensch, ein Wanderer, sie aufscheucht unwillentlich, fliegen sie mit wehrhaften Herzen vorwlrts, eine jede, und wehrt sich um ihre Kinder: Mit Herz und Mut wie diese strömten damals die Mynnidonen aus den Schiffen Wie die Troer abersahendes Menoitios streitbaren Sohn, ihn selbst und Gefolgsmann, in Waffen funkelnd, da wurde allen der Mut verwint, d es wanktendie Reihen ... und jeder spahte um sich, wohin er tfliehen könntedem jahen Verderben. Sie aber flohen, die Troer, unter unslglichem Linn und die Danaer strömten nach Den noch flohen die Troer nicht vor den aresgeliebten Achaiern vorwärts ewandt von den schwarzen Schiffen, sondern stellten sich noch entgegen, ·eben jedoch von den Schiffen zurück, notgedrungen a, er erkannte den in der Schlacht umschlagenden Sieg. Aber auch so hielt r stand und rettete die gescbltzten Getllhrten Und gerade Ober den Graben hinweg sprangen die Pferde ... vorwärts strebend und gegenHektor trieb ihn der Mut Patroklos aber, als er nun die ersten Reihen abgeschoren hatte, drlngte sie ·eder zu den Schiffen zurück und ließ sie nicht, sosehr sie strebten, zur Stadt hinaufgehen, sondern inmitten zwischen den Schiffen und dem Fluss und der hohen Mauer tötete er nachstünnend und ließ sie Buße .zahlenfi1r viele Der aber stach mit der Lanz.e,herangetreten, in den rechten Kinnbacken d durchbohrte ihm die Zähne, und ihm am Speer fassend, zog er ihn ber den Wagenrand, wie ein Mann, auf einem vorspringenden Felsen

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itzend, die heiligen Fische aus dem Meer heraus zieht mit der Schnur und em heiligen Erz: So zog er aus dem Wagen den schnappenden mit dem ~schimmernden Speer

F421-

Sarpedon... Da rief er scheltend den gottgleichen Lykiem zu: "Schämt euch ihr Lykier! Wohin flieht ihr? Jetzt seid schnell! Denn entgegen trete ich diesem Mann

jxVl/589. 1592

nd soweit der Schwung eines Wurfspeeres reicht ... so weit wichen zurück die Troer und stießen sie zurück die Achaier

~~1/698-

Dreimal stieg auf den Vorsprung der Mauer, der hohen, Patroklos, und eimal stieß ihn zurück Apollon

/772,

Und um Kebriones hafteten viele scharfe Speere und gefiederte Pfeile, von der Sehne gesprungen, und viele Steine, große, erschütterten die Schilde

73 VII/113, So ging von Patroklos hinweg der blonde Menelaos. Und er blieb stehen 114

und wandte sich, als er zur Schar der Gefährten gelangte

jxVIl/129 jxVIl/225, 1226 jxVIl/284, 1285 jxVIl/316, 1317 1/370-

Und Hektor ging und wich zurück in die Menge der Gefährten Darauf bedacht, reibe ich auf mit Gaben und Speisung das Volk, doch euch mehre ich den Mut eines jeden So trieb der Sohn des Telamon, des erlauchten, der strahlende Aias, gegen sie gehend, leicht auseinander die Phalangen der Troer Und es wichen zurück die Vorkämpfer und der strahlende Hektor. Die Argeier aber schrieen groß auf und zogen den Toten herüber Doch die anderen Troer und gutgeschienten Achaier kämpften ruhig unter dem Äther, und ausgebreitet war der Glanz der Sonne, der scharfe, Wld keine Wolke zeigte sich über der ganzen Erde Wld den Bergen. Und sie kämpften mit Unterbrechungen, voneinander vermeidend die stöhnenden Geschosse, weit auseinander stehend. Die aber in der Mitte litten Schmerzen durch Nebel und Kampf und wurden aufgerieben von dem erbarmungslosen Erz, so viele die Besten waren

11/460- Automedon ... mit den Pferden anstürmend wie ein Geier unter die Gänse. Denn leicht flohen sie immer aus dem Kampflärm der Troer und leicht stürmten sie an, nachsetzend durch die dichte Menge. Doch er erlegte keine Männer, wie er dahinjagte, sie zu verfolgen, denn es war ihm unmöglich, allein auf dem heiligen Wagen mit der Lanze anzustürmen und die schnellen Pferde zu lenken Hektor warf nach Automedon mit dem schimmernden Speer, der aber sah

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ihm entgegen und wich aus der ehernen Lanz.c, denn er bückte sich orwlrts nieder, und hinter ihm fuhr der lange Speer in die Erde, und das Schaft.ende erbebte an der Lanze, doch nun ließ schwinden die Kraft der cwaltige Ares. Und nun wlren sie mit den Schwertern angestOnntim ahkampf ... s erster machte Peneleos. der Boioter, mit der Flucht den Anfang, denn wurde getroffen mit dem Speer, immer vorwlrts gewandt, hinstreifend an der Schulter, und es ritzte ihn bis auf den Knochen die Lanzenspitze des Pulydamas; der traf ihn nahe herangekommen. Den Leitos wieder stach Hektor von nah in die Hand über der Wunel, den Sohn des Alektryon, des hochgemuten, und machte seinem Kampf ein E.nde. Und er floh ber du und Meriones bllckt euch schnell unter den Leictmam, hebt ihn f, und hinter euch werden wir beide mit den Troern und dem göttlichen Hektor kArnpfen

So folgten die Troer so lange immer in Haufen, zustoßend mit den Schwertern und zweischneidigen Lanz.cn;aber wenn sich die beiden Aias wandten und gegen sie stellten, dann verlnderte sich ihnen die Farbe d keiner wagte es, vorwlrts stürmend um den Leichnam zu k!mpfen Ich, ein solcher, wie keiner unter den erzgewandeten Achaiem im Kampf; im Rat abersind besser auch andere 11/150 Die Achaier .. fliehend waren zu den Schiffen und zum Hellespont gelangt 11/210- edoch mit untergehender Sonne flammen Feuerzeichen auf, dicht heinander, und hoch aufschießend entsteht ein Lichtschein, fllr die Umwohnenden zu sehen, ob sie vielleicht mit Schiffen als Wehrer des Unheils kommen: So gelangte vom Haupt des Achilleus ein Glanz zum -ther

r

VIll/277- Morgen in der Früh aber wollen wir, mit Waffen gerüstet, uns auf die ürme stellen. Doch fflr ihn umso schlimmer, wenn er gewillt ist, von den 79 Schiffen zu kommen und um die Mauer mit uns zu kämpfen

jxVIIl/298,

p!99

Für jetzt nehmt das Nachtmahl im Heer in den Abteilungen und gedenkt er Wacht und haltet euch munter ein jeder

VIll/311- Die Kindischen! Denn benommen hatte ihnen die Sinne Pallas Athene 13 denn dem Hektor stimmten sie zu, der Schlechtes riet, dem Pulydamas aber keiner, der guten Rat bedachte

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VIll/520- Und als sie nun dorthin gelangten, wo es ihnen zum Überfall recht 529 chien, am Fluss, dort wo die Tränke war für das Weidevieh, da ließen sie sich nieder, umhOllt von funkelnden Erz. Und ihnen setzten sich dann seits von den Männern zwei Späher, abwartend, wann sie die Schafe sähen und krummgehörnte Rinder. Die aber kamen bald heran und mit ihnen gingen zwei Hirten und ergötzten sich auf der Flöte und ahnten eine Arglist. Die aber, wie sie sie sahen, liefen hinzu und hatten dann schnell rings abgeschnitten die Herden der Rinder und die schönen Haufen issschimmernder Schafe und töteten über ihnen die Viehhirten VIIl/530- Wie aber nun die anderen das viele Ulnnen bei den Rindern vernahmen, 534 ie bei der Versammlung saßen, dabestiegen sie sogleich die leichtfllßigen Gespanne, fuhren herbei und waren rasch zur Stelle. Und aufgestellt schlugen sie die Schlacht an den Ufern des Flusses und warfen egeneinander mit den erzbeschlagenen Lanzen IX/42-45

nd auch die früher im Sammelplatz der Schiffe zu bleiben pflegten: Die Steuermänner waren und hielten die Steuerruder der Schiffe, und die erwalter bei den Schiffen waren, Ausgeber des Brotes, ja, auch diese lkan:iendamals zur Versammlung

pcIXl162, 1163

enn nicht vennag den ganzen Tag bis zur untergehenden Sonne gestärkt mit Brot ein Mann entgegen zu kämpfen

325-

oseidon... Den Aineias aber schleuderte er, ihn hoch von der Erde hebend, und viele Reihen der Helden und viele auch der Gespanne hersprang Aineias, von des Gottes Hand getrieben, und gelangte zum ußersten Ende des vielstürmenden Kampfes, dort, wo die Kaukonen sich ben zum Kampfe rüsteten

jxx/487~88 jxx/498

Der aber stach dem Areithoos, seinem Gefolgsmann, der zurilckwandte die Pferde, in den Rücken mit dem scharfen Speer

1-9

Doch als sie nun zur Furt gelangten des gutströmenden Flusses, Xantos, es wirbelnden, den Zeus, der Unsterbliche, zeugte, da teilte er sie und ·agte die einen in die Ebene zur Stadt hin, da wo die Achaier gescheucht eflohen waren am Tag zuvor, als der strahlende Hektor raste. Dort strömten die einen vor, flüchtend, und einen Nebel breitete Here vor ihnen us, einen tiefen, sie zurückzuhalten. Die Hälfte aber wurde in den Fluss edrängt, den tiefströmenden, silberwirbelnden, und sie fielen hinein mit lauteren Klatschen, und es tosten die jähen Fluten

So stampften unter Achilleus, dem hochgemuten, die einhufigen Pferde

240

erse 99-

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