Vorlesungen über die Philosophie des subjektiven Geistes II: Nachschriften zu dem Kolleg des Wintersemesters 1827/28 und Zusätze 9783787334124, 9783787318636

Der 2008 erschienene erste Teilband (GW 25,1) umfasst die Nachschriften zu den Vorlesungen 1822 und 1825, die Hegel auf

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Vorlesungen über die Philosophie des subjektiven Geistes II: Nachschriften zu dem Kolleg des Wintersemesters 1827/28 und Zusätze
 9783787334124, 9783787318636

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H EGE L · GE S A M M E LT E W E RK E 2 5, 2

GEORG W I L H E L M F RI E DRICH H EGE L

GE SA M M E LT E W E RK E

I N V E RBI N DU NG M I T DE R

DEU T SCH E N FORSCH U NG SGE M E I N SCH A F T H E RAU S G E G E BE N VON DE R

NORDRH E I N -W E ST FÄ LISCH E N A K A DE M I E DE R W IS SE N SCH A F T E N U N D DE R K Ü N ST E

BA N D 2 5 I N DRE I T E I L BÄ N DE N

F E LI X M E I N E R V E RL AG H A M BU RG

GEORG W I L H E L M F RI E DRICH H EGE L

VORL E SU NGE N Ü BE R DI E PH I L OSOPH I E DE S SU BJ E K T I V E N GEIST E S

H E RAU S G E G E BE N VON

CH RISTOPH JOH A N N E S BAU E R

BA N D 2 5 , 2 N AC H S C H RI F T E N Z U DE M KOL L E G DE S W I N T E RS E M E S T E RS 18 2 7/ 2 8 UND S E K U N DÄ RE Ü BE RL I E F E RU NG

F E LI X M E I N E R V E RL AG H A M BU RG

In Verbindung mit der Hegel-Kommission der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und dem Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum Diese Publikation wird als Vorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste im Rahmen des Akademieprogramms von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie ; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über 〈 http ://dnb.ddb.de 〉 abrufbar . ISBN 978-3-7873-1863-6 ISBN eBook: 978-3-7873-3412-4

© Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste , Düsseldorf 2011 Alle Rechte , auch die des auszugsweisen Nachdrucks , der fotomechanischen Wiedergabe und der Übersetzung , vorbehalten . Dies betrifft auch die Vervielfältigung und Übertragung ein zelner Textabschnitte durch alle Verfahren wie Speicherung und Übertragung auf Papier , Film , Bänder , Platten und andere Medien , soweit es nicht §§ 53 und 54 URG ausdrücklich gestatten . Satz : post scriptum , www. post-scriptum .biz . Druck : Strauss , Mörlenbach . Bindung : Litges + Dopf , Heppenheim . Werkdruckpapier : alterungsbeständig nach ANSI-Norm resp . DIN-ISO 9706 , hergestellt aus 100 % chlorfrei gebleichtem Zellstoff . Printed in Germany . www.meiner.de

INHALTSV ERZ EICH N IS

W IN TERSEM ESTER 1827/28 . NACHSCH RIFT STOLZ EN BERG mit Varianten aus den Nachschriften Johann Eduard Erdmann und Ferdinand Walter . . . . . . . . . . Psychologie oder Philosophie des Geistes nach Hegel

551

. . . . . . . . . . 553

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I . Anthropologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Seele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die unmittelbare Individualität . (die natürliche Seele überhaupt 392–95) . . . . . . . . . . . . 2 . die Seele als Totalität der Empfindung : die Träumende Seele 3 . Die wirkliche Seele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II . Die Phänomenologie des Geistes . Das bewußtsein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 . Das bewußtsein als solches . . . . . . . . . . . . . . . . 2 . Das Selbstbewußtsein . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 . die Vernunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . III . Psychologie der Geist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 . , Der theoretische Geist . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 . Der praktische Geist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . 555 . . . . 593 . . . . 596 . . . . 597 . . . . 671 . . . . 736 . . . .

. . . .

. . . .

. 746 . 761 . 776 . 797

. . . . 798 . . . . 807 . . . . 886

SEKU N DÄ RE Ü BERLI EF ERU NG ›ZUSÄTZ E‹ AUS Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse . Dritter Teil . Die Philosophie des Geistes . Herausgegeben von Dr . Ludwig Boumann . Berlin , 1845 . . . . . . . . . 919 A N H A NG Zeichen , Siglen , Abkürzungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1119

W INTERSEM ESTER 1827/28 NACHSCH RIFT

STOLZEN BERG MIT VA RI A NTEN AUS DEN NACHSCH RIFTEN

JOH A N N EDUA RD ERDM A N N UND

FERDINA N D WA LTER

einleitung

553

Psychologie oder Philosophie des Geistes

1r Sg

nach Hegel |

5

1–555,2 Psychologie oder … betrachten] Er : Hegel / Vorlesungen über die / Philosophie des Geistes / Berlin im Wintersemester 1827/28 / Joh . Eduard Erdmann | Unser Gegenstand ist Wl : Hegels / Vorlesungen über die / Philosophie des Geistes . / Berlin 1827/28 / F . Walter | Unser Gegenstand ist 10 8 1827/28 aus XI . / 27

1Er – 3Wl

einleitung

555

Einleitung

5

Wir betrachten die Philosophie des Geistes als den Gegenstand dieser Vorlesung . die Namen Anthropologie und Psychologie sind die gemeinen dafür . A nt h ro p o l o g ie betrachtet den Geist in seinem Naturleben , wie er noch in die Natur versenkt ist ; wo der Geist noch in Confl ikt mit seiner Leiblichkeit ist . Die P s ychol o g ie dagegen hat den Geist für sich zum Gegenstand wie er sich selbst bestimmt und aus dieser bestimmung sich entwickelt . Zwischen diesen beiden steht ein 3ter Theil die Ph ä no m e n o l o g ie des Geistes , der Geist als bewußtsein . Insofern umfaßt der Ausdruck Psychologie und Anthropologie den Gegenstand nicht ganz .

10

Über den Geist im Allgemeinen

15

Es ist der Geist , der endliche den wir betrachten ; aber er hat mit dem unendlichen das gemein : Geist zu sein ; und das ist auch die Weise des unendlichen Geistes ; seine Unendlichkeit ist bloß eine nähre bestimmung des Geist seins . Dem Geist setzen wir entgegen die Natur ; wir wollen nun die Würdigkeit des Geistes betrachten . Wenn wir von der Wirklichkeit des Geistes sprechen , so sind wir

2–3 als den … Namen] ErWl : oder die 3 Psychologie sind … dafür .] ErWl : Psychologie . Die 4 betrachtet] ErWl : als solche betrachtet 5 wo der … noch] ErWl : und erscheint als Geist mit seiner … ist .] ErWl : und Beziehung auf das L e i b l i c h e . 6 dagegen hat] ErWl : hat 6–7 selbst bestimmt … sich] ErWl : auf sich selbst bezieht und aus sich selbst 7 ein 3ter … die] ErWl : die 20 8–10 Insofern umfaßt … Über] ErWl : In der Anthropologie ist der Geist in seine natürliche L e i b l i c h k e i t versenkt , in der Psychologie der Geist in seiner Freiheit sich bildend , der freie Geist ; zwischen beiden ists , daß der Geist aus der Natur [ herauszutreten beginnt] Wl : herausgetreten ,] aber noch bezüglich ist auf die Natur , in Verhältniß zu ihr steht Das 2t e ist der Geist als Bewußtseyn oder seine E r s c h e i n u n g e n . Da sind wir und wissen von Etwas , haben einen Gegenstand äußerlich , und 25 w i s s e n zugleich von uns selbst . Ich bin auf mich bezogen und zugleich beziehe ich mich auf etwas anderes was nicht Ich ist , auf einen Gegenstand der auf sich selbst bezogen ist . Wir fangen damit an daß wir 11 Es ist … endliche] ErWl : betrachten Es ist dies ein würdiger Gegenstand . Es ist nur der endliche Geist 11–12 er hat … gemein :] ErWl : in ihm ist die wesentliche Substanz , 12–15 sein ; und … betrachten .] Er : seyn . Er hat das mit dem unendlichen Geist gemein , Geist zu seyn . 15 Wirklichkeit] ErWl : Würdigkeit 15–556,1 sind wir … gegenüberstellen .] 30 Wl : seyn . – ErWl : kann uns das einfallen was wir von dem Geist unterscheiden und ihm gegenübersetzen ; die 12 die Weise] Lesart : das Wesen

2r Sg

§ 387–481 Hegels Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften . Erste Abtheilung die Philosophie des Geistes Der subjective Geist ist a . unmittelbar – Seele oder Naturgeist . Gegenstand der Anthropologie b . für sich noch als identische Reflexion in sich und anderes der Geist in Verhältniß oder besonderung – bewußtsein – Gegenstand der Phänomenologie des Geistes c . der sich in sich bestimmende Geist , als Subject für sich , Gegenstand der Psychologie .Sg

556

2v Sg – 2Wl

2 Er

nachschrift stolzenberg · 1827/28

es die den Geist der Natur gegenüberstellen . Man hört oft den Ausdruck (darum wird dieses gesagt von uns) daß der Mensch , das Menschliche als ein geringeres geachtet wird als das Natürliche . Wenn ich sage Mensch , so ist auch das Natürliche darin enthalten neben dem Geistigen ; dieses Natürliche ist oft das Göttliche ; menschliche Kunst steht weit zurück gegen das natürliche Produkt ; – wenn wir nun das wahre Verhältniß festsetzen wollen , so ist es gerade das entgegengesetzte ; es gewinnt auch leicht die Oberhand über die erste Vorstellung und das bewußtsein des Menschen . Durch die Freiheit fühlt der Mensch sich höher als alle Natur , und in so fern erhebt er seinen Geist als ein göttliches über alles Natürliche ; in allem Menschlichen ist der Character der Freiheit ; er mag etwas Schlechtes oder Gutes thun es steht höher als das Werk der Natur . Es ist nun ungeschickt : Gott bloß auf der Seite der Natur sehn zu wollen und die Werke der Natur als abstractes Werk des Gotts | zu betrachten : Gott selbst ist wesentlich | Geist ; als solcher muß er gewußt werden , wenn er gewußt wird ; dem freien , seiner Freiheit sich bewußten Menschen offenbart sich auch Gott als Geist .

Natur – [was] Wl : und es fragt sich : Was] ist nun das Höhere , Würdigere ? – Bei der wahrhaften Betrachtung des Geistes sehn wir , daß der Geist sich selbst mit der Natur vergleicht , wesentlich auf sie gerichtet ist , seine Natur und die Natur überhaupt zum Gegenstand seiner Thätigkeit hat . 1–6 oft den … nun] ErWl : [oft , es ist eine] Wl : oft die] allgemeine Ansicht daß die Werke der Menschen geringer geachtet werden als die Natur . Der Mensch [ist] Wl : ist zwar] natürlich aber als Mensch ist er [dies , nicht ein natürliches] Wl : nicht , im Natürlichen] zu seyn sondern auch Geistiges . Da fi nden wir denn das Verhältniß häufig so gestellt , daß menschliches Wirken und Thun ein weit Zurückstehendes sei gegen die natürlichen Begebenheiten , gegen das Eintreten der Natur in [meine] Wl : die menschlichen] Anordnungen und Werke und das Natürliche kann man oft gegen das Menschliche als das Göttliche genannt fi nden . Ueberschwemmungen pp werden als das Werk Gottes angesehn , als größere Werke , als die der Mensch vollbringt , – die Kunst- und andre Producte sollen zurückstehn gegen die natürlichen . Der Gang der Natur wird vorgestellt als etwas Ewiges Unveränderliches , Göttliches , das Menschliche aber als dem Zufall , der Willkür angehörig , das weniger Achtung verdiene als das Natürliche . Sollen wir aber 6 wollen , so] ErWl : so 6–9 entgegengesetzte ; es … Geist] ErWl : umgekehrte . Wenn der Mensch selbst denkt , in seinen Geist zurückgeht , so weiß er daß seine Freiheit ein weit Höhe|res ist als alle Gebilde und Producte der Natur , er weiß durch seine Freiheit daß er erhabner ist . der Mensch weiß seine Freiheit , seinen Geist mit Recht 9 über] ErWl : in viel höhern Sinne als in] ErWl : Wenn der Mensch geistig ist und der Geist frei , so ist in allem auch was als das Schlechteste erscheint der Geist , die Freiheit . In 10–11 Character der … nun] ErWl : unendliche Stempel des Geistes die Freiheit enthalten Bringt man die Vorstellung Gottes dazu , so ist es 12–13 die Werke … selbst] ErWl : nicht auf der Seite des Menschlichen . Gott 13–14 als solcher … werden ,] ErWl : muß 14 wird ; dem … sich] ErWl : wird als geistig gewußt werden , seine Thaten , sind wesentlich geistige Thaten . / Wenn es heißt , Gott donnert und wird darin erkannt , so wird für den seiner Freiheit und Geistigkeit 15 offenbart sich … Geist .] ErWl : etwas Höheres erfodert als donner , ihm offenbart sich Gott als Geist wesentlich nicht in solchen Natur erscheinungen . – 4 Göttliche] folgt gestr : im M . ws

12 abstractes] Lesart unsicher

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Der Gegenstand des Geistes ist also ein würdiger . Nun ist noch zu merken , daß dieser Gegenstand als der bekannteste der leichteste für die betrachtung angesehn werden kann , denn der Geist liegt uns näher , denn wir sind es selbst , worin wir sind : es ist das unmittelbarste bei sich sein . d e r G e i s t i s t a b e r n icht d e r f r ü h s t e G e g e n s t a n d , d e r s ich d e r b e t r a c ht u n g d e s Me n s che n d a r bie t e t . Der e nd l i c h e G e i s t s t eht z wi s c h e n 2 We l t e n z wi s c h e n d e r N a t u r , no c h i n d i e N a t u r ve r s e n k t , u n d z wi sc h e n d e m Un e n d l i c h e n A b s olut e n : G o t t , in seiner beziehung und in seinem Zusammenhang mit Gott ; diese beiden Seiten sind früher sein Gegenstand als es sein Geist als es er selbst ist . In diesen Anfängen unseres Lebens sind es zuerst endliche Dinge , worauf wir unsre Zwecke richten ; außer uns ist immer die erste Richtung . Später erst kehrt der Mensch in sich selbst zurück . das soll nur eine kurze bemerkung sein in Ansicht der welthistorischen Stellung der Wissenschaft über den Geist , daß jenes griechische Gebot : e r ke n ne d i c h s e l b s t schon das Gebot des wissenden Gottes Apollos war . Es ist aber nicht in dem Sinn zu nehmen : daß man sich mit seinen besondren

1–2 also ein … daß] ErWl : nach dieser Seite also als ein würdiger zu achten . – Es kann 2 der 3–4 werden kann , … a b e r ] ErWl : werden . Geist sind wir selbst und so sind wir wenn wir vom Geist wissen , nur bei uns selbst . Scheint aber auch der Geist das Nächste zu seyn weil gar keine Trennung von uns da ist , so ist er aber [doch wenigstens] Wl : doch] 5–6 d e s M e n s c h e n d a r b i e t e t .] ErWl : darbietet . 6–8 z w i s c h e n d e r … G o t t ,] ErWl : eine auf Seiten der Natur ist das Leibliche , ungetrennt von jener , – auf der andren Seite ist das Unendliche , Absolute . – Zwischen beiden befindet er sich . Geist , geistig ist der Mensch 8 und in … Gott ;] ErWl : auf Gott , endlich im Zusammenhange mit der Natur . 9 Seiten] ErWl : Gegen stände 9 sein Gegenstand … es1] ErWl : Gegenstände seiner Betrachtung als 9–10 als2 es … Lebens] ErWl : selbst . In unserem anfänglichen Leben 10 endliche] ErWl : die äußerlichen 10–11 worauf wir … kehrt] ErWl : die wir betrachten , und von denen wir uns dann als vom Endlichen zu dem an und für sich seyenden erheben . Der Mensch ist zuerst nach A u ß e n gerichtet und außer ihm ist sowohl das Zeitliche , Endliche als das Unendliche , Absolute , es ist s p ä t e r daß 12–13 zurück . das … Stellung] ErWl : zurückkehrt , seine Betrachtung , Interesse auf sich selbst richtet . Es ist zu bemerken in Ansehung 13–14 den Geist , … das] ErWl : diesen Gegenstand daß erst den Griechen das Gebot des delphischen Apollo geworden und zwar als ihr höchstes : [ Erkenne dich selbst .] Wl : »γνῶθι σεαυτόν«] Das ist nicht zu nehmen als ein Gebot unter vielen anderen Geboten sondern als 14–558,2 Apollos war . … Weise] Wl : gegen das alles Andere nur untergeordnet und abhängig ist . Erkenne dich selbst , dieß absolute Gebot der concretesten und darum höchsten und schwersten Erkenntniß , »hat weder an sich , noch da , wo es geschichtlich als ausgesprochen vorkommt , die Bedeutung bloß einer S e l b s t e r k e n n t n i ß , nach den p a r t i k u l ä r e n Fähigkeiten , Character , Neigungen und Schwächen des Individuums , sondern es ist Gebot des wissenden Gottes , allgemeines Gebot mit der Bedeutung der Erkenntniß des Wahrhaften des Menschen , wie des Wahrhaften

20 leichteste] ErWl : faßlichste und leichteste

20

25 25

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21 ist 2 ] folgt bei Er gestr : diese unendliche Absonderung 40 zeichen am linken Rande

37–38 es ist … Bedeutung mit Einfügungs-

§ 377 Wl

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3r Sg

– 1Wl

3Er

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Neigungen , Zwecken u . s . w . bekannt machen soll , mit seiner besondren Partikularität ; sondern es ist das allgemeine Gebot des wissenden Gottes . diese Weise des Selbstbewußtseins hat erst bei den Griechen angefangen : die Chinesen und Inder haben auch Wissenschaft und sehr ausgebildete über mancherlei Gegenstände , aber keine über den Geist : denn dazu gehört , daß dieser Gegenstand Werth , unendlichen Werth für ein Volk habe . Nur als freier hat der Geist Wichtigkeit und Werth für sich ; und dieses Gefühl der Freiheit ging zuerst den Griechen auf ; der griechische Geist ist aus der or ie nt a l i s c h e n Au s g e l a s s e n h e i t in sich gegangen ; diese Ausgelassenheit hat 2 Seiten , innerlich daß der Geist gerichtet ist auf ein absolutes Subject . das ist die Religion , d e r r e l ig iöse D e s p o t i s m u s , womit der politische noch zusammenhängt ; die andre Ausgelassenheit ist : maaßlose Willkühr in sich selbst , bloßer Genuß sinnlicher Dinge . das Gegentheil von dieser Willkühr ist die Freiheit als Maaß , Recht und Sittlichkeit . | Mit diesem bewußtsein der Freiheit ist

an und für sich , – des We s e n s selbst als Geistes . Daß der Geist dieß Gebot den Griechen gegeben , dazu sind besondere Bedingungen , Weisen 557,14–1 Apollos war . … u . s . w .] Er : gegen das alles andere nur abhängig und untergeordnet ist . Auch ist es nicht so zu nehmen daß das Individuum sich 1–2 soll , mit … Partikularität ;] Er : solle mit seinen particularen Zwecken Neigungen , Schwächen , 2 das allgemeine Gebot] Er : Gebot Gottes . diese Weise] Er : Gottes , allgemeines Gebot daß der Mensch sein Wesen d . h . den Geist erkenne . Daß der Geist dieses Gebot den Griechen gegeben , dazu sind besondre Bedingungen , Weisen 3 hat] ErWl : erforderlich gewesen und diese sind 3–4 angefangen : die … ausgebildete] ErWl : eingetreten . die Völker haben ihre ausgebildeten Wissenschaften 4 mancherlei] Wl : manche 4–6 aber keine … Werth1] ErWl : über andre nicht , so hatten die Griechen keine Physik in unsrem Sinn . Wenn ein Volk wie [ Inder] Wl : die | Juden] und Chinesen sich auf Wissenschaft legt , versteht sichs von selbst daß [es nicht diesen Gegenstand hatte] Wl : sie unsern Gegenstand nicht hatten . Denn ,] daß Geisteswissenschaft 6–7 habe . Nur … auf ;] ErWl : habe dazu gehört daß der Geist unendlichen Werth , Wichtigkeit fürs Wissen habe . diese hat er nur als freier Geist , wenn er zum Bewußtseyn seiner Freiheit gekommen ist . dies Bewußtseyn ist den Griechen aufgegangen , daher ist es geschehn daß der Geist zu sich selbst gekommen ist , sich selbst | zu erkennen . 8 aus] ErWl : von 8–10 in sich … r e l i g i ö s e ] ErWl : ausgegangen . Hier ist [die eine Seite] Wl : nun einerseits] Sklaverei gegen das absolute Seyn . die Religion ist hier selbst 10–11 politische noch] ErWl : politische despotism 11 die andre … ist :] ErWl : einerseits despotism , andrerseits Unterwürfigkeit gegen das absolute Seyn ; [denn] Wl : und dann] 11–13 in sich … Sittlichkeit .] ErWl : [pp dieser] Wl : Dieser] Ausgelassenheit entgegengesetzt ist daß der Mensch Freude habe an sich selbst , diese findet er erst in der Freiheit , die Maaß , Grenze des Sittlichen ist . 13 der Freiheit ist] Er : ist

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14 Geistes .] folgt gestr : »Daß der Gott dieß Gebot den (Eben so wenig hat die Filosophie des Geistes die Bedeutung der sogenannten M e n s c h e n k e n n t n i ß , welche von anderen Menschen gleichfalls die B e s o n d e r h e i t e n , Leidenschaften , Schwächen diese sogenannten Falten des menschlichen Herzens zu erforschen bemüht ist – eine Kenntniß , die theils nur unter Voraussetzung der Kenntniß des A l l g e m e i n e n , d e s Menschen und damit wesentlich des Geistes Sinn hat , theils sich mit den 40 zufälligen , unbedeutenden , u n wa h r e n Existenzen des Geistes beschäftigt , aber zum S u b s t a n z i e l l e n , dem Geiste selbst , nicht dringt . –)«

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zugleich mit der Würdigkeit auch die Aufgabe sich zu erkennen verbunden , eine Nothwendigkeit dazu . der Mensch findet nämlich in sich einen chaotischen Reichthum , Mannigfaltiges ; eins darin ist nur das Wahre und das Höchste , welchem er die Mannigfaltigkeit seines begehrens und wollens unterzuordnen . dieses Eine von dem Allen , was ihn umherwirft auszusondern ; die wahrhafte bestimmung herauszufi nden ist das Interesse . Durch dies bewußtsein der Freiheit ist der Mensch sich ein Räthsel geworden , weil widersprechende bestimmungen sich in ihm finden , deren Auflösung die einfache Verbindung derselben ist , die alles erklärt und an seinen gehörigen Ort stellt . Was ist der Geist ? der Sinn dieser Frage ist : was ist das wahrhafte des Geistes , oder die bestimmung des Geistes ; darauf läßt sich nur eins antworten ; auf jene : was ist der Geist : verschiedenes . Es ist aber ein Unt e r s c h i e d z wi s c h e n b e s t i m mu n g und z wi s c h e n d e m u r s pr ü n g l i c h e n S e i n ; bestimmung drückt ein Ziel einen Zweck aus ; was ist die bestimmung des Menschen ? d . h . was soll er sein ? er soll sich zu dem machen wie er an und für sich bestimmt ist . der Unterschied scheint dem Wert nach unbedeutend , aber er ist sehr bedeutend und das Interesse der Geschichte was ist der Geist an und für sich ; und was weiß er , daß er ist . Die a b s olut e A n l a g e im Geist ist was man s e i n e F r e i h e i t 1 mit der … die] Er : die

0Wl

1–2 sich zu … sich] ErWl : verbunden sich zu erkennen . dies Bewußt-

20 seyn der Freiheit gibt dem Menschen das allgemeine Interesse für sein Innres aber in diesem sei20 nem Innern findet er einen Reichthum von Interessen , zwischen ihnen mehrfache Widersprüche ,

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35 40

3 Mannigfaltiges ; eins … nur] ErWl : zwischen dem er hin und hergeworfen wird . In dieser Mehrheit ist Eines 3–4 und das … Mannigfaltigkeit] ErWl : Höchste , dem er die Mehrfachheit 4 unterzuordnen .] ErWl : untergeordnet hat : 4–5 von dem … bestimmung] ErWl : auszusondern , das Wahre in diesem Reichthum , die wahre Bestimmung unter diesen vielen widersprechenden 6 Durch dies … sich] ErWl : Mit dieser Richtung auf sich selbst ist die Sache noch nicht abgemacht . der Geist ist sich durch das Bewußtseyn seiner Freiheit 7 weil] ErWl : sofern ihm] ErWl : Einem 8 deren Auflösung] ErWl : die Auflösung dieses Räthsels ist Verbindung derselben … erklärt] ErWl : Bedeutung wo allem Widerspruch scheinenden ein Sinn gegeben , es [erklärt] Wl : wirklich] 9 stellt . Was … ist :] ErWl : gestellt wird . – Wenn gefragt wird was der Geist ist , so ist der eigentliche Sinn dieser Frage : 10 oder] ErWl : und das ist gleichbedeutend damit : was ist 10–13 Geistes ; darauf … drückt] ErWl : Menschen ? – Bestimmung [sagt] Wl : setzt] einen Unterschied [aus] Wl : voraus] , 13–14 aus ; was … d . h .] ErWl : der erreicht werden soll , zu was soll der Mensch sich machen , 14–16 sein ? er … das] ErWl : seyn , was in sich durch seine Freiheit hervorbringen ? Bestimmung heißt aber auch auf der andern [Seite eben so] Wl : Seite ,] das Ursprüngliche was der Mensch an sich ist . Der Mensch soll sich hervorbringen aber er kann sich zu nichts anderm machen , kann keinen anderen Zweck haben , als was er ursprünglich an sich ist . das was er an sich ist ist was man Anlage heißt ; die Natur des Geistes ist was er ist hervorzubringen zur Manifestation , Offenbarung , zum Bewußtseyn zu bringen . So ist seine Bestimmung sich zu dem zu machen was er an sich ist . – Ein ungeheurer Unterschied ist , was der Geist an sich ist und was er hervorbringen soll ; es ist ein und derselbe Inhalt , nur ein Unterschied der Form , daß er sich zu dem m a c h t was er ursprünglich ist . Alles 16–17 was ist … ist .] ErWl : des Weltgeistes dreht sich um diesen Unterschied , – zum Bewußtseyn zu bringen was an sich ist , dies Innre , daß es auch für sich werde . – | 17 im Geist … man] ErWl : ist das worauf sich alles reducirt , der Ursprung . diese absolute Anlage oder Substanz

§ 377 Wl

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nennt , seine Substanz . Die T h a t , d a s We r k , d i e b e s t i m mu n g des Geistes ist dann : s ich z u b e f r e ie n , und die Art und Weise wie wir dem Geiste zuschaun in seiner Thätigkeit durch sich selbst zu seiner bestimmung , nämlich zu seiner Freiheit zu gelangen . Das ist der Inhalt dessen , was wir betrachten wollen ; also die Stufenfolge der Thätigkeit wodurch der Mensch sich befreit , ist , was wir betrachten werden , ist er frei geworden , so beginnt der objective Geist , der Begriff des Rechts , der Sittlich keit ; was wir hier nicht abhandeln . Selbstkenntniß , Menschenkenntniß was aber noch nicht Veranlassung eine Wissenschaft daraus zu formieren (§ 370) . Selbstkenntniß soll der Mensch haben in beziehung auf seine bestimmung , seinen Endzweck ; sie ist eine Aufmerksamkeit eine besonnenheit für sich selbst und nicht bloß für das äußre Leben wichtig sondern auch für das sittliche . Insofern sich die Selbstkenntniß bezieht auf gewisse besonderheiten des Individuums , so kann sie nicht zum Grunde einer Wissenschaft dienen . Menschenkenntniß hat besonders den Zweck andre Menschen gebrauchen und beurtheilen zu können für seine eigenen Interessen ; das bezieht sich nun auch ebenso auf die Particularitäten , gute und schlechte der einzelnen Menschen . | Das Partikuläre im Menschen ist eigentlich bloß das Unrechte und Ungehörige in ihm ; das Wahre in ihm ist nicht das besondre , sondern das Allgemeine . Es ist aber ein traurig Ding auf Menschenkenntniß pfi ffiger Weise auszugehn , vor 30 , 40 Jahren empfahl man das als

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des Geistes ist 1–2 nennt , seine … dann :] ErWl : und die Bestimmung seines Thuns , die That des Geistes ist 2 b e f r e i e n , und … wie] ErWl : befrein . dies , daß der Geist an sich frei ist und dies sein Wirken seine Thätigkeit ist , sich zu befrein , diese Geschichte seiner Befreiung ist der ganze Inhalt unsrer Wissenschaft , daß 2–3 in seiner Thätigkeit] ErWl : wie er 3 durch sich … zu1] Wl : zu 3–4 bestimmung , nämlich … ist] ErWl : Bestimmung gelangt nämlich zur Freiheit . Damit ist zugleich 4 dessen , was wir] ErWl : und der Gesichtspunkt angegeben aus dem wir diese Wissenschaft 4–5 also die … Mensch] ErWl : Wir betrachten die Stufenfolge , wodurch er 5–13 ist , was … Grunde] ErWl : und das Ziel ist daß er frei geworden ist , [als] Wl : ein] freier Geist , – damit beginnt die Wissenschaft des objectiven Geistes , der Geist der sich objectiv ist und damit beginnt das R e c h t . Was die Behandlungsweise unsres Gegenstands betrifft so kann zunächst erinnert werden an die Formen | Selbstkenntniß und Menschenkenntniß Bei Menschenkenntniß hat man im Sinn nur die [ Particularitäten] Wl : Particularität] des Menschen . Bei der Selbstkenntniß die der Mensch haben soll nimmt man besonders Rücksicht auf die Mangelhaftigkeit der Neigungen pp der Mensch soll wissen mit welchen Schwächen er behaftet [ist . die] Wl : ist , – um] Besonnenheit [im] Wl : im (Leben)] Benehmen pp [ist wichtig kann] Wl : zu erlangen , – was allerdings von Wichtigkeit seyn mag ,] aber nicht Gegenstand 13–561,5 dienen . Menschenkenntniß … man] ErWl : [seyn . »Man soll die Menschen kennen lernen um sie zu gebrauchen , sich vor ihnen in Acht nehmen zu können pp das alles bezieht sich] Wl : ist ; denn es bezieht sich das alles] auf die Particularität des Menschen die entweder gleichgültig [oder unwahr ist . Das] Wl : theils unwahr ist , – weil er nicht unter »Voraussetzung des A l l g e m e i n e n , d e s Menschen und damit des Geistes Sinn hat , t h e i l s und sich mit den zufälligen , unbedeutenden , u n w a h r e n Existenzen des Geistigen beschäftigt , 31–32 die der … soll bei Wl mit Einfügungszeichen am linken Rande

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etwas sehr Nützliches , theils um andren nicht mißfällig zu werden , theils auch um sie gebrauchen zu können ; es gehört zu dem honnetten Benehmen der Menschen unter einander ; aber ein wahrhaft gebildeter Mann weiß sich doch ohne solch Menschenkenntniß zu benehmen . diese sogenannte Menschenkenntniß ist eine Seite , die man besonders in der pragmatischen Geschichte angebracht hat . In der Geschichte sind immer 2 Momente die eintreten , 1 . , die Sache , der Gehalt 2 . , daß dieser durch den Menschen bethätigt wird , das ist dann das subjective das Gute , die Idee , oder wie man’s sonst nennen will . In diese subjective Seite fällt dann das besondre der Individuen , und diese behandelt man dann auch besonders in der sogenannten pragmatischen Geschichte um die Handlungsweise der Menschen zu erklären , wie man sagt ; so ist die pragmatische Geschichte dann oft dazu gekommen daß große begebenheiten und Charactere aus ganz particulären Absichten hergeflossen seien , mit einem Wort sie klein zu machen ; die subjective befriedigung sagen sie sei das Motiv zu dem Großen gewesen . Aber es sind nicht die Particularitäten , die das große hervorbringen ; meistens gelten die für sehr pfi ffig , die das Große so ins kleine herabziehn können mit ihrer Menschenkennerei . Aber der Geist das Allgemeine ist nie der Gegenstand dieser Menschenkenntniß , sondern der e m pi r i s ch e n P s ych o l o g ie u n d P ne u m a t olo g ie .

§ 378Sg

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aber zum Substanziellen , dem Geiste selbst nicht dringt ;« – und das] Wahrhafte im Menschen ist 20 daß er der Natur seines Geistes entspreche . Jene Besonnenheit führt leicht zu einem Belauschen

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der Menschen einer Art von Hinterlist . Diese Art Menschenkenntniß ist besonders [empfohlen] Wl : zu empfehlen ,] als nützlich , die Menschen zu seinen Zwecken zu gebrauchen , sich vor ihnen zu wehren . [ Diese Menschenkenntniß] Wl : Sie] mit Psychologie verbunden macht auch eine Seite aus die 5–6 angebracht hat … 1 . ,] ErWl : geltend gemacht ist . die Geschichte hat zwei [Seiten ,] Wl : Seiten : 1 .)] 6–8 der Gehalt … In] ErWl : den Zweck , Gehalt und [das andre ist ,] Wl : 2 .)] daß dieser bethätigt werde durch das Subjective . Auf die Bethätigung kommt es an und auf 8–10 dann das … sogenannten] ErWl : die Besonderheit pp des Individuums die man bei der 10 um die … Menschen] ErWl : besonders hervorhebt . Um eine Sache 11–18 wie man … P n e u m a t o l o g i e .] ErWl : den Grund herauszufi nden ging man auf die Absichten zurück . So hat man große Sachen klein gemacht indem man sie aus subjectiver Befriedigung pp ableitete , während doch am handelnden Subjecte die Particularität nur nebenbei mitspielt die große Sache aber nicht daraus abzuleiten ist ; der Held ist nicht für den Kammerdiener obgleich [dieser »jenen beobachten kann ,] Wl : ihn dieser beobachtet ,] wie er sich nicht genirt und ihn also am besten kennen müßte« – So bezieht sich also diese Menschenkenntniß auf [das Particuläre] Wl : die Particularität] und nicht auf das Allgemeine , [den Geist . – / Der Geist ist dann Gegenstand der Wissenschaft geworden und da gab es vormals deren zwei : Empirische Psychologie und Pneumatologie .] Wl : – ohne dessen Voraussetzung sie mit den unwahren Existenzen des Geistes beschäftigt , z u m Geiste selbst nicht dringt . – / Der Geist ist der Gegenstand der Wissenschaft ; – und da gab | »es vormals deren zwei : Pneumatologie , oder sogenannte rationale Psychologie , als abstracte Verstandesmetaphysik , und empirische Psychologie , die den concreten Geist zu ihrem Gegenstande hat .« –] 3 Mann] Mann aber

13 hergeflossen] Lesart unsicher

§ 378Wl 1Wl

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Die empirische Psychologie gibt eine Erkenntniß wie der Geist beobachtet , erfahren wird ; die Pneumatologie ist die Metaphysik über den Geist , und hat zu ihrem Gegenstand nur ganz abstracte bestimmungen , aber nur um vom Geist als von einem concreten zu wissen , so hat man sich an die Erfahrung wenden müssen und so ist die empirische Psychologie entstanden , die die apriorische metaphysische betrachtung des Geistes ergänzen soll . Es ist sonst wohl gesagt : daß die Philosophie die Erfahrung heruntersetzt ; im Gegentheil : Erfahrung , Anschauung von einem Gegenstand muß der Mensch zuerst haben ; die Erfahrung ist nicht überflüssig , sondern unerläßlich ; dann aber muß die Erfahrung gedacht werden ; denn schon die Erfahrung ist nicht bloß sinnliches , äußres Wahrnehmen | sondern es enthält schon eine innre Allgemeinheit in sich ; die einzelne Wahrnehmung wird durch das Denken zu einem Gesetz und dann erst heißt sie Erfahrung ; auf dieses denken kommt es nun an , ob das Wahrgenommene richtig aufgefaßt ist , d . h . richtig nach der Seite hin , daß es ein Allgemeines sein soll . Ein andres ist nun aber wenn die empirische Form des Wahrnehmens zur Grundlage des Philosophischen gemacht werde ; dann müssen wir widersprechen : zur Philosophie gehört Nothwendigkeit ; was empirisch gegeben ist , das i s t nur ; Philosophie muß mit der Wirklichkeit übereinstimmen ; denn sie betrachtet nur Wirkliches ; aber sie zeigt dann die Noth-

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1 wie der Geist] ErWl : des Geistes wie derselbe 1–2 erfahren] ErWl : erforscht 2–4 ist die … man] ErWl : gab [solche] Wl : solche abstracte] Bestimmungen des Geistes wie z . b . Immaterialität worauf man die Unsterblichkeit gründete . Aber damit weiß man von dem Geist als concretem sehr wenig . Um nun von diesem zu wissen , da in der Metaphysik wenig zu holen [ist] Wl : ist , hat man] 4–5 wenden müssen … metaphysische] ErWl : zu wenden und | aus dieser das Concrete zu nehmen . Sie hat zu ergänzen die Armuth der metaphysischen apriorischen 6 ergänzen soll . … daß] ErWl : und gründet sich also diese Psychologie auf die Erfahrung . Es ist oft ein Mißverstand [da] Wl : im Gange ,] als ob 7 heruntersetzt ; im … Erfahrung ,] ErWl : gering schätze und herabsetze . Zu allem was der Mensch weiß gehört Erfahrung , er muß innere oder äußere 7–8 Anschauung von … Gegenstand] Wl : Anschauungen von Gegenständen 8–9 muß der … muß] ErWl : haben und diese hat er [aus] Wl : nur aus] der Erfahrung , sie ist etwas Unerläßliches Unentbehrliches . Das Weitere ist 9–10 gedacht werden ; … es] ErWl : zu denken . Schon was Erfahrung heißt ist nicht bloß sinnliches Auffassen , bloße Wahrnehmung sondern 11 eine innre] ErWl : eine 11–12 die einzelne … denken] ErWl : Soll etwas als Erfahrung gelten so muß es ein Gesetz etwas Allgemeines seyn , nicht bloß eine einzelne Wahrnehmung , muß durch das Denken zur Allgemeinheit erhoben seyn . die Allgemeinheit gehört dem Denken an . Die einzelnen Beobachtungen sind durch das Denken zur Allgemeinheit erhoben und heißen dann erst Erfahrungen . Auf [diese Allgemeinheit , diese Kategorie] Wl : dieß Allgemeine , diese Kategorien] 13 Wahrgenommene] ErWl : was in der Wahrnehmung ist 13–14 d . h . richtig … ein] ErWl : so daß es 15–16 des Philosophischen … wir] ErWl : der Philosophie gemacht werden soll . da muß die Philosophie 16–17 Nothwendig keit ; was … nur ;] ErWl : es , die Nothwendigkeit einzusehn d . h . zu begreifen aber bei der Erfahrung heißt es bloß daß etwas i s t . die 17 der Wirklichkeit] ErWl : dem Wirklichen 18 denn sie … 3 bestimmungen ,] folgt gestr : wozu r s . Matrialität , s . U

4 sich] sich müssen

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wendigkeit desselben auf . So ist also z . b . empirische Seelenlehre und Philosophie sich nicht so entgegengesetzt , als es den falschen Anschein hat . Nur dem widerspricht die Philosophie , daß : weil etwas ist , es so gelten müsse , und worin sie sonst mit den empirischen Wissenschaften in Widerspruch ist , ist dies : daß die Erfahrung denkbestimmungen in sich enthält ; es ist die Seite der denkbestimmungen eben , denen sich der begriff entgegensetzt . So ist empirische Psychologie in jenem Sinn nichts , worüber man Vorlesungen zu halten brauchte ; man hat von Campe eine Psychologie für Kinder etc ; da wird dargestellt daß der Mensch höheres und niedres begehrungsvermögen Gedächtniß etc habe , was jeder Mensch selbst wissen kann . In dieser vermißt die Philosophie das doppelte nämlich : daß die unterschiedenen Thätigkeiten ohne Nothwendigkeit zusammengestellt sind : der Mensch hat d ie Kraft , und die hat er auch und die auch etc . Kraft stellt man vor als etwas selbstständiges , die diese einzelne Wirkungsweise hat und sich dahin äußert ; wie diese einzelnen Kräfte verbunden sind , wird gar nicht gefragt . Das ist eben die schlechte Kategorie des auch , was man Verbindung nennt ; man sagt zwar die eine Kraft fl ießt in die andre über und man spinnt wohl von der einen in die andre hinein , aber man unterscheidet sie doch als einzelne selbstständige Dinge . Das ist der wesentliche Wirkliches ;] ErWl : sie betrachtet was in der That ist und was ist muß sich nachweisen lassen , 1 … z . b .] ErWl : und zu dieser Erkenntniß bringt es die Erfahrung nicht . – Um zu erfahren muß man Gedanken , Vernunft mitbringen . So ist Erfahrung , 1–2 Philosophie sich … so] ErWl : Philosophie , begreifendes Denken einander nicht 3–4 daß : weil … Erfahrung] ErWl : daß dies , d a ß etwas i s t soll der Grund seyn w a r u m man es gelten läßt , [man soll auch die Nothwendig keit einsehn .] Wl : und fordert , daß man auch die Nothwendigkeit einsehe .] Das andre worin die Philosophie mit [der Empirie] Wl : dem Empirischen] im Widerspruch liegt ist daß diese gar nicht ohne Metaphysik ist . die Erfahrung enthält sogleich allgemeine 5 in sich enthält ;] ErWl : und nun kommt es darauf an ob die Denkbestimmungen der Empirie wahrhafter Art sind und 5–6 eben , denen … begriff ] ErWl : in der Empirie der sich die Philosophie 6 entgegensetzt] Wl : widersetzt 6–10 So ist … vermißt] ErWl : In der | Psychologie werden die Vorstellungen vom Willen , Einbildungskraft pp angegeben ; – diese hat man schon bei geringer Bildung . Da ist dies Gedoppelte was 10–11 das doppelte … sind :] ErWl : vermißt : In Rücksicht auf die Kategorien , daß keine Nothwendigkeit aufgezeigt wird . Es wird gesagt 11–17 d i e Kraft , … Dinge .] ErWl : Einbildungskraft pp diese Vermögen werden neben einander gestellt , man fi ndet unterschiedne Weisen der Thätigkeiten und diese werden so neben einander gestellt daß ihre einzige Verbindung das a u c h ist , [sie] Wl : daß sie] sind wie die dinge im Raum gleichgültig neben einander jedes an seinem Platz . die Kategorie der Kraft ist eine mangelhafte , da stellt man sich vor diese Kraft habe diese und die Wirkungsweise . | Jede dieser Kräfte wird als selbstständig angenommen wenn man auch sagt der Geist h a b e sie , sie sind nicht zu der Einheit verbunden , die sie sind . Wie sie so vorgestellt werden , erhellt ihre Einheit nicht und das ist das Mangelhafte in Ansehung der Kategorien . das verbindende a u c h läßt immer die Selbstständigkeit jeder Thätigkeit und ihre Gleichgültigkeit gegen die andre , die Seele erscheint als das ä u ß e r e Band aller dieser verschiednen Arten der Wirksamkeit . 17–564,2 wesentliche Mangel … der1] ErWl : Mangel in Ansehung der Form und

20 desselben auf . 20

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10 nämlich] nämrl

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Mangel in der Form . Der Geist ist nicht eine solche Sammlung von allerlei Kräften , sondern er ist wesentlich eines , der Mangel der Einheit erhellt nun noch auf andre Weise : ich bin nur und all diese Thätigkeiten sind in mir schlechthin vereint ; wie ich das e i ne Substrat oder Subject bin , so ist meine wesentliche Thätigkeit auch auf e i n e n Zweck gerichtet . Nach jenen Kategorien scheint aber jede einen besondren Zweck zu haben , dies und das hervorzubringen , zu diesem und diesem Nutzen im Leben . | Wie aber der Geist an sich nur e i n e r ist , so hat er auch nur e i n e n Zweck . Einbildungs k ra f t u . s . w . hat man in neurer Zeit verbessert in T h ä t i g k e i t ; es ist aber eine Verbessrung von keinem großen Werth ; der Irr thum der äußerlichen Nebeneinanderbetrachtung bleibt doch stehn . Die Pneumatologie macht also einen Theil der Metaphysik aus , wie wir gesehen haben ; diese metaphysischen bestimmungen sind nur Verstandesbestimmungen , selbst einseitige bestimmungen , sie sind einseitig einfach , ihre bestimmung ist : überzugehn ; sie sind nicht unveränderlich , nicht ewig . Ein Für sich seiendes ist auch ein einfaches , aber es kann ein einseitiges sein und als solches ist es ein bezogensein auf ein andres , ein Relatives und in so fern ist es ein Übergehendes ;

man hat ein Gefühl gegen diese Art den Geist zu behandeln und zu zer splittern [weil man] Wl : das Selbstgefühl von der l e b e n d i g e n Einheit des Geistes , welcher] weiß daß er eine Einheit ist und [so widerspricht diese Zersplitterung dem Selbstbewußtseyn , der Geist ist schlechthin Einer .] Wl : nicht in verschiedene , gegeneinander selbstständig gestellte Ve r m ö g e n , K r ä f t e , zersplittert ist . –] die philosophische Betrachtung , der Begriff diese concrete Einheit muß an die Stelle der Kategorie des A u c h treten , dieser abstracten Verknüpfung dadurch wird dieser Zersplitterung abgeholfen . Dieser 2 nun noch auf] ErWl : auch auf eine 3 ich bin nur] ErWl : Diese Einheit hat sogleich eine andere Form . Ich bin Einer 4 ich das … oder] ErWl : ich , der Eine , nicht nur Substrat sondern 4–5 meine wesentliche … auch] ErWl : mein Zweck auch wesentlich nur Einer , meine Thätigkeit ist 5–7 jenen Kategorien … Leben .] ErWl : der empirischen Psychologie aber erscheinen diese Kräfte als jede einen andern Zweck habend , und es sind besondre Zwecke vorausgesetzt denen diese Vermögen dienen . 8 an sich nur] ErWl : nur 8–10 Zweck . Einbildungs k ra f t … aber] ErWl : Zweck und jene vielen Zwecke sind dem untergeordnet . Diese Unterordnung erscheint als Zersplitterung . Man sagt zwar statt Kräfte auch Thätigkeiten und dies ist etwa 10–565,1 von keinem … bestimmung] ErWl : aber keine große , denn da diese ganz ver|schiedenen Inhalt haben , sich äußerlich und von einander gesondert bleiben , so bleibt auch derselbe Mangel . – Es gehört zu dieser Betrachtungsweise auch noch die P n e u m a t o l o g i e oder rationale Psychologie , die Seele soll nicht betrachtet werden nach [den] Wl : ihren] Erscheinungen sondern danach was sie ihrem Wesen nach ist . die Pneumatologie ist die metaphysische Betrachtung der Seele nach ganz allgemeinen Bestimmungen . die Materie wird betrachtet als das zusammengesetzte Mannigfaltige in sich als ein Zusammen von [ Vielem] Wl : Vielen] . In dem Einfachen liegt nicht die Bestimmung des Anderen , es soll nicht das Andersseyn in sich haben . Wenn etwas verändert werden soll muß die Möglichkeit 21 K r ä f t e , ] folgt gestr : oder was auf dasselbe herauskommt T h ä t i g k e i t e n

32 diese] Er : dieser

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die bestimmung der Veränderung liegt nicht in ihm . die Pneumatologie hat auch das Verhältniß der Seele zum Körper behandelt ; die Seele ist für sich ; ihr gegen über ist der Körper , das Vielfache ; sie ist das einfache ; sie hat aber beziehung auf die Materie , beziehung aber setzt Gemeinschaft voraus ; wie kann nun das Einfache in Gemeinschaft stehn mit dem Vielfachen , dadurch hört es ja auf einfach zu sein . die Auflösung dieses Widerspruchs ist schwierig ; wir werden sie später betrachten . diese Pneumatologie hat die Seele nur metaphysisch bestimmt als ens , was ist . Nun hat man aber auch bestimmt daß die Seele nicht bloß ein Seiendes , ein Abstractes ist , sondern ein Thätiges , ein bewußtsein . So stehn sich 2 Wissenschaften gegen über : die empirische Psychologie hat nur das Vielfache , die rationelle nur das abstracte vor sich ; die erste stellt zwar auch den Geist vor in seinem Reichthum , aber in seinem aufgelösten , diese aber in seiner abstracten Einfachheit ; darin besteht die Einseitigkeit von beiden . Jede für sich ist einseitig ; obgleich in beiden zusammen die Vollständigkeit enthalten ist . Was nun noch zu bemerken wäre , wäre die Litteratur aber mit der will ich mich nicht aufhalten . § 378 sind die bücher des Aristoteles über die Seele empfohlen , das Einzige was darüber noch gelesen zu werden verdient . Aristoteles hat , wie Alles , 1 liegt nicht … ihm .] ErWl : im Etwas selbst liegen . In Platons Phädon sind diese metaphysischen

20 Bestimmungen zu fi nden . diese Bestimmungen sind selbst einseitig , das Wahrhafte muß concret 20 seyn , das Abstracte hat keine Wahrheit . – Im Einfachen ist nicht die Bestimmung des Andern da ist

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[nun] Wl : nur] das Interesse gewesen die Einfachheit der Seele zu behaupten . | das Einfache hat aber die Bestimmung überzugehn . Das Für sich seyn ist eine Einfachheit aber auch [wesentlich] Wl : zugleich] ein Intensives , hat einen Grad , das hat auch Kant dagegen eingewandt : wenn die Seele auch qualitativ einfach sei , könne sie doch quantitativ das Gegentheil seyn . die Einfachheit schloß so die Intensität nicht aus , rettete [nicht] Wl : lacuna Hk : nicht] vor ihr . die Seele ist Bewußtseyn und wenn dieses unter der Bestimmung der Intensität vorgestellt wird , so kann es in höhern oder niedern Grade seyn . Vollkommne Schwäche des Bewußtseyns hebt die Einfachheit der Seele nicht auf . 2 der Seele] Wl : des Geistes 2–3 ihr gegen … aber] ErWl : [einfach ,] Wl : ein Einfaches ;] dem ist die Materie das Vielfache gegenüber , die Seele hat 4 beziehung aber … Gemeinschaft] ErWl : und Beziehung setzt Gemeinschaft , Einheit 5 Gemeinschaft stehn] ErWl : Einheit seyn dadurch hört … sein .] ErWl : hört es nicht auf das Einfache zu seyn wenn es von der Materie berührt [wird .] Wl : wird ?] 6–7 schwierig ; wir … hat] ErWl : es was die Schwierigkeit ausmacht . die Pneumatologie bestimmt 7–8 nur metaphysisch … bloß] ErWl : nach dem was sie ist , die Seele ist aber nicht 8–9 ein Abstractes … ein1] ErWl : sondern ein wesentlich 9–13 ein bewußtsein . … sich] ErWl : Reiches , muß als Geist gefaßt werden und solche Abstractionen wie Einfachheit reichen nicht hin den Reichthum des Geistes zu bestimmen , denn er ist mehr als ein Einfaches und Seyendes . Zum Begriff der Seele gehört beides die Einfachheit der rationalen Psychologie und die Vielfachheit , der reiche Inhalt der empirischen . diese b e i d e n Betrachtungsweisen enthalten die vollständige Betrachtung , j e d e 13–17 obgleich in … Aristoteles] ErWl : Zur Idee gehört die Einheit beider aber nicht abstracte Einheit . die empirische Psychologie stellt die Seele dar als [aufgelöst und was Aristoteles darüber geschrieben ist noch als das Philosophischste zu emp25 nicht 3 nachträglich über der Zeile

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so auch die Seele | wesentlich nach dem begriff speculativ gedacht . In der neuren Zeit sind viele Werke über den Geist erschienen , die das Ganze systematisiren wollen ; aber dieses herein nehmen des Mathematischen | in die Philosophie ist unstatthaft . Einige enthalten gute Sachen und beobachtungen ; alles das zu kritisiren soll uns nicht aufhalten ; was eine Psychologie erfaßt hat , kann sie selbst kritisiren .

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B e g r i f f , E i n t he i lu n g und Ü b e r s icht d e s G a n z e n . der darstellung in der Encyclopädie können wir hier nicht in dieser Ordnung folgen ; da ist sie als ein Theil der Wissenschaft der Philosophie abgehandelt . der Geist macht einen Theil der Existenz in der Idee . Wir aber f a n g e n an mit dem Geist ; das ist aber nicht ein absoluter Anfang in der That , sondern es ist eine Voraussetzung daran hängend . Wir haben den Geist zunächst aus der Vorstellung aufzunehmen . Im ganzen Zusammenhang der Wissenschaft ist der Geist ein Resultat in dem Sinn , daß er die Wahrheit des Vorhergehenden ist . Das ist die Natur ; daß diese sich auflöst in diese bestimmungen der Idee , welche der Geist ist . Ein Resultat ist in diesem Sinn nur das daß es das erste ist gegen dieses Vorhergehende . das wird

§ 378Wl

8Er § 381 .Wl

fehlen .] Wl : unaufgelöst , »hat den concreten Geist zu ihrem Gegenstande , und wurde , seitdem nach dem Wiederaufleben der Wissenschaften die Beobachtung und Erfahrung zur vornehmlichsten Grundlage der Erkenntniß des Concreten geworden , auf dieselbe Weise getrieben , so daß theils jenes Metaphysische außerhalb dieser Wissenschaft gehalten wurde und keine Anwendung darin fand , theils diese sich an die gewöhnliche Verstandesmetaphysik von Kräften , verschiednen Thätigkeiten u . s . f . hielt , und die speculative Betrachtung daraus verbannt blieb . Die Bücher des Aristoteles ü b e r d i e S e e l e mit seinen Abhandlungen über besondere Seiten und Zustände derselben sind deswegen immer noch das vorzüglichste oder einzige Werk von speculativem Intresse über diesen Gegenstand .«] Er 1 wesentlich nach … gedacht .] ErWl : | speculativ , im Begriff betrachtet und es ist Bedürfniß der Philosophie zu dieser Betrachtung zurück zu kehren . 2–8 Werke über … abgehandelt .] ErWl : Versuche gemacht diesen Gegenstand zu systematisiren , die allerdings schätzbare Materialien enthalten . Im Anfang ist der Begriff des Geistes vorauszuschicken und die Einthei lung zu machen . Wir können aber nicht der Anordnung der §§ folgen , denn der Geist ist [das] Wl : da] im Zusammenhange [abgehandelte] Wl : des g a n z e n Werkes abgehandelt] als e i n e r In der Wissenschaft ist nicht anzufangen mit dem Geist sondern 9 einen Theil] ErWl : eine Form in der Idee .] ErWl : der Idee aus . 10 das ist … eine] ErWl : und so ist es eigentlich kein erster Anfang , ist mit einer 11 daran hängend . … haben] ErWl : behaftet und wir nehmen 11–12 aufzunehmen . Im … Zusammenhang] ErWl : auf . Im Fortgange 12 ein Resultat] ErWl : Resultat und zwar 13–567,1 ist . Das … ist 2 ] ErWl : d . h . der Natur ist , daß die Natur sich zusammennimmt , zurückgeht in die bestimmte Form der Idee . Wenn der Geist die Wahrheit des Vorhergehnden ist , so ist er in der That das Erste gegen dies vorhergehende und die Stellung ist als einseitig aufgezeigt daß 16 unaufgelöst ,] folgt gestr : u was Aristoteles darüber

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sich später klarer zeigen . Was der Geist ist , das ist ein lemma , das wir aufnehmen ; worin aber der Beweis liegt , wird im Verfolge angegeben werden . Der Zusammenhang mit der Natur , das ist der Punkt , wo sich das zeigen wird . Geist ist unser Gegenstand . Nun fragt sich : was ist der Geist ? Der begriff darüber kann nur unvollständig sein ; wir werden ihn erst in der Philosophie selbst kennen lernen ; hier kann es nur formell und allgemein gesagt werden ; könnten wir es hier schon definiren , so hätten wir alles andre nicht mehr nöthig . das Wesen des Geistes ist das einfach substantielle , die Freiheit , das liegt in unsrem bewußtsein ; wir behaupten es hier nach diesem bewußtsein . Ich bin Person : so kann nur der Mensch sagen ; dieses Ich ist eine ganz einfache Vorstellung und ist nicht abstract einfach , unmittelbar einfach , sondern in so fern und dadurch daß ich von allem abstrahiren von meiner Vorstellung , und überhaupt abstrahiren kann von Allem . Abstrahiren heißt überhaupt negiren , es weg schaffen , bei Seite liegen lassen . | Wenn ich nun ein reines Ich habe , so bin ich selbst allein , habe alles andre , Kenntnisse , Interessen , Zwecke etc . weggeschaft , – ich lasse alles das besondre dabei weg . dieses ganz einfache , das nur einfach ist . Durch die Thätigkeit des Negirens von allem besondren . So bin ich dann schlechthin nur bei mir selbst . Wenn ich anschaue so bin ich bei irgend einem Gegenstande und nicht bei mir . Ich ist das ganz farbenlose Licht ; alles besondre ist entfernt . Dies nun , daß ich bei mir selbst bin , nennen wir

§ 382 Sg

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20 er Resultat sei , eine Umkehrung vom Resultat zum Anfang . daß der Geist , die Idee das Wahrhafte

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ist , wird hier nicht bewiesen | ist hier 1–2 das wir … Der] ErWl : der Punkt wo dieser Beweis zu führen ist ist der 3–4 das ist … sich :] ErWl : daß der Geist die Wahrheit derselben ist . das ganze vorhergehende ist der Beweis dafür . – 4–7 Der begriff … nöthig .] ErWl : dieses haben wir als Lemma aufzunehmen und an die Vorstellung dabei zu appelliren . [ Was der Geist ist , der] Wl : Der] Begriff des Geistes kann zunächst nur etwas ganz formelles seyn , denn was er ist ist eben Gegenstand unserer Wissenschaft . Es kann h i e r nur enthalten seyn das formelle allgemeine Wesen , die Substanz des Geistes und diese ist die F r e i h e i t . Wie diese Bestimmung mit der Natur zusammenhängt , haben wir nachher zu sehn . 8 ist das … substantielle ,] ErWl : ist 8–10 das liegt … dieses] ErWl : diese Behauptung hat ihren Beweis im Vorhergehenden und das ganze Folgende wird die Erläuterung und der Erweis dieses Satzes seyn . der Mensch ist Geist und was ist das innerste concentrirte Wesen die Wurzel des Geistes ? – die Freiheit , Ich , denken . Ich bin Geist bin das Concrete und wenn ich alles dies mir vorschwebende zusammen nehme so sage ich Ic h und das kann nur der Mensch . 10–13 nicht abstract … lassen .] ErWl : insofern einfach als Ich von allem abstrahiren kann , d . h . es negiren . 14–15 ein reines … weg .] ErWl : sage reines Ich , so habe ich alles , allen Inhalt weggelassen , da ist nichts von Besondrem darin , Ich ist 16 einfache , das … Durch] ErWl : einfache Allgemeine das es nur ist durch 16–17 Negirens von … So] ErWl : Negirens , Abstrahirens . Indem ich alles Besondre entferne , 17–18 selbst . Wenn … das] ErWl : selber bei nichts anderm , wie ich es bin wenn ich z . b . etwas anschaue . Wenn ich einen Zweck habe ist dieser immer ein bestimmter [ Inhalt] Wl : Inhalt ,] überhaupt gegen diese Allgemeinheit , die Ich bin . das 19 Licht ; alles … ich] ErWl : Licht stellt das Ich in der Natur vor und dieses daß ich nur 19–568,2 selbst bin , … nur] ErWl : selbst , 14 habe] davor ein unleserliches Zeichen

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Freiheit : er kann von allem äußerlichen abstrahiren . der Mensch kann sich das Leben nehmen das kann das Thier nicht . Das ist aber nur formelle Freiheit ; | die concrete ist das in sich selbst weiter Bestimmen . – Die Freiheit ist die Grundlage , von der alle andren Thätigkeiten ausgehen ; der alle andren untergeordnet sind . Der Mensch heißt es (382) kann den unendlichen Schmerz ertragen , das ist seine Freiheit in concreter bestimmung ; des Schmerzes ist überhaupt schon das lebendige fähig , nicht bloß der Geist ; Schmerz ist etwas negatives in uns ; es ist ein Nichtbefriedigtsein ; in diesem Negativen aber erhalten wir uns doch : ich bin , ein Selbstgefühl ist ein affi rmatives ; wenn das nun negirt wird so meint man verschwindet die Affi rma-

bei nichts anderm bin , von nichts anderem abhänge , das ist die F r e i h e i t des Menschen , daß er von allem abstrahiren kann , selbst vom Leben und vom ganzen Umfang des Bewußtseyns . Ich kann in der Vorstellung von allem abstrahiren und [auch] Wl : selbst] in der Wirklichkeit [selbst] Wl : auch] von allem innerlichen daseyn . dieses selbst , alle meine Zwecke Interessen sind mir äußerlich sofern sie von mir von meinem Ich verschieden sind . dieses n u r bei sich seyn ist die Freiheit , zunächst die 2–5 die concrete … kann] Er : | aus der Freiheit gehn alle Bestimmtheiten und Thätigkeiten hervor , sind ihr untergeordnet . der Mensch kann Wl : – »die absolute Negativität des Begriffs als Identität mit sich . Von der Freiheit sind alle andern Bestimmungen des Wesens des Geistes und Thätigkeiten , nur Momente , Modificationen . Nach dieser formellen Bestimmung k a n n er von allem Äußerlichen und seiner eigenen Äußerlichkeit , seinem Dasein selbst abstrahieren ; er kann die Negation seiner individuellen Unmittelbarkeit , 5–7 das ist … Nichtbefriedigtsein ;] Er : [darin] Wl : d . i . in dieser Negativität affi rmativ sich verhalten und identisch für sich seyn . Diese Möglichkeit ist seine abstracte für sich seiende Allgemeinheit .« / | Von der F r e i h e i t sind alle andren Bestimmungen und Thätigkeiten des Wesens des Geistes nur Momente , Modificationen . – / S c h m e r z e r t r a g e n hierin] liegt , was [zur Weise] Wl : zum Wesen] der Freiheit [gehört und diese ist gefaßt als concrete Freiheit .] Wl : in concreter Bestimmung gehört] Schmerz hat nur das Lebendige . [ Er ist ein Negatives und ] Wl : S c h m e r z ist : e t w a s N e g a t i ve s , d a s i n u n s i s t (– wir haben einen Mangel , sind unbefriedigt p = Schmerz Negatives .) – S c h m e r z e r t r a g e n ist :] 8 aber] Wl : das in uns ist ich bin … ist] Wl : Es ist ein Widerspruch hierin . Ich bin einfach ist nämlich ich bin , ein] Er : das i s t der Widerspruch . das 8–569,6 ein affi rmatives ; … ertragen .] Er : das Affi rmative , das , wenn es negirt wird , nicht verschwindet wie das beim Natürlichen der Fall ist , sondern hier kommt der Widerspruch als solcher zum Vorschein . In der Verletzung , Aufhebung meines Selbstgefühls ist doch mein Selbstgefühl noch darin . Im Geist ist die Negation seiner , untergeordnet seiner Affi rmation , der Einheit mit sich selbst . 9 wenn das nun] Wl : und : m i c h h u n g e r t ein Negatives . Wenn nun das Affi rmative 9– 569,6 verschwindet die … ertragen .] Wl : daß es verschwinde . Bei dem Natürlichen gilt das wohl , wie z . B . roth die Negation seiner nicht roth – Licht die seine (Finsterniß) nicht aushält . – Hingegen im Lebendigen und mehr im Geistigen nicht so . – Mich hungert , ein Negatives , ist Widerspruch meines affi rmativen Selbstgefühls , und doch fühle ich’s . – Die Negation seiner selbst ist zwar in ihm ; aber untergeordnet seiner Affi rmation , seiner Einheit . –

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17–18 Von der … Modificationen . am linken Rande mit Verweiszeichen 25 Schmerz hat … Lebendige . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 28 nämlich] folgt am rechten Rande (vermutlich 40 von anderer Hand) nachträglich mit Bleistift : best allg gegen A affi rm 35 Licht] folgt am rechten Rande (vermutlich von anderer Hand) nachträglich mit Bleistift : allg neg gegen allg affi rm / best allg gegen best affi rm / ich bin – ich bin nicht / würde sich auch aufheben . / roth – nicht dunkelroth / blbt roth

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tion . bei den Nicht organischen Dingen ist es freilich so : wenn etwas roth gefärbt , und man bringt blau hinein , so verschwindet das roth : das roth kann die Negation seiner nicht aushalten ; ebenso in die Finsterniß Licht gebracht . So überhaupt im Natürlichen : eine affi rmative Existenz bleibt nicht , wenn ihr Widerspruch gesetzt ist ; aber nicht so bei den Lebendigen ; da hebt der Widerspruch das Selbstgefühl nicht auf . Der Geist , überhaupt das Lebendige kann seine Negation ertragen . das ist die bestimmung der Freiheit überhaupt ; das abstracte oder formelle derselben ist dieses Aufheben aller bestimmung ; das concrete derselben ist in der bestimmung (der Schranke , der Negation) meiner , in welchem anderen meiner ich doch in mir selbst bin . Wenn man sagt die Freiheit macht die wesentliche bestimmung des Geistes aus , so kann man sagen , sie macht den Begriff des Geistes aus , d . h . die wesentliche bestimmtheit ; was man gewöhnlich eine Definition zu nennen pflegt . Aber begriff in unsrem Sinn ist freilich auch das Einfache , aber eine Identität mit sich , die zugleich das Unterscheiden in ihr hat , das in der Einheit bleibt , d . h . ein Unterschied , der zugleich kein Unterschied ist . Darum ist eben unser Begriff nicht ein abstractes ; | ich bin das Einfache , habe doch viele bestimmungen in mir , die für mich so als

20 7–10 Freiheit überhaupt … bin .] Wl : formellen oder abstracten Freiheit ; daß ich vermag alle Bestim-

mung in mir aufzuheben ; und der concreten : daß ich in der Bestimmung meiner bin , ich annihilire 20 sie und beharre bei mir selbst . Dies ist der abstracte Begriff der Freiheit , der die Grundbestimmung

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unseres Geistes ist . – / NB . 7–11 das abstracte … die1] Er : die abstracte Freiheit ist , daß ich vermag allen Inhalt , alle Bestimmtheit in mir aufzuheben , – die concrete Freiheit ist daß ich in der Bestimmtheit meiner – Schranke , Negation – nur bei mir selbst bin , das andere annihilire . – Die 11 bestimmung] Er : Bestimmtheit 12 macht den] Er : ist der 12–570,1 Geistes aus , … sie] Er : Geistes . Unter Begriff versteht man zunächst die einfache Bestimmtheit , die die Eigenthüm lich keit von etwas ausmacht . der philosophische Begriff aber ist eine einfache Bestimmtheit , die aber den Unterschied als aufgehoben enthält , so daß das Subject bestimmt ist , den Unterschied enthält , aber so daß es zugleich aus diesem in sich zurückgekehrt ist . Der Begriff hat den Unterschied aber dieser ist zugleich durchsichtig . Ich habe viele Bestimmungen , die 12–13 d . h . die … pflegt .] Wl : da man unter Begriff zunächst versteht , die einfache Bestimmtheit , die die Eigenthüm lich keit von Etwas ausmacht . 13–14 in unsrem] Wl : im philosophischen 14 freilich auch … sich ,] Wl : auch diese einfache Bestimmtheit , 15 in ihr hat ,] Wl : hat , bleibt , d . h . ein] Wl : mit ihr bleibt , den Unterschied als aufgehoben enthält , so daß das Subject bestimmt ist , den Unterschied enthält , aber zugleich aus diesem in sich zurück gekehrt ist , – einen 16–17 ist . Darum … viele] Wl : i s t , unmittelbar auch als aufgehobener Unterschied . – (Ich bin einfach , habe 17–570,4 für mich … überhaupt] Wl : ein anderes als ich sind . (Anschauungen , Wahrnehmungen) die auch für ein Andres , selbst unerträglich sind (Schmerz) ; aber aus diesem Unterschiedenen bin ich doch zum Ich zurückgekehrt . Es ist nur m e i n e Anschauung , und darum ist sie kein Andres , – in m i r , m e i n . Das Endliche fest 18 oder abstracten mit Verweiszeichen am rechten Rande 21 NB .] bei Hk gestr . 30–31 die die … 32–34 den Unterschied … ist , – mit Verweiszeichen am rechten Rande

40 ausmacht . mit Verweiszeichen am rechten Rande

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ein anderes sind , daß sie unverträglich mit mir sind ; z . b . irgend eine Vorstellung über etwas hebt wieder den Inhalt des Gegenstandes für mich auf ein äußerliches zu sein . Die Freiheit ist zugleich das , was wir Idealität nennen ; das Ideale ist überhaupt irgend ein bestimmtes , ein Unterschiedenes . Ich in meinem bewußtsein verhalte mich idealistisch ; ich schaue ein Haus an , das ist die Realität ; dies nennen wir selbstständig , für sich ; aber der ganze Inhalt des Hauses ist meine Vorstellung , ich bin der Träger des Inhaltes , ich bin dann allein das Selbstständige . Die Grundbestimmung des Geistes ist also die Freiheit . das lassen wir gelten ; aber die gewöhnliche Vorstellung ist , daß dem Geist dies zukomme , nur auf einer Seite , daß aber die Natur auf der andren Seite der Freiheit gegen über ist . Aber wir stellen uns auf

zu fassen in seinem Unterschiede z u w i s s e n , und seine Einheit z u e r k e n n e n , – haben wir in der Wissenschaft vor allem . / »Un t e r s c h i e d d e r k e i n Un t e r s c h i e d i s t« , u . s . f . sind Hegelsche Terminologie , die in Ausdrücken der gewöhnlichen Sprache besteht ; nur eigenthüm liche Verbindung dieser hat . – So noch : F r e i h e i t ist Begriff als solcher in seiner Existenz , B e g r i f f d e r z u r E x i s t e n z g e ko m m e n i s t . – / In jeder sinnlichen Anschauung ist noch vorhanden ein äußerlicher Gegenstand , sofern es m e i n e Vorstellung ist , bin ich bei mir , indem ich bei diesem Inhalte bin , es ist ein Unterschied den ich aber negirt habe . Filosophie ist daß wir alles in diesem medio der Freiheit betrachten , sub specie aeterni nach Spinoza : die Bestimmung der Freiheit = I d e a l i t ä t . Das Ideelle ist 1–3 sind ; z . b . … Die] Er : sind und i n diesem Unterschiede bin ich doch bei mir selbst , in mich zurückgekehrt . Wir haben in der Wissenschaft das Endliche fest zu fassen in seinem Unterschiede und seiner Einheit . – / die Freiheit ist der Begriff selbst der zur Existenz gekommen ist In jeder sinnlichen Anschauung ist vorhanden ein äußerlicher Gegenstand , in sofern es m e i n e Vorstellung ist bin ich bei mir indem ich bei diesem Inhalte bin , es ist ein Unterschied den ich aber negirt habe . Philosophie ist daß wir alles in diesem medium der Freiheit betrachten sub specie aeterni . die Bestimmung der 3 zugleich das ,] Er : auch 3–4 das Ideale … bewußtsein] Er : ein Unter schied ist gesetzt , aber seine Selbstständigkeit zugleich aufgehoben . Ich 4 Unterschiedenes . Ich … bewußtsein] Wl : Unterschiedenes ; aber so , daß (der Unterschied) seine Selbstständigkeit zugleich aufgehoben ist . – (Ich 5–6 ein Haus … Vorstellung ,] Er : etwas an und das ist selbstständig gegen mich , aber diese ganze Vorstellung ist m e i n e , 5 ein] Wl : das 5–6 ist die … sich ;] Wl : Haus ist Realität , Selbstständigkeit 6–8 des Hauses … das] Wl : meiner Vorstellung ist nicht mehr selbstständig , sondern nur ich , der Träger dieses Inhalts , bin es) . Indem im Geiste alles als ideell gesetzt ist oder indem die Grundbestimmung des Geistes die Freiheit ist , so 7–8 des Inhaltes , … das] Er : derselben , das Selbstständige , der Gegenstand ist ideell . Indem die Grundbestimmung des Geistes die Freiheit ist , oder daß in ihm alles als ideell gesetzt ist , 8–10 gelten ; aber … Natur] Er : dies gelten aber wir nehmen eine andre Seite auf : die Natur sei 8 gelten] Wl : es gelten 9 ist , daß … nur] Wl : läßt den Geist das 9–10 Seite , daß … Natur] Wl : Seite seyn , die Natur aber neben ihm 10–571,1 Seite der … Freiheit] Wl : Seite . – So nicht hier ! Hier haben wir nicht Freiheit und Realität (Natur) nebeneinander , sondern wir haben die Freiheit , oder die Idealität des Äußerlichen , 10 Seite der … stellen] Er : Seite , dem Geiste gegenüber , neben demselben . Hier aber stellen wir 12–15 »Un t e r s c h i e d d e r … i s t . – mit runder Klammer am linken Rande hervorgehoben 15–18 In jeder … der mit Verweiszeichen am rechten Rande 32 oder indem … ist , mit Einfügungszeichen am rechten Rande 38–39 oder die … Äußerlichen , mit Verweisszeichen am rechten Rande

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einen andren höhern Standpunkt , wo wir die Freiheit in ihrem ganzen Umfang zu nehmen haben , so daß sie das Allumfassende und die Wahrheit der Natur ist . Darüber sind 2 bemerkungen zu machen : nämlich : daß dies unser speculativer Standpunkt ist , und dann in der Art die Weise anzudeuten , wie wir auf diesen Standpunkt kommen , also den Ü|bergang von der Natur zum Geist ; dieser Übergang hat eben diesen Inhalt , diesen Sinn : daß die Natur nicht das Wahrhafte ist , sondern , daß sie ewig sich idealisirt , ewig der Hervorgang des Geistes ist . dieser Standpunkt wird bewiesen durch den Zusammenhang des Geistes mit der Natur im begriff , wovon unterschieden werden muß : im bewußtsein . Zuerst also wie dies ein speculativer Standpunkt ist , und wie dieses bedürfniß danach sich immer gezeigt hat . Speculativ ist auch so ein Kunstausdruck ; es ist aber wesentlich dies : eine Einheit zu fassen von Unterschieden , was wir im gewöhnlichen bewußtsein

1 andren höhern … Freiheit] Er : Standpunkt wo wir nicht diese zwei neben einander sondern die Idealität des Aeußerlichen 2 nehmen haben , … und ] Er : betrachten haben , das ist der speculative Standpunkt von dem wir den Geist gleich zu fassen haben . Der Geist ist höher zu achten als die Natur , dieser Standpunkt erfodert aber die Idealität als nehmen haben ,] Wl : nehmen ; 2–4 und die … die] Wl : ist . Dieß ist der s p e c u l a t i ve S t a n d p u n c t , in dem wir den Geist gleich aufzunehmen haben . Der Geist ist höher zu achten , als die Natur ; dieser Standpunct erfodert aber die Idealität als die Wahrheit der Natur selbst zu betrachten , die Freiheit des Geistes als das Eine und Einzige Wirkliche zu nehmen , – nicht bloß als das Höhere . Hierüber 2 Bemerkungen : 1 .) Dieß ist der speculative Standpunct – und 2 .) die Art und 2 ist .] Er : selbst zu betrachten , diese Freiheit des Geistes als das Eine und Einzige zu nehmen was wahrhaft wirklich ist , nicht bloß als das Höhere . 3 nämlich : daß … speculativer] Er : 1 . daß dies der speculative 4 dann in … Weise] Er : 2 . ist die Art wir] Er : dies bewiesen wird und wir 5 kommen , also den] ErWl : kommen . das zweite ist der von der] Wl : der 5–6 Natur zum … Sinn :] Er : Na|tur , der den Sinn hat , dieser Übergang … Sinn :] Wl : der d e n Sinn hat , 6–7 nicht das … ewig 2 ] Er : dies ist , sich ewig zu idealisiren , ewig nur 7 daß sie … idealisirt ,] Wl : sich ewig nur zu idealisieren hat , ist .] ErWl : zu seyn . die Natur , die den Begriff enthält als Gesetz ist dies , an ihr selbst den Begriff [zur] Wl : zu seiner] Existenz zu bringen und der existirende Begriff ist der Begriff in seiner Freiheit d . i . der Geist . 8 bewiesen durch den] Wl : erhellen aus dem des Geistes mit] Er : mit mit] Wl : und 9–11 begriff , wovon … dies :] ErWl : Begriff . Der Standpunkt daß ich die Natur gegenüber behalte , wird aus dieser Einzigkeit selbst heraustreten bei der Form des Bewußtseyns . [ Wir stehn auf dem Standpunkt des Speculativen und es ist zu zeigen in welcher Form sich das Bedürfniß des Speculativen gezeigt hat . das Speculative im eigentlichen Sinn ist ,] Wl : 1 .) a l s o : d i e ß i s t d e r s p e c u l a t i ve S t a n d p u n c t ; – u n d i n w i e f e r n d a s S p e c u l a t i ve B e d ü r f n i ß i s t , u n d i n we l c h e n F o r m e n s i c h d i e ß B e d ü r f n i ß g e z e i g t h a t ? / S p e k u l a t i o n ist :] 12 von] Er : von solchen 12–572,1 was wir … auseinanderhalten .] Er : die das gewöhnliche Bewußtseyn und der Verstand ganz auseinander hält . 12 was wir … bewußtsein] Wl : u n d s o l c h e n Un t e r s c h i e d e n , d i e w i r i m g e w ö h n l i c h e n Ve r s t a n d e

40 18–19 Der Geist … betrachten , mit Verweiszeichen am rechten Rande

mit Verweiszeichen am linken Rande zeichen am linken Rande

28 die Natur , … selbst bei Wl 31–32 Der Standpunkt … Bewußtseyns . bei Wl mit Verweis-

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ganz absondern und auseinanderhalten . der Verstand ist das bestimmte das Endliche zu befestigen ; der begriff der über den Verstand hinausgeht , hebt das Endliche auf und erfährt den Widerspruch , für ihn ist nur das Unendliche . Wir haben Geist und Materie , 2erlei , im dualismus , beides selbstständig , das ist ein Grundunterschied in unsrem gewöhnlichen bewußtsein nicht so sehr als im denkenden , im Verstande ; da tritt dieser | Unterschied klar auf . Aber das Ewige und Wahrhafte kann nur eins sein ; man kann nun den Gegensatz gegen die Einheit der Vernunft so aufheben , daß man sagt : nur die Materie ist das Wahrhafte , und der Geist ist nicht wahrhaft real : er ist nur Erscheinung , Modification , Form etc . Das ist der Standpunkt d e s M a t e r i a l i s m u s es ist ihm bedürfniß den Dualismus aufzuheben . dieser Dualismus kommt allenthalben zur Sprache , e r macht die Schwierigkeit in allem aus . Der Materialismus ist dann ungefähr dasselbe , was man N a t u r a l i s mu s

1–3 der Verstand … haben] ErWl : Der Verstand ist die Bestimmtheit , das Endliche zu fi xiren , [festzuhalten , die] Wl : die] Vernunft hebt das Endliche auf , negirt es . [ Wir haben Natur im metaphysischen abstracten Sinne genommen als Materie .] Wl : Der Unterschied der sich bei unserem Stoffe gleich ergibt , ist :] 4–8 2erlei , im … aufheben ,] Wl : (Natur in metaphysischer Abstraction) . das ist d u a l i s m u s : ein Unterschied , der als schlechthin selbstständig gilt ; Geist einer- und Materie andrerseits s e l b s t s t ä n d i g . – Im beginnenden Denken , der nur Verstand noch waltet , gilt dieser Unterschied und entsteht er und zwar kommt dieser Dualismus zur Sprache überall (Gut und Böse e . t . c .) und macht überall das Schwierigste aus . So lange der Mensch bei Verstandesbildung nur bleibt , gilt er ; – wo aber sich im Menschen das Bedürfniß der Vernunft auf thut , dringt der Geist auf Einheit , – die Unterschiede in Eins zu fassen , in irgend einem Verhältnisse . D a g e g e n ist die E i n h e i t des Geistes . E i n e s n u r i s t d a s E w i g e u n d Wa h r h a f t e . Jetzt hat man die Wahl . Man kann diesen Widerspruch nämlich auflösen , 4–7 im dualismus , … die] Er : das ist ein dualism , ein Unterschied der als etwas schlechthin selbstständiges gilt , aber die Einheit des Geistes ist selbst dagegen . diesen Widerspruch gegen die Forderung der 8 so aufheben ,] Er : kann man auflösen dadurch 1 . nur die … Wahrhafte ,] Wl : A .) N u r M a t e r i e i s t w a h r h a f t s e l b s t ständ ig , Wahrhafte ,] Er : Wesen , 8–573,1 ist nicht … ist] Wl : n i c h t , s o n d e r n n u r P r o ducte der M ater ie , und ei n i n a nderen Combi nat ionen der M ater ie F lücht iges . – M a t e r i a l i s m u s , der aus dem speculativen Bedürfniß kommt , diesen Dualismus des Verstandes aufzuheben , und d a r u m erfreulich . Dieser Materialismus oder Naturalismus , der vor nicht gar langem herrschend war , 8–9 ist nicht … etc .] Er : nur ein Schein , eine Form , Modification – 10 es ist … Dualismus] Er : der aus dem speculativen Bedürfniß kommt , den dualism des Verstandes 11 e r macht] Er : bei Gott und Welt , Gutem und Bösen , er ist es der 12–573,1 aus . Der … lange] Er : ausmacht . der Mensch der nicht zur Vernunft gekommen ist , läßt das ruhig neben einander stehn , thut sich das Bedürfniß der Vernunft auf , so dringt der Geist auf Einheit . diese Einheit ist nun aber so gefaßt worden , daß die Materie das Wahrhafte , der Geist ihr Product sei wenn die Materie so sich verbände , so komme der Geist heraus als etwas Flüchtiges , Vorübergehendes . dieser Standpunkt des Materialism ist ungefähr der des Naturalism , der

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17 ein Unterschied , … gilt ; 40 13–14 Der Verstand … es . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande mit Verweiszeichen am linken Rande 19–22 und zwar … Verhältnisse . mit Verweiszeichen am linken Rande

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nennt ; der lange eine beliebte Denkweise gewesen ist besonders in Frankreich . das andre Gegenüberstehende ist : daß d e r G e i s t das Selbstständige , und Wahrhafte ist , und das Materielle nur erscheinend , nicht an und für sich . Das ist der Standpunkt des S pi r it u a l i s mu s oder Id e a l i s mu s . diese Vorstellung hat gleich die Ungunst gegen sich , daß das Sinnliche in unsrem bewußtsein ein wesentlich Reales ist ; wir sehen , wir berühren etwas , das uns Widerstand leistet ; es ist also eine Verrücktheit , es nicht für selbstständig halten zu wollen , der Materialismus hat viel Gunst für sich , weil es sehr wider den Sinn geht den sinnlichen Gegenständen die Realität absprechen zu wollen , und dann die : daß die Materie als gesetzlich angenommen wird , die Natur als etwas , was in Ordnung geregelt ist . In beziehung auf den Geist kann man das nicht so sinnlich und anschaulich darthun ; der Geist

1–2 Frankreich . das … G e i s t ] Er : Frankreich . Man muß darin nicht verkennen sondern vielmehr ehren das Bedürfniß der Einheit / 2 Der Geist ist Wl : Frankreich , – ist noch jetzt eine sehr beliebte denkweise . Dieser Materialismus hat viel Gunst für sich , denn er befriedigt die Forderungen der Einheit ; und die Menschen sind gar zu sehr geneigt die Materie dem Geiste vorzuziehen , und es hat daran zu halten das gewöhnliche Bewußtsein , ganz recht . den Standpunct des gewöhnlichen Bewußtseins nimmt man aber gar zu leicht für den des absoluten Bewußtseins , und daher kann der Mensch leicht an der Realität der Materie eher zweifeln , als an der des Geistes . das leistet dem Materialismus Vorschub . 2) Ferner wird die Materie in ihrer mannigfaltigen Beziehung auf einander als allgemeingültige Beziehung , als gesetzlich angenommen in ihrer Wirkungsweise , und die Natur als ein System , wo alles in Ordnung , nach Gesetzen vor sich geht . In Rücksicht auf den Geist können viele Erfahrungen vorgebracht werden , daß er abhängig , Resultat von der Natur ist (körperliche Krankheit zerrüttet den Geist , der Körper macht ihn fröhlich p) – . Oder man sagt : / B) D e r G e i s t i s t 3 ist , und … erscheinend ,] Er : die Natur nur eine Erscheinung desselben , Wl : und die Materie 3–5 sich . Das … die] Er : sich , nicht wahrhaft real . der Materialism hat viel Gunst für sich gegen diesen Idealism , Spiritualism , indem auf dem Standpunkt des ersten die Materie als selbstständig , der Geist als nicht selbstständig gedacht wird ; – der 2t e Standpunkt hat hingegen viel Wl : s i c h w a h r h a f t , n u r E r s c h e i n u n g . Dieser (Idealismus =) Spiritualismus hat zunächst d i e 5–9 gegen sich , … daß] Er : weil man die Materie nur zu berühren braucht um Widerstand zu erfahren und es also Thorheit ist ihre Realität zu läugnen . / | Der Materialism befriedigt die Foderung der Einheit , und die Men schen sind leicht geneigt die Realität des Geistigen fahren zu lassen gegen die des Sinnlichen . An diesem hält unser gewöhnliches Bewußtseyn fest und hat ganz recht aber sein Standpunkt ist nicht der absolute Standpunkt . Man meint aber leicht daß es keinen andren Standpunkt der Betrachtung gäbe . Daher , ehe wir zweifeln daß die äußerlichen dinge Realität haben kann es seyn daß wir an der Selbstständigkeit der Seele zweifeln und das leistet dem Materialism Vorschub . Ferner wird 5 gegen sich , daß] Wl : daß ein] Wl : als 6–574,3 ist ; wir … sich .] Wl : ist ist daher schwer , den Menschen diese Vorstellung glauben zu machen . – 9–10 als gesetzlich … wird ,] Er : angenommen als gesetzlich und 10 etwas , was … beziehung] Er : ein System wo alles nach Gesetzen vor sich geht . In Rücksicht 11–574,2 kann man … Vorstellung ,] Er : können viele Erfahrungen vorgebracht werden daß er abhängig , Resultat von der Natur ist Krankheit pp , – diese Wesentlichkeit des Materiellen wird so hervorgehoben und die Un selbst8 Sinn] statt eines unleserlichen Wortes zeichen am linken Rande

den] die

14–23 Dieser Materialismus … p) – . mit Verweis-

11Er ; den 5. NovemberEr Philosophie des Geistes .Er

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scheint hier abhängig vom Körper , wenn der Körper krankt , krankt auch der Geist häufig mit . Dagegen die andre Vorstellung , daß der Geist allein das Wahrhafte sei , hat nicht so viel Gunst für sich . In Deutschland ist man mehr bei der Vorstellung stehn geblieben . Das Materielle hat Wesen , aber der Geist ist auch für sich ; in Frankreich dagegen ist der Materialismus mehr herrschend . Der Franzose in seinem Verstand , in seiner Consequenz verlangt Einheit , er wirft sich auf die Seite der Materie . Unser Kopf aber sieht mehr aus wie das vormalige deutsche Reich : Geist und Materie sind beide , sie schließen eine Art von bundestag mit einander bei uns . beim Geist fällt uns gleich ein : w i r i n u n s r e r W i l l k ü h r . Die Macht über das Natürliche sei : wenn man diese nun auch nicht jedem Geist zuschreibt , so schreiben wir sie doch einigen zu , und so sind wir beim Wu nd e r g l a u b e n ; der darin besteht , daß | das Vorhandene nicht bestehen könne gegen den Willen des Geistes ; | um nun den Wundern zu entgehen , dieser Wildheit , dieser Auflösung des ruhigen Ganges der Natur nothwendigkeit , so bleiben wir lieber stehen beim Materialismus , wo alles in Ordnung ist , oder wir bleiben bei diesem consequenzlosen Zusammenhang einer souveränen Materie und eines souveränen Geistes , beim Dualismus bleiben wir lieber stehen . – Der animalische Magnetismus ist so eine Erscheinung , wo man sieht daß man mit dieser Selbstständigkeit der Materie

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ständig keit des Geistigen . – Die ent gegengesetzte Vorstellung ist 2–3 das Wahrhafte … sich .] Er : das wahrhaft Reale ist . Es ist schwer dies annehmbar zu machen . 3–5 ist man … in 2 ] Er : hat der Materialism weniger Eingang gefunden . dem Franzosen mit Wl : war der Materialismus weniger am Brett als in Frankreich , und es sprach sich auch hierin , wie in ihren Verfassungen p der Unterschied dieser Völker aus . – / Dem Franzosen mit 6–9 verlangt Einheit , … Geist] ErWl : mußte alles Eines seyn , – in Deutschland war die Materie [selbstständig ,] Wl : selbstständig angenommen , doch] der Geist [auch .] Wl : auch , und zwar so , daß er , obwohl abhängig , ihrer auch Meister werden könnte .] – Wenn man den Geist als [die] Wl : das absolut Reale ansieht und als] wahre Macht des [ Materiellen ansieht] Wl : Materiellen , so daß sich das Natürliche dem Willen des Geistes unterwerfen muß , –] so hat diese Vorstellung Glauben gefunden , aber [es] Wl : diese Seite scheint uns gefährlich : denn es] 9 gleich] Wl : dann bei G e i s t gleich ein :] Er : ein , wenn wir sagen der Geist ist das allein Wahrhafte gegen die Natur , so fällt uns bei Geist ein : 9–11 W i l l k ü h r . Die … und ] Er : Willkühr , und wenn wir da auch nicht an alle denken , so doch an einige – Wl : Willkühr ; und wenn man diese Willkühr auch nicht als jedem Geiste zukommend annimmt , so doch einigen , – und 11–12 der darin … Vorhandene] ErWl : daß das Materielle 12–13 den Willen … Geistes ;] ErWl : die geistige Macht . – | 14 Natur nothwendig keit] Er : Naturgesetze stehen] Er : stehn entweder 15 wo alles … bleiben] ErWl : oder 16–17 Zusammenhang einer … animalische] ErWl : [ Dualismus .] Wl : Zusammenhang von souverainer Matherie und souverainem Geiste , diesem dualismus .] – die Wunder hängen mit der Religion zusammen und diese Seite können wir übergehen . [ Beim animalischen] Wl : die Form aber des Wunders , wie auch hier von ihr die Rede seyn kann , ist nichts andres als die Erscheinung des animalischen] 17–575,3 ist so … diese] ErWl : [sieht man] Wl : wo man sieht] daß man nicht auskommt mit [der] Wl : diesem dualismus , wie nicht 7 deutsche] deutschs

13 entgehen] entgegen

36 Dualismus] Dualismus stehn

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und dieser Selbstständigkeit des Geistes nicht auskommt . Es erscheint hier die Seele mächtig über das Leibliche , ja selbst über die Naturgesetze ; es widerspricht diese Erscheinung dem Gesetzlichen in der Natur , d . h . diese Reihe von Vermittelungen (nämlich um etwas zu sehen , muß man die Augen auf machen : diese Vermittlungen machen überhaupt den gesetzlichen Gang des Natürlichen aus) Im animalischen Magnetismus geschieht es aber oft , daß eine Person mit zugeschlossenen Augen sieht , mit dem Magen , mit dem Finger , oder daß sie etwas schmeckt , was ein Andrer , und nicht sie im Munde hat . Gegen dieses sträubt man sich , man will es nicht glauben ; man kann es auch nur ausmachen auf dem Wege der Erfahrung . Es liegt nun in dieser Unzulänglichkeit das bedürfniß unserer Natur den Zusammenhang des Geistes mit der Materie zu begreifen ; aber diese Erscheinungen sind unbegreiflich auf dem Standpunkt des unbegreifenden bewußtseins . Als Grundwesen des Geistes behaupteten wir die Freiheit , die Freiheit vom Natürlichen und im Natürlichen ; (aber nicht Willkühr und Zufälligkeit) es ist das Reich der gesetzmäßigen Wunder . Über dieses Verhältniß mußten wir uns näher erklären , in so fern das bedürfniß speculativer betrachtung erklärt werden mußte . diese b e z i e h u n g d e s G e i s t e s a u f d i e N a t u r ist nun der Hauptgegenstand unsrer betrachtung ; das Grundverhältniß , Verhältniß des begriffs .

(den Gang der natürlichen Gesetze = die Nothwendigkeit) Sg

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mit der] Selbstständigkeit des einen oder andern . [Affectionen] Wl : Schmerz und andre Affectionen] 20 des Geistes können den Menschen [tödten . Beim] Wl : tödten , wie Krankheit den Geist zerrütten

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kann . Im] Magnetism erscheint das Geistige als Macht über Naturgesetze , seine [ Erscheinungen widersprechen dem] Wl : Erscheinung widerspricht dem , was wir gesetzlich zu nennen pflegen im] natürlichen [ Zusammenhang . Die] Wl : Zusammenhange , der] 4–10 (nämlich um … das] ErWl : [ bei] Wl : (als Ursache , Mittel p) bei] den natürlichen [dingen macht das Gesetzliche aus , – was ist muß seine Ursache haben – diese fehlt beim Magnetism . Da sind wir auf dem Felde] Wl : dingen , – und führt uns so auf’s Feld] der Wunder . Man sträubt sich daher gegen solche [ Erfahrungen , weil man sich dadurch] Wl : Erscheinungen (ungeachtet aller Erfahrung) so sehr , die einen] dem Wunderglauben in die Arme [werfe , das] Wl : werfen , eben aus dem Grunde der Reflexion . – / Das] sind die beiden entgegengesetzten Vorstellungen wo die Seite [des] Wl : (des dualismus gefährlich und) des] Spiritualism diese Ungunst hat . | [ Eben in solchen Erscheinungen liegt auch das] Wl : Gerade solche Erfahrung ist’s worin auch das nähere] 10–11 Natur den … der] Er : Zeit das Verhältniß des Geistes und der Wl : Zeit liegt , das Verhältniß von Geist und 11–13 aber diese … Als] Er : Es ist gesagt daß wir als 11 aber] Wl : denn alle 12–13 unbegreifenden bewußtseins . Als] Wl : nicht begreifenden denkens , des gewöhnlichen Bewußtseins . – / Es ist gesagt worden , daß wir als 13 behaupteten wir … Freiheit ,] Er : die F r e i h e i t behaupten , Wl : behaupten 14–16 (aber nicht … mußte .] ErWl : die aber nicht aufgefaßt werden muß als Willkühr sondern als gesetzmäßige Freiheit . – 17–576,1 diese b e z i e h u n g … b e s t i m m t e r e ] Wl : Dieß Verhältniß das auf angegebne Weise zur Sprache kommt , von Geist und Natur , diese ihre Beziehung ist unser Hauptgegenstand , – und das Grundverhältniß des Begriffs ist das erste was wir z u b e t r a c h t e n haben . – / Zuvor die 17 a u f d i e … der] Er : ist unser 18–576,1 unsrer betrachtung ; … Ü b e r s i c h t ] Er : und das Grundverhältniß des Begriffs ist das erste was wir zu betrachten haben . / Vorher will ich die Uebersicht geben

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§ 387Sg

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Ehe wir aber daran gehen , geben wir vorher d i e b e s t i m m t e re Ü b e r s i c ht dessen , was wir abhandeln wollen . Die Wissenschaft des Geistes stellt den Gang der befreiung des Geistes dar . der Geist ist zuerst an sich , aber noch nicht frei ; sich zu befrein sich von der Natur los zu machen ist seine Aufgabe ; wir haben also 3erlei beziehung des Geistes auf die Natur zu betrachten , zuerst die Einheit des Geistes an sich , für uns , eine Einheit die jenseits unsres gewöhnlichen bewußtseins ist , und nur in Philosophie entsteht . Einheit des Geistes und der Natur ist aber eigentlich ein schlechter | oberflächlicher Ausdruck , der Kürze wegen wollen wir ihn aber gebrauchen , die die Philosophie zu verunglimpfen die Absicht haben , halten sich meist an solchen Ausdruck ; das factum ist wichtig ; aber es macht nicht die Einheit überhaupt aus , sondern die Einheit , wie sie bestimmt ist . Freilich wenn man die Einheit an sich auffaßt , so verstümmelt man die Darstellung , wie sie ausdrücklich gegeben wird ; in so fern hat man das factum verfälscht . Da s 2 t e i s t dann die natürliche unmittelbare Einheit nicht an sich mehr , sondern die unmittelbare Einheit des Geistes in der Natur ; in so fern existirt der Mensch als n a t ü r l i c h e Seele und ist nicht nur Geist . Da s 3 t e ist daß diese Einheit für den Geist sei , daß die beziehung auf die Natur für i h n werde , für ihn hervorgebracht werde . Das Nähere ist dann aber in § 387 gegeben , nämlich :

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2–4 abhandeln wollen . … ist] Er : zu behandeln haben . Unsere Wissenschaft zeigt den Weg der Befreiung , er ist frei , ist es aber 2 abhandeln wollen .] Wl : zu behandeln haben . 4 zuerst] Wl : frei , ist es aber erst 4–5 aber noch … 3erlei] ErWl : [dies] Wl : i m We s e n . dieß ,] was er an sich ist hervorzubringen , [dieser] Wl : muß er sich befrein , frei – producirt er seine Welt aus sich . Sich zu befrein von der Natur , dieser] Gang ist der Inhalt unsrer [ Wissenschaft . Sich befreien d . h . von der Natur] Wl : Wissenschaft , – in der es darum zu thun ist , ihn] zu befreien . Da haben wir diese 3erlei Beziehung : / 1 . die 6 zu betrachten , … sich ,] ErWl : [oder ihre] Wl : a n s i c h , o d e r E i n h e i t d e s G e i s t e s u n d d e r N a t u r a n s i c h , – eine] Einheit wie sie nur an sich ist oder 7 jenseits unsres] Wl : gegen die Gesetze des unsres gewöhnlichen] Er : des 7–8 ist , und … aber] Er : ist . Ich habe gesagt E i n h e i t , das ist in Philosophie … eigentlich] Wl : durch die Philosophie in unser Bewußtseyn tritt – Einheit ist im Grunde 9 der] Wl : der aber der wollen wir … gebrauchen ,] Wl : bleiben mag . 9–11 die die … wichtig ;] ErWl : es ist aber in der Philosophie nur um die Bestimmtheit der Einheit zu thun , und ohne diese Bestimmtheit ist die Einheit abstract , [einseitig .] Wl : einseitig , falsch .] An solche Ausdrücke halten sich die , die die Philosophie verunglimpfen . 11 aber es macht] Wl : nicht berücksichtiged , daß aus ,] Wl : es ausmacht , 12–14 ist . Freilich … natürliche] Wl : ist , zwar nicht unwahr , doch falsch das Factum aussprechend . – / | 2 .) Die 12–14 Freilich wenn … factum] Er : Wenn man so spricht so ist das nur das Halbe , das Factum wird so 14 Da s 2 t e … natürliche] Er : 2 . die 14–16 nicht an … Geist .] ErWl : [(nicht mehr] Wl : des Geistes und der Natur , – (nicht mehr die Einheit] wie sie an sich ist) . Bei unmittelbarer Einheit ist der Geist nur noch als natürliches Wesen , [dies ist die] Wl : daher] n a t ü r l i c h e Einheit . 17 Einheit] Er : Beziehung für 1] Wl : (beym) für daß die … werde ,] Wl : werde , daß die … für] Er : für 18–577,5 Das Nähere … a l s ] ErWl : das [ Erste] Wl : Nähere] gehört nicht mehr in die Abhandlung 23 dieser] dieses

34 ist ,] folgt gestr : Wenn man so spricht so

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daß Natur und Geist betrachtet werden in ihrer an sich seienden Einheit , was wir zuerst vorausschicken , was aber eigentlich in unsre Abhandlung nicht gehört , sondern was bloß zur vorstellung gemacht werden muß , das , womit wir anfangen , ist die unmittelbare Einheit der Natur und des Geistes : der Gegenstand ist da der Geist als bestimmt , a l s i n d i e N a t u r versenkt ; er ist Naturgeist , und in so fern nennen w i r ihn S e ele . Eine solche Seele hat das Thier gewisser Maaßen auch : das gemeinschaftliche des Menschen mit dem Thier ist der Mensch als Naturgeist . Man kann den Ausdruck Seele auch aus der vormaligen Metaphysik aufnehmen . Man hat da gefragt : ist die Seele einfach im Sinn der abstracten Einheit , wie ein Atom ; man hat sie ens , Ding genannt . Man hat auch nach dem Sitz der Seele gefragt , und also von ihr als von einem Räumlichen gesprochen , in so fern ist sie ein Ding ; die Thierseele betrachten wir eben so als ein Ding , als Sache . In so fern können wir auch den Ausdruck Seele auf den Geist einschränken in so fern er seiend , oder in der Natur ist . Innerhalb dieses ersten Theils , d e r A n t h ro p o l o g ie , wird es zum bruch kommen | zwischen der Natur und ihrem Natursein . Der magnetische Schlaf ist ein herabfallen des Geistes in seine Natürlichkeit[.] Da beginnt schon der Widerspruch der Seelenhaftigkeit und der Leiblichkeit . Es hört also da das auf ,

5–6 versenkt ; er … ihn] Er : versenkt ist das Erste . Da existirt der Geist noch nicht als für sich , ist als Naturgeist , – so ist er Wl : versenkt , ist Naturgeist . Da ist der Geist nur an sich , noch nicht für sich , – ist 6–8 Eine solche … aus] Wl : Auch das Thier hat eine Seele . Es ist empfi ndend , doch nicht als allgemeines für sich . – In 6–7 Eine solche … Naturgeist .] Er : Auch das Thier hat eine Seele . – Es ist empfi ndend aber nicht als allgemeines , für sich . – der Mensch als Naturgeist als Seele . 8 den Ausdruck … Metaphysik] Er : diesen Ausdruck 8–9 aufnehmen . Man … einfach] Wl : hat man gesagt , daß die Seele einfach sei , 8–10 Man hat … ens ,] Er : In der vormaligen Metaphysik hat man gefragt ob sie einfach sei , hat sie ein 9–10 Einheit , wie … man] Wl : Einfachheit ; 11–14 und also … A n t h ro p o l o g i e , ] Er : da meint man also eine räumliche Existenz . Indem man so gesprochen hat , sind wir in sofern berechtigt diesen Ausdruck zu brauchen für den Geist sofern er nur seyend ist – das ist der erste Theil Anthropologie . Schon hier 11 und ] Wl : und sprach 11–13 einem Räumlichen … auch] Wl : einer räumlichen Existenz . das Räumliche ist aber ein Materielles , wenn auch immerhin einfach . der Geist als ding ist allerdings Seele , wie wir auch die Thierseele als ding behandeln . Drum sind wir auch berechtigt hier 13–578,4 auf den … die] Wl : in dieser Einschränkung zu brauchen vom Geist , sofern er also seiend ist . – Das ist der 1te Theil der Anthropologie . – die Verrücktheit des Menschen , der Zustand des animalischen Magnetismus p gehören hierher , – wo der Geist von seiner Besonnenheit und Freiheit herabfällt in seine Natürlichkeit , sein Verwickeltseyn in die Natur . Aber es beginnt hier schon der Widerspruch zwischen der Seelenhaftigkeit und Materie , und der Bruch zwischen der Seele und ihrem Seyn ; – / Die 15–578,3 Natur und … ist] Er : Seele und ihrem Seyn . Der Geist ist noch in seiner Leiblichkeit befangen . (Im magnetischen Schlaf fällt der Geist herab in sein Verwickeltseyn mit der Natur) . / Das 2t e ist dann

20 als solche , – der Geist 20

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40 15 kommen] folgt gestr : v . d . Natur in welcher

33 Anthropologie .] folgt gestr : (Schon hier wird es zum Bruch kommen , zwischen der Seele und ihrem Seyn .)

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Anthropologie : 1 .)Wl

Phänomenologie Bewußtseyn . 2 .)Wl

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was wir unmittelbare Einheit nannten . dieser bruch in der Seele geht nun fort bis dahin , daß das Empfindende das subjective ist (das geht bis zu dem Thierischen der Empfi ndung) , die sich reinigende Empfi ndung für sich wird und Ich wird . Das ist die Ph ä nome n o l o g ie d e s G e i s t e s . Mit dem hervorbrechen des Ich fängt diese Stufe an . Ich bin das freie , aber ich bin zuerst noch ab|stract frei ; im 1t e n Theil der Anthropologie bin ich noch versenkt in die Natur ; in dem 2t e n Theil aber wird nur der Geist Erscheinung , Gegenstand ; die beziehung der äußerlichen Gegenstände auf mich und meiner auf sie ; das ist der Standpunkt des Verhältnisses , oder des Widerspruchs . Ich bin selbst ständig und die äußren Dinge sind auch selbst ständig , und dennoch haben sie Macht über mich , und ich über sie . D a s 3 t e i s t d i e P s ycho l o g ie . der Geist in ihm selbst und aus ihm , der Geist der sich nur zu sich verhält , der auch bestimmt ist , aber er findet | sich bestimmt in ihm selbst ; diese bestimmung setzt er als das Seinige , und bestimmt sich aus sich selbst , das erste ist Intelligenz , wo der Geist sich in sich bestimmt findet , dann : begirde , wille , wo sich der Geist aus sich bestimmt . – dies sind die 3 Stufen des Geistes , die wir zu betrachten haben . Das erste also ist das Verhältniß des Geistes zur Natur im begriff . Dadurch bestimmt sich dann näher die Art und Weise wie wir den Geist sogleich aufnehmen ; der Geist kommt aus der

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den 6ten 9brEr Die Intelligenz. 3.)Wl 9Wl

4–8 G e i s t e s . Mit … ist] ErWl : Geistes , dieser Bruch treibt sich fort bis [dazu , daß die Seelenhaftig keit sich reinigt] Wl : zum Thierischen der Empfi ndung . Die Seelenhaftigkeit reinigt sich in der Empfi ndung ,] so daß die Subjectivität für sich seyend wird , das ist dann das Ich und damit [fängt die zweite Stufe an , – die Betrachtung des Standpunkts des Bewußtseyns . das ist der gewöhnliche Standpunkt . Im ersten Theil bin ich ganz in der Natur , im 2ten habe ich mich ihr entgegengestellt , was ich da w a r , wird mir hier G e g e n s t a n d das ist der Standpunkt der Erscheinung des Geistes ,] Wl : beginnt die 2t e Stufe . dieß Ic h ist frei , aber ganz abstract , und wesentlich auf äußerliche Gegenstände bezogen . – / Wie im ersten Theil ich ganz in der Natur versenkt bin , habe ich mich ihr in der 2t e n entgegengestellt als dem Gegenstande , der äußerlich ist , als objectiv äußerlicher Natur . Was ich da w a r , wird mir hier G e g e n s t a n d . das ist der Standpunkt des B e w u ß t s e i n s , der Erscheinung des Geistes , – der Standpunct der uns immer gegenwärtig ist ,] 8 oder des] ErWl : des Widerspruchs [d . h . des] Wl : des] gesetzten , vorhandenen 10–11 D a s 3 t e … P s yc h o l o g i e . ] ErWl : Dies ist der Standpunkt der [formalen] Wl : formellen] Freiheit die [aber] Wl : eben] darum die Freiheit in ihrem Widerspruche ist . / Das dritte ist 11 und aus ihm ,] Er : der Gegenstand der Psychologie ihm] Wl : ihm (Gegenstand der Psychologie .) 12 der auch … ist ,] Wl : sich zunächst auch bestimmt in sich , wie die Seele und Bewußtseyn durch einen Gegenstand bestimmt werden ; der] Er : zunächst sich bestimmt] ErWl : [seine] Wl : | jede] Bestimmung selbst ;] ErWl : und sein Fortgang ist 13–16 setzt er … haben .] ErWl : die er in sich fi ndet , als seine eigne zu setzen [und ] Wl : als die er in seiner Gewalt hat , und dann] sich aus sich selbst zu bestimmen . (Begierde . Willen .) [damit] Wl : Der Geist als Wille , existirt als freier Wille , – und damit] ent lassen wir den Geist der nun auch für sich frei ist . / 16 erste also] Wl : Erste , das uns Gegenstand zu seyn hat , 17 im begriff . Dadurch] ErWl : wie es [an] Wl : an und für] sich im Begriff ist und damit 18–579,2 den Geist … Um] Er : ihn zu fassen haben . der Geist überhaupt ist zu fassen : Es ist gesagt um 18 sogleich aufnehmen ;] Wl : zu fassen haben . dieß hängt mit dem früheren zusammen , wo wir sagten

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Natur her , er ist die Wahrheit der Natur . Als solchen Geist haben wir den Geist aufzufassen , als Geist überhaupt . Um den abstracten begriff des Geistes zu geben , so sagten wir der Geist ist frei ; d . h . die bestimmung seines bewußtseins nach welcher er von Außendingen weiß , vermag der Geist als etwas nur Ideelles zu setzen , als etwas , das er negirt , so daß er das reine sich auf sich beziehende Licht ist . Diese Idealität ist das , was seine Freiheit ausmacht . Ideell ist ein aufgehobenes ; ich beziehe mich dabei nicht auf etwas das ist ; dann bin ich abhängig . Nun ist gesagt worden , daß wir zunächst nur den begriff des Geistes überhaupt haben geben wollen , ohne Rücksicht darauf ob der Geist in der That damit negirt ist . das ist auf dem Standpunkt unsres concreten bewußtseins allerdings der Fall . Aber es ist hier nicht bloß um diese Weisen des Geistes zu thun , sondern um das Verhältniß des Geistes zur Natur ; ob diese Natur ein selbst ständiges sei , woraus der Geist sich zurückziehen kann . Es ist also die Frage um die Wahrheit dessen , was wir so Welt so Natur genannt haben ; oder es ist darum zu thun , diesen Gegensatz aufzulösen . Von diesem Standpunkt gilt also , daß dies der Standpunkt des bewußtseins ist , den wir später selbst betrachten werden . die Grundlage muß sein : die Auflösung , Entfernung dieses Widerspruchs , dieses Gegensatzes ; es ist nur geschichtlich anzugeben , wie in

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1 Als solchen Geist] Wl : So 1–2 den Geist … Um] Wl : ihn zunächst zu fassen . Es ist ferner gesagt , um 2–3 geben , so … wir] ErWl : geben : 3–4 frei ; d . h . … Geist] Er : frei und Freiheit ist so bestimmt daß alle Bestimmungen die der Geist zu setzen vermag Wl : frei . Freiheit ist das Substantielle des Geistes , und zwar so bestimmt daß der Geist alle Bestimmungen 4 Ideelles zu setzen ,] Er : Ideales , 5 negirt] Wl : bloß negirt sich auf sich] Wl : einfache , sich auf sich selbst nur ist] Wl : nur ist 6–11 ist das , … Weisen] ErWl : [alles Andern] Wl : aller anderen Bestimmung] ist was Freiheit genannt ist . [ Bei] Wl : (Ideell ist ein Aufgehobnes , daß ich mich nicht beziehe auf ein Selbstständiges , wobei ich nicht frei wäre . –) Hiebei ist gesagt worden , daß zunächst bei] diesem Begriff ist noch nicht Rücksicht darauf genommen ob was der Geist negirt , [wirklich] Wl : wovon er in seiner Freiheit abstrahirt , ob es in der That] negirt oder [ bloß bei Seite gestellt ist , er der Welt pp nicht nur bloß] Wl : ob er diese Welt seines Empfi ndens nur hätte neben seiner Abstraction stehen lassen , sie bei Seite geschoben , – er derselben] entflohen sey . Es ist hier nicht [um] Wl : bloß um diese Erscheinung ,] diese Weise 11–14 sondern um … thun ,] Er : ob diese Welt etwas sei was an und für sich seye , sondern es ist die Frage um die Wahrheit der Natur und darum 11 um] Wl : es ist die Frage um des Geistes] Wl : dieser Freiheit 12–13 diese Natur … also] Wl : sie selbstständig sei und außerhalb seiner bleibe , es ist 13–14 dessen , was … thun ,] Wl : der Natur , und darum , 14–17 aufzulösen . Von … nur] Er : aufzuheben , um die speculative Betrachtung dieses Gegensatzes . Es ist gleichsam 14–15 aufzulösen . Von … dies] Wl : aufzuheben . Wenn wir diesen Standpunct betrachten , so geht daraus hervor daß er 15–17 ist , den … Widerspruchs ,] Wl : sei . Es ist zu thun um das Verhältniß des Geistes zur Natur an und für sich , um die speculative Betrachtung 17 es ist] Wl : der Gegensatz ist speculativ zu betrachten , oder vielmehr es ist gleichsam anzugeben ,] ErWl : nachzuweisen

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35 aufzuheben] folgt gestr : um die speculative Betrachtung dieses Gegen satzes

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dem , was der Philosophie des Geistes vorangeht , wie sich darin schon die Stellung des Natürlichen zu Geistigem gemacht hat . Die Philosophie des Geistes sagten wir , ist eine besondre Philosophie , um ihre Stellung bemerkbar zu machen , so ist ein Rückblick auf das Ganze zu thun auf das | Ganze des göttlichen Lebens , und da ist die Stellung der Natur zum Geist diese : die Idee , das , was an und für sich ist , ist zunächst reine logische Idee bei sich selbst , sie bestimmt sich dann aber zur Natur , was ans Ende der Logik und in den Anfang der Naturwissenschaft fällt ; es ist nämlich das : daß Gottes ewiges Wesen sich entschließt eine Natur zu schaffen , seinen Inhalt zu produciren in der Form der Natur , es ist der Übergang von der Einheit in die Mannigfaltigkeit . Die N a t u r nun ist dies : daß sie der absolute begriff ist , in seiner Realität Existenz , Dasein , aber begriff so genommen , daß diese Realität das Außer sich sein zu ihrer bestimmung hat . Die Natur ist die Idee , Vernunft , sie ist vernünftig in ihr ; wenn nun der begriff in der Natur zur Idee wird , das ist eine Weise , die dem Begriff unangemessen ist , die Natur ist der Abfall der göttlichen Idee darum eben weil die Realität nicht in der gleichen Weise ist , wie er selbst ist , sondern seine Form ist die des Außereinander , des Außersichseins . Dies in seinem abstracten Sinn ist , was wir R a u m und Z e it nennen ; Raum das ruhige Außereinander , Zeit das unruhige Außereinander ; im Raum hat alles Platz ; in der Zeit

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1 Philosophie] ErWl : Wissenschaft wie sich … schon] ErWl : sich 2 des Natürlichen … hat .] Er : zum Geist macht . zu Geistigem] Wl : zum Geistigen schon selbst Die] Wl : Es ist bemerkt worden , daß die 2–4 sagten wir , … Ganze] Er : ist ein besondrer Theil der Philosophie , es ist ein | Rückblick 2–3 sagten wir , … ihre] Wl : (ein besondrer Theil der Philosophie) eine besondre Wissenschaft ist . Um also die 3 so] Wl : worin wir eingehen , 4 auf das … Ganze] Wl : zu thun auf die ganze Idee das Ganze] Er : die ganze Idee 5 zum Geist] Wl : im Ganzen des göttlichen Lebens (in der absoluten Idee) 6 reine] Er : die reine Wl : als reine bei sich selbst ,] Er : in ihrer Klarheit , Wl : in ihrer reinen Klarheit , bei sich selbst ; 6–8 dann aber … daß] Wl : aber zum Uebergang zur Natur . Dieß ist die Er schaffung der Welt , darin die Idee , d . i . Natur , was … daß] Er : Natur . – 8–9 sich entschließt … Inhalt] ErWl : das bei sich selbst ist , [entschließt sich seinen Inhalt] Wl : sich bestimmt sein Wesen (seinen Inhalt)] 9–10 der Form … Mannigfaltigkeit .] Er : einer Natur . Natur , es … Mannigfaltigkeit .] Wl : Natur . 11 Existenz , Dasein , … genommen ,] Er : aber so aber begriff … genommen ,] Wl : aber so , 12 Außer sich sein] ErWl : Außereinander , das Außer sich seyn 12–14 Die Natur … ist 2 ] Er : die Vernünftigkeit der Natur heißt eben daß der Begriff die Seele der Natur ist , daß diese Verwirklichung aber die unwahre Existenz der Idee ist , 12 sie] Wl : (Gott hat ihr die Vernunft beigegeben) , sie 13 ihr ; wenn … wird ,] Wl : ihr selbst , d . h . der Begriff ist die | Seele der Natur . Aber was er verwirklicht ist in der Natur , 14–15 ist , die … Realität] Wl : ist : Daher diese Verwirklichung die unwahre Existenz der Idee ist , oder ihr Abfall ; denn in der Natur ist der Begriff göttlichen Idee … Realität] Er : Idee , denn der Begriff ist da 15–16 gleichen Weise … die] Wl : Weise , wie er bei sich selbst ist , bei sich seiend sondern in der Form ist , wie … Außereinander ,] Er : wie er selbst ist bei sich seyend sondern in der Form 16–17 Dies in … Sinn] ErWl : diese Form in ganz abstracter Weise 17 Raum das] ErWl : (das 18 Zeit] ErWl : und hat alles Platz ;] Er : i s t alles , Wl : besteht alles ,

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verschwindet das bestehende , aber nur so , daß es sich immer wieder producirte . Das ist die bestimmtheit der Natur überhaupt . die Natur ist deswegen der Widerspruch , das dem begriff unangemessene , das in sich Unwahre ; denn wahr ist das was seinem begriff in seiner Realität entspricht . So ist also die Natur Raum und Zeit , und Erfüllung von beiden das ist : M a t e r ie . die Materie macht das Außereinandersein zu dieser Sprödigkeit die Widerstand leistet . Es ist die Weise , wie Idee als Natur ist ; ein unwahrhaftes Dasein . Die Unwahrheit besteht eben darin daß der begriff seiner Realität nicht entspricht . Im Geist aber ist die Wahrheit , er selbst ist sie ; er ist das , daß er bei sich selbst ist , daß ich für mich bin ; ich bin mein Gegenstand , denn das wozu ich mich verhalte ist auch ich ; das ist dasselbe was dasein Existenz überhaupt heißt , hier ist nun der Fall : wenn ich mein Gegenstand bin so bin ich für mich , also bis zum Selbstbewußtsein . In der Freiheit des Geistes habe ich den begriff , das Subject das bin ich und Gegenständlichkeit Dasein , das bin ich , ein Etwas , von dem ich weiß , ein Gegenstand . In diesem Selbstbewußtsein ist der Gegenstand von dem ich weiß identisch mit dem Subject , welches weiß ; ich und das

1 verschwindet das bestehende ,] Wl : vergeht alles , verschwindet dieß Bestehen , 1–2 das bestehende , … überhaupt .] Er : alles erfüllt aber nicht seine Bestimmung des Negirens , die Zeit ist das perennirende Wiedererwachen . 1 immer wieder producirte .] Wl : unmittelbar wieder erzeugt , erfüllt also nicht so die Bestimmung des Negirens , die Zeitform ist das perennirende Wiedererwecken . 2 Natur überhaupt .] Wl : Natur . Der Begriff ist subjectiv bei sich , aber hinausgeworfen in die Weise des Außereinanderseins . 3–6 das dem … Es] Er : ist das insich Unwahre dem Begriff nicht adäquate . Die Natur ist so diese Äußerlichkeit . dies 3 das1] Wl : das an sich Unwahre , 3–5 das in … M a t e r i e .] Wl : Unadäquate . – die Unwahrheit besteht eben darin , daß die Realität dem Begriffe nicht entspricht . – 5–6 macht das … dieser] Wl : überhaupt , das räumliche Außereinandersein , ist ein Punct der einem andern Widerstand leistet , für sich ist gegen anderes . diese 6–7 leistet . Es … Unwahrheit] Wl : leistet , ist die Bestimmung der Natur . Das Unwahre 7 ein] Er : und wie gesagt ein 7–8 darin daß … aber] Er : im Nichtentsprechen des Begriffs und der Realität . Der Geist , kann hier erläutert werden , 8 Realität] Wl : Existenz Im Geist … ist] Wl : der Geist , – kann hier näher erläutert werden , ist selbst 8–10 er selbst … wozu] Er : denn er ist bei sich , daß das andre zu dem 8–9 er selbst … ist 2 ] Wl : Der Geist nämlich hat zu seinem Wesen 9 ist , daß … bin ;] Wl : ist . Ich bin für mich . 9–10 mein Gegenstand , … das1] Wl : ich , und das andre , 10–14 ist auch … ist] Er : das selbe ist was ich bin . das Subjective bin ich und habe Objectivität das ist das Ich das sich von mir unterscheidet , 10–11 das ist … mein] Wl : Dieser mein Gegenstand zu dem ich mich verhalte ist dasselbe , was ich bin . – Wenn ich mir 12 mich , also … Selbstbewußtsein .] Wl : mich . Das Selbstbewußtsein , für ein andres Seyn , ist das , was Dasein überhaupt ist . – 12–13 habe ich … begriff ,] Wl : (abstracte Freiheit als Beispiel ; oder reines Selbstbewußtseyn) in diesem Verhältniß habe ich Begriffe , – 13 das bin … ich ,] Wl : bin ich ; das Object das Ich , das ich von mir unterscheide , Ich als 14 weiß , ein Gegenstand .] Wl : weiß . 15 von dem … weiß1] Er : aber ist 15–582,1 Subject , welches … ist] Er : ersten Ich , hier ist also weiß ; ich … dasselbe .] Wl : weiß , mit dem ersten Ich . 19 Wiedererwecken .] folgt gestr : Die Natur ist deswegen der Widerspruch , ist das in sich Unwahre , dem Begriff nicht adäquate

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Gegenständliche sind ein und dasselbe . Hier ist Wahrheit ; denn hier entspricht das Subjective vollkommen dem Objectiven und umgekehrt . die Freiheit ist also die Idealität | allen andren Seins , ist Wahrheit . diese Wahrheit ist also erst im Geist , und existirend , so daß wir von ihr wissen , ist erst im Selbstbewußtsein enthalten . – Das ist also die bestimmtheit der Natur überhaupt . Die Natur kann , weil sie an ihr selbst das Unwahre ist , nicht so bleiben sondern sie will sie aufheben ; der begriff , der ihr innres ist , treibt in ihr dazu , sich wahrhaft zu machen , sich mit sich auszugleichen , sie selbst sich gleich zu machen . der begriff ist das Centrum , das sich treibt an die Peripherie zu kommen , sich hinauszusetzen und das Außereinander aufzuheben . Oder umgekehrt : die Natur ist das , aus ihrem Außer sich sein zu sich zu gehen , zu ihrem Centrum zu gelangen , sich nun zu vernichten , so daß der begriff sich herausbringt in seine Existenz ; sich so aufzuopfern ist die Aufgabe der Naturphilosophie , welche die befreiung des begriffs zu sich selbst darstellt . Das ist nun die speculative bestimmung der Natur , wie die Natur im denkenden begreifen überhaupt gesetzt ist . Z . b . wir wissen , daß alle Körper schwer sind , d . h . sie suchen einen Mittelpunkt . die Körper der Erde fallen auf den Mittelpunkt der Erde , die Erdkörper bleiben in beziehung auf den Mittelpunkt Sonne ; aber sie kommen nicht hinein , sie

2 Objectiven und umgekehrt .] Er : Objectiven . die Freiheit … die] Wl : Meine Realität ist kein andres als Ich . Freiheit ist 2–3 ist also … ist1] Er : – Idealität alles andern ist eben so 3 ist Wahrheit . … also] Wl : die Wahrheit (daß Realität (Existenz) entspricht dem Subjectiven , dem Begriffe) ist also erst] Er : erst 3–4 und existirend , … enthalten . –] ErWl : [darum] Wl : im Selbstbewußtsein . Darum] ist eben die Natur die unwahre Existenz des [ Begriffs ,] Wl : Begriffs , der Idee ,] weil er zwar das Centrum , das Immanente ist , die Realität [ihm aber] Wl : aber (Existenz) ihm] nicht entspricht sondern [sie das | Materielle] Wl : weil sie die Realität des Materiellen , des Außereinanderseyns] ist . 4–7 Das ist … dazu ,] Er : Wir können ohne weiteres einsehen daß weil die Natur das Unwahre , das Widersprechende ist , sie so nicht bleiben kann sondern daß der Begriff in ihr sich dazu treibt 5 Die Natur … selbst] Wl : Davon ausgegangen , können wir leicht einsehen und zugeben , daß , weil die Natur 6–7 nicht so … dazu ,] Wl : dieser Widerspruch nicht bleiben kann , sondern daß der Begriff in ihm sich dazu treibt , 7–8 sich mit … das] Er : der Begriff ist ein 7 sich 2 ] Wl : d . h . seine Existenz (Realität) 8–9 treibt an … Peripherie] Wl : treibt , sich zu expliciren , an die Oberfl äche 9 Peripherie] Er : Oberfl äche sich hinauszusetzen … das] ErWl : das 9–10 aufzuheben . Oder umgekehrt :] Wl : aufzuheben und sich identisch mit sich zu machen ; oder 10 aus ihrem … zu1] ErWl : in 11–13 gelangen , sich … die] ErWl : gelangen . | der Gang [des Begriffs] Wl : der Natur , oder des Begriffs vielmehr ,] diese Unwahrheit [aufzuheben ,] Wl : (außer einander ist der NaturBegriff , das ewige Leben der Natur) aufzuheben ,] das ist was [die Naturphilosophie aufzeigt ,] Wl : der speculativen Philosophie (der Naturphilosophie , obliegt] sie gibt die Stufen dieser 13–15 begriffs zu … einen] Wl : Begriffs . Es kann dieß ganz abstract durch Beispiele der Vorstellung näher gebracht werden . Alle Körper sind z . B . schwer , d . h . sie streben nach einem begriffs zu … ist .] Er : Begriffs . 15 suchen einen] Er : streben nach einem 16–583,2 die Körper … um] Er : dies Suchen des Centrums ist aber daß alles sucht 16 fallen auf den] Wl : streben nach dem 16–583,1 Erdkörper bleiben … dieses :] Wl : Planeten nach der Sonne hin , wenn das Centrum gleich nicht erreichend , sondern draußen bleibend . Dieß ist eben das ,

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bleiben draußen . dieses Suchen ist dieses : daß alles Materielle , das Außereinander sein Centrum sucht , um zur Einheit mit sich selbst zu gelangen . dies was sie suchen ist vorzustellen als ein Punkt : indem die Materie so strebt sich in einem Punkt zu idealisiren und ihr Außereinander aufzulösen , so ist das nichts andres , als sich selbst ihre Realität zu vernichten . Aber diesen Mittelpunkt erreicht die Materie nicht ; sie wäre vernichtet , wenn sie diesen Punkt , diese Einheit erreichte . Das ist das Unglück der Materie ; dies ewige Streben der Materie und es nicht zu erreichen . der Geist in seiner Freiheit ist im Gegensatz sein Centrum erreichend , in ihm ist das Centrum zur Existenz gekommen in ihm ; Ich bin das vollkommen einfache , ich bin für mich selbst , und das ist i c h : für mich selbst zu sein ; ich bin beim Ich . So kommt also Ich , das freie zum Centrum ; es selbst ist diese Einheit : die Materie hingegen ist das Außereinander , der begriff in der Natur ist nun eben : dies Außereinander zu überwinden und zu einem bei sich selbst zu kommen ; das ist das , was man das L e b e n , die L e b e n d i g k e i t heißt . Da hat der begriff also innerhalb der Natur das Centrum erreicht . Von dem Leben macht dann der begriff den Übergang zum Geist . das Leben selbst ist noch nicht die Freiheit , aber in dem Leben ist wenigstens die höchste Weise vorhanden , wie dies Auseinander der Natur aufgehoben ist . Wir | können uns das so vorstellen : Der Leib ist ein Vielfältiges , dessen materielle Glieder das an sich

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3–4 sich in … selbst] ErWl : ihr Außereinander aufzuheben sich ganz zu idealisieren strebt eben 5–6 zu vernichten . … Punkt ,] ErWl : ganz zu vernichten , denn das [geschähe] Wl : geschieht] , wenn sie 7 der Materie2 … erreichen .] ErWl : nach Einheit , die sie nicht erreicht . 8 ist im … Centrum] ErWl : hingegen ist es der sein Centrum erreicht , in dem das [ Erreichen] Wl : Erreichen dieses Centrums realisirt ,] 9 in ihm ; … ich] Er : ist , (denn ich Wl : ist . Ich 9–11 mich selbst , … Einheit :] Er : mich , ich bin das ganz Allgemeine und mein Gegenstand ist auch Ich .) 10 das ist … Ich .] Wl : nur insofern ich für mich selbst bin , [lacuna] Ich bin die Einfachheit . – Diese Allgemeinheit Ich ist ganz allgemein drum ist der Gegenstand , der mir gegenübersteht auch Ich , die Allgemeinheit . 10–11 also Ich , … freie] Wl : das Ich 11 es selbst … die] Wl : Die 12–16 überwinden und … selbst] Er : überwinden . der höchste Punkt wozu es die Natur bringt in diesem Ueberwinden ist das Leben , das ist Gefühl . da ist ein Erreichen das noch in die Natur fällt . Leben 13–15 und zu … dem] Wl : wobei es beim Streben bloß bleibt . der höchste Punct , dahin es das Leben der Natur bringt , ist die Lebendigkeit . das Lebendige hat Selbstgefühl , fühlt sich . das ist das Erreichen noch innerhalb der Natur . das Leben ist , was unmittelbar am nächsten beim Geiste steht , und vom 17 Auseinander der Natur] Er : Außereinander 17–584,2 Wir können … sich] Er : das Lebendige ist e i n Subject das aber der Einheit nicht geachtet noch ein Vielfaches ist , diese materiellen Glieder sind ein Außereinander haben aber zugleich dies an ihnen daß ihr Außereinander zugleich ideal ist . Ihre Idealität ist daß keines von ihnen 17–584,1 Wir können … haben ,] Wl : Man könnte dieß auch so sagen : das Lebendige ist e i n Subject , aber ein Subject das , seiner Einheit ungeachtet , noch in der Leiblichkeit ein Vielfältiges ist . Aber diese materiellen Glieder , die ein vielfaches Außereinander sind , haben zugleich noch dieß an ihnen , sofern es noch lebendig ist , –

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9 vollkommen] Lesart unsicher

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haben , daß ihr Außer sich sein ideell ist ; die Idealität der Glieder ist diese : daß kein Glied für sich selbstständig ist ; sondern das Eins , das lebendige Subject ist eben der Träger aller dieser Unterschiede . Vom Stein kann man ein Stück abhauen und der Stein bleibt Stein ; aber das Glied ist das , was es ist nur in seiner Einheit mit dem Körper . da hört also die Selbstständigkeit auf . die Materie zeigt die Existenz als unwahr und hebt die scheinende Selbstständigkeit auf . In der Empfindung haben wir das noch in der äußersten bestimmung der Räumlichkeit näher ; die empfi ndende Seele ist allgegenwärtig im Körper sie ist überall im Körper , sie ist ein und dieselbe ; ich bin ein untheilbares Atom ; wenn ich in meiner Fußzehe empfinde , so ist es die empfindende Seele ; an diesem Punkt ist das Empfinden , und nur die Seele empfi ndet ; die Seele ist allgegenwärtig und auch nur eins – dies , daß das materielle Außereinander und das abstracte Außereinander in der Natur keine Wahrheit hat , das existirt hier in diesem Fall ; die empfindende Seele glaubt nicht daran an dieses Außereinander ; wenn es für sie etwas wäre , so wäre sie nur an einem Ort , was sich aber auch selbst widerspricht ; sie wäre also empfindend an

16Er ; den 8ten November .Er

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1 Außer sich sein] Wl : Außereinander zugleich 2 das Eins , … lebendige] Er : das Eins ,] Wl : E i n e ist Subject ist eben] Wl : Subject , 3–7 Unterschiede . Vom … die] Er : einzelnen Glieder . Wegen dieses Aufhörens der Selbstständigkeit ist aber das Leben die höchste Weise wie die Einheit des Begriffs existirt in der Natur . | Die Theile werden beim Lebendigen Glieder . die 3–4 Vom Stein … nur] Wl : das Glied ist , nur was es ist 5–6 da hört … auf .] Wl : Wegen dieses Aufhörens der Selbstständigkeit ist eben das lebendige Subject die höchste Weise wie (die Einheit des Begriffs existirt in der Natur) der Begriff zur Einheit mit sich selbst kommt im Lebendigen . – / der Begriff ist das Innre . Im Lebendigen fängt er an in’s Äußerliche zu kommen , in Erscheinung zu treten . – der Leib zerlegt , auseinander gelegt (wie in Osteologie) ist nicht lebendig mehr . Was man im Unorganischen Theile , im Organischen Glieder nennt , ist nur , so fern es durchdrungen ist von der subjectiven Einheit der Lebendigkeit . – 6–7 haben wir … in] Wl : ist’s noch auf nähere | Weise , besonders in Ansehung 7 näher ; die] Wl : – Ich als empfi ndende Seele . die 8 allgegenwärtig] Wl : überall 8–11 sie1 ist … dies ,] Er : und sie ist nur eine . dies Wl : (allgegenwärtig) und ist nur e i n e . dessen bin ich mir stets bewußt . (wenn ich eine Fingerspitze empfi nde , empfi nde ich da . da ist die empfi ndende Seele , die Empfi ndung , das Empfi nden . Ich in meinem Bewußtsein kann mich unterscheiden von meiner Empfi ndung ; aber sofern das Thier nur empfi ndet , ist die empfi ndende Seele da , und überall , und doch nur e i n e . – 12 und das … Natur] Er : der Natur so 13 das existirt … Fall ;] Er : ist in dieser Allgegenwart gezeigt , Wl : – diese Wahrheit ist in dieser Allgegenwart gezeigt , – sie ist für die empfi ndende Seele . 14 Außereinander wenn … wäre ,] ErWl : Außereinander , ist idealistisch , ist in sofern [speculativ] Wl : speculativ (denkend , wissend) . Was unserm sinnlichen Bewußtsein schlechterdings wahr erscheint , ist nichts Wahres , – wie es auch der empfi ndenden Seele als nicht wahr erscheint] . Wäre dies für die empfi ndende Seele etwas , 15–585,3 Ort , was … nur] Er : Orte . Sie ist das Subject und das Materielle ihr 15–585,1 Ort , was … sie1] Wl : Orte . Sie

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1 ist ;] ist ; keins die] davor am linken Rande gestr : davon ist selbststädig , d lebdige Subject ist d Trä- 40 ger allr disr Utrshied . 19 die] davor gestr : Ich als 30–31 Ich in … aber mit Verweiszeichen am linken Rande

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einem Ort nicht am andren ; sie ist aber allgegenwärtig und daß sie eine ist , das ist nur so , daß das Außereinander in ihr ein Ideelles , ein Aufgehobenes ist , das Materielle ist ihr nur unterworfen . Darauf also kommt es an , daß die Materie das μη ὄν ist , das nicht Seiende . Das Thier ist die höchste Weise zu der es der begriff in der Natur bringt ; das Thier ist aber noch nicht der Geist , es ist der begriff der erscheinende begriff , das substantielle , worin das Selbstständige nur ein moment ist , aber diese Subjectivität ist im Thier noch auf unmittelbare einzelne Weise vorhanden . Was nicht vorhanden ist , ist daß diese Substantialität nicht für sich , daß sie nicht auch die Seite der Realität ausmacht , daß sie nicht die Gegenständlichkeit dieser Subjectivität ausmacht . das Thier ist dieser Widerspruch , der Gattung und der Einzel heit , sein Proceß ist , diesen Widerspruch aufzulösen , daß die substantielle Gattung vorhanden sei . der Widerspruch ist der Trieb (die Gattung) die Negation seiner Allgemeinheit ; diese soll vernichtet werden , dies ist vorhanden in der begattung ; da ist die Gattung das wirksame , welches die unmittelbare Einzelheit des Thiers aufhebt , in dem sie dies empfinden : Gattung zu sein , haben die Thiere das Gefühl das Verlangen , daß sie als für sich seiende Individuen nicht befriedigt sind , und sie geben die Sprödigkeit ihrer Particularität auf . Im Proceß der Gattung 1–2 daß sie … das1] Wl : e i n e , das Subject , so daß das materielle 2–3 ein Ideelles , … nur] Wl : 3–4 Darauf also … Seiende .] Wl : Auf diese Vorstellung der Idealität , τὸ μὴ ὄν der Alten , daß die materielle nicht das Wahrhafte ist , kommt es an . – In dem Thiere kommt der Begriff dazu , sich das Materielle so unterworfen zu haben . 3 Darauf also] Er : Auf diese Idealität 3–7 die Materie … diese] Er : dies Materielle nicht das Wahrhafte sei . In dem Thier kommt der Begriff zu dieser Macht über die Materie , es ist die höchste Weise des Begriffs in der Natur , er hat das Außereinander aufgehoben , ist das Substanzielle und das Materielle nur Moment . diese 5 bringt] Wl : bringt , – das Außereinander aufgehoben zu haben . 5–6 der Geist , … aber] Wl : Geist . Es ist nämlich dieser existirende , erscheinende Begriff des Substanziellen , dazu das Materielle nur Accidenz ist , Moment . Aber 7–10 einzelne Weise … ausmacht .] Er : Weise vorhanden , die Substanzialität hat noch nicht die Seite des für sich seyns . 8–10 nicht für … Subjectivität] Wl : des Außereinanderseins nicht für sich ist , nicht die Seite der Realität , Existenz 10–11 dieser Widerspruch , … Einzelheit ,] Wl : darum Widerspruch . Es ist Subjectivität (die einfache Beziehung auf sich , die zugleich concret in sich ist = Gattung) ; aber auch unmittelbare Einzelheit (Individuum) . Das Thier ist darum Widerspruch , und der Gattung … Proceß] Er : die Subjectivität , einfache Beziehung auf sich , die concret ist und der Proceß des Thiers 11–14 aufzulösen , daß … Gattung] ErWl : [aufzuheben] Wl : aufzulösen] , so daß das Substanzielle Allgemeine (Gattung) als solches zur Existenz komme . die Gattung ist deswegen Trieb , [die] Wl : diese Negation ihrer Allgemeinheit , die unmittelbar] individuelle Existenz zu [vernichten .] Wl : vernichten durch den Prozeß der Gattung , das Begatten , das diese unmittelbare Einzelheit des Thiers aufhebt . Es hat das Gefühl , daß es als für sich seiendes Individuum nicht befriedigt ist , und gibt das für = sich = Seyn als Individuum auf . – In der Begattung realisirt sich die Gattung daher :] die Gattung selbst ist 14 welches] ErWl : und hebt 15–17 aufhebt , in … geben] ErWl : auf , und das Thier hebt 17 ihrer] ErWl : seiner Im] Wl : das Individuum ist sonst selbstsüchtig ; aber im

20 als ideell aufgehoben ist , ihr 20

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41 das] davor gestr : Im Prozeß der

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17Er § 389 .Er

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ist nicht die Selbstsucht des Thiers , wie in seiner Ernährung , sondern es ist das Verlangen aus seiner Einzelheit herauszutreten . In der Natur kommt die Gattung , in die die Subjectivität sich gesetzt hat , aus der Einzelheit heraus , die Gattung fällt immer wieder in sich zurück ; es ist der Wechsel der Generationen ; die Individuen sind vorzüglich ; die Gattung kommt nicht zu einer ihr angemessenen Existenz . | der begriff des Geistes ist nun eben diese Einheit der Allgemeinheit mit sich selbst , so daß in dieser Allgemeinheit , die concret ist insofern , daß sie subjectiv in sich ist ; aber das ist die Negirung der unmittelbaren Einzelheit , das haben wir als Freiheit schon kennengelernt . § 389 heißt es : | die Seele ist die allgemeine Immaterialität der Natur , ihr einfaches individuelles Leben ; das haben wir eben untersucht . die Entwicklung des begriffs in der Natur ist : außer sich zu sein und es dann zu vernichten und in das einfache in sich sein zurückzugehn . bei »S e e le « ist hier an die allgemeine , an die Naturseele zu denken ; daß diese nicht wahrhafte Wirklichkeit ist , darauf werden wir nachher kommen , dies : allgemeine Seele ist die bestimmung , die wir hier durchaus zu Grunde legen . – die Seele ist die erste Weise des Geistes ; – die Seele ist zu fassen als die Substanz , die allein das bestehende ist , so daß alle andren besonderheiten und Vereinzelun1–2 ist nicht … herauszutreten .] ErWl : will es nicht sich erhalten als Individuum sondern [in Identität mit einem] Wl : es ist getrieben , da zu seyn in Identität durch einen] andern . Da ist der Widerspruch aufgehoben . 3–5 in die … Existenz .] ErWl : diese Allgemeinheit nicht zur dauernden Existenz , fällt wieder herab zu einem nur Einzelnen [ Erzeugten .] Wl : Erzeugten) zur unmittelbaren Einzelnheit und damit zur Vergänglichkeit ; – und so geht dieser Widerspruch wieder an . – / |] 6 nun eben] ErWl : eben dies , 6–7 sich selbst , … Allgemeinheit ,] Er : sich , 7–8 so daß … haben] Wl : die so concret ist , daß die Subjectivität darin durch die Negation der Einzelnheit , ausgeglichen ist mit der Allgemeinheit . Diese Substanzialität ist der Begriff des Geistes , – dieß , was ist insofern , … haben] Er : ist , die Subjectivität in sich hat die aber durch Negation der Einzelheit sich ihr ausgeglichen hat . Dies ist was 9 schon kennengelernt . … es :] ErWl : gehabt haben . / | ist] Wl : i s t n i c h t n u r f ü r s i c h i m m a t e r i e l l , s o n d e r n 10–14 Natur , ihr … Seele] ErWl : Natur das einfache ideelle Leben der Natur , daß das Außereinander [zusammengegangen ist in dies einfache In sich seyn . Hier ist noch] Wl : in diese Form der Einfachheit zusammengegangen ist als in ihre Wahrheit . – Wenn es hier Seele heißt , so ist] nicht die individuelle Seele sondern die Seele [im allgemeinen] Wl : ganz Allgemein] zu denken , was man [ Naturseele genannt hat . Dies] Wl : Naturgeist , Naturseele in diesem Sinne nennen kann . – Diese allgemeine Seele , allgemeine Wahrheit der Natur ,] 15 legen . –] ErWl : legen und mit der wir anfangen , so daß aber in aller [ Fortbestimmung] Wl : Fortbestimmung (– die individuelle Seele gehört auch zu weitrer Bestimmung der allgemeinen Seele)] diese allgemeine Substanzialität bleibt , diese Allgegenwart wie wir es vorher genannt [ haben .] Wl : haben , und das sich Fortbestimmende nicht heraustritt aus dieser einen allgemeinen substanziellen Seele . – So muß dieser Standpunct vorausgeschickt werden , den Uebergang bezeichnend vom Natürlichen in die Sphäre des Geistes .] – 16 Weise] ErWl : zu Grunde liegende Weise 16–17 – die Seele … die] Wl : S i e i s t S u b s t a n z , das Allgemeine , welches 17 die allein … ist ,] Er : das Allgemeine als das allein bestehende , 17–587,2 andren 3 aus der … heraus über gestr . nun zu einem Ziel

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gen nicht heraustreten aus dieser substantiellen Einheit , die zugleich als wesentliche Subjectivität selbst zu fassen ist , wie wir nachher sehn werden ; S u b j e c t i v it ä t ist die negative Einheit die sich subjectivirende Einheit , in der das besondre ein Aufgehobenes ist . die Seele ist noch der schlafende Geist , oder der passive νοῦς des Aristoteles , das ist das tiefste was das Alterthum gesagt hat ; der begriff denkt sich selbst , eins der begreifende νοῦς und der begriffen werdende , der passiv ist , das objective , das der Möglichkeit nach alles ist ; dieser pathetische νοῦς ist die allgemeine Substanz ; er erkennt aber , daß diese substantielle Einheit nur die Möglichkeit , nicht die Wirklichkeit der Substanz ist , er war über die Idee des Spinoza erhoben . Sich nun zu überzeugen , daß die Materie nur endlich ist , daß die Natur nichts darstellt als das System dies Außereinander aufzuheben , das kann nur durch das Studium der Naturphilosophie erlangt werden , oder durch das Studium der logischen Idee . Hier setzen wir es voraus . Und können nur angeben , wovon es sich handelt . Es handelt sich darum : daß diese scheinbare Selbstständigkeit des Materiellen nichts

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15 besonderheiten … werden ;] Er : Besonderheit nicht heraustritt aus dieser Substantialität .

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586,17–1 andren besonderheiten … heraustreten] Wl : Besonderung nicht heraustritt 1–3 die zugleich … die] Wl : – so die absolute Grundlage aller Besonderung und Vereinzelung des Geistes , daß er in ihr allen Stoff seiner Bestimmung hat , und sie die durchdringende , identische Idealität derselben bleibt . – (diese Substanz ist auch zugleich als Subjectivität in sich selbst zu fassen . Subjectivität im Allgemeinen ist 3–4 sich subjectivirende … oder] Wl : das Besondre , die subjective Einheit negirt , idealisirt) – / A b e r i n d i e s e r n o c h a b s t r a c t e n B e s t i m m u n g i s t d i e S e e l e n u r d e r S c h l a f d e s G e i s t e s ; – sich subjectivirende … ist .] Er : das besondre idealisirt , negirt . 4 noch der … Geist ,] Er : so der Geist in seinem Schlaf 5–7 das ist … das] ErWl : der der Möglichkeit nach alles ist . [ Er sagt : der Begriff ist das sich selbst begreifende , da sind 2 der νοῦς als denkend und als Gegenstand . der νοῦς nun als Gegenstand ist der νοῦς παθητικόν ist] Wl : In dieser Hauptstelle sagt Aristoteles : der νοῦς , mens Denken Begriff , ist das sich selbst Begreifende , was sich selbst zum Gegenstande macht , νοῦς , Begriff , der sich selbst zum Gegenstande macht , sich selbst denkt . Da sind 2 . 1 .) der begreifende νοῦς , subjectiv , der νοῦς als denken und 2 .) der νοῦς als Gegenstand , passiv . dieser ist der νοῦς παθητικόν , welcher (δυνάμει)] 7–8 nach alles … diese] Er : (δυνάμει) nach Alles . Diese 7 dieser pathetische] Wl : aber nur der Möglichkeit nach , wirklich nur in Thätigkeit , indem gedacht wird . dieser 8 Substanz ; er … aber ,] Wl : Substanz , von der Aristoteles erkennt , nur] Er : ist nur noch 8–10 nicht die … überzeugen ,] Wl : noch nicht Wirklichkeit . – / Die Ueberzeugung , 9–588,3 die Wirklichkeit … die 2 ] Er : Wirklichkeit . – / Daß die Natur so das Streben pp ist muß hier aus Logik und Naturphilosophie vorausgesetzt werden , hier ist nur vorstellig zu machen daß die Wahrheit des Materiellen ihre Idealität ist . Von dieser Idealität als substanzieller Grundlage gehn wir also aus . – die Frage nach der 10–588,3 ist , daß … die1] Wl : sei , daß dieß Materielle Realität , diese Realität nicht wahrhafte Realität , scheinbare Selbständigkeit der Materie sei , und daß nur ideell Wahrheit sei pp (was hier aus Logik und Metaphysik vorausgesetzt werden muß) – kann nur nach Endigung des Studiums vollständig erlangt werden . – Hier ist nur vorstellig zu machen , daß die Wahrheit des Materiellen ihre Idealität ist . – denn von dieser Idealität als substanzieller Grundlage gehen wir aus . / | »A n m . Die 5 hat ;] folgt gestr : d . νοησις

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Wahres ist , keine Idealität Realität hat , bis die Idealität eintritt : wie das Meer durchsichtig bleibt trotz des Sandes etc . woraus es besteht , der die Durchsichtigkeit nicht trübt , so ist das Materielle in seiner Idealität . Nun ist noch die Frage über die Immaterialität der Seele übrig . Die Seele ist nicht ein aus Theilen zusammengesetztes ; die Seele ist nicht nur immateriell im Unterschied gegen materiell ; sondern sie ist nur so fern immateriell , daß das Immaterielle überhaupt die Wahrheit ist , und das Materielle durchaus das Unwahre , also es gibt nicht Immaterialität der Materie gegenüber ; sondern das Immaterielle ist allein das Selbstständige , Reale . Dann ist in der Anmerkung gesagt : | das Außer sich sein hat sich aus der Subjectivität des begriffs zur Allgemeinheit verflüchtigt . der Geist ist die existirende Wahrheit der Materie , daß nämlich die Materie selbst keine Wahrheit hat . Dann bringt man noch hierher die Frage über den Zusammenhang Gemeinschaft zwischen

4–6 übrig . Die … daß] Er : hat viel Interesse gehabt . Aus dem bisherigen geht hervor daß die Seele nicht ein materielles Außereinander ist , nicht nur ein immaterielles dem materiellen gegenüber sondern in dem Sinn daß nur 4 übrig . Die] Wl : hat vormals großes Intresse gehabt , und hat sie noch oft . Sie kann indeß nur Intresse haben , wenn die Materie als ein Wa h r e s einerseits ; und der Geist als ein D i n g andrerseits vorgestellt wird ; – und hat demnach in dem Bisherigen schon ihre Antwort . – »Doch sogar die Physiker sind in neueren Zeiten auf imponderable Stoffe , als Wärme , Licht u . s . f . gekommen , wozu sie leicht auch Raum und Zeit rechnen könnten . Diese Imponderabilien haben jedoch noch sonst ein sinnliches Dasein , ein Außersichseyn ; der L e b e n s m a t e r i e aber , die man auch drunter gezählt fi nden kann , fehlt nicht nur die Schwere , sondern auch jedes andre Dasein , wonach sie sich auch zum M a t e r i e l l e n rechnen ließe . In der That ist in der Idee des Lebens schon an sich das Außersichseyn der Natur aufgehoben , und der Begriff seine Substanz jedoch nur so als Subjectivität , daß die Existenz oder Objectivität noch an jenes Außersichseyn verfallen ist –« Die 4–6 aus Theilen … daß] Wl : materielles Außereinander ; nicht nur ein Immaterielles neben und gegenüber der Materie ; sondern in dem Sinn , daß nur 6–7 überhaupt die … Immaterialität] Er : das Wahre ist , das Materielle das Unwahre ist . Es wird hier also nicht Immaterialität der Seele behauptet Wl : das Wahre , Selbstständige , die Materie das Unwahre ist . (die natürlichen dinge sind materiell im Raum ; aber diese Selbstständigkeit verliert schon in der Natur dieß Erlangte) – Es wird hier also nicht Immaterialität der Seele behauptet 8–10 das Immaterielle …begriffs] Wl : daß jene allein das wahrhaft Reale , und Selbstständige ist . – »Im Geiste , als dem Begriffe , dessen Existenz nicht die unmittelbare Einzelnheit , sondern die absolute Negativität , die Freiheit ist , so daß das Object oder die Realität des Begriffs der Begriff selbst ist , – ist das Außersichseyn , welches die Grundbestimmung der Materie ausmacht , ganz zur subjectiven Idealität des Begriffs , 8–9 das Immaterielle … gesagt :] Er : daß jene allein das wahrhaft Reale und Selbstständige ist . / | 9–10 hat sich … begriffs] Er : der Natur hat sich 10–589,1 der Geist … ist] Er : die Frage nach der Gemeinschaft der Seele mit dem Körper hat hier keine Schwierigkeit weil 11–589,1 Dann bringt … auf] Wl : »Eine damit zusammenhängende Frage ist die nach der G e m e i n s c h a f t d e r S e e l e u n d d e s K ö r p e r s . – diese Gemeinschaft war als Factum angenommen , und es handelte sich daher allein darum , wie sie zu b e g r e i f e n sei . Für die gewöhnliche Antwort kann angesehen werden , daß sie ein u n b e g r e i f l i c h e s Geheimniß sei . denn in der That , wenn beide als absolut Selbstständige gegen einander vorausgesetzt werden , so sind sie einander eben so undurchdringlich , als jede Ma1 Idealität Realität] Realität über Idealität

20 haben jedoch] haben jedoch haben jedoch

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Leib und Seele ; aber auf unsrem Standpunkt ist die Materie nichts Selbstständiges ; diese Frage lehnen wir also hier ganz ab . Es ist das nur eine Categorie der Chemie die von der Gemeinschaft zwischen Seele und Leib . | es ist keine Gemeinschaft mit Seele und Leib ; der Geist ist an und für sich ohne die Materie ; sind aber beide selbstständig , da sind sie abgeschlossen , beide für sich ; man macht sich hier die Schwierigkeit nur , indem man eine falsche Voraussetzung macht . Wir gehen nun an die b e s t i m mu n g d i e s e r a l l g e m e i n e n G r u nd l a g e : diese geht innerhalb dieser Grundlage vor sich und bleibt in einer subjectiven Einheit eingeschlossen , geht nicht heraus . darauf bezieht sich § 380 – Also die Seele entwickelt sich als allgemeine Substanz und ihre Fortentwicklung gibt nicht ein außereinander von be standthei len ; sondern sie bestimmt sich in sich behalten zu

terie gegen eine andere undurchdringlich , und nur in ihrem gegenseitigen Nichtsein , ihren Poren befi ndlich angenommen wird ; wie Epikur den Göttern ihren Aufenthalt in den Poren angewiesen , aber consequent ihnen keine Gemeinschaft mit der Welt aufgebürdet hat . – Für gleichbedeutend mit dieser Antwort kann die nicht angesehen werden , welche alle Philosophen gegeben haben , seitdem dieses Verhältniß zur Frage gekommen . Descartes , Malebranche , Spinoza , Leibnitz haben sämtlich Gott als diese Beziehung angegeben , und zwar in dem Sinne , daß die Endlichkeit der Seele und die Materie keine Wahrheit haben , so daß Gott bei ihnen nicht nur ein anderes Wort für jene Unbegreiflichkeit , sondern vielmehr die wahrhafte Id e n t i t ä t derselben ist . – diese Id e n t i t ä t ist jedoch bald zu abstract , | wie die Spinozistische , bald zwar auch s c h a f f e n d , aber zugleich nur als u r t h e i l e n d , so daß es zum Unterschiede der Seele und des Leiblichen , Materiellen kommt , die Identität aber nur als C o p u l a des Ur theils ist , nicht zum absoluten Schlusse fortgeht .« – Auf 1–3 Selbstständiges ; diese … Leib .] Er : selbstständiges ist . Man verfällt leicht auf eine chemische Neutralisation , das ist aber eine untergeordnete Kategorie . 1–2 Selbstständiges ; diese … nur] Wl : selbstständiges mehr : – Das Verhältniß der Seele zum Körper , diese Einheit muß darum nicht vorgestellt werden als Zusammensetzung . Eben so wenig als Neutralisation , worauf man leicht verfallen könnte : denn solches Zusammengegangenseyn des Leibes mit der Seele wäre 2–3 Chemie die … Leib .] Wl : Chemie ; aber eine chemische Existenz ist noch nicht eine wahrhafte Existenz . – 4 mit Seele … ist] Er : sondern die Seele Wl : hier ; sondern die Seele ist absolut 4–7 ohne die … Wir] ErWl : [gegen] Wl : lacuna] das Körperliche , so daß sie keine Schwierigkeit [im Körper] Wl : mit dem Körperlichen] hat . Nur wenn [ beide selbstständig sind ist] Wl : man beide als selbstständig annimmt wird] die Frage schwierig , [sie wirds also durch diese stillschweigende Voraussetzung .] Wl : – denn da kann keine Gemeinschaft Statt fi nden . –] / Wir 7–8 G r u n d l a g e : diese geht] Wl : Grundlage , und schicken die Bemerkung nur voraus , daß die Bestimmung 8 geht innerhalb … und ] Er : Entwicklung ist kein Heraustreten sondern 8–10 und bleibt … sich] Wl : gehen wird , und daß die Entwicklung kein Heraustreten ist , sondern alle Bestimmungen gehören an und bleiben in einer subjectiven Einheit , in der alle Gestaltungen bleiben . – / Vor’s erste im Allgemeinen dieß : die c o n c r e t e Natur bringt für die Betrachtung die eigenthüm liche Schwierigkeit mit sich , – daß , während die Seele Einheit eingeschlossen , … sich] Er : Einheit , in der alle Gestaltungen bleiben . die Seele 10 und ihre … ein] Er : bestimmt sich fort und diese Fortbestimmung ist kein Wl : sich fortbestimmt , diese Fortbestimmung kein 11–590,4 bestandtheilen ; sondern … diese] Er : Gestaltungen sondern diese Allgemeinheit wird sich bestimmen zum Subject , zur Einzelnheit und alle Gestaltungen bleiben in dieser Subjectivität . In der Natur zeigen sich diese verschiednen Stufen als außer einander bleibende Gestaltungen . die Schwere 11–590,1 bestandthei len ; sondern

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e i n e r Subjectivität , um der Individualität aller bestimmungen willen . Ebenso in der Natur derselbe Gang der Entwicklung ; aber hier sind die unterschiedenen Stufen der bestimmung besondre außer den andren zurück bleibende Gestalten . So die S chwe r e die erste substantielle Einheit in der Natur ; diese als Totalität ist das , was wir das Sonnensystem nennen ; das materielle Außereinander unterschiedner Körperlichkeit ; – ihre bewegung ist die erste Stufe ihrer Entwicklung , dieser absolute Mechanismus der Mechanismus in seiner Freiheit , diese Idee bestimmt sich weiter im Physikalischen[ .] Wir haben Luft Wasser , Feuer , Erde ; dieser Kreis der Elemente der an einem dieser Körper an der Erde ist , ist eine andre Weise des Existirens , als jenes System der himmlischen Körper ; diese Elemente sind allerdings auch der Schwere unterworfen aber sie sind nur besondre Individualität gegen das , was wir Himmelskörper nennen ; diese physikalisch individualisirten Körper bilden sich dann in dem Mineralreich , von diesem zum | Pflanzenreich , von diesem zum Thier reich , das sind Reihen , Entwicklungsstufen nur in derselben Idee . Es ist eine Reihe von Systemen , die außer einander sind und zu ihrer Wirklichkeit besondre

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… in] Wl : Gestaltungen gibt , daß die besonderen Stufen und Bestimmungen der Ent wikkelung des Begriff des Geistes nicht zugleich als besondre Existenzen zurück und seinen tieferen Gestaltungen gegenüber bleiben , wie dieß in der äußern Natur der Fall ist ; sondern diese Allgemeinheit wird sich bestimmen zum Subject , zur Einzelnheit , und alle Gestaltungen bleiben in dieser einen Subjectivität . – Unterschieden ist es wie die Idee in der Natur sich darstellt . In 2 hier sind] Wl : da ist dieß der Fall , daß 3–4 besondre außer … diese] Wl : sich als (außer den anderen Gestaltungen zurückbleibende) außereinander bleibende Gestaltungen verhalten . (die Materie und Bewegung haben ihre freie Existenz als Sonnensystem ; die Schwere 4 ist das ,] Wl : entwickelt ist 4–5 das , was … nennen ;] Er : das Sonnensystem , 5–7 unterschiedner Körperlichkeit ; … diese] ErWl : [und ein Herausgehn daraus ,] Wl : und zugleich herausgehend aus diesem Außereinander ,] das In-sich gehn , (Attraction und Repulsion) . da ist die Idee [als] Wl : des] Mechanismus [ Die] Wl : das ist die erste Stufe der Entwicklung der sich bestimmenden Materie . Diese] materielle 8 im] ErWl : zum 8–9 Wir haben … ist 2 ] ErWl : Das ist dann ein besondrer Kreis , 9–11 Existirens , als … auch] ErWl : Existirens . [ Die Elemente pp] Wl : »die Bestimmungen der S i n n e existiren auch rückwärts als Eigenschaften der K ö r p e r , und noch freier als E l e m e n t e . p . Wir haben die Elemente Wasser , Luft , Feuer und dgl . das ist wieder ein besondrer Kreis , der eine besondre Existenz hat . diese Elemente] bleiben ihrer Substanz 11–14 sie sind … ist] Er : bilden eine besondre Existenz . Die Naturreiche sind Entwicklungen einer und derselben materiellen Idee , aber das Thier reich hat seine eigenen Individualitäten pp – 11 sie sind … besondre] Wl : erscheinen in besonderer 12–13 nennen ; diese … dem] Wl : heißen . Jede neue Sphäre macht ein System aus , das sich als besondre Existenz gleich zeigt . – die physikalische Individualität bildet sich ins 14 Thierreich , das … ist] Wl : Thierreich aus . Wir nennen es Natur r e i c h e , das sind weitre Entwickelungen ein und derselben materiellen Idee . Das Thierreich hat besondre Individualität p . Es ist dieß 15 außer einander … zu] Wl : zu 22 und Bewegung] u Bewegung u Bewegung

26 da ist … Mechanismus bei Er am linken Rande

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Individualitäten haben , worin sie existiren . Di e S e e l e durchläuft nun auch solche Systeme der bestimmungen ; aber diese Systeme fallen nicht so außereinander zu Existenzen von besondren , sondern sie bleiben in der Seele eingeschlossen , so ist der Geist das reine Concrete in sich , was alle bestimmungen in einer subjectiven Einheit behält . Die Schwierigkeit , die hier gemacht worden ist , bezieht sich darauf . Wir haben bei der Entwicklung des Geistes in den einzelnen Stufen nicht eine abgesonderte Existenz ; z . b . wir sprechen von der Empfindung , wir haben religiöse , sittliche , rechtliche Empfindungen ; dazu müssen wir aber erst wissen , was Recht und Sittlichkeit ist etc . Das ist noch weit entfernt von der Empfindung . Wollen wir also von diesen niedrigen Stufen bestimmter concreter sprechen , so haben wir

1–3 haben , worin … Seele] Er : Existenzen haben . Im Geist ist das anders , er bildet sich auch zu solchen Systemen fort , sie fallen aber nicht außereinander , sondern bleiben in dem einen Subject 1 worin] Wl : an denen 1–2 D i e S e e l e … bestimmungen ;] Wl : Im Geiste ist es anders . An der Seele sind andre Verhältnisse . die Seele bildet sich auch zu solchen Stufen , Systemen fort , 3 besondren , sondern … Seele] Wl : besondren Individualitäten ; sondern alle diese Reiche bleiben , – »wesentlich nur als Momente , Zustände , Bestimmungen an den höheren Entwicklungsstufen« – in dem e i n e n Subjecte der Seele enthalten und 3–9 so ist … noch] ErWl : [in] Wl : deswegen sind eben diese Systeme in] einer subjectiven [ Einheit] Wl : Einheit von der Seele behalten] . Die Schwierigkeit [§ 380 bezieht sich darauf . Wenn wir so eine Stufe zu betrachten haben , so ist das | nicht eine besondre Gestaltung .] Wl : einer solchen Darstellung ergibt sich daraus also , daß wenn wir die besondren Stufen betrachten , solche Stufe für sich , so ist dieß drum nicht eine abgesonderte Gestaltung . (– In der Natur ist auch diese Absonderung nicht ganz abstract vorhanden) –] Die Himmelskörper in ihrem absoluten Mechanism sonderten die [physicalischen bestimmungen] Wl : physikalische Bestimmung] ab zu [eigenen] Wl : besondren] Existenzen . [ Wenn der Geist] Wl : Im Geiste aber haben seine unterschiednen Stufen nicht solche abgesonderte Existenz ; sondern , wenn wir ihn] in seinen verschiedenen Stufen concret [ betrachtet wird , so müssen wir weitere Stufen schon dazu nehmen . Wenn wir Empfi ndung betrachten müssen wir auch die religiösen , sittlichen] Wl : betrachten wollen , geschieht es : / 1 .) »einestheils , daß an einer niedrigern , abstractern Bestimmung das Höhere sich schon empirisch vorhanden zeigt , wie z . B . in der Empfi ndung alles Höhere , Geistige , als Inhalt oder Bestimmung . Oberfl ächlicherweise kann daher in der Empfi ndung , welche nur eine abstracte Form ist , jener Inhalt , das Religiöse , Sittliche u . s . f . wesentlich seine Stelle und sogar Wurzel haben , und seine Bestimmungen als besondre Arten der Empfi ndung zu betrachten nothwendig scheinen .« – / 2 .) »Anderentheils , wenn niedre Stufen betrachtet werden , wird nöthig , um sie nach ihrer empirischen Existenz zu zeigen , an höhre zu erinnern , an welchen sie nur als Formen vorhanden sind , und auf diese Weise einen weitren Inhalt zu anticipiren , der bei dieser Stufe noch nicht vorkommt und erst später in der Entwicklung sich darbietet . Wenn wir z . B . Empfi ndungen betrachten , und wissen daß sittliche , rechtliche , religiöse] Empfi ndungen [dazunehmen , diese Sphären sind übrigens] Wl : sind , – müssen wir , um zu wissen , was sie sind , schon wissen , was Recht , Sittlichkeit , Gott ist , – welche Sphären übrigens doch] 9–10 von der … so] ErWl : [von] Wl : sind von] der Empfi ndung als solcher . Näher kommt das weiterhin vor . das Erwachen der Seele gehört der Anthropologie als solcher an , zugleich wissen wir daß [das Erwachen weit concreter] Wl : ein concretes] ist , das Bewußtseyn [enthält . Bei diesen niederen Stufen] Wl : enthält , und wir anticipiren 10 sprechen] sprh woll

§ 383Sg

§ 380Er 19Er

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zu anticipiren einen Inhalt der diesen Stufen noch nicht zukommt , sondern der erst bestimmt wird durch weitere Fortbestimmung . In unserer Darstellung haben wir nun jede dieser Stufen an sich zu betrachten . Dann aber auch concreter , wobei wir einen Inhalt aufnehmen , der erst in die | weitre bestimmung des Geistes fällt , und da werden wir auch auf die niedren Stufen kommen , in welchen das höhre dasein wieder hinabgefallen ist in das allgemeine Seelendasein , wie in der Verrücktheit . Also jede Form für sich ist zu machen , oder auch die kranken niedrigeren Stufen concreter Weise zu betrachten . Nun gehen wir mehr auf unsren Gegenstand .

bei Erwachen Bewußtseyn . / So] 1–7 zu anticipiren … Also] ErWl : [so zu anticipiren einen Inhalt der diesen Stufen als solchen nicht zukommt , so haben wir in unserer] Wl : denn vors erste in der] Darstellung die Stufen [von] Wl : rein von] ein ander abzusondern , [wenn wir sie aber concreter betrachten wollen solche weitren] Wl : und zugleich auch (dazu genöthigt durch das Intresse , sie concreter zu betrachten) die Kenntniß weitrer] Stufen zu anticipiren ; – [dies thun wir um so mehr als] Wl : Mehr Aufforderung h i e r zu ist , weil] der Geist krank [seyn , in einen niedern Zustand herabsinken kann , der] Wl : sein kann , und aus der Stufe seiner Freiheit herabfallen kann in den Zustand , die Form einer niederen Entwicklungsstufe . z . B . animalischer Magnetismus , Verrücktheit . Der] gebildete Geist kann [in die Weise des Seelendaseyns zurück sinken , in sofern haben wir bei dieser niedrigern Stufe] Wl : auf eine Stufe des anthropologischen | Seelendaseins herabsinken . diese Stufe des Seelendaseyns und ihrer Bestimmtheit werden wir betrachten , aber weil der Mensch dahin herabfällt , haben wir] zu anticipiren was schon dem verständigen Bewußtseyn zukommt . In der Entwicklung der [ Reiche der Seelen] Wl : Systeme , der Reiche der Seelenhaftigkeit ,] fallen diese Stufen nicht auseinander , zweitens haben wir 7–8 ist zu … Gegenstand .] ErWl : zu betrachten , drittens [ bei wesentlicher] Wl : wenn] Veranlassung [solche] Wl : da ist , solche] niedrigern Stufen auf concretere Weise zu fassen . / [ Wir haben] Wl : Nachdem wir nun also , das was wir diese Idealität geheißen haben , auch von dieser Seite betrachtet , – haben wir] nun näher an unsern Gegenstand zu gehn und die erste Wissenschaft ist die

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anthropologie

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I. A nt h r o p olo g ie

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In dieser ist der Geist in seiner Naturbestimmtheit – das ist die Grundlage im Ganzen , aber zugleich tritt auch ihre Umbildung und Veränderung ein . Das Ziel der natürlichen Seele ist dann die Freiheit von dieser Natürlichkeit ; hat sie die Freiheit gewonnen , so hört sie auf ein Sinnliches zu sein , sie ist Ich , der Geist bei sich . Seele ist der Geist so fern er überhaupt ist , also noch nicht als Geist ist . Der Geist ist wesentlich : daß er sich als das setzt was er ist , daß er die Natürlichkeit , die Unmittelbarkeit aufhebt und sie idealisirt , und in sich zurückkehrt , als Vermittelung seiner selbst , die das ist , daß er sich selbst vermittelt . Denn in so fern sich etwas mit sich selbst vermittelt , so ist das andre , vermittelst dessen etwas ist dabei verschwunden . Das also ist die Vermittelung selbst . Wir fangen also mit der natürlichen Seele an , weil sie das Unmittelbare ist ; denn das nicht unmittelbare , worin schon Concretes ist , da ist schon Unterschiedenes überhaupt , da muß man von einem zum andren fortgegangen sein , man ist

3–4 In dieser … ein .] ErWl : [die] Wl : wie man es zu nennen pflegt , – die Wissenschaft , die] die Seele in ihrer Natürlichkeit zum Gegenstande [ hat . Bei jeder solcher Bestimmung ist es aber] Wl : h a t , o d e r d e n N a t u r g e i s t , den unmittelbaren subjectiven Geist , – die natürliche Seele , Seele in Naturbestimmung . Bei jeder solchen allgemeinen Kategorie ( jeder solchen Bestimmung)] der Fall daß sie zwar Grundlage [ist ,] Wl : ist , aber nicht in dieser Allgemeinheit bleibt , sondern zugleich in ihre Verändrung eintritt ,] ihre dialectik aber weiter eintritt ; – 5 ist dann] ErWl : ist 5–7 Natürlich keit ; hat … Der] Er : Natürlichkeit und da ist sie Ich , das freie bei sich seyn des Geistes . Seele nenne ich den Geist als seyend , als unmittelbar , noch nicht als Geist , denn der 6 so hört … sich .] Wl : ist sie Ich , und hört auf Seele zu seyn , ist das freie Bei sich seyn des Geistes . Denn 7–10 so fern … in] Wl : in der Natürlichkeit , Geist als Seyn , Geist als unmittelbar , Geist der nur i s t , noch nicht als G e i s t ; der G e i s t aber hat wesentlich den Sinn , daß er seine Unmittelbarkeit , das Sein , die Natürlichkeit aufhebt , negirt , idealisirt , und die Unmittelbarkeit zur seinigen macht . Die Einheit des Geistes mit sich vermittelst des Aufhebens der Unmittelbarkeit . Seine Vermittlung ist , sich mit sich selbst zu vermitteln . Vermittlung macht endlich , sofern etwas vermittelt wird mit einem Andern . In 8–10 sich als … in] Er : seine Unmittelbarkeit , das Seyn , die Natürlichkeit negirt , idealisirt , zu der seinigen macht – Einheit | mit sich durch Aufhebung der Unmittelbarkeit . In 11 etwas ist dabei] ErWl : es vermittelt ist und damit die Vermittlung selbst 12–594,1 Das also … Unmittelbaren .] ErWl : [ Wir fangen mit dem Unmittelbaren an , denn] Wl : S e e l e . Beim Unmittelbaren muß man anfangen : denn das Mittelbare ist schon Unterschiedenes , schon Concretes ;] ein Concretes ist nicht mehr das Erste , wo unterschiedne Bestimmungen sind , ist eine vermittelst der [andern] Wl : andern . Das Unmittelbare ist nur einfach . – Also ist es mit der Unmittelbarkeit des Geistes , daß wir anfangen müssen] .

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a .Er ; § 390 .Wl

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da nicht mehr beim Unmittelbaren . Dieser Anfang ist aber nur der Anfang , etwas Unvollkommenes , es ist die unwahrste Existenz des Geistes , die unwahrste Weise seines Seins ; das Unmittelbare ist bloß eine Abstraction , sie ist ein Gesetztes , die andre Seite ist das Gesetztsein des Unmittelbaren , so sind die Eltern in bezug auf die Kinder die Unmittelbaren , die Ersten ; sie sind der Anfang , der Ursprung ; aber ebenso sind die Eltern auch erzeugte , vermittelt durch ein andres , durch i h re Eltern . Wenn wir also mit dem natürlichen , unmittelbaren Geist anfangen , so ist das einseitig – die andre bestimmung ist : daß diese unmittelbare Seele gesetzt ist , ver mittelst eines anderen . das ist eine weitere logische und metaphysische betrachtung . der Geist ist es der sich voraussetzt ; das Unmittelbare ist was sich voraussetzt ; – ist bewußtlos , daß dies sein andres ist , sein Selbst , das sich als andres ihm gegenüberstellt . | das bewußtsein erkennt sich dann als das Seinige und setzt es als sein an und für sich . – Diese Unmittelbarkeit also ist es mit der wir nothwendig anfangen , obgleich sie eine Einseitigkeit ist – es ist ein Spiel des absoluten Geistes mit sich selbst , sich als andres vorauszusetzen , um zu sich selbst zu kommen . Di e n ä he r e E i n t h e i lu n g u n d Ue b e r s i c h t der Anthropologie ist die :

1 aber nur] Wl : n u r 2 es ist … Geistes ,] ErWl : denn der Geist ist nicht [unmittelbar . Dieser] Wl : das Unmittelbare . Der] Anfang [ist] Wl : ist die unwahrste Existenz des Geistes ,] 3 das Unmittelbare … die] Wl : Ferner muß man wissen , daß die Unmittelbarkeit überhaupt nur eine Abstraction ist und sich wesentlich als ein Gesetztes bestimmt . die das Unmittelbare … bloß] Er : auch ist die Unmittelbarkeit 3–8 sie ist … das] Er : und bestimmt sich wesentlich als ein Gesetztes . (die Eltern sind eben so durch ein Andres vermittelt wie die Kinder obgleich wir sie als unmittelbar betrachten können) die Bestimmung der Unmittelbarkeit ist 4 das] Wl : ein 4–8 so sind … die] Wl : (Eltern das Unmittelbare , Kind das Erzeugte ; die Eltern als erstes unmittelbar ; Kind als Andres mittelbar ; aber im gemeinen Leben bleiben wir nicht bei die|ser Unmittelbarkeit der Eltern stehen , sondern wir wissen , daß die Eltern auch erzeugt sind , auch vermittelt von der einen Seite . die Bestimmung der Unmittelbarkeit ist einseitige Bestimmung . die 8–14 gesetzt ist , … ist 2 ] ErWl : gesetzt , vermittelt ist . [das] Wl : – Es ist dieß eine weitre Betrachtung . Dieß] Gesetzt seyn des Unmittelbaren ist das des Geistes [selbst , es] Wl : der sich selbst voraussetzt . Es] ist ein Vorausgesetztes aber der Geist ist selbst das Setzen dieses voraus . Er [selbst ist es der sich als andres vor sich hat , – das Bewußtseyn fi ndet es] Wl : setzt sich als Andres bewußtlos daß dieß sein Andres er selbst ist , und nur] als anderes sich [gegenüber , weiter entwickelt ist es dies sich jenes Andere anzueignen .] Wl : gegensteht . Der Geist als solcher ist es , der dieß so Vorgefundene sich aneignet , wie es an sich ist .] – Wir fangen also mit [dem Unmittelbaren an , wir wissen aber auch daß] Wl : dieser Un mittelbarkeit an ; und haben das Bewußtsein , daß es so nothwendig ist . Wir wissen aber voraus , daß sie eine einseitige Bestimmung ist , und daß die Seele so genommen wird , weil] der Geist als Seele sich selbst voraussetzt , 14–15 absoluten Geistes … vorauszusetzen ,] Er : Geistes 15 sich als … um] Wl : – um so 16 D i e ] Er : Was nun die Wl : Es ist ohne weitre Bestimmung die Seele (natürlicher Geist) in der Anthropologie unser Gegenstand . / Was nun die u n d Ue b e r s i c h t der] ErWl : der 16–595,1 ist die : I . D i e ] ErWl : betrifft so haben wir z u e r s t / [die] Wl : 1 .) »die S e e l e i n i h r e r u n m i t t e l b a r e n N a t u r b e s t i m m t h e i t ,« die] 33 an] folgt gestr : (und für)

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anthropologie

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I . Di e n a t ü r l i c h b e s t i m m t e S e e l e a l s s ol c h e – das geht jenseits des bewußtseins vor ; die Seele i s t bestimmt ; es ist das , was jenseits des bewußtseins in sie eingeschrieben ist . diese natürliche Seele b e s t i m m t s ich for t z u r Subje c t iv it ä t , z u r e m p f i nd e nd e n S e e l e . Das ist d e r I T h e i l der Anthropologie . Die Seele in ihrem Fortgang bis zur Subjectivität . die näheren Abthei lungen hierin sind : daß das Natürliche bestimmt wird 1 . z u e i n e m I nd i v id uu m d e r n a t ü r l i c h e n S e e l e , zu der n a t ü r l i c h e n , u n m it t e l b a r e n I nd i v id u a l it ä t , was noch nicht Empfindend ist ; das 2 t e i s t d a n n : d i e Ve r ä n d e r u n g a n d i e s e m I n d iv id uu m ; sie wird sie gegen sich selbst , darin besteht ihre Veränderung . § 396–97 , 98 . diese Veränderungen sind die unterschiedenen Lebensalter , d a n n der Gegensatz nach dem Geschlechtsverhältniß und 3 . das Erwachen der Seele , die beziehung gegen sich als Naturzustand – Dann d a s 3 t e ist d i e e m p f i n d e n d e S e e l e , die Individualität als sich mit sich identificirend , subjectiv mit sich seiend[ .] II Di e t r ä u m e n d e S e e le , die Differenz der empfindenden Seele gegen sich selbst . Das ist ein schweres Capitel – 1 . , die empfindende Seele zu sich selbst als Totalität , sich zugleich verhaltend zu sich selbst als Totalität ; eine trennungslose Trennung , | 2 . , das empfindende sich nicht mehr in ihrer Allgemeinheit empfindend ,

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1 das] Er : dieses Bestimmtseyn Wl : dieses Bestimmtseyn der Seele als natürliche 2 die Seele … es ist … was] Wl : was 3 eingeschrieben] ErWl : eingepfl anzt natürliche Seele b e s t i m m t ] ErWl : natürlich bestimmte Seele bildet 4–6 T h e i l der … die] Er : Theil . die 5–6 Die Seele … die] Wl : die 6 hierin sind :] Wl : darin sind : / a .) 6–12 bestimmt wird … beziehung] ErWl : [ bestimmt] Wl : zunächst bestimmt] wird zur [ Individualität , diese noch unmittelbar ist noch nicht empfi ndend , denn dazu als zum Beziehn auf sich selbst] Wl : I n d i v i d u a l i t ä t . Natürliche Individualität ist noch nicht Empfi ndung (ein Verhalten der Individualität zu sich selbst) : denn dazu] gehört ein Unterscheiden [seiner , – das zweite ist die Veränderung an diesem Individuum , und ihre] Wl : der Individualität von sich selbst , um identisch mit sich selbst seyn zu können . b .) Ve r ä n d r u n g a n d i e s e m I n d i v i d u o . Diese] Veränderung ist wesentlich daß sie wird gegen | sich selbst . diese Veränderungen sind [§ [lacuna] seq .] Wl : (§ 396 , 97 und 98)] dreierlei , Lebensalter , [Geschlechtsverhältniß und das Erwachen ,] Wl : 2 .) Gegensatz der veränderten Individualität nach Geschlechtsverhältnissen und 3 .) das natürliche Erwachen der Individualität ,] das sich entgegensetzen 12–13 Dann d a s 3 t e ist] ErWl : als Schlaf . [ Zu diesen Veränderungen ist das dritte] Wl : c .)] 13 die Individualität als] Er : als Wl : Seele an sich . Individualität , als 14–15 subjectiv mit … D i e ] ErWl : subjectiv . / Das z we i t e ist die 15 S e e l e , die] Wl : s i c h e i n g e wö h n e n d e Seele , die als i n d i v i d u e l l in das Verhältniß zu diesem ihrem unmittelbaren Seyn tritt . die Seele] Wl : Seele , von ihr selbst , 16 ist ein …die] Er : e r s t e ist die ein] Wl : ein besonders 1 . , die] Wl : die 16–17 zu sich … Totalität ;] Er : als Totalität zu sich sich verhaltend , Wl : in differenz des Verhältnisses zu sich selbst . – / a .) d i e e m p f i n d e n d e S e e l e a l s To t a l i t ä t zu sich sich verhaltend , – 18 2 . , das empfindende] ErWl : [das z we i t e ist dann] Wl : | b .)] daß die empfi ndende Seele mehr] Wl : mehr unmittelbar 18–596,1 empfindend , sondern … ihrer]

20 was] Er : was

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10 396] 196

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Krankhafter Zustand : animalischer Magnetismus :Wl 19Wl krankhafter Zustand . Verrücktheit .Wl

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sondern sich in ihrer besonderheit empfindend , als krankhafter Zustand gehört in den ersten : der rheumatische Magnetismus wo die Seele sich in das besondre versenkt , wohin die Verrücktheit gehört . – 3 . , d i e empfindende Seele sich als Subject und ihr Versenktsein in die besonderheit des Empfindens sich unterwerfend , das ist die Gewohnheit . I I I Di e W i r k l i c h k e it d e r S e ele |

12r Sg

1 . Natürliche Seele 2 . träumende Seele 3 . empfi ndende Seele . Sg

Gewohnheit .Wl

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I D ie S e e le Zum E m p f i n d e n gehören 3 Momente : 1 . I nd i v id u a l it ä t , S u b j e c t i v it ä t als solche 2 . daß diese gegen sich als ein andres ist , d a s Un t e r s c h e i d e n d e r s el b e n vo n i h r s el b s t – und 3 . Di e Rü c k keh r au s d ie s e m a n d e r s s e i n z u s ich s e l b s t . Das Empfinden , die Selbstischkeit , Verhältniß der Individualität zu sich selbst ; dann die Veränderung derselben und dann ihr Zurückgehn zu sich selbst ; diese 3 Momente haben wir zu betrachten 1 . d ie n a t ü r l i c h e S e ele oder

ErWl : empfi ndet [sondern] Wl : sondern sich ,] in ihre 1–6 empfindend , als … III] Wl : ve r s e n k t empfi ndet . – / c .) daß die empfi ndende Seele als S u b j e c t sich ihr E m p f i n d e n , ihre L e i b l i c h k e i t u n t e r w i r f t . / 3 .) 1 empfindend] Er : versenkt 1–6 in den … S e e l e ] Er : zum erstern der Zustand des animalischen Magnetismus , zum zweiten der der Verrückung . das d r i t t e dazu ist dann die Gewöhnung , daß die Seele die Leiblichkeit sich ganz unterwirft , sie ideell setzt , diese gegen ihre Empfi ndung gleichgültige Seele . / Das dritte was wir zu betrachten haben ist die natürliche empfi ndende Seele . 7–8 I D i e S e e l e ] Wl : – g e s t a l t e t e u n d e m p f i n d e n d e Seele , die in ihrem unmittelbaren Seyn als ihrer Leiblichkeit w i r k l i c h ist . Seele die als Subject frei ist in ihrer Leiblichkeit . – sofern sie Herr ist , und die Leiblichkeit herabsetzt zu bloßer Weise ihrer Aeußrung , zu bloßem Zeichen ihrer selbst . / 1 .) E m p f i n d e n d e S e e l e . 9 gehören 3 Momente : 1 .] Wl : gehört 3erlei . a) 9–10 1 . I n d i v i d u a l i t ä t , S u b j e c t i v i t ä t … diese] Er : Individualität und dann daß diese Individualität 10 als solche … diese] Wl : die nur Individualität überhaupt ist . / b .) daß diese Individualität 10–11 ein andres … d e r s e l b e n ] Wl : zu einem andern ist , – Unterschied der Individualität d a s Un t e r s c h e i d e n … D i e ] Er : und das dritte ist die 11 und 3 . D i e ] Wl : Anderssein der Individualität . / c .) 12–14 s e l b s t . Das … diese] Wl : selbst ; mit sich selbst zusammengehend . (die Individualität hat sich , die Individualität zum Gegenstande . – Empfi nden , Selbstigkeit , Verhalten zu sich selbst .) / diese 13–597,1 Das Empfinden , … D i e ] Er : daß dies Verhalten der Individualität , was eben die Empfi ndung ist , heraus komme , dazu müssen es zwei seyn , also muß sie sich unterscheiden / Das erste ist die 15 haben wir] Wl : sind bei der Empfi ndung 15–597,2 1 . d i e n a t ü r l i c h e … (die] Wl : Daß dieß Verhalten der Individualität , was eben die Empfi ndung ist , herauskomme , dazu müssen es 2 . seyn ; also muß sie sich unterscheiden . – / a) die erste B e s t i m m u n g ist unmittelbare I n d i v i d u a l i t ä t ,

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8 S e e l e ] folgt darunter gestr : I D i e e m p f i d e n d S e e l e .

anthropologie

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Di e u n m it t e l b a r e I nd iv id u a l it ä t . (die natürliche Seele überhaupt 392–95)

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Zur Individualität der Seele a b e r g e h ö r e n 3 Mom e n t e , daß sie nur als solche ist , sie ist eine Einheit von Dreien 1 . d i e n a t ü r l i c h e S e e l e i n i h re m g a n z a l l g e m e i n e n N a t u r le b e n (als Naturbestimmtheit der Seele) wie uns diese Naturbestimmtheiten im bewußtsein erscheinen , so sind sie als natürliche äußre Gegenstände vorhanden ; der Mensch ist der Mikrokosmus . Leibnitz sagt das ist eine Mon a d e , d . h . nicht das Eins des Atoms . ( Dies Zusammenfassen von allen bestimmungen , das Arrangement derselben) sondern das Ganze ; sie ist vorstellend nicht was wir so heißen : sondern vorstellend überhaupt das Universum eine Totalität die ideell ist , aber nur dunkel vorstellend ; so ist also die Seele zu fassen als monade des Universums . a b e r e s e n t f a l t e n s ich d i e s e Un t e r s ch ie d e i n

2–3 überhaupt 392–95) / Zur] Wl : also solche , oder abstracte Seele , natürliche Seele überhaupt , natürliche Bestimmtheit der Seele . (§ 391-95) . Zur Seele überhaupt , oder mehr zur 2 392–95)] Er : (392–95 .) , die natürliche Bestimmtheit der Seele . 3–4 M o m e n t e , daß … S e e l e ] Er : Momente . Das Erste ist die Seele daß sie … S e e l e ] Wl : daß die Individualität als solche sei , zum C o n c r e t e n ko m m e . Die a l l g e m e i n e S e e l e muß nicht »als Weltseele fi xirt werden : denn sie ist nur die allgemeine S u b s t a n z , welche ihre wirkliche Wahrheit nur als E i n z e l n h e i t , Subjectivität , hat . Sie ist also nichts Reelles , nichts das irgend wahrhafter Weise betrachtet wird , obgleich sie ganz abstract ist . – Als sich besondernd tritt sie , vorher nur innre Idee , in das Dasein . In diesen Bestimmungen zeigt sie sich als seiende Seele« , 5 (als Naturbestimmtheit … wie] Er : als Naturbestimmtheit der Seele Wie 5–6 wie uns … Naturbestimmtheiten] Wl : diese Naturbestimmtheiten sind an der seienden Seele , und haben zweierlei an sich , Idealität , und hinter der Idealität freie Existenz , d . h . wie sie uns 6 Naturbestimmtheiten im … erscheinen ,] Er : erscheinen müssen im Bewußtseyn , 6–7 äußre Gegenstände vorhanden ;] ErWl : [ Veränderungen natürlicher Gegenstände] Wl : Gegenstände] vorhanden , [ haben eine] Wl : die ihre] eigne von der Seele abgesonderte [ Existenz , und dies] Wl : Existenz haben , zu denen aber die Seele als solche sich nicht als zu äußerlichen verhält ; sie hat vielmehr an sich selbst diese Bestimmungen als n a t ü r l i c h e Q u a l i t ä t e n . – Dieß] ist die eigne immanente Bestimmtheit der [Seele ,] Wl : Seele .] 7–10 Leibnitz sagt … heißen :] ErWl : d . h . die eigenthüm lichen Bestimmtheiten der Seele sind | vorhanden als äußere Existenzen . Es kann hier [also] Wl : ebenso] erinnert werden an die Leibnizsche Monade . [ Jede] Wl : (Alles Individuelle , alles Atome ist eine Monade . Atom im alten Sinne ist in sich selbst vollkommen bestimmungslos , alle Bestimmungen sind nur durch Zusammenfassen von Atomen . Das Atom ist in ihm selbst das ganze Universum . – ) Jede Monade] ist in ihr selbst das ganze Universum , die Monade ist vorstellend (diese Idealität) nicht mit Bewußtseyn 10–11 überhaupt das … ist ,] ErWl : überhaupt , ist das Universum wie im Keim der Baum , sie unterscheiden sich bloß dadurch daß ihre Vorstellungen dunkel oder [deutlich] Wl : hell (Bewußtsein)] sind . [ Die] Wl : die Seele also als Monade ist Totalität des Universums . die] Totalität ist ideal , die Monade stellt sie vor 11–598,1 vorstellend ; so … a u c h ] ErWl : oder deutlicher . – [ Das] Wl : b .) das] andre ist aber [daß] Wl : a) daß]

40 7–12 der Mensch … Universums . am rechten Rande

am rechten Rande

16–17 daß die … ko m m e . mit Verweiszeichen 19–20 Sie ist … ist . – mit Verweiszeichen am rechten Rande

A natürliche Qualitäten .Sg

§ 391 . a Natürliche SeeleEr

§ 391 .Wl

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i h r a u c h – dann sind sie aber auch als eine äußerliche Natur . Wir sprechen also von diesen Naturbestimmtheiten am deutlichsten , wenn wir sie auffassen nach ihrer äußerlichen Existenz . Das ist aber damit ausgeschlossen : das Verhältniß von Einwirkung , Einfluß und dergleichen – wird dieses als das wahrhafte angesehn , so macht das natürliche sich äußerlich geltend in der Seele – diese bestimmung ist also das ganz allgemeine der Natur . – Die Seele lebt dies Naturleben mit , das sogenannte kosmische , tellurische Leben der Menschen , das allgemeinste Naturleben ist das des Sonnensystems in seiner bewegung . Das ist das Leben der Schwere . dieses ist so zu fassen , daß es nur ganz die abstracte Grundlage ist , gegen welche sich sogleich der Anfang des natürlichen Seelenlebens sogleich individualisirt hat . Das ist was man in der Astrologie lehrt , daß diese Stellung der Himmelskörper zu einander und ihre bewegung Einfluß haben auf das Schicksal der Völker der Individuen . die Veränderung welche die Materie in Raum und Zeit hier hervorbringt ist die freie Mechanik ; die Momente dieser bewegung sind Raum und Zeit ; die Maaße derselben sind durch die Kategorien des Raums und der Zeit bestimmt . Das ist , was man das Gesetz der Himmelsbewegung nennt .

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§ 392 .Wl

an der [Seele , in ihr diese Unterschiede] Wl : Seele diese Unterscheidungen] sich entfalten , [gewußt werden , bewußt . Zweitens aber sind diese Bestimmungen so] Wl : sich bewußt werden , und so , daß sie , die Bestimmungen des idealen Universums sind , verhalten sich auf die Weise ,] daß sie sind 1–2 also von … deutlichsten ,] Er : so am deutlichsten von jenen Bestimmtheiten also von diesen] Wl : von | den 2 am] Wl : der Seele am 2–6 sie auffassen … Natur . –] ErWl : von ihnen sprechen in dieser Weise [wie] Wl : ihrer natürlichen Realität , in der sie Verhältniß der Körperlichkeit haben , in der Weise , wie] sie als körperliche Bestimmtheiten [in der] Wl : der] Natur sind . [der Einfluß , die Einwirkung ist aber] Wl : Aber das Verhältniß von Einfluß , Wirkung p ist] ausgeschlossen , denn da ist die Unselbstständigkeit der Seele gegen die Natur vorausgesetzt . – / Diese Bestimmungen sind die ganz allgemeinen in der [ Natur .] Wl : Natur , die wir die 1 .) N a t ü r l i c h e n Q u a l i t ä t e n nennen . / »Der Geist lebt in seiner Substanz , der natürlichen Seele , das allgemeine planetarische Leben mit , den Unterschied der Klimate , den Wechsel der Jahreszeiten , der Tageszeiten und dergleichen – ein Naturleben , das in ihm zum Theil zu Bestimmungen und Zuständen , zum Theil nur zu trüben Stimmungen kommt .« – ] 6–7 das sogenannte kosmische ,] Er : und da werden wir an das kosmische , siderische pp Wl : und das erinnert dann im Allgemeinen an das , was das kosmische , siderische , 7 der Menschen , das] Er : der Menschen erinnert . Die Wl : des Menschen genannt worden . – Die 7–8 Naturleben ist … Sonnensystems] ErWl : Naturbestimmung ist das Sonnensystem 8 dieses] Wl : dieß Leben der Schwere (Bewegung und Stellung der Himmelskörper) 9–10 sogleich der … hat .] Er : gleich das natürliche Seelenleben individualisirt . 10 des] Wl : des Seelenlebens , des 10– 599,4 Das ist … zukommt ,] ErWl : Hieher [gehörten] Wl : gehören] die astrologischen Vorstellungen , [die] Wl : daß die Stellung der Himmelskörper Zusammenhang habe mit den Schicksalen der Staaten und Individuen , also von] einer Harmonie zwischen dem Äußerlichen und [ Innerlichen . In] Wl : Innerlichem , sofern dieß selbst auch durch ein Schicksal bestimmt sei (das Allgemeine liegt zu Grunde , ist aber auf trübe Weise gefaßt worden . – Aber in] Ansehung dieses Verhältnisses muß man diese bestimmte Vorstellung des Verhältnisses fassen , daß dies Leben der [freien] Wl : freien großen] 7 das] die

35 gleich] folgt gestr : der Anfang

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In diesem System ist die Erde der Planet des Individualisirten ; sie ist höher als die Sonne , die bloß ein abstractum von Licht – der Planet ist das wahrhafte das Concrete , das höchste im System , mit Monden etc . sind auch Abstractionen . Was der Erde nun zukommt , hat sie als Glied dieses Systems . Sie ist individualisirt in demselben ; sie ist nicht in Confl ikt dagegen , sondern was sie ist , ist sie in der Ordnung des ganzen Systems . | Wenn die Natur fertig ist , dann tritt erst die Seele , der Mensch auf , und diese Grund Individualität ist das letzte auf demselben . Man hat die Entwicklung des Menschengeschlechts , die Menschengeschichte zu Theilen zusammengebracht mit Epochen , die im System der Natur vorkommen ; wie man die religiösen Ideen und Feste so angesehn hat , daß sie ihre Wurzel haben in Naturveränderungen und ihren beziehungen – so hat man die ganze Menschengeschichte auf allgemeine Naturveränderungen in der bewegung des Sonnensystems bezogen .

Mechanik [nur] Wl : wie im Sonnensystem , in der Natur nur] bestimmt ist [durch das Verhältniß von Raum z u Zeit , diese bedingen das] Wl : von Raum und Zeit (Materie) . Das] Leben das die Materie hier [ lebt . die Schwere] Wl : lebt , ist allein bedingt durch das Verhältniß von Raum und Zeit , – freie Mechanik , Bewegung der Materie . – Materie , Schwere in ihrer Lebendigkeit ,] in ihren Momenten | entwickelt [gibt Raum und Zeit als ihre Momente . das was] Wl : stellt sich als Bewegung dar , – und Momente der Bewegung sind Raum und Zeit . – Was] man die Gesetze der himmlischen Bewegung nennt hängt bloß von Raum und Zeit ab und dem [was sie] Wl : wie sie sich] ihrem Begriff nach [sind und wie sie sich darnach] Wl : zu ein ander] verhalten . – [die Erde ist Lebendiges , Individualisirung ist] Wl : In diesem System ist die Erde , oder Planet überhaupt , das Individualisirte] das Concrete [gegen das Abstracte , die Sonne . Was] Wl : (Höheres ,) gegen die Sonne , die abstract ist : denn die Erde ist lebendig , – concret , wahrhaft , das Höchste im System . Was] die Erde für eine Stellung [ hat ,] Wl : hat , und was ihr in dieser Rücksicht zukommt] , 4–5 Systems . Sie … sondern] Er : Systems , ist als solches nicht entgegengesetzt , in differentem Verhältniß gegen das Uebrige , ist individualisirt in diesem ist 4 Systems . Sie] Wl : Systems , oder , sie ist als Glied dieses Systems nicht im Gegensatz gegen das übrige System , sondern 5–6 ist sie … Ordnung] Er : als Glied 6–7 Wenn die … Mensch] ErWl : Die Stellungen [der] Wl : der übrigen] Planeten haben in sofern kein Verhältniß gegen die Seele , diese höhere In|dividualisirung . [ In diesem Verhältniß sind diese Bestimmungen zu fassen , nicht daß sie] Wl : So ist also dieß Verhältniß zu fassen , nicht so , daß sie in der Seele] einen Widerschein [eine Bezüglichkeit hatten auf die Seele .] Wl : hätte , oder daß die Verändrungen in der Geschichte Bezüglichkeit hätten auf Verändrungen im ganzen System .] Wenn die [ Erde fertig ist ,] Wl : Natur fertig ist und ihre Stelle hat und die Erde fertig ist und ihre Stelle hat ,] dann tritt die [Seele , der Mensch] Wl : Seele des Menschen] 7 das letzte … demselben .] Er : das Letzte . Wl : insofern das letzte . 8–12 Entwicklung des … bezogen .] ErWl : [ Weltgeschichte] Wl : Entwickelung des menschlichen Geschlechts zum Theil zusammengebracht mit den Epochen , die in der Bewegung des Sonnensystems vorkommen – besonders in der Zeit , da man die Religion in Beziehung auf Naturveränderungen betrachtete , und religiöse Begeistrung p z . B . ansah als ihre Wurzel in Naturveränderungen habend . So hat man die Weltgeschichte überhaupt] nach Epochen der Naturveränderungen betrachtet , hat sie bezogen auf Naturveränderungen , wie sie [im Sonnensystem Statt fi nden . Z . B . [lacuna] hat alle Ideen] Wl : in der Bewegung des Sonnensystems 12M D u B u y s .] siehe Anm .

21 das] daß

22 (Höheres ,) mit Verweiszeichen am linken Rande

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Du Buys .Sg

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21Wl § 392 .Wl

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§ 392Wl 24Er

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An der Erde sind nun auch Veränderungen , die als Unterschiede an ihr selbst zur Existenz kommen , die zusammenhängen mit der Stellung im Sonnensystem ; es scheinen in so fern auch Veränderungen der natürlichen Seele zu sein ; das ist die Neigung der Erdachse auf der bahn , Unterschied der Jahres Tageszeit , etc . die natürliche Seele lebt nun diese Veränderungen überhaupt mit ; aber es kommt nur zu trüben Stimmungen | – dadurch hat sie aber zugleich den Character der Allgemeinheit , die in der Seele Gewohnheit Gleichgültigkeit gegen sein Naturleben werden , so ist auch das animalische leben sympathetisch an die Natur geknüpft . Die Natur des Menschen hat auch diese Veränderungen an ihr aber auf untergeordnete Weise ; es bleibt bloß bei Stimmungen , und der abgehärtete gebildete erhebt sich auch über

vorkommen . (So ein Franzose ? hat alle Verändrungen] der Religion , des Cultus auf [ Naturbestimmungen] Wl : Naturverändrungen] bezogen ; [so] Wl : und diesen Gedanken in größter Ausdehnung ausgeführt z . B .] hat er die sogenannte Verrückung der Tag und Nachtgleichen bezogen auf Veränderungen in der Religion und damit parallelisirt die Verehrung des Stiers bei den Aegyptern und die Verehrung des [ Lamms] Wl : Lammes (Widder)] bei den [Christen] Wl : Christen . –] Es ist aber festzuhalten daß die Erde sofern sie ihre Stelle im System hat , im ruhigen Zusammenhange mit ihm steht , [ Bestimmungen im] Wl : und dieß System ihr nicht gegenübergerückt ist , und daß die Bestimmungen an diesem] System nicht Veränderungen an [ihm] Wl : ihr] sind , noch weniger am Geist und an der Seele . 1 sind nun … Veränderungen ,] Er : diesem Körper der Individualität sind Veränderungen Wl : dieser Individualität , sind Verändrungen an ihr selbst , 1–3 ihr selbst … Veränderungen] Er : ihm zum Vorschein kommen , Klimate pp – diese Veränderungen erscheinen so als solche die 1–2 selbst zur … kommen ,] Wl : zum Vorschein kommen , als Unterschiede ihrer existiren . (Klimate , Wechsel der Tag- und Jahreszeiten p) , Verändrungen , 2–3 es scheinen … Veränderungen] Wl : – und als Verändrungen erscheinen , die 3–5 zu sein ; … kommt] ErWl : zu kommen , [der Unterschied der Jahres pp Zeiten gehören hierher . die Seele lebt diese auch mit aber wie es im § heißt : Es kommt dabei] Wl : weil sie ihre natürlichen Bestimmungen haben . der natürliche Mensch lebt diese Verändrungen auch mit , als ein Naturleben , das in ihm zum Theil zu Bestimmungen und Zuständen , zum Theil] 6 – dadurch hat … zugleich] Er : | die Seele hat Wl : kommt .« / Die Seele des Menschen hat überhaupt eben 6–8 Allgemeinheit , die … geknüpft .] ErWl : Allgemeinheit [an] Wl : in] sich der [zur Gleichgültigkeit wird] Wl : am Empfi nden , natürlichen Leben , zur Gewohnheit wird und zu Gleichgültigkeit] gegen diese Naturbestimmtheiten . die [ Thiere sind ganz an sie gefesselt ,] Wl : untergeordneten Orga nisationen (die vegetabilische und animalische Welt) sind ganz in das Naturleben versenkt , und der Verlauf ihres Lebens , ihrer Zustände u . s . f . hängen ganz zusammen , sind hauptsächlich begründet in dieser Sympathie mit der Natur , – | und] erheben sich nicht über [diese] Wl : ihre allgemeinen] Veränderungen , die Pfl anzen [sind an die Jahreszeiten gebunden ,] Wl : hängen ganz von den Jahres- und Tageszeiten ab ,] mehr oder weniger auch die [ Thiere .] Wl : Thiere , in Begattung u . s . f . »Ihr ganzer specifi scher Character , so wie ihre besondren Entwicklungen hängen bei Vielen ganz , immer mehr oder weniger davon ab .«] 9 Menschen] ErWl : Menschen , der Seele 9–601,1 Weise ; es … allerdings] Er : Weise , theils bleibt es nur bei Stimmungen über die sich der gebildete Mensch erhebt . die äußerlichen Empfi ndungen , Kälte pp bringen 10 bleibt] Wl : bleibt im Menschen theils 10–601,2 der abgehärtete … hervor ;] Wl : selbst 13–14 auf Veränderungen … Religion bei Er über der Zeile und am rechten Rande er se

16 sie ihre] Er :

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diese Stimmungen . die Jahreszeiten bringen allerdings Veränderungen in unsren Geschäften hervor ; der Mensch hat übrigens ein bedürfniß nach diesen Veränderungen der Jahreszeiten , und je ungebildeter die Menschen sind , desto mehr sind diese natürlichen bestimmungen in ihnen mächtig ; so sind auch die Stimmungen des Menschen in den Tageszeiten sehr verschieden . der Geist ist morgens noch eingehüllt und man ist erst zu ruhig gewohnten Arbeiten geneigt – der Tag gehört den Geschäften – abends ist die Phantasie geschäftig , der Mensch stellt Spiel etc . an etc . Mitternacht ist der Geist am liebsten einsam bei sich . bei den Griechen waren die Volksversammlungen früh Morgens ; in England sind die Parlamentsversammlungen abends bis nach Mitternacht ; das sind Unterschiede die in der alten und neuen Zeit überhaupt ihren Grund haben . Einen Zusammenhang des Mondes von der Erde gibt es auch , aber man muß es nur nicht Einfluß des Mondes nennen , es ist kein äußerliches Verhältniß , auch keine Phantasie , sondern ein Zusammengehn des seelenhaften Lebens – , hierdurch entstehn Veränderungen der Zustände von Menschen Kranken , Thieren etc . Aber diese Zusammenstellung zeigt , daß das keinen Zusammenhang hat . Indeß bei einzelnen Individuen zeigt sich doch das , was man

über die erhebt sich der abgehärtete , mehr der gebildete Mensch , »je mehr sein ganzer Zustand auf 20 freie geistige Grundlagen gestellt ist . Die Jahreszeiten und äußeren Empfi ndungen als Kälte u . s . f .

bringen Bestimmungen in unseren Geschäften zu Wege .

2–4 diesen Veränderungen … auch] Wl :

20 solchen Verändrungen (ertrüge ungern ewigen Frühling p) . In den verschiedenen äußeren Ver-

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ändrungen fi nden wir uns verschieden disponirt , je mehr der Mensch ungebildet ist , desto mehr . – Ebenso sind 2–3 diesen Veränderungen … Jahreszeiten ,] Er : solchen Veränderungen 4–6 Stimmungen des … geneigt –] Er : Tageszeiten verschieden , und bei manchem Geschäfte kann man sich nicht vorstellen daß man sie am Morgen machen könne . 5–6 in den … der] Wl : zu gewissen Tageszeiten verschieden und bringen so gewisse Beschäftigungen zutage . (Der 6–8 den Geschäften … die] Wl : mehr dem Gegensatz , der Arbeit an , der Abend der Rückkehr in die subjective Reflexion (Spiel der Vorstellungen p die Mitternacht der Einsamkeit mit sich , der Betrachtung mit sich . – ) Viele historische Unterschiede haben darauf Beziehung . So waren die römischen und griechischen 6–7 den Geschäften … etc .] Er : dem Gegensatz , der Arbeit an , der Abend ist die Zeit der Rückkehr pp , in der 8 am liebsten … die] Er : geneigt einsam betrachtend zu seyn . So sind die römischen 9–602,1 früh Morgens ; … daß] ErWl : [am Morgen , die englischen am Abend und Mitternacht gehalten .] Wl : morgens ; die englischen Parlamentsversammlungen sind Abends und in der Nacht , – nach der verschiedenen disposition älterer und neurer Zeit .] – Eine Veränderung [ist viel besprochen , das] Wl : noch , die zum System unsrer Erde gehört und viel besprochen worden ist ,] sind die Phasen des Monds , [da hat man einen Zusammenhang früher noch mehr behauptet , einen Einfluß muß man es nicht nennen , weil] Wl : hat man nemlich vormals von einem Einfluß der Mondfasen gesprochen ; doch Einfluß ist statt Zusammenhang falsch gebraucht , da] von einem äußerlichen Verhältniß nicht die Rede ist sondern von einem [ Zusammengehn . Vielfache] Wl : Zusammengehen des psychischen Lebens mit solchen Verändrungen . Man hat in Ansehung der körperlichen Dispositionen Zusammenhang mit den Mondverändrungen behauptet , und vielfache] Beobachtungen [sind da gemacht . Besonders hat man Veränderungen bei Geisteskranken mit jenen Phasen behauptet . Bei einzelnen Individuen sind] Wl : drüber angestellt ; – vornehmlich hat man

den 13 . November . 1827 .Er

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Mondsüchtigkeit nennt , daß die Paroxismen stärker sind bei gewissen Phasen des Mondes , daß dergleichen sich in der seelenhaften und organischen Disposition des Menschen zeigt , ist klar ; indeß ist der Mensch freier von diesem Zusammenhang als das Thier ; wenn es beim Menschen vorkommt , so | ist es nur dann , wenn die Freiheit seiner Natur nachgelassen hat , wenn er krank ist ; da kommt das Mitleiden mit den Veränderungen der Natur leichter zum Vorschein . – So in physikalischer beziehung liegt ein Theil desjenigen , was zum Aberglauben gehört ; es ist der Glaube von einem Zusammenhang , der nicht Statt fi ndet , nicht der gesetzte Zusammenhang der Natur ist . Was wir uns aus solchem Zusammenhang in Gesetzen bilden , beruht nur auf Erfahrung , was dann zuletzt einen großen Kreis bildet , der immer von neuem durchlaufen wird und sich immer weiter ausdehnt . Wider diese Erfahrung ist der Aberglaube . Andre Arten des Zusammenhangs fallen mehr in das Geistige ; wenn der Mensch einen Entschluß fassen will , so fragt er ob damit auch der Erfolg verbunden sei ; es ist ihm , wenn er handelt um den Zusammenhang seines Entschlußes und des Erfolges zu thun . Da hat der Aberglaube sein Spiel ; so faßt der Mensch seinen Entschluß nach der größeren oder geringeren Wahrscheinlichkeit des

Verändrungen der dispositionen in Geisteskrankheiten zusammengestellt mit jenen Mondfasen . Auch hierüber viele Erfahrungen , die günstig und nicht günstig sind . Doch sagt die Erfahrung , daß bei einzelnen Individuen] 1–2 sind bei … Mondes ,] Er : bei gewissen Mondständen . 2–7 seelenhaften und … zum] ErWl : [menschlichen Disposition] Wl : menschlichen Organisation zeigt , und noch mehr in seelenhafter Disposition , und sich] zeigen kann ist [festgestellt aber auch bemerklich gemacht daß der menschliche Organism auch als thierischer mehr davon frei ist , und es ist auch nur wenn seine Energie gesunken , er] Wl : gezeigt worden ; aber zugelich ist festgestellt worden , daß , wenn solches bei menschlicher Organisation eintritt , der Mensch schwächer wor|den ist , seine Freiheit nachgelassen hat und er anheim fällt] der Natürlichkeit [mehr anheim gefallen ist wo] Wl : wo] jenes Mitleben [sich mehr zeigt . In] Wl : mit der Natur zum Vorschein kommt . – / Noch eine Bemerkung ist gemacht worden ; daß nehmlich in] physicalischen Bestimmungen [ liegt zum Theil das was] Wl : ein Theil desjenigen liegt , das im Allgemeinen] dem 7–12 gehört ; es … mehr] ErWl : anheimfällt , [der Glaube eines Zusammenhangs der] Wl : d . h . dem Glauben an einen Zusammenhang , der in der That nicht Statt fi ndet im Gange der Natur , nicht nothwendiger Zusammenhang ist , oder von uns] nicht als gesetzlich kann gelten gelassen werden . [daß Mittel helfen pp beruht auf Erfahrung , andre fi n|den dies nicht bestätigt , aber die ersten Erfahrungen werden] Wl : Man hat einen großen Kreis von Mitteln durchlaufen , die bei einigen bestimmte Wirkungen äußerten , die bei anderen sich aber so nicht erwährten , woher diese zu anderen Mitteln griffen . Jene Beobachtungen werden aber dadurch] nicht umgestoßen , wenn sie [auch] Wl : gleich] sich als beschränkt [zeigen] Wl : erweisen] . Zusammenhänge aber anderer Art fallen vornehmlich 13–15 einen Entschluß … thun .] Er : sich zu etwas entschließt , da ist die Frage nach dem Erfolg und auf den Zusammenhange dieses mit dem Entschluß kommt es an . 13 einen Entschluß … damit] Wl : für seinen Willen eine Bestimmung zu fassen hat , so entsteht in ihm die Frage , ob mit seinem Willen und Entschluß 14–16 sei ; es … seinen] Wl : seyn werde ; denn darauf kommt es dabei an . 36 zeigen] zeigt

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Erfolges . der Hauptaberglaube in dieser Rücksicht bei den Alten war , daß sie sich an das Orakel wandten den Flug der Vögel , an das Fressen der Thiere etc . Wenn die Menschen noch Zuflucht nehmen zu solch äußren Umständen um des sicheren Erfolges gewiß zu sein , und dann den Entschluß zu fassen , so haben sie noch nicht den Muth sich aus sich selbst zu entschliessen , und für sich zu stehn für den Erfolg – es steckt da oft politischer betrug dahinter – indeß sind auch Anfänge darin , die einen Zusammenhang andeuten zwischen dem , was ein Zeichen war und zwischen dem , was das Wirkende und Vollbringende eines Erfolges gewesen . Einen Anfang davon sehn wir in der beobachtung der Eingeweide der Opfer thiere , und des Fraßes der Thiere . So Xenophon hat sich viel mit den Opfern zu schaffen gemacht als er zurückzog – so in der Schlacht bei Platäe wo Pausanius sich bis gegen Mittag herumgeplagt hat mit Opfern . Bei den Alten beruht aber der Krieg auf dem persönlichen Muth ; bei uns ist die Tapferkeit anders , sie besteht mehr in der Festigkeit des Zutrauens auf die Gemeinsamkeit ; das ist ein Hauptmoment in der modernen Tapferkeit ; einer verläßt sich immer auf den andren und auf das Ganze : bei den Alten war jeder für sich allein tapfer ; dieser Muth ist nun zugleich eine gewisse körperliche Stimmung ; man sagt ein Mensch hat Herz , d . h . er ist tapfer , darin

20 Hierher ist es , daß eine große Menge von Aberglauben fällt . – Will der Mensch sich zu Etwas ent-

schließen , möchte er vergewissert seyn in Ansehung des Erfolgs , und faßt den

1–2 in dieser …

20 Wenn] ErWl : [zur Vergewisserung war bei den Alten Orakel , Vogelflug , Thiere und dergleichen]

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Wl : der Alten in dieser Rücksicht war , daß sie sich gerichtet haben nach dem Fluge der Vögel , Orakeln , dem Inneren der Opferthiere p .] Es ist wenn 3 solch äußren] Er : solchen dingen , äußerlichen Wl : solchen Mitteln , äußerlichen 3–4 des sicheren … den] ErWl : einen 4–6 so haben … die] ErWl : noch nicht die [ Festigkeit da , für sich sich zu entschließen .] Wl : innre Festigkeit vorhanden , die sich aus sich selbst für sich entschließt , sich aus sich zu entschließen und für sich zu stehen , für das , was geschieht .] das meiste in dieser Rücksicht ist reiner Aberglaube , politischer Betrug pp aber es ist dann auch Einiges darin , [Anfänge , die allerdings] Wl : das in der That] 7–8 andeuten zwischen … was] Wl : zwischen dem , was für ein Zeichen gegolten , und dem was in der That 7 andeuten zwischen … ein] Er : zwischen dem was das 7–604,4 zwischen 2 dem … die] Er : dem Wirkenden und Vollbringenden haben . Mit dem Beobachten der Opfer thiere und dem Fressen besonders bei verschiedenen Umständen haben sie sich oft und viel zu schaffen gemacht . Es hing da die Schlacht besonders vom persönlichen Muth ab , ihre Tapferkeit war verschieden von der modernen , welche Tapferkeit seyn muß , die Disciplin ist , sich auf das Ganze verläßt . der Muth des Einzelnen als solches ist zugleich ein Leibliches , eine bestimmte körperliche Bestimmtheit , eine Stimmung die noch nicht Krankheit ist kann deprimirt seyn . diese hängt nun zusammen mit physicalischen Umständen . In so fern nun 8–9 eines Erfolges … Eingeweide] Wl : gewesen , hat . Es gehört hierher das Beobachten 10–16 Thiere . So … gewisse] Wl : Thiere , besonders unter gewissen Umständen , – womit sich die Alten vornehmlich viel zu schaffen machten , insbesondre vor Schlachten . (Siehe Xenophon) – Die Schlachten der Alten hingen vom persönlichen Muthe ab und ihre Tapferkeit war mehr eine persönliche als die moderne , die Disciplin ist und sich auf das Ganze verläßt . der Muth aber des Einzelnen , als solches , ist zugleich ein Leibliches , eine gewisse körperliche Bestimmtheit , eine 17–604,3 man sagt … Gegend] Wl : wie wir’s im gemeinen Leben schon

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liegt das Körperliche , diese mehr oder weniger deprimirte Stimmung hängt nun zusammen mit der physikalischen be schaffenheit mit der Infection und der Spannung der Atmosphäre ; z . b . in sumpfiger Gegend findet sich der Mensch abgespannt , und das ist dem Muth nicht günstig . Insofern also bei den Alten die körperliche Disposition ein wesentliches Element des Muths war , so hängt das also zusammen , daß diese körperliche Disposition gemeinsam war mit den Thieren . | beim Thier zeigt sich die physikalische bestimmung auffallender ; daran lernt der Mensch dann seine eignen kennen ; man konnte also aus der beobachtung der Stimmungen der Thiere schließen auf die größere oder geringere Aufgelegtheit des Heeres für die Schlacht ; hierin ist also doch eine Art von vernünftigem Zusammenhang nicht zu verkennen . bei mehr geistig gebildeten Völkern ist der Zusammenhang mit diesen physikalischen Stimmungen nicht so bedeutend , w i r können aus Tag Nacht machen und umgekehrt[ .]

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24 Wl ; § 392 . Anm .Wl

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andeuten , wenn wir den Muth eines Menschen leiblich andeuten und sagen : er hat Herz . Es gibt keinen Tapferen , der nicht zu Zeiten kälter seyn kann , durch deprimirte Stimmung , die zusammenhängt mit physikalischen Be schaffen heiten , der Gegend überhaupt . So z . B . in Sümpfen 3–6 abgespannt , und … diese] Wl : leiblich abgespannt und nicht in geistiger Disposition für Muth) . Sofern also im Muthe der Alten die körperliche Spannung wesentlich war , und die 5 Element des … also] Er : Moment war , hängt damit 6 diese körperliche Disposition] Er : diese gemeinsam] Wl : bei ihnen gemeinsam 6–10 Thieren . beim … doch] Wl : Thieren , bei letzten aber sie erkannt werden kann , aus der Art wie sie fressen und verdaut haben , – so konnte das Beobachten des letztern allerdings zum Zeichen dienen von größerem oder geringerem Aufgelegtsein der Krieger zu einer Schlacht . So ist hier also in Beziehung auf diesen mannigfaltigen Aberglauben 6–9 Thieren . beim … Schlacht ;] Er : Thieren , und die Abspannung dieser läßt sich erkennen nach der Art des Futteressens oder der Verdauung . dergleichen konnte so ein Zeichen seyn der bestimmten physicalischen Stimmung . 10 von vernünftigem] ErWl : von 11–12 bei mehr … können] ErWl : [die] Wl : »Wie der Unterschied also der Klimate eine festere , gewaltigere Bestimmtheit enthält , so entsprechen den Jahres- und Tageszeiten und Witterungen nur schwächere Stim|mungen , die in Krankheitszuständen , wozu auch Verrücktheit gehört , in der Depression des selbstbewußten Lebens , sich vornehmlich hervorthun . – Unter dem Aberglauben der Völker und den Verwirrungen des schwachen Verstandes fi nden sich bei Völkern , die weniger in der geistigen Freiheit fortgeschritten , und darum noch mehr in der Einigkeit mit der Natur leben , auch e i n i g e wirkliche Zusammenhänge und darauf sich gründende wunderbar scheinende Voraussetzungen von Zuständen und daran sich knüpfenden Ereignissen . Aber mit der tiefer sich verfassenden Freiheit des Geistes verschwinden auch diese wenigen und geringen Dispositionen , die sich auf das Mitleben mit der Natur gründen . das Thier wie die Pfl anze bleibt dagegen darunter gebunden .« – / Die] Einigkeit mit der Natur [ist gerade das Thierische .] Wl : demnach , die man oft als den wahrhaften Zustand , das Ziel des Menschen nennt , – ist eigentlich das Thierische an ihm .] Bei denen die mehr darin sind fi nden sich mehr solche Zusammenhänge , als bei gebildeteren Völkern , die freier sind . Wir [ können] Wl : können drum leicht] 12–13 machen und umgekehrt[ .]] Er : machen . das ist also das Erste dieser natürlichen Bestimmungen / Wl : und aus Nacht Tag machen : da die Stimmungen bei uns nicht die Gewalt haben , wie bei weniger Gebildeten . Das ist also die ganz allgemeine Bestimmung im Seelenhaften . – /

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Das allgemeine planetarische Leben des Naturgeistes sondert sich in die concreten Unterschiede der Erde – Es können hier nur die Gesichtspunkte angedeutet werden die hierher fallen . Zu e r s t die allgemeine Stellung der Erde . 2 . die besonderung dieses allgemeinen Naturlebens : das gibt die besondren Naturgeister der Erde . die besonderung unsrer Erde ist nun in dem bekannten : | daß die Erde ge theilt ist in die 4 Welttheile , enthalten – ; der 5t e ist mehr ein Aggregat zerstreuter Inseln , die in bezug ihrer physiologischen be schaffenheit und bevölkerung eine große Unreifheit bezeugen . diese terrestrischen Unterschiede hängen zusammen mit Unterschieden der natürlichen be schaffenheit des Menschen . Im Allgemeinen sind hier einige Hauptgesichtspunkte anzugeben . Amerika kann man mit Recht die Neue Welt nennen ; die alte Welt wird nun in 3 Theile getheilt , das scheint willkührlich zu sein und durch Zufälligkeit so entstanden zu sein . Aber das Wahre ist : daß die physikalische be schaffenheit als solche ebenso mit der seelenhaften be schaffenheit in diesen unterschiedenen Theilen bestimmt ist , und daß also auch diese geographische Unterscheidung eine physische und natürliche ist . diese geographische Unterscheidung hängt zusammen mit der Verschiedenheit der Racen , welche im Allgemeinen durchaus auffallend ist ; in Ansehung der Gränzen lassen sich freilich Abweichungen finden , aber im Ganzen ist es etwas Festes . Es sind nun 4 R a c e n angenommen . Amerika macht einen

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… die1] Er : pp – ausmachen . das erste betrifft die ganz 1 sondert] Wl : 2 .) besondert 2 Erde – ] Wl : Erde , und zerfällt in die b e s o n d e r e n N a t u r g e i s t e r , die im Ganzen die Natur der geografi schen Welt theile ausdrücken , und die Racenverschiedenheit ausmachen . – / hier] Wl : hier , indem es die ganze Filosofie des Geistes ist , die wir zu betrachten haben , 3 fallen . Z u e r s t … allgemeine] Wl : gehören . – / Das Erste betrifft ganz allgemein die 4 dieses] Er : des ganz Wl : des Naturlebens : das] Er : Naturlebens und Wl : Naturlebens Naturgeister der Erde .] Er : Naturgeister . Erde .] Wl : Erde , Besondrungen dieser allgemeinen Individualität , besondre Individualitäten , die aber selbst noch allgemein ist . 5 unsrer Erde] ErWl : unsres Erdkörpers 5–6 in die … enthalten] Er : und im Allgemeinen sind es 4 Welttheile , Wl : im Allgemeinen in 4 Welttheilen 6 mehr ein] Er : ein Wl : eine Sammlung , ein 7–8 in bezug … diese] ErWl : [eine große Unreife zeigen :] Wl : sowohl in Ansehung der physischen Beschaffen heit als auch der Menschen Unreife zeigt .] Auf diese Unterschiede kommt es [an und diese] Wl : an . diese fysikalischen] 9–11 Im Allgemeinen … nun] ErWl : [ Wir] Wl : Nur allgemeine Hauptgesichtspuncte hier : Wir] geben wohl zu [daß] Wl : daß die sogenannte neue Welt ,] Amerika eine [andre] Wl : getrennte eigne] Welt gegen die alte [ bildet . diese Alte ist aber] Wl : bildet , die] 12–17 getheilt , das … welche] ErWl : [getheilt und es scheint das erst zufällig zu seyn .] Wl : getheilt ist . Diese Eintheilung scheint willkührlich zu seyn und sich durch Zufälligkeit gemacht zu | haben .] die Vorstellung dieser Eintheilung mag [nun in die Menschen] Wl : aber] gekommen seyn wie sie will , so ist gewiß daß die Verschiedenheit der Theile auch in der verschiedenen [Seelenhaftigkeit der Bewohner] Wl : Seelenhaftigkeit] bestätigt ist . die geographische Eintheilung hängt [auch mit den Racen zusammen ,] Wl : mit dem zusammen , was man Racen nennt ,] eine Verschiedenheit [die] Wl : die im Particulären wohl in vielem unbedeutend ist ,] 17–19 in Ansehung … einen] ErWl : Es ist nun angenommen daß 4 solche Racen sind die amerikanische überhaupt , die obgleich unter [sich verschieden den]

20 1–3 des Naturgeistes

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Gegensatz gegen die alte Welt aus . der amerikanische Character ist ein ganz andrer als der der alten Welt . – so der asiatische ein andrer als der europäische . Afrika steht in Zusammenhang mit Europa durch das Mittelmeer , das sie eigentlich trennt , aber sie doch enger verbindet als das Land . So hängt eigentlich Afrika noch mit Europa zusammen , und das eigentliche Afrika fängt erst an mit der Wüste Sahara , der boden eines ungeheuren Meeres . Man hat umgekehrt die Spanier die Afrikaner von Europa genannt ; aber das ganz nördliche Afrika hat mehr Zusammenhang mit Europa , als mit dem übrigen Afrika . Ebenso Vorderasien hat mehr Ähnlichkeit mit Europa als das übrige Asien . So wie man den Indus überschreite erzählt ein Engländer finde man erst einen andren Welttheil als Europa . Der höchste Unterschied in Ansehung der physischen beschaffenheit der Erde ist der Unterschied von Norden und Süden . diese Differenz ist aber mehr ein quan-

Wl : ein ander im höchsten Grade verschieden , doch gesammt , einen gemeinsamen] 1–3 alte Welt … Europa] Wl : Bevölkerung der alten Welt ausmacht . In dieser ist nun der afrikanische Character sehr verschieden , und dann ferner der asiatische gegen den europäischen , – und eben so wesentlich unterschieden der afrikanische vom asiatischen . Asien , Afrika und Europa sind wieder verbunden 1–6 aus . der … Meeres .] Er : mache . In dieser ist erst der africanische Character sehr verschieden , dann ferner der asiatische gegen den europäischen . das mittelländische Meer verbindet die drei Erdtheile . In dieser Rücksicht gehört das nördliche Africa viel mehr zu Europa als zum eigentlichen Africa von dem es durch die Wüste getrennt ist . 3–11 das sie … höchste] Wl : diesen großen Mittelpunct der alten lebendigen Welt , – das so wenig diese drei Welttheile von einander trennt , daß mit weit mehr Recht , als die Franzosen Spanien das Afrika in Europa nennen , man Nordafrika (das die Sahara , dieser ungeheuer hindernde trockne Meeresboden mehr von SüdAfrika als das Mittelmeer es von Europa , trennt) und Vorder-Asien (gar zu sehr von Asien jenseits des Indus verschieden , und weniger von Europa) zu Europa rechnet , auf große Uebereinstimmung in vegetabilischer , geognostischer p Rüksicht , wie in Sitten etc der Menschen , mit denen Europa’s basirend . / Dieser Unterschied der Racen beweist sich als ein Unterschied geistiger oder wenigstens seelen hafter Beschaffen heit des Menschengeschlechts . Was diese Unterschiede (Verschiedenheit der Stämme , etc . betrifft , so ist’s theils physiologischer , theils hängt’s mit geistiger disposition zusammen .) – / Der nächste 7–9 aber das … Asien .] Er : Nordafrica hat aber vielmehr europäischen Character . Ebenso ist es mit Vorderasien . 9 überschreite erzählt … Engländer] Er : überschreitet 10–11 erst einen … höchste] Er : einen so verschiedenen Character von Europa wie vorher gar nicht pp Hier empfi nde man erst daß man in einem andren Welttheil sei / dieser Unterschied zeigt sich auch als ein seelenhafter des Menschengeschlechts . der nächste 11–12 ist der Unterschied] Wl : und des fysischen Zustandes , den die Menschen besitzen , ist der 12–607,2 diese Differenz … der] Er : dieser ist ein mehr quantitativer der Kälte und Wärme und deren Wirkungen sind wie wir wissen sehr verschieden . Diese 12 diese Differenz … aber] Wl : »diesen Gegensatz der terrestrischen Polarität , durch welchen das Land gegen Norden zusammengedrängt ist und das Uebergewicht gegen das Meer hat , gegen die südliche Hemisphäre aber getrennt in Zuspitzungen aus einander läuft , bringt in den Unterschied der Welttheile Modificationen , die Treviranus (Biolog II Thl) in Ansehung der Pfl anzen und Thiere aufgezeigt hat .« – Diese Verschiedenheit ist 15 asiatische] asiatischen

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titativer Unterschied der Wärme und Kälte . Das leuchtet ein , daß die Kälte den Menschen ganz ohnmächtig macht , | sowohl an Geist als an Körper . Von der Nord und Südpolarität ist zu unterscheiden Ost und Westpolarität . die Unterschiede der verschiedenen Welttheile sind aus beiden Polaritäten zusammengesetzt ; diese scheinen relativ zu sein , allein dies ist nicht blos Schein sondern ein constituirter fi xer Unterschied . Der Unterschied der Racen ist theils etwas Physiologisches ; dahin gehört die Farbe , die schwarze und die gelbe der Ostasiaten , die Kupferfarbe der Amerikaner , die weiße Farbe der Europäer , welche die vollkommenste ist an und für sich , nicht bloß aus Gewohnheit . diese Hautfarbe ist das Resultat des Spiels , der freien Thätigkeit des blutes – die Leidenschaften und Empfindungen hängen mit den blutbewegungen zusammen – der Zorn macht roth ( ? ) die Furcht blaß , die Haut ist so gestaltet , daß das Spiel der Empfi ndungen sich darin ausdrückt . Die Farbe der Europäer ist nicht bloß weiß , sondern auch röthlich , bläulich , gelblich , worin eben die Vollkommenheit besteht ; es ist darin das Spiel der Vereinigung aller

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… der] Wl : Kälte , deren Wirkungen , wie wir wissen , sehr verschieden sind . (In heißer Zone haben die Menschen andre Gestaltung , als da , wo die Kälte die äußerliche Bethätigung verhindert . – Diese 3 ist zu unterscheiden] Er : muß unterschieden werden von der Wl : ist unterschieden von der 3–4 Unterschiede der … Welttheile] Wl : bekannten Unterschiede von den verschiedenen Welttheilen Unterschiede der verschiedenen] Er : Verschiedenheiten der 4–6 Polaritäten zusammengesetzt ; … Unterschied 2 ] Er : zusammen gebildet . | diese Unterschiede der Polarität sind nicht nur scheinbar ; die Unterschiede 4–5 diese scheinen] Wl : Ost und West scheint zunächst zwar bloß 5–6 allein dies … Physiologisches ;] Wl : da jeder Punct gegen den einen ein östlicher , gegen den andern ein westlicher ist ; aber daß dieser Schein bloß Schein sei , erweist sich bei näherer Betrachtung , wo man in Ost und West wirklich ein Constituirendes von fi xen Unterschieden fi ndet . die Hauptsache | betrifft die Verschiedenheit der Racen . diese ist theils rein fysiologisch . 6 ist theils … Physiologisches ;] Er : sind also theils bloß physiologisch , 7 die Farbe , … und ] Wl : der Unterschied der Farbe , die schwarz ist beim Afrikaner , 7–8 die schwarze … ist] Er : die weiße Farbe ist für die vollkommenste zu achten 8 Europäer , welche … ist] Wl : Europäer . Die weiße Farbe ist nothwendig die vollkommenste , 9 Gewohnheit . diese … Spiels ,] Er : Gewohnheit , sondern diese Hautfarbe ist Resultat diese Hautfarbe ist] Wl : der Grund hiervon ist , daß die weiße Farbe 9–10 des Spiels , der] Wl : der 10–13 – die Leidenschaften … Europäer] Er : und die Empfi ndungen mit denen die Blutbewegung zusammenhängt können sich durch diese Haut darstellen , es ist die Möglichkeit vorhanden , daß die innern Empfi ndungen aus ihr ein Zeichen ihrer machen können , das Spiel derselben sich auf ihr darstelle . Die europäische Haut 10 – die] Wl : ist , daß die 10–12 hängen mit … gestaltet ,] Wl : mit denen die Blutbewegung zusammenhängt , sich frei sichtbar machen in dieser Hautfarbe (Angst , Furcht , Schaam , sieht man auf dieser Hautfarbe) ; daß diese Farbe nicht fest ist , sondern es ist eine Möglichkeit vorhanden , 12–14 darin ausdrückt . … Vereinigung] Wl : daran ausdrücke , sie zum Zeichen ihrer mache . – Hierin liegt der Grund , die europäische Hautfarbe für die vollkommenste zu erklären . Sie ist indeß nicht , wie man sie gewöhnlich nennt , weiß . auch blau , roth , gelblich ; und zwar ist die gelbliche die eigenthüm liche Farbe der Haut als solche , Spiel 13–608,1 weiß , sondern … merken] Er : weiß . – Ferner gehört zu den physiologischen Unterschieden

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Farben vorhanden . Dann ist zu merken der Unterschied der Haare , die Schädelbildung , des festen baues der Knochen . Zusammengestellt ist dies in Blumenbach : De varietate generis humani naturae . Göttingen 1795 . Die Hauptsache dabei macht die bildung des Schädels aus . Es ist diese bestimmung nicht so leicht , da sie nicht regelmäßig ist in der Krystallisation . Für die bestimmung der Schädelbildung hat Kemper gewisse Punkte angenommen , und auf die Linien aufmerksam gemacht , welche diese untereinander bilden . Er stellt diese Linien auf in bezug auf die Schönheit , die er nach griechischen Kunstwerken bestimmt hat . Kemper hat eine Horizontallinie durch den äußern Gehörgang nach der Nasenwurzel zu und eine Linie von da aus über den hervorragenden Theil des Stirnbandes bestimmt : diese beiden Linien machen einen Winkel mit einander , und dieser Winkel zeigt sich bei den griechischen Statuen theils als ein rechter , theils nicht ganz als ein rechter ; je mehr er recht ist , desto schöner ist der Kopf ; bei den Thieren ist dieser Winkel ein spitzer ; bei den Menschen geht er in den rechten über . Blumenbach bemerkt aber , daß dadurch noch Vieles unbestimmt bleibe , und daß die Schädel nach dem Unterschied dieses Winkels auch noch sehr unterschieden seien ; daher hat er noch d e n Unterschied gemacht : ob man die Schädel von oben hinunter betrachtet oder

1 vorhanden . Dann … merken] Wl : darin . – Ferner gehört zum fysiologischen Unterschiede 1–2 die Schädelbildung , … in] ErWl : [dann auch der] Wl : der] verschiedne Bau der Schädel cf . 3–5 naturae . Göttingen … Krystallisation .] ErWl : naturae . die unterschiedne Bildung der Schädel ist nicht so leicht zu bestimmen weil [sie nicht so fest steht wie z . b . die Cristallisationen .] Wl : da nicht die feste Regelmäßigkeit ist , wie bei der Krystallisation .] 5–9 Für die … den] Er : Es ist nun durch Linien und Winkel ein gewisses Maaß angenommen von Camper . die Linien die er bestimmt hat ist eine horizontale vom 6 Kemper] Wl : Kamper 6–8 und auf … hat 2 ] Wl : diese durch Linien mit einander verbunden , und die Aufmerksamkeit gerichtet auf den Winkel , den diese Linien mit einander bilden , – zunächst um die Schönheit wie griechische Kunstwerke die Norm dazu geben , zu bestimmen , sofern sie auf dem Bau der Schädel beruht . Die Linien die er zog waren : 9 durch den] Wl : vom 9–11 und eine … beiden] Wl : die andre von da aus , durch das Stirnbein und dem Puncte der Nasenwurzel , wo die Höhlungen der Zähne des oberen Kinnbackens hinausgehen nach der Stirn . Diese 10 aus über … bestimmt :] Er : zur Stirn , 12–13 theils als … Kopf ;] Er : fast als rechter . 12 nicht ganz] Wl : beinahe 13 je mehr … Winkel] Wl : das ist das griechische Profi l . Bei Thieren , wenn man diese Linien zieht , fi ndet sich dieser Winkel als 13–14 ist dieser … spitzer ;] Er : wenn man diesen Winkel zieht , ist er sehr spitz , 14 geht er … über .] ErWl : weniger [spitz . Bei] Wl : spitz zum Rechten fortgehend . Unter den Menschen in den verschiedenen Racen ist dieser Unterschied : daß dieser Winkel bei] den Negern [nun ist dieser Winkel mehr spitz] Wl : mehr spitz ist] als bei den Europäern . 15 aber , daß … noch] ErWl : [dazu mit] Wl : mit] Recht [daß] Wl : daß hiernach noch] 15–17 daß die … ob] Er : gibt an daß 15–16 daß die … noch1] Wl : Schädel gar leicht nicht 16–17 daher hat … man] Wl : – warum er vorschlägt , 17–609,1 hinunter betrachtet … sich] Er : betrachten müsse . da zeige sich vorzüglich Wl : nach unten zu betrachten . 6 Kemper] siehe Anm . Nasenhöhle

8 Kemper] siehe Anm .

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9 nach der … zu] bei Hk darüber : zum Boden der 40

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horizontal – bei der betrachtung von oben herunter zeigt sich das Hervortreten der Zähne , des Kiefers , bei den Negern treten die Kieferknochen hervor und sind sichtbar . Der Unterschied des Schädelknochens selbst macht sich bemerklich durch das Hervortreten der backenknochen . Ein Schädel von der kaukasischen , mongolischen und tungusischen Race und ein otaheitischer Schädel sind alle verschieden | ebenso das Spitzige des Winkels und das Hervortreten des Kiefers und dabei auch dies , ob die Zähne vertikal sind , und ob sie unten im Winkel hervortreten und die Jochknochen sind hier die Hauptmomente des physiologischen und anatomischen . | Was uns näher angeht ist dies : inwiefern dieser osteologische bau zusammenhängt mit dem psychischen . dieser Zusammenhang überhaupt ist nicht zu verkennen . Stellen wir uns den Winkel vor von der Öffnung des Ohrs bis zur Nase der nach der Stirn führt , als einen spitzen und damit das Hervortreten des Mundes , so werden wir an thierische Physiognomie erinnert (Affen) , weil der practische Theil des Gesichts hervortritt , der das bedürfniß des Essens und Trinkens befriedigt . Wenn dieser Winkel mehr dem rechten sich nähert , da treten diese Organe zurück , das Auge tritt hervor , der ideelle Sinn , noch mehr die Stirn , die sinnende . Einem Menschenantlitz sieht man dies sogleich an ; das ist der Zusammenhang des Physiologischen mit

1–2 der Zähne , … die] Wl : theils der Joch(Backen) Knochen . Bei den | Negerschädeln zeigt sich z . B . daß die [(digitiv =)] Hk : (Maxillar =)] der Zähne , … Negern] Er : theils der Zähne , theils der Jochknochen . Beim Negerschädel z . b . 2–8 hervor und … hier] Er : sehr hervor pp das nähere ist physiologisch zu bestimmen , das Characteristische ist so der spitzere Camperische Winkel , dann Hervortreten der Kiefer pp das sind 2–4 hervor und … von] Wl : sehr hervortreten aus dem Oval des Schädels . – Unterschiedene Form der Schädel selbst (rundlicher , länglicher) zeigt sich auch bei aufmerksamer Betrachtung , wo besonders das Hervortreten der Backenknochen auffällt . Da nach bestimmt Blumenbach die Schädel 5–6 und tungusischen … und1] Wl : tungusischen p Race . Das Nähere ist anatomisch fysiologisch zu bestimmen . Das Spitzersein jenes Winkels also , und 2 .) 6 Kiefers und … dies ,] Wl : Kieferknochens , und 7–8 sind , und … hier] Wl : inserirt sind , oder ob die Insertion unter einem Winkel hervortritt , – und 3 .) der Jochknochen , – sind 8–10 des physiologischen … psychischen .] Wl : zum Unterschiede der osteologischen (fysiologischen) Structur . / Ein andres ist die Frage , inwiefern diese osteologische Structur zusammenhängt mit der psychischen (Bildung) Be schaffen heit ? 8 des physiologischen … anatomischen .] Er : der osteologischen Structur . | 9–10 dies : inwiefern … überhaupt] Er : wiefern diese zusammenhängt mit der Beziehung aufs Geistige ; diese 10 überhaupt ist] Wl : ist nehmlich 10–12 Stellen wir … an] ErWl : Wenn wir uns nämlich den Camperschen Winkel sehr spitz vorstellen , [so] Wl : und so auch damit das Hervortreten des Mundes , so] werden wir sogleich an eine 13 erinnert (Affen)] ErWl : erinnert 13–15 des Gesichts … Winkel] Er : der zum Essen bestimmt ist so hervortritt . Wohingegen er 14 hervortritt , der … bedürfniß] Wl : so hervortritt , (practisch , weil er auf Befriedigung befriedigt . Wenn] Wl : geht ,) sich das thierische Maul und die thierische Nase mehr hervorstreckt . Wohingegen 15–610,1 treten diese … Seelenhaften .] Er : tritt das Auge , dieser ideelle Sinn mehr hervor und noch mehr macht die sinnende Stirn sich geltend gegen die Organe des Bedürfnisses . 15 diese] Wl : diese practischen 16–17 noch mehr … des] Wl : und die Stirn (des Gehirns Behälter) macht , sinnend hervortretend , sich geltend

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20 In dieser Stellung zeigt sich nun vornehmlich 20

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dem Seelenhaften . Was das hervortreten der Jochknochen betrifft , so hat dies diesen Zusammenhang : die Kaumuskeln sind inserirt unter den Jochknochen . Es ist hier zwar nicht die Richtung auf den Mund unmittelbar , aber die Jochknochen stehn doch in beziehung darauf ; es zeigt sich auch hier das Hervortreten des bedürfnisses . Es hat also das Osteologische eine beziehung auf das Geistige . Die Kreolen die Nachkommen der Europäer in Amerika gehören nicht hieher . Die eigentlich amerikanische Race hat sich als eine Race gezeigt , die nach ihrer Art eine hohe bildung hatte , aber in schwächlicher Natur , diese Unterschiede sind physisch und hängen mit dem moralischen Zustand zusammen . In Amerika ist die beschäftigung des Menschen einseitig ; es gibt hier keine Hirtenvölker ; die patriarchalische lebensweise der Asiaten fehlt ganz . Jetzt ist es freilich anders ; es wird auch Ackerbau getrieben , aber er ist durch europäische Kultur erst zu ihnen gekommen . Der Ackerbau beruht darauf , daß solche Völker ihre Kultur knüpfen an die Grundpflanzen . Diese Gräser bringen das ackerbautreibende Leben hervor ; aber solche gibt es in

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gegen die Organe des Bedürfnisses . das ist ein menschliches Antlitz . – das ist der Zusammenhang d ieses 1–4 Was das … Hervortreten] ErWl : – das Andre ist das Hervortreten [der Jochknochen .] Wl : des Jochknochens , das besonders bei Mogolen p sehr auffallend ist .] dies Hervortreten hat denselben [ Zusammenhang , nämlich die Muskeln des Kauens , die] Wl : Zusammenhang , die] unter dem Jochknochen [ befestigt sind] Wl : inserirt sind und da oben ihre Befestigung haben ,] zeigen durch ihr Hervortreten [dies] Wl : wenngleich nicht so stark und mittelbar nur , das] Her vordringen 5–6 Es hat … hieher .] ErWl : So [ hat dies Physiologische eine] Wl : ist einerseits die Schädelbildung osteologisch , aber dieß Osteologische hat zugleich auch] geistige Bedeutung . Wenn so die Racenverschiedenheiten betrachtet werden , so sind sie nicht nur [äußerlich] Wl : körperlich] sondern wesentlich mit dem Geistigen im Zusammenhange . Was den näheren Unterschied im [Geist] Wl : geistigen Character] der Racen betrifft , so ist Amerika ein höchst interessanter Welttheil [aber bloß dadurch daß E u r o p ä e r sich dort angesiedelt haben , nicht die Amerikaner als solche sind es die die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben] Wl : doch interessant vornehmlich den Europäern , sofern die Einwohner Europäer sind , und nicht in Rücksicht auf die eigentlichen Amerikaner (Indianer) ; wie auch in neuerer Zeit Europas | Aufmerksamkeit anzogen ,] dadurch daß sie sich unabhängig [gemacht und vernünftige Gesetze sich gegeben haben , sondern es sind Creolen .] Wl : machten , sich menschliche Rechte ver schafften und vernünftige Gesetze , – nicht die Indianer , sondern Kreolen etc . Gemisch aus Europäern . –] 7–12 als eine … gekommen .] ErWl : [als eine zu einer hohen] Wl : gleich beim Kennenlernen , den Europäern , als eine zwar zu einer hohen Stufe der] Bildung ihrer Art gereifte gezeigt aber als doch [schwache . In] Wl : ein Geschlecht von schwacher Bildung . Die Unterschiede zwischen ihnen und den Europäern sind weit reichend , von fysischem und moralischem Zustande herkommend . – In Amerika hat es , – was 1 .) die Beschaffenheit der Völker betrifft (die ist in] der Geschichte der Staaten [sind die Beschäftigungen der Völker wichtig , in Amerika hat es] Wl : wichtig) – a)] keine Hirtenvölker gegeben , keine patriarchalische Lebensart , [dann auch keine ackerbauenden Völker .] Wl : (wie in Arkadien und vielen asiatischen Völkern) und wenn es deren jetzt giebt , so ist’s durch den Einfluß der Europäer ; b) dann auch keine Ackerbauer .] 13–611,2 darauf , daß … also] ErWl : [aber darauf daß die Völker] Wl : 18–19 die2 unter … sind bei Er am linken Rande mit Verweiszeichen

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Amerika nicht . Die Amerikaner hatten vorher nicht das Instrument des Pfluges , des Eisens ; sie sind also nicht cultivirt worden , sondern zu Grunde gegangen durch die Übermacht einer mächtigen physicalischen und intellectuellen Kultur , die sie sich zu eigen machen kann . Der amerikanische Freistaat beabsichtigt in neuerer Zeit eine Freilassung der Eingebornen , aber auch dadurch sind sie in den traurigsten Zustand gekommen . Im südlichen Amerika sind sie zwar stark und frei und haben Pferde aber zu einem Staat haben sie sich nicht erhoben . der Character des Afrikanischen in physiologischer Hinsicht und in beziehung auf das Geistige ist sehr von dem europäischen verschieden ; er enthält das gediegene Insichbleiben und Nichtannehmen andrer Formen . Die Afrikaner sind noch was sie vor 2000 Jahren gewesen ; sie sind nie nach außen gegangen , sondern immer in ihrem eigenen Zustand geblieben ; sie sind nicht zur Entzweiung vorgeschritten , zu Verstand , zum Denken , zu Wissenschaft zum Gesetzlichen – sie sind immer in der gediegenen Natureinheit und begierde geblieben . Sanftmuth auf der einen Seite , aber auch die furchtbarste Wildheit und Rohheit auf der andren . Daher ist bei ihnen die Sclaverei zu Hause ; Freiheit ist nur da , wo das bewußtsein hervortritt der

bei uns darauf , daß die Menschen] ihre Subsistenz [ bauen auf diese Grundpfl anzen , dies Leben ist bei ihnen nicht gewesen , und es steht damit Eigenthum , Recht in Verbindung .] Wl : knüpfen an diesen Boden , und ihn mit Gräsern bepfl anzen , womit Eigenthums-Recht in Verbindung steht , was bei Amerikanern so auch nicht war . –] Pferde – Eisen haben sie erst durch die Europäer kennen gelernt [und durch diese | sind sie] Wl : Sie sind überhaupt in ihrer Berührung mit den Europäern] 2–9 zu Grunde … enthält] ErWl : [zu Grunde gegangen , das] Wl : mehr oder weniger umgekommen und zu Grunde gegangen in dieser Berührung mit einer mächtigern fysikalischen und intellectuellen Kultur . – das] höhere der Europäer hat sie , die es nicht aufnehmen konnten , als sie in deren Athmosphäre gerathen waren , erdrückt , [wo sie auch gelind behandelt sind .] Wl : und so sind sie , in Süd Amerika im traurigsten Zustande , der Sclaverei , und selbst in Nord Amerika , wo man mehr Gerechtigkeit gegen sie übte und sie minder unterdrückte , bis zur Unbedeutenheit verkommen . – Selbst in neuerer Zeit haben sie sich höchstens zum Gebrauch des Pferdes , – nie zu Verfassung p , einem Zustande , der bei uns allein respectabel ist , – erhoben . –/] In der alten Welt haben wir Africaner , Asiaten und Europäer , deren Character wie physiologisch so auch geistig sich unterscheidet . der A f r i c a n e r behält 10–11 und Nichtannehmen … sind] Wl : das nicht zu Entwicklung fortgegangen ist . Er ist heut noch , was er vor tausenden von Jahren war , ist 10 und Nichtannehmen … Die] Er : das nicht zur Entwicklung fortgeht , die 11 2000] Er : tausend 11–12 in ihrem … nicht] ErWl : auf kindliche Weise [ bei] Wl : einerseits in seinem Zustande bei] sich geblieben , [sind] Wl : ist] in der Bestimmung der Einzelheit , der Begierde geblieben , [nicht] Wl : und ist nicht fortgegangen] bis 12–16 vorgeschritten , zu … Sclaverei] ErWl : des Verstandes , des [Gesetzes und der Einzelheit gerathen . Sie sind so einerseits sanftmüthig andrerseits fürchterlich grausam .] Wl : denkens , des Gesetzlichen p . – So sanftmüthig der Afrikaner einerseits ist , hat er auf der andern Seite die fürchterlichste und grausamste Wild = , Rauh = und Rohheit .] Die Sclaverei ist [ bei ihnen] Wl : drum vorzüglich | bei ihm] 16–612,3 Freiheit ist … bei] Er : denn Freiheit kann nur seyn wo der Mensch sich seiner als an und für sich seyender Allgemeinheit bewußt , sich als denkender weiß . – In 16–612,2 das bewußtsein … Gott ,] Wl : der Mensch denkt : denn das Bewußtsein der Freiheit ist das Bewußtsein der an und für sich seienden Allgemeinheit . dahin ist der Afrikaner in seiner ge-

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a l l g e m e i n e n Freiheit ; Zustand von Religion und Sittlichkeit sind bei ihnen nicht ; sie haben eigentlich keinen Gott , keinen objectiven Gott . – | bei den Asiaten aber bricht das bewußtsein des Allgemeinen auf ; es ist ein objectiver Gott , es ist Gesetz , Religion , Staat , aber zugleich mit der bestimmung , daß das Subjective hingegeben , versenkt ist in diese allgemeine Freiheit und daß dabei die individuelle Freiheit untergeht daher der ewige Despotismus . In dem mehr westlichen Asien , zum Theil auch im nördlichen tritt die subjective Freiheit mehr auf , aber eine subjective Freiheit , die auf einen allgemeinen Zweck im Ganzen gerichtet ist , so aber daß es bloß ein Schweifen in etwas Allgemeines hinein wird , wobei es zu keinem ordentlichen Resultat kommt . Wenn die individuelle Freiheit gewesen ist , bleibt immer noch die subjective in der Phantasie .

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Da s 3 t e d ie k a u k a s i s ch e e u ro p ä i s che o d e r g e r m a n i s che R a c e – Da macht sich beides geltend , das Wahre substantielle , gegenüber der Individualität das Princip der subjectiven Freiheit , des Gewissens und das Princip der concreten Freiheit – die Harmonie von diesen beiden ist das Princip beider .

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ten

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drungenen gediegenen Einzelnheit , die nicht aus der Einzelnheit (Begierde) in’s Allgemeine übergeht , nicht gekommen , – daher er auch nicht Recht , Gesetz , Staaten , Wissenschaften , 2–3 Gott . – bei] Wl : Gott – hat . – / Von 3–4 aber bricht … Staat ,] ErWl : [aber bricht das Allgemeine aus , sie] Wl : ist die allgemeine Grundbestimmung : daß bei ihnen das Allgemeine überhaupt ausbricht . – Sie] haben einen objectiven Gott , das alles umfassende , alles beherrschende , Gesetz , Recht , [Staat , das] Wl : Staat p . diese substantielle ,] an und für sich seyende [Allgemeine tritt da] Wl : Allgemeinheit , diese reine Allgemeinheit tritt da also] hervor 5 Subjective hingegeben ,] Er : Subject 5–9 ist in … bloß] ErWl : [ist in es , und die Individualität damit vernichtet ist .] Wl : in diese Allgemeinheit , – und damit ist die individuelle Freiheit vernichtet , nicht vorhanden .] dieses Allgemeine kann vernünftig seyn und doch ist der Zustand [ein unvernünftiger , unfreier] Wl : Unvernunft , unfrei ,] weil das Moment der Moralität [fehlt , wenn auch die Inhaltsbestimmungen der Gesetze pp vernünftig sind .] Wl : fehlt . davon zeugen die Kraft , dauer , Lässigkeit dieser Reiche , worin der Mensch zugleich unfrei ist , wie in Religion , so in Regierungsform ; und ihre Gesetze , die despotisch sind , – wenn gleich die Inhaltsbestimmung vernünftig ist .] – Es tritt [zwar] Wl : wohl , wenn man herausgeht in das Asien] nach Europa [ hin auch die Subjectivität hervor , aber so daß diese nur] Wl : zu , die Subjective Freiheit auch auf , doch so daß ihr Heraustreten der Subjectivität in’s Allgemeine nur ein Schweifen in etwas Allgemeinen ist ohne Resultat , wobei es zu keiner wahrhaften That kommt . Es kann dieser Character mit einem kometarischen Zustande im Fysischen verglichen werden ; ist eine Freiheit in der Vorstellung nur , die] 9–14 etwas Allgemeines … Da] ErWl : [dem Allgemeinen ist ohne wirkliches Resultat , – ein kometarischer Zustand – vollkommene Ausgelassenheit in der Phantasie und absolute] Wl : der Fantasie ist , ein fantastisches ungebundnes Ausgelassensein , – bei absoluter] Gebundenheit in der Wirklichkeit . [die kaukasische ,] Wl : 3 .) Die k a u k a s i s c h e R a ß e , oder näher] europäische , germanische [ Race , da] Wl : R a ß e ins Besondre . da] 14–16 Wahre

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Das sind also die allgemeinen Verschiedenheiten , nach denen sich die psychische Natur in dieser Rücksicht überhaupt bestimmt . Sie sind schon bemerklich gemacht worden , nach ihren geistigen bestimmungen : sittlich , religiös , moralisch . diese gehören eigentlich nicht hieher , wo wir es nur mit Naturbestimmungen zu thun haben ; aber um sich concret auszudrücken , müssen diese Ausdrücke schon anticipirt werden . die Anlagen sind ganz abstracter Art – sie entwickeln sich dann und werden concret in den angegebenen Weisen . diese Racen particularisiren sich in das Unendliche , in die äußerliche Lebensart sowohl als in die innre Tendenz und befähigung der Völker . – So weit die Geschichte reicht so sind sie überall an gewisse Völker an gewisse Charactere gebunden : Gallien z . b . hat das Römische Princip beherbergt und ist nachher durch die christliche Religion wieder ganz umgestaltet worden ; die alten Gallier und die heutigen Franzosen haben aber doch viel Überein-

substantielle , … beider .] Er : Substan|zielle zugleich aber auch die Seite der Subjectivität , das Princip der Moral , des Gewissens ; da ist dann concrete Freiheit , Harmonie der Freiheit im Inhalt und der formalen Freiheit , das Princip . / Wl : Allgemeine , Wahre , Substantielle (in Ansehung der Religion Gott als substantielle Wahrheit gegenüber der Subjectivität) , aber auch zugleich auf der andern Seite die subjective Freiheit , moralisches Prinzip , Prinzip des Gewissens . da ist also concrete Freiheit , vernünftige Freiheit , nicht nur dem Inhalte , sondern auch der Form nach ; Harmonie von diesen beiden , das Prinzip . – 1 also die] Er : die Wl : die geistigen Prinzipien , die sich im Unterschiedenen geltend machen . Das sind die 1–2 psychische Natur … überhaupt] Er : Natur Wl : psychische Natur 2–3 schon bemerklich … moralisch .] Er : nach tiefern geistigen Bestimmungen gemacht . 3 ihren geistigen … moralisch .] Wl : tieferen , geistigeren Bestimmungen (religiösen , sittlichen p) 4 nicht] ErWl : noch nicht 4–5 wo wir … concret] ErWl : aber um sich [concreter] Wl : concreter (bestimmter)] 5 diese Ausdrücke schon] ErWl : sie 6 abstracter Art –] Wl : allgemeiner , abstracter Art ; aber sie beziehen sich auf die Verhältnisse des abstracten Gesetzes , / | der Allgemeinheit und Einzelnheit ; 6–9 dann und … Völker .] ErWl : [aber und ] Wl : und] gewinnen einen concreten Inhalt wie oben angeführt . – / [dieser Unterschied particularisirt sich immer mehr . / diese ferneren Particularisationen lassen sich nicht so dem] Wl : diese ganz allgemeinen Unterschiede particularisiren sich immerfort weiter , – in Particularitäten , die man »L o c a l g e i s t e r nennen kann , und die sich in der äußerlichen Lebensart , Beschäftigung , körperlicher Bildung und disposition , aber noch mehr in innerer Tendenz und Befähigung des intelligenten und sittlichen Characters der Völker zeigen . – Soweit die Geschichte der Völker zurückreicht , zeigt sie das Beharrliche dieses Typus der besonderen Nationen .« – / diese Particularisationen sind mehr oder weniger ; da treten Zufälligkeiten p ein , und spielt Mehreres ein , so daß sie sich nicht so dem Unterschiede des allgemeinen] Begriffs gemäß angeben [weil vieles Zufällige mit einspielt .] Wl : lassen . –] 9–12 reicht so … die 2 ] Wl : zurückreicht , sind mit gewissen Völkern auch besondre Volkcharactere verbunden gewesen ; wie die Deutschen z . B . und die Gallier immer denselben Character behauptet haben . – (So haben die Gallier , obgleich von vielen fremden Völkern heimgesucht , von den Römern zur Provinz gemacht , und als solche Jahrhunderte behalten , obgleich sie eine andre Religion im Christenthum bekommen p – doch mit den so sind … worden ;] Er : sind solche verschiedenen Volkscharactere vorhanden , 12–614,8 haben aber … die1] ErWl : [stimmen darin 25 aber] aber ; aber

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stimmung , bei Italienern ist das schwerer herauszusehn ; da haben wir das bild der römischen Herrschaft , wo die Individualität dem e i n e n Staatszweck gehorchte und unterworfen war ; jetzt aber sehn wir lauter kleine Herrschaft particulären Interessen fröhnend ; dennoch ist doch das sich Erhalten vieler abgesonderter Staaten in allem zu erkennen obgleich sie nicht ganz wieder zusammengegangen sind trotz der einerlei Sprache . – da scheinen römischer Character und italienischer sehr verschieden von einander ; indeß näher betrachtet wird man auch hier das zusammenstimmende nicht verkennen . die römische Einheit zeigt sich als ein gewaltsames , welchem die verschiedenen Individualitäten Italiens einverleibt worden sind durch das Schwert ; und mußte , als die Gewalt verschwunden war , die Losgebundenheit wieder hervortreten . So bei den Griechen ; bei ihnen sind die Unterschiede bedingt durch das Klima ; die Untersuchung darüber ist sehr interessant . die Griechen im Culminationspunkt ihrer bildung zerfallen in Lacedämonier Athener und Thebaner – im Süden die ersten zu dorischen Stämmen gehörig bei denen die gediegne Sittlichkeit ,

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überein ,] Wl : noch das Uebereinstimmende des allgemeinen Nationalcharacters .] – bei anderen Nationen ist es allerdings schwerer [das zu fi nden , z . b . wenn wir Italien ansehen , wo Ro m so geherrscht hat , die Individualität E i n e m Zweck unterworfen war , so ist da itzt ein Zerfallen in lauter einzelne Stücke , das gerade entgegen ist] Wl : herauszusehen . So , zum Beispiel , in Italien : haben wir das Bild des alten Roma vor uns , der römischen Herrscher , des römischen Staats , dieses Patriotisms , wo das Vaterland so herrschte , wo jede Individualität so den allgemeinen Zwecken unterworfen war , – und sehen dann auf Italien wie es vollkommen zerfallen ist in eine Menge einzelner Städte und Staaten , und wie selbst , wo mehrere von ihnen verbunden worden zu größeren Staaten , der Hauptcharacter der Mannigfaltigkeit und abgesonderter Staaten , auch der noch geblieben ist , – wie , ist auch die Sprache im Ganzen dieselbe , es doch nie zu einem politischen Ganzen hat werden wollen ; – und erkennen dieß Zerfallen ganz entgegengesetzt] der Starrheit der römischen Einheit , [indeß wenn man in eine nähere Betrachtung sich einläßt so kann man den Zusammenhang nicht verkennen , denn jene] Wl : – so erscheint wohl der römische Nationalcharacter ganz entgegengesetzt dem italienischen . Und doch , wenn man weiter in die nähere Würdigung dieses Unterschiedes eingeht , so kann man auch das Zusammenstimmende in beiden Characteren nicht verkennen . Denn die] 8–12 ein gewalt sames , … im] ErWl : eine gewaltsame , [und ] Wl : (mit Gewalt ward das alte Italien zu Eins , gegen die Individualität des Einzelnen unterworfen) – und] gegen diesen widernatürlichen Zustand hat das Losge|bunden seyn eintreten müssen . Wir sehen [so also die verschiednen VolksCharactere ; trotz] Wl : also die Nationalcharactere Europas , innerhalb der Allgemeinheit Europa’s gegen Asien stehen . Ungeachtet des gemeinsamen , daß germanische Nationen die herrschenden in allen diesen Ländern sind , ungeachtet] der Einheit der Religion , der [ Bildung und der Wissenschaften pp] Wl : Bildung p , ungeachtet dessen] hat sich diese Unterschiedenheit von Localgeistern herausgearbeitet . Solche [ Particularisationen gehn so immer weiter . z . b .] Wl : Unterschiede , Particularisationen gehen innerhalb Eines Prinzips hervor , und innerhalb der Particularisationen geht es eben so weiter . So z . B .] wenn wir die Griechen betrachten so sehn wir [in] Wl : bei] ihnen solche Unterschiede die [mit] Wl : unmittelbar mit] dem Klima zusam|men hängen . [die] Wl : Griechenland ist ursprünglich in viele Stämme getheilt . Diese] Stammesverschiedendheit hat immer eine Wichtigkeit [erhalten , die] Wl : behalten , aber sie zeigt sich auch weiter als etwas , nur für gelehrte Untersuchungen Intressantes . Die] Griechen im höchsten 13–615,1 zerfallen in …

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das substantielle Staatsleben das herrschende ist , so daß die Individualität gegen die substantielle Einheit zurück tritt . | wir können die Lacedämonier in ihrer Vaterlands liebe bewundern ; aber sie ziehen unser Gemüth nicht an ; die freie Individualität ist bei ihnen nicht zu ihrem Recht gekommen ; Privateigenthum , und die Schönheit des Familienverhältnisses ist zurückgeblieben , darum auch schöne Kunst und Wissenschaft – das andre Extrem zu ihnen sind die B ö o t ie r etwas nördlicher ; bei ihnen ist die Subjectivität überwiegend , der Freundschaftsbund von Jünglingen , die auf Tod und Leben mit einander verbunden waren ; es war freie Verbindung des Gemüths cf . Polybius , wodurch sie endlich in ein Schlemmen und Verdorbenheit übergegangen ist . Zwischen beiden stehn die A t h e n ie n s e r , bei denen Vaterland , Gesetzlichkeit , subjective Freiheit beide zu ihrem Recht gekommen sind . So haben wir in der Geschichte der Philosophie denselben Gegensatz ; gegen Osten ionische

das] Er : da sehn wir L a c e d a m o n i e r im Süden , diese sehn wir so daß das gediegene , 614,13–14 zerfallen in … denen] Wl : angesehen , sind Athener , Lacedämonier und Thebaner die dann unser Intresse vornehmlich an sich ziehen . / 1) die L a c e d ä m o n i e r (dorisch) im Süden . Sie sehen wir so , daß 1 das] Wl : das gediegene 1–3 das herrschende … liebe] Er : vorherrschend ist gegen welches die Individualität zurücktritt , das vollkommne Versenktseyn in dies allgemeine Interesse können wir 1 so daß … die 2 ] Wl : – und die subjective Freiheit gegen diese 2–3 in ihrer … liebe] Wl : wegen ihrer Tugend und ihrer Bereitwilligkeit , dem Vaterlande bloß zu leben , wohl 3–7 an ; die … ist] Er : an , weil die subjective Freiheit zurücktritt . Familienleben , Kunst , Wissenschaft hat bei ihnen nicht zu einer solchen Blüthe gelangen können als in Athen . Bei den T h e b a n e r n sehn wir 3 an ;] Wl : an : denn 4 zu ihrem … gekommen ;] Wl : aufgekommen ; 5–6 Fa milienver hältnisses ist … Wissenschaft] Wl : Familienlebens p sind zurückgeblieben , – und eben so haben schöne Kunst und Wissenschaften bei ihnen nicht geblüht , wie bei den Athenern . 6–7 die B ö o t i e r … ist] Wl : 2 .) die Thebaner (böotisch) mehr nach Norden . Bei ihnen sehen wir 7–10 überwiegend , der … ist .] Er : überwiegen , den Freundschaftsbund der Jünglinge . diese Subjectivität der Thebaner ist dann späterhin in dies Schlemmen , diese Verdorbenheit übergegangen . 7 überwiegend , der … Jünglingen ,] Wl : überwiegen , – wie im Freundschaftsbunde der Jünglinge , 8 mit einander … war] Wl : sich verbinden . Was bei den Lacedämoniern Versenktsein ins Vaterland war , war hier 9–10 cf . Polybius , … ist .] Wl : Das subjective Leben der Thebaner ist dann später in dieß Schlemmen , diese Verdorbenheit übergegangen , über das Entbehren eines allgemeinen sittlichen Intresses . – / 3 .) 10 A t h e n i e n s e r , bei denen] Wl : A t h e n e r , die 11 subjective Freiheit beide] Wl : Sitte und dabei auch die subjective Freiheit , beide auf gleiche Weise subjective] Er : Sitte und dabei subjective 11–12 gekommen sind . … Gegensatz ;] Wl : kommen ließen ; also auch die subjective Freiheit sich in Wissenschaft und Kunst frei ergehen ließen . / Von einer andren Seite betrachtet , bietet dasselbe sich : 11–616,8 sind . So … kommt 3 . ,] Er : sind , daher auch die Künste , Wissenschaften . / So auch hat die ionische Philosophie zu ihrem Princip das Natürliche gehabt , so die westliche eleatische Philosophie den abstracten Gedanken , die athenische Philosophie in der Mitte den concreten Gedanken , den νοῦς . – / Die Particularisationen sind determinirt durch die Bestimmtheiten des Begriffs . – / Wir haben nördliches und südliches Deutschland , die Philosophien der Subjectivität Böhme , Kant Fichte sind im nördlichen Deutschland entstanden . – / Bei gebildeten Menschen fallen diese Unterschiede mehr weg weil sie nach allgemeinen Bestimmungen 6 nördlicher] folgen einige unleserliche Zeichen ; ev . Ausrufungszeichen

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Philosophie , die ein natürliches materielles Princip zu Grunde hatte ; die eleatische Philosophie hat überhaupt das Princip des Gedankens ; in der Mitte die athenische Philosophie : Socrates Plato – Ebenso in deutschland im nördlichen deutschland die Philosophie der Subjectivität die kantische , fichtische die worin die Subjectivität als Princip zu Grunde liegt – die gebildeten Menschen erheben sich über die Nationalität , eines gebildeten Menschen Auszeichnung ist : nach a l l g e m e i n e r Denkweise zu handeln . Nun kommt 3 . , die I n d iv id u a l it ä t , daß die Seele individuelle bestimmungen hat ; die Seele vereinzelt sich ; die Subjectivität kommt nicht in ihrer Tiefe als subjectiver Geist hier in betracht , sondern als Vereinzelung der Naturbestim mungen – Modi des verschiedenen Temperaments , Characters , Physiognomie . Außer diesem gemeinsamen also ist jedes Individuum von dem andren verschieden , was in die unendliche zufällige Mannigfaltigkeit hinausgeht . Hier sind besonders die Unterschiede wirklich sind . das ist was die Particularisation der natürlichen Seele betrifft . das dritte ist 1 die ein … hatte ;] Wl : hat zu ihrem Prinzipe gehabt ein natürliches , man kann sagen , materielles Prinzip ; – 2–6 Philosophie hat … ist :] Wl : (gegen Westen) den abstracten Gedanken (Pythagoras p) die a t h e n i s c h e in der Mitte , den concreten Gedanken , den νοῦς des Socrates . | So particularisiren sich die Nationalcharactere oft innerhalb eines gegebnen Umfanges wieder in sich , und diese Particularisationen richten sich , determinirt nach ihren Unterschieden durch die Bestimmtheiten des Begriffs im Allgemeinen . – Das ist auch in andrer Rücksicht der Fall , wie in Griechenland . z . B Deutschland zerfällt in ein nördliches und südliches deutschland . – In Nord Deutschland entstand die Filosofie der Subjectivität ( Jacob Böhme , Fichte , Kant) in Süd Deutschland dagegen : – ? Hegel sagt’s nicht . Weiter dieß auszuführen führte zu weit . / Die gebildeten Menschen erheben sich über diese Unterschiede mehr , und erkennt man an ihnen schwerer den Nationalcharacter , eben weil die Auszeichnung des gebildeten Menschen darin liegt , 7–8 handeln . Nun kommt] Wl : handeln , zu existiren , wirklich zu seyn . – / Das ist also die Sphäre dessen , was particuläre Bestimmungen , Besonderung der allgemeinen Seele betrifft . – 8–12 individuelle bestimmungen … jedes] Er : individuell bestimmt wird . / | Hier tritt das Mannigfaltige ein wodurch ein Individuum sich gegen die andern abschließt . Jedes 9 die Seele … sich ;] Wl : sich vereinzelt zum i n d i v i d u e l l e n S u b ject . nicht] Wl : hier nicht 10 Geist hier … sondern] Wl : Geist , sondern nur 10–11 Naturbestimmungen – Modi … Physiognomie .] Wl : Naturbestimmtheit in Betracht . In dieser Vereinzelung tritt eine Mannigfaltigkeit von Unterschieden ein , wodurch sich der eine vom andern durch Eigenthüm lich keit auszeichnet . »Sie ist als modus des verschiedenen Temperaments , Talents , Characters , Fysiognomie , und andrer dispositionen und Idiosyncrasien von Familien oder den singulären Individuen .« – 12 von dem] Er : ist vom verschieden , was] Wl : unterschieden durch besondre dispositionen p – und das geht was] Er : hat besondres Talent pp – das geht 13–617,10 hinausgeht . Hier … d a s ] ErWl : hinaus . Unterschiede die man [ besonders gemacht hat sind die] Wl : in dieser Rücksicht gemacht , sind vornehmlich die : / 1 .)] des Temperaments . [ Bei größerer Bildung verschwindet dieser immer mehr , man kann heutigen Tags nicht leicht sagen daß einer dies Temperament hat , denn es vereinigen sich in ihm mehrere , keiner ist] Wl : das Temperament betrifft eine gewisse Particularität , die bei den Menschen , die zu mehr Bildung kommen sind , mehr oder weniger verschwindet . Heutigen Tages käme man schwerlich auf diese Unterschiede , wären sie nicht früher festgesetzt : denn »er ist von diesem oder jenem Temperamente« , kann man heute schwerlich sagen , da in jedem mehr oder weniger Temperamente zugleich sind , und keiner] so das Abstractum

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des Te m p e r a m e n t s bemerkbar zu machen . Te m p e r a m e n t ist ein unbestimmter Namen ; wenn die Lehre vom Temperament nicht in ungebildeten Zuständen aufgekommen wäre , so würde man heutiges Tags schwer auf diesen Unterschied gekommen sein ; es ist keins ein abstractum von e i n e m Temperament ; man kommt nie zu etwas bestimmtem ; Kant gibt eine besondre Beschreibung davon in seiner Anthropologie ; aber seine bestimmungen sind wie natürliche durchaus un sicher . Soll darüber etwas gesagt werden , so muß sich das Temperament auch auf den begriff gründen : Allgemeinheit Zweck , Substantielles und subjective besonderheit stehen sich gegen über . die Temperamente können sich nur beziehen auf beide Seiten zugleich . Man kann sagen : d a s ph le g m a t i s c h e Te m p e r a m e n t ist gerichtet auf die Substanz auf die Sache , aber mit weniger bethätigung ; wenn es aber dann seine Subjectivität nach und nach mit dem Inhalt vereinigt hat so ist es selbst substantiell geworden und beharrt darin ; das s a n g u i n i s che Temperament gilt als sein Gegentheil insofern es auch die subjective Seite dieser beweglichkeit hat aber zugleich auf die Sache gerichtet ist und leichter sich mit ihr vereinigt , aber auch leichter sie wieder verläßt . Sanguinisch und cholerisch gehen fast nur auf die Subjectivität ; das Melancholische ist das sich in sich herumdrehen . |

20 von [einem . –] Wl : einem ist . Kant in seiner sogenannten Anthropologie giebt eine ausführliche

Beschreibung der besonderen Temperamente . Es giebt da aber nur sehr äußerliche Bestimmungen , 20 die mehr oder weniger auch bei anderen Temperamenten Statt fi nden können . – Aber] diese Un-

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terschiede des Temperaments müssen sich auch auf den Bestimmungen des Begriffs gründen , es ist [da Sache Zweck] Wl : die Sache (Zweck) Substantielles ,] und gegenüber die subjective Besonderheit , diese Unterschiede nun des Temperaments können [also nur das Verhältniß jener beiden ausdrücken . So können wir sagen daß das] Wl : sich nur beziehen auf unterschiedliche Verhältnisse jener beiden . – So können wir sagen , daß das : / a)] 10–11 ist gerichtet … Sache ,] Er : gerichtet ist auf die Sache , Wl : gerichtet seyn muß auf Sache , Substanz 11–13 bethätigung ; wenn … darin ;] Er : Thätigkeit der Subjectivität , hat es aber mit der Substanz sich vereinigt so kann es dabei beharren . / 11 bethätigung ; wenn … dann] Wl : Bethätigung der Subjectivität , Lebendigkeit der Thätigkeit . Wenn aber das flegmatische Temperament 12 Inhalt] Wl : Inhalt , der Sache , dem Zwecke (der Substanz) 12–14 ist es … dieser] Wl : beharrt es darin , ist selbst Substanz worden . Es kann wohl langsam scheinen , aber thätig seyn , sich mit dem Rechten zu | einen und darin zu verharren ; – / b) daß das s a n g u i n i s c h e , das Gegentheil vom flegmatischen sei , sofern nehmlich das sanguinische Temperament nach subjectiver Seite die 13–15 gilt als … vereinigt ,] Er : hat diese Beweglichkeit der Subjectivität daß es die Sache leichter ergreift 14–15 zugleich auf … vereinigt ,] Wl : auch für die Sache Intresse hat ; die Sache leichter ergreift , 16–618,2 Sanguinisch und … Kunst 2 ] Er : das melancholische und das cholerische Temperament sind mehr nur auf seine eigne Subjectivität gerichtet / Diese particulare Individualität bringt nun unzählige Verschiedenheiten hervor . Talent , Genie ist auch eine solche individuelle Verschiedenheit . Kunst ist nicht nur das Vernünftige sondern es 16 Sanguinisch und … nur] Wl : Das melancholische und cholerische Temperament beziehen sich mehr 16–618,4 das Melancholische … enthalten .] Wl : die in sich geht , die Sache beachtend , 36–37 gerichtet / ] es folgen mehrere Leerzeilen

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den 19ten November .Er

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Baco kann den Mond nicht sehn , ein andrer nicht einen bloßen Degen – Genie Kunst etc . ist auch individuell ; in der Kunst ist das geistige auf sinnliche Weise vorgestellt . Im Künstler ist eben darum auch das Moment der Natürlichkeit enthalten . Genie bezieht sich mehr auf eine Anlage die Totalität be trifft , Talent mehr auf einzelne Seiten auf einzelne Zweige der Wissenschaften und Künste . So Talent zu Musik , was sich schon früh äußert ; aber ein so frühreifes Kind hat es am Ende doch nicht weiter gebracht als ein andres bei dem sich das Talent erst später geäußert . So hat es auch besondre Talente für das Rechnen gegeben ; einen besondren Zahlensinn ; man hat davon ganz merkwürdige beispiele von ganz ununterrichteten Menschen . – Schäfer Kinder etc . haben ungeheure Zahlen im Kopf multipliciren können . Es ist noch kein allgemeines Gesetz gefunden , wodurch man erkennen kann , ob eine Zahl Primzahl ist oder nicht – Eine Zahl von 1112 Stellen Decimalstellen hat ein Franzose entdeckt , daß sie eine Primzahl sei ; diese Zahl hat man einem solchen ungebildeten Menschen vorgelegt und er hat es angegeben , daß sie aus 2 Factoren besteht , eine Aufgabe , die die Mathematik nicht gefunden hat . Das sind also besondre Idiosynkrasien . In Aristokratien , Familien sieht man auch solche Talente sich forterbend ; in einem größren freien Zustand der Gesellschaft vermischen sich diese Eigenthümlichkeiten mehr ; je gebildeter ein Volk ist desto weniger Absonderlichkeiten hat es ; denn die bildung ist eine allgemeine Benehmungsweise nach einer allgemeinen Norm . diese Absonderlichkeiten be treffen

aber in Rücksicht auf die Subjectivität : das Melancholische . / das cholerische , in dem es auch beharrt bei der Particularität , aber mehr polemisch sich in seiner Subjectivität verhält . – Diese natürliche Individualität enthält noch unendlich viele Particularisationen . Es kommen darin vor ganz besondre Sonderbarkeiten ( Jacob I konnte keinen bloßen degen sehn) . Das sind Besonderheiten . Talent , Genie p sind auch natürliche Bestimmtheiten . Kunstproducte p sind geistig , aber zugleich das Talent anschaulich vorgestellt . Im Producirten ist Geistiges , aber auch Natürlichkeit ein Moment . – 3–4 vorgestellt . Im … enthalten .] Er : anschaulich gemacht , da ist die Natürlichkeit des Künstlers auch ein Moment . | Talente sind auch so verschieden – 4 eine Anlage … be trifft ,] Er : die Totalität , eine Anlage] Wl : Anlage 5–20 einzelne Seiten … Benehmungsweise] Er : eine einzelne Sphäre – die Unterschiedenheit des Talents zeigt sich oft auf eine ganz wunderbare Weise ; so haben manche ein entschiednes Talent fürs Rechnen pp Idiosynkrasien . – Es kann sich auch bei Familien manche solche eigenthüm liche Richtung , eigenthüm licher Character erhalten , wie sich das namentlich in Aristokratien zeigt wo auch Umstände pp das Ihrige thun . Dies vermischt sich mit größrer Bildung , d . h . Benehmen 5–18 Seiten auf … mehr ;] Wl : Seiten . Da gibt’s auch ganz subjective Besonderheiten , Musik , ein Talent das sich sehr früh in der Jugend zeigt . Unterschiedenheit des Talents ist oft auf ganz eigenthüm liche Weise . z . B . ganz wunderbare Beispiele von Rechentalenten . Das sind so Idiosynkrasien von Talenten . – / In Familien kann sich erhalten eine besondre Richtung p wie z . B . oft in den Aristokratien das auffiel . – Solche Eigenthüm lich keiten vermischen sich mehr in größeren Zuständen der Gesellschaften , wo Familien nicht so große Privilegien p haben . 19–20 weniger Absonderlichkeiten … Norm .] Wl : mehr vermischen sich solche Absonderlichkeiten der Familien und Individuen .

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auch nie das Wesentliche in der Religion , in der Vernunft , in der vernünftigen Wissenschaft , Recht und Sittlichkeit . – Das alles steht über dem besondren Talent ; es gibt nicht besondres Talent für Religion , kein besondres Genie für Sittlichkeit etc . – Man kann also der Natur keinen Vorwurf über die ungerechte Ver thei lung der Talente machen ; denn das Gerechte zeigt sich darin , daß der Mensch Mensch ist ; an dem wesentlichsten im Menschen haben alle Menschen gleiches Recht . Das ist nun der Kreis der Bestimmtheiten – die Seele ist natürlich bestimmt . – Es ist allgemeine , besondre und bestimmtheit der Individualität .

D ie n a t ü r l i c h e n Ve r ä n d e r u n g e n a n d i e s e n I nd iv id ue n . 10

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§ 396–399 . Sg

Wir sind bei der Individualität als solcher , und die ist sich an ihr entwickelnd ; es ist also hier Unterschied an ein und demselben Individuum . Sofern die Seele als Individuum bestimmt ist , so sind die Veränderungen an ihm Entwicklungsmomente

1 auch nie] ErWl : nicht 1–3 in der 1 … Man] Wl : in Menschen , Religion , Vernunft , Wissenschaft . – diese haben für den Menschen allgemeine Gültigkeit , – stehen über dem , was besonders Talent , Genie ist , für sie giebt’s keine Talente und Genie’s – / Die Individuen sind bestimmte , haben natürliche Besonderheit , weil sie zugleich wesentlich Naturwesen sind , die Bestimmtheit der Natürlichkeit an sich haben . Aber , wie gesagt , das Wahrhafte im Menschen , ist darüber erhaben , – es 1–2 in der 1 … alles] Er : im Menschen , Religion , Vernunft , Wissenschaft pp werden davon nicht afficirt 2–4 Talent ; es … also] Er : Talent , dem besondren Genie , das ist die höhere Sphäre als diese Besonderheiten und man kann 4–5 keinen Vorwurf … machen ;] Wl : kein Vorwurf gemacht werden über Ungerechtigkeit : die ungerechte … darin ,] Er : ihre Ungerechtigkeit , denn das Wesentliche ist 5 zeigt sich darin ,] Wl : ist , 5–6 ist ; an … Recht .] Wl : sei , Theil habe an Religion , Sittlichkeit p , und das hat jeder , und hängt das nicht an Talenten p . – ist ; an … Menschen] Er : sei und an das was ihn dazu macht 7–8 Das ist … bestimmtheit] Er : dies sind dann die natürlichen Bestimmtheiten der Seele , sie sind Allgemeine , Besondre und endliche Bestimmtheiten 7–11 – die Seele … Unterschied] Wl : der Seele , allgemeine , besondre individuelle / b .) das zweite sind die n a t ü r l i c h e n Ve r ä n d r u n g e n . Die Seele zuerst unbestimmt und dann individuell . die Individualität ist die für sich seiende Bestimmtheit und die fernern Unterschiede sind a n d i e s e r I n d i v i d u a l i t ä t . Jetzt sind wir bei Individualität als solcher . Sie ist eben so ein sich an ihr entwickeln , an ihr Unterschiede haben . – | Diese sind 9–620,3 D i e n a t ü r l i c h e n … sahen .] Er : 396 . sind die natürlichen Veränderungen angegeben . Die Seele ist wesentlich individuell . die Individualität ist die für sich seyende Bestimmtheit , und die andern Bestimmungen fallen an diese eine Individualität , – während z . b . verschiedene Volkscharactere auseinander fielen – Hier sind es also die Unterschiede immanent an einer Individualität durch welche sie verbunden werden . – das Subject beharrt als ein und dasselbe in seinen Entwicklungsmomenten . hier muß , um concret zu sprechen , die Kenntniß des concreten gebildeten Geistes anticipirt werden . dieser Unterschied ist natürlich aber er kommt zur Existenz als eine gewisse Weise im Geistigen , und diese Weise nehmen wir hier so auch mit . 11 Sofern die] Wl : »An der 12 bestimmt ist , so] Wl : bestimmt , 12–620,1 ihm Entwicklungsmomente … desselben] Wl : ihm , als in ihnen beharrendere Subjecte und als – Entwicklungsmomente des

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eines und desselben Individuums . Man muß hier anticipiren zu den concreteren bestimmungen und beschreibungen der geistigen Unterschiede , wie wir das schon beim ersten Theil sahen . Man muß darum auf diesem Standpunkt nicht fragen : wenn dies Individuum so und so gebaut ist , welche Naturanlagen wird dasselbe haben ? Man muß das Physische nicht als die Grundlage ansehn aus welcher als physischer sich die geistige bestimmtheit erkennen lasse . das Geistige und Physische verhält sich hier nicht nach solchen Verhältnissen der Differenz , nach Ursache und Wirkung etc . ; sondern es ist hier von vorn herein die höchste Einheit enthalten . | Also die Unterschiede sind a n einem Individuum und zwar als Veränderungen einer Totalität die Individuum ist . diese Unterschiede schließen einander aus sofern sie natürliche sind , so fern sie aber e i n e m Individuum zukommen so können sie nur der Zeit nach außer einander sein . Das ist der Verlauf der lebenszeit . D a s 2 t e i s t d a s G e s ch le c ht s ve r h ä lt n iß : Das Individuum ist natürlich in ihm selbst unterschieden gegen ein andres , so daß die Totalität die Gattung ist . Das 3t e ist : daß dem Individuum an ihm selbst der Unterschied in einem In sich entgegensteht – die Totalität ist das Ur theil daß es sich in sich sich entgegensteht , in dieser Verschiedenheit also nicht außer einander fällt wie im 2t e n Verhältniß aber auch daß sie nicht auf 1–4 Man muß … haben ? ] Wl : Soll bestimmter davon geredet werden , oder sollen sie concreter bestimmt oder beschrieben werden , muß , da sie in Einem fysische und geistige Unterschiede sind , – die Kenntniß des gebildeten Geistes anticipiert werden . Es kann nicht von diesem Unterschiede gesprochen werden ohne dieß . Er ist Naturbestimmtheit , und dieß ist eine Weise des Geistigen . Wenn das Physische so und so ist , welche Naturanlage wird das Individuum haben ? , darf man nicht fragen . 3–4 darum auf … haben ? ] Er : hier sich solche Fragen versagen : wie wenn die | physische Beschaffen heit so ist , wie ist die Geistige . 5–11 das Physische … so2 ] Er : nicht hier so trennen daß dies Physische Ursache werde , in der Seele ist vielmehr diese Einheit vorhanden . / Das Nähere dieser Unterschiede ist dann daß sie als Veränderungen an diesem Individuum und es Totalität dieser ist . Indem sie unterschieden sind schließen sie sich aus , einem Individuum aber angehörend 5–13 aus welcher … G e s c h l e c h t s ve r h ä l t n i ß :] Wl : daraus (erkannt werden kann) abhängt das Geistige , wie Grund und Folge , Ursache und Wirkung . Auf Standpunct der Seele ist Einheit vorhanden . – / Was nunmehr unsern Standpunct (Grundlage) ausmacht , ist das / 1 .) Individuum und daß die Unterschiede am Individuum sind , als Veränderungen so daß das Individuum die Totalität dieser Unterschiede ist . / 2 .) Geschlechtsverhältniß . Individuum als solches , an sich selbst unterschieden . Totalität ist Gattung . / 12–13 außer einander … i s t ] Er : aus ein ander fallend seyn . Es sind diese Veränderungen : / 1 . der Verlauf der Lebensalter , dann 2 . 13–621,2 Das Individuum … ist] ErWl : [daß das Individuum selbst der Gegensatz ist , sich im andren sich entgegen stellt , 3 . daß] Wl : 3 .) daß] das Individuum an ihm selbst ein Ur theil ist , [so daß sich die Individualität als für sich seyend von sich selbst als nur seyender unterscheidet . Es ist also] Wl : in einem sich den Unterschied entgegenstellt . /] 1 . Totalität der Veränderungen die aber auf einander folgen . 2 . die differenz , [das Individuum als einseitig / 3 . die Totalität ,] Wl : Individuum einseitig / 3 .) da ist Totalität ,] aber das Ur theil ist daß es selbst [sich] Wl : in sich] sich entgegenstellt , diese Entgegenstellung nicht in zwei auseinanderfällt , [sondern sie in einem Individuum sich entgegenstehen . Das Ur theil ist dann] Wl : – 28 abhängt über (erkannt werden kann)

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einander folgen , sondern in e i n e m Moment einander gegen über gestellt werden . Dies ist das Erwachen der Seele . diese 3 Formen haben wir durch zu gehen[ .]

a . De r n a t ü r l i c h e Ve r l a u f d e r l e b e n s z e it .

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Das natürliche Individuum ist Totalität ; aber als Individuum ist es als Einzelheit äußerlich existirend , sterblich ; diese sinnliche Existenz ist unangemessen seiner Gattung , seiner allgemeinheit . Seine Gattung ist sein leben , seine Geistigkeit ; sein leben als Individuum aber ist : der Confl ikt dieser 2 extremen Momente der Verlauf dieses Widerspruchs , daß das Individuum sterblich ist , daß der Kampf aufhört mit der substantiellen Allgemeinheit im Natürlichen . der Mensch ist also von Natur sterblich , er stirbt aus sich ; es ist eine Nothwendigkeit eine r e a le Möglichkeit ; der Mensch tödet sich selbst – es ist die Gattung die ihn tödet ; diese seine Allgemeinheit steht in Widerspruch mit seiner unmittelbaren Existenz mit seiner Individualität . dieser Proceß ist also , was wir als | natürlichen Verlauf der lebensalter wissen .

in einem Individuum ein ander entgegensteht . Das ist] 2–3 der Seele . … a .] Wl : – / 1 .) diese 3 … a . D e r ] Er : Das E r s t e ist also der 3–5 l e b e n s z e i t . Das … unangemessen] Er : Lebensalter . Als natürliches Individuum ist es Totalität aber es ist als nur natürliches Individuum sterblich , es ist als unmittelbares Einzelnes , Naturding entgegengesetzt 3 l e b e n s z e i t .] Wl : L e b e n s a l t e r . 4–5 als Individuum … diese] Wl : sterblich . Einzelnes als Individuum unmittelbar , sinnliche Einzelnheit . Schon als Lebendiges , und als Geist , ist die 5 ist unangemessen] Wl : unangemessen 6 allgemeinheit . Seine … Geistigkeit ;] Wl : Totalität . Widerspruch seiner unmittelbaren Einzelnheit und seiner Allgemeinheit (Gattung .) – 6–7 Seine Gattung … ist :] Er : es ist dieser Widerspruch und sein Leben ist eben 7 2 extremen] Wl : 2 7–9 der Verlauf … Natürlichen .] Er : ein Widerspruch der damit aufgelöst wird daß die Gattung s i e g t , als die Substanzielle Allgemeinheit , das Einzelne aber s t i r b t . das Individuum stellt sich so als dieser natürliche Verlauf , Prozeß dar . 8–9 daß das … Natürlichen .] Wl : der sich damit auflöst , daß die Gattung den Sieg davon trägt über die Einzelnheit . das Individuum stirbt und die substantielle Allgemeinheit , Gattung bleibt . Das Individuum stellt sich dar , als dieser Prozeß . 10–11 er stirbt … Mensch] Er : es ist eine r e a l e Möglichkeit d . h . Nothwendig keit daß er stirbt . Er 10–13 es ist … Individualität .] Wl : sterblich ; nicht nur möglich , sondern nothwendig ist die Sterblichkeit . – Er ist selbst die Gattung und auch die Individualität . diese seine Gattung (Allgemeinheit) hat den Widerspruch an dieser unmittelbaren Existenz . – 11–13 es ist … Individualität .] Er : er selbst ist die Gattung , sie nichts ihm fremdes , und zugleich das unmittelbar Existirende und dies ist der Widerspruch in ihm . 13–622,8 also , was … nur] Wl : der natürliche Verlauf der Lebensalter . – / Das Individuelle überhaupt hat diesen Prozeß . Organisches hat ihn nicht . Berge p , Steine p dauern , sind abstracte Naturen . – / Kindesalter und Greisenalter sind Endpuncte . Begriffsbestimmtheit beider dieser ist gegensatzlose Totalität . – Das Kind ist noch der in sich eingehüllte Geist (physiologische Betrachtung überlassen wir der Fisiologie) . Hier sind

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glogie

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36 Fisiologie] Fisio-

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Das Natürliche hat diesen Proceß an ihm selber ; berge , Steine etc . dauern ; das ist aber kein Vorzug , sie sind abstracter Natur . Es sind in dem § (N . 1) angegeben die Formen : Das K i nd e s a l t e r und das Greisenalter , das sind die Extreme . Das Greisenalter geht darauf aus , eine 2t e Kindheit zu sein ; die begriffsbestimmtheit ist dagegen die gegensatzlose Totalität oder Einheit , bei dem Kind ist der Geist noch in sich eingehüllt , ist noch nicht zur Entzweiung mit sich gekommen . die Entwicklung desselben muß der Physiologie überlassen werden . Wir haben nur die Formen des Geistigen zu nennen , die diesen Momenten entsprechen . Da sind keine Hauptmomente im Kindesalter in der gegensatzlosen Einheit der friedlichen Unschuld gegen sich und gegen die We l t . Das Kind tritt aus dem Mutter Leib aus einer Art von vegetativem Leben , und dieser Heraustritt ins Leben ist nun ein ungeheurer Sprung . Man sagt zwar trivial genug : in der Natur gäbe es keinen Sprung , aber das ist solch abstracte Verstandeskategorie . das Kind ist nun noch auf vegetative Weise eingehüllt in sich ; es zeigt sich aber gleich als ein Menschliches . Das Kindesalter ist dann die erste Stufe ; im Jüng lingsalter ist der Gegensatz seiner Zwecke , seiner Ideale , Allgemeinheit | überhaupt gegen die Wirklichkeit . Im Mann ist derselbe Gegensatz aber umgewendet in ein andres Verhältniß . In der 4t e n Stufe kehrt der Mensch wieder zu der Einzelheit

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Philosophie des Geistes .Er

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1–3 Das Natürliche … Formen :] Er : Es ist ein Vorzug der organischen Natur sterblich zu seyn , die unorganische Natur dauert weil sie untergeordnet , d . h . abstract ist . – / 4–5 geht darauf … sein ;] Er : welches letztre auf die 2t e Kindheit losgeht , und 5 ist dagegen] Er : ist 5–14 Totalität oder … Verstandeskategorie .] Er : Totalität . Im K i n d e ist es noch nicht zu diesem Widerspruch zwischen seiner Einzelheit und Allgemeinheit gekommen . – Von der geistigen Bedeutung dieses Verlaufs werden hier die Hauptmomente angegeben werden . das physiologische gehört nicht hier her . Es ist im Kinde diese gegensatzlose Einheit , die kindliche Unschuld , friedliches Verhältniß zu sich und zur Welt . Das Heraustreten des Kindes an das Licht ist ein gewaltiger Sprung , die Geburt ist ein saltus , keine bloß allmähliche Veränderung , – die physiologischen Veränderungen sind noch nicht so bedeutend . 8–10 diesen Momenten … die] Wl : diesem Prozeß entsprechen . – Vom Geistigen sind Hauptmomente . – 1 .) K i n d e s a l t e r , diese | gegensatzlose Einheit , friedliche Unschuld mit sich und der 11 aus dem … Leib] Wl : in die Welt vegetativem] Wl : individualitätslosem 12–14 Heraustritt ins … Verstandeskategorie .] Wl : Austritt in die Welt ist ein S p r u n g . Der Mensch der geboren wird , macht einen Sprung . – 14 nun noch] ErWl : noch ganz 14–15 es zeigt … ein] Er : gleich nach der Geburt zeigt es sich als 15–16 Das Kindesalter … Jünglingsalter] Er : Beim J ü n g l i n g 16–623,1 seiner Zwecke , … ist] Wl : des Menschen in sich , der Gegensatz seiner Zwecke , des Allgemeinen gegen seine Einzelnheit und die Einzelnheit der Welt ; – / i m M a n n e ist auch Gegensatz , in andrer Weise nur ; i m G r e i s e n a l t e r kehrt der Mensch wieder zurück zum Frieden , von dem er ausging . Dieser ist aber 16–17 seiner Zwecke , … derselbe] Er : das Einzelne gegen das Allgemeine , (es s o l l so und so seyn , z . B . das Ideale , des Sollens pp) / Im Mannesalter ist auch der 17–623,1 umgewendet in … ein] Er : ein ganz andrer . / Im Greisenalter ist der

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12 ungeheurer] ugheurs 24 das physiologische … her . nachträglich am rechten Rande mit Einfügungs- 40 zeichen 34 J ü n g l i n g ] Unterstreichung nachträglich

anthropologie

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zurück mit der er angefangen hat . Das ist ein Frieden der Rückkehr so wie der erste einer ist der gebrochen werden muß und einen Trieb zur Entzweiung hat ; das letzte aber kommt aus dem Verlust dieses Gegensatzes . 1 . , d a s K i nd e s a l t e r . das menschliche Kind zeigt sich gleich als Mensch ; es ist ein Unterschied ein junger Hund oder ein junger Mensch ; man kennt sie gleich ; die Hand eines Kindes ist so zierlich wie bei keinem Thier irgend ein Glied . das Kind kündet sich nun gleich gebieterisch an , berechtigt und tobend gegen die Aussenwelt ; es schreit gleich nach der Geburt es ist ganz anders berechtigt zur befriedigung seines bedürfnisses , als das Thier ; es zeigt dies die absolute Gewißheit an , daß es seine bedürfnisse befriedigen kann . Nun lernt das Kind ; in keinem Alter lernt der Mensch soviel , als im Kindesalter . Seine nächste Entwicklungsstufe ist , daß es zum practischen übergeht , zum Gefühl seiner Wirklichkeit gegen die Außenwelt ; dies zeigt sich in der physischen Entwicklung der Zähne der Sprache , des Gehens und des Stehens auf den beinen ; zuerst lernt es aufrecht stehn ; der Mensch steht nur weil er will ; er wird nicht aufgerichtet von der Natur ; er steht selbst auf seinen Hinterbeinen ; wenn

1–2 Rückkehr so … ist] Wl : rückkehrt , jener so wie … der] Er : während der des Kindes 2–5 … menschliche] Er : soll . / Im Kindesalter sind wieder mehrere Perioden zu unterscheiden . das 2–4 muß und … K i n d e s a l t e r .] Wl : sollte . – das K i n d e s a l t e r hat mehrere Perioden : Entwicklungsstufen , – bis zum Jünglingsalter . – 5–7 Mensch ; es … Kind] ErWl : [ Mensch , als] Wl : Mensch , – in seiner äußerlichen Organisation] bestimmt zu [den vielfachen] Wl : vielfältigen] Geschicklichkeiten des [ Lebens schon in der Organisation .] Wl : Lebens . (Hand so zierlich .)] Es 7–8 nun gleich … tobend] Er : sogleich an nicht als bedürftig , sondern als berechtigt und ungebehrdig nun gleich … an ,] Wl : gleich mit seinen Rechten auf befriedigung gebieterisch an , wenn Bedürfnisse erwachen , 8–10 es schreit … dies] Wl : Der Schrei zeigt 8–9 schreit gleich … ist] Er : ist 9–10 seines bedürfnisses , … dies] Er : als Thier , im Schrei zeigt sich 10–12 an , daß … Seine] Wl : in ihm an , daß Befriedigung für es vorhanden seyn muß . – diese erste kindliche Periode hat es vornehmlich mit sinnlichen Formen zu thun : Entwicklung der sinnlichen Bestimmung und Lernen der sinnlichen Unterschiede , – sinnlichen Bestimmtheiten überhaupt . – Es ist das sehr Vieles , was gelernt wird . z . B . von Blindgeborenen weiß man , daß wenn ihnen das Vermögen zu sehen wiedergegeben wird , so haben sie keine Vorstellung von Entfernung p da sind nicht nur sinnliche Unterschiede des Sehens , der Farbe festzumachen , sondern auch der Entfernungen , der Stärke der Beleuchtung , sich auf Entfernung beziehend p . – die 10–11 an , daß … Alter] Er : der Befriedigung . – die erste Periode hat es besonders mit den sinnlichen Formen zu thun , in keiner 11–12 soviel , als … Entwicklungsstufe] Er : so viel . / | Es ist sehr vieles was gelernt wird . z . b . Blindgeborne , wenn sie sehend geworden sind , haben keine Vorstellung von der Entfernung pp . Es ist so ein großer Inhalt den das Kind in dieser Periode lernt . Das nächste 13 zum Gefühl … Wirklichkeit] Er : zu seiner Würde dies] Wl : dieser Übergang 13–14 in der … Entwicklung] Er : bei der Ausbildung in der physischen] Wl : bei fysischer 14–15 des Stehens … stehn ;] ErWl : Stehens . 15–624,2 will ; er … selbst] ErWl : [ w i l l , wenn wir nicht wollen , das Wollen uns schwindet , so sinken wir zusammen . die Zähne sind die] Wl : will , richtet sich selbst auf auf seine Hinterbeine . daß wir stehen , ist nur fortdauerndes Wollen . Zähne und Füsse sind] nach Außen

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dem Menschen dieser Wille schwindet , so sinkt er zusammen ; hierin liegen die Unterschiede der Thiere gegen einander , wodurch sie sich selbst als Unterschiedenes setzen gegen Anderes , gegen die Aussenwelt überhaupt . Die Sprache ist das Verhältniß des Menschen zum Menschen – diese Geschichten geschehn zu gleicher Zeit so ziemlich . Das Hervorbrechen der Zähne , das Gehen , Sprache etc . – In dem Thun des Kindes ist aber noch kein Zweck , es ist ein Spiel – das Kind gibt sich sein Selbstgefühl gegen die Außendinge , sie zerschlagen Alles , werfen Steine ins Wasser , denn das haben sie dann hervorgebracht . Man klagt oft , daß die Kinder alles zerbrechen , – das ist gerade das Vernünftigste , was sie thun . Nun kommt aber der Ernst , d . h . es entsteht eine Entzweiung in ihnen ; es kommt Fremdartiges andres als sie sind , in sie hinein ; weil sie nun aber ahnden daß dies doch auch für sie ist , so beschäftigen sie sich damit . Sie müssen lesen und schreiben lernen , müssen sich mit Elementen abgeben und Zeichen lernen von Tönen , die sind nicht concret , sondern ganz einzelne abstracte Töne . Das ist ganz etwas Geistloses , womit man anfängt und mit Recht . diese Entzweiung hat nun diese bestimmung , daß die Kinder Vorstellungen erhalten : daß in den Erwachsenen noch etwas andres ist , als in ihnen ; sie

[ gerichteten Organe , daher sie auch] Wl : gerichtete Organe . Sie werden] bei den Thieren [als Unterscheidung angenommen werden , denn durch sie setzt und behauptet sich das Thier] Wl : vornehmlich als die Seite genommen , nach welcher die verschiednen Klassen bestimmt werden : denn sie sind es durch die die Thiere sich unterscheiden von anderen , sich widersetzen gegen andere , sich] 3–10 setzen gegen … eine] ErWl : [gegen die Außenwelt . durch die Sprache erhält es Beziehung zum Menschen als Mensch . – das Kind macht sich so] Wl : behaupten gegen Außenwelt . – Dort tritt das Kind in practisches Leben , gleichzeitig mit der Sprache , dem Verhalten zum Menschen . Es hat] mit der Außenwelt zu thun , zunächst spielend , [ohne Ernst und ohne Consequenz . Im Spiel zeigt sich daß die Kinder sich das Selbstgefühl geben gegen die Außenwelt , Spielzeug zerschlagen pp – Später da wird es ernst und dieser Ernst besteht darin daß die] Wl : ohne Ernst , ohne consequent verfolgten Zweck . dieß Spielen zeigt sich vornehmlich darin , daß die Kinder dinge zerschlagen , Steine in’s Wasser werfen , dessen Bewegung zu beobachten , – ihre K r a f t z u ve r s u c h e n . – Bald wird’s E r n s t . Dieser entsteht daraus , daß die] 10–16 ihnen ; es … ist ,] ErWl : [sie gebracht wird ,] Wl : ihnen hervorgebracht wird , indem] ein Fremdartiges in sie [gebracht wird , und wo sie als Menschen die Ahndung haben daß es in sie muß gebracht werden . dies Fremdartige ist der erste Unterricht , das Lesen und Schreiben , die abstracten Töne und Zeichen , das elementarische , an sich ganz geistloses und dieses ganz äußerliche ist es womit sie sich] Wl : hineingelegt wird , sie ein Bewußtsein von Fremdartigem bekommen und wissen , daß dieß ihnen angeeignet werden soll . Das geschieht durch ersten Unterricht . Sie müssen Lesen und Schreiben lernen . Lesen lernen , abstracte Töne , ganz geistloses ist es , etwas Fremdartiges ist , womit die Kinder sich so] beschäftigen müssen . [ Näher hat] Wl : – innerlich mit etwas ganz Äußerlichem . – Näher ist] diese Entzweiung [den Sinn daß sie die Vorstellung erhalten in den Eltern pp sei] Wl : bestimmt , darin daß sie Vorstellungen erhalten . In älteren erwachsenen Menschen ist] etwas ganz anderes 16–625,2 sie sind … ist] Er : es beginnt das Bewußtseyn des Fremdartigen und daß die Erwachsenen ein Anderes sind und dies Fremdartige 13 lernen] folgt ein unleserliches Wort

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sind darum | eigentlich nicht zu frieden , was man sonst an den Kindern rühmet . dieses Fremdartige nun , was die Kinder da ahnden , ist für sie etwas höhres und ist es auch wirklich . Sie leben in der Familieneinheit , die Eltern sind der Wille des Kindes ; die Kinder sind in dieser Totalität , sie ahnden , daß etwas Höhres in den Eltern ist , und das ist der Re s p e c t ; was sie thun thun sie aus Autorität , weil es ihnen aufgegeben ist ; dies ist eben das Princip , das die Kinder groß zieht ; an dieser Ahndung von etwas Höhrem werden sie hinaufgezogen groß gehoben . die Ansicht der spielenden Pädagogik ist zwar , daß die Erwachsenen sich zu den Kindern hinablassen sollen , nämlich so , daß sie sich kindisch machen sollen , als ob das Kindische an ihnen das Wahrhafte wäre . Aber dadurch geht die Autorität die Ahndung eines Höhren im Kinde verloren , und die Folge zeigt dann , daß solche Kinder , die in der Jugend keinen Respect gelernt haben , später alles verächtlich ansehen . Man hat auch gesagt : man müsse den Kindern nichts von Gott , nichts vom Recht sagen , weil sie das nicht verstehen ; aber sie haben woh l eine Ahndung davon , daß es etwas höheres , Mächtiges gibt . Man hat nun auch von Seiten dieser Pädagogik gesagt : man soll den Verstand der Kinder bilden , das ist allerdings wahr ; aber man soll sie nicht zum Räsonniren anreizen als ob ihr Verständchen etwas wäre ; sie werden

1–4 sind darum … ahnden ,] Wl : waren zufrieden , oder vielmehr bewußtlos einig . – Nun haben sie sich entzweit , Fremdartiges aufgenommen , und wissen , daß in ihren Eltern viel Andres ist , als in Kindern , – und dieß Fremdartige ist etwas Höheres . da entsteht Respect gegen Eltern , erstes Verhältniß dieser Entzweiung ; – und woraus sie nun thun , ist Gegebnes , Auferlegtes , aus Autorität . Diese Ahndung , 2–3 höhres und … die] Er : Höheres . die 3–5 des Kindes ; … R e s p e c t ;] Er : der Kinder . das ist der Respect , das erste Verhältniß der Entzweiung und 5–9 und das … nämlich] Wl : ist das Prinzip , woran die Kinder groß gezogen werden , das die Kinder hinaufzieht zum Höhern in Eltern . | daher Thorheit der Lehrer , die sich herablassen zu Kindern im Erziehen , – 5 aus] Er : nach 5–6 weil es … das] Er : und dies Gefühl daß in den Erwachsenen etwas Höheres ist , ist was 6–9 an dieser … sollen ,2 ] Er : hieran müssen sie heraufgezogen | werden . die spielenden Pädagogen haben sich heruntergelassen zum Kindischen , 9–13 machen sollen , … müsse] Wl : machen , – so werden die Kinder diesen Respect , Ahndung für Höhres , verlieren , und davon die Folge kann nun seyn , daß die Kinder später Alles für Recht halten . Man meinte , man solle 10 Aber dadurch … die 2 ] Er : Wenn die Kinder das merken so verlieren sie diese 11–12 im Kinde … später] Er : und leicht werden solche Kinder 12–14 ansehen . Man … wo h l ] Er : behandeln weil sie in der ersten Zeit keine Achtung empfunden haben . Hierher gehört auch daß man den Kindern nicht Gott nennen solle , – sie haben allerdings 13–17 Gott , nichts … ob] Wl : Gott sagen , aber Ahndung haben sie . – Man hat gemeint , man müsse der Kinder Verstand ausbilden , – sie zum Raisoniren bringen , dazu daß 14–15 davon , daß … Pädagogik] Er : von einem Höhern . – Ferner hat man 16–626,1 das ist … es] Er : und dies Bilden des Verständchens hat Naseweisheit zur Frucht gehabt . die Bildung des Knabens ist eben dies daß er weiß von andern zu lernen und 17–626,1 etwas wäre ; … es] Wl : sich laut mache , was man sonst naseweise seyn nennt . Die Stellung des Knaben ist , daß er weiß , in Eltern p ist Höhres als er , und daß er

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naseweis die Kinder . Das Wahre des Kindes ist , daß es das Verlangen hat ein großer Mensch zu werden , so , wie die Erwachsenen , in denen sie etwas Höheres ahnden . die Welt des Wissens , die Kenntniß und Geschicklichkeit ist außer ihnen ; der Weg zur befriedigung ihres Verlangens ist dann daß sie sich dieses Äußerliche zu eigen machen müssen . Darum ist die Zeit des Knaben die des Lernens , des Aneignens . Durch dieses suchen sie an einen objectiven Werth in sich zu erlangen . In der Familie sind sie , wie sie sind geliebt , und die Eltern sollen ihre Kinder lieben , sie seien gut oder böse . Es tritt aber noch ein andres Reich ein , das Schulreich , worin der Knabe sich bewegt . Da gelten die Kinder nicht mehr als Kinder ; sie müssen lernen und sich nach einer bestimmten Ordnung und Gesetz fügen ; dieses Schulleben ist der Durchgang vom Familienleben zum bürgerleben . Der Knabe der den Umfang des auf das Knabenalter Passenden die studia humaniora gefaßt hat , tritt nun in die 2t e Periode in : 2 . Da s Jü n g l i n g s a l t e r über . Der Jüngling hat ein bewußtsein von Recht und Sittlichkeit , fühlt die Religion , ist begeistert für die Geschichte , – so tritt er in die Selbstständigkeit ist so weit fertig . Es kommt dazu auch der Wille zum Vorschein die bestimmung aus sich . Als 1–3 ein großer … ihnen ;] Er : groß zu werden . dies Verlangen ist es was ihn heraufzieht . ein großer … Geschicklichkeit] Wl : a u c h groß zu werden , – und das ist das Prinzip , die Möglichkeit überhaupt der Erziehung . – Eine Welt der Kenntniß p 3–5 der Weg … Aneignens .] Wl : – sie erhalten das Bewußtsein , daß sie außer ihnen sei , – und es entsteht das Verlangen , sich sie anzueignen , – was durchs Lernen geschieht , in dieser Zeit des Lernens im K n a b e n a l t e r . 4–5 ihres Verlangens … Aneignens .] Er : ist eben daß sie sich alles jenes Äußerliche aneignen und so ist die Zeit des Lernens das Knabenalter . 6 suchen sie … einen] Er : aneignen beginnen sie einen Wl : Aneignen suchen sie 6–11 in sich … bürgerleben .] Er : zu haben . Als Kinder sind sie immer geliebt , aber durch diesen erhaltenen Werth tritt ein andres Verhältniß ein , das Verhältniß der Schulwelt . diese ist das Mittelglied zwischen Familie und bürgerlicher Welt , hier beginnt schon eine andre Schätzung ein andres Gelten als in der Familie . 6 in sich … erlangen .] Wl : zu erhalten . 7–9 sind sie , … Kinder ;] Wl : werden die Kinder geliebt , w i e sie auch seien . Andres Verhältniß tritt ein , beim Lernen in der S c h ü l e r we l t . Hier gelten sie wegen dessen , was sie lernen . 9–10 lernen und ] Wl : lernen , 10 einer bestimmten … Gesetz] Wl : Regeln benehmen , sich äußerlicher Ordnung 11 vom Familienleben … bürgerleben .] Wl : von der Familie in die bürgerliche Welt . 11–14 den Umfang … Da s ] Er : gelernt hat den Umfang des seinem Alter anpassenden , tritt in das / 11–12 den Umfang … Passenden] Wl : gelernt hat , Umfang also des für das Knabenalter zunächst angemessenen hat , was man 12–14 gefaßt hat , … 2 . ] Wl : nennt , tritt in 15–17 Der Jüngling … auch] Er : Er kennt die Religion , hat eine allgemeine Vorstellung von Recht und Sittlichkeit und dann die äußern Kenntnisse . Ist alles dies sein geworden , so hat er Selbstständigkeit erhalten , es tritt 15–16 Der Jüngling … in] Wl : Wenn er das , was mehr ist , Religion , kennt , weiß was Recht , Sittlichkeit ist , in Geschäften bewandert ist , und dieß sein eigen worden ist , tritt 16–627,2 ist so … Leidenschaft] Wl : des Jünglings ein , der Wille , die Bestimmung aus sich Begirde , Trieb , Neigung , 17 zum Vorschein] Er : ein , 34 angemessenen] angmssenden

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Knabe ist er im theoretischen Verhältniß | gewesen , jetzt tritt Wille , Neigung , Leidenschaft Entschluß auf sich zu beruhen ein . Ein andrer Gegensatz wird nun im Jüngling . Es ist in ihm die Kenntniß dessen , was das Rechte ist im Allgemeinen ; er hat seine Selbstbestimmung . Er hat den Trieb den Zweck für das Wahrhafte und Wesentliche , das ist das Ideale . Die Jugend ist die Zeit der Ideale . Da ist also das Verhältniß der innren idealen Welt zur äußerlichen wirklichen Welt , die dem Ideale immer nicht angemessen ist ; so daß also der Jüngling in seinem Dasein noch nicht die befriedigung hat , die er in seinem Ideal fordert . So tritt der Jüngling mit seinen allgemeinen Vorstellungen Principien , Idealen der wirklichen Welt gegen über . Nun hat er aber zu lernen , wie es in dieser Welt zugeht , bereitet sich zu dieser äußerlichen Wirklichkeit vor . diese ist aber so be schaffen , daß das Individuum nur von einer Seite daran theil nehmen kann . Da bereitet sich der Jüngling also zu einer dieser Seiten zu einem S t a nd e vor . Wenn er damit fertig ist , so tritt er ins practische Leben . Und das macht den Übergang zum 3 . M a n n e s a l t e r z u m Ph i l i s t e r le b e n aus . D e r Übergang kann ihm oft schmerzlich vorkommen . Es tritt ein ganz andres Verhältniß ein . der Jüngling hat alles zu beurthei len gewußt , er ist uneigennützig , zu großen Entschlüssen fähig , 1 ist er im] Er : im

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1–8 gewesen , jetzt … Jüngling] Er : tritt bei ihm itzt das auf sich beruhen ein .

20 der Mensch wird frei . da tritt nun der Gegensatz in andrer Weise im Jüngling hervor , er hat Zwecke 20 und Triebe , andrerseits haben diese zum Zweck erhalten das Wahr|hafte , Wesentliche und der damit

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erfüllte Trieb ist was man das Ideale nennt . da fi ndet sich denn daß die äußerliche Welt diesem Ideal nicht entspricht , der Jüngling tritt so 2–3 beruhen ein . … ist 2 ] Wl : beruhen , tritt denn ein , das ist denn also , daß der Mensch f r e i ist . – / Nun tritt der Gegensatz in anderer Weise im Jüngling hervor . In ihm ist vorhanden Selbstbestimmung und Kenntniß von Recht p 4–5 er hat … Ideale .2 ] Wl : und dieß ist sein Eignes und Inneres . Einerseits ist Zweck überhaupt , der hervortritt , und Anderseits Trieb nach Wahrhaftem p was man das Ideal nennt . Die Jugendzeit ist die ideale Welt . 6 innren idealen] Wl : idealen innern 6–9 wirklichen Welt , … Idealen] Wl : Wirklichkeit . Die äußerliche Wirklichkeit ist dem Ideale nicht angemessen , und der Jüngling erlangt nicht Befriedigung in seinem dasein des Verlangens nach dem Idealen . der Jüngling tritt mit seinen allgemeinen Prinzipien der Ideale 9–12 Principien , Idealen … Da] Er : seinen Idealen der Welt gegenüber , und weil sein Verhältniß wesentlich ist muß er sie kennen lernen . Nun aber kann er nur an einer einzigen Seite der Wirklichkeit theil nehmen , er 9–10 gegen über . … aber] Wl : entgegen und hat zugleich 10–11 äußer lichen Wirklichkeit vor .] Wl : Wirklichkeit zu . 11 das] Wl : es das 12 daran theil … Da] Wl : einnehmen kann . Er 12–13 der Jüngling … zu] Er : zu Wl : zu einer Seite , 13–16 Wenn er … tritt] ErWl : Nun tritt er über dazu , diese Kenntnisse [zu vollführen und dies ist der Uebergang zum Mannesalter , der oft schmerzlich scheinen kann , da die Welt den Idealen nicht entspricht .] Wl : der wirklichen Welt zu vollführen . Dieser Uebergang ins M a n n e s a l t e r , ins Filisterleben aus idealem Leben , kann einem schmerzlich vorkommen .] Dieser Uebergang [gibt ihm] Wl : giebt] 16 Verhältniß ein .] Er : Verhältniß , ein . der] Wl : als vorher vor . 17–628,1 er ist … beengende] Wl : uneigennützig schien er größerer Entschlüsse fähig p . Im Verhältniß zur wirklichen Welt tritt die Noth , das Bedingende uneigennützig , zu … Welt] Er : uneigen nütziger – nun im Verhältniß 19 hat] folgt gestr : als sein Eignes

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zu Aufopferung ; aber in der wirklichen Welt tritt das bedingende das beengende ein , die beschränkung der Thätigkeiten auf | besondre particuläre Geschäfte . D e r Ju g e n d E n t hu s i a s mu s ve r g e ht d a ! – dieser Übergang zeigt sich besonders in einer Art Hypochondrie , einer Periode des An sich Haltens in seiner Innerlichkeit , das beharren an sich , das nicht heraus will , nur Ekel hat an der Äußerlichkeit . Das Verhältniß des Mannes ist nun , daß er es mit der wirklichen Welt zu thun hat , die fertig ist . Der Jüngling hat die Vorstellung , wenn er anfange zu wirken , da müsse es ganz anders gehn . Aber der Mann findet die Wirklichkeit als eine große Macht , der er nichts an haben kann , der an deren e i n e n Seite er seine Thätigkeit nur anknüpfen und diesseitig wirken kann . der Mann verschafft sich ein sinnliches , subjectives Ganzes , nämlich eine Familie ; das objective Ganze aber ist der Staat , die Welt , die für sich besteht . So hat der Mensch sich dann in die Welt hineingehaust ; als solcher hat er einen Stand , einen Kreis seines Wirkens auf das Ganze . Er ist etwas , in so fern er einen bestimmten Antheil hat , und sich würdig dessen beweist ; er identificirt sich mit der vorhandenen Wirklichkeit und tritt so nach und nach in | 4 . Da s A l t e r . die Subjectivirung bringt eine Einheit seiner Thätigkeit und der

2–3 ein , die … d a ! ] Er : das Beschränken auf ganz particulare Zwecke ein , besondre particuläre … d a ! ] Wl : | ganz besonderen Zweck . 3–4 besonders in … in] Er : auch oft physisch als Hypochondrie , als ein An sich halten bei Wl : oft als ein fysischer Durchgang , als Hypochondrie Periode , des An sich halten in 5 das beharren an] Wl : des Beharrens bei beharren an … nur] Er : einen an der] Wl : am Verhältniß zur der] Er : den Verhältnissen zur 6 es mit … hat ,] Er : zu thun hat mit einer Welt , der wirklichen Welt] Wl : Welt , Wirklichkeit 7–8 fertig ist . … eine] Wl : ein Fertiges ist , die an und für sich gemacht hat , nicht den Idealen gemäß . der Mensch fi ndet die Welt fertig , und als so ist . Der … als] Er : ist , an und für sich , so 9–11 kann , der … eine] Er : könne , sondern worin er nur eine beschränkte Sphäre suchen kann um mit seiner Thätigkeit daran Antheil zu nehmen . der Zweck den er erreicht ist einerseits der Zweck der Welt die selbst weiter geht , andrerseits ein subjectiver Zweck , denn daß er ein subjectives Ganzes sich ver schafft , die 9 der an … er] Wl : und worin er suchen muß ein Verhältniß , an dem er durch 9–10 nur anknüpfen … sinnliches ,] Wl : Antheil nehmen kann . der Mensch richtet die Welt nicht mehr nach seinen Idealen , fi ndet sie fertig , und hat nur beschränktes Geschäft an ihr . – Einerseits ist für ihn da die Welt Zweck der Welt , die für sich fortgeht , – und andrerseits subjectiver Zweck , – den er sich setzt , – und dann daß er zugleich ein 11–12 nämlich eine … Mensch] Wl : (Familie) wird . Der Mensch der 11 Ganze aber ist] Er : Ganze , 11–16 die Welt , … Subjectivirung] Er : geht selbst fort . der Mann hat seinen Werth , seine Würde durch den Antheil an einem Geschäft , worin sich das große Ganze , das Werk der Welt specificirt , das sich selbst ausführt . – die Objectivirung | die er sich gegeben 12–629,2 hineingehaust ; als … die] Wl : hineingehaust hat , hat Werth , Würde in seinem Stand , in Angemessenheit zu den Geschäften des Werkes der Welt . – Von da tritt er in das A l t e r ein . diese Objectivirung der er sich ergeben hat , bringt Einheit zu Wege zwischen dem Gegensatz seines Intresses und dem , was vorhanden ist . Gegensatz hört auf , – er geht zu 16–629,2 seiner Thätigkeit … die] Er : hervor zwischen seinem Interesse und dem Allgemeinen . Er geht zur 15 vorhandenen] vorhanded

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Objectivität , was vorhanden ist , hervor . Der Gegensatz zwischen seiner Thätigkeit und der Welt geht in die Gewohnheit über ; das Verhältniß wird ihm Natürlich . Der Greis lebt meist in der Erinnerung , wie Kind und Jüngling in der Hoffnung ; und er lebt ohne lebendiges kräftiges Interesse ; das Gedächtniß verschwindet ; die Einzelheiten interissiren ihn nicht mehr ; die Allgemeinheit des Substantiellen ist ihm wesentlich . Das Alter predigt daher gern , gibt gute Lehren und moralisirt . Die lebendigkeit ist weg , weil diese eben darin bestand , daß der Mensch nicht befriedigt war . Haben nun seine Zwecke die befriedigung erlangt , oder hat er sie aufgegeben , so ist der Gegensatz von Interesse und Objectivirung des Interesses verschwunden und die Einheit der beschränkung der Gewohnheit ist eingetreten , und das ist die Unlebendigkeit in der der Greis zum Tode fortgeht . dieser Proceß ist ein Ganzes des Verlaufs . Dann sprechen wir vom

b . Ve r h ä lt n iß d e r G e s ch l e cht s d i f fe r e n z . – –

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§ 397 .Sg

Es ist an dem Menschen eine specifische bestimmtheit , die Spannung der Gattung an sich selbst , bestimmtheit als Differenz der Gattung an sich selbst . die Gattung ist besondert , gespannt in sich selbst als Gattung und so daß jede Seite des Gegen-

2 über ; das … Natürlich .] Er : über und so tritt er ins Greisenalter über . Wl : über und damit ins Greisenalter . 3 der Erinnerung , … Hoffnung ;] Er : Erinnerungen 4 Interesse ;] Er : Interesse zu haben . 4–6 verschwindet ; die … wesentlich .] Er : schwindet weil die Einzelheiten den Greis nicht mehr interessiren , sondern das Allgemeine ; 5 die Allgemeinheit … Substantiellen] Wl : das Allgemeine überhaupt 6–9 predigt daher … der] Er : moralisirt gern , und diese Interesselosigkeit ist das Verschwinden des Lebens , welches eben die Entgegensetzung ist der einzelnen Zwecke und des Allgemeinen , dieser 6 gibt gute … und ] Wl : und 6–7 Die lebendigkeit … bestand ,] Wl : – diese Intresselosigkeit und Gewohnheit ist grade Verschwinden der Lebendigkeit . Diese Lebendigkeit bestand gerade im Gegensatz , 8 war . Haben nun] Wl : war in seinen Zwecken . – Wenn erlangt , oder … sie] Wl : erlangt haben , oder er sie in Unzufriedenheit 9–10 Objectivirung des … ist 2 ] Er : Vollführung desselben ist verschwunden , es ist die Einheit , Gewohnheit eingetreten , 9–10 des Interesses … die 2 ] Wl : verschwunden , in Einheit , 12–14 dieser Proceß … Spannung] Wl : Dieß sind die Zustände des Individuums , die ein Gegebenes im Verlauf der Lebensalter sind . – / 2 .) Differenz , Bestimmtheit als Differenz dieser Proceß … die] Er : dies sind die Grundzüge des Verlaufs der Lebensalter . / Wir gehn itzt über zum Geschlechtsverhältniß / Das erste war die Totalität von Veränderungen am Subjecte , das 2te ist daß diese Bestimmtheit Veränderung , diremtion wird , Bestimmtheit der Gattung an ihr selbst , 15 an sich … die] Wl : in ihr selbst . dieß ist Spannung der Gattung in sich , als einer Individualität . – sich selbst , … selbst .] Er : einer Individualität . 16 besondert , gespannt … und ] Er : so besondert , gespannt in … und ] Wl : natürliche Weise , 10 beschränkung] Lesart unsicher 12 vom] statt eines unleserlichen Zeichens Gattung d Gschl ist eine 29 sind .] sind . sind .

15 selbst .] folgt gestr : d .

den 22ten November 1827 . – § 397 Er

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satzes die bestimmtheit eines eignen Individuums ausmacht , aber in seiner Individualität ist jedes entzweit gegen die Gattung und hat den Trieb seine Einseitigkeit aufzuheben und die Gattung hervorzubringen , sich zur Gattung zu machen , sich zu gatten . Das animalische des Gattungsverhältnisses gehört in die Naturphilosophie . Das Allgemeine ist dies in Ansehung des Physiologischen , daß die Individuen den Trieb haben ihre Einseitigkeit aufzuheben sich aufzuopfern ihre besonderheit , damit das Allgemeine zu Existenz komme , es ist die Hingabe des einen in das andre . Das ist Liebe überhaupt in ihrer animalischen natürlichen Seite ; wie im geistigen : sein bewußtsein zu sein in der Gewißheit , daß der andre sein Selbstbewußtsein nicht in sich hat , sondern in der Einheit , sich bewußtsein in einem andren , sich selbst zu gewinnen aber nicht sich selbst sondern als eines der Einigkeit sich bewußtes selbst . | Das Geschlechtsverhältniß ist ein Naturunterschied der Individuen ; es ist wie ein organischer , so auch ein Unterschied der geistigen Weise . Der Unterschied ist ganz abstract der ; daß das eine des Geschlechts mit sich identisch bleibt , das andre aber fortgeht zu dem Gegensatz objectiver Interessen zur Thätigkeit , sich spannend in sich und gegen seine eigne vorhandene Existenz und durch seine Thätigkeit erst die

1–2 die bestimmtheit … jedes] Er : selbstständiges Individuum ist , aber in ihrer Individualität seiner Individualität … jedes] Wl : ihrer Individualität sind diese eben so 2 und hat] Er : so daß sie aber Wl : so daß die Gattung das Mächtigere ist , und sie 2–4 seine Einseitigkeit … gatten .] Er : haben , die Gattung zu setzen . 2–3 seine Einseitigkeit … die] Wl : haben , sich als 3–4 zur Gattung … Das] Wl : zu Gatten zu machen – das fisiologische 4 Gattungsverhältnisses] Er : Gattungsprocesses Naturphilosophie .] ErWl : Betrachtung des Lebens als [solchen also in die Naturphilosophie .] Wl : solcher . –] 5–6 Das Allgemeine … haben] Er : Die Individuen haben den Trieb 5 dies in … Physiologischen ,] Wl : dieß , 6–8 aufzuheben sich … ist] Wl : auszufüllen , und in dieser natürlichen Vereinigung die Gattung zu Stande zu bringen . In dem Aufgeben der besonderen Subjectivität kommt das Allgemeine zu Stande . Was 6–7 sich aufzuopfern … andre .] Er : diese Aufgabe der Besonderheit wodurch das Allgemeine gesetzt wird . 8–9 in ihrer … Selbstbewußtsein] Er : die ihre animalische Seite hat . Auch in der Liebe des Geistigen wird diese Einheit gesetzt , so daß man sein Bewußtseyn Seite ; wie … bewußtsein] Wl : Seite , gehört hierher . In der Liebe des Geistigen , wird diese Einheit zu einer geistigen Einheit verkehrt , zum Bewußtsein im anderen seiner selbst bewußt zu seyn oder näher : seiner bewußt 9–10 nicht in … sich 3] Wl : in dieser Einheit , Einigkeit hat . Verlust meiner Individualität um mich 10–11 hat , sondern … selbst .] Er : sondern im anderen hat , seiner bewußt ist in der Gewißheit daß der andre sein Bewußtseyn in der Einheit hat . 11 aber nicht … selbst .] Wl : als dieser Einheit bewußt . 12 Das Geschlechtsverhältniß … ein1] ErWl : | Es ist näher angegeben das Geschlechtsverhältniß . Es ist dies 12–13 es ist … ein] ErWl : aber eben so ist er auch bestimmend einen 13–14 ganz abstract … daß] Er : daß ganz abstract der ;] Wl : so angegeben , 14 eine des Geschlechts] Wl : eine des Geschlechts] Er : der Geschlechter 14–631,1 das andre … von 2 ] Er : nicht fortgeht zu diesem Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen , das andre erst durch Thätigkeit diese Einheit hervorbringt . 14–15 das andre … fortgeht] Wl : nicht fortgeht zu diesem Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen , das andere geht fort 15 Interessen zur Thätigkeit ,] Wl : Intressen , durch Thätigkeit 16 und gegen … erst] Wl : gegen ? / und durch Thätigkeit 39–40 nicht fortgeht … Einzelnen , am linken Rande mit Verweiszeichen

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Einheit von beiden hervorzubringen ; das ist der Character von M a n n u n d F r a u – das eine daß die Individualität in der Totalität bleibt , die andre die , die sich in der Totalität entzweit und sich hervorbringt , dies letztere ist der Mann . | Der M a n n ist die Thätigkeit überhaupt gegen ein Vorhandenes , Entgegengesetztes , das ausgeglichen werden soll , bearbeitet für seinen Zweck und Interesse . dem Mann kommt also Entzweiung bedürfniß , begirde und Thätigkeit zu um die Entzweiung aufzuheben . Dem Mann kommt das Joch des bedürfnisses des sich schlagens mit der Außenwelt zu . Es ist eine Thätigkeit für ein allgemeines . Damit hängt zusammen , daß dem Mann Stärke , Gewalt , Macht zukommen ; das ist das Allgemeine was gewollt wird , wogegen die andre Individualität sich nur subsumirt . Der Mann hat Character , das ist etwas Festes ein Zweck , den er durch seine Thätigkeit realisiren will . Die andren wollen das auch , aber ihre Thätigkeit ist nicht gelegt in dies allgemeine Interesse . Das objective Geschäft , was dem Mann zugehört , ist die vernünftige

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1 von beiden] Wl : in sich beide

das ist … Character] Wl : Character

2–3 daß die … der 2 ] Er :

15 Individuum bleibt in dieser Totalität , im anderen entzweit sie sich und die Einheit wird erst her-

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vorgebracht . Diese Entzweiung ist im 2 daß die … der] Wl : ist , Individualität die in ihrer 2–3 die andre … Totalität] Wl : das andre , in welcher sich die Totalität auch 3–5 sich hervorbringt , … Interesse .] Wl : Einigung wieder hervorbringt . dieß ist Character des Mannes – Thätigkeit ist im Gegensatz . Ich mit Bestimmungen die in mir anfangen , gegen ein anderes mir vorhandenes , und das Bedürfniß diesen Gegensatz auszugleichen , indem diese nur subjectiven Zwecke objectivirt , realisirt werden , die Außenwelt angemessen gemacht werde meinem Zwecke . 4–5 die Thätigkeit … Interesse .] Er : das Thätige überhaupt . Ich setze Bestimmung in mir gegen ein vorhandnes , und meine Thätigkeit ist eben diesen Gegensatz auszugleichen indem diese zunächst nur subjectiven Zwecke objectiv werden . 6–8 also Entzweiung … eine] Wl : zu Bedürfniß , Thätigkeit zu um diese Entzweiung aufzulösen , – das Bearbeiten der Außenwelt . Thätigkeit hat einen Zweck , Zweck des Allgemeinen gegen das Einzelne , 6 also Entzweiung … Entzweiung] Er : diese Entzweiung , Begierde , und das Bedürfniß zu diese 7 Dem Mann … schlagens] Er : die Bedürfnisse , der Kampf 8–9 zu . Es … daß] Er : kommt dem Manne zu . Der Zweck unterscheidet sich näher als ein Allgemeines gegen das Einzelne . So kommt ein allgemeines . … daß] Wl : das Allgemeine , damit das Allgemeine als das Einzelne behauptet wird . Dann kommen 9 Gewalt , Macht … was] Wl : Macht p zu , ein Allgemeines , das zukommen ; das … was] Er : zu , ein Allgemeines das 10–12 die andre … will .] Er : andre Individualitäten sich verhalten als nur besondere . Zum Character gehört ein allgemeiner Zweck und die Festigkeit diesen zu realisiren . 10 die andre … subsumirt .] Wl : andere Individualitäten sich ins Besondere verhalten . 11–12 Character , das … andren] Wl : Character . Zu Character gehört ein festes , ein Allgemeines , einen allgemeinen Zweck zu wollen und zu realisiren . Andere 12 ihre] Wl : ihr Wille , ihre 12–13 gelegt in … Interesse .] Er : identisch mit dem Allgemeinen , dem wesentlichen Zweck . 12 gelegt in dies] Wl : mit allgemeinem Intresse identisch , nicht gelegt in das 13–632,1 Geschäft , was … Wirklichkeit] Er : Geschäft kommt dem Mann zu . dazu gehört die höhere Allgemeinheit , die Arbeit des Geistes zu wissen , was das Vernünftige ist und dies in der Au|ßenwelt 13 Geschäft ,] Wl : Geschäft kann es genannt werden , zugehört , ist] Wl : zugehört . Zu diesem Geschäfte des Objectiven gehört 7 das Joch] Lesart unsicher

40 Au|ßenwelt] Auß|ßenwelt

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höhere Allgemeinheit zu bewußtsein zu bringen , und es dann in der Wirklichkeit auszuführen . Das Staatsgeschäft ist daher das Geschäft des Mannes . Die Frauen sehn mehr auf das Persönliche besondre , nicht so sehr auf die Sache ; Frauen machen daher gern Intriguen , wenn sie im Staat zu Gewalt kommen , und die Intrigue ist Interesse für etwas besondres , für Personen . die Jugend schließt sich gerne daran und will das Allgemeine hervorbringen gemeinschaftlich mit den Frauen ; dabei eilt der Staat seinem Verderben entgegen . Der Staat will mit Nach denken regirt sein nicht durch Intriguen und durchs junge Gemüth . Die Wissenschaften sind auch nicht Sache der Fraun , auch nicht die Philologie , weil das Wissenschaften des angestrengten Gedankens sind . Das sind nur Sachen für Männer ; fähig sind die Frauen allerdings wissenschaftlicher Erkenntniß . In Bologna hat es viele Frauen gegeben , die Professoren des Rechts waren , d . h . des positiven Rechts , das ist etwas besonderes . Staat Wissenschaft hohes Kunstwerk zu dem Allen gehört eine Idee , ein Allgemeines in der Phantasie zu bilden , das kann die Frau nicht – Homer , Sophocles , Raphael ,

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1 Allgemeinheit] Wl : Allgemeinheit , die Arbeit des Geistes die höhere Allgemeinheit es dann … Wirklichkeit] Wl : im Wirklichen im Dasein 2 ist daher das] Er : ist Die] Er : Es ist die Arbeit des Geistes die das Vernünftige , den allgemeinen Zweck erst zum Bewußtseyn bringt . Die Wl : Zweck des Staates ist das Vernünftige des Willens . Was aber Vernünftiges des Willens ist weiß man erst durch die Arbeit des Geistes , dieß erst nur innerlich Vernünftige zu Bewußtseyn zu bringen . – Wesentlich Staatsgeschäft , allgemeiner Zweck , ist Geschäft des Mannes . – 3 Persönliche besondre , … machen] Er : Persönliche , Besondere , sie machen im Staat Persönliche besondre ,] Wl : Persönliche , 3–4 Frauen machen … im] Wl : Wo Frauen in einem 4–8 wenn sie … sind] Er : eben so hat wieder die Jugend zwar ein Allgemeines aber nur ein Allgemeines des Gemüths ; mit Enthusiasm will sie das Allgemeine direct ausführen , statt der verständigen Vertheilung pp – die Wissenschaften , Producte des Allgemeinen sind so 4–6 und die … dabei] Wl : kommt Krieg , schlägt sich die Jugend hinzu , wo das Allgemeine des Gemüths hervorgebracht werden soll . Bei objectiver Arbeit wird jedem ein Theil der Arbeit zugewiesen , und das Individuum muß verzichten und dem Ganzen sich unterwerfen . Wo Jugend mit Frauen zu Antritt kommt , 7–8 entgegen . Der … auch] Wl : zu . Eben so wie Staatssachen nicht Sache der Frau sind , so sind auch Wissenschaften , Allgemeinheit des Gedankens , 8–633,2 auch nicht … als] Er : Mathematik pp und besonders Philosophie sind nothwendig von Männern hervorgebracht . Es hat Frauen gegeben mit großer Gelehrsamkeit , aber die hat positive , VerstandesGegenstände betroffen . Eben so um große Kunstwerke hervorzubringen da muß die Idee gefaßt und durch Arbeit hervorgebracht werden . – die großen Kunstwerke sind Werke der Männer . Zum Zweck des Allgemeinen , zum Wollen des Allgemeinen gehört diese Entzweiung , diese Vertiefung in sich und die Thätigkeit der Arbeit . Es ist eine 9–633,1 auch nicht … Männer . –] Wl : diese sind nothwendig und besonders nur von Männern hervorgebracht . Frauen können auch wissenschaftlicher Kenntnisse fähig seyn (In Italien zum Beispiel gab’s Fraun Professoren z . B . des Rechts , einer Wissenschaft des Positiven , des Einzelnen , des Verstandes , nicht der Vernunft –) Eben so wie Staat , Wissenschaft gehört höheres Kunstwerk nicht den Fraun zu : denn auch dazu gehört eine allgemeine Idee zu , eine Idee der Fantasie vorgestellt , und sie durch Arbeit hervorzubringen . Größre Kunstwerke sind darum von Männern hervorgebracht . Sofocles , Homer , Rafael , Mozart . – Die Entzweiung des Geistes in 9 Philologie] Philogogi

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Mozart Gluck waren Männer . – die Vertiefung in sich das Nachdenken und die Arbeit gehört dazu das Allgemeine zur Existenz zu bringen als hervorgebrachte Einigkeit des Allgemeinen und des Einzelnen . | D ie F r a u ist die andre Seite und bleibt die Unentzweitheit ; sie hat bildung große bildung , aber sie kommt nicht ins Extrem des Schmerzes , der zur Production treibt . Die Objectivität der Frau wird daher erreicht in der Familie , die das andre zum Staat ist . die Familie ist ein sittliches , weil eine vernünftige Einheit das substantielle Band der Individuen ausmacht . Die Liebe der Familie ist die Constitution dieser Einheit der verschiedenen Geschlechter zu sein . die Vernünftigkeit , das Objective ist eben das Sittliche . Dann ist das Sittliche auch in Weise der Empfindung (pietas) in der Familie vorhanden – diese Familienpietät ist dann die höchste Form der Sittlichkeit für die Frau . Im Staat herrscht das Gesetz das Recht ; es sind objective Pfl ichten zu thun ; die Pfl ichten in der Familie | gehn von der Empfindung aus , von der Neigung , von der Liebe – die Frau bleibt also hier in der Form der Subjectivität ; sie zeigt eine Entfaltung die aber in der schönen Einheit in dem Frieden und der

sich gehört dazu und 1–3 das Nachdenken … Einzelnen .] Wl : und die Thätigkeit der Arbeit in Productionen zur Darstellung des Innern , einer hervorgebrachten Einigkeit . | 4–5 ist die … ins] Er : bleibt in dieser Unentzweitheit des Gemüths . die Bildung der Frauen tritt nie in dies Seite und … ins] Wl : Seite . Sie bleibt in dieser Unentzweitheit des Geistes und Gemüths . Ihre Bildung tritt nie in das Extreme der Allgemeinheit und Einzelnheit wie beim Mann , in das 7 die Familie … eine] Wl : Sie ist das Sittliche weil die Familie] Er : Sie 7–8 das substantielle … Liebe] Wl : das band der Familie ausmacht . Bei 8–12 substantielle Band … Frau .] Er : Band aus macht und diese Einheit ist die Vernünftigkeit dieses Verhältnisses . das ist dann das Sittliche und zugleich ist diese Sittlichkeit vorhanden in der Familie als eine Empfi ndung als natürliche unmittelbare Sittlichkeit – Pietät , Liebe . 9–10 dieser Einheit … Dann] Wl : der Einheit der Glieder verschiedenen Geschlechts . diese Einigkeit ist die Vernünftigkeit dieses Verhältnisses . die Vernünftigkeit ist dann das Sittliche , und zugleich 10–11 auch in … der] Wl : in 11 diese Familienpietät … dann] Wl : in Weise des Gefühl , – von alten Familien pietas genannt . das ist 12 Sittlichkeit für … herrscht] Wl : Frauensittlichkeit . Hier herrscht die Liebe ; – im Staate 12–14 es sind … Liebe] Er : objective Pfl ichten . In der Familie gehn diese | von der Liebe aus . Wl : Pfl ichten in Familien gehn von Liebe aus , nicht abstracte Pfl ichten , sondern von Liebe , Neigung ausgehend . 14 also hier] Er : auch in ihrer Objectivität Wl : in ihrer Entwicklung (zur Objectivität kommend) 15–634,13 sie zeigt … darin ;] Er : die Frau indem sie nicht zu den Reflexionen des Verstandes fortgeht , ist nicht zu solcher Einseitigkeit geneigt als der Mann , bei ihnen macht sich das Gehörige und Schickliche durch Empfi ndung , sie ist früher gebildet . die Religiosität ist stärker bei ihr und bleibt mehr in Form der Empfi ndung , da der Mann auch hierin zum Gedanken fortgeht . dem Mann gehört mehr das weltliche an , der Frau die Pietät , das Innere und wenn das weltliche noch gemeiner Art ist , erscheint die Frau als das Höhere , Bevorrechtete . Wo kein Staat , kein Gemeinwesen ist ist für den Mann nichts übrig als niedrige Geschäfte wie sie sie in Italien treiben . Im Mann Entzweiung , in der Frau diese pfl anzenhafte Einigkeit im Geist . – die Frau herrscht in der Familie und 15–634,1 sie zeigt … bleibt .] Wl : Sie stellt in ihrem Wesen eine Entfaltung dar , aber in dieser schönen inneren Ruhe , Einigkeit , Festigkeit . 20 das] dß

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innren Ruhe bleibt . die Frau ist daher auch nicht dieser Einseitigkeit unterworfen , der der Mann unterworfen ist ; bei ihr macht sich das Schickliche das Rechte durch den Takt . Der Mann dagegen hat durch die Einseitigkeit zur bildung durchzugehn ; er hat Meinungen , die er für Recht und Wahrheit hält ; die Frau ist früher gebildet als der Mann . Der Mann gehört mehr dem weltlichen Reich an , die Frau mehr dem Innerlichen der Pietät ; wo in einem Staat die Idee desselben geschwächt ist – die Particularitäten die Oberhand gewinnen , da stehn die Fraun hoch und haben viel Einfluß . Im alten Ägypten wo die Männer die Geschäfte der Particularität im häuslichen Leben hatten , die Frau putzte sich nur : da ist der Mann heruntergesetzt in einen niedrigeren Rang . So ists zum Theil auch in Italien . Der Mann ist mehr das Thier , die Frau die Pflanze[ .] In der Familie ist die natürliche sittliche Totalität des Mannes und der Frau . Die Frau ist die Herrscherin darin ; ihre höchste bestimmung ist Familienmutter zu sein ; dagegen der Mann nicht in der Familie seine befriedigung findet . Das 3t e innerhalb dieses Kreises die Indifferenzirung der Individualität ist .

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1 daher auch] Wl : auch 2–3 bei ihr … Takt .] Wl : Durch Empfindung Tact , macht sich das was Schicklichkeit heißt , 3 dagegen hat … die] Wl : muß durch Unschicklichkeit , allerhand Meinungen durch 3–12 durchzugehn ; er … Frau .] Wl : fortgehn . – die Religiosität ist stärker auf Seite der Frau , oder bleibt mehr in gläubiger Empfindung bei ihr , da der Mann mehr in Gedanken , Reflexion in Rücksicht auf Religion auch fortgeht . – / Das sind die Grundbestimmungen des Unterschieds beider . dem Mann gehört das Weltliche der Frau die Idee . Wenn daher das Weltliche nicht viel werth ist , erscheinen die Frauen in größerem Werthe und Vorzügen . Wenn ein Staat geschwächt ist in seinen Zwecken , und zu Particularitäten kommt , dann sind die Fraun es , die hoch stehn . / So in Italien sind Männer niedrig , haben häusliche Geschäfte zu besorgen , Frauen haben sich zu putzen und in Kirchen zu gehn . Dem Manne bleibt nichts übrig , wo kein Staat , kein Gemeinwesen ist . – / die Sache des Verstandes ist die Domaine des Mannes und damit der Zwiespalt , der Frauen die pflanzenhafte Einig keit . – das Geschlechtsverhältniß erlangt in der F a m i l i e seine geistige und sittliche Bedeutung und Bestimmung . 13 ist die … darin ;] Wl : herrscht in Familie , und 14 nicht in … findet .] Er : noch andre objective Bestimmungen hat . / So ist dieser natürliche Unterschied auch ein geistiges . 14–635,1 der Familie … D a s ] Wl : Familie befriedigt ist , sondern Staats- Gewerbs- Geschäfte hat , Wissenschaften p / 3 .) differenzirung der Individualität . das 14–15 innerhalb dieses … Indifferenzirung] Er : in dieser differenzierung 15–635,1 ist . c . , D a s ] Er : ist dann das 2 der] die

sich] folgt ein unleserliches Wort

9 nur :] folgen einige unleserliche Zeichen

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c . , D a s Ur t he i l d e s I nd iv id u u m s a n i h m s e l b s t ( d a s E r wa ch e n d e r S e e l e )

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Es ist der Unterschied der Individualität als für sich seiend ; sie tritt für sich seiend gegen über ihrem Naturleben . dieses die Naturbestimmung als solche in so fern wir von der sittlichen bedeutung abstrahiren , hat das : daß das Individuum in diesen sich abschneidet in ein für sich sein , so daß ihm sein Naturleben als ein Zustand gegen über tritt . Es ist e i n Individuum , welches Naturleben ist , welches schläft und wacht . | Es ist dies der Punkt der Ablösung der Individualität von seinem Naturleben , aber noch schwach im Zustand . (Dann bestimmt es sich zu Selbstgefühl , zu Empfindung als solcher) dieses Erwachen ist nun zu unterscheiden von dem Verhältniß der Lebensalter und von dem Verhältniß der Geschlechter , d . h . von Zuständen , die in dem Individuum vorübergehn als Veränderungen ; aber der Zustand 2–3 ( d a s E r wa c h e n … Unterschied] Wl : welches das Erwachen der Seele genannt wurde ; das 3–5 Es ist … das :] Er : die Individualität als Für sich seyn tritt entgegen ihrem Naturleben und zwar so daß dies Entgegentreten erst Zustand ist und einem Zustand entgegentritt . Es ist hier gesetzt 3–8 seiend ; sie … wacht .] Wl : seiender gegen sich als nur s e i e n d e r Individualität welches Für-sich-seyn selbst für sich die Einheit von beiden Bestimmungen ist , als unmittelbares U r t h e i l , das E r w a c h e n der Seele , welches ihrem in sich verschlossnen Naturleben zunächst als Naturbestimmtheit und Z u s t a n d gegenübertritt , einem Zustande , dem Schlafe . / Halten wir uns daran , daß diese Unterschiede unmittelbar durch Natur gesetzt sind , nennen wir’s Naturleben , so ist Erwachen , daß Individuum für sich sein Naturleben abstreift . – das eine Individuum im Naturleben schlafender Zustand / | 5–6 in diesen … daß] Er : für sich sein Naturleben von sich abwirft , so daß dies sein Für sich seyn auch nur Naturzustand ist und 7 gegen über tritt .] Er : entgegensteht . 7–8 welches Naturleben … Individualität] Er : an welchem beide Zustände sind . Es ist dies also die Ablösung des Individuums 8 der Individualität von] Wl : des Individuums in 9–10 Naturleben , aber … zu] Wl : Naturleben . Das nächste ist also , sich zum Selbstgefühl , zur 9–10 noch schwach … nun] Er : so daß diese noch nicht f r e i , für sich ist . das nächste ist daß es sich zum Empfi nden bestimmt . / dies Ablösen ist zuerst 10 solcher) dieses … nun] Wl : solcher zu bestimmen . Dieß Ablösen also ist zuerst 10–12 dem Verhältniß … der] Wl : den beiden vorhergehenden Verhältnissen der Lebensalter und Geschlecht . Verhältniß der Lebensalter ist ein Vorübergehendes , so daß wir ur thei len , es ist nicht Ur theil des Individuums , in sich selbst . der dem Verhältniß … in] Er : den | vorhergehnden Zuständen , die nur an 12–636,7 als Veränderungen ; … ist] Er : so daß w i r ur thei len , denn jene sind nur Veränderungen a m Individuum . diese Zustände sind zwar auch am Individuum , aber so daß der eine Zustand , das Wachen selbst ein Urteil ist , der das Naturleben seinem Für sich seyn entgegenstellt . Ferner ist das Wachseyn zu unter scheiden vom Geschlechtsverhältniß , denn dies ist ein Trieb , eine Begierde in Beziehung auf seine Gattung , hier aber ist das Wachseyn dies , ruhig sich gegenüber zu haben sein Naturleben als einen Zustand . / das e r s t e war also die unmittelbare Individualität , die natürlich bestimmte Individualität ,

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15 Unterscheiden 15

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17–19 welches Für-sich-seyn … zunächst mit Verweiszeichen am rechten Rande ; folgt im Text gestr : dß 19 Z u s t a n d ] folgt gestr : ist – ls ein 21 abstreift . –] folgt gestr : so dß dieß f . sich seyn 27 daß] ds 30 Verhältnissen bei Hk über Ve r s c h i e den heiten

40 die Indiv gegen sich übertritt ls Nturleben , so daß

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des Erwachens ist zugleich s e l b s t ein Ur theil ; es ist in einem dies Unterscheiden . Denn vom Geschlechtsverhältniß ist es verschieden in so fern das Geschlechtsverhältniß begirde ist , nicht theoretisches sondern practisches Verhältniß der Individualität gegen die Gattung . In dem Wachsein aber wird der Mensch theoretisch und stellt sich sich selbst gegen über . Die natürliche Individualität ist als identisches mit sich . – die an sich seiende Individualität ist das Naturleben ; die für sich seiende ist von ihr nur verschieden an sich als an sich seiende Individualität . Ihr Verhältniß ist das Oberflächliche der Veränderung . Die ganze Anthropologie und Psychologie geht nur darauf dies Verhältniß concreter zu bestimmen . Ich und äußerliches Object ist dasselbe Verhältniß : für sich seiende Seele gegen die an sich seiende . Geist ist eine Anschauung eine Vorstellung , beide sind bestimmungen e i n e s Individuums | und sind zunächst nur andre gegen einander . Es sind eigentlich nur Zustände , die wir

/ 2 . die Bestimmungen die zum Für sich seyn gehören sind a . die natürliche Individualität und b . Anders seyn derselben , Spannung dieser Individualität gegen sich selbst im Tr i e b e und wesentlich im Geschlechtstrieb . Hier ist das Gegeneinandergesetzt seyn , die Unterscheidung , Entzweiung , welche Trieb ist Hierin hat das Individuum kein ruhiges Bestehn in sich , denn dieses hat zu seiner Bedingung die Spannung des Individuums gegen ein andres , die Entzweiung und die Negation der Entzweiung d . h . die Befriedigung des Triebes ; das Getrenntseyn ist negirt , aufgehoben und so ist das natürliche Individuum , das entzweit war itzt als identisch mit sich , aber als gesetzte Individualität , Individualität als solche für sich . das sind abstracte Bestimmungen , auf die es ankommt um den Unterschied in seinem Wesen zu fassen . – / die für sich seyende Individualität ist der an sich seyenden gegenüber , zunächst nur unterschieden und dies Verhältniß ist das oberfl ächliche der Veränderung . die für sich seyende Individualität und die an sich seyende sind e i n Individuum in welchem dies Ur theil , diese Unterscheidung ist und das Verhältniß 1–7 zugleich s e l b s t … ist] Wl : neben jenen Veränderungen zugleich selbst ein Ur thei len , ein in Einem dieß zu unterscheiden . Zweitens ist dieß Wachsein vom Geschlechtsverhältniß unterschieden . Dieß ist Begirde , practisches Verhältniß , Entzweiung des Individuums in sich , wo Individuum als Krieg ist ; – hier fängt das Individuum an für sich zu seyn , und sein Naturleben ruhig sich gegenüberzuhaben . – / 1 . Zuerst unmittelbare Individualität , natürlich bestimmtes Individuum . / 2 . Empfindende Individualität / Bestimmungen die zum für sich sein gehören : Natürliches Individuum , und b . , Anderssein dieser Individualität , Spannung derselben gegen sich selbst , im Triebe und wesentlich im Geschlechtstriebe . Hier ist die Objectivität das gegen ein ander Gesetztsein der unterschiedenen Bestimmungen – , Entzweiung die Trieb ist . Hat nicht ruhiges Bestehn in sich . das ruhige Bestehn in sich hat zu seiner Bedingung Spannung der Individuen gegen ein ander , Entzweiung und Negation dieser Entzweiung , Befriedigung des Triebs . Das Getrenntsein ist negirt , aufgehoben , – und so ist natürliches Individuum das entzweit war , itzt als identisch mit sich ; aber als gesetzte Individualität , Individualität als solche für sich . das sind abstracte Bestimmungen auf die es ankommt . Unterschied im Wesen zu fassen – . / Die für sich seiende Individualität ist der an sich seienden Individualität gegenüber . Zunächst nur unterschiedenes Verhältniß zunächst 8–9 Die ganze … nur] Wl : diese für sich seiende Individualität und die an sich seiende sind ein Individuum in dem dieß Ur theil , Unterschied ist , und das Verhältniß des Oberflächlichen der Verändrung . Ganze Anthropologie geht und Psychologie … nur] Er : geht 9 concreter] ErWl : weiter 9–12 Ich und … nur2 ] ErWl : In dieser Weise sind es Veränderungen , 9 Ich] Lesart unsicher

27 Krieg] Lesart unsicher ; Hk : Krieg

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Wa che n und S ch l a fe n nennen . Das schlafende Naturleben hat die Seele gegen sich über ; die objective Welt . Sie sind als natürliche Zustände auch gebunden an die natürliche Zeit ; die Nacht ist für den Schlaf , der Tag für das Wachen ; der Mensch kann das Verhältniß freilich umkehren ; Raubthiere kehren es um , und wachen bei Nacht ; die begierde ist das über wiegende in ihnen ; der Singvogel ist in der heitren Fröhlichkeit seines Daseins , läßt die Außenwelt bestehn ; der Raubvogel nicht ; er hat kein theoretisches Verhältniß | zur Außenwelt d . h . eine Gleichgültigkeit gegen die Außenwelt , die dem Sein sein bestehn läßt ; die begirde aber negirt das Sein der Außenwelt , ist feindlich gegen dasselbe , ist so gegen dasselbe bestimmt , daß sie es nicht bestehn lassen will . Das Wachsein ist dann also überhaupt das für sich sein des Individuums , das zugleich nach Außen gerichtet ist . Da ist zugleich ein Verhältniß in diesem Wachsein gesetzt : ruhige beziehung auf sich , und zugleich ruhiges Verhältniß auf ein andres , das aber in seinem Sein belassen werden soll . Physiologisch ist auch dieser Unterschied am Individuum überhaupt vorhanden ; nämlich der Unterschied ist der : das organische , und das animalische Leben . Das erste ist das Leben der einfachen be-

1 Wa c h e n ] ErWl : Erwachen 1–7 Das schlafende … hat] ErWl : [ Unsre Bestimmung war daß das für sich seyende Individuum das Naturleben ausgeschlossen von sich hat , (das an sich seyn der Individualität) , es hat das (schlafende)] Wl : Nähere Bestimmung daß die Individualität für sich das Naturleben ausgeschlossen von sich hat , das an sich sein der Individualität ; es hat das schlafende] Naturleben sich gegenüber . Indem dies natürliche Zustände sind , sind sie eben so an [die Form der Äußerlichkeit ,] Wl : Formen der äußerlichen] Natürlichkeit gebunden , an Tag und [ Nacht . Man] Wl : Nacht , Zeit des Wachens und Schlafens . Man] kann nach seinem Willen Tag [in Nacht verwandeln . Auch Thiere verändern so] Wl : und Nacht machen . – Thiere gehen auch diese Verändrung durch ,] aber nur partiell , die [meisten schlafen nur Nachts . der Raubvogel] Wl : größtentheils nachts schlafen . Denn Raubthier , =vogel] ist in Begirde versunken [und in dieser Begierde hat er] Wl : – nicht so der Singvogel . Raubvogel hat in dieser Begierde] 7 d . h . eine] Wl : (d . h . daß noch die Außenwelt ein für sich bestehendes ist , – die 7–8 eine Gleichgültigkeit … läßt ;] Er : daß ihm die Außenwelt als ein Bestehendes als ein Geltendes ist , daß er gleichgültig gegen sie ist . 8 die dem … läßt ;] Wl : die Außenwelt noch als ein seiendes seyn läßt .) 8 aber negirt … Sein] ErWl : hingegen ist feindlich gegen das [ Bestehen] Wl : Bestehen , Seyn] 9–11 ist feindlich … Das] ErWl : negirt sie , macht sie nichtig . Für die Begierde ist also diese Manifestation [eines] Wl : des] Äu ßerlichen als eines [gleichgültigen] Wl : gleichgültig Seienden] und ruhig bestehn sollenden nicht , das bei Nacht auf Raub ausgehn , ist im Zusammenhang mit dieser Erscheinung . / 11 dann also … das] ErWl : das 12–16 Da ist … organische ,] ErWl : die Beziehung darauf ist die auf ein Seyendes , nicht mehr Entzweiung des Individuums in sich und seiner Ruhe gegen das andere . da ist also gleich ein Verhältniß im Wachseyn gesetzt : Ruhige Beziehung auf sich , und Beziehung auf die Außenwelt , die als ein Seyendes soll gelassen seyn , – ausgeschlossen zu haben sein [schlafendes Naturleben , das] Wl : Schlafendes , Naturleben ,] Äußerliche überhaupt . [das für sich seynde Individuum hat sich getheilt , hat] Wl : fysiologisch daran zu erinnern , der Unterschied , Ur theil , für sich das Individuum hat ge theilt] sein An sich seyn [von] Wl : (Naturleben) von] sich ausgeschlossen und 30 die] dß

15M Büchar] siehe Anm .

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Büchar sur la vie et la mort macht darauf aufmerksam . Sg

§ 398 .Wl

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ziehung des Individuums auf sich selbst ; der Reproductionsproceß und die Organe der Reproduction ; dahin gehören die Functionen , die im Schlaf wie im Wachen fortdauern ; blutumlauf , Verdauung etc . auch das System des Herzens ; dies organische Leben hängt nur durch den Lungenproceß durch das Athmen mit dem Leben nach Außen zusammen ; das Leben nach Außen ist das Verhältniß zur Luft . Wie auch Heraclit sagt : im Schlaf bleiben die Wurzeln des Lebens , indem er das Athmen als die Wurzel der Lebendigkeit betrachtet , hört dies auf , so ist der Mensch tot . Das andre ist das System der Animalität , des Gerichtetseins nach Außen ; es fällt in dieses die 2heit des Zustands , der Wechsel von Thätigkeit und Ruhe ; in diesem System treten auch außereinander die Systeme der I r r it a bi l it ä t S e n s i bi l it ä t ; hier kommen sie zu ihrer Wirklichkeit . In dies Leben gehören die Sinneswerk zeuge , Muskelbewegung etc . Im Schlaf hört dieses animalische Leben auf , thätig zu sein ; im Tode auch das andre ; darum sind beide Schlaf und Tod brüder . Dann bemerkt Biechare noch : die Organe die nach außen gerichtet sind , gehören dem Ur theil dem Princip der 2heit : einfach sind die Organe die zum organischen Leben gehören ; doppelt die nach außen gerichtet sind . Die Augen die Ohren sind gedoppelt ; 2 Arme , 2 Hände , 2 Füße ; dieses nach außen gekehrte der menschlichen Gestalt ist daher besonders Gegenstand der Kunst . – –

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bezieht sich darauf . Eben [dies Getheilte] Wl : ein solches Getheiltes] ist das Individuum [selbst . –] Wl : an sich selbst . |] die physiologische Theilung ist es worauf Bichat aufmerksam macht : sur la vie et la mort . Er nennt die zwei Seiten das organische Leben 1–3 der Reproductionsproceß … dies] ErWl : – Reproductionsprozeß , was auch [in] Wl : im System] der Irritabilität wieder zur Reproduction gehört ; Blutumlauf pp dauern wie im Wachen so auch im Schlaf [fort] Wl : fort .] Nur dieses 4–5 nur durch … zusammen ;] ErWl : [also] Wl : nur] zusammen mit der Außenwelt durch Athmen [pp .] Wl : Lungenprozeß .] 6–7 Wie auch … so] ErWl : [ Diese Wurzel des Lebens bleibt auch im Schlaf .] Wl : Im Schlafe bleibt diese Wurzel des Lebens , Luft , Athmen .] Wenn dies System aufhört lebendig zu seyn , 8 Das andre … das] Er : 2 . das Wl : 2 .) 8–9 Animalität , des … Ruhe ;] Er : Animalität ist abwechselnd bald ruhig bald thätig . des Gerichtetseins … dieses] Wl : abwechselnd thätig und ruhig , – das nach außen gerichtet seyn . Auch in dieses fällt 9 Wechsel von Thätigkeit] Wl : Thätigkeit 10 auch außereinander] Er : außer ein ander Systeme] Wl : Bestimmungen 11 hier] ErWl : In diesem [System] Wl : Zustande] 11–12 Wirklichkeit . In … etc .] ErWl : Wirksamkeit . Dahin gehören Sinne , Muskelbewegung . Die Sensibilität [ist theoretisch in den] Wl : hält sich theoretisch in] Sinnesorganen , die Irritabilität praktisch gegen die Außenwelt . 13 im Tode … beide] Er : in sofern sind 13–14 Dann bemerkt … die] ErWl : die 14–15 dem Ur theil … sind] ErWl : deshalb dem Ur theil der Zweiheit der doppelheit an , sind deshalb selbst gedoppelt . Hingegen 15–17 die zum … gekehrte] ErWl : [des organischen Lebens] Wl : die zum organischen Leben gehören] sind nur [einzeln] Wl : eins ,] und unregelmäßig . Jene [sind innerlich 2 und da kein Grund der Verschiedenheit vorhanden ,] Wl : 2 , und da kein Grund vorhanden ist der Verschiedenheit , so] sind sie symmetrisch . Augen Ohren [pp sind gedoppelt . das nach Außen gekehrtseyn] Wl : Arme , Hände , Füsse gedoppelt . Dieß nach außengekehrte] 18 daher besonders] ErWl : das was wesentlich 18–639,1 Kunst . – – Der] ErWl : Kunst ist , der geistige Ausdruck in 14 Biechare] siehe Anm .

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Der Unterschied zwischen Schlafen und Wachen ist nun also abstract bestimmt worden . Aber menschliches Schlafen und Wachen in ihrer concreteren bestimmung sind noch etwas verschieden : es sind Vorstellungen sowohl im Wachen als im Schlaf . Vornehmlich an den Vorstellungen sucht man diese Unterschiede darzuthun ; es ist eine Vexierfrage die an die Philosophen gemacht wurde über das Schlafen und Wachen . | Man nimmt beides da nicht für sich , sondern in bezug auf die darin enthaltenen Vorstellungen . Napoleon ist in Paris in die Klasse der Ideologie getreten und hat gefragt : wie schlafen und wachen sich unterscheidet : Eine Frage die die Schüler und Professoren in Verlegenheit gesetzt hat ; wie große Herrn gern zu thun pflegen ; die Vorstellungen im Schlafe sind die Träume . Man hat gefragt , ob die Seele im Traum wach sei , oder ruhe ? die Seele ist immer thätig , das ist ihr Wachen ; die Ruhe ist tot ; wenn man fragt , so kann man sich immer erinnern an das , was man geträumt , oder man vergißts gleich wieder und das muß man auch ; es ist nicht erlaubt einem andren seine Träume zu erzählen ; man soll sie nicht behalten . – Nun hat man im Wachen auch Vorstellungen ; man weiß von äußren Gegenständen ; aber da sagt man das weiß ich im Traum auch ; ich habe da Gegenstände so und so bestimmt , wie im Wachen . Die Vexierfrage enthält nämlich immer dieses : daß man die Vorstellungen im Wachen mit denen im Schlaf gleich stellt ; das sei das Gemein-

20v Sg

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Form und Gebehrde . / | Was nun den weitern 1 ist nun … abstract] ErWl : betrifft , so ist er ab2 Aber menschliches] ErWl : [ d a s i s t ] Wl : das ist der Standpunct , das ist] Schlafen und Wachen , aber wenn wir das menschliche in ihrer] ErWl : nehmen , sofern diese Zustände in einer 3–10 sind noch … pflegen ;] ErWl : gefaßt werden müssen , [so will man den Unterschied] Wl : will man weiter über diesen Unterschied wissen ,] nach der concretern [ Bestimmung nehmen , daß im Schlaf auch Vorstellungen sind . Man will da nicht den abstracten Unterschied zwischen Schlafen und Wachen ,] Wl : Bestimmung , daß Vorstellungen sind im Schlafen und Wachen . – Man sucht nicht auf diese abstracte Weise Wachen und Schlafen zu unterscheiden ,] sondern sofern in beiden Vorstellungen das Concretere , die weitre Thätigkeit des Geistes vorkommt in Beziehung auf die Form dieser [ Vorstellung . So ist dieser Unterschied zu einer Vexirfrage gemacht ;] Wl : Vorstellung ; der Unterschied von Schlaf und Wachen pflegt zu einer der Vexirfragen , wie man sie nennen könnte , an die Filosofie gemacht zu werden . (auch Napoleon richtete bei einem Besuch der Universität zu Pavia diese Frage an die Klasse der Ideologie .)] 10 im Schlafe] ErWl : die wir im Schlafe haben , 11–14 Traum wach … einem] ErWl : Schlaf auch thätig sei . der Geist die Seele ist wesentlich Thätigkeit , [nicht] Wl : (und nicht] ein ding , ein abstract sich auf sich beziehendes , reflectirtes , ruhendes , todtes [Seyn , ist ewige] Wl : Seyn) Ruhe in ewiger] Bewegung . das bei sich seyn macht die Seite der Ruhe aus , aber [es ist ein] Wl : ein solches] bei sich seyn das [ein zu sich kommen ist .] Wl : zu sich kommt . –] (Es ist nicht der Mühe werth Träume zu behalten und man müßte sich nicht erlauben 14–15 man soll … weiß] ErWl : Vorstellungen hat man [im] Wl : auch im] Wachen und auch im Traum weiß ich 16–640,1 aber da … Zuständen .] ErWl : Traum ist auch Bewußtseyn , Beschäftigung mit Vorstellungen . [dies enthält jene Vexir frage . –] Wl : Die Vexierfrage enthält eine

20 stract

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… pflegen am linken Rande 19 und ] folgt bei Wl am rechten Rande mit Bleistift : Mund , Nase nicht ? 29–31 von Schlaf … Ideologie .) nachträglich im Freiraum zwischen den Zeilen

40 7–10 Napoleon ist

45Er § 398 Anm .Wl

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schaftliche zwischen beiden Zuständen . In dieser concreten Rücksicht kommt es aber darauf an , w i e d i e Vo r s t e l lu n g e n d e s wa ch e n Zu s t a n d e s vo n d e ne n d e s S ch l a f s ve r s c h i e d e n s i n d ? Der Unterschied ist der : daß ich im Wachen für mich bin gegen die Außenwelt ; dies Für mich sein enthält daß ich da Subject bin mit der Totalität als Totalität , als bestimmtes Subject welches zusammen hält alle bestimmungen . Im Schlaf hingegen bin ich das Kraftlose , bin nicht für mich ; was ich sonst im Wachen zusammenhalte , fällt hier auseinander . diese Maßlosigkeit in dem Zusammenhang der Vorstellungen kann man merken , wenn man einschläft und wieder aufwacht und zu sich kommt . Man hat Vorstellungen , aber sie entschwinden einem ; man kann sich nicht des Hergangs mehr erinnern ; der wache Mensch aber ist mächtig über den Complex seiner Vorstellungen . Träumende Zustände sind zweckloses sich Fortgehn lassen . Der berühmte Jean Paul hat es oft exercirt und in seinen Schriften exponirt ; er hat eine Methode sich selbst in Schlaf zu bringen : er hat sich einen faselhaften Roman vorgemacht , ohne Zusammenhang ; diese will-

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42 Wl

Schwierigkeit die dadurch entsteht , daß man das Träumen im Schlafe herzunimmt , und dann die Vorstellungen des wachen besonnenen Bewußtseyns , auch nur als Vorstellungen was die Träume auch seien , bestimmt . In dieser oberfl ächlichen Bestimmung von Vo r s t e l l u n g kommen freilich beide über ein ; d . h . es wird dabei über den Unterschied derselben hinweggesehen , und bei jeder angegebenen Unterscheidung läßt sich zu der trivialen Bemerkung , daß dieß doch auch nur Vorstellungen seien , zurückkehren .] das Gemeinschaftliche sind die Vorstellungen . 1–2 kommt es … an ,] Er : soll angegeben werden Wl : (in Beziehung auf Vorstellung) anzugeben 3 Der] ErWl : [der] Wl : darauf kommt es an . – der] allgemeine nächste 4–5 enthält daß … der] Wl : ist in seiner concreten Bedeutung ist B e w u ß t s e y n und Ve r s t a n d , und die Welt des verständigen Bewußtseyns ist ganz etwas Andres als ein Gemälde von bloßen Vorstellungen und Bildern . Diese letzteren als solche hängen vornehmlich ä u ß e r l i c h – nach den sogenannten Gesetzen der sogenannten I d e e n - A s s o c i a t i o n zusammen auf unverständige Weise , [wobei] Hk : wo aber] sich freilich auch hie und da Kategorien [vermischen] Hk : einmischen] können . Im Wachen aber verhält sich wesentlich der Mensch als concretes Ich , als Verstand , – das Subject mit 4 enthält] Er : enthält in seiner concreten Bedeutung 5 als Totalität , … alle] Er : aller 5–6 als bestimmtes … ich] Wl : äußerlicher zusammenhalt als Totalität der Bestimmungen . Im Schlafen bin ich nicht für mich , 6 hingegen bin ich] Er : bin ich nicht für mich , bin bin nicht … mich ;] ErWl : daß 7 im Wachen] ErWl : in meiner | Subjectivität 7–11 fällt hier … seiner] ErWl : [itzt auseinanderfällt Im Einschlafen] Wl : aus ein ander fällt . (Wenn man im einschlafen z . b .] entschwinden einem die Vorstellungen und der Zusammenhang derselben . [das besonnene Wachen] Wl : der besonnene Wache] hat Macht über den ganzen Complex [von] Wl : seiner] 11–13 Träumende Zustände … Methode] ErWl : Im träumenden Zustand läßt man sich alles ohne Zusammenhang durch den Kopf gehn ohne Zweck und ohne Verstand . Jean Paul hat ein Mittel gehabt die Kinder [und ] Wl : zum Schlafen zu bringen , und] 13–14 er hat] ErWl : dadurch daß er 14–641,2 vorgemacht , ohne … eingeschlafen .] ErWl : vorgemacht hat . diese Auflösung , dies Zusammenhangslose , [wo wenigstens der Zusammenhang nur äußerlich

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15 Schwierigkeit die dadurch am rechten Rande 15–20 entsteht , daß … zurückkehren . nachträglich 40 im Freiraum zwischen den Zeilen und mit Einfügungszeichen am rechten Rande 23–28 ist B e w u ß t s e y n … das mit Verweiszeichen am unteren Rande

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kührliche Depression des Bewußtseins hat er vorgenommen ; das hat er Kindern so vorgemacht und die sind auch davon eingeschlafen . Der Schwindel ist damit verwandt , der darin besteht daß eine Menge von bildern in der Seele vorübergehn , die man nicht zusammenfassen kann . z . b . auf einem hohen Thurm ist man nicht gewohnt das Entfernte zusammenzufassen und sich damit zusammenzukriegen ; es geht einem dabei ebenso drehend herum , wie wenn man einschlafen will ; man hat den Willen des Mittelpunktes verloren ; daß man steht ist das , daß man stehn will daß man seinem physischen Schwerpunkt diese Richtung geben will ; ist dieser nun geschwächt so verläßt die Seele auch diesen Mittelpunkt und der Körper richtet sich auf seine äußerliche Schwere und er fällt um . die andre Seite ist in der Gleichgültigkeit , der Einerleiheit im Sinn , wodurch man einschläft ; es ist die Langeweile . Man sitzt bei einem bach und hört sein Murmeln ; da tritt das Gegentheil von der bunten Faselei ein , nämlich die Einerleiheit und dadurch wird man ebenso zum Schlaf eingeladen . | Der Traum hat Vorstellungen wie das Wachen ist das oberflächliche , aber dieser Unterschied bezog sich auf die bestimmung des Für sich seins im Wachen . diese Totalität des Für sich seins ist dann so aufzufassen : Ich als Waches bin jetzt zu dieser Zeit , an diesem Ort mit den Particularitäten meiner ganzen Existenz ; von diesem

21r Sg ; MontagSg

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ist , und diese] Wl : im äußerlichen Zusammenhange wenigstens nur , und diese willkührliche] depres20 sion der Macht des Bewußtseyns über die Vorstellungen in einem zusammenhangenden Complex

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– ist was [einen] Wl : sie] in Schlaf bringt . 3 verwandt , der … Menge] ErWl : verwandt . Er entsteht wenn man sich schnell [ bewegt , denn da gehn eine Menge] Wl : bewegt . Es gehen schnell eine Reihe] 3–4 in der … z . b .] ErWl : vor dem Auge vorüber , [so daß wir sie] Wl : die wir] nicht zusammenfassen können . Im Schwindel 4 Thurm ist man] Wl : Thurm : Man ist es man 2 ] Er : das Auge 5–11 zusammenzufassen und … der] ErWl : zusammenzufassen , das Ferne in ein Verhältniß [zusam|men zu fassen .] Wl : zusammenzukriegen .] Es ist ein Schwindel [wenn] Wl : wie wenn] man im Schlaf ist . Ist man [im Schlaf so] Wl : schläfrig ,] steht man wie im Schwindel , im Begriff , zu fallen . Man hat das Bewußtseyn des Mittelpunkts des Schwerpunkts verloren , [wenn] Wl : was ist , wenn] der Wille , der Grund des Stehens geschwächt ist . – / Eben damit [entsteht] Wl : zugleich entsteht] die Gleichgültigkeit gegen alle besondern Vorstellungen , die ohne Zusammenhang auf ein ander folgen und das ist die [Seite] Wl : andere Seite ,] die bemerklich zu machen ist . [durch] Wl : diese] 11 Sinn ,] ErWl : Sinne tritt ein was die Langeweile ausmacht , ist [die] Wl : die andere] Seite 11–15 es ist … dieser] ErWl : diese Auflösung daß sich die Einheit der Seele ablöst von der Mannigfaltigkeit , ist in abstracto der Character der Vorstellung wie sie im Schlaf ist . / [die] Wl : Ich bin im Schlafe nicht die Macht und nicht im Sinne der Verständigkeit . / Die] oberfl ächliche Betrachtung [ist daß in beiden Zuständen wir Vorstellungen haben , der] Wl : war daß der Traum Vorstellungen habe , der nähre] 16 die bestimmung … Wachen .] Wl : das für sich sein des Wachens . bestimmung] Er : Form im Wachen . diese] Er : und die 17–642,1 dann so … ich1] ErWl : [näher zu betrachten : Ich] Wl : bestimmter aufgenommen : daß ich] mit aller dieser Existenz [ bin] Wl : und , / da bin ich] 13 der bunten] Lesart unsicher

39 und ,] folgt eine Leerzeile mit Fragezeichen

46Er

den 26 . NovemberEr

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Ganzen bin ich der Mittelpunkt , und alles , was vor mir ist , was ich anschaue ist auch ein solcher objectiver Complexus von bestimmungen . diese hängen auf eine uns bekannte und verständige Weise zusammen . Erscheint mir nun etwas im Wachen so bringe ich es in seine bestimmte Stelle in diesem Complexus . dieser Zusammenhang ist die Verständigkeit ; ich als waches bin verständig , bin ein bewußtsein dieses Zusammenhangs , nicht ein detaillirtes bewußtsein dieses Zusammenhangs ; aber es ist concret auf eingehüllte Weise in mir ; ich bin selbst der einfache Complex dieses Zusammenhangs ; und dieser Zusammenhang ist der Maaßstab für das , was wir erkannt . Ich z . b . bin it z t und hier auf diesem Stuhl ; dies Itzt ist ein bestimmtes Resultat der bestimmten Zeit ; das Hier ebenso das Resultat eines bestimmten Orts ; ich habe dies Ganze nicht präsent in einem bewußtsein vor mir ; aber ich bin das präsente Gefühl , die präsente Einheit von diesem Ganzen . Wenn mir im Wachen nun etwas ganz Unerwartetes begegnet , was gar keinen Zusammenhang mit meiner Präsenz hat , so kann ich fragen wach ich oder träum ich ? Das heißt ist das , was mir eben vorkommt , in den Zusammenhang meiner Existenz gehörig ; wie geht das dahin ein ? Freilich nachher wenn ich den Zusammenhang (begreifen) fassen lerne , dann seh ich ein , daß ich wache ; ich halte es für ein Wirkliches ; diese Gegenwart also ist der Maaßstab nach dem ich etwas schätze , was mir begegnet .

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1–2 vor mir … solcher] Er : ich vor mir habe ist ein 1 auch] Wl : eben 2–4 von bestimmungen . … diesem] Er : der verständig geordnet ist , was mir erscheint , reihe ich in diesen objectiven 2 uns] Wl : mir 4–5 bringe ich … ein] Wl : reihe ich es in den Complex meiner Vorstellungen und es nimmt seine Stelle ein unter objectiven Gegenständen . – Ich bin im 5–7 ist die … ist] Er : ist 6 ein detaillirtes … es] Wl : des ausführlichen Zusammenhangs ; aber dieser Zusammenhang 7 Weise] ErWl : Weise präsent bin selbst] Wl : bin 7–8 selbst der … Zusammenhangs ;] Er : er selbst 8–9 der Maaßstab … bestimmtes] Wl : Maaß meiner Vorstellungen . Ich sitze itzt hier . Itzt ist der Maaßstab … Stuhl ;] Er : das Maaß des Erscheinenden . Itzt sitze ich hier . 9–10 bestimmtes Resultat … Orts ;] Er : Resultat von vorhergehnden Zuständen , dieser Ort ist eben so im Zusammenhang mir concreter Zustände . 10 bestimmten Zeit ; … Orts ;] Wl : Ordnung , zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Orte zu seyn . Dieser Ort ist hier , Zusammenhang von [einem besonderen concreten] Hk : mir bestimmtes concretes] Verhältniß in mir . 11 dies Ganze … bewußtsein] Er : das nicht ganz präsent dies Ganze nicht] Wl : das nicht alles einem bewußtsein … mir ;] Wl : meinem Bewußtsein in seiner Entwicklung , 11–14 das präsente … hat ,] Er : die präsente Einheit , – so verhalte ich mich im Wachen . Wenn mir etwas ganz unerwartetes erscheint was in jenen Complex nicht hineinpaßt 12 die präsente … Wenn] Wl : Einheit dieses Complexes . Kommt 13–14 nun etwas … fragen] Wl : plötzlich etwas außer diesem Zusammenhang , so frage ich : 14–17 Das heißt … es] Er : – erst wenn ich nach und nach fassen lerne diesen Zusammenhang , erst dann halte ichs 14–15 ist das , … vorkommt ,] Wl : dieß was mir so vorkommt , davon weiß ich nicht , wie es 15–17 gehörig ; wie … wache ;] Wl : gekommen ist – und nun lerne ich Zusammenhang einsehen , und 17–18 für ein … begegnet .] Wl : dann für wirklich , wenn es tritt in Zusammenhang mit übrigem . – dieß concrete Bewußtseyn des Zusammenhangs ist auf eine eingehüllte Weise mir Gegenwärtig , und diese Gegenwart , Totalität ist Maaßstab , woran ich alles messe , das mir vorkommt . | So bin ich im Wachen . 17–643,1 diese Gegenwart … Traum] Er : dies concrete Bewußtseyn ist nicht entwickelt ,

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Im Traum aber ist dies alles ausgelassen ; die Einheit der Complex der Vorstellungen ist mir dennoch da nicht gegenwärtig , es fl ießt alles willkührlich aus einander ; ich bin nicht der concrete Mittelpunkt . Also auf die verschiedene be schaffenheit des Vorstellens kommt es an , wenn man die Unterschiede zwischen dem Wachen und Träumen feststellen will . Der Zusammenhang zwischen den Vorstellungen macht die Objectivität überhaupt aus , wie wir später beim Verstande sehn werden . Auch im Inhalt des Traumes ist ein Zusammenhang , nämlich ein Zusammenhang mit den Empfindungen des Wirklichen ; es können wirkliche Empfindungen Veranlassung zu bestimmtem Inhalt des Träumens werden , was uns beschäftigt hat oder interissirt , das setzt sich oft im Traume fort ; aber es kann auch irgend eine andre Empfindung im Körper sein ; es kommt darauf an , wie man diese Empfindung erklärt . Ich halte hier meinen Finger hin , da fühle ich etwas Hartes , da habe ich gleich eine Empfindung dabei ; nun komme ich mit einer Erklärung dazu und sage es ist e t wa s eine Sache da , die hart ist . So hab ich auch , wenn ich schlafe körperliche Empfindungen und es ist dann die Phantasie die diese Empfindungen auffaßt und erklärt , nicht das besonnene bewußtsein , nicht der Verstand , | sie macht aus solchen Vorstellungen gleich eine beliebige Erklärung – z . b . man hört einen Knall und wacht damit auf ;

21v Sg

20 aber auf mir eingehüllte Weise in mir und ist der Maaßstab des Subsumirens . Im Träumen 20

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1–5 aber ist … macht] ErWl : [ist dies nicht vorhanden , da verhalte] Wl : verhalte] ich mich nicht als dieser concrete Mittelpunkt , [da rangirt sich alles] Wl : sondern da fl ießt alles durch ein ander ;] ohne diesen | concreten Mittelpunkt , [der die Wirklichkeit ausmacht , die] Wl : ohne Wirklichkeit . – das ist also der wahrhafte Unterschied . diese verschiedne Be schaffenheit des Vorstellens . Die] Verständigkeit [meines Vorstellens ,] Wl : des Vorstellens im Wachen ist] das Concentrirt seyn des [ Zusammenhangs , der] Wl : Zusammenhangs in mir , welcher Zusammenhang] 6–10 überhaupt aus , … Traume] Er : ausmacht . Es kann noch hin zu gefügt werden daß auch im Traume es einen Zusammenhang gibt mit dem Wirklichen . die Träume gehn ohne wirklichen objectiven Zusammenhang . da können auch Empfi ndungen Inhalt seyn , Vorstellungen am Abend setzen sich 6 überhaupt aus , … Auch] Wl : ausmacht . – Kann noch hinzugefügt werden über dieß Verhältniß , daß auch 7–10 den Empfindungen … oft] Wl : Empfindung , mit dem was wirklich ist . Träume gehn vom 100 s t e n ins 1000 s t e ohne Verstand fort . Da können auch Empfindungen Veranlassung seyn von bestimmtem Inhalt des Traums . Wenn uns Abends ein Inhalt sehr intressirt hat , so setzt sich es 10–11 es kann … es] Wl : auch besondre Empfindung , im Körper kann’s machen . Es 10 irgend eine] Er : eine 11 es kommt] Er : Itzt kommt es 11–14 Ich halte … ist .] Er : ich empfi nde eine Härte und sage nun es ist e t w a s Hartes . Wl : Das Empfinden ist das unmittelbare . Ich erkläre Empfindung eines Fingers , indem ich sage : da ist etwas Hartes , dadurch ich empfinde . 14 auch , wenn … körperliche] Er : auch im Schlaf Wl : auch im Schlafe körperliche 15 die] Wl : (zufällige Einbildungskraft) die diese Empfindungen … und ] Er : da sie 15–16 auffaßt und … sie] Wl : erklärt , d . h . die das besonnene … der] Er : der besonnnene wache 16–644,12 solchen Vorstellungen … ist .] Er : diesen Empfi ndungen uns eine Vorstellung und die Empfi ndung ist so Veranlassung zu diesem bestimmten Traum . Im Schlaf kann der Mensch Gefühl von Krankheiten pp haben die nachher wirklich hervortreten . Ein System ist da wirklich schon krankhaft afficirt , im wachen Zustand verhindern aber Geschäfte und dergleichen daß es zum Gefühl wird . – Im Wachen wird so eine Empfi ndung objectiv erklärt d . h .

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es ist vielleicht eine Thür zugeschlagen worden ; die Phantasie macht aber gleich ein Gewölk herum , besonders gegen Morgen hat man sehr lebhafte Träume , weil da die Seele sich dem Äußerlichen wieder öffnet – man kann z . b . vom Floh gebissen werden und die Phantasie malt das gleich aus in einen schwarzen Geist etc . Die Phantasie legt das gleich aus , und dichtet viel dazu . Der Mensch kann auch im Schlaf krank sein ; und wenn er aufwacht ist er gesund , nicht lang tritt aber diese Krankheit wirklich hervor ; so daß Prophezeiungen aus Träumen oft ihren guten Grund haben . Insofern hat also das Träumen einen Zusammenhang mit wirklichen Empfindungen , die im Traum von der Phantasie , in wachem Zustand aber vom Verstand ergriffen werden . Über diese Totalität , die in diesem Selbstgefühl präsent ist , werden wir bei der Empfindung mehr sprechen . Es kommt dabei darauf an , sich bestimmte Rechenschaft darüber zu geben , was Objectivität ist . In der Anmerkung die im § selbst ist noch die Rede von der Stärkung , die der Schlaf ist , sowohl physisch als des Gemüths und des Geistes . Man sagt : man ruht aus und wird dadurch kräftiger . Was heißt diese Ruhe ; das bloße Nichtsthun kann keine Stärkung sein ; die Ruhe ist vielmehr , in so fern sie unthätig ist , erschlaffend ; durch das Nichtsthun wird man nicht stark , sondern durch Übung . Die Stärkung des Schlafs besteht eben darin : im Wachen bin ich für mich in der Thätigkeit entgegengesetzt

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§ 398 EndeWl

im übrigen Complex Ueber diesen Complex des Objectiven der concentrirt ist werden wir noch näher zu sprechen haben . / 643,16–644,2 Vorstellungen gleich … besonders] Wl : Eindrücken mir Vorstellungen , die mir gegenständlich erscheinen , und insofern ist Empfindung oft Veranlassung des Traumes . – Besonders 2 hat man … Träume ,] Wl : wo man die lebhaften Träume hat , 3 Äußerlichen] Wl : äußerlichen Eindruck 3–5 – man kann … dazu .] Wl : So also haben Träume oft solche äußerlichen Veranlassungen , außer dem , daß der Geist Tag über besonders intressante Beschäftigung gehabt hat . – Floh , Essen . 5–8 auch im … einen] Wl : im Schlaf auch das Gefühl von Krankheiten haben , die , fühlt er sich gleich ganz gesund im Erwachen , nachher hervortritt : so daß Weissagungen oft wesentlichen Grund haben . Der Körper ist schon krankhaft affi zirt , das Wachen läßt das Krankhafte noch nicht ungehindert hervortreten , wie im Schlafe es geschehn kann , wo die Spannung des Wachens nicht ist . – So haben Träume auch 9–10 die im … werden .] Wl : Zuständen . – / 10 in diesem] Wl : im Selbstgefühl ist , Totalität seiner ganzen Existenz , die im 11 der] Wl : Direction der 12 geben] Wl : haben 12–15 In der … Nichtsthun] Wl : (das ist im Complex , Zusammenhang von Bestimmung gesetzt ist , welcher Complex Ich bin .) I n A n m e r k u n g der Schlaf ist Bekräftigung dieser Thätigkeit , nicht als das bloß negative der Ruhe von derselben , sondern als Rückkehr aus der Welt der B e s t i m m t h e i t e n , der Zerstreuung , und aus dem Festwerden in den Einzelnheiten , in der allgemeinen Weise der Subjectivität , welches die Substanz jener Bestimmtheiten , und deren absolute Macht ist . / Der Schlaf ist Stärkung , des fysischen und geistigen , des ganzen concreten Bewußtseyns . – Man ruht aus . Ruhe , als bloßes nichts thun genommen , 13 die im … ist1] Er : ist auch 13–15 ist , sowohl … bloße] Er : gewährt . Es ist bemerkt wies die Nothwendigkeit sich durch den Schlaf zu stärken ist . das »Ausruhen« als bloßes 16–17 die Ruhe … Stärkung] Er : denn die Ruhe ist als Nichtsthun eher Er schlaffung . das Stärken durch das … Stärkung] Wl : – das Stärken 18 darin : im … Thätigkeit] Er : darin daß im Wachen ich im Für mich seyn darin : im … in] Wl :

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der Außenwelt ; es sind 2erlei foci im Menschen (organisches und animalisches leben) Arme und beine etc . ist alles nach außen gerichtet und von dem einfachen Natur leben unterschieden . Thätigkeit enthält Entzweiung , Trennung ; der Schlaf aber ist die Einhüllung von sich selbst ; hier wird die Trennung aufgehoben ; ich gehe in mich aber nicht um für mich zu sein gegen dies Allgemeine sondern ich verlasse mich und senke mich zurück in diese Substantialität , in die Allgemeinheit ; dieses ist die wahrhafte Macht und Kraft über die Einzelheit . die besondere bestimmte beschäftigung fällt in die Kategorien des Seins herunter ; die kraft hat da ein gewisses Maaß , das sich erschöpft . Diese Macht ist es also in die wir uns tauchen in diese Einheit und Ungetrenntheit des Schlafes . Wir gehn nun zu dem 3t e n der Empfindung über § 39 9 . |

C . D ie E m pf i n d u n g

22r Sg ; § 399 .Sg

die Empfindung ist das 3t e zu den natürlichen Qualitäten , zur Naturbestimmtheit der Seele überhaupt ; deren bestimmtheiten freilich mannigfaltig sind , aber nur für

15 darin , daß ich mich versenke in das allgemeine Wesen der Subjectivität , – von dem ich mich getrennt

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im Wachen ; ich für mich und 1 der Außenwelt ; es] Wl : also dann der Außenwelt (ich kann sagen , da der] Er : bin der 1–3 im Menschen … Trennung ;] Er : da , es ist gleichsam vom einfachen Naturleben , der einfachen Substanzialität unterschieden . 1–2 Menschen (organisches … alles] Wl : Menschen . Alles ist 2 und von dem] Wl : in seinem 4–8 die Einhüllung … beschäftigung] Er : diese Einhüllung in sich selbst , im Wachen trenne ich mich von mir selbst , | im Schlaf ziehe ich mich zurück , versenke ich mich in mich selbst aber nicht indem ich mich gegen meine Allgemeinheit stelle , sondern indem ich mich in die Substantialität versenke , die die Macht des Einzelnen ist . die Beschäftigung des Besondern 4 hier wird … gehe] Wl : Im Wachen isolire ich mich von meiner Substanzialität . Ich bin auf besondere Weise in Vereinzlung gegen mich als Gattung , allgemeines Wesen Im Schlafe hebe ich diese Trennung auf . da gehe ich 5 sondern ich] Wl : ich 6 diese Substantialität , … Allgemeinheit ;] Wl : meine Substanzialität . Wie [lacuna] Hk : Geryon] von Herkules nicht überwunden werden konnte , so lange er immer wieder seine Mutter Erde berühren und daraus Leben ziehen konnte : so kehren wir im Schlafe immer ins substanzielle Leben zurück , und 7–12 besondere bestimmte … E m p f i n d u n g ] Wl : Richtung nach außen gehört unter die | Kategorie einer bestimmten Größe . Diese Richtung nach außen hebt sich auf , und versinkt ins ganz Allgemeine , das ist die Macht . Wir tauchen uns in die Einheit , die wir im Schlafe uns geben . – / E m p f i n d u n g / 8 herunter ;] Er : und zwar der Quantität – 8–10 da ein … Schlafes .] Er : ein Maaß – dieser Richtung nach Außen ist entgegengesetzt das sich tauchen in die Allgemeinheit . / 11–13 zu dem … Empfindung] Er : über zur / Empfi ndung . Sie 13 zu] Er : zu 1 . Qualitäten , zur] Wl : Qualitäten . Die ersten zwei 1 .) 13–14 zur Natur bestimmtheit … nur] Er : die verschieden sind 14–646,1 deren bestimmtheiten … nicht] Wl : die Naturbestimmtheiten sind nur für uns verschieden nicht 15 ich mich … getrennt mit Verweiszeichen am rechten Rande 26 Wie] folgt gestr : Herkules Wie [lacuna … kehren zwischen den Zeilen und mit Einfügungszeichen am rechten Rande

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44 Wl § 399Wl

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uns nicht für das Individuum . Die Veränderungen sind 2t e n s das an ihm selbst von sich unterscheiden ; das 3t e ist die Rückkehr in sich , also das in der Veränderung in der Entzweiung identisch mit sich Sein . Das erste ist die natürliche Quantität das 2t e die Veränderung ein in sich verschieden sein ; das 3t e die beziehung dieser Verschiedenheit auf sich ; das ist die logische Seite , die Empfindung als solche . Schlafen und Wachen sind nicht bloße Veränderungen , sondern es sind wechselnde Zustände , der Progreß ins Unendliche , das ist der Wechsel , wo es aber noch nicht kommt zu Wahrheit zu Untrennbarkeit ; denn diese Einheit Zusammenhang ist ihre Identität . dieser Progreß ist sehr langweilig , wenn man geschlafen hat , wacht man wieder und dann schläft man wieder und so fort ; immer Ursache und Wirkung und Wirkung und Ursache und so ewig fort . Es ist ein bloß negatives Verhältniß , das Wachen wird negirt vom Schlaf und der Schlaf vom Wachen . der logische Übergang von dieser schlechten Unendlichkeit in die wahrhafte ist hier nicht zu erörtern . Die wahrhafte Unendlichkeit ist nämlich die in der von einem zum andren fortgegangen wird , daß die Ursache , womit sie zum anderen ihrer selbst fortgeht sie darin zu ihrer eigenen bestimmung kommt ; und Ursache ist erst in | der Wirkung Ursache ; die

1 Die] Wl : 2 .) die sind 2t e n s das] Wl : am Individuum . Es ist 1–2 das an … unterscheiden ;] Er : dies am Subject selbst , als von sich selbst verschieden . 2–3 das 3t e … Entzweiung] Wl : Nun 3 .) R ü c k k e h r . Das logische Dritte . In der Entzweiung , in der Bestimmtheit 2 die Rückkehr … das] Er : nun die Rückkehr , dies 3–5 Sein . Das … die 2 ] Wl : zu seyn . dieß ist die Kategorie dessen das natürliche Qualität genannt ist . 1 .) Seyn , 2 .) In sich verschieden seyn und 3t e Kategorie ist nun Ve r s c h i e d e n h e i t i n s i c h d i e s i c h a u f h e b t ; – die 3 Sein . Das … Quantität] Er : zu seyn . Identisch mit sich-seyn ist die Kategorie des ersten . / 4–5 die beziehung … Seite ,] Er : ein Verschiedenseyn aber das in Beziehung auf sich . – das ist 6 nicht bloße … wechselnde] Er : wechselnde bloße Verändrungen] Wl : bloß Verändrungen (der Lebensalter) 7 Zustände ,] Wl : Zustände . Wechsel 2er Bestimmungen , die untrennbar sind . Ihr Zusammenhang , Untrennbarkeit ist die Einheit . das ist 7–13 Unendliche , das … Die] Wl : Unendliche . Schlaf und Wachen , Schlaf Wachen p . – Ursache die selbst Wirkung ist , und eine andere zur Ursache hat , die selbst Wirkung ist p . Langweilige Abwechselung zwischen ein und demselben . – Das Wahrhafte ist wahrhafte Unendlichkeit gegen diese schlechte Unendlichkeit (im Progreß des Unendlichen) . Aber in diesem ihrem natürlichen negativen Verhältniß ist ebenso das affi rmative vorhanden . Diese 7–11 das ist … fort .] Er : sie können nicht von einander kommen , dieser Progreß ist eben daß sie nicht in ihrer Wahrheit sind d . h . in ihrer Einheit . 11–13 das Wachen … erörtern .] Er : das Wahrhafte ist die wahrhafte Unendlichkeit gegen diese schlechte . diese wahrhafte Unendlichkeit – (Gegenstand der Logik) – die schlechte Unendlichkeit ists was man gewöhnlich so nennt . 14 nämlich die … der] Er : daß indem Wl : eben diese , daß indem 14–16 fortgegangen wird , … und ] Er : übergegangen wird dies eine indem es zum andern kommt in diesem nur zu sich selber kommt . die 15–647,2 daß die … Ursache .] Wl : das eine zu sich selbst kommt . – daß Ursache , indem sie zu Anderer Wirkung fortgeht , sie eben zu sich selbst kommt . In diesem schlechthin von sich verschiedenen ist sie erst , was sie ist , bei sich selbst . – / So ist das Wachsein eben in (Schlaf) diesem Anders seyn ihrer selbst bei sich zu seyn , die wahrhafte Bestimmung des Wachseins . – / 16–647,2 Ursache ; die … Ursache .] Er : und erst in dieser kommt sie 30–31 Aber in … vorhanden . mit Verweiszeichen am linken Rande

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Wirkung ist schlechthin von ihr verschieden , und doch ist die Ursache erst i n i h r Ursache . Die einzelne Seele findet so die bestimmtheit ihrer schlafenden Natur ; ich bin s o bestimmt ; ich bin nur so ; denn das , was das besonnene bewußtsein für Erklärungen hineinbringt , ist erst nachher hinter der Empfindung . Also es i s t eine bestimmtheit in mir ; und diese ist ein schlafendes , natürliches ; es i s t , darum weil es ist . Aber die einzelne Seele ist nun dies , daß sie dies , was so i s t , und was zugleich das Andre ist gegen mein Für mich sein , als identisch mit sich setzt ; sie setzt es in sich selbst . Das Erwachen haben wir nun nicht mit dem concreten Inhalt des Wachens selbst zu verwechseln , das Wachsein ist ein Für mich sein und ein Unterscheiden meines Naturlebens . die Gegenständlichkeit des natürlichen Seins für mich , das ist abstract ; aber das Concrete ist : daß ich für mich und Andres mir gegen über ausschließe . Dies andre ist bezogen auf mich[ .] Das conc r e t e Wa ch s e i n aber ist so zu nehmen : daß dies : daß ich für mich bin , aber auf bestimmte Weise , d . h . daß das andre natürlich | sein für mich ist ; daß ich einfach in mich zurückgekehrt bin ,

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15 dazu was sie ist . Im Andersseyn ihrer selbst (dem Schlaf) bei sich zu seyn ist erst die wahrhafte Be-

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stimmung des Wachseyns . 2 Natur ; ich] Wl : Natur welche als in ihrer Substanz an sich in derselben sind , i n s i c h s e l b s t f ü r sich . Als Bestimmtheit ist dieß Besondre von der Identität des Für sich seyns mit sich , unterscheiden , und zugleich in dessen Einfachheit einfach enthalten – Empfi ndung . – Bestimmtheit der schlafenden Natur überhaupt . Seyn . Ich ich] Er : diese Bestimmtheit ist im Seyn , ich 3–4 ich bin … es] Er : es 3 ich bin … was] Wl : Es ist nun der Fall , daß ich so b i n . Es ist wegzulassen was nun hier 4 hineinbringt , ist … es] Wl : einbringt : denn die Erklärung gehört nicht der Empfindung selbst p . Es 5 bestimmtheit in … darum] Wl : Bestimmtheit . Es ist eine natürl iche , 5–6 i s t , darum … ist .] Er : i s t so . 6 ist . Aber] Wl : ist . diese Bestimmtheit ist also ; aber 6–7 und was zugleich] Er : was was zugleich] Wl : so ausgedrückt ist , daß es 7 mein Für mich] Er : ihr für sich 7–9 als identisch … Wachsein] Wl : – setzt die Seele als identisch mit sich ; sie negirt das andre seyn , setzt es ideell und setzt es in sich selbst ; sie ist in diesem Andersseyn einfach bei sich . – Wir haben vom Erwachen gesprochen , vom Bewußtseyn , Verstande p das be trifft concreten Inhalt . Aber das Erwachen (ganz abstract zu nehmen) sie setzt … verwechseln ,] Er : ideell setzt , es in sich selbst setzt , in diesem Andersseyn einfach bei sich ist . 9–14 sein und … sein] Er : seyn , Ausschließen der Natürlichkeit , das ist die abstracte Bestimmung . die concrete Bestimmung des Wachseyns ist daß dies andre was mir gegenüber ist , wesentlich bezogen ist auf mich , daß das Andre , das natürliche Seyn 9–11 ein Unterscheiden … Concrete] Wl : unterscheidet damit es von einem Naturleben . Bei dieser abstracten Vorstellung blieben wir bisher . Die concrete 11–12 Andres mir … bezogen] Wl : ein andres für mich vorhanden ist als mir gegenüber . daß dieß andre aber bezogen ist auch 12–13 aber ist … dies :] Wl : also ist 13 aber auf] Wl : auf eine 13–14 d . h . daß … sein] Wl : daß das Andre 14 daß ich einfach] Er : oder daß ich im Wachseyn bestimmt bin , daß dies andre kein andres ist sondern daß ich darin daß] Wl : daß ich in meinem Wachsein bestimmt bin , – daß 14–648,2 bin , und … bestimmtem] Er : bin . So ist das Wachseyn – Empfi nden . / Empfi nden ist für sich seyn der einzelnen Seele , so daß sie zugleich aufgelöst ist in ihrer Allgemeinheit . Es ist kein großer Unterschied zu machen zwischen Empfi ndung und Gefühl . Empfi ndung drückt 2 Ursache .] folgt gestr : Also das Wahsein , d . Adrs sein ihrs seins selbst . d . whrhft Undlihkt ist d . wahr bstimmung d . wah seins . 16–18 welche als … Empfi ndung . – mit Verweiszeichen am linken Rande

den 27 November 1827 Er

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und in so fern ist Wachsein : E m pf i nd u n g , o d e r G e f ü h l , das ist so ziemlich einerlei ; Empfindung ist mehr die subjective Seite , das Gefühl mehr mit bestimmtem Inhalt . Empfindung heißt i n s ich e t wa s f i n d e n . Die Empfindung ist die F o r m des dumpfen Webens des Geistes in sich ; der Dumpfheit entgegen steht die Entwicklung klarer bestimmter besonnenheit . Alle bestimmtheit ist in der Empfindung noch unmittelbar ; die Seele ist in sich aufgenommen , in sich zurückgekehrt aber noch auf einfache Weise . die Empfindung gehört der besondersten Eigenheit des Individuums an ; was in meinem Herzen ist , das habe ich unmittelbar . Es ist am Ende alles in der Empfindung ; d . h . bei allem bin ich dabei auch als seiend nicht denkend . Wenn ich sonst etwas thue , etwas

dasselbe mehr nach der subjectiven Seite aus , Gefühl mehr dies in seiner Bestimmtheit , nach seinem 1–2 in so … subjective] Wl : das ist E m p f i n d u n g . – | Empfindung also für sich seyn der einfachen Seele in ihrer Bestimmtheit . – die Natur des Allgemeinen ist bestimmt und d . h . ideell gesetzt im für sich seyn . Kein großer Unterschied zwischen Empfindung und Gefühl . Rache Gefühl , Gefühl des Rechts p Empfindung der Rache , des Rechts p moralisches Gefühl und moralische Empfindung . Empfindung mehr nach subjectiver 3 Empfindung heißt … f i n d e n .] Wl : Gefühl für Schönes . Empfindung auch bestimmt , aber mehr doch nach seinem in sich seyn . – das Fehlerhafte der Empfindung empfindsam , empfindlich (der Richtung , Form des Gefühls nachhangend) Empfindung das in sich etwas fi nden , sich in sich selbst fi nden . Hauptsache ist die Einfachheit des In sich seyns in der Bestimmtheit . / Diese Einfachheit näher zu betrachten . / 3–4 heißt i n … sich ;] Er : = In sich f i n d e n , das die Weise der Unmittelbarkeit hat aber zugleich i n s i c h ist . die Form der Einfachheit ist näher zu betrachten . 4–5 sich ; der … besonnenheit .] Wl : seiner bewußt- und verstandeslosen Individualität . dumpfheit entgegen steht klare bestimmte Besonnenheit ; aber das erfordert eben bestimmte Unterscheidung . Entwicklung der Gründe p Vergleichung eines Inhalts mit Allgemeinem , – diese Entwicklung ist nicht in Empfindung . 5 entgegen steht … besonnenheit .] Er : steht die klare Besonnenheit gegenüber , diese erfodert die Besonderung daß jedes in seiner Bestimmtheit vor dem Bewußtseyn steht . 6–9 in der … das] Wl : noch unmittelbar in Empfindung . Aber diese Unmittelbarkeit ist zugleich ideell , in sich zurückgenommen . Aber diese Rückkehr in sich selbst ist noch die unmittelbare einfache Weise der Rückkehr in sich – dem Inhalte nach wie nach dem Gegensatze eines Objectiven gegen das Subjective ist es unentwickelt gesetzt , als seiner b e s o n d e r s t e n natürlichen Eigenheit gehörig . Was in meinem Gefühle ist , 6–7 in der … Weise .] Er : noch unmittelbar darin aber diese Unmittelbarkeit ist zugleich ideell , in sich zurück genommen . diese Rückkehr ist aber noch die unmittelbare einfache Weise der R ü c k k e h r . – 8 Individuums] Er : Subjects Herzen] Er : Herzen pp 9 unmittelbar .] Er : unmittelbar , es ist die unmittelbare Weise meines Seyns , die Seele in ih|rer Einfachheit in sich seyend . 9–649,2 Es ist … ich] Wl : Ich , wenn ich von mir als empfindend spreche , spreche von unmittelbarer Weise meines Seins , als das in sich seyn . – / deswegen ist Alles in der Empfindung , d . h . bei Allem bin i c h dabei . Ich bin Subject , bin empfindend , sofern ich als s e i e n d dabei bin . Ich b i n , sofern ich diese meine Bestimmtheit ein S e y n ist , bin ich empfindend . – In meiner unmittelbarsten Eigenthüm lich keit bin ich empfindend . – Wenn ich spreche von Allgemeinen Prinzipien p so ist das seinem Inhalte nach objectiv , für Alle ; das ist nicht die Seite der Empfindung ; sondern diese ist der Inhalt , sofern er 9 am Ende alles] Er : alles 9–10 d . h . bei … denkend .] Er : ich bin Subject , bin als seyend dabei , ich bin bestimmt , sofern mein Bestimmtseyn ein Seyn ist , ist diese Bestimmtheit Empfi ndung . 10–649,1 sonst etwas … etc] Er : von etwas Gegen ständ lichem spreche oder von allgemeinen Grundsätzen ,

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erkläre etc so ist das für alle ; das Sehn , das Verstehn ist nicht bloß für mich ; das ist das Gemeinschaftliche meiner mit den andren . Aber die Empfindung ist , daß ich in meiner unmittelbaren Einzelheit darin bin . Was ich einsehe ist meine Einsicht , aber es ist auch die Einsicht aller andren ; dies ist Verstand . die Empfindung ist also in den Herzen , in dem Complex der Empfindung ; es genügt nicht daß die Grundsätze der Religion im Kopf sind , sondern sie müssen im Herzen sein ; sie müssen mein eigen sein . – Das ist also die Form der Empfindung . Wir haben dies auch in unsrer Vorstellung : Grundsätze unterscheiden wir vom Gefühl – der Richter z . b . weil er einen Zweck für sich hat , muß das Gefühl zurückstellen , der Verstand muß es von sich abhalten ; da schreiben wir dem Gefühl das besondre zu ; und der Richter heißt gefühllos aber er handelt im Verstand des Rechtes ; er hat dabei auch Gefühle nämlich , das Gefühl seines Rechts seiner Pfl icht . – Nun noch ein Unter-

1 für alle ; … mich ;] Er : etwas Allgemeines , etwas was für alle ist , es ist für andre , 2–3 Aber die … in] Er : Gründe , Grundsätze sind auch das Gemeinschaftliche , das ist nicht die Seite der Empfi ndung sondern diese ist daß ich nach 3–5 Einzelheit darin … es] Wl : besondersten Einzelnheit ist , mir als dieser gehört . Das ist die natürliche Eigenheit darin , der Standpunct der unmittelbaren Einzelnheit , unmittelbaren Zurückgekehrtseins in sich . – So ist alles in Empfindung , sofern ich als s e i e n d e r (nicht als Denkender) dabei bin . – Empfindung ist also in meinem Herz . das ist der Ganze Complex der Empfindung . So heiße ich mich das Allgemeine des Empfi ndens . – / Es 3–6 darin bin . … sie] Er : da bin , der Inhalt m i r als dieser angehört , es ist angehörig der natürlichen Eigenheit , das Empfi nden obgleich ein Zurückgekehrtseyn ist noch ein unmittelbares Zurückgekehrtseyn in sich . – So ist a l l e s in der Empfi ndung . Es ist in meinem Herzen der Complex des Empfi ndens , in mir als diesem Besonderen . Grundsätze pp 5–6 daß die … Religion] Wl : sagt man , daß Grundsätze , Religion u . s . f . nur 6–7 sein ; sie … also] Wl : in der E m p f i n d u n g seyn . – / Sie müssen ein Seyn ausmachen , so daß ich ungetrennt bin von diesem Inhalte . Ich kann überzeugt seyn , und doch handle ich nicht danach ; da ist es nicht identisch mit meinem Seyn (daher hat man Recht zu sagen : Religion Sittlichkeit muß im Herzen seyn .) Dieß Ungetrennseyn bestimmten Inhalts mit mir ist sie müssen … Empfindung .] Er : d . h . zu meinem Seyn gehören , so daß ich ungetrennt bin von diesem Inhalte , wenn ich bloß davon weiß ist er nicht identisch mit meinem Seyn mit meiner Unmittelbarkeit , – i c h muß es s e y n . dies Ungetrenntseyn ist nöthig . 8 Grundsätze] Er : Grundsätze pp Wl : Grundsätze und dergleichen 9–650,1 weil er … Gefühl] Wl : ist ein gefühlloser Mensch , ein Mensch ohne Gefühl . Ein Mensch der große Zwecke auszuführen hat , Fürst , General , muß Gefühl auf die Seite lassen . Großer Zweck ist da , für den gehandelt werden muß . Character , Verstand , Vernunft halten das Gefühl in Zaum . Richter kann gefühllos seyn ; – und doch kann er als Individuum , als Familienvater p Gefühl haben . – da ist , daß der Mensch recht handelt viel mehr , als jene Besonderheiten alle . – das Gefühl seines Rechts seiner Pfl icht ist höher als andre Gefühle , nicht Gefühl der Besonderheit von Subjectivität . – / 1 .) Näher zu bemerken über Form des Gefühls . 1 .) Hier 9–12 weil er … nämlich ,] Er : sagen wir hat kein Gefühl . Es ist da ein großer Zweck für den gehandelt werden muß , Character pp hält das Gefühl zurück . da stellen wir selbst dem Gefühl das Allgemeine entgegen , und dies ist weit höher als alles Besondere . der Richter , der nach dieser Seite gefühllos scheint kann immer 12–650,3 seines Rechts … verdoppelt] Er : seiner Pfl icht haben und 10 und ] folgt gestr : das uß man auch thun

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schied . Beim Gefühl ist nicht die Unterscheidung von Subject und Object überhaupt . Wenn wir eine Empfindung haben , so tritt das bewußtsein der Anschauung ein ; und man verdoppelt den Inhalt ; ich habe die Empfindung hart und habe sie auch außer mir : das Harte . Im Gefühl an sich ist diese Unterscheidung noch nicht ; ein andrer Unterschied ist noch : daß im Gefühl der Inhalt noch unentwickelt ist ; das ist eine bemerkenswerthe Seite , die man jetzt besonders beachten muß , weil man jetzt behauptet die Religion bestehe im Gefühl . S i e h e d i e A n m e r k u n g ; es scheint daß es nicht nöthig sein sollte daß dies eine durch und durch falsche Vorstellung sei und daß wenn man einen Inhalt habe , er gerechtfertigt sei dadurch , daß er im Gefühl sei , nicht im Denken . So weit sind die Menschen in ihrer Vorstellung noch nie heruntergekommen . Wenn sich einer auf sein Gefühl beruft , so – kann man

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dies ist höher als das der Besonderheit . Näher ist dieser Unterschied zu bemerken . 1 . der Form nach daß beim Gefühl noch nicht der Un|ter schied vorhanden ist vom Subjectiven und Objectiven . Bei jeder Empfi ndung verdopple ich 2 der] Wl : oder 3–7 und man … A n m e r k u n g ] Wl : Ich verdopple als Bewußtsein die einfache Empfindung , hart ist als Object und hart subjectiv meine Empfindung . diese Verdopplung ist noch nicht Gefühl als solchem . – Nachher sagen wir , diese Empfindung kommt her von diesem Gegenstand p . | aber Empfindung als s o l c h e hat Inhalt in Form der einfachen ungetheilten Einheit meines Seyns und dieser Bestimmtheit selbst . / 2 .) Im Gefühl ist Inhalt unentwickelt , auf unbestimmte Weise . – dieß eine Seite die besonders zu bemerken ist . / Zunächst 3–5 ich habe … daß] Er : die Bestimmtheit hart ist ganz einfach , ich verdopple sie ; einmal sage ich Härte in meinem Finger , das andremal : ein harter Gegenstand . diese Verdopplung ist noch nicht vorhanden im Gefühl als solchen . N a c h h e r sagen wir diese Empfi ndung kommt her davon und davon . die Empfi ndung als solche aber ist die Einheit meines Seyns und dieses Eindrucks . 2t e n s ist 5–7 unentwickelt ist ; … bestehe] Er : unentwickelt , auf eine unbestimmte Weise ist , und darüber muß man Bewußtseyn haben da behauptet wird , das Wahrhafte sei nur 7–10 S i e h e d i e … Denken .] Er : Zunächst (siehe Anmerkung) wäre nicht zu erinnern nötig daß dies eine falsche Vorstellung , nämlich was darin liegt ist daß ein Inhalt d a d u r c h gerechtfertigt sei daß er im Herzen sei . 8–651,6 dies eine … er] Wl : es ein ganz falscher Satz ist , die Empfindung und das Herz nicht die Form sei , wodurch etwas religiöses , sittliches , wahr , gerecht p g e r e c h t f e r t i g t sei , und die Berufung auf Herz und Empfindung etwas uns nichtssagendes oder vielmehr schlechtes sagendes sei . – / Gegen etwas Plattes kann man auch nur trivial seyn . 1 .) darauf zu berufen . Wenn Menschen zusammen sprechen , beruft sich er auf sein Gefühl : da kann man ihn nur stehn lassen . das fühlst du – gut – und das fühle ich . da ist kein gemeinschaftlicher Boden , kein Gemeinsames , Menschliches . – Verständige Menschen machen verständig mit ein ander etwas aus , durch Gründe , d . h . durch ein solches , das auch für den anderen in seinem Verstande ist . Im Gefühl nehme ich zu meiner Besonderheit gegen andere Zuflucht . / 2 .) Empfindung ist eine einzelne , bestimmte , um ihrer [Sinnlichkeit] Hk : Sittlichkeit] Willen , und da wissen wir daß die Empfindung allen möglichen Inhalt haben kann ; und dieser Inhalt 10–11 in ihrer … einer] Er : noch nie herunter gewesen als in dieser Vorstellung . Zuerst ist sich darauf zu berufen daß jeder wenn bei verschiedener Meinung einer sich 11–651,7 so – kann … denn] Er : ihn muß stehn lassen . Es ist das ein Letztes aber eben darum weil er entflohen ist der 28 es über nicht gestr . diß tigt sei

ist ,] folgt gestr : so was drin ligt , ist , dß wodurch irgde Inhlt grechtfer-

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nichts weiter thun , als ihn stehen lassen und ihm zu sagen : das fühle ich ; denn da hat man den boden der Gemeinschaftlichkeit verlassen und sich | in sein besondres zurückgezogen ; er ist der Gemeinschaftlichkeit der Vernunft geflohen , freilich bleiben die Menschen auch bei ihren Vorstellungen , wenn sie sich Gründe gesagt haben ; aber sie haben sich d o c h G r ü n d e g e s a g t . die Empfindung ist eine beschränkte einzelne Empfindung und kann einen sehr verschiedenen Inhalt haben ; er kann gut und böse sein ; denn die Empfindung hat keine Criterien von dem rechten und Wahren in sich ; was Menschlich ist muß einen Grundsatz haben ; dieser ist der Maaßstab dessen , was gut , wahr zweckmäßig und klug ist . Wir werden dies nachher bei der i n ne r e n E m p f i n d u n g besonders sehn ; es kommt alles erst durch den Geist in die Empfindung . Das Thier hält sich an seine Empfindung , an seinen Instinct , seine Lebendigkeit enthält den Maaßstab für das , was ihm gut und nicht gut ist ; durch die Empfindung ur theilt es nicht ; aber es subsumirt dadurch , findet das eine passend , gleichgültig unschicklich für sich . Bei den Menschen ist kein Instinct , sondern die Vernunft , das Allgemeine , das ist gar nichts Philosophisches , das ist eine Thorheit ; die Menschen wissen daß stehlen ein Laster ist ; sie haben das bewußtsein dieses allgemeinen Grundsatzes , sie wissen es aber nicht philosophisch ; diese Wissenschaft kommt aus dem Geist nicht aus dem Gefühl . Das Wahre muß die Form der

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Gemeinsamkeit die das Menschliche ausmacht , dem was auch im andern ist . Das weitre ist daß die 20 Empfi ndung eine bestimmte ist , eine beschränkte , einzelne . Da wissen wir daß die Empfi ndung

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allen möglichen Inhalt haben kann , der gut oder böse seyn kann . 7–11 hat keine … die] Wl : kein Criterium in sich hat , dessen was wahr recht p ist , – weil sie ist Empfindung des Menschen . Was für Menschen gilt , muß Grund haben , seyn , er muß davon wissen und dieß ist für Menschen Maaßstab dessen was recht p ist . In Empfindung als solcher aber ist Form der Einzelnheit . Es kann Gutes darin seyn ; aber auch Böses . – Religion hat Ursprung im Geist , im denken : Gott soll als Geist verehrt werden . – das Sittliche ist die allgemeine , vernünftige Weise des Wollens , die im denken Quell , Ursprung hat . dieß was im Geiste ursprung hat kann auch empfunden werden und das meinige werden . Aber es kommt erst vom Geiste zur 7–18 keine Criterien … Gefühl .] Er : kein Criterium in sich weil sie E m p f i n d u n g des Menschen ist , was das Allgemeine ist das ist dem Menschen Maaß für etwas , die Empfi ndung aber ist das bloß Einzelne , und kann so das Gute wie das Böse in sich haben . das Allgemeine hat im Denken seinen Grund ; dies kann auch empfunden werden , ist m e i n und so mein unmittelbar empfundnes , aber es kommt aus dem Geist . – | Im Thier ist was es braucht , ihm gut ist , auf diese empfundne Weise vorhanden – Instinct – der Mensch hat keinen Instinct , sein Instinct ist seine Vernunft . Unter Denken ist hier gar nicht zu verstehn das philosophische denken das denken im reinen Element des denkens , das ist eine Thorheit das zu verlangen . – Man we i ß einen Grundsatz und der kommt aus dem Geiste . Es kann im Gefühl das Gute seyn , der Maaßstab ist aber nur die Vernünftigkeit . 11 an seine] Wl : an 13–16 durch die … Thorheit ;] Wl : Der Mensch aber hat nicht Instinkt , hat Vernunft ; bei ihm muß Form der Allgemeinheit seyn . Vernunft und denken ist aber noch nicht das fi losophische denken , wissen im Elemente des reinen Gedankens . – 16–17 sie haben … sie] Wl : sie 17–18 diese Wissenschaft] Wl : Es 18 nicht aus … die] Wl : her und man weiß es , hat Bewußtsein davon , – ohne fi losophisches Denken . – / Im Gefühle kann beider Inhalt seyn , da der Maßstab nur im Vernünftigen ist . – das ist eine Sache für sich , daß das Wahre im

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Allgemeinheit haben ; das Gefühl aber ist das besondre . Was die Erfahrung betrifft so haben die Thiere keine Religion , kein Recht keine Sittlichkeit ; aber sie haben doch Empfindung ; das Menschliche des Menschen ist nicht seine Empfindung , sondern sein Geist . der Aberglauben gründet sich auch auf Empfindung ; daß die Ägypter die Kuh anbeten , und die Inder den Affen das ist alles Empfindung ; und doch ist es nicht das Rechte . Aus dem Herz kommen steht in der bibel , arge Gedanken , Ehebruch etc . alles böse ; und das Herz ist der Sitz der Empfindung . Man wird auch schlecht fahren in der Welt , wenn man immer nach seiner Empfindung ginge ; es ist nur ein Schulgeschwätz das darüber geführt wird . der Richter richtet nicht nach seiner Empfindung , sondern nach der Nothwendigkeit der Umstände ; sonst kann er ja eine Abneigung gegen einen Menschen haben , daß der Kerl gerade so oder so aussieht ; das wäre seine Empfindung ; darauf kann er nicht richten . – Ebenso kann auch der Arzt nicht die Krankheit empfinden und so ist es mit allen Ständen , überall herrscht der Verstand der Ordnung ; nur in der Theologie beruft man sich aufs Gefühl . Eine gebildete gereinigte Empfindung ist aber nur die , deren Inhalt gereinigt ist , und das ist nichts andres als die Vorstellung , das Gefühl ist bloß reine

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Menschen gewußt werden muß , und daß das Wahre 1 haben ; das … besondre .] Er : haben . Wl : hat . – Das ist der Maaßstab . – 2–15 haben die … Eine] Er : weiß man daß Thiere nicht Religion pp haben doch aber Empfi ndung , wodurch die Empfi ndung menschlich wird ist das denken . – Eine ganz triviale Erfahrung ist daß es schlechte Empfi ndungen , schlechte Herzen geben kann , – es ist eine vollkommene religiöse Empfi ndung bei den Aegyptern daß ein Ochs Gott ist – Es ist mit dieser Empfi ndung , diesem Gefühl auch nur ein Gerede , ein Schulgeschwätz , in der Wirklichkeit läßt man es nirgends gelten , – der Richter untersucht die Objectivität der Sache , den Zusammenhang , die Nothwendigkeit , die Umstände pp das ist das Objective und das ist der Verstand in dem Richten . / Der Dienst des Apis pp ist im Gefühl und doch ist es eine den Menschen degradirende Empfi ndung . Ob die Empfi ndung rechter Art ist , kommt auf den Inhalt an , eine 2 haben die] Wl : weiß man , daß 2 kein Recht … Sittlichkeit ;] Wl : Sittlichkeit p haben ; 3–15 des Menschen … Eine] Wl : ist das Denken . – / Es kann keine trivialere Erfahrung geben , daß es wie gute auch gottlose niederträchtige Herzen und Empfindungen hat . Es heißt in der Bibel : aus dem Herzen kommen hervor arge Gedanken , Mord , Ehebruch , Hurerei , Lästerung u . s . f . – daß der Ochs , Affe ein Gott ist , ist volle religiöse Empfi ndung , aber n u r Empfi ndung und doch ist’s den Geist erniedrigend – Es ist auch nur so ein Gerede mit dieser Empfi ndung . In Wirklichkeit ist nirgend davon die Rede . Nirgend gilt es in Wirklichkeit als Wahrhaftes , daß nach Empfindung entschieden werde . – Richter handelt nicht nach Empfindung , untersucht Objectivität der Sache . – / In Familien p Empfindung da kommt’s auf Inhalt an . Sie kann gut und schlecht seyn . 15 aber nur die ,] Er : eben eine solche , Wl : die , 16– 653,1 ist , und … der 1] Wl : ist . | Man muß sich Rechenschaft zu geben wissen , was es mit diesem Sprechen von Gefühlen für Bewandtniß habe . Gefühl ist nur Form , der Inhalt kann wahr oder falsch seyn ; der das ist … der 1] Er : dieser Inhalt ist das Vernünftige , der Gedanke . die fromme Empfi n4 Geist .] folgt gestr : M . darf dahr nicht sag Verweiszeichen am linken Rande

15 nur die] nur , die

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31 und doch … erniedrigend mit 40

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Form , der Inhalt muß für sich selbst der richtige sein , damit das Gefühl ein richtiges wird . Daß man so eigensinnig für Gefühl ist , zeigt weiter nichts als daß man mit seinen Sitten zufrieden ist , und sich an diese halten wolle | ohne über diesen Inhalt nach zu denken . Das ist der Standpunkt wo man ungeduldig gegen die betrachtung wird . – Im Gefühl also kann sowohl der wunderbarste als der schlechteste Inhalt sein . diese Form des Gefühls ist nun näher zu betrachten ; was in § 401 enthalten ist . Es heißt in dem vorhergehenden § daß in der Empfindung noch nicht der Unterschied von Object und Subject ist ; dies gehört dem bewußtsein an . Es sind aber die bestimmungen vom unmittelbaren Sein darin und dem Insichsein der Identität mit mir ; die Seele ist ihr in sich sein . Da ist die Empfindung das Concrete . Wir können uns also an diese 2 Momente der Empfindung halten . Die Empfindung muß sich nun fortbestimmen ; wenn wir auf diese beiden Momente Rücksicht nehmen , die u n m it t e l ba r e b e s t i m m t h e i t und d a s I n s i c h s e i n , so können wir dies als besonderen Inhalt der Empfindung betrachten daß ihr Inhalt sei die natürliche

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15 dung entsteht wenn was vor die Vorstellung , die Einsicht gebracht wird , wahrhafter Art ist . der

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1 der richtige] Er : richtig 1–6 ein richtiges … Gefühls] Er : richtig sei . Dieser Inhalt indem er der m e i n i g e ist , indem ich in meiner Unmittelbarkeit identisch mit ihm bin , – so fühle ich ihn . – Man sagt das daß man | sich bloß daran halten wolle daß jedes Volk seine Religion pp im Gefühl habe , und den Inhalt ganz bei Seite lassen . das ist ein besondrer individueller Standpunkt , den die Philosophie zu berücksichtigen hat wenn das Gefühl zum Criterium gemacht wird . / das Gefühl ist wie gezeigt nur Form für jeden Inhalt . – Diese Form 1–2 ein richtiges … ist ,] Wl : das richtige sei . dieser Inhalt indem er mein ist , fühle ich denselben . – Wer sagt , religiöses Gefühl ist’s worauf es ankommt , 3 seinen Sitten] Wl : den Sitten p , 4 nach zu denken .] Wl : nach zu denken . Wir sind zufrieden und wollen dabei stehn bleiben , daß dieser Inhalt der unsre ist . 5–6 Im Gefühl … sein .] Wl : die Religion überhaupt ist’s in der wir uns am Gefühl halten . da hat dann die Filosophie nur das zu nehmen , sofern dieß behauptet wird als fi losophischer Standpunct , daß Empfindung Criterium der Wahrheit sei . Ueber diesen Punct sind die Puncte angegeben , worauf es ankommt . Gefühl ist nur Form , Inhalt kann verschieden seyn 6 Form des Gefühls] Wl : Form 6–7 was in … vorhergehenden §] Er : Es ist bemerkt worden Wl : Es ist bemerkt worden in Ansehung der Empfindung , 7 in der Empfindung] Wl : darin als solcher 8–10 dies gehört … Wir] Wl : (dieser Unterschied der Form gehört dem Bewußtsein) . Wir haben deswegen auch keine Objectivität in Empfindung . Es ist aber in Empfindung vorhanden diese Bestimmung von Unmittelbar seyn und von In sich seyn . Empfindung ist abstract ausgedrückt , unmittelbare Bestimmtheit , und in sich seyn in dieser Bestimmtheit . Die Empfindung ist concret , – und wir 8 dem bewußtsein an .] Er : erst dem Bewußtseyn . 8–10 aber die … Wir] Er : in der Empfi ndung sogleich vorhanden der Unterschied von unmittelbarem Seyn und In sich seyn . – die Empfi ndung ist dies Concrete und wir 12 sich nun fortbestimmen ;] Wl : ich bestimmen . Ihr in sich seyn ist die Form , und Entwicklung der Form ist das sich bestimmen der Empfindung . nun fortbestimmen ;] Er : bestimmen . 13–14 dies als … natürliche] Wl : gleich dieß als unterschiedenen Inhalt betrachten , daß Empfi ndung sei unmittelbare 14 Inhalt der Empfindung] Er : Inhalt 1 damit] statt eines unleserlichen Zeichens

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§ 401 .Wl

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bestimmtheit , oder daß die andre Seite : das Insichsein ist . Das nähre Verhältniß von Form und Inhalt ist ein logisches , ein schweres Capitel , die Empfindung als natürliche bestimmtheit ist äußre , das andre ist die innre , die innre bestimmtheit das Insich sein des Subjects . Wenn dies In sich sein concret genommen wird als in sich vertieft so ist es das Ich des bewußtseins , f r e i e r G e i s t , und in ihr unmittelbar bestimmtheit : die L e i bl i c h ke it ; es ist also ein Unterschied zwischen einer leiblichen und innren Empfindung . I Di e ä u ß e r l i c h e b e s t i m m t h e i t . (äußerliche Sinneseindrücke) w i r d i n ne r l i c h g e m a cht d . h . e s w i r d e r i n ne r t . II die im Geist entsprungne bestimmtheit muß um als Empfindung zu sein , um empfunden zu werden , verleiblicht werden .

§ 401 .Er

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1–4 daß die … wird ] Wl : das In sich sein , sey der Inhalt . – Unmittelbare Bestimmtheit ist zunächst Inhalt der Empfindung , – aber andre Seite ist auch Inhalt . – / Wenn wir diesen Unterschied so aufnehmen , haben wir 2erlei Empfindungen – 1 .) äußere , wo unmittelbare Bestimmtheit Inhalt ist ; und 2 .) innre Empfindung , wo Inhalt ist Bestimmtheit des In sich seienden Subjects . / Stoff der inneren Empfindung ist aller Inhalt des Geistes . Es heißt im § in dieser Rücksicht . Wird auf die aus der Einheit , welche Empfindung ist , nachher sich entwickelnden Unterschiede vo m u n m i t t e l b a r e n S e y n der Seele und ihrem F ü r s i c h s e y n Rücksicht genommen , so wird letzteres ist . Das … dies] Er : der Inhalt der Empfindung sei , diese Seite die eigentlich Formbestimmung ist . – Wir haben nun wenn wir die unmittelbare Bestimmtheit als solche zum Inhalt machen – äußere Empfi ndungen und bei dem anderen Inhalt – innere Empfi ndungen . / Es heißt daher im § Wenn dies Für sich seyn oder 5 so ist … Ich] Wl : Ich 5–8 das Ich … w i r d 1] Er : Ich , und die unmittelbare Bestimmtheit so Leiblichkeit . – die Empfindung ist so zuerst Empfi ndung der Leiblichkeit . – die Empfindung – erinnert § 401 . – Es ist ferner zu bemerken daß die äußerliche Empfi ndung erinnert wird , f r e i e r G e i s t , … w i r d 1] Wl : und freier Geist , hingegen das erstere zu natürlicher L e i b l i c h k e i t bestimmt . Hiernach unterscheidet sich eine ä u ß e r l i c h e oder vielmehr leibliche Empfindung , welche zuerst eine Bestimmung der Leiblichkeit (des Auges u . s . f . aber überhaupt jedes körperlichen Theils) ist ; die Empfi ndung wird darin , daß sie im Fürsichseyn der Seele 8–655,2 d . h . e s … (daß] Er : und das ist das erste was zu bemerken . das 2t e ist daß die im Geistigen entsprungne verleiblicht werden muß um empfunden zu werden . / das Erste was zu betrachten sind die äußerlichen Empfi ndungen . das ist im Allgemeinen etwas Bekanntes , – eine leibliche Bestimmtheit . Es ist nicht nur eine Bestimmtheit sondern auch ein Gefühl , Empfi ndung so daß 8–9 d . h . e s … sein ,] Wl : ist , e r i n n e r t wird . (daß der Inhalt ferner im geistigen Bewußtseyn zur Anschauung einer objectiven Welt u . s . f . wird , gehört noch nicht hierher .) Die äußerliche Bestimmtheit , äußerliche Sinneseindrücke muß erinnert , innerlich gemacht werden , – und das ist was zuerst zu betrachten ist . – Das 2te daß die im Geiste entsprungene ihm zuerst angehörige Bestimmtheit , 10–655,2 werden . I d i e … (daß] Wl : wird . Im Geiste , was da Bestimmtheit ist , muß verleiblicht werden , äußerlich werden . / 1 .) Äußerliche Empfindung – . Das ist im allgemeinen etwas Bekanntes . Seine leibliche Bestimmtheit . das Auge oder Finger p ist so und so bestimmt . das ist nicht nur Bestimmtheit , ist auch ein Gefühl , Empfindung , daß

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9 um als … sein , vor der Zeile

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15 Wird] folgt gestr : diß f . sich seyn

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I d ie ä u ß e r l i ch e n E m pf i n d u n g e n .

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Die leibliche bestimmtheit ist zugleich im Gefühl ein Empfinden , (daß wir es in uns finden) Es gibt einen Kreis dieses Empfindens ; wir kennen nun die Arten unsres äußeren Empfindens wohl ; aber in wiefern sie eine Totalität ausmachen darauf kommt es an , in wiefern der begriff darin das bestimmende ist , das begreifen der Sinne . Sinn ist eine Art des äußerlichen Empfindens (oder innerlichen)[ .] Wir wissen daß wir 5 Sinne haben ; wie kommt die Natur da zu 5 ? Sie kommt sonst meist nur zu 4 ; der Geist kommt immer zu 3 ; 3 ist von allem die Wurzel . Das 3 ist das unmittelbare überhaupt ; das unmittelbare ist aber concret das daß die concreten bestimmungen darin noch außer einander sind und nicht verknüpft zum Punkte der Subjectivität . Die Sache ist immer ganz dem Inhalt nach so auch in dem Unmittelbaren ; aber der Form nach nicht ; | das 2t e ist die bestimmtheit der Differenz , wo die bestimmungen auf einander bezogen sind ; das 3t e ist die Vereinigung beider ; das erste hat 2erlei das 2t e 2erlei und das 3t e ist die Vereinigung beider ; da haben wir die 5 . Nach diesem Schema haben wir also zuerst die S i n ne d e r e i n f a che n

3 finden) Es gibt] Er : fi nden . die unmittelbare Empfindung ist Empfindung eines Seyns , äußerliche Empfindung , weiter ist zu bemerken daß es fi nden)] Wl : fi nden . – | das ist unmittelbare Empfindung , äußerliche Empfindung . – 3–4 Empfindens ; wir … aber] Er : Empfi ndens gibt , diese Arten kennen wir wohl die 5 Sinne . Was ein Interesse hat ist zu betrachten 4 aber] Wl : Sehen , Schmecken , Fühlen p Tastsinn p . Das was Interesse hat , von uns betrachtet zu werden , ist 4–5 ausmachen darauf … darin] ErWl : [ausmachen] Wl : ausmachen . – daß eine Vernunft] , daß der Begriff da 5–7 das begreifen … haben ;] Er : die Seele , der Begriff sich diese Weisen macht , man soll diese begreifen | Sinn nennen wir hier Art eines äußerlichen Empfi ndens . Es ist also kurz der Begriff der Sinne zu geben . 5–6 das begreifen … Sinne .] Wl : daß die Seele als Begriff , Vernunft , sich einen solchen Inbegriff von Weisen des äußerlichen Fühlens macht . – / 6–8 Empfindens (oder … Das] Wl : Empfindens . (Sinn innerlich , ist geistige Bestimmtheit von etwas) . 5 Sinne . Woher 5 Sinne ? die Natur kommt häufig nur zu 4 , wie Geist zu 3 . Drei ist immer Wurzel , und es kommt nur darauf an daß von diesen 3 einige explicirt sind . – 8–9 der Geist … überhaupt ;] Er : die drei ist immer die Wurzel und es kommt drauf an ob eins davon explicirt ist . / Das erste ist das Unmittelbare , 9–12 aber concret … nicht ;] Wl : concret . der concrete Inhalt ist noch nicht in seiner Einheit , sind außer einander . Das erste ist wohl das Ganze aber noch nicht verknüpft zum Puncte der Einheit , noch nicht zurückgekehrt zur Identität . / 9 das] Er : nur so 10–12 bestimmungen darin … nicht ;] Er : Bestimmtheiten noch nicht geknüpft sind zu Punkten der Einheit . dem Inhalt nach ist die Sache nun erstens ganz , aber noch nicht so verknüpft . / 12–13 bestimmtheit der … sind ;] Er : Differenz die zwei sind nicht mehr so unmittelbar auseinander fallend , sondern bezogen . / 13 die bestimmungen … sind ;] Wl : 2 sind als bezogen , außer ein ander fallen , als relativ . / 13–15 Vereinigung beider ; … 5 .] Er : Einheit beider . Wo das nun vollständig entwickelt ist , sind es 5 , dies erste enthält 2 , das 2t e gleichfalls 2 , – der Geist kommt wesentlich zu 3 , die Natur oft zu 4 . beider ; das … 5 .] Wl : derselben . / Wo’s vollständig entwickelt ist , sind 5 . Das erste und 2t e haben jedes 2 . – /

40 4 ausmachen] ausmassen

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Id e a l it ä t : G e s i c ht und G e h ö r ; 2 . d ie S i n n e d e r D i f fe re n z R ie ch e n u n d S ch me ck e n ; 3 . der Sinn der Totalität das G e f ü h l . Indem nun diese Sinne zugleich empfindend sind so bestimmt sich in diesem Fortgang die Empfindung als solche fort . das 1t e ist das unmittelbar einfache abstracte Empfi nden ; das letzte ist die Rückkehr der Empfindung in sich , das Selbstgefühl ; darum heißt auch der 3t e Sinn : Gefühl (Selbstgefühl) denn er ist die Totalität . Im Sehen und Hören empfinden wir uns nicht selbst , nicht unsre Leiblichkeit[ .] Im Riechen und Schmecken beginnt es aber das Empfinden ; im Gefühl ist dieses Empfinden ganz Selbstgefühl , indem man hierin sich empfindet g e g e n einen Gegenstand . diese verschiedenen Seiten sind nun zu betrachten ; physiologisch können wir es nicht untersuchen . 1 . D a s G e s icht , d a s S e he n Wenn wir sehn , sehn wir einen Gegenstand ; aber wir empfinden das Auge nicht ; es ist nicht dabei ; außer wenn es matt , krank ist ; unsre Leiblichkeit ist irgendwie dabei bestimmt ; beim gesunden Sehn aber nicht . der Inhalt ist ein aus uns hinausgeworfner , was wir sehn ist das Sein , es ist im Raum , räumlich , außer einander

55Er

2 3 . der Sinn] Wl : Sinn der Sinn … G e f ü h l .] Er : Gefühl d e r Totalität – Fühlen . – 3 empfindend sind] Er : Empfi ndungen sind und wir es mit diesen zu thun haben , Wl : Empfinden sind , wenn wir’s nicht zu thun haben mit dem Naturgegenstand , nicht mit Inhalt dieser Empfindung sofern er Naturgegenstand ist , diesem Fortgang] Wl : ihm 4 unmittelbar einfache] Er : einfache unmittelbar] Wl : unmittelbare Empfinden , das 5–6 ist die … Totalität .] Wl : Rückkehr des Empfindens zu sich , in seine Subjectivität , das Selbstempfinden , Selbstgefühl . – 5 ist die … sich ,] Er : muß seyn die Rückkehr , wesentlich 5–6 darum heißt … Totalität .] Er : daher auch der letzte Sinn ausschließlich Fühlen heißt . 7 selbst , nicht … Im] Er : selbst , Im 8–11 beginnt es … S e h e n ] Er : fängt das an und im Fühlen als solchen ist die Rückkehr vollendet , wenn ich einen Gegenstand fühle fühle ich ihn mir Widerstand leistend . / Zunächst empfinden überhaupt , ohne Rückkehr zu sich , der Fortgang ist Empfi nden der Leiblichkeit , und endlich die Rückkehr zu sich , d . i . | Selbstgefühl . das Physiologische pp geht uns hier nichts an . / das erste ist wie gesagt das Sehen . 8–10 es aber … untersuchen .] Wl : das Selbstgefühl , die Leiblichkeit , da ist das Fühlen in sich zurückgegangen . Etwas anfühlend fühle ich etwas mir (fühlend) Widerstand leistend . Da fühle ich Gegenstand und mich gegen ihn . – Sinn des Selbstgefühls also – / Das ist das nähere dieses Fortgangs in Bestimmung dieses äußerlichen Empfindens . 1 .) Empfinden überhaupt . 2 .) Empfinden der Leiblichkeit . 3 .) Selbstgefühl , oder Empfinden der Leiblichkeit als für sich seiender Leiblichkeit gegen andere . – / Fisiologische pp gehört nicht hierher ; sondern nach Hauptinteresse haben wir’s zu betrachten , das angegeben ist . – / 12 einen Gegenstand ;] Wl : Gegenstände aber] Er : und 12–13 nicht ; es … ist ;] ErWl : [nicht dabei , der] Wl : nicht . der] Inhalt ist sogleich hinaus geworfen . [ Wir wissen wohl wenn wir drüber reflectiren ,] Wl : Beim Reflectiren wissen wir , daß eine Bestimmung im Auge seyn muß , fi siologisch ,] daß 13–15 ist irgendwie … was] Wl : auf eine bestimmte Weise afficirt ist ; – aber beim Sehn empfinden wir das Auge nicht ; beim Schmecken anders . – / Beim Sehn also ist der Inhalt ein für uns hinaus geworfnes . Was 13–14 ist irgendwie … nicht .] Er : auf eine gewisse Weise bestimmt ist , aber im gesunden Zustande empfi nden wir das Auge beim Sehn nicht (anders ist beim Schmecken pp) 14–15 aus uns hinausgeworfner ,] Er : für uns hinausgeworfnes , 15 es ist] Er : ist Wl : ist , Bestimmtheit , ist 15–657,1 räumlich , außer … fern] Er : – in sofern

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bestimmt ; | es ist in so fern der Sinn des Raums , aber nicht des abstracten , sondern des erfüllten des materialisirten , physikalischen Raums . dieses Manifestiren als physikalisch ist das Licht , es ist Materie , aber es ist zugleich dies immaterielle ; es kann nicht getheilt werden ; sonst kann man mit jenen Narren ein Haus ohne Fenster baun und das Licht in Säcken hineintragen . Das Licht ist das untheilbar Ganze , untrennbare Einheit auf materielle Weise . Es ist das reine Manifestirt sein der Gegenstände überhaupt für uns ; in so fern ist der Sinn des Gesichts ein ganz theoretischer , wobei wir uns nicht selbst empfinden . beim Sehen haben wir nur eine Fläche vor uns ; die andren Dimensionen eines Körpers sehen wir nicht sondern das lernen wir erst durch Vergleichung : auch Farbe , Größe und Gestalt beur thei len wir nachher durch Entfernung des Dings . Es ist in dem Sehn noch ein unvermitteltes Verhältniß , ein geistesfernes Verhältniß ; es ist darum der Sinn der Idealität , der andre Sinn der Idealität ist das Gehör . | 2 . Da s G e hör . dies ist der Sinn der physikalischen Zeit ; wir s e h n freilich auch Veränderungen in dem Tableau , das vor unsrem Gesicht ist ; aber In diesem Verändern ist die Zeit aber nur ein Moment ; im Gehör aber ist die Zeit physika-

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1 es ist … fern] Wl : | insofern

49Wl

1–3 abstracten , sondern … physikalisch] Er : abstracten Raumes

20 sondern so zu sagen der materialisirten Räumlichkeit , daß der Inhalt für uns ist uns sich manife-

1–2 abstracten , sondern … Raums .] Wl : abstracten 3 das Licht , es] Wl : was wir Licht nennen . Das Licht 3–6 es ist … Weise .] Wl : ebenso immateriell . Es besteht nicht aus Theilen , aus besondren Selbstständigen . Es ist das untheilbare , eine (Zusammenseyn) Einheit . Materie , aber … Weise .] Er : immaterielle Materie , es hat keine Schwere , besteht nicht aus Theilen , ist dieser untheilbare Zusammenhang , untrennbare Einheit . 7 überhaupt für … ist] Er : für uns und überhaupt für uns ;] Wl : überhaupt 7–8 ein ganz … beim] ErWl : [ist so ein ganz theoretischer .] Wl : ganz theoretisch . Kein manifestirt seyn , daß wir uns nicht empfinden .] die Gegenstände s i n d für uns , d . h . selbständig , wir empfinden unser Auge [nicht . das Sehn ist also Gefühl vom abstracten Seyn und so äußerlich bleiben .] Wl : nicht . –] Im 8–12 haben wir … der1] Wl : sind wir im Gegenstand versenkt ohne Reflexion in uns . die immaterielle Manifestation dessen was vor uns ist . Wir sehn nur eine Fläche : das ist abstract (die Dimension , Entfernung p gehört der Reflexion .) das Sehen ist eine geistesmäßige Manifestation , einfaches , unmittelbares , unvermitteltes Verhältniß . 9 uns ; die … das] Er : uns , das Abstracte . die drei Dimensionen 10–11 Vergleichung : auch … Dings .] Er : Gewohnheit , so wie auch die Entfernung – beurthei len . 11–12 in dem … Idealität ,] Er : diese Manifestation geistesmäßig ganz einfach , unmittelbar , unvermittelt . – 14 2 . Da s … physikalischen] Er : Wenn das Gesicht der Sinn der Räumlichkeit aber der physikalischen ist , so ist das Gehör der der physikalischen (nicht abstracten) dies ist] Wl : Wie der Sinn des Gesichts der Sinn der fysikalischen Räumlichkeit ist so ist der Sinn des Gehörs 15–16 Veränderungen in … Verändern] Er : Veränderungen , Bewegungen aber da in dem … Verändern] Wl : der räumlichen Beziehungen und Verhältnisse Bewegung , aber in dieser Veränderung 16–658,1 aber nur … Gehörte] ErWl : nur ein Moment in Beziehung auf den Raum . [ Beim Gehör ist die so zu sagen physikalisch gewordne Zeit . Was wir Hören nennen] Wl : Was wir hören nehmlich , was das Gehörte ist ,] stirt . dies sich als physicalisch manifestirende

20 Raums , der fysikalischen Räumlichkeit . Daß dieser Inhalt ist , für uns sich manifestirt .

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lisch . Das Gehörte ist das Erzittern der Körper in ihnen selbst ; die Körper sind mechanisch zusammenhängend aber außer einander bestehend . Ein Körper erzittert wenn er angeschlagen wird ; d . h . jeder Theil verrückt sich aus seiner Stelle und tritt in die Stelle des andren ; das andre aber behauptet sich dagegen . Das Zittern ist eben dieses ; daß , wo ein räumlicher Punkt ist und zugleich ein physikalischer , daß in demselben ein andrer materieller Punkt ist . Nach der gemeinen Mechanik läßt man das nicht gelten , daß 2 Punkte in einem sein können ; man nimmt seine Zuflucht da zu den Poren ; läßt man z . b . eine Kugel fallen so ist für einen Augenblick ihr Umfang verändert ; und da sagt man das gehe in die Poren hinein ; aber das ist nichts Empirisches ; das ist bloß Sache des Verstandes , der sich nicht anders zu helfen weiß als durch diese Erdichtung . dies Erzittern also ist das Aufheben des Mechanismus der Körper und das Herstellen derselben ; das ist das was wir vernehmen . Wird dies Schwingen fortgesetzt , so tritt die Zerstörung der Cohäsion ein , wenn man die Glocken lang läutet so entzünden sie sich und schmelzen . Die Punkte und Theile , die wir äußerlich unterscheiden werden zeitlich gesetzt , d . h . indem sie sind , sind sie nicht ; der Augenblick des Itzt ist , aber so wie ich sage it z t , so ist das itzt nicht mehr : das ist die Zeit . So ist das Materielle im Schwingen , im Tönen gesetzt . Die Innerlichkeit der Körper thut sich dadurch kund , ihre Subjectivität gewisser

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1–3 selbst ; die … wird ;] Wl : selbst , gehört in die Sfäre des Mechanismus . die Körper bestehn gegeneinander . Der Körper wird angeschlagen , so erzittert er ; 1–5 die Körper … wo] Er : der Körper erzittert und dies Erzittern ist näher dies , daß jeder Theil sich verrückt , in der Stelle des andern ist und unmittelbar wieder vom an|dern verdrängt wird , der sich behauptet . Wo 4–5 andren ; das … wo] Wl : anderen , und wird daraus wieder vertrieben . – Wo 5 und zugleich ein] Wl : und 5–7 daß in … das] Er : da ist zugleich auch ein andrer , dies ist das Schwingen des Körpers . dies läßt man 5–6 daß in demselben] Wl : in demselben Orte ist 6 Punkt ist . … Mechanik] Wl : Punct , – dieß ist das Schwingen , Zittern des Körpers . – Bei einer mechanischen Vorstellung 7 daß 2 … können ;] Er : es könne wo ein Punkt ist , nicht der andere sein . Wl : und sagt , wo ein materieller Punct ist kann kein anderer seyn ; 8–10 läßt man … ist] Wl : diese Poren aber sind eine Fiction , gar nichts Erfahrenes , nie Gesehenes ; 8–9 läßt man … ist] Er : diese sind eine bloße Fiction , 10–11 sich nicht … Erdichtung .] Wl : complett es erdichtet hat . – nicht anders … Erdichtung .] Er : so hilft . 11 also ist] ErWl : ist 12 Herstellen derselben ; … vernehmen .] Er : sich wieder Herstellen , und dies Hin und Hergehen vernehmen wir . Wl : sich Herstellen derselben . 13 die Zerstörung] ErWl : auch die reale Aufhebung 13–15 ein , wenn … werden] Er : ein , Wärme – Schmelzen . Was wir als materielle Punkte oder Theile unterscheiden , wird als Wl : ein . Durch Klingen ist Uebergang zur völligen negation der Cohaesion . Was wir als materielle Puncte ansehn können , ist continuirlich äußerlich , das wird 15–16 d . h . indem … wie] Wl : es ist und indem es ist , ist es nicht , das Eins seyn des Seyn und nicht seyn ; indem 15–18 indem sie … Die] Er : es ist und indem es ist , ist es nicht . / diese Untrennbarkeit des ist und des nicht ist ist die Zeit und so ist im Klingen Schwinden des Materiellen gesetzt . dies ist damit die 17–18 Schwingen , im … Die] Wl : Schwingen so zeitlich gesetzt . – Dieß ist damit die 18–659,1 Körper thut … Hören] Er : Körper , die sich kund thut , diese Subjectivität , Negativität . Das ist also das was wir hören . Im Gehör thut sich … nicht] Wl : die sich kundthut , diese Subjectivität , Negativität . Das ist also , das , was wir hören . – Im Gehör ist

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Maaßen . Im Hören haben wir also nicht das Gefühl des I s t , wie beim Gesicht , sondern des m a t e r ie l l e n We r d e n s , dieses physikalischen reinen sich Veränderns . Es ist aber doch ein ideeller Sinn das Gehör , weil es nur ist dies Mechanische , das uns ebenso unmittelbar äußerlich ist , als unmittelbar getrennt von uns ; es ist kein Selbstgefühl , kein Gefühl unsrer Leiblichkeit dabei . die andren Si n ne s i n d d i e d e s G e g e n s a t z e s , wo der Übergang gemacht wird zur Realität , (wo im Sinn das Practische beginnt) wo wir selbst im Gefühl dabei sind , unsere Leiblichkeit . Sehn und Hören ist , e m pf i n d u n g s lo s in diesem Sinn[ .] 3 . G e r uch . Wir empfinden darin die Verflüchtigung der Körper , ihre Resumtion in einfache Materialität , die Ausdünstung der Körper ; das Verzehrtwer|den der Körper , das aber unscheinbar ist . An der Luft wird alles flüchtig , luftig ; kann man es vor ihr bewahren | so bewahren wir es vor der Fäulniß – selbst die Metalle riechen und riechen ekelhaft , wie sie schmecken . Das Seiende ist dabei im Übergang zu seiner Auflösung damit hängt genau der 4t e Sinn 4 . , G e s c h m a c k zusammen . Hier sind wir es , welche diese Verzehrung vollbringen ; unsre Thätigkeit ist darin und daher Selbstgefühl ; beim Geruch beginnen

… des] Wl : des 1 I s t , wie … Gesicht ,] Er : i s t 3 doch ein … Gehör ,] ErWl : [ein] Wl : ideeller Sinn ,] Sinn der Idealität , Mechanische ,] ErWl : Werden rein des Mechanischen 4 unmittelbar äußerlich] ErWl : äußerlich getrennt von] Wl : ungetrennt mit 4–5 kein Selbstgefühl , kein] Er : kein 4–6 es ist … d i e ] Wl : es ist kein Gefühl der Leiblichkeit damit vorhanden . – Diese reine Bewegung des Materiellen ist ebenso unmittelbares Verhältniß , des Gehörs als des Gesichts . Das ist das erste Paar Sinne , Sinne der Idealität . (so , weil dieß das Verhältniß von Raum und Zeit ist .) 2 .) Sinn 5–6 dabei . die … S i n n e ] Er : damit vorhanden . Weil dies das Verhältniß von Raum und Zeit ist , ist es eben Sinn der Idealität . das ist das erste Sinnenpaar , das der Idealität . / die z we i t e n 6 G e g e n s a t z e s ] Er : Gegensatzes überhaupt 7–10 (wo im … darin] Er : das Praktische beginnt , unsre Leiblichkeit anfängt gefühlt zu werden , unser Selbstgefühl beginnt . Im Geruch empfi nden wir wir selbst … darin] Wl : unsre Leiblichkeit dabei beginnt gefühlt zu werden , und wo beginnt das Selbstgefühl . – So wenn wir’s subjectiv betrachten , – so empfinden wir im Geruch 10 ihre] Er : ihre reale Vernichtung oder reale Wl : ihr reelles Verluftigen , Verzehrtwerden , reelle 10–11 einfache Materialität , … das] ErWl : eine einfache Weise , daß die Körper in diese einfache Weise übergehn , die die Luft ist . | [dies unscheinbare] Wl : dieß] 12–14 das aber … dabei] Er : die Verflüchtigung ist es , die wir empfunden . Es ist dies also ein Seyendes aber zugleich 12 das] Wl : Auflösen derselben , das 12–14 An der … dabei] Wl : Diese Verflüchtigung des Körpers ist es , die wir riechend empfi nden . – Es ist dieß also ein Seyendes , aber das Seiende zugleich 14–16 zu seiner … G e s c h m a c k ] ErWl : [zur] Wl : zu seiner] Vernichtung , seiner Auflösung . / der Geschmack hängt unmittelbar damit 16 wir] ErWl : nur wir 17 daher Selbstgefühl ;] ErWl : [Selbstgefühl] Wl : eben ein Selbstgefühl] zugleich . 17–660,3 beginnen wir … Körperlichkeit .] Er : beginnt das schon , daß wir unsere Organe empfi nden , im Geschmack noch mehr . (In

57Er 25r Sg

20 1–2 I s t , wie 20

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40 21–22 es ist 2 … vorhanden . mit Verweiszeichen am rechten Rande

Rande

23–24 (so , weil … ist .) am rechten

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wir unser Organ , beim Geschmack schon unsre Leiblichkeit zu fühlen . In Schwaben unterscheidet man Riechen und Schmecken nicht ; das hat etwas Richtiges ; beides ist Auflösung der Körperlichkeit . Das sind also die Sinne der Differenz , wo das Seiende zugleich auf ein andres bezogen ist . Dem Geschmack gehört das Element des Wassers an , es ist das unbestimmt Neutrale ; ist es individualisirt , so ist es eine concrete Neutralität , und das sind die Salze . d e r 5 t e ( 3 t e ) Si n n ist das Gefühl , der Tastsinn ; da fühlen wir den Gegenstand als ein für sich seiendes und uns dagegen auch als ein für uns seiendes ; sie leisten uns , wir ihnen Gegenstand . Hier besteht der seiende Gegenstand als ein für sich seiendes . Alles was gefühlt wird , ist , das wahre Materielle , das ihr Centrum in einem andren Materiellen hat . Die nähre bestimmung dieses Fürsichseins gibt das Gewicht , das Streben nach der Einheit ; denn die Materie ist nicht in sich selbst , es strebt immer nach einander . die Arten des Widerstands sind verschieden , das Spröde , das Harte die Wärme etc . das letzte ist Auflösung der Cohäsion . – Das ist die nothwendige Totalität der äußerlichen Empfindungen und der Sinne über-

Schwaben riechen = schmecken) Wir sind dabei uns empfi ndend . 1 unser Organ , … fühlen .] Wl : unsre Organe schon mitzufühlen ; – noch mehr im Geschmack . 2 unterscheidet] Wl : z . B . unterscheidet 2–3 das hat … Körperlichkeit .] Wl : Unsre Thätigkeit ist gegen das Seiende gerichtet und empfindet sich dabei . – 3 wo] ErWl : daß 4 zugleich auf … ist .] ErWl : bezogen ist zugleich auf sein Anderes und damit auf seine Vernichtung . gehört] Er : entspricht Wl : entspricht , gehört an 5 Wassers an , … eine] ErWl : Wassers , dies [neutrale] Wl : neutrale . Dieß neutrale] individualisirt [gibt eine] Wl : gibt] 6–7 und das … das] Wl : Salze überhaupt , deren Basen p ihre Particularisation ausmachen . / 3 .) Salze . / d e r 5 t e ( 3 t e ) ] Er : Salze überhaupt . / Der d r i t t e 7–8 Gefühl , der … als1] Er : G e f ü h l . In diesem fi nden wir das Seyende als ein Widerstandleistendes , d. h. 7 da] Wl : Hier den Gegenstand] Wl : das Seiende 8–11 und uns … gibt] Wl : Widerstand leistend gegen uns , die wir für uns sind (ein Widerstand leistendes .) da fi nden wir unsre Leiblichkeit wieder . – Im Sehn ist Inhalt Seiendes , im Gefühl für sich seiendes . – Materialität , als Widerstand leistendes . Zu den unterschiedenen Weisen des materiellen für sich seyns gehört das für sich seyn , das Widerstand leistet : – Dahin gehört und uns … bestimmung] Er : gegen uns , die wir für uns sind . da ist beides bestimmt als für sich seyend . Im Sehen ist der Inhalt s e ye n d , im Fühlen bestimmt er sich als für sich seyend . Er leistet Widerstand . Zu den unterschiednen Weisen 11 gibt] Er : gehört 12–14 das Streben … ist] Er : daß die Materie nach dem Centrum strebt . Nach dieser Idealität ist sie das Gewicht . Ferner unterscheidet sich die A r t des Widerstandes , auch die Wärme gehört hierher d . h . der Einheit ; … Cohäsion . –] Wl : einem Centrum . Nach dieser Idealität ist sie das Gewicht . – Ferner gehört die Wärme auch dazu . d . i . die Erscheinung , daß die körperliche Cohaesion sich auflöst . – / 15–661,2 die nothwendige … Sinne] Er : nun die Totalität der Empfi ndungen die wir äußerliche nennen , die den Sinnen angehören . Es kann noch bemerkt werden , daß die Empfi ndung der Sinne ein gewisses Maaß hat (eine quantitative Bestimmung als seyend) Quantität und Maaß sind eben Kategorien des seyenden Unmittelbaren . – Sie 15–661,1 äußerlichen Empfindungen … äußerliche] Wl : Empfindung , die wir äußerlich nennen , die dem angehören , 28 für] folgt im Text und am linken Rande gestr : Gewicht , dß di Matrie zu e Centr . strbt

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haupt . Die Sinne haben als äußerliche ein gewisses M a a ß , eine gewisse S t ä r ke . (Quantität) . Die Sinne gehen also den Weg durch vom Sein als solchem zum Für sich sein . Im Gefühl ist die Materialität für sich ; wir sind uns empfindend und sind für uns . das Object und das Subject ist für sich ; das Unterscheiden des Gegenständlichen tritt erst hier ein . da tritt nun ein die Vergleichung zwischen beiden das Verhältniß beider zu einander . dies Verhältniß be trifft das A n g e neh me und Un a n g e n e h m e in Zustimmung des Äußerlichen – in unsrer Empfindung . dies A n g e n e h m e oder W id r i g e ist zunächst das ganz oberflächliche Vergleichen ; es kann auch gründlicher sein . Es kann uns vieles angenehm sein , was schädlich für die Gesundheit ist ; es ist manchen auch etwas unangenehm , was nützlich ist . dieser Instinkt ist darum auch etwas untergeordnetes , Menschen trügerisches ; darum sind wir nicht auf ihn beschränkt sondern wir sind an unseren Verstand

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was wir Sinne überhaupt nennen . / Kann noch bemerkt werden daß die Empfindung der Sinne 1–2 … Die] Wl : Stärke hat , (eine quantitative Bestimmung als seiend) . Quantität und Maaß sind Categorien des Seienden , des Unmittelbaren . 2 also] Wl : schon Sein als solchem] Er : Seyn 3 Im Gefühl … sind 2 ] ErWl : In ihrem für sich seyn sind auch wir [die Empfi ndenden] Wl : zu dem empfi ndende] 4–5 das Object … Gegenständlichen] Wl : Beide fallen aus ein ander wenn wir das Gegenständliche unterscheiden wollen , – das 4 das Object … sich ;] Er : Beide fallen aus ein ander und 6–7 da tritt … einander .] Er : Im Sehen ist nur das unmittelbare Verhältniß , wir sind im Gegenstand vertieft haben nur e i n e Empfi ndung . | Im Gefühl ist das Empfi ndende als für sich seiend bestimmt und dann tritt ein Verhältniß ein . Es tritt damit ein Vergleichen ein ein Verhältniß zwischen beiden . 6 da] Wl : Das Sehen ist das unmittelbare Verhältniß . Wir sind im Gegenstand versenkt , haben nur Eins in unsrer Empfindung , die Empfindung des Sichtbaren . – Indem man nun im Gefühlssinn Bestimmtheit der Empfindung des für sich seyns setzt , tritt ein 2faches Verhältniß ein : 1 .) d [lacuna] äußeren Sinne 2 .) das ein für sich seyn eingetreten ist und ein Ausschließen gegen anderes für sich seyn . Dann 7–9 be trifft das … W i d r i g e ] ErWl : enthält [das was wir] Wl : was wir zunächst] angenehm [und] Wl : oder] unangenehm nennen , ein Zustimmen des Seyenden [zu unserem Für sich seyn . Wir als für sich seyende sind bestimmt haben aber als solche eine inhaltsvolle Innerlichkeit und dieser kann der seyende Inhalt] Wl : in Empfi ndung zu unsrem Zustande : Wir sind für sich seiend , haben weitren concretern Inhalt , dem das Sein der Empfindung kann] angemessen seyn oder nicht . [das Angenehme und Widerliche tritt hier ein und dies] Wl : da tritt das Angenehme und Unangenehme ein . Unangenehmes , Widriges in Empfindung . – Dieß Angenehme oder Unangenehme] 9–10 Vergleichen] Wl : der Vergleichung 10–662,2 sein . Es … etc . –] Wl : seyn , daß diese Zustimmung noch weiter concreter bestimmt ist . Kann uns angenehm seyn in Empfi ndung ; was zuwider ist unsrer Gesundheit . – Kann aber beides auch verbunden seyn . [ Narcotisierende Farben] Hk : Narkotische Pflanze so in Farbe] in Geruch und Ansehen [und ] Hk : angenehm und doch] schädlich der Gesundheit . | Beim Menschen ist ohnehin der Instinct ganz untergeordnet . Wir sind vornehmlich an Verstand gewiesen , Thiere an unmittelbare Empfi ndung , Instinct , der jedoch auch trügen kann . – Dieß Angenehme oder Unangenehme drückt überhaupt das Oberfl ächliche der Zustimmung aus des Seienden in Empfindung mit unsrer innerlichen Eigenthümlich keit . – / 10–13 sein . Es … sondern] Er : seyn so daß dies Zustimmen noch weiter bestimmt ist . Es kann z . b . ein Angenehmes schädlich seyn .

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gewiesen ; die Thiere leben mehr in ihrem Instinct , der aber auch nicht untrüglich ist – man vergiftet Mäuse und Fliegen etc . – Eine weitre Zustimmung ist noch in der Anmerkung zum § in den 3 letzten Zeilen : das Symbolische der Empfindung ; das Symbolische ist eine äußerliche Gestalt und die bedeutung derselben , eine gewisse bestimmtheit , die mit der äußerlichen Gestalt zusammenhängt ; Löwe Adler sind Symbole | der Stärke ; dies ist das Gemeinsame ; der Löwe ist der Gegenstand des Symbolischen . So ist es auch mit den Empfindungen , die etwas gemein schaftliches haben mit inneren Empfindungen . Symbolisch sind besonders d i e F a r b e n , weil sie das Gegenständliche das Seiende sind . Man spricht von heiteren fröhlichen , ernsten und feierlichen Farben ; zur Trauer wählt man die Farbe schwarz , das Unterschiedslose ; oder weiß das Symbol der Negativität , die in der Empfindung der Trauer liegt ; weiß ist auch Symbol der Unschuld ; es ist das einfache , das reine Roth

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§ 403 Anm .Wl

Thiere wissen das durch Instinct Aber bei Menschen ist ohnehin der Instinct etwas ganz untergeordnetes , 1–2 gewiesen ; die … etc . –] Er : mehr gewiesen als an die Empfi ndung . Auch der Instinct der Thiere ist nicht untrüglich . dies Angenehm seyn nun drückt eine ganz oberfl ächliche Zustimmung aus der äußerlichen Bestimmtheit zu unserer innerlichen . 2–7 Zustimmung ist … die] Wl : bestimmte Zustimmung : die bestimmte Vergleichung im Symbolisiren der Empfi ndungen , z . B . von Farben , Tönen , Gerüchen . Symbolisches . Im Symbol ist äußerliche Gestalt und Bedeutung , d . h . gewisse Eigenschaft , Bestimmtheit , allgemeiner Character der mit äußerlicher Gestalt zusammenhängt . – (Adler Symbol der Stärke .) So haben Empfindungen einen Character der 2–3 ist noch … Zeilen :] Er : kann auch noch angeführt werden , 4–8 das Symbolische … Empfindungen .] Er : d . h . daß eine äußere Gestalt vorhanden ist und damit eine Bedeutung d . h . ein allgemeiner Character zusammenhängt . Sinnliche , unmittelbare Empfi ndungen haben so in sich einen Character der gemeinschaftlich ist mit Neigungen und Empfi ndungen des Innern , und sind so symbolisch . 8 haben mit … besonders] Wl : hat mit innerlichen Empfindungen , Neigungen des Inneren und in sofern sind sie symbolisch . Das sind vornehmlich 9–10 das Gegenständliche … zur] ErWl : diese Gegenständlichkeit haben , seyende [sind , denn zum Symbolischen gehört daß es seyend sei und e i n e n Character habe mit davon Verschiednem . Zur] Wl : sind . Gerüche werden nicht leicht als symbolisch genommen , dagegen Farbe . Man spricht von heitren , ernsten Farben , – z . B . in] 10–663,6 die Farbe … es] Wl : gewöhnlich Farben , die symbolisch sind . Schwarz das unterschiedslose ; weiß das der Unschuld . Man hat gefühlt daß weiß einfach ist (nicht Newton) . Roth dagegen Königliche Farbe . – Warum eine Farbe Symbol sei einer inneren Empfindung ist schwer zu sagen da es ganz äußere Bestimmtheit ist , der Empfindung , das andre das Innre ist . – Weiß ist das Einfache ; das reine Licht auf eine äußerliche Weise als Pigment aller Vorstellungen , p auf sichtbare Weise des Lichts Unschuld , Reinheit ist auch ein in sich unentzweites Gemüthe . – / Rosenroth – Farbe der Heiterkeit , Liebe . Warum roth königlich ? Da muß man die Natur des Rothen kennen . – Roth ist 10–11 die Farbe … das] Er : bestimmte Farben , schwarz , weiß . dies Unterschiedslose gilt als 11–12 die in … Symbol] Er : so entspricht weiß 12 es ist … das] Er : das

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13 Thiere wissen … Instinct am linken Rande 31 daß] ds 32–33 da es … ist . – mit Verweiszeichen am rechten Rande 34 Lichts] folgt gestr : Symblisch vrhlten sich slche Bsttht ds Menschen sofrn er in 40 dise Bsth

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ist von je für die königliche Farbe gehalten . Das Weiß ist das Licht , so fern es sichtbar ist . Das Licht kann man nie sehn , man sieht nur leuchtende Gegenstände ; – rosenroth ist die Farbe der Heiterkeit der Liebe , das gehört in die Theorie der Farben . Newton sagt roth ist auch ein Nichtunterschiednes ; das weiß sagt er ist die schwierigste und reinste Farbe , weil alle darin gemischt sind , die wahre bestimmtheit des Roths ist daß es eine Durchdringung von beiden Weisen der Trübung ist ; die Farbe ist ein getrübtes ein dunkles ; darum ists ungereimt Dunkelheit für das Weiße zu halten , so daß Helligkeit daraus entsteht . Das Roth ist die Durchdringung der entgegengesetzten Trübung von blau und gelb ; ein Gleichgewicht dieser Trübungen ist zur Subjectivität gestellt , das ist das Roth , das Individuelle , Kräftige Starke der Farben ; darum ist es die Farbe des Hervorstechenden des Mächtigen . Da s b l a u a b e r i s t d i e F a r b e d e r S a n f t mut h ; das D u n k le l i e g t z u G r u nd e u n d e s s ch e i n t e i n He l l e s h i ne i n ; liegt das Helle zu Grunde und es kommt ein getrübtes dazu , durch das wir es sehn , so ist es gelb . Der Himmel ist blau – es ist Nacht , Lichtlos ; aber unsre Atmosphäre ist ein getrübtes Medium , und diese Trü-

1 ist von … ist] Er : war von je Königin der Farben . | Zum Symbolischseyn gehört daß etwas eine wesentliche Bestimmung hat was übereinkommt mit einer innerlichen Bestimmung . Symbolisch verhalten sie sich als eine und dieselbe Bestimmung in Unterschiednen enthalten ist . Warum eine Farbe z . b . Symbol sei von einer innerlichen Bestimmtheit ist nur schwer zu sagen , da es eine ganz äußere Bestimmung der Empfi ndung ist , das andre ist das ganz Innere . Weiß ist nur 2–6 Das Licht … es] Er : Bei Unschuld stellen wir uns nun auch ein unentzweites Gemüth vor . Was Purpur in sich sei , da kommt es auf die Theorie an , warum es nun die königliche Farbe ist , da muß man die Natur der Farbe kennen . Nach Newton ist es freilich nicht von den andren Farben unterschieden . Roth ist nun 6–9 Weisen der … gelb ;] Er : Trübungen (blau und gelb) Trübung ist ; … gelb ;] Wl : Trübung . – (Blau und gelb entgegengesetzt .) – (das weiße das Ungetrübte , wird durch die 7 Trübungen das dunkle fi nster . Ist das Helle in 7 Farben überwiegend ist’s hellgrau , wo das Dunkle überwiegt dunkelgrau . –) 9–664,3 dieser Trübungen … d i e ] Er : das dann zur Subjectivität , Individualität gesteigert ist , eben damit das Kräftige , Starke . Wegen dieser Natur ist das Roth das Hervorstechende . – Beim Blau scheint in das Finstere etwas Helles , umgekehrt ist Gelb die Trübung eines Hellen durch ein Finsteres . deswegen ist Blau das Sanfte , auch das Kalte weil das dunkle die Grundlage dies Substanzielle ist . – 9–11 dieser Trübungen … Farbe] Wl : beider Trübungen zur Individualität , Subjectivität gestellt . das Kräftige , das Starke , das Individuelle [unter Fa r b e n ] Hk : übertrieben] . – das ist die individuelle Natur dieser Farbe , darum Symbol 11–664,2 Da s b l a u … a u s m a c h t . ] Wl : Blau sanft , kalt . Blau hat dunklen , fi nstren Grund , wo Helle einscheint . Wo das Helle Grund ist , und dunkles durchsichtiges Medium trübt es , Gelb . – Blau ist der Himmel darum , er ist ganz Nacht . Athmosfäre leistet keinen Widerstand ; Nacht , lichtlos des Himmels wird durch erhelltes Medium der Athmosfäre blau . – /

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11–14 Da s b l a u … blau – durch zwei senkrechte Striche am linken Rande hervorgehoben ; daneben nachträglich auf dem Rande : B l a u : Farbe der Sanftmuth und Milde , der Ruhe und Leidenschaftslosigkeit , 40 daher auch der Kälte . / G e l b ist die Farbe der Lebhaftigkeit des Muthes , der Leidenschaftlichkeit der Wärme – / Blau stimmt sehnsüchtig , verlangend und darum unruhig / Gelb stimmt zu rascher Thätigkeit 23 Farben] Farben nicht 33 übertrieben über gestr . unter Farben

59Er den 3ten december .Er

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bung ist eine Erhellung , da wird das Dunkle blau ; d a r u m i s t bl au d a s k a lt e , we i l d a s D u n k l e , d a s S u b s t a n t ie l le d a d i e G r u n d l a g e a u s m a c ht . d i e Töne sind auch symbolisch . Es gibt einen Ton der Stimme , der rein ist ohne Melodie , aber doch heiter , die Empfindung ansprechend . Seine bestimmtheit erhält der Ton durch die Unterschiede der Töne , die ein gewisses Verhältniß zu einander haben . Harmonie und Disharmonie wodurch Melodie . Der Ton entsteht durch das Zittern eines Körpers er ist die bewegung des Cohärenten , des Physikalischen ; das Verhältniß der Zahl dieser Schwingungen macht den Unterschied der Töne aus . Die | Harmonie ist etwas unsren innren Empfindungen entsprechendes ; es gibt Successionen von Tönen die traurig und solche die heiter sind . Die Harmonie hält man meist für zu vornehm , als daß die Verhältnisse der Zahlen den objectiven Grund derselben ausmachen . Aber das ist nichts andres als wahr ; die Natur der Empfindung ist jene eben : ein Mannigfaltiges überhaupt in Form der Einfachheit zu reduciren , das Concrete als Einfachheit der bestimmtheit | zu haben . Empfinde ich etwas hart , so ist da zuerst das bewußtsein , welches etwas hartes unterscheidet . Die Empfindung als solche hat das Concrete in der Form der Einfachheit z . b . bei der Gesichtsempfindung : blau ist ganz einfach , eine einfache bestimmtheit ,

3–5 Es gibt … Ton] Wl : Ton der Stimme kann auch ohne Melodie heiter seyn , das Gemüth ansprechen . Er enthält auf andere Weise noch Bestimmtheit in sich , so 3–7 Stimme , der … bewegung] Er : für sich – ohne Melodie – heiter pp seyn kann . Er enthält auf andre Weise Bestimmtheit durch das Verhältniß der Töne , die Melodie , Harmonie . Das Objective dieses Verhältnisses sind die Zahlen . Der Ton , das Erzittern 5 der] Wl : des Tons , durch unterschiedne 5–7 zu einander … das] Wl : haben , wird Harmonie und disharmonie bestimmt . Das Objective dieser Verhältnisse der Töne sind die Zahlen . – Töne sind 7–9 er ist … Töne] Wl : Bewegung des Cohaerenten . Unterschiede des Zitterns durch Anzahl von Schwingungen in einer gewissen Zeit bestimmt . Zahlen dieser Schwingungen machen darum bestimmte Unterschiede dieser Töne , Harmonie und disharmonie des Physikalischen ; … aus .] Er : bestimmt sich nach der Zahl der Schwingungen . 9–11 etwas unsren … der] Wl : symbolisch , unsrem Innern entsprechend . Es fällt besonders bei Tönen auf , daß Harmonie , Melodie Zahlenverhältnisse zum objectiven Grund haben . Man hält gleichsam Harmonie der Töne für zu geistig als daß lumpige 9–10 etwas unsren … sind .] Er : nun etwas Symbolisches , unserer Empfi ndung entsprechendes . 11–12 die Verhältnisse … wahr ;] Er : Zahlen den objectiven Grund davon ausmachen sollen . 12 Aber das … die] Wl : Hier müssen wir uns daran erinnern , was 13 ist jene eben :] Wl : ist : 13–16 jene eben : … z . b .] Er : das Mannigfaltige , Concrete als einfache Bestimmtheit zu haben . die Empfi ndung , die Form der Einfachheit , reducirt das was ein in | sich Concretes in eine einfache Bestimmtheit , so ist es schon 13 der Einfachheit] Wl : des Einfachen 14 das] Wl : oder das Einfachheit der] Wl : einfache 14–17 Empfinde ich … eine] Wl : Empfindung ist die Form dieser Einfachheit , – hat das concrete in dieser Form . Das war schon bei Gesichtsempfindungen der Fall . Blau ist ein Verhältniß , – so einfach es erscheint . diese ganz 17 ist ganz … eine] Er : z . b . ist eine ganz 18 auch ohne Melodie mit Einfügungszeichen über der Zeile und am rechten Rande rechten Rande

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21 Harmonie . am 40

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ein räumliches Verhältniß von Hellem und Dunklem , und ein trübes (hier ein helles) Medium , durch die wir die Finsterniß sehn . dies Verhältniß dies beides ist , was wir empfinden , wir reduciren es in die Form der Einfachheit . Ebenso bei den Tönen . Das Grüne steht dem roth gegen über ; es ist eine einfache Mischung von blau und gelb (Newton hält absurd das Grün für eine einfache Farbe) blaues und gelbes Pulver ganz mechanisch untereinander gemischt sieht grün aus ; da sieht man gleich die Weise des Empfindens welche das Unterschiedne in eines zusammenfaßt ; denn durch ein Vergrößerungsglas sieht man die Theile trotz der Mischung gesondert . So mit den Tönen : sie haben ein bestimmtes Zahlenverhältniß ; die einzelnen Töne verbunden geben die Harmonie ; die Terz , die Quinte sind besonderheiten ; aber was wir hören ist einfach . dies Vereinfachen muß man besonders bedenken , in so fern man die Empfindung vergleicht mit der Weise eines und desselben Inhalts , wie er objectiv ein Verhältniß ist .

1 ein räumliches] Er : und ist doch ein

ein1] Wl : b l a u ist dieß : ein

1–8 Hellem und … geson-

15 dert .] Er : Hell und dunkel , – in der Empfi ndung ist es in Form der Einfachheit reducirt , es ist da

nur Verbindung . 1–2 Hellem und … Finsterniß] Wl : Hell und dunkel , daß dunkle Grundlage ausmacht , und ein helles Medium ist , wodurch wir dieß Schwarz , Finstre 2 dies beides ist ,] Wl : ist’s , 3–9 wir reduciren … mit] Wl : Aber in Empfindung wird dieß in Form der Einfachheit reduzirt in b l a u . – Roth durchdringt das Gleichgewicht Grün einfache Mischung von blau und gelb . 9–11 sie haben … einfach .] Er : bestimmte Töne haben ein Zahlenverhältniß 20 – das ist ebenso bei und wenn dies von bestimmter Art ist , so hören wir es als ein ganz einfaches . 9 sie haben ein] Wl : Mehrere Töne zusammen haben 9–11 die einzelnen … einfach .] Wl : Sind diese Zahlenverhältnisse einfacher Natur 2 .3 so ist das den Ohren harmonisch . – die 3te , 4te , 5te sind einfache Zusammenstimmungen , obgleich der Sache nach ein Verhältniß von Zahlen einer bestimmten Anzahl von 11–666,1 besonders bedenken , … E m p f i n d u n g e n .] Er : 25 Schwingungen in einer gewissen Zeit . – vor sich haben wenn wir vergleichen den Inhalt des Empfundenen wie er sich verhält zu demselben Inhalt in seinem objectiven Verhältniß . / Das Andre ist die innere Empfi ndung . bedenken , in … E m p f i n d u n g e n .] Wl : vor sich haben , sofern man den Inhalt vergleicht des Empfundenen , als Empfindung , wie er sich verhält zu demselben Inhalt in seinem objectiven Verhältniß . – / 30 3 .) I n n r e E m p f i n d u n g . – Äußere Empfindung war , daß die unmittelbare Bestimmtheit in Leiblichkeit e r i n n e r t w i r d . 1 Dunklem] Dukles 19 Roth durchdringt … gelb . am linken Rande über der Zeile mit Einfügungszeichen

29 sich verhält … seinem

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nachschrift stolzenberg · 1827/28 I I Di e i n ne r l i c h e n E m pf i n d u n g e n .

die Empfindung enthält überhaupt das Moment der Unmittelbarkeit , Leiblichkeit ; darum muß auch die innre Empfindung verleiblicht werden . diese Verleiblichung bei der innren Empfindung ist ein wichtiger Umstand . (Anmerkung von der psychischen Physiologie) Über den Kreis der innren Empfindung ist dies zu bemerken . Wir haben Empfindung von Recht , Unrecht , Rache , Liebe etc ; das macht die I n h a l t e dieser Empfindungen aus ; spricht man von innrer Empfindung , so kann man verlangen daß man ein System von diesem Inhalt aufstellt . Der Inhalt der innren Empfindung aber kommt vom Geist her ; das Recht , die Religion , Sittlichkeit , Liebe ist im Geist , ist ein Product des Geistes . Neid , Haß Rache kommt von Vorstellungen her , die ich mir von den Verhältnissen eines Individuums mache . Das System des Inhalts der Empfindungen ist ein System des Geistigen . bei den Neigungen werden wir dasselbe wiederholen . Diesen Inhalt lassen wir noch auf der Seite liegen . Aber dieser Inhalt muß , um empfundener zu sein , verleiblicht werden .

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2 überhaupt] Er : wesentlich 2–3 Unmittelbarkeit , Leiblichkeit ; … Empfindung] Er : Natürlichkeit , die innerliche Empfi ndung muß so Leiblichkeit ; darum … werden .] Wl : Natürlichkeit , Leiblichkeit . Inneres muß ve r l e i b l i c h t werden zu i n n r e r E m p f i n d u n g . 3–6 diese Verleiblichung … bemerken .] Er : dies Verleiblichen ist nun zu beachten . Es ist in der Anmerkung von einer psychischen Physiologie die Rede welche die Form des Verleiblichen wodurch es erst Empfi ndung wird nachweise . 4–5 Umstand . (Anmerkung … Über] Wl : Umstand , ein Umstand der bei alle dem , was wir Empfindung heißen , zum Vorschein kommt ; – Es ist in Anmerkung von einer psychischen Fisiologie die Rede , die betrachtet 5–6 Empfindung ist … bemerken .] Wl : Empfindung , und die Form der Verleiblichung der innren Empfindung , wodurch sie erst solche wird , nachweise . da ist 1 .) Über Kreis der innren Empfindung . 6 Recht , Unrecht , … etc ;] Wl : Recht p Liebe . Recht , Unrecht , Rache ,] Er : Haß , 6–8 das macht … aufstellt .] Er : diese Bestimmtheiten machen den Inhalt . Man könnte nun das System der innern Empfi ndungen verlangen . 7–8 die I n h a l t e … Der] Wl : Inhalt der inneren Empfindung . Die Empfindungen müssen ihrem Inhalt nach durchgegangen werden , und man könnte ein System der innren Empfindung verlangen . Aber der 9 aber kommt] Wl : kommt 9–11 das Recht , … mache .] Er : Recht , Sittlichkeit , Liebe ist ein Geistiges . Neid Haß , kommt von der Vorstellung her . 9 das Recht , die] Wl : Recht hat Sitz nur im Geist , wie auch 10 ist im … Geistes .] Wl : nur Sitz im Geist . der 11 den Verhältnissen … Individuums] Wl : einem Individuum 12 Empfindungen] Wl : inneren Empfindung 12–14 bei den … Seite] Wl : Im weitren Verfolg wird dieselbe Bemerkung bei Neigungen wiederholt werden . | Gefühl des Rechts p ist seinem Inhalte nach im Recht , in Lehre vom Recht zu betrachten . wie der Inhalt wahrhaft ist , ist zu betrachten beim objectiven Geist System des Inhalts ist also System des Geistigen überhaupt . Das lassen wir hier zunächst 12–13 bei den … wiederholen .] Er : Im weiteren Verfolg wird sich dasselbe bei den Neigungen zeigen , wie der Inhalt wahrhaft ist ist zu betrachten beim objectiven Geist . 14 Aber] Wl : Das andere ist , daß

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13 wiederholen .] folgt gestr : d Gfühl d . Rchts etc ist in sofrn s . Ihalt whr ist , in 28 ein System … Aber am linken Rande mit Einfügungszeichen 34–35 wie der … Geist am rechten Rande mit Verweis- 40 zeichen ; folgt im Text gestr : Inhlt ist Obj .

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In der Empfindung haben wir noch unge theilt die Unmittelbarkeit der Seele ; eine Psychologie würde also das System der Verleiblichung der innren bestimmtheiten sein , wodurch sie Empfindungen sind . | Solches Verleiblichen der Empfindung kommt z . b . im Zorn , Schaam etc . vor ; ebenso im Lachen und Weinen . Von diesem unmittelbaren Verleiblichen ist eine andre Weise der Verleiblichung zu unterscheiden z . b . Gebärde ist auch eine Verleiblichung der Empfindung ; ebenso die Miene ; die den Übergang macht von dieser unmittelbaren Verleiblichung von der hier die Rede ist , zur Gebärde . (der beginn einer Thätigkeit) die Verleiblichung von der wir hier reden ist die ganz unmittelbare physiologische ; sie ist ein bewußtloses , Unwillkührliches ; sie hat in dieser Unfreiwilligkeit : in den Eingeweiden im lymphatischen System ihren Sitz . Die Extremitäten sind nach außen gerichtet , sind die Werkzeuge der Thätigkeiten ; aber diese Verleiblichung ist in den innren Organen ; und da müßte die psychologische Physiologie angeben : wie die Empfindungen mit diesen zusammenhängen . Der Zorn ist der Ausbruch meines Selbstgefühls gegen die Verletzung ; der Neid ist auch bewußtsein , einer vorgestellten Verletzung , einer eingebildeten , es ist bloß Wunsch , Verlangen . Den Muth verlegen wir in die brust ;

1–2 haben wir … Psychologie] Wl : ist noch Unmittelbarkeit , Leiblichkeit . Sofern etwas empfunden wird , ist es leibliche Weise . – Eine psychische Fisiologie 1–4 ungetheilt die … im 2 ] Er : die Unmittelbare Leiblichkeit , in sofern so etwas nur emp|funden wird muß es verleiblicht werden . Eine psychische Physiologie wäre so nun das System der Verleiblichung dieses innern Inhalts . Solche Verleiblichung kommt nun vor : Zorn , Schaam , 3 Solches] Wl : Hier kann denn also nur Einiges angeführt werden . – / Solches 5–8 ist eine … Thätigkeit)] Er : sind andre Weisen zu unterscheiden , Gebehrde , Miene sind auch solche Verleiblichung der innren Empfi ndung . Gebehrde ist ein Zeichen das den Beginn einer Thätigkeit ausdrückt . 6 ebenso] Wl : und 7 Miene ; die] Wl : Miene , die zu Gebährden schon gerechnet wird , oder , da sie 7–10 dieser unmittelbaren … Eingeweiden] Wl : unmittelbarer Verleiblichung zur Gebährde , die ein Zeichen ist , das den Beginn einer Thätigkeit ausdrückt , die mit Bewußtsein p vermischt ist . – Die unmittelbare Verleiblichung aber ist hier . Die Fisiologie kann da nicht große Fortschritte machen . Diese Verleiblichung ist ein bewußtloses Unwillkührliches ; ist nicht ein Thätiges (Thätigkeit tritt mehr in Gebährde) sie hat in ihrer Bewußtlosigkeit ihren Sitz . – Sie hat vornehmlich in dem , was Eingeweide genannt werden kann und 8–9 von der … physiologische ;] Er : die wir hier haben ist die ganz unmittelbare ; – 10 in dieser … Eingeweiden] Er : so vornehmlich in dem was Eingeweide genannt werden kann und 11 ihren] Er : seinen 11–14 Die Extremitäten … zusammenhängen .] ErWl : Früher ist [der Unterschied des animalischen und organischen Lebens angegeben .] Wl : diese Unterscheidung angegeben bei animalischem und organischem Leben . Sinneswerkzeuge nach außen gerichtet . Unmittelbare Verleiblichung ist im organischen Leben .] Hier hätte nun die Psychische Physiologie anzugeben die psychische Bedeutung der Organe z . B . der Leber . 15–668,1 der Neid … Herz .] Er : Neid ist der Wunsch daß das Hervorragende herabgesetzt werde , (die Nemesis) bewußtsein , einer … Schaam] Wl : Bewußtsein einer Verletzung , aber mehr einer vorgestellten , daß ein anderer Vorzüge hat . – Neid , νεμεσις der Alten , der Wille , daß das Hohe , Hervorragende herabgesetzt werde . – Bei Muth , – Zorn 35 und organischem mit Verweiszeichen am rechten Rande

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der Mensch hat Herz . beim Zorn und bei der Schaam wird der Mensch roth . Das Herz ist das Centrum der Irritabilität und das ist das Gehen nach Außen die Richtung auf die Außenwelt ; Zorn Muth ist aus dem Herzen hervorgehend , in welchem sich diese bestimmtheiten verleiblichen . Die Galle ist das innre Feuer der Zorn des Organismus gegen die Speise , der sich daraus nährt : das ist der physiologische Zorn , der mit der Ergießung der Galle verbunden ist und mit dem Hervortreten der Röthe bis auf die brust ; die Schaam ist auch solch ein Unwille über sich , so zu erscheinen in der Vorstellung andrer ; man wird oft schaam roth über einen falschen Verdacht ; das ist nichts als ein Unwille . Dagegen die Angst ist das Zurücktreten des bluts in die Extremitäten ; man schwitzt aber kalt und wird bleich und zittert ; vor Angst sind manchen Menschen die Haare grau geworden in einer Nacht , da sind die Lebenssäfte aus dem Haar zurück getreten . (Maria Antoinette von Frankreich) Die Haare richten sich auch in die Höhe , was ich aber noch nie gesehen . Über das We i ne n und L a che n weiß die Physiologie auch nicht viel zu sagen . beiden liegt die Empfindung eines Widerspruchs zu Grunde eine Verletzung des Lebensgefühls : man

den 4ten December .Er

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1 und bei … wird ] Er : wird roth . Das] ErWl : roth , denn die Brust , das 2–4 und das … verleiblichen .] ErWl : [und ] Wl : (wie Gehirn Centrum der Sensibilität) . –] diese ist eben das Getriebenseyn nach Außen , Richtung nach Außen , – da ist nun bei Zorn , Muth besonders das [ Herz , das Blut , was in Bewegung gebracht wird] Wl : Herz das das Blut in Bewegung bringt ,] worin sich diese innerlichen Empfi ndungen verleiblichen . 4–9 Die Galle … das] Wl : Zorn verleiblicht sich im Blut , das ins Gesicht steigt . – Galle ist fysiologischer Zorn , der aus der Leber sich ergießt , und Vertreiben des Bluts in Extremitäten . Schaam ist auch Hervortreten des Bluts in Gesicht und Brust ; – auch ein Beginn des Zorns im Unwillen über sich . Man schämt sich über Handlungen , über auch ganz falschen Verdacht . Unwillen in solchem Licht vor anderen zu erscheinen . Hingegen mit Angst ist verbunden 4–6 Die Galle … der1] Er : Zorn ist 6–9 ist und … ist 2 ] Er : und mit Hervortreten des Bluts in die Extremitäten . Schaam ist auch ein Zorn , – Unwillen über das Erscheinen in einer gewissen Art . Mit der Angst hingegen ist verbunden 9–13 in die … Über] Er : aus den Extremitäten . Schreck hat die Haare grau gemacht . Das Emporsträuben der Haare gehört auch hierher – dann 9–10 in die … Angst] Wl : aus Extremitäten , schwitzt kalt , Zähneklappern (Symptome des Frosts Fiebers) . Vor Angst , Schreck 11–13 geworden in … gesehen .] Wl : worden . Zurückziehen des Lebens aus Extremitäten . Das geschah z . B . Marie Antoinette . Emporsträuben der Haare beim Schreck , Verwundern p das sind besondre Weisen der Verleiblichung der innren Bestimmtheiten . 14 weiß] Er : worüber auch nicht viel] Wl : noch nichts sagen . beiden liegt] Er : sagen weiß . Es sind Äußerungen , denen beiden 15–669,6 Grunde eine … ist] Er : grunde liegt . Beim Weinen ist mein Selbst , Lebensgefühl verletzt ich empfi nde seine Negativität – das ist der Widerspruch . / | Verlust einer zu meiner Totalität gehörigen Person pp da sagt man mit Recht daß Thränen erleichtern , es ist eine Krisis wo die innere Bestimmtheit zur Empfi ndung wird und sich bis zu Thränen äußert . der Zusammenhang ist schwer anzugeben . Thränen sind 15–669,3 Grunde eine … Menschen] Wl : Grunde : Mein Lebensgefühl ist verletzt , ich empfi nde Negativität meiner Lebendigkeit , also Widerspruch , – Unglück p und weine . | Beim inneren Schmerz , Verlust von Personen , die zu meiner Totalität , meinem Selbstgefühl gehören , ist dem Menschen die Thräne von Natur 11 da] ds

17–20 diese ist … verleiblichen . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande

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empfindet die Negativität seiner Lebendigkeit im äußerlichen Schmerz ; dann aber auch im inneren Seelenschmerz über den Tod des Menschen , die zu einer Totalität zu einem Selbstgefühl gehören . Die Thränen sind dem Menschen zur Erleichterung | gegeben ; es ist eine kritische Äußrung der Empfindung , der physiologische Zusammenhang daß sich der Schmerz äußert im Auge , das voll Wasser wird , das ist schwer anzugeben . Man vergießt Thränen , das ist die eine Weise der Erscheinung ; es setzt sich dabei auch mehr Schleim in der Nase ab ; Menschen die gerührt werden wollen schneuzen oft , das ist ein beginn des Weinens . Zu dem System der Eingeweide , wodurch die Empfindungen kommen , gehört auch das Drüsen system in der Nase ; da ist der Zusammenhang im Allgemeinen zu suchen ; genau läßt er sich nicht angeben . Es ist mit dem Schmerz auch die bedrängung der brust verbunden , die wieder erleichtert wird durch den Fluß der Thränen ; ist der Schmerz inwendig concentrirt , daß er nicht zu Thränen kommen kann , so ist er noch stärker ; es können daraus heftige Krankheiten , und Tod erfolgen . Die Alten haben daher bei den Leichen Klage weiber angestellt , um den Leidtragenden diesen Schmerz äußerlich vorzustellen . In neuren Zeiten ist das Condoliren nicht mehr so äußerlich . Wir weinen den Leuten nichts vor ; indeß sprechen wir von dem Verlust und das bringt den Schmerz vor die Vorstellung und dadurch wird er schon erleichtert ; ebenso wenn einer Gedichte über

20 20 4 es ist eine] Wl : Eine Krisis , wodurch die innerliche Bestimmtheit des Widerspruchs leiblich wird ,

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Empfindung wird , bis zur Thräne fortgeht , – 4–6 der Empfindung , … eine] Wl : des fi siologischen Zusammenhangs , daß innrer Schmerz sich äußert mit Ergießen des Wassers , – ist schwer aufzufi nden . Es ist die Thräne die eine (nicht vollständige) 7 setzt sich … mehr] Wl : sondert sich setzt sich … auch] Er : sondert sich 7–9 ab ; Menschen … kommen ,] Er : ab der Schmerz wird da gleichsam zu Wasser . – diese Verleiblichung findet besonders in den Eingeweiden und zu diesen 7–8 ab ; Menschen … Weinens .] Wl : ab , und man schnaupt sich oft ohne gerade zu weinen beginnt zu weinen . – 9 Eingeweide , wodurch … kommen ,] Wl : Eingeweide 9–13 Drüsen system … Thränen ;] ErWl : [drüsensystem , da ist der Zusammenhang .] Wl : drüsensystem , das mit Nase und den Organen , die zum Thränenkanal die Thränen führen , in Zusammenhang sind .] die Thränen erleichtern , [indem die Empfi ndung diese Äußerlichkeit gewinnt , hört die Oppression der Brust auf .] Wl : es ist Krisis , es ist ein heraus , Empfindung gewinnt Äußerlichkeit und die Brust ist erleichtert , die beim Schmerz beengt wurde .] 14 zu Thränen … so] Wl : zur Thräne kommt , 14– 670,2 es können … erzählt[ .]] Er : kann Krankheiten , Tod hervorbringen , durch die Thränen ist der Schmerz heraus . damit hängen die Klageweiber der Alten zusammen , das Condoliren ist eine große Beschwerde gewesen , aber diese Wiederholung des Verlusts hat ihn so oft vor die äußerliche Vorstellung gebracht und schon dies ist eine Erleichterung . das Aussprechen des Schmerzes , daß man z . b . es im Gedicht ausspricht , ist eine Erleichterung . – 14–15 daraus heftige … und ] Wl : sonst gefährliche Symptome , Krankheit , 15–16 Die Alten … angestellt ,] Wl : Es hängt damit zusammen , daß die Alten bei Leichen Klage-weiber hatten , 16–19 vorzustellen . In … einer] Wl : vorzustellen , ein Bild des Schmerzes zu geben . – So auch das Condoliren . / Diese beständige Wiederholung , von Verlust zu sprechen , hat Innerlichkeit des Schmerzes vor Vorstellung gebracht , und das ist selbst schon Verleiblichung , Erleichterung , hat auch Thränen erregt und also mehr noch erleichtert . – So

27r Sg

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seinen Schmerz machen kann , so hat das mit dem Schmerz nicht mehr so viel zu sagen . So hat Göthe es immer gemacht , wie er in seinem Leben erzählt[ .] Das L a che n ist das Andre zum Weinen , das hat auch viele Gradationen vom rohen Lachen bis zum Lächeln mit einer Thräne im Auge . Das Lachen kann auch bis zu Thränen gehen ; es ist ein Ausdruck der Freude . Wie beim Schmerz die brust bewegt ist , so wird beim Lachen gerade die Luft ausgestoßen . Das Lachen wird auch veranlaßt durch einen Widerspruch ; eine Handlung die unmittelbar das Gegentheil von dem hervorbringt das sie beabsichtigt ist lächerlich ; aber der Widerspruch muß nicht innerlich interessiren , sonst macht er Schmerz – das Lachen ist mehr äußerlich ; es ist eine Sprache , aber die nicht zum artikuliren kommt , sondern sich das Articuliren selbst verdirbt . Der physiologische Anfang des Lachens | läßt sich nicht genau angeben ; so das Sich räuspern und das Kratzen hinterm Ohr , wenn man verlegen ist ; es kann sein , daß es einen da in der That beißt , dem man durch Kratzen abhelfen will . – Das sind also die Momente die bei der Empfindung in betracht kommen . |

1–2 seinen Schmerz … erzählt[ .]] Wl : Schmerz zu machen ist Erleichterung . – Göthe z . B . hat in Verlegenheiten des Lebens , im Kummer , sich einen Roman , Gedicht daraus zu machen , sich äußerlich vorzustellen und vom Herzen wegzubringen gesucht . 3 zum Weinen , … viele] Wl : vom Weinen . Characteristischer noch als Weinen . Viele 4 Auge .] ErWl : Auge , – [und der] Wl : in Fadheit und Frechheit und Schönheit kann sich das zeigen . –] Unterschied des Gemüths [zeigt sich in] Wl : überhaupt zeigt sich auch bei] diesen Modificationen . 5–6 gehen ; es … ausgestoßen .] Er : gehen , so wie man oft bei Freude weint . Wie man bei Weinen Luft gewinnen will , so ists beim Lachen das Umgekehrte . Wl : fortgehen , wie man bei großer Freude auch bis zur Thräne gerührt werden kann . Wie beim Schmerz die Brust beengt ist , und Luft zu gewinnen sucht , – so läßt Lachen Luft aus , stößt sie aus . 6 wird 2 ] Er : ist 7 einen] Er : den eine Handlung] Wl : In Verhältnissen , Vorstellungen ereignet sich etwas , wodurch sich Sache unmittelbar auflöst , Handlungen , 8 beabsichtigt ist] Wl : beabsichtigen , – sind aber der Widerspruch] Er : der Gegenstand der dabei ist Wl : Thoren z . B . bei Aristofanes haben große Absichten mit Staat und bringen Gegentheil hervor . Gegenstand der beim Lachen berührt wird , 9 interessiren , sonst … Schmerz –] Wl : interessiren . mehr äußerlich bloß in Vorstellung liegen . sonst macht … Schmerz –] Er : muß mehr äußerlich seyn . 10–11 äußerlich ; es … sondern] Wl : äußerlich als Schmerz , hängt mit Sprache zusammen , nicht articulirt , ein Schall , der 10 äußerlich ; es … die] Er : äußerlich als das Weinen ; es hängt mit der Sprache zusammen , ist ein Schallen das 11 sondern sich … Articuliren] Er : es sich 11–671,1 Der physiologische … gesehen ,] Er : die physiologische Unter su|chung ist nicht leicht , so wie auch beim Aechzen , Stöhnen und dergleichen . / dies ist also die Verleiblichung der inneren Bestimmtheit welche aber um Empfi ndung zu seyn , leiblich sich setzen muß . Bloße Leiblichkeit ist nicht Empfi ndung , muß sich erinnern und umgekehrt das bloß Innerliche sich verleiblichen . / Wir haben das Empfi nden betrachtet . der Empfi ndungen 12 läßt sich … so] Wl : | ist nicht so genau zu sagen ; 12–14 und das … will . –] Wl : ist zum Theil freiwillig , zum Theil nicht freiwillig . – / daß also innre Bestimmtheit Empfindung sei , muß so sich leiblich setzen . / 10–11 es ist … verdirbt .] nachträglich mit Bleistift unterstrichen .

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der Empfindungen , haben wir gesehen , sind vielerlei . Der Hauptunterschied ist : das ä u ß e r l i c h e und das i n n r e E m pf i n d e n . Die Empfindungen als solche sind eigentlich vorüber gehende bestimmungen , Veränderungen im unmittelbaren Sein aber auch gesetzt im Für sich sein der Seele . Aber die empfindende Seele ist wesentlich in s i c h r e f le c t i r t e To t a l it ä t . Und in dieser bestimmung :

2 . d i e S e ele a l s To t a l it ä t d e r E m pf i n d u n g : d i e Tr ä u m e n d e S e e l e

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27v Sg ; § 402 Sg

die Seele 1 . , Die natürliche 2 . die träumende 3 . die wirklich empfindende Sg

haben wir die Seele nun zu betrachten . Also die empfindende Seele das subject als empfindend – das Ziel ist : daß sie sich in besitz nimmt , ihrer selbst mächtig wird . Als empfindend ist die Seele zwar Totalität , aber ist noch nicht ihrer mächtig , noch nicht für sich . Sie geht auf das bewußtsein erst los ; ist noch eine leibnitzi-

1 der Empfindungen , … gesehen ,] Wl : Äußerliche Empfindung als solche , Empfindung die bei Äußerlichem anfängt und innerlich wird , innre Bestimmtheit die sich verleiblicht , innre Empfindung . – / Ue b e r g a n g z u m we i t r e n F o r t g e h e n : Wir haben das Empfinden überhaupt betrachtet . der Empfindungen 1–2 Der Hauptunterschied … E m p f i n d e n .] Er : Das Empfi nden ist ein Einzelnes . Wl : Hauptunterschiede hatten wir in äußre und innre . Jede von diesen hat viele Arten . 3–9 eigentlich vorüber … sie] Er : 1zeln , vorübergehend , sind Veränderungen der Unmittelbarkeit pp das Weitre ist daß die Seele ist empfi ndende Totalität , die Seele ist Subject des Empfi ndens , empfi ndende Totalität , Totalität des Empfi ndens . dies ist die träumende Seele , die Seele in ihr Empfi nden eingeschränkt aber dies Empfinden ist ihr Ganzes . – Zunächst ist zu bemerken der weitre Fortgang , das Ziel . dies ist daß die empfi ndende Totalität 3 eigentlich] Wl : zunächst e i n z e l n , 3–4 im unmittelbaren … im] Wl : in ihrer Substantialität gesetzt in dem mit derselben identischen 4–7 empfindende Seele … S e e l e ] Wl : Wahrheit des Einzelnen und Vorübergehenden ist das Allgemeine ; diese Verschiedenheit der Empfi ndung nimmt sich zusammen zur Totalität , ist Subject der Seele ; die empfindende Seele ist in sich reflectirte Totalität des Empfi ndens , – Empfi nden der totalen S u b s t a n t i a l i t ä t , die sie an sich ist . – So als Totalität des Empfindens 8–9 Also die … das] Wl : Das ist die t r ä u m e n d e S e e l e genannt : Seele in Empfindung eingeschränkt , aber das Empfinden ist ihr Ganzes . – / 1 .) Subject des Empfindens , Totalität des Empfindens , – einfache Idealität , Subjectivität des Empfindens . / 2 .) 9 sie] Wl : das Individuum als diese empfindende Subjectivität sich s e t z t , 10 wird . Als … zwar] Wl : wird , die Macht ihrer selbst für sich wird . – / Als Empfinden ist’s aber ist … mächtig ,] Er : ist aber noch zufällige Totalität , 10–672,4 mächtig , noch … unfreie ,] Wl : mächtig . Eine zufällige Totalität . Empfindende Totalität ist noch nicht für sich . – / Standpunct / Empfindende Totalität , das Ganze was ich bin ; leibliche Monade , – wo sich in mich dieß und jenes setzt , ich noch identisch bin mit diesen meinen Bestimmungen . – die Seele ist Spielball dieser Verändrungen – ; in ihr entwickeln sich diese Verändrungen nach Vorstellung der Monade , oder nach der Stellung , daß von außen dieses oder jenes darin gesetzt wird . / 11–672,1 Sie geht … nur] Er : der Standpunkt dem die empfi ndende Totalität zugeht ist das Bewußtseyn . – die Seele ist nur noch

35 28–29 einfache Idealität ,

… Empfindens . mit Einfügungszeichen über der Zeile und am rechten Rande

§ 402 .Wl

b . Die träumende Seele § 403 .Er

§ 403 .Wl

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sche Monade , eine Moluske , das Weiche , Aufgelöste in Empfindungen , nur der Spielball ihrer Veränderungen ; diese Veränderungen können sich in ihr entwickeln (auf dem Standpunkt der Monade) oder sie werden von außen in mich hineingesetzt ; kurz sie ist eine unfreie , zufällige Erfüllung . Aber von dieser Erfüllung soll sie frei werden , d . h . so daß sie erfüllt bleibt aber daß das Ich die Herrschaft darüber hat . Das Subject soll sich in der Totalität seiner Empfindungen in besitz nehmen ; daß es weiß , daß etwas in ihm ist , dadurch hat es sich noch nicht in besitz ; z . b . Kranke reden oft Sprachen , die sie gar nicht verstehen : so jener bauerknabe , der in seinem Alter hat lateinisch gesprochen , was er von des Pfarrers Sohn früher bloß gehört . Das Alles ist im Menschen , aber er weiß es nicht kann es sich nicht zur Vorstellung bringen . So erinnert man sich in Krankheitszuständen Dinge , die einem sonst gar nicht präsent sind aus früher Kindheit . Daß nun die Seele zu dieser | Macht über sich kommt , darum fängt sie an sich zu unterscheiden , sich zu differenziren sein Ich als das , was Ich bin , zu bestimmen ; denn das Ich ist das Ziel . Wenn wir sagen

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2–4 ihrer Veränderungen ; … unfreie ,] Er : der Veränderungen in ihr wie der Monade entwickeln sie sich , oder man mag sie als von außen kommend nehmen , kurz ich bin eine 4–6 Aber von … Empfindungen] Er : daß das Subject rein einfach für sich wird , unterschieden von der Erfüllung , die Herrschaft darüber , – das ist das Ziel , daß das Subject den Reichthum seiner Totalität 4–5 Aber von … bleibt] Wl : Um Freiheit ist es zu thun , daß dieß empfindende Subject frei wird , unterschieden von seiner Erfüllung . Es bleibt empfindend 6 soll] Wl : muß seiner Empfindungen] Wl : seines Empfindens 6–10 nehmen ; daß … zur] Er : nimmt . daß wir etwas sind , etwas in uns ist dadurch ist es noch nicht in unserm Besitz z . b . in Krankheiten weiß der Mensch fremde Sprachen zu sprechen pp die er längst vergessen . daß wir dessen mächtig sind müssen wir es aus diesem Schacht der wir sind , vor unser Bewußtseyn , unsre 6–8 daß es … oft] Wl : In Anmerkung davon die Rede : was ich bin und was ich in Besitz nehme . – In Krankheiten spricht ein Mensch fremde 8–9 sie gar … gehört .] Wl : er im gesunden Zustand nicht weiß ; und Dinge erzählen kann , wovon er im gesunden Bewußtsein gar nichts weiß . Sprache lernte er jung , hatte sie ganz vergessen . – Man weiß Umstände aus Kindheit . 10 im Menschen , … nicht 2 ] Wl : in uns , aber wir sind dessen nicht mächtig . Dazu müssen wir’s aus diesem innren Schacht , der wir sind , vor unser Bewußtsein , durch unsren Willen vor uns 11–12 So erinnert … Kindheit .] ErWl : [der Mensch ist] Wl : So Individuum Subject als] empfi ndende Totalität aber noch nicht die Macht [darüber .] Wl : über diese Totalität .] 12–13 über sich … darum] Er : komme dazu 13 darum fängt] Wl : fängt 13–14 unterscheiden , sich … bin ,] Er : differenziren , sich 13 unterscheiden ,] Wl : bestimmen , zu unterscheiden , 13–673,3 differenziren sein … die] Wl : differenziren . Ich , das was ich bin . | Ich , jedes Individuum ist eine Welt von Bestimmtheiten , über deren Einheit wir Macht haben ; und wenn wir’s vergessen Macht nicht haben . / 2e r lei 1 .) wir Substanzialität . 2 .) wir die mächtig über uns . / Ziel ist diese Macht , Freiheit über uns : Ist also ein Verhältniß eine Theilung darin enthalten und Fortgang dieser Totalität ist Weg dieses Theilens , dieser 14–673,3 sagen wir … Persönlichkeit .] Er : etwas vergessen haben , so sind wir zweierlei , das Eine was wir an uns sind , und das andre das Bewußtseyn diese Macht über uns . Es ist so eine Theilung vorhanden , und der Fortgang der Totalität ist eben dies sich theilen . die empfi ndende Totalität ist zunächst nur Eine . 40–41 die empfi ndende … Eine . am linken Rande

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wir haben etwas vergessen , so heißt das nicht wir haben es nicht in uns , sondern nur die Macht nicht darüber . Der Fortgang von dieser empfindenden Totalität ist nun der Weg der Theilung , die Verdoppelung der Persönlichkeit . Wir kommen also in das Feld der Ve r d o pp e lu n g d e r Pe r s ön l i c h k e i t , und der an sich seienden Person . die Seele ist an sich die Totalität der Natur ; als individuell ist sie Monade , ist ausschließend , den Unterschied in sich setzend . Was sie in sich unterscheidet ist das Ur theil | ihrer selbst über sich selbst ; sie ist Subject , und ihr Object ist ihre Substanz , das ist der individuelle Inhalt der Seele . – Also die Seele ist hier sich bestimmend , sich von sich selbst in sich unterscheidend . dies Kapitel der Anthropologie ist das schwerste , weil es hier sehr dunkel ist . Die Stufen der bestimmung haben wir nun zuerst ganz in ihrer unmittelbaren bedeutung zu betrachten ; aber dann können sie zugleich auch Zustände sein des besonnenen freien Geistes , so fern sie Zustände des besonnenen bewußten Geistes sind , sind es Krankheiten deren wir 2 haben :

Anmerkung (§ 404) Sg 28r Sg

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… der 1] Wl : Empfindende Totalität ist nur eine , sie bestimmt sich in 4–5 und der … Person .] Wl : der an sich seienden Person und des mächtig werdenden , freien Subjectes , – 4 und ] Er : dann 5 Person .] Er : Person und dann des freien Subjects . / cf . Anmerkung – 5–6 an sich … den] Er : den 5 die 2 ] Wl : Idee individuell] Wl : individuelle Seele 6 ist ausschließend ,] Wl : die gesetzte Totalität ihrer b e s o n d e r n Welt , so daß diese in sie eingeschlossen , ihre Erfüllung ist , gegen die sie sich nur zu sich selbst verhält . / Die Seele ist als i n d i v i d u e l l e a u s s c h l i e ß e n d überhaupt , setzend . Was … in] Er : setzend und das was sie von 6–7 Was sie … und ] Wl : das von ihr unterschieden werdende ist noch nicht ein äußeres Object wie im Bewußtsein , sondern es ist sie selbst als empfi ndende Totalität ihrem Für-sich-sein gegenüber . die Seele ist in diesem Ur theile Subject , 7 das Ur theil … selbst ;] Er : zunächst nicht Object sondern daß sie sich urtheilt , 8–9 das ist … unterscheidend .] Er : ihr ganzer Inhalt das i s t sie . Es ist also die empfi ndende Seele , als solche ist sie bestimmen daß die Seele in ihr selber sich von ihr unterscheidet . – Wl : welche zugleich ihr Prädikat ist . Diese Substanz ist nicht der Inhalt ihres Naturlebens , sondern als Inhalt der individuellen Seele , wie er in der Empfi ndung ist , da solche zugleich b e s o n d r e ist , ist er ihre besondere Welt , aber in so fern diese auf implicite Weise in der Idealität des Subjects eingeschlossen ist . Die empfindende Seele als Individuum ist bestimmmt , d . h . daß sich die Seele von sich unterscheidet . / 10 weil es … ist .] Wl : denn es ist Sfäre der empfindenden Seele , das Verhalten der empfindenden Seele in und zu sich selbst . – hier sehr … ist .] Er : das dunkelste ist . bestimmung] Wl : Bestimmtheit 11 nun zuerst ganz] Wl : nach ein ander zu betrachten . Zunächst zuerst ganz] Er : zunächst unbefangen 11–12 bedeutung zu … zugleich] Wl : Bedeutung , unbefangen ; aber das andere ist , daß diese Stufen 12 können sie … sein] Er : daß diese Stufen auch Zustände seyn können 12–14 des besonnenen … haben :] Wl : können , Form von Zuständen des besonnenen freien bewußten Geistes annehmen können . Als Zustände des freien bewußten Geistes sind sie Krankheiten . Hierher fallen also Krankheiten der Seele besonders die beiden Formen : Geistes , so … haben :] Er : bewußten Geistes . da ist er krank , ist zurückgesetzt auf die Stufe der empfi ndenden Seele . die eine dieser Krankheiten ist

15 3–4 Wir kommen

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13 bewußten] bewußts ist di Substz

24 Subject ,] davor am Rande gestr : Urthl = empfdde Ttltt S . ist Subj , Obj

§ 404 .Er

§ 404Wl

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A . § 405 die passive Totalität der Individualität B Das Selbst gefühl C . Die Gewohnheit. 3 . die wirkliche SeeleSg

§ 405 αEr

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d e r S o m n a m bu l i s mu s natürlich oder unmittelbar und das 2t e d ie Ve r r ü c k t h e i t . Mit dieser haben wir es hier zu thun[ .] § 4 0 5 A , d i e p a s s i v e To t a l it ä t , d i e e m p f i n d e n d e To t a l it ä t . diese empfindende Totalität ist z u g l e i c h u n m it t e l ba r : Wir können dies den G e n iu s eines Menschen nennen , der seine bewußtlos präsente Totalität in sich hat ; er selbst ist sein Genius aber er unterscheidet sich auch von diesem durch seine bewußten Zwecke und Vorsätze ; aber sein Genius bewacht und warnt ihn ; diese Form der Seele (empfindende Totalität) also = Genius . d ie I n d i v id u a l it ä t a l s To t a l it ä t ist zwar ein monadisches Individuum aber , 1 . u n m it t e l b a r , wie schon gesagt , noch nicht als e s s e l b s t , nicht in sich reflektirt und darum passiv . In dieser empfindenden Totalität ist alles was zum Sein des Individuums gehört enthalten[ .] Das Kind im Mutterleibe hat die Anlage des Menschen ; es ist schon ein Mensch aber nur ein Mensch an sich , noch nicht selbstständig , es ist noch ein Glied seiner Mutter ; diese geht psychisch durch dasselbe hindurch ; es ist selbst nur ein Moment

1 natürlich oder … d i e ] Wl : (unmittelbar durch natürliche oder durch animalischen Magnetismus hervorgebracht .) – und natürlich oder … das] Er : und die 2–11 Mit dieser … In] ErWl : die erste Weise der Bestimmtheit dieser Totalität [ist die] Wl : heißt /] passive Totalität der Individualität . / [ Die empfi ndende Totalität ist erst unmittelbar , scheint nicht bestimmt] Wl : Wir haben empfindende Totalität , die zunächst unmittelbar ist , empfindend überhaupt . Sie scheint zunächst unbestimmt ,] aber dies macht ihre Schwäche [aus ,] Wl : aus . Freiheit des Geistes ist für sich zu sein ; hingegen empfindende Totalität ist] durch diese bestimmungslosigkeit [ist sie aber in der] Wl : in höchster Bestimmtheit , in] Bestimmtheit der [ Unmittelbarkeit .] Wl : Unmittelbarkeit der Natürlichkeit .] das | ist die logische [ Bestimmtheit und wird der] Wl : Bestimmtheit . – Der] Vorstellung näher gebracht durch [den Ausdruck Genius . |] Wl : Ausdruck : Genius des Menschen .] Jeder Mensch [ist sein Genius unterscheidet sich aber von ihm dadurch daß er bewußt ist , sein Genius d . h . seine ganze bewußtlose Totalität in der Weise des Empfi ndens kann ihn warnen . So können wir hier sagen : die Seele als Genius des Menschen . / dieses] Wl : hat Genius , der bewußtlose Empfindung ist . Er unterscheidet sich von seinem Genius . Sein Genius kann ihn warnen , bewacht ihn . Was er will , widerspricht seiner ganzen bewußtlosen Totalität , die nicht unwirksam ist . – So können wir diese Form der Seele , empfindende Totalität Genius des Menschen nennen . – / Seele ist empfindend und alles ist in der Empfindung und das] Ganze was [die Seele ist , ist als empfi ndend .] Wl : sie ist ist als Empfindung . Das ist der Standpunct . –] diese Totalität ist zunächst [ Passivität , die Bestimmtheit . Das Wesentliche ist daß in] Wl : passiv . Passivität derselben überhaupt – Bestimmtheit . Die bestimmte Totalität oder Genius . das wesentliche : daß in] 11–13 ist alles … ein] Er : alle Bestimmtheiten enthalten , eingehüllt sind . die Hauptweisen die hier her gehören , sind : / das Erste ist das K i n d i m M u t t e r l e i b e . Es ist 11 ist alles] Wl : alles 12–13 enthalten[ .] Das] Wl : enthalten ist in dieser Totalität . – Bestimmter : die Hauptweisen , die hier auf diese Stufe gehören : / 1 .) das 13–14 schon ein … sich ,] Wl : Mensch an sich ; ist das 14 selbstständig , es … noch] Wl : selbstständige ; wie 14–15 es ist … diese] Er : sondern ist wie ein Glied der Mutter , die Mutter 15 diese geht] Wl : Mutter geht , so zu sagen , nur ein] Er : ein 4 u n m i t t e l b a r :] folgt gestr : ab . auch zugl . natürl

5 seine] in sich s .

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seiner Mutter . dieses Kind ist freilich besondres in der Mutter , aber diese besonderheit und Selbstständigkeit hat hier noch keinen Sinn ; es ist das Kind nur ein Attribut der Mutter . Die Eltern überhaupt also constituiren schon diese Momente im Akt der Erzeugung , daß die Kinder den Eltern in körperlichen Dispositionen oft gleich werden , diese Mitthei lung der Eltern an die Kinder geschieht auf diese ganz unmittelbare Weise in dieser Sphäre der Totalität . der Nabelstrang und der Mutterkuchen ist die äußerliche Vermittlung zwischen beiden , aber wesentlicher ist die Einheit der Lebendigkeit mit der Mutter ; die Einheit des Wesens ist die Lebendigkeit ; diese substantielle Einheit ist also das Grundverhältniß . Auf dieses geht man immer los , wenn man auf das Erklären ausgeht durch solche Mittelglieder . Die bestimmungen die in der Mutter sind , sind auch im Kinde ; daher die Mutter mäler , die manche freilich auch läugnen , obgleich die Physiologen und Ärzte nichts läugnen sollten , was in der Erfahrung liegt , | denn sie verläugnen damit das

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1 seiner] Wl : in

1–5 dieses Kind … werden ,] ErWl : [ Es hat keine wahre Selbstständigkeit ,] Wl :

15 Seine Selbstständigkeit hat weder nach Lebendigkeit eine Wahrheit , Wirklichkeit noch nach seiner

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Bestimmung Geist zu sein , einen Sinn ; sondern] es ist nur so zu sagen ein [Attribut der Mutter .] Wl : Attribut .] dies unmittelbare Verhältniß ist vorhanden , daß die Mutter [empfi ndende Totalität und das Kind nur Moment in ihr ist . Dem Kinde sind so] Wl : sich als empfindende Totalität verhält , in der das Kind ein Moment ist . Dahin gehört daß von den Eltern den Kindern vielerlei mitgetheilt wird . Man weiß , daß den Kindern mitgetheilt sind] körperliche dispositionen der Eltern , [Aehnlichkeit pp mitgetheilt .] Wl : Stärke p Krankheit p wie Figur .] 5 der Eltern … geschieht] ErWl : geschieht 6 der 1] ErWl : [der] Wl : dieser] empfi ndenden 6–9 der Nabelstrang … Lebendigkeit ;] Wl : Bleibt man bei dem Räumlichen und Materiellen stehn , nach welchem das Kind als Embryo in seinen besonderen Häuten p existirt , und sein Zusammenhang mit der Mutter durch den Nabelstrang , Mutterkuchen p vermittelt ist , so kommt nur die äußerliche anatomische und fysiologische Existenz in sinnlichen und reflectirenden Betracht ; die wesentliche , das psychische Verhältniß wird übersehen , für welches alles jenes sinnliche und materielle außer ein ander und Vermitteltsein keine Wahrheit hat . – / Wesentlicher ist die unmittelbare Einheit der Lebendigkeit . Ich durchdringe das Alles , und doch schlechthin nur als eine Einheit . 6–7 der Nabelstrang … wesentlicher] Er : Wesentlicher als deren physiologische Verbindung 8–9 Lebendigkeit mit … Lebendigkeit ;] Er : Lebendigkeit . 9–11 also das … Mittelglieder .] ErWl : das Grundverhältniß oder vielmehr das verhältnißlose [d . h . Unmittelbare . (diese Einheit ist es die man beim E r k l ä r e n auf sucht .)] Wl : weil unmittelbare Einheit . Darauf sollte man immer ausgehen , wenn man anatomisch erklären will .] 11–676,6 auch im … liegt ,] Wl : im Kinde . Muttermäler (das Kürzeste ist , man leugnet solche Erscheinungen) . Es gibt viele Erscheinungen die außerhalb der Vermittlung sind , nur die Aerzte , die sind gebunden durch Bornirtsein , so leugnen sie . – Muttermälererfahrungen , die einen besonderen Zusammenhang aufzeigen . Kinder mit gebrochenen Armen , wenn Mutter Arm heftig verletzte . Schreck der Mutter hat dauernde Disposition im Kinde hervorgebracht . Kind an Mutterbrust 11 daher] Er : dahin gehören 12–676,1 manche freilich … basirt .] Er : man ganz ohne Grund läugnet . Damit wird das Fundament der Erfahrungswissenschaft geläugnet . 22–27 Bleibt man … hat . – nachträglich im Freiraum zwischen zwei Absätzen

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ganze Fundament ihrer Wissenschaft , die auf Erfahrung basirt . Freilich ist viel über Muttermäler gefabelt worden ; aber es sind auch constatirte Erfahrungen da , die den Zusammenhang ganz vollkommen aufzeigen ; z . b . sind Kinder mit gebrochnem Arm geboren worden , wenn die Mutter ihren gebrochen oder nur verletzt hat ; so drücken sich die Schrecken der Mütter den Kindern ebenfalls auf ; auch das Kind das an der Mutter brust liegt , wird durch den Ärger der Mutter , mit afficirt ; indeß ist dies etwas Vermitteltes denn die Galle geht in die Milch über und so trinkt das Kind ungesunde Milch . Aber das Kind im Mutterleib ist mit der Mutter in u n m it t e l ba r e m Zusammenhang | der Gefühlseinheit , die Mutter ist hier als der Genius , als die empfindende Selbstheit des Kindes anzusehen , in welcher das Kind nur eine empfindende bestimmtheit und eingewickelt ist in diese es umgebende Hülle , welche sich im Kinde nachher verleiblicht und realisirt[ .] Ein merkwürdig beispiel waren 2 Kakerlaken (weiblich) von denen das Mädchen noch lebt ; der bruder ist Dr . der Philosophie geworden zu Erlangen aber schon todt – (die Kakerlaken leben in besondrem physischen Zustand) dieser hat eine gute bildung gehabt ; in seiner Dissertation hat er einen besondren Umstand erwähnt ; sein Vater ist Prediger gewesen bei Erlangen ; seine Mutter ist da einmal , als sie mit ihm schwanger war in den Stall getreten im Winter im hellen Sonnenschein ; aus dieser Helle ist sie in den dunkeln Stall getreten ; in diesen schien durch eine Ritze ein Sonnenstrahl hinein in eine Ecke in der ein Haase saß , so daß in sein Auge gerade dieser Sonnenschein fiel ; im ganzen Stall also finster , nur das Auge des Haasen glänzt ; auf diesen Punkt fiel das Auge der Mutter ; der Sohn der nun geboren wurde , war ein Kakerlak ,

4–8 worden , wenn … das] Er : worden ; Schrecken der Mutter pp bringt dauernde Dispositionen am Kinde hervor . der Einfluß den Aerger der Amme auf das Kind hat ist schon ein vermittelter , durch den Gallenerguß . das 6–8 Mutter , mit … das] Wl : Mutter zu Schaden kommen . Da ist auch Vermittlung durch Verleiblichung des Aergers in Milch . – Unvermittelt ist viel andres . – 8–9 ist mit … Gefühlseinheit ,] Er : das so bestimmt wird durch eine Gemüthsbewegung der Mutter , wird so un mittel|bar afficirt . 8 ist mit … Mutter] Wl : selbst , das so bestimmt wird durch Ge müthsbewegung , körperliche Verletzung p ist 9 der1] Wl : | in 9–10 als der … als] ErWl : der Genius des Kindes , 10–677,4 des Kindes … noch] Er : worin das Kind nur Moment , eingehüllt ist . die Empfindung der Mutter verleiblicht sich in ihm auf unmittelbare Weise (Dr . Sachse .) / In dies Verhältniß gehört auch 10–17 des Kindes … war] Wl : empfindende Totalität , in welche empfindende Selbstheit des Kindes eingehüllt ist . Mutter empfindet , und das ist auch Empfindung im Kinde , die sich in ihm verleiblicht . – / So ein Beispiel 2 Kakerlaken . Bruder älter als Arzt und erzählt auf Veranlassung . Sein Vater Geistlicher früher in Steiermark , wo Mutter schwanger 18–19 getreten im … diesen] Wl : geht , der ganz finster ist . Es war Schnee und heller Sonnenschein aus dem sie in dunklen Stall trat . In diesen Stall 19–20 Sonnenstrahl hinein … so] Wl : Sonnenscheinpunct ein in eine Ecke . In diese hatte sich ein Hase gesetzt so , 21 fiel ; im … das] Wl : fiel und sie nur das glänzende 21–22 glänzt ; auf … Mutter ;] Wl : sah . Sie trat aus blendendem Weiß in Dunkelheit und ihr Auge fiel in 28 das] dß

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die früher waren ganz vernünftige Menschen ; die folgende Schwester ist auch ein Kakerlak geworden . Eine andre Erscheinung ist auch dies , daß wenn Frauen zum 2t e n Mal heirathen , die Kinder von ihnen noch dem ersten Mann ähnlich sehn . – Es gehört nun auch noch dies herein : daß Menschen an heftigem Schreck und an heftiger Freude gestorben sind (am Großen Loos z . b .) Hypochondrie , Milzsucht gehört hieher , in der der Kummer sich verleiblicht nicht einzeln , wie sonst , sondern in eine chronische Krankheit ausartet und eine bleibende Stimmung der ganzen Leiblichkeit wird . | bei diesen Wirkungen ist eben die empfindende Totalität festzuhalten . Wie das Kind ein accidens seiner Mutter ist , so kann auch in dieser empfindenden Totalität , in diesem Genius auch eine Einwirkung geschehen ; denn der Genius ist auch offen für die Vorstellung ; (im höheren Standpunkt ist er auch bewußtsein) er ist das Ungetrenntsein seiner Leiblichkeit der Gedrängtheit derselben . Wenn nun in diese ungetrennte Einheit ein Schreck oder dergleichen tritt , so kann dieser Inhalt nicht ertragen werden von diesem bewußtsein , und das Individuum kann überwältigt werden von dem , was ihm jetzt geschieht , was dem nicht angemessen ist , was es sonst ist . diese Unangemessenheit ist auch ein Widerspruch der empfindenden Totalität in ihr selbst . Der besonnene Mensch ist der , der nicht mehr so als Genius

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1 die früher … die] Wl : und 1–4 ist auch … herein :] Wl : 5 gestorben sind … z . b .)] ErWl : sterben , – 6 in der … Kummer] Er : daß Kummer pp Wl : daß Kummer Trübsinn , p 6–7 nicht einzeln , … in] Er : und Wl : so , daß diese Verleiblichung nicht einzeln ist , sondern 7 ausartet und eine] ErWl : wird , [eine] Wl : daß diese Verleiblichung eine] allgemeine und 7–9 ganzen Leiblichkeit … die] Wl : Leiblichkeit ist . / Bei solcher Wirkung wo plötzlich Schreck p tödtet , haben wir diese 9 ist] Er : haben wir 9–10 das Kind] Wl : beim Kind im Mutterleib das 10–15 ein accidens … und ] Er : im Mutterleib das Accidenz zur Substanz ist , – so ist dieser Genius , diese empfi ndende Totalität auch offen dem Bewußtseyn und doch bleibt das Individuum diese empfi ndende Totalität , Ungetrenntheit seines Inhalts von seiner Leiblichkeit , und doch ist er offen den Bestimmungen seines eignen Bewußtseyns . Wenn nun dieser Inhalt , Schmerz , in diese Einheit tritt , so kann 10 so kann auch] Wl : durchdringt sie durch und durch , so kann 11–12 auch eine … offen] Wl : (er ist auch offen für das Bewußtsein , 12–14 (im höheren … kann] Wl : Genius ist auch Bewußtsein aber doch bleibt er empfindende Totalität , Ungetrenntsein seines Inhalts und der Leiblichkeit . – Offen zugleich für andere Bestimmtheiten .) solcher Inhalt treten , und so kann es sein daß 15 werden] Wl : werden kann 15–17 und das … ist .] Wl : daß er unangemessen ist dem Sinn dieses Bewußtseins , daß dieses Individuum überwältigt wird durch Unangemessenheit dessen was es ist und was in es hineintritt . 16 dem , was … ist ,] Er : der Unangemessen heit dessen was ihm geschieht und dessen 17–18 ist auch … selbst .] Wl : zerreißt , zersprengt die empfindende Totalität . – 17 ein Widerspruch] Er : eine in 18–678,3 in ihr … ausmacht) .] Er : und sie kann so zersprengt werden . der gebildete Geist ist der sich über diesen Genius , und die Leiblichkeit erhoben hat , daß die Leiblichkeit ein unterworfnes ist (was wir bei der Gewohnheit sehn werden) . Wo dies nicht der Fall , der Mensch mehr auf der Stufe der empfi ndenden Totalität ist , kann das Gesagte erfolgen . Dunkelheit auf dieß glänzende Auge .

20 auch . – / In dieß Verhältniß gehört noch Andres . z . B .

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existirt , nicht in diesem ungetrennten Character seines Geistes mit seiner Leiblichkeit , sondern der sich durch die Stärke seines Geistes darüber erhoben hat der die Leiblichkeit zu einem unterworfnen macht (was die Gewohnheit ausmacht) . Der Selbstmord ist eine solche Unangemessenheit des bewußtseins in sich selbst aber eine solche , die der Leiblichkeit gefährlich wird durch Vermittlung des besonnenen Willens . Cato von Utica dieser starre Republikaner der berühmt geworden ist durch seinen Selbstmord , hat den Widerspruch der Unangemessenheit seines Lebens mit dem Leben der Römer , nicht ertragen können und ist seinem Leben gefährlich geworden durch seine besonnenheit diese Trennung g a n z durchzuführen . Hier führt sich also die Unangemessenheit direkt aus in die Lebendigkeit . diese empfindende Totalität des Genius ist die Einheit des Selbsts mit der Leiblichkeit und diese Totalität als unmittelbare Einheit ist eine seiende und dadurch fällt sie in die schlechten Kategorien des Seins herab und damit auch in die bestimmtheit der Quantität . dieser Genius Lebendigkeit hat ein Maaß , das , wenn überschritten , ihn zu Grunde richtet . (3) Sg

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das 3t e sind die Erscheinungen der Macht des Genius in seiner Leiblichkeit was man Wu n d e r nennt . Es gibt beispiele daß Menschen sind geheilt worden durch den Glauben ; was man auch wieder läugnen kann , aber es ist schwerer das zu be20

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1–2 nicht in … Geistes] Wl : sondern sich 2–3 hat der … ausmacht) .] Wl : hat . die Stärke des Geistes enthält dieß Moment . das Erhabensein über Leiblichkeit , daß Leiblichkeit unterworfen ist , was wir sehen werden bei Gewohnheit p . Wo aber dieß nicht der fall ist , und der Mensch mehr auf Stufe dieser empfindenden Totalität steht , so kann erfolgen , was gesagt worden ist . / 4–10 eine solche … Lebendigkeit .] Er : etwas Andres , ist auch eine Unangemessenheit im Bewußtseyn , die gefährlich wird der Leiblichkeit vermittelst des Willens . die vollkommne Unangemessenheit , dieser Widerspruch hat die Wirkung nicht direct sondern durch den Entschluß , nicht mehr zu leben . – / H i e r hingegen ist nicht diese Un angemessen|heit im Bewußtseyn durch Vermittelung zur Unangemessenheit in die Leiblichkeit über gehend sondern führt sich unmittelbar in die Leiblichkeit aus . 4 eine solche … selbst] Wl : anders . Auch Unangemessenheit , 6–10 von Utica … Unangemessenheit] Wl : der Jüngere . Absoluter Widerspruch . römischer Republikaner im Character und was war war nicht Republik , diesen Widerspruch hat er nicht aushalten können . Aber dieser Widerspruch hat die Wirkung , daß er sein Leben zersprengte , nicht indirect gehabt , – sondern durch Bewußtsein . | Hier hingegen ist nicht diese Unangemessenheit fortgehend durch Vermittlung zu Unangemessenheit des Lebens in sich selbst ; sondern sie führt sich 10–11 diese empfindende … ist] Wl : Genius ist also 11–13 des Genius … schlechten] Er : ist seyend und fällt so in die 11 mit der] Wl : (das allerdings Seele ist) mit 12 Totalität als] Wl : empfindende Totalität , als diese 13–14 Seins herab … Lebendigkeit] Er : Seyns , auch der Quantität , der Genius 14–15 das , wenn … richtet .] Er : und wenn das Maaß überschritten wird geht er zu Grunde . 14–16 das , wenn … der] Wl : das kann überschritten werden , wodurch er zu Grunde geht . / 3 .) Erscheinungen , die die 16–17 in seiner … beispiele] Er : über seine Leiblichkeit . Es gehören hierher eine Art von Wunder , was man … beispiele] Wl : ausdrücken . Es gehört dahin was eine Art von Wunder genannt ist . Z . B . 18–679,6 Glauben ; was … alles] Er : Glauben . Es kann bei jeder Art der Krankheit das der Fall seyn daß der Glaube nicht

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greifen . Man hat beispiele von contracten Personen , wo die Lebendigkeit nicht mehr flüssig durch die Organe ist , Nervenschwachheit , Paralysis der Nerven etc ; (Arme und beine freilich können nicht wieder hergestellt werden) solche Kranken sind durch den Glauben wiederhergestellt worden und der Strom der | Lebendigkeit ist wieder über den ganzen Leib geströmt ; viel Wunderthätiges was als factum constatirt ist , durch Handauflegen und dergleichen auch bloß durch Reden . Das gehört alles hieher . Wenn die Zeiten verständiger wurden und das bewußtsein auseinander geht , so kann diese Concentratio nicht mehr Statt finden ; aber wenn die Gewißheit da ist gesund zu werden , der innerste Glaube , so kann das besondre dieser Ganzheit nicht widerstehn . bei Gebildeten kommt es nicht mehr zu dieser Intensität der Gewißheit ; bei jenen aber ist das concentrirte Gefühl die substantielle Macht über das besondre , und dies besondere ist eben nur jene Unterbrechung der Lebendigkeit . Hier ist noch die Rede von der empfindenden Totalität in so fern sie ein 2 . Zu s t a nd d e r K r a n k h e i t ist , in der das Individuum sich unmittelbar seiner als Genius bewußt wird . Dahin gehört der animalische Magnetismus . – Also der Mensch

hilft . – Aber bei vielen namentlich bei Paralysen der Nerven , bei Contractionen ist das vegetative Leben noch da , aber die Flüssigkeit der Lebendigkeit ist unterbrochen . da sind die beispiele gar nicht selten daß Lähmungen geheilt sind durch das Feuer des Glaubens , durch Zauberei , oder durch die bloße Rede . Viele solche Wunderkuren gehören 678,18–679,1 Glauben ; was … contracten] Wl : Glauben als solchen . Das kann man auch leugnen . – Es gibt Krankheiten (nicht bei jeder Krankheit z . B . wo Organe zerstört sind p nicht .) z . B . contracte 2 durch die … ist ,] Wl : in Organen ist , z . B . 2–6 Paralysis der … ist ,] Wl : Lähmung p wo noch vegetative Lebendigkeit ist (Blutumlauf p) aber Zusammenhang , Flüssigkeit der Organe ist unterbrochen . Lebendigkeit Seele circulirt nicht frei im Leibe . – Solche Unterbrechungen sind geheilt worden durch das Feuer des Glaubens . Viel Wunderthä tiges als factum vorhanden , in dieser oder jener Gestalt , 6 und dergleichen … alles] Wl : oder Art von Zauberei , oder bloß durch Rede , Zurede , p gehören ganz 7–8 wurden und … so] Wl : werden , mehr Bewußtsein von Vermittlung haben , 7–10 und das … widerstehn .] Er : so kann dergleichen was sonst das Thätige ist nicht mehr so wirken . 8–9 finden ; aber … ist] Wl : finden , die in solchen Fällen das absolut Thätige ist . Diese Gewißheit , 9–11 der innerste … aber] Wl : dieser Glaube , diese absolute intensive Gewißheit , wo sie Statt finden kann , da 11 bei jenen aber] Er : wo sie aber ist da 11–13 über das … noch] Er : gegen das Besondre d . h . die Unterbrechung . In jener Sammlung ist die ganze Lebendigkeit concentrirt und das Accidentelle kann dieser Ganzheit keinen Widerstand leisten . / 406 . ist von etwas anderm 12–13 jene Unterbrechung … 2 .] Wl : diese Unterbrechung ; es ist Besonderes gegen das Allgemeine . Im Allgemeinen ist concentrirt die ganze Lebendigkeit . – die accidentelle Unterbrechung kann der Ganzheit keinen Widerstand leisten . Das sind also die Hauptweisen , die in diese Form der empfindenden Totalität gehören . / Die empfindende Totalität insofern es ein 13 in so … 2 .] Er : als 14–15 ist , in … der 2 ] Er : pp . die Hauptsache ist der Standpunkt der fest zu halten ist . der 14 ist ,] Wl : ist . – Diese passive Totalität als F o r m , Z u s t a n d des selbstbewußten , Gebildeten besonnenen Menschen , ist Krankheit , unmittelbar] Wl : u n ve r m i t t e l t zu dem concreten Inhalte seiner selbst , sozusagen , 15 wird . Dahin … der 2 ] Wl : ist ; a n i m a l i s c h e r M a g n e t i s m u s und mit ihm verwandte Zustände . Hauptsache ist der Standpunct , den man festhalten muß . Der

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ist empfindende Totalität . – Das Kind im Mutterleibe , ein Schacht worin das Ganze was er ist eingewickelt ist . Das andre dazu ist , das : wenn der Mensch als b e w u ßt e r ist ; der Mensch ist da ein besonnener bewußter seiner selbst und seine Wirklichkeit ist für ihn da als äußre Welt zu der er sich verhält ; | dann aber ist diese Totalität seiner äußren Welt selbst als äußre entfaltet . In dieser Entfaltung seiner äußren Welt steht alles in bestimmten objectiven Verhältnissen zu einander in dem Zusammenhang von Grund und Ursache , Ursache und Wirkung Folge etc . In der besonnenheit ist also die Hauptbestimmung , daß das , wovon ich weiß für mich ist als ein vermitteltes , daß ich mich auf vermittelte Weise dazu verhalte . Zu meiner Wirklichkeit gehört nun , was in der äußerlichen Welt mich interessirt . Für die Eltern sind das die Kinder ; diese sind in ihrer Empfindung , sie gehören zu ihrem Sein ; ebenso umgekehrt ; das ist aber ebenso auch i n n e r l i c h e Wirklichkeit der Kinder und der Eltern . dies Gekehrtsein des Menschen nach außen kann gehemmt werden ; eine solche Paralysis kann sein eine bloße S c hw ä c he der Subjectivität seines Selbstbewußtseins

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den 7 . December 1827 .Er

1 Totalität . – Das … Schacht] ErWl : Totalität und so ist er [e [lacuna]] Wl : (wie das Kind im Mutterleibe) das ,] 2 Das andre … wenn] ErWl : [ Nun müssen wir das Andre] Wl : Um diesen Standpunct gehörig zu fassen , müssen wir] vergleichen wie 3 da ein] ErWl : diese Totalität ; [als] Wl : kann aber als] 3–4 seiner selbst … ist1] Wl : Mensch seine Wirklichkeit 3 seiner selbst und ] Er : Mensch ist 4 ist für … da] Er : für ihn vorhanden da] Wl : vorhanden seyn 4–5 dann aber … entfaltet .] ErWl : | [das 2t e ist] Wl : empfindend wollend , betrachtend p . – 2 .)] daß diese [ Totalität , selber] Wl : Totalität selbst] als Äußerliches entfaltet ist . 5–7 seiner äußren … der] Er : steht alles in verständigem Zusammenhange auf eine dem Menschen bekannte Weise . Im Bewußtseyn , 5 steht] Wl : ist 6–7 bestimmten objectiven … Ursache ,] Wl : bestimmtem objectiven d . h . verständigem Zusammenhang mit ein ander , in Grund und Folge , 7–8 Wirkung Folge … die] Wl : Wirkung ; oder im Zusammenhang neben ein ander . | Im Bewußtsein ist 7 ist also] Er : ist 8–9 das , wovon … dazu] Er : ich mich zu allem auf vermittelte Weise 8 für mich] Wl : in mir 8–9 vermitteltes , daß … verhalte .] Wl : vermitteltes . 10–12 mich interessirt . … ist] Er : für mich ist . Es ist äußerlich , andrerseits bin ich es selbst . – das Verhältniß der Kinder zu den Eltern ist äußerlich 10–11 Für die … Empfindung ,] Wl : Einerseits ist’s äußerlich , andererseits bin ich dasselbe . Für Eltern sind die Kinder . Die Kinder sind in Empfindung der Eltern , 11–12 ihrem Sein ; … ebenso] Wl : ihrer Wirklichkeit . Liebe zu Eltern in Kindern ist 12–13 Kinder und … Menschen] Er : Kinder . / Der Mensch nun aus seinem bewußten besonnenem Leben herunter fallend in die bloße Empfi ndung so ist er krank . / Sein Bewußtseyn , sein Gekehrtseyn der Eltern . … Menschen] Wl : nicht äußerliche . – / Form des Menschen als nur empfindende Totalität , als Zustand beim Menschen , der besonnen bewußt ist , und in diesen Zustand herabfällt , – ist Krankheit . – Mensch ist diese Totalität seines Characters . Was er ist , das ist er ; was er so ist wendet er als bewußt nach außen , so daß dieser Inhalt ihm die äußerliche Welt ist . Er steht in Vermittlung mit diesem Inhalt . Dieser Inhalt ist vermittelte Welt . Sofern er sich so verhält , verhält er sich verständig zur Welt . dieß sein Bewußtsein 13–14 solche Paralysis] Er : Paralysis desselben eintreten . Diese Wl : παραλυσις kann eintreten . Sie 14–681,1 der Subjectivität … dieser] Er : seiner Subjectivität , der Kraft seines subjectiven Selbstgefühls . dies Selbstgefühl kann schwächer seyn , es kann aber auch die Hemmung Selbstbewußtseins Selbstgefühls , … die] Wl : Selbstgefühls . In Kraft seines selbstbewußten Selbstgefühls wirft er Inhalt nach außen , verhält sich

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Selbstgefühls , wodurch die Hemmung dieser seiner Leiblichkeit kann auch bestimmter paralysirt sein , welche Hemmung nicht in den Eingeweiden im System des bluts ist , sondern im Nervensystem ; besonders in Ansehung des Gesichts ; das Auge wird kataleptisch , starr , fest unbeweglich beraubt von allem Vermögen zu sehn ; das ist keine blindheit ; denn der blinde weiß , daß er nichts sieht ; in jenem Zustand aber weiß er nichts von seiner blindheit . In diesem Krankheitszustand ist der Mensch sozusagen in einem verständigen Träumen , wobei eine Thätigkeit nach außen sein kann aber gehemmt besonders in Ansehung des Sehens . | Das ist das allgemeine von diesem Krankheitszustand . Die einzelnen Haupterscheinungen sind nun folgende . Der Hauptzustand ist der a n i m a l i s che M a g n e t i s mu s . S om n a m bu l i s m u s . Das Nachtwandeln , Veitstanz etc gehören auch hieher , als natürlicher Somnambulismus , was besonders oft eintritt in der Schwangerschaft in der Entwicklung der Mädchen , kurz vor dem Tode , etc . – diese Hemmung nun im bewußtsein der nach außen gerichteten Thätigkeit , bringt den Menschen zurück in das G e f ü h l s le b e n ;

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15 dazu als zur Außenwelt . Dieß subjective Selbstgefühl kann schwächer sein . Aber es kann auch

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1–3 kann auch … Nervensystem ;] ErWl : [ b e s t i m m t e r seyn . diese Hemmung] Wl : und der Leiblichkeit als eines Organes als seines nach außen gekehrten Lebens , kann bestimmter paralesirt werden . Diese Paralesis] tritt ein in dem was zum Nervenleben überhaupt gehört und 3–5 Gesichts ; das … weiß ,] Er : Gesichts , daß das Auge kataleptisch wird – In der Blindheit weiß der Mensch 3–4 Gesichts ; das … kataleptisch ,] Wl : Gesichts , daß das Auge kataleptisch wird , 5 das ist … weiß ,] Wl : diese verschieden von Blindheit , und von zugebundenen Augen . Da weiß er davon , 5–6 in jenem … blindheit .] ErWl : hier aber ist er in der Bewußtlosigkeit dieses [ Mangels –] Wl : Mangels ; ein Träumen der Sinne . Wenn der Mensch schläft sind die Sinne überhaupt paralesirt .] 6–7 der Mensch sozusagen] Er : er Wl : Mensch 7 Träumen , wobei] Wl : Träumen . Auch Offen sein , 7–9 wobei eine … einzelnen] Er : hat auch Richtung nach Außen aber so daß darin eine Hemmung eingetreten ist . – die 7–8 außen sein … Ansehung] Wl : außen ; aber so daß zugleich in dieser Thätigkeit nach außen eine Hemmung eingetreten ist , und wesentlich diese Hemmung 8–10 das allgemeine … Der] Wl : die allgemeine Bestimmung des Krankheitszustandes . / Das nähere sind die Erscheinungen die in diesem eigenthümlichen wunderbaren Krank heitszustand vorkommen . Haupterscheinungen , deren Bestimmungen wir zu betrachten haben . – Haupterscheinungen : 9 folgende .] Er : zu berücksichtigen . 10–12 a n i m a l i s c h e M a g n e t i s m u s . … eintritt] ErWl : [ S o m n a m b u l i s m u s Es gibt auch einen natürlichen Somnambulismus pp diese] Wl : Zustand des animalischen Magnetism und Somnambulismus . – (Es gibt auch natürlichen Somnambulismus . Schlafwandern . Das gehört auch hierher : Kataleptischer Zustand , Veitstanz hat auch Verwandtschaft damit . Solche] Zustände treten ein 12 in der Entwicklung] Wl : und in Entwicklungsperioden Entwicklung] Er : Entwicklungsperiode 13 kurz] Er : einige Stunden Wl : und oft auch die letzte Stunde 13 diese Hemmung … bewußtsein] Er : die angegebne Hemmung im Bewußtseyn , 13–14 Hemmung nun … G e f ü h l s l e b e n ;] Wl : angegebne Hemmung , verständig und mit Bewußtsein nach außen gerichteter Thätigkeit . 14 bringt den … zurück] Er : ist das Zurückfallen 33 animalischen] anamilischen

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der Mensch weiß von diesem Inhalt in ihm selbst und auf eine unmittelbare Weise . Hieher gehörige Erscheinungen sind jene genannten ; das Sehen des Menschen ist vollkommen unterbrochen , bei offnem Auge in diesen Zuständen , und doch kann doch das Gemeingefühl wirksam sein ; der Mensch ist fühlend , für die Außenwelt zugänglich – da kann nun dies Gemeingefühl sich specificiren zum Sehen ohne das Auge ; wenn der gesunde Mensch etwas sehn soll , so muß sein Auge dabei thätig sein und auf die erleuchteten Gegenstände blicken , bei diesen Kranken aber ist das nicht ; sondern es ist hier der merkwürdige Fall , daß wenn man einen Gegenstand ihnen auf die Herzgrube auf den Magen hält , so sieht er ihn ; das Gemeingefühl wird Gesicht ohne die Vermittelung des Auges . Mit demselben Auge sehn wir grün , mit demselben blau etc . – so hier , die Sinnesthätigkeit nimmt sich zusammen in das Allgemeine des Fühlens und dies wird specifisch . Es gibt hier viele beispiele : man hat Menschen eine Uhr auf den Magen gehalten und sie haben angegeben , welche Zahl der Zeiger zeigt . Ein berühmter französischer Arzt hat beschreibungen von Zufällen seiner kataleptischen Frau gemacht noch ehe von dem animalischen Magnetismus etwas bekannt geworden ist . Manche verständigen Leute haben gemeint der Kranke blinze wohl doch mit dem Auge und sehe unten durch ; so klug sind diese Leute ; aber man hat das Auge untersucht und ganz starr gefunden und auch Gegen69Er

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1 der Mensch … und ] Er : da verhält | man sich zu dem Inhalt als zu einem der seinem Gefühl seinem Genius angehört , er weiß von ihm weiß] Wl : sich verständig nach äußerlicher Welt verhaltend gehemmt ist . Das bewußte Leben ist gehemmt und er ist doch wacher Zustand . dann ist er zurückgefallen zur Gefühlswelt : er verhält sich zu dem Inhalte , als einem Inhalt der in seinem Gefühl ist , seinem Genius an|gehört ; er weiß selbst und … eine] Wl : selbst , 2–3 gehörige Erscheinungen … Zuständen ,] Er : gehört die Erscheinung daß das Sehen vollkommen gehemmt ist , das Auge ist erstarrt . das Sehen ist vernichtet 2 jene genannten ;] Wl : dieß : 4 wirksam sein ;] Wl : überhaupt doch vorhanden , wirksam sein . Da tritt dieß Verhältniß ein : wirksam] Er : vorhanden , wirksam 4–5 fühlend , für … zugänglich –] Er : fühlend nicht nur durch das Gesicht . 5 – da] Wl : nicht durch Gesicht ; Gemeingefühl . da 5–9 das Auge ; … ihnen] Er : Auge . Es kann der Mensch in diesem Zustande mit den Fingern die Empfi ndung haben als wenn er sähe , besonders wenn Gegenstände 6–8 wenn der … merkwürdige] Wl : Er kann mit Fingern die Gegenstände berührt und das Bewußtsein haben als ob er sie sehe ; besonders aber ist’s der 8–9 man einen … ihnen] Wl : sichtbare Gegenstände 9–12 auf den … hier] Er : gelegt werden . Es ist also ein Fühlen überhaupt das diese Form annimmt so daß das Organ des Auges nicht nöthig ist . Wie wir nicht ein besondres Auge für blau , gelb pp haben , so nimmt sich das Gefühl überhaupt zusammen und zwar specifisch als Sehen . Man hat nun hiervon 9–11 auf den … die] Wl : gehalten werden , daß er die Empfindung des Sehens erhält . – Fühlen im allgemeinen ; aber dieß allgemeine Fühlen nimmt unmittelbar so eine bestimmte Empfindungsweise an ; und die Vermittlung des Auges ist dabei nicht nöthig . Er sieht mit allgemeinem Organ des Fühlens . – Die 12 Fühlens und … hier] Wl : Fühlens . – Von dieser Erscheinung gibt’s 12–683,3 man hat … gelesen .] Er : das Fühlen specificirt sich zu Sehen und das Organ dieser Species das Auge fällt hier weg . Ein Kreis der Gehirn thätigkeit ist gelähmt . 13–17 Menschen eine … so] Wl : die Einwendung gemacht , solche Kranke haben so unter sich gesehen p So 17–683,2 diese Leute ; … gelesen .] Wl : die Beobachter auch . Die Hauptsache ist , daß nicht bloß Augenlider geschlossen sind : die Augen sind vollkommen starr , im Krampf . – Hier specificirt sich das Fühlen zum Sehen . Das ganze Vermögen des

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stände zwischen das Auge und dem zu sehenden gebracht , eine Frau die H . gekannt hat , hat einen ganzen brief mit dem Magen gelesen . Man hat gesagt die Gehirnthätigkeit sei zerstört und seine Kraft vertrete dann der Magen ; die Gehirnthätigkeit ist das Organ der theoretischen Thätigkeit nach Außen ; daher hat man dem Unterleib keine Gehirnthätigkeit zugeschrieben ; was viel für sich hat . Helmond der berühmte Arzt hat einen Versuch an sich gemacht ; die Hexen haben bekanntlich ungeheure Einbildungen ausgesprochen und sind deshalb zu hunderten hingerichtet worden ; sie gebrauchen Zaubertränke und schmieren sich mit Salben ein , die von Bilsenkraut sind aconitum napellus . Van Helmond hat diese Tränke untersucht und als er davon gekostet , habe er deutlich gefühlt , daß die Vorstellung in die brust in den Magen herabgegangen sei , daß er in der Gegend der Mündung des Magens denke und viel schärfer und lebhafter als sonst ; diese Erhöhung der Vorstellungskraft sei dabei auch mit einem | unbeschreiblichen Wonnegefühl verbunden gewesen . Eine andre Erscheinung geht nun noch weiter und man weiß nicht wie weit[ .] Ein Wissen von seiner Wirklichkeit in so fern sie nur ein innerliches , die des Genius ist , also ein Wissen von einem Inhalt auf ganz unmittelbare Weise , von dem

Sehens ist gelähmt . 2–13 die Gehirnthätigkeit … unbeschreiblichen] Er : daß es ganz gelähmt und das Gangliensystem es ersetzend sey . das ist einerseits glaublich , indem die Gehirnthätigkeit nach Außen gelähmt ist ist der Geist in diese Hypochondrie in sich versunken . – / die Hexen haben Zaubertränke gebraucht oder auch mit Salben sich eingeschmiert . diese sind meist von Hyoscyamus niger , oder Digitalis gewesen Helmont hat nun da Versuche mit sich gemacht und beim Kosten der Aconitum napellus schien es ihm als wenn seine Vorstellungen pp in der Gegend des Magens sei und zwar weit schärfer als sonst , auch sei diese Erhöhung der Vorstellungen mit 2–4 die Gehirnthätigkeit … Thätigkeit] Wl : daß in diesem Zustande die Gehirnthätigkeit gelähmt ist , und daß die Ganglien des Unterleibs die Stelle der Gehirnthätigkeit vertreten . Es hat das viel für sich . Gehirnthätigkeit geht 4–9 daher hat … Van Helmond] Wl : Die plexus solaris p Ganglien des Unterleibs hat man Gehirn des Unterleibs genannt : und indem Gehirnthätigkeit gelähmt ist , ist Organismus gleichsam in Hypochondrie versunken in sich . Bei den Hexen kommt bekanntlich Geschichte vor , daß sie Zaubertränke brauhen die sie verschlucken oder als Salbe auftragen . Letztere vornehmlich von Hiosc . niger oder acon . lapellus , digitalis p Helmond 9–15 als er … Ein] Wl : die Erfahrung gemacht , daß , indem er ein wenig von acon . kostete , ihm es gewesen wäre , als ob seine Vorstellungskraft aus Kopf , Brust in Gegend des Magens übergegangen wäre . seine Vorstellungen wären am Magenmund , und zwar schärfer als sonst ; und diese Erfahrung der Vorstellungskraft wäre mit ungewöhnlichem Wonnegefühl verbunden . Man kann fysiologisch diese Vorstellung wohl haben , daß Gangliensystem hier Mittelpunct bilde die sonst Gehirn ausübt . – / Ein zweites ist weitgehend , und man kann nicht wissen , wie weit das seine Ausdehnung hat . sc . ein 14 andre] Er : zweite 14–15 nun noch … Ein] Er : so weit daß man eigentlich nicht die Ausdehnung weiß , nämlich ein 15–684,1 nur ein … Weise] Er : nicht vorhanden ist als äußerliche Welt , sondern sofern sie der Inhalt des Genius ist , ein nur innerliches Wissen , was man im Wachen nur durch Ver|mitt lungen 15–16 nur ein … also] Wl : nicht vorhanden ist als eine

40 7 Einbildungen ausgesprochen] Einbildungen , ausgesprochen

9 aconitum napellus] aeconitum napellum 13 unbeschreiblichen] ubshriblisch 20 Hyoscyamus niger] hydrocyan . nigr 21–22 Aconitum napellus] Aconit . Lab . 26 plexus solaris] flexus solare 27 Organismus] Organanism

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man sonst in wachem Zustand nur auf mittelbare Weise wissen kann . Der Mensch ist nämlich ein wirklicher , dazu gehört eine ihn umgebende Welt , und die macht zugleich den Inhalt seiner innerlichen Wirklichkeit aus , so die bande der Liebe der Freundschaft etc . machen die Wirklichkeit des Menschen aus ; steht ein Leben nun ganz in diesem bande , so kann es sein , daß wenn diese Gegenstände (Personen hier) sterben , ich selbst mit dazu zu Grunde gehe . | diese bande sind nämlich ein Leben , wenn sie gerissen so geht nicht bloß ein äußerliches für mich unter , sondern es stirbt dabei ein Zweig meiner ab und eine Wirklichkeit geht verloren . diese Erscheinungen kommen häufig vor , daß man den Verlust von geliebten Menschen nicht überleben kann . Nun ist aber noch ein andres das , daß 2 Menschen in ihrem Leben so zusammenhängen , daß der eine weiß , was in dem andren vorgeht , das ist , was als A h nd u n g vorkommt . Ein geliebter Mensch an dem das Herz hängt , kann weit entfernt sein ; er gehört zu meiner Wirklichkeit ; der Mensch von kräftigem Selbstäußerliche Welt , sondern insofern sie nur innerlich ist , oder Wirklichkeit des Genius ist , 1 auf mittelbare Weise] Wl : unter vielfachen Bedingungen 2–6 ist nämlich … dazu] Er : steht der äußerlichen Welt nicht nur als leer entgegen sondern der Inhalt derselben ist sein eigner innerlicher Inhalt . Bande an Familie pp machen meine Wirklichkeit aus und es kann seyn daß wenn mir solches Band reißt das als eine Person existirt , ich dadurch 2 nämlich ein … ihn] Wl : wirklich . Zur Wirklichkeit gehört eine 2–3 macht zugleich den] Wl : ist nicht nur äußerlich , sondern sie macht 4–5 Freundschaft etc . … es] Wl : Freundschaft , Familie , p machen meine Wirklichkeit aus : und es kann der Fall 5–6 Gegenstände (Personen … gehe .] Wl : Welt (sofern mein Leben ganz steht in diesem Bande) stirbt , meine innre Wirklichkeit damit eben so gut zu Grunde gegangen ist . / | 6–11 sind nämlich … ist ,] Er : ist Realität in mir , wenn so eine nun reißt , jene Person stirbt , so stirbt ein Zweig meines Lebens , und kann meine Wirklichkeit selbst verloren gehn . das ist nicht selten daß das Individuum bei einem solchen Verlust auch seine eigne Wirklichkeit verloren hat , aber das kommt auch auf andre Weise vor . Jener Inhalt macht auch m e i n e Wirklichkeit aus ; da kann es nun Menschen geben welche , wenn in dieser Äußerlichkeit eine Veränderung vorgeht , von dieser in ihrer Innerlichkeit ihrem Genius wissen . So ist nun zu fassen 6–9 sind nämlich … daß] Wl : ist Realität in mir . Wenn solche Bande zu Grunde geht , solche Menschen sterben , stirbt ein Zweig mit mir ab : und wenn diese Hauptzweige in denen mein Leben vornehmlich ist zu Grunde gehen , ist meine Wirklichkeit selbst verloren . – Davon viele Erscheinungen . Daß 9 geliebten Menschen] Wl : einem geliebten Gegenstand 10–12 Nun ist … weit] Wl : Noch auf andere Weise kommt dieß vor . Dieser Inhalt sc . als vorhandene Wirklichkeit macht auch meine Wirklichkeit aus : es ist absoluter Zusammenhang zwischen beiden , eine und dieselbe Wirklichkeit . Da kann es Menschen geben , die wenn mit diesem Inhalt , als äußerlicher Wirklichkeit , Verändrung vorgeht , daß sie von diesen Verändrungen wissen . Genius ist der ganze Umfang . Was im Umfang vorgeht , weiß auch der Genius . Dahin gehören die Ahndungen . Ein Verwandter kann 12–685,4 geliebter Mensch … Ahndung ;] Er : Mensch von kräftigem besonnenen Selbstgefühl ist gebunden an die gewöhnlichen Bedingungen des Wissens , aber man hat viele Beispiele daß in der Entfernung in dem Verlust erleidenden Subject unmittelbar die Empfi ndung desselben vor sich ging , daß es ein Geräusch oder dergleichen zu hören glaubte pp 13 er] Wl : seine Existenz 13–685,4 der Mensch … Ahndung ;] Wl : Man hat Beispiele in 41 Man] davor gestr : Als ein krftigr Gegenstd ist dieser Gegenstd all . Soll ich wissen ; darüber nicht gestr : Gliebtr S

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gefühl muß , soll er von ihr wissen , gebunden sein an den Raum und die Zeit , er muß sehn und sprechen . Aber andre haben unmittelbare Empfindungen von dem was dem Geliebten begegnet , Tod oder dergleichen , oder sie glaubten einen Knall etc . zu hören , das ging aber nur in ihnen selbst vor und ist die S t i m m e der Ahndung ; die Wurzel hiervon ist der Genius , der nicht an das Räumliche gebunden ist ; die Entfernung des Fingers von meinem Gehirn hindert den Genius nicht auf ihn einzuwirken . Ein andrer Zustand ist der , daß man Empfindung von Gegenständen haben kann , die man in gesundem Zustand nicht hat , sondern wo man die Vermittlungen des besonnenen bewußtseins durchgehen muß . Dahin gehört : daß es Menschen gegeben hat und noch geben kann , d ie e i n G e f ü h l h a b e n , we n n s i e s ich ü b e r Wa s s e r , M e t a l l o d e r S a l z s ich b e f i n d e n . Das hängt zusammen mit der Wünschel ruthe (Hasel ruthengerte) mit 2 Gabeln ; diese biegt sich so stark , wenn sie über Metall oder Wasser ist , daß man sie nicht halten kann . Nervenschwache Menschen werden durch die Nähe von jenen Gegenständen eine beschwerniß in ihrem Körper empfinden , besonders in den Beinen , so daß sie Mühe haben , weiter fortzugehen . Salis Oberst in der Schweiz (1730 und 40) hatte einen bedienten , der so nervenschwach war ; Campetti Mitglied der Akademie in München ein Italiener auch . | Es gibt aber auch eine allgemeine Schwäche des Organismus – bei der Un-

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[denen er] Hk : indem ein Geliebter] gestorben ist , unmittelbar im Subject das Verlust erlitt unmittelbare 20 Empfindung solchen Verlustes vor sich ging ; oder daß auch solch Individuum ein Geräusch p zu hören

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glaubte . Dieß Hören ist offenbar nichts Äußerliches , im Subject etwas . Facta lassen sich nicht leugnen . 5–9 hiervon ist … bewußtseins] Er : wie dies zu fassen ist das gesagte : der Genius ist nicht gebunden an die Vermittlungen des besonnenen Bewußtseyns . Ein weitres hier sich Anschließendes ist das daß solche Empfi ndungen von Gegenständen im Körper seyn können von denen man sonst auf ganz andre Weise Kenntniß und Notiz haben kann ; ein Nervenschwacher kann so Empfi ndungen haben , wo der besonnene viele Vermittlungen 5–7 hiervon ist … man] Wl : ist das Gesagte : der Genius ist nicht an Raum und Zeit gebunden , an Vermittlung die dem besonnenen Bewußtsein angehört . / Ein weitres 3t e s , ist : daß solche 7–8 haben kann , … die] Wl : im Körper sein können , von denen man sonst auf ganz andere Weise Kenntniß haben muß . Bei allgemeiner Schwäche (Nervenschwäche) kann man Empfindungen von Gegenständen haben , die Gesunder zu haben viel 9 Dahin] Wl : – Empfindungen von Gegenständen die nicht den Menschen äußerliche Gegenstände sind , nicht Zusammenhang von dem so eben geredet ist . dahin 9–10 gehört : daß … s i c h ] Er : gehören Menschen die ein Gefühl dafür haben | ob sie 9–10 gegeben hat … kann ,] Wl : gibt 11–686,5 o d e r S a l z … von] Er : pp sind . Es sind dies nervenschwache Menschen die dadurch in ihrem Körper eine Uebelkeit oder dergleichen empfi nden . Campetti . / diese Schwäche ist eine Hemmung des Zusammenhangs mit der Außenwelt . Sie zeigt sich nun wie gesagt in solcher Empfi ndlichkeit gegen allerlei . Ein weitres Verhältniß solcher 11–15 der Wünschelruthe … Beinen ,] Wl : Wün schelruthe . – Hauptsache ist , daß es Menschen gibt , die es fühlen , wenn sie sich über Wasser p befinden . Es sind das nervenschwache Menschen , die in Nähe solcher Gegenstände , in ihrem Körper Uebelkeit , Beschwerniß fühlen , oder : eine Schwere im Bein , 16–18 Salis Oberst … eine] Wl : – Campetti . / Die 18–686,5 Organismus – bei … von] Wl : Organismus ist verbunden mit Empfindlichkeit gegen Äußerlichkeit . Wenn Mensch krank ist so ist sein Zusammenhang mit der Außenwelt unterbrochen ,

71Er den 10ten December 1827 .Er

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terbrechung seines Zusammenhanges mit der Natur ist der Mensch da sehr empfindsam . der Physiker Ritter hat diesen Campetti nach München kommen lassen und Versuche mit ihm gemacht und diese haben es constatirt , daß wenn Metall unter der Erde vergraben wurde und man hieß ihn auf dem Felde herumspazieren er immer den Fleck richtig traf . Eine andre Art von Schwäche ist , daß Individuen eine solche Unselbständigkeit ihrer gehabt haben , daß sie in der Mitempfindung mit andren gelebt haben . Der gesunde kräftige Mensch ist individuelles Für sich sein und seine Zuneigung und Liebe gegen andre ist in ihm vorhanden nach einer unabhängigen Existenz ; bei dieser Schwäche aber ist der Fall daß in dem Individuum die Empfindungen eines andren sind auf eine unvermittelte Weise , so daß er in seinem Gefühlleben in seinem Genius die bestimmungen eines andren hat . Herr Professor Kluges Geschichte des Magnetismus hat dies zwar auf eine kurze trockne Weise darge than (mit Angabe einer großen Litteratur) ; einer seiner Freunde soll erzählt haben , daß ein junger Arzt mit seiner Schwester , die sehr entfernt war in solchem Mitgefühl gelebt habe , daß sie immer unruhig und ängstlich geworden , während er krank gewesen . Dr . Beccaurd soll 2 junge Frauen behandelt haben , von denen die eine um das Schicksal der andren wußte 3 , 4 Tage voraus , obgleich sie entfernt von einander waren . Mit diesem Vorausempfinden weiß man nicht was man anfangen soll ; das Vorausempfinden von Dingen und Krankheiten ist aber dadurch möglich , daß eine solche Krankheit , die nicht plötzlich entsteht , wenn sie sich entwickelt ,

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der mit Essen und Trinken zusammenhängt ; aber er ist selbst sensible für Luft , Wärme p dieser Art von Schwäche waren die Beispiele von jenem Wasserfühlen p – Campetti von Ritter nach München gebracht (Siderismus .) fand vergrabenes Erz . Bedienter des Grafen von Salis – / Ein weitres Verhältniß solcher 6 ihrer gehabt haben ,] Er : gehabt , der] Wl : Gemeinsamkeit mit anderen , in 7 gelebt] ErWl : gestanden 7–9 kräftige Mensch … Existenz ;] Er : Mensch ist abgesondertes Für sich seyn , die Empfi ndungen der Seele pp sind in ihm als Individuum . 7–8 individuelles Für … Liebe] Wl : für sich , und sein Zusammenhang , Zuneigung p 8–9 nach einer … dem] Wl : aber zugleich nach unabhängiger Existenz , sind Empfindungen die aus ihm als Individuum hervorgehen ; – derlei aber sind im 9–10 ist der … eine] Er : sind die Empfi ndungen , Zustände eines andern in dem Individuum und zwar auf 10 sind] Wl : und 10–11 er in … Professor] Er : sein Genius nicht selbstständig ist . Wl : hier | in seinem Gefühl seinem Genius lebend , zugleich hat daß diese empfindende Totalität ( Genius) nicht eine in ihm selbstständige ist . – 12–18 hat dies … Vorausempfinden] Er : enthält viele solche Beispiele . – Das Vorausempfi nden ist sehr merkwürdig , und oft 12–14 hat dies … Arzt] Wl : ein brauchbares Buch , worin zwar trocken die vielerlei Symptome des animalischen Magnetismus verständig zusammen sind . Hier : »ein Arzt stand 14–19 Schwester , die … Krankheiten] Wl : Schwester in Mitleidenschaft , daß ihn Unruhe befiel , sobald sie krank wurde p Vorausempfi nden auch in der Zeit , von eigenen Krankheiten oder von Krankheiten von andren mit denen man in solcher Sympathie steht 18 man 2 ] Er : man damit 19 von Dingen und ] Er : von 20 solche Krankheit , die] Wl : Krankheit in einem Individuum Krankheit , die] Er : Krankheit 20–687,12 wenn sie … hat] Er : sondern Zeit gebraucht sich zu entwickeln . da kann der Genius schon ein Gefühl der 16 Dr . Beccaurd] siehe Anm .

20 entwickelt] folgt ein unleserliches Zeichen

31 hier] hier in

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der Genius schon dies Gefühl der Individualität von dieser Krankheit hat , von der der besonnene wache Mensch noch nichts weiß . Nun haben wir noch die Erscheinungen des a n i m a l i s ch e n M a g n e t i s m u s zu betrachten . A l l e K r a n k e n i n e i n e r g e w i s s e n S chw ä c h e s ol l e n g a n z b e s o n d e r s vo n d e m Me t a l l a n g e g r i f fe n we r d e n . M e s m e r h a t z u e r s t M a g ne t e a n g e wa n d t b e i k ra n ke n O r g a n i s m e n u n d e s h a t g r o ß e M a cht u n d W i r k s a m k e i t h e r vo r g e b r a c ht , d a r u m we rd e n b e i K r a n ke n i m m a g n e t i s ch e n Zu s t a n d a l l e Me t a l le e n t fe r n t , u n d s e l b s t e i n R i n g a m F i n g e r i s t d e m K r a n k e n b e s c hwe r l i c h . 1760 hat Mesmer seine Kuren angefangen und man hat gezeigt , daß dieser Magnetismus schon älter ist und mit dem Handauflegen der alten Priester und Propheten zusammenhängt – Mesmer hat eine harte Geschichte in Wien durchzumachen gehabt cf . seine Geschichte (1781) wo er die empörende begebenheit erzählt . – – Mamsel Paradis ist in seine Kur gegeben worden , die vom 4t e n Jahr blind gewesen und convulsivischen Augen bewegungen ausgesetzt war und ganz melancholisch

Krankheit haben . die weiteren Erscheinungen sind die des animalischen Magnetismus . dieser Name kommt daher daß bei der ersten Kenntniß dieser Erscheinungen Metalle und namentlich Magnete gebraucht sind . Mesmer hat auf diese Erscheinungen zuerst aufmerksam gemacht . Er hat damit angefangen Magnete zu gebrauchen . Erst später hat man sich erinnert daß manche frühere Erscheinungen damit zusammenhängen . Bei seinem ersten Auftreten hat Mesmer 686,20–1 wenn sie … dieser] Wl : wobei also der Genius in sich schon (die Gefühle der Individuen in sich selbst) in sich schon Gefühl der 1 von der] Wl : die 2–3 noch nichts … des] Wl : nicht fühlt . / Weitre Erscheinungen die daher gehören , sind die des eigentlichen 3–5 zu betrachten . … z u e r s t ] Wl : oder Mesmerismus p . Animalischer Magnetismus daher , daß indem man die eine Kenntniß von diesem Zustande bekommen hat , vornehmlich Metall und Magnete zwar angewandt ist . – Empfi ndlichkeit gegen Metalle haben wir schon berührt . Mesmer , der diese Erscheinung zu1 . in dieser Ausdehnung gesehn und darauf aufmerksam gemacht , hat 5–12 b e i k ra n k e n … hat] Wl : (was noch heut zu Tage geschieht mit Magneten bei Kranken . Bei magnetischem Zustand ist überhaupt starke Empfindlichkeit gegen Metall .) animalisch weil Magnet auf animalischen Organismus angewandt ist . Mesmer fing seine Kuren in den 60e r n des vorigen Jahrhunderts an und nachher erinnerte man sich an frühere Kuren der Art : Heilen durch Handauflegen p . – Bei seinem 1 . Auftreten hatte Mesmer 12–688,1 in Wien … Mesmer] Wl : durchzumachen , wodurch er aufs Grausamste afficirt wurde (Histoire des affaires magnet . par Mesmer) Er hat mehrere Heilungen veranstaltet : da ist Demoiselle Paradis die seit 5t e n Jahre blind war am schwarzen Staar , so daß Augen hervorfielen und convulsivisch sich bewegten : – litt an vielen Obstructionen . Stark hatte sie 10 Jahre vergeblich behandelt . Er 12–13 in Wien … die] Er : durchzumachen gehabt , die ihn sehr afficirt hat . Er beschreibt selbst diese 13–688,16 erzählt . – – … unterworfen ,] Er : mit der Demoiselle Paradies . – der Magnetismus ist heutigen Tages in Mißcredit gekommen , und einerseits mit Recht wegen der Täuschungen und der Mißbräuche . Sie thun aber den constatirten Erscheinungen keinen Eintrag . – In einer hellsehenden Person kommen auch viele Täuschungen vor , 1 von statt eines unleserlichen Zeichens 15 convulsivischen] consulvisch 32 Histoire] Historieux 33 Paradis] Parahis 35 Stark] Lesart unsicher ; s . Anm . 39 Person] Personen

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war ; sie hat 3000 Stöße durch Elektricität bekommen – Mesmer gab ihr das Gesicht wieder unter Gegenwart einer ganzen Facultät – Jetzt ist er der Rohheit des Vaters ausgesetzt worden welcher befürchtete , das Mädchen mögte die Pension nun verlieren , welche die Kaiserin ihr bisher geben ließ . Mesmer ging nachher nach Paris Vorlesungen über seine Kurmethode gehalten ; Darneau erstes Mitglied der constituirenden Versammlung ist selbst sein Zuhörer gewesen und so mehrere Generale . diese haben nun die Sache noch weiter geführt – Mesmer hat sich da freilich etwas ungeschickt betragen und ein großes Krankenhaus verlangt , dessen bau | er auf mehrere Millionen angeschlagen hat , worauf sich die Regierung freilich nicht einlassen wollte , und sich einen bericht über ihn von der medizinischen Facultät hat geben lassen , der ungünstig ausgefallen ist . dieser Magnetismus ist nun sehr verschrien , und zum Theil mit Recht ; es hat sich viel Mißliebiges und Phantastisches angemischt , und die große Gewalt des Magnetiseurs über seine Kranken ist häufig sehr unehrlich gemißbraucht worden . die Menschen , die im Zustand des Hellsehens sind , sind auch vielen Täuschungen unterworfen , aber ihre Unbefangenheit ist diesen Menschen auch oft benommen worden damit daß man ihre Eitelkeit aufgeregt hat . – die Haupterscheinungen sind : das E i n s ch l a fe n (der magnetische Schlaf) obgleich nicht ein wesentliches Symptom , daß an einem Individuum der Magnetismus anwendbar sei und umgekehrt . |

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2 unter Gegenwart … der] Wl : vor 1000 Zeugen . Mißverhältnisse dadurch . 3 ausgesetzt worden welcher] Wl : (der 4 Mesmer] Wl : die Mutter stieß das Mädchen an Wand mit Kopf , daß Convulsionen etc . erfolgten , und das Mädchen wieder blind wurde . – So in Wien . Mesmer 5–19 Vorlesungen über … umgekehrt .] Wl : wo er seine Methode einer ganzen Gesellschaft vortrug . Diese haben zum Theil die Versuche und Kenntnisse dieses Zustandes weiter geführt als Mesmer , der sich zum Theil in mehrerer Rücksicht unpassend betrug (Wollte Krankenhaus im Großen haben für mehrere Millionen Livres) Vornehmlich diese Männer also haben diese Behandlungsart weiter ausgebildet und bekannt gemacht . – Heute zu Tage ist dieser animalische Magnetism in großen Miscredit gefallen , zum Theil mit Recht durch Mißbrauch . Dieser Mißbrauch aber und auch das Fantastische das man hineinbrachte , kann dem Aechten keinen Einbruch thun . – Eine Person die zum Hellsehn kommt , kann durch üble Behandlung und ungeschicktes Benehmen , in die Eitelkeit gebracht werden , in ihrem innern Sinn vollkommen verkehrt werden . Ueberhaupt kommen da viele Täuschungen vor bei ihren Aussagen . aber Unbefangenheit kann auch genommen werden durch Aufregen der Eitelkeit . – / Viele von den schon angegebenen Umständen kommen im Zustande des Somnambulismus auch vor . 1 .) die Haupterscheinung das Schlafen ; doch ist es nicht gerade nothwendig , zu beweisen , daß magnetische Behandlung wirksam sei in einem Individuum . Ein Individuum kann Monate lang ohne Schlaf behandelt werden und nicht ohne Wirkung . – / | 17 die Haupterscheinungen sind :] Er : Eine HauptErscheinung ist 18–19 (der magnetische … umgekehrt .] Er : doch ist das | Schlafen nicht allein Beweis daß die magnetische Cur wirke . Soll der Zustand entwickelt sich darstellen so muß die Person in Schlaf gerathen .

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4 ließ .] folgt gestr : Die Mutter

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5 Darneau] siehe Anm .

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dieser Schlaf hat dann zunächst Ähnlichkeit mit dem Zustand des gewöhnlichen Somnambulismus oder dem Zustand des Schlafwanderns , bei dem der Sinn des Gesichts paralysirt ist , und daß sie dabei ein waches thätiges bewußtsein haben ; in dem sie so nach außen thätig sind verhalten sie sich ganz richtig in beziehung auf alle äußern Umstände ; das Gefühl überhaupt vertritt bei ihnen den Sinn des Gesichts ; sie sehen mit dem ganzen Leibe . Es hat Schlafwanderer gegeben die sich ordentlich ankleiden die nach allem ganz richtig greifen wie in wachem Zustand . das Auge ist starr und kataleptisch – Briefe schreiben , lesen ohne mit Augen zu sehn siegeln , etc . sie hören auch Musik , die man ihnen macht , sie antworten auf Fragen , die man an sie macht , oft ganz richtig ; oft aber sehr verworren und täuschend . die aber magnetisch somnambül sind , verhalten sich nicht träumend ; es ist in ihren Vorstellungen nicht eine zufällige Verbindung (verstandeslose) sondern sie sind in sich und wissen von sich , von ihrem Gefühlsleben , von ihrem Genius , sie sind dabei nicht nach außen thätig , wie die Schlafwanderer ; die Sinne sind gar nicht wach bei ihnen und es ist kein Verhältniß derselben zu der sie umgebenden Welt . Mit diesem

1 hat dann zunächst] ErWl : hat dem Zustand … gewöhnlichen] Wl : gewöhnlichem 1–2 des gewöhnlichen … dem] Er : der Schlafwandrer . Es ist bei diesen 2 des Schlafwanderns , … dem] Wl : der Schlafwanderer . Bei ihnen ist es der Fall , daß 3–10 paralysirt ist , … täuschend .] Er : paralysirt , sie haben aber eine Richtung nach Außen und verhalten sich so zum Theil ganz richtig gegen die Außenwelt und das übrige Gefühl ersetzt das Gesicht , particularisirt sich zu diesem specifi schen was wir sehen nennen . – Vieles ist in diesem Schlafwandern ganz richtig , vieles aber voller Täuschung , und so ist oft Unglück entstanden . – Vieles thun sie aber ganz richtig . 3 und daß] Wl : daß 3–11 thätiges bewußtsein … sind ,] Wl : nach außen thätiges Bewußtsein , Bewußtsein das nach außen thätig ist . Das andere Gefühlsvermögen vertritt Stelle des Gesichts , oder sie fühlen und das Gefühl particularisirt sich zu specivischem Gefühl des Sehens . Oft hören Nachtwandler sprechen , oft nicht , hören Musik oft richtig oft nicht ; antworten auf Fragen , aber machen auch oft Verwechselungen . Vermischung also von Richtigkeit und Unrichtigkeiten . Sehen ist parallesirt . Die magnetischen Somnambulen aber 11–12 träumend ; es … nicht] Er : sowohl träumend , so daß es träumend ; es … Vorstellungen] Wl : sowohl träumend . Sie schlafen auch . Es ist in ihren Vorstellungen 12–13 (verstandeslose) sondern … und ] Er : von Vorstellungen ist , sondern sie 12 (verstandeslose)] Wl : die verstandeslos wäre wie im Träumen , 13 ihrem Gefühlsleben ,] Er : dem was sie sind , aber als Gefühlswesen , ihrem 2 ] Wl : dem was sie sind aber als Gefühlsleben in sich d . h . von ihrem 13–690,1 sie sind … nun] Er : es ist ein theoretisches Wissen von dem fühlenden Genius in sich selbst . Sie wissen von ihrem Genius d . h . dem wirklichen Menschen aber dieser wirkliche Mensch ist isolirt ist ohne verständiges Verhältniß zur äußern Welt . Indem der Mensch so ins Gefühlsleben versunken ist ist damit 14 thätig ,] Wl : gerichtet 14–15 die Sinne … sie] Wl : Sie haben ein theoretisches Wissen vom Fühlen , vom Genius in sich selbst . Da ist nun dieß unbegreifliche , 1 .) daß sie von ihrer innren Totalität in sich , dieser Wirklichkeit , diesem Genius in sich wissen . Er ist in sich isolirt der wirkliche Mensch ohne Bewußtsein der äußerlichen Welt , ohne Wachsein der Sinne und ohne wache Verhältnisse zu dieser seiner Wirklichkeit als einer äußerlichen ihn 15–690,1 Mit diesem … Mensch] Wl : Indem so der Mensch also in sich als Gefühlsleben versenkt ist , ist 2 .) damit verbunden , daß es 34 ist isolirt am linken Rande

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73Er den 11 . December . 1827 .Er

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Gefühlsleben ist nun verbunden , daß der Mensch ebendamit nicht die wahrhafte geistige Unabhängigkeit seines bewußtseins besitzt , sondern in einer Gemeinsamkeit mit einem andren ist ; wie das Kind im Mutterleib das accidens seiner Mutter ist , so haben s ie ihr Sein in einem andren . dieses In sich sein und zugleich in einem andern Sein sind die beiden Hauptzustände beim Magnetismus . – Das Nähre ist nun : daß eine Person in diesen magnetischen Zustand durch d i e M a n ipu l a t io n des Magnetiseurs versetzt wird . Um dies zu verstehen müssen wir bedenken , daß der schwache Kranke sich in einem Gefühlszustand befindet , der mit seiner Leiblichkeit identisch ist , und auch von dieser Seite leiblich gefaßt werden kann . – | die Subjecte werden beim Kopf angetastet und angestrichen bis zu den Zehen . | diese Manipulation soll nichts Unanständiges haben ; man soll ein Zoll entfernt vom Körper bleiben das ist die Regel . das Physiologische dabei läßt sich schwer aus einander setzen ; das Individuum ist ein Schweben im Lebensduft . Besonders wichtig ist das Angreifen seine Schwäche ist , daß er 1 der Mensch … wahrhafte] Er : er Zwe i t e n s nicht die 2 Unabhängigkeit seines … sondern] Wl : Freiheit , Bewußtsein besitzt , sondern in Abhängigkeit von einem Anderen , 2–3 seines bewußtseins … ist ;] Er : ist sondern abhängig vom andern , gleichsam das Accidens zu einem andern , 3–6 andren ist ; … nun :] Wl : anderen , zum Accidenz eines andren wird (wie Kind im Mutterleibe) so daß sie ihr Sein zugleich in einem anderen haben ; in diese Hypochondrie verfallend , sind sie zugleich in der Schwäche nicht sich selbst zugehörend , sondern zugleich in Macht eines anderen zu stehen . – / Näher : bekannt , Mutterleib das … nun :] Er : Mutterleibe , sie sind dies nicht sich selbst anzugehören sondern in der Macht eines andern zu seyn . dies sind dann die beiden Bestimmungen die hierin verbunden sind . – Was das Nähere betrifft so ist bekannt 6 diesen magnetischen] Wl : diesen 6–7 d i e M a n i p u l a t i o n … Magnetiseurs] ErWl : eine andre 7–9 Um dies … gefaßt] Er : – es gibt auch Fälle wo er sich auf natürliche Weise einstellt . das Gewöhnliche ist aber daß sie in diesen Zustand durch die Manipulation versetzt wird . / der Mensch ist in diesem Zustand ein Gefühlsleben das psychisch ist einerseits , aber als mit der Leiblichkeit identisch , an dieser gefaßt und durch sie in die Macht eines andern gebracht 7–8 Um dies … der] Wl : Es gibt auch Zustände des Somnambulismus , die auf natürliche Weise vorhanden sind . (Krankhafte Zustände besonders bei Weibern , in Jahren ihrer Entwicklung ; Frauen in Schwangerschaft ;) das gewöhnliche durch Manipulation des Magnetiseurs . Um dieß zu fassen , wie’s möglich ist , – muß man sich auf diesem Standpuncte ganz festhalten . Menschen in dieser Kränklichkeit ein Gefühlsleben das psychisch einerseits ist aber das zugleich 9–12 auch von … Regel .] Wl : das also von Seiten dieser seiner Leiblichkeit gefaßt werden kann und in Macht eines anderen Individuums steht : / Erste Weise diesen Zustand hervorzubringen ist Manipulation . – Sie hat und soll haben nichts Unanständiges . – Die Manipulation ist einleitend . 9–10 die Subjecte … Zehen .] Er : | das zu magnetisirende Subject wird mit den Händen manipulirt . 11–691,1 soll nichts … Augenbrauen .] Er : hat nichts Unanständiges , es ist eigentlich gar keine Berührung nöthig . diese Manipulation ist das Einleitende , das Einwirken ist physiologisch schwer zu bestimmen . die Erregung der Wärme , der Electricität pp sind hier nicht angemeßne Kategorien . die Herzgrube ist sehr wichtig . 12–691,1 dabei läßt … Augenbrauen .] Wl : ist schwer zu determinisiren . Ich enthalte mich des Näheren . Es ist Sfäre von Lebensduft . Sensibel besonders die Herzgrube . 13 Individuum] Ididium Absätzen

19 sind sie … sondern mit Einfügungszeichen im Leerraum zwischen zwei

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der Herzgrube der Stirnen und der Augenbrauen . Ist eine Person sehr sensibel oder ist der Magnetiseur in Rapport mit ihr , so kann die Wirkung schon statt finden in einer Entfernung von 1–6 Fuß ; das Verhalten der flachen Hand in dieser Entfernung kann schon den Schlaf hervorbringen . Eine Schule der französischen Magnetiseurs hatte den Grundsatz : gar keine Manipulation anzuwenden , sondern bloß zu Glauben und zu Wollen c r oye z et vou le z – anzureizen . Der Magnetiseur muß auch ernstlichen Willen haben ; entgegen darf man nicht streichen . Indeß jedes Subject kann man nicht magnetisiren ; nervenschwache Frauenzimmer sind besonders dazu geeignet ; man kann aber auch Wirkung hervorbringen , ohne Schlafen und Hellsehn zu bewirken . die Patienten fühlen da eine Wärme , wo der Magnetiseur mit der Hand hinfährt , die nicht von der Hand kommt – die allgemeine Wirkung ist eine Erregung , eine Erwärmung überhaupt , auch eine Erhöhung der Empfindlichkeit besonders in beziehung auf den Geschlechtstrieb , eine Rücksicht , die besonders ein sittlicher Mann zu beachten hat . Ist eine Person zu Magnetismus fähig so muß sie einschlafen auch wenn sie nicht will ; es ist etwas Unwillkührliches ; einige haben freilich gemeint , man schlafe da vor langer Weile ein . Dieser Schlaf kann nun an und für sich schon heilend wirken – den 3t e n Tag nachher muß die Person wieder in Schlaf gebracht werden sonst empfindet sie ein unruhiges ängstliches Gefühl das

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1–4 oder ist … hervorbringen .] Er : so braucht es sehr weniger Manipulationen , bloßes Entgegen20 halten der Hand kann sie da oft in Schlaf bringen , stärkere Manipulationen bringen da oft Con-

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vulsionen hervor . Wl : oder der Magnetiseur schon in Rapport , ist nahe Wirkung schon zu stark . Das Abarbeiten ist überflüssig . – 5–11 hatte den … allgemeine] Er : hat gar nicht manipulirt und gesagt es gehöre dazu nur das Wollen und Glauben . – Es muß vom Kopf herab manipulirt werden und mit dem ernstlichen Willen . Bei Manipuliren von unten herauf können auch Convulsionen sich einstellen . Es kann seyn daß man gar keine Wirkungen , oder kein Schlafen , oder kein Hellsehen hervorbringt . Es können die Magnetisirten die Empfi ndung einer Wärme an dem Theil empfi nden worüber die magnetisirende Hand sich befi ndet . – Die 5 hatte den … bloß] Wl : braucht keine Manipulation . Sie sagten es gehört nichts dazu als 6–7 Wollen c r o ye z … ernst lichen] Wl : wollen . Sie fi xirten mit Augen nur und sagten : croyez et reveillez . – Der Länge nach muß vom Kopf | herabgegangen werden . Fingerspitze und Daumen besonders stark . Magnetiseur muß 7–11 man nicht … die 2 ] Wl : nicht gestrichen werden , wenn nicht aufgehört werden soll und große Convulsionen eintreten sollen . – Es kann auch sein daß keine Wirkung hervorgebracht wird (weil nicht alle magnetisiren können .) Auch Wirkungen ohne Schlaf ; Schlaf ohne Hellsehen . – die Personen die magnetisirt werden , empfinden da Wärme , wo Magnetiseurs Hand sich befi ndet . 12–15 Erregung , eine … es] Er : Erhöhung , auch eine die sich auf den Geschlechtstrieb bezieht . / darauf kommt es dann zum Schlaf und wenn die Person nur empfänglich ist hängt dies gar nicht von ihrer Willkühr ab , 13–16 besonders in … ein .] Wl : (besonders der Empfi ndungen die sich auf Geschlechtstrieb beziehen) . darauf folgt Schlaf . Ist sie empfänglich steht das Wachbleiben nicht in ihrer Willkühr . Es ist das etwas unwillkührliches das Einschlafen . – 15–692,1 einige haben … kann .] Er : dieser Schlaf kann die ganze Wirkung seyn und für sich schon die Heilung vollenden . – Es gewöhnt sich auch der Kranke an die Zeit des Schlafs . 16–18 nun an … unruhiges] Wl : die ganze Wirkung sein und das Heilende für sich enthalten und Heilung vollenden . Es muß die Person den

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bis zu Convulsionen fortgehn kann . Die Hauptwirkung dieser Heilkraft ist eben dieses Schlafen . die Krankheit ist die Unterbrechung der Einheit der Gesundheit ; der Schlaf führt in diese Einheit überhaupt zurück . bei diesem Schlafen kann es nun bleiben ; aber es kann auch das Hellsehn werden ; was eben die bewunderung und den Unglauben erweckt hat ; es sind allerdings manche Ungehörigkeiten und betrügereien dabei vorgekommen . Es sind dies überhaupt Sachen die einer gesehn haben muß , um sie zu glauben . das Hellsehn hat Mesner noch nicht gekannt ; sondern der General Pisicur sein Schüler in Frankreich hat zuerst diese Entdeckung gemacht ; es tritt erst oft nach mehreren Tagen ein und besteht darin , daß die Personen bloß antworten wenn der Magnetiseur (kein andrer) sie frägt , oder wenn er andre Personen bei der Hand nimmt oder sich in Verbindung durch Metall mit ihnen setzt , so antworten sie diesem auch . Es gibt da mancherlei merkwürdige beispiele . Ein Magnetiseur hat etwas Geschriebenes in seine goldene Tabatiere gelegt und diese durch einen Draht mit der | Person in Verbindung gebracht und ihr ihn auf die Herzgrube gelegt und die Person hat nun die Schrift lesen können , als sie gefragt worden . Nun fragt sich : was sehn diese Personen in sich , wenn sie hell sehn ; sie sind in ihrer Individualität und empfinden was zu ihrer Wirklichkeit gehört . Man hat

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anderen Tag p in derselben Zeit in den Zustand gesetzt werden . Ist’s nicht , so fühlt sie in der Zeit unruhiges schmerzliches 1 fortgehn kann .] Wl : fortgeht . – 1–3 dieser Heilkraft … zurück .] ErWl : ist [nun dieser Schlaf . Es wird der Mensch im Schlaf in diese] Wl : dieß Schlafen überhaupt . In diesem Schlafen wird der Mensch auch in die] substanzielle Einheit mit sich [zurückgebracht .] Wl : selbst zurückgesetzt , in Einheit des durchdringenden Lebensproceßes geführt .] 3–4 es nun … bewunderung] Wl : auch Hellsehen erfolgen ; das was besondere Verwunderung es nun … kann] Er : nun 4–6 werden ; was … überhaupt] Er : hervorgebracht werden , der besondres Aufsehn gemacht hat , und es ist der Magnetismus eine von den 5–6 hat ; es … einer] Wl : hat , und wo auch viele Täuschungen und Irrungen vorfielen . Es ist mit Magnetism immer dunkles , und etwas das man 7 das Hellsehn … noch] ErWl : Es geschieht auch daß [aufgeklärte Leute die es sehn , es nicht glauben . / |] Wl : wenn man es sieht , man es doch nicht glaubt . –] das Hellsehen ist das Versenktseyn in diese [ Innerlichkeit . Mesmer hatte es noch] Wl : Innerlichkeit , in empfindende Individualität . Mesmer hat das Hellsehen] 8–16 sondern der … worden .] Wl : Gewöhnlich sprechen sie im Schlaf nicht ; oft nach mehreren Tagen erst tritt das Hellsehen ein , oft gleich . Sie fangen gewöhnlich nicht an zu sprechen , sondern antworten wenn Magnetiseur sie fragt , und hören nur Magnetiseur und die , die in Rapport mit ihnen gesetzt sind durch Hand des Magnetiseurs oder durch Verbindung mit Metall . Überhaupt das körperliche , materielle Moment tritt wesentlich ein . Seide dagegen isolirt . – 8 sondern der … Pisicur] Er : erst 8–16 in Frankreich … worden .] Er : hat es ganz zufällig entdeckt . Gewöhnlich tritt es erst nach mehrtägigem Magnetisiren ein , und da fangen sie nicht an zu sprechen sondern antworten nur und zwar nur dem Magnetiseur oder dem der mit diesem in Rapport steht . das Materielle tritt hier hervor und es kann durch Metall der Rapport hervorgebracht werden , Seide da gegen ist isolirend . – 17–693,1 sehn diese … gehabt :] ErWl : sie nun in sich sehen . [ Der Bereich 8 Pisicur] siehe Anm .

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die absurde Vorstellung gehabt : dieser Zustand sei ein höherer Zustand , eine Verbindung mit Gott , daß er Anschauung vom Wesen Gottes und der Geheimnisse der Natur erhalte . Aber es ist eher eine Depreßion des Menschen und nicht eine Erhebung . Religiöse Personen , die in ihrem Innren viel gearbeitet haben , sprechen ganz frei ihr Innres aus und da können sehr schöne tiefe Sachen von ihnen ausgesprochen werden . – die Anmerkung 3 enthält eine Stelle aus Plato – das Weissagen die μαντεια hat als ein Göttliches gegolten , ebenso ist es mit dem Genius des Socrates . Das ist dieselbe Erscheinung wie beim Zustand des magnetischen Hellsehens . Was sein Genius ihm gesagt hat sind alle particulären Dinge über ihn selbst oder seine Freunde , nicht über sein sittliches Verhalten . Deleuse ein französischer Arzt , ein verständiger Mann sagt auch : die Kenntniß die man in dem Hellsehn erlangt bezieht sich immer auf den Grad von bildung den die Person überhaupt hat ; man hat keine Wissenschaft als die welche man sich durch das Nachdenken durch Erfahrung erworben hat . Plato drückt das so aus : daß die Verrückten auch heilig

(Anmerkung § 406) Sg Anmerkung 3 .Sg

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15 von diesem] Wl : Was sie in sich sehen wissen sie aus sich und 2 .) sie wissen was im Magnetiseur vor-

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geht – der Bereich dessen , was sie in sich sehen ,] ist ihre Individualität überhaupt , sie sind diese [wirklichen Individuen und nur dies , weiter geht dieser Bereich nicht . Absurd ist die Vorstellung] Wl : wirkliche Individualität und weiter nichts . Was zu ihrer wirklichen Individualität gehört da haben sie Bild von und das können sie aussprechen ; aber weiter geht es nicht . – (Also absurd die Vorstellung daß] 1–3 eine Verbindung … eher] ErWl : [worin höhere Offenbarungen Statt fänden .] Wl : indem ihm das Innre der Natur und Gottes aufgeschlossen sei , innere Offenbarung bekommen .] Es ist 3–5 und nicht … frei] Wl : Krankhaftigkeit , nicht Erhöhung . des Höheren kann er sich nur denkend bewußt werden nicht fühlend . In sich edle Personen sprechen dann allerdings auch frei , ohne sich nach gewöhnlicher Weise der Conversation zu richten , 4–7 Erhebung . Religiöse … hat] Er : Erhöhung . des wahrhaften wird der Mensch sich nur in der denkenden Thätigkeit bewußt . In sich edle fein fühlende , religiöse Personen sprechen allerdings da frei , und können so höchst tiefe und vor treff liche dinge sagen aber über ihre Individualität geht es durchaus nicht hinaus . Plato drückt den rechten Standpunkt aus . die μαντεια hat bei den Alten 6–8 die Anmerkung … ist] Wl : dritte Anmerkung gibt rechten Standpunct an . – Bei Alten man hat Weissager (wie Pythia) für göttlich gehalten . Genius des Socrates ist dasselbe . Er hat so oft tagelang auf einem Fleck gestanden im Sonnenschein , und er ist öfter in solchem Zustand gewesen ; und sein Genius 7–12 ebenso ist … hat ;] Er : der Genius des Sokrates ist dasselbe , er hat sich öfter in solchem Zustande gefunden und sein Genius gehört hierher . Was ihm sein Genius offenbarte ist gar keine Weisheit sondern particulare Dinge , die ihn oder seine Freunde allein betrafen . De Leuze ( ? ) ein Arzt in Frankreich sagt die Kenntnisse im Hellsehn richten sich nach denen im wachen Zustande . 8 wie beim … magnetischen] Wl : des 9–11 sein Genius … auch :] Wl : Socrates sagt , daß sein Genius ihm offenbare , ist gar keine Weisheit , sondern nur particulare Dinge , Interesse an seinen Freunden , seiner selbst vor Reise p . Dieß sagt auch ein französischer Arzt Deleuse , der noch lebt : 12 den die … man] Wl : die man im Wachen hat . | »Man 13–14 als die … Erfahrung] Er : die man sich nicht durch Studium pp 13–14 das Nachdenken … hat .] Wl : Studium und Erfahrung erworben .« – 14–694,1 drückt das … er :] Er : sagt nun über die μαντεια das so … er :] Wl : sich so aus (Alte glaubten an Weissagung , nicht nur der Orakel , sondern 10 Deleuse] siehe Anm .

34 De Leuze] siehe Anm .

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seien und große Weissagungen sprächen , im Timäus sagt er : damit auch der unvernünftige Theil der Seele einigermaßen | theil haftig werde der Wahrheit , habe Gott die Leber geschaffen und ihr die μαντεια gegeben , das Vermögen : Gesicht zu haben ; daß Gott der menschlichen Unvernunft das Weissagen gegeben davon ist der beweis daß der besonnene Mensch eines solchen Gesichts nicht theil haftig wird . Richtig ist schon vor Alters gesagt worden : dies Seinige durch sich selbst zu kennen . Also das hat Plato schon eingesehn : daß Alles dies nicht auf die Vernünftigkeit zu beziehen ist . – Eine Hauptsache ist nun : daß die Hellsehenden ihre Krankheit angeben und die Mittel dagegen besonders Rheumatismus , Gicht etc . In diesen Krankheiten und so in mehreren andren innerlichen hat der Magnetismus großen Einfluß gehabt . Aber sie beschreiben ihren Krankheitszustand auf ganz ge wöhnliche Weise wie nach der gewöhnlichen Empfindung (nicht wie ein Arzt es angeben würde) dann geben sie auch wie gesagt Mittel gegen ihre Krankheit an . der Arzt jedes Menschen , der sich in solchem Zustande befinden kann , und auch der Verrückten und Schlafenden) sagt : 2 Theil der Seele] Er : Theil 3–4 das Vermögen : … der 2 ] Er : davon ist dies ein hinreichender 4 daß] Wl : Er schreibt es also der unvernünftigen Seite des Menschen zu : da 4–8 das Weissagen … Eine] Wl : dieß gab , so kann also kein besonnener Mensch theilhaft werden eines göttlichen oder wahrhaften Gesichts ; sondern es sei , daß im Schlafe der Verstand gefesselt oder durch Krankheit oder einen Enthusiasmus außer sich gebracht ist . Richtig ist schon von Alters her gesagt : zu thun und zu kennen das Seinige und sich selbst steht nur dem Besonnenen zu . / 5–8 der besonnene … ist . –] Er : kein besonnener Mensch eines göttlichen Gefühls theilhaft werde sondern nur im Schlaf , bei gefesseltem Verstande pp . – / Er hat so das Bewußtseyn gehabt daß dies ein Niedrigeres ist der unvernünftigen Seele zukomme . 8 die Hellsehenden] ErWl : sie 9–11 angeben und … Krankheitszustand] ErWl : angeben ; [ Nervenkrankheiten besonders ,] Wl : Auf welche Art von Krankheiten diese Zustände besondere Wirkung haben , ist nicht genau zu bestimmen . Doch besonders Nervenkrankheiten ,] chronische , die noch nicht [völlig ausgebildet sind , Rheumatismen , Zahnschmerzen weichen dem Magnetismus , ganz besonders wirkt er auch bei Uebeln der Menstruation ; pp –] Wl : ausgebildet , gichtiges , Zahnschmerzen , die gichtig sind ; besonders wenn Menstruation bei Weibern unterbrochen sind , sehr wirksam . Ueberhaupt unbestimmte Krankheiten der Innerlichkeit , Nervenzustände p .] diese Krankheiten wissen nun die Somnambulen [ besonders anzugeben und da ist es leicht zu zu geben daß sie diesen Fehler pp] Wl : anzugeben . Mensch in seiner Individualität concentrirt in seinem Gefühlsleben kann seiner Leiden , abnormen Zustände] gewahr werden . Sie beschreiben [nun diese Zustände] Wl : Krankheitszustand ;] aber 12–13 Weise wie … würde)] Er : Weise , nicht wie einer der Anatomie z . b . verstünde . Wl : Weise . druck im Gehirn p ganz wie nach gewöhnlichem Verständniß von Krankheiten gesprochen wird , nicht wie ein Arzt . Solches Schauen , wie es ein Mensch haben würde , der Anatomie versteht p . , muß man nicht bei ihnen suchen . 13 wie gesagt Mittel] ErWl : Mittel 13–695,2 der Arzt … an .] ErWl : [ Vorsichtige] Wl : diese – vorsichtige] Aerzte haben sich nicht sowohl die Mittel sagen lassen , als [vielmehr selbst verordnet und gefragt ob sie sie approbiren . die Mittel stehn mit der Krankheit in einem nothwendigen Zusammenhang] Wl : daß sie verordneten und fragten , ob die Mittel wohlgethan . Es ist zwischen Krankheits13 wie gesagt] wiegesagt 18–20 sondern es … selbst mit Verweiszeichen am linken Rande und im Leerraum zwischen zwei Absätzen ; folgt im Text gestr : sod nur wnn i Schlf Seele gfesselt od i Krkht od Entusiasmus außer sich gebracht ist zu thun

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fragt gewöhnlich : ob ihnen das Mittel wohl gethan habe , was er ihnen gegeben , und dann geben sie beßere an . diese Mittel können nun sehr verschieden sein und sind es nach den verschiedenen Ländern , wo andre Kurmethoden im Gange sind . Eine Hauptsache ist daß der Patient seine Empfindung , was er in sich sieht , ausspricht und dann daß er von dem weiß , was in der Vorstellung des Arztes ist . So hat in meiner Gegenwart ein Patient ein halbes dutzend geschmorter Schwalben sich verordnet ; ein andres Mal Menschenhirn – man hat das befolgt und es hat Wirkung gethan . Der Professor der Anatomie hat aber als er gehört zu welchem Zweck es sei , nichts mehr her geben wollen . besonders sprechen die Personen das aus ; wenn der Zustand der Gesundheit eintreten wird , doch täuschen sie sich auch oft darüber ; oft geben sie auch an , wenn sie auf wachen werden . der Magnetiseur kann sie aber auch selbst aus dem Schlaf bringen durch bestreichung . – | zustand und Mittel nothwendiges Verhältniß , –] und daß [sie dies Gefühl haben können der Ange-

15 messenheit ist leicht zuzugeben . – Beim Angeben der Mittel fi ndet nun ein andrer Umstand Statt .]

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Wl : in diesem Gefühlszustand auch angemessenes Verhältniß der Mittel zum Krankheitszustand Statt fi nden kann , kann man auch leicht zugeben . Gmelin in [ Heilbronn] Hk : Heidelberg] , Wienold in Bremen . – / Da findet der Umstand statt , der einerseits großes Mißtrauen in diese Angabe von Mitteln erwecken kann und auf andere betrachtungen führt . sc .] 2 nun sehr] Er : äußerst Wl : sehr 2–3 sein und … es] Er : seyn sind es … Ländern ,] Wl : nach verschiedenen Gegenden 3 Ländern , wo … sind .] Er : Ländern und Curmethoden . 3–4 im Gange … Empfindung ,] Wl : gebräuchlich sind , werden andere Mittel verordnet . – Da ist eine Hauptsache , daß einerseits der Somnambule seine Empfindungen und 4–5 der Patient … dem] Er : einerseits der Somnambule seine Empfi ndungen ausspricht , andrerseits aber und dann] Wl : andrerseits aber 5–12 ist . So … sie1] Wl : vorgeht und dieß ausspricht . – Diese Mittel sind meist bestimmt nach der Ansicht des Arztes , häufig auch nach dem , was die Person sonst (in ihrer Jugend) gehört und gebraucht hat . – Besonders sprechen sie dieß aus , wann der Zustand wieder eintreten wird , wie lange sie noch magnetisirt werden müssen , wie lange sie schlafen werden , 5–9 So hat … wollen .] Er : die Mittel sind nun meistens bestimmt nach der Curmethode des Arztes , oft auch was sie haben verordnen sehen , Hausmittel pp – 10–11 die Personen … eintreten] Er : sie auch dies aus wie lange die Krankheit währen 11– 696,1 oft darüber ; … Magnetismus] Er : hierin , auch wie lange sie schlafen werden . – / | Es wissen aber die Hellsehenden auch von entfernten Gegenständen . das Individuum ist ein wirkliches , zu seiner Wirklichkeit gehört alles was es angeht . Indem nun die Hellsehenden von ihrer Wirklichkeit wissen und ihre Wirklichkeit diese Concentration des Gefühls ist , wissen sie von dergleichen auf unmittelbare Weise . Besonders ist das bei Blutsfreunden der Fall . der Bereich aber der Wirklichkeit geht da auch auf Personen die einen interessiren , zu seinem Seyn gehören , ferner sich aber auch erstrecken auf solche Gegenstände die zu seinem Umkreis gehören , von dem sie so in ihrem Gefühlsleben wissen können . Solche Geschichten 12–696,1 der Magnetiseur … man] Wl : doch irren sie oft darüber . Gewöhnlich läßt man sie ausschlafen , oft aber werden sie vom Arzt auch geweckt . – / Sie wissen von entfernten Gegenständen . dieß ist ein großes weitreichendes Feld . Standpunct schon gewesen das Individuum ist ein wirkliches . Zu seiner Wirklichkeit gehört der ganze Bereich dessen was dasselbe angeht , – das gehört zu seiner Wirklichkeit selbst . – | Indem nun im Zustand des Hellsehens 6 verordnet] verordt ht

17 Heidelberg über Heilbron

76Er ; den 13 . December . 1827 .Er

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Geschichten dieser Art der Ahndungen außer dem Magnetismus findet man in Johannes Müllers Werken in seinen briefen im 6t e n Theil – er hat solche Geschichten aus den alten gesammelt und auch aus seiner eignen Erfahrung manche beigesellt – von Massilius ficinus dem Übersetzer Platons etc . dieser versprach sich mit seinem Freund Michael Mercator , sie wollten sich Kunde geben , wenn einer von ihnen gestorben wäre , ob es wahr sei , was sie geglaubt und dem Mercator erschien der Freund auf einem Schimmel und rief o Massilio es ist wahr , es ist wahr – und in derselben Stunde war Mercator gestorben . Ebenso von 2 Arkadiern erzählt Cicero eine ähnliche Geschichte von solchen Ahndungen ; das 2t e Gesicht der Hochschottländer ist auch eine merkwürdige Erscheinung – die Nachrichten darüber sind in Kiesers Journal über den Magnetismus zu suchen – In Heidelberg war etwa vor 20 Jahren der berühmte Prophet Müller , der über die Erfahrung des Krieges seine Ahndungen ausgesprochen hat und auch dem König von Preußen mitge theilt ; er ist bauer gewesen , aber nachher haben sie ihn durch allerlei Fragen und hohe Einladungen verdorben und stolz gemacht , wie das oft geschieht . Hegel hat ihn in Heidelberg selbst gesehn , als er wegen Holz Diebstahl bestraft worden ; die Veranlassung zu seinen Gesichten ist die : sein Vater ist gestorben und da hat er sich auf den Leichnam geworfen und mit der höchsten Anstrengung zu Gott gebetet , ihm seinen Vater nicht zu nehmen ; und der Vater der scheintot gewesen , ist wieder erwacht ; und da hat er sich für ein besondres Wesen gehalten . die Gefühlsstimmung

sie von ihrer Wirklichkeit wissen , so wissen sie davon ohne die Vermittlung durch die man sonst von solchen Gegenständen weiß als außer sich seiend . Sie wissen auf unmittelbare Weise . – Unter Blutsfreunden besonders ist das sehr leicht der Fall . Dasselbe Blut : Familie ist eine sittliche aber auch eine natürliche Einheit . Wirklichkeit des Einen ist in der des anderen substantiell enthalten . Der Bereich der Wirklichkeit eines Individuums geht auch weiter auf Personen die ihn im Innersten interessieren , zu seinem Sein gehören . Aber auch weiter auf Gegenstände , die in seinen äußerlichen Umfang überhaupt gehören . In dem sie in äußerlichen Umfang gehören , gehören sie zu seiner Wirklichkeit (seinem Gefühlsleben) und sie können wissen von diesem Bereich in ihnen selbst , in ihrem Gefühlsleben . Dahin gehören viele Geschichten . – Solche außerhalb des Somnambulismus 1 in] Er : z . b . in 2–9 Werken in … das] Wl : Briefen VI Theil . Arkadier . das 2–16 im 6t e n Theil … worden ;] Er : 6 t e r Bd . Es gehört hierher das second sight der Schottländer worüber zu vergleichen Kiesers Journal Es kann hier auch der Prophet Müller in Heidelberg angeführt werden . Nachher ist er verdorben worden durch viele Fragen und dergleichen . 9–10 Hochschottländer ist … in] Wl : Hochländer und auf Inseln westlich von Schottland . – Vom Tod , vom weit untergehenden Schiff siehe : 11–697,2 über den … allerlei] Wl : Magnetism be treffend hat Auszüge von diesen Nachrichten . – Profet Müller in Heidelberg vor 20 Jahren . Gebet um Vater der gestorben . Der lebt auf . Diese Anstrengung der Seele , außer sich seyn und in sich gehen scheint in ihm das Gefühlsleben fi xirt zu haben . Beim Somnambulismus ist auch das der Fall . – (Oft leider hat man damit 17 seinen Gesichten … die :] Er : dieser Fähigkeit ist merkwürdig . 18–19 ihm seinen … wieder] Er : – der Vater sei 20–697,2 da hat … allerlei] 4 Massilius ficinus] siehe Anm . zeichen am rechten Rande

14 hohe] hohen

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35–37 Profet Müller … haben . mit Einfügungs- 40

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hat sich in ihm seitdem fi xirt . – Mit diesen Hellsehenden hat man nun auch allerlei Unfug getrieben ; so hat man einen solchen sehr unrechter Weise gefragt : wie lang der vorige König noch leben werde ; Wiesecur erzählt , er habe auch einmal einen Grafen Bridel ? der in somnambulen Zustand gewesen aus Scherz gefragt , welche Zahl in der Lotterie gewinnen wird ; da hat er keine Zahl genannt ; aber es ist keine herausgekommen und damit ist Wiesecur auch sehr zufrieden gewesen . So weit darf man dies nicht ausdehnen und nicht glauben , daß das Wissen sich auf solche und alle Dinge erstrecke . Noch ist zu merken , daß die Hellsehenden oft von ihrem Schutzgeist sprechen , irgend ein Mensch , den sie verehren , ein Geistlicher oder älterer Freund , eine verstorbene Mutter und dergleichen als ihren Schutzgeist ausgeben . Ihre Stimmung ist meist sehr religiös und sittlich . Der Kranke muß das Krankhafte in seinem Körper wegkämpfen , durch dasselbe sich durch arbeiten ; dieser Kampf des Organismus ist zugleich aber auch ein Kampf | des Guten im Menschen mit dem bösen ; und es ist die Erfahrung daß Menschen , die diese Krisis durch gemacht haben , nachher milder ruhiger besser geworden sind . Ein andrer Umstand ist nun noch der Zusammenhang des Magnetisirten mit dem Magnetiseur ; wir haben schon vorläufig davon gesprochen und gesagt : es ist

20 Er : diese höchste Anstrengung , dies Außer sich setzen der Seele , hat dieses vorwiegende Gefühls-

leben in ihm fi xirt / Die Somnambulen haben nun diese Fähigkeit , und es ist allerdings oft damit … merken ,] Er : Eine Form ist noch zu erwähnen , 2–5 so hat … in] Wl : nach Leben des Stuttgarter Königs , nach Zahlen 5–8 gewinnen wird ; … Hellsehenden] Wl : gefragt , was nicht herausgekommen ist .) Umstand des Wissens vom Gegenstande wobei oft ins größte Erstaunen gerathen ist . – Hellsehende 9 ihrem] Er : einem 9–13 irgend ein … Kampf] Wl : einer Gestalt die Sie sehen , von einem ihnen bekannten , lebenden oder verstorbenen Wesen , von Eltern p die sie Schutzgeist nennen , weil die sie belehren , auffordern , ihnen zu reden . Ueberhaupt ist Stimmung der Hellsehenden eine ernste , sittliche , häufig sehr religiöse Stimmung . Als Zustand der Krankheit muß der Körper die Krise seiner Krankheit durcharbeiten : damit ist häufig verbunden oder parallel , ein Kampf der Seele , 9–12 irgend ein … arbeiten ;] Er : einem verstorbnen oder geachteten Freunde . Ueberhaupt ist die Stimmung der Hellsehenden eine ernste , sittliche , häufig sehr religiöse . der Körper muß die Krise seiner Krankheit durchkämpfen ; 13 des Organismus … ein] Er : ist denn auch vereinigt mit einem 13–14 im Menschen … bösen ;] Er : und Bösen , und daher oft daß der Mensch ins Innerste seines Moralischen hineingeht und diesen Kampf durchkämpft , 14 und es … Erfahrung] Wl : Häufig hat es die Gestalt angenommen , daß der Mensch innerst bewegt , auf’s tiefste in seinen moralischen Character eingeht und daß das Gute den Kampf mit dem Bösen durch kämpft . Erfahrung ist , 14–15 Menschen , die … nachher] Er : oft der Kranke aus dieser Krise 14 diese Krisis] Wl : diesen Kampf 15 besser geworden sind .] Wl : sittlicher daraus hervorgegangen sind . das sind Haupt um stände bei diesem Zustand . – Noch vieles andere in diesem weiten Felde . geworden sind] Er : zurückkehrt 17–698,2 wir haben … Zustand] Er : jener ist kein selbstständiges Individuum , ist als Gefühlsleben in der Gewalt eines andern , es ist ein Zustand schwächerer Persönlichkeit , 17– 698,1 wir haben … sondern] Wl : Sofern Mensch in diesem Zustand ist , ist er im Verhältniß ,

20 2–8 so hat

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2 solchen] solher

3 Wiesecur] siehe Anm .

4 Bridel] siehe Anm .

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das Individuum nicht selbstständig , sondern wie das Kind | im Mutterleibe , so ist sein Verhältniß gegen den Magnetiseur ; es ist in dem Zustand der Unfreiheit ; es ist im Verhältniß zu dem Magnetiseur , im Rapport mit demselben[ .] Wenn ein andrer es berührt , so kann es heftig bewegt werden und erschüttert ; auch wenn es nur ein Thier ist – (eine Katze : die Kranken empfinden oft den Magnetiseur auch in der Ferne von mehreren Stunden – Hegel magnetisirt auch !) Wiesecur erzählt von einem Mädchen , die er magnetisirt hat , die sich erst gar nicht hatte magnetisiren lassen wollen – die wußte es , daß er ins Haus gekommen war , ohne daß sie ihn gesehen . Wenn der Magnetiseur übel gestimmt ist , so haben sie eine ähnliche Empfindung – (die Geschichte mit dem Schnupftabak und den Pfeffer minzkügelchen – eigenthümlich ist auch : daß sie im Wachen nichts von dem wissen , was mit ihnen im Schlaf vorgegangen ist – sie haben auch Empfindung von Krankheiten anderer , mit denen sie in Rapport gesetzt werden – ja man braucht sie nur mit dem

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1–2 Mutterleibe , so … dem] Wl : Mutterleibe zu Mutter ; nicht ein selbstständiges Individuum . Nicht ein Freiwerden ; ist im allgemeinen in Gewalt eines anderen ; magischer Zusammenhang : Subject hat seine Persönlichkeit gegen Magnetiseur mehr oder weniger verloren ; 3–11 es ist … auch :] Wl : dieß Verhältniß mit Magnetiseur heißt Rapport . Sie hören nur ihn und nicht andere . Wenn sie von andren berührt werden , können sie diese häßlich affi ziren bis zu Lähmungen und Krämpfen . das kommt bei Berührung von andern Menschen und Thieren . Man muß Personen in diesem Zustande sehr in Acht nehmen vor Fremdartigem . Sie h ö r e n Magnetiseur nicht nur s p r e c h e n , sondern e m p f i n d e n ihn auch auf weite Entfernungen : von wo aus er durch bloße Richtung seines Willens sie in Schlaf setzen kann . Sie können von ihm eben so wissen , wie wir schon gesehen bei dem Bruder . – Sie empfinden auch (depression) Krankheit des Magnetiseurs . Ist er übel gestimmt ; auch sie . – Auch andre Zustände desselben empfinden sie . – Eigenthümlich 3–11 es ist … Pfeffer minzkügelchen –] Er : Der Magnetisirte ist im Rapport mit dem Magnetiseur , hört nur ihn , Berührung anderer kann den Kranken sehr unangenehm afficiren , bis zu Lähmungen . Sie hören den Magnetiseur nicht nur sondern empfi nden ihn auch auf Entfernungen Er kann Stunden weit seyn und sie durch Vorstellung , Richtung des Willens dahin in Schlaf bringen . Es kann (auf eben die Art) seyn daß sie auf eben solche Art ihn empfi nden , wie oben Beispiele angeführt sind . die Kranken haben eine Empfi ndung von den Zuständen , Krankheiten pp des Arztes . 11–699,2 von dem … Wiesecur] Wl : wissen vom Zustande ihres Hellsehens , und umgekehrt . – Ferner ist’s der Erfahrung gemäß , daß sie Krankheiten andrer empfinden , mit denen man sie in Rapport setzt . Graf Visseguure . Er Epileptische consultirt bei Somnambulismus und dieser wird dadurch ebenso . Man hat Hellsehende mit Kleidern einer Frau in Rapport gesetzt und sie hat Krankheit derselben bestimmt . davon hat man Beispiele . Hierher gehört auch das sogenannte paquet : d . h . daß viele theils , die magnetisirt werden , | mit ein ander in Verbindung gesetzt werden , oder in Verbindung gesetzt werden mit einem Kasten von Glas . – Viseguure 11–12 mit ihnen … von] Er : sie im Zustand des Hellsehens gethan gehört pp haben , – so ist es auch umgekehrt . – Ferner empfi nden sie 13–699,2 werden – ja … nämlich] Er : werden . diese Empfi ndung der Krankheiten andrer ist etwas sehr ausgezeichnetes und ist noch weiter getrieben , durch in Rapportsitzen mit Kleidungsstücken pp das sogenannte Baquett gehört auch hier her , theils daß mehrere 6 Wiesecur] siehe Anm . 24 Eigenthüm lich] folgt gestr : daß sie wissen 32 Visseguure] siehe Anm . 36 Viseguure] siehe Anm. 40 sogenannte] folgt gestr : Parlet Baquett aus Barquett am rechten Rande

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Kleidungsstück einer kranken Person in Rapport zu setzen , so bekommen sie diese Krankheit . Wiesecur hat nämlich einen Baum magnetisirt und darunter hatte er die Kranken gelegt und ihnen bindfäden in die Hände gegeben , die an seinen Zweigen befestigt gewesen und damit hat er viele kurirt . Die Kranken haben auch die Vorstellungen ihres Magnetiseurs , und geben die Mittel an , die er im Sinn hat ; sie wissen überdies von vielen Gegenständen , aber freilich nicht von allen , sondern sie lesen eigentlich nur die Vorstellungen die bilder ab , die ihr Magnetiseur im bewußtsein hat . Hr . v . Görtz in seinen Tagebüchern erzählt : daß er einen Freund mit einer Kranken in Rapport gesetzt , er hatte eine Freundin in einer entfernten Stadt – Diese beschrieb sie ihm und ihr Haus und ihr ganzes Leben und ihre Umgebungen . Sie sagt sie werde durch einen Strahl dahin geführt , daher weiß sie es ; diese Strahlen gehen von den Personen aus , die mit ihr in Rapport gesetzt seien und sie fragen – Meine eigne und eure Aufmerksamkeit , sagt sie weiter , thut sehr viel dazu – wenn einer zerstreut ist , der mich fragt dann komme ich in Verwirrung . Daher kommt

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15 Magnetisirte in Rapport gesetzt werden , theils indem sie in Zusammenhang gebracht werden mit

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einem Kasten pp Visigur ( ? ) hat so 2–6 magnetisirt und … überdies] Er : magnetisirt . Mesmer hat vor nehm|lich die Kranken in Rapport gesetzt . / Ferner haben sie auch die Empfi ndung von den Vorstellungen des Arztes . das Wissen der Hellsehenden und darunter … überdies] Wl : von dessen Aesten Bindfäden herabgelassen und daran sind Herbeiströmende geheilt worden . – Mesmer setzte Kranke mit ein ander in Verbindung . – Weitres , daß die Hellsehenden in Rapport vom Magnetiseur wissen , sind auch seine Vorstellungen seine Intentionen . Mittel gegen die Krankheiten . – Besonders hat das Wissen der Hellsehenden 6–700,1 Gegenständen , aber … es ,] Er : Gegenständen ist daß sie die Vorstellungen des Arztes gleichsam ablesen pp Es ist so daß sie in der Vorstellung des Andern lesen und diese aussprechen . Es ist der Umstand noch zu bemerken 6–12 aber freilich … fragen –] Wl : diesen Zusammenhang , daß sie es nicht indirect von sich wissen , sondern die Vorstellung des Magnetiseurs gleichsam ablesen ; aussprechen . – Er fragt nach einer Freundin , und sie sagt , wo sie wohnt , und wie und was ? – Wie könnt ihr so etwas sehn ? / Wenn ich nach solchem Hause sehe , nach dem gefragt wird , werde ich von einem Lichtstrahl hingeführt , der vom Fragenden ausgeht , durch den ich mit Fragendem vereint werde , und welcher Strahl mit ihm mich an den in Rede stehenden Platz bringt . 13–14 sagt sie … dann] Wl : trägt viel zu bei . Ohne Aufmerksamkeit sehe ich nur oberflächlich . Fragt ein andrer , so muß er mit Wichtigkeit fragen und Zutrauen dazu haben ; sonst 14– 700,2 Daher kommt … Kranken] Wl : Sie sehen nicht alle Mal gleich . – / Standpunct also fühlende Totalität , Genius . der Mensch ist fühlende Totalität ; im wachen Zustande die bewußte Totalität . – Was im Menschen oft in bewußtloser Weise vorgeht , gehört hierher . Genius ist gleichsam innres Schicksal des Menschen . Er wird oft abgehalten und angetrieben ohne sich Rechenschaft zu geben . Ur theilt über andere , sympatetisch (d . h . Totalität meiner fühlenden Individualität findet da ein gewisses Verhältniß , das unendliche Modificationen haben kann über die man sich keine bestimmte Rechenschaft geben kann . –) / Es ist in dem Zustande der eigentlichen Krankhaftigkeit ein eigentliches Unterschiedensein der fühlenden und selbstbewußten Individualität . – In die Gefühlsindividualität fällt meine ganze Wirklichkeit , kann wissen ohne die Weise in der meine bewußte Individualität etwas wissen 2 Wiesecur] siehe Anm . 3 gelegt] gkrigt 7 hat] sid 8 Hr . v . Görtz] siehe Anm . siehe Anm . 40 Wirklichkeit ,] folgt gestr : insofrn sie me bwußte Ind

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es , daß die Hellsehenden nicht zu jeder Zeit gleich scharf sehen . – Es sind also bei diesen Kranken viele Täuschungen möglich , weil sie ihre Kenntniß nicht in sich selbst haben sondern in ihrem Magnetiseur . Eine andre Quelle von Täuschungen ist , daß ein somnambules Subject in seiner Unbefangenheit gestört überreizt werden kann . das Subject ist religiös ernster gestimmt ; es ist ihr bessres Selbst , was als Gesundheit in ihm ist ; in jeder Krankheit ist noch Gesundheit ; der Kranke ist noch nicht durch und durch entzweit , die Gesundheit muß ihrer Wurzel nach noch in dem Menschen sein wenn er krank | ist , sonst könnte er nicht genesen . Es ist also der Zustand einer Erhebung der sittlichen Gesinnung in diesem somnambülen Zustand . Aber nun kann auch das Subject in seiner Reinheit getrübt , kann eitel

kann . das die Hauptmomente auf die es ankommt . – / Zuletzt errechnet daß überhaupt viele Täuschungen in diesem Felde Statt fi nden können . – Auch im Kreise der Möglichkeit die in diesen Zustand fällt , sind 1–3 zu jeder … andre] Er : allemal gut sehen , oft sehr scharf , oft gar nicht . / Der Mensch ist in diesem Zustande die fühlende Totalität , was im Menschen auf bewußtlose Weise geschieht , gehört in diese Sphäre , sein Genius ist sein innres Schicksal , worüber man sich nicht Rechenschaft gibt , der oft verschiedne Verhältnisse empfi nden läßt worüber man sich nicht rechtfertigen kann . Es tritt eine Verschiedenheit ein dieser Gefühls Individualität und der selbstbewußten . Es fällt aber in jene meine ganze Wirklichkeit und ich kann von dieser wissen auf eine der selbstbewußten Individualität widersprechende Weise . – / Auch in dem Kreise der Möglichkeit fi nden sich in diesem Zustande oft Täuschungen . Das Individuum kann auf unmittelbare Weise in sich sehn aber da ist schwer zu unterscheiden was es in sich und was es im Magnetiseur sieht und aus diesem ausspricht . Die zweite 2–3 möglich , weil … Quelle] Wl : möglich . Ein somnambules Individuum kann in sich wissen in sich sehen auf unmittelbare Weise ; aber durch seinen Rapport mit magnetiseur empfindet es den magnetiseur , und es ist schwer zu unterscheiden was das Individuum in der That in sich oder was in dem Magnetiseur empfindet . Vieles von manchen Erscheinungen fällt dann weg , die sonst sehr in Verwunderung setzen . / Ein 2t e r Quell 4 ein somnambules] Er : das somnambule 4–5 in seiner … ernster] Wl : überreizt werden kann in seinem Zustande . – Es ist sittlich , ernst , religiös 4–10 überreizt werden … das] Er : worden . Es ist wie gesagt das somnambule Subject in der Regel milder , sittlicher pp Ebenso in psychischer Rücksicht kann ein Kampf zu bestehn seyn seines bessern Selbst , der Zustand zeigt daher oft eine Erhebung dennoch kann das somnambule 5–10 ihr bessres … kann 2 ] Wl : sein Bestes , was sich als Gesundheit in ihm erhebt . Fysische Krankheit ist nur Kampf der Gesundheit im Körper gegen Krankheit . Ohne Gesundheit wäre Tod . Diese Harmonie der Gesundheit muß in Wurzel wenigstens vorhanden seyn . So auch auf psychischer Seite . Auch hier hat es Kampf zu bestehen seines besseren Selbst in ihm gegen Böses in ihm . Also ein Erheben der sittlichen religiösen Gesinnung ; aber dessen ungeachtet kann ein somnambules Subject auch (überreizt werden) 10–701,14 kann eitel … sagen ,] Er : eitel werden ; seine Verlangen pp können Ein|fälle pp werden . Es tritt aus dem Werthe den es hat nicht heraus , allerlei Einfälle können wenn sie erfüllt werden die Vorstellung bewirken , alle seine Einfälle würden erfüllt werden . Wie beim Verrückten sind hier verschiedne Maaßregeln zu nehmen , damit nicht durch Willkührlichkeiten die Umgebung geplagt und die Cur gestört werde . Wenn sie so Dinge wissen die man auf verständige Weise nicht wissen kann , und bewundert werden so ists oft daß sie daran Gefallen fi nden . Sie sehen nicht immer hell und da ist es oft nöthig daß man sie auffordern muß genau hinzusehn pp durch solches Auf reizen wird allerdings die Kraft des Sehens erhöht aber es kann auch leicht ihr Zustand überreizt werden , und hin zu kommende Eitelkeit kann sie dahin bringen daß sie sogar aussagen

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gemacht werden . Es hat gewisse Wünsche und Verlangen ; diese können aber mehr Einfälle und Willkührlichkeiten werden , indem das Subject in seiner Individualität beschlossen ist ; indem man nun seine Wünsche erfüllt , so kann es auf den Gedanken kommen , daß man alles thut , was es verlangt , und dann überläßt es sich seinen kühnen Wünschen . Es ist da wie mit den Verrückten , denen man auch oft nicht widersprechen soll , oft aber auch ihren Willen in die Zucht nehmen . Durch die Gelüste , in die sie verfallen , werden die Umgebungen oft sehr in Verlegenheit gesetzt – Hr . von Strombec in Zelle im Hannöverschen ein sehr verständiger und sogar prosaischer Mensch hatte eine Person bei sich , mit der sich dergleichen zugetragen (cf . sein Tagebuch) Man muß auch das Wissen solcher Personen nicht bewundern , sonst werden sie leicht stolz , und das hindert die Kur . Sie müssen auch nicht zu sehr aufgereizt werden , wenn sie sagen : sie sehn dies oder jenes nicht recht , sie würden es morgen besser sehen – sonst geben sie sich Mühe zu sehen und werden überreizt und sie können dann leicht so eitel werden , daß sie etwas sagen , was sie gar nicht sehen , was die Eitelkeit vor sie hinstellt – So hat eine Person einmal heimlich einen brief aufgeschnitten und ihn so gelesen , ein brief von einem Staatsmann , der gesagt : wenn

1–4 gewisse Wünsche … kommen ,] Wl : gewisses Verlangen ; es kann sich Zufälligkeit darin mischen , daß dieses sein Verlangen mehr Einfälle , | sind . Es tritt im Ganzen aus seiner wirklichen Individualität nicht heraus . Es geht viele Interessen darin durch , und kann da viele Wünsche p haben . So wie man die alle erfüllt , kann es leicht meinen 4–702,6 seinen kühnen … war ,] Wl : seiner Willkührlichkeit . Wie bei Verrückten muß man dem Verlangen entsprechen , aber Willkührlichkeit p nicht erfüllen ; durch diese wird Umgebung geplagt , und die Kur sehr erschwert . – / Es ist auch geschehen , daß sie in diesem Zustande von dingen wissen , von denen sie sonst nicht wissen können . Bewundert man ihr Wissen , haben sie ihren Gefallen daran . das Hellsehen kann mehr oder weniger unvollkommen seyn ; und oft muß man die Person auffordern , die Gegenstände , worauf man ihre Aufmerksamkeit gerichtet hat , diese näher zu betrachten , sich anzustrengen und genau hin zusehen . Dadurch , daß man sie so aufreizt , wird allerdings die Kraft ihres Hell sehens erhöht , aber es kann auch geschehen , daß dieß ihr Sehen , der ganze Zustand , überreizt wird ; – und indem zugleich jene Bewunderung eintritt , geben sie sich Mühe zu sehen und sie verderben sich durch Eitelkeit ihre Unbefangenheit , – werden auch verführt , andres zu sagen , als sie sehen , oft wegen Vortheilen zu betrügen – : und das ist dann ein schlimmer Zustand . Zustand des Hellsehens und des Betrügens vermischt sich so , daß es schwer zu entscheiden ist , was ächt und was unächt ist . – dieß Ueber rei zen auch ohne alles andere , dieß Ueber rei zen der Richtung einer Somnambulen auf das Sehen , hat dann überhaupt auch den Nachtheil daß die Kur verzögert wird . Sie legen sich auf’s Grübeln . Wenn die Krankheit der Heilung zugeht , nimmt die Trennung des empfindenden Lebens und verständigen bewußten Lebens ab , die Isolirung wird schwächer , und damit mindert sich auch dieß Vermögen deutlich zu sehen . Wenn also in diesem Uebergange zur Genesung das Sehen immer wieder aufgereizt wird , wird die Kur verzögert . – / So Hauptumstände dieser Zustände . der Zustand selbst sehr vielförmig . Indessen ihre Kenntniß erschöpft , so daß man nicht bedeutend Neues darüber erwarten kann . So nichts Neues in Kiesers Journal . / Uebergang zu einer anderen Form . Zu vergessen , dieß Concrete , und diese Form als bloßen Zustand ; sondern die Form zunächst die unser Gegenstand ist . Die Form 15–702,4 was die 4 daß] das

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sie das lesen kann , so wolle er auch daran glauben ; sie hats allerdings gelesen aber mit betrug ; als das entdeckt worden – war alles vorbei . Das kam alles aber daher , daß man mit ihr hat Parade machen wollen . – Übrigens ist der ganze Zustand des Magnetismus erschöpft ; man braucht nichts Nähers darüber zu erwarten . Wir gehn (nun endlich) zu einem andren über . Die Form , die hier unser Gegenstand war , ist überhaupt totale Individualität als fühlend ; das Fühlen ist Fühlendes , Gefühlsindividualität ü b e r h a u p t . Das ist der Standpunkt . – Von dieser Gefühlsindividualität üb e r h a u pt unterscheidet sich die Gefühlsindividualität a l s S el b s t g e f ü h l . Empfinden und etwas Empfinden war das erste – nun die Individualität als sich selbst empfindend . Sein Selbst wird wesentlich Inhalt des Empfindens . die Individualität ist f ü r s i c h s e i n und d a s i s t S e l b s t ge f ü h l . – a d a s S e l b s t g e f ü h l a l s s ol c h e s ; das I n d iv id uu m fühlt sich ; dazu gehört daß es sich fühlt mit ausschließen der besondrung und bei sich ist ; es befreit sich in seinem Inhalt zugleich vom Gefühl und kehrt zu sich selbst zurück . – und nur in dieser befreiung fühlt es sich ; dies Selbst ist der abstracte Einheitspunkt der Individualität . |

… zu] Er : ja sogar daß sie in Betrügereien verfallen . Das bloße Ueber reizen in einer Richtung hat den Nachtheil daß die Cur verzögert wird , sie legen sich aufs Grübeln ; die Gefühlsisolirung wird beim Uebergange zur Genesung schwächer daher auch da das Aufreizen die Cur verzögert . Die Kenntniß des Zustandes ist indeß erschöpft etwas Neues läßt sich nicht mehr 5 (nun endlich)] Er : nun Die] Er : Wir haben das Concrete zu vergessen und die 6 war , ist … Fühlendes ,] Er : nun zu betrachten als Gefühlsindividualität und zwar ist diese Fühlendes ,] Wl : Fühlendes , und das Fühlende ist die ganze Individualität . die ganze Individualität ist Gefühlsindividualität . – 7–9 Das ist … nun] Er : Von dieser die es überhaupt ist unterscheidet sich , sie wie sie Selbstgefühl ist , daß das Indivi|duum s i c h fühlt , ganz in diesem Abstractum des Selbst . / Wir sehen 7–8 Von dieser … die] Wl : Davon unterscheidet sich / β . d i e 8–9 S e l b s t g e f ü h l . Empfinden … die] Wl : S e l b s t g e f ü h l / oder daß das Individuum sich selbst fühlt , das Selbst zu fühlen . – Empfi nden und etwas empfinden . – Empfi ndung Bestimmtheit überhaupt die äußere erinnert wird p . – 10–12 Sein selbst … d a s ] Er : Sie ist wesentlich selbst und dies Selbst wird Gegenstand des Empfi ndens , die Individualität ist für sich seyn und dieser Punkt wird Inhalt . das ist nun das Selbstgefühl . Hier haben wir diese zwei Seiten zu betrachten , das 10 Sein Selbst wird] Wl : Individualität ist als Individualität wesentlich ein Selbst , und dieß Selbst ist wieder 10–12 die Individualität … d a s ] Wl : Individualität das Für sich seyn ; ist Für sich seyn . Das Für sich seyn = Subjectivität überhaupt , dieser Punct der Einheit der Individualität muß Inhalt werden . – | Das zweite ist Selbstgefühl also . / 12 sich ; dazu gehört] Wl : sich . diese Form überhaupt dazu daß es sich fühlt gehört , 13–15 daß es … Individualität .] Er : die Ausschließung der Besonderheit , daß es die Empfi ndung in sich zurücknimmt , die Bestimmtheit ist ein Ideelles ein solches von dem sich das fühlende Subject indem es es fühlt zugleich befreit . In diesem Befreien ist es nicht von der Bestimmtheit befangen sondern ist in sich . Es setzt den Inhalt der Bestimmtheit als negativ abstrahirt von ihm . 13 besondrung und ] Wl : Besonderheit , oder daß es 13–14 es befreit … kehrt] Wl : in sich zurückgekehrt ist ; – die Bestimmtheit , Besonderheit ist ein aufgehobenes , ein solches , von dem sich das fühlende Subject in seinem Fühlen zugleich befreit , – und so kehrt es 15 dies] Wl : Sein 15 fühlt] führt

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diese Form des Selbstgefühls kann aber auch in Krankheit umschlagen – der Fühlende ist hier zugleich der concrete Mensch und da kann es dann geschehn , daß er in der Form des Selbstgefühls stecken bleibt und nicht über sich Meister wird und zu seinem Selbst zurückkehrt , und in seinem Selbstgefühl bleibt im Gegensatz gegen seine verständige Wirklichkeit – dann fällt er i n Ve r r ü c k t h e i t und das ist das 2t e a . Da s S e l b s t g e f ü h l a l s s ol c h e s Es ist die fühlende Individualität als ihr Für sich sein fühlend ; dazu gehört , daß es in dem bestimmten Inhalt der Empfindung sich in sich reflektirt . diese Reflexion in sich ist eine Vergewisserung seiner Individualität . Wenn man fragt wie kann einer etwas behalten ? Nur in so fern er den Inhalt seinem qualitativen Sinn

1 diese] Wl : Und daß dieser Punct ein Selbst sei , dazu gehört die abstraction . / Diese 1–2 der Fühlende … da] Er : indem das (schon selbstbewußte) Individuum hier betrachtet wird der Fühlende … Mensch] Wl : indem das Individuum als concretes selbstständiges Bewußtsein genommen wird (wie wir’s auch im vorigen anticipirt haben .) und in diesem Zustand betrachtet wird , – 2–3 er in der] Er : er , der concrete Mensch , in der einen 3–4 stecken bleibt … Gegensatz] Er : stehn bleibt , nur im Selbstgefühl bleibt und nicht … seinem 2 ] Wl : in der einen Form des Selbstgefühls , die eine besondere bestimmung ist ; nicht Meister wird und zurückgeht ; im 5–6 verständige Wirklichkeit … a .] Wl : verständige , vernünftige Wirklichkeit . Dieser Zustand heißt der Zustand der Verrücktheit , und dieser Zustand hier zu betrachten . / 1 .) 5–7 dann fällt … die] Er : und dieser Zustand ist der der Verrücktheit . / Das Selbstgefühl ist 7 Es ist die] Wl : = dazu] Wl : Der Inhalt , Bestimmtheit des Fühlens ist ihr für sich seyn . Dazu 8 es in … sich1] Er : in der bestimmten Empfi ndung sie sich aus dieser Besonderheit der Empfindung] Wl : des Empfindens 9–704,1 ist eine … setzt .] Wl : im besonderen ist eine Gewährung , Vergewisserung ihrer selbst . / Selbstständige Individualität ist allgemein , daß es existire dazu gehört diese Idealität des bestimmten und besonderen . – (Nicht zu fühlen ihrer selbst , bei sich selbst zu seyn .) Dieser bestimmte Inhalt wird nicht ausgestoßen , sondern in das Seyn der Seele gesetzt , behalten . – / In einer gegebenen Bestimmtheit zu uns selbst zurückkehrend sind wir selbst . / Das nähere das Moment des Selbstischen zu bemerken das zum Empfinden überhaupt zukommt . – daß wir zu uns selbst zurückgekehrt sind in besonderer Bestimmtheit hat die nähere Bestimmung , daß so etwas von uns behalten wird . Es wird eine nähere Bestimmung in unser Selbst gesetzt , und so in uns als seiend gesetzt . – Kenntnisse , besonderer Inhalt sind Endlichkeiten . Diese sind seiende . Dieser Inhalt bleibt nur in uns , sofern er in unser Sein gesetzt ist . Im Selbstgefühl sind wir dieß : im Selbstgefühl als identisch mit Leiblichkeit . – Sofern wir im Besitz solches qualitativen Inhalts sind , muß es seyn in unsrem qualitativen Seyn . Solches kommt uns zu , sofern wir selbst seiende sind – die abstracte Geläufigkeit haben . Empfindung , p gehen vorüber , verlöschen aus dem Strome der Allgemeinheit 9 eine] Er : die Bewährung , 9–704,1 Individualität . Wenn … setzt .] Er : selbst , dazu daß es wirklich seie dazu gehört diese Idealität der Besonderheiten . / | Es ist hier das Moment des Selbstischen zu bemerken was zur Empfi ndung hinzukommt und dies hat die nähere Bestimmung daß es von uns behalten wird . Es wird der Inhalt in uns als seyender gesetzt , Kenntnisse pp sind Endlichkeiten , dieser Inhalt bleibt in uns wir behalten ihn wenn er in uns gesetzt wird als seyend . Als Selbstgefühl sind wir identisch mit unsrer Leiblichkeit . Jener qualitative Inhalt kann in uns nur seyn sofern wir Selbstgefühl dieses Qualitativen , seyende sind . 13 selbstständiges] Lesart unsicher ; Hk : verständiges gestr : Dieses Innerlich mach

34 Geläufigkeit] Lesart unsicher

36 Es] davor

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nach in sich setzt . Im Alter behält man nicht mehr so das Erscheinende wie in der Jugend , weil die Leiblichkeit schon schwächer geworden ist . bei der Kräftigkeit des Selbstgefühls wird aber solcher Inhalt in die eherne Tafel unsres Seins eingeschrieben – und so behalten wir den Inhalt in der abstracten einfachen Leiblichkeit . die bestimmungen werden in uns erinnert , sie sind dem Vorübergehenden entnommen und festgemacht durch das Angehören unsrem Sein ; und dies Sein kommt uns nur zu als fühlenden . daß dies behalten der Leiblichkeit unsrem Selbst angehört erscheint auf mannigfaltige Weise . z . b . in Krankheit tritt Vieles wieder hervor , was nicht in der Gewalt unsrer bewußten Lebendigkeit ist . – Nervenkrankheiten können das sogenannte Gedächtniß (das physiologische Sein desselben) auslöschen , das wieder herkommen kann . Umgekehrt können andre Krankheiten Vieles wieder hervor rufen , was uns sonst nicht gegenwärtig ist . Krankheiten sind bewegungen und Veränderungen unsres Seins . Was wir in diesem Sein besitzen , das können wir nicht wissen . Man sagt in diesem Sinn ganz richtig : man vergißt viel mehr von dem | was man lernt als was man behält – Aber es ist doch Alles , was er gelernt hat in

1 das Erscheinende wie] Er : als Wl : wie 2 der] Er : der größeren Wl : großer 3 Seins] Er : Selbstgefühls 4–6 den Inhalt … festgemacht] Er : ihn . diese Leiblichkeit ist als allgemeines zu nehmen nicht als punctuelles , als Seelenorgan . das ist dies Moment am Selbstgefühl , daß die Bestimmungen in unser Seyn erinnert , Eigenthum unser selbst werden und so dem Verschwinden entnommen festgemacht werden 4–5 den Inhalt … entnommen] Wl : solchen Inhalt in der einfachen Leiblichkeit , | Leiblichkeit selbst als allgemeine Bestimmtheit . / Das ist also dieß Moment im Selbstgefühl , daß die Bestimmtheiten in unsrem Seyn erinnert werden , Eigenthum unsres Selbst sind , und als solches dem Verschwinden entnommen sind 7 fühlenden] Wl : fühlend 8 Weise . z . b . … Krankheit] Wl : Weise bei uns . In Krankheiten z . b . in] Er : In Vieles wieder hervor] Er : hervor 9–11 Lebendigkeit ist . … kann .] Er : Wirklichkeit heißt . Diese Seite – die auch eine am Gedächtniß ist – kann durch Schlag pp ausgelöscht werden . ist . – Nervenkrankheiten … kann .] Wl : ist (wir vergessen haben .) oder Nervenkrankheiten können diese Seite , die auch eine Seite am Gedächtniß ist , die fysische , leibliche – können das Gedächtniß auslöschen : 11–13 andre Krankheiten … Seins .] Er : Krankheiten manches was außer unsrer Gewalt getreten , wieder hervor rufen , was sonst mit unserm Willen nicht hervorgebracht werden kann . 11 andre Krankheiten … wieder] Wl : Krankheiten vieles 12–13 uns sonst … besitzen ,] Wl : im selbstbewußten Leben ganz außer unsrer Gewalt getreten ist . Solche Krankheiten sind Verändrungen , Bewegungen des Seins , die unabhängig ist von unserm Bewußtsein . – Was wir so besitzen in diesem unsren Sein , 13 diesem] Er : unserm 14–705,7 Man sagt … hervorgeht .] Wl : Wir haben viel mehr Kenntnisse als wir glauben . Man vergißt mehr als man lernt ; aber dessen ungeachtet ist dieß in seinem Seyn gesetzt , und in solchem Zustande kann dergleichen wieder hervortreten , erweckt werden . – / Das Selbstgefühl , diese Rückkehr des Selbst in sich hat diese Bestimmtheiten in sich . – Dies die theoretische Seite , was man die practische Seite nennen kann geht hervor aus Befriedigung dessen , was wir überhaupt wollen . 14 sagt in … dem] Er : vergißt | 15–705,7 als was … hervorgeht .] Er : dennoch ist dies in das Seyn gesetzt und kann unter besonderen Zuständen wieder erweckt werden . das Zusammenhängen mit der Leiblichkeit zeigen 12 ist] sind 36 werden . –] folgt gestr : Diß , was so mit Lblichkt ds Seins zusfällt verhält die … Seite , am rechten Rande 38 kann] folgt gestr : ist eigtlich ds Formelle

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sein Sein gesetzt . Aber man muß sich dies Sein nicht in materieller Ausdehnung vorstellen . Die Menschen haben ganze Büschel vom Gehirn verloren und damit zugleich vom Gedächtniß ; indeß kommt wie gesagt auch vor : daß die Erinnrung sich vollkommen wieder hergestellt hat , nicht weil das Gehirn wieder gewachsen ist ; denn das thut es nicht wieder , sondern weil die Zerrüttung aufgehört . das practische Selbstgefühl ist das Formelle gegen das theoretische ; es ist das , was aus befriedigung unsrer Neigungen und bedürfnisse hervorgeht . Nach dieser Seite fängt die bestimmung von innen an . Erlangen wir das bedürftige nicht , so entsteht ein Widerspruch in uns , eine Negation . Aber auch im Selbstgefühl selbst ist eine Entzweiung eine Negation gegen die Totalität des Selbstgefühls . diese Entzweiung ist nun überhaupt auch als | eine Leiblichkeit . In der Leidenschaft sagen wir : wir sind außer uns d . h . mein Ich versenkt sich in e i n e Seite seiner Totalität und da ist es allerdings nicht bei sich ; denn es ist eine besondere bestimmtheit , eine beschränkung . dieses außer sich Sein ist auch eine in sich entzweite Leiblichkeit . bei be friedigung des Triebes wird nun diese Particularisation meiner überwunden | und ich kehre zu meiner Totalität zurück aus der besondren bestimmtheit , in die

solche Beispiele , aber wie gesagt muß man sich das Seyn der Seele nicht als materielle Ausdehnung sich vorstellen . dies Selbstgefühl ist also diese Rückkehr des Selbst in sich hat diese Bestimmung in sich . diese Bestimmung kann die theoretische Seite genannt werden , die praktische ist das Selbstgefühl das herausgeht aus der Befriedigung dessen was wir wollen . 7 Seite] ErWl : praktischen Seite 8 von] Wl : nach 8–9 an . Erlangen … ist] Er : aus an , thut sich in uns auf und es ist der Widerspruch dadurch in uns gesetzt , wir und diese Bestimmung aber sie zugleich mit der Negation behaftet daß sie noch nicht in uns zurückgekehrt ist . das Nächste ist daß im Selbstgefühl selbst 8 Erlangen wir … entsteht] Wl : sie thut sich in uns selbst auf , und es ist dann 9–11 uns , eine … auch] Wl : uns gesetzt , sofern wir nicht erlangt haben , wessen wir bedürftig sind . Bestimmung in uns , zugleich mit einer negation behaftet , daß wir aus derselben noch nicht zu uns zurückgekommen sind . Im Bewußtsein entwickelt sich diese Negation beim Bedürfniß in Gegensatz gegen ein äußerliches Object . Das nächste aber ist , daß im Selbstgefühl selbst eine Entzweiung ist . / Dieß ist bei solchem Wollen , Begehren , da ist aus gedrückt worden also Entzweiung unsrer selbst . Diese Entzweiung ist auch überhaupt 10 eine Negation] Er : ist , eine Bestimmung Selbstgefühls .] Er : Selbstgefühls selbst . Solches Begehren pp ist eine Entzweiung in uns . 11 der] Wl : einer 11–12 sagen wir : … Ich] Er : bin ich außer mir d . h . meine ganze Totalität 12–13 d . h . mein … ist 2 ] Wl : nicht mächtig unser : d . h . ich , die ganze Totalität , versenke mich in 12–14 Seite seiner … eine] Er : einseitige Besonderheit , obgleich diese Besonderheit m e i n e ist . Ich bin in eine beschränktheit herabgesun ken . diese Entzweiung ist auch Leiblichkeit , 13–14 bestimmtheit , eine beschränkung .] Wl : Bestimmtheit meiner ; in eine Beschränktheit herabgesunken . 14 in] Wl : Leiblichkeit überhaupt , in 15 des Triebes … nun] Er : wird Triebes wird nun] Wl : Triebes , dessen was ich wünsche , wird 15–16 überwunden und ] Wl : überwunden , fällt weg ; 16–706,1 ich kehre … die] Er : diese Ueberwindung ist aber Ueber windung meiner Particularisation sowohl geistig als auch leiblich . In der 16 zurück aus] Wl : zurück . Und diese Ueberwindung ist Ueber windung 4 das] folgt gestr : Gdähtniß linken Rande hervorgehoben

16–706,2 besondren bestimmtheit … bin .] durch senkrechten Strich am

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ich mich versenkt habe . Durch die befriedigung mache ich mich leiblich gesund insofern ich als Geist zu mir zurückgekehrt bin . Also ich selbst bin überwundenes in meiner Particularität und stelle das besondre in meine Totalität . | das ist das Selbstgefühl überhaupt . Nun haben wir zu betrachten 2 . d i e K ra n k h e i t d i e s e r S e it e d e s S e l b s t g e f ü h l s , d i e Ve r r ü c k t h e i t Die Verrücktheit ist Krankheit des Selbstgefühls , so fern es ur theilt und das Für sich sein der Seele gegen eine Particularität ist . Sie ist aber auch eine leibliche Krankheit ; obgleich eigentlich der Geist verrückt ist – aber nicht bloß der Geist muß sie empfi nden denn dann wäre jedes Irren , jeder Irr thum jede Thorheit Verrücktheit . Obgleich da die Gränzen itzt genau anzugeben sind . die Plattheit und die beschränkung in kleinen Kreisen mit all seinen Leidenschaften – hält ein andrer oft für Narrheit . der Mensch bleibt in der Verrücktheit in einem ungesunden Zustand der Entzweiung fi xirt . Der Verrückte will Besondres in dieser Neigung , kehrt nicht zurück in die Totalität seines Selbstgefühls . Aller Inhalt seiner Neigung und Empfindung oder was ihm äußerlich begegnet , geht dem Verrückten nicht bloß

1 versenkt habe .] Wl : versetzt hatte , sowohl so fern sie leiblich als geistig ist . 1–3 leiblich gesund … ist] Er : eben so leiblich gesund als ich geistig zu mir gekommen bin . das ist nun das Selbstgefühl als solches daß ich meine Totalität wieder herstelle . Ich bin entzweit , ich als Totalität und ich auch als Besonderheit , und das gesättigte Selbstgefühl ist zurückgekehrt aus dieser seiner Particularität . das ist nun 1–2 leiblich gesund … Geist] Wl : eben so leiblich gesund , als ich als Geistiger 2–3 Also ich … Totalität .] Wl : Befriedigung ist : mich , meine Totalität wiederherstellen ; mein Selbstgefühl ist gesättigt , zurückgekehrt aus der Particularität . | 4–5 überhaupt . Nun … d i e 1] Er : daß ich durch Ueberwindung der Particularität , die Totalität erhalte , so daß jene idealisirt , ich bei mir selbst bin . – / die Nun haben … d i e ] Wl : Ich selbst bin in dieser meiner Totalität erhalten : Ich bin darin und aus der Particularisation heraus bei mir selbst – das ist das Selbstgefühl . / Die 5 Selbstg e f ü h l s , ] Wl : Selbstgefühls ist 6 Die Verrücktheit ist] Wl : In der Verrücktheit ist ein Zustand , und ein Zustand der dem Selbstgefühl zukommt , Krankheit des … das] Er : ein Zustand der dem Selbstgefühl zukommt , Krankheit des Selbstgefühls und zwar sofern es Ur theil , sofern es Selbstgefühls ,] Wl : Selbstgefühls , und zwar des Selbstgefühls (nicht überhaupt) , sondern 7–14 Sie ist … die] ErWl : die Verrücktheit ist geistig [aber auch eine leibliche Krankheit und das ist eben ihr Character diese Unzertrennlichkeit ,] Wl : und leiblich ungetrennt zusammen . Character der Verrücktheit ist diese Ungetrenntheit :] wäre sie bloß geistig [wäre sie] Wl : so wäre es eine Verirrung ; –] Thorheit , Plattheit [pp Es ist da schwer die Grenze zu bestimmen , und einer kann leicht in Narrheit übergehen aus kleinlichen Interessen pp .] Wl : = (Menschen die in die Besonderheiten der Interessen , des Leibes versenkt sind , Geist nie daraus erheben , und diese Interessen nicht verstehen können , weil sie nicht die seinigen sind , können leicht im Zustande der Narrheit wahr scheinen .) –] die Verrücktheit gehört [also jenem Ur theil] Wl : der Bewegung] des Selbstgefühls an und ist näher [diese] Wl : der] Ungesundheit [daß] Wl : sofern] der Mensch stehn bleibt in dieser Entzweiung . [Seine besondre Neigung pp] Wl : Er ist Totalität und hat besondere Neigungen ; und diese besondere Neigung] ist nicht beherrscht [von der] Wl : überwunden , kehrt nicht zurück in] 14–15 Aller Inhalt … bloß] Er : Jede besondre Empfi ndung ordnet der besonnene Mensch in seine Totalität , es geht einem etwas 35 Leibes] Lesart : Lebens

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durch den Kopf , sondern setzt sich das in den Kopf , und bringt es in seine ganze Totalität und rangirt diesen ganzen Inhalt unmittelbar hinein als subjective Vorstellung . Der Mensch hat eine Selbstschätzung , ein Selbstgefühl , eine Ehre : dieses oscillirt leicht zu einer Demuth , daß der Mensch zu wenig auf sich hält und sich auch äußerlich verächtlich hält und sich gehn läßt und thut was ihm vorkommt . Auf der andren Seite kann es auch umschlagen in Hochmuth in Neid etc . das spielt in dem Menschen so umher ohne daß er das rechte Maaß der Selbstschätzung bereithält . Diese Neigungen sind in dem Menschen überhaupt – Aber er wird die Äußrungen derselben bis auf einen gewissen Grad beherrschen ; er weiß , was geht und steht in der Welt ; der Mensch läßt sichs nicht merken , weil er ein bewußtsein hat von dem , was man gelten läßt und was nicht weil er weiß wie das oder jenes

Wl : Diese haben wir uns nun eben so concret vorzustellen wie in voriger Stufe . dieß zu anticipierende ausgebildete und verständige Bewußtsein ist zugleich natürliches Selbst des Selbstgefühls . – das Subject hat als gesund und besonnen das praesente Bewußtsein der geordneten Totalität seiner individuellen Welt , in deren System es jeden vorkommenden besonderen Inhalt der Empfindung p subsumirt , und an die verständige Stelle desselben einordnet ; es ist der herrschende Genius für diese Besonderheiten . – Es ist der Unterschied wie beim Wachen und Träumen , aber hier fällt der Traum innerhalb des Wachens selbst , und gehört dem Selbstgefühl . Es geht einem 1–3 sondern setzt … Mensch] Wl : wenn man ein reifer Mann werde p . Aber indem man zugleich ein Bewußtsein hat von seiner Totalität , seiner ganzen Wirklichkeit hat , rangirt sich solcher Inhalt gleich dazu , daß dieß spanische Schlösser sind : und solcher Inhalt hat unmittelbar die Bestimmtheit für ihn , daß sie unmittelbare Vorstellungen sind . Man sondern setzt … Vorstellung .] Er : indem man aber das Selbstgefühl in seiner Totalität , das Gefühl | seiner Wirklichkeit hat , rangirt er in sie jenes hinein . 3 Selbstschätzung , ein … dieses] Er : Selbstschätzung in sich , diese Selbstschätzung ein Selbstgefühl , … dieses] Wl : Ehre in sich selbst (und muß sie haben) diese Selbstschätzung 4–6 daß der … Auf] Er : einem zu wenig von sich halten , auf 4 daß der Mensch] Wl : (daß er 4–6 und sich … Auf] Wl : was leicht dahin geht , daß er 5–6 hält und … Auf] Wl : macht , ein Anfang zu schlechten Handlungen wird .) und auf 6–7 kann es … er] ErWl : [ kann sie leicht zu Hochmuth hinübergehn , sie] Wl : zu Hochmuth , Hoffart , Neid . (hält sich für werth auch dergleichen zu genießen , und verdiene es eher als der andere . Das Selbstgefühl des Menschen] ist so in oscillirendem [ Zustand begriffen] Wl : Zustande] ohne daß der Mensch in jedem Augenblick 7–9 der Selbstschätzung … beherrschen ;] Er : hielte . der Mensch kann ferner bestimmtere Neigungen solcher Art in sich haben , wirklichen Stolz , pp aber auch da wird er ihre Aeußerungen beherrschen auf irgend eine Weise , 8 bereithält . Diese] Wl : behalte . dergleichen Aber] Wl : der Mensch kann ferner bestimmtere Empfindungen dieser Art haben : wirklicher Hochmuth , Neid p . Hochmuth sich für diesen werth zu achten , aber 9 derselben bis … Grad] Wl : doch weiß ,] Wl : weiß ohngefähr was] Er : wie es 10–708,1 Welt ; der … würde .] Er : Welt , wird dergleichen in sich zurückhalten . 10 der Mensch … merken ,] Wl : aber es läßt einer sich überhaupt nichts merken von seinen Anmaßungen – , 11 von dem , … man] Wl : was | man 11–708,2 und was … das] Wl : wie man ihn behandeln würde ; hält es bloß aus Klugheit in sich selbst zurück , äußerlich ganz klug , in sich verkehrt . das 4 der] d . d . 13 ausgebildete und verständige am linken Rande mit Verweiszeichen 14–15 hat als … vorkommenden am linken Rande mit Verweiszeichen ; folgt im Text gestr : ist itzt Totalitt Indv 15–18 subsumirt , und … Selbstgefühl . nachträglich zwischen den Zeilen 21 Bestimmtheit] Best hat

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an ihn zurück kommen würde . Es kann ein Mensch ganz verkehrt in sich sein ; aber äußerlich ganz verträglich , | das ist die Totalität seines bewußtseins die über die Verhältnisse Herr ist , und der Mensch lebt immer noch in einer gewissen besonnenheit von dem , was sittlich ist (w a s d e r Sit t e g e m ä ß i s t doch ? ) Nun kann es aber geschehen , daß er krank wird , d . h . daß diese Ansprüche und Regungen in ihm eine fest bleibende Leiblichkeit gewinnen . Das Verlangen ist nicht rein geistig sondern gehört dem Selbst an und hat eine seiende Seite . Von dem gesunden Körper wird dies particuläre Sein zurückgenommen in die allgemeine Gesundheit : die befriedigung ist dies : sich gesund zu machen , und die Seite der Leiblichkeit zu überwinden – In der Krankheit aber wird dies Particuläre fest auf eine seiende leibliche Weise . Körperliche Krankheit | als solche heißt nichts andres , als daß ein besondres System der Organe eine Thätigkeit gewinnt , wodurch der ganze Lauf der Organisation gehemmt ; so kann nun im Selbstgefühl in seiner Leiblichkeit ein Knoten entstehen , und der ist auch zugleich ein Knoten in der Totalität der Vorstellung

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1–3 in sich … Mensch] Er : und äußerlich erträglich seyn . Es hält sein verständiges Bewußtseyn dergleichen zurück , 2 seines] Wl : des 2–3 die über … der] Wl : daß er , wenn er für seine Leidenschaften keine Aussichten hat zur Befriedigung , sie zurückhält . der 3–4 noch in … doch ? )] ErWl : in dieser Besonnenheit [fort , sein Bewußtseyn hält] Wl : in sich . Es gehn in ihm leicht Regungen p vor . Er hält durch sein sittliches , religiöses Bewußtsein oder das Bewußtsein , was für ihn in Welt zu erlangen ist ,] dergleichen in sich zurück . [das ist seine Totalität ,] Wl : Dieser Zustand ,] dies Bewußtseyn seiner [ Wirklichkeit , er] Wl : Wirklichkeit ist seine Totalität . Er] hat ein Gefühl dieser Wirklichkeit . 5–6 d . h . daß … ihm] ErWl : nicht nur daß er dergleichen [ Vorstellungen h a t und ] Wl : Ansprüche in sich hat , die er auf solche Weise in sich] zurückhält , sondern daß diese Ansprüche pp [die er hat] Wl : in sich eine Leiblichkeit und] 6–7 Das Verlangen … hat] Er : Es ist schon früher vom Verleiblichen die Rede gewesen . – Es hat dergleichen da es d i e s e m Individuum angehört und hat so 6 Das Verlangen … nicht] Wl : Es ist früher schon von Verleiblichung die Rede gewesen , und daß der Mensch Verlangen p hat , ist nicht nur 7 an und hat] Wl : als diesem Selbst an , und so hat es 7–8 Von dem … particuläre] Wl : Indem nun also dergleichen eine seiende Seite hat , so wird in gesunder Seele dieses Von dem … Körper] Er : Im besonnenen Bewußtseyn 8–9 zurückgenommen in … und ] Er : zurückgenommen , 9 sich] Wl : sich zugleich 9–10 machen , und … wird] Wl : machen ; nicht nur seinen Willen überhaupt zu erreichen , sondern auch seine Leiblichkeit zu erringen . – Wenn die / Die Krankheit ist nun daß zu überwinden –] Er : überwunden ; 10 auf] Wl : wird auf 11 Körperliche Krankheit] Er : die Krankheit die körperlich ist | Wl : Die Krankheit ist körperlich 11–12 heißt nichts … Organe] Wl : d . h . ein einzelnes , besonderes Organ oder System in Organisation nichts andres , … Organe] Er : daß ein Organ oder System 12 gewinnt , wodurch … der 3] Er : erhält wodurch der Verlauf der ganzen 12–13 ganze Lauf … nun] Wl : Verlauf des ganzen Organismus gehemmt wird , so ist denn 13–14 in seiner … zugleich] Wl : überhaupt , weil es leiblich ist , noch möglich , daß so eine Krankheit entsteht , und dieser Knoten in Leiblichkeit des Selbstgefühls ist auch 13 in seiner Leiblichkeit] Er : so 14–709,1 in der … vermag .] Er : gegen den die Ganzheit des Selbstgefühls nichts vermag und zwar darum nicht , weil dieser Knoten leiblich geworden ist . / Die Totalität des besonnenen Selbstbewußtseyns ist unterbrochen und eine Leiden32 die Satz bricht ab

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wogegen die Herrschaft des besonnenen bewußtseins nichts vermag . Das Hellsehn des Somnambulismus ist von der Verrücktheit verschieden ; in ihm ist die Totalität für sich ; das objective bewußtsein der Totalität ist nur der Form nach unterschieden von jener Totalität des Selbstgefühls so fern es sich unterscheidet von der Totalität des besonnenen objectiven bewußtseins . Das Selbstgefühl des Hellsehens ist die objective Wirklichkeit selbst . Dagegen in der Verrücktheit ist das Selbstgefühl dem Inhalt nach entzweit gegen sein allgemeines Selbstgefühl , gegen seine Wirklichkeit . Der Unterschied kann aber auch der sein , daß sich das Subject in ein dumpfes inhaltsloses Selbstgefühl in eine innre Träumerei versenkt , und nicht fortgeht zur bethätigung des bewußtseins nicht in Verhältniß tritt mit der Außenwelt und bloß interessirt ist in sich . Indeß kann auch das bewußtsein nach außen sehr lebendig agiren aber ohne daß die Totalität des verständigen Selbstbewußtseins diese Unruhe dirigirt . das ist Zerstreutheit , Faselei . Aber die Totalität des Selbstgefühls ist nicht darin ; das ist die Hohlheit des Selbstgefühls .

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15 schaft , Richtung steht fest gegen den objectiven Zusammenhang .

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1 wogegen die Herrschaft] Wl : gegen den Ganzheit 1–3 vermag . Das … nur] Wl : vermag , darum weil dieß zugleich leiblich ist . – / Die Totalität des bei sich seienden verständigen Selbstbewußtseins oder das subjective Bewußtsein ist gehemmt indem das Subject sich in irgend eine Neigung wirft und in einer falschen Vorstellung dieser Neigung zusammenhängt gegen den objectiven Zusammenhang seiner Wirklichkeit , – und dieß Festwerden ist zugleich wesentlich etwas seiendes , leibliches . Das Hellsehen des Somnambulen ist von Verrücktheit verschieden : in jenem ist Selbstgefühl eine Totalität für sich : diese ganze Wirklichkeit ist in diesem sich selbst fühlen in diesem Innerlichseyn . diese Totalität des besonnenen objectiven Bewußtseins ist uns 2 des Somnambulismus ist] Er : ist 2–3 in ihm … Totalität] Er : d a ist die ganze Wirklichkeit in dieser Innerlichkeit , das wache Bewußtseyn 3 unterschieden] ErWl : verschieden 4–6 des Selbstgefühls … Verrücktheit] Er : in ihrer Innerlichkeit . H i e r Selbstgefühls so … Verrücktheit] Wl : Selbstgefühls . Das Hellsehen ist objective Wirklichkeit selbst ; hingegen hier 7 entzweit gegen … Wirklichkeit .] Er : entzweit , das Selbstgefühl in seiner Einseitigkeit gegen seine Totalität . entzweit gegen … allgemeines] Wl : entzweit , das Subject dem Inhalt nach fest gegen das allgemeine 7–8 Wirklichkeit . Der … sein ,] Wl : Wirklichkeit , gegen Totalität seiner Wirklichkeit . – Unterschied auch so : 8–9 aber auch … und ] Er : auch so seyn daß das Selbstgefühl inhaltslose Träumerei ist , 9 in eine … Träumerei] Wl : Träumerei und ] Wl : die 9–12 bethätigung des … daß] Er : Thätigkeit – diese Interesselosigkeit , und Mangel an Reaction gegen die Außenwelt , – 9–11 bethätigung des … agiren] Wl : Thätigkeit . | Diese Interesselosigkeit des Selbst und Unempfindlichkeit , Mangel an Reaction gegen und in der Welt . Bewußtsein kann sehr thätig sein und lebendig nach außen agiren , mit einer Menge von Handlungen herumschreiten , 12 diese Unruhe dirigirt .] Er : dirigirt nicht die Thätigkeit , das unruhige Bewegen , diese Unruhe] Wl : dieses Thätigsein des Bewußtseins 12–13 das ist … Faselei .] Wl : Zerstreutheit , Faselei nach außen sehr thätig ; 13–14 Aber die … die] Er : die vollkommne Gleichgültigkeit gegen die Thätigkeit also , oder auch Action und dennoch darin ; das … die] Wl : darin vorhanden : ein loses zerfahrenes Vorstellen und Thun . – Diese Ein seitig keit ist mehr Einseitigkeit der Form nach , Hohlheit des Selbstgefühls , Trägheit gegen Wirklichkeit , ohne Action und daher 1 vermag .] folgt gestr : Das Festwerden

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Das ist also eine Hauptbestimmung , daß dieser Zustand ebensowohl leiblich ist als geistig ; welches von beiden den Anfang gemacht , ist oft nicht zu sagen . Die Krankhaftigkeit der Leiblichkeit ist vorhanden im abstracten Selbstgefühl als solchem ; z . b . wenn man Verrückte anatomirt so findet man bei manchen gar nichts Abnormes , bei andren dagegen viel Abnormes , Wasser im Gehirn etc . Nervenkrankheiten Gicht etc . sind oft mit Verrücktheit verbunden . (der König von England hat seine Verrücktheit seiner Gicht zu verdanken) E s s i n d nu n no c h 2 Pu n k t e z u b e t ra cht e n : a d i e ve r s ch i ed e n e n F o r m e n d e s Ve r r ü c k t s e i n s b . d i e He i lu n g d e s Ve r r ü c k t s e i n s . |

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a D ie ve r s ch i ed e n e n S or t e n d e s Ve r r ü c k t s e i n s . die verschiedenen Vorstellungen und Neigungen , welche dieser Verrücktheit zu Grunde liegen können wir hier nicht betrachten ; einer hält sich für Gott Vater , andre für Mohamed andre für Christus , für große Gelehrte , für Friedrich II etc andre halten sich für ein Gerstenkorn und haben große Angst vor Hühnern ; andre haben einen Heuwagen im Magen etc . das ist das Gleichgültige . An den allgemeinen Sorten wollen wir 3 unterscheiden .

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1 also eine] Wl : der Allgemeine Standpunct des Verrücktseyns überhaupt . Das ist also die eine] Er : die 1–2 ebensowohl leiblich … beiden] ErWl : [eben so] Wl : hierher gehört , daß dieser Zustand eben so] geistig als leiblich ist [daß die Leiblichkeit wesentliches] Wl : die Leiblichkeit wesentlich ein] Moment ist . Ob aber das Leibliche oder das Geistige 2 oft] ErWl : schwer [oder gar] Wl : oder] 2–4 Die Krankhaftigkeit … manchen] Er : Oft fi ndet man bei anatomirten Verrückten 2 Die] Wl : denn eben zum Verrücktsein gehört 3 Leiblichkeit] Wl : Leiblichkeit . Diese 3–5 solchem ; z . b . … Abnormes ,1] Wl : solchem , sofern das Selbstgefühl eine allgemeine Leiblichkeit hat . Man hat bei anatomirten Verrückten nichts Abnormes gefunden , 5–8 dagegen viel … n o c h ] Wl : viel Abnormes am Schädel (dicker Knochen p) und anderes . z . B . Eierstöcke verhärtet bei einer Melancholischen . Häufig auch gichtische Knoten . Eben diese Krankheit das Innerste be treffend , – liegt in Nerven . Gicht kann auch diese Krankhaftigkeit seyn . Eben in diesem System der Nerven p ist das Leibliche Krankhafte vorhanden . – / die 5–7 viel Abnormes , … verdanken)] Er : viele Abnormitäten | Häufig fi nden sich auch gichtische Knoten . Es ist da die ganz abstracte Leiblichkeit im Spiele daher auch oft Nervenkrankheit . In dem dumpfen System der Nerven , im lymphatischen und Knochen system ist oft die leibliche Krankheit enthalten oft aber auch in diesem nur vegetativen System nicht bemerkbar . 8–9 z u b e t ra c h t e n : a ] Wl : die wir nur noch dabei betrachten wollen , sind : / 1 .) 9–10 d e s Ve r r ü c k t s e i n s b .] Wl : der Verrücktheit / 2 .) 10–711,3 d e s Ve r r ü c k t s e i n s . … zuerst] ErWl : [der Verrücktheit .] Wl : des Verrücktseins . – / 1 .)] / Was die verschiedenen [ Formen] Wl : Gestaltungen der Verrücktheit] betrifft [so] Wl : Verrücktheit , Wahnsinn , Unsinn , Tollheit p] ist dieser Zustand unendlich mannigfaltig [aber weil] Wl : eben weil da] eine Partikularität [sich] Wl : den Menschen] fest macht und nicht unterworfen ist der Totalität des

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1 . blö d s i n n überhaupt , 2 . d i e Na r r h e i t a l s s ol c h e 3 . d i e Tol l he it 1 . , blö d s i n n . dahin gehört zuerst blö d s i n n a l s s ol c h e r : die letzte Form der Tollheit ist daß das Subject in eine völlige Stumpfheit verfällt , ohne Neigung , ohne Verlangen ohne Thätigkeit nur ein vegetatives Leben führt . Dieser Zustand ist etwas Trostloses und Unheilbares . Hieher gehört das , was man Cr e t i n i s mu s nennt ; in der Schweiz in brittannien etc . fi ndet man diese Krankheit häufig . Herr v . Bug hat eine Schrift über das Hagelwetter geschrieben und fängt gleich so an : wo es Creten gibt , da gibt es kein Hagelwetter . Dieser Cretinismus ist meist mit Kröpfen und stupidem Gesicht verbunden ; die Verrückten stoßen nur unartikulirte Töne aus , und werden gefüttert , sind ganz ohne Verlangen , meist verzerrt und verrenkt . Pinell ein

verständigen Selbstbewußtseyns . die Form [nun der fi xen] Wl : der nähren besonderen] Vorstellung ist [da zufällig , und stehn oft gar nicht in] Wl : dann eben das gleich gültige daran , und ist Folge und kann also auf dieß und auf jenes folgen . Wenn’s Empfindung des Stolzes ist , die überwiegt , so gibt’s unendliche Menge von Vorstellungen , die die Verrückten haben : cf . Mah , X , Fr II , Gott . – Ist Hypochondrie überwiegend : – Aengstlichkeit , sich für Gerstenkorn haltend in Furcht vor Hühnern . Gefühl leiblicher Beschwerden herrschend : Heuwagen mit 4 Pferden im Magen . – Gefühl in Füssen : Füsse von Glas . – Diese besonderen Formen sind mehr oder weniger gleichgültig , | und haben nicht] Zusammenhang mit [der] Wl : nährer unmittelbarer] Veranlassung der Verrücktheit . Was die verschiednen Arten betrifft [so sind diese : Blödsinn , Narrheit und Tollheit . / der] Wl : gibts 3 . 1 .) Blödsinn , 2 .) Narrheit 3 .) Tollheit . Allgemeiner Zustand ist Bösartigkeit und Bosheit , aber auch des Unglücks . / 1 .)] Blödsinn überhaupt . darunter gehört [nun zuerst] Wl : a .)] 3 die] ErWl : Er ist sehr häufig die 3–4 ist daß] Wl : daß 4–8 daß das … an :] Er : die nur vegetative Existenz ohne Interesse und dieser Zustand ist trostlos und unheilbar , dazu gehört der Cretinismus der an eine besondre Localität geknüpft zu seyn scheint (Herr von Buch sagt : 4 eine völlige Stumpfheit] Wl : diese gänzliche Stumpfheit , nur vegetative Existenz 4–5 Neigung , ohne … führt .] Wl : Thätigkeit , Neigung , Verlangen . 5–8 ist etwas … an :] Wl : trostlos und unheilbar . Dazu gehören Kretinismus . Schweiz , Steier , Tyrol , Pyrenäen , Bretagne . Häufig mit Kropf verbunden . Auch an besondere Localität scheint diese Krankheit verknüpft zu seyn . – Buch über Hagelwetter : 8 Creten] Er : Cretins Wl : Kretins 9–712,1M Hagelwetter . Dieser … (seine] Er : Hagelwetter) . Es sind damit oft Kröpfe , Verrenkungen der Glieder verbunden , stupide Gesichter , unarticulirte Töne pp Das sind von dieser äußersten Stumpfheit Beispiele . Es gibt da viele Stufen . Pinnel hat wohl die beste 9–712,11M Dieser Cretinismus … von] Wl : Da sind die Stufen des Cretinismus sehr verschiedene . Erscheinung von Kropf das wenigste bei diesen scheußlichste Verzerrung und Verrenkung der Gliedmaaßen . Gesicht stupid , stoßen unarticulirte Töne von sich aus ; lassen sich füttern . Von dieser äußerlichen Stumpfheit bis bloßer körperlicher Abnormität des Kopfes sind die Stufen sehr mannigfaltig . – Pinel erzählt von einer Kretine ; – Reil über Wahnsinnige hat auch Verdienste . – das Beste in erstem , wenngleich oberflächlich ; Reil aber oberflächlich formelle fi losofi sch . – Besonders die psychische Methode ist’s die durch Pinnel ausgebildet worden ist . Ueberhaupt ein verständiges besonnenes Bewußtsein und edlen Character zeigt er . Die Psychische Methode ist dann vom hiesigen Medicinalrath 7 Herr v . Bug] siehe Anm .

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712 (seine Schrift über die Verrücktheit ist wohl die beste) auch Reils Schrift ist recht gut , er macht sich über die oberflächlichen formellen Vorstellungen Pinels lustig ; aber sein philosophischer Formalismus ist auch nicht viel besser , als diese oberflächlichen Vorstellungen . Seine psychologische Methode ist von Langermann zuerst in deutschland in Anregung gebracht worden .Sg

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Arzt in der Charité während der französischen Revolution erzählt von einem blödsinnigen Mädchen von 28 Jahren mit blondem Haar ohne allen Ausdruck der Physiognomie ; ihr Wahnsinn ist hergekommen von einem Schrecken ihrer Mutter in ihrer Schwangerschaft ; sie blieb wie ein Automat immer auf demselben Platz , sprach nicht , obgleich sie ganz vollständiges Sprachorgan gehabt ; endlich habe sie a und o sprechen gelernt ; Neigungen und begirden hat sie keine gehabt ; indeß alle Morgen hat sie Anfälle von Wuth gehabt – wenn man sie angefaßt so hat sie abgelassen und Reue gezeigt und alles mit sich vornehmen lassen . Der 4t e Theil derer in den Irrenhäusern ist gewöhnlich blödsinnig . Es gibt auch einen blödsinn der vollkommene Starrheit und Unvollkommenheit ist sich nach außen zu bewegen ; er ist oft vorübergehend . Einen Engländer hat es gegeben , der nach und nach in diese Stumpfheit gefallen ist , daß ihm alles gleichgültig geworden ; er hat von Nichts gesprochen , kein Verlangen zu etwas bezeugt und blieb den ganzen Tag in seinem Sessel sitzen und zeigte nicht einmal Verlangen auf Speise und Trank . Man hat ihn aber so curirt . Man hat einen Menschen bestellt , der einige Ähnlichkeit mit ihm hatte ;

2M–7M ist wohl … philosophischer] Er : gegeben , Reils naturphilosophischer 8M–11M auch nicht … psychologische] Er : um nichts besser das beste was er hat fi ndet sich bei Pinnel . die psychische Methode ist besonders von Pinnel begründet . diese 13M–1 in Anregung … erzählt] Wl : zur Sprache gebracht . – Pinnel erzählt die interessantesten Beispiele . Erzählung 1 erzählt] Er : Pinnel enthält | die interessantesten Beispiele . Er erzählt 1–3 blödsinnigen Mädchen … Physiognomie ;] Er : 28jährigen blödsinnigen Mädchen . 2–3 ohne allen … einem] Wl : p , macht Zusammenstellung aus Erfahrung über Lebensalter , Unterschied der Jahreszeiten , Perioden des Wahnsinns . der Wahnsinn dieses Mädchens hergeleitet vom 3 ist hergekommen] Er : sei hergeleitet 4–6 blieb wie … indeß] Er : bewegte sich nicht , sprach gar nicht , schien fast ganz ohne Gefühl und Begehrungsvermögen , 4–10 sprach nicht , … ist1] Wl : konnte nicht sprechen , wenngleich die Organe dazu waren . Gefühls- und Begehrungsvermögen schien zu fehlen ; und doch 2 oder 3 Handlungen die von Ueberlegung zeugten . Jeden Morgen Wuth ohne Willen (automatische Wuth) das erste beste erfassend , zerkratzend p . bemächtigt , zeigt sie Reue und läßt nach . Von diesem leidenden Gefühl der Wahnsinnigen über Recht und nicht Recht nachher . – Diese 1 . Form ist also Blödsinn überhaupt . Man hat angenommen daß ¼ der in Irrenhäusern befindlichen blödsinnig sind . Bei guten Anstalten scheidet man die für unheilbar gehalten ab , besonders gehören die Blöd sinnigen dazu . – Dann noch ein Blödsinn der eigentlich eine vollkommene Starrsucht ist , vollkommene Unfähigkeit 7–9 Wuth gehabt … blödsinnig .] Er : automatischer Wuth gezeigt , doch habe sie nach dieser ein Gefühl von Reue gezeigt pp . / Das Erste ist also Blödsinn überhaupt . Man hat angenommen daß ungefähr der 4t e Theil der in Irrenhäusern seyenden blödsinnig seyen . 9–713,7 vollkommene Starrheit … blödsinn] Er : eine Art von Starrsucht ist , dann auch vorübergehenden Blödsinn , vollkommne Unfähigkeit afficirt zu werden , vollkommne Unthätigkeit . Ein Engländer in diesem Zustand ist dadurch geheilt daß man ihm ein Gegenbild entgegen setzte pp Zu dieser Form 10–713,7 er ist … blödsinn] Wl : Auch vorübergehender Blödsinn vollkommene Unfähigkeit Aufmerksamkeit auf etwas zu wenden , | vollkommene Unfähigkeit . Da muß man Aufmerksamkeit nach außen zu erwecken suchen . – zu dieser Form 1 Revolution] folgt ein Einfügungszeichen , ein Spatium und ein Fragezeichen

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den hat man in eben einen solchen Schlafrock gekleidet auf eben solchen Sessel und ihm bestellt sich ebenso zu gebehrden , wie der andre . Nach ein zwei Stunden sieht er ganz zerstreut um sich herum ; der andre macht es auch so ; am Ende sieht er ihn an , der andre sieht ihn auch an , steht auf der andre auch , faßt ihn endlich an , der andre auch , wird wüthend , der andre auch ; es ist ihm schlimm dabei gegangen aber er ist so kurirt worden dadurch daß man eben seine Aufmerksamkeit | nach außen gerichtet hat . Zu diesem blödsinn gehört auch die Z e r s t re ut h e i t (Archimed) die oft großartig sein kann bei solchen die tief versenkt sind in irgend eine beschäftigung oder Gedanken . Aber die Zerstreutheit ist schon im begriff Narrheit zu werden ; sie ist eine Hohlheit ein Versenktsein in sich ; eine Unaufmerksamkeit auf die äußerliche Umgebung , eine Träumerei in sich , welche die Mutter von der Verrücktheit ist . das Gegentheil der Zerstreutheit ist d i e F a s e le i eine unendlich bewegliche Thätigkeit auf alle vorkommenden Gegenstände aber ohne Zweck ; es ist ein fortdauerndes Getriebensein nach außen , nicht ein Versenktsein in sich ; also eine Thätigkeit die nicht von dem Selbst beherrscht wird ; ein faselhafter Mensch ist oft nicht mehr für einen vernünftigen Menschen anzusehn , sondern eigentlich schon zu den verrückten zu zählen .

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7–10 (Archimed) die … ein] ErWl : [sie] Wl : Zerstreutheit] ist oft der Anfang des Wahnsinns . [(Es gibt eine großartige Zerstreutheit bei tiefen Meditationen , die nichts außer sich wahrnimmt – Archimedes –)] Wl : Versenktheit in ein Interessirendes , daß man durch nichts auf Anderes geleitet werden kann . Admet .] die Zerstreutheit aber die [in Narrheit übergeht ist ein] Wl : eine Art von Krankheit ist , oder noch darin überzugehen , ist das] 11–14 eine Träumerei … fortdauerndes] Er : diese Träumerei geht oft in Verrücktheit über . die Faselei ist das Gegentheil von der Zerstreutheit und dem Blödsinn . / Die Faselei ist diese Richtung nach Außen ein 11–13 welche die … bewegliche] Wl : die oft in Verrücktheit ausgeht . – da gibt’s eine ganze Menge Geschichten solcher Zerstreutheiten . – Faselei ist Gegentheil von Zerstreutheit und Blödsinn ; – aber fällt in dieselbe Kategorie . Richtung nach außen , unendliche Beweglichkeit der 13–14 Zweck ; es … ein1] Wl : allen Zusammenhang , ohne wahrhaften Zweck . Ein 14–714,2 außen , nicht … Zerstreutsein] Er : äußerlicher Thätigkeit ohne allen Zusammenhang und ohne daß sie vom selbst beherrscht wird . Es gibt viele Stufen von Faselei und die Grenze schwer anzugeben , weil so einer oft noch seine Geschäfte besorgt Die zweite Form ist die eigentliche Narrheit , eine Zerstreutheit 14–15 nicht ein … Thätigkeit] Wl : nach äußerlicher Thätigkeit , bei der nichts herauskommt , 15–714,1 wird ; ein … d i e ] Wl : wird , von einem concrete Zwecke habenden Selbstgefühl . Auffallendstes Bild des Chaos ist es gewesen : alle seine Vorstellungen und Reden hatten keinen Zusammenhang p Seine Aufwallungen schränken sich auf kindische Ausbrüche ein , weil er sich selbst zu Zorn nicht kann sammeln . – Faselei also in ihrer höchsten Ausbildung . Es gibt viele Stufen der Faselei , so daß es schwer ist zu sagen , ob ein Faseler noch vernünftig ist oder schon zu Verrücktheit übergeht . – Oft können sie noch Geschäfte verrichten , aber sonst . Erste Form dieß . – / Zweite Form : 38 sonst . Satz bricht ab ; bei Hk folgt : sind sie zusammenhängendem Denken unfähig

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2 . d ie e i g e nt l i c h e N a r r h e i t Sie ist auch ein Zerstreutsein aber mit einem bestimmten Inhalt . Sie ist ein sich Versenken in das leere Selbstgefühl , in das sich ein Inhalt festsetzt der ein Irr thum ist ; es ist ein Selbstgefühl nach einer besondren Seite das sich isolirt und so fi xirt . Sie ist auch aber mit Thätigkeit und Erregsamkeit des verrückten und verständigen bewußtseins . Im Herzen sind die Anfänge aller Leidenschaften : Der sittliche Mensch hält diesen bösen Genius deprimirt und läßt nicht merken was er für Empfindungen etc . hat ; er ist Meister über sie und läßt ihnen keinen Raum . Aber in der Narrheit wird dieser böse Genius frei und tritt in irgend einer Leidenschaft heraus unbeherrscht von der Totalität . Die Vorstellungen sind dieser festen Leidenschaft entsprechend ; sie sind Irr thümer über sich , über seinen Werth , über die Verhältnisse zur Welt etc . – aber gesetzt durch das festwerden besondrer Empfindung , Trieb etc – diese Formen von Vorstellungen sind sehr mannigfaltig ; jeder stellt sich vor etwas andres zu sein . Hoch muth , Eitelkeit , Überschätzung seiner selbst kommt am häufigsten vor ; die Leute wollen etwas besondres sein und dieses setzt sich fest und wird

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2 Sie ist1 … sich] Wl : Auch eine Zerstreutheit ; aber Zerstreutheit mit besonderem Inhalt ; auch 2–4 bestimmten Inhalt . … ist 2 ] Er : besondern Inhalt , dieser ist ein Irr thum , eine Vorstellung die der Wirklichkeit des Subjects widerspricht , 3 Selbstgefühl , in … ein1] Wl : Selbstgefühl ; aber so daß sich ein besonderer 4 ist ; es … ein] Wl : über sich selbst ist , eine Vorstellung von sich über seine Eigenschaften die mit wirklichem Subject ganz widersprechend ist . 4–6 nach einer … Leidenschaften :] Er : das sich nach | einer Seite fi xirt und so daß diese fi xirte Seite seiner Wirklichkeit widerspricht . 4–5 das sich … des] Wl : so daß dieses besondere Selbstgefühl nicht gehörige Stelle in Totalität hat . – Narrheit ist verbunden mit Regsamkeit eines 6 Herzen sind … aller] Wl : menschlichen Herz sind Anfänge aller bösen 6–7 sittliche Mensch hält] Wl : vernünftige , sittliche Mensch ist , der 7–10 hält diesen … Totalität .] Er : ist Meister über den bösen Genius der in der Narrheit frei wird , es setzt sich fest eine solche Leidenschaft pp – 7–8 deprimirt und … in] Wl : deprimirt , es verschließt . Aber die Hauptsache ist daß der sittliche Mensch Meister darüber ist , ihm keinen Raum läßt . Im Zustande 9–10 frei und … Totalität .] Wl : frei . Es isolirt sich irgend eine solche Neigung , Leidenschaft ; und solche üble Neigung ist Verrücktheit sofern sie von Totalität nicht beherrscht ist . – 10 sind] Er : sind dort Wl : dann sind Leidenschaft] Er : Leidenschaft , Neigung Wl : Empfindung 11 sie sind] Wl : wenigstens im allgemeinen sind sie 11–715,1 sich , über … Liebe] Er : eignen Werth pp , welche aber gesetzt werden durch die festgewordne besondre Empfi ndung . die Formen dieser Vorstellungen sind zufällig . die Leidenschaften die hier besonders vorkommen sind Hoch muth , Eitelkeit . diese setzen sich fest und sind sie der Verständigkeit nicht unterworfen so ist die Verrücktheit da . die Leidenschaft der Liebe , die mit physischer Krankhaftigkeit , Schwäche des Körpers verbunden ist , 11–13 sich , über … von] Wl : Verhalten äußerlich und innerlich (Werth) , – Irr thümer die veranlaßt werden durch die festgewordene besondere Empfindung , innre Leidenschaft . – Die Form solcher 13–14 sehr mannigfaltig ; … sein .] Wl : dann von unendlicher Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit , 100e und 1000e hochmüthige und Eitle und keiner macht sich dieselben Vorstellungen . | die Leidenschaften die vorzüglich da vorkommen sind 14–15 selbst kommt … wollen] Wl : selbst . Eitelkeit 15 sein und dieses] Wl : zu sein , 15–715,1 wird Verrücktheit … und ] Wl : ist’s nicht der Vernünftigkeit unterworfen so ist Verrücktheit da . – Fysische Schwäche des Körpers ist oft Veranlassung .

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Verrücktheit in der Eitelkeit . Auch die Leidenschaft und Liebe ist häufig Quelle von Narrheit und Verrücktheit , aber auch physische Überreizung . diese Narrheiten sind oft nichts als Reactionen gegen einen Verlust , gegen ein Unglück , wenn ihnen das nicht gewährt worden ist , dessen sie sich würdig geachtet haben ; sie können über diesen Verlust nicht Meister werden und das nicht selbst aus sich ausschließen , was sie verloren haben ; es bleibt fest in ihnen und widerspricht dem , was sie in ihrem Verhältniß wirklich sind . So in der französischen Revolution sind mehrere durch dergleichen Verlust durch den Anblick der Gräuel verrückt geworden . (der Uhrenmacher aus Frankreich der einen fremden Kopf bekommen zu haben glaubt , nach dem er seinen auf dem Schaffot verloren habe) das Glück kann den Menschen auch oft verrückt machen ; wenn man das zum Glück nehmen will , daß ein Mensch seinen Willen haben kann und alles erreicht was er will ; ein solcher ge räth leicht über Widerstand | der ihm ungewohnt ist , in Wuth oder Narrheit zuletzt . Da ist dann die schlechte Erziehung Schuld . – Es gibt aber auch Narren bei vollkommener

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… als] Wl : der Narrheit und Verrücktheit , Liebe mit fysischer Krankhaftigkeit verbunden ist , mit Ueberreiztheit , verknüpft mit Schwächung des Körpers durch Ausschweifung . – Diese Vorstellung von Eitelkeit , Träume von Glückseligkeit , Liebe , sind oft nur 1–2 von Narrheit … Narrheiten] Er : der Narrheit . Träume von Glückseligkeit pp 3–7 wenn ihnen … So] Er : oder indem ihnen nicht gewährt ist was sie gewollt , geschieht es indem sie diesen Verlust nicht aus ihrer innern Wirklichkeit auszuschließen vermögen , daß dies ihnen und ihren wirklichen Umständen widerspricht . Da kommen dann die Vorstellungen , zufällige Phantasien . das Unglück hat sehr oft die Menschen in den Zustand der Verrücktheit versetzt , so 3 wenn ihnen das] Wl : das die Menschen erlitten haben oder auch indem ihnen wenigstens 4–7 geachtet haben ; … in] Wl : gehalten , worauf sie Ansprüche machen , so geschieht es , daß , indem sie diesen Verlust nicht ertragen können , nicht ausschließen können auch aus innrem Selbstgefühl , Wirklichkeit , – er fest bleibt , widerspricht dem Wirklichen ihrer Verhältnisse , – und indem sie so fest bleibt gegen ihre Wirklichkeit , so fi ndet sich die Vorstellung ein , daß sie wirklich sind , was sie nicht wurden , – haben , was sie nicht erlangten : dann mischt sich Fantasie ein und läßt sie sich für noch andres halten p . – das Unglück hat sehr oft Menschen verrückt gemacht . – So wurden bei 7–10 sind mehrere … habe)] Wl : v i e l e verrückt . – 7–8 mehrere durch … Gräuel] Er : sehr viele 8–10 (der Uhrenmacher … das] Er : das 10 den Menschen] Wl : ihn 11–14 wenn man … Schuld . –] Er : Man nennt das Glück wenn einem alles geschieht wie er es will und wo das von Jugend auf geschieht kann es zur Verrücktheit führen . | Sehr häufig gibt sich die Phantasie einen Ersatz für verfehlte Hoffnungen . 12 haben kann … solcher] Wl : hat , erreichen kann , was er will . Wenn das von Jugend auf der Fall gewesen ist , ist’s geschehn , daß Menschen dadurch verrückt worden sind . – Mensch der von Jugend auf seinen Willen gehabt hat , 13–14 der ihm … Schuld . –] Wl : in Wuth und dieß kann später , indem er sich überall verletzt glaubt , dahin kommen , daß er in Narrheit verfällt . – Schlechte Erziehung ! die Narrheiten , Einbildungen die der Mensch von sich hat , sind sehr häufig ein Ersatz , den sich die Einbildungskraft gibt , über Verluste der Wirklichkeit . und als Unglückliche erscheinen sie nur , sofern dem , was sie sich einbilden , – keine Gewährung , Folge geleistet wird . – / 14–716,1 bei vollkommener … und ] Er : der vollkommnen Depression , von einer vollkommnen Trostlosigkeit die nur die Empfi ndung der Negativität haben , Wl : vollkommner depression . Verlust und Unglück , das den Menschen zurückwirft in Trostlosigkeit , nur in die eine Empfindung des Unglücks , die negativität ; die dann

15 1–3 von Narrheit

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Depression , die in vollkommene Trostlosigkeit zurückgeworfen werden und in beständiger Angst leben . Die r e l ig iöse S chw ä r me r e i ist auch hierher zurechnen ; man hat berechnet daß der 4t e oder 5t e Theil durch religiöse Schwärmerei in die Irrenhäuser gebracht werden . die Schilderung | der Qualen der Hölle hat viele verrückt gemacht , und die Lehre von der Prädestination ; diese Schwärmer begehen oft Mordthaten , um Menschen in den Himmel oder auch sich dahin zu fördern ; sie wollen ein Versöhnungswerk stiften . Eine andre Weise der Depression ist die Hy p o c hond r ie Mel a n c hol ie , ein Versenken des Menschen in sich , aber mit der Vorstellung , daß er selbst etwa keinen Werth hat , oder daß die äußerliche Wirklichkeit diesem Werth nicht angemessen sei und alles was sie thun können , doch nichts hervorbringe ; es ist ein Unglaube an die Liebe und Rechtlichkeit der Menschen . Es ist eine Empfindung der eignen Schwäche , womit sich auch die religiöse Vorstellung wohl verbindet , daß er vollkommen sündhaft sei , und nicht mehr zu corrigiren und für die Hölle bestimmt . Sie äußert sich in Ve r d r i e ßl i c h k e i t Tr a u r i g k e i t , Unt h ä t i g k e i t . dies hängt zusammen mit dem Triebe zum S e l b s t mor d . Wenn

2 leben .] ErWl : [und Furcht leben . Sie scheinen sich] Wl : leben . Das gesellt sich auch bei anderen Zuständen leicht bei Vorstellungen der Narrheit zu , daß sie sich immer] von Feinden umgeben [die ihnen Schaden zufügen .] Wl : meinen , die immer ihnen Schaden theils zu fügen , theils darauf ausgehen . –] 2–4 auch hierher … werden .] ErWl : [auch] Wl : besonders] eine häufige Quelle der Verrücktheit [(¼–¹⁄₅ aller in den Irrenhäusern , sagt man)] Wl : ¼ von den Irren ist’s geworden aus religiöser Schwärmerei .] 5–7 verrückt gemacht , … Depression] Er : ins Irrenhaus gebracht . – der Hochmuth nimmt sehr häufig auch diese religiöse Form an , wird so der Vorsatz die Welt zu reformiren pp Eine andre Form 5–6 verrückt gemacht , … oft] Wl : ins Irrenhaus gebracht . Oft begehen sie aus religiösem Wahnsinn 6–8 Menschen in … ein] Wl : die andere Seele zu retten ; oder um hingerichtet zu werden : Zeit zu gewinnen , während Verhör sich zum Tode vorzubereiten . Hoch muth nimmt dann häufig die Richtung : den Geist zu haben und den Beruf , die Welt zu reformiren . / Andere : Hypochondrie und Melancholie / 8 des Menschen … aber] Er : in sich selbst 8–9 sich , aber … etwa] Wl : sich selbst , verbunden mit Vorstellung entweder , daß sie 9 er selbst etwa] Er : was sie sind 9–11 hat , oder … ein] Er : habe , und eben so 9–10 hat , oder … diesem] Wl : haben , oder bei ihrem Werthe doch die äußeren Umstände ihrem 10–11 sei und … ein] Wl : seien . 11–12 Es ist … Schwäche ,] Wl : Empfindung der äußersten negativität , der Schwäche , der nicht abzuhelfen sei ; 12–15 Schwäche , womit … zusammen] Er : Negativität , der eignen Schwäche , die oft sich auch mit Religiösem mischt und so sich zeigt , – ferner Unglaube an Wirkungen die man durch Thätigkeit hervorbringen könne ; – die Traurigkeit ist verbunden mit Unthätigkeit . diese Melancholie ist oft verbunden 13–15 wohl verbindet , … dies] Wl : oft verbindet des Bestimmtseins zu ewiger Verdammniß . Oder auch eine Hypochondrie die Unglauben hat an Thätigkeit nach außen . Unglauben an Wirkungen , die man durch Thätigkeit hervorbringen könnte . Diese Melancholie ist Verdrießlichkeit und Traurigkeit über sich und Welt , verbunden mit Unthätigkeit . Diese Melancholie 15–717,1 S e l b s t m o r d . Wenn … Wille] Er : Selbstmord , so daß der Wille dem Trieb Selbstm o r d . Wenn der] Wl : Selbstmorde , der vorhanden sein kann , indem der Mensch vollkommen seiner bewußt ist ; aber eben diesen Trieb gegen sich selbst auf eine Weise in sich hat , daß sein 5 Prädestination] folgt ein in Klammern gesetztes unleserliches Wort

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der Wille nicht widerstehn kann , und der oft nur durch das Dazwischen kommen und die Verhindrung andrer gehemmt wird . 3 . Di e Tol l he it Sie ist oft andauernder Zustand , oft aber auch momentan . Die eigentliche Tollheit ist theils physisch in periodischen Wuth anfällen z . b . die von tollen Hunden gebissenen . Glühende Augen , Hitze im Gesicht , Schaum und Geifer im Munde sind die Vorboten davon . Innerliche Empfindungen sind aber meist der Anlaß zu dieser Tollheit . das Verhältniß dieser Tollen gegen andre ist : daß sie bösartig sind gegen andre , ihre Wärter , Ärzte , Verwandte . diese bösartigkeit der Narren ist ein Umstand , worauf man besonders Acht haben muß ; es kann leicht in das Extrem der Mor d lu s t ausarten , was sehr gefährlich ist . Dabei kann in den Tollen immer 1–718,2 der oft … große] Er : daß wenn er die That nicht verübt , es nur geschieht weil er von andern verhindert wird . / die dritte Form ist die Tollheit die zum Theil dauernder Zustand zum Theil Symptom in der Narrheit ist ; sie kann von physischen Ursachen herkommen . diese Wuth ist ein Symptom bei vielen bloßen Narrheiten , | tritt nur zu Zeiten ein . Es ist hier zu sehen auf das Verhalten der Narren gegen andre . da sind sie dann oft bösartig und auf diesen Umstand ist bei der Behandlung besonders Achtung zu geben . Es kann dieser Trieb andern zu schaden förmliche Mordlust werden mit der sowohl Bewußtseyn des Unrechts , als auch 1–4 der oft … momentan .] Wl : daß wenn er die That nicht verübt , es nur ist , weil er von anderen daran verhindert wird . / Es kann eine 3t e Form noch zugefügt werden – To l l h e i t , die zum Theil dauernder förmlicher Zustand ist , zum Theil Symptom bei Narren überhaupt . 5–8 physisch in … sind] Wl : fysisch ; Krankheit , wo Wuthanfälle zum Theil periodisch folgen . Nach tollem Hundsbiß . Wuthanfall , Gewaltthätigkeit , Verletzung gegen andere . Diese Wuth ist bei vielen bloßen Narrheiten auch Symptom , nicht perennirend , nur zuweilen eintretend , theils auch als fysischer krankhafter Zustand , theils besonders von innerlichen Empfindungen veranlaßt . – Verhältniß zu merken von Narren gegen andere überhaupt . Häufig ist’s ein Zug ihrer Narrheit , bösartig zu seyn 9 der Narren ist] Wl : ist 10–719,2 leicht in … alle] Wl : eine eigne Form der Narrheit , Trieb andren zu schaden , zu dem Extrem werden , daß es förmliche Mordlust wird . – Auch bei ihnen kann Bewußtsein seyn des Unrechts solcher Handlungen , ja eine Liebe zu denselben , die zu morden sie sich durch Instinkt getrieben fühlen ; und mit tiefem Abscheu vor solchen Verbrechen unterliegen sie diesem Triebe oft . Die Boshaftigkeit der Narren vornehmlich veranlaßt dadurch , daß sie sich gekränkt , gemißhandelt fühlen , und in vormaligen Behandlungen der Narren ist es das Gewöhnliche gewesen , | daß durch die Behandlung die Narren zu Wuth gebracht wurden . Es erschwert das wieder ihr Zutrauen zu gewinnen . / Noch die Bemerkung , daß die Narren , wenn sie nicht Blödsinnige sind , außerhalb ihrer Tollheit ganz verständig und consequent sprechen können . Es ist darum schwierig zu entscheiden über vollkommene reconvalescenz ; – und nur Entscheidung möglich nach langer Erprobung . – / die Narren haben auch außer ihrer Narrheit ganz moralische Empfi ndungen . Ein Mann von Empfindung , sagt Pinel , wird im Irrenhause viel bewegt werden ; denn ich habe nirgend zärtlichere Väter , bessre Freunde p gesehen als in Irrenhäusern . / Bei englischen Gerichten eine besondere Art von Narrheit . In so fern bei Gericht entschieden wird ob er fähig sei , sein Vermögen zu verwalten . Nein , wenn er Blödsinn Narrheit hat und S c h w ä c h e d e s G e i s t e s . Wenn er läppische kindische Dinge thut . diese Geistesschwäche kann zu Faselei gerechnet werden . Zerstreutheit in der das Individuum thut , was sich zu seinen Verhältnissen nicht schickt . – / Eine Hauptseite der Betrachtung der Narrheit ist die H e i l u n g . / Heilung geht vor’s 1 . nach rein medicinischer , fysischer Seite hin . Bestimmte 37 Pinel] Hillel

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das bewußtsein sein , daß er etwas Böses thut , ja die tiefste Abscheu davor , er kann große Liebe zu dem Menschen haben , den er umbringt ; er wird aber getrieben von dieser unwiderstehlichen Mordlust . diese Wuth der Narren wird meist durch Kränkung und Mißhandlung derselben hervorgebracht ; früher hat man sie sehr hart behandelt und dadurch ihre Krankheit zu etwas unheilbarem gesteigert . Sie sind ohne dies empfindlich und leiden sie obendrein Unrecht , so werden sie fürchterlich mißtrauisch und wüthend . Außerhalb der Anfälle ihrer | Tollheit können sie ganz vernünftig sein ; darum ist die Entscheidung über die Reconvalescenz sehr unsicher und muß abhängig gemacht werden von langer scharfer beobachtung . ( Jener wüthende in der Revolution der aus dem Irrenhaus befreit seine befreier plötzlich anfällt ; dann jener , der die Fremden herumführt und sich am Ende für Gott den Vater ausgibt) – In den englischen Gerichten kommen häufig Processe von solchen Verrückten vor , die eigentlich nur aus Schwäche des Geistes etwas läppisch sind und im einzelnen ihr Verhalten nicht beobachten (Graf von Portsmouth zog z . b . gerne die Glocken ; er war Pier , Mitglied des Oberhauses ; wenn er irgendwohin kam , so machte er sich überall wo geläutet wurde an die Leute und läutete mit – solch unnütze Streiche machen solche Narren öfter .

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b . Di e He i lu n g d e r Ve r r ü c k t e n . Sie ist 1 . me d ic i n i s ch – Das bestimmte Purgiren kommt am häufigsten vor . Im großen Hospital in London hat man vor 10 Jahren Untersuchungen angestellt ; ein sonst berühmter Arzt , der dies als ein Gut für seine Einnahmen ansah und von

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Krankheit , Gicht p muß gehoben werden auf gewöhnlichem medicinischem Wege . (Aderlaß , Purgiren p . gegen Kopfaffection , Unterleibsbeschwerden .) Heslarn ließ im Frühling und 2–8 Menschen haben , … Entscheidung] Er : Individuum selbst das sie zu morden sich getrieben fühlen verbunden seyn kann , so wie Abscheu vor solchen Handlungen pp . die Boshaftigkeit der Narren die zur Wuth fortgeht kommt nun oft daher daß sie sich gekränkt , gemißhandelt fühlen , so daß ihre Empörung zu vollkommner Bösartigkeit steigt wo es schwer ist ihr Zutraun wieder zu gewinnen . dabei ist zu bemerken daß die Narren außer ihren Anfällen ganz consequent und richtig sprechen können und das Ur theil 8–12 sehr unsicher … In] Er : kann erst nach langer Beobachtung gefällt werden . Außer ihrer Narrheit haben sie ganz moralische Empfi ndungen Pinnel sagt man könne in einem Irrenhause täglich rührende Scenen sehn . Bei 12–719,3 kommen häufig … Mittel] Er : kommt noch eine andre Narrheit vor ; Schwäche des Geistes , die noch nicht Narrheit ist kommt da bei Vermögensverwaltungen oft vor . Sie kann zur Faselei gerechnet werden . Die andre Hauptseite ist die H e i l u n g . Sie ist fürs erste rein physisch medicinisch , die Krankheit muß auf rein | medicinischem Wege gehoben werden . / In neueren Zeiten hat man besonders Tropfbäder angewandt , plötzliches Werfen ins Wasser . In einzelnen Fällen kann es gut thun in andern Apoplexie hervorzubringen .

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11 Fremden] Lesart unsicher

13 läppisch] läppisch d läppisch

23 Heslarn] siehe Anm .

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oben keine Controlle erhielt – Handslah gebraucht weiter keine Kur , als daß er alle Herbst das ganze Irrenhaus purgiren ließ – dafür hatte er nun gute Einnahmen ; Tropfbäder , Hitze Werfen ins Wasser sind neuere Mittel – Haar abschneiden hat auch oft gute Wirkung ; so hat eine Frau einmal gesagt : sie werde nicht mehr besser , wenn man ihr nicht den Kopf abschnitte – Man schnitt ihr der Reinlichkeit wegen das Haar und als das letzte abgeschnitten war war sie geheilt von ihrer fi xen Idee . Die Krankheit scheint auch wie das Fieber einen gewissen Verlauf zu haben ; sie fängt an mit Stumpfheit , blödheit , dann geht es in Narrheit über ; der Narr ist schon heilbarer als der blödsinnige ; geht es aber von der Narrheit zur Wuth und von da zum blödsinn so ist da oft die Heilung nicht mehr möglich . – Man hat auch andre äußre Mittel , um die Wuthanfälle momentan niederzuschlagen : die Zwa n g s we s t e , die Schaukel hat der Engländer Cock aufgebracht ; durch die Schaukel wird der Narr schwindlig und ihm wird der Gang seiner verrückten Vorstellung unterbrochen . beim vorigen König von England hat man das angewandt : daß man ihn auf einem Stuhl in die Höhe hob (man behandelte ihn übrigens sehr delikat , 2 Pagen mußten sich immer sehr respektvoll begegnen) wenn er in Wuth kam ; in der Höhe oben wurd ihm bang und da wurde er ruhig und kam wieder herunter . 2 . d i e p s ych i s ch e S e it e Die kommt jetzt viel häufiger vor . Früher hatte man die behandlung der Wahnsinnigen rohen Menschen überlassen , | die in den

2–3 purgiren ließ … Hitze] Wl : durchpurgiren . In neuern Zeiten hat man Tropfbäder genutzt (Wirkung auf Kopf .) 3 sind neuere Mittel –] Wl : (wo Schreck eine revolution im Körper hervorbringen soll .) In einzelnen Fällen kann so Heftiges Gewaltsames gut sein ; aber in andern Fällen Lähmung p bewirken . 4–8 hat auch … Die] Wl : wie Tropfbäder . – diese oft gute … Die] Er : geholfen . Diese 8 wie das … gewissen] Er : oft ihren bestimmten Wl : häufig wenigstens , ihren bestimmten 8–12 haben ; sie … um] Er : haben , und gewisse schnelle Heilungen sind da meist in das letzte Stadium gefallen wo die Narrheit an sich gehoben war . der Blödsinn geht in Narrheit und durch diese in die Vernunft . der umgekehrte Weg ist der gefährlichere . / Viele Mittel , die angewandt werden sind nicht sowohl dazu da , die Krankheit als solche als vielmehr 8–9 haben ; sie fängt] Wl : haben , wie ein Fieber ; und vornehmlich zu betrachten , daß gewisse schnelle Heilungen in das letzte stadium gefallen sind , wo das Ganze fast schon gehoben war . – Narrheit fängt oft 9 blödheit ,] Wl : Blödsinn , Tollheit und der Narr … schon] Wl : (Narren 10 blödsinnige] Wl : Blödsinnige) und von da Heilung eher möglich 11–12 so ist … um] Wl : dann ist’s der gefährlichere Weg . – / Viele Mittel sind nicht sowohl die Krankheit als solche zu heben , sondern 12–19 momentan niederzuschlagen : … vor .] Er : zu hemmen , Zwangsweste , Schaukel . – die Hauptseite aber der Heilung ist die psychische . 12–14 die Schaukel … der] Wl : Schaukel , die Schwindel hervorbringt und indem dem Narren den 14–20 Vorstellung unterbrochen . … den] Wl : Vorstellungen nimmt ; und so Ruhe hervorbringt . – / Hauptseite der Heilung in neuren Zeiten allgemeiner geworden ist die psychische Seite . – Vormals behandelte man die Krankheiten mehr nach einer rohen Weise . der rohe Mensch sieht in 20 Wahnsinnigen rohen] Er : Krankheit mehr der Rohheit barbarischer 1 Handslah] siehe Anm .

13 Cock] siehe Anm .

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Ausbrüchen des Wahnsinns Feindseligkeit gegen sich sahen und sich gegen die armen Wahnsinnigen durch Schläge rächten . Pinnel hat das zuerst aufgebracht , daß man auf den Geist Rücksicht nehmen soll um auf diesen zu würken , wobei das Medicinische nicht ausgeschlossen wird . bei dieser behandlung ist die Voraussetzung daß der Verrückte ein Mensch ist , und noch Vernunft besitzt und daß man bedenkt , daß man von einem Narren nicht beleidigt werden kann ; ebenso wie wenn man einen Körper medicinisch behandelt ; man wird ihn nicht behandeln , wenn man nicht voraussetzt : er habe noch Gesundheit in sich . Ebenso hat der Verrückte auch Ve r n u n f t , und kann Recht und Unrecht das er thut und das ihm ge than wird oft unterscheiden , auf dem ganzen Feld seines Betragens , in so fern dies nicht gerade seine direkte Narrheit ist . Man wendet sich ab von seiner Narrheit und an seine übrige Handlungsweise , die freilich als Folge seiner Krankheit abnorm ist , aber so fern sie nicht direkt darin ist , so hat er bewußtsein und Zurechnungsfähigkeit ; und so muß man dann gerecht und wohlwollend gegen ihn sein . Pinnel erzählt einen Fall :

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1–3 des Wahnsinns … man] Er : der Narrheit Bosheit und dergleichen sehn und so behandeln . In neueren Zeiten hat man angefangen wesentlich Feindseligkeit gegen … man] Wl : leicht boshafte Herausforderungen gegen ihn , – und erwidert solche Ausbrüche durch Härte , Schläge . So früher gewöhnlich . | In neuren Zeiten hat man angefangen wesentlich 3–4 nehmen soll … Voraussetzung] Wl : zu nehmen , indem das Fysische dabei nicht versäumt wird . Man hat sich darauf gelegt den Menschen vom Geist aus zu heilen , – von der Voraussetzung aus , 3–4 nehmen soll … ist] Er : zu nehmen , den Menschen vom Geist aus gesund zu machen . Es wird dabei 5 daß1] Er : gemacht daß 5–6 ein Mensch … man1] Er : noch Mensch und vernünftig ist . Man kann ferner auch 5 Mensch ist , und ] Wl : vernünftiger Mensch ist , 5–6 und daß … man1] Wl : daß man 6–11 werden kann ; … ab] Er : werden . Jene Voraussetzung ist das selbe wie daß man bei jeder Krankheit noch Gesundheit hat woran man anfaßt . Man | setzt also voraus daß er noch weiß was Recht und Unrecht ist , und vollkommne Zurechnungsfähigkeit außer dem eigentlichen Kreise seiner Narrheit selbst . Man abstrahirt 6 ebenso wie] Wl : Eben so gut als man voraussetzt 7–8 behandelt ; man … habe] Wl : behandelt , daß er 8–9 in sich . … kann] Wl : (d . i . Lebenskraft hat) und darum ihn zu heilen hofft , – ebenso setzt man beim Verrückten noch Vernunft voraus , daß er Gefühl hat von 9–11 er thut … ist .] Wl : ihm geschieht und das e r thut ; daß er vollkommen zurechnungsfähig ist außer dem Kreise seiner Narrheit , auf dem weiten Felde seines übrigen Betragens . – Bei dieser Behandlung läßt man ihm also seine Narrheit gehen , und geht nicht directe gegen Narrheit . das hat gar keine Wirkung dieß directe Entgegengehn (wie Widerspruch .) – 11 ab von … an] Wl : an 11–14 und an … dann] Er : selbst und wendet sich an das Uebrige . Indem darin nicht direct die Narrheit enthalten ist , hat er darin Bewußtseyn von Recht und Unrecht und von dieser Seite muß man ihn fassen , muß h i e r i n sich 12 Handlungsweise , die … fern] Wl : Handlungsweise . Diese ist allerdings abnorm , Folge seiner Krankheit ; aber indem 13 darin ist , … er] Wl : Narrheit ist , hat der Kranke darin 13–14 und so … dann] Wl : Von dieser Seite muß man ihn angreifen und 14–721,20 sein . Pinnel … werden .] Er : sich benehmen . Man muß so den Narren Respect beibringen gegen ihre Aufseher . / Was die Heilung betrifft so ist das ein sehr interessantes Kapitel . das Erste ist daß man die Narren zu beschäftigen sucht außerhalb ihrer Narrheit , durch ein andres Interesse sie arbeiten macht . 25 man] Lesart unsicher

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es sei ein Mensch ins Haus gebracht worden der sich für Gott den Vater gehalten und immer dabei geblieben . Nach mehreren Tagen beging er Ungeschicklichkeiten und Unreinlichkeiten ; darüber wurde er bestraft ; und er empfand darin daß man eine Gewalt über ihn hatte ; man muß da den Narren Respect gegen ihre Aufseher beibringen . Das Nähre über die Heilung ist ein sehr weitläuftiges und interessantes Kapitel : Ich will Einiges darüber versuchen zu sagen . Zuerst b e s c h ä f t i g t man den Narren und sucht andre Interessen in ihm zu wecken , an denen man sie fassen kann ; man sucht sie zu Ordnung und Reinlichkeit zu gewöhnen . Man lobt oder straft ihn und das kann der Narr recht gut einsehen . Arbeiten heißt aber : mit einer S a c he , mit einem Object sich beschäftigen aus sich herausgehn , sich ganz vergessen und in der Sache sein . Die äußerliche Arbeit dient dann auch den Körper in bewegung zu erhalten und dergleichen . – Ein Richter in Schottland hatte einige dutzend Narren an den Pflug gespannt und hatte sie da ackern lassen 6 Stunden nach einander und vielen ist das sehr gesund gewesen . Ein Irrenhaus im Neapolitanischen zeichnet sich besonders durch diese Art der Heilung aus ; es ist sehr interessant zu lesen ; sie führen da auch Comödien auf und allerlei ; es soll eine wahre Lust sein ; das Leben ist ihnen leicht ; sie sind fröhlich bei ihrer Arbeit . – die gewohnte Umgebung des Narren gehört zur Totalität seines Selbstgefühls ; in dieser findet die Verrücktheit nur ihre Nahrung . Aus dieser gewöhnlichen Umgebung müssen sie darum entfernt werden . Die Neuheit andrer Gegenstände unterbricht sie wenigstens in dem ungehemmten Lauf der verrückten

25 dies Arbeiten heißt aber für eine Sache sich interessiren , aus der Subjectivität heraus zu einer Sache

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kommen . diese Arbeit , zunächst eine mechanische dient dann auch zur Bewegung zur Gesundheit / Zu diesem Herausreißen gehört specieller auch daß so ein Mensch aus seiner gewohnten Welt zu entfernen ist . Diese gehört zu seinem verstimmten Selbstgefühl das sich sie zurecht gemacht hat und aus ihr Nahrung erhält . 720,14–721,4 Pinnel erzählt … man 2 ] Wl : (Größten Verdienst in dieser Behandlungsweise hat Pinnel) . Man 4–5 gegen ihre … beibringen .] Wl : bei bringen , aber s o nur , gegen ihre Aufseher . – / 5–8 über die … an] Wl : ist wie interessant auch weitläuftig : – 1 .) daß man die Narren überhaupt zu beschäftigen sucht außerhalb ihrer Narrheit : daß von ihrer Narrheit abstrahirt wird : daß man andere Seiten auf sucht an ihnen , von 8–20 kann ; man … werden .] Wl : kann und sie zu Ordnung bringen . – Arbeiten machen lassen , ist Hauptmittel und zwar jeder nach seiner Weise . – z . B . abschreiben . Gut : lobt ; schlecht – Tadel . Er sieht das Recht ein : (erkennt Gewalt über sich bei Strafe in Gelegenheiten außer seiner Narrheit .) dieses Arbeiten ist Beschäftigtsein , vergißt sich selbst , ist in der Sache . Sie kann zunächst äußerlich mechanisch sein , und dient so zugleich als Bewegung dem Körper . – Irrenhaus in Neapel intressant durch die Ordnung in diesen Rücksichten . – / Zu diesem Herausreißen gehört specieller auch , daß so ein Mensch aus seiner gewohnten Welt zu entfernen ist . diese gehört zu seinem verstimmten Selbstgefühl , das sich so zurecht gemacht hat und aus ihr Nahrung erhält . 20 andrer] ErWl : der 21 sie wenigstens] ErWl : sie 7 beschäftigt] bshäfftigt

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Vorstellungen . | So ist es z . b . gut den religiösen Verrückten ihre Andachtsbücher zu nehmen auch die bibel . Dann ist wichtig , daß die Ärzte und Aufwärter das Zut r au n der verrückten zu erwerben suchen müssen ; denn dies Zutrauen ist schon ein beginnen einer Objectivität , ein Herausgehen aus sich in das Glauben an das Wohlwollen andrer . Durch ungeschickte harte behandlung sind schon viele noch verrückter geworden . Dann aber muß dem Verrückten auch Acht u n g Re s p ek t eingeflößt werden , beinah F u rc ht denn eine Hauptsache ist eine Einbildung von sich ; und der Respekt enthält das Anerkennen von etwas Höherem als der particularen Subjectivität . bei Wuthausbrüchen muß unmittelbar physisches bändigen eintreten . besonders ist nun hier nöthig , in den Verrückten die F u rc ht zu er wecken . Furcht enthält nur die Vorstellung von dieser Gewalt , und diese Vorstellung soll das wichtige werden , wodurch der Wahnsinnige sich in sich selbst beherrscht . Wäre diese Furcht nicht in ihnen zu wecken , so könnte viel Unglück geschehn ; sie wollen oft gar nicht essen ; da müssen sie gezwungen werden , so daß sie sich selbst innerlich gewöhnen Speise zu sich zu nehmen oder was man verlangt . die Vorstellung der Furcht oder das bewußtsein darin , daß sie wenn die Anfälle nur periodisch sind , andre durch ihre närrischen Zufälle geniren hält sie oft zurück , sich mit ihrer Narrheit so auszulassen (die englisch redende Frau , und der bellende Graf , der in Gegenwart des Königs den Kopf zum Fenster hinaussteckte , die Mädchen im

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1–2 So ist … Aufwärter] ErWl : Eine weitere Bestimmung ist , daß 3–4 der verrückten … beginnen] ErWl : erworben werden muß . Es enthält schon dies Hinausgehn aus sich , und den Beginn 4–6 ein Herausgehen … auch] ErWl : in dem man dabei das Interesse | [an] Wl : in] einem andern erweckt . | Besonders ist dies bei denen nöthig die durch harte Behandlung zur Tollheit gebracht sind . Auch bei diesen ist es möglich das Zutrauen zu erwecken da sie Menschen sind . Ein Weitres ist dann 7–8 eingeflößt werden , … Höherem] ErWl : bis zur Furcht in weitern Gradationen , es ist oft nöthig das Bewußtseyn einer Uebermacht hervorzubringen , es liegt daran ihre Einbildung [von sich zu] Wl : zu] brechen und Respect vor Höherm hervorzubringen 9–13 bei Wuthausbrüchen … geschehn ;] ErWl : Sehr häufig ist förmliche Gewalt anzuwenden um zu zeigen daß ihre Meinung , ihr Wille nicht ein Objectives ist . das Weitere schon geistigere in dieser Hinsicht ist die Erweckung der Furcht , daß die Vo r s t e l l u n g dieser Gewalt ihm selbst Gewalt anthut , so daß er darauf geführt wird sich selbst Gewalt anzuthun . Sehr häufig ist dies nöthig um Andres , [Schlimmere] Wl : Schlimmres] zu verhindern . 14–723,10 müssen sie… getäuscht] ErWl : ist Furcht [in ihnen zu erwecken ,] Wl : vor fysischer Gewalt nöthig ,] daß sie sich innerlich selbst zwingen . / Eine Hauptwirkung der Furcht ist so diese [ Herrschaft] Wl : innerliche Herrschaft] über sich selbst , die man auch schon bei Wahnsinnigen [fi ndet .] Wl : fi ndet . (Histerische , die englisch loszieht p) –] diese Gewalt der Vorstellung ist z . b . auch in solchen Fällen wo die Krankheit mehr epileptischer Art ist , [angewandt wie in der bekannten Erzählung von Boerhave .] Wl : angewandt . Bei Narren , schwachen Personen kann die Ansteckung in solchen Uebeln durch’s Sehen , durch den Weg der Vorstellung geschehen . So drohte Börhawe so angesteckten Mädchen , durch Zangen die glühend waren , sie zwicken zu lassen , und – die Anfälle hörten auf . Reil erzählt , daß ein ganzes 35–36 (Histerische , die … p)] Lesart unsicher

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Kloster , die sich für Katzen hielten und zu gewissen Zeiten miauten . Die Furcht vor der Auspeitschung durch Soldaten brachte sie endlich dahin , daß sie sich nicht mehr so hören ließen . bei der Androhung der Strafen und dergleichen muß immer gerecht entschieden werden , und es muß die Furcht erregt werden und die Form der Strafe . Die Verrückten sind verrückt , sind einfältig und leicht zu täuschen ; aber daß sie getäuscht werden , dürfen sie nicht erfahren ; sie sind sehr mißtrauisch . Die Möglichkeit zu täuschen gewährt oft das Mittel auf sie einzuwirken , besonders wenn große Gefahr in Aufschub ist . Es gehört aber dazu wohlwollendes Wesen , besonnenheit , Geistesgegenwart und unmittelbare Entschlossenheit . Häufig werden die Narren auch dadurch getäuscht indem man in ihre Einfälle eingeht , wodurch ihre Narrheit oft so gar gehoben wird . Davon gibt es viele merkwürdige beispiele . Ein Mann glaubte er habe Hörner am Kopfe , wirkliche physische Hörner (lautes Gelächter) ; man gab das zu und that so als ob man ihm die Hörner abschnitte . Ein andrer glaubte er sei todt ; man behandelte ihn ganz so , legte ihn in einen Sarg , setzte ihn bei ; und daneben einen offenen Sarg mit einem andren verstellten Todten ; nach einiger Zeit fing dieser an , sich zu erheben und zu essen ; der andre wundert sich , daß die Todten auch essen (er hatte nämlich nicht essen wollen) sie kommen in Gespräch mit einander , und der andre versichert ihm , die Todten hätten auch den Gebrauch zu essen ; er sei wohl noch nicht lange unter den Todten . Da

20 20 Mädchenkloster sich für Katzen gehalten . – Man heilte sie durch die Drohung , die erste , die es thäte ,

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durch Soldaten auspeitschen zu lassen . –] Bei der Gewalt oder der drohung muß immer Gerechtigkeit seyn , und sie muß die Gestalt der Bestrafung erhalten , so daß er weiß etwas Ungehöriges gethan zu haben . – [ Ein Weiteres was zu bemerken ist daß die Verrückten sich sehr leicht täuschen lassen , dies gewährt] Wl : Der wiederholte Kampf zwischen automatischen Wuthanfällen und Furcht stärkt nach und nach , und die Symptome des Wahnsinns gehen verloren . – die Verrückten haben über Vieles Verstand ; doch lassen sie sich leicht täuschen , und sind einfältig . Dieß gewährt wieder] ein Mittel sie zu beherrschen muß aber fein angewandt werden , da sie sehr mißtrau|isch [ist . Solche Täuschungen sind oft , namentlich] Wl : sind . diese Möglichkeit der Täuschung gibt Mittel in die Hand zu augenblicklichen Wirkungen auf sie ,] wo der Verzug Gefahr [ bringt sehr wichtig , dazu gehört aber Geistesgegenwart und Wohlwollen der Aufseher .] Wl : bringen könnte ; – doch gehört dazu , wie überhaupt zu Tollhausaufsehern , Geistesgegenwart , Verständigkeit , Entschlossenheit und eine wohlwollende Natur . |] Sehr oft können Narren getäuscht werden 10–724,18 wodurch ihre … Narren] ErWl : ja s o daß [ihre Krankheit gehoben wird ; Man kann solches momentan heben , um aber völlig gesund zu seyn müssen sie wissen daß das] Wl : die ganze Narrheit gehoben wird , und nicht bloß momentane Anfälle . Oft ist die Heilung nur momentan ; – um aber völlig gesund zu seyn , müssen sie wissen , daß ihr Uebel p gar nichts Wirkliches , nur] eine Narrheit gewesen ist , sonst ist die Cur nur halb beendigt und [ Recidive sind möglich . Auch das muß] Wl : Rückfälle sind möglich , unheilbare Rückfälle oft . – Die bloße Erinnerung an eine ungerechte Behandlung kann Rückfälle erzeugen , daher] bei der Genesung nicht [nachbleiben] Wl : nach bleiben darf] , daß die Behandlung ihnen eben so erscheint wie sie ihnen während der Narrheit erschien , so daß kein Haß , keine Empörung pp zurückbleibt . / Es ist gesagt daß man durch Eingehn in die Vorstellung [ heilt , da kann es nun leicht seyn] Wl : heilt . Das kann leicht oft geschehen ,] indem man ihn

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aß er , und wurde so am Leben erhalten . Ein andrer | glaubt er hätte einen Heuwagen mit Pferd und Fuhrmann im Leibe ; der Arzt befühlt ihn und sagt : ja ; er kann den Wagen deutlich spüren ; nachher ließ er ihn denselben aus einem Fenster ausbrechen , und ließ einen Wagen mit Heu aus dem Thor darunter fahren – so wurde er geheilt von seiner Grille . Man muß aber , wenn die Narren geheilt sind , sie ja nicht weiter so behandeln , als wenn sie noch Narren wären ; indeß wenn sie völlig geheilt sind , müssen sie auch einsehn , daß die behandlung eine nothwendige und rechte gewesen ; daß ihnen gar kein Unrecht widerfahren sei ; wenn sie das noch nicht einsehn , sind sie noch nicht geheilt . Ein Candidat der Theologie der schon geheilt war , wurde von seinem Vater besucht , der das Fest seiner Genesung mit ihm feierte . Als sie spazieren gingen , kommen sie beim Tollhause vorbei ; er erkannte es , erinnerte sich an Alles , an die Stube , die Aussicht etc . , verfiel dann in die Erzählung , wie jammervoll es ihm da gewesen sei , wie verlassen er ge wesen , und wie er als ein Missethäter sei behandelt worden ; dies hält er seinem Vater vor , daß er das habe zugeben können ; Du , sagt er , hattest dich auch gegen mich verschworen , du hattest keine Thränen für mich , so sollst du nun blut haben , und nahm ein Gefäß und schlug ihm vor den Kopf und tötete ihn so . der war also noch nicht geheilt . – Es ist auch gut den Narren in einen Widerspruch mit seiner Narrheit zu verwickeln ; ist dieser stark genug , so kann ihn der Contrast selbst frappiren und ihn wieder zurecht bringen . Es hält sich z . b . einer für den heiligen Geist ; dagegen sagt ihm ein andrer : wie kannst du es sein ; ich bin es ja ; das frappirt ihn so , daß er von seiner Grille los wurde . Man kann die Narren auch oft bei gewissen Gefühlen und Empfindungen , die noch in ihnen sind , ergreifen , und sie so zu Handlungen veranlassen die mit ihrer Narrheit in Widerspruch stehen , z . b . der Tote der die Lästerungen nicht vertragen kann , die man ihm nach sagt und aus dem Sarge springt ; und Hallers Pazient in Göttingen mit den gläsernen beinen , der noch gut zu Fuße ist und recht gut laufen kann , als Räuber den Wagen anfallen . – Es ist indeß

19 zu verwickeln ; … ihn] ErWl : bringt , dem oft die Narrheit weicht weil 19–23 selbst frappiren … so] ErWl : ihm [selbst] Wl : selbst zu sehr] auffällt . / [An] Wl : Doch muß der Widerspruch immer stark frappiren . So hat oft ein kräftiger Witz die Narrheit zurecht gebracht . (Wie kannst du der heilige Geist seyn , – da ich’s bin ? ) An] Empfi ndungen , Gefühlen [ kann] Wl : Neigungen anknüpfend , kann] man den Narren [auch fassen und ] Wl : auch] 23–27 Handlungen veranlassen … anfallen .] Wl : seiner Narrheit entgegengesetzten Handlungen bringen . (Einen sich todt Glaubenden brachte man zum Grabe . Straßenjungen verhöhnten ihn unterwegs und er sprang von der Bahre , um sie zu prügeln . – Haller und das gläserne Bein . 24 ihrer Narrheit] Er : seiner Grille 24–27 stehen , z . b . … anfallen .] Er : stehn . / 27 Es ist indeß] ErWl : In solchen Fällen geht also die Heilung ganz von der geistigen Seite aus wie [andremal von der leiblichen .] Wl : sonst von der körperlichen . –] In der Regel müssen beide [vereinigt] Wl : Seiten verbunden] werden , [eine kann überwiegen ,] Wl : wenngleich eine überwiegen kann ; –] und bei solchen Fällen wie die letzterwähnten kann die körperliche Heilung vorausgegangen seyn , es kann aber ebenso auch die Heilung von dem Geistigen aus-

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schwer zu beur thei len , ob der Wahnsinnige wirklich wieder hergestellt ist , und auch das selbst , ob ein sonst gesund geglaubter nicht vielleicht wahnsinnig ist , was besonders bei gerichtlichen Vorfällen von Wichtigkeit ist . – | Wir gehen nun im Gange unserer Wissenschaft weiter ! – |

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Das Selbstgefühl als solches ist formell , und setzt die bestimmungen der Empfindung überhaupt zwar in seine Subjectivität , allein in deren abstracter Einzelheit nur so , daß sie darin zufällig überhaupt und vorübergehend wären . Das selbst aber ist als einfache beziehung der Identität auf seine formelle Allgemeinheit . An der in ihm gesetzten besondren Empfindung wird deren Unmittelbarkeit d . i . die Leiblichkeit der Seele aufgehoben und erhält die Form der Allgemeinheit . diese ist aber in beziehung auf die natürliche Einzelheit nur Reflexionsallgemeinheit (§ 175) und die Einbildung dieser Empfindungen nach dieser ihrer Leiblichkeit (das Selbst ist schon an sich die Gattung derselben) erscheint daher als eine W i e d e r holu n g , wodurch das Selbst sich dieselben zu eigen macht . Das Selbstgefühl hebt eben darin sein formelles subjectives Für sich sein auf , erfüllt sich und macht sich an ihm selbst zum Objectiven , so daß dieses in sich bestimmte Sein der Seele ebenso schlecht-

gehen , und damit auch [die] Wl : das] körperliche zu recht gebracht [werden .] Wl : werden . Immer 20 muß die Krankheit ihre Krisis gehabt haben , ehe das körperliche Uebel kann für gehoben geachtet 20 werden . dann aber kann oft ein ganz kleiner psychischer Anstoß (freundlicher Blick p) die Heilung

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vollenden ; besonders , wenn das Uebel in den Narren lag . – ] / Das sind die Gesichtspunkte die bei diesem Zustande vorkommen [und es ist] Wl : bei dem es eben so] 1–3 der Wahnsinnige … ist . –] ErWl : [er unheilbar , ob geheilt ist und so auch ob wirklich] Wl : geheilt ist , – als ob wirkliche] Verrücktheit da ist . / | 5–6 C . d i e … Das] ErWl : [ Es ist] Wl : G e wo h n h e i t / Es ist zunächst] an den Standpunkt zu [erinnern . Dieser] Wl : erinnern , wo wir die Verrückheit aufnahmen . Es] war die fühlende Individualität , die Individualität die ein Ganzes ist , eine , [dies Selbstgefühl in Beziehung zu seinen Bestimmungen . Wir haben gehabt das Selbstgefühl als Genius wie es] Wl : dabei Selbstgefühl , das Gefühl des einfach bei sich seienden Selbst im Verhältniß zu seinen besonderen Bestimmtheiten . – der allgemeine Standpunct war das Selbstgefühl das als unmittelbarer Genius] noch nicht die Macht war über [sich] Wl : sich selbst ; –] und es ist darum zu thun daß es [ herrsche . das ist dann] Wl : befreit werde und herrsche . – Auf diesem Standpunct ist also] das zweite das 6–726,3 solches ist … G e wo h n h e i t ] ErWl : solches , eben im Verhältniß zu seinen Besonderheiten so daß es [seine] Wl : die] einzelnen Bestimmtheiten [zu Momenten herabsetzt , sie] Wl : seines Selbstgefühls in Besitz nimmt , so daß es darin für sich ist und für sich bleibt , daß die einzelnen Bestimmtheiten nur zu Momenten herabgesetzt ,] ideell gesetzt werden im [Ganzen , das Selbstgefühl in ihnen für sich ist . der Mensch in] Wl : Ganzen . In] der Leidenschaft [ist in einer] Wl : hat der Mensch Selbst gefühl ;

35 6–726,3 Das Selbstgefühl … G e wo h n h e i t nachträglich zwischen der Kapitelüberschrift und dem Haupt-

text (bis Unmittelbarkeit) sowie am linken Rande

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hin ideelles , das i h r i g e ist . So ist das Selbst allgemeine durchdringende Seele in ihrem Empfinden und in ihrem Leibe für sich , Subject in dem selben als dem Prädicate – G e woh n h e it [ .] In der | Gewohnheit ist die bestimmung gesetzt , daß die befriedigung als mir zu eigen gemacht mir selbst unterworfen ist , das ist der abstracte begriff von der Gewohnheit . Nehmen wir dies in die sonstige Vorstellung von Gewohnheit auf , so wird uns das deutlicher werden . Meine Gewohnheit ist nicht ein Momentanes , Einzelnes sondern ist meine Weise , meine allgemeine Art zu sein . Was ich als Individuum im concreten Sinn bin , das ist die Totalität meiner Gewohnheit , daß ich diese oder jene Heimat etc . habe , macht noch nicht mein Sein aus . Die Gewohnheit habe ich aber nicht von Hause aus , sondern ich habe sie

es ist aber in eine] Besonderheit versenkt und so nicht bei sich . dies Selbstgefühl [das für sich wird] Wl : wird für sich] durch Idealisirung seines Besondern , welches Idealisiren den Sinn hat daß [sie] Wl : das Besondre] in es gesetzt [werden] Wl : wird] , in diesen Schacht , aber als aufgehoben . die Krankheit ist nun daß für das [concretere Selbst] Wl : concrete Selbstgefühl] solche Einzelheit fest wird so daß sie nicht idealisirt , unterworfen ist der einfachen Totalität des Ganzen . / [Also fühlende Totalität .] Wl : Also 1 .) fühlende Totalität ist das Allgemeine , die unmittelbare Bestimmung . –] / das zweite ist das Selbstgefühl mit Negiren der Einzelheit , es sich bestimmend aber so daß [jene] Wl : jenes] negirt ist . / das dritte ist das Selbstgefühl sich erfüllend , so daß es sich bestimmt aber zugleich [aus der Bestimmtheit heraus , diese ihm gleichgültig ist . / | Das dritte ist] Wl : in seiner Bestimmtheit , besonderen Empfi ndung , sich gleichgültig dagegen verhält . – Sfäre der Gewohnheit . Es ist] die präsente Erfüllung des Selbstgefühls , die Totalität als [das] Wl : das sich] in den besondren Empfi ndungen [pp] Wl : und Thätigkeiten] sich präsente so daß sie in ihnen zugleich gegen sie gleichgültig ist . Diese Stufe ist es nun die wir G e wo h n h e i t heißen . / [ Die Individualität hat Bestimmungen Empfi ndungen , diese sind zunächst einzelne . Ich bin da in einen Inhalt versenkt , ich] Wl : Das Individuum hat Bestimmtheiten , Empfi ndungen , Triebe , die zunächst einzelne sind und in deren Befriedigung es interessirt ist . Dieser ganze Inhalt hat mich in sich , ich bin in ihm versenkt , und] erhalte mich [nicht als Allgemeines darin .] Wl : in der Präsenz dieses Inhalts nicht als allgemeines , als auf mich beziehendes Selbst . –] 3–8 ist die … ist] ErWl : dagegen ist gesetzt , daß [diese Befriedigungen zugleich] Wl : sie mir] dem Allgemeinen [unterworfen ,] Wl : zu eigen gemacht , ihm unterworfen sind , – so daß] dies zugleich aus ihnen heraus , [sich in] Wl : in] seiner einfachen Beziehung auf sich [erhält] Wl : selbst , sich erhält] . Diesen abstracten Begriff machen wir durch die Vorstellung der Gewohnheit vorstellig . [ Es ist da] Wl : Was ich gewohnt bin , bin ich ; es ist] nicht ein Einzelnes , eine momentane Befriedigung pp sondern ich bin dies , es ist [meine] Wl : eine] allgemeine [ Weise ,] Wl : Weise , ich zu seyn ;] – was ich [ bin ist] Wl : als Individuum überhaupt bin , ist insofern] 9–727,2 Gewohnheit , daß … sich] ErWl : Gewohnheiten , ich kann nicht anders , ich bin eben [so . In meinen einzelnen] Wl : so , bin so Individualität . In meinen einzelnen Verlangen ,] Empfi ndungen pp mache ich es einmal so ein andermal so , da sage ich aber nicht ich bin so [sondern bei einem Empfi nden überhaupt welches] Wl : oder das bin ich ; sondern ich unterscheide es von mir , als eine Empfi ndung welche] meinem Selbst als [solchem ,] Wl : solchem angehört ,] als einfach sich auf sich [ beziehender Einheit gehört .] Wl : beziehende Einheit .] Solche Gewohnheit ist zunächst [ein] Wl : etwas mir Angeeignetes , sie ist mir nicht von Haus aus eigen , sie ist ein] durch mich gesetztes . dadurch unterscheiden sich | die Gewohnheiten 9 Heimat] Lesart unsicher

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mir erst durch mich angeeignet ; sie ist durch mich gesetzt ; eine Qualität meiner selbst ; dadurch unterscheidet sie sich von den natürlichen Qualitäten : daß ich ein Europäer bin , so durch sich constituirt , daß ich dies und jenes Temprament habe etc . daß ich schlafe und wache etc . das ist eine natürliche Qualität . die Gewohnheit ist eine allgemeine Weise meines Thuns , meines Empfindens , die ich selbst in mir hervorgebracht habe . Allgemein werden diese Weisen eben dadurch daß ich sie meinem selbst aneigne ; dieses selbst ist nämlich das Einfache in mir , worin mein Eigenthümliches liegt , und a l s a l l g e m e i n , was i m m e r die F o r m der Einfachheit ist . diese Allgemeinheit erscheint nun als Reflexionsallgemeinheit , d . h . Allheit , d . h . die Einheit die vieles Einzelne unter sich begreift , dies Viele zusammenhält , die Gleichheit in dem Vielen . Hierin liegt die bestimmung , daß , was sich in uns zur Gewohnheit in uns macht , ein Wiederholtwerden der Empfindung , Thätigkeit werden muß . Die Ge|wohnheit zieht man sich durch häufiges W i e d e r hole n zu , und ist es beabsichtigt , so heißt es Ü bu n g . Die andre Seite der Gewohnheit ist gegen den Geist gegen den Willen

2–4 Qualitäten : daß … Qualität .] ErWl : Qualitäten zu denen ich nichts zu gethan [ habe ,] Wl : habe : z . B . daß ich ein Europäer bin , das] Schlafen Wachen pp [geht in mir vor ,] Wl : ist in mir] ohne mein Zuthun . 5–6 ist eine … daß] ErWl : [ist auch eine solche] Wl : dagegen ist auch] allgemeine Qualität , [ Weisen] Wl : Weise (des Thuns)] die sich in allem Einzelnen [zeigen] Wl : zeigt] , aber gesetzte durch mich , [angeeignete , die ich in mir als Einfachem gesetzt habe .] Wl : angeeigenet ; es ist mein Selbst , welches solche Bestimmtheiten in sich als dem Einfachen gesetzt hat . –] das zweite ist daß [es] Wl : sie] eine allgemeine Weise [ist meines Thun , das Einzelne wird unter sie subsumirt .] Wl : meines Empfindens , Thuns , ist , eine Regel für jeden einzelnen Fall , unter die das Einzelne subsumirt wird ; – nach welcher allgemeinen Weise das einzelne Verlangen sich richtet .] Allgemein wird sie indem 7–8 dieses selbst … i m m e r ] ErWl : Diese Empfi ndung meinem Selbst angeeignet wird in die Einfachheit meines Selbsts gesetzt , und so einfach geworden ist sie das Allgemeine , dies [eben] Wl : eben ist] 8–9 Einfachheit ist . … als] ErWl : Einfachheit . [ Es ist] Wl : die Einfachheit also ist’s , worauf die Allgemeinheit solcher Qualität beruht ; sie ist gesetzt durch mich ,] gesetzte Allgemeinheit . Sie ist 9–10 d . h . Allheit , … die] ErWl : d . i . Allheit , eine [Allgemeinheit] Wl : Allgemeinheit (eine allgemeine Einheit) ,] indem sie 10–12 unter sich … liegt] ErWl : [in sich enthält ,] Wl : unter sich begreift ,] ein Allgemeines bezogen auf das Viele , [(die] Wl : – das Viele als Eines . | die] höhere Allgemeinheit [Gattung ist keine] Wl : die Gattung , ist nicht] Reflexionsallgemeinheit [ist] Wl : denn Allgemeinheit des Denkens ist] einfache Beziehung auf [sich) Hier] Wl : sich , ohne die Reflexion auf Vieles . Hier hingegen] ist die Allgemeinheit hervorgebracht , geht hervor [vom einzelnen Fall . dies enthält] Wl : von einzelnen Fällen , und erhebt sich hernach . Darin liegt] 12 sich in uns] ErWl : uns 12–13 in uns … Die] ErWl : werden soll ein Wiederholtseyn von [ Empfi ndungen ist ,] Wl : Empfi ndungen , Thätigkeiten seyn muß . die] 14–15 häufiges W i e d e r h o l e n … Geist] ErWl : Wiederholung [zu ,] Wl : Uebung zu . Die Wiederholung ist] daß das Einzelne [meiner Allgemeinheit angeeignet ist . So ist es] Wl : meines Empfindens p . meiner Allgemeinheit , meinem Selbstgefühl angeeignet wird . So kommt die Gewohnheit aus der Einzelnheit her , als] Allgemeinheit aus [vielen] Wl : vielem] Einzelnen , die wiederholte sind . das ist die Bestimmung der Gewohnheit zum Unter30 (eine allgemeine Einheit) mit Verweiszeichen am linken Rande

38 ist über nicht gestr . macht

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als solchen gerichtet und hier erscheint die Gewohnheit als eine Nothwendigkeit gegen die Freiheit und Willkühr . Nach der ersten Seite gegen das einzelne Empfinden überhaupt ist die Gewohnheit eine befreiung ; man sagt dann : die Gewohnheit ist die andre Natur , ein ganz richtiger Ausdruck ; ein andres als die Natur das ist eben das Freie . Das 2t e ist dann daß die Gewohnheit auch Natur ist ; Die besonderen Arten der Gewohnheiten sind diese : 1 . A bh ä r t u n g 2 G e s ch i c k l i c h ke it . | Wir haben gehabt die Empfindung und haben gesehn es gehört dazu Affection , bestimmtheit , diese haben wir unterschieden in äußerliche (äußerliche Sensation) die innerlich gemacht werde , und in innerliche die leiblich gemacht werde . Die innre bestimmung verleiblicht sich ; beides gehört übrigens zum Gefühl , das die

schied von natürlichen Bestimmtheiten , sie ist wie eine natürliche Qualität aber gesetzt . dies ist die Seite zu den natürlichen Qualitäten . die Gewohnheit hat dann [auch] Wl : noch] eine Seite 1 gerichtet und … eine] Wl : und nach dieser Seite ist’s , daß sie erscheint , als gerichtet und hier] Er : und nach dieser 2 Freiheit und Willkühr .] Er : Freiheit . und ] Wl : der Intelligenz , gegen die 2–3 einzelne Empfinden … Gewohnheit] Wl : Natürliche überhaupt , gegen das einzelne Empfi nden , ist sie einzelne Empfinden überhaupt] Er : Natürliche , gegen die einzelnen Empfi ndungen 3–4 befreiung ; man … Ausdruck ;] Er : Befreiung , gegen den Willen eine Nothwendigkeit . der Ausdruck eine a n d r e N a t u r ist ganz richtig , einerseits man sagt … Ausdruck ;] Wl : nach der anderen Seite , gegen den Willen , – eine Nothwendigkeit . Man sagt so ganz richtig : die Gewohnheit sei die a n d e r e N a t u r . Einerseits 4–7 Natur das … G e s c h i c k l i c h ke i t .] ErWl : Natur , also [ Befreiung ,] Wl : Befreiung von der Einzelnheit der Triebe ,] eine zweite Natur gegen die unmittelbare [ Natürlichkeit ,] Wl : Natürlichkeit ; – eine von der Seele gesetzte Natürlichkeit eine Ein- und Durchbildung der Leiblichkeit auf die Vorstellungs und Willens Bestimmtheiten .] andrerseits ist sie [ N a t u r ist ein Seyn , ich] Wl : N a t u r , ein unmittelbares Seyn , – ich] bin so , das ist meine Gewohnheit , diese Qualität hat noch diese Seite der Natürlichkeit in ihr . / [ Wenn wir die Gewohnheit in ihren besondren Arten betrachten , – so ist gesagt das Selbstbewußtseyn] Wl : Das sind also die näheren Bestimmtheiten der Gewohnheit : das Selbstgefühl] ist nicht mehr leeres für sich seyn , es [macht | sich] Wl : hebt sein formelles subjectives Für sich seyn auf , erfüllt sich , und macht sich an ihm selbst] zum Objectiven , es ist das in sich bestimmte Seyn der Seele und als durch ihre Thätigkeit bestimmte . In dieser Bestimmtheit ist das [Seyn das ihrige . Sie ist das Subject und dieses die Prädicate die] Wl : S e y n der Seele eben so schlechthin ideelles ; das i h r i g e . So ist das Selbst allgemein durchdringende Seele in ihrem Empfi nden und in ihrem Leben für sich , Subject in demselben , als dem Prädikate , | das] an ihr ihren Halt [ haben , so daß das Subject] Wl : hat (so daß das Subjective] nicht mehr einem Triebe pp [angehört .] Wl : angehört) – G e wo h n h e i t . –] / Was die nähern Arten [ betrifft] Wl : der Gewohnheit betrifft ,] so kann die eine Seite Abhärtung , die andre Geschicklichkeit genannt werden . / 8–10 die Empfindung … die1] ErWl : daß zur Empfi ndung gehört Affection , diese haben wir unterschieden [daß] Wl : und gesagt , daß] die äußerliche 10 gemacht1] Wl : gemacht (erinnert) in innerliche die] ErWl : eben so die innerliche Bestimmtheit werde . Die] ErWl : werde , (die Weise der Unmittelbarkeit) die 11–729,1 übrigens zum … ist .] ErWl : zur Empfi ndung sie ist das [ In eins setzen] Wl : in Einheit dieser Äußerlichkeit und Innerlichkeit , das In1setzen] des Äußer5 ist ;] folgt gestr : d . Gwohnht ist ein Sein 23–24 eine von … Bestimmtheiten . am rechten Rande mit Einfügungszeichen 41 dieser Äußerlichkeit … das vor der Zeile

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Äußerlichkeit und Innerlichkeit dieses ist . Die Gewohnheit ist nun dies : daß diese Empfindung innerlich gesetzt werde in das selbst gesetzt sei , so daß dem selbst eigen sei dies sein Empfinden . Erst in so fern es dies sein Empfinden sich angeeignet hat , ist es bei sich selbst , sich auf sich selbst sich beziehend . Diese erste Einheit in der Empfindung ist immer ein itzt , eine Einzelheit . Was man unter Abhärten versteht ist nach dieser Seite hin dies : daß in dem Empfinden das selbst bei sich selbst ist , und nicht in seinem Empfinden versenkt , und frei bei sich ist . Das ist eben die Seite der befreiung in der Gewohnheit . Zu dieser Seite gehört verschiedenes ; z . b . das Denken ist uns auch zur Gewohnheit geworden ; dies reine bei sich selbst sein muß auch der Gewohnheit angehören . der Geist ermüdet nicht wenn man sagt : der Geist wird matt , der Kopf will einem springen : der Geist ermüdet nie , sondern der Leib ermüdet . die Gewohnheit hebt nun dies Kopfweh beim Denken auf . Die Übung durch die Gewohnheit des Denkens macht , daß die Leiblichkeit nicht mehr selbstständig ist , sondern daß die Einfachheit des Selbstdenkens als das meinige gesetzt wird . Es sind dieses schwierige abstracte Punkte ; aber man muß sich wohl hinein

lichen und Innerlichen . 2 Empfindung] ErWl : Einheit selbst 2–3 in das … sei] ErWl : [in dem] Wl : diese Empfi ndung innerlich in das] Selbst gesetzt werde so daß [es im] Wl : das Selbst in] Besitz habe 3 sich angeeignet] ErWl : in Besitz [genommen] Wl : genommen , sich angeeignet] 4 es] Wl : es darin sich selbst , … selbst] Er : sich , einfach sich auf sich auf … beziehend .] Wl : einfach sich auf sich beziehend ; nicht mehr ein Uebergehen vom Inneren zum Äußeren p , sondern die Einheit selbst ist dieß Eine . 4–5 in der Empfindung] ErWl : – Empfi ndung – 5 ein itzt … Einzelheit .] ErWl : eine einzelne , ein Itzt , | nun aber ist diese Einzelheit aufgehoben . 6 nach dieser … selbst1] ErWl : nun dies überhaupt was bei dem Empfi nden 7 in seinem] Er : im Wl : ins 7–8 und frei … Gewohnheit .] Er : sondern frei darin . Wl : sondern bei sich selbst , insofern frei darin ist . Das ist die Seite der Freiheit in der Gewohnheit , – »die darin besteht , daß die Naturbestimmtheit der Empfindung durch die Gewohnheit zu m e i n e m Seyn herabgesetzt , ich nicht mehr in differenz und damit in Abhängigkeit gegen dieselbe bin . – d i e Un f r e i h e i t in der Gewohnheit ist aber theils nur f o r m e l l , theils nur r e l a t i v , und fi ndet eigentlich nur Statt bei ü b l e n Gewohnheiten , oder insofern einer Gewohnheit überhaupt ein anderer Zweck entgegengesetzt ist . Die wesentliche Bestimmung ist die Befreiung , die der Mensch von den Empfi ndungen , indem er von ihnen afficirt wird , durch die Gewohn heit gewinnt .« 8–9 das Denken … auch] ErWl : daß uns das denken 9 geworden ;] ErWl : wird , das denken 10 der Gewohnheit] ErWl : dem Selbst 10–12 der Geist … ermüdet .] ErWl : das denken ermüdet (den Körper) und was man nennt , der Geist ermüdet ist nur diese verleiblichte Empfi ndung . 12 hebt nun … auf .] ErWl : ist nun daß man so bald nicht ermüdet , die Ermüdung wird hinausgeschoben . 13 durch die … daß] ErWl : [ bringt] Wl : in dieser Hinsicht bringt] eben dies hervor es ist in ihr dies vorhanden daß so zu sagen 14–730,1 Einfachheit des … Denken .] ErWl : Einheit des [ Leib-] Wl : Leiblichen] und Innerlichseyns die m e i n i g e ist , das Selbstständigseyn des Seyns ist [gemildert ,] Wl : gemildert und dadurch] unterworfen . / So ist auch das Moment der Leiblichkeit in mich [gesetzt] Wl : gesetzt , dem Selbst vindizirt] und ihm damit das Äußerlichseyn , die Materialität [genommen , –] Wl : genommen . dieß sind selbst schwierige Puncte , 10 angehören] anghört mit Einfügungszeichen

11 matt] Lesart unsicher

25–31 »die darin … gewinnt .« am linken Rande

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den 11 Januar . 1828 .Er

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Denken . | Dann gehört hieher die Gewohnheit der befriedigung der bedürfnisse ; befriedigung ist Empfindung ; sie gibt mir einen Genuß ; meine Leiblichkeit ist angemessen der Empfindung , der mein Dasein nicht entspricht . diese Angemessenheit ist es , daß ich mir in dieser Erfüllung des Selbstgefühls mir zur Gewohnheit mache . Die befriedigung ist so eine G e woh n h e i t ; der Genuß woh n t schon bei mir , ist bei mir zu Hause . die befriedigung der begierden ist die Abstumpfung derselben , sie befreit von ihnen ; sie ist ein satt werden ; zur Gewohnheit geworden ist es eine Sättigung des Sattseins , und wir sind gleichgültig gegen die befriedigung selbst . Aber diese befriedigung hilft nicht viel ; nach einiger Zeit fängt der Hunger wieder an . Die Gewohnheit aber ist dies daß die Empfindung die befriedigung ist , ein meinem Selbstgefühl angeeignetes ist , so daß ich die befriedigung schon besitze . Ein neuer Genuß ist dann immer nur ein Genuß von einem solchen , was ich schon besitze , was mir schon bekannt ist . Die Gewohnheit ist daher wesentlich keine Reproduction des Genusses aus mir als eine Empfindung überhaupt . Interesse habe ich nicht daran ; das habe ich nur so lang als ich das nicht besitze was ich verlange ; der Unterschied

der Standpunct , wo der Begriff selbst eintritt . Es ist also die selbstständige Leiblichkeit aufgehoben d . h . G e wo h n h e i t . |] 2–6 befriedigung ist … Hause .] ErWl : da ist meine Leiblichkeit , mein daseyn angemessen gemacht dem [wie] Wl : was] mein daseyn seyn soll , dem Triebe . [ diese] Wl : – Befriedigung gibt mir Genuß . Trieb ist ein Wollen , dem mein Dasein zunächst nicht entspricht , die Leiblichkeit als nicht angemessen dem Bedürfnisse .] Befriedigung ist ein Genuß ist eine Empfi ndung . dieses daß eben ich | [mir in] Wl : in] dieser Befriedigung bei mir bin , ist die Gewohnheit , [indem die Befriedigung] Wl : in der die Befriedigung schon in mir wohnt ,] meinem Selbst angehört . 7 begierden ist] Wl : Bedürfnisse ist in sofern 7–8 derselben , sie … werden ;] Wl : des Triebes , und so enthält die Befriedigung die Befreiung vom Getriebenseyn , das Sattwerden . »dieß ist die vernünftige Befreiung von denselben (– die mönchische Entsagung und Gewaltsamkeit befreit nicht von ihnen) es versteht sich dabei , daß die Triebe , nach ihrer Natur als endliche Bestimmtheiten gehalten ; und sie wie ihre Befriedigung als momente in der Vernünftigkeit des Willens untergeordnet sind . –« Aber sie befreit … werden ;] Er : und enthält die Befreiung von ihr , satt werden – Aber 8–9 ist es … sind] ErWl : sind wir satt [des Sattwerdens] Wl : das Sattwerden] , 9 Aber diese] ErWl : die 10–12 nicht viel ; … Ein] ErWl : bloß gegen eine Äu ßerung des Triebes , [die] Wl : er selbst bleibt und kehrt wieder . die] Gewohnheit enthält dies daß die Befriedigung bereits meine , ein meinem Selbstgefühl angeeignetes ist , [ein] Wl : so daß ich in mir schon die Befriedigung habe . Ein] 12–13 ist dann … ein] Wl : neue Befriedigung ist dann der 13 immer nur ein] Er : der 13–14 was mir … ist .] Wl : es ist mir schon etwas Bekanntes , interessirt mich weiter nicht mehr s o , als wenn es mir noch unbekannt wäre . 14 daher wesentlich keine] ErWl : [wesentlich] Wl : also] eben so eine 15–16 eine Empfindung … ich1] ErWl : dieser eine Empfi ndung [ist .] Wl : ist (das ist die wesentliche Bestimmung der Gewohnheit . –)] diese Empfi ndung ist nur ein solches was ich schon habe , was mir nichts Neues ist . Interesse habe ich [an] Wl : für] etwas 16 das2 ] ErWl : dagegen im Gegensatze bin , so lange ich 16–731,2 ich verlange ; … will .] ErWl : mein Trieb [verlangt .] Wl : verlangt . Interesse hat eben den Unterschied und Gegensatz in sich ; das schließt in sich Thätigkeit : 25–29 »dieß ist … sind . –« am rechten Rande mit Verweiszeichen

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der Gegensatz ist darin , die Thätigkeit ist selbst schließlich ein Drängen , worin die Subjectivität ihrer los werden will . In der Gewohnheit aber ist der Trieb schon nicht mehr ich bin schon in dem Besitz der Befriedigung . Ich bin darin nicht versenkt in den Genuß , sondern ich verhalte mich darin nur zu mir selbst ; wenn ich bloß etwas | genieße , bin ich darin versenkt , bin in dieser Schranke bestimmt , in so fern ich dies aber gewohnt bin , bin ich nicht darin versenkt , sondern ich bin ich . Diese Bestimmungen sind schwer und abstract aber wichtig . Man hat viel von der befreiung von seinen Trieben gesprochen , was man eher im concreten Fall so überhaupt sehr hoch stellen kann ; die befreiung soll nur erreicht werden durch Nicht befriedigung der Triebe . Dadurch geräth der Mensch in einen großen Kampf mit sich . Die Triebe aber sind natürliche bedürfnisse , sind nothwendig , sind bestimmungen unsres lebendigen Organismus . Das Selbstgefühl nach seiner lebendigkeit ist selbst ein System von bestimmungen , und dies macht aber die Triebe aus . Die Lebendigkeit ist nur lebendig in so fern sie ein Proceß ist , sich zu andren verhält , und indem sie sich befriedigt und die Leiblichkeit verwirklicht . Ebenso wesentlich ist aber auch sich von diesen bedürfnissen zu befreien ; die befriedigung derselben aber

die Subjectivität will sich los seyn , will objectiv werden .]

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2–3 aber ist … bin 2 ] ErWl : ist nicht nur

20 der Trieb befriedigt sondern ich besitze diese Befriedigung schon so daß ich bei der neuen Befrie-

3 nicht] Wl : nicht (in Genuß) 4 in den … sondern] ErWl : bin , sondern daraus hinaus darin] ErWl : zu ihr als zu einem was ich schon habe , [und ] Wl : als zu dem Meinigen , ich] verhalte mich darin 4–7 wenn ich … hat] ErWl : Ich bin da nicht in dieser Schranke , sondern mein Ich ist bei mir selbst , diese Bestimmtheit ist ein mir [Angeeignetes .] Wl : Angeeignetes . | das ist eine sehr wichtige Bestimmung , sie ist aber sehr schwierig , abstract .] Es ist 8–11 von seinen … sich .] ErWl : der Triebe die Rede gewesen und man kann das als etwas sehr hohes [ansehn , über|haupt] Wl : für sich ansehen ,] (denn im concreten Fall ist die Nichtbefriedigung allerdings sehr wichtig) / [der Mensch indem er sich ohne Befriedigung von den Trieben befreit kann in einen Kampf kommen .] Wl : Die Befreiung wird nur erreicht durch Nichtbefriedigung von denselben . Dabei geräth der Mensch in großen Kampf mit sich . –] 11–14 aber sind … sie] Er : sind nothwendig , das System der Bestimmungen der Lebendigkeit . Es ist wesentlich die Lebendigkeit 11 natürliche bedürfnisse , … sind 2 ] Wl : zunächst natürliche Bedürfnisse , nothwendige 12 Das] Wl : Unser 13 ist selbst] Wl : ist 13–15 dies macht … und1] Wl : das macht die natürlichen Bedürfnisse aus . Es ist wesentlich die Lebendigkeit ein Prozeß ; und ist erst wirklich , 14–15 ist , sich … und1] Er : und ist erst wirklich 15–732,4 befriedigt und … Empfindung] ErWl : [ befriedigt .] Wl : befriedigt , sich zum Andersseyn verhält und dann zu sich zurückkehrt .] Die natürlichen Triebe [sind] Wl : sind also] wesentlich . Nun ist eben so wesentlich [sich] Wl : und nothwendig sich] davon zu befreien und die Befreiung ist nicht die einzelne Befriedigung , [sondern in dieser Befriedigung] Wl : nicht die Befreiung vom Momentanen des Triebes , sondern von ihnen als Trieben , – in ihrer Befriedigung zugleich unabhängig von ihnen , frei von ihnen zu seyn ,] sich auf sich selbst zu [ beziehn . dies ist eben indem die Befriedigung] Wl : beziehn , nur bei sich selbst zu seyn . Die Befreiung ist in der Befriedigung , als einer die] in meinem Besitz ist , [ist] Wl : als einer in meinem Selbstgefühl gesetzten . So ist] die Befriedigung nur Reproduction meines [ Besitzes und in ihr] Wl : Besitzes , nur in der Empfi ndung die ich von ihr habe ,] digung

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ist die befreiung davon ; in ihrer befriedigung müssen die Triebe selbst unabhängig von der befriedigung sein . die befreiung ist nun auch darin : die befriedigung ist ein in meinem Selbstgefühl vorhandenes und in so fern ist sie Reproduction dieser meiner innerlichen bestimmtheit , meines besitzes ; und in dieser Empfindung kehre ich zu mir selbst zurück ; die befriedigung ist eine erworbene bestimmung meines Selbstgefühls . Die Gewohnheit enthält also das wichtige : befreit zu sein von dem , woran man gewohnt ; z . b . wir essen aus bedürfniß , wie Thiere und Kinder , aber wir sind es eben auch gewohnt ohne bedürfniß ; man ißt weil es Essenszeit ist ; ein Erwachsener hat selten Hunger er ißt und trinkt weil er es gewohnt ist ; er ist ganz gleichgültig dabei , ist nicht darin , sondern unterhält sich dabei und spricht etc . – Hieher gehört die A bh ä r t u n g gegen die bedürfnisse die auch die Gewohnheit ist . Gegen die Negation in mir nämlich in dem bedürfniß erhalte ich mich ganz unabhängig in meinem Selbstgefühl . Hart ist eben das feste Zusammenhalten in sich ; z . b . die Negation die Hunger ist , entzweit mich nicht in mir , sondern mein Selbstgefühl hält sich stark in seiner Einheit sicher . Man schließt die bedürfnisse aus aus seinem Selbstgefühl , wenn man abgehärtet ist . Z . b . der Soldat den hungerts

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5–6 zurück ; die … Selbstgefühls .] ErWl : zurück , [ bin in dieser Empfi ndung] Wl : bin] nur in meinem Selbstgefühl , bin aus [der Schranke] Wl : den Schranken] heraus , bei mir . 6 also das wichtige :] ErWl : [dies] Wl : also dieß] Große 7–11 z . b . wir … A b h ä r t u n g ] ErWl : [(Man ißt und trinkt und ] Wl : Wir essen und trinken aus Bedürfnissen , sind aber gewohnt zu essen und essen aus Gewohnheit . Man thut’s so mit mehr oder weniger Gleichgültigkeit , thut etwas andres dabei ,] ist in der Sache nicht zugleich darin) . / [ A b h ä r t u n g ist] Wl : Noch eine Form der Gewohnheit , die hierher gehört , ist die A b h ä r t u n g ] 11 die bedürfnisse] Wl : das Bedürfniß , 11–13 die auch … Selbstgefühl .] ErWl : [selbst , gegen dieses ohne daß es befriedigt ist .] Wl : so daß es nicht befriedigt wird , Abhärtung gegen das Bedürfniß selbst .] Auch diese Abhärtung ist Gewohnheit d . i . daß ich [gegen diese Negation in mir mich] Wl : in dieser Negation , dessen , welches Bedürfniß ist , mich bei mir selbst] in meinem Selbstgefühl [erhalte .] Wl : erhalte . »A b h ä r t u n g gegen äußerliche Empfindungen (Frost , Hitze p Wohlgeschmack p Müdigkeit der Glieder p) sowie die Abhärtung des Gemüths gegen Unglück , ist eine Stärke , daß indem jenes allerdings von Menschen empfunden wird , solche Affection zu einer Äußerlichkeit und Unmittelbarkeit (– es i s t ) herabgesetzt , und sein Bewußtsein , Reflexion , und sonstiger Zweck und Thätigkeit nicht mehr damit verwickelt ist .« –] 14 sich ; z . b . … mir ,] ErWl : sich selbst , daß ich nicht entzweit in mir werde 15–733,5 hält sich … sterben .] ErWl : in seiner Gleichheit sich erhält , die Negationen zwar in sich zu haben aber sie auszuschließen aus sich . | Man denkt nicht an diese Negationen sondern etwas andres ist das Stärkere , das | Zusammenhalten seines Selbstgefühls . / Die [Abhärtung besteht also] Wl : Empfi ndung bleibt dabei bestehen , – nur ist sie nicht erscheinend . – Der Unterliegende aber läßt sich versinken in die Negation und Entzweiung . Der Tod kann dem Menschen oft gleichgültig seyn in dieser Versenkung , welche eine Verzweiflung ist . – Also] der Entzweiung nicht nachzugeben [sondern an der] Wl : und an dieser] Abstraction seines Selbstes [anzuhalten , bei sich selbst zu verharren , –] Wl : fest zu halten , das ist die Seite , die zur Gewohnheit gehört , sofern sie Abhärtung kann genannt werden . –] 27–31 »A b h ä r t u n g gegen … ist .« – mit Verweiszeichen am linken Rande terliegenden

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und dürstets auch , es ist ihm heiß etc , aber diese Empfindungen sind aus seinem Zusammenhalten mit sich selbst ausgeschlossen , er läßt sich nicht in sie versenken ; er hat andre bestimmungen und Pfl ichten und die siegen über das bedürfniß – andre dagegen erliegen , thun nicht was für die Rettung gehört (Cap . Fraan am Nordpol) und lassen sich sterben . Die andre Seite der Gewohnheit ist G e s ch ick l i c h ke it . diese bezieht sich auf Thätigkeit . Thätigkeit ist eine Verleiblichung einer innren bestimmung . (Die Empfindung hat Sensationen und Affectionen die sie innerlich macht) die Geschicklichkeit besteht aber darin daß solche Verleiblichung mir a n g e e i g n e t ist , so daß bei einer neuen Thätigkeit diese auch nur ein reproducirtes , wiederholtes ist ; wiederholen heißt etwas noch einmal thun ; aber näher heißt es etwas holen , was man schon hat , es wieder holen , wieder hervorbringen . | die Verleiblichung hat den tiefren Grund , daß das Sinnliche auseinander , dies Materielle im Geiste keine Wahrheit hat ; daß es ist , ist nur daß es ein Ideelles ist ; das Leibliche gehört mir an , ich bemächtige mich meiner Leiblichkeit ; aber diese muß in mich gesetzt sein , angeeignet sein , auf die ich keine Aufmerksamkeit mehr zu wenden habe ; sie ist schon die meinige . Die erste unmittelbare Thätigkeit wird in mich gesetzt , sie ist wirklich , wird sie mir ange-

20 6–7 Thätigkeit . Thätigkeit … Verleiblichung] ErWl : Thätigkeiten das heißt das Verleiblichen 20

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7–8 bestimmung . (Die … macht)] Er : Bestimmtheit . Wl : Bestimmtheit , die E i n b i l d u n g der Vorstellungsbestimmtheiten in die Leiblichkeit , so daß diese keine Eigenthüm lich keit mehr für sich hat , sondern jenen vollkommen durchgängig ist , – als ein unterworfnes ideelles Seyn nur ist , so wie umgekehrt die Vorstellungen unmittelbares leibliches Dasein haben , – wie sie als Vorstellungen in mir vorhanden , unmittelbar auch auf äußerliche Weise vollbracht sind .« – 9 solche Verleiblichung] ErWl : [solches Verleiblichen ,] Wl : solche Verleiblichung ,] solches Thun 9–12 ist , so … den] Wl : ist . Es sind nicht Empfi ndungen als solche , die ich mir aneigne , und sie reproduzire , sondern es sind Verleiblichungen die ich mir aneigne , und das neue Thun ist wieder ein Reproduzirtes , ein wiederholtes (d . h . etwas holen , das man schon hat : ich hole wieder hervor diese Thätigkeit , die schon die meinige ist) . die Geschicklichkeit ist also zu1 . eine gewisse Weise der Thätigkeit , Verleiblichung . Diese Thätigkeiten (Verleiblichungen) , haben ihren 9 einer neuen … diese] Er : einem neuen Thun das 10–12 reproducirtes , wiederholtes … den] Er : reproducirtes ist – w i e d e r h o l e n – Ich hole wieder hervor diese Thätigkeit die schon die meinige ist . diese Thätigkeiten , Verleiblichungen haben ihren 12–15 daß das … diese] ErWl : wie wir [gesehn] Wl : gesehen haben , darin ,] daß das sinnliche Auseinander ein Ideelles [ist ,] Wl : ist , im Geist keine Wahrheit hat ,] keinen Widerstand leistet . Ich verleibliche es unmittelbar , diese Macht gehört an sich mir [an , und soll] Wl : an ; sie muß] aber auch für mich seyn , 15–734,2 auf die … nun] ErWl : so daß wenn ich wieder diese Thätigkeit vor habe [ich sie bloß ohne besondren Willen oder Aufmerksamkeit zu vollbringen brauche .] Wl : sie nur eine wiederholte , eine reproduzirte ist , welche keine besondre Aufmerksamkeit (und Willen) mehr erfordert , sie zu vollbringen .] Sie gehört mir an , und [wird so eine Möglichkeit , so wird diese Thätigkeit ein Ve r m ö g e n , es] Wl : ist schon die meinige , und ich vollbringe sie unmittelbar . die existirende Thätigkeit ist in mich gesetzt und wird so zur Möglichkeit herabgesetzt , 4 Fraan] Lesart unsicher ; siehe Anm .

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eignet so ist sie eine Möglichkeit , was wir Ve r mö g e n nennen . Wenn ich diese Thätigkeit nun wieder thue so ist das nur eine Reproduction , ich hebe es wieder aus mir heraus . die Form der Gewohnheit umfaßt alle Thätigkeiten ; z . b . das allgemeine Verhalten ist daß der Mensch s t eht ; der Mensch will stehen ; wenn er das nicht will , so fällt er um ; aber dieser Wille ist eine bestimmung des Selbstgefühls , welches sich so erhält , so fortdauert . Die Kinder wollen aber eigentlich stehen , und haben lange damit zu thun eh sies dahin bringen , und noch länger dauerts eh sie gehen , d . h . in der Stellung sich bewegen . So ists auch mit dem Schreiben , mit der Musik etc . Die verschiedenen Reihen von bestimmungen die dazu gehören werden in der Geschicklichkeit vereinfacht , und wenn diese Reihe von Vermittelungen angesehn werden von dem fertigen Musiker , so hat er sie schon executirt ; dazu gehört aber eine lange Übung , d . h . eine große Aufmerksamkeit der einzelnen Vermittlungen . Das Selbst ist das einfache band aller dieser Vermittlungen ; das Geistige

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d . h . sie ist ein Ve r m ö g e n . Es] ist wenn ich sie 2–10 so ist … Geschicklichkeit] ErWl : ein [ Reproduciren] Wl : Reproduzirtes ,] ich bin vollkommen die Macht darüber . | [dieses in Besitznehmen] Wl : Diese Geschicklichkeit , dieß in Besitz nehmen] meiner Leiblichkeit ist etwas was sich sehr weit [erstreckt . daß der Mensch steht ist durch seinen Willen] Wl : erstreckt , und alle Arten und Stufen der Thätigkeiten des Geistes umfaßt . Der Mensch steht , (die äußerlichste räumliche Bestimmung) – das ist eine Gewohnheit , – ich muß stehn wo l l e n ; aber dieß Wollen ist vollkommen] zur Gewohnheit geworden . | [ Es] Wl : Kinder haben lange zu thun , ehe sie stehen können , über ihren Schwerpunct Meister sind . Es] ist ein fortwährendes Wollen [daß ich stehe] Wl : das Stehen ;] aber ich bedarf kein Wollen als solches mehr sondern es ist eine [fortdauernde Bestimmung meines Selbstgefühls .] Wl : Bestimmung meines Selbstgefühls , welches so fortdauert . Schreiben , nach Noten geläufig spielen , p eben so . – das macht sich im Selbstgefühl dann ohne Wollen , unmittelbar . –] Ich habe diese Verleiblichung in mein Selbstgefühl gesetzt , und jede Wiederholung ist nur ein Reproduciren . die Reihen von Bewegungen pp sind in meinem Selbstgefühl 10–13 wenn diese … Vermittlungen .] ErWl : die Geschicklichkeit im Executiren ist ein ganz Unmittelbares , trotz der großen Reihen von Vermittlungen . (z . b . Spielen nach [ Noten)] Wl : Noten .) / »Das Stehen ist eine unmittelbare bewußtlose Stellung , die aber immer Sache seines fortdauernden Willens bleibt ; der Mensch steht nur , weil und sofern er will , und nur so lange er bewußtlos will . – Eben so Sehen , und so fort ist die concrete Gewohnheit , welche u n m i t t e l b a r die vielen Bestimmtheiten der Empfi ndung , des Bewußtseins , der Anschauung , des Verstandes , u . s . f . in einem einfachen Act vereint . – das ganz freie , in dem reinen Elemente seiner selbst t h ä t i g e D e n k e n bedarf ebenfalls der Gewohnheit und der Geläufigkeit , dieser Form der Un m i t t e l b a r k e i t , wodurch es ungehindertes , durchgedrungenes Eigenthum meines e i n z e l n e n S e l b s t ist . Erst durch die Gewohnheit e x i s t i r e ich als denkendes für mich . Selbst diese Unmittelbarkeit des denkenden Bei sich seins enthält Leiblichkeit (Ungewohntheit und lange Fort setzung des Denkens macht Kopfweh) ; die Gewohnheit vermindert diese Empfi ndung , indem sie die natürliche Bestimmung zu einer Unmittelbarkeit der Seele macht . – die entwickelte und im Geistigen als solchem bethätigte Gewohnheit , ist aber die E r i n n e r u n g und das G e d ä c h t n i ß , und weiter unten zu betrachten .« –] 13 dieser Vermittlungen ;] Wl : Vermittlungen der gewohnten Thätigkeiten ; – 13–735,1 das Geistige … stößt] ErWl : der Wille stößt gleichsam nur 11 gehört] gehörn zum Raum

18 (die äußerlichste … Bestimmung am linken Rande ; folgt im Text gestr : Verh

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der Wille stößt an das Selbstgefühl an und dann | executirt sich das alles , ohne daß mein Wille dazu nöthig ist ; es ist nur die abstracte Form der Äußrung , was ich w i l l . Das andre will ich nicht mehr , sondern das geht so fort . Von der Gewohnheit wird immer sehr verächtlich gesprochen ; man läßt sie oft ganz aus ; weil sie eine so schwere bestimmung ist ; man weiß nicht recht , wohin man sie bringen soll . Meine Herren wir sind nach unsrer Gewohnheit – s t e h n g e bl i e b e n bei der Gewohnheit . Was man so in der Gewohnheit thut , thut man mechanisch , in Gedanken , eigentlich ohne Gedanken ; es ist ein Thun unsres Selbst ; die Gewohnheit ist die größte Macht des Individuums ; denn die Totalität seiner Gewohnheit i s t der Mensch . Der Mensch ist erst fertig insofern das , was er ist seine Gewohnheit ist , seine Sitte ; die Jugend ist die Zeit der Triebe , der Vorsätze , der Interessen ; der Mann ist damit aber fertig er hat es schon erworben , besitzt es ; der Mensch stirbt an der Gewohnheit des Lebens . Süße Gewohnheit des lebens sagt Egmont . die Lebendigkeit bekommt einen immer beschränkteren Raum ; das Verhalten wird immer einfacher , gegensatzloser , je älter der Mensch wird ; das Interesse verschwindet da und das leben geht in die Einfachheit in sich über in das Leblose . – Es kann noch eine bemerkung gemacht werden über die Thiere , die auch Gewohnheit haben in so

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1 dann] ErWl : in d e m | das alles ,] Wl : das , 2 mein] ErWl : der ausdrückliche 2–7 es ist … der] ErWl : Das ist dann die Natur der Gewohnheit und ihrer besondren Bestimmungen . / [die Gewohnheit kann allerdings ganz particularen Inhalt enthalten , aber es ist eine der schwersten Bestimmungen . –] Wl : Von der Gewohnheit ins Besondere pflegt herabsetzend gesprochen zu werden , und sie als Unlebendiges , Zufälliges , Particuläres genommen zu werden . – In der That ist die Gewohnheit als Form ganz zufälligen Inhalts fähig , und es ist die Gewohnheit des Lebens , welche den Tod herbeiführt , oder , wenn ganz abstract , der Tod selbst ist . – Aber zugleich ist sie der Existenz aller Geistigkeit im individuellen Subjecte das Wesentlichste , damit diese c o n c r e t e Unmittelbarkeit , seelische Idealität sei , – damit der Inhalt , religiöser , moralischer u . s . f . ihm als d i e s e m S e l b s t , ihm als d i e s e r Seele a n g e h ö r e , weder in ihm bloß an sich (als Anlage) noch als vorüber gehende Empfi ndung oder Vorstellung ; sondern in seinem freien allgemeinen S e y n sei . – In gewöhnlicher Betrachtung der Seele und des Geistes pflegt die Gewohnheit etwa als etwas verächtliches übergangen zu werden , – oder vielmehr auch , weil sie zu den schwersten Bestimmtheiten gehört . –] / Was man aus 7–8 mechanisch , in … Selbst ;] ErWl : ohne Gedanken , mechanisch , es geht für sich fort gegen unsern bewußten Willen wie eine Nothwendigkeit . Dies Thun gehört dem Seyn an , dem Seyn meines Selbsts . 9–11 des Individuums ; … Sitte ;] ErWl : im Individuum , [ist das Individuum selbst = Ich] Wl : sie ist selbst das Individuum , Ich ,] als Nothwendigkeit . Dann ist sie auch diese Befreiung , wie oben gesagt wurde . die Geschicklichkeit bedarf nicht mehr der [Aufmerksamkeit] Wl : Furchtsamkeit] in der Ausübung der einzelnen Thätigkeiten , sondern ich bin damit fertig , es ist mir angehörig , ich bin Meister darüber . das ist die Natur der [Gewohnheit] Wl : Gewohnheit überhaupt ,] und der Mensch ist fertig sofern er gewohnt ist was er ist – [dann ist erst Ruhiger] Wl : Ruhiger] Genuß des Seyns . 11–12 der Triebe , … es ;] ErWl : des [ Interesses das noch nicht erreicht ist , erst |] Wl : Interesses : da ist noch nicht erreicht , was] erreicht werden soll , der alte Mann ist fertig , er besitzt alles ruhig als eine Gewohnheit . 13–14 lebens sagt … Raum ;] ErWl : [daseyns sagt Egmont vom Leben ,] Wl : Lebens , – sagt Göthes Egmont ;] aber sie ist auch der ruhige Tod . 15–736,2 je älter … werden] ErWl : [aber] Wl : und] gerade in diesem Prozeß besteht die Lebendigkeit des Lebens .

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fern sie Geschicklichkeit ist ; wir sagen von den Thieren nicht , sie werden daran gewöhnt , sondern | sie werden zu etwas abgerichtet , d . h . man knüpft an irgend eine Empfindung eine Thätigkeit ; aber das Thier selbst macht diese Verbindung nicht ; es wird dazu gezwungen , es wird seinem Sein angeeignet ; es übt sich nicht aus sich . Das Abrichten | der Thiere kann sehr weit gehen , daß es wie etwas Menschliches erscheint , Fido savant , der buchstabiren und rechnen kann[ .]

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Wir müssen uns den Zusammenhang des Ganzen noch einmal reproduciren[ .] das erste ist die n a t ü r l i c h e S e e l e ; das an sich , in die eingeschrieben ist von der Natur diese Totalität , die für uns als bewußtsein als äußerliche Natur ist das i s t die Seele – Das 2t e war die e m pf i nd e n d e Seele , die Seele in der Natürlichkeit überhaupt für sich seiend , als selbst überhaupt ; die empfindende Seele ist thätig sich als empfindende Seele zu erfüllen , sich seiend zu machen . dies enthält die doppelte bestimmung : die einzelne unmittelbare bestimmtheit , | Sensation , Affection zu

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C . die wirkliche SeeleEr

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Indem das Leben immer mehr so mit der Gewohnheit zusammengeht verschwindet es auch weil sein Interesse verschwindet und die Leblosigkeit tritt ein . – das ist die Sphäre der Gewohnheit ; auch von den Thieren sprechen wir und schreiben ihnen Gewohnheiten zu , oder vielmehr Geschicklichkeiten . Es wird 2–4 d . h . man … sich .] ErWl : und das besteht darin daß irgend eine Affection in ihm hervorgebracht wird und an diese irgend eine Thätigkeit geknüpft . dieser Verbindung ist es fähig weil es ein Selbst ist . die Einfachheit des Thiers ist das Band zwischen Empfi ndung und Thätigkeit in ihm . Aber es macht diese Verbindung nicht außerhalb seines Instincts . Gewöhnlich aber geschieht die Erregung der Verbindung mittelst der Empfi ndung von Außen her (Abrichten) 5–11 daß es … war] ErWl : ans Wunderbare und Menschliche grenzen . [ Ihre Kunststücke geschehen] Wl : (Man legt Thieren schriftlich und mündlich Worte vor , und sie setzen sie aus einem Alfabete zusammen , auch aus ungleichen Lettern . Ferner hat man rechnende Hunde . Es geschieht] nicht durch Zeichen des Eigenthü mers , davon kann man sich leicht überzeugen . [ Wenn man so einem Thier ein] Wl : Es ist weiter nichts : wenn man den Thieren das] Wort vor spricht , so muß [es] Wl : es allerdings] die Töne unterscheiden [– buchstabiren – können . das dauert] Wl : können , (Alexander s statt x gewöhnlich .) buchstabiren können . Dazu gehören] viele Jahre [es ist aber] Wl : indeß ist immer dieselbe Operation ,] obs etwas Schweres oder Leichtes [ist ,] Wl : ist . – Das Rechnen ist das schwierigste , gründet sich aber auf] dieselbe Operation . / die / wirkliche Seele / ist das dritte zur natürlichen und träumenden oder empfi ndenden Seele . die erste ist die Totalität für unser Bewußtseyn vorhanden als äußerliche Natur , entfaltet als an sich [seyend . diese Natürlichkeit war das Erste .] Wl : seiend . – /] das zweite ist 11–12 Seele in … überhaupt1] ErWl : natürliche Seele 12 die empfindende … ist] ErWl : dies entwickelt sich und [ist] Wl : wird] 13–14 die doppelte … einzelne] ErWl : doppelte Bestimmungen . Zunächst enthält [die Empfi ndung] Wl : das Empfinden] schon die 14 Sensation , Affection] ErWl : | Affection , [diese ist] Wl : diese]

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erinnern und dieses Innerliche , dies Selbst , an ihm bestimmte muß dann geäußert , verleiblicht werden . So haben wir ein Empfinden und das Verleiblichen seiner bestimmungen Einheit des Äußren mit dem Innren . Die Totalität des empfindenden Subjects ist der Genius überhaupt . Das 2t e war dann : daß diese Totalität sich zum Selbstgefühl macht , d . h . daß es sich äußert , das existirende Gefühl negirt und so es in sich bewahrt . diese Reproduktion und dieses Negiren des existirenden Gefühls ist ein Negiren (nach der Unmittelbarkeit) und ein Reproduciren der Einheit selbst des Innren und Äußren ; diese Verbindung selbst hat es mit sich zu verbinden und eben diese zu reproduciren ; und so ist es die ve r w i r k l i c ht e S e ele Einheit des Inneren und Äußren (aber nicht so oberflächlich genommen) es kommt darauf an , wie diese Einheit näher bestimmt ist . die Empfi ndung ist auch Einheit des Innren und Äußren aber in dem Selbst in dem Einfachen , wie es nicht in der Natur ist . diese Einheit ist auch beschränkt in sich und das ist die Gewohnheit . die Seele ist wie gesagt , an sich , sie ist die Idealität aller der Unterschiede und Äußerlichkeiten , die im äußerlichen Leben sind und im gewöhnlichen bewußtsein als Außereinander vorkommen . Im begriff hat nun dies Auseinander keine Wahrheit ; es ist nicht so unterschieden , daß die Unterschiedenen selbstständig wären ; im Raum ist jedes für sich selbstständig ; diese Selbstständigkeit ist aber was keine Wahrheit hat ; die Seele ist eben diese Idealität dieser Unterschiede , denn : daß die Unterschiede keine Selbst-

20 20 1–2 und dieses … werden .] ErWl : als Empfi ndung zu setzen , und u m g e k e h r t : das Innerliche , an

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ihm bestimmt ist unmittelbare Affection , das andre dazu ist daß die innerliche Bestimmtheit verleiblicht [werde] Wl : wird] . 2–3 ein Empfinden … Innren .] ErWl : Einheit des Innern und Äußern , d . h . Empfi nden . 4 der Genius überhaupt .] ErWl : was wir Genius überhaupt nannten . war dann :] ErWl : in dieser Hinsicht war 5–7 es sich … Gefühls] ErWl : [sie] Wl : es] sich äußerte , existirende Empfi ndung , daß der Genius sich [äußert ,] Wl : äußert , das existirende Gefühl negirt ,] sich zum Selbst macht , [seine Beschränktheit negirt .] Wl : negirt seine Beschränktheit .] die Reproduction [war] Wl : war dazu] das Weitere . Dies ist wesentlich zu [merken . Es] Wl : merken , dieß] 7 (nach der Unmittelbarkeit)] ErWl : nach der Unmittelbarkeit 9 und eben … es] ErWl : [nämlich] Wl : sc] das Selbst , so daß es in seinem Empfi nden und Verleiblichen sich itzt zu sich selbst verhält . Im Empfi nden ist es auch für sich , aber diese ersten Empfi ndungen können als unvollkommen wohl mit chemischen verglichen werden . So ist nun Einheit] ErWl : auch Einheit 10–13 (aber nicht … ist .] ErWl : aber das ist [nur] Wl : sehr] oberflächlich gesagt . die Natur ist auch eine solche Einheit . [Solche Bestimmungen] Wl : Bei solchen Bestimmtheiten ist zu merken , daß sie] sind einseitig und oberfl ächlich , es fehlt die nähere Bestimmung selbst . 13 auch beschränkt … Gewohnheit .] ErWl : selbst nur [ein Aeußerliches] Wl : eine äußerliche] , ein Beschränktseyn des Selbsts welches allgemein ist in sich . diese Einheiten sind selbst als [innerlich] Wl : innerliche] zu setzen und das ist es was wir in der Gewohnheit sahen . 14 ist wie … die] ErWl : hinsichtlich der Wirklichkeit ist nun an sich eben diese 14–16 Unterschiede und … vorkommen .] ErWl : Mannigfaltigkeiten die im Äußerlichen , Natürlichen überhaupt sind . 16 Auseinander] Wl : Außer ein ander 16–738,1 es ist … Seele] ErWl : diese Idealität ist die [Seele ,] Wl : Seele] dieser Unterschiede als unselbstständiger . diese Idealität , dieser Grund|begriff ist nun in der Wirklichkeit der Seele gesetzt , | das Für sich seyn der Seele ist [ hier] Wl : hier so]

93Wl 107Er ; § 411Wl

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In meiner Rechtsphilosophie habe ich gesagt : Das Vernünftige ist wirklich und das Wirkliche ist vernünftig . – cf Krug . Sg

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ständigen sind , diese Idealität ist in der wirklichen Seele zur Existenz gekommen , daß das , was wir als Gewohnheit gesehen haben , eine Möglichkeit geworden , herabgesetzt ist zu meinem Vermögen ; wenn ich etwas will so ists ausgeführt , indem | ich es will . Es ist das : daß es ein einfaches Sein meiner ist , wie es dem begriff nach an sich ist . – So ist also die Seele für sich seiendes Subject so daß die Leiblichkeit ein für die Seele Durchgängiges ist , eine Leiblichkeit die nur ein accidens ist so daß die für sich seiende Seele die Substanz ist . Die für sich seiende Seele , d i e i s t . diese Idealität , die sie an sich ist , hat durchdrungen die Unmittelbarkeit , die Leiblichkeit und diese bestimmung ist nun an ihr als ideell gesetzt . diese Äußerlichkeit stellt nun nicht sich vor , sondern nur die Seele und ist das Zeichen der Seele , ist die Gestalt der Seele in der die Seele sich fühlt und sich zu fühlen gibt ; die Seele ist dazu nur wirklich geworden . Wirklichkeit ist ganz etwas andres als Dasein ; das Existirende ist nicht vernünftig ; es ist in sich entzweit und stellt nicht die Idee vor , sondern etwas andres , als die Idee : die Erscheinung ist da erst auf dem Wege zu der Wahrheit , und um dazu zu gelangen , muß die Leiblichkeit der Erscheinung aufgeopfert werden . Wirklich ist aber die Seele die ihre Unmittelbarkeit sich zu eigen

1–4 gekommen , daß … ist ,] ErWl : gekommen . die Gewohnheit ist so herabgesetzt zur Möglichkeit , vorher stand es höher als selbstständige Unterschiede enthaltend , itzt ist [es] Wl : sie als] einfach gesetzt und indem ich es will auch ausgeführt . die ganze Reihe von Thätigkeiten erlangt ganz einfache [ Bestimmtheit . Es ist] Wl : Bestimmungen] kein Außereinander sondern in der Einfachheit meines Innern [ist es gesetzt so] Wl : so gesetzt ,] 5 an sich ist . –] ErWl : ist . das ist der Gang des speculativen Begriffs . So ist die wirkliche Seele als Ganzes der Gewohnheit , als eingewohnt . 5–7 die Leiblichkeit … ist .] ErWl : sie Substanz ist , der Leiblichkeit kein Seyn mehr zu kommt , sondern diese nur als Moment in ihr ist . 7 Seele , d i e i s t .] ErWl : Seele ist 8–9 die sie … nun] ErWl : welche die Leiblichkeit Unmittelbarkeit durchdrungen hat , diese Leiblichkeit ist 9 ideell] ErWl : Moment diese] Wl : Oder § 411 die Seele ist in ihrer durchgebildeten und sich zu eigen gemachten Leiblichkeit als e i n z e l n e s Subject für sich , und diese die Ä u ß e r l i c h k e i t als praedicat , in welchem , als unselbstständigen das Subject sich nur auf sich bezieht . – diese 9–11 stellt nun … gibt ;] ErWl : ist nur das Zeichen der Seele , stellt [nur die Seele vor .] Wl : so nicht sich vor , sondern nur die Seele .] 12 dazu nur … ganz] ErWl : wirklich als diese Art der Identität von Innern und Aeußern . die Leiblichkeit ist somit [nur ein] Wl : ein] Kunstwerk der Seele , welches die [Gestalt] Wl : freie Gestalt] der Seele ausmacht worin sie sich selbst [fühlte .] Wl : fühlt , und worin sie sich zu fühlen giebt .] Sie ist [wirksam , wirklich ,] Wl : wirksam wirkt ,] das ist 12–13 Dasein ; das … und ] ErWl : bloße Existenz (Was vernünftig ist ist wirklich und [umgekehrt . Schlechtes hat wohl auch] Wl : umgekehrt . cf Rechtsfi losophie nur das Vernünftige ist wirklich . Wirklichkeit ist hier unterschieden von Existenz ; Schlechtes hat] d a s e y n aber nicht Wirklichkeit , es ist nicht dieser Ausdruck , dies Gebilde der Idee , es ist nicht , das Innerliche als Substanz an ihm zu [zeigen ,] Wl : zeigen ; es] 14 als die … erst] ErWl : die NichtIdee , die Erscheinung 15–16 Wahrheit , und … werden .] ErWl : Wahrheit .) 16 Wirklich] Wl : Wirklichkeit 16–739,2 aber die … Seele] ErWl :

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18 sie] davor gestr : es 26–28 Oder § 411 … bezieht . mit Verweiszeichen und geschweifter Klammer am 40 rechten Rande 26 411] 441 29 so nicht … sondern über der Zeile mit Einfügungszeichen

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gemacht hat und das Mächtige , Wirksame darin ist : Die Äußerlichkeit , die sie hat ist eine solche , die ein Spiegel der Seele ist . Die S e e le zeigt sich in dem Wirklichen . Die Seele hat also in ihrer Äußerlichkeit ihr Selbst und nicht bloß ihr Afficirtsein . So ist sie also zu dieser Einheit der Idealität mit sich selbst gelangt ; die wirkliche Seele ist demnach : Das Selbst , das zu sich , zu Ruhe gekommen ist und darin zeigt es dann seine Unmittelbarkeit auch noch , aber als ein solches Natürliches , das nur Zeichen der Seele ist . Der menschliche Ausdruck der Seele ist es . die Seele ist hier das totale Individuum dem wir es aber gleich ansehn , daß es ein Mensch . Wodurch der Mensch vom Thier sich unterscheidet , das hat man lange ergrübelt ; aber der Unterschied ist in dem anatomischen Sinn gar nicht bedeutend ; man hat sich viel damit gequält : und hat unter anderm gefunden : Der Mensch hat ein Ohrläppchen , kein Thier hat ein Ohrläppchen ! ! – Aber man sieht daß das nicht ein wesentliches sein kann , und daß es nicht mit dem Innren mit dem Wahrhaften zusammenhängt . Auch hat man gefunden : nur die Thiere haben os intermaxillare den Knochen der oberen Lippe : Göthe der nach seinem Großen Sinn die Naturgegenstände scharf faßt , hat dies untersucht und gefunden daß der Mensch allerdings auch diesen Knochen habe ; auf einem Kirchhof in Venedig hat er solche Schädel ge funden . Aber das

20 also , wie gesagt , die für sich seyende Seele , die ihre Leiblichkeit idealisirt hat , das Mächtige darin ist ,

nur solche Aeu|ßerlich keit hat welche der Spiegel ihrer Innerlichkeit 2 zeigt sich … Wirklichen .] 3 also in ihrer] ErWl : so in der 3–4 Afficirtsein . So … dieser] ErWl : Afficirtseyn sondern sie ist bei sich selbst ; zur 4–5 die wirkliche … Das] ErWl : Es ist also die Idealität der Seele , was sie ihrem Begriff nach ist , diese Idealität ist bei sich selbst . So ist denn die wirkliche Seele dieses 5 sich , zu … darin] ErWl : sich gekommen ist , zur [ Ruhe . In dieser] Wl : Ruhe ; so] 6–8 es dann … Wodurch] ErWl : sich [die Unmittelbarkeit] Wl : auch seine Unmittelbarkeit in der Ruhe ,] als ein Natürliches [es] Wl : dieß] ist aber nur Ausdruck der Seele . / die wirkliche Seele ist also das bei sich festgewordne Individuum , der fertige Genius , der daseyn hat äußerlich , schlechthin präsent ist , wo dies aber nur Ausdruck der Seele ist . Es ist die Seele in dieser ruhigen Gestalt , welche in dieser Aeußerlichkeit nur sich zeigt , sie hat menschlichen Ausdruck , patho- und physiognomischen Ausdruck , – der Mensch als totales Individuum aber so daß man ihm das Menschseyn ansieht . dadurch unterscheidet sich 9–740,4 Thier sich … das ,] ErWl : Thier . Man hat sich sonst viel Mühe gegeben diesen Unterschied zu bestimmen . So [ hat man anatomisch dies] Wl : anatomisch hat man] viel versucht aber der menschliche Organism [unterscheidet sich] Wl : ist] nicht wesentlich [vom thierischen (– »der Mensch hat Ohrläppchen«) .] Wl : von dem des Thieres unterschieden (z . B . der Mensch unterscheidet sich vom | Thier durchs Ohrläppchen p«) .] Man hat da gleich die dunkle Vorstellung daß die wesentliche Bestimmtheit [nicht angegeben sei .] Wl : hier nicht angegeben ist . –] Man hat auch gesagt [das Thier habe das os intermaxillare . Göthe fand es auch bei Menschen .] Wl : »Nur die Thiere haben das os intermaxillare (Knochen in Oberlippe) . – Göthe nach seinem großen Sinn , ist nicht bei Nebeleien p stehen geblieben ; hat diesen Umstand untersucht , parallelisirt und gefunden , daß diese Knochen auch beim Menschen vorhanden sind) . dieß fand er namentlich auf dem Kirchhof in Genf .] das Wahre daran ist daß allerdings beim Menschen die Freßorgane [mehr zurücktreten .] Wl : überhaupt zurücktreten , wie früher schon gesagt . –] diese anatomischen Unterschiede sind nicht schlagend , was das Menschliche ausmacht , ist

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20 ErWl : ist das darin wirken könnende .

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gehört zum Wesentlichen des Menschen , daß der Mund des Menschen zurücktritt , worin sich beim Thier sein Character so genau ausspricht : das ist der Grund , warum dieser Knochen zurücktritt . der Mund ist beim Thier ganz etwas andres als beim Menschen . Aber diese Unterschiede wollen nichts sagen : das Wahrhafte ist das , was die Seele in | den Körper hineinlegt : die aufrechte Stellung sein Verhältniß seine Richtung im Raum ist , was sich der Mensch selbst gibt ; er stellt sich selbst auf seine Hinterbeine ; er will stehen , dies ist seine absolute Stellung im Raum ; so seine Hand ist nur menschlich | und ein vielfach bewegliches und bildendes , ein Werkzeug zu allem , was der Mensch bildet . Von dieser seiner absoluten Gebärde des Menschen sind seine übrigen Ausdrücke in der bewegung (Gebärden) verschieden ; der physiognomische Ausdruck ist der Ausdruck der Ruhe . Die G e b ä r d e ist verschieden von der Verleiblichung der Empfindungen ; sie sollen Zeichen sein ; da ist das leibliche nur als Zeichen . Doch die zornige Miene ist keine Gebärde ; es ist für andre wohl ein Zeichen , woran sie den Zorn sehen ; aber es ist für mich kein Zeichen , über das ich mächtig bin ; es ist von mir nicht als Zeichen gesetzt – sondern ein psychologischer Ausdruck . die Gebärden sind ganz symbolisch ; sie zeigen eine Handlung an , die aber noch nicht vollbracht ist ; sondern die Seele gibt nur an welche Handlung sie im begriff sei zu thun . das Thier geht gleich in die Handlung über . Der Mensch aber hemmt das wirkliche Hinausgehn der Handlung und gibt nur ein Zeichen . Das Symbolische besteht dann in der Ähnlichkeit mit der Handlung z . b . Drohung ; das ist der Anfang von einem wirklichen Angriff ; die Positur , das Zeichen desselben aber noch nicht der Angriff selbst . Viele dergleichen Gebärden , die uns ganz geläu-

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5 hineinlegt :] ErWl : legt , z . b . sein Verhältniß] ErWl : ist die erste absolute Gebährde des Menschen , 6–16 er stellt … ganz] ErWl : es ist die Sache seines Willens . dies stehn wollen wird dann Gewohnheit , beruht aber immer auf dem [ Wollen , zu stehn .] Wl : Wollen .] / die menschliche Hand dann , das absolute Werkzeug ist ganz etwas andres als die thierische Pfote , ist das woran man wesentlich das Menschliche erkennt , die menschliche Thätigkeit offenbart sich in ihr leiblich . die Gebährden können vom ruhenden Ausdruck unterschieden werden , sie sind der Ausdruck in der Bewegung , durch [sie] Wl : die Gebärde] drückt die Seele irgend eine Affection , Reflexion pp aus . die Gebährde ist verschieden von der Verleiblichung der Empfi ndung . Sie soll ein Zeichen [seyn das Leibliche ist hier nur ein Zeichen ;] Wl : seyn ,] ich selbst stelle mich [darin vor . der] Wl : in diesem Leiblichen , das hier ein Zeichen ist , vor . Die Gebärde des Zorns ist nur ein Zeichen ;] Ausdruck des Zornes [z . b . ist nur] Wl : ist eine] unmittelbare anthropologische Verleiblichung , die Gebährde als solche ist etwas andres . Sie [sind] Wl : ist] 16 sie zeigen] Wl : zeigt 17 sondern die] Wl : die 17–18 welche Handlung … thun .] ErWl : was sie für eine Handlung begehen will ; es ist die gehemmte Handlung . 18 gleich] ErWl : unmittelbar 18–20 Der Mensch … der 1] ErWl : die Symbolik der [Gebehrden] Wl : Gebärde] besteht in einer 20–22 z . b . Drohung ; … selbst .] ErWl : [– drohende] Wl : Stellung die ein Beginnen der wirklichen Handlung anzeigt , – drohende] Stellung pp – 22–741,1 Gebärden , die … gar] ErWl : Gebehrden sind zum Theil

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7 so] Lesart unsicher

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fig sind , sind oft gar nicht besonders gut zu fassen ; z . b . wenn man bejaht und verneint so nickt oder schüttelt man mit dem Kopf das erste ist ein Unterwerfen unter die Meinung des andren ; das Schütteln ist , daß man der Meinung des andren nicht Stand hält , sondern ihr aus dem Wege geht . Das Lachen ist auch solch eine Gebärde . Nase aufwerfen und rümpfen , von oben hinabsehn ; ein langes Gesicht machen , wenn einem etwas abgeschlagen , eine Hoffnung getäuscht das Gesicht geht auseinander ; man ist ausgelassen ; die Hände über dem Kopf zusammen schlagen ein Zeichen davon , daß das über einen hinaus geht ; das Handeinschlagen bei Verträgen das geschieht beim Handeln , aber das Drücken und mit dem Daumen unterfassen das ist erst der Vertrag selbst , die Einigung . Weniger gebildete Menschen haben ein lebhaftes Gebärdenspiel ; auch manche Nationen mehr als andre . | Der gebildete Mensch unterwirft sich aber diese Gebärden und ist ruhiger darin und der Ausdruck zieht sich mehr in das Gesicht und in die Stellung zurück . Das absolute Zeichen der gebildeten ist die Sprache . Bei den alten hatten sie Masken auf der bühne , da ging das Mienenspiel verloren ; aber die Rede ist eben das Geistigste die abstracteste Weise der Äußerlichkeit ; und in dieser ist die größte Fähigkeit , daß das Innre sich bestimmt ausdrückt . Der ruhige Ausdruck ist dann in der Physiognomie und in der Stellung . In dem Gesicht ist der Sitz der Sinne und der Sprechwerkzeuge Auge Mund . Durch den Mund wird der untre Theil des Gesichts beherrscht ; bei den Alten ist der untre Theil durch den Bart bedeckt ; bei uns sieht man da das Verarbeiten des Geistes , das beginnen der Sprache , das Drängen beim Lachen und Weinen . Das

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1 besonders gut] ErWl : so leicht 1–4 z . b . wenn … geht .] ErWl : wir verstehen sie aber unmittelbar z . b . Bejahen und Verneinen [mit dem Kopf] Wl : des Kopfes] . 4–7 auch solch … ausgelassen ;] ErWl : [ein Menschliches] Wl : dieß Menschliche ,] das sich vielfach modificirt . – [das] Wl : spöttisch , freundlich . – Nasenrümpfen , – langes Gesicht machen , Kopf aufwerfen . – Das] »lange Gesicht« geht auseinander es ist vorbei damit . 7–11 dem Kopf … andre .] Wl : den Kopf geschlagen : – »das geht über mich hinaus !« – Finger auf dem Mund = Stillschweigen . – Handschlag (denn druck unter ist dabei wesentlich) . Größte Mannigfaltigkeit der Gebärden . – Ihr Zusammenhang mit dem , was sie bedeuten , ist nicht immer leicht zu sagen ; besonders bei der Nase , wo feinere Organe sind und herrschen . – Weniger Gebärden und größere Bildung hängen zusammen . Italiener machen viel Faxen . Auf Gesicht und Stellung beziehen sich besonders die Gebärden . | 8–11 das Handeinschlagen … andre .] Er : Handschlag pp Es ist da eine große Mannigfaltigkeit und | ihr Zusammenhang mit dem was sie bedeuten ist nicht immer leicht zu sagen , besonders , wo feinere Organe herrschen . / Weniger Gebehrden und mehr Bildung hängen zusammen . die Italiener haben viele Faxen . Auf Gesicht und Stellung beziehn sich die Gebehrden besonders . 12–14 unterwirft sich … ist] ErWl : hat zu seiner absoluten Gebehrde 14–17 Bei den … ausdrückt .] ErWl : die Alten hatten [auf dem] Wl : für das] Theater Masken . Bei uns legt man viel [auf] Wl : in] das sogenannte Minenspiel 17–20 ist dann … bedeckt ;] ErWl : in Gesicht und Stellung ist gebildet . Auge und Mund , besonders der Mund ist Sitz der Gebehrde des Gesichts . Er beherrscht die untere Gesichtshälfte . die Orientalen bedecken sie mit dem Bart , 20–742,11 da das … Verfassung .] ErWl : ihr die vielfache Ausarbeitung und Muskelbildung an . der Geist der sich viel treibt hat auch eine ausgearbeitetere untre Gesichtshälfte .

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untergeordnete ist nun die Stellung an dem übrigen Körper ; nackt sollen die Figuren nicht sein denn für den geistigen Ausdruck gehört das Nackte nicht , nackt ist nur das Gesicht ; die Stellung ist das , was in den übrigen Gliedmaßen der Ausdruck des Geistigen ist und wird auch sichtbar d u rc h das Gewand hindurch ; nur das Gesicht ist nackt , weil hier der Ausdruck des Geistigsten ist : hier wohnen die edelsten Sinne und die Sprache – alles übrige am Körper ist mehr thierisch als menschlich kann man sagen ; es ist nirgends so das reine Gepräge des Geists sichtbar ; darum verhüllen wir mit Recht die schwächsten Theile des Leibes , um nicht zu sehr an das Thierische erinnert zu werden – der übrige Leib kann sein Geistiges nur verrathen durch d ie S t e l lu n g . | In der Physiognomie spricht sich stumm das innere Reden aus ; man erkennt daran die innre Verfassung . Jeder Mensch hat von Natur einen gewissen physiognomischen Instinct , worauf er sein Ur theil über einen Menschen fällt , es kommt dies unmittelbar aus der Individualität , wie sich ein anderer gerade äußerlich zeigt . Dies Ur theil kann mehr oder weniger richtig sein ; nicht als ob die Unrichtigkeit an dem physiognomischen blick läge , sondern in dem beur theilungsver mögen überhaupt . Schon wenn man das äußerliche Wesen und Rahmen eines Menschen beur theilt , so können da die größten Differenzen Statt finden ; die Anforderungen der Moral sind schon sehr verschieden – noch particulärer aber ist das , wie mir ein Mensch gerade zusagt . Menschen die ganz gleich sind in bezug auf ihre Rechtlichkeit , machen doch einen ganz verschiedenen Eindruck in bezug auf genaure Freundschaft etc . Die Unrichtigkeit liegt meist in der beurthei lungsweise eines Menschen ; nicht gerade in dem physiognomischen Ur theil . Die Physiognomik betrachtet den ruhigen Ausdruck des Inneren auf dem Gesicht und im Geberdenspiel . Lavater hat sie zur Wissenschaft erhoben und 4 bände voll geschrieben und feste bestimmungen zu fassen gesucht . Aber es lassen sich solche nicht geben . bewußtlos läßt sich jeder leiten durch die Gestalt eines Menschen und fällt hiernach

Man rühmt die Statuen der Alten weil sie nackt waren , aber nur der zehnte Theil derselben w a r nackt , die Schaam haftig keit bedeckte bei ihnen dies Nackte weil es [nicht] Wl : kein] Ausdruck des Geistes [war] Wl : ist] , deswegen bedeckt es der Mensch [und] Wl : mit Recht , und] schämt sich des rein Animalischen auf eine schöne Weise . die Stellung geht eben so wenig wie der geistige Ausdruck bei der Kleidung verloren , im Gegentheil [gewinnen beide dabei sehr .] Wl : gewinnt dadurch die Stellung wie der geistige Ausdruck sehr viel . –] 12 einen gewissen] ErWl : oder durch Bildung einen 12–14 worauf er … Ur theil] ErWl : und fällt danach sein Ur theil . dies 14–22 nicht als … Ur theil .] ErWl : und die Unrichtigkeit kann fallen in das Beurthei lungsver mögen oder in das | Physiognomische als solches . die Pathognomik bezieht sich mehr auf den Ausdruck in der Bewegung der Leidenschaft , 23–24 des Inneren … Geberdenspiel .] ErWl : sofern er sich besonders bezieht aufs Intellectuelle . 24 sie zur … geschrieben] ErWl : dies besonders in Anregung gebracht 25–26 Aber es … bewußtlos] ErWl : Bewußt oder bewußtlos 7–10 Geists sichtbar ; … S t e l l u n g .] am linken Rande

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ein Ur theil , wodurch es immer nur subjectiv sein kann , da hier die Particularität besonders hervortritt . Man kann es einem Menschen ansehen , ob Leidenschaften in ihm gewühlt haben , aber auf dieses allgemeine beschränkt sich auch die Richtigkeit des Ur theils . Sonst kann man einem Menschen auch seinen Stand wohl ansehen , besonders solche Stände , die den Geist nicht so durcharbeiten wo eine ruhige Lebensart stetig ist . Man sagt , wenn der Mensch todt kehrt er wieder zur Physiognomie des Kindes zurück . Das enthält die bestätigung dafür : daß die Physiognomie begeistigt ist von der inneren bethätigung des Characters , so fern er sich durchs Leben formirt und gebildet hat . Aber das alles sind unsichre beurthei lungen , die man mit der Physiognomie vornimmt ; wodurch sich der Mensch zu erkennen gibt , das sind seine Handlungen , er ist nicht inwendig ein andrer , als seine Thaten . Was seine Thaten sind , das ist er wirklich (Ein Diplomatiker hat gesagt : Gott habe dem Menschen die Sprache gegeben , damit sie ihre Absichten verbergen könnten ; so unsicher ist das Wort , so sehr ists im Credit gefallen .) Die Physiognomie gehört überhaupt zu der Leiblichkeit , zum äußerlichen des Menschen und der Geist ist wesentlich für sich sowohl in seiner Leiblichkeit , als auch gegen seine Leiblichkeit . Der Character kann ganz verschieden sein von dem , was das Äußere verspricht . Innres und Äußres entsprechen sich , das ist wahr , aber oberflächlich , das mehr äußre des Characters sind seine Handlungen . Der Geist ist also in diesen seinen Zeichen

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… hervortritt .] ErWl : sein erstes Ur theil , das der Particularität angehört . 2 es einem Menschen] ErWl : einer Physiognomie 2–3 ob Leidenschaften … ihm] ErWl : daß alle Leidenschaften in einem solchen Menschen 3–6 auf dieses … ist .] ErWl : die Richtigkeit beschränkt sich aufs Allgemeine , ob Eines Geist gearbeitet hat , ob seine Neigungen lebendig waren oder träge . 6 wenn der … wieder] ErWl : [die] Wl : »die] Menschen kehrten im Tode 7 zurück . Das … daß] ErWl : [zurück] Wl : zurück« –] das heißt : 7–8 begeistigt ist … inneren] ErWl : des Menschen ist begeistet dirigirt von der inwohnenden 8–10 durchs Leben … vornimmt ;] ErWl : für das Leben bestimmt oder formirt hat . 10 zu erkennen gibt ,] ErWl : kenntlich macht , 11–14 er ist … gefallen .)] ErWl : was der Mensch ist , zeigt die Reihe seiner Thaten , das i s t er : da ist nicht etwas Andres in ihm als seine Thaten , was er ist , zeigt er d a d u r c h . 15 überhaupt zu … und ] ErWl : zum Aeußerlichen überhaupt , zum Leiblichen , das Menschliche , 16–19 sowohl in … sind] ErWl : i n seinem Leiblichen aber eben so auch gegen sein Leibliches . »Das Innre und Äußere entspricht sich« ist auch ein a b s t r a c t e r Satz . das Innere ist der Character , sein Aeußeres ist nicht [seine] Wl : die] Gestalt sondern 19–746,4 Der Geist … hier] ErWl : Hier ist der Schluß der Anthropologie , bei der Gestalt . die Totalität ist daß die Seele zu ihrer Unmittelbarkeit , Leiblichkeit sich verhält , daß sie empfi ndend ist , die Bestimmtheit hat ihrer Unmittelbarkeit , | in dieser als empfi ndend bei sich | ist , daß sie aber diese Empfi ndung so ideell gemacht hat daß sie die einfache sich darin zum Unmittelbaren als einem ideell gesetzten , aufgehobnen , negirten – nur zu sich selbst verhält . die Anthropologie betrachtet die S e e l e , den Geist in seiner Unmittelbarkeit und die Bewegung des Geistes , dessen Ziel ist , – (die Seele ist a n s i c h der Begriff , das Allgemeine einfach sich auf sich beziehnde) – daß dies Einfache sich in den Affectionen zum Unmittelbaren so verhält , daß sie selbst

20 1–2 ein Ur theil ,

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19–744,6 Der Geist … sollte . am rechten Rande

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schlechthin endlicher und einzelner ; es ist zwar s e i ne Existenz , aber sie ist zugleich in ihrer physiognomischen und pathognomischen bestimmtheit Zu f ä l l i g e s für ihn , und die Physiognomie , vollends aber die Kranioskopie (Schädelbestimmung) zu W i s s e n s c h a f t e n erheben zu wollen , ist einer der leersten Einfälle , die es geben konnte , noch leerer als eine signatura rerum , wenn aus der Gestalt der Pflanzen ihre Heilkraft erkannt werden sollte .

§ 412Wl

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verwandelt sind in das Einfache , daß die Seele sich zu den Affectionen als zu einer Vereinfachung , nicht mehr unmittelbaren sondern aufgehobnen verhält . / die Anthropologie betrachtet die unmittelbare , natürliche Bestimmtheit , Leiblichkeit (nach der Erscheinung gesprochen) Wir haben es aber nicht mit dem Leiblichen als Materiellen zu thun gehabt , dieses hat in der Sphäre des Geistes seine Wahrheit verloren . Wir hatten es zu thun mit einfachen Bestimmtheiten der Seele , einfachen unmittelbaren die aber nicht materiell sind . Erst in der Gestalt kommen wir auf etwas das daseyn hat für Andres , für Aeußerliches , und damit selbst [Aeußerliches .] Wl : äußerlich ist .] die Seele ist im Unmittelbaren so daß sie sich darin z e i g t , das gibt die Bestimmtheit daß sie sich hier äußert und dieses Aeußerliche ist als ein an ihm selbst Aeußerliches zu fassen , das in die Bestimmtheit der Materialität überhaupt fällt . die Totalität als Gestalt ist diese Einfachheit mit sich selbst in der Unmittelbarkeit , daß diese als aufgehoben ist , nicht sich selbst vorstellt sondern ein Zeichen ist . die Seele ist gleichgültig gegen diese Unmittelbarkeit , weil sie idealisirt ist . das Moment der Unmittelbarkeit verschwindet nicht , ist aber als gleich|gültig gesetzt . dadurch daß die Seele gleichgültig dagegen [gesetzt ist ,] Wl : ist ,] ist es gesetzt selbst als äußerliches daseyn . In der Gestalt hat die Seele äußerliches daseyn , ist es die Seele , die erscheint , so daß sie gleichgültig dagegen ist . Um der Gleichgültigkeit willen ist die Seele äußerliches daseyn . – der unfreie Mensch hat und macht andere zu Knechten , der in sich freie Mensch läßt die Andern frei . die Seele die in sich frei ist , läßt auch das Unmittelbare frei als äußerlich . die Seele ist gleichgültig , (sich auf sich beziehend) , sich beziehend auf ein Andres , daß aber dies ideell gesetzt ist , s i e gesetzt ist als sich darin auf sich beziehend . der Punkt des Uebergangs ist die ein fache Bestimmung , daß die Seele sich auf sich bezieht durch die Negation ihrer Unmittelbarkeit an ihr , daß sie so nicht bloß ein Seyn ist , eine affi rmative Beziehung , sondern sie ist Beziehung auf sich durch die Negation , Idealität des Unmittelbaren . Sie ist also negative Beziehung auf sich selbst (sie ist unendlich) , sich auf sich beziehende einfache Negativität ; dadurch daß die Seele diese negative Beziehung auf sich ist , ist sie ausschließend . das Aeußerliche gegen das sie gleichgültig ist , ist eben damit ein Solches , gegen das sie sich nicht bloß gleichgültig verhält , sondern das von ihr aus geschlossen , ihr gegenüber gestellt wird . das Aeußerliche kommt auch vor als idealisirt . die Seele ist das [ Für sich seyn des Allgemeinen ,] Wl : Fürsichseyn , das Allgemeine ,] das Allgemeine was für das Allgemeine ist , die andre Bestimmung des Unmittelbaren ist daß es als äußerlich gesetzt ist . Sofern sie durch Aufhebung des Unmittelbaren sich frei gemacht hat , läßt sie die Unmittelbarkeit | frei aus sich , aber als unendliche Negativität so daß sie das Unmittelbare a u s s c h l i e ß t , nicht bloß gleichgültig dagegen ist . Sie ist als Subject der Begriff der für sich ist , der zum daseyn sich selbst hat ; was für ihn ist darin hat der Begriff sein daseyn ; dies Allgemeine das für das Allgemeine ist , ist – Ic h , dieses schließt das Aeußerliche aus sich aus und dieses ausgeschloßne Aeußerliche in seiner Totalität ist die We l t , die Totalität der natürlichen Seele . die natürliche Seele an sich – das Universum . die natürliche Seele als Aeußerliches vorgestellt , ist die Natur , die Welt . Hier ist 8 verhält .] folgt bei Wl gestr : dß s selbst vrwandelt sid i das Efache 18 Unmittelbarkeit ,] folgt bei Wl gestr : dß dise ls aufgehoben ist , nicht sich selbst vorstellt , sond e Zeichen ist . 20 daseyn ,] folgt bei Wl gestr : in der Gestalt ha

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Von hier machen wir nun den Übergang zum bewußtsein . Wir haben die Seele in 3 Abstufungen kennen gelernt als n a t ü r l i c h e , t r ä u m e n d e und w i r k l i c h e S e e le , d . h . z u e r s t als allgemeines , sich besonderndes Naturleben , dessen natürliche Veränderungen wir in dem Verlauf der Lebensalter verfolgt haben , und das sich dann auch als Empfindung als dumpfes Weben des Geistes in seiner bewußt und verstandlosen Individualität offenbarte . 2 . D i e Tr ä u m e n d e S e e l e d . h . das Individuum als die einfache Individualität , die als Totalität zunächst zwar ein monadisches Individuum ist , aber als unmittelbar noch nicht als Es selbst , nicht in sich reflectirt , und darum p a s s i v noch zusammenhängend mit seinem Genius , und dann diese passive Totalität als Form , Zustand in der das Individuum sich zu seinem Selbstischen (das ein andres , und eben sein Genius ist) zu dem concreteren Inhalt seiner selbst , so zu sagen seiner als Genius bewußt ist – animalischer Magnetismus etc ; weiter ist sie S e l bst g e f ü h l , wo sie sich in sich selbst unterscheidet und zum Ur theil in sich erwacht (die Krankheit in diesem Zustand ist Verrücktheit) und endlich ist sie G e woh n h e it das Selbst als allgemeine durchdringende Seele in ihrem Empfi nden und in ihrem Leibe für sich , Subject in demselben als dem Prädikat . 3 . w i r k l i c h e S e ele . Die Seele ist nämlich in ihrer durchgebildeten und sich zu eigen gemachten Leiblichkeit als einzelnes Subject | für sich , und diese die Äu ße r l ich k e it als Prädikat , in welchem als unselbstständigem das Subject sich nur auf sich bezieht . Diese Äußerlichkeit stellt so nicht sich vor , sondern die Seele und ist deren Z e i ch e n . Die Seele ist als diese Identität des Inneren und Äußren w i r k l i c h , und hat an ihrer Leiblichkeit ihre freie Gestalt in der sie sich fühlt und zu fühlen gibt , und damit m e n s ch l i c h e n p a t ho g nom i s ch e n und phy s io g nom i s ch e n Au s d r u c k hat . – Als solche haben wir die Seele bereits kennen gelernt . Nun hat aber die Materie keine Wahrheit im Geiste als der allgemeinen Seele ; die Leiblichkeit , welche zwar seiner Individualität angehört , aber dieselbe zunächst in der Form der Unmittelbarkeit ist , kann ebenso seinem Einbilden in sie keinen Widerstand leisten . Durch die Einbildung des Seins in sich hat der Geist , da er es sich entgegensetzt , es aufgehoben und als das Seinige bestimmt hat , die bedeutung der S e e le , s e i ne Un m it t e l b a r ke it verloren . Die wirkliche Seele , in der Gewohnheit des Empfindens und ihres concreten Selbstgefühls ist gesetzt als die für sich seiende Id e a l it ä t ihrer bestimmtheiten , in ihrer Äußerlichkeit e r i n ne r t in sich und unendliche beziehung auf sich . Dies für sich sein ihrer freien Allgemeinheit ist das höhere Erwachen des noch an sich seienden Geistes zum Ich , welches so D e n ke nd e s und Subje c t für sich und zwar bestimmt seines Urtheilens ist , in welchem es die Totalität seiner bestimmungen als ein Object , eine i h m äu ßr e Welt von sich ausschließt , sich darauf bezieht , aber so daß es in derselben unmittelbar in sich reflectirt ist – D a s b e w u ßt s e i n .

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II Phänomenologie des Geistes . D a s b e w u ßt s e i n .

Es ist also hier das Erwachen der Seele zum bewußtsein . Wir kommen zum Ich . (die Stufenfolge ist : S e ele , Ich , G e i s t . ) Ich ist nur erst der abstracte Geist und zu diesem Ich ist die Seele nun gekommen , und das heißen wir b e w u ßt s e i n . Die Seele empfindet nur ; im bewußtsein geht erst die Freiheit an ; da ist : Ich und eine Welt die von mir ausgeschlossen ist , die mir gegenüber steht – ich finde die Welt vorhanden , vor mir . Das gehört der Erscheinung an . Den Begriff aber oder den Schöpfungsact haben wir exponirt . Es ist das Zurückziehen der Seele in ihre Einfachheit durch die Stufen des Aufhebens der Unmittelbarkeit die wir gesehen haben . dieser Gang ist aber zugleich einseitig das Ich scheint hier aus der natürlichen Seele hervorzugehn und ist doch und Wahrheit erst von dieser . Aber das Resultat ist dies : daß die Existenz des Geistes als Seele seine unwahre Existenz ist , die dann sich selbst aufhebt ; ihre nächste Wahrheit ist nun das Ich ; die höhere Thätigkeit ist dann , daß der Geist es ist , der sich entschließt einer Seits zum Ich , andrerseits zur N a t u r dieser Übergang von der Nothwendigkeit zur Freiheit ist eben der aufgezeigte , daß die Natürlichkeit zur Freiheit als ihrer Wahrheit gekommen ist .

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4–6 Wir kommen … b e w u ß t s e i n .] ErWl : Hier geben wir den Namen Seele auf und haben es zwar noch nicht mit dem Geist zu thun sondern dem Ich , dem abstracten Geist . Seele – Ich – Geist . 7 empfindet nur ; … die] ErWl : haben auch die Thiere , kein Bewußtseyn , mit diesem geht die existirende 8–10 von mir … exponirt .] ErWl : drüben gegen mich steht , von der ich zunächst sage , ich fi nde sie vor mir – der Schöpfungsact nach dieser Seite . der Begriff ist das was explicirt worden . 10 Zurückziehen] ErWl : Zurückgehn 11 Stufen] ErWl : Stufe 11–13 die wir … Aber] ErWl : wie wir sahen . Wir wissen daß unser Gang einseitig ist . Ich geht aus der natürlichen Seele hervor , Ich ist die Wahrheit der natürlichen Seele , 14 dies : daß … seine] ErWl : immer dies daß e s das Wahre ist . die natürliche Seele ist eine 14–16 ist , die … dann ,] ErWl : die sich aufhebt um zu ihrer Wahrheit zu kommen . das Höhere ist 17 N a t u r dieser] ErWl : Natur . / | F ä n o m e n o l o g i e d e s G e i s t e s / Der 17–18 ist eben … Natürlichkeit] ErWl : hat diesen Sinn , das das Natürliche 18–747,2 ihrer Wahrheit … das] ErWl : seiner Wahrheit reducirt worden ist . Beim Bewußtseyn haben wir nicht die nothwendige Idee zu betrachten sondern was wir zunächst vom Bewußtseyn wissen . Beim Bewußtseyn haben wir zuerst :

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9–19 Den Begriff … ist . mit Verweiszeichen am linken Rande ; teilweise mit Längsstrich vom Haupttext abgetrennt 35

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Wir haben nun das bewußtsein zu betrachten , wie wir es finden , nicht nach der ewigen Idee . Wir haben in unsrem gewöhnlichen bewußtsein auch das Ich ; w a s s t e l l e n w i r u n s d a r u n t e r vor ? Das muß mit dem übereinstimmen , was dem Begriff nach sich bestimmt hat ; d . h . jene bestimmung ist reine nothwendige ; Es fragt sich , ob jener bestimmung wirklich das Ich zukommt . Wir wollen nun den Inhalt unsrer gewöhnlichen Vorstellung vom Ich mit unseren wenigen Ergebnissen aus dem begriff vergleichen . | Ich ist das vollkommen leere , einfache , das ganz bestimmungslose ; erst wenn ich sage : ich will , ich gehe etc , so ist damit erst der Inhalt gegeben . Das Ich ist das Allgemeine ; das Allgemeine ist aber das abstracte sich selbst gleiche . (nicht eine Einheit von vielem) Ich bin also das Allgemeine , aber auch zugleich S e l b s t b e w u ßt s e i n ; ich habe m ich zum Gegenstand , wenn ich ich habe , ohne etwas von mir Unterschiedenes ; ich weiß , und was ich weiß bin ich ; ich verhält sich zu seinem Ich (zu sich) es verhält sich zu sich selbst ; das allgemeine bezieht sich auf das allgemeine ; es ist nicht unterschieden und doch ; es ist ein Unterschied zwischen ihnen der keiner ist . Dies fi nden wir in unsrer Vorstellung ; diese bringt also dasselbe Resultat , als der Gang unsrer betrachtung . Im Ich ist e i n e u n t e r s ch ie d e n e b e s t i m mu n g ; nämlich die : Ich bin das vollkommen a l l g e m e i n e , aber auch zugleich dieses Ich mit ausschluß alles andren , ich und nur ich dieser , dieser spröde Punkt mit ausschließung aller Übrigen außer Ich , absolute E i n z e l he it . diese beiden Unterschiedenen A l l g e m e i n h e i t und E i n z e l h e i t finden sich in 4 d . h . jene … Es] ErWl : Es ist das eine nothwendige Bestimmung und es 5–7 jener bestimmung … vergleichen .] ErWl : dieser Stufe mit Recht der Name Ich beigelegt [wird] Wl : wird ? –] / 8 vollkommen leere , einfache ,] ErWl : Allgemeine , Einfache , was unter scheidet und eben so den Unterschied aufhebt und nur das Allgemeine Einfache selbst hat zum Gegenstand . Ich ist das ganz reine und leere , vollkommen einfache sich selbst gleiche , 8–11 erst wenn … also] ErWl : (Allgemeinheit ist nicht die Gemeinschaftlichkeit von Vielen denn das ist nur die Reflexionsallgemeinheit , sondern diese abstracte sich selbst gleichheit) Ich bin 11–12 auch zugleich … habe] ErWl : wenn ich sage Ich , da habe ich 12–14 wenn ich … sich 3] ErWl : da bin ich diese Bewegung in mir selbst , das Für sich seyn , ich verhalte mich zu mir 14–16 bezieht sich … ihnen] ErWl : zum Allgemeinen , es ist diese vollkommne Unterschiedslosigkeit , und doch ein Unterschied , ein Unterschied 16–17 ist . Dies … ist] ErWl : ist , der aufgehobne Unterschied . So haben wir die Bestimmung zu der wir kamen mit Recht Ich genannt . Ich , und | wozu ich mich verhalte ist auch Ich . Näher ist aber 18 b e s t i m m u n g ; nämlich … bin] ErWl : Bestimmung im Ich gesetzt , diese : daß Ich 18–748,6 a l l g e m e i n e , aber … begriff ,] ErWl : Allgemeine bin und zugleich wenn ich sage Ich , so meine ich schlechthin nur d i e s e n mit Ausschließung aller andern . Ich ist das Allgemeine in der unendlichen Einzelheit . Ich ist das Einfache , aber zugleich bin Ich das absolut Einzelne . das ist der Unterschied in ihm . Im Verstand haben wir , daß Allgemeinheit und Einzelheit sich opponirt sind , aber Ich ist das absolute Beispiel , daß diese beiden als identisch gesetzt sind in Einer Bestimmung vereint . das Unendliche ist das Allgemeine . Ich ist das Unendliche und zugleich dies punctuelle Endliche , die 21 finden] fidt

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dem Verstand als entgegengesetzt ; in der Vernunft im Begriff aber sind beide in sich vereinigt , in dem Ich ist beides : Une n d l i c h k e it und E n d l i c h k e i t diese beiden bestimmungen bin ich ; es ist eine einfache Einheit ; es ist ein Unterscheiden und das höchste abstracte Unterscheiden das es gibt ; es ist aber ausgelöscht und in eine Einheit gebracht . In dem begriff , daß das Einfache , die Seele sich zur Unmittelbarkeit verhält haben wir gesehn wird sie ein Selbst mit Aufhebung der Unmittelbarkeit ; sind auch diese beiden bestimmungen : Allgemeinheit und Einzelheit enthalten . das Verhältniß der Einfachheit ist entstanden : daß es das Einfache nur geworden ist durch die Negation der Unmittelbarkeit und der Unterschiede die sich daran ergeben . Das Unmittelbare ist nämlich ein andres als die Seele nach ihrem Grundbegriff als einfache Einheit in dem alles aufgelöst ist . (Natur) es ist also nicht mehr , daß die Seele an sich unmittelbar ist ; das ist ihre Wahrheit nicht . Wie sie an sich ist das ist die Wahrheit ; Seele und unmittelbar ist ein ungeheurer Widerspruch ; sie hebt die Negation auf , sie negirt die Negation ; das ist die absolute Negation oder die Einzelheit als Subject . das Verhältniß | des einfachen zum einfachen durch das Verhältniß des Allgemeinen zum allgemeinen enthält also ebenso die Negativität in sich (wie das Ich ? ) es enthält den Widerspruch ; den hat jeder speculative begriff in sich ; aber er ist auch die Aufhebung des Widerspruchs , das ist die entwickelte Negation ; Ich ist der Widerspruch . Alles ist der Widerspruch ; aber der Widerspruch wird aufgelöst . Ich bin das Einfache , das allgemeine und doch ich dieser ; und doch bin I c h wieder die Auflösung des Widerspruchs . | Wäre ich nicht Widerspruch , so wäre Unterschiede sind ausgelöscht , so sehr es die höchsten sind . diese Rückkehr zu sich , 6–9 Einfache , die … ist 2 ] ErWl : Einfache sich zum Einfachen verhält ist nun so zu Stande gekommen . das Resultat ist , dieses zu enthalten daß es das Einfache geworden ist durch Negation des Unmittelbaren und der Unterschiede die sich an diesem Unmittelbaren ergaben . dies Verhalten des Einfachen ist entstanden 10–16 der Unmittelbarkeit … Subject .] ErWl : des Unmittelbaren – Selbstischkeit , Verhältniß der Selbstischkeit . Es war darin enthalten das Negiren des Unmittelbaren , das ein andres ist als das Einfache . die Seele wie sie natürlich ist ist nicht wahr , daher ist sie dies sich zu setzen wie sie an sich ist . »die Seele ist unmittelbar« das ist der ungeheuerste Widerspruch , diesen hebt die Seele auf , sie ist Negiren der Negation das heißt absolute Negativität , oder was wir Einzelheit nennen , nicht ein unmittelbares sinnliches Einzelne sondern das Einzelne was Subject ist , was wir im Für sich seyn haben . 16–18 einfachen zum … Widerspruch ;] ErWl : Allgemeinen zum Allgemeinen , des Einfachen zum Einfachen enthält vielmehr die Negation der Negation . der Widerspruch ist nicht dem Begriff nachthei lig . 18–20 sich ; aber … Widerspruch .] ErWl : sich , die entwickelte Negation , den Unterschied der in Beziehung gebracht ist . 20–21 Widerspruch wird aufgelöst .] ErWl : aufgelöste . 21 Einfache , das] ErWl : ganz Reine , Einfache , 21–22 doch i c h … wieder] ErWl : unmittelbar damit das Gegentheil , Einzelheit , d i e s e r . Ich bin 22–749,4 Wäre ich … existirt ,] ErWl : die einfache abstracte Identität des Verstandes ist der Tod , das ewig aufgelöst werden des Widerspruchs der sich in diesem Auflösen ewig hervor thut um wieder aufgelöst 8–9 das Verhältniß … enstanden über gestr . d bez beidr zeinandr ist

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Ich Todt ; das leben ist nur Widerspruch und dies Auflösen und Aufgelöstwerden des Widerspruchs ; diese bewegung ist die Lebendigkeit . Das scheint nun sehr einfach und nichts besondres zu sein : daß das Einfache sich zum Einfachen , oder das allgemeine sich zum Allgemeinen verhält (oder daß das Allgemeine existirt , in der Form der allgemeinheit ist) das allgemeine ist für ein andres . Das ist D a sein ; d . h . Sein in der bestimmtheit dieser bestimmung , wodurch es Dasein hat ist selbst das allgemeine ; das allgemeine ist nur für das allgemeine . Dies scheint nun gar nicht von großer Wichtigkeit zu sein und auch allem andren zuzukommen . In der That aber , sehn wir uns in der Natur um und sehn ob es ein Allgemeines gibt für das Allgemeine , so finden wir nichts . Allgemeines finden wir : R a u m , Z e it , das ist das sich selbst gleiche Werden (Zeit) oder : blau oder sonst was ; aber alles dies existirt nicht in der Form der Allgemeinheit | und existirt nicht für sich , also für das allgemeine . z . b . Raum kann mir keiner auf dem Teller bringen ; ich kann ihn nicht sehn ; der Raum existirt aber in meiner bestimmten besonderheit . der Raum ist erst unsre Abstraction ; erst im Ich kommt der Raum zu der Existenz , die er als allgemeines hat . Ebenso Thier , baum existirt nur als einzelnes ; im Thiere ist das nicht , daß seine substantielle Einheit , das allgemeine : Thier zu sein selbst sich das Thier für das Allgemeine wäre[ .] Es gibt Thiere , aber es gibt nicht : daß das Thier für sich wäre ; das Thier ist für ein andres Thier aber als einzelnes , nicht als allgemeines . Kommt die Allgemeinheit zur Existenz , so kommt sie nur in uns in dem Ich zur Existenz . Das also : daß das Allgemeine für das Allgemeine ist , das hat nichts Natürliches als ihm entsprechend , es ist über alles Erhaben hoch .

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25 zu werden ist die Lebendigkeit des Geistes , der Begriff , – daß das Allgemeine zu seiner Existenz

zur freien Existenz gekommen ist , das Allgemeine 5 ist)] ErWl : ist – Ich hat das Allgemeine zu 5–6 andres . Das … dieser] ErWl : Andres , ist so daseyn und die 6–7 das allgemeine ; … Dies] ErWl : [Allgemeines –] Wl : allgemein] daß das Allgemeine in [der] Wl : dieser] Bestimmtheit selbst das Allgemeine ist , das Einfache in Form des Einfachen , das 7 nun gar] Wl : die einfache Abstraction zu seyn , die auch sonst überall sei , – das scheint 8–9 sein und … in] ErWl : seyn , [es scheint daß nicht] Wl : daß] mit Ich , der einfachen Wurzel unsres Selbstbewußtseyns etwas so wichtiges ausgesagt sei . – In 9–10 um und … wir :] ErWl : fi nden wir Allgemeines genug , 10 ist das sich] ErWl : sich 11 Werden (Zeit) … was ;] ErWl : Werden , das Werden als dies Allgemeine , so ist auch | z . B . blau auch ein Allgemeines , 12–15 und existirt … Abstraction ;] ErWl : | es sind Allgemeine die nicht f ü r s i c h existiren . den Raum , dies Allgemeine kann man nicht präsentiren . 15 zu der] ErWl : selbst zu dieser die er … allgemeines] ErWl : in der er die Form [der Allgemeinheit] Wl : des Allgemeinen] 16 Thier , baum] ErWl : das Thier 16–17 im Thiere … allgemeine :] ErWl : dem Thier ist nicht vorhanden , daß seine Gattung , substanzielle Allgemeinheit , 17–18 das Thier … Allgemeine] ErWl : diese Allgemeinheit 18–20 Es gibt … die] ErWl : [ Es gibt Blau , Thiere pp aber die Form ihrer Existenz ist nur die Einzelheit , nicht die Allgemeinheit selbst . Thiere] Wl : Thiere] sind sich einander empfi ndend , aber sie sind nur als Einzelne für einander . Sofern Thier , eine solche 20 Existenz , so] ErWl : Existenz kommt , 21–22 das hat … hoch .] ErWl : darin liegt das Hohe des Ich , es ist eben das daß dies Unendliche Einfache

25 seinem Gegenstand ,

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Das bewußtsein enthält also dies Ich ; aber es enthält nicht nur dies : Ich zu sein , sondern auch : sich auf einen Gegenstand zu beziehn : Selbst ; es ist das Unterscheiden in sich , daß das Allgemeine sich verhält zu dem Allgemeinen überhaupt , daß die Allgemeinheit und Einzelheit darin ist zu einander sich verhaltend ; das scheint ganz etwas andres zu sein Verhältniß des Allgemeinen zum allgemeinen und das Verhältniß der Allgemeinheit zur Einzelheit . aber diese Einzelheit oder Endlichkeit ist selbst die ganz abstracte Einzelheit und eben damit die allgemeine Einzelheit , die unendliche Endlichkeit ; darin ist sie ganz gleich dem Allgemeinen . daß ich jetzt und hier bin das ist die Explication | meiner besonderheit ; aber als Ich ist dies die ganz allgemeine Einzelheit meiner selbst ; wenn ich sage dieses so ist das ein einzelnes aber auch ein allgemeines Diese ( ? ) Die Allgemeinheit die die Allgemeinheit hervorbringt zu der sie sich verhält ist das Negiren des Negativen Für mich sein , Subjectivität , Einzelheit ; die Einzelheit ist also durch beziehung ihrer auf sich als Negation der Negation ; Negation ist das andre und verhält sich zum andren , d . h . verhält sich zu sich ist selbst Allgemeinheit , a l s o selbst diese E i n z e l h e i t ist beziehung auf sich selbst , selbst allgemeinheit ; ein Unterschied , der keiner ist . Dieses Untrennbare ist der reine begriff . I c h allein ist der existirende begriff sonst existirt er nirgends auf der Welt . Andre begriffe von verschiedenen Dingen gibt es auch , aber nicht in sich , sondern sie existiren in der Weise der Äußerlichkeit , im Raum oder in der Zeit ; es ist nicht der frei existirende begriff , der bei | sich selbst ist , sondern in eine Äußer-

für sich selbst ist , mag man es sonst [ausdrücken] Wl : nennen] wie man will . 1–3 es enthält … sich ,] ErWl : Ich zunächst auf einen Gegenstand überhaupt bezogen . Ich ist dieser Unterschied in sich , dies Repelliren , 3 Allgemeinen überhaupt ,] ErWl : Allgemeinen , überhaupt 4–6 die Allgemeinheit … der] ErWl : Ich sich [verhält] Wl : verhalte] als das Allgemeine zur Einzelheit , das Unendliche zum Endlichen und daß diese einfach , Eins sind . / das Verhältniß von Unendlichkeit zur Endlichkeit scheint ein ganz andres zu seyn als von 6 Einzelheit . aber … Endlichkeit] ErWl : Einzelheit , aber | diese Einzelheit 7 Einzelheit1] ErWl : Endlichkeit , Einzelheit 8–9 darin ist … bin] ErWl : das Endliche explicirt sich , da bin ich endlich nach sehr vielen Seiten , 9–13 besonderheit ; aber … Einzelheit ;] ErWl : Einzelheit , aber als Einzelheit ist diese Explication selbst ein ganz Allgemeines . Jeder ist ein dieser . die Einzelheit , Subjectivität ist selbst diese absolute Negativität , Negation der Negation die Rückkehr der Allgemeinheit zu sich , das sich Gleichmachen mit sich der Allgemeinheit , die diese Bestimmtheit in der sie ist zum Unbestimmten Allgemeinen macht . 13 also durch … ihrer] ErWl : selbst Beziehung 14 Negation ; Negation … und ] ErWl : Negation , negative Beziehung , Beziehung der Negation aber der Negation auf sich selbst . das Andre 14–15 d . h . verhält … ist 2 ] ErWl : beide sind dasselbe ; diese Negation ist also 15–16 sich selbst ,] ErWl : sich , 16 ein Unterschied , der] ErWl : also ist selbst diese Einzelheit Beziehung auf sich = Allgemeinheit , ein Unterschied , der , so gut als er ist , 16–17 Dieses Untrennbare … allein] ErWl : Ich 17–19 nirgends auf … existiren] ErWl : nirgends , als Ich existirt er als freier Begriff . Alle Dinge s i n d Begriff aber nur a n s i c h , sie existiren nicht a l s Begriff als freier Begriff . der Begriff existirt in der Natur 19 im Raum … Zeit ;] ErWl : diese Realität ist im Raum , in diesem Holz pp , 20 bei] ErWl : frei bei | 20–751,1 ist , sondern … eben] ErWl : ist . das ist

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lichkeit verfallen ; das ist eben das Unglück der Natur , daß sie begriff ist aber nicht freier begriff . Im bewußtsein aber haben wir weiter : Ich in beziehung zu einem Gegenstand und das heißen wir erst b e w u ßt s e i n ü b e r h a up t . Ich ist wesentlich Verhältniß zu einem Gegenstand ; das haben wir eigentlich schon gesagt als wir sagten : I c h i s t a u s s ch l ie ß e n d ist auf sich sich beziehende Negativität ; diese ist aber auch Negativität auf sich selbst , das Repelliren seiner von sich selbst . Das Ausschließen seiner von sich selbst , als Ausschließen von einem andren . Das Es ist , aber es heißt dann nicht Ich , sondern : a nd r e s . Was das Ich zu seinem Gegenstand hat ist die S e e le , der Inhalt seines Objects , Gegenstand (es steht gegenüber , ist negativ gegen das Ich was Fichte das Nicht-Ich genannt hat , non-moi , worüber man un nöthiger Weise viel gespottet hat .) Ich bin also für mich , das ist die Seele ; ich bin[ .]

1–2 sie begriff … begriff .] ErWl : der Begriff [nicht frei bei sich selbst ist sondern der Aeußerlichkeit verfallen .] Wl : s o in ihr ist .] 3 weiter : Ich] ErWl : Ich , in beziehung … einem] ErWl : und Beziehung auf einen 4–5 ü b e r h a u p t . Ich … sagten :] ErWl : überhaupt . 6 ist1] ErWl : diese Beziehung des Einfachen auf sich selbst , die wir im Selbst der Gestalt hatten ist aus schließend . Ich ist die 6–7 Negativität ; diese … Negativität] ErWl : Negativität , das Für sich seyn . diese Negativität ist negativ gegen sich selbst , die Negativität ist [ Beziehung auf sich selbst , negative Beziehung] Wl : Beziehung] 7 das] ErWl : damit selbst . Das] ErWl : selbst , damit ist das 8–752,7 von sich … oder] ErWl : selbst als des Negativen seiner gesetzt , das ist damit ein Andres . Ich bezieht sich auf sich selbst aber so daß dieses die [ Bestimmung] Wl : Bestimmtheit] hat eines Andren , so heißt es G e g e n s t a n d , was ihm gegenüber steht . / Was wir vorfi nden ist das Unmittelbare Ich in seiner Unmittelbarkeit umfaßt alles was wir in der Anthropologie von der [Seele] Wl : wirklichen Seele] gehabt haben . Ich ist für sich , frei dadurch daß es diese Unmittelbarkeit von sich ausschließt . die Freiheit des G e i s t e s ist , daß er weiß , er habe in sich diese Totalität , er erwirbt sich das , macht es zu s e i n e m Eigenthum , daß es s e i n e Vorstellungen , Gedanken , Bestimmungen pp sind . [Aber zunächst ist Ich das Abstracte , ist ausschließend und hat sein Ausgeschloßnes als Negatives seiner .] Wl : Ich ist hier Beziehung auf Andres . – die nächste Stufe ist , daß es das Abstracte ist , ausschließend , und sein Ausgeschlossnes als Negatives seiner hat . –] das ist [ Bewußtseyn , ein Andres i s t und hat | die Bedeutung eines Vorgefundenseyns ,] Wl : das | Bewußtsein . Ich , und ein Andres , das i s t , und hat die Form die Bedeutung , ein Vorgefundnes zu seyn ;] in dem bestimmten Seyn ist die S e l b s t s t ä n d i g k e i t enthalten , das von mir ausgeschloßne , und ich b e z i e h e mich auf das Seyende . [dieses ,] Wl : dieß Seiende ,] sein Inhalt sind die Bestimmungen die dem Empfi nden überhaupt angehören . Roth , indem wir es nur in empfi ndender Form betrachten ist Bestimmtheit der Seele , daß aber das Roth Etwas Rothes ist , ist die Objectivität des Bewußtseyns . [die höhere Stufe ist , daß sie die vorhergehende zum Gegenstande hat , hier die Bestimmtheit der Seele , das Negative des Ich , das NichtIch . diese Totalität – Seele – ist der Inhalt überhaupt dessen] Wl : Was das Ich zu seinem Gegenstande hat , ist die Seele ; die niedrigere Stufe wird immer der höhern zum Gegenstande .

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22 seiner] folgt bei Wl gestr : Ich ist , das ist e 24–26 Ich ist … sind . bei Wl mit Verweiszeichen am linken 28 das Abstracte ist , unter der Zeile mit Einfügungszeichen 29 und sein … als unter der Zeile mit Einfügungszeichen 31 die Bedeutung über der Zeile mit Einfügungszeichen 32 das von … ausgeschloßne , bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 33 Seiende ,] folgt gestr : ist di Welt 33–35 sein Inhalt … Bewußtseyns . bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande und zwischen den Zeilen

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§ 414 ist nun gesagt : daß das bewußtsein der Standpunkt des gesetzten Widerspruchs ist . das bewußtsein ist der erscheinende Geist , daher aber habe ich dies die Phänomenologie genannt . daß aber das bewußtsein der Standpunkt des Widerspruchs oder des Erscheinens ist , ist klar . Ich bin bei mir nicht bei einem andren ; aber ich habe mir ein Seiendes gegen über , das selbstständig ist , nicht ein Selbstständiges andres ist , sondern überhaupt ein Gegenstand auf den ich mich beziehe ; beziehung ist aber Identität oder Gemeinschaft ; dieser Gegenstand ist aber für mich er ist vor mir , ist meine Vorstellung das Meinige , i c h weiß davon , es ist in m i r ; dann ist es nicht mehr ein Selbstständiges und der Gegenstand ist nur in mir an mir in meiner Vorstellung . Das ist nun der Widerspruch ; das Ich ist für sich und sein Gegenstand ist nur | Gegenstand selbstständiger Gegenstand , nicht für sich und dann ist er doch nicht selbstständig für sich sondern in beziehung auf mich .

der Gegenstand ist das Negative des Ich , daher bei Fichte : Nicht = Ich (non = moi) das ist also diese Totalität – Seele – die jetzt der Inhalt dessen ist ,] was im Bewußtseyn des Ich ist , und Ich bin zugleich die Beziehung auf diesen Gegenstand , er ist für mich . Ich als Bewußtseyn habe daseyn , Ic h habe d a s e y n d . h . daß ich für Andres [und Andres] Wl : bin , und das Andere zunächst] für mich ist . / das S e y n des Geists ist die Seele , [es i s t etwas für mich .] Wl : sie ist da ; es i s t für mich , für dieselbe etwas – so ist’s das Bewußtsein . D . h . nun § 414 daß das Bewußtsein der Standpunct des gesetzten Widerspruchs ist . Daher habe ich diesen Theil die Fänomänologie des Geistes genannt . –] / die Phänomenologie ist der e r s c h e i n e n d e Geist , der Geist in seinem daseyn , das im Widerspruch zu fassen ist und s o ist dies daseyn nur der erscheinende Geist . Ich bin dies F r e i e , schlechthin als Freies [nur bei mir selber seyend] Wl : das nur mit mir einige , nur bei mir selbst] und nicht bei einem [Andern . das Andre aber] Wl : Anderen seiende ; das Andre] ist : Ich habe einen G e g e n s t a n d mir gegenüber , das Andre meiner , das Ausgeschloßne i s t , das Seyende ist [und Ich] Wl : das ist Widerspruch ; aber ich] beziehe mich auf diesen Gegenstand auf dieses Negative meiner selbst . Beziehung heißt aber Identität , in der schlechtesten Form 7–8 aber für … es] Er : m e i n e Bestimmung , Wl : in mir , ist m e i n e Bestimmung . Ich weiß von ihm , d . h . er ist m e i n , es ist m e i n e Vorstellung , wenn dieser Ausdruck schon hier gebraucht werden dürfte . Da 8–753,1 m i r ; dann … theils] ErWl : [ m i r , meine Vorstellung , wenn dieser Ausdruck schon hier gebraucht werden dürfte , Er ist ein Ideales ,] Wl : mir ein vollkommen Ideelles , kein Selbstständiges ; sondern] ich bin das Subject , [dieser] Wl : und der] Gegen|stand gehört nicht sich selbst , sondern m i r an , ist in m i r . das ist der [ Widerspruch auf gedoppelte Weise ] Wl : Widerspruch , daß der Gegenstand auf diese gedoppelte Weise ist . Er ist für sich , und er ist für mich .] a . der Gegenstand i s t und ist hier als Gegenstand nicht selbstständig sondern sich auf mich beziehend und wesentlich sich auf mich beziehend , im B e w u ß t s e y n hat er keinen andern Sinn , ob er sonst noch etwas ist gehört dem Geist an . b . [diese

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15–16 Ich als … und 2 bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 16–17 das S e y n … die bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 19–20 die Phänomenologie … seinem bei Wl mit Einfü- 35 gungszeichen über der Zeile 21 zu fassen … daseyn bei Wl am rechten Rande 22–23 selbst und … Anderen bei Wl am rechten Rande 24 gegenüber , das … Seyende bei Wl am rechten Rande 26 in der … Form bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile und am rechten Rande 28 wenn dieser … 40 dürfte . am rechten Rande 31 sondern m i r … das bei Wl am rechten Rande 33–35 a . der … b . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande

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Ich aber bin theils dies Freie , bin aber auch in beziehung auf einen Gegenstand auf den Negativen meiner ; indem ich ich bin in beziehung auf mich , stehe ich doch wieder in beziehung auf die andren . Ebendeswegen ist das bewußtsein nur der erscheinende Geist , der entzweite nicht harmonische Geist . Wir sind in unsrem gewöhnlichen bewußtsein im Verhältniß ; zum Verhältniß gehören 2 Seiten jede für sich selbstständig , jede aber in beziehung auf die andre also nicht selbstständig ; ebenso Ursache und Wirkung ; Ursache ist nur in so fern sie Wirkung wird und sich auf diese bezieht , und so umgekehrt . Ich bin Ich nur als bewußtsein aber darin daß ich selbstständig bin und mir bewußtsein bin ich nicht mich auf mich selbst beziehend . dieser Widerspruch ist also da . Das 2t e zur Seele ist eben das Ich , das 2t e ist immer der Widerspruch . Das Ziel des bewußtseins ist , zu seinem Frieden zu kommen , das

opponirten] Wl : Dieselben entgegengesetzten] Bestimmungen sind in m i r , Ich bin 1 bin aber auch] Er : und bin Wl : darin Alles nur ideell ist ; und doch bin ich 1–9 einen Gegenstand … ich] ErWl : das Negative meiner , so bin ich außer mir . Es ist das Meinige und nicht das Meinige , ich stehe in Beziehung auf mich selbst und indem ich in Beziehung auf mich selbst stehe , stehe ich nicht in Beziehung auf [mich .– / So ist es der entzweite , nicht versöhnte Geist , der erscheinende eben darum , der gesetzte Widerspruch ,] Wl : mich selbst . bin nicht frei , stehe nicht in B e z i e h u n g auf mich selbst . Deswegen bin ich als Bewußtsein nur Erscheinung ; es ist nicht der in sich harmonische versöhnte Geist , sondern der in sich zerrissene , entzweite Geist , – entzweit hinsichtlich seiner selbst und des Seienden . Im Bewußtsein sind wir also im gesetzten Widerspruch , im] Verhältniß . / Jedes Verhältniß ist : Zwei [Selbstständige und jede von beiden Seiten hat] Wl : Selbstständige , zweifache Seiten , die selbstständig sind , und nicht selbstständig , daran jede Seite] nur in ihrer Beziehung [Sinn . Die Ursache ist nur Ursache indem sie nicht bei sich , in ihrer Beziehung auf sich selbst bleibt , sondern sich auf das Negative ihrer , die Wirkung bezieht .] Wl : Sinn hat . Ursache und Wirkung sind beide selbstständig , und daher ist Ur sache nur in so fern sie wirkt , sofern sie nicht bei sich , in ihrer Beziehung auf sich selbst bleibt , sondern sich auf das Negative ihrer , die Wirkung bezieht , nicht Ursache bleibt , sondern Wirkung wird . eben so die Wirkung : wenn die Bestimmung der Ursache nicht in der Bestimmung der Wirkung wäre , so wäre sie keine Wirkung . Das ist der Widerspruch .] das Bewußtseyn was die Philosophie gibt ist daß solche Verhältnisse wo wir kein Arges haben , der Widerspruch in sich sind . So [ hier :] Wl : ist also unser Bewußtsein ein Widerspruch ,] Ich bin frei , mich auf mich beziehend , darin aber daß ich selbstständig bin , bin ich es als bewußtes , d . h . [als] Wl : bin ich zugleich] 9–11 beziehend . dieser … Widerspruch .] ErWl : [ beziehend . Die] Wl : beziehend d . h . unfrei , – dieß ist das zweite zur Seele , die] Seele ist dies Unmittelbare wo der Widerspruch nicht gesetzt ist , das zweite ist immer der gesetzte Widerspruch , die Differenz in Beziehung . 11 des bewußtseins … kommen ,] Er : ist , ist , zu … kommen ,] Wl : ist ,

14–17 Es ist … selbst . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 20 im gesetzten Wider spruch , über der Zeile mit Einfügungszeichen 20–21 Jedes Verhältniß … Selbstständige , bei Wl mit Einfügungs35 zeichen über der Zeile 22–24 daran jede … hat . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 25–26 bei sich , … bezieht , am rechten Rande 28–30 das Bewußtseyn … sind . bei Wl mit Einfügungszeichen 30–31 mich auf … beziehend , bei Wl über der Zeile mit Ein40 und Verweiszeichen am rechten Rande fügungszeichen 31 daß ich … d . h . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 33 die Seele … Unmittelbare bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 34 das zweite … Beziehung . bei Wl am rechten Rande

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Problem aufzulösen , und das ist der Geist , die Versöhnung des Widerspruchs . Der Weg dazu bestimmt sich dann so : daß (§ 414) das Object , der Gegenstand sich an ihm verändert und daß diese Veränderung vorzugehen scheint . Der Gegenstand verändert sich so : daß e r s e l b s t z u m Ich w i r d , das ist das Übergehn des bewußtseins in das Selbstbewußtsein : Ich beziehe mich auf etwas das nicht das Negative meiner ist , sondern ich selbst , ich bin bewußt meiner selbst . Das S e l b s t b e w u ßt s e i n ist aber noch abstract , ist noch mit der Differenz behaftet . Das Ich muß sich erst bestimmen als a l l g e me i n e s S e l b s t b e w u ßt s e i n , u n d d a s i s t Ve r nu n f t ; das ist ein bewußtsein , ein Wissen aber von allem Inhalt , daß er der meinige ist , und zwar als mein Selbst , das als allgemeines ist und nicht mehr als besondres .

123Er

2 .Er 102 Wl

3 .Er

1 aufzulösen , und … Widerspruchs .] Wl : des Widerspruchs aufzulösen , und die Auflösung , der aufgelöste Widerspruch , er als versöhnt ist dann der Geist . – aufzulösen , und ] Er : des Bewußtseyns zu lösen , die Versöhnung … Widerspruchs .] Er : der aufgelöste Widerspruch , er als versöhnt . 2 dazu bestimmt … (§ 414)] ErWl : [daher zur | Versöhnung , daß Ich] Wl : zur Versöhnung , dazu , daß das Ich sich frei macht] von dieser seiner Beziehung auf sein Anderes , seiner [ Unfreiheit sich losmacht] Wl : Unfreiheit ,] bestimmt sich so daß 3 daß diese] Er : an ihm die Wl : daß an ihm diese scheint . Der] ErWl : scheint [(§ 415)] Wl : (Gleich folgt die Erläuterung !) –] dieser 4 s e l b s t ] ErWl : bestimmt , selbst 5–6 Ich beziehe … selbst .] ErWl : ich verhalte mich zu einem Gegenstande , Negativen meiner aber dieses [ist] Wl : wird] selbst [ Ich .] Wl : Ich ; – so bin ich Selbstbewußtsein –] da ist der | Widerspruch wenigstens auf einer Seite aufgehoben , [ Ich] Wl : das Ich] bezieht sich auf ein Negatives seiner das aber selbst Ich ist . 7 aber] Er : dann noch abstract , … noch] Wl : dann selbst zunächst als solches noch abstract , als Selbstbewußtsein noch 8–9 Das Ich … bewußtsein ,] ErWl : [drittens . Ich bestimmt sich] Wl : das 3t e ist dann , daß ich allgemeines Selbstbewußtsein bin , daß das Ich sich bestimmt] als allgemei nes Selbstbewußtseyn . Z u n ä c h s t war es Ich , Seyendes überhaupt , abstractes Seyendes . Zwe i t e n s Ich das zum Gegenstand hat Ich , abstractes Selbstbewußtseyn , ein Ich das auch ein Selbstständiges das Ich [ist hat] Wl : ist , hat :] ich habe in diesem Gegenstande mich selbst aber zugleich als Persönliches als Negatives meiner , daß diese Negativität nur ein Moment ist , ich darauf habe die affi rmative Beziehung als ein Ich . Sofern es das Negative meiner ist , sind es Einzelne , indem sich aber die Wahrheit meines Selbstbewußtseyns bestimmt als Allgemeines bin Ich d r i t t e n s : [ Ve r n u n f t ,] Wl : Ve r n u n f t , ve r n ü n f t i g e s S e l b s t b e w u ß t s e i n . Es ist] 9–10 aber von … er] Wl : daß aller Inhalt 10–755,3 und zwar … dieser] ErWl : zu gleich der Meine als d i e s e s Ich , und 2t e n s [daß] Wl : so , daß] die Besonderheit meines Selbst [verschwindet ,] Wl : verschwunden ist , daß] ich nicht bin als dies einzelne Ich sondern als

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15 15

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2 der Gegenstand sich bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 4–5 daß e r … Selbstbewußtsein : 35 durch senkrechten Strich am linken Rande hervorgehoben 12–13 der aufgelöste … versöhnt über der Zeile mit Einfügungszeichen 15 zur Versöhnung , über der Zeile mit Einfügungszeichen 16 dieser seiner … Anderes , bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 19 bestimmt , selbst bei Wl mit Einfügungs- 35 zeichen über der Zeile ich verhalte … einem bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen 21–22 das Ich … ist . bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 23 als solches noch über der Zeile mit Ein- 40 fügungszeichen als Selbstbewußtsein noch über der Zeile mit Einfügungszeichen 25–31 Z u n ä c h s t war … d r i t t e n s : bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande ; folgt im Text gestr : So bin ich 33 der tens Meine … 2 bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile

phänomenologie des geistes

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1 . b e w u ßt s e i n a l s s olche s 2 . S e l b s t b e w u ßt s e i n 3 . Ve r n u n f t

5

10

dieser Gang des bewußtseins ist die Realisirung des begriffs des Ichs , so , daß was hier nur als abstracte Momente gesetzt ist Id e n t it ä t , Id e a l it ä t des a n d r e n u n d d i e E i n h e i t beider selbst die volle bedeutung des begriffs bekommt und selbst der ganze begriff wird , concret . Die Identität ist also das Ich das nicht selbstständig für sich ist , z . b . Freundschaft , Liebe , in der bin ich nicht frei , nicht selbstständig , ich bin in dem andren , und bin doch in mir ; jedes ist so Ich daß es sich aufgegeben hat und sich selbst negirt d . h . beziehung auf sich hat in dem bewußtsein des andren . Und das ist das allgemeine Selbstbewußtsein . (Liebe der Empfindung nach ausgedrückt) es ist das realisirte bewußtsein , | jeder ist der ganze begriff . Das ist also die Realität des Ich , das Ziel in der bewegung des Ich ; der begriff muß sich zur Idee machen kann man es auch nennen ; Idee ist nämlich begriff , der sich bezieht auf seine Realität , die der begriff selbst ist , und die Idee ist

45r Sg

15 15 [allgemeines] Wl : das allgemeine] Ich . das [Selbstbewußtseyn] Wl : ist die abstracte Bestimmung und

20 20

25 25

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das Selbstbewußtsein] als ein in sich allgemeines ist Vernunft . Es ist dies die Realisirung sowohl | des Ich als das Aufheben seiner einseitigen Bestimmung sich auf ein Seyendes , Negatives seiner zu beziehn . Im Fortgang hebt sich diese Einseitigkeit auf . diese Abstraction negirt [sich , diese Negation . Dieses] Wl : sich in diese Negazion . diese Aufhebung] ist aber eben so Realisirung des Begriffs . / das [ Ich =] Wl : Ich = ist das] Ich als solches für sich d . i . dieses Freie , diese Identität seiner mit sich selbst in der Idealität seines Anders seyns , daß das Andre [nur ist als Aufgehobnes ,] Wl : ist als aufgehoben ,] – so ist es bei sich selbst . Wir haben im Ich einfache Idealität , Idealität des Anders seyns und die Identität dieser beiden . das ist der Begriff des Ich . der 3 ist die] ErWl : den wir betrachten [ist] Wl : ist so] 3–4 begriffs des … I d e n t i t ä t ,] ErWl : Begriffs , das was im Begriff in dieser Einfachheit gesetzt ist , – die 5–6 beider selbst … und] ErWl : der beiden , – [ist das Abstracte . die Realität ist daß jedes der Momente concrete Bedeutung erhält , daß jedes dieser Momente] Wl : daß , was hier als abstractes Moment gesetzt ist , jedes derselben selbst die volle Bedeutung des Begriffs bekommt , concret wird ,] 6–8 wird , concret . … ist] ErWl : ist . So [in der Freundschaft sind die beiden Seiten selbst dieses Ganze . Jedes ist] Wl : haben wir das gesehn . In der Freundschaft , Liebe , existire ich nicht für mich , sondern bin nur im Anderen selbstständig . Hier sind also 2 , so daß beide Seiten nicht mehr die abstracten Momente des ganzen Begriffs sind , sondern jedes dieser 2 ist] Ich und 8–9 daß es … d . h .] ErWl : daß es nicht bloß Einzelnes , Sprödes ist sondern sich selbst aufgehoben , [negirt hat und sein Bewußtseyn ,] Wl : daß es sich aufgehoben hat , sich selbst negirt , und sein Bewußtsein seine] 10 bewußtsein] ErWl : Selbstbewußtseyn 10–11 Und das … ist 2 ] Er : Jedes ist also das Ganze , Wl : Jeder ist so also 12–756,2 begriff . Das … der] ErWl : Begriff des Ich . [das] Wl : jedes ein Ich und jedes die Beziehung seiner auf das andre Ich . So zeigt sich das in der

6 concret] davor ein unleserliches Zeichen 16 das Selbstbewußtsein … Vernunft . bei Wl am linken Rande 17–19 sich auf … Aufhebung bei Wl mit Einfügungszeichen am linken Rande sowie unter und über der Zeile 21–22 daß das … selbst . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 23–24 32–33 daß es … aufgehoben , bei Wl 40 den wir betrachten bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen mit Verweiszeichen am linken Rande 35 4 ist] sund

124Er

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125Er § 415

125Er

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Einheit des begriffs und der Realität und der Unterschied zwischen beiden ist dann nur einer , der keiner ist ; | so wird Ich Ve r n u n f t [ .] § 415 ists näher angegeben : Ich bestimmt sich weiter , es bezieht sich auf ein Object . Hier ist nun die Form angegeben , wie die b e s t i m mu n g g e s c h ie ht u n d e r s ch e i n t . Sie erscheint nämlich als Veränderung des Objects . Wenn das Object sich verändert so ist mein bewußtsein auch andres ; denn das bewußtsein ist abhängig von seinem Gegenstand , von dem es weiß . Ich bin numerisch , abstract identisch derselbe ; aber die Art und Weise der bestimmung des bewußtseins fällt in die Art des Gegenstandes . bliebe nun der Gegenstand derselbe , so bliebe ich ein bestimmtes bewußtsein ; bliebe der Gegenstand sinnlich , bliebe die Welt ewig sinnlich , so bliebe mein bewußtsein auch nur sinnlich ; aber das Sein der Welt ist nicht bloß sinnlich sondern verständig , das ist ihre Wahrheit . Es ist also der Gegenstand der unterschiedene bestimmungen Empfindung , Liebe , Freundschaft . Das ist die Realität des Ich das] ist das realisirte Bewußtseyn ; das sind alle Momente , das ganze Ich und das Ganze dieser Ganzen ist , daß die Beziehung dieser beiden Ich auf einander selbst Ich ist . Ich bin Bewußtseyn als das Bewußtseyn der Identität , Einheit dieser beiden . Diese Realität [des] Wl : des Ich , des] Begriffs ist das Ziel , daß Ich der Begriff , sich zur Idee [macht .] Wl : macht , Vernunft . – (der realisirte Begriff selbst ist die Idee . Ich soll allgemeines Selbstbewußtsein , Vernunft werden .)] dieses allgemeine Selbstbewußtseyn die Vernunft ist dann die Idee , der Begriff der sich bezieht auf seine Realität , daß dieser die Idee selbst ist und das Ganze die Einheit des Begriffs und der Realität , daß dieser Unterschied keiner ist . 2–4 so wird … nun] Er : | Ich (§ 415) bestimmt sich , Wl : Im § 415 ist dieß näher angegeben . (Selbstbewußtsein bestimmt sich weiter) . Was im § gesagt ist , betrifft 5 angegeben , wie … Sie] ErWl : dieser [ Bestimmung] Wl : Bestimmung . Sie] 6–8 Wenn das … aber] ErWl : Ich bin [ Bewußtseyn ,] Wl : Bewußtsein überhaupt] die Art wie mein Bewußtseyn bestimmt ist , hängt davon ab , welches Object ich [ habe . Ich bin verständiges] Wl : habe , und hänge vom Object ab ; ich bin erst] Bewußtseyn sofern ich von etwas Verständigem [weiß , Ich sofern ich zum Gegenstande habe Ich selbst ,] Wl : weiß p . Insofern ich vom Ich selbst weiß] bin ich Selbstbewußt seyn . die Bestimmung des [ Ich] Wl : Bewußtseins ,] ob es Selbstbewußtseyn pp ist erscheint am [Object ,] Wl : Object ; ich bin numerisch derselbe , aber es handelt sich um] 9–10 bestimmung des … Gegenstand] Wl : Bestimmung , und diese ist bedingt durch den Gegenstand . Bliebe dieser die Art … Gegenstand] Er : den Gegenstand . / Bliebe dieser 10 ein] ErWl : auf [ Eine] Wl : dieselbe] Weise 10–11 bliebe der … sinnlich ,2 ] ErWl : wäre die Wahrheit der Welt , [sinnlich] Wl : Sinnliches] zu seyn 11–757,1 mein bewußtsein … der selben] ErWl : ich sinnliches Bewußtseyn , aber die Wahrheit der Welt ist daß das Sinnliche ein Inneres hat , seine Substanz , die Gesetze , das Allgemeine die Gattung sind das Wahre des sinnlichen [Seyns .] Wl : Seyns . (Es ist also der Gegenstand des Bewußtseins bestimmt)] der Gegenstand hat unter schiedne Bestimmungen aber nicht neben einander , [sondern die Verschiedenheit dieser Bestimmungen] Wl :

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8–9 Art und … der bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 14–21 das ist … ist . bei Wl mit 35 Verweiszeichen am linken Rande ; folgt im Haupttext gestr : diß ist ds Ziel dr Bewung dß dr Bgr sich zur Idee macht , Vern 18–19 (der realisirte … werden .) durch Verweiszeichen aus dem Haupttext in den 40 Text auf dem Rande eingefügt 25–26 die Art … habe , bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 34 Bewußtseyn ,] folgt bei Wl gestr : ab di Wlt ist auch vrstndig 34–37 aber die … einander , bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 36 (Es ist … bestimmt) mit Verweiszeichen aus dem Haupttext in den Text

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an ihm hat , aber nicht nebeneinander , sondern die Verschiedenheit derselben ist eine Nothwendigkeit , ein nothwendiger Zusammenhang zwischen ihnen , der fortgeht zu seiner wahrhaften bestimmung . diese Veränderung ist also ein nothwendiger Fortgang und das ist d i a lek t i s ch e b e we g u n g , das ist die des Gegenstandes ; das Sinnliche hält nicht aus ; es verändert sich zu einem andren . Indem nun also so der Gegenstand an ihm selbst nothwendig sich verändert , so ist das bewußtsein auch diese dialektische bewegung . Dieser Gang also ist es , den wir gehen : z u e r s t Aufheben des Widerspruchs , Realisirung des Begriffs ; d a n n : es erscheint das Fortgehn an dem O bj e c t [ .] § 416 . Das Ziel des Geists als bewußtsein ist die Erscheinung mit dem Wesen identisch zu machen , die Gewißheit seiner selbst zur Wahrheit zu erheben . Ich weiß etwas , was ich sehe , denn ich habe es gesehen : das ist auch ein Wissen ; das erste ist , daß etwas in meinem unmittelbaren bewußtsein ist . Gewißheit ist : daß das Wissen in meinem bewußtsein ist und nicht so überhaupt in meiner Vorstellung :

§ 416

15 15 und diese Unterschiedenheit der Bestimmungen]

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2 Nothwendig keit , ein nothwendiger] ErWl : [nothwendige , es ist] Wl : Nothwendig keit ; es ist ein] wesentlicher 2–5 der fortgeht … andren .] ErWl : [dieser] Wl : so] daß der Gegenstand sich an ihm selbst verändert von [seinen] Wl : seiner] unmittelbaren (unwahren) [ Bestimmungen] Wl : Bestimmung] fortgeht zu [seinen wahrhaften . / das Bewußtseyn zeigt sich] Wl : seiner wahrhaften Bestimmung . – So zeigt sich die Bestimmung des Bewußtseins an der Art und Weise] wie der Gegenstand bestimmt [ist] Wl : ist . dieß nothwendige Verändern des Gegenstands ist die dialektische Bewegung . das Sinnliche verändert sich und nicht in’s Sinnliche , sondern zu einem Andern] und dieser verändert seine Bestimmungen und dieses Verändern ist ein nothwendiger Fortgang , nothwendiges Verändern , [ist dialektische Bewegung . Das Sinnliche verändert sich , diese] Wl : und diese] Nothwendig keit der Veränderung ist es die dialektik heißt . 6 an ihm … nothwendig] Er : nothwendig nothwendig sich] Wl : die dialektische Bewegung ist , an ihm selbst nothwendig sich 6–13 so ist … ist .] ErWl : [die dialektische Bewegung an ihm selbst | hat , verändert sich auch das Bewußtseyn , bewegt sich dies dialektische ,] Wl : ist auch das Bewußtsein nach seiner Bestimmtheit diese dialektische Bewegung ,] denn die Formen des Bewußtseyns fallen in das Object . Der Fortgang ist daß Ich in seinem Gegenstande sich real wird , sich selbst in seinem Gegenstande hat (Realität des Begriffs) und so ist Ich – Idee . – / Das Ziel des Geistes als Bewußtseyn ist , seine Erscheinung mit dem Wesen identisch zu machen , die Gewißheit seiner selbst zur Wahrheit zu erheben . Gewißheit seiner selbst ist was Bewußtseyn überhaupt [ist , mit der Reflexion , daß etwas in unserem unmittelbaren Bewußtseyn ist .] Wl : ist .] Ich weiß etwas , habe etwas gesehn , es mag dieser Inhalt ein äußrer oder innrer Gegenstand seyn . Bewußtseyn ist Wissen von etwas überhaupt und 13–14 das Wissen] ErWl : es 14–758,13 und nicht … nicht .] ErWl : daß dieser Inhalt zusammenhängt mit mir . Ich sehe dies da ist mir gewiß daß es so ist . Bewußtseyn ist daß ich mich beziehe auf einen Gegenstand , diese Beziehung ist eben Gewißheit , daß ich so darauf bezogen bin , da ist es in dieser Einheit gesetzt mit meinem Ich , identisch mit mir , das weiß ich so gewiß als ich selbst bin . das ist [die] Wl : diese unmittelbare Einheit des Gegenstandes mit meinem Ich . Das ist]

40 auf dem linken Rande eingefügt

22–24 und dieser … heißt . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 28–35 denn die … und bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande ; folgt im Text gestr : disr Gegen lso ist es , den wir i Bw zu betrchten hben . – Ich weiß , ws ich sehe . Ds 1 . Wissen ist , ds etw i mir u als Bw ist , es mag nun äußrlicher od innerlicher Gegenstd seyn , 36–39 Bewußtseyn ist … bin .

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Ich bin die beziehung auf etwas außer mir ; und dieses weiß ich so gewiß als ich selbst bin , ich seh es ; diese Gewißheit meiner selbst und dessen , was ich vor mir sehe ist eins , und sie sprechen eben aus , daß dies die Einheit ist . Die Gewißheit soll nun zur Wahrheit erhoben werden . Gewißheit ist noch nicht Wahrheit . Der begriff ist Ich , das bewußtsein überhaupt , der begriff des Gegenstandes ; aber Realität ist etwas andres . | die Realität daran daß der Gegenstand der begriff selbst ist , das ist erst die Wahrheit ; dieses kommt zum Vorschein im Selbstbewußtsein , das ist die Realisirung des begriffs ; aber noch nicht das höhre ; die ist Vernunft . Die Ü b e r z e u g u n g hat man auch bald ; ich weiß z . b . daß es soviel Uhr ist , daß hier Lichter brennen , daß wir hier sind ; in solcher Gewißheit befinden wir uns durch ganzes Leben ; aber ein solcher Inhalt verdient nicht den Namen Wahrheit ; diese Dinge verdienen den Namen Wahrheit nicht . Die Existenz des Geistes im bewußtsein ist endlich , weil sie noch formell ist ; der begriff ist erst von meinem bewußtsein vorhanden ; der Gegenstand den ich habe ist Papier , Etwas , ein Ding ; aber das ist der begriff noch nicht wirklich ; das ist eben das Formelle .

Gewißheit seiner [selbst] Wl : selbst überhaupt] . diese ist zur Wahrheit zu erheben . [ Was gewußt ist ist darum noch nicht wahr .] Wl : es ist darum nicht wahr , weil es wohl g e w i ß ist .] das ist der Unterschied von Begriff und Realität . das Bewußtseyn in seinem Begriff , Ich ist der Begriff selbst in seiner freien aber noch abstracten Existenz . die Wahrheit ist die Idee , daß die Realität entsprechend , [adäquat , identisch] Wl : identisch] sei dem Begriff , daß was im Begriff ist , auch so i s t . der Gegenstand ist der Begriff , die nächste Realisirung des [ Begriffs] Wl : Begriffs (– die schon explicirt worden)] ist das Selbstbewußtseyn , daß Ich Ich zu seinem Gegen|stand hat , die höhere Wahrheit , die [ Vernunft . Wenn wir dergleichen wissen im Leben z . b . daß Lichte brennen pp so] Wl : Vernunft . das Gewisse (gehört zur Fortbewegung) ist noch kein wahres Wissen . Gegenwärtig ist’s 20' über 5 ; das ist gewiß ; in solchem Wissen und Gewißheit sind wir immer im Leben] wissen wir zugleich daß solche Wahrheiten gleichgültig sind für den Geist , den Namen Wahrheit nicht [verdienen .] Wl : verdienen . der Geist beschäftigt sich nicht mit ihnen , aber Gewißheiten sind sie .] 14–15 endlich , weil … Papier ,] ErWl : zunächst eine endliche und die Endlichkeit liegt im Formellen . Das Formelle ist daß nur der Begriff erst vorhanden ist von meinem Bewußtseyn . Etwas , ein ding ist noch nicht der Begriff . das was ich weiß in meinem [ Bewußtseyn] Wl : Bewußtsein , die Bestimmtheit meines Bewußtseins] ist nur ein 16–759,2 aber das … der] ErWl : [noch nicht] Wl : nicht] der Begriff . [ Die] Wl : Was ich vor mir sehe , ist mein Gegenstand , die] Gegenständlichkeit sofern sie die meinige ist , denn ich weiß davon , es ist bestimmung meines Bewußtseyns , ist noch ganz abstract [die] Wl : das]

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bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 13 nicht] ist 19–20 das Bewußtseyn … Existenz . 35 bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 20–24 entsprechend , identisch … Vernunft . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande ; folgt im Text gestr : ist den Begr , Diese witre Realisirung ist explizirt 35 worden , ds Selbstbw ist diese Realis des Bw . Höhr ist’s di Vern 26–28 im Leben … verdienen . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande ; folgt im Text gestr : aber es verdient noch nicht d Namen d Wahrht 29–31 Das Formelle … die bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande ; folgt im Text gestr : 40 diß ligt drin , dß d Begr noch nicht vorhanden ist , di 33–34 die Gegenständlichkeit … ist 2 bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande

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das Object ist nur als abstract als das Seinige bestimmt . Dies was ich vor mir sehe ist ein Gegenstand , im bewußtsein ; es ist aber nur abstract der Meinige ; sein andrer Inhalt ist ; daß es ein Ding ist , weiß aus sieht etc . Nach dieser Seite ist das Gegenständliche bloß abstract ; ich habe darin nur die Abstraction des Meinigen . § 417 wird gesagt : die Stufen dieser Erhebung der Gewißheit zur Wahrheit sind nun jene 3 oben angegebenen : 1 b e w u ßt s e i n , welches noch mangelhaft ist ; worin mein bewußtsein ein Negatives meiner ist ; es hat zu viel Objectivität[ .] 2 S e l b s t b e w u ßt s e i n . Hier ist der Gegenstand i c h s e l b s t ; und das ist zu wenig Objectivität ; der Gegenstand ist ganz der meinige ; der Unterschied ist da also nicht vorhanden ; es ist die Identität das Überwiegende ; sie ist zu groß . diese Einheit des Selbstbewußtseins und des bewußtseins , in der der Unterschied doch vorhanden ist , – ist 3 . Di e Ve r n u n f t das Princip des Geistes , seine Freiheit , Anschauung seiner selbst ; die Vernunft weiß daß alles vernünftig ist ; sie hat in allem Gegenständlichen sich selbst und weiß von Allem doch , daß es ist . In meinem ausführlichen Werk Phänomenologie , in der aber mehr vorkommt , als hier . Es gehört aber nichts

§ 417

2–9 sein andrer … Hier] Er : ich habe noch nicht den Begriff davon . / die Mangel haftigkeit des 20 Bewußtseyns ist daß mein Gegenstand ist ein Negatives von mir , daß es so zu sagen zu viel Objec-

2–4 sein andrer … darin] Wl : der weitre Gehalt des dinges ist noch nicht der Begriff , ich habe noch nicht den Begriff , noch nicht mich als Bewußtsein concret darin , sondern 4–5 Abstraction des … gesagt :] Wl : abstraction , daß es m e i n Gegenstand ist . – 6–10 nun jene … meinige ;] Wl : § 415 angegeben . – das 2t e ist das S e l b s t b e w u ß t s e i n der Gegenstand ist Ich . das Mangelhafte des ersten , des B e w u ß t s e i n s ist , dieß mein Gegenstand ist ein Negatives von mir , daß es so zu sagen zu viel Objectivität hat (hingegen im Selbstbewußtsein ist der Gegenstand Ich selbst , das ist wieder zu wenig Objectivität .) Im Selbstbewußtsein ist der Inhalt ganz der meinige ; – 9 das] Er : da 10 der Gegenstand ist] Er : Im Selbstbewußtseyn ist der Inhalt 10–11 da also … ist1] Wl : insofern nicht vorhanden , die Negativität fehlt , 11 das Überwiegende ; … groß .] Wl : ist zu groß . Das Ich muß Ich und Gegenstand seyn . – Zur Wahrheit gehört beides , diese Einheit des Bewußtseins (Selbstbewußtsein) worin der Begriff Ich ist , und der Unterschied des Be wußtseins . – sie ist … groß .] Er : Zu der Wahrheit gehört beides : 12–14 des Selbstbewußtseins … Ve r n u n f t ] ErWl : [des Bewußtseyns (Selbstbewußtseyns) worin der Begriff Ich ist und] Wl : worin auch] der Unterschied des Bewußtseyns [– das ist das dritte ,] Wl : vorhanden ist , ist dann das 3 t e und dieß ist] 14–760,2 seine Freiheit , … aber] ErWl : Freiheit des Geistes , Anschauung seiner selbst , Vernunft . [ In] Wl : In der Welt , in] jedem Gegenstand wie er ist hat die Vernunft s i c h und weiß zugleich , daß es G e g e n s t a n d i s t , daß er ist . [der Gang des Bewußtseyns ist in der Phänomenologie des Geists dargestellt . /] Wl : das sind die 3 Stufen die wir in der Kürze durchzumachen haben . – In

20 tivität hat . Im Selbstbewußtseyn

25 25

30 30

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35

24 ist ,] folgt gestr : dß es zu vil Objektivitt hat 24–27 dieß mein … meinige ; – mit Verweiszeichen am unteren Rande 25–26 (hingegen im … Objectivität .) durch Verweiszeichen aus dem Haupttext in 29–31 Zur Wahrheit … Bewußtseins . – mit Verweiszeichen am 40 den Text am unteren Rande eingefügt unteren Rande 35–36 In der … ist . bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande ; im Haupttext folgt gestr : S hat sich in dr Wlt u weiß s zugleich als anderes

§ 417 .Wl

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weiter dahin als das abstracte Ich ; Recht und Sittlichkeit , Religion etc . gehören dem weiter sich bestimmenden Geist an ; das bewußtsein ist aber eine Form des Geistes ; d . h . auch in der Religion etc . ist der Geist bewußtsein ; es ist das bewußtsein allenthalben . Sittlichkeit z . b . ist der Inhalt des vernünftigen Wollens ; mein Geist ist es , der dieser vernünftige Wille ist ; und wenn ich auch unsittlich lebe , so bleibt doch die Sittlichkeit in mir , mein Gesetz , das mich bestraft ; aber von dieser meiner innren Substanz weiß ich , daß es auch an und für sich ist und ewig , ohne mein Zuthun . bewußtsein ist nur Verhältniß ; im Geist aber ist der Widerspruch im bewußtsein aufgehoben . In meinem größren Werk ist nun aber auch | der weitre Gehalt des Geistes etwa in dem Verhältniß in welchem er ist wenn er ins bewußtsein kommt .

der Fänomenologie habe ich diesen Gang des Bewußtseins vollständig gezeigt . –] Hierher gehört nur dies Verhältniß was wir Bewußtseyn nennen und drüber | weiter nichts als die logische Bestimmung , die Bestimmung des abstracten Ich . Indem der Geist über dies Verhältniß , Bewußtseyn zu seyn hinausgeht , und Geist wird , werden seine Bestimmungen ganz andrer Art . Recht , Sittlichkeit pp gehören dem weiter bestimmten Geist an , aber auch darin ist der Geist bewußt , Bewußtseyn [ist allenthalben aber nur] Wl : aber ist] 3–4 Geistes ; d . h . … Wollens ;] ErWl : [Geists und eine gegen die höhern Bestimmungen untergeordnete .] Wl : Geistes ; auch dort ist es Bewußtsein . Bewußtsein ist überall , aber untergeordnet : jener höheren Region und ihr Boden die] Sittlichkeit ist Inhalt , Gesetz der wollenden Vernunft , 5–7 wenn ich … auch] ErWl : [wenn ich persönlich unsittlich handle] Wl : bin ich auch persönlich unsittlich] und bestraft werde vom Gesetz , werde ich von meinem Gesetz bestraft . Von dieser sittlichen Substanz aber so wie sie die meinige ist , weiß ich daß sie i s t , daß [sie] Wl : es ist mein Gesetz aber] 7–9 sich ist … auch] ErWl : [sich ist . Das ist] Wl : sich , ohne mein Zuthun , ewig an und für sich ist . Das ist der] Character des Geistigen daß es die Bestimmung hat subjectiv zu seyn – Ich , das Meinige – und [eben so objectiv – es i s t . In dem Verhältniß welches das Bewußtseyn ist , ist dies Gesetz] Wl : auch Objektivität , daß es i s t . Bewußtsein ist dieß Verhältniß , daß es m e i n ist und ist , daß es ist] das Negative meiner . [ In der Sittlichkeit pp ist dieser Widerspruch der Character des Bewußtseyns aufgehoben aber in diese höhere Region fällt auch daß ich davon we i ß . In der Phänomenologie ist nicht nur abgehandelt das Bewußtseyn , sondern] Wl : dadurch unterscheidet sich] 10–761,5 etwa in … u n m i t t e l b a r e ] ErWl : [sofern er in das Bewußtseyn fällt . / Zuerst haben wir] Wl : daß der im Bewußtsein vorhandne Widerpruch da z . B . in der Sittlichkeit aufgelöst ist . aber in diese höhere Region fällt auch , daß ich davon weiß . – Aber all dieser Inhalt fällt auch in die Form des Bewußtseins . – Jenes , Sittlichkeit p kommt in mein Bewußtsein ; ich habe es dann zu dem Meinigen zu machen , es in mein dasein zu setzen . – In der Fänomenologie ist nicht nur das Bewußtsein abgehandelt , sondern auch der weitre Gehalt des Geistes , insofern er ins Bewußtsein kommt . – / | a) D a s B e w u ß t s e i n , a l s s o l c h e s . / Das Erste , was wir zu betrachten haben , ist] das Bewußtseyn als [solches zu betrachten .] Wl : solches . –] der Begriff ist das Ganze , das [Allgemeine] Wl :

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3 d . h .] Lesart unsicher 14–16 Indem der … bewußt , bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande ; 35 folgt im Text gestr : d Gist indem er über diß Verhältniß des Bewußtseins hinausgeht hat di Bestht von Recht , Relig p zu geben 21 unsittlich] folgt gestr : straft das Gesetz , doch es ist 21–23 und 40 bestraft … ist1 bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande 23 Das] daß 27 daß es … meiner . bei Wl mit Verweiszeichen am unteren Rande 32 aber in … weiß . – mit Verweiszeichen am unteren Rande 30M Bamberg 1807Er von anderer Hand

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1 . , Da s b e w u ßt s e i n a l s s olche s .

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der begriff ist das Einfache , mit dem fangen wir an ; in der Methode setzt sich das Allgemeine selbst dazu herab , Eins , das Erste zu sein . Es ist unmittelbar und damit sinnliches bewußtsein , das das erste in seinem begriff ist . 1 . , d a s s i n n l i c h e u n m it t e l ba r e b e w u ßt s e i n 2 . Da s w a h r n e h m e n d e b e w u ßt s e i n 3 . Das B e w u ßt s e i n a l s Ve r s t a n d a . d a s s i n n l i c h e u n m it t e l ba r e b e w u ßt s e i n das Allgemeine abstract ist Unmittelbarkeit , einfache beziehung auf sich selbst ; das concrete Allgemeine ist das Sichzusammenschließen durch die besonderheit mit sich selbst . Das ist die Weise des Anfangs in der Wissenschaft ; ein wichtiger Punkt , den man nicht so gleich faßt . Die Unmittelbarkeit ist nun : Den Gegenstand unmittelbar d . h . als seienden Gegenstand vor sich zu haben ; das Sein ist ein Ding ein Einzelnes für sich Seiendes , das ist das sinnliche bewußtsein , das Wissen von einem Gegenstand , so daß ich unmittelbar auf diesen Gegenstand bezogen bin ; das ist die Gewißheit des Wissens . Nun fragt sich welche bestimmungen enthält das bewußtsein als solches in sich : Allgemeine , welches überall durchgeht . Es ist das Allgemeine ,] und dieses setzt sich selbst dazu herab nur eine der beiden Seiten zu seyn , selbst ein Abstractum , nur ein Besonderes . [das Bewußtseyn im Allgemeinen ist 1 . das unmittelbare | sinnliche] Wl : Es ist ein Allgemeines , – durch Unmittelbares , somit Sinnliches . – Daher 3 Stufen : 1 .) sinnliches] 7–12 a . d a s s i n n l i c h e … Den] Wl : 1 .) Das Bewußtsein ist zunächst das u n m i t t e l b a r e , seine Beziehung auf den Gegenstand daher die einfache , unmittelbare Gewißheit desselben . das Bewußtsein ist das Allgemeine in seiner nur einfachen Beziehung auf sich selbst , unmittelbar . – das konkrete Allgemeine ist dieß , durch die Besonderheit in der Einzelnheit sich mit sich selbst zu vermitteln . Die Allgemeinheit ganz abstrakt , ist Unmittelbarkeit . so ist das Bewußtsein unmittelbares , sinnliches Bewußtseyn . Das ist die Weise des Anfangs in der Wissenschaft überhaupt , – ein schwerer Punkt . – das unmittelbare Bewußtsein ist dieß : den 7–8 a . d a s s i n n l i c h e … einfache] Er : Bewußtseyn ist das Allgemeine aber noch ganz abstract , das Allgemeine in seiner einfachen 8 selbst ;] Er : selbst , unmittelbar . 9–12 das Sich zusammenschließen … Den] Er : dies durch die Besonderheit in der Einzelheit sich mit sich selbst zu vermitteln , die Allgemeinheit abstract ist Unmittelbarkeit , so ist das Bewußtseyn unmittelbares , sinnliches Bewußtseyn . Dies unmittelbare Bewußtseyn ist dies , den 12–14 unmittelbar d . h . … ist] ErWl : vor sich zu [ haben selbst unmittelbar , als seyenden Gegenstand ,] Wl : haben , als unmittelbaren , als s e i e n d e n und in sich reflektirten , – näher : als ein] ding , als für sich seyenden [einzelnen Gegenstand und dies ists was wir] Wl : un mittelbar e i n z e l n e n Gegenstand überhaupt . – Das ist] 14 bewußtsein , das] ErWl : [ Bewußtseyn heißen] Wl : Bewußtsein] , das unmittelbare 15–762,3 das ist … reflectirt ;] ErWl : er [ist] Wl : ist so gewiß als ich bin ,] identisch in mir , sein Inhalt in mich gesetzt . [ Das] Wl : Diese Unmittelbarkeit ist es . (»Das Bewußtseyn als Verhältniß enthält nur

12 seienden] seiendr 14–15 daß ich … bin ; bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 17–19 und dieses … Allgemeines, – bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 22–24 das Bewußtsein 35 … vermitteln . mit Einfügungszeichen am rechten Rande 25 so ist … Bewußtseyn . mit Verweiszeichen 40 am rechten Rande

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es enthält die bestimmung ; daß der Gegenstand da ist und das Ich das abstracte , und weil es so abstract ist , ist auch sein Gegenstand so und ist einzeln – und in sich selbst reflectirt ; er ist ein andres als ich bin , ist für sich selbst , ein unmittelbar einzelner . dies : Ich und die beziehung meiner auf das andre ist die bestimmung dieses unmittelbaren bewußtseins . Aber das sinn liche bewußtsein was wir so in der Vorstellung haben , sieht ganz anders aus . Danach ist das sinnliche bewußtsein das aller reichste ; wir sind mit allen äußern und innern Sinnen offen ; es ist darin so viel Reichthum als die äußre Welt ; wir haben ein großes Gemälde vor uns von Sehn Fühlen etc . dieser Reichthum und diese Ar muth contrastiren so gegen einander . Wir haben es aber schon gesagt : dieser Reichthum ist nichts andres als das , daß die Seele in dem sie Ich ist , sich selbst ausschließt . Zur Seele gehört die Totalität des Empfindens ; Ich bin es nun , der die Seele von mir abscheidet , nämlich alles was zur Empfindung gehört . Ein Inhalt des Empfindens , den wir so ausgeschlossen haben ist ein solcher , von dem wir sagen : e r i s t . Wir haben von dem Allen in der

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die dem abstrakten Ich oder formellen denken angehörigen Kategorien , die ihm Bestimmungen des Objekts sind .«) das] Bewußtseyn enthält nur diese Bestimmung daß der Gegenstand ist das Negative meiner [selbst . das Bewußtseyn ist dies Ur theil . Ich , das Subject ist dieses Abstractum und darum ist auch sein Gegenstand so abstract , einzeln als in sich reflectirt ;] Wl : selbst , – ist dieß absolute Ur theil , Ich und ein Andres . das Subjekt Ich ist dieß Abstraktum , – daher weiß es auch von seinem Objekt , seinem Gegenstande nur als von einem S e i e n d e n , E t w a s , e x i s t i r e n d e m D i n g e , E i n z e l n e m , A b s t r a k t u m , der i n s i c h r e f l e k t i r t , der f ü r s i c h ist ;] 3–6 ein andres … ist] ErWl : d . h . er ist nicht nur in Beziehung auf mich sondern auch auf sich selbst , er ist nicht nur für Andres , ist für sich oder ist ein Einzelnes . der Gegenstand hat keine andre Bestimmung als daß er i s t . [die] Wl : Einzelnheit ist zwar Moment des Begriffs , aber auch die Unmittelbarkeit . die] Einzelheit ist dasselbe was Ich bin , die Subjectivität aber als das Negative [meiner .] Wl : meiner . Ich und diese Beziehung meiner auf den Gegenstand , das enthält das Bewußtsein . – dieß haben wir das s i n n l i c h e B e w u ß t s e i n genannt . Was man gewöhnlich so nennt , sieht ganz anders aus . Unsres ist das allerärmste , ein bloß negatives Meinen ;] 6 sinnliche bewußtsein] Wl : andere 6–9 das aller … etc .] ErWl : ist das Allerreichste , [mit allen Sinnen sind wir offen , in jedem Augenblicke] Wl : in jedem Augenblick sind wir mit allen Sinnen offen :] haben wir ein ganzes großes Gemälde vor [uns .] Wl : uns , es ist also reich , wie die äußerliche Welt .] 9–10 contrastiren so … gesagt :] ErWl : der Bestimmtheit , die | das Bewußtseyn ist , contrastiren mit [einander .] Wl : einander so sehr . – Näher ist das Verhältniß zwischen beiden schon gesagt :] 10 nichts andres … das ,] Wl : das , 11 ist] ErWl : wird 12–763,2 des Empfindens ; … werden .] ErWl : aller der Bestimmungen die dem Empfi nden der Seele angehören . [ Dieser Inhalt ist ausgeschlossen , wir haben ihn hinausgeworfen , diesen ganzen Inhalt der Empfi ndung ;] Wl : Ich bin es jetzt , der die Seele von mir abscheidet , das , was dem Empfi nden angehört . – Es ist der Inhalt des Empfi ndens , den wir jetzt

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16–18 enthält nur … selbst , – bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 22–24 ist nicht … i s t . bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 25–26 die Einzelheit … meiner . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 30–31 haben wir … uns , bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 32 40 der Bestimmtheit , … ist , bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 34–35 aller der … dem bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande

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Anthropologie gesprochen von Sehen , Fühlen etc . Im Sehen liegt das schon : daß die Gegenstände draußen sind die gesehen werden . die Kantische Kritik der reinen Vernunft hat den Geist als bewußtsein aufgefaßt und hat es nur eigentlich mit der Phänomenologie zu thun , nicht mit der Philosophie des Geistes . das Kantische fängt gleich damit an : In unsrem bewußtsein finden wir 2erlei Stoff : E m p f i n d u n g , d a s Subj e c t ive | und e i n O bje c t ive s . daraus hat man gemacht : Ph ä no m e n a und No ou me n a . – Dieser Reichthum gehört nun also der Seele an ; der andre Inhalt ist aber andrer Art ; der hat die bestimmung daß es i s t : das ist reine Abstraction ; dann die Kategorien von Ursache und Wirkung etc . und das sind die objectiven bestimmungen .

ausschlossen , wir sind und haben jenen ganzen Inhalt hinausgeworfen .] Ich ist dieses Reine freie und hat diesen Inhalt abgeschieden von [sich .] Wl : sich . – Seele ist dieß Empfi ndungslose , wo die subjektive Affektion ausgeschlossen ist . Die Gegenstände sind hinausverlegt .] Ich ist aus schließend und was es aus schließt ist seine unmittelbare Natürlichkeit , seine Seele und die Bestimmungen dieser unmittelbaren Natürlichkeit . 2–3 der reinen … aufgefaßt] ErWl : [ hat] Wl : fängt damit an , hat] den Geist als Bewußtseyn aufgefaßt , 3–4 eigentlich mit … Phänomenologie] ErWl : mit [den Phänomenen] Wl : Bestimmungen der Fänomenologie] 4–8 Geistes . das … andre] ErWl : [ G e i s t e s ,] Wl : Geistes selbst ;] nur mit Betrachtung des erscheinenden Geistes . Kant fängt damit an : in unserm [ Bewußtseyn haben wir 2erlei das der Empfindung angehörige (Subjective) und das Objective – Unterschied] Wl : Bewußtsein , – »In der Seele ist 2erlei Stoff , der der Empfindung angehörige und subjektiver , und objektiver ;« – daher der Unterschied auch] von ϕαινομενα und νουμενα . Meine Empfindung [z . B . der Härte ist] Wl : ist] subjective Affection aber der Beginn der Befreiung ist daß ich , dieses hinausgeworfen , [sage :] Wl : von der Härte z .B . sage] das i s t hart etwas Hartes . [der] Wl : Sehen p ist Gefühlsbestimmung , und diese Bestimmungen machen den Gefühlsinhalt aus . – davon haben wir uns befreit . Härte z . B . ist hinausgeworfen , ist zu einem Seienden gemacht als Hartes , – das ist der erste Theil des Inhalts des sinnlichen Bewußtseins . Der] eine Inhalt dieses Reichthums gehört der Seele an , der andre 8–765,3 ist aber … Logik . –] ErWl : [sind] Wl : aber sind] Bestimmungen andrer Art ; dahin gehören die Bestimmungen [Seyn ,] Wl : der reinen Abstraktzion : Seyn ,] Einzelheit , Ursache und Wirkung pp [diese] Wl : das sind weitre Bestimmungen dieses Gegenstandes , und diese] Bestimmungen heißen die objectiven Bestimmungen . [der] Wl : (»das sinnliche Bewußtsein als das reichste an Inhalt erscheinend , ist das ärmste an Gedanken : jene reiche Erfüllung machen die Empfi ndungsbestimmungen aus .«) der] Reichthum des sinnlichen [ Bewußtseyns] Wl : Empfi ndens und Bewußtseyns] ist Reichthum der Empfi ndung ist aber [am ärmsten] Wl : das Ärmste] an Gedankenbestimmungen , weil Ich in seinem unmittelbaren Bewußtseyn eben noch abstract ist . [das] Wl : die Armuth unsres sinnlichen Bewußtseins ist der Reichthum an

11–12 Ich ist … sich . – bei Wl am rechten Rande 16 hat den … aufgefaßt , bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 18–20 nur mit … Bewußtsein , – bei Wl mit Einfügungszeichen am rechten Rande 35 20–21 der der … angehörige mit Einfügungszeichen über der Zeile 22–23 Meine Empfindung … Hartes . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 22 z . B . der Härte mit Verweiszeichen am linken 25–26 als Hartes über der Zeile mit Einfügungszeichen 26–27 Inhalt dieses … andre bei Wl 40 Rande am rechten Rande 30 und diese … Bestimmungen . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 33 Reichthum der … aber bei Wl mit Einfügungszeichen über der Zeile 34–35 weil Ich … ist . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande

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131Er Philosophie des GeistesEr 104 Wl

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Eine nähere bestimmung des Seienden ist , daß das Seiende da ist , ein Ding in sich reflectirt , ein für sich Seiendes , ein Etwas , ein Einzelnes . Im logischen ist Sein , Dasein Ding Einzelheit auseinanderzuhalten ; hier nicht ; hier ist es so dieser ganze Knoten dieser bestimmungen . der Gegenstand ist also ein e i n z e l n e r : Das ist der erste Verstand des Gegenständlichen , des Nooumen , daß es ein ding für sich selber ist . Alles Übrige (Reichthum) gehört der Empfindung an .

Gedankenbestimmungen . Das] Bewußtseyn weiß nicht daß der Gegenstand die Bestimmungen die er hat , als Noumen hat , nur hat durch | mich , in Beziehung auf mich , das gewöhnliche Bewußtseyn weiß nicht davon daß Ich das Bestimmende bin . [der Gegenstand des gewöhnlichen Bewußtseyns ist] Wl : Im gewöhnlichen Bewußtseyn haben wir nur den Gegenstand überhaupt vor uns , |] nicht das Bewußtseyn selbst , [die] Wl : d . h . nicht die] Beziehung des Ich auf den [Gegenstand , sondern nur] Wl : Gegenstand . Er bezieht sich darauf ; aber Gegenstand ist nicht die Beziehung , sondern] der Gegenstand als [solcher .] Wl : solcher ; unser Gegenstand wiederum dieser nicht . –] / die erste Stufe [ist das Bewußtseyn überhaupt . dieses enthält zu Stufen 1 . das unmittelbare] Wl : des Bewußtseyns überhaupt , enthält das s i n n l i c h e ] Bewußtseyn , da beziehe ich mich auf Seyendes , [ Ich weiß vom Seyenden ,] Wl : weiß davon ,] Ich bin das Wissen , das i s t und dieses Wissen ist noch umgeben mit [diesen] Wl : der Mannigfaltigkeit der Empfi ndung , mit diesen] äußerlichen oder innerlichen Bestimmungen des Empfi ndens . [der Gegenstand ist ein Unmittelbares Seyendes ,] Wl : Ich ist die einfache Bestimmung dieses Inhalts . Denn nur dieß ist meine Beziehung auf den Gegenstand . Der Gegenstand ist ein Seiendes , unmittelbares ,] er ist in seiner ersten Bestimmung noch nicht das Ganze sondern nur [das einfache] Wl : zunächst das Einfache ,] Unmittelbare , nur eine Seite [des Bewußtseyns , das] Wl : im Bewußtsein . Das] Ganze ist das Bewußtseyn , Ich in Beziehung auf den Gegenstand . Näher ist [dann dieser ein Seyendes , daseyendes , ein ding , einzeln .] Wl : dieser Seiende , ein daseiender , einzelner – aber selbständig , außer mir .] der Gegenstand [enthält] Wl : erhält] die Bestimmung daß er ein für sich seyender , in sich reflectirter ist , das Seyn als in sich reflectirt ist Etwas , ding oder Einzelnes . Hier ist das was uns gegenübersteht dieser ganze Knoten der logisch unterschiednen Bestimmungen [ Es ist] Wl : Im logischen haben wir diese Formen auseinanderzuhalten ; hier nicht so . Der Gegenstand ist so ein] Etwas , Für sich seyendes , ding , Einzelnes . [Aller andre] Wl : Das ist der erste Verstand des Gegenständlichen , daß es ist ; – aller andrer] Reichthum [gehört theils an unsern weitern Bestimmungen des Gedankens ,] Wl : im Inhalt des Bewußtseins gehört theils weiteren Gedankenbestimmungen an ,] theils der Mannigfaltigkeit der Empfi ndung . Was wir hier zu betrachten haben ist aber diese [Grundbestimmung und die] Wl : Gedankenbestimmungen und deren] weitere Fortbewegung . [die] Wl : Darüber sind wir kurz : (die] Fortbewegung dieser [ Kategorie haben wir kurz durchzugehn .] Wl : Kategorien etc . gehört der Logik als solcher an) .]

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7–9 Das Bewußtseyn … bin . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 13 nicht . –] folgt gestr : »Die räumliche u zeitliche Einzelnheit , H i e r u J e t z t , wie ich in der Fänomenologie des Geistes S . 25 p den Gegenstand des sinnlichen Bewußtseins bestimmt habe , gehört eigentlich dem Anschauen an . – 17–18 mit diesen … Empfi ndens . bei Wl am linken Rande 20 un mittelbares , er 35 … nicht bei Wl am linken Rande 22–23 Das Ganze … Gegenstand . bei Wl mit Verweiszeichen am 40 linken Rande 24–25 der Gegenstand … ist , bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 26–27 Hier ist … Bestimmungen bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande 28 Etwas , Für … ding , bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen 31 der Mannigfaltigkeit bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen

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Wir haben es also mit den G e d a n ke n b e s t i m mu n g e n u n d d e r e n we it e re r F or t b e we g u n g zu thun . Damit können wir kurz sein ; es gehört sonst in die Logik . – Der Gegenstand ist also ein e i n z e l n e r überhaupt ; in unserer Anschauung heißt er auch h ie r und it z t . (die sinnlichen Gegenstände nennt man gewöhnlich die , welche durch die Sinne für uns Sinn) da fragt sich nun nicht nach dem Sittlichen sondern es fragt sich welche bestimmung haben die Gegenstände , die wir sinnlich nennen ; und diese ist unmittelbare Einzelheit ; die Formen dieser Einzelheit sind die des R a u m s und d e r Z e it , die wir aber erst bei der A n s c h a uu n g zu betrachten haben . c f . E n d e d e r A n m e r k u n g : Das Object ist hier nämlich nur in beziehung auf das Ich zu nehmen , als ein dem Ich äußerliches . Wenn der Gegenstand aber schon gefaßt wurde als im Raum ausgedehnter und in der Zeit fortdauernder , so wird er genommen als etwas , was an ihm selber räumlich zeitlich ist ; es hat hier aber immer noch die bestimmung , daß er i s t . d a s R ä u m l i c h e i s t n ä m l i c h d a s daß e s e i n a n i h m s e l b s t ä u ß e r l i c h e s ist – Raum ist das außer sich sein des Gegenstandes selbst ; roth z . b . i s t , im Raum , es ist an ihm selbst ein außer einander – ebenso mit der Zeit , es ist auch ein Außereinander ; aber nicht neben sich ; das Sein ist hier immer gebunden an die bestimmung des 3 also ein … überhaupt ;] ErWl : ein [ Einzelner .] Wl : E i n z e l n e s überhaupt ; – (»die räumliche und

20 zeitliche Einzelheit , H i e r und J e t z t , (wie ich in der Fänomenologie des Geistes pag 25p den 20 Gegen stand bezeichnet habe ,) gehört eigentlich dem Anschauen an .«)]

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4 er] Er : dies Einzelne Wl : es 4–6 (die sinnlichen … welche] ErWl : Sinnliche Gegenstände sind solche die durch [unsre] Wl : die] Sinne für uns sind . Welche 6–7 die Gegenstände , … ist] ErWl : [solche Gegenstände ? ] Wl : diese Gegenstände , was sind sie ? –] die Bestimmung des Sinnlichen ist über|haupt 7 Einzelheit ;] Wl : Einzelnheit , Vielheit . 8–10 die wir … Ich] ErWl : [das] Wl : Diese gehören aber dem Anschaun an (wo sie vorkommen) . – Bei Jetzt und Hier ist das] Object , der [Gegenstand ist hier] Wl : Gegenstand] nur 10–12 Ich äußerliches . … wird ] Wl : Ich , dem Bewußtsein ä u ß e r l i c h e r . Er i s t , das ist die nächste Bestimmung . Wird der Gegenstand aber als in Raum und Zeit vorhanden genommen , so ist 10–13 äußerliches . Wenn … bestimmung ,] Er : Aeußerliches , der Gegenstand ist auch ein sich selbst Aeußerlicher . die nächste Bestimmung des Gegenstandes ist 12–14 etwas , was … ist –] Wl : Objekt , welches an sich äußerlich ist . – diese Freiheit des Gegenstandes an ihm selbst die Totalität zu seyn , für sich zu seyn , gewinnt er erst , indem er sich zum Geiste selbst verhält , sich zur höhern Freiheit des Geistes selbst erhebt . – Hier ist er nun ein an ihm selbst Äußerliches : denn der 13–14 d a s R ä u m l i c h e … ist –] Er : diese Freiheit des Gegenstandes , für sich zu seyn an ihm selbst diese Totalität zu seyn , gewinnt er erst indem er sich zum Geiste verhält . 15–766,9 außer sich … selbst ;] ErWl : [Außersichseyn] Wl : sich selbst äußerliche Seyn , das Außersichseyn] des Gegenstandes an ihm [selber .] Wl : selbst , so daß eine unendliche Mannigfaltigkeit , und jede davon als selbständig gesetzt ist . –] Was in der Zeit ist , ist [das] Wl : außereinander , das] Außersichseyn , aber nicht ruhig , sondern sein Seyn ist wesentlich verknüpft mit der Bestimmung des Nichtseyns . 6 Sittlichen] vermutlich zu lesen : Sinnlichen 13–14 d a s R ä u m l i c h e … ist 2 ] durch senkrechten Strich 30–31 an ihm … zu1 am linken Rande 31–32 Geiste selbst … zur am linken Rande 35–36 das Äußerlichseyn … selbst , bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen 37–38 das Außersichseyn , … Nichtseyns . bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande

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Nichtseins ; die Zeit ist das außer sich kommen ; der Augenblick der itzt ist , ist dadurch , daß der vorhergehende Augenblick vergangen ist ; aber er ist itzt auch nicht mehr . – § 419 ) Das Ding , das Etwas ist nun das vorhanden seiende , aber ein sich Veränderndes ; es hat e i n e Negation an ihm , d . h . seine Negation an ihm , das ist seine Endlichkeit . Die beschränktheit omnis determinatio est negatio S pi no z a . Wir erfahren dies es ist für unser bewußtsein , daß sich alles verändert ; aber das Logische daran , die Thätigkeit des Ich ist nicht für unser bewußtsein . Also | das Etwas als Ding genommen hat Eigenschaften , diese sind verschieden vom Ding selbst ; das Ding ist das Einfache in sich Seiende und ist verschieden von den Verschiedenheiten , die wir Eigenschaften nennen . So hat das Einzelne in der Sphäre des begriffs : Prädikate z . b . die Rose ist roth aber Rose ist verschieden von roth . diese Eigenschaften oder Prädikate , was sich verändert , ist der sinnliche Stoff , was der Empfindung angehört , welche in diesen Formen gesetzt wird . – dieses Einzelne der Sinnlichkeit ist nun so ein b r e it e s , was Qualitäten , Eigenschaften etc . hat ; der sinnliche Stoff ist diesen Kategorien , diesem Denken unterworfen ; dieser Empfindungsinhalt ist aufgehoben , (die Unmittelbarkeit der Seele hat nämlich noch die

[diese Form des Sinn lichen gehört] Wl : Das Seyn beginnt durch das Nichtseyn des Andern , und dieses Seyn ist gleichfalls gebunden an die Bestimmung des Nichtseins . z . B . dieser Augenblick ist nur durch die Vergangenheit des vorigen . – diese Formen der Sinnlichkeit gehören] näher der Anschauung an . [ Was] Wl : aber darum ist das Sinnliche nicht haltbarer . – / Alles , was] vorhanden ist in der Welt das i s t aber es ist nicht ein Bleibendes , sondern [verändert sich , wird ein Anderes . das] Wl : wird ein andres , verändert sich . Diese Überzeugung haben wir überhaupt . Wie das logisch zusammenhängt , gehört nicht hieher . – | (Omnis determinatio negatio est .) – Dann sagen wir , wir erfahren , daß alle dinge sich verändern , es ist für unser Bewußtsein ; (aber das Logische daran ist nicht für das Bewußtsein) . – (das S i n n l i c h e , als Etwas , wird ein A n d r e s ; die Reflexion des E t w a s in sich , das] ding hat viele Eigenschaften , [das Anders seyn an ihm selbst erscheint so als seine Eigenschaft .] Wl : (diese sind eben sein Andersseyn , obschon sie dem dinge angehören .) – und das Einzelne in seiner Unmittelbarkeit hat m a n n i g f a l t i g e P r ä d i k a t e . –] 9 ist das Einfache] Wl : aber ist das einfach 9–10 und ist … nennen .] Wl : verschieden von seinen Prädikaten . (Prädikate sind eben Eigenschaften , aber in der Sfäre des Begriffs .) – diesen Eigenschaften , 10–12 So hat … ist] ErWl : das unmittelbare Einzelne (nicht als Subject) hat seine Unterschiede an ihm selbst , diese Unterschiede , Eigenschaften , [ Inhalt –] Wl : Inhalt davon] sind 12–13 was der … Formen] ErWl : der der Empfi ndung angehört , der Inhalt der Empfi ndung der in diese [ Form] Wl : Formen] 13 wird ] Wl : ist 13–767,5 dieses Einzelne … im] ErWl : denn die Empfi ndungen [sind] Wl : sind nur Beziehungsweisen für die Kategorie , für das Seyn , sind] nichts Anderes als die Beziehungen des sinnlichen Stoffs aufs Ich . die Empfi ndungsbestimmungen sind nun im Ich selbst gesetzt . [denn das] Wl : »das v i e l e E i n z e l n e der Sinnlichkeit wird daher ein B r e i t e s , – eine Mannigfaltigkeit von B e z i e h u n g e n , R e f l e x i o n s b e s t i m m u n g e n und A l l g e m e i n h e i t e n . – dieß sind logische Bestimmungen , durch das denkende , d . i . hier durch das Ich gesetzt .« Es sind

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20–22 vorhanden ist … andres , bei Wl über der Zeile mit Einfügungszeichen 31–32 unmittelbare 40 Einzelne … Eigenschaften , bei Wl am rechten Rande 33 der der … Empfi ndung 2 bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande 35–37 sind nichts … gesetzt . bei Wl mit Verweiszeichen am rechten Rande

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Empfindung) dadurch daß Ich sich bestimmt hat ; so erscheint dieser Inhalt in den Explicationen des Sinnlichen , das etwas , ein Ding ist ; diese bestimmungen sind ; die Eigenschaften und Prädicate werden aber in das Verhältniß gesetzt : abhängig von dem Ding zu sein . Die Dingheit ist nur das selbst bestehende ; die Eigenschaften sind nur an ihm . In dieser bestimmung liegt nun , daß wir im sinnlichen bewußtsein gleich über die bloße Unmittelbarkeit hinausgehn . Denn z . b . ein Ding kann man gar nicht sinnlich betrachten , man kann es ihm nicht in die Hand geben ; seine Qualität roth seine Eigenschaften ; aber das Ding selbst ist Kategorie des Gedankens ; darum gibts auch für das Thier kein Etwas , kein Ding . Das Hinausgehn über diese Unmittelbarkeit , die Reflexion ist dann auch sogleich der Inhalt dessen , was wir vor uns haben ; es sind immer nur die Empfindungsbestimmungen , die wir vor uns haben ; sagen wir , wir haben einen Gegenstand , ein Ding vor uns , so ist das schon hinaus über das Sinnliche ; das Harte , die Farbe

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dinge , sie haben Eigenschaften , es ist ein sinnlicher Stoff dabei , und er ist unterworfen dem denken ;] 15 Ich hat sich [von seiner Unmittelbarkeit , seinem Empfi ndungsprädicat befreit . Im] Wl : befreit von

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dieser Unmittelbarkeit des Empfi ndungsinhalts von seinen Empfi ndungsprädikaten . Die Seele , wie sie sich zum Ich bestimmt hat , hat den Stoff g e s e t z t als aufgehobenen , gegen Ich nicht geltenden . So erscheint er in der Explikazion des Sinnlichen . – Die Prädikate kommen in das Verhältniß , Eigen schaften a n dem ding zu seyn ; das Selbständige ist das ding . So bestimmt sich der Gegenstand des Bewußtseyns auf diese nothwendige Weise . In dieser Bestimmung liegt dieß , daß wir sogleich über die bloße Unmittelbarkeit , über das Sinnliche , im] 5–9 gleich über … Thier] ErWl : [sind wir sogleich auch schon über das Sinnliche hinaus , denn wenn wir sagen , wir haben] Wl : hinausgehen . – Dann haben wir] ein ding vor uns , [ Etwas ,] Wl : ein Etwas , so ist es nicht mehr ein Sinnliches ,] so sind das Gedankenbestimmungen , die Qualitäten des Etwas kann man vor Augen bringen aber das Etwas [selbst nicht . Für die Thiere gibt es] Wl : selbst , das ding kann man nicht z e i g e n . Insofern giebt’s für’s Thier kein ding ,] 9 kein Ding .] ErWl : [ding , Einzelnes .] Wl : Einzelnes denn das sind Bestimmungen des denkens .] die Empfi ndungsbestimmung ist für mich d . h . daß ich | dem Sinnlichen dieses anthue , [meine Bestimmungen in es hineinzusetzen , die Bestimmungen des abstracten Ich .] Wl : die Gedankenbestimmungen , meine Bestimmungen , die Bestimmungen des abstrakten Ich in es hineinzusetzen .] 10–11 Das Hinausgehn … haben ;] Wl : So ist das Sinnliche in mich gesetzt , mir zurecht gemacht , erhält die Natur von mir . – So sind wir im Sinnlichen unmittelbar über das Sinnliche , das Unmittelbare , hinaus , weil wir Ich sind , und diese Reflexion , dieß Hinausgehen ist zugleich auch der Inhalt dessen , was wir vor uns haben . die Bestimmung der Reflexion ist dann als Bestimmung des Gegenstandes des Bewußtseins für uns . – (die Empfi ndungsbestimmungen sind sinnlich vor uns ; sage ich davon : es ist ding , Etwas p so bin ich schon drüber hinaus .) 10 diese Unmittelbarkeit ,] Er : das Unmittelbare , 11–768,3 es sind … sein] ErWl : wir sind so reflectirt und der Gegenstand des Bewußtseyns ist eben so ein reflectirtes – ein Breites . das ist nicht mehr Unmittelbarkeit sondern Beziehung Vermittlung , die sinnliche 16 von seinen Empfi ndungsprädikaten . über der Zeile mit Einfügungszeichen 21 über das Sinnliche , 24–25 so sind … das2 bei Wl am rechten Rande mit Einfügungszeichen 29–30 meine Bestimmungen , … es am rechten Rande mit Einfügungszeichen 32 das Unmittelbare , am rechten Rande

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§ 420Er § 420Wl

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ist eine Eigenschaft ist aber nicht sich selbst eigen , sondern nur dem Ding das sind nicht mehr Unmittelbarkeiten , sondern beziehungen Vermittelungen ; das Sinnliche ist gesetzt : zu sein vermittelst des Dings , das Ding zu seinem Träger zu haben , also nicht mehr selbst unmittelbar , das Ding ist es dann auch nicht mehr , sondern eigentlich die Seele . Also die bestimmungen sind : 1 , s e i e n d e t w a s , 2 . Ve r m it t lu n g b e z i e hu n g , daß nämlich die sinnlichen bestimmungen ihren Halt haben an den Dingen ; so haben wir nun die erste Unmittelbarkeit nicht mehr , mit der das unmittelbare bewußtsein anfängt , sondern nun haben wir die Verhältnisse , worin 2 Seiten sind , die aber von ungleichem Werth sind . das bewußtsein hat nun einen andren Gegenstand und dies bewußtsein heißen wir : b . Wa h r ne h me n . Es fragt sich , ob die Vorstellung die wir im gewöhnlichen Leben vom Wahrnehmen haben diesem begriff entspricht . Es heißt : Den Gegenstand nach seiner Wahrheit nehmen , nicht bloß rein unmittelbares sinnliches Wissen ; das entspricht allerdings unserer bestimmung | Wir gehn hier von der Erfahrung aus ; daß wenn man wissen will , wie die Dinge wirklich sind , man sie nicht in ihrer Unmittelbarkeit nehmen muß , sondern in so fern , als sie vermittelte sind reflectirte , d . h . daß sie u n t e r s c h i e d e n e bestimmungen haben und daß diese e i n Ve r h ä lt n i ß z u einander haben ; dadurch ist die eine bestimmung schon ver mittelst der andern ; und daß dann die eine bestimmung ist : die bestimmung

Bestimmtheit ist gesetzt , nicht für sich selbst zu seyn sondern dem ding angehörig zu seyn , 3 Dings ,] ErWl : dings Halt , 4–7 also nicht … nämlich] ErWl : das ding ist eben so kein Unmittelbares sondern vermittelt durch Ich , daß Ich mich darauf beziehe / die erste Bestimmung ist Seyendes , Etwas , aber dieses | Seyende als Verhältniß , da ist was durchs Andre , da haben wir Vermittlung , Beziehung , daß 7 ihren Halt … Dingen ;] ErWl : nicht für sich selbst sind , sondern vermittelst eines Anderen , am Ding ihr Subject haben . 8–9 nun die … Verhältnisse ,] ErWl : Verhältniß vor uns , Vermittlung , (nicht mehr das Unmittelbare) 10 aber von … sind .] ErWl : eine ist die wesentliche und die andere hat ihr Seyn nur vermittelst der Anderen , diese letztere gehört der Empfi ndung an . 10–15 hat nun … hier] ErWl : in dem es diesen Gegenstand hat ist hier Wahrnehmen genannt . das Bewußtseyn hat sich verändert die Frage ist ob das Gewordene Wahrnehmung heiße . [dieses heißt : sich mit einem Gegenstande bemühen ,] Wl : Wahrnehmen heißt das Bewußtseyn , das über die Sinnlichkeit hinausgegangen ist , und sich um einen Gegenstand bemüht ,] das Wa h r e [desselben] Wl : desselben , ihn in seiner Wa h r h e i t zu] n e h m e n , nicht bloß ihn als ein Sinnliches Unmittelbares [wissen .] Wl : zu wissen , sondern als in sich vermittelten und in sich reflektirten . ] / § 420 .21 . Bei der Wahrnehmung gehn wir 16–18 wissen will , … sie] ErWl : den Gegenstand im Bewußtseyn haben will wie er in der That ist , man nicht | bei dem Unmittelbaren des Bewußtseyns stehn bleiben müsse , sondern die Gegenstände nehmen wie sie vermittelt sind und reflectirt in sich . Der Gegenstand als reflectirt in sich ist , daß 1 . 18–19 haben und … e i n ] ErWl : sind , die 2 . in Beziehung stehn , 19–769,1 dadurch ist … d e r ] ErWl : dann ist die Unmittelbarkeit verschwunden , indem sie in Beziehung stehn bedarf eins des andern , die e i n e Bestimmung ist 5 Seele] Lesart unsicher

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d e r R e f le x ion i n s ich s e l b e r , und dann die bestimmung d a s Re f le c t i r t s e i n i n A nd re s ; das Subject ist in sich reflectirt , das Ding hat aber seine Reflexion in sich an einem andren . Die Wahrnehmung ist nun so eine Verbindung von 2erlei Arten von bestimmungen , von s i n n l i c h e n Empfindungen , Stoff und vo n G e d a n ke n b e s t i m mu n g e n . das bewußtsein ist nicht mehr das , daß etwas ist , sondern daß es gewiß ist , so und so . – Ich habe eine bemerkung über diese Stufen zur Kantischen Philosophie gemacht . die Kantische Philosophie hat bestimmt die Thätigkeit im bewußtsein zum Gegenstand , nicht den Geist an und für sich ; sie sucht in Objecten zuerst das abzuscheiden , was sinnlich ist , und da sind dann übrig die Kategorien , deren Grundbestimmungen wir gesehen haben : diese bestimmungen sagt sie gehören dem Ich dem Denken an , in sofern heißt sie Idealismus und ist als solche der lockischen Philosophie entgegen gesetzt ; über diesen Idealismus walten aber viele Mißverständnisse ob . Man sagt die Kantische Philosophie oder die Philosophie überhaupt behauptet : daß die Gegenstände nicht selber seien , sondern daß ich die Gegenstände mache , sie mir erzeuge ; das sieht wie Narrheit aus und mit Recht ; denn wir sind es nicht , die es machen , was sich um uns findet , wir sind ja unfrei in diesem Verhältniß zu diesen Gegenständen . Aber das behauptet der Idealismus nicht ; d e r e i ne T h e i l dieses Inhalts (von dem Object) gehört der Empfindung an , | ist in so fern etwas subjectives , aber nur in dem Sinn : daß dies Empfindungsbestimmtheit überhaupt ist ; diese ist in uns , aber indem wir nur als

1–2 s i c h s e l b e r , … ist] ErWl : sich , die z we i t e [in] Wl : ein] Anderes . das ding ist für sich , 2 das Ding … seine] ErWl : aber die Eigenschaft ist eine solche Bestimmtheit die ihre 3–7 andren . Die … gemacht .] ErWl : Andern hat . die Farbe z . b . ist nicht in sich reflectirte sondern in einem andern , dem ding vermittelt durch das ding , und das ding hat Selbstständigkeit . / der Inhalt der Wahrnehmung ist auf diese Weise eine Verbindung von Bestimmungen der Unmittelbarkeit , [ Empfi ndung] Wl : von sinnlichen Bestimmungen , Empfi ndung] und Gedankenbestimmungen – Etwas und die Art und Weise des Verhältnisses dieser Bestimmungen . Wir wissen daß Etwas bestimmt ist so und [so .] Wl : so . – und das Bewußtsein ist in seinem sinnlichen Verhalten hier zugleich thätige Reflexion in sich . – damit ist seine Identität mit dem Gegenstand nicht mehr die abstrakte der G e w i ß h e i t , sondern die b e s t i m m t e , ein W i s s e n . /] 7–8 bestimmt die Thätigkeit] ErWl : besonders die Thätigkeit des Ich 8–10 den Geist … haben :] ErWl : was der Geist an und für sich ist . die Kategorien bleiben dem Bewußtseyn von allem andern nur übrig . 11 sagt sie … an ,] ErWl : sollen nun dem denken , dem Ich angehören . 11 sie] ErWl : seine Philosophie 12–18 über diesen … nicht ;] ErWl : Hier walten Mißverständnisse ob . »den Gegenstand setze ich und es hängt von meinem Willen ab was ich vor mir habe« – das ist der gewöhnliche Mißverstand über den Idealimus . Jenes gibt man mit | Recht für Narrheit aus . Die Dinge fi nden sich von selbst so wie wir sie fi nden und wir sind darin unfrei . 18 dieses Inhalts … Object)] ErWl : der Objecte 19 etwas subjectives ,] ErWl : subjectiv , 20 ist 2 ] ErWl : sind 20–770,1 nur als fühlende] ErWl : nur

1–3 dann die … in durch Längsstrich am rechten Rande hervorgehoben und mit Fragezeichen versehen 40 26–28 – Etwas und … so . – bei Wl mit Verweiszeichen am linken Rande

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fühlende als Seele sind , sind diese bestimmungen unmittelbar , gegeben ; sie sind so ; die Formen der Subjectivität und Objectivität haben nichts damit zu thun . In der Empfindung also s i n d wir überhaupt so – und dieses , daß wir so auf natürliche Weise bestimmt sind , das ist diese Seite der Äußerlichkeit im Verhältniß zu unsrer Freiheit , das Feld der Unfreiheit , der äußerlichen Nothwendigkeit . d i e a n d r e S e it e i s t nun die der Kategorien , nach welcher der Gegenstand ein Nooumen ist . Gedankenverhältnisse , diese gehören allerdings uns auch an ; denn wir sind denkende ; wir beziehen uns auf den Gegenstand (wir , ich) dieses ist zugleich eine beziehung des Gegenstandes auf uns ; dieses Nichtunsere ist in uns und durch uns bestimmt ; wir sind dabei als thätig , die Thätigkeit bestimmt aber . Nun sind aber | diese bestimmungen nicht willkührlich : sondern gehören den Gegenständen des Denkens an ; es sind ebenso nothwendige bestimmungen . Diese Nothwendigkeit ist dann aber das , was wir das Objective nennen . Das a n s i c h Objective (wie Kant es auch nennt) ohne den Gegensatz zwischen Subject und Objekt . Aber diese gegebenen Dinge nun zu finden ist nicht anders möglich , als daß wir das bestimmende sind ; obgleich wie gesagt wir nicht willkührlich dabei setzen . Ich setze dieses nicht willkührlich , sondern bestimme es nothwendig . Ich bin frei bei meinen bestimmungen und es ist nothwendig . Dies ist eine wichtige Einsicht , die von der Kantischen Philosophie ausgegangen ist im Gegensatz gegen die Lockische Philosophie oder gegen die französische Idiologie ; diese hat diese Ansicht : daß wir von Außen her erst alle Gedanken bekom1 diese bestimmungen … so ;] ErWl : es unmittelbare Bestimmtheiten , wir s i n d so das ist so , das ist nicht von uns gemacht . 2 nichts damit] ErWl : da ganz und gar nichts 3–4 und dieses , … sind ,] ErWl : das ist die Seite unsres Bestimmtseyns . daß wir so bestimmt sind auf unmittelbare Weise 5 Unfreiheit , der … Nothwendigkeit .] ErWl : äußerlichen Nothwendig keit , Unfreiheit . Hier ist kein Setzen von uns 6 Kategorien] ErWl : Kategorie 7 ist . Gedankenverhältnisse , … allerdings] ErWl : ist , d . h . ein System von Gedankenbestimmungen . das sind Gedankenverhältnisse somit gehen sie 8 (wir , ich) … eine] ErWl : und dies ist 9 uns ;] ErWl : uns d . h . und ] ErWl : damit 10–11 thätig , die … diese] ErWl : [ Thätige] Wl : Thätige ;] also das sind allerdings unsre 11 nicht] ErWl : aber nicht den Gegenständen] ErWl : der Nothwendig keit 12 es sind … Diese] ErWl : Aber diese 13–14 aber das , … nennt)] ErWl : die objective wie auch Kant es nennt , die an sich objective , jedoch 14–15 zwischen Subject … als] ErWl : von Subjectivem . das Noumen zu fi nden geschieht so 16–18 sind ; obgleich … nothwendig .] ErWl : sind , anders ists nicht möglich . diese nothwendige Thätigkeit und das Setzen als Willkühr verwechselt man gewöhnlich . Das ist also ein Objectives . 19–771,6 von der … ist 2 ] ErWl : Kant der Lockeschen Philosophie und der sogenannten Ideologie entgegensetzt , daß wir im Gedanken eben so wie in der Empfi ndung nur äußerlich sollen afficirt seyn . das ist also das Verhältniß auch bei Kant . Seine Philoso|phie faßt diese Gedankenbestimmungen in der Kategorie der Allgemeinheit und Nothwendigkeit und hat beide das Objective , das der Empfi ndung angehörige das Subjective genannt . das ist richtig , das Zufällige ist das Subjective . die Allgemeinheit ist zunächst 13 ist] dies

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men ; wir verhalten uns ganz passiv , werden afficirt , wie bei der Empfindung ; (aber so ist es bei dem Ich nicht mehr , dieses ist der erste Punkt des Frei seins) die Kantische Philosophie hat nun also jene Gedankenbestimmungen in 2 bestimmungen , Kategorien zusammengefaßt die Nothwendigkeit und Allgemeinheit . (das Objective und Subjective) (das zufällige nennen wir auch das subjective) Das wahrhaft Objective ist die Allgemeinheit und Nothwendigkeit ; Allgemeinheit ist Gleichheit mit sich selbst aber zugleich Einheit ; es ist nicht in der Empfindung ; also auch nicht in den äußerlichen Dingen , in welchen nur Einzelheiten sind ; die Form der Allgemeinheit ist nicht die in der äußerlichen unmittelbaren Existenz ; das Allgemeine ist nur i n uns . Ebenso die Nothwendigkeit , die enthält ein Ur theil ein Unterscheiden in der Allgemeinheit ; sie ist aber auch beziehung auf sich , Untrennbarkeit aber von solchen , die unterschieden sind ; z . b . auf Verbrechen folgt Strafe , das ist nothwendig , sie sind untrennbar mit einander verbunden , und doch 2 verschiedene Weisen der Existenz (Untrennbarkeit ist Einheit , Identität) so ist also die Nothwendigkeit auch nicht im sinnlichen des Wahrnehmens . In der Empfindung ist aber noch nicht Allgemeinheit und Nothwendigkeit , sondern erst beim Ich . Das ist also die Stufe des Wahrnehmens . Durch Wahrnehmen machen wir E r f a h r u n g . | Wahrnehmung ist eine Verbindung von Sinnlichem und reinen G e d a n ke n bestimmungen . Erfahrung muß unterschieden werden von bloß sinnlichem Wahrnehmen ; ich habe die Sonne etc . gesehen dafür wird man nicht sagen : ich habe es erfahren , aber wohl ich habe es wahrgenommen . Etwas in seiner Einzelheit auffassen ist nicht Erfahrung ; die Erfahrung muß constant sein , allgemeines muß Nothwendigkeit in sich enthalten , es sollen 2 darin sein die verbunden sind , die aber i m m e r sich verbunden zu einander verhalten sollen | Es gibt diese und diese Thiere , d . h . diese Gattung , das ist eine Erfahrung ; aber nicht das , daß man irgendeinmal e i n solches Thier gesehen hat . die Physik z . b . ist eine Erfahrungswissen schaft ; sie werfen sich oft vor , sie seien bloße Wahrnehmungen ; damit thun

7 selbst aber … nicht1] ErWl : selbst . das ist nicht so 7–10 also auch … enthält] ErWl : die Nothwendigkeit vielmehr ist 10–14 ein Unterscheiden … auch] ErWl : einen Unterschied in der Allgemeinheit enthaltend , wesentlich Untrennbarkeit von Unterschieden . Verbrechen und Strafe sind so untrennbar verknüpft , Raum und Zeit sind [untrennbar] Wl : untrennbar . –] die Nothwendigkeit ist 15–17 Wahrnehmens . In … also] ErWl : Wahrnehmens , hier ist nur gesetzt Verknüpfung des Neben und Nacheinanders und das ist etwas ganz Andres als Nothwendigkeit . Sie sind erst auf der ersten Stufe des Bewußtseyns . – das , womit wir es gegenwärtig zu thun haben , ist 17 Wahrneh men] ErWl : sie 17–18 E r f a h r u n g .] ErWl : Erfahrungen . 18–27 reinen G e d a n k e n bestimmungen . … damit] ErWl : Gedankenbestimmungen , das ist nun Erfahrung überhaupt . Wahrnehmung ist noch nicht Erfahrung , h i e r fodern wir , es soll eine Wahrnehmung seyn die zugleich allgemein ist und diese Erfahrung soll Nothwendigkeit haben , beide Bestimmungen (in ihr) sollen sich immer als verbunden zeigen , das erst macht die Erfahrung . das ist wesentlich , diese Einsicht zu haben , daß die Erfahrung nicht nur sinnlich ist . Eine Erzählung von einzelnen sinn-

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sie sich aber großen Schaden . Die Wissenschaft ist nicht eine Sammlung von einzelnen Wahrnehmungen ; sondern sie ist dies : daß sie sie zusammengefaßt hat in etwas allgemeinem , d . h . über diese Wahrnehmungen gedacht zu haben . Da wo aber Gedanken sind , da fängt die Domäne der Philosophie an ; so fern die Er|fahrungswissen schaften Gedanken enthalten , so laden sie die Philosophie ein auch dabei zu sein . Wenn es einen Streit darüber gibt , so ist es der , daß man fragt w ie g e d a c ht wird ; ob die Gedankenbestimmungen berechtigter Art seien ; das kritische ist dann , diese bestimmungen selbst zu untersuchen . Wenn sie also in der Er fahrungswissenschaft reden von Ursache und Wirkung , Gattung , Zusammenhang so fragt sich ob sie das Alles recht anwenden . Man sagt freilich die Denkbestimmungen habe jeder Vernünftige ; er gebrauche sie ganz recht ; aber dahin ist noch sehr weit . Die Erfahrungswissenschaften enthalten oft mehr Metaphysik als sie wissen[ .] § 421 . ist nun der Übergang von diesem Wahrnehmen in den eigentlichen c . Ve r s t a nd bemerklich gemacht . Die Wahrnehmung ist also Verknüpfung von Einzelnem und Allgemeinem , eine Vermischung überhaupt . Das sind heterogene Elemente , und da bleibt es nicht bloß bei der Vermischung , sondern es kommt zum Widerspruch , worüber die Erfahrungswissenschaften keine Kunde haben ; sie gebrauchen sie ganz unbefangen . die Entwicklung dieses Widerspruchs ist nun eine Sache , deren Ausführung der Logik angehört ; hier ist nur der Widerspruch des Mittelpunktes angegeben . Wenn wir sagen : die Dinge sind einzeln ; ein Ding ist eins ; aber dies Ding , das eins ist , hat viele Eigenschaften ; das ist eine Mannigfaltigkeit an den Dingen die eins sind . Die

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lichen Wahrnehmungen z . b . ist nie Physik , sondern dazu gehört noch das Allgemeine . Wenn die Erfahrungswissenschaften nur Wahrnehmungen seyn wollen , so 1–3 aber großen … Wahrnehmungen] ErWl : darin Unrecht : Auf Sehen Hören pp erbaut sich keine Wissenschaft , sie ist das über die sinnlichen Einzelheiten 3–4 Da wo … da] ErWl : da 4 an ; so … die] ErWl : aber an wo Gedanken sind . Dadurch daß nun in allen 5 enthalten , so … ein] ErWl : sind , dadurch berechtigen sie die Philosophie , 6–8 daß man … zu] ErWl : ob dieses und jenes denken was gebraucht wird auch richtiger Art ist und die Philosophie muß diese Gedankenbestimmungen dann 8–11 also in … Die] ErWl : von Ursache p Einfachheit p sprechen so kritisirt die Philosophie diesen Gebrauch . der ganze Unterschied zwischen beiden dreht sich also um der Kategorien Anwendung . der naturalistische Gebrauch derselben muß streng und kurz gehalten werden , die 12 enthalten oft] ErWl : aber enthalten 12–13 wissen[ .] § 421 . … nun] ErWl : meinen . / das ist also überhaupt die Natur des Wahrnehmens . / § 421 . ist 13–15 diesem Wahrnehmen … Verknüpfung] ErWl : der Wahrnehmung zum Verstand enthalten . Wahrnehmung ist Verknüpfung des Sinnlichen und Geistigen , 17 da bleibt … es2 ] ErWl : es Widerspruch ,] ErWl : Widerspruch unter diesen Kategorien selbst , Widersprüche 18–19 keine Kunde … unbefangen .] ErWl : in ihrer Unbefangenheit kein Bewußtseyn haben . 20–21 ist nun … angehört ;] ErWl : in den Kategorien gehört der Logik an . 21–22 des Mittelpunktes … sagen :] ErWl : der anzugeben ist : daß wir also sagen 1 . 22–23 einzeln ; ein … sind .] ErWl : einzelne , sind Objecte und 2 . das ding hat Eigenschaften . diese

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Eigenschaften sind nun aber nichts Selbstständiges ; diese Unterschiedenheiten sind nichts für sich sondern nur a m Dinge . Da kommt aber gleich der Widerspruch : das Ding ist selbstständig , die Eigenschaften häriren nur ; nun sind aber doch die Eigenschaften die , die in die sinnliche Wahrnehmung fallen , das Ding selbst nicht ; was man wahrnimmt ist nun der Grund der Erfahrung ; dieser Grund muß nun bestehen und dieses ist die Substanz eines Dings ; also die Eigenschaften sind die Substanz selbst ; also sagt man ein baum ist ein O bj e c t Ding , ein Gegenstand | ich kann ihn in viele Theile zerlegen und sie sind alle Dinge , unendlich viele selbstständige Theile ; die Eigenschaften machen wir nun so zu Materien ; dieser Gegenstand ist warm , die Wärme ist also Materie ; so geht das durch ; alle Eigenschaften machen wir wieder zu solchen , die selbstständig sind ; die Eigenschaften sind die Materie , aus d i e s e r besteht das Ding . Die Einheit des Mannigfaltigen ist aber nur das ganz oberflächliche Auffassen und Denken ; die Einheit ist selbst sehr mannigfaltig bestimmt . Dagegen Philosophie enthält eigentlich weiter nichts als die verschiedenen bestimmungen der Einheit aufzufinden . Die Materie ist nichts was ich aus der Wahrnehmung aufnehme ; die Wärme finde ich nur als selbstständige Materie ; ich finde sie immer nur an Gegenständen ; die Materie ist nichts Empirisches ; daß ein Ding warm ist , erfahre ich freilich , aber daß ein Ding Wärme ist kann ich nicht erfahren ; ich treffe es nur an in einem Complex mit anderen . Die Materien sind also durchs Denken zubereitete bestimmungen , die der Verstand isolirt . Man sagt

Vielen sind das Mannigfaltige an dem dinge welches eines ist . 1–4 nichts Selbstständiges ; … die1] ErWl : nicht selbstständig sondern nur das ding . So werden die Qualitäten zu Accidenzen . doch fallen diese nur 4–5 fallen , das … der 1] ErWl : nicht in das ding selbst . das aber was in die sinnliche Wahrnehmung fällt , soll den 5–9 Erfahrung ; dieser … Theile ;] ErWl : Erfahrung ausmachen , und die Substanz des dinges seyn . die Eigenschaften müssen also als fest ausge|sagt werden und 9–13 machen wir … Denken ;] ErWl : kommen dann zu der Ehre , Materien zu seyn , einzelne Stoffe . Alle Eigenschaften werden so fest . das ist der Widerspruch denn nun sind die Eigen schaften das Bestehende und nicht das Ding . Das Wahrnehmen indem es einerseits sinnliche Wahrnehmung , andrerseits Denkbestimmungen ent|hält zeigt in sich Gegensatz und Widerspruch zu haben – Ding und Mannigfaltigkeit , Unterschied . die Eigenschaft unterschieden von der einfachen Einheit der Dingheit , wird für sich genommen als unterschiednes , Selbstständiges und heißt so Materie . Es handelt sich darum wie dies Mannigfaltige sich verhält zur Einheit , wie dies sich bezieht auf anderes (denn darin liegt die Einheit) 13–14 selbst sehr … Dagegen] ErWl : noch das ganz ober fl äch liche , sie ist selbst von sehr mannigfachen Bestimmungen , die ganze 14 eigentlich weiter nichts] ErWl : nichts andres 15 bestimmungen] ErWl : Arten 15 aufzufinden . Die … ich] ErWl : aufzuzeigen . – Man muß wissen daß die Materien nichts sind was man 16–18 aufnehme ; die … ist 2 ] ErWl : hat . d a habe ich wohl Helles , Kaltes Warmes pp aber Licht Wärme habe ich da nicht als etwas Selbstständiges vor mir sondern nur als Wärme dieser Körper . Daß Wärme etwas für sich bestehendes ist , 19 in] ErWl : schlechthin in mit] Er : von vielem Wl : mit vielen 20 der Verstand] ErWl : die Vorstellung 3 häriren] Lesart unsicher

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in der Physik : man kanns sich nicht anders erklären ; man kann dies und das nicht annehmen . Das ist beides aus der Reflexion entstandenes und nichts aus der Erfahrung . Die Materie schließt nun ein andres aus ; im Gold selbst ist auch das Gold nicht , – es hat Poren , da ist es leer von Gold ; da steckt die warme Materie drin ; und die ist auch porös und da steckt wieder andre Materie drin . Das ist auch Reflection ; Poren kann man einem nicht äußerlich zeigen ; im Holz gibts Poren allerdings ; aber allgemeine Poren (Negation) sind nur Gedankenbestimmungen , Werke der Reflexion – D a s ist der Hauptwiderspruch in der Erfahrungswissenschaft , dass man das alles der Erfahrung zuschreibt . Die unmittelbare Folge im begriff ist : daß d i e s e s S i n n l i c h e wenn die Reflexion so darauf angewendet wird , ausgesprochen wird als nicht an sich seiend , a l s E r s c he i n u n g . Diese verschiedenen Erscheinungen sind also nicht für sich selbst bestehend ; das Fürsichselbstbestehen kann man aber nicht aufgeben . Ich habe gegen mich ein Sein ; wenn dieses Sein nur Erscheinung ist so liegt ihm doch etwas Wahres sagt man , zu Grunde ; also einmal der Stoff als Erscheinung und dann als Erscheinung , die aber verschieden ist von dem unmittelbaren sinnlichen . Dieses wahre Sein nennt man das I n n r e der Dinge , und die Erscheinung das Äu ß e r e . Also 1 . , der sinnliche Stoff an sich 2 . Verflechtung der Reflexion in diesen sinnlichen Stoff . 3 . das Abtrennen des Seienden von diesem Stoff , das Innre der Dinge ( d e r Ve r s t a n d ) De r Ve r s t a nd geht also auf das Innre der Dinge , das nicht aufgenommen wird , aber doch wesentlich mit der Erscheinung zusammenhängt . Dieses Innere der

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1–9 kanns sich … zuschreibt .] ErWl : muß dergleichen annehmen , sonst ist es nicht zu erklären , es ist das Annehmen von Innen , von der Reflexion . In der Wahrnehmung hat man z . b . Gold , wo eine Materie ist kann die andre nicht seyn und so steckt der Wärmestoff in den Poren . dieser Stoff oder Materie ist wieder porös , [so] Wl : und es] steckt in ihr die electrische . Indem sie verbunden sind muß das Eine nicht seyn , wo eine Materie ist , die andre nicht . Poren sind nur Gedankendinge , Reflexionen die nicht existiren . | das ist dieser Widerspruch . 10 im begriff ist :] ErWl : ist 11 nicht an … seiend ,] ErWl : solches das nicht an sich ist , 12–13 Diese verschiedenen … Fürsichselbstbestehen] ErWl : Das nächste Resultat ist so daß das Wahrgenommene nur ein sich widersprechendes sich aufhebendes ist , nichts für sich selbst bestehendes – [ Erscheinung] Wl : Erscheinung . –] das für sich selbst bestimmtseyn 14–16 wenn dieses … aber] ErWl : ich mache mich gegenständlich , setze das hinaus , es ist der Gedanke der sich als NichtIch , Negatives seiner voraussetzt . diese Erscheinung ist nicht das Wahre , aber das Wahre ist doch , das Wahre ist verschieden davon aber es i s t doch . da hat man diese Verdopplung 1 . diesen Stoff als nichtSeyn , als Erscheinung 2 . ihn als Seyn , das 17 wahre Sein] ErWl : Wahre 17–18 die Erscheinung … 2 .] ErWl : das Äußere dagegen heißt die Erscheinung . das ist die dritte Bestimmung 1 . das Bewußtseyn 2 . die 19–22 das Abtrennen … Dieses] ErWl : die Abtrennung des Innern von diesem Stoff . / das Bewußtseyn [ist] Wl : dieses Gegenstandes , das Bewußtseyn ist] so was man gewöhnlich den Verstand nennt . dieses Innere , die einfache ruhige Substanz aber wesentlich zusam|men hängend mit dieser Erscheinung . der Gang war , daß der logische Inhalt sich von der Bestimmung der Erscheinung getrennt zu diesem

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Dinge ist nun auch ein bestimmter Inhalt . | Es kommt besonders vor in der Form der K r a f t und der bestimmtheit derselben : G e s e t z . die Erscheinung ist reflektirt in dieses Innre ist mannigfaltig aber so mannigfaltig als der Widerspruch im Innren ist ; im Innren ist die Einheit , die beruhigung des Widerspruchs , der innre Zusammenhang , die Nothwendigkeit ; die Gesetze liegen nicht oben auf der Erscheinung , es hat viel Nachdenken und Anstrengung gekostet sie zu finden ; sie sind gegenwärtig in der Erscheinung , die Gegenwart muß ihr entsprechen ; sie sind regierend in der Erscheinung . Aber sie sind nicht nach der Weise der Erscheinung , denn diese hat wesentlich den Widerspruch ; das Gesetz ist aber einfache Nothwendigkeit ; es gehören 2 bestimmungen dazu , die eine und die andre , die beide untrennbar sein müssen . Und diese Untrennbarkeit ist die Nothwendigkeit . Solches Gesetz ist der Magnetismus , in dem das Unterschiedene absolut verknüpft ist ; wo ein Nordpol ist muß auch ein Südpol sein ; das Sein des Nordpols ist ebenso unmittelbar sein Nichtsein , nämlich das des Südpols . So ist das Gesetz gegen wärtig in der Erscheinung ; es ist nicht dahinter ; das Wesen und Gesetz hinter der Erscheinung wäre gar keins . Was in der Erscheinung sich zeigt , ist das Gesetz ; Erscheinung ist die Manifestation des Gesetzes ; das Gesetz kommt zur Erscheinung . So hat sich der Gegenstand dem bewußtsein bestimmt was in der Logik weitläuftiger entwickelt ist ; so bestimmt sich das Subject an ihm selbst ; das ist die Vernünftigkeit des Objects .

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1 ist nun … ein] ErWl : ein Es] ErWl : dieses Innre der 2 ] ErWl : von 2 der bestimmtheit … G e s e t z .] ErWl : Gesetz . 2–4 reflektirt in … ist ;] ErWl : wesentlich ein Mannigfaltiges oder reflectirt in das Innre , ein Unterschied im Innern . dieser Widerspruch ist 4–5 ist die … auf] ErWl : beruhigter Widerspruch , ist Zusammenhang der Nothwendigkeit ist = Gesetz . das Gesetz selbst liegt nicht auf der Oberfl äche 6 es hat … sie2 ] ErWl : sondern es kostet viel Mühe es zu fi nden . diese Gesetze 7–8 Gegenwart muß … Aber] ErWl : Erscheinung muß ihnen widersprechen . Sie haben 1t e n s die einfache Existenz als Gesetz aber 8 nach der Weise] ErWl : hinter 8–9 denn diese … wesentlich] ErWl : sondern sie dirigiren die Erscheinung , es kann in dieser nichts geschehen , | was nicht im Gesetz ist . Die Wahrnehmung enthält nur 9–10 aber einfache … gehören] ErWl : der 1t e Widerspruch , 10–11 dazu , die … Nothwendigkeit .] ErWl : die von einander untrennbar sind , das ist Nothwendigkeit , diese Untrennbarkeit von Unterschiedenen . 11–12 der Magnetismus , … ist ;] ErWl : im Magnetismus , 13 muß auch … sein ;] ErWl : ist Südpol , das Seyn des Einen ist Seyn des anderen , wenn das eine ist , hat man unmittelbar das Andre damit . unmittelbar] ErWl : sehr 14–15 nämlich das … dahinter ;] ErWl : [sondern Seyn] Wl : Seyn] des Südpols , das Seyn der positiven Electricität eben so ihr Nichtseyn , Seyn der negativen Electricität . 15–16 hinter der … Was] ErWl : das nicht in der Erscheinung wäre , würde gar nicht Gesetz , Wesen seyn , was 16 Erscheinung 2 ] ErWl : sie 17 Gesetz kommt … Erscheinung .] ErWl : sinnliche daseyn ist nichts Andres als daß das Gesetz sich äußerlich macht . 18 dem bewußtsein … ist ;] ErWl : des Bewußtseyns bestimmt , es ist der logische Fortgang der Nothwendigkeit , der logische Gang ist vom [abstracten] Wl : Abstrakten ,] Unmittelbaren zur Nothwendigkeit , 19–776,3 Subject an … Übergang] ErWl : Object selbst . das

20 Resultat , welches das Innre ist . Sofern es Resultat ist , ist dieses

25 25

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1 besonders] folgen einige unleserliche Zeichen

30M Wir setzen … Gesetz Er] vermutlich von anderer Hand

140Er Wir setzen den Widerspruch , Gesetz Er

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Das bewußtsein das nun solchen Gegenstand hat ist Ve r s t a n d W i s s e n bewußtsein d e s G e s e t z e s , die No t h w e n d i g k e it . Von dieser 3t e n Stufe ist nun der Übergang zum S e l b s t b e w u ßt s e i n gemacht ; dieser ist in uns . 2 . D a s S e l b s t b e w u ßt s e i n .

50r Sg

111Wl 141Er

Wir haben Unterschiedenes , die aber Einheit sind , koncrete Einheit , in der der Widerspruch auch ist , aber als aufgehoben , und nicht mehr die Einheit des Mannigfaltigen , eine Einheit welche in ihrer bestimmung das Unterschiedene . So haben wir also diesen Unterschied , der unmittelbar aufgehoben ist , der einer ist der keiner , und dessen aufgehoben sein nicht Null ist , sondern das Affi rmative . Das gehört zum Innersten des begriffs ; es ist schwer dahin zu gelangen ; wenn man aber weiß , daß die Wahrheit hierin ist , so hat man den Schlüssel zu aller Erkenntniß . – Also wir hatten I c h und N i c ht I c h das Negative meiner ; jetzt ist der Unterschied keiner mehr ; | das Sinnliche enthält den Unterschied , wenn er nur im Verstand ist , wonach jedes Unterschiedene ein Selbstständiges ist ; hieraus ist eben der Verstand so schwer hinaus zu bringen . Die Erfahrung recht aufgefaßt , zeigt aber auch dasselbe , was im begriff ist . Das bewußtsein beruht nun auf dieser ersten Annahme daß ich

Object ist Vernünftiges , ein Bestimmen und Bewegung seines Bestimmens . das Gesetz ist ein besonderes Gesetz , hat sich gegenüber ein anderes Gesetz zu seiner Bedingung . die Welt der Erscheinung wird versucht gefaßt zu werden als Reich , Systematisirung somit der Gesetze . das ist die dritte Stufe . Von dieser ist der Uebergang § 423 gemacht 3–7 gemacht ; dieser … die] ErWl : im Begriff , für uns , an sich daß das Bewußtseyn wesentlich Selbstbewußtseyn ist . Wenn wir betrachten was wir in der Nothwendigkeit , im Gesetz haben , so haben wir zwei Unterschiedne untrennbar [verbunden] Wl : verbunden .] die Einheit dieser Unterschiednen ist keine abstracte leere , sondern bestimmte Einheit . Bestimmtheit ist Unterschied . Einheit von Unterschiednen ist der Begriff überhaupt . – | da ist der Widerspruch auch darin aber zugleich als aufgehoben . das ist | eine ganz andre Einheit als die vorige 8 eine Einheit] ErWl : hier ist Einheit , die nur ist , dies Unterscheiden unmittelbar selbst zu seyn , 8–13 das Unterschiedene . … I c h ] ErWl : hat diesen Unterschied selbst , nur ist dies dirimiren , in dem der Unterschied i s t und keiner ist , aufgehoben ist , daß das Resultat diese Untrennbarkeit ist , – Unterschied aufgehoben in der Einheit und Einheit Unterschiedener , die gehören zur Einheit . / Betrachten wir den Standpunkt auf dem wir waren so hat das Bewußtseyn nur darauf beruht – Ich und ein Andres , 13–16 ist der … bringen .] ErWl : fi nden wir daß der innere Unterschied d . h . der wahre Unterschied , kein Unterschied ist . darüber ist der Verstand so schwer hinauszubringen daß der Unterschied nichts Selbständiges ist , man sagt wohl positive Electricität beziehe sich auf negative , aber die Erfahrung gibt immer die Untrennbarkeit beider 16 recht] ErWl : wahrhaft 16–17 aber auch … ist .] ErWl : was der Begriff ist . Es ist auch eine Stufe der Reflexion des Unterschieds als solchen , diese zeigt sich auch im Raum , Unterschiedne neben einander aber es kommt auch hier zu dieser Form wahrhafter Existenz . 17–777,1 beruht nun … (Ich)] 10–12 gehört zum … Erkenntniß durch senkrechten Strich am linken Rande hervorgehoben

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(Ich) bin und der Gegenstand auch ist ; indem nun aber dies Ansich die bestimmung des Objectiven , des Gegenstandes und des bewußtseins ist , so ist auch der Gegensatz von bewußtsein , der Gegensatz verschwunden . Indem nun aber 2 . das bewußtsein bleibt das Ich als dieses thätige Ausschließen , so hat es noch einen Gegenstand , das Ausschließen durch sich ; aber dieser Gegenstand ist ein mit ihm selbst Identisches , wodurch kein Unterschiedenes mehr ist ; es scheint ihm eine andre A r t des b e w u ßt s e i n s z u sein , wo es einen Gegenstand hat , in welchem das Unterschiedene nicht ein Unterschiedenes ist , das ist das S e l b s t b e w u ßt s e i n : ich weiß von mir , ich unterscheide mich von mir , ich bin mir der Gegenstand , ein andres ; aber ich nehme unmittelbar diesen Unterschied wieder zurück . Es gibt kein bewußtsein ohne Selbstbewußtsein ; das Selbstbewußtsein ist die Wahrheit des bewußtseins . das Kind weiß von allen Dingen um sich , endlich kommts dazu : Ich zu sagen ; das ist eine besondre Stufe des Kindes . Fichte hat als sein Sohn zuerst ich gesagt , ein großes Fest angestellt . das Selbstbewußtsein kommt keinem Thiere zu , sondern nur einem denkenden Wesen . An jedem Gegenstand scheiden wir nun das Sub s t a n t ie l le in demselben (etwa Eigenschaften) z . b . der Körper ist : s c hwe r ; das ist aber eigentlich keine Eigenschaft , es ist seine substantielle Natur selbst ; ebenso beim Selbstbewußtsein : die beziehung des Ich auf das Ich in ihm nennen wir F r e i he it : in welcher

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ErWl : beharrt darauf daß Ich 1 auch ist ; … Ansich] ErWl : auch , beide selbstständig sind . Indem 2 und ] ErWl : wie 2–3 so ist … Gegensatz2 ] ErWl : daß der Unterschied keiner ist , ist der Unterschied von Bewußtseyn und Gegenstand 4 bleibt das] ErWl : bleibt , ist das Ich ausschließend , thätige Ausschließen , so] ErWl : Thätige [ausschließende] Wl : ausschließend] , 4–5 Gegenstand , das … sich ;] Er : Gegenstand Wl : Gegenstand , 5–8 ein mit … ist ,] ErWl : ihm anders bestimmt , als ein unmittelbar mit ihm Identischer , daß es wohl ein Andres ist aber so daß dieser | Unterschied kein Unterschied ist . Für uns ist diese Form daß der Unterschied keiner ist , die Wahrheit . Sie kommt als besondre Art neben den andren Arten vor des Bewußtseyns (wenn wirs Art nennen können) 8–9 ich weiß … der] ErWl : daß ich mich von mir unterscheide , ich habe einen 10–12 ich nehme … ist] ErWl : unmittelbar ist dies zurückgenommen , daß dies ein Andres sei , der Gegenstand von dem ich weiß ist nicht unterschieden von dem das um sich weiß . / die Wahrheit des Bewußtseyns ist das [Selbstbewußtseyn .] Wl : S e l b s t b e w u ß t s e i n . / b .) D a s S e l b s t b e w u ß t s e y n / die Wahrheit des Bewußtseyns ist das Selbstbewußtsein , – »und dieses der Grund von jenem , so daß in der Existenz auch alles Bewußtsein eines andern Gegenstandes zugleich Selbstbewußtseyn ist . Der Ausdruck von diesem ist Ich = Ich ; – a b s t r a k t e F r e i h e i t , reine Idealität .«] Im Menschen kommt empirischer Weise diese Gradation vor . Kinder sprechen oft in der dritten Person von sich , fassen sie sich als Ich so ist das 13 zuerst] ErWl : zum erstenmale 14–15 das Selbstbewußtsein … Wesen .] ErWl : denken als | denkendes ist Ich . darin liegt unmittelbar , daß es für sich selbst ist . 15–16 scheiden wir … der] ErWl : unterscheiden wir die Substanz an demselben . Eigenschaft ist dafür ein unpassender Ausdruck . der 16–17 das ist … es] ErWl : das 17 Natur selbst ; ebenso] ErWl : Natur . Unter Eigenschaft stellt man sich etwa vor etwas Trüberes . Eben so 18 beziehung des Ich] ErWl : Beziehung 18–778,2 das Ich … entferne] ErWl : sich selbst ist Freiheit . Selbstbewußtseyn ist [[lacuna] der] Wl : abstrakte] Freiheit im Menschen Ich habe Bewußtseyn , im Selbstbewußtseyn bin ich nicht mehr bezogen auf anderes . Ich kann

20 itzt an sich

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142 Er

b . Selbstbewußtseyn 424 .Er b .Wl ; § 424Wl

112 Wl

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143Er

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die Unabhängigkeit von einem andren liegt ; in der Freiheit beziehe ich mich bloß auf mich , ich abstrahire mich , entferne mein Ich aus allen Schranken und mache es mir selbst zum Object . Ich bin ich das ist der Ausdruck der Freiheit ; es ist ein rein tautologischer Satz ; es ist nichts damit gesagt ; wenn von einem Gegenstand e t wa s gesagt werden soll , so muß etwas bestimmtes gesagt sein und nicht eine Wiederholung . dieser Satz : ich bin ich ist noch ganz abstract ; diese Freiheit ist noch abstract . Ich bin nicht befriedigt mit mir ; die bestimmung eines Unterschiedes muß noch hineingelegt werden ; es muß ein Unterschied da sein , das ist das Abstracte dieses Satzes ; die näheren bestimmungen sind die weiteren der Form des Selbstbewußtseins | Fichte geht vom Ich aus , = Ich = Ich ; wie dies sich nun zu einer Negation seiner bestimmt das ist eine logische Entwicklung der wir auch schon durch unsern Gang überhoben sind ; w i r sind nämlich zum Selbstbewußtsein gekommen durch Negation des bewußtseins ; es ist eine Abstraction , eine Freiheit , aber nur eine formelle so sehr sie als das absolute Unbedingtsein sich ausspricht , so ist sie doch bedingt ; sie ist ein Herkommen aus dem bewußtsein ; sie ist also wesentlich bezogen auf etwas andres . Wir haben also an diesem Selbstbewußtsein selbst schon diese beziehung auf ein andres . Es ist eine große Einsicht , daß man weiß alles Abstracte ist ein Abstractes von irgend e t wa s ; dies , wovon sie abstrahirt negirt wird , gehört selbst zu ihr , sonst kann sie nicht sein ; es ist erst die concrete Idee die dieses Etwas in ihr selbst hat , der diese bestimmtheit nicht mehr gegen 2–3 aus allen … es1] ErWl : entfernen aus allem Gegenständlichen und mich 3 Object . Ich … Freiheit ;] ErWl : Object machen . die Substanz des Selbstbewußtseyns ist die Freiheit Ich = Ich . Ich weiß von mir selbst , 4–6 rein tautologischer … ich 2 ] ErWl : tautologisches Seyn , keine Bestimmtheit gesetzt . diese Substanz 6–7 abstract ; … abstract .] Wl : abstrakt . 7–8 befriedigt mit … werden ;] ErWl : damit zufrieden nur Ich zu seyn , die menschliche Wirklichkeit ist über diese Substanz hinaus zu gehn , sie zu realisiren . | Der Unterschied des Bewußtseyns ist in dieser Substanz nicht befriedigt , 8–9 das Abstracte … Form] ErWl : die Abstraction , Mangelhaftigkeit der Substanz . die nähere Entwicklung wie dieser Unterschied gesetzt wird ist die weitre Explication der Stufen 10–11 Fichte geht … Entwicklung] ErWl : Das Selbstbewußtseyn ist zunächst nur Identität , wie kann aus dieser Bestimmung die Welt sich erzeugen ? Es ist in der Philosophie darum zu thun von etwas Gewissem auszugehn , we n n etwas gewiß ist so ist es die Gewißheit meiner selbst Wie Ich = Ich sich bestimmt zu einem Negativen wäre eine logische Bestimmung 11 auch schon] ErWl : zugleich 12–13 w i r sind … gekommen] ErWl : Wir kommen zum Selbstbewußtseyn 13–14 es ist … formelle] ErWl : das Selbstbewußtseyn ist diese Abstraction , die Freiheit aber die Freiheit noch ganz formal weil sie , 14 das absolute] ErWl : absolutes 14–15 so ist … Herkommen] ErWl : doch selbst herkommt 15–18 bewußtsein ; sie … Abstracte] ErWl : bewußtseyn nur durch dies Herkommen aus einem Andern , was Bedingung ist , wird . Alles Abstracte 18–19 ein Abstractes … sein ;] ErWl : eine Abstraction von Etwas und dieses Etwas [selbst nothwendig] Wl : selbst ,] zum Abstracten , es kann nicht seyn ohne das wovon abstrahirt wird 19–779,1 concrete Idee … auch] ErWl : in sich concrete Idee , wo das Etwas selbst enthalten ist in diesem Allgemeinen . die Idee hat dies Etwas , die Bestimmtheit in ihrer Beziehung auf sich selbst , die Bestimmtheit des Etwas steht ihr nicht mehr 18 Abstracte] Abstracts

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über steht . Darin liegt auch die Einseitigkeit eines solchen Anfangs mit Ich = Ich . Obgleich im logischen Gange man es wohl zuerst machen kann in dieser Form , in dieser Schranke des Ichs . Wir haben nun das Selbstbewußtsein hier in beziehung auf das bewußtsein . 425 . Das Selbstbewußtsein ist nun so zunächst der Widerspruch seiner ; es ist frei und doch abhängig : denn das bewußtsein bezieht sich auf etwas . Aber das Selbstbewußtsein ist selbst das bewußtsein über den Widerspruch seines bewußtseins . Das weitere ist , daß das Selbstbewußtsein selbst als welches es den Widerspruch in sich enthält , auch Gewißheit seiner selbst gegen die andre Seite gegen das bewußtsein ; das bewußtsein ist dies : zurückzugehn in das Selbstbewußtsein ; und es ist nicht bloß bewußtsein für das Selbstbewußtsein sondern auch dies , daß das , worauf das Selbstbewußtsein sich bezieht (sein bewußtsein) eine nichtige Seite ist , die es eben aufheben soll ; es soll seinen Widerspruch auflösen . dies unsrer Vorstellung näher gebracht ist : daß das Selbstbewußtsein d e r Tr ie b i s t s ich a l s d a s z u s e t z e n , was es an sich ist , wovon es schon die Gewißheit , bewußtsein ist , beziehung auf einen Gegenstand ; das ist auch Selbstbewußtsein ; es ist Trieb , begierde ; d i e b e g i e r d e hat einen Gegenstand , was ihr mangelt ist außer ihr ; die begirde ist das bewußtsein von einem Gegenstand , aber sie ist zugleich Gewißheit daß das , was für das bewußtsein ein Seiendes ist , ein an sich Nichtiges ist ; und das bewußtsein ist dann eben der Trieb diesen Schein aufzuheben und dies Andre identisch mit

gegenüber . In dem Aufgezeigten ist 1 eines solchen … mit] ErWl : des Standpunkts enthalten : 2–3 Obgleich im … Ichs .] ErWl : Ich = Ich indem es abstract , ist eine Form Bestimmtheit Schranke , es ist daher nicht Freiheit . die Freiheit ist nicht etwas Beschränktes . 3 nun] ErWl : daher hier] ErWl : aufzunehmen 5 so zunächst] ErWl : so 5–6 seiner ; es … Aber] ErWl : seiner als Freiheit und [seiner als Bewußtseyn |] Wl : seines Bewußtseins] dieses ist nicht frei , bezieht sich auf einen Gegenstand ist abhängig und | das Selbstbewußtseyn ist selbst Bewußtseyn des Widerspruches seines Bewußtseyns . das Selbstbewußtseyn ist frei in sich selbst und zugleich Bewußtseyn , verwickelt in diesen Widerspruch und 7 ist selbst das] ErWl : ist 8–9 weitere ist , … auch] ErWl : Selbstbewußtseyn ist aber weiter die 9–10 die andre … dies :] ErWl : das Bewußtseyn . Wir sehen daß das Bewußtseyn ist , sich aufzuheben , 10 es] ErWl : das Bewußtseyn 11 bewußtsein für] ErWl : für auch dies ,] ErWl : im Begriff des Selbstbewußtseyns liegt auch 12–13 ist , die … unsrer] ErWl : ist . Es ist also nur noch der Schein dieses Widerspruchs vorhanden und die Bewegung des Selbstbewußtseyns ist , diesen Widerspruch aufzuheben wie der Gang des Bewußtseyns dies war . Näher hat der Gang des Selbstbewußtseyns diese Bedeutung : Aufhebung des Scheins des Widerspruchs zu seyn . der 14 ist : daß] ErWl : ist 14–15 i s t s i c h … s e t z e n ,] ErWl : das zu seyn 15 ist ,1] ErWl : ist , sich als das zu setzen Gewißheit , bewußtsein ist ,] ErWl : Gewißheit ist . Bewußtseyn ist 16–17 das ist … ihr ;] ErWl : das Selbstbewußt seyn – in der Begierde verhalten wir uns zu einem Gegenstand , das ist die Seite des Bewußtseyns , aber 18 das] ErWl : zugleich nicht theoretisch , Ruhe , 19 ein 2 ] ErWl : zugleich ein 20 ist dann eben] ErWl : ist aufzuheben] ErWl : seiner Beziehung auf anderes aufzuheben

40 5–7 es ist … bewußtseins . durch senkrechten Strich am linken Rande hervorgehoben

12 worauf] worauf sich

17 d i e ] gegen d i e

25 seiner] seines

11 nicht] nicht nicht Bewußtseyn] Bewußtseyns

§ 425

144Er 113Wl

780 145Er

51r Sg 114 Wl

114 Wl

146Er

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sich zu setzen | und sich so zu wissen als das , gegen welches das andre kein andres mehr für ihn ist , sondern vereint mit ihm . der Trieb ist eine innre Unruhe , er hat , sucht einen Gegenstand ; er ist sich seiner selbst bewußtsein aber mit einem Mangel ; diese Negation in mir scheint mir auch zugleich als Gegenstand außer mir , und ist ein Widerspruch gegen mein Selbstgefühl . (hier gegen mein Selbstbewußtsein) Ich habe auch die Gewißheit eines unendlichen für mich seins ; dies Verhältniß zu mir ist mir die Wahrheit ; nicht das äußre , von dem ich so abhänge , und welches nicht wahrhaft ein Selbstständiges ist , nicht ein Sein in dem Sinn als ich , es ist ein S che i n . Gegen diesen Schein , daß ich von einem andren abhängig bin , habe ich die Wahrheit meiner bei mir | selbst , und durch diesen hebe ich den Mangel , der in mir ist , auf und befriedige mich so . | Das Selbstbewußtsein ist also wesentlich ein Proceß . Das ist zugleich die Realisirung des Selbstbewußtseins welches als solches noch die leere Freiheit ist ; durch diesen Proceß gibt es sich erst Inhalt , erfüllt sich , gibt sich selbst Objectivität ; benimmt sich die Einseitigkeit , Subjectivität zu sein gegen über der Objectivität , macht sich selbst zur Objectivität ; sein Formalismus , sein begriff ist bloß das Ich = Ich , sein Realismus geht erst aus diesem Proceß hervor . Das ist Trieb des Selbstbewußtseins , Trieb ist die Lebendigkeit ; die Lebendigkeit der

1–2 welches das … sondern] ErWl : was dieser Gegenstand nicht mehr ein Andres ist , sondern aufgehoben im Selbstbewußtseyn , 2–4 er hat , … auch] ErWl : Ich bin Gewißheit meiner selbst , in dieser ist zugleich ein Negatives , der Mangel , Bedürfnisse . diese Mangelhaftigkeit ist in mir und 4 als] ErWl : ein mir , und ] ErWl : mir . diese Negation 5 Selbstgefühl . (hier … Selbstbewußtsein)] ErWl : Selbstbewußtseyn , 6 auch] ErWl : aber 6–8 eines unendlichen … wahrhaft] ErWl : meiner Freiheit meines unendlichen Bei mir selbst seyns , daß dies die Wahrheit ist , mein Verhältniß zu mir . In dieser Weise ist es für mich daß dieser Gegenstand der noch äußerlich für mich ist , nicht mehr 8–9 ein Sein … Gegen] ErWl : mehr ein Seyn mir gegenüber . Ich habe die Gewißheit der Wahrheit meiner Identität mit mir gegen 9–11 von einem … mir] ErWl : abhängig bin , [ich] Wl : und] realisire daher meine Wahrheit , ich hebe die Differenz die in meinem Bewußtseyn 11 so .] ErWl : in mir selbst . das ist das Selbstbewußtseyn wie wir es auch in unserer Vorstellung haben . | ist also] ErWl : ist 12 Proceß .] ErWl : Proceß eingeleitet durch den Widerspruch des Bewußtseyns , das befangen ist mit einer Negation , einem Andern . 13 noch die leere] ErWl : leere 13–17 erfüllt sich , … ist1] ErWl : schließt sich mit sich selbst zusammen , gibt sich Objectivität macht sich wirklich . das Selbstbewußtseyn bewährt seine Freiheit gegen seyn Bewußtseyn und dies ist zugleich Realisirung indem es sich zugleich Objectivität gibt , die mit der Subjectivität identisch | ist . das Selbstbewußtseyn realisirt den Formalismus seiner Freiheit Ich = Ich und nimmt die Objectivität an sich , macht sich diese zu eigen . das ist der Proceß , 17–781,4 Trieb ist … Es] ErWl : sich zu realisiren und die Entzweiung aufzuheben die im Bewußtseyn ist . Trieb ist Gewißheit seiner unendlichen Identität mit sich und daß doch zugleich Entzweiung im Bewußtseyn ist , gegen welche es diese seine Wahrheit , identisch mit sich zu seyn vollbringt . das Seyende zeigt sich , nicht ein Unterschiednes zu seyn wie wir sahen , das weiß das Bewußtseyn , es ist ein Gegenstand aber zugleich ist dieser nur ein an sich nichtiger , es 2 für ihn] Lesart unsicher

5 hier] Lesart unsicher

14 benimmt] bennimmt

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Freiheit beginnt in der Entzweiung , gegen welche es diese seine Wahrheit : »identisch mit sich zu sein« vollbringt . Freiheit des Selbstbewußtseins ist dann dies , was für das bewußtsein war , daß der Gegensatz des Dualismus das Ding aufgehoben ist . Es hat im Gegenstand schon sich selbst , dessen bestimmung ist , für das Selbstbewußtsein zu sein . Wir haben nämlich 3 F o r m e n f ü r d a s Selbstbewußtsein : 1 . , b e g ie r d e 2 . , Ve r h ä lt n iß d e r He r r s ch a f t u n d K n e c ht s c h a f t 3 . , das Selbstbewußtsein mit der bestimmung als Allgemeines .

1 . Da s S e l b s t b e w u ß t s e i n a l s B e g ie r d e .

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Das erste ist , daß ihm ein Gegenstand überhaupt gegen über ist ; das 2t e daß dieser Gegenstand auch bestimmt ist als ein Selbstbewußtsein ; also ein Verhältniß zwischen Selbstbewußtsein und Selbstbewußtsein , die aber beide sich noch nicht einander anerkannt haben , und die das andre noch nicht als sich wissend gesetzt haben ; das 3t e ist dies , daß die Anerkennung vollbracht ist , aber so daß jedes (für sich seiend) auch das andre anerkennt als ein freies Selbstbewußtsein . – Der begriff des Selbstbewußtseins ist zunächst F o r m d e r Un m it t e l b a r k e it . So haben wir also das Selbstbewußtsein als Unmittelbares , als einzelnes und so ist es B e g ie r d e . Mit der Freiheit im bewußtsein ist die äußre Negation ein Nichtiges ; in mir ist es eine Entzweiung , eine Negation in mir , ebenso auch äußerlich ist es ein nichtiges

§ 426 .Sg

§ 426 1 .)Wl

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4 schon] ErWl : nur 4–5 dessen bestimmung … Selbstbewußtsein :] ErWl : es weiß daß die Bestimmung des Gegenstandes ist nur für es selbst zu seyn . / das Selbstbewußtseyn hat 3 Formen – 6–11 das Selbstbewußtsein … sich] ErWl : Bestimmung des Selbstbewußtseyns als allgemeinen . Zunächst ist ein Gegenstand unmittelbar für das Selbstbewußtseyn , es ist einzeln und ein Gegenstand überhaupt ihm gegenüber . das zweite ist daß der Gegenstand auch ein Selbstbewußtseyn ist . Es sind zwei Selbstbewußtseyn , beide frei , auch für einander frei , aber so daß sie 12–13 und die … haben ;] ErWl : noch nicht in seinem eignen daseyn das Andre wissen als sich selbst . 13 die Anerkennung] ErWl : dies Anerkennen 13–14 aber so … ein] ErWl : jedes in seiner Persönlichkeit für sich ist aber daß in seinem Benehmen es zugleich zeigt , daß ihm das Andre gilt eben so als 15 zunächst] ErWl : zuerst als unmittelbar . | die Allgemeinheit des Begriffs ist zuerst in 15–16 So haben … also] ErWl : die Allgemeinheit des Begriffs ist selbst nur noch Form – so ist es unmittelbares , so ist es 16 als Unmittelbares , … und ] ErWl : in seiner Einzelheit , Unmittelbarkeit , 16–782,3 B e g i e r d e . Mit … der] ErWl : Begierde , weil es dieser Widerspruch ist seiner als unendliche Gewißheit seiner selbst , und seiner als Bewußtseyn , das vermittelt ist in [etwas Andrem .] Wl : einem Andern .] Ich bin frei , Selbstbewußtseyn gegen dies mein Bewußtseyn . damit ist diese Entzweiung , Negation , die als äußeres Object erscheint ein Nichtiges . der Mangel in mir erscheint als ein äußerliches Object und dieses ist nur ein solches , das nicht selbst Zweck ist , kein absolutes Bestehen für sich hat . das Object | im Bewußtseyn hat sich als solches erwiesen . das ist der Standpunkt der Begierde . da ist Trieb und dieser erscheint noch in der Form des Bewußtseyns als Object das wir uns zu eigen machen , so daß es nichts mehr ist , nichts mehr für sich ist . der

147Er

115Wl

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51v Sg

§ 427

(cf .Er

148Er

§ 427 .Wl

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in sich dieses object , das nicht selbstständig ist . Die begierde will befriedigung ; dies kann nicht anders geschehn , als durch die Negation des Gegenstandes , an dem sich die begierde befriedigen will ; so im physischen der Gegenstand wird mit uns amalgamirt , aber nicht daß ein 3t e s entsteht , sondern dies 3t e ist ein erstes , der Gegenstand dient zu der Erhaltung des ersten ; das freie Selbst das erhält sich ; das andre muß sich unterwerfen und verliert seine Selbstständigkeit . In der thierischen begierde ist : das Thier hat das Gefühl daß die Dinge außer ihm keine selbstständigen Dinge sind (nicht das bewußtsein der Überzeugung davon) es glaubt nicht an das Sein dieser äußren Dinge , daß sie die bestimmung für s ie haben , welche sie brauchen sollen , abnützen , negiren . Es gibt philosophische Vorstellungen , die sagen : das müssen wir annehmen , daß die äußerlichen | Dinge sind ; darüber kann die Philosophie nicht hinaus . Dies ist ganz richtig ; aber das gehört ins Sinnliche ; schon das Thier hat das Gefühl daß die Dinge außer ihm nichts sind , nämlich nichts Selbstständiges . Die begierde geht nun aber von der Überzeugung aus , sie sind nichtiger als ich ; ginge ich an ihre Zerstörung mit dem bewußtsein daß sie auch wären , wie ich , ein ebenso starkes Sein hätten als ich , so wäre es thöricht mich an sie zu machen . § 42 7 . Der Gegenstand kann dieser Thätigkeit keinen Widerstand leisten , weil er an und für sich das Selbstlose ist . Die Dialektik , die negative Natur der äußren Gegenstände , die dort existirt hat als unser begriff ; dieser unser begriff existirt in der Thätigkeit der begierde als dem Selbst der Dinge und dem bewußtsein . Ich vollziehe an ihnen , was ihr Gericht ist ; ich bin diese Dialektik ; was ich an ihnen thue ist ihre bestimmung , ist , was sie an sich sind . Diese begierde muß nicht ganz allgemein

4 amalgamirt ,] ErWl : als eins gesetzt , 4–5 daß ein … sich ;] ErWl : auf chem ische Weise , wir sind das Bestehende , Bleibende das uns erhaltende , er aber wird nicht erhalten . Hier ist das dritte das Erste . die Säure im Salz ist nicht mehr da , hat nicht mehr die Qualität als Säure , hier aber ist das Eine das freie Selbst das sich erhält , in seiner Identität mit sich bleibt ; 6 muß] ErWl : verliert seine Selbstständigkeit , muß und verliert … In] ErWl : geht mit uns zusammen . das ist selbst in 7 begierde ist :] ErWl : Begierde , 7–8 die Dinge … davon)] ErWl : es über die äußern dinge Meister werden kann , 9 Sein dieser] ErWl : Seyn , die Selbstständigkeit der 9–12 daß sie … Sinnliche ;] ErWl : sondern daß sie | ihr Seyn haben für es . der Begriff der dinge ist , gebraucht , negirt , abgenutzt zu werden . Die Dinge sind , das ist im Bewußtseyn , aber 12–13 das Thier hat] ErWl : die Thiere haben 13–14 außer ihm … Selbstständiges .] ErWl : keine Seyenden sind , keine absolut selbstständigen . 14–16 sie sind … ich ,1] ErWl : die Dinge sind nichtig an sich . Wenn ich glaubte , die Dinge hätten 16 hätten als ich ,] ErWl : als ich in meinem Selbstgefühl mich an sie] ErWl : sich an die dinge 17–18 leisten , weil … Dialektik ,] ErWl : leisten . Ich bin selbst , ich bin frei das ist ein ganz andres Seyn als das Seyn der äußerlichen dinge . die Fortbestimmung des Bewußtseyns ist , daß sich der Gegenstand zur Erscheinung herabsetzt und zu einem Innern , worin sich das Bewußtseyn sich selbst fi ndet , das ist 18–20 äußren Gegenstände , … vollziehe] ErWl : dinge . dieser Begriff der unser Begriff war , existirt in der Begierde . An sich sind die dinge dieses , sich zu Erscheinungen zu machen , itzt vollziehe ich 21–22 i c h bin … bestimmung ,] ErWl : dieses Negative dieses was sich auf sich beziehende Negativität , die Freiheit ist . die Bestimmung der Dinge 22–783,5

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genommen werden , als ob man Sonne und Mond etc . auch verzehren kann ; es ist nur eine eingeschränkte Sphäre der begierde . Der begriff einzelnes Selbstbewußtsein zu sein ist vorhanden auf die Weise welche wir begierde nennen ; es ist also hier das beschränkte Selbstbewußtsein . § 42 8 ist gesagt das Produkt dieses Proceßes ist nämlich : daß es sich erhalten will ; das Subject hat die | Einseitigkeit in sich (nach der Seite hin , wo es Mangel war) aufgehoben , und das Object ist zerstört ; dieses sich Erhalten ist ein fortdauerndes sich selbst hervorbringen ; zunächst nur als einzelnes als unmittelbares Selbstbewußtsein und wird wieder begierde . Die befriedigte begierde wird wieder begierde ; denn das Einzelwesen bleibt dadurch daß es sich befriedigt , doch ein einzelnes und dieses einzelsein ist w i e d e r begierde ; die Negation des Objects ist also ein Selbstloses . Die begierde zerstört es ; sie ist zerstörend und selbstsüchtig und geht nur auf die Erhaltung des Einzelwesens als eines einzelnen . Aber es ist auch ein Übergang des begriffs . § 42 9 : Ich sahen wir schließt sich mit sich selbst zusammen ist für sich wirkliches Selbstbewußtsein ; für uns war es zunächst diese Gewißheit , und ist sie es für sich selbst : nämlich die Einheit seiner und der Objectivität als einer bestimmten , (nicht mehr als der Gegenständlichkeit in der abstracten Objectivität , wo ich ich bin ; und also nicht Object , weil kein Unterschied darin gesetzt ist) Das Selbstbewußt-

31 .Sg § 428 116Wl

§ 429

20 20 sind . Diese … das] ErWl : sind , ihr Zweck , ihr Begriff ihre Wahrheit ist . An den äußerlichen dingen

25 25

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wird exequirt ihr Recht . die Begierde ist der erste und untergeordnetste Standpunkt des Selbstbewußt seyns (Ich bin darin beschränkt , die Sonne kann ich nicht verzehren) / Die Bewegung , der Proceß des unmittelbaren Selbstbewußtseyns . durch Aufhebung des äußerlichen Gegenstandes ist das Selbstbewußtseyn bei sich selbst , auf sich selbst bezogen , es hat das Bewußtseyn seiner so durch Aufheben [des unmittelbaren Gegenstandes] Wl : das unmittelbare Gegenständliche] gesetzt zu haben als mit sich identisch . das 5 nämlich : daß es] ErWl : [daß] Wl : (»daß Ich sich mit sich selbst zusammenschließt , und hierdurch f ü r s i c h Wirkliches ist , –«) daß] das Subject 6 will ; das … hat] ErWl : hat , das Object ist aufgehoben und vom Subject nur in sich … wo] ErWl : seiner Subjectivität nach welcher 7–12 war) aufgehoben , … Selbstloses .] ErWl : war . das Selbstbewußtseyn hat sich erhalten . | Erhalten , das heißt Hervorbringung seiner vermittelt durch Aufhebung der Negation . Es hat sich erhalten nur als Einzelnes , sofern fällt es [zurück] Wl : zuerst] in die Bestimmung die wir sahen , die Begierde . diese Bestimmung einzelnes Selbstbewußtseyn zu seyn ist Begierde und die Begierde in diesem Verhältniß zum Object , nach Seiten des Objects betrachtet ist Negation des Objects , Negation eines Selbstlosen , Nichtigen , nur Scheinenden . das Seyn des Objects gilt daher wie im Begriff nur als Schein , es bleibt vom Object nichts , es wird aufgezehrt . 12 zerstört es ; … ist] ErWl : ist in Beziehung auf das Object 13 des Einzelwesens] ErWl : seiner 13–15 Aber es … wir] ErWl : Es ist aber auch ein weitrer Uebergang . Ich , das Selbstbewußtseyn 15 sich 3] ErWl : sich selbst 16–17 Gewißheit , und … die] ErWl : [Gewißheit] Wl : Gewißheit .] das Selbstbewußtseyn geht mit dieser Gewißheit an das [Object] Wl : Objekt ;] nun ist es für sich selbst diese Gewißheit der 18 (nicht mehr] ErWl : nicht nur 18–19 in der … ist)] ErWl : 6 will] versehentlich gestr .

11 einzelsein] einzlseins über gestr . einzl sei

149Er

§ 429 .Wl

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52r Sg

§ 430 Verhältniß von Herrschaft und Knechtschaft . Sg

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sein ist also jetzt für sich , Einheit seiner , die auch Objectivität ist an ihm selbst ; es ist für sich das Concrete ; und in so fern wieder ein Unterschied zum Vorschein kommt , so ist dies Objective nunmehr auch als Selbstbewußtsein bestimmt . Inhalt dieser bestimmung ist das Selbstbewußtsein nun 2 . , b e w u ßt s e i n , das Unterscheiden ; das von ihm unterschieden werdende ist ein Object , aber die bestimmung dieser Stufe ist , daß das Objective identisch ist mit dem subjectiven ; es ist also in so fern es bewußtsein ist , wieder ein Gegenstand da , aber das Object | hat auch schon die bestimmung im Subject zu sein . Wir haben das Objective ungetrennt gesetzt mit dem Subjectiven ; der Gegenstand ist freilich immer ein Sein ihm (dem bewußtsein) gegen über , aber dieser Gegenstand ist selbst subjectiv geworden , das heißt : ein Selbstbewußtsein . Das ist die 2t e Stufe des Selbstbewußtseins , Ur theil ; das Selbstbewußtsein eines freien Objectes , und so schließt seine Diremtion sich von sich selbst aus , aber es ist – ich we i ß n icht w a s ? In diesem freien Object hat das Ich sich selbst zum Gegenstand[ .] § 430 2 . D a s S e l b s t b e w u ßt s e i n a l s e i n a nd e r e s f ü r e i n a nd e re s Die Stufe ist also : S e l b s t b e w u ßt s e i n f ü r e i n S e l b s t b e w u ßt s e i n . – Ich habe mich in einem Object , habe mich affi rmativ darin ; der Inhalt ist die bestimmung des Gegenstandes jetzt ; der Gegenstand ist ein Ich .

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117 Wl § 430Wl

wie es in der abstracten Gewißheit war . In A = A ist der Unterschied nicht zu seinem Recht gekommen , der Unterschied , unmittelbar wie er gesetzt seyn sollte , verschwand . 1 also jetzt … selbst ;] ErWl : für sich Einheit seiner welche auch objectiv ist . die Objectivität ist für dasselbe an ihm selbst gesetzt . 2–3 das Concrete ; … Objective] ErWl : d[lacuna] und indem itzt die Bestimmung des Bewußtseyns eintritt ist dies Object 3–5 bestimmt . Inhalt … Unterscheiden ;] ErWl : gesetzt ; das Selbstbewußtseyn ist befriedigt , es ist für sich selbst diese Einheit der Subjectivität und Objectivität ; in dieser Bestimmung ist es zwei Bewußtseyn , der Unterschied . 5 unterschieden werdende … die] ErWl : Unterschiedne ist ein Gegenstand , Object , aber die Grundlage , 6 Objective] ErWl : Object 6–7 subjectiven ; es … es] ErWl : Subject , es ist Identität aber nicht mehr abstracte wie A = A . Sofern das Selbstbewußtseyn 7 wieder ein … da ,] ErWl : ist ein Gegenstand für dasselbe vor|handen , ein Object 7–8 auch schon] ErWl : itzt 8–9 im Subject … Subjectiven ;] ErWl : identisch mit dem Subject , davon ungetrennt , damit vereint zu seyn , Objectivität verknüpft mit der Subjectivität . 9–10 freilich immer … geworden ,] ErWl : itzt so bestimmt , daß es ein andrer Gegenstand ist , auch ein Seyn ihm gegenüber – Form des Bewußtseyns – dies Object hat sich aber so bestimmt daß es an ihm selbst sei subjectiv 12–14 Das ist … w a s ? ] ErWl : das Selbst ist befriedigt in der Objectivität frei , der Friede hergestellt , es schließt von sich selbst seinen eignen Begriff , seine eigne Bestimmtheit aus , bezieht sich also auf ein f r e i e s Object . (§ 429) 14 das Ich] ErWl : Ich 15–18 Gegenstand[ .] § 430 … Inhalt] ErWl : Gegenstande und dieses Ich ist zugleich ein freies Subject , eine Person . / | Auf dieser zweiten Stufe des Selbstbewußtseyns habe ich mich affi rmativ im Object , im Zustand der Begierde 19–785,3 Gegenstandes jetzt ; … mich 2 ] ErWl : Gegenstandes , negativ gegen mich zu seyn , ein Andres , itzt ist die Bestimmung des Inhalts : ein 3 Inhalt] Lesart unsicher

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Dies Verhältniß aber ist zuerst noch e i n u n m it t e l b a re s Ich ist nämlich für mich ; ich habe mich zum Gegenstand , ich bin einem Menschen gegenüber , aber das ist Ich ; dies ist die absolute Idee des Menschen : diese Ununterscheidbarkeit des Ich und Ich . (der andre ist auch ich , und es ist das Ich also ganz allgemein) hat aber auch die vollkommene Unterschiedenheit in sich ; denn der andre ist ebenso das sich ausschließende , sich auf sich beziehende , das Persönliche ; das Sein der Persönlichkeit ist ein viel spröderes härteres Sein als irgend ein Gegenstand in der Natur ; es ist das Härteste und leistet Widerstand , wie kein andres ; es ist selbstständig für sich und kann sich für sich unterhalten . in dieser Unterscheidbarkeit sind beide schlechthin selbstständig für sich ; und doch sind sie da unmittelbar für einander seiend ; der andre ist also so ebenso wie ein Ding , ein vollkommen äußerliches für mich . dies ist nun ein vollkommener Wider|spruch , dies Eins sein als allgemeines und diese Sprödigkeit und Gleichgültigkeit gegen einander , dieses Identischsein und dieses Verschieden sein . Das Aufheben dieses Widerspruchs ist das , was der P r o c e ß d e r A ne r ke n nu n g genannt wird . E r ke n n e n heißt mehr als wissen ; ich bin für mich und das andre ist auch für sich ; das ist Gewißheit ; ich weiß es aber ich anerkenne es noch . Dies Erkennen ist erst das bestimmte Wissen ; und die bestimmtheit von etwas ist die Entwicklung seiner , daß es als Concretes ist . Es ist f r e i , das weiß ich ; aber zu erkennen heißt , daß es seine Freiheit auf concrete Weise sei (Freiheit ist immer nur auf concrete Weise) | daß es in seiner Entwicklung sei . Das Für mich sein in der Unmittelbarkeit , diese beziehung auf mich das ist die

25 Freies , Ich – so habe ich mich affi rmativ darin . der Begriff des Selbstbewußtseyns ist itzt realisirt .

Es sind zwei Reale , Selbstständige gegen einander , seyende , Ich habe Ich

3–7 ich bin … aus-

25 schließende ,] ErWl : es ist dieses unendliche sich auf sich beziehn was Ich ist , mein Gegenstand , aber

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diese vollkommne [ Ununterscheidbarkeit] Wl : Unterscheidbarkeit] ist eben so der vollkommenste Unterschied . dieses Ich ist ein daseyendes , Andres , selbst Person , eben so wie es das Allgemeine ist ist es das Ausschließende , Negative 7 das Persönliche ;] ErWl : ein Persönliches , 8–11 ein viel … Unterscheidbarkeit] ErWl : das Härteste , Ich das Undurchdringbare dem kein Widerstand gleich ist . In dieser Identität , [ Ununterscheidbarkeit] Wl : Unterscheidbarkeit] 11–12 selbstständig für … so] ErWl : von einander unterschieden , persönlich schlechthin , selbstständig und zunächst sind sie für einander . So weiß ich daß das Andre ein Ich ist , aber wie es erscheint ist es mir gegenüber 13 nun ein vollkommener] ErWl : der höchste 13–15 dies Eins … sein .] ErWl : die vollkommenste Gleichgültigkeit gegen einander und die vollkommne Identität . 15–17 ist das , … wissen ;] ErWl : – er kann nicht so bleiben – ist der Proceß des Anerkennens . – 17–19 für sich ; … die 2 ] ErWl : frei , Ich , das we i ß ich , das ist Gewißheit , aber ich e r k e n n e es noch nicht als frei , und erkenne es nicht a n . Erkennen ist etwas wissen in seiner Bestimmtheit , der 20 f r e i , das … heißt ,] ErWl : frei (an sich) aber zum Erkennen gehört , 21–786,5 sei (Freiheit … also] ErWl : zeigt , daß seine Freiheit entwickelt sei . diese Entwicklung , das Concrete der Freiheit , wodurch die Freiheit erst wirklich ist ,

40 13 Widerspruch] Widrspruhs

15 sein] seins

151Er

52v Sg

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118Wl

§ 431

152 Er

§ 431ErWl

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Entwicklung ; ich hebe das unmittelbare Sein des andren auf und bin so für mich . Ich muß also den andren als einen solchen vor mir haben , als ich selbst sein muß i h m gegen über ; dann erkenne ich es als frei ; und anerkenne es , so daß ich ausspreche : e s i s t f r e i ; aber daß ich ihn anerkenne , damit ist zugleich gesetzt , daß er mich anerkennt ; es ist d a s s e l b e auf beiden Seiten . dies ist also das Aufheben des Widerspruchs , der eben darin lag daß der andre als das unmittelbare Sein mir gegen über ist mir als einem sinnlichen erscheint , wie ein andres Ding , und doch weiß , daß es eins mit mir ist – . Diese Unmittelbarkeit wird negirt , die Leiblichkeit , mein Leben wird negirt und dadurch wird der Widerspruch gelöst ; meine Freiheit wird darin unterschieden von meinem Leben , | von meiner besonderheit , von meinem Versenktsein in die Begierde , in die Selbstsucht . In diesem Verhältniß zweier Selbstbewußtsein zu einander ist das Ich schon das allgemeine , eine Identität die an sich ist ; diese Allgemeinheit ist verschieden von meiner besonderheit meiner begirde etc . – und sie soll aufheben den Mangel an ihr , (der als Sinnlichkeit , besonderheit ist) und dieses Aufheben soll ein allgemeines sein . Dies ist also die allgemeine bestimmung . dies ist in seiner ganzen bestimmtheit aufgenommen darin : daß ein Selbstbewußtsein ist für ein Selbstbewußtsein – und so ist der Proceß die Unmittelbarkeit . die Vermittlung ist ein Proceß des Verhältnisses zweier selbstständiger Selbstbewußtsein , die für einander da sind als unmittelbar , sich noch nicht anerkennen . § 431 . dieser Proceß ist ein Kampf . Ich kann nicht den andren nicht als mich selbst wissen ; ich weiß mich unmittelbar in dem andren , aber nicht als mich selbst , ist Fürmichseyn durch Negation der Unmittelbarkeit , das ist diese Entwicklung die Vermittlung ist durch Beziehung auf mich , daß ich das unmittelbare Seyn aufhebe und durch Negation dieses unmittelbaren Seyns für mich sei . daß ich das andre erkenne als frei , muß ich es in seiner Entwicklung vor mir haben in seinem Proceß was die Freiheit selbst ist . dann lasse ich es gelten als frei , spreche es meinerseits aus : das ist frei . Aber das Andre ist eben so ein [ Ich] Wl : Ich ;] von mir gilt nicht etwas Andres als vom Andern . das Anerkennen ist also gegenseitig . dies ist die Realisirung und 6 der eben … unmittelbare] ErWl : daß der andre als unmittelbares 7 ist mir … erscheint ,] ErWl : ist , daß ich eben so dem Andern als Unmittelbares erscheine und es mir , da erscheine ich als Sinnliches nicht als Freies , 7–10 Ding , und … unterschieden] ErWl : ding . dieser Widerspruch hebt sich auf durch Negation der Unmittelbarkeit , es tritt damit die Unterscheidung ein meiner Freiheit 10 meiner besonderheit , … meinem] ErWl : der Besonderheit die überhaupt an mir ist , 11–12 die Begierde , … ist ;] ErWl : das Sinnliche , Selbstsucht . Indem sich zwei Ich verhalten ist Ich an sich dasselbe Allgemeine , 13–15 besonderheit meiner … also] ErWl : unmittelbaren Besonderheit , und worin alle diese Besonderheiten Leiblichkeiten zusammengefaßt sind , ist | das Leben . diese Allgemeinheit die ich habe , soll aufheben diesen Widerspruch , der als Besonderheit ist Versenktseyn in die Begierde , durch Negation dieser Unmittelbarkeit . das ist 16 dies ist … ein] ErWl : Ein 17–18 und so … ist] ErWl : (Allgemeinheit) und jedes ist versenkt in die Leiblichkeit , ist ein Sinnliches , dadurch unterscheiden sie sich von einander und so ist die Vermittlung 18 selbstständiger Selbstbewußtsein ,] ErWl : Selbstbewußtseyn 20 dieser Proceß] ErWl : dieses Verhältniß zweier Selbstbewußtseyn 20–21 kann nicht … weiß] ErWl : weiß 21–787,1 aber nicht … ist ;] ErWl : und kann mich im Andern nicht unmittelbar als mich selbst wissen , [sofern , sofern] Wl : sofern] es ein

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so fern das andre ein Leibliches mir gegen über ist ; ich bin daher auf die Aufhebung dieser seiner Unmittelbarkeit gerichtet . diese Unmittelbarkeit ist nun die von mir verschiedene des andren ; denn meine Unmittelbarkeit hängt mit mir zusammen ; ich halte an meiner Unmittelbarkeit ; ich bin meinem Leben unmittelbar verbunden ; es ist also die Unmittelbarkeit eines anderen , auf die ich gerichtet bin ; ebenso kann ich auch nicht anerkannt werden anders als ein Unmittelbares . dies muß also gegenseitig sein ; indeß Un m it t e l ba r k e i t i s t Un m it t e l ba r k e i t ; ich muß also , i n d i r ek t auch auf m e i n e Unmittelbarkeit gerichtet sein ; ich setze also mein Leben in Gefahr um den andren zu tödten ; ich kann freilich mein Leben nicht aufgeben wollen , aber sie ist | bedroht ; ich bin also g e z w u n g e n : sie zu negiren ; diese Negation ist etwas fremdes , ein dagegen Andres ; es ist ein Gezwungen werden : | ich bin also zwingend und auch Zwang leidend . Dieser Zwang muß aber auch ebenso freiwillig sein ; das liegt darin , daß ich mein Leben in Gefahr bringe . Es tritt , ist gesagt , der Unterschied ein zwischen meinem Leben und meiner Freiheit . Die Gewißheit meiner selbst ist meine Freiheit und daß ich ankämpfe und angegriffen werde wird sie ungewiß , das ist mein Leben . diese Ungewißheit meines Lebens kommt mir aber nicht von dem andren her ; sondern in so fern ich frei bin vor mir selber[ .] 432 . Der Kampf des Anerkennens geht also auf Leben und Tod ; jedes Selbstbewußtsein gibt sich in Gefahr ; aber doch ist es gerichtet auf die Erhaltung seines

Leibliches ist , das damit versenkt ist in seine Begierden , das von den meinigen verschiedne Interessen , Willen hat . 1–3 daher auf … meine] ErWl : gerichtet auf das Aufheben dieses Unmittelbaren dieses von mir unterschiednen Unmittelbaren . Meine 3 zusammen ;] ErWl : zusammen , in die bin ich versenkt , 4 ich bin … Leben] ErWl : dieser bin ich 5 es ist … ich] ErWl : Sofern ich gegen ein Unmittelbares 5–6 bin ; ebenso … Unmittelbares .] ErWl : bin , bin ich auf die Unmittelbarkeit des Andern gerichtet , aber zum Anerkennen gehe ich durch Negation meiner Unmittelbarkeit , ich muß auch anerkannt werden . 7–8 indeß Un m i t t e l b a r k e i t … mein] ErWl : in der Unmittelbarkeit liegt daß ich gerichtet bin auf das Aufheben meiner Unmittelbarkeit aber nicht direct sondern indirect , daß ich auf den Tod des andern gehe aber mein eignes 9 um den … freilich] ErWl : setze . E i n e r s e i t s kann ich 10–11 aber sie … ist1] ErWl : denn es ist mein Leben meine Leiblichkeit , es ist die Negation der Unmittelbarkeit 11–12 dagegen Andres ; … werden :] ErWl : gegen mich anderes ein gezwungen werdendes , | 12 und auch … leidend .] ErWl : einerseits , aber e b e n s o ist Zwang gegen mich gerichtet . 13 das liegt darin ,] ErWl : d . i . 13–15 bringe . Es … Die] ErWl : setze . die 15–16 selbst ist … diese] ErWl : selbst , mein Selbstbewußtseyn , meine Freiheit – und daß sich hier mein Leben unterscheidet , zeugt von meiner Freiheit , – wird so das Ungewisse wie ich das | Leben des Andern zu etwas Ungewissem mache . Indem ich mich aber als freies weiß ist die 17–788,8 kommt mir … gestorben .] ErWl : in mir selbst gesetzt . Wenn beide sich nun vernichteten so wäre das Anerkennen nicht zu Stande gekommen , der Todte erhält die Freiheit , wer im Kampfe fällt , stirbt als freier Mann . Es wäre bewiesen die Gleichgültigkeit gegen die Lebendigkeit , die Erhebung der Freiheit über das Leben wäre realisirt , aber die Grundbestimmung die auf 3 andren] adrs

6 als] folgt mit Einfügungszeichen über der Zeile : im

13 das] d . das

bringe] sein

53r Sg 153Er

§ 432

153Er

119Wl

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1 Febr .Sg § 433

53v Sg

154Er

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Lebens , und setzt das Leben des andren in Gefahr . Ich bin aber wie gesagt dennoch im Zusammenhang mit meiner Leiblichkeit indem ich mein Leben aussetze ; es ist noch der alte Widerspruch , der sich nun in Thätigkeit , in beziehung gesetzt hat . Wenn nun der Tod auf diesen Kampf folgte , so wäre der Widerspruch nach e i n e r Seite aufgelöst und die abstracte Freiheit wäre hervorgebracht ; die Unmittelbarkeit des Daseins wäre verschwunden aber auf der einen Seite der größre Widerspruch entstanden ; aber das Anerkennen wäre nicht zu Stande gekommen , im Tod ist die Freiheit ; der am Leben bleibt ist eigentlich besiegt ; der getödtete ist frei gestorben . § 433 ist nun eine Ve r m it t e lu n g angegeben , welche die am nächsten auf den Widerspruch folgende ist , die aber auch noch einseitig ist . (der freie Wille ist der , der sich als frei beweisen soll , sich in seinem Dasein so zeigen ; erst dann kann man so anerkannt werden . dieser beweis aber enthält die bestimmung in sich des in Gefahr setzens des unmittelbaren Lebens , die abstract vollendet der Tod ist . Der Tod schließt aber das Leben aus , in welchem sich die Freiheit zeigen soll ; es muß also das Dasein , das Leben da sein) Die Ve r m it t lu n g wo r i n nun diesen beiden bestimmungen ihr Recht widerfährt ist dies . der Kampf beginnt damit , daß sich der einzelne aufgibt anerkannt zu werden als freier Wille , sich als solcher zu beweisen und als solcher zu existiren , und daß er doch hält an dieser beziehung auf sich selbst , an seinem freien Selbstbewußtsein , dies wird anerkannt von dem andren , welches das Un t e r wo r fe ne ist . Da ist das Anerkanntsein eines Willens , der sein Leben in Gefahr gesetzt hat , sich gezeigt hat als gleichgültig gegen sein Leben ; er ist also erkannt von dem andren als ein freies ; der andre | ist aber ein affi rmatives Moment , Selbständigkeit der Freiheit . beides nun ist nur so unvollständig vereinigt , daß nicht auf jeder Seite Totalität ist , das gibt das Verhältniß der H e r r s c h a f t und K n e c ht s c h a f t .

das Anerkennen geht , ginge verloren . 9 Ve r m i t t e l u n g ] ErWl : Auflösung 9–11 am nächsten … sich 2 ] ErWl : nächste Auflösung dieses Widerspruchs ist . der freie Wille soll das 11–12 so zeigen ; … so] ErWl : zeigen , sich beweisen als freier Wille , so kann er erst 12 dieser] ErWl : die Freiheit des Willens ist zu beweisen , dieser 13 Lebens , die abstract] ErWl : daseyns , die Negation die im Gefahr setzen ist , aber 13–14 Der Tod … welchem] ErWl : Aber das Leben worin 14–15 soll ; es … sein)] ErWl : soll gehört selbst zum Anerkennen . die Freiheit soll daseyn haben , anerkannt seyn , dazu gehört selbst Lebendigkeit , ein Moment ist eben so wesentlich als das Andere . 16–17 dies . der … werden] ErWl : im § angegeben . das Eine der Kämpfenden zieht das Leben vor , aber gibt auf , da zu seyn , sich zu beweisen 17–18 sich als … selbst ,] ErWl : und für sich in seinem Bewußtseyn das zu seyn . das andre Selbstbewußtseyn hält | aber an seiner Freiheit 20 Da ist das] ErWl : So ists 21 gleichgültig] ErWl : gleichgültig zu seyn Leben ;] ErWl : Leben , seine Unmittelbarkeit , 22–24 aber ein … daß] ErWl : worin die andre Bestimmung als Erhaltung des Lebens nicht auf negative Weise gesetzt ist , sondern wie es auch wesentliches Moment ist , affi rmativ . In diesem Verhältniß ist so beides gesetzt , aber daß die beiden Momente an die beiden Selbstbewußtseyn ver theilt sind ,

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der Kampf des Anerkennens und der Unterwerfung unter einen Herrn ist die Weise , wie die Staaten geworden sind . Eine Familie ist auch eine Person (moralisch) sie verhält sich zu andren Familien , wie ein einzelnes Selbstbewußtsein zu einzelnen ; diese sollen in Gemeinsamkeit mit einander kommen ; die ursprüngliche Weise , wie sie zusammenkommen ist die Gewalt (der Krieg) d i e G e w a l t ist der Grund d e r S t a a t e n bi ld u n g ; ihr Gang ist nothwendig ; sie ist berechtigt ; in dem Über gehen vom Zustand des bewußtseins das in die begierde versenkt ist , in dem Selbstbewußtsein liegt dieser Kampf nothwendig ; es muß beziehung da sein . Wir nennen das den Tr ie b d e r G e s e l l i g ke it ; es ist aber nicht ein besonderer Trieb , sondern die Einheit der Vernunft , des Selbstbewußtseins , daß diese Einheit sich realisirt . Sie kann sich aber nur realisiren im Selbstbewußt|sein des andren . In so fern dies d i e e r s t e beziehung des Selbstbewußtseins auf Selbstbewußtsein , findet dies statt : daß beide zwar freie und für sich sind ; daß sie aber sich auch in ihrer beziehung auf einander erkennen das müssen sie beide gegenseitig gezeigt haben , d . h . sie müssen ihre Freiheit darstellen als etwas Concretes , Wirkliches , und dies geschieht eben durch den Kampf , sie müssen ihr Leben in Gefahr setzen , sich gleichgültig zeigen gegen ihr unmittelbares Dasein . In diesem Kampf aber gilt die Gewalt ; es ist der N a t u r z u s t a n d ; sie sind äußerlich gegen einander , selbstsüchtig und einzeln und fremd gegen einander . Die Gewalt ist nämlich dieses : daß dies Nothwendige

cf . Schl . Ethik .Sg

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… die] ErWl : Das ist die äußerliche 2–5 sind . Eine … zusammenkommen] ErWl : sind , die eine sittliche Weise zugleich ursprünglich natürliche ist die Familie , das patriarchalische Zusammenleben , aber obgleich moralische Person , ist sie doch bloß eine Person gegen die andren , denn ob es eine Person ist oder ein einzelnes Selbstbewußtseyn , das ist gleichgültig . – das Ursprüngliche ist daß sie in Gemeinsamkeit kommen und die nächste Weise wie sie in Gemeinschaft kommen 5–9 (der Krieg) … nennen] ErWl : (Unsere Einsichten haben wir erlangt aus den Staaten heraus , wir würden uns anders vereinen .) Alle Staaten sind aus der Gewalt hervorgegangen und diese Unterwerfung , Herrschaft deren Gang wir sehn , ist durchaus nothwendig , berechtigt , gerecht . dieser Kampf muß eintreten denn das Selbstbewußtseyn muß für das Selbstbewußtseyn seyn , das einzelne Individuum muß in Beziehung kommen auf Anderes . Man nennt 9–10 nicht ein … Vernunft ,] ErWl : die Vernunft , die Einheit 10 daß] ErWl : die Grundlage ist daß 11–13 des andren . … aber] ErWl : andrer Individuen . | das Material worin Ich , Freiheit , sich realisiren kann , ist durchaus nur andres Selbstbewußtseyn , dies ihre Realität , Objectivität , Aeußerlichkeit . die Selbstbewußtseyn wie sie zuerst an sich kommen , sind zuerst frei aber nur an sich , daß sie 14 auf einander … sie2 ] ErWl : frei erhalten für frei gelten dazu müssen sie es beide bewiesen haben 15–16 Wirkliches , und … eben] ErWl : Wirkliches 16–17 sie müssen … es] ErWl : daß sie ihre Gleichgültigkeit beweisen , ihre Fähigkeit , ihre Unmittelbarkeit , (Daseyn) aufzuopfern . Das 18–19 sie sind … dies] ErWl : sofern die Selbstbewußtseyn als unmittelbar gegen einander , so gilt Gewalt . An sich sind sie frei aber sie sind äußerlich noch gegen einander weil sie noch nicht anerkannt sind . Ihr Verhältniß zu einander ist , daß sie nur Unmittelbare , Einzelne gegen einander

20 1 der Kampf

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40 1–8 der Kampf … nothwendig ; durch senkrechten Strich am linken Rande hervorgehoben

mutlich zu lesen : Schleiermachers ; siehe Anm .

7 dem] das

14 einander] eind sich

1M Schl .] ver-

120 Wl

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54r Sg §§ 434 ; 435

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als ein Fremdes an mich kommt . Der Ursprung der Staaten ist nichts Geschichtliches ; zur Geschichte gehört schon eine große bildung ; die Mnemosyne ist die Muse der Erinnerung ; aber daß das , was geschieht auch gewußt und behalten wird , dazu gehört Geschichte . – Der Ursprung der Staaten hat das patriarchalische Element aber ist zugleich mit Gewalt verknüpft ; denn der rohe Mensch ist gerichtet auf seine unmittelbare Einzelheit . berechtigt ist diese Gewalt weil die Vernunft ihn in diesem Zustand fordert ; denn diese fordert das Moment der gegen seitigen Anerkennung . dies ist aber nur der äußerlich erscheinende Anfang der Staaten , aber nicht das substantielle Princip derselben ; denn was noch immer Gegensatz der Willkühr und Gewalt (positiv) geworden ist , macht sich nach und nach überflüssig durch die Entwicklung der Allgemeinheit . Das Verhältniß von Herrschaft und Knechtschaft treffen | wir überall schon im patriarchalischen Zustand ; Abraham etc . so haben Sclaven , die wohl Kriegsgefangene waren . 43 4 u n d 35 ist nun gesagt : welche bestimmungen darin hervortreten im Verhältniß der Herrschaft und Knechtschaft . a d i e b e s t i m mu n g d e r G e me i n s a m k e it . der Sclave ist nicht sein eigen , sondern seines Herrn ; er hat seine Freiheit dem Leben nachgesetzt ; er hat den Willen des andren anerkannt ; er ist eine Sache und als solche gehört er dem Herrn . Es ist aber eine Gemeinsamkeit vorhanden für die befriedigung der bedürfnisse . Das bedürfniß des Sclaven muß auch befriedigt werden ; aber das ist nicht der Zweck ; er ist brauchbar ; er ist ein Mittel ; dies Mittel muß sind , Fremde nach ihrem Daseyn und Gewalt ist wenn das an sich 1 Der] ErWl : Innerlich sind sie frei aber noch nicht in ihrem Verhältniß . der 2–4 schon eine … Der] ErWl : Bildung die erst in die Fortentwicklung der Staaten fällt , aber so weit 4–5 hat das … ist 2 ] ErWl : vorhanden ist so fi ndet es sich daß er ein patriarchalisches Moment enthält und das andre dazu die Gewalt ist . das unmittelbare Selbstbewußtseyn ist selbstsüchtig in seiner Begierde 6–8 diese Gewalt … Anerkennung .] ErWl : dieser Kampf in diesem Zustand , denn es ist die Vernunft welche fodert daß die gegenseitige Anerkennung herauskommt . 8 äußerlich erscheinende] Er : erscheinende Wl : erscheinende äußerliche 9–10 Princip derselben ; … ist ,] ErWl : Princip . Im Gegentheil was in die Staaten hinein sich auf Festsetzung der Gewalt , Will|kür continuirt 11 Allgemeinheit .] ErWl : Vernunft . Man muß wohl unterscheiden was Princip des Anfangs ist und die Erscheinung im Anfang . 12 überall schon im] ErWl : im 12–17 Abraham etc . … ist] ErWl : In frühern Zeiten wurde der Unterworfne Knecht des Andern , es ist eine Gemeinsamkeit damit gesetzt – der Herr nur hat Eigenthum der Sklave nicht , dieser ist selbst nicht sein eigner Eigenthü mer , 17 sondern seines Herrn ;] ErWl : nicht frei für sich , 18–19 nachgesetzt ; er … Herrn .] ErWl : nachgesetzt , hat keinen Willen für sich hat den Willen des Andern anerkannt , ist Sache des Andern , so gehört er dem Andern – 19–791,1 für die … So] ErWl : des Bedürfnisses und der Befriedigung desselben . Das ist nicht A l l g e m e i n h e i t , die an und für sich anerkannt wäre , Recht pp sondern Gemeinsamkeit . Der Sklave ist Mittel , indirect zur Erhaltung des Mittels muß für den Sklaven gesorgt werden er zu einem relativen Zweck gemacht werden . Es 10 positiv] Lesart unsicher

12 Abraham] folgen einige unleserliche Zeichen , vermutlich zu lesen : Odysseus

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erhalten werden ; er wird also indirekt Zweck . So tritt das Interesse des Vermögens ein , die Möglichkeit die begierde zu befriedigen und des Formirens der Subjecte und dies ist das Vermittelnde zwischen Herr | und Knecht : Dem Knecht ist es Zweck sein Leben zu erhalten das ist auch wenn auch indirect Zweck des Herrn . In dieser Gemeinsamkeit liegt schon eine äußerliche Allgemeinheit im Verstand ; aber die begierde geht nur darauf zu verzehren ; der Wilde sorgt nur für den Augenblick , legt keine Vor rathshäuser an etc ; aber die Sorge für mehrere kommt auf dergleichen a l l g e m e i n e befriedigung , nicht für jetzt bloß , sondern auch für die Zukunft . das ist die Form , wie hier die Allgemeinheit eintritt in diese Sphäre des bedürfnisses und der begierde . Da s H a u pt mom e n t a b e r i s t d i e s e s : d e r He r r h a t s e i n S el b s t b e w u ßt s e i n i s t f r e i u n d h a t d i e A n s ch a uu n g davon in einem andren erreicht und weiß er ist gewußt von dem andren als ein freies Subject ; aber die Anschauung der Freiheit im andren ist unvollständig ; die Anerkennung ist nicht gegenseitig ; er wird nicht von einem für sich ebenso freien Selbstbewußtsein als frei anerkannt ; es ist nur das Formelle des Anerkanntseins erreicht . d a s H a u p t mom e n t a b e r i s t a u f Seiten des Knechts . Der Knecht arbeitet sich in Diensten des Herrn seinen einzelnen Willen ab , hebt seine innre Unmittelbarkeit auf und macht durch diese Entäußrung und durch die F u r cht des H e r r n d e n A n f a n g der Weisheit und den Übergang zum allgemeinen Selbstbewußtsein . Die begierde und ihre befriedigung ist in ihrem ganzen Umfang das Leben ; dieses ist aber 1–2 des Vermögens ein ,] ErWl : ein die Objecte zu formiren , 2 und ] Wl : nur 2–3 des Formirens … dies] ErWl : diese Sorge , die Thätigkeit zu erhalten 3–8 es Zweck … befriedigung ,] ErWl : seine Erhaltung Zweck , er hat sein Leben vorgezogen , und dem Herrn ist sie indirect Zweck . das ist Gemeinsamkeit – Unterwerfung des Willens des Knechts unter den Herrn , also e i n Wille – äußere Allgemeinheit . die Sorge für Mehreres bringt diesen Verstand hinein , die Möglichkeit zu haben , die Bedürfnisse zu befriedigen . diese Möglichkeit beruht auf Gegenständen , die allgemeine Befriedigung geben , 8 auch für … Zukunft .] ErWl : auf ausgedehntere Weise , Acker pp 9 hier die … eintritt] ErWl : die Allgemeinheit hier 10 begierde . Da s … d i e s e s :] ErWl : Begierde , des einzelnen Willens sich | schon hereindrängt , denn sie ist die Substanz des Ich . 11–12 i s t f r e i … weiß] ErWl : und hat sein Anerkanntwerden im andern , so daß er die Gewißheit hat , 12 von dem … ein] ErWl : als 13 die Anschauung der] ErWl : das Anschaun seiner 13–15 unvollständig ; die … anerkannt ;] ErWl : zugleich noch unvollständig es ist einseitige Anerkennung , er wird vom Andern nur gewußt als frei als selbstständiges Wollen , aber nur von einem formalen Selbstbewußtseyn , das nicht frei , selbstständiges Wollen in sich ist , 16–18 erreicht . d a s … ab ,] ErWl : erreicht aber nicht das Gehaltvolle des Anerkanntseyns von einem selbst freien Bewußtseyn als freien Selbstbewußtseyns . Der Knecht 19–20 und macht … und ] ErWl : des Wollens , der Selbstsucht die nur auf seine unmittelbare Einzelheit geht , er macht 20 Die] ErWl : das Wesentliche des Uebergangs fällt in die Seite des Knechts . die 21–792,2 dieses ist … Herrn] ErWl : aber die Begierde hat noch eine andre Seite wie sie im Wollen zugleich ist . der Wille als begehrender Wille ist nur sinnlicher , 20 Selbstbewußtsein] Selbstbußtseins

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die äußerliche natürliche Seite , in der die begierde ist ; der Wille ist die andre Seite , aber auch noch die sinnliche . Die Freiheit des Herrn war nur ein beweisen nach der Seite der natürlichen Unmittelbarkeit der begierde , aber nicht eine Negation der begierde nach dieser ihrer i n n e r l i c h e n Seite , nicht eine Negation seiner Selbstsucht . | diese Negation der Selbstsüchtigkeit des Willens geht im Knecht vor . Er hat die Furcht des Herrn ; und die ist der Anfang der Weisheit , wie es in der bibel heißt . Furcht ist sonst etwas verächtliches ; aber sie hat doch dies , sie hat das bewußtsein der Ohnmacht dessen , was meinem äußerlichen particulären Sinn angehört . dieses ist nun die Seite d e r A bh ä n g i g k e it ; Es kann mir alles entrissen werden , selbst das Leben ; ich muß nun auch das bewußtsein haben , daß es nichts wahrhaft selbstständiges ist ; und dies stellt sich ganz von selbst ein ; und dieses bewußtsein ist die Furcht ; das bewußtsein : daß ein Höhres ist und daß mir die besonderheit entrissen werden kann , das führt ins A l l g e m e i ne in die Weisheit ; der selbstsüchtige Wille arbeitet sich so zu sagen gründlich ab , der welcher Herr wurde . Der Tapfre setzt allerdings sein Leben in Gefahr und hält alle möglichen Entbehrungen aus ; aber diese Stärke bezieht sich nur auf das Momentane . Im Dienst arbeitet sich aber das innre Wollen der begierde ab . Dies haben alle Völker durchgemacht . Wer nicht gehorchen kann , der kann auch nicht befehlen ; durch diese Schule des Gehorsams muß jeder gehen , der frei sein will und befehlen ; welches heißt : d a s ve r l a n g e n , w a s r e c ht und ve r n ü n f t i g ist . Wenn man nur d i e s befiehlt , so verlangt man auch Gehorsam von Andren . Die Selbstsucht des Willens wird gehemmt durch eine Gewalt particulärer , selbstsüchtiger Wille . die Tapferkeit des Herrn , die Freiheit die er beweist 2–3 der Seite] ErWl : Seiten 3 aber nicht … Negation] ErWl : indem er sein Leben daran setzt , aber nicht ein Negiren 4–5 Selbstsucht . diese … Willens] ErWl : Selbstsucht , der Particularität des Willens . dieses Aufheben der Selbstsüchtigkeit der Particularität des Wollens 5 im] ErWl : am 6–7 und die … hat 2 ] ErWl : diese Furcht hat die innerliche Seite , daß sie 7 der] ErWl : ist der Unselbst|ständig keit , 8–9 Sinn angehört . … die] ErWl : Seyn angehört , alles was zum Umfang der natürlichen Begierde gehört , der 9–11 A b h ä n g i g k e i t ; Es … bewußtsein] ErWl : Abhängigkeit des Menschen . dieses ist zugleich ein solches das mir entrissen werden kann , mein Leben selbst kann mir genommen werden . Indem ich das will , darin versenkt bin , wird mir das Bewußtseyn gegeben daß das nicht meiner Selbstständigkeit angehört , nichts festes ist , sondern vielmehr gegen mich selbstständig gemacht werden kann . dieses Bewußtseyn der Negativität 12–15 das bewußtsein : … hält] ErWl : und die Furcht des Herrn als Höheres ist der Weisheit Anfang . So arbeitet sich der besondere Wille ab im dienst des Herrn . | Er kann 15 aus ;] ErWl : aushalten 16 Momentane . Im] ErWl : Momentane der unmittelbaren Einzelheit , im 16–19 aber das … ve r l a n g e n ,] ErWl : der unmittelbare Wille der Begierde und der Befriedigung ab , der Wille reinigt sich . dieses hat [der Knecht] Wl : d . [lacuna]] durchgemacht . durch Gehorchen lernt man erst Befehlen d . h . Stärke gegen die Zufälligkeit seiner Begierden erlangen , und das wahre Befehlen besteht darin , 20–21 Wenn man … gehemmt] ErWl : da erlangt man Gehorsam von andern , es ist die Negation der innerlichen Selbstsüchtigkeit gesetzt und mit dieser Negation der Particularität geht dann hervor der Wille als allgemeiner . / der selbstsüchtige Wille des Knechts wird gehemmt . diese Hemmung erscheint zuerst als bewirkt

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durch einen fremden Willen , der auch ein Selbstsüchtiges ist – das ist die Wirkung des Gehorsams ; eine bestimmung die besonders in der Geschichte der Völker vorkommt . Die Römer hatten zuerst Könige , auch die Griechen – Solon hatte allen bürgern gleiche Rechte gegeben ; dennoch warf sich Pisistratos auf und hielt doch die Gesetze und machte die Athenienser daran gewöhnt . Denn eben dadurch daß ein Herrscher sie an diese Gesetze gewöhnte , haben sich dieselben erhalten . So hat das Feudalsystem die Wirkung gehabt , den Eigenwillen zu brechen . – Es tritt nun aber gleich das A f f i r m a t ive ein 3 . d a s a l l g e me i ne S e l b s t b e w u ßt s e i n . § 436 . Das Affi rmative ist dies : daß das Selbstbewußtsein , Selbstbewußtsein bleibt . Verhalten zu sich selbst ; Wissen vom Ich ; aber der Gegenstand ist nun ein solcher , der nicht mehr die bestimmung der begierde , der Selbstsucht hat ; die Unmittelbarkeit ist ihr abgearbeitet ; es ist kein bloß natürliches Selbstbewußtsein mehr . So verhält es sich zu sich ; und indem es s o von sich weiß , so ist nun dies Höhere seinem begriff näher gekommen , seinem abstracten Ich . Itzt in der Realisirung des Selbstbewußtseins ist das gegenüberstehende Ich ein solches , an welchem die Particularität negirt ist , und welches d a ist als ein nicht einzelnes , als ein allgemeines als ein f r e i e s . Aus diesem Dienst und diesem Gehorsam geht erst die wahre | Freiheit hervor . In der Unterjochung erscheint zwar auch die Unfreiheit aber es ist die Unfreiheit eines an sich unfreien bewußtseins , eines bewußtseins das in sinnlicher Unmittelbarkeit versunken war . Die Freiheit ist auch in dieser Rücksicht die Unfreiheit , daß die Willkühr nicht freigelassen wird . Das ist eben der Irr thum , daß 1–7 durch einen … Es] ErWl : als Gehorsam gegen einen fremden Wil|len . die Hemmung des selbstsüchtigen Willens ist zunächst der Gehorsam . die Staaten haben angefangen mit despotismus , Tyrannei , dann ist erfolgt eine Zeit wo die Gewalt sich überflüssig gemacht . Nachdem Solon seine Gesetze gegeben , hat Pisistratus sich zum Tyrannen aufgeworfen ohne die Solonischen Gesetze umzuwerfen . Gerade daß die Athener unter ihm diesen Gesetzen g e h o r c h e n mußten , dadurch sind sie an sie gewöhnt . das Gehorchen ist zuerst negativ , dann 7–8 nun aber gleich] ErWl : aber 8–11 ein 3 . … der1] ErWl : ein , dieses ist das Wissen von sich aber dasjenige wovon es weiß ist itzt ein Unmittelbares , das 11–13 hat ; die … indem] ErWl : ist , sondern es weiß von einem solchen dem die Unmittelbarkeit der Begierde abgearbeitet ist , es weiß von sich als einem in welchem negirt ist die Bestimmung der sinnlichen Einzelheit der Selbstsucht . Indem 14 seinem begriff … in] ErWl : entsprechend dem Begriff , dem Ich = Ich . In 15 ist das gegenüberstehende] ErWl : ist das andre 15–16 an welchem … d a ] ErWl : dem die Selbstsucht abgethan ist , das also auch da 16 einzelnes ,] ErWl : particulares sondern 17–18 Aus diesem … ist] ErWl : Einerseits erscheint hier die Unterdrückung des Willens , die Unfreiheit . dieses ist aber 19–20 bewußtseins , eines … Die] ErWl : und so sich bewußten . die wahre 20–21 auch in … daß1] ErWl : daß 21– 794,12 Das ist … sind] ErWl : Der Wille in der Bestimmung der Allgemeinheit ist nun der andre Wille dem das Selbstbewußtseyn gehorcht . Das Selbstbewußtseyn gehorcht noch einem andern Willen , der andre ist als der freie Wille der von der Einzelheit befreite Wille . durch den Gehorsam , die Negation d e s Willens der ein einzelner , selbstsüchtiger ist , erlangt er die Bestimmung , a l l g e m e i n e r Wille zu seyn . | das Selbstbewußtseyn weiß sich itzt nicht mehr als einzelnes , hat die Bestimmung der Allgemeinheit an ihm . – Ein Individuum erziehn | heißt nichts andres als

§ 436

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man meint : mein subjectives Interesse , meine Willkühr sei Freiheit . Der allgemeine Wille , die Freiheit das ist dann der andre Wille , dem das bewußtsein gehorcht , als subjectiver Wille ; es gehorcht freilich auch einem andren Willen , aber dem von der Einzelheit befreiten Wollen , und indem dies sein eigner Wille ist , gehorcht es sich selbst und ist darin frei . Das ist also der Übergang : das Gehorchen erscheint zunächst als eine Gewalt ; es ist eine Negation der Selbstsucht , der besonderheit des Willens – dann wird es durch Abarbeitung dieser Selbstsucht ein A l l g e me i n e s . Durch das Gehorchen wird das Individuum erzogen , d . h . dahin gebracht , nicht mehr gehorchen zu brauchen . Die Erwachsenen haben vernünftigen Willen in Ansehung dessen , was recht und nützlich ist etc . das Kind hat nur den Willen der begierde , der durch den Gehorsam gehemmt wird . Dadurch wird es selbst dieser freie Wille ; die bestimmung ist also : sich selbst überflüssig zu machen . So sind die Völker auch erst frei , wenn sie die Selbstsucht in sich besiegt haben , das von sich wissen an sich frei zu sein ; das bewußtsein ihrer Allgemeinheit kann ihnen keiner nehmen , wenn sie es erst haben ; aber sie müssen sich erst dahin durch arbeiten . Das allgemeine Selbstbewußtsein also ist das positive Wissen seiner Selbst im andren Selbst , daran jedes als freie Einzelheit absolute S e l b s t s t ä n d i g k e i t hat , aber vermöge der Negation seiner Unmittelbarkeit oder begierde sich nicht von andren unterscheidet , allgemeines , und objektiv ist , und die reelle Allgemeinheit s o hat , als es im freien andren sich anerkannt weiß , und dies weiß , insofern es das andre anerkennt und es frei weiß[ .] Es ist zunächst : Wissen von einem Gegenstand , dann von einem andren Selbstbewußtsein : aber so : daß ich in mir frei bin , so daß ich in dem andren Selbstbewußtsein meine Freiheit erhalte , bewahre , so daß mir nöthig ist um Selbstbewußtsein zu sein , mich in einem a nd r e n zu wissen ; ich entäußere mich , verliere mein Selbstbewußtsein an ein andres ; aber darin habe ich auch die Affi rmation meines Selbstbewußtseins , denn die Schranke , die in der Selbstsucht lag , ist

durch Gehorsam es dazu bilden , nicht mehr zu gehorchen einem äußern Willen . Ein Kind hat noch den Willen der selbstsüchtigen Willkühr , Particularität , im Gehorsam wird diese Selbstsucht gehemmt und außer ihm ist noch der allgemeine rechte Wille und durch Gehorsam [wird sein Wille auch] Wl : auch] dieser allgemeine Wille , auch 12–13 auch erst … wissen] ErWl : müssen oft eine große Unterdrückung durchgehn bis sie so viel Kraft erlangt haben selbst frei seyn zu können . Sie wissen dann , daß sie 14–22 zu sein ; … so2 ] ErWl : sind . [ Dies] Wl : b .) dieß] ist die Bestimmung zu der wir gekommen sind . Zunächst ist diese Bestimmung wieder als B e w u ß t s e y n vorhanden d . h . daß ein Gegenstand , ein andres Selbstbewußtseyn ist , aber so daß ich im Bewußtseyn der Freiheit meines Selbstbewußtseyns frei bin , 23 erhalte , bewahre ,] ErWl : erhalte , 24–25 ich entäußere … verliere] ErWl : in so fern ve r l i e r e ich 25–26 darin habe … Selbstbewußtseins ,] ErWl : gerade in dem Andern weiß ich mich affi rmativ , 26 Selbstsucht] ErWl : Begierde , der Selbstsucht 7 Abarbeitung über Abthuung

18–21 andren unterscheidet , … weiß am rechten Rande

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aufgehoben ; es greift über sich über und continuirt sich in das andre hinein ; es sind nicht 2 Selbstsüchtige gegen einander sondern e i n Selbstbewußtsein und in so fern ist es a l l g e m e i n e s S e l b s t b e w u ßt s e i n . Diese abstracte bestimmung ist in vielen concreten Formen vorhanden . Die Substanz dieses Selbstbewußtseins ist die Allgemeinheit , hinauszugehen über seine Einzelheit . Die bestimmung der Liebe ist die Form des bewußtseins ; in der F a m i l ie , im Va t e r l a n d i m S t a a t bin ich , bin absolut selbstständig , schlechthin ausschließend alle anderen , und in so fern bin ich nicht mehr selbstsüchtige sondern freie Einzelheit , das freie mich in dem andren Wissen , und dann das Wissen meiner als mich selbst . | Alle Tugenden haben diese Grundlage ; die Liebe etc . »Ist Gehorsam im Gemüth wird nicht fern die Liebe sein« sagt Göthe irgendwo . der Mensch verliert sich auf diese Weise , kann es bei sich in seiner Einzelheit nicht aushalten ; er gibt sich auf , entäußert sich und gerade dieses Außer sich sein ist der Gewinn seiner als ein Selbstbewußtsein : Freundschaft , Ehre , Ruhm , etc . geht darauf . – Das ist auch der Zustand des Anerkanntseins , Zustand in einem sittlichen Ganzen ; der K a m pf des Anerkennens liegt jenseits dieses Zustandes ; in der Familie ist das Kind anerkannt , obgleich es sich nicht geltend machen kann , schwach und nichts wirkend ist ; so in der bürgerlichen Gesellschaft , – auch wer gar keine Achtung erwirbt , so ist er ein bürger , so gilt er ebenso viel als die andren bei den andren , weil er im Selbstbewußtsein der andren gilt . Es ist

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20 20 1 es1] ErWl : Das Selbstbewußtseyn

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andre] ErWl : andre Selbstbewußtseyn 2 Selbstsüchtige] ErWl : selbstsüchtig 3 Diese] ErWl : In sofern es ein besondres ist , ist es getrennt vom Andern . / | Diese 4 vielen concreten Formen] ErWl : viel concreterer Form 5–7 hinauszugehen über … fern] ErWl : – von sich dieses Wissen von sich hinaus zu gehn aus der Selbstsucht und sich in das andre hinein zu continuiren . In der Liebe ist diese Bestimmung . Ich bin ausschließend alles andere und indem ich diese Einzelheit bin , 8 selbstsüchtige sondern … freie] ErWl : selbstsüchtiges Ich sondern freies Selbstbewußtseyn , 9 Wissen , und … selbst .] ErWl : zu wissen und indem ich dieses weiß mich identisch mit mir zu wissen . 10 die Liebe etc .] ErWl : eben so die Liebe . 11–14 der Mensch … darauf .] ErWl : d . h . ist die Schranke , Besonderheit aufgehoben so ist das Selbstbewußt seyn in der Bestimmung der Allgemeinheit und als Einzelnes frei . Gehorsam ist diese negative Bestimmtheit gegen die Selbstsucht . Indem der Mensch sich zu verliren scheint , sich in seiner Einsamkeit nicht aushalten kann sondern ein andres Bewußtseyn braucht , so verliert er sich aber gerade dieses Außer sich seyn ist der Gewinn seines substanziellen Selbstbewußtseyns . 14–15 Anerkannt seins , Zustand in] ErWl : Anerkanntseyns . In 15 Ganzen ; der] ErWl : Ganzen , Familie , Staat sind alle anerkannt . | der 15–16 liegt jenseits … Zustandes ;] ErWl : ist so verschwunden . 16–796,2 anerkannt , obgleich … daß] ErWl : das so schwach ist , kein Verdienst hat anerkannt . In der Gesellschaft sind alle Bürger anerkannt , sie gelten sich als Freie . die Freiheit jedes Einzelnen ist nur sofern er als Freier von den andern anerkannt ist , daß die Andern in ihm das Bewußtseyn ihres Geltens haben . Im rechtlichen Zustand gilt jeder weil er sie gelten läßt als Freie . / Ich bin frei sofern es die andern [sind und lasse] Wl : sind : nun lasse ich] sie sofern für frei gelten , als

40 11–13 der Mensch

seins

… Freundschaft , durch senkrechten Strich am linken Rande hervorgehoben

18 so1] Lesart unsicher

13 sein]

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§ 437

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gegenseitig : was ich bin , sind die andren auch ; ich muß sie gelten lassen in so fern daß sie mich als frei gelten lassen . Das ist das vollbrachte Anerkanntsein . In der bürgerlichen Gesellschaft ist dies Verhältniß reiner abstracter ; in der Freundschaft ist es mehr mit besonderheit gemischt , mit Empfindung und Gefühl . Es ist also ein allgemeines Wesen : frei zu sein ; ich bin es nicht in meiner besonderheit ; ich weiß auch von andren , daß sie frei sind ; ich schaue mich in ihnen an . § 437 . dieses allgemeine Selbstbewußtsein , die Wahrheit des bewußtseins ist nun das Selbstbewußtsein das objectiv ist . Die an und für sich seiende Allgemeinheit des bewußseins ; es ist freilich beziehung auf ein anderes durch Vermittlung aber dieses andre ist ebenso unmittelbar kein andres ; ich weiß es nur so fern ich mich in dem andren weiß[ .] Darin ist nun die bestimmung der Vernunft überhaupt ausgedrückt . Die bestimmung der Vernunft ist I c h Subject : aber so daß es einen Gegenstand hat , und nur Ich ist , so fern es einen Gegenstand hat ; dieser Gegenstand ist aber Ich selbst , aber so , daß er ein Inhalt ist , bestimmung , Gegenstand , Object , aber so , daß dieser die Entwicklung allen diesen Inhalts in sich enthält , und daß ich in dieser mich s e l b s t habe . die allgemeinheit der Vernunft hat ebenso sehr die bedeutung des mir nur vom bewußtsein nur gegebenen Objects ; es ist aber ein allgemeines Object ; ebenso enthält diese allgemeinheit das reine Ich meines Selbstbewußtseins . Oder : das subjective Ich bin die Gewißheit , daß die bestimmungen des Subjects (Ich in seiner Entwicklung in sich selbst) die Gewißheit hat : daß diese Entwicklung die bestimmung des Wesens der Dinge ist , ebenso als die eigenen Gedanken ; und diese sind wieder ebenso das Objective ; diese Gewißheit habe ich nicht als besonderes selbstsüchtiges Subject sondern als freies Subject das sich in sich zu seiner Gewißheit erhoben hat . |

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C . Vernunft § 438 .Er

2–3 Das ist … der] ErWl : In der Liebe , 4–7 mit besonderheit … nun] ErWl : in der Empfi ndung , im bürgerlichen Zustand gelte ich Abstractum , als Person ohne Besonderheit meiner Subjecti|vität / dies ist die Realisirung des Bewußtseyns zum Selbstbewußtseyn dann des unmittelbaren Selbstbewußtseyns zum allgemeinen Selbstbewußtseyn daß Ich als Ich schlechthin [als frei] Wl : frei] bin , nicht nach meiner Selbstsucht sondern nach meiner allgemeinen Natur . daß ich von meiner Allgemeinheit weiß ist realisirt da ich das Andere als frei weiß , nicht nur in der Vergleichung mein Selbstbewußtseyn im Anderen habe , sondern daß ich im Anderen von mir weiß , in ihm mein Selbstbewußtseyn concret habe . dies ist 8–12 Allgemeinheit des … Die] ErWl : Allgemeinheit , es ist eine Vermittlung die aber das was in der Vermittlung einseitig ist , aufgehoben hat , denn das andre Selbstbewußtseyn ist kein anderes , ich weiß m i c h darin , vermittelst des Anderen und dies ist aufgehoben denn ich weiß mich darin . / die 12 I c h ] ErWl : die : 13 und nur … dieser] ErWl : dieser 14–17 aber so , … Object ;] ErWl : so daß der Gegenstand ein Andres , Object ist aber so daß dies Object das Allgemeine ist , alle Bestimmungen in sich enthält , daß ich in [allen] Wl : allem] diesem Inhalt mich selbst habe , darin frei bin . Es ist allgemeines Object und 18–19 diese allgemeinheit … subjective] ErWl : es den Inhalt meines Selbstbewußtseyns , das Subject , 19 daß die … (Ich] ErWl : – das Subject 20 selbst) die … hat :] ErWl : selbst , 20–22 die bestimmung … Objective ;] ErWl : [seiner selbst] Wl : seines Selbst ,] objectiv ist und daß diese Bestimmungen die Bestimmungen meines Wesens , die dinge eben so meine Gedanken sind . 23 freies Subject …

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Der Geist ist also ich oder das Subject wo aber der Gegenstand ein Allgemeines an ihm selbst ist . Im bewußtsein weiß ich : der Gegenstand ist so gewiß als ich bin ; der Geist weiß dies ebenso aber er weiß auch : dieser | Gegenstand ist vernünftig , hier haben wir also 2 Seiten zu unterscheiden . Ich beziehe mich auf den Gegenstand Subject und Object getrennt ; es ist der Gegenstand vom Subject und auch von dem andren verschiedner Gegenstand . Diese besonderheit des Subjects gegen das object ist aber hier weggefallen ; der Inhalt des Subjects ist derselbe als der des Objects ; das Subject ist frei in dem Gegenstand ; d a s i s t d i e F r e i h e i t d e s G e i s t e s ü b e r h a u p t . Aber bestimmter : steht hier dem Inhalt nach der Gegenstand der besonderheit gegenüber . Indem das Selbstbewußtsein sich nun so zur allgemeinheit erhoben hat , ist es Denkendes rein , und hat sich auch zur Form der Allgemeinheit erhoben ; daher findet es nicht nur sich in dem Gegenstand , sondern den Inhalt überhaupt , der ebenso von allgemeiner Natur sei . Diese allgemeinheit der Natur des Gegenstandes ist dann die : daß es nicht abstracte Allgemeinheit ist ; sondern daß sie der begriff ist , daß dieser Inhalt also an sich allgemein ist , aber nicht abstract allgemein sondern concret in sich ; in seinem Unterschied schlechthin zusammen-

Gewißheit] ErWl : ein solches das sich in sich zur Allgemeinheit 1 also ich … aber] ErWl : nichts andres als die Vernunft unter der Form des Wissens . der Geist hat Gegenstände aber weiß gewiß daß diese Gegenstände sich erkennen lassen . das Seyn das die Dinge haben ist kein wahres , sondern ich kann ihre Oberfl äche durchbrechen , indem ich sie erkenne sind es meine Bestimmungen und meine Bestimmungen , Gedanken sind zugleich das Objective . diese Gewißheit hat der Geist indem er daran geht zu erkennen . / Der Geist ist zuerst Seele , dann Ich , die letzte Bestimmung [ist daß] Wl : ist : / c .) D i e Ve r n u n f t / daß] das Subject nicht nur dies Besondre ist , das Subject , sondern die Einheit der beiden Besondern , des Subjectiven und Objectiven . der Geist , Ich oder das Subject als Allgemeines | bestimmt ist so daß Gegenstand] Wl : Gedanke 2 ihm selbst … bin ;] ErWl : sich selbst ist , dies ist seine Wahrheit . 3–4 dies ebenso … also] ErWl : dieser Gegenstand ist nicht nur sondern ist vernünftig . diese Beziehung hat 4 zu unterscheiden .] ErWl : die aber in einander fallen : 4–5 Gegenstand Subject … es] ErWl : Gegenstand , da ist er als Object bestimmt gegen das Subject , dann 5–6 vom Subject … Diese] ErWl : ein von dem andern verschiedner . die substanzielle Allgemeinheit der Vernunft hat diese Bestimmung , diese Einheit zu seyn , daß im Verhältniß des Subjects zum Object diese 7–8 ist aber … Gegenstand ;] ErWl : wegfällt , so daß das Subject im Gegenstand frei ist . der Gegenstand hat denselben Inhalt den das Subject hat . 9 Aber bestimmter : … der] ErWl : Der Gegenstand ist bestimmt , und das Subject , Bewußtseyn , hat auch einen besondern Inhalt , dem Inhalt nach steht die 11 erhoben hat , … sich] ErWl : bestimmt so ist es denkendes überhaupt . Indem Ich sich [durch] Wl : zur] Negation seiner Besonderheit , Selbstsucht 12–13 erhoben ; daher … der1] ErWl : erhoben hat , so ist dieser Inhalt 13 Natur sei .] ErWl : Natur . 14–15 ist dann … sie] ErWl : und des Geistes ist es dann daß Allgemeinheit 15–16 an sich … sich ;] ErWl : diese Bestimmung in sich | enthält , welche die Vernunft , das Selbstbewußtseyn in sich enthielt : daß der Inhalt sei ein in sich unterschiedner aber 16–798,1 zusammenhangend] ErWl : zusammenhängender 12 nicht] sich 35 überhaupt .] folgt bei Wl gestr : Der Gegenstand ist bestimmt , u das Subjekt , Bewußtseyn hat auch einen besonderen Inhalt .

5 Febr .Sg ; 163Er 56r Sg 3 die Vernunft .Sg

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III Psychologie der Geist Sg § 440

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hangend , untrennbar . Das ist die Vernünftigkeit des Inhalts als eines solchen ; die No t h we n d i g k e it desselben . Wenn der Inhalt keine besonderungen an ihm hat , so ist er nur abstract ; aber doch ist diese besonderung aufgehoben . Die Vernünftigkeit des allgemeinen bewußtseins ist also : sich , seinen Inhalt in der Welt , im Object zu finden ; der Geist sagt zur Vernunft du bist Vernunft von meiner Vernunft , wie Adam sprach zu Eva : du bist bein von meinem bein – So geht der Geist an die Welt , mit diesem Glauben : daß der Inhalt der Welt ebenso vernünftig ist , als er selbst ist (Inhalt der Welt sind die bestimmungen der Vernunft)[ .] Der Geist bestimmt sich , das ist sein Inhalt , vernünftiger Inhalt und damit ist dieser Inhalt selbst vernünftig . Die Einzelnen sind nur Momente eines Zusammenhanges , nämlich der Nothwendigkeit ; alles besondre dieser Art hängt mit seinem anderen besondren zusammen ; hebt seine besonderheit in die andre auf . Das macht den begriff des Geists aus[ .] § 440 Der Geist hat sich als die Wahrheit der Seele und des bewußtseins gezeigt ; er ist selbst Seele (einfache Gleichheit mit sich selbst : daß er das ist , das ist als Geist für ihn –) dann ist er auch bewußtsein . Der Geist ist | das Wissen der Totalität : dass subject in ihm ist und object ; oder nichts von beiden , denn die Unterschiede von Subject und Object gehörn nur dem bewußtsein an , nicht dem Geist mehr ; sie gehören dem bewußtsein , das noch nicht triumpfi rt hat über diesen Widerspruch : der Geist ist , das ursprünglich in sich Versöhnte . – Ich das einzelne bewußtsein ist

1–3 solchen ; die … aufgehoben .] ErWl : solchen , daß die Besonderheiten , vorher Subject und Object itzt Besonderheiten überhaupt eben so keine sind daß die Unterschiednen eben so identisch sind , der Inhalt hat Besonderung an ihm so aber daß dieser Unterschied der Besonderung nur ein aufgehobner Unterschied ist . 4–5 allgemeinen bewußtseins … finden ;] ErWl : Geistes hat diese Gewißheit , in der Welt seinen Inhalt zu fi nden , nichts Fremdes ihm Undurchdringliches vor sich zu haben . 5 Vernunft1] ErWl : Welt : 5–8 Vernunft , wie … Vernunft)[ .]] ErWl : Vernunft . Er weiß daß er darin nichts antrifft als seine Vernunft seine Allgemeinheit , daß s e i n Inhalt der Gegenstand ist . Nach dieser Seite ist es das Verhältniß der Freiheit , der Inhalt ist eben so an sich vernünftig . Der Wille bestimmt sich , da gibt er sich einen Inhalt , dieser Inhalt ist eben die Bestimmtheit der [ Vernunft] Wl : Vernunft .] 9 sein Inhalt , … und ] ErWl : Inhalt des Vernünftigen , selbst] ErWl : auch 10 Einzelnen sind … Momente] ErWl : Vernünftigkeit des Inhalts ist daß dieser [ Inhalt] Wl : Inhalt auch] Begriff ist , daß dieses Inhalts Theile nur Momente sind 10–16 nämlich der … bewußtsein .] ErWl : Systems und dieses Systems und daß sie Momente eines Systems sind , heißt Nothwendigkeit , daß der Inhalt ein besondrer ist aber daß er durch diremtion der Einheit gesetzt ist . / Der Geist ist Seele , Bewußtseyn und daß er dies ist ist als Geist f ü r i h n daß er bei allen Unterschieden sich selbst im Gegenstande erhält , dieses Zutraun | ist daß er Bewußtseyn seiner Vernünftigkeit überhaupt ist . 16–18 Totalität : dass … Object] ErWl : Totalität welche subjectiv ist in ihm aber eben so objectiv . Solche Unterschiede 18–19 bewußtsein an , … das] ErWl : erscheinenden Geiste an , der 19 diesen Widerspruch :] ErWl : diese Gegensätze von denen das Bewußtseyn befangen ist . 20 ist , das ursprünglich] ErWl : als der vernünftige Geist ist der ursprünglich wesentlich 20–799,1 Ich das 11 besondre] bsondrs

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unmittelbar . Ich , ist Seele , ist als solche empfindend ; darin bin ich zugleich bewußtsein . | ich unterscheide den Gegenstand von mir ; im Geist aber erkenne ich in dem Gegenstand das Vernünftige , den Zusammenhang alles Vernünftigen mit ihm . beim Geist haben wir nun keine Unmittelbarkeit von der wir anfangen können , wie bei der Seele und beim bewußtsein – sondern der Geist ist E nt w i c ke lu n g , Evolution der Vernunft und diese ist er selbst , oder wenigstens die Gewißheit daß die Welt die ihm gegen über steht , vernünftig ist , daß , wenn er sich denkend an sie wendet , das System seiner Denkbestimmungen in derselben vorfi ndet[ .] § 4 41 ist gesagt : in wie fern der Geist endlich ist . Der Geist ist wesentlich unendlich : Das Object ist ihm keine Schranke mehr ; sein Wesen ist die Unendlichkeit . Aber doch ist er endlich in so fern er als wissend (bewußtsein) dieses , was er in sich ist , nicht erfaßt hat , in so fern er seine Vernunft nicht zum Gegenstande gemacht hat , oder in so fern er die Vernunft nicht zum Gegenstande ihrer Totalität entwickelt hat . Das macht die Endlichkeit des Geistes aus . – Die Ve r n u n f t ist die S u b s t a n z , das was Materie (nicht sinnlich) wird (der Inhalt seines Wissens) sie ist das Unterscheiden ist ewig an und für sich selbst , ruhige absolute Wesenheit ungetrübte Klarheit ; das Unterscheiden selbst aber die Thätigkeit des Unterscheidens ist das W i s s e n . Darin fällt eben die Endlichkeit des Geistes : daß die Vernunft die unendliche Form

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§ 441

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… Ich ,] ErWl : Ich

1 darin] ErWl : indem ich empfi ndendes bin

1–5 bewußtsein . ich … E n t -

20 w i c k e l u n g ,] ErWl : Bewußtseyn mache diesen Gegenstand gegenständlich aber als Geist betrachte

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ich ihn als Moment der Totalität des ganzen Zusammenhanges der die Vernunft ist , die mein Wesen ist . Bei Geist fangen wir nicht an bei einer unmittelbaren Affection , wir haben nicht ein abstract Gegenständliches das ein Aeußerliches ist , auch nicht beim Selbstbewußtseyn , das nur das Abstracte ist Ich = Ich . der Geist ist 6–7 wenigstens die … steht ,] ErWl : indem ihm die Vernunft als draußen erscheint ist er das Bewußtseyn daß diese Welt 7–8 daß , wenn … Denkbestimmungen] ErWl : daß er seine Denkbestimmungen , das System seines Denkens 8–9 vorfi ndet[ .] § 4 41 … ist .] ErWl : vorfi ndet , es ist dies Zutraun , die Gewißheit der Vernünftigkeit mit der der Geist überhaupt anfängt / | [ Psychologie .] Wl : C .) / P s yc h o l o g i e / D e r G e i s t .] / 9–10 unendlich : Das … ihm] ErWl : unendlich , daß der Gegensatz aufgehoben ist , am Object hat er 10–11 sein Wesen … er1] ErWl : er weiß ihn als vernünftig , aber der Geist ist 11 wissend (bewußtsein)] ErWl : Bewußtseyn in 2 ] ErWl : an 12 nicht erfaßt … er] ErWl : seine Vernunft nicht erfaßt , diese nicht 2 ] ErWl : nicht sich Gegenstande] ErWl : Gegenstand , die Welt nicht zur Vernunft 13 zum Gegenstande] ErWl : zu seinem Gegenstand in 14 Das macht … aus . –] ErWl : die Endlichkeit des Geistes ist die Ungleichheit dessen was er an sich und was er für sich ist , was er sich bewußt ist , als was er sich Gegenstand ist . 14–16 S u b s t a n z , das … selbst ,] ErWl : Substanz desjenigen was Material wird , Inhalt seines Wissens Die Vernunft ist der Unterschied und das E i n e ist daß die Vernunft ist in der Form des Seyns ; die Vernunft ist ewig an sich 16 ungetrübte] ErWl : ruhige ungetrübte 17 Unterscheiden selbst … Unterscheidens] ErWl : A n d r e ist die Unterscheidung selbst und das Seyn dieses Unterschiedes , diese Thätigkeit 18–800,1 Darin fällt … und ] ErWl : Unter Wissen verstehn wir die reine Form die reine [ Thätigkeit] Wl : Thätig keit :] da unterscheidet sich das Wissen und der Inhalt und darin fällt die Endlichkeit des Geistes , die unendliche Form in der Vernunft ist dies daß beides an sich identisch ist . Die Vernunft ist

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(das Wissen) ist und das sich in sich unterscheiden zu einem System der Totalität zu einem Reichthum , der aber ein Reichthum bleibt , so daß alle Momente in der Einheit bl e i b e n . Aber abstract rein ist die Form sich auf sich beziehend , Wissen , und das ist die besonderheit der Unterscheidung durch welche die Totalität als Geist ist . Die Form selbst in ihrer Freiheit ist eben das Wissen . Der Geist selbst also ist unmittelbar , das wissen wir voraus ; das ist ein Lemma aus der Logik : der Geist in dieser seiner Hervorbringung ist f ü r sich . Die Affi rmation , die eine Hervorgebrachte ist ; so muß also der Geist sich zunächst als Seele sich gegen überstellen . Die Seele ist der Anfang haben wir gesehn ; aber der Geist ist doch eigentlich zuerst Geist : seine Seele zu negiren und sich zum Geist zu machen ist sein Wesen . Die E n t w i c k lu n g d e s G e i s t e s ist nun das was wir unmittelbar Geist nennen können . das Vernünftige ist draußen ; das Ziel des Geistes , der Proceß wodurch er sich verwirklicht , ist dies Vernünftige als sein eignes zu setzen . Sein Thun ist nun nichts andres als dies Vernünftige ; indem dies aber nur eine einseitige bewegung ist daß das Vernünftige ihm gegenüber ist ; das Vernünftige ist das seinige , das er sich für sich sich gegen über hervorbringt ; das ist allein das Thun des Geistes . Hierin ist sogleich | der Unterschied des | t he o r e t i s ch e n und pr a c t i s ch e n Geistes enthalten . Er ist für sich noch nicht die Vernunft , er weiß nicht daß sie für ihn ist . Sein Anfang ist also daß ihm die Vernunft gegen über ist , und daß er den Glauben und die Gewiß-

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1 unterscheiden] ErWl : unterscheiden , Besondern 2 der aber … alle] ErWl : wo die Unterschiede aber nicht frei werden sondern daß die 3 Aber abstract … ist] ErWl : An der Substanz ist dies Unterscheiden und das Zurückgeführt- und Gehaltenseyn in der Einheit ist die Form , aber sich1] Wl : ist 3–4 beziehend , Wissen , … das] ErWl : beziehend ist Wissen . Das 4–6 der Unterscheidung … Geist] ErWl : die im Geiste Totalität ist . Der Geist in seinem Unterschiede ist der absolute , höchste Unterschied , der Unterschied in der reinen , sich | auf sich beziehenden Form aber daß der Geist dies ist , diese Unterschiede [eben so ewig] Wl : ebenso] aufzuheben . Wir fassen den Geist zunächst als unmittelbaren , was wahr ist ists nur sofern es zu sich selbst zurückkehrt und 7 seiner] Wl : seine ist f ü r … Die] ErWl : für sich wird , die Negation das sich bestimmen , unterscheiden und Negation dieser Negation das ist die 8–12 gegen überstellen . … das1] ErWl : gegenüberstellen , das Letzte ist das wahre , erst daß er Geist ist – dies sich zu unterscheiden als Seele sich zu unterscheiden – der Geist ist das Wahrhafte nur als dieser Proceß der sich von sich selbst unterscheidet , sich gegenüber stellt und die Vernunft als die seinige setzt . Der Geist ist zunächst unmittelbarer Geist mit dem Gegensatz , daß das Wissen das Vernünftige sich gegenüber setzt , dies 12–15 Geistes , der … ist ;] ErWl : Geistes ist , dieses Vernünftige als das Seinige zu setzen , er hat den Glauben daß diese Vernunft seine Vernunft ist , sein Thun ist dieses zunächst von ihm unterschiedne Vernünftige als das Seynige zu setzen , daß 15 ist das … sich] ErWl : als das Seinige ist was er 16 das ist … sogleich] ErWl : In dem gesagten liegt | 17 Geistes enthalten . Er] ErWl : Geistes . / Der Geist fängt an , er 18 weiß nicht … Sein] ErWl : ist das Wissen nicht von Anfang , wahrer Geist ist er erst am Ende , sein 19–801,2 also daß … Getrenntes .] ErWl : daß er jenen Glauben nur hat , er hat das Vernünftige noch sich gegenüber , daß die Wahrheit noch ist als ein von ihm getrenntes , verschiednes . 6 Lemma] statt eines unleserlichen Wortes

34 setzen ,] folgt bei Wl gestr : daß das Vernünftige als das

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psychologie / der geist

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heit hat , aber nicht die Wahrheit ; er sucht sie und glaubt sie sich ihm gegen über , aber als ein von ihm Getrenntes . So fängt der theoretische Geist an ; was er will und thut , ist : die Vernunft kennen zu lernen ; der Geist ist sogleich Trieb ; das bewußtsein nicht ; das h a t Gegenstand ; das Treibende in ihm ist die Vernunft , die aber noch nicht die Form in ihm hat ; er ist wissend , aber nur abstract wissend ; er weiß aber er weiß noch nichts ; das ist ein Widerspruch in ihm und da hat er den Trieb : ihn aufzuheben ; dieser Widerspruch ist der : daß die Vernunft ihm gegen über ist ; diese will er kennen lernen ; und dann b e s it z t er die Wahrheit . Die wissende Vernunft also ist der Geist . Wir haben da 2 Seiten : an und für sich seiende Vernunft und dann Wissen , welches die Form ist . Die bewegung des Geistes ist , seinem begriff sich identisch zu setzen , sich zu erfüllen mit dem Substantiellen also will die Vernunft sich in Existenz setzen . ( ? ) diese substantielle Vernunft wird der begriff genannt ; das Wissen ist die Wirklichkeit die an und für sich seiende Vernunft , die Weise der Existenz , die wirkliche Existenz ; denn die Weise der Existenz in der Natur ist nur eine schlechte Form . Die Realität der Vernunft das ist also das Wissen , die Intelligenz ; so ist die Sittlichkeit des Staats sein Wesen ; die bürger sind das Material , worin sich dies an und für sich seiende seine Substantialität gibt . Durch diese substantialität wird die Gewißheit der Intelligenz erst zur Wahrheit[ .]

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2–3 was er … lernen ;] ErWl : er hat eine Welt sich gegenüber aber mit dem Glauben daß die Welt 3 der Geist] Wl : die Welt 3–5 sogleich Trieb ; … wissend ;] ErWl : Trieb , da ist Bestimmung Inhalt in ihm selbst . Dieser Inhalt ist die Vernunft aber die Vernunft hat noch nicht die Form für ihn , ist noch nicht identisch gesetzt mit ihm . Ein unwissender Mensch ist Wissen , 5–6 aber er … er2 ] ErWl : und weiß an sich nichts , er ist der | Widerspruch und er der der Eine in sich ist hat 6–8 ihn aufzuheben ; … Wahrheit .] ErWl : diesen Widerspruch auf zuheben – er ist theoretischer Geist , daß er die Vernunft will kennen lernen ; indem er sie kennen lernt besitzt er sie / der Geist ist die objective Vernunft , die Vernunft an und für sich , itzt ist die Vernunft als Bewußtseyn , Wissen , aber der Gegensatz ist verschwunden . 9–10 Wir haben … ist .] ErWl : Wissen ist die unendliche Form ; der Geist ist Intelligenz als Wissen . 11 sich] ErWl : das Wissen substanziell zu machen , sich 11–12 dem Substantiellen … genannt ;] ErWl : der Vernunft , oder umgekehrt das daseyn zu einem Gewußten zu machen , das Daseyn hat , existirt als Vernunft . die Vernunft die der Geist an und für sich ist und von der der Geist das Bewußtseyn hat , daß er es ist , ist der Begriff und 13 ist] ErWl : macht die 2 ] ErWl : jener seiende Vernunft , die] ErWl : seyenden Vernunft aus . das ist die höchste 14–15 die wirkliche … Form .] ErWl : die absolute Form , die reine Beziehung , unendliche Beziehung auf sich selbst , Für sich seyn des Allgemeinen , Verhältniß des Allgemeinen zu sich selbst . 15–16 also das … bürger] ErWl : das Wissen . die Gesetze pp das Sittliche an und für sich ist die Vernunft , daß sich diese realisirt , ist in den Bürgern . diese 17–802,1 dies an … F o r t s c h r e i t e n ] ErWl : die Vernunft ihre Existenz gibt . die Bürger sind erst wahrhaft indem sie sich mit dem Substanziellen erfüllen . das Gesetz ist ein Träges ohne das Subject worin es erst Wirklichkeit erhält . Die Intelligenz ist die unendliche Form worin sich die Vernunft ihre Existenz gibt und wodurch die Gewißheit zur Wahrheit wird / § 442 . Der Fortschritt

20 vernünftig ist geht er an sie .

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Seinige ist , was

13 Vernunft] Vft aus

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§ 442 ErWl

802 § 442

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442 . Da s F o r t s c h re it e n d e s G e i s t e s i s t E n t w i c k l u n g : Entwicklung ist der Veränderung entgegengesetzt ; bei der Veränderung wird etwas anders , es wird etwas andres an die Stelle des früheren gesetzt , aber der Geist verändert sich nicht , er entwickelt sich . Es ist nur oberflächlich wenn man sagt : der Geist verändert sich . Die beschränkten bestimmungen desselben : Anschauung , Vorstellung etc . verändern sich allerdings aber der Geist verändert sich nicht , indem er von einer Thätigkeit zur a