Carl Friedrich Wilhelm von Reyher, General der Kavallerie und Chef des Generalstabes der Armee. Ein Beitrag zur Geschichte der Armee mit Bezug auf die Befreiungskriege 1813, 1814 und 1815 [1]

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Carl Friedrich Wilhelm von Reyher, General der Kavallerie und Chef des Generalstabes der Armee. Ein Beitrag zur Geschichte der Armee mit Bezug auf die Befreiungskriege 1813, 1814 und 1815 [1]

Table of contents :
Front Cover
Reyhers Jugend, Eintritt in die Armee uud Dienſt-
Reyher als Kavalleriſt unter Major v Scill
Zeile 12 von oben lies: „Zaremba
Reyher in dem weſtpreußiſchen Ulanen-Regiment
Reyher in den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815
Reyher als Brigade-Adjutant

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Carl Friedrich Wilhelm

von Neyber General der Kavallerie und Chef des Generalſtabes der Armee.

Ein Beitrag zur

Geſchichte der Arme e mit

Bezug auf die Befreiungskriege 1813 ,

1814

Er ft er

und 181 5 .

Theil ,

Kari kilanka Beiheft zum Militair - Wochenblatt für 9 Monate. Redigirt von der hiſtoriſchen Abtheilung des Generalſtabes.

Berlin , 1861. In sommiſſion bei E. S. Mittler und Sobn. ( Zimmerſtraße Nr. 84. 85.)

Librarian

v o r wo r t.

ion zchamp -zil 24 9468 2

Indem die Redaktion des Militair- Wochenblatts hiermit den erſten heil der Biographie des Generals d. Reyher dem militairiſchen

Publikum übergiebt , erfüllt dieſelbe im Namen des Generalſtabes eine angenehme Pflicht tief empfundener Dankbarkeit gegen den ehe maligen hochverehrten Chef. Hätte es dem General gefallen , per fönlich ſeine Memoiren zu ſchreiben , wir würden uns eines werth

vollen literariſchen Schages ſeiner Kriegs - Erfahrungen und ſeiner

militairiſchen Einſicht zu erfreuen gehabt haben. Leider iſt der Tod

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des reichbegabten Mannes dieſer allerdings von ihm gehegten Ab ſicht entgegengetreten , und hat uns die Aufgabe gelaſſen , nur ein ſchwaches Bild von der umfaſſenden Thätigkeit und Leiſtungskraft zu geben , die ſein ganzes Leben auf dem Felde der Ehre wie in allen Kreiſen des Allerhöchſten Dienſtes ausfüüte.

Glücklicherweiſe haben wir wenigſtens die pſychologiſche Entwide lung ſeines Charakters zum Theil aus den Briefen verfolgen fönnen , welche v. Reyher an ſeinen Bater ſchrieb und die ſämintlich als ein koſtbares Vermächtniß für die Familie , mit Liebe und Bietät

aufgehoben worden ſind. Demnächſt aber mußte die Avantgarden Geſchichte Kaşeler's den Faden bilden , an welchem auch die Er

lebniſſe Reyher's angedeutet , wenngleich nicht vollſtändig dargeſtellt werden konnten . Wir haben in dieſer Richtung die zahlreichen Mel

dungen zu verwerthen geſucht, welche das Striege - Archiv des Ge neralſtabes aus den Jahren 1813, 1814 und 1815 aufbewahrt,

IV

und die uns einen genauen Einblick in das Getriebe Avantgarden - Dienſtes im Felde thun laſſen. Reyher , Rafeler , York , Blücher und die ſind dadurch die Stufenleiter geworden , an welcher treffenden Ereigniſſe im logiſchen Zuſammenhange

des ſo wichtigen ſchleſiſche Armee wir die ſie be zur Darſtellung

bringen. Wohl laſſen wir , wie dies nicht anders ſein kann , auch be

kannte Thatſachen noch einmal an uns vorübergehen , allein einer ſeits in friſchen Farben , anderſeits verjüngt durch einige neue hiſto riſche Dokumente , welche für die Armee - Geſchichte von Intereſſe und Bedeutung find. 3ſt doch das Leben einer jeden ſcharf aus geprägten Perſönlichkeit eine beſtändige Wechſelwirkung allgemeiner

Zeitverhältniſſe und individueller Geſtaltung , und wie Reyher da durch gebildet , getragen und gehoben wurde , das werden wir , wie in dieſem erſten , ſo auch in dem zweiten Theil ſeiner Biographie mit der Liebe und Achtung ſchildern , die wir allen Veteranen der Armee und den Genoſſen einer großen Epoche unſeres Vaterlandes ſchuldig ſind. Die Redaktion.

Inhalts -Verzeichniß. Seite

Grſter Abſchnitt.

Reyhers Jugend , Eintritt in die Armee uud Dienſt Verhältniß bis zur Ernennung zum Difizier. Vorwort .

1. 2. 3. 4. 5.

1

Einleitung : Reyhers Jugend . Reyher in dem Regiment von Winning . Reyher als Kavalleriſt unter Major v. Scill . Reyher in dem weſtpreußiſchen Ulanen -Regiment

4 18 43

Zweiter Abſchnitt. Reyher in den Feldzügen von 1813 , 1814 und 1815. 1. Reyher als Regiments-Adjutant in den Jahren 1810, 1811 und 1812

49

2. Reyher als Brigade- Adjutant. 68 74

a. Das Jahr 1813 bis zum Waffenſtilſtand . Schlacht von Gr. Görſchen , 2. Mai Schlacht von Baußen, 20. und 21. Mai Gefecht bei Reichenbach, 22. Mai



b. Von dem Waffenſtilſtande bis zum Søluß des Feldzuges 1813 Gefechte bei Löwenberg, 19. und 21. Auguſt Gefecht bei Goldberg, 23. Auguſt Solacht an der Maßbach, 26. Auguſt Gefecht bei Bunzlau, 30. Auguſt Gefecht bei pochirch, 4. September Gefecht bei Reichenbach, 5. September Gefecht bei Biſchoffswerba, 13. September Gefecht bei Goldbach, 22. September .. Gefecht bei RL. Braga und Roth-Nauslit, 23. September

101 113 118 141

156

.

.

163 179 195 199

218 240 242

Einleitung zum Uebergang der ſchleſiſchen Armee bei Elſter über Seite 260 bis 264

die Elbe .

/

Drud fehler.

Seite 28 Zeile 12 von oben lies : „ Zaremba.“ 35 36 41 61 62 62 71 102

19 9 13 20 13

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19 von unten 13 von unten 20 von oben

, in franzöſiſchen Dienſten .“ Guſtav IV.“ „ mit dem ." „ Abrantes." ,,vor der Welt.“

,,annehmen .“ ,,8 Bataillone ."

,,21. Mai."

1

Erſter Abſchnitt.

Nenhers Jugend, Eintritt in die Armee und Dienſts Verhältniß bis zur Ernennung zum Offizier. 1. Einleitung.

In ten nachfolgenten Blättern zeichnen

wir das Bild eines Mannes,

der ſich aus der Stellung eines einfadyen Soldaten bis zu der eines Generale ter favalerie und Chefe des Generalitabe der preußiſchen

Armee hinaufgeſchwungen hat . Ohne ſociale Begünſtigungen der Geburt und der lebensſtellung, mit febr beſdıränften Hülfsmitteln der Erziehung und Bildung , - aber von Natur reich ausgeſtattet mit Schärfe des Berſtantes , Klarheit des Veranfene und militairiſchem Talent, – batte

Carl Neyber die raſche ebrenvolle Entwidelung ſeiner Laufbahn der eigenen Kraft , tem ernſten Streben und ſeiner überall hervorragenden Leiſtunge - Fäbigfeit zu banten . Die preußiſche Armee hat ſich ſeit Jahrhunderten durch Männer

ſeiner Art in ihren höchſten Reiben ergänzt , und ihre Namen ſind in

dantbarer Erinnernng der jüngeren Generation ein unvergeßlides Erbs theil unſeres friegeriſchen Ruhmes geblieben. Inceſjen iſt es eine fudgemäße Forderung , daß die innere Bes

rechtigung zu einer ſolden ehrenvollen Anerkennung durch den Ariegs herrn, nämlich die militairiſche Tüd tigteit des Difiziers zu den bös beren Stellen in der Armee, unzweifelhaft bervortreten mui; c8 iſt dies eine Bedingung , welde untrenntar von einem jeden General iſt, in teffen Hand al8 Truppenführer das Leben von Tauſenden tapferer Soltaten gelegt iſt.

Carl Reyber war aber auch, in dem Gefühl der Verantwortlich Veit an jeder Stelle ſeiner höheren Laufbahn, von ausgezeidineter Berufs. Treue , von unermüdlicher Arbeitsfraft , und von einer angeborenen Berdyeidenbeit, welche um ſo auffallenter hervortrat, da es ihm bei

feiner großen geiſtigen Beweglichkeit nie an einſichtsvollen Rathidlägen, 1

2

nie an praktiſchen Auskunftsmitteln für ein richtiges Handeln fehlte. So wie er durch raſtloſen Fleiß ſeine natürlichen Anlagen entwidelt hatte , fo war es ihm auch bis in ſein ſpäteſtes Alter hinein zur Ge

wohnheit geblieben, die ſtrengſte Aufmerkſamkeit auf jede ſeiner Arbeiten zu verwenden.

Der kurzen flaren Redaktion eines militairiſchen Befehls wandte er eine nicht geringere Sorgfalt zu, als dem Entwurf ſeiner vorzüglichen ſtrategiſchen Auffäße, oder ſeiner organiſatoriſchen Inſtruktionen. Drds

nung, Ueberſicht, treffende Kürze bildeten das Eigenthümliche ſeiner Auss drudsweiſe und ſeiner ſchriftlichen Thätigkeit, und dieſe echt militairiſchen

Elemente forderte er in nidt geringerem Grade unabläſſig von allen ſeinen Untergebenen . Sein Dienſt- Verhältniß ale Adjutant , in welches Reyher gleich

mit ſeinem Avancement zum Offizier eintrat , leitete ihn in das eines Generalſtabs - Offiziers hinüber , und hatte er in dem erſteren vorzugs

weiſe ſeine gründliche Kriege - Erfahrung erworben, ſo wußte er in dem leşteren diefelbe um ſo erfolgreicher zu verwerthen. Er erwies ſich ſeinen ganzen Natur-Anlagen nad als ein geborner Generalftab8 Difizier. Seine reiche Phantaſie wußte auch eine jede fingirte ſtrates giſche und taktiſche Situation bis in das kleinſte Detail hinein mit dramatiſcher lebendigkeit zu erfaſſen und wiederzugeben ; – er verſtand es in einem ſeltenen Grabe durd ſein Urtheil zu überzeugen , um ſo mehr, da die Milde feines Charakters und das unberänderliche Wohle wollen ſeiner Sprache ihm ſtets aufmerkſame und empfänglidie Zubörer ficherten .

þatte Reyher die Kriegsjahre 1813 , 14 und 15 aud nicht in höheren Chargen durchlebt, ſo hatte er ſich doch in dieſer Ruhmegperiode unſerer Armee zu denſelben mit offenem Blid, raſcher Faſſung8 - Gabe und Schnelligkeit des Entſchluſſes vorbereitet.

An der Seite ſeine 8

Kommandeurs, des Oberſten von Haşeler , Führer der Avantgarde des

1ſten Armee - Korpe ( v. York ), fand er durch die unabläffige Fühlung

mit dem Feinde die wilkommene. Gelegenheit, in zahlreichen Gefechten ſein militairiſches Talent im Rath wie in der That praktiſd zu ent wideln. Dieſer Abſnitt feines Lebens gehört nicht nur der Bios

graphie, er gehört der Kriegøgeſchichte der Armee an , in deren Reihen die Namen Raşeler und Reyber für jene Zeit untrennbar bleiben werden .

Nach dem Befreiungstriege wurde ſeine umfaſſende Thätigkeit aus .

ſchließlich für den Generalſtab in Anſpruch genommen. Wie verſchieden aud die Charaktere derjenigen Generale waren, mit denen er in dieſem Dienſt-Berhältniß gemeinſchaftlich zu wirken hatte , überall wurde ihm das vollkommenſte Vertrauen , die aufrichtigſte Hochac ;tung zu Theil. Auch Seine Königliche Hoheit Prinz Wilhelm von Preußen ( jegt

3

Se. Majeſtät der König Wilhelm I.) wandte ihm als ſeinem Chef des Generalſtabes das Eine wie das Andere in gnädigſter Weiſe zu. Später auf kurze Zeit mit der General- 3nſpektion des Militair Erziehungs- und Bildunge-Weſens der Armee, ſo wie mit der Führung des Krieg8 -Miniſteriums betraut, ſchloß Reyher ſeine lange ruhmvolle Laufbahn als aktiver General der Kavalerie und Chef des General ſtabe8 der Armee.

Wir haben dieſe Skizze feines Lebens vorausgeſdidt, um ben Leſer vorweg auf den Standpunkt zu begleiten, von dem aus die unſcheinbaren Anfänge dieſer Biographie betrachtet und beurtheilt ſein wollen . Indem Carl Reyher Alles ſeinen glüdlichen Natur-Anlagen und ber ſelbſtſtändigſten Entwicelung derſelben verdankte, dürfen wir es doch

hier ausſprechen, daß die Erinnerungen ſeiner Familie für den Staats dienſt bis in die Zeit König Friedrichs, des erſten preußiſchen Mö

nig8 , hinauf reichen. Hofrath Johann Renber war ein treuer und hochgeachteter Diener feines Herrn , der ihn ſchon als Churfürſt

Friedrich III. in feine unmittelbare nächſte Umgebung gezogen hatte und ihn mehrfad in diplomatiſchen Aufträgen verwendete.

So wurde

Johann Reyher 1688 nad Rußland geſchidt, um bei dem dortigen Hofe den Tod des großen Churfürſten und den Regierungs - Antritt des Churfürſten und Beter , ſo Geſchenke mit , remoniel als „

Friedrich III. zu notifiziren. Für die Czaren Ivan wie deren Schweſter Sophia , nahm Reyher reiche die er in feierlicher Sißung überreichte. Mit dem Ce Geſandter eines gekrönten Hauptes " empfangen , wurde

nur der einzige Unterſchied gemacht, „ daß bei Anführung der Churfürfte „, lichen Ehrenbenennungen, und als ſich die Czaren nach des Churfürſten „ Wohlſein erkundigten, ſie weder an ihre Müßen griffen noch von ihrem ,, Siße aufſtanden ." Uebrigens mußte Reyher andeuten, daß der Ber liner pof fünftig keine Geſchenke ſenden werde , wenn nicht auch der ruſſiſche Geſandte dergleichen nach Berlin brächte. 3m 3ahre 1695 mußte Sofrath Reyher auf Befehl des Chur fürſten nad Bolen geben , um dort auf den polniſchen Gütern der in

dieſem Jahre geſtorbenen Prinzeſſin louiſe Charlotte geborenen Prinzeſſin von Radziwill und Gattin des Prinzen Ludwig von

Brandenburg, das Intereſſe der evangeliſchen Unterthanen zu vertreten. Es ſei uns , mit Bezug auf den General ber ftavalerie , Carl

von Reyher, geſtattet, daran zu erinnern, daß in demſelben Jahre, 1695 am 12. Februar, ber brandenburgiſche Feldmarſchall Georg Freiherr von Derfflinger ſtarb, von dem Bauli in ſeiner allgemeinen preu bilden Staats - Geſchichte, der wir bie obigen Notizen entnehmen, ſagt : 1

Er war ein anderer Mariu8 , der ohne Ahnen ſich ſelbſt, bloß

durch ſeine Tapferkeit nad und nach zur höchſten Stelle , die ein Kriegsmann erreichen kann, geſchwungen hat." 1*

4

2, Reyher ' & Jugend. Carl Friedrich Wilhelm Reyber wurde am 21. Juni 1786 zu

Groß - Schönebed bei Liebenwalde geboren. Sein Vater , Cantor und Organiſt, lebte hier mit der hinterlaſſenen Tochter des Forſt- Beamten Edert in zweiter Ebe. Carl war der ältefte Sobn aus dieſer Ehe.

Dus geringe Eintommen und die ſehr zahlreiche Familie machten e unmöglich, für die Bildung der Kinder ausreichend zu forgen. Dbgleich

der Vater ſelbſt eine gute Erziehung genoſſen, namentlich das Frietrich Wilhelmets Gymnaſium zu Berlin bejudot batte , und infofern geeignet geweſen wäre , mit ſeinen Kindern über die Elementar - Sdule hinaus

perſönlich den Unterricht fortzuſeßen , lo ideint er hieran toch theile

durd ſeine amtlichen Beſchäftigungen , theils durch häufigen geſelligen Berkehr in der Nadybarſdaft, wobin ibn als einen allgemein beliebten angenehmen Geſedjqafter zahlreiche Einladungen riefen, verhindert worden zu ſein. Carl war beshalb zunädiſt nur auf das Leſen , Schreiben und

Redinen in der Derfídule angewieſen. Edon hier zeigte es ſich frühe, daß er auch Talent und Liebe zur Duſit ton ſeinem Vater geerbt batte.

Eine ſchöne friſche Stimme, ein gutes muſifaliſches Gehör zeichneten ihn vor ſeinen Mutſchülern aus, und veranlaßten den Vater, ihm außer den Schulſtunden beſonderen Unterricht in der Muſit zu ertheilen.

Carl madte vortreffliche Fortſchritte, ſang gerne und viel, und fdloß ſich den jungen Leuten an , die bei feſtlichen Gelegenheiten öffentlich ſangen. Auch begleitete er den Vater von nun an häufig bei ren Eins lubungen in die Umgegend , wobei er Berſonen und Verbältniſſe tennen

lernte, die ſeinem 3Deentreiſe bisher fern gelegen und nun ein Anreiz

für ihn wurden, ſeine Kenntniffe zu erweitern , und etwas Tüchtiges zu lernen , wo nur die Gelegenheit dazu fich bieten würde. Mit beſonderer Vorliebe verweilte der Anabe in dem nahen Forſt

bei Onkel Wendt, einem alten ehrenwerthen Förſter und Stiefbruder feiner Mutter, der beſonderes Gefallen an dem fräftigen, fröhlichen und gutmüthigen Knaben fand, und ſeine Neigung zur praktiſchen Thätigkeit Lebhaft anregte .

Indeſſen Carl ſollte bald ſelbſt für ſeinen Leben unterhalt ſorgen. Die Bekanntſchaft des Vaters mit dem Oberamtmann Reiche auf Liebenwalde gab dazu Gelegenheit. Es war Anfangø 1799 al8 Carl in ſeinem 13ten Lebensjahr die Beſtimmung erhielt , fic auf dem Amt

Liebenwalde, eine Meile von Groß - Schönebeck, zum amtejareiber auszubilden : – die erſte ſchmerzliche Trennung von dem elterlichen þauſe, wo namentlich die Mutter den Knaben ſtets mit der zärtlichſten Liebe umfaßt hatte. Vater und Sohn wanderten zu Fuß nach dem

Amt. Die liebevolle Aufnahme daſelbſt ließ ihn fich bald in ſeinem

5

neuen Lebenetreife heimiſd fahlen. Dberamtmann Reide gewann ben Anaben wegen ſeine bedreidenen anſpruchsloſen Charafters lieb ; aber

aud durd feine döne Stimme erhielt Carl einen Zugang zu dem

Herzen dieſe $ rechtſhaffenen Mannet. Sonntago mußte er fich regels mäßig an dem Singen vierſtimmiger Lieder betheiligen , erhielt feinen

Mittagstiſd täglich an der Tafel des Oberamtmanns und bewohnte mit dem Actuarius Freqidymidt und mit dem Amisdiener das lojes nannte alte Schloß.

Der Aufenthalt in liebenwalde war der erſte ſelbſtſtändige Schritt ins Leben hinaus. Wie treu und eifrig Carl auch in ſeinen Beruf ſein mochte, – und er gewann hier die fichere deutliche Handſchrift und den Sinn für feſte Ordnung , der ihn nie mehr verlaſſen hat ,

lo fühlte

er doch, daß er auf dieſem Wege ſeinem Drange nach weiterer wiſſen Idhaftlicher Ausbildung nicht genügen fönne.

Er bat deshalb feinen

Bater dringend , ihn auf die Thomas - Scule nad Leipzig zu diden, wo er hoffen dürfe , fich durch ſeinen Geſang freien Unterricht zu vers

Idaffen. Leider fonnte ihm dieſer Wunſch wegen Mangel an Mittel zur Einfleidung und erſten Ausſtattung nid)t gewährt werden ; aber das gleiche Streben hat ſpäter aud den Jüngling nicht verlaſſen. Nur follte er obne fremde Beihülfe Alles ſeiner eigenen Anſtrengung, ſeiner

raſtloſen Thätigkeit und Energie verbanten . In Liebenwalde entwidelte ſich Carl in voller Jugendfriſche und

Jugendfraft zu einem ftattlichen jungen Mann von imponirender Rörper größe und wohlgefälligem Aeußeren. In allen ſeinen Bewegungen raſch, lebhaft, ficher, von ſehr guter törperlicher Haltung , hatte er noch vor

dem Beginn ſeines dienſtpflichtigen Alters wahrſcheinlich die Aufmerf ſamkeit eines Werbe - Unteroffizier8 des Infanterie - Regiments von Winning, welches in Berlin garniſonirte, auf ſich gezogen, und da die Einſtellung (döner großer Leute ein pauptaugenmerk der damaligen Res gimente -Stommandeure war , ſo ging am 11ten Mai 1802 durch den Landrath des Nieder- Barnimdhen Streifed von Bannewiß folgende Sdreiben bei dem Domainen Amt Liebenwalde ein :

„ Der Herr General von Winning wünſchen den Sohn des Cantor: Reyher , Namens Carl Friedrich Wilhelm zu ſehen und zu ſprechen , um ihn von ſeinen Kenntniſſen im Rechnen und

Schreiben Broben ablegen zu laſſen. Da der Herr General ihn wohl in der Folge mit einem Dienſt im Regiment zu verſehen geneigt ſein , und derſelbe , ſeiner Größe wegen , dem Soldatenſtande dod nicht entgehen dürfte , jo tönnte es dem jungen Kenber in der Folge ſehr zu Statten tommen , wenn er von der Güte des Serrn Generale ten Gebrauch machte, den man ſich von ſeinen Renntniſſen verſpridat. Euer Hochwohlgeboren erſuche

9

id), den p. Reyher ben 20ften Mai d. 3. Morgens um 7 Uhr in meiner Wohnung geſtellen zu laſſen. Berlin, den 30. April 1802. von Bilow þauptmann ."

Dieſer Aufforderung mußte allerdings entſprochen werden. Carl Reyher zählte nun faſt 16 Jahre. Ein ferneres Verbleiben in Lieben: walde, mit dem engen Kreife feiner dortigen Umgebung und Lebensan

ſchauung, konnte ſeiner weiteren geiſtigen Entwiđelung nicht förderlich fein. Er mußte hinaus, um ſich in anderen Lebens - Berhältniſſen zu verſuchen , ſeine moraliſde Straft zu erproben, ſeinen Charakter zu bilden und zu ſtählen. Der Eintritt in die Armee bot ihm dazu die Gelegen beit und wie vortrefflid, hat er fte benußt; wie hat er ſich in ihren

ehrenvollen Reihen als ein ganzer Mann in dem beſten Sinne des Wortes bewährt!

Freilich mußte noch einmal der Schmerz des Abſchiedes von dem naben elterlichen Hauſe und der Heimath durchgemacht werden. Die

Mutter entließ den geliebten Sohn mit den heißeſten Segenswünſchen für ſein künftiges Wohl, der Vater blidte voll Sorgen auf das nächſte Schidſal Carls ; und dieſer ſelbſt hing mit zu inniger und geborſamer Liebe an ſeinen Eltern , um ſich nicht vorzunehmen , ihnen durch die treuefte Pflichterfüllung, im Kleinen wie im Großen, ungetrübte Freude zu machen. Es muß die Liebe bes Sobne zu ſeinen Eltern als

ein Grundzug ſeines Charakter8 genannt werden , den er keinen Augen blid in ſeiner ganzen , bald ſo glänzenden Laufbahn , verleugnet hat. Die Erfülung des göttlichen Gebotes : „Du ſollſt Vater und Mutter ebren " iſt ihm zu einer reichen Quelle des Segens geworden. Aber auch auf ſeine ganze Familie hat er die gleiche treue Zuneigung übers tragen und ihre Geußerung in Wort und That in dem wechſelnden Ver hältniſſe ſeines Geſchids nie vergeſſen. Bater und Sohn eilten wieder, wie einſt nach Liebenwalde, ko ießt von Schönebed nad Berlin, wo ſie Beide rechtzeitig eintrafen. " General

von Winning ſah den jungen kräftigen Mann, fand ſofort Gefallen an ihm, und ließ ihn nach einer kurzen Prüfung noch an dem Tage der Vorſtellung, den 20 Mai 1802, als Soldat ſeines Regiments vereidigen. 3. Reyher in dem Regiment von Winning.

Ein preußiſches Regiment trug in jener Zeit, als ein ſdhönes hiſtos riſches Erbtheil, mehr wie heute noch den Charakter einer Familie , in der ſich alle Glieder ihrer engſten Zuſammengehörigkeit bewußt waren. Die Autorität der Vorgeſepten, der Gehorſam, aber auch die Liebe ber

7

Untergebenen traten noch in urſprüglicher Friſche und Selbſtverſtänds lichkeit auf : – eine Alles zerſeßende Kritik fannte man damals nicht. Jeder Einzelne lebte durch die Länge ſeiner Dienſtzeit in der Geſchichte ſeines Regiments, wie in der ſeiner Familie ; Bergangenheit und Ge genwart deſſelben wurden mit gleicher Pietät umfaßt und getragen . Dadurch bildete bei aller Strenge der Disziplin , und bei einer oft rauhen ungeglätteten Außenſeite der Vorgefesten, doch freundliches Wohls wollen für den älteſten , wie für jüngſten Soldaten, den Grundton ihrer

Berührung mit den Mannſchaften des Regiments. Reyher hat dieſes Wohlwollen ſehr bald und mit dankbarem Herzen empfunden. General von Winning nahm ſich ſeiner in der That mit beſonderer Freunds

lichkeit an, ließ ihn ſchnell die Rekrutenzeit beendigen, und zog ihn, der guten Handſchrift wegen , gleid in ſeine perſönlide Nähe. So konnte er denn dem Vater triumphirend dreiben : Denken Sie ſich mein enormes Glüd ; id bin Regiments. Sdyreiber geworden !"

Aber auch ſein nächſter Vorgeſepter, Major von Rathenow, Rom pagnie -Chef und Kommandeur des 1 Bataillons, dem Reyher über. wieſen worden war, ehrte ihn mit väterlicher Zuneigung, und lub ihn oft zum Abendeffen ein. Schon Morgens ſagte er dann : , 3d laſſe uns heute Abend einen Eierkuchen baden ; fommen Sie nur zur rechten Zeit. "

Renber vergalt dies Wohlwollen feiner Vorgeſegten für ihn mit treuer Anhänglichkeit. Als er in ſpätern Jahren einſt einen Brief von dem General vor Winning erhielt, ſchickte er denſelben ſeinem Vater mit den Worten :

„ Heben Sie dieſen Brief des alten ehrlichen Winning auf; er verdient e8 ! "

Noch in dem ſpäteſten Lebensalter verſeßte Renber ſich gerne in dieſe Zeit zurüd, in welcher er arm, unbekannt und alleinſtehend doch ſo viel

Freundlichkeit gefunden hatte. Selbſt ber Landrath von Bannewitz jog ihn als gemeinen Soldaten öfter zu Tiſche, und war ihm außers ordentlich gewogen. Schon damals mochte ſich in Repber das eigen thümliche geſellige Talent entwideln , mit welchem er in der gutmüs

thigſten Weiſe, aber doch in unübertrefflicher Komit, Perſonen und Si tuationen zu dildern und nachzuahmen wußte. Wie oft iſt er mit

dieſer harmloſen Fröhlichkeit der Mittelpunkt der Geſelligkeit geworden, ohne auch in dieſer Richtung verkennen zu laſſen , daß Schärfe des Urs theile , raſcher Blick und richtige Erkenntniß der Charaktere ihm als Naturgaben eigen waren.

Reyber begnügte ſich aber nicht mit ſeiner Thätigkeit als Regie ments - Sdreiber, ſondern nachdem er ſeine einfachen häuslichen Ver hältniſſe in der Wohnung und dem þaushalt der Mutter des Unter .

8

offiziers Geister geregelt hatte, begann er fofort Unterricht in der deutſchen und franzöſiſden Sprache zu nehmen, kultivirte den Gefang, beſuchte mit Vorliebe Konzerte, und war auf dieſe Weiſe bemüht, das

Fehlente in ſeiner Bilrung nach Kräften zu erſeßen. Freilid waren die extraordinairen Mittel zu dieſen Ausgaben nod febr gering; allein ſie befferten fidy allmählig, wenn auch zunächſt noch in einem ſehr be. dheidenen Grade.

In der Stamm - Rolle des Regiments vom Jahre 1805 , die Renber

eigenbändig getrieben hat , finden wir ihn als jüngiten Corporal in ter pompagnie des Oberjilientenants von Rathenow I. aufges führt. Er war alſo bereits zum Unteroffizier avancirt, hatte 3 Sabre

gedient und war nun 19 Jahre alt. Die Maaß-Sijte jührt ihn ſchon damals mit der ungewöhnlichen Größe von 12 Zoll auf, alſo mit 6 Fuß. 3nbeffen blieb er in ſeinem Berbältniß zu dem Büreau des Res

giments, und hat hier die Rang- und Quartier-Liſte deſſelben geſchrieben, die ſpäter durch einen Zufall zu ſeiner großen Freude wieder in ſeine Þand zurüdgelangt iſt.

Berweilen wir einige Augenblide bei dieſem hiſtoriſk intereſſanten Dokunient, um das Regiment von Winning und die damaligen Ber hältniſſe in welchem Renber lebte, zu charakteriſiren.

Das Regiment war im Jahre 1713 errichtet worden, und zwar aus 6 Rompagnien der weißen Grenadiere und aus 4 Hompagnien,

welche das GardesRegiment abgab ; e$ zählte mithin 10 , Musquetiers Rompagnien ." 3m 3ahre 1735 wurden aus dieſen Musquetie -Rom

pagnien Leute ausgeſucht und 2 Grenadier - Kompagnien formirt; das Regiment beſtand alſo nun aus 12 Rompagnien. 3m 3ahre 1787 bers doppelte man die Grenadier - Kompagnien durch Umformation zweier

Musquetier-Rompagnien , uud feßte das Regiment auf 1 Grenadiers und 2 Musquetier -Bataillone, jedes zu 4 Rompagnien.

1799 löfte

man die zuleßt formirten 2 Grenadier -Kompagnien auf, indem man ſie wieder zu Musquetier- Stompagnien umwandelte, und gab den 2 älteren Grenadier-Kompagnien dadurch eine veränderte Zuſammenſtellung, daß man die Zahl der Ausländer in denſelben verringerte, dagegen die Zahl der Inländer durd Auswahl der größten und ſchönſten Leute des Re

giments vermehrte. Das Regiment beſtand alſo wie vormals wieder aus 2 Grenadier- und 10 Musketier-Rompagnien. Zehn Jahre früher, 1788,

hatte man noch ein Depot- Bataillon zu 3 Kompagnien formirt, welches ſpäter 3te8 Muequetier- Bataillon genannt, und 1797 durch eine 4te Roms pagnie ergänzt wurde.

Eine außerdem ſeit 1793 dazugehörente Invaliden-kompagnie nahm die Invaliden des Regiments und des abgefonterten 3ten Musketiers Bataillons auf.

Das Regiment batte feit ſeiner Stiftung immer in Berlin in Gars

niſon geſtanden, nur das 3te Dusquetier- Bataillon befand fich ſeit 1796

9

in Bernau, vorher in Cüftrin, und die Invaliden -Rompagnie ſeit 1798 in Rathenow, vorber in Mobrin.

Die Uniform des Regiments beſtand in roſenrothem Sragen, Klappen

und Auffdlägen. Das Rodunterfutter der Offiziere zeigte dieſelbe Farbe. Die Difizier - Uniform war mit 18 geidlungenen filbernen Schleifen mit loſen Buídeln bejeßt, und der þut mit einer ſchmalen filbernen

Ireſſe eingefaßt. Die Gemeinen hatten 10 weiße blaugeſtreifte wollene Bandſchleifen, nämlich 2 über jedem Aufſchlage, 5 unter den Klappen und 2 hinten.

Der Canton des Regiments beſtand aus den Kreiſen Obers und Nieder- Barnim , zum Theil Teltow , ferner aus den Städten Oraniens burg und Liebenwalde, Sdiwedt und Vierraden und einem Theil des

ſtolpirijden Kreiſes in der Udermart. Für die Anwerbung von Aus ländern war ein Stab8-Kapitain mit 5 Unteroffizieren in Franfurt a./M. ftationirt.

Das Regiment hatte in ſeinem ( 1805) faſt hundertjährigen Beſtehen eine ehrenvolle Bergangenheit gehabt. Die erſte Probe ſeiner Kriegs tüchtigkeit legte es ihon 1715 ab, als es auf der Inſel Rügen landete, ſpäter die Beenamünder Schanze mit Sturm nabm und Stralſund cers nirte. Aber auch 1741 bewährte fidh das Megiment in der Schlacht bei Mollmiß und in der Belagerung von Neiffe. Aus den ſpäteren Feld . zügen heben wir noch die Theilnahme dieſes Regimento 1745 an den Shladiten von Sohenfriedberg und Sorr bervor ; 1757 bei Reidenberg und Prag, in welcher Schlacht es allein 600 Todte und Verwundete verlor,

ferner bei Roßbad und Leuthen. 1758 verlor das Regiment bei Zorns dorf und Hochkirch wieder 800 Mann und legte dadurch fortgeſeßt den Beweis ſeiner außerordentlichen Tapferkeit ab. 1759 zeichnete es ſich bei Friesland in Böhmen dadurch aus , daß e8 700 Mann gefangen nahm. Auch 1760 war es bei dem Bombardement von Dresden und

in den Solachten von Liegniß und Torgau. Am Shluß des flebens jährigen Krieges fämpfte das Regiment noch 1762 in der Schlacht bei Freiberg.

Man erinnerte ſich ſtets mit Stolz daran , daß , fodlird ausges nommen, das Regiment ſtets an fiegreiden Sqlachten und Gefechten Theil genommen , und citirte oft mit Genugtbuung die Anetoote , nach welcher Friedrich der Große einſt bei einem Ritt durch das Lager deſſelben ſich mit den Worten zu ſeinen Begleitern gewendet hatte: „ Wenn id Soldaten ſehen will, ſo muß ich dieſes Regiment leben ".

Auch 1778 und 1794 wurde das Regiment vielfach und immer mit Auszeichnung genannt. 3n dem täglichen Dienſtverlehr reichten aber die hiſtoriſchen Er.

innerungen bis zu den Namen fämmtlicher Difiziere, compagnie - Chefe,

10

Stabs- Offiziere und Chefe hinauf, welche das Regiment ſeit Erridytung im Jahre 1713 gehabt hatte. Die Einheit der Familie mit ihren Traditionen wurde fortwährend feſtgehalten . Der erſte Chef des Regiments war der General Major von Das

mede geweſen. Ihm folgten die Oberften von Forçade und von Sydow , General-Major von Blankenfee , der 1745 den 30 ften Seps tember in der Schlacht bei Sorr blieb, ferner die General-Majors Graf zu Dobna und Quirin von Forçade , Oberſt von Buttkammer, General Majors von Renfell , von Thüna und von Lichnow 8ty und endlich ſeit 1796 General-Major von Winning. General- lieutenant von Winning zählte 1805 bereits 69 Jahre und hatte ſchon 53 Jahre gedient ; er wurde 1812 als General der In fanterie in den Ruheſtand verſegt. Oberſtlieutenant von Rathenow ſtarb in Folge der ſchweren

Berwundung , die er in der Súlacht bei Zena im folgenden Jahre ers hielt. - Eigenthümlid, iſt der Umſtand, daß aus dieſem Infanteries

Regiment auch tüchtige Huſaren - Offiziere hervorgegangen ſind, nämlic : Carl Auguſt von Sohr I., der 1812 als Rittmeiſter in das Brandenburgiſche Fuſaren - Regiment verſeßt wurde. Aber auch die Sec.slieutenants Friedrich Georg von Sohr II ., von Warkotid und von Bidüfden folgten zu den Huſaren. Wir werden ſehen wie ſpäter auch Reyber zur Ravallerie übertrat. Die ſtattlide Größe des Regiments geht daraus hervor, daß ſich 1805 unter den 1500 Rombattanten des Gemeinen Standes : 11 zöllige 3 10

28

64

9

133

8

214

7

422

6

580

5

56

-

4

Soldaten befanden .

Das vortreffliche Korps der Unteroffiziere zählte Mitglieder, deren Dienſtzeit aus den Decennien des vorigen Jahrhunderts bis 1750 hinauf reidyte. Freilid befand ſich dadurch der Stamm derſelben in einem ſehr reſpettablen Alter, nämlich: von 60 bis 70 Jahren 1 Unteroffizier. 50

60

40

50

30 40 20 30 unter 20

21 E

35

40 12

11

11

Die lange Dienſtzeit der Gemeinen ſtellte das Lebens -Alter nicht minder hoch und verſchieden, nämlich: von 60 bis 70 Jahren 2 Gemeine 50 40 30

20

60

30

50 40 30

193 557 751

unter 20 Jahren 39

mit Einſchluß der 38 Spielleute und der 34 Artilleriſten. Man erſteht hieraus, wie unter dieſen Umſtänden das Regiment in der That eine Heimath ſeiner Mannſchaften ſein mußte. Ungeachtet ihrer 20 und 25 jährigen Dienſtzeit befanden ſich dod noch 449 sapi

tulanten in ihren Reihen, welche die obigen ſehr hohen Alters-Verhältniſſe erklären . Dazu fam die Gewohnheit der Zeit , nicht nur die Unterof. fiziere, ſondern audy gemeine Soldaten heirathen zu laſſen und deren Kinder als zum Regiment gehörig zu betrachten. Bei Special - Revüen mußten Sr. Majeſtät dem Könige ſummariſche Verzeichniſſe der „ Sol Daten - Kinder “, nach Altersklaſſen von unter einem Jahr bis zum

18. Jahr geordnet , eingereicht werden. Die Nachweiſung aus dem Jahre 1805 führt in dem Regiment von Winning 568 Söhne und 344 Tödter auf, zuſammen 912 Kinder , und

in dieſer Zahl ſind nur die unverſorgte Töchter " bis zum 12ten Jahre enthalten . Ade , beweibten Soldaten ", wie der Dienſtliche Ausdrud lautete, erhielten reglementemäßige Unterſtüßungen. Ihre Söhne waren der geborne Erſak des Regiments. Es zählte 1805 allein 166 ein. rangirte Soldaten Söhne. Dieſe ganze große Regiments-Familie wurde

mit Einſdluß der noch lebenden Invaliden auf 3930 Seelen "

berechnet.

Obidon etwas über die Hälfte des Regiments aus Ausländern beſtand, d. 6. überwiegend aus deutſchen Soldaten, aber auch aus Frans zoſen , Ungarn , Italienern , Bolen und Ruffen, fo batte langjährige Ges wohnheit , Zucht und Ordnung, ſie doch zu einem feſten Ganzen zuſam

mengeſchweißt, welches nie manquirte : - ein Geiſt, ein Sinn beſeelte fie Alle.

Unter den Bemühungen Reyher's fidi neben ſeiner dienſtlichen

Beſchäftigung durch häuslichen Fleiß eifrigſt fortzubilden , trat aud für ihn plößlich die Zeit ein, wo er Berlin verlaſſen mußte. Die bedrohte Lage de

Staate im Jahre 1805 machte die Mobilifirung und Zuſam

menziehung der preußiſchen Armee nothwendig. Das Regiment von Winning erhielt den Befehl zum Abmarſch nach Bannover, rüdte deshalb am 18ten October aus Berlin ab, und marſcirte über Magdeburg nach

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Hildesheim , wo es bio zum 14. November 1805 Rantonnements bezog. Dbgleich nun für dieſes Jahr feine ernſte Betheiligung Breußeng an den friegeriſchen Vorfällen eintrat , ſo blieb doch ein großer Theil der Armee, und namentlid, blieben die Truppen der refiphäliſden und bannös verſchen Inſpektion mobil, in Folge deſſen auch das Regiment v. Wins

ning. Nad einigen Hin- und Fermärſchen, theils in Heſſen - Darmſtadt, theile in Beffen - Caſſel und in dem Gebiet von Baderborn, bekam das Regiment Dønabrüd als Garniſon angewieſen , woſelbſt ef am 14 ten Februar 1806 eintraf. Die Ruhe Daſelbſt war nur von furzer Dauer. Einen Monat vorber , den 14. Januar 1806, hatte Renber aus Elpenroth bei Ulsfeld einen ſehr zärtlidhen Brief an ſeinen Vater ges

ſchrieben , in welchem er mit Gewiſſenhaftigkeit alle diejenigen Ber: wandte , Freunde und Bekannte namentlich aufführt, welche der Bater in dem Dorf und in der Umgegend freundlich von ihm grüßen foll, ja „, viel tauſend Mal ". Auch ſeine Geſchwiſter nannte er immer mit Namen. Sein Herz iſt der Heimath mit allen ihren Erinnerungen auch in der Ferne ſtets treu geblieben. Der nun folgende unglüdliche Feldzug von 1806 hat das Regiment

von Winning größtentheils aufgelöſt, - aber - wie ein treues Mitglied des Regiments ſchrieb :

,, keinesweges aus Mangel der Bravour von Gemeinen und Dfo fizieren, ſondern in Folge übler Anführung.“ Şeben wir nur einige Momente aus dieſer Zeit aQgemeiner Trauer heraus. Die feit dem Jahre 1795 aufrecht erhaltene Neutralität Breußens

ſchüßte es nicht gegen eine abſichtliche Verlegung derfelben, welche Raifer Napoleon im Jahre 1805 im Angbadſden durch den Marſhall Bers

nadotte vollziehen ließ. Die damals unterlaſſene Kriege -Erklärung Breußeng an Frankreid , der Ausgang des franzöſiſd - öſterreichiſchen

Feldzuges von 1805 und die durch den Grafen augmiß geleitete Politit, welche in dem Bertrage vom 15. Februar 1806 zu Baris ibren unglüdlichen Abſchluß fand , - befreiten Breußen ließlich doch nicht von der Wahl , entweder fid, dem franzöſiſchen Machthaber willenlos zu unterwerfen, oder für politiſche Selbſtſtändigkeit und nationale Ehre

das Sowert zu ziehen. Der König entſchloß ſich

wie er nicht anders

konnte – zum Kriege. Geſchah dies auch Anfange noch zögernd und ungewiß , ſo drängten die Umſtände doch raſch zum Ausbruch des

Krieges. Am 9. Auguft wurde aus Charlottenburg der Befehl zur Mobilmachung erlaſſen; am 25. September ein Ultimatum an Frantreid gerichtet; am 9. October der Arieg an Frankreich erklärt. Wir ſagten ſchon oben, daß ein Theil der Truppen mobil geblieben war. Jeßt wurden die Regimenter mehr konzentrit und die Kommandos Berhältniſſe geregelt.

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General-Lieutenant von Ridel erhielt ben Dherbefebt über die preußiſchen Truppen in þannover und Weſtphalen. 3n Weſtphalen foumantirte bereits General Blüder. Da die Bemühungen Rüdel'8, den Churfürſten von Beffen zum Anfdluß an Breußen zu bewegen , vers geblich waren , und die Bewegungen franzöſiſcher Sorps auf eine Dpes

ration gegen Sachſen ſchließen ließen, ſo beſchloß Rüd el ſeine Truppen der Baupt-Armee zu nähern, welche ſich an der Saale unter dem Ober.

Kommando des Herzog von Braunſchweig ſammelte. Er befayl deshalb dei General Blü d)er , fich am 11. September zwiſchen Baderborn

und Beverungen zu fonzentriren. In Folgen deſſen verließ auch das Regiment von Winning ſein bisheriges Stan quartier und Rehber mit ihm . Blücher wurde ſehr bald nach dem þeſſiſdien bin in Bewegung gefeßt. Da aber der Churfürſt gegen das Einrüden der Breußen pros teſtirte, fo machte man am 16. September auf der Straße nach Warburg zwiſchen Paderborn und Lichtenom Halt, bis ein neuer Befehl Rü dy el's

dieſes forp8 am 18. September über Höxter und Beverungen auf Göttingen dirigirte. Nach dem im þauptquartier feſtgeſtellten Operations - Plan fellite Rüdel mit ſeinen Truppen ein Obſervations forp8 in þeſien bilden , welchem die Aufgabe ertheilt wurde , den Feind zu täuſchen und eine

unrichtige Bertheilung ſeiner Streitfräfte zu bewirten , wäbrend die preußiſche þauptarmee und die Armee des Fürſten Sobenlobe ben Thüringer Walt pafſiren würden.

3n Uebereinſtimmung hiermit wurden die hannoverſchen Truppen zwiſchen dem 1. und 4. October bei Langenſalza und Mühlhauſen vers einigt , und am 5. October auch ein Theil der Regimenter Blücher's herangezogen – unter dieſen das Regiment von Winning – um mit dem Ganzen über Eiſenad) auf Bacha zu marſdiren, während Blüder

mit dem Reit ſeiner Truppen, 6 Bataillone, 1 Kompagnie Jäger, 15 GS catrons, 214, Batterie, ſich über Hannoverſch Münden auf Caſſel dirigiren fodte, um ſich für die Avant- Garde einer großen Armee auszugeben. Die von Blücher abgezweigten Truppentheile ftanten am 3ten October bei Wanfried ; am 5ten Dctober liegen ſie zu dem forpe Rü

dele , weldier hierauf langſam ſeine Bewegung auf Eiſenad, antrat.

Indeſſen gab man um dieſe Zeit in dem Hauptquartier die Abſicht auf, über den Thüringer Wald vorzurringen ; auch Rüchel durfte am 7ten Dctober ſeinen Marjd nicht weiter forifeßen, ſondern bezog am 9ten October Kantonnemente zwiſchen Eiſenach und Gotha. Ebenſo wurde

Blüder nadı Eifenada herangezogen, obne die an das Rücheliche Korps abgetretenen Truppen wieder zu erbalten. Das Regiment von Wins ning blieb daher unter dem direkten Befehl Rüde18. Beide Generale marſdirten am 13ten Lctober über Erfurt nach Weimar. Bon bier

mußte Blüder der Haupt-Armee folgen, dagegen Rügel in Weimar

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verbleiben, um den Herzog von Weimar bei ſeinem Rüdzuge aus dem Thüringer Walde aufzunehmen. Das Korps von Rüdel traf erſt in der Nacht zum 14ten October bei Weimar ein.

Der größte Theil beffelben bivouatirte und unter

diefem aud das Regiment von Winning , welches am Webicht - Holz in einem offenen Quarree ſeinen Lagerplat genommen hatte. Rüchel zeigte dem Fürſten Hohenlobe , welcher vor ihm bei Capellendorf

ſtand, an, daß er bei Weimar angelangt ſei , und erbot ſich im Fall der Noth Beiſtand zu leiſten. Dieſer Beiſtand ſollte ſchon am folgenden Morgen nothwendig werden. Am 14ten October börte man bei Weimar ſehr bald den Kanonens bonner der Schlachten von Jena und Auerſtädt. Rüchel ließ ſogleich ſein Korps aufbrechen und marfdirte nach Umpferſtadt, dem Scheibes punkt der Straßen nad Naumburg und Weimar, um dort ſowohl noch den Herzog von Weimar aufnehmen , als auch den Fürſten Bohenlohe oder die Haupt-Armee unterſtüßen zu können.

Den Marſch nach Umpferſtadt machte zwar das Regiment von Wins ning mit, aber nicht Reyher. Er ſollte am 14ten October 1806 ſein liebgewonnenes Regiment zum leßten Mal geſehen haben, freilid ohne die ſchredliche Kataſtrophe zu ahnen , die ſich nun ſo überraſchend ſdnell entwidelte. Reyher mußte nämlich bei der Bagage zurüd bleiben. Oberſtlieutenant von Rathenow hatte ihm die Sdlüffel zum

Raffenwagen übergeben , und denſelben ſeiner beſondern Obhut anbes fohlen.

Das unglüdliche Schidſal des Rüdeliden Rorps ift bekannt. Wir erinnern nur daran, daß zwar Rücel der Aufforderung des Fürſten Hohenlohe entſprach und zur Unterſtügung auf das Schladıtfeld von Jena eilte, aber zu einer Zeit dort eintraf, als die Schlacht eigentlich

ſchon verloren war. Das nachtheilige iſolirte Vorgehen des Korp8 konnte durch die ausgezeidinete Tapferkeit der Truppen nid)t mehr aus: geglichen werden ; — nach einem faum halbſtündigen Gefecht zerſchelten die Regimenter an der Ueberlegenheit des Feindes. Das brave Regiment von Winning verlor allein 17 Offiziere, 674 Mann an Todten und Verwundeten und unter dieſen auch den Oberſtlieutenant von Rathenow, den wohlwollenden Gönner Reyhers. Der Rüdzug der Trümmer des Rorps führte das Regiment nadı Erfurt, wo ſeine Ueberreſte in die be. tannte Kapitulation eingeſchloffen wurden.

Rehren wir zu Reyber zurüd , um deſſen perſönliches Schidſal in der nun eintretenden allgemeinen Verwirrung zu verfolgen. Bereits am 13ten October Vormittago 11 Uhr, als der Stab des

Regiments noch einige Stunden vor Erfurt ſtand, war der Befehl ein gegangen, daß die Brigade von Pettow , beſtehend aus den Regimentern von Lettow und von Winning, mit den anderen Truppentheilen

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des forps von Rüdel nach Weimar aufbrechen , die Bagage aber nach Schloß Bippad fahren folle. Da man indeſſen erſt um 3 Uhr Nach mittags den Marſd) antrat, fo trafen, wie wir oben ſaben, die Regi menter aud) erſt ſpät in der Nacht bei Weimar ein. Die Proviant

wagen des Regiments von Winning batte man dem Regiments-Au biteur Fromm und die Badpferde, 146 an der Zahl, dem Fähnrich von

Schild übergeben. Zur Anfrechthaltung der Ordnung waren nur 4 Unteroffiziere kommandirt. Regiments - Schreiber Reyber führte die

ſpecielle Aufſicht über den Kaſſenwagen, zu dem er, wie bereits er wähnt, den Sdlüffel von dem Oberſtlieutenant von Rathenowers

halten. Unter Bededung von 1 Offizier und 50 Dragonern von Wo : bejer marſcirte der ganze Train aus der Gegend von Erfurt direkt nach Schloß Vippady, bekam aber hier den Befehl den Truppen dod

wieder nad, Weimar zu folgen. Es war bereits ſpät Nachmittags, die Wagenzüge geriethen ins Stocen, denn auch ſchwere Geſdjüße befanden ſich auf der Straße. Kaum war man aber ſpät bei Weimar angelangt, ſo erging der Befehl, der Train müffe wieder zurüd nad Schloß Bip

pach. Die Nacht ſteigerte die Berwirrung; ein Theil des Trains legte ſich in Bewegung, ein anderer hatte keinen Befehl erhalten . Die Wagen

des Regiments von Winning langten nach einem ſehr mühſamen Nachtmarſd um 2 Uhr Morgens wieder in Dippach an. Die Beglei tung8 -Mannſchaften bivouatirten. Der Kaſſenwagen wurde mit den Wagen anderer Regimenter auf dem Schloßhof aufgefahren. Allein auch hier häufte ſich eine ſolche Maſſe von Fahrzeugen an, daß man ſie am andern Tage erſt nach langen Müben zur Weiterfahrt zu entwirren vermodyte. Auch in Bippad hörte man am 14ten October früh bas heftige Ges

ſhüpfeuer. Man glaubte ſelbſt am fernen þorizont die Pulverdampf Wolfen aufſteigen zu ſehen. Gegen 2 Uhr Nachmittags brachten Flüchtlinge die Nachricht, die Schlacht ſei verloren. Bei dieſer unglüdlichen Kata

ſtrophe war der Train vollftändig vergeſſen worden, tein Befehl ging ihm zu. Niemand wußte in Vippach , was zu thun fei, wohin man fahren müſſe. Erſt am Abend entdloß man ſid ), Vippach zu verlaſſen,

und den Weg über Sondershauſen und Nordhauſen auf Magdeburg einzuſchlagen. Es war wieder ein Nadtmarſch. Heyber blieb ſich hierbei ſehr bald felbſt überlaſſen, denn der Auditeur Fromm fam in der Dunkelheit vom Train ab , und Fähnrich von Schild war faum

im Stande mit ſeinen wenigen Unteroffizieren die vielen Badknedite mit deren Pferden in Ordnung zu halten ; um die Wagen konnte er ſids nicht fümmern. Dennody gelang es Reyher'n , nach unermüdlicher Ueberwindung großer Schwierigkeiten, den Raſſenwagen unverſehrt nad Magdeburg zu bringen , und denſelben bort dem Major von Ratbes now II. des Regiments , der auch als Verwundeter hierher gebracht worden war, zu übergeben.

16 Bei der großen Maſſe ber nad Magdeburg eilenben Bagage, und bei dem Unweſen , welches die Sdaaren von Berſprengten überall ans

richteten , erſcheint dieſer glüdliche Ausgang allerdings wunderbar. Aus dem Beridt der Fähnrichs von Sd11d erfieht man die Berwirrung,

die zu beſiegen, die pinderniffe, die zu beſeitigen waren . Am 16ten Dctober nämlid , ale von Sdild Nordhauſen mit den

Badpferden des Regimentë erreichte, wurte bort die Arlonne durch eine

große Zahl von Bagage - Wagen, wahrſcheinlich von der Haupt- Armee, verſtärkt, von Sdild blieb bei dieſer Kolonne, da ihm auch bis jeßt fein Befehl zugegangen war. Ben Northanſen an ging Alles in ter größten Eile vorwärts. Nad einer halben Stunde, fc erzählt von S dild , feßte ſich der ganze Zug bereits in einen ſtarten Trab. Ranonen und Gelds wagen wurden ſchon abgeſpannt und blieben ſtehn. Dabei ritten im vollen 3agen fortwährend Karalleriſten vorbei und forderten die Bads

knechte auf, abzupaden, da der Feind ganz nabe ſei ; – ja als die Anechte dies nicht ſogleich thaten, wurden ſie von den Suſaren mit Säbelhieben

dazu gezwungen. Auf einer Strede von mehr als einer Stunde fand man weiter Nichte, als abgeſpannte Wagen, Geſchüße und hingeworfenes Gepäd. Die wenigen Difiziere fonnten der raſch einreifenten Unords nung nicht mehr ſteuern; man nahm nur auf die Rettung der Bierde

Berađit. In der That gelang es dem Fähnrid von Schild ſeine Pferde, wenn aud ihres Gepäds von eignen Ravalleriſten beraubt und ausgeplüncert, in Magdeburg abzuliefern. Aud Reyber hat gegen beutes luftige Maroteurs zu tämpfen gebabt, denn als er in Magreburg ſeinen

Kaſſenwagen übergab, fanten ſich Spuren an demſelben vor, daß man ihn gewaltſam batte erbrechen wollen. Med furz vor Magdeburg war Rehber dem Zwange der Marobeuro zur þerausgabe des Sdlüſſi18

nur tarurd entgangen, daß er ihn heimlich der Frau des Reitfuehtes des Oberſtlieutenants von Rathenow , Namens Wolter , zuſtedte, und dann nach Magdeburg eilte, um von tort her Hülfe zu holen. In Magdeburg fanden ſich ſehr hald 200 bis 300 Verſprengte des

Regiments von Winning zuſammen ; gleid)zeitig auch der Kapitain von 3 glinifty deſſelben, der nach der S.blacht mit ſeiner Rompagnie

zur Rettung zweier Regimente - Geſchüße tetaichirt worden war, und nicht nur dieſe , ſondern auch 10 andere Kanonen und eine Fahne tes

Regiments von Renouard auf anerkennenswerthe Weiſe glüdlid bis Magdeburg gebracht hatte. Auf Befehl des Fürſten hohenlobe felten alle Truppentheile,

die nidt zur Feſtunge - Beſabung gehörten, Magreburg am 23ten Los tober wieder verlaffen . 3n Folge dieſes Befehls übergab der verwundete Major von Rathenow dem Kapitain von 3 linifty dae Roms mando über die geſammelten Mannſchaften des Regiments, welcher aus

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berſelben drei Kompagnien formirte und fid) bem abmarſcirenden Korp8 des Fürſten Hohenlohe anſchloß.

Reyher hatte ſich natürlich zur Dispoſition des Kapitaine von Zglinity geſtellt, und wurde ſpäter bei Prenzlau wieder mit 6 Mann zum Kaſſenwagen fommandirt. Er ſtieß mit demſelben zu den übrigen Kaffenwagen 2. des Korps , die ſich auf der Straße nach Paſewalt

ſammelten , und nach dieſer Stadt gemeinſchaftlich abfuhren. Raum aber war dieſe Wagen -Rolonne 1 Meilen von Prenzlau entfernt, als verſchiedene Adjutanten angeſprengt kamen , die Nachricht brachten, daß das Korpe des Fürſten Hohenlohe kapitulirt habe, und den Bes fehl hinzufügten, daß nicht nur die Kaſſen -Wagen , ſondern die geſammte Bagage in Folge dieſer Kapitulation nach Prenzlau zurüdtehren ſolle. 113 Reyber aber beſchloß, dieſem Befehl nicht zu gehorchen. Er hielt

die Hoffnung feſt, wenigſtens Paſewalt erreichen zu können, und machte ſogleid den lobengwerthen Verſuch dazu.

Auf der Straße entſtand

aber ein großes Gedränge; einige Wagen machten Kehrt , um nach Prenzlau zurückzukehren , andere blieben ſtehn , die Verwirrung wuche mit jeder Sekunde. Reyher ließ unter dieſen Umſtänden, freilich nicht

ohne große Schwierigkeit, ſeinen Wagen von der Straße herunterfahren, und ſchlug den Weg nach dem zunächſtgelegenen Dorfe (Carmzow ? ) ein.

Der Weg war fdlecht, die Pferde ermüdet; ſo geſchah es, daß er nicht fo raſch vorwärts kommen konnte, als er gewünſcht hätte. Die zu ihm fommandirten Soldaten entfernten ſich ſehr bald , und nur der Trains

Inect Wolf hielt bei ihm aus. In dem Dorfe angelangt, ließ Rehber den Wagen auf den Hof deß dortigen Amtmanns fahren , bat dieſen, die Pferde in ſeinen Stall zu nehmen und ihn zu unterſtüßen , daß der

mit Geld beladene Wagen wenigſtens in den hinter dem þauſe befind lichen See geſtoßen werde.

Do

Allein der Amtmann erklärte beſtimmt und furz, feine perſön liche Sicherheit fei ihm lieber , als die Rettung des Königlichen Raſien

Wagens. Er wolle ſich keiner Gefahr dem Feinde gegenüber ausfeßen und werbe deshalb feinen Augenblick anſtehn, den etwa verborgenen Wagen ben Franzoſen anzuzeigen. Unter dieſen troſtlofen Umſtänden , die ſich noch dadurch ſteigerten , daß fich don feindliche Flanfeurs von Ferne auf dem Felde zeigten , madyte Revber , indem er aus dem Dorfe ſofort wieder abfuhr , mit den ermüdeten Pferden doch den Verſuch, die Hauptſtraße und auf der felben Bajewalt zu erreichen . Andere Wagen hatten ſich gleichfalls im

Eilmarſd dorthin gewandt. Allein hier ſchußlos fich ſelbſt überlaſſen, erreichte Alle das traurige Geſchid , von den Franzoſen eingeholt und

genommen zu werden. Audy Reyher fiel in Paſewalt in Gefan genſchaft.

Stalin

Das Detaſchement des Rapitains von 3 glinigky , gleichfalls bei

18

Prenzlau gefangen , wußte jedoch den nahe gelegenen Canton des Re giments zum Entweichen trefflich zu benußen. Bon den 200 bis 300 Mann ſind nur ungefähr 50, theils Bleſſirte, theils Krante , in der Gefangenſchaft verblieben.

Aud Reyher ſuchte und fand die Gelegenheit, auf dem Transport zu entlommen. Da aber der Krieg unterdeſſen einen ſo ſchnellen Verlauf genommen , daß fich die Franzoſen ſehr bald zwiſchen der Oder und Weichſel befanden , ſo fonnte Reyber nach der Weichſel hin , zu dem dort neu geſammelten vaterländiſchen þeer, nicht mehr burdbringen ;

auch beſtand ja ſein Regiment zu ſeinem großen Schmerz nicht mehr. Er eilte daher zu den Eltern nach Gr. Schönebec, um hier die weitere Entwidelung der unglücklichen Verhältniſſe des Baterlandes vorläufig abzuwarten . Ohne Zweifel iſt dieſer Abſchnitt der traurigſte ſeines Lebens geweſen. In voller Lebensfriſche aus einer bereits liebgewone nenen Laufbahn herausgeworfen ; unter dem täglichen Eindrud der Hiobspoſten , die Preußen an den äußerſten Rand des Verderbens zu bringen ſchienen ; unthätig und doch vod Neigung ſeine Kraft für das Ganze , wenn auch im beſcheidenen Kreiſe zu verwertben , - bedurfte es nur des leiſeſten Anſtoßes, um Reyher dahin wieder zurüdzuführen, wohin er gehörte :

in die Armee !

Den Ruf , den Major von Sdill ſich in Pommern durd ſeine teden kleinen Krieg8 - Unternehmungen erworben hatte , machte ihn ſehr bald in dem Munde Des Bolfe ſo beliebt und populair , wie den

tapfern treuen Vertheidiger Colbergs , den Oberſten von Gneiſenau. Reyher & Entſchluß ftand feft: Dienſte nehmen.

bei Sdill wollte er von Neuem

4. Reyher als Kavalleriſt unter Major von Schil .

Major von Schill hatte im Mai 1807 die Umgegend von Colberg verlaſſen, um auf Befehl des Rönigs mit 3 Estabrons nad Sdwediſchs

Pommern überzuſchiffen, und ſich dort dem Korps anzuſchließen, welches Blücher von Neuem formirte. 1 Estadron (Lieutenant Graf Medell)

von 136 Pferden und 6 stompagnien Infanterie (Lieutenant von Gruben) zuſammen 790 Köpfe, nebſt ein Paar beſpannte Geſchüße, mußte Schill von ſeinem Detajdement bei Colberg zurüdlaſſen.

Blücher war auf Rügen gelandet, wo nun auch Shill mit ſeinen 3 Eskadrons (500 Pferde) eintraf, und ſich eifrigſt bemühte, nicht nur die Ausrüſtung ſeiner Ravalerie zu vervollſtändigen , ſondern auch eine 4te Estadron nebſt einem Detaſchement reitender Jäger und 2

Kompagnien Infanterie zu formiren. Da aber traf unerwartet bie Nadricht von dem am 9. Juli abgeſchloſſenen Frieden zu Tilſit ein.

In Folge deſſelben kehrte Blücher und mit ihm Sdill nach Pommern

19

zurüd , und Schill 30g ſein ganzes ehemaliges Detajdement in der Umgegend von Treptow a/R. zur Reorganiſation wieder zuſammen , da man allgemein an einen bauernden Frieden nicht glaubte. In dieſem Moment meldete ſich Revher bei ihm. Reyher hatte nämlich am 3. Auguſt Schönebed verlaſſen und war über Gierswalde nach Stettin marſchirt, wo er als rüſtiger Fußgänger

bereits am 5. Auguſt eintraf. Am 6ten hielt er einen Ruhetag in Stettin unb fegelte am Abend des 7ten auf dem Schiffe Anna Marie ( Capitain Bauſt) nad Cammin, welche Stadt er am Sten erreichte. Am 9. Auguſt befindet er ſich bereits in Treptow . Schill nahm ihn nicht nur an, fondern ernannte den bureaugewandten Renber auch ſogleich zum Feldwebel. Ein beſonderes Eramen , welches der neue Feldwebel

am 10. Auguſt in Karniß , ſeinem vorläufigen Kantonnements - Ort, zu beſtehen hatte , wurde Beranlaſſung, daß Schill ihn als „, Sekretair “ zu ſeinem Stabe tommandirte .

Von dieſer ſo glüdlich beendeten Reiſe, die überdies feine nächſten Hoffnungen über Erwarten ſchnell erfüllt hatte , ſchreibt Regher an ſeine Eltern :

Die Reiſe iſt mir eine der vergnügteſten und angenehmſten

meines Lebens geweſen. Was es mir beſonders für angenehme Empfindungen machte, als wir die Nacht hindurch ſegelten und uns am Morgen mitten im Haff befanden, wo wir nirgends land ſehen tonnten, fann ich Ihnen nicht beſdireiben . Stettin hat mir ziemlich

gefallen , Wolin und Cammin auch, Treptow iſt aber ein redyt nettes Städtden."

Sdill's Detachement beſtand wieder aus 5 Estabrons, 1 reitenben Jäger -Abtheilung, 7 Rompagnien Infanterie und 1 Kompagnie 3äger,

die er unermüdlich zur friegsgemäßen Ausbildung anſpannte. Ganz beſonders lag ihm die Organiſation und Uebung der reitenden Jäger am Herzen, die er als eine von ihm wieder ins Leben gerufene Waffe betrachtete. Im December 1807 trat eine theilweiſe Reduktion der in und um

Colberg verſammelten Truppen ein , und im September 1808 eine alli: gemeine Reorganiſation der Armee , in Folge deren das Detaſchement

Sdill'8 in ſeiner bisherigen Selbſtſtändigkeit aufgelöſt und durch neue Benennungen umgewandelt wurde. Die Infanterie auf 4 Kompagnien geſeßt, trat als leichtes Bataillon von Schill“ in bas Leib- Infanterie-Regiment über, und die Kavalerie formirte ein Huſaren - Regiment zu 4 Eskadrons , unter dem Namen :

,2tes Brandenburgiſches Huſaren-Regiment von Schill “. Die reitende Jäger - Abtheilung durfte in der Stärke von 50 – 60 Pferden unver ändert fortbeſtehen , mußte aber in den Etat des Fuſaren - Regiments

eingerechnet werden. Die Fußjäger -Stompagnie ſtieß zu dem oſtpreußiſchen Jäger.Bataillon.

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Ehe dieſe Veränderungen beſchloffen wurden , hatte ſich Schill, beſorgt für das fernere Schidfal feines Detachements, ſchon im Mai 1808 nach Königeberg begeben und Reyher ibn dorthin begleitet. Adein der Aufenthalt Beider war daſelbſt nur von kurzer Dauer geweſen, Jeßt aber , nach erfolgter Publikation , verließ Renber ſeine bis

herige Waffe, die Infanterie, und ließ ſich als Wachtmeiſter dem reitenden Jäger - Detachement zutheilen , fungirte aber gleichzeitig fort

als Regiments-Schreiber des 2ten Brandenburgiſchen Bufaren-Regiments. Ohne Zweifel hat Schill zu dieſem Waffen - Wechſel perſönlich beiges

tragen , denn da er den Feldwebel Rehber im Laufe eines ganzen 3abres tennen gelernt und lieb gewonnen hatte, - ſo wollte er ſich

von ihm , der eigentlid, dem leichten Bataillon " hätte folgen müſſen, nicht trennen . Durch Treue, Zuverläſſigkeit und Gewandtheit in ſeinem Dienſt-Verhältniß , bat fic Reyher dieſe wohlwollende Auszeichnung, die ihm Sdill hiermit zu Theil werden ließ, redlich erworben. Als Wachtmeiſter rüdte Renber im November 1808 mit dem giment aus der Gegend von Treptow ab, um nach der neuen Garniſon,

der Reſidenz Berlin zu marſdiren , wo Schill mit ſeinen puſaren unter einem unermeßlichen Jubel der Bevölkerung am 10. December feinen Einzug hielt.

So ſtand Reber zum zweiten Mal in Berlin, -ſeiner tbeuren Bei. math wieder nahe - aber nicht ohne ſchmerzliche Rüderinnerung an das

brave Regiment von Winning, dem er hier einſt unter glüdlichen Ver hältniſſen für ſeinen König , für die Armee und für das Vaterland ans gehörte ! -

Preußen von dem verhaften Jodh des franzöſiſchen Kaiſers zu bes freien , wurde von jeßt ab der Grundgedanke aller Batrioten . Die

Jahrbücher der Geſchichte haben es nachgewieſen, in welchen Konflitt dieſe an fidy ehrenwerthen Beſtrebungen mit der Politik des Könige und Kriegsherrn traten , der andern Gefeßen als denen der Strömung des Tages zu folgen hatte , wenn gleich ſein edles Herz nicht minder warm und tief die leiden ſeines Volkes und das eigene Unglüc empfand. Auch Spill gerieth in dieſen Sonflitt, den er aber - wenn auch

von den reinſten , ſo doch von unklaren Motiven getragen

mit dem

Tode geſühnt hat.

Es war an einem Freitag, den 28. April 1809 Nachmittag8 4 Uhr, ale S dill 2 Estabron8 ſeines Regiments und das reitende 3äger-Des taſchement, wie dies oft gedehn, auf den Plaß vor dem Brandenburger Thor zum Ererzieren ausrüden ließ. Gegen 6 Uhr erhielten dieſe ES tadrons den Befehl , um die Stadtmauer nach dem Tempelhofer Felde zu marſciren. Dort fanden ſie bereits die beiden andern $ uſaren - E8

tabrons vor. Das nun vereinigte Regiment ließ Spill in der Richtung auf Steglig bin manövriren . Es fing an zu regnen und die Dunkelheit

21

brad bereits ein. Da nahm Schill das Regiment zuſammen und hielt ; demſelben folgende Anrede :

( „ Ich bin entſchloſſen , gegen den Feind zu ziehn , den Ihr Ade haßt, der das Vaterland unglüdlich gemacht hat, und der alle Rechte der Menſchen mit Füßen tritt, dem tein Vertrag und tein Friedens:

ſchluß heilig iſt, und der nur auf einen günſtigen Augenblid wartet um auch die Verfaſſung des Bandes vollend8 umzuſtürzen. So wie der treuloje Tyrann Spanien behandelt , das ihm idon ſo große

Opfer gebracht, ſo wird er auch nicht eher ruben , bis er unſerem Baterlande den geliebten König entzogen und den erlauchten Res 1: gentenſtamm , unter deſſen weiſer Regierung fid Breußen zur höchſten

Stufe des Ruhmes erhoben, de Thrones beraubt hat.“ Ein allgemeines Zubelgeſdrei antwortete dieſer kurzen, aber energiſd geſprochenen Rede. Dffiziere und Soldaten gelobten ihrem verehrten Chef für König und Vaterland bis in den Tod zu folgen. Sogleich wurde der Marſch über Botebam nad Baumgartenbrüd angetreten .

Daß auch Reyher unbedingt folgte, lag in ſeiner perſönlichen Bes ziehung zu S dill ; - aber auch in der allgemein verbreiten Meinung,

Saill handele nicht eigenmächtig, ſondern in Folge einer geheimen Drdre des Königs , eine Meinung , die allerding8 eine durchaus irrs thümliche war.

Von Renber's Band liegt uns eine Stizze des merkwürdigen Schil'iden Zuge$ vor , die er in ſpäteren Jahren als Chef des Gene ralſtabes in der militairiſden Geſelfdaft zu Berlin zum Vortrag brachte ; aber feine große Beſcheidenheit und Anſpruchsloſigkeit verhinderte

ihn, auch nur ein einziges Wort über ſich ſelbſt darin zu ſagen. Wir heben deshalb nur einige charakteriſtiſche Stellen aus derſelben heraus,

um daraus aud Keyber ſelbſt, und die Begebenbeit, in welcher er perſönlich mitwirfte, tennen zu lernen.

„ Dieſer Zug Saill's - ſchreibt Reyher - obwohl er uns glüdlich endete , gehört nichts deſto weniger zu den Erſcheinungen, welche damals mitten im Siegeslauf der franzöſiſchen Heere wie Bliße ben politiſchen Sorizont durchzudten und ſo gleidiſam das

Herannaben des Gewitter& verkündeten, welches einige Jahre ſpäter ſich über dem Haupte Napoleono zuſammenzog und durch rajd

aufeinanderfolgende Schläge ihn und ſeine Macht zertrümmerte.“ Bon S dill's Perſönlichkeit entwirft Renber folgendes Bild. „ Schill befand ſidy 1809 in dem Alter von 34 Jahren. Er war nicht groß, aber träftig gebaut, hatte breite Schultern, ſchwarzes paar, einen ſchwarzen Sdnurrbart, ſchwarze Augen und eine friſche Geſichtfarbe. Den stopf trug er etwas nac, borne geſenkt und zog ihn nur zurüd, wenn es ihm darum zu thun war, fidh Iemand

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in der Unterredung recht verſtändlich zu machen . Er fleibete fich mit Sorgfalt und ſeine äußere Erſcheinung gewährte das Bild

eines hübſchen Huſaren - Dffiziers. Dabei war er beſcheiden und anſpruchslos, nur konnte er oft über Kleinigkeiten in den heftigſten Zorn gerathen , wodurch dann ſeine Willenskraft nicht ſelten in Eigenſinn auðartete. In ſeinen Bedürfniſſen war er mäßiger Natur. Dhne alle wiſſenſchaftliche Bildung beſaß er einen aus. gezeichneten Berſtand. Wenn man von Berſonen zu ſagen pflegt, fie wiſſen mehr wie fie tönnen ", - fo war das bei Schill umgekehrt ; er tonnte als Soldat mehr , wie er wußte , d. h. er

verſtand es nicht, militairiſch-theoretiſche Rombinationen, ungeachtet aufzus ſeiner Neigung ſich mit ſolchen Dingen zu beſchäftigen , faffen und zur Klarheit zu bringen ; aber ſobald er Gelegenheit hatte, die Verhältniſſe an Ort und Stelle zu überſchauen , dann beurtheilte er ſie ſchnell richtig. Hieraus ergiebt ſich indeſſen , daß der große Blan , den er mit Erfolg auszuführen gedachte, Rräfte überſtieg. Mit einem tief begründeten Ehrgefühl verband er einen hohen triegeriſchen Muth , und in ſeiner eigenthümlichen Stellung war es für ihn von Wichtigkeit, daß er das Talent der freien Rede beſaß und durch dafſelbe, ſo wie durch eine zutraulidye

Freundlichkeit, ſeine Untergebenen auf eine wahrhaft merkwürdige Weiſe für ſeine Zwede zu gewinnen und zu begeiſtern wußte. Bon einer inneren Unruhe getrieben , tonnte er ſein Nachdenten nicht lange auf ein und denſelben Gegenſtand richten , und daber tam

es denn aud, daß die Ergebniffe ſeiner Betrachtungen in der Regel der Gründlichkeit entbehrten und nicht ſelten als das Produkt einer

ungezügelten Phantaſie erſchienen .

Seinem Könige und Berrn, dem er fo viel verdankte, war er in Ehrfurcht und Treue ergeben , und wenn er beſſenungeachtet die Bahn der Pflicht verließ, ſo geſchab es , weil ein glühender Baß gegen Napoleon feine ganze Seele erfüllte und er der Hoffnung Raum gab, durch die Befreiung des ihm über Ades theuren Vater landes ſpäter feine That zu fühnen. Rein Zweifel tann darüber obwalten , daß feine Abſicht rein und ebel war. Wäre er mit dem

Regiment in Pommern geblieben , ſo würde es ihm wahrſcheinlich gelungen ſein, ſeine Kampfluſt zu unterbrüden , bis er 1813 Gele genheit gehabt hätte , aufs Neue eine ruhmvolle laufbahn zu be

treten . In Berlin erlag er den Schmeicheleien und der verkehrten Einwirkung ſeiner Gönner und Freunde , und weil er in Selbſt verblendung ihren Aufforderungen Gehör identte, und ſich auch wohl

zu großen Dingen befähigt und berufen glaubte, beſaß er zuleßt nicht mehr die Kraft, ſeine Selbſtſtändigkeit zu behaupten , und ſo der Ge fahr zu entrinnen, in der er nur zu bald feinen Untergang fand. —

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Folgen wir nun Soill auf ſeinem Zuge, um die perfönlichen Bes gegnifſe Renber's näher zu betrachten.

Am 29. April früh Morgens paffirte Schill die Havel und ſchlug die Chauffee nach Brandenburg ein. In Großkreuz murde geraſtet. Am 30. April marſchirte das Regiment in der Richtung auf Wittenberg nad Züßow, weil Schill fichere Nachrichten erhalten haben wollte, daß die Franzoſen von ſeinem Anzuge unterrichtet, in der Nähe von Mag deburg alle Rähne und Flußfahrzeuge in die Feſtung gebracht hätten, und am 1. Mai Bormittag8 traf das Regiment über Niemegt vor Wittenberg ein. Ein Verſuch, den fächfiſchen Kommandanten Hauptmann von Forſtner zur Uebergabe der Feſtung zu veranlaſſen , mißlang, und Sdill führte das Regiment nun über die Elb.Brüde nach Bratau.

Am 2. Mai hielt er unter dem Zujauchzen der Einwohner ſeinen Einzug in Deſſau. Von hier aus erließ Schill eine Proklamation „ An die Deutſchen“, in welcher er ſeine „ Brüder “ zu den Waffen rief , um die Feffeln eines fremden Bolfes abzuwerfen ".

Am 3. Mai ließ er Göthen überfallen ; am 4. Mai ſtand er in

Bernburg. 50 Mann der Serzoglid Cöthener Garde hatten fich ges fangen gegeben. Hören wir wieder ſpeziell Reyher über den nun folgenden Moment:

,, Bis zum 4. Mai hatte Schill eine heitere Stimmung gezeigt, und war auch wie es ſchien von dem glüdlichen Erfolge des Uns ternehmens bis dahin überzeugt. An dieſem Tage aber ſtürmten von allen Seiten ſo betrübende Nachrichten auf ihn ein , daß er plößlich den Muth verlor und an dem Gelingen ſeiner Sache vers zweifelte. Zuerſt war es die Beſtätigung von dem gänzlichen Fehl ſchlagen des Dörnbergidhen Aufſtands - Berſuche (in Caſſel), dann die Runde von den für die Deſterreicher unglüdlich ausgefallenen

Ereigniſſen bei Regensburg, ferner ein Schreiben des Gouverneurs von Berlin , des Generale von l'Eftocq, welcher ihn unter den

heftigſten Vorwürfen zum legten Mal — ( es war ſchon einmal durch den Major von Zeplin in Großkreuz geſchehn ) zur Rüdkehr nach Berlin aufforderte, und endlich die übereinſtimmenden Meldungen der zurüdgefehrten Offizier - Batrouillen , daß im Rös nigreich Weſtphalen die Einwohner zwar mit Liebe und Treue dem angeſtammten Landesherrn ergeben wären , daß aber auf eine all.

gemeine Erhebung derſelben um ſo weniger gerechnet werden könne, als ſie unverholen geäußert hätteu , daß ihnen zu einem mit jo großen Gefahren verknüpften Wagſtüd ein Quſaren-Regiment allein nicht ausreichend erſcheine.

Sdill that , was ein Truppenbefehlshaber nie thun muß, wenn es im Kriege darauf ankommt , unter ſchwierigen Umſtänden einen Entſchluß zu faffen.

Er berief die Dffiziere zu einem

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Kriegørath , verkündete ihnen die empfangenen Mittheilungen und erklärte, daß außerdem , wie er erfahren, die weſtphäliſche Res gierung ein Korp8 zu ſeiner Berfolgung bilte, mit dem er es nicht aufnehmen könne, und daß er daher Willens jei , über die Elbe

zurüdzugehen , um dort vorläufig die weitere Entwidelung der Begebenheiten abzuwarten. Dhne Zweifel lag es in ſeiner Abſicht, auf dieſe Weiſe nur das Regiment dem Könige zu erhalten , für ſeine Berſon aber ſich zu der öſterreichiſden Armee oder nad England zu begeben , da die Vernunft ihm ſagen mußte , daß mit

der Rüdfehr auf das rechte Elbufer ſeine Stellung ein Ende erreichen würde.

Tief ergriffen von dem vernommenen Vorſchlage gab ſich ſofort

unter den Offizieren eine allgemeine Mißbilligung deſſelben fund. Major von Lüßo w bielt ihn für unausführbar und ſuchte dies durch triftige Gründe nachzuweiſen . Beſonders aber erhob ſich der

Lieutenant von Stod bagegen , ein Offizier, der zwar für gebildet galt, dem man aber eine ſolche Energie nicht zugetraut hatte. Man

hat ihn ſpäter fälſchlich der Treuloſigkeit beſchuldigt. Du haſt das Regiment aus Berlin geführt , ſprado Stod in einem begeiſterten Tone, und fannſt es nidi dahin zurüdbringen, ohne dich und uns der Schande preiß zugeben . Es bleibt teine Wahl. Vorwärts haben wir die betretene Bahn zu verfolgen ; -

ſie führe zum Siege oder zum Untergange; wir werden in beiden Fällen die Ehre zu bewahren wiſſen."

Sdill lenkte ein und wünſchte nur noch die Meinung ſeines Lieblings , des lieutenants von Diezelety zu hören. Ale aber auch dieſer Stod's Neußerung beitrat, ſprang er auf, reichte einem jeden der Anweſenden die Hand und verſicherte, treulich auszuharren und mit ihnen leben und ſterben zu wollen . “

Dieſer Kriegerath drängte alſo Sdill auf der einmal eingeſchlas genen Bahn vorwärts, aber er hatte auch zur Folge, daß das bisherige unbeſdränkte Bertrauen zu ihm erſchüttert wurde. Schill ſuchte Sülfe und erhielt ſie nur auf Koſten ſeines moraliſchen Uebergewichte und ſeiner Autorität .

Es zeigte ſich dies gleich bei dem Verſuch, den neuen Operationsplan feſtzuſtellen.

Keiner der anweſenden Offiziere trug mehr Bedenten,

über das, was nun geſehen müſſe, mitzuſprechen. Einige wollten, daß man die Elbe aufwärts nach Böhmen marſchire und in öſterreichiſchen Sold trete ; - dieſer Plan , der zwedmäßigſte (wenn man nicht ſofort nach Berlin zurüdfehrte und ſich der Gnade des Königs unterwarf), wurde als nicht ehrenroll genug verworfen. Andere meinten, man müſſe

die Elbe abwärts verfolgen, in das Miedlenburgiſche einrüden, ſich dort verſtärken und eine günſtige Wendung der Dinge baſelbſt abwarten.

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Für den äußerſten Fall ſei die Einſchiffung nad England vorzubereiten . Endlich verlangte Lüßow und ſein Bruder , daß man durch das Hans

növeríde nad Oſtfriesland ziehe, weil dieſe Provinz die erforderlichen Subſiſtenzmittel gewähre und der Patriotismus der Einwohner zu bes deutenden Truppen - Organiſationen die Band biete. Scill ſdhwankte und hatte ſich noch nicht entſchieden , als die Nachricht einlief , daß eine feindliche Kolonne von Magdeburg her auf dem Maric fei, um ihm entgegenzurüden. Dieſe Nachricht entſchied. Sdill bob die Berſammlung auf und beſchloß, den Franzoſen entgegenzugehen. Am Nachmittig bed 4. Mai rüdte das Regiment nach Borne , bi vouatirte daſelbſt, und Lieutenant von Wedell ſammelte hier ungefähr 40 Mann Infanterie, die in der Eile theils mit Gewehren , theils mit Piken bewaffnet wurden.

Der Kommandant von Magdeburg, Diviſion8 - General Michaud, hatte bald nach S dill's Abmarſch aus Berlin von deſſen Unternehmen Kenntniß erhalten , und als er erfuhr , daß derſelbe bei Wittenberg die

Elbe paſſirt und über Deffau ſeine Richtung auf Bernburg genommen habe , entſendete er von ſeiner aus 6000 Mann , größtentheils weſtphä liſcher Truppen, beſtehenden Garniſon ein Detachement, 800 Röpfe ſtart, und gebildet aus

der 1. Grenadier-Stomapgnie des 1 , weſtphäliſchen Regimente, =

1. Boltigeurs 1. u. 4. Füſiliers .

1.

1.

und der 1. Grenadier-Stompagnie des 22. franzöfiſchen Infantr. Regts. 1. Füfiliers

22 .

nebſt 3 ſechepfändigen franzöſiſchen Geſchüßen unter dem Kommando

des Generals uslar nadi Dodendorf, 1 Meile füdlich von Magdes burg, auf der Chauſſee nach Halle, um von hier aus die Bewegung des Schil'iden Rorpe zu beobadyten . Ohne Ravalerie war dieſes Detas idement in dem freien ebenen Terrain den Anfäden der preußiſchen

Huſaren allerdings ſehr bloß geſtellt. Wahrſcheinlich traute General Midhaud feiner eigenen unzuvers

läſſtgen Bejagung nicht und wollte deshalb das erſte Zuſammentreffen mit Schill unmittelbar vor den Thoren der Feſtung vermeiden. Ges

neral uslar ſprach ſeine Beſorgniſſe aus ; Mid aud entzog ihm in Folge deſſen das Kommando und übertrug es dem Oberſten Vautier. uslar blieb aber als Begleiter bei dem Detajdement. Dieſe Berhältniffe führten am 5 Mai zu dem Gefedyt bei Dos denborf.

Reyber hat an demſelben an der Spiße der reitenden Jäger

Theil genommen , wenngleid, erſt in einem ſpätern Moment des Kampfes. Dieſer Umſtand dürfte es rechtfertigen, die Erzählung Reyher $ von

dieſem Gefecht hier wörtlich wiederzugeben :

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„ Der Feind hatte ſich an der Brüde über die Sülze auf dem rechten Ufer des Baches zu beiden Seiten der Chauſſee aufgeſtellt und eine Feldwache nach dem füblich vom Dorfe gelegenen Chauffees Wärterhauſe und eine zweite nach der Dodendorfer Waſſermühle, 400 Sdiritt weſtlid , vom Dorfe vorgeſchoben .

Gegen 11 Uhr Vormittags zeigten ſich die preußiſchen Hufaren Patrouillen auf der Chauſſee von Halle her und nad Süldorf zu

(weſtlich von Dodendorf) . Bautier verſtärkte ſeine beiden Feld wachen durch eine Kompagnie , 1te weſtphäliſdie Grenadier - Rom pagnie, und ſchob ein Geſchüß auf der Chauſſee vor. S dill war mit den 4 şufaren - Eskadrons , gefolgt von den reitenden Jägern und den 40 Infanteriſten von Borne her im Anmarſch. Er wandte ſich links gegen die Mühle, um den Feind in der rechten Flanke zu umgeben. Vautier fudite dieſer Ab ſidit dadurch zu begegnen , daß er von ſeinen 5 Reſerve - Koms

pagnien 2, die beiden des 22ſten franzöſiſchen Regiments, nebſt den 2 noch disponiblen Geſchüßen, nördlich des Baches gegen Oſter webbingen vorführte und eine 3te Kompagnie, 1ſte weſtphäliſche Bols

tigeur - kompagnie, zur Verſtärkung von Dodendorf ( Kirdhof und Brüde ) verwendete. Die beiden weſtphäliſchen Füfilier - Kompagnien blieben noch nördlid, von Dodendorf in Reſerve. Um 11 Uhr hatte Schill den Kampfplaß erreicht. Er wünſchte

zuvor die in den feindlichen Reihen befindlichen deutſchen Maunſchaften zum Uebertritt zu bewegen. Indeſſen wurde Lieutenant Stod, welcher den Verſuch dazu übernahm und fich, mit einem weißen

Schnupftuch wintend, ohne Erfolg einem der feindlichen Truppe näherte, im Zurüdreiten durch eine Gewehrkugel getödtet. Nun gab Sdill den Befehl zum Angriff.

Die 1ſte Estabron unter lieutenant von Diezelety ſchwenkte ein, und attadirte die Feldwache und deren Interſtüßungstrupp bei der Mühle. Beide Abtheilungen wurden auseinander geſprengt und

niedergehauen. Was ſich retten konnte, ſuchte den bejegten Kirchhof zu erreichen. Ein Angriffs - Verſuch der inzwiſchen eingetroffenen Infanterie unter Lieutenant von Wedell auf den Kirchhof blieb ohne Erfolg. Die 4te Eskadron , Sieutenant von Brunnow , ging auf der Chauffee gegen die Südfront von Dobendorf vor , bieb die am

Chauffeehauſe ſtehende Kompagnie nieder, und bemächtigte ſich der Proße des daſelbſt placirten Ranons ; Dann drang fie in das Dorf und gelangte bis an den nördlichen Ausgang deſſelben. Mit der 2ten und 3ten Estadron war Scill über die Brüde

an der Mühle getrabt, und ließ jenſeit des Baches durch die ate

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Estabron , unter Lieutenant von Stößel , die dort aufgeſtellten

2 franzöſiſchen Kompagnien angreifen. Dieſen fam es aber ſehr zu Statten, daß hier eine S danze lag, welde den Angriff der Estadron bemmte. Die Gefdjüße gewannen unter Bededung einen

Hohlweg. Allein Rittmeiſter b. d. Kettenburg wandte fich nun überraſchend, mit der Hälfte der 3ten Eskadron ( die andere Hälfte folgte unter Lieutenant v. d. Horſt ), gegen die beiden weſtphä lifdien Kompagnien, die als Reſerve nördlich von Dodendorf ſtanden , hieb ungeachtet eines fehr lebhaften feindlichen Feuers in fie ein, und vernichtete fie faſt vollſtändig.

Nach dieſem vollſtändig gelungenen Choc ritt ein Zug Fuſaren an die Brüde, unweit des Kirchhofes , griff die dort poſtirte Rom

pagnie an, und jagte die Tiralleurs derſelben in das anliegende Bruc. Nur in dem Kirchofe hielt der Feind noch Stand. Die wes nigen Ueberreſte der von der Eskadron Rettenburg niedergehauenen Kompagnieen hatten ſich in das Dorf zu retten verſucht, und waren hier der Eskadron Brunnow in die Hände gefallen. 3eßt fam es nur darauf an, die noch immer beſetzte Schanze

zu nehmen, und die beiden dahinter befindlichen franzöſiſdien Kom pagnien aus dem Felde zu ſchlagen. So eben war, in der raſchen Folge der Gefecht8 - Momente , das reitende Jäger - Detajchement ( - Wachtmeiſter Reyher mit demſelben -) eingetroffen.

S dill

ließ es abfißen und führte die Jäger perſönlich gegen die Schanze, um diefelbe zu ſtürmen, während die Eskadron von Lüto w fich

bereit hielt, den Angriff zu unterſtüßen . Die Attacke wurde in Linie mit großer Entſchloffenheit ausgeführt. Allein bei der vors

theilhaften Stellung des Feindes in der Schanze, und bei dem hefs tigen überlegenen Feuer, welches er von der Höhe herab unterhielt, mißglückte der Sturm, um ſo mehr, da ein am Fuß der feindlichen Stellung vorhandener Graben den Anlauf hemmte. S dill, dem fein Pferd todt geſchoſſen wurde, entrüſtet über den unerwarteten

Ausgang, eilte zu Fuß herbei , und befahl den Angriff ſogleich zu erneuern. Allein auch dieſes Mal kam das zurüdgewichene Deta ſchement über den verhängniſvollen Graben, in welchem der Lieute nant von Voigt von einer Flintenkugel getroffen ſeinen Tod fand, nid) t hinaus. Scill mnßte fich ſchließlich entſcheiden, den Kampf aufzugeben , ſo daß dieſe Kompagnien, ferner die, welde den Kirch hof beſetzt hielt und die beiden feindlichen Geſchüße ihre Stellung behaupteten. Nur noch eine kurze Zeit unterhielten die 3äger von dem Wieſengrunde der Sülze aus das Tirailleur - Feuer. Dann aber zog Sdill fein forps zuſammen und marſcirte linte ab nach

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Wanzleben, wo et ſpät in der Nacht anlangte und unweit des Amtes bivouatirte.

Der ebenſo merkwürdige ale blutige Kampf bei Dobendorf war fonach ohne entſcheidenden Zwed geſchlagen worden , und bildete un ſtreitig den Wendepunkt des Sdyia'ſchen Unternehmens, welches von

dieſem Tage an, weil es in der weſtphäliſchen Bevölkerung keinen Beiſtand fand, als völlig geſcheitert betrachtet werden mußte.

Sechs der ausgezeichnetſten Dffiziere: der Rittmeiſter v. d. Rettens burg und die Lieutenant8 v. Diezelsti , v. Stod , v. Stößel , v. Voigt und fütte waren gefallen, und der Major v. Lützow , ſowie die Lieutenants v. Hebel , v. selwig , v. Bedell und Zeremba verwundet ; die beiden Lestern geriethen überdies in Ge fangenſchaft. Außerdem betrug der Berluſt an Unteroffizieren uud

Gemeinen 70 Köpfe, theils todt, theils bleffirt. Der Feind hatte bei Weitem mehr verloren ; ſchon die Zahl der von ihm eingebüßten

Gefangenen belief fid auf 6 Offiziere und 160 Gemeine , welche auf dem Zuge mitgefdleppt wurden ; bis auf den verwundeten stas pitain Vautier, Bruder des Colonele, den man auf ſein Ehrens wort entließ ! "

Am 6. Mai marſcirte Schill nach Neuhaldensleben , den 7ten

über Colbiß nach Tangermünde, den 8ten nach Arneburg und Gegend. Hier verweilte das Morps 6 Tage lang, um ſich nach dem gehabten Ver

luſt zu reorganiſiren. Sdill formirte 2 neue Estadrons, zu weldien man die Pferde gegen Bezahlung herbeiſchaffte. Die Mannſchaft beſtand aus alten preußiſchen Kavalleriſten, die ſich theils freiwillig gemeldet hatten, theils aus der Umgegend einberufen wurden. Mit ihrer Organiſation wurden mehrere ehemalige Ravallerie- Offiziere beauftragt, welche Spill ſchon von Deffau und Bernburg her begleiteten. Die Montirung vers trat eine blaue 3ade, und den Czafot ein runder şut mit aufgeſchlagener Krempe. Da es an Säbeln fehlte, ſo erhielten beide Eskadrons Lanzen. In ähnlicher Weiſe wurde ein Stainm zu 2 Infanterie - kompagnien ges bildet und mit Gewehren bewaffnet; außerdem aber noch ein Bifenier

Bataillon errichtet; allerdings die ſdwächſten Truppen in dem Rorpe. Den beſten Zuwach ſeiner Streitkräfte erhielt Schill am 12. Mai in Arneburg durch 100 Mann, die dem leichten Bataillon von Sdill ans gehörig, am 3. Mai aus Berlin unter Führung einiger Difiziere und

mehrerer Unteroffiziere entwichen waren. Folgten ſie auch mit Begeis ſterung ihrem verehrten Chef, ſo hatten ſie nicht& beſtoweniger ein milis tairiſdeg Verbrechen begangen.

lieutenant v. Quiftorp II. wurde zum Befehlshaber der Infan terie ernannt .

Indeſſen Schill's Bemühungen, das Volt zum Aufſtande zu be wegen, blieben ohne Erfolg. Auch wurden raſdy umfaſſende militairiſche

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Maßregeln gegen ihn entwidelt, die natürlich ihres Eindruď $ auf die Bevölkerung jener Gegenden nicht verfehlten. Der Weſtphäliſche König Jerome Napoleon erließ am 5. Mai eine Proklamation, in welcher

er 10,000 Franken als Preis auf Schill's Kopf ſeşte. Wenige Tage ſpäter erfolgte auch von Berlin her ein Publikandum , in welchem Se. Majeſtät der König die Entweichung Sdill's als eine That bezeichnete, bie auf das Strengſte unterſucht und beſtraft werden müffe. Kaiſer Napoleon brandmarkte unter dem 9. Mai einen gewiſſen Schill " ale brigand, gegen den uud deſſen Barthei in Deutſchland ein Dbfer

vations - Korps vou 60,000 Mann an der Elbe unter dem Herzog von Balmy zufammengezogen werden ſolle. Der Kommandant von Magdeburg General Michaud erließ gleich falls eine Proklamation gegen Schill, und forderte den General Gra.

tien , der verſchiedenen Abtheilungen holländiſcher Truppen an der Weſer tommandirte, auf, fo eilig als möglich gegen Schill vorzurüden . Oras tien erklärte, vor dem 20. Mai die Elbe nidyt erreichen zu können .

Sdill verhehlte ſich nicht mehr, daß es nunmehr irgendwo ſehr bald zur Entſcheidung gegen ihn kommeu werde. Er bejdloß deshalb,

ſich der Dſt - See zu nähern, und mit der engliſchen Regierung, für den Zwed der Einſchiffung feines Rorps , in Verbindung zu treten. Zur Ausführung dieſes Blans glaubte er zunädyſt eines Stütpunktes an der Elbe zu bedürfen , und wählte dazu die kleine, faſt ganz verfallene med Lenburg - ſchwerinifdhe Feſtung Dömiß , weldie am rechten Elb - Ufer ges Legen, damals zur Aufbewahrung von einigen hundert Sträflingen bes nußt wurde. Scilt bradh deshalb am 13. Mai von Arneburg auf und marſcirte nach Werben, den 14ten nach Seehauſen und Gegend.

Am 15. Mai überfiel Lieutenant von Quiftorp mit 2 Kompagnien Dömiß, nahm den Kommandanten, Major von Röder , 5 Offiziere und 60 Mann gefangen, und fand in der kleinen Feſte 20 Kanonen, darunter 3 metallene Feldgeſchüße. Am 16. Mai paſſirte Schill die

Elbe unweit Dömit, und Defahl die Herſtellung und den Neubau einiger Werke dieſes Ortes. Vor allem aber lag ihm daran , die Organiſation ſeiner neuen Truppentheile hier zu vollenden . Lieutenant von Rocow

mußte aus den eroberten 3 Feldgeſchüßen eine beſpannte Batterie zus ſammenſtellen . Allein in Dömiß gedachte Schill nicht zu verweilen, fondern richtete fein Augenwert auf Stralſund. Am 18. Mai brad, Sdill mit der Ravalerie auf, und traf den 20. Mai in Wiømar ein. Dömit blieb nod) mit einem Theil der In

fanterie beſeßt. Durch Detaſchirungen nadı verſchiedenen Richtungen hin, fuchte er ben Feind über ſeine eigentliche Marſch - Direktion irre zu führen .

Um 23 Mai traf Sdill in Roſtod ein. Die Medlenburgiſche

Befaßung von Roſtod - 1 Bataillon Infanterie und 60 Þuſaren,

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zog ſich in Folge einer Rapitulation nach Schwediſch - Bommern zurüd. Der in Dömiß zurüdgelaſſenen Bejagung ertheilte Sdill nun den Befehl, die Feſte nad und nach zu räumen und ihm über Büßow zu

folgen. Bekleidungs- und Proviant - Vorräthe follten, ſoweit dies aud führbar ſei, mitgenommen werden. Unterdeſſen war der General Gratien mit einem Rorpe hollän diſcher Truppen von der Wefer her bei Lüneburg angelangt ; feine Avants

Garbe ſchob er unter den General d'Albingnac au die Elbe, Dömit gegenüber , vor, wo fie, einige Plänteleien mit der Beſabung abgerechnet, bis zum 24. Mai unthätig blieb. Gratien fürchtete nämlich für Fam.

burg, und verlor deshalb durch Unſdlüffigfeit mehrere Tage, in welchen er die Operationen nicht fortſeşte. Sdill tam dieſer Stilſtand ſehr zu Statten .

Am 24. Mai warf der Feind einige Granaten nach Dömiß hinein. Der von S dill hier ernannte Kommandant, Lieutenant v. François , hatte bereits den Befehl zum Abmaríd in Händen , und als am Nachs mittag ein Theil der feindlichen Infanterie über die Elbe fekte , zog

François mit der Garniſon ab , größtentheils zu Wagen. Dadurch gelang es ihm , ſehr bald Roſtod zu erreichen. In Dömiß fielen nur 30 jugendliche Pikeniere dem Feinde in die Hände.

Gratien fah fich endlich über Schill's Marſchdirektion aufgetlärt. Er pafſirte deshalb am 23. Mai die Elbe bei Zollenſpeicher und mar dirte nad Wismar, wo er fich am 27. Mai mit den Truppen ver

einigte , die auch Dänemark unter dem General Ewald gegen Schill aufgeſtellt hatte. Dadurch ſtieg die Stärke des Korps , welches jest disponibel wurde, auf 5000 Mann , nebſt 20 Geldjüßen , zur þälfte aus

Dänen , zur Hälfte aus Holländern beſtehend.

Gratien behielt den

Oberbefehl.

Wir nahen uns nun der unglüdlidyen Kataſtrophe, in welcher Scill ſeinen Untergang fand. Reyher nahm an allen nod fommen den blutigen Gefechten mit den reitenden Jägern entſchloſſenen und wirtſamen Antheil. Nehmen wir deshalb von Neuem ſeine perſönliche

Darſtellung der weiteren Begebenheiten auf. am 23. Mai in Ro wie bereits erwähnt „Schill , der ſtod eingetroffen war , ſandte an dieſem Tage ein Detaſchement þufaren , geführt von dem Lieutenant v. Rochow , ins Lauenburgi

idhe, um bis gegen die Elbe hin zu patrouilliren , und über den Feind und ſeine Bewegungen Nadsrichten einzuziehen. Dieſer Auf trag wurde glüdlich ausgeführt und Rochow traf noch vor der Kataſtrophe beim Korps wieder ein. Gleichzeitig erhielt der Uds jutant, Lieutenant Bärſd), den Befehl , alle Truppen , welche noch im Medlenburgiſchen zerſtreut waren , zu ſammeln , und fich mit ihnen , ſo wie mit der inzwiſchen zu Roſtod angelangten Befaßung

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von Dömiß , mit der Kaffe und dem Gepäd , nebſt einigen Geſchügen

kleinen Kalibers , zu Warnemünde einzuſchiffen und damit auf einem geeigneten Punkt der Inſel Rügen zu landen. Ungeachtet der großen Eile, mit der Bärid dieſen Auftrag zu erfüllen ſtrebte,

konnte die von ihm gebildete aus 19 Schiffen beſtehende Flottille, doch erſt am 28. Mai Morgens die Anker lichten , grade in dem Augenblic , in welchem ein Detajdement der feindliden Avant . Barbe des Generals Gratien in Warnemünde eintraf. Zwei

Schiffe, die mit ihren Anordnungen noch nicht fertig waren, wurden abgeſchnitten und fielen mit der darauf befindlichen Mannſchaft dem Feinde in die Hände ; dagegen gelang es den übrigen 17 Fahr Szeugen ohne Verluſt aus dem Hafen zu kommen und ſich der Küſte von Sdwediſch -Pommern zu nähern.

Fig Sdywediſc) - Pommern hatten die Franzoſen ſeit der Beendis gung des Krieges von 1807 nicht wieder verlaſſen, wenngleich dieſe Provinz zu der Zeit, als Schill auf ſeinem Zuge ſich der Grenze derſelben näherte, von Truppen faſt ganz entblößt war.hu In Stralſund war der franzöſiſche General Candras kom mandant. Auf Napoleons Befehl hatte man die Feſtung in den Jahren 1808 und 1809 demolirt. Der Hauptwal fowohl, als die

Außenwerke, lagen in Trümmern, und nur die nicht abgelaſſenen Teidie konnten dem Bertheidiger Sdıuß gewähren. Die Garniſon beſtand aus einem ſchwachen medlenburgiſchen Infanterie - Bataillon, 100 polniſchen Ulanen und einer franzöſiſchen Artillerie - Rom pagnie, etwa 50 Mann ſtark.

Wolgaſt war noch mit einem 2ten

Bataillon Medlenburger befekt. In Stralſund wurden bedeutende Vorräthe an Kriegsmaterial aufbewahrt , namentlid) 3000 Centner Pulver und eine große Anzahl eiſerner Geſchüßröhren, welche Na poleon der Däniſchen Regierung geſdyenft hatte und mit deren Abſendung nach Copenhagen man beſchäftigt war.

A18 Candra8 die Nachricht empfing, daß Schill den geraden Weg über Roſtod auf Stralſund verfolge, faßte er (wie Michaud) den Entſchluß , ihm entgegenzugehn und brach zu dem Ende am 23. Mai mit dem Bataillon Medlenburger , den 100 polniſchen Ulanen und 2-6 pfünd. Geſchüße nach Dammgarten auf , wo

das nach der Kapitulation von Roſtoc abmarſchirte Medlenburgiſche Bataillon und die 60 Huſaren unter dem Kommando des Medien

burgiſchen Generals von Breiſenthin zu ihm ſtießen. Das De taſchement, etwa 700 Mann ſtart, nahm hier auf dem rechten

Thalrand der Redniß , unweit Dammgarten, vortheilhafte Stellung und placirte ſeine beiden Geldjüße hinter einen Aufwurf in der Art, daß dieſe den 1200 Sdiritt langen Damm, welcher durch das

ſumpfige Thal nac Ribnik führt, beſtreidhen konnten. Die auf dem

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felben über die 20 Schritt breite Redniß führende Brüde wurde

abgebrochen. Das ſpezielle Kommando auf dieſen Punkt erhielt der General Preiſenthin , während Candras den Oberbefehl über das Ganze führte, fich aber mit den polniſchen Ulanen nach Triebfees begab. Prefjenthin belegte Dastow mit einer Kompagnie und ließ die weiter oberhalb befindlichen Uebergänge bis Sülze hin burd kleine Abtheilungen beobachten .

Sdill brach am 24. Mai früh mit 3 Eskadrons Þuſaren, 2 neu formirte Estadrons Ulanen, dem reitenden Jäger-Detajdement, einem Bataillon Infanterie ( 400 Mann ftart ) und 3 Gefüßen,

worunter 1 - 12 pfûnd., von Roſtod auf und befahl, daß die 4te Estadron Huſaren unter Brunnow ihm ſpäter folgen ſolle. Um 1 Uhr Mittags langte er bei Ribniß an, und nachdem er den Feind rekognosjirt hatte, traf er die nöthigen Dispoſitionen zum Angriff. Die 3 Kanonen wurden rechts und links des Dammes , da wo diefer von Ribniß her in das Thal hinabführt, aufgeſtellt; fte beant

worteten das Feuer , welches der Feind aus ſeiner Batterie eröffnete. Gleichzeitig ſuchten Schüßen , ſo gut es in dem fumpfigen Wieſens grunde gehen wollte, fich ſowärmend der Brüde zu nähern, während

eine Abtheilung reitender Jäger , mit Zurüdlaſſung der Pferde, unterhalb Ribniß über den See regte. Entſcheidend wurde die Bes wegung einer Kompagnie, welde fid), geführt von dem Lieutenant v. Pedebur, rechte wandte, und mittelft eines von Roſtod auf einem Wagen mitgebrachten Rahne bei Freudenberg die Redniß paffirte.

Sie warf die in Daslow befindliche feindliche Kompagnie zurüd und griff alebann in dem Augenblid die Truppen bei Dammgarten in der linken Flante an, in welchem die Abtheilung reitender Jäger

den rechten Flügel derſelben attadirte , und es in der Front den Schil'ſchen Tirailleurs gelungen war , die nothdürftig hergeſtellte Brüde zu überſchreiten. General Preſſenthin leiſtete einen rühm lichen Widerſtand; aber von allen Seiten gedrängt, entſchloß er ſich zum Rüdjuge, den er auf Ridhtenberg antreten wollte, aber nicht mehr auszuführen vermochte, da 150 Pferde der Schillſden Ravalerie, welche durch den Fluß geſchwommen waren, den nod in Ordnung befindlichen Theil der Infanterie auseinander ſprengten und ſo den

feindlichen Befehlshaber mit ſeinen Truppen gefangen nahmen. Zwei Stabs- Offiziere, 7 Kapitains, 21 Lieutenants, 200 Gemeine, 4 Fahnen und 2 Geſchüße, fielen dem Sieger in die Hände. Der glüdliche Ausgang dieſes Rampfes öffnete Sdill ben Weg nach Stralſund. Der Verluſt an Todten und Verwundeten war auf beiden Seiten unerheblich. Als General Candras in Triebfees von den Vorfällen

bei Dammgarten Kenntniß erhielt, zog er ſich auf Antlam zurüd

und ließ ſo die feiner Obbut anvertraute Feſte im Stich.

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„ Schill gewährte den ermüdeten Truppen einige Stunden Nube, und marſdirte dann in der Nacht mit der Navalerie noch bis Carnin, von wo aus er am 25. Mai Morgens 10 Uhr Stralſund erreichte, und da er auf keinen Feind ſtieß, mit etwa 40 Pferden in die Stadt hineinfprengte. Die Einwohner , welche jo eben erſt mit einer Ras nonenfalve, zur Feier des Einzuge8 der großen franzöſiſchen Armee

in Wien , überraſcht worden waren und von den Ereigniſſen bei Dammgarten nod feine Nachricht hatten , wußten ſich im erſten

Augenblid ten Zuſammenhang der Dinge nicht zu erklären , indeß ſollte das darauf folgende Drama ihrer Ungewißheit bald ein Ende maden.

lleber den ganzen Zuſammenhang der nun fich entwidelnden That walten Zweifel ob, und es darf daher nicht unbemerkt bleiben,

daß ſich hier die Darſtellung an die Mittheilungen hielt , welche gleid damals darüber belannt wurden. Sdill bebauptete nämlid , mit dem Rapitain Nool , Romman.

reur der in Stralſund zurüdgebliebenen 50 Mann ſtarten franzöſiſchen

Artillerie - Pompagnie, welche in der Kaſerne am Zeughauſe lag und nun nach dem Abgange der Medlenburger die alleinige Befaßung des Blabe8 bildete, mündlich eine Sapitulation berabredet zu haben, nach welcher die feindliche Mannſchaft ihre Waffen abgeben folle, daß jedoch dieſe Uebereinkunft von den Franzoſen nicht gebalten worten ſei. Richtig mag es ſein, daß Sill mit einem franzöſiſchen Offizier, den er bei ſeiner Unfunft in Stralſund auf dem neuen

Marft anhielt und dann wieder entließ, einige Worte gewechſelt hat. Db aber dieſer Offizier der Kommandeur der Artillerie - Kompagnie

geweſen, bleibt unentſchieden ; auch hat Niemand den Inhalt der ges troffenen Abrebe gehört. Still ſprach nicht franzöſiſch, und der franzöſiſche Offizier eller

Wahrſcheinlichkeit nac, nicht deutſch. Genug anſtatt ſich der vermeints liden Stapitulation zu unterwerfen , traf die franzöſiſche Kompagnie Anſtalten zur Vertheidigung des dazu geeigneten Zeughauſes in der

Art , daß ſie den Eingang durch Wagen ſperrte und in jeder der dahin führenden 3 Straßen 2 Gejdüße aufſtellte. Sdill , der von dieſen Borbereitungen nidhte wußte und ftohy

von einem Havalerie. Trupp begleitet nach dem Zeughauſe begeben wollte , wurde , als er vom neuen Martt her in die baatenſtraße einbog , zu ſeinem Erſtaunen mit einem Kartätſſchuß empfangen. Ueber dieſen Treubruch entrüftet , eilte er der reitenden 3åger - E8.

tadron, welche eine Stunde ſpäter als die übrige Reiterei von Carnin aufgebrochen war, entgegen und führte fie 1/4 Meile weit im Galopp

nad Stralſund. Sier angelangt mußten fie vor der Stadt abfißen

und 2 Kolonnen bilden. Die eine derſelben unter dem Lieutenant 3

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v. D. Golt ging vom Triebſeer . Thor aus links hinter dem zers ſtörten Wall fort, durch das Rütertbor in die Böttcher - Straße, welche von der Jacobi Kirche nach dem Zeughauſe führt, — während die andere von dem Lieutenant von Blankenburg befehligt ( - bei dieſer befand fid Reyber- ) über den neuen Martt in die dahin

laufende Haafen -Straße gelangte. In dieſen beiden Straßen begann nun das Gefecht. Die Jäger ſuchten ungeachtet der Feuers, welches der Feind aus dem Geſchüß und dem kleinen Gewehr unterb ielt,

in denſelben vorzubringen . Es wurde ihnen dies dadurch erleichtert, daß fie Gelegenheit fanden , die hier vorhandenen vielen Keller

hälſe zu benußen und von dieſen aus die feindlichen Artilleriſten zu tödten oder zu verwunden. Der Kampf modhte etwa eine Stunde gedauert haben, als der feindliche tommandirende Dffizier, Rapitain Nool , dem Lieutenant von Wedell , welcher ſtatt des gefallenen

Lieutenants v. d. Gols in der Böttcher - Straße den Befehl übers

nommen hatte, ein Zeichen mit dem Schnupftuch gab, welches dieſer in eben der Art erwiederte, und dabei duro Zurufen das Umkehren der Geſchüße verlangte. Dies geſchab und nun ſtürzten die Jäger auf den Feind , um ihn zu entwaffnen . Saum aber hatte Wedelt ſich mit dem Rapita in Noël begrüßt, als vom neuen Martt ber eine Aufaren - Estadron berantrabte und in ihrer Wuth , ohne

Medelle Rufen , daß eine Kapitulation abgeſchloſſen ſei , zu bes achten, auf die iFranzoſen einhieb. Dieſe wurden dadurch gezwungen,

wieder zu den Waffen zu greifen , die ſie zum Theil ſchon nieders gelegt hatten. Es kam hier leider zu einem furchtbaren Gemeßel. Von der feindlichen Kompagnie wurden ſämmtliche Offiziere und 40 Mann auf der Stelle getödtet. Nur 10 Mann blieben am Leben , und darunter befanden ſich mehrere Verwundete. Spill hatte , einſchließlich eines Offiziers, 11 Todte und 20 Bleſſirte. Nach Beendigung dieſes blutigen Aftes verſammelten ſich die Truppen auf dem neuen Markt, und noch ftanden ſie dort unges

regelt durcheinander, als von einer Stavallerie - Patrouille 2 Frans

zoſen in eleganten Equipagen eingebracht wurden und ſich alsbald das Gerücht verbreitete, es fei General Candras mit ſeinem Ad.

jutanten. Schill, welcher ſeine Wohnung an dem Plaß genommen

hatte und von den Anſtrengungen des Tages übermäßig erſchöpft (dien , eilte ohne Czatot, mit einem in Effig getränkten Tud um den fopf, an den erſten Wagen , vermuthlich um ſelbſt den Grund oder Ungrund der ausgeſprengten Nachricht zu erforſchen. Während er mit dem Franzoſen, der feine Gattin neben ſich hatte, lebhaft zu

{ preden ſchien, glaubte die ihn umringende und im hohen Grade aufgeregte Maſſe mahrzunehmen , daß er nach dem Säbel greife.

Dies betrachteten fie als ein Zeichen, fic aufs Neue ihrem Rache

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gefühl überlaſſen zu dürfen. Alle Anſtrengungen der Difiziere, der Inordnung in dieſem Moment Einhalt zu thun , war vergebens. Der Franzoſe wurde getödtet und der Wagen zertrümmert. Seiner Gattin gelang es, ſich zu retten. Der Unglüdliche war der Sefres tair des Intendanten oudetot, der ſelbſt im zweiten Wagen faß und unter dem Sduße einiger Offiziere mit dem Leben davon fam. Am 26. Mai Nachmittage rüdte Quiſtorp mit der Infanterie

und den 3 Geſchätzen, ſowie die 4 te Huſaren -Eskadron unter Bruns now in Stralſund ein. Schill war nun þerr dieſes Plages und verfündete dem Volt durch eine Broklamation , daß er die Provinz Sowediſc) - Pommern für die Krone Schweden in Beſit genommen

habe. Er organiſirte ſich eine Art Kabinetsraih , in welchem die verſdierenen Zweige der Adminiſtration repräſentirt waren , und an deſſen Spiße ein Herr von Alvensleben - Sūlippenbad ſtand.

Dieſer Rath ſollte als oberſte Inſtanz das Land für Schweden ders walten, und alle Behörden erhielten Befehl , ſeinen Anordnungen Folge zu leiſten. Allein dieſe Maßregeln verbreiteten eine große Beſtürzung unter den Einwohnern .

Neben den adminiſtrativen Anordnungen , die Schill aus polis

tiſdhen Rüdſidhten glaubte treffen zu müſſen , waren es doch haupt fädlich die militairiſchen Verhältniſſe, welche ſeinen Geiſt und feine körperliche Thätigteit auf eine ungewöhnlide Weiſe in Anſpruch nahmen. Nadidem er die zerſtörten Feſtungswerke von Stralſund

in Begleitung eines Lieutenants Peterſon ( – der urſprünglich in ſdiwediſdie, dann in franzöſiſche Dienſte geſtanden und nun zu

Sdill übergetreten war — ) auf das Sorgfältigſte in Augenſchein genommen hatte, berdloß er die Feſtung wieder herzuſtellen. Ohne

Zweifel hatte ihn Peterſon , der den Plan dazu entworfen, zu der Annahme verleitet , taß ihm zu einer ſolchen Maßregel noch Zeit verbleiben werde ; audy müſſen ihm die unermeßlichen Schwierigkeiten

einer ſolden Aufgabe ganz entgangen ſein ; — genug Sdill äußerte mehrere Male, mit Rüdſidyt auf den friegeriſchen Geiſt ſeiner Truppe, er molle aus Stralſund ein zweites Saragoſſa machen . Jeden Un

griff beffte er mit Erfolg zurüdzuweiſen , und ſich hinter den aus. gebeſſerten Feſtungswerken ſo lange bebaupten zu fönnen, bis þülfe aus England tomme. Indeſſen alle Offiziere, mit denen er näher hefreundet war , mißbilligten diefen Blan , und namentlich erflärte

fich leo yon füßow entidjieden dagegen. Man rieth Shill, nach der Inſel Rügen überzuſeßen , und von dort aus ſofort mit der engliſden Dirjee- Flotte, die freilich eben jeßt vor Riga freuzte, in Berbintung zu treten. Leider verwarf Shill dieſen einſicht8.

volen Rathſdlag und bebarrte bei ſeinem Vorhaben , in Stralſund zu bleiben. 3n Folge dieſer Berſchiedenheit der Anſichten fam eß 3*

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zu Streitigkeiten, die leo von lütow nöthigten, Stralſund zu vers laſſen.

In möglichſter Eile wurden nun etwa 150 Maurer und Zims merleute und 1000 Bauern einberufen, um zuvörberſt vor dem Frane ten- und Triebfeer - Thor mit Verſperrung8 - Arbeiten zu beginnen.

Das Knieper-Thor hielt man für ziemlich geſichert und erſt ſpäter murden hier einige Berſtärkungen ausgeführt.

Damit aber auch

eine dem Umfange des Blages entſprechende Bejagung gebildet werde, verfügte S dill , daß die im Jahre 1807 von Guſtav II. errid)

tete Rügenſdie Landwehr aufgeboten werden ſolle. Ungeachtet des Wis derſtandes der Behörden ſtellten fidy 300 Mann in Stralſund , die fogleich eingekleidet und bewaffnet wurden.

Den Befehl über die

Landwehr erhielt Lieutenant von Bannewiß. Das ganze korpe beſtand nun aus folgenden Truppentheilen : An Infanterie : Lieutenant von Quiſtorp. 1 Bataillon zu 4 Rompagnien Rügen der Landw :

1

300 Mann 300 Mann 600 Mann.

Antavallerie : Lieutenant von Brun now. 4 Estadrons puſaren 350 Pferde 3

200

Ulanen

550 Pferde. Ferner :

1 Esladron reitender Jäger , geführt von dem lieutenant v. Blan fenburg unter Schill'8 unmittelbarem Befehl, 80 Pferde. An Artillerie :

Die Lieutenants v. Rodom und Peterſon.

60 Mann.

An Geſchüßen und Munition fehlte es nicht. Außerdem waren etwa 200 ehemalige fchwediſche Soldaten beordert worden , um bei der Artillerie als Fülf8 -Mannſchaften Dienſte zu leiſten. Die Geſammts ſtärke betrug demnach an Rombattanten 1290 Mann .

400 Mann Infanterie , noch nicht formirt und ſchlecht bewaffnet,

hielten Rügen befeßt , und mit einer Abtheilung aus Peuten aller Waffengattungen beſtehend, ſegelte Bärīd noch auf der See. Außer dem hatte Lieutenant v. Quiſtorp I., der mit 40 Pferden von

Domiß aus detaſchirt geweſen war, durch das Hannoverſche glüdlich bao preußiſche Gebiet erreicht.

Wenden wir uns jeßt wieder zum General Gratien. Dieſer hatte, wie bereits erwähnt, am 27. Mai in Wismar ſeine Bereinigung mit dem General Ewald bewirft und dadurch die Stärte ſeines

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Korpe auf 5000 Köpfe und 20 Geſchüße gebracht. Am 28. Mai

rüdte er in Roſtoď ein, von wo aus ein Detaſdhement ſeiner Avants garde , wie ſchon bemerkt, ſich zweier Schiffe der Bärldſden Flottille bemädytigte. Den 29. ging der Marſdı bis Ribniß und Dammgarten und den 30. bis Richtenberg und Franzburg. Um der Infanterie

eine Erleichterung zu verſchaffen , wurden die Torniſter derſelben gefahren.

Seit dem 29. Mai waren vor allen Thoren von Stralſund Stas

valerie - Feldwachen ausgeſtellt worden. Die von dieſen entſendeten Batrouillen meldeten bereith am 30. Abende mit voller Zuverläſſigkeit, daß am andern Morgen ein feindliches Rorp8 , beſjen Stärfe auf 6000 Röpfe zu ſdäßen ſei, vor der Feſtung anlangen werde. Sdill traf demnach am 31. Mai früh ſeine Maßregeln , um dem wahrs ideinlichen Angriff des Feindes fräftig begegnen zu tönnen. Er war froben Muthes und hegte, wie aus einem Briefe erhelt, ben er noch

am 30. Mai an den Erzherzog Carl ſchreibt, zu den reparirten Werken das größte Bertrauen . Nur ſehnte er ſich nach der engliſchen Unterſtüßung und bat deshalb den Erzherzog um ſeine Berwendung bei dem Londoner Kabinet.

Um 8 Uhr frük rüdten ſämmtliche Truppen in die ihnen anges wieſenen Poſitionen . Die reitende Jäger-Eskadron, unter Blantens

burg (- und mit ihr Reyher -) nahm ihre Aufſtellung vor dem finieper - Ihor in der rechten Lünette des nothdürftig reparirten alten þornwerfs ; links daneben in dem Ravelin , in der anderen Lünette und in dem þornwert ſelbſt, unter dem Befehl der Lieutes nants v. Eiff, ſtanden : 2 kompagnien des Sdil'idhen Bataillons, und 2 der Rügenſchen fandwehr 40 abgeſeſſene Suſaren ber Estadron . Bruntow. Zwiſchen den Truppen und auf dem Hauptwall hatte man Ger ſüße placirt, von denen jedoch aus Mangel an geübten Artilleriften

nur wenige gehörig bedient werden tonnten. Die Schanzarbeiten hinter dieſen Linien erlitten teine Unterbrechung.

Am Triebfeer Thor waren der Bauptwal und die Lünette in Stand gefeßt worden ; auch hatte man auf dem vorliegenden Damm einige pallifavirte Abſchnitte angebracht. Dier erhielt der Lieutenant 1. Bannewit dat Rommando über 1 Rompagnie de Schialden

Bataillons, 1 Kompagnie Rügenſcher Landwehr und 12 Geſchüße. Zur Bertheidigung des Franten - Ibord , wo der Bauptwall, das daſelbſt befindliche Hornwert und der gedeďte Weg gleichfalls eine Ausbeſſerung erhalten , wurde der Lieutenant . Bertell mit

1 Rompagnie des Schilſchen Bataillons, 1 Rompagnie Rügenſcher Landwehr und einigen Geſcüßen beſtimmt. Duiftorp , der die

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geſammte 3nfanterie befehligte , hatte kein ſpecielles Rommando. Die Ravalerie nebſt 4 beſpannten Fußge düşen blieb unter Brunno w abgeſeſſen auf den neuen Markt in Reſerve.

Raum waren die Truppen auf den ihnen angewieſenen Punften angelangt, als der Feind , der ſich früh um 4 Uhr in Bewegung gelegt hatte, auf der Straße von Ridtenberg her vor dem Triebſeer Thor eintraf. Seine Avant - Garde unter dem holländiſdyen Oberft Ballet beſtand aus 2 Däniſchen Jäger- Kompagnien , einem Kaval lerie - Detaſdement , aus holländiſchen und däniſchen Reitern zuſam

mengejeßt, und aus 2 holländiſchen 6pfog. Fußgeſdüßen. Das Gros, wie es ſcheint von dem General Ewald perſönlich fonimandirt, bildeten das 6. und 9. holländiſche Infanterie-Regiment, 2 Bataillone Dänen , 3 Eskadrone holländiſcher Küralfiere und 10 Gefdüşe , da runter 4 holländiſche reitende , und 6 däniſche. Die Reſerve war formirt aus einem däniſden Bataillon , 2 fompagnien däniſcher Scharffdüşen und 2 däniſchen fabrenden Geſchützen.

Sqill warf der feindlichen Avantgarde eine halbe Eskadron fuſaren entgegen, die eine Rekognoszirung ausführte und nad einem

kurzen Flanteur -Gefecht in die Stadt zurüdtebrte. Oberſt Vallet eröffnete nun eine Ranonade auf die am Triebfeer Thor befekten Werke und machte aud einen Verſuch, in dieſelben einzubringen, was

ihm aber nicht gelang. Nach dieſem abgeſchlagenen Angriff wandte fich das feindliche Gros , von ſeiner Reſerve gefolgt, lints über die hohe Brüde und den Wieſendamm nach dem Knieper - Thor , wobin denn auch die Avantgarde ihre Richtung nahm. Zur Beobaditung des Triebfeer Thores und des Franken - Thores blieben ein Baar Rompagnien zurüd. In dieſem entſcheidenden Moment wollte fid) Brunnow auf die

feindliche Rolonne ſtürzen . Unbegreiflicherweiſe genehmigte aber Shill ſeinen Vorſchlag nicht und ließ lo die einzige Gelegenheit

unbenugt vorübergehen, die ſich ihm darbot, ſeiner Lage, wenn auch nur momentan, eine günſtige Wendung zu geben. Am Knieper -Thor begann , als der Feind dort angelangt war, der Kampf von beiden Seiten mit einem beftigen Geſchüß- und Tirailleur- Feuer. Indeſſen mag das Feuer der Schilliden Artillerie nicht ſehr wirkſam geweſen ſein , da die Kanonen , zum Theil von

Huſaren bedient, ſo mangelhaft gerichtet wurden, daß mehrere Kugeln in die eigenen Truppen fuhren und einige ſogar ihren Flug durch die Maſſe der Schanjarbeiter nahmen. Das Gefecht hatte etwa eine

Stunde gedauert , als der Feind mit 2 Rolonnen , aus dem 9. bolo ländiſchen Regiment und einem Bataillon Dänen gebildet, zum Sturm vorrüdte, jedoch auch hier obne Erfolg. Ebenſo wurde eine zweite Attade abgeidlagen. Erſt als der Feind, von dem Feuer einiger vortheilhaft

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placirten Geſchüße unterſtüßt, zum dritten Mal mit großer Ents idhloſſenheit ſeinen Angriff erneuerte, gelang es dem 9. holländiſchen Regiment das Ravelin zu erſteigen , während das däniſche Bataillon fich den Weg in das Hornwert bahnte. Die hier aufgeſtellten Truppen mußten der llebermacht weichen, beſonders als die beiden Kompagnien der Rügenſchen Landwehr die Gewehre wegwarfen und ihren Boſten berließen.

Die reitende Jäger -Eskadron , in der Beſorgniß abgeſchnitten zu werden , ſah ſich unter folchen Umſtänden ebenfalls zum Rüdzuge

genöthigt ; ſie konnte nur noch mit Hülfe des Bajonnets das Thor erreichen und zur Behauptung deſſelben kaum einige Vorkehrungen treffen. 10 Jäger , hier poſtirt, leiſteten dem Feinde einen lebhaften

Widerſtand, bis ſie, gedrängt, in den über dem Thor vorhandenen alten Thurm hinaufſtiegen und bier, da fie von Pardon nichts wiſſen wollten, ſämmtlich ihren Tod fanden. In den Straßen der Stadt breitete ſich nun der Kampf nach allen Nidhtungen hin aus. Auf Schill's Befehl war die Kavallerie aufgeſeſſen und eilte ihrer weichenden Infanterie zu ülfe. Aber

audy die feindliche Reiterei drang zur Unterſtüßung der Fußvolts in die Stadt ein. Jeft löſte ſich in der Berwirrung des Kampfes bei Freund und Feind die Ordnung immer mehr und mehr auf. Ueberall fochten einzelne Abtheilungen auf ihre eigene Band, und die Befehle haber waren nicht mehr im Stande, ihren Anordnungen Geltung zu verſchaffen.

S dill , der ſich anfänglich am Triebfeers und dann am Kniepers Thor befand, ritt, als der Feind ſich der legtern bemächtigte, zur • Ravallerie, und fand bald darauf ſeinen Tod , den er ohne Zweifel geſucht hat. Kurz vorher ſchidte er noch den Lieutenant ». d. Þorſt

auf das Rathhaus mit dem Befehl, den dort verſammelten Magiſtrat zur ſchleunigen Berbeiſchaffung von brennbaren Stoffen aufzufordern, wahrſcheinlich um damit einige Häuſer in Brand zu ſteden und auf dieſe Weiſe das Borbringen des Feindes zu erſdweren. Adein es war zu ſpät ! Der Auftrag founte nicht mehr ausgeführt werden , gab aber ſpäter zu der allgemein verbreiteten Sage Anlaß, daß es Sdille

Abſidit geweſen ſei , durch Anzünden des im Zeughauſe gelagerten Pulvers die Stadt in die Puft zu ſprengen. Der Feind gewann endlich vollſtändig die Oberhand. Was ſich von dem fufvelt zu retten vers mochte, eilte größtentheils nach dem þafen und ſuchte auf Böten zus

nächſt die Inſel Rügen, dann aber die Bärídiche Flotte zu gewinnen, welche gerade an dieſem Tage an der Küſte von Mönchgut eintraf und dort die Nachricht von den betrübenden Ereigniffen in Stralſund

empfing. Die Ueberreſte der Ravallerie, etwa 200 Pferde, gelangten nach und nach durch das vom Feinde bereits befepte Franfenthor

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hinaus ins Freie, und ihnen ſchloſſen ſich die Infanterie - Detaſchements an, welche an dieſem und dem Triebſeer - Thor aufgeſtellt geweſen und dem Tode und der Gefangenſchaft entgangen waren. Brunnow übernahm das Kommando mit dem Borſaß , hier das Weitere abs zuwarten.

Was aus Schilt geworden , wußte man nicht. In der Stadt dauerte das Schießen nod fort. Bald erſchienen mehrere Abthei lungen feindlicher Savallerie, die bei ihrer Ueberlegenheit Brunnow zu umzingeln drohten , und ihn deshalb beſtimmten, die Linie , welde

fich ihm gegenüber entwidelt hatte , unverzüglich anzugreifen. Noch ehe aber die Attade ausgeführt werden fonnte, erſchien der bolländiſche Dberſt Stedtmann als Barlementair , und eröffnete Brunnow , daß - da Sdill getödtet , der fernere Widerſtand unnüß und ein Entlommen nicht mehr möglich ſei, er im Namen des komman direnden Generale bie Reiterei auffordere, fidzu ergeben , und

wolle er ihr , fade fie hierauf eingebe , eine gute Behandlung ver. ſprechen .

Natürlich wurde dieſer Antrag berworfen und dagegen erklärt, daß nur unter dem Zugeſtändniß eine ganz freien Abzug& weiter unterbandelt werden tönne, vorausgeſeßt, daß Sdill wirflid todt ſei, worüber es noch eine8 unzweifelhaften Beweiſes bedürfe. Oberſt Stedtmann begat fich mit dieſer Antwort zu Gratien, Tehrte aber bald zurüd und verfündete, daß der General ſelbſt mit 2 Offizieren, die Brunnow beſtimmen möge, zu unterhandeln wünſche, und er , Stedtmann , den Auftrag babe , dieſelben in die Stadt zu

führen. Brunnow zögerte, zu dieſer allerdings bedenklichen Sendung, Jemand zu fommandiren, und ſo erboten ſich freiwillig die Lieutenante . Rudorf und D.D. Horſt, den Oberſten Stedtmann zu bes gleiten .

3n der Stadt hatte der Rampf zwar ein Ende, allein es bedurfte in den, von dem erbitterten Feinde angefügten Straßen, der ganzen Uutorität des holländiſchen Oberſten , um die beiden Stillfden Difis ziere vor Mißhandlungen zu düßen . Gratien empfing dieſelben in ſeiner Wohnung mit großer Artigkeit , rühmte die Tapferkeit ſeiner Gegner , und bebauerte den Untergang ibres Chefs, deffen

Beldenmuth er pries, aber doch dabei äußerte, daß ſein Tod als ein Glüd für alle betrachtet werden müſſe, da er die Abſicht gebabt,

Freund und Feind in die Luft zu ſprengen. Gratien wiederholte

dann den urſprüngliden Vorſchlag, der aber von Rudorf und þorſt erneuert zurüdgewieſen wurde.

Um die Offiziere über Schillo Tod nicht in Zweifel zu laſſen, holte man deſſen Drden , die Müße und ſeine Pfeife berbei , und

jepte dann erſt die Unterhandlung fort. Der im Zimmer anweſende

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däniſche General o. Ewald erllärte fid gegen ben freien Abzug, den aber Gratien zulegt doch ohne Einſchränkung bewilligte. Man unterzeichnete darüber ein Protokoll und beſtimmte nod), daß 2 bols ländiſche Stabe -Offiziere die Sdill'ſche Kavallerie bis Demmin bes gleiten fouten. Die bei der Leßtern geſammelte Mannſchaft der Ins fanterie erhielt die Erlaubniß, fidh nach Anclam zu begeben. Rudorf und Horſt verlangten nun den leidnam Schill's zu ſehn , zu

welchem Ende man ſie in ein dem Rathhauſe gegenüberliegendes Haus führte. Hier fanden ſie in einem Zimmer den entſeelten Körper ihres Chefs , entfleidet auf dem Fußboden liegend , unentſtellt und mit noch gerötheten Wangen . Er hatte im Kopf eine Sdußwunde und einen kurzen tiefen Säbelhieb. Hierauf begaben ſich beide Offi. ziere mit den zur Begleitung der Scillianer beſtimmten holländiſchen Stabg -Offiziere zu Brunnow , welder nach ihrem Eintreffen ſofort

den Marſch nach Demmin antrat, und dieſen Drt am 1. Juni ers

reichte. - Was den Berluſt betrifft, welchen beide Theile in dem Kampfe erlitten haben, ſo lauten die Angaben darüber ſehr verſdieden.

Ziemlid gewiß iſt es, daß das Sdyillſdye korpe, außer ſeinem Chef, 5 Offiziere und 300 bis 400 Unteroffiziere und Gemeine an Todten zählte. 11 Offiziere und 557 Unteroffiziere und Gemeine, darunter

viele Berwundete, fielen dem Feinde in die Hände. Das traurige Loos, weldjes dieſe Unglüdlichen ſpäter traf, iſt bekannt. Der ehes malige ſchwediſche Lieutenant Peterſon , den die Franzoſen in einem Keller verſtedt fanden, wurde ſofort durch ein Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und erſchoffen. Die Rügenſche Landwehr und

die Schanzarbeiter erhielten einige Tage nach dem Gefecht ihre Freiheit. Der Feind beredsnete ſeinen Berluſt unſtreitig viel zu gering auf

8 Offiziere, darunter der General Carteret ( Chef des General. ſtabes bei Gratien ) und 2 Oberſten nebſt 50 lInteroffiziere und Ges meine todt und 15 Difiziere und 200 Unteroffiziere und Gemeine bleſſirt. Bärfd legelte, nachdem er bis auf 43 Mann alle auf Rügen befindliche Schillianer aufgenommen hatte , von Mönchgut nad Swinemünde , wo er fich dem daſelbſt fommandirenden preußiſchen Dberft . Bob mfen überlieferte. 3 Sdiffe , mit denen François fich von ihm trennte, braditen die Dänen auf und dieſer Offizier

felbſt wurde ſpäter in Kopenhagen verhaftet. Ueber die näheren Umſtände, welche Schill'8 Tod begleiteten, läßt ſich nichts zuverläſſiges mittheilen. Die Stelle, wo er in der Febrſtraße gefallen iſt, bezeichnet ein in das Pflaſter eingelegter vier ediger Stein . Daß er den General Carteret , wie behauptet wird, vom Pferde gehauen habe , iſt ungegründet. Dieſer wurde vielmehr

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am Snieper.Thor burde eine aus einem Rellerfenſter tommende Rugel getödtet. Am glaubhafteſten von allen Berichten erſcheint folgende Erzählung :

S dill, ohne Begleitung von dem Fehr - Thor nach dem alten Markt reitend , nähert fich auf dieſem Wege einem Brunnen , an welchem 2 holländiſche Infanteriſten mit einem verwundeten Scilianer beſchäftigt ſind. Als der Legtere in der Ferne ſeinen Chef erkennt,

ruft er : „ Da iſt Schill !“, worauf die Holländer nad ihren Ge wehren greifen und dieſe auf Sohill abfeuern. Eine der beiden Kugeln , welche ihm durch den stopf geht , ftredt ihn todt zu Boden. Den Säbelhieb hatte man ihm wahrſcheinlid beigebracht, nadybem er ſchon gefallen war.

So endete Sdill und mit ihm ſein Unternehmen , das aus reiner

Vaterlandsliebe entſprungen , ihn und ſeine treuen Gefährten ing Berberben ſtürzte, weil alle die Borausſegungen, auf welche der Plan gegründet war, nicht in Erfüllung gingen .“

So weit Reyher in ſeiner Darſtellung dieſes merkwürdigen Zuges. Fügen wir noch hinzu, daß Reyber bei dem Rampf in Stralſund, an dem er rühmlich Theil genommen, durd den Schenfel eine Shußwunde erhalten hatte und in Folge dieſer Berwundung gefangen wurde. Mit den Schanzarbeitern in eine Kirche eingeſchloſſen, gelang es ihm, in den

Befiß eines blauen Mittel8 zu kommen und in dieſer Verkleidung entlaſſen zu werden. Ermattet von der noch nicht verbundenen Wunde und auf

das Zeußerſte erſchöpft von der Anſtrengung und dem Diangel an Nah rung, erreichte er mit einigen ſeiner Gefährten in der Nähe von Stral fund einen Edelhof , auf weldem ihnen etwas Mild und Brod gereicht

wurde. Allein faum hatte Reyber angefangen, ſeinen þunger zu ſtillen , als ein Mann aus der Thür des Hauſes trat, mit welchem Soill einige Tage vorher in Gegenwart Reyher'd einen Wortwechſel gehabt.

Um nicht von dieſem Manne erlannt und vielleicht an die Franzoſen ausgeliefert zu werden , ließ Renher ſogleich ſein frugales Mahl in Stidy und eilte fort von dem Edelhof. Erſt nach einiger Zeit gelang

e$ ihm , ſich dem Detaſchement des Lieutenants v. Brunnow glüdlid) wieder anzuſdyließen . So entging Renber dem Tode und der dauernden Gefangenſchaft,

aber ſeinem Geiſt prägten ſich die ſo eben erlebten Scenen tief ein ; noch in ſpäten Jahren weilte er oft in der Erinnerung bei ihnen, denn er hatte auf dieſem Zuge im perſönlichen Kampfe die erſte Grieges erfahrung gemacht, die für ſeine Umſicht, Tapferkeit und Entſchloſſenheit reidhe Früchte getragen . Auch für die Neuformationen iſt Reyher's Thätigkeit in dem Büreau S dill'8 von beſonderem Nußen geweſen. Feber und Schwerdt führte er idyon damals mit gleicher Gewandtheit. Der in Stargard tommandirente General Blücher nahm ſowohl die Reſte der Ravallerie Sdill'e ( circa 200 Pferbe) als die Infanterie

43 ( circa 200 Mann) auf, berichtete und erbat fid, die Königlichen Befehle

über ihre weitere Beſtimmung. Der König entſchied, daß die Stavallerie

dem weſtpreußiſchen Ulanen -Regiment zugetheilt, die Infanterie dagegen nad Königsberg geführt werden ſolle. In Folge dieſer Anordnung gelangte das Detaſchement über Konig nad Königsdorf, jenſeits der Weidſel zwiſden Marienburg und Elbing. Bier fab General v. York

die Mannſchaften. In einem Wagen , an der Seite ſeinen Adjutanten, den Lieutenant v. Weyrac (zuleşt kommandirenter General) fuhr Vort von Marienburg nach Königedorf , ſtieg hier aus und ging ſchweigend an den Reihen dieſer legten Schilianer berunter. Als er nähere Aus kunft über dieſelben haben wollte , gab es in dem ganzen Detaſement

nur Einen , der auf das Genaueſte orientirt war , Ades wußte und jede Frage kurz, beſtimmt und ſicher beantwortete. Es war dies der

Wachtmeiſter Reyher , der vorſchriftsmäßig die dide Brieftaſche auf ſeiner Bruſt trug. Yort hörte audy ihn ſchweigend, aber mit großer Aufmerkſamkeit an, und ertheilte dann die Befehle für den Weitermarſch. Wieder im Wagen fißend brach Yorf, der ſehr ſparſam mit ſeinem Lobe zu ſein pflegte, in die charakteriſtiſden Worte aus : ,, Dieſer Wachtmeiſter Reyher iſt mir lieber wie das ganze Detachement."

Reyher hat damals dieſes ehrenvolle Urtheil über fich nicht erfahren ; aber Yort vergaß den vortheilhaften Eindruck, den Reyher auf ihn gemadit, nicht mehr : – er iſt ihm immer wohlgewogen geblieben und hat dieſes Wohlwollen auch ſpäter in naben perſönlidyen Beziehungen reichlich und vertrauensvoll bethätigt.

Die Zutheilung der Schilljden Ravalerie zu dem weſtpreußifden Ulanen - Regiment , führte aud Reber ale Wachtmeiſter zu dieſem Regiment. 5.

Revher in dem weſtpreußiſchen Ulanen : Regiment.

A18 Reyher in das weſtpreußiſche Ulanen-Regiment übertrat, tam er in die vortrefflichſte Schule für einen Kavalleriſten , denn an der Spiße des Regiments ſtand der Major v. RaBeler, der als geborner Avants garden - Führer ſehr bald eine bedeutende Rolle in dem fommenden Bes freiungefriege ſpielen ſollte. Daß habeler , wie wir ſogleich ſehen werden, für Reyher eine beſondere Vorliebe gerann, zeigte ſein richtiges Urtheil über den militairiſden Werth feines neuen Wachtmeiſters.

Dieſes Ulanen- Regiment reicht mit ſeinen hiſtoriſchen Erinnerungen in das Korp8 der Towarcy & hinauf, welches zur Breußiſden Inſpektion gehörig , aus dem Regiment Towarcy8 zu 10 Estadrong und dem Bataillon Towarch 8 zu 5 Estadrong beſtand, fämmtlich mit lanzen bewaffnet. Ihre Entſtehung fält in die erſten Regierungøjahre Fried .

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ride des Großen, damals noch unter dem Namen des Regiments Boss niafen . 3m Jahre 1800 wurde das Regiment Bosniafen aufgelöſt, die

Gemeinen deſſelben größtentheils an andere Suſaren -Regimenter abgegeben und dagegen aus dem kleinen polniſchen Adel der Neupreußiſchen Pros

vinzen ein Korp8 al8 Regiment und Bataillon Towarcy8 errichtet.

Die meiſten Offiziere des Bosniaken - Regiments wurden beibehalten und die übrigen aus andern Regimentern ausgewählt. Während des unglüdlichen Feldzuges von 1806 waren die Towarcys in Preußen ſtehen geblieben , und nahmen erſt ſpäter an dem Feldzuge in den

Saladten von Preußiſch - Eilau und von Heilsberg rühmlichen Antheil. 3hr Chef war ſeit dem Jahre 1803 der General-Major, ſpäter Generals Lieutenant v. l'Eſtoca. Nad dem Frieden von Tilfit wurden die in dem Korps befindlichen polniſchen Edelleute entlaſſen , und daſſelbe aus Dragoner. Depots durdy Kabinete . Ordre vom 16. Ditober 1807 auf 8

Estadrons gefeßt, nun aber unter dem Namen : „Regiment Ulanen." Bei der Reorganiſation der Armee ließ der König unter dem 23. Nos vember 1808 dieſes Ulanen-Regiment in 2 Ulanen - Regimenter à 4 Ess tadrons theilen , von welchen die Ulanen Nr. 1 den Namen : Weſts preußiſdes Ulanen - Regiment und die Ulanen Nr. 2 den Namen Sdlejifdes Ulanen - Regiment erhielten. Flügel Adjutant Major 5. Borſtell , mußte 1808 die Imbildung in 2 Regimenter aus:

führen. Staßeler hatte das fommando des weſtpreußiſchen Ulanens Regiment8 1809 erhalten. Daß die übrig gebliebene Sdilliche Sta valerie dieſem Regiment zugetheilt wurde , hatte ſeinen Grund in

der Formation eines 3. Ulanen -Regiments des Brandenburgis idhen , welches unter dem 16. Mai 1809 aus je einer Eskadron der Ulanen - Regimenter Nr. 1 und 2 und aus Mannſchaften des 2. Brans

denburgiſchen Auſaren - Regimente neu errichtet wurde. Es lag in der Natur der damaligen Verhältniſſe , namentlich in

bem tief empfundenen þaß gegen die Franzoſen , daß ein jeder Sdil. lianer, der dem Blutbare in Stralſund entgangen war , überall mit der

größten Vorliebe empfangen und mit beſonderer Achtung bebandelt wurde. Reyher mußte es taber, beſonders bei ſeiner Befdeidenheit und Brauds barkeit , ſehr leicht werden, ſich auch in ſeinem neuen Regiment ſchnell die allgemeinſte Liebe zu erwerben . Schon im Jahre vorher , den 6. Auguſt 1808 , war die bekannte

Rabinet8 - Drdre erſchienen , deren Eingang die für die Zukunft der Armee ſo wichtigen Worte enthielt :

„, Einen Anſpruch auf Offizier-Stellen ſollen von nun an in Fries benszeiten nur fenntniſſe und Bildung gewähren , in Arieg 8. zeiten ausgezeichnete Tapferkeit und Ueberblid . Aus der ganzen Nation fönnen daber alle individuen , die dieſe Eigenſchaften bes

ſiten, auf die höchſten Ehrenſtellen im Militair Anſpruch machen. uder bieber Statt gehabter Borzug des Standes hört beim Militair

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ganz auf, und Jeder ohne Rüdſicht auf ſeine Herkunft hat gleiche Pflichten und gleiche Rechte. “ Ein Eramen vor einer in Berlin niedergelegten Kommiſſion folte

über die Kenntniſſe, Zeugnifie der nächſten Borgefepten über Gefittung und tadelloſe Führung des Aspiranten, entſcheiden. Udein :

„Nicht bloß Senntniſſe und Wiffenſdjaften, fährt die Kabinet8 . Ordre fort, ſind die Erforderniſſe, die einen brauchbaren Offizier bezeichnen, ſondern audy Geiftes . Gegenwart , ſchneller Blid , Bünfts

lichkeit und Ordnung im Dienſt und anſtändiges Betragen find Baupt-Eigenſchaften, die jeder Difizier beſiten muß. " Dieſe neue Geſtaltung der Dinge macht es erklärlich, daß die Ofs

fiziere des Regiments ſehr bald Reuber als denjenigen Mann bezeich neten, den ſie mit Vergnügen in ihre Reihen aufnehmen würden. Auch

Kaşeler hatte den Wachtmeiſter Revher im Büreau befdäftigt, feine Brauchbarkeit, ſeinen Tatt, ſeine Pflichttreue kennen gelernt, und da gleich

zeitig mit dem zeitigen Adjutanten Unordnungen vorfielen, die den Major D. Rafeler in eine empfindliche Lage brachten, ſo erkannte er um ſo mehr die Nothwendigkeit, Reyher als Offizier und Adjutant an ſeiner Seite zu ſehn. Er formirte ſofort den dienſtlichen Antrag zu dieſer Ernennung, und erhielt darauf von dem General v. yort folgende dharatteriſtiſde Antwort :

„Euer Sodwohlgeboren Wunſd gemäß, habe ich den Wachtmeiſter Reber mit dem bie &monatlichen Rapport an Seine Majeſtät zum

Difizier in Borídlag gebracht. Ich habe jedoch dieſen Vorſchlag nur dadurch, daß Ihnen ein guter Adjutant nöthig iſt, unterſtüßen können , zweifele aber, daß man den p. Rember ohne vorhergegans genes Eramen zum Offizier befördern werde. Sollte indeß Seine Majeſtät eine Ausnahme von der Regel machen , ſo würde es abſolut nothwendig werden, den gegenwärtigen Adjutanten nicht gar zu lange

beizubehalten , weil ſonſt der König eine andere Abſicht in dieſem Vorſchlage ſuchen möchte. Nicht nur das unverzeihliche Benehmen des W. B..... in der ....... Angelegenheit gereicht ihm zum uns

entſchuldbaren Vergehen , fondern mehr noch die Nachläſſigkeit, mit welder er Ihnen die Erſaß - liſten für die Deſertionen zur Unter

ſchrift vorgelegt hat. Dieſes iſt ein flarer Beweis, daß er gar keine Kenntniſſe von ſeinem Fach hat, und daß er ſich auch wenig um die

Richtigkeit der Dinge, die er Ihnen zur Unterſchrift vorlegt, beküm mert, Sie alſo dadurdy in Berlegenheit feßt und Ihre Unterſdrift tompromittirt.

Sie , lieber Major , haben auch gefehlt , die Sache nicht genauer

zu prüfen ; denn da, wo man ſeinen Namen hinſeßt , feßt man auch die Berantwortlich feit hin . Sie müſſen ſehr vorſichtig ſein ; ich habe Sie ſchon früher darauf aufmertſam gemacht. Mit einem andern Adjutanten müſſen Sie auch einen andern Regimentsſchreiber haben , der jebige iſt nod nad altem Styl und Sitten. Ihre Lage iſt, ich

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fühle es , ſehr unangenehm ; man muß aber den Muth nicht ſinten laſſen ; nur hübſch rubig müſſen Sie bleiben ; es wird ſich dann ſchon Alles machen laſſen . Dätten Sie ſich nur nicht mit dem Brigadier verzwiſtet, wobei Sie noch obendrein Unrecht haben.

Sie ſind, lieber Kapeler , ein erfahrener Mann und müſſen wiſſen, daß der, der auch nicht immer helfen kann, doch ſchaden kann, wäre

es auch nur durch Herbeiführung von ärgerlichen Augenbliden . Das was ich Ihnen hier ſage , muß Ihnen ein aufridhtidtiger Beweis fein, wie ſehr id) Sie hochachte, und daß ich wahrhaftig bin , lieber Raşeler ,

Ihr

Marienwerder, den 2. März 1810.

treuer Freund Yort ."

Wie Yorf vorausgeſehen hatte, wollte der König feine Ausnahme von der allgemeinen Regel maden , ernannte saber den Wadtmeiſter Reyber nicht zum Difizier, ſondern verwies ihn auf das zuvor abs zulegende Examen. Freilid, war Reyber ſeit dem Jahre 1805 in der

Fortſegung ſeiner wiſſenſchaftliden Ausbildung vielfach unterbreden worden ; allein der fdon in Berlin gelegte Grund dazu fam ihm doch jeßt ſehr zu Statten. Er entſchloß fidi, idon im April des Jahre8 1810

das Eramen in Berlin abzulegen, reiſte dorthin, wurde geprüft, und chne Kenntniß von dem Ausiau tiefer Prüfung begab er ſich auf einige

Woden nach Groß -Schönebec, um hier den ihm bewilligten Urlaub bei feinen Eltern zuzubringen. Wer vermag aber ſeine Freude und die Befriedigung ſeiner Eltern zu ſchildern, als Mitte Mai folgendes Søreiben an ihn einging ; ,,An Den Königlidhen Wadtmeiſter Herrn Rehber Wohlgeboren.

Es gereicht mir zum großen Vergnügen , Euer Wohlgeboren benachrichtigen zu können , daß Seine Majeſtät die Gnate gehabt, ten Borſdilag der Eraminations - Kommiſſion zu genehmigen und derſelben den Befehl ertheilt hat, Euer Wohlgeboren das Atteſt der Reife zum Offizier auszufertigen. 3d nehme herzlichen Antheil daran und unterzeidyne inid) Em. Wohlgeboren Berlin, den 15. Mai 1810. ergebenſter Diener v. Dieride Kapitain ."

Da der hierauf geſtüßte Vorjdlag zum Difizier auf dein Inſtanzen:

wege eingereidit werden mußte, ſo verging bis zur Beförderung Reyher's noch einige Zeit. Endlid aber erſdien aud die ſehnlidiſt erwartete Allerhöchſte Kabinet8 - Ordre , batirt Charlottenburg den 13. Juli 1810, nach welcher dem Lieutenant v. Altenberg des weſtpreußiſchen Ulanen

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Regimento der nachgeſuchte Ab died bewilligt und dagegen der Wachts meiſter Reyber zum Setondes lieutenant in demſelben Regiment ernannt wurde,

þören wir , in welcher Weiſe Reyher dieſes glüdliche Ereigniß ſeinen Eltern anzeigt. Mein theurer und herzlich geliebteſter Vater !

Daß Sie diesmal ſo lange auf Antwort haben warten müſſen , daran ſind Sie ſelbſt Sduld. Sie wollten das nächſte Mal ein Sdreiben von dem lieutenant Repber haben , und um dieſen 3hren Wunſch zu entſprechen , habe ich ſo lange gewartet. Mittelſt Nabinet8 - Ordre vom 13. d. Mts. haben des Könige Majeſtät mich zum Seconde-Lieutenant im Weſtpreußiſden Ulanen. Regiment zu ernennen geruhi. Wie groß meine Freude iſt, tönnen Sie ſich leicht benten, wenn

Sie ſich jenen Tag ins Gedädytniß zurüdrufen , an dem ich das Schreiben des Rapitains v. Dieride erhielt. Geſtern habe ich mein Batent belommen . Wüßte ich , daß es Ihnen nicht zu viel Borto verurſachte, fo würde ich es 3hnen mitgefandt haben. Frankiren mag

ich es nicht, weil ich, im Fall es verloren ginge, ſehr in Verlegenheit tommen würde.

Vorgeſtern, Sonntag, hatten wir Kirdenparade, und gerade war meine Uniform fertig geworten ! - ich trat alſo zum erſten Mal als Offizier an. Die Onade meines würdigen Rommandeurs nimmt

mit jedem Tage zu und auch meine Herren Kameraden geben mir große Beweiſe ihrer Achtung und Freundſchaft. So hat z. B. der Lieutenant Stein mir ein neues ganz complettes Sattelzeug incl. Chabrade geſchenkt. Ade Offizier - Parade - Stüde, ſowie das Tuch zur Uniform, habe ich vom Regiments- Quartiermeiſter empfangen. Borigen Donnerſtag traf die Rabinets - Orbre Bormittage ein,

und gleich denſelben Mittag gaben die Offiziere mir zu Ehren ein Diner, dem ich noch in Wachtmeiſter - Montirung beiwohnte. Wie mir zu Muthe war, als einige Male Tuſch geblaſen wurde und wie

ſehnlichſt id Ihre Gegenwart wünſchte, kann ich Ihnen nid)t aus. brüden .

Die Uniform ſoll mir vermöge meiner Größe ganz ausnehmend fleiden.

Db ich Regimento - Quartiermeiſter oder Adjutant werde, weiß

ich noch nicht, vermuthlich aber Adjutant. Der Lieutenant und Ads jutant v. B. iſt ſchon ſeit 6 Wochen auf Urlaub, und ich verſehe ſeine Geſchäfte. Ade Difiziere, und ich ſelbſt, find ſehr erwartungsvoll. 3d bekomme jeßt meinen Offizier-Servis und habe ein ſehr ans ſtändiges Stübchen auf der Vorſtadt gemiethet ; den Tag über aber arbeite ich auf der Adjutantur. Mit meinem Reiſegeld von Berlin aus tam ich damals ſehr gut burd ).

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Beute iſt hier die unglüdliche Nachricht von dem Tode unſerer geliebten lande8-Mutter eingetroffen , die Alles in die größte Bes ſtürzung verſeßt hat. Sie werden wieder ſchelten, lieber Vater, daß ich ſo wenig gee ſchrieben habe, allein die Poſt geht in Zeit von zwei Stunden ab , und ich muß daher ſchließen , ungeachtet ich Ihnen Mandjes noch gerne

ſagte. Doch Sie wiſſen die þauptſache und damit ſind Sie vor. läufig gewiß zufrieden. Mütterchen grüßen Sie recht herzlid ), und ſagen Sie Ihr nur, daß ich nächſtens auf meinem Engländer in Schönebed einparadiren werde.

Peben Sie wohl und glüdlich, lieber Bater , und glauben Sie mir, daß auch ich immer glüdlid ſein werde , wenn Sie fortfahren, mir in einem ſo hohem Grade Ihre Liebe zu denken, als Sie dies ſelbe bisher ſchenkten

Shrem Coniß, den 24. Juli 1810.

gehorſamſten Sohn Carl Rember.

N. S. Antworten Sie mir doch ja recht bald ! "

In ſeiner Freude vergaß Reyher keinesweges, allen ſeinen früheren Gönnern und unter dieſen beſonders ſeinem alten Regiments-Chef, dem ießt als General der Infanterie verabſchiedeten v. Winning, von ſeinem Avancement Anzeige zu machen . v. Winning antwortete : Gemiß ich nehme vielen Antheil daran und wünſche fers nere glüdliche Dienſtverhältniſſe von Ihnen zu hören. Mit aufrichtiger Sochachtung verharre Euer Wohlgeboren ges wiß aufrichtiger Freund v. Winning." Dieſe Antwort von einem hochverehrten Vorgefeßten, der überdies die Kataſtrophe von 1806 ebrenvoll überſtanden, erfüllte Renher mit außerordentlicher Freude. Er fandte fte ſeinem Bater mit dem idon oben angeführten Worten : ,, Heben Sie den Brief des alten ehrliden Winning nur auf ; gewiß er verdient es !"

Auch von ſeinen Regimento - Kameraden erhielt Reyber Beweiſe der wohlwollendſten Theilnahme. So ſchrieb unter andern der Ritts meiſter Beier , der tapfere Führer der weſtpreußiſchen Ulanen in den folgenden Feldzügen, an ihn, ſtattete ſeinen Glüdwunſo zu dem Avans cement ab, und verſicherte feine aufrichtige Freude ,, über dies für uns ade ſo angenehme Ereigniß ."

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3 weiter Abfd nitt.

Reyher in den Feldzügen von 1813 , 1814 und 1815.

1. Reyher als Regimente : Adjutant in den Jahren 1810, 1811 und 1812.

Durch die Beförderung Renher’s zum Offizier und durch die ſehr bald erfolgende Ernennung zum Regiment8-Adjutanten, öffneten ſich ihm neue Lebens - Verhältniſſe, die ſeinen Geſichtskreis erweiterten, ſeine Fä higkeiten ſneller entwidelten, die geiſtigen Sträfte fählten und ihn durch ben Erfolg mit der Freudigkeit zu ſeinem Beruf erfüllten, die ihn ganz in denſelben aufgeben ließ. Es iſt natürlich, daß Major w. Rafeler

von jeßt ab einen weſentlichen Einfluß auf die Entwidelung ſeine Ads jutanten ausübte. Nicht nur die gegenſeitige dienſtliche Stellung brachte das mit fich, ſondern noch vielmehr der entſchloſſene ächt militairiſche Charakter des Majors , der in Reyher'8 empfänglicher Seele den vollſten Wiederklang fand. D. Raßeler war ganz ausſchließlich eine praftiſche Natur, welche durch die unmittelbare That , durch die Madit

des Beiſpiels zu wirken und zu gleicher Thatfraft mit fortzureißen verſtand. Eben dieſe Eigenſchaft machte ihn zu einem geborenen Avant garden - Führer, dem die ununterbrochene Berührung mit dem Feinde Les bens- Element war. Savallerie - Offizier mit Leib und Seele, ſorglos, fröh lich, ſcarf im Ritt und ſcharf in der Führung ſeiner Waffe, ſchätte er keine

Eigenſchaft an den Soldaten höher als den Muth, und zwar nicht nur den der Ausdauer , ſondern auch den Muth , der ſich in der Luft

am perſönlichen Kampfe zeigte und bewährte. Das flüchtigſte Zögern, fidh raſch in die Region der Gefahr zu ſtürzen , hätte bei ihm ſofort das empfindlichſte Mißtrauen erregt. Aber um ſo nothwendiger bedurfte er an ſeiner Seite einen Mann deß unbedingteſten Vertrauens, der die richtige Führung der Truppen durch die Kälte und Schnelligkeit der Reflexion zur Geltung tommen ließ ; - und dieſer Mann wurde Reyher von 3ahr zu 3ahr in einem immer höheren Grabe. 3n der That er 4

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gänzte Reyber ſeinen Romnandeur durch Schärfe des Urtheils unb durch raſchen ſicheren Ueberblic , während er ihm nicht minder in per

ſönlicher Entſaloffenheit und Redheit vollkommen ebenbürtig zur Seite ſtand. So vergalt Reyher das wachſende Wohlwollen ſeines Kom manbenrå durch einſichtsvolle Unterſtüßung, die er zur rechten Zeit mit Taft , Gewandtheit und Beſcheidenheit zu geben wußte.

Wir ſind

berechtigt, einen großen Theil der ſpäteren Erfolge Kaşeler8 als Avantgarden - Führer, auch dem Einfluß zuzuſchreiben, den Reyher auf ihn übte und pflidytmäßig üben mußte. Es wurde dieſe Periode Renber's praktiſche Generalſtabs- Schule, deren Abſolvirung ihn nicyt nur befähigte, ein ausgezeichnetes Mitglied der Generalſtabes der Armee zu werden , ſondern ſelbſt als Chef an die Spiße deſſelben zu treten . Major v. Raçeler befand ſich damals ( 1810) in einem Alter von 45 Jahren , ſtand alſo in der Blüthe vollſter Mannesfraft ; neben ihm

der jugendliche, hochgewachſene Renber, der nur 24 Jahre zählte und vol Zuverſicht in feine Zukunft blidte.

Ataşeler8 guter Ruf in der Armee datirte ſchon aus der Zeit Belling's und Blücher's, unter denen er als junger Offizier in der

Rhein - Nampagne den fühnen Reitergeiſt preußiſcher $uſaren kennen gelernt und ſehr bald ſelbſt bewieſen hatte. In dem Huſaren -Regiment v. Belling , dann v. Blücher, erwarb er ſich 1793 in den Nieders

landen , namentlich durch die Gefechte von St. Anaud und Bicogne, den Orden pour le mérite, zeichnete ſich in der Sdlacht von Kaiſers lautern aus und avancirte in dieſem Regiment bis zum Rittmeiſter. 1802 tauſchte v. Rapeler in das buſaren-Regiment v . S duls (ſpäter v. Bleu) nadh Dels in Oberſd leſien und wurde hier im Mai deſſelben Jahres zum Major ernannt. Nadh dein unglüdliden Feldzuge ſtellte

ihn der König , bei der Reorganiſation der Armee, an die Spite des weſtpreußiſchen Ulanen - Regiments , welches Kaşeler auch nad der neuen Formation rajd auf eine hohe Stufe tavalleriſtiſcher Volfоmmen heit erhob.

In den Herbſtübungen des Jahres 1810 ſollte das Regiment die

erſten Proben ſeiner taktiſchen Durchbildung ablegen. Um 15. September marſdirte é8 aus Coniß aus und rüdte den 20. September in Kans

tonnements zwiſchen Dirſchau und Marienwerder, wo die ganze Brigade bis zum 16. Oktober übte. Rabeler unterſtüßte während dieſer Zeit ſeinen Adjutanten auf jegliche Weiſe, half ihm mit einem zweiten Pferde aus und vermittelte ſpäter für ihn den Anfauf eines jungen polniſchen Pferdes. Reyber bewährte ſich aber auch gleich bei dieſer erſten Probe als ein gewandter und zuverläſſiger Regiments- Adjutant, ſo daß er am Sdluß der Uebungen ſeinem Vater dreiben konnte :

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,, Ich habe während des Manövers Zeit und Gelegenheit gehabt, mir die Gnade und das Wohlwollen meines Chefs in einem recht hohen Grade zu erwerben."

Dieſe Zufriedenheit ſeines Kommandeurs mit ſeinen Leiſtungen, ber täg liche Umgang mit Rameraden , die ihn achteten und ehrten , und die

geſelligen Beziehungen , die ſich nun audy in weiteren Kreifen für iha öffneten , gaben ihm ein Vollgefühl ſeiner neuen Stellung , welches er in rührender Weiſe feinem Vater gegenüber im November ausſprach: „ Mein ganzes Leben hat ſich aufgeheitert ! – Aber ich glaube, daß man auch vom gemeinen Musketier angefangen haben muß, wenn man dies ſo feltene Glüd, es bis zum Offizier gebracht zu haben, zu djäßen wiſſen will.

Der Gedanke : Du biſt jeßt ein Mann, der in allen Geſellſchaften des menſchlichen Lebens freien Zutritt hat ; du wirſt überall geehrt und geachtet, ſobald du dich nur anſtändig beträgſt, iſt ſchon reizend und belohnend genug , um alle früheren Unfälle vergeffen zu laſſen. Doch ich bin in dieſem Augenblid nicht ruhig genug , um Ihnen ganz fagen zu können , wie dankbar id dies Alles erkenne !

Denten Sie fo zurüc , lieber Vater , wie wir vor 8 Jahren nach Berlin fuhren , oder noch weiter , wie wir vor 11 Jahren zu Fuß nach Liebenwalde wanderten , und wie mir zu Muthe wurde , als Sie mid dort zurüd ließen ? Wie wunderbar leitet die Vors fehung Alle8 !

"

Bliden wir nun auch in ſeine häuslichen Verhältniſſe; ſie zeigen Einfachheit und Selbſtbeſchränkung und lehren uns, in welden Berhält

niſſen der Entſagung und doch gegenſeitiger Anregung ein großer Theil der Offiziere damals lebte. Es war befonders Reyher's Mutter, die vol zärtlicher Theilnahme

für das Geſchic ihres erſtgeborenen Sohnes, recht genau wiſſen wollte, wie ihr ,, Sarl“ ſich nunmehr eingerichtet habe? Reyher antwortete :

,, Daß Mütterchen die Ihnen zulegt mitgetheilten Nachrichten nocy mangelhaft gefunden hat , kann ich mir leidyt denfen , und ich will

deshalb verſuchen , eine Beſchreibung meiner Defonomie zu ent werfen.

Die Servis - Kommiffion zahlt mir monatlich 5 Thaler Servis, und dafür habe ich ein Logis beim Schneidermeiſter Bechmann, beſtehend aus 2 Stuben, einer Rammer für den Burſden und einem

Stall gemiethet. Für die Heizung der Arbeitsſtube bezahle ich mos natlich 1 rtl. 12 ggr. , übrigens ſchlafe ich im Kalten. Betten und

Möbel habe ich vom Wirth. Des Morgens trinke ich bloß eine Taſſe Milch. Mittag - Brod wird von dem Salähter Johannes geholt , deſſen Frau für alle Offiziere tocht, wofür ich monatlich 4 *

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6 rtl. 12 gr. zahle. Des Abends eſſe ich nicht regelmäßig , bald hier, balb da ; häufig nehme ich auch mit einem bloßen Butterbrod vorlieb. Defters effe ich des Mittage (auch wohl des Abends) bei

dem Major und hin und wieder auch bei unſerem Regiments - Quars tiermeiſter.

3mmerwährende Geſchäfte erlauben es mir ſelten am

Tage auszugeben. Des Abends aber beſuche ich in der Regel den

Rittmeiſter, oder bald dieſen oder jenen Kameraden. Die Herren der hieſigen Garniſon , mit Einſdluß des Rittmeiſters, haben jeßt alle mit mir Brüderſdaft gemacht.

Alle Sonntage haben wir ein Liebhaber-Konzert. Der Ritttmeiſter v . Schmeling beſorgt die Vertheilung der Stimmen ac. Uebrigens ſind der Juſtiz -Kommiſſarius Kroll und ich zu Direktoren dieſer Unterhaltung gewählt. Unſer Orcheſter beſteht jegt ſchon incl. der

Trompeter , aus 22 Mitgliedern , zum Theil ſehr geſchidte feute ; auch einige Damen unterſtüßen uns. – Schon ſeit 10 Wochen habe id täglich eine Stunde auf der Bioline. Bei den Duvertüren und Simphonien ſpiele ich ſchon zweite Geige mit.“

Indeſſen blieb Reyher nicht lange in Coniß. Das Regiment wurde zur Strandbelegung der Oſtſeeküſte befohlen und Major . Haşeler erhielt dabei ein ausgedehnteres Rommando. Dadurch tam Rexher in die Gegend von Danzig, nach Neuſtadt. Die erſte Königliche Rabinets - Drdre, welche dieſe Strandbelegung,

mit Bezug auf die von Napoleon befohlene Continental-Sperre, don im Zuni des 3ahre8 1810 angeordnet hatte, lautete :

., Durch das Erſcheinen einer engliſchen Flotte in der Oſtſee finde 3d Mid veranlaßt, eine verſtärkte Belegung der ganzen Ditſeeküſte Meiner Staaten zu befehlen , um bei etwanigen Verſuchen einer

Landung Widerſtand leiſten und Gewalt mit Gewalt vertreiben zu lafſen, wozu bei ernſthaften Landungen die ganzen Truppen -Brigaden zu verwenden ſind. Zu dem Ende habe 3ch in der Beilage die erſten

vorläufig zu treffenden Anordnungen beſtimmt, und trage dem Al gemeinen Kriegs -Departement auf , für deren ſchleunigſte Aus führung zu ſorgen , und den betreffenden Befehlhabern , nämlich bem General der Ravalerie v. Blüder , dem Generalmajor v. Stutterheim und dem Brigade- General der Weſtpreußiſchen

Brigade dieſerhalb ſofort das Erforderliche zugehen zu laſſen.

Es

ſoll den genannten Generalen übrigens zur eigenen Beurtheilung verbleiben , wenn ſie etwa nach den hier nicht ſo genau zu berech nenden Lofal- Umſtänden die angeordneten Truppen - Boſtirungen auf

einem oder dem andern Punkt zu verſtärken für nöthig halten , ſo wie ſie auch von Zeit zu Zeit die Ablöſung der Truppen burch an

bere aus der Brigade verfügen tönnen. Die Truppen erhalten bei

der Infanterie pro Mann 60 und bei der Kavallerie pro Mann

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20 ſcharfe Batronen und jedes Ranon wird mit 100 ſcharfen Schüffen

verſehen, - wobei ſie zu inſtruiren ſind, daß jede Landung engli. ſcher Truppen und Equipagen als feindſelig anzuſehen und ſo weit die Kräfte reichen , zu verhindern iſt. Von den durch die reſpektiven Befehlshaber getroffenen Anordnungen, ſo wie von den ihrerſeits nöthig gehaltenen Abänderungen bei der Küſtenbeſeßung, erwarte 3d hiernächſt deren unmittelbaren Bericht. Potsdam den 16. Juni 1810.

Friedrich Wilhelm .“ 3n Folge dieſer Drbre befekten Theile der Ditpreußiſchen

Brigade die Küſten von Memel bis zur Grenze des Danziger Ges biets , welche Feſtung ſich noch in den Händen der Franzoſen befand. Von der Weſtpreußiſden Brigade rüdten Detaſchements nach Klein-Raß und Bußig bis zur Grenze der Provinz Pommern , und

hier ſchloſſen ſich Theile der Pommerichen Brigade bis nach Beenes münde hin an.

Das weſtpreußiſche Ulanen - Regiment nahm aber im Jahre 1810 noch keinen Theil an dieſer Strand - Belegung, die überdies im Winter

zum Jahre 1811 , da in dieſer Jahreszeit Landungen niật möglid waren , weſentlich verringert wurde. Mit dem Frühjahr des Jahres 1811 ordnete der König unter dem

26. März aus Berlin wiederholt eine verſtärkte Belegung in folgender Weiſe an : „ Da in furzer Zeit eine ſtarte engliſde Flotte in der Oſtſee erſcheinen wird, jo fou die Oſtſee - Raſte in Breußen und Pommern

ſo ſtart mit Truppen beſegt werden, daß dieſe Provinzen gegen jede Landung hinlänglich gededt ſind, und alle Verſuche der Einfuhr von Kolonial - Waaren verhindert werden können.

Dem General-Major o. Yorf trage Ich auf, die ganze Pommerſche und Breußiſche Küſte zu bereiſen und Mir einen Bericht über die

zur Bertheidigung derſelben getroffenen Maßregeln abzuſtatten, worauf Id demnächſt beſtimmen werde , was zur Verſtärkung der Poſtirung noch erforderlich ſein möchte. Damit inzwiſchen die Küſte ſogleich beſetzt werde, ſo rüden die zu dieſer Belegung erforderlichen Truppen ſofort auf ihre Poſten , wo es nidyt bereits geſchehen iſt, und wird

die Belegung der Küſten von den dabei reſſortirenden Generalen, ſo wie es bereits im vorigen Jahre geſchehen iſt, ohne Verzug an geordnet.

Da die Bommeriche Brigade eine lange Küſte zu beſegen hat, ſo foll :

1. von der Niederſalefilden Brigabe das in Berlin liegende 1. Weſtpreußiſche Infanterie - Regiment an die Pommerſche Rüſte rüden und mit Ausſchluß des 2. Bataillons ſogleich dorthin aufbrechen ;

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diefes foll den übrigen beiben folgen, ſobald es in Spandau abgelöſt ſein wird. Die beiden Bataillons des 1. Weſtpreußiſchen Regiments, welche jeßt abmarſchiren , find an den General v. Blüder zu ver weiſen, welcher über dieſelben bei Befeßung der Küſte nach den Ums ſtänden disponiren wird .

2. Sollen ſich aus der Feſtung Spandau 8 Stüd Geſchüß und von der Brandenburgiſchen Artilerie - Brigade eine Kompagnie aus Breßlau nach der Pommerſchen Küſte ſogleich in Bewegung feßen. 3. Endlich ſoll die Weſtpreußiſche Brigade , wie idyon anges ordnet war , einen Theil der Pommerſchen Küſte beſeßen , wobei der

General Major v. Yort die nöthige Verabredung mit dem Befehls haber von Danzig nehmen wird .

Alle an die Küſte rüdenden Truppen ziehen ihre Beurlaubten ein. Auf den þauptpunkten, wo eine Landung geſchehen könnte, zu Swinemünde, Kolberg, Bilau und Memel, follen die alten Batterien verſtärkt hergeſtellt und wo es möglich iſt, neue Werke angelegt werden.

Die Vollziehung aller dieſer Maßregeln foli ſogleich ing Werk gefeßt werden , wozu das Allgemeine Krieg8 - Departement hierdurd) den Auftrag erhält. Berlin, den 26. März 1811 . Friedrich Wilhelm .“

Dieſer Ordre folgte eine neue am 7. April 1811 , durch welche die

eingeleiteten Anordnungen in folgender Art zum Abſchluß gebracht werden :

,, Nachdem ſchon bei der wieder eröffneten Schiffahrt auf der Oſtſee die erſten Anordnungen für die Sicherheit der Breußijden und Pommerſchen Rüften getroffen und biernächſt auf die Nachricht,

daß eine engliſche Flotte in der Oſtſee erſcheinen werde, ſogleidy nodi eine angemeſſene Verſtärkung an Truppen und Geſchüß nach der Küſte geſchidt worden , wil 30 nunmehr, um dieſe vorläufigen Dispoſitionen zu einem allgemeinen Plan der Vertheidigung jener Küſten zu verbinden und dadurch dieſen Zwed fo vollſtändig ale

möglich zu erreichen , folgende weiteren Beſtimmungen hierdurch erlaſſen : 1. Ade Truppen der Oſtpreußiſchen , der Weſtpreußiſchen , der Pommerſchen , der Brandenburgiſchen Brigade und das 1. Weſtpreu

Biſche Infanterie-Regiment, ferner die Breußiſche und die Branden burgiſche Artillerie- Brigade, lettere mit Ausſchluß der Kompagnien, welche in Breslau verbleiben , ziehen ihre Beurlaubten ein , - die

Kavallerie aber nur ſo viele derſelben, daß keine Pferde ohne Reiter bleiben.

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2. Die disponiblen Truppen und Geſchüße in Preußen und Bommern werden nach der hier beifolgenden Dislokation theils un

mittelbar an die Küſte gelegt, theils als Reſerven dahinter zuſammens gezogen. Die Brandenburgiſche Brigade behält die Beſtimmung,

erforderlichen Falls zur Verſtärkung des linken Flügels der ausges dehnten Küſten -Befeßung auf den erſten Befehl dahin abzurüđen. 3. Um zu obigem Zwed ſoviel Truppen als möglich verwenden zu können, iſt die Bildung der Brigade - Garniſon - Rompagnien

aus den dienſttauglichen Leuten der Invaliden-Rompagnien und deren Verlegung, ſowie die der Regiments - Garniſonskompagnien, in die Feſtungen nach den anliegenden Dislokationen ſgleunigſt zu verfügen.

Weil aber dennod) ein zu großer Theil der Feld-Truppen, zum Behuf des Dienſte

in den Feſtungen , der Küſten - Vertheidigung

entzogen bleiben würde, ſo befehle 3d hiermit, daß ſämmtliche Gars niſon -Rompagnien in den Feſtungen Graudeng, Pilau , Colberg und Spandau auf die Stärke von 188 Röpfen per fompagnie gebracht werden ſollen , wozu die betreffenden Regimenter ihre diesjährigen

Halb- Invaliden abzugeben und ſo viele Krümper als dann noch in jener Anzahl fehlen , ſchleunig einzuziehen haben. Von den in den genannten 4 Feſtungen befindlichen Feldtruppen werden in dem

Maaße , als die Befaßung einen Zuwachs an Garniſon - Truppen erhält , eine ähnliche Anzahl ſofort zu der Beſtimmung nach der Küſte detachirt.

Die beiden Musketier - Bataillons de$ 4. Dſtpreußiſchen Regimento

haben bei jeder Kompagnie 38 Mann aus dem Canton einzuziehen. Hierdurch wird die Feſtung Graubenz in den Stand gefeßt werten, die übrigen Felbtruppen , außer den genannten beiden Bataillonen , zu dem allgemeinen Zwed abgehen laſſen zu können. Die 4 Feſtungen Graubenz , Pilau , Colberg und Spandau würden alsbann die in

der Anlage nachgewieſene Garniſon haben. Zu den Kavallerie Kommandos werden die für den Felddienſt nicht mehr brauchbaren Pferde genommen. 4. Damit die Erdarbeiten ſo wenig drüđend als möglich für das Land ausgeführt werden , ſind dazu diejenigen Leute aus den Cantons zu geſtellen , welche zum Dienſt bei den Truppen zunächſt

verpflichtet ſind. Sie erhalten eine Arbeits-Kleidung und neben dem gewöhnlichen Solde eines Gemeinen und dem Brode , eine geringe Zulage.

Aus dem anliegenden Verzeichniß iſt die Anzahl der vor der Hand erforderlichen Arbeiter, und wohin ſie zu ſtellen ſind, näher zu erſehen.

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Die reſpectiven Ingenieur - Brigadiers haben die Anlagen der Batterien an der Küſte anzugeben und für den zweđmäßigen Bau berfelben zu ſorgen . Berlin , den 7. April 1811 .

Friedrich Wilhelm . " Ade dieſe Drbres waren an das allgemeine Kriege - Departement

gerichtet.

In Bommern behielt der General der Kavallerie v. Blüder das Kommando , unter ihm der General - Major v. Bülow. Die detaillirt vorgeſchriebene Befeßung reichte von Swinemünde über Nammin, Treptow,

Colberg, Rügenwalde bis Stolpe, mit Poften in Wollin, Greiffenberg, Rörlin, Röslin, Sulawe und mit einer Reſerve in und bei Stargarb. Batterien hatte man armirt in Swinemünde, Sammin , am Strande bei Colberg, in Laflehne, Rügenwalde und Stolpemünde. 3m Ganzen waren dazu in erſter und zweiter Linie 7 Bataillone, 8 Estabrons und eine reitende Batterie verwendet worden ; die Reſerve bei Stars garb zählte außerdem 3 Bataillone und 2 Estadrons. Zur Armirung der Batterien wurden theils eiſerne, theile metallene Geſchüße, ichweren

und leichten Kaliber: (12 pfündige und 6 pfündige Kanonen, 10 pfündige und 7pfündige Haubißen ) genommen. General -Major v. Bülow mit dem ſpeciellen Befehl über dieſe Truppen beauftragt, mußte ſein Stabs . Quartier in Körlin nehmen.

In Weſtpreußen befehligte General- Major v. Hort und unter ihm ſpeciell die Strandbeſegung General-Major v. Corswandt. Zur Obſervation der Seeküſte von Leba über Bubig nach dem Danziger Gebiet wurden beſtimmt: Das Füfilier -Bataillon des 3. Dſtpreußiſchen Infanterie - Re giments, 4 Estabrons des Weftpreußifden ulanen - Regiments , welches außerdem kleine Detaſchemente zur Beobachtung der Warſchauer Grenze zurüdlaffen ſollte, - und 1/2 reitende Batterie aus Marienwerder.

Das Groß dieſes Detachements follte in der Gegend von Lauenburg und Neuſtadt dislocirt werden , und General - Major v. Cor 8wandt in einem dieſer Orte fein Stab8- Quartier nehmen.

Zur Reſerve wurden die übrigen disponiblen Truppen der Weſt preußiſchen Brigade,

2 Bataillons des 3. Oſtpreußiſchen Infanterie - Regiments, 2 Rompagnien des Füſilier . Bataillons 4. Dftpreußiſchen In fanterie-Regiments -

4 Eskadrons des 2. Leib-Huſaren-Regiments 1/2 reitenbe Batterie aus Königsberg -

zwiſchen Marienwerber, Mewe, Stargard und Dirſchau dislocirt, während 4 Estabrons des 2. Weſtpreußiſchen Dragoner-Regiments

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in und bei Rieſenburg vereinigt werden mußten . Bei Leba , Drhoeft oder wo ſonſt für nöthig erachtet würde, feien Batterien zu etabliren.

In Dſt - Breußen und Litthauen fommandirte General -Major v. Stutterheim, und unter ihm General - Major W. Mafienbad im Samlande , Oberſt v. Mahlzahn in der Gegend von Memel. Die Beſeßung reichte hier von Pilau bis Memel ; beſtehend aus 2 Bataillonen , 4 Estadrons und / reitende Batterie, deren

Groß bei Cumehnen ſtand , woſelbft v. Maſſenbach ſein Stabs.Quartier hatte.

Außerdem befanden fidh in Memel ſelbſt 1 Bataillon, 2 Estadrons. Die Reſerve dieſer Truppen wurde in Königsberg zuſammengezogen, nämlich der Reſt der Dſtpreußiſchen Brigade. 4 Bataillone und 4 Eskadrons wurden zur Obſervation der ruſ fifden und polniſchen Grenze zurüdgelaſſen. Batterien errichtete man bei Pilau , auf der Nehrungsſpiße dieſer Feſtung gegenüber , ferner bei Lochſtaedt, Rottehnen , Dirſchfeim und bei Memel.

Mit der Erbauung der Schanzen und Batterien waren die Inges nieur-Majors von Bullet in Bommern und von Engelbrecht in Dit- und Weftpreußen beauftragt. An der ganzen Oſtſeeküſte wurden

ſogleich 3,400 Schanz-Arbeiter in Thätigkeit gefeßt. Durch dieſe Strandbeſeßung geſchah ed alſo , daß Renher mit dem Weſipreußiſchen Ulanen-Regiment nach Neuſtadt abmarſcirte. Kam es auch zu teiner friegeriſden Aktion , die ja im Grunde weber von preußiſcher noch von engliſcher Seite beabſichtigt ward, ſo wurden doch die Truppen durch den Strandbienft fehr in Uebung gehalten ; - und Major v. Kaşeler war in ſeinem Bereich viel mit Inſpizirungen be. ſchäftigt, als General v. Cordwandt eine Zeitlang den Befehl an ihn abgetreten hatte. Auch für Reyher häuften ſich dadurch die Geſchäfte als Regimento-Adjutant, die ihm aber nur um fo reichlicher Gelegenheit

boten , durch Arbeitsfleiß, Gewandheit und Zuverläſſigkeit die Zufrieden beit feines Kommandeurs in einem immer höheren Grade zu erwerben.

Bei der beſchräntten finanziellen Lage Revhers fühlte fich deshalb Major von Hafeler berpflichtet, ein Geſuch um Unterſtüßung des Seconde - lieutenants Reyher dringend zu befürworten . Zwar wurde

baſſelbe in der Entſcheidung des Königs vom 4. Juli 1811 abgeſchlagen, aber doch mit dem ehrenden Zuſat :

ſo vortheilhaft auch das Zeugniß iſt, welches ſie dem Lieu. tenant Rehber beilegen " .

Die Lage des Staats machte die äußerſte Sparſamkeit nothwendig. Major 5. faşeler erleichterte aber nun die peluniaire Lage ſeines Adjutanten dadurch , daß er ihn ein für alle Mal zu Tiſche lud , wos

durch e8 Reyber möglich wurde, im Laufe eines Jahres feine geſammte

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Equipirung mit 231 Thaler von ſeinem Gehalt zu bezahlen ; er ſtand Ende 1811 ſelbſt im Begriff, ſich ein drittes Pferd anzuſchaffen. In bedrängten Berhältniſſen hatte er von Jugend auf Sparſamkeit gelernt, und ſeine Einfachheit und Genügſamkeit machten ihm auch in dem neuen Lebens - Berhältniſ Entbehrungen leicht erträglich. Aus dieſem Grunde nahm er auch nie die Hülfe ſeiner Eltern in Anſprudy. Nur einmal wandte er ſich mit der Bitte um Hemden an die Mutter , weil es in dem , unglüdlichen Kaffuben dower halte , Leinwand zu bekommen ",

und in Danzig ſei fie, ,, bei kurzem Ellenmaaß, unverſchämt theuer. Er wolle aber Porto und alle damit verknüpften Koſten gerne tragen. Die Mutter beeilte ſich, den Wünſchen ihres Sohnes zu entſprechen, und dieſer dantte herzlich, mit der Verſicherung, daß er dieſe mütter liche Fürſorge nach Kräften vergelten werde. Unterdeſſen aber machte auch die Geſelligkeit ihren Einfluß auf ihn geltend. Jung, voller Lebensluſt, heiter und humoriſtiſch geſinnt, fing er an, im Auftrage feiner Kameraben , Bälle zu arangiren, zu tanze

und Geſellſchaften zu beſuchen. Seine liebenswürdige Perſönlichkeit machten ihn überall zu einem willfommenen Gaſt. In ihrer luxuriöſen Ausdehnung lernte er dieſe Lebensſeite zum erſten Mal in Danzig beim General Rapp fennen , bem Gouverneur dieſer nod) von den Franzoſen befekten preußiſchen Feſtung. þören wir, wie Reyher nach Danzig fam und die dort empfangenen Eindrüde ſchildert. Am 16. September 1811 dyreibt er nämlich an feinen Bater :

,, Seit meinem leßten Söreiben habe ich mit dem Herrn Major v. ftabeler mehrere Reiſen längs dem Strande bis Stolpe ges macht; - und ein Mal bin ich auch in Danzig geweſen, da meine überhäuften Geſchäfte mir nicht erlaubt haben, öfter dort zu ſein. Seche preußiſche Offiziere, unter welchen auch ich mich befand,

wurden durch Billet8 zur Geburtstagsfeier des Kaiſers vom þerrn Gouverneur Rapp eingeladen, nämlich der Herr General von Cor $ wandt , deſſen Adjutant, Major v. Kaşeler , ich, der Major v. Gleißenberg und deſſen Adjutant.

Wir fuhren ſämmtlich ſchon den 14. Auguſt in 3 verſchiedenen Wagen nadı Danzig und ſtiegen im Gaſthauſe zu den 3 Mohren ab, wo wir einen officier d'honneur fanden, der uns bald nach unſerer Ankunft vor das hohe Thor führte, wo auf den höchſten Baſtionen ein brillantes Feuerwerf abgebrannt wurde. Wir meldeten und dort beim Gouverneur und beim Kommandanten, und wurden vom Leka teren fämmtlich auf den 15. zum Diner eingeladen. Den 15. Vormittag befaben wir uns die Stadt und gegen 4 Uhr Nachmittags begaben wir uns zum Kommandanten , wo in

Geſellſchaft aller in Danzig anweſenden franzöſiſchen Generale und

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vieler Offiziere prachtvoll geſpeift wurde. Balb nach aufgehobener Tafel entfernten wir uns , und wurden durch den Adjutanten des

Gouverneurs zum Bau eingeladen, der gegen 9 Uhr Abends begann. Ihnen die Pracht, mein Bater, die hier ſtattfand , zu beſchreiben , iſt mir unmöglich, und auf mich mußte dies Ades einen um ſo größeren Eindrud maden , als ich früher dergleichen glänzenden Fêten nie beigewohnt hatte. Die Geſellſchaft modyte etwa aus 800 Perſonen beſtehen . Der ungebeure Saal wurde durch 16 große Kronleuchter aufe Geſchmad : vollſte erleudytet. Napoleon 8 Bildniß war über einer Garnitur Degenklingen, die als Sonnenſtrahlen geordnet waren, an der Wand befeſtigt.

Ade Generale und mehrere hundert Offiziere befanden ſich in ihren Staats-Uniformen, die nicht wenig glänzten. Aud) die Ber:

ſchiedenheit der Truppengattungen nahm ſich ſchön aus. Das Mus fitcorp8 ſpielte in einem Chor unter der Dede del Saales.

Bis 1 ilhr wurde viel getanzt, wozu uns der Şerr Gouverneur unaufhörlich animirte. Dann wurde an 2 großen Tafeln in einem andern Saal höchſt glänzend bis 3 Uhr ſoupirt ; Rheinwein und Champagner floß , aber feine Geſundheit wurde getrunken. Um 3 Uhr fing man wieder an zu tanzen , bis gegen 6 Uhr , wo der Bal aufhörte .

Gegen 10 Uhr ließ ſich der Gouverneur durch einen Adjutanten nach dem Wohlbefinden des Generals und der Stabs - Offiziere ers kundigen und uns um 12 Uhr zur Promenade und um 4 Uhr zum

Diner einladen. Gegen 12 Uhr wurden wir in zwei ſehr brillanten Equipagen abgeholt. Der Gouverneur , der General v. Gors . wandt und die beiden Majors ſegten ſich in den erſten und ſämmt

liche Adjutanten in den zweiten Wagen. Von mehreren Ordonanzen begleitet, fuhren wir nun durch die Hauptſtraßen Danzigs , endlich aus dem Olivaer - Thor bis an den þolm. Alle Feſtungswerke, beſonders die neuen, wo man eben die Schußlinien probirte, wurden in Augenſchein genommen. Gegen 3 Uhr fehrten wir zurüd, worauf ung der Gouverneur erſt einen Säbel zeigte , den er aus Aegypten

mitgebracht und dann ſeine ſämmtlichen Pferde. Gegen 4 Uhr verſammelte ſich die geſammte Generalität und es wurde wieder fürſtlid binirt.

Der Gouverneur brachte Napoleons und des Königs von Preußen Geſundheit aus, und nachher wurde auf Einigkeit getrunken.

Gleich nachdem abgeſpeiſt war, fuhr die ganze Geſellſchaft ins Theater, wo wir im erſten Rang , der General Cordwandt aber in der loge des Gouverneurs placirt wurden.

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Am andern Tage reiſten wir nach Neuſtadt zurüd. Wir wurden in Danzig mit einer ausgezeidhneten Achtung bebandelt. Vor dem General traten die Waden ins Gewehr und vor uns wurde das Gewehr angezogen .

Der Gouverneur wird im Winter hindurch zwei mal Geſellſchaften geben , und hat uns ein für alle mal eingeladen. Wenn man nun bieſe und widerfahrene Behandlung mit unſern Rüſtungen zuſammen

hält , ſo wird man irre geleitet; aber ſo viel man auch über den Ausbruch eines nahen Krieges ſpricht, ſo muß ich Ihnen nach dem, was ich weiß , doch aufrichtig geſtehen , daß ich es nicht glaube.“ Ohne Zweifel hatte Rapp nicht bloß aus franzöſiſcher Courtoiſie, ſondern auch nach Inſtructionen des Kaiſers gehandelt, der bereits den Krieg gegen Rußland ins Auge gefaßt, und die militairiſche Beihülfe Breußens wünſchte. War Reyher auch für einen Augenblic von all' dieſem ungewohnten geſellſchaftlichen Glanz, bei der Einfachheit ſeiner Lebens

Gewohnheiten, geblendet worden, ſo konnte es den preußiſchen Ofs fizieren doch nicht entgehen, daß der bitterſte Feind des Vaterlandes ihnen damit ſein fod hatte verdeden wollen . Das anſcheinend gute Berhältniß dauerte daher auch nicht lange. Es fanden ſich vielmehr ſehr bald Differenzen , welche die Spannung

mit der franzöſiſden Garniſon zu Danzig bis zu dem Grade ſteigerten, daß man im Anfang des Jahres 1812 anfing, Feldwachen gegeneinander auszuſeßen. Der Königs Gebot hielt noch den Anſchein eines Friedens aufrecht, der in den Herzen ſeines Volfes nicht beſtand. Die unaufhör

lichen Kriege - Gerüchte waren nur der Ausdrud dieſer allgemeinen Stimmung gegen Frankreich. Indeſjen follte das Weſtpreußiſche Ulanen - Regiment dort den weiteren Folgen dieſer Spannung daduro entzogen werden , daß es unter dem 4. Mai des Jahrr8 1812 den Königlichen Befehl erhielt, nach Schleſien abzurüden. Es wurde alſo bem Korps des Generals yort , zur Dperation nach Rurland beſtimmt

nicht zugetheilt. Das Regiment war zunächſt von Neuſtadt und Ilm gegend nad Marienburg marſdirt , den 6. April wieder aufgebrochen,

und am 22. deſſelben Monats in Cürtow bei Arngwalde eingetroffen. fier ſtieß man auf das Korps des Marſchaus Ney), welches fich, zur

großen Armee gehörend , nach Rußland in Bewegung geſegt hatte. Major v. stapeler, der die politiſchen Berhältniſſe und die Sachlage zwiſchen Preußen und Frankreich von ſeinem Standpunkte aus nicht wohl überſehen konnte, machte Halt, und erbat ſich durd eine beſondere

Eſtafette Verhaltung8 - Befehle von Sr. Majeſtät dem Könige. Der Befehl lautete auf Fortſegung des Marſches, und ſo erreichte das Weſt preußiſche Ulanen - Regiment den 15 Mai Namslau in Ober -Schleſien , welcher Ort für den Stab und die Leib-Eskadron zur Garniſon beſtimmt

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worden war, während die übrigen drei Eskadrons nach Polniſch-Warten berg, Bitſchen und Kreuzburg verlegt wurden . Dieſer lange Marſch hatte dem Lieutenant Regher von Neuem Gelegenheit gegeben, ſeine Geſchäfts - Gewandtheit und ſeine Aufmerkſam

keit für die Estadrons zu bethätigen, ſo daß die Achtung und Zuneigung des Majors für ſeinen vortrefflichen Adjutanten im Wachſen blieb. v. Raşeler behielt ihn beſtändig an ſeiner Seite, und nahm ihn überall mit , wo der Dienſt oder der Ruf ſeiner Bekannten und Freunde ihn hinführte.

„Mein Verhältniß iſt äußerſt glänzend geworden" — dreibt Reyher um dieſe Zeit an ſeinen Vater. Beſonders angenehm war es ihm, auf dieſem Wege hodgeſtellte Männer in der Armee perſönlich kennen zu lernen. So war unter Anderen Major v. Saßeler mit ſeinem Ads jutanten von Marienburg nach Marienwerder gefahren , um ſich dort bei den Generalen v. Bülow und v. Cordwandt zu melden. Von beiden Generalen zu Tiſche gezogen, hat namentlich der leicht bewegliche,

ſcharfe und doch wohlwollende Charakter Bülow's einen tiefen Eindrud auf Reyher gemacht. Später nach Glogau zum Empfang von Lebeng mitteln und Fourage vorausgeſchidt, lernte Reyher hier den franzö fiſchen Herzog von Aubrantes tennen, deſſen ungemeine şöflichkeit er rühmte. Wichtiger aber wurde ihm der turze Aufenthalt in Breslau, wo er an der Tafel des Feldmarſchals v. Stallreuth zum erſten Mal mit den Generalen o. Sie iſt und v. S darnhorſt, mit Shuler b. Senden und v. Krafft in Berührung fam. Endlich hatte er auch bie Freude , dem alten Helden ber preußiſchen Armee , bem General

v. Blücher, der bald als Marſchall Vorwärts die Armee zu neuen Siegen führeu ſollte, perſönlich bekannt zu werden. Major v. Rapeler eilte, fich ſeinem hochverehrten Sommandeur aus der Rhein - Rampagne von Breslau aus vorzuſtellen. Wir haben bisher Blücher als kommandirenden General in Pom mern thätig geſehen und finden ihn jeßt bei Breslau außer Activität.

Die Veranlaſſung zu dieſem Wechſel war folgende. Blücher gehörte in dem Gefühl ſeiner Kraft und in der uners ſchütterlichen Zuverſicht zu der Leiſtungsfähigkeit des wenn ießt auch

kleinen preußiſden Heeres, zu derjenigen Parthei, welche den erneuerten Krieg mit Frankreich dringend wünſchte. Bon dieſer Geſinnung machte er tein Geheimniß ; er ſprach fie vielmehr überal offen aus ; am ents

ſchiedenſten unter dem 9. Oktober 1809 aus Stargard in dem nachfola genden Schreiben an Seine Majeſtät den König. „Allergnädigſter König !

Mit dem innigſten Schmerz muß ich Ew. Königlichen Majeſtät die erhaltene Nachricht von dem Abſchluß des für Deſterreich höchft

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nachtheiligen Friedens melden. Das Unglüd, welches uns bevor ſteht, iſt ſchredlich , da Napoleon fich beſtimmt geäußert haben fou, die rücftändigen Contributionen felbſt beitreiben zu wollen . Noch vor wenigen Monaten konnten Ew. Königliche Majeſtät der allgemeinen Sache aller Bölfer durch einen fühnen Entſchluß den

Ausſchlag geben.

Höchſt ſchmerzhaft iſt es mir , daß Sie , Allers

gnädigſter Herr ! meine bringend ehrerbietige Bitte verworfen haben, die ich auß wahrer unbegrenzter Anhänglichkeit wagte.

Die Wiederbelegung des größten Theils Em. Königlichen Majeſtät Staaten durch die Franzoſen iſt nicht zu bezweifeln. Wir werden Das Schidſal der Heſſen haben , und durch einen Federſtrich Na poleons fallen. Wir haben alſo nichts mehr zu verlieren , denn ein ehrenvoller Tod iſt beſſer als ein von der Welt gebrandmarktes Leben. Ew. Königliche Majeſtät können noch Sich , die Königliche Familie und das Land retten , wenn Sie uns die Waffen in die Hand geben . Mit weit geringeren Mitteln widerſtand einſt

Friedrich der Große der Unterjodiung, denn Em. Königlichen Mas jeſtät fönnen auf eine Armee von 60,000 Mann , auf noch einmal ſo viel theils exercirte, theile waffenfähige Mannſchaft und auf das ganze Land rechnen , welches gewiß lieber für ſeinen König fechten und ſich auf ſeine Könige Stimme aufopfern, als ein fremdes Foch

tragen wird. Ganz Deutſdland , beffen Freiheit am leßten Faden von Ew. Königliden Majeſtät gehalten wird , kann und wird mit uns gemeinſchaftlidye Sache machen. Was könnten, was wollten wir nicht thun , wenn unſer König nur fich unſerer annehme, nur mit uns tämpfen und lieber den Tod als Schmach theilen wollte! – 3ch, der ich meinem angeborenen König bis in den Tod getreu

bleibe , ich verbürge mich, daß es gut gehen muß , wenn man nur die rechten Mittel ergreift.

Haben Ew. Königlichen Majeſtät die einzige Gnade , meine fuß fällige Bitte zu hören und ſie ſo zu nehmen , wie ich ſie freimüthig als ein deutſcher Mann 3hnen zu Füßen lege. Saben Ew. Majeſtät die Gnade , mir die Gewährung durch den Ueberbringer wiſſen zu

laſſen. Sehr gut, ſehr leicht können wir einen imponirenden Sdhritt durch die Wegnahme von Stettin thun . Wenn wir aber warten, ſo wird ſich die dortige Garniſon verſtärken. Jeßt iſt ſie mit den Stranten 1,900 Mann ſtark und ohne Ravallerie, größtentheils deutſche Truppen.

Auf jeden Fall bitte ich Em. Königliche Majeſtät um Verhal tungsbefehle, wie ich mich benehmen foll; was aus den Truppen in der Mark werden wird, wohin ich ſie (diden fou, wenn der Feind Berlin wieder beſegt und jene Truppen in mein Gouvernement fommen.

Ade dieſe Fälle, welche ich beſtimmt vorauszuſehen glaube , dürfen

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nicht unerwartet kommen, wenn ich nicht gegen die Intentionen Ew . Königlichen Majeſtåt handeln fol.

hein falſcher Ehrgeiz , keine verkehrte Anſicht, nicht die Ahnung der Möglichkeit, meinen König und Herrn durch verderbliche Rath

ſchläge in den Abgrund zu ſtürzen, wie ſo viele leidige Rathgeber der Könige, die den natürliden Muth und die Entſchloſſenheit meined gränzenlos geliebten Monarchen durch Kleinmüthigkeit und verkehrte Liebe das Land zu ſchonen, irre zu leiten fuchten, ſondern allein der innigſte Wunſch, das Königliche Haus auf dem Thron zu erhalten und unſer armed Land nicht unter die Füße getreten zu ſehen, leiten mich bei meiner allerunterthänigſten Bitte. Die bieberigen Begebens

heiten , der aus ſicherer Quelle erfahrene Entſchluß Napoleons , und die Ueberzeugung, daß dieſer Kaiſer Ew . Röniglichen Majeſtät Staaten gebraucht, um Weſtphalen feſt zu ſtellen , daß er ihnen,

Alergnädigſter Herr! weder die rüdſtändige fontribution , noch ſo mandes Andere erlaſſen wird und endlich in jedem Falle einen Vors

wand finden wird, - dieſe Ueberzeugung zwingt mich, Ew . König lichen Majeſtät dieſe Vorſtellungen zu Füßen zu legen. Geruben Sie, Allergnädigſter König, mir nur einen Strahl von Hoffnung zu geben , ſo werde ich mich berubigen . Warum ſollten wir uns

Denn geringer als die Spanier und Tyroler adten ! Wir haben größere Sülf&mittel als fie ! Wenn wir unſern þeerd zu vertheidigen wiſſen , jo

werden wir es werth ſein, fortzubauern. Unwerth der Fort dauer werden wir untergebn. “

Ronnte der König auch damals auf die Bitte Blücher nicht eins

gehen , ſo ſchäfte er doch den Geiſt, aus dem dieſe treue und ſtarke Huſaren - Natur geſprodien hatte ; - es war ja derſelbe Geift, der in

der That wenige Jahre ſpäter Preußen wieder groß und mächtig gemacht hat. Deshalb antwortete der König : ,, Mein lieber General v. Blüdyer ! 3d habe ben Major v. Loffau vom Generalſtabe, der mir Euer Schreiben vom 9. v. M18. überbracht hat , hier behalten , bis die

Nachricht von dem Abſchluſſe des Friebens zwiſchen Deſterreich und Frankreich ſich auch von anderen Seiten ber beſtätigen würde. Da dieſes nun erfolgt , alſo der Friede feinem Zweifel mehr ausgefeßt iſt, ſo laſſe ich den Major w. loffau zu Eud) zurüdkehren und dante Eud, verbindlidiſt für die treue Anhänglichkeit, welche 3hr Mir durch den Inhalt Eures Schreibens aufs Neue zu Tage

leget, fann Euch aber feine neuen Verhaltungsbefehle geben , weil Meine Berhältniſſe ſich in feiner Art geändert haben. Sollte ich Mich in der Folge veranlaßt finden , Veränderungen vorzunehmen,

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ſo werde ich Euch davon bei Zeiten Kenntniß geben. Ich bleibe mit wahrer Werthidhägung Euer wohlgeneigter König

Königsberg, den 1. November 1809 . Friedrich Wilhelm .“ , e8 brobe dem Staate Gebanten dem von Indeſſen war Blücher

Gefahr durch einen verrätheriſchen Ueberfad franzöſiſcher Truppen, nicht abzubringen. Er befürchtete zunächſt eine feindliche Befeßung von Swinemünde und traf Maßregeln dagegen. Die Strandbeſeßung gab ihm eine wilfommene Gelegenheit, ſeiner friegeriſchen Neigung den ents

ſprechenden Ausdrud gegen Frankreich zu geben , namentlich durch Vers ſtärkung der Schanzen bei Colberg. Er gerieth in Conflikt mit dem Kommandanten von Stettin , dem franzöſiſchen General liebert , jo wie mit dem franzöſiſchen Conſul daſelbſt, wodurch man in Baris ſehr

aufmerkſam auf ihn wurde , und ſchließlich ſeine Entfernung forderte. Der König hielt ſich für verpflichtet, Ades zu vermeiden , was unter den beſtehenden fritiſchen Umſtänden den Staat gegen Frankreich com promittiren könne, und beſchloß deshalb, Blücher vorläufig nach Berlin

zu berufen. Unter dem 11. Oktober 1811 erhielt der General-lieutenant Graf Tauenßien fein Kommando in Bommern und im November 1811 empfing Blücher in Berlin folgende Drbre : Da die jebigen Verhältniſſe noch nicht geſtatten , Ihnen wieder einen Wirkungskreis zu geben , und es in Rüdſicht auf dieſe Ver

hältniſſe Mir ſelbſt wünſchengwerth iſt, daß Sie sich biß auf wei tere Beſtimmung einen anderen Aufenthaltsort wählen , ſo ſebe 3d Mich veranlaßt, Sie hiervon zu benachrichtigen , ſtelle Ihnen aber dabei die Wahl des Ortes , wo Sie sich fünftig aufhalten wollen, ganz frei . Berlin, den 11. November 1811 .

Friedrich Wilhelm.“

Eine geheime Kabinets-Ordre deſſelben Datums von der Hand des Staatskanzlers v. Hardenberg geſchrieben , ſollte den alten auf brauſenden Helden für ſeine Erilirung aus Berlin gleichzeitig begütigen, ſte lautete :

„ Wenn Sie durch Meinen Befehl vom heutigen Tage vorerſt der Thätigkeit entzogen uub von hier entfernt werden, ſo müſſen Sie es blog dem Drange der Umſtände zuſchreiben, welche jene Maßregel erheiſcht, und ich vertraue , nach Ihrer Mir ſelbſt gegebenen Vers

ſicherung, zu Ihrem Patriotismus, daß Sie sich gern in ſolche fügen werden. Ihrer Verdienſtlichkeit und Ihrem ſo oft bewies

ſenen Dienſteifer laſſe Id vollkommen Gerechtigkeit widers fahren und habe dem Staats-Kanzler befohlen, Ihnen zur Beſtreitung

der Koſten 3hrer Herreiſe, 3hres hieſigen Aufenthalts und der Reiſe nach dem von Ihnen vorerſt zu wählenden Ort, zweitauſend Thaler

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auszuzahlen. Sie werden einſehen, daß ſowohl dieſes, als der ganze

Inhalt des gegenwärtigen Schreibens geheim gehalten werden muß. Uebrigens behalte Ich Mir vor , Sie wieder in Thätigkeit zu ſeßen , ſobald es die Umſtände geſtatten. Berlin, den 11. November 1811 .

Friedrich Wilhelm. “

Einige Tage ſpäter beſtimmte der König über diejenigen Offiziere, welche bei Blüder verbleiben folten und wiederholte hierbei .

,, Ich werde die treuen, ausgezeichneten Dienſte, die Sie in einer ſo langen Reihe von Jahren dem Staate geleiſtet haben, ſtets im dankbaren Andenken behalten, und Mid freuen , wenn ſich Mir in der Folge noch die Gelegenheit darbieten ſollte, 3hnen neue Be weiſe des Vertrauens und Wohlwollen8 zu geben , worauf

Sie durch Ihre bewährte Anhänglichkeit für den Staat und Meine Perſon fich ſo gerechte Anſprüche erworben haben. Ich wünſche aufrichtig , daß Sie Sich nod lange einer dauerhaften Geſundheit zu erfreuen haben mögen."

So fam Blücher im weitern Verfolg nadi Breslau, mit Zuverſicht

auf einen baldigen Umſdwung der politiſchen Sachlage hoffenb. Unter dieſen Verhältniſſen war es alſo, daß Major v. Rapeler

und Rether ben General trafen, und Reyher frieb darüber : „ Heute haben wir den General v. Blücher, deſſen Liebling der Major v. Kaşeler iſt, in Scheitnig, einem Luſtſchloß des Fürſten bobenlohe , beſucht. Der alte şerr nahm uns ſehr herzlich auf, und begleitete ung noch nach Stein , wo wir die Leib - Eskadron wieder trafen . “

Es war das Eigenthümliche in Reyhers Charakter, daß er gerne

und oft in die unſcheinbaren Unfänge ſeiner jeßigen Lebens -Verhältniffe zurüđblidte und unter tief gefühltem Dank gegen Gott auch die Zu

neigung zu den Männern feſthielt, welchen er in ſeiner Heimath nahe geſtanden.

Das überraſchende Zuſammentreffen mit einem derſelben

ſchildert Reyher um dieſe Zeit in folgender Weiſe : A18 der Major und ich nahe bei einem Hauſe vorübergingen, bemerkte id in demſelben einen jungen Mann, den ich auf den erſten Blic erkannte. Id begleitete den Major bis zu ſeinem Quartier

und fehrte dann augenblidlich wieder zurüd. Id trete in das Haus und in die Stube. Der junge Mann fißt neben ſeiner Gattin auf dem Sopha. Er ſpringt auf ; wir belomplimentiren uns, und dabei bleibt e8. , „ Rennen Sie mich nicht mehr ? " " frage ich endlich. „ Nein ! Bon welchem Regiment fint Sie ? " " ,, Ich ſtehe bei dem Weſtpreus Biſchen Ulanen - Regiment. " "

. „Ich kenne von dieſem Regiment keinen Offizier " " — war die Antwort...„ Nun fo fenne ich Sie doch. 3hr Name iſt Freyfdhmidt. 5

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Sie waren früher Juſtiz -Actuarius in Liebenwalbe und id arbettete damals bei Ihnen als Schreiber auf dem Amt." " ... Mein Gott, Reyber , 3ft e$ möglich ! Bo tommen Sie ber? " " Nun mußte ich alles bei einem Glaſe Ober-Ungar ſehr umſtändlich erzählen. Wir freuten uns ſehr und er hat mir tauſend Grüße an Sie, mein Bater, aufgetragen. Er iſt Afeſſor bei dem Herzoglichen Gericht in Dele. "

Auch aus ſeiner neuen Garniſon Namslau, wo ſich Reyber ſehr

bald heimiſch fühlte, ſchrieb er in einem gleichen Sinne an ſeinen Bater. ,, Ich lebe ſehr glüdlid, und erinnere mich noch immer dankbar der Zeiten , die ich auf dem Amt und in der Brenzlauer -Straße

verlebt habe. Dort legte ich den Grund zu meinem jebigen Glüd ." 3n Namslau nahm er aber aud ſeine wiſſenſchaftliche Ausbildung und die Uebung in der Mufit wieder mit allem Ernſt auf , und fährt deshalb fort:

,, Deine Geſchäfte ſind nicht mehr ſo zahlreich und bringend wie früher ; ich nehme daber wieder Unterricht in der Mathematit , in der franzöſiſchen Sprache und auf der Bioline. Meine Finanzen werben freilich dadurch etwas angegriffen , aber ich fann es doch ausjühren , da ich nach wie vor bei dem Major den Tiſd habe. In der Mathematik unterrichtet mid perr Sache, ein geſdeuter Mann, zwei Mal in der Woche von 11 bis 12 Uhr ; in der französ

fijchen Sprache Herr Küchenmeiſter; die übrigen Tage von 11 bis 12 Uhr und Nachmittags von 4 bis 5 Uhr habe ich täglich Stunde auf der Bioline. leichte Duetts und Quartetts ſpiele ich ſchon friſch vom Blatte weg. Am vergangenen Sonntag wurde in der hieſigen fatholiſchen Kirche eine brillante Meſje mit Muſik aufgeführt, in

welcher viele Dilettanten und außer einigen Kameraden auch meine Wenigkeit die erſte Violine mitſpielte. Mit Einſdluß der Sänger und Sängerinnen waren wir 33 Muſiker. Selbſt der Major ſpielte Brat de mit.

In Namelau gefallen wir uns ſehr gut. Wir haben eine an

genehme Nachbarſchaft und ſind häufig ausgebeten. So bin ich mit dem Major wieder acht Tage lang in Breslau geweſen. Wir wohnten

in Scheitnig , eine viertel Meile von der Stadt , bei dem alten General v. Blücher, der ſein volles Gehalt bezieht und dort eine

äußerſt brillante Sommerwohnung gemiethet hat. Scheitnig liegt malerijd ſchön , und iſt ein Lieblings-Ort der Breslauer. Sowerlich

kann man angenehmer leben, als ich dieſe acht Tage verlebt habe. Des Morgens um 5 Uhr tranken wir im Bart unſern Raffee ; dann wurde eine Bremenabe gemacit. Gegen 10 Ubr ritten oder fuhren wir , der General , der Major und ich nach der Stadt , und früh ftüdten bei einem 3taliener.

Waren wir nicht bei 3emanden zum

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Diner eingeladen , fo aßen wir entweder bei einem Reſtaurateur

oder in der großen Provinzial - Reſſource. Um halb 6 Uhr ging e$ ing Theater und dann nach Scheitnig zurüd. So vergingen natürlich die acht Tage ſehr ſchnell .“ Auch als Jäger fing Reyher an ſich zu verſuchen. Auf einer Jagd bei dem Baron v. Noſtiş hatte er , die ſehr große Freude " am zweiten Tage einen Bafen zu ſchießen, den erſten " in ſeinem Leben. Die 3agden bei dem Prinzen Biron 3. Aurland auf Wartenberg

überraſchten ihn durch ihre Großartigkeit. „ Dergleichen hatte ich noch nie geſehen, geſchweige denn eine mitgemacht."

5. Aber neben allen dieſen Bergnügungen wurde doch auch fleißig ererzirt, um mit Ehren in der Probe vor Sr. Majeſtät dem Könige zu beſtehen, die in der Revűe von 1812 abgelegt werden ſollte.

Das Weſtpreußiſche Ulanen-Regiment wurde Ende Juli bei Namølau zuſammengezogen und marſchirte dann nach der Umgegend von Breslau.

,, Um 3. Auguſt, dem Geburtstage Sr. Majeſtät,“ ſchreibt Renber , marichirten wir in Parabe durch Breglan und erregten viel Aufſehen.

Unſer Regiment iſt aber auch wirklid wunderſchön. Wir haben bild

döne Leute und Pferde. Die Mannſchaften ſind gut angezogen, tüchtig exerzirt und haben eine herrliche Haltung. Die Pferde ſind gut geſattelt und gezäumt. Auch haben wir die ſchönſte Mufit von allen Regimentern. Unſer Trompeter-Morpe beſteht aus 32 Mann von denen aber nur 16 Mann etatemäßig find. " Am 6. Auguſt traf der König in Breslau ein , und hielt die Revüe ab, welche der General Graf Tauen sien leitete. Das Weſts

preußiſche Ulanen - Regiment erwarb ſich die beſondere Zufriedenheit Sr. Majeſtät, welche Allerhöchſtderſelbe bald darauf in einer Drdre mit folgenden Worten ausſprach. Der ſchöne Zuſtand des Weſtpreußiſchen Ulanen - Regiments gereicht dem Major v. Kaşeler zur Ehre.“ Nicht alle Regimenter erhielten ein fo lobendes Urtheil. 3m Fin

blid auf einen bevorſtehenden großen Krieg, ſprach der König (darf und beſtimmt ſeine Forderungen an die Regimenter der Armee aus. So unter Anderem :

Dag ... Regiment iſt in Unordnung und hat ſeit dem 3dy es das vorleşte Mal geſehen habe, gar keine Fortſchritte gemacht. Die Stabs - Offiziere ſind beim Anordnen der Evolutionen unſtcher, und

daher kommt es denn auch, daß Leştere fehlerhaft und verworren ausgeführt werden ."

Nach der Revűe nahm Reyber mit verboppeltem Eifer die Fort feßung ſeiner Studien wieder auf. Er trug fich felbft mit dem Gedanken, die Kriegsſchule in Berlin zu beſuchen . Allein das Jahr 1813 foute

ihn bald in einen praktiſchen Curſus des großen Krieges eintreten laffen. 5*

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Gegen Ende des Jahres 1812 durfte Revher ben lang erſehnten Urlaub zu ſeinen Eltern nach Schönebed antreten , wo er mit Stolz und Freude empfangen wurde. Er genoß hier die leßte Rubepauſe vor ſeiner ernften friegeriſchen Thätigkeit , der er mit warmem patriotiſchem Ge.

fühl , mit fröhlichem Gerzen und klarem , bildungsfähigem Sinn ents gegenging. Den 1. Februar 1813 fehrte Reqber wieder nach Breslau zurüd, wo er ben Major W. Kaşeler traf , der ſich über die Rüdfehr feines

Adjutanten , herzlich freute ."

Wie Reyber aber auch in dem Regiment geliebt und geehrt wurde, erfuhr er wenige Tage ſpäter in Namelau turc folgenden Brief

des Rittmeiſters v. Someling : Mein guter Rey her !

Wenn Du beitommende Piſtolen ald einen Beweis treuer Freunds ſchaft und wahrer Sochachtung aufnehmen und ſie zum Andenken

an fo mande zuſammen verlebte frohe Stunden führen wollteft, würdeſt Du daburd) unendlich verpflicten Deinen

Dir überall treuen und aufrichtigen Freund und Bruder

V Sd meling." 2. Meyher als Brigade: Adjutant . a . Das Jahr 1813 bis zum Waffenſtilſtand.

Mit der äußerſten Spannung war man in der Armee dem Aus. gang des franzöſiſch - ruſſiſchen Feldzuges von 1812 gefolgt. Als die

Auflöſung des franzöſiſchen Heeres , die Flucht der Trümmer deſſelben über die Bereſina, die Convention yorks zu Tauroggen bekannt wurde, richteten ſich die Blide aller Patrioten auf Preußens erhabenen König,

von deſſen Entſchluß es jeßt abbing, ob das Vaterland, ob Deutſcyland endlid frei werden ſollte von dem 3od ſeiner Feinde. Mit unermeß lichem Zubel wurde im Februar der Aufruf zur Bildung freiwilliger

Jäger, im März des Jahres 1813 das Bündniß Rußlande und Breußene, die Arieg8 - Erklärung Preußeng an Frankreid, und die unvergeßlidhen Worte des Königs an fein Bolt und an ſein Heer im ganzen Lande vernommen. Die Mobilmachung der Armee war längſt vorbereitet ; fie wurde nun raſch vollendet. Unter den zahlreichen Perſonal - Verän derungen , die ſie zur Folge hatte , befanden ſich auch v. Rapeler und Herber , denn der Leştere drieb ſchon am 14. März an ſeinen Vater :

,, Wer tann wohl innigeren Antheil an meinem Glüd nehmen, als Sie, mein theurer Bater, und ſo eile id denn, Sie zu benachrichtigen

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daß des Königs Majeſtät, aus Höchſt eigener Bewegung durch eine Kabinet8 - Drdre vom 10. bieſes Monats , die geſtern hier einging,

mich zum Brigade - Adjutanten der mobilen Brandenburgis iden Ravallerie ernannt haben , deren Brigadier mein würdiger Sommandeur geworden iſt. So ſicher ich auch darauf rechnen konnte, daß Major v . Kaşeler

mich zu ſeinem Brigade - Adjutanten vorſchlagen würde, ſo höchſt er: freulich iſt es für mid ), daß Se. Majeſtät ohne Borldlag mich dazu

ernannt haben. Der Major ſelbſt ſtußte etwas. Ich kann mir die Sadie nicht anders erklären , als daß General Gorswandt , der mich don im vorigen Jahr zu dieſem Boſten vorſchlug , dazu Ber anlaſſung gegeben haben mag. Wie glüdlich mich dieſe Ernennung macht, beſonders da fie aus Allerhöchſt eigener Bewegung erfolgt iſt, dies kann ich Ihnen nid )t beſchreiben. Es koſtet mid wahrhaftig viel Mühe, meine Freude zu unterbrüden . Einem Zeden möchte ich gerne ſagen : Siebe ! So weit habe ich es durch eigene Anſtrengung vom

gemeinen Musketier gebracht.

Die brandenburgiſche Brigade bat als Chef den Oberſt v. Röder, ein kluger, kenntnißreicher und ebenſo rechtſchaffener Mann. Er bes fißt die Gnade des Königs in einem hohen Grade und war auch

eine geraume Zeit königlicher Flügel-Adjutant. Unter ſeiner Leitung und in meinem Verhältniß wird alſo die Campagne äußerſt lehrreich für mich werden. An Entſchloſſenheit ſoll es mir nicht fehlen, und ſo hoffe id) denn mein künftiges Glüc zu begründen, wenn ich nämlich mit dem Leben davon tomme.“ Daß übrigens Keyber nicht der Einzige ſeiner Familie war,

welder in den heiligen Kampf gog, erſehen wir aus dem Soluß feines Briefes :

„Wenn die Befreiung des Baterlande8 , woran nun wohl nicht zu zweifeln iſt, wieder alles Erwarten nicht gelingen ſollte, ſo haben Sie doch, lieber Bater , gewiß das 3hrige gethan. Wenige Eltern werden vier Söhne in dein Seere haben. Aber unſere

gute Mutter iſt gewiß troftlog. Indeſſen iſt dieſe nothwendige Maßregel gewiß um ſo leichter zu ertragen, da ſte das Wohl des theu eren Vaterlandes bezwedt.“

Selbſt Reyhers Vater ſollte nicht unbetheiligt bei dem großen militairiſchen Aufſchwunge der Nation bleiben , denn er erhielt fehr balb die Charge eines Bauptmanns in dem Landſturm ſeiner Gegend. Unter dem 14. März 1813 wurde v. Habeler zum Oberſtlieutenant befördert.

Berweilen wir hier einen Augenblid bei den allgemeinen Bers hältniſſen.

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Ale ber König die Möglichkeit der Kriege mit Frankreich ins Auge faßte, wurde die kleine preußiſde linien - Armee innerhalb zweier Monate, Februar und März 1813, faſt auf das Vierfache ihrer Friedeng

ſtärfe gebradit, d. h. auf c. 110,000 M. Die Landwehr ſollte außerdem 150,000 Mann ſtart werden. Blüder wurde ſchon im Februar wieder angeſtellt. Die Drdre vom 28. Februar an ihn lautete : „ Ich habe beſchloſſen, Ihnen ein Kommando über diejenigen Truppen

zu übertragen , welche zuerſt ins Feld rüđen werden. 3d trage Ihnen daber auf, Sid bierfelbſt auf das Schleunigſte mobil zu machen. Ihren Feld- Etat wird Ihnen das Algemeine Krieg8-Departement anweiſen, ſo wie die Truppen, welche Sie unter 3hren Befehl er halten , Ihnen noch näher werden bekannt gemacht werden. Der wichtige Auftrag , der 3hnen hierburd zu Theil wird , wird Sie

überzeugen , welches Vertrauen 3d in Ihre Krieg8- Erfahrenheit und in 3hren Patriotismus feße , und 3d bin verſichert, daß Sie

demſelben ganz entſprechen und Mir und dem Vaterlande dadurch Beranlaſſung geben werden, Ihnen Unſere beſondere Erkenntlid feit zu bezeigen.

Breslau, den 28. Februar 1813.

Friedrich Wilhelm .“ Da unmittelbar darauf das Bündniß zwiſchen Preußen und Ruß land abgeſchloſſen wurde ( 1. März zu Ralid ) , jo fonnte Blit der 8

Stellung näher beſtimmt werden. Es geſchah dies unter dem 8. März: „ Nad der Uebereinkunft zwiſchen Mir und des Ruffiſchen Kaiſers Majeſtät wird 3hnen hierdurd, der Oberbefehl über Meine fämmts

lidhen in Schleſien ſtehenden jeßt marſcirenden Truppen und zus gleich über das Ruſſiſche Armee- Storp8 unter dem General Winzins gerode übertragen . Dasjenige, wag über die gemeinſchaftlichen Bewegungen Meiner und der Ruffiſden Armee burde den General v. S darnborſt im Raiſerlich Rufliſchen Haupt-Quartier verabredet

worden iſt, wird Ihnen von dem genannten General näher eröffnet werden. Zugleid benad richtige 3d Sie , daß ein Sorp8, welches aus einem Theil der Sdlefilden - Reſerve- Bataillone zuſammenges feßt wird, unter dem Befehl des General-Majors d. Sculer die Einſchließung von Glogau, fo wie ein ähnliches in Pommern unter dem General - Lieutenant Graf Tauen Bien die Einſchließung von Stettin bewirten wird ; beide erhalten ihre Befehle von dem Ruffiſchen General en Chef Fürſten Rutu off. Der General b. yort mit

ſeinem Rorps und der ihm untergeordneten Brigade der Generale 0. Bülow iſt unter die Befehle des Kaiſerlid Rufliſchen Generals Graf Wittgenſtein geſtellt, und der General-Major v. Borſtell

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mit einem Theil der Bommerſden Brigade zu einer Unternehmung nad der untern Elbe beſtimmt worden. Breslau, ben 8. März 1813.

Friedrich Wilhelm . " Das Schleſiſ dhe , unter Blücher geſtellte Armees Rorps , beſtand aus :

der Niederſchleſiſchen - Brigade, Oberſt v. Klür,

der Oberſáleſiſchen -Brigade, General-Major v. Zieten, der Brandenburgiſden - Brigade, General-Major . Roder, der Referbe-Ravallerie, Oberſt v. Dolff $,

der Reſerve-Artillerie, Oberſtlieutenant Braun, zuſammen

21 Bataillone, 40 Eskadron8 119/2 Batterien nebſt 4 Barl-Ro lonnen und 2 Pionier -Stompagnien oder 25,900 Mann.

Die aus allen Waffen zuſammengefekten Brigaden, zwiſchen 7,000 und 8,000 Mann ſtart, hatten hierdurch eine große taktiſche Selbftftän digkeit und vortrefflidie Organiſation erhalten. Der Brandenburgiſchen Brigade gehörte , wie wir bereits wiffen , Oberſtlieutenant v. faşeler an. Er hatte außer dem Weft preußiſchen Ulanen-Regiment noch 2 Estabrons des Brandenburgiſchen

þujaren - Regimente und 2 Eskadrons des Brandenburgiſchen Ulanens Regiments, zuſammen 8 Estadrons oder c. 1200 Bferden unter ſeinem Befehl.

Die Infanterie- Brigade kommandirte Oberftlieutenant v. Tippel8. tird ; — fie beſtand vorzugsweiſe aus den Garden, nämlich dem Res

giment Garde zu Fuß ( 3 Bataillone ) , dem Normal-Bataillon, dem Garde-Jäger -Bataillon, dem Leib - Grenadier-Bataillon, dem 1. Dftpreus Biſchen Grenadier- Bataillon , bem 3. Bataillon des Leibs Infanterie-Res gimento, alſo 9 Bataillone oder c . 7,000 Mann. An Artillerie waren 2 Bats

terien, nämlich die Gardes Fuß-Batterie und eine reitende Batterie zugetheilt. Dieſe urſprüngliche Formation wurde aber in Betreff der Raval ſerie des Oberſtlieutenants o. Raşeler nicht inne gehalten.

Es hatte nämlich das Brandenburgiſche Ulanen -Regiment 2 Estas drong für den Feldzug von 1812 abkommandirt, während 2 Eskadrons in Militíd und Tradenberg zurüdgeblieben waren . Dieſe beiden Ess

tadrons, verſtärkt durch das freiwillige Jäger-Detaſchement, befanden ſich bereits über Wohlau auf dem Marſch zu bem Rorp8 Brüdere , als ſie jenſeits der Drer , die ſie bei Leubus paffirten , am 20. März

den Befehl erhielten , zu dem Belagerunge-forp8 vor Glogau abzus rüden. Die beiden andern Estadrons mußten fich zuvor in Folge ihrer

Berluſte vollſtändig reorganiſtren und das ganze Regiment vereinigte

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fich erſt nach Aufhebung der Belagerung am 30. Mai in der Gegend von Neumarkt, hat alſo thatſächlich vor dem Waffenſtilſtande unter bem Befehl v. Raşeler 8 nicht geſtanden .

Auch das Brandenburgiſche Huſaren - Regiment hatte 2 Eskadrons zu dem Feldzuge nach Rußland geſtellt. Die beiden andern Eskadrons ( 1. und 2. mit dem Jäger. Detajdement) unter Major v. Sobe wurden in Neumarkt mobil, nnd machten von hier aus ſchon am 12. März die

Spiße der Avant-Garbe Blücher8 , - während die 3. und 4. Esfabron , die gleichfalls von Neuem formirt werden mußten, ſich erſt am 17. Juni bei

Neumarkt mit dem Regiment wieder vereinigten. Die 1. und 2. Estas dron rüdte am 12. März von Neumarkt ab , um über Liegnitz und Bunzlau im Verein mit den ruſſiſchen Streif- Detaſchements von dem Korps des Generals v. Winzingerode nad Sachſen zu marſhiren. Das Weſtpreußiſde Ulanen - Regiment folgte erſt ſpäter ; es

brach am 15. März von Namsiau auf, um ſich, bei Breblau die Oder paſſirend, jenſeits derſelben bem Korp8 anzuſchließen , welches zwiſchen Breslau, Sauer, Liegniß und Löwenberg echelonnirt verſammelt wurde.

Oberſtlieutenant v. Rafeler führte von hier ab noch nicht die Avants Garte.

Blüder verließ am 18. März Breslau und legte das Rorps ſucs

ceffive über Liegniß, Haynau , Bunzlau in Bewegung. Den 24. März erreichte man Sädyſiſch -Hennersdorf, und über Görliß, Loebau, Baußen, den 30. März Dresden.

Als das Beſtpreußiſche Ulanen - Negiment bei dem Marſch auf

Baußen das Schlachtfeld von Bodfird überſdiritt, verſäumte Reyber nicht, mit der Karte in der Hand , ſich auf demſelben zu orientiren. A18 er Stolpen paſſirte , erinnerte er ſich , daß hier ,, im 7 jährigen Kriege burde den berühmten Warnery der erſte Sduß fiel. " 3n Dresden wurde der Ruhetag zur Beſichtigung der Schlöffer, der Bilder - Gatlerie 2c. benut.

3enſeits der Elbe, am 6. April, erhielt v. Kaşeler zum erſten Mal den Befehl über die Avant - Garde , ohne jedoch ſchon ießt mit dem Feinde zuſammenzuſtoßen. Die Avant - Garde beſtand aus den 4 Ulanen - Esfabrons , dem Garde- 3äger - Bataillon , dem Garde - Füſiliers Mataillon und der reitenden Batterie Nr. 8. Man marſdirte an dieſem

Tage bis Noſſen , wo bis zum 14. April Quartiere bezogen wurden. Am 15 ten nad Rodylig aufbrechend , verweilte man auch hier wieder mehrere Tage. Heyber ſchreibt von dieſer Zeit :

,, Die Stabsoffiziere der Garde-Brigade geben ſich täglid im Haupt Quartier des Abends der Reihe nadı den Thee , wozu denn immer

ſämmtliche Adjutanten mit eingeladen werden. 3d bringe meine Abende in dieſer Geſellſchaft herrlich hin . "

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Wir naben uns nun der erſten Schlacht, in welcher Reyber das Glüd zu Theil werden ſollte, mitzutämpfen .

Werfen wir daher einen kurzen Blid auf die algenieinen Verhält niſſe, um die kleineren Züge unſeres Bildes dem großen Ganzen ein zufügen.

Nach der Auflöſung der franzöfiſchen Armee durch den Feldzug von 1812 hatten die Verbündeten , Ruffen und Preußen, doch nicht mit der Schnelligkeit folgen fönnen, welche dem Zwed, der fortgelegten Vers nidhtung der feindlichen Trümmer entſprochen hätte. Die Urſachen ſind

bekannt ; ſie lagen zum Theil in der erſchütterten Organiſation der ruf fiſchen Armee, zum Theil in der noch unvollendeten Neu-Formation der preußiſchen Armee. Wenn daher audi der Vice-König von Italien mit

dem digponiblen Reſt der franzöſiſchen Truppen allmälich zurüdwich, und ídließlich ſelbſt die Elbe räumte, ſo hatte dod unterdeſſen Kapos

leon bei ſeiner raſtloſen Thätigkeit und Energie Zeit gefunden, wieder eine neu formirte Armee aus Frankreich nach Deutſchland auf den Kriegsſchauplaß zu führen. Dieſer nicht erwartete Umſchwung in der allgemeinen Sachlage, veranlaßte die Verbündeten, ihren urſprünglichen weit reichenden Dperationsplan , nämlid): bie Defileen des Thüringer Waldes zu erreichen, ben Bice-Rönig von dort abzudrängen, und den Rheinbund zu ſprengen , - wieder aufzugeben, und dagegen, im Ver trauen auf die überlegene und vortreffliche Ravallerie, die Entſcheidung in ben Ebenen Sadjene zu ſuchen . In der zweiten Hälfte des April näherte ſich Napoleon mit der

Haupt-Armee über den Thüringer-Wald den am Harz ſtehenden Truppen des Vice-Rönige. Die Verbündeten konzentrirten deshalb die disponiblen Streitkräfte bei Leipzig und in dem Raume füdlich von dieſer Stadt. Der Kaiſer vereinigte ſich 1. Mai hatten die franzöſiſchen Ney & Rorps theils vor die Diviſion Soubam bei

Ende April mit dem Vice-Rönig. Am Streitfräfte folgende Aufſtellung: füßen, theils vor Kaja und zwar : Rabna und Raja , beren Avant - Garbe

Redermann, bei Gr. Görjden, die Diviſion Girard bei Starſiedel, -

die Diviſionen Brennier, Riccard, Marchand ſüdlich von Lügen. Napoleon mit den alten Garden bei Lüßen. Marmonts forps mit :

zwei Diviſionen bei Rippach.

Die Diviſion Compang bei Naumburg. Die junge Garde bei Weißenfels. Bertrand

Rorps bei Stößen ;

es ſollte am 2. Mai zur

Bereinigung auf Kaja marſiren. Die Diviſion Franquemont ſtand noch bei Dornburg.

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Dubinots forp befand fich noch 124/ Meilen von Füßen bei

Kala. Sein Sorps und bie Diviſion Franquemont waren daber zu einer Schlacht am 2. Mai nicht disponibel. Die Truppen del Vice-Rönige ſtanden echelonirt auf der Straße von Merſeburg nach Lüßen und Martranſtädt.

Auf dieſe Weiſe hätte der Kaiſer Napoleon c. 170,000 Mann mit 300 Geſchüßen zur Sdlacht vereinigen können . Bon den Verbündeten befanden ſich am Abend des 1. Mai : General Yort mit 10,000 Mann bei Zwenkau General Berg ebendaſelbſt General Blider

mit

7,450

mit 24,000

S

bei Rötha

General Winzingerode mit 17,350 bei Lobſtaedt. Summa 58,800 Mann . 3n der Nähe ſtand General Ale iſt bei Lindenau mit 5,000 Mann mit 11,600 und General Miloradowitſd bei Altenburg Summa 16,600 Mann .

In der Borausſeßung , daß der Feind am 2. Mai die Bewegung fortfeßen werde, hatte der Ober- Befehlshaber Graf Wittgenſtein ,

mit Genehmigung des Kaiſers Alerander und des Könige Friedrich Wilhelm beſchloſſen , mit der Maſſe der Streitkräfte über die Elſter zu gehen, die rechte Flante der franzöſiſchen Darſch-Kolonne übers rafd end anzugreifen , und die Straße von Lüßen nach Weißenfels

zu erreichen. General Kleiſt follte die Spigen del Feindes bei Leipzig aufhalten. General Miloradowitſch wurde nicht zur Schlacht heranges zogen , ſondern erhielt den Auftrag, die linke Flante der Armee gegen das feindliche Rorp8 bei Stöjen zu fichern und die Elſter zu ver. theidigen.

Am 2. Mai, dem Tage der Solacht von Gr. $ örfden , tam

die hierauf gegründete Dispoſition zur Ausführung, wenn auch nicht ſo vollſtändig, als dies die entſcheidende Wichtigkeit der ſtrategiſchen Situas tion erfordert hätte.

Die franzöfiſche Armee war in der That bereits auf dem Maridy nach Leipzig. Der rechte Augenblid war daher von den Berbündeten glüdlich getroffen worden ; e8 fam nun darauf an , ihn burd) raſches Einjeßen überlegener Kräfte in feinem ganzen Umfange auszubeuten . Allein das vereinzelte Auftreten der Brigaben konnte wohl die Schlacht ehrenvoll durch dlagen , nicht aber den Sieg erringen laſſen . Die Armee der Verbündeten war um die Mittagsſtunde weſtlich

vom Floßgraben hinter der dortigen Anhöhe zwiſchen Werben und

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Domſen aufmarſchirt, die Breußen in erſter Linie, die Nuffen in zweiter Linie, die Garden in Referve, und die ruſſiſche und preußiſche Reſerve. favallerie vereinigt hinter dem linken Flügel. Die vor der Front ge legenen Dörfer Gr. und kl. Görſdien , Rahna und Raja waren vom

Feinde befeßt. Es ſtanden hier noch die Avant - Garde Rellermann und die Diviſion Soubam vom Rorpe Ney'e.

Da man weiter nördlich die

Staubwolken der nach Leipzig marſchirenden Rolonne ſah , ſo wurden die in dem Dörfer - Viered befindliden Truppen für ftehen gebliebene Bortruppen gehalten , deren unzureichende Kräfte leicht zu überwältigen feien.

Eine Avant-Garde follte dieſe Dörfer nehmen ; jenſeits derfelben erwartete Graf Wittgenftein erſt die eigentliche Schlacht und zwar jo , daß der rechte Flügel des Feinde8 ſobald er in ſeinem Marſa

halt oder kehrt gemacht haben würde mit konzentrirten Kräften anger griffen werben tönne. Zwijden 1 und 2 uhr rüdte man zum Angriff vor ; das Rorpo von Blücher voran , mit der Brigade des Oberſten d. Klüx an der

Tête. Dieſe Brigade nahm Gr. Görſchen ſehr ſchnell; die franzöſiſche Avant- Garde des 3. Rorp8 unter General Kellermann wich zwiſchen Rahna und Kl. Görſchen zurüd , fand zwar hier Unterſtüßung an der Diviſion Soubam, verlor aber auch Rahna und kl. Görlden als die Brigade des Generals v. Bieten weſtlich von Gr. Görſden neben der Brigade Alür gleichfalls zum Angriff vorging. Napoleon überraſcht durch den Beginn der Schlacht in einer ſeiner Marſch bewegung entgegengeſeßten Richtung , didte zunäcft die noch disponiblen Diviſionen Nene zurüd, ließ nur eine Diviſion des Bice - Könige auf Leipzig weiter vorgeben , und ordnete das Umkehren

der übrigen Truppentheile desſelben auf Markranſtaedt an , während die urſprüngliche Dispoſition die anderen forps bereits in die Richtung auf das Schlachtfeld führte. Bon den auf dem Rampfplat bereits befindlichen franzöſiſchen Truppen wurde die bei Starſiedel ſtehend Diviſion Girard burd die

preußiſche Reſerve - stavallerie unter Oberſt v. Dolffe , ſowie durch die ruffiſche Artillerie, anfänglich zurüdgehalten ; dod gelang es biefer Divis

fion, ſobald das Rorp8 Marmonts bei Starſiedel eingetroffen war, in den Kampf einzugreifen und Rahna und Kl. Görſchen zurüdzuerobern. Nun erſt wird auch die Brigade des Generale v. Röder ins Ges fecht geführt. Mit ihr nehmen die durch den nahen erbitterten Kampf

fehr geſchwächten Bataillone die verlorenen Dörfer wieder, und bringen ſelbſt in die Nordſpiße des Bierede, in Raja ein.

şiermit war das ganze forps Blücher & fucceffive engagirt worden. Das Erſdeinen der Diviſionen Brennier und Riccarb drängt audy dag Korps Blüchere wieder zurüd. Kaja , Rahna und kl. Görſchen

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fallen den Franzoſen abermals in die Hände, während die leßte Divis fion das Rorp8 von Ney , die Diviſion Marchand, ſich auf Eißdorf dirigirt. Zu dem fortgelegten nahen Kampf um die vier Dörfer wird nun aud, das Rorps Yorts vorgeführt. Die Brigade des Generals v. ü nerbein greift Kl. Görjden an , die Brigade des Oberſt v. porn , Rahna ; nur die Reſerve des Generals v. Stein met wird noch zurüd gehalten. Die Erfolge wechſeln wieder auf beiden Seiten . Auch die Kavallerie der Brigaden ſudit auf dem engen Raum zwiſchen den Dörferu in die feindlichen aufgelöſten Maſſen einzubauen, ohne der Schlacht hier

eine entſcheidende Wendung geben zu können. Allein der Tapferkeit der preußiſchen Infanterie gelingt es, bie Kaja von Neuem vorzubringen. Es war dies der Höhepunkt der Schlacht, gegen 6 Uhr Abend . Von jeßt ab trat die kriſis ein, welche entſcheiden mußte, nach welcher Seite hin fidy der Sieg neigen werde.

Für den Augenblid waren die Berbündeten, troß großer Berluſte und taktiſdier Auflöſung im Vortheil ; - die preußiſchen Armee-Rorps hatten bis hierher faſt ausſchließlich die Ehre des Tages getragen. Da erſchien das ruſfiſche Rorpe des Prinzen von Württemberg , gefolgt von 6 ruffiſden Bataillonen des General - lieutenants Grafen St. Brieſt, mit weldem man es für möglich hielt, nun zur Offenſive gegen die linke Flanke bes Feindes bei Eifdorf über den Floßgraben übergeben zu können. Esrar aber für die Ausführung dieſer Abſicht bereits zu ſpät. Der Vice König von Italien an der Spiße zweier Infanterie- Diviſionen und der 1. Ravallerie- Storps bringt auf dem rechten Ufer des Floß-Grabens in Eißdorf ein, und mit Mühe ſucht man ſeinen entſcheidenden Stoß durch das Deboufdiren auf das linke Ufer des Floß-Grabens abzuhalten. Napoleon , der bis jegt einen maſſenhaften Artillerie-Sampf weſt

lich von Raja unterhalten hat, legt gleichzeitig einen Theil ſeiner Res ſerven auf dem rechten Flügel ein , und erobert saja, Rabna und Rel. Görſchen zurüd. Nur Gr. Görſchen fann er den preußiſchen Truppen nicht entreißen.

Die Duntelheit trat ein, die Sdladyt war nicht mehr zu wenden, wenn gleich fie durchaus nicht zur Niederlage der Verbündeten geführt

batte ; den leßten Reſt der ruffiſchen Reſerven noch vorüden zu laſſen, ſchien nicht rathſam .

Hinter Or, Görſden ſammelten ſich die aufgelöſten

Bataillone. Ein Verſuch, iet die ganze Reſerve-Kavalerie vorzuführen, dheiterte an der Dunkelheit und dem Terrain . Nur Oberſt v. Dolff8

ging mit einigen preußiſchen Estabrons ver, ohne jo iſolirt weſentliche Reſultate erreichen zu können. Der Rüdzug wurde bei Pegau über die Elſter angetreten ; nur die Reſerve des Generale v. Steinmet, 16 preußiſche Estabrons , und die ruſſijde Ravallerie des Generals

v. Winzingerode blieben noch die Nacht hindurch auf der Weſtſeite bed Floß -Grabens ftehen.

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Die Berluſtzahlen zeigen die Erbitterung, mit welcher man ſich ges ſchlagen hatte. Das forps Neye verlor nach den Rapporten, die in den Archiven des Dépot général de la guerre niedergelegt ſind, allein an Getödteten, Verwundeten und Bermißten 426 Difiziere und 15,140 Mann .

Der Geſammt - Berluſt der franzöſiſchen Armee betrug c.

20,000 Mann.

Der Verluſt der Verbündeten war geringer , aber doch ſehr em pfindlich;

ſo büßte das Korps Blüchers allein 231 Offiziere und

6325 Mann ein ; das Korps York8 72 Offiziere und 1748 Mann ; der Prinz von Württemberg 87 Offiziere 1545 Mann, - die Ver luſte der anderen Truppentheile waren weit geringer. Die Thätigkeit des Oberſtlieutenants v. Raßeler an der Spike des weſtpreußiſchen Ulanen - Regimente , beſchränkte ſich der Saclage gemäß, auf Angriffe gegen die feindliche Infanterie, die wiederholt mit glüdlichem Erfolge auf dem engen Raume zwiſchen den Dörfern aus. geführt wurden. Lieutenant Renber ſtand ſeinem Chef audy hier ſo würdig zur Seite, daß ſich derſelbe eine ehrenvolle Erwähnung ſeines Namens era warb. So berichtete v. fageler unter anderem nad der Schlacht: ,,A18 Major v. Alvensleben mit den Garde-Bataillonen ange griffen hatte, ging die Eskadron des Rittmeiſters v. Schmeling zur

Unterſtügung der Tirailleurs um kl. Görſchen vor , ſtürzte fich unges achtet des heftigſten Feuers über Gräben und Beden auf eine feindliche Tirailleur- Linie, und dann auf zwei geſchloſſene Kompagnien Voltigeurs,

hieb gegen hundert Mann zuſammen, und brachte mehrere Gefangene zurüc. Der Major Beier attadirte an der Spiße ſeiner Eskadron mit

vorzüglicher Bravour ein Quarree, wobei derſelbe aber ſchwer verwundet wurde.

Die Leib-Estabron bedte auf unſerem rechten Flügel die Tirailleurs eiues ruſſiſchen Bataillong. Mit den Ruſſen vereinigt warfen wir ungeachtet eine heftigen Widerſtandes den Feind zurüd. Lieutenant v. Bobbi . elsti zeichnete ſich hierbei ſehr vortheilhaft aus und war uns durch ſeine Renntniß der ruſſiſchen Sprache ſehr nüßlich. Das brave Benehmen meines Adjutanten des Lieutenant: Reyher und des zu mir fommandirten Offiziere, Lieutenants Wellmann, muß ich gleichfalls rühmen. Sie kamen in allen dieſen Attaden ungeachtet des allerheftigſten Feuers nicht von meiner Seite, und richteten bei jeder

Gelegenheit meine Aufträge ſchnell und mit vieler Pünftlichkeit aus. Das Regiment war von einem ſo vortrefflichen Geiſt beſeelt , daß Berwundete, nachdem ſie fidh hatten verbinden laſſen , in die Reihen ihrer Kameraden zurüdfebrten. Die Attafe wurde mit lautem þurrabruf ges

macht. Der Rittmeiſter v. Nomberg, der während der ganzen Schlacht

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eine außerordentliche Bravour zeigte, hat zum Berbinden ſeiner Wunde das Regiment gar nicht verlaffen wollen .

Kurz vor dem Ende der Schlacht mußte das Regiment noch eine Attade auf ein feindliches Quarree machen , welches in der Nähe eines

Buíches ſtand. Ungeachtet der Bravour des Regiments gelang die Attade nicht. Unteroffizier Serrmann von der 4. Estabron war nahe vor dem Quarree verwundet worden und vom Pferde geſtürzt. Schon im Zurüdreiten hörte man fein Rufen. Der Ulan þolzenbad von der 1. Eskadron machte ſogleich fehrt, ritt zu ihm hin, ſaß ab und lub

den Verwundeten im Kugelregen auf ſein Pferd. Er brachte ihn glüd lich zum Regiment zurüd. Endlich muß id auch noch das gute Benehmen des Regiments Chirurgus Geitner herausheben , der bao Regiment bis ins Gefecht begleitete und ſich bei den Bleffirten , die einer ſoleunigen Hülfe bes durften, den feindlichen Kugeln erponirte."

Der Verluſt des Regiments betrug : todt 4 Unteroffiziere, 42 Ge meine, 86 Pferde; verwundet 8 Dffiziere, 4 Unteroffiziere, 1 Troms peter, 25 Ulanen.

Der König erließ in Folge dieſer Sdilacht am 6. Mai den nads ſtehenden Tagesbefehl an die Armee : In der Sdlacht, deren Zeuge 3d war , habt Ihr durch hoben

Muth , Ausdauer und freudige Fingebung Eud des alten preußiſchen Namens würdig gezeigt. Nehmet dafür das Zeugniß Meiner ungetheilten Zufriedenheit. Kein ausgezeichnetes Berdienſt, welches Mir be. fannt wird, ſoll von Mir unbelohnt bleiben. Nach der Schladit ſeien

Vertrauen , Ordnung und Gehorſam die erſten Soldaten - Tugenden ; Ich darf Meine braven Krieger nicht erſt daran mahnen. Gott iſt mit uns geweſen und er wird es ferner ſein. Wir ſehen ſchon jegt mit den ſchönſten Doffnungen der naben Frucht

unſerer Anſtrengungen entgegen. Ich fann Euch mit Gewißheit ver. tündigen, daß ung in einigen Tagen eine neue mächtige Hülfe zur Seite ſtehen wird . Rämpft ferner für Euern König, Euern Ruhm und Eure Freiheit wie am leßten Tage unter Meinen Augen , und wir fönnen

eines baldigen und glorreichen Erfolge gewiß ſein. Friedrid Wilhelm." Auch der Kaiſer Alexander ſprach ſid, über die Schlacht in einer

Ordre vom 6. Mai an den General der Ravalerie v. Blücher in fol gender Art aus :

„ Un dem ehrenvollen Tage vom 2. D. Mts. haben die Preußiſchen Truppen durch ihre Entſchloffenheit, durch ihre Ausbauer und ihren

Eifer, ſowie durch ihre Ordnung und Disciplin , Meine und der Ruf ftigen Armee Bewunderung erregt. 3d, bitte Sie , Herr General, bei

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ihnen der Dolmetſcher dieſer Empfindung zu ſein ; ſte legt Mir die ſehr angenehme Pflicht auf, den Braven, welche ſich an dieſem ſchönen Tage mit Ruhm bedeckt haben, öffentliche Beweiſe Meiner Uộtung und Meiner Dankbarkeit zu geben. Sie wollen daher, Mein þerr General , Mir die Generale und Offiziere bekannt machen , welche Gelegenheit gehabt haben, auffallende Dienſte zu leiſten , damit 3ch demgemäß die Art der Uuszeichnungen beſtimmen kann, welde Ich denſelben zu ertheilen wünſche. Unterdeſſen übergebe ich 3hrer Dispoſition hiermit 300 Kreuze vom

St. Georg - Drden 5. Klaffe, um folche an die Unteroffiziere und Ges meine, weldje ſich am Meiſten durch glänzende Waffenthaten hervorges than haben , zu ertheilen. Mögen dieſe Ehrenzeidien, von den Waffen

brüdern zweier Armeen getragen , die Freundſchaft und Verbindung, welche zwiſchen ihnen herrſchen, erhalten und befeſtigen .... Alerander." Der König verlieb don unter dem 6. Mai , ,, um die Verdienſte der Führer dadurch öffentlich anzuerkennen", allen Generalen , Brigades Chefe, Brigade- Rommandeurs und Regimento - stommandeurs, welche

thätigen Antheil an der Schlacht genommen hatten , das eiſerne Kreuz 2. Klaſſe , dem General 6. yort , welcher ex idon beſaß , das eiſerne

Kreuz 1. Klaſſe. Die weiteren Vorſchläge für Diejenigen, welche fich ganz vorzüglich hervorgethan ", wurden erwartet, um auch über die Belohnung der anderen ausgezeichnet verdienten Männern in allen Graden beſchließen zu können. lieutenant Reyher wurde für ſein Wohlverhalten in der Schlacht vom 2. Mai durch Allerhöchſte Kabinet8s Drdre vom 19. Mai öffentlich belobt *). * ) Wie gewiſſenhaft der König in der Ordens - Bertheilung zu Werte ging, geht aus den

folgenden Ordres hervor , die wir þier mittheilen , weil ſie in mehrfacer Beziehung die grundfäßlichen Anſchauungen Friedrid Wilhelms III. Dokumentiren : Den 11. Mai aus Baugen an den General v. Brüder :

„ Um Sie in den Stand zu ſeßen , diejenigen Unteroffiziere und Soldaten Meiner Armee , welche fich in der Sdladit vom 2. d. Mts. durch Tapferkeit gegen den Feind rühmlich au @gezeichnet haben, belohnen zu können, bewillige 30 3hnen 200 eiſerne freuze 2. Klaſſe und forbere Sie dabei auf , folche an diejenigen Truppen -Abtheilungen zu ver theilen , welche in der Sálat am meiſten im Feuer geweſen ſind und fic darix duro

Standhaftigkeit am vorzüglichften ausgezeichnet Haben. Den Brigade . Chefe und den Kommandeuren mögen Sie empfehlen , gewiſſen þaft dafür zu ſorgen , daß nur die verdien teſten Männer das eiſerne Rreuz erhalten. Die Nadweiſung Derjenigen, welden daſſelbe guerkannt worden iſt, gewärtige 3d ſobald als möglich. Sollten etwa nac Austheilung biefer 200 kreuze nod einzelne Leute zu belohnen bleiben , ſo erwarte

30 davon Ihre Anzeige. Friedrich Wilhelm .“ Ferner an ben General v. Brüder aus Würſcen ben 18. Mai :

„ Auf die von 3hnen und dem Generallieutenant v. Đort eingereichten Relationen

liber die am 2. d. M. flattgehabte Sølacht, wil 34 hierburd , außer den bereits bewils

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Der Umſtand, daß in der Sdladt von Gr. Görfchen in bem naben Gewehrfeuer eine ſo große Anzahl von Stabsoffizieren zu Pferde er: ſchoſſen oder verwundet worden waren , veranlaßte den König, unter dem 11. Mai an Blücher aus Baugen den nachſtehenden vorſorglichen Befehl zu erlaſſen : Da id durch die Schlacht am 2. d. M. die Verwundung und

den Verluſt mehrerer braven Stabs - Offiziere zu bedauern habe, ſo beſtimme 3d zur Verhütung fünftiger ähnlicher Nachtheile hierdurdi, daß die Bataillons - Rommandeure der Infanterie hinfüro in der Schlacht nicht mehr zu Pferde bleiben , ſondern , ſobald das kleine Gewehrfeuer anfängt, ihren Dienſt zu Fuß verrichten ſollen , und trage 3hnen auf, dieſen Befehl der Armee befannt machen zu laſſen . Friedrich Wilhelm. " ligten Xuszeichnungen , noch den in der Anlage benannten Offizieren und Truppen das eiſerne Kreuz 2. Klaſſe verleihen

in Betreff der Unteroffiziere und der Gemeinen mit

der Beſtimmung, daß bei denjenigen Regimentern , welchen 30 ſo viel Kreuze zugeftanden habe , ale erbeten worden ſind , dieſelben alle diejenigen Perſonen erhalten ſollen , welche

dazu empfohlen worden fiub.

Bei denjenigen Regimentern und Bataillonen hingegen,

welden die erbetene Anzahl von freuzen nicht ganz bewilligt worden ift, ſollen die

dazu empfogrenen leute aus ihrer Mitte Diejenigen auswählen , welche fic auf Belohnung mit dem Kreuz die meiſten Anſprüche erworben haben, unb erwarte 30 demnädit ein vouſtändiges Verzeiðniß aller derjenigen Dffiziere, Unteroffiziere und Gemeinen, welchen das eiſerne Kreuz zu Theil geworden iſt. Hiernädſt muß 30 aber bemerken, wie 3d das Prinzip gar nidt billigen kann, nad welchem die Regimenter inggeſammt eine gleie Anzahl von Perſonen zur Bes lohnung mit dem eiſernen Kreuz haben vorſolagen ſollen , weil daſſelbe mit der Beſtimmung dieſer Auszeichnung, nämlid : Belohnung wahren perſönlichen Berdienfte8, gar niớt vereinbar iſt. Die Truppen haben allerdings insgeſammt mit ſo rühmlioer Standhaftigkeit gefochten, daß es nicht möglich iſt, alle Verdienſt zu belohnen ; indeß mußte mandes Regiment oder Bataillon dod mehr als ein anderes fich anſtrengen , um den alten preußiſchen Waffenruhm zu behaupten, und daher war es nothwendig, den Bors gelegten die Freiheit zu laſſen , nad Maßgabe der Theilnahme iþrer Intergebenen , ger

wiſſenhaft auf deren Belohnung antragen zu können.

Durch jenes Prinzip iſt es

denn aud gekommen , daß von Regimentern ſelbft Leute zu dem eiſernen Kreuz angeſept worden ſind, welche in der Solat gar niớt gegen den Feind gefochten haben, bie daber

von Mir aud ganz unberücfiötigt geblieben ſind. Ebenſo find ganz unzweďmäßig von den Brigade-Chefe und von den Kommandeuren durchgehende alle ibre Adjutanten zur Belohnung empfoblen worden . Da, wie ihon geſagt , nicht der Dienfteifer , ben alle Individuen im Heere rühmlid getheilt

Baben , ſondern nur das a uøgezeichnete Verdienſt belohnt werden kann , fo habe 30 auf dieſe Vorſóläge nicht unbeföränft eingehen können , und werben die Borgefesten es fich nun felbft beigumeffen haben, wenn duro die Art ihrer Eingabe ein oder der andere durch die Soladt fich verdienter gemachte Adjutant unbelohnt bleiben mußte. 3d würde die Borjöläge insgeſammt zurüdgegeben und dagegen angemeſſenere gefordert haben, wenn

Mir nicht daran gelegen geweſen wäre , den braven Truppen die ſo ſehr verdiente Belohs nung niớt nodi länger vorzuenthalten. 30 trage Ihnen aber auf , dafür zu ſorgen, daß in der Folge die Borjdläge Meiner Abfidt gemäß eingerichtet werden. Friedrich Wilhelm ."

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Nad der Schlacht mußte der Rüdzug angetreten werden ; er erfolgte in guter Daltung der Truppen , und zwar nach dem nächſten großen Abſchnitt, der Elbe , welche in 2 Kolonnen , die eine nördlich über Borna , Roldig , Doebeln bei Meißen , die andere füblid über

Frohburg, Rochlik, Noßen und Wilsdruf bei Dresden überſchritten wurde.

Die Ruſſen nahmen die fübliche Linie , die Breußen die nördliche, die franzöfiſche Armee folgte erſt am 4. Mai.

Wie v. Kaşeler, Reyher an ſeiner Seite, auf dieſem Rüdzuge wieder mit dem Feinde zuſammenſtieß , leſen wir von Reyher8 Hand geſchrieben, in folgendem Bericht: „Am 4. Mai erhielt ich (v. Kaşeler) von dem kommandirenden General v. Blüder den Befehl , mich mit 4 Eskadron8 Ulanen und 4 Eskadrong Dragoner, -- nämlich 2 Eskadrons vom 1. Weſtpreu

Biſden Dragoner - Regiment und 2 Eskadrons vom Regiment Bring Wilhelm Dragoner,

bei Borna aufzuſtellen und über die Bemes

gungen und Stärke der feindlichen Truppen genaue Nachrichten einzus ziehen. Um dies zu bewirken ſchickte ich Patrouillen auf allen Straßen

vor. Auf die erhaltene Meldung , daß der Feind in Lobſtädt ſei , ging ich ihm mit 30 Ulanen entgegen , und ließ eine Eskadron Dragoner als Soutien folgen. Wir ſtießen auf franzöſiſche, uns überlegene ta: vallerie, welche gleichwohl überraſcht, durch unſer plögliches Erſcheinen

und unſern ſchnellen Angriff, ficheilig durch das Dorf über eine Brüde zurüdzog. 3c folgte und retognoozirte jenſeit derſelben. 500 Pferde mit 3 Geſchüßen ſtanden vor uns aufmarſdirt. Es war daher an der Zeit , wieder den Rüdzug anzutreten ; denn der Feind, von ſeiner erſten

Beſtürzung zu fid gekommen, fiel uns mit Macht auf den Bals. Der Lieutenant v. Maſſow von den Dragonern und Lieuten ant Well

mann vom Ulanen -Regiment hielten die Verfolgenden mit der falt blütigſten Unerſchrođenheit, beſtändig ( charmuzirend, zurüd, ſo daß ſich das idwache Detaſchement mit Ordnung zurückziehen konnte. Sobald wir Borna wieder erreicht hatten , fam uns der Major

v. Blüder mit ſeinem Buſaren - Regiment und Oberſtlieutenant d. Werder mit dem leichten Garde Savallerie -Regiment zur Unter ſtüßung entgegen. Unmöglich konnte ich, ſicher geſtellt durch die Vers ſtärkung fo braver Truppen, die ſchöne Gelegenheit ungenußt vorüber geben laſſen die Contenance des Feindes noch einmal zu prüfen. Mit der Leib - Estadron ließ ich den Feind durch den Rittmeiſter

b. Schmeling angreifen. Das unerwartete Umkehren der Eskadron ließ den Angriff dergeſtalt gelingen daß der Feind deſſen Tete ſchon Borna paffirt hatte , wieder zurüdfloh, und noch auf dem Marktplaß franzöſiſche Ravaleriſten von den Pferden berunter geſtochen wurden , Rittmeiſter v . S dmeling brang ſelbſt bis an das jenſeitige Thor vor 6

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und war nahe baran ein tort befindliches Geldhüt zu erobern, ale feind lide 3nfanterie herbei eilte und es redte. Der Lieutenant v. Broni.

towaty com Regiment, einer der beſten und bravſten Difiziere, wurde hierbei curd einen Schus in die Bruſt getödtet. Dem Lieutenant v. Bodbielefi wurde das Pferd unter dem l'eibe erſchoſſen ; er batte die Beſonnenheit ſich ſo lange zu Fuß mit dem Säbel gegen fran. zöſijde Kavalleriſten zu vertheitigen, bis ein Ulan ihm eines von den

Beutepferden bradte und ibn entſd loſſen heraushieb. Nun aber rüdte franzöſiſdhe Infanterie vor. Wir traten geordnet den Rüdzug ron Borna nad Lauſigt an , verfolgt von c. 4000 M. Infanterie, 1000 M.

Kavallerie und 4 Gejdüßen. 3d fann die Ruhe nicht genug loben welite die Truppen arf dem Rüdzuge zeigten. Wir wurden häufig bes deſſer , aber ohne Wirfung , denn die Artillerie doß zu hody. Auch

wagte es rie Kavalerie nicht, ung anzugreifen ; ſie war durch die ſo eben erhaltene Leftien augenſcheinlich vorſichtig gemacht worden. “ Das Weſtpreußiſdhe Ulanen - Regiment batte an dieſem Tage body 32 Mann und 43 Pferde verloren. Die Oberſchleſiſche Brigate nahm weſtlich von Roldig die zurüd , tehrende Arriere - Garde auf. Während Marfchal Ney über Leipzig auf Torgau dirigirt wurde, war Napoleon den Berbündeten in drei Ros lennen gefolgt , nämlich im Norden Pauriſton, um von Leipzig über Wurzen und Didyat gleid)falls die Elbe bei Meißen zu erreiden ;

im Süden Bertrand über Frchburg, Hodlit, Freiberg gegen Dresden zu, und zwiſchen beiden Kolonnen die mittlere, unter dem Vice - König von Italien , welder der preußiſchen Armee mit dem 11. Korp8 folgte,

während Marmont und die Garden dieſer Rolonne nadyrüdten. Der Vice - König war es, der am 5. Mai die preußiſde Arrieres Garde bei Rolnit angrifi; – Oberitlieutenant . Steinmet räumte

die Stellung nach rühmlichem Widerſtande. Am 6. Mai war die Hauptmaſſe der Preußen bei Meißen auf tad redite Elb - Ufer gegangen , während die Ruſſen dieſelbe am 7. Mai bei Dredden überſdritten. Erſt am 8. Mai Vormittags er idienen die erſten franzöfiiden Truppen vor Dresden, und fanden die Brüden über die Elbe bereite zerſtört. allein die Elbe konnte ſeitens der Berbündeten nicht gehalten werden. Dennoch erfannte nian rie Nothwendigkeit, eine neue S dlacht zu (dlagen. Der Geiſt ter Truppen war ungebrochen ; Deſterreich

batte fich nod nicht turd, eine förmliche Kriego-Erflärung gegen Nas poleon eniſdieren ; und je mehr Terrain man nad, Schleſien bin vers lor, um ſo mehr fanien die neuen großartigen Rüſtungen Preußens in Vejabr, uidit vollendet zu werden. Eine fiegreiche Sdlacht würde die

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Spannung dieſer Berhältniſſe am einfachſten und natürlichſten gelöſt haben.

Die Stellung bei Baußen wurde zum Sdhladitfelde beſtimmt.

Biücher führte die Armee, weldie am 7. und 8. Meißen gegenüber auf dem rechten Elb-Uier geſtanden, den 9. Mai nad Großenhayn, den 10 ten nad Königsbrüd , den 11 ten nach Kamenz, den 12 ten nach Baußen.

Die Verpflegung hatte auf dem Rüdzuge Schmierigkeiten ge. funden , die überall leidyt Unordnungen durd, die Selbſthülfe der Solo daten zur Folge haben.

Vort, der auch unter (dwierigen Verhältniſſen Zucht und Ordnung mit eiſerner Hand aufrecht zu erhalten ſuchte, erließ am 8. Mai ein n įdarfen Parole-Befehl, aus dem wir folgende darafteriſtiſdie Stellen heraus heben :

Zu meiner höchſten Unzufriedenheit ſind mir Anzeigen von Gewaltthätigkeiten gemacht worden , welche die Truppen in den ihren Bivouals zunächſt gelegenen Drten verübt haben. Wenn ich es mir

zur angelegenſten Sorge gemacht habe, die Truppen ſo gut als möglich zu verpflegen, ſo treten doch Verhältniſſe im Gange eines jeden Krieges ein, wo es dem kommandirenden General nicht möglich iſt, die Truppen ſo verpflegen zu laſſen, wie es wohl wünſdengwerth wäre. linter folden Umſtänden muß der Soldat entbehren fönnen,

und willig und unverbrojjen ſeine Forderungen zu mäßigen miſſin. Es muß nicht allein den Soltaten tief in tas Gemüth gelegt werden, wie naditheilig ein ordnungswidriges Betragen für den Ruf und den Zuſtand unſerer Armee wird , ſondern es müſſen auch diejenigen,

welche ſich aus Mangel an Ehrgefühl zu Unordnungen verleiten laſſen mödten , burd die übliden Maßregeln abgehalten werden , ihrer

Wilführ zu folgen. Ich befehle Orruung im Maric , Ortnung im Birouaf, Ordnung beim Empfang der Lebensmittel ... Maroteurs dürfen den Trcz der Armee nid )t vergrößern ... So ſehr der fommans birente General den Truppen für die in der Sdlacht vom 2 ten d. Mis. bewieſene hohe Tapferkeit mit Dant verbunden iſt, ſo iſt es ihm toch

höchſt unangenehm geweſen , Unordnungen bemerken zu müſſen. Die Erhaltung der Ehre und der Kraft der Armee madt es ihm zur

heiligſten Pflicht, ſich beſtändig an tie oberſten Behörten zu halten, eintretenden Falle die ſtrengſten Mittel zur Beſtrafung zu ergreifen.“ Wie audy Gneiſenaut, ale Chef tes Generalſtabe8 Blüder&

die Verpflegung der Truppen zu einem Gegenſtande ſeiner velſten Aufmerkſamkeit und Fürſorge machte , erſehen wir aus ſeiner Bers fügung an tie Brigade- Chefe , welche er im Auftrage Blüder $ am 8. Mai aus dem Hauptquartier Broid wig an der Elbe erließ. um durch dieſelbe die Verpflegungs -Bedürfniſſe auf dem Rüdzuje von 6*

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der Elbe zu regeln. Wir theilen dieſe dharakteriſtiſche Verfügung, welche in Uebereinſtimmung mit dem auf ſeinem Gebiet ſo ausgezeichneten General Krieg8 -Kommiſſair Ribbentrop erlaſſen war, in ihrem ganzen Umfange nachſtehend mit :

„ Bei der Schnelligkeit und Ungewißheit der Bewegungen , welche Den Breußiſden Truppen zu Theil werden , iſt es unmöglich in der

Berpflegung und überhaupt in Heranziehung der Armee - Bedürfniſſe, diejenige Bünktlichkeit und Drdnung zu beobachten , welche in andern

Lagen unſere Truppen und Behörden gegen diejenigen anderer frieg. führenden Mädyte ausgezeichnet hat. Wir müſſen daher jeßt , weil über unſeren Bewegungen die

größte

Ungewißheit ſchwebt, zu außerordentlichen Maßre

geln unſere Zuflucht nehmen , wenn wir nicht dem Mangel an Lebensunterhalt Preis gegeben ſein wollen . Wir müſſen zur Behaupe

tung unſerer Disciplin dem Soldaten zwar auf der einen Seite zeigen, daß wir zur Befriedigung ſeiner Bedürfniſſe alle Mittel, die uns nur irgend zu Gebote ſtehen , ergreifen , aber auf der andern Seite audi einen ſtrengen Haushalt gegen das Approviſionnement der Armee beobachten , und den mit reichlichen Portions-Sägen begünſtigten Soldaten genügſamer machen .

Damit nun unſere Bewegungen durch die Maßregeln der Ber

pflegung unterſtüßt werden, damit ferner der Soldat ſich von der Für forge feiner Obern vollſtändig überzeugt , und damit endlich fein Truppentheil über Mangel an den unentbehrlichſten Bedürfniſſen fic beſchweren kann : fo foll auf Befehl des fommandirenden Herrn Generals

nachſtehende Maßregeln ſogleich zur Ausführung gebracht werden . 1. Jede Brigade erhält ihren beſtimmten Verpflegung8-Bezirt, und muß aus folchem alle ihre Bedürfniſſe beziehen.

3ſt ein

folcher Verpflegungs . Bezirf im Stande , mehr zu leiſten, als die Brigade bedarf , was genau unterſucht werden muß : ſo ſoll der Ueberſduß zur Diepoſition des General - Kriege Kommiſſair ge

ſtellt werden , und dieſer wird denjenigen Brigaden damit aus helfen , welche in ihrem Verpflegung8 - Bezirk den vollen Bedarf nicht aufzutreiben wiſſen , und ſich um eine Aushülfe an ihn wenden .

2. Die Verpflegungs-Bezirfe ſind folgendermaßen feſtgeſtellt: a ) Für die 1. Brigade , der ganze Strich von Großenhayn bis Elſterwerda , und ſelbſt bis an die Grenzen der Nieder- Laufik über Dobrilugt und Kirchhain . b ) Für die Reſerve Brigade , der Strich auf Cravau, Königs brüd , Drtrand und die nächſten Umgebungen in der Nieder Laufiß.

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c ) Für bie 2. Brigabe über Steinbad), Rabeburg, Buløniß, Elfter und Camenz bis tiefer in die Laufis hinein. d) Für die Reſerve - Ravallerie - Brigade über Radeburg, Morißburg und die ganze Gegend länge der Elbe zwiſchen Dresden und Meißen.

Jede Brigade ſtellt in ihrem Bezirke einen gewandten Offizier als Rommandanten auf, welcher für die Zuſammenbringung und Zus ſendung der Bedürfniſſe an die Brigade verantwortlich iſt; fie giebt dieſem Offizier ein Kommando von Infanterie und Ravalerie mit, und inſtruirt ihn vollſtändig über den eigentlichen und wahren Bedarf an Lebensmitteln für die Mannſchaft und für bie Pferde.

Sie kommandirt ferner einen Sefretair des Krieg 8- stommiſſariats und einen Proviantbedienten , welche unter dem Befehl des Rom

mandanten ftehen , und von dieſem zur Zuſammenbringung der Bedürfniſſe benußt werben .

3. Der Kriegs - Sommiffair der Brigade bleibt bei dem Herrn Bri gade - Chef, und muß ſich immer in den Umgebungen des leßtern befinden . Nur für die Zeit der Action ichidt er ihn auf die Ber: bindepläße, und iſt die Action vollendet, ſo beordert er ihn gleid wieder zu fich, damit dieſer Beamte nie in Ungewißheit über ſeinen Aufenthaltsort iſt, und von ſeinem Vorgeſeşten überall gefunden werden kann.

4. Das Weſentlidiſte aller Bedürfniſſe iſt Brot. Es gehört in dieſem Augenblic zu den Unmöglichkeiten, foldhes durch die Feldbädereien anſchaffen zu laſſen, und jede Brigade muß daher in ihrem Ver

pflegungo-Bezirke ſo viel Brot durch die Städte und Dörfer an. ſchaffen laſſen , daß fie mit einem eiſernen Beſtande auf 7 Tage möglichſt bald wieder verſehen iſt. Bis bahin , daß

eine regelmäßige Brotverpflegung wieder eintreten fann, muß der Solbat wie e8 bei allen Armeen anderer friegführenden Staaten geſchieht, Mehl ftatt Brot nehmen, und das fann er unbebentlich thun, wenn man ihm, wie ihm hiermit für den vorliegenden Fall accordirt wird, eine doppelte Portion Fleiſch verabreichen läßt. Sind die Feldbädereien wieder aufgeſtellt, die eiſernen Beſtände wieder ergänzt, ſo tritt die alte Drdnung der Dinge wieder ein. 5. Un Schlachtvieh iſt in feiner Gegend Mangel , und die Rom.

mandanten der Verpflegung8 - Bezirke ſollen den Bedarf auf der Stelle für 4 Tage ficherſtellen , auch dieſen Bedarf bei den Truppen eiſern erhalten.

Die Herren Brigade - Chefs ſorgen möglichſt dafür, daß der Soldat beim Abrüden der Armee aus dem Bivouac oder der Ran.

tonnirung 1 Pfund Fleiſch in ſeinem Rodh- und Trint - Geſchirre oder auf eine ſonſtige Art mitnimmt, damit er nadh jeder Bewegung gleich

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zum ficchen (dreiten , und zum Genuß ſeiner Speiſe gelangen kann. Der Reſt des eiſernen Beſtante8 wird in lebenten Häuptern uns

mittelbar hinter den Truppenabtheilungen nadıgeführt, weil bei der Ungemifheit der Bewegungen eine Zurüdſendung an die Proviant - Kolonne leicht den Mangel auf einige Tage herbei führen kann.

6. Die Brigaden ziehen ihre Breviants Solonnen gleich wieder an ſidy, und geben alle darauf befindlichen Beſtände an Gemüſe an die Truppen aus. In ſofern ſich darunter Reis, Grüße und Graupe befinden , forgen ſie dafür , daß jeder Soldat entweder ein Pfund Reis oder ein Pfund Grüße oder Graupe als eine Heſerve in ſeinem Brodbeutel mitnimmt. Reicht der Vorraih nicht zu, ſo muß für jeres fehlende Pfund Gemüſe ein Pfund ges beuteltes Mehl genommen werden, weil leşteres in foldsen Fällen das Gemüſe ſehr gut vertreten fann; tie Herrn Kommandanten

der Verpfleguug8 -Vezirke werden aber ihr Augenmerk dabin vors ziizlid riditen, daß die Reſerve allmählig durch Lieferungen in Reis vermandelt wird, wenn andere Gemüſe - Gattungen gegeben werden .

Für tie laufende Verpflegung mit Gemüſe ſorgen die soms

mantanten turd, Zuſendung ang den Verpflegunge -Bezirfen. 7. Beter Soldat fod ferner auf 7 Tage Salz aus tem Berrflegunge.

Bezirk zugetheilt erhalten , und müſſen die Kommandanten dafür Sorge tragen.

8. An Branntwein ſoll der Soldat eigentlich nur / 20 Quart täglich erhalten. Es wird aber hiermit zugeſtanden, taß er '/10 Quart

genießt, nur muß er für die Tage, wo die Beſchaffung unmöglich iſt, ſich mit weniger begnügen , oder darauf ganz Verzicht leiſten, beſonders wenn ich biermit die Verſicherung ertheile, daß er rae, was er an einem Tage wenig oder gar nicht erhalten hat, nad träglid befommen ſoll. Die Herren Brigare - Chefe laſſen aus

ihren Verpflegunge-Bezirfen ſoviel Branntwein nehmen , und auf den Proviant - kolonnen verlaten , ale fie zur Verſorgung ihrer Brigaden auf 4 Tage bedürfen , und dieſen Beſtand eiſern er halten. 9. Der Beſtand an Fourage ſoll auf 2 Tage von den Brigaten mitgeführt werden , und in fcfern er aus Dartfutter beſteht, müſſen

die Proviant Solonnen einen zweiten Bedarf anf 2 Tage auf. nehmen. Die Kommandanten forgen für die Unterhaltung dieſes 4 tägigen eiſernen Beſtandes durch pünftliche Zuſendungen. 10. Sede Brigare hat eine Proviant- clonne, welche aus Train Wagen und aus Bauer - Wagen beſteht; dieſe foll von allen Artifeln einen 4 tägigen Bedarf aufnehmen und mit fid führen. Nur

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wirb in Abſicht der Fourage feſtgelegt, daß die folonne, wie oben geſagt iſt, nicht mehr als auf 2 Tage Þarifutter bei ſich führt. Dieſen Proviants Kolonnen ſind ſoviel Kommantirte beizugeben, daß fie fidy jeder gewaltſamen Wegnahme widerſeßen föunen ; ſie ſind von den þerrn Brigade- Chefs nach Maßgabe der Umſtände zu dirigiren, und von beſonderu Kommiſſionen pericriſch zu reri. diren. Die Berrn Brigate - Chefe fönnen eine Abtheilung dieſer Kolonnen bis auf die Berbindepläße mirführen laſſen , um nad Actionen den Soldaten gleich zu erquiden , und die taburd ge

leerten Fahrzeuge mit Blejſirten belaren zu laſſen . Sie müſſen aber auch dafür ſorgen, daß die Bewegungen ter fechtenden Trupren

taturd nid )t genirt werden , und die Kommandirten desfalls ges nau inftruiren.

piernach haben die Herren Brigade-Chefs ungeſäumt ihre Ein. ridhtungen zu treffen und ron dem, was ſie verfügt haben, ſowie von demjenigen , was aus dieſen Anordnungen reſultirt , tem General Kriege.Sommiſſair zum weitern Bertrag bei mir kennt. niß zu geben."

Dieſe vortreffliche Verfügung, zum Theil für die wenigen Tage des Stebenbleibens an der Elbe , zum Theil für die Fortjeßung der Operationen erlaffen , (dien in Gefabr zu geratben , durd die gänzliche

Erſchöpfung der Gegend nid)t in Ausführung fommen zu fönnen. Um tieſein lebelſtande zeitig vorzubeugen, teridhtete (Geijena u perſönlich und vierett aus Königebrüd unter dem 10. Mai an Se. Diajeſtät den König : „Als geſtern Nacht alle Anſtalten getroffen waren , um tae Blü. deridye Armee . Rorpe von Großenbayn um 2 Ilhr Nadt auftreden

und nach Radeburg marſdiren zu laffen, fam um 1/22 Uhr ter Befehl vom Grafen Wittgenſtein , fofort aufzubredien und nad König8. brüd zu mar diren . Ade Anordnungen mußten dynell gräntert werten und gegen 3 Uhr Morgens feßte fid, das Sorp8 in Marſd . Jeßt um 12 Uhr Mittags , defiliren die Brigaten durdy bieſigen Ort, Königs. brüd , um ihre Stellung zu beziehen, in der ſie fernere Befehle ers warten werden .

Es iſt meine Pflicht, Em. Majeſtät auf einen Umſtand aufmeiffam zu machen .

Wahrſcheinlich werden die ruſſiſchen Truppen ihren Rüdzug fort. jeßen. Nach der Anordnung in der Stellung der beiten verbünteten Armee-Korps ſcheint es faſt, als ob Em. Majeſtät Truppen die Ur . riere. Garde der ruſſiſden Armee maden icden.

So ebrenvoll dieſer Auftrag an und für ſich wäre , ſo iſt er dennoch unausführbar. Die Oberlauſiß iſt ein Land , tas ing tiefſten Frieden von ſeinen Nachbarländern ernährt werden muß. Durch

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die Durchzüge fremder Truppen iſt dieſelbe durchaus erſchöpft. Hinter ben Ruſſen her noch Subſiſtenz zu finden, iſt durchaus unmöglich. Das Blücherſche Armee-Rorp8 würde, hinten vom Feinde gedrängt und zugleich an Lebensmitteln Noth leidend , ſich auflöſen und ver dwinden. 3ch fann demnady, wenn uns ein folder Antrag gemadt werben fodte, nicht anders, als ihn ablehnen , und muß für das Rorps eine mit der Marſch - Direktion der Ruſſen parallel laufende Straße in Anſpruch nehmen.

3d made Em . Majeſtät ehrfurchtøvoll mit dieſer meiner Anſicht

und meinem Vorhaben bekannt, damit Allerhöchſt Dieſelben entweder gnädigſt einen ſolden Antrag, falls er gemacht werden ſollte, abwenden , oder uns , um einen folden auszuführen , beſtimmte Befehle geben , die

wir dann, in unſerem Gewiſſen gerechtfertigt, mit Reſignation ausführen werden . "

Der Fall , den Gneiſenau befürchtet hatte , trat jedoch nicht

ein. Die Ruſſen gingen von Dresden über Radeberg und Biſchof8 werba nach Baußen zurüd, während die Armee Blüder 8 von Könige brüd über Camenz ebendaſelbſt mit den Ruſſen am 12. Mai eintraf. An der Elbe verlor Napoleon auf kurze Zeit die Fühlung mit

der Armee der Verbündeten , von denen er glaubte , daß die preußiſche Armee ſich nach der Mart , die ruſſiſche nad) Schleften zurüdziehen werde. Marſchal Ney mußte deshalb am 14. Mai mit dem 3. und 5. Korp8 von Torgau nach Luđau vorgehen - Marſchau Marmont mit dem 6. Rorps , Marſchall Macdonald mit dem 11. Rorps und General Bertrand mit dem 4. Korp8 folgten am 11. Mai von Dresden auf Baußen . Es kam auf dieſem Marſd durch das Korps Macdonaldo mit der ruffiſden Arriere- Garde zu Gefechten , namentlid am 12. Mai

bei Weißig , am 13. Mai bei Groß-Partha und Bildhofswerda.

Die franzöſiſche Kavallerie erreichte auf der Straße über Königs brüd die preußiſche Arriere -Garde unter General v. Kleiſt. Dieſe Gefechte ſegten es außer Zweifel, daß die Armee der Verbündeten audy ferner vereinigt operiren werde. Napoleon befahl deshalb die Kon zentration der Armee auf Baußen hin. Marſhall Ney mußte den Marſd nach der Mark aufgeben und ſich wieder auf Baußen wenden ;

ebentahin wurde am 17. Mai auch Victor , zur Operation gegen General v. Bülow auf Berlin beſtimmt , mit dem 7. und 2. Korp8

birigirt , um die zu erwartende Schlacht mit verſammelten Kräften zu ſchlagen. Die Verbündeten erhielten Kenntniß von der Bewegung des 3. und 5. franzöſiſchen Rorps über Hoyerswerda gegen ihre ſtrategiſche rechte Flanke. Die Aufſtellung bei Baußen wurde dadurch für den Verlauf einer Schlacht nicht unbedenklicy, namentlich, wenn – wie man voraus

feßen mußte — ein Angriff in der Front und gegen die rechte Flante

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gleichzeitig zuſammentraf. Daß man die vielfach gekrümmte, an vielen

Punkten leicht zu überſdreitende Spree nicht als Front- Hinderniß be nußen wollte, ſprach ſidh in der Wahl der Stellung eine Stunde öſtlich von Baußen aus. Man wollte ſich hierdurch freie Ueberſicht, freie Be wegung und annähernden Schuß gegen Umgehungen ſichern. Die Stellung daſelbſt lehnte den linten Flügel an das Lauſißer Ges birge bei Mehltheuer, öftlich vom Tron - Berge, nahm dann die Frontlinie in der Richtung der Dörfer Riſchen , Jentwiß, Litten, Kredwiß mit den Kredwißer Höhen und hatte auf ihrem redten Flügel die Teiche von Pliestowiß und Malſchwiß zur Anlehnung. Zahlreiche Einſchnitte waren für Batterie-Emplacements vorbereitet. Eine Frontlänge von 11/2 Meile machte die rechte Flante um ſo empfindlicher. 90,000 Mann ſtanden

nach Heranziehung der Reſerven unter Barclay de Tolly im Ganzen zur Dispoſition ; ſie würden ausgereicht haben , den Frontraum von

einer Meile mit Erfolg zu behaupten ; - alein ſelbſt für 14/ Dieile blieben ſie nicht vereinigt, ſondern es wurden c. 20,000 Mann detaſchirt, um unter York und Barclay de Tolly am 19. Mai den Korps entgegen zu treten, welche Ney heranführte.

Man hätte dieſen Schwierigkeiten nur daburd ausweichen tönnen, daß man an dieſer Stelle, bei Baußen, die Schlacht vermied. Politiſche

Motive hinderten dieſen Entſ(luß. Allerdings blieb noch die Möglich. teit der Dffenſive mit vereinigten Kräften gegen Napoleon oder gegen Ney übrig, ein Entſchluß, der indeſſen eine Einheit des Obers

Kommandos und des Zuſammenwirkens aller Korpå vorausſeßte , wie man ſie in einem verbündeten þeere ſelten finden wird. Die Sdlacht wurde unter dieſen Umſtänden zu einem Verſuch, deſſen fiegreicher Ausgang für die Verbündeten von vornherein zweifelhaft blieb.

Gneiſenau , der bei dem General v. Blücher ganz an die Stelle der nur des verwundeten Generals v. Scharnhorſt getreten war , zu bald burd, den Tod der preußiſchen Armee entriſſen wurde - hatte -

mit geſchärfter Vorſicht den Fall eines weiteren Rüdzu ge8 erwogen und ſeine Gedanken über denſelben ſchon unter dem 11. Mai aus dem Hauptquartier Kamenz dem Könige vorgelegt . Wir werden burdh ſeine Anſichten über den ſpäteren allgemeinen Verlauf der Operationen orientirt :

„ Ew. Königliche Majeſtät werden aus dem heutigen Bericht des Herrn Generals v. Blücher zu erſehen geruht haben , daß Torgau auf unmittelbaren Befehl des Königs von Sachſen dem Feinde übergeben werden ſoll. Durch dieſes veränderte Syſtem des Königs von Sachſen wird eigentlich für dieſen Augenblid in unſern Dperationen feine bedeus tende Wirkung hervorgebracht; der ganze Unterſchied beſteht im Grunde

barin , daß der Feind 6 -- 8000 Mann ſtärker wird. In der Folge werden ihm zwar die Kräfte Sadſens von Neuem zu Gebot ſtehen

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welches tein unbedeutender Nadtheil ift, auch wird dieſes Betragen eines der erſten deutſen Staaten auf die Gemüther einen nachtbeiligen Eindrud machen ; indeſſen muß und dieß nur eine neue Beranlaſſung ſein , um durd ein ſtandhaftes Betragen und duro zmedmäßige Maße regeln dem entgegen zu arbeiten - das Fortſchreiten des Feindel fo viel als möglich zu erfdweren, - anderen großen Ereigniſſen Zeit zu geben, durd ihr Gegengewicht die Menge der Kräfte von uns abzuziehen , die

und jeßt dod) allein zum Rüdzuge zwingen. Ich weiß nicht, zu welden Maßreglen ter Graf Wittgenſtein ſich entſchließen dürfte ; ob er noch hier in der Laufiß eine Schlacht ans

zunehmen entſchloſſen genug fein wird. Faſt bezweifle id es. In dieſem Fall, ſowie für den Fall, daß hier eine Sdladt verloren ginge, müſſen wir darauf denken , welche Dperationen wir mit dem ferneren Rüdzug verbinden wollen ; denn grade durch Sdlefien nach Belen zurüd ju geben, ohne einen andern Blan damit zu verbinden, ale nur dem Feinde aus dem Wege zu geben, würde feinem der Zwede entiprechen, die wir

uns jegt vorſeßen müſſen und von denen die Eriſtenz des Staates abhängt. 3d tenne die inneren und äußeren Berhältniſſe nicht genng, nicht

tie Verſtärkungen, welche die ruſſiſche Armee früher oder fräter zu ers

warten hat , ſelbſt nicht unſere Mittel im ganzen Umfange ; id fann mir taber fein entſcheidente Urtheil eriauben ; aber Em. Königliche

Majeſtät werden es meinem Eifer für die Sade verzeihen , wenn ich 68 wage, meine Anſicht über unſere Operationen bei dem weiteren Rüds

zug nach Saleſien , Ew. Königlichen Majeſtät unterthänigſt vorzulegen. Vielleidit, raß fie ganz oder zum Theil nid )t underträglich mit dem ſind, was En. Königliche Diajeſtät über dieſen Gegenſtand denten und bes dhließen . Meine Anſicht iſt folgende:

Die preußiſte Armee wentet fich, wenn ber Ridzug biß über die ſaleſiſche Grenze beſchloſſen wird , redit8 gegen das ſoleſiſche

Gebirge, gegen die Feſtungen und verſchanzten Lager von Glaß und Neiße. Sie zieht ſich hinter dieſe Sduwebren nur zurüd , wenn der Feind fie mit Uebermacht dahin brängt. Sie vereinigt ſich vorher mit allen Reſervetruppen und aller fertigen Landwehr, und es werten (don jeßt die nöthigen Magazine und Depots dorthin geſchafft, welche die

Berpflegung bis zur Erndte fichern. Während wir dieſe FlantensStellung nehmen , zieht ſich die

ruſſiſche Armee auf ihre Verſtärkungen zurüd. Mir deinen aus dieſer Operation folgende Bortheile hervorzugeben. 1. Es giebt in ganz Sdleſien feine ordentliche Stellung , keine Ver theidigungelinie, die ſich an Stärke mit unſern verſchanzten lagern und einzelnen Gebirge - Bartien , die man damit in Berbindung

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bringt, vergleichen ließe. Nirgend iſt unſere Armée bor einem ent. dheitenden Unglüdsfall mebr geſichert. Wir haben in jenen Stellungen Zeit , unſere Truppen aus:

ruben , kleiden , einüben zu laſſen. Denn der Feind , ſelbſt bei der höchſten Energie , wird ſich doch nicht entſchließen , ein vers idjanztes lager von ſtarkem Profil und zahlreidher Befaßung fos gleich mit ſtürmenber Hand zu nehmen. 2. Dieſe Stellung, auf des Feindes redter Flante , wird eber als irgend etwas anderes, wenigſtens eher als irgend eine andere

Defenſiv - Maßregel , den Feind zum Stehen bringen. Niemand wird glauben , daß der Feind durch Schleſien marjdiren und die

Gebirgs- und Feſtunge - Linie in ſeiner redten Flante liegen laſſen

werde; eben ſo wenig iſt es möglich, daß er ſich mit der ganzen Macht gegen und wenden und die ruſſiſche Armee in ſeinem Rüden laſſen fönnte. Mit einem gewohnten Machtídlage wird alſo der Feind hier nicht zu entſcheiten vermogen , fondern er wird ſich theilen müſſen , einen Theil ſeiner Armee den Ruffen entgegen. ſtellen, mit dem andern aber ſudjen, unſer Bertheinigungs -Syſtem zu zerſtören , uns einen Poſten nach dem andern zu nehmen und

ſo nach und nach ſeinen Zwed zu erreichen. Je mehr Bebarrlichs feit , Stanthaftigkeit und Bravour wir tabei entwideln , um jo länger wird dieſer Widerſtand und der Stilſtand der ganzen Operationen dauern. Wenn unſere Page irgend eine Eigenthümliditeit hat, ſo iſt es

wohl die, daß wir entſdeisende Søläge vermeiden und den Krieg in die länge zu ziehen ſuchen. 3. Es iſt fait nur auf dieſe Art möglich, für die Bertheidigung des Landed (Sdleſiens) irgend etwas Wirtſames zu thun.

Denn eine Schlacht, wenn ſie nicht gewonnen wird, beſchleunigt nur den Rüdzug, und ohne Schlacht wird der Weg durch Sdleſien auch bald zurüdgelegt ſein ; es iſt aber für die öffentliche Meinung

von der höchſten Wichtigkeit, daß wir unſere Provinzen nicht nach 14 Tagen dem Feinde überlaſſen ; ja ich gebe ſo weit zu glauben, daß, wenn Deſterreich durch die Schladit bei Gr. Görſchen hätte

wankend gemacht werden können , eine hartnädige Vertheidigung Sdleſiens ihm den Muth geben würde, von Neuem aufzutreten. 3m unglüdlichſten Fall iſt es ebrenvoller, in den eigenen Provinzen unterzugeben , al8 mit einem unbedeutenden Uebers reſt in fremden Ländern flüchtig umher zu ziehen." Wie Gneiſenau hiermit den fünftigen Operationsplan , für den

Fall einer verlorenen Schlacht, vorzeichnete, fo finden wir eine gleiche Klarheit, Beſtimmtheit und Vorausſicht in den vortrefflichen Anordnungen, welche Ribbentrop unter gleichen Berhältniſſen für die Berpflegung

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vorbereitete, die er mit ſicherer Hand aus dem Hauptquartier Blüchers

für alle Truppentheile leitete , da er nur hier die Motive für ſeine Anordnungen von dem Chef des Generalſtabes erhalten konnte. Wir haben ſchon Gneiſenau über die Art der Verpflegung ſprechen hören. Da aber dieſer wichtige Zweig der Armee - Führung wenig gekannt und burd Mangel an Ariege - Praris wenig geübt iſt, jo jei es uns geſtattet, im Anſchluß an die bevorſtehende Schlacht von Baußen , noch einmal darauf zurüd zu kommen. Ribbentrop iſt als Intendant jo bedeutend auf feinem wichtigen Gebiet , wie Gneiſenau in der Auffaſſung und Behandlung der ſtrategiſchen Sachlage. Verfolgen wir daher auf einige Augenblide die Befehle, welche Ribbentrop vor der Schlacht bei Baußen erließ. An den Ober-Kriegs-Kommiffair v. Dömming :

„ In Abſicht unſerer Verpflegung ſteht die Sache jeßt folgender maßen :

3oh habe nach Görliß und Löbau Requiſitionen erlaſſen . Allein

unſere Haupt-Reſſource iſt die Nieder - Lauſiß. Dieſe und den Rottbuſer Kreis müſſen wir mit aller Kraft benußen. Die anliegenden Requiſi tions - Schreiben werden Sie dazu in Stand legen. Außerdem treffen Sie folgende Maßregeln :

1. Beſchleunigen Sie auf allen Punkten das Baden des Brotes. Wir müſſen die Vorräthe in den Etappenorten foyerswerda,

Spremberg , Mustau , Triebel und Sorau mit benußen , um die Truppen wieder auf einen angemeſſenen Brotbeſtand zu feßen . An Fuhrwert ſoll es in dieſen Gegenden nicht fehlen. Siden

Sie daber einen gewandten Offizianten ab, welcher auf den Etap penorten die Brotvorräthe zuſammenführt, fie verladen und nach Görliß dirigiren läßt. Ebenſo halten Sie es mit dem Gemüſe , Branntwein , Salz, dem harten Futter und dem Schlachtvieh, welches ung gleichfalls ſchnell zugeführt werden muß. In Görlig ſtellen Sie 2 Offizianten zum Empfange und zur Ausgabe auf , und inſtruiren Sie dieſe , nach Ankunft eines

jeden Transports mir ſogleidy anzuzeigen , w08 und wie viel derſelbe gebracht hat.

2. Die eiſernen Defen zum Brotbaden wollen wir nicht mehr

aufſchlagen. Mit maſſiven Defen tommen wir beſſer zurecht. Da , wo wir bei den Stadtbädern Defen finden , die uns paſſen,

nehmen wir dieſe. An Badperſonal haben wir genug. Laſſen Sie einen großen Stridy herunter, bis Guben einſdließlich, Brot baden. Die fommandanten der 4 Verpflegungsbezirte

(Subaltern - Offiziere in den Kreiſen: 1. der Nieder- Lauſik, 2. Lübben, 3. Kalau und Lauban, 4. Spremberg und Guben) werden Ihnen

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dabei alle Affiftenz leiſten , und ſelbſt die Beſorgung dieſes Ges ſchäfte mit übernehmen.

Verlangen Sie von jedem der 4 Kommandanten täglich 6,000 Stüd 4pfündige Brote. Er fann und muß Sie Ihnen ſchaffen . Beſtimmen Sie ihm den Ablieferung @punkt, nämlich Spremberg

oder Görliß , je nachdem die Kreiſe dieſem oder jenem näher oder entfernter liegen. 3. Sie können ſich auch überhaupt an die Kommandanten wegen der

Verpflegunge - Gegenſtände mit wenden, und durch ſie die Zufuhr bewirken laſſen , weil ſie die Mittel , dies zu leiſten , in Händen haben.

4. Die Kriegs- Rommiffarien der 4 Brigaden des Blücherſchen Rorps, fowie den Proviantmeiſter G. , benachrichtigen Sie , wo und wie viel Sie empfangen können.

Sind Ihre Geſchäfte arrangirt und die Beamten gehörig inſtruirt, ſo können Sie ſtatt Spremberg, Muskau zu Ihrem Aufenthaltsort nehmen und die Kaſſe mit dahin gehen laſſen . Von dort find Sie uns am nächſten, und wir können, ſobald man hier den Ausgang der Schlacht, die heute wahrſcheinlich noch nicht ſtattfindet, erfahren, uns wieder ver einigen. þauptquartier Rum düş den 13. Mai 1813." Ferner an eben Denſelben :

„ 3d mache Ihnen hiermit bekannt, daß der Feind ſtärker gegen Baußen vorbringt und die Truppen ſich diefſeits in die Poſition ziehen,

wodurch es wahrſcheinlich morgen zu einer Hauptſchlacht kommen wird.

Dieſer Umſtand macht auf& Reue beſondere Borſid temaße

regeln nothwendig , worüber ich Ihnen nachſtehende Beſtimmungen mittheile.

1. Sollten die fliegenden Lazarethe Nr. 6 und 7 morgen früh nicht eingetroffen ſein , worüber ich von Ihnen eine Meldung erwarte,

jo müſſen Sie einen Offizianten denſelben entgegen ſchiden, welcher ſie von der muthmaßlichen Schlacht unterrichtet, und ihnen eine Direktion giebt , daß fie hinter Görliß erſt auf die große Straße nach Sdleſien kommen , von dort aber , wenn die Schlacht zu unſerm Nachtheil ausfält , fich gleich auf der Straße nach Sagan zurüd ziehen. 2. Bei einem unglüdlichen Ausgange der Schlacht wird die Armee

gewiß über Görlig zurüdgeben und dann dort Verpflegungs Bedürfniſſe fordern , da ſie nicht mehr als von einem Tage jum andern zu leben hat. Es muß alſo in Görlig ſo viel Vorrath

al8 möglich zuſammen gebracht und zur Ausgabe an die Truppen für jeden Artikel ein beſonderer Offiziant beſtimmt werden, damit

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die Affignationen , die Sie ertheilen , rajd honorirt werden . 30 ändere alſo in der Zufuhr nichts ab, beſonders da audy, im Fall

die Sdlacht glüdlich ausfält , eine Zufuhr von Görlit in die rerheerten Gegenten eintreten muß.

3. Nur die Zufuhr des Kreiſes von Rottbus und Spremberg macht mid ) beſorgt, und Sie werten wohl thun, den Spediteur dieſes Artis

fels B., der fid) in Rottbu aufhält, ſo wie die Magazin Beamten in Spremberg von der Lage der Sadie auf eine vorſichtige Art au fait zu reßen , und ſie zu inſtruiren , daß ſie für den Fall des

unglüdlichen Ausgange der Schlacht die Transporte nach Sagan dirigiren.

4. Id wünſche, daß die Montirungsſtüde, welche der Kapitain v. B. hat verlaten laſſen, nächſtens ausgegeben werden , in ſofern dies aber nicht geſchehen iſt, die damit beladenen Fahrzeuge jenſeits Görlitz, auf der Straße nad Solefien, aufgeſtellt und zum augens blidliden Abmarſch in Bereitſchaft ſtehen. Die leeren Fahrzeuge,

welche der v. B. bei fid hat, laſſen Sie dagegen mit Lebensmitteln bolaren und zu den übrigen Parts hinter Görlit aufſtellen ; þerr v. B. mird die Führung aller mit Lebenômitteln beladenen Fahr: zeuge übernehmen, wenn es zu einem Rüdzuge fommen foute.

5. Dies wird auch in Abſicht aller übrigen mit Lebensmitteln be ladenen Fahrzeuge der Fall ſein müſſen. Nur verſteht es ſich von ſelbſt, daß dieſe nicht eher Görlig verlaſſen als bis an eine Ausgabe für die Truppen nicht mehr zu denfen iſt. 6. Die Kriego - Kaſſen , die Feldbädereien und alles , was bei einer Retraite weit voraus ſein muß, fährt geidfalls hinter Görlig auf und hält ſich zum Rüdzuge in Bereitſchaft.

7. Das Beſte iſt , wenn alle tiefe Wagen gleich hinter den Fluß fahren , um in feine Kolliſion mit den Truppen , ſo wie in fein Getränge zu fonumen .

8. Der Herr General-Major ». Oneiſenau hat befohlen , daß im

Fal ter Retraite, die Bagage nach Sagan geben ſoll; ich ſchreibe heute nad Spremberg, da ich vermuthe, taß die Bagage ſid, zur Abfahrt bereit hält.

9. Der Offiziant, welcher nach meiner heutigen beſondere Drtre ron Shnen nach Naumburg am Queiß gejdidt wird, muß das Baden des Brotes dort auf das Naddrüdlichſte pouſſiren , damit die

Truffen , im fall des Rüdzuges, dort mindeſtens gleich auf zwei Tage empfangen fönnen. 10. Ich werde Ihnen morgen mehrere Eſtafetten und Ordonanzen

(diden, um Sie von der Lage der Dinge au fait zu leben, damit Sie Ihre Maßregeln danach nehmen, und alle dortige Behörden, Trains ac. ſorgfältig inſtruiren fönnen.

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11. Nur müſſen Sie bie Beamten in Spremberg und die 4 Romman . danten der Verpflegungs - Bezirke in der Nieder-lauſiß von Adem mas vorgeht unterrichten, und ihnen, wenn ein Rüdzug, woran ich jedoch bei der gute Poſition nicht glaube, eintreten möchte, die Direts

tion nach Schleſien geben. Auf jeden Fall (diden Sie noch heute Nacht einen Offizianten nad Spremberg und laſſen dieſen bis Rottbus gehen, Damit wir unſere Transporte an Reis und Bret richtig dirigiren

und die dort aufgeſtellten Beamten wiſſen, was ſie zu thun haben. 12. Den Truppen wird befohlen , ihre Blefjirten nad Zittau zu difen, und das Lazareth zu Zittau iſt von 3hnen zu benachrichs tigen, daß es ſogleich durch Böhmen, auf der ſchon eingerichteten

Straße , nach Glaß evacuirt Den Dber - fazareth - Inſpektor

ſchiden Sie nach Zittau , damit er das Eoacuationsgeſdhäft leite und dafür geſorgt, daß die antommenden Blefjirten gut untergebrad)t und ſo wie es der Krankheitszuſtand erlaubt , gleich nach Glat argeführt werden. 13. Sollten die fliegenden Lazarethe , oder auch nur eines davon , in Görliß angekommen ſein, ſo würde ich einen beil der Bleffirten

vom Sdilachtfelde dahin dirigiren , oder allenfalls einen Ort zmijden Görlitz und der Sd; lefiſchen Grenze beſtimmen , wo dieſe Lazarethe in Thätigkeit treten können. Sehr wichtig für mich iſt e8 alio, auf das ſchleunigſte zu erfahren , ob die Lazarethe bei Görliß angekommen find. 14. Wird die Poſition bei Baußen nicht behauptet, ſo iſt auch die rechte Flante blog geſtellt, Spremberg, Mustau und ſelbſt Kottbus fommen in Gefahr. Treffen Sie alſo ihre Maßregeln ſo , daß

und nid t8 , für den Fall einer unglüdliden Sdlacht, verloren geht.

Þauptquartier Rumſchüß den 15. Mai 1813.“ Zum Abſchluß brachte Ribbentrop feine umfaſſende und raſtloſe Thätigkeit vor der Schladit durch die beiten folgenden legten Schreiben aus Kutníchüt, ebenfalls an v. Dömming gerichtet: ,, Auf Befehl beg tomandirenden Herrn Generale jollen von den in

Naumburg am Queiß niedergelegten Vorräthen gleich folhe Quantitäten nach (Hörliß gezogen und in das daſelbſt zu etablirende Magazin auf

genommen werden , als zur Unterhaltung der Armee auf 4 Tage nöthig iſt.

Ich habe daher unterm heutigen Dato den Herrn General-Major Grafen v. Lottum erſucht:

1. Die von demſelben erbetenen 40,000 Brod-Portionen täglich auf das idleunigſte nad Görlig beforgen zu laſſen , und Sie werden mit Beihülfe des Brotes , weldcs 3hnen von der Nieder -Laufi

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und dem Kottbuſer Kreiſe zukommt, für die Berſtellung des eifernen Brotbeſtandes auf 7 Tage ſorgen.

2. So viel Roggen in Mehl verwandeln zu laſſen , daß wir die Truppen auf 4 Tage damit verſehen können , und werden die Brot- Transporte von Naumburg am Queiß aufhören, wenn der eiſerne Beſtand komplettirt iſt, weil wir, wenn keine Unglüdsfälle erfolgen, den täglichen Brotbedarf aus den feindlichen Provinzen ziehen können.

3. So viel Salz nach Görlig transportiren zu laſſen , daß wir bie Armee auf 7 Tage damit verſehen können , wodurch auch dann der eiſerne Beſtand wieder fomplettirt werden kann. Endlich :

4. Den Bedarf an Hartfutter wenigſtens auf 4 Tage ſogleich nach Görlig abführen zu laſſen, weil dieſer Artikel faft in der ganzen Gegend nicht mehr aufzutreiben iſt. Durch dieſe Mittel werden wir wohl endlich über unſere Vers pflegung beruhigt werden. Es iſt aber nöthig, daß wir auch andere Hülføquellen benußen, welche uns die Niederlauſiß, der Kottbuſer freis und die Oberlauſit liefern, leßtere, inſofern uns der ruſ fiſche General-Intendant v. Cancrin auf ſeine Magazine anweiſt,

benußen , und dieſe Benußung muß in der von mir eingeleiteten Art fräftigſt fortgeſegt werden. 3d habe dafür geſorgt, daß morgen eine oder zwei Rompagnien in Görliß einrüden nicht nur die Magazine zu beden, ſondern auch durch Kommandirte die Trans

porte zwiſchen Naumburg am Queiß und Görliß zu begleiten. Der Offizier iſt an Sie verwieſen und Sie werden ihn alſo mit denjenigen Pflichten bekannt maden , die er zu beobachten hat , um die Magazingüter gegen die unerlaubte Gewalt, ſowohl

in der Stadt als auch auf der Straße zu beſchüßen. 3ch tanu bis jeßt durchaus nicht überſehen, wie viel von jedem einzelnen Ver pflegungsartikel vorhanden iſt, und ſo ſehr ich den Kriegs-Kommiſ ſarien bis ießt die desfallfige Nachweiſung abgefordert habe , ſo

wenig ſuchen ſie mein Verlangen hierüber zu befriedigen. 301 werde heute die regte Rüdfrage desfale machen , und hilft auch dieſe nidyt, durch den tommandirenden General von den Brigade Chefs die Nachweiſung einziehen laſſen . Sie erſuche ich, jeden Offizianten, der ſich von einer Brigade zum Empfang von Lebensmitteln bei 3hnen einfindet, vernehmen zu laſſen, ob und welche Vorräthe ſich bei der Brigade befinden . 5. Das Magazin , welches Sie in Görlit etabliren , muß mit ſo vielen Beamten belegt werden, als es Ausgabeartikel giebt, damit

Sie ſich von denſelben am Schluß eines jeden Abends nachweiſen laſſen können , wie ſtark der Beſtand des vorlegten Tages war,

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was burd neue Einnahme hinzugetreten, und wie viel, auch an welche Brigaden davon verausgabt iſt. Nadı meiner geſtrigen Verfügung ſollten Sie einen Beamten nad Naumburg am Queiß ſchiden , welcher die Transporte von dort nad Görliß zu dirigiren hat. Ich hoffe, daß dies geſchehen iſt; ſollte aber meine Erwartung nicht erfüllt ſein, ſo bitte ich Sie, dieſe Abſendung auf das allerſchleunigſte zu veranlaſſen , und ihm den Befehl zu geben, daß er jeden Transport mit Militair begleiten lajie. Die nad Görlig abrüdende Kompagnie ſchidt zu dem Ende ein ſtarkes Kommando nad) Naumburg am Queiß ab, wor.

über Sie ſich mit dem fommandirenden Offizier einigen müſſen. 3d wünſche nicht, daß der nächſte Transport aufgehalten wird, denn die Zufuhr iſt dringend ; aber das Kommando fann dem Transport entgegen geben, um dadurch das ſichere Ankommen in Görliß zu befördern. 3n Görliß wird es Ihnen vielleicht gelingen, für unſere Truppen auch Brot baden zu laſſen , wenn Sie die Stadtbäder durch die militairiſchen Bäder unterſtügen laſſen . Iſt dies durchzuſeßen, jo

thun Sie es ja , weil wir für unſere künftigen Bewegungen den eiſernen Brotbeſtand recht raſch wieder herſtellen müſſen. Þauptquartier Sumſdyüt den 16. Mai 1813." Ferner :

Sänımtliche Requiſitionen des Militairs follen fobald als möglich auf Allerhöchſten Befehl aufhören, und id) erſuche Sie demgemäß, auch die Offizianten in der Niederlauſit zu inſtruiren. Nur die Verpflegung8s Rommandanten verbleiben daſelbſt in ihrer bisherigen Wirfung ; und die Requiſitionen , welche ich an die Niederlauſiß erlaſſen habe, werben ausgeführt. Weiſen Sie daher die Proviantbeamten in Spremberg an, daß dieſe fidh feine weitern Requiſitionen erlauben.

Die Kriegs - Kommiſſaire der Brigaden habe icy inſtruirt. Um mit der Verpflegung nun auf einen fichern Fuß zu kommen , habe ich den General-Intendanten Cancrin heute erſucht, mid wiſſen zu laſſen , ob

wir gemeinſchaftlich für das verbündete Heer eine Ausſchreibung auf die Dber- und Nieder - laufiß machen wollen. 3dy ſebe mit jedem Tage der Antwort darüber entgegen , und zweifle nicht, daß nun die Sache

beſſer gehen wird. Die 6000 Stüd Brote aus dem Kottbuſer - Kreiſe werden wir jo lange an uns ziehen , als die von der Adminiſtration geforderten 200 Wispel Mehl vorhalten. Dann muß aber auch die Nachfuhr von dort einſtweilen fiſtirt werden. Von Spremberg iſt der Magazinvorrath nun völlig weg und nad Görliß zu ziehen. Der Rendant E. fann denſelben 7

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ale Kolonnen - Rendant mitnehmen , und ſoll zur Brigade v. Zieten gehen, wo eben Þülfe nöthig iſt.

Das Magazin zu Görlig wird neu eingerichtet und unterhalten : aus dem Reſt der von mir an die Nieder - Lauſiß gemachten Requiſitionen , b. aus der Mehlfuhr aus Schleſien und : a.

wenn eine neue Ausſdreibung beliebt wird, aud aus dieſer. Zufuhren aller Art ſind von Schleſien im Gange, und müſſen von

Ihnen nur gehörig preſſirt werden. Es iſt aber auch jeßt nöthig, daß Sie die Heranziehung auf Schlachtvieh und Gemüſe ansdehnen und dies immer ſo in Vorrath baben , daß Sie auf 3 Tage 4000 Mann damit verſorgen fönnen. Ueberhaupt muß in Görlig ein Vorrath auf 3 Tage von allen Verpflegungsartikeln für Mann und Pferd vorhanden ſein und eiſern gehalten werden .

Hiernadh treffen Sie ſogleich Ihre Maaßregeln. Wenn von Kottbus täglidy 12,000 und von Schleſien 40,000 Brots

portionen zuſammen fommen , in Görlig ebenfalls gebaden wird , und die Truppen nur ihre Fuhren gehörig nad Görliß zum Empfang dyiden, dann müſſen Sie bald auf 7 Tage Vorrath gewinnen. Wir werden ungefähr 40,000 Portionen gebrauchen , alſo täglich

mindeſten 15 – 20,000 Portionen übrig haben, die zur Complettirung des eiſernen Beſtandes von 7 Tagen dienen fönnen.

Heute fehlte es der Brigade Zieten an Brot. 3d habe ihr die 6000 Stüc überwieſen, die ſo eben angekommen ſind. Laſſen Sie nur fleißig in Görlig baden , denn je früher wir den eiſernen Beſtand ſidjern können , deſto lieber iſt es mir. Ueberſchlagen Sie audy, wie viel in Görlitz täglich geladen werden kann, und geben Sie mir darüber Nadridit.

Bringen Sie es dort mit þülfe der, von

den Feldbädereien angelegten maſſiven Defen täglich auf 20,000 Stück Brot, dann können wir in der Folge die Hülfe aus Schleſien entbehren.

An þartfutter iſt hier häufig Mangel , allein die Brigaden helfen fidy nody.

Mir liegt ſehr daran , daß die Brigaden bald ihr Proviant-Fuhrs

wefen erhalten , und die Bauerwagen zu unſerer Dispoſition geſtellt werden. Betreiben Sie die Sache etwas. Hauptquartier Numſchüß den 18. Mai 1813. " Wenden wir uns nun wieder der allgemeinen Entwicelung der Dperationen Baugen zu.

und dem Ueberblid über die Sdladt

bei

Eine große Defenſiv - Schlacht, dachte ſich Gneiſenau im Geiſte Bli der8 nicht paſſiv , ſondern aktiv , mit der Offenſive , mit einem Ausfall verbunden .

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In dieſem Sinne rekognoscirte Gneiſenau am 13. Mai bas Terrain , auf welchem die Truppen fich ſchlagen follten , und fand es

durch die Anordnungen aus dem Ruſſiſdem þauquartier nicht zweck mäßig benußt. Er wandte ſich deshalb aus Rumſchüß ſogleich an den General-Adjutanten des Königs, v. Kneebed , deſſen Rath und Ein

fluß durch ſeine Stellung vollkommen berechtigt war , um durch ihn eine Aenderung herbeizuführen.

„ Es iſt meine Pflicht Euer pochwohlgeboren bemerklich zu machen, daß das Yorkſche und Kleiftſche Korps an den Bergen hinter fredwig ſehr unzwedmäßig aufgeſtellt iſt. 1. 3ſt dieſe Korp8 zu einer Offenſive von dort aus viel zu idwad). Wenn dieſe daſelbſt nicht mit 40,000 Mann unters

nommen werden kann , ſo müßte ſie lieber ganz unterbleiben. 2. Selbſt wenn dieſes Rorp8 ſtark genug wäre , ſo müßte man es nicht an dem nach dem Feinde zugehenden Abhang , ſondern hinter dem dortigen Höhenzuge aufſtellen, um deſſen Stärke und Abſicht zu verbergen .

3. Soll dieſes Rorps auf der Defenſive bleiben, ſo iſt es von dem Reſt der Armee zu weit getrennt , fann nicht ſogleich unterſtüßt

werden , und würde bei einem feindlichen Angriff ſicherlich ver

nichtet werden. Dieſes geſchäbe gleichſam wie auf einer Schau bühne vor der zuſchauenden Armee. Welchen Eindruck dies auf dieſelbe machen müßte, läßt ſich errathen. Soviel habe ich bei meiner heutigen Rekognoscirung geſehen, und

ich muß gegen eine ſolchen Aufſtellung Einſprud) thun.“ v. Kneebed ſcheint auf dieſen Vorwurf, der ihn allerdinge nicht traf und auch nicht treffen ſollte, doch nicht ohne Empfindlichkeit geant wortet zu haben, denn Gneiſenau erwiederte ſdon am folgenden Tage den 14. Mai:

„Mißverſtehn mich Euer podjwohlgeboren nicht. Nicht 3hnen gebe ich die fehlerhafte Aufſtellung des Yorkſdien und Kleiſtſchen Storps Schuld. Aber da man aus dem Ruſſiſden Hauptquartier felten eine Entſdyeidung über die wichtigſten Dinge erhält, ſo wollte id) Euer Hochs wohlgeboren auf dieſe Aufſtellung aufmerkſam machen, falls Sie davon

unterrichtet ſein ſollten , um von dem Kaiſerlichen Hauptquartier aus eine Aenderung hierin zu bewirken, da mir bekannt iſt, daß nur auf dieſe Weiſe fidy Etwas erreiden läßt. Nun habe ich, wie Sie mir gerathen

einen Proteſt beim Ruſſiſchen Hauptquartier eingelegt. Glüdlicher Weiſe rüdt der Feind noch nicht heran. 3 ) werde deshalb die Korpe

vor der Hand in ihrer Stellung laſſen, und erwarten, was verfügt wirb, damit nicht Erbitterung entſtebe.

Ein Vorpoſten - Syſtem ſcheint auch nicht zu beſtehen. Wir baben geſtern eine Eskadron nach Kamen; vorgeſchict."

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Daß die Vorpoſten einheitlich von dem General en chef der verbündeten Armee in den aūgemeinſten Grundzügen bezeichnet werden

möchten, ſchien Gneiſenau ſo wichtig zu ſein, daß er auch auf dieſen Bunkt aufmerkſam machte und vorläufig Offiziere mit Kavallerie-Deta ſchements nach den verſchiedenſten Richtungen , auch nach Hoyerswerda zu , entſandte.

Der Chef des Generalſtabes des Grafen Wittgenſtein , General D'Auvray , verſäumte nidyt, mit Gneiſenau in Rorreſpondenz zu

treten , ohne ſich vollſtändig ſeinen Anſichten zu fügen. Gneiſenau machte darüber dem General-Adjutanten v. Anejebed ſchon unter dem 15. Mai abermals Mittheilung : .. „Ich habe wiederholt erklärt, daß mit weniger als 40,000 Mann auf jenem Flügel ( - den Kredwiger Höhen - ) Nicht8 auszurichten fei. 3ch habe dem General d'Auvray bewieſen , daß man dort nicht nur 40,000 Mann aufſtellen tönne , ſondern ſelbſt das Doppelte dieſer Anzahl daſelbſt poſtiren müſſe, wenn man die Höhen behaupten wolle. Ich habe ihm ferner bewieſen, daß man dies thun müſſe, weil der Feind ganz gewiß alle ſeine disponiblen Kräfte dorthin verwenden werde und habe deshalb vorgeſchlagen , hierzu das Korps des Generale Bar . clay de Tolly , bas des Generals Miloradowitídy , die der Gene rale n. Yort und v. & leiſt und die Ruſſiſche Küraſſier- Reſerve zu beſtimmen ."

Gneiſenau iſt mit ſeinen Anſichten nicht durchgedrungen, obſchon die Richtigkeit derſelben ſich durd, den Verlauf der Schlacht vollkommen bewieſen hat.

Die Annahme der Shlacht war ſchon am 16. Mai definitiv bes ſchloſſen worden , denn Kneebed theilte dies aus Wurſchen unweit Hochkirch dem verwundeten General v. Scharnhorſt an dieſem Tage in folgender Weiſe mit :

Nachdem wir uns, in Folge verſchiedener Anſichten im Ober -Rom mando, bald nad der Baußener Straße, bald nad der Berliner Straße hinwenden wollten , und man temgemäß die Truppen bald rechts , bald

links geſchoben , hat endlich die Anſicht geſiegt, die Gebirgsſtraße zu halten , um in näherer Verbindung mit den zu erwartenden öſter reichiſchen Operationen zu bleiben. Hier (bei Baußen) haben wir nun die Armee in Bivouaks tonzen

trirt, und Niemand ſieht ihr die Bataille von Gr. Görjden mehr an. Heute hat fid General Barclay be Tolly mit uns vereinigt,

und der General en chef iſt Willens, hier noch eine S dlacht anzus nehmen , wenn der Feind uns angreifen ſollte. Die Stellung, die wir baben, zwiſchen Jenkwitz und Kredwig, bietet in taktiſdjer Beziehung, wenn ſie gehörig benußt wird , manche Vortheile dar. Der Feind ſteht nahe vor Baußen ; doch iſt die Stadt von uns bejeßt , und wir haben

101 Detaſchements leidhter Truppen ſowohl links als rechte, um in Zeiten gegen Umgehungen geſichert zu ſein. Indeſſen habe ich dennod nicht für die Annahme einer Schlacht

ſtimmen fönnen .

Graf Wittgenſtein glaubt aber,

bevor die Deſterreicher ſich erklären, noch eine Schlacht liefern zu müſſen. Er meint, jeder Marjd weiter rüdwärts würde ihm mehr Leute toſten, als ein Gefecht.

Es wird alſo wohl , wenn eine Schlacht noch in Napoleon

Syſtem liegt , dazu kommen. Napoleon hat auch gegen uns feine Streitfräfte konzentrirt." Der Verſud), den Anmarſd Ne98 gegen die rechte Flanke der

Verbündeten aufzuhalten , der durch York und Barclay de Tolly mit c. 22,000 Mann gemacht werden ſollte, führte am 19. Mai zu dem Treffen bei Königswartha und Weißig , durc weldies die preußiſchen

Truppen bedeutende Verluſte erlitten, ohne den Zwed, Ney aufzubalten, zu erreichen .

Sobald Ney fid, dem Sdilachtfeld näherte , zögerte Napoleon

nicht, die Schlacht zu ſuchen. Seine außerordentliche numeriſche Ueber legenheit über die Armee der Verbündeten gab ihm zum Voraus die Wahrſcheinlichkeit des Sieges , deſſen ſtrategiſche Ausbeutung Neys Anmarſch vorzugsweiſe ſichern ſollte. Napoleon zählte in den Garden, in dem 4., 6., 11. und 12. Korps und in der Stavallerie des Generals Latour - Maubourg 106,000 Mann zur Stelle, Ney führte dn8 3., 5. und 7. Korps mit 64,000

Mann heran ; -- ſo daß Napoleon die Berbündeten mit 170,000 Mann angreifen konnte. Dieſer Ueberlegenheit vermochte die ruſſiſd) - preußiſche Armee nur

mit der Hälfte dieſer Ziffer, mit c. 84,000 Mann und zwar unter un günſtigen ſtrategiſchen Verhältniſſen entgegen zu treten. Das Eigenthümliche der beiden Schladittage von Baußen am

20. und 21. Mai , die wir nun in den allgemeinſten Umriſſen ſtizziren wollen , liegt darin , daß am 20. Mai die franzöſiſche Armee ober- und

unterhalb Baußen die Spree überſchreitet, Raum zur Entwidelung auf dem rechten Ufer derſelben gewinnen will und es dadurch zu einem großen Avant - Garden - Gefedt mit der Armee der Verbündeten kommt.

Möglich wäre es freilich geweſen, nach Gneiſen aus Plan, an dieſem Tage die Offenſive zu ergreifen und die zuerſt übergegangenen frans zöſiſchen Truppen über die verſchiedenen Spree - Brüden zurüdzu werfen ; allein der Gedante einer reinen

DefenſivsSdladt

hatte bei dem Ober-Kommando bereits vorher Annahme und Vorbereis tung gefunden und war wohl eben deshalb im Laufe des 20. Mai nicht

ohne Weiteres zu ändern. Nad rühmlichem Widerſtande warb bie

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preußiſche und ruffiſche Avant - Garde in die þauptſtellung zurüdges zogen .

Der folgende Tag zeigt die langſame , aber fichere Wirkung der nun auf dem rechten Spree-Ufer konzentrirten überlegenen fran zöſiſdien Streitkräfte und die Entwickelung des ſtrategiſchen Ueber gewichts, welches ſich Napoleon durch die Dperation Neys gegen die rechte Flanke der Verbündeten geſichert hatte. Es blieb unter dem doppelten Gewicht dieſer Verhältniſſe ohne

Entſcheidung, daß der linke Flügel der Verbündeten ſich in dem höher gelegenen Gebirge - Terrain fiegreich behauptete. Die Entſcheidung lag nicht dort, ſondern in der Mitte und auf dem rechten Flügel und hätte hier zu einer vollſtändigen Niederlage der Verbündeten führen können, wenn es in der Hand Napoleons geſtanden hätte , dort ſeinen Haupt- Angriff und den Neys in redtzeitige und volle

Uebereinſtimmung zu bringen. Der Verſuch dazu auf dem Wege des Befehls mißlang, weil das Zuſammenwirken getrennter Kolonnen immer von unberechenbaren Zufällen abhängig iſt, ſei es durch die dwan kende Beurtheilung der Sadlage , ſei es durch den wechſelnden Widers ſtand der Feindes.

Genug, die Verbündeten überſahen die Situation

am Nadmittag des 22. Mai genauer und richtiger als Nen und waren dadurch im Stande , ſich der gefährlidhjen Kriſis der Schlacht

nody rechtzeitig zu entziehen. Hat man dieſen Entídluß, ein Abbrechen der Solacht genannt , ſo liegt in dieſem Ausdrud doch nicht eine vollkommene Freiwilligkeit , denn jede weitere Zögerung , ſich für den Rüdzug zu entſchließen, würde die Solacht unfehlbar mit einer Niederlage haben endigen laſſen. Der vortreffliche Geiſt der verbündeten

Armee und ihre vorzügliche taftiſche Daltung machten aber die Ausführung

des rechtzeitigen Rüdzuges leidyt, ſicher und ehrenvoll. Napoleon erhielt dadurch feine Trophäen feines Sieges und hatte einen großen

Theil ſeiner Streitkräfte an der ſtarken Stellung der Verbündeten und der hartnädigen Vertheidigung derſelben aufgerieben. Am 20. Mai ſtand die Avant- Garde der Berbündeten unter Ges neral Miloradowitſ d auf dem linken Flügel öftlich von Baußen und oberhalb bie Doberſd ;au und zwar Prinz Eugen von Württemberg, General Graf St. Prieſt und die leidyte ruſſiſche Kavallerie, zuſammen

c. 14,700 Mann . Den redyten Flügel , im Anſchluß an die Ruſſen , nahm auf den Höhen von Burg General Kleift ein, mit c. 6000 Mann,

faſt zur Hälfte Preußen und zur Hälfte Ruſſen. Napoleon ließ die Spree ober- und unterhalb Baußen gegen Mittag in 4 Kolonnen überſchreiten , nämlich mit dem 12. Korp8 –

Dudinot – bei Grubíchüß , dem 11. Korps - Macdonald – bei bei Dehna und ſpäter mit Baußen, dem 6. Korps – Marmont dem 4. Korps Bertrand - zwiſden Nieder - Gurkau und lubas.

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Dubinots Bordringen in der Direktion auf den Tron-Berg und auf Mehltheuer biß zu den nahe zuſammen liegenden Dörfern Binne wiß, Orubtiß und Ebendörfel begünſtigte die Täuſchung, welche Napo leon an dieſer Stelle beabſichtigte, nämlich bei den Verbündeten Be

forgniffe für ihren linken Flügel zu erregen , als ob hier ein Haupt Angriff zu erwarten ſei, während derſelbe, in Verbindung mit dem am folgenden Tage zu erwartenden Marſdal Nery, doch nur gegen den rechten Flügel erfolgen konnte. In der That gelang dieſe Täuſdung in fo weit , als auf Befehl des Raiſers Alexander nad dem linten

Flügel eine Verſtärkung von c. 10,000 Mann geſchiđt werden mußte.

Der Uebergang Marmonts bei Dehna veranlaßte den General Miloradowitſdh zum Abzuge auf Falkenberg , wodurd Baußen für Macdonald geöffnet wurde , und deſſen Korp8 nach Strehla, Falken berg gegenüber , folgen konnte. Auf allen genannten Punkten kam es zu Gefechten. General Kleiſt hatte nach Dehna und Nieder - Gurkau hin gegen 2 forps Front zu maden.

Er that bied mit Geſchid und Ausdauer

bis zum Abend hin und wurde dann hinter die Hauptſtellung, weſtlich von Klein-Baußen, zurüdgezogen.

Marmont blieb auf den Höhen vor Burg dieſfeits der Spree ſtehen ; Bertrand lagerte mit dem größten Theil ſeines Korps noch jenſeit der Spreeum Nieder . Gurkau ; Ney erreichte mit der Tete Klir an der Spree , in der Abſicht, hier am folgenden Tage zu defi liren ; die Garden konnten durch Baußen folgen. Napoleon hatte alſo am Abend des 20. Mai ſeinen Zwed er: reicht. Die Verbündeten vermochten ſeine numeriſche Ueberzahl annähernd bereits zu überſehen ; - fie ſchlugen ſich am 21. Mai aus Motiven, die wir bereits nannten und deren Berechtigung aus der Reflexion

folgte, Thatkraft , wenn auch unter ſdhwierigen Umſtänden, zeigen zu müſſen. Als der 21. Mai anbradı, hatten die Verbündeten folgende Aufſtellung :

Der linte Flügel unter dem General Miloradowitſch reichte von Klein - Sunig bis 3enkwiß mit über eine halbe Meile Frontraum, und zwar um Kuniß und Bieliş Kavallerie - Detaſchements ; von Bielit über Mehltheuer, Riſchen, Daraniß bis Fenkwiß die Korps des Prinzen Eugen von Württemberg und des Fürſten Gortſdatoff , nebſt den Grenadieren ; endlich vorgeſchoben bis Falkenberg nod) die Diviſion des

Generals Grafen St. Prieſt: – im Ganzen c. 40,000 Mann. 8 zeigt dieſe Ziffer, daß hier in dem waldigen und bergigen Terrain faſt die $ älfte der ganzen Armee ſtand, obgleich die taktiſche und ſtrate giſche Gefahr ſich hier am Tage vorher nur ſcheinbar gezeigt hatte.

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Der unmittelbare Eindrud vom vorigen Tage, daß in dieſer Rid tung der Hauptangriff der Franzoſen erfolgen werde , war ſtärker,

als die ſchon am 19. Mai unter blutigen Opfern bei Weißig erkaufte Reflexion , daß der rechte Flügel durch Ney viel wirtſamer bedroht werde.

Das Centrum dehnte ſich von 3entwiß über Baſchüß , Litten,

Kredwißer Höhen bis Pliestowiß aus und hatte alſo ebenfalls über

eine halbe Meile Frontlänge , war jedoch im Terrain ebener und über ſichtlicher. Es hatte zwiſchen Jenkwiß und Litten auf c. 2000 Schritt vor der Front den Abſchnitt des Blöjauer Baches , der von Aredwiß

das Shlachtfeld nach Oſten hin faſt winkelrecht durchſdyneidet, die jen ſeit gelegenen Kredwißer Höhen von der dieſſeitigen Kredmißer Niederung trennt und die Uebergänge, wenn man die Sauptſtraße nach Wurſchen erreichen will, auf Kredmiş , Litten , Burſdwiß und Klein -Baußen beſchränkt. Dieſe in fich getheilte und weſentlich verſchiedene Terrain ſtrede der Schlachtfeldes hatten um Baſchüß bei Zentwiß die ruſſiſdien

Garden als Haupt - Reſerve befeßt. York ſtand mit ſeinem Korps bei Litten, dieffeite des Bades, hinter ſich ruſſiſche Küraſſier -Regimenter. Zahlreiche Sdyanzen verſtärkten das hier offene Terrain.

Von Kredwiß bis Blieskowit folgte Blüchers Rorp8 und zwar links die Brigade Klür, rechte die Brigade Zieten, dahinter die Reſerves Havalerie des Korps und weiter rüdwärts die Reſerve-Brigade Röder.

Stredwig, Doberſchüß und Plieskowiß waren beſeßt. General v. Kleiſt befand ſich in Reſerve bei Burſdywiß und Kl. Baußen. Auf dieſe Weiſe war das Centrum ebenfalls mit faſt 40,000 Mann befeßt, von denen c. 22,000 Mann dem General Blider unmittelbar

angehörten. Yort und Kleiſt ſtanden mit c. 9,000 Mann beziehung8 weiſe zur Verfügung des Generals ». Blü der. Den redten Flügel bildete von Malſchwiß bis Gleina General Bar clau de Tolly mit c. 10,000 Mann ; ſeine Avant-Garde in Salga, ſpäter in Gotta ; Malſchwiß war belegt und der Windmühlenberg mit Batterien touronnirt. Faſt eine halbe Meile ausgedehnt, ohne Zugangshinderniß, fobald die Spree bei Klir von dem Feinde über dritten worden war, von Blicher durch die Malſdywißer Seen getrennt, endlich kaum / Meilen von

der Haupt-Rüdzugsſtraße über Wurſden entfernt, war dieſer Raum des Solachtfeldes viel zu fd wad für eine Defenſiv - Schlacht belegt; und body lag hier nach der ſtrategiſden Dispoſition Napoleons die eigentliche Entdeibung.

Napoleon ließ am frühen Morgen des 21ſten den linken Flügel der Berbündeten zuerſt angreifen , um die Aufmerkſamkeit berſelben hierher und von dem rechten Flügel abzulenken . Die Mitte wollte er fo lange zurüdhalten , bis das Vorrüden und

der Erfolg Nege gegen den rechten Flügel der Verbündeten eine

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Uebereinſtimmung ſeiner taktiſchen Bewegungen mit denen des Marſchale möglich machen würde.

Die Marſdjäle Dubinot und Macdonald fchreiten anfange

mit Erfolg gegen den linken Flügel der Verbündeten vor. Dudinot nimmt von Binnewiß aus , Mehltheuer und gelangt bis Pieliß , wird aber hier von dem Fürſten Gortſdatoff geworfen, Mehltheuer wieder genommen und der Feind bis jenſeits Binnewiß zurüdgedrüdt. Dudinot war gegen 1 Uhr Mittags als gedlagen zu betrachten , denn er tonnte mit ſeinen eigenen Kräften den Kampf an dieſer Stelle des Schlachtfeldes nicht mehr erneuern . Die Ruſſen hatten hier das Gebirge

behauptet, ohne aber zur Verfolgung ihrer Vortheile in die Ebene von Ebendörfel niederſteigen zu fönnen.

Macdonald war gleichzeitig mit Dudinot aus Falkenberg des bouſchirt, hatten hier den General St. Brieft nach Daraniß zurüdges

drängt , Daraniß erobert und ſelbſt Riſchen angegriffen. Allein hier leiſtete der Prinz Eugen von Württemberg ſo rühmlichen Widerſtand, daß Riſchen behauptet und ſelbft Daraniß zurüderobert wurde. Gegen Mittag war auch hier das Gefecht zum Stehen gekommen. Macdos nald hielt die Höhen zwiſchen Nabiß und Falkenberg beſeßt , ohne ſei

nerſeits zur direften Unterſtüßung Dudinots rechts abmarſchiren zu können .

Man fühlte cließlich von beiden Seiten , daß auf dieſem Theile

des Schlachtfeldes nicht die Entſcheidung liege ; deshalb begnügte man ſich von jeßt ab mit dem ſcheinbaren Gleichgewicht der Kräfte. 3n der Mitte hielt Napoleon ſeine Truppen bis Mittag zurüd. Er beobachtete die Stellung und Bewegungen feiner Gegner von der

şöhe bei Nadelwitz aus , ſpäter die Fortſchritte Nep8 von der bei Burg. Die verbündeten Monarchen befanden fich um dieſelbe Zeit bei Baſchüß, nicht ganz eine halbe Meile Nadelwitz gegenüber. Das Centrum der Verbündeten wartete den Angriff des Feindes ab. Gegen den rechten Flügel ſdyritt Nen von Särchen aus vor und zwar gegen 6 Uhr burdh Baffirung der Spree auf zwei Punkten, nämlich bei Klip und etnyas ſpäter bei Leidynam , dort das Gros , hier

eine Seitenkolonne von 2 Diviſionen des 5. Rorps unter General Lauriſton. Das 7. franzöſiſche Korps unter Reynier verließ an

dieſem Tage die Gegend von Sonerswerda und eilte dem Marſchall nach auf das Solachtfeld. Von Salga wich die ruſſiſche Arant-Garde nach Gotta zurüd, wodurch ſie hier ſehr bald mit der franzöfiſchen Ums gehungstolonne in ein Gefecht fam.

Als dag 3., und ein Theil des 5. Rorp8 ſich in der Ebene von Salga entwidelten , überzeugte fid Barclat , daß er die Bofition zwiſchen Malſdwiß und Gleina auf die Dauer nicht werde halten tönnen. Gegen 9 Uhr Vormittags beſchloß Darclay deshalb den

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Rüdzug und zwar mit einem Theil nach Breitiß zur Dedung bed Cens trums ber Verbündeten, mit dem andern Theil von Gleina nach Budi,

walde zur Aufnahme ſeiner in Gotta befindlichen Avant-Garde und zur Siderung gegen die Umgebungsfolonne Lauriſtons.

Die ruſfiſchen

Bataillone in Malſchwitz mußten nach Plieskowit zurück.

Der wichtigſte Bunft wurde durch den Rüdzug Barclays in dieſem Augenblic Breitit , weil durch dieſes Dorf der geradefte Zugang in den Rüden des Centrums der Verbündeten führte. Napoleon hatte die Widytigkeit von Breitig zeitig erkannt und

deshalb dem Marſchall Ney befohlen , um 11 Uhr Vormittags dort zu ſein . Glüdlicherweiſe zögerte Nen , vielleicht weil er die Hauptmaſſe der Truppen Napoleon & noch immer nicht in Bewegung jah. Ney beſeßte Malíawiß und Gleina , marſdirte aber zwiſchen beiden Orten etwas umſtändlid, auf und ichidte zunächſt nur die Diviſion Soubam des 3. Rorps nach Breitit, während Lauriſton über Gotta, Buchwalde

und Neudörfel dem weichenden General Barclay nach Baruth hin folgte. Blücher, noch immer nicht in der Front angegriffen, mußte bereits

zur Bertheidigung feines Rüdens die Rejerve nad Breitig hin verwenden , ein Umſtand , der das Uebergewicht der Feindes in der ſtrategiſchen Situation unzweifelhaft bewies und den Ausgang der Sdlacht ſehr bedenklich machte. Die Aufnahme des Kampfes im Centrum that

nur der Ehre der Truppen und ſpäter einem taktiſch geordneten Ridzuge Genüge.

Zunächſt hatte Blücher geglaubt , den Kampf bei Preitig mit einem Theil der Reſerve - Brigade Röder zum Stehen bringen zu fönnen .

Major b. Alvensleben mußte beshalb mit 2 Bataillonen Garde

und dem Normal - Bataillon der Reſerve-Brigade , verſtärkt durch zwei Estabrons des Weftpreußiſchen utanen - Regiments und einer halben reitenden Batterie , aus der Gegend von Kl. Baußen nad Brei tiß zur Befeßung dieſes Dorfes abmarſciren. Major v. Alven 8 leben

fand aber Preitiß bereits von dem Feinde occupirt. Um daher wenigſtens das Debouſchiren deſſelben in der Richtung auf Rannnewiß , Belgern und Wurſchen, alſo auf der Rüdzugslinie der Verbündeten nach Kräften zu verhindern , ließ der Major ſein Detajdement über das Blöjauer Waſſer gehn, und nahm ſüdlich von Preitiß, gebedt in dem dort befind lichen wellenförmigen Terain , eine Aufſtellung, vor fidy 6 Esfabrons ruffiſcher Dragoner und die ruſſiſche Infanterie , die vor der Diviſion

Souham zurüdgewichen war. Zwei Kompagnien des Normal - Ba taillons hielten den bebuſđten Uferrand des Blöjauer Waſſers nach links bin feſt. Die halbe reitende Batterie fing ſogleich an Breitiß zu be

ſchießen. Bald ſtand das Dorf in Flammen. Feindliche Tirailleurs, ge

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folgt von mehreren Bataillong - Maffen und unterſtüßt durch 3 reitende Geldjüße, machten aus dem jüdlichen Ausgange des Dorfes einen Au8 fall. Es entſpann ſich hier ein lebhaftes Artilleries und Schüßenfeuer. In der Beforgniß , die Berbindung mit Kl. Baußen in ſeiner linten

Flanke zu verlieren , ſtellte Major v. Alvensleben nun das ganze Normal- Bataillon an dem Blöſauer Waſſer auf , und ließ ſeine beiden Ulanen - Eskadrons zum Angriff auf die franzöſiſchen Tirailleurs her vorbrechen . Einer Eskadron gelang es, mit gutem Erfolge die feinds

lichen Schüßen zu überraſchen , einen großen Theil niederzuſtechen und den Reſt nach Breitig zurüdzutreiben. Dieſen günſtigen Augens blid benugten die preußiſchen Bataillone zum Avanciren ; die halbe

reitende Batterie beſchoß die noch geſchloſſenen Maſſen auf 500 Schritt mit Kartätſchen, worauf der Feind in Unordnung in das Dorf zurüdwich, dicht gefolgt von der preußiſchen Infanterie, die hier mit ihm eindrang, während auch von der Weſtſeite her preußiſche Bataillone des Generals

v. Kleift, gefolgt von denen des Generals v. Röder , Breitiß angriffen. Etwa eine halbe Stunde nach dem Abmarſch des Major v. Alvens

leben aus der Gegend von Kl. Baußen , hatte Blücher, ſobald er Preitig in den þänden des Feindel jah , ſowohl die ganze Reſerves Brigade des Generals v. Röder als auch den General v. Sleift zur

Wiedereroberung dieſes Dorfes beordert. Das Kolbergſche Infanteries Regiment , zunächſt unterſtüßt von den oſtpreußiſchen Jägern, hatte die Tete , und drang in Preitiß von der Weſtſeite in dem Augenblic ein, al8 Major v. Alvensleben den ſüdlichen Eingang forcirte. Dieſen

vereinten Angriffen gelang es, gegen 1 Uhr Mittags dem Feinde Preitig wieder zu entreißen , und die Diviſion Soubam mit bedeutendem Bers luft und in vollſtändiger taktiſcher Auflöſung auf das Gros des Marſchaus Nen bei Gleina zurüdzuwerfen. In der Verfolgung führte Oberſtlieutenant v. Kaşeler mit den weſtpreußiſden Ulanen und

den brandenburgiſchen bujaren eine glüdliche Attade auf franzöſi ſche Schüßen - Schwärme aus , die ſich in einem lichten Gebüſch zu bes haupten ſuchten.

Nun aber jegte ſich das Groß des Marſhalls Ney gegen Preitiß in Bewegung, während endlich auch Napoleon ſeinen Haupt Angriff gegen die Kredwißer Höhen eröffnet hatte. Die detaſchirte Reſerve-Brigabe unter General v. Röder , ſowie die Kavallerie-Regis menter unter Oberſtlieutenant v. Kaşeler , welche ſdon bei Preitig in das Gefecht eingegriffen , ſollten nun audy nadı der bedrohten Front hin zur Thätigkeit kommen.

Als Napoleon den Befehl zum Angriff auf das ihm gegen überſtehende Centrum gegen 1 Uhr ertheilte , reßte er voraus , daß Ney bereits in dem Beſitz von Breitig ſei. Aber wir ſahen ſo eben ,

daß gerade um dieſe Zeit preußiſche Truppen im Stampfe gegen die Di

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viſion Soubam das Dorf zurüd erobert hatten. Es ergiebt ſich hieraus, wie groß die Gefahr für die Verbündeten geworden wäre, wenn Ney im rajdern Vordringen von Gleina her, nicht nur eine Diviſion ,

fondern ſtarte Truppenmaffen zur Befeßung und Behauptung des Dorfes Breitiß redtzeitig , wie er es ohne Zweifel konnte , ver wendet hätte. Alein die Schwierigkeit, bei Bewegungen mit getrennten

Kolonnen , ben richtigen Moment gegenſeitigen Zuſammen wirkens zu treffen, trat hier, wie dieß unter ähnlichen Umſtänden immer der Fall ſein wird, unverkennbar hervor. Napoleon ließ den Angriff durch ein überlegnes Maſſenfeuer

der Artillerie vorbereiten. General Drouot ging mit 60 Geſchüßen, gefolgt von dem 6. Rorps unter Marmont , über Nieder-Reina gegen Zieſchüß und Bajdüß, alſo gegen das linte Centrum der Verbündeten vor, um die Verſdanzungen der Ruſſen daſelbſt zu beſchießen . Es ents

ſpann ſich hier eine heftige Kanonade. Die Garden und das 1. Ma vallerie -Rorps formirten ſich unterdeſſen weſtlich von Bajankwig. Gegen bas redte Centrum , alſo zum Angriff auf die Kredwißer - Höhen , waren die Württemberger des 4. Korp8 beſtimmt. Sie paffirten die Spree bei Lubas auf einer dort am Morgen geſchlagenen Brüde. Nad dem Uebergange formirte ſich die Diviſion Franquemont hinter dem Kiefern-Berge, den bereits General Siccard befeßt hielt. Der Reſt des 4. Korps ( Bertrand ) rügte auf dem linken Spree - Ufer in die Ges

gend von Lubas nach dem Gottlobe-Berge, befekte ihn mit 24 — 12Pforn., und dieſe eröffneten , in Gemeinſchaft mit 18 am Kiefern - Berge aufge. fahrenen Geſchüßen , ihr Feuer nach den Kredwißer - Höhen hin. Von

Nieder-Gurfau aus wurden 3 leichte franzöſiſche Bataillone gegen Dos berſchüt in Bewegung geſeßt , wofelbſt ſie auf die Brigade Zieten treffen mußten , während die Württemberger die Brigade Klür vor ſich hatten.

Die ruſſiſchen Batterien in dem forps Blücher8 auf dem „ Stopatichs

Berge “ und auf dem „ Weißen Stein “ beantworteten das Feuer der überlegenen franzöfiſchen Artillerie nad Kräften , hatten ſich aber bald verſchoſſen und fuhren dann ab. Nun rüdte die württembergiſche Divi

fion Franquemont gegen den Kopatſdı - Berg vor , während ein württem bergiſches Bataillon ſehr iſolirt Kredwiß zu nehmen fuchte. Die Brigade Klür trat beiden Angriffen entgegen. Das feindliche Bataillon wurde vor fredwiß faſt volftändig vernichtet. Auf dem Ropatid - Berge aber behaupteten ſich die Württemberger nach einem nahen, hartnädigen, ver. luſtreichen Infanterie - Gefecht, während faſt um dieſelbe Zeit die Brigade Siccard den ,, Weißen Stein“ beſepte, und Blieskowiß von der Diviſton Maiſon, zu Neu gehörig , durch das ſiegreiche Vorſdreiten von Salga

über Malſchwiß, genommen wurde. Die Brigade Zieten bei Dober ſdüß wurde bereits von der Artillerie Maiſon8 im Rüden beſchoſſen.

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Dieſer Moment veranlaßte den General Blüder , die Referbes Brigade unter General Röder , nebſt der Stavallerie derſelben unter Oberſtlieutenant v. Rafeler , von Breitiß wieder zurüdzurufen , aber audy gleichzeitig bei den Monarchen um die Unterſtügung durch das bei

Litten haltende Korps des General v. York nadzuſuchen. Es blieb alſo nur General v. Ale iſt mit dem Reſt der Reſerve Truppen bei Preitit zurüd , um den ießt mit verſammelten Kräften

erfolgenden Angriff des Marſchale Ney nach Möglichkeit abzuwehren oder wenigſtens im Vorſdreiten aufzuhalten. Ney dirigirte nämlich die Diviſion Delmas Gleina nach Preitiß, um die geworfene Diviſion Die Diviſion Ricard und die von Klir her Mardand follten zur Unterſtüßung in derſelben

auf gradem Wege von Souham aufzunehnien. eingetroffene Diviſion Richtung folgen. Die

Diviſion Albert wurde angewieſen , vom Windmühlen - Berge ber den Hader- Teich öſtlich auf Preitig zu umgehen. So entſtand ein umfaſſen

der Angriff, dem General v. Kleiſt mit ſeiner geringen Truppenzahl nid)t widerſtehen fonnte. Allein Ney didte auch noch der Umgebungs Kolonne des Generals Lauriſton wiederholt den Befehl zu , die Di

viſion lagrange ebenfalls nach Preitig auf dem rechten Ufer des Blös ſauer Waſſers zu detajdiren , was auch unmittelbar darauf unter Mits

wirkung einer leichten Stavallerie- Brigade nebſt Geſchüßen von Budwalde her geſchah. Der Erfolg gegen Kleiſt fonnte nun um ſo weniger zwei felhaft bleiben. General Lauriſton behielt nur die Diviſion Rodhams

beau auf dem Schaf- Berge nördlich von Baruth gegen Barclay de Tolly zurüd.

General v. Kleiſt wid, vor Ney & fombinirtem Angriff aus Preis tit füblich nach Kannemiß und Belgern zurüd, um , wie es bereits Major v. Alvensleben in dem früheren Gefedit&moment verſucht hatte, dem Feinde das Deboudhiren aus Preitiſ in die Ebene von Hana newiß zu verwehren.

Hätte Ney durch dieſen immerhin ſchwachen Widerſtand ſich nicht auſhalten laſſen , ſondern wäre , unbeirrt durch taftiſche oder ſtrategiſche Bedenken , im unaufhaltſamen Vorſtoß von Breitiß auf Belgern und

Wurſden geblieben, ſo iſt nicht abzuſehen, wie es dem Korpe Blüchers würde gelungen ſein , die Rüdzugsſtraße über Wurſden ohne ſchwere Berluſte zu erreichen .

Glüdlicherweiſe aber zauberte Nen wie bei Gleina, jo auch wieder bei Breitiß , indem er ſeine Artillerie nad RI. Baußen hin langſam auffahren , und einen Theil ſeiner Diviſion hinter derſelben in gleicher Front aufmarſdjiren ließ. Dieſer Umſtand mußte Blüder Rüdzug

von den Kredwißer þöhen beſchleunigen ; allein als eine bloße Demon ſtration verwidelte er ihn noch nicht an den Ulebergängen des Blöjauer Waſſers in eine tattijde Rataſtrophe.

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General Yort hatte bei Litten die Ablöſung durch die 2. ruffiſche Grenadier - Diviſion unter General y ermaloff abgewartet; dann war er mit Erlaubniß der Souveraine zur Unterſtüßung des Korps von

Blücher nordwärts abmarſdirt. Allein Blücher, gedrängt in Front und Rüden, hatte Yorks Ankunft nicht mehr abwarten können, ſondern den Befehl zur Räumung der Kredwißer Höhen und zum Abzuge über Kredwiß, Litten und Burſchwiß gegeben. Hinter der Diviſion Franquemont war nämlich das ganze 4. fran zöfiſche forp8 bei lubas über die Spree gegangen , und hatte ſich am Kiefern-Berge formirt, um den fortgeſeßten Angriff der Württemberger auf die preußiſche Brigade Klür zu unterſtüßen. Napoleon ſelbſt

feßte von Bajankwiß her , nachdem auch hier die Artillerie maſſenhaft vorgewirkt hatte, ſeine bis dahin zuſammengehaltene Reſerve gegen das Centrum in Bewegung, während Ney jeden Augenblid Il. Baußen erreichen fonnte.

Sachlage überzeugte auch die Souveraine bei Baſchüß , daß

die Schlacht zum Siege nicht mehr zu wenden ſei, wohl aber, daß der äußerſte Zeitpunkt gekommen , in welchem noch ein taktiſch geordneter Rüdzug möglid wäre.

Kaiſer Alexander willigte, wenn auch mit Widerſtreben, in den Rath , die Schlacht durch den Rückzug aufzugeben. Schlug man ſich länger auf derſelben Stelle , ſo gingen die Verbündeten wahr

ſcheinlicherweiſe einer Niederlage entgegen, der ſie ſich jekt redstzeitig in vortrefflicher taktiſcher Haltung entzogen.

Von dem Korp8 y orts war nur die Brigade Steinmeß über das Blöjauer Waſſer gelangt ; ſie ſchloß fich nun dem Rüdzuge der

Brigade Klür über Kredwiß und Litten an, während die Brigade Zieten Burſchwitz zu erreidhen ſuchte, daſelbſt aufgenommen von der Referves Brigade v. Röder, die aud) Kl. Baußen befeßt hielt. Oberſtlieutenant v. Kaşeler kam in dieſem Moment wieder zur

Thätigkeit. Auf Befehl Blüchers vereinigte er die Savalerie - Regi menter der 3 Brigaden des Korps, um am Blöſauer Waſſer die Dedung des Rüdzuges zu übernehmen. Reyher an ſeiner Seite entwickelte hier die vollſte Gewandtheit eines tüchtigen, beſonnenen und beweglichen Adjutanten. Südlich des Blöjauer Waſſers wurden 40 Eskadrons ruſſiſche Rü raſſiere in der Ebene von Neu - Burſd )wiß zu gleichem Zwed , Dedung

des Rüdzuges , unter General Yermaloff zuſammengezogen , unter ftüßt durch ſämmtliche reitende Batterien .

v. Kaşeler hatte Gelegenheit , den Abzug der Brigade Zieten burd) Burſdwitz weſentlich zu unterſtüßen und formirte dann füdlicy

von dieſem Dorfe feine Arriere - Garde- Kavallerie , beſtehend aus den brandenburgiſchen und 2. ſchleſiſchen Huſaren und den weſtpreußiſchen

111 und ſchleſiſchen Ulanen , nebſt 2 reitenden Batterien , v. Borowsky

unb v. Tudſen , welche zunächſt durch ihr Feuer die Verfolgung zu hemmen ſuchten. Der Feind antwortete mit der heftigſten Kanonade, ließ ſich aber durch die gute Haltung der preußiſchen Ravallerie abhalten,

über das Blöjauer Waſſer raſch in ihre Attadenweite vorzubringen. Viele Kugeln und Granaten ſchlugen in die Estadrons, ſelbſt ein Pro

faften flog in die Luft, allein die Kavallerie behauptete mit der vorzüga lichſten Drbnung und Ruhe fo lange ihre Stellung, bis die ſämmtliden Kolonnen ſich in Marſchkolonnen formirt hatten. Dann folgte audi v. Maßeler , beſtändig flankirend, in der Richtung auf Wurſden . Auf den Höhen von Belgern hatte die Brigade øern des Sorpg von York Stellung genommen ; Ataşeler ſchloß fid ihrem linken Flügel an. Beide nahmen hier den nun vom Marſchal Ney verfolgten

General v. St leiſt auf. Ueberal herrſchte im Rückzuge Nube, Sider beit, taftiſche Ordnung ; dem Feinde fielen demzufolge auch teine Tros phäen in die Hände.

Sämmtlidhe preußiſdie Truppen paſſirten ungeſtört das Defilee von Wurſchen , um von hier den Marſd) hinter das Löbauer Waſſer nady Weißenberg fortzuſeßen. Nur v . Kaşeler blieb Nechern gegenüber ſtehen . Auch Barclay de Tolly war von Baruth über Radel nach Weißenberg abmarſchirt. Unter dem Sdutz der ruſſiſchen Küraſſiere bei Neu -Burſdwig hatte

fidy auch das linke Centrum in Verbindung mit dem linken Flügel, der ſeine Arriere-Garden-Ravalerie bei Subſdyüş poſtirte , ohne Sawierigkeit ſüdlich auf der Straße nach Löbau zurüdgezogen. Yermaloff führte ſeine Küraſſiere ſpäter über Niethen nach Sto. titz, Weißenberger Straße.

Napoleon begnügte ſich mit der Behauptung des Schlachtfeldes.

Am Abend des 21. Mai ſtanden die drei Korp8 von Ner , zu dem Reynier mit dem 7. Korp8 am ſpäten Nachmittag geſtoßen war , bei Grödiß , Nechern und Wurſchen,

das 4. Korps ( Bertrand ) ebens

falls weſtlich von Wurſden, — die Garden und das 1. Kavallerie-Rorps das 11. und 6. Korps (Latour - Maubourg) bei Neu -Burſdwig ; bei Wadit und Rubídüş.

Wadiß gegenüber bei Steindörfel fonnte General St. Brieſt feine Arriere- Sarbe noch die Nacht über ſtehen laſſen. Das fehr ge ſchwädyte 12. Rorp8 (Dudinot) war bei Ebendörfel zurüdgeblieben.

Die Verbündeten hatten gegen 13,000 Mann verloren , worunter ſich in den preußiſchen Korp8 85 Offiziere und 3588 Mann befanden ; allein den Franzoſen war ein Berluſt von über 20,000 Mann beiges bracht werden.

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Wir dürfen wohl einen Theil des lobes , welches dem Dberſt

lieutenant v. Rabeler mit Recht nach der Schlacht zu Theil wurde, auch auf ſeinen vortrefflichen Adjutanten Rey ber übertragen, der ſeinem Kommandeur bei jeder Gelegenheit mit voller Þingebung unterſtüßte. General v. Röder ſagt in ſeinem Bericht über v. Rapeler :

„ Derſelbe hat ſid von Anfang bis zu Ende ſo thätig und über alles Pob erhaben bewieſen, daß es unter den Umſtänden durchaus nidt möglich war, mehr zu leiſlen, als er gethan hat." Blücher fügte noch folgende für v . & aßeler ehrenvolle Aeußerung hinzu :

„ Ew. Röniglichen Majeſtät wird unter Anderem das ſeltene Zeug niß nicht entgehen , welches General -Major v. Röder dem Oberſt lieutenant v. Kaşeler giebt, und da ich dieſen Offizier ſo lange kenne

nnd weiß , wie ſehr dieſes Zeugniß gegründet iſt, ſo halte ich es für Pflicht, denſelben hiermit Ew . Königlidhen Majeſtät allerunterthänigſt zur Berüdſichtigung in Vorſchlag zu bringen.“ v. Kaşeler wurde ſehr bald in Folge deſſen Oberſt, und ſein Adjutant Lieutenant Reyher , erhielt wegen ſeines Wohlverhaltens in

der Schlacht von Baußen das eiſerne Kreuz 2. Klaffe. Es wurde unter andern auch anerkannt, daß Rew her fid bei der Rettung eines demontirten preußiſchen Geſdüßes fehr verdient gemacht habe. Der könig erließ am 23. Mai aus Lauban folgenden Tages Bes fehl an die Armee : „ Ich drüde der Armee Meine Zufriedenheit aus über den Muth, womit ſie am 19., 20. und 21. o M. auf's Neue gefochten. Das Korps des General8 v. Yort hat am 19., und die Truppen des Generals v.

Kleift haben am 20. dem Feinde gezeigt , was wahre Soldaten unter ſo würdigen Führern vermögen, und den Preußiſchen Waffen die höchſte Achtung erworben, welche einer Armee zu Theil werden kann. Die Schlacht am 21. iſt abgebrochen worden , weil überwiegende

Gründe es erforderten , an dieſem Tage feine Kräfte mehr zu opfern, die ſpäterhin den Sieg erringen ſollen. Ausdauer iſt die lofung in dieſem Kriege ; nur durch fie

wird die Vernichtung des Feindes möglich. Ich vertraue Meinem braven Heer, daß es Ausdauer auch ferner in dem hohen Maaße zeigen wird , als es Muth gezeigt hat , und bürge ihm dann für den Aus gang. "

Am 22. Mai ſegten die Verbündeten den Rüdzug fort, und zwar

war nach der Dispoſition des Grafen Wittgenſtein der 1. Ros Conne , beſtehend aus den preußiſchen Truppen , denn ruffiſchen Korps des Generals Barclay de Tolly und der ruffiſden Kavallerie unter

General y er maloff , die Straße von Weißenberg, nördlid, von Reichen :

bach über Mengelsdorf , Königshayn , Ebersbad nadh ludwigstorf

113

angewieſen , wo man eine Bonton - Brüde unterhalb Görlig über die während die 2. Kolonne , Gro8 der ruſ Neiße geſchlagen hatte , fiſden Truppen , von Loebau über Reichenbach nach Görliß marſchiren und dort ebenfalls die Neiße überſchreiten ſollte. Die Rolonnen ſollten fich alſo wieder einander nähern und mußten ſchon bei Reichenbach faft zuſammenſtoßen, ein Umſtand, der dieſen Bunkt ſehr wichtig machte. Wid die erſte Rolonne zu rady , ſo konnte der Feind mit ihr bei Reichenbach eintreffen, bevor die zweite Kolonne dieſen Drt pafſirt hatte. Napoleon faßte auch in dieſem Sinne Reichenbach in's Auge und bes fahl, daß von Nechern aus, auf Weißenberg und Reichenbach das frans zöfiſche 7. Rorps ( Reynier ) die Avant - Garde machen , dahinter das 3. forp8 ( Ner ) und die Garden folgen ſollten ; links über Grödiß cotofirt von dem 5, Storps ( Pauriſton ) und rechte über Gloffen von dem 1. Stavallerie - Rorps ( Latour -Maubourg ). Auf der ſüdlid

gelegenen Straße von Steindörfel nach Loebau mußte das 11. Korps ( Macdonald ) , gefolgt von dem 4. Korp8 ( Bertrand ) und dem 6. Korp8 (Marmont) marſciren. Das 12. Rorps (Dudinot) blieb einſtweilen zurück; ſtatt deſſen ſollte das 2. Korps ( Victor ) mit dem

2. Kavallerie - forp8 ( Sebaſtiani) zur Armee ſtoßen ; es war aber noch zu weit zurüd und daher für die nächſten Tage nicht disponibel. Bis Reichenbach ſollten die beiden Kolonnen der Berbündeten ihre eigene Arriere - Garbe bilden , von da ab aber General Milora : dowitſd wieder die Arriere- Garde der ganzen Armee machen. Bei der 1. Stolonne blieb an dieſem Tage v. Sageler Führer der

preußiſchen Arriere- Garbe, beſtehend aus 3 Bataillonen von dem Rorps Yorte, aus der Brigade- Ravallerie des Rorp8 von Bilder und 2 rei. tenden Batterien. Mit ihm ſtand der ruſſijdse General Rajewsli in Verbindung

Die Franzoſen griffen früh ſchon bei Rotiß , weſtlich von Weißen berg, bieſe Arriere- Garde an. Man zog ſich durch Weißenberg auf das redyte Ufer des Loebauer Waſſers zurüd und hielt hier das dominirende Ufer lange gegen überlegene feindliche Kräfte. Es wurde dadurch Zeit gewonnen, die Hauptkolonne mit dem Train das Defilee von Rothlret ſchan öſtlid) von Weißenberg, ruhig paſſiren zu laſſen. Dann räumte die Arriere - Garbe Weißenberg und nahm wieder Stellung hinter dem

Abſchnitte von Rothkretſchan. Sie wich immer erſt zurüd , wenn die Umgehung der zahlreichen Ravalerie von Latour - Maubourg fie dazu nöthigte , aber ſtets mit einer Ordnung und Sicherheit, welcher ſelbſt Napoleon , der ſich hier an der Tete ſeiner Avant- Garde befand, die Anerkennung mit den Worten nicht verſagen tonnte : „ Wie ? nach einem

ſolchen Siege teine Trophäen ? Reine Gefangene ? Nicht einmal einen Radnagel ? " 8

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Auch bei Schöp8, ber legten Poſition vor Reichenbach, hielt man den Feind auf. b. Rafeler gebrauchte bie Borſicht, in feiner rechten und linken Flanke beſtändig Ravallerie- Batrouillen, von Offizieren geführt, marſchiren zu laſſen , ſo daß er in weiter Diſtance fortwährend genau von den Bewegungen des Feindes unterrichtet war. Dadurch war es

ihm möglich geworden, eine ruſſiſche Wagenkolonne redstzeitig zu ſchüßen , die weſtlich von Schöps in dem Augenblid gehalten hatte, ale vier feindliche Kavallerie - Regimenter fid von Gloſſen her in Bewegung ge feßt hatten , in ſie einzubrechen. Schon wichen die Hoſaken , theilweiſe

im Handgemenge mit der franzöſiſchen Ravallerie zurüd , als v. Ka ßeler raſd eine reitende Batterie abproßen und feuern ließ , während er das weſtpreußiſche Ulanen-Regiment und die brandenburgiſden uſaren zur Attade vorführte. Der Feind ftuzte und zog ſich vor den preußiſchen Regimentern zurüd, deren Bewegung erſt durch das Feuer einer feind lidhen Batterie gehemmt wurde. Auf Befehl Blüder8 mußte Oberft v. Dolfie mit der ReſervesRavalerie hier der Arriere -Garde zum

Soutien dienen. Ungeachtet der langſamkeit des Rüdzuges hatte dens noch die 2. Hauptrolonne von Poebau her Reichenbach in dieſem Moment noch nicht vollſtändig erreidyt. Die Situation wurde dadurch der Uebermacht Napoleons gegenüber fehr fritid.

Es waren nämlich die ruſſiſchen Garden allerdings frühzeitig von Loebau über Reichenbach nach Görlig hin aufgebrochen ; - dann folgte der linke Flügel der Armee unter dem General Miloradowitſch ,

an der Spiße deſſelben das 2. Korps des Prinzen Eugen von Würt temberg. Ein ſtarkes ruffiſches Detaſchement ging von Loebau ſüdlich über Bernſtadt nach der Neiße zurüd.

Nad einer lebhaften Ranonade bei Loebau detaſdirte Macdonald eine Ravallerie- und eine Infanterie- Brigade gleichfalls zur Verfolgung in der Richtung auf Bernſtadt, ſchlug aber mit dem Gros die Direktion auf Reichenbach ein, im lebhaften Kampf mit Miloradowitſch. Der Brinz von Württemberg eilte perſönlid) zur Refognoszirung nach Reis dienbad voraus und beſchleunigte den Marídı des 2. forp8 zur Erreis

dung dieſes Punktes. Je länger Miloradowitſd mit der Fortſegung feines Rüdzuges zögerte , je gefährlicher mußte die Sachlage bei Reis denbad werben.

A18 der Prinz hier anlangte , zogen bereits die letzten Eskadrong des Oberſtlieutenants v. Kaşeler aus der Poſition von Schöp8 nad Reichenbad hin ab. Es war in der That für die Ruſſen die höchſte Zeit , Reichenbach zu gewinnen. Mit den Teten -Bataillonen unterſtüßte

der Prinz den Oberſtlieutenant v. Rapeler in dem Terrain zwiſchen Schöps und Reichenbach und beeilte ſich, ſein Korps durdy Reichenbach zur Befeßung des dahinter liegenden Töpfer - Berges marſchiren zu laſſen . Miloradowitſd konnte Reidenbach nicht mehr erreichen;

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auf eine Benachrichtigung des Prinzen zog er es vor , ſeine Truppen von der Straße Loebau - Reichenbach über Sohland abbiegen zu laſſen, um bei Markersdorf die Straße von Reichenbach nach Görliß wieder

zu gewinnen und dann bei Markersdorf feinerſeits den Brinzen auf zunehmen.

Auf dem Töpfer Berge formirte der Bring das 2. Rorps in 2

Treffen in Bataillonsmaſſen , Ober- und Nieder-Reichenbach mit 2 Jäger. Regimentern beſeßt haltend. v. & aşeler nahm ſeine Stellung nördlich von Reichenbach, nach Mengelsdorf bin, weil dort dať preußiſche Gros die Hauptſtraße zum Marſch auf Königshain verlaſſen hatte. Der Prinz mußte ſich von dorther eine Unterſtüßung an Artillerie erbitten, da die feinige noch nicht vollſtändig heran war.

Reynier zögerte nicht, mit dem 7. Sorps Reichenbach nach einer lebhaften gegenſeitigen Kanonade anzugreifen , indem er gleichzeitig ver ſuchte, die Kavallerie ſüdlich von Reichenbach über Sohland vordringen zu laſſen, während ein Theil der franzöſiſchen Ravallerie fich auch nördlich

gegen v. faßel er nach Mengelsdorf hinwandte. Die gededte Stellung und die gute Wirkung der Artillerie ( 18 Geſchüße) vom Töpfer-Berge her , machten es dem Prinzen möglich, die Poſition mehrere Stunden lang bis gegen 4 Uhr Nachmittags zu behaupten und dadurch dem

General Miloradowitſd Zeit zu verſchaffen, öſtlid von Reichenbach glüdlich in Markersdorf einzutreffen. Es lag nun tein Grund mehr

vor , ſidy noch länger bei Reichenbach zu ſchlagen. Der Bring räumte die Poſition.

Auch dem Oberſtlieutenant w. Raßeler war es gelungen , die franzöſiſche Ravalerie nördlich von Reichenbach mit Erfolg zurüđzu weifen .

Bei dem Abzuge nach Mengelsdorf fand Lieutenant Reyher Ge legenheit, ſich wieder perſönlich auszuzeidynen.

v. Stapeler hatte nämlich dem Rittmeiſter Müller vom 1. ſchles ſiſchen Huſaren - Regiment die äußerſte Spiße der Arriere - Garde übers geben.

Reyher war in der Nähe dieſer Eskadron zurüdgeblieben , um

die Bewegungen des Feindes zu beobachten, als er plöblic 150 ruſſiſche Tirailleurs auf der Ebene von einer feindlichen Ravalerie - Abtheilung hart bedrängt fah. Sogleich benachrichtigte er den ſchon im Übmarſch begriffenen Rittmeiſter Müller davon , der auch keinen Augenblid ans

ftand , wieder Front zu machen und der Direktion , welche Renber angab, folgend, fich mit Reyber an ter Tete auf den Feind zu ſtürzen. Die franzöftſde Savallerie ftob vor diefem unerwarteten Anfall auseins ander, und die ruſſiſchen Tirailleurs tonnten ihren Rüdzug ungehindert fortſeßen.

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Rittmeiſter Müller erhielt für dieſes Gefecht das eiſerne freuz 2. Klaſſe und ſdyrieb darüber ſpäter an den Oberſtlieutenant v.Aapeler : ,,Sehr freuen ſollte es midy, zu wiſſen , daß ich dieſe Auszeichnung

zuſammen mit dem Übjutanten Ew . Hochwohlgeboren , dem braven Lieutenant Revher , trüge, welcher ſich mir bei dieſem Chof anſdloß und an der Spige meiner Fuſaren durch ſein Beiſpiel und ſeine Thäs tigkeit ſehr viel zu dem guten Erfolge des Angriffs beitrug." v. Raßeler berichtete über Reyher : ,,Sein äußerſt rühmlide8 Benehmen in der Sdlacht am 2. Mai für ſein Vers

verdiente idon eine ganz beſondere Erwähnung ;

halten in dem Gefecht bei Reidenbach muß ich ihn aber aus folgenden Gründen zur Belohnung vorſchlagen : " - dann erzählte v. fafeler den oben dargeſtellten Angriff. Renher erhielt für dieſes Gefedyt ben St. Wladimir - Drben 4 . Klaſſe mit der Schleife.

Auch in Markersborf ſeşte der Prinzv. Württemberg , nun wieder unterſtüßt von Miloradowitſd , ſeinen hartnädigen Widerſtand fort, und hier war es, wo Napoleon , der ſich perſönlich dem Geſchüßfeuer der Ruffen ausfeşte , durch ein und dieſelbe Kanonenkugel den Inges nieur- General Mirgener und den Großmarſdal des Palaſtes Duroc in ſeiner Nähe verlor.

Die beiden þaupt - Solonnen der Berbündeten paſſirten unges hindert die Neiße an den befohlenen Bunkten. Am Abend hörte die Verfolgung an der Landstron auf.

Für die Fortſeßung des Rüđzuges trat die stavalerie des Oberſtlieutenants v. Kaşeler zur Kolonne des Groß zurüd , während bei der Arriere - Garde, weldie nun Oberſt v. Mutius fommandirte, nur 2 Eskadrons des weſtpreußiſchen Ulanen - Regiments verblieben. Da hierdurch ſowohl v. Staßeler, als ſein Adjutant, Lieutenant Reyher, aus der unmittelbaren Berührung mit dem Feinde traten, fo begnügen

wir uns damit , hier im Allgemeinen daran zu erinnern , daß die 1 . Kolonne in den folgenden Tagen über Walbau, Bunzlau, þaynau nady

Liegniß ging , während die 2. Kolonne von Görlit über Lauban und Löwenberg nach Goldberg marfchirte, in échelons gefolgt von dem franzöſiſchen 5. , 3. und 6. Korps nebſt den Garden auf der nördlichen Straße , und von dem 7. , 4. 11. Korp8 und dem größten Theil der Ravallerie auf der füdlichen Straße. Am 26. Mai übernahm General Barclay de Tolly auf Befehl der verbündeten Monarchen , das Ober fommando über die ganze Armee , während Graf Wittgenſtein die Führung der 2. Rolonne erhielt , Blüder die der 1. Kolonne. An demſelben Tage ließ Blücher bei Haynau mit 22 Eskadrons und 3 reitenden Batterien den ſchönen Ueberfall auf die Diviſion

117 Maiſon des 5. franzöſiſchen Korp8 ausführen , burd ben ber Feind in die äußerſte Vorſicht zurüdgeſdređt wurde.

v. Sapeler hatte auf dem Marjd zufällig von der Abfidit Blicher

gehört , dieſen Ueberfall zu verſuchen. Sogleich nahm er Urlaub und ritt mit Reyher auf der Haynauer - Straße zurüd , um wenigſtens die Estabrons des weſtpreußiſden Ulanen-Regimente bei dem zu erwarten . den Rampf zu begleiten ; tamen aud in den ſpäten Nachmittageſtunden im ſcharfen Ritt noch ſo rechtzeitig an, um, anfänglich mitten unter den Flanteurs der Reſerve - Ravalerie, noch eine Sdluß . Attade mitmachen

zu können. Mit dem 27. Mai begann der Abmarídı der Verbün deten nach dem Süden , – nämlich Blücher mit der 1. Kolonne von Liegniß über Sauer und Strigau den 31. Mai bei Schweidniß in bie ſtarke Poſition von Pilzen und Kreiſau, — während die 2. Kolonne, anfänglich bei Goldberg dieſen Abmarſdi verdeđend, ſich gleichfalls über

Peterwiß auf Strigau und Schweidniß wandte. Da die Straße nad Breslau hindurd) den Franzoſen geöffnet war, ſo erhielt General . Schuler den Befehl , die Blokade von Glogau aufzugeben und ſich von bem redyten Oder - Ufer über Winzig und Auras auf dem linken Ufer

bei Liſſa am Schweidniger Waſſer zur Dedung Breslaus dem Feinde entgegenzuſtellen . Indeſſen reichten ſeine Streitkräfte dazu nicht aus. Napoleon hatte am 27. Mai ſeinen linten Flügel bei Liegniß vereinigt und ließ von hier aus in der Richtung auf Breslau durch das 5. und 3. Rorp8 den General Sculer zurüdwerfen, und am 1. Juni Breslau befeßen. General Sculer war nad Ohlau hin abmarſchirt. Der rechte franzöſiſche Flügel folgte über Goldberg nad 3auer und gegen Strigau zu , ohne dieſen Ort, nach partiellen Gefechten zwiſden Sauer und Strigau, zu erreichen. Der Verluſt Breslaus ſchien den Berbündeten bei Schweidniß, als eine Gefährdung ihrer rechten Flanke, doch bedenklich zu ſein, weg halb ein Theil der Armee am 3. und 4. Juni über Rothſchloß nach Strehlen at marſcirte zu nähern. Welche Gefahren auch in dieſem Aufgeben eines urſprüngs

lidhen Entſchluſſes lagen, man entging ihren Folgen durch den Waffen ſtillſtand, der am 4. Juni abgeſchloſſen wurde ; ein Waffenſtilſtand,

der für beide Theile nothwendig war , aber für Napoleon doch ein ſtrategiſcher und politiſcher Fehler blieb, während die Verbündeten, durch die Vollendung ihrer Organiſationen und durch den Beitritt Defter reich zum Bunde , die reichſten Vortheile aus demſelben gezogen haben. v. Habeler hatte am 2. Juni Vorpoſten bei Domslau gegen die

franzöſiſchen Truppen bei Breslau fommandirt ; war aber von dort in Folge des Waffenſtilſtandes in die Kantonnements von Strehle zu rüdbeordert worden.

118

In Folge der neuen Armee- Organiſation wurde das weſtpreußiſche Ulanen-Regiment dem 3. Armee-Korp8, v. Bülow , überwieſen, weshalb

es den 10. Juli nad Berlin zum Uebertritt in den neuen Korp8 - Vers band abmarſcirte.

Reyher ſchrieb um dieſe Zeit an ſeinen Vater :

„Wie ſehr freute ich mich darauf , Sie perſönlich zu ſehen. Unſer Regiment ſtößt zu Bülow 8 Armee -Korps und trifft den 25. Juli in

Berlin ein ; aber meine ſchöne Hoffnung iſt verſchwunden.

Oberſt

v . Rafeler hat das Regiment verloren und bekömmt hier bei der

Armee Blüchers eine andere Kavallerie-Brigabe unter dem Befehl des tommandirenden Generals v. Vort. Ich bin als Brigade-Adjutant bei dem Dberſt geblieben. Meine Dienſtverhältniſſe ſind zwar immer

ſehr angenehm ; allein , hätte es von mir abgehangen, ſo würde ich doch Vieles aufgegeben haben, um Sie zu ſehen. Ludwig (fein Bruder) iſt nach Berlin marſchirt und wird Ihnen hoffentlich ſchon von uns Allen Nachricht gebracht haben. Ich habe ihn

lieb und gern unterſtüßt. Auch Friß und þeinrich (die andern Brüder, ſämmtlid Soldaten) find munter.

Wenn ſie mich beſuchen , muß ich

ſchon die Pferde für ſie ſatteln laſſen. Heinrich zeichnet ſich beſonders durch ſeine Fröhlichkeit aus.

Zu 3hrem Avancement zum þauptmann (im Landſturm ) gratulire ich von ganzem Herzen. Viel gäbe ich darum, wenn ich ſo beim Erer zieren der Kompagnie einmal Zuſdauer ſein könnte. Für mein Benehmen in der Schlacht von Görlden bin ich den

26. Mai bei der Parole öffentlich nebſt noch einigen Offizieren auf Befehl Sr. Majeſtät belobt worden, und für die Rettung eines demons tirten Sanons in der Solacht bei Baußen haben mich Se. Majeſtät

mittelſt kabinets- Ordre vom 27. Juni zum Ritter des eifernen Kreuzes ernannt. Ich habe hierüber eine recht herzliche Freude und wünſchte deshalb ſo gern nad Berlin zu kommen ." 3m Auguſt dieſes Jahres ließ ſich Repher in der Loge zu Brieg als Freimaurer aufnehmen. b. Von dem Waffenſtilſtande bis zum Soluß des Feldzuges 1813.

Die Zeit des Waffenſtillſtandes vom 4. Juni bis zum 17 ten Auguſt wurde von Preußen zu den großartigſten ferieg8 -Vorbereitungen

benußt, durch deren Vollendung es unter den ſchwierigſten Verhältniſſen recht eigentlich den Charakter eines feſtgegründeten , wohl gegliederten Militair - Staats bewährt hat. Nad Deſterreiche Beitritt zum Bunde blieb doch noch das kleine Preußen derjenige Staat, welcher die äußer

ften Anſtrengungen zum Kampfe gegen den Erbfeind deutſcher Unab hängigkeit gemacht hatte. Es lämpfte aber auch mit ebenſo bedeutenden

119 moraliſden unb intellektuellen als phyftichen Kräften und führte dadurch den hiſtoriſchen Beweis ſeiner vollen Ebenbürtigkeit in der Reihe euro päiſcher Großmächte.

Wie ſchwer es nun auch ſein modhte, Ruſſen, Preußen, Deſterreicher und Schweden zu dem einen großen 3 wed gemeinſchaftlich in Bes wegung zu feßen , ſo hatte man doch im Laufe des Waffenſtilſtandes

einen ädyt friegeriſchen Gedanken gefunden, der als Bindemittel durch alle Operationen dieſer verſchiedenen Nationalitäten und der räumlid)

getrennten Heere, nämlich der Haupt - Armee, Schleſiſchen Armee und Nord- Armee, burdiziehen ſollte und zwar den,

„ fid, in dem feindliden Lager das Rendezvous zu geben, indem „ alle Armeen dorthin die Offenſive zu ergreifen hätten ." Es kam nur darauf an , daß dieſer Vorſaß aud von tühnen und energiſchen Männern rückſichtslos auf politiſchem , wie auf ſtrategiſchem

und An taktiſchem Gebietzur Ausführung gebracht wurde. der Spiße der neu formirten Schleſiſ dyen

Armee war Blücher als Repräſentant des acht preußiſden National - Charakters

ganz der Mann dazu , und doch hielt man es für erforderlich, gerade ihm eine Beſdränkung aufzuerlegen , welche in folgender damals geheimen 3 nftruftion des Generals Barclay de Tolly vom 10 . Auguſt an Blücher ansgeſprochen iſt.

„ Da ein beträchtlider Theil der jeßt in Schleſien ftehenden Armee nach Böhmen marſcirt, und ich auf Befehl Sr. Raiſerlichen Majeſtät

dieſer Armee folge, ſo haben unſere beiderſeitigen Monarchen beſchloſſen, die fämmtlichen alliirten Truppen , welche in Sdleſien zurückbleiben, dem ſo vielfach bewährten Kommando Em . Excellenz zu übertragen.

Indem es mir zum beſonderem Vergnügen gereicht, ſolches Ew. Excellenz hierdurdy offiziell anzuzeigen, füge ich zugleid; eine detaillirte Liſte derjenigen Kaiſerlich Ruſſiſchen Truppen bei , welche durch dieſen Allerhöchſten Willen unter das Kommando Ew. Ercellenz kommen, mit einer Anmerkung, wo ſich dieſelben jetzt befinden. Zugleid) halte ich es für Pflicht, Ew. Excellenz hierbei eine Haupt-Ueberſicht über das

Gange der Operationen , wie folche durch unſere Monarchen in Uebereinkunft mit Sr. Majeſtät dem Kaiſer von Deſterreich und dem

Kronprinzen von Sdweden beſd loſſen ſind, mitzutheilen , und Ihnen daburdy einen Leitfaden für die künftigen Operationen zu geben , durch welche Ew. Ercellenz Kriegserfahrungen gewiß dem Ruhm der Alliirten neue Lorbeeren zufügen werden. Die Hauptanlage aller unſerer Kriegøoperationen iſt die in Tradens berg zwiſchen unſeren beiderſeitigen Monarchen und dem Kronprinzen von Sdweden abgeſchloſſene Konvention , von der ich Ew. Excellenz

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hier eine Copie beifüge* ). Nach den Haupt- Ideen derſelben iſt der all gemeine Plan der Kriegsoperationen in Schleſien in folgender Art beſtimmt worden :

Die Schlefiſche Armee iſt beſtimmt, dem Feinde den größtmöglichſten Abbruch zu thun, wenn derſelbe ſich gegen die in Böhmen verſammelte Armee (baupt-Armee) oder gegen die des Kronprinzen (Nord- Armee) wenden foute ; fie muß jedoch zugleich ſuchen, einer Schlacht gegen einen überlegenen Feind auszuweichen .

In dieſer Hinſicht iſt es durchaus nothwendig, daß die in Schleſien

zurüdbleibende Armee ten Feind durch ihre Avantgarde und alle ibre leichten Truppen beſtändig zu harceliren ſucht, um ihn

nie aus den Augen zu laſſen , damit derſelbe uns nicht einen Marídı gegen Sadſen abgewinnen fann ; jedoch muß ſich das Hauptkorps nie in eine Solacht mit einem überlegenen Feinde ein Lafien .

Sollte im Gegentheil der Feind mit ſeiner Bauptmacht gegen die

ſchleſiſche Armee vordringen, ſo muß fich ſolche, ihn ſo viel als möglich aufhaltent, gegen die N eiße repliiren , und einer Schlacht mit einem überlegenen Feinde ausweichen. Das Korps des Generalieutenants

Saden würde bei dieſem Marſch fich längs der Oder ziehen und durch einen Theil ſeiner leichten Ravallerie auf dem rechten Ufer der Ober, die Kommunifation mit der polniſchen Armee zu erhalten ſuchen.

Das iegt bei Landshut ſtehende Korps , das nach den Umſtänden zu verſtärken wäre, zöge fid), um die Rommunitation mit der böhmiſchen Armee zu erhalten , hart länge den Gebirgen in der Direktion gegen Glaß. Die Feſtungen in Schleſien müſſen ſchon vorher mit den ge hörigen Garniſonen , größtentheils aus Landwehr beſtehend , verſehen werden. Die Hauptforce würde ihre Direktion gegen Neiße nehmen, und in dieſer Feſtung und in dem verfdanzten lager derfelben, welches in Stand gelegt werden muß , einen neuen Stüßpunkt finden , während in dieſem Fall die Armee von Böhmen und die des Kronprinzen ron Schweden im Rüden des Feindes operiren würden.

Sollte der Feind dagegen ſeine Hauptmacht nach Sachſen oder der Mart wenden , ſo iſt es nothwendig , daß die Armee in Schleſien gleich offenſiv vorgehe. Das Korps von Landshut, das man noch verſtärken könnte, würde

alsdann durd ſchnelles Vordringen länge dem Gebirge nad Mart Liſſa zu , die feindliden Fortifikationen umgehen , während die Haupt force gegen Goldberg und General Sađen , wenn ein ſtärkeres Halten des Feindes am Bober und an der Queis nicht deſſen Vereinigung mit *) Siehe Beißeft zum Militair Wochenblatt für 1859, Gefðiøte der Nord - Armee im Jahre 1818 .

Erftes Seft Seite 55 und ff.

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bem þaupttorp8 erfordert, gleich mehr rechts , in forcirten Märſdien, zwiſchen Bunzlau und Sagan gegen Großenhayn vorbringt, und durch ein ſtarkes Ravalerie - Detachement die kommunikation mit dem fron

prinzen von Schweben zu eröffnen ſucht.

Eine gleiche Offenfive für die Hauptforce und für das Korps von Landshut findet ſtatt, wenn der Feind ſich gegen den Kronprinzen von Schweden mit ſeinen Hauptkräften wenden ſollte; denn alsdann müſſen wir unſere Hauptmacht an der Elbe konzentriren und gerade auf den Rüden des Feindes , die Hauptmacht auf dem linken und die Armee von Schleſien auf bem rechten Elbufer , marſchiren. Das Rorps von Saden aber , und vorzüglich deffen fämmtliche Havallerie , würde in dieſem Falle mehr in der Richtung von Berlin marſchiren, und mit der Sollte der größten Force gegen den Rüden del Feinde agiren.

Feind fich gegen die Elbe zurüdziehen , ſo muß Glogau fogleich durch Landwehrtruppen berannt und Anſtalt zu beffen Belagerung ſchleunigft getroffen werden.

Da es für die Armee von Scleſien von der größten Wichtigkeit ift, beftändig Nachrichten vom Feinde zu haben, ſo iſt, bei der großen

Menge leichter Ravallerie, derſelben die Errichtung von Partiſanforp8 höchſt nothwendig. Der General-Major Lanstoy wirbe dabei mit

ſeinem Kavallerie - Detaſchement gute Dienſte leiſten können ; auch die Oberſten Rahmanoff und Figner bei dem Sadenſden forp8 , unt

der General- Major Rayfaroff auf dem linken Flügel, da er früher in dem Gebirgen gedient, würden dazu mit Vortheil zu berufen ſein. Dies ſind die nach den Anſichten unſerer Souveraine entworfenen Hauptideen des Opérationsplaner für die Armee in Sales

fien. Ew. Excellenz ſo bekannte Kriegserfahrung und Einſicht wird dies ſelben den Umſtänden anpaſſen und nach den Operationen des Feindes

modifiziren. Es wird dabei zu wünſchen ſein , daß eine genaue und ſdnelle Rommunikation mit der Baupt-Armee in Böhmen und der pol

niſchen Armee etablirt werde ; 'die erſtere tönnte über Trautenau gehen, mo ſie von meiner Seite auch angeordnet werden wird. Ebenſo würde es gut ſein , ſoviel als möglich eine ſchnelle Kommunitation mit dem Kronprinzen von Schweden zu eröffnen.

Aud iſt zu wünſchen, daß bei dem Anfang der Feindſeligkeiten der Feind uns nicht das neutrale Gebiet abgewinne , und des wegen muß die Nacht des leßten Tages des Waffenſtilſtandes, d. h. vom 16. zum 17. Auguft nach Mitternadit, oder bei irgend einer offens fiven Bewegung des Feindes , das Korps des Generale Saden Breslau beſeßen und ſeine Avantgarde bis Neumarkt marſchiren, während die Rorps von York und Langeron ſich bei Strigau fonzentriren und ihre Avantgarden bis Sauer vorſchieben. Das Korp8 bei Landshut hat

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gleichzeitig ſeine Bortruppen nach Boltenhayn und Schmiedeberg bie Hirſchberg zu pouſſiren .“ Hauptquartier zu Reichenbach den 10. Auguſt 1813.

gez. Barclay de Tolly.

Eine Beſchränkung auf die Defenſive war zu ſehr bem Charakter Blüchers entgegen , als daß dieſer eine ſolche Operations Beſtimmung ohne Widerſpruch hätte annehmen können. Er erklärte dem General Barclay de Tolly , den Oberbefehl über die ſchleſiſche

Armee nur unter der Bedingung führen zu wollen , wenn ihm ges ſtattet werde , den Feind , wann und wo er es für nothwendig halte, angreifen zu dürfen . Dieſe Bedingung wurde ſtillſdyweigend, vielleicht

auch als ſelbſtverſtändlich zugeſtanden, da die allgemeine Inſtruktion den Waffen - Erfolg , ſei es nun in der Defenſive oder in der freigewählten Offenſive, nicht ausídloß.

Die Truppen, welche zur Formation der ſchleſiſchen Armee beſtimmt wurden, waren :

1. Das Morps des Generallieutenants v. Yort , mit 44 Bataillons,

44 Eskadrons, 106 Geſchüßen, zuſammen 37,000 Mann und zwar beſtehend aus : der 1. Brigade Oberſt v. Steinmet , 2. 7. 8.

General-Major Brinz Karl von Medlenburg, S

General Major v. porn ,

General.Major v. þüner bein ,

• Reſerve-Ravalerie Oberſt v. 3 ürgaß , Reſerve- Artillerie Oberſtlieutenant Schmidt.

Die Reſerve- stavallerie, in welcher ſido Oberſt v. Rapeler befand, beſtand aus :

dem

DragonerDragoner

dem Brandenburgiſchen Ulanen-Regiment Dftpreuß. National-Raval .- Regiment

Dberſt v . Kaşeler ,

dem 5. Schleſiſchen Landwehr -Raval .-Regiment)

Major

S

7. Sclefiſchen Landwehr- Stavad.- Regiment v. Bieberſtein . Neumärtiſchen Landwehr -Stavad .- Regiment)

2. Das ruſſiſche Korps des Generalieutenants v. Saden , beſtehend aus dem 11. Infanterie - Korps und dem Kavalerie - Korps des

Generalieutenants Waſſiltſ ditoff , zuſammen 18 Bataillone, 30 Estadrons Linien - Savalerie, 11 Rojaden - Bulle, 60 Geldüße, c. 16,000 Mann. 3. Das ruſſiſche forps des Generals der 3nfanterie Grafen lan

geron, beſtehend aus 4 Infanterie - Korpe (dem 6ten , Sten, 9ten,

123 und 10ten ), und dem 1. Ravallerie Korps des Generallieutenants

v. Roriff, der Reſerve-Artillerie und 13 Rojaden - Bulte, zuſammen

67 Bataillone , 41 Estadrons, 13 Roſaden - Pults , 176 Geſchüße 43,000 Mann.

Graf Langeron führte perſönlich 47 Bataillone, 10 Estabrons und die Reſerve-Artillerie ; - den übrigen Theil, 20 Bataillone (das 8 . Rorp), 31 Estabrons und 26 Geſchüße oder 12,000 Mann, tominandirte

General Graf Bahlen als Seiten - Rorp8 im Gebirge bei Landshut. Die ſchleſiſche Armee zählte alſo im Ganzen : 129 Bataillone, 115 Estadrons, 24 Roſaden - Pulte, 342 Gefüße oder c. 98,000 Mann.

Die Formation und Drganiſation des Blüderfden Hauptquartier hatte ihre Stärke und Sicherheit in der glüdlichen

Auswahl der Perſönlichkeiten, welche ſich gegenſeitig ergänzend, in voller Uebereinſtimmung für ein und benfelben Zwed, die zuverläſſigen Stüßen ihres Generals en chef wurden. Es wird dieſe Bedingung zu allen

Zeiten für die Zuſammenſeßung eines großen Hauptquartiers maßgebend bleiben müſſen , - und mit je richtigerm Tatt barin verfahren wird,

mit um fo größerer Freiheit wird die rein formelle Organiſation behandelt werden dürfen. Alle äußeren Anordnungen werden fid in einer ſpätern

Zeit nie genau auf diefelbe Weiſe wiederholen können , weil eine jede Kriegdepodje ihren eigenthümlichen Charakter hat, alſo auch berechtigt ift, ihre ſpeciellen Forderungen an den ganzen Dienſtbetrieb des Haupt quartiers geltend zu machen.

Blücher fam feiner ganzen Umgebung mit dem vollſten Vertrauen entgegen . Auch ließ ihn fein klares, beſtimmtes Urtheil über einen jeden Einzelnen , - 1o wie der Maaßſtab energiſcher Thattraft, den er aus

ſeinen eigenen Charakter ſchöpfend , überall anzulegen wußte, - ſehr bald erkennen, daß ſein Bertrauen gerechtfertigt ſei, und von dem Augens blid ſtand es im Glüd wie im Unglüđ unerſchütterlich feſt. Er for derte das ödſte der Leiſtungsfähigkeit und Reiner der Offis ziere ſeines þauptquartiers iſt je hinter dieſer Anforderung des vers ehrten Feldherrn zurüdgeblieben . Daß der Dperationsplan , mit den durch die tägliche Situation be

dingten Modifikationen , nur in dem vertrauten Streife breier Männer, näm lich von Blücher allein mit Gneiſenau und Müffling, beſprochen und feſtgeſtellt wurde, ſicherte bas nothwendige Geheimniß über denſelben,

und in Folge deſſen auch ſeine Ausführung in der einmal angenommenen Richtung. Es war gewiß ein ſehr glüdlicher Umftand, daß Blücher, nad der ganzen Natur feines Charaktere, andern Rathgebern als denen , welche durch ihre dienſtliche Stellung zu dieſer Funktion berufen waren,

nicht zugänglids blieb , und dadurch nie Verwirrung in der Armee

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führung entſtehen fonnte , welche ſonſt, bei entgegengeſeßten Einfluffen auf den General en chef, unvermeidlid iſt.

Die Befehlsertheilung aus dem Hauptquartier an die drei Rorps kommandeure zeichnete ſich durch Kürze, Beſtimmtheit und Klarheit aus. Alle Dispoſitionen Blücher aus jener Zeit ſind ein Muſter an Form und Inhalt, da fie, von ächt militairiſchem Geift getragen , ſtet8 nur den Krieg 83weď im Auge hatten , d. h. fich weder

in theoretiſchen Betrachtungen ergingen , noch den Selbſttäuſchungen hingaben.

Offiziere , von den verſchiedenen Korps täglich in das Haupt quartier entſendet, vermittelten die fichere Ueberbringung der Befehle, welche fie Abende nach Eingang der Nachrichten und Meldungen über

den Feind empfingen , oder auch an beſtimmten vorwärts gelegenen Buntten früh Morgens von dem General d. Gneiſenau einholten , während die Storps auf ihren Rendezvous fidh ſammelten und dort zur weitern Berfügung bereit ftanden. Die drei Korps blieben dadurch fortwährend in der Hand des Generale en chef, der ſie auch bei dem raſchen Wechſel der Sachlage ftets mit Sicherheit führte. Sene Dr donnanz - Offiziere brachten auch einen Rapport darüber in das Haupt

quartier, was man unabhängig von vorangegangenen Meldungen , im Ganzen in den leßten 24 Stunden vom Feinde wahrgenommen , und was überhaupt vorgefallen war. Sie waren inſtruirt, wo ſie in der

Nacht die Korp8 - Rommandeure wiederfinden könnten. Befehle aus dem þauptquartier , für einzelne Detafdements beſtimmt, gingen durch die betreffenden Armee-Rorpe an dieſelben. Eine direkte Ueberſendung „um Zeit zu erſparen," war eine Ausnahme von der Regel, und wurden die Korps-Kommandeurs dann ſofort von dieſer unmittelbaren Korreſpondenz in Kenntniß gefegt.

Blücher forderte , daß ſeine Dispoſitionen mit Geiſt, Selbſt ſtändigkeit und Entſchloſſenheit ausgeführt würden. Jede Verſäumniß in dieſer Richtung rügte er ſcharf. Fehlende Brüđen zu bauen , Com munikationen der Korps untereinander zu erhalten , hart am Feinde zu bleiben, energiſd) durch die Kavallerie verfolgen zu laſſen , ſah er al8 ſelbſtverſtändliche Dinge an , die keiner beſonderen Orbres aus dem

Þauptquartier bedürften. Namentlich war es die raſtloſe Verfolgung des geſchlagenen Feindes , die ihm ſo wichtig erſdien , daß er dabei die äußerſte Anſtrengung von den Truppen aller Waffen ver langte. Denn, - äußerte er - ,,bei der Berfolgung eines fliehenden Feindes, den jede Stunde durch Gefangene und Marobeurs ſchwädyt, kommt

es gar nicht darauf an , mit geſchloſſenen Brigaden oder geſchloſſenen Bataillons und Eskadrons zu marſdiren. Was zurüd bleibt , bleibt

zurüd und muß nachgeführt werden . “

125

Sobald die Bataillone fich ſchwächen , kann man auch Offiziere

entbehren, und daher zuritdlaffen . An die Klagen der Kavallerie muß man ſich nicht fehren, denn wenn man ſo große Zwede als die Vernich

tung einer ganzen feindlichen Armee zu erreichen vermag, ſo kann der Staat wohl einige hundert Pferde verlieren , die aus Müdigkeit fallen ." Die Marſd - Dispoſitionen wurden von Tage zu Tage auss

gegeben , weil ſie durch die täglichen Situationen des Feindes bedingt waren . Auf mehrere Tage hin konnten ſie nur außerhalb der unmittel

baren Berührung mit dem Feinde angeordnet werden. Die Korp8 mußten immer in mehreren Parallel - ftolonnen marſchiren, um die Tiefe derſelben zu verringern, und die raſchere gegenſeitige Unterſtüßung der Truppentheile zu ermöglichen. Zur Zurüdlegung weiter Marſch Diſtanzen wurde um 5 Uhr früh aus den Bivouats aufgebrochen , bis 10 und 11 Uhr Vormittags marſchirt, dann gehalten , abgekocht und gefüttert. Gegen 3 Uhr Nachmittags traten die Truppen abermals an , um bis 7 und 8 Uhr Abends den Marſd fortzuſeßen. Sollten die Sorps aber vor dem Marſch abkochen, ſo wurde es befohlen : ,,Die Rorps fodien morgen früh ab , ſo daß fie um 10 Uhr mar ſchiren können.“ Es wurde in der Regel bivouatirt. Erlaubten die Verhältniffe,

daß ein Theil kantonnirte, ſo gab Blüder den Befehl dazu ; – die Korps - Kommandeurs hatten hierin teine ſelbſtſtändige Wahl. Die Rorp8-Kommandeurs mußten täglich anzeigen, wo ſie ſich per

fönlich befänden , weil nur hierdurch die geſicherte Ueberbringung eines außergewöhnlichen Befehls möglich wurde.

Erläuterungen der Dispoſition , wenn ſie erforderlich wurden, theilte der Chef des Generalſtabes v. Gneiſenau den Korp8 - Roma mandeurs mit.

Die Vorpoſten , von deren Nachrichten die Dispoſitionen abhingen, hatten drei Mal zu melden, Morgene, Mittag8 und Abends ; beſonders wichtige Meldungen gingen ſelbſtredend ſogleid ab. Ausnahmeweiſe geſchah e8 , daß Blüder befahl :

„ Um Zeit zu gewinnen, melden die Avantgarden morgen unmittel „bar an mich und an ihre Morp8 - Rommandeurs ."

Auf das Nachrichtenfad legte man in dem Hauptquartier einen großen Werth. Oberſtlieutenant v. Dpp en leitete es auf die vortreff lichſte Weiſe. In Deutſchland fehlte es dem General nie an dynell und richtig expedirten Mittheilungen über den Feind.

Wie für gleiche Zwede der Dienſt in der Avantgarde des 1 . Korps durch Oberſtlieutenant v. Kaşeler gehandhabt wurde, werden wir ſpäter kennen lernen .

Die ununterbrochene Aufmerkſamkeit, welche ſowohl Brüder wie

Gneiſenau der Verpflegung der Truppen zuwandten und die Art

126

und Weiſe, in welcher fie barin von dem Ober-friegs -Rommiffair Rib bentrop unterſtüßt wurden, haben wir bereits nachgewieſen.

Das ſpezielle Geſchäfts- Verhältniß wurde jeßt auch in dieſer Beziehung auf folgende Art organiſirt:

Die Kriegs -Sommiſſarien der Brigaden mußten dem Ober-Kriegs kommiſſar Ribbentrop täglich des Abends vor der Retraite den Zuſtand der Verpflegung der Brigaden nachweiſen. Es geſchah dies nach einem einfachen Schema, in welchem die erforderlichen und die vors handenen Portionen und Rationen für den folgenden Tag balancirt

wurden , um darauf das Fehlende burch neue Anweiſungen erſeßen zu fönnen . Eine unterlaſſene Nachweiſung madte den Kriegs - Rommiſſair der Brigade verantwortlich für den dadurch etwa entſtehenden Ausfall in der Berpflegung der Truppen . Auf Grund dieſer Spezial - Nachweiſe erſtattete Ribbentrop dem General v. Gneiſenau täglich einen General - Rapport über den

bei den Truppen vorhandenen oder zu ergänzenden Verpflegungs Vorrath.

Der Erſatz wurde event. auf dreifache Weiſe bewirkt, nämlich : 1. Aus den hinter der Armee befindlichen Magazinen , die durch Requiſition gefüdt waren.

2. Oder indem die Ariegø - Kommiſſarien der Brigaden da , wo die Truppen ſtanden , auf den Gütern und in den Dörfern nachſehen ließen , ob und welche Borräthe an Getreide , ſo wie an andern

Lebensmitteln daſelbſt vorhanden ſeien , die ſie zum Bedürfniß der Armee verwenden konnten ; ſie durften diefelben dort gegen Quittung

entnehmen und daraus die Verpflegung beſtreiten. Das Magazin trat dann nur ergänzend hinzu. 3. Oder es ging - wenn dies ausführbar war — ein Proviantmeiſter den Operationen der Armee einen Tag voraus , ließ die Ver pflegungsbedürfniffe nad dem beabſidytigten þauptquartier durch landfuhren zuſammenbringen, legte nach Ankunft des Hauptquartiers dem Staatsrath Ribbentrop ſeinen Nachweis an geſammelten

Lebensmitteln und der Fourage vor, und auf dieſe Quantitäten erfolgte die Anweiſung für die verſchiedenen Brigaden.

Bei dem 2. Verpflegungs - Mobus waren die Krieg8 - Kommiſſaire berechtigt, von ihren Brigade-Chefe Exekutions -kommandos zu erbitten, wenn die geforderten Lieferungen nicht ſofort freiwillig durch die betref fende Civil-Behörde eingingen. Auf Befehl Blücher8 mußte außerdem der Soldat eine Reſerve an Zwiebad und Brod in dem Brodbeutel tragen – nämlich auf 3 Tage Zwiebad 3 Pfund auf 1 Tag Brod – 2 Bfund zuſammen 5 Pfund.

127

Ferner mußte den Truppen auf den reglementømäßigen Proviant Wagen als Reſerve nachgefahren werden : auf 3 Tage Zwiebad und 2

Prob .

Die Reſerve zum Aufladen auf die Wagen wurde aus den Vors

räthen gedect, welche die Civil - Behörden auf Requiſitionen geſammelt hatten. Die Reſerve für den Brodbeutel mußte aber immer zuerſt

gedeđt werden. Uuch ein Vorrath an Schladtvieh wurde ſucceſſive gebildet. Man bemühte fich, dieſen Viehſtand durd Ausſchreibung auf 4 Tage eiſern zu erhalten. Auf die Bildung einer mehrtägigen Reſerve an Reis, Salz, Mehl, Branntwein wurde gleichfalls ein großes Gewicht gelegt, ſo daß über deren Zuſtandekommen befondere Berichte gefordert wurden.

Was dagegen das Nachfahren des Rauhfutters anbetraf, ſo hielt man dieſe Maßregel nicht für praktiſch, weil ſie durch die vielen mitge nommenen Wagen den Troß außerordentlid vergrößere und dem Lande

die Mittel entziehe , Nadiſendungen von anderen Lebensbedürfniffen zu bewirken. Man glaubte Rauhfutter oder an deſſen Stelle Gras überal auffinden zu können. Hiernach erließ Ribbentrop aus dem Hauptquartier Strehlen

unter dem 28. Juli 1813 folgende Verfügung an die Kriegs- som miſſaire:

,,Da del Mönige Majeſtät die von mir vorgeſchlagene Berpfles

gung8 - Referve genehmigt haben , die Waffenruhe fich ihrem Ende nahet , und die Sorge für die Fortſchaffung dieſer Reſerve zu wichtig iſt, als daß ſie bis zum Beginn der Operationen verſchoben werden dürfte, ſo fordere ich Sie auf , über folgende Anſichten näher

nachzudenken , mit Ihrem vorgeſeßten Herrn General zu ſprechen , und demnächſt mir Ihre Meinung mitzutheilen , inmittelſt aber den ganzen Plan auf dem Bapier zu bearbeiten, und wenn die Truppen fich in Marſo reßen , von mir aber keine anderen Drbres gegeben ſind, bars nad zu verfahren .

1. Die Reſerve zerfällt mit Bezug auf die Fortſchaffung in 3 Abtheilungen : nämlich in a . diejenige , welche der Soldat in ſeinem Brotbeutel oder auf feinem Pferde mitnimmt; b . diejenige , deren Nachführung durch die Brigade - Striege - Roms miffarien angeordnet wird , und c. diejenige, die unter der Aufſicht des Proviantmeiſters ſteht, in den Reſerve - Magazinen niedergelegt iſt, und deren Nachfuhr alſo der Proviantmeiſter des Korps unter Leitung ſeines vors

gelegten dirigirenden Krieg 8 -Kommiſſairs beforgen muß.

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2. ad a. Þabe ich nichts weiter zu erinnern, als daß dasjenige, was der Soldat von der Reſerve verzehrt, aus den Brigade-Magazinen gleidh erſegt werden muß , und die , zur Nachfuhr der Brigade Magazine beſtimmten Fuhren , welche dadurch leer werden , zu andern Zweden - bei Bataillen zur Fortſchaffung der Bleſſirten – zu verwens bei der Ruhe zur þeranholung neuer Bedürfniſſe den find.

3. ad b . Jede Brigade muß eine vollſtändige Train -Kolonne haben , gleich viel, ob es eine Mehl- oder Brotwagen -Stolonne ift. Was dieſe nicht laden kann, muß durch Bauerfuhrwert, welches in Ro

lonnen zu 31 Fahrzeugen incl. eines Reſerve -Wagens formirt wird, fortgeſchafft werden. Eine jede folche Kolonne von Bauers fuhrwert wird mit Rommandirten eben ſo beſeßt, wie die Meblo

und Brodwagen - Stolonnen , und der Brigade. Chef muß dieſe Roma mandirten geſtellen laſſen . Thut er dies nicht, ſo darf er auch nachher nicht klagen, wenn die Transporte unregelmäßig ankommen, und ſeine Brigade dadurch Noth leidet. Auf jede folder Bauer-Kolonnen muß eine eben ſo ſtarke He ſerve von Anechten und Pferden gegeben werden , wie ſie die

Mehl- und Brodwagen-Kolonnen haben. Dieſe Reſerven ſind aus den fliegenden Pferde - Depots zu nehmen , deren Complettirung hoffentlich bald geſchehen wird. 4. Beim Uebergang in das feindliche Gebiet ſollen dieſe Bauer - fto lonnen durd) Fuhrwert, welche man von jenem nimmt, ausge

tauſcht werden. Dies läßt ſich jedoch nur dann bewirken , wenn man die Fahrzeuge mit vaterländiſden Train -Soldaten beſeßen kann. Sobald alſo die Offenſive eintritt, muß dieſer Austauſch auch verfügt werden, und es iſt jobann gleich auf diejenige Reſerve von vaterländiſchen Train -Soldaten zu recurriren, welche ich auf Grund der von den Herrn Kriege - Rommiſſarien zu erwartenden Berichte fordern und im Rüden der Korps aufſtellen laſſen werbe.

Die fremden Knechte halten nicht aus und ſuchen – beſonders bei einem Rüdzuge - mit Pferden und Wagen davon zu kommen. Man muß fie daber , ſobald es die Umſtände geſtatten , entlaſſen und eigene Train-Soldaten zu den Geſpannen geben. 5. Die Nachfuhr aus den Reſerve- Magazinen geſchieht durch das Fuhrwerf, welche die Gebiete auf den Etappenorten ſtellen müffen,

und der dirigirende Kriege - Rommiſſair beſtimmt die Etappenorte nach der Rüdſprache mit dem kommandirenden Perrn General. Dies Fuhrwert iſt nicht wie das Brigade - Fuhrwerk in Kolonnen

zu organiſiren , ſondern nur für die Zeit ſeines Gebrauchs unter Aufſicht zu ſtellen.

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6. Da endlich die Formation der Rorps und Brigaden feſtſteht, ſo kann ein jeder Brigade-Striegs-Rommiffair ſeinen Bedarf an Fuhrs werf nach den Säßen , daß ein vierſpänniger Bauerwagen 1200 Pfund ladet, angeben , und die dirigirenden Herrn Kriego - koms miffarien , welche ſich dieſe Eingaben fogleid). machen laſſen und nach vorheriger Reviſion zuſammentragen, ſchiden mir das General Tableau ein.

7. Auf Grund dieſes General - Tableaus werde ich gleich die Nummern der Rolonnen beſtimmen , und es müſſen dieſe auch in den künftigen Rapporten erſcheinen .

8. Die Verpflegung der Leute bei den Bauer-Kolonnen geſchieht wie diejenige bei den Mehl- und Brot- Wagen-Solonnen . Nur darf auf einen vierſpännigen Wagen nicht mehr als ein Fuhrmann

geduldet werden. Den Pferden iſt die leichte Ration zu geben, weil ſie dieſelben Dienſte thun , welche das übrige Fuhrwerk ver ridytet.

9, 3eded Rorps ſoll 2 Train - Kapitains erhalten , und ich werde in dieſen Tagen den Antrag zur Ernennung des 6. Train - ftapitains welcher dem 3. Armee -ſtorps fehlt, machen . Unter dieſe wird die Aufſicht auf das Fuhrwert getheilt , und unter jedem (? einem)

dieſer Train- Kapitaine ſteht das fliegende Pferdes Depot. 10. Das Fuhrwert , welches zur Bildung der Kolonnen bei der Bri gaben nöthig iſt, wird aus den Verpflegungo -Bezirken unmittelbar mit dem Eintritt der Bewegungen genommen, dynell formirt und mitgeführt. Somie ein Geſpann nach dem andern gegen fremdes Fuhrwerk ausgetauſcht werden kann, geht daſſelbe mit einem Baß des Rolonnen-Rommandeurs zurüd in das Vaterland. 11. Bon den Leuten und Pferden, die mitgehen und die in der Folge genommen werden, find die pünktlidiſten Stammliſten zu führen.

12. Hiernach fordere ich Sie auf, den Plan zur Bildung der Kolonnen zu bearbeiten und mir gegen den 4. f. M. ſpäteſtens vorzulegen, den Gegenſtand ſelbſt aber geheim zu halten , weil ich mit Recht fürchte, daß man dem Mitnehmen der Geſpanne große Hinder niffe in den Weg legen wird , benen id) durch Ertrahirung einer

Königlichen Ordre begegnen muß ."

Für den Beginn der Operationen erfolgte ebenfalls durch Ribbentrop aus dem Hauptquartier Fauer den 17. Auguſt folgender Berpflegung8- Plan für die Schleſiſche Armee :

, 1. Es iſt von mir bei der Regierung zu Frankenſtein die Ausſchreibung eines viermonatlichen Bedarfs für 120,000 Mann und 40,000 Bferbe in Antrag gebracht.

3ch habe über dieſen Bedarf in der Art

disponirt , daß die Summe für einen Monat für die currente Berpflegung bleibt, die Summe von 3 Monaten aber zu gleichen 9

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Theilen in die Feſtungen Schweidnig , Glaß , Neiße und Stofel niedergelegt wird. 2. Jeßt ſind wir zum Theil ſchon in dem Departement der Liegnißer Regierung , und dieſe kann aus den Kreiſen 3auer , şirſchberg, Liegniß, Goldberg, Steinau und lüben mit einem Bedarf auf 2

Monate zutreten. Rüden mir über die Grenze hinaus, jo fordern wir von dem Departement der Liegrißer Regierung auch noch den Bedarf für den dritten Monat.

3. Es werden 3 linien für die Magazine beſtimmt. Für das korps

Für das Korps

Für das Korps

8. Saden

v. Yort

v. fangeron

Boltenhayn Reichenbach Sdweidnig II. Linie : Neumarkt III. Linie : Breslau Dhlau Brieg 4. Die Feldbädereien werden in II . Linie placirt. I. Linie : Pardwiß

Jauer

5. Bei jedem Magazin wird ein Fuhrpark von 150 vierſpännigen Bauerwagen etablirt. Ueber dieſe Fuhrparts ſind Aufſeher zu be. ſtellen, welche das Fuhrwerk zu den beſtimmten Zweden anwenden.

In jedem Magazin wird ein Kommiſſair der Regierung, zur Leitung der Einlieferungen, Beſorgungen der Transporte u . geſtellt. 6. Jedes Magazin muß einen 6 tägigen Bedarf auf das ihm über wieſene Rorps eiſern unterhalten . Um die Berechnung abzukürzen,

wird feſtgeſeßt, daß für das Korps v. Saden / . für jedes der beiden übrigen Korp8 3/8 der Ausſchreibung beſtimmt bleiben . 7. Die Breslauiſche Regierung muß die erſte Einlieferung in die ge nannten neun Magazine bewirken, und kann ſie dieſelbe von dem zur currenten Verpflegung ausgeſegten monatlichen Bedarf nehmen. Sie muß ferner ihre eiſernen Beſtände in den Magazinen ercl.

Sauer unterhalten und jene à conto der currenten Verpflegung. 3ſt der dazu gefegte Betrag abſorbirt, fo läßt ſie aus den Feſtun gen nachſchieben. 8. Da Schweidniß unter die Feſtungen begriffen iſt, in welde eine bedeutende Einlieferung geſchieht, welche nidit zur currenten Ver pflegung gehört , ſo kann , wenn die Fälle dringend werden , aus dieſer nach den Magazinen der I. Linie gleichfalls nachgeſchoben werden.

9. Bebem Rorps werden ſeine eigenen Magazine überwieſen. Die bei dem Korpe befindlichen Rommiſſarien disponiren darüber und erhalten auch die Rapporte zugeſchidt. Die Duplitate der Rap porte gehen an die Breslauiſche Regierung , die Triplitate er warte ich.

10. Die currente Verpflegung wird aus der Gegend, wo die Armee ſteht, direkt aus den Magazinen der I. linie genommen .

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11. Ich werde zu dem Ende, ſobald die Repartition der Breslauiſchen Regierung eingebet , jedem Korp8 ſeine Quoten überweiſen, und es bleibt denſelben überlaſſen, ſolche direkt einzuziehen oder an die Magazine zu verweiſen. 12. Da für das Preußiſche Korps auf acht Tage Zwiebad vorräthig iſt, dieſer Borrath aber bis auf 10 Tage gebradt und eijern

unterhalten werden ſoll, ſo ſind die Zwiebadbädereien fortzuſeßen. Der ganze Borrath an Zwiebad wird in Schweidniß niedergelegt, von wo das Korps ihn einziehen kann .“ Wir wenden uns nun zu den Operationen ſelbſt, um hier wieder

die ſpezielle Thätigkeit des Oberſten v. Kaşeler , und ſeines Adjutanten, Lieutenants Rewher, herauszuheben.

Generallieutenant v. Saden ſtand mit ſeinen Korps zwiſchen Hundsfeld und Breslau auf dem rechten Oder -Ufer ; 9 Roſađen Pulfe c. 3,700 Pferde bildeten einen Kordon auf dem rechten Oder-Ufer zwiſchen Breslau und Steinau , während ftromabwärts bei Bolniſch - Lifía General

Landsfoy mit 4 Kavalerie - Regimentern c. 2,200 Pferden poſtirt war. General-lieutenant v. Yort lagerte mit den 4 Brigaden ſeines Korp8 bei Wernersdorf, nördlich von Zobten. Die Reſerve - Ravallerie und Reſerve - Artillerie fantonnirten in den hinter der Infanterie gelegenen Dörfern. Die Borpoſten ſtanden von Kanth bis zur Ober , dicht an der Demarkations - Linie .

General der 3nfanterie Graf Langeron hatte ſein Korps bei Jauernic zuſammen gezogen , mit General Pahlen bei Landshut, und die Vorpoſten ebenfalls an der Demarkationslinie entlang vom Gebirge bis Ranth hin aufgeſtellt, dort im Anſchluß an die preußiſden Borpoſten.

Die diesſeitige Demarkation 8 - linie nahm am Gebirge bei Landshut ihren Anfang , folgte dem Bober bis Rudelſtadt, leßte ſich von hier über Boltenhayn und Striegau bis nach Kanth an dem Strie

gauer- Waſſer fort, und erreichte über Oltaſchin das linke Oder -Ufer. Die jenſeitige Demarkations - Linie durchſchnitt von der böhmiſchen Grenze her Sdreiberhau , Reibniß , ging den Bober entlang bis Lähn, und dann über Neukirch an der Kabbach bis zur Ober.

Das zwiſchen beiden Linien gelegene neutrale und deshalb von teiner Seite zu befeßende land umdoloß aud die Stadt Breslau. Der ſchleſiſden Armee gegenüber befanden ſid die franzöſiſchen

Rorps in folgender Stärke und Aufſtellung : 1. Auf dem redten Flügel das 11. forp8, Marſhall Macdonald, 38 Bataillone 11 Estadrons, 44 Geſchüße oder 24,000 Mann, bei Friedberg, Lähn, Löwenberg und Greiffenberg. 9*

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2. 3m Centrum das 5. Rorps, General Graf Lauriſton, 37 Bas taillone, 2 Ravalerie- Regimenter, 52 Geldjüße ober 38,000 Mann, von Goldberg bis baynau.

3. Auf dem linten Flügel das 3. Korps, Marſdal Ney , 63 Bas taillone, 10 Eskadrons, 94 Geſchüße oder 40,000 Mann, von Lieg niß über Bard)wiß bis Steinau an der Oder , und dahinter bis

Lüben . Dazu das 2. Kavallerie-Korps unter General Seba ſtiani, 52 Eskadrons und 24 reitende Geſchüße oder c. 10,000

Pferde. Eé marſchirte gegen Ende des Waffenſtilſtandes von Frei ſtadt nad Liegniß.

4. In 2. Linie das 6. Korp8, Marſchau Marmont , 42 Bataillone,

8 Eskadrons, 62 Geſchüße oder 27,000 Mann um Bunzlau. Wenn vollzählig , ſo würden dieſe Korpå eine Geſammtſtärke von c. 140,000 Mann mit 276 Geſchüßen erreidt haben. Es fehlte aber über

dieſe Streitinaſſe der Oberbefehlshaber. Erſt ain 15. Auguſt ernannte Napoleon aus Dresden den Marſdall Ney dazu , der hierdurch

erſt nach dem Beginn der Feindſeligkeiten in Funktion trat. Am 10. Auguſt wurde von den Alliirten der Waffenftillſtand

aufgefündigt; am 12. unterzeichnete der Kaiſer von Deſterreich die Kriegserklärung; am 17. Augnſt durften die Feindſeligkeiten beginnen. Als jedoch Blücher am Abend des 13. Auguſt die Melrung erhielt, daß einige franzöſiſche Abtheilungen zum Zwed des Fouragireng das

neutrale Gebiet betreten hätten, zögerte er nicht, zum Schuß der Ein wohner, dieſes Gebiet ſchon am 14. oftupiren zu laſſen . Am 17. Auguſt

ſtand Saden bei Kloſter Wahlſtadt, York hinter Jauer , Langeron bei Bolkenhayn und Bahlen bei Hirſchberg.

Da das zu stapelers Brigade gehörende Brandenburgiſche Ulanen Regiment zur kombinirten Avant - Garde des Korp8 von York abkom mandirt war, welche Oberſtlieutenant v. Pobenthal fommandiren ſollte,

ſo nahm Oberſt v. Saßeler hieraus Veranlaſſung, fid mit ſeinem

Adjutanten Lieutenant Revher auch zur Avant-Garde zu begeben, mit der er am 14. Abends das lager von Mertſchüß bezog und am 15. der Retrgnoszirung beiwohnte, welche Oberſtlieutenant v. Lobenthal mit der Avant - Garden - Ravallerie ausführte. Am 16. Auguſt marſcirte die Avant - Garde burd Sauer in ein Lager bei Betermiş ; am 17. nad

Seichau, wo ſich die Reſerve-Kavallerie mit ihr vereinigte, und in Folge deſſen Oberſt v. 3ůrgaß den Oberbefehl übernahm. Auf das Gerücht, der Feind habe die Maßbach verlaſſen und den

Nüdzug nach Sachſen angetreten , ging die preußiſche Avantgarde unter der perſönlichen Leitung Gneiſena us an dieſem Tage auch von Seichau gegen Goldberg weiter vor, und ſtieß hierbei ein Theil derſelben vor den Dörfern Häniden und Laønig auf feindliche Vorpoſten, die nady

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Rödhlig hin zurüd getrieben wurden , woſelbſt es zu einem ſtehenden Gefedit fam. Da ſich aber unterdeſſen jenſeit der Maßbach auf den Söhen von Roſenbau zahlreiche feindliche Ravallerie und Infanterie entwidelte und ſich jenſeits Prausniß herausſtellte, daß auch Goldberg noch beſeßt ſei, ſo kehrte die Avantgarde wieder hinter Seidau nach den Anhöhen von Hennersdorf zurüd. Die Vorpoſten blieben aber näher am Feinde fteben.

Die Ravallerie Saden8 fand auf dem rechten Flügel , von

Kloſter Wahlſtadt aus, daß ſich der Feind auch noch bei liegnig befinde. Auf dem linken Flügel meldeten auch Langeron und Bahlen, daß der Feind Liebenthal und Friedeberg noch nicht verlaſſen habe. Adrin in der Nacht vom 18. Auguſt trat der Feind den Nüđzug von der Ragbad in der Riditung auf Haynau und Löwenberg an.

Obidon v. Kaşeler , wie wir ſagten , in dieſem Augenblid nicht Führer der Avantgarde war, jo ließ die Situation ihm doch keine Rube ;

er mußte vorwärts an die Tete fommen. Wie dies heute geſchah, er fahren wir aus ſeinem Tagebuch, welches Reyher , eigenhändig führte. v. Kaşeler läßt nämlid) über die Ereigniſſe des 18. Auguſt Fol gendes foreiben.

„ Als ein von Jugend auf bei der leichten Ravallerie geſtandener Offizier, der immer gern die Stellung und Bewegungen des Feindes ſo viel wie möglidy im Auge behält, wurde ich am 18. d. Mts. der anlaßt mit Genehmigung meines Brigade- Chefs (v. 3ürgaß vorzu reiten, und zugleich außer dem obigen Zweck beim Ueberſchreiten der Vor. poften auch die Chaine zu refognosciren. Als ich vor Röchlik tam, wo der Major v. Wulffen vom brandenburgiſchen Ullanen - Regiment den Abend vorher ein fleines Gefecht gehabt hatte, fand ich dieſen Ort vom Feinde verlaſſen , und aus mehreren Zeichen fonnte ich mit Gewißheit ſchließen , daß er ſich nicht nur von hier, ſondern auch aus ſeinem Lager bei Goldberg zurüdgezogen haben müſſe. Schritt alſo in Begleis tung meines Adjutanten und einer Ordonanz mit der nöthigen Vorſicht auf Goldberg, wo ſich dann meine Muthmaßung beſtätigte " Un General yort meldete sta peler : „Da ich bei meinem heutigen Vorreiten die Beftätigung erhielt, daß

der Feind Goldberg verlaſſen habe, ſo mußte ich natürlich vorausſeßen, daß es Em . Ercellenz von der größten Wichtigkeit fein würde, beſtimmt zu wiſſen, wohin ſich derſelbe zurüđziehe.

Um dies zu erfahren, durfte ich keine Zeit verlieren, und hoffe das her, Em. Excellenz Verzeihung zu erhalten, wenn ich heute in das Rom

mando des Oberſtlieutenants v. lobenthal einen kleinen Eingriff gemacht und die Spiße der Avant-Garde geführt habe."

Die nädöſten Truppen, welche nämlich Raßeler auf ſeinem Ritt zur Dispoſition fand , waren 2 Eefabrons des brandenburgiſchen Ulanens

134

Regiments unter Major v. Schierſtädt, gefolgt von 6 Eskadrons

und 2 reitenden Geſchüßen unter Major v. Stutterheim. Es war dies die Tete der Avant- Garde, welche v. 3ürgaß auf die Nachricht, Goldberg fei verlaßen , ſogleich dorthin in Marſch gefeßt, während er gleichzeitig an yort gemeldet hatte :

„ Der Feind bat Goldberg verlaſſen und zieht ſich zurüd. Der Oberſt v. Kaşeler iſt mit dem brandenburgiſchen Ulanen - Regiment vorgerügt, und ſchiebt Patrouillen vor, um genaue Nachrichten über den Marſch des Feindes einzuziehen. Zu ſeiner Unterſtüßung babe id) das Litthauiſche Dragoner - Regiment von Seidhau nach Goldberg zu bis Röchliß und Prausnig vorrüden laſſen. Ich erwarte Ew. Excellenz Befehle. Nad der Gegend von liegniß hin ( es war bei Steubniß ) hört man eine Kanonade.“

Ataşeler paſſirte mit der Ravallerie Goldberg, dlug von hier bie Straße nach Löwenberg ein , erreichte die Höhen von Hermsdorf und

Pilgramsdorf und traf daſelbſt auf die 2 bis 3,000 Mann ſtarke feinds liche Arriere- Garde. Reyher mußte dies ungeſäumt ſowohldem Oberſten v. 3ürgaß wie den Generalen Blüder unb yort ſdriftlich melden, Kapeler , rajdy und weit vorausgeeitt , fand ſich dieſer Arriere-Garde ganz ifolirt mit der preußiſdien Savallerie gegenüber. Er ließ aber die franzöſiſche Infanterie unaufhörlich mit kleinen échelons angreifen,

brachte ihr Berluſte bei und machte 3 Offiziere und 50 bis 60 Mann zu Gefangenen. Nachdem man auf dieſe Weiſe Bilgramsdorf pafſirt hatte, legte fidh der Hahn - Wald bis auf eine halbe Meile quer über

die Straße , für die Kavallerie ein ungünſtiger Umſtand.

Kaşeler

berichtete darüber :

Da aber die diesſeitige Infanterie noch weit zurüd war und bei dem Verſud ), fie beranzuholen , dieſelbe Dod) jedenfalls zu ſpät ges tommen wäre, fo traf ich meine Sicherheits-Maßregeln und folgte, oba don man dies ſonſt nicht thut , mit der Kavallerie in den Wald. Es gelang uns , bis Lauterſeiffen vorzubringen , ohne mehr als 2 Bleffirte zu verlieren. Vor lauterſeiffen machte der Feind mit etwa 5 Estadrons und einem Bataillon 3nfanterie Front , wahrſcheinlich um die große

Menge Schlachtvieh, welche er nach Ausſage der Einwohner mit ſicy führte, einen Vorſprung gewinnen zu laſſen. Dbgleid) er meine Stärke nicht überſehen konnte , ſo wagte er e8 body, midy am Ausgange des Walder mit ſeiner Kavallerie und Infanterie anzugreifen. Dadurch aber verſchaffte er mir nur die wilfommene Gelegenheit, die Contenance

meiner Untergebenen zu prüfen. Ich ließ die Kavallerie überraſchend zum Gegenangriff hervorbrechen. Das Gefecht fiel ganz zu unſerem Vortheil aus. Die Eskadrons ſchlugen ſich brav. Der Feind wich unter Berluſt zurüd. 3ch machte wieder Dffiziere und Gemeine zu Gefangenen."

135

Während bie preußiſche Avant- Garden - Stavallerie auf dieſe Weiſe

erfolgreich vordrang, waren ſchon aus dem Bauptquartier die erforder lidhen Befehle für den Vormarſch der ganzen ſchleſiſchen Armee ausgegeben worden.

In der Vorausſeßung , daß der Rüdzug der Franzoſen fortdauern werbe , wurde den einzelnen Korp8 nur die Richtung vorgeſdrieben , in

welcher fie nach Möglichkeit, den Feind hart verfolgend , vorbringen follten. Abende mußten ſie melden, bis wohin ſie gelangt ſeien . Stieß ein forps auf den Feind , ſo ſollten die andern Korp8 ihren Marſch

gleichwohl fortſeßen , um den Feind zu umgehen und beziehungsweiſe in Flanken und Rüden anzugreifen. Demgemäß erhielt das Korps von Saden die Direktion auf der nördlichen Straße über Liegniß und Haynau auf Bunzlau , – das Korps von yort auf der mittleren das Korps Straße über Goldberg und löwenberg auf Naumburg , von Pangeron auf der ſüdlichen Straße von Schönau , Löwenberg recht8 lafſend, auf Lauban. Weiter links follte Graf Bahlen von

pirſchberg über Friedeberg auf Dark -Liffa vorgehen. Ueber den Bereich der forps hinaus mußten Bartiſans, der ruffiſde General Raifaroff und die preußiſchen Majors v. Boltenſtern und v. Faltenhauſen, den Feind aufſuchen und umſchwärmen. Dieſer Befehl Mittag ausges geben , führte zu Märſchen bis tief in die Nadyt hinein.

Das Groß der Uvant - Garde Yorks , in Verbindung mit der Reſerve-Kavallerie, erreichte Goldberg , ſtieß aber hier auf die ruſſiſche Avant - Garde des Rorps von langeron , welche ebenfalls die Straße von Goldberg nach Löwenberg benußen wollte. Oberſt v. Jürgaß verließ deshalb dieſe Straße und wandte fich vorläufig nördlich , von Goldberg nady Seiffersdorf und Adelsdorf. Hier blieb die Avants Garbe mit Eintritt der Dunkelheit ſtehen , und die Reſerve , Kavalerie

bezog ein Bivouat bei Seiffersdorf, unter dem Schuß der Infanterie bei Adelsborf.

Sageler , mit ſeinem Vortrupp vollſtändig von dem Gros der Avant- Garde getrennt , ließ bei Pauterſeiffen von dem Feinde ab, ftieſ auf ſeinem Rüdmarſch auf die ruſſiſche Avant-Garde Langerons, ver einigte ſich bei Bilgramsdorf wieder mit dem Soutien unter Major

v. Stutterheim und gelangte ſpät in das Bivouat der Reſerve- Sta . valerie bei Seiffersdorf, während Major v. Stutterheim fic dem Oberſtlieutenant b. lobenthal bei Adelsdorf anſchloß.

York hatte das Gros ſeines Rorpo um Mittag aus dem Lager von Jauer aufbrechen laſſen und bivouatirte die kommende Nacht über bei Goldberg, mit Vorpoſten weſtlich der Stadt bei Hermsdorf. Golba berg wurde befeßt.

Saden beſtand bei Steudniß ein günſtiges Gefecht und lagerte am Abend öſtlich von baynau.

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Langeron tam bie Schönau. Da beffen Avant-Garbe unter Ge

neral Rudzewitíd auf die Goldberg-Löwenberger Straße übergetreten war , hier nody bei Lauterfeiffen dem zurüdgebliebenen Feinde 180 Ges fangene abnahm, dann aber mit der Hauptſtärke zwiſchen Neuwieſe und

Pilgramedorf ſtehen blieb , – jo ichidte langeron unter General juliofowitſd eine neue Avant-Garde von Schönau gegen Probſthayn vor. Bahlen8 Avant- Garde unter General Raifaroff flug fich bei Lähn mit einem Theil der wieder vorgebenden Diviſion Gérard des

Korp8 von Macdonald und räumte lähn , blieb aber am Abend bei Grunau ſtehen. Bahlen fam baburd, niđit über firſd berg hinaus.

Blücher nahm ſein Hauptquartier in Goldberg. Die etwas über triebenen Meldungen , die ihm durch den Grafen langeron über Bahlens Gefedite zugingen , veranlaßten Blücher eine näbere Auf klärung nach dieſem linken Flügel hin zu fordern , ohne jedoch die ganze Armee in ihrem Borſdyreiten dadurch aufhalten zu wollen. Ghe wir indeſſen die Begebenheiten des 19. Auguſt verfolgen , ſei

es uns geſtattet, den Avant- Garden - Dienſt näher zu charakteriſiren, der ſehr bald unter v. Rapelers ſelbſtſtändiger Leitung und Renberg

vortrefflicher Mitwirkung bei Yorks Rorp8 obſervanzmäßig wurde. Oberſt v. 3ürgaß , als Rommandeur der Reſerve-Kavallerie, tonnte nas türlid, auf die länge der Zeit nicht mit dem Kommando der Avantgarde betraut bleiben.

Bon den einzelnen Korps der ſchleſiſchen Armee formirte ein jedes ſeine eigene Avantgarde. Es geſchah nur Anfang8 September auf kurze Zeit , daß man die drei Avant - Garden zu einem Avant- Garden Korps unter einem gemeinſchaftlichen Oberbefehl zuſammentreten ließ. Blücher rechtfertigte damals dieſe Ausnahme mit den Wortea : 3ch muß in der Ungewißheit , ob der Feind mit allen Kräften nach Böhmen abmarſchirt oder ſich gegen die ſchleſiſche Armee zurüd wendet , mit Vorſicht zu Werke geben , jedoch den Feind glauben machen , daß wir ihm mit aller Energie folgen ."

Sobald aber die nähere Berührung mit dem Feinde wieder einges treten war, ging man audy zu den drei Avant- Garden von Neuem

zurüd, weil ſie der relativen Selbſtſtändigkeit einer jeden Haupt-Rolonne entſprachen und die rechtzeitigen Meldungen auch von entfernten Punkten raſder vermittelten .

Unter dem 29. Juli 1813 hatte der König aus Neiffe die Formation kombinirter Avant - Garden befohlen . Dieſe Ordre an den Ge. neral der Ravalerie ». Blüder lautete :

„Ich beſtimme hierdurch, daß , wenn im Felde Avant-Garden auf geſtellt werden müſſen, dazu nicht ganze Brigaden, deren Zuſammen feßung darauf nicht berechnet iſt, ſondern nach Maßgabe des Bedarfs

nur Füfilier -Bataillone der Brigaden und eben ſo viele Bataillone von

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Reſerve - Infanterie -Regimentern , dieſe jedod, in der Art genommen werden ſollen , daß von jedem Regiment nur ein Bataillon dazu bes

ſtimmt wird, bis die landwehren ſoweit im Feldbienſt geübt ſind, daß auch dieſe zu dem Dienſt der Avant- Garden gebraucht werden tönnen. An Ravallerie ſollen Suſaren und Ulanen , ſoweit es zuläſſig iſt, aus denen der Brigaden , der Mehrbedarf aber aus der Reſerve- sta

vallerie, von leßterer jedoch nicht Müraſſiere, genommen werden . Die Wahl des Anführers der Avant - Garde überlaſſe Ich dem kommandirenden General des Armee - Korps. 3d trage Ihnen auf, hiernadh die unter 3hrem Befehl ſtehenden Armee- ftorp8 zu in. ftruiren ."

Der anſtrengende Dienſt in der Avant-Garde mußte natürlich, neben dem durd täglidhe Gefechte entſtehenden Berluſt einzelne Truppentheile mit der Zeit in ihrem Material und ihrer Rottenzahl ſehr herunter bringen ; - es war daher ein Vortheil, dieſe abkommandirten Truppen theile nach Bedarf mit anderen wechſeln zu fönnen, während der einmal

gewonnene traditionelle Geiſt des Wagens , des raf den andelns , der unermüdlichen Anſtrengung und Ausdauer , in der Avant Garde ſelbſt erhalten blieb. Die Dienſt - Routine ließ ſich auf dieſe Weiſe vortrefflich mit einem ſtets vollzählig erhaltenen Material verei

nigen. Nur der Rommandeur der Avant - Garde , wenn einmal der rente Mann gefunden war , mußte und fonnte , unabhängig von bes ſtehenden Rommando -Berhältniſſen , immer derſelbe bleiben ; – er blieb die Seele der Avant - Garde und ihres ſcharfen , rüdſicht&loſen , aber dadurch für das Ganze auch um fo nüglideren Dienſtes.

General v. Yort beſtimmte den Oberſt v. Kapeler zum Führer ſeiner Avant-Garde, und er iſt dies während des größten Theiles dieſes und des folgenden Feldzuge8 immer mit gleichem Glüd und gleichem Geſchid geblieben. Allerdings iſt auch die Verwendung ganzer Bri : gaben zu Avant - Garden vorgekommen , aber doch nur als eine Aus.

nahme, ſei es zur unmittelbarenſchnellen Verfolgung nach einer Schlacht, oder bei verhältniſmäßig geringerer Berührung mit dem Feinde , wie im Anfange des Feldzuges von 1814, Yorts korp8 formirte ſeine tombinirte Avant - Garde aus 6 Bataillonen , den Jäger - Kompagnien und 12, auch 16 bis 20 Esta

drons (Huſaren, 1 Ulanen- und 1 landwehr-Kavallerie-Regiment) nebſt 1 reitenden und 1 Fuß- Batterie. Bei der Infanterie befanden ſich in

der Regel 2 Füſilier -Bataillone. Auf die zahlreiche Savallerie in der Avant - Garbe legte Sta : äußerte er - ift peler einen beſonderen Werth. „ Die Kavallerie biejenige Truppen - Gattung , durch welche id) eines Theile im Stande bin , Nad richten über den Feind ſdnell zu erhalten , andern Theils mich auch gegen den überlegenen Feind zu fichern. Mit ihr vermag

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ich einem jeden plößlichen Angriff des Feindes immer die Spiße zu bieten ."

Auch die 3äger leiſteten in der Avant - Garde gute Dienſte ; -

ſte hinderten die feindliden Tirailleurs auf die diefſeitige Ravallerie mit Erfolg zu ſchießen und ſteigerten bei einer unerwarteten Offenſive del Feindes die Kraft des Widerſtandes.

Eine zahlreiche Artillerie liebte Kaşeler nicht in der Avants Garde, weil ſie ihrer Beweglichkeit Rüdſichten auflegte ; – 2 Batterien hielt er für vollſtändig ausreichend. Pioniere wurden nach Bedarf zugetheilt; allein die permanente Ueberweiſung eines Ingenieur Offiziers hielt sageler für ſehr

erwünſcht; ebenſo die unmittelbare Mitwirkung eines Berpflegung 8 Beamten für den Unterhalt der Mannſchaften. Habeler flagte oft über den Mangel an Lebensmitteln, denn ohne dieſelben ſei es bei dem beſten Willen und den angeſtrengteſten Bemühungen nicht möglich, den friſchen Geiſt und die erforderlichen Kräfte zu erhalten ." Der Befehl des Rorp8 - Rommandeurs an die Brigaden , für die Verpflegung ihrer zur Avant- Garde abkommandirten Bataillone zu ſorgen, erwies fich der Entfernung wegen ſehr bald als unpraktijd . Die Selbſthilfe des Solo

daten zur Verpflegung führte aber immer zu Unordnungen , deren üble

Rückwirkung auf Disciplin und Leiſtung der Truppe nicht ausbleiben lonnte.

Krante Soldaten und gedrüdte Pferde durften auf Befehl Yorts bei der Avant-Garde nidit geduldet werben ; man mußte ſie ſogleich zu rüdjdiden , weil ſie da nur hinderlidh fein tönnten, wo ſich bloß Stom battanten befinden ſollten.

Für das Verhalten der Avant-Garde hielt v. Haşeler folgende Grundfäße feſt. Er hatte immer 2 Huſaren - Eskadrong an der Tete ; ſie formirten auch die erſte Vorpoſtenlinie; hefteten ſich im Marſch an die Ferſen des Feindes , und folgten ihm ganz ſelbſtſtän dig , er mochte aufbredien, wann er wollte. Dieſen Estadrons folgte am frühen Morgen die geſammte Avant Garden - Kavallerie, mit Ausnahme des Landwehr - Kavalerie- Regi mente ; häufig, aber nicht imnier , aud) die reitende Batterie.

Dieſe

Regimenter hatten die Teten - Eskadrons zu fouteniren , Detajdhirungen in des Feindes Flanken oder zur Erhaltung der eigenen Verbindungen zu geben, und da , wo die Teten - Eskadrons für die Frontbreite des zu umſpannenden Terrains nicht ausreidten, ſie zu verſtärken . Immer aber blieb wenigſtens ein Regiment geldloffen hinter der Tete. Dann erſt tam der Vortrupp der infanterie , nämlich 2 Bataillone mit den Jägern , dazu beſtimmt, das Repli der Kavallerie zu bilden ; ferner ſchnell bei der Hand zu ſein, wenn man Infanterie

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der Ravallerie zu beden. Die noch vorhandenen 4 Infanterie - Bataillone, die Artillerie und

tas Landwehr-stavallerie- Regiment bildeten das Gros oder die Reſerve der Avant-Garde. Auf dieſe Weiſe geordnet, marſchirte man mit großer

Bewegliditeit, aber aud) mit großer Sidherheit. Katzeler brad mit der Hauptmaſſe der Avant-Garde nie früher auf, als bis er die betreffende Dispoſition oder Inſtruktion für die Bes wegungen des Tages empfangen hatte. Bis zum Eingang derſelben ließ er den Feind nur durch die Teten - Estadrons verfolgen. Von der sa valerie an der Spitze der Avant - Garde verlangte er die größte Reds heit ; fie fonnte dem Feinde nie nahe genug ſein. Dagegen wadyte er über die Bewegungen der Infanterie mit der größten Sorgfalt. Bor

fidhtig ſchüßte er ſie gegen einen jeden Unfall. Er ließ die 3n fanterie von der Tete der Kavallerie her immer benadjrichtigen, wie weit ſie ungefährdet vorgehen dürfe. Erlaubte 8 das Terrain, ſo wurde ihr ein Abidnitt als vorläufiger Haltepunkt angewieſen.

Wenn General v. York es für nothwendig hielt, die Avant-Gardens Infanterie an einem beſtimmten Tage mehr exponiren zu laſſen, ſo unters ließ er aud) nidyt, eine ganze 3 nfanterie - Brigade , oder die ganze Referves Ravallerie, und die Leştere ſehr häufig, namentlich bei offenem Terrain, zur Unterſtüßung nachzuſchiđen.

Oft inftruirte auch ftageler den Infanterie- Führer: „Ich werde Sie zeitig genug benad richtigen , daß Sie, ohne in Verlegenheit zu gerathen, Ihren Rückzug antreten können .“ Gefedyte ſollte die Avant-Garde nicht ohne Noth ſuchen ; fie fanden aber ſtatt, wenn die Inſtruktion des Tages ſie ausdrüdlid, vorſchrieb, oder wenn die Dedung des forps ſie erforderte , oder wenn es galt, eine beſonders günſtige Gelegenheit auszubeuten .

Kateter eilte immer perſönlich mit der Ravallerie voraus

und hinterließ den Befehl , wann das Gros der Avant - Garde folgen, oder wo es fidh eventuell aufſtellen ſollte. Sonnte er indeſſen darüber keine beſtimmte Weiſung ertheilen, ſo mußte der Infanterie-Rommandeur bei dem Korp8 - Rommandeur darüber anfragen , um feinen Augenblid

die Verbindung mit dem Gros des forp8 zu verlieren. Die Avant Garde hielt das Verhältniß ihrer Abhängigkeit von dem Gros ftets feſt. General Yort ſandte dem Oberſt v. stapeler ſeine Befehle durch

Ordonnanz- Unteroffiziere. Es tamen aber hierbei häufig Un regelmäßigkeiten vor. Die Meldungen der Avant- Garde geſchahen ſtets driftlich. Stapeler verſäumte nie , den Empfang eines Befehls in einer Weife

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anzuzeigen, daß man aus derſelben erkennen tonnte, der Befehl ſei rid ). tig verſtanden worden .

Um den Rorpo-Rommandeur nie in Zweifel zu laſſen, wo ſich die Avant - Garde befinde, wurde während des Marſches von jedem Halt,

welchen der Feind oder andere Umſtände veranlaßt hatten, nach der Haupts Rolonne hin Meldung gemacht; ebenſo geſchah dies, wenn die Avant- Garde einen Hauptort oder einen wichtigen Terrain - Abſchnitt erreicht hatte;

endlich, wenn eine Abweichung aus der vorgeſchriebenen Marſdrichtung, allerding& nur in ſeltenen Fäden , erforderlich geworden war , wohin und aus welchen Gründen dieſe Beränderung eingetreten. Es durfte auch die Anzeige nie unterlaſſen werden , an welchem Bunkt die Avant

Garde ihre Marſchbewegung eingeſtellt, und wo ihre einzelnen Theile bivouatirten , alſo wo der Bortrupp und wo das Groß der Avant Garde ſtehen geblieben waren.

Auf zahlreiche und gründliche Meldungen über alles Dagjenige, was man vom Feinde geſehen oder erfahren hatte, wurde ein beſonderer Werth gelegt. Sobald der Tag anbrad, berichtete tapeler , wie ſich der

Feind des Nacht: verhalten, was man für Veränderungen am Morgen bemerkt hatte, wann ſich feindliche Truppen in Bewegung geſeßt, welche Direktion ſie eingeſdılagen, wie weit man ihre Stärke babe überſehen können , und wo dieſelben etwa wieder Şalt gemacht. Kam man durch Städte oder Dörfer , welche der Feind paffirt hatte, ſo wurden ſofort Einwohner verhört und deren Ausſagen ſchriftlich gemeldet. Ebenſo erfolgte das erſte Berhör der Gefangenen und Deſerteurs bereits bei der Avant-Garde.

Von der Richtigkeit einer Meldung ſuchte fich faşeler , bevor er ſie weiter beförderte, perſönlich zu überzeugen ; geſtatteten indeſſen die Umſtände das nicht, ſo fügte er jedesmal ein Urtheil über die Zuvers läſſigkeit der Meldung bei. Hiermit in Uebereinſtimmung wurden auf falende Bewegungen des Feindes nicht nur gemeldet, ſondern auch eine

Bemerkung über ihre Bedeutung hinzugefügt. Obgleich es ſtets beſonders befohlen wurde , wann Meldungen, außer an den kommandirenden General , auch an den General en chef abgeben ſollten , ſo wurde body eine jede Meldung von Wichtigkeit ohne Weiteres a ud ſofort an den General en chef geſendet. Auf dieſe Weiſe repräſentirte faşeler das ſtets wachſame

Auge dem Feinde gegenüber. Bart und unausgeſept an ihm bleibend, verlor er nie feine Spur , wurde nie überraſcht und orientirte ſeinen General vortrefflid, über Alles , was ſich ſtundenweit von dem Gros

in dem unmittelbaren Bereid) bes Feindes ereignete. Es kann der auf bieſe Weiſe gehandhabte Avant- Garden - Dienſt in ſeinen Grundrichtungen nur ale normalmäßig auch für ſpätere Kriegs - Perioden betrachtet werben.

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Schließlich möge hier nicht unerwähnt bleiben , daß sapeler auch mit den Avant - Garden der Neben . Sorpe eine beſtändige Berbindung unterhielt, und zwar dadurch, daß er Offiziere an der Spiße eines kleinen Ravallerie- Trupps dorthin ſchidte, welche ihm über alles berichten mußten, was auf jenen entfernten Punkten Wichtiges vorfiel. Dadurch war er

in den Stand gefeßt, die allgemeine ſtrategiſche und taktiſche Sachlage,

ſowohl auf ſeiner rechten , wie auf ſeiner linken Flanke, auch im Großen und Ganzen zu überſehen. Wir kehren nun zu der Fortfeßung der Operationen zurüd. Am 19. Auguſt follte ſich die ſchleſiſche Armee dem Bober nähern und denſelben eventuell überſchreiten. Nev) hatte bereits den Oberbefehl übernommen und wollte die franzöſiſchen Armee - Korpe am Bober konzentriren , nämlich die Korps von Lauriſton und Macdonald , das Infanterie - Korpe von Ney

und das Ravallerie - Korps unter Sebaſtiant bei Löwenberg - die beiden Erſteren von Goldberg, die beiden legteren von Haynau her —

während auf dem linken franzöſiſchen Flügel Marſchau Marmont von Bunzlau aus auf der Straße nach Haynau das ruſſiſche Rorps Saden8 aufzuhalten beſtimmt wurde. Auf dem rechten franzöſiſchen Flügel war

es, wie wir bereits wiſſen, das Korps von Macdonald geweſen, weldes Tages zuvor einen Vorſtoß nach Lähn hin gemacht hatte, um den Rüdzug der andern Korps zu erleichtern. Bei dieſer Sachlage mußte es in der Gegend von Löwenberg zum Hauptkampf fommen.

Auf der nödlichen Straße , Haynau - Bunzlau , trafen Ruſſen und Franzoſen weſtlich von Haynau bei Kreibau aufeinander , woraus fidh das Gefedyt bei Kayſergwaldau entwidelte, in Folge deſſen Marmont nach Bunzlau zurüdwid) , und Saden am Abend dieſes Tages bei

Thomas-Waldau, öſtlich von Bunzlau, das Bivouak bezog. Auf der mittleren Straße , Goldberg - Löwenberg , ließ yort das

preußiſche Armee- Korps in 2 Kolonnen um 5 Uhr früh antreten : Ros lonne rechte mit der Marſdýrichtung von Goldberg über Ulbersdorf, Neudorf, Wilhelmédorf, Deutmannsdorf , auf Braunau bei Löwenberg ; Kolonne linte , von Goldberg auf der Chauſſee über þermedorf, Pilgramédorf, Neuwieſe , Lauterfeiffen , Plagwiß auf Löwenberg. Da die Reſerve- Ravallerie wieder mit der Avant - Garde vereinigt bleiben follte und Beide bei Seiffersdorf und Adelsdorf weit zurüd ftanden , ſo mußten ſie früh aufbreden, um die Tete der Kolonne rechts zu erreichen .

Oberſt v. 3 ürgaß übertrug dem Oberſten v. Kaşeler wieder die Fühs rung des Bortruppe.

Lieutenant Reyher ſchreibt über die nun folgenden Ereigniſſe: „ Wir brachen bemzufolge auf und ſepten unſeren Marſch über Grädiß und Wilhelmsdorf fort ( -um ſo in den vorgeſdriebenen Weg

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der Rolonne redt 8 zu gelangen - ) . Vor Deutmannsdorf meldete die

Spiße, daß der Feind Ludwigsdorf noch beſeßt habe. Sogleid formirte Oberſt v. Kaşeler ſeine Kavallerie nebſt 2 reitenden Geſchüßen nördlich von Deutmannsdorf und bat den Oberſt v. Jürgaß um 1 Bataillon

Infanterie zur Unterſtügung. Sobald dieſes Bataillon, es war das füfilier- Bataillon 1. Oſtpreußiſchen Infanterie-Regiments, das Weſtende von Deutmannsdorf didit vor Ludwigedorf belegt hatte , paffirte die Havallerie Deutmannsdorf nach der Südſeite hin und avancirte hier

gegen die Höhen von Braunau. Die Refognoszirung ergab , daß der Feind das rechte Bober - Ufer noch nicht verlaſſen hatte , ſondern ſehr zahlreich öftlid von Löwenberg auf den dortigen Höhen ſtand. Zu

einem Angriff auf ſeine Poſition (Birſe - Berg) mußte das Heranrüden der Kolonne linfo von lauterſeiffen abgewartet werden, um dem Befehl gemäß kein nachtheiliges Gefecht zu unternehmen .“ Oberſt v. 3 ürgaß theilte dieſe Anfidt, fand aber nod) einen beſon

deren Grund zur Borſicht in dem Umſtande, daß von ſeiner Arrieres

Garde wiederholt Meldungen eingingen, feindliche Kolonnen würden in der Gegend des Grädigberges geſehen. Dieſe Bedrohung des Rüdens mußte um fo überraſdender wirken , da man nordwärts den Feind im

Rüdzuge auf der Straße nach Bunzlau glaubte. Wir erinnern uns aber , daß jene kolonnen Ney angehörten , der ſie von Baynau über

Grädikberg nach Löwenberg zur Vereinigung mit Macdonald führen wollte und nun nicht wenig erſtaunt war , preußiſde Truppen vor fidy auf demſelben Wege zu treffen . Ney hat aber die Sachlage doch nur ſehr unvollfommen überſehen ,

da er keinen Angriff wagte , oder denſelben von Hauſe aus vor der Vereinigung auch nicht beabſidytigte, denn er ſuchte ſpäter , ausweichend aus der urſprünglichen Direktion , den Bober weiter unterhalb Löwen berg ohne Gefedyt zu überſchreiten. Das Ades aber konnte Oberſt v. 3ürgaß damals nicht wiſſen. Er hielt ſich mit Redit im Rüden und in der rechten Flanke bedroht und

beſchloß deshalb , ſeine Anordnungen ſo zu treffen , daß er , je nach der Entwidelung der Situation , den Kampf am şirſeberg aufnehmen, oder den Angriff von Grädigberg über Wilhelmsborf und Hartmannsdorf auf Deutmannsdorf abwehren , oder endlich den Rüdzug nach Lauter

feiffen zuin Anſchluß an die dort erwarteten Truppen ausführen könne. Dem entſprechend mußte Oberſtlieutenant v. lobenthal, das Gros der Avant-Garde und einen Theil der Reſerve-Ravallerie, durch Deutmanns

dorf marſchiren und ſid ſüdlich von dieſem Drt verdedt an der Oſtliſiere des Waldes aufſtellen laſſen , welcher das Terrain bis zum Fuße des

Firſeberges ausfüdt. Nur das litthauiſche Dragoner-Regiment und die Landwehr -Ravallerie- Brigabe unter dem Major v. Bieberſtein , ſowie 2 reitende Batterien , blieben auf der Nordſeite von Deutmannsdorf

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ſtehen , um das Terrain nach Wilhelmsdorf, þartmannsdorf und Sei fendorf hin aufzuklären und die etwanigen Bewegungen des Feindes daſelbſt fortgeſeßt zu beobachten . Deutmannsdorf ſelbſt blieb noch von

dem Füfilier - Bataillon 1. Dſtpreußiſchen Infanterie - Regiments gegen den in Ludwigsdorf befindlidhen Feind beſeßt. Sobald die Bataillone Deutmannsdorf paſſirt und ihre Aufſtellung

an dem Walde genommen hatten , konnte aber Oberſt v. Jürgaß dem Verſud dod nicht widerſtehen, den Feind auf dem Hirſeberge anzugreifen. Er übertrug zu dieſem Zwed dem Oberſt v. Kaşeler auch das Som mando über einen Theil der Avant- Garden-Infanterie. Oberſtlieutenant

8. Lobenthal drang nun durch den Wald gegen deſſen Weſtliſiere vor,

und zwar das Füſilier -Bataillon 2. Oſtpreußiſchen Infanterie- Regimento in der Mitte und das Füſilier- Bataillon des Leib - Regiments auf dem linken Flügel, während die aus Deutmannsdorf avancirenden Füſiliere

des 1. Oſtpreußiſchen Regiments den rechten Flügel bildeten. Die Fü filiere des Brandenburgiſden Infanterie-Regiments blieben als Soutien in dem Walde, - der übrige Theil der Infanterie hinter dem Walde. Bei dem Anrüden der preußiſchen Tirailleurs entwickelte der Feind

bedeutende Infanterie-Maſſen auf dem Firſeberge, während eine zahlreiche franzöſiſche Ravallerie -- Habeler glaubte 16 Eskadrons zu zählen in der Ebene am Nordfuß des Berges zwiſchen Ludwigsdorf und Braunau ſich zeigte. Das Tirailleurgefecht dauerte bis in den Nachmittag hinein. Da erfannte man deutlich, daß die franzöſiſche Kavallerie bei Braunau über

den Bober zurüdgebe. Dieſen Moment benußte v. Lobenthal und führte ſeine Bataillone, Schüven voran, im Sturmſchritt aus dem Walde gegen den Firſeberg vor. Es gelang den Preußen , den Berg zu erſteigen, und die franzöſiſde Infanterie hinunterzuwerfen. Leidhte Gejdüße wurden ſchnell auf den Berg gebrad)t und beſchoſſen die weichenden Franzoſen ſehr wirtjam in der Ebene. Aber auch w. Hat eler benugte dieſen Moment ſehr glüdlich mit ſeiner gewohnten Entſchloſſenheit. Revher dreibt darüber :

Da die feindliche Kavallerie durch Braunau verſdhwunden war, und unſere Infanterie mit außerordentlicher Bravour die glüdlichſten Erfolge errang , lo beſchloß v. la geler , die Contenance des weichenden Feindes vor dem Defilee von Braunau auf die Probe zu ſtellen. Mit 11

dem Brandenburgiſchen Ulanen-Regiment und zwei reitenden Geſchüßen

griffen wir die zahlreiche franzöſiſche Infanterie in der linken Flanke an. Es ſchien nur eine Hand voll zu ſein , welche gegen dieſe Maſſen vorgeführt wurde. Aber die Ulanen brangen ohne einen Augenblid zu zögern ein. Im beſchleunigten Schritt ſuchten die nicht angegriffenen Bataillone über die Brüde zu gelangen. Ein Theil wurde niederges

ſtochen , namentlich derjenige , weldher die Brüde bereits brennend und

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abgebrannt vorfand. Die beiden reitenden Geſchüße ſchoffen mit Rar tätſchen in die auf dem jenſeitigen Bober-Ufer ſtehenden dichten Haufen. Erſt ber hereinbrechende Abend machte dem Gefecht ein Ende. Viele Franzoſen waren im Bober, ertrunken.“ Audy weiter unterhalb bei Sirgwit hatte der Feind eine Brüde erbaut, die er nun ebenfalls abzubrechen ſich bemühte. Das Gefecht diefes Tages koſtete den preußiſchen Truppen 4 Offis

ziere und 158 Mann an Todten und Berwundeten , eine Zahl , welche durch die Dauer des Feuergefechtes erklärlich wird. Im rajden Vors wärtsſchreiten iſt der Verluſt immer geringer ; denn von einer fiegreichen Infanterie ſcharf gedrängt , ſchießen die feindlichen Sdüşen ſqlechter

und weniger oft. Mit Redt machte daher Blücher das nationale: Vorwärts ! " zu ſeiner Barole. Ka Beler behielt die Borpoſten und bivouatirte bei Ludwigsborf. Wir haben bereits angedeutet, daß Oberſt o. Jürgaß das Erſcheinen

der Haupt-Kolonnen bei Lauterſeiffen erwartete. Die Entfernung von hier bis Goldberg beträgt nur wenig über zwei Meilen , war alſo in 4 Stunden unzweifelhaft zurüdzulegen. Auch hatte Yort die Kolonnen bereits um 5 Uhr Morgens antreten laſſen. Dennoch focht die Avant Garbe vor Löwenberg den ganzen Tag allein , ohne Unterſtüßung des

Korps. Die Urſache dieſes Umſtandes lag darin, daß , ale Yort die îd nelle Deichiel mit der einen Stolonne vor Ulberédorf und mit der andern Kolonne vor Pilgramsdorf erreicht hatte , ihm der Befehl aus bem Hauptquartier zuging, dort vorläufig ſtehen zu bleiben, bis fidh burd Langeron die Verhältniſſe bei lähn näher aufgeklärt haben würden.

Dadurch entſtand die vollſtändige Trennung zwiſchen Avant-Garde und Gros. Yortſchicte den Oberſtlieutenant v. Valentini vom Generals ſtabe ſeiner Avant - Garde in der Richtung auf Deutmannsdorf nad), um über die Ereigniſſe vor löwenberg raid orientirt zu werden, erhielt aber erſt um Mittag von Blücher den Befehl, den Marſch auf Löwen berg fortzuſeßen. Der Marfd Neye nach dem Grädißberge ſcheint am Vormittag nicht zur Kenntniß Yorf8 gelommen zu ſein. Der Feind wurde am Grädigberg erſt dann von Yorke rechter Flügel - Kolonne

entbedt , als dieſe von Ulbersdorf nach Neudorf marſchirte, von wo Seitentrupp8 bis Grädit ſtreiften. Prinz Harl von Medlenburg, welcher dieſe Kolonne fommandirte, ließ bei Neudorf Halt machen und machte fid zum Gefecht bereit. Indeſſen der Feind , von preußiſcher

Kavallerie beobachtet, widh nach Hartmannedorf aus. Dennoch ſchien die Stärke Neps bedeutend genug , um ſich für die Nacht gegen einen

Flanken - Angriff ſichern zu müſſen. Um nächſten Morgen aber wollte

Blücher den Feind in ſeiner rechten Flanke aufſuchen und angreifen.

Die rechte Flügel - Kolonne , Brigade Prinz Marl von Medlenburg und Brigade Steinmeg, blieb bei Neudorf halten , wohin ſich audy yort

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begab und wnrbe noch von der linken Flügel-Kolonne durch die Brigade þorn in der Richtung auf Wilhelmsdorf unterſtüßt, während die Bri: gade Hünerbein auf der Hauptſtraße Lauterfeiffen erreidyte , und die Avant- Garde, wie wir wiſſen, vor Löwenberg ſtand. Erſt in der Nacht verließ Ney auch Sartmannsdorf und marſchirte nad dem Bober ab. Die preußiſchen Borpoſten entbedten dieſen Abmaríd nad Mitternacht.

Graf Langeron hatte an dieſem Tage ſeine Avant- Garde unter General Rudzewitſd bei Zobten den Bober überſchreiten laſſen.

Rudzewitſch griff Siebeneichen an, warf den Feind nach Nieder-Mois zurüd, wurde aber bald in beiden Flanken, ſowohl von den franzöſiſchen Truppen bei Lähn über Merzdorf , als von denen aus Löwenberg bes drobt. Er zog ſich nach Siebeneichen zurüd , ſchlug ſich tapfer , erhielt jedoch ſchon von Zobten her Unterſtüßung durch das Gros del Generale

Langeron , deſſen Tete von Probſthayn her Zobten erreicht hatte. Die Franzoſen blieben indeſſen hier Herren des linken Bober-Ufers.

Graf Bahlen war bei Hirſchberg ſtehen geblieben . Die Abſicht Blücher8 , am folgenden Tage ( 20. Auguſt ) den Marſchall Ney zwiſchen dem Grädißberge und Hartmannsdorf anzu greifen , konnte, in Folge deſſen Rüdzuges über den Bober, nicht zur Ausführung kommen , abgeſehen von den Schwierigkeiten , welche gegen die ſchon am 19. Abends von Blüder erlaſſenen Befehle durdy Pan.

geron erhoben wurden , der ſich hier zum erſten Mal das Mißtrauen des Generals en chef in ſein Talent und in ſeinen guten Willen zuzog.

Von Bartmannsdorf war Ney nordweſtlich nach Bunzlau abmarſchirt, wodurch er die Vereinigung mit den Morp8 bei Löwenberg wieder aufgab. Ney und Sebaſtiani ftellten ſidh weſtlich von Bunzlau auf den Höhen von Tillendorf auf. Bunzlau wurde , ſobald die ruſſiſche Avant-Garde Sadens bavor erſchien , von den Franzoſen ganz aufgegeben. Mar's

mont poſtirte ſich füdlich von Tillendorf bei Poſſen und Ottendorf. Lauriſton blieb bei Löwenberg , brady aber die Brüde daſelbſt ab. Macdonald 308 fein Korps bei Greiffenberg und liebenthal zuſammen. Saden konnte am Abend des 20. Auguſt Bunzlau befeßen und

fein Gros bei Gnadenberg bivouakiren laſſen . 3 Rofacen - Regimenter wurden angewieſen, den Bober ſtromabwärts bei Eichberg zu überſchreiten und von dort die Straße Bunzlau - Görlig zu beobachten und zu re

kognosziren. Bon dem forpe Yorts hatte Blücher in der Nacht vom 19. zum 20., mit Bezug auf den bei Hartmannsdorf beabſichtigten Angriff, auch die Brigade ünerbein von Lauterfeiffen nach Neudorf abmarſdiren und das Gros der Avant - Garde von Deutmannsdorf nad Holenau

zurüdgehen laſſen, um ſo am frühen Morgen das 1. Korps um Neudorf tonzentrirt zu haben. Sobald ſich jedoch dieſe Rozentration nicht

mehr als nothwendig erwies, eilte Yort durch ſeine Avant- Garde wieder 10

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die Poſition von Löwenberg zu erreichen . Kaşeler hatte die Vorpoſten

gegen Braunau und Löwenberg behalten und von dort am frühen Morgen Folgendes gemeldet : „ Der Feind hält Löwenberg und die ruinirten Brüdenübergänge über den Bober beſegt. Auch bivouakirt noch eine beträchtliche Infan terie- und Ravalerie - Maffe hinter Löwenberg auf den dortigen Höhen. Es gehen von Zeit zu Zeit Wagen -stolonnen von Löwenberg nad Lauban, mit welchen der Feind wahrſcheinlich Magazin - Vorräthe nad Lauban zurüdſchaffen läßt. Bielleicht hält der Feind nur noch löwenberg bes

feßt, um jene Wagenzüge zu beden. Von der Brüde bei Sirgwiß find nur die Bohlen abgeworfen ; ſie würde deshalb bei einem Vorgehen in dieſer Richtung bald wieder herzuſtellen ſein ." Oberſtlieutenant Lobenthal fonnte die Höhen vor Löwenberg un geſtört befeßen, und zwar der Stadt zunächſt den Weinberg, den rechten

Flügel der Avant- Garde an Braunau , den linken an Plagwiß gelehnt, beide Dörfer beſeßt und die Vorpoſten hart am rechten Bober - Ufer. Vom Weinberge aus waren die franzöſiſchen Lagerhütten auf dem jen- .

ſeitigen Thalrande zum Theil zu überſehen , ebenſo die dort aufgeſtellten Truppen . Da das Korp8 von Yort noch immer zurüd bei Neudorf ſtand, während die beiden ruſfiſden Flügel-Korps fich vorgeſchoben am Bober befanden , den man am folgenden Tage ( 21. ) hoffte überſchreiten zu können , ſo ſollte am Nachmittag dieſes Tages , – nachdem audy tie Kavallerie Ney 8 aus der Gegend von Alt - Jäldwig verdwunden war - Yort ſein Rorps an dem Bober nady Sirgwit heranführen,

als den Punkt, weldien Kaşeler für den Zwed eines leicht zu bewert: ſtelligenden Ueberganges bezeichnet hatte. Es geſchah died in zwei Ko lonnen , auf Gähnsdorf und Ludwigsdorf. Die 7. Brigade blieb bei Gähnsdorf, ihre Kavallerie vorgeſchoben bei Hohlſtein, die 1. 2. und 8.

Brigade bei Ludwigsdorf ; Reſerve-Savallerie bei Deutmannsdorf. Auf dem linten Flügel blieb Langeron bei Zobten ſtehen , konnte aber Siebeneiden jenſeit des Bober von Neuem belegen . Es war indeſſen nicht zu verkennen , daß ſich der Feind im Laufe

des 20. Auguſt um löwenberg konzentrire, und das vorlaufende Gerücht, Napoleon fei in Löwenberg eingetroffen , deutete auf eine bevorſtes hende weſentliche Veränderung der ſtrategiſchen Situation. Blüder felbft war von Bilgramödorf her am Nadmittag bei der Avantgarde yorts eingetroffen , batte ben zwiſdien löwenberg und Langen - Vorwerk ſtehenden Feind beobachtet, und war dann zur Nacht

nad, þohlſtein gegangen , um den Ereigniſſen des kommenden Tage8 näher zu ſein.

Die Nachricht, daß es dem General Blüder gelungen ſei , die Stellung hinter der Nagbach zu forciren und den Marſchall Ney über

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den Bober zurüdzuwerfen , veranlaßte Napoleon , im Vertrauen auf das befeſtigte Dresden, welches ſich 8 Tage lang gegen die an der Elbe heranziehende Haupt - Armee werbe halten können , ſelbſt das

Kommando an dem Bober zu übernehmen , um die fdleſiſche Armee durch einen kurzen Offenſivſtoß zurückzuwerfen , vielleicht aud) feſt zu halten und zu ſchlagen. Am 19. Auguſt nody, in Folge einer Rekognoszirung aus der Laufik nad Böhmen hinein, in Gabel , eilt Napoleon über Zittau nach Görlig, lebt von hier die alten Garden

nad Lauban und Löwenberg in Marſd , ebenſo die junge Garde und Das 1. Kavallerie -Rorps, trifft perſönlich den 20. Auguſt in lauban, und den 21. Auguſt Vormittags 9 Uhr in Löwenberg ein. Ney hatte am 20. Auguſt ( dhon für den folgenden Tag den Rückzug nad der Queiß befohlen , denſelben am 21. zum Theil ſchon angetreten , als

Napoleons Befehl Alles halten und zur Offenſive über den Bober wieder Front madyen ließ. Ney foute mit dem 3. Korps wieder über Bunzlau vorgehen, Macdonald mit dem 5. und 11. Korp8

über l'öwenberg, Marmont als Reſerve folgen, und die Garden von Lauban ihren Marídy nach löwenberg beſchleunigen. Von Ney forderte

der Kaiſer, daß er auf dem rechten Bober - Ufer die rechte Flanke der Schleſiſden Armee von Bunzlau in der Richtung auf Giersdorf tour: niren, und gleichzeitig ben vor ihm weichenden Feind verfolgen ſolle, Gelang dies , ſo war für das franzöfiſche Gros bei löwenberg die Möglichkeit einer Schladit unter günſtigen ſtrategiſchen Berhältniſſen gegeben.

Den warnenden Anzeidien des vorigen Tages hatte Blücher nicht ein entſcheidendes Gewicht beigelegt. In der Hoffnung, die Difenſive

ſeinerſeits von dem Bober aus fortſeßen zu können , gab er vielmehr Befehl, die Brüde bei Sirgwitz herſtellen zu laſſen. Sirgwitz wurde zu dieſem Zweck von der 4. Kompagnie des Garde- Jäger-Bataillons und von den Tirailleurs des 1. Bataillons des Leib-Regiments von Hohl ſtein aus befekt. Es regnete heftig. Die trübe Witterung erſchwerte

die Ueberſicht nach dem linken Bober-Ufer. Die verlöſchenden Lager feuer glaubte man auf einen Abzug der Feindes deuten zu dürfen . Dennoch entging den Avantgarden nicht die große Bewegung, welche auf dem jenſeitigen Thalrande unter den Truppen des Feindes, ſowohl bei Bunzlau, wie bei Löwenberg ſtattfand. Die Brüde bei Sirgwiß wurde in der That hergeſtellt. Major v. Sobr mußte auf Befehl Blücher & mit einer Eskadron des branden burgiſchen bujaren-Regimente, der Jäger -Rompagnie und den Tirailleurs

des 1. Bataillons des Leib Regiments zur Refognoszirung über die

Brüde von Sirgwiß nach dem linken Bober-Ufer vorgeben . Das Re ſultat dieſer Refognoszirung ſollte entſcheiden, ob man nur zu verfolgen oder anzugreifen und die Stellung des Feindee jenſeit des Bober von 10 *

148 Sirgwiß aus zu ſprengen habe.

General y ort wurbe perſönlid zu

Blüder befohlen , um die Dispoſition für die Ausführung des einen

oder des anderen Entſchluſſes ſogleich empfangen zu tönnen. Indeſſen ſtieß Major Sohr ſehr bald auf ſo überlegene feindliche Kräfte , daß er nur mit Mühe wieder die Brüde zu erreichen im Stande war, welche überdies gegen den unerwarteten Andrang des Feindes ſogleich abges brochen werden mußte.

Eine Offenſive über Siegwit war hierdurch unausführbar geworden. Man erkannte, daß man bereits auf die Defenſive gewieſen ſei. Die

Brigade Hünerbein ſollte den Uebergang bei Sirgwiß vertheidigen . General York ſtellte das Gros ſeines Korp8 bei Ludwigsdorf auf, und mußte ſpäter die Brigade des Prinzen Karl von Medlenburg ſüdlich von Ludwigsdorf als Soutien hinter der Avantgarde poſtiren. General Pangeron ſollte den Steinberg ſüdlich von Plagwiß mit einem Deta idement befeßen , während Oberſtlieutenant v. Lobenthal mit ſeiner Infanterie nicht nur den Weinberg, nördlich von Plagwiß, ſondern auch dieſes Dorf felbſt, wie wir wiſſen , beſeßt hielt.

Man glaubte auf dieſe Weiſe das Defilee zwiſchen Wein- und Steinberg geſperrt zu haben , und die nächſten Schritte der Feindes ab . warten zu können.

Mit Recht hielt Gneiſenau die Poſition öſtlich von Löwenberg

für ſehr ſtark. Er glaubte auch, daß Langeron bei Zobten und York bei Ludwigsdorf ( 1 Meile) nahe genug ſtänden, um ſich ſehr bald weiter rüdwärts vereinigen zu können. Nur Saden ſtände bei Bunzlau 2 Meilen von Ludwigsdorf entfernt, wodurch es dem Feinde möglid) ge macht werde, zwiſchen Bunzlau und Ludwigsdorf, etwa bei Waldiß oder Kroiſdimit , überzugeben und Sadens Rorps von dem Gros der Armee zu trennen, reſpective auf daſſelbe einen günſtigen Flanfen -Angriff aus:

zuführen. In dieſer Anſicht begegnete er ſich vollkommen mit der all gemeinen Abſicht und den Befehlen Napoleons , wie wir dieſelben in der Beſtimmung Neys bereits kennen gelernt haben.

Saden

follte deshalb event. nicht von Bunzlau nach Haynau , ſondern mehr

ſüdlich nach Modelsdorf zurüdgehen, während unter gleichen Umſtänden yort wieder am Grädißberge und Pangeron bei Bilgramsdorf halten würden .

Ein folcher Rüdzug wurde von Gneiſenau für den Fall erwogen , daß man - der 3nftruktion für die foleſiſche Armee gemäß einer

Schlacht unter ungünſtigen Umſtänden ausweichen müſſe. Eine Umges hung der linken Flügels ſchien nach der Stellung der feindlichen Rorpe nicht wahrſcheinlich zu ſein und wäre auch bei der dortigen Terrainbes ſchaffenbeit und der Nähe der Korp8 von Saden und Yort nidyt von entideidendem Einfluß geweſen.

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Indellen für den Augenblid war der Rüdzug durchaus noch nicht geboten ; im Gegentheil hielt Blücher noch immer den Gedanken an eine Offenſive feſt. Die nicht mehr zu bezweifelnde Nähe Napoleons reizte nur ſeine Thatfraft. Lange beobachtete Blücher, nun von ſeinem ganzen Stabe umgeben , von dem Weinberge ber die Bewegungen des

Feindes jenſeit des Bober. Man kanonirte von Zeit zu Zeit herüber, hinüber, aber es ſchien dabei für heute bleiben zu ſollen. Blücher ritt

mißmuthig nach Sohlſtein zurüd. Da, es war zwiſchen 1 und 2 Uhr Nachmittags, brachen die Fran zoſen aus Löwenberg heraus. Die Brüde wurde raſch hergeſtellt, die Rolonnen ſtanden im Innern der Stadt bereit , die Diviſion Maiſon vom forps Lauriſtong nahm die Tete, das 1. Kavallerie-Rorpo, ferner die Diviſionen Gérard und Charpentier, endlid bas Korp8 von Macdonald follten folgen ; zahlreiche Tirailleur - Schwärme eilten den geldloſſenen Infanterie - Bataillonen voraus. Unter Napoleons per

fönlicher Einwirkung war die Einleitung zum raſchen Uebergang vor trefflich vorbereitet worden, ein Uebergang, der nun unter ſeinen Augen mit großer Entſchloſſenheit ausgeführt wurde. Sobald man aus Löwenberg nach Oſten hin debouſhirt , iſt der Steinberg der zunächſt erreichbare Bunkt. Die Franzoſen warfen ſich mit überlegener Macht auf denſelben. Das ſchwadhe ruffiſde Detaſchement wurde ſogleid zurüdgeworfen und fuchte in Blagwiß an der Chauſſee einen Halt , da dieſes Dorf bereits von dem Füſilier - Bataillon des 2. Oſtpreußiſchen Infanterie - Regiments belegt war. Ein Verſuch der

Preußen und Ruſſen , den Steinberg zurüd zu erobern mißlang; Plag miß ſelbſt ging verloren.

Unter dieſen Umſtänden fonnte es zunächft nur noch darauf an kommen , dem Feinde das Debouſciren aus Plagwiß zu erſchweren. Oberſtlieutenant lobenthal vom Weinberge her und der ruſfiſche General Deniſſieff von Höfel her, waren hierzu die unmittelbar zur Stelle befindlichen Kräfte. In dieſem Augenblid erſchien Blücher wieder auf dem Gefechts felde.

Während lobenthal ſeine Infanterie-Bataillone von dem Weinberg zurüd zog und die Artillerie nach der Chauſſee vorausſdiidte, feßte fidy Oberſt v. Kaşeler an die Spiße dreier Kavallerie - Regimenter (Bran

denburgiſde Ulanen , Medlenburgiſdje Huſaren und ein Landwehr - Ka valerie - Regiment), mit welchen er der Ebene öſtlich von Plagwiß zu eilte, um ſich hier neben der Artillerie auf der Chauſſee nach Lauterſeiffen dem Feinde vorzulegen. Prinz Karl von Medlenburg mußte mit der 2. Brigade auf und an dem Şirſeberge eine Flankenſtellung zur Chauſſee nehmen und General Hünerbein mit der 8. Brigade nad Lauterſeiffen abmarſchiren, um von dort die Verbindung mit dem Korps Langerons

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ficher zu ſtellen. lobenthal griff Plagwiß an. Es entſpann ſich hier ein dauerndes , ſehr erbittertes Gefecht, welches von beiden Seiten zu großen Berluſten führte. Blücher hielt auf dem þirſeberge und hatte ale tämpfenden Truppentheile im Auge. 3eßt erſt erſdien von Zobten her bei Döfel die erſte größere ruſſiſche Unterſtüßung, nämlich das

10. Infanterie - forps unter General Rapjewitſch, ohne ſich jedoch direkt an dem Rampf um Plagwig und den Steinberg zu betheitigen. Dennoch bemmte fein Erſcheinen das Vordringen der Franzoſen nad dieſer Seite hin. Das Gefecht fam vollſtändig bei Blagwiß und Höfel zum Stehen. Auch w. Haşeler und an ſeiner Seite Reyber , hatte einen rühmlichen Antheil an dieſem Reſultat, da ſie einmal Gelegenheit

fanden , ſich mit 3 Eskadrons im heftigſten Kartätſchfeuer des Feindes auf franzöſiſche Kavallerie zu werfen , welche aus Plagwiß das Debou ſchiren ihrer Tirailleurs vorbereiten wollte ; fie entwid) mit Mühe

dem vehementen Chor der preußiſchen Kavallerie. Indeſſen war ein offenſiver Rüdidilag, um die Franzoſen wieder

nach Löwenberg hinein zu werfen , nicht mehr möglich. Der Ehre der Waffen war reichlich Genüge geſehen ; -- und fo befahl denn Blücher um 5 Uhr Abends den Rüdzug, der in velikommener, taftiſdier Ordnung,

ohne durch den Feind geſtört zu werden, ausgeführt wurde, nämlich die Avant-Garde und das Gros nebſt der Reſerve - Ravallerie des 1. preu fiſchen Armee - Korps über Deutmannsdorf , - die 2. und 8. Brigade über lauterſeiffen

beide Kolonnen nad Neudorf, wo das Korps am

Tage vorher geſtanden hatte ; – ferner General Rapzewitſd über

Petersdorf nach Neuwieſe; - langeron über Armenruh nach Pil: gramsdorf ; Probſthayn im Süden blieb von einem ruſſiſchen Detajche ment beſetzt.

Der Feind folgte nur bis zum ßabnwalde , dann machte die Nacht überall dem Gefecht ein Ende.

Auf dem reďten Flügel war Saden bei Bunzlau um 10 Uhr von Ney angegriffen worden, der die Bober - Brüde wieder herſtellen und ſeine Truppen gegen Mittag aug Bunzlau debouſciren ließ. Es

tam zu einem ſtehenden Gefecht, welches erſt am ſpäten Nachmittage mit dem Rüdzuge Sadens auf Modelsdorf endete. Ney ließ ihn nur ſchwadı verfolgen und wandte ſich, dem Befehl Napoleons gemäß.

mit dem Gros ſeines Korps auf Giersdorf ; traf aber hier erſt um 7 Uhr Abend ein, ſo daß ſein Erſcheinen auf das längſt beendete Gefecht

bei Löwenberg keinen Einfluß gehabt hatte. Nen blieb für die Nacht zwiſchen Giersdorf und Hartmannéborf ſtehen ; Lauriſton und ein Theil des 1. Savallerie - Rorps zwiſchen Deutmannsdorf und Lauters

feiffen, der andere Theil dieſes Favalerie - Sirrp8 und die Garden in und um Lowenberg, Marmont bei Sirgwit. Der Verluſt war nur bei

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dem Korp8 York namhaft geweſen : 30 Offiziere und über 1500 Mann an Todten und Verwundeten.

Napoleon hatte das rechte Ufer des Bober zwar wieder gewonnen, aber die dilefiſche Armee nicht zu einer Schlacht gezwungen ; ſie war nach hartnädigen partiellen Kämpfen doch dyließlich dem fonzentrirten

Offenſivſtoß ausgewichen. „ On ne peut arriver à aucun résultat sans bataille ! “ meinte Napoleon , und hoffte am folgenden Tage die ſchleſiſche Armee beſſer zu feſſeln. Napoleon blieb die Nad)t über in Löwenberg .

Blüder gedachte den Rüdzug erſt dann fortzuſeßen , wenn der Feind überlegene Kräfte vor ſeiner Front entwideln werde. Es war ja ſeine Aufgabe, bart am Feinde zu bleiben . Die Truppen beruhigte er

in einem Armee-Befehl über die Bedeutung des Rüdzuges, und erfannte die Tapferkeit an , mit welcher fie ſich geſchlagen. Suche der Feind eine Schlacht, ſo ſei es unſer Vortheil, ſie für jeßt zu vermeiden. Um nicht mit dem Rüden an Defileen zu ſtehen , paffirte Yort

früh morgens den 22. Auguſt die ſchnelle Deichſel bei Leiſersdorf und Ulbersdorf , und nahm mit dem Rorp8 auf den Anhöhen der rechten Ufers eine Stellung. Auf dem linken Ufer blieb nur eine neuformirte

Arriere . Garde zurüc , welche unter den Befehl Kapeler8 trat. Die Truppentheile, welche bisher in der Avant-Garde unter Oberſtlieutenant v. Lobenthal geſtanden hatten, waren ihrer großen Verluſte wegen, in dad Groß des Korps zurüdgetreten . Kaseler erſcheint nun zum erſten Mal als ganz ſelbſtſtändiger Führer der Vortruppen des 1. Urmee - Rorps. Er übernahm hiermit eine Aufgabe, die er glänzend zu löſen wußte , und zwar weſentlich ges

ſtüßt durch die unermüdliche Thätigkeit und die einſichtsvolle Mitwirkung feines Adjutanten, Lieutenants Reyher , von deſſen Hand das Kriegs. Archiv des Generalſtabes noch die Meldungen, Berichte und Relationen aus jener Zeit aufbewahrt. Kaşeler erwarb ſich einen ſolchen Ruf ale ausgezeichneter Avant - Garden-Führer , daß er in dieſer und der nädyſten Rampagne faſt ausſd ließlid an der Spiße der Avant - Garbe des Korps von Yorf verblieb. Er verfehlte aber auch jeßt ebenſowenig, wie früher, den Werth feines vortrefflichen Adjutanten im vollſten Maaße

anzuerkennen. Reyher , damals jung , raſd und entſchloſſen , wußte aber auch an dieſer glüdliden Stelle den Sdiat ſeiner Kriege - Ers fahrungen mit djarfem Urtheil zu bereichern, und ſich die Dienſt-Rou tine zu erwerben , welche ihm ſpäter als Generalſtabsoffizier auf prat tiſdem wie auf theoretiſchem Gebiet in einem hohen Grade eigen geblieben ift. Schon in Schleſien zog Reyher die Aufmerkſamkeit Blüders

auf ſich, der ſich nach dem gewandten Adjutanten des Oberſt v. Kaşeler genau erkundigte.

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Die Avant- Garbe, für jett Arriere- Garbe, unter Dberft v. Habeler, beſtand aus 8 Bataillonen, 20 Estabrons und 2 Batterien, nämlich die Infanterie unter Oberſt v. Weißien :

das 1. und 2. Bataillon des Leib-Regiments, das 2. Bataillon des Brandenburgiſchen Infanterie-Regiments, tas 1. und 3. Bataillon des 12. ReſervesRegiments , dag 3. Bataillon (Reibnit) des 15. Landwehr-Regiments, das 1. Bataillon ( Rempeli ) und das 4. Bataillon ( Gfug ) bes 14 . Schlefilden Landwehr-Regimente. Ferner die Ravallerie :

die Landwehr - Ravallerie - Brigade des Majors v. Bieberſtein 3 Regimenter,

das Weſtpreußiſde Dragoner-Regiment und das 2. LeibFuſaren - Regiment.

Die Infanterie der Avant - Garde ſtellte ſich bei Neudorf auf , die avallerie derſelben am Gräbißberge, wo fich Kaşeler perſönlich fand. Ravallerie- Patrouillen gingen von hier nad den verſchiedenſten

Richtungen vor , da es von der äußerſten Wichtigkeit war, recht bald über die Abſichten des Feindes ins Klare zu kommen. Auch Saden ſchidte Kojaden - Detajdements unter dem General fanstoy wieder gegen Bunzlau vor, erfuhr durch denſelben den Ab marſch Neyo nadh der Mitte hin, und zog ſich auf Grund dieſer Bes wegung des Marſhalls idon um 8 Uhr Morgens von Modelsdorf füblid nad Adelsdorf , um hier mit dem rediten Flügel Yorte bei Leiſersborf in direkte Berbindung zu treten . Bei Modeladorf ließ Saden nur eine Arriere- Garde ſtehen . Hafelers Meldungen an Yort im Laufe des Vormittags hatte Reyber auf freiem Felde mit Bleiſtift geſchrieben. Wir theilen die wichtigſten hier mit : ,,Morgens 10 Uhr. Patrouillen und Kundſchafter beſtätigen wiederholt, daß ein bebeutendes feindliches Korps hinter Sartmanne. dorf im lager ſteht. Auch vor lauterſeiffen iſt ein Bataillon auf geſtellt.“

Ferner :

„ Vormittage 11 % Uhr. Ew. Excellenz überſende ich

beiliegend einen Berict des Rittmeiſters v. Bortugall , der meine früheren Meldungen beſtätigt.“ Die Einlage lautete: „ Die Franzoſen ſtehen nod bei Hartmannsdorf, Deutmannsdorf und Ludwigsborf. Ein Theil der Truppen , die geſtern Abend bis

Deutmannsdorf vorgegangen ſind, iſt in der Nacht nad Löwenberg zus rüdmarſdirt, wo nad Ausſage einiger Landleute Kaiſer Napoleon

die Nacht zugebracht haben ſoll. Auch bei Lauterſeiffen iſt ein ſtarkes

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feindliches Lager. Es läßt fich bis jeßt nicht erkennen , ob dieſe Truppen nur zur Beobachtung beſtimmt find, oder ob ſie vorgeben follen , Batrouillen nach der Bunzlau - Daynauer Straße melden, daß

die Ruſſen (Saden) in der Richtung auf Goldberg zurüdgegangen ſeien. Patrouillen nach der Straße Löwenberg-Goldberg haben dort, zwiſchen Lauterſeiffen und Neuwieſe, die Verbindung mit den Ruffen (Rapje witſ d) hergeſtellt.“

Auch Rittmeiſter v. Sandrat ſchickte dem Oberſten v. Sapeler um Mittag eine Meldung, die dieſer ſogleich weiter beförderte , nämlid folgende :

,, Das franzöſiſche Infanterie-Lager bei Hartmannsdorf ſteht noch daſelbſt, nur Ravallerie iſt abmarſdirt , und zwar nad Ausſage

eines Mannes, der ſie geſehen haben will , mit einer Wagen - Rolonne zurüd nach Bunzlau. Um 1/21 Uhr hat meine Patrouille geſehen, wie die Franzoſen Hartmannsdorf geplündert haben ; ich ſchließe

daraus, daß ihr Abmarſch bevorſteht. Da der Feind in der Regel Nachmittags aufbricht, ſo werde ich in einer Stunde das Lager wieder retognosziren laſſen."

In Uebereinſtimmung mit dieſen Meldungen debouſcirte der Feind erſt gegen 2 Uhr Nachmittag bei Neuwieſe aus dem Hahn -Walde und griff den General Rap zewitſch bei Pilgramsdorf an. Graf Langeron hatte von Blü dyer die Weiſung erhalten , den Befehl zum Rüdzuge abzuwarten ; - allein Langeron hielt ſich für berechtigt, ſofort durch Goldberg hinter die Maßbach zurüdzugehn , und auch den General stapjewitſch zum Berlaſſen der ſchnellen Deichſel zu beſtimmen.

Blücher, welcher bei dem Rorp8 Yorfs hielt, erſchien zu ſpät in Pilgramadorf , um die Ausführung dieſer voreiligen Maßregel, welche durch die Nothwendigkeit nicht geboten war , zu bemmen. Yort , in ſeiner linten Flante bedroht, mußte nun ebenfalls abziehen,

Langeron ſollte bei Goldberg und Roechlig ſtehen bleiben, Yort auf Kroitſch unb Dohnau marſchiren, - Saden auf Somog miß gehen , ſo daß auf dieſe Weiſe die Maßbach beſegt blieb. Allein Pangeron verließ auch Goldberg und fonnte erſt bei Seichau, Straße nach Sauer , zum Halten gebracht werden. Preußiſche Truppen unter dem Major v.d. Golß mußten einſtweilen Goldberg bejeßen . Als nämlich das Korps Yorts in 2 Kolonnen die ſchnelle Deichſel

verließ, nämlich die Kolonne rechts , 1., 7. Brigade und Reſerve-Kavallerie, von Leiſersdorf über Anobelsdorf auf Dohnau, und die Rolonne linte, 2.

und 8. Brigade, von Ulberedorf über Roſenbau auf Kroitid – ſo theilte auch Rapeler die Arriere- Garbe und ließ den dwächeren Theil, Oberſt Welßien , auf dem nördlichen , den ſtärteren , Major v. 0. Golf ,

auf dem ſüdlichen Wege folgen. Kaşeler ſelbſt blieb mit Reyber bei der ſübliden Arriere - Garde, die dem Feinde am nädyſten marſcirte.

154 Man ſchäßte den auf Goldberg vorbringenden Feind nur auf c. 20,000 M., die überdies nicht mit der gewohnten Lebhaftigkeit vorwärts (dritten ; ein Umſtand, der Blider veranlaßte, dem General Yort den Befehl zu ſchiden , nicht hinter die Staßbad) zu marjdiren , ſondern zu halten,

wo ſich das Korps grade befinden würde. Major w. b. Golß aber mußte nach Goldberg eilen. Er traf mit

ſeiner Arriere- Garde gegen Abend glüdlid dort ein, ebe noch die Fran . zojen die Stadt betreten hatten.

Das beſepte Goldberg hemmte das Vorgehen der Franzoſen, die aber doch den Ort von dem weſtlichen Höhenrande mit Artillerie beſchoſſen. Breußiſche Tirailleurs des 1. und 3. Bataillons 12. Reſerve-Regiments

befesten die Thore , unterſtügt von den Landwehr - Bataillons Reitniş und Rottulingfi und von dem 2. Bataillon des brandenburgiſchen In

fanterie-Regiment (Major v. Othegraven). Bier ruſſiſche Geſchüße ſchloſſen ſich einer halben 6 pfündigen preußiſchen Batterie an. Audy 6 - 3 Bfünder ſtanden zur Dispoſition. Man richtete Ades zur hart nädigſten Bertheidigung ein. Außerhalb der Stadtmurde an der Südfront der Flensberg mit den beiden Landwehr - Bataillonen Gfug und Sempefi befekt, ſpäter auch mit einem Detajdement des 3. Batail.

long 12. Reſerve . Regiments. ftageler hatte einen Theil ſeiner La valerie (6 Estadrons ) eben daſelbſt aufgeſtellt, und ſammelte die übrigen

Regimenter nördlich von Goldberg bei Hohberg , um hier das freie Terrain im Auge zu halten.

Nach Mitternacht (zum 23. Auguſt, 4 Uhr Morgens), ſdrieb Reyher folgenden von Rapeler unterzeichneten Rapport an General v. Yort : „Ew. Excellenz wird der Lieutenant v. Below mündlid bereits

gemeldet haben, daß der kommandirende General en chef dem Major v. 0. Golß die Befeßung und Vertheidigung Goldbergs befohlen hat. Es geſchah dies in dem Augenblid, als der Feind die Höhen,

welche die Stadt dominiren , bereits mit einer Batterie zu befeßen anfing. Meine Landwehr - Kavallerie wurde ſchon heftig beſchoſſen. Indeſſen blieb es bei dem Feuer, welches überdies ſehr bald aufhörte. „Um den Major bei der Vertheidigung der Stadt zu unterſtüßen, habe ich das 2. Leib- puſaren -Regiment und ein Landwehr-Ravallerie Regiment bei Hohberg aufgeſtellt, wodurđ, ich die ganze dortige Ebene

deđe. Rechts und links habe ich die Verbindung mit den Vortruppen der Generale Saden und langeron aufgeſucht. Als id) geſtern zu der von dem Major v. d. GolB geführten Arriere- Garde ritt, hatte ich das Kommando der Arriere - Garde auf der Straße von L'eifersdorf nach Knobelsdorf dem Oberſt v. Wel Bien , und das der

Kavallerie dem Oberſt v. Unruh übertragen, Beide find aber unter. deſſen ſo weit zurüdgegangen, daß es nicht inehr möglich geweſen iſt, ſie wieder einzuholen , und ich vermuthe, daß fie ſchon geſtern Abend

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ing lager des Haupt - Rorps eingerüdt ſein werden. Em . Excellenz

bitte ich daher gehorſamſt, die Dedung meines etwanigen Rüdzuges auf den nöthigen Punkten bodygeneigteſt anordnen zu laſſen, oder mir Unterſtüßung zu ſenden. Bei einem mit überlegenen Kräften ausgeführten Angriff, wie ders

ſelbe zu vermuthen ſteht, würden die mir zur Dispoſiition ſtehenden Truppen für die Vertheidigung nicht ausreichen. Welche Anordnungen etwa Oberſt v. Weißien in meinem Rüden getroffen hat, habe ich bis jeßt nicht erfahren. Ew. Excellenz Befehl von geſtern Abend 9 Uhr erhalte ich ſo eben, und ſende hiermit die befohlene ſichere Ordonnanz . Ich werde bei Hohberg die rechte Flanke fortgeſeßt im Auge behalten." Die wenigen Infanterie -Bataillone des Oberſt v. Welgien waren

bei ihren Brigaden wieder eingerüdt. Das Korps Yorks lagerte bei Dohnau und Nieder- Krayn. Nördlich von dieſen Ortſdaften bei Smog.

wiß , bivouatirte das Korp8 Sadens. Blüd)er hatte ſein þaupt Quartier in Nieder - Krayn .

Am Abend dieſes Tages ſtand weſtlich von Goldberg bei Hermes dorf das 5. Rorps ( Lauriſton ), dahinter die beiden Diviſionen des

11. Korp! (Macdonald) und weſtlich von Pilgramsdorf hielt das 1 . Kavallerie-Korps ( Patour-Maubourg ). Napoleon , idon auf dem Wege von Löwenberg nad Goldberg, fehrte nad Löwenberg zurüd, fo bald ihm gemeldet wurde , daß die ſchleſiſdie Armee wieder vor ſeiner

Offenſive hinter die Maßbad) ausgewichen ſei . Er hielt Marmont und die Garden bei Löwenberg zurid.

Marſhall Ney hatte mit dem 3. Korps von partmannsdorf und Giersdorf, ebenſo mit der öſtlich von Bunzlau ſtehenden Diviſion, den Marſd nad Haynau ſo ſpät am Nadmittag angetreten , daß die Ros faden des Generale fanstoy hier erſt am ſpäten Abend vertrieben wurden. Dadurch erflärt fid die im Laufe des Tages eingegangene

unrichtige Meldung der Vortruppen Sadene , der Feind habe ſich nach Bunzlau zurüdgezogen . Im Verein mit dem wenig energiſchen Verhalten des Feindes bei dem Vorgehen gegen Goldberg, glaubte nun Blücher ſchließen zu dürfen , daß Napoleon , der am 22. Auguſt nirgends geſehen worden war, auch bereits mit einem Theil der Truppen wierer den Rüdzug nach Sachſen angetreten habe, und daher das Avans ciren franzöſiſcher Truppen an dieſem Tage nur als eine maskirende Demonſtration zu betrachten ſei.

Zur Aufklärung dieſer Situation beldloß Blüder ſeinen Rüd zug nicht weiter fortzuſeßen, ſondern Goldberg zu behaupten und wieder zur Offenſive vorzugehen. Zunädiſt mußte vom Korps Yorks die Brigade des Prinzen Karl von Medlenburg bei Rödhlig am 23.wieder auf das linke Ufer der Raybach übergeben , und ſich zwiſchen Niederau und

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Hohberg aufſtellen, um dem Feinde eine etwanige nördliche Umgebung der Stadt Goldberg zu erſchweren. Um 7 Uhr trat die Brigade von

Nieder-Krayn ihren Vormarſd an. General Rubzewitſd ging ſüd lid der Stadt mit der ruſſiſchen Avantgarden -Ravallerie gegen Wolfe dorf und den Wolfe -Berg vor. Langeron rüdte mit ſeinem korps

von Seichau über Brausniß auf Goldberg beran , als Haupt- Reſerve für die Beſaßung dieſes Ortes .

Schon griff der Feind um 1/29 Uhr Goldberg an , als Blücher die eigentliche Offenſiv- Dispoſition ausgab, darin beſtehend, daß Saden zur Sicherung der rechten Flanke von Schmogwiß über Adelsdorf gegen den Grädiß-Berg, - Yorf von Dohnau und Nieder-Krayn über Ulber dorf gegen Pilgramsdorf in des Feindes linte Flanke, - Langeron ſüdlich von Goldberg in der Feindes rechte Flante vorrüden ſollten. Allein die veränderte Stellung Neys und die zu ſpäte Ausführung der Dispoſition ließ dieſelbe leider nicht zu der erwarteten Wirkung kommen. Der 23. Auguſt führte auf dieſe Weiſe zu einer Reihe blutiger Einzel - Gefechte , die ſich fämmtlich um Goldberg und um die nächſte Umgegend drehten. Goldberg ſelbſt wurde zuerſt um 9 Uhr angegriffen , aber von

der: preußiſchen Bataillonen ſo vortrefflich vertheidigt, daß es ihnen ge lang während mehrerer Stunden die Vorſtadt gegen die wiederholten Angriffe der Franzoſen zu behaupten. Anders aber geſtaltete ſich das faſt gleichzeitig eröffnete Gefecht nördlich von Goldberg bei Niederau

gegen die Brigade des Prinzen Karl von Medlenburg. Eine zabl reiche Ravallerie, mehrere Batterien und die Diviſion Gérard griffen

ihn , der taum in der Stellung angelangt war , ſchon um 9 Uhr an. Von 8 preußiſchen Geſchüßen wurden 4 ſehr bald demontirt und troß rühmlicher Ausdauer der Brigade, dod) 1770 Mann an Todten und Berwundeten eingebüßt und zwar von einer Geſammtſtärke von nur

6400 Mann. Um Mittag war die Poſition bei Niederau nicht länger zu halten. Der Rüdzug erfolgte über den Brüdenkretſcham , wo zwei

ruſſiſche Jäger-Bataillone ben geordneten Abzug ficherten. Das 2. Leibs Huſaren - Regiment und das 5. Landwehr - Kavallerie - Regiment unter Major v. Stößel idyloffen ſich dieſem Abmaríd an. Oberſt v. kafeler hatte ſich, ehe bei Niederau das Gefecht begann, mit Lieutenant Revher dorthin begeben, wo die erſten Schüſſe gefallen waren , nämlich nach Goldberg und dann ſüdlich der Stadt nach dem Flensberge.

Reyher ſdreibt darüber in Rapelers Tagebuch: „links von uns formirten ſich die ruſſiſchen Truppen des Generals langeron , der audy den ſo wichtigen Wolfsberg beſeßen ließ.. Das Gefecht um dieſen Berg wurde ſehr hartnädig, und da auf die Behauptung deſſelben ſehr viel antam , ſo wurde ich ( Kapeler ) genöthigt , dabin zu detajqiren ,

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was ich auf dem Flensberge irgend entbehren konnte. Ich hatte hier 3 Bataillone, 6 Eskadrons und 2 Batterien unter meinem Befehl. Dem Major v. Wnud mit ſeinem Landwehr - Bataillon und / Batterie ers theilte ich deshalb den Befehl, fidh an die ruffiſden Truppen anzu ſchließen und nach Präften zur Behauptung des Wolfeberge8 mit beis zutragen.

Allein , noch ehe dieſes Detajdement ihn erreichen fonnte,

batte der Feind dieſe wichtige Höhe zum zweiten Mal geſtürmt. Das Gefecht zog ſid, in die Ebene zwiſchen den Wolf&berg und den Flensberg. Hier aber war eß dem Feinde , ungeachtet aller ſeiner Anſtrengungen

nicht möglich, weiter vorzubringen. Ein ſehr lebhaftes Tirailleurfeuer dauerte mehrere Stunden lang, und die ruſſiſche Savallerie, der ich mich mit 2 Eskadrons Brandenburgiſcher Huſaren unter Major v. Kinoblodh

anſchloß, fand hier Gelegenheit , durch eine glüdliche Attade die feind lichen Tirailleurs mit Nachbrud zurüdzutreiben.“ In Goldberg hatte Major Golß zwar die Vorſtadt räumen laſſen, hielt aber die Thore und die Stadtmauer feſt. Wiederholter Sturm auf dieſelbe wurde auch hier abgeſchlagen. Indeſſen der Kampf ſüdlich von Goldberg wurde, wie der nördlich,

ber Stadt, doch immer bebentlicher. Die Vorausſegungen, unter welchen Blüder den Kampf an dieſer Stelle aufgenommen , waren nicht zuge

troffen. Yorf und Saden hatten ihre Aufgabe gar nicht löſen können, indem Net bei Haynau ſtand und der Feind bei Goldberg über den Herzog Karl ſo entſchiedene Vortheile errang. Nad 2 Uhr befahl deshalb Blücher den Rüdzug und zwar nad Sauer und Profen, um ihn von dort am folgenden Tage bis Striegau

und fohlhöhe fortzuſeßen. Zunädſt ſollte nur langeron nad Hens nersdorf , Yorf nad Schlaupe, Saden nach Mahlitſch zurüdgehen. Itapeler dedte mit ſeiner Kavalerie ( Major v. Stößel war wieder

zu ihm geſtoßen ) den Abmarſch der bei Goldberg und am Flensberge im Gefecht geweſenen Truppen und folgte dann dem Korps Yorks nach Sdlaupe hin. Die Preußen hatten an dieſem Tage in Goldberg und beim Wolføberge gegen 900 Mann verloren , die Ruſſen 1500 Mann .

Bon Sdlaupe mußte york nod am Abend nad Sauer und Profen marſdiren.

General Landtoy erreichte liegniß, gefolgt von Ney, und wandte fic von hier auf Mahlitſd.

Lauriſtong Avantgarde war bei Brau8nig ſtehen geblieben , fein Gros blieb in und um Goldberg. Das 11. Korps bivouatirte zwiſden

Goldberg und Neudorf am Rennwege ; die Kavallerie mehr öſtlid, in der Gegend von Hobendorf und Roth-Brinnig, Ney weſtlich von lieg niß bei Rothkird und Johnsdorf.

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Bahren ſtand bei Schmiedeberg und erhielt die Weiſung nach landshut zu gehen, wenn dies nothwendig werde. Graf Langeron glaubte dyon nad Sdweidniß abmarſchiren zu

müſſen ; einſtweilen aber hielt ihn Blüder vor ſich in der Poſition von Bennersdorf feſt.

Die nadstheiligen Gefechte am 23. Auguſt ließen Blücher glauben,

daß doch Napoleon die Fortſeßung der Offenſive tiefer in Schleſien beſdiloſſen habe. Unter der Einwirkung dieſer Anſicht wurde am 24. Auguſt befohlen , daß Yort und Saden nach Kohlhöhe , langeron über Bauer nad Gr. Rojen zurüdgeben fodten.

Gleichwohl hatte ſich die ſtrategiſche Situation don vollſtändig geändert. Napoleon erkannte die Gefahr , ſich immer weiter von der Elbe zu entfernen , ohne die Schleſiſche Armee zu einer Bauptídylacht erreidhen und feſthalten zu können . Unbeſtimmt, wie die Nachrichten über die aus Böhmen hervorbrechende Haupt-Armee bei der Entfernung

nur lauten fonnten , begann er doch für Dresden zu fürchten und ließ deshalb am 23 ſten die Garden , dem Marſchall Marmont mit dem 6. Rorp8 und General Latour - Maubourg mit dem 1. Savallerie Korps von Löwenberg und Sirgwit nad) lauban hinter die Queis

zurüdmarſdiren. Aud) Ney follte am 24. Auguſt nach Bunzlau und meiterhin mit den in Marſd) über lauban befindlichen Truppen nach Görlitz kehrt madjen . Napoleon erläuterte aber dieſen Befehl ſpäter

dahin, daß Ne y allein , nid )t ſein Korp8, ihmi folgen ſolle. Dag 3. Korps erhielt General Soubam und die ganze in Schleſien zurüdbleibende Armee der Marſdal Macdonald. Souham führte das 3. Korpo am 25. wieder nach Haynau vor, Tete bis Rothkirdy. Macdonald wurde durch dieſen Zwiſchenfall am 24. und 25.

zur Unthätigkeit um Goldberg veranlaßt. Sein Auftrag lautete dahin, die Sclefifdye Armee in Sdach zu halten , ſie zu verhindern , fid) auf

Zittau zu bewegen , um die Verbindungen Napoleon 8 zu unterbrechen

oder gegen Dudinot auf Berlin abzumarſchiren. Sei dieſe Aufgabe auch defenſiver Natur , ſo werde im Sinne der Verfolgung eine kurze

Offenſive über Bauer doch zweďmäßig ſein . Erſt ſpäter könne die be fenſive Stellung am Bober bezogen und befeſtigt werden.

Napoleon verließ lömenberg Mittage den 23. Auguſt und ging nadı Görliß, um ſich dort für eine Operation auf Prag oder auf Dreaten zu entſcheiden.

Er wählte am 24.

die Rüdfehr nad

Dresden. Nur Poniatowsli follte die Bäffe aus der Laufik nady Böhmen bewadien. A18 Blüder den 24. Auguſt den Weitermarſd) nach Striegan

angetreten , war ein Theil der Reſerve- Kavallerie unter Jürgaß bei Sauer und Rateler mit ſeinen Estadrone auf den Höhen von Profen

ſtehen geblieben . Kaşeler war hierdurch nicht der Nächſte am Feinde,

159

gleichwohl ließ er ihn aufſuchen, und Reyher mußte darüber an Oes neral yort ſchreiben :

,, Em . Excellenz melde idy gehorſamſt, daß ſo eben der Lieutenant Bugte vom Landwehr-Regiment Userowski von einer Patrouille zurüd gekehrt iſt, die er über Hermannsdorf , Hennersdorf bis Seidhau , alſo 1 / Meile hinter Sauer gemadt hat. Er hat in der ganzen dortigen Gegend nicht das Geringſte vom Feinde entbedt. Um die Ravalerie

nicht unnüß zu fatiguiren , ſtehe id, mit derſelben nod) vor Profen und warte den Oberſt v. 3ürgaß ab, der noch bei Zauer ſteht. Zur Feld

wadie nach Bartid habe ich 1 Difizier und 40 Pferde geſchidt. Der Lieutenant Bußte hat ſich freiwillig erboten, nach Neumarft und lieg

niß mit 4 Mann eine Mauſe - Patrouille zu machen , da er des Weges dahin ſebr kundig und in der dortigen Gegend zu Hauſe ift. Um

aber dergleiden Patrouillen oft zu machen, iſt die Entfernung doch zu groß, und ich wiederhole deshalb meinen früheren gehorſamſten Vor

ſchlag, einen gewandten Huſaren - Offizier als Barteigänger dahin vors zuſchiden, der nicht nöthig hätte, ſogleich hierher zurüđzukehren . Höhe bei Profen — 24. Auguſt, Nadymittage 43/4 Uhr. v. Raßeler. " Ferner :

„ Der Lieutenant But fe iſt bis auf eine halbe Stunde vor Liegniß geweſen und hat dort mit Gewißheit erfahren , da geſtern Franzoſen

bereits auf dem Wege von Liegnitz nach Neumarkt und zwar bis auf eine Stunde von legterem Orte vorgedrungen waren.

Dann aber

haben ſie plößlich Gegenbefehl erhalten und find wieder zurüdgekehrt. Heute ziehen ſie ſich von Liegniß auf Qaynau zurüd und werden von den Roſaden verfolgt.

Em. Excellenz Inſtruftion , mein Borgehen zu morgen um halb 9 Uhr betreffend, habe ich erhalten und werde die Beſtimmung zu er: fülen ſuchen.

3m Bivouat bei Zauer, den 24. Auguſt, Abend8 114/4 Uhr. v. Ata geler."

Ehe noch dieſe leßtere Meldung an das große Hauptquartier ges langte, hatte aud General Saden dorthin angezeigt , daß ſeine Vor truppen Liegniß unbeſegt gefunden und der Feind nad Haynau und

Bunzlau zurüdgegangen ſei. Ebenſo wiederholte ſich die Ausſage, Nas poleon ſei nad Lauban umgekehrt.

Das 2. Leib-Huſaren-Regiment, auf Kloſter Wahlſtadt und Liegniß vorgeſchidt, beſtätigte ebenfalls, daß Liegniß von den Franzoſen verlaſſen

ſei. Es fonnte alſo an einer weſentliden Aenderung der ſtrategiſchen

160

Sadlage nicht gezweifelt werden. Bebenfalls lag tein Grund mehr vor, den Rüdzug nady Sdweidnit hin fortzuſeßen. Augenblidlich ſtanden , wie wir ſchon oben andeuteten , Yorf und Saden bei Roblhöhe , Langeron bei Gr. Roſen , ſeine Avantgarde jenſeits Jauer in Peterwiß , Roſaden bis Seichau vorgeſdoben. Sauer war mit 2 ruſſiſden Bataillonen beſegt. Die Kavallerie Yorks wiſſen

wir bereits zwiſchen Sauer und Profen. Sade18 Avantgarde unter General Waſſiltſchifoff war bei Mahlitſch ſtehen geblieben. Blüdyer befahl zum 25. Auguſt ſehr früh eine Retognoszirung mit der Ravallerie der Avant- Garden und der Reſerve-Ravallerie aller 3 Rorpe , unterſtügt durch die reitende Artillerie. Die Refognoszirung

des Korps von Saden ſollte auf liegniß und Haynau , die Yorks zwiſden Liegniß und Goldberg über die Maßbach, die Langeron8 gegen Goldberg und Schönau gerichtet ſein. Der Feind mußte aufgefunden werden. Der Befehl zum Antreten ber 3nfanterie nach Bauer blieb vorbehalten.

Die Roſađen ſtreiften ſchon am Abend des 24. Auguſt jenſeit der Maßbach.

3n Folge dieſes Befehle formirte Yorf eine neue Avant - Garde, die er nun dauernd unter die Befehle Ataşeler & ſtellte.

Veränderungen waren nothwendig geworden , da unter Anderem idon jeßt 3 Bataillone des 6. Sơleſiſchen Landwehr - Regiments zu einem einzigen Bataillon kombinirt werden mußten. Die Avant- Garde, deren Infanterie Major v. Hiller kommandiren ſollte, beſtand aus : dem Schleſiſchen Grenadier - Bataillon ,

2. Bataillon des Brandenburgiſchen Infanterie-Regiments, Thüringer Bataillon ,

Landwehr-Bataillon Seydlig (5. Schleſiſchen Regimento ), Landwehr- Bataillon Rempeli ( 14. Sdileſiſchen Regimente),

den 3 Jäger-Rompagnien, der 6pfdg. Fuß-Batterie Nr. 24 (Varenfampf), dem Litthauiſchen Dragoner-Regiment, Brandenburgiſchen Ulanen - Regiment, $

1. Neumärkiſchen Landwehr-Ravalerie-Regiment,

der reitenden Batterie Nr. 2 (Borowski).

Major v. Hiller , Kommandeur der 1. Infanterie -Brigade, erwarb fidh in der Avant - Garde ſehr bald einen nicht minder ausgezeichneten Ruf als ihn stapeler beſaß , unter deſſen Oberleitung er überall mit Geſchid und Entſchloſſenheit in die Gefechtsverhältniſſe eingriff. Wir wiſſen bereits , daß sageler am Abend des 24. Auguſt im Bivouat bei Bauer ſtand. In Folge der neuen Beſtimmung Rapelers hatte ihn nämlich Oberſt v. 3 ürgaß bei Profen mit der Reſerves

161

Ravallerie abgelöſt. Ehe Kapeler indeſſen von dort abmarſchirte, meldete er noch dem General York : , Höhe bei Profen - 24. Auguſt.

Ew. Ercellenz Befehl werde ich mich beſtreben nach Möglichkeit zu befolgen. Id werde mit dem Gros meiner Kavallerie ſogleid, bis Jauer

vorgeben und meine Spiße bis gegen Seidhau pouſſiren. Die Haupt ſache, um ſichere Nachrichten zu erhalten , iſt das Patrouilliren.

Hierzu fehlt mir aber das Beſte, nämlich Hujaren , um die , wenn es irgend möglich iſt, id) Ew. Excellenz dringend bitte.

Ich werde ver

ſuchen, die Truppen in Sauer mit Brod zu verpflegen. Wagen habe id, aber nicht. 3ch würde bitten , der Avantgarde etwas Schlachtvieb und Branntwein nadifenden zu laſſen, weil wir daran großen Mangel

leiden. Der Major v. Hiller wird mit der Infanterie dieſe Nacht füglich noch bei Rohlhöhe bleiben können. Nur bitte id ), ihn morgen früh auf Sauer nachrüden zu laſſen ." Die Meldung, welche Raßeler aus Jauer ſpät Abends einſandte, haben wir oben ſchon mitgetheilt. M18 der 25. Auguſt anbrady, legte ſich die geſammte Savallerie der Sdleſiſchen Armee in Bewegung , nämlich die Saceng gegen

Liegnig , Langerond gegen Goldberg und Yorks von Sauer über Bredytelshof gegen Kroitid. Jürgaß folgte der Avant - Garde ale Soutien .

Bereits vor Brechtelshof meldete Sapeler um 44/4 ihr, daß eine Offizier - Batrouille vom Brandenburgiſchen Ulanen - Regiment in der

Nadht um 2 Uhr den Feind in Rödylit an der Kaßbach getroffen und bei Goldberg viele Lagerfeuer bemerkt habe. Ferner ſchreibt Reyher aus froitſch den 25. Auguſt 7 Uhr Morgens:

,,Geſtern haben nach Ausſage der hieſigen Einwohner noch 30 Chaſ jeurs hier umhergejdywärmt; jeßt iſt aber Kroitidy nicht mehr vom

Feinde beſeßt. Ich bin in dieſem Augenblic hier angekommen und babe Batrouillen gegen Ulbersdorf vorgeſchickt. Der Offizier von der linken Seitenpatrouille läßt mir ſo eben melden, daß feindlide Bedetten von Brausniş her auf der Straße von Sauer nad Goldberg ſtehen .

Die hieſigen Bauern wollen ſo eben eine Kanonade aus der Richtung von Haynau gehört haben. Aucı haben die hieſigen Einwohner in der

vergangenen Nacht viele Lagerfeuer zwiſchen Prausniß und Goldberg geſehen . Was ich von Ulbersdorf her erfahre , wird meine ferneren Maßregeln beſtimmen . v. Kaşeler.“ 11

162 Ferner :

„Auf den Höhen vor Roſendau 10 / Uhr Vormittage. Ich habe meine vorige Meldung beſtätigt geſehen. Der Feind ſteht zwiſden Braußniß und Röchliß. Der Offizier, den ich gegen Ulbers dorf vorgeſchidt hatte , rapportirte , daß bei Roth Brinnig etwa 3,000 Mann feindliche Savalerie im Lager ſtehen . Von der ruſſiſchen Stolonne, die auf Goldberg vorgehen fou , läßt ſich bis ießt Nichts ſehen. 30 habe mir alle Mühe gegeben , den Feind in die Ebene zu loden ; er bleibt aber am Walde, wo ſich Tirailleurs zeigen. Wenn Em. Excellenz

befehlen , daß ich weiter vorgehen ſoll, ſo würde während dieſer Zeit hier das Terrain durd) Infanterie gedeďt werden müſſen . Die im Lager zwiſdien Braugniß und Rödlig ſtehenden feindlichen Truppen werden auf 3 Bataillone und 4 Estadrons geſchäßt. Nach dem eben eingebenden Rapport eines alten zuverläſſigen Unteroffiziers ſtehen zwiſchen Goldberg und Ulbersdorf viele feindlichen Truppen , - und nach einer Bauern - Nachricht fod auch bei þaynau ein ſtarkes feindliches

Horps ſtehen , worüber wohl General v. Saden den beſten Rapport abftatten fann .

v. faş eler." Aud Oberſt v. 3 ürgab , der mit der Reſerve-Ravallerie bis froitid gerüdt war, meldete, daß der Feind wieder auf der Straße von Baynau nad Liegniß vorzubringen ſcheine. General Waſſiltſdifoff , dort tem Feinde zunädiſt, beſtätigte dieſe Nachricht und zog ſich über Roth fird, an die saßbach zurüd . Nur bei Goldberg blieb der Feind ſtehen ;

es wurde eben cort gewartet , bis das zurüdgegangene 3. franzöſiſche Korps wieder in gleiche Höhe mit den andern Korps gekommen ſei. Die Schleſiſche Armee , welche ſich aus der Gegend von Striegau

nad 3auer hin bereits in Bewegung geſeßt hatte , wurde nun von Blücher im Marjd wieder angehalten, um erſt die Sacılage zwiſchen Þaynau und liegniß vollſtändig aufzuklären . General Langeron , der bereits über Zauer vorgerüdt war, blieb bei Hennersdorf ſtehen , vor ſich den General Korff bei Seidau , von

wo derſelbe die unveränderte Stellung des Feindes um Goldberg be ſtätigt hatte. General v. Saden ſtand am Abend in Mahlitid); Waſſiltſdifoff

in Baben diefſeits der Kaßbach. General yort bivouatirte zwiſchen Bauer und Groegersdorf, feine Avant - Garde bei Ober - Weinberg , wohin Kaşeler über die Kaßbad) zurüdgegangen war. Reyber berichtet darüber :

„ Im Bivouat bei Ober-Weinberg; Nachmittag8 43/4 Uhr — 25. Auguft. Es war anfänglich mein Borſaß , mit der Kavallerie der Avant Garde dieſe Nacht bei froitſ zu bleiben . Da aber nach mehreren

163

Meldungen der Ruſſen die Avant - Garde del Generale v. Saden durch 2 feindliche Infanterie - Diviſionen von Steudniß ber zurüdgedrängt

worden iſt und in dieſem Augenblid die Avant - Garde des Sađenſchen Korp8 bei Baben und die des Langeronſden Korps bei Seidyau fteht, es überdies auch zweckmäßiger iſt, mit der Kavalerie hinter die Defileen zurüdzugehen , ſo melde id, Ew. Ercellenz gehorſamſt, daß id) mit dem Gros meiner Avant-Garde bei Ober - Weinberg ſtehe. Die Infanterie des Majors v. Hiller hat die Defileen von Weinberg bis zur Raßbach

befeßt. Nach den ſo eben eingegangenen Meldungen ſoll der Feind noch bis Rothkirch vorgerüdt ſein. Ich habe den Patrouillen und der Kas vallerie- Chaine (längs der Saßbach ) befohlen, den Feind nicht aus den Augen zu laſſen. Mit den ruſſiſchen Avant - Garden rechts und links bin ich in Verbindung getreten . v. Rat eler. "

Major v. þiller hatte mit der Infanterie den Morgen Sauer paſſirt und war von hier dem Oberſt v . Stapeler auf Bredtelshof und dann auf Bellwigshof gefolgt. Hier fand der Major 2 Kavalleries

Regimenter und 1 reitende Batterie, welche stapeler dafelbſt zurüdges laſſen . An dieſer Stelle erreichte ihn der Befehl yorte , der über die

Kaşbach vorgegangenen Kavallerie zur Aufnahme zu folgen. Indeffen ſchon bei Weinberg traf ter Major den zurüdkehrenden Dberſt und dieſer befahl nun der Infanterie, die wüthende Neiſſe zu befeßen, damit die Kavallerie ausruhe und die Pferde gefüttert werden könnten. Major r. Hiller hatte bereits bei Brechtelshof abkochen laſſen. Major v. Hlür beſeşte die Neiſſe von Sdılauphof bis Schönau und zwar mit den oſts

preußiſdhen Jäger-Hompagnien, 300 Tirailleurs und einem Detaſchement freiwilliger Jäger ; Ravallerie -Patrouillen ſtreiften bis jenſeit der Maßbach. Der linke Flügel des Feindes mar bis liegniß vorgegangen und hatte dieſe Stadt wieder befekt. Man befand ſich hiermit an den Vorabend zur Solacht an der Haßbad ), die Blücher zu ſuchen feſt entſchloſſen war, um den ermü

denden Rüd- und Nachtmärſchen der Truppen ein Ende zu machen. Die Gefahr für den moraliſden Halt der Armee bei einer fortgeſeßten Des

fenſive — wenn ſie auch in der urſprünglichen Beſtimmung Blüchers lag, – follte von Morgen ab durch eine fühne, rüdficht& loſe Offen

five beſeitigt werden. Das Vertrauen des Generals en chef auf einen guten Audgang iſt von ſeinen braven Truppen nicht getäuſcht worden . Nod am Abend des 24. Auguſt ertheilte Blücher der Avantgarde

Yorfe und den Roſaden des Korps von Saden den Befehl, den Feind in der Nacht zu alarmiren. General York ſelbſt, deſſen Korps gegen

Saden und langeron etwas zurüdſtand, ſollte am 26. Auguſt früh um 5 Uhr von Jauer naďy Schlauphof vorrücken und ſich dort verdedt in Polonnen aufſtellen . 11 *

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Was in der Nacht geſchehen, meldet Reyher in folgenden Schrift ſtüden feines Oberſten an den General v. yort : 1. Meldung.

„, Auf dem Felde bei Krayn. Den 26. Auguſt Morgens 5 1/2 Uhr. In Folge Ew. Excellenz Befehl ließ ich den Major v. Stutter beim in der Nacht mit meiner leichten Ravalerie (das brandenburgiſche

Ulanen-Regiment und 1 Geſchüß ; - Oberſtlieutenant v. Blaten folgte mit 2 Eskadrong litthauiſcher Dragoner als Soutien) vom Weinberg abmarſchiren , um gleichzeitig mit den Vortruppen bell Generale v.

Saden die Vorpoſten - Chaine des Feindes zu alarmiren. Der Major ging über Arayn, Kroitſch und Wültſchüß gegen Rothkirch vor, welden legten Drt der Feind mit Infanterie ſtart belegt hat. Der Verſuch zu einem

Ueberfall gelang nid)t, da die feindlichen Vedetten wadiſam waren, und gleich bei den erſten Schüſſen der Vorpoſten Alarm in Rothird ge ſchlagen wurde. Der Buſch von Rothkird iſt noch jeßt ſtark mit In fanterie beſett , Ravallerie hält daneben , und ſoviel Mühe fid Major v. Stutterheim audy gab , die Savallerie in die Ebene zu loden , jo hat fie ſich doch ebenſo wenig wie geſtern dazu verleiten laſſen . Der Major bat ferner bemerkt, daß fich zwei feindliche Rolonnen von Roths

firch nach Goldberg hin gezogen haben, deren Stärke er bei der Dunkel heit nicht hat beurtheilen können.

v. Rapeler." 2. Meldung .

„ Auf dem Felde bei Krayn. Den 26. Auguſt Morgens 64/2 Uhr. Der Major v. Stiern , gleichfalls von mir zur Alarmirung des Feindes vorgeſchidt, hatti fich mit 40 Pferden, Ulanen , größtentheils aber Landwehr-Ravalerie , jenſeit der Raßbach bei Hohendorf (weſtlicy von froitſch ) in ein Verſtec gelegt. Er wartete hier eine Zeitlang auf die Mitwirkung der Ruſſen von Riemberg her. Da aber fein Schuß von dieſer Seite fiel, und der Tag anfing anzubrechen, ſo befürchtete

der Major, daß der günſtige Zeitpunkt ganz verſtreichen möge, und ſuchte deshalb nun die franzöſiſchen Vorpoſten bei Hohendorf zu überfallen. Er bekam ſogleich ein heftiges Infanterie - Feuer , überraſchte aber dody ein feindlides Kavallerie - Biquet von 15 Mann , die im erſten Anlauf

überrannt und niedergeſtochen wurden ; nur einem Einzigen konnte der Major perſönlich das Leben retten ; er führte ihn als Gefangenen nebſt 2 Beute - Pferden mit ſich. Dennoch hebt Major v. Stiern heraus , daß fidh Savalerie der

fandwehr zu dergleichen Expeditionen nid)t eigne. Beiliegend überſende id) Ew. Ercellenz die Ausjage eines gefans genen franzöſiſchen Infanterie - Offiziers, den die Roſaden aufgehoben haben und den Major v. Stutterheim ſelbſt eraminirt hat.

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Falle Ew. Excellenz nicht wichtige Unternehmungen beabſichtigen, jo bitte ich Hochdieſelben gehorſamſt um Erholung für Leute und Pferde, da die Mannſdaften der mir untergebenen Ravalerie in 5 Tagen weder geſchlafen noch warm gegeſſen haben.

v. Rapeler." Wir entnehmen hieraus, wie groß die Anſtrengungen der Vortruppen waren und gleichzeitig , wie wenig man bei der Avantgarde an dieſem Tage eine Schlacht erwartete , die doch ſo nahe bevorſtand und den glüdlichſten Wendepunkt in den Operationen der Schleſiſchen Armee bezeichnete.

Die Ausſagen des Gefangenen hatte Reyher in folgender Weiſe zuſammengeſtellt: „ Ein franzöfiſcher Infanterie - Offizier, der bei Rothkirch von den

Roſacken des Sadenſchen Rorp8 gefangen worden iſt, ſagte Folgendes in Gegenwart des Majors v . Stutterheim aus : Der Marſdal Ney , welder hier kommandirt babe , ſei geſtern

joleunig nach Görlig abgegangen , ohne jedod Truppen mitzunehmen.

Dag 3. Korps , jeßt unter den Befehlen des Grafen Souham , ſtehe von Goldberg bis über Rothkird) hinaus. Dieſes Korps ſoll aus 30,000 Mann Infanterie und c. 6,000 Mann Ravallerie beſtehen. Bei

Rothfird, ſelbſt ſtänden 13 bis 14,000 Mann. Der Offizier ſagt ferner aus , daß heute früh 900 Mann Infanterie und 250 Mann Ravalerie mit 2 Kanonen nach Goldberg detaſchirt worden ſeien, um dorthin einen widhtigen Brief zu überbringen . " „ Dies würde die Rolonne geweſen ſein, welche der Majer v. Stuts

terheim nad dem früheren Rapport geſehen hat , die ihm aber , wie der Major ausdrüdlich bemerkt , ſtärker zu ſein ſcien , als der Offizier ſie angegeben hat. Ein Theil der Savallerie ſoll nach dem von 9 bis 10,000 Mann beſeßten Liegniß geſandt worden ſein .“ Hiernach zu urtheilen, würde der Feind von Goldberg bis liegnig zwiſchen 40 bis 50,000 aufgeſtellt haben. Die Richtigkeit der Ausſage

wegen des angeblich wichtigen Briefes ſcheint mir zweifelhaft zu ſein. v. Kaşeler." Während Ataşeler auf dieſe Weiſe den Befehlen Blüchers zu

entſprechen geſucht, hatte General Waſſiltſdifoff die Alarmirung

des Feindes ganz unterlaſſen , angeblich wegen Terrainſdwierigkeiten und weil ihm der Befehl nicht zeitig genug zugefertigt worden ſei. Saden nannte dieſes Verfahren ſeines Avant - Garden - Generals „uns erwartet“ und „ fonderbar."

Sobald der Morgen dieſes Tages anbrach , ließ Kaşeler burd)

den Major v. Klür mit den Jäger-Rompagnien das Dorf Kroitſd be feßen und zur Aufnahme der Jäger das Brandenburgiſche Ulanen - Re.

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giment und 2 Esfadrone litthauiſcher Dragoner an der Saßbach hinter dem Dorfe aufſtellen. Das Gros der Avantgarde blieb vorläufig nody bei Weinberg. General Jürgaß hielt mit der Reſerve- Ravallerie bei Chriſtianen- Höhe, öſtlich von Bellwißhoff. Marſchall Macdonald , nun im Beſitz des wieder vorgeführten 3. Korps, hatte zum 26. Auguſt, dem Befehl Napoleons gemäß, die Offenſive in der Richtung auf Jauer beſchloſſen , um die ſchlefiſdhe

Armee auf Striegau zurüdzuwerfen. Der Vormarſd) von Goldberg geldab nad) folgender Dipoſition: Die Diviſionen Maiſon und Rodhambeau des 5. Korp8 (lauri fton ) rüden von Goldberg über þennerådorf auf Jauer vor ; ſie bilden die rechte Flügel - Rolonne. Die Diviſionen Gérard und Charpentier des 11. Korps , deſſen Navalerie und das 2. Kavallerie - Korps unter

General Sebaſtiani, gehen als mittlere Kolonne bei Firoitidh von bem linken auf das rechte Raßbad -Ufer, überſchreiten ferner die wüthenbe

Neiße, erſteigen deren rechten Thalrand und marſdşiren von dort gleid) falls auf Jauer. Die linke Flügel - Kolonne formirt das 3. Korps unter General Souham , der die Kaßbad aus der Gegend von Roth fird paffirt, und die Straße von Liegnit nad) 3auer zu gewinnen judyt.

Dieſe 3 Kolonnen hatten eine Stärke von über 80,000 Mann. Detafdirt war die Diviſion Buthod de8 5. Korps, und zwar theils von

Steinberg im Marſd auf Sdöngu , theils von lähn im Marſd auf firſchberg. Nach Hirſchberg feßte ſich auch die Diviſion Ledru des 11 . Korps in Bewegung , weil man hier die Truppen des Generals St. Prieſt zu treffen hoffte. Audy die Schleſiſche Armee konnte den anrüdenden franzöſiſchen Ko lonnen c. 80,000 M. unmittelbar zur Stelle entgegenſeßen. Von keiner Seite wurde ein Vormarſch des Gegners erwartet. Die Schlaďt wurde

dadurch zu einem Recontre im großen Styl , wobei der ſeit mehreren Tagen anhaltende Regen die Marſdrid tung und Stärke der Korps in einen dichten Schleier hüdte.

Wie wenig auch Blüdyer den Gegner diesſeits der Staubach er wartete , geht aus der Dispoſition hervor , die er gegen 11 Uhr in

Brechtelshof ausgab. Es ſollte nach derſelben die Avantgarde des Grafen Langeron gegen Goldberg ſtehen bleiben, dagegen das Korps desſelben rechts abmarſdiiren , das linke Haßbach-Ufer bei Riemberg und Rödyli gewinnen, und ſich auf den Höhen bei Roſenbau und Hobberg

in Kolonnen formiren ; die Kavallerie gegen die ſchnelle Deichſel vor: treibend. Das Rorp8 v. Yort wurde beſtimmt von Brechtelshof, wo hin es bereits vorgegangen war , bei Rroitid und Dohnau die Katz.

bach zu überſchreiten, und in der Direktion weſtlich von Rothkirch gegen Steudniß zu marſchiren , um das bei Liegnitz vorausgeſeşte feindliche

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Korps von Haynau abzuſchneiden und im Rüden anzugreifen. Dem

Korps von Saden fiel die Aufgabe zu , den Feind bei Liegniß in der Front feſt zuhalten , im Anſchluß an das Korps Yorks die Staßbach oberhalb Siegniß zu paſſiren, und dann gegen die rechte Flante des Feindes die Offenſive zu ergreifen. Es wurde hierdurch die Bernichtung einer einzelnen Korps ange :

ſtrebt, während man ſich die franzöſiſche Armee im Ganzen in defenſiver Haltung badyte und deshalb ihren Rüdzug ale nabe bevorſtehend vor. ausſette.

3n Folge dieſer Annahme idloß aud Blücher ſeine Dispoſition mit den Worten :

„ Beim Rüdfzuge des Feindes erwarte id ), daß die Kavallerie mit Kühnheit verfährt. Der Feind muß erfahren , daß er im Rüdzuge nicht unbeſchädigt aus unſeren Händen kommen kann.“ Um 2 Nadımittags ſollten die Korps die befohlene Bewegung be

ginnen. Das bereits begonnene Avant- Garden - Gefecht wurde indeſſen Veranlaſſung, das Antreten der Kolonnen noch zu verzögern , um ſich zunädiſt die Situation etwas deutlicher entwideln zu laffen. Die wüthende Neiße trennte das Schlachtfeld in zwei verſchiedene Gefechtsfelder : auf dem linken Ufer, zum Theil im Grunde , wiſſen wir das Korps von fangeron, auf dem rechten Ufer auf dem Plateau die Sorps von Yort und Saden . Langeron glaubte aus Mißvers

ſtändniß über ſeine perſönliche Berechtigung unter dem Oberbefehl Blüchers , dem Angriff der Franzoſen nicht den Widerſtand entgegen feßen zu dürfen, der ihm doch in der Form der Offenſive vorgeſchrieben

war ; – er repräſentirte deshalb den abſichtlich zurücweichenden linken Flügel, während Yort und Saden , als rechter Flügel der Schlacht front, den auf dem Plateau erſcheinenden Feind angriffen, warfen, und die Schladt zum Siege entſchieden. Es war um 1/2 10 Uhr als das 5. franzöſiſche Korps, bei welchem ſich der General en chef, Marſdal Macdonald , perſönlid, befand, vor Seidau erſdien. Die ruſſijde Ravallerie mich hinter den Blinſen: Grund zurüd , auf deſſen jüdlichem überhöhendem Rande als Vorder : Treffen 8 Bataillone des 10 ruſſiſdien Infanterie-forps (Kapzewitſch) und 14 Eskadrons hielten. Das Gros oder 2. Treffen, das 6. ruſ

fiſche Infanterie-Korp8 ( Fürſt Tjdjerbatoji), ſtand mit 8 Bataillonen den rechten Flügel bildend, auf dem Breiten - Berge und am Kirchberg, vor ſid) in dem Dorf Sdhlaupe 3 Bataillone und im Grunde unterhalb

þennersdorf 2 Bataillone, 1 Koſaden -Regiment als Soutien. Den linten Flügel des 2. Treffens hatte das 9. ruſſiſde Korp8 (D1ſufieff) mit 9 Bataillonen hinter dem Wein - Berge , 1 Bataillon in permannsdorf,

und ebenfalls vorgeſchoben in Hennersdorf 2 Bataillone, ferner am Grunde oberhalb Hennersdorf 2 Bataillone. Hinter dem Groß befand

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fich die Reſerve-Stavallerie, 12 Eskadrong. Die Haupt - Reſerve oder das 3. Treffen befand fid Anfangs am Südweſt- Ubhange des Breitens

Berges, wurde aber ſehr bald aus Beſorgniß von Konradswaldau her, wo Graf Bablen ſtand, in der linken Flanke umgangen zu werden , nad dem Weinberge bei Peterwit zurüdgeſchidt. Artillerie ſtand

nur in geringer Zahl in der ruſſiſchen Schlachtfront, da Graf Langeron die ſchweren Batterien bereits am Vormittag über Jauer auf der Straße nach Striegau zurückgeſandt hatte ; ſie ſollten ihm bei dem erwarteten Rüdzuge nicht im Wege ſein. Dieſe Stellung, mit 3 Abſchnitten hinter einander, nämlich 1 , Plinſen - Grund, 2. Sdlaupe, Stein-Berg und Hen.

nerødorf ; endlich 3, der Breite-Berg, Kirch -Berg, Weinberg und Fer manngdorf, --- war ſehr ſtark zu nennen, umſo mehr, da ſie nur 4,000

Schritt lang , ſich mit dem rechten Flügel an die wüthende Neiße, mit dem linken an das unwegſame Hügelland des Mönche : Waldes lehnte. Graf Pangeron hatte c. 24,000 Mann unmittelbar zur Stelle, während

Lauriſton nur mit c. 18,000 Mann angriff, da die Diviſion Buthod, wie wir bereits ſagten, detaſchirt war. Allein das Vorder - Treffen behauptete den Plinſen - Grund nid )t. In Folge einer unbedeutenden Bedrohung der linken Flanke von Seichau

über die Burgg-Berge nadı den Buſchhäuſern hin, mußte es ſchon nach wenigen Schüſſen in der Front gegen 1 Uhr links abmarſchiren , und ſich ſüdlich der Buſchhäuſer zwiſchen Herrmannsdorf und dem Gebirge, alſo auf dem äußerſten linken Flügel des ruſſiſdien Gros , aufſtellen .

Dadurd, bekam der Feind Freiheit, den Plinſen - Grund zu überſchreiten, und Hennersdorf anzugreifen. Allerdings wurde hier der Kampf nad 2 Uhr ernſtlicher und befs tiger. Die Ueberlegenheit der franzöſiſden Artillerie fam zur vollen Wirkung. Man ſchlug fich um Hennersdorf. Indeſſen die Ruſſen ver

loren dieſes Dorf, und die franzöſiſdie Kolonne konnte ſelbſt den Wein berg didit vor der ruſſiſden Hauptſtellung in Beſit nehmen. Nur die fiegreichen Fortſchritte Blüchers auf dem Plateau rechte

der Neiße konnten jeßt noch den General Langeron zurüchalten, ſofort den Rüdzug nach Jauer anzutreten. Bon dieſen Fortſchritten in fenntniß geſett , ermannte ſich der

ruſiſche General und ging zur Contre-Attade über. Preußiſche Truppen wirkten von Sdlaupe gegen die linke Flanke Macdonaldo mit ; und ſo gedah es, daß der Weinberg den Franzoſen wieder entriſſen , und auch der größte Theil von Hennersdorf wieder in die Hände der

Ruſſen fiel. Die einbrechende Dunkelheit hatte hier dem Gefecht ein Ende gemacht. Die beiderſeitigen Maſſen blieben diesſeit und jenſeit des Dorfes þennersdorf ſtehen. Erſt um Mitternacht trat Macdonald ungeſtört den Rüdmarſch nach Goldberg an,

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Große taltijdje Erfolge waren unterdeſſen von Yort und Saden auf dem andern Neiße-Ufer errungen worden, fie begründeten den Na men des Sieges an der Saßbach.

Jenſeit der Maßbady hatte ſich der Feint gleichfals ſo ſpät in Be wegung geſeßt , daß derſelbe erſt gegen 11 Uhr vor Kroitſch erſchien. Kaşeler 30g die Vorpoſten zurüd und behielt nur die Uebergänge über die Neiße bei Krayn und Weinberg beſeßt. Es kam an dieſem Bunkte Nadmittags zu kleinen Gefechten , von welchen Reyher in Kaşeler 8 Tagebuch im Allgemeinen ſchreibt: ,,Der Feind traf Anſtalten uns mit ſeiner ganzen Force zu folgen. Ich machte ihm daher das große Defilee bei Krayn nicht ſehr ſtreitig, um ſo mehr da ich die Nachricht bekam , daß unſer ganze8 Armee-Rorps

vorrüde. Auf den Höhen vor Weinberg nahm id) zwar mit der Avant garde eine neue Stellung, da aber unterdeſſen die Arinee heran war, und der Feind in Maſſen die Abhänge erſtieg, ſo rüdte die Avantgarde

nad der Ordre de bataille in ihre Brigaden ein. Es kam zur Sdlacht." Zwiſchen 2 und 3 Uhr hatte Yort das preußiſche Rorp8 von

Bredyteldhof nadh Bellmighof herangeführt, wo ſich bereits die Reſerve Kavalerie unter Jürgaß befand. Die 7. und 8. Brigade ſtanden in erſter Linie, die 2. Brigade in zweiter Linie, die 1. Brigade in Reſerve ; die Bataillone ſämmtlid, in Kolonne nach der Mitte. Redits von dem preußiſchen Armee - Rorps ſtand General Saden mit dem ruſſiſden Korpe ſchon bei Eid holz, zwiſchen Chriſtianen Höhe und Nieder - Hoch firc (Infanterie linke, Ravallerie rechts), den Tauben - Berz fütweſtlid) von Eidholz mit einer 12 pfündigen Batterie beſeßt, weldje das Feuer

eröffnete. Einige preußiſche Batterien ſchloſſen ſich ihr ſehr bald an. Reber ſchreibt: ,, Das brandenburgiſche Ulanen - Regiment , bei dem fid Oberſt v. Kaşeler perſönlich befand , wurde beſtimmt, die Kommunikation zwiſchen dem Yorkſchen und Sadenſchen Morps zu unterhalten, und zugleid) eine ruſiſche und eine preußiſche Batterie zu deđen . “

General Gneiſenau retognoszirte von Chriſtianen -Höhe den Feind. Der Regen ließ nur in dunkeln Umrißen franzöſiſche Kavalerie und reitende Artillerie in der Linie des Lerchen - Berges und Klein-Tinz ers fennen . Die feindliche Infanterie (dien erſt unter dem Schuß ihrer Kavallerie das Plateau gewinnen zu wollen. . Nur am Kubberge wurde Infanterie ſichtbar.

Die Radridit, daß der Feind unten im Thal Schlaupe bedrohe, veranlaßte den General York , 2 Bataillone zur ruffiſchen Befaßung dorthin abrüden zu laſſen. Oberſtlieutenant Somidt führte mehrere Batterien vor die Front des Korps, und eröffnete mit ihnen das Feuer

gegen die ſichtbare Infanterie und Kavallerie des Feindes.

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York ließ ſein 1. Treffen deployiren. General Blücher er: (dien vor der Front, redete die Bataillone in ſeiner kurzen, derben Art an, und forderte ſie auf , ſich bei dem Regen nidt mit Schießen abzu: geben , ſondern dem Feinde gleich mit dem Bajonett auf den Leib zu geben.

Sechs Bataillone der 8. Brigade traten zuerſt an ; ſie jollten links den Thalrand feſthalten , und geriethen dadurch gegen die ſpäter an rüdende 7. Brigade in das Verhältniß eines vorgeſchobenen linten Flügel Echelons. Südlich vom Rubberge gerieth die 8. Brigade in feindliches Startätſfeuer , und ftieß hier auf 3 franzöſiſche Infanterie - Maſſen ; zwei wichen zurüc, eine hielt Stand. Major v. Othegraven führte das 2. Bataillon Brandenburgiſchen Infanterie -Regiments (des jeßigen

12 ten ) dieſer Maſſe im Sturmſdyritt in Linie entgegen , umfaßte die feindliche Kolonne von 3 Seiten , und griff ſie mit dem Bajonnet an. Es entſtand ein ſcharfes und blutiges Handgemenge, welches mit der vollſtändigen Bernichtung des franzöfiſchen Bataillons endete. 7 Offi ziere und 165 Mann wurden als Reſt gefangen abgeführt ; aber auch das Bataillon Othegraven hatte einen Verluſt von 3 Offizieren und 188 Mann an Todten und Verwundeten. Die übrigen Bataillone der 8. Brigade warfen die noch an dem Höhenrande befindliche franzöſiſche Infanterie vollends den Abhang hinunter und eroberten 4 Geldjüße. Der Rubberg ſelbſt und das Terrain nördlich deſſelben war aber nocy von dem Feinde bejeßt.

Unterdeſſen hatte die vereinigte preußiſche und ruffiſde Artillerie vom Tauben - Berge ber der Art vorgewirft, daß das Vorgehen der Re

ſerve-Kavallerie unter Oberſt v. 3ürgaß , gefolgt von der 7 Brigade und weiter zurück von der 2. Brigade, gerechtfertigt ſchien . Die beiden Dragoner -Regimenter attadirten die franzöſiſche Ravallerie mit gutem

Erfolge, nahmen auch eine Batterie, wurden dann aber, in Folge ihrer durch das Gefecht veranlaßten Auflöſung, geworfen und mußten ihren Halt an der 7. Brigade ſuden. Diejen Moment bezeidinet Reyher in Stapelers Tagebud ), wenn er dyreibt :

Das brandenburgiſdye Ulanen - Regiment hatte bei der Dedung der preußiſchen und ruſſiſchen Geſchüße mit der größten Ruhe in dem ſehr heftigen Kanonenſeuer gehalten und hier mehrere Leute und Pferde verloren. A18 aber Oberſt v. Kaşeler bemerkte , daß auf dem linken Flügel unſere Kavalerie ziemlich en débandade zurückgeſprengt tam , führte der Oberſt das Regiment fogleid) gegen die verfolgende Raval lerie vor ; und warf ſie gegen das Defilee von Krapn zurüd. Der Re

giments - Kommandeur, Major v. Stutterheim , zeichnete ſich hierbei an der Spiße des Regiments durch Entſchloſſenheit aus. Der Feind ließ wieder mehrere ſeiner Geſchüße im Stich.“

171 Indeſſen waren die Kavallerie - Gefechte hiermit noch nid )t beendet.

Erſt das gleichzeitige Vorgehen der ruſſiſdien und der wieder raillirten preußiſden Kavallerie entſchied hier einen Stampf, in welchem die fran zöfiſche Infanterie ſchon vorher unterlegen war. Dem Erfolge der ka

valerie ſbloß ſich ein allgemeines Vorrüden der Infanterie Yorts und Sadens an, mit Ausnahme degjenigen Theils der 2. Brigade, welcher zur Unterſtüßung des Grafen Langeron nad Schlaupe und ſpäter nad, Sdlauphof detaſdirt worden war.

Die Sdywierigkeit eines geordneten Rüdzuges durch die Schluchten und über die nun angeſchwollene Neiße und Rapbad verwandelte die Niederlage der franzöſiſchen Korps auf dem Plateau in eine faſt voll

ſtändige Auflöſung. Verlaſſene Geſchüße und Munitions - Wagen ver ſtopften die Hohlwege. Was fidy neben den Brüden zu retten ſudite, ertrant in den Fluthen. Jede Befehlsleitung hatte aufgehört. Wider ſtand fand nirgends mehr ſtatt. Nur Rettung vor den vernichtenden Waffen war der einzige Gedanke, der auf jede Gefahr hin zur Fludt ſpornte.

Reyher ſchreibt:

„ Oberſt v. Kafeler ſekte ſich in der Verfolgung an die Spiße des 2. L'eib -Huſaren -Regiments, welches Major v. Stößel fomman dirte , und drang mit dem Regiment im Verein mit dem 2. Oſtpreu Biſden Infanterie-Regiment durd) Krayn vor, wobei jenſeits des Dorfes

dem Feinde noch ein Geſchüß und Gefangene abgenomnien wurden . Die Nacht hemmte die weitere Verfolgung. Alles bivouafirte auf dem Sdladtfelde." Sehr ſpät am Nachmittag hatte and das 3. franzöfiſche Korps die Kaşbad) unterhalb der Neiße - Mündung bei Dohnau und Sdmogwi zu überſd )reiten geſucht. Das ſiegreide forp8 Saden8 warf es am Abend bei Kl. Soweinig mit leichter Mühe wieder über die Saßbad) zurüd.

Der Sieg war hiermit ein vollſtändiger. Ein neues Bertrauen durdydrang die Schleſiſche Armee gegen ihren greiſen , aber tapferen Ges

neral en chef, den ſie auf dem Sdılachtfelde wieder in ſeinem eigenſten natürlichſten Element geſehen hatte. Die Verluſte während der Sdyladyt ſind auf beiden Seiten nicht

genau anzugeben . Nur zählten die Verbündeten, ohne dasjenige, was die Rojacen fortgeſchleppt hatten, 36 Gejdüße und 110 Munitions-Wagen zu ihren Siege - Trophäen. Blüder befahl noch am Abend 91/2 Uhr , aus ſeinem Haupt: quartier Prechtelohof, für den folgenden Tag den 27. Anguſt früh

Morgens, eine energiſche Verfolgung. Es follte nämlich General Vort ſchon um 2 Uhr nad Mitternad)t mit einer Brigade , gefolgt von der

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Reſerve Ravalerie, bei Stroitid über die Raßbach geben , Alles auf dem linken Ufer des Fluſſes vor fid niederwerfen und die Direktion über

Ulbersdorf auf Pilgramsdorf nehnien. Das Korps von Saden wurde angewieſen , die Maßbadı, namentlich mit Kavallerie , bei Schmogwitz zu paſſiren , um die Straße von Liegniß nach Haynau zu gewinnen. General Langeron endlich erhielt den Befehl, ſeine Avantgarde gegen

Goldberg vorzuſdiden. Die im Gebirge befindlichen ruſſiſchen Truppen, die Generale Bahlen und St. Prieſt fouten eilen , an den Bober und darüber hinaus zu gelangen.

„Der Reſt der Truppen hält ſich in Bereitſchaft, dem Feinde morgen ſobald abgekocht ſein wird, nachzurüden."

Allein die angeſchwolenen Gewäſſer, den Franzoſen verderblich, hemmten auch die Verfolgung. General Yort beſtimmte, daß die 7. Brigade ( Horn ) als Avant - Garde die Spur des Feindes aufſuchen und an ihm bleiben folle. Aus der Reſerve - Ravallerie wurden das

Litthauiſdie Dragoner - Regiment und das 5. und 10. Schleſiſche land wehr-Havallerie -Regiment, nebſt der reitenden Batterie Nr. 2, der Bri gabe zugetheilt.

Kaum erfuhr Kaşeler die Abkommandirung dieſer Regimenter, als Reyher auch ſogleich an den General yort ſchreiben mußte : „ Bei Krayn, den 27. Auguſt, Morgens 9 Uhr. Obgleich ich mich in einem hohen Grade unwohl befinde , ſo iſt

die Veranlaſſung , dem Feinde nady allen Kräften zu ſdaden , doch zu ſchön, als daß ich zurüdbleiben könnte. In der Vorausſeßung , daß Ew. Excellenz es genehmigen , bin ich daher vorgeritten und werde die dem General v. þorn zur Avant Garde zugetheilten 3 Kavallerie-Regimenter führen. v . Napeler."

v. Rašeler und Reyher waren in der That der Avant - Garde ſogleid, nadigeeilt; wurden indeſſen unterwegs ſo aufgehalten , daß fie

dieſelbe erſt gegen Mittag erreichten, worauf Raßeler aber ſogleich die Führung der drei Kavallerie - Regimenter übernahm. Þorn hatte den bewährten Kavalleriſten freundlich willfommen geheißen. Die 7. Brigade war nidt im Stande geweſen, durch dag verſtopfte

Defilee von Nieder - Krayn ſchon nach Mitternacit die Verfolgung aufzunehmen. Erſt um 6 ithr Morgens trat ſie ihren Marſch an , der bei dem fortwährenden Regen und den grundloſen Wegen nur langſam

erfolgen fonnte. Die Kaşbad) - Brüde ſüdlich von Kroitſ und dieſes Dorf ſelbſt hielt der Feind noch beſegt. Nach kurzem Tirailleur - Gefedyt

wichen indeſſen die Franzoſen vor den preußiſchen Truppen zurüd. Die Brandenburgiſchen Huſaren folgten zunädyſt und brachten an 60 ſtehen

gebliebene Wagen verſchiedenſter Art auf. Kroitſch wurde von einem

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Theil der Brigade beſeßt , während der Reſt noch im Defiliren über

die Raßbach begriffen war. Nördlid) von dieſem Dorf ſuđite zahlreiche franzöſiſche Kavallerie den Rüdzug zu deđen, der anſcheinend auf Roth firch ging , wahrſcheinlich um von dort die Straße von Liegniß auf Haynau zu erreichen. Raum hatte das Kanoniren und Blänkeln bes gonnen, ſo erſdienen die 3 Kavallerie - Regimenter der Reſerve und ſehr bald darauf auch Kaşeler und Reyher. Revher ſchreibt von dieſem Moment in Ka Beler8 Tagebud): ,, Der General Horn trug Bebenten (wegen des heftigen Steigens

der Gewäſſer) mit ſeiner Brigade weiter als bis froitſch vorzugeben .

Ich konnte daher nur mit der leichten Kavallerie den Feind im Auge behalten und kommandirte zu dieſem Zwed den Rittmeiſter v. S dwa nenfeld mit 50 Pferden. Der Feind hatte inzwiſchen eine ſtarke Ar riergarde, aus Infanterie , Kavallerie und Artillerie beſtehend, formirt, ſo daß es nicht möglid wurde, ihm bedeutenden Abbruch zu thun. Ar tilleriefeuer unterhielt das Gefecht und die Ravalerie plänkelte, doch

gelang es ihr, viele Gefangene einzubringen. Der Feind zog ſich auf Haynau zurüd ." Die Raßbach- Brüde ſüdlich von Kroitſch wurde ſehr bald unbrauch

bar, da man das ausgetretene Waſſer zu ihr hin pafſiren mußte. Avant

Garde und Gros waren thatſädlich getrennt. General Yort hatte das Korps um Nieder- Frayn Halt machen laſſen und konnnte dem wiederholten Befehl Blücher8, ,, mit Benußung aller Hülfsmittel die

faßbach zu paſſiren und wenigſtens noch eine Stunde weit jenſeit in nicht nachkommen . Horn der Richtung auf Ulbersdorf vorzugehen" vereinigte die Brigade bei Wültſchütz und zog audy die Kavallerie fas Belers hierher zurüd. Blücher dachte ſich aber die geſammte Reſerves Kavallerie dem Feinde in den Haden liegend ; eine Verzögerung der Verfolgung wollte er ſelbſt durch den Einfluß der Elemente nicht ent ſchuldigt wiſſen , und ſo ſprady er am folgenden Tag das ſcharfe und für ſeine Auffaſſung der Energie des Krieges charakteriſtiſche Urtheil aus :

,, Ich kann meine Unzufriedenheit über die Kavalerie nicht bergen ; fie weiß ihre Beſtimmung, an dem Feinde zu bleiben und ihm zu idyaden , wo ſie fann ; ſtatt deſſen will fie obferviren und verlangt im

merwährend Ordreø. Es iſt nicht genug zu ſiegen ; man muß auch den Sieg zu benugen wiſſen. Gehen wir dem Feinde nicht auf den Leib, ſo ſteht er natürlich wieder, und wir müſſen durch eine neue Solacht erreichen , was wir aus dieſer erhalten können , wenn wir mit Energie verfahren. Der Avant- Garde und der Reſerve-Ravallerie iſt dieſe Anſicht bekannt zu machen, um danad zu verfahren." Am 27. Auguſt verließ die franzöſiſche Befaßung auch die Stadt Liegniß , welche Saden mit ſeiner Avant - Garde befekte , während die

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Koſaden dem Feinde auf der Straße nach Haynau folgten. Ein Theil

der geſchlagenen Armee hatte ſid) ſchon am ſpäten Abend des Schlacht tages hierher gewendet ; heute ging derſelbe bereits von Haynau nach Bunzlau. Ebenſo wurde Goldberg am frühen Morgen des 27ſten eiligſt verlaſſen , um den Bober zu erreichen . Nur eine Arriere - Garde hielt noch die Stadt , als Major v . Stößel mit ſeinem Huſaren - Re giment (2. Leib- Huſaren) ſie glüdlich attafirte und die ruſſiſche Avant

Garde langerond ſie völlig vertrieb. 11 Kanonen wurden hier und vorher bei Braugniß erobert und gegen 2000 Mann wieder gefangen

genommen. Das Korps des Grafen Pangeron konnte ſchon am Nach mittag in und um Goldberg lagern ; Avant-Garde gegen Bilgramsdorf

vorgeſchoben. Der Feind eilte nach Löwenberg ; eine Seiten - Rolonne, Diviſion Puthod, von Schönau nach Hirſchberg. Aber ſchon war audy der Bober außerordentlich angeſchwollen und legte dem Uebergange der

franzöſiſchen Truppen ein nicht zu überwindendes Þinderniß entgegen. Die flüchtigen Maſſen ſtrömten nun von Löwenberg nad Bunzlau , in der Hoffnung, dort den Bober überſchreiten zu können , fanden indeſſen auch hier die Kommunikation unterbrochen.

Am 28. Auguſt hatte General Horn um 4 Uhr Morgens den Befehl zur Fortſeßung der Verfolgung erhalten. Er nahm die Diref tion auf Haynau, weil man ſtarke feindlide Solonnen am rorigen Tage dorthin hatte zurüdweidsen ſehen. Der Befehl für den General yort, nad, Ulbersdorf zu marſchiren, ging dem General Horn erſt ſpäter zu. Kaşeler nahm ſofort mit der Ravallerie die Tete der Avant - Garde und traf um 9 Uhr Vormittags in Haynau ein , von wo derſelbe folgenden Bericht einſandte : ,,Der Feind flieht ſo ſchnell , daß es mir nicht möglich iſt, ihn mit den ermüdeten Pferden einzuholen. Er hat heute friih um 6 Uhr Daynau

verlaſſen und iſt geſtern von früh 9 Uhr bis Abends 10 Uhr in der größten Unordnung d . h. Ravalerie, Infanterie, Artillerie, Ades durch einander , hier durchgezogen.

Er hat bei Haynau die Brüde über die

ſchnelle Deid ſel abgeworfen ; indeſſen habe ich dem hieſigen Magiſtrat

aufgegeben, für die allerſchleunigſte Wiederherſtellung Sorge zu tragen . Aus dem anliegenden Rapport des Rittmeiſters v . S dywanenfeld werden Ew. Ercellenz mehrere intereſſante Nadırichten, welche durd, die Ausſage der hieſigen Einwohner völlig beſtätigt worden ſind, entnehmen . 3d bin eine halbe Stunde nach dem Rittmeiſter v. Sowanenfeld in Haynau eingetroffen , indem id) mit den Roſaden vorritt , um dieſe Haſenheße mitzumachen.

Haynau, den 28. Auguſt, 9 Uhr Morgens." „ Indem ich geſchloſſen habe , trifft ſo eben Major v. Sohr mit

dem Brandenburgiſchen Huſaren-Regiment hier ein, den ich dem Feinde

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auf der Straße nach Bunzlau ſchleunigſt folgen laſſen werde .

In

zwiſchen werden die Koſaden mit ihren beſſeren Pferden und die Butter vom Brode nehmen. v . Rateler. "

„ So eben kommt ein ruſſiſcher Offizier hier an, der mir ſagt, daß die Ravallerie und ein Jäger -Regiment des Sadenſchen Rorps eine halbe Meile von hier entfernt ſeien.

v. Kaşeler." Die beigelegte Meldung des Rittuneiſter8 v. S dywanenfeld ent. hielt einige Details über den Durchzug der Feinde durdy Haynau , unter Anderem , daß General Soubam die Truppen geführt , 5,000 Heffen und Württemberger nod die meiſte Ordnung gezeigt hätten ; das

gegen der Reſt 12 bis 13,000 Mann ſich in der größten Unordnung be funden habe. Nach ihrer Ausſage ſollten ſie ſich bei lautan wieder anfſtellen, woſelbſt ein anderes Armee-Rorp8 fie aufnehmen werde. Ferner meldete Rapeler um 54/2 Uhr Nachmittags aus Wolfe hayn :

„ Ew . Excellenz melde ich ganz gehorſamſt, daß ich für meine Perſon von Haynau aus mit 100 Pferden vorgegangen war , um dem Feinde

auf dem Fuße zu folgen, da die Regimenter ſehr fatiguirt ſind und noth wendig eine Stunde lang füttern mußten. Der Feind hatte ſeine Arriere - Garde , von welcher 6 Infanteries

Bataillone, etwas Kavallerie und 2 Geſchäße ſichtbar waren , auf den Höhen von Thomaswaldau aufgeſtellt, wahrſcheinlich um den Ueber

gang des Groß über den kleinen Bober zu deden. Die Roſaden haben rund um ihn berum einen Kreis gezogen, und werden hin und wieder von der feindliden Artillerie beſchoſſen , jedoch ohne allen Effekt. 3ch

werde den Feind ſorgfältig beobachten, meine Regimenter heranziehen, ſie bei Wolfshagen ins Bivouak legen, und bei dem Abzuge der feindlichen Truppen ihnen auf dem Fuße folgen. Ohne Geſchüße werde ich ihnen aber feinen bedeutenden Abbrud thun können.

Der Weg iſt mit

frepirten Bjerden und mit Leichen des Feindes bebedt, von welchen ein

Theil wohl in früheren Gefechten geblieben ſein mag, da ſie ſchon in Verweſung übergeben. Ade Ausſagen der Einwohner ſtimmen darin überein , daß der Feind in Unordnung retirirt ſei. Nur die Arriere Garde iſt geordnet, wovon ich mich felbſt überzeugt habe.

v. Rapeler."

„Abend8 7 Ilhr. Bivonaď bei Wolfshagen, den 28. Auguſt. ,,Der Rittmeiſter v. Eiſenhardt läßt mir melden , daß ſich der

Feind von Thomaswaldau abziehe. Wahrſcheinlid) wird er die Brüde da

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ſelbſt ruinirt haben. Ich habe deshalb dem Rittmeiſter aufgegeben, für die Wiederherſtellung derſelben fdleunigſt Sorge zu tragen, 6. Sapeler.“

Die Brigade des Generals v. þorn traf gegen 1 Uhr Mittag8 in Haynau ein. Hier hatte man ſehr mit der mangelhaften Verpflegung zu ringen, da die Gegend weit und breit ausgezehrt war, und ſich die Ankunft der Proviant- Stolonne bei der Ungunſt der Witterung ſehr ver zögerte. Ain Schluß des Tages waren nach und nad 500 franzöſiſde Gefangene eingebracht worden .

Dem Befehle Blücher 8 gemäß hatte Yorf unterdeſſen mit dem Gros des Korp8 die Direktion auf Ulbersdorf eingeſchlagen, weit vor ſich bis Groß-Hartmannsdorf den Major Stößel mit dem 2. Leib- Hu ſaren-Regiment. Der Marſch und Uebergang des Korps über die wü thende Neiſſe und Raßbach war äußerſt beſdymerlich geweſen ; namentlich litt die Landwehr außerordentlid), melde don von 4 Bataillonen mit 2,200 Mann heute nur nod 320 Mann zur Stelle zählte. Das Korp8

erreichte erſt am Abend Ulbersdorf , Leiſersdorf und Neudorf am Rennwege. Major Stößel ſammelte gegen 400 Gefangene und nahm 6 Ges:

ſchüße. Es beſtätigte ſich auch von ſeiner Seite, was bereits von Haynau her gemeldet worden war , daß ſich nämlich die franzöſiſchen Truppen in widerſtandeloſer Auflöſung befänden ; ſo raſch vermodyte eine unglüd

liche Schlacht ihre ganze taktiſche Haltung umzuwerfen . General v. Saden war nur bis Liegnitz gekommen , und hatte feine Avant - Garbe unter Waſſiltſchifoff bis Haynau geſendet , mo General Horn ſich ſchon befand. Beide Avant - Garden -Generale ver

abredeten für den folgenden Tag den gemeinſqaftlichen Vormarſd) auf Bunzlau.

Graf Langeron blieb in Goldberg ſtehen, um das Herankommen der anderen Norp8 zur gleichen Marſchhöhe mit ſeinem Rorps abzu warten und fandte nur ſeine Avant-Garde auf der Straße nadı Löwen

berg bis Lauterſeiffen vor. Auch er meldete dem General en chef : Die Anzahl der von allen Seiten eingebrachten Gefangenen,

Hanonen , Munitionswagen , Bagage iſt ſo groß , daß ich mic nicht im Stande finde, darüber ſchon jeßt genauen Rapport abzuſtatten. Der Feind iſt in ſolcher Deroute, daß die leichten Truppen beinahe hinreichen , ihn itberall zu belogiren ."

Blücher überſah gleichwohl nicht die großen Schwierigkeiten, welche

ſich auch der Verfolgung durch die angeſdwollenen Gewäſſer und aufge weichten Wege, ſo wie durch die überall gehemmte Verpflegung entgegen ſtellten ; aber es lag in ſeiner Natur, Adle8 raftlos vorwärts zu treiben.

Ronnten die Korpe in der Front nicht ſchnell genug folgen , ſo ſollte

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wenigſtens General Graf St. Brieſt im Gebirge in der Flante bie

Quellgebiete der Deichſel, des Bober und der Queiß raſcher umgehen, um in der Richtung auf Greifenberg und Marklifſa die große Straße nad Dresden zu gewinnen und ſo auf den Feind zu fallen. Allein auch dieſe Operation gelang nicht. Ferner befahl Blücher: Die Avant - Garden ausgenommen , wird es zwedmäßig ſein, tan.

tonniren zu laſſen, damit die durchnäßten Truppen fidh etwas erholen können. Die Kantonnirungen müſſen aber ſehr eng ſein.“ Dag 5. franzöſiſche Korpe , an dieſem Tage von Löwenberg nach

Bunzlau den Bober abwärts marſdiirend, hatte am Fuß des Weinberges mehr als 70 Wagen zerſtört, theils Munitions, theils Proviantwagen, die es nicht mehr mitzunehmen im Stande war. Die Diviſion Buthod , welche aud) bei lähnteinen Uebergang

fand , marſchirte ebenfalls ſtromabwärts nach Zobten , woſelbſt ſie bis vouatirte. General Yufiefowita dh war ihr gefolgt und hatte alle Nadzügler aufgegriffen .

Auf dem äußerſten linken Flügel der Schleſiſchen Armee fam Ges

neral St. Brieſt am 28 ſten nur bis Schmiedeberg, ſeine Avant-Garde bio Hirſchberg. Bor ihm wich die Diviſion Pedru nach Greifenberg zurüd. Blüdyer verlegte am Nachmittag dieſes Tages ſein Hauptquartier

von Eidholß nach Goldberg. In der Nadt ließ der Regen endlich nadh; man konnte von jeßt ab wieder beſſeres Wetter erwarten. Allein demungeachtet vermochten fid die Landwehr- Bataillone nicht jo rajd von den Anſtrengungen der legten Tage zu erholen , wie dies den beſſer geſdulten Bataillonen der Linie gelang. Der General

v. Horn war genöthigt am 29. Auguſt früh Morgens um 4 Uhr

folgende charakteriftiſdie Meldung an York nach Leifersdorf zu ſdiđen : „ Der Major Reibniß und der Major Sottulinski , Chefs von Landwehr-Bataillonen, haben mir beim Abmarſch erklärt, daß ihre Bas

taillone ein jedes nur nod 100 Mann ſtark ſeien , und daß auch dieſe ſo ausgehungert und abgemattet wären , daß ſie nicht mehr marſciren

tönnten. Ich habe mich daber genöthigt geſehen, dieſe beiden Bataillone in Haynau mit dem Befehl zurüdzulaffen, die etwa nod nachkommenden

Landwehrmänner zu ſammeln und mit ihnen zu folgen. Ade Landwehr Bataillone find äußerſt ſchwach, und ich glaube , ein großer Theil iſt des Dunger8 megen nad Saufe gegangen. 3d bemerle noch, daß die beiden Bataillone Reibniß und Hottulinski ſich bei löwenberg und Golds

berg mit Bravour geſchlagen haben und beide Chefs vorzügliche Offi ziere find." 12

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Eine Stunde vorher, um 3 Uhr Morgens, hatte ſich die franzöſiſche

Arriere-Garbe von Thomagwaldau nad Gnadenberg abgezogen. So bald faşeler die Meldung von dieſem Abmarí del Feindes erhielt eilte er ihm mit 2 Eskadrons und den Koſađen nach und madite noch 600 Gefangene. Ihm folgte die Sadenſde Linien-Savalerie der Avants Garde , dann General v. þorn mit der 7. Brigade und endlich die ruſſiſche Infanterie der Avant- Garde des Generals Waſſiltſchifoff.

Um 9 Uhr meldete Sapeler , daß der Feind ſeine Arriere - Garde bei Gnadenberg aufgeſtellt habe. Sie hielt hier mit allen Waffen in bedeutender Stärfe, um den übrigen Truppen den Uebergang über den

Bober bei Bunzlau möglich zu madyen. Sobald die Generale şorn und Waffiltidifoff heran waren , rekognoszirten ſie die feindliche

Stellung. Der Erfolg eines Angriffe erſchien unzweifelhaft, wenn Ges neral York mit ſeinem Rorps von der Flanke her zur Mitwirkung kommen fonnte ; Horn bat darum in einer detaillirten Meldung ; allein

das Korp8 war weder im Stande, ſeine nach Löwenberg vorgeſandte Ra: valerie, nods den Angriff auf Gnadenberg zu unterſtüßen . Der Zuſtand der Landwehr war in den anderen Brigaden nidyt beffer, als in der des Generals Horn ; die der 8. Brigade (Hünerbein) ging

faſt ohne Ausnahme barfuß und war außerordentlich zuſammenges dhmolzen , die der 2. Brigade (Prinz Karl von Medlenburg) mußte

nady Goldberg zurüdgeſdidt werden, um dort durd, den Major Fiſcher reorganiſirt zu werden.

Die Landwehr - Bataillone der 8. Brigade

( Steinmeß ) waren in keiner beſſeren Verfaſſung. Außerdem war die Taſchen Munition des Korps durdweg naß geworden , und die Reſerve - Artillerie, welche die Batronen - Wagen mit ſich führte , hatte nod nidt heran tommen fönnen .

Aud) über den Zuſtand der vorges

ichidten Reſerve-Savalerie flagte Oberſt v. 3 ürga : ,,Der Feind hat die Gegend ſo ausfouragirt, daß ſowohl Menſchen als Pferde Nichts erhalten können. Die Folge davon iſt, daß mir

Pferde liegen bleiben und ich auch genöthigt geweſen tin, viele frant gewordene Leute zurüdzuſoiden. Ohne alle Verpflegung werden die Regimenter das nicht leiſten fönnen , was zu thun ſie ſo dringend wünſchen ."

Hieraus erklärt ſich allerdings die (dwierige Lage , in welcher Yort ſich befand ; er glaubte unter foldhen Umſtänden mit ſeinen Truppen

nirgends unterſtüßend in Gefechtsverhältniſſe eingreifen zu können. Der General blieb daber , natürlich ſehr ungerne , an dieſem Tage ſtehen. Freilich entſprach das Stehenbleiben des preußiſchen Armee-Rorps nicht den Anſchauungen Blüchers, der die Verhältniſſe immer im Großen auffaßte, und ſich darin auch durch die Friction des Kriege- Inſtrumente nicht beirren ließ. Was irgend an Truppentheilen fampffäbig war

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follte nach ſeiner Meinung dennoch vorwärts geführt werden , mochte dabei der franke, ſdjwadie, überhaupt bülfsbedürftige Theil immerhin abfallen. Da es nun aber für den 29. zu ſpät wurde, das Korps vors zuführen, fo befahl Blücher, der perſönlich bereits von Goldberg nady Hohlſtein vorgegangen war und daſelbſt ſein Haupt-Quartier genommen hatte, von dort an8:

Da der Feind alle ſeine Rolonnen gegen Bunzlau dirigirt

hat, um daſelbſt den Bober zu paſſiren, ſo wollen Ew. Excellenz (ort ) morgen früh nach Bunzlau auſbrechen, um dort gleichfalls über den Bober zu gehen. Sollte der Feind dann noch bei Gnadenberg ſtehen, ſo wird er ſogleich angegriffen."

Die Generale Horn und Waſſiltiditoff blieben Gnadenberg gegenüber auf den Höhen von Schwiebendorf in der Nacht zum 30. Auguſt im Bivouat ſteben. General Saden marſdirte von Liegniß nad Þaynau , bereit, ſich

am folgenden Tage dem Angriff auf Bunzlau anzuſchließen. Den glüdlichſten Erfolg hatte am 29. das Rorp8 del Grafen fans geron. General Puthod fonnte auch bei Zobten den Bober nicht überſchreiten; er marſchirte deshalb früh nad Löwenberg ab , um dort den gleichen Verſuch zu wiederholen . Hier aber erreichte ihn die Avants Garde des ruffiſden Korp8 General Emanuel, die Linien-Infanterie des 6. Infanterie - Norps Fürſt Tíderbatoff , und General Korff mit der Reſerve- stavallerie. Es fam bei Plagwitz und am Steinberge zu einem heftigen Kampf , an dem aud Major Stößel mit ſeinen Huſaren Theil nahm, und der damit endete, daß die feindliche Diviſion faſt vollſtändig verniditet wurde. Durch das ruſſiſche Artillerie Feuer erſchüttert und dann durchbrodjen , warfen die Franzoſen die Gemebre fort , um ſich durch Scwimmen zu retten. Allein die Roſaken und preußiſche ſchwarze Huſaren ereilten ſie und nahmen fie in Maſſe ges

fangen. Ein großer Theil ertrant in den Fluthen des Bober. General Buthod ſelbſt wurde gefangen ; mit ihm über 100 Offiziere und 3 bis 4000 Mann ; audi 16 Kanonen wurden genommen . Von 11,800 Mann der feindlid) en Diviſion, ihre Stärke beim Ausbruch der Feindſeligkeiten, febrten 250 Mann über den Bober zurüc. Pangeron war mit dem Gros ſeines Rorp8 von Goldberg nach Löwenberg abmarſchirt und nahm nun ſein Hauptquartier in Lauterſeiffen. St. Brieſt blieb bei Schmiedeberg ſtehen ; feine Avant-Garde jen ſeit Hirſchbera, wo ſie mit Vortruppen der Diviſion Pedru , die Oreis fenberg beſeßt hielt, ein Gefecht hatte.

Am 30. Auguſt mußten die 3 Korp8 der Schleſiſchen Armee in eine gleidhe durch die Linie des Bober vorgezeichnete föhe rüden . Kapelers Borpoſten hatten den Feind bei Gnadenberg darf im Auge ; fie meldeten am frühen Morgen , daß derſelbe die Stellung ges 12 *

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räumt und nach Bunzlau abgegangen ſei. Die Generale forn und Waſſiltid itoff folgten ſogleich durch Gnadenberg. Franzöſiſche Ti. railleurs hielten noch die Haynauer Vorſtadt von Bunzlau befeßt. Oberſt v. Kaşeler erhielt den Befehl, mit dem brandenburgiſchen Ulanen. Res

giment und der reitenden Batterie Nr. 2 ( Borowsti ) Bunzlau lints zu umgehen und oberhalb der Stadt über den Reffelberg raſch vorzus

gehen. U18 Soutien folgten die Jäger - Detajdements des Leib- Regi ments und die Tirailleurs des Leib- Füſilier -Bataillons.

Die geſchloſs

ſenen Bataillone waren zum Frontal-Angriff auf die Stadt beſtimmt. Kapeler8 raſches Vorgehen veranlaßte den Feind , Bunzlau eben ſo ſchnell zu räumen. Alles flüchtete ſchnell nach der Bober- Brüde. Ein Magazin hatten die Franzoſen verſucht in Brand zu ſteden. Zur Sicherung ihres

Rüdzuges blieb ein geſchloſſenes Bataillon vor der Brüde über den Mühlengraben ſtehen. Die reitende Artillerie beſchoß daſſelbe mit guter Wirkung. Auch die Jäger und Tirailleurs griffen hier in das Gefecht ein ; ſie waren den Ulanen fortgefeßt im Trabe gefolgt , gingen nun läng8 des Mühlgrabeng vor und beſchoſſen den Feind in der Flanke. Das franzöſiſche Bataillon bemühte ſich , die Brüde über den

Mühlengraben in Brand zu ſteden und dann die große Bober - Brüde zu gewinnen. Lieutenant Borowsli fuhr dagegen mit ſeinen 2 Ges ſchüßen von der Höhe hinunter und beſchoß den Feind auf naher Diſtance mit Kartätſchen , während die preußiſchen Jäger und Tirailleurs über

die brennende Brüde des Mühlgrabens nad der großen Brüde bin vorbrangen , um dieſe vor der Zerſtörung zu ſchüßen. Hinter ihnen ließ Kaşeler Ulanen abſißen und den Brand der Mühlengraben -Brüde durd) ſie 18den.

Aber idon hatte der Feind auch von der Bobers

Brüde die Bohlen abgeworfen und ſie in Brand geſtedt. Eine ruſſiſche 12a Batterie verſtärkte jegt nad jenſeit bin das Feuer der preußiſchen Gefdüşe.

Den nachrüdenden geſchloſſenen Bataillonen gelang es zwar , den

Brand zu löſchen , aber nicht die Brüde ſogleich wieder herzuſtellen, da der Feind von dem jenſeitigen Ufer ein ſehr wirkſames Feuer auf die Brüde und deren nächſte Umgebung unterhielt.

Das Gefecht tam hier

zum Stehen. Ein mehrmals verſtärktes Tirailleur- und Geſchütfeuer hatte jedoch zur Folge, daß fich der Feind gegen 11 Uhr aud) von dem jenſeitigen Ausgange zurüdzog. Rajd wurde die große Brüde berge ſtellt, und einige Roſafen - Regimenter defilirten ſogleich nach dem jen

ſeitigen Ufer , um den Feind zu verfolgen. Zwei preußiſche Bataillone eilten nach und befekte Tillendorf und die Thalhöhe des linken Bober Ulfers.

Die anderen Truppen hielten theile an der Brüde , theils in

der Stadt. Ein kurzer Offenſivſtoß der feindlichen Arriere - Garbe, um das Terrain um Tillendorf wieder frei zu machen , mißlang ; preußiſche

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und rufftſche Bataillone wieſen ihn träftig zurüd. Der Uebergang bei

Bunzlau blieb von jeßt ab in dem ungeſtörten Befig der Verbündeten. General Saden , ſeinem Korp8 vorausgeeilt , hatte dem Gefecht bei.

gewohnt , welches General Horn mit Geſchid geleitet. Der Verluſt betrug preußiſderſeits an Totten und Berwundeten 8 Offiziere und 354 Mann.

Nadimittags um 5 Uhr trafen auch die forps von Yort und

Saden bei Bunzlau ein. Blüder befahl ihnen für den 31. Auguſt die Berfolgung des Feindes über Siegersborf und Naumburg. Langeron hatte ſich am 30ſten vergebens bemüht , einen Uebers

gang in der Gegend von löwenberg herzuſtellen. Theils war das jen ſeitige Ufer von Ottendorf her nod beſeßt und zwar von den Diviſionen Gérard und Charpentier , theils der Strom fo breit und reißend, daß es nicht möglich wurde, eine Brüde zu bauen. Berſuche bei Braunau,

Zobten , Dippelsdorf mißlangen ſämmtlich. Erſt als der Feind das jenſeitige Ufer von Löwenberg verließ und nach Lauban abmarſchirte, wurde es möglich, den Bau einer Brüde bei löwenberg früh ben 31. Auguſt zu beginnen.

General St. Brieſt ging am 30ſten über firſchberg hinaus bis Spiller vor ; ſeine Avant - Garde griff Greifenberg an ; indeſſen die Franzoſen ( Diviſion Pebru) behaupteten ſich in dieſer Stadt.

Am 31. Auguſt befand ſich das franzöſiſche 3. Korps bereits auf m Marſch nach dem Queiß , woſelbſt es bei Siegersdorf und Naums burg auf dem linken Fluß- Ufer eine Stellung nahm und die Brüde daſelbſt zerſtörte. Die Schleſiſche Armee ſollte an dieſem Tage von dem Bober an den Queiß rüden. Der ſtrategiſchen Front gemäß , fiel dem Sorps von Saden die Richtung auf Siegersdorf , dem Rorps von Yort die auf Naumburg und dem Rorps von Langeron die Direktion auf Lauban zu.

Da das Korps Yorts ſeit geſtern Nachmittag vollſtändig vereinigt

war , fo trat General Horn mit ſeiner Brigade in das Gros zurüd, und es wurde wieder unter dem Oberſt v. Maßeler eine neue Avant

Garde formirt, zu welcher folgende Truppentheile fommandirt wurden : das leib- Grenadier- Bataillon, 1. Oſtpreußiſdhe Grenadier- Bataillon ,

Füſilier - Bataillon des 1. Dſtpreußiſchen Infanterie - Regi. mente,

3. Bataillon 12. Reſerve-Regiments, 1. Bataillon (Lariſd) 13. Sdilefiſchen Landwehr-Regimente, • 2. Bataillon (Thiele) 14. Schleſiſchen Landwehr- Regimente, 4. Bataillon ( Briren ) 14. Schleſiſchen Landwehr - Me. giments,

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2 Stompagnien Oſtpreußiſcher Jäger, 1 Rompagnie Garbe - Jäger. 7. Bataillone und 3 Rompagnien . Dazu :

die 68 Fuß - Batterie Nr. 24 ( Varenlampf ) 5 reitende Haubißen unter dem Lieutenant Wolter. Ferner :

das Weſtpreußiſche Dragoner-Regiment, 2. Leib-Huſaren-Regiment, die 1. und 2. Jäger - Eskadron des Brandenburgiſchen Huſaren Regimente,

das Brandenburgiſche Ulanen -Regiment, 10. Landwehr-Ravallerie-Regiment ( v. Sohr). 41/2 Regimenter . Dazu : die reitende Batterie Nr. 3 .

Die Infanterie trat wieder unter den ſpeziellen Befehl des Majors V. Hiller.

Um 3 Uhr Nachmittags marſchirte dieſe Avant- Garde von Bunzlau nad Naumburg ab, nadidem das Korp! Sadens vorher um die Mits tageſtunde den Bober überſdritten hatte. Man ftieß nirgends auf den Feind.

Reyher ſchrieb folgende Meldung Staßelers an York : ,,Naumburg, den 31. Auguſt, Nachmittago 5 Uhr. Em. Ercellenz melde ich gehorſamſt, daß in dieſem Augenblid,

5 Uhr Nachmittags, die Spiße meiner Avant-Garde in Naumburg ein gerüdt iſt. Die Brüde über den Queiß iſt zerſtört und nicht zu paſſiren. Der jenſeitige Thalrand iſt vom Feinde beſeßt , der ſich hier wieder vertheidigen zu wollen ſcheint. Von Lauban her ſoll franzöſiſche fa. vallerie zur Verſtärkung heranmarſcirt fein. Mit den Vorpoſten des Generals v. Saden , den Queiß abwärts, werde ich mich in Verbindung jeßen. Die Stadt Naumburg habe ich ſtark mit Infanterie beſeßen laſſen. v. sageler."

Am Abend traf auch das preußiſde Armee - Korpe vor Naumburg ein , nachdem es um 4 Uhr Nachmittags den Beber bei Bunzlau übers ſchritten ; e8 lagerte öftlich von Herzogswalde, die Avant- Garde weſtlich von dieſem Dorf. Eine Rekognoszirung der Furthen des Queiß hatte ergeben, daß fie des hohen Waſſerſtandes wegen nod unbraud bar ſeien.

Man arbeitete deshalb die ganze Nacht an der Wiederherſtellung der

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Brüde, da felbft die Pfeiler abgebrannt waren. Dem Befehle Blüdere, die leichte Havalerie beſtändig an dem Feinde zu laffen , konnte daher

erſt am folgenden Morgen entſprochen werden . Die Gros der 3 Korp8 wurden dagegen am Queiß angehalten ; ſie ſollten denſelben bis auf

weiteren Befehl nicht überſchreiten, da ſich das Gerücht verbreitete, Na poleon habe die þaupt- Armee der Verbündeten am 26. Auguſt bei Dresden geſchlagen. Beſtätigte ſich dieſe Nachricht, ſo mußte Blücher allerdings darauf gefaßt ſein , den franzöſiſchen Kaiſer wieder auf die Soleſiſche Armee fallen zu ſehen. Die Vorſicht gebot daber, bie Rorpe

zu konzentriren und durch eine kurze Rube zu reorganiſiren . Nur die Avant - Garde mußte Fühlung mit dem Feinde behalten , um die Vors theile einer fiegreichen Berfolgung nicht zu verlieren. Saden war bis Pariß marſdirt , Siegersdorf gegenüber. Auch hier war die Queiß -Brüde zerſtört und das jenſeitige Ufer befekt.

Pangeron ließ die Infanterie und Artillerie bei Löwenberg , die Ravallerie bei Dippelsdorf über den Bober gehen und blieb mit dem Rorps bei Seifersdorf fteben. Die Avant- Garde unter General Ruds

zewitſd erreichte Lauban am Queiß. St. Brieſt rüdte bis Greifenberg vor , welche Stabt die Fran zoſen nun verlaſſen hatten und verfolgte ſie mit ſeiner Avant-Garde auf Mart-Lifja und Lauban.

Blücher nahm fein þauptquartier in Löwenberg. Der 1. September brachte der Sdylefilden Armee nad großen Anſtrengungen feit der Schlacht an der Staßbach den erſten Ruhetag ;

nur die Avant- Garden folten über den Queiß gehen und den Feind aufſuchen .

Das Groß der franzöſiſchen Urmee verließ ſchon in der Nacht zum

1. September die Aufſtellung hinter dem Queiß und konzentrirte ſich bei Görlig hinter der Neiße ; die Stadt Görlig blieb beſeßt. Ein Theil der Truppen marſcirte an dieſem Tage dhon weiter nach Reichenbach zurüc.

Da der Bau der Brüde bei Naumburg noch immer nicht vollendet war , ſo verſuchte v. faşeler neben der Brüdenſtelle einzeln durch8

Waſſer reiten zu laſſen . Es gelang. Um 6 Uhr Morgens befanden fidh das Brandenburgiſche Ulanen - Regiment und das 2. Leib - Huſaren Regiment jenſeit des Fluſſes ; ſie nahmen ſofort die Verfolgung nach Görlig hin auf. Die 3 Jäger -Stompagnien und das Füſilier -Bataillon des 1. Dſtpreußiſchen Regimente überſchritten den Queiß auf einem

Stege unterhalb der Stadt. Die ganze Avant-Garde defilirte erſt nach dem jenſeitigen Ufer , als die Brüde um 10 Uhr Vormittage fertig ges worden war.

Aus den Meldungen von Reyhere and entnehmen wir die all. mählige Auftlärung über bie Schritte des Feindes.

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„ Tidirna, den 1. September, Morgens 7 Uhr. In dieſem Augenblid hat die Spige meiner Avant - Garde den Feind bei Tſchirna eingeholt. Zwei Estadrone ſcheinen die Arriere Garde zu haben. Da ſie aber ihrer Rolonne in der Entfernung eines Piſtolen duſſe8 folgen , ſo kann ich ſie nicht mit Nachdruc attadiren.

Es ſcheint, daß die franzöſiſche Savalerie in der Nacht ihr Lager bei Tſchirna gehabt hat, da die Feuer dort noch brennen. Der Feind zieht fid langſam nad Waldau, Straße nad Görliß, zurüd. v. Kafeler." Ferner:

,,Nabe vor Walbau, den 1. September, Vormittag 8 / 9 Uhr.

In dieſem Augenblic defilirt eine ſtarke feindliche Infanterie . Stos lonne durch Waldau , weldie blos einen Zug Chaſſeurs auf ſich folgen läßt. Jd bin ſelbſt vorgeritten und habe mich perſönlid) davon übers

zeugt. Meine Spiße folgt dem Feinde auf dem Fuße. So eben tömmt auch die Spiße der Avant-Garde des Generals v. Saden mit mir in

gleiche Höhe. Ich war ihr alſo weit voraus. v. Kaşeler." Eine halbe Stunde ſpäter : , „Waldau, den 1. September Morgens 9 Uhr.

So eben erhalte ich Ew. Ercellenz Befehl. Da die größte Force des Feinde8 fid über Walbau anf Görlitz zurüdzieht , ſo glaubte ich

die Intention Em. Excellenz nicht zu verfehlen, wenn ich mit dem größten Theil meiner Kavalerie , aud) auf dieſer Straße folgte. 3eßt aber der taſdire ich den Rittmeiſter von Stranz mit einer Estadron Ulanen auf den von Ew. Excellenz vorgezeichneten Weg , um denſelben genau

zu rekognosziren , und direkt an Ew. Ercellenz Rapport abſtatten zu laffen. 3ſt e8 ausführbar , ſo wird der Rittmeiſter den Feind in der

rechten Flanke zu faſſen ſuchen. Von dem Korp8 Saden8 iſt erſt ein Bult Roſaten vor. Ich halte mid daber um ſo mehr verpflichtet, dem

Feinde auf dieſer Straße zu folgen, um Em. Ercellenz von den Haupt. bewegungen des Feindes zuverläſſige Meldungen machen zu können. v. Kaşeler . "

Es gehörte zu den beſonderen Vorzügen Aapelers als Avant Garden - Führer , daß er es nie an zahlreichen Meldungen fehlen ließ, und auf dieſe Weiſe den tommandirenden General in fortwährender

Kenntniß von den Ereigniſſen des Tages hielt. Lieutenant Reyber ſuchte und fand immer die Gelegenheit , vom Pferde ſteigend, rajd die Meldungen über die Fortſchritte der Avantgarde niederzuſchreiben . So fuhr dann Kaşeler an dieſem Tage bei dem nächſten Terrain Abſchnitt fort :

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,Sohr- Neuendorf, den 1. September Mittage 3 Uhr. Der Feind hatte ſich hinter Sohr - Neuendorf förmlich aufgeſtellt,

jo daß ich ſchon glaubte , er würde die jenſeit dieſes Ortes gelegenen Anhöhen eine Zeit lang halten wollen . Allein er ſcheint nur eine Samm lung bezweđt zu haben , denn die ganze Kolonne jog fehr bald wieder ab. 3c folge dem Feinde mit 2 Eskadrone 2. Leib- Huſaren - Regiments und dem brandenburgiſchen Ulanen - Regiment auf der Straße nady Görlig. Einige Pults Roſaken begleiteten mich ; mit ihren beſſeren

Pferden umſdwärmen ſie den Feind , weichen aber jedesmal zurüd, wenn er Halt macht. Der Feind geht indeſſen im Ganzen ſchnell zu rüd . Hätte ich die reitende Batterie bei mir, ſie würden faum zum

Abproßen fommen tönnen. Den Major v. Hiller habe ich angewieſen, mit der 3nfanterie und den Batterien vorläufig bis auf die Höhe von

Hochkirch nadzufolgen, und ſich dann nach den Bewegungen des Armee Korpe zu richten . Em. Excellenz bitte ich daber gehorſamſt, ihm ges neigteſt zu beſtimmen , wie weit dieſes Gros meiner Avantgarde vor rüden fol. 3d vermuthe, daß ſich der Feind bis Görlig zurüdziehen wird. Dem tommandirenden General von Blücher habe ich heute

direkt keine Meldung gemacht. v . Sapeler ".

Indem General Yort aus Naumburg diefe Meldung Abends aus zugsweiſe ins þauptquartier Blüdero ſandte, fügte er hinzu : Den Oberſt v. Kaşeler habe ich erneuert angewieſen, dem Feinde auf dem Fuße zu folgen, auch alles .Mögliche anzuwenden, um von der

Richtung des feindlichen Rückzuges ganz genau unterrichtet zu werden .“ Dies geſchah denn aud), wie wir aus der folgenden Meldung Hapelers vom ſpäten Nachmittag entnehmen , welche York als Nadya

järiſt gleichfalls an Blücher fandte; -- ſie lautete : þenneredorf, den 1. September Abends 41/2 Uhr.

Der Feind iſt mit ſeinem Gros über die Neiße gegangen , und noch einige fravallerie- Truppe zwiſchen Hennersdorf und Görliß, nur bat nabe vor legterem Ort aufgeſtellt. Nad Ausſage mehrerer Einwohner

ſollen vor Görliß einige Schanzen aufgeworfen ſein. – Der Rittmeiſter 1. Stranz iſt mit mir in gleicher Höhe und hat den befohlenen Weg für den Marſch eines Armee - Korpe praktiłabel gefunden. 3d werde vor hennersdorf eine Vorpoſteu Chaine ziehen und den Feind beobachten. Audy werbe id) mich bemühen , noch weitere Nachrichten über den Feind

einzuziehen. v. Kapeler."

Den Inhalt dieſer detaillirten Meldungen faßte Reyher in dem Journal Kaşelers in folgender Weiſe furz zuſammen :

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Der Feind zog ſich, von der leichten Ravallerie immerwährend beunruhigt, bis Görliß zurüd , wo er jenſeit der Stadt bivouatirte und

die Stadt befeßt hielt. Es wurden indeſſen doch einige Gefangene eins gebracht. Die Borpoſten - Chaine wurde bei Hennersdorf gezogen und die Kavallerie bivouafirte etwas rüdwärts an einem Wäldchen . Die

Infanterie und Artillerie unter Major v. Hiller blieben bei Hochlird ſtehen . "

Auch die Avantgarde Saden

unter General Waſſiltichitoff

war bis Hochkirch vorgegangen, der Vortrupp bis Sohr. Neuendorf, die Spiße haben wir bereits bei Rapeler geſehen . Die Avantgarde Pangerons unter General Rubzewitſd rüdte in Lauban ein, ſdlug dort eine Bonton-Brüde, und bemühte fich, eine zerſtörte hölzerne Brüde wieder herzuſtellen. St. Brieſt erreichte Mart- Liſſa, ſeine Avantgarde Seidenberg. Blücher erließ an dieſem Tage aus Löwenberg folgenden Tages

befehl , der die bis hierher geführten Operationen in ſeiner ſchönen fernigen Sprache zu einem hiſtoriſchen Abſchluß brachte: Schleſien iſt vom Feinde befreit ! Eurer Tapferkeit, brave

Soldaten der Ruſſiſchen und Breußiſchen Armee unter meinem Befehl, Eurer Anſtrengung und Ausdauer , Eurer Geduld in Ertragung von

Beſchwerden und Mangel verdanke ich das Glück , eine ſchöne Provinz den Händen eines gierigen Feindes entriſſen zu haben. In der Sdlacht an der Raßbach trat Euch der Feind tropig ents gegen. Muthig und mit Bligesſchnelle bracht 3hr hinter Euren An höhen hervor. Ihr verſchmähtet, ihn mit Flintenfeuer anzugreifen ; unaufhaltſam drittet ihr vor ; Eure Bajonette ſtürzten ihn den ſteilen Thalrand der wüthenden Neiße und der Saßbad, hinab. Seitdem habt 3hr Flüſſe und angedwolene Regenbäche burdh

watet. 3hr littet zum Theil Mangel an Lebensmitteln , da die grund loſen Wege und der Mangel an Fuhrwerk deren Nachfuhr verhinderten. Mit Kälte, Näſſe, Entbehrungen und zum Theil mit Mangel an Bes kleidung habt Ihr gekämpft; dennoch murrtet Ihr nicht; 3hr verfolgtet mit Anſtrengung den geſchlagenen Feind. Habt Dank für ein jo lobeng

werthes Betragen ! Nur Derjenige, der ſoldie Eigenſchaften vereinigt, iſt ein ädter Soldat.

103 Kanonen, 250 Munitionswagen, des Feindes Lazareth -Anſtalten, ſeine Feldſchmieden, ſeine Mehlwagen, 1 Diviſions- General, 2 Brigrades Generale , eine große Anzahl Oberſten , Stab8- und andere Offiziere, 18,000 Gefangene, 2 Adler und andere Trophäen ſind in Euren Händen. Den Reſt Derjenigen , die Euch in der Schlacht an der Saßbad gegen

über geſtanden haben , hat der Schred vor Euren Waffen ſo ſehr ers griffen, daß ſie den Anblid Eurer Bajonette nicht mehr ertragen werden.

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Die Straßen und Felder zwiſchen der Rabac uud dem Bober habt

Ihr geſehen : ſie tragen die Zeichen des Schređens und der Verwirrung Eurer Feinde.

Laßt und dem Herrn der Heerſchaaren , durch deſſen Hülfe Ihr den Feind niederwarfet, einen Lobgeſang fingen und im öffentlichen Gottes. dienſt ihm für den uns gegebenen herrlichen Sieg danfen . Ein brei maliges Freudenfeuer beſchließe die Stunde, die Ihr der Andacht weihet. Dann fudyt Euren Feind aufs Neue auf !

$. Q. Löwenberg, den 1. September 1813. v. Blücher.“

Dieſer Befehl erfüllte die Armee mit neuer Spannfraft. Marſchall Macdonald dagegen mußte um dieſelbe Seit ſeinem Staiſer (dreiben :

Wenn ich in dieſem Augenblid die Armee einem neuen Un

fall ausſeße, ſo wird ſie ſich vollſtändig auflöſen .“ Allerdings waren die Verluſte bis hierher auf beiden Seiten febr groß geweſen ; ſo unter Anderem alein bei dem 5. franzöſiſchen Korps ( Pauriſton ) vom Mitte Auguſt bis zum 1. September c. 17,600

Mann. Indeſſen anc Yort büßte bis hierher c. 12,000 Mann ein, Saden 2,700 Mann, Langeton 6,600 Mann.

Leider beſtätigte ſich ießt die Nachricht, daß die Haupt-Armee der

Verbündeten Dresden nicht hatte nehmen fönnen. Blücher 8 ſiegreiches Borſchreiten wurde dadurch um ſo wichtiger für den Geſammt - Verlauf der Operationen. Zum 2. September befahl Blüd er den Vormarſd der Soleſi

ſchen Armee vom Queiß auf Görlig , um dort entweder vereint zu dlagen, oder , wenn der Feind abzöge , ihn wieder durd, die Avant Garben verfolgen zu laſſen. Raßeler meldete aus :

,, Hennersdorf, den 2. September Morgeng 7 Uhr. Der Feind zieht in dieſem Augenblid aus ſeinem lager jenſeit

der Neiße ab und hält nur noch die Stadt auf der andern Seite des Fluſſes mit Tirailleurs befeßt. Ich habe die Neiße ſorgfältig rekognog ziren laſſen ; bis ießt aber noch keine Furth gefunden, die mit Savalerie

zu paſſiren wäre. Selbſt einzelnen Hojafen iſt es nicht möglich geweſen, burdzukommen. Ich ziehe das Gros meiner Avant - Garde nach Ben nersdorf heran, und werde besbalb mit der leichten Infanterie vorgeben ;

bitte aber Em. Excellenz gehorſainſt um nähere Verhaltungebefehle , da mein weiteres Borgeben ſich nach den Bewegungen des Armee - Storpe ridten muß.

v. Kaşeler."

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Major b. Hiller melbete dem General y ort , daß er von Rafeler Befehl erhalten habe, zu ihm zu ſtoßen , und ſchließt dann ſeine Anzeige :

„ Morgens 51/2 Uhr.

.. Ich ſollte zwar bei Hochkird Stellung nehmen , da ſich aber hier auch die Ruſſen aufſtellten , ſo bin ich gleich nach Sohr-Neuendorf marſchirt und ſtehe gegenwärtig dicht hinter der von dem Major v. Klür gezogenen Vorpoſten - Chaine. 3d tönnte alle vorgeſchobenen Truppen vortheilhaft aufnehmen."

Das Groß der franzöſiſchen Armee verließ aber bereits früh Morgens

die Umgegend von Görlig und legte den Rüdzug über das Löbauer Waſſer fort ; ein Theil erreichte an dieſem Tage ſchon Baußen , nur

eine ſchwadie Arriere-Garde ſchien Görliß noch halten zu wollen. Sos bald jedoch Oberſt v. Kaşeler die Sadılage erkannte, eilte er , von Hennersdorf her die Infanterie der Avant- Garde raſch gegen die Stadt vorgehen zu laſſen. Dem Major v. Mlür gelang e8 , mit den Jägern und dem Füſilier -Bataillon 1. Oſtpreußiſchen Infanterie-Regiments die Neiße auf Leitern zu überſchreiten , welche über die Pfähle der abges dieſe Truppentheile bemächtigten brannten Brüde gelegt wurden ; fidh der Stadt und beſeßten ſie. Die stavalerie und die Roſaten ließ

Stageler nun unter dem Schuße der Infanterie durch die Neiße jeßen und beauftragte jenfeit den Major v. S dent, an der Spiße der leichten

Kavallerie und der Koſaken , mit der unmittelbaren Verfolgung. Das Gros der Infanterie der Avant-Garde blieb noch auf dem rechten Neißes Ufer ſtehen , da Oberſt v. Kaşeler über die weiteren Operationen an dieſem Tage noch keine Befehle erhalten hatte und ſie — wie wir gleich auch nicht erhielt. ſehen werden An den General Blü dyer mußte Renber folgende Meldung ent. werfen :

Görlig , den 2. September Mittags 111/2 llhr. ,,In dieſem Augenblid erfahre ich erſt, wo Ew. Excellenz zu finden ſind. 3ch verfehle deshalb nicyt, Þochbenſelben zu melden, daß ich heute Morgen 71% Uhr Görliß mit meiner leichten Infauterie beſeßt habe. Der feindliche Kommandant batte eine halbe Stunde vor dem Einrüden

meiner Truppen die Stadt verlaſſen. Meine leichte Ravallerie folgte dem Feinde, der ſich auf Baußen zurüdzuziehen ſcheint, auf dem Fuße. 3d habe Anſtalten getroffen, die Brüde wieder herſtellen zu laſſen . Nach Berlauf einiger Stunden wird die Infanterie die Neiße über: ſchreiten können. Gegen Abend hoffe ich mit dem Bau einer 2. Brüde fertig zu ſein, welche dann auch von dem Geſchüß paſſirt werden kann. Meine leichte Stavallerie hat 2 Furthen aufgefunden , burd welde fie

bis rajce Berfolgung des Feindes auszuführen vermochte. - Da e8

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mir wichtig zu ſein ſcheint, daß Ew . Ercellenz von dem ſchleunigſt unterrichtet werden , ſo ftatte ich dieſen gehorſamſten Rapport direkt ab. v. Kapeler.“ Major v. Send meldete Mittage 12 Uhr : „ Feindliche Truppen haben bereits Reichenbach paſſirt und nehmen in der Art wie geſtern ihren Rüdzug. Man ſieht Kolonnen auf der Straße nad Baußen und auch auf der nach Löbau marſchiren. Die Arriere - Garde beſteht aus c. 8,000 Mann. Da ich ohne Artillerie bin, fo kann ich fie nur beobachten ; dennoch werde ich mich bemühen, einige Gefangene zu machen.“ Dieſe Meldung, welche ſpät nach Görliß tam, fandte Rapeler for gleich an den General y ort. Revber drieb :

Görlig, den 2. September Mittag8 4 Uhr. ,,Ew . Ercellenz überreiche ich in der Anlage einen Rapport des Major8 v. S dent.

Der Feind zieht durch Reidenbach ab. 3d ſelbſt ſtebe mit meiner Infanterie in und um Görlit, nämlich die 3äger und 3 Bataillone in der

Stadt ; die übrigen Bataillone nebſt den Batterien öſtlid derſelben. 3d werbe mit dieſen Truppentheilen den Vormarſch nicht eher antreten, a[8 bis ich Em. Excellenz beſtimmte Befehle erhalten habe. Die ruſ fiſden Avant - Garden haben hier ebenfalls Dalt gemacht; nur die stos jaten ſind vorangeeilt. Die Brüde wird ungeachtet aller Anſtren gungen doch erſt in 2 Stunden fertig ſein.

v. Rapeler ."

Auch vom Major v. Scent ging gegen Abend eine neue Mel dung ein :

„ Bei Reichenbach, den 2. September Abend8 6 Uhr." ,,Der Feind hat auf der Straße Reidenbad) - Baugen Stellung ge.

nommen , und hält die Dörfer Schöps und Gloßen befeßt.

Sämmt

liche Rojaten ſtehen in der Ebene zwiſden Reidyenbad und dieſen

Dörfern, ſowie in beiden Flanken. Major v. Stutterheim befindet ſich auf meinem rechten Flügel. Wir haben Feldwaden in Front und Flanten ausgeftellt. Dberſt v. Unruh mit der Reſerve-Ravallerie hält bei Reichenbad) und beobachtet die linke Flanke. Ich werbe morgen mit Tages Anbrud dem Feinde wieder folgen. Auch nad Wurſden werde id patrouilliren laſſen ."

Dieſe Meldung fandte Kaşeler ebenfalls mit folgender Anzeige an Yort :

Görlig den 2. September Abend8 91/2 Uhr." ,, Ew . Excellenz Befehl von heute Mittag 11 Uhr erhalte ich erſt in dieſem Augenblid ; e8 hat mich dieſer Umſtand veranlaßt , die Ors

donnanz, welche mir ihn überbringt, arretiren zu laſſen . Wie ich die

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Ehre hatte, Ew . Ercellenz zu melden , ftehe ich mit meiner Infanterie und den Batterien noch in und bei Görlig, und werde auch hier Hochderen fernere Befehle erwarten . Nach der beiliegenden Meldung des Majors v. S cent iſt meine Savallerie bis Reichenbad) vorpouſſirt; ſie hat jeßt den Befehl erhalten, dort ſtehen zu bleiben. 3ch werde den Feind

morgen nur von Patrouillen beobachten laſſen , da es bei ſeiner jeßt vollſtändig geordneten Arriere-Garde feinen Nußen haben würde, ihm, obne Artillerie und Infanterie , eine ſtärfere Kavallerie - Maſſe nachzu : ſenden. Die Brüde oberhalb Görlit (Bod - Brüde bei Moys) iſt fer tig und mit Geſchüß zu paſſiren. v. Raßeler."

Von Reyhers Hand war dieſen Meldungen noch folgende beſon dere Beilage hinzugefügt :

„Ausſage der Einwohner von Görlig : 1. Die Stärke der franzöſiſchen Armee können ſelbſt die unter

richtetſten Einwohner von Görlig nicht genau angeben ; fie fod indeſſen zwiſchen 40. bis 50,000 Mann betragen , bis jeßt noch vom Marſchall Macdonald fommandirt.

2. Der Feind hat fich von Görliß ſchon ſeit mehreren Tagen

en désordre zurüdgezogen ; erſt ſeit vorigen Dienſtag iſt der Rüdzug mit Drdnung geſchehen,

3. Noch geſtern find in Görliß an 30 franzöſiſche Generale ges weſen, tarunter Macdonald , Sebaſtiani, Rodambeau , Chars pentier und andere. 4. Maridhal Macdonald iſt heute Morgen um 5 Uhr von hier

abgegangen. 5. Es iſt mehr als wahrſcheinlich, daß ſid die ganze franzöſiſche Armee auf Baußen zurüdzieht, obgleid) ein fleiner Theil (heffiſde Trup pen) von hier nördlich auf Rothenburg marſdirt ſein ſoll. 6. 3n Guben , 10 Meilen von hier , folen ruſſiſche und preußiſde Truppen eingerüdt ſein .

7. Am 27. Auguſt foll eine Schladt bei Dresden zum Vors

theil der Franzoſen ſtattgefunden haben. 8. Ein franzöſiſcher Offizier, der heute von den Koſaken als ges fangen eingebracht worden iſt, jagt aus , daß der Kaiſer Napoleon ſein Hauptquartier in Pirna habe und daß die vor uns befindliche Armee

Befehl erhalten, fidy dorthin zurüdzuziehen. Das Verzeichniß der ſeit vorgeſtern in Görlig geweſenen Generale lege ich geborſamſt bei. "

Unterdeſſen waren die drei Korpe der ſq;lefiſden Armee um 7 Uhr Morgeng über den Dueiß gegangen ; Saden bis Hochfird), York über Þaugsdorf und þennersdorf bis Rieslingewalde , Langeron bis Pfaffendorf, ſeine Kavallerie unter General forf bis Görlitz.

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allen dieſen Punkten hatte ein Befehl Blücher 8 bie Rorp8 anges halten , und zwar in Folge der Mittheilungen , welche ihm heute

aus dem þauptquartier der böhmiſchen Armee durch den Fürſten Schwarzenberg zugegangen waren. Nad denſelben wurde der Rüd

zug der Verbündeten aus Sadijen nach Böhmen (am 27. bis 30. Auguſt) officiell beſtätigt. In der Beſorgniß, Napoleon werde nach Böhmen hinein unausgeſett folgen, hatte Schwarzenberg den General Blüder aufgefordert, 50,000 Mann der Schleſiſchen Armee zur Haupt-Armee nad Böhmen in der Richtung auf Leitmeriß abrüden zu laſſen , und nur 30,000 Mann derſelben in Schleſien zurüdzubehalten.

Wäre Blüder auf dieſe Forderung eingegangen , ſo hätte er ſeine Stellung als ſelbſtändiger Armee - Führer verloren, und Er – die Seele der Offenſive – wäre zum großen Nachtheil der Geſamut-Opes rationen durd den unmittelbaren Oberbefehl Sdwarzenberge gefeſſelt

geweſen. Zum Glüd fab Blüd) er dieſe Aufforderung des Fürſten nicht als einen Befehl der Monarcyen an , und lehnte ſie höflich ab. Er erkannte ſehr richtig , daß eine fortgeſette Offenſiv - Bewegung der Solefiſchen Armee auf Dresden viel wirfjamer die Operationen Napos

leons über des Erzgebirge hemmen müßte, als ein verſpäteter Linfo Abmarſch derſelben nach Böhmen binein. Es leitete ihn aber bei dieſer Auffaſſung der Sadılage auch der höhere politiſche Geſichtspunkt, den im

mer zögernden Kronprinzen von Schweden an den Feind heranzubringen . Wenn die Exiſtenz einer Schleſiſchen Armee und damit die Möglidfeit ihrer Offenſiv - Bewegung nach der Elbe zu aufhörte , ſo war audy der Kronprinz von Sdyweden ( d)werlich zu bewegen , mit der Nords Armee an die Elbe zu rüden. Für dieſen Zwed aber hielt Bilder die Vereinigung der ungeid)wächten Schlefiſden Armee mit der des Kron prinzen als eine Nothwendigteit feſt. Endlid, legte Blüder auch dars auf Gewicht, daß es nid)t praktiſch , nid)t gut ſei , eine ſiegreiche Armee zu trennen , in welcher die Truppen wedſelſeitiges Vertrauen zu einan

ter gefaßt hätten und bei denen das Andenken ihres Sieges nody friſch ſei.

Dagegen forderte Blüder den General v. Bennigjen auf, der eine Reſerve - Armee aus Polen herbeifiihrte und bereits Breslau ers

reicht hatte, die Soleſiſche Armee durd ein Storp8 zu verſtärken, in welchem Falle dann ein ruſſiſches Rorps (Pangeron) nad Böhmen zur Haupt

Armee würde abrüden tönnen. Indeſſen fam es glüdlicher Weiſe zu einem ſolchen inimerhin nadztheiligen Tauſch nidt , da die ſiegreiche Schlacht bei Culm am 30. Auguſt, alſo 3 Tage nach der bei Dresden vom

27. Auguſt, die ſtrategiſche Situation zum Vortheil der Verbündeten weſentlid, änderte.

Jeßt aber fonnte Blücher wohl erwarten , daß Napoleon von

der Haupt- Armee ablaſſen, nnd ſich wieder gegen die Soleſiſche Armee

192

wenden werde. Es war daher ſachgemäß, durch Ronzentration der Kräfte

fich auf einen ſolchen Fall vorzubereiten : am 2. September geſchah dies durch die nahe Aufſtellung der drei Korps diefſeits der Neiße. Auch die, wenn gleich entfernte Möglichkeit eines Rüdzuges, war im þaupts quartier erwogen worden , und für dieſen Fall die Befeſtigung der

Stellung auf den Bud)- und Groch - Bergen bei Frankenſtein befohlen worben.

Die Avant - Garde des Grafen St. Prieſt erreicte am 2. Seps tember Rodmeriş an der Neiße.

Für den 3. September faßte Blücher den Entſluß die 3 Avant - Garden zu einem gemeinſchaftlichen AvantsRorp8 zu verei nigen. Er leitete dieſe Anordnung durch folgende Motivirung aus dem Hauptquartier Lauban den 2. September ein : „,Die große böhmiſcje Armee hat, nach einem fehlgeſchlagenen Bers ſuche auf Dresden, ſich wieder nach Böhmen zurüdgezogen, und es iſt noch ganz ungewiß , ob der Feind ihr mit allen ſeinen Kräften folgt

oder ſolche gegen die Schleſiſche Armee dirigirt. Ich muß daher mit Borſicht zu Werke gehen , und dem Feinde glauben machen , daß wir ihm mit aller Energie folgen und überal angreifen wollen , damit er

hierdurch genöthigt werde, einen Theil ſeiner Kräfte gegen uns zu richten und von der großen Armee abzulaſſen .“

Folgende Dispoſition follte zur Erreichung dieſes Zwedes dienen : „ Die drei Avant Garden vereinigen ſid) in ein Avant - korpe worüber der älteſte Offizier, General - Lieutenant Waffiltfitoff, den Befehl erhält.

Dieſes Avant-Rorps bleibt an dem Feinde und ſucht deſſen Marſch immerwährend durch reitende Artillerie zu beunruhigen. Fährt der Feind Geldjüß auf , ſo muß er ſogleid mit dem unſrigen überlegen anges griffen werden .

Das Avant - Sorps wird ſich vorzüglid bemühen , die Stärfe des

Feindes , ſeine Stellungen und Bewegungen zu erforſchen und berichtet unmittelbar an mich. .... Die Korps folgen dieſein Avant- Korp8 in einem ſtarfen Tagemarſd) und ſind jederzeit bereit, es aufzunehmen, im Fal es gedrängt werden ſollte“ .... Außerdem ſollte dieſes Avant-Rorps Verbindung mit dem General St. Brieft halten.

Am 3. September ſollte audı dag Gros der Armee die Neiße über ſdyreiten und ſidy jenſeit Görlig aufſtellen. Wir entnehmen aus dieſen Anordnungen , daß Blü der ſich durch das Avant - Rorp8 eine größere Freiheit des Entſcluſjes ſichern wollte, da er burd, das Vorſchiden deſſelben um einen ganzen Tagemarſch frühzeitig von einer etwanigen Offenſive Napoleon gegen die Sales fliche Armee unterrichtet werden mußte. Vielleicht waren es aud die

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früheren durch unmittelbare Berührung mit einem numeriſd überlegenen

Feinde nothwendig gewordenen Nacıtmärſche, welche Blüder für die nächſte Zukunft durch das Avant-forps vermeiden wollte. Nur iuſte freilich durch dieſe Aufhebung der ſelbſtſtändigen Avant Garden die Verbindung derſelben mit ihren reſpektiven Korps theils unterbrochen, theils febr verlangſamt werden. Wir werden ſehen , wie Blücher ſehr bald von dieſer Maßregel wieder abging.

Am 3. September blieb bie franzöſiſche Armee im Rüdjuge auf

Baußen ; ibre Arriere-Garde machte aber bei Hochfirdə palt. General Waſſiltſdifoff übernahm den Befehl über das Avant Rorps und beauftragte mit Abfaſſung ſeiner erſten Meldungen an Blücher

den gewandten preußiſchen Adjutanten , den Lieutenant Reyher. So Leſen wir denn, von ſeiner Hand geſchrieben, folgende Meldungen : ,,Ew . Excellenz melde ich gehorſamſt, daß ich fodyderen Befehl erſt heute Morgen um 7 Uhr erhalten habe. Es iſt mir daber nicht möge

lid geweſen, mit dem Avant-Korpå früher abzumarſdiren. In dieſem Augenblid breche ich aber auf ; die Infanterie und Artillerie überſchreiten die Neiße. 3d werde fo weit marſiren , als id heute noch irgend tommen kann . Meine leichte Ravallerie hat Reichenbach bereite para firt und verfolgt den Feind. Görliß, den 3. September, 9 Uhr Vormittags. Waffiltfchikoff.“ Die neue Eintheilung , welche das Avant- Korp8 erhielt , beſtand darin, daß die ruſſiſche Ravallerie den rechten Flügel , die ruffiſche und preußiſde Infanterie bas Centrum und die preußiſche Ravalerie den linten Flügel bildete. Da man rechts abmarſcirte , fo befand fich die

preußiſche Kavallerie in dieſer Rolonne an der Queue. Nur die Rojalen folgten unmittelbar dem Feinde. Bald nad dem Abmarſch ſchrieb Reyher die 2. Meldung an Bilder :

„ Em . Excellenz melde ich gehorſamſt, daß der Feind aus ſeinem Lager weſtlich von Reichenbach aufgebrochen iſt und fidy auf der großen Straße nach Baußen zurüd zieht. Die Arriere - Garde allein iſt nody

zurüd, rüſtet ſich aber ebenfalls zum Abmarſch; ſie beſteht aus Infan terie, Artillerie und Ravallerie.

Waſſiltidifoff." Die lebte Meldung wurde füdlich von Weißenberg aus Noftiß ab geſchidt, fie lautete : ,, Noftit, den 3. September, Abends 6/4 Uhr.

Bei meiner Ankunft hier auf dem Stromberge fand ich den Feinb mir gegenüber, ſeinen rechten Flügel an pochird), ben linten an Wurs 13

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ichen gelehnt. 3d habe einen Theil meines Avant-Rorp8 beim Strom berge aufgeſtellt; dieſer obſervirt die große Straße über Wurſden. Auf

dem Wege von Löbau nach Baußen, Hodkird gegenüber, ſteht der Oberſt v. Raßeler. 3n Weißenberg ſind 2 Rojalen - Regimenter eingerüdt. Da der Feind in Weißenberg nicht Stand gehalten, ſo erwarte ich, daß er dieſe Nacht abzieht ; im entgegengejekten Fall werde ich ihn morgen angreifen.

Waſſiltiditoff." Maßeler , bei dem Renber geblieben war, ſtand mit ſeiner Avant Garde am Bitidenberge , das Dorf frappe im Rüden , Spittel und Breitendorf burch leidyte Infanterie bereßt. Bon hier aus meldete

Kapeler dem General Blücher und gleichlantend dem General Yorf : Der General Waſſiltfitoff, unter deſſen Befehl ich getreten bin, bat, um den Bferden meiner Havalerie einige Erholung zu gewähren, befohlen , daß von derſelben keine Feldwachen und Patrouillen geſtellt,

fondern dieſe von den Koſaken gegeben werden ſollen . Em. Excelen ; wollen hieraus geneigteſt entnehmen, daß ich nun nicht mehr im Stande bin , Hochdenſelben ſo beſtimmte Meldungen abzuſtatten , als es bieber

geſchehen iſt. Um aber doch fo viel als möglich von den Bewegungen des Feindes unterrichtet zu ſein, habe ich einen Offizier und 16 Pferde mit den Roſaken vorgeſchidt und von dieſem ( lt. w. Bröſide vom

2. Leib-Huſaren-Regiment) die eingeſchloſſene Meldung erhalten. Dieſe Nacht bivouatire ich mit den mir untergebenen Truppen nach der Ordre de bataille am Bitſchenberge. v. Kaşeler." Einliegende Meldung :

„ Bei Rodewiß, 3 Uhr Nachmittags. Mit der Avant - Garde bin ich bis gegen Rodewig vorgegangen .

Der Feind hat bei şodkirch Halt gemacht; er hat eine Batterie bei fich. In dieſem Augenblid treffen hier mehrere ruffiſde Havallerie - Re gimenter ein, Fuſaren , Dragoner und Koſaden mit "/ reitenden Bat terie. Es iſt Abſicht, ſogleich anzugreifen.

v. Bröſide.“ Indeffen wiſſen wir bereits , daß dieſer Entſchluß geändert wurde. Der Angriff follte erſt am nächſten Morgen erfolgen . Die Armee ſelbſt war um 7 Uhr des Morgens aufgebrochen. Saden

überſchritt die Neiße unterhalb Görliß und bivouatirte bei Ebersbach

Pangeron pafſirte ſie oberhalb der Stadt und lagerte an der Land8 trone. Yort benuşte beide Brüden und ſtellte ſich nach der Ordre de bataille zwiſchen den beiden ruſſiſchen Rorps auf.

Am 4. September ſollte der Vormarſdy fortgeſeßt werden. Blücher ſprach don jeßt die Abſicht aus , die Armee halb rechts zu dirigiren,

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um ftch an der Elbe mit dem Kronprinzen von Schweden zu vers einigen . ,, Sollte der Feind über die Elbe zurüdtommen , um ſich auf die Sclefiſche Armee zu werfen, ſo werde ich einer Schlacht mit überlegenen

Kräften ausweichen , ihn jedoch möglichſt durch Chitanen aufhalten, um der großen Armee Zeit zu geben, ihre Operationen zu entwickeln." Die ſtrategiſche Situation hatte ſich aber bereits der Art geändert, daß eine Offenſive des Raifer8 gegen die Schleſiſche Armee nur einen geringen Erfolg verſpracy.

Freilich dienen die Siege der Verbündeten bei Groß - Beeren

(23. Auguſt) und an der Kaßbach (26. Auguſt) durch die mißglüdte Unternehmung der Hauptarmee auf Dresden (27. Auguſt) wieder zum

Theil aufgehoben ; allein in der Schlacht bei Kulm, den 30. Auguſt, war Genera! Vandamme vernichtet worden ; die Diviſion Girard hatte bei þagelsberg am 27. Auguſt eine vollſtändige Niederlage erlitten, und Marſchal Macdonald war noch immer nicht vollſtändig þerr ſeiner Truppen. Er meldete dem Kaiſer, daß er ſich langſam über die Spree jur Elbe hin zurüdziehen werde.

Napoleon hielt es zwar noch für möglich, daß Marſchau Mac : donald fich an der Neiße bei Görlitz werde halten können ; wir ſaben aber ſo eben, daß Blücher bereits die Neiße überſchritten hatte. Deßt kam der franzöſiſche Kaiſer auf den Gedanfen , alle bei Dresden ver ſammelten Kräfte auf Hoyerswerda zu dirigiren, um je nach Umſtänden den Marſchall Nen bei der zweiten Offenſiv- Operation auf Berlin un

terſtüßen oder den von der Neiße zurückehrenden Marſchall Macdo nald aufnehmen und wieder vorführen zu können. Napoleon hielt es felbſt für möglich, zuvor Blücher zu ſchlagen und dann auf Berlin

zu maridhiren. Indeſſen , wenn auch Napoleon den Verſuch machte, fich perſönlid ), gefolgt von einem Theil ſeiner Armee, ſogleich auf Daußen und Görliß zu wenden , um ſeinen thätigſten Gegner noch einmal zu rüdzudrängen, fo werden wir doch ſehen, wie wenig dieſer kurze Offen

fivſtoß nachhaltig wirfte. Es war thatſächlich bereits ein Umſdwung der allgemeinen Sachlage eingetreten, welcher es dem Kaiſer nicht mehr geſtattete, nur das Gleichgewicht der Kräfte herzuſtellen , viel weniger ſein Uebergewicht zu erneuern.

Folgen wir für die Begebenheiten des 4. Septemberø zunächſt den Aufzeichnungen, welche Renber in Aapeler8 Tagebuch niederſdrieb :

„ Um 41/9 Uhr früh ging die Meldung ein, der Feind ziehe ſich ab. General Waſſiltſd itoff ertheilte mir deshalb den Befehl, mit zwei

leichten Havallerie-Regimentern zu folgen , um den feindlichen Truppen in den Defileen von Baußen möglichſt Abbruch zu thun. Zur Ausfüh rung dieſes Befehle maridirte ich mit dem Brandenburgiſchen Ulanens 13 *

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Regiment, 2 Eskadrons Brandenburgiſcher und 2 Eskadrons ſchwarzer Huſaren, nebſt der reitenden Batterie auf Hochkirch. Das durchſchnittene Terrain jenſeit dieſes Dorfes fand ich aber noch von feindlichen Tirailleurs befeßt , welche meine Ravalerie lebhaft

beſchoffen . 3ch zog ſie daher etwas zurüd und ließ igleunigſt die Jäger, das 1. Oſtpreußiſche Füfilier:Bataillon und 200 Tirailleure unter dem

Major v. Klür vorholen, um Hochkirch, wenn dies im Plane des Ge nerals Wafſiltichitoff läge, behaupten zu tönnen ." Zum Verſtändniß dieſes Momentes bemerken wir, daß Napoleon

heute perſönlich Vormittage zwiſchen 10 und 11 Uhr in Laußen ein. getroffen und ſogleich gegen Hochkirch bis auf die Höhe bei Steindörfel vorgeritten war . Berſtimmt über die üble Haltung der Armee Mac donald8, hatte er bereits den Befehl vorausgeſdidt, daß ſte in ihrem

Rüdzuge Front machen und wieder auf der Straße über poctird, vor gehen ſolle. Die Garden würden folgen. Auf dem linken Flügel mußte Hönig Murat das 1. ſtavallerie - Korps auf der Straße nach Görlik vorführen.

Während dies geſchah , batten auch die 3 forps der Schleſiſchen Armee um 6 Uhr Morgen ben Marſch von Görlig nad Baußen au getreten.

Ein Rencontre war unvermeidlich.

Saden war angewieſen worden , aus der Gegend von Görlig über Foltendorf, Mengelsdorf, Meuſelwiß auf Weißenberg zu marſchiren. Er wandte ſich aber ſüdlicher , hemnite dadurch den Marſch des preu

fiſden Korps und ſchlug erſt von Schöps aus die Richtung auf Weis fenberg ein . Yorf hatte die Direktion über Reichenbach und Schöps auf Gloſſen

zu nehmen. Durch das forp8 Sadens aufgehalten , konnte er erſt gegen Mittag Noſtiß am Löbauer Waſſer erreichen. langeron war über Gersdorf und Sohland auf Löbau gewieſen worben .

St. Prieſt befand ſich in gleicher Höhe mit langeron , nämlich in Bernſtadt und berrnhuth.

Reyher fährt in Raßler's Tagebuch fort : ,,Nod ehe ich von dem General Waſſiltſdifoff über die et wanige Behauptung des Dorfes bodkirch beſtimmte Befehle erhalten

tonnte, wurde meine Infanterie durch die Ueberlegenheit der Feindes genöthigt , şodikirch zu verlaſſen und ſich nach dem Dorfe Kuppriß 30 rüdzuziehen. Die feindlichen Tirailleurs folgten unter dem Schube einer Batterie. 3d verſuchte jeßt durch ein überlegenes Artillerie- Feuer den Feind in Schach zu halten , und ließ die reitende Batterie v. Bos rowsty und 4 Baubißen abproßen. lag es nun an der vortheilhaften

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Aufſtellung der feindlidhen Geſchüße oder beſtanden ſie aus einem ſchwe. reren Kaliber, genug es gelang nicht, fie ungeachtet eine langen fam pfes zu demontiren . Das Tirailleurfeuer wurde ſchwächer unterhalten,

da der Feind im Anfang nidt lebhaft drängte. “ General Waſſiltſchikoff meldete dem General Blücher Mits tage, daß der Feind Hochfird, befeßt habe; aber auf ſeinem redyten Flügel noch alles ruhig ſei.

„ Der Feind ſteht mir mit ſeiner ganzen Macht gegenüber. Sollte ich zurüdgeben müſſen, ſo ſtelle ich mich zunächſt in der Poſition auf, in welcher id, dieſe Nacht im Bivouat geſtanden habe." Nachmittags 3 Uhr fandte aşeler folgende Meldung , von

Reyher geſchrieben , direkt an Blücher: „ Die Spiße meiner Avant . Garde ſtieß heute Morgen bei Hoch kirch auf den Feind . Es engagirte ſich ein Gefecht. Ich verſucite mit

meiner reitenden Batterie und der Haubiß - Batterie die gegen mich auf gefahrene feindliche Batterie zu demontiren , was aber nicht gelang.

Das Gefecht hat bis zu dieſem Augenblic gedauert. Jeßt aber, Nach mittags 3 Uhr, entwidelt der Feind eine ziemlich zahlreiche stavallerie und 4 Infanterie-Kolonnen. Auf Befehl des Generals Waſſiltſchi toff gehe ich vorläufig in die Stellung am Pitſchen -Berge zurüc. v. Raßeler.“ Das Tagebuch fährt fort :

„ Auf dem Bitſchen - Berge hatte Major 1. Biller mit der Infan. terie Stellung genommen , ſo daß die Vortruppen hier eine geſicherte Aufnahme fanden."

Allein auf York , der fich ja bereits in der Nähe befand , hatte fein Korps zum Gefecht formirt ; nämlich unmittelbar zur Unterſtüßung

der Avant - Garde Rapelers die 8. Brigade links von der Straße nach dem Pitſchen- Berge ; ferner die 2. Brigade rechts am Stromberge, und die 1. und 7. Brigade , hinter ſich die Reſerve - Kavallerie, als Centrum hinter der Höhe bei Noſliß.

Blücher hatte aber unterdeſſen in ſeinem Hauptquartier zu Gloſſen unzweifelhaft Renntniß von der Anweſenheit des Raiſers Napoleon und von den Verſtärkungen erhalten , die derſelbe zur erneuerten Df

fenſive gegen die Schleſiſche Armee heranführte. Der Trachenberger Operationsplan ſchrieb ihm ein vorläufiges Zurüdgehen vor , und in Uebereinſtimmung hiermit erklärte Blücher: ,, 3d, weiche einem ernſthaften Gefecht aus.

Sollte der Feind über

Zittau nach Böhmen gehen , ſo werde id), im Fall er nicht eine zu große Macht gegen mich ſtehen läßt , dieſe angreifen und nach Böhmen folgen .“

Dann erfolgte der Befehl zum allgemeinen Rüdzuge über das Lö bauer Waſſer.

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Major w. piller wiffen wir in der Poſition am Bitſchen Berge. Renber berichtet in safeler8 Tagebuche:

„ Der Bitſchen - Berg wurde nodi ſo lange vertheidigt , bis es ganz

dunkel war. Dann erſt ging die ganze Avantgarde über den Löbauer Fluß zurüd. Dem klugen und kaltblütigen Benehmen des verdienten

Majors v. Hiller und der guten Haltung der ihm untergebenen Truppen habe ich es zu danken , daß wir in dieſer ungünſtigen Lage tein Ges ſchüß verloren . “

Der Rüdzug erfolgte in einem ziemlich ſcharfen Gedränge über Krappe. Stapeler ſagt : „ Es wurde nöthig , daß ich mid zur Deđung des Abzuges ſelbſt an die Spiße der 1. Weſtpreußiſden Dragoner -Regi

ments fepte , und ſo lange mit demſelben halten blieb , bis der legte Infanteriſt vom Berge zurüd war.

Das Kavallerie - Regiment ( Oberſt v. Unruh ) hielt vortrefflich in einem nahen Infanteries Feuer von 200 bis 300 Schritt aus. Meine reitende Batterie hatte ich bis zum leßten Augenblic wirken laſſen ;

dann ſchickte ich ſie unter Bededung zurüd und es gelang , fie glüdlich über den Löbauer Fluß zu ſchaffen .“

Von dem Feinde hatte eine rechte Flügel - Kolonne dieſfeit8 Löbau Halt gemacht; eine mittlere Kolonne war in der Nähe des Pitſchen Berges ſtehen geblieben, und die linte Flügel - Kolonne, das 1. Ravalleries

Korp8 , lagerte für die Nacht in der Nähe von Weiſſenberg bei Kolik. Um 10 Uhr Abends trat das Gros der Schleſiſchen Armee den Rüds marſch in die Stellung an der Landstrone an. Es war dieſer Nadits marſch um ſo beldwerlicher, da ein Theil des ruſſiſchen und preußiſchen Traine die Wege verſtopft hatte.

Die letzten Truppen erreichten bes.

halb erſt am folgenden Vormittag die Bivouaks - Pläße. Die preußiſche Avant - Garde hatte in dem Gefecht dieſes Tages über 400 Mann verloren ; ſie war auf dem rechten Ufer des liebauer Waffer8, den Feind im Auge haltend, ſtehen geblieben.

Am 5. September ließ Napoleon die angefangene Offenſive auf Reichenbad) und Löbau fortſeßen , und zwar verſtärkt durch die Her anziehung des 8. Rorps und des 4. Kavalerie-Rorps unter dem Ober befehl des Fürſten Poniatowstø , der ſchon um 6 Uhr von Scludes nau aufbrechen und über Neuſalza auf Löbau marſdiren mußte.

Blüd er beſchloß über die Neiße zurüdzugehen , und befahl , um den Marjd der Truppen nicht zu hindern , daß alles Fuhrwerk über

bie Neiße vorausgeſchidt werden ſollte. Lebensmittel follte der Soldat auf wenigſtens einen Tag bei fich tragen. Raßeler , der nächſte am Feinde , meldete : ,, Bivouad bei Gloſſen 5. September Morgens 63/4 Uhr." „Meine Vorpoſten ſtehen dieſeits am Löbauer - Waſſer. Der Feind bivouakirt noch ruhig auf den Anhöhen mir gegenüber, etwa / Meile

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von hier. 3d habe einen Offizier mit 30 Pferden auf der Straße

nach Löbau abgeſchiæt, und früher ſchon einen Unteroffizier mit 10 Pferden eben dahin , um zu erforſchen , ob der Feind ſich vielleicht mit einem Theil feiner Madt nach Zittau wende. Die jeßt habe icy bierüber noch keine Nachricht. Meine Infanterie

iſt beim Anbruch des Tage8 (- auf Befehl des Generals Waiſilta chitoff -) hinter die Defilien von Reichenbach zurüdgegangen ; mit ihr die Batterie.

Mit meiner Havallerie habe ich den Befehl erhalten , neben der

ruſlijden Kavallerie unter dem General Lansfoy , der hier ebenfalls in der Ebene zurüdgeblieben iſt, im Fall eines Ungriffs, zurüdzugehen. So eben erfahre ich von einem ruſſiſchen Oberſt, der auch den Auftrag gehabt hatte , nach Löbau zu gehen , daß bis iegt bort keine feindlichen Truppen vorbringen. v. Aaßeler." Um / 9 Uhr meldete Major Sdent des 2. Leib - Huſaren - Res

giments von den Vorpoſten, daß fich der Feind in großen Maffen tons zentrirt habe und ſowohl gegen den rechten, wie gegen den linken Flügel vorgehe. Dieſe Meldung wurde, wie die vorige, mit folgendem Zuſak direlt an Blücher geſendet : „Der Feind hat ſich mit einer Kolonne, beſtehend aus 6 Infanteries Bataillonen und 3 Kavalerie - Regimentern vom Pitſden - Berge gegen

Gloßen in Bewegung geſeßt, wovon ich mich perſönlich überzeugt habe. In dieſem Augenblid rüdt auch eine 2. Kolonne auf der großen Straße gegen Gloßen vor. Nad Löbau hin ſcheint gleichfalls eine Rolonne zu marſdiren, was man jedod von hier aus nicht deutlich überſeben tann. v. Sapeler."

Der von Kapeler gegen Löbau detaſdirte Offizier vom 10. Land webr-Kavallerie-Regiment, meldete : ,,Die Hauptfolonnen des Feindes geben nicht durch Löbau, fondern laſſen den Ort links liegen und ziehen ſich im Gebirge fort. Der Marſd) geht ſehr langſam.

Zechlin.“

General Waſſiltſhitofi , der auf der Höhe hinter Schöps bielt, gab nad 9 Uhr den Befehl zum Rüdzuge der Avant- GardensRavalerie nad Reichenbach, wo die Infanterie und Artillerie des Avant - korps auf dem Töpfer-Berge Stellung genommen hatten.

In dem Terrain-Abſnitt zwiſchen dem Löbauer-Waſſer und Reiden bad tam es aber ſchon zum Gefecht. Reyher ſchreibt darüber in Raßeler8 Tagebuch: „ Am 5. September, des Morgens gegen 9 Uhr, formirte der Feind

zwei große Rolonnen, mit denen er vordrang. Das Avant-Rorp $ 308

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ſich auf Reichenbach zurüd , wo die ſchöne Poſition vertheidigt werden follte. Auf dem Wege dorthin befahl mir General Pangloy (- dem General Waſſiltid itoff die Dedung des Abmaridye$ übertragen hatte - ) die raſch vorgedrungene feindliche Kavallerie, 6 Regimenter mit den meinigen, 16 Estabrons, zu attadiren. 3ch befolgte dieſen Befehl ſogleid), und machte die Attade ungeachtet des ſehr foupirten Terrains.

Der Feind hatte zur Unterſtüßung ſeiner Kavallerie ſchon zwei Quarrees vorgeſchoben; aber weder dieſe Infanterie, noch das ſehr heftige Kartätſch und Karabiner- Feuer, hielt meine Leute ab, fid mit Nachdruck auf die

feindliche Ravallerie zu ſtürzen. Ein großer Theil derſelben wurde ge worfen, und die Attade burd) Geſträud) und über Sohlwege fortgefeßt. Der General Waſſiltſdifoff fand es für zwedmäßig, während dieſer Zeit mit der Infanterie und Artillerie von den Söhen bei Reidenbad

dod abzuziehen . Er ließ mir durch den General Lanstoy , der mit 2 ruſſiſchen Huſaren -Regimentern hinter dem Defilee als Soutien auf

geſtellt war , ſeine Zufriedenheit über den gelungenen Angriff bezeugen, und zugleid befehlen, daß ich meinen Rüdzug antreten folle. Der Feind war burd) unſere Attade fo in Reſpect gereßt, daß es

dem Rittmeiſter Weſtphal möglid wurde, mit einer Jäger-Estabron aus einem Gebüſd) hervorbredend, ein ganzes feindlides Regiment zus rüdzuwerfen ." Die preußiſche Infanterie auf dem Töpfer - Berge , unter deren Augen jene tühne Attade Kaşeler8 ausgeführt wurde , hatte dieſelbe

noch mit Jubel begrüßen können. Freilid verlor die Kavallerie hierbei circa 50 Mann .

Der Marſch wurde von Reichenbach burd Markersborf nach Görlig hin fortgeſeßt. Major v. $ iller ließ in zwei Treffen zurüdgehen. Bei Defileen nahm die Infanterie die Ravalerie auf ; in der Ebene machte dieſe die

Arriere - Garbe. Der Feind folgte nur langſam, ſo daß es, ungeachtet des fortwährend unterhaltenen feindlichen Artilleriefeuers, dem Oberſten v. Kaşeler doch gelang , die preußiſchen Vortruppen ohne weiteren Verluſt zu einem kurzen ßalt in die Stellung an der Landetrone zu führen .

Unterdeſſen hatten die Korps der Schleſiſchen Armee ungeſtört ben Rüdzug über die Neiße vollzogen, und zwar das Korp8 Saden nebſt

der 1. nnd 2. preußiſchen Brigade über die Pontonbrüđe unterhalb Görliß, und das Korps Langerons , nebſt der 7. und 8. preußiſchen Brigade oberhalb Görlig über die Bodbrüde , neben welcher noch eine Laufbrücke geſchlagen war. Die Ravalerie fand eine Furth und burdyritt fie. Die drei Korp8 ſepten ihren Maríd in die am 2. September inne gehabten Bivouaks bei pochkirch , Rieslingswalde nnd Pfaffen

201 borf fort , nachdem vorher die Arriere - Garbe bei Görlig von einem Theil des preußiſchen und der Langeronſden Korps aufgenommen

worden war. Major v. Hiller hatte vor den Brüden 2 Bataillone wieder Front machen laſſen, um der Kavallerie den Abzug zu ſichern . Raßeler ſchreibt:

„ Ungeachtet wir ſehr heftig mit Granaten beworfen wurden paſ firten wir doch in der größten Ruhe die Neiße, und ich für meine Berſon war der Leşte, der über dieſen Fluß ging ." Blücher nahm ſein Hauptquartier in Lauban.

Yorf mußte im Bivouat bei Rieslingswalde wieder 2 Landwehr Bataillone, das 2. und 4. tes 4. dylefiſchen Landwehr - Regimente , in ein Bataillon zuſammenwerfen. Auch ſtieß hier das 6. Landwehr-Re giment, welches ſich unter dem Major Fifd) er in Goldberg reorganis firt hatte , wieder zur 2. Brigade , aber ießt nur noch ein Bataillon ſtart, nämlid; 950 Mann. St. Brieſt ſcheint ſich wieder bei Seidenberg aufgeſtellt zu haben. Die franzöſiſche Armee überſdritt die Neiſſe nid)t. Das 1. fran . zöfiſche Ravallerie -Rorp8 ( Latour-Maubourg) und 2 Infanterie: Diviſionen blieben unnittelbar bei Görlig halten und belegten die Stadt,

Die Ereigniſſe dieſes Tages ließen Napoleon darüber nidit in Zweifel , daß Blücher planmäßig vor ihm zurückweiche und er dieſen gefährlidhen Gegner ſo wenig wie bei Löwenberg und Goldberg zu einer Entſcheidung8 Sdilacht werde zwingen tönnen. 3e weiter fich aber der Kaiſer von der Elbe entfernte, je mehr jeßte er möglicherweiſe die etwas

nigen Erfolge des Marſchals Ney aufs Spiel und erponirte von Neuem den Centralpunkt ſeiner ſtrategiſchen Operationen, das verſchanzte Dresden.

Er kehrte deshalb noch am Abend des 5. September unter Begleitung Murats nadı Baußen zurüd, gab alſo ſchon heute die Offenſive gegen die Sdilefiſche Armee wieder auf und befahl nur dem Marſdal Macs donald, wo möglich die Linie der Spree zu behaupten. Macdonald

bezog unter dem Schuß des beſeßten Görliß mit den Infanterie-Sorpe ſeiner Armee ein Lager an der Landofrone. Die beiden Kavalerie-Rorp8 blieben rechts und links von Görlitz gegen die Neiße vorgeſchoben . Fürſt

Poniatowsfy ging mit ſeinem Korp8 nidht über löbau hinaus ; ſeine Avant - Garde unter dem General uminsti blieb bei Elbersdorf auf der Straße nad Zittau ſtehen. Am 6. September erhielt Napoleon in Baußen aus Dresden von dem Marſchau Gouvion St. Cyr die Nachricht, daß die Böh miſde þauptarmee der Verbündeten aufs Neue über das Erzgebirge gegen Dresden vorzubrecen ſcheine. Die Garden mußten deshalb noch

heute um Mittag nach Dresden abmarſchiren, ebenſo das 1. Havallerie Korps , und Abends 7 Uhr traf aud Napoleon idon wieder in

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Dresden ein . Zwei Tage ſpäter langten ebenbaſelbſt auch die Garben, das 1. Havallerie- Storps und Maridad Marmont an.

Marſchall Macdonald fühlte der Schleſiſchen Armee gegenüber

die volle Schwierigkeit ſeines Auftrages ; er rechnete aber für die nächſten Tage auf die natürlidie Fortwirkung der begonnenen ſtrategiſchen Dis fenſive, da die Rüdfehr Napoleon8 mit den Garden nicht ſogleich im Blücherſchen Hauptquartier bekannt werden fonnte. In der That hatte Blücher zum 6. September den Abmarſch der Armee hinter den Queiß

befohlen und zwar in die Aufſtellung, welche die drei Korps ebendaſelbſt ſchon am 1. September inne gehabt hatten. Gleichzeitig wurde das Avant - Rorp8 nad dreitägigem Beſtehen aufgelöſt; jedes Korps

formirte wieder ſeine eigene, ſelbſtſtändige Avant-Garde. General Saden führte ſein Korps bei Siegersborf über den Queiß nad Parig ,

yort das ſeinige über þennersborf theils nach

Naumburg, theils nach Haugsdorf und von dort nach Naumburg, wähs rend die Reſerve-Ravallerie in Kieslingswalde zur Aufnahme stapelers zurüdblieb. Langeron paffirte den Queiß bei Lauban.

St. Brieſt blieb bei Seidenberg ſtehen ; ſeine Avant - Garde noch bei Radmeriß an der Neiße. Macdonald ließ Brüden bauen, obne ein Ueberſchreiten der Neiße

in Maſſe zu beabſichtigen. Es fam ihm nur darauf an, ſeinen Gegner zu täuſchen . Kaşeler marſchirte nad Gruna und Kießlingswalde , ließ aber

dodh zwei Ulanen - Eskadrons unter dem Rittmeiſter v. Schierſtaedt vor Görlig zur Beobachtung des Feindes ſtehen. Der Rittmeiſter mel Dete Mittage 14/2 Uhr von Görlig her :

„ Unſerem rechten Flügel gegenüber haben die feindlichen Tirailleurs die diesſeitigen Höhen beſegt. Eine Kolonne, aus allen Truppengattungen beſtehend, füttert und todit jenſeit. In der Mitte haben die Tirailleurs ebenfalls den Fluß paſſirt und beſchießen unſere Flanteurs. Gegen unſeren linken Flügel marſdirt der Feind rechts ab , die Neiße auf wärts ; — wohin ? iſt nicht zu ſehen." Dieſe Meldung fandte Kaşeler aus Gruna Nachmittags 4 Uhr mit folgendem Zuſaß an york ; ,,Em . Ercelenz überſende idy hiermit abſdyriftlich die Meldung des Rittmeiſter8 v. Schierſtaedt, welcher fid mit 2 Eskadrons Ulanen

zur Stunde noch auf den Höhen vor Görlig befindet. 3d halte mit

der Kavallerie hier in Gruna ; meine Infanterie und Artillerie habe id nach Kieslingswalde zurüdgeſchidt.

Roſaken befinden ſich in meiner

rechten und linken Flanke.

v. Kaşeler.“

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An Blüder ſchrieb Kaşeler ſpäter birett, „ Bivouał Kieslingswalde den 6. September % 12 Uhr Abend. „Ew. Excellenz melde idy gehorſamſt, daß ich mit dem Groß meiner Arriere- Garde bei Rieslingswalde ſtebe, Borpoſten gegen Leopoldo

hayn, alignirt mit dem General Emanuel zu meiner Linken. Meine Spiße fteht wahrſcheinlich noch vor Görlit, da ich ſeit 6 Uhr Abende feine Meldung von derſelben erhalten habe. Entweder iſt der Feind nicht weiter gefolgt , und dies iſt wahrſcheinlidi, da aud Gene ral Emanuel Nachricht erhalten, daß der Feind rubig auf den Höhen vor Görlig ſtehe, - oder die von der Spite abgeſandten Ordonnanzen

müßten ſich verirrt haben. Weitere Meldungen werde ich nicht ver fehlen, ſogleich zu überſenden. v. Iaşeler."

Uud Langeron beſtätigte das Stilftehen des Feindes bei Gör lig ; ebenſo Saden , der gleichzeitig nach einer Partheigänger Nachricht hinzugefügte : Kaiſer Napoleon und der König von Neapel waren in Reichenbach); beide haben aber nach Baußen zurüd gehen wollen."

Dieſe Notiz erklärte bas Stilſtehen Macdonaldo bei Görliß. E: fam daher darauf an, die Situation am folgenden Tage näher aufzuklären.

An dem heutigen Tage lief nod) die Allerhödyſte Kabinets - Ordre, Tepliß den 31. Auguſt ein, in welcher der König dem General Blücher und der Armee für den Sieg an der Stagbach bankte , Drden ertheilte ( dem General Blücher das Großkreuz des eiſernen Kreuzes ) und mit den Worten ſchloß:

... Erhalten Sie den Geiſt der Ordnung und der Disziplin in

der Armee, der allein den Sieg fichert, und geben Sie ihr fortdauernd das Beiſpiel wie bisher, daß Borſicht und Entſchloſſenheit vereint ihn ficher erringen."

Daß Macdonald ſich auch am 7. September nicht vorwärte

bewegte, entnehmen wir aus folgender Meldung Sapelers : „Auf der Höhe vor Görlig, den 7. September 8 Uhr Morgens : 3. habe heute früh von 6 bis 8 Uhr Morgeng die Vorpoſten : Chaine felbft beritten und mich von Folgendem überzeugt :

Der Feind hat diesſeits Görlig blos Infanterie, welche hinter den Höhen liegt, und ihre Poſten auf den Höhen hat. Die heutige trübe

Witterung läßt die Stärke des Feindes nicht ergründen , aud kann man nicht ſehen, was etwa in oder hinter der Stadt aufgeſtellt iſt. Ha valerie iſt noch nicht dieſſeits ; jenſeits aber ſah ich ſie zur Tränke reiten.

Der Feind hat bie jest nur Laufbrüden für die Infanterie

über den Fluß gelegt. Er ſcheint ſehr ſorgfältig die Zahl ſeiner hinter

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der şöbe placirten Infanterie verbergen zu wollen , da die Boften auf jeden Einzelnen, der ſich nähert, ſogleidy Feuer geben. 3ch glaube mit Beſtimmtheit, daß der Feind auch heute nicht Willens iſt, die

Neiße bei Görliß zu paſſiren. Eine geſtrige Meldung, daß feinde liche Savalerie und Artillerie verbringe , hat ſich als falid erwieſen . Ein Untersffizier , der ſie veranlaßt hat , iſt deshalb von mir beſtraft worden.

v. Kaşeler. "

An dieſem Tage wurde Reyher tranf, und mußte ſich zur Wieder herſtellung ſeiner Geſundheit ins Hauptquartier Lauban begeben. Hier fand er nach dem Wiederbeginn der Feindſeligkeiten zum erſten Mal

Gelegenheit, an ſeinen Vater zu ſchreiben , und ihm einen kurzen Abriß der leßten Ereigniſſe zu geben. Er that dies in folgendem Schreiben : Hauptquartier Lauban , den 7. September. ,, Theurer, herzlich geliebter Vater ! Vor einer halben Stunde bin ich hier im Bauptquartier ange

fommen, um meine Geſundheit wieder herzuſtellen . 3ch leide nämlich

ſeit einigen Tagen an einer beftigen Unterleibs- Erkältung. Da ich nun höre, daß eine Eſtafette nach Berlin abgehen ſoll , ſo fäume ich nicht,

Ihnen mit einigen Worten zu ſagen, wo id) bin und wie es mir geht. 3d bin nad wie vor Brigade-Adjutant bei dem Oberſt v. Kapeler, der eine Ravalerie-Brigade, und ſeit dem Wieder-Ausbruch der Feinds ſeligkeiten die Arant- Garde des Yorlichen Armee-Korps kommandirt. Faſt täglid, haben wir Gefechte mit dem Feinde , und groß ſind die Mühſeligkeiten , welche wir ausſtehen müſſen. Bei dem Dorfe Krayn baben wir eine ſchöne Schlacht ( ſie heißt an der Raßbach ) gewonnen.

Die Details werden Sie aus den öffentlichen Blättern geleſen haben. Auf ſeiner Retirade hat der Feind Alles vernichtet, um uns das Verfolgen zu erſchweren. Wir, und beſonders die Avant- Garden, haben daher oft Tagelang nicht ein Stüc Brob gehabt und mußten uns bloe von den Kartoffeln

nähren, die noch hier und da auf dem Felde ſtehen geblieben ſind. Die Pferde erhalten nur Gras zu freſſen. In jeder Nacht wird bivouafirt. Daß aber der Feind body nod übler daran ſein muß , das beweiſt die große Anzahl todter Menſchen und Pferde, welche er bei ſeinem eiligen Rüdzuge auf der Landſtraße liegen läßt. Das ſehr üble Wetter hat

hierzu auch viel beigetragen. Täglid, finden wir noch Gejdüße und Munitions-Wagen , die der Feind bei den grundloſen Wegen hat ſtehen laſſen.

Bei allen dieſen Anſtrengungen bin ich big hierher immer geſund geblieben, nun aber habe ich mir eine Erkältung zugezogen. Der brave

205

Chirurgus meint indeſſen , daß ich in einigen Tagen wieder hergeſtellt ſein werde. Ueber die gewonnene Schlacht bin ich recht herzlich erfreut. Dens

noch iſt es , als wenn Fortuna mir ſeitdem den Rüden zugewendet hätte, denn erſtens haben meine Leute mir ein ſehr ſchönes Pferd ver füttert, zweitens haben ſie meinen Mantelſack mit meiner ganzen Wäſche

und 6 Louisd’or verloren , drittene haben ſie meinen Mantel ſtehlen Ein wahres Glüd , daß ich früher den größten Theil meiner Baarſchaft dazu angewendet , mir Beute - Pferde zu kaufen , ſo daß ich jeßt doch noch 5 braud, bare tüchtige Pferde habe. Wenn es aber nur im Augemeinen gut geht, dann wird ſich das Uebrige fdon finden . In der Schlacht ( an der Karbach ) hatte ich wieder Gelegenheit meine Schuldigkeit zu thun. 3d) bin dafür zum Premier • Lieutenant laſſen .

in der Adjutantur vorgeſchlagen worden ; ein Weg , ſchneller zu avan ciren. Nach einer ſo glänzenden Schlacht werden Se. Majeſtät den Borídlag wohl allergnädigſt genehmigen. Dar preußiſche Armee-Rorps verliert in allen Gefechten vorzug8. weiſe viele Offiziere, ein Beweis , wie ſehr dieſe Herren immer voran ſind. Seit geſtern hat die Armee Dalt gemacht, um erſt über die Ope rationen der Þaupt-Armee Nadriditen einzuziehen. Von Friß , eins rid und Ludwig habe ich keine Nachricht; ſie ſtehen bei der Haupt Armee in Böbmen .

Nun, meine theuren, geliebten Eltern , Gott erhalte Sie und laſſe es 3hnen wohlgeben. Nad beendigtem Kriege , - ich hoffe aløpann jdon eine Estadron zu haben – wollen wir im Schooß der Rube glüdlich ſein. Grüßen Sie herzlich alle Verwandte und Freunde , bes fonders aber meine Geſchwiſter. Ich bin wie immer 3hr Sie verehrender gehorſamſter Sohn Carl."

Haum war Renher am Morgen des 7. September abgereiſt, als Rapeler folgendes Schreiben an den General y ort richtete: Bivouat bei Görlig 7. Sept. 13. ,,Das Unglüd will, daß mein einziger Adjutant frank geworden iſt, und wenigſtens auf einige Tage der Geldäftsführung enthoben werden muß. Ich bin daher durchaus ohne Beihülfe. Indem ich Em.

Excellen ; dies gehorſamſt anzeige , vertraue ich auf eine wohlwollende Nachſicht, denn es iſt mir nun unmöglid , Alles was mir obliegt , mit Shnelle und Bünttlichkeit zu beſorgen. Ich wage es deshalb Ew. Er cellenz zu bitten ,

wenn es irgend geſchehen kann – ben Oberſt

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v. Valentini oder einen andern zu Aufträgen geeigneten Offizier als Unterſtüßung zu mir zu tommandiren . v . Kaşeler. "

,,Nachdrift . ,,Der Feind ſteht biß jeßt , 81/2 Uhr , ruhig in ſeinem Lager."

Auf Kaşelers Befehl hatte ſchon vorher Major v. þiller den nachſtehenden Bericht an yort abgeſendet. Nieder -Bennersdorf, den 7. September Morgens 7 Uhr. ,, Auf Befehl des Oberſt v. Kaşeler foll ich Ew. Ercellenz ganz gehorſamft berichten , daß derfelbe heute früh mit der Ravallerie der . Avant-Garde von Rieslingomalte nad Görliß wieder vorgegangen iſt,

fich von den Bewegungen des Feindes ſelbſt zu überzeugen. Um den Feind nicht aus den Augen zu verlieren , und gleich bereit zu ſein , mit der ganzen Avant- Garde vorgehen zu tönnen, bittet der Oberſt, daß eine Brigade des Korps hier auf den vortheilhaften Söhen von Nieders

þennersdorf aufgeſtellt werden möge. Da die Truppen der Avant-Garbe

ſich bei jeder Gelegenheit immer brav geſchlagen haben und unaufhörlich in Bewegung geweſen ſind, während für ihre Verpflegung auf dieſen Märſchen , außer durch eine geringe Quantität ſelbſtrequirirten Fleiſches und weniger Kartoffeln , Nicht8 ſeitens der Brigaden geſchehen iſt, - lo glaubt er , daß das gänzliche Avantüriren einer ſolchen Truppe wohl

zu vermeiden ſein dürfte. Er glaubt überdies , daß der Wunſch nach einem foliden Repli auch mit Em. Excellenz Meinung übereinſtimme,

um ſo mehr , da ja ein abermaliger Rüdzug ermogen werden müßte, und dann bei ſo weiter Diſtance, wie von der Neiße nach dem Queiß, das Bafſiren von Defileen , namentlich der Uebergang über den Queiß, empfindliche Berluſte erzeugen fönnte. Truppen , die ſo viel Ausdauer bewieſen, verdienten daher wohl eine billige Rüdſicht auf ihre Siderheit. Die baldige Ablöſung eines Theig der Kavallerie hält Oberſt

v. Kaşeler nothwendig , da der größte Theil der Pferde gänzlich er ſchöpft iſt.“

$ iller bittet außerdem um Ablöſung des Dſtpreußiſchen Grena bier -Bataillons, des 1. Bate. 12. Reſerve -Regimente und des Füſiliers

Bataillons 2. Oſtpreußiſchen Regiments , - weil diefe Truppentheile theils ſehr zuſammen gefchmolzen , theils der Erholung fehr bedürftig ſeien. Es fönne ferner die Garbe- Jäger -Rompagnie entbehrt und das Landwehr-Bataillon Parijd durch das Bataillon Seydliß erſet werden, Dann ſchließt Siller :

Der Mangel an Schuhen iſt, ungeachtet aller dagegen ergriffener Maßregeln, noch immer ſehr groß. Die 2 Kompagnien Dſtpreußiſcher Jäger müſſen gleich den übrigen Bataillonen wenigſtens 100 Baar Schuhe erhalten. Aud) bitte ich Ew. Excellenz recht dringend, gnädigſt

207 zu befehlen , daß ein Vorrath an Brod und Brantwein für die Truppen

herbeigeſchafft werde , fonſt iſt es bei dem beſten Willen und den an: geſtrengteſten Bemühungen nicht möglich, die erforderlichen Kräfte und den guten Geiſt zu erhalten. v. Hiller. "

Stapeler hielt fortgefeßt Görliß im Auge und meldete von dort am Abend :

„ Auf der Höhe vor Görlig, den 7. September 6 Uhr Abende. Auf eine am ſpäten Nachmittag eingegangene Anzeige des Gene

rale lanskoy , der Feind ſcheine eine Brüde ſchlagen und übergeben zu wollen, habe ich ſogleich die Vorpoſten -Chaine beritten und gefunden, daß der Feind noch unverändert die Stellung von dieſem Morgen inne

hat. Vorbereitungen zu einem Brückenſchlag habe ich nirgends wahr genommen . Die Offiziere der äußerſten Vorpoſten habe ich inſtruirt, in der Nacht an die Neiße heranzuſprengen, um ſich zu überzeugen , ob irgendwo Anſtalten zu einem Brüdenbau gemacht werden. Zur per ſönlichen Rekognoscirung bin ich ſo nahe an die feindlichen Vorpoſten herangeritten, daß deren Vedetten Feuer auf mich gegeben haben , und ein Feldwache ſchnell auf die Höhe fam. Durd den Leutenannt D'Egel ließ ich eine Patrouille in der

rechten Flante , Richtung auf Rothenburg , machen ; allein auch nach dorthin hat der Feind keine Bewegungen gemacht.

Meine Borpoſten ſtehen unverändert vor Leopoldehayn; ich ſelbſt mit der Reſerve Ravallerie bei Stangenhayn ; das Regiment Sohr habe ich aber bei der Infanterie gelaſſen. Huſaren - Eskadrons deden bei Sdulßenhayn meine rechte Flanke. v. Kaşeler. "

An Hiller drieb Kaşeler eine halbe Stunde ſpäter. Stangenhayn , den 7. September Abends 61/2 Uhr.

Em. Hodwohlgeboren theile ich mit, daß ich nach einer ſo eben gegen die Höhen von Görliß ausgeführten Retognoscirung den Feind ruhig und unverändert in ſeiner Stellung gefunden habe. Da der Feind außerdem auc nod) gar keine Anſtalten getroffen zu haben ſcheint, Brüden

über die Neiße zu ſchlagen, ſo glaube ich zuverläſſig, daß derſelbe heute nichts mehr unternehmen wird.

Indeſſen erſuche ich Em. Hochwohlgeboren, dieſe meine Mittheilung den Truppen nicht in ihrem ganzen Umfange bekannt zu machen , damit ſich dieſelben nid )t allzugroßer Sorgloſigkeit überlaſſen. Sr. Excellenz dem General v. Yort tönnen Sie melden , daß ich teiner Unterſtüßung bedarf, wenn mir nidyt die Aufgabe zu Theil wirb, in einer Entfernung von faſt einem Tagemarſd von dem Gros Gefecte ju liefern. Sollte id) indeffen ſtart gebrängt werben, fo würde ich Ew .

208

Hochwohlgeboren ſo zeitig davon benachrichtigen , daß Sie fich in aller Ruhe zurüdziehen tönnen.

v. Kaşeler. " Das fortgeſepte Stilftehen Macdonalds gab der vermutheten Rüdfehr Napoleons nach Dressen die größte Wahrſcheinlichkeit. Aud) von der Avant- Garde des Grafen St. Prieſt, die zwar heute in Seidenberg, aber mit den Vorpoſten an der Neiße ſtand, ging durch den General Rudzewitſch die Meldung ein : ,, Der Feind iſt unthätig geblieben. Es ſcheint, ſeine Streitfräfte

haben ſich vermindert. Ein Theil ſoll nach Reichenbach zurüdgegangen ſein ; wohl nicht, um nach Zittau, ſondern um zur Elbe hin abzus marſdiren . "

St. Brieſt befand fid in Marklifja und zeigte von dort ebens fauo an, Napoleon ſei nicht mehr an der Neiße.

Blücher, der heute der Armee thatſächlich einen Ruhetag gegeben hatte , beſchloß nun gegen Macdonald wieder vorzugehen und wenn derſelbe Stand balte, iyn durch Umfaſſen ſeiner rechten Flanfe zu dlagen . Zu dieſem Zwede ſollte am 8. September die Armee den Queiß über

ſdyreiten, nämlich langeron auf Dſtriß marſchiren, St. Brieſt, deſſen Avant- Garde machen, Saden auf Hochkirch, York nady Kieslingswalde

rüden , aber erſt am Nachmittag , damit der Feind dieſe Bewegungen nicht von der Landskrone aus entdeden könne. Die Vortruppen bei Görlit follten ſtehen bleiben.

Mit Anbrud diejes Tages meldete saßeler wieder von den Vor poſten :

Auf der Höhe vor Görlig, dem 8. September Morgens 5/2 Uhr. Da id) heute mit Tages - Anbrudy noch keine Meldung von meinen Borpoſten ( auf der Höhe vor Görlik ) über die etwanige veränderte Stellung des Feindes hatte , ſo begab id) mich ſelbſt dahin , um mich mit eigenen Augen von der Sachlage zu überzeugen. Rechts von Görlit ritt ich mit dem Lieutenannt v. faenlein

vom Brandenburgiſden Huſaren-Regiment und mit einer einzigen Dr donnanz bis an die Furth der Neiße. Allein von einem angefangenen Brüdenbau war nirgends etwas zu ſehen. Die Franzoſen hatten jenſeit des Waſſer8 dicht an den Häuſern einen Obſervations- Poſten und auf dem Berge dahinter ein Soutien. Einige Schüffe fielen wieder auf mich ohne zu treffen. Zenſeit der Neiße ſah ich havalerie. Im feindlichen Lager (dien Alles unverändert zu ſtehen. Linte von Görlig war ein Wachtmeiſter des brandenburgiſchen Ulanen -Regimente ebenfalls bis dicht ans Waſſer vorgeritten ; er fah

hier eine halb fertig gewordene Brüde , bewacht von einer Abtheilung Infanterie. Adein auch hier ſtand der Feind noch auf dem linken Ufer Der Neiße.

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Die Geſammtftärfe des. Feindes habe ich indeffen an feiner Stelle beurtheilen tönnen. Es ſcheint mir aber aus dem hervorzugehen , daß

ein Theil des Feindes fich abgezogen haben muß. Auf teinem Fall iſt der Kaiſer Napoleon mehr bei dieſer Armee , tenn ſein un rubiger Geiſt tann in einer ſolchen Unthätigkeit ſicherlich nicht verbleiben. Meiner Kavallerie fehlt es an Patronen, indem die in den Mantel. fäden aufbewahrt geweſenen durch die Näſſe unbrauchbar gemorden ſind. 3. bitte daher Ew. Ercellenz, mir durch den Oberſtlieutenant v. S d midt eine beträchtliche Quantität Batronen hierber ſenden zu laſſen. Zum

Abholen derſelben fehlt e8 mir an Transportmitteln. D. Rabeler."

Die Infanterie und Artillerie der Avant-Garde ließ Kaşeler von Hennersdorf nad Stangenhayn , bie favalerie nach Sobr- Neuendorf vorgehen, und ſandte 2 Estadrons des 2. Leib-puſaren-Regiments unter Major v. Schent nady Liſſa ( an der Neiße ) unterhalb Görliß. Die

3åger - Estadron deſſelben Regiments , unter Rittmeiſter v . Weftpbal mußte zur Berſtärkung der äußerſten Vorpoſten vor Görliß nach Leos poldshayn abmarſdiren .

Major v. S dent meldete :

„ Bivouat bei Lifia, den 8. September Morgens 10 Uhr. 3d erhalte Nachricht, daß der größte Theil der feindlichen Armee

hinter der Landstrone ſteht. Ein Theil der Garden dagegen , mit dem Raifer Napoleon , iſt vorigen Montag nad Baußen surüd gegangen. Nach Rothenburg und Sagan hin find feine feindlichen Truppen marſchirt. Lifſa gegenüber in Zodel erſcheinen theils feind liche Truppen für den Zwed der Requiſitionen, theils Marodeurs zum Plündern. 3d werde fudeu weiter unterhalb über die Neiße zu leßen,

um in oder bei Zobel Gefangene zu machen. Sehr angenehm würde es mir ſein , wenn Rittmeiſter v. Weſtphal mit den Jägern wieder

zu mir ftoßen dürfte. So eben werden mir Bewegungen feindlicher Truppen jenſeit der Neiße gemeldet; id wil ſogleich deu Mirchthurm beſteigen, um von dort aus zui obferviren.

v. S dent. " Gegen Abend berichtete Major v. Schent weiter : ,, Lifia, den 8. September Abends 51

Uhr.

Die feindliche Armee fteht noch hinter der Landskrone. Pudwigs dort unterbalb Görliß iſt von franzöſiſcher 3nfanterie befeßt ; jeder Bauerhof fou 40 Mann haben. Für die Nacht wird ein Piquet von 100 Mann nad Zobel gegeben. In der vergangenen Nacht hat dieſes

Biquet die Mirdie geplündert. Außer dieſen Truppen iſt, ſo weit das Auge reicht, vom Feinde nich18 zu ſehen. Eine Batrouille, die ich auf bas jenſeitige Ufer geſchidt habe, iſt noch nicht zurüdgekehrt. v. S dent." 14

210

Rabeler ſandte dieſe Meldungen an. York , und fügte am Abend

8 Uhr aus Stangenbayn hinzu : Diefen Nachmittag wurden meine Bebetten durch ungefähr 200

Mann, welche auf dem bieſſeitigen Ufer vorrücten, zurüdfgedrängt ; dody nur auf kurze Zeit ; e8 ſteht jeßt alles wieder in der urſprünglichen Poſition. Die Vorpoſten melden , daß der Feind an der Herſtellung zweier Brüden über die Neiße ſehr thätig arbeite. v. Raveler ."

Die ſchon erbetene Ablöſung einzelner Truppentheile ber Avants

Garde fand heute ſtatt, nämlich für das 1. Oſtpreußiſche Dragoner-Res giment und für das 10. Schleſiſche Landwehr -Ravallerie- Regiment das Ditpreußiſche National-Kavallerie-Regiment und das 5. Schleſiſche Lands webr-Savalerie Regiment. Ebenſo trat an die Stelle des 3. Bataillone 12. Reſerve-Regimente das 2. Bataillon dieſes Regiments. Auch den Klagen des Oberſten v. Rabeler ( durch Hiller ) über

die mangelhafte Verpflegung der Avant - Garde , ſudte General York dadurch abzuhelfen , daß er zu derſelben zwei Verpflegunge - Beamte fom mandiren ließ, weldie einen dreitägigen Bedarf an Lebensmitteln auf Ros

lonnenwagen des Gros heranführten. Mit dieſer Unterſtüßung ſollte regelmäßig fortgefahren werden. Yort war mit dem Korps an dieſem Tage , in Folge des Regen wettere, nad) einem mühſeligen Marſd bie Riesling&walde gekommen ; Saden bis Fodkirdy; Langeron bis Dſtriß an der Neiße. St. Brieſt hatte als Avant-Garde Langerons bei Oſtrig die Neiße über

ſchritten , franzöſiſche Truppen bis hinter Taudhriß zurüdgeworfen und ſeine Spiße nach Bernſtadt vorgeſchoben.

Blücher, der dem Langeronjchen Korps aus Lauban gefolgt war, nahm ſein Hauptquartier Tauchriß gegenüber in Ratmerit an der Heiße. Es war hiermit die ſtrategiſche Einleitung für ein Gefedyt am folgenden Tage auf der rechten Flanfe Macdonalds gegeben , wenn gleich nicht ſo verdedt, und nicht ſoweit vorgreifend, wie Blücher dies erwartet hatte. Er befahl deshalb für den folgenden Tag, daß St. Brieſt ſchon um 4 Uhr Morgens auf Löbau marſciren und dort den Feind raſd an greifen ſole. Langeron wurde angewieſen , um 5 Uhr eben dorthin zu folgen , um den General St. Prieſt zu unterſtüßen und den bei

Görliß aufgeſtellten Feind über Reichenbach in dem Rüden zu nehmen. Yort erhielt die Direktion von Kiesling&walde ſüdlich über Schoenberg nach Radmeriş, um von hier den Angriff auf den Feind bei der Lands.

trone auszuführen. Saden fodte von Rothkirch nad Leopoldshayn marſchiren, dort den Oberſten v. Ataşeler vor Görlig ablöſen und dieſer dann über Ruhna zum Rorps nad Radmeriß abmarſdiren. Audi

der Fall wurde vorgeſehen, daß der Feind nicht Stand halten, ſondern

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zeitig abziehen würde -- ; dann ſollte General St. Brieft eilen, ihn einzuholen , um wenigſtens ein Arriere- Garden - Gefecht zu engagiren. Als am 9. September die einleitenden Bewegungen in dem Sinne

dieſes Befehls begonnen hatten , erfannte Macdonald fehr bald die Gefahr, weldje ihm von ſeiner rechten Flante ber in der Stellung an der Landsfrone drobe. Er ſuchte, ſich dieſer Situation ohne Gefecht zu entztehen, nabm

alle Truppen von dem rediten auf das linke Neiſſe- Ufer bei Görlig zu: rüd und eilte über Reidenbach Baugen zu erreichen . St. Brieſt marfchirte unterteſſen auf Löbau, traf hier den Fürſten Poniatow & fi mit den Polen , und griff ihn , unterſtügt von Truppen Pangerons , um Mittag an. Der Fürſt leiſtete bartnädigen Wis

derſtand, da er an dieſer Stelle den Rüfzug der Armee Macs Donald 8 zu beden hatte. Dennod fing Poniatowali nadı 4 Uhr an, Poebau zu räumen und zog am Abend gleichfalls nad Baußen ab . Zur Nacht ſtand St. Prieſt echelonnirt auf der Straße nach Baußen von Eiſerede bis Poebau ; Pangeron mit dem Gros bei Berns ſtadt; Yorf bei Grubna auf dem rediten Neiſſe-Ufer, wohin ibn Blüder von Schoenberg aus dirigirt hatte ; Saden bei Görliß, wo erſt Brüden

über die Neiſſe geſdılagen werden mußten . Kapeler war dem Marſd des preußiſchen Armee - Korpe mit der Avant-Garde über Hermsdorf, Thielip, Wendiſd)-Offig. Rarmeriß nach Grubna vorangeeilt, hatte bier die Neiſſe paiſirt, und ſic jenſeit derſelben bei Nieder - fiesdorf an der Pliesniß aufgeſtellt. Major v. S dent war mit 2 Estadrong puſaren bis zum Eintreffen ter Ruſſen vor Görlig auf Berpoſten ſtehen geblieben, und ſollte dann gleidh über Gör liß hinaus dem Feinde folgen .

Auch heute und an den folgenden Tagen wurden wieder Truppens theile der Avant-Garde abgelöſt, nämlich das 1. Ditpreußiſche füfiliers

Bataillon gegen das 2. Ditpreußiſdie Füſilier-Bataillon ; das 1. Dit preußiſche Grenadier - Bataillon ; tas Bataillon Lariſch gegen tas Bataillon Relow otty des 13. Sqlefilden - Landwehr - Regimente , die 6a Fuß.Batterie Nr. 24 gegen die Batterie Nr. 12 (Bully). Für den 10. September nahm Blücher ſein Hauptquartier in

Herrenhuth , und ſprach ſeine Beurtheilung der Sadlage in folgender Art aus :

Da mir die Gelegenheit entgangen iſt, dem Feinde einen empfindlichen Schlag beizubringen, fo ( dyeint mir eine Fortſegung meiner

Dffenſiv - Operationen von keinem Nußen für die große Armee. Es könnte im Gegentheil leicht daraus folgen, daß wenn ich das Korps von Boniatowski und das 2. korpe welde mit Theilen des 3. und 5. vor mir fleben ſoll, über die Elbe brüdte, dieje aleann vereint auf die 14 *

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große Armee fielen, ehe ich die Zeit hätte, derſelben über die Elbe zu $ ülfe zu kommen . "

In Folge dieſer Anſicht erhielt die Schleſiſche Armee einen Ruhes

tag ; nur die Avant- Garden ſollten dem Feinde auf Baußen folgen. Rapeler meldete bereite früh Morgens : ,, Bivouat bei Nieder. Rießdorf 10. September Morgens 41/2 Uhr. Em. Excellenz verfehle ich nicht ganz geborſamſt zu melden , daß alle meine Nachrichten darin übereinſtimmen , der Feind habe ſich ſchon bis hinter Reichenbad zurüdgezogen. Ich werde daher gegen des Feins

des rechte Flanke vorgehen, zweifele aber, ihn des Umweges wegen ſo bald erreichen zu tönnen. Ich habe zwar einen Theil meiner Favalerie ſogleich dem Feinde nachgeſchidt, allein noch feine Nachricht, ob ſie auf ihn geſtoßen ſei.

Auch bitte ich Em. Excellenz mich in Kenntniß zu ſeßen , wie weit meine Infanterie wobl vorgeben darf. 3ch eile mit der Ravalerie voran

und würde etwanige Befehle durch den Major v. Hiller zugeſchidt erhalten tönnen.

v . Haşeler."

Die hierdurch an den Major v. Hiller erforderlich gewordene Ants

wort, finden wir auf demſelben Zettel, der die obige Meldung enthält, doch ohne Unterſchrift:

„Wie weit die Infanterie der Avant-Garde vorrüden kann, iſt nur nach dem Rüdzuge del Feindee, nad dent Berhältniß zu ben ruffiſden Avant-Garden uud nach dem Terrain zu beſtimmen. Die Infanterie muß der Kavallerie foweit als möglid nachfolgen, um ihr als Repli zu dienen. Oberſt v. It apeler hat ſich mit den

ruſſiſchen Avant-Garden in gleiche Höhe zu ſeßen, und mit ihnen Vers ' bindung zu halten.

Da General Saden bei der Landefrone ſteht, ſeine Avant-Garde auf Reichenbach marſcirt, Pangeron ſich bei Bernſtadt und St. Brieſt fich bei Poebau befindet, ſo wird unſere Infanterie iminer bis an das

Förſterhaus bei Ober - Sobland vorrüden fönnen. Major v. $ iller wirb ferner benadridtigt, daß die zur Ablöſung beſtimmten Bataillone

jeßt , 7 Uhr früh , in Maridy geſegt ſind, und ſollen die abgelöſten Truppen bis auf weiterrn Befehl bei Nieder-Kiesdorf ſtehen bleiben ." Rapeler meldete ferner:

, Auf dem Darſch von Baulsdorf nad Rojenhayn , Vormittag 10/2 Uhr.

Da Major v. S dent, wie mir derſelbe gemeldet, nicht dem Feinde gefolgt, ſondern an der Landstrone mit den beiden Fuſaren-Eskadrons weitere Befehle erwartend , ſtehen geblieben iſt, ſo habe ich von Baule dort aus eine neue Spiße gebildet , indem ich einen Offizier und 30

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Pferbe des Brandenburgiſchen Puſaren - Regimente im Trabe voraus . didte.

Mit den Avantgarden der beiden ruſſiſchen Korp8 hatte ich mich jhon in der Nacht in Korrespondenz geſett. In Folge deſſen erhalte ich ſo eben von dem Oberſtlieutenant ». Ende aus Bernſtadt (zu dem

Grafen langeron kommandirt ) die wichtige Mittheilung , daß der Feind geſtern aus Poebau und Reichenbad, vertrieben worden ſei , und St. Brieſt und Rapjewitîd eine halbe Meile vorwärts Löbau ſtänden .

3ch werde deshalb meinen Marſch auf der graden Straße nach Baußen ſogleich weiter fortfeßen. þat der Umweg auch die Erreichung des Feindes erfdwert, ſo mögen Ew . Ercellenz dody verſichert ſein , daß ich

alles Mögliche anwenden werde , mit dem Feinde wieder Fühlung zu gewinnen um Hochbenſelben wieder fichere Nachrichten zu überſenden. Ich richte meinen Marſch ſo ein , daß ich bei Gloßen auf die Straße von Reidenbach nach Baußen gelange. v. Rapeler. " Gloßen erreichte Kaşeler Nachmittag und meldete von dort:

Gloßen den 10. September Nachmittag8 31/2 Uhr. Em. Excellenz verfehle ich nicht gehorſamſt zu melden , daß ich hierſelbſt eine Viertel Stunde nach den ruſſiſchen Generalen Waſſilt difoff und Lanston , deren Roſaten den Feind weit früher ver folgten, angefommen bin. Sie haben mir durch meinen vorausgeſdidten Adjutanten ſagen laſſen , daß fie mit ihrer Avant - Garde die Straße über Burſchen auf Baußen einſchlügen. Ich werde deshalb meinen Maríd über Grube, Spittel, Niethen , Pommeriß gegen Baußen forts

feßen . Die von mir vorausgeſchidten puſaren-Eskadrons befinden ſich bereits auf dieſer Straße und eilen den Feind zu erreichen . “

Dann fügte Aaßeler einige Nachrichten hinzu , die er über den Rüdmarſch der franzöſiſchen Armee und über die Abreiſe Napoleons erhalten, und ſchloß :

So eben erhalte ich die erſte Meldung des Majors v. S dhent, die ich einliegend gehorſamſt überſende. v. Raßeler. " Die Anlage lautete :

„ Dorf Spittel, den 10. September Mittags 1 Uhr. Der Feind bat fo eben mit einem Theil ſeiner Arriere - Garbe

das Dorf Þodkirch paffirt. Das Korps des Grafen St. Brieft, von Poebau kommend , folgt demſelben , und ſteht bei Hochfird im Feuer. Ich gebe den Pferden nur eine kurze Ruhe und werde mich dann der ruffiſchen Avant-Garde anſchließen. v. Sdent. "

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N. S. Das Feuer ſoweigt auf beiden Seiten. Allee fteht bei Hochfird unbeweglich." Þiller , welcher ſich bei Paulsdorf befand, ſandte dieſe Meldungen weiter und fügte hinzu : Da mir der Oberſt v. Kaşeler befohlen hat, meine Bewegungen nach denen des Groß zu richten, ſo bitte ich Ew. Excellenz um Befehle,

wohin ich weiter vorrüden fol. 3d ſtehe gegenwärtig bei Paulsdorf, Major Alür bei Zoblig.

v. Hiller." Gegen Abend fuhr Kaşeler fort :

„ Bivouak bei Tzſchorna , ben 10. September 7 Uhr Abende . Ich habe heute bier Salt gemacht, aber die bufaren bis an den Feind vorbetaſchirt. Meine Infanterie hat mir nicht folgen können, und erwarte ich noch Nachricht, wo ſie für heute Stellung genommen. von einer Seiten- Patrouille recht8 wird mir gemeltet , daß eine

ruffiſche Rolonne bereits über Weißenberg hinaus vorgegangen fei ; es iſt daraus zu ſchließen, daß der Feind bis Baußen zurüdgegangen ſein wird.

Von dem Prinzen von Heſſen Durdılaucht, den ich mit den Hu

ſaren nach Hochkirch geſchidt batte, erhalte ich den einliegenden Bericht. So eben trifft die Meldung ein , daß der Feind in der That , wie

ich vermuthe, die Blaine bei Wurſden verläßt. Sollte morgen dort noch einTheil des Feindes fteben , ſo werde ich ihn mit meiner Raval lerie in Verbindung mit den Kuſſen angreifen. v. Habeler . "

Die einliegende Meldung des Prinzen lautete : ,, bodhtirdi, ben 10. September.

Ew. Hochwohlgeboren habe ich die Ehre zu melden, daß ich bei Hoch firc angekommen bin , wo ſo eben ein Gefecht zwiſden dem ruſſijden General Borosdin , welcher die Avantgarde des Generals St. Brieft

kommandirt , und dem Feinde beendet wurde. Der Feind trat ſeinen Rüdzug nad Baußen in guter taftiſcher Haltung an. Roſaken , unters ftüßt von einem ruſſiſchen Dragoner - Regiment, und ein Theil meiner Huſaren folgten ihm .

Das Groß des Generals St. Brieſt ſteht nun bei Hochkirch und habe ich mich ebenfalls rechts von bem Dorfe poſtirt. Recht8 von Hochfirch bei Niethen haben ruſſiſche Truppen unter dem General Bantulitfceff ebenfalls ein Gefecht beſtanden ; fie follten von dort die Verbindung mit den Bortruppen der Generals Waſſiltſch it off aufſuchen.

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Die Stärke des Feindes wird auf 12000 Mann angegeben. Es ſollen ſich mehrere polniſche Regimenter darunter befinden. 30 werde mit den Ruſſen gegen Baußen vorgeben . Friedrid), Brinz zu Peffen .“ þiller hatte bei Nieder-Paulsdorf ein Bivouak bezogen ; vor fico die Füſiliere und Jäger unter Major v. Klür. Saden ſtand am Abend bei Schöps und Reichenbach. Da der

ſelbe ſchon am 9., wenn auch ſpät, den Uebergang bei Görlig noch mögs lidh gemacyt hatte und an der fandofrone bivouatirte , fo gewann ſeine

Avant-Garde dadurch am 10. den Vorſprung vor kapelers Truppen. York und langeron blieben in ihrer Aufſtellung bei Grubna und Bernſtadt.

Am 11. September eilte Aaßeler früh Morgens zu den Vor poſten und ſchrieb :

Auf den Söhen vor Baußen, den 11. September Morgen8 71% Ubr.

Ew. Ercellenz melde ich gehorſamſt, daß ich mich vor Tages an. brud ſelbſt zu den äußerſten Borpoſten begeben und mich überzeugt habe, daß der Feind noch auf den Söhen unmittelbar vor Baußen ſteht.

Was ich geſehen, ſchäße id auf c. 20,000 Mann. Ob die Avant-Garden den Feind aus ſeiner Stellung vertreiben können, iſt mir zweifelhaft.

Nach Ausſage der Gefangenen , welche die Ruſſen gemacht haben, höre ich ſo eben, daß das 11 te , 3 te und 5te franzöſiſdie Armee-forp8

diejenigen geweſen ſind, welche ſich von Görlig zurüdgezogen , denen fich noch iegt das Korps von Poniatowsli angeſdoloſſen, und deren Geſammtſtärte ſich auf 50,000 Mann belaufen fou.

v. Kaşeler. " Wie es mit Siller an dieſem Tage ſtand, hören wir von ihm ſelbſt in folgender Meldung an York: , Bivouat bei Nieder- Baulsdorf, den 11. September Morgens 5 Uhr. Oberſt v. Raßeler hat mir den Befehl geſchidt, ihm mit Tagess anbruch zu folgen. Ich werde erſt bis Gloſſen marſciren , daſelbſt ab kochen und dann bis Hodkirch vorrüden. Major 0. Klüx mit der leichten Infanterie iſt bereits aufgebrochen . Das 1. Oſtpreußiſche Faſilier. Bataillon werde ich bie Deutid.

Paulsdorf zurüdjchiden , mit dem Auftrage, Ew. Excellenz weitere Be fehle dort zu erwarten. Den Kapitain v. Arnim habe ich mit den drei von der Avant

Garde abgelöſten Bataillonen bei Tauchriß ſtehen laſſen . Die Kranken nehmen bei der Avant - Garde ſehr zu , namentlich

Ruhr -Kranke. Die þaupt-Urſache dieſer Erſcheinung liegt bei den un

216

aufhörlichen Märlden , in dem Mangel an guter , warmer Bekleidung, Denn es fehlt den Leuten an Mänteln und an Schuhen. Aber auch Brod , Salz und Brantwein find zu ſpärlich vorhanden . Es iſt zwar

ein Arieg8.- Kommiſſair bei der Avantgarde angekommen aber er hat gar teine Transportmittel nnd nur auf einen Tag Brantwein

mitgebracht. So ungern ich Ew. Ercellenz mit Beſchwerden behellige, To zwingt mich dod) die Noth , die Bitte gehorſamſt zu wiederholen, außerordentliche Mittel anwenden zu laſſen , damit den bringendſten

Bedürfniſſen abgeholfen werbe. Ohne dies muß auch bei dem beſten Geiſt und Willen der Dienſt unfehlbar leiden. v. piller."

Dieſe Verlegenheiten konnten aber nur wachſen , wenn die Armee in einem ſchon ſehr mitgenommenen Landſtrich fteben blieb. Man mußte eilen , an die Elbe und ſomit in beſſere Gegenden zu fommen , wo ſich auch neue Hülfsmittel zur Erhaltung des Soldaten finden ließen. Was Blüder zunächſt beabſichtigte, ſpricht er aus ſeinem Haupt quartier Perrnhuth, 11. September, Vormittag$ 104/ Uhr in folgender Art aus :

Der Feind hat ſich mit ſeiner Sauptmacht gegen die Böhmiſche Armee gewandt. Meine Abſicht geht dahin , das , was mir gegenüber ſteht, von Dresden abzubrängen. Fürſt Poniatowsti, der, wie ich aus einem aufgefangenen Schreiben weiß , fidh bei Neuſtadt aufſtellen will , um die Flante des Marſhaus

Macdonald zu deđen , muß ſchnell angegriffen und über den Baufen geworfen werden , damit die Armee fich rechts wenden und den Feind von Baußen gegen Ramenz drängen fann. Zu dieſem Zwed iſt die beiliegende Dispoſition gegeben. Drdonnanz . Offiziere, welche heute Nachmittag 5 Uhr abgeben, bringen mir einen Rapport, was bei jedem

Rorp8 und Detaſchement vorgegangen und was vom Feinde wahrge nommen worden iſt. Dieſe Ordonnanz- Offiziere müſſen wiſſen, wo ſie in der Nacht die Herrn Befehlshaber finden.“ Die Dispoſition lautet :

Das Korps von Saden rüdt über Sodkirch gegen Baußen vor und ſtellt ſich berbedt auf.

General Graf St. Prieſt marſchirt von Löbau über Runnewalde und ſtellt ſich bei Gr. Boſtwiß auf , ſeine leichte Kavallerie wird gegen Biſchoffswerda pouſſirt. General Rapzemitſch rüdt von Löbau über Schirgiswalde bis in die Gegend von Ringenbayn und poufſirt die leichte Kavallerie gegen Neuſtadt.

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Der General Graf Langeron gebt mit dem Reft feines Korps von Bernſtadt nad Neuſalza, vor fich die Avant- Garbe unter General

Korniloff.

Das Korp8 von Yort marſchirt von Dftriß in der Direftion auf Rumburg, ſo weit es heute tommen kann und bleibt in Kolonne liegen, ſobald es dunkel wird ; mit Tage8-Anbruch ſeßt es ſeinen Marſd) wieder fort. Die preußiſche Avant - Garde unter Oberſt v. Ra Beler tritt unter die Befehle des Generals b. Saden , da ſie mit gegen Baußen zu wirken beſtimmt iſt. 3d, behalte mein þauptquartier in Berrenbuth. Sollte der Feind Baußen verlaſſen , ſo müſſen die Avant - Garden

von allen Seiten auf ihn fallen und ernſthafte Arriere-Garden - Gefechte engagiren , damit der Feind in Unordnung geräth."

Dieſe Dispoſition tam erſt am Nachmittag in die Hände der Korp8 - Kommandeure, daher die befohlenen Orte auch nur ſpät erreicht werden konnten, zum Theil erſt tief in der Nacht. In Folge der Trennung Rapelers von dem Korp8 Yorld, mußte bei Leßterem eine neue Avant-Garde unter Oberſt Graf Dentel

formirt werden , beſtehend aus dem litthauiſchen Dragoner - Regiment und 2 Bataillonen . Zwiſchen 10 und 11 Uhr in der Nacht erreichte Das Korps über Dſtriß , Schlegel und Burkersdorf, Mart - Hennersdorf und bivouatirte hier.

Ebenſo gelangte auch Saden ſpät in die Gegend von Gloffen. Rapeler löſte die Truppen des Generals Borosdin , die ſtehen gebliebene Avant - Garde des Generals St. Brieſt, bei Hochfirc ab und ließ die Straße nad Baußen durch dad Dſtpreußiſche National Savallerie -Regiment und durch den Vortrab der Infanterie nebſt einer reitenden Batterie beobachten und befeßen. Die puſaren des Bringen Friedrich von Heſſen rüdten hinter die Defileen von Jenfowiß ; rechts

von ihm ſtellte ſich Major Sent mit 2 þuſaren - Estadrons auf ; Major Hiller blieb mit dem Groß der Avant - Garde einſtweilen bei Tzdorna ſtehen .

Der Feind hielt Baußen nicht. Napeler meldete daher am 12. September Morgens 7 Uhr aus Baußen :

„ Em. Ercellenz melde ich gehorſamſt, daß die Arriere- Garbe des Feindes heute früh 5 /, Uhr die Stadt Baußen verlaſſen hat. Meine Avant - Garde hat dieſe Nacht dicht an den feindlichen Vorpoſten ge ſtanden und iſt im Kampf mit der feindlichen Arrieres Garde in die

Stadt gedrungen. Der Feind nimmt ſeinen Rüdzug auf der großen Straße nach Dresden über Biſchoffswerda. Ich folge ihm auf dem Fuße. Wir haben hier ſchon mehrere Gefangene gemacht. Meine In

fanterie hat die Stadt bejeßt. Nach Ausſage der Einwohner ſoll der

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Feind geſtern noch mit 20,000 Mann vor der Stadt geſtanden haben.

Der Fürſt Poniatowski iſt vorgeſtern, Marſchall Macdonald und die Generale Lauriſton und Sabaftiani find heute früh um 4 Uhr von hier abgegangen . Dem General Saden habe ich von dieſer Meldung Anzeige gemacht.

v. Rafeler. "

In der That batte die franzöſiſde Bober-Armee am frühen Morgen

des 12. September in 2 Kolonnen ihren Nüdzug über Biſchoffswerda und Bußfau fortgelegt und dann bei Goldbad und Bartha wieder Dalt gemad)t. Fürſt Poniatowsti marſcirte mit den Polen nach Stolpen.

Der Vortrab kapelers verfolgte die feindliche Arriere-Garde bis jenſeit Spittwiß und machte mit der Infanterie bei Kl. Braga Halt, die Stavallerie, namentlid 2 Huſaren - Eskadrons, hart am Feinde. Das

Gros der Infanterie unter Major Hiller hatte General Saden bei Baußen zurüdgehalten und ebendaſelbſt ſein eigenes Korps nicht weiter vorgehen laſſen, weil er Rundſchafter - Nachrichten von einem erneuerten Anrüden Napoleone erhalten hatte.

St. Prieſt erreichte Neukirch und ſtand hier dem Feinde in Puß= fau gegenüber, hinter ſich bei Ringenhavn den General Rapzewitſch von Sdirgiemalde ber. Das Korp8 von Yorf langte nach einem ſehr bejdywerliden Marſch Abends in Rumberg an. Aus dem Bivouat bei Kl. Braga berichtete fageler an Blader am 13. September :

Heute früh überzeugte ich mich, daß der Feind Stand halten Es hatte derſelbe Biſchoffswerda ſtart mit Infanterie befekt und Tirailleurs außerhalb der Stadt aufgeſtellt. Gegen 10 Uhr Mor gen8 entſpann ſich in meiner linken Flanke ein lebhaftes Gefecht zwiſchen

wolle.

ben Vortruppen des Generals Borosdin und dem Feinde, unterſtüßt

von der Abtheilung des Generals St. Brieft. Um den Feind zu nöthigen , einen Theil feiner Streitkräfte auf mid zu richten , ging ich zum Ungriff auf Biſchoffswerda vor. Ich verwendete dazu meine Ha vallerie, die reitende Batterie und 2 Infanterie - Bataillone, da die übrige

Infanterie noch in Baußen zurüdgeblieben war. Ich avancirte durdy ben Wald bis dicht an die Höhen von Biſchoff8werba, die Kavallerie und Artillerie an der Tete. Feindliche Tirailleurs hatten den şöbets rand befegt. Ich befahl der Jäger - Estadron des Leib - Suſaren - Regis mente, lints um die Höhe herumzutraben und die franzöfiſche Infanterie zu attadiren. Die 3äger -Estabron führte meinen Befehl mit großer Schnelligkeit aus. Ihr Führer, Rittmeiſter Weſtphal, ſtieß unterhalb

der Höhe auf eine feindliche Kompagnie , empfing ihr Feuer , griff fie aber mit ausgezeichneter Entſchloſſenheit und Tapferkeit an. Leider

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verlor die Eskadron 1 Dffizier und mehrere Säger todt und 1 Offizier und mehrere Jäger bleffirt. Doch hatte dieſe Attade den Erfolg, daß

die Höhe voin Feinde verlaſſen wurde. Ich führte nun die Infanterie vor , welche ſogleich die Höhe touronnirte und ließ die Artillerie ſo auf derſelben abproßen , daß ſie den Raum bis zur Stadt und dieſe ſelbſt beſchießen fonnte. Der Feind antwortete mit Geſchüpfeuer, hielt auch nod die Stadt beſeßt und entwidelte ſeine Ravalerie hinter derſelben.

Es war mir gelungen , die Aufmerkſamkeit des Feindes vollſtändig auf mich zu ziehen und ihn über meine Stärke zu täuſchen. Der Feind ſchien zu glauben , daß das ganze Korps des Generals v. Saden

hinter dem Walde nadfolge . 3d zählte 16 feindliche Geſchüße, die mir gegenüber ſtanden. Der Feind hatte ſich durch dieſes Gefecht nicht mit voller Kraft auf den General Borogdin werfen tönnen. Als die

Dunkelheit bereinbrady, zog ich die Infanterie und Artillerie zurüd und ließ den Feind nur von einem Theil der Kavallerie beobachten . v. Kaşeler." General St. Brieft hatte ſeinerſeite das Gefecht bei Biſchoff8

werba bis 3 Uhr Nachmittags unterhalten laffen, ohne es zur Entſchei dung zu bringen. Beide Theile behielten ihre Stellungen. Yorf war bis Schluckenau vorgegangen , Pangeron mit der Tete bis Neuſtadt, Saden blieb in Baußen . Blü der hatte Herrenhuth nicht verlaffen ; die Meldungen der Avant-Garde trafen daher bort ſo ſpät ein, daß erſt zum 14. September weitere Befehle ausgegeben werden konnten.

Wie Blüder ſich am 12. September die ſtrategiſche Situation gedacht hatte , hören wir in ſeinem Schreiben vom 12ten an den Ge neral Bennigſen in Breslau :

Heute hat der Feind Baußen in aller Frühe verlaſſen und ſich auf Dresden zurüdgezogen. Meine Avant-Garde hat den erſteren Ort befeßt. Nad Nadrichten der Kundſchafter iſt jedoch um eben dieſe Zeit eine ſtarke feindliche Kos

lonne von Dresden gegen Baußen defilirt, woraus auf eine abermalige Offenſivoperation des Feindes zu fließen iſt.

Die unter meinem

Befehl ſtehende Armee wird deshalb in einer Centralſtellung zwiſchen Baußen und Schlucenau die Annäherung der unter Em. Er cellenz Befehl ſtehenden Armee , den Uebergang des Kronprinzen vou Sweden über die Elbe, wozu derſelbe nad, bem Siege bei Dennes

wiß am 6. d. Mte.) eingeladen iſt oder anderweitige Befehle aus dem faiſerlichen þauptquartier erwarten. Die Avant- Garden werde ich uns terdeſſen gegen die Elbe pouſſiren . Sollte der Kaiſer Napoleon mit

feiner ganzen überlegenen Madt auf und fallen , fo würde ich dieſem

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Sdlage durch einen vorbereiteten Rüdzug über die Neiße bei Dſtrib ausweichen.“

Fürſt Schwarzenberg beforgte gleichzeitig, Napoleon werbe aus Dresden gegen das Erzgebirge debouchiren und die Bauptarmee bei der Ueberſchreitung deſſelben zu einer Solacht zwingen. S dwar :

zenberg wünſcht deshalb zu wiſſen , welchen Entſchluß Blücher über eine etwanige Vereinigung mit der $ auptarmee gefaßt und welche Dperationen er deninädiſt beabſichtige. Blücher antwortete am ſpäten Abend aus Herrenhuth den 12. Sep tember :

Meine Aufgabe bleibt, den Feind über die Elbe zu werfen und To Em. Durchlaudyt Armee zu degagiren. Es iſt höchſt unwahrſcheinlich, daß der Kaiſer Napoleon mehr als einen Marſch in Böhmen ein

bringt , vielleicht nur um ſeinen Abzug von Dresden zu mastiren und zu ſichern. Sollte es jedoch gegen alle Wahrſcheinliditeit geſchehen ,

ſo würde ich in Verbindung mit dem Kronprinzen von Sdweden auf bem linken Elbufer mich in der Feindes Rüden werfen.

Die Armee,

welche mir gegenüber ſteht, beträgt wenigſtens 50—60,000 Mann, mit

Einſchluß des Fürſten Poniatowsti , folglid kann die Armee von Napoleon , welche in Böhmen etwa eindringt, nicht 100,000 Mann

ſtart ſein. Da Ew. Durchlaudit dieſer Macht überlegen ſein werden, ſo dürfte für den Kaiſer Napoleon feine Wahrſcheinlichkeit eines glüd lichen Ausganges vorhanden ſein .“

Blücher , auf alle Eventualitäten gefaßt, überfah alſo die wirkliche Sachlage ſehr klar.

Napoleon hatte den Gedanken einer Offenſive gegen die Böh miſde Armee bereits aufgegeben. Die Nachricht von der Niederlage feines Marſaus bei Dennemiſ,

welde Napoleon in der Nacht zum 8. September erhielt , änderte nämlich ſeinen Entdluß. Die angefangene Offenſive auf der Straße

nach Nollendorf gegen die Hauptarmee über Dobna und dem Geyers berg fam ſchon bei Ebersdorf zum Stilſtand. Napoleon beſchloß die Ronzentration feiner Truppen bei Dresden , während Nen die geſdlas genen Korps bei Torgau ſammeln ſollte. Torgau wollte der Kaiſer

zum Haupt -Depotplaß der franzöſiſchen Armee machen ; alle Kranten aus Dresden und alle Erfaßtruppen wurden dorthin dirigirt. Mars mont erhielt den Befehl , mit dem 6. Infanterie - Rorp8 und dem 5. Aavallerie-Rorpå durch eine Aufſtellung bei Großenhayn die Verbindung mit Torgau auf dem rechten Elbufer zu ſichern. Napoleon glaubte,

der Kronprinz von Schweden werde nach dem Siege bei Dennewiß auf Großenhahn und in Berbindung mit Blücher auf Dresden operiren. Für dieſen Fall wollte er mit ſeiner Bauptmacht aus Dresden und

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mit der Armee Nene aus Torgau auf das rechte Elbufer bebouchiren. Der Kaiſer fühlte , daß fich das ſtrategiſche Net immer enger um ihn

zuſammenzog und er immer mehr auf die Defenſive zurüdgeworfen wurde. Napoleon fürchtete vor allem die Bereinigung der Nordarmee mit der Schleſiſchen Armee.

Es war daber von Blücher ein fehr richtiger Gedante , fich nicht links nad Böhmen hin ablenfen zu laſſen , ſondern unausgeſeßt einen Rechte - Ubmarſch zum Kronprinzen hin im Auge zu halten.

Er bat

deshalb wiederholt, das nicht die Sdilefiſche Armee, ſondern die Reſerves

Urmee Bennigſens zur Verſtärkung der Bauptarmee beſtimmt werden möge.

Am ſpäten Abend des 13. September8, deſſen Ereigniſſe mir bereits tennen , befahl Blücher , obſchon in Herrenhuth noch nicht fäinmtlidje

Meldungen eingegangen waren , daß die Avantgarden zur beſtimmten Aufflärung der Situation den Marſch in der Richtung auf Dresden fortſeßen ſollten. Er feßte voraus , daß ſich der Feind auf das linte Ufer der Elbe ziehe. Partheigänger ſollten deshalb verſuchen, über die Elbe zu kommen. Würden die allerdings immer weiter vorgeſdobenen

Avantgarden mit überlegener Macht angegriffen , jo ſollten ſie ſich auf die Korps bei Baußen , Neu-Salza ( Neuſtadt) und Soludenau zurüds ziehen. Um rajd, über alle Borfäde unterrichtet zu werden , fügte Blücher

ſeinem Befehl hinzu : ,,Er wird ein für allemal feſtgeleßt, daß die Borpoſten alle Morgen, wenn ihre Batrouilleu vom Feinde Nadridt bringen, ferner alle Mittage

und alle Abend melden, ſelbſt wenn ſich nichte Neues ereignet hat. Der General en chef erwartet in eben dieſer Ordnung Meldungen , weil ſich danach die Bewegungen der Armee richten müſſen.“ Maßeler ſollte ſeine Avantgarde in die Gegend von Stolpen führen und dann die Vorpoſten von Pilnig bis Wehlen aufſtellen , um dadurdy

die Straße von Dresden nadı Böhmen genau zu überleben. Fände er das Soloß Stolpen belebt, ſo ſei es von 3nfanterie einzuſdließen.

Bevor jedoch dieſer Befehl in ſeine Hände gelangen konnte, hatte Sageler Biſchoffemerda mit Anbrud des 14. September8 von Neuem refognoszirt , und hier einen Widerſtand gefunden , der ihn veranlaßte,

nach Eingang des Befehls, anf einem ſüdlichen Umwege nach Stolpen zu marſiren.

Es meldete deshalb in das þauptquartier : „Auf dem Marich bei Neulird, den 14. September 5 Uhr Nadia mittage.

Heute früh wurde gemeldet , daß der Feind Biſchoffswerda ber. Ich regte meine Truppen ſogleich dorthin in Marſch

laffen habe.

und ritt perſönlid, voraus. Allerdings fand ich die Stadt unbeſegt und lonnte ungehindert durch dieſelbe reiten. Indeſſen jenſeit derſelben ent

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bedte ich auf den dortigen Höhen den Feind und ſah ſeine Bivouate feuer. Er fochte und marſcirte feineswegs ab. Dieſer Umſtand vers anlaßte midy, vorläufig meine Avantgarde diesſeite der Stadt zurückzu halten , und nur einen Zug Savalerie zur unmittelbaren Beobachtung am Feinde zu laſſen. Während ich mit dieſem Zuge hier noch hielt,

um eine genauere Einſicht in die Stärke und Stellung des Feindes zu gewinnen , wurden wir plöblid aus einem nahen Walde, den die Koſaten idlecht abpatrouidirt hatten, von einem bervorbredenden Bataillon lebs haft beidoſien .

Es zeigte ſich , wie ich der Gefahr ausgelegt ſei , in dieſem ſehr durchſchnittenen und bededtem Terrain in einen Hinterhalt zu fallen .

Ich zog deshalb das Groß der Avantgarde von Biſchoffswerda wieder zurüd.

Um / 11 Uhr Vormittag8 empfing ich den Befehl Ew. Ercellenz, nach Stolpen zu maridhiren. Ueber Biſchoffewerda war dieſer Marſd nid )t ausführbar.

3

dlug deshalb die Direktion füblich nach Neu

firch ein, wo ich den General St. Prieſt traf, der mid ) beſtimmte, auf

Neuſtadt vorzugehen, um von dort wieder in das Verhältniſ einer Avants garde des Generale von Yorf zu gelangen. Mir ſcheint es, der Feind hat nicht die Abſicht, das redyte Ufer der

Elbe zu räumen. Das Stehenbleiben deſſelben in einer ausgewählten Stellung bei Biſchoffewerda delitet auf fortzuſeßenden Widerſtand. Doch habe ich freilich nur dieſen einen Punft geſehen, und muß daber die Richtigkeit dieſer Meinung der Beurtheilung Ew. Excellenz gebors ſamſt anbeimſtellen .

Id trete ießt meinen Marſch auf Neuſtadt an , und werde ſudjen, ſo weit als möglid zu fommen ; jedoch wird meine Infanterie dwerlich vor Nadit dort eintreffen können. Rittmeiſterw. Stülpnagel hat einige Briefe des Feindes aufgefangen, ich lege fie hier bei. Heute Morgen iſt ein weſtphäliſcher Difizier zu uns übergegangen, den ich Em. Ercellenz nadſchiden werde, da er nicht ſo fdynell wie die Ordonnanz reiten kann. Seine Ausſagen beſtätigen meine Vermuthung. v. fraşeler.“

Die Avantgarde lam mit einbrechender Dunkelheit nur bis Otten dorf, wo ſie halten blieb.

Die Avantgarde Saden8 war an die Stelle & apelers vor Bis

ſchoffswerda gerüdt. St. Brieft blieb bei Bußfau , Front gegen die Wesnik , hinter welcher der Feind bei Biſchoffswerda ſtand. Die Avant

garde Langerond hielt Neuſtadt belegt ; das Gros ſeines Korp8 hatte Neu-Salza noch nicht verlaſſen .

Sämmtliche Avantgarden hatten alſo an dieſem Tage den Vors marſd nicht fortfeßen können. Die wiederholt eingebende Nachricht,

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Napoleon tonzentrire bedeutende Kräfte bei Großenhayn, forberte

Blücher um jo mchr zur Vorſicht auf. Er bejdloß die Korpe der Armee nach ſeinem rechten Flügel, nämlid nad Baußen bin, zuſammens zuziehen. Dieſen Entjdluß motivirte er auf folgende Weiſe : ,, Die Meldungen von der Konzentrirung franzöſiſder Rorps bei Großenbahn, und die Gewißbeit, daß der Feind von der großen Armee in Böhmen abgelaſſen , haben mich veranlaßt, meine Kräfte zur Ver. einigung nad Baußen zu ſchieben , und den General v. Saden nady

Kamenz zu pouſſiren, damit die feindlidhe Bewegung aufgeklärt werde. Wil der Feind über die Elbe gehen ?

Wid er nach Torgau oder vielleicht gegen den Kronprinzen mar ſchiren, damit derſelbe nicht die Elbe paſſiren fönne ? Wil er die rechte Flanfe der ſchleſiſden Arniee nehmen ?

Alle dieſe Fragen werden ſich erſt binnen 48 Stunden beantworten laſſen, 3d, verlege mein Hauptquartier nad Baußen." Der betreffende Befehl, am 15. September Morgens 104/ Uhr in þerrenhuth gegeben, beſtimmte :

Saden rüdt nad Mariaſtern gegen Kamenz und pouſſirt bie leichte Savallerie gegen Königebrüd ; Langeron marſdirt nad Baußen, und nimmt die Spree vor die Front, die Stadt vor dem linken Flügel ; Yorf ebenfalls nad Baugen, die Stadt vor dem rechten Flügel .

Die Avantgarden halten den Feind im Auge. Sollte Napoleon von Großenhayn gegen den Kronprinzen von Sdweden marſciren , jo war es die Abſicht Blücher 8 , ihm ſofort dorthin zu folgen.

Napoleon , gleichfalls in Ungewißheit über die Abſicht Blüchere, hatte zu dieſem Tage dem Marſchall Macdonald und dem Fürſten

Poniatowsfi eine allgemeine Retognoszirung anbefohlen ; der König von Neapel ſtand mit Übtheilungen bei Königebrüd und Rade burg ; Marmont bei Großenhayn ; die Garde bei Dresden . Bei Birna hatte Napoleon über die Elbe eine Brüde dylagen laſſen , ſei es um dort den Fürften Poniatowsti leider aufzunehmen , oder um von

hier aus gegen den linken Flügel Blüder8 zu operiren. Die Refognoszirung mußte am 15. September zu Avantgardens Gefechten führen .

Renber, von ſeiner Krankheit geneſen, war ſchon wieder bei Kafeler eingetroffen , und wohnte dieſen Gefechten bei.

Die betreffenden Meldungen ſind nun wieder von ſeiner Band ges drieben.

Macdonald griff den General St. Prieſt von Biſchoffswerda und Weidersdorf her an, trängte aber ſeine Vortruppen nach lebhaftem

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Kampfe body nur bis an die von den Ruſſen befekte Stellung bei Puştau zurüd.

Poniatowsfi führte ſeine Retogno8zirung8 -Truppen von Stolpen über langen - Wolmsdorf und Rüdersdorf gegen Ottendorf und Neu

ſtadt vor, wodurch saßeler und auch die Avantgarde Pangerons in Gefechte verwidelt wurde.

Stapeler meldete in Folge deſſen : „,Neuſtadt, den 15. September 4 Uhr Nadimittags.

Em. Excellenz verfehle ich nicht, in Folge meine8 geſtrigen Schreibens gehorſamſt zu melden, daß ich geſtern den nächſten Weg nach Stolpen über Dttendorf einſchlug, allein von der Nacht überraſdit bei Ottendorf

bivouakiren mußte. Als ich beute früh mit Tagesanbruch das Terrain rekognoszirte , ſtieß ich auf eine feindliche Kolonne von allen Truppens gattungen .

Ich ließ das Gros meiner Avantgarde ſogleich links ab

nad Neuſtadt marſchiren, um ron dort in Gemeinſdaft mit dem General Emanuel den Feind anzugreifen. Im Vorgeben von Neuſta ich jedoch eine ſolche Ueberlegenheit deſſelben - ich däße den Feind auf 15,000 Mann daß ich wieder eine Poſition vor Neuſtadt ein genommen und dieſelbe behauptet habe. Mein Verluſt beſteht nur in einigen Pferden. v . Rapeler. " Dieſe ſehr allgemeiri gehaltene Meldung wurde ſpäter dahin er gänzt , daß Kaşeler im Berein mit den Ruffen von Neuſtart nach Langen-Wolmsdorf die Franzoſen angegriffen und auch zurücgeworfen ; dann aber hatte Boniatowefi ſeine Ueberlegenheit entwidelt und nach einſtündigem Kampfe um langen -Wolmsdorf, wobei die Breußen 1 Difi.

zier und 12 Mann Berwundete verloren , ſeine Gegner zum Rüdzuge nach Neuſtadt genöthigt. Unterdeſſen war das Korps Yort8 , bei dem ſpäten Eintreffen der Befehle Blücher 8 , erſt um 2 Uhr Nachmittags von Soludenau nad Baußen abmarſchirt, und zwar über Schland , Schirgismalte auf Gr. Poftewiß, woſelbſt die Tete mit einbrechender Nacht anlangte und

Halt machen mußte , weil auch des Korps langerons von Neu Salza her im Defiliren begriffen war. Um Mitternacht ließ yor ! den durch die Ruſien unterbrochenen Marſd) wieder fortjeben, und zwar über Ebendörffel nad Baußen.

An Oberſt Kaşeler ſandte General York an dieſem Tage den Befehl rechts nach Biſchoffswerda abzumarſdiren, um dort den General

Lanstov , den General v. Saden einſtweilen daſelbſt zurüd gelaſſen hatte, abzulöſen. Bis zu Kapelers Eintreffen mußte wieder Oberſt

Graf Hendel die Avantgarde Yorkø madjen, und vorläufig den General

225 Pansion mit einem Ravallerie - Regiment unterſtüßen. Rafeler empfing aber den Befehl zum Abmaridh erſt am folgenden Tage Mittage.

Die polniſche Reſerve-Armee unter Graf Bennigjen näherte ſich der ſchleſiſchen Armee. Am 15. September meldete General Martoff ins Hauptquartier, daß er mit 15000 Mann der Avantgarde in Bunzlau eingetroffen ſei ; den 16. wollte er den Marſch auf Görlig fortſeßen. Durch dieſen naben Rüdhalt wurde Blüder in ſeinen Ents

ldließungen unabhängiger. Aud) wird ihm die Freiheit der Wahl ſeiner Dperationen , ob nad Böhmen hinein oder nadı Mühlberg an der Elbe, am 15. September von dem großen Hauptquartier ber in Folge ſeiner Vorſtellung austrüdlich freigelaffen.

Am 16. September meldete Kaşeler wieder dem General Bilder :

„Bivouat vor Neuſtadt 16. September.

Beute früh hat der Feind c. 500 Mann Ravallerie und einige Infanterie von Neuem vorgefandt , ſo daß meine Veretten den feinigen ganz nahe gegenüberſtehen. Zeroch baben bis jeßt auf beiden Seiten teine Feindſeligkeiten ſtattgefunden , da ich es heute mit Rüdficht auf die große Ermürung der Truppen nid)t für zwedmäßig erachtete, ſie ohne Noth ins Feuer zu führen. Die feindliche Kavallerie iſt abgeſeſſen und verhält ſich ganz rubig.

D. Rapeler."

A16 Kaşeler am Nadimittag nach Biſchoffswerda abmarítiren

wollte, hielt ſich General-Lieutenant Aapzewitſch bei Neuſtadt allein nicht mehr ſtark genug und meldete ſogleich an Blüder : „ Neuſtadt, den 16. Septbr. Nachmittage 3 Uhr. Auf höheren Befehl iſt heute früh um 9 Uhr die Avant- Garde des

General& Rudzewitſd von hier abmarſchirt, um die Straße von Baußen nad Biſdoffewerda zu befeßen. Mittags tam der Oberſt v. Kaşeler zu mir und zeigte mir einen Befehl des General. Lieutenante yort , nach weldem er ebenfalls von hier abmarſchiren ſollte, um audi feinerſeits die Straße von Baußen nach Biſchoffewerda zu befeßen. Da ich dadurch aber ganz allein und ohne Kavallerie hier bleiben würde , ſo habe id , um des allgemeinen Beſtens willen , den Oberſt 0. Sapeler dringend erſucht, einſtweilen hier zurüd zu bleiben. Dherſt b. Haşeler äußerte aber , daß er nicht länger als bis morgen früh

werde bleiben können und dann ſeinem Befehl gemäß von hier abmars ſdiren müſſe. 30 bitte daber Em. Ercellenz um einen Gegenbefehl. Rapgewitſch .“

Papeler meldete dem General Vort die Urſache der Verzögerung

ſeines Abmarſdet. Die Meldung iſt von Renbero Band geſchrieben : 15

226

„Polenz bei Neuſtadt, den 16. Septbr. Abende 844 Uhr. Den Befehl Em. Excellenz zum Abmarſch von hier habe ich heute Mittag 1 Uhr erhalten. Da aber meine Vorpoſten denen des Feindes faſt auf Piſtolen - Schußweite gegenüber ſtehen , ſo habe ich meine Stela lung, ohne abgelöſt zu werden, auch nicht ohne Weiteres verlaffen tönnen, um ſo mehr , da am Vormittag die ruffiſchen Generale Rubzewitid and Emanuel mit ihren Truppen rechts abgerüdt waren und aud die Kavallerie des General Rapzewitſch , der hier zurüdgeblieben iſt,

mitgenommen hatten . Durch meinen Abmarſch würde ich dem General Rapzewitſch ſofort den Feind auf den Pals gezogen haben. 3d tann aber erwarten , morgen von Truppen des öſterreichiſchen Generals

Grafen Bubna abgelöſt zu werden und werde dann ſogleich den bes fohlenen Marſch antreten . Sobald ich mein Avant-Garden -Verhältniß

zwiſchen Baußen und Biſdoffswerda wieder eingenommen , werde ich nicht verfehlen , Ew. Ercellenz genauen Rapport darüber abzuſtatten. v. Kaşeler.“ begnügte Feind , Bis der ſich gegenüber Landton General Dem

ſchoffswerda wieder zu befeßen.

Die Generale Rudzewitſd und

Emanuel löſten ihn ab , ſo daß nun General Panstor ſpät Abends zu feinem Rorpo , dem des General v. Saden , nad Mariaſtern ab. rüden konnte. Die Situation war aber durch dieſe Ereigniſſe noch immer nicht anfgeklärt. Die Nachricht, Napoleon ſei bei Bifchoffs . werda geſehen worden , aber auch die , franzöſiſche Truppen ſeien von diente noch nicht zur Großenhayn nach Dresden zurüdmarſchirt, Auftlärung der Sadlage. Blüdyer ließ deshalb für den 16 ten die

Korps der Schleſiſchen Armee nod auf den befohlenen Bunften ſtehen bleiben .

ilm die Schleſiſche Armee unmittelbar am Feinde zu laffen , fodte

nun , auf Befehl des Raiſers Alerander, die Reſerves Armee Bens nigfeng hinter Blücher links ab nach Böhmen marſchiren , um ſo der Sauptarmee die lang erfehnte Unterſtügung zu bringen .

Tauenßien , der als ein Theil des Korpe von Bülow in Herz berg ftand , meldete dem General Blicher ſeine Ankunft baſelbſt und farieb unter dem 15. September Abends :

,,Mein fehnlichſter Wunſd iſt, mit Ew . Excellenz vereint zu ,, fein . “

Der Stronprinz äußerte um diefelbe Zeit fein Bedenten , die Elbe

zu paffiren , bevor er nicht vollſtändig Herr der rechten Elbufero fei, D. h. die Feſtungen Wittenberg und Torgau in ſeiner Gewalt habe. Blücher erkannte hieraus, wie nothwendig es ſei, ſich dem frons prinzen zu nähern und ſchrieb deshalb dem Grafen Tauenßien aus Baußen am 16. September :

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... 3ch bin Willene, mich ſchnell zu fonzentriren und den vor mir ſtehenden Feind anzugreifen. Wenn Em . Ercellenz dazu mitwirfen

wolten , ſo würde ich mir um ſo gewiſſer einen günſtigen Erfolg vers ſpreden fönnen. 3d ſebe daber einer gefällige Erflärung entgegen , in welder Zeit Sie bei mir in hieſiger Gegend anlangen tönnten.“ Dem Kronprinzen theilte Blüder mit, daß General Bennigjen mit 75,000 Mann in 2 Kolonnen über Zittau und Rumberg abmars ichiren werde, um die Stellung der Hauptarmee einzunehmen , ſo daß dieſe dann ihre Dperationen linf& werde fortſeßen fönnen , um den Kaiſer Napoleon von ſeinen Hülføquellen abzuſchneiden . Er, Blüder, beabſichtige die Ausführung eines Hauptſchlages. Am 17. September meldete sapeler , ſowohl an Blüder wie an yort :

„ Uuf dem Marſch bei Neukirch, 17. September, Morgens 10 Uhr.

„Ew. Ercellenz verfehle id) nicht, gehorſamſt zu melden , daß ich heute früh um 5 Uhr durch den öſterreichiſden General v. Neipperg,

welcher unter dem Befehl des Grafen Bubna ſteht, von meinem Poſten zwiſchen Neuſtadt und Stolpen abgelöſt bin. Ich habe midi ſogleich in 2 Kolonnen nad Biſchoffswerda in

Marſd geſeßt und zwar die eine Kolonne unter Befehl des Majors v. Hiller , beſtehend aus dem Gros der Infanterie, der geſammten Artillerie und einem Kavallerie - Regiment auf Göpau ; die zweite unter

Major v. flür , die bisherige Avant - Garde, 2 Infanterie - Butaillone, 1 Jäger- Bataillon und die übrige Kavalerie auf Roth - Naußliß. Ich werde von dort aus die Vorpoſten gegen Biſchoffswerda auslegen und mir von dem General Lansto Alles genau übergeben laſſen. Napoleon ſoll mit ſeinen Garden in Pirna ſein und dort 2 Brücken geldlagen haben .

v. Ra Beler." Am Nachmittag fuhr Raşeler fort : ,, Roth - Naußlit, den 17. Septbr. Nachmittag8 1/3 Uhr.

Mit der Avant -Garde bin ich hier angekommen. Das Gro8 ſteht einſtweilen bei Göbau, Straße von Biſchoffewerda nach Baußen. Meine Vortruppen habe ich bei Roth - Naußliß placirt , um von hier aus die Vorpoſten bis an den Feind zu poufſiren . Es befinden ſid) feine Ruf: fiſche Truppen hier. Dagegen erfahre ich, daß der ruſſiſche General

fanstoy bei Burkau ſtehen ſoll. Ich hoffe bald nähere Aufſchlüſſe zu erhalten .

v. Raseler." 15 *

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Beim Borreiten gegen Biſchoffswerda ſtieß Kapeler auf den ruſ fiſchen General Emanuel in Wöldau und meldete durd Renber : „ Bokſchappliß, den 17. Septbr., Abends 4 Ilhr.

31 Wöldau habe id) den ruſſiſden General Emanuel vorgefunden, weldher den General Panston geſtern abgelöſt hat. Ich habe daber mit demſelben gemeinſdaftlich die Vorpoſten ausgeſeßt , welde zur Dedung der Straße von Bildhoffemerda nad Baußen nothwendig ſind. Wo ich die Verbindung redite auffinden werde, weiß ich noch nicht; meine Batrouillen ſind von dieſer Seite noch nidit zurüdgekehrt. Meine Borpoſten melden mir , daß Biſchoff8werba wieder vom Feinde belegt ift; obidon die Befaßung, nad der Verſicherung des Generals Emas

nuel , nicht über 200 Mann ſtart ſein ſoll. Wenn Em. Excellenz es genehmigen , ſo würde ich morgen verſuchen , dieſe Beſaßung aus Bis fdoffwerda wieder zu vertreiben.

Folgende Nachrichten, die ich nicht verbürgen kann, hat mir General Emanuel mitgetheilt : Der Feind hat diefſeits der Elbe vier Armee s Korp8 , die in fol gender Art dislozirt ſind :

2. Armee - Korps unter dem Herzog von Tarent bei Schmiedefeld, Goldbad, und Drebniß ;

3. und 5. Armee- Rorps bei Geismannsdorf, Rammenau, Frantens thal und þaudwalda ; -

Bolniſches Armee-Rorpe bei Stolpen. Ade dieſe Korp8 follen zuſammen nicht über 50,000 Mann zählen. V. Kapeler." Rittmeiſter b. Stranß von dem Brandenburgiſchen Itlanen -Regis ment führte eine Feldwache auf der Hauptſtraße bis vor Bijdoffswerda und meldete von hier an fabeler : „ Feldmade vor Biſchoffemerda, den 17. Septbr.

Ew. Hochwohlgeboren melde id) geborſamſt, daß ich die Feldwache vor Biſchoffe werda ridhtig aufgeführt habe. Der rechte Flügel der Bors poſten lehnt ſich an Geißmannstorf, der linte an Belmedorf. 3d bin auf beiden Flügeln mit den Ruſſen in Verbindung, welde mit 2 Roja Regimentern und einem Ulanen . Regiment hier die Borpeſten bilden . þinter Belmsdorf ſteben 3 ruſſiſche Infanterie - Bataillone. Der Feind

hat Biſchoffewerda und die Gegend befeßt ; aber wie es ſcheint, nur mit Infanterie , denn Savallerie ſieht man gar nicht. Er beſchießt abs wechſelnd unſere Bedetten. Es wäre wünſdenswerth, einige 3äger hier auf Vorpoſten zu haben , die uns vortrefflich unterſtüßen könnten. Die Stärke del Feinde8 läßt ſich in dieſem bededten und durchſchnittenen

Terrain nicht genau überſehen.

. Stranß."

229 3n ber þauptaufſtellung der Korps der ſchlefilden Armee trat aud an dieſem Tage teine Veränderung ein. Am folgenden Tage meldete wieder safeler am frühen Morgen an yorl :

„ Popſchappliß, den 18. Septbr., / 6 Uhr Morgens. Ew. Excellenz Befehl vom geſtrigen Tage habe ich erhalten und werbe Ades aufbieten , um über den Feind Nachricht zu erhalten und das Sorpå mit Sicherheit zu deden.

Von der Feldwadie wird mir gemeldet, daß in dem Lager des Feindes heute keine Veränderung zu bemerken ſei ; nur höre man viel Trommeln und Blaſen.

Was Ew. Excellenz Befehl wegen Rüdſendung der Leibs Buſaren . und der Brandenburgiſchen Buſaren -Eskadrons betrifft, ſo muß ich Deren Befehl entſprechen und bitte deshalb um geneigte Mittheilung , wo die betreffenden Brigaden ſtehen , um den Rüdmarſd der Kavallerie danach

dirigiren zu können. Jedoch erlaube ich mir, En. Ercellenz zu bemerfen, daß alle Savalerie - Regimenter der Avant - Garde ſehr geldwächt find. Gleichwohl iſt die Kavallerie diejenige Waffe, durch welde ich einerſeits im Stande bin, Nachrichten über den Feind zu erhalten und die nos thigen Berbindungen herzuſtellen, anderſeits mid auch gegen den ftete überlegenen Feind zu ſichern. Nur der Kavallerie habe ich es zu berbanten, daß ich im Stande war, ſelbſt numeriſd überlegenen Angriffen des Feindes die Spiße zu bieten. Dieſe Erfahrung macht mir den Verluſt der braven Estabrons ſehr ſchmerzlich.

Der Infanterie habe ich den Befehl ertheilt, ſich von Gödau näher an mich heranzuziehen.

D. Rafeler." Aud Siller , wenn er ſich nicht unmittelbar bei Rafeler befand,

rapportirte an yort, und zwar diesmal mit Bezug auf den obigen Befehl kapelers :

„ Bivouat bei II. Braga, den 18. September 1813. Ew . Ercellenz melde id gehorſamſt, daß ich mit der Infanterie der Avantgarde von Gödau abmarſdirt bin und ſo eben eine Stellung bei Kl. Praga an der Straße von Baußen nach Biſchoffswerda bezogen habe. 11

v . Biller. " Xaşeler fuhr fort :

Popíchappliß den 18. September 9 Uhr Morgens .

Ich habe den Feind dieſe Nacht durch einen zuverläſſigen Offizier, ben Rittmeiſter v. Stranß , obſerviren laſſen. Das Reſultat iſt, daß

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Dell Feindes Stärke nicht mit Beſtimmtheit anzugeben iſt, und nur nady den Wachtfeuern, ſoweit dieſelben zu überſehen waren , beurtheilt werden fann. Hiernach ſcheint die Infanterie ziemlid ſtart, die Kavalerie dagegen ſehr ſchwach zu ſein. Indeſſen iſt auch dieſe allgemeine Ans

gabe nicht zu verbürgen , da Berge und Wälder die Aufſtellung des Feindes ſehr masquiren , und er unter dem Schuß eines ſolchen Terrains jeden Augenblid ungeſehen Verſtärkungen heran ziehen kann.

Zugleich verfehle ich nicht, 2 deſertirte Baiern gehorſamſt zu über fenden, von denen aber nicht viel zu erfahren iſt. v. Rapeler."

Yort genehmigte nicht den Angriff auf Biſchoffswerda. Rapeler ermiederte :

„ Pozidappliß, den 18. Septbr. 3/41 Uhr Mittage. Ew. Excellenz Befehl wegen Unterlaſſung des Angriffe auf Bis ſchoffswerda habe id) erhalten. Allerdings wäre die Stadt leicht zu nehmen ; indeſſen iſt 8 freilid) richtig , daß die dann hineinzulegende preußiſde Befaßung dem Granatfeuer und in den äußerſten Säuſern felbſt dem Startätſdſduß ausgeſeßt ſein würde. Meine Abſicht, die Stadt zu nehmen , gründete ſich nur auf den Umſtand , daß der Feind aus der Stadt Tirailleurs vorpouſſirt hatte , welde meine Vedetten

bleſſirten. Um dies zu verhindern und jene Tirailleurs im Zaum zu halten , habe ich den Major v. Alüx mit einer Abtheilung 3äger vors gehen laſſen. Sobald unſere Jäger mehrere Tirailleurs erſdoſſen hatten,

ichwieg das Feuer auf der ganzen feindlichen Linie. Seitdem iſt völlige Ruhe eingetreten. Major v. klür hat bei der Nähe der Vorpoſten jogar bemerft , daß ein franzöſiſcher Tirailleur, der auf ibn geſchoſſen , -

von ſeinem Offizier ein Paar Dhrfeigen erhalten hat. Die Vorpoſten ſind zwedmäßig ausgeſeßt.

Es iſt mir ſelbſt ges

lungen , Biſchoffswerda von Geißmannsborf her flanfiren zu laſſen. Geißmannsdorf fand ich nicht vom Feinde bejeßt. v. Kapeler.“ Ferner Abends:

„ Bokichappliß , den 18. Septbr., Abends 6 Uhr. Rittmeiſter v. Weſtphal, den ich zum Einziehen genauer Nach

richten über Stärke und Stellung des Feindes abgeſandt hatte , meldet

mir, daß der Feind in einem Lager ſtehe, welcher unweit Biſchoffswerda bei Goldbadi anfängt und nadı recht8 die Dörfer Weidersdorf und Drebniß , nach links die Dörfer Frankenthal und Rammenau umfaßt.

Die Stärke des Feindes ſei ſdwer anzugeben, da der Feind größtentheils Berge belegt halte , welche mit Waltungen bededt find. Daß indeffen

der Feind nicht ſchwadı wäre , zeige dieſes ausgedehnte lager. Dürfe

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man den Berſicherungen einiger verſtändiger Einwohner Glauben beis meffen , ſo ſei die Stärke der Feindes auf 30 – 40,000 Mann zu däßen.

Soeben hört man eine Kanonade , welche aus der Gegend von

Mönigsbrüd zu kommen ſcheint; ſte läßt ſchließen, daß General v. Saden fich in einem Gefecht befinde.

v. Kapeler."

Raseler batte fich nicht getäuſcht. Es war ein Retognoszirung8. Gefecht, welches General Waſſiltſd itoff auf Befehl Saden

gegen

das Städtchen Buleniß , nordöſtlich von Radeberg gelegen , ausführen ließ. Der Feind , 4 Bataillone, 6 Estadrone und 2 Geldjüße, wurde aus Puløniß von dem Sten ruffiſden 3äger , Regiment binausgeworfen.

Blücher hatte aber bereits eine weitere Ausdehnung der Res fogno8zirung befohlen. Er ſcrieb nämlich an Saden : „Þauptquartier Baußen, den 18. Septbr. 1813. Aus allen mir vom rechten Flügel zugekommenen Nachrichten muß ich ſchließen , daß der Feind nur deshalb Großenhayn und Gegend bes

jeßt hält, um theile Lebensmittel und Fourage nach Dresden zu ſchaffen, theils um das, was in Großenhayn ſteht, daſelbſt leichter zu verpflegen. In dem feindlichen Lager von Biſchoffswerda und Stolpen herrſcht Mangel. Das Zwedmäßigſte, war jeßt, bis die große Armee die Of fenfive wieder ergreift, ron uns gedeben kann, iſt, den Feind auf ſeinem linten Flügel zurüdzudrängen und ihm die Gegend ron Großenbahn zu entreißen.

Em. Excellenz erſuche ich , über die Stellung und Stärke des Feindes in der Gegend von Radeburg , Großenhayn und gegen Elſters werta hin Nachridten einzuziehen und mir ſchleunigſt mitzutheilen, denn ich bin nicht abgeneigt, eine Bewegung recht8 zu maden und den Feind von Großenbahn zu vertreiben , wenn ich überſehe, daß e$ mit Erfolg geſchehen kann. Bilder ."

3n Folge dieſes Befehle fandte Saden burd, ben General Waf: filthiloff Bartheien nad Radeburg, Großenhayn und Elſterwerba.

An dieſem Tage, den 18. September, überbrachte Major v. Rühle, ber am 17 ten Nachmittag8 Töplig verlaſſen hatte , die ausdrüdliche Genehmigung des Könige zu dem Rechte - Abmarſ der ſchlefiſden Armee. Man hatte ſich in dem großen þauptquartier von der volls ſtändig richtigen Anſicht Blüder überzeugt, daß nämlich ohne eine folche Dperation der Kronprinz von Schweden mit der Norbarmee zum Ueberſdreiten der Elbe nicht werbe zu bewegen ſein. Es tam zunächſt nur noch darauf an , den Links - Abmarſch des

Generale Bennigjen nad Böhmen zu beden und den Rechts -Abmarſch

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der ſchleſiſchen Armee in das tiefſte Geheimniß zu hüden : leon follte ſtrategijd überraſcht werden.

Napos

Die Armee - storps blieben auch beute noch ſtehen .

Am folgenden Tage meldete ber ſtet8 wadoſame sapeler :

„Pokichappliß, den 19. September, Morgen8 6 1/2 Uhr. Soeben meldet mir der Offizier der Feldwache, daß ſich der Feind von Biſchoffswerda abgezogen habe. Da es jedoch noch ungewiß iſt, ob der Feind bloß die Stadt verlaſſen hat oder ſich ganz abzieben will , ſo werde ich bei der Schwierigkeit des Terrains mit Borſicht folgen. 0. Saßeler."

Das raſche Folgen der preußiſchen Vorpoſten tam aber dem Feinde zu früh. Maßeler hatte ſich wie immer gleich an die Spiße der vors gebenden Kavallerie geſeßt und traf jenſeit Biſchoffewerda auf überlegene Kräfte des Feindee , von welchen er wieder durd , die Stadt zurüdges

drängt wurde. Er ließ dieſe veränderte Sadlage durch den Lieutenant v. Sdroetter um

9 Uhr Morgens melden.

Beunruhigt durch das Vorgehen der Ruſſen auf Pulsniß , hatte Macdonald eine rüdgängige Bewegung beſdiloſſen , wollte ſie aber nur ſucceſſive, unter möglichſter Täuſchung ſeiner Gegner, ausführen. Kapeler meldete deshalb um die Mittagszeit: „Auf den Söhen vor Biſchoffswerda, 19. September 12 Uhr Mittage.

Der Feind ſteht mit ſeinen Vorpoſten auf derſelben Stelle. Den

nod, iſt in dem Lager eine Veränderung vorgegangen. Ein Theil der Truppen hat dasſelbe verlaſſen , und iſt von den Höhen in den Wal. bungen verſchwunden. In Biſchoffswerda ſteht in dieſem Augenblid noch ein feindliches Infanterie -Bataillon. Da ich meine Poſten zurüd= gezogen habe , ſo fält fein Schuß weiter. Daß der Feind auch von

Drebniß abmarſchirt iſt, habe ich mit bloßen Augen erkennen tönnen . Ich bin aber noch nicht im Stande zu benrtheilen, ob dies eine bloße Beränderung der Stellung iſt, oder ob der Feind ſeinen Rüdzug auf Buleniß und Dresden dadurdy mastiren will . 6. Rapeler."

Am Nachmittage desſelben Tages beſtand aber über die Abſicht des Feindes kein Zweifel mehr. Rittmeiſter Weſtphal, zur Retognos zirung abgeſchidt, meldete an Kapeler , daß ſich der Feind auf dem rechten Flügel bedeutend abziehe und die Straße nach Dresden eins

jalage. Pulsniß ſei bereits von ruffiſden Truppen bejeßt. Kaşeler ging hierauf ſogleid) wieder gegen Biſdoffswerda vor , und bemädtigte ſich der Stadt. Es meldete :

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Bopidyapplie , ben 19. September 45 Uhr Abends. Biſdoffswerda iſt wieder von mir beſeßt. Obidon der Feind nod Truppen auf den jenſeitigen Höhen hat, ſo zieht er doch unzw.ifels

haft ab.

Rittmeiſter Weſtph al beſtätigt dieſe Anſidt, und meldet,

daß die Rufſen Pulsniß icon beſeßt haben. 3d laſſe den Feind durch

die leichte Kavallerie verfolgen, um die Direktion ſeines Rüdzuges ge nau zu erfahren . v. Kapeler.

Rittmeifter v. Barnetow verfolgte den Feind am Abend noch bis Golbbad ).

Rafeler meldete :

„ Xuf den Höhen vor Biſchoffswerda den 19. September 8 Uhr Abends.

Ew. Excellenz melde ich gehorſamſt, daß meine Vorpoſten jenſeit Goldbach ſtehn. Den Rittmeiſter Eiſenhardt habe id) mit 1 Estabron

zum Soutien der Feldwache aufgeſtellt. Die feintlichen Vorpoſten ſtehen bei Hartha, Goldbach gegenüber. Rittmeiſter v. Barnekow (dägt den Feind hier noch auf 10,000 Mann. Den Major v. S dent habe ich

mit 2 Estadron8 zur Beobachtung in des Feindes linke Flanfe vorgehen laſſen . V. Rafeler."

Auf dem rechten Flügel der ſchleſiſchen Armee wich der Feind ſchon am Morgen des 19ten aus der Gegend von Puleniß nadı Leppersdorf zurüd. Die ruſſiſchen Vorpoſten folgten ihm dorthin. Das Grog der

Avantgarde Sadens blieb bei Kamenz. General Graf Tauen zien wiederholte heute in einem Sdhreiben an Blücher, vom 18. aus Berßberg :

„ Ew . Excellenz erwiedere id) ergebenſt, daß es mein eifrigſter Wunſch iſt, mich mit Ihnen zu vereinigen und in Gemeinſchaft mit Ihrer Armee gegen den Feind zu operiren.“ Tauenßien hoffte, wenn der Kronprinz von Schweben es ges

nehmige, mit 10 – 11000 Mann zu Blider ſtoßen zu können , bat aber um eine Unterſtüßung an Ravallerie und Artillerie.

„Es iſt meine Abſicht, fährt er fort, auf Elſterwerda zu marſchiren, um über Ortrand oder Rubland die Vereinigung mit der ſchleſiſchen Armee zu bewirken, oder dort die Befehle Ew . Excellenz über ein weitere Bordringen auf Großenbayn und Meißen zu erwarten .“ Blüder antwortete :

„Hauptquartier Baußen, den 19. September 5 Uhr Abends. 3d) lade Em . Excellenz ein , ſobald Sie können , rid auf Elſter werda zu dirigiren und mich vor 3hrer Ankunft daſelbſt zu benachrichtigen .

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Dann werde ich ein forps dergeſtalt auf Großenhayn von Königebrüd aus dirigiren , daß es mit Ew. Excellenz Korp8 zu gleicher Zeit vor dem Feinde ankömmt. Auch werde ich Ihnen Ravalerie und Artillerie

ſo zuſenden, daß ſie auf demſelben Wege von Elſterwerba nach Großens hayn Ew . Excellenz erwartet. Hält der Feind Großenhayn, ſo können wir ihn vielleicht von Dresden abſdyneiden."

Am 20.September hinderte ein Unwohlſein den Oberſt v. Kaşeler, perſönlich bei den Truppen zu ſein ; er übergab deshalb dem Major v. Stutterheim das Kommando über die Ravallerie, ließ den Major v. Klür mit den Jägern und 2 Bataillon der Avant- Garden -Ravallerie

zur Unterſtüßung nach Goldbach folgen und befahl dem Major v. Şiller, mit dein Gros der Avantgarde Biſchoffewerba zu befeßen und feſtzu. halten .

Graf Langeron begab ſich heute ebenfalls zu den ruſſiſch-preu fiſchen Vorpoſten . General Emanuel übernahm das ObersKomando über die Kavallerie und man beſchloß die Haltung des Feindes bei Hartha durch einen Angriff auf die Brobe zu ſtellen. Major flür und Major

Stutterheim gingen durch Goldbach gegen Fartha vor. Bei der Annäherung der preußiſchen Truppen räumte der iFeind Bartha und wich in den dahinter gelegenen Wald zurüc. Auch hier drangen die preu Biſden Jäger und Schüßen ein ; allein dann ſepten ſich die Maſſen des

Feindes in Bewegung und drängten die wenigen Bataillone der Avants garde wieder zurüd ; auch Sartha wurde von den Franzoſen aufs Neue belegt. Şier endete das Gefecht. Major $ iller hatte von Biſchoff werda 3 Bataillone und 4 Geſchüße zur Befeßung der Döhen bei Goldbado vorgeſchidt, und die zurüdtommenden Truppen aufgenommen. Die

preußiſchen Kavalerie -Vorpoſten blieben wieder Sartha gegenüber ſtehn. Einige 60 Mann der Avantgarden waren durch dieſe Recognoscirung theils getödtet, theils verwundet worden .

Stutterheim rapportirte am Abend dem General Yort : „ Goldbach, den 20. September 6 Uhr Abends. Ew . Excellenz melde ich gehorſamſt, baß nach dem Gefecht vom heutigen Morgen der Feind ſich iegt ruhig verhält, Kartha beſeßt hat, and auf dieſen Buntt, als Schlüffel zur Straße nad Dresden, augens deinlich ein großes Gewicht legt. General Emanuel bat ſämmtliche Truppen bis Goldbach zurüdgeben laſſen ; jedoch ſteben meine Vorpoſten, 2 Eskadrons und einige Rojalen - Bulte, dicht vor Bartha. Redite von Frankenthal befindet ſich der Rittmeiſter Weſtphal mit einer Jägers

Eskadron und 1 Kompagnie Fußiäger. Links von mir hat General Borosdin die Höhen beſegt. General Emanuel iſt mit den ruſſiſchen Truppen ebenfalls hier in Goldbach. Auf der Straße von Hartha nach

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Dresben follen nod) 3 Rorp8 unter Macdonald , 50,000 Mann ſtart, ſtehen ; auch fou Poniatowsti ſich noch bei Stolpen befinden. v. Stutterheim. " Major v. Scent hatte fid mit ſeinen Huſaren den Ruffen bei Bulsniß angeſchloſſen , und war von hier nach Leppersdorf, Radeberg gegenüber, vorgegangen. Er meldete Mittage, daß Radeberg nod von den Franzoſen beſeßt ſei , ohne ihre Stärte näher angeben zu tönnen. Abends 8 Uhr fuhr Major v. S dhent fort :

„ Der Feind hat ſein Lager rechts von Radeberg. Auch Rohrs dorf zwiſden Hartha und Radeberg, iſt von ihm befeßt. 3d ſtehe dem Feinde mit den Kojaken ſehr nahe. Bor der Stadt find mehrere frans

zöſiſche Kavallerie- Feldwad; en poſtirt. Die einzelnen Gefangenen, welche wir hier machen , find Marodeurs, die ihre Regimenter don ſeit mehreren Tagen verlaſſen haben ; ſie wiſſen nichts Verſtändiges auszuſagen.

Der Feind ſteht unbeweglich bei Radeberg und Rohrsdorf.“ Kaşeler fandte dieſe Melduug Abend / 10 Uhr an yort und befahl dem Major v. Hiller , wieder die Stellung hinter Biſdoffswerda einzunehmen. Ade Korps blieben heute noch ſtehn. Uud Napoleon unternahm

nichte. Das heftige Regenwetter, welches den ganzen Tag andauerte, binderten ihn an der Ausführung eines Marſches ; mehr wohl ned der

äußerſte Mangel an Verpflegung, durd welchen Unordnung und Auf löſung ſich immer mehr unter den Truppen ausbreiteten.

Am 21. September rekapitulirte Repher in ſeinem Tagebuch die Stärke der Avantgarde in folgender Art : a ) Infanterie. 1. weſtpreußiſches Grenadier- Bataillon, 2. Leib - Grenadier- Bataillon, 2. oſtpreußiſdes Füſilier- Bataillon, 2. Bataillon 12. Reſerve-Regiments, Landwehr- Bataillon v. Relowsti ,

Landwehr- Bataillon v. Thiele ,

2 oſlpreußiſche Jäger Kompagnien, Garde- Jäger-Rompagnie, Zuſammen 3798 Coinbattanten . b) Kavallerie.

Brandenburgiſches Ulanen -Regiment, nebſt 3äger -Detaſchement, Dſtpreußiſdes National-Ravallerie-Regiment, nebſt Jäger. Detajdement. 5. Schleſiſches Landwehr-Ravallerie- Regiment.

2 Estadrong brandenburgiſder Huſaren, nebſt Jäger - Detachement,

i Estadron, 2. leib-puſaren-Regiments, nebſt Jäger- Detajdement.

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c ) Artillerie. 68 Reitende Batterie v . Borowsty , 64 Fuß-Batterie Nr. 13,

4 Haubißen (wurren an dem heutigen wieder zum Korp8 zurüdgeſchidt), Total der Avantgarde c. 6000 Mann. Rapeler war ſo weit hergeſtellt, daß er wieder an der Spiße der Truppen erſcheinen konnte. In der Stellung der Feinde8 trat teine weſentliche Beränderung ein, und zwar weder bei Goldberg und Bartha, noch bei Peppersdorf und Radeberg.

Major . Sdent meldete : „Bivouat bei Lepperødorf den 21. September Morgens 7 Uhr. Die feindliche Stellung bei Radeberg iſt die nämliche wie geſtern, nur bat heute die Infanterie in Stelle der Havallerie die Dorpoſten be zogen. Den ausſpringenden Winkel des Waldes, welcher fid zwiſchen

beiden genannten Orten befindet, halte ich am Tage befeßt , in der Nacht ziehe ich den Boſten daſelbſt zurüd. Nad, Ausſage eines Bauern ſollen Truppen Verſtärkungen bei Radeberg angekommen ſein, vielleicht von Stolpen her. Auch erhalte id Nadiridht, daß in Königsbrüd ein

Theil der Avantgarde des Generals Waſſiltſhitoff eingerüdt ſei, nämlich 2 Koſaden - Regimenter und 2 Eskadrons Huſaren , welche die Straße nach Dresden beobachten . In Mühlberg fod bereits von der Armee des Kronprinzen von Schweben der General 310 waisti mit

3 Rojaten -Regimenter ſtehen. b. Sent. "

Aud Abends fonnte die Meldung von Goldberg her wiederholt werden, daß der Feind unverändert in ſeiner Poſition bei Bartha ſteben

geblieben ſei. Dieſe Ruhe hatte Reyher benußen können, einen Brief an ſeinen Bater zu ſchreiben. ,, 3m Bivoual bei Biſchoffemerba, ben 21. September 1813. Theurer geliebter Vater

$ offentlich werden Sie jeßt meinen leßten Brief erhalten haben,

und ich eile daher , Sie zu benachridtige, daß ich ſchon ſeit 5 Tagen völlig geſund bin und mich wieder auf meinem Poſten befinde. Oberſt v. Rafeler fominandirt noch immer die Avantgarde. Wir haben faſt täglid Gefechte, die bis ießt noch immer zu unſerem Vortheil auss gefallen ſind. Wie viele Strapazen wir auch bei der Avantgarde auss ſtehen müſſen, ſo iſt es dod ſehr angenehm , ihr zugetheilt zu ſein, denn der Vorpoſten- und Avantgarden.Dienſt iſt für einen jungen Difizier eine wahre Kriegeſchule. Eigenthümlidy iſt es, daß die kleinen Avant garben - Gefechte in der Regel ſehr blutig ſind. Das oſtpreußiſche Jägers

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Bataillon hat geſtern allein wieder 35 Mann verloren . Bie jeßt bin ich glüdlicherweiſe noch immer mit heiler Saut davon getonimen. Geſtern habe ich den mich betreffenden Avancements -Berſlag ges leſen , den mein würdiger Oberſt formirt hat. Er iſt außerordentlich vortheilhaft für mich abgefaßt , und darf ich mich ſchon darauf freuen, Sie binnen Kurzem von meiner Ernennung zum Premier lieutenant

und von meiner Verfeßung in die General-Adjutantur benadrid )tigen zu können. Ich würde dadurch einen gewaltigen Sprung madien . Im Regiment habe ich noch 13 Seconte lieutenants zum Premier- lieutenant

vor mir. Meine Freude hierüber iſt ſehr groß, denn ich darf dann auch hoffen , in Zeit von einem Jahr Rittmeiſter zu werden. Oberſt von Rafeler iſt der intimſte Freund unſers bodiverehrten alten Blüder , und hat in der Armee einen ſehr ehrenvollen Ruf. Alles was er vorſchlägt, hat saber um jo mehr Wahrſcheinlido feit durchs zugehn. 3ch zweifele nicht an einem baltigen und guten Erfolge.

Der Feind iſt bis jenſeit Biſchoffswerda auf der Straße von Baußen nad Dresden zurüdgedrängt worden ; hat aber wieder Front gemacht. Zieht er ſich in einigen Tagen nicht zurüd , ſo wird ihn der fommans birende General burd) eine Schladit zurüdwerfen müſſen. Unſere Truppen

haben ſich bei der ruſſiſchen Armee eine unbegrenzte Adtung erworben ; aber man muß ſie auch im Sefedit ſehen, um ſie zu bewundern. Wie hat ſich das Ades feit 1806 ſo günſtig geſtaltet!

In Hochfird), dem berühmten Ort aus dem ſiebenjährigen Kriege, hatten die Franzoſen friſche Gräber geöffnet und die Leiden geplündert ;

ich habe die Folgen dieſer Frevelthat mit eigenen Augen geſehen. Es iſt überhaupt faum möglid, Ihnen ein Bild von der Vermiſtung zu entwerfen, weldie über das arme Sachſen hereingebrochen iſt. Der Feind ruinirt bei ſeinem Rüdzuge fo viel er fann, um das Berfolgen zu erſchweren . Aud wir haben keine Magazine, aus welchen eine regels mäßige Verpflegung bewirkt werden tönnte. Leider ſind wir daber ge zwungen , den Einwohnern ohne Barmherzigkeit das Leßte zu nehmen, was ſie vor dem Feinde noch zu verbergen wußten . In den Dörfern findet man teine menſchliche Seele mehr. Allies hat ſich geflüchtet. Die unglüdlichen Männer irren mit ihren Weibern und Kindern, dem þungers tode nabe , voller Berzweifelung in den Wäldern umber , und werden dort noch häufig von den Rojalen ihrer letten Kleidungsſtüde beraubt.

Lieber Vater, id) übertreibe nicht! Das Elend der Einwohner Sachſens

iſt grenzenlos. Unſere Soldaten haben ſich bisher ſehr gut betragen ; aber jeßt, wo die Armee Mangel leidet, muß natürlich alles Mitleid wegfallen. Von Friß und þeinrich habe ich noch immer keine Nachrit ;

ebenſo wenig von Pubwig. Wie groß wird meine Freude ſein , wenn ich erfahre, daß ſie noch gefund fin.

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Es ſchreibt fich hier im Bivouat ſchlecht. Ich ſchließe deshalb. Leben Sie wohl , geliebte Eltern , und grüßen Sie die Freunde und Betannten .

Hoffentlich feben wir uns bald geſund wieder.

Antworten Sie

redt bald

Shrem

ganz gehorſamſten Sohn Carl Reber.

Wenn auch die Rorp8 an dieſem Tage ſtehen geblieben waren, ſo

hatte Blücher doch Veranlaſſung gehabt, ſehr wichtige Befehle zu er theilen.

Graf Tauenßien meldete nämlich heute Mittag aus Liebenwerda

(am 20. September) , daß ſeine Avantgarte in Elſterwerba eingerüdt ſei. General 31o wais ki babe mit 4 Roſafen - Pults ſchon Drtrand befekt, um dadurch die Verbindung mit der Sdleſiſchen Armee zu er öffnen.

Hierauf ließ Blü dyer folgende geheime Dispoſition entwerfen. ,, Den 22. September rüden 3 Kavallerie-Regimenter und 2 reitende Batterien unter dem Oberſt v. 3ürgaß über die Spree nady Rojenthal. Den 23. rüdt dieſes Detaidement nad Drtrand und erwartet dort

die Befehle des Generale Graf Tauenßien.

General Graf Langeron rüdt in die Poſition von Förſtgen, General v. Yorf nach Kamenz, General v. Saden nad König & brüd. Den 24 ſten Mittags greifen die Generale v. Saden und Graf Tauenßien den Feind bei Großenhayn an , der Leştere von Elſter werda und Drtrand her , der Erſtere von Königsbrüd und coupirt ihn nady Umſtänden von Dresden.

Des Morgens machen die Avant - Garden der Generale Graf fangeron und v. Yort Scheinangriffe ; der erſte auf Hartha , der zweite auf die feindlichen Lager von Rohrsdorf und Radeberg. Wenn der Schlag auf Großenhayn gelingt, ſo bleibt das Korps von Saden bei Großenhayn . Gelingt er nicht, ſo wird das Korps von Saden ſich auf Drtrand oder über Königsbrüd zurüdziehen und von dem Korps von Yort aufgenommen werden. Die Details der Angriffsdispoſition werden der General der 3n fanterie v. Saden und der General - Lieutenant Graf Tauenßien mit einander verabreden.

Ich erwarte die Rapporte hier in Baußen. Blüder." Vort und fangeron follten alſo den Feind in der Gegend von Radeberg feſthalten , während Saden und Tauentien den Angriff

239 auf Großenhann ausführen würden. Allerdinge mußte man aber auch

darauf gefaßt ſein , daß in Zeit von 3 Tagen die Gegenmaßregeln des Feindes zu weſentlichen Modifikationen jener Dispoſition nöthigen konnten.

Um den Feind zu ermüden, befahl Blücher , denſelben des Nachte

durch Infanterie-Abtheilungen in dem Daſſenig-Walde (zwiſchen Hartha und Radeberg) fortwährend zu alarmiren. Die allgemeine Sadlage nahm aber plößlich eine andere Wen dung

Napoleon batte in der That um diefelbe Zeit abermals den

Entſchluß gefaßt, ſich durch eine große Refognoszirung Aufklärung über die Bewegungen der ſchleſiſchen Armee zu verſchaffen und wenn es möglich ſei, noch einmal die Shlacht gegen ſie zu ſuchen. Es beſtimmten ihn hierzu auch die beſorglidhen Nachrichten , welche Ney den 21. Sep tember aus Torgau (vom 20 ften ) geſchidt hatte , nach welchen die Nordarmee im Begriff fei , die Elbe bei Roßlau und Aden zu übers ſdyreiten und an der Elſtermündung ebenfalls eine Brüde bauen laſſe. Sein Befehl an Marſhall Macdonald , den 22. September 2 Uhr Morgens erlaſſen, lautete daher ſehr beſtimmt:

Sie werden Mitag8 den Feind auf der ganzen Linie angreifen, bis Sie die Aufſtellung ſeines Gros finden. 3ch werde Ihnen ſogleich

zur Unterſtützung folgen , um erforderlichenfalls am nädſten Tage eine Schlacht zu liefern. Unter feinem Borwande dürfen Sie dieſe große

Retognoszirung aufſchieben, beſondere wenn das Wetter nicht ſlechter iſt, als es am 21 ſten war."

Macdonald hatte zufällig eine kleine Truppenabtheilung idon ſehr früh von Radeberg her in Bewegung gereßt , denn Saden rap portirte gegen Mittag aus Mariaſtern , von wo er noch nicht zur Vereinigung mit Tauenßien abmarſdirt war :

„ Der General Waſſiltſditoff meldet ſoeben aus Buleniß , daß der Feind ſich ſchon heute früh um 5 Uhr in Bewegung geſeßt , Puls niß um 10 Uhr angegriffen und da es nur mit Koſaken befekt geweſen ſei, auch genommen und mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie beſeßt habe. Der Feind ſoll dort 2,000 Mann ſtart ſein. Deſerteurs , die ſoeben eingebracht worden , ſagen aus , daß der

Kaiſer Napoleon heute auf der Straße nach Biſchoffswerba mit den Garden erwartet werde. Vielleicht kann ich heute Nacht Puls nig mit Infanterie wieder nehmen.

3d erhalte ſoeben eine Meldung , daß fich der Feind bei Buleni auf 5-6,000 Mann verſtärkt habe." Indeſſen idyon um Mittag nahm die verſtärkte ruffiſde Ravallerie Bulønig wider. Saden wollte im weiteren Vorſchreiten Nachte Ra

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deberg mit Infanterie angretfen laſſen . Die Vereinigung mit Tauen. Bien hatte er unter dieſen Umſtänden aufgeſchoben , und Blücher ihm die Bewegung auf Radeberg geſtattet. Macdonald wünſchte die große Retognoszirung wegen Mangel

an lebensmitteln auf den folgenden Tag verſchieben zu dürfen ; allein Napoleons perſönliches Erſcheinen hinderte ihn daran.

Der

Kaiſer eilte von Dresden über Radeberg und Fiſchbach nach Schmiedes feld , und befahl hier Nachmittags , daß das 3. und 11. Rorps gegen

Biſdoffswerda , das 5. Korp8 gegen Neuſtadt vorgehen ſollten. Dadurch mußte es auch an dem heutigem Tage zu Gefedten fommen. Ataşeler hatte früh Morgens an Yort gemeldet.

„ Goldbach den 22. September Morgen8 7 Uhr. In der Stellung des Feindes iſt bis jegt feine Veränderung eins

getreten. Em. Excellenz Befehl wegen nädyilicher Alarmirung des Feindes habe ich heute gegen Morgen erhalten, und werde nicht verfehlen, den ſelben in der nächſten Nacht mit der nöthigen Vorſidyt auszuführen. v. Kaşeler."

General y ort ritt am Vormittag felbſt zu ten Borpoſten, um für den Zwed der nächtlichen Alarmirung das Terrain und die Stellung des Feindes perſönlich zu retogno8ziren . Kaşeler begleitete ihn . Noch

blieb alles rubig. Þorf febrie in fein Hauptquartier zurüd und empfing dort folgende Meldung sagelere : Goldbad, den 22. September 4 Uhr Nachmittag8. Maum hatten Ew. Ercellenz uns verlaſſen, als der Feind mit eis nigen Infanterie - Bataillonen und Esfadrons meine Feldwache von der Anhöhe vor Hartha nad Goldbad zurüddrängte. Gleichwohl wird Das Tirailleurfeuer bis jeßt nur dwad) unterhalten. Die Abſicht des Feindes iſt mir mit dieſem Angriff noch nicht klar. Doch vermutbe ich , daß er ſich wieder in den Beſig der vortheilhaften

Boſition von Biſchoffswerda wird legen wollen . 3n dieſem Augenblid

defiliren feindliche Kolonnen vom Kapellen - Berge bei Schmiedefeld nach Bartha herunter ; id fäße ſie auf 3000 Mann. v. Ha peler. "

Nicht nur vom Stapellen -Berge, ſondern auch aus dem Maſſenig. Walde tebou dirten feindliche Infanterie - kolonnen. Schon batte ihr Defiliren eine balbe Stunde lang gedauert, und noch ſab man nicht das Ende derſelben .

Graf Langeron , der ſich um dieſe Zeit auf den Höhen von

Bühla befand , hielt dieſe Kolonnen wenigſtens für 30,000 Mann ſtart. Der raſche Schritt, mit welchem ſie vordrängen, ließ auf die perſönliche

Anweſenheit des Maifero ſdhließen.

Napoleon beobagtete bas nun

241

fich entwidelnde Gefecht vom Rapellen -Berge aus , ohne dieſen zu vers laffen .

Dberft v. Raseler nahm die Infanterie - Bataillone ſeiner Avant

garbe unter Major v. Klür binter Goldbach zurüd, placirte feine Sta vallerie auf dem rechten Flügel derſelben , und ließ durch eine Batterie die öftlichen Ausgänge von Goldbach unter Feuer nehmen. Auf dieſe Weiſe gedachte er mit allen Waffen dem Deboudhiren des Feindes aus Golds

badh wirkſam entgegenzutreten. Major v. Hiller blieb mit dem Groß der Avantgarde als Reſerve bei Biſchoffswerda ſtehn. Die ruffiſden Truppen unter General Emanuel nahmen eine correſpondirende Auf

ſtellung auf dem linken Flügel des Oberſten . Sapeler. Das Kartätſchfeuer der preußiſchen Artillerie hinderte den Feind faſt eine halbe Stunde lang am Defiliren aus Goldbady. Dann aber wurde die Umgebung von Frankenthal her wirkſam, und Rapeler ließ den Rüdzug nach Biſchoffswerda antreten . Die Geſchüße fuhren einzeln ab, um das Feuer recht lange zu unterhalten. Als feindliche Rolonnen aus dem Walde zwiſchen Frankenthal und Geißmannsdorf hervorbrachen,

ging ihnen das Bataillon Refowski und das Leib - Grenadier - Bataillon entgegen , und beide warfen den Feind wieder in den Wald zurüd ;

dann wurde der Abmarſch nach Biſdoffswerda geordnet fortgeſegt. Bei Biſdoffswerda griff Major v. þiller in das Gefecht ein. Sein

Augenmerk war vorzugsweiſe darauf gerichtet, eine Umgehung nördlich der Stadt zu verhindern und die durch Biſchoffswerda nach lebhaftem

Straßenkampf zurüdweichende Avantgarde aufzunehmen. Sobald Oberſt v . Kaşeler die ganze Avantgarde öſtlich der Stadt vereinigt hatte, feßte er in Echelons den Rüdzug nach Rotb-Nauslik fort. Der Feind folgte nicht über Biſchoffemerda hinaus. Dieſes Gefecht hatte der preußiſchen Avantgarde doch einen Verluſt von 13 Offizieren und 239 Mann todt und verwundet getoſtet.

Auch Graf Pangeron hatte feine Vortruppen von Bühlau bis jenſeit Drebniß zurüdgeführt. Kundſchafter-Nachrichten feßten die Anweſenheit Napoleons außer Zweifel. Der Kaiſer blieb für die Nacht in Hartha. Dag 3te und 11. forps lagerten weſtlich von Biſdoff&werda. Borpoſten ſtanden öftlich der Stadt. Die Diviſion Mardand blieb bei Sdmiebefeld.

Das 5. forps bivouatirte weſtlich von Drebniß und bei Lauterbach. Es idien, als wolle Napoleon abermals die Dffenſive gegen die foleſiſde Armee verſuchen , objdon man nicht wußte, was er

an Unterſtüßungstruppen mitgebracht habe. Saden hatte den Abmarſd zahlreicher Truppen von Großenhayn nad Radeberg gemeldet, wenns gleich fich dieſe Meldung nur auf Kundſchafter - Nadhrichten gründete.

Blüder erwartete deshalb für den folgenden Tag einen überlegenen 16

242

Angriff und beſchloß, ſeinem urſprünglichen Blane getreu, dieſem Stoß auszuweichen. Abend gegen 8 Uhr befahl er deshalb :

,,Die Expedition auf Großenhayn wird aufgegeben. Oberft 3 ürgaß

ſtößt aber zum General Saden bei Mariaſtern, um mit deſſen Korps gemeinſchaftlich auf der Straße nach Baußen zurüdzugehn oder die

Spree bei Nieder- Gurkau oder Alig zu pafſiren. Die Avantgarden der Korp8 von York und Langeron ziehen ſich

auf ihre Gros zurüd, wenn ſie überlegen angegriffen werden . General St. Brieft marſchirt in der Direktion auf Herrenhuth ab und vereinigt ſich in der Höhe von Rumburg mit dem General Rapze witjd."

Baußen wurde alſo der nächſte Vereinigungspunkt für den größten Theil der ſchleſiſchen Armee , unt je nach der Entwidelung der Sach lage am 23. September wollte Blüter von hier aus die weiteren Befehle geben. Am 23. September meldete Rageler :

,, Auf der Höhe vor Biſchoffswerda, den 23. Septbr. 5 Ihr früh. En. Excellenz melde ich gehorſamſt, daß ſich der Feind bis jeßt,

ſowohl in der Stadt Biſcoffswerda wie in ſeinem Lager ruhig verhält; ſeine Stellung iſt dieſelbe , wie am geſtrigen Tage , nur ſind die feind lidhen Borpoſten etwas zur Stadt hin zurüdgezogen worden. V. Kaşeler."

Indeſjen zwiſchen 10 und 11 Uhr Vormittags traten die feindlichen Holonnen unter das Gewehr und der Angriff auf die preußiſde Avant garbe wurde fortgeſett.

Oberſt v. Napeler ließ den Rüdzug auf Roth-Nauslig antreten. Major v. Mlür führte den Nachtrab. Der Feind drängte heftig. Unter beſtändigem Tirailleurfeuer, das waldige Terrain zu einem längeren Widerſtande benußend, widen die Bataillone mit Ordnung und Sicher heit auf Kl. Braga zurüd und wurden hier von der Avantgarde des

Grafen langeron unter General Nudze witſch aufgenommen. Da das Terrain an dieſer Stelle ebener iſt, ſo beſchloſſen Rudzewitſch und Kaşeler einen Offenſivſtoß mit der Kavallerie audzuführen. Acht preußiſche und vier ruſſiſde Eskadrons vereinigten fich. Drei Eskadrons des oſtpreußiſchen National - Kavallerie - Regimente unter Major Graf Lehndorf nahmen die Tete, pafſirten das Defilee vor

Roth - Nausliß und wandten ſich rechts gegen das von feindlicher In fanterie belegte Wirthehaus von Popídiaplik. Eine Estadron umging das Haus finfe , die anderen redte.

Dieſe 3 Esfadrons warfen ſich

nun auf die dahinter ſtehende Infanterie- Maſie, hieben in fie ein und

243 ſprengten ſie vollſtändig außeinander. Was fic retten tonnte, floh nad

Roth - Nausliß. Unterdeſſen war auch der übrige Theil der preußiſch ruſſiſchen Ravallerie aufmarſdirt und attatirte fucceffive drei feindliche Kavallerie- Regimenter, welche zum Sduge ihrer mißhandelten Infan terie herbeigeeilt waren. Die franzöſiſche Kavallerie wurde geworfen und verfolgt. Der Ausfall war vortrefflich gelungen. Nun aber rüdten jenſeit Roth.Nauslig neue Maſien des Feindes

vor , welche ihre geſdılagene Infanterie und Kavallerie aufnahmen und unter dem Sdut ihrer Artillerie das Gefecht wieder zum Stehen brachten . Sageler und Rubjewitſd führten ihre Kavalerie , aufs genommen von der Infanterie, welde das Defilee zwiſchen Roth Nauds

lit und kl. Praga befekt gehalten hatte , wieder in die urſprüngliche Aufſtellung zurüd. Zehn Dffiziere und 320 Mann Gefangene, zum größten Theil Weſtphalen , waren die Trophäen dieſes glüdlichen Sta. valerie - Gefechts.

Der Feind folgte jeßt nur ſehr langſam. Preußen und Ruſſen marſdirten nad Göbau ab. Scon trat die Dunkelheit ein.

Major v. Klür bejezte Göbau mit 4 Füſilier - Kompagnien und ſtellte 3 Jäger - Rompagnien als Soutien dahinter auf. Ungeachtet der

Dunkelheit griff der Feind Göbau mit großer Ueberlegenheit an. Klük räumte das Dorf, blieb aber mit ſeinen Borpoſten dicht vor Göbau ſtehn. Hiermit endeten die Gefechte dieſes Tages.

Raßeler hatte durch dieſelben 6 Offiziere und 172 Mann todt und verwundet eingebüßt ; die Ruſſen im Ganzen 34 Mann. Die Korps von Yort und fangeron bivouafirten linte und rechts der Straße von Baußen nach Weißenberg, nabe bei Baußen. St. Brieſt ging ſüdlich von Baußen bis Wilthen zurüd , ſeine Arriere -Garde bis Neutird ).

Die Generale Rapze witídy und Bubna marſdirten von Neu ſtadt nach Hamspad); fie hatten mit der Diviſion Albert zwiſchen Burdersdorf und Neuſtadt im Gefecht geſtanden . Die Reſultate dieſes Tages ließen Blücher vermuthen, daß Nas

poleon heute nicht bei den Truppen zugegen geweſen wäre. Die weit vorgeſchobenen Teten der franzöſiſchen Armee glaubte er deshalb um

ſo erfolgreicher in ihrer linken Flante angreifen , vielleicht überfallen zu können.

Saden erhielt deshalb den Befehl, von Mariaſtern aus, wo möglich noch durch einen nächtlichen Flanfenangriff, die feindlichen Truppen zus rüdzuwerfen. Allein die ſpäte Ausgabe dieſes Befehle machte ihn nicht mehr ausführbar, und ſo befahl Blü dyer dem General . Saden ben

24. September daß ſein forps vorläufig eine verdedte Aufſtellung 16 *

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bei Pießſchwiß nehmen ſolle, um von dort zu einem Flanken -Angriff vorzugeben. Der Befehl lautete :

,, Þauptquartier Baußen den 24. September. Nachdem durch die bei Ew. Ercellenz zu ſpät eingegangenen Orbres

der beabſichtige Nachtangriff gegen Göbau unthunlich gemacht worden , glaube id , daß die verbedte Aufftellung bei Biepidiwit den Umſtänden

ſehr angemeſſen iſt. Sollte der Oberſt v. Haßeler vom Feinde an gegriffen werden , ſo würde es allerdings von ſehr günſtigem Einfluß ſein , wenn Ew. Excellenz zu dieſer Zeit dem Feinde in die Flante fielen. Nur feßt dies voraus, daß Sie gegen den Feind, der Ihnen bei

Radeberg gegenüber geſtanden , ſo wie durch Trupps nach Elfter und Pulsniß hin , völlig in Sicherheit ſind, ſo daß Sie nicht ſelbſt in Ihre

rechte Flante zur ungelegenen Zeit angegriffen werden tönnen. Bom General Graf St. Brieft iſt bis jeßt nod feine Meldung eingegangen. Der Oberſt v. tapeler iſt der Meinung, daß fich der Haupt- Angriff des Feindes nad nnſerer linken Flanke zu dirigiren deine. Die preußiſche Navalerie unter dem Oberſt v. Jürgaß bleibt für den Angriff auf Gödau zur Dispoſition Em. Excellenz. Blücher."

Haşeler erhielt von dieſem Befehl an Saden Kenntniß , um ihn dem General Rudjewitſch mitzutheilen , und ſo eine allgemeine Uebereinſtimmung des Handelns möglich zumachen . Napoleon batte idon am Tage vorher die Abſicht aufgegeben, die ſchlefiſde Armee über Baußen hinaus zu verfolgen. Die Meldung Ne98 vom 22. September aus Düben , daß die Brüde der Berbündeten an der Müubung der Elſter fertig geworden ſei, mithin der Uebergang der Nord -Armee über die Elbe immer wahrs ſcheinlicher werde, veranlaſſte ihn , von der ſchleſiſchen Armee wieder abzulaſſen. Unter dem Scut der Bortruppen traten die Korps ſuc ceffive ihren Rüdzug an.

Maßeler meldete deshalb : ,,Auf der böhe vor Göbau den 24. September 3 Uhr Nachmittage. Ew. Excellenz verfehle ich nicht gehorſamſt zu melden, daß ſowohl vom General v. Saden wie von dem Grafen St. Prieſt die Nach

richt eingegangen iſt, der Feind ziehe ſich zurüd. Mir gegenüber ſteht der Feind noch. Meine Borpoſten melden indeſſen, daß eine Wa

genfolonne nad Biſchoffswerda zurüdfährt. v. Taßeler.“

Napoleon hatte das bei Baußen ſtehen gebliebene Groß der idleftiden Armee nicht geſehen, ebenſo wenig Macdonald ; dennoch

war der leßtere der Meinung, es habe unmittelbar hinter der Avant

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garbe Rafeler8 geftanden. Um Mittag begann auch das Groß Mac donald's nach Dresden zurüdzumarſchiren. Gegen Abend folgte der Kaiſer von Bartha eben dorthin. Die franzöſiſche Borpoſten blieben noch immer alø Arriergarde ſtehn. Saden hatte die Bofition bei Piegſdwiß eingenommen. Er ſollte auf Blüder Befehl am Nachmittag die Offenſive in der Richtung auf Bogidapliß ergreifen , und ſobald die Tete ſeiner Rolonne ſichtbar werde, auch Kaşeler wieder vorgehn, um ſo den Feind von der Straße

Biſchoffswerda abzudrängen und in das Gebirge zu werfen.

Allein

Saden verſuchte zu ſpät dieſen Befehl auszuführen. Ein unbedeus tender lieberfall um Mitternacht auf Pokichapliß zeigte nur , daß der Feind dort don abmarſdirt ſei. Die Generale Rapzewitſch und Bubna hatten wieder Neuſtadt befeßen tönnen.

Um 25. September meldete Raßeler an yort und Blücher. Auf den þöhen vor Göbau den 25. September Morgeng 4 % Uhr. Bor einer halben Stunde wurde mir noch durch den Major v. Klar gemeldet, daß der Feind ſich in dem Dorfe Götau um das Doppelte verſtärkt habe. Soeben erhalte ich aber eine zweite Meldung , nach

welder ſich der Feind aus dem Dorfe zurüdgezogen hat. Ich habe Bes fehl gegeben, den Feind durch Ravallerie und leichte Infanterie zu vers

folgen und Göbau mit Infanterie zu beſeßen. In Göbau hat der Feind die Wege mit Wagen barrifadirt.

Bon dem Angriff des Korps von Saden gegen den Rüden des Feindes höre ich bis ießt nod Nichts. Vor einer Biertelſtunde fam

ein Offizier der ruffiſden Avantgarde jenes Korp8 ju mir, und theilte mir mit, daß die ruffiſche Savalerie derſelben zum Angriff bereit ſtehe. Ich habe ihm geantwortet, daß wir die ganze Nacht bereit geſtanden

und dieſen Augenblic ſchon längſt erwartet hätten. 0. Kaşeler."

Bei Thumiß wurde die feindliche Arriere - Garde eingeholt und

ſcharf gedrängt. Kaşeler ließ nun den Feind nicht mehr aus dem Auge. Reyber ſchrieb :

„,Auf den Höhen vor Biſchoffswerda, den 25. September 1 Uhr Mittags.

Der Feind hat in dieſem Augenblid Biſchoffewerba nod belegt. Seine Soutiens erkennt man deutlich auf den jenſeitigen Höhen. Wenn

General v. Saden eine Bewegung rechts macht, ſo muß der Feind ſogleich von Biſchoffswerda abmarſchiren . Ich halte ihn im Auge und bin zum Folgen bereit.

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Nadſdrift.

11 Uhr. Es wird mir foeben gemeldet, daß der

Feind Biſchoffewerba und die jenſeitigen Söhen verläßt.

v. Kaşeler." Ferner : ,,Auf den Söhen vor Biſchoffswerda den 25. September Nachmittag 2/2 Uhr.

In dieſem Augenblid verläßt der Feind auch Goldbach). 3c ver

muthe, daß er bis in die Poſition von Schmiedefeld und dem Kapellens Berge zurüdmarſchiren und ſeine Vorpoſten wieder bei Hartha ausſeßen wird. 3d würde dann das Gros meiner Avantgarde bei Biſchoffer werda ſtehen laſſen und nur Ravallerie Feldwachen bis jenſeit Goldbach

vorſchieben . 3d erwarte Em. Ercellenz weitere Befehle. v. & aşeler. "

Alle dieſe Meldungen gingen, wie die obigen, ſowohl an york als an Blücher. Endlich Abends :

,,Auf den Höhen bei Goldbach, den 25. Septbr. 6 Uhr Abende.

Meine Vermuthung hat mich nicht getäuſcht. 3d höre mit Be Aimmtheit, daß der Kaiſer am vergangenen Mittwoch den 22ſten in Hartha bei der Armee eingetroffen war und daſelbſt ſein Nachtlager genommen hatte. Noch am nämlichen Abend ließ er die Civilbehörden

von Biſchoffswerda zu ſich rufen ; ſie wurden jedoch nur zum Maridal Macdonald geführt, deſſen Adjutanten ſie nad den Generalen Blücher, Yort , Langeron , Saden und nach dem Hauptquartier ausfragten. Auf die Erwiederung , das lettere ſei in Baußen , verwunderte man fich, indem man glaubte, am 22 ften wenigſtens gegen ein Armee-Rorps und nicht gegen eine bloße Avantgarde gefochten zu haben. Den 23ſten und 24 ften refognoszirte der Kaiſer die Gegend nad

Neuſtadt zu und die Stadt Biſchoffswerda. Eben wollte er am 24ſten Roth - Nauslig und Bobichapliß rekognosziren , als er plößlich Nach: mittags 3 Uhr auf dem Felde einen Rourier von Dresden erhielt , in Folge deſſen er ſogleich abreiſte und den Befehl zum Rüdzuge gab. Er hatte in Sartha für den 24 ſten eine Tafel von 40 Kouverte beſtellt, die aber plößlid aufgehoben werden mußte. Alle in und um þartha ſtehenden Truppen ſeşten ſich ſchleunigſt auf Dresden zu in Marſch. Der Rüdmarſch der Truppen, welche zwiſden Göbau und Biſdicffe .

werda gefochten, hat nach der Verſicherung der Einwohner von Biſchoff8 werda die ganze Nacht hindurch gedauert. Die Geſammtſtärte des Feindes, der hier in Thätigkeit geweſen, habe id indeſſen nicht erfahren tönnen

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Die feindlichen Borpoſten ftehen noch bei Hartha und die meinigen ihnen dicht gegenüber.

v. Rapeler.“

Blücher befahl im Laufe dieſes Tages, daß General St. Brieft über Neukirch in die Gegend von Biſchoffswerda rüden ſollte und Ger neral Hapjewitſd in die von Schmiedefeld, um dem Feinde von allen Seiten auf dem Fuße zu folgen und nicht aus den Augen zu laſſen. General Bubna erhielt die Direktion auf Stolpen. Dieſe zweitägige Offenſive des Feindes diente jeßt nur dazu , den Rechte - Abmarjd, der ſchleſiſchen Armee um fo ficherer zu verbeđen . General Bennigjen hatte mit der Reſerve - Armee zum größten

Theil bereits Zittau paſſirt; es war daher die ſchleſiſche Urmee nicht mehr an die Aufſtellung bei Biſchoffswerda und Baußen gebunden. Blücher meldete deshalb noch heute dem Könige ſeinen Entſchluß in folgender Weiſe : „ Da die Armee des Generals Bennigjen morgen ihren Marid durdy Zittau vollendet haben wird, und meine Beſtimmung, dieſen

Maríď zu deden , volbracht iſt, jo fange ich meine Rechtsbewegung an , und werde ſuchen über die Elbe zu gehen , um in Vereinigung mit der Armee des fronprinzen den Feind nach der Elbe hin zu ziehen, damit die große Armee ihre Operationen deſto leichter ausführen kann. Der General Graf Bubna und ein kleines Rorps der ſchlefilden Armee werden zurüdbleiben, um den Feind zu beobachten , die Kommu nikation mit Böhmen zu unterhalten und den Feind zu verhindern, gegen

Böhmen oder Schleſien zu operiren. Sollte er indeſſen eine ſo un wahrſdeinliche Bewegung unternehmen , ſo würde ich ihn durch eine Flankenſtellung an der Elſter aufhalten, oder wenn dies nicht hinreichen ſollte, ihn durch einen Marſdı gegen Dresden abſchneiden tönnen .“

Aud dem General Grafen Tauengien gab Blücher Renntniß von ſeinem Entſchluß , um den Kronprinzen von demſelben zu unter richten ; jedoch mit einer Einſchränkung: „Wegen der Elb - Ueberganges bitte ich dem Kronpringen nichts Beſtimmtes zu ſagen , da ich mich jeßt noch nicht binden fann , ſondern nad, Umſtänden handeln muß .“

Wie ſich Blücher den Uebergang über die Elbe vorläufig dachte, entnehmen wir der 3nſtruktion , welche Major Rühle ». filienftern

erhielt, der vorausgeſchidt wurde , um den paſſendſten Uebergangspunkt aufzuſuchen.. Es heißt unter Anderen barin : ,,Es iſt anzunehmen , daß wenn der Feind bei Dresden à cheval der Elbe ſteht, er mit einer zweiten Armee die Gegend von Lommatid

oftupiren wird , ſo daß er von Königſtein bis Torgau Herr der Elbe

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bleibt, und ſich auf dieſer Stređe überall einem Webergange mit Kraft entgegenſeßen tönnte. Die ſchleſiſche Armee würde baber ihren Zwed

verfehlen, wenn ſie dort Verſuche zum Uebergange machen wollte. Dagegen wird der Uebergang zwiſchen Torgau und Wittenberg nicht allein leichter zu bewerkſtelligen ſein , ſondern auch die Freiheit gewähren,

in unglüdlichen Fällen oder bei unvorhergeſehenen großen Bewegungen des Feindes, dag rechte Ufer der Elbe wieder zu gewinnen. Major Rühle bat deshalb die Ufer der Elbe zwiſden Torgau und Wittenberg zu retognosziren , und einen Uebergangspunkt ausfindig zu machen , wo man mit den verfügbaren Bontons , ohne Beihülfe von Flößen und Schiffen , die Elbe pafſiren tann . Ein zweiter Uebergangspunkt muß die Vortheile eines Brüden

topfer der Urt gewähren , daß eine Armee von 50,000 Mann , mit beiden Flügeln an die Elbe gelehnt, eine Schladit gegen eine dreifache Macht mit Vortheil annehmen tann.

Die Strümmung der Elbe , der Mündung der Elſter gegenüber, ſcheint dieſen Vortheil zu gewähren, beſonder: wenn die Sehne des Bogens als Front paſſagere befeſtigt und durch Batterien diefſeite und Jenſeite der Elbe unter Kreuzfeuer genommen wird.

Da jedoch der Feind im Befiß von Torgau iſt, die Einſchließung ſprengen und am rechten Elbufer hinunter marjdiren tönnte , um uns

zum Berlaſſen der verſchanzten Stellung zu nöthigen , ſo erfordert die Borſicht, auch an der Elſter Schanzen zu erbauen , in welchen ſich

20,000 Mann mit Vortheil gegen Uebermadt ſchlagen können. Alle dieſe Verſchanzungen müſſen von den Einwohnern , unterſtügt von der antommenden Infanterie, erbaut werden. 3n 5 Tagen müſſen dieſe Werte ſo weit vollendet ſein , daß man eine Sdladt darin annehmen kann."

Die Einleitung zu dieſem ſtrategiſchen Rechts - Abmaríď ſpracy

Blücher für den 26. September in folgendem Befehl aus : „General Saden marſchirt am 26. September mit Tagesanbruch

über Camenz nach Schwosdorf, auf dem halben Wege nach Könige brüd.

General Yort bricht mit dem Rorp8 um 6 Uhr Morgens auf und marſchirt burd Baußen nach Camenz. Oberſt v. Sapeler über. giebt ſeinen Boſten bei Biſchoffewerda dem General Rudzewitid und rüdt nad Buleniß.

General Graf Langeron marſcirt um 9 Uhr Morgens nach Mariaſtern.

General Rudge witſd übernimmt bis zum Eintreffen

des Generals Grafen St. Prieſt die Poſten des Oberſten Maßeler und marſcirt ſodann auf Elfter.

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General Graf St. Brieſt rüđt in die von dem Oberſt stapeler

inne gehabte Stellung bei Biſchoffswerda ; ſein eventueller Rüdzug geht nad Baußen.

General Kapzewitid nimmt die Stellung des Generals St. Prieſt ein und unterhält wie bisher die Berbindung zwiſchen dieſem und dem General Grafen Bubna.

Dem Grafen Bubna verbleibt die Beobachtung der Gegend von Neuſtadt, die Dedung der Straße über Rumburg und die Erhaltung der Verbindung mit der Böhmiſchen Armee.

Alle rechts von dem Grafen St. Prieſt vorgeſchobenen Avant. garden haben ihr Repli in den Haupttorps, denen ſie angehören. Ges neral Rapzewitſch ſchließt ſich dem General St. Prieſt an. Bei der Ausführung des Red ts -Abmarſcher der ſchleſiſchen Armee

bleibt ein kleines Korps derſelben bei Baußen zurüd , welches nady er folgtem Recht8-Abmarſch der Generale St. Prieſt und Rapzewitd in Gemeinſchaft mit dem General Grafen Bubna , die Sicherung von Schleſien und Böhmen auf dem redyten Elbufer übernimmt.

Das Hauptquartier verbleibt noch einſtweilen in Baußen , um den Feind nicht durch die Veränderung deſſelben aufmerkſam zu machen . Die ruſſiſchen Leinwandpontong reßen ſich direkt von Görlig nach Liebenwerda in Bewegung ." Zum Zurüdbleiben bei Baußen beſtimmte Blü der ben Fürſten

Tjderbatoff mit dem 6. Infanterie-Korps des Korps von Langeron, unter Sutheilung von 5 Eskadrons und einigen Kofaten - Regimentern, zuſammen circa 9,500 Mann. Wich der Feind , ſo ſollte dieſes Rorpe

jur Elbe hin folgen , ging er vor , jo ſtand dem Fürſten die Rüdjuge linie nady Löwenberg und event. über Firſchberg nad Landshut in die dortige verídangte Stellung frei. Doch feste Blücher voraus, daß in einem ſolchen Fall die ſchleſiſche Armee die kürzere Operationslinie auf Dresden bereits benußt haben würde. Die ſchleſiſche Armee 'behielt für ihren Rechts-Abmarſd nod; eine Stärke von 69,000 Kombattanten und zwar :

das Korp8 von Yort ... 26,000 Mann. Saden F

. 14,000

langeron 29,000 wie oben 69,000 Mann .

Rapeler war dem Befehl gemäß am 26. September nach Bulsnik marſdirt und meldete von dort durch Renber :

„ Buleniß, den 26. September, Vormittags 11 Uhr. Ew. Excellenz melde ich gehorſamſt, daß ich nach Pulsniß mit der Avantgarde marſdirt bin , nachdem mid General Emanuel bei Bi.

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ſchoffamerba abgelöſt hatte. Ich habe hier die Vorpoſtenchaine in fol gender Art gezogen :

Redter Flügel : 4 Eskadrons der brandenburgiſchen Ulanen bei AL. Dittmannsdorf.

Mitte : 2 Eskadrons Leib-Huſaren bei Leppersdorf; fie haben bis nahe vor Radeberg detajcirte Boſten . An der Liſiere des Waldes ſteht eine 3äger-Kompagnie, 4 Estabrons oſtpreußiſcher National-Ravalerie

hinter Leppersdorf zum Soutien und ebendaſelbſt die reitende Batterie.

linker Flügel : 3 Eskadrons brandenburgiſche Huſaren bei Kl. Röhretorf; ſte jegen fich links mit dem General St. Brieſt in Ber bindung und detaſchiren vorwärts nach Wallrora gegen Radeberg. Hinter der Mitte bei Buloniß habe ich das Gros aufgeſtellt, bes ſtehend aus der Infanterie und dem Landwehr- Havalerie - Regiment Djerowsky nebſt der Fußbatterie. Der Feind ſteht noch in Radeberg; ſowie er ſich abzieht, werde ich ihm folgen.

Kurz vor meinem Abmarſch von Biſchoffswerda wurde mir gemeldet, daß der Feind die Poſition bei Schmiedefeld verlaſſen und ſeinen Rüd zug angetreten habe.

1. Kaşeler."

Kaşeler hatte alſo hiernach gleich über Pulsniß hinausmarſchiren tönnen. Er refognoszirte Radeberg und meldete: „ Pulsniß, den 26. September Abends 7 Uhr. Ew. Ercellenz melde ich gehorſamſt, daß ich den Feind rekognoszirt

habe. Er ſteht hinter Radeberg, hat die Stadt belegt und ſeine Vor poſten vieſſeits der Stadt ausgeſtellt. Doo habe ich die Stärke des Feindes nid)t beurtheilen fönnen. Meine Patrouillen ſind rechts mit

dem General Waſſiltſikoff und linte mit dem General Borogdin in Verbindung.

1. Maßeler." Sämmtliche Storps führten an dieſen Tage die Befehle Blüders ungehindert aus, und erreichten die ihnen geſtern angewieſenen Buntte. Die Avantgarden meldeten den Rüdzug des Feindes ; auds Rades

berg wurde in der Nacht von ihm verlaffen. Macdonald ſuchte Dress den zu erreichen. Die Garben und diejenigen Korp8 , welche dort zus nächſt eintrafen , verließen größtentheils audy dieſen Mittelpunkt aller

bisherigen ſtrategiſche Bewegungen Napoleons. Nur die Elb - Ueber gänge blieben einſtweilen befeßt. Blü der befahl am ſpäten Nachmittag :

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„Þauptquartier Baußen, den 26. September 1813 . Den 27. September marſchirt das ferpe von Saden bis Schön feld und ſchiebt feine Avantgarde gegen Großenhayn ; -

Das Sorps von Yort bis Strakau, Avantgarde gegen Radeburg ; Das Korps des Grafen Langeron bis Königsbrüd , Avantgarde gegen Dirila.

Das Hauptquartier geht nad Rönigsbrüd. General Graf St. Brieft rüdt von Biſchoffswerda nad Sowog Dorf, General Rapzewitd nach Camenz. Beide Generale laſſen ihre Borpoſten ftehen, bis dieſelben abgelöſt werden , und zwar die des Generals Grafen St. Brieft durch den General Fürſten Tiderbatoff und die des Generale Rapzewitd durch den General Grafen Bubna , in ſoweit dieſer General es nöthig

findet, ſeine rechte Flante durch feſte Poſten oder durch Patrouillen zu fidern.

In Königsbrüd erwarte ich um 2 bis 3 Uhr von den storps von Saden und von Yort Nachrichten über die Stellung des Feindes in der Linie von Radeburg bis Großenhayn , um dann den Offizieren

welche dieſe Nachrichten überbringen , die weitere Dispoſition mitgeben zu tönnen.

Sollte der Feind mit unbedeutenden Kräften bei Großenbahn ſtehen, ſo daß die Avantgarde des Generale v. Saden ihm gewachſen iſt, fo

wird er durch dieſelbe angegriffen, und ihm beim Rüđzuge der möglichſt größte Shaden zugefügt. Sollte er ſtart in oder bei Großenhayn ſtehen, ſo wird er bloß beobachtet.

Das Rorps des Fürſten Ijderbatoff bleibt bei Baußen ſtehen , und unterhält die Verbindung mit dem forps des Generale Grafen Bubna.

Blü der."

Am 27. September meldete Kapeler auf dem befohlenen Marſd nach Radeburg : „Dirilla , den 27. September Morgens 8 Uhr. Nach der Dispoſition vom geſtrigen Tage, die ich in der Nadst ers

halten , habe ich meine Avantgarde vor Tages - Anbrud über Lomniß und Dirila nad Radeburg in Marſd) gelegt.

Rateburg ſoll vom

Feinde bereits geräumt ſein, und dieſer den Rüdzug nady Dresden an getreten haben. Auch wird mir durdy Einwohner mitgetheilt, daß un

gefähr 3000 Franzoſen , die im Lager bei Bermotorf geſtanden , ſich über Morißburg nach Meiffen gewandt hätten. Der Feind ſcheint ſich ganz über die Elbe zurüdziehen zu wollen. In Dresden jou ein großes Strohmagazin gebrannt haben. Man ſagt mir, daß der Partheigänger Major . Faltenbaufen den Feind auf der Straße von Ottersdorf

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nach Dresden bereits verfolge. 30 hätte gewünſcht, daffelbe über Ha

deburg thun zu dürfen , um auch in Dresden , wie in manchen andern Städten , der Erſte zu ſein , welcher Ew. Ercellenz von dort aus eine Meldung machen könnte. v. Kaşeler .“

Wenige Stunden darauf fuhr stapeler fort :

„Radeburg , den 27. September Bormittags 1084 Uhr. Ew. Excellenz melde ich gehorſamſt meine Ankunft hierſelbſt. 3o habe hier folgende Nachrichten geſammelt : 1. Der General Hoeborn hat hier mit 1500 Mann Infanterie, Würtemberger und Franzoſen geſtanden , aber nur 300 Pferde und 3 Geſchüße mit fich geführt. Er iſt geſtern Nachmittag um 5 Uhr nad Doebriß abmarſchirt.

2. Der Feind hat aus der ganzen Gegend alles Vieh zuſammen treiben und nad Dresden transportiren laſſen. 3. Der Brand eines großen Bafer - Magazins in Dresden wird beſtätigt. 3d habe Seiten -Batrouillen links über Morißburg und rechts nach

Großenhayn geſchidt, um Nachrichten über Bewegungen und Stellung des Feindes einzuziehen. Der Offizier welcher nad) Großenbayn pas trouillirt, iſt angewieſen , Em. Ercellenz alles was er erfährt , dirett nach Krafau zu melden. Soeben höre ich von einem Roſaken -Offizier , daß General Was filtfitoff gegen Großenhayn borgerüdt ſei. Ich werde das Groß meiner Avantgarde hier bei Radeburg auf. ſtellen , um die in Königsbrüd und Aratau befindlichen Hauptquartiere zu deden . v. Kaşeler."

A18 die Meldungen ſeiner Rekognoszirung8 -Patrouillen eingingen, fuhr Kaşeler fort.

„ Radeburg, den 27. September Nachmittag8 1/2 Uhr. Major v. Schierſtädt, den ich gegen Gr. Dobriß vorgeſchidt

hatte , zeigt an , daß der Feind dafelbft noch ſtehe, und zwar in der Stärke von 2 - 3000 Mann, Meißen fod verſchanzt ſein. Der Major hält in dem Walde vor Steinbach und hat ſeine Spiße jenſeit des Dorfes vorgeſdhoben .

Rittmeiſter v. Stran ß meldet, daß er bei Bernsdorf eingetroffen ſei und ſeine Vorpoſten bis jenſeit Voltersdorf pouſſirt habe. Er hat

nirgends etwas vom Feinde angetroffen. Die Einwohner behaupten, die franzöſiſchen Truppen bätten fid überall nad Dresden zurüdgezogen. Kleinere Batrouillen ſind weiter vorgeſchidt worden .

253

30 babe biefe Meldung durch Rapitain v. Selafineli auch die

rett an den General v. Blücher geſchidt. Aus der Gegend von Großenhayn hört man eine Stanonade.

V. Kaşeler.“ Endlich am ſpäten Abend :

„Radeburg, den 27. September Abends /29 Uhr. Em. Excellenz verfehle ich nicht gehorſamſt anzuzeigen, daß ich die Borpoſten beritten und mid perſönlich von ihrer zwedmäßigen Auf ſtellung überzeugt habe. Die Chaine iſt nun auch gehörig mit Infan terie befeßt.

In der Stellung des Feindes bei Dobriß iſt bis jeßt noch keine Veränderung eingetreten.

Eine Viertelſtunde diesjeito Dresden ſind die Patrouillen auf feinds liche Tirailleurs geſtoßen, welche die dortigen Waldparzellen und Wein berge befeßt hielten. Ein Mann , welcher heute von Dresden tommt, behauptet, daß er

die Maulthiere und die Equipage des Kaiſers auf dem diesſeitigen Ufer in der Richtung auf Deißen geſehen habe. Auch beſtätigt derſelbe den Brand des Magazins.

Bon Patrouillen , die id nad Großenhayn geſandt , erfahre ich, daß die feindliche Arriere-Garde ídon heute Vormittag dieſe Stadt ver laſſen habe, - und in dieſem Augenblid theilt mir General Waſſilt íditoff mit , daß er eine fränzöſiſche Abtheilung bei Wantewiß an

gegriffen und mehrere Offiziere nebſt 200 Mann gefangen genommen habe.

Nadſdrift 9 Uhr Abends. Es wird mir ſoeben vom Major v. Scierſtädt aus Steinbach, 7

Uhr Abends gemeldet :

Der Feind iſt im vollen Rückzuge auf Meiſſen. Das Lager von Dobriß brennt. Meine Batrouillen folgen dem Feinde Die Kojaten des Generals Waſſilt difoff froßen rechts an

meine Bedetten. Rittmeiſter Weſtphal befindet ſich in Dobriß. Die feindliche Arriere- Garde beſteht nur aus 2 Bataillonen, einigen hundert Pferden und 3 Geſchüßen ."' " v. Rapeler."

General Waſſiltſdikoff hatte in der That am Bormittag dieſes Tages einen ſehr glüdlichen Ueberfall auf die franzöſiſche Kavalleries Diviſion des Generale l'Heritier des 5. Savallerie-Rorps bei Mes deſſen ausgeführt , viele Gefangene gemacht und dann bei Wantewiß

den General Saden abgewartet, der noch an demſelben Abend Großen bann mit dem Rorps befekte.

254

Dieſes glüdliche Kavallerie - Gefecht wurde Veranlaſſung, daß die franzöſiſchen Truppen in der Nacht den Rüdzug nad Meißen antraten.

York führte ſein Korps nady Krakau, Langeron nach Königsbrüd. Fürſt Tiderbatoff ging nach Hartha , Graf Bubna nad Stolpen. 3n Rönigsbrüd erhielt Blücher von dem Grafen Tauengien

aus Liebenwerda (datirt vom 27. September Morgens 8 Uhr) die un angenehme Nachricht, daß der fronprinz von Schweden die bei Elſter über die Elbe geldlagene Schiffbrüde wieder babe abbredhen laſſen

weil ſich auf dem andern Ufer einige feindliche Bataillone gezeigt hätten. Tauenßien wollte hinter der Elſter weitere Anordnungen zu einer ge meinſchaftlichen Operation mit der ſchleſiſden Armee abwarten. Blücher dadite nun an die Wahl eines andern Elbübergangs punttes. Es ſchien dies Mühlberg ſein zu tönnen. Um aber in der Benußung deſſelben durch die Brüde bei Meißen ,

nicht geſtört zu werden, kam es darauf an, dieſe zu zerſtören. Blücher gab deshalb für den folgenden Tag nachſtehende Dispoſition :

,,Den 28. September marſcirt das Korps von York nach El ſterwerda und läßt ſeine Avantgarde nach Großenbayn gehen.

Das Korps des Grafen Pangeron und mit ihm die Generale St. Brieſt und stapjewitid , rüdt nad Ortrand, die Avantgarde nad Königsbrüd.

Das Rorps von Saden unterſtüßt die Unternehmungen ſeiner

Avantgarde , den Feind über die Elbe zu treiben und die Sdsiffbrüđe bei Meißen zu zerſtören , inſofern es der Feind nid)t bereits ſelbſt thut ober idon gethan hat. In dieſem Fall bleibt das Korps von Saden, ſeine Avantgarde vor ſich behaltend, in Großenbayn ſtehen. Das Gaupts quartier tömmt nach Elſterwerba. Blücher."

Hiernady fiel dem Storps von Saden die Aufgabe zu , den weiteren

Rechte - Abmarſch der ſchlefiſden Armee zu deden , und die Benußung des projectirten Ueberganges bei Mühlberg zu ſichern. Rageler meldete am 28. September früh Morgens um 4/2 Uhr, daß er die Dispoſition vom geſtrigen Tage richtig erhalten habe und

ſogleich nach Großenhayn abmarſchiren werde. Er zeigte ferner an, daß Major v. Schent von einer Rekognoszirung , die er am vorher gehendem Tage gegen Dredben unternommen , 20 Gefangene einge bradyt habe.

Major v. S dent hatte aber auch detaillirte Nachrichten über die Verſdanzungen Dresdens eingezogen , und rapportirte über dasjenige, was er geſehen und gehört batte, folgendermaßen :

255

„ Bivouat bei Eiſenberg, den 27. September Abends 9 Uhr :

Bei Berg Gieshübel iſt ein franzöſiſches Korps fichtbar , welches fich ſchon ſeit längerer Zeit bort befinden ſoll. Bei Weiſſig, auf der Straße von Stolpen nach Dredden, gewahrt

man ruſfiſche Wachtfeuer. Ein Poftillion, den ich aufgefangen, ſagt aus, daß ſich Raiſer Napoleon nod in Dresden befinde, aber im Begriff

jei, von dort abzureiſen. Die Garden ſollen ſchon vorgeſtern zur großen Armee abmarſcirt ſein, weldie ſich bei Freiberg und Noſſen aufſtellt. v. Scent."

Dieſen Rapport ſdhidte Haßeler direkt in das Hauptquartier Blüders . Ferner meldete Ataşeler:

„ Großenhayn, den 28. September Mittag8 1/22 Uhr.

11

3d bin mit der Avantgarde in Großenbahn angefommen, finde hier noch in der Stadt und um dieſelbe das Korps des Generale v. Saden

aufgeſtellt und habe deshalb vorläufig auf dem linken Flügel deſſelben bei Milbit Poſition gefaßt. Die Avantgarde des Grafen Tauenßien jod nadı Glaubiß vorgerüdt ſein.

v. fageler.“ In und bei Meißen ſtand nur noch die Kavallerie - Diviſion Dou merc , vor fid) bei Dirida eine Brigade 3nfanterie mit wenigen Ge düßen und einem Ravalerie - Detaſchement. General Waſſiltſdi

toff griff dieſe Truppen an , und warf ſie bis dicht vor Meißen zurüd. General Doumero verließ nun ebenfalls Meißen. Der Weg , den er länge der Elbe ſtromabwärt8 einſdlug , führte aber hart an dem

linken Elb - Ufer zwiſchen ſteilen Felſen und dem Fluß entlang.

An

dieſer Stelle erwartete ihn am gegenüber liegenden Ufer ein ruſſiſches

Detaſchement und ein preußiſches Streifkorps ; ſie tödteten und verwun deten hier über 150 franzöſiſche Kavalleriſten. Waſſiltſchifoff blieb in Okrilla und mit ſeinen Vortruppen vor Meißen ftehn , das Korps von Saden in Großenhayn.

Yort marſchirte nach Elſterwerda, langeron nad Ortrand. Graf Tauenßien empfing ben General Blücher in Elſterwerba, woſelbſt folgende Dispoſition für den 29. September ausgegeben wurde. ,, Den 29. September marſchirt das Rorps von Vort von Elſter werda nad) Gröben (auf dem Wege nach Mühlberg).

Das Korps Graf Pangeron rüdt von Ortrand nach Elſterwerda, deſſen Avantgarde von Königsbrüd nad Drtrand.

Das Korps von Saden bleibt in Großenhavn ſtehn.

256

Die Avantgarde des Korps von Yort marſdirt nad Röderau (Rieſa an der Elbe gegenüber), ſtellt ſich dort verbedt auf und beobs achtet die feindlichen Bewegungen jenſeite der Elbe.

Die Partiſans füllen die Lüde zwijdjen dem Rorps von Saden und den Vorpoften des Fürſten Ilderbatoff aus ; ſie haben die Roms munikation zu erhalten .

Das Hauptquartier bleibt in Elſterwerba. Blüder . "

Um ſich des Uebergangspunktes bei Mühlberg zu bemächtigen, ließ Graf Tauen Bien ſeine Avantgarde, die hinter dem Floßgraben ſtand, ſchon am 28. dorthin abrüden, ſein Gros blieb bei Liebenwerda.

Die abgebrochene Elb -Brücke bei Elſter befahl der Kronprinz ießt wieder herzuſtellen. Raßeler meldete am folgenden Tage :

„ Milbiß bei Großenhayn den 29. September, Morgens 6 '/, Uhr. Em. Excellenz Befehl , nebſt der beigefügten Marſch - Dispoſition von geſtern Abend , iſt mir durch die große Saumſeligkeit des Ordon nanz- Unteroffiziers erſt heute Morgen um 6 Uhr eingebändigt worden. 3ch habe ſogleid, nady Empfang derſelben meine Avantgarde in Bewe

gung geſeßt und die leichten Truppen ſchleunigft auf dem nächſten Wege nad Röderau dirigirt. Von Röderau werde ich nicht verfehlen , Em. Excellenz Rapport abzuſtatten . Aus einem von Dresden her aufgefangenen Briefe , den ich im

Original Sr. Excellenz dem kommandirenden General en Chef eingereicht, babe id; erſehen , daß der Raifer Napoleon am 27. D. M. noch in

Dresden war, und dort über ſeine Garden Revűe hielt. Ein Theil der feindlichen Armee foll don früher auf der Straße von Dresden nach Freyberg abmarſdirt ſein. v. Haşeler. "

Raßeler erreichte Nadimittag & Röderau und meldete von dort :

Röderau , den 29. September Nachmittag8 2 Uhr. Em. Ercellenz melbe ich gehorſamſt, daß id; hier eingetroffen bin und folgende Stellung genommen habe : Meine leichte Kavallerie, ſo wie die Jäger und 2 Bataillone In fanterie ſind nach Grödel , Morit , Promniß , Lefja und Boberſen vers

theilt ; den Major v. Schen habe ich nad lorenzkirchen geſchidt, um den Uebergang nach Strehla zu beobachten , und rechte die Berbindung duro Batrouillen aufzuſuchen. Mittmeiſter Weſtphal rüdte gegen Gohlis vor. Das Groß meiner Avantgarde ſteht hinter dem Wäldchen zwiſchen Röderau und Boberjen .

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Folgende Nachrichten habe ich über den Feind eingezogen : 1. 3n Gohlis ſteht ungefähr eine Eskadron Ravallerie. 2. In Rieſa , welches ſchon ſeit drei Wochen beſeßt ſein ſoll , bes finden ſich c. 300 Mann Infanterie und 1 bis 2 Eskadrong. An der

ſogenannten Kaiſerlinde (nach der Badenbergſchen Karte) ſieht man eine Schanze mit einem Blodhaus nebſt 2 Geſchüßen. Die Schanze wird von der Stadt aus beſeßt. 3. Seute Morgen um 1/26 Uhr ſind von Rieja ein Regiment

Infanterie und 2 Kavalerie - Regimenter auf der Straße nad Strehla und Belgern abmarſdirt. 4. Dicht bei Gröba bat ber Feind in einem Lufthauſe 20 Mann

Infanterie poſtirt, und in Gröba felbſt follen 50 Mann Infanterie ſtehen. Meine Vorpoſten melden mir in dieſem Augenblid , daß das feinds liche Korp8, welches jenſeit der Elbe ſteht, von Meißen herabgekommen

und nach Torgau beſtimmt ſei ; ferner daß geſtern den ganzen Tag über auf derſelben Straße Truppen marſhirt wären ; auch habe man eine lange Wagentolonne in der Richtung auf Torgau geſehen. 3dh bemühe mich, einen Rahn herbeizuſchaffen , um durch Ueberſeßen

einiger Mannſchaften genauere Nachrichten auf dem andern Ufer einzu ziehen ; allein ich fürchte, keinen zu erhalten , denn der Feind hat hier weit und breit die Mähne entweder zerſtört oder nach Torgau geſchafft. v. faşeler." Da Blücher erfuhr , daß die böhmiſche Haupt-Armee anfange, in

Sachſen in der Richtung nach Chemniß vorzubringen , ſo kam es ihm darauf an , ſich nun um jo ſdyneller einen Uebergangøpunkt über die

Elbe ſicher zu ſtellen. Er befahl deshalb dem General Saden von Neuem die ſchleunige Zerſtörung der Brüde bei Meißen und die Bertreibung des Feinder von dem dortigen rechten Elbufer , um dann

ungeſtört bei Mühlberg über die Elbe gehn zu können. Sobald die Meißner Brüde zerſtört wäre, wollte Blüder den General Saden ebenfalls nach Mühlberg heranziehn. Alerdings gelang es dem General an dieſem Tage eine ruffiſde Batterie bei Brajdwiß jo zu placiren, daß ſie die Brüde bei Meißen erreichen und in Brand ſchießen konnte,

ohne ſie jedoch ſchon heute vollſtändig zu zerſtören. Die Franzoſen be hielten Meißen nod auf beiden Ufern bejeßt und ſtellten die unterbros dhene Rommunitation durch eine Fähre her. Saden glaubte auf den Abzug der Bejagung im Laufe der tommenden Nacht rechnen zu dürfen und meldete dies dem General Blücher.

Wichtiger war die Nachricht, welche Graf Lauengien von Lie benwerda her (3 Uhr Nachmittag&) einſandte, daß er nämlich von dem Kronprinzen von Schweden den Befehl erhalten habe , in Eilmärſchen nach Jeffen und Schweiniß aufzubrechen , alſo fich wieder zu ihm hers

anzuziehen. Mühlberg durch Tauenßien von mehren Bataillonen bes 17

258

reits befeßt , bedurfte nun als Ablöſung einer neuen Befaßung, die das Rorp8 ton Yort ſogleich ſtellen fodte. Torgau blieb von dem Generalieutenant v. Wobejer nad wie vor eingeldloffen. Yorf war mit ſeinem Korps in einer Rolonne um 9 Uhr Morgens

aus der Gegend 'von Elſterwerda über Stolzenbahn nach Gröbeln abs marſdirt, und empfing hier erſt ſpät in der Nacht den Befehl zur Bes feßung Mühlbergs. Das Füſilier- Bataillon des 1. oſtpreußiſchen In fanterie - Regimente, gefolgt von einer Eskadron bed medlenburgiſchen Fuſaren-Regiments , mußte ſogleich nad Mühlberg abmarſchiren, traf aber erſt am andern Morgen dafelbſt ein . Pangeron fam , wie befohlen , nach Elſterwerda ; feine Avant Garbe nach Drtrand.

Für den folgenden Tag, den 30. September beſchloß Blücher den drei Korps einen Ruhetag zu geben, einerſeits um die Vorbereitungen zu dem Uebergange bei Mühlberg treffen zu können, anderſeits um die

zurüdgebliebenen Generale St. Prieſt und Rapzewitſch heranzuziehen und ſie wieder mit dem Korps Langeron 8 zu vereinigen . Auch wurden die ruſſiſchen Pontons erſt am 1. Oktober in Liebenwerda erwartet. Am 30. September meldete Rafeler wieder : „Röderau den 30. September Morgeng 1/29 Uhr.

Der Feind fol in Strehla 800 bis 1000 Mann ſtart ſein und 6 Geſchüße mit ſich führen. Ver lorenzkirchen , der Kirche gegenüber, befindet ſich eine Schanze, die nicht mit Artillerie bejeßt zu ſein deint; jedoch zwiſchen der Schanze

und dem Schloß von Strehla ſtehen in dem dortigen Gebüſch einige Kanonen, die das Dorf Porenzkirchen ſehr wohl abreichen können. In und bei Rieſa hat ſich die Stärke des Feinden ſichtbar ver mindert. Es ſind nur nodh wenige Poſten daſelbſt zu bemerken. Ra Dallerie- Batrouillen obferviren vorzugsweiſe den Elbftrom .

Major v. S dierſtädt, der erſt in dieſer Nacht aus der Gegend von Dresden zu mir zurüdgetehrt iſt, hat mir gemeldet, daß nach den

Ausſagen eines glaubwürdigen Mannes , Kaiſer Napoleon vorgeſtern Nachmittags Dresden zu Pferde verlaſſen habe, doch wiſſe man nicht wohin. Seine Equipagen hätten die Direftion auf Leipzig erhalten. Es iſt mir nun dod gelungen , 9 Kähne aufzufinden, weldie ich in Stand feßen laſſe, bemannen will und gelegentlich verſuchen werde, hier. mit Gefangene zu machen. Ich hoffe, dadurch nähere Nadzrichten über Stärke und Stellung des mir gegenüberſtehenden Feindes einzuziehen. D. & apeler." Ueber ſeine Meldungen an den fommandirenden General en chef berichtete saßeler an Vort:

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„ Röderau, den 30. September.

Ew. Excellen ; hochgeehrtes Schreiben vom 29 ften d. Mts. habe ich in der Nacht erhalten und verfehle nicht, darauf gehorſamſt zu erwies bern , daß ich von allem , was ich Em. Excellenz gemeldet , auch immer

dem kommandirenden General en chef gleidlautend Anzeige gemacht babe; dagegen habe ich aber audy nie bem tommandirenden General

Etmas angezeigt, was ich nicht gleichzeitig Ew. Ercellenz gemeldet hätte.

v. Rapeler."

Ferner in Folge des Abmarides des Grafen Tauenßien : „ Röderau, den 30. September.

Durch den Grafen Brandenburg , der heute hier war , habe ich noch vor dem Empfang des betreffenden Schreibens Ew. Excellenz den Abmarſch des 4. Preußiſden Armee- Sorps aus der hieſigen Gegend erfahren. Um daber die Kommunikation mit den Truppen Em. Excellenz

bei Mühlberg zu eröffnen , habe ich ſogleich 1 Offizier und 30 Pferde auf meinem rechten Flügel nach Fichtenberg geſchidt; ebenſo habe ich lints 1 Dffizier und 30 Pferde nad Merſchwiß geſendet , um von hier gegen Meißen zu patrouilliren. Sobald ich von dieſen beiden Offizieren Rapporte erhalten , werde ich nicht verfehlen , dieſelben Em. Excellenz gehorſamſt vorzulegen. v. Safeler."

Bon der ſchlefilden Armee wiſſen wir bereite , daß ſie an dieſem Tage ſtehen blieb.

Saden meldete von Meißen her, daß der Feind die dortige Brüde in der Nacht ſelbſt abgetragen habe ; aber der Brüdenkopf auf dem rechten Ufer , welcher aus 2 Redouten beſtehe, die von dem linken Ufer her durch Geldüße beſtrichen würden , ſei noch vom Feinde belegt.

Ein Gefecht um das Dorf Rölln änderte hier in dieſer Sadlage nichts.

Major Graf Brandenburg, vom General Yort nach Mühlberg geſandt, berichtete von dort , daß das Schlagen einer Brüde in den nächſten Tagen nicht möglid ſei , weil es an Mähnen fehle ; man ſei

jedoch damit beſchäftigt, die verſentten aufzuſuchen und aus dem Waſſer beraubzuheben.

Das linte Elbufer bei Mühlberg habe der Feind bejeßt.

Auch Graf Brandenburg beſtätigte den Maríd feindlicher Truppen auf Torgau.

Graf Tauenßien zeigte dem General Blücher an , er wolle heute bei Herßberg ſtehen bleiben und fuhr dann fort : „Wie ich höre , will ber Kronprinz die Brüđe bei Elſter wieder herſtellen laſſen. Sobald Ew. Excellenz den Uebergang bei Mühl. berg bewerkſtelligt haben, werde ich mich beſtreben, bei Elſter überzugeben.

In Verbindung mit Ew. Excellenz tönnte ich dann Torgau auch auf dem linten Ufer angreifen ."

260

Major v. Rühle tehrte am 30. September von ſeiner Elb -Re

togno8zirung zurück. Er hatte allerdings bei Elſter die Brüde abgebrochen gefunden, aber dieſen ' Punkt zum Uebergange der ſchleſiſchen Armee für ſo günſtig erkannt, daß er dem þauptmann Zaborowski den Auftrag ertheilte , ihre Wiederherſtellung nach Kräften zu beſchleunigen. Auch war es dem Major gelungen, in Zerbſt den Kronprinzen von Schweden perſönlich zu ſprechen und deſſen Entſchluß, mit der Norbarmee gleich falls über die Elbe zu gehen , herbeizuführen. In der Vorausſeßung, daß die ſchleſiſche Armee fich auf dem linken Elbufer bei Wartenburg in einer verſchanzten Stellung, vielleicht gegen Napoleon felbft werde zu ſchlagen haben , wollte in dieſem Fall der Prinz mit ſeiner Armee zur Unterſtügung berbeteilen. Uebereinſtimmend hiermit (drieb der Stronprinz an Blüder den 29. September, daß er den Uebergangspunkt

bei Elſter für ſehr günſtig erachte, — daß er die möglichſt beſchleunigte Erſcheinung der ſchleſiſchen Armee auf dem linken Elbufer wünſche, und daß die Forbarmee und ſchleftidhe Armee vereint auf Leipzig ope riren müßten.

Dieſe unerwartet günſtigen Nachrichten und Ausſichten veranlaßten Blücher, den Plan bei Mühlberg überzugehen , ganz aufzugeben und dafür nun den Uebergang bei Elſter beſtimmt zu wählen.

Zu dieſem Zwed gab Blücher für den 1. Ottober folgende Diopoſition:

,, Den 1. Oktober marſcirt das forps von langeron nach Bergs berg , Yort ebenfalls nach Herßberg , Saden nach Mühlberg und macht Miene daſelbſt überzugeben.

Die Avantgarde von Langeron rüdt nad Liebenwerda , die von Yort nach Roßdorf, die von Saden nach Streumen (am Floßgraben). Dar þauptquartier kommt nach Berpberg. Den 2. Ottober paffiren die Rorps von Pangeron und Vort die Elfter und bivouatiren jenſeite 3effen.

Das Rorps von Saden geht nach Bergberg. Die Avantgarden

von Langeron und Yort marſchiren nach Annaburg, die von Saden nady Roßdorf.

Das Bauptquartier tömmt nad 3effen . Die Bontong in liebenwerda ſdhließen fic am 1. Oktober dem

Korp8 von langeron an, und rüden den 2. Oktober nach Elſter. Blü der."

Dem Kronprinzen von Sdyweden zeigte Blü dyer an , daß er den 3. Ditober bie Elbe bei Elſter zu paſſiren gedente , den

4. Dktober wahrſcheinlid ben Marſhall nen in Remberg angreifen , und hierauf bereit fein werbe, auf Düben (an der Mulbe) zur Bers

einigung mit der Nord-Armee zu operiren. Am 1. Ditober zeigte Tauentien an, daß er in Bersberg für die ſchleftíde Armee Blaß machen und nad 3effen marſdiren wolle.

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Er beabſichtigie gleichzeitig, den Brüdenbau bei Elfter ju inſpiziren und darüber zu rapportiren. Blader inſtruirte ihn in Folge beffen aus Berpberg an dieſem Tage. Die Brüden bei Elſter müſſen noch in der Nacht vom 2.

zum 3. Ditober zu Stande gebracht werden. Ich erſuche Ew. Excellenz, den Bau der Schiffbrüde auf alle erſinnliche Weiſe beſchleunigen zu laffen . Dffiziere, welche ich von hier abſchide, werden Sie darin unters ſtüßen . Morgen trifft auch die Pionier -Stompagnie am Punkte des Uebers gange ein.

Damit jedoch auf feine Weiſe das Schlagen der Pontonbrüde in

der Nacht vom 2. zum 3. Oktober geſtört werde , iſt es nöthig , zuvor eine hinlänglich große Maſſe von Truppen auf das andere Ufer hinüber zu ſchaffen . Fehlt es dazu an Schiffen , ſo kann man in der Elſter Floße erbauen , auf welchen die Infanterie zu halben Rompagnien hin: überzuſchaffen iſt. Sobald die Bontong angelangt fint, wird die Ueber. ſchiffung der Infanterie fortgeſeßt. 3ft ſie dann auf dem linten Ufer ſtart genug, ſo müffen die Dörfer Wartenburg und Blebbin fofort angegriffen werden.

Ich hoffe, daß die Zahl unſerer Pontong hinreichen wird , neben der zu ſchlagenden Brüđe für die Artillerie noch eine zweite für die In

fanterie zu erbauen. Dann kann der Uebergang der Armee ſehr ſchnell bewerkſtelligt werden, und es ſoll mir ſehr widtommen ſein, wenn Ew. Excellenz alsdann in der Nähe der foleſiſchen Armee mit ihr operiren mollen .

Ich habe dem Kronprinzen von dieſem Aden Mittheilung gemacht. Blüder."

Aapeler meldete: „ Röderau , den 1. Dktober Morgens 8 Uhr. Der unermüdlichen Thätigkeit des Majors v. Scent verdante id e8, daß 9 verſenkte Rähne aufgefunden und wieder flott gemacht worden ſind.

30 hatte unter Benußung derſelben für die nächſte Nacht einen Ueber. fall auf das andere Ufer projeftirt, von dem ich mir ein unzweifelhaftes Gelingen verſprach. 3n Folge der erhaltenen Dispoſition muß ich nun heute abmarſciren und dieſen Pian aufgeben. 3d werbe aber meinem

Nachfolger, dem General Waſſiltidikoff , die Hähne übergeben, viels leicht führt er den Ueberfall aus. Dennoch thut es mir leid, eine ſolche In dieſer Nacht hat ſich Unternehmung nicht ſelbſt leiten zu tönnen. die Stellung der feindlichen Vorpoſten nicht geändert. Die María. Dispoſition habe ich heute früb 6 Uhr erhalten. Sobald die Poſten eingezogen ſind, wird die Avantgarde nach den Ort ihrer Beſtimmung aufbrecen.

v. Raseler. "

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Nachmittags fuhr sageler fort: „ Roßdorf, den 1. Oktober Nadimittago 3 Uhr.

Em. Excellenz verfehle ich nicht gehorſamſt zu melden , daß ich der empfangenen Marſd) - Diopoſition gemäß mit der Avantgarde hier eins getroffen bin. Meine Vorpoſten habe ich in Alt-Belgern, Stehla, Adel wiß und Rathewiß ausgeſeßt, und laſſe von dort aus die Elbe beobachten .

Links ſtehe ich in Verbindung mit der Avantgarde des Korps vom Ges neral Saden , welche Martinskirchen heſegt hat , und rechts mit den Vorpoſten des Generale v. Wobeſer bei Trieſtewiß . Das Groß meiner Avantgarde ſteht bei Roſdorf, das Dorf vor der Front. v. Raßeler. “

York marſchirte mit dem Rorp8 bis in die Gegend von Herßberg ; Langeron nach Herßberg , ſeine Avantgarde nach liebenwalde. Saden

rüdte mit dem Korp8 nach Mühlberg , Avantgarde nach Streumen . Seine Angriffe auf die Brüde von Meißen hatten nach und nach das ganze 3. franzöſiſche Korps aus Dresden dort hingezogen ; auch bes mühte man ſich, die von den ruſſiſchen Batterien zerſtörte Elb - Brüde wieder herzuſtellen. Das 6. franzöſiſche Rorps eilte unterbeffen don nach Leipzig. Das 5. Korp8 war auf Noßen marſcirt, das 8. Rorp8 auf Frohburg ; bas 2. Rorps theils auf Chemnit , theils ftand es bei Freiberg. Das 1 . und 14. Rorpo ſtanden füblid) von Dresden. Das 11. Korps und die alte Garde befanden ſich noch in und um Dresden. Die junge Garde

war nach Tharand abgerůdt. Ney ſuchte mit dem 7. und 4. Horpå den Uebergang des Kronprinzen von Schweden bei Roslau über die Elbe zu verhindern ; ein Theil des 4. Sorpg hielt Wartenburg befeßt. Das

12. Korps hatte Napoleon aufgelöſt, theile zur Verftärkung des 4. und 7. Korps, theile zur Ergänzung der Befaßung in Dresden. Graf Tau enßien erreichte am 1. Dktober 3eßen und Sdweinig. Die Elb-Brüde bei Elſter hatte noch nicht hergeſtellt werden können,

aber 3 Rompagnien wurden übergeſeßt, die ſich auf dem linken Elb -Ufer unter dem Schuß einer diesfeite ſtehenden Batterie feftfeßten. In War.

tenburg ſtand die württembergiſche Diviſion Franquemont des 4. korpe, welche am Tage vorher hier eingetroffen war, um den etwaigen Dau einer Elb -Brüde zu verhindern. Am 2. Ottober meldete Rapeler : ,,Annaburg den 2. Oktober Nachmittage 3 Uhr. Bufolge der Marſch -Dispoſition bin ich mit der Avantgarde hier angekommen.

Mit meinen leichten Truppen habe ich Deußichen, Bethau, Naun dorf, Lebien , und Schöneiche bereßt. Den General der ruſſiſden Avants

garde Rudzewitid habe ich hiervon unterrichtet, und ihm anheim geſtellt, ſeine Borpoſten weiter rechte auszuſeßen.

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Das Groß der rufftſden Avantgarde iſt noch nicht hier eingetroffen. General v. Wobeſer ſteht mit c. 5000 Mann vor Torgau. 3d bin mit ſeinen Vorpoſten von Deußichen und Bethau aus in Verbindung. v. Kateler."

yorl marjdirte mit der 1. und 2. Brigade, nebſt der Reſerve-Ras vallerie in ein Bivouat nad Hemſendorf an der Elſter; mit der 7. und

8. Brigade nebſt der Reſerve - Artillerie bei Jeſſen über die Elfter und in ein Bivouat zwiſchen 3eſſen und Rebbage. York nahm ſein þaupt.. quartier in Jeſſen. Die Befaßung von Mühlberg traf bei Hemſendorf wieder beim Rorps ein.

Langeron lagerte jenſeit Jeſſen, ſeine Avantgarde bei Annaburg, wo auch stabeler ſtand.

Die Bontons wurden nad Elfter gefahren. Oberſtlieutenant v. Schon ließ daſelbſt mit Aufbietung aller disponiblen Kräfte an der Schiffbrüde arbeiten.

Hauptmann v. Lölhöffel vom Generalſtabe meldete heute aus Elſter dem General Blüder : Durch die größte Anſtrengung des Häpitains Zaborowski

vom Ingenieur - Korps iſt es möglich geworden , deu Bau ſo weit zu fördern, daß die ganze Brüde noch heute vollendet werden tönnte, wenn der hinlängliche Bedarf an Belagſtüden da wäre , und es nicht an dem

nöthigen Fuhrwerk zu deren Beranſchaffung fehlte. Wenn Em. Excellenz befehlen, daß dem Kapitain Zaborow & ti ſdhleunigſt 30 Wagen geſtellt werden, ſo fann die Brüde noch heute fertig werden." Sort , von dieſer Anzeige in Renntniß gefeßt , ließ ſogleich alle verfügbaren Wagen des Korp8 abladen, und ſie dem Hauptmann 3as borowoli nad Elſter zur Dispoſition ſtellen .

Sollte die Aufmerkſamkeit des Feindes durch dieſen Bau nicht zu

ſehr erregt werden, ſo mußte hier ſchnell gehandelt werden. Blüder beſchloß deshalb , das Korps von Yort ſogleich und zuerſt übergeben zu laſſen, und befahl :

„ Hauptquartier Beffen , den 2. Ditober 1813. Em. Ereelenz wollen mit 3hrem Armee- storps morgen den 3. Dis tober früh um 5 Uhr aufbrechen und nach Elfter marſciren. Dagegen

3 Bataillone, welche am nächſten an Elſter ſtehen, marſchiren , nachdem fte einige Stunden gerubt baben, noch heute Abend nady Elſter, woſelbſt fich der tommandirende Difizier bei dem General Quartiermeiſter, Genes

ralmajor v. Gneiſenau , zu melden hat. Bilder."

Pangeron und Saden erhielten den Befehl, von Jeſſen und Berßberg dem forps Yorts nadı Elſter und über die Elbe zu folgen. Sie wurden zurüdgehalten , weil ſie vorzugsweiſe im Stande geweſen wären , burd die ruffiſchen Uniformen den Feind die Anweſenheit der

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ſchleſiſchen Armee vermuthen zu laffen. An den Anblic preußiſder Uni. formen bei Elfter waren die Franzoſen dhon ſeit längerer Zeit gewöhnt. Zar Dedung des Brüdenbaues beſtimmte yort den Oberſtlieutes

nant v. Sjöholm mit dem 1. und 2. Bataillon des 2 , oſtpreußiſchen Infanterie-Regiments und dem Landwehr- Bataillon Filder , nebſt der

68 Fuß-Batterie þuet. Um 6 libr Abende marſcirten dieſe Truppen nad Elfter ab.

Ein Angriff franzöſiſcher Tirailleurs am Abend auf die Schanzen

am linten Elb-Ufer wurde abgewieſen. Dann langten die ruſſiſchen Leinwands Pontons an. Sie wurden ſogleid dazu benußt, oberhalb der Schiffbrüde von ruſſiſchen Pontonieren eine Brüđe ſchlagen zu laſſen ,

während die Pionier-Kompagnien Yorts eifrig an der Vollendung der Sdiffbrüde halfen. Mehrere Batterien (14/2 dem Korps Bülow 8 ger

hörend) hatten ſich ſo auf dem rechten Elb - Ufer placirt , daß ſie die Teten der Brüden wirkſam unter Feuer nehmen konnten. Der Feind empfing noch an dieſem Abend Berſtärkung in Wartens

burg, nämlich die Diviſionen Morand und Fontanelli , gleidfalls zu dem 4. franzöſijdsen forp8 gehörend. Indeſſen hatte Ney keine Ahnung von der Anweſenheit der ganzen ſchleſiſchen Armee auf dem rechten Elb-Ufer bei Elſter; er regte wahrſcheinlich voraus, daß Bülow oder Tauentien hier überzugeben beabſichtigten.

Tauenßien war aber bereits nach Seyda abmarſdirt ; Bülow ſtand vor Wittenberg ; die dwediſdie Armee, das Korps von Winzins gerode und die Diviſion Hirſchfeld bei Roslau und Aden. Tauen : Bien ſollte hinter Bülow weg nad Roswig marſciren. Ney hielt mit dem größten Theil des 7. Korp8 bei Deſſau, Rog. lau gegenüber ; eine Diviſion in Wörlit, eine zweite bei Bitterfeld. So ſtanden die Verhältniſſe am Abend der 2. Ditober8.

Der folgende Tag, der beſondere Ehrentag Yorke und ſeines taps fern Korp8, gab der allgemeinen ſtrategiſchen Sachlage eine ganz neue Wen dung. Der ſeit lange vorbereitete und jeßt zur Ausführung kommende Elb-Uebergang der ſchleſiſchen Armee mußte aud die Nord-Armee von Neuem in Contatt mit dem Feinde bringen. Beider Energie riß den Kronprinzen mit fich fort. Leipzig wurde von jeßt ab das große ſtrategiſche Ziel aller Armeen der Verbündeten.

Rafeler war zwar am 3. Ditober mit der Avantgarde noch zus rü& ; aber er eilte mit Heyber voraus , um an dem Gefecht, deſſen Sanonendonner ſehr bald weithin hörbar wurde, rajd perſönlichen An

theil zu nehmen. Wie dies geldab, werden wir in dem 2. Theil dieſer biographiſden Darſtellung ſchildern.

Drud von E. S. Mittler und & ob in Berlin .

Carl Friedrich Wilhelm von Reyher General der Kavallerie und Chef des Generalſtabes der Armee.

Ein Beitrag jur

Geſchichte der Armee mit

Bezug auf die Befreiungskriege von 1813, 1814 und 1815. 3 weiter Theil.

Von

v. Ollech Generallieutenant.

SH

Berlin, 1869. Ernſt Siegfried Mittler und Sohn , Königlide Hofbuchhandlung. Sodſtraße Nr. 69.

Vorwort.

Durch die Ungunſt äußerer perſönlicher Verhältniſſe iſt die Fortſegung der Biographie des Generals V. Reyher ſeit Jahren verhindert worden . Mit der Herausgabe des erſten Theils beauftragt , habe ich es als eine Schuld an die Armee betrachtet, ein Wert nicht liegen zu laſſen , welches den Zweck verfolgt, noch einmal auf eine der ruhmreichſten Berioden unſerer vater

ländiſchen Geſchichte zurückzublicken. Wie der Anfang dieſer Lebensbeſchreibung ſich ausſchließlich mit den Er lebniſſen des hochverehrten Mannes beſchäftigte, ſo wird auch der Schluß dieſelben in gleicher Einſchränkung zur Darſtellung bringen. Die Mitte da gegen, die Jahre der friſcheſten Kraft und des erſten raſchen Aufſteigens

auf der militairiſchen Stufenleiter , – iſt zu eng verbunden mit den großen Ereigniſſen der Feldzüge von 1813, 14 und 15, um nicht das Recht in An ſpruch zu nehmen, den Rahmen auszudehnen , innerhalb deſſen ſich das Bild Reyher's, des jungen Offiziers, nur in leichter Skizze wiederfindet. Das Beſtreben , den klaren, logiſchen Zuſammenhang der Thatſachen terhalb eines Feldzuges aufzuzeigen , hat die ſtrategiſchen Ueberſichten , die

che Mittheilung

Befehle und Meldungen und die Auszüge aus den

ett Correſpon

ber leitenden Generale der Hauptquartiere her 1*

1

1

Berlin, Drud von E. S. Mittler u. Soun, Wilhelmſtraße 122.

Vorwort.

Durch die Ungunſt äußerer perſönlicher Verhältniſſe iſt die Fortſetzung der Biographie des Generals v. Reyher ſeit Jahren verhindert worden. Mit der Herausgabe des erſten Theils beauftragt , habe ich es als eine Schuld an die Armee betrachtet, ein Wert nicht liegen zu laſſen, welches den

Zweck verfolgt, noch einmal auf eine der ruhmreichſten Perioden unſerer vater ländiſchen Geſchichte zurückzublicken. Wie der Anfang dieſer Lebensbeſchreibung ſich ausſchließlich mit den Er lebniſjen des hochverehrten Mannes beſchäftigte, ſo wird auch der Schluß dieſelben in gleicher Einſchränkung zur Darſtellung bringen. Die Mitte da gegen , die Jahre der friſcheſten Rraft und des erſten raſchen Aufſteigens auf der militairiſchen Stufenleiter , iſt zu eng verbunden mit den großen Ereigniſſen der Feldzüge von 1813, 14 und 15, um nicht das Recht in An ſpruch zu nehmen , den Rahmen auszudehnen, innerhalb deſſen ſich das Bild Reyher's, des jungen Offiziers, nur in leichter Skizze wiederfindet. Das Beſtreben , den klaren , logiſchen Zuſammenhang der Thatſachen innerhalb eines Feldzuges aufzuzeigen , hat die ſtrategiſchen Ueberſichten, die wörtliche Mittheilung der Befehle und Meldungen und die Auszüge aus den wichtigſten Korreſpondenzen der leitenden Generale der Hauptquartiere her 1*

vorgerufen. Der Hiſtoriker wil zurüdtreten und dafür die handelnden Ber. ſonen mit ihren eigenen Gedanken und Worten in den Vordergrund ſtellen. Möchte das auf dieſem Wege gewonnene reiche friegsgeſchichtliche Material der Biographie Reyher's einen um ſo größeren Werth verleihen. Berlin im Juli 1869.

3. Ollecy.

Inhalts -Verzeichniß des zweiten Theils. Seite

Das Treffen bei Wartenburg Berfolgung des Feinbe8

.

Die Schleſiſche Armee bleibt an der Mulde ſtehen Die Schleſiſche Armee verläßt die Mulde und paſfirt die Saale . Die Schleſiſche Armee greift die franzöſiſche Armee im Norden der Stadt Leipzig

an. Schlacht bei Möđern am 16. Oktober 1813 : Ueberſict über die Ereigniſſe bei der Hauptarmee am 16. Oktober. Schlacht bei Wachau . Solacht bei Leipzig, den 18. Oftober

5 11 17 30 66

75

79

Die Soleſiſche Armee verfolgt den Feind bis an den Rhein . Entſtehung des Verpflegung8s Operationsplang für den Feldzug von 1814. Grundſäge

84

c. Das Jahr 1814 .

Die franzöſiſchen Streitkräfte im Januar 1814 . Die Solefiſde Armee geht über den Rhein und avancirt bis Met Ueberſicht über die Operationen der Hauptarmee von dem Rhein bis Langre8 und Chaumont Die franzöſiſchen Streitfräfte zwiſden Moſel und Maas Dperationen der Soleſiſchen Armee von der Moſel bis Brienne. Erſte Vereini

129 131 167 175

gung mit der Hauptarmee. Napoleon's Armee bei Châlons ſur Marne. Solacht bei La Rothière, 1. Februar

Ueberſicht über die Operationen der Hauptarmee von Brienne bis Troyes Die Soleſiſche Armee auf der Straße von Châlons - ſür - Marne über Etoges, Champaubert , Montmirail bis La Ferté - ſous - Jouarre. Offenſive Napoleon's Gefecht bei Champaubert Der 10. Februar . Der 11. Februar.

Treffen bei Montmirail

Der 12. Februar.

Gefecht bei Château Thierry

Der 13. Februar

Der 14. Februar. – Gefecht bei Bauchamps , Janvilliers, Fromentières und Etoges Ueberſicht über die Operationen der Hauptarmee von Troyes bio Provins , Mon terenu unb zurüd nad Troyes. Offenſive Napoleon's

176

211

219 246 256 262 268 273 585

II Seite

Die Soleſiſche Armee marſchirt von Châlons nad Arcis und Méry. Zweite Vereinigung mit der Hauptarmee. Nothwendigkeit der Trennung beider Armeen

305

.

Ueberſicht über die Operationen des preußiſchen 3. Armee - Korps v. Bülow und des rufftſdeu Korp8 v. Winzingerode bis zu ihrer Vereinigung mit 331

der Schleſiſchen Armee bei Soiſſons

Die Schleſiſe Armee überſchreitet die Marne bei La Ferté-fou8- Jouarre ,

rirt am Ourcq gegen die Marſchäde Marmont und Mortier uud mars

dirt nad Soiffon8. Napoleon folgt ihr

359

Ueberſicht über die Operationen der Hauptarmee gegen die Marſchädle Macdonald und Oudinot von Langres bis Troyes. Treffen bei Bar-für-Aube den 27. Februar. Stilſtand der Hauptarmee bei Troyes Das Treffen bei Bar-für-Aube. 27. Februar Die Schleſiſche Armee bricht die Macht Napoleon's nördlich der Aisne. Schlachten bei Craonne und Laon am 7. März und am 9. und 10. März. Na poleon zieht ſich bei Soiſſons über die Aisne zurüd, nimmt Rheims und retablirt dort ſeine Armee Sælacht bei Craonne. 7. März . .

.

.

9. März Solacht bei Laon. Erſter Tag. Zweiter Tag. - 10. März Napoleon verſucht wieder die Offenſive gegen die Hauptarmee. Ueberſicht über

375

378

388 398 407 413

die Operationen der Hauptarmee von Troyes über die Aube bis an die Marne bei Vitry. Wendepuntt der Politit und Strategie Defter reiche. Schlacht bei Arci8-für-Aube, den 20. März

428

Sólacht bei Arcis. 20. März

448

Abzug&gefedt der franzöſiſchen Arrieregarde bei Arcis - für - Aube , den 21. März Dritte Vereinigung der Soleſiſchen Armee mit der Haupt-Armee an der Marne zwiſchen Châlons und Vitry. Marſch der Verbündeten auf Paris. Gefechte bei Fère - Champenoiſe, den 25. März Gefecht bei Fère- Champenoiſe, den 25. März

457

.

464 474

Schlacht bei Paris , den 30. März. Einnahme von Paris. Napoleon dankt ab. Rüdblid auf den Feldzug von 1814 Rüdtehr ins Vaterland

492 502

Zweiter Theil. Fortſeßung des zweiten Abſchnitts. Reyher in den Feldzügen von 1813 , 1814 und 1815.

Das Treffen bei Wartenburg.

As man ſich in dem Hauptquartier Blücher’s au! Gründen, die wir am Schluß des erſten Theils dieſer Darſtellung bereits in ihrer hiſtoriſchen Entſtehung nachgewieſen haben , für den Uebergang der Schleſiſchen Armee bei Wartenburg entſchieden hatte, mußte man für den Zwed der ſtrategiſchen

Ueberraſdung auch ſo raſch handeln, daß eine Refognoszirung des Terrains jenſeits der Elbe, ſelbſt wenn der Feind dieſelbe bis nahe an Wartenburg

heran geſtattet hätte, nicht wohl möglich war. Das diesſeitige Terrain bei dem Dorfe Elſter bot taktiſche Vortheile, welche auf einen ſchnellen , günſtigen Verlauf des Uebergangsgefechtes zu ſchließen erlaubten. Der eingehende Bo gen der Elbe , das überhöhende rechte Ufer , die zwedmäßige Aufſtellung der Batterien, die beſtimmt waren, das jenſeitige Terrain umfaſſend unter Feuer zu nehmen, die bereits vollzogene Belegung des Brüden - Debouchés und der freie große Raum zum Aufmarſch vor demſelben : - das Abes mußte die Brüde, das Defiliren der Truppen und ihre dereinte Gefechtsthätigkeit ſicher

ſtellen , um ſo mehr , da der Feind nicht in der Stärke vorhanden zu ſein idien, die einen nachhaltigen Widerſtand erwarten ließ. Dennoch nahm das Gefecht einen ſehr blutigen Verlauf, der nur aus der Beſchaffenheit des Ter rains und aus der Unfenntniß deſſelben Seitens der Angreifer erflärt wer den kann.

Der Bogen der Elbe , welcher durch die Dörfer 3jerbeda und Elſter,

ſowie durch die Mündung der ſchwarzen Elſter bezeichnet wird , hat als Ge

6

fechtsfront zur Sehne eine Linie von einer halben Meile Länge, deren jüd liches Ende das Dorf Bleddin und deren nördliches Ende der ſteil zur Elbe

abfallende Abhang der Sandberge bildet. Auf dieſer Linie liegt, den Sand bergen näher, das Dorf Wartenburg. Dicht an der Oſt -Enceinte des Dor fes befand ſich damals ein hoher und breiter Damm , der nördlich und ſüd

lich bis zur Elbe reichte, uin Wartenburg und Bleddin gegen Ueberſchwem mungen der Elbe von dem Dorfe Elſter her zu ſchüßen. Dieſer Damm war annähernd ſturmfrei, weil ihm an der Oſtſeite ein todter Elb - Arm (die Streng) vorlag , der namentlich vor Wartenburg und nördlich von dem Dorfe noch heute fo tief iſt, daß er nur auf einem ſchmalen Dammwege und einer höl zernen Brücke paſſirt wird . Erſt ſüdlich iſt es möglich , ihn zu durchwaten. Heut zu Tage iſt der Damm an dieſer Stelle nicht mehr vorhanden. Seit 1842 abgetragen, hat man ihn ein Paar hundert Schritte nach Oſten hin in

ſehr bedeutenden Dimenſionen neu erbaut. Hält man dieſen Umſtand nicht feſt, ſo wird das Gefecht in ſeinem ſpeziellen Verlauf bei der jeßigen Ter raingeſtaltung ganz underſtändlich.

Häufige Ueberſchwemmungen haben in der Ebene zwiſchen dem alten Damm und dem Dorfe Elſter zahlreiche Lachen, Sümpfe und todte Elb -Arme

erzeugt ; auch wurden ſie die Urſache einer ausgedehnten Buſch- und Bäume Vegetation, ſo daß an der Oſtſeite Wartenburgs und Bleddins von Elbe zu Elbe ein breiter Waldſtreifen (zum Theil Pflaumenbäume) ſich hinzog, der die Ueberſicht des Terrains von dem rechten Elbufer her weſentlich hinderte und

faum die Thurmſpigen jener Ortſchaften erkennen ließ. Jeßt iſt auch dieſe Waldſtrede bedeutend gelichtet und der neue Damm hat das Terrain an ſei ner Weſtſeite trocken gelegt. Von dem Dorfe Elſter führten außerdem nur zwei Wege in die Ges fechtsfront: der eine durch einen ſumpfigen Boden nach der Brücke vor

Wartenburg , der andere als Fußweg bis auf den Damm längs der Elbe und dann auf deſſen Krone nach Bleddin. Der ſogenannte Schützberg iſt eine kleine , erhöhte , trodene Ebene , nordöſtlich von Bleddin.

Weſtlich von

Wartenburg und Bleddin iſt das Terrain zwar von Bächen mit ſumpfigen

Ufern durchſchnitten, aber zwiſchen denſelben doch vollſtändig für alle Waffen gangbar.

Der Ort Wartenburg bietet hiernach in der Front nach Oſten zu eine

ſehr ſtarke Stellung , und zwar durch theilweiſe Sturmfreiheit, gedeckte Auf ſtellung der Infanterie, gute Emplacements für Batterien und geſicherte Flügel - Anlehnungen; nur fehlte auch hier die freie Ueberſicht nach dem

Vorterrain. Als General Bertrand die Poſition rekognoscirt hatte , meldete er dem Kaiſer : ,, Das 4. Rorps genügt, um dieſe Stellung zu behaupten

und dem Feinde die Luſt zu nehmen , hier zu debouchiren ." Freilich hatte mertrand und noch weniger Ney und Napoleon eine Ahnung, daß ihon am

'tober bei dem Dorfe Elſter die ganze Schleſiſdhe Armee ſtehe;

man

7

glaubte ſie noch weit zurück, ctwa in der Gegend von Bautzen. Die ſtrate giſche Ueberraſchung war bis hierher ſo vollkommen gelungen , daß man in den auf dem rechten und linken Elb - Ufer ſichtbar gewordenen preußiſchen Truppen nur ein detachirtes Korps zu erkennen glaubte, welches dazu be ſtimmt ſei, durch Uebergang8 -Demonſtrationen die Aufmerkſamkeit des Mar ihale Ney von den Schweden bei Roslau abzulenken . Blücher hatte am 3. Oktober früh Morgens zwei Brücken zur Dispo ſition , nämlich die Schiffbrüde und eine Pontonbrücke von ruſſiſchen Lein wand - Pontons.

Eine Lünette und drei vorgeſchobene Fleſchen bildeten einen

Brückenkopf vor der Schiffbrüce. Einige Batterien , darunter eine 12 pfdge, waren auf dem rechten Elbufer aufgeſtellt.

Von der Aufſtellung des Feindes wiſſen wir, daß die Diviſion Morand als linker Flügel mit 11 Bataillonen und 4 Batterien Wartenburg, die Sand

berge und den vorliegenden Damm beſegt hielt. Auf dem rechten Flügel ſtand die ſchwache württembergiſche Diviſion Franquemont bei Bleddin , hin ter dem Dorf ihre Ravallerie - Brigade , und in der Mitte befand ſich , als

Reſerve zurücgezogen, die Diviſion Fontanelli mit 14 Bataillonen zwiſchen Globig und Wartenburg; unmittelbar bei Globig hielt die Kavallerie- Brigade Beaumont.

In diejer Stellung erſcheint Bleddin als der ſchwächſte Punkt, weil hier

die Zugänglichkeit relativ größer war und von dort aus das ſtärkere War tenburg umgangen werden konnte.

Bertrand ſetzte indeſſen voraus, es werde

ihin leicht ſein , durch die Reſerve - Diviſion Fontanelli einem Vorſtoß des Feindes über Breddin in der Flanke oder in der Front entgegenzutreten .

Der 3. Oktober war ein Sonntag. Ein dichter Nebel verengte den Ge ſichtsfreis. Onciſenau, der ſich ſchon ſeit dem vorigen Abend in dem Dorfe Elſter befand, um unmittelbar nach Vollendung der Brücken die zuerſt ange

kommenen Truppen nebſt dem Detachement des Oberſtlieutenants Sjöholm ,

zum Angriff zu dirigiren ; -- Gneiſenau glaubte zu wiſſen, daß Wartenburg nur ſchwach beſeßt ſei und im erſten Anlauf genommen werden könne. Prinz Carl von Mecklenburg erhielt deshalb den Befehl , den Feind aus Warten

burg zu werfen. Sjöholm defilirte um 64/2 Uhr über die Pontonbrücke mit 3 Bataillonen und einer halben Opfogen Batterie, gefolgt von der 2. und 1 . Brigade , hinter ſich die Reſerve - Ravallerie.

Erſt ſpäter trafen York und

Blücher und die 7. und 8. Brigade nebſt der Reſerve-Artillerie ein. Hatte man aber bis hierher keine genaue Kenntniß des Gefechtsfeldes gehabt, ſo mußte man ſie jetzt unter den Kugeln des Feindes durch ſchrittweiſes Vor

dringen in dem Wald- und Sumpf - Terrain zu gewinnen ſuchen. Sjöholm wurde ſehr bald mit ſeinem ſchwachen Detachement in der Front aufgehalten . Prinz Carl ſuchte mit ſeiner Brigade (der 2.) lange ohne Erfolg einen Weg auf Bleddin zu , um Wartenburg von der Südſeite her anzugreifen. York ließ die 1. Brigade ( Steinmet ) dem Oberſtlieutenant Sjöholm folgen ; es

8

entſtand ein ſehr heftigc8 , von großen Verluſten begleitetes Schüßengefecht vor Wartenburg , ohne nur die Möglichkeit eines Sturmes auf die ſtarke Enceinte zu bieten .

Nach einem dreiſtündigen , reſultatloſen Kampf erkannte York , daß zur Ueberwältigung des Feindes auch die 7. nnd 8. Brigade eingefegt werden müßten und daß nunmehr der Durchbruch bei Bleddin ernſtlich aufzunehmen ſei, erforderlichenfalls auch durch die nachfolgenden ruſſiſchen Truppen. Zur Einleitung und Ausführung dieſer Abſicht ſollte die bei dem Dorfe Elſter zurückgelaſſene 12pfdge Batterie jo weit auf dem rechten Elbufer vor gehen, bis ſie die Stellung des Feindes auf den Sandbergen enfiliren könne ; es wurde ferner die 7. Brigade (Horn) zur Unterſtügung der 1. Brigade (Steinmek) auf deren linkeu Flügel vorgeſchict; die 2. Brigade (Prinz Carl), ießt bereits im Gefecht mit den Württembergern am Schüßberge, erhielt ſieben Huſaren-Eskadrons zur Unterſtügung und den Befehl, den Durchbruch bei Bled din zur Umgehung der rechten Flanke des Feindes zu ſuchen ; die 8. Bri gade ( Hünerbein ) blieb einſtweilen in der Reſerve und zwar auf dem Wege von Elſter nach Wartenburg. Zwiſchen 10 und 11 Uhr Vormittags gab York dieſe Befehle aus. Es war um dieſe Zeit, daß aus Papeler und Reyher auf dem Gefechte

felde eintrafen , während die bisherige Avantgarde über Jeſſen und Hemſen dorff nach Elſter heranmarſchirte. Sie bekamen die Weiſung , ſich mit der

Infanterie der Reſerve-Brigade Hünerbein anzuſchließen ; ſeine Savallerie da gegen nahm Kaşeler gegen Wartenburg vor, in der Erwartung, nach der Er

oberung des Ortes den Feind um ſo ſicherer von hier aus verfolgen zu können. Perſönlich chloſſen ſich Rapeler und Reyher dem Vormarſch der Brigade Horn an , die ſehr bald die Entſcheidung dieſes Tages geben ſollte. Sobald Prinz Carl von Medlenburg die Verſtärkung an Savallerie und Artillerie erhalten hatte, formirte er drei Angriffskolonnen zu zwei Bataillos nen, die in Echelons vom linken Flügel her zu beiden Seiten des Elb-Dam, mes und über den Schüßberg, hier auch mit den Huſaren und den Geſchügen , avancirten. Dieſem Stoß vermochte General Franquemont nicht zu wider ſtehen ; er wich nicht nur nach Bleddin zurüd , ſondern räumte auch nach tapferer Gegenwehr dieſes Dorf. Für Bertrand wäre jeßt der Moment gefommen, die Diviſion Fontanelli zur Unterſtüßung der Württemberger zu verwenden ; allein ſie war nicht mehr disponibel. Das gleichzeitige Vor gehen des Generals Horn zwiſchen dem Prinzen und Steinmetz hatte den General Bertrand veranlaßt, die Diviſion Fontanelli nach Wartenburg hers

anzuziehen und der Brigade Horn entgegenzuſtellen. So blieb Franquemont ſeinem Schidjal überlaſſen. Als Bleddin zwiſchen 1 und 2 Uhr in die

Hände der Preußen fiel, eilte die württembergiſche Infanterie nach Globig, um dort bei der Ravallerie - Brigade Beaumont Aufnahme zu finden. Ehe dies indeſſen auf einem ſüdlichen Umwege über die Leine geſchehen konnte,

hatte Oberſt v. Warburg mit den Huſaren, unterſtütt von der Artillerie, die franzöſiſche Kavallerie bei Globig erreicht, und dort ſo glüdlich attadirt, daß ſie vollſtändig geſprengt wurde, mehrere Offiziere und 200 Mann verlor und ihr die Vereinigung mit Franquemont unmöglich war. Auch feindliche Ge ſchüße fielen in die Hände der preußiſchen Huſaren . Franquemont machte nun aus der Richtung nach Globig Sehrt und ſuchte Schnellin zu erreichen, wodurch er von dem Gefechtsfelde ganz verſchwand. Erſt am dritten Tage gelang es ihm , ſich über Reinharz , Schmiedeberg und Düben hinter der Mulde wieder mit Bertrand zu vereinigen. Brinz Carl von Medlenburg ließ von Bleddin aus die Richtung auf Torgau beobachten und marſchirte mit einem Theile ſeiner Infanterie nach Wartenburg , wohin ihm auch der Reſt folgen ſollte, während hinter ihm ſchon ruſſiſche Truppen unter General Biſtram Bleddin beſeßten und die Huſaren ſich bei Globig zu ralliiren ſuch ten .

Ehe indeſſen der Prinz Wartenburg im Rücken der Franzoſen erreichte,

war auch dort der Feind den vereinigten Angriffen der Brigaden Horn und Steinmeß unterlegen.

Die Brigade Steinmeg hatte durch ihre fortgeſetten ſchweren Verluſte einen harten Stand . Die Brigade Horn , dazu beſtimmt, dieſelbe zu ſoutes niren und zu degagiren, konnte in dem Sumpf- und Wald-Terrain nur lang ſam porrüden, theils gehemmt durch die Diviſion Fontanelli, theils aber auch

gebunden durch die Rückſicht auf den Prinzen Carl. Erſt als der Prinz Bleddin erobert und das rujſiſche Korps Langeron's angefangen hatte , über die Elb -Brüßen zu defiliren, das 8. Infanterie-forps (St. Prieſt) nach dem linken Flügel, das 10. Infanterie - Rorps (Rapzewitſch) nach der Mitte, und Blücher mit ſeinem Stabe ſich bereits auf dem Schüßberge an der Spige

der Ruſſen befand, - erſt da fonnte Horn zur vollen Freiheit eines entſchei denden taktiſchen Entſchluſſes kommen. Drei Bataillone, die er geſchloſſen zur Hand hielt, während die übrigen im Tirailleur - Gefecht verwickelt waren , follten mit dem Bajonnet den Ausſchlag geben , und zwar in der Richtung

über eine lichte, ſumpfige, aber zu durdwatende Stelle, den ſogenannte Sau anger, vor dem Damm ſüdlich von Wartenburg. Horn ſetzte ſich perſönlich an die Spiße des vorderſten Sturm-Bataillons (2. Bataillon des Leib - Re

giments), erſt zu Pferde, dann zu Fuß , als daſſelbe verwundet zuſammen ſtürzte, verbot das Schießen der gejdloſſenen Maſſen , überſchritt den Mo raſt und warf nun mit glänzender Tapferkeit Alles vor fich nieder, was ſich ihm von der Diviſion Fontanelli entgegenſtellte. In wenigen Minuten hatte fich Horn zum Herrn des Dammes gemacht, trefflich unterſtügt durch den Oberſt Welgien mit drei Bataillonen, die gleichzeitig gegen das Südende von Wartenburg vorgedrungen waren.

Der Verluſt des Dammes, der raſch von

preußiſchen Geſchüßen beſet wurde , machte auch den Ort Wartenburg für

die Franzoſen , ungeachtet einiger energiſcher Verſuche dazu , nicht mehr halt bar. Die preußiſchen Bataillone drangen zwiſchen 3 und 4 Uhr Nachmittag

ใน

in Wartenburg ein und warfen die Diviſion Morand hinaus. Die Diviſion Fontanelli hatte ihre taktiſche Ordnung vollſtändig aufgegeben. Prinz Carl von Mecklenburg, der um dieſe Zeit füdweſtlich von Wartenburg angekommen war , nahm die Flüchtlinge mit Kartätſchen in Empfang und nöthigte ſo den

Strom derſelben, im Anſchluß an die Diviſion Morand, in der Richtung auf Wittenberg auszuweichen , wo Bertrand hoffen durfte , die Trümmer ſeines Korps wieder ſammeln zu fönnen. Papeler und Reyher betheiligten ſich auf das lebhafteſte, an der Verfol

gung, die über Dabrun bis Bratau , nahe vor Wittenberg , reichte und mit allen Waffen ausgeführt wurde. Sageler nahm mit ſeiner Kavallerie bis Pratau hin die Spiße der verfolgenden Truppen , und ließ erſt von dem Feinde ab, als die Infanterie nach Dabrun zurückkehrte. Rabeler deckte hier die Avantgarde durch Savalerie - Vorpoſten und ließ durch Reyher Abends

folgende Meldung an York aufſeßen : ,, Dabrun, den 3. Oftober, Abends 84/2 Uhr. ,,Da die verfolgende Infanterie, ein preußiſches Bataillon und einige ruſſiſche Bataillone, von Pratau bis Dabrun zurückmarſchirt iſt, ſo bin ich ebenfalls bis hierher zurückgegangen und habe vor dem Dorfe

Feldwachen ausgeſetzt. Der rechte Flügel meiner Vorpoſten lehnt ſich an die Elbe, der linke Flügel hat Befehl erhalten , die Kommunifation mit den ruſſiſchen Truppen aufzuſuchen. Sobald der Tag anbricht, werde ich mehr vorrücken und den Feind beobachten."

Dieſer ruhmvolle Tag war von den preußiſchen Truppen doch theuer erkauft worden. Das Korps von York verlor todt und verwundet 67 Offi ziere und 2012 Mann, alſo über /6 ſeiner Geſammtſtärke.

Der Verluſt

der Franzoſen beſtand vorzugsweiſe in Gefangenen, von welchen allein 1000 Mann gezählt wurden. Außerdem verlor das ganze Sorps Bertrand's 16 Geſchüte und 74 Fahrzeuge. Am Abend lagerte Yorfs Korps ſüdlich von Wartenburg, den rechten

Flügel an das Dorf gelehnt; links neben ihm das forps von Pangeron, von dein die Reſerve - Ravallerie unter Korff noch an demſelben Tage gegen

Remberg vorgehen mußte und zur Nacht bei Dorna ſtehen blieb, während die Roſacken in Remberg einrückten. Auch nach Trebit , Straße nach Torgau, wurde ein ruſſiſches Ravallerie -Regiment vorgeſchoben . Sacken allein verblieb mit ſeinem Rorp8 noch auf dem rechten Elb -Ufer. Blücher, York und San geron nahmen ihr Hauptquartier in dem Schloſſe zu Wartenburg.

Das fühne Vorgehen und die vortreffliche Zuſammenwirkung, welche die Artillerie an dieſem Tage im engſten Anſchluß an die Infanterie, nament lich bei der Erſtürmung des Dammes , gezeigt hatte , möge es rechtfertigen,

wenn wir bei dieſer Gelegenheit an den kriegsgemäßen Barolbefehl erinnern, den Blücher ſchon am 16. April 1813 bekannt gemacht hatte. Er lautete :

11

Wo es zum Gefecht kommt, verlange ich, daß die Truppen aller Waffen einer Brigade, wie überhaupt einer jeden Truppen -Abtheilung, ſich als Waffenbrüder betrachten und einander nicht verlaſſen , daß

ſie ihre Artillerie als ein Heiligthum anſehen , von deren Erhal : tung die ihrige und ihre Ehre abhängt ; – und fou der Befehlshaber einer Truppe , es ſei Infanterie oder Ravallerie, die das in ihrer

Nähe ſich befindende Geſchüt, es ſei ihr eigenes oder das einer an deren Truppen - Abtheilung, verläßt, ohne daß ſie nicht wenigſtens über die Hälfte ihrer Mannſchaft in deſſen Vertheidigung eingebüßt

hat, vor ein Kriegsgericht geſtellt werden .“ Verfolgung des Feinde 8. Nach dem Uebergange über die Elbe mußte Blücher auf einen Zuſam menſtoß mit den überlegenen Hauptkräften Napoleon's gefaßt ſein. Es kam hierbei vor Allem darauf an , nicht wieder auf das rechte Elbufer zurückge

drängt zu werden , denn von dem feſten Fuß der Schleſiſchen Armee auf dem linken Elbufer hing das Vorgehen des Stronprinzen von Schweden und die Vereinigung mit der Nordarmee ab , ſowie auch die Mitwirkung zu den Operationen der Böhmiſchen Hauptarmee, welche die Direktion auf Leipzig zu nehmen gedachte. Blücher beſchloß deshalb die Anlage eines verſchanzten La gers bei Wartenburg, und zwar in einer ſo ausgedehnten Front, daß in der ſelben möglicherweiſe die ganze Schleſiſche Armee eine Schlacht, auch gegen weit überlegene Streitkräfte, annehmen könne. Der Chef des Ingenieurforps, General Rauch, wurde mit der Ausführung dieſes Baues beauftragt. Nörd lich von Wartenburg auf den dortigen Sandhügeln ſollten drei geſchloſſene Schanzen angelegt, bei Wartenburg, bei Bleddin und in dem Raum zwiſchen beiden Ortſchaften zahlreiche Einſchnitte für große Batterien gemacht werden .

Zur äußerſten Beſchleunigung dieſer Arbeiten erhielt General Rauch ca. 4000 Mann überwieſen , theils preußiſche, theils ruſſiſche Infanterie, die durch re quirirte Schanzarbeiter der Umgegend noch verſtärkt werden ſollten. Blücher ſagte dem General in ſeiner Inſtruktion über dieſen Bau unter Anderem : Die Umſtände, in welchen wir uns befinden , erheiſchen dringend, daß die weſentlichen Beſtandtheile dieſes feſten Lagers in der

möglichſt fürzeſten Zeit zu Stande gebracht werden. Wir machen höchſt wahrſcheinlich entweder ſehr bald einen ernſten Gebrauch davon oder niemals ..

Glücklicherweiſe iſt die leştere Alternative eingetreten. Es genügt uns daher , auf den ſtrategiſchen Zweck dieſes verſchanzten Lagers hiermit hin gewieſen zu haben.

Nach Abzug der Verluſte und der Kommandirten konnte die Schleſiſche

Armee mit ca. 60,000 Mann die Operationen auf dem linken Elbufer am

4. Oktober fortſeßen. Der Kronprinz hatte bereits unter dem vorigen Tage ſeine Bereitwilligkeit ausgeſprochen , ebenfalls über die Elbe gehen zu wollen ; ein Entſchluß, deſſen Ausführung zum 4. Oktober um ſo weniger Schwierig keiten finden konnte , da Marſchau Ney , auf die Nachricht von der Nieder lage Bertrand's, mit dem 7. Rorps die Gegend von Deſſau ſogleich verließ und auf Deligich zurückwich, während Bertrand mit dem geſchlagenen 4. Korps

auf dem Wege nach Oranienbaum , Klipſchena und Göhrau zu erreichen ſuchte. Der abgedrängte General Franquemont beſetzte Düben. Blücher, der vor allem wieder Fühlung mit dem Feinde gewinnen mußte, befahl am 4. Oktober :

Die Avantgarde des Oberſt v. Rapeler läßt Obſervationspoſten vor Bratau zurück und dirigirt ſich gegen Dranienbaum und Gräfen haynchen , um Nachrichten vom Feinde einzuziehen. Ein Detachement geht die Elbe entlang und ſucht gegen Roswig die Kommunikation mit der Armee des Kronprinzen von Sdweden .

Die Avantgarde unter dem Generallieutenant v. Korff pouſſirt nach Düben, welcher Ort zu beſepen iſt, um den Uebergang über die Mulde zu erhalten. Die bei Trebiß aufgeſtellten Detachements rüđen bis Dommißich vor , obſerviren Torgau und ſchiden Detachements von leichter Ravallerie nach Mofrehna auf der Straße zwiſchen Torgau und Eilenburg .

Die Avantgarde des Rorps von Sacen rüdt nach Schmiedeberg und treibt Boſten bis Falkenberg vor.

Um 1 Uhr Mittage rüdt das Korps von York nach Cammsdorf und Rafith ; das Rorps von Graf Langeron nach Dorna ; das Korps von Sachen nach Schnellin.

Das Hauptquartier iſt Remberg.“ Indeſſen die franzöſiſchen Truppen warteten den Zuſammenſtoß mit den Avantgarden der Schleſiſchen Armee nicht ab , ſondern legten ſchon in der Frühe des 4. Oftober ihren Rückzug fort, und zwar Bertrand von Klipſchena über Gräfenhaynchen nach Raguhn, wo ſich das 4. Korps mit dem 7. Korps und dem 3. Kavallerie-Rorps vereinigte, und nun Ney die geſammelten Rorps nach Deligíd führte. Die Mulde- Brüden bei Raguhn und Jeßnig hatte er zerſtören laſſen.

Ebenſo berließ General Franquemont Düben, nachdem auch

er die Brücke daſelbſt abgebrochen, und eilte auf Leipzig zu. In dieſe rüc gängige Bewegung griff Marſchau Marmont mit dem 6. Korp8 und dem 1. Ravallerie -Rorp8 (Patour-Maubourg) von Leipzig her ein ; indem er eine Infanterie - Diviſion und zwei Kavallerie - Diviſionen wieder auf Düben vor:

ſchickte, ſeine Truppen zwiſchen Taucha und Eilenburg zuſammenzog und ſein

Hauptquartier in Eilenburg nahm. Franquemont hatte bei Klegen Halt ge macht. Sehen wir nun, ob und wie dieſe Sachlage zur Kenntniß Blücher'o tam.

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Oberſt Ratler detachirte den Major Scent mit zwei Huſaren - Esta brons nach Wörlit, ließ den Rittmeiſter Steinwehr mit 100 Dragonern vor

Wittenberg , und marſchirte mit der Avantgarde , die Savallerie voraus , um 11 Uhr Vormittags von Dabrun nach Gräfenhaynchen. Hier angekommen , meldete Sageler durch Reyher's Hand : „Gräfenhaynchen, den 4. Oktober, Nachmittag8 4 Uhr. Aller Mühe ungeachtet, habe ich dem Feinde nicht ſo raſch folgen tönnen, als ich es gewünſcht hätte, weshalb ich auch nur 20 bis 30

Nadzügler gefangen genommen habe. Auf meinem Wege hierher be gegnete mir ein verſtändiger Mann , der von Deſſau fommend , mir verſicherte, daß Marſchau Ney in dieſer Nacht von dort in der größten Eile ſeinen Rückzug nach Leipzig genommen habe, und daß der Kaiſer Napoleon in Peipzig ſei. Ich habe eine ſtarke Patrouille nach Ora nienbaum geſandt, deren Meldung ich noch erwarte. In dieſem Au genblic treffe ich hier ein und finde einen ſehr gebildeten Roſaken - Of

fizier, der gut deutſch ſpricht. Derſelbe gehört zuim Rorps des Gene rallieutenants v. Wingingerode und hat heute eine Patrouille von Afen über Deſſau und Oranienbaum hierher gemacht.

Nach ſeiner Ausſage

iſt der Kronprinz ſchon geſtern Abend in Aken erwartet worden , wird aber beſtimmt heute daſelbſt eintreffen. In Deſſau hat der Offizier den Durchmarſch ſchwediſcher Infanterie und vieler Geſchüße geſehen, auch in Dranienbaum nichts mehr vom Feinde gefunden . 3 habe von hier aus ſogleich eine Batrouille nach Raguhn abge ſchickt, und wird inir gemeldet , daß man nach jener Gegend hin einen ſtarken Rauch ſieht, woraus ich ſchließe, daß die dortige Brücke brennt. Binnen vier Stunden hoffe ich hierüber beſtimmten Rapport zu erhalten,

den ſogleich weiter zu befördern ich nicht verfehlen werde. Nach den hier erhaltenen Nachrichten haben alle durchgezogenen Trup

pen, unter denen viele Bleſſirte geweſen ſind , ihren Marſch auf Leip zig genommen.

Das Gros meiner Avantgarde ſteht bei Radis und ich mit den leichten Truppen in und vor Gräfenhaynchen. Die legten feindlichen Truppen ſind heute früh um 10 Uhr von

hier abgegangen , und würde es eine vergebliche Mühe ſein , ſie noch länger zu verfolgen , beſonders wenn es ſich beſtätigen ſollte, daß die Brücke bei Raguhn abgebrannt wäre."

General Rorff fand Düben von Neuem beſeßt. Indeſſen räumten die Franzoſen Abends zum zweiten Mal die Stadt, indem ſie die Muldebrücke nun völlig niederbrannten. Die ruſſiſche Avantgarde des Korps von Lan

geron, blieb in Tornau, nur Rojaken-Regimenter ſtanden vor Düben.

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Die Avantgarde des Korps von Sacken unter General Waſſiltſchifow fam bis Schmiedeberg; ein Theil der leichten Savallerie hatte ſich ebenfalls auf Düben gewandt ; ein anderer war bis in die Gegend von Eilenburg vorausgeeilt und meldete von dort , in Folge eines Rencontre , die Anweſen heit franzöſiſcher Kavallerie, nach Ausſage der Einwohner : des 1. Ravallerie Korps.

Von Dommigich aus ſtreiften Roſafen bis Torgau. York lagerte am Abend bei Rakith , Langeron bei Dorna, Sacken bei Schnellin.

Ohne die Situation vollſtändig aufzuklären, hatten die Avantgarden der Schleſiſchen Armee doch zum Theil wieder Fühlung mit dem Feinde gewon nen . Um klarer zu ſehen , mußte der Vormarſch in der Richtung auf Leip zig fortgefegt werden , um ſo mehr , da auch der Kronprinz in der That ſeine Armee über die Elbe geführt hatte. Es war nämlich am 4. Oktober das ruſſiſche Korps unter Winginge

rode bei Afen über die Elbe gegangen , die Avantgarde bis Röthen, Detache ments bis Radegaſt und Zörbig. Die Schweden paſſirten die Elbe bei Ros lau und blieben bei Deſſau ſtehen , wo der Kronprinz ſein Hauptquartier nahm . Bülow erreichte mit dem 3. Korps über Roswig Roslau ; nur die Brigade Thümen blieb vor Wittenberg zurück. Graf Tauentzien endlich mit dem 4. oder Reſerve - Korps konzentrirte ſich bei Koswig und hatte nur den General Wobejer vor Torgau auf dem rechten Elb - Ufer zurückge laſſen.

Blücher befahl aus Remberg zum 5. Oktober : Die Avantgarde des Rorp8 von Yorf marſchirt auf Mühlbeck. Die Infanterie und Fußartillerie bleiben an der Mulde ſtehen , die Ravallerie geht über und zieht Nachrichten vom Feinde ein. 11

Die Avantgarde vom forps Graf Langeron marſchirt nach Düben, die Infanterie bleibt ebenfalls an der Mulde ſtehen. Die Ravallerie

der Avantgarde, ſowie die der Reſerve - Kavallerie unter dem General lieutenant v . Gorff, ſuchen ſo weit als möglich nach Leipzig vorzugehen. Die Avantgarde des Korps von Sacen marſchirt nach Modrehna, die Ravallerie pouſſirt nach Eilenburg und Wurtzen .

Die Korp8 fochen und ſenden einen Ordonnanz - Offizier hierher , welcher ihnen die Marſchordre überbringen wird.

Um Zeit zu gewin

nen, melden die Avantgarden morgen unmittelbar an mich und an ihre Korp8 -tommandanten ."

Der noch in Ausſicht geſtellte Befehl wurde im Laufe des Vormittags des 5. Oktober8 ausgegeben und lautete :

„ Um 12 Uhr brechen ſämmtliche Korp8 auf. Das Korps von York marſchirt nach Gräfenhaynchen , das Korps von Sacen nach Leipnitz

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(bei Dahlenberg). Vom Rorps des Grafen Langeron rüdt das Korps des Grafen St. Prieſt nach Tornau und Söllichau, der General Rap zewitſch und die Reſerve nach Lubaſt und Panitz. Das Hauptquartier geht nach Düben . " . . Die Schleſiſche Armee rückte alſo auch mit ihrem Gros näher an die

Mulde heran, ohne dieſelbe anders als mit Avantgarden-Ravalerie überſchrei ten zu wollen .

Es lag in dieſem Entſchluß Blücher's eine Vorſicht , welche durch die Nachricht geboten war , daß Napoleon von Dresden her noch nicht in Leip zig eingetroffen jei , mithin auch nicht dort , ſondern auf der Linie Dresden: Leipzig die Hauptkräfte der franzöſiſchen Armee zu erwarten wären. Auf dieſe Weiſe in ſeiner linken Flanke bedroht , mußte Blücher darauf gefaßt ſein, entweder in das verſchanzte Lager bei Wartenburg zurückzukehren oder

ſeine Rückzugslivie dorthin aufzugeben und ſich jenſeits der Mulde mit der Nordarmee des Kronprinzen zu vereinigen. Schleſiſche und Nordarınee blie ben dann näher an Leipzig, fonnten ſchneller zur Kooperation mit der Böh

miſchen Hauptarmee gelangen und durften hoffen , mit vereinter Kraft dem franzöſiſchen Kaiſer Widerſtand zu leiſten. Es kam daher darauf an , für beide Fälle die weiteren Operationen mit dem Kronprinzen zu verabreden,

wozu auch Blücher durch eine Rorreſpondenz aus Remberg vom 5. Oktober in der höflichſten Form den Anfang machte. Napoleon befand ſich noch in Dresden , als er hier in der Nacht vom

4. zum 5. Oftober die Anweſenheit der Schleſiſchen Armee auf dem linken Elbufer bei Wartenburg und den Rückzug Ney's erfuhr. Er ſtellte ſogleich das 6. Rorps und das 1. Ravallerie - forps, ſowie auch das 3. Rorps des Generals Souham unter die Befehle Ney's , indem er dem General Sou

ham anbefahl, fein Rorps von Meißen, Rieſa und Strehla nach Torgau hin zu konzentriren . Ney wurde angewieſen, mit dieſer geſammten Truppenmacht die Schleſiſche und Nordarmee wieder auf das rechte Elbufer zurückzuwerfen.

An die Stelle Souham's wurde Marſchall Oudinot mit der jungen Garde von Dresden nach Meißen dirigirt.

Ney erhielt dieſe Befehle Napoleon's erſt in der Nacht vom 5. zum 6.

Oktober in Delitſch, wohin derſelbe auch die Diviſion Franquemont gezogen hatte, ſo daß nun in der Umgegend von Delitzſch das ganze 4. und 7. Korps vereinigt waren .

Verfolgen wir jetzt die Ausführung der Befehle Blücher's. Zunächſt meldete Kapeler noch aus Gräfenhaynchen , den 5. Oktober, Morgens 54/2 Uhr : Meine Vermuthung hat ſich beſtätigt.

Der Feind hat ſowohl in

Raguhn als in Jeßnitz die Brücken in Brand geſtedt. Erſtere iſt in deß mit Hülfe der Einwohner gerettet worden und ſchon wieder ſo weit hergeſtellt, daß ſie für Kavallerie und Infanterie paſſirbar iſt;

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ob auch für Artillerie, werde ich , ſobald e8 Tag iſt, genauer unter ſuchen laſſen.

Der Major v. Schenk, welchen ich rechts weg (nach Wörlit) zur Unterhaltung der Kommunifation mit dem Kronprinzen von Schweden detachirt hatte , meldet mir , daß Se. Königliche Hoheit geſtern bei Roslau über die Elbe gegangen iſt und ſein Hauptquartier in Deſſau genommen hat. Heute früh wird der Generallieutenant v . Bülow fol gen und nächſtdem der General d. Tauengien bei Roslau übergehen. Der detachirte Rittmeiſter v. Schwanfeld vom Brandenburgiſchen Hu ſaren -Regiment iſt geſtern (von Oranienbaum ) wieder zu mir geſtoßen und hat auf ſeinem Mariche noch Gelegenheit gefunden , 1. Offizier, 21 Fußjäger , 1 Unteroffizier und 8 Huſaren zu Gefangenen zu machen ."

Ferner unmittelbar nach Empfang der Marſch - Dispoſition , abermals

aus Gräfenhaynchen, Morgens 91/2 Uhr : „ Der von Ew. Excellenz empfangenen Marſch - Dispoſition zufolge habe ich die mir untergebenen Truppen ſogleich in Marſch geſeßt. Da ich aber in Erfahrung gebracht, daß bei Mühlbed weder Brüde noch

Fähre vorhanden iſt, auch die Mulde an dieſem Ort nicht durchwatet werden kann , ſo habe ich 3 Eskadrons Huſaren und das Branden burgiſche Ulanen -Regiment unter dem Major v. Stutterheim nach Ra guhn geſchickt, um auf der dort befindlichen geretteten Brüde den Fluß zu paſſiren , dem Feinde nachzufolgen und auf dieſe Art fenntniß von demſelben zu erlangen . Hierdurch glaube ich der Intention Em. Excel lenz zu entſprechen. Mit dem Groß meiner Avantgarde und mit der Artillerie werde ich dem Befehl gemäß bei Mühlbeck Poſition nehmen ;

jedoch frage ich gehorſamſt an, ob etwa nachgeſendete Pontons daſelbſt zu erwarten ſind, indem ich ohne dieſelben dort nicht übergehen könnte. Nach meiner Ankunft in Mühlbeck werde ich Em. Excellenz ſofort wie der rapportiren .“

Dies geſchah Nachmittags 54/3 Uhr aus Neu- Bouch bei Mühlbeck: ,, Der Feind hat das jenſeitige Ufer der Mulde noch beſegt. Ich gab dem Major Graf Lehndorf Befehl, mit dem Oſtpreußiſchen Natio nal - Cavalerie - Regiment durch den Fluß zu ſetzen und die feindlichen 11

Poſten aufzuheben. Allein der Feind zeigte 2 Bataillone und 6 Eska drons ; Graf Lehndorf fonnte daher den ihm ertheilten Auftrag nicht ausführen. Hier bei Pouch befindet ſich eine Fähre, die zwar ziemlich brauchbar, aber flein iſt; ſie faßt nur ein Geſchük. Auch die Pfähle

einer ehemaligen Brücke ſind noch ſichtbar ; ob ſie vielleicht dazu be nugt werden können , an dieſer Stelle eine neue zu ſchlagen , überlaffe ich der Beurtheilung eines Ingenieur - Offiziers. Bei trođener Witte:

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rung jou hier eine Furth durch die Mulde ſein ; iegt, bei dem ange

ichwoltenen Fluß, iſt das Durchſeßen der Ravallerie allerdings mit Ges fabr verknüpft.

Von dem Major v. Stutterheim , der über Raguhn gegen Leipzig vorgegangen iſt, habe ich noch keine Meldung erhalten. In der Richtung nach Düben hört man eine Ranonade ; ich habe Patrouillen dahin abgeſchickt, die aber noch nicht zurüd ſind ."

Die Truppen, auf welche Rageler bei Pouch geſtoßen war, gehörten der Diviſion Dombrowski, mit welcher auch Major Stutterheim zuſammentraf, als er bei Raguhn die Brüde paſſirt und Holzweißig ( füdweſtlich von Bit terfeld) erreicht hatte. Er ging nach furzem Gefecht bis Sandersdorf, eine halbe Meile von Holzweißig, zurück und bivouafirte hier mit ſeinen ſieben E8 kadrons .

Das Rorps von York traf am Nachmittag in Gräfenhaynchen ein . Die Reſerve - Ravallerie wurde auf der Straße nach Mühlbed bis Gröbern vors geſchoben.

Düben, auf dem rechten Muldeufer gelegen , hatten die Franzoſen zwar geräumt , aber ſie hielten den linken Thalrand beſeßt , um die Wiederherſtel lung der Brücke zu verhindern.

A18 indeſſen auch die Infanterie der Avant

garde des Generals Rudzewitſch Düben beſepte , eine Batterie zur Dedung des Brückenbaues auffuhr und einige Koſaken - Regimenter ſchwimmend die Mulde paſſirten , kam es zwar noch zu einem lebhaften Feuergefecht, allein die Brücke wurde vollendet. Langeron führte ſein Rorps nach den befohlenen Punkten Tornau, Sölichau, Lubaſt und Banig . General Sacken zog ſeine Koſaken von Düben wieder an ſich, dirigirte

ſie auf Eilenburg nach Mennsdorf und ließ ſeine Avantgarde bis Wilden hayn vorgehen, Vorpoſten bis Modrehna. Sein Korps ſtand am Abend bei

Reipnit und Dahlenberg. Daß der Feind Eilenburg auf dem linken Muldes Ufer und das gegenüberliegende Dorf Kültichau auf dem rechten Ufer ſtark beſeßt habe, wurde von Neuem beſtätigt. Die ruſſiſchen Detachements vor Torgau wiederholten die Nachricht, daß Napoleon noch in Dresden ſein ſolle.

Die Schleſiſche Armee bleibt an der Mulde ſtehen. Blücher richtete jegt mit Recht ſeine beſondere Aufmerkſamkeit nach Dres den hin , um zu ermitteln , ob Napoleon mit ſeinen Hauptfräften zwiſchen Elbe und Mulde vorgehen oder ſich über die Mulde zurückziehen werde.

Die weiteren Entſchlüſſe ſollten von dieſer Alternative abhängig bleiben. Nur das Vorgehen der Kavallerie der Avantgarden blieb nach der Dispoſition vom 4. zum 5. Oktober , nach Maßgabe des feindlichen Widerſtandes, auch für den 6. Oktober ſelbſtverſtändlich. Beißeft zum Mil - mod

!, 16.00 ,

2

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In Uebereinſtimmung mit dieſer ſtrategiſchen Situation ſchrieb deshalb

Blücher unter Anderem heute , den 6. Oktober , aus ſeinem Hauptquartier Düben an Saden :

Der Feind ſteht uns , etwa eine Diviſion ſtark, hier bei Düben ganz nahe gegenüber und ſcheint unſeren Angriff zu erwarten. Eilenburg iſt gleichfalls ſtark beſeßt. Da die Armee des Kronprinzen von Schweden bereits die Elbe paſſirt hat und mit ihren Vorpoſten

bis in die Höhe von Bitterfeld gelangt iſt, ſind wir in unſerer rech ten Flanke völlig geſichert und unſere ganze Aufmerkſainkeit muß jeßt auf unſere linke Flanke gerichtet ſein. Von den Nachrichten , die ich von Ew . Ercellenz erhalte , hängen demnach die nächſten Bewegun gen der Armee ab .

Bis jetzt wiſſen wir , daß ſich eine bedeutende Macht bei Leipzig geſammelt hat , daß am 3. Oktober der Kaiſer Napoleon mit ſeinen alten Garden noch in Dresden war , daß ſich um dieſe Zeit die gegen

Böhmen aufgeſtellten Korps noch auf ihren bisherigen Poſten befan den , daß aber ſeitdem Truppenmärſche von Dresden nach Leipzig bes merkt worden ſind .

Ew. Excellenz wollen demgemäß mit Ihrem Gros bei Leipniß ſte hen bleiben, dagegen aber Ihre Spigen und Bartiſane ſoweit als mög lich vorſchieben , um ganz genau unterrichtet zu ſein , welche Truppen

maſſen auf der Straße von Dresden nach Leipzig in Bewegung ſind. Das Wichtigſte für ung iſt, zu wiſſen , ob der Kaijer Napoleon eine

bedeutende Maſſe in dem Landſtrich zwiſchen der Elbe und Mulde von Dresden , Freyberg oder Wurzen gegen uns vorgehen In dieſem Fall würde eine ſchnelle Konzentrirung aller unſerer

läßt.

Korps nöthig ſein . Um dieſe aber früh genug zu Stande bringen zu können , muß ich durch Em . Ercellenz bei Zeiten von dieſer Bewegung des Feindes benachrichtigt ſein, und ich baue mit unbedingtem Vertrauen auf Dero zweckmäßige Anordnungen , daß es unmöglich wird , von die ſer Seite her überraſcht zu werden." In ſeiner fortgeſegten Korreſpondenz mit dem Kronprinzen äußerte Blücher: ,, 3ch glaube, daß der Feind die Mulde verlaſſen wird, fobald

er erfährt, daß die Truppen Ew . Königlichen Hoheit in Deligich ange langt ſind. Daun könnte ich ſogleich mit meiner ganzen Ravallerie über ihn herfallen ."

A18 Marſchall Ney den Befehl Napoleons erhalten , auch das 6. und 3. Korps unter ſeine Oberleitung zu nehmen, wollte er zunächſt die Vereini gung dieſer Korps mit dem 4. und 7. Korps bewirken und führte deshalb nie beiden leşteren Korps von Delizich hinter dem bei Eilenburg ſtehenden

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6. Rorps fort nach Wurzen , blieb aber auf dem linken Ufer der Mulde.

Durch dieſen Marſch entzog ſich Ney der unmittelbaren Einwirkung der Nord armee , wie man im Hauptquartier Blücher's auch vorausgeſegt hatte und eröffnete ſich die nähere Verbindung mit Dresden. Marmont zog die Divi fion Dombrowski von Bitterfeld zurück und dirigirte ſie auf Deligich, wäh rend die vor Düben geſtandenen Abtheilungen ſich ihm über Sichepplin in Eilenburg anſchließen mußten . Dann trat er Abend wieder den Rückzug von Eilenburg nach Taucha an , um zunächſt Leipzig gegen die Nordarmee nicht außer Acht zu laſſen und die linke Flanke Ney' zu decken . Das 3. Rorps unter Souham traf an dieſem Tage bei Torgau ein,

hatte aber vorläufig eine Brigade bei Meißen zurückgelaſſen. Napoleon begnügte ſich an dieſem Tage damit, dem Marſchau Dudinot auch das 11. forps unter Macdonald und das 2. Kavallerie - Rorps von Dresden auf Vieißen nachzuſenden. Ihre Stellen ſollten zwei Diviſionen des

14. Korp8 (Marſchau St. Cyr) von Gießhübel her einnehmen ; ſie trafen erſt ſpät in der Nacht in Dresden ein. – Auf Leipzig war, von Würzburg

her, das Obſervations- Korps des Marſchalls Augereau , jejgt ſchon nahe bei Naumburg a. d . Saale, im Anmarſche.

Den Abmarſch des Feindes meldete zuerſt Stapeler aus Pouch bei Mühl bed , den 6. Oktober, Morgens 8 Uhr :

„, Nach der Ausſage eines ſoeben angekommenen Deſerteurs haben diejenigen feindlichen Truppen, welche mir geſtern hier gegenübergeſtan den , aus 4 Infanterie- , 2 Kavallerie - Regimentern und 2 Geſchüßen unter dem General Dombrowski beſtanden und ſind dieſelben heute nach Mitternacht gegen Leipzig hin abmarſchirt. 3ch habe deshalb den

Major Graf Lehndorf durch eine aufgefundene Furth ſogleich dem Feinde zur Verfolgung nachgeſendet. Von dem Major v . Stutterheim erhalte ich die Meldung , daß er geſtern mit ſeinen 7 Eskadrons gegen den Feind, ſeiner zahlreichen 3n

fanterie wegen , nicht8 habe ausrichten können. Ich habe ihm daher aufgetragen , ſich der Art näher an mich heranzuziehen , daß ihm die Avantgarde des Generals v. Borſtell, der ſich geſtern ſchon in Icß nig befand, zur Rechten bleibt. " Von Reyher's Hand geſchrieben, ohne Bezeichnung der Zeit des Abgan ges, wurde aber an dieſem Tage von Kaşeler noch folgende Meldung abge ichidt:

,,Die Mulde iſt ſeit geſtern wieder gefallen, wodurch es mir gelun gen iſt, eine Furth für die Kavallerie aufzufinden. Die hier befind liche Fähre iſt ſo in Stand geſeßt , daß , wenn es befohlen wird , auch Infanterie und Artillerie über die Mulde gelegt werden fann . 2*

In

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deſſen iſt die Fähre nur klein ; ſie faßt höchſtens 100 Mann In fanterie.

Em . Excellenz beehre ich mich dies gehorſamſt zu melden , um bei der zu ertheilenden Dispoſition hierauf Rückſicht nehmen zu können ." 11

Ferner ſpäter :

Aus Bitterfeld erhalte ich ſoeben die zuverläſſige Nachricht, daß geſtern 700 Mann polniſcher Infanterie in Bitterfeld und das 4. pol niſche Ulanen - Regiment in Holzweißig geſtanden. In dieſer Nacht haben ſie ſich jämmtlich gegen Delitzſch auf der Straße nach Leipzig zurückgezogeu ."

In Düben meldete General Rudzewitſch um 2 Uhr Nachmittags , daß den gegenüberliegenden Thalrand , das Dorf Wollaune , verlaſſen Feind der habe und ſich die Mulde aufwärts zurückziehe. General Emanuel folgte dem Feinde ſogleich mit der Ravallerie der Avantgarde , traf ihn bei dem Dorfe Hohen-Prießniß und warf ihn bis Zichepplin zurück. Der Abzug des Fein

des nach Eilenburg wurde bei dem Abgange der Meldung des Generals Ema nuel 6 Uhr Nachmittags erwartet. Durch die Aufmerkſamkeit der Rofafen , welche auf dem rechten Mulde

ufer, Eilenburg gegenüber, den Feind beobachteten, konnte General Waſſiltſchi kow rapportiren, daß feindliche Truppen auch aus der Gegend von Eilenburg nach Wurzen marſchirten.

Wichtiger indeſſen war die Nachricht, welche aus der Gegend von Tor: gau durch den dort fommandirenden General Yuſſeffowitſch vom Korps Lan

geron's abgeſendet wurde , daß nämlich von Meißen nach Torgau zahlreiche Truppenmaſſen in Bewegung ſeien, ſo daß ein Angriff von dort auf die linke Flanfe der Schleſiſchen Armee wahrſcheinlich wäre. Es wurde deshalb um Verſtärkung des Poſtens von Dommitſch gebeten. Gegen Abend ſagten Gefangene beſtimmt aus, daß General Souham mit dem 3. Rorps, 35,000

Mann ſtarf, bei Torgau ſtehe. Dieſe Meldung kam aber erſt am folgenden Tage ins Hauptquartier. In Uebereinſtimmung mit der nunmehrigen Ordre de bataille , nach welcher Saden und nicht langeron den linken Flügel bildete, wurde General

Yuſſeffowitſch durch den Oberſt Rachmanoff vor Torgau abgelöſt und auch die Kavallerie der Avantgarde des Generals Waſſiltſchikow nach Torgau ge wieſen . Von der Nordarmee war Bülow's Korps am 6. Oktober nach Jeß nitz marſchirt; Borſtell mit der Avantgarde auf Bitterfeld, Batrouillen gegen

Delißſch. Graf Tauengien erreichte mit dem Reſerve - Rorps Deſjau, über ſchritt dort die Mulde und lagerte öſtlich der Stadt, mit einem Detachement

in Oranienbaum zur Beobachtung der Straße nach Wittenberg. Schweden und Ruſſen blieben mit ihrem Gros da ſtehen , wo ſie ſich bereits am 4.

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Oktober befunden hatten ; nur war die Navalerie der Avantgarde des Korps von Wingingerode unter dem General Drurf bis Zörbig vorgegangen, Roſa ken -Detachemente bis Halle und Landsberg. Der Aronprinz ſchlug heute dem General Blücher, von Deſſau aus, zu

morgen Abend (7. Oktober) eine perſönliche Zuſammenkunft in Mühlbeck vor, um dort mündlich die weiteren Operationen verabreden zu fönnen. Der 7. Oftober bildet einen eigenthümlichen Wendepunkt in der Anſchau ung, welche man in dem Hauptquartier Blücher’s über die ſtrategiſche Situa tion gehabt hatte. Das fortgeſeßte Stehenbleiben an der Mulde , wenn auch ſehr wohl motivirt, - entſprach weniger dem Charakter Blücher's, als

eine großartige Offenſive, welche die Vereinigung der Schleſiſchen und Nord armee mit der Böhmiſchen Haup mee anſtrebte, um dann, wo es auch ſei, vielleicht in den Ebenen von Leipzig , - dem Kaiſer Napoleon die ent ſcheidende Schlacht zu liefern. Freilich wußte man in Düben am 7. Oktober nicht genau, wo ſich ſämmtliche Kolonnen der Böhmiſchen Hauptarmee befan den . Thatſächlich war die Spige derſelben erſt vor Altenburg angekommen, während die Queue noch in Böhmen bei Rommotau ſtand.

Allein man

durfte doch mit Recht vorausſeßen , ſie ſei nun im Zuge auf Leipzig , und dieſer Zug auf Leipzig hatte ja den ſtrategiſchen Zweck, alle Kräfte zu einem Hauptſchlage gegen Napoleon zn vereinigen. Blücher beſchloß deshalb, am 7. Oktober das Gros ſeiner Armee an die Mulde heranzuziehen , dieſelbe am 8. Oktober zu überſchreiten und in der Richtung auf Leipzig niederzuwerfen, was ſich ihm jenſeit der Mulde entgegenſtellen würde. Freilich war es wün ſchenswerth , den fehr vorſichtigen Kronprinzen ebenfalls in dieſer Richtung mit fortzureißen, indeſſen auch als Reſerve blieb er zu verwerthen, wenn nur ſein Rückzug über die Elbe verhindert wurde. Die Sorge für ſeine ſtrate giſche linke Flanke gedachte Blücher dadurch nicht von ſich abzuſtreifen , aber er ſchob ſie gegen den höheren Zweck in den Hintergrund, in der feſten Vor ausſegung , daß es ihm ſchon gelingen werde , ſich nachtheiligen Chancen zu entziehen, wenn er ſich nur frei mache von der einen über Wartenburg füh renden Rüdzugslinie.

Spezielle Veranlaſſung zu dieſer Beurtheilung der Situation gab die

unzweifelhafte Gewißheit , daß Marſchall Nen das linke Mulde - Ufer bis in die Gegend von Leipzig geräumt habe , der Weg dorthin alſo gewiſſermaßen

vom Feinde freigegeben ſei. Die nun einlaufenden Nachrichten von Torgau her fonnten die Aufmerkſamkeit auf Leipzig nicht ſogleich wieder in eine andere Bahn lenken .

Hören wir zunächſt einen Theil der betreffenden Meldungen.

Kaşeler ſandte den 7. Oktober, Morgens 8 Uhr, die Meldungen ſeiner detachirten Kavalerie ein : ,, Em. Excellenz beehre ich mich in der Anlage zwei Meldungen, die ich

ſo eben von meiner über die Mulde vorgeſchicten Ravallerie erhalten habe,

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gehorſamſt zu überſenden. Auch der Major v. Stutterheim beſtätigt durch eine in dieſem Augenblick eingehende Meldung , daß der Feind Delißich verlaſſen hat."

Die erſte Beilage war vom Major Graf Lehndorf und betraf ſeinen Verfolgungs-Ritt vom vorigen Tage. Sehlhauſen den 7. Oktober, 6 Uhr Morgens. Ich habe geſtern Abend in Sauſedlig fein feindliches Detachement

mehr angetroffen. Es hatte ſich eine Stunde vor meiner Ankunft von hier abgezogen. Eine Patrouille, die ich in der Richtung auf Wellaune bis Tiefenſee vorſchickte, meldete mir , daß ein franzöſiſches Ravallerie - Biquet

im Abzuge, die Mulde aufwärts , begriffen und auch Wellaune frei ſei. Ich ſchloß daraus, daß die ganze Gegend vom Feinde verlaſſen werde, und detachirte deshalb den Rittmeiſter v. Szerdahely mit 14/2 Esfadrons nach Badrina , zwiſchen Düben und Delißich gelegen , um von dort aus die

Straße von Düben nach Leipzig zu beobachten. Der Rittmeiſter hat die fen Auftrag ausführen können , und überſende ich hiermit einen ſo eben von ihin eingegangenen Rapport.

Ich ſelbſt ging mit der 4. Esfadron bis

Wannewit , und da ich auch hier nichts vom Feinde fand , ſo ichidte ich den Rittmeiſter d. Barnekow noch in der Nacht ebenfalls gegen die Straße Düben Leipzig bis Goumenz bor.

Von derſchiedenen Seiten höre ich, daß

der größte Theil der feindlichen Truppen den Weg auf Eilenburg genom men haben ſoll."

Der beiliegende Rapport des Rittmeiſter8 v. Szerdahelly lautete : ,, Ich habe vergeblich den Feind aufgeſucht. 3ch ſtehe in Badrina und

habe eine Batrouille über die Straße Düben - Leipzig bis Wölfau vorge ſchickt. links ſtehe ich in Verbindung mit den Roſaken des Korps von Langeron. Von rechts her erfahre ich , daß der Feind Deligich verlaſſen hat. Es ſcheint ſich alles auf Eilenburg zurüdzuziehen. Der Feind das ſelbſt wird auf 40,000 Mann angegeben ."

Aber auch der Abzug des Feindes aus Eilenburg blieb in Blücher's Hauptquartier nicht unbekannt. General Emanuel meldete heute (7.) Mor gens 9 Uhr aus Zichepplin , daß jeine Koſaken Eilenburg beſegt hielten ; die Mulde-Brüde daſelbſt ſei zerſtört; er werde den Feind nach Leipzig hin der folgen .

Auch nach Wurzen zu waren Stojaken bereits in Bewegung.

Zu ſeiner Offenſive in der Richtung auf Leipzig wünſchte Blücher auch die indirekte Mitwirkung des Fürſten Stſcherbatow , den er mit einem Obſer vationskorp8 auf dem rechten Elbufer , Dresden gegenüber , zurückgelaſſen hatte.

Er ſchrieb deshalb am 7. aus Düben an ihn : „ So eben erhalte ich den Rapport, daß der Feind ſich von Eilenburg

auf Wurzen abzieht. Meine Vorpoſten erſtrecken ſich bis gegen Schilda

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und Wurzen. Auf der anderen Seite rückt die Armee des Kronprinzen von Schweden über Landsberg gegen Halle und Leipzig vor. Der þett man Blatom macht die Verbindung zwiſchen dem Kronprinzen und der

großen Armee , die bis Chemnitz und gegen Altenburg vorgedrungen iſt. Jeßt könnte der Augenblick eintreten, wo Raiſer Napoleon mit ſeiner gan zen Macht von Dresden aufbrädhe und nur eine Garniſon in dieſem Ort zurückließe. Sowie Em. Erlaucht dieſes wahrnehmen ſollten , erſuche ich Sie, ſogleich rechts abz umarſchiren , um zwiſchen Meißen und Torgau irgendwo einen Uebergang über die Elbe zu verſuchen , nachdem Sie ein Baar Tauſend Mann auf der Baugener Straße zurückgelaſſen haben. ... Auf dem linken Elbufer werden Sie Gelegenheit finden, den feindlichen Sto lonnen in den Rücken zu operiren und ſich an meinen linken Flügel anzu

ſchließen. Zugleich wollen Em. Erlaucht hiervon den Feldmarſchal -Lieute nant Grafen Bubna in Renntniß feßen und ihn einladen , falls er nicht einen anderen für ihn bequemen Uebergang bewerkſtelligen fann, auf dem ſelben Wege 3hrem Rorps auf das linke Elbufer zu folgen.

H.-Q. Düben, 7. Oktober 1813. “ Wie ſo ganz anders dachte ſich aber der Kronprinz von Schweden bei

gleichen Vorausſegungen die nun zu ergreifenden Maßregeln. Er ſprach ſich noch an dem heutigen Vormittage ſchriftlich an Blücher unter anderem in · folgender Art, von Deſſau her, darüber aus : ,, 3ch habe noch keine beſtimmte Nachricht, daß der Kaiſer Dres

den berlaſſen habe. Seine Hartnädigkeit, mit welcher er dort ſtehen bleibt, läßt vorausſetzen , daß er einen verzweiflungsvollen Schlag beabſichtige. Innerhalb 24 Stunden müſſen wir ſeinen Entſchluß erfahren. 3ch glaube, wir müſſen derart auf unſerer Huth ſein , daß wir es vermeiden , de lui

donner aucune espèce de prise ( - das heißt, wir müſſen einem Zu ſammenſtoß mit ihm unter allen Umſtänden ausweichen ). ... Ich ver muthe, daß er 3hren linken Flügel angreifen wird." Wir wiſſen bereits , wie Blücher ſeinen linken Flügel feinen Augenblick

außer Acht ließ. Als daher um die Mitte des Tages General Yuſſeffowitſch aus Langen -Reichenbach (von 5 Uhr Morgens ) meldete, daß das 3. franzö fiſche Rorps unter General Soubam bei Torgau angekommen ſei , befahl Blücher dem Grafen Langeron , das Rorps des Generals sapzewitſch und die Reſerve unter dem General Dljumiem ſofort nach Schmiedeberg abrücken

zu laſjen , um daſelbſt den General Sacen unterſtützen zu fönnen , der ſich bereit halte , dem Feinde das Vordringen auf der Straße von Torgau nach Pretích zu verwehren. Sacen wurde noch ſpeziell auf eine Verſtärkung des Boſtens von Dommitſch aufmerkſam gemacht. Die Bewegung Souham's ſchien aber noch an demſelben Tage eine ent gegengeſegte Direktion zu nehmen , denn es wurde freilich von Eilenburg

her – durch General Lukoffin der Abmarſch des 3. Rorpe don Torgau nach

Schilda (Straße nach Wurzen) gemeldet.

Blücher befahl dem General

Sacen, dieſen Bunft aufzuklären, und wies den General Wobeſer, der, vom

Rorps des Grafen Tauengien, noch auf dem rechten Elbufer vor Torgau ſtand, an, ſich zur Deckung der Elbbrücken bei Elſter nach Jeſſen zu ziehen , wenn der Feind mit überlegener Macht aus Torgau debouchiren ſollte. Die Meldungen am Nachmittage , welche von Waſſiltſchifow und Sacen eingingen , konſtatirten die Märſche franzöjiſcher Nolonnen von Dahlen , Bel gern und Torgau auf Schilda , die man ſich aber in Verbindung mit einer Bewegung auf Wurzen dachte, zu deren Dedung auch die Dörfer fangen Reichenbach , Wildſchüß und Schöna vom Feinde befekt worden ſeien. Daß bei Wurzen, Taucha und Leipzig feindliche Truppen noch ſtänden, hatte man gleichfalls durch Rundſchafter erfahren. Die eigentliche Abſicht Napoleon's war hierdurch noch nicht feſtgeſtellt. Als deshalb Blücher am Abend in Mühlbeck die perſönliche Zuſammenfunft

mit dem Kronprinzen von Schweden hatte , hielt er ſeine Abſicht, Offen five über die Mulde in der Richtung auf Leipzig , zur Vereinigung mit der großen Böhmiſchen Armee feſt. Blücher hoffte dieſe Vereinigung bewerkſtelligt zu haben , bevor Napoleon ihn mit ſeinen Hauptkräften von Dresden her treffen fönne.

In dieſer Vorausſegung ſollte die Schleſiſche

Armee am 8. hart an dem rechten Mulde- Ufer verſammelt werden und am

9. diefelbe nach Leipzig hin überſchreiten. Der Aronprinz konnte dieſe Abſicht Blücher'8 nicht hindern ; indeſſen er war weit entfernt davon, das Gros ſei jeden Alu ner Armee, welches noch immer vorſichtig nahe der Elbe hielt, ebenjo raſch genblick bereit , wieder auf das rechte Ufer hin auszuweichen , gegen Leipzig vorrücken zu laſſen , wie es Blücher wünſchte. Nur im Re ſerve - Verhältniß wollte er Blücher's linke Flanke , wenn derſelbe die Mulde überſchritten haben würde , nach Eilenburg hin mit lavallerie deđen . Blücher befahl nun von Düben aus für den 8. Oktober :

Das Corps von York marſchirt nach Mühlbeck und Pouch, deſſen Avantgarde nach Sauſedlig.

Das Rorp8 Graf Langeron nach Düben , deſſen Avantgarde nach Vorwerf Preſen. Es werden zwei Pontonbrüden , rechts und links der Stadt Düben, geſchlagen .

Das Rorps von Sacen nach Mockrehna , deſſen Avantgarde nach Eilenburg , woſelbſt die Brücken ſchleunigſt herzuſtellen und für Geſchüß fahrbar zu machen ſind.

Das Hauptquartier bleibt in Düben , wohin Ordonnanzoffiziere von jedem Korps zu ſenden ſind. Torgau wird durch ein Ravallerie- Detache ment des Saden'ſchen Rorpe obſervirt."

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In Mühlbe hatte Blücher ebenfalls den Bau einer Brücke befohlen, ſo daß alſo am 9. Oktober die Armee an drei Bunkten : Mühlbeck, Düben

und Eilenburg die Mulde hätte überſchreiten können , wenn die ſtrategiſche Situation ſich bis dahin nicht weſentlich änderte. Für die Operation jenſeits der Mulde inſtruirte Blücher:

,, Die Avantgarden bleiben des erlaubt

wenn es die Stellung des Fein

nach dem Terrain eine Stunde bis zu einer Meile vor

den Rorps. Steht der Feind in einer Poſition, dergeſtalt, daß die Avant garden nicht ohne Angriff vor der Front bleiben können , ſo treten ſie in die Rorp8 ein. Die leichte Ravallerie bleibt am Feinde. Wenn der .

Feind dieſſeits Leipzig eine Schlacht anbietet, ſo wird er am 10. Oktober von der Armee des Kronprinzen von Schweden (?) und der Schleſiſchen

Armee gemeinſchaftlich (?) angegriffen. Die Korps haben ſich daher auf eine Schlacht vorzubereiten. Alle Bagage bleibt auf dem rechten Ufer der Mulde. Nur ſoviel Lebensmittelwagen , als auf einen Tag nöthig ſind, folgen den Kolonnen. .. Zwei Ordonnanzoffiziere von jedem Korp8 haben ſich in dem Hauptquartier einzufinden." Die Meldungen , welche in der Nacht vom 7. zum 8. Oftober in Dü ben einliefen , beſtätigten die Anſammlung franzöſiſcher Truppen bei Schilda und die Bewegung feindlicher Rolonnen von Strehla über Dahlen nach Wur zen zu ; auch brachten ſie die neue Nachricht, daß Eilenburg vom Feinde wie der beſetzt worden ſei.

Blücher fand hierin keine Veranlaſſung, ſeine für den 8. Oktober gege bene Marſch - Dispoſition zu ändern.

Der Kronprinz ließ am 7. Oktober die Schweden und Ruſſen nur bis Radegaſt vorgehen , die Avantgarde unter General Graf Worongow bis in die Gegend von Wettin.

Die Vorpoſten der Nordarmee ſtanden länge der

Saale bis Halle hinauf und gingen von dort über Landsberg bis Delißích. In Delibích ſtanden Vortruppen des Generale Borſtell. Bülow, Tauengien und Hirſchfeld blieben in ihrer Stellung vom 6. Oktober ſtehen. Roſaken

und eine Eskadron des Rittineiſter8 v. Barnedow vom Dſtpreußiſchen Natio nal- Ravallerie- Regiment ſtreiften auf Leipzig zu.

Wenden wir uns jett zu Napoleon , um deſſen Entſchlüſſe vom 7. und 8. Oktober kennen zu lernen.

Der Kaiſer hatte bereits die Bewegung der Böhmiſchen Hauptarmee über Chemniß auf Altenburg durch Murat erfahren und demſelben den Be

fehl zugeſchidt, den Vormarſch der Verbündeten zu verlangſamen und ſich nicht von der Mulde abſchneiden zu laſſen, ſo daß ſeine Vereinigung mit dem Raiſer, vielleicht in der Ebene von Leipzig, möglich bliebe. Murat hatte, wie wir wiſſen , das 2., 5. und 8. Infanterie-Rorps und das 4.Savallerie-Rorp8, nebſt

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einer Diviſion des 1. Kavallerie -Rorps, unter ſeinem Befehl, und ſtand mit dieſen Truppen ſehr auseinandergezogen von Freiberg bis Altenburg. Schärfer dagegen faßte Napoleon die Schleſiſche und Nordarmee ins Auge.

Er beſchloß, ihr gegenüber eine Streitmaſſe von 120,000 Mann zu

vereinigen, ſie in der Richtung auf Leipzig aufzuſuchen, anzugreifen und über die Elbe zurüdzuwerfen , ſie ſo von der Böhmiſchen Hauptarmee zu trennen und dann dieſe in Verbindung mit Murat zu attadiren . Zu dieſem Zweck befahl er am 7. Oktober früh Morgens, daß die bei Meißen und Umgegend verſammelten Truppen , nämlich zwei Diviſionen der jungen Garde unter Dudinot, eine Infanterie- Brigade des 3. Rorp8, ferner das 2. Ravallerie - Morps unter Sebaſtiani und das 11. Infanterie - Rorps

unter Macdonald , auf der Straße nach Wurzen bis Dichas (vier Meilen von Meißen) abmaridiren ſollten. A18 nächſtes Echelon ſollten von Dres den nach Meißen hin folgen : die beiden anderen Diviſionen der jungen Garde,

die alte Garde und Mortier mit der Garde- Navallerie. Zur Arrieregarde dieſer Truppen wurden die ſchon in Dresden befindlichen zwei Diviſionen des 14. Korps (St. Cyr) beſtimmt, welche Noſſen und Meißen belegt zu halten hätten, während die anderen Diviſionen des 14. Korps und die Truppen des 1. Korp8 ( General Mouton in Stelle Vandamme's) die Bewachung der

Uebergänge über das Erzgebirge aufgeben und vorläufig bis Birna und Dohna zurückgehen ſollten. Unter dem Schuße dieſer Truppen ſollte der Königſtein verlaſſen und Dresden von den Verwundeten, den Parks und der Bagage geräumt werden.

Vereinigte ſich Napoleon mit Ney auf der Straße nach Wurzen, fo fand

er zu ſeiner Verfügung vor das 3., 4., 6., 7. Rorp8 , die Diviſion Dom browski, das 1. und 3. Ravallerie-Rorps und brachte die Garden, das 11. Rorps und das 2. Kavallerie-Lorp8 mit ſich. Um 6 Uhr Morgens (am 7. Dktos ber) verließ Napoleon perſönlich Dresden und traf über Meißen dieſſeite

Dichat in dem Schloß von Seerhauſen ein, wo er die Nacht verblieb. Auf dem Wege hierher empfing der Kaiſer die Meldung Ney’s dom vorigen Tage,

durch welche er die Aufſtellung der Schleſiſchen Armee rechts der Mulde er fuhr, aus welcher Ney auf eine gegen Leipzig unterbrochene Bewegung ſchloß, indem es die Abſicht Blücher'8 zu ſein ſcheine, zunächſt nur Wittenberg zur Uebergabe zu zwingen. Er (Ney) wolle ſich deshalb zur Gegenwirkung mit dem auf Torgau dirigirten 3. Korps von Wurzen her vereinigen. Dieſe Sachlage veranlaßte Napoleon , ſeinen Marích auf Wurzen und weiterhin auf Leipzig für den Augenblick aufzugeben , um die Schleſiſche Ar mee – wie er hoffte – in dem Terrain -Abſchnitt zwiſchen Mulde und Elbe

zu überfallen. Für eine veränderte Marſchrichtung der Korps ſchien ihm Dahlen der geeignete Punkt zu ſein, da derſelbe von Dichat auf der geraden linie nach Düben liegt, und Napoleon gab in der That am 8. Oktober früh Morgens Befehle zum Marſch auf Dahlen. Indeſſen er fam von dieſem

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Entſchluß in ſeiner urſprünglichen Form doch nach wenigen Stunden, vielleicht in Folge neuer Meldungen Ney'e , die das Avanciren der Vortruppen Blü cher’s gegen Leipzig betreffen mochten , ſchon wieder zurück und ließ nur den Marſhall Macdonald mit dem 11. Korps und dem 2. Savalerie-forps im

Marſch auf Dahlen , während die anderen Korps die Richtung auf Wurzen wieder einſchlugen. So geſchah es denn, daß wir am Abend des 8. Oktober, an welchem Tage, ſowie an dem Tage vorher, auch die Sorps von Ney zum Theil in Bewegung geweſen waren, die franzöſiſche Armee unter dem unmit telbaren Befehl Napoleon's in folgender Aufſtellung finden : Linter Flügel. Das 6. Rorp8 ( Viarmont), mit einer Diviſion des 3. Ravallerie -Rorp8, bei Taucha, Leipzig beſest, Vorpoſten gegen Deligich. Die Mitte. Lints der Mulde : zwei Diviſionen des 1. Ravallerie Korps und zwei Diviſionen des 3. Kavallerie - Korp8 bei Machern ; -- das 7. Korp8 (Reynier) bei Pichen ; Eilenburg beſett ; rechte der Mulde : Diviſion Dombrowsti bei Külpichau (Eilenburg gegenüber) ; 3. Korp8 (Soubam) bei Gr. 3ichepa (nördlich von Wurzen) ; - zwei Diviſionen der

jungen Garde bei Wurzen, woſelbſt Napoleon's Hauptquartier ; — zwei Di viſionen der jungen Garde und die alte Garde echelonirt zwiſchen Wurzen und Dichaz.

Rechter Flügel. Dag 4. Rorp8 (Bertrand ) bei Schilda; 11. Korps (Macdonald) und das 2. Kavallerie- Rorps bei Dahlen ;

-

das

die

Savallerie des Generale Chaſtel bei Torgau .

Aus dieſer Aufſtellung mußte Napoleon für den folgenden Tag ſeine Rorps zum unmittelbaren Zuſammenſtoß mit der Schleſiſchen Armee vorfüh Wir werden die Befehle dazu weiter unten fennen lernen.

Der Marſch -Dispoſition Blücher'8 gemäß brach das Korps York's um 8 Uhr Morgens von Gräfenhaynchen auf, erreichte die Mulde und bezog

Bivouals bei Friedersdorf und Mühlbeck. Das Korps des Grafen Lange ron traf um Düben ein.

Das Korp8 von Sacen fam bis Modrehna.

Von den Avantgarden dieſer drei Korp8 gelangte Rageler, ebenfalls dem Befehl gemäß , bis Sauſedliß , und meldete von hier aus am 8. Oktober, Abends 9 Uhr :

„ Em . Ercellenz überreiche ich in der Aulage zwei Rapporte des Ritt meiſters v. Barnedtow über ein geſtern und heute vorgefallene Savalleries Gefecht. So glänzend der v . Barnedow dieſe Gefechte auch ſchildert, ſo iſt es doch Schade, daß er die Reſultate derſelben , nämlich den größeren

Theil der Gefangenen , den Ruſſen gelaſſen hat , wodurch ſie nun an ein ganz anderes Armeeforp8 abgeliefert werden. Der heutigen Marſch -Dispoſition gemäß, bin ich mit der Avantgarde hier eingetroffen. Meine Vorpoſten ſtehen in Beerendorf und Brinnis, das Repli in Sproda , das Gros bei Sauſedlig . Links bin ich in Ver bindung mit den ruſſiſchen Truppen unter General de Witte , rechts mit

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der Avantgarde des Generals v. Borſtel. Zwei Eskadrong habe ich zum Einziehen zuverläſſiger Nachrichten gegen Leipzig vordetachirt. Nach einer ſoeben eingehenden Meldung des Rittmeiſters v . Szerda

hely kommandirt der Herzog von Raguſa die feindlichen Truppen , welche bei Leipzig ſtehen. Dieſe Stadt ſoll nur ein Infanterie-Regiment zur Be ſagung haben ."

Rittmeiſter v. Barnecow war , im Vorgehen gegen Leipzig, am 7. Ok tober bis Breitenfeld gekommen , vereinigte ſich hier mit Kojaken der Avant garde Borſtell'8 und griff gemeinſchaftlich mit denſelben die der Zahl nach

überlegene franzöſiſche Ravallerie an. Es gelang, ſie vouſtändig zu werfen und bis an die Thore von Leipzig, unter Beibringung eines namhaften Vers luſtes, zu verfolgen.

Am 8. Oktober hatte der Rittmeiſter ein ähnliches, glückliches Gefecht, im Verein mit dem Streifforps des Majors Hellwig , bei dem Dorfe Wid derişích , von wo die franzöſiſche Ravallerie abermals mit Verluſt auf Leip zig zurüdgetrieben wurde. Barneckom marſchirte hierauf in die Höhe der Borpoſten bis Broda zurück.

Die Avantgarde Langeron's unter General Rudzewitſch ſtellte ſich jenſeits

der Mulde bei dem Vorwerk Preſen auf und ſchob Kavallerie bis zum Dorfe Crenſiß, Straße von Düben nach Leipzig, vor. Rudzewitſch meldete die An weſenheit eines feindlichen Lagers bei Taucha und die feindlicher Vorpoſten in der Linie Eilenburg- Cospa.

Nicht ſo einfach und ſicher verlief das Vorgehen der Avantgarde Saden', weil ſie ſich dem Feinde am nächſten befand .

Unter dem Befehl des Generals Waſſiltſchikow war ſie von Wildenhayn nach Eilenburg marſchirt, fand jedoch dieſe Stadt vom Feinde belegt. Die Avantgarden - Ravalerie unter General lanskoy nahm deshalb eine beobach tende Stellung bei Sprottau, während ſich die Koſaken unter General Lukof kin weiter ſüdlich auf der Straße nach Wurzen bis Böblit ausdehnten, wo durch ihnen die Bewegungen feindlicher Rolonnen auf der Straße Dichap

Wurzen nicht entgehen konnten . Im Laufe des Tages wurde aber Eilenburg von den Franzoſen geräumt , wahrſcheinlich durch ein Mißverſtändniß dazu veranlaßt ; die Ruſſen beſegten es ſogleidh, mußten aber am Abend gegen die zurüdkehrende Bejagung (2 Bataillone) ihrerſeits Eilenburg wieder Preis geben. Sacen meldete dieſe Umſtände und fügte hinzu , daß Märſche und Contremärſche von Torgau nach Schilda und von Schilda nach Torgau fort dauerten , daß ferner feindliche Truppen von Schilda nach Wurzen marſchir ten , zahlreiche Kolonnen auf der Straße Dichatz - Wurſchen geſehen würden und große Maſſen ſich bei Gr. 3ichepa einfänden. Den Schlüſſel zu allen

dieſen Bewegungen gab aber eine Meldung des Parteigängers, Major v. Fal konyauſen , von jenſeits der Elbe , nach welcher Napoleon perſönlich Dresden 'aſſen hatte , in Meißen geſehen worden war und auf der Straße nach

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Leipzig weiter gefahren ſei.

Ebenſo wurde der Abmarſch der Franzoſen von

Dresden beſtätigt.

Hiernach änderte ſich die ſtrategiſche Situation weſentlich. Die perſöns liche Nähe Napoleon's ließ mit Recht auf die unmittelbar zu erwartenden Operationen der franzöſiſchen Hauptarmee gegen die Schleſiſche Armee ſchlie Ben ; Leipzig war alſo nicht mehr zu erreichen ; eine dort beabſichtigte Ver einigung mit der Böhmiſchen Armee konnte jeden Augenblick unterbrochen und dann die Schleſiſche Armee von überlegenen Kräften Napoleon's iſolirt getroffen werden. Dadurch verbot ſich der weitere Vormarſch jenſeits der Mulde in der Richtung auf Leipzig. Es kam vielmehr vor allem darauf an, die

Vereinigung mit der Nordarmee in kürzeſter Zeit zu gewinnen, ſei es, um mit ihr gemeinſchaftlich zu ſchlagen, oder um , mit ihr verbunden, die Annäherung an die Hauptarmee der Verbündeten zu ſuchen. Freilich konnte man ſich auch auf Wartenburg zurückziehen ; allein ſich dort zu ſchlagen, mit den Elb brüden im Rücken , ſich abhängig machen von der ſehr unwahrſcheinlichen

Mitwirkung des Kronprinzen gegen den Rücken des Feindes, die Nordarmee vielleicht ohne Weiteres auf das rechte Elbufer zurückgehen zu ſehen : - bas Alles mußte Blücher den Rüdzug auf Wartenburg, ungeachtet der dort vor bereiteten Stellung, entſchieden verwerfen laſſen . Gneiſenau hielt dieſe rück gängige Bewegung nur als einen Entſchluß des äußerſten Nothfalls im Auge .

Dennoch konnte man auf den Kronprinzen keinen Zwang ausüben . Eine verſtändige, freiwillige Zuſage zur Unterſtüßung an der rechten Stelle mußte ihm geſchict inſinuirt werden , und zu dieſem Zweck erhielt Major v. Rühle die nöthigen Weiſungen zu mündlichen Unterhandlungen mit dem Kronprinzen. Er reiſte noch am 8. Oktober in das ſchwediſche Hauptquartier nach Zehbitz (nördlich von Zörbig) ab. Die Nordarmee war an dieſem Tage ſtehen geblieben, Schweden und Rufen bei Radegaſt, Bülow bei Jeßnit an der Mulde. Nur Tauengien verließ die Gegend von Deſjau und rückte auf den rechten Flügel Bülow's nach Hinsdorf. Hirſchfeldt marſchirte mit der Diviſion nach Afen zur Siche rung der dortigen Elb -Brüde, ließ aber zwei Bataillone in Roslau und zwei Bataillone in Deſſau.

Major Rühle fam ſpät in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober in Zeh biß an , wurde aber ſogleich von dem Kronprinzen angenommen . Sobald derſelbe hörte, daß Napoleon mit der franzöſiſchen Hauptarmee im Anmarſch

ſei, äußerte er jofort, Blücher müſſe nun bei Wartenburg über die Elbe zu rückgehen ; die Nordarmee werde das Gleiche bei Roslau und Afen thun. Die Brücken müßten dann aufgenommen und das Weitere auf dem rechten Elbufer abgewartet werden. Major v. Rühle erklärte, die Schleſiſche Armee werde nicht den Rückzug hinter die Elbe antreten ; ſie zöge es vor, ihre Ver

bindungslinien ganz aufzugeben , die Mulde zu überſchreiten , ſich hinter die

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Saale zu jepen und ſo auf deren linken Ufer die Vereinigung mit der Böh miſchen Hauptarmee zu erwarten oder herbeizuführen. Mit Widerſtreben ging der fronprinz in dieſe Idee ein , behielt ſich die ſtrategiſche Poſition hinter der unteren Saale, der Elbe möglichſt nahe, vor, ſtellte die Bedingung,

daß ſich Blücher auf ſeinen rechten Flügel begebe (Front gegen die Mulde), - er wolle zu dieſem Zweck eine Brücke bei Wettin qichlagen laſſen - und reſervirte ſich ausdrüdlich den eventuellen Uebergang über die Elbe unterhalb Magdeburg bei Ferchland, wo eine Brüde geſchlagen ſei. aufgeben.

Roslau wolle er

Hiermit hatte Major v. Rühle gleichwohl ſeinen Hauptzweck erreicht, nämlich das Verbleiben der Nordarmee auf dem linken Elbufer und ihre Vereinigung mit der Schleſiſchen Armee hinter der Saale. Gegen den Mor gen des 9. Oktober traf der Major wieder in Düben ein , begleitet von einem Adjutanten die Prinzen, der ein zuſtimmendes Schreiben durch denſel ben an Blücher überreichen ließ. In Düben wurde nun beſchloſſen, die drei Korps der Schleſiſchen Armee Sehrt machen und die Mulde abwärts nach

den drei Ulebergängen Jeßnit , Mühlbeck und Düben marſchiren zu laſſen, um an dieſen Punkten den Fluß nach dein linken Ufer hin zu überſchreiten.

Man glaubte , dieſen Marſch ungeſtört ausführen zu können , da man ſich Napoleon über Wurzen im Marſch auf Leipzig dachte. Die Schleſiſche Armee verläßt die Mulde und paſſirt die Saale .

Die geheime Dispoſition Blücher's zum 9. Oktober lautete : ,, Um 1 Uhr Nachmittags marſchirt das Korps von Yorf nach 3eß nit , wo es die Mulde paſfirt; deſſen Avantgarde nach Bitterfeld. Das Korps Graf Langeron nach Mühlbeck , deſſen Avantgarde nach Sauſedlig. Das Korp8 von Saden nach Düben ; deſſen Avantgarde nach Prie

ſtäblich. Etwas Kavallerie iſt auf der großen Straße nach Leipzig und Eilenburg als Avertiſſementspoſten aufzuſtellen .

Der General v. Rauch läßt die Pontonbrücke über die Elbe abbrechen, läßt ein Bataillon und 20 Mann Kavallerie in Elſter zurück, welche den Tambour der Schiffbrücke beſetzen und vertheidigen und marſdirt mit ſei ner Mannſchaft und der Brücken- Equipage den 10. Oktober über Wörlit nach Deſſau. Bis zum 10. Oktober, wenn es finſter geworden iſt, bleibt dasjenige, was den Brückenkopf von Wittenberg blodirt hat , ſtehen , dann folgt es dem General v. Rauch nach Defjau.

Der Chef des im Brüden

kopf zu Elſter zurückbleibenden Bataillons ertheilt Allem , was zur Armee aufommt, bis zum 11. Oktober Morgens den Befehl, ſich auf Raguhn zu dirigiren. Vom 11. Oktober an geht die Kommunikation am rechten E16 ufer über Roslau und Aken, und wird Niemand mehr auf das linke Ujer gelaſſen.

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Der Fürſt Stſcherbatow , wenn er noch nicht die Elbe pafſirt haben foüte, geht in forcirten Märchen nach Elſter und wartet dort weitere Be fehle ab .

Da der ganze Strich zwiſchen der Mulde und Elbe verlaſſen wird, ſo ziehen die Korps Alles, was ſie noch in dieſem Strich detachirt haben ſollten, an ſich .“

Dem Kronprinzen wurde von dieſen Anordnungen im Augemeinen

Renntniß gegeben, mit dem Hinzufügen, daß Demonſtrationen gegen Leipzig, um die Bewegung der Schleſiſchen Armee zu masfiren , nothwendig erſchie nen. Man wolle deshalb auch noch heute Eilenburg angreifen. Das Haupt quartier Blücher's foute nach Bouch bei Mühlbed tommen. Ehe wir die Ausführung dieſer Befehle verfolgen , fragen wir zuvor

nach den Entſchließungen des franzöſiſchen Saiſers . Napoleon erhielt in Wurzen die Nachricht, daß die Schleſiſche Armee

mit 60,000 Mann bei Düben auf dem rechten Ufer der Mulde und die Nordarmee mit 40,000 Mann bei Deſſau ſtehe.

Düben liegt von Wurzen

34/2 Meile entfernt , von Eilenburg 2 Meilen. Es war alſo möglich , daß die zwiſchen Eilenburg und Wurzen lagernden franzöſiſchen Truppen in einem einfachen Tagesmarſch Düben erreichen und dort an demſelben Tage auch noch zur Schlacht verwendet werden konnten. Hierauf gründete Napoleon ſeinen Angriffsplan auf Blücher. Er wollte ihn auf dem kürzeſten Wege, an dem rechten Ufer der Mulde entlang, mit überlegenen Kräften auf ſuchen, wenn möglich feſthalten, - und noch am 9. Oktober zum Stampfe zwingen. Die Armee ſollte zu dieſem Zweck früh aufbrechen (6 Uhr) und zwar die ganze Mitte ſich auf dem rechten Mulde - Ufer bei Eilenburg zum Vormarſch gegen Düben jammeln, während der linke Flügel von Taucha her Düben auf dem linken Ufer und der rechte Flügel von Dahlen und Schilda her über Modrehna Düben auf dem rechten Ufer, zum Marſchobjekt zu neh men hatte. Die weitere Entfernung des rechten Flügels von Düben ließ die Mitwirkung zur Schlacht nur bedingungsweiſe vorausſeßen. Modrehna ſollte aber jedenfalls belegt und der dort etwa hervortretende Widerſtand überwäl tigt werden.

Die ſpeziellen Befehle in dieſem Sinne ſchrieben dem Marſhall

Ney vor, den Oberbefehl über das 3. Rorp8 (Souham) , 7. Rorps (Rey nier), Diviſion Dombrowski, 2. Ravallerie -Rorp8 (Sebaſtiani) und zwei Di viſionen des 3. Lavallerie -Morps zu übernehmen und dieſe Truppen von Gr. Bidhepa, Pichen , Dahlen und Machern her , bei Eilenburg auf dem rechten

Mulde-Ufer zu vereinigen, um von hier aus gegen den Feind bei Düben zu avanciren ; der Kaiſer werde mit den Garden als Reſerve folgen. Napo leon fügte hinzu , daß er ein großes Gewicht darauf lege , noch heute in den Beſig von Düben zu fommen .

Bon Taucha jollte Marmont mit dem 1 .

Ravallerie -Rorps (Latour-Maubourg) vorgehen ; -- von Schilda nach Mod

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rehna Bertrand mit dem 4. Korps , gefolgt von Macdonald mit dem 11. Rorp8 von Dahlen her , verſtärkt durch die Savallerie Chaſtel von Torgau

aus. Durch eine Contre - Ordre wurde Sebaſtiani ſpäter auch nach Mock rehna gewieſen ; er war aber zu weit ab von Eilenburg, um dort rechtzeitig

eintreffen zu können. Leipzig wurde der Sorge des Generals Arrighi, Rom mandeurs des 3. Kavallerie-Sorp8, übertragen , dem zu dieſem Zweck einige Tauſend Mann Infanterie überwieſen wurden .

Entnehmen wir nun den Meldungen dieſes Tages , ob und wie die

Bewegungen des Feindes im Hauptquartier Blücher's bekannt wurden , oder ob die Ereigniſſe die Meldungen überholten .

Bon Reyher's Hand finden wir die erſte Meldung Rapeler's aus Sau ſedlig, den 9. Oktober, 91/2 Uhr Morgens geſchrieben : ,,Der Feind befindet ſich bis jeßt noch ruhig in ſeiner geſtern genom menen Aufſtellung. Leipzig foll mit 6—8000 Mann beſetzt ſein. Heute früh habe ich den Major v. Schenk mit ſeinen beiden Eskadrons nach Bröttig vorgeſchickt (Straße von Düben nach Leipzig) , um nähere Nach richten vom Feinde einzuziehen und zu dieſem Zweck gegen Leipzig und

Eilenburg zu detachiren. Eine Meldung habe ich von dorther noch nicht erhalten ." Ferner :

,,Sauſedlitz, den 9. Oktober, Nachmittags 1 Uhr. Em. Excellenz verfehle ich nicht gehorſamſt zu melden , daß der Ritt meiſter v. Szerdahelly , weldher gegen Taucha zur Refognoszirung vorge rückt iſt, ſoeben Folgendes rapportirt : „ Vor Taucha ſtehen 400 Chaſſeurs , dicht hinter denfelben die Brigade des Generals Norrmann, beſtehend aus einem Chevaur-legers Regiment und einem Jäger-Regiment zu Pferde. Auf der Höhe hin ter Taucha ſieht man ſechs Geſchüte und ein Infanterie - Regiment. Geſtern Abend ſollen 18 faiſerliche Wagen unter Bededung franzöſi ſcher Garde-Ravallerie, von Dresden kommend, in Leipzig eingetroffen fein. Heute haben die Franzoſen ihre Vorpoſten etwas pouſſirt." "

Am Schluß ſeines Schreiben8 fügt der Rittmeiſter hinzu , daß der Feind jett vorrüde.

Näheres und Gewiſſes hierüber muß ich noch ab

warten .“

Unterdeſſen hatte Kaşeler, dem Befehl gemäß, mit der Avantgarde den Marſch auf Bitterfeld angetreten und war dort gegen Abend eingetroffen. Um dieſe Zeit mußte ſich aber die Sachlage auf dem rechten Mulde - Ufer bereits entwickelt haben , unabhängig von den Meldungen , die von dem lins

ken Mulde- Ufer her in dem Hauptquartier eingingen. Gleichwohl waren die preußiſchen Huſaren nahe am Feinde geblieben , und Major v. Schade mel dete von der

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Mühle bei Hohenroda, 9. Oftober, Nachmittag 44/2 Uhr.

Die feindlichen Streitfräfte marſchiren über Grenſif , Straße nach Düben , indem ſie die leichte ruſſiſche Kavallerie auf dieſem Wege zurück drängen. Zahlreiche Kavallerie hat die Tete der Kolonne ; ich ſchäße ſie einige Tauſend Mann ſtart; ſie führen Geſchüße mit jich, die uns be ſchießen. Der Ravallerie , die bereits Crenſiß erreicht hat , folgen große Truppenmaſſen von Bröttit und Hohen - Cflig her. Nach Deligid hin ſcheinen Bewegungen des Feindes aufgehört zu haben. Meine Batrouillen ſind von dorther noch nicht zurückgefehrt. Ich ſtehe noch in der linken Flange der feindlichen Marſchfolonne bei der Mühle von Hohenroda und

werde von hier die Richtung einichlagen, die Em. Hodwohlgeboren (v. Rage ler) mir durch den 3äger Schlemmer angewieſen haben .“ Als dieſe Meldung in Bitterfeld bei Kaşeler eintraf, fdicte ſie derſelbe ſofort mit folgendem Rapport weiter : Bitterfeld den 9. Oktober, Abends 71/2 Uhr. Em. Excellenz melde ich gehorſamſt, daß ich mit dem Groß der Avantgarde bei Bitterfeld angefommen bin . 3d babe hier den General

D. Borſtel getroffen , der bis jept noch feine Ordre zum Abmarſch erhal ten hat. Er hat mir ſoviel Plaß gemacht, daß ich zwei Bataillone in der Stadt habe unterbringen können ; der übrige Theil der Infanterie bivoua

kirt vor der Stadt. Der Major v. Klür mit der leichten Infanterie ſteht auf der Straße von Bitterfeld nach Deligid bei Paupitich. Ehe ich Sau ſedlig verließ, ritt ich nach Sproda , habe aber einen Schuß von hier aus nicht gehört. 3ch ſchließe daraus, daß die feindlichen Marſchfolonnen Halt gemacht haben , um ſo mehr, da ich bis jept noch keine weiteren Dieldun gen von meiner detachirten Ravallerie erhalten habe.

Nachſchrift. Soeben geht die Meldung des Majors v. Schenk hier ein , welche ich nicht verfchle , Ew. Ercellenz hiermit abſchriftlich zu über ſenden. Dem General v. Borſtel habe ich von dem Inhalt derſelben ebenfalls Mittheilung gemacht.“ Wir wiſſen , das Maßeler die gute Gewohnheit hatte, zu der Avantgarde des Nebenforps einen Offizier zu fommandiren, der ihn auch über die Vor: gänge in ſeiner Flanke in Kenntniß erhalten ſollte. Für heute hatte Lieute nant d. Luttwiß dieſen Auftrag bei der Avantgarde,Langeron's erhalten, war

deshalb wahrſcheinlich in Sauſedlig zurückgeblieben und konnte nun aus Sehl hauſen, den 9. Oktober, Abends 9 Uhr melden :

Ew . Hochwohlgeboren habe ich die Ehre anzuzeigen , daß nach Aus ſage zweier deſertirten Offiziere, eines württembergiſchen und eines weſt phäliſchen, der Feind heute morgen mit ſeiner Hauptmacht nach Eilenburg Beigeji s . Milit.sBodenbl. 1869.

3

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marſchirt iſt. Es ſollten dort vier Rorp8 und die Garden Vereinigt wer den. Auch wurde der Kaiſer Napoleon daſelbſt erwartet. Man hat den Marích des Feindes auf dem rechten Ufer der Mulde von Eilenburg nach

Düben beobachtet. Düben ſollt bereits von ihm bejegt ſein. Der König von Neapel (?) ſoll ſich heute an der Spiyc zweier Nüraſſier - Diviſionen und einer Diviſion leichter Kavallerie, von Leipzig her, auch nach Eilenburg hin in Bewegung gefeßt haben ; --- 10 ſagen gefangene franzöſiſche Küraſ

ſiere aus. Generallieutenant Rudzewitſch hat ſich gegen Abend mit der Avantgarde zwiſchen Sauſedlig und Sehlhauſen aufgeſtellt und die vorſte henden Nachrichten ing Hauptquartier gemeldet.“ Als dieſer Rapport in Kapeler's Hände fam, meldete er : ,, Bitterfeld den 9. Oktober, Abends 10 Uhr. Em. Ercellenz erhalten anliegend abſchriftlich die Meldung eines Offi

ziers, welchen ich zu dem General Rudzewitſch fommandirt habe. Aus der Gegend von Leipzig (Taucha) ſcheint nur eine feindliche Kolonne gegen Düben vorgegangen zu ſein ; ſie ſoll ca. 15,000 Mann ſtark ſein und iſt bis Crenſiy gelangt. General v. Borſtel ſteht noch hier, will aber morgen ſeine Avantgarde bei Sandersdorf zuſammenziehen ." Viel folgenreicher wurden die Ereigniſſe dieſes Tages auf dem rechten Mulde-Ufer.

Gegen 10 Uhr Vormittags waren die franzöſiſchen Korp8 Eilenburg gegenüber bei dem Dorfe Költſchau verſammelt. Napoleon inſpizirte ſie hier und befahl gegen Mittag den Vormarſch auf Düben . Ney ließ die Ravalle rie der Diviſion Dombrowski und die beiden Diviſionen des 3. Kavallerie Korps die Tete nehmen ; es folgte die Diviſion Dombrowski , dann das 7. und 3. Infanterie - Sorps. Dic Rojafen wichen der franzöſiſchen Savallerie

aus . General Lanskoi zog ſich nun von Sprottau öſtlich in der Richtung auf Modrehna zu ſeinem Rorps (v. Sacken ) zuriid. Dadurch wurde der franzöſiſchen Hauptfolonne der Weg nach Düben frei gegeben, und doch unter: ließ es der General, fofort eine Meldung über den Anmarſch des Feindes in das Hauptquartier Blücher's zu ſenden. Es hing hiernach von dem Zu ſammentreffen zufälliger Zeitverhältniſſe ab , ob das Korps Langeron's und

das Hauptquartier bei Düben überfallen wurde oder nicht. Sacen’s Korps war bereits durch dieſe Bewegung des Feindes von Düben, ſeiner vorgeſchrie benen Marſch - Direktion , abgeſchnitten. Die Lage der Schleſiſchen Armee fonnte von jeßt ab in der That eine ſehr gefährdete werden, denn die Avant garde Langeron's war durch den Marſdh nach Sauſedlig auf das linke Mulde- Ufer gewieſen worden , weil man den Abſchnitt rechts der Mulde zwiſchen Düben und Eilenburg durch den befohlenen Anmarſch des Korps von Sacken für vollſtändig geſichert erachtete. Unglücklicherweiſe hatte aber

Sacen die Dispoſition zuin 9. Oftober durch einen Zufall nicht rechtzeitig,

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ſondern ſo ſpät erhalten, daß er von Modrehna erſt um 2 Uhr Nachmittag aufbrechen konnte. Um wenigſtens Sacen’s Annäherung an Düben zu er: warten, zögerten auch Blücher und Langeron dieſen Ort zu verlaſſen, und ſo vereinigten ſich viele Umſtände , um dem Kaiſer Napoleon den überraſchen

den Zuſammenſtoß mit iſolirten Korps der Schleſiſchen Armee zu erleichtern. Eine Abtheilung Rojacken, welche von Sprottau in nördlicher Richtung abge drängt worden war , fam wenig früher als die franzöſiſche Navallerie vor Düben an , etwa um 3 Uhr Nachmittags. Und doch war die Stadt bereits geräumt !

Auf die Meldung nämlich , daß eine Truppen-Kolonne aus der Gegend von Eilenburg auf Düben im Anmarſch ſei, hatte man vorausgeſeßt , es ſei dieſelbe des forps von Sacken und war deshalb Blücher um 2 Uhr Nach

mittags nach Bouch abgegangen, das Korps Langeron's nach Mühlbeck mar

ſchirt. Die Queue der ruſſiſchen Rolonne, die Reſerve- Artillerie, gedeckt von einigen Regimentern des 10. ruſſiſchen Korp8, hatte ſoeben Düben verlaſſen, als die franzöſiſche Kavallerie in den Ort einritt, während die franzöſiſche Infanterie der Avantgarde ſo raſch noch nicht hatte folgen können. Dieſer Umſtand machte es dem General Rapgemitſch leicht, mit der ruſſiſchen Infan

terie das Herausbrechen der franzöſiſchen Ravallerie aus der Stadt zu hins dern , ſo daß nur die in Düben zurückgebliebenen wenigen Verwundeten in die Hände der Franzoſen fielen. Marſchal Ney war alſo für ein Gefecht doch zu ſpät gekommen , und zwar in Folge des mehrſtündigen Aufenthaltes bei Eilenburg.

Als Blücher Kenntniß von der unerwarteten Situation erhielt,

ließ er das Korps von langeron gleich bis Jeßnig gehen und verlegte ſein Hauptquartier " ebenfalls hierher. Bei Pouch blieb eine Arrieregarde unter Rapzemitſch zurück. York ging in der Nacht bei Jeßnig über die Mulde und bivouatirte bei dem Dorfe Bobbau.

Pangeron blieb auf dem rechten Ufer

der Mulde. Auch war das preußiſche Korps von Bülow in und bei Jeßnit. Sacken zog ſich ſehr glüdlich aus der ſchwierigen Lage, in der Front und in beiden Flanken (von Torgau und Eilenburg) bedroht zu ſein , während auch die Sicherheit ſeiner Rüdzugslinie bereits zweifelhaft war.

Er ſchlug von

Modrehna den Weg über Wildenhayn nach Breſſel ein , umging von hier Düben in einem Bogen über Authauſen , Durchwehna und Söllichau, und marſchirte nun, gedect durch die große Dübener Haide, nach Stäna, ca. 11/4 Meile nordweſtlich von Düben. In Sfäna fam das Korp8 nach einem an geſtrengten Marſch von 4 Meilen um 11 Uhr Nachts an und mußte hier nothwendiger Weiſe ein Paar Stunden lang ruhen. Der Feind ſtörte dieſen Marſch nirgende. Nur hatte Sacen ſeine Ravallerie -Detachemente nicht mehr an ſich heranziehen können ; auch war es ihm nicht möglich geweſen , ſeine Bagage-Wagen mitzunehmen ; er hatte ſie über Schmiedeberg nach Elſter

dirigirt. Zwar liegt Stäna von Jeßnitz noch über zwei Meilen entfernt ; allein jegt war eine Vereinigung Saden's mit den beiden anderen Korpe 3*

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nicht mehr zu hindern und dadurch die gefährliche Lage der Schleſiſchen Ar mee thatſächlich beſeitigt. Sacen meldete dem General Blücher ſeine Ankunft in Stäna ; er werde von hier um 5 Uhr wieder aufbrechen und nach Jeßnig marſchiren. Blücher dirigirte ihn nach Raguhn.

Ney war bei Düben ſtehengeblieben ; die Avantgarde wenig die Mulde abwärts vorgeſchoben. Das 7. Korp8 lagerte bei Prieſtäblich, das 3. Korpo bei Lauſig, die Garden bei Eilenburg , wohin auch Napoleon zurückging, als er die Ausſicht auf eine Schlacht bei Düben geſchwunden fah. Sein linker Flügel, Marmont mit dem 6. Sorps, bivouafirte dieſeits und jenſeits Cren

ſig; dagegen machten die beiden Diviſionen des 1. Savallerie - Storps hart am linken Mulde - Ufer in der Nähe von Welaune bei Nieder- und Ober Glaucha und bei Hohenpriesniß für die Nacht Halt. Der rechte Flügel, an der Tete Sebaſtiani mit dem 2. Ravallerie - Rorpe, ſtieß bei dem Debouchi

ren aus Schilda auf die ruſſiſche Ravallerie des Generals Yuſſeffowitſch, drängte ſie durch große Ueberlegenheit zurück und blieb dann bei Mockrehna

halten und zwar ſpeziell Sebaſtiani bei dieſem Ort , Bertrand mit dem 4. Korps bei Audenhayn und Macdonald mit dem 11. Korp8 bei Probſthayn. Die Nordarmee veränderte heute ihre Stellung vom vorigen Tage nicht; nur hatte Borſtell die Vortruppen ſeiner Avantgarde aus Deligich heraus und bis Baupitſch zurückgenommen.

Das Reſultat dieſes Tages befriedigte Napoleon nicht. Zwar hatte er Düben erreicht, aber die Schleſiſche Armee war ſeinem Schlage ausgewichen.

Wenn der Kaiſer auch noch die Hoffnung hegte , wenigſtens das Rorps von Sacen irgendwo zwiſchen Mulde und Elbe zu treffen, ſo war doch ſelbſt dieſe Ausſicht keineswegs geſichert, da Sacen die Elb - Brüden bei dem Dorfe Elſter längſt paſſirt haben konnte, ehe franzöſiſche Truppen ihn daran zu hindern vermochten. Ebenſo war die Möglichkeit geſchwunden , die Vereini gung der Schleſiſchen Armee mit der Nordarmee zwiſchen Mulde und Saale zu unterbrechen . Aber Napoleon wußte jeßt genau , wo ſich beide Armcen befanden, nämlich zwiſchen der unteren Mulde und der unteren Saale; er wußte ferner , daß Blücher ſeine Kommunikationslinie über Wartenburg und Elſter aufgegeben hatte, mithin der Entſag der Feſtung Wittenberg feine

Shwierigkeiten mehr bot ; es war ſelbſtverſtändlich , daß der Feind bei die ſer Nähe der franzöſiſchen Hauptarmee die Belagerung aufheben mußte; er wußte ferner aus den Meldungen Murat'e, daß die große Böhiniſche Armee im Anmarſch war, und ehe er die Schleſiſche und Nordarmee nicht geſchlagen , konnte er ſich nicht mit dereinigten Kräften der Böhmiſchen Armee entgegen

ſtellen. Hätte Napoleon noch die volle Freiheit der Offenſive gehabt, die er in dem Feldzuge von 1813 nur bis zum Waffenſtillſtande beſaß, wäre noch wie früher rüdſichtsloſe Energie die Triebjeder ſeiner Ent ſchlüſſe geweſen , - ſo würde er über die Mulde gegangen ſein , hätte Blü cher und den Kronprinzen aufgeſucht und ſie dieſſeits oder jenſeits der Saale

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zur Schlacht gezwungen. Entzog ſich der vorſichtige Kronprinz dieſer Gefahr

durch die Trennung von Blücher , ſo fand dann Napoleon gegen die Schle fiſche Armee eine im ſo viel erleichterte Aufgabe. Es war ein Glück für die gute Sache der Verbündeten , daß Napoleon

das nächſte Ziel ſeiner ſtrategiſchen Operationen in einer ganz entgegen

gelegten Richtung ſuchte, ausgehend von Vorausſeßungen, die thatſächlich nicht zutrafen , - ein 3rrthum , den er zu ſpät erkannte und dann durch

eine Schlacht gegen fämintliche vereinigte Armeen der Adiirten nicht mehr zu redreſſiren vermochte.

Napoleon regte nämlich voraus, daß durch ſeinen bloßen Zug nach Dü ben die Schleſiſche und Nordarmee zu einem ſchnellen Rückzuge über die Elbe, ſei es bei Roslau oder Afen, veranlaßt worden ſeien ; er fegte voraus, daß durch die Operation über Wittenberg eine Schlacht, wenn auch ſpäter,

auf dem rechten Ufer der Elbe geſucht werden könne; – er hielt felbſt die erneuerte Bedrohung Berline , an der bereits zwei ſeiner Marſchälle ge ſcheitert waren , unter ſeiner perſönlichen Führung für ſo wirkſam , daß eine Trennung der Heere der Verbündeten , ihr augenblicklicher Stilſtand oder ſelbſt ihre rückgängige Bewegung die unzweifelhafte Folge ſein müßte. Napo leon ſtellte dadurch gegen ſeine gewohnte Krieg8 - Energie den Werth weits reichender ſtrategiſcher Manöver, die von dem Feinde abführten , über den Werth einer nahe zur Hand liegenden , partiellen Schlacht, die unmittelbar vorwärts gegen den Feind zu finden war, Hören wir nun ſeine Befehle zum 10. Oktober.

Am frühen Morgen des 10. Oktober8 , 4 Uhr, erhielt Marſchall Ney die Weiſung, das 3. Rorps nach Sköna zu führen, von dort die Uebergänge der unteren Mulde zu beobachten und die Ordre zum Abmarſch nach Wit

tenberg zu erwarten. Die Diviſion Dombrowski und das 7. Rorps ſouten

auf der Straße Düben - Wittenberg nach Semberg gehen. Das 11. Rorps, verſtärkt durch leichte Stavallerie, wurde beauftragt , über Wildenhayn das Rorps des Generals von Sacen aufzuſuchen. Das 4. Rorps und das 2. Ravallerie-Rorps empfingen die Direftion näher an die Elbe heran, über Tre biß gegen die Brüden bei Elſter zu avanciren , und gleichfalls die Weiſung,

daß ſie zum Uebergange bei Wittenberg beſtimmt ſeien. Es waren alſo die Rorps aus der Gegend von Mockrehna dazu beſtimmt, den General Sacen in der Richtung auf Wartenburg zu verfolgen. Der fühne Zug Sacen's nach Sfäna iſt hiernach dem Staiſer um dieſe Zeit noch unbefannt geweſen , wenngleich franzöſiſche Patrouillen in der Nacht bis zu jenem Dorf vorgegangen waren.

Auf ſeinem linken Flügel beſtimmte Napoleon das 6. Rorp8 dazu, Bit terfeld, Deligich und Leipzig zu beobachten und die Muldebrüden bei Düben und Eilenburg zu deden. Die Garden ließ er nach Düben marſchiren, Eilen burg und Wurzen blieben aber beſept.

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Am Abend dieſes Tages ſtehen demgemäß auf dem rechten Flügel das 2. Savallerie -Korp8 bei Trebit, das 11. Sorps in Pretích, das 4. in Schmie deberg ; – in der Mitte das 7. Rorp8 und die Diviſion Dombrowski in Remberg , das 3. Sorps und das 3. Savallerie - Rorps bei Gräfenhaynchen und Gröbern, die Garden in Düben ; - auf dem linken Flügel hatte Mar mont mit dem 6. Rorp8 don Crenſit nach Düben den Marſch icon ange

treten, als er von Napoleon nach Crenſik zurückgeſchickt wurde. Dieſe Be wegung gab den Vorpoſten der Schleſiſchen Armee zu Meldungen Veranlaſ ſung, die wir ſpäter kennen lernen werden. Das 1. Kavallerie -Rorps blieb bei Glaucha ſtehen.

Im Laufe des 10. Oktober ſpricht Napoleon ſeine Gedanfen in folgens der Art aus :

,,Wenn der König von Neapel genöthigt wird, vor dem Anmarſch der

verbündeten Hauptarmee mit Arrighi und Augereau Leipzig zu räumen, ſo geht ſein Rückzug bei Eilenburg und Düben über die Mulde auf Tor gau und Wittenberg. Meine Abſicht iſt, wieder die Elbe nach dem rech ten Ufer hin zu überſchreiten , mich auf die Schleſiſche Armee und auf die von Berlin zu werfen und zwiſchen Dresden und Magdeburg zu operis ren . Sollte Marſchall St. Cyr in Folge eines Angriffs auch Dresden verlaſſen müſſen , ſo hat ſich derſelbe auf Torgau zurüczuziehen. 30h werde mit ihm daſelbſt wieder in Verbindung treten, ſobald ich die Schle fiſche Armee geſchlagen habe. Vielleicht findet ſchon in zwei oder drei Ta gen die nächſte Schlacht bei Wittenberg ſtatt. Siege idh hier, ſo werden die Deſterreicher nach Böhmen zurückkehren ; ich degagire St. Cyr bei Torgau und mache dann einen Beſuch in Berlin.

Kommt es nicht zur

Schlacht auf dem rechten Elbufer, weil der Feind auf dem linken Elbufer bleibt , ſo faue ich auch einmal auf ſeine Kommunikationslinie und über rajce ihn, indem ich aus Magdeburg, Wittenberg, Torgau oder Dresden wieder debouchire."

Als Blücher von den Bewegungen Napoleon'8 auf dem rechten Mulde Ufer dem Kronprinzen von Schweden noch am Abend des 9. Oftober Kenntniß gab , erwiderte derſelbe am 10. Oktober Morgens , daß es nun unmöglich ſei , auf das linke Ufer der Saale überzugehen ; denn Napoleon werde die Schleſiſche und Nordarmee bei dem Abmarſch dorthin lebhaft verfolgen , und in dem Moment des Ueberganges angegriffen, könne man in die nachtheiligſte Lage gerathen. Es ſei deshalb nothwendig , die Mulde brücken abzubrechen und die Schleſiſche Arinee in dem Dreieck Jeßnig, Zör big und Bitterfeld aufzuſtellen , Front nach Düben , linker Flügel an die Mulde gelehnt. Hinter dieſer Aufſtellung wolle er die Saal- Uebergänge bei Alsleben und Bernburg vorbereiten.

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Durch dieſen Vorſchlag ſah der Aronprinz die Schleſiſdie Armee als

eine große Arrieregarde an, unter deren Schut ſich die Nordarmee über die untere Saale, der Elbe zunächſt, ſicher aus der gefürchteten Nähe Napoleon's abziehen könne.

Um nicht die Verbindung init dem Aronprinzen diefſeits der Elbe zu verlieren, ging Blücher auf dieſen erſten Schritt zu dem Abmarſch nach der Saale ein, und befahl, daß Saden, deſſen forps von Stäna her be

reits die Mulde bei Raguhn überſchritten hatte , die Brüde daſelbſt abbren nen folle, wenn der Feind in überlegener Stärfe anrüde ; eine Arrieregarde

habe dieſen Uebergangspunkt befeßt zu halten. Dieſelbe Aufgabe erhielt Graf Langeron für Jeßnit ; die Pontonbrüde daſelbſt ſollte abgeſchwenkt werden, ſobald die Artillerie herüber ſei . Alle irgend entbehrlichen Wagen wurden gleichzeitig über Roslau auf das rechte Elbufer geſchickt. Die Marſch - Dispoſition lautete :

H.-Q. Jeßnig den 10. Oktober 1813. Um 1 Uhr Nachmittags bricht die Armee auf. Das Korps von York marſchirt von Bobbau über Salzfurth nach Zörbig , dieſe Stadt vor dem linken Flügel. Die Avantgarde des Storps geht von Bitterfeld nach Brehna. Das Sorps vom Grafen Langeron marjdirt über Wolfen, Thalheim, Rödgen nach Zörbig ; die Stadt vor dem rechten Flügel. Die Avantgarde ſtellt ſich bei Roigich auf. Das Korps vom Baron Sacken bleibt bei Jeßnig und Raguhn ſtehen , beobachtet den Marích des Feindes auf dem rechten Ufer der

Mulde und ſtellt ſeine Avantgarde hinter dem Rheinbach flüßchen auf der großen Straße nach Deligich unweit Bitterfeld auf. Die leichte Kavallerie muß den Feind im Auge behalten. Das Haupt quartier iſt Zörbig. Die 20 Bontons, durch welche die Brücke bei Jeßnitz gebildet iſt,

werden aufgenommen , ſobald die Artillerie die Brüđe paſſirt hat, und gehen dann in einem forcirten Marſch nach Wettin , wo eine Brüde über

die Saale geſchlagen wird ." Die Artillerie, von welcher die Dispoſition ſpricht, iſt die der Arriere garde, die unter General Morff vom Rorps Tangeron's in Bouch am Abend vorher zurückgeblieben war. Am Morgen des 10. Oktober ging Korff nach Friedersdorf zurüc, ließ hier leichte Ravallerie ſtehen und paſſirte die Mulde

bei Jeßnig . Er konnte melden, daß die franzöſiſchen Vorpoſten ſeinen Vor poſten ruhig gegenüberſtanden , dagegen feindliche Kolonnen von Düben im

Marſch nördlich nach Tornau geſehen worden ſeien. Bei Raguhn fanden ſich die von Sacken zurückgelaſſenen Ravallerie-De tachements wieder bei dieſem Forps glüdlich ein. Auf dem linken Muldeufer

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ſchien der Feind am Morgen des 10. Oktober keine Bewegungen machen zu wollen , denn Rapeler meldete aus Baupitich Vormittags : „ Em . Excellenz melde ich gehorſamſt, daß nach einem Rapport des Majors Sdent der Feind heute früh um 7 Uhr ſich noch in der Stellung bei Grenſig befand ; nur ſeine Savalerie: Boſten hat er aus der Gegend

von Hohenroda zurüdgezogen. Meine Huſaren behalten die Straße von Delikich nach Düben fortgeſegt im Auge. Auch laſſe ich die Mulde abpa trouilliren . "

Auch von der Avantgarde Langeron's meldete General Rudzewitſch die Ruhe des Feindes. Während die Truppen Mittags den Marſch antraten, eilte Blücher nach

Zörbig voraus und hatte auf dem Wege dorthin in Zehbiß wieder eine fion ferenz mit dem Kronprinzen , der in Uebereinſtimmung mit dem Marſch der Schleſiſchen Armee auf Zörbig auch das Korps des Generals v. Bülow von Jeßnig nach Zörbig dirigirt hatte. Da Napoleon über die Mulde hinaus nicht zu verfolgen ſchien und für den Augenblic keine Gefahr für die Nordarmee vorlag, ſo äußerte der Kron prinz die Abſicht, nunmehr ſeine Armee bei Bernburg über die Saale zu führen , um dort eine feſte Stellung zu nehmen. Blücher möge ſich dieſem Abmarſch anſchließen , denn ſo allein werde man einer Schlacht gegen die

Uebermacht des franzöſiſchen Kaiſer8 ſicher entgehen. Dieſer Vorſchlag ent ſprach aber nicht den ſtrategiſchen Zweden , welche Blücher verfolgte. Ihm tam es darauf an, fidh der Böhmiſchen großen Armee zu nähern , den Ebe

nen Leipzig8 zuzumarſchiren, nicht aber ſich von ihnen zu entfernen, und der eint mit der Nordarmee glaubte er auch die Schlacht gegen den franzöſiſchen Raiſer annehmen zu dürfen. Er wollte daher den Marſch von Zörbig auf Halle fortgeſegt wiſſen , weil man von dort die Annäherung der großen Ar mee erleichtern , dem Raiſer Napoleon an der mittleren Saale zuvorkommen

und auch ein günſtiges Schlachtfeld bei Halle finden könne. Allein eine Bewegung bis Halle, die Saale aufwärts, wollte der Stron prinz nur unter dem Schuße dieſer Waſſerlinie auf dem linken Ufer , nicht auf dem rechten, ausführen , und Blücher gab endlich inſoweit nach, daß er für die Schleſiſche Armee den ſchon in8 Auge gefaßten Uebergangspunkt Wettin forderte, während der Kronprinz dafür die Nordarmee nicht weiter abwärts als bis Alsleben führen wollte. Auch verſprach er, bei Wettin 10 gleich eine Brüde ſchlagen zu laſſen. Blücher verließ Zehbiß mit geſteigertem Mißtrauen gegen den Aron prinzen und ſprach ſich darüber rüchaltlos in ſeiner derben Weiſe gegen ſeine Umgebung aus.

Der Kronprinz nahm ſein Hauptquartier in Radegaſt.

Während die Truppen ſich der Dispoſition dieſes Tages gemäß in Be

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wegung fepten , veranlaßte der Marſch und Kontremarſch des forps von Marmont folgende Meldungen.

,,Auf dem Marſche von Paupitich nach Brehna , den 10. Oktober 1813, Nachmittag8 4 Uhr. Auf dem durch die Dispoſition befohlenen Maridh erhalte ich von dem

• Major v . Sohr die anliegenden, hintereinander gefolgten zwei Meldungen, welche ich Em. Excellenz mit der gehorſamſten Bitte überreiche, fie dein kommandirenden General mittheilen zu wollen . Ich rege meinen Maríd auf Breyna fort. den Feind im Auge.

Die leichte Savalerie hat V. Kaşeler."

Erſte Meldung. ,,Benndorf den 10. Oktober 1813. Der Feind rüdt in ſtarfen Kolonnen in der Direftion von Eilenburg

auf Delißſch zu, mit Infanterie und Artillerie an der Tete. Meine Vor poſten bei Beerendorf hat er bereits zurüidgeworfen . Der General Ema nuel iſt ſoeben mit ſeinem Detachement bei mir vorbeimarſchirt. Wie er ſagt, hat er den Befehl, ſich auf der Straße Delikſch - Zörbig nach Renne riß zurüdzuziehen.

v . Sobr."

Zweite Meldung .

„ Auf der Höhe von Deligich, den 10. Oktober 1813, 4 Uhr Nachmittage. Umſtehend iſt der Rapport der nach Crenſit geſchickten Batrouille.

Der Feind ſteht jet hart vor Deligíd und hat nur wenige Flanfeurs vor ſich, ichießt aber nach jedem unbedeutenden Trupp mit Panonen. . Sohr.“ Rapport

der Batrouille des Unteroffiziers Silber. Den Herrn Major v. Schenf mit den Huſaren habe ich noch bei Sproda getroffen. 3ch bin bis Ludowehna , nahe bei Crenſik vorgegan gen. Seit einer Stunde iſt der Feind in großen Kolonnen im Marſch von Crenſiß auf Deligich.

In dieſem Augenblick theilt ſich der Feind und

mehrere Solonnen richten ihren Marſch auch auf Düben . " Dieſe Meldung wurde auch beſtätigt durch den Major d. Klür der Avantgarde Kaşeler's, und zwar in folgender Art. Auf der Höhe von Deligſch, den 10. Oktober 1813, Nachmittag8 4 '/2 Uhr.

Da ich nicht weiß, ob En. Hochwohlgeboren die einzelnen Meldungen in richtiger Reihenfolge erhalten haben , ſo beehre ich mich , das Reſultat im Ganzen vorzutragen . Der Feind erſchien in ſtarker Kolonne gegen

Mittag bei Hohenroda, theilte ſich dort und marſcirte nun in zwei Kolon

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nen weiter , von welchen die eine über Beerendorf gegen Deligich , die an dere gegen Düben vorging.

Als die Delißicher Rolonne vor der Stadt

erſchien, Flankeurs vorgezogen und einige Ranonenkugeln auf Delikid rich tete , da marſchirte General Emanuel dicht bei dieſem Ort vorbei nach Zörbig. Die Franzoſen ſtugten, blieben eine halbe Stunde halten und gingen dann denſelben Weg nach Hohenroda zurück, den ſie gekommen , waren . Um dieſelbe Zeit fah man auch die Dübener Rolonne nach Ho henroda zurüdfehren. Ich ſchätze jede dieſer Kolonnen auf 10,000 Mann. Dieſe Bewegung des Feindes hat den Anſchein einer ſtarken Rekognoszi rung , an deren Fortſegung ihn vielleicht die Erſcheinung des Generals Emanuel gehindert hat. Die Leipziger Straße iſt bis eine Meile hinter Delipid ganz leer. Die Batrouillen des Majors p. Sohr folgen dem Feinde."

Hatte man in dem Schleſiſchen Hauptquartier anfänglich geglaubt , Na poleon beabſichtige einen Vorſtoß gegen Zörbig, weil er zwiſchen Mulde und Elbe keine Truppen der Verbündeten gefunden habe, ſo zeigten doch die leta ten Meldungen, daß dieſe Erwartung nicht zutraf. Alle Truppentheile hatten daher ihren Marſch ungeſtört fortſeßen können. Rapeler meldete am Abend : Brehna den 10. Oftober 1813, Abends 7 Uhr .

In dieſem Augenblick bin ich bei Brehna mit der Avantgarde anges kommen . Der rechte Flügel meiner Vorpoſten ſteht in Landsberg , der

linke Flügel lehnt ſich an Roigich und iſt mit dem General Emanuel in Verbindung. Ich habe hier die Vorpoſten der Avantgarde des Generals v. Bor ſtel angetroffen . Eine Eskadron Weſtpreußiſcher Ulanen unter dem Major d. Romberg ſteht bei Brehna und eine Eskadron dieſes Regimente unter

dem Major v . Schmeling in Landsberg . Auch einige Eskadrons ruſſiſcher, leichter Ravallerie ſtehen noch hier bei Brehna .“ Das Gros Yorks erreichte Zörbig ; ebenſo das Gros von Langeron. Seine Avantgarde unter Rudzewitſch kam von Bitterfeld nach Renneriß und deſſen Vorpoſten unter Emanuel beobachteten von der Rober aus den Weg nach Deligich und das Terrain ſüdlich von Bitterfeld bis zur Mulde, da die Avantgarde Saden's erſt ſpät bei Bitterfeld eintraf.

Das Gros Sacen's

blieb bei Raguhn, Rorff bei Jeßnig. Von dem rechten Mulde- Ufer erhielt Sacken die Meldung , daß eine feindliche Rolonne nach Remberg marſchirt ſei.

Von der Nordarmee mar Bülow's Rorps ebenfalls nach Zörbig ge gangen , die Avantgarde zwiſchen Zörbig und Landsberg nach Que . Graf

Tauentien führte das Reſerveforp8 von Hinsdorf nach Deſſau zurück, um auch dort die Muldebrüde zu zerſtören und ſich in den Brüdenkopf von

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Roslau zu werfen, wenn der Feind über die Mulde folgen und ihn angreifen

ſollte. General Hirſchfeld blieb bei Aken und verſtärkte von hier aus Bern burg, deſſen Beſaßung bereits einen Angriff von Truppen der Magdeburger Garniſon abgewieſen hatte. Die Ruſſen blieben bei Radegaſt. Die Sowe den rückten nach Gröbzig und Löbejün. General Rauch hatte ſchon in der Nacht zum 10. Oktober die Ponton brücke bei Elſter abfahren laſſen und war am 10. nach Roswig marſchirt. In Elſter blieben ein Bataillon und eine Pionier - Kompagnie zurüc, um in der Nacht zum 11. Oktober auch die Schiffbrücke abzubrechen. Der Kronprinz ſprach am Abend dieſes Tages ſchriftlich die Abſicht aus, am 11. Oktober mit der Nordarmee über die Saale zu gehen. Das Norps von Bülow ſollte dieſen Uebergang in Gemeinſchaft mit der Schleſi

îchen Armee bei Wettin ausführen ; das ruſſiſche Rorps ſei auf Rothenburg gewieſen, die ſchwediſche Armee auf Alsleben ; wenn aber bei Alsleben die Saale nicht zu überſchreiten wäre , ſo würde man nach Bernburg und von dort auf dem linken Saalufer nach Alsleben marſchiren. Um 4 Uhr früh follten dieſe Bewegungen beginnen.

Blücher zweifelte hiernach nicht, daß der Kronprinz eine Brücke bei Wet tin, die er mündlich verſprochen , habe (dlagen laſſen und dirigirte deshalb die Armee dorthin durch folgende Marſch -Dispoſition für den 11. Oktober : ,,Um 5 Uhr marſcirt das Rorp8 von Yorf über Stumsdorf, Oſtrau ,

Drehliß, Kroſigt, langen -Nauendorf, Deutleben nach Wettin und geht das

ſelbſt über diejenige der beiden Brücken, welche am meiſten unterhalb liegt. Die Reſerve -lavalerie macht die Arrieregarde.

Um 5 Uhr marſchirt das Korps vom Grafen Langeron auf Rieda, Trebiß, Lettewiß nach Wettin und geht über diejenige der beiden Brücken,

welche am meiſten oberhalb geſchlagen iſt. Die Referde - Mavallerie macht die Arrieregarde. Das Sorps von Sacken zieht alle Boſten , welche noch jenſeits der

Mulde auf dem rechten Ufer ſtehen , ein , läßt die Brücken von Raguhn und Jeßnig abtragen und die Böde abſägen. Dann marſchirt dieſes Korp8 über Radegaſt und Löbejün nach Wettin.

Die Bivouaks - Pläge werden in Wettin durch den Generalquartier meiſter General d . Gneiſenau den Chefs des Generalſtabes jedes Sorp8 angewieſen. Die Lavallerie der Avantgarden der forps von York und Graf Lan geron , nebſt der reitenden Artillerie, bleibt ſtehen , ſowie es die Dispoſi tion vom 9. 8. Mts . ( Inſtruktion für die Avantgarden zum Marſch auf Leipzig ) beſagt. Die Infanterie nebſt der Fußartillerie marſhirt bis hinter den Betersberg ( beim Amt Petersberg , weſtlich von Dreh lit), wo ſie ſich verdedt aufſtellt.

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Die Avantgarde des Sorp8 von Saden folgt ihrem Rorps über Ra

degaſt und Löbejün , benachrichtigt aber die benachbarte Avantgarde über den Zweck des Abmarſches , damit dieſe die Gegend von Bitterfeld mit beobachtet.

Zur Nachricht dient, daß Halle mit 5000 Mann ( Ruſſen) beſegt iſt und daß morgen die Armee des Kronprinzen von Schweden ebenfalls die Saale pafſirt und zwar :

das Korp8 von Bülow bei Wettin, das Korp8 von Winzingerode bei Rothenburg, das ſchwediſche Korp8 bei Alsleben.

H.-2. Zörbig den 10. Oktober 1813.“ Da die Kavallerie Rapeler'8 am folgenden Tage, den 11. Oktober, bei Brehna und Gegend ſtehen blieb , ſo benugte Reyher einen Moinent der Ruhe und ſchrieb wieder an ſeinen Vater. Wir haben ſeinen legten Brief aus dem Bivouat bei Biſchofswerda, den 21. September , kennen gelernt. An Allem , was ſeitdem Großes und Kühnes in der Schleſiſchen Armee ge ſchehen war , hatte ja Reyher innerhalb ſeines Dienſtfreiſes rechtſchaffenen Antheil gehabt.

Er konnte in der That mit innerer Genugthuung auch auf

die jüngſte Periode ſeines Lebens zurückblicken, und er durfte dieſem Gefühl mit Recht einen ſelbſtbewußten Ausdruck geben. War es doch im tiefſten Grunde nur die volle Freude des Sohnes , welche dem Vater gegenüber durch gute und glückliche Nachrichten über ſich felbſt zur Aeußerung fam.

Reyher hatte ohne Ruhmredigkeit das einſtimmige Zeugniß ſeiner Kameraden und ſeiner Vorgeſeşten für ſein Wohlverhalten und ſeine vortrefflichen Dienſt leiſtungen für ſich. Mit überſtrömendem Gefühl treueſter Liebe beginnt er : „ Theurer, herzlich geliebter Vater ! Am 3. Oktober ſind wir bei Elſter im Angeſicht des Feindes über die Elbe gegangen. Es fand ein ſehr higiges Gefecht mit großen Ver luſten auf beiden Seiten ſtatt. Aber unſere Infanterie warf den Feind mit Ungeſtüm aus allen ſeinen Poſitionen . Nie bin ich im Laufe der Campagne dem Tode ſo nahe geweſen , als an dieſem Tage , denn eine Sanonenkugel ging ſo dicht an meiner rechten Schulter vorbei , daß ich durch den Druck der Puft ordentlich Schmerzen empfand. Auch die Armee des Kronprinzen von Schweden hat die Elbe überſchritten und ſich mit der

Armee Blücher's vereinigt: – beide ſtehen heute an der Saale. Der Feind ſoll ſich nach Leipzig hin konzentriren. Gewiß, mein lieber Vater, ich bin von meinen Heldenthaten nicht ein genommen ; aber das darf ich Ihnen dreiſt ſagen, daß alle meine Waffen brüder mir in dieſer Hinſicht ein ſehr vortheilhaftes Zeugniß geben wür den , und was mir beſonders werth iſt, mein braver Oberſt äußert ſich über mich ſehr ſchmeichelhaft. Ueberhaupt habe ich meinen Ruf und meine

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Ehre, die wirkliche Ehre , bis jeßt ſorgfältig bewahrt , und ich werde ſie, ſo lange ich lebe, als meinen föſtlichſten Scaß betrachten. 3a, mein Vas ter, es iſt ein ganz eigenes Gefühl, wenn man ſo recht dreiſt allen ſeinen früheren und iepigen Vorgelegten und Untergebenen unter die Augen tre

ten kann und eine innere Stimme uns dann zuruft: Du haſt als redlicher Mann im weiteſten Sinne des Wortes immer Deine Pflicht erfüüt. Tiefes Mitgefühl erfaßt mich immer , wenn ich die Leiden der uns glücklichen Einwohner mit anſehen muß. Man möchte helfen und fann 18 doch nicht immer. Der Soldat bekommt keine regelmäßige Verpflegung,

oft Tage lang kein Brod , keine ausreichende Bekleidung , keine Löhnung. Kann man es ihm da verargen, wenn er nach großen Strapazen ſich ſelbſt zu helfen ſucht ?

In dieſem Augenblick erhalte ich einen Brief von Friß aus Töplig, datirt den 27. September. Er und Heinrich ſind geſund. Freilich Ueber wie Fritz Fluß haben auch ſie bei der großen Armee nicht. Beide ſind ſcherzweiſe ſchreibt - im Begriff, ihre Zahlungen gänzlich einzuſtellen. Ich habe ihnen deshalb ſchnell einige gute Papiere zugeſendet, die hoffent lich ihren Rredit wieder heben werden.

Der guten Mutter danke ich herzlich für ihr Anerbieten , mir helfen zu wollen . Meinen Verluſt habe ich längſt vergeſſen und bin ſchon wie der im Beſiß eines tüchtigen Mantels ; auch an Wäſche und Geld fehlt es mir nicht. Seien Sie alſo um mich ganz unbeſorgt.

Vor einigen Tagen erhielt ich durch einen Boten den beiliegenden, für inich ſehr erfreulichen Brief von meinen Kameraden des Weſtpreußiſchen Ulanen - Regiments. Ich habe in Holzweißig einen ſehr fröhlichen Abend verlebt.

Gott laffe es Ihnen wohlgehen, geliebte Eltern ! Empfehlen Sie mich allen meinen Gönnern und Freunden, und laſſen

Sie mich ja nicht zu lange auf Antwort warten.

Bald erhalten Sie

wieder Nachricht von Ihrem

ganz gehorſamſten Sohne Brehna den 11. Oktober 1813 .

Carl. "

Der Brief, den Reyher beigelegt hatte, enthielt eine Einladung des fizierkorps des Weſtpreußiſchen Ulanen - Regiments nach Holzweißig , wo damals das Regiment, zu dem Storps Bülow's gehörend, befand. Sein halt iſt charakteriſtiſch für die Stellung Reyher'8 zu ſeinen Kameraden. Der Regiments - Adjutant, Lieutenant Welmann , ſchreibt nämlich Holzweißig, den 8. Oktober : „ Mein guter, lieber Reyher ! Sie wiſſen , wie lieb wir Sie Alle beim Regiment haben. Ich

Of ſich 31 aus

bin

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deshalb als Dollmetſcher fämmtlicher Rameraden berufen worden , Sie zu erſuchen, uns heute hier 3hre theure Gegenwart zu ſchenken ; nicht allein, um Sie auf die freundſchaftlichſte Weiſe beſtens zu bewirthen , ſondern Ihnen auch den Ruß der treueſten Freundſchaft zu geben. Das iſt der Hauptzweck dieſer Einladung."

Einige andere Rameraden hatten dieſen Zeilen ſehr wohlwollende Aus drücke hinzugefügt. Wir fehren zu Napoleon zurück. Die Meldungen, weldhe der franzö fiſche Kaiſer in der Nacht vom 10. zum 11. Oktober erhielt, ſtellten es außer Zweifel, daß Sacken mit ſeinem Korp8 das linke Mulde-Ufer glücklich erreicht

habe ; man glaubte ihn im Rückzuge auf Deſjau , und Napoleon ſchloß dar aus, daß die Schleſiſche und Nordarmee Tich ebenfalls bei Deſjau vereinigt hätten, wahrſcheinlich, um bei Roslau von dem linfen auf das rechte Elbufer zurückzukehren. Dieſe Vorausſegung hielt Napoleon feſt, weil ſie ſeinen Wünſchen entſprach . In Uebereinſtimmung mit ſeinem bereits gefaßten Ent ſchluß, auf dem rechten Elbufer zu operiren, befahl er deshalb zum 11. Dl

tober, daß die auf Wittenberg eingeleitete Bewegung fortgeſegt werden ſolle, um dort die Elbe zu einer Bewegung auf Roslau zu überſchreiten ; nur Ney wurde angewieſen , mit dem 3. Korps und mit einem Theil des 3. Kavalle rie -Storps bei Gräfenhaynchen ſtehen zu hleiben, die Uebergänge bei Raguhn, Jeßnitz und Mühlbeck im Auge zu behalten, die Straße nach Wittenberg zu decken, Oranienbaum zu beſegen und die Gegend von Deſſau zu rekognoszi ren . Von den übrigen Theilen der franzöſiſchen Armee marſchirte die Divi ſion Dombrowski , das 2. Ravallerie-Rorps , die Ravallerie Chaſtel und das

7. Sorp8 Reynier nach und durch Wittenberg. General Thümen hob beim Debouchiren dieſer Truppen die Einſchließung der Feſtung auf und ging auf dem Wege nach Roewig bis Bieſterit zurück. Das 4. Rorps Bertrand marichirte durch Schmiedeberg nach Trebit , Avantgarde nach Wartenburg ;

ſie fand die Brücke bei Elſter bereits abgebrochen. Major Reibniß zog ſich auf Jüterbogť zurück. Das 11. Korps Macdonald erreichte Bretſch, das 1. Kavalerie - Korps Seiberg. Napoleon hatte die Abſicht, perſönlich und mit den Garden von Düben nach Bemberg zu folgen ; allein als die junge Garde bereits dorthin aufgebrochen war, erhielt er im Laufe des Vormittags die Nachricht, die Schleſiſche und Nordarmee ſeien nicht mehr bei Deſſau, aber

auch nicht über die Elbe gegangen . Napoleon wurde dadurch ungewiß ; er hielt die junge Garde an und blieb perſönlich mit der alten Garde in Düben .

Das 6. Korps Marmont foute urſprünglich von dem linken Mulde Ufer bei Düben auf das rechte Ufer übergehen und dieſe Stadt beſeen, jos

bald dieſelbe von den Garden geräumt ſei. Da indeſſen Düben von den Garden nicht verlaſſen wurde, ſo blieb Marmont, dieſem Ort gegenüber, auf

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dem (inken Ufer ſtehen und ſchickte ſeine Ravallerie, gefolgt von einem De tachement Infanterie, auf Bitterfeld, um es, wenn irgend möglich, zu befeßen. Durch dieſe Rekognoszirung ſollte ermittelt werden , ob Truppen der Schle fiſchen Armee jich noch bei 3eßnig befänden . Eilenburg und Wurzen wur : den von den Franzoſen auch heute bejekt gehalten. Als Napoleon auf dieſe Weiſe den größeren Theil ſeiner Armee auf Wittenberg dirigirte , traten Blücher und der Kronprinz den Abmarſch nach der Saale an . Man marſchirte alſo nach entgegengeſetten Richtungen aus: einander, ohne auf beiden Seiten von dieſer eigenthümlichen ſtrategiſchen Si

tuation eine Kenntniß zu haben. Blücher und der Kronprinz ſicherten ſich gegen eine etwanige Verfolgung ; Napoleon ſah die beſepte Mulde als die Sicherung ſeines Abmarſches nach Wittenberg an. Indeſjen erlitt die Marſch - Dispoſition Blücher's im Laufe des 11. OF tober8 eine ſehr weſentliche Abänderung. Es ſtellte ſich nämlich heraus, daß

der Uebergang der Schleſiſchen Armee über die Saale bei Wettin nicht mög lich ſei.

Dic in Jeßnig aufgehobene Bontonbrüde konnte bei Wettin nicht

rechtzeitig eintreffen und der Stronprinz hatte an demſelben Ort meder eine Brücke ſchlagen laſſen, noch ihren Bau vorbereitet. Wenn der Kronprinz mit dieſer Interlaſſung die Abſicht berband, die Schleſiſche Armee abwärts

nach der unteren Saale zu ziehen , jo faßte Blücher den ſtörenden Umſtand einer fehlenden Brücke im entgegengeſepten Sinne auf : er beſchloß die Saale aufwärts zu marſchiren und zwar nach Halle, mo , wie wir wiſſen, bereits eine Abtheilung des General Worongow ſtand. Freilich gehörte dazu für die Truppen ein Gewaltmarſch von fünf Meilen . Blücher molte aber

unter allen Umſtänden der Böhmiſchen Hauptarmee in der Richtung auf Leip zig näher kommen , nicht ſich von ihr entfernen. Zwiſchen Trebitz und Lette wig bog das Korps von Langeron zucrſt auf der großen Straße nach Halle ſüdlich aus und überſchritt auch zuerſt bei Halle die Saale. Es bezog Bi

vouaks oberhalb der Stadt. Das Rorps von Yorf befand ſich in Langen Neuendorf , als es die Direftion auf Halle erhielt. Durch die ruſſiſche Ro lonne aufgehalten , fonnte Yorf erſt den Abend und in die Nacht hinein die

Saale paſſiren. Das Norp8 lagerte bei Nietleben und Sicherben ; eine Bri gade beſegte die Stadt , die Reſerve - Ravallerie war auf dem rechten Saalufer bei Diemiß und Biſchdorf ſtehen geblieben. Das Korpe von Sacen hatte ſchon nach Wettin einen Marſch von fünf Meilen ; es kam ſpät Abends dort an und bivouatirte auf dem rechten Saalufer. Die ruſſiſche Ravallerie folgte noch ſpäter und meldete die Bewegung der Franzoſen auf Bitterfeld, von der wir oben bereits ſprachen . Sämmtliche Savalerie - De tachements verließen das rechte Mulde - Ufer, worauf die Brücken bei Raguhn und Jeßniß zerſtört wurden ; ſie meldeten das Stilſtehen des Feindes bei Gräfenhaynchen und Gröbern. Die Infanterie der Avantgarden York's und

Langerou'8 poſtirte ſich hinter dem Petersberge, und zwar Major Hiller bei

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Kroſigt, General Rudzewitch bei Kaltenniarft.

Die Ravallerie beider Avant

garden war, dem Befehl gemäß. ſtehen geblieben, nämlich sageler bei Brehna, die Ruſſen bei Roitſd, mit Vorpoſten gegen Deligío , Sehlhauſen und Bit terfeld. Die Schweden paſſirten die Saale bei Alsleben, die Ruſſen bei Rothen

burg. Bülow mußte ſich von Wettin die Saale abwärts nach Rothenburg wenden , blieb aber für die Nacht daſelbſt auf dem rechten Ufer. Tauengien ſtand bei Deſſau und beobachtete Oranienbaum und Wörlig. General Rauch erreichte von Soswig auf dem rechten Elbufer Steit, Afen gegenüber. Fürſt

Stſcherbatow fonnte mit dem Obſervations- Korps wegen Mangel an Ueber gangsmittel die Elbe nicht überſchreiten ;

er ſtand am 11. Oktober in

Großenhayn und fand hier den Befehl Blücher's, auf Elſter zu marſchiren. Blücher benachrichtigte den Kronprinzen , daß , weil er bei Wettin keine Brücke gefunden , er nach Halle marſchirt ſei, wo ſeine Armee mit zwei storps konzentrirt ſtehe.

Er lud den Brinzen gleichzeitig zu einem Vorgehen auf

Leipzig ein, um dort den Feind in Gemeinſchaft mit der Hauptarmee angrei fen zu können .

Die große Böhmiſche Armee hatte in der That ihre Operation anf Leipzig der Art fortgeſegt, daß am 11. Oktober Abends die Hauptmaſſe der ſelben bei Altenburg ſtand , die Queue in Benig , die Tete in Borna.

Das

Spofafen - Rorp8 unter General Platom mar ſchon über die Elſter gegangen und ſtand weſtlich von Leipzig bei Lügen. Denkt man ſich von Altenburg nach Halle eine gerade linie gezogen, ſo liegt Lügen ungefähr in der Mitte, gleichweit, nämlich vier Meilen, von Altenburg wie von Halle. Leipzig, wei ter öſtlich von lügen , iſt don Altenburg wie von Halle nur fünf Meilen entfernt. Die Vereinigung der Schleſiſchen mit der Hauptarmee war alſo nach der Mitte zu in zwei Tagemärſchen möglich. Nur der Kronprinz von Schweden ſtand bei Alsleben um die doppelte Entfernung zurüd , nämlich vier Meilen von Halle, alſo acht von Lüßen, neun von Leipzig.

Blücher ſeşte nach den wenigen Meldungen , die er erhalten , voraus, Napoleon marſchire von Düben auf Deſſau, wo er auf den nach Roslau zurückweichenden Grafen Tauengien ſtoßen werde.

Bon der Bewegung der

franzöſiſchen Armee auf Wittenberg hatte er noch keine Renntniß. Ging aber Napoleon nach Deſſau , jo ſtand der Vereinigung der verbündeten Armeen bei Leipzig kein entſcheidendes Hinderniß entgegen. Die bei Leipzig und Um gegend verbliebenen feindlichen Truppen unter Murat, Arrighi und Augereau konnten dann um ſo ſicherer überwältigt werden. Bereinigte aber der fran zöſiſche Raiſer vorher alle dieſe Truppen mit ſeiner Hauptarmee , ſo waren

unterdeſſen auch die Armeen der Aliirten zu der gemeinſchaftlichen Haupt- , ſolacht konzentrirt. Der Kronprinz dagegen faßte die Sachlage nach ſeinem Schreiben an Blücher von demſelben Tage anders auf. Er bemerkte zunächſt mit Genug

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thuung, daß die Schleſiſche Armee bei Halle in erſter Linie und die Nord armee bei Alsleben dahinter in zweiter Linie ſtehe. General Worongow ſei daber mit der Ravalerie bei Halle nicht mehr nöthig; er werde ihn zurück ziehen und weiter weſtlich verwenden . Von Napoleon nahm er mit Beſtimmt

heit an, derſelbe werde ſeine Armeeforps bei Leipzig zuſammenziehen, um ſich von dort nach Altenburg hin der Böhmiſchen Hauptarmee entgegenzuwerfen. Trete dieſer Fall ein, dann erſt ſei es an der Zeit, gegen Leipzig zu apan

ciren. Mit Afen und Deſjau in der Hand biete die Stellung an der unte ren Saale den Vortheil, eine Schlacht annehmen, aber auch dein Kaiſer Na

poleon ausweichen 311 können. Der Kronprinz fuchte, wie immer, die volle Sicherheit ſeiner Armee , und er wußte ſie ſtets mit ſtrategiſchem Geſchick herbeizuführen .

Unabhängig von dieſen Anſchauungen wollte Blücher zunächſt Merſeburg, auf dem halben Wege nach Lügen liegend , befeßen und Sacen nach Halle ziehen.

Er befahl deshalb noch am 11. Oktober aus Halle zum 12. DE

tober :

Graf Langeron ſendet morgen ein Rorps nach Merſeburg , welches dieſe Stadt und das linke Saalufer befest, – zieht die Reſerve -Ravallerie

wieder an ſich heran und läßt die Saale und das jenſeitige Ufer beob achten .

Das Rorp8 von York bleibt in derſelben Aufſtellung, die es heute eingenommen hat.

Das Korps von Sacken paſſirt bei Wettin auf der (nun geſchlagenen ) Pontonbriide die Saale und marſchirt nach Langenbogen und Deutſchen thal.

Die Bontonbride bleibt ſtehen.

Die Avantgarden von Rapeler und von Rudzewitſch verbleiben in ihrer Aufſtellung am Petersberge , bis ſie vom Feinde vertrieben werden und ziehen ſich ſodann gemeinſchaftlich über die Pontonbrüde bei Wettin , mo ſelbſt ſie am linken Ufer Batterien auffahren und die Brücke abbrechen,

ſobald ſie völlig (mit Einſchluß der Ravallerie) den Fluß paſſirt haben.

Mein Hauptquartier bleibt morgen in Halle !" Langeron beſtimmte das Korps des Grafen St. Prieſt zur Befeßung Merſeburge und verſtärkte ihn durch zwei Ravalerie - Regimenter.

Am 12. Oktober lenkte Napoleon wieder in die Bahn ſtrategiſcher Ope rationen ein , welche ihn in unmittelbaren Contact mit den feindlichen

Haupt- Streitfräften bringen mußten. Allein dieſer Wechſel in ſeinen Gedan ken und Plänen trat erſt am Nachmittag hervor ; am Vormittag ſehen wir ihn noch Befehle für die Bewegungen auf dem rechten Elbufer geben . Es blieb ihm auch heute noch unbekannt, wo ſich eigentlich die Schleſiſche Armee

befinde ; Gerüchte deuteten auf die Saale und ſelbſt auf Halle hin ; aber

militairiſche Meldungen gaben ihm darüber noch keinen Aufſchluß. Paik

: Mii.- usoác : !!.

1869.

A

Die

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Nordarmee glaubte er dagegen bei Deſſau ( Tauentien) vor fich zu haben, ſei es ganz oder nur theilweiſe. Ney follte ſie angreifen und die Stadt bes feßen , während Dombrowski , Reynier und Sebaſtiani von Wittenberg gegen Roslau avanciren würden , um ſich des dortigen Brückenfopfes zu bemächtis gen und ihn zu zerſtören . Die Muldebrücken dagegen ſollte Ney wieder her ſtellen laſſen. Bertrand, von dem vorausgeſeßt wurde, er habe die Brücken bei Elſter vernichtet , blieb zur Reſerve beſtimmt, nach Erforderniß auf dem linken oder rechten Elbufer. Macdonald folite bis Wittenberg marſch iren und dort die weitere Direftion , je nach der Sachlage, abwarten ; die Gar

den bei Düben ; Marmont auf dem linken Mulde-Ufer. Die betreffenden Befehle gab Napoleon in Düben uin 4 Uhr Morgens und ließ an Ncy hinzufügen : ,, Der Raijer verſpricht ſich die glüdlichſten Re

ſultate von dieſer Operation und empfiehlt Ihnen, den Feind lebhaft zu drän gen . "

Tauengien war indeſſen auf feiner Huth.

Er hatte ſeine Vortruppen

aus Wörlitz und Oranienbaum bereits nach Deſjau zurückgezogen. Unter dein Schuße einer Arrieregarde , die mit der Kavallerie Ney's lebhaft enga girt war, räumte er Dejjau , überſchritt bei Roslau die Elbe und brach die dortige Brücke ab. Ncy blieb in Deſſau ſtchen . -- Reynier ſtic6 bei Koswig

auf Thümen, warf ihn zurück, blieb aber weſtlich von Kuswig bei Kliefen halten. Thümen gewann dadurch Zeit , ſich mit Tauentien zu vereinigen, und beide marſcirten unverfolgt auf Zerbſt ab . Dieſes Reſultat entſprach nicht den gehegten großen Erwartungen. Na

polcon vergrößerte es ſich aber dadurch, daß er annahm , die ganze Nordarmee ſei doch auf das rechte Elbufer zurüdgegangen. Marmont hatte gleichzeitig wieder Deligich beſetzt, um von dort aus die Saale näher beobachten zu fönnen . Am Nachmittag dieſes Tages empfing Napoleon in Düben ſehr bedent liche Nachrichten , die König Murat ihin über das Vorrüden der Böhmiſchen Hauptarmee auf Leipzig einſandte.

Murat war von Borna bis Gröbern ,

1/4 Meile ſüdlich von Leipzig , zurückgeworfen worden ; der Feind ſtand ſchon in Lüßen und an der Saale. Leipzig, im weſtlichen Halbkreiſe umſtellt, konnte in kurzer Zeit für dic franzöſiſche Armee verloren gehen. Dieſe Si tuation, deren Entwidelung Napoleon jo ſchnell wenigſtens für ſeine Pläne jenſeits der Elbe nicht erwartet hatte , ließ ſeine volle Krieg8 - Energie wieder erwachen .

Nachmittag8 4 Uhr ſprach er dem Rönige von Neapel

ſchriftlich den Entſchluß aus, ſeine ganze Armee – mehr als 200,000 Mann - bei Leipzig zu vereinigen und dort gegen die Berbündeten die Schlacht zu ſuchen. Es war dem Kaiſer nur ſelbſt zweifelhaft , ob dieſer Entſchluß bei der Zerſtreuung der Armee von Leipzig bis Wittenberg und fioswig noch ausführbar ſci : - die Bedingung dazu war die Behauptung Leipzige, und Napoleon legte den größten Werth darauf.

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Murat ſolite deshalb auf das Schleunigſte melden, ob er am 13. Of:o ber und bis zum 14. Oktober früh Morgens Peipzig werde halten fönnen. Marmont würde dann ſogleich auf Taucha abmaridhiren , die Garden von

Düben her folgen, dadurch 80,000 Mann am 13. in der Nähe von Leipzig verſammelt ſein und am 14. Ofteber die ganze Armee vereinigt werden . Sollte aber Murat ſchon am 13. Oktober a18 der Gegend von Leipzig wei chen und die Stadt den Verbindeten überlaſſen müſſen , dann habe er ſich . an die Mulde , zunächſt nach Wurzen , zurückzuziehen , um dort den linten Flügel der ſtrategiſchen Aufſtellung auf dem rechten Mulres Ufer zu bilden, deren Mitte Eilenburg und Düben, deren rechter Flügel Deſjau wäre. Von der Mulde aus wolle dann der Kaiſer operiren und den Verbündeten eine Schlacht liefern .

Murat habe ſeine Antwort , von der die weiteren Befehle

abhingen, durch Offiziere auf Courier -Pferden nach Düben zu ſchiden. Erſt an dem heutigen Tage erfuhr Blücher, daß Napoleon von Düben

eine Bemegung auf Wittenberg gemacht habe. General Nudzewitich fandte dieſe Nachricht ein , die er durch einen Gefangenen erhalten hatte. 3. dem

Hauptquartier zu Halle glaubte man, es ſei dies die Einleitung zu einer Opes ration , durch welche der franzöſiſche Kaiſer auf dem rechten Elbufer einen Marſch nach Magdeburg beabſichtige, um bei dieſer Feſtung wieder auf das linfe Ufer überzugehen , ſei es zum weiteren Rückzuge oder zum Angriff auf die Verbündeten . Trat dieſer Fall wirflich ein, dann fonnte auch bei Leipzig nur eine verhältniſmäßig geringe Zahl franzöſiſcher Truppen ſtehen. Kayeler dien dieſe legtere Annahme zu beſtätigen, denn er meldete aus „ Brehna den 12. Oktober 1813, 91/2 Uhr Morgens. Geſtern Nachmittag find etwa 300 Mann feindlicher Truppen in

Bitterfeld geweſen, die einen dort arbeitenden ruſſiſchen Kurſchmied gefan gen genommen haben und ſich dann nach Eilenburg ( Düben ?) zurüczogen. Auch Deligich iſt wieder von ruſſiſchen Truppen beſikt , und ineine Pa trouillen haben erſt zwei Meiten jenſeits dieſer Städte , auf der Straße

von Deligich nach Eilenburg , ſchwache feindliche Boſten angetroffen. Eine Patrouille vom Brandenburgiſchen Huſaren - Regiment iſt über Lindenthal hinaus bis dicht vor Leipzig geweſen und hat feinen Feind getroffen . In

Leipzig ſelbſt ſtehen zwei Infanterie - Regimenter, die aber hierher feinen Uußenpoſten haben. Ich habe Stundſchafter nach Leipzig geſchickt und hoffe durch dieſe zuverläſſige Nachrichten zu erhalteu ." Auch nach den Meldungen aus dem Terrainabſchnitt weſtlich von Leipzig war der Feind erſt nahe vor der Stadt bei Lindenau gefunden worden. Es fam daher zunächſt darauf an, die wirfliche Stärfe des Feindes bei Leipzig genau zu refog11083iren , und zu dieſem Zwed befahl Blücher ſeis nen Avantgarden zum 13. Oktober :

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„ H.-Q. Halle, den 12. Oktober. Die Infanterie der Avantgarde, welche hinter dem Petersberge ſteht, marſcirt mit Tagesanbruch, Halle hart rechts laſſend. Die preußiſche Infanterie der Avantgarde ſtellt ſich hinter Bruđdorf die auf (3/4 Meile ſüdöſtlich von Halle, Straße nach Schleudit ), ruſſiſche Infanterie der Avantgarde hinter Reideburg (ca. 1/2 Meile öſtlich von Halle). Die Ravalerie und reitende Artillerie der preußiſchen Avantgarde

marſchirt don Brehna in der Direktion von Schkeudit. Die Ravalerie und reitende Artillerie der ruſſiſchen Avantgarde marſchirt in der Direktion von Kölja, welches auf der Straße von Landsberg nach Leipzig liegt. Die Ravallerie beider Avantgarden macht eine Retogno8zirung gegen Leipzig und ſucht den Feind auf. Es iſt ſehr wichtig, über deſſen Be wegungen Nachrichten einzuziehen. Die Ravallerie des Kronprinzen von Schweden wird zugleich eine Re

kognoszirung auf Bitterfeld und Delißich vornehmen. Zur Rechten , jen ſeits der Elſter und Luppe, ſteht ein Korps vom General Grafen Lange ron (St. Brieſt in Merſeburg, ca. 12,000 Mann ), - welches Boſten -

gegen Leipzig hat. Nach volbrachter Rekognoszirung ſetzen ſich die Gros der Ravallerie der Avantgarde in die Linie von Gr. Kugel - ( 8/4 Meile weſtlich von Schleudig ) - bis Landsberg. Die Vorpoſten bleiben an dem Feinde.

Mit Tagesanbruch werden die Bontons bei Wettin aufgenommen ,

fahren nach Giebichenſtein bei Halle und ſchlagen dort eine Brücke auf der Stelle, wo die Fähre liegt. Dieſe Brücke iſt, im Fall eines feindlichen An griffs auf die Avantgarden , für die ruſiſche Avantgarde beſtimmt. Die preußiſche Avantgarde zöge ſich in dieſem Fall durch Halle." Die Vorausſetung Blücher's, der Kronprinz werde eine Refognoszirung auf Bitterfeld und Delizich befehlen , gründete ſich auf die von ihm an den Prinzen gerichtete Aufforderung dazu, unter gleichzeitiger Mittheilung, daß die Schleſiſche Armee über Landsberg und Schleudig Leipzig rekognosziren werde. Blücher fügte hinzu , daß Angriffe auf den Feind bei Leipzig von den drei Armeen an einem und demſelben Tage unternommen werden müßten.

Allein der Prinz modifizirte dieſen Nekognoszirungsplan, ſo weit er ihn betraf. Er erhielt nämlich in Rothenburg zuerſt die Nachricht von dem Vor gehen franzöſiſcher Truppen gegen Deſſau, dem Verluſt dieſer Stadt und dem

Rüdzuge Tauengien's und Thümen’s nach Roslau . Der Kronprinz theilte dieſe Sachlage dem General Blücher mit und fügte hinzu, daß es unvorſich tig ſein würde , unter dieſen Umſtänden auf Leipzig zu marjdiren und den Feind im Rücken zu haben ; deshalb ſei ſeine Abſicht eine Rekognoszirung

auf Cöthen und Deſſau , um die wirkliche Stärke des Feindes an der unte

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ren Mulde zu erfahren. In Uebereinſtimmung hiermit mußte Bülow ſchon

am heutigen Tage (dem 12.) die Reſerve-Ravallerie unter General v. Oppen bis Gorzig vorſchicken, deſſen ausgeſendete Detachemento den Verluſt Deffau's beſtätigten , aber auch die Nachricht brachten, daß auf dem linken Mulde -Ufer

franzöſiſche Truppen ſich nicht befänden. Im Uebrigen blieb die Nordarmee heute an der Saale bei Rothenburg und Alsleben ſtehen.

Blücher dagegen ſah durch dieſen Zwiſchenfall ſeine Aufmerkſamkeit auf Leipzig nichl abgelenkt. Mochte Napoleon auf Wittenberg oder auf Deiſau marſchiren, in beiden Fällen hatte er dadurch Leipzig Preis gegeben, und dort lag dann um ſo ſicherer der Vereinigungspunkt der Schleſiſchen Armee mit der Böhmiſchen Hauptarmee. In der Verfolgung dieſes Gedankens hält Blücher es für möglich , die für den 13. Oktober ſchon befohlene Refognos zirung gleich mit einem Angriff auf Leipzig, zur Wegnahme der Stadt, ver binden zu können. Zur Erreichung dieſes Zwecks ſollte aber das Korps Yort's mitwirken, und zwar nach folgender Ordre : „H.-D. Halle, den 12. Oktober 1813, Abend 8 6 Uhr. Den 13. mit Tagesanbruch bricht das Rorps von Em. Era

cellenz auf. Die Ravallerie der Avantgarde hat ihre Inſtruktion, bei der er

bleibt, bis ſie gegen Schleudig ankommt, wo ſie alsdann Hochdero weitere Befehle empfängt.

Mit der Referde-Navallerie und der in Hatte liegenden, ſowie der bei Nietleben bivouakirenden Brigade marſchiren Em. Excellenz gerade auf Leipzig. Die zwei bei Zſcherben ſtehenden Brigaden und die Referde-Ar tillerie (exkl. der Artillerie, welche Sie etwa noch zu den beiden erſten Brigaden ſtoßen zu laſſen nöthig finden dürften) folgen bis in die Gegend von Schleudiß, wo Em. Excellenz ihnen eine Poſition anweiſen werden. Die Infanterie der Avantgarde bleibt zum Repli bei Bruđdorf ſtehen. Iſt wirklich nur wenig feindliche Infanterie in der Stadt und fein Rorps zum

Soutien in der Gegend, ſo ſchließen Sie diefelbe ein, fordern ſie auf oder nehmen ſie weg. In Leipzig müſſen durchaus Nachrichten vom Feinde zu erhalten ſein.

3ft der Feind in oder bei Leipzig zu ſtark, ſo daß Sie ſeiner nicht Herr zu werden denken , ſo bleiben Sie vor ihm ſtehen und theilen mir alle 3hre Nachrichten mit, damit ich 3huen folgen kann . Auf jeden Fali bitte ich mir oft Nachrichten zu geben , damit ich meine Maßregeln danach nehmen kann .

Der ruffiſche General Emanuel wird 3hre linke Flanke

deđen. Bon Merſeburg aus wird etwas gegen Leipzig vorgehen und Ihre rechte Flanke ſichern, welche ohnedies durch die Wieſenthäler der Elſter ſehr gedeďt iſt .“

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Die Einleitung zu dieſer Ordre erhielt in allgemeiner Angabe die Nach richten vom Feinde, die wir eben tennen gelernt haben .

Graf Langeron wurde angewieſen , der Art bei der Unternehmung auf Leipzig mitzuwirken , daß St. Prieſt aus Merſeburg 2000 Mann Savallerie, Artillerie und Zufanterie ſüdlich der Puppe gegen Leipzig vorrüden ließe. Auch ſollte er nach Lügen hin die Verbindung mit der großen Armee hers ſtellen .

Sacen traf mit ſeinem Rorps von Wettin her ſehr ſpät in Deutſchen thal cin und durfte deshalb vorläufig dort ſtehen bleiben. Dic Meldungen, welche in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober in Halle cingingen, gaben indeſſen Beranlaſſung, die Dispoſition für den 13. zum Theil zu ändern. Von Seiten Kaşeler's lautete die Meldung : Brehna, den 12. Oktober 1813, 7 Uhr Abends .

Der Feind hat gegen Abend Doligich wieder beſegt. Seine Stärke fenne ich noch nicht, habe aber Patrouillen dorthin geſchidt. Heute Nach mittag iſt eine ſtarke Ranonade in der Entfernung gehört worden , welche

noch ickt, wo es ſchon dunkel iſt, ſchr lebhaft fortdauert. Nach der Rich tung des Schalles zu urtheilen ſcheint dieſelbe bei Wittenberg zu ſein. Eine Batrouille , die ich heute nach Jeßnig geſendet habe , wird vielleicht nähere Aufidhlüſſe darüber mitbringen.

Eben meldet niir der Major v. Sohr , daß , nach Ausſage eines zu den Nuſſen übergegangenen Dejerteurs, der Kaiſer Napoleon am 9. d. Vits. don Eilenburg mit einer ſehr ſtarken Armce auf Wittenberg marſchirt ſei ; die kaiſerlichen Garden ſeien auch dabei geweſen . Nach einer anderen Nachridt ſoll der Kaiſer am 10. Abends in Düben geweſen ſein. Die Feinde ſollen das Gerücht verbreitet haben , der Kaiſer marſchire gerade auf Berlin . In dieſem Augenblick erhalte ich die Dispoſition für den 13., die auszuführen ich nicht verfehlen werde."

Ferner ſpäter : ,, Brehna, den 12. Oftober, Abends 10 Uhr .

Em. Ercellenz becite ich mich, afſchriftlich in der Anlage eine Meldung gehorſamſt zu überſenden , welche ich ſo eben von dem Viajor d. Sohr erhalte."

„ Landsberg, den 12. Oftober 1813.

Von einem aus feipzig zurückgekommenen Kaufmann habe ich die beſtimmte Nachricht, daß Leipzig mit ungefähr 4000 Danu beſept iſt. Der König von Neapel foll eine Stunde hinter Leipzig in Connemi

ſtehen. Die Arinee , bei welcher ſich der Kaiſer befindet , ſteht längs der Mulde von Wurzen über Eilenburg bis Bitterfeld. Der Kaiſer

iſt den 10. 8. M18. noch in Eilenburg geweſen , wo ihn ein Bürger

aus Leipzig geſehen hat. Die Stärfe dieſer Armee ſchätt man auf 120,000 Mann. Einem allgemeinen Gerücht in Leipzig zu Folge iſt geſtern bei Borna mit der Böhmiſchen Armee eine Schlacht vorgefallen, was Bürger von den Thürmen zu Leipzig geſehen haben , und iſt das

her heute von franzöſiſder Seite bei ſtrenger Strafe das Hinaufſtei gen unterſagt worden. Daß dieſe Affaire nicht günſtig für den Feind ausgefallen ſein muß , beſtätigen eine Menge Ausreißer , welche feit

geſtern gegen Abend und heute noch während des ganzen Tages ange fommen ſind. Aus allen Truppenarten beſtehend, fou der größte Theil ohne Gewehre ſein. Man will ſogar vermuthen, daß unſere Vorpoſten von dieſer Seite ſchon bis Rötha vorgedrungen ſind. v. Sohr."

General Nudzewitſch beſtätigte Abends aus Kaltenmarkt, daß der Feind Deligich und von Düben her auch Sauſedlig beſagt habe, wo er jegt in großer Stärfe lagere.

Wichtiger aber war die Nachricht, welche von St. Prieſt aus Merſeburg einging, daß Marſchall Augereau mit dem Obſervations - Sorps von Naum burg her Weißenfels und Lügen paiſirt habe und nun ſchon in eipzig lei.

Er hatte auf dieſem Wege öſterreichiſche und ruſſiſche Vortruppen zurückge worfen. Etwa 15,000 Mann des Feindes ſtanden heute noch in Lügen. 3n der That war durch Augereau cine Verſtärkung von 23 Bataillonen und 30 Gøfadrons nach Leipzig gefommen , und rechnet man die Truppen

Marmont's und die Rorps Murat's dazu, ſo ſtanden zum 13. Oftober Bor

mittags ſchon ca. 90,000 Mann zur Vertheidigung der Stadt und der Uin gegend bereit.

Wenn man auch im Hauptquartier Blücher's von dieſer Stärfe des

Feindes feine Senntniß haben fonnte, ſo war doch augereau's deutend genug, einen iſolirten Angriff auf Leipzig nicht räthlich laſſen. Yorf erhielt deshalb am Morgen des 13. Gegenbefehl, für dieſen Tag angeordneten Refognoszirungen ſollten in ihrein fange zur Ausführung fommen.

Anfunft bes erſdeinen zu und nur die ganzen Um

Die Entſchlüſſe, welche Napoleon auf Murat's Antwort baſiren wollte,

mußten für den 13. Oktober der ganzen ſtrategiſchen Sachlage eine neue ent ſcheidende Wendung geben. Die Belegung Deſſau's, der Rüdzug Tauenticn'o nach Roslau und die Meldung von einem zahlreichen Troß auf dem rechten Elbufer veranlaßten Napoleon zu dem Glauben , daß nich: nur die Nordarmee , ſondern auch die Schleſiſche Armee die Elbe zurück überſchritten habe. Es fam ihm deshalb zunächſt darauf an, ſich in den Beſiß der Brücken von Roslau und Aten zu jeßen, oder ſie zu zerſtören, um beiden Armeen einen wiederholten Uebergang

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von dem rechten auf das linke Elbufer zu erſchweren.

Reynier wurde dee

halb angewieſen, die von Wittenberg her angefangene Offenſive über Roslau hinaus bis Ufen fortzuſetzen, während Ney ihn von Deſſau aus, dieſfeits der Elbe, durch eine gleiche Bewegung auf Afen unterſtüßen ſollte. Bei der Mög lichteit, daß Reynier auf ſehr überlegene Kräfte der Verbündeten ſtoßen fönute,

wurde dem Marſchall Macdonald , dieſſeite Wittenberg ſtehend, freigeſtellt, ob er über die Elbe gehen und Reynier unterſtügen, reſp. das Ober - from mando jenſeits der Elbe über Reynier , Dombrowski und Sebaſtiani über

nehmen oder die weiteren Meldungen Reynier' & bei Wittenberg abwarten wolle .

Dieſe Befehle Napoleon's ſtanden in engſter Verbindung mit ſeinem Entſchluß, ale verfügbaren Rorp8 ſofort nach Leipzig zu führen , denn Mu rat hatte ihm in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober gemeldet , daß er Peipzig am 13. Oktober behaupten werde.

Durch die Elbe von dem Aron

prinzen und Blücher getrennt , glaubte Napoleon , nun um ſo ſicherer die Böhmiſche Hauptarmee angreifen zu können . Zwar erfuhr er noch in der ſelben Nad)t mit Beſtimmtheit, daß die Schleſiſche Armee nicht über die Elbe zurückgegangen ſei, ſondern bei Halle an der Saale ſtehe; indeſſen ſein Ent ſchluß, die Mulde und Elbe zu verlaſſen, wurde dadurch nicht inehr geändert ; er hoffte, wenigſtens die Nordarmee von ſich abgeſchüttelt zu haben , und wenn dies thatſächlich auch nicht der Fall war , ſo werden wir doch ſehen,

wie Bernadotte ſich auf's Aeußerſte bemühte, aus der gefürchteten Nähe Na poleon's herauszufommen.

Zwiſchen 4 und 5 Uhr Morgen8 giebt Napoleon ſeine Befehle zum Eilmarſch der Armee nach Leipzig.

Marmont war bereits an den König

von Neapel gewieſen worden. Die alte Garde folgte ihm zunächſt. Was noch auf dem rechten Ufer der Mulde ſtand, wurde auf Düben zurücdirigirt, nämlich die junge Garde , die Ravallerie Latour's, die Rorps von Bertrand

und Macdonald . Reynier , mit Dombrowski und Sebaſtiani, ſollte über Wittenberg wieder nach Düben marſchiren und mit Ney auf Leipzig nach rüden .

Natürlich brauchten die entfernteren Korps mehr Zeit, konnten daher

auch erſt ſpäter bei Leipzig eintreffen. Napoleon ſprach es gleichzeitig aus, daß er einer Hauptídlacht entgegengehe; der Augenblick ſei ſehr wichtig ; wahrſcheinlich werde die Schlacht am 15. oder 16. Oktober ſtattfinden .

Ehe der Rüdzug 8 - Befehl den General Reynier erreichen konnte , hatte derſelbe , der erſten Weiſung Napoleon's gemäß , den Marſch auf Roslau fortgeſegt und von dort ein Detachement auf Afen vorgetrieben, wo wir die

Generale Rauch und Hirſchfeld wiſſen. Rauch war ſchon am Morgen dieſes Tages ( 13. ) auf das linke Elbufer gegangen und nach Cöthen abmarſchirt. Hirſchfeld ließ bei der Annäherung der Franzoſen die Brüde zum Theil ab brechen ; man fanonirte ſich gegenſeitig, und um 4 Uhr Nachmittags fehrten

die Franzoſen nach Roslau zurüd. Franzöſiſche Ravalerie war auf Treuen

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brießen , Belzig und Zerbſt vorgeſchoben worden. Tauentien hielt ſich für

verfolgt und marſchirte unaufhaltſam von Zerbſt über Görzke und Branden burg nach Berlin .

Einige Bataillone Ney's gingen erſt am Abend von Deſſau gegen Aken dor, wurden aber hier abgewieſen und kehrten am folgenden Morgen auch nach Deſſau zurüc.

Wenden wir uns nun zur Schleſiſchen Armee , um den Erfolg der Rekognoszirungen der Avantgarden gegen Leipzig kennen zu lernen .

Die Infanterie der preußiſchen und der ruſſiſchen Avantgarde marſchirte, dem Befehl gemäß, nach Bruddorf und Reideburg . Rapeler führte feine Ra

vallerie von Brehna über landsberg nach Glefſien (nördlich von Safeudig) und meldete von hier :

,, Auf dem Marſch bei Gleſjien, den 13. Oktober 1813, Nachmittags 1 Uhr.

Ew. Excellenz melde ich gehorſamſt, daß ich einen Difizier zum ruſ fiſchen General Emanuel geſchickt hatte , um eine Rekognoszirung, die dies ſer General bei ſeinem Vorbeimarſch gegen Deligſch unternahm , mit an zuſehen . Der Offizier bringt mir die Nachricht, daß der Marſchall Mar mont mit ſeinem Rorp8 in der vergangenen Nacht in und um Delitich geſtanden habe, heute Morgen aber nach Taucha abmarſchirt ſei.

Ich werde meine Rekognoszirung in Gemeinſchaft mit dem General Emanuel gegen Leipzig fortſetzen .“ Als dieſe Rekognoszirung von Shkeudiß auf der Straße Hatle- Leipzig beendet war, berichtete der Oberſt:

Schleudiß, den 13. Oktober 1813, Abends

11

8 Uhr .

In Folge der erhaltenen Dispoſition habe ich mit der Ravallerie der Avantgarde eine Rekogno8zirung gegen Leipzig ausgeführt. Das Dorf Mödern fand ich mit etwa einem Infanterie-Bataillon beſegt ; ein Kaval lerie -Regiment, welches hinter dem Dorfe ſtand , diente dieſem Bataillon zum Soutien . Ich ging dem Feinde mit dem größeren Theil meiner Sa vatlerie und init 3 Geſchügen in die rechte Flanke, in der Abſicht, ihn da

durch zur Entwicelung größerer Streitkräfte zu nöthigen ; – allein er zog

ſich ſchleunigſt bis Gohlis zurüd. Hier ließ ich ihn von meiner Artillerie ſo lange beſchießen , bis er ſeche Geſchüße vorbrachte und mein Feuer be A18 es anfing dunkel zu werden , brach ich das Gefecht ab ;

antwortete.

auch erhielt ich um dieſe Zeit die Mittheilung, daß General Emanuel einen

Theil des Rorps von Marmont ſich gegenüber habe. Meine Feldwachen ſtehen von Püfſchena an der Elſter bis Lindenthal, wo ich Verbindung mit den Borpoſten der Generale Emanuel halte. Ein

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Nepli habe ich bei Hähnichen aufgeſtellt und mit dem Groß der Ravallerie und init der Artillerie ſtehe ich bei Schleudiß . Ade Nachrichten ſtimmen darin überein, daß der Kaiſer Napoleon in Düben iſt. Der König von Neapel jou in Leipzig ſein. Ein Mann, der

aus der Stadt zurückkehrte, verſicherte, daß heute Morgen 13,000 Mann mit 10 Geſhügen von Borna her in Leipzig eingerüct ſeien . Ebenſo ſteht das Korps don Marmont um Leipzig ; es iſt heute früh von Des

ligich hierhermaridhirt. Auch die Truppen , auf welche ich bei Möckern ſtieß, ſollen von dieſem Sorp8 geweſen ſein ; ſie beabſichtigten , in Wah ren und Mödern Quartiere zu nehmen , wurden aber durch mein Vorge hen daran gehindert.

Die Nachricht, daß nach einem bei Borna ſtattgehabten Gefecht Flücht linge und Bleſſirte in leipzig angefommen ſeien, beſtätigt ſich .“ (General Emanucl mar aus der Gegend von Delivſch gegen das Dorf

Widderikích, nördlich von Leipzig, vorgegangen und ſtieß hier am ſpäten Nachmit tag auf den geind, der ſtart genug war, ſein weiteres Bordringen zu hemmen . Der General ließ deshalb für die Nacht Vorpoſten bei Lindenthal und por Widdes rigich ſtehen und poſtirte ſich mit dem Gros ſeiner Savallerie bei Kadefeld. Gene ral Ridzemitid blieb mit einem Theil der Ravallerie ſüdlich von Landsberg bei Reinsdorf und ließ von hier Deſſau und Deligich beobachten . Das Detachement, welches St. Prieſt von Vierſeburg aus gegen Leip zig vorgeſóidt hatte , erhielt auf dem Mariche dorthin Gegenbefehl und

machte deshalb bei Rüdmarsdorf Halt. Am Abend dieſes Tages ſtand die franzöſiſche Armee , den Befehlen Neynier bei Roslau , wo er Napoleon's gemäß , an folgenden Punkten : die noch unvoûendete Elb - Brücke wieder zerſtören ließ, um dann in der Nacht

den Rüdmarſch nach Wittenberg anzutreten ; -- Macdonald bei Kemberg ; die Gar Bertrand im Marſch auf Düben, wo er in der Nacht eintraf; Deſſau ; Crenſiv in ; Ney bei Tete der mit Kavallerie-Norps den und das 1. Viarmont bei Taucha und Leipzig ; Arrighi in Leipzig ; – Augereau zwiſchen Connewitz und Vorwert Thonberg , jüdlich von Peipzig ; Murat

mit dem 2., 5. und 8. Korp8 noch weiter ſüdlich von Leipzig mit dem rech ten Flügel bei Croſtemiß an der Preiße.

Ju dem Hauptquartier Blücher's war es für die Beurtheilung der ſtra tegiſchen Sachlage ein ſehr günſtiger Umſtand, daß man dort den entſcheiden den Punft : Vereinigung mit der großen Böhmiſchen Armee , nie aus dem

Auge verlor und ſich darin durch Demonſtrationen Napoleon's auch nicht be irren ließ. Wäre es dem franzöſiſchen Kaiſer gelungen, die Schleſiche Armee in Verbindung mit der Nordarmee zu einem Rüdzuge von dem linken auf das rechte Elbufer zu verſciten, ſo würde Napoleon nach einer Schlacht oder ohne dieſelbe doch wieder nach Leipzig zurücgekehrt ſein , um hier die Böh

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miſche Armee

wenn möglich

niederzuwerfen .

Anders aber urtheilte

der Kronprinz von Schweden über die augenblidliche Situation. Wir haben ihn in Rothenburg verlaſſen, wohin ihm dic Nachricht von der ießt ſchon unterbrochenen

Bewegung Napoleon's auf Wittenberg zufani ;

füllte ihn mit der äußerſten Beſorgniß.

ſie er Seine Gedanfen ſchweiften ſogar

bis zu der Möglichkeit , von Stralſund abgeſchnitten zu werden. Noch an demſelben Tage (dom 13.) ſchrieb er deshalb an Blücher, ,, daß ihn dieſe ungewöhnliche Bewegung veranlaſſe , bei Afen auf das rechte Elbufer zurücks zufehren , weil die Brücke bei Roslau vom General Tauengien bereits vers brannt ſei. Er habe zur Ausführung dieſes Marſches feinen Augenblick zu verlieren , wenn er ohne Unfall hinüberfommen wolle.

Blücher möge ihm

ungeſäumt folgen und nur die Arricregarde des Naiſers durch Savallerie ver folgen laſſen. Sein þauptquartier wolle er noch heute in Cöthen nehmen ." Mit großer Geſchicklichkeit in der Form Ichnte Blücher dieſes Anſinnen

ab und ſchredte den Kronprinzen ſehr wirtſam durch die Hinweijung , was dann die iſolirte Nordarmee, gedrängt von Feinde, auf dem rechten Elb ufer zwiſchen Magdeburg und der Havel unternehmen wolle ? Er erflärte dem Prinzen gleichzeitig, daß nach dem Abmarſch der Nordarmee für die Echlejiiche Armee nur um jo mehr die Nothwendigkeit beſtande, ſich mit der

Hauptarmee zi pereinigen. Blücher's Gedanken waren auf eine Hauptſd lacht der verbündeten Mächte bei {eipzig gerichtet, ſei es gegen einen Theil oder gegen die ganze franzöjiſche Armee. Die Nachricht, taß von der Hauptarmee die Tete des 3. öſterreichiſchen Armeeforps von Zeit aus Begau bejcßt habe, und leichte Truppen bis Lüßen vorgehen ſollten , fonnte die entwidelten An ſichten im Hauptquartier der Schleſiſchen Arinee nur befeſtigen. Der Kronprinz von Schweden ſchien nun der Energie Blücher's nach geben zu wollen . Zwar beſtand er darauf, daß General Nauch , deſſen Bons ton- und Artillerie - Trainer auf dem Marſch nach der Saale bei Cöthen

anhielt , eine zweite Brücke bei Áfen ſchlagen ſolle; auch vereinigte er ſeine Armee um Cüthen ; doch zögerte er mit dem vollſtändigen Abmarſch, zunächſt wohl in der richtigen Erwägung, daß er allein auf dem rechten Elbufer nicht operiren könne. Der Entſchluß, ſich mit Blicher bei Halle zu vercini gen, fam aber bei ihm erſt zur Erwägung, noch nicht zur vollſtändigen Reife. Am 14. Oktober ſehen wir Napoleon mit der raſchen Konzentration ſeiner Streitkräfte in der Umgegend von Leipzig beſchäftigt. Er ſelbſt begab fich von Düben dorthin und nahm ſein Hauptquartier in Reudniß, auf dem linken Ufer der Parthe, da er ſchon für den folgenden Tag ( den 15.) erwars tete, von der Schleſiſchen und der Böhmiſchen Armee angegriffen zu werden. Bis zum Abend und in die Nacht hinein waren , zum Theil durch ſehr an = geſtrengte Märſche, folgende Punfte erreicht worden : Marmont nordweſtlich

don Leipzig , Straße nach Halle, Lindenthal, rechter Flügel an Breitenfeld, linker Flügel an der Elſter bei Wahren ; - 2. Kavallerie - Rorps nördlich

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von Leipzig, Podelwits; - die Garden und das 1. Ravallerie -korps Reut niß und Schönfeld , dieſſeits der Barthe , an der Nordoſt-Seite von Leipzig ; - Murat hielt noch in der Linie Markfleeberg, Wachau und Liebertwolkmiş, ſüdlich von Leipzig.

Dagegen gelangten nur echelonnirt, auf der Straße von

Leipzig über Düben nach Hemberg, das 4. Rorps bis Pröttig, das 11. Korps bis Lindenhayn, das 3. Rorp8 bis Düben , das 7. Rorps und die Diviſion Dombrowsfi über Wittenberg bis Remberg. Die Bewegung jo zahlreicher Truppen nach Leipzig fonnte den Vor truppen Blücher's nicht unbekannt bleiben . Schon am frühen Morgen del

14. Oktober: meldete General Rudzewitſch , daß ſeit geſtern lange Marſch folonnen auf der Straße von Düben nach Leipzig geſehen würden ; es diene, daß der Feind ſeine ganze Stärke um Leipzig konzentriren wolle. Aud Raşeler berichtete:

„Schleudig, den 14. Oktober 1813, 84/2 Uhr Morgens.

Der Major Schenk, welcher die äußerſten Borpoſten hat , meldet mir, daß dieſe Nacht bedeutende feindliche Infanterie- und Ravalerie - Ah theilungen von Düben nach Leipzig marſchirt ſind, daß einige Abthei lungen feindlicher Truppen bei Rothen-Hahn ſtehen, und daß große be beutende Wadtfeuer dieſe Nacht auf den Höhen hinter Leipzig zu ſehen

geweſen ſind. Uebrigens iſt der Feind bis jegt ganz ruhig." Ferner ſpäter:

„ Auf den Höhen von Shkeudiß, den 14. Oktober 1813, 14/2 Uhr Nachmittag8. Der Feind dringt aus Leipzig ſtark vor und hat meine Vorpoſten zurückgeworfen . Er ſegt mit einer Rolonne ſeinen Marſch auf Düben und mit der anderen auf Deligich fort. Legtere ſcheint nur eine ſtarke Seiten Patrouille zu ſein. Beide Rolonnen beſtehen aus Ravallerie und Infan terie ; die Stärke läßt ſich noch nicht überſehen. Etwas Ravallerie fommt auf der Straße nach Halle hierher vor.

Lcute , die ſehr gute Augen haben , wollen zwei Meilen rechts hinter Leipzig einen ſtarken Sanonen -Rauch aufſteigen ſehen. Da der Wind ent gegen iſt, ſo iſt der Schal nicht zu hören ." Endlich am Abend :

Schleudig, den 14. Oftober 1813, 7 Uhr Abend 8 .

Seit heute Morgen 11 Uhr habe ich mit dem Feinde charmuzirt. Es defilirten etwa 15- bis 20,000 Mann aus Leipzig (Marmont) , die ſich bei Lindenthal entwickelten . Die Infanterie blieb in jener Stellung ſtehen , allein die Kavallerie mit einiger Artillerie drang gegen den Gene ral Emanuel und gegen mich vor.

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Anfänglich blieb es beim Flantiren ; als aber die feindliche Ravaứerie

zu dreiſt wurde , formirte ich von den dritten Zügen des Brandenburgi ſchen Ulanen- und Brandenburgiſchen Huſaren - Regiments eine Attacke, die völlig glückte. Das Soutien der feindlichen Flankeurs wurde zuerſt ges worfen und ſtürzte ſich auf zwei hinter demſelben ſtehende Eskadrons ; auch dieſe inachten Kehrt, und nun ging die Attacke bis nahe an die feindlichen Regimenter. Zwei Chaſſeur-Offiziere und mehrere Gemeine ſind herunter geſtochen .

Seit einer Stunde unternimmt der Feind weiter nichts und ſteht auf

den Höhen zwiſchen Lindenthal und Hähnichen ; aber auch gegen den Ge neral Emanuel auf der großen Straße von Leipzig nach Landsberg ſteht eine bedeutende feindliche Ravalerie.

Es iſt dunkel, und ich habe meine Vorpoſten ausgeſeßt , den rechten Flügel an Hähnichen gelehnt. In dieſem Augenblick aber wird mir gemel

det, daß der Feind anfängt, ſich nach Leipzig zurüczuziehen ;

nur rechts

der Straße von Leipzig nach Landsberg iſt er bis Freyroda vorgedrungen. Meine Vorpoſten werden ihn im Auge behalten. Wir haben heute den ganzen Tag über von den Höhen ein lebhaftes Sanonenfeuer in der Direktion auf Altenburg gehört und geſehen. Es muß alſo dort ein Gefecht zwiſchen unſerer großen Armee und dem Feinde ge weſen ſein. Dem Rauch nach , idien es ſich zulegt vortheilhaft für uns zu wenden.

Mein heutiger Verluſt beiin Flankiren beträgt nur zwei bleſſirte Ulanen ." Auch Fürſt Schwarzenberg trat heute mit Blücher in direkte Verbindung, und zwar durch Mittheilung ſeiner Dispoſition zum 14. für die Böhmiſche Hauptarmee. Nach derſelben beabſichtigte der Fürſt eine Verbindung mit der

Schleſiſchen und Nordarmee über Weißenfels nach Merſeburg , um auch von der Weſtſeite her Napoleout bei Leipzig einzuengen , während eine ſtarke Re kognoszirug von Süden her auf dein rechten Ufer der Elſter die dort vorge ſchobenen franzöſiſchen Truppen zurückwerfen ſollte. Dieſe Rekognoszirung, dem Grafen Wittgenſtein übertragen, führte zu dem großen Ravallerie- Gefecht bei Riebertwolfmit, eine Meile ſüdlich Leipzig, wodurch man die Stärfe Mu rat's auf ca. 70,000 Mann ſchäfen konnte. Indeſſen ſtanden die einzel

nen forp8 der Böhmiſchen Armee doch noch weiter zurüc , ungefähr in der Linie Rochliß , Borna, Begau und Weißenfels, die Reſerven in Altenburg zu rüdgehalten, und nur die Vortruppen in die Linie Röhra , Zwenkau und Lügen vorgeſchoben. Die gemeinſchaftliche Wirkung der Hauptarmee mit der Schleſiſchen Ar mee war dadurch in möglichſter Nähe angebahnt und Blücher’s Erwartung erfüllt. Es kam nur noch darauf an, durch Mittheilung dieſer günſtigen Si tuation den Entſchluß Bernadotte's , nach Halle zu marſciren , zur Reife zu bringen. Dies gelang, wenn auch nach wiederholten Schwankungen des Brin

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zen , da er , wo es auch nur immer ſei , das uniittelbare Zuſammentreffen mit Napoleon grundfäßlich , im Intereſſe ſeiner Perſon und ſeiner Armee, vermeiden wollte. Doch ſagte er von Cöthen aus den Marſch init der Nord armce bis in die Umgegend von Halle in einem Antwortſchreiben von 7 Uhr Abends beſtimmt zu , wenngleich er dieſes Verſprechen nur unvollfommen zu einen Theil ſeiner Savalerie werde er zwiſchen Saale und Mulde porgehen laſſen . Der 15. Oftober nahm die Vorbereitung für die Schladit des folgenden erfüllen gedachte;

Tages in Anſpruch, und zwar in der Art , daß Fürſt Sowarzenberg die zurücitehenden forps näher an Leipzig heranzog , ſo daß die dort ſich jams

melnde franzöſiſche Armee ain 16. Oftober gleichzeitig von Norden , Weſten und Süden her angegriffen werden ſollte. Die thätigjte Mitwirkung der Schleſiſchen Armee war ſelbſtverſtändlich; aber freilich unabhängig von einer Spezial - Dispoſition Schwarzenberg's, da zum 16. Oktober für Blücher's Eingreifen nur die Bewegungen Napoleon's maßgebend ſein fonnten . Noch es trennte Parthe und Elſter die Schleſiſche Armee von der Böhmiſchen ; lag daher in der Hand des franzöriichen Kaiſers, fich nördlich von Peipzig in

die linke Flanfe und den Rüden Blücher’s mit Ueberlegenheit zu werfen, und wenn dies geſchah , ſo war auf eine Iluterſtügung, ſelbſt durch die nahe zur Hand befindliche Nordarmee , nicht zu rechnen. Bei aller Kühnheit mußte unter ſolchen Umſtänden mit großer Einſicht, aber auch mit voller Selbſts ſtändig feit derfahren werden .

Schwarzenberg befahl für den 15. Oktober die Aufſtellung der Haupt armee von Lügen über Begau und Espenhayn bis nach Bomſen, Vortruppen in Marfranſtädt und Zwenfau. Blücher gab für dieſen Tag folgende Dispoſition.

,,Den 15. Oktober marſchirt um 11 Uhr Mittags: Das Korp8 von York über Bruddorf und Gr. Kugel nach Schfeu diß und ſchiebt ſeine Avantgarde gegen Leipzig vor. Das Korps Graf v . Langeron (erfl . des Generals Grafen St. Prieſt)

über Neideburg, Kocmiş, Werlißſch bis Cursdorf in die Höhe von Schfeu dig und ſchiebt ſeine Avantgarde gegen Lindenthal vor.

Das Korps von Sacen marſchirt über Halle nach Gr. Kugel und ſtellt ſich dort als Reſerve auf. Das Hauptquartier iſt Gr. Kugel.

Der General Graf St. Prieſt

marſchirt bis Günthersdorf und pouſſirt ſeine Avantgarde bis Rücmars , dorf. Fürſt Morit Liechtenſtein , General Thielmann und Oberſt Menns

dorf ſtehen in Zwenkau, General Graf Giulay in Lüßen, ſeine Avantgarde in Markranſtädt.

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Den 16. Oftober wird der Feind von allen Seiten bei Leipzig an

gegriffen , und hat der General Graf St. Prieſt ſich mit dem General Giulay zu fonzertiren. Der General d. Rauch, welcher mit dem bei Wartenburg ausgezoge nen Kommando heute bei alle anfommt, bleibt mit den Bontons und aller überflüſſigen Bagage am linken Ufer der Saale bei Halle ſtehen und läßt noch zwei Brücken über die Saale ſchlagen . H.-Q. Halle, den 15. Oktober 1813." Bevor noch dieſer Befehl ausgegeben war, hatte Reyher gemeldet :

„Schleudig, den 15. Oftober 1813, Morgens 7 Uhr.

Ein Bürger aus Halle, Namens Milfe , der von dem Major v. Dp pen nach Leipzig geſchickt war, um Nachrichten einzuziehen , kehrt ſo eben zu rüd.

Er iſt in der Nacht unter die feindlichen Truppen gerathen und hat

die bei ſich geführten Papiere vergraben müſſen .

Nach ſeiner Ausſage iſt

Napoleon in Leipzig , die in und bei Leipzig ſtehenden feindlichen Truppen werden auf 120,000 Mann geſchäßt. Der König von Sachſen iſt in Leipzig . Der Oberſt v. Statzeler revidirt in dieſem Augenblick ſeine Vor poſten und hat mir befohlen , Ew. Ercellenz dieſe Nachrichten anzuzeigen . Die Vorpoſten des Oberſten ſtehen noch ſo wie geſtern Abend.

hat ſich von Freyroda nach Radefeld zurückgezogen . denthal iſt ein feindliches Lager .

Der Feind

Am Walde bei Lin

Der Oberſt will ſich perſönlich von der

Stellung des Feindes überzeugen , um demnächſt Ew. Excellenz einen voll ſtändigen Rapport machen zu fönnen .

Der Þ. Milke iſt an den fommandirenden General en chef abges chidt worden.

Reyher,

Lieutenant und Adjutant." In dem von Reyher geführten Tagebuch ſpricht ſich Rapeler über die

Ereigniſſe dieſes Tages in folgender Art aus : Gegen 10 Uhr Vormittags avancirte der Feind mit ſtarken Kolons nen auf der Straße von Leipzig gegen Schfeudig. Seine Kavallerie drang mit einigen reitenden Geſchützen vor. Es famn zu einein Gefecht, in dem es jedoch beim Flanfiren blieb.

Der Feind war überlegen , und ich war

ſchon im Begriff, mit dem Gros der Ravallerie bis Gr. Kugel zurückzu gehen, als inir die Dispoſition mitgetheilt wurde , nach welcher die Armee bis Schfeudit und die Avantgarde ungeſäumt gegen Peipzig vorrücken ſollte. Ich traf hiernach ſogleich meine Anordnungen. Der Major Hiller fam um 4 Uhr Nachmittags mit der Infanterie der Avantgarde in Schleudig

ich gab ihm den Befehl, längs der Elſter gegen Hähnichen vorzu gehen , während ich ſelbſt mit der Ravallerie an der großen Straße nach Leipzig wieder vorging. Es gelang mir , die feindliche Ravalerie in die an ;

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Flanke zu nehmen ; ſie hielt jedoch nicht Stand , ſondern wich hinter ihre Infanterie nach Hähnichen zu aus. Da indeſſen die Infanterie des Ma jors v. Hiller nicht ſo ſchnell folgen fonnte, ſo wurde es dunkel, bevor die

Tete derſelben , Major v. Klür, mit drei Jäger -Hompagnien und zwei Ba taillonen über Kapitz und Modelwitz vor Hähnichen eintreffen konnte. Der Feind ſchien bereits abgezogen zu ſein. Das Dorf wurde abpatrouillirt, als die Tirailleurs von einem Damme aus, hinter welchem der Feind noch ſtand, plötzlich eine Salve erhielten. Major v. Klür ließ ſogleich das Bajonnet fällen und trieb ihn über lütſchena nach Stahmeln zurück." Die Meldung Katzeler's aus dem Bivouaf bei Hähnichen um 8 Uhr Abends lautete :

,,Der Feind iſt aus Hähnichen hinaus auf der Straße gegen Leipzig zurüd geworfen.

Bei meinem Vorgehen hat ſich die feindliche Kavallerie hinter ihre

Infanterie zurüidgezogen. Die Dunkelheit hinderte die Fortſetzung des Gefech tes von Hähnichen aus. Doch hörte man das Abfahren der feindlichen Ge ſchüße im vollen Trabe nach Leipzig zu. Meine Infanterie nnd Kavallerie bivouafirt bei Hähnichen . Vor mir habe ich ein Defilee, an dem meine Vorpoſten -Chaine gezogen iſt. General Emanuel iſt noch nicht mit mir in gleicher Höhe. Ich werde daher meine linfe Flanfe durch Feldmachen und Patrouillen ſichern ." Unterdeſſen hatten die Rorps den befohlenen Marſch ausgeführt. York erreichte Shkeudig und bivouatirte hier zu beiden Seiten der Straße nach Leipzig. Langeron's Korps blieb bei Werlitich , ſeine Avantgarde (Rudze witſch) bei Cursdorf, deren Kavallerie ( Emanuel) bei Freyroda. Sacen traf erſt um Mitternacht zwiſchen Gröbern und Gr. Sugel ein. St. Prieſt fam bis Günthersdorf. Er ſollte hier die Nachricht verbreiten , daß die ganze Schleſiſche Armee im Marſch auf Lindenau ſei. Dem General Rauch war

e8 doch noch gelungen , am 14. Oktober von Cöthen bis Baasdorf zu mar ſchiren , von wo er am 15. in Halle anlangte, und dieſe Stadt mit ſeinem Detachement beſepte. Auch der Kronprinz von Schweden befand ſich in der That am 15.

mit der Nordarmee im Marſch von Cöthen auf Halle. Da ihm aber an dieſem Tage die Dispoſition Schwarzenberg's zur Schlacht der verbündeten

Armeen bei Leipzig für den 16. zuging, ſo beſchloß er , ſich in die Unmög lichkeit zu verſeken , an derſelben Theil zu nehmen. Er hielt deshalb ſeine drei Rorp8 18/4 Meile nördlich von Halle am Betersberge an, Bülow in der Mitte , die Ruſſen links bei Oppin , die Schweden rechts nach Wettin zu.

In dieſer Entfernung, über 6 Meilen von Leipzig , fonnte der Prinz den Ausgang des großen Kampfes der Verbündeten mit Napoleon's vereinigten Kräften ungefährdet abwarten.

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Dem Angriff durch die Schleſiſche Armee ſollte eine große Rekogno8zi rung mittelſt der Reſerve-Ravalerie vorausgehen, zu welcher Blücher noch am Abend des 15. Oktober gegen 9 Uhr folgende Dispoſition für den 16. ausgab :

,, Den 16. Oktober früh um 6 Uhr marſchirt die Reſerve- Ravallerie

aller drei Korps nebſt der reitenden Artillerie derſelben ab, nämlich : Die Reſerve -Ravallerie des Korpe von Yorf auf der großen Straße

nach Leipzig. Sobald ſie an die Kavallerie der Avantgarde kommt, ſest ſich dieſe an die Spige und rückt nach Leipzig vor.

Die Reſerve - Ravallerie des Korps vom Grafen Langeron marſchirt

über Radefeld und Lindenthal. Die Kavallerie der Avantgarde ſett ſich ebenſo an die Spiße. Doch müſſen ſchon vor dem Abmarſch dieſer Ravalerie Rapporte ein

gegangen ſein , wo der Feind gegen Düben zu ſteht, ob er Deligich be ſegt hat. Die Ravatlerie der Avantgarde und der Reſerve nebſt der reitenden

Artillerie des Morps von Saden folgen der Kavalerie des Korps von York über Shkeudig gegen Leipzig. Ich werde an der Tete dieſer Ra ballerie ſein.

Sollte der Feind nicht dieſſeits der Parthe in Poſition ſein, ſo mar ſchirt die Reſerve - Kavallerie des Korps von York zwiſchen Möckern und Gohlis auf ; die Reſerve - Ravallerie voin Sorps Graf Langeron dieſſeite Widderifich, und die Ravallerie der Avantgarde geht vor , um den Feind

aufzuſuchen und mir ſeine Stellung hinter der Parthe oder auf dem Wege Die ſämmtliche Infanterie focht morgen früh ab, ſo daß ſie um 10 Uhr abmarſchiren kann . Von jedem Rorps wird mich ein Ordonnanz - Offizier begleiten , der die Ordres an ſeinen Rorb8

nach Düben anzuzeigen.

Rommandanten zu bringen hat."

Von der franzöſiſchen Armee ſtanden an dieſem Abend Marmont (6. Rorps) noch bei Lindenthal und Radefeld ; - Bertrand (4. Rorps) bei Widderikſch und Eutritich ; das 2. Ravallerie-Sorp8 noch bei Podelwit ; Souham (3. Rorp8) bei Modau an der Barthe ; ein Theil dieſes forps war aber noch in der Gegend von Düben zurück; - das 1. Kavallerie-Rorps bei Schönfeld an der Parthe ; Reynier mit dem 7. forps und der Di

viſion Dombrowski bei Düben , auf beiden Seiten der Mulde. Eilenburg und Wurzen blieben gleichfals befest , ſo daß Napoleon durch drei Mulde:

Uebergänge die Straßen nach Wittenberg , Torgau und Dresden vorläufig noch in ſeiner Gewalt behielt. Der Böhmiſchen Armee gegenüber hat Murat das 8., 2. und 5. Rorps

nebſt dem 4. Kavalerie -Rorps, in der Linie Marktleeberg, Wachau, Liebert wolfwiß, hinter ſich Augereau und das 5. Kavallerie -Korp8 bei Zuckel MiliL -iipoenbl 1869.

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hauſen und Holzhauſen. Zur Reſerve ſteht Macdonald mit dem 11. Rorps bei Taucha, die Garden bei Reudnig. Um dieſelbe Zeit (den 15. Abends) finden wir von der Böhmiſchen

Hauptarmer auf dem linken Ufer der Elſter den Grafen Gyulai mit der 3. öſterreichiſchen Armee-Abtheilung bei Lügen, Avantgarde nebſt leichten Trup pen bei Markranſtädt, hinter ſich Röſen und Weißenfels bejeßt ; zwiſchen Elſter und Preiße den Grafen Merveldt mit der 2. öſterreichiſchen Abtheis

lung, den Erbprinzen von Heſſen- Homburg mit dem öſterreichiſchen Reſerde Rorps und die ruſſiſch - preußiſchen Reſerven zwiſchen Groitſch und Audigaſt, leichte Truppen vorgeſchoben bis Gaußich ; auf dem rechten Ufer der Pleiße den Grafen Wittgenſtein mit dem ruſſiſchen Korps , den General

Kleiſt mit dem preußiſchen Korp8, den Grafen Klenau mit der 4. öſterreichi îchen Armee-Abtheilung in der Linie von Groebern, Goſia und Thräna, hinter derſelben bei Magdeborn das ruſſiſche Grenadier-Korp8 und die 3. Küraſſier Diviſion. General Bennigſen mit der polniſchen Armee hatte erſt Wald heim erreicht; Graf Colloredo mit der 1. öſterreichiſchen Armee-Abthei ſung Penig ; Graf Bubna mit der öſterreichiſchen 2. leichten Diviſion Noſſen. Nach der Dispoſition des Fürſten Schwarzenberg zum 16. Oktober ſollten die Truppen auf den linken Elſterufer über Lindenau zum Angriff

auf Leipzig vorrüden ; die zwiſchen Elſter und Pleiße über Zwenkau auf Connewig ; die auf dem rechten Ufer der Pleiße in der Richtung auf Wachau, wobei die ruſſiſch -preußiſchen Reſerven aus der Gegeird von Groitidh über Rötha die Reſerve des linken Flügels und das ruſſiſche Grenadier - Rorps nebſt der 3. ruſſiſchen Rüraſſier - Diviſion von Magdeborn her die Reſerve des rechten Flügels bilden ſollte. Die Angriffszeit war an dieſer Stelle, dem Feinde zunächſt, auf 7 Uhr Morgens feſtgeſeßt. Colloredo wurde nach Borna dirigirt, Bennigſen nach Coldiß ; dagegen die öſterreichiſche Geſchüß. Reſerve bei Begau zurückgehalten. Die iſolirte Lage der Schleſiſchen Armee, herbeigeführt durch das Zurück bleiben der Nordarmee, deranlaßte Blücher dem Grafen St. Prieſt den Be

fehl zu ſenden, zum 16. Oktober ſich von Günthersdorf her über die Elſter bei Schleudiß mit dem Rorps des Grafen Langeron wieder zu vereinigen.

Die Schleſiſche Armee greift die franzöſiſche Armee im Nor den der Stadt Leipzig an . Schlacht bei Mödern am 16. Ok: tober 1813.

Am 16. Oktober führte Marſchau Ney den Oberbefehl über die nörd lich der Parthe und Elſter befindlichen Armeeforpe. Es waren dies das 6. Korps

Marmont

noch bei Lindenthal ; das 4. Sorpe

Bertrand

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bei Eutrißſch 2c.; dar 3. Rorp8 – Souham

mit zwei Infanterie- Didi

ſionen und mit einer Navallerie -Diviſion des 3. Ravallerie-Rorps bei Modau. Abmarſchirt waren bereits das 2. Kavallerie - Korps nach Holzhauſen und Macdonald - nach Seyffertshayn, beide Drte ſüdöſtlich dag 11. Korp8 von Peipzig. Dagegen ſtanden nördlich der Barthe von Düben her noch zu erwarten die Diviſion Dombrowski und die Diviſion Fournier des 3. Ata vallerie - Korps, die ſchon in der Nacht ihren Marſch nach Leipzig angetreten hatten ; ferner die Diviſion Delmas des 3. Rorp8 (ca. 4000 Mann), welche den Train des Korps nachführte, und endlich das 7. Korps — Rey das aber erſt um Mittag Düben verließ und über Eilenburg ſpät nier, Abende Leipzig erreichte. Alle dieſe Korps blieben jedoch im Laufe des 16.

Oktober8 nicht nördlich der Barthe ſtehen. Napoleon hatte ſeine Gedanken auf eine Hauptſchlacht ſüdlich von Leipzig gerichtet und wünſchte ſie mit mög lichſt vereinigten Streitkräften durchzuführen, um ſo mehr , da er mit Be ſtimmtheit vorausſeşte , daß die ganze Schleſiſche Armee , dem Vormarſch des Grafen St. Prieſt über Merſeburg folgend , auf das jüdliche Ufer der Elſter übergegangen ſei. Die Meldungen Marmont's ſprachen nur von einer Avantgarde der Schleſiſchen Armee nördlich der Elſter, nicht von

dem Groß derſelben , welches er in der That auch noch nicht geſehen hatte. Von dieſem Geſichtspunkte aus , beabſichtigte Napoleon am Vormittag des 16. Oktober das 6. Korps - Marmont

aus der Poſition von Linden

thal abzuberufen und als eine Haupt- Reſerve ſüdlich von Leipzig zwiſchen dieſer Stadt und Liebertwolkwitz aufzuſtellen. An die Stelle des 6. Rorps foute das 3. Korp8 treten, zwei Diviſionen, mit der Spezialbeſtimmung, durch die Kavallerie Rekognoszirungen nach Halle ausführen zu laſſen. Das 4. Rorps ſollte vorläufig bei Eutrigich ſtehen bleiben. In dieſem Sinne wurden die Befehle früh Morgens von Reudnig aus an den Marſchall Ney von ihm erlaſſen. Napoleon hielt es ſelbſt für möglich, alle Truppen nörd

lich der Parthe auf das Schlachtfeld ſüdlich von Leipzig ziehen zu können,

und ſollte Ney zur etwanigen ſchnellen Ausführung eines ſolchen Befehls die Brüden über die Parthe genau refognosziren laſſen. Ney theilte vollſtändig die Anſchauungen des Kaiſers und beabſichtigte nur , die Rekognoszirungen durch die Ravalerie auch nach Deligid) und Zörbig hin ausführen zu laſſen,

wahrſcheinlich um über das Verbleiben der Nordarmee nähere Renntniß zu erlangen.

Indeſſen die thatſächliche Entwicelung der Verhältniſſe führte zu weſent lich veränderten Beſtimmungen über die genannten Truppenforpe. Ney erfuhr in Eutrigich den Anmarſch der öſterreichiſchen Rolonne unter

Gyulai auf Lindenau , und da ſich dort unter dem Herzog von Padua (Ar righi) nur vier Bataillone befanden, ſo fandte er das 4. Rorps Bertrand von Eutritich durch Leipzig dorthin , um das Defilee daſelbſt zu ſichern und Leipzig durch eine verſtärkte Bejagung zu halten. Vormittag8 10/2 Uhr 5*

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meldete er dieſe Anordnung dem Kaiſer und hielt es jegt noch für ausführ bar, daß das 6. Rorp8 nach Liebertwolfwitz abmarſchiren und das 3. Corps

an ſeine Stelle treten könne. Allein dieſer Wechſel war nicht mehr möglich, und zwar , weil die Schleſiſche Armee den bereits im Abmarſch befindlichen Marſchau Marmont angriff und weil das 3. Rorps von Mockau her erſt um die Mittagſtunde bei Leipzig eintraf.

Napoleon wurde dadurch gezwungen ,

das 3. Korps in Stelle des 6. als Reſerve jüdlich von Leipzig im Laufe des Nachmittags zu verwenden und das 6. Korp8 ſeiner eigenen taktiſchen Kraft zu iiberlaſſen. Wenden wir uns nun zu dem Anmarſch der Schleſiſchen Armee.

Wir erinnern uns, daß Blücher zum 16. Oktober früh Morgens eine große Refognoszirung, auszuführen durch die Reſerve - Kavallerie, befohlen hatte. Um 6 Uhr ſegte ſich demgemäß die Ravallerie der drei Korp8 ans ihren Bivouake in Bewegung , und zwar die York'e unter Oberſt Jürgaß durch Schkeudit nach Hähnichen , die Langeron's unter General Korff über

Cursdorf nach Freyroda, und die Sacken's folgte über Schleudiß. Da in deſſen die Spigen ſchon bei Stahmeln und Freyroda auf den Feind ſtießen ,

der – ohne ſeine Stärfe überſehen zu laſſen – doch die Linie von Wahren bis. Radefeld beſett hielt , ſo gewann man die Ueberzeugung , daß ein weite res Borgehen nur durch Kampf möglich ſei. Blücher traf bei Lübſchena um 8 Uhr Morgens ein und gewann daſelbſt bei einer Ueberſicht über das vorliegende Terrain die gleiche Anſicht. Für einen Kampf mußte aber die Infanterie herangezogen werden . Blücher bes fahl deshalb gegen 9 Uhr , als bereits das Geſchütfeuer auf dem Schlacht felde ſüdlich von Leipzig hörbar wurde : ,,Die Infanterie jetzt ſich ſogleich in Marſch. Das Rorps von Lan geron greift Freyroda an, dann Radefeld. Das Sorp8 von Sacken folgt dieſem Angriff in ejerve. Das Rorp8 von York marſchirt gegen Leip zig , wendet ſich bei Lütſchena links zum Angriff auf Lindenthal. Die Infanterie der Avantgarde von York bleibt auf der Straße nach Leipzig. Wenn General Graf St. Prieſt ankommt, folgt er dem Korps von Lan geron. General v. Blücher bleibt auf der Höhe zwiſchen Lügichena und Radefeld."

Man ſieht aus dieſer Dispoſition zum Anmarſch der Infanterie , daß die Hauptkräfte des Feindes zwiſchen Lindenthal und Radefeld vorausgeſeßt wurden, und zwar in der Annahme, daß ſich derſelbe entweder, wenn geſchla

gen, über Hohenoſfig nach Düben zurückziehen werde, oder daß von Düben her, welches man noch beſegt wußte, eine namhafte Verſtärkung des Feindes über Hohenoſſig zu erwarten ſei. Die Dispoſition faßte alſo mit dem Angriff auch die Sicherung der eigenen linken Flanke ins Auge , und zwar um ſo

nothwendiger, da auf die Theilnahme des Kronprinzen von Schweden an der

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Schlacht oder auf ſeine Marſchbewegung zur Sicherung der linken Flanke bis in die Höhe des Schlachtfeldes nicht zu rechnen war. Die Dispoſition be zweďte auf dieſe Weiſe eine gewaltſame Rekognoszirung, deren Reſultate die weiteren Befehle zur Shlacht bedingen ſollten. In die Hände der komman direnden Generale fam dieſer Befehl erſt nach 10 Uhr Vormittage. Die Truppen brachen ſofort aus den Bivouaks auf. Yort hatte befohlen : „ Das Sorp8 marſchirt links ab . Sobald es auf den Punkt kommt, wo aus der großen Straße links herausgebogen wird, nimmt die 8. Bri

gade den rechten Flügel vor und formirt ſich zur Attade auf Lindenthal. General v. Hünerbein dirigirt nach Umſtänden feine Attade, und wenn es

das Terrain nicht anders nothwendig macht , ſo geſchieht der erſte Angriff auf Lindenthal mit drei Bataillonen , und zwar vorzüglich auf die Flanken des Dorfe8 ; zwei Bataillone der Brigade dienen dieſem Angriff zum Soutien . Die 7. Brigade macht dieſelbe Bewegung der 8. und folgt der Attade des Generals Hünerbein en échelon. Die 1. Brigade formirt ſich rückwärt8 dieſer beiden Attacken und dient zur Unterſtüßung da, wo es die Umſtände erfordern . Die 2. Brigade , da ſie faſt aus lauter Linien truppen beſteht, bildet die lette Reſerve. Alles formirt ſich in Bataillons Kolonnen und feßt ſich en échiquier, ſo daß die Brigaden zwei Linien 11

formiren ."

Allein auch auf preußiſcher Seite führte das wirkliche Zuſammentreffen mit dem Feinde zur weſentlichen Direktions-Veränderung . Marſchall Marmont blieb nämlich in der urſprünglichen Poſition nicht

ſtehen. Er beabſichtigte, den Befehlen Napoleon's gemäß, nach Leipzig abzu marſchiren, und hatte ſein Armeeforps bereits dorthin antreten laſſen , als er

zu ſeinem Erſtaunen hinter den bisherigen Vortruppen Maſſen erſcheinen ſah, die ihm die Anweſenheit der Schleſiſchen Armee nördlich der Elſter unzwei felhaft machten. Wieder Front zu machen und bei Lindenthal ſtehen zu blei

ben, wagte er nicht, wegen unzureichender Streitkräfte bei einer ausgedehnten Poſition. Er beſchloß deshalb zunächſt, ſeine Truppen in einen engeren Ter rainabſchnitt zurückzuführen, den er zwiſchen der Elſter und dem Rietſchke-Bach zu finden glaubte , und zwar der Art , daß ſein linker Flügel ſich an das Dorf Mödern lehnte, der rechte Flügel das Dorf Widderitzich vor der Front hatte und weiter zurüc Gohlis und Eutrigich Boſition für die Reſerve boten.

Dieſe Reſerve fouten die zwei Diviſionen des 3. Korps ſein , welche ihm Ney wiederholt und beſtimmt als Unterſtügung zuſagte, ohne jedoch dieſe Zu : ſage in Folge der algemeinen Sachlage halten zu können. Dagegen erhielt Marmont eine Unterſtügung in der Diviſion Dombrowski und der Ravalle rie: Diviſion Fournier des 3. Ravallerie - Korpe , welche beide noch rechtzeitig

von Düben her in Widderifích zur Befeßung dieſes Dorfes eintrafen. In der auf dieſe Art verfürzten Aufſtellung zwiſchen Elſter und Rietſchke - Bach

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gewann Marmont eine gute Ueberſicht des Terrains nach Lübſchena, Linden

thal und Radefeld hin, ſteigerte die Wirkung ſeiner Artillerie und konnte ſeine Bataillone dem Auge des Angreifers entziehen. Dieſe Vortheile hat der Marſhall, ungeachtet ſeiner geringeren Truppenzahl, in einem langen und blutigen Kampfe auszunußen gewußt. Unter dem Schuße einer lebhaften Ranonade führte das 6. Korp8 ſeinen Rüdzug in die neue Poſition aus.

Es zählte zur Stelle 19- bis 20,000 Mann, und zwar drei Infanterie- Didi ſionen : 42 Bataillone oder 16- bis 17,000 Mann, eine Savalerie-Brigade : 900 Pferde, eine Ravalerie- Diviſion des 3. Ravallerie-korps : 30 Eskadrons oder ca. 1500 Pferde , dazu 84 Geſchüße. Dombrowski brachte vier Ba taillone und zehn Eskadrons mit , oder 2000 Mann Infanterie und 1000

Pferde ; Fournier 24 Eskadrons oder 1200 Pferde. Dieſe Ziffern geben eine Geſammtſumme von ca. 24,000 Mann. Wil man die ſpäter von Düs ben und Hohenoſſig her zwiſchen Bodelwiß und Göbſchelwig erſcheinenden 4000 Mann der Diviſion Delmas hinzuzählen, ſo erhält man ein Total von ca. 28,000 Mann .

Dem gegenüber erſcheint die Schleſiſche Armee in dem Korp8 York's mit 20,800 Mann, worunter 3100 Mann Ravallerie und 1600 Mann Ar tillerie nebſt 104 Geſchüßen ; Langeron mit höchſtens 15,000 Mann, ohne St. Brieſt ; Sacken mit gegen 14,000 Mann . Dieſe Ueberlegenheit kam

aber aus ſtrategiſchen Gründen nicht zur vollen und rechtzeitigen taftiſchen Anwendung ; daher die Dauer der Schlacht, welche vorzugsweiſe von den preußiſchen Truppen unter großen Verluſten, aber dafür auch mit ſelbſtſtän diger Entſcheidung des Sieges durchgeführt wurde. Auf dem linken Flügel der Schleſiſchen Armee hatte das Korps von war langeron den Feind in Freyroda und Radefeld nicht mehr gefunden, deshalb auf Breitenfeld gefolgt, - und erhielt hier von Blücher den Befehl,

die Poſition des Feindes in Klein- und Groß-Widderitzſch anzugreifen. Der rechte Flügel

-

das Rorp8 von York

war auf Lindenthal

marſhirt, fand auch hier den Feind bereits im Abziehen und erhielt deshalb die Direktion auf Mödern und auf das öſtlich von dieſem Dorfe gelegene Plateau. Widderißich und Mödern liegen aber faſt eine halbe Meile von einander entfernt. Es entſtand dadurch zwiſchen dem preußiſchen und dem ruſſiſchen Korps ſehr bald eine große Intervalle, welche durch die Generale St. Prieſt und Sacen nicht ausgefüüt werden konnte. Der erſtere war noch nicht zur Stelle; der legtere wurde bei Radefeld als Reſerve zurückgehalten, und zwar , um entweder gegen einen von Hohen - Oſſig her in der linken Flanke der Schleſiſchen Armee erſcheinenden Feind verwendet zu werden, oder um in die Front zu rüden , ſobald es ſich herausgeſtellt haben würde, daß hinter Hohen - Oſſig kein Feind im Anmarſch ſei. Der Verſuch, jene große Intervale durch Ravallerie ausfüllen zu laſſen, ſcheiterte einerſeits an Miß verſtändniſſen , andererſeits würde ſie, ſoweit ſie zur Stelle war , für dieſen

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Zweck auch nicht ausgereicht haben. Es entwickelten ſich alſo von Hauſe aus, durch die Terrainverhältniſſe bedingt , zwei iſolirte Gefechte, welche den Vortheil gemeinſchaftlicher und deshalb raſcher Wirkung verloren . Das Rorps von Cangeron nahm die Dörfer Klein- und Groß- Widde rigid, verlor ſie wieder und fühlte ſich dann am Nachmittag durch das Er ſcheinen der Diviſion Delmas zwiſchen Bodelwig und Göbichelmiß in der

Ronzentrirung ſeiner Gefechtskraft auf Widderikích gehemmt. Die Verlän gerung der ruſſiſchen Front nach Bodelwit zu, nahm der Art Zeit und Kräfte in Anſpruch, daß erſt mit dem Ausbiegen der Diviſion Delmas nach

der Parthe hin die Entſcheidung bei Widderikſch gegeben wurde , nachdem York die bei Möckern ſchon vorher ſiegreich herbeigeführt hatte. Als das preußiſche Armeekorps ſich zwiſchen 1 und 2 Uhr Nachmittags von Lindenthal auf Mödern wandte, befanden ſich die Avantgarde , die 7. und 8. Brigade im erſten Treffen , die 1. und 2. Brigade im zweiten Treffen. Durch die Veränderung der Front , vorher gegen Lindenthal und jegt durch eine Rechtsſchwenkung gegen Möckern, mit beſtändiger Sorge für die Sicherheit der linken Flante, entſtand vom rechten Flügel her ein Angriff en échelons, den die Avantgarde, bereits auf dem fürzeſten Wege befindlich, eröffnete.

Ein Blick auf das Schlachtfeld zeigt die für die Vertheidigung fehr gün ſtige Lage des Dorfes Mödern. An der Weſtſeite durch die Elſter von der linken Flußſeite her ſturmfrei, wird die Oſtſeite von den rückwärts gelegenen Höhen durch Artillerie vortrefflich beſtrichen , während die ſchmale Front des Dorfes eine nachhaltige Vertheidigung durch Verſtärkung der Kräfte aus der

Tiefe her geſtattet. Marmont hatte nur nöthig , ſeine Artillerie und ſeine Infanterie nach Mödern hin zuſammenzuſchieben , um auf möglich kleinſtem Raume ſeine Kräfte mit der ganzen Zähigkeit örtlicher und gedeďter Berthei digung ſucceſſive einzuſeßen. Der Stampf bei Widderißich war auf dieſe Konzentration ſeiner Truppen nach dem linken Flügel hin ohne Einfluß, weil Widderitzſch eine Viertelmeile vor ſeinem rechten Flügel lag, und das Gefecht daſelbſt viel zu langſam verlief, um Marmont bei Mödern ſtören zu können. Als die Avantgarde unter Rapeler , der Vortrab der Infanterie unter Major v. Klür , das Gros derſelben unter Major v. Hiller, von lütſchena her antrat , wich der Feind aus Stahmeln und Wahren und zog ſich ohne Widerſtand nach Mödern zurück.

Auf Befehl York’s griff die Avantgarde Möckern an, und zwar zunächſt mit drei Jäger-Rompagnien und zwei Infanterie - Bataillonen , gefolgt von einem dritten Bataillon, während eine Batterie mit der einen Hälfte Mödern, mit der anderen die feindlichen Geſchüße beſchoß.

Es gelang dieſen Truppen

zweimal, in das Dorf und bis gegen die Mitte deſſelben vorzudringen, aber

beide Male wurden ſie wieder zurückgeworfen. Das Gefecht beſchränkte ſich nicht auf die Dorfſtraßen ; es waren vielmehr alle Häuſer von den Franzo

fen beſetzt und zur Vertheidigung eingerichtet; darin lag die große Schwierig keit, einmal errungene Vortheile auch zu behaupten. Major Hiller führte nun vier Bataillone zur Unterſtügung heran. Zum dritten Mal drang die Avantgarde in das Dorf ein , welches jeßt in der Mitte in Brand gerieth, aber es mußte abermals nach heftigem Kampfe aufgegeben werden. Unterdeſſen waren auch die 7. und 8. Brigade bis in die Höhe von Möckern avancirt, ihre Batterien vorgezogen , ſo daß von beiden Seiten ſich eine wachſende Zahl von Geſchüßen an dem Rampfe betheiligte.

Während

dieſe Brigaden das Frontalgefecht unterhielten, 309 York aus dem zweiten Treffen die 2. Brigade (Prinz Carl vou Medlenburg) zur Unterſtüßung eines vierten Angriffes der Avantgarde auf Mödern vor. Die 2. Brigade

wandte ſich längs der Oſtſeite des Dorfes den Anhöhen zu und erleichterte dadurch weſentlich das erneuerte Eindringen der Avantgarde in Mödern , die diesmal ſogar den jenſeitigen Ausgang erreichte, aber mit ſchweren Verluſten ; Hiller wurde verwundet, mehrere Bataillons-Rommandeure fielen. Von Neuem zurüdgeworfen , behauptete die Avantgarde doch die Häuſer des dieſſeitigen Einganges. Auch die 2. Brigade hatte einen ſchweren Stand ; fie mußte nicht nur das feindliche Rartätſchfeuer in der Front, ſondern auch das Flan kenfeuer von der Oſtſeite des Dorfes her aushalten. Zwar gelang es ihr, die Verwirrung benußend , welche das Auffliegen einiger franzöſiſcher Munitionswagen erzeugte,

feindliche Geſchüte zu erobern, die Bedienungs

Mannſchaft gefangen zu nehmen und einige Infanterie-Maſſen zum Rückzuge zu zwingen ; – allein Marmont führte von rechts her friſche Kräfte heran ; Prinz Carl von Mecklenburg fiel, ſchwer verwundet ; auch Oberſt Loben thal , der an ſeine Stelle trat , wurde verwundet ; ale Rommandeure waren todt oder verwundet; die preubiſchen Bataillone ichmolzen furchtbar zuſammen :

- jo geſchah es, daß auch die 2. Brigade wieder bis dieſſeits Möckern zurück weichen mußte.

Völlig intakt war iegt von der Infanterie nur noch die 1. Brigade des da die 7. und 8. Brigade (Horn und Hünerbein) gleichfalls durch das feindliche Geſchütfeuer ſehr gelitten hatten , wenngleich ſie im Avanciren noch nicht mit dem Feinde handgemein geworden waren. Yorf zögerte nicht, auch die 1. Brigade zur Eroberung des Dorfes Mödern einzuſetzen. Zwiſchen 5 und 6 Uhr Nachmittag8 trat die 1. Brigade ihren Vor marſch an . Steinmetz beſtimmte zwei Bataillone zur Unterſtüßung der Trup: pen, welche ſich jegt bemühten, Haus für Haus in Mödern zu nehinen und zu befeßen , - wobei auch Klür ihon verwundet worden war, — während

Oberſt v . Steinmet ,

das Gros der Brigade an der Oſtſeite des Dorfes wieder den Sturm auf die dortige Anhöhe verſuchte. Das feindliche Feuer in Front und Flanke

brachte dieſelbe verheerende Wirkung auch gegen die 1. Brigade hervor. Oberſt Steinmeß wurde verwundet, ebenſo ſein Stellvertreter Oberſt Lofthin ;

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mehrere Bataillons -Rommandeure fielen, theils todt, theils verwundet. Eine große Zahl von Offizieren und Mannſchaften ſah man in raſcher Folge außer

Gefecht gelegt. Obichon die Brigade den Sturm auf die Anhöhe fortſepte, jo ſtand doch zu fürchten , daß auch ſie jeden Augenblick einem erneuerten Stoß des Feindes mit friſchen Kräften weichen könne, um ſo mehr, da man

ſich noch in Mödern mit großer Erbitterung ſchlug. Dieſer Moment bezeichnet für das preußiſche Armeeforps die Ariſis der Schlacht.

Reyher ſprach ſich darüber ſpäter in folgender Art aus : ,, Als im Anfange die Infanterie der Avantgarde aus Mödern her

ausgeworfen war , betrachtete man es als eine Ehrenſache , den erlittenen Unfall wieder gut zu machen und verſuchte deshalb aufs Neue, ſich des Dorfes zu bemächtigen . Später legte man dem Gefecht an dieſer Stelle doch einen größeren taktiſchen Werth bei. Indem man nämlich erfannte, daß der Feind nicht nur ſeinen linken Flügel, ſondern auch die in Mödern befindlichen Truppen verſtärkte, ſo ſhloß man daraus, daß es ſeine Ab jicht ſei, geſtüßt auf das für ihn vortheilhaft gelegene Dorf, einen entſchei denden Schlag gegen den rechten Flügel des Korp8 von York auszuführen, ihn von der Chauſſee nach Halle abzudrängen und in der Richtung auf Lindenthal und Radefeld über den Kaufen zu werfen . In der That ſchien auch eine ſolche Vorausſegung um ſo mehr begründet zu ſein, als der Feind von dem Höhenrücken, auf welchem er ſtand, unſere Bewegungen überſehen und mithin wiſſen konnte , daß das ganze Sorps engagirt und zu ſeiner Unterſtützung keine Reſerve zur Stelle war. Ohne Zweifel urtheilte General v. York über die Sachlage in dieſer Art, und daraus erflärt ſich dann die Beharrlichkeit,

mit welcher er dahin trachtete, dem Feinde Mödern zu entreißen , um ihn dadurch an der Ausführung ſeines Planes zu hindern . Ueberdies gab es für uns auf dem Schlachtfelde keinen Bunkt, von welchem aus auch nur

flüchtig ein Ueberblick über das Ganze zu gewinnen geweſen wäre. Wäh rend alſo Möckern der Hauptpunkt blieb, um den die Schlacht ſich drehte, hatte General v. Yorf nach und nach die geſammte Infanterie und Artil lerie ins Gefecht gezogen. Die Kavallerie allein ſtand noch intakt regi menterweiſe nahe hinter der Front in den von dem wellenförmigen Ter

rain gebildeten Vertiefungen , um ſich bis zu ihrem Auftreten ſo viel als möglich dem Feuer des feindlichen Geſchützes zu entziehen.

Der Rainpf

wüthete auf der ganzen Linie und ſteigerte ſich von Moment zu Moment,

bis ſeine Heftigkeit in und neben Mödern eine ſolche Höhe erreichte, daß plößlich hunderte von Verwundeten aus den Reihen der fechtenden Ba gen taillone zurückkehrten , und ſo eine Ariſis andeuteten , die den Ausgang des blutigen Dramas zu unſerem Nachtheil beſorgen ließ .“ York mußte alſo in dieſem wichtigen Augenblid einen neuen und entſchei denden Entſchluß faſſen, und er fand ihn in der rechtzeitigen und energiſchen

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Verwendung ſeiner mit Ungeduld auf ihre Mitwirkung harrenden Staval: lerie.

Major v. Sohr I., der mit drei Eskadrons des Brandenburgiſchen Hu ſaren -Regiments in der Nähe des Generals hielt, erhielt von York perſönlich den Befehl , den Feind zu attadiren. Dies war das glüdliche Signal zum Vorgehen der geſammten Kavallerie. Sohr ließ Mödern ein paar hundert Schritte rechts, paſſirte die Bataillons - Intervallen der 1. Brigade und hieb überraſchend auf die feindliche Infanterie ein . Den Huſaren folgten die übrigen Regimenter der Avantgardrn - Savallerie, ferner links das Branden

burgiſche Ulanen-Regiment, dann weiterhin die Regimenter der Reſerve -la vallerie unter Oberſt d. Jürgaß und die Brigade-Ravallerie. Aber auch die 1. , 7. und 8. Brigade blieben im Avanciren und wurden auf der ganzen Front mit dem Feinde handgemein.

Das Brandenburgiſche Huſaren-Regiment vernichtete zwei feindliche In fanterie- Maſſen und eroberte 15 Geſchüße; die Ulanen 13 Geſchüße. Rey her machte die Attacke vor der Front der Huſaren mit. Er hebt es beſon ders heraus, daß, ſoweit ſich die Attacke der Reiterei erſtreckte, augenbliclidh von beiden Seiten das Feuer aufhörte. Lageler wurde gleich im Vorgehen durch einen Schuß am Stopfe verwundet und mußte den Stampfplag verlaſſen. Reyher verlor ſpäter durch eine Kartätſchkugel ſein Pferd , blieb aber ſelbſt unverlegt.

Nicht nur die feindliche Infanterie, auch deren Ravalerie wurde gewor fen. Was noch an Infanterie widerſtandsfähig war , balte ſich in dicen Klumpen zuſammen ;

dennoch war der linke Flügel und das Centrum

Marmont's nicht mehr gefechtsfähig, um ſo mehr, da Mödern nun verloren ging und die preußiſchen Truppen bereits aus dem jenſeitigen Ausgange des filirten. Der Marſchall ſuchte nur noch nach Möglichkeit den Rüdzug nach Gohlis und Eutrigich zu decken und verwendete hierzu die Bataillone ſeines rechten Flügels, welche bis dahin am wenigſten gelitten hatten. Faſt alle preußiſchen Kavalerie -Regimenter hieben theils Rarrees zuſam men, theils eroberten ſie Geſchüße. In ſeinem Siegeszuge hatte ſich York perſönlich an die Spige der Reſerve- stavalerie geſtellt. Die 7. und 8. Brigade ſchlugen ſich vorzugsweiſe mit dem rechten Flü gel des Marſchals Marmont, während die 1. Brigade, die Reſte der 2. Bri gade und die Avantgarden -Bataillone, ihrer Ravallerie in der Richtung auf Gohlis folgten.

Auch der franzöſiſche rechte Flügel wurde troß ſeiner tapferen Gegen wehr von der 7. und 8. Brigade und deren Ravallerie unter namhaften Verluſten zum Rückzuge nach Eutritich gezwungen. Nachdem auch der legte Widerſtand einiger Infanterie-Maſſen dieſſeits des Rietſchke- Baches gebrochen worden war, machte die Nacht an den Ufern dieſes Baches dem langen und blutigen Kampfe ein Ende. St. Prieſt wurde zwar von Lindenthal und Sacen

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von Radefeld her durch Blücher am ſpäten Nachmittag gegen Eutritſch und Möckern in Bewegung geſeßt aber beide trafen erſt nach dem Siege auf dem Schlachtfelde ein.

Die Trümmer des Sorps von Marmont bezogen ein Bivouať zwiſchen Leipzig, Gohlis und Eutritich, den Rietſchke- Bach vor der Front. Von dem Sorp8 York's lagerten diefſeits des genannten Baches die 7. und 8. Brigade Gohlis gegenüber, die Reſerve-Kavallerie bei Möckern. Vor poſten ſtanden an dem Bach entlang, und die Elſter-Brücken bei Möckern und Wahren wurden beſeßt.

Von den ruſſiſchen Korps bivouakirten Langeron zwiſchen Widderiyich und Eutrigich,

St. Brieſt links von der 7. und 8. Brigade,

Sacen

bei Lindenthal.

Der Verluſt des preußiſchen Armeekorps betrug, einſchließlich von 38 Offizieren und 1146 Mann der Avantgarden - Infanterie, im Ganzen 173 Offi ziere und 5432 Mann todt und verwundet. Da die Infanterie nach der Schlacht nur noch 11,000 Mann zählte , ſo mußten die vier Brigaden zu zwei fleinen Diviſionen formirt werden , und zwar die 2. und 7. Brigade

zur 1. Diviſion unter General v. Horn und die 1. und 8. Brigade zur 2. Diviſion unter General v. Hünerbein. Die Schwäche der Truppentheile nös thigte die meiſten Regimenter , aus zwei Bataillonen eine zu bilden. Die Avantgarde wurde aufgelöſt, da faſt alle ihre bewährten Führer theile todt, theils verwundet waren. Zu den Verwundeten gehörten Rapeler , Hiller, Alür und Sohr I. Dafür aber hatte das Morp8 von Yorf dem Feinde einen Adler , zwei Fahnen , 53 Ranonen , eine große Zahl von Munitions wagen und über 2000 Gefangene abgenommen. Der Kronprinz von Schweden , ſeinem Plan zur äußerſten Vorſicht ge treu, näherte ſich der Schleſiſchen Armee am 16. Oktober nur bis Landsberg ;

die ruſſiſche Ravallerie unter General Wingingerode durfte bis Sölfa vor gehen , über eine Meile nördlich von Schleudiß und circa zwei Meilen von Mödern.

Ueberſicht über die Ereigniſſe bei der Hauptarmee am 16. OK: tober. Schlacht bei Wachau . In Uebereinſtimmung mit ſeinen , ihm eigenthümlichen ſtrategiſchen An ſchauungen hielt Fürſt Schwarzenberg bis in den Vormittag des 16. Ofto ber hinein die Hoffnung feſt, Napoleon werde ſich durch die Böhmiſche Armee

aus der Ebene von Leipzig wegmanövriren laſſen . Die Bewegung eines großen Theiles der öſterreichiſchen und ruſſiſchen Armee auf Pegau an der

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Elſter, drei Meilen jüdweſtlich von Leipzig , hatte dieſem Gedanken Ausdruck gegeben. Die Dispoſition zum 16. Oktober ſepte demgemäß auch voraus, daß eine Bedrohung der rechten Flanfe der franzöſiſchen Armee aus dem bes

deckten , unwegſamen Winkel zwiſchen Pleiße und Elſter über Connewiß in der Richtung auf Leipzig, den Entſchluß Napoleons zum Rückzuge zur Reife brin gen werde ; vielleicht nach der Mulde und Elbe hin, in welchem Fall Leipzig beſett und die Soleſiſche und Böhmiſche Armee die Front nach Eilenburg,

Düben und Landsberg nehmen ſollten ; vielleicht aber auch über Lindenau nach Markranſtädt, in welchem Fall die Truppen des Grafen Gyulai dem franzöſiſchen Kaiſer den Weg nach Weißenfels nicht verlegen , ſondern durch ein Ausweichen nach Mölſen, weſtlich von Begau, freilaſſen ſollten. Wenn ſich Schwarzenberg in Betreff der ſtrategiſchen Empfindlichkeit Napoleon's irrte, – und das geſchah allerdings, - ſo mußten die wenigen

Rorps, welche dem Kaiſer in der Front, öſtlich der Pleiße, gegenüberſtanden , dieſen Irrthum mit ihrem Blute bezahlen , denn ihre Kräfte reichten , iſolirt

wie ſie waren, den franzöſiſchen Streitfräften gegenüber, allerdings kaum aus, um das Gleichgewicht zu halten, viel weniger, die feindliche Armee niederzus werfen.

Da am 16. Oktober das Korps von Reynier mit 13,800 Mann noch an der Mulde ſtand , ſo hatte Napoleon um Leipzig 176,900 Mann zur Stelle, darunter 33,500 Mann Ravalerie. Rechnet man mit Marmont und Ney 42,000 Mann nördlich von Leipzig ab , jo blieben dem Kaiſer ſüdlich

der Stadt 134,900 Mann zur Verfügung gegen die Böhmiſche Armee. Von dieſer Ziffer befanden ſich 15,500 Mann in Leipzig und bei Lindenau, 10,000 Mann bei Connewitz , mithin 109,400 Mann in der Linie Markkleeberg, Wachau, Liebertwolfwit, Holzhauſen.

Schwarzenberg's Dispoſition dirigirte gegen dieſe Linie nur 65,000 Mann, überdies von Grö die Korps von Kleiſt, Wittgenſtein und llenau ; bern über Goſja und Gr. Pößnau bis gegen Fuchshayn in einer Frontaus dehnung von ca. 14/4 Meile. Raiſer Alerander hatte zwar durch einen Macht ſpruch dem Fürſten Schwarzenberg die ruſſiſchen und preußiſchen Garden, 19,000 Mann , für die Unternehmung auf Connewiß entzogen und ſie zur Reſerve des Angriffes öſtlich der Pleiße beſtimmt, allein dieſe Reſerve ſtand am Morgen des 16. Oktober noch bei Rötha, eine Meile ſüdlich von Goſſa und 14/4 Meile von Wachau.

Für den ſtrategiſchen Druck bei Connewit beſtimmte Schwarzenberg das Morps pon Merveldt und die öſterreichiſchen Referven unter dem Prinzen von

Heſſen-Homburg, zuſammen 29,000 Mann. Der Angriff auf Lindenau und von dort auf die Weſtſeite Leipzigs ſollte von Gyulai mit ca. 20,000 Mann

verſucht werden . Objchon dieſe Geſammtmaſſe 133,000 Mann beträgt, alſo der franzöſiſchen Armee, der Hauptſache nach , gleich ſtark war , ſo entſprach die örtliche Vertheilung derſelben doch nicht der konzentrirten Stellung Napo

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ſeon's ; der Erfolg der Schlacht war aus dieſem Grunde durch das nume riſche Verhältniß nicht vorweg ſichergeſtellt. Es fehlten auf dem Schlachtfelde ſüdlich von Peipzig an dieſem Tage

die öſterreichiſche Diviſion Bubna, die auf Wurzen im Anmarſch war, – das öſterreichiſche Rorps des Grafen Colloredo, jeßt noch bei Benig, - und die ruſſiſche Reſerve - Armee des Grafen Bennigſen , die ſich augenbliclich noch in Waldheim befand ; die beiden letteren alſo noch ca. ſechs Meilen vom Schlachtfelde entfernt.

Erſt mit dem Eintreffen dieſer Truppentheile

wuchs der Böhmiſchen Armee eine Ueberlegenheit von 54,000 Mann zu, welche die aktive Theilnahme des Kronprinzen von Schweden auf 100,000 Mann ſteigern konnte. Der Augenſchein zeigte dem Raiſer Alerander in der Gegend von Goſſa,

daß dasjenige, was er am Tage vorher gefürchtet hatte, nun wirklich eintrat, nämlich daß die Storps in der Front öſtlich der Pleiße zu einem erfolgreichen Angriff auf die Stellung Napoleon's bei Wachau zu ſchwach ſeien . Er ließ deshalb ſogleich die Garden aus der Gegend von Rötha nach Goſſa vorrücken

und erſuchte den Fürſten Schwarzenberg , aus dem Winkel zwiſchen Pleiße und Elſter ebenfalls nach Goſſa zurückzukehren , da nur hier , nicht dort, die Entſcheidung der Schlacht fallen werde. Unterdeſſen begann der Kampf mit dem Angriff auf die Poſition der Franzoſen in vier Rolonnen , nämlich auf dem linken Flügel Kleiſt mit den Breußen auf Markflecberg , in der Mitte durch die Ruſſen unter dem Her

zoge Eugen von Württemberg auf Wachau und unter dem Fürſten Gortſcha kow auf Liebertwolfwiß, auf dem rechten Flügel Alenau mit den Deſterreichern durch den Vormarſch von Gr. Pößnau nach dem Solmberg zwiſchen Liebert wolfwit und Seyffertshayn .

Kleiſt nahm Martfleeberg und behauptete es gegen Poniatowski mit der 12. Brigade unter dem Prinzen Auguſt von Preußen. Der Herzog Eugen von Württemberg rüďte zwar in Wachau ein , verlor es aber wieder an Vic tor und ſuchte ſich nur ſüdlich des Dorfes zu behaupten.

Fürſt Gortſchafow

erreichte liebertwolfwitz nicht; er ſah ſich ſchon vorher gegen Lauriſton in ein Waldgefecht vermidelt. Graf Alenau beſetzte den Rolmberg und griff Liebert wolfmiß von der Oſtſeite an. Indeſjen der Berg ging gegen Macdonald und Sebaſtiani's Kavallerie verloren , und auch von dem Dorfe mußte Ale nau , unter dem Schuß der ruſſiſchen Ravallerie Bahlen's und der Roſafen

Platow's in die linie Gr. Pößnau und FuchShayn zurückweichen ; dagegen behauptete er das vorwärtsgelegene Seyffertshayn. Es hatte ſich unzweifelhaft herausgeſtellt, daß die Streitkräfte der Ver bündeten öſtlich der Pleiße nicht ausreichten ;

fie waren ſelbſt in Gefahr

ganz zurücgeworfen zu werden . Napoleon machte am Nachmittag den Ver fuch zu einer entſcheidenden Offenſiv - Bewegung.

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Unterdeſſen aber zeigte ſich auch die Sachlage bei Connewiß klar geſtellt.

Die öſterreichiſche Kolonne drang hier nicht durch. Eine Entwicklung über legener Streitkräfte war in dem dortigen Terrain weſtlich der Pleiße nicht möglich. Auch weiter oberhalb bei lößnig und Dölik vermochten die Deſter reicher den Uebergang nicht zu erzwingen. Fürſt Schwarzenberg überzeugte ſich , daß der ſtrategiſche Druck gegen Napoleon's rechte Flanke an der takti ſchen Reſultatloſigkeit des Gefechts bei Connewitz ſcheiterte. Er ließ nur Merveldt dort im Rampfe ſtehen und folgte mit den Reſerven des Prinzen von Heſſen-Homburg und der Stavalerie der Aufforderung des Raiſers Aleran der , an der Schlacht auf dem öſtlichen Ufer der Bleiße Theil zu nehmen.

Aus der Gegend von Gautſch ging die öſterreichiſche Ravalerie bei Klein

Städteln, die Infanterie bei Groß - Deuben am Nachmittag gegen 2 Uhr auf das rechte Pleiße . Ufer über. Auf der Höhe bei Goſſa traf Schwarzenberg den Kaiſer Alexander, den Raiſer Franz und den Sönig. Gegen 2 Uhr glaubte Napoleon den Moment gekommen , zur Offens five übergehen zu können , und zwar zunächſt mit der Navalerie bei Marf kleeberg und zwiſchen Wachau und Liebertwolkwit ; – die Infanterie, Victor, Lauriſton und ein Theil der Garden ſollte folgen. Um dieſelbe Zeit waren die ruſſiſch - preußiſchen Garden unter Barclay und die Deſterreicher unter dem Prinzen von Heſſen - Homburg füdlich von Gofja und Eröbern bereits eingetroffen .

Bei Markkleeberg wurden die polniſchen Ulanen Kellermann's, verſtärkt durch einen Theil der Ravalerie fatour's, von den öſterreichiſchen Küraſſieren zurückgeworfen, und die Zufanterie Kleiſt's in dem Dorfe von der öſterreichi îchen Infanterie abgelöſt. Zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz ſtürmten ca. 4000 Pferde der Generale Bordesoult und Doumerc gegen den rechten Flügel des Herzog8 Eugen von Württemberg vor. Der Herzog wich mit ſchweren Verluſten, die ihm ſein langes Ausharren in dem überlegenen Feuer

der franzöſiſchen Artillerie verurſacht hatte , nad Goſſa hin zurück. Bei Goſſa erfolgte der Rückſchlag gegen die aufgelöſte franzöſiſche Ravallerie durch ruſſiſche und preußiſche Kavallerie - Regimenter, die den Feind nach Wachau zurückwarfen. Die Infanterie -Sorps von Victor, Lauriſton und zwei Garde Diviſionen unter Mortier feſten die Offenſive bei der Schäferei Quenhayn und bei dem Dorfe Goſia fort, wohin auch Gortſchafow gewichen war. Atein hier waren jetzt die Referven der Verbündeten ausreichend, um auch die fran

zöſiſche Infanterie abzuweiſen. Die Nacht brach ein, ohne daß es dem Rai ſer Napoleon gelungen wäre , die Verbündeten über die Linie Markkleeberg, Auenhayn, Goſſa, Gr. Pößnau, Fuchshayn und Seyffertshayn zurückzudrän

gen. Eine Entſcheidung des Kampfes war an dieſem Tage nicht gefallen. Auch bei Lindenau hatte ſich nur das Gleichgewicht der Kräfte gezeigt. Blücher allein hatte bei Mödern einen vollſtändigen Sieg errungen.

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Für die Erneuerung der Schlacht am folgenden Tage war Napoleon nur auf die bereits gebrauchten und zum großen Theil moraliſch und phyſiſch verbrauchten Streitkräfte angewieſen ; - die Verbündeten erhielten dagegen den vollſtändig friſcheu Zuzug der Truppen Bennigſen's , Colloredo's und Bubna's , vielleicht auch den der Nordarmee ; ihre Ueberlegenheit war von jeßt ab unzweifelhaft.

Napoleon erkaunte die Schwierigkeit ſeiner Lage und ſuchte ſich ihr durch

Unterhandlungen zu entziehen.

Der gefangene General Merveldt bot ihm

das Mittel dazu ; er ſandte ihn mit Aufträgen in das Hauptquartier der verbündeten Monarchen. Seine Abſicht war, einen Waffenſtilſtand zu erlans gen, um unter dein Schuße deſſelben ungefährdet hinter die Saale zurückge

hen zu können. Den Entſchluß zu dem Rückzuge dorthin , ſei es mit oder ohne einen Waffenſtillſtand, hat der franzöſiſche Kaiſer erſt im Laufe des 17. Oktober gefaßt , an welchem Tage von beiden Seiten der Kampf nicht erneuert wurde. Merveldt erſchien erſt am 18. früh bei Schwarzenberg; ſeine Sendung hat daher auf die Ruhe am 17. Oktober keinen Einfluß gehabt. Dieſe Ruhe mußte aber die franzöſiſche Armee am 18. büßen, denn fämmt

liche Streitkräfte der Verbündeten waren nun vollſtändig vereinigt.

Schlacht bei Leipzig, den 18. Oktober. Da Napoleon am 17. Oktober nicht angriff, ſo wartete Schwarzenberg an dieſem Tage die Ankunft ſeiner Verſtärkungen ab. Das Rorps von Collo redo traf zwiſchen 10 und 11 Uhr Vormittags bei Markfleeberg ein , um daſelbſt den linken Flügel zu verſtärken .

Das Korps von Bennigſen erreichte

erſt am Nachmittag den rechten Flügel bei Fuchshayn ; Bubna bei Machern, nördlich von Brandis. Ein anhaltender Regen hatte den Anmarſch erſchwert. Blücher ſandte dem Könige die Meldung von ſeinem Siege bei Möckern.

York's Rorp8 wurde nach Wahren zurückgenommen ; Saden dagegen gegen Gohlis vorgezogen . Durch leichte Gefechte warfen langeron und Sacen die franzöſiſchen Vortruppen von Gohlis und Eutrigich bis in die nördliche Vorſtadt von Leipzig und auf das ſüdliche Ufer der Barthe zurück. Der Kronprinz von Schweden führte die Nordarmee am 17. Oktober nach Brei

tenfeld, eine Meile nördlich von Leipzig. Wingingerode beſepte mit der leich ten Ravalerie Taucha an der Barthe, 14/4 Meile nordöſtlich von Leipzig. Bernadotte war nun zur Theilnahme an der Schlacht bei Leipzig mora liſch gezwungen . Um ſeine aftive Mitwirkung in voller Freiheit des Ent ſchluſſes auf das kleinſte Maß beſchränken zu können , verlangte er , daß Blücher ihm ſeine Stellung bei Mödern , alſo den rechten Flügel, einräume.

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Blücher lehnte dieſe Forderung ab , um der Schleſiſchen Armee den Angriff auf dem fürzeſten Wege zu wahren. Der Kronprinz von Schweden ent ſchloß ſich nun zu dem Umwege von Breitenfeld über Taucha nach Leipzig,

angeblich, um dem Staiſer Napoleon dort den Rüdzug nach Eilenburg zu ver legen ; und an dieſe weit ausholende, vom Schlachtfelde ſich zunächſt ent fernende Bewegung , knüpfte er noch die Bedingung , daß Blücher ihm die Hälfte der Schleſiſchen Armee zu ſeiner gefahrvollen Unternehmung abtreten müſſe. Blücher war unter dem Vorbehalt hierzu entſchloſſen , daß Langeron's

Korp8, zum Anſchluß an die Nordarmee beſtimmt, nicht nach Taucha mar ſchiren, ſondern die Barthe möglichſt nahe an Leipzig überſchreiten ſolle. Hielt Carl Johann nur das preußiſche Sorp8 von Bülow und die ruſſiſchen Trup

pen unter Wingingerode und Worongow nicht zurüc, auf dem Umwege über Taucha auf dem Schlachtfelde zu erſcheinen , jo mochte er nach wie vor die ſchwediſche Armee in dem entfernteſten Reſerve- Verhältniß zurückbehalten und perſönlich jede Berührung init franzöſiſchen Truppen vermeiden. Mit dem Erſcheinen der Nordarmee bei Taucha war der ſtrategiſche

Zirkel um Leipzig und um die franzöſiſche Armee auf beiden Ufern der El ſter, Pleiße und Barthe geſchloſſen ; dem Kaiſer Napoleon blieb für ſeinen Rüdzug nur ein gewaltſames Sprengen dieſes Kreiſes übrig. Wie gefahr voll es für die franzöſiſche Armee auch erſcheinen mochte, dieſen Ausweg auf einer einzigen Straße , auf dem langen Dainm von Leipzig nach Lindenau, zu ſuchen , ſo lag es doch nahe , dort den fürzeſten Rüdzugsweg nach dem Rhein zu gewinnen . Große Maſſen ſind nur durch gleiche Maſſen aufzuhal

ten. Mehr als 100,000 fampffähige Streiter brechen ſich überall Bahn, wenn ihr moraliſcher Halt nicht vollſtändig verloren gegangen iſt. Es erklärt ſich hieraus der Entſchluß Napoleon's , am 18. Oktober die Schlacht anzu

nehmen und gleichzeitig den Rüdzug vorzubereiten, denn auf einen Sieg rech

nete der franzöſiſche Kaiſer an dieſem Tage , bei der ihm bekannten Ueber legenheit der des Stampfes Dktober und laſſen . Erſt

Verbündeten, nicht mehr. Freilich hatte Napoleon in Betreff feine Wahl , da er für den Beginn des Rüdzug den 17. die Nacht zuin 18. Oktober ungenugt hatte vorübergehen nach langem , innerem Kampfe gab er dem Gebot der Noth

wendigkeit zur theilweiſen Erhaltung ſeines Heeres nach. Der erſte Schritt dazu war die Aufſtellung der franzöſiſchen Korps näher an Leipzig heran. Die Linie Wachau -liebertwolkwitz wurde verlaſſen und die Armee auf 1/2 bis

3/4 Meile in die Linie Lößnig , Probſthaida, Zuđelhauſen und Holzhauſen zurückgeführt, und zwar ſtanden am Morgen dieſes Tages das 8. Korp8 Poniatowski bei Lößnig und Connewit , das 2. Rorps Victor bei Probſt

haida und Zuckelhauſen, dahinter das 5. Rorps Lauriſton bei Stötterit, und Dudinot mit zwei Diviſionen junger Garde hinter dem 8. und 2. forps ; ferner das 11. Korps Macdonald bei Holzhauſen und Baalsdorf, die Gars den Mortier und Augereau's Reſerven bei dem Thonberg , wo auch Na

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poleon ſeinen Standpunkt wählte.

Die Barthe vertheidigte Ney, nämlich mit

dem 6. Korps Marmont bei Schönfeld und mit dem 3. Korps Souham bei Neutſch. Den Zugang von Taucha her decte Reynier, der am 17. von der Mulde hier eingetroffen war , bei Paunsdorf. In Leipzig und deſſen Vor ſtädten , ſowie bei Lindenau ſtanden das 4. Korp8 Bertrand nnd die Divis ſion Dombrowski. Bertrand mußte ſchon am frühen Morgen des 18. den Rüdzug der franzöſiſchen Armee nach der Saale eröffnen , gefolgt von dem Wagentrain der Rorps. Gyulai wurde bei Lindenau leicht aus dem Wege geſchafft; er wich mit Verluſt nach Kl. Zichocher ſüdlich aus. Das 4. Korps ſegte von nun an ungeſtört den Weg über Markranſtädt und Lügen nach Weißenfels fort, um dort den Saale - Uebergang zu beſeßen .

Die Dispoſition Schwarzenberg's für den Angriff beſtimmte in der Front , öſtlich der Bleiße, das Vorgehen zweier Stolonnen .

Die erſte unter

dem Prinzen von Heſſen - Homburg, nämlich das 1. Rorps Colloredo, das öſterreichiſche Reſerve-korps, die Hälfte des 2. Korps (die andere Hälfte blieb zwiſchen Pleiße und Elſter vor Connewitz) und eine Savallerie - Diviſion von Marffleeberg gegen Dölitz und Lößnig ; -- ferner die zweite Solonne unter Barclay de Tolly, das Korp8 Wittgenſtein, das Korps Kleiſt und die Garden ,

von Goſſa gegen Wachau , Liebertwolfwiß und Probſthaida.

Den linken Flügel der franzöſiſchen Aufſtellung ſollte Bennigſen mit der ruſſiſchen Reſerve - Armee , dem 4. Rorps Klenau und der Diviſion Bubna

umfaſſen. Die 11. preußiſche Brigade Zieten befand ſich in dieſer Rolonne; ihre Direktion war von Fuchshayn über Seiffertshayn gegen Holzhauſen.

Auf dem weſtlichen Ufer der Elſter ſollte Gyulai von il. Bichocher den An griff auf Lindenau erneuern. dem Wege warf.

Wir ſagten bereits , daß Bertrand ihn aus

Von der Schleſiſchen Armee dirigirte Blücher das Rorp8 Sacen von Gohlis gegen Leipzig ; hinter Sacken ſtand das forps Yorf bei Gohlis im zweiten Treffen. Das Korps Langeron erhielt die Weiſung, von Eutrițích bei Mocau die Parthe zu iiberſchreiten . Blücher ſchloß ſich dieſer Rolonne an, um ſie durch den Kronprinzen von Schweden nicht aus der Hand zu verlieren .

Die Nord - Armee führte der Kronprinz von Breitenfeld nach Taucha, nämlich das Korp8 Bülow und die ruſſiſche Ravallerie von Winpingerode

nach Taucha, die ruſſiſche Infanterie von Wintgingerode und Woronzow nach Graßdorf, nördlich von Taucha, und die ſchwediſche Armee nach Plaußig zwiſchen Graßdorf und Mocau . Wenn die Nord -Armee die Barthe nach dem ſüdlichen Ufer hin überſchritt und auf Leipzig vordrang, ſo kam ſie mit Ben nigſen in Verbindung und wirkte mit ihm auf Flanke und Rücken der fran zöſiſchen Aufſtellung ſüdlich von Leipzig. Der Rückzug Napoleon's von Wachau nach Probſthaida ließ bei den Verbündeten die Vermuthung entſtehen , daß man es heute nur mit einem Bribeft z. Mil -Wochenbl. 1869.

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Arrieregarden -Rampf im großen Styl zu thun haben werde. Die Bewegung franzöſiſcher Kolonnen und Trains ſeit dem früheſten Morgen auf der Straße von Lindenau nach Markranſtädt gaben dieſer Anſicht ſehr bald eine Beſtätigung. Dennoch fand nach Ausdehnung des Raums und nach Größe der auf einander treffenden Heere die größte Schlacht ſtatt, die bis hierher geſchlagen worden war.

Die 1. und 2. Kolonne, Prinz von Heſſen -Homburg und Barclay, ſtie ßen auf einen ſehr hartnädigen Widerſtand. Die 1. Kolonne nahm zwar Döſen, Dölig und Lößnig , behauptete ſich aber hier , in Folge einer Gegens Offenſive des Feindes , nur mit der äußerſten Mühe und konnte nicht über

Lößnig hinaus vordringen. Der Prinz von Heſſen -Homburg wurde verwun det, Colloredo übernahin das Rominando. Von der 2. Kolonne marſcirte Kleiſt über Wachau, Wittgenſtein über Liebertwolfwiß gegen Probſthaida. Beide Rorps drangen zwar theilweiſe in das Dorf ein , vermochten es aber nicht feſtzuhalten. Die Korps formirten ſich am Nachmittage ſüdlich von Probſthaida und unterhielten nur die Ranonade.

Glücklicher war der Flankenangriff Bennigſen's. Zieten eroberte Zuckelhauſen. Slenau nahm Holzhauſen , und die Ruſſen drangen über Al. Pößnau und Baalsdorf bis Zweinaundorf vor, hatten alſo hiermit die fran zöſiſche linge Flanke nach Brobſthaida hin umfaßt. Dagegen blieb Stötterit, wie Probſthaida , noch in dem Beſitz des Feindes. Rechts von den Ruſſen gelang es der Diviſion Bubna von Brandis über Zweenfurth und Engels

dorf das Dorf Meltau zu beſetzen.

Platow eröffnete mit ſeinen Soſaken

über Sommerfeld die Verbindung mit der Nord -Armee nach Taucha hin. Von Taucha her rückte Bülow gegen Baunsdorf vor und entriß dieſes

Dorf dem General Reynier.

Langeron überſchritt die Barthe bei Mockau

und warf den Feind auf Schönfeld zurück. Ney ſuchte nun in der Linie von Schönfeld über Sellershauſen bis Stünk Widerſtand zu leiſten. Bei Baung

dorf gingen der württembergiſche General Normann mit einer Kavallerie Brigade und 3000 Sachſen unter Oberſt Brauſe und General Ryſſel des Korp8 von Reynier zu den Verbündeten über , ohne daß dieſer Umſtand bei

der ſtrategiſchen Sachlage und dem numeriſchen Verhältniß der Adiirten von einem anderen , als einem moraliſchen Einfluß auf die bereits hoffnungsloſe Situation der franzöſiſchen Truppen ſein konnte. Im Laufe des Nachmittag8

eroberte Bülow noch Sellerhauſen und Stünt , und Langeron Schönfeld. Die franzöſiſche Armee , an der Oſtſeite Leipzig's aufs Aeußerſte eingeengt, konnte ſich hier nur durch das Eingreifen der franzöſiſchen Garden behaupten . Auf der Nordſeite Leipzig'8 warf Sacen den Feind über die Barthe zurück. York blieb bei Gohlis ſtehen. Die ruſſiſche und ſchwediſche Infanterie der Nordarmee war den Rorpe von Bülow und Langeron gefolgt.

Hatte Napoleon am 17. Oftober noch geſchwankt , ob er den Rückzug antreten oder eine neue Schlacht ſchlagen folle, jo blieb ihm am Abend des

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18. Oktober keine andere Wahl, als die, dem Rorps des Generals Bertrand

zu folgen. Für den 19. Oftober war nur Leipzig noch ſo lange zu behaup ten , bis das Gros der Armee das Defilee nach Lindenau überſchritten und

ſich in Marſchkolonnen auf dem Wege nach Lügen befand . Den Verbündeten fiel für den 19. die Aufgabe zu , den Sieg zu voll

enden und den Abzug der franzöſiſchen Armee nach Möglichkeit zu unterbre chen und zu ſtören. Der um weniger als eine halbe Meile um Leipzig verengte Kreis bot die Gelegenheit, die Queue der abziehenden Kolonnen un mittelbar anzufallen und feſtzuhalten. Bertrand hatte am Abend des 18. Oktober mit dem Gros Lügen, mit

der Avantgarde Weißenfels erreicht; – am 19. ſollte er die Saale von Mer ſeburg bis Röſen beſetzen. Schon in der Nacht zum 19. Oktober ließ Na poleon den Rüdzug des Gros der Armee durch Leipzig nach Lindenau und Lüßen antreten , und zwar voran die rein franzöſiſchen Korps , die Garden, Victor , Augereau , dann Marmont , Souham , lauriſton. Die Degung des Rückzuges, alſo die Vertheidigung Leipzig'ø , wurde den Polen und Rhein bundstruppen übertragen , auf deren Verluſt Napoleon keinen weiteren Werth legte, alſo den korp8 Poniatowski's, Macdonald's und Reynier'8. Ein Ver ſuch des franzöſiſchen Kaiſers , ſich den Abmarſch dadurch ſicherzuſtellen, daß er den Magiſtrat von Leipzig nöthigte , an die Berbündeten die Bitte zu richten, die Stadt nicht zum Kampfplat zu machen, ſcheiterte an der rich tigen Einſicht ſeiner Gegner, daß man dem Feinde auf dieſe Weiſe goldene Brüden nicht bauen dürfe.

Mit Anbruch des Tages wurden die ſchwachen franzöſiſchen Arrieregarde Truppen aus den vorliegenden Dörfern nach Leipzig zurückgeworfen, und die Hauptkolonnen, welche am 18. formirt geweſen waren und geſchlagen hatten, rückten am 19. in gleicher Eintheilung zum Sturm auf die Stadt heran. Bei der zunehmenden Verengung des Gefechtsfeldes nach Leipzig hin konnten auch nur die Teten der Kolonnen zur unmittelbaren Theilnahme an dem Rampf gelangen. Die Thore im Norden, Oſten und Süden der Stadt wur den die Direktionspunkte des Angriffe ; zwiſchen 8 und 9 Uhr wurden die felben erreicht. Der bis dahin auf der Gegend ruhende Nebel ſank; die Si tuation des Feindes ließ ſich genau überſehen. Der Hauptkampf wurde in den Vorſtädten geführt. Bülow's Rorps drang zuerſt von der Oſtſeite in die Vorſtadt und dann in die Stadt ein ; unmittelbar darauf auch Saden's Rorps von der Nordſeite. Dadurch war der Rücken aller anderen Thore bedroht und dieſe für den Einzug der übrigen Solonnen geöffnet. Ein furcht bares Gedränge entſtand in der Stadt und an dem Thor der Weſtſeite nach Lindenau zu. Napoleon opferte die Vertheidiger der Stadt und ließ zur

Dedung ſeines Rückzuges die Elſterbrücke ſprengen. Diejenigen , welche die Elſter ober- und unterhalb ſchwimmend zu paſſiren ſuchten , ertranken zum großen Theil : – unter Anderen auch der verwundete Marſchau Fürſt Bo

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Gegen Mittag hielten Kaiſer Alexander und der König ihren Einzug in die Stadt ; - die kommandirenden Generale ſchloſſen ſich dieſem Zuge an. Später zog auch Kaiſer Franz in Leipzig ein . Der König von Sachſen, der hier zurückgeblieben war, wurde von den Verbündeten zum Ge fangenen erklärt. niatowski.

Große Opfer hatten die Kämpfe am 16. , 18. und 19. gekoſtet.

Die

Alliirten verloren im Ganzen über 40,000 Mann, darunter 21 Generale und 1700 Offiziere, theils todt , theils verwundet. Dagegen fielen 300 Ge ſchüße und 900 Wagen, nebſt 15,000 Gefangenen in ihre Hände. Im Gan zen büßte die franzöſiſche Armee wenigſtens 60,000 Mann ein, an Todten,

Verwundeten und Gefangenen. Von den kommandirenden Generalen waren Ney und Marmont verwundet worden , Lauriſton und Reynier geriethen in Gefangenſchaft.

Das Reſultat des Sieges bei Leipzig war die Befreiung Deutſchlands von franzöſiſcher Herrſchaft, die Selbſtſtändigkeit deutſcher Völkerſtämme und deutſcher Fürſten. Der Rückzug der franzöſiſchen Armee bis an und über den Rhein fiel den Verbündeten als eine Frucht dieſes Sieges zu ; indeſſen mehr durch die De moraliſation des Feindes, als durch die Energie der Verfolgung. Die parti kularen Intereſſen Deſterreichs hinderten die äußerſte militairiſche Anſtren gung gegen den Kaiſer Napoleon.

Die Schleſiſche Armee verfolgt den Feind bis an den Rhein. Entſtehung des Operationsplans für den Feldzug von 1814. — Verpflegungs -Grundſätze. Das Sorps von Yorf hat an der Schlacht bei Leipzig keinen hervors ragenden Antheil genommen ; - nur drei Bataillone waren von Gohlis her zur Unterſtüßung Sacen'8 gegen Leipzig vorgeſendet worden. Zwei Bataillone wurden um Mittag nach Schleudit geſendet, die dortige Elſter- Brücke zu be ſeben. Daſſelbe geſchah durch zwei Bataillone etwas weiter unterhalb bei Ober- Thau. Noch am Abend des 18. Oktober erhielt Yorf von Blücher

den Befehl , nach der Saale hin abzumarſchiren , ,, um den Uebergang bei Merſeburg zu ſichern und dem Feinde auf ſeinem Rückzuge ſo vielen Abbruch zu thun , als es den Umſtänden nach möglich ſein würde.“ Zwei Roſaken Regimenter von Saden wurden zu dieſem Zweck dem Korps zugetheilt. Nach 7 Uhr Abend8 marſchirte York mit dem Rorps in der Richtung auf Schleu dig ab. Die Reſerve - Kavallerie befand ſich an der Tete ; dann folgte die Diviſion Horn ; die Diviſion Hünerbein machte die Queue. Die detachirten Bataillone ſchloſſen ſich der Marſchfolonne auf ihrem Wege an.

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York war alſo der erſte, welcher die Verfolgung der geſchlagenen fran = zöſiſchen Armee einleiten ſollte.

Raiſer Alexander hatte den Wunſch ausge

ſprochen , daß auch von der Hauptarmee ſchon am Abend des 18. Oktober die Vorbereitungen zur Verfolgung am folgenden Tage getroffen werden möchten und zu dieſem Zweck das Garde-Rorps Barclay's zum Marſch auf Pegau zur Dispoſition geſtellt. Von dort aus würde ſich das Korps in dem

Verhältniß eines Flankenmarſches ſüdlich der franzöſiſchen Rüczugslinie befun den haben, wie Yorf nördlich derſelben. Denkt man ſich beide Korp8 am 19. verſtärkt, und auf der Mittellinie nach Lüßen hin die großen Ravallerie - Maſſen der Verbündeten gegen den weichenden Feind verwerthet , ſo würde durch dieſe Anordnungen der Sieg vom 18. Oktober allerdings weſentlich vervollſtändigt worden ſein. Indeſſen im Hauptquartier Schwarzenberg'8 ſah man die Sachlage von einem anderen Standpunkte an .

Anſtatt der nächſten, am Feinde befindlichen Storps erhiel

ten entferntere Truppentheile den Auftrag, die Verfolgung zu verſuchen , näm lich die Diviſion Bubna don Melfau her, öſtlich von Leipzig, und noch wei

ter rechts von dieſem die Roſaken Platow's , welche die Verbindung mit der Nordarmee aufgeſucht hatten. Erſt am 19. Oktober fam Platow auf das weſtliche Elſter-Ufer, ohne den Feind zu erreichen , und Bubna blieb ſchon bei Zwenkau an der Elſter ſtehen. Gyulai's Rorps war freilich auf dem linken

Elſter-Ufer am nächſten zur Hand; allein ſchon am 18. von Bertrand zurück geworfen, wich derſelbe am 19. Oktober zunächſt dem Rückzuge des franzöſi ichen Groß ganz aus , marſchirte in die Gegend von Begau und fam am Abend des 19. nicht über Dobergaſt hinaus, 3/4 Meilen weſtlich von Begau. Genug, die Anordnungen am 19. zur Verfolgung waren nach einern unzurei chenden Maßſtabe bemeſſen. Der eigentliche Verfolgungsplan wurde erſt zum 20. Oktober feſtgeſegt und ging in großen Zügen darauf hinaus , daß die Schleſiſche Armee die rechte Flügel -Rolonne , Bennigſen's Armee die Mitte und die Böhmiſche Armee die linke Flügel - Rolonne bilden ſollten . Erfurt

wurde der nächſte Haupt - Direktionspunft für die Verfolgungsmärſche; der Norbarmee blieb die Wahl freigeſtellt.

In der That hatte Napoleon ſeine

Rückzugsline winkelrecht zu ſeiner ſtrategiſchen Front über Erfurt nach Mainz verlegt. Die Vertheidigung Leipzig'8 am 19. und das Verweilen der jun gen Garde unter Dudinot bis zum 20. früh bei Lindenau , verſchaffte dem franzöſiſchen Gros einen Vorſprung von 18 Stunden, den wieder einzuholen für die Hauptarmee keine Ausſichten vorhanden waren. Sehen wir nun, wie York Fühlung mit dem Feinde gewann. Am 19. Oktober erreichte die Diviſion Horn Halle, die Diviſion Hünerbein Bruckdorf, ſüdlich von Halle, die Reſerve-Ravallerie Paſſendorf, jenſeits Halle an der Straße nach Lauchſtädt. Die Elſterübergänge bei Burg Liebenau und Beejen wurden von der Diviſion Hünerbein beſett. Die zerſtörten Brücken daſelbſt hinder

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ten die beabſichtigte Belegung Merſeburg's von hier aus ; doch befand ſich in Merſeburg bereits ein Sofafen-Detachement. Für den 20. Oktober mußte York mit ſeinen 14,000 Mann die weite Ebene betreten, die zwiſchen der Saale und Unſtrut liegt, um an eine reti

rirende Armee von 100,000 Mann heranzukommen. Eine Unterſtüßung bei dieſem Unternehmen ſtand zunächſt nicht in Ausſicht, da die Korps don

Saden und Langeron bei Schleudig die Elſter überſchreiten und nach Lügen marſchiren ſollten, wohin am Abend des 19. General Waſſiltſchifow mit der Ravallerie Sacen's vorausgegangen und bis Gr. Dölzig, ſüdlich der Luppe, gekommen war.

Bevor York mit ſeinem Hauptquartier am 20. Oktober Halle verließ, fand Reyher Gelegenheit an ſeinen Vater zu ſchreiben, und ihm Nachricht von dem Siege bei Mödern und deſſen nächſte Folgen zu geben. Wir heben einige Stellen aus dieſem Briefe heraus : Der Feind iſt bei Leipzig auf allen Punkten geſchlagen wors

den, und retirirt nun in der größten Unordnung auf Erfurt. Den größten Theil ſeiner Artillerie hat er im Stich gelaſſen .... Der Sieg bei Mödern am 16. wurde durch die Kavallerie entſchieden. Kaşeler kom mandirte in dieſer Schlacht 8000 Mann und hatte den rechten Flügel. Er hatte einen blutigen Kampf zu beſtehen. 4000 Mann wurden ihm getöntet und verwundet. Bei der Ravallerie -Attacke wurde er ſelbſt am Ropf bleſſirt und fiel vom Pferde. Ich blieb vor dem Brandenburgiſchen

Huſaren - Regiment und machte die Attacke bis zu Ende mit. Ich habe in der Schlacht durch eine Kartätſchkugel eines meiner beſten Pferde verloren. Nachdem Sakeler verwundet worden war, ſegte ſich der General v. York ſelbſt an die Spige der Navalerie. Rapeler liegt hier in Halle. Durch den geſtrigen Barolbefehl bin ich zu York als Adjutant verſekt ; wahr ſcheinlich auf ſo lange bis Ratzeler wieder hergeſtellt iſt.

Ich fühle mich

durch dieſe Verſegung ſehr geehrt. Geſtern ſpeiſte York mit allen ſeinen Adjutanten beim Geheimen Ober - Juſtizrath Schmelzer hierſelbſt. Beim

Champagner wurde dem General ein Lorbeerkranz von den Töchtern der hieſigen Honorationen überreicht, und wir Adjutanten bekamen Zeder einen Zweig. Den Meinigen überſende ich Ihnen einliegend mit der Bitte, ihn mir recht ſorgfältig aufzuheben. Er wird einſt, wenn ich am Leben bleibe, mir eine ſehr angenehme Rückerinnerung gewähren . Den geſchlagenen Feind werden wir nach Erfurt hin verfolgen. Binnen einigen Tagen hoffe (Reyher ich die Brüder Frig, Heinrich und auch Ludwig zu ſehen ".

wußte noch nicht, daß ſein Bruder Friß am 19. bei Leipzig erſchoſſen worden . . Hier herrſcht in allen Städten und Dörfern unter den Ein war) . wohnern eine Freude, die grenzenlos iſt. Aűe betrachten ſich ſchon wieder

als preußiſche Unterthanen .... Das brave Armee- Rorp8 York's hat ſeit

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Eröffnung der Campagne und bei Möckern große Verluſte erlitten ; unter Anderen über die Hälfte ſeiner Offiziere verloren. Reines der preußiſchen Korp8 hat ſo viel gelitten ; aber wir können es dreiſt ſagen, auch keines hat ſo oft und jo heldenmüthig geſchlagen.

Hierüber iſt bei den Ruſſen

und den anderen Armeen nur eine Stimme .... Leben Sie wohl, ge liebte Eltern und grüßen Sie meine Schweſtern und meine Freunde. Nach dem Frieden umarmt Sie Ihr gehorſamſter Sohn Carl“ . Yorf wußte iegt, daß der Feind die Straße über Weißenfels einge

ſchlagen habe, alío Merſeburg nicht mehr berühren könne, und daß Freiburg von demſelben beſeßt ſei. Das Gros der Franzöſiſchen Armee hatte vom 19. zum 20. bei Lüyen bivouafirt. Der General ließ die Reſerve-Ravallerie auf der Straße über Bauch

ſtädt auf Weißenfels am 20. Oktober früh Morgens vorgehen ; die Diviſion Horn ſollte folgen, die Diviſion Hünerbein nach Merſeburg marſchiren.

Horn ſchicte das Brandenburgiſche Huſaren -Regiment nach Mücheln, um von dort Freiburg uud Laucha an der Unſtrut zu rekogno8ziren.

Die Ba

trouillen ſtießen jenſeits Mücheln auf den Feind. York, welcher die Reſerves Ravallerie begleitete, empfing um 9 Uhr Vormittags . in Gr. Rayna, nördlich

von Reichertswerben, die Meldung, daß der Feind in ſtarken Kolonnen von

Weißenfels nach Freiburg marſhire, und daß Ravallerie (es war das 2. Franzöſiſche Stavaứerie -Rorps unter Sebaſtiani) bei Reichertswerben dieſen Marſch zu deđen ſuche. Sebaſtiani befehligte aber auch eine Infanterie-Ros lonne, welche Reichertewerben und das anliegende Terrain befekte. Es fam

zur gegenſeitigen Manonade und zum Blänklergefecht. Da aber die Infanterie des Rorp8 noch nicht heran war, ſo unterblieb der Angriff auf Reicherts

werben. Horn erreichte am Abend dieſes Tages nur Franfleben ; Hünerbein war irrthümlich über Merſeburg nach Lauchſtädt marſchirt. Die Reſerve

Ravallerie blieb, Reichertswerben gegenüber, bei Gr. Staynia für die Nacht ſtehen .

Die Rorps von Sacen und Langeron kamen bis Lügen, die Savalerie unter Waſſiltſchifow bis Röden, Rippach gegenüber.

2000 Traineurs wur

den auf dieſem Marſch gefangen genommen . Die Franzöſiſche Arrieregarde räumte am Abend des 20. Rippach. Das Gros der Armee hatte mit der Tete Freiburg, mit der Queue Weißenfels erreicht, eine Ausdehnung von

2 Meilen. Napoleon ſtand in der Beſorgniß, weiter füdlich über Naumburg den Saal-Uebergang bei Möſen nicht mehr ungeſtört überſchreiten zu fönnen. Bertrand hatte nämlich am 19. Naumburg von dem noch vor der Schlacht hierher detachirten öſterreichiſchen General Murray (3 Bataillone 1 Batterie)

beſeft gefunden, ihn zwar leicht vertrieben, aber nun vorausgeſetzt, daß auch Köſen beſeßt ſein werde. Murray indeſſen wich auf der Straße nach Zeitz

aus. Bertrand hatte deshalb den Marſch von Weißenfels nördlich über

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Freiburg vorgeſchlagen.

Gleichwohl zeigte ſich ſchon vom 20. Oktober an, die

ſpäter immer mehr hervortretende Auflöſung der Armee, und zwar theile als eine Folge der Niedergeſchlagenheit, theils als eine Folge der unregelmäßigen

Ernährung. Marſchau Marmont ſchildert dieſe Demoraliſation als Augen zeuge in ſeinen Memoiren. Er ſagt, daß die angeſtrengten Rückzugsmärſche und die Entbehrungen die Indisziplin raſch vermehrt hätten. Die Soldaten, welche der Hunger zum Aufſuchen der Lebensmittel trieb, entfernten ſich von der Truppe, ohne zu ihr und der geſchloſſeneu Ordnung zurückzukehren. Der militairiſche Geiſt erloſch unter dieſen Umſtänden. Mißmuth und Verzagtheit nahmen täglich zu. Viele warfen die Gewehre fort und marſchirten mit dem Stock in der Hand. An 20,000 Mann bedeckten auf dieſe Weiſe in fleinen

Trupps das Feld zu beiden Seiten der Haupt-Rolonne. Sammelte man fie, ſo zerſtreuten ſie ſich doch ſogleich wieder. Der fronprinz von Schweden blieb mit der Nordarmee am 20. noch öſtlich von Leipzig ſtehen. Bennigſen erreichte nur Schönau, zwiſchen Lin

denau und Markranſtädt. Schwarzenberg theilte die Böhmiſche Armee in 2 Kolonnen , von welchen die der linken Flügels nach Zeiß marſhirte, daher die Berührung mit dem Feinde vorweg aufgab, und nur die des rechten Flügels die Richtung auf Naumburg erhielt ; doch an dieſem Tage zwiſchen Teuchern und Begau halten blieb. Nur die Avantgarde dieſer Rolonne, die Deſterreichiſche Savallerie-Diviſion unter Noſtit rückte mit Murray in der

Nacht wieder vor Naumburg und am 21. unterſtügt von Gyulai nach Röſen. Dieſen Paß hatte aber Bertrand von Freiburg her ſchon beſegt, ſo daß es hm gelang, die Deſterreicher von dort ebenfalls znrückzuwerfen . York formirte am 21. Oktober eine neue fombinirte Avantgarde unter

Oberſt Graf Henckel v . Donncrsmark, und zwar aus 6 Bataillonen , 3 Jä gerkompagnien, 12 Eskadrons und 2 Batterien. Sie mußten ſich um 5 Uhr Morgens bei Beşkendorf ſammeln, 1/2 Meile öſtlich von Mücheln , von wo

die Brandenburgiſchen Huſaren herangezogen wurden. Die Aufgabe der Avantgarde war, gegen Laucha vorzugehen und den Marſch des Feindes

möglichſt zu beunruhigen. Das Gros, die Diviſionen Horn und Hü nerbein, ſollte ſich ebenfalls bei Beşkendorf um 7 Uhr Morgens wieder ver

einigen. Die Reſerve- Kavallerie zog Oberſt Jürgaß bei Bedra zuſammen, 1/4 Meile ſüdlich von Beşfendorf, nachdem er die Savallerie - Feldwachen noch

gegen Reichertswerben hatte ſtehen laſſen ; - ein Regiment blieb zu ihrer Aufnahme zurück. York beſchloß den gleichzeitigen Anmarſch auf Laucha und Freiburg, unter fortgeſepter Beobachtung der Linie Weißenfel8- Freiburg. Dem entſprechend wurde die Reſerve-Ravallerie von Bedra auf Marfröhlig

gewieſen, wohin Sebaſtiani von Reichertswerben zurüdwich . Marfröhliß liegt faſt auf der Hälfte des Weges zwiſchen Weißenfels und Freiburg. Jürgaß trafhier um Mittag ein, kanonirte und attacirte die franzöſiſche Arrieregarde daſelbſt, jegt unter Dudinot, machte mehrere hundert Gefangene und zog ſich

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am Abend nach Zeuchfeld, / Meile öſtlich von Freiburg. Graf Hendel ſegte ſich mit der Avantgarde von Begkendorf nach Baumersroda (Straße nach Laucha) in Bewegung , und ereilte bei dem nahen Gleina einen Ges fangenen Transport, den er von der Ravallerie angreifen und befreien ließ.

100 Offiziere und 4000 Mann, größtentheils Deſterreicher, erhielten dadurch ihre Freiheit wieder. Die franzöſiſche Eskorte wurde theils zerſtreut, thcils gefangen genommen. Jenſeits Baumerøroda erhielt Hendel den Befehl, den Weg nach Laucha nicht weiter zu verfolgen, ſondern ſich nach Münchroda

und Freiburg zu wenden, da hier und nicht bei Laucha das Groß der Fran

zöſiſchen Armee über die Unſtrut gehe. Die Diviſionen Horn und Hüner bein führte Yorf von Bepfendorf über Zeuchfeld und Schleberoda gegen Freiburg vor, zuſammen 14 ſchwache Bataillone und 16 Eskadrone. Gefecht bei Freiburg. Von Schleberoda führen ſchwierige Defilee Wege ins Thal der Unſtrut hinab, und beengen die Entwickelung der Streit fräfte. Auf die Meldung, daß franzöſiſche Garden öſtlich von Freiburg, zur Dedung des dortigen Ueberganges, aufgeſtellt ſeien, hielt es Yorf für ange meſjener, ſich mit ſeiner Avantgarde wieder zu vereinigen, und die Poſition der Franzoſen oberhalb Freiburg bei dem Dorfe Zicheiplit anzugreifen. Eine hier von Bertrand über die Unſtrut erbaute Brüde konnte dann dem

Feinde vielleicht ganz entzogen werden . Bei Schleberoda blieb ein Ravalerie Regiment zur Beobachtung des Feindes und zur Verbindung mit Jürgaß bei Marfröhlig zurüc. Gros und Avantgarde vereinigten ſich um 2 Uhr Nachmittags bei Münchroda, 1/4 Meile nördlich von Zſcheiplig. 3icheipliß und das anliegende Terrain war ſtark von den Franzoſen beſegt, deren lange Kolonnen fortwährend bei Freiburg und zwiſchen dieſer Stadt und Sicheip fit über eine zweite Brücke defilirten, um den Weg nach Edartsberga zu verfolgen. Yorf hatte es hier in ſeiner vollſtändig iſolirten Sage mit dem größten Theil der Franzöſiſchen Armee zu thun, denn nachdem am Morgen

dieſes Tages Marmont mit dem 3., 6. und 7. Sorps die Freiburger Brüden überſchritten, folgten Nachmittag

3 Uhr Victor mit dem 2. Korps, um

4 Uhr die Stavallerie -Lorps von Sebaſtiani und Arrighi, um 5 Uhr die Garden, um 7 Uhr das 5., 8. und 11. Rorp8, und noch ſpäter traf Dudi not mit der jungen Garde bei Freiburg ein. Alle dieſe Kolonnen zu durch brechen , war nicht möglich. Napoleon traf am Morgen in Freiburg ein, und begab ſich am Nachmittag nach Edartsberga ; er war daher perſönlich bei dem Gefecht York's an der Unſtrut nicht zur Stelle. Yorf gab folgende Angriff8 -Dispoſition: ,,Die Infanterie der Avantgarde bildet den rechten Flügel, und greift den Feind, der das Schloß Sicheiplit zur Dedung ſeines Ueberganges beſegt hat, längs der Unſtrut an. General Horn macht den linken Flügel

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und vertreibt den Feind aus den Gebüſchen und Weinbergen, welche vor

Sicheipliß und Freiburg liegen. General Hünerbein bildet die Reſerve." York zeigte hier eine Vorſicht im Angriff, die wohl den gegenüber ſtehenden weit überlegenen Kräften entſprechend war. Hendel eröffnete das Gefecht, fam aber nicht dazu, Schloß und Dorf Zicheipliß mit dem Bajonnet zu attadiren ; dagegen gelang es ihm, die dortige Unſtrut-Brücke ſo wirkſam unter Geſchüßfeuer zu nehmen, daß die Franzoſen den Uebergang an dieſer

Stelle ganz einſtellen mußten ; ſie behielten nur noch die Freiburger Brücke zur Dispoſition. Ein heftiges Tirailleurfeuer in dem Waldterrain auf dem rechten Ufer der Unſtrut 30g das Gefecht der Avantgarde bis zuin Abend hin . Die Diviſion Horn wies auf dem linken Flügel alle Verſuche des Feindes ab, von Freiburg her die Poſition nördlich von Sicheiplik zu ge

winnen und ſich dadurch ihre zweite Unſtrut- Brücke wieder frei zu machen . An dieſem Gefecht nahmen auch 2 Bataillone der Diviſion Hünerbein Theil. York hatte durch die Dauer des Gefechtes und den nachhaltigen Widers ſtand des Feindes den Eindruck empfangen, daß er, auf ſeine eigenen Kräfte

angewieſen, an dieſer Stelle die franzöſiſchen Kolonnen nicht zu durchbrechen vermöge. Er ließ deshalb zur Nacht nur die Avantgarde por 3icheiplig ſtehen, und führte die beiden Diviſionen zurück in ein Bivouak bei Gleina. Die Hartnäckigkeit des Rampfes ſpricht ſich darin aus, daß das Rorps in dieſen wenigen Nachmittagsſtunden über 600 Mann an Todten und Ver

wundeten verlor. Am frühen Morgen des folgenden Tages räumten die Franzoſen die Stellung. Henckel ließ ſogleich Freiburg beſeßen und nahm noch mehrere Geſchüße und eine große Anzahl Wagen . Die Brücken hatte der Feind hinter ſich abgebrochen.

Sacen und Langeron waren am 21. bis Weißenfels gekommen. Der ſchwachen franzöſiſchen Arrieregarde, welche hier noch ſtand, gelang es, die Brücke zu zerſtören. Am Abend war ſie wieder hergeſteit. Beide Morp8 paſſirten nun die Saale ; Waſſiltſchifow eilte voraus und ſtellte von Mars fröhlig aus die Verbindung mit der Reſerve- Ravalerie York'e her.

Blücher

blieb in Weißenfels .

Auf dem Marſche von Lügen nach Weißenfels erreichte Prinz Wilhelm von Preußen, der in Leipzig zurückgeblieben war, die Schleſiſche Armee und überbrachte dem General Blücher die Ernennung zum Feldmarſchall, welche der König eigenhändig und in den gnädigſten Ausdrücken abgefaßt hatte. Der Prinz ſelbſt erhielt, an Stelle des verwundeten Herzog8 Karl von Medlenburg, das Kommando der 2. Brigade. Die Armee Bennigſen's blieb ſchon bei Lügen ſtehen. Die Nords armee ruhte noch bei Leipzig . Die Böhmiſche Armee erreichte mit der Ko lonne rechts (Barclay, Wittgenſtein, Kleiſt) Naumburg, vor ſich bei Köjen Gyulai und Noſtit ; mit der Kolonne links (1. und 2. öſterreichiſches

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Korp8 und die Reſerven) Eiſenberg, 3 Meilen ſüdlich von Naumburg, wo ſich fein Feind befand .

Am 22. Oktober ſeşte das franzöſiſche Gros den Rüdzug über Edarts berg und Buttelſtedt auf Erfurt fort. Blücher befahl für dieſen Tag :

,,Das ſorp8 des Grafen Langeron bricht um 5 Uhr auf und mar Ichirt über Marfröhliß nach Freiburg . Sollte der Feind dieſen Ort noch nicht geräumt haben, ſo greift ihn die Avantgarde mit dem Korps von York zugleich an ; dann wird die Brücke hergeſtellt, damit beide Rorps dort übergehen, und den Feind verfolgen können. Das Korps von Sacken marſchirt nach Laucha, ſtellt dort die Brücke her und rüct bis Bibra ". Als Blücher in Freiburg gegen Mittag eintraf und die veränderte Sach lage vorfand, gab er folgenden Befehl : „ Die Reſerve-Ravallerie des Korp8 von York, nebſt ihrer reitenden Artillerie, marſchirt über Nebra, Wiehe, gegen Weißenſee, um den linken Flügel des Feindes (bei Erfurt) zu umgehen. Für heute marſchirt ſie bis es dunkel wird, und bricht morgen mit dem Tage wieder auf. Das Rorp8 von York ſtellt die Brücke bei der Zettenbacher Mühle ( Zicheiplig) her und marſchirt bis Steinbach (bei Bibra).

Das Rorps von Langeron

geht bei Freiburg über und marſchirt auf Burghäßler (Richtung zwiſchen

Bibra und Edartsberg). Das Korps von Sacken geht bei Laucha über und marſhirt nach Bibra. Das Hauptquartier bleibt in Freiburg." Um den Feind, wo möglich, wieder zu erreichen, ſollten am folgenden Tage Gewaltmärſche von 4 bis 4/2 Meilen von den Rorps gemacht werden, weshalb Blücher gleich für den 23. befahl : ,, Das Rorps von Sacen marſchirt über Tauhard und Rölleda nach

Leubingen ; das Sorps von York über Raſtenburg und Gr. Neuhauſen nach

Sömmerda ; das Rorps von Langeron über Hardisleben und Gutmanns hauſen nach Schloß-Wippach. Das Hauptquartier kommt nach Gr. Neu hauſen ."

Indeſſen beide Befehle kamen nicht zur vouſtändigen Ausführung. York erhielt den erſten Befehl am Nachmittag des 22. Oktober und mußte nun zuvor die Brücke herſtellen. Die Reſerve-lavallerie war noch weit zurück in Zeuchfeld. Oberſt Jürgaß brach zwar ſogleich auf und mar ſchirte nach Burgſcheidungen, um wenn möglich ſchon hier und nicht erſt bei Nebra die Unſtrut zu paſſiren. Als er am Abend Burgſcheidungen erreichte, traf er hier bereits den General Waſſiltſchifom , der in Laucha die Brücke zerſtört gefunden hatte, deshalb hierher marſchirt war, und ſich mit Ver ſtärkung der Unſtrut- Brücke beſchäftigte, um ſie für Artillerie paſſirbar zu machen. Jürgaß blieb bei Sarsdorf, um am folgenden Tage die Brücke bei

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Burgſcheidungen zu benußen. Er kam alſo an dieſem Tage nicht auf das jenſeitige Unſtrut-Ufer. Von der Avantgarde Henckel'8 bejezte Oberſt -Lieutenant v. Stöffel am 22. früh Morgens mit 2 Ravallerie- Regimentern Freiburg und verfolgte den Feind von dort her. Hendel jammelte die Avantgarde aus der innegehabten Gefechtspoſition und marſchirte von Münchroda nach Laucha, wo die Brüde

erſt wiederhergeſtellt werden mußte. Die Diviſion Horn fam von Gleina bis Dorndorf bei laucha, die Diviſion Hünerbein bis Burgſcheidungen . Sacen erreichte Laucha, Langeron blieb bei Freiburg . Der überal noth wendige Brückenbau hatte alſo das llebergehen der Schleſiſchen Armee über die Unſtrut, wie Blücher daſſelbe beabſichtigte, verhindert. Es war daher

auch nicht möglich, am 23. die vorgeſchriebenen Punkte mit den Groß der Korps zu erreichen, um ſo weniger, da der Regen die Wege aufgeweicht hatte und den Marſch ſehr beſchwerlich machte. Dennoch ſollten wenigſtens die Avantgarden ſich bemühen, am 23. Oktober bis Leubingen, Sömmerda und Schloß -Wippach vorzudringen . In der That erreichte Henckel mit den Huſaren und der reitenden Artillerie am Abend Sömmerda, nur ſeine In fanterie war noch weit zurück; ſie ſchloß fich ihm , ebenſo wie Oberſt Lieutenant v. Stöſſel, erſt am folgenden Tage Vormittags in Sömmerda an. York fam mit der Diviſion Horn bis auf 11/2 Meile an Sömmerda heran,

nämlich nach Kl.-Neuhauſen, dahinter die Diviſion Hünerbein bis Roldis leben und Jürgaß mit der Referde- Ravallerie bis Oſtermondra. Ebenſo gelangte Waſſiltſchifow mit der Kavalerie Sacen's bis leu

bingen, dagegen das Gros Sacken's nur bis Bachra, 2 Meilen von Leu bingen. Langeron hatte von Freiburg bis Gutmannshauſen con 4 Meilen zurüdzulegen . Während Blücher die Schleſiſche Armee auf ihren nördlichen Bogens

wegen raſtlos vorwärts trieb, folgten die übrigen Storps in kürzeren Tage märſchen nach Erfurt hin . Bennigſen gelangte am 22. und 23. von Lügen über Weißenfels nur bis Freiburg ; Rolonne rechts der Böhmiſchen Armee, am 22. bis Poppel, 13 Meile öſtlich von Edartsberg, am 23. bis

Buttelſtedt ; Kolonne links, am 22. bis Jena, am 23. bis Weimar. Die Rofafen unter Blatow warfen ſich in den Thüringer Wald, um die rechte Flanke Napoleon's zu gewinnen.

Erſt am 22. Oktober ſepte ſich die Nordarmee von Leipzig her in Be wegung ; doch nicht im Anſchluß an die Verfolgungsrichtung auf Erfurt, ſon dern nordweſtlich auf Göttingen zu, über Querfurth, Sondershauſen und Heiligenſtadt. Bernadotte erwartete, daß auf die Nachricht von dem Rück zuge Napoleons Marſchau Davouſt eilen werde, die niedere Elbe zu ver laſſen, um Holland zu erreichen. Der Operation der Schweden durch Hol ſtein gegen die däniſche Armee würde dann fein Hinderniß der franzöſiſchen Macht mehr im Wege geſtanden haben. Zwar täuſchte ſich der Kronprinz

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von Schweden in Betreff Davouſt's, ohne jedoch hierdurch die Verfolgung feiner partikularen Intereſſen gegen Dänemark in Nord Deutſchland aufzu . geben. Seine Verbindung mit den alliirten Mächten hörte thatſächlich ſeit den Kämpfen in den Ebenen Leipzig's auf, weshalb ihm auch ſpäter das Korps Bülow'8 und die ruſſiſchen Truppen entzogen wurden. Napoleon ſuchte bei Erfurt ſeine Armee einigermaßen zu retabliren und

gab ihr deshalb hier (der Queue) am 24. einen Ruhetag . Die Tete war bereits in Gotha. Auf die Nachricht von dem Halt der Franzöſiſchen Armee, zog Schwarzenberg die Solonnen näher aneinander. Solonne links blieb bei Weimar ſtehen , Rolonne rechts marſchirte von Buttelſtedt ebenfalls nach Wei

mar, ſo daß die Böhmiſche Armee hier, 3 Meilen von Erfurt, vereinigt ſtand. Am folgenden Tage ſollte die feindliche Poſition bei Erfurt refog noszirt werden . Blücher dagegen ſeşte die Umgehung des franzöſiſchen linken Flügel8

fort, und zwar wieder durch Gewaltmärſche von 5 Meilen. Die Rejerve-Ravalerie York's mußte die Tete der Armee nehmen ; ſie erreichte am 24. auf 1 '/2 Meilen von Pangenſalza Gr. -Urleben, hinter ſich

die Avantgarde Hendel's, die Diviſion Horn in Rußleben; die Diviſion Hü nerbein in Lütgen-Sömmern, Sacen in Tennſtedt, Langeron in Schwerſtedt. Die Truppen marſchirten größtentheils, um dieſe entfernten Punkte zu er reichen, bis in die Nacht hinein. Die Schleſiſche Armee ſtand hierdurch ſchon

über die nördliche Linie von Erfurt hinaus, obgleich über 3 Meilen von dieſer Feſtung entfernt.

Die Möglichkeit, die Queue der feindlichen Marſchkolonne am 26. an dem Defilee von Eiſenach zu faſſen, ließ den Feldmarſchau Blücher zum 25. folgenden Befehl geben :

„ Diejenigen Korps, welche heute den 24. bereits Nachmittags in ihren Stellungen eingetroffen ſind, jegen morgen mit Tagesanbruch den Marid

nach Langenſalza fort. Die ſämmtliche Ravallerie geht auf der Straße vor, welche von Langenſalza nach Eiſenach führt. Diejenigen Sorps, die erſt nach eingebrochener Nacht ihre heutigen Stellungen erreicht haben, treten um 10 Uhr Vormittags ihren Marích nach Langenſalza an. Die Truppen nchmen dort enge Kantonnirungen, die Rorps von York und von Sacen rechts der Straße, die nach Eiſenach führt, das Rorp8 von Langeron links dieſer Straße. Das Hauptquartier kömmt nach Langen ſalza." In Folge dieſes Befehle fam die Tavallerie York's jenſeits fangenſalza bis Tüngeda, die Sachen's bis Gr. Behringen, die Langeron's bis Reichen :

bach ; vor ihr bei Hayna ſtand die leichte Garde-Ravalerie Lefebvre- Des nouettes und das 5. franzöſiſche Ravallerie -Rorps. Man hatte alſo auf etwas über 2 Meilen von Eiſenach wieder Fühlung mit dem Feinde gewonnen.

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Die Korps der Schleſiſchen Armee hielten in der Umgegend von Langen ſalza. Ihre Savallerie war alſo am Abend dieſes Tages bereits auf 5 Meilen über Erfurt hinaus.

Die Refogno8zirung des Feindes bei Erfurt am 25. durch den Fürſten Schwarzenberg, welche gegen Mittag in 2 Abtheilungen nördlich und ſüdlich der Feſtung bis an die Gera erfolgte, ergab, daß Napoleon ſeine Stellung daſelbſt bereits am Morgen zum Marſch über Gotha auf Eiſenach verlaſſen hatte. Nur war eine franzöſiſche Beſaßung zurückgeblieben ; Erfurt ſollte deshalb cernirt werden. Die Böhmiſche Armee, welche die Fühlung mit dem Feinde nicht mehr herſtellte, wollte Schwarzenberg vom 26. ab in

3 Parallel- Stolonnen dem Rheine zuführen, nämlich Rolonne rechts Wittgen ſtein über Gotha, Kolonne der Mitte, die öſterreichiſchen Rorp8, weiter ſüd lich über Schmalkalden, und Rolonne links Barclay über Suhl. Kleiſt blieb vor Erfurt zurüc.

Bennigſen hatte mit der Reſerve-Armee am 24. und 25. nur den kurzen Marſch von Freiburg bis Raſtenberg gemacht, öſtlich von Kölleda. Hier empfing derſelbe den Befehl, wieder Kehrt zu machen und nach Dresden zurückzumarſchiren, weil die dortigen ruſſiſchen Einſchließungstruppen von dem Marſdal Gouvion St. Cyr bei einem Ausfall zurückgeworfen worden waren, und man nun beſorgte, es könne ſich derſelbe mit den Garniſonen der Elb - Feſtungen zu einer Operation im Rücken der Verbündeten vereinigen . Bennigſen mußte aber zuvor 12,000 Mann zu dem forps Wingingerode

(der Nordarmee) detachiren ; mit 14,000 Mann rückte er nach Dresden ab. Am 26. Oktober fand der Zuſammenſtoß der Schleſiſchen Armee mit der franzöſiſchen Rückzug8-Kolonne ſtatt. Am Tage vorher hatte Prinz Wilhelm das Sommando der 2. Brigade übernommen, wodurch die Diviſion Horn wieder in die 2. und 7. Brigade eingetheilt wurde. Mit der Anſchauung von dem untergehenden Stern Napoleon's, glaubte

Murat ſein Geſchick jetzt von dem des Raiſer8 trennen zu müſſen und zu können ; er verließ die Armee und eilte ebenfalls ſchon am 25. in ſeine Staaten zurück. Napoleon hatte am 25. ſein Hauptquartier in Gotha genommen.

Die

franzöſiſche Avantgarde ſtand bereits in Eiſenach, das Gros lagerte um Gotha, die Arrieregarde unter Oudinot öſtlich von Gotha. Von hier aus ließ Napoleon am 26. den Marſch nach Eiſenach fortſegen. Blicher befahl für dieſen Tag :

,, Die Reſerve-stavallerie York's mit ihrer Artiüerie bricht init Tages anbruch auf, geht gegen den Hörſel-Berg vor, und ſucht ſich deſſelben vor dem Feinde zu bemächtigen, und zwar da, wo der Berg gegen das Dorf Burla abfäüt. Rann ſie auf dieſem Punkt von dem Feinde unentdeckt

ankommen, ſo ſtellt ſie ſich verdeckt auf und ſchickt ſchwache Patrouillen

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gegen die von Gotha nach Eiſenach führende Chauſſee vor, um den Marſch des Feindes zu beobachten.

Ueber die Stärke und Marſchordnung des

Feindes ſendet Oberſt v. Jürgaß von Zeit zu Zeit die nöthigen Meldun gen an mich.

Das Korps von Sacen bricht auch mit Tagesanbruch

auf, richtet ſeinen Marſch über Gr. Behringen nach Gr. Lupnit an der Nejſe, und ſtellt ſich dort verdeckt auf. Die Navalerie dieſes Korps ver einigt ſich mit der preußiſchen Reſerve-Kavallerie auf dem Hörſel- Berge und nimmt ihre reitende Artillerie mit. — Das Rorps von Yorf bricht ebenfalls mit dem Tage auf und rügt über Reichenbach und Or. Behrin

gen nach Gr. Pupniß vor, wo es ſich verdedt aufſtellt. – Das Korps von Langeron läßt die Wege über Grumbach, Tüngeda und Friedriche:

werth rekognosziren und rüdt auf denſelben mit Tagesanbruch gegen die Neſſe vor, ſofern ſie mit Geſchüß zu paſſiren ſind . Im entgegengeſekten Fall geht das Geſchüt über Reichenbach. Die Ravallerie dieſes Korp8 rückt ebenfalls auf den Hörſel- Berg und ſtellt ſich hinter den Höhen gegen den Feind verdeckt auf, nimmt aber auch ihre reitende Artillerie mit.

Rann

die geſammte Ravallerie vor Ankunft der Rorps noch etwas von Bedeu tung gegen den Feind unternehmen , ſo muß ſie dies nicht unterlaſſen . Das Hauptquartier befindet ſich bei dem Korps des Grafen Langeron ." Zur Erläuterung dieſes Befehls ſei hierinit bemerkt, daß die Chauſſee von Gotha nach Eiſenach die Hörſel an zwei Stellen pajjirt, uämlich bei

Sättelſtädt, etwas über 2 Meilen von Gotha, und bei Eicherod, 3/4 Meilen von Eiſenach . Das Dorf Burla liegt 1/4 Meile nördlich von Sättelſtädt, und das Dorf Gr. Pupnitz 1/2 Meile nördlich von Eiderod. Der Hörſel

Berg, der rechte Thalrand der Hörſel, iſt die Scheide zwiſchen Neſſe und Hörſel und tritt bis nahe an Sättelſtädt heran. Hier alſo ſollte die sa : ballerie mit der reitenden Artilerie dem von Gotha fommenden Feinde zu

erſt entgegentreten, während der Infanterie dieſe Aufgabe, näher an Eiſenach heran, von Gr. Lupniß gegen Eicherod vorbehalten blieb.

Die bereits vor

geſchobene Savallerie mußte auch früher mit dem Feinde in Berührung fommen, da die Infanterie von Langenſalza her bis Gr. Lupnitz noch 3 Mei len zurückzulegen hatte. Auch von Gotha nach Eicherod beträgt die Diſtance 3 Meilen, und faſt 4 Meilen bis Eiſenach. Man ſieht, wie das Zuſammen treffen an dieſem Tage von gleicher Marſchgeſchwindigkeit abhängig wurde. Nur die franzöſiſche Arrieregarde fonnte, wenn ſie mit ihrem A6 marſch zögerte, der Gefahr ausgeſegt ſein, von der Chauſſee ſüdwärts in

den Thüringer Wald geworfen zu werden. Die in Erfurt noch weit ent fernte Böhmiſche Armee blieb durch ihren heutigen Abmarích von dort ohne

allen Einfluß auf die Ereigniſſe zwiſchen Gotha und Eiſenach. Jürgaß erſchien am Vormittag des 26. Oktober mit der Reſerve-Ra

vallerie zuerſt am Nordfuß des Hörſel- Berges bei Haſtrungsfelde. Die ·

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Franzoſen hielten zum Schuß des Defilees bei Sättelſtädt die Gebüſche des Hörſel-Berges mit Tirailleurs beſetzt; ihre Ravallerie war bereits aus dieſem Terrain abmarſchirt. Mit dem Rartätſchfeuer ſeiner reitenden Geſchüte trieb Jürgaß die feindlichen Schüßen auf und über den Berg zurück, deſſen ſüd

licher Abhang für die Verfolgung des weichenden Feindes mit Kavallerie zu ſteil war. Indeſſen ſah der Oberſt von der Höhe aus das Bivouak des Feindes jenſeit der Hörſel bei Sättelſtädt, als Aufnahmepoſten der von Gotha im Anmarſch befindlichen Diviſionen Dudinot's.

Auch Bertrand war

mit dem 4. Morps noch zurüc. Einige Granaten von dem Hörſel- Berge aus in das Birouaf geworfen, erregten dort die äußerſte Verwirrung. Der Feind brach ſogleich von hier auf und marſchirte nach Eicherod.

Ohne 3n

fanterie fonnte indeſſen Jürgaß nicht direkt ins Thal hinunterſteigen. Er machte deshalb Rehrt und ſuchte im Bogen von Oſten her Sättelſtädt zu

erreichen. Um Nachmittag gelang ihm dies ; allein Dudinot hatte das De filee bereits pafſirt. Sürgaß verfolgte den Feind nach Eicherod zu bis Kälberfeld . Bertrand, der ſich bis gegen Mittag in Gotha aufgehalten, führte ſein Sorps ſüdlich der Straße über Waltershauſen nach dem Thüringer

Walde. Die ruſſiſche Kavallerie war bei Burla halten geblieben. Heftiger wurde das Infanterie-Gefecht bei Eicherod. Die Rorps dont York und Sacen waren gegen Mittag bei Gr. Lupniş cingetroffen. Blücher befahl den Angriff in der Richtung auf Eicherod, nachdem er vom Hörſel Berge her die Meldungen des Oberſten Jürgaß erhalten. Die Diviſion Hünerbein hatte die Tete. Die Wege waren grundlos, die Truppen ſehr

erſchöpft. Horn wurde als Reſerve zurücgehalten ; ebenſo Saden.



nerbein rückte fomeit gegen Eicherod bor, daß er mit ſeinen Geſchüßen die Chauſſee im Thal der Hörſel unter Feuer nehmen konnte. Zahlreiche

Schwärme feindlicher Tirailleurs ſuchten die Geſchüße zu vertreiben. Es entſpann ſich hier bis in die Dunkelheit hinein ein Gefecht, welches der Di viſion Hünerbein 28 Todte und 280 Verwundete foſtete. Die Reſerden wurden nicht verwendet.

Für die Nacht blieben die Feldwachen nördlich von

Eicherod ſtehen ; die Diviſion wurde etwas zurückgenommen.

Dieſe Nacht war ungemein beſchwerlich. Sturm und Regen ließen die Bivouatefeuer immer wieder verlöſchen. Die Rälte war ſo groß, daß drei Landwehrmänner erfroren.

Ein Tagebuch ſchildert die Beſc