Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverläßigen Quellen und Handschriften [3]

699 61 35MB

German Pages 580 Year 1791

Report DMCA / Copyright

DOWNLOAD FILE

Polecaj historie

Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverläßigen Quellen und Handschriften [3]

Citation preview

V

e

r

ſuch

einet

Geſchichte

zuverläßigen

Quellen

D. Daniel

Dritter

Berlin '

.

Danzigs

und

Handſchriften.

Gralath .

Band.

1.791.

9o Commiſſion bey Friedrich Maurer .

BIBLIOTHECA

REGLA MONACENSIS

A

c

I Vorberidt . jiya

Sm n gegenwärtigem

Bande meines Hiſtoria

fchen Verſuchs, wird die Geſchichte Danzigs mit einermerkwürdigen Conſtitutionsreforme der Stadt ,

um die Mitte des Achtzehnten

Jahrhunderts , beſchloſſen. men nach ,

Meinem

Vorneh .

wollte ich die Hauptſcenen

der

neueſten Staatsveränderungen während der lekteren vierzig Jahre in einem kurzgefaßten Anhänge hinzufügen .

Weil aber vermoge

der Reichhaltigkeit der Materien , die Drucks bogen , welche zu dieſem Bande beſtimmtwas ren , früher als ich vermuthete , angefüllt wurden , ſo ſahe ich mich meinen Entſchluß zu verändern gendthigt. Inzwiſchen beſorge ich nicht ,

einer überflüßigen Gedehntheit oder

Weitſchweifigkeit in den vorgetragenen Begea benheiten ,

beſchuldiget zu werden.

Einige

hiés abgehandelte Hauptfacta der Geſchichte A 2

tv

Vorbericht .

seichnen ſich für den politiſchen Zuſtand Dante zigs von ſolcher Erheblichkeit aus , daß ſie mit ihren Urſachen und Folgen , umſtändlich aus einander geſekt zu werden verdienten .

Die

hervorgetretenen Neuerungen nach dem Oli viſchen Frieden ; die Strauchſchen Kirchen Håndel mit ihrem beträchtlichen Einfluß in die bürgerliche Verfaſſung;

die

beym Regie

rungsantritt Augu;: 8 des Ziventen entſtan dene Staatsirrungen mit Frankreich ; der mit einer

gewaltthätigen Thronerledigung

vers

knüpft geweſene Schwediſche Invaſionskrieg, nebſt allen daraus erfolgten Bedruckungen und ſchweren Negociationen Danzigs mit Schweben

ſowol als mit Rußland;

fer

mer die harten Eingriffe in die Provinzial Rechte Preußens nach der Pacification zu Warſchau ;

die

durch einen

Zwieſpalt

der

Polniſchen Königswahl veranlaßte Ruſſiſch Sächſiſche Belagerung, und endlich die mit Ablauf des I. 1748 ausgebrochenen Bürger Unruhen in Danzig , ſind insgeſamt mit ſo wichtigen Umſtänden verkettete Vorfälle gea weſen , daß der hiſtoriſchen Darſtellung dera , ſelben , eine etwas genauere Erörterung hat gewidmet werden müſſen . So ſehr ich bisher mit dieſer nicht ohne Mühe fortgeſekten Arbeit beſtrebt geweſen , und noch bin ,

das bewahrungswürdige Ano

denken der Schickſale meiner Paterſtadt pos

Vorberidt . pulärer zu machen , it

auch zufolge der Aufe

nahme meines Verſuchs , nicht in Abrede ſeyn kann , dieſen Zwed grdſtentheils für erreicht

je

und begünſtigt zu halten :

lis 112

doch vermittelft der Critik eines einfichtsvollen Geſchichtkenners , mit der fehlerhaften Seite ,

ie

und den Mängeln die das Buch hat, bekannt werden mögen ,

73 t

ſo gerne hätte ich

näher

um meinen Leſern

fowol, als mir ſelbſt diejenige Genugthuung geben zu können , der ſich ein wahrheitlie bender Schriftſteller mit Erkenntnis und Ver. beſſerung ſeiner Fehler weder entziehet, noch durch das Geſtändnis derſelben ſich zu ernie drigen glaubet.

Allein außer den betannt ge

wordenen Recenſionen, Des Erſten Bandes, iſt mir weiter keine Beurtheilung des Bwenten Bandes vor Augen gekommen , wenn ich einige Zeilen ausnehme,womit in den Thorniſsen hiſtoriſchen

Nachrichten

für

das Jahr

1790. No. 66. E. 348. eine Zurechtweiſung , wegen der im zten Bde. S. 175 und 176 von mir ins Licht geſetzten Ausſprüche des Lubliner Decrets vom I. 1569 , angezeigt werden ſoll. Der Verfaſſer einer Anmerkung zu dem in beſagtemBlatt aus Warſchau úber: ſchriebenen Artikel, findet es nemlich ſehr auf Polniſche Seits zu r fallend; daß ich die veranſtaltete Vereinigungder Pros Lublin

vinz Preußen mit Polen , dem Leſer , als ein zu Stande gebrachtes Unionswerk dar: # 3

1

VI

Vorbericht .

geſtellt habe ; i, da eben ". wie er fortfahrtt

DI auf den einſeitig von Richter und Part ecs folgten Spruch , die kraftigſten Proteftas oj tionen von allen Ständen jjgen erfolget find ,

11 achtet

Preußens -dages

und da gerade, ohnges durch

ſolchen immer

Widerſpruch

n achtſpruchs , Preus Munkräftig gewordeneM 7 Ben ſtets fich durch Thatſachen ſelbſt , als Deine nicht polniſche, ſondern für ſich ſelbſt beſtehende deutſche Preußiſche Provinz be » Hauptet hat, davon dießder allerlebhafteſte

IL and

augenſteinlichſte

Beweiß

ift ,

daß

Preußen nie den Sagungen des Polniſchen

1 Reichstages , bis auf Preußens Teßte Eri: Vi ſtenz, unterworfen geivéfen , ſondern frere Macht gehabt ,

fich

anders einzuridifen ,

wie es auch immer ſonſt die Polen

für ſich

möchten gemacht haben ." Die wichtigkeit dieferMaterie , wegen unterſchiedener im Staatsrecht ſowol als felbft im Bditerrecht daraus erwachſendër Probles mé, berdienet es wor, daß man ſich kurzlich an eine nähere Beleuchtung derſelben "heran wage. "! ZúvSrdeiſt glaube ich jeden unbefans genen Lefet fum Zeugen auffordern zu können, daß ich in meiner Erzählung vom ünd

Fortgäng des

beabſichteten

Urſprung Plans zur

Vereinigung der Provinz Preußen nit.Pos ten, aller Widerréglichkeiten und Contradis ctionen der Preußiſéhen Ståndedagegen ,aus:

1

VI

Borbeniot führlich Erwähnung gethan habe. langwierige

Selbſt die

Vet ;digerung deſſelben ,

enthält

die deutlichſten Criterien der Ofters deshalb unterbrochenen , vereitelten und niemals eina Conſultationen ;

trächtig gewordenen

und

Wenn ich die zulegt durch einen Urtheildſpruch entſchiedene Beendigung

dieſes Staatsge

ſchäftes, ein in Poten zu Stande gebrach : tes Unionswerk genannt habe, fo láſt es fich ( ohne überflüßige Erläuterung,) den porauss gegangenen Umſtänden nach einſehen , das diefer Sinn einer vollzogenen oder vollbrachi ten Union , -nur von den Meinungen und in den Augen des Polniſchen Staats verſtanden Ich habe danachſt. S. 175 der Proteſtationen ausdrücklich erwähnet, womit die Preaßiſchen Landesſtånde fich ges werden müſſen .

#

gen den Ausſpruch und Inhalt des Lubliner Décrets erkläret und manifeſtivt haben ; gleichen habe ich

im

im

Verfolg der Geſchichte,

wo nur die Gelegenheit ſolches erlaubt hat, nie anzuzeigen vergeſſen , wie eifrig die Preu Ben , infonderheit aber

die Großen Städte, und unter dieſen vorzüglich Danzig , ſich den Àuswüchſen der angeblichen Union in vorges kommenen

Fällen widerſeßet, und zum Theil

auch glüdlich derfelben erwehrt haben . •

Deffen

ungeachtet gebe ich meine mehr

mials geäußerteMeinung nicht auf, daß würka kich die Proving Preußen , feitidem Lubliner

À 4 1

Borberiot. Decret, in eine von der urſprünglichen In corporation unterſchiedene und engere Con junction mit dem Polniſchen Staatskörper getreten ſer

und eine veranderte Verfaſſung

bekommen habe, die den Genuß vieler ehema ligen Cardinalrechte unſtatthaft gemacht, und eine bisher unbekannt geweſene Abhängigkeit vom

Reiche , zur

Folge gehabt hat.

Die

ThatſachenBavon liegen den hiſtoriſchen Zeug niſſen nach offen

am

Btvang oder durch

Tagee

Sey es durch

Ueberredung

geſchehen ,

To haben die Preußiſchen . Confiliarien Sie und Stimme im Reichsrath genommen und find. zugleich Polniſche Senatoren geworden ; pie Preußiſche Ritterſchaft iſt in die Polniſche Landbotenſtube gegangen ,

und hat ſich dem

Reichsadel aſociiret; die Preußiſchen Land tage haben einen abgeänderten Gang der Gea ſchäfte erhalten ,

und in ihrer nähern Bezie:

hung auf die Polniſchen

Reichstage,

iſt ein

Unterſcheid zwiſchen Vor : und Nachlandtagé gemacht worden .

Wenige Jahre fpåter hat

ſich der Preußiſche

Adel den Jurisdictionen

der Polniſchen Gerichtshdfe unterzogen , und fich eben ſowol etnige der polniſchen Contri butionsarten , im

Lande gefallen laßen.

Die

Preußiſchen Münzen haben vermoge geſegli cher Verordnungeit , den polniſchen Geldfor. ten gleich gemacht werden ſollen ; mit Gelde offerten und mühſamen Debatten find

die

0 M 1

IX Borberidt .

Preußen, inſonderheit aber die Städte, ju 1

Šfteren malen gendthigt geweſen , ſich der an: gelegten Polniſchen Zolle in der Provinz zu entſchlagen ; und theils aufNachgiebigkeit der Stånde ,

theils - mit

Executionsdrohungen

find Land und Städte vermogt worden ,

die

halbjährigen Capitationsgelder zur Beſoldung der Polniſchen Kriegsvdiker

zu

entrichten .

Es ließen ſich mehrere Zeugniſſe anführen , die mit gleicher Stårke eine klare Abweichung von der fundamentelen Regierungsform des Landes Preußen enthalten .

Dem Staats,

kundigen werden dieſelben von ſelbſt beyfal 1

len ;, aber auch einer gemeinen Aufmerkſam , Eeit können die Landesklagen in unſern vater : Jändiſchen Geſchichtsbüchern nicht entgehen , womit die Preußiſchen Einſaſſen ſich vielfäl. tig úber polniſcherſeits durchgefegte Eingriffe ihre Staatsprárogativen beſchwert haben, Ich zweifle auch, daß unſer obgedachter Ver

in

faſſer mit ſeinen Concluſionen , i Ben

, daß Preu :

nie den Sakungen des Polniſchen

#Reichstages unterworfen geweſen , " aus: reichen dürfte, wenn man Ihm , älterer Beys ſpiele zu geſchweigen , insbeſondre die Reichs. tagsbeſchlüſſe von den Jahren 1717 und 1724 Vielmehr möchte es nicht vorhalten ſollte. ſchwer ſeyn zu erweiſen , daß die Preußiſchen oder einer und der andre von ihnen ,

Stånde , zum

Vortheil ihrer Landesangelegenheiten as

Borbericht. juweilen ſelbſt die

Bekräftigung der Point Die

fcheit Reichstage geſucht haben .

Ich bin weit entfernet, hiemit den Werth und die Gültigkeit der Fundamentalrechte Preußens zu ſchwachen oder in Zweifel zu zie hen ; aber ich bin auch eben ſo feht überzeugt; ?

daß unverändert und einförmig geſchehene Facta , die in der Regierung und Fortbauer eines Staats , eine immer gleich würkende , für Kraft in demſelbenmit ſich geführthabent die Geſchichte mindeſtens, mehr Aufmerks ſamkeitund Anſehen gewinnen , als die zurück geſekten Rechtsregeln , Regierungsvorſchrif: ten und

Staatsprårogativen ,

Durch gedachte geſchehn iſt.

Facta Eintrag

denen

etwa

und Abbruch

Der Geſchichtſchreiber eriitnert

ſich ſtets feiner Hauptpflicht, daß er die Facta erzählen-müſſe , wie ſie geſchehn find , nicht wie ſie hätten geſchehn follen : erlaubt er ſich gleich darüber zu philoſophiren , ſo kann doch ſein Raiſonnement- den Zuſtand der Sachen nieinals'y verändern . Ein effectives Recht erfordert ,

daß

ſelbiges von einem

jeden der

dabey verpflichtet und intereſſirtiſt, anerkannt werde , daß

1

alle darauf gegründete Hand:

lungen entwedermit gutemWillen oder mit Zwang , zur Ausübung gelangen , und daſ keine offenbare Stdeutig derſelben durch direct entgegen

geregte

Thathandlungen

erfolge .

Ein ruhendes Recht - bleibt ohne Würkiing

!

Vorberidt . und Kraftlod , ſo lange der Fal nicht eintritt, daß die darin fundirten und daraus fließenden Handlungen frenen Lauf gewinnen ,und ohne Störung in Effect gelegt werden können. Káme es in der Geſchichte blos darauf an, die Gerechtſamen des Vaterlandes aus dem Preua Biſchen Staatsrecht erweislich zu machen , jo würde ich zwar einer der geringſten , aber ger wiß nicht einer der lekten ſeyn wollten , der ſich 1

Zur Vertheidigung der Vaterländiſchen Rech : Allein hier muß te bereit und befugt hielte. Der Staatskundige dem Wahrheit beobachten : ben Referenten geſchehener Dinge nachſtehen . Dieſer kann als Hiſtoriker , die in Ruhe ges legenen Vorrechte der Provinz nicht anders in ihrer Wirkſamkeit darſtellen , als wenn fich effectvolle ereignet haben , Gelegenheiten Handlungen daraus zu erneuern ; under darf Teine Leſer nicht tauſchen , als ob alle wider die 7 privilegirte

Conſtitution

der

Provinz

Preußen unternommene und mit Widerſprů: chen beſtrittene Thathandlungen und Staats : geſchäfte, desfalls während einem

Zeitraum

von zweyhundert Jahren , in der Staatsres gierung

und unwirkſam waren Seit dem Abgang des Jas

für kraftlos

angeſehn worden.

gelloniſchen Königsſtammes , hat der Polni, ſche Staat mit Zuſtimmungdes Königs, das Land Preußen náher an ſich gezogen , und in folcher Verhältnis wardbis zum aufgehobes

Vorbericht. nen Provinzial- Nexus keine weſentliche Vers ånderung

gemacht.

Die obenangeführten

Facta beweiſen es klar , was für nierkliche Neuerungen dadurch

gegen die anfängliche ,

Verfaſſung des Landes laut dem Intjalt des Uebergabevergleichs , Plag gewonnen haben , und ohne hieſelbſt zu beſtimmen , in wie ferne die Preußiſchen Stånde, oder ein Theil der : felben damit einverſtanden geweſen , ininde ſtens ſich allmålig dazu gewohnt haben ;

fo

iſt doch die Regierung des Landes in einer un verrückten Fortbauer daber erhalten geblieben . Ich hätte mich ſolchergeſtalt über den Ber

grif der bekannten Preußiſchen Conjunction mit

Polen gur Gnúge erkläret.

das dafür

Wort

gebrauchte

Wem nun Union oder

Unionswerk nicht gefällt und anſtößig iſt, dem

überlaße ich es

fich

einen ſchicklidyern

Ausdrud dafür gu wählen,

Einen Wort.

ftreit begehre ich nicht auf mich zu nehmen, wenn ich nur über den wahren Sinn der Sas che übereinkommen kann .

Uebrigens glaube

ich doch , in einigen Folgerungsſågen aus die. fer Materie, mit dem Verfaller der Anmer's kung einftimmig zu ſeyn .

Denn wenn 3. B.

die Frage theoretiſch vorgelegt würde;

, in

was für einer Staatsverhältnis die Stadte 1, Thorn und Danzig ſich gegenwärtig befana den ?" fo :mürde ich in der Beantwortung auf Grundſäte zurückgehen , die ſelbft vermo,

Vorbericht.

XII

ge der angeführten Preußiſchen Conjunction mit Polen , nicht umgeſtoßen werden können. Mit Grunde vorausgeſekt , daß die Städte Thorn und . Danzig für ſich ſelbſt,

zu keiner

Zeit einen Schritt gethan haben , wodurch ſie eine genauere Combination mit der Republik Polen , auch nur auf eine ſtillſchweigende oder entfernte Art anerkannt hätten ; ſo iſt die eins zige mögliche Veranlaßung, cher fid

vermittelſt wel.

der Polniſche StaatskSrper einige

Verknüpfung mit gedachten Städten hat zu: eignen können , blos in derjevigen Conjun: ction ( ber Union anzutreffen geweſen , womit fich

die Provinz

Preußen der Polniſchen

Staatsverfaſſung angeſchmiegt hat.

Thorn

und Danzig haben demnach, ſo lange als ſie Glieder und Mitſtånde der Provinz waren , leidend an den Folgen gedachter Conjunction Theil nehmen müſſen , und nur in dieſer Zu ſtandsbeſchaffenheit konnte einiger Staatsnc rus derſelber mit Polen , werden .

erklärbar gemacht

Seitdem aber die ehemalige Pro :

vinzialverfaſſung aufgehört hat, ſeitdein das Incorporationsband zwiſchen der Polniſchen Krone und dem weſtlichen Lande Preußen gånzlich aufgeldſt iſt, und jene errungenr:Con junction nicht mehr hat ſtatt finden kd nnen ;

ſo iſt auch das alleinige Vorwandsmittit auf: gehoben und vertilgt worden , kraft deſſen der Polniſche Staat ſich irgend einige

Verkni

XIV

Vorberiot.

pfung mit den Städten Thorn und Danzig hat anmaaßen mögen ,

und der einzig geweſene

Standpunkt iſt erloſchen ,

aus welchem ges

dachte Stådte ſich wegen der gemeinſamen Lane desverfaſſung gendthigt geſehn haben ,

den

polniſch gewordenen Staatsanſtalten , wider die

vertragsmäßig

bedungene Regierungs .

form im Lande, Platz einzuräumen . Wenn zugleich die Provinz Preußen , in dem ſie unter einen andern Landesherrn iſt gea bracht worden , eine Abſonderung erlitten hat, vermoge welcher die Städte Thorn und Dans zig nebſt ihren Gebieten , gånzlich von derſel ben getrennt wurden ; ſo rahe man dieſe Ståd: te nach den Regeln des Völkerrechts , in einen natürlichen Freyheitszuſtand

zurücktreten ,

worin ſie ſich auf einmal aller Staatsverbin dung oder politiſchen Landesconnerion entres



digt befanden, und auf keine preußiſche noch wes niger polniſche Mitftandſchaft mehr Anſpruch Natürlicher und billiger machen konnten .



weiſe muſten ſie ſich dennoch in dieſer Lage ,



ihres für ſich ſelbſt und freywillig geleiſteten Huldigungsendes erinnern ; ſie ſind demſelben

咖 Kw

auch mit unveränderter

Anhångigkeit

treu

nur unter dem huldreichen Schuß dieſes Era

1



Bet, den König von Polen als ihren Oberherrn zu erkennen und zu veneriren , indem ſie ſich



geblieben , und ſie haben es bis auf den heuti. gen Tag für einen glücklichen Vorzug geſchå

NE

XV

Borbericht. habenſten

Potentaten ,

nach der Wieder

herſtellung ihres ehemaligen Bolſtandes ſeh nen . Sie halten ſich verpflichtet, allen Obs liegenheiten die auf ihren abgelegten Eyd der Treue und des Gehorſams fundirt ſind,

ge

recht zu werden ; und ſie bleiben dagegen aller Rechte, Privilegien und Prárogativen theil haftig , die ſie ehedem als Preußiſche Städte theils an die Krone gebracht, theils unter den Königen von Polen erworben , oder aus mil der Begünſtigung von denſelben empfangen haben , in ſo ferne ſie davon noch jekt als iſo: lirte Städte fruchtbaren Gebrauch können .

machen

Nach dieſer, wenn ich nicht irre,

den Grundregeln des allgemeinen Rechts an gemeſſenen Vorſtellung der Sache, fehlet es gånzlich an Beweißgründen , daß Thorn und Danzig

Polniſche Republik - Stådte gewor:

den feyn ſollten .

Die

Theorie des Rechts

ſteht unter den vorgefallenen hiſtoriſchen Um ſtånden dieſer Meinung gånzlich entgegen , und gleichwie bemeldete Städte ſich freywillig den Königen von Polen ergeben , und ſich freys willig Deren jedesmaliger Oberherrſchaft ſuba mittirt haben , ſo würde das Válkerrecht auch eine freywillige Genehmigung dieſer Städte erfordern , wenn ſelbige in irgend eine neue und feſte Staatsvereinigung, mit oder außerá halo Polen geſegt werden ſollten ,

XVI

Vorberidt .

20. Bepláufig gedenke ich noch einer andern Erinnerung, welche mir oben gedachter Verse faſſer in derſelbn Anmerkung , wegen einiger im Iſten Bde. S. 50. überſekten Worte aus einer Lateiniſchen Urkunde,

( die einen Vers

trag des Pommerelliſchen Herzogs Sventos polk mit den Kreukrittern vom J. 1253 in fich enthält , gegeben hat, und wofür ich aufrichtig Dank wiſſen muß.

Ihm

Ich geſtehe eß,

daß ich die überfekten Worte nicht ungeprüft aus der umgearbeiteten Guthrnſchen

Wetts

geſchichte B. XIV . Abth . II. S. 239, håtte aufnehmen ſollen , und daß nicht, die Feſtung Danzig nebſt ihrem

Gebiete und auen das

zu gehörigen Rechten ; ſondern, das Schloß Danzig und das Land mit allem fo dazu gehöret, den Sinn der Worte : Castrum

The Danzig etterra cum pertinentibus omnibus, eigentlicher ausgedruckt hatten.

Inzwiſchen

kann ich es weder für ein irriges noch fehlers haftes

Prádicat halten , wenn Danzig ſchon

im Drenzehnten Jahrhundert , (nur mit einer Einſchränkung nach der in hieſigen Gegenden damals propagirt geweſenen Fortifications. kenntnis , )

eine feſte Stadt oder Feſtung

genannt wird; indem ſchon einer der älteſten Polniſchen

Geſchichtſchreiber ,

Ungenannte

nemlich der

Archidiaconus von Gneſen ,

in ſeiner kurzen Chronic , (nach der Migler: ſchen Ausgabe in Warſchau 1772 Tom . III,

5.175 )

2

Vorberidt.

XVII

8. 175 ) ums J. 1271 folgende Beſchreibung von Danzig mittheilet : fi caftro nobiliffi mo ec firmiffimo, ymo inexpugnabili ſecuni : dum opinionem omnium hominum , quod dicitur Gdansk , et civitate ibidem fundara et plantata , atq. firmiffimisfoſfatis vallará Gleichergeſtalt beſtätigen mehrere aus des Polniſchen Schriftſtellern bekannte Nachriche ten ,

daß Danzig noch vor der Ankunft der

Teutſchen Ritter, für eine ſtark genug befeſtig te und wichtige Stadt ſen angeſehn worden . Ich hoffe Verzeyhung zu erhalten , daß ich meinen Vorberichtgewiſſermaaßen in eine Ju ſtificationsſchrift verwandelt habe, da ich viela

V

mehr von den Inhalt und den Eigenſchaften des Buchs hätte Beſcheid geben ſollen.

Inga

beſondre aber halte ich mich noch verpflichtet, dem Geneigten

Leſer wegen des Ueberreſts

der Danziger Geſchichte verantwortlich zu ſeyn ,

und meinem deshalb gegebenen Vera

ſprechen nicht zu entſtehen.

Daſſelbe gedenke

ich gleichwoldurch einen Nachtrag zu erfüllen, worin ich die merkwürdigſten Staatsver ånderungen Danzigs bis auf gegenwärtige Zeit vortragen, und das ſchon angekündigte hiſtoriſche Verzeidnis der Danziger Mes daillen und Schaumünzen hinzufügen wer de.

Für die Freunde und Beförderer meiner

Arbeit, werde ich die Herausgabe des gedacha ten Nachtrages einige Monate früher offent

XVIII

Vorbericht.

lich bekannt machen, und mich zugleich wegen der Prảnumeration

mit

Ihnen

beſprechen .

Unter meinen ietigen Geſundheitsumſtänden und übrigen

Verhältniſſen , zweifle ich auch

nicht dieſes Vorhaben auszuführen , es warë denn , daß der Zuruf des Publicums, oder an = dere überwiegende Gründe , daſſelbe ruhen zu laßen , anrathen möchten.

Der Verfaſſer.

Inhalt:

XIX

In des

ba

Dritten

Fünfter

i't . Bandes .

Aorchnitt.

1660 – 1717 . Erſte $

Kapitel .

Hervorgetretene Staatsübel in Danzig , als Fol gen des Schwediſchen Krieges — Danzigs Theils nahme an ſtreitigen Landesgeſchäften - Rechts fertigung der Danziger gegen Vorwürfe des Stolzes - Verthendigung der Landes- und Stadts Privilegten - Ende dieſer Regierung mit freywilliger Abdankung des Königs Johann Caſimir - Danzigs von Shm erhaltene Freps Þeitsrechte.

Seite

5

ST

3 weytes Kapitel. Beränderungen im Polniſd) - Preußiſchen Müngmes weſen - Verordnungen unter Sigismund dem Dritten und Münzedicte in Danzig fruchtlos erneuerte Münzverbeſſerung

im

Fr 1650 -

dußerſt nachtheilige Münzrevolutionen unter der Regierung des Königs Johann Caſimir — rühmlich dabey beobachtete Borſicht der Großen Otådte in Preußen , eite 27 - 42 b

gnhalt

Drittes

Kapitel.

Eriodhlung des Königs Michael Biontowiedt Danzig wird in ſeinen Geldforderungen zurücks gerebet – und bald mit Lob bald mit Tabel beurtheilet - die unruhige Regierung in Polen Dans ſchließt ſich mit dem Tode des Königs sigo Commerzunterhandlungen mit Großbritans nien und den Vereinigten Niederlanden — Una fang der Strauchſchen Streithåndel in Danzig D. Strauch wird vom Rath der Stadt ſeiner Aemter entſeket – auf Anhalten der Gemerke aber , nådiſt einen entſtandenen Volfstumulte reftitutret C Strauch nimmt neue Maasregeln , fich am Rath und råchen .

allen ſeinen Gegnern zu Seite 4369

Vierte 6 Kapitel . Der Großfeldherr Johann Sobieski wird Konta von Polen

-D. Strauch ſucht ſich am Polnis

Ichen Hofe einzuſchmeicheln - Er ſchlägt Wege eln , Teine vorigen Amtsrechte vollkommen vom Rath wieder zu erlangen

entſtandener Auf:

lauf durch ein falſches Gerücht von ſeiner Entfühs fung

Danziger Differenz mit dem Schwedis fchen Geſandten - D. Strauch nimmt eine Vos

cation nad Greyfswalde an — Unruhen wegen ſeiner Abſchiedspredigt - bürgerliche Beſchwers den der Gewerke beym Röntge — tumultuariſche Störung der gemeinen Rathſchläge mit Spers rung des Rathhauſes Strauch bekommt wtes der eine formelle Bocation in Danzig er

&

ſchlágt ſelbige ab , und beſchleunigt feine Stelle

des

nad Pommern

Dritten Bandes.

XXI

er wird aufgehoben und 'ger Seite 70 - 91

fånglich nach Rüftrin gebracht

Fünftes Kapitel . Landesanträge auf die Vertreibung der Mennohis. ten - Differenzen einer zwtefachen Deputation aus Danzig zum Reichstage — Huldigung in Danzig die Königin wird in Danzig bewills kommet -

neue Klagen einer Gewerksdeputas

tion auf dem Reichstage -

der König bålt lets

nen Einzug in Danzig -- Maasregeln zur Auss einanderſetzung der bürgerlichen Streitigkeiten bieſelbſt - die Römiſchcatholiſche Kirchenfren : beit ſoll erweitert werden

gelegentliche Vors

fålle in Danzig , zur Beförderung der Königlis chen Anſprüche Eingriff in die Seerechte det . Stadt erneuerte Sollicitationen und Kdo pigliche Geſandſchaften zur Befreyung des D, Straud) - Beendigung des Proceſſes über die bürgerlichen Unruhen in Danzig - Inhalt des abgeſprochenen Decrets -

gemilderte Erklärung

des Königs wegen zurückgebliebener Unzufrieden . helt in Danzig - der König wird in feinen Fors derungen befriedigt - Abreiſe des Röntgliden Hofes und endlicher Beſcheld an die Gewerke Die Concordaten der Ordnungen in Danzig wers 1 den auf das Köntgliche Deeret fundiret. Sechſtes

Seite 92-127

Kapitel.

Eine Deputation aus Danzig hålt zu Berlin um die Befreyung des D. Strauch an - Er wird los gelaſſen , und zu Danzig in die vorigen Kemter eingeführet

Unzufriedenheit darüber am Rör b 2

!

gnbalt niglich

Polniſchen Hofe

Ein offentlicher Aufs

zug mit der Proceſſion , veranlaßet in Danzig einen Volfstumult , und die Zerſtörung des fruchtlos dagegen ges

Carmeliter - Kloſters machte Anſtalten

die Thetlnahme der Hands

werksgenoſſen an dteſem Exceß lagt neue Bürgers" unruhen befürchten in Polen wird auf eine barte Strafefecution dafür gedrungen - Dans sig wird einigermaaßen entſchuldigt – und die Obrigkelt hieſelbft beobachtet alle Borſicht zur Ers haltung der innern Ruhe

welche D. Strauch

am metſten zu ſtören ſuchet - Ein Koniglicher Commiſſarius befördert die Ausgleichung mit den Carmelitermånchen - und die Strafurtheile wers dén uugeſtart vollzogen - unglücklich entſtandene Scylågerey nach der Erecution - die Ruhe wird wieder hergeſtellt - und die Huld des Kds, Seite 128 - IST nigs durc, neue Zeugniſſe verſichert.

Siebentes Kapitel. Danzig nimnit Theil an den Landesgeſchäften Indigenat

Landesfiscalat

me

Generalzol

bey Fordan

widerrechtlicher Bterverkauf auf den Gelftlichen Gründen - Widerwärtigkeiten des Konigs an ſeinem Hofe - Tod deſſelben Danzig wird eines Verſtändniſſes mit Frankreidy beſchuldigt

Veränderungen des Portweſens

in Danzig - neue Scenen daſelbſt mit dem Brts gittiner - Kloſter - Angriffe des D. Schelwig auf die poftafie zur Römiſch : Catholiſchen Kirche deſſelben Streit wider die Pietiften

Das

Beſter - Fahrwaſſer vor der Weichfelmundung wird angeleget und vermittelft elues artificiel

i

}

des Dritten Bandes . len Canals zunr Stande gebracht - Die Vers dienſte des berühmten Hevelius werden von den Königen von Polen hervorgezogen. Seite is !

187

Achtes Kapitel. Die Danziger Abgeordneten werden auf dem Lands tage gemißhandelt

dafür

erfolgte . Genugs

thuung - zwiefache Königswahl

dem erfts.

gefronten Könige Auguſt 11. wil die Parthey des Prinzen von Conti nicht weichen der : Pring fommt auf die Danziger Rhede - feln Anhang wird zerſtreuet, und der Prinz eilt nach Franks reld zurück - Danzig fällt in die Ungnade Luba wigs xiv. , und verliert die Schiffahrtss und Handlungsfreyheit auf Frankreich - das Pols niſche Reich wird allmålig beruhigt

der König

kommt nach Danzig und läßt ſich buldigen - die Jeſuiten verſuchen einen neuen Eingriff in die Kirchenrechte der Stadt - der Churfürſt von Brandenburg fåßt Danzig wegen ſeiner Befia: nehmung der Stadt Elbing zufrieden ſtellen Theurung des Betreydes und anderer Lebensmits tel in Danzig - Borſcenen des Krieges mit Schweden Danzig tritt in das ſchwere Oes ſchäft zur Verſöhnung des Franzöſiſchen Hofe$ Danglg ift in die Utrechter Friedenshandlung eins Seite 188309

geſchloſſen worden .

Neugtes Kapitel . Danzig macht dem Erſten Könige von Preußen die Tchwere Landescontributios € hrenbezeigung men - Jablonomiſche Schuldfoderung an Dans

jis

der Odwediſche Krieg wird eröffnet 63

exigi'n hart die Sächſilde Elnquartierung glebt zů

Thatliche 19

tes"

feiten mit Danzig Anlaß – die Stadt fáut desi " megen in Ungnade - der König wird wieder

12

verſihat – Schwediſcher Einbruch in die Pro : vinz Preußen Danzig fauft die Lieferungen an die Schweden “ mit Gclo ab

Thorn wird

gewaltſamer w' eiſe erobert - Warſchauer Gener ralconföderation und Sendomirſche Gegenconfos

110 deration

Danzig wir

mit

Drohungen

gefordert , der Warſchauer Confoderation beijzu: **

treten - und ſieht ſich gezwungen , eine Schrift 23. zur Abſage des Königs zu unterzeichnen - Bé: richtigung der Danziger Geldzahlungen an Schweden Danzig macht ſtarke Vertheidis gungsanſtalten , und vermehrt die Beratung de Danzigs mit dem Könige pon derſelbe wird durch eine fruchtloſe. Preußen



Schußtractat

Negociation im Haag entkräftet.

4:01

210

233ehntes Sapitel. Der Woywod von Poſen Stanislaus Leſzczynski Danzig ges wird als (Sjegenfønig erwåblet råth in Verlegenheit und Swift wegen einiger und 'ipe: Mobillargütex: des Königs Yuguſt gen Auslieferung weyer Polniſchen Magnaten die Låndereyen der Stadt werhen gabyrch in inter Contribution gereket - Stanislaus wird geked: net Huguſt, jäßt; den Frieden.dll Aleranſtadt ſchließen - worauf Stanislaus allgemein als König von Polen erkannt wird , Hegún:{tiguns gen fremder Einſallen und Kaufleute in Danzig - Danziger Convention oder Commerzvertrag mit der Krone Großbritannien . 239-797

des Dritten Bandes.

Eilftes Kapitel. Forderungen eines Ruſiſchen Kriegscorps an Dans Geldantrage des Königs Stanislaus -

zig

Streit mit den Schwediſchen Werbern - der den Abſchied des Danziger Commendanten vers anlaſſet

Stanislaus wird im Lande Preußen

bewillkommet - Klagen des Cujapiſchen Capis tels über Danzig – Neue Geldforderungen des Königs Stanislaus Danziger Finanzen

ſchlechter Zuſtand der barter Winter und 'bins

reiſſende Peſt in Danzig

Carl X11. wird uns

Kriege - der König Auguſt kommt glücklich im im Kriege nach Polen zurück , und Stanislaus muß Ihm Danzig wird mit der Ungnade des weichen Königs Auguſt bedrohet

und wendet' Mittel

an Nhn zu verſdönen - To vermoge eines Gelds donatius geſchiebet - fruchtloſe Landtagsgeſchafu

Cinsi te –

erneuerte Ruftiſche Geldforderung – wels

che Danzig mit anderweitigem Sdyaden ablehnet Polniſche Erecuționgtruppen ,werden in die denen man Danziger Låndereyen geſchicket feindlich zu begegnen genöthigt wird

der Königs

-liche Hof wird deshalb zufrieden geſtellet. Seite 297–286 Zwolftes Kapitel. Danzig fieht ſich zu einer ſchweren Landesabgabe

an die Krontruppen gendthigt + wird vom Bts ſchofe von Cujavientmit einem Proceß bedrohet und muß wiederum eine Ruſtiſche Einquartierung mit Geld abkaufen Mißvergniigen über die Sächſiſchen Winterquartiere , in der Provinz Preußen ſowol als in Polen - wonachft auch

64

XXVI

gonball

Polniſche Regimenter ins Danziger Werber eine růcken ſollen - wegen fortwährenden Aufents

1

balts der Sådfiſchen Kriegsvoller in Polen , bricht allgemeiner Unwillen und Krieg aus – zu deſſen Beylegung Czar Peter ſelne Mediation anträgt - der Czar ſchlägt ſein Hoflager in Dans olg auf

ſo bald darauf auch vom Kidnige Aus

guft geſchiehet - Beylager am Numiſchen Hofe und offentliche Feſtpitäten -

kriegeriſche Vors

Februngen und unerwarteter Antrag des Czars an die Stadt Danzig - abgedrungene Erkldrung derſelben in Hoffnung der Reconciliation neues Manifeſt worin per Czer an Danzig felne Ungna : de ankündigt - darauf genommene Maasregeln der Stadt - Die Polntiche Conföderation gegen die @ schfiſchen Kriegsvélfer wird unter Ruſiſcher Vermittelung beſänftigtund aufgehoben - Pact: ficationspertrag zu Warſchau - deſſen Ratificas tion und Ärtikel von erheblicher Conſequenz. Seite 287--320

Sechſter

40

chnitt.

1717 poin 1752 .

>>

Erſtes Kapitel. Contribution in der Provinz Preußen für die Pols niſche Armee - die Rujjiſchen Pråtenſionen an Danzig werden erneuert -

Drohungen der Ruſ

Cjar Peter läßt einen Vers fiſchen Generalitåt zwiſtvolle Auss gleich mit Dangig abſchließen legung deſſelben

die darin verlangte fregat

tenausrüſtung geråth in Stecken tesyftem des Mordiſchen Kriegen

verånders - den Difs

des Dritten

Bandes .

fidenten in Polen wird die Activitat auf dem Reichstage gehemmet

Dangi,,s. Streitigketa

ten mit dem Biſchofe von Cujavien -- vielfältige Geldforderungen an Danzig

die Pråtenfio.

nen des Polniſchen Kronſchakes werden mit milis - tairiſcher Execution im Danziger Berder erpreſſet Thåtlichkeiten ſo daſelbſt vorgefallen ? Dans ziger Verluft in der Scharpau - die Hoftiliar ten werden auf Königlichen Befehl aufgehoben Danzig entſchließt ſich , die Aſignatarien des Kronſchaßes zu befriedigen ,

Seite

325

348

918 : 3 weyte 8 Kapitel...) Im Danziger Safer wird durch Rufiſche Bachts Ichiffe die Seehandlung geftdret

3.0

wogegen ine

ſonderheit Schweden gervaltbrohende Maasres geln nimmt Dånzig hilft datin einen Vers gletch ſtiften - Danzigs wieder verfuchte Mussoos gleichung mitdem Eujaviſchen Biſchofe wird noche mals verleget..

Mordiſche Futebenstractaten .

Kayſer Peter der Große läßt den Myftadtſchen .. Frieden freundſchaftlich an Danzig bekannt mas chen – ungefährliches Betragen etures Englit Tchen Seecapitains ſo der Stadt Danzig ein : Mißverſtändnis mit dem Großbritanniſchen Hofe zuzieht -

Thorn und Danzig kaufen die Zoll

neuerungen in der Provinz Preußen mit Geld ab - zwiſchen beyden Städten danachſt entftans dene Handlungsdifferenz ungtüdlicheFolgen eines Tumults in Thorn - die einige Beipeguna gen in Europa wegen der Religionsfremheit in Polen verurſachen Proceß wegen des Abelts shen Guts Schonfeld bey Danzig

Seite 349

374

gnhalt:10

2 ,

Drittes

Rapite t.

Verbeſſerung des Comin:erzweſens in Danzig die Danziger Handlungsrechte in Frankreich werz

6 den beſtåtiget - nachthetlige Lage des Landes durch den fruchtlöſen Ausgang der Staatsver's fammlungen

die Rechte der Dimdenten wer:

den unterdrücket - Danzig verpfleget die Salz: burgſchen Emigranten kammer wird von einem

- die Danziger Pfals Königlichent Comintas

rius revidiret - Konigliche Gunſtverſicherungen anDanzig Auguſt der Zweyte geht mit Tode

i1

$

.

ab - Armenanſtalten und offentliche Bauten in Danzig

verbeſſerte Feſtungsmerke, und Sust

ftand der Garniſon . -

su

Selte :375-395

Piertes Sapitel Zwiſchenregterung hatt

Polen + Stanislaus Leſs

in 13

czynky wird uherachtet der Abmahniungen der Rosu !? miſch- und Ruffiſch Kayſerlichen Hilfe, zum Kes olid nige erwähler

Der König komint feiner Stchers

10 ,

hett wegen nach Danzig die Gegenparthey.. ? beffelben erwåhlt der Churfürften von Danzig zum Könige

in Danzig werden Vertheydta : gungsanſtalten gemacht die Ruitſche Kayſes we

rin erklärt der Stadt ihre Ungnade

der Churs to fürſt von Sachfen wird als König Auguſt den 1951

Dritte gekrdnet - Stanislaus entſchließt fich , in Danzig zu bleiben - Vorbereitungen Hieſelbſt ! 31/1 gegen einen feindlichen Anfal Entfernung verbåchtiger Perſonen aus der Stadt - Danzig ! wird vom Ruſſiſchen General Låcy aufgefordert : die Feindſeeligkeiten nehmen vor der Stadt

!

des Dritten Bandes. thren Anfang der General : Feldmarſchall von Münnich madt eine nochmalige Aufforderung die Danziger Belagerung wird eröfnet - Pers der beerung und Brand in den Vorſtådten Stantsiatſche Hof ſompor als die Stadt erneuern ihren Defenſionsplan - ein verſuchter Entſak der Stadt wird vereitelt - und die Hoffnungen jur Mebtation verſchwinden - der Graf Müns nich låßt der Stadt das Bombardement ankündis gen - das :Schrecken darüber wird durch die Hoffs nungen auf Franzöſiſchen Succurs gemildert Danzig verliert die Sommerſchanze beym Holm , ſchlågt aber einen Hauptſturm am Hagelsberge ab - ein furger Waffenſtillfand macht in den feinds Sette. 396-432 lichen Operationen feine Beränderung. Fünftes

Kapitel.

Danzig bekommt einen ſchwachen Succurs aus Frankreidy der in einem mit der Stadt cons

certirten Angriff, verliert 5. und ſich auf die Plate zurück zieht – Conjunction der neu anges : kommenen Sächſiſchen Truppen mit dem Ruſſia .fchen Kriegesheer - , weldjes zugleich aus Polen ſomol, als durch die Ankunft der Ruſſiſchen Flotte verſtärkt wird - In Danzig fångt man an , auf Borſchläge zur Rettung zu denken - das Bers langen nach Frieden wird durch den Verluſt der Weſterplate und des Forts Welchfelmánde großer und nothwendigergemacht - Danzig erklärt fio zur Subraiſſion an den König Auguſt II . - und Stanislaus entfernt fich unterdeſſen aus der Stadt dafür wird Pupifcherfetto per affetu

1

gnhalt

ſtilſtand gebrochen , und das Bombardement fångt von neuem an ' - . Die

Tractaten werden

reaſſumiret und alle Feindſeeligkeiten Idren auf Inhalt der Danziger Capitulation - Fries densſolennitäten - und Bolztehung einiger Vers Konig Auguſt der Dritte kommt

gleichspunkte

nach Olive , aber nicht in die Stadt - Er läßt die Huldigung durch einen Commiſſarius abneh, unerwartete Geldforderung des Königs men lichen Hofes an Danzig - Danziger Deputation zur Abbitte bey der Kayſerin von Rußland . Seite 434–461 Se dy ft es Kapitel. Wůrkungen und Folgen der Danziger Belagerung 20ſchiedsgudienz der Danziger Deputirten o m Ruſſiſche Erecutions a volfer lin Danziger Gebiete - jugemuthete Lies . und vers ferung an di: Sådfiſchen Truppen

ånderte Geldpråtenſion an Danzig die Sachfiſche Einquartierung wird gehoben - Dans itg vergleicht fich wegen der Röniglichen Gelder

1

- die Feftung Weldiſelmünde wird evacuirt und der Stadt wteder gegeben - Friedensprålimts narien zu Wien Warſchau .

Pacificationsreichstag zu Seite 462-475

Siebentes Kapitel . Inactivitåt in der Polntſchen Staatsregierung Danzig wird aufs neue vom Cujaviſchen Biſchofe beunruhiget

-

mehrere Urſachen des bürgerlis

chen Mufvergnügens in Danzig - friegeriſde Stdrungen der Handlungsſchiffahrt in der Oftree - Schiffsdifferen ; bep Dangis zwiſchen Rußland

Des Dritten Bandes. und Schweden

Reparation des Danziger

Weſtertiefs - verwetgerte Landesinftigatur Different Debatten über den Weichſelbau mit dem Franzdfiſchen Hofe wegen des Grafen de la

Seite. 475

salle .

498

* Uch te 6 Kapitel. Urſprung innerlicher Dishelligkeiten in Danzig die Bürgerſchaft klagt beym Könige über den Rath

zwey Königliche Bevollmächtigte ieri

den hergeſchickt den Streit in der Güte beyzu . legen - deren Bemühungen haben wenigen Forts gang – und nach Aufhebung der beſchwerlich. wird die Commiſion limittret ften Acciſen die Freybelt der Rathsführ wtrd gebeinmet und der Dritten Ordoung ein neues Präſentas tionsrecht gegeben

woraus noch mehrere Dife

ferenzen entſtehen

die Königliche Commiſſion

erneuert ihre Geſchäfte in Danzig

doch wers

den von beyden ſtreitenden Partheyen Deputirte nach Hofe geſchickt - dieſen wird eine Königliche Ordination bekannt gemacht, und zur Vollziehung mitgegeben - zwiftiger Wortwechſel in den ges meinen Rathſchlagen über Annahme und Polls fiehung der Ordination

deshalb erneuerte Klas

gen und Königliche Refcripte - womit zulett 1 eine Rathsdeputation nach Hofe beſchieden wird Trennungen unter der Bürgerſchaft in Dans Aufſtand der Handwerksgeſellen . Seite 499-515 alg -

Neuntes Kapitel. Die feparirten Bürgerpartheyen in Dansis protes ſtiren gegen einander - die Eröffnung der RS: niglichen Aſſeſſorialgerichte rotro hteſelbſt fand

*XXII

Inhalt des Drit, Bandes . Inhalt

gemadst - und alle Hoffnung zur Sühne vers ſchwindet - Ankunft der bey den Reichskanzler und der übrigen Gerichtsberfiker - der Proceß hat ſeinen Fortgang und die Decrete werden abs Inhalt der beyden vornehmſten Des geſprochen crete -- die Königliche Ordination betoinmt die Kraft eines Pragmatiſchen Geſekes - drey Edicte werden zur Befeſtigung der Ruhe publictret die doch nicht mit völliger Eintracht zu Stande kommt - Maasregeln des Danziger Magiſtrats zur gånzlichen Abolition des Proceſſes --- Königs yan! , , liches Mandat einer vollſtåndigen Umneſtie der Danziger Bürgerſchaft fehlgeſchlagene Ers neuerung der Klagen - abermalige Inſurrectios nen der Handwerfer in Danzig - der innerliche Frieden kehret almålig zurück.

Sette 525-547

Fünfter

Det

Gefch i ch

te

Fünfter

Danzigs

Abſchnitt.

Danzig unter der Herrſchaft der Könige von Polen , in Verbindung mit der Provinz Preuſſen , feit dem Dliviſchen Friedensſchluß unter Johann Caſimir, bis auf den Pacifications - Vertrag zu Warſchau unter Auguſt dem Zweyten.

1660.bis

1717.

Zur Geſchichte dieſes Zeitraums Hauptſächlich ges nugte Quellen und Hülfsmittel.

Gedructe Bücher: D. Gottfr. Lengnich Geſchichte der Preußiſchen Lande, Königl. Polniſchen Antheils , - VII. VIII. und IXter Band. Danzig 1734. 1748. 1755 . Conſtitutiones Regni Polonici . Voll.VI.Varſaviæ 1732. fqq. G. Lengnich Hiſtoria Polona a Lecho in annum 1748. Ged. 1750 . Geſch . Danz, zter Th.

91

2

Danzigs Geſchichte.

Andr. Chryfoft. Zaluski Epiſtolae hiſtorico -familiares. Tomi III . Brunsh . 1709 .

1

G. S. Lipinski ( von der Linde ) Epiſtolae ſicilimenta quæ dam ad Epiſtolas Zaluskianas hiſtorico - familiares, ter-'' ras Pruſſiae ſpeciatim Civitatem Gedanenſem afficientia, exhibens, Ged . 1712 . Hiſtoire de la ſciſſion afrivée en Pologne 1697. au ſujet de l'Election d'un Roi , par Mr. de la Biqardiere, à Paris. 1700. Hiſtoire de Pologne ſous le regne d'Auguſte II. par Mr. l'Abbé de Parthenay , à la Haye 1733 34.

Das ſich ſchließende Polniſche Kriegs . Theatrum . Frankf. 1718. Inclyta Poloniae Respublica Civitati Gedanenfi æquior. Vergleich wegen des Danziger Pfalgeldes : mit Anmers kungen aus dem Latein . überſeßt. Danzig 1763 . Münzgeſchichte der Stadt Danzig , 6 Stücke 1762. D. Braun vom Preußiſchen Minzweſen . 1722 . Dan . Seyler Entwurf ſeines zu edirenden Polniſchen und Preußiſchen Münz- und Medaillen - Cabinets . Danz. 1720. Die Tage Purim . Von D. Aug. Strauch . Danz. 1673 . Wahrhafter Bericht deſſen , was mit D. Strauch in Dan zig und deſſen Entlaſſung vorgegangen . Danz. 1674 . Berlauf deſſen was nach der Entlaſſung D. Strauch , bey dem entſtandenen Auflauf am 4 Januar 1674. vorges gen. Danz. 1674 . Mene Defel von D. Strzuch . Alt Stettin 1675 .

Wahrhafte Erzählung deſſen was mit D. Strauch vor und nach ſeiner Entlaſſung in Danzig vorgegangen. Alt Stettin 1674. ( Eine von D. Straud publicirte Gegenſchrift; wors auf von beyden Seiten noch einige Nachträge und Beſtätigungsſchriften herausgekommen ſind.) , W&c. Seinr. Jernecke bekriegtes Thorn. Thorn 1712.

Fünfter Abſchnitt.

3

Delfelben Thorniſche Chronic . Berlin 1727. D. Sam . Schelwig Denkmal der Peſt. 1709.

2 2br . Sarewichs geographiſch - hiſtoriſche Beſchreibung der drey in Polniſch - Preußen liegenden Werder. Kos nigsb. 1722 .

za,

Jo. Iac. Schmaus Corpus Iuris gentium , Tomi II. Lipſ. 1730. Sam . de Puffendorff de rebus geſtis Friderici Wilhelmi M. Elect. Brandeb . Commentariorum , Libb . XIX . Berol,

et is

1695 . Leben Carls des Zwölften mit Münzen und Kupfern : aus dem Franz . von 3. 2. Hordberg. Hamb. 1745 - 51.

Geo . Szordbergs Anmerkungen zur Geſchichte Carls XII. Ropenh . 1754.

Geſchichte des Rufliſchen Reichs unter Peter dem Groſſen : i.

aus dem Franz. von Voltaire ; mit Zuſågen und Vers beſſerungen von D. 2. S. Büſching. Leipz. 1761. und 1764. Bandſchriften : Neceſſe der Ordnungen in Danzig von 1673. bis 1684. und von 1697 bis 1717. Steph. Grau Vorzeichnung Danziger Geſchichten, Uus zug aus Mich . Burell merkwürdigen Danziger Hiſtos rien ( als einer Continuation des Siſcherſchen Zeits

buchs . ) 1673 bis 1724 . Erzählung der Handel , ſo ber usreßung des Danziger Rathsverwandten Val. von der Linde vorgefallen find . Gottfr. von Peſchwitz ( Conf, Ged. ) Diſcurs vom Münza wefert. Albr. Roſenberg ( Conf. Ged. ) Anmerkungen und bes · richtigende Zuſäße zu Brauns Tractat vom Münzweren . Informatio in caufa negotii cum Mercatoribus Anglicae Societatis a Gedanenſibus gefti ab a 1584. ad a . 1640. ( Aut. Secr. Daberhut. )

Danzigs Geſchichte. Tractatus commercii inter Sereniff. Reginam Magnae Bri tanniae et Civitatem Gedanenſem inicus de A. 1706 . 3. C. Gottwald M. D. Verzeichniß der erheblichſten Beſt vorfälle in Danzig . 1710.

Concordata oder Policeyordnung der Stadt Danzig vom 9. 1678. Bericht vom Peſtweſen in Danzig ( Aut. V. E. Teffin ) 1680 . Unpartheniſche und ausführliche Nachricht von den Hans deln und bürgerlichen Unruhen , fo zur Zeit des D. Aug. Straud in Danzig entſtanden find : von C. 8 . mit Documenten belegt , und von 3. C. B. mit uns merkungen vermehret. Hiſtoriſche Nachricht vom Tumult in Danzig , der nad gehaltener Proceſſion der Carmelitermånche mit Zero ſtörung ihres Kloſters im J. 1678. erfolgt ift. Syrraxis Schelwigio Schütziana mit Driginalſchriften und authentiſchen Documenten belegt von 3. C. R. Umſtändlicher Verlauf der Pietiſtiſchen Streit åndel in Danzig , unpartheriſch in Form eines Tageregiſters von einem gleichzeitigen Zuſchauer entworfen biß 1712 . 6. Conradi Kriegsjournal über die merkwürdigſten Vors fälle in Danzig 1704. bis 1718. Originalſchriften die Ruſſiſchen und am Berliner Hofe ges führten Stadtgeſchäfte betreffend. ( Aut. Secr. J.T. K. )

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

5

Erſtes Kapitel. 1 Hervorgetretene Staatsübel in Danzig , als Folgen des Schwediſchen Krieges - Danzigs Theilnahme an ſtreiti: gen Landesgeſchäften Rechtfertigung der Danziger ge: gen Vorwürfe des Stolzes – Vertheidigung der Landes : und Stadtprivilegien - Ende dieſer Regierung mit freys williger Abdankung des Königs Joh. Caſimir - Danzigs von Shm erhaltene Freyheitsrechte.

Nach aufgebobenen Feindſeeligkeiten mit Schwe. den , blieb das Königreich Polen noch einem ver derblichen

Kriegsfeuer

ausgeſeket ,

welches

der

Bankelmuth der rebellifen Koſaken durd, die Ein miſchung Rußlands ſo wol , als durd , die fernerhin ins Reich gezogenen Tatarn , von Zeit zu Zeit im Auch der Oliviſche Fries mer gröſſer gemacht hat . densſchluß hatte für die Polniſchen Staaten feine Vortheile weiter ,

als den äuſſern Rubeſtand von

Schwediſcher Seite bewürfet , und ſelbſt die Relis gionsfreyheit der Proteſtantiſchen Glaubensgenof fen , wofür man ſich die ausgedehnteſten Sichers Heitsrechte verſprochen gehabt þatte, blieb nur durch die vor dem Kriege ſtatt gefundenen Verhältniſſe bes Danzig hatte ſich zwar durch Tapfer fchrånfet. keit , Standhaftigkeit und Treue einige Privilegien als ſpecielle Beweiſe der Königlichen Zuneigung, ja ſelbſt die Prácedenz unter den Groſſen Städten in Preuſſen , und den offentlichen Ruhm , das Pol. niſche Reich erhalten zu gaben , erworben ; aber dagegen waren die Låndereyen dieſer Stadt gånzlich verwüſtet, die Caſſen waren erſchöpft worden , und U 3

6

Danzigs

Geſchichte.

man fatte nur eine åuſſerſt dunkle Ausſicht, von . der im Kriege zugezogenen Squldenlaſt befreyet zu werden . Seit der Erneuerung des Schwediſchen Krieges war die Abgabe des hundertſten Pfennigs wieder dreymal erlegt worden, und man hatte noch mehrere Mittel ausfinden müſſen , den Hülfgeldern ſo wol als den übrigen Caſſen der Stadt einen Zu . ſchub zu machen.

Nebſt dem Hauptgelde , der Bes

legung ausgehender Waaren , einer Abgabe von Lebensmitteln und Getrånfen , dem Zug . Ochſens und Pferde · Gelde , und andern Contributionsar ten , war in dieſen Jahren auch eine erneuerte Orde nung des Papierſtempels , und ein Schluß wegen Erlegung des Zehnten , von Permåchtniſſen ſo wol als von allen Erbfallen in der Seitenlinie , die ſich über den erſten Grad erſtrecken , gemacht worden . Aus einigen dieſer Beſchwerungsgeſchäfte hatten fich dazwiſchen bürgerliche Streitigkeiten entſpon nen ,

und unter andern war es mit der Corporation

Der Brauer, wegen der Brauhäuſer auf den Stadt. Låndereren , wegen der Einführung fremder Biere und der Acciſen von Stadtbieren , zu foldeen Weit. läuftigkeiten gekommen , daß ſelbige klagend deswer gen an den König gegangen waren . Nicht weni ger war es in den Mißhelligkeiten , fo fich zwiſchen den Drey Ordnungen der Stadt und den Gewerken , wegen ſtreitiger Belegung des Bürgerrechts , wegen Sißes und Stimme der Gewerkselterleute in den i Quartieren , und wegen der Handwerker Befugnis Handlung zu treiben ,

zeither fortgewålzt þatten,

nunmehr ſo weit gediehen , daß die Elterleute der

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

7

Vier Hauptgewerfe dem Könige perſonlich deswes gen eine Bittſ @ rift nebſt ihren und der übrigen Mit. gewerke Beſchwerdepunkten ,

in Danzig überreicht

hatten. Unerachtet der Remonſtrationen des Raths und der übrigen Ordnungen , war darauf ein Ko 3. 1660; Aug. nigliches Reſcript, und als mit deſſen Befolgung

geſäumt wurde , noch ein Poenalmandat ausgebracht worden , kraft deren die bisherigen Streitpunkte mehrentheils zum Vortheil der Gewerbe ihre Ents foeidung bekamen . a ) Mit übergangener Streit frage wegen des fünften Tiſches wurde feſtgefeßet, daß die Gewerke zwen Stimmen in jedem Quartier haben , nemlica famtliche acht Elterleute der Vier Hauptgewerke den Verſammlungen der Dritten Ordnung beywohnen , Stimme geben ſollten .

und jeglidyer ſeine eigene Es wurde ferner bey einer.

len Belegung des Bürgerrechts gelaſſen ; auch folle ten die Gewerke befugt ſeyn , die zu ihrem Hand werk nöthigen Waaren frey zu kaufen , und ihren Werksbrüdern und Mitbürgern für einen billigen Gewinn wieder zu überlaſſen , wo nicht ihre Rollen es mit ſich brådten , auc, zum Verkauf an Fremde privilegiret zu ſeyn, imgleichen ſollte ihren Wittwen a ) Vom St. Michael , der zwar dieſe Freyheitsrechte der Vier Hauptgewerke beſtåtigt hat , iſt doch im J. 1670. eine Des claration gegeben worden , kraft deren mit keinerlen Art Mißbrauchs derſelben , weder von der bisher gewöhnlichen Art zu ſtimmen abgegangen , noch der Flare und gereßliche Unterſchied zwiſchen Kaufmannſchaft und Handwerke aufges hoben , noch auch die Vorſchriften der Wilführ in Betref des Bürgerrechts verlegt werden ſollten,

U 4

8

Danzigs Geſchichte

frey ſtehen , einen kleinen Kramhandel zu ihrem Nahrungsgewerbe zu treiben . Noch in eine erhebliche Differenz war die Stadt Danzig ſelbſt mit ihrem Könige gerathen .

Unter

dem Vorwand nothwendiger Tafelbedürfniſſe, war der wåhrend des Krieges der Stadt verpfändete Königliche Antheil des Pfalgeldes,

ohne Ausld.

fung zurückgefordert, und in gleicher Art , die Wies dereinräumung der Staroſtey Pußig begehre wore den , wober nur einige Hofnung gemacht ward, die Berechnungen mit der Stadt durch eine Commiſſion liquidiren zu laſſen .

Die Rathſchläge der Ordnun. gen hierüber verzogen fich lange , wegen der fråf

tigſt vom Könige verheiſſenen Entſchädigung aller aufgewandten Summen , waren .

Kriegskoſten

und

vorgeſchoſſenen

die auf gedachte Hypothek angewieſen

Endlich aber gat das Privilegium über

die Caducgüter , und eine Verſicherung allen Bes fchwerden der Stadt abzuhelfen , die unentgeldliche Abtretung der Pfalfammerhålfte befördert, woge gen man ſich nur im Pußiger Beſike erhalten hat, obgleich in den folgenden Jagren die Polen noch öfters Anträge gemacht haben ,

der Stadt dieſe Staroſtey ,.zum Vortheil einer verwittweten Sta. roſtin Zawadzka , ſchlechterdings zu entreiſſen. Aus ſolchen Umſtänden låßt fich beurtheilen , wie ſchwer es Danzig geworden ſeyn müſſe,

rich

mancher widrigen Folgen des Schwediſchen Kries ges zu erweøren , und die Staatsübel zu vermir: bern , welche der Stadt mit immer neuen Gefah. ren gedroht faben . , Hieneben machte man ſichs zu

1

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Sapitel.

g

einem der wichtigſten Geſchäfte, der freneren Com , merzlage wieder mächtig zu werden , und alle Hin derniſſe des Danziger Handlungsgewerbes aus dem Wege zu räumen ,

die ſich entweder durch neuere

Licenz und Mißbräude eingeſchlichen ., in einer ehemaligen ,

oder audy

jeßt unſtatthaft gewordenen

Concurrenz igre Quellen gefunden hatten.

Ders

geſtalt wurde nunmehr mit Ernſt die Veranſtaltung gemacht, das ſchon im J. 1659 beſchloſſene Edict zur Vollziehung zu bringen ,

vermoge deſſen den

Thorner und Elbinger Einſaſſen die Freyheit hier ſelbſt mit Fremden zu handeln unterfaget, und alle ihnen ehedem verſtattete Handlungsgleichheit mit Danziger Bürgern entzogen wurde. b )

Ausführ-,

liche Projecte und Ausarbeitungen wurden auch um dieſe Zeit in die gemeinen Rathſchläge genommen , wie die Danziger Handlung am dienlichften verbef fert werden kömte ,

was für Seinderniſſe derſelben;

entgegen ſtånden, und wie ſelbige durch die bequeme ſten Hülfsmittel abzuſtellen ſeyn möchten.

Eben

dieſe das allgemeine Commerzverkehr und Gewerbe angehende Materie ,

beförderte das eifrige

Beſtre

ben der Danziger Regierungscoliegien und insbes . ſondere der Dritter Ordnung , ſich der Wiederauf. bauung der abgebrannten Biſchöflichen Gründe vor der Stadt zu wide: ſeßen .

Es verknüpfte ſich da .

mit zwar meør denn eine Urſache folches zu hindern . b ) mit Thorn find ſpåterhin noch einige freundſchaftliche Vers gleiche wegen der Ommerzfreybeit mit Fremden gemacht worde.. Us

1

1 . IO

Danzigs Geſchichte.

Man hatte durch die ſchon zu meộreren malen noths wendig gewordene Eindſcherung gedachter Außen. gebäude , immer eine Menge Bettler und elend ges wordener Menſchen in die Stadt bekommen ; es mußte auc zum Theil die freyere dusdehnung und Sicherheit der Danziger Feſtungsverfe darunter leiden ; aber am beträchtlichſtek ward der Schaden gehalten , der der bürgerlichen Nahrung und Hande thierung in Danzig durch die daſigen Einſaflen ver urſachet wurde.

Indeſſen veranlaßte dieſe Wider:

feßlichkeit gegen den Anbau in Schottland ,

Hop

penbruch und den übrigen anliegenden Diſtrikten geiſtlicher Jurisdiction , nicht nur einen ſehr hefti gen Streit mit dem Biſchofe von Cujavien Fürſten Caſimir Ezatoryski, ſondern auch an Königſidyen Hofe Hatten die Danziger Abgeordneten gleich an fangs ſo harte Vorwürfe deshalb zu verſchmerzen , daß alle zu einem

gütlichen Vergleich geſchöpfte

Hofnung dahin fiel.

Scyon während der Anwe

fenheit des Königs in Danzig hatte die Wiederauf bauung im Schottland iğren Anfang genommen, und obgleich der Danziger Magiſtrat den Ankauf der Baumaterialien ſo wol, als die Hinziehung der Arbeiter zu erſchweren geſucht hatte, fo war doch ein unabláſſiger Fortgang damit gemacht worden. Nun ſchien zwar die Dritte Ordrung den Bau mit thåtlicher Gemalt ſtören zu wollet, allein es wurde nad, der Pluralität des breiten Raths für beſſer be funden, ſich node ferner aller Moderation in dieſem Geſchäft zu bedienen. um

Man ekannte ſolches auch

ſo convenabler , als kurz darauf die Störung

.

1

Fünfter Abſchnitt:

Erſtes Kapitel

II

des gedachten Anbaues durch ein Königliches Man . dar bey Strafe von 20000 Ducaten verboten wur de.

Es blieb zwar noch weiterhin von ſeiten der

Stade nichts unverſucht,

beym Biſchofe ro wol,

als am Königlichen Hofe durch Vorſtellungen und Gelderbietungen ſeinen Zweck zu erreichen ; allein alle Antworten darauf fielen ſo entſcheidend aus , daß nicht die mindeſte Hofnung dazu übrig gelaſſen wurde , und als man zulegt in Erfahrung bracyte, daß der König ficy dev nachdrücklichen

Worte be.

dient hatte , ,, er würde das fernere Anhalten der Stadt in dieſer Sache, als einen Schritt zur Rea w bellion anſeben müſſen ," ſo hat man fick, deshalb in Ruhe begeben , und iſt nur nach den Vorſtellun gen des Raths ,

auf ſelbſt gewählte Gegenmittel,

bedacht geweſen ,

um die daraus bevorſtehenden

Uebel ſo viel möglich zu ſchwächen , und der Danziger Bürgerſchaft erträglich zu machen. In den Angelegenheiten des Landes ereigneten ſich ebenfalls unterſchiedene Vorfälle ,

welche den

Zuſtand Danzigs entweder näher oder entfernter angingen . Eine der erſten Verhandlungen nach dem Oliviſchen Frieden , ſollte die Ablieferung der Stadt Elbing an den Churfürſten von Branden, burg werden . Es hat ſide ſchon unter dem J. 1657 ben Erwähnung des Bromberger Vertrages an merfen laſſen , daß die Danziger Erinnerungen wie feậr dieſe Elbinger Verpfändung den Rechten und Vortheilen der Provinz Preuſſen widerſpråche, fein Gewicht gehabt hatten. Jegt aber ſchien den Po len die hiemit begangene Jrregularitat deutlidyer

S

1

Danzigs Seſchichte . insAuge zu fallen ; Elbing wurde nicht übergeben , und der Polniſche Hof ſchükte Einwendungen und Bedin . gungen vor, welche noch den Weg zu einer weitläufti. gen Negociation darin vorbahnten. Man þat zwar in der Folge theils durch Gelovorfqüſſe im Lande, theils durcy angefekte

Zölle, die zur Einlöſung erforders

lichen Summen aufóringen wollen, der Churfürſt hat auch einen Theil des Pfandſchillings fallen laſe ſen , und hienácſt andre Vorſchläge gethan, um ſich der ſtipulirten Schuldforderung wegen , mit der Kro ne Polen zu einigen : allein mit allen Entwürfen und Unterhandlungen iſt das Geſchäft zu feiner Beendie gung gekommen, und die Befriedigung des Churfür . ften iſt von einer Zeit zur andern verzögert worden , þis endlich nach dem Verlauf von acht und dreiſſig Jahren , der Nachfolger deſſelben, ſich mit gewafnes ter Hand in den Beſik der Stadt Elbing geſekt hat. Eine weit dringendere Theilnehmung Danzigs 1660. erheiſchte der diesjährige Verſuch , den Preuſſen Dies eine Polniſche Acciſe aufbůrden zu wollen .

felbe war ſchon im J. 1658 auf dem Reichstage beſtanden , und die Verpflichtung dazu eben daſelbſt der Provinz Preuſſen auferlegt worden ; der König * aber ' Hatte bey ſeiner Gegenwart in Danzig , auf Bitten der Stadtdeputirten , ret ,

dieſes Land damit zu

ſich bereitwillig erklå verſchonen .

deſto weniger wurden in der Folge ,

Nichts

náchſt anderen

Orten , auch Königliche Einnehmer nach Schönberg und nach Fürſtenwerder an der Weichſel geſchickt, und ein Univerſal zur Eintreibung der neuen Acciſe Den ges in der Provinz Preuſſen verlautbaret.

7

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

13

fammten Stånden mußte zwar daran gelegen ſeyn , fich dieſer Neuerung gleich in ihrer erſten Anlage zu widerfeken , aber niemand auſſer Danzig bewies dazu einen thàtigeii und würkſamen Beyſtand ; und weil ſchon fünf nach einander ausgeſchriebene Lande tage fich fruchtlos zerſchlagen batten , wodurch die gemeinſamen Berathſchlagungen aufgebalten wur den , ſo nahm es Danzig allein über fich , die Ab . ſtellung der Polniſchen Acciſe zum Stande zu brins gen .

Es erwuchs daraus zuvörderſt ein zwiſtvolles

Geſchäft in der Stadt, mit dem Culmſchen Unter . fåmmerer Bonkowski als Königlichen Ucciſecom . miſſarius ,

der aber endlich nach angenommener

Proteſtation der Stadt ,

mit der Acciſe auf der

Weichſel einzuhalten verſprach , um mittlerweile zu einer nåheren Unterhandlung am Königlic, en Hofe eine Friſt zu verſtatten .

Hierauf wurde eine Dee

putation aus allen Ordnungen nach Warſchau ab gefertiget, c ) die mit ferneren Maasregeln in die fer Sache inſtruirt war. Die Ankunft derſelben ſchien nicht gebilliget zu werden ,

und das Verfah

ren der Stadt war dem Könige ſo gewaltthåtig vors geſtellt worden , daß den Abgeſchickten ſo gar mit einem Arreſt gedroht wurde.

Inzwiſchen gelang

ten ſie ungefährdet zur Königlichen Audienz;

der

Syndicus konnte nun theils die Sorgfalt der Stadt für das gemeine Beſte und des Landes Vorrechte, c ) Darin befanden ſich der Rathsherr Valentin von der Lins de, der Syndicus Vinc. Fabricius , der Gerichts : Conſea nior Valent. von Bodece und der Quartiermeiſter Job. Ernſt Schmieden .

14

Danzigs Geſchichte.

theils auď die Punkte des Oliviſchen Friedenis mit 1

Schweden ,

und die Handlungsverträge mit den

Staaten der Vereinigten Niederlande, gegen alle verfångliche Zollneuerungen zum Argument dar. legen , und obgleich der König in Perſon von eini gen beygebracyten Gründen der Stadt , gnådige Auslegung machte ,

eine uns

ſo entließ er doch die

Deputirten mit einer geneigten Vertröſtung, und war nicht wenig durch ihre Vorſtellungen beſänftigt. In der That wurde nunmehr bey Hofe der Ent. ſchluß gefaſſet, die ganze Acciſe. Sache dem nåch. Den ften Preußiſchen Landtage zu überlaſſen . Danziger Abgeordneten wurde ſolches bey der Ab. ſchiedsaudieng durch den Krongroßkanzler mündlich erflåret , und ein ſchriftlicher Beſcheid mitgegeben, worin ſie nur angemahnt wurden , ben gegenwår tiger. Nothdurft des Staats , Preußiſchen Stånden ,

mit den übrigen

zuträgliche Verfügungen

fürs allgemeine Beſte zu treffen .

Auf den nåchſte

folgenden Landtagen einigten fich demnach die Preuf fen , anſtatt der Polniſchen Ucciſen , dem Könige eine Summe von 100000 Gulden zu erlegen , woo zu die Städte drey Fünftel und das Land zwery Fünftepart aufbringen ſollten .

Erſtere haben dies

ſes Geld aus ihren eigenen Acciſen , und der Adel durch ſechs erlegte Poborren entrichtet; der König war auch damit zufrieden , und hat noch in demſel: Novbr. ben Jahre , durch ein Univerſal die Polniſche Acciſe in Preuſſen aufgehoben , und die Einforderung der ſelben bey Strafe unterſaget.

Fünfter Abſchnitt.

mit

Erſtes Kapitel.

15

So ſehr nun Danzig ſich bey jeder Gefegenheit

en

hervorthat , der Wohlfart des Landes erſprießliche,

lle

Dienſte zu leiſten , auch ſelbſt bey den ſchwierigſten Unternehmungen , ſich zur Vertheidigung der Pros

his

vinzialgeredytſamen , an die Spiße zu ſtellen ; To

no

wenig kann man es doce dieſer Stadt zur Laſt legen ,

Die

( wie davon zu Zeiten wol liebloſe Urtheile- gefälle

70

worden , ) daß ſie ſich ihres im Sohwediſden Kriege

.

n

n

2

erlangten Ruýmes , oder des verliehenen Vorzuges wegen , ungebührlich erhoben håtte ,

obgleich ſie

6 fich nad, ihrem Betragen deren allerdings nicht hat Mit freundſchaftlicher unwürdig galten können . Civilität vielmehr räumten die Danziger Abgeorde neten ,

der Burgermeiſter George von Bdmeln

und der Rathsherr Gabriel Krumhauſen ,

auf

dem Culmiſchen Landtage den Thornern den Vorſik im Landesrath wiederum ein , den ein Königliches Reſcript ihrer Stadt mit der Pråcedenz unter den Groſſen Städten , nach Schwediſcher Ueberrålti Es gung der beyden übrigen , zuerkannt hatte. mußte freylich aller Anſchein einer Geringſmäßige keit der Königlichen Begünſtigung hiebey vermie. den werden , aber eben deswegen unterzogen fich die Danziger darinnen der Vermittelung einiger Preußiſchen Landesråthe , die auch zur Eşre der Stadt und zum Ruhm ihrer Beſcheidenheit, dieſe Begebung der Oberſtelle ,

beym Könige nachber

vorſtellig gemact und entſdyuldiget Jaben .

Das

Jahr darauf bekamen die Danziger auf dem Land. tage zu Marienburg, ein ähnliches Geſchäft mit 1661 , den Elbinger Ubgeordneten , wegen der Zurückgabe

Danzigs Geſchichte.

16

des Landesſiegels .

Ohne daß Danzig den Elbiu.

gern den Rang ſtreitig gemacht hatte, ſo wußte man doch , daß dieſe hiezu fein Privilegium hatten, ſon . dern daß die Unvertrauung des Siegels auf der Wiltshr der Stande beruhete, von welchen es auch den Danzigern war übertragen worden . Ben allen Vertheidigungsgründen aber wollte Danzig die Entſcheidung doch lieber dem Gutbefinden der Landesråthe überlaſſen.

Hleë wurde nun zwar die

Verwahrung des Siegels wed ? felsweiſe in Vorſchlag gebracht ; weil aber die Elbinger ſich damit ungu. frieden bezeigten , ſo bewilligten die Danziger die gånzliche Zurückgabe deſſelben , nur daß zum Ane denten der Sache, das neuerlich im J. 1658 ber ihnen verfertigte Landesſiegel in Gebrauch genom . das alte Elbingſche aber unbrauchbar' ge

men ,

macht, follte.

und der Stadt Danzig zugeſtellt werden Dieſe Differenz ſchien demnach beygelege

zu ſeyn und es follte nach der Ausgleichung derſel ben verfahren werden , aber die Preußiſche

Land

boten , weil ſie nicht hinzugezogen waren , erregten dagegen einen neuen Widerſpruch , und weder jeßt noch bey der etwas ſpätern Landtages ,

Wiedereröfnung des

wollte die Ritterſchaft den Elbingern .

ihre alte Stelle noch auch das Landesſiegel verſtats ten , indem

ſie die darüber getroffene Verabredung

für ungültig erklärte.

Allererſt nach einigen Der

batten wurde ſie von den Råthen zum Nachgeben beleitet ,

und obgleich die verglichene Auswechſes. lung der Siegel , ohne ihre Zuziehung geſchaße , ro iſt doch

ihr mißvergnügtes

Stillſchweigen dazu nachber

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

17

nachger als eine Einwilligung angenommen worden . Indeſſen hat es auch nicht an Gelegenheiten gefeb . let, wobey man in den Preußiſchen Staatsverſamm : lungen , die Stadt Danzig mit Erniedrigungen oder unbilligen Vorwürfen, gefränkt hat.

Im J. 1662

1662 legte man es ihr auf dem Landtage in Thorn , zu einer ſtråflichen Eigenmacht aus ,

durch Solie

fung der Pfalfammer , die Seefaßrt gehemmet ju Haben , obwol eigentlich nur drey Wochen lang, aus nothwendiger Sorgfalt für eigene Bedürfnis , die Getreydeausfuhr war verboten geweſen.

Max

machte ihr dabey aber nicht nur einen andern vor. wurf des Stolzes,

als ob ſie ſich ſeit einiger Zeit

eines großern Stadtſiegels , wie ſonſt gewöhnlich, bedient hårte , d)

ſondern man fucte ſie auc da.

d ) Die Stadt Danzig bedienet ſich zu ihren Expeditionen dress erley Siegel , deren Unterſchied auch ſchon im Priviles gium mit rothem wache zu ſiegeln vom J. 1452 , unter dem Namen Stadtſiegel, Secret und Signet angezeigt wird. Das große Stadtfiegel , fo mit einem großen Schif, oder ( alten Holcke ) bezeichnet ift , führet die Umſchrift Sigillum Burgenfium in Dantzigk . ' E8 wird ju großeru Stadteppeditionen und ſchriftlichen Inftrumenten gebraucht, welche im Namen und mit Conſens fántlicher Ordntingent der Stadt verzeichnet werden , und iſt eben dasjenige,wels ches den Preußiſchen Ständen im J. 1662 ſo fremde geſchie: „ uen , daß fie deſſen Gebrauch als ungewöhnlich der Stadt zum Stolz ausgedeutet haberi , unerachtet es nicht nur ju alten Zeiten , wie im J. 1440 bey Gelegenheit des großer Landesbundes , ſondern auch in ſpåteren Jahrett, als in der Gefandſchaftsinſtruction zum Lubliner Reichstage vom 3 . 1569 und bey mehreren Vorfällen , wober alle Dren Ords nungen der Stadt insbeſendere intereffiret geweſen , war gebraucht wordent. Secret oder das kleine Schiffſiegel muß in swiefacher Art bemerkt werdeu : einmal als das alte Geſch . Danz. zter Th . B

g

Danzigs

18

Geſchichte.

durch zu demůchigen , daß man in einem Briefe au iören Magiſtrat, demſelben den Titel Edele ( No biles ) nicht geben wollte, den die Danziger doch felbſt vom Könige zu erhalten gewohnt, und aus. drücklich dazu privilegirt waren . Nichts deſto weniger konnten alle dergleichen Vorfälle die Stadt weder von ihrer errungenen Würde Herabfegen , ' nod ſie in der gewiſſenhaften Behauptung ihrer Freyheitsrechte, wanfend und kleinmüthig machen.

Es fanden ſide auch immer

noch wahrheitliebende Patrioten , welche den Vers dienſten Danzigs das gebührende Recht wiederfah. ren ließen ,

gleichwie auf dem

diesjährigen Reichs.

tage, ein Marienburgiſcher Landbote Wierzbowski die Treue Danzigs den Reichsſtånden ans Herz Schifbfiegel welches die Umſchrift führet : Secretum Civi. tatis Dantzke , und ehemals zu Stadtobligationen oder Schuldverſchreibungen gebraucht wurde ; zweiten : als das neue Schifeſiegel mit der Umſdrift : Sigillum certificatio num Civitatis Dantzigk deffen man ſich zu ſchriftlichen urs kunden , Seebriefen , und andern Documentationen , die in die Fremde gehen , bedienet. Endlich , Signet iſt das ges wöhnliche Rathsſiegel, liegt beym Präſidenten der Stadt in Verwahrung , iſt mit dem Stadtwapen , nemlich gwer übereinanderſtehenden weiſſen Streußen im rothen Felde mit einer goldnen strone gedeckt, in einem einfachen Schilde, von zwey Löwen gehalten, bezeichnet, enthält die Umſchrift : Signecuin Civitatis Dantiscanae, und wird zu den gewöhn : lichen Briefen des Raths , ingleichen zu andern ſchriftli: chen Inſtrumenten oder Verzeichnungen , welche im Lande und innerhalb'den Grenzen des Bolniſchen Reichs bleiben, in Gebrauch genommen. Siezu kommen noch einige zur Beglaubigung gerichtlicher Rechtsgeſchäfte gebräuchliche Stanzlerſiegel , deren genaue Erörterung nicht hieher gebor ret. Lipinski Sicilim, ad Epift. Zaluscianas, p . 5. ſeq.

ud 191

BY"L

Fünfter Abrchnitt.

Erſtes Kapitel.

19

fegte, ingleichen der Pomerelliſche Unterkåmmerer es iğnen offenberzig empfal , dieſer Stadt dem Vers fprechen nach die ſchuldigen Geldſummen abzuzah. len , und ihr Zutrauen dadurch zu fæonen , mit dem die Krone bey aller Bedrångnis , und in den gefährlichſten Fåden ſich auf ſie hätte verlaſſen fons Aber es war freylich in den Polniſchen nen . Staatsrathfdlågen eine der

gårtlichſten

Sayten,

wenn die Abtragung der Geldſchulden an Danzig berührt wurde.

Ihre Forderungen waren nun .

mehr zwar von einer Königlichen Commiſſion noch mals berechnet und richtig befunden worden , man konnte mit allen Nachlaß, und nach der gefällig . ffen Billigkeit, von Zwey Millionen nicht abgeben , es wurde folches auch von den Reichsſtånden ers fannt und angenommen , und man faßte lobſpres dende Conſtitutionen ab , daß ſo wolverdiente una terfaſſen in der That mit der Bezahlung vergnüget werden müßten .

Nichts deſto weniger blieb dies

felbe immerfort ausgeſtellet, und von einem Reichs tage zum andern ſind die Untråge fowol,

als die

deshalb erfolgten Verſpredungen noch fernerhin fortgeſegt worden.

Der jährlich låſtiger werdende Kriegsaufwand in Polen , machte es vielmehr nochwendig , immer neue Geldmittel ausfindig zu machen , und hiemit kam abermals eine nie gemachte

Forderung an die

Provinz Preußen , fic der Zahlung des Polniſchen Kopfgeloes zu uäterziehen .“ Drey Landtage vers ſtrichen unter heftigen Debatten über dieſe Materie, indem die Stande ſelbſt miteinander uneinig wurden .

20

Danzigs Geſchichte.

Es verknüpften ſich damit zugleich die Impoſten der neuen Waſſerzolle in Preußen , welche zur Einlóa ſung e ) Elbings waren durchgeſekt worden ,

und

zu beyden Anlagen þatte die Ritterſchaft ſchon ihre Zuſtimmung gegeben ; die Städte aber waren in iþrem Widerſpruch einig geblieben , bis zuteßt aud ) Thorn und Elbing nebſt den geſamten kleinen Stád ten ſich von den Danzigern trennten ,

dem

deb

beyfielen , und nur in der Art der Entrichtung des Kopfgeldes ſich eine Abänderung vorbehieften , die doch weder der Polniſche noch der Preußiſche udel þat zugeben wollen .

Indeſſen machte die Preußie

fche Ritterſchaft für ſich einen Soluß in Polniſcher Sprache , fraft deſſen die Polniſche Kopfſteuer im

{

Lande beliebet, und nebſt hinein, gezogenen kleinen Städten zugleich den Danziger und Ellinger Bera dern , ingleichen den Danziger Dorfſchaften auf der Höchte auferlegt wurde. ins

J. 16:64

Danzig bat deswegen bis

Beläſtigungen erlitten , iſt ; ( gleich

wie Thorn und Elbing der mißfälligen Bedinguna gen Halber , ) auf dem Reichstage in die Contumaz verurtheilet worden , hat die Erecution in den lång dereyen abwehren müſſen , lich geweſen ,

iſt aber endlich ſo glück

die Sache mit ihrem ganzen Effect

an den König zu bringen , mit dem ſie gegen andere Vergütungen in der Stille iſt beygelegt worden. f ), e ) Gedachte Wafferio lle find zwar für Preußen in Gang ge kommen , aber der Ertrag davvn ift nichtzur Einlöſung El bings , ſondern zu andern Bedürfniſſen der Strone verwandt worden. 1 ) Die Polniſche Capitation ober der fopfſchoß iſt in den folgenden Tabren noch öfters zu den Preußiſchen Landesabs

Fünfter Abranitt.

Erftes Kapitel.

Befewerlich genug außerten

21

ſich demnach je

långer je mehr , die Auswüchſe des Lubliner Verei nigungsbandes , Jabre wollte

mit welchem man ſchon hundert

vorheç die

Separatfrenheit der Provinz

ausgemerzt haben.

Die kleinen Stådte

konnten dagegen nicht meộr aufkommen , Thorn and Elbing wurden dfters der Nothwendigkeit zu weichen gezwungen , nur Dangig behielt in den meh. reſten

Fällen noc Muth und Kräfte genug , ſeine

eigenent Stadtvorrechte zu beſchůben.

Soldierge,

ftalt wurden in dieſen Jahren , die Königliche Coms miſſionen, welcher außer der Unterſuchung der Pfal. kammer, Rechnungen , ihre Jurisdiction noch wei ter ausdehnen , auch eine Reviſion fämtlicher Kos niglichen Einkünfte in der Stadt vornehmen woll ten , auf moderaten Rechtewegen von dieſem Ver. fahren abgeleitet. Ein åußerſt nachtheiliges Decret, welches der eines überführten Peculats halber ente feßte Rathmann Val . von der Linde gegen die Stadt ausgewürft hatte , wurde aus Gründen die in den Privilegien fundirt waren , weder angenom. noch zur Vollziehung gebracht, und iſt in

men ,

der Folge gånzlic , annuliçt worden . )

Auch in

gaben in Vorſchlag gekommen. Im Jahr 1676 haben Thorn und Elbing, den dreyfachen Stopffdyog nad , einem darüber gemachten Landesſchluß genehmiget, Danzig aber hat ſich wenigſtens nicht öffentlich zur Entrichtung deſſelben erflåret, T ) Im I. 1671 0, , 8 Octbr. hat von der Linde felbft , im Dirſchauſchen Grodgericht den Proceß gegen die Stadt aufs gehoben , das Decret ift caffiret worden, und er hat ſich zur Berzichtleiſtung auf alle fernere Anſprüche daraus erkläret. B3

Danzigs

22

Geſchichte ..

mehreren Privatſtreitigkeiten , die unter der jebigen und der folgenden Regierung,

theils mit der Stade

ſelbſt, theils mit ihren Bürgern und Einfaſſen ents ſtanden ſind, hat Danzig die Gerichtsbarkeit ſeines Drts allezeit dergeſtalt zu vertheidigen gewußt, daß alle Ausladungen oder unrechtmäßige Appellationen an Polniſche Gerichtshöfe,

Kaptur . und Schloß

gerichte haben müſſen abgeſtellet,

und für unfrafo

tig erkannt werden.

Unter folden Staatsdifferenzen nun , die nicht felten ein mißvergnügteres Verhältnis mit dem Ko niglichen Hofe darlegten ,

als Johann Caſimir

in den erſteren Jahren gegen Danzig hatte boffen laßen , neigte ſich auch deſſen Regierung almålig zu ihrem Ende.

Es erfolgte aber damit ein in der

Polniſchen - Regierungsgeſchichte außerordentliches Benſpiel, daß dieſer König ſich der Krone und des 1668. Scepters mit einer freywilligen Abdankung begab . 15 Sptbr.Er war bereits im J. 1661 mit dem Entwurf hér.

vorgetreten , ſich bey ſeinen Lebzeiten einen Thron . folger ernennen zu laſſen , und hatte den Polniſchen Reichsråthen ſomol als den Preußiſchen Stånden die triftigften Empfehlungen dazu gemact. Seine auf dem

damaligen Reichstage gehaltene Anrede war fo rührend und kraftvoll, daß ſie die bündig :

ften Gründe umfaßte , feinem Vorſchlage ein Ges wice zu verleißen. feinen kinderloſen

Er ſtellte den Reichsſtänden

Egeſtand vor ,

und verwieß fie

auf die dadurch nac ſeinem Tode beſorglice Ver. wirrung eines verwayſeten

:

Staats .

Er ahndete

mit propbetiſcher Befúminernis , daß das Polniſche

ex

Fünfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

23

Adi

Reich ſeinem Ziel nabe ſeyn könnte , von den Nach baren zerriſſen zu werden. ,, Rußland “ ſagte er ,

Fes

,, und den Narew ,

ab

, Weichſel auszubreiten ; der Churfürſt von Bran

en

de

w wird verſuchen , ſich in Litthauen bis an den Bug und vielleicht gar bis an die

», denburg wird auf Großpolen und andre umliegende „ Woywodſchaften

ſein Augeumert richten , und

wein unumſchränkter Herr von ganz Preußen zu orwerden bemůhet feyn ; das Haus Deſterreich wird mben ſo günſtigen Umſtänden auc nicht ſtille ſigen , in ſondern ſich des Krakauer Diſtrikts und anderer igm gelegener Derter bemächtigen ." .h )

Genug,

er bediente ſich aller Vorſtellungsmittel,

um die

3

verſammelten Reichsſtande mit ſeinem Plan einſtim

8

kannt , daß ſeine Gemahlin die er als Wittwe des

8

vorigen Königs feines Brudes gebeyrathet Batte,

mig zu machen .

Allein es war ſchon gar zu beo

.

eine gebohrne Herzogin von Mantua und Nevers,

pi

die gånzlich dem Franzöſiſchen Hofe ergeben war,

11

ihn vorzüglich zu dieſer Entſchließung, zum Vor theil eines ihr anverwandten Franzöſiſchen Prinzen , bewogen Batte. Gefälligkeit,

Dieſe nun für unbillig gehaltene

verdrang alle gute Meinungen von

12

der ſcheinbaren Sorgfalt des Königs für das Beſte Es ging in der Widerſegung gegen des Staats .

1

ſich eine auffäßige Gegenparther in dem Reiche ber

alle Einſcrånkungen der Wahlfreyheit ſo weit, daß

vorthat , die einen ſehr angeſehenen Senator aus

1 ) Discurſus politicus de cauſis et remediis malorum Polo niae . p . 66-70.

B4

Danzigs

Geſchichte.

dem Fürſtlichen Hauſe Lubomirski zum Anführet Hatte , und welche nicht nur dieſe Abſicht,

ſondern

auch andre Unternehmungen des Königs , wozu ihn ſeine eben ſo geiſtvolle als intrigante Gemahlin ber redete ,

zu ſtören und zu zernichten bemüht war.

Johann Caſimir hat von dieſer Lubomirskifchen Conföderation noch viele Uaruhe und Kummer ere fahren , und

G

obgleich , er mit dem aufgebrachten

Kron - Großmarſchall und Feldherrn zwenmal auf den Reicīstagen iſt ausgeföhnt worden, ſo þat dode erſt der Tod deſſelben die große Gegenparthey des Hofes geld wådet.

Das bald darauf erfolgte be

leben der Königin Louiſa Maria ( 1667. IO Man ) gab ferner die Hofnung,

14

der Wahlfreyğeit völlig

geſichert, und des Projects der Franzdfiſchen Thron. folge entledigt zu werden . Allein es ſcheinet , daß der König das Ändenfen ſeiner verſtorbenen Katys geberin zu werth gehalten habe , ſich ihrer işm beitis gebrachten Marimen ganz zu entſchlagen. blieb dem Vorſak getreu ; Prinzen

von

Herzogs von

Conde , oder deſſen Enguien

ånderte nur ſeinen

Er

zu

Sohnes des

befördern , und er

eigenen Plan , indem er

Kronę nun fenerlich nieder zu legen befchloß . mogen ihn aud förperliche Krankheiten ,

die Es

Gram ,

Ueberdruß und Mißmuth in dieſer Entſchließung beſtårkt haben .

M

das Wahlintereſſe des

Denn er blieb darin unbeweglich ,

und unerachtet er im Senat fußfällig und mit Thrår nen um die Abänderung ſeines Vorhabens erſucht wurde , fo fübrete er es doek auf einem abſichtlich Dazu ausgefæriebenen Reichstage' aus, woſelbft der

V

Fünfter Abſchnitt.

Erfies Kapitel.

23

Løron für vacant erklärt wurde, nachdem die 26 danfungsfchrift des Königs ſowol, als die Gegen . verſicherung der Stånde waren abgefaſſet und öffent lich verleſen worden.

Ohnerachtet übrigens das Land und die Stådte in Preußen , auch nach überſtandenem Kriege mit Schweden , fic noda mancher Fri convenienz durch äußere Feindſeeligkeiten und durch innere Stadts . troublen unter Johann Caſimir ausgeſekt gefehrt gaben , ſo iſt doch ſeine Regierung ( wie der Ver lauf der Geſchichte gezeigt hat ) , den Vorzügen und Freyheitsrechten der Provinz Preußen und Dan. zigs insbeſondere, in vieler Abſicht günſtig geweſení. Uus Königlider Zuneigung, iſt auch der Magiſtrat zu Danzig bey einer Jøm im

3. 1650 gebohrnert

das Jahr darauf aber wieder abgeſtorbenen Pringeſ fin , zum Laufzeugen erbeten geweſen .

In dem

felben Jahre Hat er den obrigkeitlichen Perſonen in Danzig die Jågerineiſterſtelle in der Nehring beſta . tiget, wozu richon Vladislav der Vierte im 3. 1644 , ein Mitglied des Raths zu ernennen , das ausſchlieſſende Privilegium verliehen

hatte , und .

womit Joh . Caſimię zugleich die Aufhebung der Unterjägermeiſterſtelle verknüpft hat, welche furz vorher ein Engländer Heinrich Sapſon an ſich Ben dieſen Verfügungen iſt es gebracht hatte . auch größtentheils unter den nachfolgenden Köni gen von Polen geblieben , bis erſt der Fortlauf neue rer Zeiten einige Beyſpiele davon geſchehener Ab weichung mit ſich gebracht bat ; jedennoch hat im 3.

1784 der adminiſtrirende Burgermeiſter der BS

26

Danzigs

Geſchichte.

Inſul Nehring nebſt den Gütérn Schiefenhorſt und Einlage , eine guldreid erneuerte Königliche Vero ficherung der Práfectur über die Jagd ,

uno die

Jagdgerechtigkeit hieſelbſt, für ſich und ſeine Nach folger in gedachter Adminiſtration , urkundlich er . halten.

Im J. 1657 iſt der Stadt Danzig durch

Zwen Königliche Privilegien ,

das Nobilitätsrecht,

die Titulatur der Edlen , i )

ingleichen die Obers

ſtelle unter den Preußiſchen Städten zuerkannt wors den , nachdem der König ſchon das Jahr vorher, dem Präſidenten Nathanael Schmieden in Dan = zig eine Declaration Hatte bekannt machen laſſen , daß er geſonnen wäre , der Stadt einen ehrenvollen Titel und den erſten Plak nach den Preußiſchen Confiliarien vom Adel zu verleihen , ſtratsperſonen den

ihren Magi 1

angebohrnen Reichsindigenat,

nebſt einem feſten Sik auf den Reichstagen zu ver ſchaffen , und bey fünftiger Erledigung der Caſtel laney von Danzig ,

die immerwåhrende Unwart.

fchaft auf dieſe Ehrenſtelle, einem aus den Mitglies dern des Danziger Katys auszuwürfen. Es ließen fich

noch verſchiedene Begünſtigungen

anführen ,

i ) Preuß. Sammlung . 5. 1. 9tes St. S. 517. mit den Worten : ' - Quapropter præfentibus literis et diplomate noftro , dandum id Civitatis Noftrae, Gedanenſis Ordini bus , nimiruin Magiſtratui, Scabinis , Centumviris ljudica viinus, ut tituluın Specabilium et famatorum cæteris in regno noſtro civitatibus communem ; a prædi& tis Civitatis Geda nenſis Ordinibus amnoveremus , atque in ejus locum , appel licationeın Nobilium ob nobilia et teftatiſfima illorum in nos et Rempublicain merita fidemque conftantiſſimam eis tsi. bueremus et conferremus, prour hisce tribuimus et confe rimus & c.

Sünfter Abrenitt.

Erſtes Kapitel.

27

un

welche der König Joh . Caſimir unſerer Stadt im

Ber dit

Juſtig - und Gerichtsweſen , wegen der Ausladun gen und Appellationen ,

ach

theils von neuem gegeben ,

theils auch beſtåtiget hat ; allein es iſt nothig , daß wir der Kürje wegen , von dieſen ſpeciellen Gegen. ſtånden abbrechen , und nur noch den Fortgang des

1941

Polniſch · Preußiſchen Münzweſens betrachten, wele

Bers

ches wåhrend und nach den Schwediſchen Kriegen , ſo große Abånderungen und Schmålerungen erlit daß der nachtheilige Einfluß davon rice

er,

ten hat ,

an

nicht

en

Staats , ſondern auch auf jede Provinz , und jedes

en

beſondere Glied des Reichskörpers hat ausbreiten müſſen.

en

nur über

das Algemeine

des Polniſchen

gi

at, er:

Zweytes Capitel.

el

Beränderungen im Polniſch - Preußiſchen Münzweſen Verordnungen unter Sigismund dem liten und Münys edicte in Danzig - fruchtlos erneuerte Münzverbeſſes rung im J. 1650 – Xuſſerſt nachtheilige Münzrevolus tionen unter der Regierung des Königs Joh. Caſimir rühmlich dabey beobadytete Vorſicht der Groſſen Städte in Preuſſen .

Tel

jes

em

ie Streitigteiten, welche die Preußiſchen Städte unter

Sigismund dem

Erſten ,

wegen

ihrer

10

1. 1

1

Münzgerechtigkeit gehabt hatten , waren noch unter derſelben Regierung, wenigſtens in ſoferne der Münzhammer nicht weiter geſtört wurde , bengelegt worden . Bereits im 3. 1546 findet man , daß Danzig einen neuen Münzmeiſter Michael Fiſcher

Geſchichte.

Danzigs

28

angenommen habe, mit dem der Vergleich gemacht worden , auf ſeine eigene Untoffen zu münzen , wo . gegen er ſich von der Mark Silbers ſechs Groſchen, und von der Mark Goldes zwey und zwanzig und einen halben Groſchen , Slageſag an die Stadt zu zahlen , verbindlich gemacht fat. haben,

Inzwiſchen

wie Böhme bezeuget, durchs Feuer ges

machte Preben , die Münzſorten der Stådte, noch bis aufs

J. 1550 der Transaction vom

I. 1528

gemås und bewährt gefunden , und erſt nach dieſer Zeit iſt die Verringerung der Münzen , theils geſeka lich oder durch zufällige Ereigniſſe, theils auch durch captieuſe Verpachtungen und betrügeriſchen Wu

le der immer mehr merklich und dem Lande nachthei. lig geworden.

Ein Königlidges Mandat vom J.

1551 hat ſchon den Ducaten oder Hngrijden Gal. den auf 5 i Groſchen und den Reichsthaler auf 31 Groſchen geſeket , und ſeitdem iſt der Werth derſel. ben immer höher geſtiegen , doch hat zu Ende des ſechszehnten Jahrhunderts ( frafr eines Reichstags fouluiſes vom J. Höher als 58

1598 ) der Ducaten noch nicht

Groſ

Groſchen gegolten . Batoriſchen Krieges ,

en und der

Reichsthaler 36

In der unglücklichen Zeit des fatte Danzig von dem z4 =

ſammengebrachten Kirchen , Silber , fich

genöthigt

geſehen , aus der Mart eilftehalolothigen Silbers nady Danziger Gewicht,

fieben Reicystyaler aus

zumünzen, den Wert des Thalers auf44 Groſchen zu ſeken , das alte gute Geld aber ſtempeln zu laſ fen und s Grorden vom Thaler Aufgeld zu beſtim . men , auch die vom Münzmeiſter Gratian Gonſalo

! .

Fünfter Abſchnitt Zweytes Kapitel.

19

in Gold geprägten Ducaten mit 54. Groſoben zu Idſen ; allein nach geendigtem Kriege, fam auf dem Reichstage zu Warſchau im J. 1978- eine Münze Ordnuug þeraus, daß aus der Krakauer Mart 14 ldthigen Silbers, Sieben Reichsthaler ausgebrache werden ſollten ,

( obwol noch ein Actel Thalers

minder gemacht worden ) und Danzig þat ſodann ebenfalls. 1418thige Drengroſchenſtücke geſchlagen , die beſſer als die Polniſchen im innern Gehalt ger weſen ſind .

Der König Stephan gat ferner alle

fremden ſowol als die einheimiſchen geringen Mün. jen verbieten laſſen ; und die Landesgeſchichte bezeu , get,

daß ſeine Münzordnung noch im

3. 1598

Durch eine Reichsconſtitution fey beſtåtiget worden . :

Dennoch iſt man in den folgenden Regierungs ,

Jahren Sigismund des Dritten immer writer vom guten Münzreglement abgewichen.

Die vom

Könige zu Marienburg und Bromberg angelegte Münzkammern haben in der Provinz Preußen viel Mißvergnügen und Widerſprüche, erwecket.

Im

J. 1613 iſt wider die daſelbſt geſchlagenen Soil. linge, ein Landtagsſcluß zur Vorſtellung an den König gemacht, und Danzig bat zufolge deſſelben die neuen Schillinge ſo gar durch

ein öffentliches,

Edict verrufen , welches der Stadt zwar ein ſchar, fes Mandat vom Könige, und Citationen zur Enta, ſchädigung des Königlichen Schakes jugezogen hat, doch aber ift fie bald von ferneren Zundthigungen befrent worden , als der König ſelbſt auf Andringen des Senats , die Marienburger Schillinge für uns gültig erkläret, und die Münze daſelbſt zu ſchließen

5

Danzigs Geſchichte.

30

befohlen hat. Dagegen blieb der Münzgammet zu Bromberg im Gange , und als die Stadt Dan. zig im J. 1614 anfangen ließ'k ) Derter oder Zehn . groſcher, zu 30 Stück aus der Krakauſchen Mark , von vierzehnteħalblöthigem Silber" zu machen , ſo Þat der König in Bromberg achtehalbldthige Drey . polter ( halbe Dreygroſcher ) 128 Stück aus der Marf ſchlagen und den Umlauf derſelben durch ein ernſtliches Mandat anbefehlen laſſen .

Zwey Jahre

darauf aber wurde kraft eines Reidysſchluſſes eine Münzcommiſſion zu Warſchau niedergefeget , wel che den Werth des Ducaten auf 75 Groſchen und

> des Reichsthalers auf 48 Groſchen feſtſtellte, auchy bey Harter Strafe alle Steigerung deſſelben verbot. Hienáchſt wurde beſchloſſen ,

in allen Königlichen

Landen die leichten Münzen abzuſchaffen , und über . all gleichhaltige Oerter , Secisgroſcher, und Dren . groſcher aus der 13ldthigen Krafauſchen Mark fchlagen zu laſſen . Der König wurde zur Vollzie. yung dieſer Münzordonnang auf das feſteſte vero pflichtet, in Danzig aber ließ man ſich einen ſcheins baren Vortheil davon blenden , der fernerhin viel größern

Sdyaden mit ſich gebracht hat.

Denn

als man nun laut des neuen Gefeßes , Derter von geringerem Sorot und Korn als bisher , ausmån gen fonnte , ſo ward die Münze in Danzig an den Münzmeiſter Daniel Cluver verpachtet, man ſtie pulirte der Kammeren ſiebentehalb und nachher ac. *

Seit des Stónigo Stephan Regierung hatten die Städte keine andre Scheidemúnje als einfache und dreyfache Pfers mige verfertigen laſſen . Braun vom Münzweſen . 8.75.

Fünfter Abſchnitt.

Zweytes Kapitel .

31

tebalo Groſchen Schlagerhak , verſtattete aber das für , ' die guten 14 löthigen Danziger Derter , ( wele che beynaýe 11 Groſchen galten ) einzuſchmelzen , und eine große Menge der neuen Münzſorten fabric ciren zu laſſen,

wovon die Stadt am

wenigſten ,

der Münzmeiſter aber einige Tonnen Goldes lucrire Haben ſoll . Aller geſeglicken Hemmung ungeach . tet ſind auch die Münzen im Lande noche ferner deres maßen

verringert

worden , daß

ein Polniſcher

Reichsſchluß , der im J. 162 1 publicirt ward , mit . Verboth fernerer Steigerung den Ducaten font auf 4 Gulden oder 120 Groſchen , den Reichstha. fer auf 75 Groſchen und die Danziger Derter zu 17 Groſchen valuirt hat.

Dieſe lekteren

haben

auch im J. 1623 zu Danzig einen abermaligen Verſtoß erlitten. Denn als ſich die Klage erhobent hatte , daß die 13löthigen Oerter , mit den neuen , ( welche nacı der jeßt noch einmal revidirten Münza Ordnung nur eiffldthig ausgemünze wurden ), in einerley Werth ju 17 Groſchen vermiſcht wurden, foließ derMagiſtratdurch ein Edict die Oerter insges famt auf 16 Groſven ſeßen, zur angeblichen Schad, loshaltung aber dabey verordnen , daß alle in die Münze gebrachten alten Derter mit 17 Groſchen geldſet werden ſollten .

Hierauf ſind die bisher

gangbaren 13ldthigen Derter mit Gewinn der Münzbeamten gröſtentheils eingeſchmolzen , und geringere Sorten für einen Schlageſdaß zu achte. Halb Groſchen von der Mark , worden.

daraus verfertiget

Danzigs Geſchichte .

3%

Der Ausbruch des Schwediſchen Krieges, Hat ben Fortgang der Ausmünzungen in den Polniſchen Staaten einigermaßen gehemmet, und auf deut Warſchauer Reichstage vom J. 1631 wurde be gehret, ſämtliche Münzofficinen in den Königlichen Landen zu ſchließen , weil kraft einer Conſtitution ein neuer Entwurf zur allgemeinen Veränderung der Münzſorten nach dem Reichstage ausgefüßrt wer Den ſollte .. Deſtomehr aber hat ſich in dieſer Zeit der Schaden von dem ſvlechten Schwediſchen Gelde verbreitet,

welches Guſtav Adolph zu Elbing ,

Riga und Reval bat ausmünzen laſſen , und deſſen innerhalb drey Jaþren über eine Million an Schil , lingen , die kaum den Halben Werth der Polniſchen gehabt haben , ſoll fenn eingeführtworden .

Auch

die projectirte Polniſche Münzcommiſſion iſt im J. 1632 nicht zum Stande gekommen , mehr da nach Sigismunds Tode , Polen ,

um ſo viel die Republik

vermoge einer ausgewürften Ceſſion des

verſtorbenen Konigs , fich in der neuen Wahlcapis tulation die ganze Unordnung und Nukung des Münzweſens vorbeşalten , und von den Königlichen Rechten getrennt hat. Dennoch ſind alle der Münze wegen angeſtellte Deliberationen unter Vladis lavs des Vierten Regierung ohne Würfung ge blieben , und kein anderes Geld als Ducaten und Thaler mit ſeinem

.

Bildniſſe geprågt worden,

der

gleichen auch Danzig und die übrigen großen Ståde Man hat

te aus dieſer Zeit aufzeigen können .

Scheidemünzen genug im

Lande gehabt , die ihres

geringen Gehalts wegen , der Handlung und dem Gewerbe

Fünfter Abſchnitt. Zweytes Kapitel.

33

Gewerbe Schaden gethan haben , und unerachtet annoch der geſegliche Werth des Reichschalers nur

$

75 Groſchen þar enn ſollen , ſo iſt er dog im gee meinen Handel in kurzem 'auf 90 Groſchen geſties gen . In einem zu Danzig publicirten Edict voin

7

F. 1635 wird dieſer Werth beſtätiget, und nur die

3

Steigerung deſſelben verboten , wie auch daß nie mand, den Ducaten bößer als für ſediſtebalo Gul. den þat 'annehmen dürfen .

Vermoge ſolcher Er.

håþungen nun ſind auch die Derter in Danzig big 18 Groſchen hinauf gegangen , und es haben ſich jährlic meşr Klagen , über die theueren Preiſe dep Waaren ſomol, als über den Verluſt an Capitas Jien und über die Perminderung der Einfünfte gee äußert. 1 ) Im folgenden Interregnum beßielt die Repus blik, vermoge des mit dem neuen Könige getroffe . nen Wahlvertrages , die Direction des Münzwes ſens an ſich.

Nun aber zeichnete

ſich das Jahr

, 1650, durch eine vortreflich erneuerte Múnjordnung aus, m ) welchetraft eines vorgångigen Reichsſchluß 1 ) Seit dem J. 1528 Dá die Reichsthafer jo Groldhen gegots ten haben , war der Werth derſelben innerhalb hundert und acht Jahren dreyfach , uemlich bis auf 90 Groſchen gefties gen. Wer im $ . 1528. Breytauſend Gulden Einkünfte ges habt hatte, hatte ſo viel als 3000 Chaler bekoniment, bages gen er im J. 1638 nicht mehr als 1ood Ehalet dafür seins nahm . Gleichermaßen wurde an Zinſen und verſchriebenen Capitalien verlohren , die Commerzien wurden jerrůttet , und alle Waarenpreife dadurch geſteigert. m ) Dav. Brauji giebt dieſer Múnjordination, und den daju etňanntent Commiffariett; votzüglid bett Battaligeri Serons fchaßmeifter Boguel. Leſzczynski ein überaus groffet Lobs Perch . Danz: Zter Thi

Danzigs

34

Geſchichte.

Tes, mit Zuziehung der Herzoglich Preußiſchen und Curländiſchen Geſandten , wie auch der Abgeord . neten von den dren großen Städten , zu Warſchau gemachtwurde. Nach dem Inhalt derſelben ſollte an Stelle der Krafauſchen Mark eine neue Münz. marf volle ſieben Reichsthaler an Gewicht, ( d. te *131 Englis , 8 AB) Feſtgeſegt werden. Der da . malige Wert der Ducaten zu 6 Gulden , und der Neichseñaler zu 3 Gulden , wurde zwar aller Veri wirrung auszuweichen ,

unverändert gelaßen , wol

aber die Reduction derſelben dem fünftigen Reichs. tage empfölen .

Ade' fremde Münzen , vornemlich

die Niederländiſchen Löwenthaler und Guldenſtúde wurden bey Harter Strafe verboten , und nur gute Reichsthaler und Ducaten einzuführen erlaubet, ingleiđen zur Art des Verfaufs der vorhandenen ausländiſchen Münzen in die Polniſchen Münzkamt. mern , eine eigene Vorſchrift beſtimmet.

Endlich

ſollten in allen Staaten der Krone Polen , an ein þeimiſchen Münzſorten , Thaler , Derter , Sechsı groſcher und Dreygrofæer aus einerley Lige 1410 thigen Gehalts ausgemünzt werden.

Aus 7ldchia

gem Silber wurde Zwengroſcher und einface Gror Tohen zu fchlagen verſtattet, Søillinge aber ſollten aus reinem Kupfer gemacht und der kleinen Müña gen überhaupt nicht zu viel , ſondern Höchſtens eine Million oder 10 Tonnen Goldes verfertiget werden. Nach Redlichkeit und Patriotismus Kåtte man mit er hat ſie auch aus dem Volum. Conſtitut. Regni Pol. Peis nem Bericht vom Münzweſert, in der Heberſerung vollſtånz dig einverleibet.

1

Fünfter Abſchnitt. Zweytes Kapitel.

35

dieſer guten Münzordination zufrieden ſeyn , and die Vorſchriften derſelben einmüthig befolgen ſollen ; saber Eigennus lund Wucer haben alle daraus er. folglichen Vortheile verdrungen.

Nur in den ere

aftern zwen

Jahren

ließ die Republik Polen eine

Quantitåt

141dthiger Sechsgroſcher und Derter ,

auce Zweygroſcher und große kupferne Schillinge Nach der neuen Ordonnanz ausmünzen.

Die Pole

niſchpreußiſchen Städte folgten zwar darin nach, doch hat Danzig nichts als Zweygroſcher verferti: gen laßen : zu Bromberg Þingegen kamen ſchon im F. 165.1 pcbleteve Oerter Hervor , n ) die roldthig Silber hatten , und von der Vorſchrift garz und gar abwiden . Der Reichstag im J. 1654 druckse Hollends diefe vortheilhafte Münzordnung - nieder. Dhne Noth , und ebenoch der Schwediſche Krieg wieder anfing , kam

es durch verfängliche Vorſtel

lungen und Kånke , unter dem Dormand dem Nache theil des Staats vorzubeugen , zur gånglichen üb.

foaffung derfelbent, wofür einige ibr völlig entge. gengeſepte Verfügungen publicirt wurden. Sace. Verſtåndige aber gaben immerdar mit Einſicht geur. theilet, daß die Mädtigſten im Reiche ſich damals entweder mit den Münzpåchtern berſtanden , oder burcy betrügeriſde Ueberredungen haben verleitert Saßen ,

den Schein für Wahrheit zu nesmen , und

St. * ) Diefe Oerter find mit der umſchrift -, Civitatis Bidgø: . st ſtienfis “ gemacht. Das Städtchen Hromberg oder Bydgoſce abér hat nieniats Sas Necht zu münzen gehabt , ſondern és If dafelbft von Sigismund den Drirren nur eine Stönigs liche Münt Officin àngelegt worden.

1

Danzigs Geſchichte .

38

fur feineren Corruption des Münzweſens die Hände zu bieten . Der plößliche Ueberfall Carl Guſtavs von Schweden, vertrieb zulegt alle Hofnung , in dieſem Staatsgeſväfte einer nochmaligen Verbeſſerung frob zu werden .

Nur das Herzogliche Preußen

und die Stadt Danzig find ihrer Seehandlung we. gen der gefeßlichen Münzeinrichtung ſo lange als möglich , ' getreu geblieben : Lektere ſchlug im 3 . 1656 noche 13löthige Derter , bis in den beiden legten Kriegsjahren dieſelben ſchon eilflöthig gewor. iden . Dagegen fabricirten die Münzpå ter in Bromberg voldthige Derter ,

32 aus der Mark ,

auch 8ldthige Sedler und 7ldthige Dreypdlfer; aus · Elbing famen Schwediſcc Šed fer von noch ſchlech . terem Gehalt fervor , und dergeftalt wurde das Land von neuem mit einer Menge geringhaltiger Münzſorten überſchwemmet . Den unůberwind * lichſten Schaden aber gat die Republik Polen durch den Wucher zweyer in ſonderheit unter Joh. Eaſi mirs Regierung bekannt gewordener Münzpachter erlitten . Der erſtere ein Italianer , Titus Livius Börätini genannt,

der ſchon eine Zeitlang die

" Münze zu Bromberg in Pacht gehabt þatte , wure de im J. 1659 durch einen ſebr vortheilhaften Con . tract,

den ihm eine Polniſche

Commiſſion , trong

allen Widerſpruchs der Preußiſchen Abgeordneten guſtand , nåcht andern Geldrorten , eine Million fupferner Schillinge auszumånzen berechtigt, noe • für dem Kronſchaße eine gewiſſe Abgabe von der Mark ftipuliret , alle übrigen Vortheile aber beebſt

Fünfter Abfchnitt.

Zweytes Rapitel.

37

Erlaßung des Zolles vom Silber und Kupfer, und eine faſt willführliche Würdigung der Münzen, dem Seit dem J. 1652 Påchter überlaßen wurden . hatte Polen bereits von nichtswürdigen aus Kupfer und Metall fabricirten Sqillingen , die aus der Walladey in großer Duantitåt eingeführt worden, ben entfeßlichen Verluſt von mehr als 93 Gulden auf hundert erlitten ;

deſſen ungeachtet faßte man

den unglücklichen Entſchluß ,

dieſe

ſogenanntent

Wallacen durch eine eben ſo elende Landesmunze zu verdrången , und man þat dadurch einen Soa den mit den andern gehåufet. Denn auch die übrtę gen Geldſorten des Boratini waren von ſo ſchlech tein

Gehalt,

daß weder der Cþurfürſt noch die

großen Städte in Preußen ihm nachfolgen wollten, fondern Danzig vielmehr fortgefahren þat, illo, thige Derter zu 30 Stück aus der Mark ſchlagen zu laßen , welche beynabe eilf Procent beſſer als die Boratiniſchen ſind befunden worden . Inſonderheit war das Polniſche Reich zu be dauern , daß nach geſchloſſenem Frieden mit Schwe. den , wovon man doch eine Erleichterung des Uebels Håtte vermuthen ſollen , das Elend durch die boſent Münzen noch größer- und ausgebreiteter wurde. Man muß die Urſachen , welche Braun davon an . geführt hat , in iþrer Verbindung leſen , wenn man von der unglücklichen Geldverlegenheit des Staats in dieſer Zeit unterrichtet ſeyn will.

Die militairi

ſchen Conföderationen haben mindeſtens den näch . ften Vorwand gegeben , zur nothwendigen lung der Urmeen ;

Bezag

fich die perfänglichſten Rittel

C 3

Danzigs Geſchichte... ?? þaares Geld aufzubringen , gefallen ju laßen . Us mit Boratini im J. 1663 wieder ein neuer.Come

+

tract auf zweyundfunfzig und eine galbe SonneGots des an kupfernen Schillingen zu liefern beſchloſſen wurde , wogegen er obne Zeitverluft, die aufſasta gen Kriegsvölker mit Baaren zu befriedigen fich angeiſchig machte ; fo meldete ſich ein zweyter Münza påchter, Namens Andreas Tympf bey der Pobe niſchen Commiſſion, mit den ficheinbarſten Vorſchlár gen , der Republit den Schaden von der Kupfers münze zu erſparen , und auf ſeine Koſten , Silber . geld zum großen Vortheil des Reichsſchakes auszu . münzen .

Es wird in den Annalen der Geſchichte

Verſichert, daß ſeine in Münzſachen ſchriftlich übern gebene Deductionen einen geübten Kenner erfordeve þaben , um die ſchädliche Seite feines Projects gut

7

entdecken ; wenigſtens fam er in Polen ohne Schmien rigkeit damit durch , ro ſehr auch die Preußiſchen Stånde ſich demſelben widerſekt haben . de verſtattet,

Ihm wur

aus der 8fötộigen Silbermark 30

Guldenſtücke zu ſchlagen , und dafür der Krone et nen reichlichen Schlageſchas an bagrem Gelde los wol als an Kaufmannswaaren zu geben .

Der

fümmerliche Gehalt dieſer neuen Euldenſtüde aber mußte ſich in kurzem verrathen : Rie folgen auf 30 Grofchen qusgemünzt ſeyn , und hielten an innerm Werth etwa 13 Groſchen , ſo , daß aus einern Tya . ler 6 Gulden heraus gebracht wurden .

Dennoch

find ſie zu großem Schaden der Republik, raud mit einigem Abbruch der Boratinifchen Contracte, in Circulation gekommen , fie haben in der Folge

1

Fünfter Abſchnitt.

Zweytes Kapitel.

39

bren Namen iøres Erfinders erhalten, 0 ) und etliche Millionen des beſſern Silbergeldes in Polen verzeha ret , welches aus Nachſicht der Commiſſarien , in die Schmelze gebracht und zulegt ganz felten gemora den iſt, zumalen da eben dieſer Tympf auch Secha ſer und Dütchen , oder 6 und 3 Groſchenſtücke hat ſchlagen laßen , welche in Verhältnis gegen die dan mals gangbaren Müngſorten dieſer Art, einen weit geringeren Werth gehabt haben.

Der Provinz Preußen gereicht es unſtreitig zum Ruhme, daß ſie allen dieſen verderblichen Anſchlå , gen und Unternehmungen im Münzweſen wörtlich und ( båtlich zu widerſtreben geſucht hat. 1666 wurden

Im J.

aufzweyen Landtagen wiederholte

Landesſchlüſ gemacht,

die fupfernen Schillinge

ſowol als die Tympfſchen Guldenſtúde im

Lande

. ) Die hieſigen Münzforten welche den Werth von 18 Preuß. Groſchen haben , und bis auf den heutigen Tag unter den Namen der Tympfe ( Tymphones ) in den Polniſchen und Preußiſchen Landen bekannt ſind , leiten ihre Abkunft von gedachten Cympfſchen Guldenſtúden ber. Dieſe bekamen im J. 1663 den aufgeftempelten Werth von XXX Groſchen , und auf einer Seite die zuſammengejogenen Buchſtaben des Stöniglichen Namens ; ſie wurden aber in Preußen auf 18 und ferner bis 15 Groſchen herunter geſetet , und die An: fangsbuchſtaben J. C. R. von Joannes Caliinirus Rex hat man damals ausgeleget : In Calainitate Regni oder Incipit Calamitas Regni ( Hiemit fängt das unglúd des Reichs an ). Sie ſind auch in der Folge mit den ehemals im Gange ges wefenen Dertern vermiſcht worden , die aber ihrer beſſern Bonität balber , durch Wucher und Jüdiſche Austippung ſich julett vollends verloren haben. E 4

40

.... "

Danzigs Geſchichte.

ganz und gar zu verbieten ; p ) und weit Andreas Dympf eben damals in Danzig ſeinen Aufenthalt Batte , ſo wurde diere Stadt auf dem Thorner Land. tage erſuchet ,

ien im Namen der Stånde gefång .

lich annehmen zu laßen , nachdem man ſchon längſt am Königlichen Hofe darauf gedrungen geỹabt, ihn wegen ſeines Verfahrens mit der Münze , zur Vers antwortung zu zieper..

Auf dem nächſten Reichs.

tage zu Warſçau , hatten die Danziger Abgeord : neten deswegen zwar einen ſehr unangeneßmen Em. pfang , und der König wollte ſie nicht eher zur Au . bienz laßen , bis Tympf wieder auf freyen Fuß gea ſtellet vurde.

. Dieſer gewann auch ferner ſeine

Vertheidiger und Fürſprecher bey den Polniſchen Stånden , dergeſtalt, daß der Reichstag eger gee riſſen ward , als daß man in eine Unterſuchung fei nes eigennúßigen Verfahrens einwilligen wollte . Nichts deſto weniger iſt im nachher für einer ge richtlichen Inquiſition bange geworden , und würf fich hat der König laut dem Beſchluß des nåch ſtjåg.

P ) Jedennoch follen die Empffchen Gulbenftüde , des Polnis ſchen Handels wegen , anfangs auf den Werth von 18 Gro : fchen curſirt haben : im I. ' 1669 d. 11 Febr. aber find fie 2 auf dem Landtage zu Grauden; ausdrüdlich auf 15 Groſchen gefeßt, und darauf zugleich ein Landesfchluß über die Vers hältnis der Polnifchen gegen die Preußiſcje Mùnge fundirt worden, kraft deſſen 150 Gulden Poluifch oder ſchlecht Geld mit hundert Gulden in Preußiſchen oder gutem Gelde gleich gefchatfixe. Obgleich nun auch Danzig gedachten kans desſchlüffen nicht widerſprochen bat, fo find doch die Sympfs fche. Guldenſtücke , weil fie unter deni Werth von is Gros fchen geweſen , durch ein Stadtedict ju Anfang des J, 1671 gänglich zu nehmen perboten worden.

Fünfter Abſchnitt. Zweytes Kapitel.

41

rigen Reichstages , einen Befehl zu ſeiner Arreſtis Dan . rung ausfertigen laßch , allein derſelbe iſt

zig zu fpåt eingelaufen , denn obgleica Tympf fick kurz vorher aus Warſchau hier wiederum eingefun . den hatte ,

ſo war er dod ohne

Schiffe gegangen ,

Verweilung zu

und mit ſeiner ganzen Familie

nach Hamburg entwichen . Uebrigens bedarf es feines Bemorijas , daß dieſe allgemeine Münzrevolution zu Joh . Caſimirs Zei. ten , auf eine lange Reihe von Jahren ,

der Res

publik nachtheilige Folgen zuwege gebradyt habe . Die Erfaþrung hat gelehret, daß beynahe ein vol. les Jaþröundert gindurch , keine gute und gangbare Münzen in Polen gefdlagen worden ,

und wenit

gleich zuweilen durch Reichstagsſchlüſſe die Polni :

fchen Münzkammern zu eröfnen beliebt worden, ſo ga ben ſie doch in kurzem wieder müſſen geſchloſſen wers den , oder die deshalb angeſtellte Commiſſionen find underrichteter Sachen auseinander gegangen .

Die

Republik Polen iſt demnac, nicht nur in Mangel eigenen Geldes , und aller Vortheile der Ausmůn . zung beraubt geblieben ,

ſondern ſie bat ſich auch

den öfters unvermeidlichen Schäden von der Ein: füşrung auslåndiſcher Münzen unterworfen gelegen , In der Provinz Preußen haben die großen Städte ſid ebenfalls aus Beſorgnis fremden Auftaufs und achtheiliger Verſchmelzung iører beſſern Münzſor. ten , der Uusprågung curſirenden Silbergeldes enta þalten , Unter den nächſtfolgenden Regierungen ſind mehrentheils nur wenige Ducaten ,

zupcilen

aud Thaler, und der nöthigen Scheidemänge more ES

42 gen ,

Danzig $ Geſchichte. viele Schillingę ausgemünzt worden ,

übrie

gens aber hat man ſich im Handel und Gewerbe mit auswärtigem Silbergelde gebolfen , Allererſt in den lekteren

Regierungsighren

Königs Auguſt des

Dritten , als die Polniſchen Senatoren ſchon etli. Qemal für gut befunden,

und eß den Preußiſchen

Städten empfohlen gehabt hatten , bey niedergeleg . ten Münzhammern in Polen und kitchauen , nack einem guten fremden Münzfuß. neues Silbergeld bey ſich zu ſchlagen , ſo haben dieſe nach und nack ihre Münzſtåtten wieder eröfnet, und Danzig bat Guldenſtücke zu 30 Groſchen , Tympfe zu 18 Gro. fohen ,

wie auch mit

Thorn und Elbing: zugleich Sechſer und Dütchen ausmünzen laßen , wovon zu feiner Zeit ein mehreres zur Erläuterung der Ge. fchichte fol angeführt werden .

Fünfter Abſchnitt. Drittes Kapitel.

43

Drittes Kapitel . Erwählung des Königs Michael Wisniowieckt

Danzig

wird in ſeinen G. Idforderuugen nochinaló zurückgeſeket die unrus und bald mit Lob bald mit Tadel beurtheilet hige Regierung in Polen ſchließt ſich mit dem Tode des Ros nigs - Danzigs Commerzunterhandlungen mit Großbrits tanien und den Generals Staaten - Anfang der Strauchs Edhen Streithandel in Danzig - D. Strauch wird vom Rath der Stadt ſeiner Hemter entſeget – , aber auf Ana halten der Gewerke , nächſt einem entſtandenem Volkstus muli reſtituiret – Strauch nimmt neue Maasregeln , fidy am Rath und allen ſeinen Gegnern zu råchen .

Nachdem der König

Johann Cafimir die Reo

gierung niedergelegt þatte , 9 ) ſo erfolgte in Polen , die während eines Interregnum gewöhnliche Gene. ralverbindung

der Reichsſtånde.

Jndeſſen war

man nicht ohne Partheylichkeit mit der Befekung des erledigten Thrones beſchäftigt; es ſchien unter den auswärtigen Kronwerbern Feiner - fo viel Bey . fall zu gewinnen als der Prinz Carl von Lothrin gen , und niemand fand ſo viel Widerſeßlichkeit ges gen fich , als der Prinz von Conde , der ſogar vort der Wahlcompetenz förmlich ausgeſchloſſen wurde .

9 ) Er reifete nach geendigtem Wahlreichstage nach Frankreich , trat in den ſchon ehedem bekleideten geiſtlichen Stand 34s růck , und bekam vom Stonige Ludwig XIV, qußer einigen andern Pfründen , die Abtenen St. Germain des Pre; ben Paris , und St. Martin zu Nepers , in welcher !lektern er im J. 1672 ſein Leben beſchloſſen bat. Seinen Körper bat man im J. 1676 nach Polen berüber geführet, und mit der Leiche des Stönigs Michael zugleich , in der Cathedralkirche ju Stratau bergerepet.

1 Dangigs Geſchichte. 1 .; Eine Spaltung aber zwiſdyen der Lothringiſchen Pare then und den Anhängern des Pfalzgrafen von Neue burg , Philipp Wilhelm , beförderte zulegt die Empfehlung eines Piaſten , welde ſchon vorher ein anonyuziſch gedruckter Auffaß des Culmiſden Bio fchofes Olszowski , auf die Bayn gebracht þatte . Unter ſolchem Wechſel der Umſtände rourde dem . nach der Fürſt Michael Thomas Korybuth Wis niowiecki wider ſein Vermuthen , und faſt eben ſo fehr wider ſein Verlangen , zum Könige erwählet. Die Preußiſchen Conſiliarien ſowol als die Landbo ten hatten bey dieſem Wahlgeſchäfte eine ſehr wan felmüthige Rolle geſpielet, dod ließen ſie ſich den Beytritt für größern Mienge gefallen , und mit dem Könige Michael wurde oyne ferneren Widerſpruch *1669. die Wahlcapitulation geſchloſſen , nnd die Kronungs. 29 Sept. ceremonie Feyerlich vollzogen , Die Preußiſchen Stände waren während die fer Zwiſchenregierung nicht nachlåßig geweſen , für die Bewahrung ihrer gültigen Gerechtſamen zu for gen , und unter den Städten , deren ſpecielle Anlie. gen in der Landesinſtruction iþre Plage bekamen , zeichnete fich Danzig inſonderheit mit den wieder . holten Forderungen aus ,

welche von dem legtern

Schwediſchen Kriege şerrührten.

Außer dem ftare

ken Nacreſt der von der Krone verheiſſenen Grati ficationsſumme, Vatte Danzig zwen Millionen für

1

verwandte Kriegsfoften , 246019 Gulden für die Pußiger Beſchüßung, und von einem -verſicherten Capital , 18323 Gulden an fechsjährigen Intereſ fen zu fordern .

Die Stadt verlangte bienáchſt die

1

.

Fünfter Abſchnitt. Drittes Kapitel.

45

#

Auslöſung der Staroſten Pußig , einen billiger: Ero fall für die allein übernommene Ausbeſſerung der

EN

Weichfeldämme, und weil es niçt zu vermuthen war , daß der Kronſchak eine ſo große Suinme an baarem Gelde würde entrichten fönnen ,

fo wünfte

2.

1

1

sy

" fie dafür die Abtretung der geiſtlichen Gründe Scott land 'und Hoppenbruch , wogegen ſie den Vorſchlag machte, daß die Eigner derſelben als der Biſchof von Cujavien und der Abt von Pelplin , auf eine andre Art von der Krone vergnüget werden möchten . Alle dieſe Anträge aber ipurden in den Polniſchen Staatsverſammlungen mit ſpråder Gleichgültigteit übergangen , und auf dem Krdnungsreichetage be. ſchuldigte der Kron . Unterkanzler Biſchof von Culm , die Danziger mit harten Vorwürfen , daß fie fraft " eines übermäßigen Koſtenauſchlages durch den Befiß dieſes Diftricts ,

für

Pußig,

igre Herrſchaft

54 ľ

zür See zu erweitern , nebſt Schottland auch die Oliva an ſich zu bringen , und die Weichſel forol als das Haf in ihrer Gewalt zu haben trachteten ; er beneidete ſie auch wegen des erhaltenen Privile, giums über die Cabucgüter , und wollte ihnen einen Unter Mißbrauch ihres Münzrechtes aufbůrden . andern nahm ſich hierauf der Woywod von Pom e merellen der Stadt Danzig vorzüglich an , er lobte ihre dem Staat erwieſene Dienſtfertigkeit und Treue, bewies

die Rechtmäßigkeit ihrer erworbeiten und

wolverdienten Privilegien ", und gleich wie et fowol als der Kron , Großtanzter Johann Leſzczynski, die Vorrechte der Provinz Preußen überhaupt dem Königlichen Sauge empfahlen , ſo beſchloß lektie

igs

Danz

46

te .

hich

Gefc

rer ſeinen Vortrag noch mit der beſondern Bitte an den König ,

ſich die Wolfahrt Danzigs þauptſäch

lich angelegen ſeyn zu laßen .

Der vortheilhafte

Erfolg dieſer Squßreden äußerte ſich noch währen . der Zeit des Reichstages ; denn ohne den Beyſtand des Großkanzlers gåtten die Danziger Abgeordne ten ſchwerlich die

unbedingte Beſtåtigung

ihrer

Stadeprivilegien erhalten , wogegen mindeſtens fo große Schwierigkeiten gemacht wurden ,

daß der

König beynahe entſchloſſen war , fie nur unter der Einſchränkung einer künftig befundenen Redtmås Bigkeit zu beſtåtigen . Das Mißfallen ,

welches ſich bekanntlich in

Pølen , bald nach vollzogener Krónung gegen den neuen König Hervorthat, verwickelte die Stadt Dan. zig. þinfort in den Verdacht, als ob ſie durch eitt unerlaubtes Geldnego , mit dem Franzófifden Hofe, fich den Polniſchen Malcontenteu zugeſellt gåtte. Das Gerücht davon fand in Warſchau ſo vielen Glauben , daß man die Danziger ſchon desfalls zur, 7 Verantwortung ziehen wollte, und als eben an den hiefelbſt. reſidirenden

Danziger Subſyndicus ein

Wagen mit Auſtern ankam, die für den Königlichert Hof beſtimmt waren , ſo wurde derfelbe angehalten , und als verdåchtig unterſucyet, in Meinung, fran : zöſiſches Geld in den Fäſſern zu finden .

Der Irr.

tjum aber ward entdecket, und aus Danzig legte man darauf die ficherſten Beweisgründe dar , um feine Unſchuld zu rechtfertigen.

Wenige Zeit nach

1670. Her wurde die Huldigung von den großen Städtent Juny. durch den Biſchofvon Culm in Empfang genommen ,

Fünfter Abſchnitt.

Drittes Kapitel.

47

. und hier contraſtirte Tonderbar genug die bey dieſes

lands ott

Gelegenheit von gedachtem Prålaten gehaltene Lobo rede auf Danzig , -) mit der gebåſſigen Schilderung die er unlängſt von dieſer Stadt auf dem Krönungs

Tanti

Reichetage gemacht Hatte.

In demſelben Jahre

wurde auch auf einem wieder gehaltenen Reichstage

hre

der Danziger Squldforderungen gedacht, und es

06

für die Befriedigung der Stadt redeten , ſondern

Det

ſie auch wegen ihrer geſunfenen Nahrung und ges

mo

fdmålerten Commerzlage beklagten , deren Wieder

traten verſchiedene Senatoren auf, die nicht nur

ein

Herſtellung fie ernſtlich zu befördern änriethen ; allein mit dieſen rühmlichen und wolgemeinten Vortrågen wurde doch keine thàtige Auswürfung weiter gee Yvonnen . Danzig ſahe fiche rielmehr gendthiget,

wegen

OR

der nähern Tþeilnaşme an den allgemeinen Landes:

tte , 21

Es waren feither manche unregelmäßige Reichscons

beſchwerden , ſeine Privatvortheile ruhen zu laßen.

jur Den eit

ftitutionen gegen die Preußen gemacht worden, und

ell

welche ohne Inſtructionen die Reichstage eigenmächy.

71

man hatte zum rechtlichen Vorwand , desfalls die Gegenwarteiniger Preußiſchen Landboten gebraucht,

tig befucht batten.

Dawider brachen nun Befrige

Debatten auf dem Graudenzer Nachlandtage aus. Die Activitat folder unbemäcötigten Boten wurde 1671.

le

für nichtig erklåret , gegen die verfänglichen Con .

m

ſtitutionen wurde als ungültig proteſtirét , eiñ abgea ſprochenes Urtheil gegen Danzig zur unentgeldlichen

en p ) Zaluski Ép. fam . Tom. I. p. 248.

!

48

Danzigs

Geſchichte .!

Räumung der Staroſten Pukig wurde für unkråf tig erkannt , und nach den verglichenen Punkten zu einer außerordentlichen Geſandſchaftsinſtruction an den König , ſollten demſelben die Bewahrung des Einzöglingsrechts , die Befreyung der Provinz von den Hibernen , ingleichen von den Monopolien und der Steigerung der Grenz jólle , wie auch die Ents ledigung der Stådte von erfolichenen Geleitsbries fen ihrer Einwohner , von widerrechtlich geſuchten Gewerksprivilegien , und von den ungerechten Ston rungen des Königlichen Fiſcals in Preußen ,

mit

den dringendſten Anſuchen vorgelegt werden . Dieſe nun auf dem Landtage beliebte Geſandſchaft iſt in der Folge zwar aus andern Urſachen unterbliebeat, doch haben die Stände der Provinz . iþre Beſchwers a den noch dfters erneuert , ſo wenig auch unter dieſer immer zwiſtvoller gewordenen Regierung , der ge wünſchte Effect damit iſt erreic ;t worden . Die nachtheilige Friedenshandlung im Türfi. 1672. Sünfter. Abfthnitt . Drittes, Kapitel.

57

Waren in den drey erſten Jahren am Gedächtnistage der Lutheriſ @ en Reformation , dren Predigten von ihm gehalten worden , worin er das Papſtchum , und den Lehrbegrif der Römiſchtatholiſchen Kirche, mit höchſtverſeþrtidyen Uusdrüden angegriffen hatte ; weil nun eine ftreitluſtige Neubegierde hie und da ein Verlangen dieſelben noch öfter zu leſen ermedtem ſo war er unvorſichtig genug , fie öffentlich in Dan , zig unter dem Titel , die Tage Purim “ druden ju laßen , und ihre allgemeine Verbreitung ſelbſt zu befördern.

Hiemit aber wurde die ſchärfere Aufe

merkſamkeit des Danziger ParoQus und Officials Lorenz von der Demuth und durch denfelben der Unwillen des Bifchofs von Cujavien als Ordinarius loci erreget. Die ſogenannten Purime , Predigten wurden auch am Königlichen Hofe bekannt , und gegen iøren Verfaffer ſowol als wider die Danziger Obrigkeit wegen des verſtatteten Abdrucks, und daß die dritte Ordnung fich dieſe Predigten batte dedicis sen ſaßen , wurde in Polen und in der Provinz Preu . Ben ,

mit großer Heftigkeit geſprochen ,

und mie

bitterm - Tadel die ſchårfſte Ahndung dafür gedrohet. Moch bey Lebzeiten des Königs Michael,

zeigte

der Landbotenmarſchall aufdem Marienburger Lands 1673. tage, ein Eremplar der Tage Purim öffentlich vor, kannte es eine gotteslåſterliche Schrift, und trug derauf an , den Verfaſſer derſelben zur Ehre Gote : tes ,

mit einer exemplariſchen Strafe zu belegen .

Die Danziger Abgeordneten Katten þier ſowol als bey der Fortſegung des Landtages , zu Graudeng fehr beſchwerliche Geſchäfte, theils die perſönliche DS

gs

58

Danzi

chte

Geſchi

.

Auslieferung des D. Strauch , theils auch die durch Henfers Hand verlangte Verbrennung ſeiner Pres digten abzuwenden , doch mußten fie ſtillſchweigend geſchehen laßen , daß zuleßt die ganze Sace, ans Königliche Hofgericht verwieſen wurde . Inzwiſchen fahe man voraus, daß gedachter Vorfall der Stadt noch größere Ungelegenheit zuziehen fdnnte,

uno

um fowol den Königlichen Hof und die Stände zu beſänftigen , als auch der hohen Seiftlichkeit ,

und

insbeſondre dem Andringen des Cujaviſchen Biſchofs nadzugeben , ſo gab ſich der Rath alle Mühe, det D. Strauch durch vernünftige und glimpfliche Vor . ſtellungen , auf einen mit beſſerer Vorſicht gewable ten Weg zu beleiten .

Dieſer aber blieb eigenſinnig

bey ſeinem immoderaten Verfahren.

Mit Mühe

ließ er ſich nur von einer namentlichen Refutation eines gewiſſen zur Päpſtlichen

Religion getretenen

D. Scheffler in Schleſien abbringen , der iğn und feine Schriften beleidigend angegriffen gatte , und deffen zwey Sendfreibeu nackber unter dem Nas men der Strauchſchen Tiſchgenoſſen in Witten. berg , find beantwortet worden .

Eben ſo ſchwer

mußte einer neuen Auflage der Purimspredigten in → Danzig vorgebeugt werden , und äußerſt unüberlegt beantwortete D.Strauch eigenpandig ein Billet , fo ihm ein fiſtiger Pater Schauenburg aus dem Schottland , unter dem Sdzein einer Warnung weo gen des Abbruchs der Cage Purim eingeſchickt hatte, blos um ein ſehriftliches Documeut von ihm in die Hände zu bekommen .

Gegen den Rath der Stadt

bewies er daben einen unverzeißlichen Undank ; er

7

Fünfter Abſchnitt.

Drittes Kapitel.

59

entblodete fich nicht der wolgemeinten Ermahnungen deſſelben

zu

Spotten , deſſen gegründete Circum .

ſpection als einen Kaltſinn in der Religion auszule gen , und ihn mit einer dem Ausdrud nach eben ſo fremden als verdächtigen Befchuldigung des Syn. eretiſmus., in offentligen Predigten , beym gemei ten Mann anzuſchwärzen .

Seine Abneigung geo gen die megreften Herren des Raths ward nicht wer nig durch ſolche Umſtände vermehret, daß mit vers meintlicher Zurüdfeßung ſeiner Perſon , nachdem Der D. Bottſacc als Paſtor an der Ober . Pfarrfir . che, Undermogenheit wegen war jubilirt worden, dem Paſtor Nathanael Dilger das Seniorat im Mi. niſterium übertragen wurde ;, ingleichen daß dem D. Strauch dfters zu Obren gekommen , wie ent fchloſſen man wåre, bey ſeinem foridauernden Starr finn und intoleranten Betragen , ſich ſeiner Perſon ganz zu entledigen . Er hat ſich darauf aber nicht nur den Miniſterialverſammlungen entzogen , fon . dern auch deren Ausſchreiben , und ſogar die Ver. ordnungen des Raths in Kirchenſađen teklich vers fcmåøet.

Die in allen Kirden beorderte Trauer .

predigt nach dem Ableben des Königs , bůrdete er einem Diaconus auf, und des folgenden Sonntags unterfing er ſich ſogar ,

das in dem eingeſchickten

Abfündigungsformular, ben Erwähnung der Kids nigl. Majeſtåt gebrauchte Ehrenwort ,, Hochſeelig "! auszulaßen , nachdem er ſchon in der Predigt ſelbſt, mit einer intricaten Materie „ don der Seeligkeit der Verſtorbenen " auf die Zweifelhaftigkeit dieſes Prádicats fingezielt batte.

Eben ſo anzüglich und

Danzigs Geſchichte.

60

Höhniſch bewies er ſich nacher in der angeſagten Dantpredigt wegen des Sieges bey Choczim , veru achtete auch das freundliche Anfugen des Protos fcholarcen , bey einem damaligen Introductions : actus eines neuen Profeſſors , in feiner Rede des Heldenmuths der Polniſchen Armee mit Ruhm zu gedenken.

Genug ,

er legte es im Predigtamte

und nicht weniger in ſeiner Profeſſur darauf an , einen porfeßlichen Ungeborſam gegen den Rath zu bezei gen , und compromittirte noch fämmtliche Profeſſor ten in einer mißfålligen Neuerung , die er mit der Disciplin der Gymnaſiaften eigenmächtig durchzu. Feken gedachte.

Hiezu tam ferner , daß er wegen

eines unerlaubten Briefwechſels nach Schweden im Verdacht war ;

den mindeſtens einige berüberge

ſchickte Briefſchaften , die der Danziger Eommiſſa. rius in Pußig bey einem im Schifbruch am dortigen Strande ertrunkenen Straudſen Correſpondenten aus Greifswalde gefunden hatte , beſtårkt haben ſollen , und woraus eben ſowol ſeinegeringfdáßigen Urtheile vom Danziger Magiſtrat fiche baben erſehen ſaßen . Des D. Strauch unzeitig fortgefekte Veber menz , und die dadurch überhandnehmende Verbit terung der Römiſcatholiſchen Religionsverwands ten , am Hofe ſowol als im

Lande und in der Stadt,

bewogen endlich den Rath , ernftlichere Maasregeln zur Erhaltung des Kirchenfriedens zu nehmen. Der Biſchof von Cujavien fatte aus guter Abſicht ſchon die erſten Schritte dazu gethan , und den Carmelis ter • Mondo Leo genannt, wje auch den Franciſca

+

Sinfter.Abſchnitt.

Drittes Kapitel.

61

Mer Schauenburg als die eifrigſten Kanzelgegner des D. Strauch , ohne Aufſehen von Danzig ent, fernet, er erklärte fich auch von dem angedrobeter Kirchenproceß ganz und går abzuſtehen , wenn et nur die Verſicherung befame, daß man den Doctor ebenfalls zum Stillſchweigen bringen und aus der Weil nun hiemit die

Stadt wegſchaffen würde.

EI

21

auf den Landtagen geåußerte Forderungen überein . tamen , die Catholiken in Polen noch beftiger dars auf drungen , alle auch bisher in Freundſchaft, oder mit Obrigkeitlicher Autoritåt gemachte Ermahnuz gen nichts vermocht hatten , der d ). Strauch vor ſeinen bittern und unmäßigen Angtiffen der Papſto

#

-1

lichen Religion abzubringen , wobey er gegentheils einen immer feindfeeligern Groll gegen den Rach 1673. dargelegt hatte; fo wurde nach einigen Deliberatio . 28 Debr. xen ein Rathſchluß gemacht, daß dem D. Strauch

1

die gånzliche Erfaßung ſeiner Nemterdienſte angefün

1

diget , und nach einem dazu beliebten Formular por :

3 geleſen werden follte.

Als nun ſolches in der Zu.

ſammenfunft einiger Rathsdeputirten mit ihm , in der Behauſung des Präſidenten und Burgermeiſters

1

Nicolaus von Bodeck geſchehen war , der Doctor auch die ihm angekündigte Entlaßung zwar mit einia gen Klagereden doch ohne Widerſpruch angenom . men , und nur um die Auszahlung ſeines volljähri gen Gehalts angeſucht hatte , fo ſchien ſeine Dimiſ fion teine weitere Unrube noch Unftand befürchten žu laßen ,

außer daß man ihm wegen der kurzen

Wintertage verſprach ,

auf die Beſchleunigung der

Abreiſe nicht wider ſeine Bequemlichkeit zu beftehen .

Danzigs

Geſchichte

Man mußte aber in kurzem eine unglüdligere Bene bung der Umſtände erfahren , obgleich es nię völlig ausgemacht worden , in wie weit der Doctor ſelbſt daran Schuld und Antheil gehabt habe.

Seiner

eigenen Ausſage nach iſt er entſchloſſen geweſen , Danzig ungeſäumt zu verlaßen ; die Manifeſtatio . nen hingegen , welche er wegen angeblich gegen igu ausgebrachter Calumnien , durch Notar und Zeugen bey ſämmtlichen Drdnungen der Stadt eingelegt hat, ingleichen die verfänglichen Auffäße, deren Divul gation er in Sachen ſeiner Entlaßung unmittelbar nach derſelben mit vielfältigen Abſchriften in der Stadt veranſtaltet geħabt,

vertathen eine von ger

laßener Ergebung nicht wenig entfernte Abſicht, und machen die Nachrichten glaubwürdig ,

daß er foon

in der erſten Nacht nach erhaltenem Abſchiede, ſich an die vier Hauptgewerke gewandt, und zur Before

derung ſeiner Reſtitution perſönlich auf den Bere A IAUar ſtand derſelben gedrungen habe. Den fünften Tag darauf wurde würklich dem Präſidenten eine Supe plif im Namen fåmmtlicher Gewerke übergeben, worin ſie um die Beybehaltung des D. Strauch in ſeinem Amte , ihre Fehnlichſte Bitte an den Rath abließen , und weil zu gleicher Zeit einige Quartier, meiſter der dritten Ordnung , durch Gewerkødepu ,

) tirte uin ihre Intercefſion dazu waren erſucht, por den , ſo erwuchs daraus ein neues Geſchäft, daß nemlich der Rath durch eine eigene Deputation feines Mittels , die gedachten Quartiermeiſter von dem Vorgange alles deſſen , was ſich in der Strauch . foben Dimiſſionsſache ereignet hatte , umſtändliche

1 .

Fünfter Abfahnitt.

Dritte

Kapitel.

63

unterrichten zu laßen beliebte.

!

Dieſe Conferenz 4 Januar. wurde in Gegenwart und im Hauſe des Pråſidenten ,

1 mit gemeinſamer Zufriedenheit der Anweſenden gee

f endiget, fie verzog ſich aber ſo lange, daß der Prax

1 fidenterft gegen Mittag zur angefepten Rathsſeſſion hineilen konnte. Allein auch im Weggeben wurde er noch durd die Ueberreichung einer neuen Bito

& fchrift aufgehalten , die er von den Kirchenvorſtehera im Namen der Gemeinde zur H. Dreyfaltigkeit, mit einer Unterſchrift von 198 Perſonen empfing. Sie enthielt ein mit den Bitten der Gewerbe übereintom . mendes Anſuchen , obgleich es nachher nicht verhobe len geblieben ,

1

wie unregelmäßig es mit der Sub . fcription derſelben zugegangen , und wie wenigen von den unterzeichneten Perſonen , der wahre Inne

* 1

Halt davon fey vorgeleſen oder bekannt gemacht words Die Schrift felbſt konnte aucy jegt wegen den.

D

3

Mangel der Zeit, im fißenden Kath nicht vorgetra . gen werden , und der deſſelben Nachmittags erfolgte Cumult hat die fernere Erörteruug derfelben eben fo'unſtatthaft als überflüßig gemacht.

Der Rath war gewiſſer Stadtgeſchäfte wegen , obgleich in kleinerer Anzahl wieder auf dem Ratha Hauſe zuſammen gekommen , und in der Behau , fung des Präfidenten hielten unterdeſſen einige der putirte Herren des Raths mit den Elterleuten der Hauptgewerke , die ihnen auf ihre Bittſchrift vera ſprochene Unterrebung; als mit einbrechendem Abend fich zuſehends immer mehr Voll vor dem Hauſe des

Präſidenten

verſammelte , worunter Leute mit Feuer - und Seitengewehren erſchienen ,

64

Danfigs Gefchichte

15 : *?? und andre ridy abſichtlich mit Zith niecarten , Hande

)

beiter und dergleichen weþrbaren Werksinſtrumen ten , zum Theil auch mit derfehn Harten ,"

Knütrelai und Stocen

Es gale demnach feinen Zweifel,

daß es auf einen Äufruhr angeſehen ſeyn ſollte ; ax nietew Orten der Stadt wurden auch zuſammenge. laufene Partheyen gefunden ; im Schießgarten am breiten Thor Hieltex fich viele Gewerksgenoſſen vero fammelt ,

das Vorderhaus ſowol als die Hinter

thår des Präſidentenhauſes wurden bereket,

man

litt auf den Straßen weder brennende Fackeln, noch andre Leuchten oder Laternen ,

und man unterließ

nicht, die Dunkelheit zu einem Gefdrey zu bex nußen , womit die Reſtitution des D. Strauch unerkannt und tumultuariſch erpocht wurde. In der Unterredung beym Pråſidenten ging es eben . falls nicht gar einträchtig zu .

Einige Elterleute

wollten fich von den Bewegungsgründen des Raths zur bewußten Entſegung belehret wiſſen , die meg.. reſten aber wollten weder Sclúffe noch Zeugniſſe bören , ſondern verlangten ſchlechterdings die Wies dereinſeßung iþres Predigers. deutet wurde,

Als ihnen nun be

daß foiches ohne Zuſtimmung des

ganzen Raths nicht geſchehen könnte , fo gaben fie fich endlid zufrieden ,

daß ignen auf folgenden

Montag ( 8. Jan.) ein nåßerer Beſcheid darin er . theilt werden ſollte. Sie hatten aber nach genom . menem Abſchiede faum die Hauschür eröfnet, ſo siefen ihnen einige mit Larden verkappte Geſichter entgegen ;,, was für eine Antwort ſie mitbråch. ten ? " . und als nun die Verzögerung des Bea ſcheibes

Fünfter Abſchnitt. fcheides bekannt wurde ,

Drittes Rapitel.

65

ſo erhob ſich überall ein

ungeſtümes Gefdhrey , . daß kein Aufſchub verſtata tet , ſondern die Reſolution fogleich gegeben wers den můſte.

Dieſe Trokreden wurden mit wilden

Permeſſungen begleitet , die Hausthüre wurde mit Unpochen beſtürmet, und die Amtsdiener zurückges ſtoßen ,

auf der Straße wurde ſogar geſchoſſen ,

und ein Souß gefợabe ſo hart vor des Präſidenten Hauſe , daß der Hagel durchs Vorbausfeſter in die Balken geflogen.

Die Gewerkselterleute ſaßen

ſich genöthigt zurückzukeşren , um dem Bürgermeią, ſter und den deputirten Herren das drohende Vera langen der außenſtehenden Vorfsmengezu hintera bringen ; und eben war man mit Vorſchlagen zur Beſänftigung derſelben beſchäftigt , als ploklickr und unangemeldet, ein Sduſtermeiſter, Chriſtian Meyer , obne Gewerksdeputiſter zu ſein , ins Zima mer þineindrung ,

fich als einen Mitgenoſſen der ,

Verſammlung im Schießgarten angab ,

und der

Auftrag zu haben erklärte, auf die Wiedereinſekung : des D. Strauch inſtändigſt und ohne Verweilung zu dringen.

Die Deputirten des Raths machten

nun noch einige Vorſtellungen an die Elterleute ſoep wol als den Chriſtian Meyer, das, verſammelte Volt durch gute Worte zur Ruhe zu bringen ; weil dieſe aber die

theuerſten Verſicherungen tộaten ,

daß ſie ohne eine entſcheidende Antwort nichts dan mit ausrichten könnten , ſo wurde zulegt das Ben gehren der, Elterleute bewilligt, zwey, der Zhrigen

)

#') Chriſtian Meyer und der Faftbeder Deputitte Chriſtiatt Tubbenthal. Geſch . Danz, 3ter Th .

66

Danzigs Geſchichte.

aufs Rathhaus zu fchiden , die obýandene Gefahr eines Aufruhrs vorſtellen zu laſſen , und die Zuſtims mung des Raths dadurch zu gewinnen. fammelte Rath nahm

Der vers

dieſe Beſchickung zwar an ,

unterließ aber nicht, durch Amtsdiener und andre ge treue Aufwärter fich nach der wahren Beſchaffen Heit des Auflaufs erkundigen zu laſſen .

Alle Nacha

richten ſtimmten jeßt überein , daß die Gefahr übera Þand nåhme , daß die Tumultuanten mit Mordge. wehren verſehen , und daß nach ihren trokigen Ree' den zu urtheilen , ſie die äußerſte Gewalt zu verůs ben entſchloſſen wären : auch wurde das Haus des Präſidenten gleichſam belagert gehalten , und nie mand unbefraget ein oder aus demſelben gelaffen . Der Stadtſecretair Andreas

Borkinann muſte

ſich nunmehr auf Befehl des Raths unter die Menge des Volts wagen , und weil ihn zwen der Gewerke begleiteten ,

Mitgenoſſen .

er auc in iğrer Angeles

genşeit an die Deputirten des Raths abgeſchickt zu feyn conteſtiren konnte ,

lo ließ man işn endliche

nach einigen Sowierigkeiten frey "ſeinen Weg neh. men .

Derſelbe hat auch ferner die wiederholten

Beſchidungen ausrichten müſſen ,

womit aus des

Präſidenten Hauſe aufs Rathaus, und von dana nen wieder zurüc an die Deputirten des Raths, die unterſchiedenen Meinungen und Beſolúſle in dieſer odieuſen Sache bis in die Nacht einander find uttgetheilet ,

und endlich abgenothigter Weiſe ausa

gemacht und beendiget worden. Nach dem erſten Beſchluß wurde den Sewerks efterleuten mündlich angedeutet ;

weil ſie den D.

Fünfter ubſchnitt. Drittes Kapitel.

67

Strauch durchaus haben wollten , ſo můſte ein i, Rath es geſchehen laßen , daß er auf Heil. drey i Könige Tag wieder predigen mdge. "

Für die

fen Beſcheid wurde zwar Danf abgeſtattet, bald darauf aber mit einem Geſchren des Bolfs weiter begebret, daß dem D. Strauch das Kirdename uneingeſchränkt wiedergegeben, und eine ſchriftliche Erflärung unter dem Siegel des Raths darüber qusgefertiget werden ſollte.

Der Rath ließ fick

auf erhaltenen Bericht von der ſonſt undermeidli. chen Vergrößerung des Aufruhrs ,

auch biezu ben

wegen , und machte den Schluß : „ Weil ein Rath

1 i fäbe, daß die Gewerke den Hrn. D. Strauch wieder in ſeine vorige Stelle gerepet baben wola ilen ,

als wolle es E. Ratý geldepen

laßen ,

ir daß er þinführs , fo. wie vorhin geſ @ eben , wies Man war anfangs auch , der predigen möge. " piemit noch nicht zufrieden ,

und verlangte ,

da

D. Strauch nicht aufJnftändigkeit der Gewerke, allein , ſondern auf Begebren der ganzen Bürger. fcbaft oder Gemeine reſtituirt beißen ſollte.

Nach

einigein Wortwechſel aber , und weit der Soluß ſchon unter Siegel abgefaßt worden , fo wurde? und der Secretair derſelbe endlich geneýmigt , mufte ihn der außenſtehenden Volksmenge vorleſen . Dieſe aber ging in ihren Poſtulationen noch weiter : Der Secretair wurde nun aufgefordert , dieſen Rathſchluß dem Doctor perſönlich zu überbringen . Hierüber entſtand ein neues Berchidungsgeſchäft; } die Deputirten ſuchten den Rath dieſer Verkleines tung 34 überheben , allein teine Vorſtellungen zur

68

Danzigs Geſchichte.

Schonung des obrigkeitlichen Anſehens wurben geachtet,

und, um nach

einigen

Debatten ,

der

einer Verweigerung Halber ," ſo gar blutdrohenden Race zu weichen , gab der Rath julegt nach , und machte die Verfügung , einem

daß der Secretair (mit

Schwerddiener zum

D. Strauch

gehen ,

und ißm den gedachten Soluß Es. Raths eingana digen ſollte.

Diefe Miſſion geſchahe um Mitter.

I nacht in Begleitung von vier Gewerksdeputirten , ben vorgetragener Fadel , und mit einem großen Gefolge von Menſchen .

Im Vorbauſe des Gym

naſium hatte ſich ebenfalls eine ſolche Menge Volfs verſammelt , daß der Secretair' mit Mühe bis an die Hausthåre fam ,

welche der Doctor felbft of

nete , und die Abgeſchickten ber führte.

fich ins Zimmer

Hier - zeigte der Secretair mit kurzer :

. Worten die Urſace ſeines Beſuchs an ,

und übere

reichte den Sluß des Raths , den der Doctor ihm

abnahm , “ und nace geſchehener Durchleſung .

hinter ſich auf dem

Tiſch legte.

Man trennte sich

ſodann mit den gewöhnlichen Abſchiedscomplimen. ten , wobei Strauch annock conteſtirte, daß ſeine Reſtitution wider ſein Wiſſen und Willen wäre ige fugt worden . Dergeſtaler fohloß

fich

dieſe

erſte

unruhige

Volksſcene, welche der ſtreitfüchtige D. Strauch , werin nicht ſelbſt angeſtiftet und in allen ihren Krům . mungen geleitet, doch mindeſtens unter dem Schein eines Amtseifers ,

am nächſten Veranlaßet hatte.

Er beſtieg nunmehr wieder die Kanzel, und blieb noch fernerhin das Drakel ſeiner Gemeinde ,

wie

Fünfter Abſchnitt, Drittes Kapitel. auch des gråſten Theils der Gewerte.

69

Indeſſen

haben feine febribald Berwechſelte Abrichten , und bürgerliche oder weltliche Plane , die ihn ſogar der Außenſeite nach mit der Römiſchen Kirche ausſohn . ten , ſeinen Unternehmungen eine veränderre Farbe gegeben , womit er nicyt nur vor ſeinen Gegnera ſich in einer neuen Maske gezeiget , ſondern auch felbft feine Freunde und Anhänger vielfältig ges Zipoederſt ließ er es noch auf einen täuſcht hat. Federkrieg ankommen , ſich auf Koſten der Danzia ger Obrigkeit undmit Beſchuldigungen ſeiner Amts . brüder im Miniſterium , in einem Glanz der Un . rohuld zu rechtfertigen , der doch vor einem jeden , der mit ſeinen Streithåndeln bekannt war, durch erwieſene Thatſachen verdunkelt wurde. ihm aber lange genug geglücet ,

Es þat

fich durch eine

angenommene Biegſamkeit und durc gefällige Staatsvorſchläge , rowoậl bey einigen Magnaten am Polniſchen Hofe einzuſchmeicheln , als auch in Schweden eine Unterſtügung zu gewinnen ,

ver .

moge der er ſich auf alle Fålle ſicher geglaubt hat, wenn ſeine geheimen Angettelungen unter der Dan . siger Bürgerſchaft, auch mit einem minder günſtie gen Succeß für ihn ausgefallen wåren .

1

E 3

Danzigs Geſchichte.

Biertes

Papitel.

Der Großfeldherr Johannes Sobtesft wird Rdnig von Polen – D. Straud, ſudyt ſich am Polntſchen Şofe eing zuſchmeicheln ' – Er ſchlägt unterſchiedene Wege eiti, ſeine vorigen Amtsrechte vollkommen vom Rath wieder za erlangen - entſtandener Auflauf durch ein falſches Ges Danziger Differenz mit růcht von ſeiner Entführung. D. Strauch nimmt eine Dem Schwediſchen Geſandten Bocation nach Greyfswalde an - Unruhen wegen ſeiner Abſchiedspredigt - bürgerliche Beſchwerden der Ser * werke beym Könige - tumultuariſche Störung der ges meinen Rathſchlage , und Sperrung des Rathhauſes D. Strauch bekommt noteder eine formelle Vocation in Danzig - er ſchlågt ſelbige ab , und beſchleunigt ſeine Reiſe nach Schweden – er wird aufgehoben und gefångs lich nach Maſtrin gebracht.

SPRAY Die Zwiſchenregierung in Polen ward nuntnehe 191994. durch eine glückliche und faſt einſtimmige Königs wapi aufgehoben , die in der Perſon des verdienſt vollen Kron - Großmarſchalls und Feldherrn Jos hannes Sobieski vollzogen wurde. Deſſen notge wendige Gegenwart bey einem Feldzuge wider die Türken , verurſachte zwar einen Aufſchub der Krøm nung , doch ward er ſogleich zur Vusübung einiger Königlichen Prärogativen berechtigt, und hat auch mit einer- Abweichung vom bisherigen Gebrauch, ſeine Regierungsjaþre ſeit dem Wapltage gerechnet. de Juno, Jn gleicher Kraft beſtåtigte er die Privilegien des Landes und der Stådte in Preußen , und ließ ſeis

nen Geſandten auf den Landtag zu Graudenz ab gehen .

Nur erſt nach

einer zwenjährigen niche 1

0

hod 36

Fünfter Abſchnitt.

Viertes Kapitel.

71

ohne ſiegreichen Fortgang geßaltenen Campagne, iſt er mit Anfang des Jahrs 1676 aus dem Felde zurückgefommen , front worden.

und nebſt ſeiner Gemahlin ges

Jin Polen ſowol als auf den Preußiſchen Lande tagen , wurde mittlerweile neben der Beſchäftigung mit andern Staatsmaterien , noch dfters gegen die Straudſche Religionsverlegung geeifert ,

und es

raße unter der neuen Regierung anfangs faſt zwei felhaft aus , ob die abgedrungene Reſtitution die. Tes Mannes einen ruþigen Beſtand þaben würde. Er ſelbſt ſchien mit ſeinen Anhängern eine unange neşme Cataſtrophe zu fürchten , und von Seiten des Danziger Magiſtrats, einem Ausbruc gegen zu durfte,

fuchte man mindeſtens

Offentlicher Unruhen desfalls ento

kommen ,

wenn man gleich wünſchen

dieſes gefährlich gewordenen Kirqenleh.

rers eatledigt zu werden .

Nichts

deſto weniger

überliſtete D. Strauch mit den Anſchlagen ſeiner Parthen , alle Maasregeln , die für Erhaltung des innerlichen Friedeng gemählt wurden , und er verleugnete ſelbſt ſeine Grundſäke , um nur als eiro Liebling des Volks,

ungehindert vom Rath der

Stadt Race nehmen zu können . Mit einer ſejo nem vorigen Betragen gunz entgegengerekten Ge Aliffenheit, ſuchte er ſich jego am Königlichen Hofe zu empfehlen. Er beſang die Chronbeſteigung des Königs Johann Sobieski in einem lateiniſen Gedicht, kielt auch nigs Purpur "

in von des neuerwählten Kés

eine mit vielen Lobeserbebungen

angefüllte Danfpredigt , und ließ bendes abgedrude E 4

72

Danzigs Geſchichte.

in einem ſplendiden Einbande , nebſt einem ſubmiſ ſen Handſchreiben , der Königin zu Warſchau prá: ſentiren.

Dieſe erſten Demüthigungen , wie auch

einige mündliche Recominendationen , bey Hofe verſchaffte, geringen Jngreß ;

4

der

Woywod

von

die er ſich

fanden zmár anfänglich nur

als aber einige Monate ſpåter Pommerellen Ignaz

Ban

kowski in Danzig angekommen war , ſo bewürfte man ihm mit dieſem Herrn , der ehedem das ganze Vertrauten des nunmehrigen Königs gehabt hatte, eine perſönliche Zuſammenkunft,

nach welcher ſich

die Geſinnungen zuſehends günſtiger für ihn darges than Gaben .

Ob aber gleich ſein am Königlichen

Hofe ſeit dieſer Zeit merflich geſtiegener Credit er. Hebliche Urſachen gehabt haben muß ,

ſo laßen ſich

doch nicht alle Promeſſen und Vorſchläge ſchlechters dinge behaupten , welche er damals ,

wie es ger

Heißen hat , mit einer Schmålerung der Evangelio fchen Kirchenrechte in Danzig, gegen den Rath roll 1 machiniret und mit

Verheißung großer

Portheile

an den König und die Magnaten in Polen ,

bers

mittelſ einer Anzettelung unter der Bürgerſwaft zu Stande zu bringen , ſich an eiſchig gemacht haben. In Danzig gelung es ißm nicht allerdings, Rich ungehindert wieder empor zu ſchwingen. Seine ruſtig ausgebrachten Streitſchriften und die für ihn geſchriebene'Apologien , t ) wurden theils mit obrig # ) Uuf Veranlaſſung der Strauchſchen Streitigkeiten , find außer vielen nur handſchriftlich bekannt gewordenen Auf fågen , mehr als fechaig Druckſchriften nacheinander heraus: gekommen , wovon einige der vornehmften hiſtoriſchen Ins balts oben angezeigt find ...

!

Fünfter Abſchnitt, Piertes Kapitel.

73

keitlicher Uutoritåt, theils im Namen des geiftlie den Miniſteriums, zum Theil auch anonymiſd von wahrheitliebenden Privatmánnern , in der Stadt ſowol als quswärts , mit Gegenſchriften beantwor . tet. Sein Anſehen galt gröſfentheils nur bey dena Mittelffande der Bürgerſchaft, am mehreſten aber

Ger

ļießen ſich ſolche unruhige Köpfe aus der geringern

uchu

Volksklaſſe davon blenden , die unter dem Pråtert

all

rungen . , Außer dem ißm zugeſtandenen Predigte amt, wurde er hienách it weder allgemein als recht,

rogen ten

måßigbeſtellter Paſtor, noch auch als Rector und Lebrer am Gymnaſium erkannt , indem ihm der

einer Religionsvertþeidigung

nach

Zügelloſigkeit

Rath ſelbſt die Recognition darin verſagte.

ic

Ebert

dieſe zweydeutige Lage ſeiner Amtsführung verur: fachte es , daß durch ſeine engſten Unþånger von

go

fo!

fil

9

Zeit zu Zeit Anträge und Bitefcbriften an den Rath, einliefen, ihn zu einer völligen Ausſöhnung gelangen zu laſſen ,

und er ſelbſt bequemte fico,

beym Präſidenten oder beym Protoſcholarchen , wie auch durch Zuſchriften an andere ihm nicht gånzlich abgeneigte Magiſtratsperſonen , um die feſtere Zus ficherung ſeiner Amtsrechte zu ſollicitiren . Weil er aber dabei nicht nachließ , durch injurieuſe Vers Hekungen , ja ſogaç durch årgerliche Calumnien in . ſeinen öffentlich berausgegebenen Schriften , Bürgerfrieden in der Stadt zu

den

beeinträchtigen ;

weil auch von vielen Predigern des hieſigen Miniſte. riums, ingleichen von fremden Facultaten her , die Vechtheit ſeiner Amtsführung in Zweifel gefekt

H wurde; und weil er gegen Alle Edicte des Raths,

4

Danzigs Geſchichte.

74

womit insbeſondre der Verbreitung ſeiner Drudo focifen ein Ziel gelegt werden ſollte ,

einen offen .

baren Ungehorſam bezeigte ; ſo konnte man es nicht rathſam genug finden , ihn unter einer fortdauern. den Strafbarkeit ſeiner Handlungen ,

für gebeſſert

oder gar für unſchuldig zu erklären , und aller obrige teitlichen Gewalt über ihn zu entſagen .

Er bahnte

ſich darauf mit Beyſtand ſeiner Faction einen neuen Weg , um nemlich den Rath durch eingefloßte Fürớt oder Beſorgnis zum Nachgeben zu bringen. Einer von ſeinen damaligen Vertrauten , Namens Joh . Nixdorff, u ) machte dem Spein nach, dem Rath die geheime Entdeckung , es wåre beſorge lich ,

daß die Bürgerſchaft dem Könige die Mas

rienkirche abtreten , und meşrere dem Rath zufom . mende Majeſtársrechte ábertragen dürfte, um für bie Benbeşaltung des D. Strauch geſchüßt und Ein andermal erbot ſich der : geſichert zu werden . ſetbe, das Ausſöhnungsgeſchäft vermittelft einer ſchriftligen Amisbeſtätigung des Doctors zu volle bringen , verſprach aber daber) , durch ſeine Freunde in Schweden , für eine Vocation deſſelben , zur Profeſſur, nace Greifswalde zu ſorgen ,

damit er

in guter Urt aus der Stadt gebracht , und dieſe von megrerem Unheil befreit würde. Es wurden u ) nifdorff wurbe feiner guter Kenntniſſe und Erfahrung balbér , in der juriſtiſchen Praris , und sur Abfaſſung rechtlicher Schriften häufig gebraucht, if aber zur Zeit des Nachherigen Auflaufs am Rathbauſe von der Straúchfchen Faction abgetreten , und auf des Raths Seite gebracht porben , wofür er in der Folge marche Scijmach von der Strauchianern bat ausfteben müſſen,

Fünfter Abſchnitt. Biertes Kapitel.

25

aber alle dergleichen Vorſchläge wenig geachtet , weil man damals zureichende Zeugniſſe hatte, daß Nixdorff'in der Rolle eines Demagogen; zur enge ften Verbindung des Strauchroen Anhangs gem . Hörte, und wahrſcheinlich nur dieſen Lieblingspres diger des Volts mit ſeinen Projecten feſter zu ſeperti gedächte.

Deſſen ungeachtet haben noch fernerbix

1 theils der obgedachte Woywod don Pommerellen , theils auch mehrere Kronſenatoren fick einer mes

.

2

diation unterziehen wollen , um aus leicht zu erra: thenden Urſachen , den D. Strauch mit dem Rath auszuſobnen , und unter Bedingungen eigener Vortheile , die Einigkeit in der Stadt Herſtellen zu können . Sogar der Stadthalter in Oſtpreußen Herzog von Croy ließ reine Vermittelung in der

1

Strauc fchen

Differenz

antragen ,

welche man

doch als ſo viel bedenklicher ablehnte , weil es fich flar genug einſehen ließ , daß dabey eine Staats . urfache zum Grunde liegen muſte ,

nicht allein die

Strauc rche Correſpondenz nach Schweden genau . ſondern auch bey damaligem Uus.

zu erfahren ,

bruch des Krieges ,

und der in der Nachbarſchaft

ſteõenden Schwediſchen anrügig

gemachten

Kriegsmacht ,

Geſinnungen

von den

der Danziger

Bürgerſchaft unterrichtet zu werden.

Denn'am

eifrigſten hat ſich

noch der Schwediſche Geſandte, Baron von Liliehoek , nach ſeiner Anfunft " in Danzig , angelegen feyn laffen , dem D. Strauch Rath und Benſtand zu leiſten , und mit thàtiger Interceſſion bey ſeinem Könige ſowol als am Pol mifchen Hofe , - nicht nur- für deffen perſönlichen

761

Danzigs

Geſchichte . 2

Schuß und Erhaltung zu ſorgen ,

ſondern auch

fich in den Anliegen ſeiner Freunde und Anhånger in Danzig , bey allen Gelegenheiten mit unbefugter Tbeilnahme zu verwenden. Einen ſonderbgren: Auflauf veranlaßten hies nächſt einige in Danzig gemachte Sicherheitsauſtal. ten , welche doce der Magiſtrat ohne andre, Abſich ten als wegen der nachbarlichen Hoftilitåten zwiſchen Schweden und Preußen vorgefeyrt haben wollte. Es wurden nemlich die Wachen an den Thoren ver. fårket,

die Außenthore einiger Derter geblendet,

die Brücken mitMannſchaftbeſeket, und der Rath ließ noch ein paar þundert Mann Soldaten aus der Feftung Weid felmünde anrücken , um die Wälle der Stadt zahlreicher befehen zu können.

Hieber

nun wurde inſonderheit das Reſerve . Wachhaus ( die Kage genannt ) auf dem Wall hinter der Trio nitatiskirche,

mit ſtårkerer Mannſchaft verleget,

wofür zugleich ein anderer Umſtand hinzufam , daß man nemlich im Fall eines Tumults ,

durch Refer.

ven geſichert ſeyn wollte, weil eben damals auf Ans Halten der Beckergewerfe , das im Soottland geo kaufte Brod den Danziger Einſaſſen an den Thoren auf obrigkeitlichen Befehl mit Gewalt weggenom . men wurde.

Alle ſolche im

Kriegsratý beſchloſſene

Maasregeln aber wurden von den Strauchianern , ( wie dieſe fowol als der Antiftrauchianer Factions, benennungen allmählich ſchon auffamen ), als eine feind feeligeVerfügung gegen den innern Frieden ges 12. July ,deutet.

Sie erzwungen daraus ein verläumderi.

ſches Gerede , daß der Rath insgeheim beſchloſſen

į

Fünfter Abſchnitt.

Blertes Kapitel.

77

den D. Strauch nach der Münde abführen zu laßer; einige wollten ſchon bey der Rabe einen hätte ,

Wagen mit vier " Pferdent beſpannt,

und an der

Motlauſchen Fähre ein Schifsboot dazu in Bereita fchafe geteki haben ; " und in kürzer Zeit war ein großer Teil der Stadt dermaßen darüber in Bes

3

+

wegung , daß das Gymnaſium von einer Menge Vorſtädter Einwohner , vornemlich von Schu . ftergeſellen und Lehrbürſchen befekt wurde.

Der

Zulauf des Volfs nahm ſtündlich mehr zu , und man Iðſete einander gleichſam partherweiſe ab , um das Reétorhaus bewachet zu halten ; man verpalliſadirte auch die vom Wad abgehenden Thüren , und war ſolchergeſtalt zwey Tage und dren Nächte Hindurd beſchäftigt, den D. Strauch mit einer Voffewache zu beſchüken , unerachtet weder gefahidrogende Gew! genanſtalten gefeßen , noc Sológten in eineft vera dächtigen Aufenthalt angetroffen , noch andre Huse Fichten zu ſeiner Entführung bemerkt wurden . Der Doctor felbft und alle feine Hausgenoſſen Follen auch , glaubwürdigen Berichten nachy , reynim Hauſe geblieben ; v ) und es leuchtet mit vieler Wahrſchein lichkeit aus dem ganzen Auflauf Hervor , daß die Hißigen Strauchianer dadurd nur das Betragen des

Raths haben ausfpåþen ,

Furcht Teben ,

oder denſelben in

oder einen neuen Tumult anſtiften 1

> Nach ſeiner eignen Erzählung ift er aus Fürcht für einige Soldaten , die er auf dem Kloſterhofe geſehen , in weltlicher Kleidung , zu einem Bürger Heinr. Schlott , einem ſeiner engſten Vertrauten aus der Vorſtådtſchen Gemeinde ses flüchtet.

78

Danzigs Geſchichte.

,

wollen ,

um die Sache ihres

Hobe zu bringen.

Idols damit in die

Der Rath hingegen ſchien an .

fånglich von dieſem Votgange gar keine Notiz : 34 nehmen ; nur als durch einige Bürger von der Vor ſtadt beym Präſidenten ausdrücklid davon Meldung geſchage, ſo ward fein Unſtand genommen , es durch perſonelle Unterſuchungen und angeſtellte Vera ødre offentlich fund und deutlic zu machen , daß aus guten und zur Sicherheit der Stadt erforderlie den Verfügungen , ein Argwohn wåre erpreßtwors den ,

der einen allgemeinen und blutigen Aufruhr

Håtte verurſachen können.

Die Sache dieſes vera

påchtigen Auflaufs wurde auch ferner in die Rath. diage ſåmmtlicher Ordnungen genommen , durdy die Gewerkspatronen den Zünften und Gewerfen vorgeleget, und wenigſtens dem Ausbruch megre. rer dergleichen Complotte , ſo viel als möglich vor . zubeugen geſucht.

Der Rath ließ zu dem

Ende

ein farfes Edict wegen tumultuariſcher Zuſammen . rottungen verlaytbaren , und weil zu eben der Zeit, ein ſon fråber vom Könige erbetenes Monitorial mandat eingelaufen war ,

in welchem der Rather

mahnt wurde , diejenigen fo den Saamen der Zwie tract ausſtreuen , und auf die Störung der Ruhe gerichtete Zuſammenfünfte anſtellen würden , nace Vorſchrift der alten Königlichen Verordnungen ernſt lich uyd ungeſäumt zu beſtrafen , ſo wurde auch die. ſes Mandat durch offentlichen Anſchlag in teutſcher und fateintſcher Sprace kund , und zu jedermanns Wiſſen gebracht.

Fünfter Abſchnitt. ,

Biertes.Kapitel.

79

Nichts deſtoweniger liefen noch über vierzehu Monate hin , ohne daß dieſem Unweſen geſteuert, oder auch eine Veränderung in der perſonellen Lage des D. Strauch gemaçt werden konnte.

Der

3

Controversſdriften kamen unter der Zeit iinmér mega

t

rere fervor, urd einige derſelben ſind eines ſo ſcure

-

riliſchen Inhalts geweſen, daß man ſie den årger. licften Paſquillen und Schmåbſchriften hat gleich achten können . Unter andern ſind die Danziger Gewerke mit der theologiſchen Facultåt zu Witten berg in einen durc injurieuſe Særiften geführtett Wortſtreit verfallen , der den höchſten Unwillen des Churfürſten von Sachſen erreget, und den Rath 342 Danzig in Compromiſſionen und Aufforderungen verwickelt þat . So auch mit mehreren Univerſità ten , auswärtigen Conſiſtorien und geiſtlichen Min niſterien , als zu Leipzig , Kiel, Helmſtadt , Nürn berg und Straßburg , iſt daraus ein weitläuftiger Shriftwechſel entſtanden , wodurch am Ende die Strauchſchen Håndel in noch größere Flammen gee feßt ſind, ohne daß ſie mit Licht und Wahrheit bz leuchtet,

oder friedlicherweiſe waren auseinander Aber mit noch mehr Ergeblichkeit

géſeket worden .

erwuchs daraus, für den Rath zu Danzig, ein weit ausſehender Zwiſt mit dem Schwediſchen Geſande ten , indem derſelbe durch ſeine fruchtlos wiederhol ten Bemühungen einer beabrichteten Complanation in der Strauch ſaben Sache, eben ſo ſehr als durch verſchiedene dazwiſchen eingetretene Misverſtande niſſe in Betreff der Danziger Geſinnungen und Magsregeln gegen die Schwediſche Kriegseröfnung,

1

8

Danzigs Geſchichte.

eine beftige"Abneigung gegen den Rath gefaffet,und deſto meør Gewicht und Einfluß bey der Bürgere cafe, Hauptſächlich bey den Gewerfen erlangthatte. 1675 Gerade in der Zeit als die mit ſeinem Zurhun bear; Juny. beitete Vocation des D. Strauch nach Greyfs walde,' in Danzig belannt worden , Hat er mit dem Ratşüber eine Genugthuung zu erpoſtuliren ange. fangen , die ihm wegen einiger bieſelbſt divulgirten Staatsſchriften gegen die Ehredes Schwediſchen Der Rath hatte Hofes , ertheilt werden ſollte. dert zwardie gegründete Entſchuldigung für ſich Verkauf folcher Særiften in Zeiten unterſaget, oder fie gar confiſciret zu ħaben ; ſie waren auch nicht in Danzig ſondern in Berlin gedrude worden , unere achtet der Geſandte die Ueberſegung einiger darun. ter, welche polniſch geſchrieben gewefen , aus Neue gierde ſelbſt in Danzig befördert gehabtHacte. Er ließ auf alle ißm gemachte Remonftrationen nicht nachy, fich wegen verlegter Hoheit feines Koor niges über den Rath zu beſchweren , ging der vers långten Satisfaction Halber an die beyden übrigent Ordnungen , Bielt geheinie Conferenzen mit den Eſterleuten und Deputirten der Gewerfe, beſprach ſich mit dem D.Strauch und deſſen Unhängern, und erlaubte ſich in deren Gegenwart , ſo wie itt

i Geſellſchaft mit andern " fremden

Reſidenten ,

die

bitterſten und niedrigſten Invectiven gegen die Pero fonen des Raths und deren Verwaltung der obrig keitlichen Amtsgeſchäfte. Dieſe Controverſe bekam zulegt eine ſo auffallende Publicitåt, daß der Rath fich genotþigt fahe,

ſowol am Swediſchen Hofe, durch

Fünfter Abſchnitt. Viertes Kapitel.

8t

* durch den bainals in Stocholm befindlichen Schmei diſchen Commiſſarius Anton de Enyper und der Abgeſchichten der Stadt Reinhold Wieder , als auch durd Abſendung des Danziger Subſyndicus Stoddert an den Königlich Polniſchen Hof, das Betragen des Geſandten , mit allen Umſtånden vor. ſtellen zu laßen.

Der Geſandte þat þierauf zwar

eine ſebr nahe gelegte Erinneįung aus Polen ber kommen , das Danziger Gebiet zu verlaßen , audi die unanſtändige Raché welche er dem Danziger Subſyndicus mit einer Prügelſuppe gedroht hatte, nicht zu vollziehen ; w ) allein was das erſtere betrift,

w ) Die Veheinen dieſes Frënherrn bori giliensk if such aus andera gleicher Art Dorfällen bekannt worden . Inſons derheit hat er in ſeinem Geſandſchaftspoften ju Warſchau; den Churfürſten von Brandenburg mehr denn einmal gróblic beleidigt. Er trieb die Schmibungen gegen denſelben gang offentlich und mit ſolcher unverſchämtheit, daß auch det Churfürft in einer Geſpräch mit dem Polniſchen Gefandtett es geſagt haben ſoll: i, er verdiene Stodidlåge, daß er fidi n feines Geſandſchafts characters ſo unwárdig mache." Wie nun aber dieſe Worte dei Freyherrn wieder zu Dhren ge's kommen , ſu šiat ex vor dem soonige von Poten und in offent: licher Sigung des Senato in J. 1674 eine Nede gehalten, worin er mit Äußerſter Vermeſſenheit und unanſtändigkeit pou der Perſon des Churfürſten geſprochen , und dieſe Řede fogar hat in den Druck geben wollen . Der stönig von Post ten bat ſolches zwatverboten , und Lilieb & ke Betragen ernfts 5. lich getadelt, allein zu der Genugthuung, welche der Thurs brandenburgiſche Geſandte Baron von Goverbeck Öafür in > Straft des ewigeri Friedens von der scrone Polen verlangt bat, haben weder der stönig noch der Senat ſich derftekent wollen i fo ſehr auch der Kayſer ), der Sesvig von Dånez mark und andre Europäiſche machte , ihren Abſcheu wider die fühné Beleidigung des Schwediſchen Geſandten bezeigt baben: Puffendorf in vita Fried, Wilhlib, XV , S. 47 3 *: Geſch . Dann zter Thi

Danzigs Geſchichte.

82 1

1 ro gat er anfänglich wegen ausgebliebener Geldre

1

meſſen , und nacher mancherley andern Vorwand gefunden , ſeinen Aufenthalt in Danzig verlängern zu können . Ja Anſehung der Vocation des D. Strauch wechſelten unterdeſſen mehrere Bewandniſſe mit einander ab .

Schon im Septör. des J.

1674

Batte ihn der Churfürſt von Brandenburg zum Superintendenten nach Halberſtadt berufen , ches aber von ihm ſelbſt und von andern , ihm gelegte Falle iſt angeſehn worden .

wela

für eine

Sein Ziel

war vielmehr auf eine einträgliche Umtsſtelle in Sweden gerichtet, obgleich er aus Ehrſucht noce lieber eine vollfommene Reſtitution in Danzig ge wünſcht håtte.

Weil hierin

aber alle gemachte

Verſuche zu dieſer Zeit fehl ſcylugen , ſo ließ er ſich die mit dem Schwediſchen Geſandten verabredete, 2 July. und

durch

den

Reichsmarſchall

Guſtav Wrangel bewürfte

Grafen

Carl,

Vocation zum Con .

ſiſtorialrath und Profeſſor nach Greyfswalde gefal len.

Er iſt zwar einen Monat ſpåter auch nach

Hamburg zum

Paſtorat zu St. Jacob berufen

worden , allein hievon bat fich fein Erfolg weiter geäußert.

Seine Hauptabſicht ſeinet vielmehr

dahin gezielet zu Şaben ,

mit ſeinem Abſchied eine

große Senſation in Danzig zu erwecken ,

und es

damit noch auf die lekte Probe ankommen zu laſſen , wie weit ſein Anſehen über die Autoritätsrechte des Magiſtrats von der Bürgerſchaft würde hervorge. zogen werden . Alle Vorbereitungen zu ſeinem Abzuge

verrietben mindeſtens

einen

åußerlichen

EX

Fünfter -Abſchnitt. Viertes Kapitel.

83

orn

P

ſich über ſeine Gegner zu erheben bedacht war.

Es

communicirte ſich daben ein dem Publikutn vorges ſpiegelter Verdacht, als ob der Rath ſeine Voca tion am Schwediſchen Hofe zuudege gebracht hatte, und weil ġiemit alle Unzufriedenheit ſeiner Adhåren . ten gegen die Obrigkeit empůrt wurde , fu ergriff die Strauchianiſse Faction deſto auffäßigere Mita tel , die ganze Ubrufung durch einen Widerſpruch unfraftig zu machen. Aus dieſer Quelle floffen nicht nur die Supplicationen , welche gleich auf das erſteGerücht von der Straudzfchen Vucation , und nachher noch mit

dftern ' Wiederholungen ,

durch die Gewerte und von der Vorſtådeſchen Kirs dengemeinde , dem Rath eingereicht wurden , fone dern es entſtand hierdus auch der täglice Volfsana lauf vor dem Hauſe des Doctors ,

worin ſich der

gemeinere Haufen theils mit Bitten " und

Flegen ,

theils auch mit Gatten Drohungen vermaß , feinen Abzug nicht zu verſtatten , und wobei es bisweilen zu mündlichen Erpoſtulationen gekommen ,

in wele

den fetoſt D. Strauch ſeine Bekanntſchaft mit der Sprache des Pöbels an den Tag gelegt bat. Ben dem allen aber kam es dahin , gen Sicherheitsanſtalten , beſorglichen

daß unter eitt

die vorher wegen eines

Cumults waren

vorgekehrt

worden ,

aus den Rathſchlagen fämtlicher Ordnungen

ein

Schluß gemacht wurde, in Befolg ber bengebrach -19 Julo. ten Vocation des D. Strauch , ihn ohne Wiedera rede nach Pommern abzießen zu laſſen , wobeny ſide der Rath noch auf Interceffion det' dritten Ordnungis

4

Danzig

: 84

Geſchic

. hte

s

erklärte, alles geſehene in Vergeſſenheit zu ſtellen , und mit einem friedlichen

Abſchied zu

endigen .

Nur die Gewerke ließen fick mit dieſem Ordnungsa fohluß keinesweges beruhigen.

Sie fochten dena

felben ſogar als ungültig an ,

ſuchten dazu das

Fiſcherquartier auf ihre Seite zu bringen , und der, 1 Schuſter Chriſtian Meyer nebſt einem Becker Tubenthal äußerten die Beftigſten Widerreden , mit welchen ſogar eine allgemeine Zuſtimmung der Bürgerſchaft zu den Berufungen und Erlaſſungen, Jna der Prediger, in Anſpruch gebracht wurde. deffen erklärte D. Strauch nunmehr perſönlich und offentlich ſeinen Entſchluß die Stadt zu verss laßen :

er þatte foon feine Abdankungspredigt:

acht Tage zuvor angekündigt, dagegen aber war die ganze Woche hindurch eine Bewegung unter dem Volk vor ſeinem Hauſe gergeſen , Drohungen

wieder

ißn

mar Hatte

ausgeſtoßen , und die,

Sprache war allgemein geblieben , daß er ſeine Heerde durchaus nicht verlaßen måſte. Der ?

ar Juln Sonntag kam endlich heran , an welchem er die Kanzel zum Abſchied beſteigen ſollte , aber eine, Menge Menſchen befekte dieſelbe ,

der Weg aus :

der Treßfammer wurde ihm vertreten , ſeine Übſdiedspredigt

er konnte

nicht halten , und

unter

Winſein und Weinen ſowol als mit Murren und Spelten wurde der Gottesdienſt durch ein unrubia Man vollbrachte denſel ges Getümmel geſtoret. ben bis zur gehaltenen Communion , blos mit dem Geſang geiſtlicher Lieder ,

welche Strauch

aus der Sacriſtey roll aufgegeben

haben .

felbft Der

.

Fünfter Abſchnitt. Viertes Kapitel.

85

Magiſtrat fonnte nun über dieſe in der Kirche doro gegangene Unordnung nicht anders als das außerſte Mißfallen bezeigen , es wurde ernſtlich , ohne ſonderligen Effect,

obwol

auf die Anſtifter derſela

ben inquiriret, anc kam ein gefchårftes Stadtedict gegen alle aufrůþriſche Anſælåge und Zuſammen. rottungen zur Publication , und weil um eben die Zeit ein erneuerter Ködniglicher Befehl zur Diſcuſ Ron der Strauchroen Kirchenbåndel ,

aus dem

Feldlager ben Lemberg war eingeſandt worden , ſo

1 1

gründete der Rath pierauf eine noch fråftigere Soff nung,

wenn derſelbe öffentlich bekannt gemace

würde , zur Wiederherſtellung der

Ruhe in de

Stadt, den ficherſten Weg eingeſchlagen zu Jaben . Es iſt aber nöthig , biefelbſt den Vorgang der jenigen Mißhelligkeiten einzuſchalten , welche außer dem firchlichen Unfrieden , ſich zeither auch in bůr. gerlichen Verhältniſſen mit der Strauſchen Streit Wenn gleick face in Danzig verknüpft þatten . Strauchs vollffåndige Reſtitution , ſeit der verhin. derten Entlaſſung deſſelben , immerfort die Hauptfor. derung der Gewerke' geblieben war, fo waren dieſel ben, doch fikon im April 1675 mit neunzehn andern Beſchwerdepunkten gegen den Rath an fåmtliche Ordnungen gegangen , und hatten darin þauptſächlich

2 wider die Bier ,' nad Mehlacciſen , wieder die Bee fchädiger der Gewerke,wider die Duldung der Frem . den und Mennoniten , und wider ein despotiſches Verfahren des Raths in Ausfertigung der Edicte and in Vergebung der Stadtlebne ,

ingleichen we

gen des fich allein angemaaßten Patronatrechts in 83

:

Danzigs

86

Predigerbeſtellungen , geäußert.

Geſchichte.

ſehr eingreifende' Querelen

In ſoferne ihnen nun hierauf nicht nach

Wunſch war geantwortet oder gemilifahret worden , ſo hatten die Hauptgewerke trok aller Abmahnung des Raths ,

vier Perſonen ihres Mittels, an den

König von Polen nach Jaworow geſchicket ,

um

der angezeigten Beldt werden halber perſönlich zu ſuppliciren.

Dieſer Schritt þatte zwar vor der

Hand nur einen Königlichen Befehl ausgewürfet, daß die ftreitenden Partheyen - in Danzig bis zum Kronungsreichstage ein Stilſdweigen beobachten, und ſich bey Strafe von 10000 Ducaten gegen ein . ander ruhig verhalten ſollten . Doch war damit weder eine gegenſeitige Zufriedenheit, noch ein Rubeſtand in der Stadt effectuiret worden , und weil der Rath unterdeſſen nichts verſäumet hatte, den König der . mittelft des am

Hofe befindlichen Secretairs , mit

Vorſtellungen und Informationen , über die eigente liche Beſchaffenheit der obwaltenden Bürgerfejde mſtruiren zu laßen , ſo war eben , als ſich der inſur : gente Auftritt wegen D. Strauchs Ubdankung in der Kirche ereignet hatte , ein neues Mandat von Lemberg Herunter gekommen , worie der König zur Erläuterung ſeiner vorigen Refcripte fich ernſtliche erklärte , die Gewerke von dem Gehorſam gegen ipre vorgeſegte Obrigkeit nicht entbinden , noch einige Unordnung im Kirchenmeſen autoriſiren zu wollen , Der Rath ließ dieſes Königliche Mandat , eile fertigſt durch den Druck und durch offentlichen Ana fohlag bekannt machen ,

rief aude fåmeliche Door

1

Fünfter Abſchnitt. Biertes Kapitel.

87

nungen zuſammen , um über die von Hofe mitge. kommenen Admonitionen , nac welchen der inner. lichen Unruhe Halber nod, ſchärfere Unterſuchungen und Strafen gedroht waren , ſich nåþer mit einan . der zu

berathlolagen .

Inzwiſchen

vorher fchon weder die Gewerke ,

ſich

noch die Vors

ftadtſche Kirchengemeinde enthalten , Suppliken beym Rath ,

hatten

mit neuer

um die Reſtitution des

D. Strauch zu follicitiren ,

und ſogar gatte der

gemeine Mann truppreiſe die Gerichte , die Quare tiermeiſter und die Paſtoren anderer Kirchen belaſtia get,

damit ſie für die Zurückbehaltung deſſelben

mit ihren Interceſſionen benkommen ſollten.

Noch

ſtürmiſcher aber unterſtaud man ſich jego die gemei. nen Rathſchläge der Ordnungen von außen zu fto. ren. Eine übergroße Menge von Handwerkøge. noſſert ,

ſo iþre Meiſter mit Mänteln bekleidet zu

Anführern hatten ,

jog feierlich und in formirten 29 Auguf

Keygen vors Ruthhaus, befekte daſſelbe von allen Seiten ,

legte Vorhångſchlöſſer an die Ausgangse

und Hofthüren ,

ließ niemand ununterſuchet aus.

oder vorben gehen , holte

auch einige verſpätete

Quartiersgenoſſen ħerben , und zwang fie mit Geo walt fich aufs Rathhaus zu verfügen, vor welchem ſodann mit lårmenden Drohungeu trokig verlangt wurde, daß an den D. Strauch wieder ein or. dentlicher Ruf zum Predigtamt und Rectorat aus gefertiget werden ſollte. Unter unentſchloſſen forte 1 geſeßten Deliberationen der Ordnungen , hat dieſe Sperrung des Katybauſes bis auf den folgenden Tag die Nacht durch gedauert; die Orpaungscolles

F 4

88

Danzigs Geſchichte.

gien wurden gleichſam gefangen gehalten , und in fonderheit begegnete man den Herren des Raths mit ſolcher Inſolenz, daß ihnen während der gan. gert Zeit weder Speiſe noch Frank zuzubringen vera ſtattet wurde.

Dagegen lebte die unten befindliche

Menge locker , and ließ fichs weder an guten Sea trånken . nach häufig berbengebrachten Speifer mangeln , und aus der dritten Ordnung entdeckten fic ben dieſer Gelegenheit verſchiedene Adbårenten per Strauchianer , welde von den Gewerksdepu . tirten mit Erfriſchungen verſorgt, zum Tbeil audy iþrer Hausgeſchäfte wegen berausgelaßen , oder in pie unten perſammelten Kreiſe zur Entdedung der Das Reſultat dies Mathroblage gerufen wurden,

>

fes abermaligen Bürgerepceſſes war auch für den Rath und ſämtliche Ordnungen fo demüthigend , daß zulegt unter dein Drang der Umſtände beſchloſu ſen wurde, aufs neue ' einen förmlichen Ruf an den Der Magiftraç D. Strauch ergeben zu laßen. håtte zwar Gewalt mit Gewalt zu vertreiben verang ſtalten können ,

es war auch bey ausgebrochenem

Auflauf, mit Schließung der Stadthore ,

Bele.

gung der Wachen und durch andre Maasregeln zur Sicherheit von außen ,

alle

Vorſicht

gebraucht

worden , allein der Obriftlieutenant von Fechteln, welcher das Eommando über die Garuifon hatte, par im Boraus während diefer Unruhen befepligt, alle innere Gewalt bis auf den åußerſten Fall zu vermeiden , welches auch deſto rathſamer geweſen , weil in der That die Gemerfshäuſer bep nächtlicher Zeit mir Kriegegemehr waren verlegt worden .

1

i

Fünfter Abſchnitt. Viertes Kapitel.

89

In der dritten Ordnung faße es hienådſt ſchon fo rapmierig oder parthengreifend aus ,

daß ohne

Vorwiſſen des Raths , die Quartiermeiſter den Geo werken einen Revers über die neue Vocation gaben, daß felbige nach ihrem Willen abgefaßt werden ſollte. 2. Septi Sie ward auf den fünften Tag , obwol nach einein in der Rathsſtube gemachten Concept, als die Ords nungen ſich wieder verſammelt hatten ,

durch den

Secretair Peſchwiß dem D. Strauch überbracht. Dieſer aber fand ſich dadurch weder beehrt noch zur frieden .

Er ſchickte ſie zurück , und legte ein Mes worin er ihres Inhalts .

morial an den Rath bey ,

und bey der Einreidung vernachläßigter Formalien wegen , 21 Mångel notirf þatte , welche er als Are gümente einer völligen Ablehnung anführte.

Nun

ward zwar des Friedens Halber vom Rath beſchloffent, ihm durch den Secretair Rolkau nodımals eine et was geånderte Vocationsſchrift zu ſchiden , ſie wurs 11. Sept: de ,, laut Schluß aller drey Ordnungen " wörtlicher Beziebung auf mi ſtändige Inhalten der

und mit

das bittliche und in

chriſtlichen Gemeinde der

,, Kirche zur H. Drenfaltigkeit, wieauch der Ehrbb.

Gewerfe

der

Stadt."

ausgefertiget ;

allein

Strauch hatte nunmehr den feſten Vorſak gefaffet, Pieſen neuen Ruf auf keinen Fal weiter anzunega men , ſondern feine Abreiſe nad, Pommern zu bes fchleynigen . Hieraufrourde der gemeine Mann aufs neue in Unruhe gelegt, ein offentliches Schelten und Toben erhob ſich wieder gegen den Doctor , er aber fuchte Schug berm Schwediſchen Geſandten , und bemühte ſich vermoge Deſſen und des & 9

Poppoden

1 90

Danzigs Geſchichte.

von Pommerellen

Vermittelung vorerſt nur die

Hauptgewerfe zufrieden zu ſtellen . Dieſes geſchahe endlich durch mancherley glimpfliche und aus Notho wendigkeit der Ilmſtånde hergeleitete Vorſtellungen , vorzüglich aber ward das dem D. Strauch anhan . gende Publikum durc, eine von ihm an ſeine Gea ausgefertigte Verſicherungsſchrift befánfo tige, kraft welder er nach hergeſtellter Ruhe und

meinde

güuſtig für ihn veränderter Situation , eine Zurůd . berufung von allen Ordnungen anzunehmen Rice ans þeiſchig machte, wozu denn die Strauchianer die nachher behauptete Bedingung hinzu gefaßt haben , daß ſeine Stelle, bis zur Königlichen Entſdeidung in den Danziger Streitſachen , unbeſegt bleiben ſollte. Ein zu ſeiner Ueberfahrt auf die Rhede geſchick tes Schwediſches Schif hatte der Verzögerung wees gen wieder zurück reegeln müſſen . D. Strauch ner ch Barfe , mit einem eine Stetti nahm demna Wiederkaufscontract für ſeine eigne Rechnung in Beſik , fegte einen Danziger Bürger als Schiffer darauf, wurde vom Königlich , Polniſchen Hofe und vom Magiſtrat ju Danzig, wie auch von den frem . den Reſidenten allhier , ja.ſelbſt vom Statt alter im Herzogthum Preußen und vom Commendanten ju Colberg mit Reiſepåſſen verſehen ,

und ging,

nachdem er noch einige Tage bey der Beid felmünde , - eine Windſtille Hatte abwarten müſſen , unit ſeiner Er 30. Sept. Familie und etlichen Begleitern zu Sciffe. war aber nach einer ſchweren Fahrt eben über Colo berg vorben ,

gekommen ,

ſo wurde ſeine Barte

durch zwey von dort abgeſchid te bewehrte Odiſse

Fünfter Abſchnitt. Viertes Kapitel.

91

böte angegriffen , nach geringein Widerſtand über . mannet , und als eine Schwediſche Priſe daſelbſt aufgebracht.

D. Strauch ward in Perſon als

ein Schwediſcher Rath und wegen befanntlich ſowol perdächtiger Correſpondenz nach Schweden , als mündlicher Unterhandlungen mit dem Schwediſchen Geſandten , zur Verantwortung gezogen. Indeſo fen þatte ihn der Commendant zu Colberg , Baron von Schwerin ,

auf einen ſeiner Unſchuld Galber

abgelegten End wieder in Freyheit geſeget und ihm

3

nach Stettin zu reiſen verſtattet, :)

7

war er auf dieſer neu angetretenen Landreiſe, bis Stargard an der Inn gekommen ,

Kaum aber

ſo holte ihn ein

nachgeſchicktes Commando Churfürſtlicher Drago. Her ein , die ihn abermals aufhoben , von ſeiner Ehegattin trennten , und ihrer mitbekommenen Or. dre gemäß, gefänglich auf die Feſtung Cuſtrin gb führten , woſelbſt er auc bis auf ſeine mit vielen Schwierigkeiten wiedererlangte Verabfolgung nach Danzig , in Verhaftung hat bleiben müſſen .

* ) Er ſoll aber feinen Weg haben auf Hamburg 'nehmen woli len , und ift durch aufgefangene Briefe in den Verdacht ets med allda gefährlichen Vorhabens gerathen.

Danzigs

92

Geſchichte .

Fünftes. Rapitel. Landtagsanträge auf die Vertreibung der Mennoniten Differenzen einer zwiefachen Deputation aus Danzig zum Retchstag - Huldigung in Danzig - die Königin wird in Danzig bewillkommet - neue Klagen einer Gewerkst deputation auf dem Reichstage - der Röntg hålt ſeinen Einzug in Danzig - Maasregeln zur Wuseinanderſekung der bürgerlichen Streitigkeiten hieſelbſt – die Römiſchcas tholiſche Ktrchenfrenheit ſoll eriveitert werden - gelegents liche Vorfälle in Dangig zur Beförderung der Königlichen Anſprüche - Eingrif in die Seerechte der Stadt - Ers neuerte Sollicitationer , und Königliche Geſandſchaften zur Befreyung des D. Strauch - Beendigung des Pros ceffes über die bürgerlichen Unruhen in Danzig - Inhalt des abgeſprochenen Königlichen Decrets - gemilderte Er : Flårung des Konigs , wegen überbltebener Unzufriedenheit in Danzig - der König wird in ſeinen Forderungen bes friedigt ' -- Abreiſe des Königlichen Hofes und endlicher Befdheid an die Gewerke - Die Concordaten der Orde nungen in Danzig werden auf das Königliche Decret fun diret.

Des Könige von Polen glücklich geendigter Feld zug , der etliche Monate ſpåter , den Zurawniſchen Frieden mit den Türken zur Folge gehabt hat , ließ jego die innern Staatsgeſchåfte der Republik auf 1876 dem Krónungsreichstage ungeſtört iþren Gang neh. Sebr. men .

Die Preußiſchen Stånde erhielten hieſelbſt

mit der ſchriftlich ausgefertigten Beſtåtigung ihrer Privilegien ,

zugleid die erbetere Confirmation iß-.

res Einzöglingsrechtes , ßer zwen Eingriffe

obgleich unmittelbar vor .

darin waren gemacht worden,

wofür der König blos eine måndliche Entſchuldigung

Fünfter Abſchnitt. hinzufügte.

Fünftes Kapitel.

93

Ein anderer Streit erhob ſich wegen

des Religionsfriedens; denn die Reſervatrechte des Herzogthums Maſuren gaben zu allgemeinen Auss fållen gegen die Diſſidenten Anlaß ,

worin es ju.

leßt zwar bey dem wörtlichen Jngalt des Religions friedens verblieb , doch aber eine abgünſtige Erpli cation in Betref der Mennoniten damit verknüpft wurde.

Der Preußiſche Adel hatte ſchon auf der

vergangenen Landtage zu Marienburg, für die Vera tilgung dieſer Religionsſecte beftig geredet ,

der

Woywod von Pommerellen , der in der Strauc . foen Steitſache ſowol, als auch daß die Danziger kürzlich einen Edelmann Todſoblags Halber hatten enthaupten laßen , dieſelben mit bitterer Feindſchafe : verfolgte , hatte allen Haß wegen Beſchügung der Mennoniten auf Danzig zu wålzen geſucht,

und

mit einem niedrigen Ausdruce, dieſe Stadt ,, ein rechtes Neſt derſelben “ genennet. Es waren gwae? unterſchiedene Vertpeydiger der Mennonitiſchen Ges meinden in Preußen aufgetreten , und unter andern þatten die Aufſeher der Marienburgſchen Decono , mie , ihnen das Leb eines fanftmüthigen und friede; liebenden Characters gegeben , und fie ats arbeitfan ? me dem Lande núbliche Einſaſſen geſchildert, allein der Wortwechſel über einen Beſchluß zu ihrer Erelya fiou oder Vertreibung war dennoch ſo bißig geroor. den , daß einige Landboten mit dem Kirchenbanne gedrohet, und Gewalt zu gebrauchen erkläret hate ten.

Gleichwol waren die Abgeordneten der großen

Stådte bey iþrem Widerſpruch in Beziehung auf den Mangel der Vollmachten verblieben , und die

+

Danzigs Geſchichte.

94

Sadje der Mennoniten war'in der Landesinſtruction Nur auf dem Reichstage übergangen worden.

wurde ſie nichts deſto weniger zulegt in die Ratha ſchläge gebracht , und der Pommerelltſche Woywod þatte ſogar eine

Conſtitution zur

Verjagung der

Mennoniten abgefaſſet, womit er ſchon vielen Ben fall gewann ; aber nun ging der Landrichter Pres bendow von Lauenburg perſönlich an den Efron , ſtellte dem

Könige den großen Schaden vor , den

das Land und infonderheit die Deconomie von Max rtenburg durch den Verluſt dieſer nůzlichen Einwoga ner erleiden würde , und diſponirte dadurch den Ko. nig , daß er nicht nurmit flüchtigen Worten die Conis ſtitution zu zerreiſſen befahl, ſondern auch nad her ein ernſtliches Verboth ertgeilte ,

fie feinesweges :

dem Regiſter einzuverleiben . Der Rath zu Danzig hatte diefen Krakauer Reichstag in eignen Angelegenheiten der Stadt mit Abgeordneten ſeines Mittels befchicfet , außerdem aber waren ſowol von den Gewerken als ivon der ! Trinitatiskirchen . Gemeinde , Deputirte abgefertia get worden , welche den Rathsdelegirten niąt gear ringe Hinderniſſe ihrer Geſchäfte in den Weg legten . Die Herren des Raths Katten vorkemlich die Beſtår? tigung der Stadtprivilegien im Auftrage, und folle ten zugleich alles nachtheiligen Vorſtellung der bår. gerlichen Mißhelligkeiten vorbeugen ;“ jene zingegen hatten einen Uuffag von 38 Beſchwerdepuncten über den Rath mit fich , ſie ſollten ſich auch um

die Ins ?

terceſſion des Königlichen Hofes zur Befrenung des D. Strauch aus der Egurbrandenburgiſden Set

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Kapitel.

95

fangenſchaft bemühen, und deſſen Wiedereinſebung in die vorigen Aemter auswürfen ; ihnen war enda lich noch eine beſondere Klage über den Paſtor Dhe muth zu St. Johann aufgetragen ,

deſſen Abſen

kung ein Theil der Bürgerſchaft und der Gemerte wider den Schug des Raths begehrte, weil er nicke nach iþrem Willen die Vacanzpredigt für den D.

l ig

Strauch gatte halten wollen . y ) Ben Hofe wurde dieſe zwiefache Deputation aus Danzig wücklich als eine Bevollmächtigung von zwer ſtreitenden Par. theyen angefeben , die iþren Proceß vor den Könige lichen Gerichten ausführen wollten . So ſehr auck die Abgeordneten des Raths ein Verfaþren nach

1

dieſer Meinung abzuwenden bemüht waren , ſo ers

ES

folgten doch wiederholte Ladungen an den Rath und die Gerichte in Danzig , ſich innerhalb vier Wochen

1

vor dem Königlichen Aſſeſſorial. Gericht zu ſtellen , und die Gewerksdeputirten gingen ſo weit , daß fie durch eigne Suppliquen die Confirmation der Stadt privilegien zu verbitten ſuchten , bevor ihre Streie tigkeiten mit dem Rath abgethan wåren. Der Rde nig aber , welcher ſchon wegen einiger auf Begehrer der Gewerksdeputirten , übereilt ausgefertigter For. y ) Dieſe Unzufriedenheit über die abgeſchlagene Vacanjpree digt erwuchs zu einem fo tumultuariſchen Streit , daß der Offentliche Gottesdienſt wieder zweymal geſtört wurde , bas Der Rath den Prediger Obmuth mit Wache mußte in die Setrche und auf die Stangel begleiten laßen , und daf dennoch gegen beſagten Prediger als einen öffentlichen Friedensſtörer , der Proceß iſt angeftrengt worden . Zuleßt aber bat feine Sache durch Ausgleichung einen favorablen Ausgang füs ihn genommen , 1

1

Danzigs

96

te .

Geſchich

malien in den Gerichtskanzeleyen unwillig geworden , hieß dieſe Citationen ganz und gar gemmen , nahm die Danziger Streitfacean ſich ,

nnd gab die Ers

klärung , daß er dieſelbe nachy geendigtem

Sürfen .

kriege , mit ſeinec perſönlichen Gegenwart in Dan fig berlegen würde. Solchergeſtalt wurden auch die Stadeprivilegien , nur knit Aufſchub desjenigen ſo die Cadufen betraf , ohne weiteren Anſtand beſtår tiget , die Deputirten aus Danzig erhielten insges . famt ihre Dimiſſion , und wurden zum nächſt abzus ne menden Huldigungseyde beyderſeits aufs fried. lichſte fich zu vereinigen ermahnet ; nur in der Pusi. ger Sache machte der König vorzüglich auf Unſtif. ten des Woywoden von Pommerellen noch Veränderung ,

eine

daß er nemlich die Zawadzkiſche

Familie ihrer Anforderungen wegen mit der Staro. ſten Leipe befriedigte,

und nunmehr ſeine eigene,

fchon da er noch Kronfeldşerr war , gemachte Foro derung der Staroſter Pußig erneuerte .

Einige Monate ſpåter kam der Kron . Unter Saly. Kangler und Viſchof von Ermland Steph . Wybiga als Königlicher Geſandter zur fenerlichen Abnahine der Huldigung nach Danzig .

Seinen Auftrågen

nach , ſollte er alle Eixmiſchung in die Bürgerzwi. ftigkeiten ablehnen ; deſſen ungeachtet wollte ihn der Woywod Bankowski durch ein von der Religions. toleranz entlehntes Argument bineinziehen , reizte die mißvergnügten Bürger ,

und

auf die Entfers

nung der Mennoniten als unbefugter Einfaſſen der Stadt, die den Huldigungsend nicht leiſten dürften, ju flagen.

Der Bmíli. von Bommeln aber und

. 1

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Kapitel.

97

ber Burggraf Gabriel Krumhauſen erläuterten dem Biſchofe, daß man den meøreſten Mennoniten

als holländiſchen Factoren , gleich anderen ausmår. tigen Kaufleuten , den Aufenthalt in der Stadt zu . geſtehn müßte, und daß auch die übrigen welche pier anfäßig måren , ebenſo wenig als die auf Reis Fen befindliche oder franke und preßhafte Bürger, welche der Huldigung nicht beywohnen könnten, fick deshalb der ſchuldigen Pflicht und Treue entzogen . Durch dieſe Antwort fand ſich der Woywod in Vers wirrung geſeket, der Königliche Legat aber ließ ſich die gegebene Information deſto lieber gefallen , da és ſeine Pflicht mit ſich gebracht hätte ,

von der Un .

befugtheit der ġieſigen Einſaſſen , ſelbſt vorher Now tig einzuziehen.

Inzwiſchen ereigneten ſich noch

mehrere Vorfälle, welche den Biſchof mitder búrs gerlichen Unzufriedenheit in Danzig bekannt mach . ten , und darunter wurde zugleich ein Pråtenſions. ſtreit ruchtbar, den die Franciſcanter und Jeſuiten mit einander, wegen der Trinitatiskirche, ( dieweil die Catholiſchen Kirchenrechte mit Abtretung Evan geliſcher Kirchen vermehrt werden ſollten ) , vorläu fig am Königlichet Hofe in Betref der Dangiger Sache rege gemacht hatten. Noch deutlicher zeigten ſich die unabláßig ergrif. ferie Einſchmeichelungsmittel , womit die ſogenann. ten Sträudyianer ſich der Königlichen Gunft zu vers ſicher |bemüht waren , als die Königin von Polen , Auguft. nach dem Aufbruc ihres Gemahls zum neuen Felda zug , eine Reiſe nach Danzig maçte , um þieſelbſt ihrer Geſundheit wegen das Egerfde Brunnenwaſe Beſch. Danz, 3ter Th.

1

98

Danzigs Geſchichte

fer zu brauchen .

Sie wurde bey ihrer Ankunft,

mit öffentlich vom Rath veranſtalteten Ehrenbea zeugungen empfangen ; aber die Gewerbe insbea ſondere,

unerachtet die Königin weder an

deren

Rangſtreit mit den Kaufleuten bey der Einholungs. ceremonie einen Gefallen hatte , noch auch in einem Privatzwiſt unter den Fleiſcern ihre Entſcheidung geben wollte, maďyten Ihrer Majeſtát beym erſten Zutritt ,

ein Geſchenk mit einer künſtlich gearbete

teten Uhr in Form eines Crucifires , fo fie als ein neues Kunſtwerk vom Dominik für fünf hundert Gulden getauft Batten .

Einige Tage ſpåter fugr

eine Deputation von fünf und zwanzig wolgefleides ten Frauen ( die größtentheils an Gewerksmeiſter verheyrathet waren ) ? ) zur Königin in das Gråf lic Dönýoffoe Haus auf Neugarten ,

woſelbſt fie

iþr einen Fußfall thaten , und eine Bittſchrift um die Befreyung des gefangenen D. Strauch einga ben , bienåft auch in zierlich geflochtenen Körben , ein fein gewebtes linnenes Tafelgedeck zur Vereb. rung überreichten .

Obgleich aber ſolches alles feßr

geneigt aufgenommen würde , ſo wollte ſich die Kos nigin doch weder in ein umſtändliches Geſpräch mit ihnen einlaßen , noch auch mit den Klagen der Ge. werke, in Abweſenheit des Königs nåper belango werden . Sie verließ vielmehr nad einigen Wochen

!

* ) Die Anführerin dieſer weiblichen Deputation ift die Ehe: gattin des Staufmanns Schlott aus der Vorftadtſchen Ges meinde geweſen, und die Ehefrau eines Glaßhåndlers Lemke, eine gebobrne Thornerin , bat in polniſcher Sprache die an rede an die Königin gehalten ,

Sünfter Abſchnitt. Fünftes. Rapitel. die Stadt,

99

ohne die Äudienz erneuert zu þaben,

nachdem unter iþren Begleitera , ißr Sdwager der franzdfiſche Geſandte Marquis von Bethune ſchon anderer politiſøen Äbſichten þalber, zur Befoleuni. gung der Abreiſe gerathen , batte. Der nächſt ausgeſchriebene Reichstag ju War: 1677 . Január. ſchau wurde von neuem mit einer Gewerksdeputa.

tion aus Danzig beſchidet.

Unter der Anführung

des Sæuſtermeiſters Chriſtian Meyer ,

der ſide

mit ſeiner geläufigen Zunge das Zutrauen eines ge. ſdickten Sprechers erworben ſcheinbaren Freymüthigkeit ,

Batte ,

ber

ſeiner

aber eine bittre Unie

mofitåt gegen den Magiſirat þegte ,

ſollten Mütt

nocy megrere Bürgerklagen dem Könige vorgetra gen werden , und weil ſich unter andern auch wegent obrigkeitlichen Aemterrt

der Einwahlung zu den

geither widerwårtige Urtheile geåußert

hatten , ſo

entfaloß ſich der Ratz , die diesjährige vieler Vas canzen þalber zahlreiche Kühr , einen Monat frůs

$ 1

Her als' gewöhnlich zu vollziegen.

Dagegen wurde

1 1

zwar von den Hauptgewerfen förmlic proteſtiret,

1

nig ließ ſich durch die Vorſtellungen des Danziget

und ihre Deputirten am Hófe ſuchten dawider ſogar ein Annulationsreſcript zu erhalten ; allein der Kida

Syndicus davon ableiten , und überhaupt wurden alle in Angelegenheiten der Stadt geſchehene Fore derungen und Citationen ,

wie ſchon im vorigen

Fahre geſchepen war , gebemmet , und der perſona lichen Erfenntnis des Königs bis zu ſeiner Ankunft im kande vorbehalten : 1

100

Danzigs Geſchichte.

Dieſe Reiſe nach Preußen ging wenige Mos Tunp. nate nachher vor fich.

Die Danziger Gewerksde.

putirten , welche unterdeſſen mit einem Königlichen Seleit zurücgefommen waren ; eilten gleich zur erſten Bewillkommung wieder nach Mewe , nah. men verſchiedene Erfriſchungen zum Präſent an die Königliche Hofſtate mit ſich ,

und bezelligten

den König theils mit erneueuerten Sollicitationen wegen der Zurückrufung des D. Strauch , theils auch mit ihren particulairen Rangsſtreitigkeiten zum obhandenen Königlichen Einzuge in Danzig. a ) Von Mewe begab ſich der König nach Marienburg, 'machte aber von hier aus mit der Königin und dem Prinzen Jacob ,

eine Luſtreiſe in die Danziger

Nehring , woſelbſt iğn ben Stutthof der Königliche Jägermeiſter, Rathsherr Joh . Kraßer, empfing, und zu verſøiedenen Jagdten , Umfahrten , die gehörigen

firofangen

Veranſtaltungen

und be

ſorgte, worüber die Königliche Familie ein großes Eines leichten Ftebees Vergnügen bezeigt hat. Halber kehrte der König doch wieder nach Mariette burg zurück , und ſtach erſt nad völliger Geneſung über die Weichſel ins Danziger Werder über .

31 Jul. Hier legte er bey Lektar an , Königin ,

trennte ſich von der

( welde ihrer Schwangerſchaft wegen ,

in aller Stille zu Waſſer nach Danzig ging, ) ' und nahm das Nachtquartier in dem Ferberfden Gar. a ) Das Ceremoniel des Einzuges ift nacher nicht allerdings jum Wohlgefallen des Fleiſchergewerks vorgeſchrieben wors den , daß ſie binter der stöniglichen Starojte baben reiten můffen.

1 Sünfter Abſchnit , Fünftes Kapitel. 101 ten zur guten Herberge genannt. So ungeſtört aber der König bier den Abend zubringen wollte, ſo hatten ſich doch einige Gewerksgenoſſen eingé. funden , welche nicht nur ein lautes Vivat vor ge; bachtem

Landhauſe ausriefen ,

ſondern auch durch

ihre Gönner am Hofe es ausmørkten , daß der Kdo nig ſide an ein offnes Fenſter begab , und ihre ein, gereichten Bittſchriften annahm . Des folgenden Şages um Mittagszeit geſchahe der Königliche Eing die s Stadt , mit dem gewöhnlichen Geprån . yg inon ge und unter öffentlichen daſelbſt veranſtalteten Der König ſaß mit dem Freudensbezeugungen. Edelfnaben und Die vielen von einer in Prinzen pern

umgebenen

rechsſpånnigen

Staatskaroſſe,

worauf der Königin leibwagen ledig nachfußr, fo dann die übrige Hofſtart theils zu Pferde, teils in Wagen nachfolgte, und der ganze Zug mit zwey. Compagnien Königlicher

Truppen beſchloſſen wur.

Phne nun der verſchiedenen 86 Hoffnungen oder Beſorgniſſevon

Meinungen ,

funft in der Stadt hier zu gedenken , da felbige fich aus der vorangezeigten bürgerlichen Situation und aus den controverſen Ideen , die man von der des Stadtregiments theilen laßen ; ſo konnte doch mindeſtens nach der ſchwachen Angaþl der mitgekommenen polniſchen Kriegsvölker, die öfters hingeworfene Drohung nicht Grund faſſen , als ob der König fich mit ſou . verainer Gewalt der Stadt bemåchtigen , und eine eigene Beſaßung hineinlegen würde. Es ließ ſich nur unter allen Umſtänden eine Schmålerung der

G

3

1

Danzigs Geſchichte .

102

Stadtrechte , und ein koſtſpieliger Aufwand für die Benlegung der innerlichen Jrrungen befürchtete Unleugbar waren viele Fehltritte und Mißbräude zu tadeln , die ſich unter einer gar zu nagſichtigere Verwaltung der obrigkeitlichen Hemter eingeſchlin den Batten ;

aber die meøreſten derſelben wurden

von der midriggeſinnten Parthey auf eine feindſem lige Art vergrößert.

Eine durd Privarpaß und

Familienrache gendprte Widerſpenſtigkeit, verblen. Þete daher den ſcharfſichtigſten Bürger gegen die augenſcheinlichſten Gefahren der allgemeinen Wohle fart ,

und das zügelloſe Beftreben des gemeinen

Mannes ſchien' gar alle Vorrechte der bürgerlichen und firmlichen Frenheit, gegen eine racſüchtige Einſchränkung des obrigkeitlichen

Unſebens vers

tauſchen und leichtſinnig aufgeben ju wollen . Von Seiten des Königlichen Hofes , Zeit noch in Zweifel ,

blieb es für einige

mit was für felbſteigenen

Abſichten ſich derſelbe der Mißhelligkeiten in de Stade annehmen würde.

Die erſte dazu veran .

(aßende Urſache, nemlich die Strauchſche Reſtitu . tion wurde mindeſtens nicht mit demjenigen Eifer betrieben ,

den die anhångigſten Zeloten

fich von

den Gunſtverſprechungen des Hofes vorgeſtellt hat. gen .

Eine Verzögerung der Discuſſion fohien auch

den Rechten des Königs , und den Vortheilen der mitmůrkenden Magnaten zu ſtatten zu kommen , und man nahm ſich Muße genug ,

unterſchiedene

Vorſchläge und Entwürfe zu machen ,

welche in

einer ruhigen Lage der Stadt niemals dürften feyn Gorgelegt, oder zur Yusführung gebracht worden ,

1

Fünfter Ablohnitt. Fünftes Kapitel. !

Die einzelnen Audienzen ,

103.

welche von einigen

Gewerksgenoſſen bald nach der Konigs Ankunft ben demſelben geſucht wurden , wollten ihnen an. fangs unter keiner Veranſtaltung gelingen , und eben ſo wenig hatte der Proceß ſeinen Fortgang,

1

den die Gewerke nochmals gegen den Rath und die Gerichte

im

Uſeſſorialgericht

anſtrengten ;

die

1 1

Streitſachen wurden in ihrem ganzen Umfange an

1

ſcheiden , oder vielmehr eine Ausgleidjung darin zu Nichts deſto weniger treffen bemühet ſeyn wollte .

1

þat in der Folge mit der Art und Weiſe der Discuſ:

l

fion eine oftmalige Abwechſelung ſtatt

das Relationsgericht gezogen , dieweil der König fie ſelbſt unterſuchen , und perſönlich darüber ento

gefunden,

und wenn gleich der König einmal in allen Sachen ſummariſch zu erkennen entſchloſſen geweſen ,

ſo

þat er doch bald ben der geringſten Widerſeklichkeit ſeinen Porſak geändert , und insbes

der Parte

fondre auf eine und die andre mißfällig aufgenom . mene Erklärung des Raths oder fämtlicher Ordnun . gen , den förmlichen Rechtsgang darin anſtellen laßen .

Soldergeſtalt- find mehrere zu unterſchies

denen Zeiten gefällte Sentenzen ergangen ,

dazwis

fchen auch , ſpecielle Commiſſionen ausgefeet wors den , und über einige Materien Privatunterhand. lungen mit dem Könige, oder mit ernannten Be vollmächtigten deſſelben gepflogen .

Die

beyden

Kronkanzler haben nach übereinſtimmenden Zeugo miffen ,

bey dem

ganzen Proceß eine parthenloſe

Defteritåt beobactet ,

der Marienburglobe Won.

wod Bankowski hingegen iſt nicht müde gemore, S4

104

Danzigs Geſchichte

den , die ſchädlichſten Anfølåge zur Unterbrůdung der Stadtprivilegien zu fchmieden , und mit unab . là ßiger Unhegung der Gewerke , reine unverſdýn . liche Feindſchaft gegen den Magiſtrat an den Tag zu legen , wobey er ſich Hauptſächlich auf den thàtio gen Beyſtand zweyer Geiſtlichen , nemlich des Hof predigers und Jeſuiten Pikarski und des König lichen Aimoſeniers Sacki,

ferner auch

auf der

Preußiſchen Landesfiscal Heinrich Moller, eixten vom lutheriſchen Predigtame zur römiſchen Kirche übergetretenen

Landpfarrer ,

Johann Gerhard

Damler, und einige der auffäßigſten Gewerkeder putirten , worunter Meyer geweſen ,

der oftgenannte Chriſtian

zu verlagen geßabt þat. Das

geſunkene anſeßen des Raths iſt von der Rechtſchafa fenheit des Kanzley , Regenten Witwicki noch am mehreſten unterſtüßt worden ;

in den Häufigen Ges

ſchaften und Untergandlungen die demſelben mit verſchiedenen

Deputirten

des

Raths , vorzüglich

mit dem Burgermeiſter Proit und dem

unabläßig

gebrauchten Rathsherrn Gabriel Schumann find aufgetragen geweſen , hat er ſich allezeit Mühe ger geben, die Antworten oder Entſchuldigungen des Raths zum Beſten zu kehren , und er ift Sfters mit ſelbſteigenen Warnungen oder Winken entgegen gee kommen , wie man ſich am nächſten' nach dem Wit Yen des Königs ju bequemen ,

oder ſich der Gunft

deſſelben zu verſichern es antegen könnte . Das übrigens die Gegenſtände der Danziger Streitfache und aller dazwiſchen eröfneten Negotiationen betrift, ſo iſt eine Claſſification derſelben eingerichtet worden,

Sünfter Abfchnitt.

Fünftes Kapitel. rog

Nach welcher man theils die Forderungen der Könige lichen Rechte von den Sollicitationen und Klagen der Gemerke ſepariret , theils auch von dieſen wie. ber einen Unterſcheid mit der Correction des Juftig. und Policeywefens in der Stadt gemacht hat.

Uns

ter den Deſiderien des Königs ſind die ehemaligen Pråtenſionen an die Scharpau , an die Zulagegeli der, die Caduce und ſchifbrüchigen Gåter , die Kde riglichen Gebäude in der Stadt, wie auch die Auf. Hebung des Actorare und mehrere dergleichen långt beygelegte Streitpuntte von neuem auf die Bahn gebracht worden ; borzüglid aber hat die Römiſch: tatholiſche Geiſtlichkeit es dem Könige als ein vere dienſtliches Werk ans Herz geleget, bey dieſer Ges legenheit die uneingeſchränkte påpftliche Kirchenfrey, Heit in Danzig wieder berzuſtellen .

Daher iſt es

zu einer Hauptforderung gemacht worden , womit fogar viele andre haben aufgeĝoben, oder modeçirt werden ſollen , den Katholiken dieOber : Pfarrkirche oder ein anderes proteſtantiſches Kirchengebäude zu ibrem Gottesdienſt abzutreten , eine Römiſolatho: tiſche Scule auf dem Pfarrhofe anlegen zu laßen , die öffentlichen Kirchenproceſſionen in der Stadt, und die Umtragung der Monſtranz bey Krankenbes fuchen , wie auch die Begräbnisceremonien der Rós miſchen Kirche ohne Einſchränkung zu verftatten , ingleichen die Römiſchcatholiſchen Bürger in die Regierungscollegien der Stadt aufzunehmen. Man þat hieben die ganz categoriſche Ertlårung gegeben , daß der Hofvon dieſer Berechtiguug der påpſtlichen Kirchenparthen nicht abgeben wurde, weil dem Ké.

SS

106

)

Danzigs

Sefchichte.

mige außer ſeinem ſelbſtbeliebigen Schuß der catholio. fchen Religion, aud freywillige Anträge dazu von der Bürgerſchaft wårenigemacht worden . In der That aber waren zu etlichen durch Elias von Treuen Schröder fabricirten Gewerksſuppliquen , b ) wore innen dergleichen dem Könige gemachte Offerten befindlich

geweſen ,

vom

Sifcal Möller ,

vom

Damler und deren Conforten , die Unterſchriften çiniger Gewerfsgenoſſen nur mit Liſt erſchliden , oder mit Uebereilung erhaſcht worden ; und der Aus. gang der deshalb entſtandenen Debatten hat zurei chenb erwieſen , daß weder in der Dritten Ordnung noch unter den Gewerfen , der beſſere Theil der Bürgerſchaft den Kirchenprivilegien der Augſpurg. fchen Confeffion damit Eintrag oder verfånglichen Abbruck zu machen ſey geſonnen geweſen.

Zur

b ) Elias Schroder , Sohn eines Danziger Bürgers und Brauers ( kraft der vom Könige Job, Caſimir , erhaltenen Schwebiſchen Indigenats von Treuen genannt ) , beras viele Gelehrſamkeit und Redtstenntniſſe, und ward mits glied der Dritten Ordnung , verlohr aber dieſe Stelle , alt er jur påpftlichen Kirche übertrat, und man ihn als Apoftat Darin nicht leiden wollte. Er ward darguf Stöniglicher Ses cretair , eine Zeitlang Biſchöflicher Notar und diente jus gleich als Rechtsconſulent , indem er eine ausgebreitete Stenntnis der vaterländiſchen Rechte und Geſchichte erlangt Batte. In ſolcher Urt leifete er auch der Danziger Bürs gerſchaft während der Strauchſchen Religions s und Staats: handel vielfältigen Seyftanb , und madte fich bey derſelben Dadurch wieder beliebt. Der König Jobann der Dritte bat ihn vermoge ſeines Decrets unter den fecho ernannten çatholiſchen Bürgern aufs neue in die Dritte Ordnung ges feket , er iſt aber zwey Jabre darauf ( 1680 ) geftorbek. Preußiſche Sammlungen 2ter H. 6. 42. #, folg .

1

. fo Kap ? Fai r tft ite ës l itt bie Ber abe Kat Den des ủng fe noc gið lůc r h f s e , da geg Anſ r ſo gep diunnt Ma s te åff ebe g en toß ri ige n év n ſte *** der Sta im Inn ohn auß iel * dt och etn e e Con auc dgieefeetig dar r erw n alt t y e h aus r n t o yft o ver ere mit dem zur E u kch oſ n iennp en nter lan han un Difati Hodlu , die grö Kön ficon fe ng ßte g igl ult en n ich habäte . g dat Ver en en n in efund zög en ri hienadhili eru ere " Vor Ma ch blen nch ngs fäl ign ert le urf ete n in Danzig , des Königs ach wåþrend dem ehAufenthalt en geworfene auf deren Veranlaßung feine jegt auf Abp

Fün

fte

r

uhn

Anſpruchereďte theils früßer in Bewegung geſent, theils aug unverzüglicß in Ausübung gebracht So nSưlefien wurden. Der Tod des aüt o gebürtigeta L Kön igs hne eibes furz erben verſtorbenen Rathsheren Michael Behme von Behmenfeld , hatte auf Anſtiften des Fiſcals, ein Königliches Mandat zur Inventur und " Ses queſtration ſeiner ſegir þoch angegebenen Verlaßene fchaft nach ſich gezogen , damit ſelbige für die Rechte des Königs caducirt werden ſollte.

Von Seiten

der Stadt wurden zwar ſo viele Vorſtellungen das gegen angewandt, welche ſich infonderbeit auf die unverleştiche Sicherheit der Fremden in Erbſchafts fachen bezogen , zumal ſich auch biezu ſchon fremde Erben gemeldet hatten , daß der König dieſe Fors dennoch aber

derung ruhen zu taffen bewilligte; ſind daraus dur

unterſchiedene auswärtige

An

ſprüche , nachdem die Stadt ſchon einmal die frem den Erbnehmer befriebigt zu baben geglaubt batte, noch ſo viele Verdrüßlichkeiten entſprungen , daß per am Königlichen Hofe deshalb erhobene Process

1.

FOS

a Danzigo Gefchimbo

erſt nach funfzig

Jahren burde ein Hofgerichtsunce

theil völlig iſt abgethan worden.

Einen

außeroka

Sept. dentlica folennen Begräbnisaufsyg verantaßte des plöbliche Todesfall des Erzbiſchofs von Gneſen und Reichsprimas Andr. Dizowski, den der König 916 einen eifrigen Perfechter der römiſo katholiſchen Kirchenrechte naci Danzig þatte einladen laßen . Um das Andenken ſeiner Verdienſte ums Religions. weſen recht fenerlich zu machen , ſo wurde dieLeiche Deſſelben mit großem Geprånge und mit öffentlicher Beobachtung aller an catholiſchen Orten gebråuch. lichen Situalien und Ceremonien , von Neugarten in die Stadt abgeführet; alle dren Ordnungen muſten in voller Anzahl das Gefolge begleiten , und durch den Chriſtian Meyer waren auch die der: Gewerke dazu aufgefordert undein großerTheil Th ſelben Berzugezogen worden , wobey es ſich doch nicht pöllig þat vermeiden laßen

daß nicht wegen

anbefohlner Entbldßung des Hauptes

gegen

die

vprangehende Cleriſen und das vorgetragene Crus çifir , ſich einiges Murren und Empören unter dem gemeinen Mann geåußert,þåtte: Parentation ,

Es iſt auch die

pelche der Hofprediger Pikarski

auf öffentlichem Maßfte vor dem Königlichen Hauſe, bey ſtehengebliebenem Leichenconduct gehalten hat, wegen des großen Getümmels , ſo unter dem Volk auf der Straße gemeſen , von wenigen gehört oder verſtanden worden. Königin ,

Sogar die Niederkunft deg

welche einige Tage nach gedachter Leis

Denproceſſion ,

von einem jungen Prinzen ,

der

den Namen Alerander erhalten bat , entbunden

Fünfter. Abſchnitt. wurde,

Sanftes Kapitel. 109

hat dem

Woywoden Bankowski fowol als der römiſden Geiſtlichkeit eine neue Gelegenta

"Heit gegeben , es den Könige zur Regierungspflicht, und insbeſondre wegen der Swachheit der Konie gin im Wochenbette, als eine Gewiſſensſage vore zuſtellen ,

daß er die Ehre der römiſchtatholiſchen

Religion in Danzig erheben und ſeine Majeſtåts. rechte damit behaupten müfte , wogegen allerdings die Deputirten des Kaths mit iþrem ſehr verbindlia

chen und mit einer ſubmiſſen Bitte um Schonung threr Rechte verknüpften Sratulationscompliment, nur ein ſehtoaches Gegengewicht haben halten fon . Dergeſtalt trafen von Zeit zu Zeit immer ner . megrere Umſtände auf einander, welche die Forde. * tungen des Königs dringender machten ,

und er

hat in der Folge nicht nur die Commiſſionen zur Reviſion der Privilegien und zur Unterſuchung der Stadtcaffen darauf gegründet ,

ſondern auch zur

Reluition einiger in Anſpruch genommenen Rega. lien ,

auf eine

nahmbafte Geldſumme antragen

slaßen , und den Kronkammerherrn von Dönhof wegen einer alten Anforderung auf Pußig befries digt ,

um ſich dieſer Staroſten mit einer ſtårtern

Befugnis anmaßen zu können . Eines Eingriffs , den der König in die Danzi.

ja

ger Seerechte gethan hat ,

iſt hier noch zu geden .

fen , in ſoferne derſelbe einige Beziehung auf die Strauchſche Angelegenheit , und das Benehmen in derſelben gegen den Churbrandenburgiſchen Hof geņabt þat.

Eine Lübecker Schüte , "die etn Bran. October.

denburgiſcher Freybeuter in der Offee' genommen ,

irb .! }} aha Dingies Gersichte i டு Lund mit fünf Watnik Hebit einemí Offidet : Befekt bal te , war durd turin vom

Caperfchaffu rabgekom .

täien', und vor Danzig auf die begeigėjent more * dene . Der rechte Schiffer nun , denn der Capee * Hebſt dren: Matroſen atif der Schute gelaßen hatte, Heß fich unter dem Vorwand Proviant einzukaufen,

* ans Land bringen , und kam

aufs Rathaus" ging',

Pogleich

wo er

in die Stadt,

und Anſuchung

that, ihm mit einiger Mannſchaft beyzuſtehen, das mit er ſein Soff von den Brandenburgiſchen Lette ten' feey machen könnte.

Der Magiſtrat aber, der

die Neutralität vuto Einmiſchung in die Caperchen " nicht verlegen wollte , gab ihm hierauf eine ab . Tchlägige Antwort .

1

Indeffen wandte

fich

der

Schiffer an einige Kaufleute, die ihm anråthig wa. ren , ſeine Zuflucht zum Könige zu nehmen . ches geſchahe,

Solo

und der König ließ , ohne daß es

dem Rath gemeldet wurde , * ) eine Jacht mit 24 Mann unter zwen Officieren nebſt dem Lübeckſchen Schiffer auslaufen, welche den Brandenburgiſchen Lieutenant mit ſeinen Untergebenen auf der Schute 6 ) gngtviſchen batte der Rath fchon den Befehl des tonigs in Erfahrung gebracht , und weil der Hauptmann auf der Münde vorher Ordre gehabt , die Lübecker Schute genau in Aufricht ju halten , ſo iſt derſelben nunmehr , aus Bes forgnis stöniglicher Ungnade unter damaligen Umfånden , ju miffen gethan fich weiter nicht in die Sache ju miſchen noch dem Stoniglichen Jachtſchiffe einige Hinderurigen zu machen. Dennoch iſt auf die jacht, weil ſie um ſitters nachtwieder eingelaufen , und keinen Beſcheid hát geben wollen, von einer Schildwache Feuer gegeben worden , welz ches aber der König nach ber nicht nur entſchuldiget , Tone Dern der Wache auto tuti Lobe ausgelegt hat.

1

Fånfter Abſchnitt .Fünftes Kapitel. III in Arreſt nahmen,

und die Scute felbſt in der

Hafen Herein führten. Nach einem Verhde, po mit dem Lieutenant und ſeinen Soiffsſoldaten ben Hofe angeſtellt war , wurden legtere in Frenhete gelaßen , erſterer aber in Arreſt bepalten, und was den Lübecker Schiffer betraf , auch dieſer nebſt reto ner Scute für frey erklåret :

doch ward ißm vom

Könige ſowol als von der Stadt fein Anſuđen um einen Paß abgeſchlagen , und fo iſt et , weil die 4 Sicherheit ſeiner Fahrt ungewiß war , noch etliche Wochen vor der Weidfelmünde liegen geblieben . Der Brandenburgiſche Reſident Scultetus von Benkendorf und der Däniſche

Envoye Gioje

magten dieſes Vorfalls wegen nicht geringe Bewes gung , und weil erſterer alle Reparation und Ge. nugthuung deswegen , vom Danziger Magiſtrat ju eftorquiren drohte , auc lekterer die übertretene Neutralitåt allein den Danzigern Sould geben woll. te , fo faße fich der Rath genöthiget, nicyt nur den ganzen Vorgang

der Sache gedachten Miniſtern

umſtändlich anzeigen zu laßen , ſondern auc an die Haben Mächte ſelbſt deshalb zu ſchreiben, und beym Könige von Polen noch insbeſondere durch Depu tirte zu bitten , daß er dieſes Factum fråftigſt möchte zu entſchuldigen und der Stadt Seefahrten und Kaufmannſqaften , allen daraus beſorgliden Sca. den abzuwenden bemůßet fenn.

So wenig aber

der König feinem biezu gegebenen Verſprecen auch nachgekommen ift , ſo ſind doch andre Staatscon juncturen , welche þauptfädlich den Anſchein einer någeren Verbindung der Krone Polen und Schwer

012

Dangigs Geſchichte.

den betroffen haben , daju beförderlich geweſen , daß die gegen Schweden alliirten Mächte es für rathfa . mer befunden haben , eine Vergeſſenheit dieſer une angenehmen Begegnung zu fimuliren , und lieber die Freundſ« aft des Königs von Polen zu fchonen , als größere Weitläuftigkeiten deshalb rege zu mae dhen . Einige Wochen ſpäter iſt demnac alles ſchon ſo weit beygeleget geweſen , daß die gedachte Scute auf erhaltenen Paß von Lübeck ,

ihre vorgehabte

Reiſe ſicher und unangefochten þat fortfeßen können , obgleich es immer dabey wahrſcheinlich bleibet, daß dieſer Vorfall in die ſpåterhin vom Cgurbranden burgſchen Hofe, unter andern auch in der Strauchs fchen Sache gegen der König von Polen bewieſene Zurückhaltung , einen Einfluß gehabt habe: Andringend genug iſt während der gdüzeni Zeit ,

da der König rich in Danzig befunden ţat, um die Befreyung des D.Strauch ſollicitirt worden . So. gar Frauen und Kinder mußten in wehmüthigen Bittſdriften den Königlichen Beyſtand dazu anfles ben , ja weil unter andern Bewegungsgründen , des ren man ſich gegen den Churfürſten von Branden . burg bedient hat,

auch die Drohung gebraucht

wurde, daß der Polniſche Hof die Feſthaltung des D. Strauch durch Wegnahme aller reformirten Kirchen in Danzig und im ganzen Polniſchen Preu . Ben würde ahnden laßen , fo Kaben ſich die reformir ten Prediger in Danzig dadurch zweymal zur Ub. Inßung eines Bittſchreibens an den Churfürſtlichen Hof gendchigt geſehen. Man hat ferner beym Chur. fürſten von Sachſen , bey der Stadt Hamburg , bey der

1

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Kapitel. 713

Der Däniſchen und bey der Holändiſchen Gefanda Tojaft in Berlin, wie auch felbft durch die Somedie ſche Regierung , Fürſchreiben oder mündliche Jn . terceſſionen für den D.Strauch ausgemittelt, aber es iſt faſt eine einſtimmige Erklärung darauf erfola get, daß ſeine Loßgebung fich vor geendigtem Kries ge nicht würde zugeſtehn laßen.

In gleicher Are

fat alſo auch der König von Polen , ungeachtet ei gener Conferenzen mit dem Brandenburgiſchen Mi. niſter von Hoverbeck , weder durch ſeinen Geſanda ten am Berliner Hofe den Poſenf@ en Caſtellan Skorajewski, noch auch durch zwey andré aus . drücklich deshalb an den Epurfürſten abgeſchicte Ges ſandroafter etwas mehr darin ausrichten können . In der lektern Abſendung des Stargardſchen Sta : Nosbt. roſten Gurzynski, Dánjig,

wurden zwey Deputirte aus

einer von den Gewerfen und einer aus

der Kirchengemeinde mitgegeben , d ) mit

den

um perſönlich

beweglichſten Bitten und Vorſtellungen ,

das ſteinbarte Herz des Churfürſten ( wie es gehet. Ben Gat ) zu erreichen ; allein iør Begehren wurde ihnen ſchlechterdings abgeſeilagen , und ſie konnten nicht einmal die Erlaubnis erhalten, den D. Strauch in ſeinem Verhaft zu beſuchen und ſich in Gegen.

d ) Diere Geſandſchaft traf eben , als Stettin belagert wurde, in dem Brandenburgiſchen Lager dafelbft ein. In dem Stups ferflich ber einer in Dannig gedruckten Beſchreibung von dieſer Sterriner Belagerung, frkft. am Mayn und Dans zig. 1678. 410 , ift das eigne Gezelt der Danziger Deputics ten , vor andern mit einer merklichen Ausjeidnung vorge fellet. Geſch. Danz, zter The

Danzigs Geſchichtes

114

wart einiger Cuſtrinſchen Råtge mit ißm zu beſpre shen.

Das

pieraus entſtandene Mißverſtändnis

nahm ſchon dermaßen zu , daß der Polniſche Ger fandte plóklich die Ordre bekam ,

alle

Interceſſion

abzubrechen und um ſeine Abſchiedsaudienz anzita halten ; es veranlaßte folches auch einige Beſtůry jung am Berliner Hofe, daß der Churfürſt nun ero botig ward' ,

dem D. Strauch mehrere Freyheit

und beßre Aufnahme in ſeinem Urreſt zu verſtatten , auch das Verſprechen hinzufügte, ign nach Erober rung der Stadt Stettin , mit Ehren nach Danzig jurúd zu ſenden ; dieweil aber die Befehle an den Geſandten ſich auf keine weitere Unterhandlung er , ſtreckt haben , ſo hat der Churfürſt feine nåßere Re . folution nur færiftlich an den König von Polen mit geben können . Unter allen dieſen Ereigniſſen aber

bleibt dennoch viele Wahrſcheinlichkeit übrig , daß es dem Könige

Johann dem Dritten ſelbſt nicht

ein Ernſt geweſen , die Reſtitution des D. Strauch während der damals noce Herrſchenden Uneinigkeiten in Danzig , zur Vollziehung zu bringen ; undwenn gleich durch die Husliefecung deſſelben dem Begeh: ren des Königs ein Genüge geſchehn wåre, ſo würde er doch , wie ſchon damals vermuthet worden , ſeit nen Arreſt vielleicht eine Zeitlang mit einer engen Auflicht in Polen Haben verwechſeln müſſen. ·

Mit dein Ablauf des Jaþres neigte es fica alla

målich zur Beendigung des Proceſſes über die bůra gerlichen Unruhen in Danzig , nachdem der König wegen der mißfälligen Zögerungen in den Ords nungsrathrolågen ,

ſchon

etligemale durch ſeine

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Rapitel. 115

Commiſſarien die Drohung gethan Hatte,

mit Fete

nem plößlichen Aufbruch den Zuſtand der Stadt in Verwirrung zu laßen ,

und den

Magiſtrat gang

#nd gar der Diſcretion einer mißvergnigten Búrs gerſchaft auszuſehen .

Der Rath ſtrengte demnach

die möglichſten Vorſtellungen an , Königlichen Anforderungen ,

um wegen der

ſich mit den übrigent

Orðnungen zu einer einſtimmigen Reſolution einis . gen zu können , und als ſich biezu einigermaßen förs derſame Ausſichten zeigten , fo wurde auch von Seiten des Hofes die Beylegung der innerlichen Streitfachen ernſtlich zur Hand genommen .

Dies

weil aber unerachtet der erſt genominenen Maasree geln , ſich alle Hoffnungen zu einem gåtlichen Ver gleich mit den Gewerken entfernt' gehabt . Hatten, ſo war es gröſtentheils auf den Ausſpruch des de nigs angekommen , in den wichtigſten Streitpunt. ten ſeine Sentenzen zu fållen .

Es war alſo zu ei.

hem förmlichen Rechtsgang darin gediehen .

Die

ſtreitenden Parten waren als Klåger und Beflagte aufgeführt worden . sp Die Gewerke als klagendee Theil hatten zu iþrem Rechtsbeyſtande den Advocat Zabrzeski gehabt, und dem Ratý nebſt dem Schöpi pengerichte als Beklagten ,

hatte man ebenfalls

ghen Advocaten zur Aſiſtenz gegeben.

Die endo

liche Entſcheidung erfolgte unter dem Namen eines Decrets ,

welches aber in Form eines Receſſes

aller von Zeit zu Zeit vorgenommenen und abgeur theiſten Streitpunkte publicirt wurde.

Daſſelbe

befindet ſich in den Zaluskiſchen Briefen e ) der Zaluski Epift: Tom I. part. ll. p.721 feq .. H 2

Danzigs

116

Geſchichre .

Långe nach abgedrudt, und es bedarf bier nur eines getreuen Auszuges , um in den wichtigſten Artikeln von dem Inhalt deſſelben unterrichtet zu werden . 1678. Weil ſolches aber ſchon drev Tage vor der Publica . 9 Jan. tion war ausgefertiget worden , einige Deciſionen auch noch verſchoben geweſen , und mit etlichen ans dern auf Anſuchen der Parte eine Ubånderung ge: macht war, ſo iſt demſelben eine Declaration beys gefüget und in gleicher Rechtskraft an eben dem

Tage verlautbaret worden . 25 JAN.

Die Publication geſchahe in dem Hauſe des Königlichen Hoflagers

auf dem Langen Markte,

( weldes ſonſt der Poſlmeiſter Gratta bemohnten) bey geöffneten Thüren und aufgeworfenen Fenſtern , in Gegenwart der adcitirten Ubgeordneten des Raths und der Gewerksdeputirten , Zulauf des Volks.

nåcheft einem großen

Nachdem der König fuvörderſt

die geſehenen Recytsklagen wider den Rath für gültig erklärt hatte, ſo wurde über den erſten Punkt wegen der Appellationen an den König und deſſen Gerichte erkannt : daß ſelbige von allen Gerichts , ſtüblen zu Danzig , in Civit . und ſolchen Sachen, welche die Summe von tauſend Gulden'in, Polen gangbarer Münze úberſcritten , verſtattet ſeyn , und drey Monate nach gefälltem Urtheit, zum Ver: falstermin angeſebt baben ſollten . In Injurien und halbpeinlichen Sachen ſollte dié Appellation ebenfalls , werden .

doch nur vom Endurtheil nachgegeben Ju Halsſachen hingegen und auf friſcher

That befundenen Verbrechen

unter

bürgerlicent

Perſonen , wie auc in Erecutionen der Königlichert

Fünfter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 117 Decrete' blieb die Appellation unterſager.

Nur

was die Criminaljurisdiction über den Adel betraf, fo wurde dieſer Punkt als eine allgemeine Landes fache verleget, ( und hat nachher noch eine ſchwere Verhandlung nach ſich gezogen . )

Hienach ft fam

eine Verordnung hinzu , daß alle Decrete , Privi. tegien , Jndulte ,

Refcripte,

Diplomen ,

Hand

fobriften , Membranen und andre Urkunden , die ein oder das andre Part zu den Gerichtsacten beye gebracht hätte, demſelben in den Originalien wieder zugeſtellt werden ſollten .

Wegen abgelegter Rech .

nungen von den Stadtcaſſen ſowol,

als wegen

Reviſion der Urchive, erfolgte die Erklärung , daß ber Rath fich darin , den Königlichen Commiſſionen mit Zuziehung einiger Bürger aus der Kaufmann. fchaft und den Gewerfen fubmittirt þåtte, und dem Könige davon Relationen wären abgeſtattet wor. den .

Ferner wurde die Acciſe ,

Schwediſchen

welche feit dem

Kriege vom Roggenmehl ſtatt ge

habt, aufgeboben ,

der Streit wegen der Weißen .

Accife anfänglich verleget, in der Declaration aber dieſelbe auf ein beſtimmtes Quantum vermindert, 1 ingleichen die Bieracciſe auf zwey Gulden von der Tonne geſeget, dock alſo daß der dritte Gulden noch erlegt werden ſollte , bis das , vermoge eines Preußiſchen

Landesſchluſſes beliebte

Kopfgeld ,

(welches bisher viele Widerſeßlichkeit im Danzig ermeckt hatte ) abgetragen ſeyn würde.

Mit der

Zulage hatte der König vorerſt einen Aufſaub ge machet , in der Declaration aber erfolgte die Ents ſcheidung, in dem Gebraud derſelben nichts zu vers $ 3

118

Danzigs Geſchichte.

andern , ſondern alles darin nach den Privilegien der Stadt bewenden zu laßen . In offentlichen Stadtgeſchäften wurde verabſchiedet, daß alle In ſtructionen und Briefe ,

welche im Namen der Stadt und durch Internuncien oder Geſandſchafteu beſtellt wurden , mit Confens aller Ordnungen und durch Deputirte derſelben erpedirt werden ſollten . Wegen Zuziehung der vier Hauptgewerfe zu den gemeinen Rathſchlagen ward die Vorſchrift era neuert, daß ſämtliche acht Elterleute , nemlicy gwen in jedem Quartier , den Verſammlungen der Drit:

i

ten Ordnung beywopnen , und ein jeglicher derfel Dem ben ſeine eigne Stimme gaben ſollte . f ) Rath wurde die Beſtätigung der von den Gemerken pra entirten Elterleute vorbeşalten. Was die Wahl der Hundertmånner betraf , ſo ſollte dieſelbe anfänglid , der in jeglichem Quartier wohnenden Bürgerſchaft zukommen ; in der Declaration aber wurde folches geändert , und der Dritten Ordnung das Recht ertheilet , zu jeder vacanten Stelle zwen Perſonen zu präſentiten , deren eine der Rath zu erwählen haben würde , und ein gleich es ſollte ben Ernennung der Quartiermeiſter ſtatt 'finden ;

zu

Functionen und Deputationen aber wurde jedem Quartiertiſche fren gelaßen , fähige Perſonen ſeines f ) Solche Verfügung war zwar ſchon von den Stónigen Jor bann Cafimir uyd midael gemacht worden . Zur Erlaus terung aber ift hier ju merken , daß die Hauptgewerke felbft den Gebrauch hatten aufkommen laßen , nur durch ihre vier Elterleute den Zuſammenkünften der Dritten Ordnung begs . zuwohnen , womit fie das kleine dafür übliche Geldcons tingent , jugleich für ihre Compane , und alſo doppelt emá pfangen batten,

Fünfter Abfahnitt.

Fünftes Kapitel. 119

Mittels , doch nicht länger als auf zwen nacheinan. der folgende Jahre zu ernennen .

Hienådeſt batte

ber Kånig , nachdem die vorjährige Einwahl in die Dritte Ordnung von ihm aufgehoben worden , reche tömiſobcatholiſche Glaubensverwandte grdſtentheils aus der Kaufmannſchaft zu Hundertmånnern er.. mennet , und aus ſechszehn dem Rath präſentirten spandwertsgenoſſen ,

acht in die Dritte Ordnung

1 einwählen

laßen ,

mit hinzugekommener

Verfür

gung , daß bey Abgang derſelben fünftighin wie . derum Handwertą , ſo wie in die vacant gewordes nen Stellen der Catholifen wiederum römiſchcatholia fiche Quartiersgenoſſen gewählt werden ſollten . Die bemeldeten acht Gewerksgenoſſen in der Dritten Orde nung, find in der Folge ,, Contubernalen

" genannt

worden , fie ſtehen aber als Hundertmänner, mit den Elterleuten der Hauptgewerte in feiner Des pendenz oder Verbindung, und werden vollig den übrigen Quartiersgenoſſen gleic angefeben .

In den folgenden Artikeln des Decrets wurde ſämtlichen Mitgliedern der Dritten Ordnung eine Eydesformel vorgeſdrieben ; felben an

der

die Tbeilnahme ders

Kammerenverwaltung beſtimmet;

Proceßſachen der Stadt und dazu erforderliche Kos ſten , dem Mitwiſſen aller Ordnungen zu unterwere fen geboten ; die Mittheilung der Stadtprivilegien in benöthigten Fällen den Bürgern nicht zu verſa gen befohlen ; den Danziger Secretarien an ko . niglichen Hofe,

alle Einmiſchung in Privatſadyen

unterfaget; das Bettgericht aus allen Dren Orbe Aungen zu beſtellen , vor daſſelbe aber feine die Koa

Danzigs

120

Geſchichte .

niglicken Rechte angehende Materien , oder

Jurigo

dictionsfachen zu bringen , verordnet ; den Eyd vor Gefährde nur in gerichtlichen Nothfällen aufjuer legen verſtattet; die Belehrung von fremden Acai demien in Reciteproceſſen verboten; der Einkauf öffentlichen Markte des Getreydes allen Bürgern auf erlaubet , daſſelbe aber auf freinde Mühlen zu füh. ren unterſaget.

Ferner wurde verabſchiedet, das

in alle Dren Ordnungscollegien der Stadt, wenige ftens auf ein Drittel an der Zahl , Kaufleute privi. legirter Religion " eingewählt werden follten ; e $ ward befohlen , die Ratbląlåge geheim zu halten , auch für Sarec , oder Drohworte ſich in denſelben Den Amtsſchreibern wurde verboten , zu hüten . fich bey den Hemtern , wo ſie angeſtellt - find , als Advocaten gebrauchen zu laßen .

Es ward verorde

net , die Schlüſſe aller Drey . Ordnungen nicht zu Verändern , ſonderu ſofort zu publiciren und werf . Die Stadtfoldatesfe - follte auf ſtellig zu machen. den dritten Mann abgedanft werden , in Noth . fällen aber für die Sicherheit der Stadt zu ſorgen , Die Zuſammenfünfte der freygeſtellt bleiben. Dritten Ordnung wurden zum wenigſten einmal im Monat feſtgefeßet, und wegen der vielen Blutse verwandten in den Regierungscollegien decretiret, daß niemals Vater und Sohn , zwey leibliche Brüe der ,

oder Schwiegervater und Endam , zugleich

im Rath , im Schöppenſtabl, aucı nicht an einem Quartiertiſche der Dritten Ordnung figen ſollen .

Die Foreſchaffung

der

fünftighin Gewerksbex

fchädiger oder Bånbaſen , würde nach den Rechten

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Rapitel. 121

ber Gewerke und nach ålteren Vorſchriften beſtof fen , audy noch fchårfer den Quảfern der Weg aus der Stadt gewieſen , die Reſolution wegen der Mennoniten aber verleget.

Die Beſchüttung der

Vorrathsſpeicher für die Stadt, ward aufrecht era Den Amtsdienerx ward im Fall siner una

þalten. ·

gebührlichen Anklage , die Strafe der Calumnians ten zuerkannt, und dem

Notarius

Freytag,

men

gen feiner unverdient erlittenen greymonatlichen Haft,

eine Entfoådigung von funfzig Ducaten

fugeſprocen .

Das

Burggräfliche Amt wurde

taut Inhalt des Endes, ohne Regreß an den Rath , blos vom Könige Unterricht einzuholen , fen .

angewie

Es ward auch die Zahl von ſechs Königlia

den Notarien in der Stade feſtgeſtellet, und dei nenſelben in der Declaration " eine erläuterte Vera ordnung gegeben.

Die in der vorjährigen unzeitig

gebaltenen Kühr erwählte Burgermeiſter, månner ,

Rath. und Schöppen waren anfänglich zwar

ſuſpendirt,

nachgehends aber in iþren abrigteillta

den Hemtern beſtätiget worden , und gedachte Kühr wurde nun volig geneýmiget, kannt,

auch fernerģin dem

für rechtmäßig era

Rath das Wahlrecht

beſtätiget. Hienåcykt iſt auf Anſuchen der Altſtådte ſchen Herren des Raths ,

ein von felbigen im

J.

1637 mit dem Rath der Neqten Stadt geſchloſſes Her Vergleich ," durch

ein Königliches Specialdia

plom approbiret und bekräftiget worden .

Schließt

liq þat der König bey der Publication dieſes De crets die flagenden Theile noch insbeſondre in feia nen Scuk genommen , darauf aber eine allſeitige

Se s

Danzigs Geſchichte. < Amneſtie declaritet , bem Magiſtrat die Beſchüfung feiner Bürger empfolen , und die Bürgerſchaft auf den Reſpect gegen den Rath als ihre Obern verwies Uebrigens iſt die Beobachtung dieſes König.

ren .

lichen Decrets nochmals in allen Punkten und Ars titeln anbefoblen , und die Beglaubigung deſſelben

1

mit angehängtem Reichsſiegel verſichert worden. Es blieb indeſſen weit davon entfernet ,

daß

mit dem abgeſprochenen Decret , in der Stadt eine allgemeine Zufriedenheit wäre erweckt worden. Selbſt diejenigen ,

welche dieſes Werk der innern

Reforme vorher zu befördern geſucht hatten , konna ten jeßt ihr Mißvergnügen nicht bergen ,

daß die

gemeinen Freybeiten der Stadt dadurdy in vieles üblicht geſchinålert waren .

Nur die Clienten des

Hofer , die Anhänger der römiſcbcatholiſchen Kira chenparthen , und die unverföhnlichen Gegner des Magiſtrats froblockten über den Ausgang ihrer an , geſtifteten Race. Dennoch baben der Apoſtat Damler ,

Chriſtian

Meyer und einige andre

Anführer fich vergebliche Mühe gegeben ,

die Geo

werte zu einer gemeinſchaftlichen und vor dem Kde niglichen Haufe offentlich abzulegenden gung

für das publicirte

Dankſa.

Decreto ju bewegen .

Dem Könige wurde bald von dieſen mißmüthigen Geſinnungen der Bürgerſoaft Nachricht ertheilet, und weil ihm nicht wenig, daran gelegen war , in ſeinen perſönlichen. Forderungen das Ziel zu erreia den ,

ſo ließ er die Erklärung bekannt werden ,

daß die Ordnungen der Stadt vermittelft einer bea peitwilliger Befriedigung der Sdniglichen Rechter

Fünfter Abfájnitt. Fünftes Kapitel. 123 noch einige Moderationen in den mißfällig decretion ten Artikeln würden zu hoffen þaben. ·. Die Un fprüche an die Zulage ,

an die Scharpau und an

die Seerechte der Stadt ,

waren in dieſer Abſicht

fchon gånglich niedergeſchlagen , und nach den Pris vilegien der Stadt darin verabſchiedet worden ; jest wurde noch in mündlichen Vorträgen wegen des Caducrechts , åber den Adel ,

wegen der Criminaljurisdiction

wegen Verleyhung geiſtlicher und

weltlicher Lehne , wegen Anfeßung der Hülføgelder, wegen der freyen Wahl in die Ordnungen , wegen der Garniſonsfreyheit, und einiger andern Puntte Der König hingegen vera

þalber controvertiret.

langte ohne Aufſchub mit dem verſprochenen Don Gratuit oder der Keluitionsſumme,

und mit der

Staroſten Pukig vergnüget zu werden ,

und weil

fich mit obigen Differenzen eine Verzögerung vors aus Teßen ließ, ſo ernannte er eigne Commiſſionen , welche ſich über die controverſen Materien mit der Stadt einigen ſollten ,

in ſeinem ihn ſelbſt anges

henden Hauptgeſchäfte aber muſte es nunmehr zum Schluß fommen . Das

am

långſten

aufgeşaltene

Geldnego;

wurde endlich mit einer zugeſtandenen Summe von zweymalhunderttauſend Gulden berichtigt , und außerdem ward die Königin mit zehntauſend Du. caten beſchenket.

Hienachft war dem Könige ſchon

die Abtretung der Staroſten Pubig nach allen der Stadt darin zukommenden Rechten verſprochen , er felbft aber hatte anſtatt der Einräumung einer proteſtantiſchen Kirche,

eß über ſich genommen ,

Danzigs Geſchichte .

124

eine Kapelle auf dem bauen zu laßen.

Pfarrhofe für ſeine Koſten er

Wenige Tage nach dieſem

264

fehluß , und ehe noch die Unterhandlungen mit den Commiſſarien zum Ziel kamen , verließ der König 1678. in aller Stille die Stadt , begab fich auf den , Stol. 8. Febr. fenberg , und ließ an demſelben Abend die Königin #achkommen . Die Abgeordneten der Stadt muſten fich demnac ßteher verfügen , und nun wurden die Commiſſionsgeſchäfte mit den Woywoden von Ma. rienburg und von Pomerellen , bis zu iþrer Been. digung , die nicht zum völligen Vergnügen der Pa . trioten in Danzig ausfiel , im Franciscanerkloſter hieſelbſt fortgeſeget.

In

gedachter Woywoden ,

ließ der Kdnig

einige

ſpecielle

wovon dem

alleiniger

Gegenwart auch noch

Verabſ@ eidungen verlautbaren ,

Magiſtrat vorher nichts betarnt wore

den war, und worunter außer dem begünſtigten Ana ſuchen der Gewerfsgenoſſen in der Strauch ichen Sache, dem Rath zugleich angedeutet wurde , die Gewerke, wegen der aufgewandten Proceßio. ften zehntauſend Gulden aus der Stadtcaſſe zu bea Zahlen.

Nacdem alle Hauptgeſchäfte

ein

Ende

erreicht hatten , ſo erfolgten die Abſchiedsaudienzen beym Könige ſowol als bey der König Körte die

Königin .

Der

Abſchiedsrede der Abgeordneten

ſtehend an , und ſelbige wurden von benden Maje . ſtåten mit einer gnädigen Dimiſſion zum Handfuß 18 Febr. gelaßen .

Tages darauf fuhr der König in einer

kleinen zweyſpånnigen Kutſoe ,

weil er unerkannt

fenn wollte , durch die Stadt , ließ ſich beym ſoges nannten Sanskrug über die Weichſel ſegen , und

1

Fünfter Abſchnitt.

Fünftes Kapitel. 125

nahm ſeinen Weg durch

die Nepring ins große

Werder nach Palſchau.

Jn gleicher Stille brace

die Königin dren Stunden ſpåter vom Stolzenberg auf und ging durchs Danziger Werder , von wannen ſie Abends beym Könige antam ,

der nun

in iğrer Geſellſchaft die Reiſe von Palſchau nadı Marienburg fortſekte.

Das ſtrenge Incognito,

welches die Königliche Herrſchaft beobachtet hatte, verurſachte gieben ,

daß erſt eine Stunde nach der

Königin Aufbruch , das Ehrenceremoniel in der Stadt mit Abfeurung des Geſchůßes von den Wål. fent geleiſtet werden konnte.

Ob übrigens die zu :

růckgebliebene Unzufriedenheit im Magiſtrat und unter der Bürgerfoaft in Danzig ,

die einzige Urs

fache gewefen ren , die Abreiſe des Königs ohne dea ren öffentliche Bekanntmachung zu beſchleunigen , oder ob nicht vielmehr der Königliche Hof nach Bes richtigung der Hauptgeſchäfte måde geworden , fick mit ferneren Klagen und Sollicitationen belåſtigen zu laßen , folches låft fich wenigſtens nicht mit Ses wisheit entſcheiden.

Zuverläßig aber ift es ,

daß

cinige Gewerksdeputirten , die gewiſſer Duerelen þalber nach Marienburg nachgefolgt waren , mit Glimpf abgefertiget und auf das in Danzig abge fprocene Decret verwieſen wurden , i weldes fic auch in Marienburg unter dem Kronſiegel unent geldlich empfingen , nachdem ſie bisher Schwierige teiten gemacht hatten ,

daſſelbe beym

Decreten . '

fchreiber auf die gebräuchliche Art auszulöſen . Zum Beſchluß dieſer unter Johanns des Dritten Regierung erheblich genug in Danzig elke

Danzigs Geſchichte

226

folgten Staatsreformé,

iſt noch dieſes Hinzuzufüs

gen , daß in Fuadament des erwähnten Königlichen Decrets ,

bald nach ber durch ein Vertragsmäßiges

Uebereinkonimen des Raths und ſämtlicher Ordnun. gen , eine erneuerte Policer . Einrichtung in geiſtlia den und weltlichen Sachen iſt gemacht worden, wora in man ſich über die verabſchiedeten , oder durch die Commiſſarien verglichenen Punkte noch nåber geei. niget, und an denſelben feſt zu balten , ſich gegena feitig verpflichtet hat.

Es werden dieſe Vereinia

gungsartikel gemeiniglich die Concordaten der Ords nungen in Danzig geneanet , und ſie beziehen ſich theils auf das Königliche Decret , theils auf einige während dieſer unruhigen Periode abgefaßte Orda nungsſchlafe.

Die Uusübung des Patronatrechts

in Predigerbeſtellungen ,

und überhaupt die Mater

rien von geiſtlichen und weltlichen Lehneu ſtehen dara in oben an , ket.

und werden deutlic auseinandergerea

Das Decret ßatte darüber nicht categorifo

entſchieden ; hier aber iſt ausdrücklich beſchloſſen

1 worden , daß der Senior des

geiſtlichen Miniſter

riums ſowol als der Rector am Gymnaſium , welche Doctoren der Theologie und legterer zugleich Paſtoc an der H. Dreyfaltigkeitskirche Feyn ſollen , túnfo tighin von allen Ordnungen zu berufen und zu bez rechtigen ſeyn werden .

Zu den übrigen Prediger .

wablen an allen Kirchen in der Stadt , wird son der Gemeinde und den Vorſtehern der Kirche , wo die Vacanz iſt ,

dem Präſidenten ein ſchriftlicher

Nuffak zweyer wahlfähigen Candidaten

( der wes

nigſtens von vierzig Perſonen unterſchrieben iſt ),

1

1

Fünfter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 127 überreichet; und aus dieſen zweyen , ſoll durd die knepreſten Stimmen in den Ordnungen , einer in die erledigte Stelle zum Prediger erwählt werden . Fery ner zu den Vacanzen außerhalb der Stadt in deren Jurisdiction , ſoll der Rath das Recht baben , den übrigen Ordnungen zwen Perſonen vorzufolagén , aus welchen eine durch die mebreſten Stimmen era wåblet, und vermittelſt eines Schluſſes ſämtlicher Drdnungen zum Predigtamt berechtiget wird . Ja der Direction des Schulweſens wird ebenfalls eine neue Verfügung gemacht, vermoge welcher außer dem Rath auch die übrigen Ordnungen , an Ders pflegung und Berufung der Schullehrer Theil neu: men ſollen ; die Vocation der Profeſſoren am Gym . naſium aber bleibt dem Rato allein vorbehalten . Ein genauer Unterſchied befindet ſich hier ferner in Betref der weltlichen Lehne , nebſt einer Anzeige, wie die größeren fowol als die tleinen Lehne follen verliehen werden .

Die übrigen Artikel , deren Ang

zahl auf acht und zwanzig gebracht iſt, beziehen fick insgeſamt faſt ohne Veränderung,

auf die im Kdo

niglichen

Verfügungen .

Decret verabſchiedeten

Uebrigens find dieſe Concordaten zu Anfang des Monats October in Form eines Inſtruments , un ter dem großen Siegel der Stadt ausgefertiget, und in der Dritten Ordnung , einem jeden Quartier abe ſonderlich , ein Exemplar davon zugeſtellt worden . '

/

128

Danzigs Gefsiste,

Sédhte 8

Kapitel .

Eine Deputation aus Danzig hålt zu Berlin um die Bed : freyung des D. Strauch an - Er wird losgelaßen ,und zu Unzufries * Danzig in die vorigen : Vemter eingeführet denheit darüber am Königlich Polniſchen Hofe . Ein dfi fentlicher Aufzug mit der Proceſſion in Danzig veranlaßet einen Polfstumult und die Zerſtörung des Carmeliters Kloſters - fruchtlos dagegen gemadyte Anſtalten - Ole Theilnahme der Handwerksgenoſſen an dieſem Erceß läßt neue Bürgerunruhen befürchten — Fu Polen wird auf eine, harte Straferecution dafür gedrungen - Danzig wird einigermaaßen entſchuldigt – und die Obrigkeit hies ſelbſt beobachtet alle Vorſicht zur Erhaltung der innern Ruhe - welche D. Sträuch am meiſten zu Adren ſuchet Ein Königlicher : Commiſſarius befbedert die Ausglets dung mit den Carmelitermånchen und die Strafur: theile werden ungeſtört vollzogen C unglücklich entſtandes ne Schlågerey nach der Erecution -- die Ruhe wird notes der hergeſtellt und die Huld des Königs durch neue

Zeugniſte verſichert.

Vor dem Aufbruch des Königlichen Hofes, hat, ten die Danziger Gewerke und alle mit ihnen eins fkinimige Strauchianer das unablaßige Undringen um die Befreyung des D. Strauch aus der Ges fangenſchaft, und um deſſen Wiedereinfekung itt Es ſeine vorigen Aemter, aufs böchſte getrieben . gen en voni Bitt war demnach zufolge dieſer inſtändi Könige verſtattet , und als das einzige noch übrige Mittel , alle Mißhelligkeiten in der Stadt beyzules gen , dem Magiſtrat auferlegt worden , mit Abfen dung einer Deputation aus allen Ordnungen , den Churfürſten von Brandenburg um die Losgebung

dieſes

Fünfter Abſchnitt. Sechste Kapitel. 129 dieſes Geiſtlichen erſuchen zu laßen.

So ſehr aux

der Rath allen foon vorgängig biezu von der Büro gerſchaft gemacten Untrågen auszuweichen geſucht Batte, ſo konnte er ſich doch jego einer vom Könige gehorſamlich darin erwarteten Befolgung nice web tät entziehen .

Die Ernennung der Abgeordneten

ging alſo vor fica :

der Rachsherr Joh. Ernſt

Schmieden , der Schoppe Eilhard Friedrichſen und Valentin Ernſt

Deſſin aus der Dritten Orbe

Hung wurden dazu erwählet; ſie bekamen eine Jua fruction mit , theils am Churfürftlichen Hofe in ein

1

Ausmittelungsgeſchäfte zu treten , theils auch dem D. Strauch einen neuen Beruf zu Amtsſtellen einzubåndigen ,

den voriger

und füe traten innema

Balb wenigen Wochen ihre Reiſe nach Berlin an . 1678 Die Conjuncturen des Schwediſchen Krieges hata 13 , Masa ten fide geiter zum Vortheil desi Churfürften ged wendet'; Stettin war im vorigen Jahre übergegana gen ,

Stralſunds folen

einer Ueberwältigung nahe bus

tu reya , und die Brandenburgiſden Truppen ſpiele ten überall.in Pommern der Meiſtet .

Friedrich

Bilhelm bezeigte fich demnach mehr als jemals: glen neigt,

in pie Loslaßung des D. Strauch einzun

toilligen ; nur verlangte er eine Verpflichtung vor Danzig ', daß ihm derſelbe im Fall einer neu angen fifteten Unruhe, wieder ausgeliefert werden follte : Hierüber kam es mit den Danziger Abgeordnetett zui ener Negociation . Zwey nach einander eingeſchidte Formulare mit den Bedingungen , Stadt þat verbürgen ſollen ,

wozu fic diet

wurden von den Orda

tungenin Danzig nicht angenommen , fondern ohne

Geſch . DANZ. 3ter Th .

3

130

Danzigs

Geſchichte.

Ratification zurückgefenbet , und den Abgeordneten in Berlin ſchlechterdings aufgetragen , daß fie fiche Mühe geben folltext , die Auslieferung ohne Revers Falien der Stadt zu bewürfen . gefeßten Unterhandlungen ,

tam

Nach einigen forte endlich gebecener

maßen dieſes Geſchäft zum Stande.

Der Cpur

fürſt ließ das Begehren der Reverſalien fallen , und begnügte fich mit einer mündlichen Eydesleiſtung, vermoge welder D. Strauch ſchwören mußte, wi. der den Cþurfürſten und deſſenBundesgenoſſen nichts feindliches oder, arges zu unternehmen , noch auch wegen ſeiner ausgeſtandenen Haft einige Rache zu verſuqen ,

oder durd andre ausüben zu faßen Macbem er einien ſolchen Eyd abgelegt hatte , fo 1

bourde er aus der Küſtrinſchen Sefangenſaft bee frenet, und fand ſichbei den Danziger Depatirten in Berlin ein , in deren Geſellſchaft er ferner die Reiſe nach Danzig zurüd gelegt þat.

Seine Ans

Ac. Jul. kunft bieſelbſt erfolgte früher und auf einem andern, Wege, als man es vermutbet galtes Daber konnte der öffentliche Aufzug, womit ibn eine Compagnie Fleiſcher zu Pferde mit fliegender Standarte , etlia de Bürgercompagnien zu Fuß , und ein Gefolge von vielen Karoffen batten einholen wollen , nicht ſtatt finden :

inzwiſchen wurde er doch unter einem

großen Zulauf des jauchzenden Volks in die Stade begleitet. Die neue Einweiſung zu ſeinen Aemtern , wurde durch ein fenerliches Verſöhnungsgeſchäfte mit dem geiſtlichen Miniſterium vorbereitet , und das 3. Aug. in einer Zuſammenkunft deſſelben darüber errichtete Inſtrument gaben fämtliche lutherifde Prediger der

/

Fünfter Abfonile. Sechſtes Kapitel. Stadt unterſchrieben .

Darauf

wurde

der

131 D ,

Strauch im Vorzimmer der Rathsbibliothek, ohne mehrere Solennitäten zum Rectorat wieder einges 8 Sept. führet, und acht Lage darauf hielt er nach geſchehe, mer Einweiſung zu den Kirchenámtern , ſeine neue Antrittspredigt an einem

eben damals öffentlich gee

feyerten Buß- und Bethtage. 8 ) So viel Zufriedenheit nun das Danziger Pur blicum über die Wiederkunft des D. Strauch aus Berlich bezeigt hatte, ſo wenig wurde dieſelbe am Königlichen Hofe weder mit Beyfall aufgenommen , noch.dem Cþurfürſten von Brandenburg zum Ruhm ausgeleget:

Was das lektere betraf, ſo beklagte

1 fic der König Johann III. gegen den Kayſerlichen Reſidenten Sierowskt, mit důrren Worten , daß der Churfürſt ihn dreymal vergeblich um Strauchs Loslaßung þåtte anhalten taßen , nunmehr aber auf Begebren der Søuſter und Schneider, Befrenung eingewilliget Håtte;

in ſeine

und obgleich der

Cþurfürſt nachher in einem Cabinetsſchreiben die Verſicherung gab ,

daß er dieſer

Gefangenſchaft,

nachdem die bisherigen Haupturſachen derſelben gee hoben geweſen , blos aus Gefälligkeit für den Kde nig von Polen ein Ende gemacht fåtte, ſo wurde,

le Diefer in den Jahrbuchern Danzigs unvergeblich geworbene Prebiger, ift im Jahr 1679 , nachbem der Senior und Pas ftor Dathanael Dilger mit Code abgegangen war , zu der mit dem Senioratperknüpften erften Pfarrſtelle an der Haupte : kirche zu St. Marien berufen worden , er hat dieſe Vocas . tion aber nicht angenommen und ift dren Jahre ſpäter ( 1682 a3 Decembr .) im suften Jahre ſeines Ulters geforben.

2

!

131

Danzigs Gefchichte.

doch gedachte Erklärung weder vom Kidnige node ani feinem Hofe für aufrichtig geßalten.

Bey einer

andern Gelegenheit gab der König zu verſtehen , daß het zwar dazu bengetragen gåtte , den D. Strauch zu befreyen , aber gewiß nichtum ihn wieder in Dato mg anſtellen , ſondern vielmehr feiner auswärtigen Vocation folgen zu laßen . Hiemit ſtimmen auch thegrere Urtheile und Beſorgniffe , zuſammen, wele dhe die Römiſcycatholiſchen Glaubensverwandten in Polen noch immer von dem hartnäckigen Religions Eifer und der Jücoleranz des D. Strauch bey ſide gebege haben , und wovon fide nächſt dem eben fo Mißfälligen Aufenthalt des Schwediſchen Geſanda ten in Danzig , deſto gefährlichere Folgen befürch ten ließen , weit eben in diefer Zeit ein neuer Unfalt die Catholiſche Kirche pieſelbſt betroffen hatte , deſ fer {wir hier als einer Gewalttgåtigteit gedenken muffen , die ich bald nach der Abreiſe des Königs , und kurz vor abgefertigter Deputation an den Bere Aner Hof,

durd ein ungeſtümes Verfaþren des

Pobels geäußert þat. Am Cage des Frognleichnanasfeſtes ,

welches

die Römiſche Kirche mit feyerlichen Proceſſionen zu celebriren gewohnt iſt , hatten die Carmeliter stotis che fich angemaßet, aus ihrem Kloſter in der Alten Stadt ein Ritual zu erneuern , welches ſeit dem Veiniporgekommenen Lutherthunt, itt Danzig nicht mehr ſtatt gehabt þatte.

Sie waren öffentlich mit

der Proceſſion durch verſchiedene Straßen gegan gen , und hatten dieſen Zug mit allen in iþrer Kire che gebräuchlichen Ceremonien ,

eine Meile außero

Fünfter Abſchnitt. Sechſtes Kapltel. 133

halb der Stadt, bis in das Ciſtercienſer - Kloſter zu Olive fortgeſeket."

Dieſe ganz ungewöhnliche Som

lennitåt batte außer dem Gefolge der Catholifen , in der Stadt ſowol als auf dem ganzen Wege, eine Menge Volts und neugieriger Zuſchauer berbenges zogen , welche , wie es gemeiniglich in dergleichen Fållen geſchießet,

als Proteſtanten nicht alle die

Ehrerbietung bezeigten ,

ſo die Römiſchcatholiſche

Kirche dabey erfordert. Hieraus waren eines Theils harte Ausforderungen mit Worten gegen einander entſtanden , theils Hatte man auch einigen Manns. leuten die Müßen und Hüte mit Gemalt herunter geſchlagen ; überall aber hatte ſich darüber unter dem gemeinen Boll eine ſo große Erbitterung geåy. Bert, daß daſſelbe gegen den Abend ,

abſichtlich

dein Rüdzug der Proceſſion vor der Stadt aufpaßte, um der zugefügten Violenz halber Rachefu nchmen .

1 Vorſichtige und friedfertige Catholiten , worunter auch der Official in der Stadt geweſen ,

batten

gleic anfangs dieſen publiken Aufaug widerrathen, noch mehr wurden die Mönce mit Vorſtellungen abgehalten , und ſelbſt durch den Abt von der Olipe gewarmet , ſich wenigſtens auf der Rücfeör alles außerlichen Pomp8 ju begeben.

Allein die Mönche

ſchienen auf die Erinnerung an das Erzbiſchöfliche Leichenbegångnis im vorigen Jahre , cine fichre Bez fugnis zu gründen , und unterließen es nicht, mit der Proceſſion in eben demſelben Gepränge , fo fie beym Ausgang beobachtet hatten , nach der Stadt wieder zurüd zu Fehren.

Kaum waren nun unweit

der Kirchezu allen Gottes - Engeln , bende Parthenen I 3

134

Danzigs

Gefchichte. :::

einander nahe gekommen , To nahmen die wechſelo Der aus der ſeitigen Tþåtlichkeiten ihren Anfang. Stadt zuſammengelaufene pobel fing zuerſt an, mit Koth und Steinen zu werfen , und als die Begleis tung der Proceſſion ſich dagegen mit Stöden und gezogenen Säbeln zu vertþeydigen ſuchte, ſo wurde das Handgemenge von benden Seiten ſo heftig, daß einige Theilnehmer mit Wunden und blutigen Kon pfen davon geben mußten. 2

Die Proceſſion gerieta

hiebey gånglich in Unordnung, nnd man verdoppelte die Scritte , uin das Kloſter nur bald zu erreichen . Indeſſen wurde der

Zug immerfort in die Stadt ,

und bis ins Kloſter verfolget, ' und als nun son hier gleichſam dren Ausfälle nacheinander gefchahen , úm mit entblößten Degen und Såbeln , ben nach . gefolgten Haufen

Volks zu vertreiben ,

lo verlief

fich der größte Theil zwar in die nahe gelegenent Straßen, weil ſich aber unglücklicher weiſe ein fal fches Gericht verbreitete , daß die Kloſterleutelbey drey

gedachten Ausfällen

Kloſter gezogen gåtten ,

Handwerksbueſche ins

und gefänglich daſelbſt zu

růd hielten , ſo wurde die Burh des Volfs dadurch aufs neue vergrößert,

die Zuſammenrottung der

Menſchen nahm wieder zu ,

und es wurde ein tos

bender Angrif mit einem Steinhagel aufs Kloſter gemacht, wobey die vermeintlichen drey Gefangen nen mit gewaltigem Gefdrey abgefordert wurden . Die Mönche thaten ihr möglichſtes , um das Volt von der Unwahrheit des ausgeſprengten Gerüchrs zu übečzeugen , und wollten nichts von einer Gefan . genhaltung wiſſen ,

oder für wahr halten laßen .

Sünfter Abſchnitt. Sechftes Rapitel. 135 Es fand aber gar keine Vorſtellung ſtatt ; die Ge. walt naþm dagegen mit einer entſeglichen Sơnelige keit überhand , das Hofthor und die Kloſterthüren 1 wurden erbrochen oder berennet ; und je mehr Wi. derſtand gethan wurde,

deſto fchrecklicher wütete

man demſelben entgegen .

Dergeſtalt wurde das

ganze Kloſter zerſtöret; in einer Viertelſtunde waren hier ſowol als an der Kirche , Thüren und Fenſter ausgeworfen , man plünderte das Kloſter , die Kira de und alle auf dem Hofe befindlichen Häuſer, die Heiligften

Saden wurden nicht verſchonet', Kir

chenornate,

Büder- und Silberwert wurden ges

taubet, und was nicht brauchbar genug war oder xict fortgebragt werden konnte, ward durch die Hånde des wütenden Pöbels zerſtückelt und ruiniret. Die Mönce ſelbſt waren für ihre Perſonen nicht ficket, fie mußten iør Leben mit der Flucht retten , und viele die man antraf, wurden geſtoßen und blua tig geſchlagen .

Jnnerhalb zmen Stunden war es

mit dieſem abſcheulichen Unfug aufs åußerſte gekom . men , ſo daß ſchon um ſieben Uhr übendo das Cars meliterkloſter mit der mehreſten dazu gehörigen Gea

> bäuden , fick größtentheils in Trümmern befand . Fine halbe Stunde nach angefangener Semalta t åtigkeit am Kloſter Katten einige Mönche perſon lich benm Präſidenten um Schuß gebetenz es war auch ſogleich der Dienerhauptmann mit etliden Stabedienern abgeſchickt worden , um der Gewalt des påbels Einhalt zu thun ; fchicfung þatte man unter dem feinesweges

geachtet ,

allein

dieſer

A6

verwüſtenden Lerm

und die

4

Diener

Battery

/

Danzigs Geſchichten Mühe gehabt, ita Sumatt ihr eignes Leben la rep ten .

Einige Zeit hernade war vom Burggrafen

Gabriel Schumann ein

Königlicher

Notarius

beſchickt worden , daß er ſich mit zwey Zeugen ans Kloſter begeben , und im Namen Sr. Königl. Ma. jeſtát, dem frepelnden Velf ben Strafe des Hocam ften , Ruße und Ordnung gebieten ſollte. Dieſer aber war erſt um 19 Uør Abends berbeygekommen , und hatte auch alsdann unter der noch wütender Menge nichts ausrichten tonnen .

Ferner war. 45

durch die vermittelft eines Secretairs einander com municirte Reſolution der Burgermeifter, auf An bakten einiger

catholiſchen

Bürger ,

beſchloffer

worden , k ) die Stadtſoldateske anrücken zu laßen. Allein auch folders erfolgte erft um die Zeit, da die groſte Zeeftörung bereits vollendet geweſen : nächſte dem war die Garniſon , weil man den dritten Theil hatte abdanken müſſen ,

fo febr vermindert ,

daß

ohne die Wachen und Poſten zu ſchwächen , nur 150 Mann þatten geftellt werden können , außer den wenigen Reutern , fo noch im Stadtdienſte wa ten . Der gemeine Mann hatte dieſe kleine Anzahl Soldaten foon vor ihrem Anmarſo veráchtlich ges macht,

ein Theilder

Tumultuanten war in die

A ) Der prgfidirende BurgermeifterChriſtian Schedder war Tchon entſchloſſen geweſen , noch an demſelben Abend den Rath znſammenkommen zu Inßen , aber eine durch den elias Schröder erhaltene Warnung , als ob die Abſidit des Volks gewefen , och mehrere Klófex und gulegt auch das Rathbaus su ftúrment, batte ihr davon abgehalten , und uur mit den übrigen Bürgermeiftern ein Vermehmen tu wefen boldogan .. OR

Fünfter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 137 Kirche gelaufen , fie hatten ihre Degen freueweife geleget und ſich miteinander verſomoren , das an . kommende Commando in Stúden zu bauen . Es blieb alſo bey der würklich erfolgten Abwehr faſt nichts weiter zu thun ,

als den wild gewordener

Pöbelallmålig ausraſen zu laßen .

Um zwey uhr

gegen den Morgen zerſtreute ſich endlich die Polis menge ,

und die Ruhe in der Stadt wurde nicht

Weiter geſtöret .. Viele die einzeln mit ihrem Raub fortgingen , wurden auf den Straßen von Solda . ten und Wächtern ergriffen , oder auch von gutgeo ' fianten Bürgern angehalten ,

und der Obrigkeit

eingeliefert , um ſie nach Bewandnis der Umſtände zur Haft bringen zu laßen . Mitten unter dieſen Unrufen war det Sdu . ſtermeiſter Chriſtian

Meyer

zum pråſidirenden

Burgermeiſter gegangen , und hatte nicht nur die Gewerke zu disculpiren geſucht, ſondern auch einige ziemlich verdächtige Vorſchläge zur Hemmung des Hufruhrs gemacht; noch mehrere Rechtfertigungs, gründe entpielt eine Manifeſtation ,

welche die,

Danziger Gemerke nachher feyerlich in dem Grob zur Schöneck einlegen ließen.

Aber mit allen ders

gleichen Maaßregeln ließ fich doch nicht aller Arge wohn der Theilnahme aufheben , den die Gewerksa genoffen fid in Unſebung des Tumulte zugezogen batten .

Wenigſtens ward es erwieſen , daß viele Handwerfe geſellen und Lehrburſde daben zugegen

geweſen , deren auch einige, während der viečjehu Sage lang ben geſchloſſenen Stadttboren geſchehen her Inquiſition , find eingezogen worden . Indeffen

Is

138

.....

Dartzigs

Geſchichte ,visit

blieb es äußerſt ſchwer, der eigentlichen Anführet zur Gewaltthårigkeit

fundig zu werden ,

weil die

Dunkelheit der Nadir išmen zu ſtarten gekommen, und die mehreſten fich vor Unbruch des Tages un . fichtbar gemacht hatten . Die Gewerke wollten alle Schuld des geſtürmten Kloſters den Catholiken beymeffen , fie fielen auch der Obrigkeit þart, daß thre Geſellen und Burſche aufgeſuche und zur Haft gebracht wurden , und das Vorgeben von den dren fortgeſchleppten Gewerksgenoſſen wurde jegt noche fchwarzer gemacht, indem es hieß , felben

1

þåtte.

im

daß man die

Klofter meuchelmårderiſch

umgebrache

Der Ratę ließ zwar die genaueſte Unterſum

dung im Kloſter anſtellen , um einige Spuren dae von zu entdecken , allein auch hiedurdo iſt unerach set eines gånzlichen Mangels der Merkmale oder Beweiſe , nur der kleinſte Theil der anders denken . den Parthen zufrieden geſtellt worden . Damit Berknüpften ſich noch viele Vorwürfe der Unenta foloſſenheit und Zögerung , die man dem Rath wegen verſpäteter Steurung des Hufruhrs zur Laſt legen wollte,

und es zeigten ſich ſehr fürchterliche

Borboten , als ob es von neuem zu einer verderblichen Zwietracht, unter der taum einigermaaßen beru Higt gewordenen Bürgerſchaft fommen dürfte : 7116 1. Im Königreich Polen unt in der Provinz Preu. Ben machte dieſe Tumultſache eben ſo große Bewer gung.

Natürlich trat ein rachdrohender Religions.

Eifer finzu ,

und man war ſchon unwillig , daß

nict 'eilend genug die blutigſten Strafen dafür zur Vollziehung gebracht 2

wurden .

1

Die bebutſaine

Fünfter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 139 Zögerung des Raths , welche weit mehr Grund in der bürgerlichen Partheyliqleit - hatte , man

das

Verbrechen

als daß

gåtte befchönigen "wollen ,

wurde hier dennoch als eine tadelhafte Schonung der Uebelthäter betrachtet. Noch mehr gewann es in der Folge beym Könige ſowol als bey den Magnaten das Unſehen ,

als ob der Magiſtrat gea

gen die widriggeſinnte Bürgerſchaft ,

zur Erecu .

tion des Rechts, mit Kriegsvoltern unterſtüßt wer . Ben můſte. Der Woywod von Pommerellen war der erſte , welcher dem Rath einen Benſtand damit antragen ließ. Er bot fogar den Adel in ſeiner Woywodſợaft zur Beſchirmung der Religion auf, und ein Theil deſſelben hielt ſich würklich zu Stera. gard und bey Dirſchau , eine Zeitlang verſammelt. Der Wonwod von Marienburg

fand fich noch

dienſtfertiger mit 120 Mann Landtruppen aufdem Stolkenberge ein , er zog auo einiges für den Ko nig neu angeworbenes Volk an ſich , und brachte in

furgem bis

1600 Mann damit

zuſammen .

Bende Woywoden mutheten nunmehr dem Rath zu , dieſe Kriegsvölfer in die Stadt, einzunehmen, und fich derſelben zur Sicherheit der Execution zu Sie wurden gar ungehalten , als der

bedienen.

Rath um einen Anſtand erſuchte , erklären ,

fich darauf zu

und nachher dieſe Zumuthung aus dera

ſchiedenen von allen Dren Ordnungen gebilligter Urſachen ganz und gar ablehnte. Die Stadt muſte freylich dieſe Anträge mit weit größerer Cir . cumſpection überlegen , als ſolches fico mit den uns gleichen Geſinnungen am Hofe und unter den Polo

Danzigs eſchichte wiſden Magnaten vertrug.

Sich mit auswärts

angeworbenen Truppen einzulaßen ,

båtte eben ſo

låſtig werden können , als es auch critiſch war , und noce friedeſtdrender ausgeſehn gåtte, diefelber zum Zwang eigener Bürger und Einwohner der Stadt zu gebrauchen .

Noch war auch nicht alle

Hoffnung entwicken ,

daß der innre Rubeſtand

ohne gewaltſame Mittel würde erhalten , und min . deſtens die Ausbrüche kleinerer Factionen ,

durch

das gemeinſaaftliche Beſtreben des großeen Theils der wohlgeſinnten Bürgerſchaft konnen zurück gea In Betracht folder gemäßig fcheucht werden . ten Staatsregelt wurde ſelbſt das Anerbieten des Königs verbeten ,

welcher ausdrücklich befahlen

hatte , dem Danziger Magiftrat, wenn er es vera langte, zweytauſend Mann Truppen zur Hülfe zu faicken . Man þat fich piemit wol nicht dein Willen des Königs gefällig gemacht, um ſo viel weniger, da die Strafexecution in der Carmeliterſache von einem Monat zum andern långern Anſtand befam ;

+

die

Carmelitermånche ſind auc fernerhin , iğrer Sa. tisfaction Halber, auf einen andern Weg geführt worden , ſie haben ſämtliche Ordnungen der Stadt, und das lutheriſche Prediger: Miniſterium , auf den 1678. zu Grodno ( 15. Deebr . ) angelegten

Reichstag.

ausladen laßen , und ihre Rechtsforderung iſt vers moge einer Königlichen Inſtruction , den Preußi. fchen Landboten in Graudenz, aufs nachdrůdlidifte gegen den Reichstag empfohlen worden . Das Mos nitorialmandat , welches der König nachgehends

Fanfter Abſchnitt. Sechſtes Stapitel. 141 vom Reichstage nach Danzig fat abgeben laßen , iſt auch ſo drohend geweſen , daß die Strafe an der Utebelthätern unverzüglich hat vollzogen , und dem

1 Klofter alle Genugtöuung verſchafft werden follen ;

dennoch aber iſt die Stadt Danzig nicht von aller Aſſiſtenz und Entſchuldigung Derlaßen geblieben . Der : Woywod don

Pommeceller ,

Vladislav

Dönhof, deſſen Fürfprache die Stadt insbeſondre durch mündliche Borſtellungen gewonnen gehabt, þat auf dem Preußiſchen Landtage zu Grauden ; for mot als auf dem Reichstage , eine getreue Erzäh. lung des vorgefallenen Ercefſies gemacht , et bat die dem Rath aufgebürdeten Febler in ihren wahren Verhältniſſen dargeſtellet ,

und mindeſtens nicht

alle Schuld von den Carmelitermoncher abwälzen laßen , als welche durch ihre unrechtmäßig decan ftaltete Proceſſion , die Hauptveranlaßung zu allen Håndeln gegeben hatten .

Es iſt darauf faſt eins

ftimmig decretirt worden , daß diefe Sache, ohne Kränkung der Stadt und ihrer Rechte , der Könige lichen Entſcheidung überlaßen ,

und außergericht

tidy abgemacht werden follte. Eben zu der Zeit aber , als noch die erſte Ani moſitåt wegen des Kloſtertumults unter den der , fichtedenen Religionsverwandten in der Stadt gåbra te , hatte die Zurückunft der Danziger Ubgeordne'a kan dus Berlin mit dem frengero orbenenD.Strauch , eine berdoppelte Sorgfalt allem Wafug zuvor gati tommten ,

nothwendig

gemacht ;

das Froblocker

des Volts håree leicht in eine abertnalige Beleidis gung der påpſtlichenKirchenpartbey übergehn konu

142

... :

Danzigs Gefchichte ...,

nen ; kurz vorher waren die Königlichen Commiffas 1 rien bier eingetroffen , welche das Ceſſionsgeſchäfte wegen der Pußiger Staroſtey fur Richtigkeit brach ten ; und gerade am folgenden Zage nächy erwähnter Sürückunft , wurde der erſte Stein zur neuen cam tholiſchen Kapelle auf dem Pfarchofe geteget.

Alle

dieſe Umſtände erweiſen es deutlich , daß der Rath mehr denn eine erhebliche Urſache gehabt habe, die penciliete

Streitſache wegen des Carmeliterlermo

noda rugen zu laßen , und mit der in allen Fällen anſtoßigen Erecution

einen Aufſchub zu machen .

Die Anweſenheit vieler Magnaten und vornehmer catholiſcher Hercen aus Polen , die zahlreiche car tholiſche Dienerſchaft, welche ſie mitgebracht hat. ten , die in der Nähe liegenden Polniſden Kriegs, våffer ,

hienacht auch die zum

Bau der Kapelle

abýandene Solennitäten , waren eben : fo viet reize bare Gegenſtände , von welchen man

allen Zunder.

des Zwiſtes aufs behutſamſte zu entfernen bemůbet reya muſte. , Die Grundlegung der Kapelle hatte indeſſen unter einer auch von Seiten der Catholifem vorſichtig beobachteten Stille, einen ruhigen Forts gang.

Nachdem

des

Morgens

um

vier

uþr

( 21. Julo ) der Biſchoffices Official Joachim von Hirtenberg Paſtorius den erſten Grundſtein gelege hatte , und eine filberne Platte mit einer umſtånde lichen Inſchrift von der Fundation dieſer Kapelles daran befeſtiget geweſen , ſo iſt dieſe Feyerlichkeit mit allen für Einweygung gebråuchlichen Kirchenceremoa nien , in Gegenwart des Woywoden von Pomerellen und vieler: zum Theil vornehmer römiſchcatholiſcher

fünfter Abſchnitt. Sechſtes.Kapitel. 143 Glaubensverwandten beſchloſſen ,

und der sferntece

Bau der Kapelle in der Folge der Zeit ungehindert fortgeſegtworden . ; ) . ;

Es hätte fich auch unfehlbar die öffentliche

Ruhe Danzigs ," mit weit befferm Herſtellen

laßen ,

wenn nicht

Auseinanderfeßung mit

den

Erfolg wieder

eines Theils die Carmelitermönchen

noch vielen Schwierigkeiten unterworfen

geblies

ben wåre , wie auch noch mehrere: Controvera ſen mit der römiſccatholiſchen Geiſtlichkeit nack fich dem

gezogen , - und unter andern den Streit mit Brigittinerklofter wieder rege sgemacht hätte.

Größentheils

aber find die aufs neve eingetrea

tene Differenzen mit dem D. Strauch dem Aufa kommen der bürgerlichen Eintracht entgegen gemee ſen .

Denn derſelbe hat nicht nur wegen unters

fchiedener Entſchädigungen und aus der Zeit ſeiner Gefangenſchaft willführlich geforderter Bergütuna gen , den Rath zu Danzig in Anfpruch genommen , i ) Der Bau dieſer Stapelle, welche dem H. Geift zu Ehren errichs tet , und dem Namen Johannes des Täufers zum Andenken : Stönigs Johann des Dritten ', wie auch des Apoſtels uns dreas , jum Gedächtnis des Erzbiſchofs Andreas Olſzowski, der fich um ihre Ausftattung durch ein reiches Vermichts nis verdient gemacht hat, gewidmet worden , iſt im Jahr 1681 fur Vollendung gekommen ; die Einweyhung derſelber aber zu Anfang des J. 1683 erfolget , und der eigentlide Gottesdienft 1684 Dom. XVII. poft. Trinit. zuerſt darin ges halten . Vor diefem hat der Pfarrherr und Official auf : dem Pfarrhofe , nur eine kleine Hauscapelle oder eine Beths tammer hieſelbft gehabt ; mit der neuen Stapelle aber ift von Pfarrhofe bis in die H. Geiftgaffe , nach Wegräumung einis ger - Wohnhauſer die dafelbf geftanden baben , ausgerudt worden .

Danzigs Gefchichte. fondern auch bey Gelegenheit ſeiner an die De yfarrkirche erfolgten Vocation , fich neben einer uns gebührlichen Zögerung ,

die lieblofeften Ausflüchte

und Vorwürfe wider ſeine Obern erlaubet. k ) Db. gleich er nun weder Anfehen noch Vermögenheit ges nug , um offenbar eine neue Faction unter dem Volt zu machen , gehabt haben muß , fo hat er dock bennahe bis an ſeinen Tob ,

einewiderſtrebende Unt

yufriedengeit mit der Danziger

Obrigkeit an den

Eag geleget. Ueber die Ausſöhnung mit den Carmeliteemon eine Zeit von anderthalb Jaho dhen in Danzig verlief veu , und noch einige Monate ſpäter wurden allers oeft die Strafurtheile vollzogen , wozu einige Haupt shåter beym Tumult warenſchuldig erkannt worden , roomit man aber wegen einer Conſpiration unter diere Sandmerfsgenoſſen bisher Anſtand batte.

gemacht

Bald nach geendigter Inquiſition , fol es

qemlich laut Urtheil und Recht ſeyn beſchloffen gee

weſen ,

k ) Er hat unter andern ſowol die Vocation Hum Seniorat jus růd geſchidet , als aud) die fernere Haltung der Baranjs Predigten in der Oberpfarrkirche, deren eine ihn gerade auf den Sonntag nach geſchehener Erecution in der Carmeliters Sache getroffen bat, mit einer ftetzen und ſtechenden Ents ſchuldigung ausgeſchlagen , indem er einem Stadt fecretair die ſchriftliche Erklärung einfchickte ; ,, daß gleichymie der - Mayländiſche Bifchof Ambrofius den Stanſer Theodoſius » wegen einer auf ſeinen Befehl vollzogenen Morötbat, in 3 smacht Monaten nicht zur Kirchen gelagen hätte, alſo auch on er denenjenigen, nicht predigen würde, auf deren Geheiß Ar an einem Tage wiel unduldig Blut wåre vergoffen w worden .

Fanfter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 146 woefen , dreyen Mädelsführern beym Aufruhr , Lein hem Müller , einem Kürſoner und einem Becergen felten , die Köpfe vor die Füße zu legenz

allein ai

Ber den deshalb unruhig gewordenen Gewerfent, haben ,auch

einige Catholiken und Koldfter in der

Stade,

inſonderheit die Dominicanermönche , dieta

murblic

in Hinſicht auf die fünftigen Folgen , denn

Rach dagegen

Vorſtellungen gethan. “ Darauf iſt

der nådſte Reichstag abgewartet ,

und wie ſchon

oben erwähnt iſt, vermittelſt einer Couftitution feft. gelegt worden , daß die Carmeliterſache mit allen

1671

darin begriffenen Klagen und Streitpunkten , durch Königliche Commiffarien abgemacht werden ſollte, gleichwie die Carmeliteěmdnche ſelbſt, zur Vermen des gewohnlichen Rechtsganges folobes gewünſcht haben .

Es muſte nicht wenig zum guten Erfolg

dieſes Geſchäftes beytragen ,

daß der wohlgeſinnte

Woywod Dönhof darin als Danzig geſchickt wurde,

Commiffarius nach

und obgleich derſelbe int

den Geſinnungen der Parthenen ,

welche pieſelbft

1 unter den Mönchen hart und gewinnſüchtig geweſen , bey dem größten Theil der Ordnungen hingegen nicht ſowol auf eine Genugtöuung ans Kloſtercon pent,

als nur auf ein freywilliges Almpfen zum

Kirchenbau þinzielten , noch viele Widerſprüche zu åberwinden gehabt hat; ſo war er nach einiger Zeit dennoch ſo glücklich , die Carinelitermönche gåtlich genug zu befriedigen ,

indem er ihnen

traft etnes 13 Decbr.

Vergleichs mit den Ordnungen der Stadt , Entſchädigungsfumme von 25000 Berch . Danz, 3ter Tha .

1

Gulden

eine aus.

146

.

!

würfte . 1)

Danzigs Geſchichte . Mehrentheils wäre piemit auch allet

Madjeifer ecloroben , und wenigſtens fein Todesur theil weiter begehrt worden , wenn nicht bey, Hofe, and nace des Königs ausdrücflichem Willen , man es für unumgånglich ndrþig erkannt gåtte,

zum mindeſten ein Menſchenopfer zur Büßung des Kit dhenverbrechens bluten zu laßen. Demnach wurde von den oben erwähnten drey Vecurtheilten , der unglüdliche Müllergeſell, welcher fich , um der grauſamen Tod ſeiner Eltern an den Påpftlern zu rachen , m ) porfen

zum Unführer beym

gegabt ,

Tumult aufger

und ſolches anfänglich feen una

trukig bekannt hatte ,

durch ein beſtåtigtes Urtheil

zum Tode verdammet und einige Monate ſpäter auf Offentlichem Markte enthauptet.

Seine beyden

Mitſouldigen ſind zu einer lebenswierigen Gefänge nisſtrafe

verurtheilet, fünf andre auf einige Jabı

fe ins Zucthaus condemniret ,

und einer aus dem

Gebiete der Stadt zeitlebens verwiefen worden .

Unerađitet der großen Difficultaten , womit die Ausgleichung dieſer Controverſe umgeben gewefen bleibt es doch immer merkwürdig ,

daß nicht mit

der Marienburgſche : Woywod Bankowski,

biex

fic in allen Fällen als der gröſte Widerſacher der ; 2 ) Bon gedachter Summefollen fünftauſend Gulden , dem ops woden für ſeine guten Dienfte freiwillig ſeyn jugeſtanden worden . m ) Seiner Auſſage nach , war fein Vater , der in Ungarn Prediger geweſen , auf Anftiften der Catholiken lebendig mit halbem Leibe in die Erde - gegraben , und unter der grauſamften Martern ums Leben gebracht worden ; feines Nutter hatten ſie lebendig die Haut abgezogen , vor fie auf sine eben ſo jámhterliche Art ferben labeu .

Fünfter Abſchnitt. Sedſtes Kapitel. 147 Städt gezeigt hat, während dieſer Complanationsa Gefcbafte mit Rode abgegangen , ſondern auch der eben fa feindſeelig geſinnte Freyherr von Liliehoek auf

Befehl feines Hofes ,

Danzig hat derlaßen

müſſen .

Unfehlbar þat auch der Wbgang dieſer Schuppatroneà , fernerhin ' den Aufenthalt einiger

Gewerfødeputirter am Hofe fruchtlos gemacht , als welche unter der Anführung Chriſtian Meyers pnd des Fleiſchermeiſters Möller, in ihren Ge werksſtreitigkeiten fomol, als 'mit Beſchwerden über ben Rath wiederum hieher gereiſet waren , und zu.

1680 Januar

gleich zur Abwendung

der decrecirten Strafepecu . tion , ihre Werfsgenoſſen aufs neue zu disculpiren , Die Obrigkeit hingegen einer partheniſchen Fahrlä Bigkeit zu beſchuldigen ſuchten . Alle dergleichen widerſpenſtige äbfichten aber , welche nodi immer den Zwietrachtsgeiſt der Strauchianer verriethen ,

burden nunmehr am Königlichen Hofe mit Ungna. de verworfen .

In Danzig befiegte der Magiſtrat

ebenfalls die vor der Erecution beabſichtete Anlage cities i Sumults .

Es wurde an dem Tage derſelben,

mit Echließung der Thore und mit aufgezogenen 1a April Wachen der Garniſon , für die Sicherheit und Ruhe in der Stadt geſorget , und wie vorher noch zwen Königliche Reſcripce deshalb eingelaufen wa. ſo wurde das Todesurtheil an dem Müllers Inechte Michael Kopen , ohne Störung vollzogen . Mür nachdem ſoldes geſchehen war , gaben die ren ,

fahadenfrohe Reder eines unbeſonnenen Polen , der fich unter den Zuſchauern auf dem Langen Markte hefano , wiederum zu einer unglücklichen Schlage.

+

Danzigs

1483 ;

Geſchichte .

-

8

een Anlaß , die julegt fogar der gerdalefamen COD, und die Verwundung einiger Perſonen zur Folge gehabthat.

Denn als jener Pole die leichtſinnigen

Worte von Lohn und Rache gegen die Regier ! ausgeſtoßen hatte,

fo fiel der Pobel über ihn Ber ;

und vergrif rich nachſt ihm an allen die in polniſcher Kleidung auf dem Markte gefehn wurden . Es blieb auch nicht bey Schlägen allein , ſondern ſie wun den mit Meſſern und Mordinftrumenten verfolget, fo wenig auch die mepreſten , welche nur wehrlofie Knechte von den Polniſchen Gefäßen waren , frictie dagegen vertbeibigen konnten .

Die in der Nähe

befindliche Garniſonsmache wurde darauf beordert, dem Unweſen zu ſteuern , und die Stadtreuter mit entbldſtem Seitengewehr ſo wie die Musquetiere mit aufgepflanztem Bajonet fouten den tumultuto renden

Pöbel. zurückhalten .

Die Menge abet

konnte nicht zum Weichen gebracht werden , uab der commandirende Officier fand es

får nöthig,

zum Schreden einige Musqueten töſen , Kugeln über das Volk fliegen zu laßen . Erbitterung wurde piedurch bergrößert,

und die Allein die und die

Befehlshaber der Soldaten ſaben : fich nun aus Nothmehr gezwungen ,

unter den tobend auf fie

ſelbſt eindringenden Haufen ſcharf feuern zu laßen . Es wurden zwar nur fünf oder rechs Schießge webre geldfet , aber außer einigen þarc damit blefa firten Handwerkern , blieb ein Zaymadergefell tode auf der Stelle ,

und die Confternation unter dema

Polt wurde darauf ſo allgemein ,

daß jeder zwar

einen noch beftigern Aufruhr beſorgte ,

der grofte

Fünfter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 149 Cheil aber aus Furcht für fein Leben in die Hauſer pardd Hob , und den Markt dadurdy fren machte . 6o drohend es ſich alſo zu einer weiteren Gemebel angelaßen hatte,

inſonderheit da auch einige Sols

daten gefährlich waren verwundet , und einer durch sinen anerkannt gebliebenen Souß getödtet wora den , ſo ward doch durch gute und ſchleunig vorgea tepite Unſtalten , die Nube bald wieder hergeſtellet, und alles ſorgfältig aus dem Wege geräumet , was den Geiſt der Revolte wieder gåtte aufwecken fono men .

Der Rath,ließ ro fort mit Zuſtimmung der

Didnungen ;

ein ſehr ſcharfes Edict gegen alle Zua

fammenrottungen

des Volks ,

durch Trompetenu

ſhall publiciten , die Garniſon wurdeimit drenguna dert Mann permehret , und acht Tage lang wurde ein bewehrtes Corps Soldaten auf Piquetmachen , der Sicherheit negen in Bereitſchaft gehalten. * Dergeftalt verlor fick allmålig in der Stadt

das Schreden ſowol als die Beſorgnis , durch wie. derholte Gewaltshátigkeiten gefährdet zu werden . Pon Suterides Königlicher Hofes bekam man hies wächſt die Satisfaction , daß die vollzogenen Strafe adtheile, als eine gehorſame Befolgung des Kde niglichen Willens , zur Ehre und Genugthuung der Religion , mit vielem Beyfall erkannt wurden, und der König ließ ein günſtiges Refçript ausfertia gen , frafo deffen Danzig wegen des am Carmeli : 79 April terklofter vocgefallenen Erceſſes , von allen fünfti. gen Aufprücken aufs fraftigſte entbunden ,

und der

Königlichen spuld poufommen wieder verſichert ſiya follte. 1

Es fehickten fich rodann noch alle fernere

1

Danzigs Geſchichte.

150

Ereigniſfe dazu an , der Stadt eine vollſtändige Ruhe wieder zu geben : Der rechtſchaffene Borja wodidon Pommerellen beſtårfte den König in dent Vorſak ,

durch väterliche Ermahnungen an die

Bürgerſchaft,

deren aufrichtige

Verſöhnung mit

dem Magiſtrat su befeſtigen ; den unfriedlichen Bea wegungen des D. Strauch wurde mächtig. entge gen gearbeitet , und 'er bekam in einem Søreibetta vom Kron . Großlanzler den ernſtlichen Verweis fein bisheriges Betragen mit einer gemäßigten Anfo führung zu verwechfeln . An die Gewerke in Dantu zig gelangte ein Königlicher Befehl ihre Deputir , ten abzuſchaffen ; nnd feine Zufammenfünfte meje ohne Benſeyn einer Perfon aus dem Rath zu halo ten ; die' mehreſten Gerwerke waren

fetuft ihrer Dea

putirten áberbrüßig , und das Königliche Refcript ſowol, als die perſönliche Ankunft des Woywodett von Pommerellen nebſt denn Bifchofe von Kiowo , beförderten

sine

völlige Complanation zwiſchen

dem Rath und den Gewerfen , womit die demtec und Namen der Gewerk ødeputitten tein Ende era reichen .

Der unangenehmſte. Erfolg hievon ben

traf noch die neuerlich ate Deputivte nach Sofe abe gegangenen : Gerderfsmreiſterzi igre Unfunft hatte gleich anfangs ein Mißfalten erioedfet , ofte waren auch zu Favoroto romol als inWarſdjau miteinem ſtillſchweigenden Urreft betegt geweſen , und gegett

Betbr. Ende des Jahres erlangten zwar die übrigen ihre Frenzeit , fic nad Danzig gurudt zu begeben , die beyden Sauptanführer aber Meyer und Möller, nourden in Barfoau node gefangen gebatten , und

Sünfter Abſchnitt: Stebentes Kapitel. 15 !

Haben das Jahr darauf , vor erbetener Befreyung, dortigen Grod ſich verendigen müſſen ,

im

niemals

im Danziger Gebiet wieder wohnhaft zu werden , wofür ihnen nur in der Folge iſt erlaubt worden , Rich in Meme zu ihrer gåaßlichen Naþrung nieder zu laßen .

Siebentes Kapitel. Indigenat Danzigs Theilnahme an den Landesgeſchäften Landesfiſcalat - Generalzod ben forban - widers rechtlicher Bterverkauf auf den Geiſtlichen Gründen Asidertvårtigkeiten des Königs an ſeinem Hofe - COD deffelben - Danzig wird eines Bertåndniſſes mit Frants Veränderungen des Poſtwefeuis in reidy beſchuldigt Danzig neue Scenen dafelbft mit dem Brtgittinerflo , efter Angriffe dès D.Sdelwtg auf dte Apoftaſie zur Römiſch : Catholiſchen Kirche – deſſelben Streit wider Die Pietiſien - Das Wefterfahrwaſſer vor der Weichſels můndung wird angeleget -- und vermittelft eines artificts ellen Canals zum Stande gebracht die Verdtenſte des berühmten Sevelius werden von den Kinigen von Polen betvørgezogen .

B

is hieber hatte die Stadt Danzig unter dent

Könige Johann dem Dritten unaufhörliche Un. ruhen und widermårtige Schidfale gebabe , die ia ibren Annalen dadurch defto dealwürdiger ecifchrie nea , weil auf urſprünglichen Antrieb einer einzigen: Perfox

folche Kette vou Unglüdsfällen durch eis

nen Zeitrauán von acht Jahren iſt an einander geo rriget geweſen .

In der i rigen Zeit diefer Regie :

bing hat Danzig feine dergleichen ausgezeichnete § 4

Danzigs Geſchichte Revolutionen gehabt , und der einförraige Gang det Begebenheiten bat zur Befeſtigung

der inneru

Wohlfahrt and Ruhe beſſer genugt werden könnews Im Lande Preußen haben ſich zwar mancherler welche mit Mißverſtändniſfert

Vorfälle ereignet, :

verbunden geweſen , oder zu Beſchwerden über die Polniſchen Rechtseingriffe Vorſchub gethan haben ; aber auch bieben hat dieStade Danzig in ihrerLana desconnexion eben ſo viel Wachſamfeit als Vors fickt beobachtet,

um neben einer pflichtmäßigen

Bebauptung der Praerogativen des Staats , fich Leinen erneuerten Streit und Unwillen zuzuziehen . Das Preußiſche Einzöglingsregt iſt dfterer Vera theidigungen benöțbigt geweſen, und unerachtet der bündigſten Beweiſe, dennoch mit wiederholten Anfechtungen verlegt worden . de im F. 1681

der

Unter andern wur.

Perleyhung des

Culmiſchen

Polniſchen Coadjutor Opar b Bierpunio , an amden linski, mit einer ſolchen Heftigkeit widerſprochen , daß alle - Landtagsgeſchäfte deshalb fiſtire werden follten ;

aber man ſabe ſich zulegt den neuen Bio

ſchof doch aufzunehmen gendthigt , und kurz darauf wurde gegen die eben fo inſtändigen Einreden der Preußen , dem polniſch gebohrnen Kron Schwerð : tråger Bielinski die Woywodſchaft Marienburg berfiehen . Im folgenden Jahre hat das Langi zwar vom Könige ein neues Diplom zur Verſicher: rung des Indigenats erhalten , welches unter dem kleinen Kronſiegel , weil der Großtangter die Sie gelung verfagt hat, ift (quldgefertiget worden ; man þat ſich auch foruer Mühe gegeben , baffelbe purchase

Fünfter Abſchnitt. Stebentes Kapitel. 153

tine Reidsconſtitution beſtätigen zu laßen ; unb ber jeder Gelegenheit die Sorgfalt gegen alle Kranas kungen des Landes in Uebertragung der Staats . ámtev erneuert, allein wie wenig die differentex Ablicten in Polen dieſen Bemühungen entſprochen þaben , feldjes hat die Erfahrung in neuern Zettext. durch mehrere entgegengefekte Benſpiele bewiefens Eben ſo gegründete Klagen haben Land und Städte . åber das in vielen Fällen widerrechtliche Verfahren Des Königlichen Landes , Fiskals Miller "zu führen : gehabt.

Man hat ihn deshalb zu unterſchiedenen

Malen spor Gericht beſprochen , und ſchon im 3 . 1669 war ein Landesſchluß zu feiner Entſegung abgefaßtworden , wozu aber der König die Beſtår tigung verfagt fat.

Nichts deſto weniger wurden

die Beſchwerden gegen iğni fortgeſeget ,

und von

einem Landtage zum andern wurde darauf gedrün . gen , ihm entweder ſeine Amtsbedienung zu neho men , oder diefelbe in gebdrige Sqranten zu brin gert. So wiltährlich er nun noch lange genug feineAmtsrechte gemißbrauchet pat , ſo iſt ißm die Abneigung im Lande doch endlich ſo låſtig gefallen , daß

er kurz vor ſeinem Tode ( 1692 ) felbſt um

feine Dimiſſion angefucht hat , worauf dieſe Stelle: eine Zeitlang unbefekt iſt gelaßen worden . 5. 1991 $ : Der auf dem Warſchauer Reichstage 1677 wieder angefekte Polniſche Generalzoll bey Fordan hat ebenfalls stele Skeitigkeiten im Lande verurſam, chet. Die Preußiſchen Kaufleute follien der Cono ftitution gemas davon fren ſeyn , allein die Polnis faen Zoubeamten enthielten ſich nicht , mit abfoto Ks

154

Danzig

Geſchichte ...!

berung deſſelben unter diedene Schikanet ja mad chen .

Die

Thorner und die Danziger wären wegen

angehaltener Gefäße und gehemmten Fiókboljes auf der Weichſel, in den Landtagsrathfchlagen 1680 gendchigt, ſich öffentlich darüber zu beſchweren, und außer daß der König dieſe Störungen des Handels zu beſtrafen und abzuſtellen erſucht wurde, ſo gaben die Stände den Preußiſchen Einfaſſen fogar die Macht , fich tpåtig zu widerfeßen , wenn ihreSchiffe und Güter mit Gewalt wieder angebalten werden ſollten . Ein Königlicher Befehl, ' der zwen Jahre daçauf an die : Zollauffeber ber Forðan ergangene hat einſtweilen dieſen gewaltſamen Eingriffen in die Handlungsfrey

eit.Einhalt gethan , und unter Jou

hann des Dritten Regierang findet man wenige ſtens nicht weitei , daß die der Polniſchen Zdunerx dafür angedrohten Strafen gånzlich fruchtlos gemea fen wåren . Wegen eines andern Nahrungszmeia ges þaben in dieſer Zeit insbeſondre die Städte fiche thit den Mönchskidſtern in einen Streit einlaßete müſſen . Die Verringerung der Maljacciſen zog det Großen Städten oftere Vorwürfe zu , daß die dem . Landesfag angewieſene Summen nicht gehörig von ihnen eingebracht wurden . Hieraus floffen vou feiten der Städte , zur Angabe der Quellen dieſer Berminderung , ſchwere Klagen über die Abnahme ifres Brauweſens ,

daß ſelbiges von den Kloſtern

gegen die Landesgeſege ,

durch

liden Vertauf eigener Biere

einen widerrechos

geſomålert würde.

Thorn Flagte die Dominicaner, die Nonnenflöftet und die Jeſuiten wegen unmäßiger Brauerey an,

Fünfter Abſchnitt. Siebentas Kapitel. 159 inbem leßtere in anderthalh Jabren zehntauſend Toni hien Bier ausgeführet, und unter fünf Krüge oder 6ļenken verthetit haben follten.

Danzig zählte

zum Beweiß gleicher Klagen zwanzig Brauhäuſer im

Schottlaude auf,

funfzehn auf dem Stolzena

berge, und neun auf dem Biſchofsberge.". Samti lige Städte drungen demnach auf einen ernſtlichen Landesſchluß, diefen Mißbrauch der geiſtlichen Frey . beit zu bemmen , und die alte Gewohnheit wieder Kerzuſtellen , daß den Kidfterü nur zu ihrem eige nen Gebrauch Bter zu brauenerlaubt werden ſollte. Addin die geiſtlichen Orden fanden auf dem Landtage 41676 ) fo viele Vertreter , daß man nur aufEnt: ſchuldigungen für ſie bedaqt war , und zuteßt die Åbnahme des Brauweſens bloß von der Einfuhr einiger auswärtigen Bierſorten Berleiten wollte, dar her auch der Woywod von Pommeretlen durchdrang, viel eher das Bier aus Stolpe und Setl. Beil ine Danziger Gebiet zu unterfagen , bevor den Brauea tenen der Geiſtlichkeit Einſchränkungen auferlegt würden . In den folgenden Jahren ſind die Preus ßiſchen Stånde zwar bisweilen geneigt geweſen , der Großen Städten gegen den Verfall ihrer Braunab rung, wůrkſamer zu Hülfe zu kommen ; es iſt audi der von den geiſtlichen und adelichen Gründen dars in geſchehene Eintrag

defto frafbarer

geworden ,

nachdem fie fich ſogar mit fremden Bieren Gerdriebe zu treiben erlaubthaben ; allein die dagegen vorges foptageren Maaßregeln ſind sie für einſtimmigenAnte nahme gefoinment , und als ſchon einmal( 1692 ) ein Landesfalub Bargemacht werden follen , auf

1

igen

156

4.

Danzigs

Geſchichte

1 :

bengeiſtlicheu Gründen bey Dangig die Mäffacci fen einzuführen , damit das Bier nicht forwohlfelle von ihnen ausgebracht werden könnte , fo hat doce der Biſchof von Ermland. denſelben abzuwenden der ftanden , und nur eine mündliche

Confereng mit

dem Cujaviſchen Biſchofe darüber :pur Ausführung gebracht. a

. Unter dem Fortlauf dieſer und meørerer Landest

geſchäfte,

hatte König Johann der Dritte aus

wärts ſowol als in Polen , mit beſdwerlichen und für das allgemeine Wohl des Reichs allerdings er « þeblichern Staatshåndeln zu thun.

Ein mit dene

spauſe Defterreich gefchloffenes Schußbündnis beca wickelte ihn in neue Feind feeligkeiten mit der Ottoa manniſchen Pforte, doch vergroßerte er darin durck 1633

den Entfak der belagerten Stadt Wien feinen Rugina eines fiegreichen Spelden ; und wenu gleich der Krieg gegen die.Důrfen in der Folge naglåßiger, und weit unter den Erwartungen der Polniſchen Nation iſt geführt worden , fo war folobes doch keinesweges dem Mangel feines Muths , oder einer verminder ten Kriegsflugheit beyzumeffen ;ſondern die im Jono neon des Reichs gegen den König erwedte Factioner , Deren unglückliche und verfängliche Anſchlåge , jum Cheil auch die eingefloffene Maximen fremder Pos tenzen , haben :nächſt verurſachten. Zerrüttungen in Reich , eben fordi den auswärtigen Kriegsoperatio xen unzäølige Hinderniſſe gelegeta

Widerwärtige

Fainilienſcenen , als die fehlgeſchlagenen und joiſta erweckenden Seyrathsgeſchäfte bes:ålteſten Pringen Jacob, der berrſchafüchtige Emful det. Königin ik

Fünfter-Abſchnitt, Slibentes Kapitel, die Angelegenheiten des Staats, idregufainmengesa brachten -Reichthümer im Königlichen Hauſe ,' unb endlich der unbehutſam erwedte Verdacht, die Krone erblich und die Regierung unumſcrånkter zu ma dheut, ließen 'nach und nach ein wiberſinaiges Mif traseu bey der Nation emporkommen , welches der Fortgang der rüşmlichſten Abſichter und Beratga Litthauen ward"offenbar in Voblagungeni hemmte. xwey Gegenparcheven getrennet , die Reichstage wurdext plößlich und aus ſchnöder Urfachen zertiffen Fleben Landtage in Preußen toaren vergeblich ange. feßt worden , den Urmeen wurden die Bezaglungeni vorenthalten , und aus Verbruß regter die Soldaa teu die Kriegsdiſciplin aus den Augen . Der König tonnte mit der beſten Bereiſwilligkeit den åberhandi neúmeаden Staatsübeln nicht abhelfen , er erfuht Proben , Daß man felbft ſeiner gebeiligten Perfor mit Vorraúrfen und Schmåbreden nicht ſchonite und wenn er gleich nicht müde geworden, får ble Bolfart des Staats , fich bis an ſeinen Tod , den mühſamſten Geſchäften zu unterziehen , ſo hat doce unfehlbar der Kummer des Geiftes nicht wenig die Krankheiten feines Körpers Bermehret, welche Riche fchon drey Jagre vor ſeinem Åbleben gu dußern ana gefangen haben .

Er iſt darän - im

ſechs'und fechse

zigſten Jahre ſeines Alters geſtorben

und es iſt

nicht unwahrſcheinlich, daß ſein Tod durch dië ftare ten Urgeneymittel welche er von ſeinem

Jüdiſdett

Leibarzte genommen , Robineller als die Natur es poden þeifer þar, ſey befördert worden. Imagine

)

358

Danzig

Geſchichte .

Fr die gemißdeuteten Staatsconjuncturen smoke foben den Krogen Polen und Frankreich , war geile miſfermaaßen auch Danzig anfänglich nåber vera webt worden . Bald nad geſchloſſenem Bündnis mit dem Kayſer war ein franzöſiſcher Miniſter du Pernay nach Danzig gekommen, welcher der Sage nace auf alle Maasregeln des Polniſchen Hofes aser baben ſollte. Er wurde daben eines Briefwechſels mit den Malcontenten in Ungern , und gebeimer Geldſpeditionen an die Gegner des Deſterreichſohen Hauſes befchuldigt. Eine beträchtliche Anzahlfram zoficer Kauffardeyſobiffe, welche ſich aufder Dater siger Røede befandru , veranlaßte ebenfalls einiges Nachdenken ,

und man verband damit die nodiver:

bådtigere Nachricht, daß im Sund eine franzöſo dhe Flotte pon adetześn Kriegsſchiffen låge.

Ja

Polen war die Gegenparther Frankreichs biecúbet äußerſt unruhig geworden ,

ſie beſorgte eine franzda

firebe Landung , Danzig wurde deshalb in Verdachee gezogen , die gange Provinz ward aufgefordert für ihre Sicherheit zu ſorgen , den Pubiger Hafen und das Marienburgſche Sbloß zu decken , aud repleur uig die Landesſtånde zu verſammeln , damit für die Straßen und Grenzfoloſſer wachſamere Maasrer geln verabredet werden könnten .

Inzwiſchen aber

bekamen die Umſtände eine glücklichere Veränderung . Danzig ward ohne weitere Ausbrüche dieſes Argo mohns, nach einigen Monaten wieder beruhiget, upd dem ganzen Lande wurden die ferneren Kriegs . anſtalten erſparet, nachdem der franzöſiſche Minis fter fich naclt den Zuſchriften vom Polniſden Hofe,

Fünfter Abſchnitt, Siebentes Kapitel. 150 burch Fien an ihn abgeſchidte Preußiſche Landesh råthe beleiten ließ , von Danzig aufzubrechen , und die Stadt ſowol als die ganze Provinz mit ungeler genen Zumuthungen zu verſchonen . Zwen Jahre barauf iſt auch das gute Vernehmen zwiſchen dem 1685 Polniſchen und dem Franzöſiſden Hofe völlig wie der Hergeſtellt werden , und ſopann bis: zum Able ben des Königs underåndert -geblieben . Sonſt þat Danzig unter diefer Regierung, au Ber dem großen Geldaufwandi,

den die innerliche

Stadtuncuben verurſachet haben , noch

öfteps 14

außerordentlichen Staatsabgaben Beytrag gerhan ; vergebens aber find yon Zeit zu Zeit die Danziger Forderungen an die Krone wiederholt worden , welu che die rückſtändigen Summen aus dem Somedia fohen Kriege betrafen , und deren verſprochener Ent richtung anjeßo mit immerwährendem Widerwillen der Reichsſtånde,

in den Preußiſchen Landesing

ftructionen für die Reichstage Erwähnung geſchehen ift.

Nicht weniger bedeutend und den Vortheilen

der Stadt in mancher Abſicht entgegen , war eine Neuerung, welche nach dem Willen des Königs, rait dem Danziger Poſtamt gemacht wurde. In den Gedenkbüchern dieſer Stadt findet ſich ,

daß

ſchon ſeit dem J. 1996 die Dritte. Ordnung in der gemeinen Ratbfdlagen,

auf eine regelmäßige Be

tenordnung angetragen

und eine Deputation aus

der Kaufinannſchaft dazu in Vorſchlag gebrachs þatte. Nachdemt aber unerachtet eines ſolchergeſtale beförderten Reglements , die Berſendung der Briefe and Bochiqaften , deren man insbeſondre aufbame

06

Danstgå . Gelchichte

bueg bendthige geweſen , noch immer vielen Schmid etigheiten unterworfeit geblieben ,

die

Boren nicht

anders ålø /mit beladenen Frachtwagen abgegangert

3.9)

waren , und dfters åber dren Wochen unterweges fugebracht þatten , hienachſt auch der Königliche Landesfiſcal manoperlén

Einſprüche dawider tege

gemacht hatte , fo' war im Ju 1629 von der Kauf mannſchaft in Danzig ein Uebereinkommen getroffed wordea ,

für işre eigene

Rechnung eine reitende

Poft auf Hamburg in Gang zu feßen .

Sie ſtelltea

dabey einen verarmten Bürger zum Poſtmeiſter ani,

!

beſtimmten den Botenloba , oder die Poſttaren füs Briefe ſomol als für größerePafete, ernannten der Heffern Ordnung wegen vier Aufſeher aus iþren Mit teln , und damit dieſe Einrichtung durch dffentliche Autorität des Staars unterſtüßt würde, ſo haben Pie ſich ein Mitglied des Raths erbeten , welcher die Oberaufſicht darüber anvertrautwurde.

Dieſes

Poſtinſtitut þat einen reßr guten Fortgang gepabt; und der angeſtellte Poſtmeiſter kat von dem Ertrag feinies Amis nicht nur nach und nach ſeine Gläubie ger befriedigen können ,

ſondern auch eine nicht ung

beträchtliche Erbſchaft von den erſparten Einkünfter hinterlaßen. Eben aber ſolcher Vortheile wegen hat ſich nach ſeinem Tode ( 1640 ) eine ſtarke Beo werbung um dieſe Stelle geåußert, und weil unter Febiedene in ihrem Vermogen zurückgekommene Búra ger ſich deshalb nun unmittelbar an die Obrigkeit Tchlugen , fo ergrif der Rath dieſe Gelegenheit , das Poſtmeiſteramt'an ſich zu nehmen und unter den Namen eines Stadtlebns zu verlemben .

Es wut ded

Fünfter Abſchnitt. Stebentes Rapitel. 160 den in dteſer Zeit zwen Bürger' damit belehnet, die auch beyde ihr reichliches Einfommen davon gebabe baben . Es iſt aber unter deren Verwaltung in vier len Stúden vom erſten Poſtreglement abgewichen , und inſonderheit im J. 1649 wider den Willen der Kaufleute , die doppelte oder wöchentlich zweymal gebende Poſt auf Hamburg eingeführt worden , wog von zwar große Vortheile verheiſſen , der Erfolg aber keinesweges entſprechend geweſen . Sleider, maaßen batim J. 1646 die neu unternommene Ein , richtung der Poſten auf Königsberg und Riga, eins Differenz mit dem Churfürſtl. Brandenburgiſchen Hofe veranlaßet, welche nach einigen Jahren der Stadt unterſựiedene Vergleiche mit dem Churfür, ften abgedrungen hat , vernoge deren ſie anfänglich ( 1654 ) einen Cþurbrandenburgiſchen Hofpoſtmet. ſter bey fic hat einnehmen , bald darauf aber ( 1655 ) ganz und gar zugeben müſſen , daß das Poſtroeſen in Danzig von den Churfürſtlichen Beamten allein iſt adminiſtrirt worden .

Sodann aber hat die Krone

Polen iør Jntereſſe daber in und im

Erwägung gezogen ,

J. 1658 hat der König Johann Caſimir

den Anfang gemacht , fiche der eigentlichen Direction des Poſtweſens -in Danzig anzunehmen , dem Cþurfürften von Brandenburg

auch mic

des alb in

måhere Conferenzen zu treten . Bald nach dem Oliver Frieden haben ſide die Churfürftlichen

Poſtbeamten

genöthiget geſeßen,

dem Königlich . Polniſden General • Poltmeiſter, Franz Grata, das Poſthaus in Danzig zu räumen , #nd obgleich die Tractaten wegen des Pfandberiges

Sefch . Danz, 3tak Th.

162

Danzigs Geſchichte.

ber Stadt Elbing,

worin die Danziger Poſtfache

Unter den Bedingungsartikeln geweſen ,

nachher

Feinen einftimmigen Ausgang erreicht haben , auch fernergin nicht geringe Jrrutigen wegen des Porto ünd der Taren , mit der Churfürſtlichen Poſtdirection entſtanden find , fo iſt doch im J. 1661 zwiſchen bem Könige von Polen und dem Churfürſten Friede rich Wilhelm , durch beyder ſeits nach Danzig abe gefóbickte Commiſſarien , ein neuer Vergleich abger richloffen worden .

Derſelbe hat zwar in

einem

und dem andern Punkte noch manche Differenz of Fen gelaſſen , doch iſt das Polniſche General. Poft . Amt in der Poſſeſſion zu Danzig geblieben ;

zu

Grenzwechſelungen der Polniſchen und der Chur brandenburgiſden

Poſten ,

ſind zwiſchen Danzig

und Königsberg Barmel in der Nehrung, zwiſchen Danzig und Hinterpommern aber , Wuktow auf der Pommerſchen Grenze beſtimmt worden , und beyde Theile haben einander das Poftregale in iz rem Gebiete unbeeinträchtigt zu laßen , Tobig gemacht.

ſich anges

Ben allen dieſen Veränderungen

aber hat der Rönig Johann Cafimir der Polni. fchen Oberdirection unbeſchadet ;

dennoch keinen

abſoluten Eingriff in das urſprüngliche Danziger Stadt: Poſtamt gethan ,

ſondern dem Nath viel

mehr die bisherige Freyheit gelaßen ,

bedürftige

und wolverdiente Bürger der Stade mit der Poſte derwaltung zu belegnen , und dieſes Amt unter dem . Titel eines der Großen Stadtlebne bieſelbſt in feia ner Fortdauer zu erhalten .

Allererſt måhrend der

innerlichen Mißhelligkeiten , als unter Johann

Fünfter Abſchnitt, Siebentes Kapitel. 163

dem Dritten , die Bürgerſchaft nebſt andern Bea fabwerdepantted audy die Materie der Stadtlebne in Bewegung gelegt hatte , ſo iſt auf dieſes Porta lehn ein genaueres Nugenmerk geriqtet worden . Denn obgleich die Driste Ordnung dem Rath die Verlegbung der Großern Lehne nice ſtreitig gemacht : þat, ſo ſind doch von Seiten des Königlichen Ho. fes deußerungen geſdeben , als ob man die Ber. waltung der Poſt für ein von den Rechten der Kro. ne untrennbares Regale auſeßen můjte ,

und um

fide der Königlichen Geneigtheit zur Bewahrung anderer Hauptprårogativen der Stadt deſto feſter * u berfidern , ſo hat der Magiſtrat aus eigner Be wegung für rathfam befunden ,

ſich dem Könige

mit völliger Ueberlaßung des Poſtweſens willfårig zu bezeigen . Solchergeſtalt iſt nach dem Ableben des Danziger Poſtmeiſters Hans Wahl , im J. 1680 der ſchon zwey Jahre vorber' vom Könige ece nannt geweſene Caſpar Richter dem Poftweren in Danzig vorgefekt worden , und unter deſſen Ad 1 miniſtration baben ſich zugleich alle bald darauf mit Den benachbarten Preußen wiedererregte Poſtſtreio tigkeiten unmittelbar an den Königlich - Polniſchen Hof hingezogen . Unter mehreren gröſtentheils oben erzáşlter Kirchenhandeln , welde Danzig mit der Römiſch Catholiſchen Geiſtlichkeit þat ausfechten müſſen , þaben einige Zwiſtigkeiten mit dem Biſchofe von Cujavicne am långften gedauert , und, andre als mit Brigittirer Nonnen , find von Zeit zu Zeit wie. Die . Irang. Der in neue Ausbrüche gerathen. den

1

( 164

Danzigs Geſchichte:

action wegen Verwaltung der Schidlik ,welche itie 9. 1678 mit der Stadt auf funfzehn Jahre war geſchloſſen und vom Kidnige beſtätiget worden , har im J. 1693 einen ſo ſprdden Abſprung erlitten , daß die Lebtiſſin ſich aus eigner Macht angemaßet þat , die Gerichtsbeamten der Schidlig in End zu nehmen , und durch dffentlid angeſchlagene Bea fehle die Adminiſtration des Kloſters tafelbſt zu be. Der Rath zu Danzig fat fich hierauf þaupten . zwar zu eben ſo tjåtlichen Gegenverfügungen geno. thigt geſehen ,

um die Einſaſſen der Schidlig im

Gehorſam zu erhalten , und fich der Jurisdiction des Kloſters zu widerregen ; nach einigen contror verſen Auftritten aber iſt es unter Vermittelung zweyer Herren vom Preußiſchen Landesadet,

ja

einer friedlichen Compoſition gebracht worden , vere moge welcher , die vorige Transaction von neuert auf gewiſſe Jahre angenommen , und die Genega migung des Biſchofs von Cujavien ſowot, als die Königliche Confirmation bereitwillig darüber erfolgt ift.

Beynabe um dieſelbe Zeit þat der König fiche

auch Mühe gegeben , die Differenzen wegen vielet unbefugten Anmaßungen in Schottland aus einana ju reßen ; er hat ſogar ( 1695 ) ein eignes Admo.

2

nitionsſchreiben an gedachten Berichof Dombski era gehen laßen , daß er in den Schottländiſchen Unlie gen ſowol als wegen des alten Streits über die Pfarrkirche zu St. Marien ,

mit der Stadt in

Vergleich treren ſollte , es iſt aber unter damaligen Umſtänden nur ber einem deshalb eröffneten Brief: wechſel geblieben,

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Kapitel.

165 ,

Daneben haben ſich zur Zeit des D. Samuel Schelwig ,

Paſtors an der Trinitatisfirde und noch andre

Rectors des Gymnaſium in Danzig ,

Arten von Religionsirrungen hervorgethan , welde nächſt einer eiferſüchtigen Nufinerkſamkeit des Cleo rus und der Päpſtlichen Kirchenparthen, auch viele Fahre lang unfriedliche Begegnungen unter einigen Predigern der Evangeliſchen Kirche hie ſelbſt mit fich gebracht Qaben.

Gedachter D. Schelwig

şatte bereits in I. 1685 , als er von ſeiner Doç. tprpromotion aus Wittemberg zurůd gekommen war , einen zur Römiſchen Kirche übergetretenen Preußiſchen Landprediger Matthias Prátorius, der ſich damals in dem Kloſter zu Olive aufgehalten hat ,

mit orthodorem Eifer in einer Schrift cen .

furiret, die er nach dem Namen Matthias , Lord Mag betitelt gegabt , und worin unter den Ausa fållen , gegen die Papiſtiſche Profelytenmacheren, inſonderheit der Oliviſche Abt Hadfi und deſſen Bruder

der

Rector des

Jeſuitercollegiums

Schottland , ſich angegriffen befanden .

im

Es war

deshalb ein Garter Streit mit dieſen Geiſtlichen, inſonderheit aber mit dem Biſchofe von Cujavien Madalinski entſtanden, und zuleft alles auf einen Reichstagsproceß angelegt worden ,

wodurch die

Stadt Danzig in große Verbrüßlichkeiten verwickelt zu werden hat fürçten müſſen .

Der D , Schel

wig warnebſt dem Buchdruder Rehte im 3.1688 perſönlich auf den Reichstag ausgeladen , und der Magiſtrat dieſelben zu ſtellen rechtliche

beſprochen

worden , wię dena aqc qus irriger odeț vorſeklich

Danzigs Geſchichte.'

166

verfälſcyter Namensverweď ſelang,

anſtatt eines

Gymnaſiaſten Conſtantin Wolf , der ster dem D. Schelwig diſputire hatte, dem Zweyten Paſtor an der Ober Pfarrkirche Conſtantin Schůz eine gleichmäßige Citation gelegt war , doch ohne daß derſelben in der Folge weiter Ermahnung geſchehn iſt.

Ob nun gleich dieſe unregelmaßige Ausladun .

gen , vermittelſt des am Königl. Hofe reſidirenden Secretairs Albertinimit vieler Mühe find entfråf= tet , dagegen aber unter verändertem Rechtsgang entweder auf die Königliche Entſcheidung im Affefe ſorial Gericht, oder auf ein genugrhuendes Mes diationsgeſchäfte iſt gedrungen worden ,

fo find

doch die dazu vorgelegte ſieben Bedingungspunkte

1

anfänglich ſo þart geweſen , daß nicłyt weniger als Ich were Gefängnis und Geldſtrafen der

Beſchul,

digten , Widerruf und Confiscation der publiçitten Druckſchriften , auch Abbitte an den König und gegen den Biſchof, von Seiten dęt.

Submiſſion

Danziger Obrigkeit Haben erfolgen ſollen.

Nach

einigen Unterhandlungen aberhat man Mittel geo funden , den Biſchof von Cujavien in beſſerer Ate zu beſänftigen , und uneracpret zuç völligen Erlo : ſchung dieſer Streitſache,der Stadt noch ein gro. ßer Geldaufro and 'verurſachet iſt,

ſo hat doch der

Biſchof ſich im

J. 1689 zu einer förmlichen Caffa . tion des Proceſſes verſtanden , fraft deren derſelbe annulliret, und die ausgeladenen Perſonen fowo ! als der Magiſtrat zu Danzig von allen fünftigen Anſprüchen aus dieſer Fehde find entlediget worden ,

So wenig Gures nun dieſer Angriff der Apoftafie

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 167 gefruchtet hatte , ſo ereignete fiche dog in kurzeit eine abermalige Gelegenheit, wobey der D. Schela wig nicht unterließ ,

ſeinen Eifer für die Sacha

der Lutheriſchen Kirche mit gleicher Heftigkeit fü beweiſen. fürſtlicy

Die Veranlaßung dazu gab der Cþur Brandenburgiſche Hofprediger und Pro ,

Feſſor D.

Joh. Phil . Pfeiffer aus Königsberga

welcher bekanntlich im J. 1694 die Römiſc . Can tholiſche Religion offentlich angenommen hat. a ) Derſelbe nun machte zwey Jabre vorber ( 1692 ) eine Luſtreiſe nach Danzig ,

und legte einen Bes

ſud beym gefürſteten Abt Hacki in der Olive aby wo er ſchon damals fniend der Meſſe beywohntea und in einem Geſpräch an

der Mittagstafel, it

Geſellſchaft einiger Gåfte ſich offenherzig über ſeine Neigung zu den Grundſäßen der Römiſchen Kirche arklårte.

Unter andern aber war ein lutheriſcher

Wrzt bieber zugegen , der nachber fein Bedenter trug ,

Pfeiffers geäußerte Religionsmeinungen

lautbar zu magen.

Solchergeſtalt wurde auch

D. Schelwig davon unterrichtet, der dann unvera züglich die Fedeț ergriff,

dem D. Pfeiffer feine

jrrigen Såge warnungsvoll zu verweiſen , und ign zu einer Unterredung einzuladen , womit er denſele ben der lutherifgen Kirche getreu zu erhalten gee dachte.

D. Pfeiffer aber ließ dieſem Brief un .

beantwortet , fand ſich auch nice nad der empfang genen Invitation ein , worauf Schelwig den Ent. fchlaß faßte, an den Oberhofprediger D. von San. a ) J. P. Pfeiffer's Leben und Schriften ; im grlautertere 6. 34.5.695 f Preußen , Tomgg . m . 2.4

Danzigs Geſchichte:

168

Den in Königsberg fehr 'andringlid fchreiben .

deswegen je

Hiedurch nun wurden Pfeiffers Ber

tragen und geführte Reden den Herzoglich. Preußta fdhen Landesſtånden belannt , die aber der Sicher Heit wegen ,

ſich nochmals durch einen committire

ten Landesrath , fobriftlich beym D. Schelwig ere kundigen ließen , Gerücht

Glauben

in wieferne dem ausgebrachten beygemeffen

werden

dürfte.

Schelwigs Beantwortung dieſes Søreibens era folgte nunmehr (o categoriſch und anklagend ,

daß

die Sache des D. Pfeiffer förmlich zu einer Relia gionsbeſchwerde auf dem Landtage gemacht warb, und eine nicht geringe Ahndung derfelben vermuthet werden konnte. Nichts deſto weniger gewann die felbe nachher einen gelinderen Ausgang ; denn weil Die Gönner und Freunde des D. Pfeiffer fich eine pieldermogende Interpoſition hatten angelegen feyn laßen , fo blieb es nur dabey , daß ihm mit einer Berwarnung aufs fünftige ein leichter Verweis gee geben , keine Strafe aber weiter auferlegt wurde, fo Hart ihn auch D. Schelwig beſchuldigt,

und

nach ſeiner Meinung des Predigtamts feruer une würdig þatte anſehen wollen , Ueberhaupt iſt es dem D. Schelwig mit ore thodoxen Propugnationen nicht allerdings von ſtat ten gegangen . feinem Buch

Er þatte ſchon im J. 1686 mie in die reinfte Catechismusreinigung "

genannt, bey der . theologiſchen nigsberg Anſtoß gegeben , und ein

Facultåt in Ko ſcharfes Egure

fürſtliches Schreiben an den Rath zu Danzig , ihn in Scranken zu halten , damit veranlaßetz

Pfirr

Fünfter abſchnitt. Siebentes Kapitel. 169

muchlich ift fein Anſehen unter den Theologen im Herzoglieben Preußen nade der Zeit auch um ſo viel weniger völlig hergeſtellt worden , ' nachdem der Confiftorialrach D. Phil . Jac . Spener, zu Bera lin , deſſen Lehrart D. Schelmig öffentlich entge, gen getreten iſt, viele Freunde und nicht geringen Einfluß hieſelbſt gehabt hat,

Aber mit noch mehr

Publicitár tamen die Streitigkeiten wegen der Spen Merſchen Methode des Chriſtenthums, in Danzig zum Ausbruch ; weil die Anbånger derſelben öffent, lide , gleich wie in Hamburg und anderer Orten in Deutſchland , unter dem Namen einer Secte, der Pietiften aufgeführet, und einer verdächtigen From: meley oder des Pietismus ſind beſchuldiget worden: Was die eigentlichen deshalb in Danzig entſtandea nen Kanzelfehden und Schriftwechſel betrift, fa þat der Paftor Conſtantin Schüß ( vielleicht ohne Abſicht ) die erſte Veranlaßung dazu durch eine Reichenpredigt gegeben , worin er in die nothwen . on dige Entäußerung des Chriſtenthums von allen in metaphyſiſchen Abſtractionen " zur Vorſtellung gemacht hat.

Dieſe Materie nehmlich hat der D ,

Schelwig aufgenommen , und in ſeinem Lections , Programma eine ſehr ſtad lichte Widerlegung dagen gen geſchrieben , oder ſie vielmehr als einen Por: wand ergriffen , womit die öffentliche Beſtreitung der Pietifteren ihren Anfang hat ne men follen , pachdem fchon über zwey andre gedruckte Predigtene welche der Paſtor Schüß ein paar Jahre früher , von der Kinderzucht, und pom moraliſchen Chas He racter der Menſchen “

geßalten þatte ,

ſehr uns

+

170

Danzigs Geſchichte.

gleiche Urtheile Paren gefällt wordet.

Bon gee

bachtem Zeitpunkt an find alfo die Beſchuldiguna gen und Verfolgungen der

ſogenannten Pietiſten

immer deutlicher ins Publicum

getreten .

In die

ten Streitſriften fowol als auf den Kanzeln if Beftig dårůber controvertirt worden, man hat auch ältere und neuere Religionsdifferenzen damit ver : miſet , und wieder in Berdegung gefekt.

Niche

felten hat mit Obrigkeitlicher Macht den Ausbrie den eines perſonellen Unfriedens müſſen vorgebeugt werden , und wenn gleich die Debatten ſelbſt inte nerhalb den Grenzen eines theologiſchen Wortſtreits geblieben find ,

ohne die öffentliche Ruße der bürs

gerlichen Geſellſchaft zu ſtören; ſo ſino pochi fufolge der verſchiedenen Lehrart der Prepiger , aus Amtsa benfall oder geiſtlichem Zutrauen , Partgeren für dieſelben unter den Stadt erwachſen.

Bürgern

und Einfaſſen deye

Hierauf iſt ſodann nach Ber:

þåltnis der Umſtände,

eine Clienţel angeſehener

Familien fundirt worden ,

unter deren getheiltem

Schuß oder Aſiſteng , man in der Folge mindefteng nicht allem Einfluß dieſer Streitigkeiten in politiſchen Zuſtand hat ausweicen fdanen .

den

Aller

erſt nach dem Ableben gedachter benden Hauptpres diger in Danzig

) iſt die Sache des Pietismus all,

målig zur Ruhe gekommen , oder es ift zum wenig ften von der darüber obwaltenden Differenz der Meinungen , nur mit folcher Moderation und zu rückhaltung in den Kanzelvortrågen Gebrauch geo Der Paftor Schug it im J, 1712 uxo D. Shelmiş 1. 1715 geſtorben.

1

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Rapitel. macht worden ,

daß die Kirchengemeinden

171 fein

öffentliches Vergernis daraus haben ne men fönnen . Die beyden legten Zehntel dieſes Jahrhunderts

zeichnen ſich für die Merkwürdigkeiten Danzigs and noch durch eine neue und mit ſchweren Koſten bei ſtrittene Bauarbeit aus , welche wegen einer Ver . änderung des Fahrwaſſers im Seebafen , der Hand . lung zum Beſten , zur Sicherheit und zum beque. meren Lauf der Schiffe, bat müſſen unternommen Gegen die Zeit des J. 1674 ſind die werden . Søåder und Hinderungen immer merklicher und ſichtbarer geworden , welche ſich der damals gewohn lichen Fahrt durchs Nordergatt oder durch den nords , lich laufenden Canal am Ausfluß der Weichfel, vera, moge der Untiefen, Verſandungen und Mangel des Baſfers , entgegen gefeßt haben . natúr lice,

zum

Mehrere theils

Theil auch in mancher Vernach

låßigung gelegene Urſachen ,

batten fich gleichfam

pereinbaret , die Soiffahrt immer beſdywerlicher und unbequemer zu machen , und die damaliger Zeit angeſtellten Erforſchungen und Deductionen regen es nicht wenig ins Licht, daß man zugleich den eben pein gezogenen Weid ſelgraben ,

oder den an der

Muntauſchen Spige gemachten Durchſchnitt der Weichſel mit Grund als eine Urſache davon angegen ben habe, indem die Folgen deſſelben nunmeht umti ſo viel nadrheiliger geworden , weil auch die in dena Landesſdlüffen für Danzig beſtimmten zwey Drita theile des Weich felwaſſers , ber meiten nicht mit dem Strom Becab gekommen ſind, um dem Port Die gepörige. Liefe zu geben . Man hat es demned

Danzigs Geſchichte.

172

für Rothwendig befunden , der Handlungsſchiffahrt: auf Danzig eine anderweitige Erleichterung zu versº ſohaffen , welche in den gerade vor dem Munde der Weichſel liegenden Nordertiefen ſchwerlich mehr Qat

:

ſtatt finden können .

Außer dem gewöhnlich bes

fahrnen Nordertief, waren in der umher liegenden Seegegend gen Oſten und Weſten ,

långſt einige

andre Tiefen vorhanden geweſen ,

welche

durch

Pfåhle , Bollen und Tonnen angezeigt waren , und nad Verhältnis der Umſtånde ziemlich zur Schife: fahrt gedient gatten.

Unter diefen hatte ſich eines ,

welches an dem Ort des jekigen Wefterfahrwaſſers gelegen , und das Pubigertief genannt wurde , vor zúgtich ausgezeichnet, indem es zum Ein- und Aus . laufen der kleineren Schiffe infonderheit der Pußio ger Bdte , mit þinlänglicher Bequemlidyfeit þat ges braucht werden können.

Es war demnach nichts

i natürlicher , als auf dieſe Gegend fein Augenmerk zu richten , war ein Project zur Ausführung zu brine gen , vermittelſt deſſen man einen bequemen Canal zur Fahrt größerer Schiffe , mit Fleiß ano Kunſte arbeit zu verfertigen gedachte,

Die Natur tam

dieſem Vorhaben günſtig zu ſtatten ; men fand an der Weſtſeite , etwa achtzig bis hundert Rurgen vom ufer des Oliviſchen Grundes entfernet, eine merf. Itche Tiefe, welche ſchon natürlic zugenommen hatte , und die man durch unablaßige Baggerung, Schiffahrt tonnte.

immer tüchtiger zu machen

jur

erwarten

Dieſes wurde demnad der Ort , welchen

man zur Beförderung einer die Wohlfart Danziget ſo wahe betreffenden Abſiąt ausråhtte , und 19934

1

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. : 173 man ferner nicht nur den billigſten Koſtenanſchlag zu bekommen , ſondern auch eines kunſtverſtändiger Unternehmers gabhaft zu werden geſucht hat, unter deſſen Aufſicht dieſe Arbeit mit genugſamer Kennte nis und. Treuezum Stande gebracht werden ſollte. Inzwiſchen ſind noch mehr als zwanzig Jahre verlaufen , bevor die deshalb gemachten Entwürfe zur Reife gekommen ,

wonach man ſich über den

Entſchluß geeiniget hat, den projectirten Canal vers mittelſt eines von beyden Seiten geſchlagenen Bolle werks einfaſſen zu laßen, und zur bequemeren Søif. fahrt dienlich zu machen.

Im J. 168 ! hatte mar fick ſchon in ein ſehr nahes Geſchäft mit einem ger

wiſſen Obriſtlieutenant Heinrich Collert von Linge den , der von Hamburg Hieher gekommen war, dies fer Waſſerarbeit wegen eingelaßen . Sein umſtånd . lich dazu vorgelegter Entwurf iſt in die öffentlichen Rathſchlage genommen , allein er Hat die Prüfung nicht ausgeậalten. Er wurde weder bündig und deute lich genug , noch der beygefügten Bedingungen Gale ber annehmlich befunden , und man ging gånzlich davon ab , nachdem man dein Obriſtlieutenant eine Gratification für ſeine ſchon erwieſene Bemühung bewilliget hatte. p ) Die Baggerarbeit iſt nun zwar P ) Xußer dem mißlungenen Vorbaben im 5. 1681, find von * Zeit ju Seit noch mehrere Projecte zu dieſer Waſſerarbeit porgelegt worden. Unter andern hat im 3 : 1696 ein ums findlicher Vorſchlag des Artillerie - Hauptmanns in Dannig Gabriel Sivert , jur Xusbeſſerung des Nordertiefs, fo vies len Beyfall gewonnen , daß man die Baggerarbeit gegeu Weſten eine Zeitlang nur nachlaßig fortgefert hat. Als Aber im J. 1698 Durch den gewaltſamen Eisgang im Vor

3

174

Danjigs Geſchichte.v7; : ?

an dem benannten Orte von Zeit zu Zeit immer north fer fortgefekt worden , und man hat keinesweges ein

Project aufgeben wollen ,

deſſen

Ausführung

die Bedürfnis der alten Hafensſituation immer npth. wendiger machte ; aber erſt im J. 1698.ift.Der eje gendliche Canal, oder ein bequemes Fahrwaſſer auf

11 dieſer Weſtlichen Seite ,

mit einem geſchlagenen

Bollwerke, und mit Aufſchüttungen von Bagger erbe auf benden Seiten deſſelben in fertigen Stasb gefegt worden .

Man hat ferner nichts unterlaßen ,

dieſem neu eingerichteten Hafen alle Vortheile zu , Verfaffen , die zur Erleichterung und Brauchbar. teit deſſelben dienlich ſeyn konnten . Es trug nicze wenig jur beſſern Bequemlichkeit bey, daß die Stadt jabr , und das große Dadurch entſtandene Gewäffer die Odleuſe beym Beftief in der See außerordentlich beſch &s 19 Biget worden , ſo hat man die Reparatur der Schleuſe 1 woli, als auch die Baggerung und alle übrige Waſſerarbeit dafelbft , mit unablaßigem Fleiß wieder vornehmen laken , **** und aufEmpfehlung des Obercommenbanten einen geſchicktem Waſſerbaumeiſter aus Riga dazu verſchrieben . Dennoch ift Leben ſowol ein Schluß der Ordnungen gemacht worden , das Nordertiefnicht ju verabräumen , ſondern die dort entftans denen Defnungen durch neue Pfåle zu ſchließen , und für eine - bleibende Fahrt dafelbft Sorge zu tragen. · Am Schluß des 9. 1699 hat der Baumeifter Serrmann Schulz eine Vors ftellung übergeben, daß durch die Nords und Norboftwinbe, die Arbeit im Norbertief unſäglich verhindert wurde , ins mit gleichen der Weſtercanal durch Verſandung augenſchefilis 11. chen Schaden erlitte, wofür er eine Verlängerung des Bolls werts in Vorſchlag gebracht hat. Zugleich iſt von einein andern Bauverſtändigen aus Lübed , Nahmens Lucas Tiede, ein Project zur Uusbeſſerung des Nordertiefes gemacht, wie auch eine von ihm inventirte Maſchine gegen die Verſanduns gen im Weſtercanal empfolen worden , deren Gebrauch Sie verfprødenen Vorteile doch nicht effectuirt bat.:

1

Fünfter Abſchnitt. Stebente8 Kapitel. 475 Danzig auf dem ihr vermoge eines emphyteotifex Contracts mit dem Kloſter Olive, auf eben dieſer Weſtlichen Seite, zum Nußeigenthum übertaßenen Stůck Landes ,

unterſchiedene

Gebåude aufſeken

durfte , worin zum Theil für den Hafen ndthige Materialien und Werkzeuge in der Näße aufbewahrt sourdea , 9 ) und die unabláßige Arbeit mit den Bage 9 ) Es iſt eine ganz unrichtige Vorftellung , wenn man inftraft dieſes Nußeigenthums bat behaupten tootlen , Dangig babe den emphyteutifchen Contract mit dem Abt und dem Convent des Sclofters Olive Deswegen errichtet , damit :ber Cangl des Wefterfahrwaſſers auf Oliviſchem Grunde und durch Olivia ſches Land geführt werden könnte ." Nichts deſto weniger Dat ſich dieſe Behauptung , inſonderheit feit dem J. 1773 ) nicht nur durch mindliche Relationen und politiſche Baituns gen verbreitet , fondern fie ift aud in die mebreften Staatss. fchriften , und in einige der beften: biftoriſchen Handbücher als eine fichre Chatſache eingeſchlichen , daß man ohne weir tere Unterſudjung niedergeſchrieben bat, Danzig babe desi wegen den Beſiß des Hafensoder das NeueFahrwaſſer vere loren , weil der Vertrag mit dem Oliviſchen Slofter exſpiris ret geweſen , oder auch als: ungültig wäre erkannt worden ; ja felbft von Einheimiſchen die es doch beſſer båtten wiſſen können und ſollen , erinnere ich mich wol damaliger Zeit des politiſchen Seuffer sernommen zu haben : ,, daß doch der 'n Danziger magiftrat ro indigliant geweſen , die Erneurs or rung des emphyteutiſchen Contracts mit der Olive zu vera ni abfäumen . " Lauter falſche Ideen , welche die Ignorang son allen Seiten verrathen ! Die Wahrheit der Sache vers balt ſich in den weſentlichften Umftanven folgender maßen : Der Contract mit dem Kloſter Olive wegen des Oliviſchen Landes und Weſtkruges tard ſchon im J. 1627 geſchloffen , zu einer Zeit da noch an keine Veränderung des Fahrwaffen canals gedacht wurde; der darin eingeräunte Befik des ges Dachten Landes an Danzig bejog fich auf die Verthepdigung des Weichſelports und des Seeſtrandes , und beabfichtete sine frere Fortification von feiten der Stadt , beym bamas ligen Unsbruch des Schwedischen Krieges , worauf auch die

276

Danzigs Geſchichte :

geçmaſchienen þat im Lauf der Zeit: endlich den Ng Ben erzielet, daß

auf beiden Seiten des Canals,

die ausgebaggerte und aufgeworfene Solidferde eine Conſiſtenz erlangt hat,

uud jur Confervation der

Bollwerke ein feſtes Land geworden iſt, wovon das rechtet ( 8. 477. B. II, dieſes Verſucho ) erwähnte Weftſchanje fangelegt tourbe. Im I. 1647 wurden auf Aimabaung des Xônigo von Poten , die hieſelbft errichteten Seftungswerte nochmals verbeſſert, und die Stadt renovirte nun den obis Tis igen Contract mit dem Abt und dem Convent des Seloſters Dlive, ju etaphytestiſchen Rechte auf 93 Jahre, gegen einen jährlichen Canon von hundert Reichsthalern . Sie iſt ſeit der Zeit in ungestörtem Befit des gedachten Landes geblier iben , und als die Erfpirationszeit ihted emphyteutiſchen Cis genthumsrechts fich genabt hat , ſo iſt im J. 1739. 28 Aug. der vorige Contract unter gleichmäßigen Bedingungen reaſſus mirt und jur Fortbauer bis auf das Jahr 1833 erneuert worden . Während erfterem Zeitlauf hat fich die Veränder Tung mit dem Beu angelegten Fahrwaſſer von der Weftlis chen Seite ereignet. Diefelbe betraf aber auf keine Weiſer weder das im Contract begriffene , noch außer felbigem jur Dlive gehörige Land ; der neue Canal ward über den Bodex des Meeres geführt und errichtet , und an der ausgebaggets ten Schlidkerde konnte fich weder der Abt noch der Condens ein Grundeigenthum anmaaßen ; fie haben auch nie den Ges banken dazu geußert , noch irgend einen Widerſpruch gegens die Befugnis der Stadt für die beſſere Bequemlichkeitibres • Hafens zu ſorgen , rege gemacht hat. Die einzige Versi (nüpfung worin fich das Wefterfahrwaſſer mit dem der Stadt empbotevtiſch gehörigen Dlipifcben Laude befindet , befteht In der vortheilhaften Naheit dieſes Landes , um daſelbft zum Sebuf der Hafens einige Gebäude errichtet ju haben. Es ift demnach klar und erwieſen , daß die Anlegung des Wefts fabrmaffercanals , in den Inhalt und die Rechte des emphy tevtiſchen Contracts der Stadt wegen des Oliviſchen Landes niemals babe eintreten können . Deffen ungeachtet wird ins merført in den Staatsſchriften , so die Königl. Preußiſdeg *

7

!

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Kapitel.

170

rechter Handgelegene Theil als eine Infet-erſcheinec. und gemeiniglich die Weſterplate genannt wird, das links gelegene hingegen nunmehr an das Oliviſche Ufer anſtoßet.

Ehe es aber noch mit Hülfe der

Ratur und vermittelſt unabläßiger Arbeit zu dieſer Befeſtigung des Hafens gekommen iſt, hat doch im J. 1717 eine abermalige Verbeſſerung vorgenoma

Redste vertbendigen, behauptet , bab Danzig das Neue Fahre waſſer auf Oliviſchem Grunde angelegt babe , daß aber dio Gerechtſamen , welche Danzig dazu aus dem emphyteptiſden Contract mit der Olive hätte gewinnen können , aus gültis i gen Argumenten der Nichtigkeit beſagten Contracts unkråfe, tig waren . Allein dieſe Differenz mub klar werden , ſobald man die benderſeitigen Redtsgrinde beleuchtet. Die Preus ! 3: Bifche techtsvertheydigung beruht auf dem Saß:: Daß Dans's! sig reinen jeßigen Hafen auf Oliviſchem Grund und Boden 7. unrechtmäßig erbauet habe. Weil ich aber doch dagegett u einrvenden ließ , daß der im J. 1647 mit der Abter Olive Gn geudachte emphyteutiſche Contract , den Danzigern an dieſer G # Weſtlichen Seite , das Territorialnußungseigenthüm , und . : alfo' auch das Recht daſelbſt zu bauen verliehen hätte, wovon im I. 1698 für einen neuen Hafen -Gebrauc gemacht wors i den fo mufte man nothwendig ein Argument worſdieben , seisodinit zugleich befagter Contract rechtlich umgeſtoßen wers Der konnte. Danzig behauptet dagegen , fein neues Fahrs Waffer auf Grund und Boden des Meeres errichtet zu haben, mund teugnet ſchlechterdings , Daß irgend ein Eigenthum oder I ausſchliesliches Recht der Abtey Olive fich bis dahin erftreckt oshabes ift übrigens , ganz ohne Beziehung auf den Hafen Streben o fehr überzeugt , die Rechtmäßigkeit und Gültigkeit 11 : des employtebtiſchen Contracts mit dem Abt und dem Cons pent zu Dlige sertheydigen zu können . Auf welcher Seite is ann das Recht fått finde, if hier nicht der Ort , ſich zu ers # 9 #ldren . man leſe davon : Gedanien von dem Eigenrbum Des Danziger Safe , und die denſelben beygefigte Bes . merkungen aber die zu Berlin 1773' berausgelomntene queraatofobhrift: Preuves & Defenſe des droits du Roi Jur léporo & plage de la Vistule Beſch . Danz, 3ter Th . M

1

1

178

Danzige

men werden müſſen.

Geſchichte .

Man hat der allmåligen Bergy

ſandung des geführten Canals nicht völlig abwehren können , und es iſt Gefahr dageweſen , daß dieſelbe zum gånzlichen Ruin überhand nehmen möchte.

Die

Grade bat fic demnach genöthigt geſehen , den gane? zen Canal des Weſterfahrwaſſers in engere Grenzen zu bringen , beybe Seiten deſſelben aufs neue mit ſtarken Pfåhlen zu verrammen , Einſtampfung der

und ſelbigen durch

Hintergeworfenen Baggererde,

nod mehr Feſtigkeit und Stårke zu geben . r )

Seit

dieſer Zeit dienet: nun gedachter Canal zur gewöhn . lichen und bequeinen Faþrt der Handlungsſchiffe, und er wird mehrentheils Neufahrwaſſer genannt, weil das erſte oder alte Weſterfahrwaſſer , wie eben 1 ) Seit dem Jo 1713, hat die Waſſerarbeit am Seehafen mit saußerordentlichem Fleiß und nicht geringen Koſten múffen erneuert werden , weil reiffende Stürme, Eisbrüche und Ueberſchraemmungen inſåglichen Schaden verurfachet und große Schlidhaufen und Sandbanke hervorgebracht hattet . Sn dieſem und den folgenden Jahren ift noch am Nordertief ſo wie im Wefterfahrwaſſer die Reparation, wechſelsweiſe und faft mit gleicher Alemfigkeit fortgelegt worden allein im J. 1716 hat die Staufmannſchaft Aufuchung gethan , daß vorzüglich der Weſtliche Canal in brauchbaren Stand ges fest werden möchte. Hiemit ſind die Vorftellangen frem : ber ſowol als hieſiger Schiffer und kunſtverſtändiger Bau : sleute übereinſtimmtend geweſen , und obgleich der Rath noch öfters nach dem ehemaligen Plan des Stadthauptmanns Gieveit , die Aufxxumung des Nordertiefs,vornemlid int empfelen geſucht hat , ſo ſind noch mit Anfang des J. 2717 den Ordnungen gwen Projecté sur Vervollkommnung der Wes ftertiefs vorgelegt worden , welche größtentheils nadiden Borſchlagen des Hauptmanne Charpentier bey der Stats Garniſon , angenommen , und ohne daß die Arbeit am Norder: gatt daneben gånglich verſäumt werden ſollte, zum Schluß und zur Bollziehung gekommen ſind ...

3

Fünfter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 1791 arigegeigtworden, nach Verlauf von neunzehn Jaß. ren -eine nene Veränderung hat aufnehmen müſſen. Es dürfte für unbergenblich angeſehn werden ,

wenn wir die Regierungszeit des Königs Johann des Dritten in der Geſchichte Danzigs berdließen ſollten , ohne des großen Mannes in dieſer Periode Erwähnung zu thun , welcher nächſt einem ohngea fehes anderthaldhundert Jahre früher eben ſo glåna? jend aufgetretenen Thorner Bürgers - Sobne , dem Frauenburgſchen

Domherrn Nicolaus Copernis

cus, nun als der zweyte Polniſch Preußiſche Aſtro. nom erfter Große , einen allgemeinen Weltruþm ers reict hat.

Wir gebenten demnach des berühmten !

Hevelius oder

Johann

Hewelke , gewefenen ?

Karbsherrni der atten Stade Danzig , nicht um die befannten Lobreder : auf ihn zu wiederholen

und

noch weniger derfelben etwas hinja fügen zu fóna

nen , s ) ſondern nur einige hiſtoriſche Zeugniffe darà zulegen , wie ſchmeichelhaft für die Ehre unſecër á Die vornehmſten Lebensumftande des berühmten Sedelius findet man in vielen kleinen Schriften verzeichnet, und zum Theil dem Inhalt sroßerer Werke einverleibet. Die volls ftändigſte Nachricht davon enthält jui' Zeit noch das Erläus si Berte:Preußen im Ileen Bande 170 XII. welche fich vom) ehemaligen Profeſſor 6. D. Beyler in Elbing berſchreibet. Ates aber was zur Erläuterung und Berichtigung der Anete Doter aus der Lebensgeſchichte dieſes großen Mannes bens rf kragen kann ,imgleichen was eine deutliche Darftellung littes rariſcher Nachrichten von Ihm und ſeinen Schriften gewabs tus C. B. Lengnich in ſeinem 34 ret , ' HE Danzig 1786 hetausgegebenen hevelius erſchöpfet , und in fechs Griefen webft zwey Zurigen , mit fließender Schreibart ſowol als in einer lichtvollen Ordnung auseinander geleget. M2

180

; .:,

Danzigs -Geſchichte.

Stadt ,

dieſem ihren erhabenen Bürger ; eine alla gemeine Achtung , ſelbſt von den größten Potenta .: ten in Europa feny erzeigt worden , worunter ſich vors züglich die Beweiſe der vertrauteſten Zuneigung und : der gefliſſenſten Aufmerkſamkeit des Königs for hann Sobieski auszeichnen, der, unfern Hevelius mit fleißigen Beſuchen -beehret, ibn ſeiner Verdienſte

und ungemeinen Kenntniſſe wegen geſchåget, iba ? berdenke , und meør denn einmal den Ständen feien nes Reichs als eine Zierde des Staats angeprieſen , und fur Offentlichen Hervorziehung empfolen hat. So unabläßig Hevelius mit Stadtgeſchäften . und Amtspflichten ſomol , als mit gelehrten Arbeitet ten und aſtronomiſchen Beobaqrungen überhaufet" . geweſen , ſo wenig þat er doch

keiner wirthſchaftlice

den Nahrungsquelle, der Bierbrauerey einetätiged Aufficht entzogen , und es mußte viel zu ſeiner Zum friedenheit bertragen , das unter den Stadtdifferena-i zeng , die ſich au ſeiner Zeit oft mit der Brauerzunft i wegen des Bierverkaufs und unterſchiedener fice darauf

beziehender

Freyheitsrechte Hervorthaten,

König Johann iặn im J. 1677. mit einem Reſcript begnadiget hat , kraft deſſen er für feine und ſeiner Ghegattin Lebenszeit,

von allen Abgaben an

die

Brauerzunft Frer geſprochen , udb'ibm die Erlaub . nis ertheilt iſt ; ſein gebrautes Bieg in urd, außers halb der Stadt zum Scant anflegen zu laßen. Um eben dieſe Zeit ist ihm von gedachten Könige, auf lebenslang eine jährliche Penſion von Taufend Sule den , durch eine mit dem Königlichen Kammerſiegel ausgefertigte Urkunde verſichert worden ; und es ist

Fünfter Abſchnitt . Siebentes Kapitel. 181

glaubwürdig , wenn gleich nicht mit eben ſo flaren Documenten erwieſen , daß er von Ludwig XIV , svom Könige Carl II. in Großbrittanten, ingleichen von den Herzogen von Orleans und Floreng, eben fo'ehrenvolle Geſcente, als Beweiſe ihrer Achtung Sempfangen habe. barkeit,

Die Empfindungen der Dant.

womit er fick

dfters darüber in ſeinen

Sobkiftet , oder 'itt den Vorberichten und Debica. tionen derſelben ausgedruckt hat , feßen es faſt au . Ber Zweifel, daß die Großen mit dergleichen Frey . gebigfeitsmerkmalen feine Verdienſte Şaben "hen wollen .

erfen

Seinem Könige Johann dem Drits

ten hat er dafür noch das beſondre Opfer der Danko pflicht gebrache , daß er das Sobieskirche Stamme wapen mit dem Namen Scutuṁ Sobiesciaħuni unter die Geſtirne des Himmels gefekt hat, und Hevelius Wittwe kat im J. 1690 die ganze Vor Mellung des geſtirnten Himmels unter dem Titel: Firmamentumn Sobiescianum Gochgedachtem Kodi mige mit einer Zueignungsſchrift gemidniget. you... Seßt fchmerzlichen Antheil nahm man bey Hofe powol als anderet Orten an dem unerfeßlichen Schas den , den er durch einen bekanntlich in ſeinen dren Häuſern bosħafter weiſe angelegten Brand, mit dem Verluft der dortreflichſten Inſtrumente , eineë auserleſenen Bibliothet , einer eignen Buchdruge cen und eines großen Vorrat s feiner Schriften im 1. 1679 erlitten hat.

Außer andern ihm minder

Offentlich deshalb bejeigten Proben' des Bepleids, ließen die Stände der Provinz Preußen , auf der währenden Vortrag des Grafen Donhof, Borwo. R 3

Danzigs. Geſchichte. den von Pommerellen , einen Lömdesſchluß zu Ma. rienburg abfaſſen , Eraft deſſen Hevelius nicht nur Höchlich beklaget , und ſeiner feltenen litterariſchen Verdienſte wegen geprieſen , ſondern auch in Bea tract des erlittenen Brandſdadens , von den eilf damals im Lande bewilligten Maljaccifen , für ſein Brauweſen fren exklárt wurde. Indeſſen hat der würdige mann ſein Unglück nicht lange überlebet, und nach feinem eigenen Geſtändnis ; mogen der ſeines Verluſts wegen fortgepåørte Kummer ſowol, als eine verdoppelte

Anſtrengung der Kräfte , in den Arbeiten für fein Lieblingsſtudium , zur Schwä. chung ſeiner ſonſt feſten Geſundheit nicht wenig bey .

getragen þaben .

Er iſt im J. 1687 an ſeinem Ges

burtstage geſtorben , nachdem er ein Alter von 76 Jahren erreicht hatte.

Nad feinem Code , der

von Johann dem Dritten aufridutig ift bedauert worden , hat dieſer König noch die rühmlice Atten tion bewieſen , der Stadt Danzig die Wachſamfeit für die hinterlaßenen Schriften dieſes großen Ges

Leguten leber iſt auch ſpåterhin die Ehre wiederfahren ,

daß ein

gefrontes Haupt aus Sarmatiſchem Stamme , feie ner Aſche Denkmåler der Größe zu ftiften , es ſich mit ſelbſteigner Erhabenheit des Geiſtes , zum Ges fchäfte gemacc bat.

)

+ ) Der jeßige Beichußer der Mufen auf dem Polniſchen Chroy ne wetteifert mit ſeinen Königlichen Borgänger , indem er den berühmten Gevelius durch ehrenvolle Monumente für 59 die Nachwelt'unfterblich zu machen bemüht ift. Dieſer glors m . miche Kednja Stanislaus Auguſtus bat ibu schon su ABAN

Fünfter Abſchnitt.

Achtes

Achtes Kapitel. - 183

Kapitel.

Die Dänziger Abgeordneten werden auf den Landtage ges mishandelt - dafür erfolgte Genugthuung - zwiefadye Kontgsivabl - dem erſtgefronten Rdnige Anguft II.will die Parthey des Pringen von Conti nicht weichen - der Pring fein Anhang wird zers kommt auf die Danziger Rhede ſtreuer und der Prinz eilt nach Frankreich zurück - Dáne zig fått in die Ungnade Ludwigs XIV , und verliert die Schiffahrtss und Handlungsfreyheit auf Frankreich das Polniſche Reich wird allmålig beruhigt - der Konig kommt nach Danzig und läßt fich huldigen - die Jeſuiten verſuchen einen neuen Eingrif in die Kirchenrechte der Stadt

- der Churfürſt von Brandenburg läßt Danzig wegen ſeiner Beſignehmung der Stadt Elbing gufrieden ſtellen Theurung des Getreppes und anderer Lebensmittel in Dane # Danzig Vorſceuen des Krieges mit Schweden Tarifig tritt in das ſchwere Geſchaftugur Verfahnung des Franzos 4 fifchen Hofes - Danzig tſoon die Utrechteriffrtedenishands lung eingeſchloſſen worden. 1

Nach dem Ableben der Konigs Johann des 1696 Dritten , blieb das Polniſche Reich noch immer 17 Juwy. durch innerliche Unruhen zerrůttet, die zu größerm Unbeyl auch eine mißhellige Königswahl nach ride gogen .

Die Provinz Preußen enthielt ſich gieben

zwar einer partheyiſchen Tbeilnahme, doch ließen ſich nicht alle Widerwårtigkeiten vermeiden, welche Iday in eittem feiner Schloßfale, unter den glänzenden Bilds hiffen verdienftvoller Gelehrten und Staatsmänner der Pols nifchen Nation eine Stelle gegeben, und neuerlich ift Sein hober Befehl volgogen , vermoge deffen unſerm - Sevelius * H Daljig , mit Errichtung einer aus föniglicher Gnade ges Whenkten Süfte deſſelben , im Altftadtſchen Matbhauſe unter 4

;;

* 184

Danzigs

Gedichte..

das Land fomol , überhaupt , als einzelne Mitſtånde deſſelben beſchwerten.

Gleich auf den

erſten Lande

tage zu Marienburg ereignete ſich ein widriger Bors fall , daß die Abgeſandten der Stadt Danzig geo mißhandelt

wurden .

Die Pußiger Ritterſ( aft

hatte es auf eine Rache gegen die Obrigkeit dieſer Stadt angeleget, weil zwey Pommerelliſche Edel. leute ihrer Vergebungen wegen daſelbſt waren ins öffentlichen Feyerlichkeiten ein Ehrenbenkmal gelegt ward. " Eine Veranlaßung hiezu hatte die ebrfurchtsvolle Debicas tex s sverwand math , und Gericht der Alten Stadt Sr. sednigl. Majeftat die Rede überreicht batten , welche nach ihrer Veranſtaltung , zum Jubelges dächtnis des Gevelius als oormaligen Mitgliedes der Alts ftadtfchen Magiftratocollégien , im J. 1787 an ſeinem Ger burtos und Tobestage den 28ften Januar war gehaltenwors den. Sie haben nichtingrigedachte in Bronze gesoffene su fte , tebft denk von inlaabifchem Granit gearbeiteten Piedes Hal , zum Andenken ihres ehemaligen Collegen, fondern auch an zwey ihrer Mitglieder , perſonelle Geſchenke, als Bes weiſe der stöniglichen Huld und Zufriedenheit , dafür ents s 1 Pfangen . Ein kleinere , Gels. Kriegsrath Dan . Don Daviffon ſeinem mütterlichen Ahnherrn Sevelius , auf deſſen Leichenſtein in der Altftadts ( chën Pfarrkirche zu St. Catharinen hat reßen laßen ;" bezeus get am nächften den achtungsvollen Familienaffect , der ſich mit einem dem Heveliſchen Lieblingsſtudium conformen is fer für die mathematiſchen Wiſſenſchaften , in gedachten feinen Elterfobne pergeſellſchaftet befunden bat. inen Elte Rede , bey Gelegenheit der fenerlich überreichten und errichter ten Büſte Sevelit , auf dem altftädtſden Rathhauſe der 8. Novbr. 1790 gehalten von Fried ernſtvon Sennig, Sönig), Polniſchen würklichen Legationsrath und in Danzig fubfiftirenden Commiſſarius : nebit den Neden det atteſten Katysverwandten der Alten Stadt und wortführenden Herrn Job , Kruſt Schmidt , wie auch des Gerichtsverwandtex der ettenStadt Job. Seinr. Soermans, die ben get bachter Solennität fino gehalten und Durd den Deud bet tannt gemacht worden 10

Fünfter Abſchnitt. Achtes Rapitel. Gefängnis gefekt worden .

185

Die Landboten des

Pubiger Bezirks hatten deshalb eine Inſtruction befommen , worin außer den Klagen wegen Tolpo ranz der Mennoniten ,

der Pietiſten und anderer

verhaßten Religionsfecten in Danzig , inſonderheit über der Danziger geringſjåkiges und,gewaltſamce. Verfahren gegen den wurden.

Des

Udel Beſsbwerden geführt

Burgermeiſters Schmieden war

s ogrin namentlich als eines Verachters der Edelleute gedacht , und man þatte die Boten bey Ehre und Gemiffennerpflichtet, gedagtem Burgermeiſter nebſt sDem Rathmann Peſchwiß , als Abgeordneten vor Danzig feinen Siß auf dem Vandtage zu verſtatter , fondern aufihreEntfernung zu vringen , auch nicht ju erlauben.

daß Danzig in die gewoonliche Lan .

desverbindungwährendem Zwiſsenreich eingeſchlof fen würde.

Würflica fanden die Pukiger Land by

ten zu einer :fo feindſeeligen : Begegnung unter der übrigen Ritterſcbaft auf dem Landtage Beyſtand , Den Danziger Herren wurde foon mit einem wider feßlichen Gedränge der Weg vertreteni,

ale fie rise

gur Eröfnung des Landtages aufs Nachhaus bega: bens kaum aber waren ſie ins Ziminer getreten , erhob man ein Geſcbrey gegen fie mit den verſehir lichſten Schimpfworten und Drohungen Jentfernen .

ſich zu

Man Þielt fler ſogar inie Streitarten

und zwang ihnen dergeſtalt eine mündliche Proteſtation gegen offenbare Gewalt ab.. topmit ofte die Verſammlung verließen .

Sie wurden

dato

auf unter fortdauerndem Lärm faſt hinaus,geſtoßen , und mußten in der ledig gewardeden Landbofenſtube MS

186

.:

Danzigs

ihre Sicherheit ſuchen.

Geſchichteo

da

Auch hier wurden fteson de

sdurchgebenden mit Beſchimpfungen nicht verfcho . " moet, doch verweilten ſie bis zu aufgehobener Zůs Famimenfunfe , und wurden nachger: der Siderhet balber durch den Biſchof son Ermland und zwen Woywoden ,

som

Rathaus pinunter begleitet.

Die Abgeordneten von Elbing , welche nadit Dan. gig den Landtag bezogen Katten , mußten ebenfalls Sunter dieſem Ungeftůní der Ritterfoaft tiden . Sie fanden keine lidtgen Stühle mehe ;s ' und ihre Preise Waren vom Adel befeket ; unerachtet auch der A

schof von Ermland etliche male Stüble zu bringen befahl , fo gefchahees doch nicht, fondern einer von den Abgeordnetekt , blieb die ganze Zeit über ſtehen , dagegen det andren einer zugeſtoßenex Oynmad : balber weggehen mußte. Noch ärger verging es dem Gefolge der Darjáger Geſandſchaft, deren mügeo brachte Stadtreurer : blutig geſchlagen und mit Så. belgieben verwündet wurden , ja es durfte nur je . maito für einen Danzigér angeſen werden , fo batte er Gefahr für ſein Leben zu fürchrenia: 0:55 *** " Hiemit nun gerfehlug fich Bandragsgeſchäfte.

alle Berreibung der

Die Abgeordneten der Gros

Ben Städte wollten fich zur zwei cen Zufammen . kunft nietyt wieder einfinden , und nach vielen uns ster Den Stånden deshalb erfolgren Debatten ward endlich laut seinigero rechtlichen Vorſchlagen belie bet , fico ernftlich zur Befriedigung der Städte zu bequerken .

Dren Edelfeute der Provinz , unter des

men der Caftelian Czapski bon Rruswich der vor . Bromſhe war., wurden nach Danzig geſchicket, with

Fünftec Abſchnitt. Achtes Kapitel. 187 por dem

verſammelten Rath einen Antrag für Bett

föhnung zu machen , und ſich zu einer ebrenvollen ! Genugthuung an die Stadt zu erbieten .

Dieſe

ließ alſo der Landesgeſandroaft durch zwey Rathe. þerren die Gegenerklärung überbringen ;

daß vox

nemlich Elbing in Gemeinſchafe threr Sache mit verſöhnt werden müfte;

daß man einen fünfelgen

Landtag nicht für prorogirt , ſondern als neu an gefekt annehmen wollte ; und daß auf felbigem die eigentliche Art der Genugthuung abgemacht werk den foute, öffnet,

Hierauf wurde ein neuer Landtag ers

deſſen vorläufige Beſchlüſſe aber die Aby

geordneten von Elbing und Danzig ihrer Befriede gung wegen 34 Kogelięc ohnweit Marienburg ab warteten , bevor ſie, feyerlich iþren Einzug in die Stadt hielten .

Es ward ein dreyfacher Landes

foluß in ihrer Sache ausgemittelt:

Permöge des

erſten ſollte die neulich efregte Unruge als eine Vert und derglets

legung des Völkerrechts angefeben ,

den Gewaltthätigkeiten künftighin , bey der hårter ſten Strafe bis zu ewiger Landesvermoçifung werbe Der smeyte ließ mit oslliger Anertente ten ſeyn. nung der Ehren , Borrechte und Freybeiten der Großen Städte, alle ijnen widerfahrne Verusia glimpfung, auf die Urheber derſelben zur vorbebab tenen Strafe zurück fallen ; und laut des Drite ten , wurde die Unterſuchung der Sache nebft der Beſtrafung ihrer Tbeilhaber ,

noch während der

Zwiſshenregierung Hot vollziehen beſtimmet.es red : erfolgten darauf bey der erſten Zuſammenkunft mit den Stånden , noch perſonelle Freundfihaftsver @ir

Danzigs Gefchichten

788

Herungen gegen die Abgefanbten "Bee Ståbte, die drey Landesſchlüſſe wurden auch angenommen und 1696. geſiegelt , Und nur gewonnen die Staatsgeſchäfte Aug. auf dem Landtage einen friedlichen und ungeſtörten Fortgang . -90120 In der Inſtruetion gegen den Convocations

xeichstag ,

2

wurde nachft

ſorgfältiger Empfelung

aller Vorrechte des Landes ,

insbeſondre der altex

Forderungen Danzigs Erwähnung gethan , und gtenådoft auf den Waſſerbau bey der Muntauſchett Spige ſowotprats auf die Sicherheit der Städte gegen die Polniſchen Zollämter gedrungen . Polett and Liethauen aber waren mittlerweile durdy 'tutbu . fènte Staatsbündniſſe getrennt worden , der Reichs . tag wurde geviffent , und es trat eine Conföderation zufammen , welche mit Ausſdluß außer der Königlichen Familie , tag anſekte.

aller Piaſtet

den Wahlreiche!

Nichts deſto weniger

dauerten im

Reiche die Trennungen fort, und dieſe Batten zu gleich auf Preußen den Einfluß , daß hieſelbſt dren Verbündungen nach einander aufkamen , unerach: det fie insgeſamenicht einſtimmig blieben , und inte fondergeit den Widerfpruch der Städte gegen fick Vattent. Elgieder nachtheiligften Folgen dieſer Ber: wirrungen ward die Abforderung neuer Landescond tributionen und Abgaben , welche durd die militai: riſchen Conföderationen in Polen und in Litthauen noch

dringender

gemacht wurden . '

Inzwiſchen

1697. tâm die Zeit des Wahlreichstags heran.. Deri beća wicemeten Königin wurde es febr nahe geleget ', fich ifrer parthenifdyen Mbficbten

þalber , borger Sod

Fünfter Abſchnitt. Achtes Rapitel. 189 Barſdau zu entfertien ;

ſie entſchloß ſich demnach

zue Abreiſe , kam nad Danzig ,

und iſt Hiefelole

bis nach der Krönung des neuen Königs gebliebena Unter den Rroncompetenten ſchienten der älteſte Königliche Prinz Jacob Sobieski und der Frane .'15 ? En göfiſche Prinz Franz

Ludwig von Conti die

nächſte Anwartſchaft zu erlangen : obne offentliche Meldung wollten einige den Churfürſten Dort Bayern erheben ; allein der ſeine Aniwerbung lante fpåteften kunt gethan hatre, und gegen den die Unat

1

gewisheit ſeiner Reltgion noch weſentliche Schwie « rigkeiten legte, der Churfürfi Friedrich Auguſt von Sadyfen gewann vor allem übrigen !Rroncandie daten die ſtårkſte Parthen .

Auf einer Seite des ?

Wahlfeldes hatte man ſchon den Prinzenvon Conti zum Könige eemablet, als auf der andern die Stimmen noch zwiſchen dem Prinzen Jacob und dem

Churfürften

von

Sachfeni geeheilt waren .

Nachdem aber von den Condiften die Proclamation 27Juny. geſchehn war , fo vereinigte ſich die- andre Parthen's ganz für den Churfürſtext", cief denfelben zum Roos nige aus, und eilte in eben die Kircie , nooi die ers ! Stern ihr Danflied angeſtimmt Batten , um igrere ſeits den Ambroſianiſchen kobgefang für Friedrich Auguft.zu fingen : :-* 1.3: 47790 " , tin

Die Michon vorgängig, crtheitte Verſicherung dom abgelegten Glaubensbetenntnis des Churfürey ſten zur Römiſch Catholiſchen Kirche , wurde nuna? mebr von ſeinem Abgeſandten dem Oberften Fleme ' ming mit bintanglichen Zeugntffen beftåriget ; deroj ſetbe beerdigte darauf im

Namen feines Gerren die

190

Danzigs

Pacta conventa ,

Geſchichte:

es mard auch eine Seſandroban

an den neugewählten König beliebet , und mit En digung des Wahlreichstages fekte man die Zeit:qund Krónungsreichstage feft .

Die Polniſche Gefandi

3 Jul. Ichaft fand den Churfürſten bey ,Tarnowiß auf Bet Schlefilden Grenze ; drey Tage darauf beſchraor ex fchon auf polniſchem Boden den Wahlvertrag in der Pfarrkirche zu Pifaris, und zwen Wochen (på : ter bezog er das Krakauſche Schloß , um die Krox nung daſelbſt zu erwarten . Dieſe ſchnellen Forte ſcritte ließen die Contiſche Faction feinen glücklie den Ausgang ihrer Sape vermurben ; deſſen una geachteto regte diefelbe unter der Anführung des: Reichøprimas igre Maaseegeln

fort

. Sie ſuchte:

das Anfehen des Cowfürſten fut fehmachen , und von furchtbaren Anſtalten des ; ließ falſche Geräte Franzöſiſchen Hofes verbreiten .

Die Proding)

Preußen wurde-, inſonderheit, mit einer mächtiger ?

Franzöſiſchen Landung bedrubet

uno Danzig follce

auf Frangda durch den Geſandten von Chateauneuf Fiſche Seite gebradyt werden . Alle dergleichen Away ſchläge wurden zwar vereitelts als, fide, aber auch cine Conferenz mit der Sacolifen Pareget gerſola gen hatte, ſo legten die Concijten es auf Hindernifie Sie an , die Krónungsfererlichkeit zu vergågern. verlangten eine abermalige Zufammenkunft, diefelbe ward auc in Warſchau gehalten ,

allein der Vores

wand zur Vereinigungu den man işe gegeben patte , mard dermaßen berunſtaltet , daß von den Widrigmı geſinnten ein unvedtlicher Rotoſongegen

dem

ecki

wibloen König Pluguft gemacht - cund auf dette

Fünfter.Abfanitt: Achtes Kapitel. Barſchauer Shloß unterzeichnet wurde.

19.00 Dettori

noch ließ die Sächſiſche Parthen dadurchy den Førtei gang der Krðnung nicht ſtören : ſetbige ward unge . hindert zu Krakau vollzogen , und zu gleicher Zeitus Septr. gaben einige der vornehınſten Gegner ſchon Hoffos nung , fich zu unterwerfen ; nur eine eben einger " croffene Nachricht von der Abreiſe des Prinzen von Conti aus Frankreich ,

Gernichtete wieder die gur )

Ruhe des Staats erwetten

Entſchließungen.

10

Der Krónungsreichstag wurde innerhalb viere; zehn Tagen geerdiget , weil man die erheblichſten Staatsgefchäfte bis nach der Submiſſion der Rom tofzianes

quoſeben wollte.

Nothwendigerweiſei

wurden Berthendigungsanſtalten gegen die Ankunft des Prinzen von Conti gemacht, dem ſeine Ane þånger mit lebhafter Erwartung entgegen fahen.. ! Der Cardinal Primas ließ für ihn den Adel aufbice ten , der Litchauiſche Großfelbþerr verſtärkte diet Truppen des Rokoſt ,

und eße die Verbündeten ,

Warſchau verließen ,

wurde viele Munition aus !

dem dortigen Zeughauſe abgeführet. Ein Tþeil ? der Senatoren und des Udels eilte mit dem Franzdevi fiſchen Gefandten dem Ubt Polignac nad

Danın

zig , um den Pringen idaſelbſt zu bewillkommen ;" und ein jeder glaubte recht viel zur Forcfekung des. großen

Vorhabens beytragen

zu können .

Deris

Prinz war in Begleitung des berühmten Freybettai; ters Chevalier Bart, der ihn von Dünferfen ; abe geholt hatte, mit fechs Fregatten , deren die gröfte vierzig Kanonen führte, auf die Danziger Nhede 46.Cpter angekommen . Die

Umſtände

aber

entſprechen .

+

1

1921

Danigó

Gefchichte. :

nicht den hohen Exibártungen ,

fo mas por det ?

wechſelſeidgen

Brülfleiſtung genåbte Katte. Deri Pringy , von deffen Soiffen ahngefehr 1400 Mauno 12.10

Soldaten ans land gefekt , und in der Duivifchen Gegend einquartiert wurden ,

glaubtesxine zaalta

reiche Armee und fertige Anſtalten zu einer kühnenni Kriegsunterne mung gu finden ; polniſer Seits. hingegen gedachte man mit großem Geldſumment ) aus Frankreich unterſtüket zu werdemstund vermitol? telft der Frengebigkeit des Pringen , svečft polniſche Sruppen zuſamiten zu ziehen : allein von beydent : Theilen Batte man ſid , geirrét,

und unetachtet die

Häupter des Rokoferowol als die gerbeygekomme. 1 nen Magnaten es nicht am äußern Ceremoniel_feha ! len ließen , dein Prinzen igre Trgur zu verfichern , ſo ſchien diefer dode für ſeine Siderheit ifa wepig ? Bertrauen

zu faſſen ,

daß ers inicke einita

Nacht auf fejtem Lande verweiten wollte.

eine

Die geri

genfeitige Unzufriedenheit nahm ſolchergeſtalt tåge . lichy megt zu ; dergebens ſchlugman dem Pringen ? Marienburg , Pugig , oder Lowicz, ja felbſt Kas i mieniec fum ſichern Aufenthalt vor , indem

er viel ,

mehr eilig genug mit dem Entſoluß zu ſeiner Rüda reife zumging.

Darin beſtårfte ihn die Ankunft der

Polniſchen und Sächſiſchen Kriegsvolter, welche mit acht Standarten unter dem General Brand : und dem Generalmajor Flemming in der Olive eingetroffen waren , und nun ohne Verwveifen die : dafelbft befindlichen Polen und Franjaſeu gefangen ? Morbit. nahmen oder zerſtreuten. Dieſer Weberfall geſchahes forplöglich,

daß unter andern beyde

Franzöfiſche

Gefanda

fünfter Abſchnitt. Achtes Kapitel.

193

Geſandten auf die Schiffe Hatten flüchten müſſen , mit denen auch der Prinz Tages darauf zu Segel ging und nach Frankteich zurücfebrte . Boll Freuden fahe die Provinz Preußen ſich 1 der gefürchteten Kriegsunruhen entiediget , und alle die hieſeibſt aus dem Landesrath oder von der Rite terſchaft, der Franzöſiſchen Parther ben getreten geweſen , tehrten freywillig unter den Geborſam an

Auguſt den

Zweyten

zurück.

Die Stade

Danzig batte die Gefahr am nächſten gehabt. Den Beweiſen ihres treuen Eifers für den erſt gen " Frönfen König batte ſie nicht im mindeſien entſtan . ben , ſondern alle Anerbietungen des Frantzokirchen Hofes , die ſich blos an Geld auf viertebalo mila lionen Ebaler erſtreckt baben , abgelegnet , ja viele mehr felbft außerordentliche Koſten übernomment, um fide auf den Nothfall zu kriegeriſcher Vertheidi Die Stadtgarniſon war gung fertig zu halten . Mann vermehret, hundert Deswegen mit etlichen ein erfabrner Obercommendant in der Perſon des Dbarften Jakob von Kemphen aus Wismar bels rufer 1 und die Fortificationswerke der Stadt Free woltals ben der Weichſelmúnde und an der Weſt folyanze in Stand gefekt worden.

Aber eben dieſe

Defenſionsanftalten und die ſprøde

Begegnung,

welche den Franzöſiſchen Anträgen und allen zur Parther des Prinzen von Conti gehörigen Perſo. nen biefelbft widerfuhr , jog der Stadt die völlige Ungnade des Königs von Frantreich zu ,

welche

nachher inſonderheit durch Störungen ihrer freyen Schiffahrt und Handlung an den Tag gelegt wurde. Beſch . DANS. 3tet Ch. N

1

Danzigs Geſchichte .

19+

Nicht nur die Flottille des Chevalier Bart, Hatte bep threr Abreiſe fünf wolbefrachtete Kaufarden. idiffe von der Danziger Røede feindlicher Weiſe 1 mit fich genommen , ſondern es wurde auch in allen franzöſiſchen

Seehafen befohlen ,

Schiffe in Beſchlag zu nehmen.

die Danziger Danzig fäumte

zwar nicht, am Königlich . Polniſden Hofe. davost Bericyt abzuſtatten , und die vorneømſten Europài. der Machte , wie auch einige Eþurfürften des Römiſchen Reichs , um ihre gútliche Vermittelung beym Allerchriſtlicten Könige erſuchen zu laßen ; der König von Dänemark bezeigte fica auch vor andern ſo geneigt , daß er die gempaltthätig wegge. führten. Schiffe im Sunde anhalten ließ , dod wollte er ſie erſt nach ausgemachter Sache wieder abfolgen laßen,

Ullein dieſe für Danzig ſehr nach .

. Differenz iſt erſt fuufzehn Jahre ſpäter på . theilige lig beygelegt worden .

Weil in Hofnung , der Dan.

siger Kaufmannſchaft ihre Entſchädigung zu erleich fern ,

der Magiſtrar fich erlaubte, einige Perſonen

ſowol als Güter und Waaren der hier befindlichen Negocianten Frauzófilder Nation mit Arreſt zu be legen ; weil er ſich aux den Vorwurf sufog, an den Hausgenoſſen und dem Mobiliarbeſie des Franzdo firchen Geſandten , das Völkerrecht verleßet ju bas ben ; fo diente ſolches Ludwig dem Vierzehnten zu finlänglichen Gründen , die Stadt Danzig feinds lich zu behandelu ,

umd fick alier

Interceffion zur

billigen Ausgleichung mit iþr ju eneſdlagen .

Das

ber wurde den Danzigern noch ferner niớt nur aller Handel mit den Franzöſiſchen Staaten gepemmere

Fünfter Xhfghnitt.

Achtes Kapitel.

196

fondern auch ihre Faşrt auf ofnem Meere geſtdret, indem der König von

Frankreid die Danziger

Spiffe überall als feindliche. Priſen aufzubringen en Welebt gegeb , und dieſe Stadt über alles Pere mutben noce lange die Toådlichen Folgen der Lane bung des Prinzen von Conti hat empfindenJaßen . Im Königreid Polen lam es unterdeſſen ,9ff. 2. målig gur Rube. Nachdem der Cardinal- Primas Radziejowski fich für den KdaigAuguſt erklärt 1698. 18 Febbraio batte, ſo gerfiel alle Kraft und Bürfung des Rokoli

und

die

Eintracht wurde wenigſtens von außen Bald darauf unternahm der

wieder gewonnen .

König eine Reiſe nach Preußen , nachdem er vorher in Warſchau die Privilegien der Großeu Städte Dem Gebrauch nach beſtätiget þatte. Bährend Aufenthalt zu Marienburg wurde er vop

feinem

zweyen Ubgeordneten aus Danzig, zum Einzug hier ſelbſt eingeladen , der auch wenige Tage darauf mit 18 erdre. großen Feyerlichkeiten erfolgte .

Der König ließ

fiche in Danzig alles Sehenswürdige zeigen , ihm ,84 Ehren wurde ein Feuerwek abgebrannt und andre freudensbezeugungen angeſtellet ,-u ),er wohnte augi in der Martermache den feyerlichen Andachtsúbum gen bey , und betam in den legten Tagen von ſeinem Schwiegervater dein Mar !grafen von Branden burg Bareuth einen Beſuch .

Hauptſächlich ließ er

der Stadt durch den Kron . Großlanzler den Huli digungseyd abnebmer , und Tages vorper wurde ) Reinb. Curice Freubensbezeigung Danzigs über die Wahl und Krónang uugufti II. Dans 1698. m . $.

196

7.30

Danzigs

Geſchichtë.: ?1113

das Danziger Religionsprivilegiuia geſiegelt, well Se. Majeftåt Bedenken getragent batte, foldyes in Warſdan ben den übrigen Privilegien gefocheben zu "Laßen .

Von dem Königlichen Burggrafen und

Bürgermeiſter

Schmieden ,

den Rathsherren

Heinrich Schwarzwald und Salamon Baht webſt dent Syndicus, welche dem Könige im Nas men der Stadt bie Pufwartung gemacht hattett, . ndi #doasi war ihm zugleich eine Vorſtellung mit geben der vor webmſten Befehwerdepunkte überreichtworden , um Seren Abſtellung oder Erleichterung die Ordnungen Bé Stadt Anfucjung thaten.

Der König erklärte

"lich darauf, was die unbillige Beläſtigung durch die Polnifdiu Srenzzólle bey Fcrdán und anderet Orten betraf, Febr geneigt , die "Danziger Kauf mannſchaft badott zu beftenen ; in Anſehung det übrigen aber, 'Idolche die Abtragung der alten Krons f@ ulden , den

Bau an der Muntaüfchen Spike,

ben Naprungsabbruchy durch Sportland und andre geiſtliche Gründe oor Danzig , die Einquartierung fremder Soldateste auf den Stadtlånbereñen , und Verſchiedene der Stadt nachtheilige Mißbräuche im Juſtißweſen angingen , fo verſprach er zwar daju feinen Beyſtand,

ereſchuldigte ſich aber zugleida

denſelben ofte Zuſtimmung der Reichsſtånde, oder zum Theil ohne Einivilligung des Römiſden Stubte nicht allein leiſten zu können . Zu dieſer lekteren rt foien auch ein Unterfangen der Jeſuiten zu ge. pdren , welche die jeßige Anweſenşeit des Königs für Erſóleichung eines Privilegiums benußten, kraft Deſſen ipnen die Adminiſtration aller gottesdienſtik

4

Fünfter Abſchnitt.

Achtes Kapitel.

197;

hen Handlungen in der Königlichen Kapelle , und ein beſtändiger Aufenthalt in der Stadt auf dem Pfarrbofe verſtattet ſeyn ſollte, womit noch ein

8.

nigliches Mandat zu ihrer Befreyung von allen Uc. cifen verknüpft wurde.

Gleichwie nun Danzig in

alteren Zeiten ſich der Aufnahme dieſes gefährlichen Drdens kräftigſt erwehrt þatte, fo wurden auch jeßt. alle. Mittel, gegen dieſe Neuerung ergriffen.

Es

war bekannt, daß gedachtes Privilegium feine Bes kräftigung durchs Kronſiegel erlangt hatte,

man

erführ vielmehr , daß furz vor der Abreiſe des Kdo nigs , in Eile, das Königliche Kammerſiegel darauf war gelegt worden , es waren auch Gründe genug live in vorhanden , womit man ſich auf altere Königlice Freyheitsbriefe berufen konute , um die Unbefugt heit der Jeſuiten zu erþårten.

Jadeſſen wäşlte

man vorerſt friedsame Maasregeln , beym Parochus und beym Rector des Jeſuitercollegiums im Schotto land , dagegen Vorſtellungen zu machen.

Naco.

dem aber feine befriedigende Erklärung darauf ere folgt war,

ſondern vielmehr die Jeſuiten ferwerpin ,

wärklich die Sacra in der Kapelle geßalten paben, foilt nicht nur von Magiſtrat gegen ihre Intention who widerrechtliches Verfahren öffentiich proteſtire worden , ſondern auch an den König eine Informa. tjon deshalb ergangen , mit dem fubmiffeſten Aná ſuden ,

die von den Jeſuiten

explichenen Fren .

Heitsbriefe durch ein Caffatorium zu vernichten. Deffen ungeachtet gat ſich der Orden nicht in der Güte von aller Beeinträchtigung ableiten laßen . Die Stadtpat dren Monateſpäternoch ein gefcharfe N 3

198

Danzigs

Geſchichte.

tes Mandat in dieſer Sache vom Königebefommen die geſuiten Gaben ſogar Ladungen an die Königlio? djen Afleſſorialgeridyte deshalb auszubringen vera mocht: allein es iſt ihnen auch mit noch feſterer Ento foloſſenheit von ſeiten der Stadt begegnet worden , und man þat weder die erworbenen

Privilegien in

einen Rathsſtreit hineinziehen Taßen , nod ferners Hin Anſtand genommen ,

ſich dem Eindringer der

Jeſuiten zum Kirchendienſt , tio in der Stadt Öffentlic

und" threr Pernocta

und mit Obrigkeitlicher

Gewalt zu widerſeken . Bald nach der Zurüdfunft des Kidniges wurde * 16. April.zu Warſchau ein Reichstag eröffnet, der ſich aber in wenigen Tagen zerſchlug. Mit befferm Glück

für den Staat erfolgte bie gånzliche Pufhebung des Roloſ , und eine gute Hoffnung dußerte ſich zum Frieden mit den Türfen , obgleich noch ein Feldzug wider ſie unternommen werden muſte.

Um dies

felbe Zeit tegte der König benm Churfürſten von Brandenburg einen Beſuchy zu

Johannsburg ab,

und wenige Wochen ſpåter hatte er zu Rawa eine Zuſammenkunft mit dem Czar Peter von Ruse land .

Bende Potentaten verließ ex mit Merkma

len der vertraureſten Freundſchaft, worauf fic.unir feßibar einige nachher erfolgre Staatsrevolutionen bezogen haben . Churfürſtlichen

Als zuvor noch zu Warſchau dem Gefandren die Lebhoëtheuerung

über Lauenburg und Bürom ausgefertiget ,

und

der Welauſche umb Brombergſøe Vertrag von neuem waren, beendiget worden , verbreitete fiche ein Gerücht, daß Elbing'tit. Cfürbrandenburge

Fünfter Abſchnitt.

Achtees Kapitel.

fohen Truppeut belegt werden ſollte.

199

Eine beſtåe

tigte Naciricht pievon foicten die Elbinger ſelbſt : mit einem Secretair nach Dangig , der ſich zugleich des Benraths dieſer Stadt zu erkuntigen hatte. Demfelben wurde nun zwar ein Interceſſionalſchreis ben an den Churfürſten von Brandenburg mitgege. ben ; übrigens aber muſte man abwarten , was for wot die Krone Polen als die Provinz Preußen das ben für Maaßregeln beobachten würden . Inzwi Ichen wurde Elbing nicht nur berennet , ſondern auch ferner durch den Generallieutenant Brand mit beftigen Drogungen und mit ſo bereiten Bes lagerungsanſtalten aufgefordert,

daß die Stadt

fich für Uebergabe gendthige ſabe ,

als noch die

Preußiſchen Stände in den erſten Deliberationetu .Mosbr. darüber begriffen waren , und der Senat zu Warsı , roau allererſt

eine Rathsverſammlung deswegen

anſtellen wollte. Der Cþurfürſtliche Reſident in Danzig befam über dieſen Vorgang den ausdrůd . lichen Befehl,

dem

bieſigen Magiſtrat in freund.

ſchaftlichen Ausdrůden zu melden ,

daß ſein Herr

rich vermoge des ihm zuſtebenden Pfandrechts , in den Beſik der Stadt Elbing gelegt þåtre, daß ſolo des aber mit Vorbehalt ihrer Rechte und Frenhei ten in der ungeſtörten Verbindung mit Polniſch Preußen geſchehen wåre , keine

Reche des dürfte, w ) *

und

Danzig

Bewegungen machen möchte ,

deshalb

woraus dem

Churfürſten einiger Eintrag

entſtehen

Im Polniſchen Staatsrath wurde radher beſchloffent, fidh Aller Chåtlichkeit wider den Churfürften zu enthalten, wol

9 4

200

Danzigs Geſchichte. Zeit und Umſtände erlaubten es nicht , eine

ſeitige

Klagen

oder

Widerſprüde dagegen

zu

åußern , ſo unvorſichtig auch die Polen felbſt durch ehemalige Jllegalitàt , einen angeſebenen Mitſtand der Provinz in dieſe,unregelmäßige Lage gebracht þatten. Daneben fahe man ſchon von mehrerer Seiten einer trúben Zukunft entgegen ; und auch jeßt hatte Danzig beynaße mit einem Brodmangel. und einer Tbeurung fu fåmpfen , die alle Circum ſpection für die inneren Verhältniſſe der Stadt nothwendig machten .

Zweymal iſt zu Hemmung

der Serreydeausfuhr, die Pfaltammer auf etliche : Wochen gefoloſſen worden , und doch bat man auch landwårts

Verfügungen

treffen müſſen , damit ?

nicht ftarfe Parthenen von Getreyde rowol als ans Dern daraus beſtehenden Eoulien und Geträuten , aber mit Zuziehung der Garant des Oliviſchen Friebend, einen gutlichen Vergleich wegen Elbing ju treffen. Nad mehreren deshalb gepflogenen Unterhandlungen hat man fich : mit Ablauf des J. 7699 geeiniget, daß Elbing gegen ein Juvelenpfand aus dem Stronſchoß ,geräumt werden , brey Monate nach dem nichften Reichstage aber der Pfandfchils ling mit 300000 Chlr . abgezahlt werden ſollte, widrigens falls der Churfürf das Recht erhielt, die Elbing ſchen Dorfs Ichaften bis zur Zahlung in Befiß ju uehmen. Elbing wurde darauf im J. 1700. 1. Febr. evacuiret , aber zwen Reichstage zerſchlugen fich, und die Zahlung erfolgte nicht. Auf der dritten Reichstage ju Lublin 1703 wurde die Eins treibung der Pfandfumme ausdrücklich fergeleket, doch pers liefen dren Monate nach demſelben wieder fruchtlos, und nuo ließ der sednig von Preußen die Elbingfchen Lånbereyer würtlich in Poſſeſſion nehmen. In dieſem Beſiß ift er auch i bis zur Preußiſchen Combination im J. 1772 geblieben, Worauf mit Tilgung der alten cractatea das ebemalige fandrecht erloſchen in

Fünfter Abſchnitt. aus der Stadt und iþren

Achtes Kapitel.

201

Gebiete gefüfre' würden .”

Dieſe Seitenbeit und Theurung einiger der ünento; behrlichften Lebensmittel hat bis ins folgende Jabr fortgemåbret, und außerdem haben die offentlichen Geldbedürfniſſe der Stadt dermaßen zugenommen , daß man mit Abtragung des bundertſten Pfennigs

1

fomol als mit vielen außerordentlichen Abgaben und Hülfgeldern , den Stadtcaffen einer Zuſchub . zu verſchaffen nöthig gehabt þat.

Eine betrachte:

liche Urſache hievon enthielten die Forderungen des Könige, der einen eigenen Geſchåftsführer nach Decbo .. Danzig fickte,

um auf die Einquartirung ſeiner

Sächſiſchen Sülføvdlfer in den Danziger Lånde: reyen , und inſonderheit in einigen der Stadt nabe . gelegenen Dorffebaften als Ohra und Schidlik , an. zu laßen . So febr nun dieſer Herr , Közewski die verlangten Winterquartiere mit den ;

tragen

annehmlichſten Scheingründen und Titeln zu be foonigen bemüht war, auch dafür eine Vermitte, lung in der Jeſuiterſache, nach den Wünſchen der Stadt im Auftrag zu Kaben erklärte;

ſo wenig

wollte man ſich doch zu einiger Zuſtändigkeit der i fremden militairiſchen Einquarrierung entſchließen . ; Weil aber dieſer Antrag immer dringender wider Holet , und ſogar vom Königlichen Hofe mit Dro þungen der Ungnade begleitet wurde ,

ſo wåþlte

man nach einigen Deliberationen deu duomeg , lies, ber ays frenem Willen den Konig mit einem reichli: eben Donativ an Gelde gedachter ForderungBalber * 1690 zufrieden zu ſtellen , Dagegen auf

Chorn und

Elbing muſten Sekt . Sachfifsben ,

iþrep fåndereren die NS

1

202 ,

o

Danzigs Geſchidjte.

Külfsvölfer verpflegen ; und

uneradotet das neue

Jahr ſich mit dem Carlowißer Frieden angefangen die ganze Provinz Preußen durch den fortdauernden Aufenthalt dieſer fremden hatte , fo blieb doch

Soldaten belaſtiget.

Nur eine neue Kriegsſcene,

woju fich der Kdnig von Polen in genauem Ein verſtändnis mit dem Könige von Dänemark und dem Czar pon Rußland entſchloß, entfernte gröften : theils die Sachfiſchen Truppen aus der Polniſchert Staaten .

Einige Regimenter dadon wurden ben

1: Danzig nach Polangen eingeſchiffet, um mit dem Guptbr. größern Corps , welches etwa 8000 Mann ſtart aus Litthauen durdy Curland fortrúcftë , cine. Ja.

vaſion in liefland zu unternehmen . Hiemit nuk i wurde gegen den jungen Konig von Schweden Carl den Zidlften ein Krieg eröffnet ,

der zwar

eine Zeitlang die Provinj Preußen in Ruhe gelan Ben , in der Folge aber unſäglich viel S ¢ aden über die geſamten Lande des Polniſchen Reichskörpers gebracht hat. Danzig gab in dieſem Jahre der Nothwendig. J. 1697 ůbelgenommee. Ren Betragens in der Angelegenheit des Prinzen teit nady, wegen des im

von Conti, dem Könige von Frankreich die Sub . mifſion zu bezeigen. Alle bisher zur Entſchädt gung der Danziger Kaufleute fowol als zur Bers fohnung des Franzöſiſchen Hofes gemachte Ver ſuche Waren fructløs geweſen .

Dem Rathsveta

woandten Joachim Hoppe, welder gleich anfangs nach Kopenhagen geſchickt ward , um die dort an . gebältenen Soiffe und Gäter zu befreyer , war .

Fünfter Abſchnitt.

Achtes Rapitel.

fein Geſuch am Däniſchen Kofe ,

2032

in entſtandener

Einwilligung des Könige von Frankreich , gånzliche abgeſchlagen worden . Die darauf in Verſailles auf unterſchiedenen Wegen

deshalb, abgelaßene

Bitten Batten noch weniger Ingreß gefunden , und die Handlung der Danziger mit den Franzöſiſchen Einfaſſen , gleichwie die Sicherheit iþrer Schiffe in : den dortigen Seehafen , war ohne Ausnahme vere: weigert geblieben.

Ludwig der vierzehnte, vor deſſen Throne fick repon Fürſten und größere Freyſtaaten þatten båden müſſen , machte es zur ausdrücklichen

Bedingung, der Stadt nicht an .

ders als nade perſönlicher Deprecation einiger ab. geſchidten an ihn , zu verzeihen. Dagegen glaubte man in Danzig Feines Vergehens ſchuldig zu ſeyn, und math hielt rice gerechtfertigt genug ,

das ege.

malige Betragen gegen die hier geweſene Franjoſt. robe Parthet , mit der Ebrfurcht und dem beobacho téten Gehorſam gegen den redemnáßigen König von. Polen entſchuldigen zu fdnnen. Vor deſſen Hofe. würde hierin auch aller Beyſtand erwartet.

Drine

gend genug erhielt der Generalmajor Jordan als : Königlich Polniſcher Geſandter nad Frankreice den Äuftrag, das Anliegen der Stadt ohne er. roafute Bedingung zu befördern. Ingleichen best famn der Woywod Galecki unter mehreren Geſando ſchaftsgeſchäften am Dänifopen zofe Befeßt, ' um die Entlaßung der dort befindlichen Schiffe nacion drücklich anzuhalten.

Allein a ** benden

þatten die gemachten

Vorſtellungen nicht den geo

wünſten Erfolg.

Det

Konig von

Höfen

Dänemark

204 :

3

Danzigs Geſchichte.

?

gab nur der angedrøheten Proteſtation des Polnis roen Geſandten in ſoweit nacin daß die angehalten ren Soiffe und Güter ,weil ſie mit der Zeit Soa.. den ſitten , verkauft wurden , und das daraus gelds bleiben ſollte ,

fete Geld in Kopenhagen deponert

bis zur Ausgleichung mit dem Franzöſiſoen Hofem moju Friedrich der Vierte ich Danzig zu verwenden erklärte.

bereitwillig für Auf dem nächſts

gehaltenen Preußiſchen Landrage aber ( 1.699 . 19 . May ) machten die Stånde dieſer Sache Halber. noch eine große Bewegung . ", Sie legten das Ang finnen des Aderchriſtlichſter Königs mit vieler Em pfindlichkeit zur Verachtung der ganzen Proving Preußen aus , und wollten es får eine Sering fchakung des Königs und der Krone Polen angeſen hen wiffen , weshalb ſie ihren Landboten in der In ftruction zum Reichstag empfalen ,

fica fråftigſt

babin fu semůben , daß Danzig als ein Micſtand des Landes von aller Zunothigung des Franzöſiſchen Hofes befrenet , die Handlung zur See nicht gebina bert, und die genommene Schiffe und Güter zu růd gegeben werden möchten . alles deſſen ungeachtet war man beynahe dreng Jahre lang in dieſem ſchweren Geſchäfte nicht wei. ter gekommen ,

indem Ludwig der Bierzehnte

unabláßig bey ſeiner erſten Hauptforderung beþarfte. Jeßt war als Franzöſiſcher Enpone der Marquis , du Heron nach Warſchau gekommen, der blos um der gegenvårtigen Conjuncturen balber feine An . Iunft beſchleunigt zu haben bezeugte , welche fonft

1 pou feinem Herrn nicht vor der Danfiger Depreçare

Fünfter Abſchnitt, Achtés Kapitel. 205, Hon türbe feyn zugeſtanden worden . mún aber deſto eifriger daran , um

Er arbeitete

den König von

Polen zur Befriedigung ſeines Hofes juribewegen . Dieſemnach erſielt man in Dangig nicht nur die Königliche Einrilligung, ſondern auch ſelbſt einige Anmahnungen , fich, nach dem Begehren des RB nigs von Frankreicy, zur gedachten Abſabidung zu bequemen .

Hier aber wurden über diefe Materte

in den Rathſchlagen der Ordnungen noch andre Schwierigkeiten gemact.

So ſehr man die Depue:

tation ſelbſt ſchon für unumgänglich anfahe , fo-feift wollte man doch vorher theils wegen eines fichern Geleits der allzufendenden Perſonen , theils wegent aller übrigen Anforderungen geſichert feyn , wozu fide abſeiten des Franzöſiſchen Hofes , unter dert Namen der Entſchädigungen und Liquidationen bea reits einige Unträge geäußert hatten.

Was det

erſten Punkt betraf, fo konnte zwar bei König von Polen mit Zuchun des Franzöſifchen Envoye degli $ alb die fraftigſte Verſicherung geben ; in Betref der angeblichen Liquidation aber ſollte man ſich auf die ergabene Denkungsart des Königs von Frakt reich verlaßen , daß er nicht zugeben würde ,

ein

Geſchäft weldes die Hoheit und die Efre Sr. Ma. jeſtåt anging, mit andern Privatforderungen zu verknüpfen , und daß dergleichen Pratenfionen viets mehr an die Stade felbft würden berriefen werdenta Mit dieſer Vorſtellung wurde man dod nice pollo kommen beruhiget , und biezu tamen nod neue Differenzen wegen der zur Geſandſchaft ausjuwab Isaben Perſonen ,

bis endlich die Segenwart. Dos

206

Danzigs , Gefdloth

Cardinal-Primar in Danzig , die Sachezum Solu brachte.

Es wurde demnach eine Deputation aus

allen drey Drdnungen dazu beliebet.

Der Rathge

bere Gabriel von Bomeln , der Sødppe Friee drich Fabritius und Johann Nathanael Fers ber als Mitglied der Dritten Ordnung mußten die. feo legationsgeſchäft übernehmeu.

Sie legten in

nerhalb acht Wogen ifre Reiſe zurück , nad dem ihnen erſt waprend derſelben die Juſtruction mar nachgeſchidt worden , wonach ſie ihr Betragen am Stanzöſiſchen Hofe einrichten follten . 19 Nach ihrer Unfunft zu Paris wurden ſie den

fechszehnten Tag darauf in Verſailles beym Könige Der Rathm von Frankreich zurAudienz gelaßen . verwandte von Bomeln hielt eine Unrede in frans töfifoer Sprache, worin er mit geziemender Sub miſſion den empfindlichen Schmerz der Stadt be jeugte , daß fie das widrige Sợid ſal gehabt hätte, in die Ungnade des Königs zu fallen , und eine der müthige Bitte um die Zuwendung der vorigen Rd miglichen Huld hinzufügte.

Der König antwors

tece darauf perſönlich mit vieler Leutſeeligkeit , mit Bezeigung ſeines Wolgefallens über die Reue der Stadt ,

und mit einer Zuſicherung ſeiner voriger

Gewogenheit , in Hornung , daß Danzig mit beſſer ter Sorgfale feine Freundſchaft zu bewahren beo Nach einem ſo buldreicher

můbet ſeyn würde.

Sebór, glaubten die Abgeordneten der Stade, dem Willen des Königs von Frankreich ein Genüge ger leiftet zu haben , und ſtellten ſich nicht vor , daß ihre Můdreiſe durch unangenehme Seſchäfte würde aufe

1

Sünftex Abschnitt.

Achtes Kapitel. 207

gehaltet werden .

Allein die Pråtenſionen traten

unn würflich aus ,

um derentwillen man ſoon in

Danzig zum Theil vdrläufige Beſorgniſſe gehabt in : þatte.

Die beyden in Polen geweſene Franzöſiſchen

Geſandten fowol, als andre Eingebohrne dieſer Nation , welche ben dem Ueberfall in der Olive anf die Franzöſiſchen Schiffe geflüchtet geweſen , mach . ten große.Anſprüche rege , auf ißre theils in Danzig zurückgelaßeven theills in der Oliviſchen Gegend verlornen Effecten , und brachten ein Verzeichnis new ihrer Verluſte ben , wofür ſich die verlangte Schade loshaltung auf zweymal hundert tauſend Franzöſi. The Pfunde erſtreckte.

Außerdem eignete ſich der

König die Summe von drep und drenßig cauſend Gulden zu , wofür die aufgebrachten Schiffe unb Güter in Kopenhagen waren verkauft worden , ( ob . gleich ſich anfangs der Werth derſelben nach Unga. be der Danziger Kaufleute auf 300000 Gulden be laufen hatte .)

Ferner traten auch einige Engliſche

Negocianten hinzu ,

welche in gedachcen Soiffen

einen Verluſt an Waaren son funfzig tauſend Gul den angaben , der ihnen von Danzig erlegt werden Follte.

Auf alle dieſe Pråtenſionen , die ſogar die

ftrengſten Vermuckungen überſtiegen , konnten ſide die Danziger Abgeordneten.aus Mangel der Pollo macht nicht einlaßen , ſie wurden auch nicht weiter baju inſtruiret , und erhielten vielmehr den Auftrag , nach erbetener Abfapieds Audienz ihre Rückreiſe am zutreten .

Legteres idurde ipnen verſtattet , die Aly

dien ; aber fonnten ſie nicht er alten , ſo ſehr ſie fic auch mit Hülfe des Generalmajors Jordan , beyon

Danzigs Geſchichte

208

Staatsminiſter von Torcy darum bewarben , vab. spie mußten ohne Recredentialſchreiben ,

blos mie

1701 - fichern Geleitsbriefen verſehen , vom Franzöſiſchen 7 PRADO Hofe abreiſen . Nad der lebten Reſolution , gegeben worden ,

fo zu Verſailles

follte der Stadt Danzig noch einie

Sriſt von dren Monaten offen ſtehen , um ſich wegeit ber geforderten Geldſummen zu erflåren .

Inzwio !

Poher konnten die Abgeordneten nach dem Haupt. 30 Juny.Szwed ihrer vollendeten Reiſe die Verſicherung mit -bringen , daß der König von Frankreich perſönliche Derföhnt wårey und der Stadt feine vorige Zuneis gung und Freundſchaft verſprochen fåtte.

Man

berfäumte in der Folge zwar nicht , um durch den müthige Briefe an Ludwig den vierzehnten , in gleiden durch Vermiteelung des Königs von Polen , und unterſchiedener au beyden Häfen befindlicher Großen , zu einer odligen Ausgleichung zu gelans gen ; allein die ferner erwachſene Kriegstrublen ſo . wol , als mehrere durch mancherlen Hinderniſſe ento ftaudene Retardationen haben die Beendigung dies Tes Geſchäftes nicht eher als gegen die Zeit der Utrechy der Friedenshandlungen auftommen laßen , und eben ſo lange bat auch das Danziger Commerz mit Frankreich unter den unaufgehobenen Einſchränkun . gen gelitten .

Im J. 1708 find fraft des ſchon in

Perſailles dazu gegebenen Verſprechens, einige in Danzig verwahrlich aufgehobene Effecten Franzdfi. fcher

Nationalen ,

inſonderbeit des oftgedachten

Abts Polignac , an den Franzöſiſchen Geſandten Marquis de Bonac abgeliefert, aber erſt vier Jahre ſpåter

4

1 Fånfter: Abrohnitt . Achterkapitel.

209

ſpåter iſt der endliche Vergleich mit dem dazu bevoll. mächtigten Herrn Helffant; Ini Dannig abgeſchlof ſen worden . Vermoge deſſelben hat ſich Danzig zur Erlegung eine Summe von hunderttaufend Gut

Ben verpflichtet: Dafür hingegen ift die alee Hande Lungefcenheit pieder: Bergeſtellet, und nicht nur die Ailage des fogenannten Faßgeldes in frantreich triaßen , ſondern die Stadt auch in ihrer Commerze FAbrung, den ausmårtigen Nationen, Tordie große ten Vortheile in

Franz rifben Staaten genie

Ben jo får gleich erklärt worden. Micht geringe Be. förderung des Wiederbergeſtellten Einverſtändnifles mit Frankreich , ittfonderfrit aber die Beträftiging Danzig bem "Großbtice der Commerzportħeile, Hat batDanzig. tanniſchen Geſandten D. John Robiylon 34,04n. ten gehabt , der einige: Jabre früber in Hefchaften ifche uneet ut die Großbrittan l d n afioni eirtett a M s Hofes r trag mit- Danzig errichtet , und Ben dieſer Gelegenheit eine ſehr freundſchaftliche Zumein Durch

gung gegen diefe StadtgefaßeHärtes

Fen ſorgfältige Mitwirkung nemlich debte Sada der Danziger Schiffahrt

und Handlungsfreppett

in den Utrechter Frieden eingeſchlomer in 27 ften

und Fondol

Wrtikel des Tractáre zidildth Franfreidy

and Großbrittannien , als in dem Sractar teatere laut deſfen : 25fted Artitely

Stone mit Spanien ,

der Genuß aller Handlungsvorspeitėja gite fie von Beim Kitege geweſen , der Stadt Danzig derestimate Horben . on shon

Beſch . Danz, 3ter Th.

:a .

1053

210

Danzigs Geſchichte

1

olan 112

# 90 40 1

mjini

Deuntes

92

45

Kapitel

soos

Dangig macht dem Erften Könige von Preußen die Ehrenbes schwereLandescontributionen - Jablonórole jeigung ſche Schuldforderung an Danzig - Eröfnung der Schwes die Sächſiſche Einquaitierung glebt 91 biſchen Krieges' au Châtlichkeiten mit Danzig Unlaß? – die Stadt falk poesmegen in Ungnade - der Kinig wled wiederverfehnt Schwediſcher Einbruch in die Provinz Preußen Danzig kauft die Lieferungen an die Schweden mit Selb Bars Chorn wtro gewaltſamerweiſe erobert at ** fajaner General Confobetation

Confdderation und Sendomirſche Gegen Danzig wird mit Drobungen aufgefok

dett, det farſchauer. Conföderation bepzutreten - und fieht fid gezwungen , eine Schrift zur Abſage des Königg ju unterzeldinen Berichtigung der Danziger Geldzaly lungen an Schweben Danzig macht ſtarte Bertheldes Tgungsanſtalten und vermehrt die Befakung gractat Darifigs mit dem Könige von Preußen

Schust

berfelbe pptro burch, eine fruchtloſe Negotiation im Qaag entkraftet

de Bairde eines Königreichs fe in dieſer Zeit, dem Herzogthum Preußen zu Theil worden , hatte durch ganz Polen eine naqbarliche Aufmerkſamkeig tege gemacht, und baneben fabe fich Danzig durch die Beſuche des neuen Königs ju folennen Ehrenber Jeigungen verpflichtes. qad

Friedrich der Erſte batte

als Churfücft im vorigen Jahre der Stadt,non

frimer befobloffenen Krönungsceremonie: Meldung toun faßenz genommen ,

A hatte alsdann hier feine Dugreife und war långſt der Nehrung über

Pillau nach Königsberg gegangen , er tam auce nunmehr auf demſelben Wege wieder zurüd , und

Fünfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 211

wurde bende máre von Deputirten des Raths nice Hür mit gebührender Ebrerbietung bewilltommet, fondern and auf dem Pachtgut zu Stutthof mte Den gebräuchlichen Solennitåten bewirrbet. Einen andern aber bodyſt unangenehmen Beſuch bekamet dié Danziger Låndereyen

von

den

Sachfifden

Kriegsvölkern , welche rico obne Lorbeerzweige aus Heftard zurůd gezogen hatten , und nun auf ifrein Rücmarſo faſt überal in Polniſch Preußen , Prød biants und Geldfoderungen machten . Sie konntek Hieju keinen Königlichen Willen oder Befehl vore zeigert, und um fo vielmehr hielt man fic in Dante zig berechtigt, der Sächſiſchen Generalität und detik Beþeimenrarh Don Bore als General -Kriegscottie Miffair, die jugemuthete "Einquartierung fowot, äls die unmäßig berlangten Lieferungen abzufold gen .

Baid darauf alſo find diefe Truppen, gegen

ihr Verſprechen ſich aller Erceffe zu enthalten , mit 20 Laft Roggenmeht und is Laft Haber abgeferti: Sepths,, get worden , nachdem der Köntg felbft fdyon Ordre geſtellt hatte , fie unverzüglich iþren Matfd nad Sachſen-forrſeßen zu laßen. ******** Ein ſchwereres Geſchäft folug die Großer Städte wegen der decretirten Landescontributionen **

nieder.

Dieſe Bewilligung neuer Gelder' im Landt

hatte ſich auf keine Weiſe vermeiden laßen .

Es

Hae eine Berechnung vorgelegt worden , daß die Proving Preußen bis zum J. 3. 1694 der Kronar: mitee über zwen Millionen Polniſche Gulden þintéto ftellig geblieben , und faſt mit jedeit Jahre parte Where Schuld

fich

dergrdßert.

D

Die Ritterſchaft

!

212

-

Danzigs

Gedichte

2

Gatte deshalb auf dem lektern Landtage ein dreyft des Kopfgeld ,

eine beſtimmte Anzahl Poborren ,

und ein noch nie erlegtes Connengeld von jeder Dagegen þatten bis Donne Bier bewilliget. Stådte fich zu einer verhältnismåßigen

Anzahl

Malzacciſen erklåret, die Kopfſteuer aber und das

1

Tonnengeld durchaus von ſich abgelepnet. Allein man ließ ſie desfalls nicht in Ruhe. Die kleinen Städte wurden in kurzem zu den neuen Auflagen gezwungen , und auc die Großen Stådte, unter denen Danzig den långften Widerſtand gethan bat, haben ſich zur Abwendung:militairiſper Erecutio. men in iþren Låndereyen, der Nothwendigkeit unter: zogen , für dieſesmal die außerordentliche Kopf fleuer anzunehmen , die Tonnenanlage aber mit ein nem Uequivalent von Malgacciſen , auf ein Jahr zu pergüten.

Inzwiſchen þatte der Preußiſche Land ,

roakmeiſter Dzialinski, zu Anfang dieſes Streits den voreiligen Schritt gethan , und wegen der eu Berordentlichen Landescontributionen der Städte åberhaupt,

an den

Rron - Großfeldherrn

Jablog

nowski eine Anweiſung auf Dangig von 2400.00 Preuß. Gulden gegeben.

Uuf dieſe aſfignirte For.

derung hat Danzig fick zwar in feiner Art einlaßen mogen , und bat pielmehr die bewilligte Kopfſteuer geģörigen Orts. im Lande felbft abtragen mollers weil aber gedachte Aſſignation ſowol als eine, node ſpåter angewieſene Summe von 31000 Gulden ,

ť auf die Nachtommen des Kron : Großfeldherrn um getilgt ſind vererbt worden , ſo hat Danzig Degmen gen über zwanzig Jahre lang verdrüßliche und spanne

Fünfter Abſchnitt:

Neuntes Kapitel . 2134

heil gewaltthätige Anfechtungen ausſtehen můfe Denn dieſe nachher unter dem Namen deres

fex .

Şablonowiſchen Foderungen der Stadt alleitt: aufgebůrdete Geldfo@ uld hat zu mehreren Malersey foarfe Reichstagsfolüffe erbrungen , es ſind desa Halb Commiſſionen und Unterſuchungen angeſtellt , zweiten ſogar y polniſche Erecutionstruppen ins: und nach dere

Danziger Werder geſchickt worden ,

Drohungen det harten Reichs.conftitution vom Ja 15

24 hat Danzig fich zulegt bequemen múffens

digen Vergleich zu treffen , vermoge deffen mit Zaha lung einer Summeivon a spooo Gulden die fernes Die men Anſprüche sfind aufgehoben worden . Gtabt aber hat ſich daneben das Recht und die Hoffnung vorbehalten , wegen des Nachreſto decet ibti eignes Sduldquantüm überſtiegen , von der Provinz Preußen entſchåbigt zu werden . " *********0,9 *

Rum

Kriege mit Schweden

immer nähere Fortſchritte an.

ließen fide left

Der Czar Peter:

Batte ſich in einer Zuſammenfunft zu Birſen nocy enger mit dem Könige von

Polen berglichen ;

Cadl XIL hingegen war in Litthauen eingebrochen , 1 und wagte es fchou , den Polen zur Entfeßung ih . Allein noch

res Königs einen Antrag zu machen.

ward ihm von Seiten der Republik blos mit Vorm rohfågen zuen Sriebensvermittelung

geantwoortet ,

nád der nächſtfolgende Reichstag war eifrig beſchåfrea. Debu tigt , der Zwietracht unter den wieder unruhig gen! wordenen Partþeyen des Litthauiſchen Ende zu machen .

Adels ein

Dennode wurde der Reichstag.de

von einem mißvergnügten Listhauiſchen Landbotex

274 ,

Danzigs

-

Gefchtonte: :: 17

geriffen , und obgleich eine Friedenisgefandſchaft ar ben König von Schweden ernannt ward, ſo bearge wohnte man doch die Abſichten des Königs Auguſti 1701 der zweymat: vorher durch Ubrahidung der Grafin Januar. von Königsmark und des Kammerberrn. Vigo thum , Carln den Zwölften insgeheim zu befante ttgen verſucher batte.

Erheblicher aber war der

Gdiritt der Litthauiſchen Malcontenten , die nur mit ihrem

Oberbaupt dem

Hauſe Sapieha , fica

mårz. öffentlich unter Schwediſcßen Schub gaben . Das Friedensgeſchäft der Polniſchen Seſandfchaft wurde darauf vereitelt ; Auguſt ging nad Kratau , um feine Sachfiſchen Flock zu ziehen May.

Truppen und die Kronarmee all

Carl aber fegte eilig nad

über , und nahm Warſchau in Befik.

Polen

Die Hoffe

nung zum Frieden verlor fich nun gånglich. Earls Conferenzen mit dem Primas verbießen nichts Gus ces , und nachdem die Schwediſchen Armee mit ih . rem Könige nach Krakau aufgebrochen war , fo eru

Julp.

folgte eine Hauptſdiacht bey Kliffon , worin der Vortheil für Sdyweden ausfiel , und König Auguſt ſich mit feinen Truppen nach Sendomir reticirte . Hier trat ein Theil des Polniſchen

Adels ,

für ihre

in eine Verbündung zuſammen , undi naq gehalte

1

nem Rath zu Warſchau wurde nochmal eine Gesi fandſchaft an Earl den zwölften geſchidet , die aber unverrichteter Sacen quructam . Dieſer Kode mig machte vielmehr Miene feinen Weg auf Barn rehau zu nehmen , weshalb ſich König Auguſt ento Ostbe. febloß , zu feiner Sicherheit nach Chorn zu geben . 8. So wurdeauch, die bisherige Rußeder Proe ying Preußen

durdm den

Einmarſdi Sáchfiſcher

Fünfter bichnite Meuntes Kapitel. Bry

Spiegwodiker goftbriet , der an sein Dheid hier die tepquartiere bezog.

inte

Die ſchweren Bermoplegungsa

toften und die außerdetit eingetriebene, Geldabgan ben , noch mehr aber der Mangel pittånglichen Kriegsdiſciplin , Perudfachten bald hånfige Klagen im Lande.

Danzig batte fid, vor andern theila

über dieſen Druck der Landteute in der Dorfſchaften te befchweren ' theils ließen ſich die Frebuden grup . pen : von einer wittfährlichen Annäheruag att did Stadt ſo wenig abbalten , daß diafe driprem Fahne ſtungsrechten dadurch beeinträchtiget juurde. Mach einigert der Sachfiſchen Generalitåt fruchttos Bote þalb gematyten Burftellungen , writte den

Dauezon

gre Vorpoften Ombre ertheitt , fich dergleichen with Derrechtlichem Einbringenmit militairi feber Gewald poti odiderfeken j dnb rúrklich tam es biezpuf foweit an. Oetbr. daß indemDorf Oyra reinem Eonttnaddo bies Netbe niffchen Regiments , welches etwa 70 Mant ftact ing Bifchofliche Sthottland ,

foiunter den Kauan

nen der Stade tiegt, durchdringen wollten gewaten famer Widerſtand gethan wurde:

Nade Dein Bilen

teht des Obciſtfieucenants Similadre! * }' batta, fiqhi der commandigende Sächfiſche Sirureniano mio guteta Wortem Hicht abhalten laßenyo pe gepatent den borgezogenen

Schlagbaum

zu Foreixen , lief

** ) Der verdiente and rehr geſchåbte Obriflieutenant Johann DOR Sinclair war im J. 1698 aus Holland Hiebergerue fen . Er ift in der Folge ſeiner Meriten wegen von St. Großbrittamiſeen Diajeſtát George I un Seneralmajor przerklåret , uno in Dangig zum Obercommendanten beftellet worden , in welcher Würde er im -91ften - Sabx feipet ulters geftopben if. Leben de heeen Joh. Don Sinclair , ik

$

916 Isianyaranzigdi

Gefchichte.

1617

dte Bajonetty läuf federanbi gubitaret fettgoiga. geben: 2 protonsignaer Danziger.Soldaten verlegt wurbea : 2 Sterduif aber feuerten die Dangiger, mtachtonieinigel Batefficte, und dad recem vier Martie von den Sadifanc, iwomit felbiges jumalen da aud. Der Näherein Danziger Succurs berzu eitte, fick ohne ferneres titerinehmien gürád zogen . : ' So'rechmaßig auntidiefer Borcfallitoon Seiten der Stapt , adófio unergeblich eridien: übrigen Umno frånden rad anzuſehen watacto pechaßt wurde doch att dniglichen Sofel, drogar bis zum Man jettarsverneal der Stadt ausgeleget: 31 lepiecie biqupcwar dersoenig mit dem Betragen der ganzen Propinj intche zufrieden scienes mißbilligte eind von den Standere, iwaprend ſeiner Reiſe nach Sachfen ,

re : 0.qu Zbornigohaltene: Conferenz, únb bey einem ibald darauf den Landesabgeordneten zitheilten Gehde , Reß erden Danziger Secrétair prignådig zurücmeie Ferna. Alendiefen Unmilen veranlaßten vorzüglich die Niederbolton Beramerdeu åber diemit vielen Ercef fen vertraipfte Einquartierung der Sachſen. In Mifden gabbet König dennoch die Zuſage . fo viet a abun Fonnte , diefe Laft der Proving zu erleich . tern .

Es , wurden

auch in

der

har Königliche

Befehle gegeben , worauf das Sachfifoe Kriegse Commiſſariat die Lieferungen einſchränken, von den iner Trauerrede von p.edwietlidi, Danzig 1731. Mit 13thm'ju gleicher Zeit ift der eben'lo wolverdiente Capitain : * Sottfried Conradi, ein Danziger von Geburt, nach demt Deyerdi& rchen Frieden, aus Schwebifchen Dienſten in Befalo med lung einer Baterftadt getreten , und hat als Obrifwacht. 30 meiftet fetr " ubinsollesLeben tiefelbe (1733 ) befchloffent.

Fünfter allochnitt, Matignte & Kapitel . 21 % Gudforderungen ablaßenin Indo bie Kriegsbefohion Qabrtzusftrengeres Matinszucht anmahnenmuften und großenthrits: fuqyte man darauf im Lander mit betes Sachfilioa Generalität der iferneren

Bets

pflegung : Halbet , im Vergleiche irgū treten .

Mus

ia Danzig konnten die Ordnungen darüber zu teta Hem

einftimmigen Soluß kommen .

Die dfgere sound- 3

abſqicungéu der Stadtan den Sachfiſchen Feldn Marſchaft Don Steinau bewujuk ten izvoače enblide das Perſprechen zu einer fried fertigern Sonung , and faft fchichen auch feit der vergefallenen spåte tichkeit , die fremder Truppen ſich beffer in Sarana Ben zu halten allein anſtatt nach dem Königs

mit dem

Willen de

Generak - Kriegscommiffaria

der Einquartierung wegen ein Bernehmen zu pfies immer gen , fo beſtand die Pluralität in der Stade

darauf,

aniSe. Majeftåt felbſt eine Deputation

abyuſoiden )

und mit dem

auf feine Art einzutaßen .

fremden Militair ficher 1

Dagegen fuqyte der König von Polen feinelt Sachfiſchen Kriegsvåtfern im Lande mehrere Siquets beit zu verfchaffen .

Die

Furcht vor einem

Eins

bruch der Schroeden verbreitete ſich nun auch in Preußen , und siebe.demnach die Stadt Thorne fich verfahe

ſo legteder Konig ihreine Sådorities 1703 Januar. Beragung ein , die unterder berbefehl des Gest neralmajors von Eanin in furgent bis fechystaufend

Mann anwuds.

Bald bardufwurde ein Großer

Kath nachy Marienburg angefeget, wo ſich vor der 4.50 23 Königs Ankunft der Rathnan Joachim

Hoppe

als Abgeſchid ter des Danziger Magiſtrats einfand ,

)

Dangigs. Gefchichte. umirdenunglücklichen Vorfall biex Dhra , gut abo wendung der Königlichen Unghilabe von der Stade su entſchuldigen , und zugleich für die Erceffen und Beläſtigungen der Sächſiſchen Einquartierung und Erfaß an die Danziger Landeinſaffen : gu , bittenta Dieſe Miſſion aber hatte einen fructofer Yusi februar. gang : der Abgeſchickte fonnte die erbetene Audieng nicht erlangen , und obgleich die mebreften Magnar ten am Hofe dem fohutdloſen Verfahren der Stadt das Wortredeten , fo blieb der König doch beyſeinem Entſchluß , feineur Deputirten pon Danzig ohne förmliche Abbitte ein Gehör zu verlen þet .

Det -

Mathsherr Hoppemußte demnach unterrichtete Sache zurück reifen , und dem Danziger Secretait, am Königlichen Hofe wurde bald darauf eine lateid utfche Deprecationsformel übergeben , mit welches der König fido vermittelft einer Deputation wollte 1

Werfdhnen laßen . -In Danzig hingegen şiele man fide überzeugt, fein Verbrechen , ja nicht einmal tinent " Fehterite begangen zu haben , der eine Ab. bitte verdiente ; s und, theils durch die Fürſprache einiger wolgefianter : Senatoren , theils durch das Zudptkommen ,

womit Danzig fich in promtec

Auszahlung der Ratengelder,undin andern Dienſt Et

pflichten dem Könige gefällig erwieß , erklärte deca felbe nachgepends , ficy mit einer fubtuiffen Salus

tation abſeiten der Stadt befriedigt zu haltert. als demnado

der Große Rath beendigt gewer

ri. Mar. fen , und der König fid nadı Elbing begebent backe, so warteten ihm biefelbft twey Ratysvere

Fünfter Abſchnitt: Neunites Kapitel. trg wandte y ) ane Danzig

auf, deren der älteſte eine

temeiche Anrede : pielt , worin ohne ſich brucs einer Abbitte ju bedienen

des Uusa

ein anſtändigts?

und ſubmiſſes Geſuch um die Wiederherſtellung des Königlichen Gnade gemacht wurde. Hievon wupo den dieſe Abgeordneten auch vermoge der Erklärung des Königs aufs lebþafteſte verſichert , und fic err hielten noch eine geheime Audiengir murin Se Majeſtát

bey den

gegenwärtigen

Coájunctuçedes

fiche nach der Verfaſſung der Stadt aufs amfigſte 21. erfundigen bemüht war . in der Mitte des vorigen

Danzig batte fesori

Jahres ein Königlides ?

Erinnerungsſæreiben empfangen , ſich gegen einer Husbruch des Schwediſchen Krieges in Sicherheitsk zuſtand zu ſeßen , und Maasregeln guc erforderlies den Pertbendigung zu nehmen , jege aber rourdet ißr auch zugemutbet , eine Beſatzung nach Putigo zu fdicken , und die Garniſon in Etbing mit einta ger Mannſchaft zu verſtårten .

Unerachtet 'nun

die abgeordneten dieſe Anträge an ihre Micabeini zurůd zu nehmen ertlärten , fo find diefelben doch naber mit febt gültigen Entſchuldigungen abgede lehnt worden .- 3.1.5.37 *

Nach dieſen im Lande vollbrachten Geſchäftene

teiſte : König Auguſt nad Lublin , wohini er eitteine außerordentlichen Reimstag ausgefchrieben Hatte Carl XII. war mittlerweile von dem ben Beratowe erlittenen Brinbruchy

twieder bergeſtellt wordena

Seinen Abſichten gemås hatte der Cardinal Partner y Rieju find mit Bewilligung aller Drbnungen die Herren , Joachim hópps und Carl ernft Bauer abgefchidt toonden

quor

stico

Danzige? Sepetlichte auf

mais eit Sendesronfilium jur Barfopau gepatterns das labera miti Zuziehung der Rûterſchaft seitteund Reichstage áhritic gewordent; und eine abermaligen Gefandichaft qasben

König von Someden belieber

Hatte. so Allein weder roteſe , i noch

1

ein

perfdatichet

Beſuch des Primas bewürtten den Frieden .1 Carl erfocht vielmehr einen Vorrøeit über die Sadopere bet Pultust , und brachy ſodann feindlich in die Proa vinz Preuißer ein.

Weil nun von hier die Sach Mai

fchen Truppen , wußer der Thorner Beſakung , mit ihrem Könige herawegezogen waren', fo legte er es ! borbemlich

auf etme Belagerung vor Thorn sana

Erriwartete bgn , Riga. und

Carlskron

mehrere

Mannſchaft, nandaMunition und grobes Geſchüç ab , und als ufoldes am Oliviſchen Stvande gelope fet; bernac beni Dirſchau die Weidret Ginauf wapa transportietworden , fo fing er mit großer Venous #teng an , Thorn zu bombardiren . 11

Bey Eröffhung diefer Kriegsſcene in Preußen

bekam Danzigi eine forere Negotiation mit demi Generalmajor Grafen Stenbod ,

der perſönlich

hieher fam , und als Directop des General

Kriegs ? Comuniſſariats die Forderungen des Königs von Schweben der Stado borlegte. Er verlangte zue norberſt eine Quantitat Pulver und Kugeln neben einer Parthen brandbarer Havetten , zur Fortbeina gung des Geſchüßes , wie angegeben wurde , hac Litthauen an die RuſſiſcheGrenzez ferner ſollte deres Sdwediſchen Truppen aus den Danziger Lånden reyen daſſelbe Contributionsquantum entrichtet were den , welches die Sachlichen Kriegspelter bekome

Fünftes Abfonitt.: Meuntes Kapitel. 221 men båtten , und biezu famem nogor einige unbe ftimmte Pråſtationen, die nachher sin fuhren, Boca Spannen und andren dergleichen Aufbúrdungen micro langt wurden . 19 Dbgleich nun die Stadt alle per cielle Lieferungen abzulehnen bedachtwar , fosfapie fie doch die Nothwendigkeit ein , ein Usquivalentizin entricten ,

welches ſie auch mit

einer mäßiger

Summe Geldes anbieten ließ .: Allein die Erkle rungen des Grafen dußerten ſich hierauf fo baro, .sds993 daß die Reſolution der Drdnungen noch ſchwieriger gemacht wurde.

Indeffen mard pergebens einer

Milderung wegen , an den König von Schweden geſorieben ; felbſt eineAbleidfang an ihn ins La sdra.es ger ging nicht pon ſtarten ; : denn der Rathsbref7.Auguß . Gabr. von Bomeln und der Syndique pismelde dazu abgefertiget waren ,

famen , nur bis Grau

Dens) als ſie vom Grafen Piper die: Madridae erhielten , daß der König fiemicht anbgrena mårde Der Magiſtrat wurde vielmehr gånglich an den Grafer Stenbod gurud gewieſen , und als dieſer Aufenthale drohte , donde kurzem aber vor der bisher angeſchlagenen Generalſumme

nun mit ſeinem

50000 Thaler nachließ , ſo wurde,endlich die zobe fung auf einmalhunderttauſend Speciesthaler vera glider , dac , alſo daß die Stadt mit ihrem Gebiete wibreng dieſes Krieges von allen ferneren Yuflas gen und Contributtonen befreyet regn , Ratification dieſes Vergleichs Sdweden

auch die

vom Könige vor

erfolgen ſollte. Nichte deſto weniger

hat der Grafnachher wegen der Zahlungsart: neue Q Bedingungen grogacht, s und 109628 maje Sefebaft:

1

Bea

B :, Danzlóg Odchichten

Durd feine breife unterbrochen ;" er hat fogareiro gedeliche Contributions . Ausſdreiben auf Geld Who Mundproviant in die Danziger Dorff ausgeben laßen ,

Semalt båtte verfahren ſollen .

/

aften

gleich als ob er mit erecutivet Die Stadt aber

Hat die Unterhandlung glücklicherweiſe wieder etter geleitet, und durch den Subfyndicus Albr. Ro

fenberg Find ferner in alle Verabredungen mit dent Sepebr. Grafen Stenbocf, im Schwediſchen Lager: not Dhorn zur Richtigkeit gebracht worden .“ In Thorn nåberte ſich unterdeſſen dent" trauriger durch ein febreckliches Bombardement,

Schlafal,

13. Detbr.gut Uebergabe gendthiget zu werden .

Solchester

mente sfolgte auf eine fehr harte Ott , mit derweigetter Capitulation der Befaßung, mir ſchweren Brandi faßungskoſten ,

und mit Zerſtörung der Wallé

und Feſtungswerke

wodurch

diefe: vornehmſte

Gradr der Proving, aller äußern Zierde und Bero thendigungsträfte beraubt wurde. " Baló darauf mufte auch Elbing Schwediſche Befagung einneha bei mert, Brandfchakung bezahlen , und noch eine fondre Kriegsauflagé entrichten . Carl XII. be gab ſich alsdenn den Winter über nad ki Heilsberg, mit ſeine Erupren wurden außer den Danziger Såndereyen , durch die ganze Provinz Preußen tot die Winterquarttere verlegét. Uebrigens muſte Danzig es gefehen laßen , dat die inhorn ger machte Kriegsgefangenen farol als dte von dannen winter dem Namen der Trophäen abgefahrte Beuce, Deckr. bey der Weidfelmünde nadySweden eingeſchiffe wurden .

DicuOrdnungen de Stade Garcen . fice

Fünftet

blidhnitt. Neuntet. Kapitel. 223

Mér vörgångig

blevou erhaltenen . Meldung , obat

Gefahr nichtwiderfeßen mogen , " unerad ter fue alle Parthenlichtkit benm Könige von Poten dafür vers antworten zu können überzeuge boaten . . Danzig wurde auch noch in dieſem Jahre der Zufriedenheit und Freundſchaft unterſchiebener Europäiſchen Huli fe, an welche man

Hatte Briefe abgehen laßen ,

berſichert, und vom

Könige von Dänemart powol,

alsikſonderheitvoit derGroßbrittannifehen Königin Anna wurde das Berſprechen Carle XII . beftath gee, daß er feine feindliche Abfichten auf Danzig fåtte,

und wedet ihre Staars * noch Handlungs

freyħeit beunruhigan würde ? !!{ $94 . OM TE Deftor zweifelhafterm Wechfel blieb die Sadie

des Polniſchen Staats- unterworfen .

Eine vete

Recte Conföderation für Schweden Katte fido in Großpolen allmålig erboben , und vielen Beyfallı auch ſelbſt aus der Provinz Preußen einzelne lini gånger bekommen . Der König von Polen behaupi tete zwar noch die Kraft der Lublin fohen Reichstags felüffe ,

ecwedte auch eine Gegenconföderation in

Großpolen , und ſuchte ein Benſtandsgeſchäft mit Allein der: Primas unterd . Rußland eingaleiten . en Abweſenheit derſelbe , alsta w ,f nahmSeß ach g imar Augufts einen Reichs wadee , gereift nach Warſchau auszuſchreiben ,

auf dem

dieGroßpointe

foje Berbündung nody freyera beſtätigt und zur , Warfobauſcher

General

Conföderation erkläret ,

ferner auch die Thronvacang angenommen , und 'äfer 1704 fentlich ein Interregnum verlautbaret ward . DievtFebruar. ſes Verfahren war dem

Aulen

des Königs

.

1

224 15:19

Danzig

Gefobidhk mijn

spets:die Warfque fchem Gonfiabi Decirten mit feiner Kriegsmacht unteaftübte , 10

Schweden gemtås

wenigſtens noduleinige Jahresdang idkiOberhaug mit derſelben hat beþauptein fonuit wonerachtet fich gleich jeßo:ſchon eine allgemeint Gonföderation fi Sendomir entgegenfeßte , welche für Berthendie gung der Kronroürde und der Rechte der Könige Auguſt iſt dereinigt geblieben.165 ditu 31: tiesa 1. Die Proviny Preußen alsiein Glied des Polres fichen Staatskörpers , hatte noch an deiner von : br09 den Confiderationen Antheil , allein unter. To ung fejedlichen Staatsverhältniſſen , kounte die Auffon derung Parthey zu nehmen , nicht langeausbleix ben .

Von beyden Seiten wurden biegu Untråge

gemacht ; doc P . ar: 28. der åußern Gewatt wegen natürlich , daß man fich der Warſdauer Conföden ration beyzutretett entſchloß .

Denn der: Adel fano

im gegenſeitigen Falle keine Unterſtüßung vor ficha Tonoce aber mit dieſer Erklärung , für feine Gůtoe etuige Schonung und Milderung der Kriegsdranga faile hoffen .

Bas die Städtesbetraffo.war das

singige Danzig nur übrig , welcheginoch mit unveto lekten Bållen und Mauern , ſeine eigne Befaßung. Batte , welches aber auch eben fo Dorſichtig feynti guſte , einer Macht nicht zu trogen , deren Krafter überwiegend waren , und, gegen deren debetmålte

1

gung es gar hulflos gelaſſen zu werdeidrbefürch tenidurfte . : Ju fölcher Situation befand ſich demir nach die Stadt,

als der Generalmajør Stenbod

wieder hieber tam , und mir fürchterliggen :Drohanol gen eine categortſche Erflärung von ihm begehrtes

Einige

Sünfter Abrohnitt. Neuntes Kapitel. 225 Einige Wochen früher war bereits eine mißhellige Weiterung dur

einen verjährten Geldanſpruc

aus Schweden erzeugt worden.

Derſelbe rührte

aus den Zeiten des großen Preußiſchen Krieges þer, und : betraf die Pfandfumme von 15000 Mart,

17

welche der Swediſche König Carl Knutſon im 3. 1457

für den Beſik des Pußiger Fiſdamits

zu Danzig niedergelegt þatte.

So ſorglos zwar

gedachter König ehedem ſelbſt ſein Pfandrecht auf gegeben hatte , daß man auch füglich hätte vermua then können , niemals daraus beſprochen zu were den ;?) ſo wenig ließ ſich doch die Originalverſchreia bung ableugnen , welche ſich noch in den Händen der Gläubiger befand.

Dieſelbe aber war aus dem

Königlichen Hauſe auf die Gyllenſtierniſche Familie gekommen ,

welche jekt den måchtigen Beyſtand

des Königs von Schweden ergriff, um in iþrem daraus werden .

hervorgeſuchten Anſpruch unterſtüßet za Die

erſte Anregung

davon hatte der

Schwediſche Commiſſair Cuypercron in Danzig gemacht, nachher fam ein Schwediſcher Obriſtlieu . tenant Baron 0. Gyllenſtierne hieber, und fing an mit ernannteuDeputirten desRaths darüber zu nego.

2 ) Vom Urſprung dieſer Pfandsobligation find im Erften Bande dieſer Geſchichte 8. 331 und von den Urfachen ihs rer Danziger Teits behaupteten Erldſchung 8. 401 - 403 die weſentlichen Facta angezeigt worden. Inzwiſchen muſte 1 das ganze Capital mit einer Intereffenbergütung bezahlt werden. Die 15000, alte Marken löthigen Silbers wurden 9 Speciesthaler auf die Mark ( den Chl. zu 3 Fl. 18 gr. ) gerechnet , womit die Summe einfach genommen 71186 FI. 12 gr . ausmachtet :

Geſch , Danz, zter Th .

P

.

226 ciiren .

Danzigs Geſchichte.. Weil aber die Unterhandlung wenigen

Fortgang gewann , und beyde Theile feine Zufrie

denbeit mit einander bezeigten , ſo bekam der Graf 87. April.Stenbock den Uuftrag,

dieſe Geldfoderung for

wol als noch drey ' andre Pråſtationspunkte, nem . lich alle Königlich . Polniſche Gefàde an den König von Schweden zu zahlen ,

von

demſelben

einen

Burggrafen zu erbitten , und einige Weichſeltáhne mit Gefangenen fren auf die Rhedepaſſiren zu laßen , im Namen feines Königs bey der Stadt anzubrin . gen .

Es fand nun feine Hoffnung mehr ſtatt,

daß man fich der Bezahlung jener für erloſchen ged Kaltenen Squld würde entſchlagen können .

Die

Ordnungen waren deshalb nur auf eine Moderation des Quantums derſelben bedacht ; allein in der era ſten Conferenz mit den Deputirten des Raths fün . digte der Graf eine Pråtenſion an , daß die Zah . lungsſumme auf viermalhunderttauſend Thaler gee reßt werden ſollte.

So abſchredend nun dieſe Form

derung war , ſo wenig war es doch rathſam , die Unterhandlung ganz aufgeben zu laßer . Es wurs de vielmehr an den König Earl und an den Grafen Piper geſchrieben , und Stenbock ſelbſt verſprach ſeine guten Dienſte für die Stadt zu verwenden . Er gab auch in kurzem die nähere Erklärung feines Königs fchriftlice zu verſtehen .

Ein der Stadt

ſchon abgenothigtes Anerbieten , das verſchriebene Capital zur Vergåraag der aufgelaufenen Intereſ fen doppelt zu zahlen ,

ward nunmehr angenom.

men , und die Originalverſchreibung ſollte dagegen estradirt werden.

Hienáchſt aber wurden die For.

Fünfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 227 derungen in Betreff des Vurggrafen und der Ko. niglichen Einkünfte wiederholet , wie auch im Kira dengeber für Auguſt den Zweyten zu bitten , der Stadt færiftlich unterſaget. Jndem nun noch von Seiten Danzigs die moge ligſten Entſchuldigungen gemacht wurden , um fiche einer beſtimmten Antwort auf einige der vorgelego ten Punkte zu entziehen ;

ſo bekam der Magiſtrat

nicht nur vom Grafen Piper ein Schreiben , fons dern auc der General Stenbock fickte den Kriegs. Commiſſarius Brommell in die

Stadt ,

daß er 14. map.

auf dem Rathhauſe Briefe an ſämtliche Drey Orb . nungen abſonderlich abgeben ſollte.

Dieſer fand

die Ordnungen nicht meşr verſammelt , alſo nur ein Schreiben an den Rath ,

úbergab

und ließ die

benden übrigen' gegen Abend dem Subfyndicus zur richtigen Ablieferung eingändigen .

Alle dieſe zu.

ſchriften aber famen dem weſentlichen Inhalt nach darin überein , daß Danzig von Carin XII , auf gefordert wurde ,

der

Warſchauſ

tion öffentlic benzutreten ,

en Confödera .

dem Könige Auguſt

mündlich und ſchriftlich den Gehorſam abzuſagen, Jhn und ſeine Angånger für Feinde zu erklären , dagegen aber dem Könige von Schweden alle Will fårigfeit zu erweiſen , und die Königlichen Gefälle in der Stadt ,

von der Zeit an ,

da die Schweden

fich vor Skorn gelagert , an die Schwediſche Kriegge caffe zu bezaglen. Die hinzugefügte Drohungen im Fall eine : Verweigerung dieſer Antrage , waren ſehr hart angedeutet ; Sicherheit und alles

hingegen wurden Squş, Aufne men der Wohlfahrt

-228

L3

verſprochen ,

Danzigs Geſchichte .. wenn die Stadt fich bald und unbes

dinge gedachten Foderungen ein Genüge zu leiſten entſchließen würde. Weil nun der Graf Sten, bock zugleich um eine Deputation aus allen Ords nungen hatte anſuchen laßen, mit der er in eine

+ nåbere Conferenz treten , inſonderheit auch im Nar men ſeines Königes , eine Schrift zur Unterzeich . nung vorlegen wollte; ro wurden zwar mit einigen Sowierigkeiten von ſämtlichen Ordnungen Depu . puçirte dazu ernennet, nachdem aber der Graf nicht

40

in die Stadt zu kommen , fondern die Deputation in Langefuhr zu erwarten ferner erklärt Batte, traten die übrigen Ordnungen wieder zuråd ,

ro

und

der Rath allein muſte zwey Herren ſeines Mittels nebſt dem Syndicus nad Langefuhr abſchiden . a )

1 Der Hauptzweck dieſer noch

freundſøaftlich

gehaltenen unterredung betraf eine Schrift, welche die obigen Punkte des Beytritts zur Warſchauer Conföderation in ſich enthielt ,

und deren Unters

zeichnung nebſt der Ausfertigung unter dem Stadt: ſiegel Carl XII. verlangte .

Hiemit nun vurde

* die romerzlichſte Zumuthung an Danzig gemacht. Bisher hatte man ſich hier noch erwehret , weder durch ausdrückliche Worte noch Thathandlungen die beendigte Pflicht gegen den König von Polen zu brecen ; nun aber ſollte man ſolches öffentlich er

4

klären , und ſich unbedingt zur Auffündigung des Gehorſams an ihn verſchreiben .

Die Ordnun.

a ) Hiezu wurden die Rathsherren Friedr. Bottl. engelle und Gabr. von Bömeln , nebfi dem Syndicus I. L. von der ginde deputiret.

Fünfter Abſchnite. Neuntes Kapitel. 229 gen der Stadtwandten noch alles an , um ſich diea fem ſo ſchweren Schritt zu entziehen ; fie entſchloſe ſen fich , die Schwediſober ſeits eingeſandten Ree? verſalien zu moderiren , und wagten es zweimal, dem Könige Carl ein abgeändertes Project ihres Beytritts zur Conföderation vortegen fu laßen , worin zwar ein einſtimtimiges Beharren bey der Reals publit Polen und ihren Staatsbeſąlüffen erklärt war , doch aber feine namentliche Abfage des Kda : nigs ausgedruckt ſtand . Es wurden aber alle Maasregeln fruchtlos verfuchet,

uin

in dem

dro«

þenden Begehren des Königs von Schweden einige Milderung zu erhalten. Stenbock anfragen ,

Vielmehr muſte der Graf ob das zweyte Project des?

Reverſes , für die lebte Reſolution der Ordnungeni anzuſehr wäre ,

und als felbiger Bierauf gebeceni

worden , 2 daß er ſolches als eine ſubmiffe Erklärung der Stadt , möchte,

feinem

Könige annehmlich vorſtellenas

ſo reiſete ét damit zwar nach

Heilsberg ,

kam aber in kurzem wieder zurůd ,' und brachte das fürchterliche ultimatum des Königs von Schweden þerben , welches er den abermals nach Langefube 27. Mag. eingeladenen Deputirten des Raths bekannt machte . Er betheuerte nun aufs träftigſte, daß ſein König von dem ſelbſt beliebten Entwurf des Rêverſes nicht

1 abgeben wollte, ſondern das ſelbiger ſchlechterdings unterzeichnet, und von der Stadt beſiegelt werden můſte , wozu noch eine Bedenk geit bis auf den drit . ten Tag zugeſtanden ſeyn ſollte.

Würde man dieſe

Friſt aber, ohne den Willen feines Königs befol. get zu baben , verſtreichen laßen, ſo würde er der

P

3

1 230

Danzige Gefchichte.

Graf atodenn fordern , daß die Shore gedffnet , die Solůfet, und alles Gewebe zu den Füßen Reinet Königs niedergeleget, und die Stadt auf Gnade und Ungnade übergeben werden folle. Et fekte noch viele foredliche Bedrohungen hinzu , wonada Earl XII. die Stadt im Fall ihres Ungeborfams , behandeln entſchloffen wäre.

aufs grauſamſte zu

Er würde fick iþrer ,

mit dem

(hieß es

in der Hand bemachtigent

Degeta

fie zum Eutenneſt

,, machen , feines Einfaſſen fonen , und den Hee berreſt von Menſchen und Gütern auf Schiffer or wegführen laßen .

Huf einen Fo zornigen und

rachvollen Antrag , ausdrúden mogen ,

den fein Feind beftiger påtte konnten die Rathsdeputirten ,

denen alle Gegenvorſtellungen nichts weiter thun ,

gebemmt wurdett ,

als das angehärte ultimatum

an die Jürigen zurücknehmea. Zuvor aber wurde ihnen nod angedeutet, daß von ihrem Abſchiede an , der ohngefehr um fünf ybr Abends erfolgten jede Stunde der zugeftandenen Bedenkzeit mit tau .. fend Species . Thalern gebüßet , und dieſe Geldo ftrafe bis zur Einpandigung der ausgefertigten Ree Berſalien gefordert werden ſollte. So ſchwer es nun den Ordnungen der Stade wurde , eine Entſchließuug zuzfaſſen ,

die mit iga

rer gemobuten Treue und muthvollen Standhaftiga teit ſo wenig übereinſtimmte ,Weber, ſo unftatthaft muſten ſie es doch anſehen , ſich einem gen Sieger zu wider feben ,

eigenſinnie

der ſeine ganze Made

aufbot, den Kdnig Auguſt zu dechroniſeren , dem feſt fein Hinderniß gelegt wurde ,

um feine millo

Fünfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 231

führlichen Abſichten růdgångig zu machen ,

und

deſſen glücklichem Fortlauf der Waffen , die reſpea ctabelſten Mächte Europens jekiger Zeit nachzuge. Solcher Geſinnungen des ben , Den Rath gaben. Kanſerlichen Hofes und der Bdnigin von Großbrite tanien Murde Danzig inſonderheit von deren anwes mit dem Königlich .

fenden Miniſtern verſichert;

Preußiſchen Hofe Hatte man während dieſer gefähr. lichen Reichstrubeln feit einiger Zeit fchon ein nåþes res Vérnehmen gepflogen , und den Rathsvero wandten Hoppe deswegen nach Berlin geſendet, dem aber ebenfalls für die Stadt , ſich mit Gedule in die Umſtånde der Zeit zu ſchiden , worden.

Hieju fam node,

war gerathen

daß die Regierungs.

ſtånde der Stadt es nie båtten verantworten fån: nen , wenn ſie durch einen unberathenen und gülf lofen Widerſpruch ,

die ganze Bürgerſchaft und

alle Einwohner unglücklich gemacht, und das vdb lige Verderben Danzigs hartnäckig befördert hätten. In Erwägung aller dieſer Umſtände wurde demnach die Reſolution genommen ,, die vorgelegten Rever 1 falien unverändert zu unterzeichnen ,

und wie es

verlangt worden, fie unter der Stadt Siegel, dem Grafen Stenbock einhändigen zu faßen .

Dieſes 30. Ptay.

geſchahe durch die obengenannten Deputirten des Raths , und man hofte dafür, einen aufs kraftigſte verfprochenen Gegenrevers des Königs von Sowe. den zur ferneren Sicherþeit der Stadt zu erhalten . piemit wurde feine Befriedigung gegen Allein au zwar muſte die Abreiſe des Kode Einestheils ben. nigs nach Dirſchau dafür zur Entſchuldigung dies

232

Danzigs Geſchichte..

nen ; gebietender aber ließ Graf Stenbock 'nache daß ſein König, zuvor.

gebends dem Rath wiſſen ,

derſt die Berichtigung aller von der Stadt abzu. zablenden Gelder begehrte.

Dieſe wurden für die

Çanutſche Schuld an die Gyllenſtierniſche Familie, auf 142372 Gulden 24 Groſchen angeſchlagen ; die verglichene Summe für die Königlichen Ein fünfte , ( unerachtet dieſe Gefäde an den König Au guſt ſchon voraus waren gezahlt worden ) betrug 8.000 Tblr.Cour. oder 24000 Gulden , und weil durch die verzögerten Rathſchlåge 67 Stunden wảý. gender Bedenkzeit verlaufen waren , ſo ſollten noch ohne Widerrede ſiebenundſechzigtauſend harte oder Speciest aler ,

welche ſick auf 241200 Gulden

beliefen , zur Strafe als Stundengelder erlegt were Man ſabe ſich gemůßiget, alle dieſe Geld

den .

forderungen ohne ferneren Einwand -zuzugeſtehen , Jung. und vom 13. Juny an ,

find theils in

Betreff der

Knutſonſohen Schuld durch den Baron

Gyllen

ſtierne gegen die zurücgelieferte Originalverſchrei bung , theils vom GeneralStenbock gegen Quito tungen des Kriegscommiſſariats .,

dieſe Gelder,

welche zuſammen die Summe von 407572 Gul den 24 Groſchen betragen haben , in Empfang ges nommen worden.

Wåfrend dieſer Zeit þat nun

zwar Carl XII. einen eigenhåndig unterſchrieben nen Gegenrevers der Stadt eingeſchicfet ,

fraft

delſen içr die Verſichernng ertheilt worden ,

ſie in

einem ungeſtörten Handel zu Waſſer und zu Lande zu laßen , ſie ben iþren Rechten ,

Freyheiten und

Privilegien zu ſchügen , und alle Angelegenheiten

.

Fünfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 233 derſelben zu ihrer Wohlfahrt und Aufnahme zu beg fördern ; was aber die anfänglich vom

Grafen

Stenbod gegebenen Verſprechungen betraf, daß die Staptfünftighin von allen Anforderungen, Zu* muchungen und Contributionen befreyet ſeyn wür: de, daßſie gegen alle auf die Folge der Zeit erſinnliche Anſprüche, oder Beſchuldigungen mit einer måco . tigen Garantie geſpåßet, und auf alle Fälle in iß rer Ruhe und Sicherheit ungefråntt erhalten were den ſollte , davon ward in dieſen Gegenreverſalien gar feine Erwågnung gechan , und eben fo wenig bat fernerhin etwas dafür erlangt werden können . Weil nun auch die vorbenannte Geldſumme in wenigen Tagen baar þat gezahlt werden müſſen , ſo hat Danzig in Abſicht der ſchleunigen Herben, ſchaffung des Geldes noch manche Bedrängniß .34 Kraft eigener Ordnungsſchlüſſe

beſiegen geħabt.

iſt dieſe Baarſchaft durch Vorſtellungen der Noth. durft, in reichen Familien vorſchußweiſe zuſammen gebracht, und die Securitåt dafür in einigen Sür und Einfünften der Stadt beſtellt worden , Man þat ferner auf Termine , die Vermögenſteuer

tern

des þundertſten Pfennigs abtragen laſſen , noch

durch

viele

und

außerordentliche Abgaben und

Auflagen den Stadtcaffen ausbelfen müſſen .

Alle

dergleichen Geldquellen muſten um ſo viel reichlicher eröffnet werden , weil nach Beendigung der ſchwes ren Geſchäfte mit Schweden, die Stadt es ſich noch thåriger als vorher angelegen feyn ließ , zu ibrer Sicherheit und Verchendigung hinlängliche Verfü . gungen zu treffen und keine Koſten zu ſparen , wo

Psi

>

234

S.

s

Danzig

hte .

Geſchic

es auf die Verbeſſerung der

Fortificationswerte ,

und eine Augmentation der zur Gegenwehr erfore derlichen Befakung anfam . Nach dem Ablebent des Obercommendanten von Remphen , warjeßt j der Oberſtlieutenant Sinklair von der Stadt zum Oberſten ernannt worden , und einige Monate ſpås ter wurde ihm der aus Berlin empfolene Baron Fr. Aug. Zorn von Plobsheim als Oberſtlteu tenant an die Seite geſéget. Schon zu Anfang des

Jahres

Major beym

war

der

Capitain

Conradi als

Regiment in die Stelle des Major

Lange getreten ,

der mit dem Eşarakter

Dberſtlieutenants zum

eines

Commendanten in der Fes Die Sarniſon

ftung Weid felmünde beſtelle war:

wurde mit guten und zum Theil auswårts verſus ten Soldaten zuſehends vermeøret.

Außer der

Artillerie und dem Dragonercorps tft das Regi:

7 ment Infanterie bis zu Ausgang dieſes Jahres über viertegalbtauſend Mann angewachfen , nach . dem ein Schluß beſtanden geweſen , daſſelbe erfora derlichenfalls bis 6000 Mann zu verſtårten . Ben einer ſo zahlreichen Befakung war man nicht min . der bedacht , noch mit einem

angeſehenen und me.

ritirten Oberbefehlshaber zur erledigten Commen. dantenſtelle verſehen zu werden .

Hiezu nun wen.

bete man ſich durch den Rathsherrn Hoppe in Ber. lin , an den in Königlich - Preußiſchen Dienſten be. findlichen Generalmajor von der Golge , der aus Großpolen gebürtig , Gütern anfäßig war .

auch daſelbſt mit adelichen Er übernahm mit Begúns

ſtigung ſeines Königs dieſe ihm angetragene Beſtal. lung, und traf eben in Danzig ein , als die Sowe

Sånfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 235 diſche Angelegenheit beendigt geweſen , da er denn ſofort der Stadt der gewöhnlichen Eyd teiſtete, und als Obercommendant der Garniſon vorgeſtellts9. Juny. wurde. Auf fein Anrathen und unter ſeiner Mits aufficio find iu der Folge einige beträchtliche Meues rungen an den Feſtungswerken der Stadt gemacht worden .

Inſonderheit iſt das Polygon , oder die.'

neue Defenſionslinie vom Hagelsberge Armen : Kirchhof ben Seit, Leichnam ,

über den bis an den

Gradtgraben gelegt worden , um der Gefahr vor . fubeugen , daß die Berge von der Stadt nicht ab . geſchnitten würden . " Man hat dieſe rehr: nöthig befundene Feſtungsarbeit ,

die

den Namen des

Neuen Werks befommen hat, b ) duro außeror bentliche Schaarwerke dergeſtalt befördert , daß daſſelbe innerhalb etlichen Wochen zum Stande ger bracht,

mit dem nöthigen Geſchüße bepflanget,

und mit einem Wachhauſe iſt verſehen worden . Hienåcyft þat man für die Reparatur des Raveling beym Jacobsthor fomol als für die Verſtärkung der Linien am Oliviſchen Chor, ingleichen für beſſere Bepflanjung mebrerer Batterien Sorge getragen , und an vielen Orten theils um die Stadt , theils in der Feſtung Beidfelmürde , ſich die Verbeſſerung der ſchadhaften oder foråchern Werke angelegen fenn laſſen .

Bey allen dieſen innern Veranſtaltungen aber wurde die Bewerbung um auswärtigen Beyſtand b ) Die Benennung Stenbocks Brille , welche der gemeine Mann oder der Soldat dieſem Neven Werk ſpottweiſe ges geben hat , läßt fich aus den Vorfällen wub Conjunctured Damaliger Zeit ohne Mübe erklären ,

8

236

Danzigs

Geſchichte. :...

nicht aus den Augen gefeßet, indem man wol eita? ſaße, ohne denſelben der Ueberlegenheit feindlicher Waffen auf die Fortdauer nicht gewachſen zu feyn . Die Juterceſſionen ,

womit die Kronen

Großbrite

tannien , Dänemark und Preußen fowol als die Republit der vereinigten

Niederlande fide bisher

beym Könige von Schweden der Stadt angenom men hatten , befeſtigten nod nicht die Sicherheit, mit allen ferneren Feindſeeligkeiten von ihm ver foonet zu werden , und es wurde zu dem Ende forgfältig daran gearbeitet , den in Berlin ſchon angelegten Plan eines Defenſions- und Commer . zientractats , durch fernere Negociationen im Haag zur völligen Kraft und Reife zu bringen .

Det

Berliner Hauptreceß enthielt die fråftigſten Vere ſprechungen , daß der König von Preußen dieStade Danzig in ihren Privilegien und Freyheiten tertrea ten , ſeinem in Preußen commandirenden General die Wachſamkeit für iþre Beſchůkung anbefehlen , fie in alle Bündniſſe mit ausmårtigen Mächten eins foließen , und iþr Beſtes bey denſelben befördern pürde.

Er verſprach ihr auf den Fall eines feinde

fichen Angriffs , zweytauſend Mann

Truppen auf

igre Koſten und unter ihrem Eyde zu überlaßen, auch auf Begeþren ihr eine größere Anzahl zur Hülfe zu ſchicken .

Endlich verpflichtete er ſich

die Stadt wegen iþres Beytrites zur Warſchauer Confideration zu vertheydigen , und falts iør , der dazu unterzeichneten Schrift þalber , je einiger Ver druß erweckt werden ſollte ; ſie auf feine Weiſe in Gefahr tommen zu laßen.

So befriedigend und

Fünfter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 237 vielvermogend nun dieſe Verſicherungen waren , fo bezogen ſie ſich doch auf einen Nebenreceß , daß ihre Gültigkeit erſt alsdenn ſtatt finden ſollte, wenn Großbrittannien ,

Dånemark und Holland , fico

mit dem Könige von Preußen wegen einer gemeine ſchaftlichen Beſchirmung Danzigs würden vereinis get haben . Eben dieſe Conſociation aber, welche * im Haag vollzogen werden ſollte, belum einen An . ſtand , indem die beytretenden Mädte zuvörderſt von den Vergleichsartikeln , welche der König von Preußen mit Danzig geſchloſſen hatte, ausführlich Oetbr. Weil nun ſolches der unterrichtet ſeyn wollten . getroffenen Verabredung entgegen war ,

und der

König, von Preußen noch ferner darauf beſtand, daß gedachter Vergleich geheim bleiben ſollte ; fo wurden dadurch

im Haag

die Geſandſchaftsgeo

ſchäfte verzögert, und es miſchten ſich hernach an den Höfen ſo viel argwöhniſche Muthmaßungen ein , die aus dem Schwediſchen Cabinet Nahrung bekamen , daß die Haager Negociation ein ganz fruchtloſes Ende erreicht fat.

Danzig iſt zwar

noch äußerſt bemůbet geweſen ,

dieſelbe mit neuen

Vorſtellungen in Gang zu bringen.

Der Danzi.

ger Subſyndicus wurde gegen Ablauf des Jahres nach dem Haag geſchickt,

und

ſollte mit Unter

ſtúkung des Königlich - Preußiſchen Geſandten Frey Herrn von Schmettau in Gemeinſchaft mit dem Hanſiſchen Reſidenten Hůneken , dieſe Angelegen Þeit wieder eifrig betreiben. Es wurde durch leg. tern ein verånderter Entwurf zur Sicherheitsga. rantie für Danzig gemacht, den man bey den con :

i

Danzigs Geſchichte.

238

fociirten Mächten annehmlich vorſtellen zu können vermeinte; allein die Zurückhaltung der Generale Staaten , welche ſich nicht någer haben erklären wollen , bai'den Beyfall der Königin Anna rowol als des Königs von Dänemart wieder abwendig gemacht ,

Bøneracytet bende schon nach dem neu

vorgelegten Entwurf ſich zu conjungiren bereitwile lig geweſen .

Dergeſtalt iſt der Danziger Subſyne

dicus im Mop des folgenden Jahres unverrichteter Sache zurücgekommen ,

und hat weber die Ga .

rantie der erwähnten Seemåchte auswürfen , noch aud den am Berliner Hofe geſchloſſenen Vertrag zur Vollziehung bringen fönnen ,

ſondern Danzig

iſt vielmehr den willführlichen Aufforderungen des Nordiſchen Helden dieſer Zeit ferner ausgelegt, und des Vætrauens auf auswärtigen Beyſtand under fichert geblieben .

Sünfter Abſchnitt. Zehntes Kapitel. 239

Zehntes , Rapitel.

Der Woywod von Poren Stantslaus Leſzczynski wird als Gegenkönig erwählet - Danzig geråth in Verlegenheit und Zwift wegen einiger Mobiliargúter des Königs Au : guſt - und wegen Auslieferung zweyer Polniſchen Mas gnaten - Die Låndereyen der Stadt werden dadurch in Contribution geſeket - Stanislaus wird gefrdnet wots Auguſt laßt den Frieden zu Ultrauſtadt ſchließen auf Stanislaus allgemein ale König von Polen erkannt Begünſtigungen fremder Einſaſſen und Rauf's wird Danziger Convention oder Commerzs leute in Danzig vertrag mit der Krone Großbrittannien .

Die Warſchauer Conföderation þatte nun in der

'syon

Wonwoden von Poſen Stanislaus Lefzczynski unter Schwediſcher Bedeckung einen neuen König erwåblet.

Earls Unterredung mit deraſelben nace

vollzogener Wahl, gatte die fernern Maasregeln zum Ziel, womit feine allſeitige Anerkennung im Reiche bewurkt werden folte , und hierauf war der Zugnach Klein Polen erfolger, wie auc Lemberg mit ſtürmender Hand erobert worden . Der Kör isdier nig Auguſt naḥm unterbeffen zwar Warſchau in Beſik , er nurde aber bald wieder Çerausgefala . gen, muſte aud Großpolen verlaßen , und fich gies gen den Winter mit ſeinen Truppen gånzlich nach Sachſen zurückziehen. Die Ruffifchen Hůlfsvol. fer hatten gegen dieſe Unfälle in Polen zur Zeit noch nichts ausrichten können , unerachtet der Czar Peter im diesjährigen Liefländiſchen Feldzuge gang Ingermanland unter fich gebracht batte

Danzigs Geſchichten Außer oft erneuerten Geldabgaben wurden die Schwediſchen Winterquartiere im

Polniſchen Preu

Ben dieſesmal ruhig gehalten ; Verſchiedene polniſche Herrſchaften von der Parthen des neugewåþlten Königs ridteten zur Sicherheit , in den Städten der Provinz ihren Aufenthalt ein ,

und unter an.

dern war auch der Cardinal Primas aus dieſer Ure fache nach Danzig gekommen . des Königs Auguſt hingegen ,

Einige Mobilien die man bisher un.

ter der Aufſicht des Königlichen Agenten Schiller ficher in der Stadt aufbewahrt hatte , -gaben jekt, indem der Agent ſie nach Dresden fortſo affen woll. te , zu einem Verdruß Anlaß , der Danzig in nicht geringe Verlegenheit fekte.

Der Wehrt gedachter

Güter ward auf neun bis zehn Tonnen Goldes geo rehåßt, und das größte Stůc darunter iſt eine koſte bare Königliche Staatskutſabe geweſen.

Sie wur.

den insgeſamt auf etliche Frachtwagen gepackt, und unter Paß und Nahmen des Römiſch . Ranfer. licen Envone Grafen von Zinzendorf, der eben

abgereiſt war , an einem Morgen vor gewdönlicher is. Decbr.Oeffnung des Thores ,

aus der Stadt geführet.

Sie waren aber kaum drittebalb Meilen von Dan . sig ,

bis úber Redlau gelommen , ſo wurden ſie

durch eine Parchen von funfzeộn Mann Sweden unter einem Capitain angehalten , und mit Gewalt nach der Olive zurück geführet. die Kaften und Påde,

Hier öffnete man

die Sachen wurden auch

merklich durch einander geworfen ,

zulegt aber bes

ſchloſſen , alles wie es ſich da befand , Begleitung von drey Mann ,

1

unter einer

denen eine ſtårkeré Con .

1

1 Zehntes Kapitel. 241

fünfter Ablohnter

Convon aus Ditfhau entgegen beſtellt wart , bey Danzig worben über die Berge nach Marienburg Führen zu laßen. Inzwiſchen hatte inDangig der Polniſche Major von Gehema dieſen Vorfall eto fahren , der ſich denn gegen die folgende Nacht mit einigen Sächſiſchgeſinnten aufmacte , und in dett Dorfe zu Wonnenberg den Schweden ihre Beute wieder abnahm .

Er brachte den Morgen darauf

alle vier Frachtwagen glücklich in die Stadt ,

und

ließ ſämtliche darauf befindliche Gücer in die König. · lichen Speicher abſeßen .

Hierauf aber meldete ſich

der Schwediſche Commiſſair Cuypercroon beym Math mit einein Tebr ſcharfen Memorial , im

Namen ſeines Königs verlangte ,

Gårer als eine dem

worin er

daß gedacte

Feinde redtmåßig

abgenom

mene, von Marodeurs aber wieder geraubte Brüte, ihm

unbedingt ausgeliefert werden

ſollte .

Der

Commiſſair wurde zwar durch eine Antwort beruhin 'get', worin der Rath rich dieſer critiſchen Sache wegen , auf eine Berathſchlagung mit den übrigen Ordnungen berief , bevor die verlangte Erklärung erfolgen fönnte , es wurden indeſſen die zurückges brachten Güter vermittelſt eines Notariatverzeich. nifles aufgenommen , und ins neue Zeughaus zur Verwahrung gebracht;

man hat aber doch nicht

lange einer categoriſupen

Reſolution ausweichert

Annet , indem auf diefelbe immer dringender iſt infiftet worden . Bon der andern Seite Gatte König Auguſt 1705 Januar. Ber Stadt durch ein Schreiben unterſagt, fick ret. 3.

Her Güter weder anzumaßen , Oeſch . Danz. zter Th.

1

noce

rich einige

142

Danzigs

Gedichten

Diſpoſition darüber zu ſchulden founmen zu laßert. Von den anweſenden Miniſtern auswärtiger Höfe war in dieſer Sache ebenfalls fein Rath oder Bey . ftand zu Boffen , indexu diefelben abſichtlich darüber ein Stillſchweigen beobachteten , und nur die von der Stadt erbetene Jnterceſſion an ihre Höfe gemel bet hatten .

Man ſabe ſich demnac auf alle Wetfe

in einer äußerſt zweifelhaften und gefahrvollen Bee drånguis. Der König von Schweden ließ dabey wie derbolentlich mit ſeiner Ungnade drohen ,

und mit

allen an ihn ſowol als an ſein Miniſterium abgela . Benen Briefen , ließ ſich gegen die gefoderte Ertrg . May. Dition nicht das mindeſte aysrichten.

Hiezu tam

in der Folge noch ein anderes Begehren , welches in Danzig eben fo viel Bedenklichkeit und Beſorge nis erweckte , worauf aber Carl XII. gleich unbe weglich beharrte.

Daſſelbe betraf die Auslieferung

zweyer Polniſchen Magnaten , nemlich des Mae rienburgſchen Woywoden Kczewski und eines für ften Radzivil, die zwar bende zur Gegenparcher pon Sweden geþörten , übrigens aber ſich rubig in der Stadt aufhielten.

Der Rath glaubte noche dieſe bachſt unangenehme und für die Stadt einſt

conſequente Forderung, mit fråftigen Remonftra. tionen ablehnen zu können ;: allein über alles Vera muchen erfolgte darauf vom

Grafen

Piper eine

ſchriftliche Antwort ia fo harten Ausdrücken , daß im Fall einiger Weigerung, die grauſamſten Proces duren angedrobt wurden ;

und kurz darauf meldete

fich der Schwediſde Generalmajor Meyerfeld mündlich , daß er Befehl fåtte ins. Werder einzue

fünfter Abſchnitt. Zehntes Kapitel. 243

růden und mit Feuer und Scwerd zu verheeren woferne die Stadt den Forderungen ſeines Königs nicht ungeſäumt nachkommen würde. Ben ſo nahe gelegten Gefahren war fein Ausweg übrig , als Eben war ſidy zu einer Reſolution zu erflåreu .

auf den äußerſten Fall (don ein Soluß der Orde nungen beſtanden , daß die ſequeſtrircen Königlichen Mobilien estradirt werden ſollten , welche nachher der Schwediſche Commiſſarius bis auf einen klei nen Ueberreſt hat abneşmen laßen . c ) Was aber die oben gedachten Magnaten betraf, fo Harte rich einer nach dem andern in der Stille aus der Stadt wegbegeben , und man war nicht im Stande dieſel.. ben perſönlich wieder zu ſtellen .

Dieſer Erfolg,

der ſchon vermuthet worden , gab dem General Meyerfeld mit ſchriftlicher Zuſtimmung des Gra. fen Piper den Unlaß , nunmehr zur Befriedigung ſeines Königs ,

ein freywilliges Geſchenk für das

Somediſche Kriegscorp8 zu begehren ,

und auf

Unrathen des Großbrittanniſchen Endone ſollte die Stadt fich etwa zu ſechszigtauſend Thalern , erbies Weil aber auf dem Rathþauſe ſowol als ten: außer demſelben

ſich

pierüber äußerten ,

unterſchiedene

Meinungen

die Bürgerſ@ aft fich auf die

Zuſagen des Königs von Søweden berief,

und

die Ordnungen in keine dergleichen verſteckte Con. tribution einſtimmen wollten , fo růcte Meyerfeld während der verzögerten

Rathſslågen mit zwen

* ) Einige in Danzig zurüdgebliebene und aufbehaltene Seleis nigkeiten bat 'det stönig Auguſt II, im 3. 1711 wieder botamusen.

Danzigs Geſchichte.

244

Ja. Juln: Cavallerie Regimentern ins Danziger Werder ein , und ließ ſie einen Monat lang unter förébauernden Erpoſtulationen mit der Stadt , Þieſelbſt zehren . Zulegt muſten die Werder ſiden Einſaffen noch eine Summe von 52716 Gulden bezahlen , und die " frey gebliebenen Dorfſchaften in der Nehring fowol als auf der Höhe fahen ſich gendthiget, die Eins quartierung mit72 Gulden von jeder Hufe zu löſen . Während dieſen unfriedlichen Auftritten ben Danzig ; war Carl XII. in Polen beſchäftigt' die Krdnung des Königs Stanislaus vollziehen zu laßen.

Der tranke Cardinal Primas ſchrieb zwår

einen neuen Reichstag dazu nach Warſchau aus ; er blieb aber ohne demſelben benzuwohnen in Dan . zig , und iſt einige Monate ſpáter ( 13. Octbr.) bieſelbſt geſtorben .

Den Beſuc des Reichstages

machten die Sendómitſchen Conföderirten und die Såchfiſchen Truppen zwar unſicher ; als es aber zu Anfang deſſelben ben Warſốau zu einer Schlace fam , worin dieSweden den Sieg erhielten ,' fo þatte die Reichsverſammlung ihren Fortgang, und 4. Detbr. Stanislaus wurde vom Erzbiſchofe von Lemberg gekrönet .

Hienådyſt ward dem Scheine nach zwar

ein Friede mit der ganzen Republik Polen zu War.. ſchau befeſtiget, allein die Sendomirſchen Confde derirten blieben für den König Auguſt vereinigt, und die Waffen wurden von benden Theilen nicht niedergeleget. Gérate gegen die Zeit der Krdnung kamen zwey Heerführer der Sendomirſchen Confd. deration plóglich nach Preußen , brandſchaften aaf dem Lande ,

und überfielen die Schweden in den

Fünfter Abſchnitt. tleinen Städten .

Zehntes Kapitel. 245.

Chomentowski berennte Ma.

rienburg und ließ drey Stunden lang darin plůns dern ; er ſchicte auch zwer Abgeordnete nach Dan zig , ließ die Stadt aber ſeiner Freundſchaft ver ſichern , und wurde, ohne etwas gefodert zu ħaben, ntit einem Geſchenk von 200 Thalern abgeſunden . Uebrigens wurde die vollzogene Kronung des neuen Königs den Sroßen Städten in der Provinz fenerlich notificiret ,

und Danzig

bekam noch ein

ſpecielles Anſchreiben vom Fürſten Sapieha Stas roſten von Bobrust , ſich mit Auszahlung der Kode nigliqen Gefälle zu fördern , welches Stanislaus felbſt in einem Freundſchaftlichen Briefe Stadt wiederholte.

an die

Um dieſelbe Zeit aber lief ein

Schreiben vom Könige Auguſt 'ein , worin derii Nosbr. Stadt zwar das Verfahren mit den ausgelieferten Königlichen Mobiliargütern ſehr ſtråflich vorgehal. ten , und der Bentritt zur Warſchauſchen Confödes ration hart verwieſen , doch aber alles in

Vergele

fenheit zu ſtellen , und die Stadt nicht þúlflos zu laßen verſprochen wurde,

in Hoffnung von iğrer

Plicht und Treue fänftighin beſſer verſichert zu werden, unter foloßen Umſtänden, da es obne dem mit der Anerkennung des neugefronten Kidnige außerhalb Polen noch zweifelhaft ausſage , fonnte Danzig ſich auf die ſeiner ſeits gemachten Antråge erung der nicht einlaßen ,und þielt ſich für zur Ablief en Königlich Gefälle um ſo viel weniger vermogend,

da die Bedürfniſſe der Stadt bringung unſäglich erſchwerten .

deren

jeßige Aufe

Weit meør muſte

die Furcht für einein noch beftigern Ausbruch der D. 3

2

246

Danzigs Geſchichte.

Hoftilitåten im ganzen Staat zunehmert, 'nachdem die von der Außenfeite beredytigte Kroriwürde des Gegentonigs ſchon größereSdwierigkeiten aufwarf, ihn unbedingt wirder davon abtreten zu laßen.

In

dieſer Hinſicht rehnte fide auch die Stadt Danzig von neuem nac auswärtiger Beyſtandsgewährung. Decbr. Sie fand den König von Preußen noch immer das Er beantwortete bereitwillig ihr An. zu geneigt.

Hülføtruppen der fuden , fünf undert Mann Stadt unter iþrem Ende zu überlaßen , und riety förderfamſt,an ,

Haag bei ſeite

das neuerlich im

gelegte Beſchirmungsproject wieder in Bewegung zu bringen. Indelſen Kaben ſich nach der Zeit ſolche Verån derungen der Umſtände ereignet ,

wobey ſämtliche

Glieder " des Polniſchen Reichskörpers immer neue Maasregeln ihres Betragens zu wäßlen find gendo thiget worden .

Der König Auguſt 'war

aus

Sadren unecfannt durch Danzig nach Königsberg gegangen ; von dannen war er zu Tykoczin in Pode lachien eingetroffen ,

wo er den Ritterorden vom

Weißen Adler geſtiftet bat , und Batce " fich ferner nach Grodno

erhoben ,

um mit dem Ruffiſdex

! Czar eine Unterredung zu Şalten .

Hier befeſtigte

16. Decbr.ein Großer Rath das Ruſſiſche Bündnis nebſt dett neu angelegten Kriegsoperationen,

und der Czar

nahm darauf ſeine Rücreiſe nach Moſcau. 1706

XII. dagegen ,

um die neuen

Cart

Plane zu ſtøren,

that einen Winterzug nach Littauen ,

und zwang

den König Auguſt damit , nad Warfhau ze Adcten : auch das neu angetoimitierte Sámififde

Fünfter Abſchnitt . Zehntes Rapitel. 247 Kriegsheer in Großpolen wurde bey Frauſtadt som Swediſchen

General

Rehnſchild

geſchlagen , febr.

und ebenfalls ſahen ſich die Ruſſen gendthige, Grodi no zu verlaßen , und Litthauen zu räumen . Als lekteres geſchehen , teprte der König von Schmes den nach Großpolen zurůd ,

und nåberte ſich der

Schleſiſchen Grenze , von wannen er unvermuthet durch die Laufte in

Churſachfen einfiel.

Dieſer

Einbruch ſchlug dem Könige Auguft die empfind, Septbr. lidt ſte Wunde , und um ſeine Erblande zu retten , entſchloß er ſich ſchleunig , durch eine Geſandſchaft den Frieden antragen zu faßen ,

fabrieb 'auce in

Perſon einen Brief an Carl XII. , worin er igne dieſes Vorgaben nåber bekannt machte.

Der Frie.

den fam über Vermuthen zum Stande , und wurde im Schwediſchen Hoflager zu Altranſtåde 'unweit Leipzig gezeichnet ,

nachdem

Auguft durch ſeine

Bevolmachtigten die harten Hauptbedingungen einging , ſich der Polniſchen Kronë gånzlich zu beo geben, Stanislaum Leſzczynski als rechtmäßigen König von Polen zu erkennen , und dem Bündnis mi: Rußland völlig zu entfagen .

Er ſelbſt reiſete

bald darauf nach Sachfen , wo der noch gebeim gehaltene Friedensſchluß nun öffentlich bekannt geon macht wurde , und Hatte bey dieſer Gelegenheit mit dem Könige von Schweden zwer Zuſammenfünfte, die außerlich in eine unerwartete Bertidulichkeit überzugebn - ſchienen . Stanislaus Leſzczynski wurde darauf von allen Mächten als König von Polen erkannt. Nur Decbr. der Ezar als ein Feind der Königs von Schweden , 4

Danzigs Geſchichte,

248

und die Sendomirſche Conföderation ,

theils aus

Abneigung theils aus mancherley Staatsurſachen , verſagten ihm die Anerkennung der Krone. Die Provinz Preußen fobien mit ſeiner Ehronbeſteigung zufrieden zu ſeyn , indem feine Parthey þier öffent lich wider ihn auftrat. Litthauſchen

Danzig erhielt durcı

Unterkanzler

Souka , : die

den erſte

Staatsnachricht von der Altranſtåotſ @ en Verzichte leiſtung , und zugleich eine Aufforderung zur Pfliche gegen den König Stanislaus , womit bernad der Schwediſche Commiſſair im Namen feines Königs noch eine ziemlich barte Anmahnung verknüpfte. Danzig unterließ demnach nicht, durch ein Glüdo wünf« ungsrohreiben an den neuen König , wie auch durch offentlich angeordnete Freudensbezeigun . ger , den übrigen Großen Städten ein Beyſpiel zu geben .

Das ganze Jahr

durch

war Preußen

ſchon , was die Kriegsoperationen betraf, ziemlich in Ruhe geblieben , und wenn nicht einige ftreifende Partþeyen von der Sendomirſchen Conföderation fowol , als von den Stanislaiſchen Kriegsvolfern unter dem Kiowſchen Woywoden Potocki, zuweie len einige Ueberfälle gemacht hatten , ſo würde das Land mit ungeitigen Fouragehieferungen , und eini ge Stádce mit willfübrligen Geldforderungen noch mehr feyn verſchonet geblieben .

Danzig

batte

mindeſtens die Antråge des Poywoden Potocki ganz abgelehnet , als derfelbe ihr zumutben wollte, ihın die Königlichen Gefälle zu zahlen ,

und tau .

fend Mann von ihrer Beſagung zu geben ;

bereita

williger aber bat fich die Stadt zu einer abermaligen ,

Fünfter Abſchnitt.

Zehntes Kapitel. 249

Kopfſteuer erklåret, welche nach der Tare des auf dem Graubender Landtage wieder beſtandenen Pere ſonal. Subſidiums in dieſem Jagr iſt abgetragen worden.

Nåcftdem þat Danzigs damaliges

Intereffe

Pich dem Schuß und der Gunſt auswärtiger Mådte vorzüglich zu empfelen ,

eine particulaire Folgen

mit fick gebracht, die ſich theils auf das Handlungse perkehr mit fremden Nationalen überhaupt, teils auf ſpecielle Berechtigungen derſelben in der Stadt und ihrem Gebiete bezogen Kaben , und deren hier der Ort iſt , mit wenigem Erwåþnung zu thun . Unſere Stapt hat, wie bekannt iſt ,

von den altea

ften Zeiten ber eine gewiſſe Eiferſucht und Einſchräns kung in Betreff der Commerzfrepħeit fremder Fan сtorer oder Lieger beobachtet, und eine eben ſo poa litiſche Behutſamfeit, ( deren Quellen in der Han . ſeatiſchen Bundesverfaſſung zu ſuchen , ) kat ima' merdar den Freunden die Erwerbung des ģieſigen Bürgerrechts erſchweret und

for pielig gemacht.

Es muſten demnach in einer Zeitperiode, wo der Beg zum Nahrungsſik in Danzig noch eben fo ſehr geſucht, als von der andern Seite mit Schwica vigkeiten verlegt ward , folche Umfånde zuſammen . treffen ,

als dieſe beym Eintritt Des Achtzehntex

Jahrhunderts geweſen , um vielen fich danach reba nenden gröftentheils aber unbemittelten Ausländern , die Erwerbung des Danziger Bürgerrechts zu erm leichtern , und ſie dadurch in der Handlung forol, als faſt noch mehr in der Wahl anderer Nahrungs zweige,

mit beſſecen Frenheiten

zu begünſtigen .

1

$ 50

Danzigs Geſchichte.

Die Empfeßlung und Unterſtügung dazu Hatter Me Hauptfädlich deir accreditirten und in Danzig fick aufhaltenden Miniſterzt auswärtiger Höfe zu dane fen , und es iſt nicht leicht eine Zeit geweſen , worini von fo vielen Großbrittanniſchen ,

Dåviſden und

Holländiſchen Nationalen , das Bürgerrecht våre gewonnen worden , als jeko , da die fremden Üb . gefandten und Reſidenten gröſtentheils perfdrlich für die Eingebohrnen iþrer Nation

intercediret ,

und die Regierungsſtånde der Stadt aus ſtaatsflu . gen Abſichten willfåriger als jemals auf ihre Geo ſuche gefunden haben. Unter eben ſolchen Verhältniſſen iſt auď ein

ausführliches Vergleichsgeſchäft mit der Großbritu tanniſchen Nation ,

deſſen Faden ehemals durch

Beſorglichkeiten und Hinderniſſe zerſchnitten gewee fen , aufs neue wieder in Danzig angeknüpft , und 1

2

mit glücklichem Erfolg zum Stande gebraďt wors Die Geſchichtsfacta ' der Handlung älterer Zeiten machen uns hier die abgebrochene Negocia . tion vom 9. 1633 erinnerlic , d ) worauf mindes ben.

ſtens der erſpirirte Vergleich mit der

Engliſchen

Societåt feine weitere Befolgung gehabt hatte. Wenn nun gleich das Danziget Commerzberleør mit den Großbrittanniſden Staaten deswegen ohne merkliche Stdrung feinen Fortgang behalten Hatte, po Haben dode die Negocianten dieſer Nation von Zeit zu Zeitbey ihrem Hofe die Sollicitationen ere menert, um unter deffen Autoritåt , theils in Bees treff der Handlung mitmehreren Freyşeiten begúns 2 ) Danjigs Gefch. Swepter Band, S. 411.

r

Fünfte

l tt s Abſchni . Zehnte Rapite .

agi

ng hres Häußlicher i Miget ," theils auch in Anfehu alts ilħaften Vors Aufenth in Danzig , einiger vorthe ert u werden . d d der Übe z rechte verſich rten Bal na øbepuci t å t n e o i e c iſt ein Englie " Eat reif des So r e t d s n Dugla im J. 1635 nach Dan rdet Ubgefa en ungen ſeiner Na. hgat die Forder , und n zing gekomm u ß ü t ſte mies ſ r s des Hofe aufs fråftig tiön mit Unte t derhole . Im J. 1656 als von Seiten der Res igten Niederlande der StadtDan . t i públ der Verein gleich ungsver egt worden war vorgel , zig' ein Handl n e h c e ſ t i u ð e n n l å e n l f n e t l u f e f s o a f r a e e H R f d de di kr uds er trome nd Straßen n Preußen Gebra S u d i tig eyn llten theilhaf f fo , und als ferner im J. 1670 e h c ſ e i d n Gefandt Joh . van Witt dieſe der Hollä g n u g i iß t h Berec ſeiner Nation durch ein Bündn n lit zwiſche dem Kidnige von Polen und der Repub der vereinigtens ſcher ute Großbrittanni Hat ; ſo haben die Kaufle t i kſamke ung der Erfüll Nation mit gleicher Aufmer n em ionen entgege geſeßen . Nachd t ifrer Pråtenf t e m a t ſ h t r c h g e Gerec eigen aber Danzi in Betra

!

ung uf ie echte nd Immuo u d R a ſomol als in Bezieß chen ntrås n z n n e i A Preuße , derglei mität der Prov echen r p n ſ e r f e s d f d n t n ſowok mü , u ge ſtet ' þa wi en h d tånde c n ſ ſ a s i t e ß h ſ d u Lan , der Pre durc den Bey chert als vom Adhige und ſelbſt von der Polniſ tämden üßt orden Reichsſ w darin iſt unterſt ; ' fo Har eit h n e e g e l r e ng Untero Am eröffnet ben alle in dieſe e " wieder in fars mmen be n reinto ausgeſe bis zu einem nähere Uebe werden mäffent.

1

2135

Danzigst Geſchichte

Erſt im

J. 1704 , nach einigen fchon, münden

ligh deshalb

vorausgegangenen Conferenzen , bat .

der Canonicus . zu Canterbury D. John Robinſon als bevollmächtigter Miniſter des Großbrittanni fchen Hofes.,, dem

Danziger

Magiſtrat

einen

fobriftlichen Entwurf in zehn Urtifeln überreicet, worin die verlangten Borrechte für die Brittiſchen Mationalen und Kaufleute in, Danzig ziemlich gesa ngu verzeichnet geweſen ,

und worauf nach und

nach mehrere Fortſchritte ſind gemacht worden , um eluen felgen Commerztractat sum Stande zu brine gen . In Danzig wurde zu dem Ende, nach dem Sinn pielerſon in alteren Zeiten bazu vorgebau . ten Entwärfe, ein Kaufmannsrach oder Commer. zien: Collegium aus allen Ordnungen , mit Zuzie . þung einiger der erfahrenſten Kaufleute aus der Bürgerſchaft errichtet. Man ließ durch daſſelbe, die Vorſchläge des Großbrittanniſden Miniſters, wie ſie mit der Conſtitution und bürgerlichen Wohla fört Danzigszu vereinbaren måren , in reife Beure tþeilung stehen , und es wurden nach der Zeit meh. rere Bedenken und Gutachten perfertiget, die ſich theils úberhaupt auf die mercantiliſen Umſtände der Stadt bezogen , theils auch die Begünſtigungen und Verhältniſſe der Fremden , inſonderheit der Engländer dagegen ins Licht festen . Inzwiſchen ward im J. 1705 dem . Begehren der Kaufleute Brittiſcher Nation, zum Verſuch auf ein Jabr, durch einen Schluß ſämtlicher Ordnungen gefuget, daß beren bisher, ben der Pfalfammer üblid gemoer ferie Caution vermittelfi Niederlegung einer perſies

Fünfter: åbſchnitt. Zehntes Kapitel. 293 gelten " Geldfimmte,-huimeşr mit ethet Perföndla Caution verwechfele würde, wofür alle in Danzige befindliche Engliſche Kaufleute mit Vorbehale einer Höchſtens inäerhalb vierzehn Dagen zu vollzite henden Abrecjttung Haften ſollten .

Gegen Ende

deſſelben Jahres ift um die Förtdauer diefer úte perſoneller Sicherheitsleiſtung ohne Befejrånkung der Zeit angeſucht worden , und der Englife En voye Hat zugleich den Antrag gemacht, daß mata den Fremden ſeiner Nation' die Auflegung ihrer Gå. ter in Danzig dergeſtalt zuſtehen möchte , damit ige nen unvermehrt bliebe, dieſelben feewarts Wiederunt

auszuſchiffen : Unter dieſen Defiderlett' iſt zinde dem erſterti init beivilligter Prolongation der Zeit ein Genüge geſchepen , ' in Betreffdes legtern aber Bat es ſich mit dein Schluß noch verzogen , bis die Convention oder

der

Handlungstractat mit der

Krone Großbritannien in allen Feinen Artikeln **** betichtiget und 1706 den fen worden . Het

H October“ abgeflo

Von Seiten der Stadt haben der Burgermeio

1

ſter Gabrielv . Bdmeln ,

und der Rathsherr unb

Syndicus Johann Ernſt v . 8. Linde, kraft ihres Bevollmachtigung das Verdienſt gehabt , mit deth oben erwähnten dazu bevollmächtigt geweſenenGroße þrittanniſchen Envoye dieſes wichtige Vergleichsgé. ſchaft zum Stande zu bringen. Die ſchriftliche darüber aufgerichtete Convention , beſteht aus Sien benzehn Hauptartikeln , welche unveråndert die Rde cification und Befräftigung von der Königin Anna zwey Jahre ſpäter erlangt haben ,

Wermdge

1706

254 **... )

Dangtgs

Geſchichte,

ſelben wird den Großbrittanniſchen Untecrhanen en nuverweigerlicher ! Aufenthalt

und

Handlung

in

Danzig verſichert, nebſt freyer Auflegung der Wag. ten und deren Verkauf an Danziger Bürger , oder auch der Befugnis fie feewårds, wieder auszuſchifo : fen mit Beobachtung der gefeßlichen Handlungsabs gaben an die Stadt .

Art. I.

Der Handel mit

Håringen und geſalzenen Fiſchen wird nach den Gelegen der Stadt und der þieſelbſt angeſtellten Brade nåber beſtimmet.

Weil auch die Englie

fchen Kaufleute nicht mit Fremden zu handeln , noc aller bürgerlichen Commerzvortbeile zu genießen

Haben , ſo ſollen ſie dagegen vor perſonellen

Bee

ſchwerungen und bürgerlichen Aemtern in der Stade frey feya . Imgleichen werden die Großbrittanni roben Unterthanen , welche fein eigenes Hausmeſen Haben und bep

den Bürgern einwohnen ,

außer

den ein und ausgebenden Handlungsrechten , weder ewie

für ihre Perſonen nod Güter, einige Gefälle oder Abgaben tragen .

Diejenigen

aber,

welche zu

Danzig in gemietheten Häuſern eigenen Heerd hal. ten , und ein eigerichtetes Hausweſen füþren , fole Jen alle Laſten und Auflagen , die nicht den Bür. gern ausſchließlich , ſondern den Einwohnern in der Stadt insgeſamt abgefodert werden, in gleicher dre ohne alle Widerrede abzutragen verpflichtet feyn .

Art.

II.

Die Großbrittanniſchen Kauf

Ieute für ſich ſowol als ihre Familien und Erben, ſollen unbeſchränkte Freyheit þaben , mit allen ige ren Gütern von Danzig wegzuziepen ,

und der

Dut ifres Aufenthalts zu verändern ; eines gleichen

Fünfter Abſchnitt. Zehntes Kapitel. 255 Rechts follen auch die Danziger in den Großbribe tanniſchen

Staate:a. genießen . Art. III.

Im

IV ten Artikel werden das Lots . und Baggergeld, - wie auc andre Abgaben und Vorſchriften für das 1 Perhalten der Engliſchen Schiffe beſtimmet.

Die

Perſonal . Caution bey der Pfalfammer iſt beybee halten , wird.

ſolange kein Misbraud davon gemache Die Großbritannifden Kaufleute

Art. V.

und die Danziger Bürger follen in Streitſachen nicht einer auf des andern Perſonen oder Güter Arreſt legen , „einander Rechts

ſondern Fidejuſſoriſche Caution von

anzunehmen

ſchuldig

ſollen aud die Danziger

Großbritannien zu erfreuen haben.

reyn ;

deſſelben

Bürger fich in Art. VL 38

Webertretungen der Handlungsgeſeke, der

Stade

follen die Brittiſchen Kaufleute die Gerichtsbarteie Des Wettgerichts anerkennen .

Art. VII. In gee

meinen Streitſachen zwiſchen Engliſden Schifferre und Schiffsleuten werden der Engliſche Miniſter in Danzig , oder in deſſen Entſtehung zwey Dep4 tirte von der Engliſchen Kaufmannſchaft den Spift beyzulegen bemibet ſeyn ; fchlage ſoldes fehl, if wird die Danziger Obrigkeit ohne weitläuftigen Rechtsgang, darin entſcheiden . Art. VIII . Der Brittiſchen Kaufmannſchaft wird verſtattet, ride ginen Prediger ihrer Kirche zu beſtellen , der in eis Hem Privathauſe den Gottesdienſt zu verſe en bat Die Stadt wird demſelben frene Ucciſe geben , auch andre Vortheile zuwenden . Art. IX. Im Xten Artikel wird für die Rechtmäßigkeit des Salz un ? Steinkohlenhandels verfüget,

im Xlten werden

256

Danzigs

Geſchichte .

Die Bordinge und Ballaftbote den Englifden Kaufe feuten ; - Bürgern gleich , zum Gebrauch zugeſtan ben , und im Xllten wird für die Sicherheit des Lobadshandels geſorget. Hierauf folgen die Stte

pulationsartikel , womit den Danziger Kaufleuten in den Großbritanniſden Staaten einige Vortheile entweder ſind befraftiget oder neu ausgemacht woč. den .

Im XIllten årt wird das Danziger Com .

merzium auf die Britiſchen Handlungsplåße in allen drey Reichen

überbaupt beſtåtigt.

Fernet

wird die Freyheit der Danziger Søiffe nady dem Sinn der Navigationsacte beſtimmet. Art. XIV . Der XVte Art. bandelt von förderſamer Abferti gung der Danziger Schiffe, ſo für Engliſchle ' Rechnung beladen worden ; der XVIte von bil figer Beşandlung der Danziger Schiffer in Enge land

wegen Havereyfachen

und Schiffsſpåden ;

und der XVllte endlich von treuer Beobachtung ber Certepartien oder Befrachtungscontracte mit ben Danziger Sdiffern ;

indem alle dieſe Punkte

hauptſächlich ein tadelhaftes Betragen auf den Brits tiſchen Handlungsplåßen zum Ziel hatten , worú . ber ben Danziger Raufleuten und Schiffern manche Beſchwerden zu führen war Urſache gegeben wor den.

Nad der Zeit aber ſind das wedſelſeitige

Commercium ſowol als die reciprofen Verhältniffe theils in perſoneller Beziehung ,

theils in Abſicht

der Güter und Kaufmannswaaren , nach den Ure titeln gedachter Convention ,

in beſſerer Ordnung

i eingerichter geblieben ; und wenn gleich zu Zeiten, wie z. B. in den Japren 1712 und 1721 geſdehnt iſt ,

1

Fünfter Abſchnitt. Ellftes Kapitel.

257

ut, von den Großbrittanniſchen Negocianten , ers neuerte Anſprüche auf den

freyen Gebrauch der

Preußiſchen Stróme und Straßen-find rege ge macht worden ,

oder auch dann und wann Diffes

renzen aus Erbſchaften und Vermächtniſſen ente ftander , ſo gaben ſich dieſelben dod entweder laut den Vergleichspuntten

gånzlich ablehnen ,

3

oder

nach Verhältnis der Umſtände auf eine gütliche Art beylegen laßen .

Eilftes

Rapitel.

orderungen eines Ruffiſchen Kriegscorps an Danzig Geldantråge des Königs Stanislaus - trett mit den Schwediſchen Berbern - der den Abſchied des Danzts , Stanislaus wird im ger Commendanten veranlaßet Lande Preußen benuttikommet – Klagen des Cujaviſchen Capitels über Danzig - Neue Geldforberungen des RSS nigs Stantslaus - ſchlechter Zuſtand der Danziger Fts barter Winter und hinreißende Peft in Dans nanzen alg - Carl XII. wird unglüdlich im Srlege - Der Kdo nig Auguſt kommt nach Polen zurück , und Stanislaus muß weichen - Danzig wird mit der Ungnade des KB Kos, ntgs Auguft bedrobet – und wender Mittel an den König zu verſöhnen - ſo vermoge eines Gelddonativs. erfols get - fruchtloſe Landtagsgeſchäfte - erneuerte Ruſſtiche Geldfoderung – Welche Danzig mit anderweitigem Schas Polniſche Erecutionstruppen werden in Den ablehnet dle Danziger Låndereyen geſchicket - denen man feindlich zu begegnen genothigt wird. - Der Königliche Hof wirt . deshalb zufrieden geſtellet.

S. o scheinbar die Polniſchen Staaten anjeßt im

Rube geſegt þießen ,

ſo feindſeelig behielten doch

die Unternehmungen der Sendomirfohen Confoden Geſch. PANJ, 3te Th .

1

Danzigs Geſchichte.

258 2707

ration gegen den König Stanislaus igren Forint gang. Dieſe Conföderation erneuerte das Bünde nis mit dem Czar Peter , und nach deffen Gefale len ſollte jegt ein Jnterregnum verlautbaret und ein neuer König

erwählt werden .

Ein

Theil der

Stånde hingegen erklärte die Verzichtleiſtung Au . guſts fürwidergeſeklich und ungültig , und wollte

1

nur dię Freyheit der Republik verthendigt ,

den

Thron aber nicht für vacant, angeſehn haben.

Utte

ter ſolchen Differenzen ſtreiften die Ruſſiſchen Trup . pen ungehindert in Polen þerum , verheerten die Güter des Königs Stanislaus und vieler

iont

beygetretenen Magnaten , verſchonten ſogar nicht einige Pallàſte in Warſchau , die ihren Mitverbun denen eigen gehörten . Ein Ruſtiſches Corps un. ter dem Generallieutenant Rönne zog nach Preus ßent,

und verjagte von benden Seiten der Wetcifel

alle Edelleute, kannten .

die den König Stanislaus ers

Danzig wurde von Graudenz aus durch

4. März. ein Univerſal aufgefordert, dieſelben nicht zu ſchůs Ben , deſto förderlicher aber ſollten Quartiere und

Proviant für die Ezariſchen ſchaft gehalten werden.

Truppen in Bereit.

Dieſes unerwarteten Un.

trages ſuchte die Stadt ſich zwardurch ein bofliches Screiben an den General zu entledigen; allein die Forderungen wurden darauf noch ſchwerer gemacht. Der General Rönne drohte nur ausdrücklichye mit drey oder vierhundert Mann ins Werder eing růden ; ' er begehrte für 1500 Mann völlig ausges rüſtete

Pferde ; für " ześn

Regimenter Gezélte ;

sooco Sueffel Korn ; einen Vertarą an Pulber*

Fünfter Abſchnitt.

Ellftes Kapitel. 259

und Blen , und socoo Thaler aus der Pfalfam . mer , als mit welcher Summeder Ruſſiſche Fürſt Menzikof dem Könige Auguſt eine Anleiße ge. Die Stadt aber füďte ſich

macht Gaben ſollte.

allen Pråſtationen darauf zu entziehen , fie ſchickte den Secretair Daberhut und den Capitain Pa. terſon ab , um dem General mündliche Gegendor. Stellungen zu thun , und höchſtens unter der Bea dingung , wenn ſie und ihre Låndereyen völlig vera ſchont blieben , ein

freywilliges

Geſchenk

von

3000 Spec: Týglern nebſt einiger Fouragé und Mundproviſion anbieten zu laßen . Kterüber aber wurde der General noch mehr aufgebracht, er vers joh mabte dieſe Offerte , als eine ihm unanſtändige Kleinigkeit , vermaß ſich nun gar nichts annehmen žu wollen , und erneuerte die Drohung, ſich mit eigner Macht an den Dorfſchaften zu rächen. Weil alſo mit der Gute das Unglück nicht abgewandt wer. den fonnte , ſo veranſtaltete die Stadt nun mit iş. rer Milik das Berder zu decken , muſte aber gee ſchepen laßen , daß der Rufirde General ' einige Bauerhofe auf der Hochte in Pişkendorf , Wons nenberg und der Nobel abbrennen ließ , und den dortigen Landleuren mit rywe'r Einquartierung

zur Laſt fiel.

Es war dagegen nichts writer zu

thun, als daß noch in einem ſubmiſſen Schreiben an den Ezar über den General geklagt wurde, worauf derſelbe zwar Befehl zum Aufbruch bekom men , aber erſt nach abgedrungener Brandſchakung die Danziger Dörfer getäumebat.

X2

may .

Danzigs Geſchichte.

260

Kurz vorþer war ein anderweitiger Geldantrag bom Rdnige Stanislaus an Danzig gekommen , der ſich unter gegenwårtigen Umſtånden nicht ableh. Schon vor einiger Zeit hatte der König nen ließ. verlangt , ihm ein Regiment von der bieſigen Gars niſon völlig mondirt und mit Gewehr verſeßen zo überlaßen ; nachdem die Stadt ſich aber deswegen entſchuldigt gehabt ,

ſo wurde gedachter Untrag

jeßt auf einen Vorſchuß von 30000 T Galern ver. åndert , um dem Oberſten von der Garde Grafen Tarlo ,

zur Errichtung eines neuen Regiments

So ſchwer es nun damit zu Hülfe zu kommen. der Stadt geworden iſt , in iþrer jebigen Bedrånge nis allen aufzubringenden Baarſchaften gerecht zu werden , ſo iſt doch , vermittelſt eines von Privat perſonen in der Stadt aufgenommenen Darlepns, dem Könige zu dienen Rath geſchaft worden ; und eben ſo bereitwillig baben ſich fämtliche Ordnungen bezeiget , die Königlichen Ratengelder auf den diese jährigen Johannstermin gegen Unweifung an dee ? Königin Majeſtåt zu entrichten . In allen Fällen beobachtete Danzig hiemit die ftets behauptete Grundmarime , ſich dem anerkann . ten und gekrönten Könige nicht nur mit unverbrüch. lider Treue , ſondern aud mit thätigem Dienſtei. fer ergeben zu bezeigen ; und biezu kam noc ,

daß

Stanislaus , der ſchon als Kidnig unter fremdemt Namen in Danzig geweſen war, durd fein einneh . mendes Betragen , ſich die Liebe der Bürgerſchaft und des geſamten Volfs eigen gemacht hatte. Nur mit ſeinen Bundesgenoſſen den Schweden konnte

Sünfter-Abſchnitt.' Ellftes Kapitel.

261

man nicht immer im Einverſtändniſſe bleiben , wie folches auc jeßt durch einen unfriedlichen Auftritë Die Stadt hatte långſt wegen der geſtört wurde. Schwediſchen Werbungen verdrůsliche Placerenen erlitten. Schon zu Anfang des Krieges fatte Carl XII. offentlich Soldaten hier anwerben zu faßen begegret , und man hatte im J. 1704 nach . feben müſſen , daß in den Vorſtådten Danzigs , ja fogar innerhalb der Mauern die Schwediſche Wer Betrummel gerührt worden war. Indeſſen ward

nach derZeit eine eingeſchränktere Convention darite ber getroffen , und als die Stadt ſelbſt zu ihrer Verchendigung meþrerer Mannſchaft bedurfte , po wurden die Schwediſchen Werbþåuſer höftens auf die Geiſtlichen Gründe vor Danzig mit der aus . drücklichen Verabredung verleget , daß den Stadt wachen fren ſtehen ſollte , darin zu viſitiren , ob Leute von der Danziger Garniſon unwiſſend oder vorſeßlich dafelbſt angeworben und geføůkt wůra den .

Auf einen ſolchen Fall, fam jeßt ein Dan. 4.Jul.

ziger Unterofficier mit einiger Mannſchaft an ein Schwediſches Werbhaus auf dem Stolzenberge. Der Eintritt aber wurde ihm von einem Schwedi faen Capitain Baron Riedeſel verwehret, indem ſelbiger nebſt einigen Unterofficiers mit entbldſten Degen bie Thüre geſperrt fielt .

Der Danziger

Corporal , der mit Glimpf nichts dagegen ausrich. ten konnte ,

blieb alſo ſtehen und ſchickte in die

Stabt, um nåßere Verhaltungsbefeßle einholen zu laßen .

Inzwiſchen aber tam ein anderer Officier

von den Schreden berzu , der mit dem Corporal R 3

1

262

Danzigs Geſchichte ...2017)

parfe und fich eing þåndel anfing , ihn jur Erde marf ie e ey Hugleich eineSchua Weit mit ihm balg , wob aus dem Werbhauſe geſah ,

ourd den ein, bors

bengeģender Stadtſoidat auf den Stelle getdnet wurde . . Darauf fingen nun beyge Tþejle an , geen gen einander zu feuern , die Danziger bekamen sing Verſtärkung , der Baron Riedefel wurde toorlich verwundet, und der Streit endigte ſich mit, einige Zuſamenrottung des Pöbels , von weldiem ,pas Perbþaus geſtürmet, geplündert, und, gånglich 4458 ſtört wurde. Der bald darauf erfolgte Tod des Capitaing Riebeſel, und der ganze Berichte: fo dem Könige von Schweden åber dieſen Vorfall gemacht worden , brachten denfelben ,dergeſtalt auf daß er die ſtrengties Satisfaction von der Stadt verlangte , und ihren ſeits gar keine Rechtfertigung annehmen, wollte Man Gat auch nach einigen fruceloſen Vorſtellung gen , die ſchuldig angegebenen Danziger Soldaten nach Elbing ausliefern müſſen , wo ſie, ſolange in Swediſcher Gefangenſchaft geblieben ſind , bis. die mehreſten geſtorben ,

zwey Unterofficiere,und

zwen Gemeine aber, ſpåterhin nach Eroberung der Stadt Elbing von den Ruſſen ſegt worden.

ſind in Freyheit, get

Noch einen erheblichen Erfolg , 809

dieſe elende Tragödie nach fich , daß Danzig dat durch ſeinen Ober, Commendanten verlor. Denn General von der Golge , der ſchon vorher am Swediſchen Hofe verhaße geweſen , wurdf: ben dieſer Gelegenheit die vornehmſte Spuld beygemela fen , als ob er gegen die Schwediſden Werber oft .

Fünfter Abſchnitt. Eilftes. Rapitel. 263 Fellbare Seboalt zu gebrauchen Befeßt értheilt håtte. Er machte ſich demnach die fürchterliche Vorffel (üttg, daß man ibn gar, wenn Carl XII.darauf Befehn ſollte, perſönlich auslieferit dürfte , und in biefet Beſorgnis, gab eě eine kurze Geſchäftsreiſe nad Königsberg vor

ſchickte aber unverzüglich

von doit ein Schreiben an den Rath ein , worin er

.. förinlich feine Dithiffon zu nehnten erklärte. Dieſe Hét und Weiſe' feinen Poſten 'zu Berfäßex ', erweckte zwar bey den Ordnunget' det Stade ein großes Mißbergnüger , indeſſen'wat ſeine Furcht nicht füt ganz ungegründet zu halten ,

und noch weniger

teman ihn durch ſichte Gegenvorſtellungen zut Rücfehr bewegen.

Man erwartete demnady den

Ausgang ſeines Entſchlüſſes ,

brachte åber bald

darauf in Erfahrung, daß er als Feldinarſpallieu. tenant Ruffiro e Dienſte genommen , und alle Hoffs Hurg mleber zu kominen dereitelt hatte.

Der König

von Schweden war unterdeſſen , *** , ??

hachdem er dem Könige Auguſt noch eine Abſchieds- Septon viſite zu Dresden gemacht hatte , mit ſeinen Trup pem endlich aus Sadyfen aufgebrocheri", und kurz vorher hatte auch Stanislaus , deifen Hoflager bisher zu Leisnig fechs Meilen von Leipzig geweſen, die Rücreiſe nach Polen angetreten.

Beyde K &

nigekamen in der Landſchaft Cujavien nahe bey eint ander zu ſtehen , und Stanislaus mar ziemlich entſchloſſen ,

den König

Earl zu begleiten ,

der

die zurückmeichenden Ruſſen bis in ihr Land verfol gen wollte.

Nur die Beſorgnis wegen der forto

: dauernden Trennungen in Polen ſtand dieſem R4

Vor

Danzigs Geſchichte.

264

Haben entgegen ; Stanislaus ließ alſo ben König von Schweden ſeinen Marſa , allein fortſegen , und kam über Grodno in die Provinz Preußen zurüd , wo

die mitgebrachte Schwediſche Hülfstruppen

unter

1708 Febr.

dem Generalmajor, Kraſſau nach Carls

Vorſchrift in Quartiere verlegt wurden . Nådor dem übrigen Lande ward auch den Danziger Dorfe fubaften dieſe neue Laſt der Einquartierung aufgeo

burdet , und weder mit wiederholten Abſwidungen des Major Conradi, noch durch eine Rathodeput. fation an den General Kraſſau fonnte- mehr dage gen effectuirt werden , als daß man die Verſpree chungen einer guten Kriegsdiſciplin aus dem Lager jurück brachte. Y Eine feyerliche Deputation ) ſchidte Danzig in dieſem Japre an den König Stanislaus, um ihm zu ſeiner Ankunft in Preußen den Glüdmunſch abzuſtatten , nachdem er kurz vorher ſeinen offent, 9. July. lichen Einzug in Marienburg,gehalten hatte.

Die Abgeordneten entledigten ſich hiebey zugleich iþres

Auftrages , um einen Nachlaß der rückſtändigen Ratengelder zu bitten , und nach vielen Bemühun, gen wurde endlich vom Könige genehmiget , daß 11200 Gulden davon erlaßen ſeyn , und die ganze ſeit dem J. 1704 noch pinterftellige Schuld mit funfzigtauſend Gulden abgetragen werden ſollte. Hug. Auf dem hienächſt zu Marienburg gehaltenen Lande

tage ,

brachte das

Cujaviſde Capitel

ein paar

) Die Abgeordneten hieju waren der Bürgermeifer Gabr . von Bömeln und die Rathsverwandten Carl Ærnſt Bauer und Job. Kenk » , d . Linde , der fugleich Syndicus, mar,

$

Fünfter Abſchnitt.

Tilftes Kapitel.

289

fchriftliche Klagen wider Danzig ein , worauf fick die Abgeordneten dieſer Staột mit vieler Bebut. ſamkeit haben verantworten müſſen . betraf einen Grenzeingriff ,

Die erſtere

Danziger Feſtungswerke bis auf die Geiſtlichen Gründe cea daß

die

weitert wurden , womit inſonderheit auf die in den nådſtverwichenen Jabren am Biſchofsberge angea legten Verſoanzungen gezielt wurde, deren ſich die Stadt mit Beſtand ihrer Sicherheit nicht þatte enta rathen können.

Die zmente richien den geſamten

Landesſtånden noch erheblicher zu ſeya , indem ſie ſich auf die Acciſen bezog , womit die Einſaſſen der Geiſtlichen Gründe willfüßrlich vom DanzigerMas giſtrat waren belegt worden .

Man konnte Danzia gerſeits dieſe Abforderung der Acciſen nicht leuga

nen , behauptete aber das Recht dazu aus der Stadtprivilegien herzuleiten , worüber in den Lana Desberathiqlagungen kein Streit erregt werden durfte.

Jazwiſchen fekten die Danziger Abgeord,

neten zur Belehrung der Stände, erzählungsweiſe þinzu :

daß Danzig fic genöthigt geſehen ,

das

widerrechtliche bürgerliche Gewerbe auf den Geiſte lichen Gründen zu ßemmen , und daß man deshalb inſonderheit die Zufuhr des Malzes verboten gee Nachdem aber von den Biſchöflichen Þabt hätte. und anderu Geiſtlichen Einfaffen die Malzfrenheit inſtåndigft

ware

geſucht

worden ,

Stadt ſolches zwar zugeſtanden , Bedingung ,

ſo gåtte die Dace unter der

daß der angelegten Acciſen

halber

feine Sowierigkeiten gemacht werden ſollten .

In

gleicher Art waren die Fortificationsmerke am Bis X5 1

1

266

Danzigs . Serchichte: to see

fchofsberge mit gutem Willen der Einfaffen ertoets tert,

indem man dieſelben theils der weggeräum .

ten Häuſer wegen befriediget

theils ihneu

frene

Nahrung und Gewerbe in und vor der Stadt zuges ftanden båtte. erhalten ,

Es wurde hiemit mindeſtens ſo viel

daß der gedachten Klagepunkte in det

fichriftlichen Landesinſtruction teine Erwähnung get fchaße, ſondern der König nur mündlich davon una terrichtet werden ſollte . 2.

Auf eben dieſem Landtage wurde dem Könige

von den Ståndex: ein freywilliges Geſchenk mit hun derttauſend Gulden gemacht, wozu die Ritterſchaft gw8lf Poborren beliebte , und die Stáðre fich zu erklärten .

fiebenzehn 'Malzacciſen

Hierauf aber

ward nachgebends im Namen des Königs ein neues Begehren fundiret, nemlich für dieſe zum Donatit erft fpåt einkommenden Auflagen ,

einen baaren

Borſchuß im Lande zuſammen zu bringen . 1

Weil

hun die Caſſen überall erſch &pft waren , ſo reklugen zwar die biezu vorgelegten Projecte insgeſamt fehl, doch wurde zweyen Senatoren der Auftrag geinmacht, fich perſönlich bey den Stådten Thorn und Danzig Darum zu bewerben .

Allein auch hier konnte aus

Mangel an Baarſchaft damit nicht gewillfahret wers Nichts deſto weniger proponirten der Biſchof

den .

von Culm , und der Kron . Großkanzler Woywod von Rußland , als Königliche Legaten unmittelbar darauf einen noch

ſchwereren

Geldantrag ,

daß

Danzig dem Könige in ſeinen eignen Bedürfniſſen mit einem Don Gratuit von 100000 Thalern zu Nålfe kommen möchte .

Dieſes Begehren wurde

1

Fünfter Abſchnitt, Eilftoo-sapitel. 267 mit den oprebrilhafteſten Promeſſea unterſtüßet, indem Dangig dafürin allen Fällen eines juvetlás Bigen Beyſtandes durch Königliche Reſcripte ver, Ushert werden , der Shottländiſchen Ucciſen we gen unangefochten bleiben , und der Schwediſchen Einquartierung ſich entledigt feben ſollte. Man bearbeitete dieſ: Geldſache noch dringender, als der König: auf einige Tage unter dem Namen eines fracoſten von Meme nac Danzig fam ,

und, licht. Septbr.

gleiduſam in Perſon upn der Zuneigung der Stadt, überzeugen wollte . Nun wurde zwartus ung terlaßen , um die difentliche Nothdurft der Stadt und die beynahe erſchöpften. Vermögensumſtånbe der hieſigen Bürger und Einwohner auf die übers, zeugendſte Art vorzuſtellen ; die Negociationen der Königlichen Bepollmachtigten wurden auch etliche Bochen lang ohne merkligen Fortgang aufgehal ten ; endlich aber entſchloſſen ſich die Ordnungen , dem unablaßigen Andringen auf die thunlichſte Are nachzugeben .

Es wurde demnach eine Summs

vpn 150000 Gulden bewilliget, wovon die gråſte Hälfte dem Könige als ein Geſchenk überreichet das übrige aber vorſchußweiſe angetragen werden, ſollte,

Unerachtet der Hof nicht allerdings damit

ift zufrieden gejtelle worden ,

ſo bat König Stas

nislaus doch, dieſe Bereitwilligkeit der Stadt rebe wol aufgenommen , auch nicht unterlaßen , durch

ſein Zutyun die Evacuation der Danziger Lånden ; reyen pon den Sáwediſchen Truppen , mit ſo viel Schonung als der Eigennuß der Kriegsbefehlshan ber es verſtattet hat , zu befördern ,

r

' Danzigs

368

Gersiste.

Inzwiſchen laſt es ſich ohne Müße beurthéllex , wie oft und unverðroffen ſich die Danziger Bürgere Popaft zur Herberſchaffung baarer Geldmittel Babe bereit finden faßen .

Unter andern iſt in dieſer Zeit

ein ſchweres Hauptgeld von allen Stånden eingeo

1

bragt worden , und außer dem fechsfachen Zinßgro. fchen þat man unterſchiedene Getränke und Edue Lien , um baares Geld einzubekommen , mit Abgas wit5 ben beleget , der oppignorteten Stadteinfünfte 3 geſchweigen , welche für einen baar erhobenen Gelde?

beſtand baben Gaften müſſen.

Nicht ohne Urſache

iſt man dafür in dieſen Zeitläuften auf eine Erfpao

1

rung für die offentlichen Stadtcaſſen bedacht gewes fen , welde inſonderheit mit Demolition der äußern Schanzen

und

einer engern Beforånkung

der

Feſtungswerte am Hauſe Weichſelmünde , inglei . den mit einer Verminderung der Stadtgarniſon þat bewürft werden ſollen .

Mit Raficúng der

Mändiſchen Scanzen , Einziehung der Fortificas tionsmerke, und dem Ausmarſch eines Theils der dortigen Garniſon iſt auc ſchon in dieſem Jahre Der Anfang gemacht, und die Arbeit bis ins fole gende

Jahr fortgefekt worden .

Was aber die

Beſaßung in der Stadt anging , welche den accepe tirten Vorſchlägen nach bis auf 2000 Mann vera mindert werden ſollte , ſo bat inan zur Zeit damit noch Anſtand genommen , indem die Conjuncturen in Polen noch feinen fo feſten Ruheſtand zu vers ſprechen geſchienen , der die fernere Bertheidigungs . bereitſchaft in Danzig entbehrlich gemacht þåtte. Man hatte auc noch in dieſem Jahre ( 18. May )

Fünfter Abſchnitt.

Eilftes Kapſtel. 269

ben Generalmajor,von Zieten , der als Brigadier und Commendant des Caſtels zu Luyd in Hollano diſchen Dieuſten geweſen war , aus Brabant zum neuen Obercommendanten bieger berufen , und die vielfältigen Streifeceyen der Seabomirſchen Con fdderirten machten es im Danziger Gebiete ſo wie überall nothwendig , ſich mit dertheilter und ausges Itellter Mannſchaft auf guter Huch finden zu laßen. Ein neues und ſchrecenvolles Unglüc muſte Danzig von der aus Polen keranziehenden Peſte krankheit befürchten .

Man hatte davon ſchon ima

abgewichenen Sommer betrübte Nachrichten aus einigen Gegenden in Polen večnommen ,

und in

Anſehung der Fremden beſonders der Häufig þerrei ſenden Juden , wie auch wegen auswärts anges führter Producte und Waaren , wurden gute Prá cautionsanſtalten getroffen .

Gleicherweiſe waren Policeyedicte zur Reinigung der Straßen , zur

Perſorgung der Armen und zur Nufhebung der Bettler publicirt worden ; die Seuche aber verbreis tete ſich foon bis in einige der Preußen ,

erſten Städte in

und nur der angegende ſtarke Winter Decbe.

hemmte einigermaaßen

den Fortgang derſelben . Eine äußerſt durchdringende Kålte Herrſchte vom Anfang des folgenden Jahres bis zum 22ſten Tage des Mårzmonats , und nur auf kurze Zwiſchens räume bat der ſcharfe Froſt einigermaaßen abge. nommen gehabt.

Reiſende und Landleute haben

dadurch Krankheiten und verſtůmmelte Gliedma. Ben bekommen .

Viele Båume und das Winters

getrende in der Erde ſind davon erfroren ; die Fiſche

.

170g

Danzigs

270

Gefchichte .

in den Teichen und in der Weiciſedate find erſtore ben , auch große Waſſervogel inſonderheit eine Menge wilder Enten ſind code oder ermatter gut Erdegefallen . Nach Auffage der Sšiffer iſt die Oftſee neun Meilen weit von Danzig befroren gee weſen , und allererſt den 1 Iten May iſt ein Engli. roßes Schiff in den Danziger Hafen eingelaufet, mit der Nachricht, daß an' hundert Schiffe im Sunde lågen , die des Elſes wegen noch nicht fort Nachdem aber der Froſt nach

kommen könnten .

gelaßen gegabt , ſo ſtellte ſich die Peſt mit iþret ganzen Wuth in Danzig und'den umliegenden Ge. genden ein.

Der Monat Junv ' fatte nui noch

319 Todte in der Stadt, aber im Julg ,fam die In de Zahl der Sterbenden ſchon über 1300. erſten Woche des Auguſts zåhlte man 823 Geſtors bene , und der ganze Monat gab eine Todtenliſte son 6139 Menſen ; am höchſten ſtieg die Zahl der Geſtorbenen vom Anfang des Septeinbers , da 295 Menit he nemlich bis zum 7ten in einer Woc2 Nadher iſt das fopen dahin fielen Sterben bere all , målig minder geworden ; der 'Monat November brachte zwar noch über 1900 Codre , attein in der jmenten Woche des Decembers fam die Anzahl det Geſtorbenen nur bis 160 , und iſt fernerhin immers mehr in die gegdrige Verhältnis getreten . Die diesjährige Liſte der Begrabenen in der Stadt über. Kaupt ward auf 24533 Menſchen gerechnet; vor der Stadt auf den nåchſtgelegenen drey Kirchofen ihres Gebietes, zur Obra , Petershagen und allen Gottes

Engeln ,

wie auch von

den Geiſtlichen

Sünfter Abſchnitt. Ellftes- Rapitel.

271

Srùnden um die Stadt will man 8066 Leichen ges záble Kaben , und alſo betrug die Generalſumme Zweyunddreißigtauſend fünfhundert neún und neuno zig Geſtorbene

ſo viel derſelben wůrklich ſind auf

gezeichnet worden .

Ben aller Größe des Uebels )

dem inſonderheit unter der Menge dårftiger und einer unſaubern Wirthſchaft gewohnter Menſchen nicht abgewehrt werden konnte , ließen ſich dochy die vorſichtigen und würkſamen Anſtalten keinesideas ges verkennen , wornit der Magiſtrat die Ausbreia tung und Fortbauer der Peſtkrankheit ſowol zu Geita als auch der Armuth reichlich zu Hülfe ju

Miett

kommen , und für deren Seelenheil fo wie für ihre no te körperliche Erquicfung Sorge zu tragen , Müße noch Koſten geſpart Kat.

teiner

Unter Perſonen

von Vermogen und die ein reinliches Hausweſex geführt gaben , ſind an der Peft nur wenige geſtore ben ; einige aber , deren Berufsgeſchäfte fie dere Anſteckung nichebaben entgehen laßen , Fintheils davon hingeriſſen worden .

fino gros

Mit dtefetti

Elend nun ſo der harte Winter vorbereitet und die Peſtilenz gleichſam vollendet zu haben geſchied nen , verknüpfte ſich doch leider noch eine ſchädliche Nåſſe des Sommers, die auch der neuen Zufaak des Sommergerendes fdylechtes Äuflommen gewährte, und eine Theurung verurſachte, welche die Landpla. gen dieſerZeit noch fernerhin merklich vermehrt hat. 3. Die politifen Verhältniſſe in Polen bekamen mittlerweiſe eine der vorigen gang unáhnliche St. tuation .

Carls des Zwölften

Zug nach der

Ruſſiſchen Ukraine, raubte ihm dure

die grims

Danzigs Geſchichte.

472 migſte Kålte ,

bep Sungersnoth und Mangel at

Quartieren , einen beträchtlichen Theil ſeiner Trup. pen , feine Conjunction mit dem Korafen Herman Mazeppa þatte ebenfalls einen widerpartigen Er. 1709 folg , und mit der unglüdlichen Sælacht ben Pul. Fåló. tama verlor er vollends Glüd und Rupm des bis . þer geführten Krieges.

Alle hievon auf einander,

treffende Nachrichten hatten einen eben fo Tonellen al6 widrigen Einfluß für den König. Stanislaus in Polen.

Derſelbe war immer noch fruchtlos bea

febảftigt, die Sendomirſche Confideration auf ſeine Seite zu bringen , als das Gerücht von der Růd . 8. Auguft.Fehr des Königs Auguſt täglich ſicherer wurde, and bald darauf zu Dresden ein Königliches Mas 1

nifeft beraus tam ,

vermoge deſſen Auguſt den

Altranſtådtſchen Frieden für ungültig erklärte, und ſein

unaufgegebenes Kronrecht

vindicirte.

machte darin zugleich den Stånden und Provinzen des Polniſchen Reichs feine Zurückunft bekannt, und verſprac allen und jeden eine völlige Vergere ſenheit iþrer Vergebungen ,

wenn ſie innerhalb

dreymonatlicher Friſt unter den Gehorſam an ihn zurücktreten würden .

Balo darauf rådte er mit

feiner Sachfiſchen Armee in die Woywodſchaft Po. ſen ein , fand auch ſchon ein Ruffires Hülføcorps von 15000 Mann unter dem Feldmarſchallieuten nant von der Golke in Polen , welches ſich zur Vertreibung der Schweden , mit der Kronarmee und den Sendomirſchen Confödericten vereinigen Unter ſolchen Umſtånden wurde dem Kd. , follte. nige Auguft fein Widerſtand geleiſtet ; vielmehr bezeigte

fünfter Abſchnitt.

Ellftes Kapitel. 273

bejeigte ein großer Theil der Senatoren und des Adele öffentlich ſeine Freude , işn wieder im Lande zu empfangen . Stanislaus dagegen verlor alle ·

Boffnung

den Polniſchen

Thron zu behaupten , Schwediſchen

und fäumte demnach nicht, mit dem

Corps unter dem General Kraſſau , ſich an die Pommerſche Grenze zu ziehen , von dannen er weta ferhin zu ſeiner Sicherheit nach Schwediſch Pomo mern gegangen iſt. *** König Auguft, begab ſich in der Folge utach Preußen , Þielt einen feyerliden Einzug in Thorn, Octben und bekam biefelbſt vom

Czar Peter , der ſich vol.

lig mit ihm ausgeföønt hatte , einen freundſchaftli den Beſuch.

Durch eine kurze Rückreiſe des Kön

nigs nach Sadren , wurden die ferneten Staatsa Progreffen zwarunterbrochen ; allein gegen den An . fang des folgenden

Jahres ward ein großer Rats

nach Warfau ausgeſchrieben , worin die Befeftis gung der Königlichen Kronwürde ſowol als alle auf die innere und äußerliche Sicherheit des Staars abzweichende Geſ@ åfte berat folaget werden follo ten ." Inzwiſchen hatte die Stadt Danzig nicht vettäumet, (well ſie der kaum

nachgelaßenen Peſt

wegen nicht durch Abgeordnete erſcheinen mochte, ) in einem ſubmiſſen Schreiben dem Könige Auguſt ihre Venration zu bezeigen ; ſie erhielt aber zu gróa Leidwefen aus Thorn von ihrem Secretatr Everbeck den ſchriftlichen Bericht , daß fich deute Novbe. liche Merkmale der Königlichen Ungnade äußerten ,

Bem

welche von den Gegnern der Stdornicht wenig un man faße ficha Dievon noce não terhalten würde . Berch . Danz, 3ter Th .

274

)

Sefdhidhlea

Danzigs

Her überzeugt, als eben jegt die Winterquartiere der Sächſiſchen Truppen in der Provinz Preußen . repartirt wurden . 1 Die Lånderepen der Stadt war ben dazu vom Sådfiſchen Kriegscommiſſariat auf 4000 Huben angeſlagen ,

und auf vielfältige

Remonftrationen , daß felbige bey weitem nicht To viel in fide enchielten , erfolgte zuleßt die Antwort ; daß wenn die Stadt auch nur act Huben befäße, fie dennoch auf Viertauſend gerechnet werden ſollte. Es wurde ferder bekannt, 2016

daß der König yntera,

ſagt Håtte, Danzig auf den påcht angefesten Lange 1 tag zu Graudeaz berufen zu laßen ; und endlich erfuhr man , daß der König wegen dreyer Punkte, Hemlich zur Genugthuung für alles Sr. Majeſtát fugefügte Unredt, zur Reftitution der deponiet ge weſenen Königlichen Effecten und Mobilien , und zur Gewährleiſtung wegen des fünftigen Betragens der Stadt,

eine Commiſſion niedergeſegt þåtter

por welcher Deputirte aus Danzig zu Tþorn erſcheis nen , und zur nåøern Erklärung mit derſelben in Conferenz treten ſollten .

Dangig fahe ſich ſolchera

geſtalt wider alles Vermuthen von fugeſagten Amneſtie

der allgemeine

ausgeſchloffen ,

einzig und allein wegen abgezwungener liingen zur Rechenſchaft gezogen werden .

und follte Sharhange Es fani

den ſich allerdings einige Gonner unter den Ma. gnaten , welche die Unſchuld der Stadt zu verthele ou

digen und iġr Unglück abzuwenden bemüht waren , Der Kronſchazmeiſter

von Prebendow bewies

fich dazu als iþren aufrichtigen Freund , und ſelbſt Der Sächſiſche General Flemming mazm Gelegene

Fünfter :Abſchnitt. Elfftes Rapitel. 275 heit für die Stadt zu ſprechen ; aber nichts deſto weniger waren die Commiſſarien dom Könige era nannt und bevollmächtigt worden.

Danzig hin .

gegen ließ fich dadurch nicht abfobreden ,

den Lan .

desgerechtſamen treu zu verbleiben , und ſich keiner Illegalität zu unterwerfen , die theils in der Anorde nung , theils in dem vorläufigen Verfahren dieſer angeblichen Commiſſion dargelegt wurde.

Es ſtelle

ten ſich demnach keine Danziger Deputirte auf den angelegten Termin zu Thorn ein , und man hatte : um fo viel meør Grund die Comparition abzuleh . nen , weil außer dem dem

Biſchofevon Cujqvien und

Kronſchafmeiſter , zum dritten Commiſſarius

der Sächſiſche General Feldmarſmall Ogilvy war ; ernannt worden , der als ein Fremder von geſama ten Stånden für unfågig dazu erkannt wurde. Danzig aber þat fernerbin in dieſer critiſchen Sache Rath und Beyſtand von auswärtigen Fjöfen erben , ten , und nach vorgängiger Befänftigung des Ron nigs iſt es der Stadt gelungen, ohne einen Rechts. ausſpruch, mit freywillig geleiſteter Satisfaction der Königlichen Gnade wieder theilhaftig zu werden. Im Großen Rath zu : Barſau redece der

1 1910

Kron . Großfangler und Biſchof von Ermland Zas luski nod febr beftig von einer ſtrafbaren Hals . ſtarrigkeit und Vermeſſenheit Danzigs,

es wurde

auch von neuem eine zahlreiche Commiſſion ausge.

1

feket, alle der Stadt zur Laft gelegten Berbuldi. gungen zu unterſucen und darin zu erlennen ; al ſein durch die Fraftvolle Verwendung des Großbri. canniſchen Hofes und der Herren

Seneralſtaaten

1

376

Danzigs

Geſchichte.

flel endlich der Anſchein dieſer ro jodi getriebener Strafbarkeit weg ,

und alle Satisfaction concen «

feirte fich zu einer Geldfoderung, welche wegen der ausgelieferten Effecten und des ſiebenjährigen Rüc . Mandes der Königlichen Gefälle an Pfaleinfünftent und Ratengeldern ,

im Ganzen gemacht wurde.

Danzig ſchickte den Syndicus Albr. Roſenberg nac Warſchau ," um einen billigen Vergleich des . þalb am

Königlichen Hofe

Summe aber ,

zu ſchließen. Die welche über eine Million Gulden

angefeßt warb , fiel dem Finanzzuſtande der Stadt? zu ſchwer,

als daß man ſich ohne Nachlaß dazu :

Kåtte erklären können , und man verfchob das ganze Geſchäft bis zur Ankunft des Königs im Lande Preus Ben , die man ſeinem Vorhaben uach nächſtens er. warten fonnte .

Jmmittelft traten noch mehrere Geldanſprüche eit ,

womit Danzig von unterſchiedenen Seiten : Die Sächſiſchen Kriegsodlfer

gezwackt wurde.

waren nicht mit der reichlichen Verpflegung zufrien: ben , ſondern begehrten noch ein monatliches Eon tributionsquantum an Gelde; der Biſchof von Eu .. javien verlangte wegen der Auflagen , fo die Geiſte lichen Gründe der Stadt abgetragen Katten , eine þochangeſchlagene Entſchådigung, und der Krono ! Feldberr drohte mit militairiſcher Erecution zur Eintreibung gewiffer Gelder ,

welche Danzig nach

laut eines Reichstagsfoluſſes zu Lublin 1703 ,

an die Kronarmee

fchuldig

vom

1.

ſeyn ſollte.

Es war keine Hoffnung , fid dergleichen Belaſtie gungen zu erwehren, ſo lange man nicht den König

Fünfter Abſchnitt. Eilftes Kapitel.

277

befriediget, und rich feines Benftandes gegen alle unbilligen Anſprüche verſichert båtte. war demnach unabläßig bemühet ,

Der Rath

die Genehmi.

gung der Ordnungen zu einer am Königlichen Hofe gefälligen Geldofferte zu erhalten . war jekt zu Marienburg, Bürgermeiſter Hoppe,

Das Hoflager

und dahin wurden der der Rathmann von der Tuny.

Linde und der Syndicus Roſenberg abgeſchicket, um dem Könige nachſt einer pflichtmäßigen Bewilla fommung , den beſchloſſenen Antrag zur Genug . thuung von Seiten der Stadt demüthig vorzuſtele len . Sie erhielten eine Kuldreiche Audieng ; was aber die angebotene Geldſumme betraf, fo tam fels bige mit der Erwartung noch lange nicht überein , welche man ſich pon der Danziger Reſolution ama Hofe gemacht hatte.

Weil nun die Abgeordneten

der Stadt keine breitere Pollmacht bekamen ,

ro

blieb der Verfolg der Unter andlungen wieder auss geſtellet, in Hoffnung dieſelben in Danzig felbſt, wohin der König aufbrechen wollte , Fönnen .

fortſeßen zu

Das Geſchäft aber ließ fich , noch ehe der Kode nig in die Stadt kam , mit feinem

pertrauten Mi.

Miſter Dem Grafen Flemming in Danzig erneuern , und es wurde permittelſt einer geheimen Deputation in wenigen Wochen glücklich zu Ende gebracht. August. Danzig verpflichtete

fich ,

zur Genugthuung an

den König , auf gewiſſe Termine ein Donativ von ſechsmalhunderttauſend Sulden zu zahlen;

dere

knüpfte aber damit die Geſuche, theils aller fernes ren Uuſprüche entiedigt, und in ihren Redten und 6 3

1

278

Danzigs Geſchidste.

frenheiten geſchüket zu werden ; theils über die Aufhebung der angefekten Commiffion , imgleichen über die Befrenung der Stadtlandereyen von Eing quartierungen und Contributionen , die Königliche Eviction zu er alten .

Ferner ſollte die bürgerliche

Nahrung auf den Geiſtlichen

Gründen um die

Stadt abgeſtellt werden, der Biſobof von Cujavien follte ſich ſeiner Pratenſionen begeben , und der Ko. mig ſeinen Benſtand der Stadt in ihrer Angelegene beit mit dem Franzöſiſchen Hofe erweiſen . Ohn erachtet nun der König nicht auf alle dieſe Punkte eine gleich befriedigende Antwort ertheilt hat , ſo würde dock in den wichtigſten Fällen Schus und Interceſſion zur Sicherheit Danzigs verſprochen : Nur das Anliegen des Biſchofs von Cujavien vere zögerte noch die Vollziehung der Complanation , Shm hatte der König felbft ein Verſprechen gethan; daß die Danziger ihm ein anſehnliches Gefdenf machen würden ; von ſeiten der Stadt aber grün dete ſich die hiezu gegebene Hoffnung nur auf eine völlige Befreyung derſelben vom Nahrungsabbruch der Biſchöflichen Gründe; weil nun feine Verſiche. rung þierüber erfolgt war , ſo wollte ſich die Stade auch zu nichts weiter verpflichtet baltert. ließ

man

gefallen ,

ſich

doch nach

Indeſſen

einigen Weigerungen

dem Biſchofe ein Geſchenk von 10000

Gulden zu machen , dieweil es ſich würflich am Königlichen Hofe angelaßen hat, als ob in deſſert Eneſteßung das Hauptgeſchäft hätte, uavollendet bleiben follen ,

1

Eilftes Kapitel.

Fünfter Abſchnitt.

279

Midlerpeile ḥatte der König foon in derStilles4.Oetbr,

* fein

Tage

Boflager zu Danzig aufgeſchlagen ; erſt zwen nachher

wurden mit ſeiner Genehmigung

einige Bewilkommungsſolennitàten gemacht , und die öffentliche Freude über ſeine Ankunft , mit Abfeurung des Geſchüßes von den Wällen an den Während feinem Hierſeyn find die Abolitionsreſcripte ausgefertiget , auch alle übrige

Tag geleget.

die Complanation mit der Stadt betreffende Sorife

1 ten gegen einander ausgewechſelt worden ; und erſt nad finem ſiebenwöchigen Aufenthalt þat der Ko nig nochmals eine Reiſe nach Sachſen unternom . In Danzig beşielt man die Sorge füş men . promte Herbeyſchaffung neuer Gelder jurůd. Der nächſte Zahlungstermin wurde mit Abtragung des Hundertſten Pfennigs geloſet. In der Folge aber haben meørere Auflagen gemacht werden müſſen , die der ſchon oftmals in dieſem Zeitraum gedruckten Bürgerſchaft nicht wenig zur Laſt fielen. Jaſon, derheit zeigte ſich tåglich ein ſichtbarerer Mangel in den öffentlichen Stadtcaſſen . Handlungsrepreſſalien ,

Die Franzöſiſche

die Unterhaltung einer

zahlreichen Stadt · Garniſon , die unglücklichen Stundengelder an Carl XII. und die ſchnell auf ' einander erfolgten militairiſchen Erpreſſungen aus ben Lånderenen þatten unerſebliche Lücken der Ein fünfte gemacht; außerdem wehklagten die Reprås ſentanten der Bürgerſchaft,

daß einige der beſten

Kleinobien der Stadt , als die ucciſekammer ,

die

Wagen , die Große Mühle, der Herrenhof Sre bin und noch mehrere Gründe , als Pfandesſtúde

tvo, sa

sp

. 1

6.4

.

1

280

Danzigs

Geſchichte. »

berbaftet ſtehen müften, um den offentlichen Credit zuſbefeſtigen.

Es låſt fich demnach aus allen Um .

fånden ſchließen , wie fehr die gehåuften Trůbfale dieſer Zeit der Stadt Danzig eine mübſeelige kage zuwege gebracht Haben,

Uebrigens war in Staats-und Kriegsangeles genheiten , alles zum Vortheil des reſtituirten Roy nigs ergangen. nat erobert,

Elbing war ſchon im

Februarms.

und die dortigen achthundert Mann

der Schwediſchen Beſaßung zu Kriegsgefangenen ma ; ren aller Orten foßen 1

verjaget, und von der Stanislat:

Parthen im Lande war keine öffentlicheWis

derſeßung mehr zu befürcren.

Doo

hatte der

diesjährige Preußiſche Landtag nicht gånzlich den Man muſte damit ſoon bet gehoften Succeß . Peſt halber von einem Ort zum andern berum hen .

gtes

Er wurde in Grauden ; zerriſſen , nach Maa

rienburg wieder ausgeſchrieben , aber im Kloſter þier ward er nochmals unterbro Dlive erneuert ; chen , und ferner im Schottland fortgeſeket, 342 legt aber nach Danzig verleget, und im Altſtadt 34.Decbr.(djen Rathbauſe geendigt.

Die Hauptforderun.

gen auf demſelben betrafen Polniſcherſeits den Bere tritt der Preußen zur Sendomirſen Conföderation und die Annahme der Polniſchen Auflagen ;

allein

bendes wurde nach der Staateeinrichtung ſowol als nach den eigenen

Bedürfniſſen des Landes abgel

Tohlagen , und die Preußiſchen Stände befchtbeetën fich vielmehr über die illegale Abforderung des For banfchen Zoles ; und über die miderrechtlich im Lande eingetriebenen Gelder an die Krontruppen ,

Sünfter Abſchnitt. Eilftes Rapitel.

281

bemühten fich auch dei laftvollen Einquartierung der Sådfiſoben und Ruſſiſchen Regimenter entie . dige zu werden . Die Landtagsgeſchåfte aber bliea ben insgeſamt würkungslos , und gegen einige dere fångliche Schlüſſe ließen die Großen Städte noch insbeſondre durch Manifeſtationen ,

ihre Rechte

- und Freyheiten bewahren, Im folgenden Jahre wurde die Provinz Prena

1711

Ben ziemlich von den Såchfiſchen Regimentern bes. freyet, weil Køntg Auguft ſie zu einer Kriegsere pedition nad Pommern abrief: dagegen aber fam nach Abſchluß des Ruffiſchen Friedens mit ders Septbr. Pforte eine ſtarke Anzahl Czarif er gruppen ins Land, deren ein großer Theil gegen den Winter in die

Danziger

Dorfſchaften

einguartiert

wurde.

Ihre Licenz und indiſcrete Annäherung ins Bauamt fohe Gebiete ,

in Bürgerwald und bis unter die

Kanonen der Stadt ,

verurſachte ſehr eifrige An

falten , ſich auf den Fall unverſehener Hoftilitäten zur Gegenwehr vorzubereiten ,

und es ſaße way.

rend ihrem Aufenthalt in und um die Stadt von neuem ſo Kriegeriſch aus , als ob man wirklich einen Weberfall zu befürchten gehabt hätte.

Nicht ohne

Grund durfte man auch in die Magsregeln der

A Ruſſiſchen Generalitåt ein Mißtrauen Teßen , weil Danzig öffentlich mit der Ungnade des Czar Peter war bedroht worden , 8 ) . Schon zu Anfang des 9999 tiiruomet 1 ) Der Unwillen des Ear Peter bezog fich auf das Betragen Det Stadt Danzig in der vorherigen Staatsſituation . einen ſchriftlichen Memorial wurde ihr vorgeworfen , daß fie der Ejariſchen Erinabrungen gegen den Abfall vom os

S

}

16 :

2820

Danzigs

Geſchichte...

gabres hatte der Rafiſche General-Feldzeugmteifter! Bruce an die Stadt eine Forderung von 600000:1 harten

Thalern ,

zur Relujtion dieſer .Egariſchen

Ungnade gethan , ' ; er war aber damals blos mit einer mündlichen Erklärung abgewieſen worden , daber, man nicht ſicher ſeyn konnte , jeßt dafür einer 1796 neuen Rache ausgeleget zu werden . Zum minder: Jung. * ften wurde vor dem Abzug der Ruſſiſchen Kriegse vófer der vorige Geldantrag gebieterijd genug wie derholet. Anfangs ſollte auf Befeht des Fürſten Menzikof eine Deputation des Raths fich deshalb ju Elbing einſtellen ; nachdem aber ſolches abgee lehnt worden , fo fam der General. Feldzeugmeiſter Bruce perfönlich wieder nach Danzig , penerte die vorige Anforderung .

und ers

Alein ob gleich

er der fepofter Theil davon fallen zu laßen

erklärte,

fo trug man in der Stadt doch aus vielen Urſachen Bedenken ,

ſich auf eine Geldzahlung einzulaßen ,

and ſubmittirte ſich vielmehr aller Hårte , womit in Betreff der militairiſchen Contributionen 8 ) dafür gedroht wurde.

Eine noch unverzenblichere Gewalt verſuchten die Polen ,

bald nace dem

Abmarſch der Ruſſen ,

auf dem Patrimontalgebiete der Stadt Danzig . nige Auguſt nicht geachtet, daß ſie den Schweden in allen Forderungen und ſogar in der frenen Recrutenwerbung nachgegeben , daß fie viele Briefe Sr. Cjariſchen Majeftat unbeantwortet gelafen , und die Ruffiſchen Nationalen vers Logo : Achtlid) ja felbf gencaltthårig behandelt hätte. & Der diesmalige Aufenthalt der Ruffiſchen Kriegsvoller foll den Danziger Låndereyen mit den gemachten Selber prelungen, deben connen Golbes geloftet haben .

1

Sünfter Abſchnitt.

Ellftes Kapitel. 288

Der Generallieutenant und Kronjägermeiſter Nya binski beabſichtete damit eine militairiſche Erecue tion , welche für Danzigs angebliche S @ ulden an die Kronarmee, laut einem Decret des. Radomſchen : di non Sdaßtribunale ſtatt finden rollte. Er rúdte mitz9.Oetbui drittebalbtauſend Mann Krontruppen

in

einige

Habiſche Dorfſchaften , ing Danziger Werder , ja bis ins Bauamt þinein ,

und machte dein Rath

durch ein Schreiben den Befehl des Kron - Große feldherrn bekannt , daß er die růdſtåndigen Cons tributionen mit aller Sårfe eintreiben ſollte , wo ferne von ſeiten der Stadt nicht eine ſchleunige Bes friedigung geleiſtet würde.

Der Rath aber faßte

mit den,Ordnungen den einſtimmigen Entſchluß; fich mit dem General Rybinski in feine Correspon denz oder Geldnegog einzulaßen ,

ſondern ogne

weitern Uuſtand Gewalt mit Gewalt zu vertreibens Es wurde demnach ein großer Theil der Stadtgara niſon unter der Anführung des Oberſten Sinflair in die Werderſchen Dorfſchaften geſchickt,

und

weil die Polen ſchon überall çaubfächtige Gewale und Infotenz ausübten ,

ſo ward ſchlechterdings

som Kriegesrath Dedre gegeben ,

diefelben mit

den Waffen in der Hand zu delogiren .

Die An

prdnungen des Oberſten ſowol, als die unermüdete Thårigkeit und Bravour des Major Conradi fa ben dazu fehr glückliche Dienſte geleiſtet; ein dot der Stadt angenommenes fremfoüßeneorps iſt mit guten Effect daben gebraucht worden ,

and acuna

þundert Manp von der Jungen Mannſchaft find zur Unterſtügung der Beldateske aus der tabi

284

1.

Danzigs

Geſchichte.: ;;

gezogen , und haben in den nächften Dorffchaften zum Hinterhalte gedienet.

Wenn gleic die Stadt

einige Verluſte erlitten hat ,

worygter die dem

S. Nosbr.Oberſtlieutenant Lange bengebrachte Schlappe bey Bandaa faſt die beträchtlichfte geweſen , fo iſt der Sgaben doch anderwårts wieder gut gemacht wor: den , und die Polniſchen Truppen haben fich nace unterſchiedenen Scharmüßelni genschigt geſehen innerhalb acceßn Tagen das Dangiger Werbet völlig zu räumen. í Dod nahmen ſie zulegt mic Gewalt den Leichgråf Hans Hacker von Ofter wid , den Teichgeſchwprnen Mich. Biberſtein von Kriftol,

auch etliche Schulzeu und Dorfnachba.

fen , zuſammen 28 Perſonen als Gefangene mie fide, die man ihnen nebſt vieler

Beute ; fo fegir

fich der Major Darum Mühe gegeben , nicht þat abſchlagen können . Dieſelben ſind unter garter Behandlung nach Dirſchau , und vor dannen nach Culm

abgeführt worden , wp fie 32 Wochen lang

in mübſeeligem Arreft geſeffen haben , bis Rybinski fie , doch ohne Erlegung des dafür geforderten Hue bengeldes ,

hat fren geben müſſen .

Vorzüglich

war die Stadt nun bemühet , fich wegen ihres Ver fahrens wider die Polniſchen Kriegsvolfer , am Königlichen Hofe . ſowol als bey den Preußiſchere Stånder zu diſculpiren. Søre Rechtfertigung be. kam ein nod größeres Gewicht, als nach der Evde cuation des Werders die Nachricht einlief, daß

die Rybinskiſchen Soldaten zwey mit Waaren 6to JoNorbradene Danziger Fuhrmannswagen , nebſt etlichen darauf befintdlichen Handlungsgeſellen , ben Skoms

Fünfter Abrohnitt. Ellftes Kapitel.

285

po vier Meilen von Thorn mit Gewatt angefallene und nach Eulmſee gebracht båtten

Gleicherman

Ben þaben die Polen bald zu Anfang des folgenden Jahres , etliche mit Danziger Kaufmannswaaren beladeneSchlitten ben Anterholz in Caſzuben feinda 1713 . Jannata lich angehalten , und ob gleich ein von Danzig aus

geſchicktes Detaſchement Soldaten unter dem Car ſo ſind doch pitaip Wille dieſelben befrent þat , þinlängliche Urſachen vorhanden geweſen , ſich über öffentliche Gewalt, geſtörte Sicherheit der Stran ben und Hemmung der Handlungsſecuritåt zu befchweren . Die Bitten und Vorſtellungen an den König blieben in dieſer Sache nicht ohne Würfung . Man verknüpfte damit eben ſo verbindliche Zuſchriften an den neuen Kron - Großkanzler , an den Grafen Flemming und mehrere Polniſche Magnaten, und indem nicht vergeſſen wurde ,

die Zuneigung der .

ſelben durch Verſicherungen einer reellen Dankbara keit zu gewinnent,

ſo

fehien die Rybinskiſche Ger

waltthåtigkeit gegen die Stadt , Hofe

recht unwillig

am Königlichen

aufgenommen

zu werden .

Nur von der nothwendigen Unterſtüßung der Kron . truppen wollte man die Danziger damit nicht fren ſprechen , und faſt in gleicher Art erklärten ſich die Preußiſchen Stånde,

daß Danzig zur Befriedi.

gung der Polniſchen Armee einen Vorſchuß thun follte ; fie gaben auch mit vieler Bitterteit ihre Meis nung baben zu verſtehen , als ob an der Oppoſition gedachter Stadt die Sculd gelegen håtte, daß die gange Provinz Preußen von den Polniſchen Trupa

Danzigs

Geſchichte 19 :

worden. Die Danziger rrugen pen wäre befäftiget wegen ſolcher Geſinnungen im Lande fchon Bedene Fea , den nächſt angelegten Landtag zu beſchicken , und ſie wollten wenigſtens ohne vorgängig vers *

ſprocheneSicherheit, die Perſonen iþrer Gefandel Nachdem man ſich

fobaft keiner Gefahr ausfeßen .

aber den neuen Biſchofvon Ermland Theodor Poe todi insbeſondre verbindlich gemacht hatte , ſo åbernahm es

derſelbe , * allen

verfänglichen und

nachtheiligen Anſchlagen zuvor gu kommen , undi erſuchte die Stadt in einem Freundſchaftlichen Schreie ben , ohne einige Furcht oder Beſorgnis.des zuver läßigen Schußes verſichert zu ſeyn , und ſich zum Fandtage in Marienburg einzufinden .

1

#

1

Sünfter: Abſchnitt, Zipuiffes Kapitel: 7287

zwölftes

Kapitel.

Danzig ſieht ſich zu einer ſchweren Landesabgabe 'an die Krontruppen gendthigt - wird vom Biſchofe von Cujas vien mit einem Proceß beðrohet und muß aufs neue elne Ruſſiſche Einquartierung mit Geld abkaufen - Milla vergnügen über die Sachfiſchen Wiuterquartiere in der Provinz Preußen ſowol als in Polen ' wonddiſt auch Polniſche Regimenter ins Danziger Werder einrücken mols len - Wegen fortwährenden Aufenthalts der Sanfiden Kriegsudlfer in Polen bricht allgemeiner Unwillen und Krieg aus --- zu deſſen Beylegung Czar Peter feine Mes diation antrågt der Ezar ſchlägt ſein Hoflager in Dans welches bald darauf auch vom Könige Auguſt zig auf geſchiebet - Beptager am Rumſden Hofe und offent, liche Feſtivitäten friegertſche Borkehrungen und uner's wartete Anträge des Cjars, an die Stadt Danzig - abs gedrungene Erklärung derſelben in Hoffnung der Reconcis liation - neues Manifeft , worin der Czar an Dangis Teine Ungnade ankündigt – darauf genommene Maasres geln der Stadt - Die Polniſche Confdderation gegen ** die Sachfiſchen Kriegsudſter wird unter Ruſſiſcher Pets * mittelung befanftigt und aufgehoben - Ratificationsvers

trag zu Warſchau – deſſen Ratification und Artikel von erheblicher Conſequenz, S Die Landtagsgeſchäfte siefeten Hauptſächlich auf 1713 Mani

alte und neue Geldabgaben , moju man aller Re. monſtrationen ungeachtet , die Stadt Danzig vera pflichtet anſehen wollte . ret ,

Weil Thorn war frequis Elbing aber der Schwediſchen und nachger

bends der Ruſſiſchen Bedrůdung wegen für frey ertlåret worden ; ſo verlangte die Preußiſche Rito terſchaft , daß allein von Danzig das růdſtåndige

e

Danzigs Geſchicht

288

dequivalent, für die vom Adel abgetragenen latte • descontributionen an die Kronarmee gezahlt werden follte.

Daſſelbe wurde auf.480000 Sulden tarje

ret , und außerdem ſollten noch 57 Ucciſen dem

Landesſchluß vom

I. 1712

laut

erlegt werden .

Weil nun die Abgeordneten von Danzig für den angeſchlagenen Rüdſtand bis 10711 ," nür zur Er. bietung eines freywilligen Sefchenkes von 100000 Gulden bevollmächtiget waren , ſo fonnte man ſich der Summe wegen nicht

einigen .

man den Landtag nicht fruchtlos

Doch wollte aufheben faßen ,

und beliebte deshalb eine Prolongation von etlichen Lagen , innerhalb welchen die Danziger Geſandten nad Hauſe reiſen , und eine beſſere Erklärung quo rud bringen ſollten .

Deren

erneuerter

Vortrag

wurde ben den Ordnungen der Stadt , durch die perſönliche Herbeykunft einiger Preußiſchen Conſis diarien mit Vorſtellungen unterſtüşet, und es wurde endlich beſchloffent, mit Zurückziehung des Dona. Hive , åberhaupt 205 Malzaceiſen als ein Contin . gent der Stådte zu bewilligen. dabey waren ,

Die Bedingungen

daß Danzig þundert und achtzehn

Acciſen allein auf ſich nehmen ,

die übrigen aber

mit den Stádeen gemeinſchaftlich abtragen wollte. Ferner follten die Zahlungstermine auf die fechis nådftfolgenden

Jahre vertþeilt werden ,

und enda

lich wollte Danzig gegen alle Forderungen irgend einiger Nachreſte geficere, auch von den bewillige ten Zahlungsterminen entbunden ſeyn, wenn fünf rig neue Beſchwerdeu mit Einquartierungen , Prov viantforderungen und Durchzügen in iþrem Gebiete erfole

Fünfter Abſchnitt, erfolgen ſollten .

Zw8iftes Kapitel. 289

Dieſe bedingte Erftårung nahm

der Rathsherr Ferber nach Marienburg mit, nop 9. Juny. der Landtag von neuem eröffnet wurde ; der Bur. germeiſter von Bdmeln aber als erſter Ubgefand. ter blieb zurück , um den etwa wiederholten Welt läuftigkeiten für die Stadt aus dem

2

Wege zu ge

Allein die aus Danzig mitgebrachten Vore

hen.

fchlage wurden ohne Schwierigkeit angenommen , und wie ſie ſchon von einigen Landesråthen in Dom fig waren entworfen worden , ſo bekamen ſie durce einſtimmige Schlüſſe ihre Beſtåtigung. Uebrigens find auf dieſem Landtage gegen den Fordanſchen Zoll,

nicht

weil der Kronſmaßmeiſter denſelben

aufgeben wollte, ſo wie gegen alle übrigen Zdde für Preußen ſtarke Landesſchlüſſe geniacht,

und

eben ſo ſehr beym Abſchied des Königlichen Geſand. ten , auf die Befreyung der Provinz von militairi. fchen Durchmårſden , und auf die Wiederherſtel lung einer friedlichen Sicherheit und Ruhe imLande gedrungen worden .

Danzig befand fich auch während dieſer Zett aus den oben gedachten Pråtenſionen ,

in einem

7 weit ausſehenden Zwiſt mit dem Biſchofe von Cue javien

Conft. Szaniawski begriffen.

war im J. 1711 ,

Derſelbe

uneraqtet des Geldgeſchenke,

fo der König ihm bey der Stadt ausgewürft hatte, mit allen feinen Forderungen wegen der Stolzen. bergfopen und Schottländiſchen Soadenvergütun . gen , an das Reichstribunal zu Radom gegangen . Er batte die Stade daßin ausladen laßen ,

und zu

Anfang des folgenden Jahres ein Decret erhalten , Geſch . Danz. 3tex Th.

Danzigs

Geſchichte :

Hermdge deſſen Danzig in die Strafe einer ewigek Bannition verfallen , und die verurſachte Sådett mit 300000 Gulden zu vergüten ſchuldig reya Die Vollziehung dieſes Decrets war der follte. Preußiſchen Grodgerichten committiret,

und der

einigen Edelleuten des Marienburgiſchen Grods würflich der Anfang dazu im Prouſter Walde perie füớt worden . braucht ,

Allein der Rath hatte Abwehr geo

gegen das Decret proteſtiret ,

und dete

Biſchof nebſt dem Capitel an die Reichstagsge richte ausladen laßen . Der Biſchof Gingegere Toplug darauf denfelben Weg ein , und ließ eine Ci. tation der Stadt an den Reichstag , im Schulzen . amte zu Rambeltſch niederlegen . "Unerachtet nuk an den König , um dieſe unbefugte Ausladung zu unterdrücken , Danziger ſeits inſtåndigſt war ſupe pliciret , " und dem Secretair am Königlichen Hofe eine Inſtruction eingeſchidt worden , den Rechten der Stadt angemeſſene Vorſtellungen desfalls zu machen ; ſo ließ ſich der Biſchof doc teinesweges beruhigen , ſondern ſuchte: vielmeør feinen Klagen zu Anfang des J. 1713 durch eine Ausladung an die Königlichen Aſefſorialgerichte einen ungeţin dertern Lauf zu verſchaffen , und verknüpfte damit nebſt einigert andern Religionspunkten , die verle . gene Pråtenſion wegen der Oberpfarrkirche zu St. Marien .

Nun ließ es ſich nicht weiter vermeiden ,

daß über die Hauptſache mit dem Biſchofe und dem Cujaviſchen Capitel ein förmlicher Gerichtsproceß anfing.

Eswurde vorerſt ein Termin decretiret,

und ein Königliches Inhibitionsrefcript nebſt einem

Fünfter Abſchnitt. Zw8iftes Kapitel. 291 Poenalmandat

ausgebracht, daß

Danzig

ben

Strafe von þunderttauſend Ducaten von allen ana Schottland

geblichen Beläſtigungen wider

und

Stolzenberg, bis zum Austrag der Sache abſtepen Jndem aber die Stadt,' 'durch gåtliche follte. Vorſchläge und Interceſſionen , noch ferner dazwie ſchen die dienſtlichſten

Mittel

einſchlugi

einem

Toweren und weitläuftigen Rechtsſtreit zu entge ben , fo åußerten ſich einige Hoffnungen , daß der Biſchof ſich zum Bergleich würde geneigt finden Man ſuchte dieſen Peußerungen nåber zu 1713. laßen. Septbt. treten , als der Biſchof einige Monate nacher ſeine

Geiſtlichen Gründe in der Nachbarſchaft Danzigs beſuchte.

Ben der mündlichen Conferenz, worin

er complimentirt wurde , bezeugten die Abgeordne. ten der Stadt zugleich ihre Bereitwilligteit zu einem guten Vernehmen , welchem der Biſqof den Wor. ten nach, eben ſo willfårig benzupflichten ſich aus. ließ.

Doch tonnte er ſeinen Unwillen über einige Kauf oder Vertauſchung

der Biſchöflichen Gründe gemachten Vorſchläge nicht bergen . Er zum

legte vielmehr audre Bedingungen vor , die fick theils auf eine Satisfaction wegen der alten Forde. tungen ,

theils auf ein neues Vergleichsgeſchäfte bezogen , welches er mit Danzig wegen der fünftia

gen Einrichtung auf den

benachbarten Gründen

feines Sprengels eingeben wollte.

Dieſe Bedina

gungspunkte aber waren den Rechten und Bürger. lichen Prårogativen Danzigs noch reßr entgegen , und ſie entfernten ſich ſo weit von den Meinungen und Abſichten in den piefigen Ordnungscollegien ,

i

Danzigs Geſchichte.

292

daß die ſchriftliche Antwort, welche dem Biſchofe darauf nach Subbau eingeſchickt wurde , der Nej. gung deſſelben , fich mit der Stadt in eine nähere Negociation einzulaßen, nicht förderlich ſeyn konnte. So ſehr demnach der Rath mit aller Précaution wånſchte, in dieſem verdrußfowangern Gef@ afte einige glüdlichere Fortſchritte maqen zu können , fo muſte daſſelbe doch auf einen ungewiſſen Erfolg

1 annoch liegen bleiben. Alen

Staatsgeſchäften traten

folchergeſtale

Störungen und Hinderniſſe entgegen , wenn Dan zig ſchon mit Vorſicht und Wachſamkeit dieſelben Node ein neues eingeleitet zu baben vermeinte. Beyſpiel bievon gaben die abermaligen Einquartie rungen , womit die Stadtländereyen belege wurden . Die kurz vorher auf dem Landtagedecrecirten Geld auflagen waren freylich unter der ausdrúdlichen Bedingung angenommen worden , daß die Proving mit allen militairiſden Durchmårfchen und Ein quartierungen ferner verſchoner bleiben ſollten ; auch der im J. 1712 erneuerte Ruſſiſche Frieden mit den Türken þatte die wörtliche Clauſel bekom . die Ruſſiſchen Kriegsvölker uncer feinem Vorwande den Polniſchen Boden wiedec betreter

men ,

zu laßen : aber nichts deſto weniger tam eine Ruſ fiſche Armee von dreyſſigtauſend Mann aus Hollo ſtein und

dem Schwediſchen

Pommern zurück ,

welche ihren Weg durch Polniſch Preußen ju nego men Befehl Batte , und wovon 14000 Mann in den Danziger Dorfſchaften die Raftquartiere bezie hen ſollten .

Gleichauf die erſte Nachrice piedon

4 Sünfter Abſchnitt. Zw8lftes Kapitel. war der Magiſtrat zy Danzig bemühet , Beläſtigung

zu

hintertreiben.

293

dieſe neue

Vermittelft der

1 Ruffiſchen Geſchäftstråger Oberſten Brukenthal und Major Hannemann romol, als durch den ab. geſchickten Secretair Jacobſen wurde dem Fürſten Menzikof eine Geldofferte dafür inſinuiret ,

und

man bekam fchon Hoffnung , ſich mit 30000 Tha. lern befceren zu können . Nachdem aber die Stadt von allen Ruſſiſchen Pråtenſionen ſchriftlich damit quitiret feyn wollte , und ſich die Ratification Sr, Czariſchen Majeſtát darüber ausbat ;

ſo wurden

die ehemaligen Anſprüche wieder in Bewegung geo bracht, und man muſte eine neue Negociation an , fangen , um den Czariſchen Hof bis zur völligent Ausgleichung zu

vergnügen .

Dieſe Unterhands Nobbie

lung endigte ſich nachgehends mit einer zugeſtande nen Abgabe von hunderttauſend Thalern. Danzig wurde dafür der Ejariſchen Gnade verſichert, der Czar verſprach ifr Commerz , gleich den Vorthei len der Stadte Lübeck und Hamburg zu begånfti. gen , alle fünftige Anforderungen wurden aufgea hoben , und die Ruſſiſchen Truppen zogen durch die Provinz Preußen , ohne den Danziger Låndereyen beſchwerlich zu fallen. Kaum aber genoß man der Zufriedenheit, aller Sdwierigkeiten ſo dieſes Ruſſiſche Geſchäft mit fic geführt hatte ,

überhoben zu ſeyn ,

als wider

Vermuthen und Verſprechen , ein Corps Sächſia fcher Cavallerie in die Danziger Lånberenen ein. růdte.

Auch dieſe Truppen waren aus dem Pom.

merfchen Feldzuge zurückgekommen , und es ſollten

§ 3

294

)

Danzigs Geſchichte

Kraft einer willführlichen Verabredung einiger Preus Biſchen Landesråthe mit dem Kronſoakmeiſter und dem Sächſiſchen Kriegscommiſſariat, rechs Regi. menter davon den Winter über in Preußen zur So ſehr nun hiemit, Verpflegung verlegt werden . den lekteren Landesſqlüſſen Eintrag geſchahe, nach . dem Danzig noch insbeſondre die deutlichſten Zu ſagen der Verſdonung bekommen hatte ;

ſo fructe

los blieben doch alle Remonſtrationen, die man am : Poluifden Hofe dagegen gemactþat. Die Sach fiſden Kriegsodiker muſten in der Proving Preußen aufgenommen werden , Thorn bekam eine Sächſia fche Beſakung, und in dieſem ſowol als im folgen . den Jahre hat ein Cavallerieregiment unter demi Generalmajor Milkau , in den Danziger Dorf fchaften die Winterquartiere gebalten .

Eben mit dieſer Sächſiſchen Einquartierung aber wurde eine allgemeine und noch größere Ungu . friedenheit in den Polniſchen Woywodfchaften er Dbgleich die Erneuerung des Carlowika . april,.wecket. 241714 roben Friedens dem Reich eine feſtere Ruhe gemåb . ren ſollte , und der Abzug aller fremden Truppen aus Polen unter den Friedensbedingungen war vers glichen worden ;

ſo hielt König Auguſt ſich doce

nicht ſicher genug , um ſeine Sachfiſche Urmee nach Hauſe zu ſchicken. Der fonderbare Aufbruch des Königs von Schweden aus der Türkey, und deſſen undermutbete Ankunft zu Stralſund ,

fielen nod

mehr durch ſeine erneuerten Kriegsanſtalten auf, und Auguſt hielt es wenigſtens zu beſſerer Vorſicht für rathram , feine Hülfstruppen in Polen nod 34

Fünfter Abſchnitt. Zwošlftes Kapitel. 295

behalten .

Hiemit aber Handelte er dem

Verlari

gen der Polniſcher Nation gånzlich entgegen , und wåßrend feiner diesjährigen Abreiſe nach Sachſen , Hatte es ſchon einige Gefahr, daß öffentliche Revol. Een darüber ausbrechen würden . Doch ließ man fich Rach der Zurüciunft des Königs dieſesmal wieder Septbti beruhigen , und es wurde darauf noch eine Berath . fchlagung zu Warſchau gebalten ,

wie die Sächſie

fchen Kriegsvolfer aufs neue in den Polniſchen Staaten dertheilet und verpflegt werden Dem Lande Preußen wurde bey der

ſollten .

Gelegenheit,

:

in den Königlichen und Geiſtlichen Güterw , auch die Aufnahme und Verſorgung einiger Polniſchent Regimenter aufgebůrdet, und es ſollte eine durch gångige Contribution in der Provinz dazu ausges fchrieben werden . Allein die träftigen Wider :

1

ſprůche einiger Preußiſchen Stände gernichteten die deshalb angeſtellten Conſultationen ,

die Großen

Stådte wandten ſich noch insbeſondre an den Kör nig , und ließen bey der Reichsmetrif eine Mani feſtation

dawider

einlegen.

Deſſen

ungeachtet

1715

wollte ein Corps des Kronfeldherrn Sieniawski July. mit Gewalt ins Danziger Werder einrücken, daher die Stadt fich genöthigt ſaße, achthundert Mann Soldaten Ginaus zu ſchiden ,

von welchen

alle

Påfre befekt, und die zerfallene Schanzen ergånze Gleichermaßen muſte die Landmilik fick zur Gegenwehr růſten , und die Freyſchůgen wurder

wurden .

aufs neue in Dienſt geſeket.

Es befand fich dem .

nach alles in Bereitſchaft,

um dem Woywoden

son Culm General Rybinski der von Dirſchau

4

.

296

Darijigs Geſchichte.

mit ſeinen Truppen im Anzuge war , mit gewaffnen ter Hand zu begegnen.

Dennoch aber kam es

nachher ohne Feindſeligkeiten zum Vergleich, worin Rybinski mit dem Verſprechen eines Geldbona . tids für die Königliche Armee ift befriediget worden . A )

Im Polen war mitlerweile der Unwillen gegen die Sächſiſchen Kriegsvoller aufs Göchſte geſtiegen . Das Eintreiben der Contributionen hatte offenbare Skådlichfeiten nace rice gezogen , einige dazu aus. geſchichte Sachſen waren getödtet und ein ganzes Kůraſſierregiment war dabey aufgehoben worden ; 1. Detbr, die Kronarmee ſchloß im Lager zu Eorzyça gar eine förmliche Conföderation den Sächſiſchen Truppen Mosbr. feindliche zu begegnen , und kurz darauf trat eine Berbündung der Klein Polniſchen Wonwodſcafe ten in eben der Abſicht zu Žarnogrod zuſammen . Der Anfang eines innerlichen Krieges konnte dem : mach nicht permieden werden , und derſelbe würde A ) Sur höchſten Unzeit iſt Danzig in der Folge mitten unter den Ruffiſchen Bedrůckungen , der Erfüllung dieſes Ver: ſprechens wegen gepreßt worden . Zu gleicher Zeit ſind die Sachfiſchen Contributionsforderungen eingetreten , worauf der Generallieutenant Bore mit unablaßigem Andringen bes Aanben , und die Zahlungsſumme über 200oco Gulden in Andlag gebracht hat. Darauf find Dean zwar unter dem Namen eines Don Gratuit an die frönigliche Striegscaffe 100900 Gulden von der Stadt bewilligetworden ; der Ges neral aber bat noch ferner unter "heftigen 1 Drohungen und eines theils auégeübter Gewalt in den Danziger Dorfſchaf telt, den Heberreft einzutreiben geſucht, bis endlich mit Ab lauf des Jahres 1716, vermittelt eines noch accordirten Seldžuſchuſſes , der Finalvergleich mit ihni ift zur Richtig: Feit gebracht worden .

1

Fünfter Abſchnitt. Zwölftes Kapitel. 297 während der abermaligen Abweſenheit des Könige unfehlbar noch långer gedauert Şaben , wenn nicht der Feldmarſchall Flemming fich eifrig bemůbe þåtte ,

den Feindſeligkeiten durch

ein vorgeſchla

genes Vergleichsgeſchaft Einhalt zu thun.

Hiezu

nun wurde zuvörderſt ein Waffenſtillſtand beliebet , und als bernach von benden Theilen Bevollmacha tigte zur näheren Verabredung ernannt waren , so tam zu Xawa ein Vertrag zum Stande ,

vermoge

1716

deſſen alle Hoſtilitäten aufhören , und die Saç feni 18.Jan. zwar nach einiger Zeit das Land räumen, ſo lange aber , als der König dea Termin dazu ausſehen würde , noch einer Verpflegung in Polen genießen follten ,

die für jeden Rauchfang auf Riebenzehn Der König war

Tympfe angefolagen wurde .

eben nach Polen jurückgekommen , Vergleich ratificirt werden ſollte ,

als gedachter

wovon man ſich

eine gute Nachricht in Warſchau verſprach .

Allein

die Tarnogroder Conföderirten wollten denſelben keinegmeges für gültig erkennen , ſie beſchuldigten die dazu bevollmächtigt gewefenen Woywoden 'oon Podolien und Czernichowo , fehle überſchritten zu Qaben , tionsmarſchall ließ ein

thre Verhaltungsbes und der Conföderas

Manifeft beraus

gehen,

worin es zur einzigen Bedingung des Friedens geo macht wurde, daß die Sådſiden Soldaten ohne Verzug die Polniſchen Staaten verlaßen

ſollten .

Zugleich ward ein allgemeiner Beytritt zur Confé deration darin aneinpfolen , dod unter der Mitver, ficherung, daß weder die vom Ruffiſchen Ezar are getragene

noch

anderweitige Vermittelungen zu

S

298

Danzigs, Geſchichte

einem billigen und dem Staat vortheilhaften Vers ein würden zuråd gelegt werden. Dieſer ofne Brief þatte den wichtigen Erfolg , daß Großpolen und Litthauen der Kleinpolniſchen Conföderatio & beytraten , daß das feindliche Verfahren gegen die Sachſen allgemein wurde , daß hingegen auch die Mediation des Ruffiſchen Hofes von den Confödes rirten angenommen , *** m ?

und vom Könige

in

guter

Hoffnung genehmiget wurde, das Reich wieder zur tanerlichen Ruhe zu bringen . Unter ſold ;en Staatsereigniſſen kam abermals die Reihe an Danzig, eines theils zwar mit der zwie. fachen Hofhaltung zweyer Großen Potentaten ber ehret zu werden , auf der andern Seite aber auch in Verlegenbeiten zu gerathen ,

durch welche die

Wohlfahrt und Ruhe der Stadt nicht wenig iſt beeinträchtiget worden .

Ezar Peter , welcher ſeio

nen Aufenthalt in Danzig zu nehmen vorhabens war, hatte feine ( vor der Uebergabe von Strale fund ) nach Schwediſch . Pommern beſtimmt genoe . fenen Truppen den Winter über in der Proving Sebruar. Preußen verleget , und ließ jeko , da der Krieg in Pommern ſein Ziel hatte , einen Theil derfelben die Danziger

Dorfſchaften beziehen ,

wogegen mit

allen Bitten und Vorſtellungen nichts als einige Perminderung ihrer Anzahl erreicht wurde . :) Bald darauf langte der Ezar nebſt ſeiner Gemahlin zu Solitten von Königsberg an , wurde mit 16. ;) Doch ſollen die Ruſſen ju 10 , is bis 20 mann in jebem Bauerhofe geſtanden haben. Der General : Feldmarſchall geremetof und der Sürf Dolboraki find mit ibren uns



Fünfter Abſchnitt. Zwölftes Kapitel.

299

feurung der Kanonen begrüßet , und trat vor der Stadt an der Weichſel im Gansfruge ab , k ) wel. des Quartier aber in

kurzem

mit

einem

beſſern

auf der andern Seite der Stadt dem Hoher Thor gegen über iſt verwechſelt worden . Das Bemilla kommungscompliment, fo dem Egar durd zwen Abgeordnete des Raths gemacht wurde, ward vom General Weide mit den

wenigen Worten ,, Se.

ni Czariſche Majeſtåt ſagen Danf"

beantwortet ;

während der Anrede aber fatte der Czar einigemale, mit ein paar dazwiſchen geſprochenen polniſchen Worten ſeinen Beyfall ſelbſt anzeigen wollen .

ues

+ brigens verfloſſen die erſteren acht Wochen des Eza. tiſden Aufenthalts unter mannigfaltigen Vergnüe gungen , auch offentlid , angeſtellten Solennitäten und Freudensbezeigungen , woben, die mebreſten Laſten nur auf den Landmann fielen, der außer der militairiſden Hoſpitation , auch zu inimerwähren den Lieferungen an die Czariſche Hofſtatt aufgefore dert wurde.

In der Stadt ließ ſich Czar Peter

einen Tag nach dem andern alles Sehenswürdige zeigen ,

Er befahe

das große Zeughaus ,

das

tergehabten Pitkern im Werder geblieben , die Regimenter aber unter dem Fürſten Repnin und dem General Gles bow find in die Nehring und in den Scharpauſchen Wins kel gezogen. * ) Schon den vierten Tag nach ſeiner Ankunft being der Sjar ein neues Logis in dem Gaſthauſe ,,fur Hoffnung ". hinter der fogenannten Wafferkunft ; aber auch dieſes wurde sier ochen ſpäter nochmals verandert, und das Esariſche Hofs lager dem hoben Chor gegen åber , in einer Mennonitiſchen Seidenfarberey ( deren Eigner von secten geheißen 0467 ) Aufgeſchlagen,

1

-300

Danzig

Geſchichte.

Zuchthaus und die öffentlichen Armenhäuſer, wara tete auf dem Rathhaufe den Leidenconduct des dera ſtorbenen Burgermeiſters Engelke ab , beſuchte die öffentlichen Badſtuben , die Große Müble und. andre merkwürdige Anſtalten , ließ ſich auch in eini. ge angeſebene Privathäuſer führen ,

wo er infone

derbeit auf gute Schildereyen und Tapetengemålde aufmerkſam war.

In der Oberpfarrkirce wohnte

er einer Wodenpredigt ben , ) und naþm bernade die Seltenheiten und Kunſtwerte dieſer Kirche in 1 ) Einer Aneldote , die man auf dieſen oder einen andern Sirchenbeſuch des Czars im J. 1716 anwendbar halten dürfe te , und welche Herr von Bråblin ( in ſeinen Originals Anekdoten von Deter dem Großen : feips. 1785 800 ) aus dem Munde einer von den im I, 1734 nach St. Petersburg deputirt gewefenen Danziger Magiftratsperſonen erzählt wiſſen will, kann ich nicht umhin , hier beyläufig mit einer fregen Heurtheilung zu erwehren. Peter der Große fol neulich während einer in der Oberpfarrkirche angehörter Predigt , feinem Benfißer im Stirchenftule dem prafidireni Bem Burgermeifter , die Alonge : Pertique , ( deren fich die Obrigkeitlichen Perſonen bey ihrem Ornat in damaliger Seit in ausgezeichneter Große bedienten, unvermuthet vom Kopf genommen , und ſich zur Erwärmung aufgefert haben, Die Verlegenheit des mit Fahlem stopfe figenden Surgers meifters , die dadurch gereiſte Neugier der Stirdenvers fammlung , und das theils mit Spott theils mit Unwillen ermedte Auffeben , danachft aber der falte Ernt, den der . Car die gange Zeit über , bis er eben ſo unbefangen mit einer kleinen Verneigung die Perúque wieder gegeben , beobachiet bat , werden faunigt genug ins Licht gereget ; unter aller Auffußung der Umſtände aber hat diere Uneks dote dennoch zu wenig Probabilitåt, als daß man ſie für würklich geſchehu halten ſollte. Es iſt unglaublich , daß die Erinnerung einer Chatſache, die ſich faſt noch ben Rens fchen Denken ereignet , und die wenigſtens der Sohn vom Pater ganz nabe bat erfahren können , in Danzig burdaus

Fünfter Abſchnitt. Zw8ffres Kapitel. 301 Uugenſchein .

Die Stadt Hatte ihm eine Ehren.

wache von 120 Mann gegeben , welche außer den

soo

:

,

Bewamung der Czariſchen Hofſtatt dienter , Hoflager gegenüber poſtirt waren ;

dem

der Czar aber : . i :

wåre verloren gegangen.

Ein Dorfal , ber , wenn gleich die Dignität der Magiftratur nichts dadurch verlieren konts te, doch ſchon ſeines auffallenden Coutrafts balber , fic in dem Andenten des Volks håtte erhalten müſſen . Und doc låft fichs mit der ſtårkften Verſicherung behaupten, daß nies mand in unſeren Tagen etwas davon , wiſſe , oder gebadyte anekdote mit fidheren Nachrichten beſtätigen fonte. And des Verfaffers mütterlicher Großvater der Secretais Jac. Theod. Klein , der doch zur Aufwartung und in Stadtges fchaften unabläßig um der Großcar bat leon múffent , it unter allen Erzählungen , die er ofters von deſſen Aufents balt in Danzig gemacht hat , niemals auf einen åbnlichen Umſtand gekommen. Wenn demnach die Anekdote in St. Petersburg wůrklich erzählt worden , ſo ifts muthmaßlich , daß entweder der Danfiger Geſandte , unt die Converfation aufzubeiternt, feine Erzählung geſchmückt habe , oder er bat felbige als einen von Peter'dem Großert etwa geäußertea Gedanken vorgetragen , ( ,, daß er ſich der Danziger Staatst Betúquen jur Erwärmung ſeines Stopf& bedienen möchte, " y der hernach ein anderer aus der Geſellſchaft realifirt , und vielleicht ein Dritter eine vollſtändige Begebenheit daraus gemacht hat. Was übrigens von der zuverlägigen Senints his der Perſonen und Sachen in den Original -Anekdoten des Herrn von Ståhlin ju balten fey , låft fic toch aus ſolchen Fehlern ſchließen , wenn er nicht nur den Bürgers meifter Wahl zum Stadtfyndicus und den Rathsherrn Lbs ter zum Burgermeiſter Geblers macht, fondern und and glaublich angeben will, daß in Betit unruhigen Jahre 1716 Peter der Große ohne Vorwiſſen des magiftrato in Danzig eingetroffen ſeu , und weil es fonntäglicher Gottesdienft ges weſen, die Gaſſen an Menſchent leer gefunden habe. Ders gleichen unwahrſcheinlichkeiten laßen fich infonder beit mit beri damaligen Zeitläuften und mit den aufmerkſamen ana Aalten in der Stadt gar nicht zuſammen reimer .

1

?

Danzigs

302

Geſchichte .

gab Ordre , daß der Landweg freygehalten ,

auide

nur einmal des Tages das Gewehr vor iým pråſen . tirt werden ſollte ,' weil er öfters zu Fuße allein und ohne Aufzug auszugehn liebte.

3. April.. :

Mit Anfang des Aprilmpaats tam König Aus

guſt nach Danzig, und biele in der Stille ſeinen Einzug zu Pferde , ohne ſich einige Efrenbezeigun gen von der Stadt erweiſen zu laßen .

Er legte

ſogleic am Czariſchen Hofe den erſten Beſuch ab, und begab ſich ſodann in das für işn zubereitete Lo

4 gis auf dem Langen Markte , wo er nach Mittage die Gegenviſiten der Ruſſiſchen Herrſchaften em . pfing.

Nachdem ferner die Kirchenfeyerlichkeiten

der Egarwoche und des Oſterfeſtes beſchloſſen wa. ren , ro celebrirte der Herzog von Mecklenburg 19. April.Schwerin Carl Leopold ,

am erſten Sonntage

nach Oſtern ſein Beylager mit der Ruffiſchen Prin seſſin Catharina einer Bruderstochter des Czar Peter.

Die Copulation geſchahe auf dem erften

Neugarten in dem Hofe zur frummen

Linde ge

nannt , woſelbſt eine Ruſſiſche Capelle war einge. richtet worden , nachher gingen fämtliche Hochzeits gåſte zu Fuße gegen über in das Gartenhaus des Shoppenberrn Rdlmer ,

wo die übrigen Feſtivia

tåten mit einem prächtigen Gaſtmahl, einem Ball, und einem der Gartenſeite gegenüber aufgelaffenen Feuerwerk an dieſem Tage geendiget wurden . m )

1 m ) Der Erar gab den Tag nach dem Seplager, auf Neugar, ten wieder eine Feſtivität , woben ein gebratener Ochre mit Wildpret und abgebratenem Geflügel geſpickt dem Volt preif gegeben wurde. Er ließ swer. Fålher Wein dabey leo

Fünfter Abſchnitt. Zwölftes Kapitel. 303 gudeſſen verlief der ganze Monat noch unter mega reren offentlichen Luſtbarkeiten , die theils von den theils auch von der Boken Herrſchaften felbſt , Stadt, den Neuvermählten' zu Ehren angeſtelle wurden , und erſt mit Eintritt des folgenden Mos nars ſind dieſe ſcheinbaren Volfsfreuden von trax rigen ja faſt fehredenvollen Scenen für Dangig aba

Qi'gen , und ergökte ſich au dem Getümmel, welches mit aube geworfenen Geldmünzen und. Confituren unterhalten muts 1 de ; Einige Tage ſpäter ( 29. April ) tabt der König von Gaſtma ſplendid hl en Polen den Cjariſchen Hof mit einem lauf, und ließ unterſchiedene Schauſpiele auf dem Langen Martt baju anffellen . Die Stlopfecter jeigten fich mit mancherley beluftigenden Waffenübungen : einige Gewerte als die Fleiſcher und die Schiffszimmerleute zogen mit zierlis chen Fahuen und geſchmückten Werksinftrumenten auf, und hatten habile Fähnriche mit ſich , welche mit comiſchen Cånzen und fünftlichem Fahnenſchwingen fich ſehen ließen . Die Fleiſcher ſtellten auf ungeſattelten Pferden ein Wetts xennen und Lanzenftechen an , womit ſie die an einem gëzos genen Seil befeſtigten lebendigen Gånfe , oder auch mit Waſſer gefüllten Eymer abzuſtechen ſuchten , und manche poſfierliche Schwanke daber machten . Zu einem noc , fünftar lichern Schauſpiel war ein mit Seife beftrichener Maſtbaum errichtet worden , an deffen Spiße zum Preiß der Erftest gung ein Beutel mit so Thalern und ein roth Seleid ' ange bunden waren . Viele hatten ſich ſchon vergebens hinen zu klimmen bemühet, und der Ejar fou dem Stónige Auguſt eine Wette um jwey Connen Goldes angeboten haben , daß niemand bis zu den Preifftücken binauf kommen wirde, als ein Hausjimmermann von 62 Jahren fid daran wagte, und nach einer Arbeit von dren Stunden , das Glück hatte, den Preiß zu erobern . Ihn hat der König noch insbeſondre beehret , indem er ihm in Perſon zwen Pokale ,mit Wein jutrane, und einen ſilbernen Eredensteller ſchenkte ; der Cjar aber roll daben ziemlich mißvergnügte Minen gejos get haben.

304

Danzigs Geſchichte.

geidſt worden.

Doch laßen vorgefallene CHatſas

den dieſer Zeit romol ,

als davon aufbehaltene

Nachrichten die deutlichſten Kennzeichen bliden, daß ſelbft während dem Taumel des öffentlichen Jauchzens und Frolocens ,

zwiſchen den Danzi.

gern und Ruffen eine mißtrauiſche Abneigung ge I

berrſchet babe, womit jede Gelegenheit iſt ergriffen worden , die Animoſitåten gegeneinander aufwallen

Und hieraus låft fichs und ausbrechen zu laßen . gewiſſermaßen erklären , wodurch Czar Peter un. entittelbar auf folche der Auffenfeite nad tracht 'vollzogene

Solennitãten

und

in Ein .

Voltsſpiele,

die bitterſten Klagen über der Danziger Haß- und Feindſ( aft zu erheben , Şabe können veranlaßet werden. n ) Gedachte Veränderung naşm mit des Czars 1. Map . Abreiſe nach Königsberg ihren Anfang.

Gleich

darauf erfolgte der Aufbruch des geſammten Ruſſi ſchen n ) Man hat Anekdoten von mehr benut einer zwiſchen der Kurt fiſchen Grenadiers und den Danziger Soldaten in dieſer Zeit vorgefallenen Nencontre , und eine derſelben ben den Wachen vor ſeinem Hofquartier ſoll der Ejar felbft anbefoh. len und zugefehn haben. Der Ruſſiſche Grenadier aber ift son dem Danziger ſo serbauen worden , daß er mit Berluft bes linken Ohrs und geſpaltenem Schulterblatt untergele: gen , worüber der Cjar lo entrüffet geweſen , daß er ihm nach ſeiner Heilung der Strang zugedacht hat. Am Tage des Ruffiſchen Beplagers war zwiſchen den Nuffiſchen Sols baten und den Sandwerksgeſellen ein blutiges Scharmüßel entſtanden , und der Officier, der vom Cjar gum Friede ges bot abgeſchidt worden , hat ſich zu ſeiner Sicherheit unter der Niedemand an der Radaune perbergen müſſen. Webs

1

Fünfter Abſchnitt. Zw & iftes Kapitel. 305 fchen Hofes , der wieder an der Langgardſchen Seite 2 por der Stadt, im Gansfruge und der umliegen ben Gegend die Quartiere befog .

Daneben ware

de bekannt , daß die Czariſchen Kriegsvolfer Bes fehl båtten , fich nåber an die Stadt zuſammen zut zieben , und in kurzem trafeni 1400 Mann beym Gansfruge ein , gleichwie ben Langefuhr und þin iter der Dşra eigne Lager für die anrückenden Trup . pen zu ſtehen famen . Der Feldmarſchall Schere: metof ließ unter dergleichen friegeriſchen Vortege rungen dem Rath eine Schrift mit neuen Pråten. fionen überreichen , denen

im

Fal der Verweiges

„ rung ausdrückliche Drohworte ,, der Stadt feind lich und mit außerſter Gewalt zu begegnen , binya . gefügt waren

/

laut der notificirten Forderungee

punete ne follte Danzig, w fich aller Handlung

ſo lange der Krieg wåþrte, und Correſponderz mit

in Schweden,enthaltea ; einen Ruffiſden Commiſo iwe fair mit zwölf Soldaten , zur Viſitation aller ar. w tommenden Schiffe, a men ;

bey der Münde aufneh.

vier Caperlopiffe ,

jedes zum mindeſtent as a

rend der Feſtivität auf dem Markte wat ber Kutfoer det Cjarin mit ungeftum unter die Wolferienge gefahren , und 09 " batte die austueichenden Einwohner mit Peitſchenhiebertis gemißhandelt . Dafür batte man ihn vom Wager beruatge geworfen , und im Ängeficht des Königs und des Cars, bie am Fenſter geſtanden , ſich mit Schlagen an ihm geras 2 het: Eit anderer Ruſſe står in einem Auflauf beym gris 4 : den Chormit Hieben in den Kopf sugerichtet wurden , und bald darauf geſtorben . Hiežu find aber in der Folge nod ** mehrere für Beleidigungen aufgenommene Vorfälle gekoms Pn men , die der Cjar inſonderbeit der Stadtregierung zur Laft geleget , und öffentlich dafür feine Feindſchaft erklärt bat:

Beſch . Danz. zter Ch.

1

Danzigs Gerchichte.

306

mit zw8if Kanonen und funfzig Mann ausrå. ſten ,

und bis ans Ende des Strieges unterhal.

ten ; o ) auf gedachte Caperſchiffe einige Ruſifde Officiere und Matroſen aufnehmen und verpflies ,, gen ; im Fall aber die felbſteigne Ausrüſtung der Caper abgelehnt würde , an Se. Czariſqeu ma jeftåt 200000 Speciesthaler

* in derſelben erlegen ,

zur Anſchaffung

und die Mannſchaft darauf

* is befolden und mit Lebensmitteln verſorgen ; end .

, lich auch zum Dienft der Ruffifcben Ueberfaþrtea bis Kopenhagen ,

zwey oder drey Transporte

. : fchiffe in Bereitſchaft falten nungen der Stadt

wurden

Sämtliche Orbe durch

dieſe Anfota derung in große Beſtürzung geſeket, unt ſo will

mehr da ſich die Ruſſiſchen Kriegsanſtalten ſidnd. lich vermehrten , und jeßt ſogar das Seecommery der Stadt unterbrochen , und deren friedliche Neut. tralität aufgehoben werden ſollte. Der Stadtſecreo tait Klein , welcher ohne Anſtand mit Briefen vont * Koniglio · Polniſchen Hofe und von der Stade,

4.Map . als Courier nack Königsberg Seilen muſte ,

ward

ohne Audienz mit Unwillen vom Czar abgewiefen , und rabe fick

gendthigt, die Briefe unerbrochen

7.Dap . wieder zurück zu bringen.

In Danzig nahm man

unterdeſſen ſeine Zuflucht zum anweſenden Könige.

. ) Wegen der Caper Ausrüftung hatte der Fürft Dothoruki 7. ſchon por Ankunft des Cfariſchen Rofes in Danzig begr Rath Unregung gethan , auf die bergebrachten Gegenvors fellungen aber war von ihm ſelbf Hoffnung gegeben wors 19 den , daß der Ciar obne Schwierigkeit dapon abgeben würde.

Fünfter Abſchnitt. ZwSiftes Kapitel. 307 Eine Deputation aus allen Ordnungen wurde ab. gefertiget, ' Rath und Beyſtand in dieſem crittſchen Anliegen von ihm zu erbitten , und zum Troſt beant

1

wortete Äuguſt die rührende Unrede des Syndicus mit einer ſo warten Theilnahme, daß er nicht eher von Danzig fich wegzubegeben verſicherte, bis die Stadt nebſt ißrem Gebiete von den Ruſſen beo frenet, oder wenigſtens außer Gefabr reyn würde. Indeffen muſte dem Geſchäfte nåher getreten wer den , worin der Ruſſiſche Feldmarſchall Schere: metof die Udtwort und Erklärung der Stadt ab. wartéte. ům Königlichen Hofe wurde mit Zu thun der Biſchofe von Cujavien und Ermland, wie auch des Grafen von Flemming die Verabres dung getroffen , daß der König ſowol als die res publik , in einer ſo wichtigen Sache als die Capet ausrüſtung war , mtt intereſſirt werden follten und gleich wie ſich die Stadt wegen der Koſten das zu mit dem Könige verglich , ſo wurden auch vott ihren Abgeordneten , alle Unterredungen mit dett Ruſſiſchen Feldmarſchall in Gegenwart und unter Vermittelung obgedachter Prälaten angeſtellet, p ) b ) Dem Bifchofe don Cujasien , der fich der Stadt in dieſer Ruſtiſchen Angelegenheit mit Eifer und Nachdruck anjunebs Men bemühet geweſen , hat man dafür in ſeinen oft wiedets holten Forderungen gefuget , und theits tatt dem Nachlaß theils mit ganzlicher Abſtellung einiger Schottlanbiſchett und Stolzenbergiſchen Acciſen , fich demſelben gefäuig bes feiget. Zu gleicher Zeit find die riidehändigen Natengelder som seoniglichen Hofe ſehr anbringlich berlangt torbett itt deren Abrahlung die Ordnungen der Stadt promite Geldmittet ausfindig ju machen , fich nicht Baben entjies bet tomment

Danzigs Geſchichte.

308

bis endlich weil man die Forderungen in feiner Art weiter ablehnen konnte , die legte Declaration dar . auf erfolgte. Danzig ,'

Vermöge derſelber verpflichtete fick

in allen

Briefwechfel und

Verkehr mit

„ Soweden bis zu Ausgang des Krieges aufzube. ben ; einem vom Ruffiſchen Hofe angeſtellten ,, Commiſſair oder Agenten , alle billige Willfab 1, rung zu leiſten ; vier Caperſchiffe auf eigne Ko. vi ſten gegen Schweben auszurůſten ,

und ſelbige

unter Königlich Polniſden Flaggen und Com. mp miſſion auslaufen zu laßen ; nach Gutbefinden Sr. Königlichen Majeſtät

von Polen ;

auce

Ruſſiſche Mannſchaft , doch nicht anders als un -

ter Königlich . Polniſchem

End und Pflicht auf

,, die Caper zu nehmen ; und endlich zwen bis dren » Fluyt- oder Tranſportſchiffe zum

Dienſt der Rufo

is fifcben Seefahrten bis Kopenhagen , » Şaltenen

mit vorbes

Entſchädigungsrecht zu verlenben . "

Als diefe fdyon mündlich geneýmigte Declaration dem Feldmarſchall Scheremetof durch den Secres g . May tair Klein: fchriftlich und unter Siegel überbracht wurde; fo war felbiger mit der gewöhnlichen un terſchrift nicht zufrieden ,

ſondern verlangte , daß

der ganze Räth fick namentlich unterzeichnen ſollte. Uneracter ſelbſt die anweſende Herren vom Polni. Toben Hofe Remonſtrationen dagegen magten , ſo To ließ er ſich doch nicht eher davon abbringen , der Biſchof von Qujapien um den Wortwechſel zu endigen , die alleinige Unterſchrift des Präſidenten in Borſolag brachte.

Hieben ließ es der Feldmare

fall endlich bewenden , und der Secretair muſte

Fünfter Abſchnitt. Zwolftes- Kapitel. 309 wieder aufs Rathhaus gehen , von wannen er die Declarationsfchrift mit der eigenhändigen Unters zeichnung des präſidirenden Burgermeiſters zurüd brachte. 9) Es hatte nun für die fernerex Erwartungen als ob alle Fehde aufgehoben reyn

das Anſehen ,

würde ; denn Danzig durfte mindeſtens nach einer mit vole

ſo razmeren Aufopferung fic rohmeicheln ,

liger Reconciliation der Groß- Czariſden Hulo pieder verſichert zu werden .

Der Czar kam auch

3 eben zur Zeit des getroffenen Vergleichs ,

mit ſeia

1 nen von Königsberg abgeholten dreißig Galeeren ber Danzig vorben , wurde mit Abfeuerung des Ges ſafüßes von den Wällen begrüßet,

und legte auf

kurze Zeit beym Könige von Polen einen Beſud in der Stadt ab , ehe er mit ſeiner Gemahlin und der 2 ganzen Hofſtatt, zur Reiſe nach Pommern auf. und zu gleicher Zeit ſeinen Truppen aus brache

7 idem Daugiger Gebiet ihren Abzug zu nehmen Bes

1 fehl gab. geachtet ,

l

Allein dieſes friedlichen Abſchiedes un. hatte

er

abermaliges

der Stadt ein

Sdređen zubereitet, welches den

vierten

Tag is. May.

3 nach ſeiner Abreiſe mit einem unvermutfeten Mas nifeſt über ſie kam , worin der Czar igr aufs neue die fowerſte Ungnade ankündigen ließ.

Nun batte

zwar während des Aufenthalts der Ruſſen ,

eine

a ) Die fonft gewohntiche Unterſchrift ,, Surgermeiftere und , Rath der Stadt Danzig " blieb unverändert fehen , und wurde dieſesmal vom Präſidenten Joh. Brnft y . d. linde . noch mit ſeinen Namen unterzeichnet.

U 3

319 1 Danzige Geſchichte. wache Aufmerkſamkeit in Danzig ſtatt gefunden , die nicht ſelten einer mißtrauiſchen Praçaution åhn . lich geworden ,

das äußere Betragen des Volfs

þatte ebenfalls öftern Verdruß verurſachet;

und

als die Annäherung der Ruſſiſchen Truppen an die Stadt war befeýligt geweſen , ſo hatte der Magi ftrat mol nicht ungewöönliche aber doch promte Berfügungen zur Gegenwebr veranſtalten taßen . ) Doch waren auf feine Weiſe weder die Pflichten Des Wölferrechts und der Gaſtaufnahme vérleget,

1 pode auch mit Trok, oder Muthwillen irgend ein feindliches Benehmen

offentlich dargelegt worden ,

.) Wdhrend dem Aufenthalt des Ejarifchen Hofes hatten fich fchon früher einige Verdacht erweckende Vorfälle in Danzig ereignet. Unter andern warb ein Beuwagen ama thor ans gehalten , worauf man verborgene Flingen und eine Donne Pulver entdeckt hat , die al& fremd Bier eingeführt werden ſollte. Der Cjár aber , dem ſolches porgebracht worden , bat keine Notis dayon nehmen wollen. Eine Danziget Schildwache am boben Chor batte bon Nachtzeit einen Ruffen erſchoffen , der auf den Zuruf keine Antwort ertheilt batte ; er war aßer took mit einer langen Stange in der Hand gefunden worden , als ob er die Tiefe des Stadtgras bens hätte meffen wollen . Mehrere dergleichen theils zweis felbafte, theils můrklich verdächtige Ereignungen machten eine çracte verficht in der Stadt nothig. Die Ruffifchett Soldaten durften nur einzeln und mit dem Seitengewehr in die Stadt kommen ,gahlreichere Commandos wurden abs gewieſen , oder die chore gegen ſie geſchloffen , wie ſolches per Begleitung der Czarifchen Bagage am Langgartſchen Chov miderfuhr, An den Wachen ſowol als an den Ecken ber Hauptftraßen qugren Beſucher beſtellet , um auf verdad tige Pacie: und Briefträger aufmerkfam zu feyn , und mag unterließ nichts in der Sorgfalt, ſich gegen plötliches Eins bringen und Heberfalle 14 fchúten: Als ferner mit Anfang

Fünfter Abſchnitt. Zw /iftes Kapitel. 311 Nichts deſto weniger

enthielt , das Großchariſche

Manifeſt die bårteſten Vorwürfe , w , daß der Dan, or siger Magiſtrat die Bürgerſdaft offentlid far + Ergreifung der Waffen wider die Ruſſiſchen Trup, wpen aufgefordert,

die

Ebore geſchloſſen , und

# .feindſeelige Thåtlichkeiten an Ruffiſchen Solda. # ten und Perſonen vom Ejariſchen Gefolge derůbt m þåtte; daß ſogar Sr.

Ezariſchen Majeſtåt eiges

#nen Bagage der Durchzug durch die Stadt mit i Gewalt wåre verweigert worden ; und daß Dan . ufig ſich einer offenbaren Anhängigkeit und Ver w bindung mit Schweden ſchuldig gemacht hätte. "

des Manmonato die feindliche Annäherung der Ruffiſcher ruppen erfolgte, fo wurden die Gegenanfalten noch offens barer und fårker gemacht. Die Garniſon war ſchon vorhip mit 600 Rann vermehrt worden ; wegen des unlängſt ( 6. März ) erfolgten Codes des Ober - Cominendanten, Generals von 3reten , erinnerte die Dritte Ordnung ſchon mehrmals an die Bereßung dieſer Stelle ; , doch hatte die Stadt noch den wackern Oberſten Sinclair ( der bald nach : 'her vom Großbritanniſcheu Hofe den Character eines Genes ralmajors bekommen bat) und viele brape Striegs s Officiers : in ihrem Dienfte. Die Bürgerwachen wurden ebenfalls reguliret und verſtärket, die Thore behutſam geſperret oder geſchloſſen gehalten , die Einſaffen in den Borſtådten su Räumung ihrer Häuſer gewarnet , die nöthigen Lichts und Feueranftalten getroffen , und hinlänglicher Pulservorrash nebi grobeu Geſchüß aus den Zeugbäufern auf die atle seführet. Auch vergaß man nicht, die Feftungsarbeit mit Hemſigkeit fortjuſeken : infonderheit ward für gute Sichers heit am Langgartſchen Chore geſorget , und vieles an dert Auffenwerken beym Oliviſchen und beym Jacobøthore vers beffert; imgleichen find in eben dieſer Zeit der Bagelsberg und der Biſchofsberg son einander repariret , unb jeglichen eigene Defenfion gemacht worden . U 4

Danzigs Geſchichte.

jis

Dieſe Vergebungen zu ahnden und die dafür anges drohte Strafe zu vollziehen , erklärte ridy der Ezar jmar jebiger Zeit durch anderweitige Kriegsgea foåſte verjindertjú werden ; dod wollte er Dan.

fig niqr weiter als ein Mitglied der Republit Por tén ; fondern als eine Schwediſche Bundesgenoſſin betrachten , feindlich

und

als

begegnen .

einer

rolden ihr künftiggin

Die "Maasregeln ,

welche

Danzig bierauf zur Abwendung diefer angedeute ten Ungnade ergriff entſprachen nicht gleich den tröſtlichen Hoffnungen , die man ſich vom Bena ſtand des Polniſchen Sofes ,

und vermittefft der

Jnterceſſion auswärtiger Potenzen darin gemache batte. Der Secretair Klein wurde zwar beor. bert, dem Czar mit einem verbindlichen Bittſchreie ben der Stadt auf dem Fuß nachzugehen , und er verfolgte iặn von Stettin bis Lübed , doch ohne eine Audienz erlangen zu fönnen , weshalb er ends nachdem der Czar ben Warnemünde mit ſein nen Galeeren nach Dänemark übergeſtochen war, 14. July:Befehle betam , ' diefes Borhaben aufzugeben ,

und deſto åmſiger am Hannoverſchen und am Bere linſsen Hofen

wegen

der erbetenen Interceſſion

für die Stade zu negociiren .

Das Reſultat aller

Geſchäfte des Secretairs , mit den Ruffiſchen Mi. niſtern war demnac blos die vom Czar befohlne Einhändigung der Schaffirof

und

Briefe deſſen

an

den

Vicekanzler Erklärung

geweſen ; wer håtte pon St. Czariſchen Majeſtát , Feine Drbre , geben. "

eine widrige Antwort darauf zu

Glücklicher Hingegen wurden ferners

Fünfter Abſchnitt. ZwSiftes Kapitel. 313 Bin die Negociátionen in Hannover wie auch nacha gehends am Berliner Hofe geführet, unerachtet ben

lenterin

aus einigen Privatverhältniſſen ein

weitläuftiges Geldgeſchäft dazwiſchen kam, weld des We Stadt Danzig unter den übrigen Staatsa irrungen in nicht geringe Verlegenheit geregt -hat. Indeſſen finid die Preußiſchen Einfaſſen ,

welche

fich als Creditoren Danzigs ihrer Schuldforberuns gen wegen

an

die Afiftenz des Hofes gewande

Hatten , vorerſt in der Güte vertröſtet , und gegen Ende des Jahres , durch Unterhandlung mit dem Preußiſchen Reſidenten in

Danzig ; gröſtentheils

mit würflicher

Abzahlung befriediget worden . Was übrigens die Hauptſache , nemlich die Versus føbnung und Ausgleichung mit dem Czar Peter betraf, ſo findzmar die harten Drohungen an Danzig im

nächſtfolgenden Jahre nochmals era

neuert worden ;

bald darauf aber hat die Stade,

bhne daß es zu würflichen Dhärlichteiten gediehen , die fchon erleichterte Gelegenheit ergriffen , Dem Groß - Ezar in Perſon

mit

einen neuen Vergleidy

abzuſchließen , und der Aufhebung aller Feindre Kgteiten verſichert zu werden . " Vor der Fortfeßung dieſes Ruffiſden Geſchäft res aber kominen wir auf die Conföderation in Pos Ten

und das hieſelbft über den Aufenthalt der Truppett entſtandene Mißvergnügen worin der Czar Peine Mediation angetrae

Sachfiſcheri zurüdt,

gen , und weswegen er kauptſächlich ſeinen Aufente galt nach Danzig verlegt gehabt þatte.

Hier wa .

ten demnach dren Abgeordnete por der Tarnogro

U5

Danzigs Geſchichter : 1

314

Der Confdderation hergeſandt worden ; dieſelben batten im Ruſſiſchen Hoflager mit und ohne Beyr feyn des Königs von Polen unterſchiedene Con . ferenzen zu Wieder erſtellung der vaterländiſchen Ruhe gebabt , und es war eine Zuſammenfunft zu

Lublin verabredet worden ,

welche von den

ſtreitenden Parthenen durch Bevollmächtigte be ſayidt, und vom Ruffiſden Geſandten am Pole niſchen Hofe , dem Fürſten Dolhorufi als Mits teleperfon geleitet und moderirt werden ſollte. Nachdem nyn Czar Peter von Danzig abgereift war , quch König Auguſt rid wieder nad Wars Taay erhoben hatte , July

ſo ward der Lubliner Cons allein

die gegenſeitig einges

gebenen Vergleichspunkte ,

und inſonderheit die

greß zwgr eröffnet ;

forderungen der Eonföderation , welge der Biſchof yon Cujavien und als

Königliche

der Feldmarſchall Flemming

Bevollmächtigte nicht

ſchlechter

pings eingehen konnten , batten eine langere Zeit zur Abmachung ndepig , als einen Termin pon zehn Tagen , ften wollten .

worauf die Conföderirten bes

Man blieb

daber

dieſer feſtzu .

feßenden Friſt wegen uneinig , und eben ſo zwei felýafe

rabe es mit dem verabredeten Waffen .

fillſtande aus.

Hiezu tam

noch , daß die Sach .

fiſchen Kriegsbefehlshaber nicht auf drten , die Hinterſtelligent Contributionen mit Gewalt ein . treiben

zu

laßen ,

Der

Generalmajor Frieſe

ließ ſogar in der Şenpomirſchen Woywodſchaft cinea Caſtellansſohn Lasciſzewski,

der ihm für

stliche vom Felde getriebene Dofen fünf fackfiſche

Zwölftes Kapitel. 315

Fünfter Abſchnitt. Pferde

weggenommen

Markte zu Sendomir,

hatte ,

auf

offentlichen

als einen Pferdedieb hena

Frieſe muſte fich zu ſeiner Sicherheit zwar

ten .

aus Polen entfernen ; neuecten Krieg ,

dafür mit

1

aber die Conföderirten epo åußerſter

Verbitterung der

ohne der obhandenen Vergleichsgeſchäfte

que achten .

Inſonderheit

bemächtigte

ſich

der

Großpolniſche Regimentarius Gniazdowski der Stadt Poſen mit ſtürmender and , und zog ferner nach Preußen ,

um dieſe noch unverbün .

det gebliebene Provinz in die Conföderation einzu . ziehen .

Die Preußiſchen Stånde wurden genos ... ? .?

thiget , in Eile deswegen eine Staatsconferenz zu peranſtalten ; ſie verſammelten fich dazu in Dam . zig , gen ,

veţteoſteten aber der fcpwagen Anzahl mes die Abgeordneten

dem Beſcheid ,

der

Conföderation

daß . ihrer Anträge Salber ,

mit ogue

Verzug ein Landtag zu Marienburg eröffnet voers Den

ſollte. Dazwiſchen bekamen der Oberſte Malinski

und der Major Wisniowski ais Conföderationen Deputirte , noch einen ſpeciellen Auftrag an Dan zig,

Unterſtåzung mit Geld fowol als eine be

tråchtliche Anzahl verzeichneter Mondirungsflåde fu fordern . Die Stadt ſuchte fich zwar mit einem angebotenen Donatio , diefer Forderungen und Aller Feind ſeeligteiten zu antledigen ; allein fie muſte fich zu einer ſtårfern Geldſumme verftegen , und traf endlich mit den beiden Abgeſchickten zuļi, Sept. St, Ulbredor eigen Vergleich auf zwölftaufend

Danzigs Geſchichte.

316

Eympfe, womit alle übrige Beläſtigungen abgen Mitlerweile waren die Beratá . wandt wurden . fichlagungen im Lande nicht für den Beytritt zur Conföderation ausgefallen , doch war man ſchlüffig geworden , den Regimentarius Gniadowski mit tauſend Ducaten , die Conföderirten mit 100000 Tympfen und deren Abgeordnete für ihre Perſoa nen , Die

mic 12000 Tympfen zufrieden zu ſtellen . bald

þernach

machten auch dieſen

veränderten

Umſtände

Geldbeytrag nicht

aber

nöthig.

Dean als der Sächſiſche Generallieutenant Bore $. Oetbr. den Gniadowski bey Kowalewo geſchlagen , und ibn gånzlich aus Preußen verjagt hatte,

ſo wurde

das Land nicht nur von ferneren Zundthigungen befrenet , ſondern die Conföderation ließ ſich auch zar Ausgleichung billiger finden , die abgebrochene peuern .

Lubliner

Weil nun ſchon König von Polen

und erbot fiche

Negociation

zu

eru

einige Wochen früher der

öffentlich die Erklärung gethan

hatte, daß die Sådfilden Truppen das Land råu . men ſollten , dazu

und würklich jeßt einige Regimenter

in Bemegung geſekt waren ,

fo erleichterte

foloes die Wiedereröffnung der Vergleichsgeſchäf= te , welche anfangs in der Vorſtadt Prag vorges nommen werden ſollten ,

nachher aber unter den

Qugen des Königs in Warſchau zu Stande ge Die Hauptpuntte dieſer getroffer 3. Novbr.bracht wurden . men Ratification patten den Abzug der Sachſen , und die Aufpebung der Conföderationen zum Ziel.

1

1

Fünfter Abſchnitt. Zw8lftes Kapitel. 317 Man magte

der Senbomirſden ſowol als der

Tarnogrodſchen Conföderation ein Ende ; dock wurden die Armeen nod bis zur Ratification des Pertrages in ihrer militairiſchen Verbündung 'ge. laßen.

Was die Connexion mit Sachſen -betraf,

ſo wurde nicht nur der Ausmarſch der Sachfiſcher Kriegsvdiker beſchloſſen , Sächſiſchen Kanzelen ,

ſondern auch wegen der

Hofbedienung und Garde ,

imgleichen wegen des Königs Reiſen und Aufent halt in Sachſen , und mehrerer mit dieſem Erba lände eintretender Verbältniſſe balber, gewiſſe Ber. fügungen gemacht. Für die Polniſchen Reichs. länder wurde der Wahlvertrag bekräftiget , und die Beobachtung der

Grundgeſege , der Rechte und Gewohnheiten des Staats in allen Stúden

wiederum ſicher geſtellet. Ferner wurde für die Kronarmee und für das Kitchauiſche Kriegsbeer seine ganz neue Einrichtung feſtgeſeket, wonachfe inſonderheit für deren richtige Beſoldung geſorge + werden ſollte . Endlich ward ein beſonderer Ara tikel gegen die Diſſidenten eingeſchaltet , neu

erbauete

Diſſidentiſche

an den Dertern ,

wo

daß die

geſchleifet,

es vor dem Schwediſcher

Kriege nicht ſtatt gefunden , lichen Verſammlungen bet,

Kirchen

der

keine Gottesdienſt Diſſidenten

erlay .

und den fremden Geſandten proteſtantiſcher

oder diffidentiſoper Höfe nur verſtattet ſeyn ſoll. te , für ſich und ihre Hausgenoſſen , den Kir . dendienſt ju laßen ,

in

iþren

Gejanoſobafeshotels

balten

4.2 ,

Danzigs Gerdichte.

318

Ueberdas führte gedachter Vergleich die merk. würdige Stipulation mit ſich , daß unmittelbar auf die Geneýmigung deſſelben ein außerordent

licher"Reichstag ohne ſonſt gemdhnliche Nusſchrei. ben , noch vorgängige Landtage und Landboten . tahl gehalten werden ſollte ,

um den abgeſchloffe:

nen Vergleichsartikeln ungeſäumt die Kraft eines ewigen Grundgefeges zu geben .

Nachdem alſo

1717 die Ratification des Vertrages vom Könige und Januar. von ſämtlichen Conföderirten erfolget , wie auc die Auswechſelung der geſiegelten Eremplare deffel. ben , in Gegenwart des Fürſten Dolhoruki als Vermittlers geſchehn war ; ſo blieben der General Conföderationsmarſchall Leduchowski,

und die

übrigen Marſchålle und Conföderationsråthe ver. fammelt , um zur Eröffnung des Reichstages die Landbotenſtube zu formirea .

Dergeſtalt hatte der

Reichstag unter dem Vorfik des Königs mit dent 1. febr . Senat ſeinen Fortgang : die vorher abgefaßten Conſtitutionen für unbedingten Bekräftigung des abgeſchloffenen Vergleichs wurden verleſen ,

und

es warð niemand verſtattet , Einwendungen odet Biderſprüche dagegen in

Vortrag zu

Er endigte ſich in ſieben Stunden ,

bringen .

und warð mit

ben gewöhnlichen Feverlichkeiten , unter dem Doro her des Geſchůßes und mit dem Ambroſianiſchen Lobliede in der Jobannskirche zu: Warſchau bes

1

1 fchloſſen.

Wéber

die Unzufriedenheit einzelnet

Senatoren über das gehemmte Recht freter Stima then ,

noch die Proteſtation der

Litthauer gegent

Sünfter Abſchnitt . ZwSiftes Repitel. 319 dieſe gefeßwidrige Neuerung,

ja felbft' nicht die

mißvergnügte Entfernung des Biſchofs von Snea fen , der ſeinen Sie mit den Worten , daß die Frenheit Gewalt litte !"

verließ ,

gaben dieſerc

ungerodönlich gehaltenen Stadesverſammlung dert Namen und die Kraft eines beſtandenen Reichsta. ges ſtreitig gemacht.

Den

Conftitutionen de fela

ben iſt in der Folge eine unverbrüdliche Rechema Bigkeit

und Gültigkeit zuerkannt worden ,

und

außerdem , daß der Abzug der Sådfiſchen Trup . pen 'nun ohne Anſtand zur Vollziehung gekommet ift , ſo ſind die beyden Artikel vom neuen Reglee ment der Urmeen , und von der Einføränkung der Diſfidentiſchen Rechtë,jmen Hauptobjekte für die fernere Behandlung der Staatsgefcbafte im Kada nigreich Polen geworden. Unleugbar Katte die Provinj Preußen an dett

bisher erwähnten Conföderationen , an den darauf erfolgren Vertrågen , und an der außerordentlichett Reichsverſainmlung zu Warſchau feinen unmittel. baren Antheil genommen ;

deffen ungeachtet abec

find die Folgen dieſer berufenen Pacification für unfer Land ſo erheblicy und großentheils ſchmerzlich 1

geworden , daß mit dem Einfluß derſelben die Pole Preußiſche Staatsverfaſſung in dieſer ÀBa

niſch

ficht eine neue und denkwürdige Epoche bekommett Land und Städten ſind dadurch ungewöhtto

gat.

liche Verbindlichkeiten auferlegt worden , und ſo febr ſich inſonderheit die Großen Städte mit pas triotiſdem Widerſtand der neuen Flegalitatea iu

320 153

Danzigs

Geſchichte

des

erwehren geſucot haben , ſo menig ſind ſie dodning. -geſaint oder einzeln ,

die Angriffe: jører Gerechtfa.

men mit hinlänglicher Kraft zu beſiegen vermogeno geweſen.

Der Vergleichspunkt, welcher die Re.

yligionstoleranz und die Einſchränkung der Diffiden ..ten betraf, war vorzüglich durch den Biſchof von Cujavien empor gebracht worden ;

eben derſelbe

Hatte feine und die Forderungen des Cująpifchen Capitels an die Stadt Danzig damit verknüpfet, und dieſe Stadt iſt dadurch theils in erneuerte Streitigkeiten mit dem Biſchofe verwidele , teils nach dem Artikel von der neuen Militaireinrichtung, fur allgemeinen Kopfſfeuer und andern Auflagen im Lande für den Sold, der Polniſchen Armeen , mit

gewaltthårigen Zwangsmitteln aufgefordext

und gendthiget worden,

steroids the Bots?!

‫د‬

‫او‬

‫ گیر او و‬.

:

: *

‫ ا‬، ‫د‬، ‫بادام‬

‫܂ܢܐ ܀‬

>

;; ) ! ‫ ܀‬:3. ..

،‫ܕ ܟܼܝ‬

et song iny's shifo,į !

miest na 70 edicese

1

na todigelito Der

Der

Geſchichte

Danzigs

Abſchnitt

Sechſter

Danzig unter der Herrſchaft der Könige von Polen , in Verknüpfung mit der i Provinz

Preuffent,

feite .

Der Pacification zu Warſchau unter Auguſt dem Zweyten , bis auf die „zum Geſet ans genommene Königliche

Drdination is für: Danzig , unter Auguſt dem Dritten

17.17 bis 17:52 .

Zur Geſchichte dieſes

Zeitraumsgebrauchte Duele

len und Hülfsmittel. Gedructe Bücher und schriften ; Befchichte des Königreichs Polen unter dem Renige plus guft dem Zweyten

vornemlid aus ungedrudten Nachs oder der Polniſch

richten von Hortff.. Lengnich :

Preußiſchen Geſchichte IXter Band. Danzig 1755 Oeſch . Danz, 3ter Th.

332

Danzi

gs

Befchi

. chte

Gosfr. Lengnic hiſtori polon a Lecho ad A. 1748 a a h i Ged . 1750 . Nufrid tige Vorſtellung , was es mit der in den Låndeo repen der Stadt Danzig , im 1719ten Jahre von einie giem Polniſchen Kronvštfern vorgenommenen Erecus tion , denen desfalls vorgeoußten Urſachen , und Dårauf erfolgten Dorfåten , für eine Beipandnis habe. Danzig 1719. Beinrich Burch . Mader Grundfeſte der Staatsverfaf fung im Königreid Polen , darin der Warſchauer friebenstraftat vom J. 1717 famt der neuen Conftis Halle im Mag. 11 tation des Reiddtages befindlic : deburgiſchen 1718. 2. Bartwich Beforeibung der drep Preußiſchen Werden König86 . 1722. Gottf. Achenwall Gerdichte der Europäiſchen Staatse håndel des vorigen und des jeßigen Jahrhunderts

Ositingen 1765. PAS betrübte Thorn , oder die Geſchichte , lo faco zu Shorn im J. 1724 zugetragen . Berlin 1725. Chorniſche Denkwürdigkeiten , worin die verunglüdte Stadt Thorn gründlig vorgeſtellt wird : ein Zuſas des betrübten Thoras. Berlin 1726. Das in Norden neu angegangene Striegsfeuer, welded ber der freyen Stadt Danzig in volle Slammen geram then it . 2. a . Warſdau 1735 . Biftorifde and Politiſche Betrachtungen über die Pole niſden Begebenheiten , 2 Tb. Leipz. 1734. Ucearate Madricht von der Ruſſiſch und Sådhrchen Belas ine Belager « mund der: (Stadt oder untDanziga dazu Bombardirung n8thige Unhang er dem n e nebſt Sitel) kurjer Auszug alter und neuer Polniſch Preufe fürcher Kriegsgeſchichte von Seyler und Schulg ) Zwey Theile. -Coun bey Ⓡ. P. Merian 1735 ane $ 741 , mit Kupfern ,

Sediſter Abſchnitt. Erſtes Kapitel.

323

Ort: Generals von manftein Hiſtortide, politiſche und militairiſde Nachrichten von Rußland von 1727

se bis 1744." Leipz. 177 !. Manifestariones, contra illegitimam

.

contributionis pro

exercitu Saxonico auxiliari repartitionem ”in Civicace ..1 Gedanensi indebite Formatam . Ged. 1736 , Leben Stanislai Königs in Polen , von S. ( G.D. Sey's ollec ) Berlin 1737. Histoire de Stanislas; I. Roi de Pol Duc de Lorr. & de Bar: Par Mr. D. C. Francf. 1740 Voll, II. Sr. Königl. Majeftåt in Polen x6. 26. x , Augusti III. Verordnungen fiir die Königl. Polniſche Stadt Dans si . zig. 1750 ( latein . und teutſd ) nebſt den Erläuterun . gen oder Clarificationen einiger Artikel derſelben . Unparthepiſobe Gedanferr eines Danziger Patrioten über

die neue Democratifde Regimentsform 2. x . 1751 . Eines ungelehrren Bürgers in Danzig Prüfung obiger Schrift 1751 . Kurze Unleitung , wonach ein Jeder obige Schrift felbft prüfen kann . 1751 . Eines Danz . Bürgers unparthepiſde Reflexiones über

ſelbige Schrift. 1751. Kurze Nadricot vom wahren Urſprung der innerlichen Mißhelligkeiten in Danzig , vom einem feine Vatera ſtadt liebenden Danziger. 1751 . Prüfung obiger Schrift 2. 1. ( ohne Fahr und Namen . ) Sedanken eines Gelehrten außer Danzig , in einein Sendſchreiben über die Errungen zwiſchen dem Mes

giftrat und der Bürgerſchaft in Danzig. 1752. ( deutſch uud lateiniſch . )

Sanofchrifte me Danziger Ordnungsreceſſe vom 7. 1717 bis 1737 uno vom 7. 1740 bis 1752.

324

; Danzigs

Geſchichte,

Fatum Gedanense post fata Sereniss. Poloniarum Regie Augusti II . 1733 feqq. ( Autore A. R. Cós Ged .) 3 Bånde in Fol . bis 1737 , nebſt einem Anbange vies fchriftlichen Auffäße und ler Driginaldocumente Briefe. fortſegung

1 1

des

Siſcherſchen Zeitbuchs von M.

Bu

bis 17356 Sammlung der Danziger Geſchichten , feit dem Anfang der innertiden Rißhelligkeiten im J. 1748 bis auf das . im J. 1752 gefåtte Decret. ( zufammen getras gen von 3. 8. fr. ) Scripta in causa Disscasionum Gedanensium inter Ma.. gistratum er Tertium Ordinem 1748-1752 Vol . IV , Fol. ( collegit D. G. Præcos. Ged. ).

for

!

H2002:

) 3

Sechſter Abſchnitt. Coffes Kapitel. 329

ge Erſtes

Kapitet.

Contribution in der Provinz Preuſſen får die Polntſche Armee - dle Ramchen Pråtenſionen an Dangts Wets der erneuert - Drohungen der Ruſſiſchen Generalitåt Czar Peter (aft einen Vergleich mit Danstg abſchlies die darin vers pen rozmiſtvolle Auslegung deſſelben langte Fregattenausrüſtung ger& th in Steden - verans Bertes Syſtem des Nordiſchen Krieges - den Dirih i benten in Polen wird die Activitåt auf dem Reichstage gebemmet - Danzigs Streitigkeiten mit dem Biſchofe vielfältige Geldforderungen an Dans pon . Cujayten 319 - die Prátenſionen des Kronſhages werdert mit militairiſcher Execution im Danziger Werder erpreſſet Thatlichkeiten , To daſelbſt vorgefallen Danziger Perluft in der Scharpau - dte Hoftilizaten werden auf Königlichen Befehl aufgehoben Danzig ents ſchließt ſich die Affignatarien des Kroulchakes zu befrler digen.

aß .die Propinz Preußen ſich zu feiner Theil. nagme an den Beſoldungen der neu organifirten Polniſchen Armee, in iþren Rachſchlagen und Lan. Landtags allen darin befins Receſſen und desbeſchlüſſ habe , iſt aus den en erklärt befindlichen Gegenvorſtel,

Nichts deſto weniger iſt es lungen erweislich Thatſache geworden , daß Land und Stådte dieſe abgendthigçe Contribution mit einer balbjährigen Zahlung enrrichtet haben ; -und gleich wie die gange Republik Polen dieſe neu beſtimmte Auflage oder Capitation zum Behuf des Militairetats bis aufsis -1764 benbeijalten bat, ( als in welchera Interregnumsjahre auf dem Convocationsreichs

£ 3

326

Danzigs Gefchichte.

;

.

1: 9

n Generalı tage die Einkünfte eines beſchloſſene CO Befordurig det Zolls feße ; ſo baben, auch die Preußiſchen eStånde, bis dahin

ihr HalbjährigesContingen , ſo ißnen ,mit -155929 t Gulden , dreny und einem halben Groſchen in Preus Biſchem Gelde auferlegt geweſen telbar

an

jedesmal unmite

die Polniſchen Regimenter

bezahlete

Die Städte Haben iþren Antheil durch Kopfgelger fufammengebracht , ſie haben sich aber außer den allgemeinen Klagen über diefe illegale Contribu Hou , "nog insbeſondre in der Ungleichheit des An leblags ,bon iþren Mitftänpen betvorefeile,gefina den , und bald anfangs iſt von Seiten der Großes ren Städte ; wider diefe unbillige Repartition des Landescontingents , , beym Aleftådeſchen Grooge. slot in Danzig eine Manifeftation eingelegt wors Die Stadt Dunzig þat ihren Beytrag zu den. Kopfgeldern Şalbjährig mit Heun und drey Big tauſend Gulden abliefern müffen3 fð unverfpåtet fie aber, ſelbft in dieſen geldſpieligent

gedachten polniſchen

Zeiten, die Termine beobachtet ßat , ſo wenig ift fie dafür mit befchwerlichen Nebenforderungen vera fchont worben .

Polen Hát hoch auf große Sum

meri unter dem Namen eines růcftändigen Soldes an dit conföderitt gewefenen

Króntruppen ,

und

aufmehrere vom Spahtribunal decrétirte Gelder Anſprüche gemacht. Die aus recytinäßigen Grüne den verweigerte Abzahlung derſelben ,

iſt fetnethin

) Konfed . gener. de a 1764 tit. Clo , gener. Lengrich Jug Publ, R. Pol. Lib. IV ,Cap .VIH . S. 14. & Jus publ, Prugst Pol . $. 98.

Sechſter ! Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

827

mit wiederßolteu . Drohungen verlangeworden , und man þat ſige fr tlegt tein Bedenten gemacht, dies felbe mit gewalttpåtiger wollen . Währeno

Execution

expreffen

sont

ja

folder sich bervorthuenden Landesa

Differenzen , fam es auch abermals über die Streit puntte mit dem Ruffifden Hofe zur Sprache.

Im

ganzen Reich außerten ſich nunmehr die Wünſche,

T nach dem Beyſpiel der Sachſen ,

opm Aufenthalt

der Ruſſen befreret gitt werden .

Der König von

2719 Polen þatte deshalb den Staroſten Poninsli nad WAT Paris geſsicfet, dar nit der Ejar perfönlich um der Mbzug ſeiner Truppen und die Aufhebung auze Feindſeeligkeiten gegen ſollte ;

Danzig

erſucht werden

allein die dazu flüchtig von ihm

ertheilten

Befehle blieben frugtlos , und das lektere Begeh.

1 rett rurde ſo wenig begünftigt, daß vielmebr in der Provinz Preußen und inſonder ett vor Danzig, guma der Anmarſd

und die läſtige Einquartierung der

Ruſſiſchen Kriegsditer fich zuſebends permehrten . & $ on einige Zeit früßer þatte ſich ein Ruffiſcher Schiffecapitain Franz Villebois in den Danziger Hafen gelegt , und that durch ſeine Pifftation auf Søwediſche oder für Sqwediſche Rechnung ge führte Waaren , Abbruce.

dem Seehandel nicht wenigen

Nachdem aber die Ruffirmen Galeeren

aus dem Medlenburgiſchen ,

mit ungefåþr neur .

1 tauſend Mann Fußvolk beſegt , bey Danzig einge. laufen waren , ſo magte der Generalteutenant Fårft Dolhoruki als Bevollmächtigter ſeines Hos frs ,

mun die eigentlichen

Anträge bekannt, mit 24

328

. 099

Dánjigs Gefchichte

was für Påftationen die Stadt ben Wilen Sra July.

Efariſchen

Majeſtät

befolgen

follte .

Erſtens

wurden fünf Fregatten von aditgehn bis zmodif Ram nonen , auf der Stadt Unfoften völlig armirt, due Afiften ; wider: Schweden

verlanget ;" :zweytens

follten die Matrofen ſowol als Soldaten zur Syaifo . oder auf ein Dritter , eigene Leute der Stadt, der Abrige Theil abry ſo wie auch ſämtliche Oberoffie " ciers , Ruffilder Nation ſenw , doch alſo daßidie Fregatten Königlich Polniſchen Nahmen und flage gen zu führen Båtren : brittens houtden für alle Sr. Cfariſchen Majeſtát zeitger dan der Stadt ju gefügte Beleidigungen

sooooo Species Reiches

thater als Deprecationsgelder gefordert; und vier : tens ſollte die rabt ſich verpflichten

zur Viſitar

tion aller ankommenden und abgebenden Soiffe, einen Rumſchen Commiſſair tuit etmigen Soldaten bey der Weidfelmünde aufzunehmen.

Ob gleich

4 -man nun zu Danzig mit dieſen fehon im vorigen Jahre ganz ähnlich gemachten Pråtenſionen nicht Sunbekannt war ;

po befremdete doch die Garte Ero

neuerung der ſelben um deſto mehr ;- da man de Fichre Hoffnung genåþrt Batte , durch den Einfluß, des Poiniſchen Hofes , Mitwůrkung mehrerer Hehmen

Zumurþungen

nadit

einer favorablen

Potenzen

aller unange.

überwoben

zu

werden .

Wenn aber auch (laut einigen Berichten zu fshlte. Ben , ) der Großcjar zu billigern Bedingungen will. fårig geweſen , fo Hatten poch Feine Generale und Maibhaber, der

Feldmarſchall

Scheremetof,

der Fürft Dolhorufi, Fürft Repnin und der Geo

Sechfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel. 319 329 ..

neral Weider den Vorfaß gefaßt,

vor Ankunft

&

ihres Herrn , der Stadt einen für Rufland por. theilhaften Vergleich abzujningen , worauf fick denn auch alle Erpreſſungsmittel gründeten , welche unter dem Namen Egariſder Befehle , kurz nack einander zur Vollziehung gebracht wurden . In Die Termine zur Erklärung waren der Stadt anfangs nur auf wenige Stunden derſtattet wors den

und obgleid die Frift derfelben

nachher;

durch die ehrerbietigen Negociationen der Depui ) mit dem Fürſten Dolhoruki

tirten des Rathg

verlängert, auch die gefoderte Summe Geldes auf gooooo Thaler herunter gelegt wurde, ſo ſollten

1

dodʻim Fal fernerer Renitenz , die gårreſten Dro Auguft. þungen gegen die Staột zum Ausbruche kommen . Der Feldmarſbad ließ zu dem Ende nocy für acht. jehn tauſend Mann Quartiere in den Stadtlåndes teyen anfagen , und es wurden undergoine Anftal ten zu Plünderungen und offenſiven Gewalttháo tigkeiten gemacht.

Danzig hatte gleich anfang?

tich : fidh an den König und die vornehmſten ma graten in Polen gewande, auch auswärtige Mate ämtlihren fürſprechenden Beyſtand erſuchet , und an den Czar felbſt einen Secretair abgeſchicket ; ,um mindeſtens eine ſchonende Milderung ſeiner Befehle fü

effectuiren .

Aber alle dieſe Maasregeln verán ,

9.. ) Die Herren des Raths Job, Seine. Schmidt und Sal.

7

Gabr. Schumann haben dieſes unterhandlungsgeſchäftins Reine gebracht, und bis zur Ankunft des Ojars , durch den 1 : 1 abgeſchloffenen Bergleich mit dem fürften Dolboruti beendigt,

***

Danzigs

330

Geſchichte. " Fortſchritteit , welche die

berten gar wenig in den

Ruffiſche Generalitat mit

den

militairiſchen Ber Die Einfaſſen

drudungen hieſelbſt machte.

der

Danziger Dorfſchaften wurden aufs dußerſte mitges kommen ; durch immer nåber anrückenbe. Trupper wurde die Stadt ſchon zu Waſſer und zu Lande eingeſchloſſen ,

und weil Dolhorufi auf die aus

Danzig offerirte Geldſumme von i 50000 Tþafern in letner Art achten wollte ,

ſo follte gar alle Bea

bentzeit abgeſchnitten , und mit der Epecution zum Anfang gemacht werden .

Ruin der Stadt , der

Darauf aber thaten die männlichen Vorſtellungen des Boywoden von Culm Rybinski, der ſich im Namen

ſeines Königs und der Republik Polen

gemeldet,

auch ſehr ernſtitch mit einer öffentlichen

Proteftation gedrobet hatte , die Ruſſiſde Genečalitåt.

einige Würtung auf Der Fürft Dolhoruki

Iteß eine nochmalige Dilation ſtatt finden , und Sept.

weit Czar Peter fick eben ſchon am Berliner Hofe befand , fo wurde init Ausftahme der Geldpråtex flon , das Project der übrigen Anforderungen an die Stadt Danzig , nach Berlin geldidet , um die Genehmigung des Czars in Geſtalt eines Ultje matums darauf fu erhalten .

Die Negociation

gewann hienáchſt ihren weiteren Sortgang, und als von Seiten

der

Stadt die dbrigen Punkte

ſchon aus Motiven der "Nothwendigkeit bewilliget waren , ſo gab der Färſt zuleßt nach , es bey der gebotenen Sumnie von

150000 Thalern bewers

den zu laſſen , wovon der Czar aber , nach feiner * Sento kurz darauf erfolgten Ankunft in Danzig ,

node

Sechſter Abſchnitt.

+

Erſtes Kapſtel.

331

10000 Chalet þerunter geſchlagen , und der Stadt damit feine Gnade zu bezeigen erklärt hat. Der abgefoloſſene Vergleich in dieſem Gent fchäfte enthielt eilf unterſchiedene Punkte , ( welche in meprereu diplomatiſchen brucft find : 1)

Sammlungen abger

1 ) Verſprach Danzig, allen Hand .

lungsverkehr mit Sweden bis zu Ausgang des Krieges , zu unterlaßen und zu verbieten ; auch zu deſſen näherer Waþrnehmung , gleichwie für Sr. Ezariſchen Majeſtåt Jatereffe, einen Ruffifayet

1

Ugenten oder Commiſſair in derStadt aufzunehmen . 2 ) Berpflichtete fiche die Stadt, drey ſchon von ihr erbauete Fregatten

auf thre Unkoſten

wider die

Feinde Sr. Egariſchen Majeſtåt auszurüften , doch mit vorbehaltener Genehmigung des Königs von Polen , unter deſſen Commiſſion fie ſtehen and defu fen

Flaggen

ſie führen follten .

3)

Die Hälfte

der Capermannſchaft ſollte Ruffiſcher Nation ſeyn, wenn Se. Königl. Majeftåt von bewilligen und ſie in Eyd, und würde.

Polen

foldzes

Pflicht nehmen

4 ) Danzig erklärte ſich zu einer Summe

von ein undert und vierzig tâufend Species , I am lern ,

jeden zu rechs Tympfe gerechnet,

auf dren

Sermine, innerhalb funfzehn Monatett, an Se CzarifoeMajeſtät zur Wiedererlangung der Snade und für die dagegen jugeſtandenen Bedingungen zu zahlen . ** 5 ) und

Galeeren"

Den Ruſſiſchen Kriegsfregatten ward

die fichre

Einfahrt in der

*) Du Mont Corps diplomatique Tom, VII . part. I. pag. 491. Schmaus Corp. Júr. Gent. Tom. II. ps.gi 1656 Europ. fama Ch. 207. 6 , 187198

Danzigs. Geſchichte... 3

332

Danziger Hafen bemiliget, mit vorbehaltener In demniſation und freundſchaftlid em Betragen gegen 6 ) Der Großcjar verſprach dagegen , nach Abſchluß dieſes Vergleichs ſeine Truppen aus

die Stadt.

den Danziger Lånderenen beraus zu ziehen , und lektere ferner mit aller militairiſchen Beſchwerun gen zu verſchonen . 7 ) . Die Stadtmard von allen und jeden auf alle

Ruſſiſchen Pråtenſioner : porjekt und zukommende

Zeiten befreyet. : à 8 ) . Se

Ezariſche Majeſtåt rollen dieſelbe dieſes Vergleichs und febügen . wegen aufs fråftigſte vertreten 9)

Wie auch das Danziger Commerp in den Nuſſi

fchen Staaten freundſchaftlich befördern : 10 ) und die Stadt mit allen ihren Sereďrigkeiten , Frey . Þeiten und Privilegien in den fünftigen Nordi. fchen Frieden einzuſchließen , inſonderheit quc bey

Der bisherigen Ausübung

fie

der Evangeliſchen

Religion zu erhalten beſtrebt ſeyn.at ) Erhålt dieſer Vergleich in allen feinen Punkten und Claus feln eine feſte und beſiegelte Ratification , welche den 1. September 1717 iſt unterzeichnet worden . Vermoge einer fo. bündigen Ausgleichung der Differenzen mit Rußland dürfte man rol die Forte

»

dauer eines guten Vernehmens zu erwarten gehabt paben .

Allein Danzig mußte in kurzem das Ge.

genthett Davon erfahren , indem der Ruſſiſche Hof nicht nur einige Worte des getroffenen Vergleichs willfährlich auslegte , foadern auch ſeine Truppen

1 wegen ſcheinbarer Reichsgründe und mit Polen ento fponnener Jrrungen ,

nocy Tåuger in den Polui

fchen Staaten zurúc ließ,

Wahrend dieſer Veror

Sechſter: Abfchnitt. Erftes Kapitel.

333

zögerungen kam der Ruffiſche Oberaubiteur Erd- 1718 mann , als an die Stadt Dangig accreditirter April. Agent her , und übergab eine nachdrůdliche Note, daß die erſte Rate der an Se. Cjarife Majeſtát ftipulirten Gelder , pünktlich in harten Joaching, Thalern gejablet und nach Memel übermacht, inn gleichen daß die Ausrüſtung der verſprochenen drey Fregatten als

6

Caperſobiffe ,

ohne Zeitveriuſt be

werkſtelligt werden ſollten . Auf bende Punkte aber konnte ſich die Stadt nicht vergnüglich erklä ren ; fie patte die Herbenſchaffung baarer Species thaler nicht får nöthig gehalten ,

weil der Werth

Derſelben in der Convention ausdrüdlich auf ſechs Eympfe beſtimmt worden , und die Zahlung nicht in Memel , ſondern in Danzig , gegen ausgeſtellte

1

Wedſelbriefe vor fich geben follte.

EX

růſtung der Caperſchiffe erforderte nach den Worm

Il

ten des getroffenen Vergleichs , den Conſens des

b

Königs von Polen ,

14

nåoften Reichstage Unftand gewann , iſo konnte

1.

L

1

Die Aus .

und weil es damit bis zum

Danzig aus eigner Autoritåt nichts weiter Derfügen .

darin :

Am Königlichen Hofe ſelbſt batte fiche

Desgalb eine weitläuftige und controverſe Geſchäfts . führung erhoben .

Der Ruſſiſche Gefandre hatte

bit unverzügliche Einwilligung des Königs begeb. ret , und ſogar gedrobet , daß die Ruffilden Trupo pen widrigenfalls nach Danzig zurück geben , und die Vollziehung des Vergleichs mit Gewalt erfwin . gen würden .

Dagegen hatte der Krongroßlangler

feſte und categoriſce Antworten erthetler : Daß von Könige , in dieſer wichtigen Sache," ohne Benſtine

334

Danzigs Geſchichte.

mung der Stånde 'nichts verfüget werden föttnte ; daß der Vergleich mit Danzig den König zu teiner Geneğinigung deſſelben verbånde ;, und daß der König deu Stånden zwar die Caperſache zur Bes rathſchlagung vortragen , ſie aber feinesweges zum Mit ähnlichen Beytritt darin nöthigen könnte. gen ſuchte der Staroſt Poninski, Gegenvorſtellun als Polaiſcher Geſandter am Rußiſchen Hofe , die Forderung der Caperſopiffezwar ,gånglich aufzubes ben , allein fie blieb noch ferner iden : controverſen Meinungen beyder Höfe gegen einander unter: worfen . Inzwiſchen mußte Danzig für eigne Verant wortung am Ruffifchen . Hofe die Differenz wegen der Geldſorten abmachen .

Die Hofnungen aber ,

fich durch wiederholtes Unſuchen eine gefälligere Erklärung darin zu erbitten , ſchlugen insgeſamt fehl. Die ſtipulirton Gelder Şaben theils in baaren Species , Reichsthaleen , theils auch mit dem Auf geld oder in rogem Silber bezaþlt werden müſſen , und was noch mehr war , ſo ſind die drey verglichenen Raten ſo nahe aufeinander abgefordert worden , daß die in der Convention beftimmten Termine, ju nicht geringer Beſchwerde der Stadt, millführliche Bey dem aller blieb Danzig doce anticipirt find. nicht mit abermaligen militairiſchen Verationen ver, Kuguft. fchonet.

Der Fürft Repnin betam : Ordre , mit ntern wieder ins Danziger Gebies ime fecus Reg

vorzucůden ; er idylug feia Hauptlager zwiſchen Langenau und Prauft auf, und indem die Streitigo teiten wegen der Çaperausrüſtung nach ihren Fort

Sechſter Abſchnitt, gang behielten ,

Erſtes Kapitel.

335

fo mußte man in Danzig tåglide

auf ſeiner guth feyn , und fürchten ,

dieſer Anges

legēnbeit wegen pldßlich gefäþrdet zu werden. Von einem großen Rath den der Konig mit den Senator

!

ren gehalten batte, war dem Ruffiſchen Geſandten zwar nochmals die Erklärung ercheilt worden , daß die Caperſache bis zum Reichstage ausgeſtellt blein ben müßte , und daß man vor Erdfnung deſſelben des Abzugs ' der Ruſſiſchen Kriegøvölker gemårtig wäre ;

alleix der Geſandte hatte ſich in ſeiner dar.

auf gegebenen Antwort nur auf ferniere Befeble und Inſtructionen von ſeinem Hofe bezogen . 35 " Der nådſtfolgende Reichstag zu Grobao war Vehr eigentlich damit beſchäftigt, auf den Ausmarſo Der Ruſſiſchen Kriegsvolfer aus den Polniſchen Staaten zu dringen .

Es wurden dazu neue Miſ

flonen beliebet, vermoge deren dem Kammerjunker Leſjewski, der mit dem Namen eines Emiſſarius no

SL Petersburg geſdict wurde

noch der

Bonman yon Maſuren Chomentowski als Große gefandier mit einer Vollmacht zum Hauptgeſchäfte wasafolgen ſollte .

Leſzewski aber fam während

Dom Nitidstage, ( den man zu limietren beſchloſſen toute ) einem Czariſchen Antworte ſchreiben nach 28.Dechs Warſchau zurück.

Das Verſprechen , die Ruſſia

fchen Truppen beraus zu zießen , wurde darin nur bedingungsweiſe gegeben , wenn Danzig lid Verkehrs mit Schweden- enthalten ,

alles

und die vero

ſprochenen Caper ausgerüſtet in See ſdicken würde. duch der Rufliſche Geſandte mußte in einer öffente ficher Audienz am

Polniſchen Hofe dieſe Erflar

336

Danzigs

tung mündlich

Gefchichte.

beſtätigens

allein

die Polniſchen

Senatoren -noollten ſich auf,keine befriedigende Ant. wort in dieſer Sache einlaſſen ; nur in einer nach etlichen Tagen nochmals mit dem Fürſten Dolho , ruki geba tenen Unterredung wurde demſelben gründlich bedeutet , warum der König die Ausrå . (lung der Caper niąt nachgeben konnte, ſondern

1

dieſe und mehrere den Ruſſiſchen Hof angebende

1 Affairen der Fortſegung des Reichstages vorzube baitea genöthigt wåre.

Soldbergeftale wurde Dam

zig durch die Bedenklichkeiten der Polniſchen Ståg de , der beſowerligen Fregattenausrüſtung entles diget ,

wovon man überhaupt mit Recht beſorgt

þatte , daß ſie durch eine Störung des Danziger Kandels mit den Polniſchen Producten , i der gan : zen Krone Polen gåtte nachtheilig werden müſſen . Eine allgemeine Veränderung im Kriegsſyſtem des nordlichen Europens, wurde nun auch durch den uns vermutheten Tod Carls des Zwölften ( 1 Dcbr .) deranlafiet. Die gefahrdrohende Friedenshands Jung auf der Inſel Utand ward darauf abgebro den ;

die Krone Großbrittannien bewies fich eifrig

auf die Wiederberſtellung des Nordiſchen Friedens beſtrebt; der König von Polen trat init dem Kays ſer und mit dem Könige von Großbrittannien in Bündniß ; Rußlands Uebermacht wurde nach und nach Schranken gefeßt , und die Ruſſiſchen Trup, pen fingen an nach Hauſe, aufzubrechen, ſo daß im folgenden Jahre zu Ende des Februarmonate, das Gebiet der Stadt Danzig ſomol, als die eigentlichen

1

Polniſchen Reichstånder , foon gånzlich davon ge råumet

1

do

*

7

Sechſter Abſchnitt. räumet waren . d ).

Erſtes Kapitel. 337

Nur der Danziger Seehafex

blieb noch trok aller deshalb gemachten Vorſtelluna gen, über Jaþree friſt von Ruffiſcheu " Fregatten bes wachet , und die Königin von Schweden hat ſich zulegt bewogen gefunden ,

friegeriſche Anſtalten

zur völligen Freyheit des Seehandels bieſelbſt vore tegren zu laßen . In ſolcher Art neigte es ſich allmålig zu einem Generalfrieden im Norden , da unterdeſſen im Polo niſchen Reichsförper mehr Aufmerkſamkeit auf die innern Staatsmaterien erwachte , und die ganze Provinz Preußen fowol, als inſonderheit die Stadt Danzig fick auf neue Zumuthungen bereit halten mußten .

Die Hefrige Reistagspredigt des Vila

niſchen Canonicus Zebrowski zu Grodno brachte Den intolećanten Religionseifer gegen die Diſſiden

1.

1

ten in Bewegung, den zwar unglücklicher weiſe fchon der Warſdauer Vergleich vom J. 1716 gea techtfertigt Håtte, den man aber doch nach dem Reichstage 1717 vermittelft einer Königlichen Vera fidetung gemäßigt ju gaben glaubte , fraft welcher jy die zu Warſchau abgefaßten Vergleichsartikel, ident

Reichsconföderationen

und

Königlichen

Wahlvertrågen , in ſo ferne ſelbige den Diffiden y ten dienlich wåren , nicht nachtheilig ſeyn , ſorte w dern die Diſſidènten vielmebr

ben allen darin

, ausgemachten Frenheiten bewahret ,

und gegen

malle Gerichte und Beamte geſchüßt werden ſollten .“ d ) Daß die Ruffiſchen Seriegsodifer Curtand und lieftand bes feßt hielten , ift noch 1720 auf dem fortgefepten Reichstage fu Warſchaut geklagt worden, Geſch , Danz. Zte Th.

330

Danzigs Geſchichte.

allein wider alle aus dieſem Verſprechen vermu . ward auf gedagtem Grodnoer

tħete Schonung, Reichstage,

zum erſten

Benſpiel,

einem Refors

mirten Landboten Piotrowski aus . Wielun die Stimme verfaget ,

und

uneracytet eines barten

daraus entſtandenen Wortwec fels ,

die Activitat

der Diffidenten überbaupt für gebemmt angenom . Es äußerte ſide alſo hiemit der Anfang men . der Diffidentiſden Herabwürdigungen in Polen , welche zwar die Preußen nie als geſeßlich oder ver, bindlich haben anſehen fónnen ,

wovon aber den ,

Rod oft feindſelige und grauſame Ausbrüde,

die

Religionsfrenheit und den Rußeſtand der Provinz Preußen auf die Folge tjåtlich beeinträchrigt babens Der damalige Biſchof von Cujavien Szaniawski berieß ſich faſt am geſchäftigſten , die Redre der Diffidenten zu ſchwachen, und eben er war es auch der namentlich die Stadt Danzig aus Religions. Vorwand verfolgte, und noch immer fortfuhr, einen Streithandel über den andern gegen ſie in Bere gung zu feßen . unterlaßen ,

Dennod þarte die Stadt niche

von Zeit zu Zeit, annehmliche Vor.

fchläge zu wiederholen, die ſie gur friedlichen Aus : rohnung mit dem 1718

Biſchofe für pinlänglich biele.

Zu Anfang dieſes Japres war er wieder in Perſon nach Danzig gekommen , gleichspunkte auffeßen laßen ,

und batte

vier

Vero

mit welchen er alle

Fehde gegen die Stadt aufzuheben erflarte'; dieſel. ben aber lauteten noch so beſchwerlic , und eingreia fend, daß ſämtliche Ordnungen von einer näheren Möterhandlung darüber abgeſchreckt waren .

Die

3

Sed ftér Abſchnitt. Erſtes Kapitel. 339 Reſtitution oder Ceſſion der Oberpfarrkirche zu St. Marien ſtand darin oben an ; es wurde ferner auf eine Erweiterung ,

oder (nach

ſeinem

Ausdruck )

auf die Wiederergånzung der Biſchöflichen Jüris . diction in Danziger Gebiete hingezielet ; gleichera maßen ſollte das von der Stadt abgeſchnittene Bifchofliche Territorium mit einem andern Grund.

und leztlich wurde die Ent.

!

ſtúde erfekt werden ;

1

fchädigung wegen der gehobenen Acciſen aus den

3

Die einſtimmige Geiſtlichen Gründen gefordert. Reſolution der Ordnungen aber , bezog ſich nur auf einen Geldantrag , den man dem

Biſqofe auf

gewiſſe Termine für alle ſeine Prátenſionen zu ben Zwar fáin jeko keine perſo. willigen bereit war. nelle Negociacion darüber zum Stande; dock wollte man den Biſchof nicht ohne einige Befánftto gung abziehen lafen , undmachte işim demnach ein Gelbenk von fünfhundert Ducaten zu ſeiner Reiſe. Einige Monate ſpäter ſchickte er dem Rath zu Dana zig ein Project zu eigentlichen Conventionsartifelut ein , worin die obigen in Danzig vorgelegten Pers gleichspunkte genauer auseinander geſeßt' waren ; allein der Ratý ließ ein eben ſo ausführliches Bee denten über gedachte Artikel abfaſſen , Rechtlichkeit derſelben

worin die

aufs bündigſte widerleget,

und jede unbillige Submiſſion abgelehnt wurde. der Mithin blieben die Zriſtigkeiten der Stadt mit dem

Biſchofe unentſchieden ,

obgleich erſtere zu

iþrer eignen Ruhe noch ferner bemůbet ſeyn muſte,

#

rich dieſen im ganzen Reiche vielgeltenden Prälatek

7

jum Freunde zu machen .

Danzigs Geſchichte.

Zu großer Beſchwerde wurde Danzig in eben dieſen Zeiten , mit fonell auf einander folgenden , und zum Tbeil unerwarteten Geldforderungen gedrånger.

Die

Eractionen

Ruſſiſden

waren

noch nicht überwunden, als ſoon die Zahlungster. mine der Königlichen Ratengelder , der verſpro . genen Contributionen an die Sådniſchen Truppen, und der Halbjährigen Kopfgelder nach einander ein . traten . Hieju tamen die plößlich aufgekündigten Darlehne von der Creditoren der Stadt in den Königlich Preußiſchen Landen ,

welche ſchon oft

mals den Beyſtand ihres Hofes geſucht hatten , und vermoge deſſelben noch ferner fortfuhren , Dan. zig zur mühſamen Auſbringung, großer Geldſum . men zu zwingen ,

womit ſie obne Aufſbub thre

Bezahlung verlangt þaben .

Was aber am meh.

reſten alle Vorſtellungen überſtieg ,

war die vom

Polniſchen Kronſdaß den Danzigern zugemutbete Pråtenfion unterſchiedener alten und der Angabe nach Hinterſtelligen Sculden der Stadt an die Serontruppen ,

deren Abzahlung jego auf einmal

erfolgen , oder im Fall der Weigerung mit Gewalt Bisher waren zwar eingetrieben werden ſollte. einige Punkte derſelben von Zeit zu Zeit in Aare . gung gebracht worden ,

Danzig Harte aud dann

und wann Drohungen einer ſcharfen Undung desa wegen empfangen , aber man war darauf theils mit Bitten ,

theils mit

gegründeten Entſculdio

gungen entgegen gekommen ,

und hatte es am .

wenigſten vermuthen mogen , daß die Krone Polen Diefer noch illiquiden Geldſade wegen ,

G

sige geu

Sechſter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

347

Walteñåtige militäriſche Execution würde ſtatt findex laßen .

Es erweckte demnach eben ſo viel Unwiller

als Søreden , da der Magiſtrat ploglide benach . sicbtigt wurde,

daß zwey

4

Polniſchen Krongarde ins Danziger Werder einges

1

růckt waren , und daſelbſt nach Kriegsgebrauch eine Einquartierung fam der

erpreßt þåtten .

Tages darauf

commanbirende Capitain derſelben mit

Namen Truſtádt in die Stadt , und machte dem Rath bekannt, daß er auf Befehl des Woywodet von Culm ,

und mit Einwilligung des Feldmar.

ſqalls Grafen von Flemming , von ſeinem Ober ſten Rieteſel abgeſaidt wäre , um eine dreyfache

. Geldforderung

an Danzig zu machen , nemlichy wegen der vom 3. 1712 růcftåndigen Acciſen , wegen der Jablonowiſchen Schulden , und wegen der Krasnoſtarſchen Quartåle ,

wie lektere bende

vom Soaptribunal zu Radom waren decretirt wors

1 ben . einer

Er erklärte darauf, categoriſchen

noch deſſelben Tages

und befriedigenden

Antwort

gewärtig zu ſeyn , widrigenfalls nicht nur die zwen

1

mitgebrachte Compagnien , ſondern auch vier andre

1

die bereits auf dem Marſo wåren , und ein ganzes Regiment unter dem Oberſten Rieteſel, das Dar ziger Territorium belegen würden , um eine völlige Genugthuung erfwingen .

mit

1779

Compagnien von der 2.Aprif.

militairiſcher

Erecution

ja

Der Rath ſchickte hierauf einen Gee

cretair an den Capitain Truſtädt,

um ihn mit

Vorſtellungen ſeines unbilligen Verfahrens,

gær

Zurůd ziehung der Kriegsvdlfer zu bewegen ,

und

dieß zugleich wegen des bevorſtehenden Dfterfeſtety

Danzigs

342

Geſchichte .

am eine längere Frift zur Erklärung über dieſeri fo unvermurheten Antrag erſuchen .

Allein der Polo

niſ Den Einquartierung wurde damit fein Einhalt gethan ; vielmehr tamen immer neue Truppen gine zu , und es ging ein Gerücht', daß die Zahl derſela ben úber 3000 Mann anwachſen würde.

Det

Oberite Rieteſel rådte mit dier Compagnien in 4.April, die Dörfer Boſlik ,

Trutenau und Großzündet

ein ", von wannen ſelbige fica ferner in ein Retrans Tchement zu Stůblau zuſammen zogen .

Hieher

pun myrde im Namen des Raths der Secretait Klein abgefertiget, der nochmals Anſuchung thun muſte, daß die genugfam ruinirten Låndereyen von dem Drud der fremden Soldatesfe befreyet wets dra möten.

Der Oberſte redete aber in demſele

ben Ton , worin fich der Capitain ausgedrückt hatte ; bie categoriſche Reſolution der Stadt ſollte unbe dinge mit bgarem Gelde gegeben werden ,

und ein

Capitain Slodnicki , den der Woywod von Culm noo mit ſpeciellen Auftrågen in dieſer Sache herges ſchickt hatte , wollte nicht die fürzeſte Dilation zus Steben ,

ſo bereit und erbörig ſich die Stadt auch

bezeigte , in eine nabere Unterhandlung mit ihm zu treten . Weil dun alle gåtliche Vorſtellungen feble fdlugen , die Landeiriſaffen aber zuſehends größere Drangſale erlitten , and aus den Poftirungs- und Defenſionsanſtalten der Polen ſich abnehmen ließ, daß ſelbige einen feſten Aufenthalt im Gebiete der Stade zu betaupten vorhabens våren ;

fo feste

man ſich aus " abgedrungener Nothwendigkeit in Bereitſchaft, fie mit gewaffneter Hand'au delogirena

7

*

11

3

Sechſter Abſchnitt. Erſtes Kapitel.

343

Der Major Conradi wurde mit einem Corps vox der Stadtgarniſon þinaus detaſciret ,

er führte

ſechs Kanonen und die nöthige Artillerie mit ſich, und 40 Bürgerſchüßen zogen unter ihrem Haupte mann Siegfr. Ernſter als Freywillige aus , um ibu in

ſeiner

Erpedition zu

unterſtüßen.

Er

machte unterweges die erforderlichen Anordnungen , und .309 hierauf gerade nac Stúblau ,

wo er es

mit dem Oberiten Rieteſel aufnehmen wollte . Er ließ an denſelben noch viermal eine friedliche Aufforderung fum Ubzuge wiederholen ; nachdema aber immerfort

nicht nur abrdlågige Antworten

erfolge waren ,

ſondern die Polen and egrenrühs

rige Worte und Schimpfreden gegen die Danziger ſo gab er zu einer

Soldaten gebraucht þatten ,

Begrüßung mit den Kanonen Befebl ,

die nebſt 9. Aprit.

dein erſten Søreden zugleich eine Sinnesånderung des Oberſten nac ſich zog .

Derſelbe ließ unver.

weilt auf eine Capitulation antragen , und gedachte damit fein Standquartier zu behalten : weil aber die Verhaltungsbefehle des Majors fich auf feing Interimsvergleiche erſtreckten ,

ſo beſtand felbiget

fichlefterdings auf den Abmarſch

der Polniſchen

Truppen , und gab nur julekt nac , daß erſt der Sooana folgende Morgen dazu feſtgelegt wurde. gingen demnach die Polen ohne fernern Widers ſtand über die Weichſel zurüc , und zu gleicher Zeit waren die Danziger ins Dorf eingedrungen , deren einige nachfolgten ,

und nade geſ@ ebenen

Abzug die Fåşre diefſeits der Weichſel zurück behiel. ten .

Glüdliche und obne Verluſt wurde mit dieſer

344

Danzigs Geſchichte.

kurzen Kriegsſcene das Werder hier romol als in andern Dörfern , wo die übrigen Kronvdlfer über die Weichſel wegzogen , von fremder Wirthſchaft befreyet , und nur die Polen hatten durch die leichte Kanonade drey Bleſſirte bekommen , woruns ter ein Lieutenant von Pflug befindlich geweſen , der fich viele Schmåhungen gegen die Danziger erlaubt hatte. 1

Danzig war

unterdeſſen nicht fäumig ,

Königlich Polniſchen Hofe ſowol,

am

als vor dem

ganzen dabey intereflirten Publicum , ſich der abge. nöthigten Defenſion balber zu rechtfertigen . Außer ben abgelaßenen Briefen an den König und an

#

einige Polniſche Magnaten , wurde von Seiten der Stadt eine Manifeſtation publiciret , und eine nachber in Drug gegebene Deduction ausgearbei tet , um die ungegründeten Anſprüche des Schak . Tribunals in ein deutliches Licht zu ſeßen .

Man

führte darin Beweisgründe an , daß die Forderun gen der Kronarmee bis aufs 3. 1713 , faon auf dem damaligen Landtage durdo ein freywilliges Gen fchenf von der Stadt , fraft einer Generalquittung getilget worden ;

und daß die feit dem J. 1713

bewilligten Acciſen , gezahlt wären ,

gegen Anweiſungen richtig

Die Jablonowiſchen Schulden w )

Hatte die Stadt nie fär ganz ungültig-gehalten , ſie waren aber in ſo viele Nebenvergleiche verwickelt worden , daß man für eine fichre Abmachung der . felben , nach Zeit und Umſtänden ,

Sorge zu tra .

w ) Der Urſprung derſelben iſt in dieſem Gerdictsbuch unten dem J, 1701 nachiuſeber,

1

Sechſter Abſchnitt. Erſtes Kapitel.

345

Was endlich die Kras . gen ndthig erkannt hatte . Koſtamſchen Quartåle betraf, welche wegen růd . ſtåndiger Beſoldung Krontruppen ,

der conföderirt

geweſenen

zu Krasnoſtaw auf dem daſelbſt

gehaltenen Scaftribunal im J. 1716 waren ber foloſſen worden , ſo hatten zwar nur wenige Preuo fiſche Landesråthe und Dignitarien darin gewillia get , tein öffentlicher Landtag aber die Provinz da. mit einſtimmig gemacht, doch würde ſich Danzig der Entrichtung derſelben nicht entzogen haben , wenn nicht ein gar zu unbillig angeſchlagenes Con- , tingent, und bienáchſt die Ruffiſchen Erpreſſungen Danzig erklärte foldes verhindert gebabt gåtten. Anforde. Polniſchen , den demnace jeko au fich rungen gerecht zu werden geneigt ; nur wollte es ſich auf die Summe von viermal hundert und fünfo tauſend Preußiſchen Gulden , welche nach dem Radomſohen Tribunalsdecret überhaupt begehrt wurden , nicht ſchlechterdings einlaſſen.

Die Streitfache ſchien ſich indeſſen einer gåtli. den Auseinanderſegung nåhern zu wollen , indem

1

der Culmiſche Woywod der Stadt eine långere Dilation antragen ließ : weil dieſelbe aber nachges pends mit zwanzigtaufend Thalern erfauft werden follte, ſo ging man davon ab ,

und entſchloß fick

fieber , es auf die gedrohte Erneuerung der Thåte lichkeiten ankommen zu laßen.

Hieju nun mach

ten die Polen itt kurzem wieder deu anfang ; fie. ſtreiften an mehreren Orten über die Weichſel bet. über, und übten noch fåufigere Erceſſe als ben der erftern Javaſion ,

in den Werderſdén Dorf

» 5

/

346 foaften aus.

Danzigs Geſchichte. Dabey griffen ſie ein Detaſchement

Danziger Soldaten an , welche zur Bededung der Güctländiſchen Fàbre abgeldict waren , nun aber, gerfireuet wurden , und dreygebu Mann theils Todce theils Berwundete bekamen . Man ſabe rich in der Stadt gendth : gt , nocy mehr Mannſchaft beraus . gieģen ju laßen , die vorerſt bey Quadendorf poſtire wurde ;. weil aber die flüchtigen Streifereyen der Polen , durch eine regulaire Abwehr nicht gebemmt werden fonnten , ſo hieß der Magiſtrat nocy 150 in Sold geslommene Freyrtügen ins Werder vero legen , welche den ſtreifenden Par theyen der Feinde beſſer aufpaßten , und fomøl das platre Land etwas ficrer , als auď die unverfebenen Ueberfälle feltea

1

ner machten .

Doch ließ ſich ein Commando der

Danziger Garntſon von þundert und vierzig Mann , Ik Day. in der Scarpau auf eine fchimpfliche Art überrum . pein , indem ein großer Speil von ihnen falafend und unbemert angetroffen wurde , und die übrigen aus Unoorſichtigkeit oder verraeintlicher Sicherheit,

1 nicht einmal die von den Bauern gemeldete Unkunft der Polen hatten glauben wollen .

Sie wurden ſo

pidklich überfallen , daß gleich beym erſten Angrif, neun Mann und ihr Hauptmann von der Lage obne Gegermeộr fielen , wie denn auch außer meh . reren Todten und Bleflirten , worunter noch dren Oberofficiers geweſen ,

etliche Jechszig Mann als

Gefangene nach Thorn geführt wurden , und nur der mirgenommene Capitain Tiedemann auf Ca.

palierparole entlaßen ward, bung zurüc fam.

aber faſt ohne Kleje

Die übrigen Kriegsgefangenen

Sechfter Abſchnitt.

Erſtes Kapitel.

347

Haben erſt im Monat Auguſt ihre Freyheit erhat

1 ten , nachdem ſie råbrend der Gefangenſ aft elend

!

1

und übel behandelt , auc ihrer Gewehre und Monte Ob nun gleich die Polen tirung beraubt geweſen.

1

ben gedachcem Angrif, zweymal oder nach einigen

1 Nachrichten dreymal ſtårker als die Danziger Solo

1

"

daten geweſen , fo war legteren doch ihre Sorglos

1

figkeit nicht zu verzeihen .

1 1

1 1

Es iſt deshalb in der

Folge zu Danzig über ſie Kriegsreçt gebalten, und die ſpuldig befundenen Officiers ſowol, als die Gemeinen ſind zu berdienten Strafen verurtheilt worden . Uebrigens waren nunmeşr diefer Befehdung wegen , ſowol in Danzig Königliche Reſcripte eine gelaufen ,

als - auch den Kronvdlfern Befehle er.

theilt worden , einzuſtellen ,

die Feindſeeligkeiten gegeneinander und allen Zwiſt durch ein gütliches

Uebereinkommen beylegen zu laßen . Die Danzie ger ließen ſich am nächſten biezu bereit finden , und obgleich nach dem lektern Vorfall wieder drey neue Fahnen Polniſcher Cavallerie ins Werder gerůdt waren , denen der Sage nach achtzehn derfelben nachfolgen ſollten , ſo eiklårte ſich die Stadt, dock gegen den Oberſten Rieteſel, igre Mannſchaft bis an die Außenwerke zurück zu beordern , allen Erceſſen ein Ziel ſegen wollte.

wenn er

Derſelbe Verdt

ſpraď darauf, fic in einigen Dörfern mit ſeinen Leuten bis auf weitere Ordre des Woywoden von Culm , ganz ruhig zu verhalten , nur daß die Stadt dagegen die auscommandirten Freyſchůben einzies ben möchte,

Mitlerweile aber traf foon ein aber

348

Danzigs Gerdichten

maliger Königlicher Befeht ein , daß das Danziger Gebiet von den Polniſden Truppen gånglich ge . räumt werden ſollte, und nachdem folches rubig guny. erfolgte, fo famen der Marienburgſche Woywod

und der Kronſ@ akmeiſter nach Danzig , um das Vernehmen der Stadt mit dem Woywooden vor Culm vermitteln zu helfen.

Hiemit hatte es aber

wiederum feinen glüdlichen Fortgang , weil man in Danzig den verlangten Vorſchuß von 40000 Gulden ablehnte ,

worauf das

fundirt werden ſollte.

Vergleichsgeſchäft

Die Ordnungen der Stadt

Haben in der Folge für rathramer befunden ,

fiche

mit den Hauptcreditoren ſelbſt einzulaßen , welche die Anweiſungen auf die geforderten Gelder in Han den gehabt baben ; und an dieſe hat man theils die eingekommenen Accifen und die Krasnoſtawſchen Quartåle bezahlet, theils audy den Bevolmachtige ten der Jablonowiſchen Erben , einen Theil det pråtendirten Gelder entrichtet.

Doce find legtere

damit nicht zufrieden geſtellt worden , fie Jaben die Stadt wegen des Ueberreſts an den Reichstag ause taden laßen , nadi er ein

felſorialurtheil deshalb

erlanget , und im 3. 1724 es endlich erzwungen , daß Danzig noch 150000 Gulden oder beynahe drey vierte Part des geforderten Rüdſtandes fat erlegen müffen,

Sechfter Abfahnitt. Zweytes Kapitel, 349

3 weytes Kapitel.

Im Danziger Hafen wird durch Ruſſiſche Wachtſchiffe die Seehandlung geftdret - wogegen inſonderheit Sdwes den geraltdrohende Maasregeln nimmt'- Danzig hilft darin einen Vergleich ſtiften - Danzigs wieder verſuchte Ausgleichung mit dein Biſchofe von Cujavien wird noch mals verleget - Nordiſche Friedenstractaten - Kayſer Peter der Große laßt den Nyſtadtſchen Frieden freund's ſchaftlich an Danzig bekannt machen - Ungebührliches Betragen eines Engliſchen Seecapitalns - To der Stadt Danzig ein Maßverſtändnis mit dem Großbritanniſchen Hofe zuzteht - Thorn und Danzig kaufen die Zolneues rungen in der Provinz Preußen mit Geld ab - zwiſchen beyden Städten danach it entſtandene Handlungsdifferenz unglückliche Folgen eines Tumults in Thorn – die einige Bewegungen in Europa wegen der Religionsfrey's Proces wegen des Adelichen heit in Polen verurſachen , Outs Schönfeld bey Danzig.

Nad ausgeſtandenen Drangſalen þatte Danzig mit Mühe der militairiſoben Erecution in den tabtländereyen ein Ende gemacht, als wenige Monate ſpåter ſich eine neue Gefahr von der Meeres feite fervor that, und die weſentlidſte Hülføquelle der Stadt, nemlich ihren Seehandel mit furchtba . ren Störungen bedrohte.

Die unbefugte Uufjicho

des Ruſſchen Schifscapitains Villebois im Dan. ziger Hafen und deſſen willführliche Viſitation der Handlungsfciffe patte von Zeit zu Zeit nicht nur die Klagen der Kaufleute verſchiedener Nationen , fondern auch eine große Unzufriedenheit an ausmåre eigen Höfen erwecket,'

und vorzüglich war die

1

Danzigs Geſchichte.: , 350 1719 Krone Schwedea im Frühling , gegen den diesjäh=

rigen Anfang des Seebandels darauf bedacht gemes ſen, zur Sicherheit der Fahrt einige Kriegsſchiffe auf die Danziger Rhede zu ſchicken . Weil aber s kurz vor deren Untunft Villeboi nach St. Peterse burg zurüc geſegelt geweſen , ſo war die Handa ſungsfaþrt den Sommer über þieſelbſt frey geblie . ben , bis fick derſelbe gegen den Herbſt als Ruſſie roher Commandeur mit drey Fahrzeugen im Danzi. ger Hafen wieder einfand , und alle einkommende und ausgehende Swiffe ogne Unterſchied durchſu . Dadurch nun wurde die Königin von Schweden aufs neue bewogen , drey Kriegsfregat

den ließ.

ten auslaufen zu laßen ,

welche ſich des Ruſſiſchen

Commandeurs und ſeiner Schiffe bey Danzig bes

machtigen ſollten .

Dem hieſigen Magiſtrat ward

90. Septr.durch ein Schreiben des Schwediſten Comman . deurs Thomas Rajalin , von dieſem Vorhaben Nadridit gegeben , und die gute Abſicht der Köni. gin von Søweden für das Intereſſe der Danziger Handlung zwar damit verſichert , zugleich aber mit Repreffalien gedroßet ,

woferne die Stadt dem

Ruſiraken Capitain an iğren Ufern Schuß leiſter würde . Dieſer berief ſich dagegen auf die Befehle des Großczars reines Herrn , und verlangte von der Stadt , fraft ihrer Convention mit dem Ruſſte ſchen Hofe , daß ſie ihn wider alle feindlichen An. fälle beſchüßen ſollte, widrigenfalls er ſeine Fahri Jeuge in ihrem Hafen zu verſenten oder zu verbren . hen , und mit ſeinen Leuten zu Lande Rettung zu fucher fich ausließ .

Wåþrend

dieſen

Antragen

1

Sechſter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 357 þaften die Ruſſiſchen Schiffe ſich unter die Feſtung Weichſelmünde gejogen , die Sweden aber gingen Darauf wider Vermut en ofne weiteres Unternega men in See , daber man in Danzig fchon glaubte, von aller Verlegenheit und Beforgnis ihrentwegen befreyet zu feyn .

Allein ſie kamen in furgem mit s. Det betyr

noch einem Kriegsſchiffe zurück. Der Comman . deur erneuerte nun ſchriftlich den vorigen Antrag an die Stadt, verlangte auch allenfalls , gleich den Ruſſen in den Hafen eingelaßen zu werden . beſtand darauf, daß alle Ruitiſche þören ſollte ,

Viſitation auf

und drohte ſonft einen Angrif auf die

Ruſſiſchen Fahrzeuge im Hafen zu machen .

Der

Capitain Villebois hingegen beharrte feji ben dem Borſak feine Ordre zu befolgen ,

er wollte ſich auf

alle fcriftlich und durch einen Secretair gemachte Vorſtellungen des Raths , zu feiner dergnüglichen Antwort für die Frenheit des Seecommerjes erflå . ren ; er hatte ſich auch mit ſeinen Schiffen näher an die Stadt gejogen , und war gleichſam zur Ab» wartung aller Ertremitäten gefaßt. Die Schwer den fanden indeſſen , daß ihre Schiffe die nöthige Liefe niche fatten ,

und weil man ſich Danziger

ſeits unablåßig angelegen ſeyn ließ ,

den Anfang

der Ebåtlickeiten zu vergüten, ſo naþm der Sowe: diſche Commandeur auch dieſesmal die Reſolution, 12. Ostbu anverrichteter Sache ſeinen Rückweg zu nehmen.

Deffen unerarec war die Gefahé nod nicht überſtanden .

Man hatte keine Urſache zu glauben ,

daß Sd)weben ſein Vorhaben ganz aufgeben würde, und es ließ ſich der allgemeinen Sage nad eger bem

352 fürchten ,

Danzigs Seſchichte . daß auch eine Engliſde Eſcabre auf die Dieſe

Danziger Khede geſchickt werden dürfte.

Beſorgnis nahm ju , als Villebois ben wieder er. öfneter Schiffahrt nicht nacließ , den Seehandel ben Danzig zu ſtören.

Schon früße im folgenden 1730 Jahre brachte er zwey aus Schweden fommende Januar . Holländiſche Schiffe hier auf, und ſchonte ferner .

hin keiner Nation ,

unter

dem

Vorwand ,

Schwediſchen Handlung Abbruch zu thun .

der Dan

zig batte mitlerweile einen ſubmiſſen Brief an den Großczar geſchrieben , und in den beweglichſten Ausdrücken um den Rapell des Ruſſiſchen Seecas pitains ſollicitiret; ein anderes Schreiben ward an den Großbritanniſchen Hof, um Nath und Bey. ftand in dieſer ſchwierigen Sade abgelaßen , und långſt ſchon erwartete die Stadt auf ihr inſtåndiges Anſuchen , eine thatige Intercefſion des Königs und der Republik Polen am Ruflichen Hofe. Dies ſelbe ward auch vom Reichstage aus , dem

Polnis

fchen Großbothſchafter daſelbſt aufs fråfrigſte em pfohlen ; ebe derſelbe aber noch die darauf geforderte categoriſche Antwort erhalten hat, vereignete fiche bey Danzig ein neuer Auftritt, womit nad úber. wundenen Schwierigkeiten , der ganzen Commerz. ſperrung ein Ende gemacht wurde. Eben als ſich wieder håufige Klagen über die Hinderniſſe des neueröfneten Handels bey Danzig erhoben ,

famen ' eilf armirte Sohwediſche Schiffe

von verſchiedener Große ,

unter dem Oberbefehl

us. April. des Scout by Nacht Peter Feif auf die hieſige Repede , ſie ſepten einige Mannføaft am Ballaſte Kruge

Sechſter Abſchnitt. Zwcytes Kapitel. 353 truge gegen der Weichſelmünde åber ans Rand, und der Befehlshaber der Armade ließ den Rath gu

1 Danzig benachrichtigen , daß er mit gemeſſener Ors dre gekommen wäre , den Ruſſiſchen Commandeur

! 1

Villebois ,

l

1

es koſte was es wollte,

von hier zu

vertreiben .

Dieſer hatte gleich bey Antunft der

Schweden ,

die Unter por der Münde gehoben,

und war mit ſeinen dren Fahrzeugen die Weichſel hinauf gegangen , wo er am Holm wieder vor Ans

1

ker legte, von der Stadt aber zugleich verlangte, durch

den Baum nåber eingelaßen

zu werden .

06 tool nun ein ſolches Begehren abgeſchlagen , 1

und beſſerer Vorſicht wegen der Baum geſchloſſene wurde , fo ließ ſich doch nicht vermeiden , wie ſehr auch der Rath allen Tbåtlichkeiten bey der Stadt

1

Einhalt zu thun ſudte ,

1.

Schwediſchen Schiffe zum Angrif. der Ruſſen die

daß fieben der kleinſten

Weichſel hinauf liefen , und vorerſt unweit der Biegelſcheune die Anfer warfen .

Der Anfang der

Feindſeeligkeiten auf der Weichſelſchien demnach ben . nabe unvermeidlich zu ſeyn ; die unablåßige Vermit telung aber, welche der Rath durch ſeinen Secretair Jacobſen , benm Schwediſchen Oberbefehlshaber fowol als beym Ruliſchen Commandeur anwenden ließ , und welche von dem eben auf ſeiner Durch

1

teiſe von St. Petersburg bier befindlichen bure fürſtlich Braunſchweig - Lüneburgſeen Reſidentes þúlfreich unterſtüßt wurde, effeétuirte endlich einen Vergleich,

für deſſen Unterzeichnung man noch,

sſo ſpåt es auc in der Nacht geweſen ,

ohne duf

johub geſorgt þar. Vermoge deſſelben verpflichtete Geſch . DANZ. zter Th. 3

V

354

Danzigs Geſchichte.

fich der Schwediſche Schout by Nacht durde einen eigenhåndigen Revers , dem Ruſſiſchen Comman , deur Villebois mit ſeinen drey Kriegsfahrzeugen , Sdınauen Natalia .,

den

Eleonora genannt ,

Pring

Ulerander und

1

einen freyen Abzug aus der

Weid ſel zu verſtatten , ihn auch nach ſeiner 46 -fährt von der Danziger Røede,-innerhalb 48 Stun ben von Schwediſchen Schiffen unbeſchweret,

und

zwiſchen Hier und den Inſeln Dago und Norgen Solches wurde vom unangefochten zu laſſen . Ruſſtſchen Commandeur genehmiget,

und durch

einen Gegenrevers alles was er zu leiſten þatte des sa . April.(prochen : és erfolgte darauf die Abfahrt der Ruf fen zur verabredeten Zeit ,

und zwey Tage ſpäter

gingen die Schwediſchen Schiffe ebenfalls unter Seegel.

Inzwiſden hatte man ſich in Danzig

dergeſtalt in Bereitſchaft geýalten , daß vor geſchloſ fenem Vergleich ,die Garniſon ſchon zu Wal gefor. dert ,

und die Artilleriften beordert geweſen ,

auf

die Ruſſiſchen Schiffe Feuer zu geben , fo ferne fie ſich mit Gewalt des Baums Håtten bemachtigen wollen .

Zeit dieſer Schwediſch , Ruſſiſchen Diffe, renz befand ſich der Biſchof von Cujavien wieder Zur

in Danzig .

Man vernachläßigte es nicht,

fich

deſſen Aſiſtenz in gedachter Angelegenheit zutraus lich zu verſichern ; und gleich wie er ſich mit patrios tiſchem Eifer Dazu willig bezeigte , ſo hatte man von iþm als denominirten

jeßt auch Hoffnung ,

Biſchofe von Krakau ,

in Sachen der Stadt mit

dem Eujaviſchen Capitel , eine gefälligere Erklärung

1

Sechſter Abſchnitt. Zweites Kapitel. 355 zu bekommen .

Er þatte das Jagr zuvor die Stadt

wegen der Oberpfarrkirche an den Reichstag ausa laden , und aller übrigen Forderungen Halber , den Proceß in den Königlichen Aſſeſſorial. und Relas tionsgerichten anſtrengen laſſen ; er war auch nach ſeiner

Ernennung

zum Kralauſchen

Bistgum ,

gegen Ende des Jaþres wieder nach Danig gefom . mén , und hatte dem Rath gedropet , die Ayndung aller Beſchwerden des Cujaviſchen Capitels ſeinem 3 Nachfolger dringend gegen die Stadt zu empfehlen . Nichts deſto weniger erklärte er ſich jeko , dren feia ner bisherigen

Pråtenſionspunkte ,

nemlich die

A Reſtitution der Pfarrkirche zu St. Marien , die Wiederergånzung der

geſchmålerten Jurisdiction

und die Compenſation des vom Biſchofsberge in die Feſtungswerke gezogenen Grundſtückes fallen zu laſſen , wenn dagegen zur Vergeltung der vormals abgeforderten Schottlandiſchen Acciſen , die Summe von 200000 Gulden entrichtet ,

f

und ferner den

Geiſtlichen Gründen ben Danzig die unbeſchränkte Freyheit der Nahrung und des Gewerbes zugeſtans

el

den feyn würde.

Dem Rath wär allerdings daran

gelegen, den Biſchof nicht unverſöhntwieder abrei.

YE

ſen zu laſſen , er war von deſſen Vielvermogenheit bey Hofe überzeugt, und hoffte durch ſeinen Ben . ſtand nicht nur der Ruſſiſchen Störung im Hafen

+

Pen

* entledigt zu werden , ſondern auci fünftig die ſoul. digen Millionen von der Republik Polen zu erhal. ten , den widerrechtlich angelegten Zoll zu Marien. burg und die Preuſſiſchen Reviſionsfamutern auf geboben zu

feben , -und von allen über Dangig

3 2 1

Danzigs Gefchidste.

356

ergangenen polniſden Decreten entbunden zu meso den.

Ulein in den Rathſchlagen der Ordnungen

begegneten einander ſo viele Beſorgniſſe und Eit würfe 'wider die Nahrungs- und Commerzfreygeit der Biſchöflichen Einſaſſen ,

daß es über die Are

und Weiſe, dem Geſuch des Prälaten zu fugen ,

3 zu feinem Schluß kommen konnte.

Er ließ zwar

Bernac die Hälfte feiner Geldforderung fallen , und die Deputirten Rathsherren Abr. Grodded und Albr. Roſenberg gewannen beym Abſchieds. Compliment von ihm foon einige Hoffnung, daß Ser auch den zweyten ,Anſpruchsartikel würde ruhen laſſen :

allein

in

einer bald

Stiftsſige zu Sobkow eingeſ

darauf von ſeinema idten Declaration ,

wurde das Begehren erneuert, daß alle Geiſtlichen Gründe

vor der

Stadt ſchlechterdings von den

Ucciſen befreyet ſeyn ,

und der völligen Gewerbe

und Commerzfreybeit genießen ſollten , wie ſie dies : felbe vor dem Kriege ausgeübt zu haben behaupten ten . Jndem es nun darüber zu feiner Vereini. gung gekommen iſt ,

ſo Hat man ſich fernerþin zu

dem Vorſchlage des Biſchofs Szaniawski beque men müſſen , daß unter Vermittelung des Kron. Großkanzlers , mit ihm , und Biſchofe von Cujavien ,

dem

neu ernannten

dieſer Streitſache wegen

eine Conferenz hat follen gehalten werden . sig aber hat deshalb den

gewöhnlichen

Ausübung ſeiner Gerechtſamen

Dans

Gang in

keinesweges vero

laſſen , und iſt vielmehr bemůbet geweſen , nur die Einwohner der Geiſtlichen Gründe,

nicht als

unbefugte Beſchädiger der Commerjvortheile der

Sechfter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 357

1

Stadt und ihrer bürgerlichen Nahrung einzuſchräns

1

ken , ſondern auch ſolche Verfügungen zu machen , damit eben ſo wenig von den benaqbarten Adelio chen

I 1

Gütern

und

Gründen ,

Nahrungsverkehr Eintrag werden könnte.

dem

Stådeſchen

und Abbruch

gethan

In Polen war zu Anfang dieſes Jaþres , prorogirte Grodnoer Reichstag ,

der 1720

nachdem er noch

acht Wochen zu Warſchau ausgehalten hatte , ges : riſſen worden . Die Mißverſtändniſſe mit dem

Ruſſiſchen Hofe ſowol als mancherley Uneinigkeiten im

Polniſchen Reiche, bekamen jegt einen ſolden

1

Einfluß in die Staatsverſammlungen , daß ſelbige

1

fich gröſtentheils mit fruchtloſem Ausgang zerſclus gen . Viele Provinzialzuſammenfünfte in Preuſſent

3

1

hatten ein åþuliches Schickſal,

und wenn gleich

arßer den Landtagen zuweilen eine dienliche Anord nung von den Stånden gemacht wurde , ſo verlor dieſelbe dode ofters aus Mangel einer öffentlichen Beſtätigung allen ihren Effect.

So hatte man zu

einem nothwendigen Waſſerbau am Weißen Berge, oder bey der Muntauſden Spige ,

einen Beytrag

der Koſten vorſchußweiſe zuſammen gebracht, und Danzig allein hatte zwölftauſend Gulden dazu bewila liget ; nachdem aber das Geld mit weniger Beför derung des Baues war ausgegeben worden , ſo blieb derſelbe liegen ,

ohne daß man von den ver

*1

wandten Unkoſten würflichen Nußen geſpürt gåtte.

1

Gleichermaßen war

dem Königlichen Geſandten

zum Marienburger Landtage ernſtlich das Geſchäft aufgetragen worden , die Preuſſiſchen Städte gegen 3 3

may .

358

Danzigs

Geſchichte.

das Radomſche Schabtribunal und wider alle it den Polniſchen Gerichten abgefaßte Decrete zu ver . thendigen ,

auch ſollte

Danzig inſonderheit des

wider ſie ergangenen Urtheils entbunden , und ihr kein Streit wegen der Activitat auf dem Landtage gemacht werden ; nachdem aber die Landesverſamm . lung noch vor geſchehener Marſchallswahl zernich . tet wurde , ſo fonnten die Aufträge des Königlichen Seſandten nichts für Danzig bewürfen . Inzwi. fchen hatte doch das Nordiſche Friedenswerk allges mach reinen Fortgang bekommen ; es war von der Krone Schweden in den Hauptſachen ſchon mit Churbraunſchweig, Lüneburg und Preuſſen zu Stoc . Holm , wie auch zu Friedrichsburg mit dem Dánie faen Hofe berichtigt worden , und nunmeşr wurde

1721 es mit Rußland zu Nyſtadt in Finnland beendigt. Septbs, Mit Polen war ſeit dem J. 1719 ein geheimer Waffenſtillſtand bis zum völligen Frieden geſchlor fen.

Vermoge veſſelben war mit

Renunciation auf alle Anſprüche, Frieden beſtåtiget, ihrer

und den Polen die Erhaltung

Freyheit verſprochen

Schweden

gegenſeitiger der Oliviſche

worden :

die Krone

erfannte Auguſt den Zweyten als

König von Polens ſelbiger aber ſolce an Stanis , laus Leſzczynski eine Million zahlen , und legtes rem zugleich der Königliche Titel vorbehalten blei. ben .

Doch ſind die eigentlichen Friedensdeclara :

tionen von beyden paciſcirenden Mächten erſt im 3. 1729 erfolget , und die Genehmigung von bey. derfeics Reichsſtånden iſt bernach auf dem Reichs .

I

Sechſter Abſchnitt. Zweytes Kapitel.

359

Tage zu Stockholm 1731 , und zu Warſchau_im I. 1732 ertheilet worden. Danzig wiedererlangte durch den Nyſtådtſchen

1

Frieden die ungeſtörte. Freyheit des Seehandels ; die Ruſſiſchen Pråtenſionen wegen Ausrüſtung der Caperſchiffe wurden gänzlich gehoben , der

Große ,

anjeßt als

und Peter

Ruſſiſcher Kayſer, y )

beehrte die Stadt durch ſeinen Agent und Oberau. diteur Erdmann romol ,

als bey der Durchreiſe

des Kayſerlichen Geſchäftstrågers Oberſten von Kampenhauſen nach Dresden , mit mündlichen und ſchriftlichen Notificationen des geſchloffenen Friedens , worauf inſonderheit das in huldreichen Ausdrúčen abgefaßte Schreiben des Ruſſiſchen Reichs. Kanzlers Grafen Golofkin , mit einer ſehr verbindlichen Antwort von Seiten der Stadt erwie.

1

1

dert wurde.

Dennoch ereignete ſich während dies

fer günſtigen Rütfehr des Friedens ,

ein anfangs

geringſchåriger Vorfall, wodurd aber Danzig am Großbritanniſchen Hofe nicht nur verunglimpfet ward , ſondern auch nach ber fich vieler Weiterun . gen und Mißverſtändniſſe , der beſtehenden Hand.

y ) Bekanntlich nahm Peter der Große ber Gelegenheit des Nyſtábtſchen Friedens deu ayſerlichen Titel an. Die Res publik Polen hat aber erſt auf dem Convocationsreichstage im I. 1764 der Selbſtbeherrſcherin von Rußland rowol als dem regierenden Herrn in Preuſſen , den Stayſerlichen und den Königlichen Titel zugeſtanden , und zwar gegen ausges fertigte Revetfalien von beyderſeits stronen , nie einige Anſprüche auf die Provinzen zu machen , welche unter demi Namen Reuſſen und Preuſſen fich mit Polen in Verknüp, fung befanden .

Danzigs Geſchichte.

360

lungsconvention Halber zu entſchlagen iſt gendthto get worden .

Von einer damals in der Oftfoc

befindliche gevoefenen Engliſchen Kriegsflotte unter dem Admiral Norris , war ein Großbrittanniſcher Seecapitain Nahmens Harris , mit einem Bom. bardierſchiffe auf die hieſige Rhede gekommen , er war bey ſeinem Beſuch in der Stadt , Holländiſchen

Schiffscapitain

Nebel

mit einem genannt,

eines angeblichen Affronts ħalber in Streit gera then ,

und hatte mit åußerſter Violenz nicht nur

gewaltſame Selbſtrache auszuüben geſucht,

ſon :

dern auc alle Jurisdiction der Danziger Obrigkeit derſchmåþet, und ſelbſt ihre Amtsdiener ungebühr. lich behandelt , weshalb man , um ihn von mehres ren Gewaltthätigkeiten abzuſchrecken , einige Droh. worte von einem Arreſt hatte fallen laſſen. Wegen dieſer für verſehrlich angeſehenen Heuſſerungen aber, ſo wie mit andern ſcheinbaren Verrşeydigungsgrün . ben hatte Harris den Engliſchen Reſidenten Jac. Jeffryes in Danzig dergeſtalt für fich eingenoms men , daß derſelbe dieſes Vorfalls wegen den gan . jen Kath mit harten Zumuthungen antrat. Er

# übergab

ein rachdrohendes

Schreiben

in

dieſer

Sache vom Admiral Norris , ſchlug auch die desa wegen veranſtaltete Unterregung mit einem Stadt. Secretair ab, und beſtand darauf, daß ein Rache . þerr zur Conferenz mit ihm deputirt werden muſte. Gegen denſelben erklärte er eine Vollmacht von ſeinem Hofe erhalten zu Haben ", mit welcher die Befehle an den Engliſchen Xdmiral übereinſtimm . ten ; drung zufolge derſelben auf eineSatisfaction ,

119

Sechſtter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 361 bie inſonderheit auf eine ganz uneingeſchrånfte Cont. merzfreyheit dèr Engländer- in

Danzig þingielte :

någſtdem aber ſollten zwen Perſonen nach Eng land geſchickt werden ,

um die Beleidigung der

Großbrittanniſchen Flagge ſomol,

als das bisbes

rige Betragen der Stadt gegen die Engliſchen Kauf leute, ben Hofe abbittend zu entſchuldigen.

Da

indeſſen der Magiſtrat zu Danzig fich weder ir dem Verfahren gegen den Capitain Harris einer

1 Beleidigung bewußt war, 'noch auch die Conven bition mit der Krone Großbrittannien verlegt hatte ; To wurden eines theils die vom Reſidenten neu vore gelegten Handlungsartikel noch übergangen , man war aber deſto ei fertiger bemühet ,

durch ſubmiſſe

Schreiben an den Großbrittanniſchen Hof, und vermittelft erbetener Aſſiſtenz beym Könige von Polen , in der Mißhelligkeit mit dem Engliſchen Seecapitain , alle nagtheilige Auslegungen und und fiche ,

1.

Vorwürfe von ider Stadt abzukehren ,

110

vielmehr über die unerlaubte Aufführung des Capi tains zu beklagen, ? ) Am Großbrittanniſchen Hofe wurden die Entſquldigungen Danzigs nicht gang

) Weber auf das Schiff noch auf die Perſon des Capitain Sarris war man ſo wenig Arreft zu legen Sinnes geweſen , dafi man ihm vielmehr mit Lootſen und anf andre Weiſe bülfreiche Hand zur Abreiſe zu leiften geſucht hatte. Nachs dem er aber aus vorgeſchüßter Furcht für Ruſſiſche Schiffe zurück blieb , fo ließ der Natl ihm einen ſichern Ort in der Weichfel neben der Sommerſchanze für fein Schiff anweis fen. Er hingegen verließ dieſen Ort , und legte ſich auf der Weichſelſpiķe unter den Kanonen der Stadt : er hak ferner vom Rath die Auslieferung aller in Danzig befinde

35 }

362

Danzigs Geſchichte .

ungültig befunden ; der Königlich Polniſche Envoye in London , Hofrath Le Coq unterſtúßte dieſelben noch meør , und ihm wurde vom geheimen Staats. Secretair Lord Townshend erflåret, daß der Ko. nig ſein Herr aus Achtung für Se. Majeſtät von Polen , von allen

Satisfactionsforderungen an

Danzig abgehen , deſto weniger aber daran zwei feln wollte , daß man hier eine der Großbrittanni ſeben Nation vortheilhaftere und billigere Erneue. rung des Commerzientractats eingeben würde. , Dieſes Geſchäft wurde alſo dem Reſidanten Jefs fryes . aufgetragen ; die Ordnungen in

Danzig

fåumten auch nicht, die Conferenzen mit ihm durch Depuțirte des Racks zu eröffnen ,

er aber legte

darauf sinen Tractat mit neuen artikeln vor , deren einige der vorigen Convention gang pråjudicirlich waren .

Der

Magiſtrat ließ

gedachten Tractat

pünktlich beantworten , zeigte wie wenig er mit den Rechten der Stadt und mit den åltern Vertrågen beſtehn könnte ,

und bemühte ſich mit Hülfe des

Königs von Polen , daß alle dieſe Erläuterungen und Anmerkungen über die neuen Handlungsvore lichen Großbrittanniſchen Natrofert, wie auch die Freyheit perlanget , mit ſeinem Schiff zur Heberwinterung innerhalb dem Saum anzulegen , ohne nad Fefungsrecht ſeine Stücke und Ammunition unterdeſſen in die Pulverwagge abliefert fu wollen . Er wurde in dieſen Forderungen vom Engliſchen Reſidenten nicht wenig unterſtüket ;, indem aber noch in Worten darüber controvertirt wurde , ſo bekam Sarris ju Anfang des Octobers Den Befehl des Admiral Dorris , von bier abzuſeegeln , und mit der großen Flotte nach Englaub jurůd ju kehren. 1 1

?

Sechſter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 363 fchlåge , am Großbrittanniſchen Hofe zur nähern geprüft

wurden.

Darauf ließen Se, Großbrittanniſche

Information

gelangten

und

Majeſtát

nebſt einem gnädigen Schreiben an den Rath zu , Danzig , zwar nod fieben Punkte vorlegen , die der beſſern Commerzfreyheit der Engliſchen Kaufe leute pieſelbſt entſprechen ſollten , und zu deren Abs machung der Reſident Jeffryes nochmals bevoll. mächtigt wurde: nachdem derſelbe aber bald darauf aus Danzig iſt abgerufen worden ,

ſo þat diefes - 1724

Geſchåft mit ißm weiter feinen Fortgang gewon . Måts. nen , und der ehemalige Commerztractat vom

J.

1706 iſt ohne Veränderung ſtehen geblieben . Im

Lande waren die Großen Stádte noch un.

ermüdet beſchäftigt, der Provinz Zölle ,, und

fid , aller vom - Kronſchaß in

Preuſſen

widerrechtlich

inſonderheit

angelegten

der Reviſionstammer,

l

melche des Zollweſens balber zu Marienburg errich .

28

tet war , zu entſchlagen .

E

fblüffig geworden, für die Befrenung vom For:

30

gahlen , und Danzig fahe fich nach vielea mündlich

Thorn war ſchon früher

daner Zoll eine Summe von 8000 Ducaten zu

und fchriftlich mit dem Kronſchazmeiſter gepfloge. nen Unterhandlungen ,

ebenfalls genótáigt ,

die

Abſtellung der Marienburgſchen Reviſionsfammer endlich mit baarem Gelde zu erkaufen .

Es wur.

den dafür 6000 Ducaten auf zwen Termine bewil. ligt , -und der Kronſoakmeiſter Staroſt Przebens dowski ließ nun ein

1723

Univerſal ausgehen , traſt 14 Junge

deſſen alle zum Zollweſen angeſtellte Scakbeam. ten nach Polen zurück gezogen wurden ,

und den

364

Danzigs Geſchichte.

Befehl bekamen , in der Provinz Preuſſen weder zu Waſſer noch zu Lande , einige Zolforderungen Der oder Reviſionen weiter zu unternehmen . Kronſchafmeiſter verpflichtete ſich zugleich ein Rd niglices Caſatorium auszuwürfen ,

daß fünftige

jin die Provinz Preuſſen , weder mit einem Zoll, noch irgend einer Reviſion , fo viel den Kidniglichen Antheil an den Zollen betraf, belegt werden ſollte ; und zu gleichem Zweck beſtimmte man für den näche ften Preuſſiſchen General . Landtag ein nachdrückli« des Laudum , das Land zu ewigen Zeiten von aller : Zolreviſion , unter welchem Titel dieſelbe auch eina geführt werden könnte, befreyet , ju Şalten. a ) 11) Die Danziger Seite verſprochene Zahlung des Zweyten Derning von 3000 Ducaten iſt in der Folge noch vielen " 3 Verzögerungen unterworfen geblieben. Allererſt im J. 1730 iſt auf dem beſtandenen Landtage ju Grauden35 der Landess ( chluß voin J. 1713 fur Entledigung der Provinz Preuſſent von den Fordanſchen und allen übrigen Zillen and Zollobs Pervatorien , erneuert und beſtåtiget worden. In demſelberg Jahre hat Dangig obgedachte 3000 Ducaten abzahlen ſols len . Weil aber eines theils das Stönigliche Caſſationsdia plom nicht erfolgt ift, hienächſt auch nach Ableben des Stronſchaşmeiſters Przebendowski ein zwiefacher Anſpruch darauf von deſſen Erken , und von dem neuen Stronſchaks meifter gemacht worden , ſo hat erſt eine Familienausgleis chung dieſer Different wegen abgewartet werden müffen, Dieſelbe ift nach vielen der Stadt beſchwerlich geneſenett Rechtshandeln, im J. 1732 zu Stande gekommen . Zugleich iſt das stönigliche Caſſationsdiplom zur Abſchaffung aller zile und Reviſionskammera im Lande Preufſen neu ausges fertiget worden ; Danzig aber hat ſich dafür genöthigt ges ſehen , nicht nur die ftipulirten 3000 Ducaten zu zahlen , ſondern auch außerdem vermöge einer neu ertheilten Zus jage, und an unterſchiedenen Gratificationsgeldern , noch die Summe gen 2200 Ducaten 34 entrichten.

3

du

Ed

ol st DN

EX

Sechſter Abſchnitt, Zweytes Kapitel. 365 Inzwiſchen war aus dieſen Zollneuerungen ſeit einiger Zeit eine Differenz mit der Stadt Thorn entſtanden , die nicht ſo fort þat ausgeglichen wers den können . Thorn nemlich hatte fich zu einiger Entſchädigung der entrichteten Abgaben , und inſon derheit für die Zollfreyheit gezahlten Summen , feie dem J. 1720 erlaubet , die Danziger Kaufmannss waaren eigenmächtig mit einer neuen

Anlage zu

beſchweren . Die geſuchte Aufhebung

derſelben

war weder durcı Anhalten der. Danziger Kaufleute , noch vermoge einer Correſpondenz zwiſchen den Re gierungen beyder Stådte bewürtt worden. Unter immerwährenden Klagen der Danziger Kaufmany. ſchaft ward alfo nad dreyjähriger fruchtloſen Bea mühung rich gútlich darin zu einigen ,

der Soluß

in Danzig gefaſſet, das Thorner Commerz und alle von dort ankommenden Waaren mit einer verhålt. nismäßigen Kepreſſalienanlage zu belegen .

Weil 26. Jung,

nun hiemit den Thorner Commerzdortheilen ein > betråợtlicher Abbruch geſchahe, womit der Gewinn, ben ihre Stadt aus der neuen Anlage zog , in kein Gleichgewicht fam ; ſo liefen von Zeit zu Zeit die inſtàndigſten Zuſchriften des Thorner Magiſtrats, und zum Theil von Bürgern und Kaufleuten da. felbit klägliche Vorſtellungen in Danzig ein ,

daß

dieſe iþrem Handel äußerſt nachtheilige Anlage hier abgeſtellt werden möchte.

Die Thorner bequem .

ten ſich zugleich zu einigem Nachlaß in der Reviſion der Danziger Waaren , und

in der Abforderung

ihrer neuen Anlage , und da ſie zu einer noch gefål ligern Ausgleichung Hoffnung gaben , ſo wurde in

1

Danzigs Geſchichte.

366

Danzig beſchloſſen , die hieſige neue Unlage ( welde in drey Monaten ſchon über 13000 Gulden eingee 6. Ostbr. tragen batce) auf vier Wochen gånzlich zu ſuſpen. diren .

Es ließ ſich auch an ,

als ob

die Handó

lungszwiſtigkeiten beyder Stådte in turzem gang abgethan werden würden ; indem aber die Danziget Kaufleute ihren Vortheilen noch weiter nach gingen , und zugleich die älteren Abgaben , womit ihr Han . del in Thorn feit dem J. 1680 unter dem Namen der Rathscontributionen und Kaufmannsanlageni nach und nach war beſchwert worden ,

abgeſchaft

wiſſen wollten ; fo blieb der controverſe Briefwech . fel darüber zwiſchen benden Städten noch långer im Sange , und das Danziger Commerziencollegium bemühte ſich mit den

bảndigſten Vorſtellungen, 1

eine vollkommene Freyheit des Handels auf Thorn zu erhalten.

Dergeſtalt

Monate verlaufen ,

find

noch volle zwodif

bevor ſich die ( Thorner dem

Sinn der hieſigen Kaufleute gemås erktårt þaben , daß alle ſowol zum Verkauf dorthin abgeführte als auch durchgehende Danziger Baaren ,

von aller

alten uud neuen Anlage gånzlich befreyet ſeyn ſoll. ten .

Nach ſolcher Declaration aber iſt das gute

Verneğmen völlig wieder hergeſtellet , Thorner

Kaufmannſchaft zugleich

und der

ein

Ueberreſt

fequeſtrirt geweſener Gelder in Danzig ,

von der

erhobenen Repreſſalien Anlage , zum Vollen aus. geliefert worden .

1724

Die unglüdliche Situation ,

in

welche

die

Stadt Thorn um dieſe Zeit durch einen Volfstu . mult am Jeſuiter - Collegium war gefekt worden,

Sechſter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 367 frug nicht wenig dazu ben ,

daß shorn zur Schoe

nung der nachbarlichen Eintracht,

und Danzig

aus Gefälligkeit und Initteidiger Theilnahme, die Ausgleichung einander zu erleichtern und alle Schå

5

den und Hinderniſſe des wechſelſeitigen Cominerz.

EL

ftund ohne das in Gefabr ,

verkehts aufzuheben bereitwillig geweſen.

Danzig

durch Nebenumſtånde

in den Racheifer der Polen , der gegen den Magi! ftrat und die proteſtantiſche Bürgerſchaft zu Thorn aushrath ,

verwickelt

zu

Bekanntlich

werden .

ward wegen der Zerſtörung des dortigen Jeſuiter, Collegiums und aller dabey vorgefallenen Ercefſen , eine Polniſche Commiffion ausgelegt ,

welche mit

äußerſter Strenge und liebloſer Partheylichkeit geo Sept. dachte Cumultſache unterſucht hat. b ) Thorn zwar appellicte davon an das Königliche Affefſorialgericht, wo aber ferner zum Schrecken für die Evangeliſche Kirche ,

21

I.

e

14

1

und zum Erſtaunen

von

ganz Europa,

unter mancherlen Jlegalitåten ein entſeßlich Gartes

b ) Die Urſachen und Folgen des Chorner Tumulto find ju notoriſch , als daß ſie hier einer umſtändlichen Wiederholung bedürften . Vorgängig erweckte Animofitaten gegen einige Ragiftratsperſonen und Evangeliſche Bürger in Chorn , ließen die Jeſuiten dieſe Gelegenheit zur Nache begierig ers greifen. Das rechtliche Verfahren der Obrigkeitmit zweyen Jeſuiterſtudenten , als Aufwieglern zur Schlageren in den Straßen , wurde wie ein Vergehen betrachtet, womit man den Schuß der Römiſchcatholiſchen Religion berſagt und beeinträchtigt håtte. Die gewaltthätige Selbftrache der Studenten an einem unſchuldigen Proteftantiſchen Gymnas fiaften , wurde von den Jeſuitiſchen Profeſſoren argliftig befchönigt. Dieſe verſchmålten die treuherzigen Warnuns gen und das unſuchen des Stabtpräſidenten , um die Bes

i

Danzigs

368

Geſchichte .

16. Novr.Urtheit gefälte und verlautbaret wurbe.

Zur Vera

größerung des Ungfůfe , beſtand wider' alles Vera

!

mutben , der zu derſelben Zeit gehaltene Reichstag zu Warſ@ au , auf welchem die unverzügliche Vol. ziehung des in der Thorner Sache gefällten Urtheile durch eine Reichsconftitution bekräftiget , die daju abzufertigenden Truppen der Beſorgung des Krone feldherrn empfolen , und zugleich die Verfügung gemacht wurde , daß im Fal Danzig node fort. führe , den Jablonowskiſchen Erben die oft erwähnte Geldzahlung zu verweigern , die Polniſche Straferecution que

Mannſchaft nach vollzogener

Thorn , ins Danziger Werder einrúden , und ges dachte Sąulden der Stadt mit Gewalt eintreiben follte.

Durch dieſe zur

Zeit einer böchft unfrieda

fichen Spannung mit dem Polniſchen Adel erhobene Drohungen ,

Bat Danzig fich eben genotýigt gefer

ben , den Finalvergleich mit der Jablonowskiſchen Familie,

1

frenung jenes fchuldloſen Jünglings . Sie achteten nicht ber deshalb entſtandenen Gährung unter der Evangeliſchen Bürgerſchaft, und veranlaßten zuleşt felbft die Ausbrüche eines erhigten Volke , das in der Wuth feine mäßigung weiter zu beobachten ſich im Stande befand. Nun wurde es dem Magiftrat zur Schuld angerechnet , weder geitigen noch kräftigen Bepftand geleiſtet zu haben , den doch die Tchnode Hegegnung aus dem Collegium gröftentheils unthuns lich gemacht hatte. Man darf nur den Anfang und Forts gang des ganzen Tumulto mit kaltem und unpartheniſchen Sinn lerent , fo låft fich aus allen Umſtänden wahrnehmen , daß eine ſchleichende Abſicht , Händel und Rache an den Evangeliſchen Glaubendgenoſſen zu ſuchen , vorzüglich ist Verfahren der Römiſchcatholiſchen Cleriſey mitgeputte

EX

Sechſter Abfchnitt. Zweves Kapitel. 369 Familie, zur Entrichtung der Summe von fundert und funfzigtauſend Gulden zu foließen . born wurden mitlerweile die abgeſproches

11. In

nen Bluturtheile rowot, als alle übrige decrecirte Strafen , mit weniger Milderung und Ausnahme

X

Eine Commiſſion von für Vollziegung gebracht. achtzehn Perſonen aus dem Polniſchen ſowol als

1

herunter gekommen ; einige Regimenter Polniſcher Srupppen rückten nebſt derſelben heran , und in

=

+

Polniſch Preuſſiſchen Adel war von neuem daju

den Vorſtådten wurden allenthalben die Wagen damit verſtårket..c )

Ungefehr vierzehn Tage vor

Erdffnung des Gerichts , ließ man dem Burggra fen , dem Pråfidenten ,

dem Vicepräſidenten und

dem Rathsherrn Zimmermann Hausarreſt anfün : bigen , und ſechs Tage ſpäter wurden fünf und gwanzig condemnirte Bürger in engere Verwah. cùng gebracht; die Todesſtrafen aber find hernach in ſolcher Eile vollzogen worden ,

daß die Verur.

theilten , von der Bekanntmachung iører Todesurs theile bis zur Erecution derfelben , nur zwen Tage Am frühen Morgen ging 7. Decbr.

åbrig behalten haben .

die Enthauptung des prafidirenden Bürgermeiſters Joh . Gottfr. Roller in aller Stille auf dem Plaß inner alb dem Rathhauſe vor fich , und einige Stunden ſpåter wurden neun Bürger öffentlich , quf einem vor dem Rathbauſe errichteten Gerüſte, unter vielen Martern gekopfer, einige Körper der. felben verſtümmelt ,

und vier davon nadi her am

c ) Die Städte Thorn und Elbing hatten ſchon ſeit dem 1. 1717 Polniſche Beſaßungen bey ſich einnehmen múffen . Geſch . Danz. zter Th . Aa

870

Danzigs

Geſchichte.

Galgen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Burgermeiſter und

Vicepräſident

Zernecke wurde zwar

Jac.

Der

Heinr.

auf vielfältige Fürbitten ,

und eine dem Könige nachher überlaſſene Erfennt. nis begnadigt , aber ſeine Familie ſowol als einige andere ſtraffållig befundene und begüterte Bürger, þat es große Summen Geldes gekoſtet , W

fich von

den decretirten Lebensſtraſen zu befreyen . Uudi mehrere Bürger und Einfaſſen wurden mit bürger.

lichen Strafen , beleget.

und großentheils mit Geldbußen

Ueber zwey Lutheriſche Prediger war ein

Uchtsdecret ausgeſprochen worden , fie Baben aber nachgehende Königliche Soukbriefe erhalten , und ihre Hemter in der Stadt wieder antreten können. Hienächſt nahmen die Bernhardiner Mönche laut dem Inhalt des Decrets ,

die Marienkirche nebit

dem dazu gehörigen Gymnaſium , mit einer feyerlte den Einweyßungsceremonie in

Beſik ;

die jeſt

im Rath und Gericht wurden , weil fünftig alle drey Ordnungscollegien der Stadt erledigten Stellen

zur Hälfte aus Catholifen beſtehen ſollten ,

mit

Römiſchcatholiſchen Glaubensverwandten befeket ; und außer allem übrigen Aufwand ,

ſo der Stadt

Thorn durch dieſe Trauerſcenen zur Laſt gefallen , muſten den Jeſuiten zweyundzwanzigtauſend Gulo den , als Indemniſationsgelder entrichtet werden . Es iſt unleugbar,

daß dieſes rachvolle,

und

zum Theil über ganz unſculdige Proteſtanten er gangene Blutbad , eine außerordentliche Senſation in Europa erwecft þabe.

Selbſt einige Staaten,

in welchen die Ramiſde

Kirche Herrſchend war ,

C

Sechſter Abſchnitt. Zwepes Kapitel. 371 nahmen ein Vergernis an dem dabey gebrauchten Porwand der verthendigten Sage Gottes ; und mit überaus großer Eifer begeigten die Proteſtatt tiſden Mächte darüber ihre Entrüſtung,

Die

Garants des Olivifchen Friedens hielten ſich inge beſondre zu fordexu befugt, daß alles was die Evan . geliſchen Religionsrechte zu Thorn oder in der gan . zen Provinz Preuſſen betraf, in der Stand , wie es vor der Erecution geweſen , wieder Hergeſtellt werden ſollte.

Die Könige von Schweden , Då

nemark , Großbrittannien und Preuſſen ,

imgleir

den die Republit der vereinigten Niederlande , lies fer nachdrückliche Schreiben deshalb an den König von Polen ergehen , ſchickten auch zum Theil Get ſandſchaften ab,

und ſpareten weder Vorwürfe

noch Warnungen und Drohungen , um nad einem fo wütenden Ausbruch des Verfolgungsgeiſtes , der Sicherheit und den Gerechtſamen der Proteſtanten in der Polniſchen Staaten , fürs fünftige ein befo feres Gewicht zu verſchaffen .

Der Ruſſiſche Kaya

ſer intereſſirte ſich infonderheit für die Glaubense verwandten der Griechiſchen Kirche , und nahm zugleich die Sorge für die gemeinſchaftliche Ruhe Seine - fråftige Vorſtel. der Diſſidenten auf ſich . lungen wurden von einem ſo thårigen Eifer begleie tet ,, daß ein öffentlicher Krieg zu befürchten ſtand, woferne die Kayſerliche Forderungen von der Rea publik Polen verſchmåột würden ; und wahrſchein lidt þat 28 fein Cod nur verhindert , daß das Rach . 8. febr, fiatwerd gegen Polen nicht würklich iſt gezogen wor. den . Der Großbrittanniſche Geſandte Herr Finch

a 2

1725

Danzigs . Geſchichte

372

2010

hatte der Thorner Bluturtheile wegen , ſchon bey der Teutſden Reichsverſammlung zu Regensburg , eine Unrede in fehr harten Ausdrücken an die Evanı geliſchen Reichsſtånde gehalten ; er folgte nachher wider den Willen der Polniſchen Senatoren , dem Nuguft. Könige Auguft von Dresden nach Warſchau , und verlangte eine öffentliche Audienz; diefe ward ihm unter mancherley faſt beleidigendem Vorwand ver. faget, und es ſtunden unangenehme Folgen darauf bevor ; wider Vermutheu aber ließ er mindeſtens Worjekt nac , die Abſichten ſeines Hofes weiter zu verfolgen . Der König von Preuſſen hatte gleich anfangs in dieſer Sache eine eben ſo thatige Auf merkſamkeit blicken laſſen , Stadt Thorn

und er fuýr fort , der ſowol als überhaupt den Proteſtant ,

ten in Polen Rath und Berſtand zu leiſten : allein die Polniſchen Stände bedienten ſich der Ausfluche gegen ihn ſelbſt Beſchwerden und Klagen zu erhes ben , daß er die vorigen Verträge init der Republik Polen verleget,

eigenmächtige Neuerungen infon ,

derheit im Elbingſchen Gebiete gemacht,

und die

Römiſchcatholiſche Kirche im Königreich Preuſſen gekrånft und gedruckt håtte.

Sie wagten es ſogar;

dem Könige Friedrich Wilhelm mit einem allgea meinen Uufgebot des Adels zu drohen , und brach . ten es zulegt durch eine Correſpondenz ihres Köni. ges mit Ihm dabin , daß auch von dieſer Seite alles auf gåtliche Beredungen ausgeſtellet ,

und

der nächſte Reichstag dazu beſtimmt wurde ,

die

Interceſſionen auswärtiger Mächte in Religionse Sachen ,

wenn ſie glimpflich und freundſchaftlich

7

I

1

Sechſter Abſchnitt. Zweytes Kapitel. 373 gemacht würden ,

zwar anzunehmen ,

aber nichts

für die Diffidenten durch Gewalt erzwingen zu laſ fen.

Wenn es alſo nachy allen Bewegungen über zu feiner reellern Beförde.

den Thorner Tumult ,

tung der Diſſibentiſchen Religionsfrenheit in Polen gekommen iſt , ſo mogen viele geğeim gebliebene Urſachen davon in den Europäiſden Staatscore juncturen damaliger Zeit verborgen gelegen haben. 1. Danzig blieb hienächſt vermoge des Vergleichs in der Jablonomiſchen Spuldrache, zwar mit einer

1

erecutiven Gewalt in den Stadtländereyen verſojo. hatte aber der Stadt Thorn keine unmittel.

het ,

bare Aſiſtenz leiſten dürfen , und participirte durch die Naheit der

Polniſchen Kriegsvolfer: nod von

dem Schaden , daß ein unweit der Stadt gelegen nes Gut. Scönfeld mit militairifoer Einquartie: rung belegt wurde. Danzig þatte dieſes efedem der Stadt felbſt gehörige adeliche Gut, 1635

an einen angeſehenen Bürger

im Ja

Dietrich

Bauer verkauft; ihm aber für ſich und ſeine Nach . folger zugleich die Eviction und rechtliche Vertree tung in allen Fällen ausdrücklich dafür verſprochen . Weil nun der gegenwärtige Eigner deſſelben Ema.

1 nuel Daviſſon , der mit einer Eltertochter gedach . ten Dietrichs Bauer veregelicht geweſen , in ſeio nem

Belike

vielfältig beunruhiget ward , auch

fchon im J. 1723

unter dem aufgegriffenen Prås

f teft , daß bürgerlichen Perſonen das Recht adeliche Güter zu befißen nicht zuſtünde, mit dem Woywos den von Culm Rybinski einen Prozeß bekommen Batte ;

ſo war Danzig ſchon damals verpflichtet Na 3

(

4 Danzigs Geſchichte.

374

geweſen , das Recht der Bauerfden Familie aufs Jndeſſen ſchwebte der dar , kråftigſte zu vertreten . åber angeſtrengte Prozeß noch im Königlichen Aſſeſſorialgericht, Seite ,

wohin man ißn von Danziger

mit Aufhebung zweyer vorgängig dariq

geſprochener Tribunalsdeerete gezogen hatte. Nach dem aber jegt Miene gemacht wurde ,

das Eigen .

thumsrecht der Daviſſonſchen Ehegatten ,

durch

eine militairiſche Beſignehmung vielleicht ganz zu unterdrücken , ſo konnte Danzig nicht umbin , fick dieſer ſchweren Einquartierung und den beſorglichen Folgen derſelben wieder mit Nachdruck entgegen zu Solches geſchahe nicht ohne Mühe, doch aber mit ſolchem Effect, daß noc in eben dieſem

feßen.

Jahre der Woywod Rybinski von ſeinen An ſprůchert abſtand , und ſich zum Frieden erklärte, indem das Affefforialgericht ein Urtheil wider ißn ausſprach ,

womit

zugleich

den

Bürgern

und

Bürgerstindern in der Provinz Preuſſen , das alte Vorrecht

zur Beſikung adelicher Güter ,

neue iſt befeſtiget worden.

aufs

L

Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 375

Drittes. Kapiter . Berbeſſerungen des Commerzwefens in Danzig Handlungsredyte in Frankreich werden beſtätiget

deret nachi

thetlige Lage des Landes durch den fruditloſen Ausgang der Staatsverſammlungen - die Rechte der Diffidenten werden unterdrůcket - Danzig verpfleger dte Salzburgs ſchen Emigranten - die Danziger Pfalkammer wird von Königliche etnem königlichen Commiffarius revidtret Auguſt der zweyte Gunſtverſicherungen an Danzig si geht mit Tode ab - Armenanſtalten und öffentliche au ten in Dangig verbeſſerte Feſtungswerke und Zuſtand

3 der Garniſon .

Seitdem durch : ffentliche Friedensvertråge die Rube im Europåſchen Norden wieder war berge ſtellt worden , þatte Danzig es fich zum

Hauptge,

ſchäfte gemacht , den Wachsthum und ein erneuer. tes Aufnehmen ſeiner Seebandlung zu befdrdern , und

alle fich darauf beziehenden mercantiliſchen utmerkſamkeit zu bes

nußen.

Viele glückliche Zufälle und Umſtände

kamen den hiezu gelegten Entwürfen zu ſtatten . Ihneradytet im

J. 1722 eine reichte und gelinde

Winterwitterung voraus gegangen war ,

die keis

nen Schnee und fapt unbedeutenden Froſt mitges bracht batte ; ſo iſt dieſes

Jahr doch ſo geſeegnet

geweſen , daß bis in die legten Monate Getreyde aus Polen zugefähret ward , und die meþreſten Les bensmittel wolfeil eingekauft wurden .

Ueberhaupt

folgten noch einige Jahre, in welchen Danzig eing

. nahrungsvolle Zeit unb inſonderheit einen lucrati

a 4

376

Danzigs Geſchichte.

ven Kornhandel geßabt hat.

Mehrentheils ift

bis zum J. 1726 bie Einfuhr ſowol als die Uus fußr des Getreydes zwiſchen dreyſſig und vierzigtaus fend Laſt geweſen ; nur im 3. 1723 war die Eina fuhr bis 50136 Laſt geſtiegen ( was

und man hatte,

in dreyfig Jahren nicht

geſcheheri war )

50685 Laft ausſchiffen können . Zur auswärtigen Erleichterung des Commerjes waren alle Differen jen mit Thorn bengelegt worden ;

der Polniſchert

Zölle ontledigt zu ſeyn , hatte man ſichs Geld koſten laſſen ; und für eine bequemere Weichſelfahrt ſorgte Danzig fo viel als es rich thun -ließ , gab auch die Hoffnung nicht auf, daß mit der Zeit die Kronę Polen ſowol als die Preuſſiſchen Stände gemeins ſchaftliche Verfügungen dafür treffen würden . Seewårts fuďte man ebenfalls dem Handel mit fremden Nationen eine leichte und ungehinderte Bahn zu verſchaffen .

Das Commerzien . Colles

gium in Danzig , war unablåßig beſchäftigt, die Natur und Eigenſchaft der unterſchiedenen Hand . lungswege zu prüfen , und Entwürfe zur Beförde. rung oder Verbeſſerung derſelben zu machen ." Zur Aufnahme der Rußiſchen und Schlefifchen Hand lung , jur Beförderung des Litthauiſchen Handels : und der dabey projectirten Combinotion einiger Flüſſe;

aber auch zu einer fruchtbaren Ausbrei.

tung des Commerzwerkehrs mit

Dånemark und

Schweden , wurden dergleichen Vorſchläge in die Conſultationen råmtlicher Ordnungen gebracht , und man ſuchte zum

allgemeinen Nußen der Dan

siger Kaufmannſchaft, die dienlichſten Maasregeln

1 1

. 3

4

Sechſter Abſchnitt. zu erwåblen .

Drittes Rapitel. 377

Hienächſt waren die Frrungen mit

der Krone Großbrittannien ins Vergeſſen übergea gangen, und die Engliſchen ſowol als die Holåna diſchen Negocianten in Danzig berubigten ſich mit e Fami igre

den vortheilhaften Situationen , worin lien und wurden .

Handlungspauſer angeſeben

und reich

Um eben dieſe Zeit erlangte die hieſige Kauf mannſchaft,

eine

erhebliche

Handlungsfreyheit in

Befeſtigung ihrer

Frankreich .

Auf Veran .

laſſung des Commerciencollegiums war der Hand ſeiſche Reſident de Cagny am Franzöſiſchen Hofe inſtruirt worden, daß Danzig es wünſchte , in den žu Paris mit dem Könige Ludwig XV. aufgericho teten Tractat der drey Hanfeſtådte Lübeck, men und Hamburg ,

vom J.

Bres

1716 , d ) aufges

nommen und eingeſchloſſen zu werden.

Gedacı

ter Tractat béjog fich eigentlic auf den Inhalt des Utrechter Friedenis, wie ſelbiger die Prårogativen der Hanſeſtadte , in Betreff ihres Seehandelt mit der Franzöſiſchen Provinzen feſtgeſtellt hatte. Die Vergleichsartikel waren darin ausführlic ausein andergeſekt , und in allen in erlåutert worden.

Weil nun Danzigs darin teine

Erwähnung geſchehn war ,

dieſe Stadt aber fich

mit gleichem Recht auf den Utrechter Friedensfoluß beziehn konnte, fo verſäumte man es nicht , durch obgedachten Agenten deswegen eine Vorſtellung 3d) .Schumaús Corp. Jur. Gent. Tom . II. p . 1615. Zincke Ruhe.* von Europa, ir Eheil. S. 642. f. 2a 5

;?

378

2 Danzigs

Geſchichte,

machen zu laſſen , und ſich um die Gunſt des Fran . zöſiſchen Hofes darin zu bewerben .

Das Geſchäft

1995, wurde auch glüdlich zum Stande gebracht. Eix 1. Deébr . * fo genanntes Urret oder Beſchluß des Königlicher Staatsraths ertheilte den Befehl in Frankreicha daß die Stadt Danzig als eine der Hanſeiſoen Stådte ,

aller Privilegien ,

welche den Städten

Lübec , Bremen und Hamburg durch den geſchloſ ſenen Tractat vom 28. Septbr. 1716 waren zuge , ftanden worden ,

in gleicher Kraft zu genießen

Kiemit wurde eine Königliche De Þaben ſollte. claration unter demn Großen Reichsſiegel verfnů . pfet, daß gedachtes Urret den Parlamentsacten in der Stadt Paris ,

und in vier Seeprovinzen des

Franzöſiſchen Reichs ingroſſirt werden ſollte ; und im nächſtfolgenden Jahre ward noch ein beſonderes Königliches Patent, mit Anzeige der wůrklich ge fchebenen Regiſtrirung deſſelben , zi Paris, ausges Dergeſtalt iſt Danzig von dieſer Krone 1726; fertiget. 6. July. der vorzüglichen Freybeiten und Vortheile im See Haabel aufs neue verſichert worden :

die dienſtfer ,

tige Afiftenz und Begünſtigung des franzöſiſchen Staatsminiſters Grafea von Maurepas iſt inſon, derheit erkenntlich biebey zu rühmen geweſen , und bis auf den þeutigen Tag wird Danzig als eine pri. vilegirte Hanſeſtadt in den Staaten der Krone Frankreich geachtet und behandelt. Nach

geendigtem

Warſchauer Reichstage im

3.1726 , bekamen einige Jahre lang, die Land. 9. Novbr.tagsverſammlungen in Preuſſen , entweder wie die Reichstage in Polen ,

gar keinen

Beſtand , oder

1

Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 879 fie wurden unter Streitigkeiten und

Mangel an

Eintracht, unwürffam geendigt . Hiedurch verlor das Land in den legten Jahren dieſer Regierung alle

Kråfte , ſich

in Betroff ſeiner politiſchen

Sowache zu erholen ;

den allgemeinen Beſchmers

31

den

1

brecen erwuchs eine ſo zahlloſe Menge , daß man kaum mit den Verhaltungsbefehlen fertig ward ,

15

wurde nicht abgeholfen , und der Staatsger

wenn den Preuſſiſchen Landboten eine Inſtruction zum Reichstage mitgegeben werden ſollte. fchen

nahmen die Kränkungen

der

Dajmi

Diſſidenten

überpand , die Eingriffe in verſchiedene Cardinala Rechte der Provinz vermehrten ſich ungepindert; die Eractionen widerrechtlicher Zölle und unbe ftimmter Geldabgaben ſchlichen ſich zum Nachtheil i der Handlung wiederum ein ;

und die hohe Geiſte

lichkeit ſowot als der -Adel verſagten ſich keine Geler genheit ,

ihren eiferſüchtigen und ſchadenfrohen

Abſichten gegen die Städte Erleichterung zu vern fchaffen .

An den König, fonnten die Klagen eithe

zelner Landesſtånde felten und nie hinlänglide langen , indem

einestheils ſeine Abweſenheit ode ihm zugeſtoßene Krantheiten den Zutritt zum Throne

erſchwerten ,

theils auch die Reichstage

gleich nach ihrer Eröffnung zerfielen , und mit allen Privatberedungen nur ein

leeres Wortgeprånge

gemacht wurde.

I

Auf dem Landtage .zu Marienburg trafen im

12

men , daß ſåmtliche Landesråthe noch nicht geeydi,

1

get batten , und alſo dem erſten Abgeordneten der

J. 1728 die außerordentlichen Umftånde zuſam

**

1728

s

380

...

Danzig

te

Geſchich

Großen Städte die Eröffnung des Landtages zu. kommen ſollte. Alein aus Staatseiferſucht und Religionspaß wurde ſolches verweigert ; die Gros ßen Städte entſchloſſen ſich auch aus Liebe zum gemeinen Beſten nachzugeberi, und nur mit Vors behalt ihres Rechts fielen fie der Bewilligung ben, durch den Woywoden von Culm ,

( mit dem Nusz

drud paſſive ,) den Landtag eröffnen zu laßen . Indeſſen iſt , ehe derſelbe zernichtet ward , noch Heftig

gegen

die Theilnahme der Proteſtanten

an den Staatsverſammlungen geeifert 7730

worden .

Einer der nådyſten Landtage zu Graudenz kam zwar ohnerachtet der unabläßig dabey ftatt gefundenen Debatten zu Stande , und es wurden einige gea deyliche Verfügungen und Landesſchlüſſe gemacht ; die Preußiſche Landesgeſandſchaft aber ,

welche

auf den zunächſt eröffneten und vor der Marſ alls . wahl zerriſſenen Reichstag zu Grodno abgefertiget wat ,

erlaubte ſich hernach in einer Privataudieng

beym Könige folche Geſuche vorzutragen ,

die in

threr Landesinſtruction gar nicht befindlich geweſen . Der Biſchof von Ermland griff namentlich die Rechte der Diſſidenten an , und bewieß mit vieten Scheingründen , daß die Marienkirche in Danzig zum Catholiſchen

Gottesdienſt zurückgegeben wer

den måſte .

Eben ſo liebloſe Geſinnungen gegen die Proteſtantiſme Kirchenfreygeit außerten übers

!!!

Hauptmehrere Mitſtånde in Preuſſen , die für Un. terdrückang der Diſſidenten , dieſer Zeit gleichſam

mit den Polen - ſeit

gemeinſchaftliche Sache ges

1 macht hatten.

Es war unter ſolchen Verhältniſ

Sedyſter Abſchnitt.

Drittes Kapitel. 381

fer nicht wenig erheblich und nochweldig , daß die Proceftantiſchen Mácte Europens auf das Verfaha

EM ren der Polniſchen Nation in Religionsſachen wie der aufmerkſam wurden .

Uneracytet die noch

obhandene Staatsgeſchäfte mit den beyden Kayfer.

173L,

2 lichen Hofen ſowol als mit Schweden und Preuſ fen ,

polniſcherſeits nur einen ſaumſeeligen

forta

gang gewatinen ; ſo unterließen doch weder leştere bende Kronen , noch auch der Ruſſiſch . Kayſerliche Hof, bey Gelegenheit ihrer Unterbandlungen mit Polen , für die gerechte Sache der Diſſidenten ſich aufs fråftigſte zu verwenden. : Der Ruſſiſche Mis niſter Graf von Ldwenwolde that noch eine bem fondre Vorſtellung wegen der Griechiſchen Relie gionsverwandten , und der Engliſchen Gefandſchaft trat ferner der Holländiſche Envoye ben,

um mit

nachdrücklichen Noten die Vorrechte der Proteſtana Mindes tiſchen Glaubensgenoſſen zu vertreten . ftens gaben dieſe Interceſſionen anfänglich den Eind

1

drac gemacht, daß der König der hohen Cleriſery and namentlich dem Biſchofe von Poſen ,

feiner

Strenge wegen die Erinnerung gethan bat , zu keis Men Klagen der Diſſidenten in Großpolen ferners * hin Anlaß zu geben ., Delfen ohngeachtet hat die Folge der Zeit es ‘ mit traurigen Zeugniſſen beſtätiget, wie oft und lange noch unter concurrenten Urſachen einer vers großerten Veherienz, der Verfolgungsgeiſt in Por len gegen die Evangeliſche Kirche gewütet ,

und

fogar den Inhalt der Staatsgeſeke mannigfaltig dafür umgeſtimmt habe.

Inzwiſchen iſt Danzig

1

382

Geſchichte .

Danzigs

1

dadurch von ſeinen Religionsprivilegien nie abweit dig gemacht worden.

Man

hat hier zwar alle

Moderation gegen die Römiſchcatholiſche Kirche beobachtet , und von Zeit zu Zeit fich den Biſchd. fen von Cujavien mitGeldgeſdenken und Freunde febaftsdienſten gefällig erwieſen ,

aber man þat zur

gleic ber keiner Gelegenheit ermangelt, die Rechte der Evangeliſchen Kirchenfreyþeit, im Lande ſowol als inſonderheit in der Stadt und ihrem Gebiete zu behaupten , und nach Bewandnis der Umſtände Herzhaft zu verthendigen .

Bereits im J. 1730

hatten die Danziger nebſt den Elbingern Selegene þeit genommmen , ihren unerſchrockenen Eifer für die gute Sache der Lutheriſchen Reformation auch öffentlich an den Tag zu legen , indem ſie das zmena þundertjáhrige Undenken der zu Augspurg geſchehes nen Uebergabe des Evangeliſchen Glaubensbes beym

kenntniffes ,

gewöhnlichen Gottesdienſt in

den Kirchen ſowol als durch einen Redeact im Dan . 1732.

ziger Gymnaſium feyerlich celebriren und erneuern ließen .

Zwer Jahre ſpäter trafs fichs,

daß fie

mit einer tpåtigen Bruderliebe ihre Theilnahme art dem Schickſal verfolgter und vertriebener Glau . bensgenoſſen beweiſen konnten , indem der Durchs yugider Salzburgiſchen Emigranten ſie dazu auf: forderte, der eben jekt den merkwürdigen tcaſt machte,

daß mitten unter den Redrucuna

gen der Diſſidenten in Polen , Kdnigreich Cbriften

Cone

Preuſſen

deſſelben

ein

das

benachbarte

Hauflein

verſtoßener

Bekenntniſſes , qus Teucro .

land an ſich 309 , und mit offnen Armen in Scus

Sechſter Abſchnitt. nahm .

-)

· König

Deittes Kapitel. 383

Friedrich

Wilhelm

Hatte

durch feinen Reſidenten den Oberſten •. Zigwit , dem Danziger Magiſtrat vorgängig davon Anzeige gethan , und um die Beförderung dieſer Durch reiſe, mit guten Anſtalten zur Sicherheit und Orbe nung ,

anſudyen laſſen.

Die Emigranten trafen

in unterſchiedenen Diviſionen zu etlichen Hundert, theils zu Lande theils zur See im Danziger Gebiet ein , ſie wurden unter Anfüşrung Preuffiſder Com . miſſarien von militairifchen Eſcorten begleitet, und zwey zuerſt landwårts eingetroffene Colonien von 700 und 600 Kopfen pielten bey Danzig und in

F

den Stadtfåndereyen einige Raſttage.

Sie wuri

den unter der Direction zweyer dazu ausgelegten Herren des Raths , von den Vorſtebern am Spend. amt,

1

3

T 1

5

.

zum Lazareth , und vom

Heil.Leichnams.

e ) Unter den Religionshandeln dieſer Zeit im Nomiſch Teuta ſchen Reiche , ereignete ſich der ausgezeichnete Vorfall, daß der Erzbiſchof von Salzburg Leopold Anton & leutberius , Freyherr von Firmian viele tauſend evangeliſche Unterthas nen in feinem Lande , beym Stayſer als Rebellen angab, und unerachtet dagegen geſchehener Vorſtellung von Corpus der Evangeliſchen Stände , am 31. October 1731 ein Emigrationspatent kund machte, wodurch alle , die nicht catholiſch werden wollten , binnen kurzer Zeit aus dem , kande zu weichen genöthiget wurden. J. G. Schelhorn de relig . evang. in provincia Salisburgensi ortu , progressu & fatis. Lips. 1732. Der König von Preuſſen jog darauf eine Menge dieſer Salzburgiſchen Emigranten als Coloniften ins i Sdnigreich Preuſſen , und ließ ihnen inſonderheit im Lite thauiſchen Antheil Wobnplåge anweiſen . Im Auguft 1734 waren ſchon an 4000 derſelben in Preuſſen befindlich , ibre Anzahl aber iſt ferner bis über 16000 stópfe geſtiegen . Are nolds Preuß. Kirchenbiftorie , S. 877.....

384

39

Danzigs

Geſchichte. 1 ? :)

1 Hoſpital,

betäftigèt und verpfleget ;

es wurden

ihnen in den Kirchen zu.H. Leiqnam und ain Laja . reto , eigne Predigten auf ihren Zuſtand gehalten , und fie bekamen viele Geſchenke von reichen Pris vatperſonen ſowol, als von ganzen Zünften, In nungen und Gewerben . Auf dem Lande wurden fie von den Dorfnaqbaren eben ſowol aufgenom . men , reichlich mit Speiſen und Getränken verſor: get, und mit allen

Bequemlichkeiten verpfleget.

Einige Prediger im Werder zeichneten ſich durch woltgåtige Bewirthung lowol , als durd Predig. ten und Amtsdienſte aus , womit ſie den Emigran . ten ihre Zuneigung bezeigten.

So lange dieſe Co.

loniſten ſich auf dem Danziger Gebiete befunden haben , ſind ſie zu ihrer Sicherheit von einem Come mando der Stadtreuteren begleitet , und iþre gece bergen allenthalben vorbereitet geweſen ;

fie Haber

es auch vor ihrem - Abzuge mit dankvollen Seegens. wünſchen erkannt,

daß nichts in Danzig geſpart

worden , ihnen die Koſten und Beſchwerden ihrer mühſeelig veranlaßten Auswanderung leichter zu machen . Mit Anfang deſſelben Jahres Hatte der König von Polen den Braclawſchen Mundſchenfen und geheimen Kriegsrath von Bülow als Königlichen Commiſſarius nach Danzig geſchidet, um gewiffe Mißbrauche und Unterſchleiffe bey der Pfalfammer da unterſuchen ,

womit zugleich einige Verfügun .

gen zur Sicherheit und Aufnahme der Danziger Seegandlung verknüpft werden ſollten. Der Roo niglice Commiſſarius nahm zu dem Ende die

Pfale

il

Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 385 Pfalherren und die Schreiber ben der Pfaltammer im Namen St. Majeſtát perſönlich in Eyd , und die Stadt erkannte dankbarlich die guten Anſtalten , womit einige Gebrecen und Mißbråuché abgeſchaft Vermittelſt eines Königlichen Schreibens wurde am Ruffiſch - Kayſerlichen Hofe dafür geſor wurden .

3

get ,

daß die Ruſſiſchen Poftjachten oder Paquet.

börhet, fünftighin auf die Hafengefälle und die Viſitation kieſelbſt beſſer angewieſen ſeyn ſollten . Der Einfuhrhandel dur den Danziger Hafen in die Polniſchen Staaten , ward durch die feſteſten Verſicherungen begünſtigt, die Preußiſchen Zoll. kammern ganz und gar eingehen zu laßen ,

und

auch die Landzötle in Polen , zür Erleichterung deč Danziger Importation auf eine mäßige Tare her: unter zu feßen . Hienådit bekam Danzig ein Ko- April. nigliches Refcript, worauf der Oliviſche Kloſter . convent noch durch einen ſpeciellen Befehl verpflich . tet wurde , die Danziger Obſervationspoſten auf Oliviſchem Grunde am Weſterfahrwaſſer , nicht zu

I

Hindern oder zu ſtören , auf daß den Unterſchleiffent mit Verfahrung und Ausweichung des Pfalgelds, durch die Schildwachen der Stadt gehörig vorges kebret

l

1

und Wiðerſtand geleiſtet

werden könnte.

Weil aber zugleich bey gedachter Unterſuchung der Pfalkammereinkünfte , die alten Zweifel wegen der Bürgerzulage waren aufgeweckt worden , weil auch einige Gegner der Stadt , bey dieſer Gelegenheit, am Polniſchen Hofe einen allgemeinen Verdacht gegen die vollſtändige Ablieferung der Königlichen Gefälle in Danzig rege gemacht hatten ; fo ward Berch.Danz. zter Th. Bb

1

Danzigs Geſchichte .

386

der Königliche Commiſſarius isſtruiret, übrigen Auftrågen

mit ſeinen

einige Anforderungen zu ver .

knüpfen , die der Stadt åußerſt befowerlich auffals len mußten .

In den

Rathſchlagen der Ordnuns

gen war man einſtimmig beſchäftigt, alle nachtpei liger. Neuerungen in dieſer Angelegenheit von der Stadt abzulehnen ,

und nachdem es ſchon zum

Schluß gekommen war , ſich dem Könige für ſeine bezeigte Sorgfalt zum Beſten der Seehandlung, durch ein freywilliges Geſchenk dantbar zu begeigen , ſo wurde noce eine reichliche Verhdýung deſſelben beliebet ,

um aller daneben bervorgetretenen una

glimpflichen

Pråtenſionen überhoben zu werden.

Die deshalb mit dem Königlichen

Commiſſarius

fortgeſekte Negotiation erreichte auc das erwünſchte Ziel , daß der König ein fråftiges Abolitions decret ausfertigen ließ , vermöge deſſen der Magiſtrat zu Danzig , jekt und für die Zukunft von allen Anr ſprüchen frey erklärt wurde , die wegen der bisherie gen adminiſtration der Pfalfammer, der Raten . gelder und anderer Königlichen Gefälle Halber an . gegeben worden , oder noch hervorgebracht werden könnten.

Die Stadt überreichte dem Könige da .

für ein Don Gratuit von funfzigtauſend Thalern , und ſie wurde noch über einige andere Geſuche und Beſchwerden , die ſie inſonderbeit wegen der Miß bräuche des Biſdjöflidyen Officialames in Eheſachen, und megen des geſomålerten Nahrungsgewerbes der Stadt durch die

Einfaſſen

der benachbarten

Geiſtlichen und Adelichen Gründe,

Xi

an den König

>

Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 387 abgelaßen hatte , mit ſtarken und fålfreichen Ver. ficherungen beruhiget. Hiemit endigte ſich denn auch das lekte wichtige Geſmåft , ſo die Stadt Danzig , unter der Regies

> " rung Auguſts des Zwerten , mit dem Königlich .

-

1

1

Polniſden Hoſe gehabt bat.

Einige Monate fpå.

ter machte der König eine Reiſe nach Sachſen ; nachdem er aber zur Eröfnung eines Reichstages wieder nach Warſ @ au zurück gekommen war , ſo ergriffen ihn aufs neue die Gefahren einer ſchon im J. 1726 ausgeſtandenen Krankheit , und machten in wenigen Tagen faſt unvermuthet ſeinem Leben 1733, 1 Febr. ein Ende. Seine Regierung gehörte nicht zu den friebſamen und ſtillen ,

die dem Landesheren die

Wachſamkeit und Sorgfalt für das Wohl ſeiner Staaten erleitern .

Nicht nur die Drangſale des

dritten Søwediſchen Krieges an ſich ſelbſt,

ſone

dern auch alle noch ferner daraus erwachſene Neuer

1 rungen und Unruhen , ſind den Polniſchen Reichs. landen insgeſamt nachtheilig und läſtig geworden . Danzig mit ſeinem Gebiete hat ſich unter den lan desdiſtricten befunden , die ohne überwältiget zu ſeya, dennoch den Calamitaten des Krieges , und den eben ſo unfriedlichen Folgen deſſelben ohne Auf þören unterworfen geweſen.

Keine Zeit läßt ſich

angeben , worin fo gåufige Brandſcazungen , Con. tributionen , Lieferungen und aller Art erzwungene oder freywillige Geldabgaben ,

in der Foredauer

1 von Darzig waren verlangt und erpreßt worden . Man würde daher die Danziger Regierungsſtånde dieſes Zeitraums ungerecht beurtheilen , wenn man Bb 2

388

Danzigs Geſchichte.

ſie einer Pernaďlaßigung des Policey-und Finang, weſens beſchuldigen , oder die Verdienſte ihrer Por, fahren weit über ſie bervorzießen wollte, indem ere ſtere allerdings beſſere Zeiten erlebt þaben ,

um

nicht nur ohne S @ulden und im Beſik zureichender Stadtcaſſen geblieben ,

ſondern auch dem Aufwand

für große und koſtbare Gebäude , zum öffentlichen Behuf und zur Zierde der Stadt ,

gleichwie zur

Beförderung nůßlicher und wohlthätiger Anſtalten , gerecht worden zu ſeyn . Deſſen ungeachtet feblet es nicht ganz und ger an Policeyverbeſſerungen , neuen Inſtituten und Baureparaturen ,

die auch in dieſen

zum Stande gebracht worden .

Jahren ſind

Das Spendeamt

für deſſen gemeinnüßigere Einrichtung beynaße hun . dert Jaßre lang, unter mannigfaltigen Verzögeruu . gen , und Hinderniſſen , Vorſchläge gemacht waren , ward endlich zu Anfang des Achtzehnten Jahrþun .' derts , mit einem eigenen Gebäude zu einer zwiefac den Armenanſtalt verknüpfet,

die theils auf die

Erziehung verwayſeter und þúlfloſer

Jugend, abe

zweckte, theils dem Müßiggang und der leichtfertia gen Betteley ein Ziel reben ſollte. gung und Ausſpendung ,

ſchon ſeit den ålteſten Zeiten , Anfang

Die Verpfle.

womit das Spendame wenigſtens ſeit dem

des Sechszehnten Jahrhunderts ,

einer

Menge unvermogender und nothleidender Haus . armen zu Hülfe gekommen war , beħielt zwar einen underånderten Fortgang , und es ſolte domit noch ferner der båufigen Straßenbettelen vorgebeugt werden . Das neuerrichtete Spendþaus in der

14

WW

10

7

1 Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 389 Alten Stadt aber ,

nahm jeßt auch eine Anzahl Verwayſeter Jugend beyderley Geſchlechts auf , die mir Nahrung, Kleidern und Unterricht fren gehal. ten

und verſorgt wurde.

Nächſt den Schulen

Ivard darin eine Arbeitsanſtalt gemacht, wozu man mäßiges Geſindel oder muthwillige Gaſſenarmen gršßtent eils weiblichen Geſchlechts hinein brach te , f) und ſie zum Spinnen und andern derglei.

f ) Gedachtes Einbringen der Bettelleute von den Straßen iſt öfters mit fo freventlicher Widerſetzung des Pöbels dor fich gegangen , daß man gendthigt geweſen iſt, die Bettelvogte von Stadtwachen begleiten zu laßen. Dieſes aber kann uts um ſo viel weniger befremden , da auch in gegenwärti. gen Zeiten , worin die Cultur des gemeinen Mannes merks lich weiter geſchritter feyn ſollte , dergleichen Aftermitleis ben und tadelhafte Vorurtheile ficy annod außern . Sen der überhandnehrenden Betteler in der Stadt zu jetigen nahrloſen Zeiten , ward im J. 1789 eine neue Bettleranſtalt gemacht , und mit der Verwaltung des Spendhauſes ver knüpfet. man überwand unzählige Schwierigkeiten , die fich diefer gemeinnixigen Juftitut entgegen gelegt haben ; und weder der Verfall des Handels und Gewerbes in Dans zig, noch die ſchwere Eröfnung der Hülfsquellen , noch auch falſche Begriffe vom Bettlerzwang und von den Pflichs ten der Almoſenpflege , haben dieſe dem Staat' nůžliche Vorſchlåge zernichtet. Die Predigten eines Sintenis und pobowski erweckten daju die erſten guten Gedanken . 'Ins ftructive und anonymiſch herausgekommene Auffäße einiger patrioziſchen Mitbürger gaben die beſtmöglichen Mittel an , das Werk anzufangen , und der Fortgang deſſelben zu beförs dern. In den Regierungscollegien der Stadt warð ernfts licher darauf geachtet : die Einrichtung und Direction dies fer Anſtalt murde den Vorſtehern zum Spendamt übertčas gen ; deren unermüdete Sorgfalt brachte fie råhmlich zum Stande , und um der ferneren Waterſtüßung derſelben fiches ter zu feyn , ſo wurde im Breiten Rath von ſämtlichen Oros nungen beſchloſſen , daß som erſten bis zum legten Bürger

Bb 3

1

396

Danzig8

Seſchichte.

den Handarbeiten anbalten ließ. 6 )

Mar þar

ferner einen geråumigen Saal zum öffentlichen Gote tesdienſt in dieſem Armenhauſe eingerichtet; der Unterſtüßung deſſelben find allgemeine Collecten ſom wol als milde Stiftungen und viele wolthätige See ſchenke zu Hülfe gekommen , worunter im J. 1701 das reiche Vermächtnis von 15000 Gulden aus der Schliefſchen Familie' fic vorzüglic auszeichnet. Ein anderes Unterrichtsinſtitut zum Beſten der und Einwohner , ohne Unterſchied, des Standes , ein jeder . der Renbe nach verpflichtet ſeyn ſollte , zur Einſammlung monatlicher Beytrage einen Hausumgang , ju halten . Das von werden dieſe armſeelige Menſchen mit Schlafftellen , Nahrung und Kleidern verſorget , müſſen aber auch nach erhältnis ihrer Strafte gemiffe Sagearbeiten liefern . Die Straßen find dergeftalt bon nacktem , gebrechlichen , fum Cheil auch låderlichem Bettelvole möglicht gereiniget worden , und wenn daſſelbe vorher ſchaafenweiſe herum jog, To fieht inan jeķo die Bettelleute nur verftohlen und einzeln fich nähern. Dennoch iſt es zu bedauern , daß dieſe wolthå: tige Anfalt , und die daben übernommene Mühe und Ars beit der Vorſteher zum Spendamt , nicht mit allgemein verdientem Dank anerkannt werden. Dieſe Männer, denen mal ( wie inſonderheit einem verdienftvollen Quartiermeis fer Selce ) für ihren thátigen und uneigennukigen Dienſte eifer Bürgerkronen barbieten ſollte, werden öfters nach einem verſchobenen Richtſcheid beurtheilet , ja es giebt fumpffinnige Einfaffen , die dieſem obrigkeitlichen Inftitut abfichtlich entgegen handeln , die willkührlichen Beyträge kecklich verſagen , und beimlich oder öffentlich den Ueberreft der Gaffenbettler durch unzeitige Almofen anlocken . ş ) Durch dieſe dem Spendhauſe einverknüpfte Arbeitsanftalt hat ſich aus unrichtiger Erklärung der Name eines Spinns bauſes erzeuget , der aber keinesweges gedachtem Urmens hauſe zukommt , deffen Benennung vielmehr von dem weit Alteren Inſitut desSpendeamts muf bergeleitet werden,

Sechſter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 391 Bülfbedürftigen

Jugend

beijderten

Geſchlechts,

durch deſſen Empfelung und Mitbeförderung fick der damalige Senior und erſte Paftor an der Obers pfarrkirce,

D.

Joachim

Weichmann

ein

ehrenvolles Andenten geſtiftet hat , ſind die in dren unterſchiedenen Diſtriften der Stadt errichtete Frey. Faulen.

Die Kinder werden biefelbſt in der Relio

gion ſomol als in andern gemeinnüßigen Kenntniſo fen unentgeldlich unterwieſen , und die Mädchen zugleich zu einigen weiblichen Handarbeiten ange führet.

Durchgebends ſind dieſe dren Schulen in

neuern Jahren noch merklich verbeſſert worden , und was die Fonds woraus fe verſorgt werden betrift, fo dürften dieſelben vor allen übrigen Armenanſtal ten in Danzig ,

unfeßlbar den ergiebigſten Bes

ſtand Haben Uußer der oben erwähnten großen und foſte : ſpilligen Waſſerbau des neuen Fahrwaſſercanals

1 am Seehafen , woran von Zeit zu Zeit noch öftere Reparaturen vonnöten geweſen ,

verdienet hier

von öffentlichen Bauten der Stadt nur angemerket zu werden , daß im J. 1708 der Thürm des Recht. ſtådtfchen Rathhauſes mit neuen Auszierungen ver : feben ,

wie aud, der Altſtådeſche Rathhausthurm

vieler ſchadşaften Stellen wegen , reparirt und erneuert worden .

durchaus fer ,

An der Spiße des

Rechtſtådtſchen Thurms hat ein fremder Künſtler und Uhrmacher aus Lübeck Nağmens Joh . Fehr mann ,

mit vieler Geſchicklichkeit und gefaßrvol.

ler Müge ,

die oben befindliche gekrönte Manns.

ſtatue von verguldetem Kupfer , nebſt der ſchweren 36 4

392

Danzigs Geſchichte.

meſſingnen Stange mit der Fahne von dickem Ru . pferblece, glücklich berab und wieder hinauf ges bracht, k ) ynerachtet dieſe Arbeit,

des Schadens

wegen , ſo ein þeftiger Sturmwind verurſacet gee zum zweytenmal hat unternommen werden müſſen . Wir übergeben mehrere nothmendig gea

þabt,

weſene Baureparationen

ait

Thören ,

Brüden ,

Týůrmen und andern dffentlichen Ges båuden, und wollen nur fürzlich die betrådetlidften

Müğlen ,

r

Verånderungen anzeigen ,

die nach dem lekten

Sumediſchen Kriege , an den Fortificationswerken gemacht worden. Vor andern zeichnet ſich der neue Weg vor dem Regen Thor aus , ſeinem

der zwar in

ganzen Umfang viele Zeit, Arbeit und Ko.

ſten erfordert,

aber auch allen davon erwarteten

Nugen mit ſich gebracht hat.

Im J. 1712

bat

man den Unfang damit gemacht, nach den Vor rclagen und unter der Aufſicht des Ingenieur : Ca pitains Charpentier daran arbeiten zu laſſen , und im J. 1715 iſt mit allen dazu gehörigen Durch Ich itten , Graben , Brüden , Bolwerfen und Verzäunungen , die Arbeit vollendet geweſen . Nach einem Riß , den eben gedachter Ingenieur. Hauptmann vorgelegt hat , iſt im J. 1720 bey der

1 ) Dieſe Statue , fo im J. 1561 verfertiget und aufgefeßt ges weſen , hatte mit der herabgebrachten Fahne 181 Pfund an Gewicht. Ihre Höhe ward mit der Strone fieben Fui , und in der Breite oder Leibesdicke 3 Fuß 8 Zoll befundens die Fahne mit dem darin angebrachten Schiff ift beynahe 4 Fus hoch gewefen. Die neue Statue ift fo viel leichter gearbeis tet worden , daß fie mit der Schifffahne und Starge nur 64 Pfund an Gewicht gehalten bat,

1 Sechfter Abſchnitt. Drittes Kapitel. 393 kleinen Mottlauſchen Weichſelſpiße vor der Stadt ein neues in aller Abſicht beſſer eingerichtetes und

3

größeres Blockhaus angelegt worden . ſomol die Lage des

1

vorber

Man gatte

daſelbſt geſtandenen

Wachbaufes, als auch die in daſiger Gegend aus dem aufgemorfenen Noraſt entſtandenen hockeridya ten Hügel , untauglich , þinderlich , und für die Defenſion der Stadt uochit nachtheilig befunden , weshalb die Berfügung gemacht ward , gedachter

3

Hockerichten Erde , ſo gut'es gefcbeun könnte, eine

FI

Fortificationsgeſtalt zu verſchaffen , und die Situa , tion des neuen Blochaufes damit zu decken . Eine nicht weniger erhebliche Veränderung haben im J.

31

1727 die Feſtungswerke am Oliviſchen Thore bea kommen : die baufällig geweſene Brücke ſowol als das Oliviſce Thor ſind alsdann neu gebauet,

und

zu gleicher Zeit der Weg vom Jungftådeſchen Holge raum nebſt einer dafelbft neu verfertigten Bruce håber hinauf an einen andern Ort verlegt worden, Ueberhaupt find in diefen Jahren die dienlichſten Anſtalten unverkennbar, daß man mit unabläßiger Arbeit das Wall . und Feſtungsgebåude rectificiret, imgleichen mit Grabenſchüttungen , Palliſaden und Unpflanzen des Hagedornſtrauchs , für die Feſtiga feit und Beſchirmung der Auſſenwerke geſorge Hienáchſt wurde mit eben ſolcher Bach habe .

1

famkeit für den guten Zuſtand der Stadtgarmifort Sorge getragen ,

und feine Gelegenheit auß der

Udt gelaſſen , thätige und erfabrne Befehlshaber derſelben an die Spiße zu legen . Seit dem Uble . ben des Obercommendanten und Generals von : B65

1

Danzigs Gefdhichte:

394

Zieten ( 1716 ) war in den allgemeinen Rathscon ſultationen der Vorſchlag oft wiederholt

worden ,

bey zunehmendem hohen Alter des Generalmajors von Sincklair rice noch um einen belebten und berjuchten Staabsofficier gleiches Ranges , zu defe fen

Fiſtenz für die Stadt ju bewerben.

Es was

ren aber unter anderen Verſäumniſſen, auch wegen einiger auswärts verbeteren Vocationen ,

beynahe

vierzehn Jahre verlaufen , als erſt im J. 1730 der Königlic - Polniſche Oberſte Sigismund

1

Dinhof,

der ſich einige

von

Zeit in Hollandiſden ,

nacher aber inſonderheit in Heſſencaſſelſchen Dien . ſten rühmlich verſucht hatte , die ihm angetragene Stelle eines Oberſten bey der hieſigen Stadtgarnis ſon annahm , Frauſtade

und nach erlangter Dimiſſion aus

Gerüber kam und

vorgeſtellt wurde.

derſelben öffentlich

Zu gleicher Zeit þat der Genes

ralmajor von Sinclair aus Soluß famtlider Drdnungen die Bürde und den Titel eines Ober. Commeiidanten bey der hieſigen Stadtſoldateske er. þalten .

Inzwiſchen iſt Danzig beyder militairi.

ſchen Oberbefeßlshaber in kurzem wieder beraubt worden.

Der mit Ehren ausgelebte General von

Sinclair wurde im J. 1731

( 9. Febr.) des

Morgens todt im Bette gefunden , und acht Mob nate ſpäter iſt der Oberfte Dönhof im beſten les bensalter , naqdem er dem Unſeben nach,

zwölf

Stunden vorher noc vóllig geſund geweſen , eines fouellen Todes verſtorben . Man entſchloß fiche darauf ,

die

erledigte

Commendantenſtelle

Zeitverluſt wieder zu beſeßen ,

1

ohne

und der Herzoglich

Sechſter Abſchnitt, Drittes Kapitel. 395 Mecklenburgiſche Generalmajor Joh . Wilhelm von Vittinghof, an den ſåmdliche Ordnungen mit einſtimmigem Zutrauen den Antrag dazu gelangen ließen ,

nahm denſelben wilfårig an , und beför derte ſeine Herreiſe mit ſolcher Bereitwilligkeit , daß er ſchon im Januarmonat 1732 den End ables gen , und der Garniſon als Obercommendant vor. geſtellt werden konnte. Wåþrend der bald darauf erfolgten Zwiſchenregierung find noch mebrere jeßt offen gelaſſene Militairchargen vergeben worden ; überhaupt aber haben die widerwärtigen Ereigniſſe für Danzig es in kurzem nothwendig gemacht, den

7

.

5

Defenfionszuſtand der Stadt außerordentlich zu verbeſſern ,

und mit fremder Concurrenz in eine

ganz neue Verfaſſung zu feßen.

1

396

Danzigs Geſchichte.

Viertes

Rapitel .

Stanislaus Leſzczynski wird Swiſchenregierung in Polen unerachtet der bmahnungen der Römiſch- und Rumiſchs Kayſerlichen Hofe zum Röntge ermablet - der König tommt ſeiner Sicherheit wegen nad Dangig Die Ses

1

genparthey deſſelben erwählt den Churfürften von Sachs

1

ſen zum Könige - In Danzig werden Verthendigungss anſtalten gemacht die Kuniſche Kayſerin erklärt det Stadt ihre Ungnade - der Churfürſt von Sachſen Kos nig Auguſt der Dritte wird gekronet - Stanislaus ents fchließt ſich in Danzig zu bleiben - Vorbereitungen hier felbſt gegen einen feindlichen Anfall - Entfernung vers Danzig wird vom dåchtiger Perſonen aus der Stadt General Låcy aufgefordert die Feindſeeligkeiten neh's ider General: Felds men vor der Stadt ihren Anfang marſchall von Münnich macht eine nochmalige Aufforder rung - die Danziger Belagerung wiro eröffnet - Vers beerung und Brand in den Vorſtåoțen - der Stanislais ſche Hof ſowol als die Stadt erneuern ihren Defenſionss plan . – Ein verſuchter Entfaß der Stadt wird vereitelt und die Hoffnungen zur Mediation verſchwinden - der Graf Münnich låft der Stadt das Bombardenient anfüns Digen - das Schrecken darüber wird durch die Hoffnung auf Franzöſiſchen Succurs gemildert - Danzig verliert die Sommerſchanze beym Holm, ſchlägt aber einen Haupts ( turm am Hagelsberge ab - ein kurzer Waffenſtilſtand macht in den feindlichen Operationen keine Veränderung .

as Interregnum nach dem Ableben Auguſts des

Zweyten

ſchien

anfänglich

einen

ruộigen

Gang 34 verſprechen . In Poien waren öffentlich nur zwey Kroncandidaten bekannt , unter denen der neue Churfürſt von Sachſen ,

Friedrich Au

guſt, dem ſein Herr Vater ſchon bey Lebzeiten die

}

Sechſter Abſchnitt. Biertes Kapitel. 397 . Thronfolge zu verſichern bemühet geweſen ,

eine ſo

ſtarke Gegenparthen angetroffen batte , daß viele Magnaten den Römiſde . Kayſerlichen Hof ,

die

Ruſſiſche Kayſerin Anna und den König von Preufo fen ſeinetwegen um Beyſtand erſucht hatten , die Polniſche Nation gegen alle Eingriffe in ihr frenes Dagegen þatte der König Wahlrecht zu ſchüßen . von Frankreich nach ſeinen Staatsnegociationen weit größere Hoffnung , daß ſeinem Schwiegervas ter dem Könige Stanislaus Leſzczynski die Polo niſche Krone zum zweytenmal ohne Widerſpruce würde aufgeſegt werden .

Sebr bald aber verán .

derte ſich das ganze Syſtem , und die beyden Kay. ſerhöfe , welche bey. Lebzeiten des vorigen Königs , ſeinen Churprinzen vom Polniſchen Throne zu ento fernen geſucht þatten , waren jeßt aus Staatsabſichten

bemühet ,

ihn

Kräften darauf zu erheben .

andera

mit 'vereinigten

Jnzwiſchen befolgte

der Reichsprimás Theodor Potocki die Maasre . geln des Franzöſiſchen Plans ,

und er fomol als

ſeine Adhårenten bezeigten ſich unbeſorgt, weder durch fremde Contradictionet , noch auch durch ,

innere oder auswärtige Gewalt in iþrem Vorhaben geſtdret zu werden .

In ſeinem Ausſchreiben zum

Convocationsreichstage empfahl der Primas dusa drücklich , daß man alle fremden Thronwerber ausa ſchließen möchte;

und unerachtet die obgedachten

beyden Kayſerhofe fich durch ihre Gefandten deuta lich gegen die Wahl des Königs Stanislaus eca ſo kam doch auf dem Convocationsreichs. 1737 April , tage eine Verbündung zum Stande, vermoge dev klårten ,

398

Danzigs Geſchichte.''

man ſich mit einem Eyde anþeifchig machen muſte, feinen andern als einen wahren Polen zum Könige zu erwählen , der römiſchcatholiſch und von cathos liſchen Eltern geboren wåre ,

auch kein Land oder

Kriegsbeer außerhalb dem Königreich Polen in Bea Tik fåtte. '

Bis hieber nun war der Primas mit

ſeinen Vorkehrungen im Vortheil und auc im An . feben geblieben ,

jeßt aber erweckte er durch den

Abgwang gedacten Endes ſowol, als ferner durch ſein deſpotiſches Verfahren , den öffentlichen Tadel und das Misvergnügen eines großen Theils der Nation . Dabey ließ er , eße es zur Königswahl tam , eine offenbare Beleidigung gegen die Chur. fächſiſche Geſandſchaft ausbrechen , monſtrationen der

nahm die Rei

auswärtigen Mächte

gering.

ſmåßig auf, und vernachläßigte hauptſächlich alle ſtaatskluge Schonung , ſo er gegen die widrigo geſinnten Großen in Polen gåtte beobachten måpe Der Wahlreichstag machte die unglůcklichen Folgen davon tennbar. Die eben erſchollene Nach

25.Auguftſen .

richt von dem Einmarſch Ruſſiſcher Truppen veran . laßte einen Wortroechſel mit dem Großkanzler Für. ften Wisniowiecki, als Regimentarius von Lit thauen . ' Man þatte iğn wegen eines Verſtand niſſes mit dem Ruſſiſchen Hofe in Verdacht, und die harten Ausdrüde, womit der Primas ſowol als felbſt einige Landboten ihn deswegen angriffen , rebten denſelben in ein ro befriges Feuer , wider alle bisherigen Reichstagsgeſchäfte

daß er dieſer

Zwiſchenregierung feyerlich proteſtirte, und ſich zur erſt mit zwey Woywodrqaften nach Prag über die

*

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 399

Weichſel entfernte.

Deſſen ungeachtet bewürfte

· der Primas eine Conſtitution zur foweren Beſtras fung aller Beförderer des Ruſſiſden Heerzuges nad Polen , und bediente ſich der kråftigſten Mite tel ,, den Verſicherungen des Franzöſiſchen Sofes das Uebergewicht zu erhalten.

Stanislaus war 9. Septi.

mittlerweite unter fremdem Namen nach Warſchau gekommen ,

aber auch nicht Delfen ſanftmüthige

Vorſtellungen , ſo wenig als dić Anſchlåge des Primas und ſeiner Freunde , fonnten den Fürſten Wisniowiecki und die übrigen Unzufriednen zur Růdfehr bewegen , da iĝre Unzahl gegentheils durch viele noch übergegangene Senatoren und Dennoch verſtärkt wurde. Landboten tåglich brachte der Primas auf dem Felde bey Wola das Wahlgeſchäft zur Vollendung.

Er umritt einigeni. Septr.

Woywodſchaften zur Einſammlung der Stimmen , und ward einer Mehrheit geſichert,

die ſich würk.

lid mit lautem Freudengeſchrey für den allein vor ihm genannten Stanislaus erklärte.

Nun gea

nehmigte er es ziar , die Verſammelten zu Prag noch einmal durch Ubgeordnete einladen zu laſſen ; als aber ſeine Parthey deren Zurückunft nicht ab: warten wollte , ten König ,

ſo proclamirte er den neugewåbl. nachdem das Wahla

den man auch ,

feld auf die gewöhnliche Art verlaſſen worden ,

in

die Johannskirche ju Warſchau begleitete, und den Ambroſianiſden Lobgeſang für Jøn anſtimmte. Weder die abgeſonderten Gegner zu Prag , noch die auf dem Wahlfelde gewefenen Diffentienten , wurden daben

merklich in Betrachtung gezogen .

Danzigs Geſchichte.

400

Indeffen hat die Trennung in kurzem

überhand geo

nommen , nachdem jene insgeſamt fortgefahren ha ben , ſich mit Worten und Thathandlungen der geo [depenen Wahl zu widerſeken.

In der Provinz Preuſſen befand ſich mittler Die Landtage wurden weile noch alles in Ruhe. zwar nicht ohne Debatten geendigt; die Materien der Landescontributionen ſomol, als des dem Bür: gerſtande

beftrittenen

Beſikes

adelieber

Güter,

nebſt der wieder rege gemachten Erecutionsſache in Preuſſen , wobey Danzig mit einer neuen wegen der Scharpau bedroht wurde ,

Fehde

gaben insges

fanut zu vielen Controverſen Gelegenheit ;

audy

mufte das gewaltſame Verfahren mit dem Diffiden ten aufdem Convocationsreichstage , und die uns terdrückende Conſtitucion gegen diefelben , der Pro .

1

teſtantiſchen Kirche in Preuſſen eine nicht weniger furchtbare Erſchütterung geben : dennoc, aber blieb der Zuſtand des Landes von auffen unangefochten , und dem öffentlichen Ausbruch particulairer Miß. Helligkeiten ließ ſich ebenfalls zur Zeit vorbeugen . Unterdeſſen wurde die Wahl des Königs Stanis laus mit Zuſtimmung der mehreſten Preufliſchen 15. Septr.Stånde vollzogen .

Danzig bekam die erſte Nach

richt davon durch den Secretair Dehmchen , wel. chem ſein damaliger Herr der Litthauiſche Unter kanzler Fürſt Czartoryski ,

dieſelbe als Courier

mit Briefen vom Königlichen Hofe an den Magis ſtrat zu überbringen erlaubt Katte. folgenden Secretairs

Schreiben des

Die nächſte

reſidirenden

Rud . Behme

in

Danziger

Warſcau ,

die Unis

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 401. Univerſalien und mehrere Berichte, brachten die Beſtätigung des glüdlichen Ausgangs der Wahlmit

1 fich , und wenn gledy einige Winke von einer miße vergnügten Separation daben mitfamen

ſo ſchien

nen diefelben boc ro geringe und unbedeutend zu Feyn , daß fie feinen Aufſchub weder der öffentli

1

1

chen und mit ſolennen Freudensbezeigungen beglei 19. Sept. teten Jntimation in Danzig , noch auch der Abfero tigung eines Gratulationsſchreibens der Stadt ant den neuerwählten König verurſachten . Poſttage nadher

aber lauteten

Wenige

die Nachrichten

føon unruhiger , und wurden von der Zeit an im mer furchtbarer.

Man beforgte in Warfau einen:

: Ueberfall von Ruſſiſchen Truppen ; viele Großen des Hofes waren deshalb auf ihre Sicherheit bes dat, und man hielt es ſchon für gemiß , daß mic ihnen der Primas und der König felbft ihre

Zu .

fluật nadi Danzig nehmen würden . i) Deren Ankunft blieb auch nicht lange aus ; nur hatte es anfänglich das Anſegen , als ob der König , der in aller Stille beym Franzöſiſchen Commiſſair Mat: 2. Detbr. thy abgetreten war, fide biefelbft incognito aufhala ten würde. Allein die Vorſtellungen des mitges tommenen Franzöſiſchen Abgefandten Marquis de Monti,

veränderten

dieſen

erſt

gefaßten Ents

fchluß , und der König befog nicht nur das für Jón . zubereitete Logis auf dem Langen Markte , ſondern i ) Auſſer Danzig waren auch Chocim und Marienburg zur Jaterimgreſidenz des tonigs in Poridilag gebracht nirs den : allein der Entſchluß war für erftere Stadt ausgefallen .

Geſch . Danz. 3ter Th.

Danzigs Geſchichte.

402

ließ auch die Bewillkommungsceremonie von Sein ten der Stadt, durch eineDeputation des Rathsk ) unter Abfeurung des Seſchüßes von den Bålen, mit allen Feyerlichkeiten geſchehen . Aus Warſchau erfuhr man nun poſttåglich die Fortſchritte ;

fo von

den Gegnern des Königs

Stanislaus gemacht wurden .

v

Nach einem leich .

ten Gefechtemit dem Regimentarius Poniatowski, Hatten ſie ſich bis Wengrow zurückgezogen , waren aber auf Ännåßerung der Ruſſen wieder nach Prag gekommen ," und þatten Anſtalt gemacht, Bededung

des

Ruſſiſchen Generals

unter

Låcy mit

25000 Mann , eine neue Königswahl zu vollzie. hen .

Dazwiſchen war Stanislaus mit ſeinem

Gefolge

aus Warſchau abgereiſet , und die von

ihm zurücgelaſſenen Kriegsbefehlshaber , der neu ernannte Kronregimentarius und Kiowſche Won wod Potocki;

wie auch der Lublinſe Woywod Tarlo , batten zwar an den Ruſſiſchen und Sach.

1

fiſchen Geſandſchaftshäuſern in Warſchau Gewalt ausüben laſſen ,

auch dem

Römiſch - Kanſerlichen

Ambaſſadeur Grafen Wilzek unangenehme Zumu. thungen gemacht ,

aber keinen förmlichen Angriff

auf die Prager Malcontenten gewager.

Von die ..

ſen war vielmehr ungehindert auf der Ebene bey Kamien ,

der Cþurfürſt von Sachſen unter dem

5. Ostbr. Namen Auguſts des Dritten zum König erwählt, ** ) Darin haben fich der Burgerimeifter von Bömeln , der Nathsherr Johann Sigismund Ferber , und der Raths: berr unb Syndicus Roſenberg , der lateiniſch die Anrede gebalten bat , befunden .

2

Sėdyſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 403 und durch den Polniſchen Biſchof Hofius fenerlich proclamirt worden .

Ferner hatten die Ruſchen

Trippen ſich ogne Widerſtand der Stade Warſốau bemachtiget, maddem dieſelbe vom Wonwooden von Kiom , unter dem Vorwand dès Mangels an Fourage , war verlaſſen geweſen .. ! Unter ſolchen Umſtänden wurde es in für nothwendig gehalten , nen Staatsunruben in feben.

Danzig

ſich gegen die obhandes gehörige

Verfaſſang ju

Der Hof ſelbit war ſeiner Sicherheit wes

gen beſorgt , und der Kønig ernannte den Biſchof von Ploczł Zaluski, den Boymoden von Mariens

D

I

burg Przebendowski , und den Litthauſchen Uns terkanzler Fürſten Ezartoryski ju Commiſſarien , um tegen der Defenſionsanſtalten mit dem Rath der Stadt in Conferenz zu treten , gleicher

Abſicht die

wozu denn in

heyden Rathsherren

Joh .

Wahl un ) Carl Gottl. Ehler deputirt wurden . Aue

frenem

Billen erbot fich der König þieben,

der Stadt ein im J. 1707 für Ihn an den Grafen Tarlo gemactes Darleön , von 30000 Thalern jeßt wieder zu erſtatten .

Man war infonderbeit

auf die Vermehrung der Garniſon bedacht, und beſchloß zugleich ſido um mehrere auswärts ver . ſuchte Kriegsofficiers zu bewerben.

Die Infants

terie der Beſakung follte jeßt auf 3000 Mann ges bracht werden , die Artillerie wurde ebenfalls nach Erfordern verſtårket , und zur Vermehrung der Reuterey follten vorerſt der Gewohnheit nach die Außer Fleiſchergeſellen in Dienſt geſeket werder.. dem ſchon bey Lebzeiten des Major Conradi ſeit CC 2

)

1

404

Danzigs Geſchichte..

einiger Zeit angeſtellt geweſenen Second - Major Trinkius , find noch in dieſem Jafre der beſſer mericirte Major

Salomon Enneberg , 2 )

der

Rittmeiſter Gellentin und einige andere Oberoffis ciers der hieſigen Soldateste vorgeſeßt worden . 1 Gleichermaaßen þat man die Bürgerfahnen in Stand legen und allmålig einige derſelben aufzies ben laſſen , oder mindeſtens der innern Ruße gal. Mit Aufmert. ber Piquetrachen daraus beſtellet. ſamteit und Thåtigkeit þat man ferner für die Re. paratur und Verbeſſerung der Fortificationswerke Sorge getragen .

An mehreren Orten ſind die :

Palliſaden zur Sicherheit der Stadt umgelegt wor. den ; der Ingenieurcapitain Charpentier þat die Sternſchanze auf dem Hagelsberg angeleget, und für die Defenſion ſowol als für die Proviantirung des Forts Weichſelmünde ſind zeitige Anſtalten gee troffen worden . Bey auswärtigen Mächten verabfäumte Dane zig nicht, ſich um die günſtigen Geſinnungen und Interceſſionen derſelben wåþrend der obſtehenden Conjuncturen zu bewerben .

Dahin waren die

Bittſchreiben an den König von Großbrittannien ,

1 ) Major Enneberg hat nach der Belagerung ſeinen Abſchied genommen , und iſt nach Frankreich gegangen , wo er in kurzem den Charakter eines Oberſten und Brigadiers erlangt bat. Nach dem Code des Oberſten Sarang in Danzig , ift er im J. 1737 von neuem als Oberſter in Danziger Dienfte getreten , bat ferner vom Franzöfiſchen Hofe den Titel eines Generalmajors erhalten , und iſt im J. 1742 ( Auguft ) zum Obercommendanten in Danzig , mit einer , erneuerten Bes falluug ernannt worden..

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 405 an die Herren Generalſtaaten , und an den König von Preußen gerichtet, worauf auch in kurzem einige troſtverſprechende Antworten einliefen . Uus Warſchau ſchickte unterdeſſen der Danziger Secre: 20. Octós. tair deu Bericht ein , daß die für den König Auguſt conföderirte Republik Rico zwar eines beſſern Bes tragens , und feiner Affiſtenz an den König Sta : nislaus von Danzig verſåhe,

der Biſchof von

Krafau aber doce eines Anmarſches der Ruſſen þier Bald darauf lief þer Erwåbnung gethan Håtte. die

ausführlichere Nacricht ein ,

daß

36000

Mann nach Danzig beſtimmt waren , wonachſt der Ruſſiſche Miniſter Graf von Löwenmolde , dem Danziger Secretair den Auftrag gemact fatte, feinen Obern die Verpflegung derſelben zu empfe. len , woferne fie der Brandſcagung ihrer Lånde. reyen auszuweichen gedachten. Es verlautete auch , daß die Auslieferung des Königs Stanis : laus würde gefordert werden , und einige Großen in Polen ließen der Stadt rathen ,

ſich des Schu.

Bes ſeiner Perſon in Zeiten auf eine geſchickte Art zu entledigen .

Alle gedachte Aeußerungen aber

wurden in den Conferenzen mit den Königlichen Commiſſarien zu Danzig , für klein und unerheblich gehalten , und die gedegenen Warnungen gab man als Schreckbilder an , womit die Stadt von der Treue gegen ihren erft und rechtmåßig erwähl ren König abgelogt werden ſollte. Dagegen wurde von grbßen Diverſionen geredet,

die den Feinden

des Königs Stanislaus bevorſtänden , und bald darauf ward in deſſen Namen der Stadt angedeus C 3

1

406

Danzigs Geſchichte.

tet , daß 2400 Mann Schweden zu iþrem Dienſt hier debarquirt werden würden . : Danzig ließ in . zwiſchen dem Grafen von fówenwolde und eini gen Polniſchen Magnaten ihre critiſche Lage vor. ſtellen , womit ſie ſich zwar

ſchuldlos die Ungnade

Ihrer Kayſerlichen Majeſtät zugezogen , aber nach der gerekmåßig vollbrachten Königswahl keine Inis quitåt begangen fåtte , um nicht von der Kayſeria ſelbft iþres Betragens Halber gerechtfertigt zu wer

den .

Dennock that der Ruffiſche

Agent Erde

9. Novbr,mann farz darauf einen mündlichen Antrag , worin die Stadt wegen freudiger Aufnahme des Königs Stanislaus ,

im Namen der Kayſerin mit aus.

drůdlicher Rache bedroht wurde ; woraufman aber reſolvirte , nicht nur dem Agenten eine fcriftliche Declaration zuzuſtellen , ſondern auch an die Ruſ fifoe Kayſerin ein ſubmiſſes Juſtificationsſchreiben abgehn zu laſſen . Zu gleicher Zeit ließ ſich der König Stanislaus die unmandelbare Ergebenheit und Treue der Stadt ,

von ſämtlicyen Ordnungen

aufs neue verſicern , und der Franzöſiſche Umbaſ: ſadeur machte eine Vorſtellung , worin er den Den putirten der Stadt zwar alle Drohungen und Ge. fahren an den Tag legte , worauf dieſelbe ſich von Seiten der Feinde des Königs gefaßt madjen můſte, zugleich aber die ſicherſten Promeſſen damit ver . daß ſie von den Königlicen Afftirten , in

knüpfte ,

ſonderheit

von

Sr.

Allerchriftlichſten Majeſtát,

aufs fråſtigſte beſchůßet, und mit Geld und Hülfs truppen t åtig unterſtügt werden würde. Aus Vorſicht bereitete man ſic indeſſen auf die beſorge 1

1

1

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 407 t. liche Unkunft der Ruffen , und es wurde jent rebon Verfüget ,

daß die Einſaſſen der Stadtländereyen

fich mit ihren Pictualien , Vieh und Fourage, in die Stadt oder in die Nähe derſelben zurück ziehen follten; doc erging zugteich ein ſubmiſſes Anſuchen an den König , Tolche Maåsregeln zu treffen , damit

"

alle Ertremitåten abgewandt , und inſonderheit die Stadt nebſt ihrem Gebiete mit der Invaſion frem der Kriegsvolfer verſchont bleiben möchte. Mit Unfang des folgenden Jahres beſtätigten ſich die auf einander eintreffenden Nachrichten , daß der lekterwählte König Auguſt aus Dresden auf gebrochen ,

zu Tarnowicz von einer Polniſden

Geſandſchaft erapfangen

wäre ,

6. Jan.

daſelbſt auch den

Wahlvertrag beſchwören Håtte ,

und "feiner zu

Krakau , nachdem dieſe Stadt vorher von Sachfie faen Truppen wäre überwältiget worden ,

ſeinen

Einzug gehalten , und ſich nebſt der Königin feyer. 17. Jan. lich hatte fronen laſſen .

Die Furcht wuchs dema

nad tåglich , einen offenbaren Krieg in der Proving Preuſſen ausbrechen zu ſehen ,

und obgleich der

Krónungsreicįstag zu Krafau nicht zum Stande gebracht würde , ſo errichteten die Pólen doch ein Bündniß für ihren gefronten König , woraus fich mit Sicherheit ſchließen ließ , daß derſelbe mit den Húlfstruppen

der Kuffiſden Kayſerin ,

Krongegner perſönlich würde.

aufſuchen

ſeinen

und angreifen

Thorn traf die Renbe zuerſt, vom Genes

ral Lacy ůbermannet zur werden , m ) die Polniſche m ) Chorn ſowol al8 Elbing waren auf empfangene Univerſas lien des Reichsprimas , gleichwie Danzig , unter den Gehor: Sc 4

498

Danzigs Serchichte.

Garniſon war kurz vorher aus der Stadt gezogen , und die Ruſſen růcten ohne Widerſtand ein , nachs dem ſie ohngefehr drey Tage mit Wiederherſtellung der abgebrochenen Weichfelbrücke zu thun gehabt Dieſer Anfang der Ruſſiſchen Operatios , nen in Preuſſen erweckte am Stanislaiſchen Hofe batten .

1

eine ſorgendolle Bewegung , mit der aber zugleich eine feſte Reſolution für die Folge verknüpft wurde . Der König ließ , nun eine außerordentliche Deputa. tion des

Danziger

Magiſtrats

fur

öffentlichen

Uudieng rufen , und machte derſelben auf eine for lenne Art durch den Litthauſen Unterkanzler bes kannt, daß Er innerhalb den Mauern der Stadt zu verbleiben , und auf jeden Fall das äußerſte in Er er : derſelben abzuwarten fich vorgefekt gåtte. mahnete die Stadt nochmals zur Standhaftigkeit und Treue ,

und ließ guleßt, dem

mitdeputirten

Kriegspråſidenten einen ſchriftlichen Auffaş übera reichen , worin ſich theils einige den Defenſionszu : ſtand betreffende Punfte befanden , inſonderheit aber eine Inſtruction enthalten war , nach welcher der König reine Polniſchen Regimenter , imglei chen die fremden Hülføvólfer neben der Danziger Garniſon , jur Verthendigung der Stadt in Dienſt feßen zu laffen begehrte. Für Danzig war nunmehr weder noch Zeit übrig ,

Hoffnung

ſich der Verannabenden Kriegs.

famtungben König Stanislaus getreten , und hatten beps rei eits magiſtratsde bederſ putirte nach Danzig ge chickt, un Ihm unit einer ſolennen Bewillkommung ihre Beneration ju befeigen.

i

Sechſter Abſchnitt. Biertes Kapitel. 409 Gefahren entſchlagen zu kdnnen , welche ſchon of: fentlich mit der Verbeerung ihres Gebiets ,

und

mit einer feweren Belagerung angedroht wurden .

1

Des Königs Gegenwart und deſſen genommener Entſchluß , ſein Schickſal innerhalb der Mauern der Stadt abwarten fu wollen , befeſtigte allerdings die

Treue und den Gehorſam ,

den die geſammte

: Bürgerſchaft ihm þeilig zugeſagt hatte ;

ja nach

einigen Urrþeilen war es ein Glück für die Stadt, iþren König ben ſich zu behalten, der als ein naber Vermandter und Alliirter des Bourbonſchen Hau. fes , ( wie man glaubce ) måchtig würde, geſąüket, und vermoge ſeiner Erhaltung zugleich alles Unglüd von der Stadt abgewandt werden . Dergleichen Meinungen wurden von dem Franzöſiſchen Geſands ten mit den fråftigſten Perſuaſionen unterſtüßet; er gab dabey durch unterſchiedene Geſchenke an Geld ,

Gewehren und Munition , Proben von der

půlfreichen Freygebigkeit ſeines Hofes , und ließ es nicht an Verſiderungen fehlen ,

daß ein rayon

unterweges befindlider Succurs auf einer Franzo. fiſchen Flotte, vielleicht allen Hoſtilitåten gegen die Stadt zuvor fommen würde. Aus England und Holland zwar bekam man nicht mehr die günſtig ften Promeſſen von dem Effect der erbetenen In . terpoſitionen am Ruſſiſchen Hoſe ; auch hatte der König von Preuſſen öffentlich die Neutralitåt ange.

A nommen , und nur auf die Nordiſchen Mächte Danemark und Schweden , glaubte man theils wegen der Allianz mit dem

Könige Stanislaus,

1 theils aus Zuneigung gegen die Stadt , CC 5

auf Affie

Danzigs Geſchichte.

410

1 :9

ftenj oder mindeſtens eine Unterſtúkung mit Mann , fdaft und Munition , Rednung machen zu fórinen . Das widįtigſte Geſchäft aber , fo auf Befeøl des Königs mit Danzig in Ordnung gebracht ward, betraf das Reglement, mad, welchem zwey Polni rohe Garde - Regimenter von der Stadt in End ge. nommen , und neben iþren Garniſongvølfern , zur Verthendigung der Stadt und iþrer Aufſenwerte angeſtelle wurden .

Die innre Sąußwehr ſchien

hiemit einen betråchtlichen Zuwache zu gewinnen , es muſten aber daben viele Schwierigkeiten in Bee treff der localen Kriegsdienſte forol , als wegen der perſonellen Jalouſie und des Rangſtreits zwiſchen den beyderſeitigen Befehlshabern weggeráuint wer: den ,

und der König ließ ein Cautionsdiplom aus.

fertigen , vermoge deſſen allem Eintrag in das Be. ſokungsprivilegium

1

der Stadt vorgebeugt wurde.

Stanislaus nahın zugleich verſchiedeneaus Schwe. den angekommene Officiere in Dienſt und Penſion, überließ auch einige derſelben der Stadt , die unter andern

den

Königlichen

General : Adjutanten

Oberſtlieutenant von Palmſtruck bey ihrer Gar. niſon anſtellte.

Hienåd ft wurden noch mehrere

Anſtalten getroffen , k ) die auf eine gute Ordnung und Verbeſſerung des Militairetats

abzweckten ,

n ) Sur genauern Stenntnis gedachter Anftalten , fónnen im Anhange zur Accuraten und aufrichtigen tachriche von per Ruſſiſch Sachfiſchen Belager: und Bombardirung der Stadt Danzig'2c. 2c . Die Verordnungen der Stadt NO, XII – XXV nachgeſehn werden . Die Garniſon hat nebit den beyden Polniſchen Regimentert, und den fremben , wie auch in der Stadt noch ferner angeworbenen Solo

)

Sechſter Abſchnitt.

)

13

.

Viertés Kapitel. 411

wie denn inſonderheit dreiy berühmte Franzöſiſche Igenieur- Officiers , von Baſſart, de Sainte zur Wahrnetis

Cacile, und Voluſier Godelle,

mung des Fortificationsweſens, in End und Pflict der Stadt craten , Eine Aufmerkſamkeit anderer Art zogen werden ſchiedene ſuſpecte Perſonen in der Stadt auf fidy, die entweder nach iprem öffentlichen Charakter oder ins gebeim , Der Sächſiſchen Parthen zugethan waren . Solchem Verdacht, konnten ſelbſt einige Bürger und Mitglieder der Obrigkeit nicht entges hen , auf die man , dem Begehren der Kidniglichen Commiſſarien gemäß ,

Ucht

Verantwortung gezogene

þatte.

Einige zur

Einſaſſen und Fremde

wurden zwar ſchuldlos befunden ,

doch begab fich

felbſt der damalige Kriegspråſident deswegen ſeines Vorſißes im Kriegsrath , weil işm ein Mißtrauen gegen ſeine

Geſinnungen nicht undeutlich darges

than ward .

Das mehrefte Aufſehen aber verur,

fachte der militairiſche Arreſt , womit der Rußiſche Agent Hofrath Erdmann und der Sächſiſche Rez ſident Baron von Frensdorf ; Königs belegt wurden .

auf Befehl des

Der Königliche Hof hatte

abſichtlich hievon der Stadt Feine Notiß geben laſs

daten , ohngefehr 10000 Mann betragen. Mit den achtundi vierzig Bürgerfahrten und insgeſamt completirten Eoupas gnien der jungen Mannſchaft iſt eine Anzahl von 20000 pers fogen wehrhaft gemacht worden ; und wenn noch ein paar tauſend menſchen hinzugefefft werden , die auf den Noths fall die Waffen zu ergreifen fähig geiveſen , fo bat Danzig etliche prey iligtauſend Mann zur , Gegenwehr in Sereits fchaft gehabt .

5

4!2

Danzigs Geſchichte,

ſen , doch wandten ſich beyde accreditirte Herren røriftlich deshalb an den Präſidirenden Burgermei: fter , und noch ſpåterhin iſt dieſer Vorfall der Stadt , ſo inactiv ſie daben auch gat feyn müſſen , Der König , dem der zur Laſt gelegt worden . Magiſtrat nicht zuwider nur den Vorſaß gefaßt,

handeln konnte ,

fatte

den beyden fremden Mis

niſtern eine Wache zur Aufſicht zu geben ; allein der Franzöſiſche Ambaſſadeur beſtand darauf, daß ihnen der Aufenthalt in der Stadt unterfagt wurde, worauf ſie nach einigen Proteſtationen , mit ihren Familien unter einer Eſcorte, Königlicher Drago. ner , bis an die Brandenburgſche Grenze gebract Eine der nächſten Veranlaſſungen zu wurden . beſagtem Verfahren , batten die Depeſchen zweyer Ruſſiſchen Cabinetscouriere gegeben , welche inse geheim aus Danzig nach St. Petersburg abgefera tigt geweſen , von einem Sdwediſchen Lieutenant aber mit etlichen Dragonern eingeholet, und an den König Stanislaus nad Dangig zurúd gebracht waren ,

wo ſie nachher in einem Privathauſe unter

anſtändigem Arreft ſind gehalten worden.

Uebri

gens nåhrte den Argwohn in der Stadt nicht wenig, das gedructe Univerſal wegen vollzogener Krónung Auguſts III , ſo der Woywod Czapski von Cuim mit einem Schreiben an den Rath , zur Intima. tion eingeſandt batte , und welches vom Magiſtrat , aber zwar möglichſt zurück gehalten wurde , lich dennod durch andre Candle unter den Einwognern divulgirt hatte.

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 413 Während dergleichen innern Differenzen waren nun auch die Ruffiſopen Truppen dem Danziger Gebiet nå er gekommen.

Das erſte Ausſchreibett

des Generals en Cþef Peter Låcy erging aus dem Stabs · Quartier zu Meſtin bey Dirfohau , an 14. Febr. fåmtlidye Einfaſſen der Danziger Låndereyen , ſich mit Proviant und Fouragelieferungen bereitwillig abzufinden , wozu vorerſt die Werderſ

en Scule

zen nach Meftin zur nåøern Verabredung berapie. Bald darauf verlangte der General 17. Febr. den wurden . in einem Briefe an den Rath der Stadt, die Er tradition des Hofraths Erdmann und der beyden Ruſſiſchen Cabinetscouriere in Zeit von 24 Stun. den , widrigenfalls er mit den unangenehmſten Reo preſſalien drohte. Das dritte und wichtigſte Søreiben ward drey Cage fpåter aus dem Haupt. 20. Febr. quartier zu Prauſt eingeſchicket, und der Rath darin auf Befehl der Rufliſden Kayſerin aufgefore dert , den König Stanislaus mit ſeinen Adbåren. ten aus der Stadt zu entfernen , auch durch einen ſchriftlichen Revers auf alle fünftige Uufnahme defo felben Verzicht zu leiſten ; dagegen aber den Chur fürſten von Sadſen

Auguſt den

Dritten

als

rechtmäßigen König und Herrn zu erkennen , und ſich demſelben mit einer demütßigen Abbitte zu ur . terwerfen . Zur Beantwortung dieſer Anträge war bey den Königlichen Commiſſarien wenig Rath zu erholen ; der Stanislaiſche Hof verließ ſich nur auf die Ergebenbeit und Treue der Stadt, und ſelbige muſte fich , obte der Dignitát hoher Håup. fer zu entſtehen , auf eine Erklärung gefaßt machen .

Danzige Geſchichte.

414

Man tam überein , dem General das Untmortſchrei ben durch einen Stadtſecretair einhändigen zu taſo Es wurde auf gewöhnliche Art ein Paß dazu

fer .

eingebotet , und der Rath ließ den Secretair Jan Ben nebſt zwey Reutern und dem Stadttrompeter ins Ruſſiſche Lager abgehen. Der General en Chef fand das Antwortſchreiben zwar vöflich, aber eines ſo uncategoriſchen Inbalts , daß er feine Zu friedenheit damit bezeigte. có

Secretair ,

Er remonſtrirte dem

daß er nicht gekommen ware , über die

Legalitåt der Polniſchen Königswahlen zu diſputi. ren , ſondern Befehl gåtte , den Krongegner Au guſts des Dritten als einen Feind ſeiner Monars Er gab das mit qin aus Danzig zu vertreiben . ſich geführte Kriegsheer bis 26000 Mann an , die innerhalb dren Wochen noch mit 15000 Mann nebſt der roweren Artillerie vermehrt werden ſoilo ten , o )

und ließ der Stadt die

Seichtheit ihrer

Hoffnungen auf auswärtige Hülfstruppen vorſtel len : Er bezeigte ſeinen Unwillen ,

daß man ihm

die abgeforderten Arreſtanten nicht mitgebradt båts te ,

ſchlug avch alle Präſente und Erfriſchungen

aus , die man ihm anbieten ließ ;

und behielt ſich

nur vor , erforderlichenfalls einige Bedürfniſſe aus * Der General Låey foll anfangs nicht über 12000 Mann gehabt haben, womit ex în Polniſch : Preuſſen und vor Dans! sig eingerict ift. Unerachtet die Ruſſiſche Kriegsmacht in Polen an funfzigtauſend Mann betragen hat , ſo ift dierelbe doch gar zu zerſtreuet , und des Unterbalis jowol , als, der verſchiedenen militairiſchen Diſpoſitionen halber ſchwer zus , rammen zu bringen geweſen . Wannſteins Dachrichten 2 von Rußland S. 95,

i

1

Sechſter Abſchnitt . Viertes Kapitel. 415 der Stadt taufen zu laſſen .

Endlich verwunderte

er ſich lächelnd, daß man einige aufgehobene Dan . ziger Reuter abfordern wollte, und erklärte viele mehr , daß er von nun an eben ſo angreifend ver . fahren würde, als die Scade defenſiv zu agiren fich vorgefekt håtte. In der That hatten die Feindſeeligkeiten vor Danzig ſchon ihren Anfang genommen , und es fa. men deren immer mehrere zum

Ausbruch.

Die

Ruſſen hatten ſich über die Höhen um die Stadt Ein paar Streifen bis Langefuhr ausgebreitet. reyen der Koſafen vor dem Oliviſchen Thore und am Uceiſepoſten ben Slapte waren leicht abgea ſchlagen , auch ein Deraſchement Ruſſen , fo fich auf der Weſterplate zu verſchanzen geſucht parte, ward mit den Kanonen von der Weſtfdange ver. trieben ; die kleinen Scanzen an der Weichſel mure den in Stand gefeket",

um

dieſen Fluß zur

Com .

munication der Stadt mit der Münde beſtreichen zu können ,

und der Hauptmann Fraiſinet vera

nichtete mit einiger Maunſdaft die Anſtalten , woo mit der Feind fich des Weid ſeifluſſes zu bemachtio gen

@ on Miene machte.

Vorfälle hatten für glücklicen Ausgang.

Nur ein paar fpátere

die Danziger Der erſtere,

einen

minder

ſo unbedew 6.März .

tend er war , ward durch die Unvorſichtigkeit des commandirenden Lieutenants Woodke am Vorpo. ſten bey Schlapke verſchulvet , der mit zwen Mann fu recognoſciren ausging , ſich aber auf 2000 Schritt von ſeinem Poſten entfernte , und in ein Witchshaus eingetrecen war , wo er von den Koſa.

>

3

Danzigs Geſchichte.

416

ten überfallen , und nebſt den beyden Muſquetiers Der Lieutenant ges

gefangen genommen wurde.

rieth nachher in den Verdacht, als ob er freventlich

5 zu deſertiren geſucht gåtte , ein in ſeiner Abweſen. heit gebaltenes Verhór aber ließ ſolches nicht auf ihn bringen , doch iſt ſeine Stelle für vacant erklärt worden.

p) .

Von erheblicern Folgen war die

Expedition , wozu der Major Trinkius mit 350 Mann und einigen Feldſtůden , nad Groß Pids mendorf im Bauamt den Befehl belam , die dort . in Sicer eit liegenden Ruſſen zu delogiren , un einen Vorrath an Proviant und Fourage zu retten. 11. März.Dieſer aber richtete feine Aufträge ſo fehlerhaft aus , daß er mit vernachläßigter Ordre die Mor .

gendämmerung zu nuken , erſt den bellen Tag ab. wartete,

fogar den angewieſenen Ort verfehlte,

und bis bey Rückfurt ins Werder 'einrúčte , ferner duro fruchtloſe und ungeitige Abfeurung der Kano : nen ,

die Feinde wecfte und aufmerkſam machte,

einen eigentlichen Angriff aber gar nicht unternahm, fondern gegen etliche rechzig Mann Ruſſen , ſeine fünf mal ſtårfere Mannſchaft zum Rückmarſd com , mandirte.

Auch nicht den Standort , wo er weis

tere Befehle abwarten ſollte ,

þat er beobachtet,

und überhaupt ſind keine Entſchuldigungen dem ſchlechten Betragen dieſes Officiers zu ſtatten geo kommen , weshalb er durchgehende getadelt, vors Kriegsrecht gezogen, und völlig für dienſtlos erkläret, auch p ) Er hat nachher Kuffiſche Dienſte genommen , und iſt jum Capitain geinacht worden.

-

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 417 auch eine Zeitlang mit Arreſt iſt beſtraft worden. Unglücklicher weiſe aber råchten fich die Ruſſen noch insbeſondre für dieſe mißlungene Attaque ,

indem

fie durch soo abgeſchickte Koſaken das Werder vers Dazwiſchen ausplündern ließen ließen .. Heeren und ausplündern hatte der General Lacy einen ſchon oftmals an ihn geſchickten

Stadttrompeter

Man wuite anfänglich nicht,

gefangen

behalten.

wie man nebit dem

Uusbleiben der Antwort, dieſes der Kri ? gsgewohn Þeit widerſprechende Verfahren erklären ſollte, ere fuhr aber nadıgehends, daß auf eben den Ruſſia ſchen Poſten bey Gute Herberge,

zu welchem ei.

nige Minuten vorher der Trompeter feinn genommen gehabt ,

Polniſcher

ein

am Ofriſoen Slagbaum ,

Weg

Gardeſoldat

eine Kanone geldſet

Ueber dieſe Indiſcretion iſt der Generat ſo þátte. entrüſtet geweſen , daß er den Trompeter bey ſeiner Ankunft in Urreſt zu werfen Beregt ertheilt þat. Alle übrige Søåden , ſo Danzig bisher durch die feindliche Sperrung erlitten , ' waren noch ers träglich geweſen. " Nur durch das abgeſchnittene Radaunenwaſſer war der Gang der Großen Müble gehemintworden ,womit das Neb ! ſeltner ward, und man ſich zulegt mit geſchrotenem Brod bat bea gnügen müſſen.

Bald Bernach war auch durch

Ausſtechen des Großen

Teides zu Tempeſburg,

das gate Waſſer yon daher genommen , womit bin, gegen eine ſoldze Menge Fiſche auf Neugarten hin, geſtúrkt war , daß ein unſäglicher Vorrath dieſes Lebensmittels þat in die Stadt gebracht werden können .

Die Zeit fam aber geran,

Geſch. Danz. ztep Th.

1

daß Danzig

418

Danzigs Geſchichte

mit mehr Gewalt foreirt werden ſollte.

Der See

neral. Feldmarſchall Graf Burch . Chriſt. Von Münnich hatte das Obercammando über alle in Polen befindliche Ruſſiſch - Kayſerliche Truppen ben kommen , und er war nun befehligt, mit großerm Ernſt und Eifer Danzig zur Uebergabe zu bringen , 17. März.Seine Ankunft im Hauptlager zu Prauſt, machte er der Stadt durch zwey nacheinander eingeſchichte Schreiben bekannt, deren lekteres auf verzögerte Erklärung des Raths ,

1

mit einem åußerſt þarten

Manifeſt verknüpft war , worin der Stadt ein Tere min von 24 Stunden gelegt wurde ,

ſich dem ko .

nige Auguſt III. zu unterwerfen und der Ruſſiſchert, Kayſerin Genugthuung zu geben , auch zu dem Ende die Stadtſchlüſſel zu überliefern , und ein Thor einzuräumen , welches von Ruſſiſcher Wacke befekt werden ſollte:

nach Verlauf dieſes Termins aber

ſollte an Feine Capitulation weiter gedacht, ſondern nach Kriegesgebrauch gegen alle Einwohner der Stadt feindlich verfahren , und inſonderþeit die uns geborſamen Gegner des gekrönten Königs ' von Po lên , mit åußerſter Strenge als Rebellen behandelt Danzig befand ſic in einer Lage, worin die Gefahr eines traurigen Schickſals nicht füglich Keine einzige mehr abgewandt 'werden konnte. werden .

der Ruſſiſchen Forderungen ließ ſich ohne Verlegung der erft zugeſagten Treue bewilligen ,

und darum

48. März.legte das Antwortſchreiben an den Feldmarſchall nochmals die freye und geſegmåßige Wahl des Kös nigs Stanislaus , der Ergebenheit an denſelben zum Grunde , nicht ohne geäußerte Hoffaung, daß

1 Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 419 deren achter Wehrt von der Ruffirden Monarchin ſelbft můrbe erfannt werden .

Man ſchrieb auc

wiederholentlich an alle auswärtige Potentaten , die

1 ſich bisher in der Danziger Sache intereſirt hata ten , um bey den erneuerten Drohungen , Souß , Rath und Interceſſion von Ihnen zu erbitten . Nie lein ſchon in der folgenden Nacht wurde der Dan . ziger Vorpoſten ben Ohra úberwåltigt.

Der Pole

niſche Oberſtlieutenant Mazeppa, der daſelbſt mit ohngefehr soo Mann lag, wurde von einem we . nigſtens viermal ſtårfern Corps Ruſſen auf zwery Seiten attaquiret,

und uneraçtet

Gegenwebr zum Beichen gebracht.

einer tapfern Doce ſalvira

ten die Danziger die Hälfte ihrer Kanonen , und nur bier , deren eine vernagelt worden ,

fielen den

Ruſſen in die Hände. Die Stadt verlor daben nebſt 90 Gemeinen , worunter 30 Danziger gewee ſen , ihren wadern Lieutenant Gellentin

auf dem

Plaß , der Hauptmann Fraiſinet ſtarb nach einia gen Tagen an ſeinen Wunden , und außer 40 Gea meinen war der Lieutenant Scheffer gefährlich blefe ſirt worden .

Der Verluſt von Ruſſiſcher Seite iſt

ungleich großer geweſen, und inſonderheit hat man den Tod des Oberſten Hannemann eines Somie . gerſohns vom General Låcy bedauert.

Nach dies

fem Heberfall ward das Ruſſiſche General . Stabs . quartier nach Düra verlegt, und die Stadt immer enger beſchránket. in den nächſtfolgenden Tagen ,

fingen die

Ruſſen (qon an, Feuerkugeln und große Granaten Don 15 bis 18 Pfund in die Stadt zu werfen , die

Danzigs

420

Geſchichte.

aber geringen Effect thaten ,

und wovon nur imi

Zerſpringen einige Menſchen beſchädiget wurden . Aus der neuen Scanze am Looſen Berge vor dem Neugartſchen Thor , ward ein Danziger Comman. do von 150 Mann mit einigem Verluſt delogiret, doc mufte der Feind wegen der Stadt , Kanonen , die S@ anze wieder verlaſſen .

Vortheilýafter war

ihm die Occupation des Nebringſchen Haupts an der Weichſel, um der Stadt die Zuführ zu neh. men .

Das hier angeſtellte Commando hatte ſchon

vorläufigen Befehl, ſich aufAnrücken einer ſtårfern feindlichen Macht in die Stadt zu retiriren , als ſolches ,

und

weil ſich 1500 Mann Ruſſen auf

Weichfelfahnen im Unlauf befanden , geſchehn war , ſo nahm der Ruffiſche Major Rothe dieſen Ort in Beſik.

Dagegen wurde das Project der

Feinde , ſich auf dem þolm feſtzulegen ,

vereitelt.

Die wenige Mannſchaft, ſo in der dortigen Som merſchanze unter dem Hauptmann Lealand lag, Werthendigte ſich entfoloffen gegen die anlaufenden Ruſſen , deren nebſt dem Hinterhalt an 3000 geo Ein Succurs von 509 Mann weſen ſeyn ſollen. ward aus der Stadt commandiret ,

aber weit befo

fere Dienſte that der aus der Münde zur Hülfe ges ſchickte Pram mit Geſchüß und Ammunition , wo. burch die feindlichen Angriffe bis an den Abend zu: rückgetrieben , und die Ruſſen endlich mit großem Verluſt die Holminſel zu verlaſſen ſind gendthiget worden . Tages darauf wagten die Danziger einen Ausfall aus der Stadt ,

um den Laufgraben zu

ruiniren , den die Ruſſen nebſt der kleinen Jeruſa.

Sechſter Abſchnitt. Viertes Kapitel. 421 lemsſchanze, nahe vor dem Oliviſchen Thore, vom Ziganenberge ab bis gegen die Weid ſel aufgewore fen þatten .

Hiezu wurden zweyhundert Mann nes

ben dem Gewehr mit Schauffeln beordert, und es gelang ihnen anfangs 600 Ruſſen aus dem Gra. ben zu

treiben ,

auch die ſpaniſchen Reuter ju

Grunde zu richten ; allein ein þerzueilender Entfaß pon 2000 Mann ſtörte ihre Arbeit im Zuwerfen des Grabens , fie zogen ſich mit geringen Verluſt in die Stadt zurück , und nun wurde deſto Heftiger von den umliegenden Schanzen und Batterien auf die Ruſſen geſchoffen ,

deren mehr als hundert

Lodte, die Bleſſirten ungerechnet,

auf dem Plak

ſind gezählt worden. Ben allen dieſen Attaquen gehörte es mit zu den Calamitaten des Krieges , daß von den Belas gerten ſowol als von den Belagerern viele Plåße durch Feuer verwüſtet,

und manche núbliche Gea

båude abgebrannt wurden .

So baben die Koſa.

fen die Ziegelſcheune vor der Stadt , viele Scheus nen und Wirthshåuſer auf dem Langfuhrſchen Wes ge , imgleichen das Hoſpital zu Allen Gottes En . geln abgebrannt,

und die Kirche daſelbſt ſpoliiret

und zum Pferdeſtal gebraucıt.

Der Danziger,

Kriegsrath hatte Befehl ertheilet ,

aus Nochwene

digkeit 12 bis 13 Häufer vor dem Petershagſchen Thor auf der dortigen Contreſcarpe in Brand zu reßen ;

allein durch einen blinden Lärm ward nicht

nur die Soule zu Petershagen angeſtedet,

ron -29. März.

dern es hat ſich auc, unter dem unordentlichen Com. mando des Oberſtlieutenant Palmſtruck , DO 3

der

1

!

422

Danzigs Geſchichte.

Brand an den

Petershagſchen

Gebäuden fo weit ,

Und befehlswidrig ausgedehnet, daß das Feuer bis ins Sdottland gemütet, wie auch die Wohnungen auf dem Stolzenbergſchen Wege veczegrt þat.

Zu

geſchweigen mehrerer Wirthshäuſer, Scheunen , Mühlen und anderer Gebäude , die der Hinderntſſe tegen , oder als verdächtige Schlupf-vinkel , inſon . derheit an der Weichſel und vor dem Legen - Thore paben in die Afde gelegt werden müſſen . Urſache genug hatte man bienächſt,

zur Ver.

minderung ſo vielfältigen Unglücks, die ernſthafte. ften und weiſeſten Maasregelt zu ergreifen.

Die

Vertrdſtungen vom Königlichen Hofe Hatten noch immer die entfernten Auriliartruppen zur Äusſicht, ünd indem gerade fiebenzig Mann Schweden aus Stralſund angefommen waren , ſo hieß es, daß in kurzem noch 1700 auf zwen Schiffen aus Stock : Holm , und mehrere derſelben aus Schweden erwar. tet würden . Ferner wurde für zuverläſſig angege . ben , daß der König von Preuſſen dem Franzofie foben Miniſter an ſeinem Hofe erklärt hätte , keine Ruſſiſche Artillerie durch ſein Land paſſiren zu laſ fen .

Hiemit ſtimmten die Nachrichten des Mar

quis de Monti überein , der ſich für die' nahe Un . kunft eines hinlänglichen Succurſes in Danzig vers bürgen wollte, und dabey die Ruſſiſche Kriegsmacht pieſelbſt ſo klein und mübſeelig ſchilderte, daß ſelbſt die Zaghaften dafür Muth faſſen dürften. Zu Rachbauſe hingegen ſabe man ſchon mit mehr Ue . berlegung nach Kettungsmitteln umher , die in der Näße und ohne Gefahr des Verfowindens ergrifo

Sechſter Abſchnitt. Biertes Kapitel. 423

Drey Vorſchläge betamen

1

fen werden könnten .

hi

infonderheit in den Conſultationen ein Gewicht: entweder man wollte ſich um die Mediation , ( und

2

71

nad einigen Stimmen um die mitverknüpfte In terimsprotection ) des Königs von Preußen bewers ben ; oder der Stadt bis zu ausgemachter Sache eine Neucralitat auswürfen ,

wozu Stanislaus

Tetoft den Weg zu bahnen erſucht werden follte ; obec aber Danzig mußte ſeinen bisherigen Defen . fionsplan behaupten , und den Ausgang der Sache der göttlichen Providenj überlaßen .

Die benden

erſteren Projecte führten aber zu viel Difficultåten mie fich , um einen feſten Entſchluß darin nehmen zu können , doch konnte man ſich der Mediation wegen ,

perſönlich an den Königlic Preußiſchen

Etatsrath von Wallenrod wenden , der zur vors ber ſchon von Danzig erbetenen Interceffion , von feinem Könige ein Creditiv an den Ruſſiſchen Felds marſchall überreicht batte.

In der Hauptſache

hingegen blieb es nach einigen Debatten zur Zeit bey der Reſolution ,

mit den bisher beobachteten

Marimen , getroft und geduldig dem Sớidſal ent Man erneuerte und vermehrte gegen zu geben . noch viele Anſtalten im Militairweſen ,

verſtärkte

> die Soldateske durch offentliche Anwerbung , regu . tirte des Tages adt,

und des Nachts ſechszehn

Fahnen, zu den Bürgerwachen , fekte alle complete gewordene Compagnien der jungen Mannſchaft in Waffen ,

nahm Freywillige an und brachte die

ausgezogenen Freyfchügen unter Suborditation, beſtellte auch zwey Feldprediger in den Außenwerken,

DO 4

424

Danzig$ Geſchichte,

und ließ in der Stadt wöchentliche Betſtunden hat. ten. Der Franzoniche Ambaſſadeur tam bieber wieder mit einigen Offerten an Geld und Gewehren zu Hülfe , und verf iedene fremde Officiers , wors unter der Däniſche Oberſte Harang fürzlich mit dem Stadtſecretatr Steinhart aus Holland ange

i

langt war ,

traten in der Stadt Dienſte.

Um dieſe Zeit þatte der Graf Münnich die 30 may . Stadt Elbing durch den Oberſten Boy in Beſię nehmen laßen ,

worauf die mehreſten dort befind, fichen Stücke und Kriegsbedürfniſſe ins Lager vor Danzig geführt wurden .

Eben ſo ſehr gelang die

Zernichtung des einzigen zum Enoſaß der Stadt Danzig von Polniſcher Seite gewagten Unterneh . mens .

Hieju war der Woywod don Lublin Graf

Tarlo mit ſeinem Corps Truppen über die Weichſel gegangen , und hatte zwar eine Kriegslift verſucht, dem Könige Stanislaus von ſeinem Vorhaben Nachricht zu geben , und einen Ausfall aus Danzig zu verabreden : allein der Anſchlag dazu ward vom Feldmarſchall Münnich entdeckt, und vereitelt. Derſelbe

behielt

die

Boten

des Grafen Tarlo ,

nachdem er ihnen einen kurzen und fruchtloſen Auf enthalt in Danzig verſtattet gehabt , in ſeinem Las

!

ger , und fertigte mitlerweile den General Lacy mit 1500 Dragonern ab , um zum Ruffiſden

Generallieutenant Sagraiski zu ſtoßen , und den Wonmoden zur Feldſchlacht zu zwingen.

Sa.

graiski Gatte zwar ſchon vorher einen Portrupp Mpril. des Woywoden ben Schweß überwunden ; nun

aber tam es zu einem Hauptangrif beym Dorf

Viertes Kapitel. 425

Sechſter Abſchnitt.

uncjezina an der Pommerfern Grenze , wo die Polen 10000 Mann ſtark, von 350o Ruffiſden 17 April.

1 Dragonern und 1000 Koſaken ,

mit Verluſt von

500 Todcen geſchlagen und auseinander gejage wurden . Bey dem allen aber þatte der Graf

UF

Münnich nach feiner Einſicht bey. Danzig zu wenig Mannſchaft, und zu großen Mangel an brauchbar tem Germůk , um die Belagerung mit ſattſamen Er machte demnach Eifer betreiben zu können . Anſtalt , die überflüßigen Truppen von Warſchau und der dortigen Gegend an ſich zu ziehen ,

und

brachte es nach einiger Zeit dahin , daß ſelbige die Weichſel herunter gefcbifft wurden.

Mit dem Ges

ſchübe þat es ſich noch eher gefördert, nachdem der König von Preußen die Durchfahrt deſſelben , auf wiederboltes Unſuchen durch ſeine Lande bewilliget bat.

Gegen die ſchweren Stúde welde bey Liebau

für die Ruſſen eingeſchifft werden ſollten , treugte zwar jeßt eine Franzöſiſche Brigantine , welde dep Marquis de Monti für den Stanislaiſchen Hof ausgerüſtet hatte ;

und dieſen ganzen Monat hin .

1 durch bekam Danzig noch Straplen der Hofnung, daß durch Preußen fein Tranſport der Ruſſiſchen Artillerie

erlaubt werden

würde.

Eines theils

fchmeichelte man ſich auch mit der projectirten Men diation , indem der König von Preußen ſeinen Ge. þeimen Etatsrath von Brand , eigens ins Ruſſie fche Lager , an den Feldmarſchall abgehen ließ, um der Stadt ſowol einige Schonungen auszuwärken ,

$

als auch wegen der Bedingungen zu einer Mediation ſich mit ihm

+

zu beſprechen.

Dennoch baben alle

Danzigs Gerichte. ?

426 Hierin

gerdehene Negociationen zulegt nur eine

folche Richtung bekommen ,

daß der Stadt eine

btlfige und leibliche Capitulation bat procarire were den follen , Was die Belagerungsoperationen betraf,

fo

Katten die Ruffen zwar 'den braven Capitain Lea land , als Commendanten in der Sommerſchanze , nocy eirimal vergebens auffordern laßen , übrigens Meiſter gemacht, wodurd die

aber fidy vom Holm

Communication der Stadt und der Weichfelmünde mit vielen Gefährlichkeiten erſchwert wurde.

Seit

iſt überhaupt das gegen feitige

dem roten April,

Beſchießen ſehr geftig geworden .

Die Ruffen har

ben glüende Kugeln bis 24 Pfund fc ter in die Stadt geworfen , und beyde Theile Şaben mit Eraft und großer Gewalt ,

einander Schaden und Ab .

bruch gethan , woben wiederum ganze Strecken der Danziger Vorſtådte, als in Schidlik , der Molde, und in der Motlauſoen Goffe , nur mit Verfcho . nung des Barmherzigen Brüder , Kloſters , Arche gelegt wurden. 9 )

in die

Ein freundſchaftliches

Ermahnungsſchreiben , ſo der Woywod von Culm 3 April, aus dem Ruſſiſchen Lager durch einen Trommel ſchläget an die Stadt geſchickt Batte ,

machte im

Austrag der Rathſd låge , der Pluralitåt nad keine Veränderung , feine

und

ſchriftliche

obgleich gedachter Woywod

Warnung,

ſich dem

Könige

Einige Bodien ſvåter , ift man jur Siderheit der Stadt dennoch genothigt geweſen , gedachtes Slofter ſowol alb viele andre Gebäude und Wohnhäuſer auf den Geiſtlichen Gründen abbrennen zu laßen.

7

$

Sedyſt er übſchnitt. Viertes Kapitel. 427 Auguſt zu ſubmittiren , noch einmal mit großerm Nachdruck wiederholte , weicern Effect.

po blieb alles doch ohne Mir gleicher Standhaftigkeit ema ....

pfing man das Notifications ſchreiben , womit Dec 16 April. Feldmatrohall von Münnich den Anfatig des Ponta bardements auf die Stadt und die gångliche Vers þeerung ihrer Borſtådte und Länderepen , derſelbeit förmlich anfündigen ließ.

Er ſchickte zugleich una

ferſchiedene Briefe an den Herzog von England , und ' an die Reſidentén und Commiffarien aur wars tiger Höfe , worinnen ihnen und den Freimden ihrec Nationen in Danzig , nebſt deren Familien und Effecten , ein ſicherer Abzug aus der Stadt anged boten und verſprochen wurde.

Allein die Stad

Obrigkeit þat einigen Perſonen die ſich håben entfer nen wollen , weil es ſchon zu ſpät und dem Kriegsa gebrauch entgegen geweſen , diefe Freyheit nicht zu : geſtanden , und alles nod; ferner deshalb vom Gram fen Münnich unterſtützte Begehren , iſt mir Hof licht'eit und Vorſchüßung der Umſtände abgelehner worden .

Einigen Eindruck machten nün doch die

täglich mehr beſtätigte Nachrichten , daß das Rufo fche Lager init ſchwerer Artillerie verſorgt würde. Der erste Transport derſelben war von Riga und Reval auf Ruſſiſchen und Holländiſchen Fregatten nad Pillau geführt,

von dort auf Pramen und

Schmacken ins Har eingeſchiffet , und zu Rafenart im Danziger Werder gelsßt worden , von wannett nun die Bayern den ganzen Vorrath mit fechszig Wagen ins Lager anführen mußten .

Bekannt

genug iſt auch der ziemlich ſonderbare Umſtand , daß

Danzigs

428

Geſchichte.

einige Mörfer und Bomben aus Dresden mit Era trapoſt verſchrieben geweſen , die um eben dieſe Zeit 29 April. unter Bedecnng

über Berlin

hergebracht find.

Der folgende Tag machte demnach allen bisherigen Zweifeln am würflichen Daſeyn der Mörſer und Bomben ein Ende ,

indem des Abends die zwey

erſten Bomben mittlerer Große auf dem Holzmarkte Kinfielen . Das Schreden in der Stadt vergrößerte fick merklice unter der Fortdauer des Bombardements . In allen der Gefahr zunächſt ausgeregten Stadt

? diſtrikten wurden die Häuſer verlaßen , die Kram . laden geſchloſſen , und das gemeine Verkehr unter: brochen.

Der Königliche Hof begab fich nach

Langgarten , viele bemittelte Einwohner bezahlten ebendaſelbſt theuer genug ihr Unterkommen , andre fuchten ſich und das Iþrige in gewölbten Kellern - und Unterwohnungen zu retten .

In einigen Kir

den hørte der Gottesdienſt auf ; die gewöhnlichen Verſammlungs jimmer des Raths und der Ordnun gen wurden geſchloſſen ,

und man şielt die öffent.

lichen Rathſchläge in den mehr gedeckten Untergen wölben des Rathhauſes ,

bis dieſe Zuſammen .

künfte ſp terhin auch noch Langgarten verlegt ſind . Hiebey wurden mehrere , obgleich der unvermuthe ten Uebereilung balber , nicht hinlängliche Anſtalten getroffen ,

die ſonſt ber ſchweren Belagerungen

ftatt finden ; doch ließ man dem Glockenſpiel nebſt dem Auſlagen der Stundenglocken anfänglich noch ſeinen Fortgang.

Eine große Deputation aus allen

$ Man . Ordnungen wurde bey dieſer zunehmenden Noth

Sechſter Abſchnitt. Viectes Kapitel. 429. 8

an den König abgefertiget, um ſich Raths zu erhoa

3

ten , und inſonderheit nach der Urnäherung einer

+

AL

fichern

Kriegshülfe

zu erkundigen .

Derſelben

wurde zwar ſehr gnädig begegnet , und mit neuen Verheiſſungen geſchmeichelt, der Stadt aber ward fugleich auf den åußerſten Erfolg die Feſtgaltung der Treue empfohlen , und vom Marquis de Monti fogar gedrohet,

daß fie fich widrigenfalls einem

Franzöſiſchen Bombardement blos ſtellen würde. Dieſer bekråftigte dabey , daß in wenigen Tagen ein ſehr ſtarker Franzöſiſcher Succurs auf25 Linien ſchiffen eintreffen würde ,

wovon er die beſtätigte

Nachricht durch den Franzöſiſchen Miniſter zu Ros penhagen erlangt haben wollte . Und in ſolcher Art wurden felbſt die Kleinmüthigen in Dangig mit Hofnungen genähret, denen ſie ihrer Berußigung wegen , nichts mehr als die Geduld hinzu gefellen fonnten .. Außerhalb der Stadt machten ſich die Ruffen nunmehr von der Sommerſchanze Meiſter.

Der

Hauptmann Fiſcher , der wenige Tage vorher den krankgewordenen Capitain Lealand þieſelbſt im Commando abgelößt þatte, nahm zwar die vom

1

Feldmarſchall geſchehene Aufforderung "nicht an , doch bat man es hernach deſſen ſchlechter Defenſion mehr als dem ſchnellen und nächtlichen Ueberfall o map , des Feindes zugeſchrieben ,

daß die Schanze faſt

ohne Verluſt von feindlicher Seite , mit Sturm er . obert, und die größte Hälfte der Beſaßung theils iſt gefangen genommen , theils nieder gemacht wors den. Der commandirende Capitain war gleich in

Danzigs Geſchichte,

432

der erſten Verwirrung mit einigen Officiers und funfzig Gemeinen auf einem Prain nad Der Beche und hatte die übrige mann ,

felmünde geflogen , ſchaft ihrem

Schickſal überlaßen , wofür er aber

in der Folge der verdienten Verkleinerung ſeiner Reputation nicht entgangen iſt.

Indeffen ſtårfte

die leichte Eroberung gedachter Fortereffe den Muth der Feinde dermaßen ,

daß ſie nicht nur in den Ap

proſven gegen die Stadt deſto åmfiger und forts ſchreitender wurden , ſondern auch einen Hauptan . grif auf den Hageleberg zu unternehmen beſchloſſen . Hiezu wurden 8oco Mann commandiret, wovon aber ogngefehr ein Drittel im Hinterhale geblieben und nicht zur Action gekominen iſt. Sie rückten 9 May . um 10 Uhr gegen die Nacht in drey Colonnen an , und um die wahre Attaque zu verbergen , ſo wur den drey falſde Angriffe,

jenſeits der Weichſel,

beym Petershagſchen Thore gegen den Biſqofs berg ,

und gegen die Tete des Hagelsberges ges

macht; der Hauptſturm aber war am Majorenthor beym ſogenannten Keſſel auf den

Hagelsberg geo

richtet, wo der GeneralLåcy das Commando þatte. Dieſe wahre Abſicht der Belagerer wurde den Dan . zigern zu früh entdecet , daher ſelbige am rechten Ort gewaltig zu feuern anfingen .

In muthiger

Fortſegung des Sturms wurden die Ruſſen zwar Meiſte

Kanonen.

von einer Batterie mit ſieben

Weil aber neun Officiers vom Etat-Major , und die meiſten übrigen Officiers und Ingenieurs durch das unaufhdrliche Kartetſchenfeuer der Belagerten , ſo drey Stunden lang währte , getdotet oder vers

I

4

SechſterAbſchnitt.

Viertes Kapitel. 43 I

wundet waren , fo befanden ſich zulegt faſt alle drey Colonnen iþrer Unführer beraubt und obneordenta. lichem Commando .

Hieju tam , daß die Danzi.

ger immerfort aus der Stadt verſtärkt wurden , mit ſtets erneuertem Feuer die Ruſſen auf der eingenoma menen Batterie ſchwachten , und jeden wiederhole ten Angrif, ju unſäglichem Schaden des Feindes , mit den Sturmbalfen zurückwieſen . Die Ruſſiſche Generalitåt welche ſich in der Nähe der beſtürmten Werke befand , faßte demnach gegen anbrechenden Morgen den Entſchluß , den Weberreft ihrer Trup . pen zum Abzug zu beordern , welches zwar in guter. Ordnung aber unter fortwährendem Feuer geſchahe . Nach ihrer eigenen Angabe þat dieſe ſcharfe Action die Ruſſen an 1.500 Todte gefoſtet, die faſt gleiche Unzahl der Verwundeten ungerechnet; außer neun dabey geweſenen Officiers vom Stabe, hundert Oberofficiers und Ingenieurs

find an , erfchoffen

öder hart bleſſirt worden : 692 gebliebene Rullen haben die Danziger auf dem Plaß beym Keffel ben graben ,

und die übrigen Todten ſind zu vier malen

von den Ruſſen ſelbſt auf 26 Wagen abgeführt worden .

Der Danziger Verluſt iſt von geringer

1 Bedeutung geweſen , vielmegr haben dieſe fehr gute Beute , inſonderheit an brauchbaren Gewehren gee macht, ſo das Publikum den Soldaten abgefaufe þat, und man hat 96 Gefangene bekommen , wor mit man die bey unterſchiedenen Vorfällen aufgeho. benen Danziger hat auslöſen können .

Nicht mehr

nig iſt auch durch dieſen glücklich abgeſchlagenen

432

Danzigs Gefchichte.

Sturm , der Muth zur Vertheydigung der Stadt erheitert und geſtärkt worden . Kurz darauf verbreitete ſich ein Gerücht vom Ankommen der Franzöſiſch in Flotte.

Das Frog.

tocken darüber wurde aber erftidet,

nachdem die

1500 Franzoſen , welche von etwa fieben oder acht Schiffen auf der Weſterplate ausgefegt waren , in wenigen Tagen wieder unter Seegel gingen , r ) und zu iþrer Eſcadre die im Sunde lag , zurückkehrten , weil die Ruſſen an der Seefüfte alles verbeert und verbrannt þatten ,

und der Franzdfirde Succurs

weder Aufenthalt noche Subſiſtenz finden zu fönnen beſorgte. Mitlerweile hatten die Ruſſen faſt ud . unterbrochen das Bombardement auf die Stadt fortgeſeket, und auch von dieſer Seite' mar man die Erwiederungen nicht ſchuldig geblieben .

Doch

machten einige vom Grafen Münnich eingelaufene Zuſchriften die Disharmonie der Meinungen Danzig wiederum rege . bemühet ,

in

Man war gier regnlichſt

der Erholung ſowol als der rubigern

Deltberationen Halber ,

einen Waffenſtillſtand zu

erhalten , hatte aber bisher fruchtlos darum erſuchet, weil man die vom Feldmarſchall verlangten Bedin . gungen verſagte.

Nur die abermalige Ankunft des

Etatsrath von Brand im Ruſſiſopen Lager erleich. a mag. terte gedachtes Begehren der Stadt.

Jør wurde ein

r ) Thre plößlice Einſchiffung bat in der Folge noch einett att: dern Vorwand bekommen , daß fie durch eine ausgeſprengte Nachricht vom Tode des Königs Stanislaus wären binters gangen worden.

Sechſter Abſchnitt. Viertes stapitel. 433

ein Stillſtand auf,48 Stunden bewilligt ,und die Preußiſchen Miniſters von Brand und von Grumkow kamen perſönlich herein , um , wie die Hofnung ſick anließ ,

der Mediation halber ein

würffames Vernehmen mit dem Magiſtrat biefelbft zu pflegen .

Nun außerten ſich zwar in den Regies

rungscollegien einige Geſinnungen ,

die von dem

bisherigen Verthendigungsplan abwichen ; allein die Bürgerſchaft in der Dritten Ordnung , und die Gewerke blieben dem Stanislaiſden Hofe mit ſo feffer Treue ergeben , daß ſie unter feinen Bedin. gungen das Gaſtrecht gegen denſelben verlegt wiſſen wollten .

Es kam daher mit Mühe zur einſtimmis

gen Endſchaft der Ratſchlage, s ) und der Präſi. dirende Burgermeiſter , mit dem man ihſonderheit eine Unzufriedenheit bezeigte , entzog ſich zur Zeit aus freyem Entſchluß , den Vorſik bey den Seſſios nen des Raths.

In der Hauptfache wurde weder

gur Erleichterung der Kriegsnoch ,

noch für

eine

nähere Ausſicht zur Complanation etwas gemon . nen ;

die Preußiſden Miniſters wurden vom Felda

marſchall erinnert, ſich aus der Stadt zu begeben, und nach Verlauf des zugeſtandenen Termins

vi

nağmen die feindlichen Operationen wiederum ifren Anfang : :) Die Zuſammenfünfte der Ordnungentiarben jeßt auf langs garten gebalten.Der Rath werſammelte fich in derSchule, das Gerichtscollegium in der Hoſpitalſtøbe des Speiſevas 3. ters, und die Dritte Ordnung in der siirche : In die Treßs kammer batte man die Rathscauzeley verleget.

(Geſch . Danz. Ater th.

434

Danzigs Geſchichte.

Fünftes Kapitel. Danzig bekommt einen ſchwaden Succurs aus Frankreich der in etnem mit der Stadt concertirten Angrif der Ruſſen , verliert und ſich auf die Plate zurück zieht Conjunction der neuangekommenen Sächſichen Truppen mit dem Ruflichen Kriegsheer — welches zugleich aus Polen ſowol als durch die Ankunft der Rumſden Flotte verſtärkt wird In Danzig fångt man an auf Vorſchläge zur Rettung zu denken - dieſes Verlangen nach frieben wird durch den Verluſt der Weſterplate und des Forts Wetch : ſelmünde noch größer und nothwendiger gemacht - Dans jg erklärt ſich zur Submiſſion an den König Auguſt HI. und Stanislaus entfernet ſich unterdeſſen aus der Stadt dafür wird Runſcher ſeits der Waffenſtilſtand

gebrochen , und das Bombardement fängt von neuem an die Tractaten werden wieder eröfnet , und alle Feind: ſeeligkeiten hören auf - Inhalt der Danziger Capitula : tion – Friedensſolennttåten und Vollziehung einiger Ver's gleichspunkte — Kontg Auguſtus der Dritte kommě nach Olive , aber nicht in dte Stadt – und läßt die Huldigung unerwarteté Geld : durch einen Commiſſarius abnehmen Danzi: Danzig an Hofes Königlichen forderung des ger Deputation zur Abbitte bey der Kayjerin von Rußlaud.

om , Transport der Franzöſiſchen Hülfstruppen brachte man nun mit Sicherheit in Erfahrung, daß eilf Schiffe auf der Danziger Rhede angelangt ma ren , worauf ſich unter dem Oberbefeßl des Briga diers de la Motte Perouze, drey Regimenter bea fanden , die ein Corps von 2300 Mann ausmach. ten , und daß beym Regiment la Marche fich der 1734 Franzöſiſche Gefandte Graf von Plelo als Frey , 23 Mar. williger mit eingeſchift hatte. Jöre Ankunft wurde

1

IV 11

Sechſter Abſchnitt: Fünftes Kapitel.

435

aus der Feſtung Weichſelmünde durch Freuden . ſchüſſe und aufgelaßene Raketen als Signale, fu erkennen gegeben , ſie regten daſelbſt ans Land , und ließen igre mitgebrachten Lebensmittel und Muni. tionsſtúde ausladen .

Zu eben der Zeit aber batte

fich das vom Ruſſiſchen Feldmarſchall erwartete Hülfecorps Sächſiſcher Truppen der Danziger Ges gend genåßert , und der Herzog Johann Adolph ' von Sachſen . Weiſſenfels růckte in wenigen Tagen 27 May. mit feito Batallions Infanterie,

und rechs Regt.

mentern Cavallerie ins Lager , welches in den Olie viſchen Feldern gegen die Stadt aufgeſchlagen war , und Langefuhr zum Hauptquartier hatte.

Die

Franzoſen waren eilig genug dahin beſtrebt,

vor

der Conjunction der Ruſſen mit den Sachſen , einen

24 Angrif auf das Ruſſiſche Recrenſchement zu wagen, *und ſich dadurch einen Weg in die Stadt zu eröfnen . In dieſer Abſicht war auch mit einigen Danziger Stabsofficiers, ( ohne Einwilligung des Obercom mendanten von Vittinghof), ein Uusfall aus der Stadt concertirt worden , wozu 700 Mann in Marſch gefegt wurden .

Dieſe ſollten auf den

Holm einbrechen , und die Ruſſen zwiſchen zwen Feuer zu bringen bemüht ſeyn; allein fie fanden einen ſo beſchwerlichen und mit zwölf bis dreyzehn Graben verlegten Weg ,

daß ſie nur mit Mühe

fortfamen , und zuleßt ſo gefahrvoll unter die Rife ſchen Batterien geriethen , daß ſie ſich mit einigem Verluſt zurück ziehen

mußten .

Die Franzoſen

waren unterdeſſen aus der Münde angerůcket , und batten einen ſo plößlichen und wütenden Angrif ge. Ee 2

Danzigs Geſchichte.

436

than , daß ſchon einige Verſperrungen der Ruffie fchen Schanzwerte durchbrochen waren ,

ehe die

Ruſſen noch einen Schuß auf ſie gethan hatten . Nun aber kam es zu einem hißigen Gefechte, worin die Franzoſen den türzern zogen , auf dem Plaß ließen ,

und 64 Todte

nåchſt einer noch größern

Anzagl , welche im Nachbauen das Leben einbůßen mußte.

Unter den Gebliebenen befand ſich der

Graf von Plelo , mirt ,

deſſen Körper nachher einbalſa .

und nach Kopenhagen ,

wo ſein Geſande

ſoaftspoſten geweſen , iſt geſchickt worden. :)

In

ſonderheit aber gat dieſe Action die Thätigkeit der Franzoſen dermaßen geſowachet, daß ſie ſich nach der Zeit unter den Kanonen der Weichrelmünde auf der Weſterplate gelagert , und ungeſtört zu bleiben geſucht haben . Die Sådyriſchen Truppen katten ſich unterder ſen zur Belagerungsarbeit mit den Ruſſen nåber vereinigt ,, nachdem noch eine dritte Diviſion berzu gekommen war , die ſich nebſt der Artillerie, unter Anführung des Generallieutenants von Birkholm, mit zwey Bataillons und drey Regimentern Cavale lerie anſchloß . Gleichermaßen war von Warſchau der långſt erwartete Transport Ruſſiſcher Völfer auf 27 Fahrzeugen die Weichſel herunter gekommen,

-1

1 ) von dem unglüdlichen Schickſal des Grafen plelo hat ſich nachher die für gewiß behauptete Anecdote verbreitet, daß er nicht durch einen feindlichen Arm Tey getödtet, rons dern von einem Franzöſiſchen Officier dem er ſeine Pflichts vergefferbeit vorgebalten gehabt , während dem Gefechte, auf Rache erſtochen 'worden . Lettres ſur les François et les Allemands, à Leide, 1740. pag. 9. w !

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel.

437

Hatte fica aller Hinderniſſe und einer Polniſchen Diverſion ben Nieſzawa glücklich erwehret , und verſtärkte das Ruſſiſche Kriegsheer mit ohngefeher 4000 Mann .

Eben ro ſicher ſahe man einer Ruſ

firøen Eſcadre entgegen , 'welche auch in kurzem unter dem Viceadmiral Gordon mit 16 Liniens fdxiffen und ſechs Fregatteit,

nebſt einigen Trans

portſhiffen auf der Dänziger Rhede eintraf, und 12 Juny. keine Zeit verlor, die mitgebrachreu Eeſchüße und Kriegsbedürfniſſe " ans

Land

zu " Tegen .

Dieſen

neuen Kriegsvorrath hatte man im Ruſſiſchen Lager deſto ungeduldiger erwartet,

weil die Sächſiſche

Armee wenig mitgebracht, und der Graf Münnich durch das beſtändig unterhaltene Feuer , ſeine Kugeln ,

faſt alle

Bomben und ábrige Munition 'er

fcdpft hatte . " Er war jeßt im

Stande , die Beo'

lagerung mit großerm Nachdruck fortzuſeßen , und weil er inſonderheit ein Hauptbombardement von der Waſſerſeite anfangen wollte; fo ließ er die in Danzig befindlichen Kauffeute fremder und neutra ler Nationen erinnern , auf ißre Deckung bedacht zu ſeyn , und ihre Effecten von der Gegend des Weichſelſtroms an ſicherer gelegene Oerter zu transa ' portiren .

In der Stadt verurſachten dieſe unter

den Belagerern vorgegangene Veränderungen , eine mit vieler Ungſt verknüpfte Bewegung. - Die Hof nungen auf die Franzöſiſche Hülfsflotte verſchwan den allgemach gånzlich , und das Zutrauen ſo man bisher noch

auf auswärtige Interceſſionen,

oder

auf eine günſtige Revolution in Polen geſegt batte, mußte ſich den Umſtånden nach ohne Rückkehr vers Ee 3 :

Danzigs

438 literen .

Geſchichte.

Noch wnrde zwar ein neues Manifeſt, wo.

mit der General Conföderationsmarſchall und Kron Inſtigator Poninski die Danziger zur Submiſſion an den König Auguſt anmahnte , und welches ein Sådfiſcher Trom.peter überbraçi hatte, offentlich nicht in Betrachtung gezogen ; man war noch un. ablaßig bemühet ,

wider die von außen erneuerte

und verſtärkte Gewalt, ſtalten zu treffen ;

die fråftigſten Gegenan

und bey einigen Kurzſichtigen

galt noch die Meinung , daß eine Königlicy . Preu . Biſche Protection mit der bisher beobachteten Neus tralitåt des Preußiſchen Hofes beſtehen können , und alle Verantwortung von der Stadt abwenden würde. Doch äußerten fick felbſt von ſeiten einiger Polniſchen Senatoren ſchon ſoloe Vorſchläge, die auf eine Anerkennung des erſtgefronten Königs ab. zielten .

Eine Unterredung wozu der Biſchof von

Plokto in Geſellſdaft der Woywoden von Maſuren und Rußland , laden ließ ,

den Rathsherrn Roſenberg ein hat ohne Zweifel den nächſten Weg

biezu eröfnet.

Die Königlichen Commiſſarien ga .

ben darauf durch den Secretair Ferber dem Rath Offentlich zu vernehmen , daß es höchſt nothwendig wäre , fich gemeinſchaftlich über die Mittelzur Ret. tung der Gtadt zu beſprechen . Unter dem Vorſik , des Burgermeiſters von Bömeln , der fich nun wieder auf vieles Anſuden , als Präſident bey den 21 Juny. Rathbfißungen einfand , wurden dieſe wichtigen und

zur Entfdyeidung

Ratſchläge eingeleitet.

der

Sache abzwecfenden

Deren einträchtigem Forts

gang aber regten die differenten Meinungen unter

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 439 den Königlichen Commiſſarien ſowol ,

als in den

Drdnungen der Stadt ; noch viele Schwierigkeiten entgegent. Man war anfangs wedier der Perſonen halber , an die man ſich wenden wollte, noch wegen des plans einſtimmig ,

nach welchem

abgefaßt werden ſollten .

die Briefe

Der Königliche Hof un

terſagte alle Verwendung an die Sächſiſchen Hers ren ; nach einigen Urtheilen der Bürgerſchaft fon . derlich in den Gewerben ,

ſollte man ſich allein um

die Mediation der Preußiſchen Miniſters bewerben . Eine Deputation an den

Feldmarſchau von Müns

nich wurde zwar einmüthig beliebet ; allein inan

10

3

-

follte noch wegen des Vortrags der Sace ,

und

inſonderheit über die Declaration auf den weſentlis den Punkt der Unterwerfung , mit dem Königlichen Hofe någer übereinkommen .

Inzwiſchen wurden

zulegt alle ſchon abgefaßte Briefe an den Grafen von Münnich und den Etatsratý von Brand fomol,

als an den Herzog von Sachſen - Weiſſen .

Bülow , fets und den Geheimen Conferenzrath von ins Lager geſchidet .

Man ließ auch aufs neue an

die auswårtigen Mächte ,

Bittfchreiben um

ihre

Huldreiche Interceſſionen ergeben ; wol aber haben die in den Kriegsoperationen vor der Stadt erfolge ten Ereigniſſe ,

beynahe am ſtärkſten eine Ent.

ſchließung befördert , die bisher unter ſchwankenden Rathfølågen nod war zurückgehalten worden. Die erſte Nachricht, ſo die eifrigen Stanislai. ſten in Danzig betäubte, betraf das Schickſal der Franzöſiſchen Regimenter , welde fich auf der We.

1 ſterplate verfoanzt

gehabt hatten . Ee 4

Hier hatten

440

Danzigs

efchich . Geſchichte

fich einige Ruffiſche Bombardiergaliotten nåber ans ufer gelegt , und die Feffung Weichſelmünde fowol, als das Franzöſiſche Lager mit Bomben und Kugeln beſchoffen. Ein paar Tage darauf harte der Felda marſchall Münnich den Commendanten in der Münde , wie auc ben Franzöfifchen Brigadier förmlich auffordern laßen .

Legterer hatte darauf

einen dreytågigen Waffenſtillſtand, und die Erlaub . nis erhalten , der Unterhandlung wegen die er un . geſäumt anbieten ließ , zwey Officiers nach Danzig zu ſchicken .

Nun war am Königlichen Hofe das

kleinmüthige Betragen des achtzigjährigen Briga: diers zwar unwillig aufgenommen , und eine münde liche Ordre zur äußerſten Defenfion mitgegeben worden ; aber nichts: defto weniger gatten die Tracta: ten ihren Förtgang gehabt , und die Capitulation war beym Grafen von Münnich zu Heubude durch zwer Bevollmächtigte Franzöſiſche Officiere zum Schluß gebracht worden , fraft welcher dann fämt. liche Truppen ohne: Zeitverluſt aufdie Ruſſiſche Flotte eingeſdift, und wider ihr Vermuthen nach Kronſtadt abgefüþrt wurden . ua: Noch mehr Bea trübnis in der Stadt aber erweckte der furz darauf erfolgte Verluſt der Feſtung Weiipfelmünde. Ver ſchiedene Urſachen mußten ſich unglücklich mit ein, ander verbinden , um dieſe dem Spein nac faſt

1

ſchnode Uebergabe des Forts zu beſchleunigen . Mie den beyden Franzöſiſchen Officiers waren an dem

u ) Bekanntlich war in dem Aceoro, nur ein Safen an der Oſts ſee, aber nicht wie die Franzofen unfebibar darunter hatten Verſtehen wollen , ein neutraler Safen genannt worden ,

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 441 felben Tage Abends auch ein Schwediſcher Cornet und der Danziger Fähnrich Gellentin aus der Münde, unter Begleitung eines Ruſſiſchen Tama

-0

bours in die Stadt gelaßen worden .

Sie hatrent

die Naďricht von der gleichförmigen Aufforderung des dortigen Commendanten Patzer mitgebracht, und ſollten den Obrigkeitlichen Befehl an denſelben darauf einholen .

Des Raths fchriftliche Ordre

wurde dem Fähnrich zwar dergeſtalt mitgegebeu, ir daß das Reſultat in dieſer ſo wichtigen Sache; i , erſt nad einer Berathſotagung mit den übrigen

.

in Ordnungen ertheilt werden könnte , doch würde in der Commendant, falls er inzwiſchen angegriffent in werden ſollte , ſich ſeinem Ende und ſeiner Bes ſtallung gemås ,

als ein rechtſchaffener Officier

i; zu verthendigen haben . “

Unterdeſſen war man

1 von den Abſichten der fremden Truppen forol , als von der Unzufriedenheit der : Danziger Berapung in der Münde ſaon hinlänglich unterrichtet, und die vielſeitig eingelaufenen Klagen über den Capi. tain Pager machten , daß man zu Rathhauſe be foloß, obre Krankung feiner Reputation , einem andern Officier mit håberm Range den Oberbefegl in derFeſtung zu ertbeilen .

Weil aber fein Miti

tebausfindig gemacht ward , gedachte Verfügung der Mündiſcben Garniſon vorißt ſicher bekannt ma. chen zu laßen , ſo iſt die Erecution dieſes Schluſſes, nach den veränderten Umſtänden garunterblieben .» ) »v) Der Schwediſche Officier romol als der Danziger Fähnrich hatten ſich beym Wört ihrer Ehre gegen die Ruſſen verbind's lich gemacht, nichts aus der Stadt mitzunehmen , was fie Ees

4421

3

Danzigs Geſchichte.

21 Juny . Tages darauf wurde der müşfeelige Zuſtand und die Auffakigkeit in der Münde, durch einen ſchrifte lichen Bericht des Capitains Harmens an den Kriegspräſidenten ,

( den vier Subalternofficiers

mit unterzeichnet hatten ), ausfüşrlicher befråftigt, uno bald þernach wies die Erfahrung es aus , daß die Franzoſen zuerſt die Münde verlaßen , und alle Kriegshülfe und Communication mit den Danzio gern aufgegeben hatten . Ihnen waren die Sowet diſchen Officiers nachgefolget, und ſelbſt der Könige liche General- Adjutant und Oberfte Baron von Stackelberg , den Stanislaus zur Oberaufſicht im fremden Kriegsweſen , nach der Münde geſchickt batte , war mit ſeinen funfzig Mann Schweden aus der Weſtfange ins Rufliſche Lager übergee gangen , um einen Accord für ſich und ſeine Lands Leute zu fließen .

Hierauf hatte ein revoltiren :

des Misvergnügen bey den Danziger Soldaten überhand genommen ; deren Unzaḥl war durch Dei ſertion bereits geſchwächt geweſen , nun aber nahm ? fie dermaßen zu , daß in den leßten Tagen bis 15 a Mann zu den Sachfen übergegangen find .

Man

þatte zwar keinen beträchtlichen Mangel an Pictuas lien ,

und noch weniger an Munition ;

aber die

überbliebene Garniſon von 412 Mann ,

die noch

nicht vorzuzeigen bereit fenn würden . Man trug deranad Bedenken , dem Fähnrich den Ordnungsſchluß mitzugeben , kraft deſſen der Capitain gealand mit dem Rang eines Shes cond , Majors das Commando in der Feſtung hat übernehs men ſollen , indem es wahrſcheinlich war , daß die Ruſſiſche Generalitat die Beförderung dieſes ſeiner Bravheit wegen befannten Officiers würde zurück gehalten haben.

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 443

WA

tåglichen Abgang erlitt , war frant , mutýlos und

HD

auffäßig geworden , verſagte großentheils den Offis ciers den Gehorſam , und warf das Gewehr weg,

*

13

WH

D

unter dem Vorwand , daß alle Defenſion unnük feyn würde.

Würflich hatten fie sooo Mann

Ruſſen vorn und 3000 Mann Sado en auf der Weilſeite gegen rich ; ſeewårts lag die Flotte , die Bombardiergallioten waren in Bereitſchaft , die Crenſaheen waren geofi et, die Patierien im Stano de , die Keffel.eiugereket, und alles bielt fic fertig zum Bombardiren ; die Plate war verloren und kein Succurs weiter zu boffen . In diefer Situaa tion dickte der Herzog von Weiſſenfels feinen Ges neral . Adjutanten den Oberſtlieutenant von Ren, chenberg ab , und ließ den Capitain Pater nochy, 23 Junr . einmal auffordern . aus ,

Derſelbe bat ſich eine Friſt

die Capitulationspunkte zu Papier bringen

zu können ; als aber des folgenden Tages der Hera zog mit einem ſtarken Gefolge nach der Weltſchanza fam , und den Commendanten anmahnen ließ , işm . ohne fernere Weigerung die Thore zu öfnen , ſo ließ Pater die weiße Fahne ausſtecken , fand ſich perſönlich zu einer Unterredung ein, und übergab nach einem kurzem

Wortwedſel die Weſtſchanze,

welche ſogleich mit einer Sachſiſchen Garniſon ver. feßen wurde. w ) . Das Tpor der Weich felmünde

» ). Der wadere Capitain Sarmene der das Eurimando in der Contreſcarpe gehabt , hat ſich unter' allen Officiers am Ichwerften entſchliefen fönnen , die feftung obne alle Defen : fiou zu verlaßen . Er hat den Grafen von Münnica fonot als der Herzog vonWeiſſenfels fehnlichft gebeten , der Gar :*

Danzigs Geſchidyte:

444

beregte zwar vor Mittage eine Ruffiſche Wache, des Abends aber wurde dieſelbe abgeldſet, Münde

dem

Sächſiſchen

und die

Obečſtlieutenant vont

Stutterheim als ernanntem Commendanten mit einer Sächſiſchen Befakung abgetreten.

Vermöge

einiger dem Hauptmann Pazer zugeſtandenen Cons ventionspunkte, wurde der Danziger Garniſon mit zwen Kanonen , klingendem Spiel und fliegenden Fahnen aus der Feſtung zu ziehen verſtattet. Nachí, dem die Soldaten auf freyem Felde dem Könige Äuguſt III. geſchworen garten ; ' To wurden ſie in Scuşund Verpflegung, oder auch einige mit ihrem Willen in Dienſt genommen , die übrigen bekament Paſſe zu einem beliebigen Aufenthalt , Danzig.

außer nady

Alle zur Weichſelmünde gehörigen Beel

zirke, den Seehafen angehende Werke, Sæanzen , Verzäunungen und Gebäude ,

wurde verſprochen ,

bis zur Uebergabe der Stadt in gutem Stande zu erhalten .

Dem Prediger mit ſeiner Familie und

Beſikthumn wurde nach Danzig zu ziehen erlaubet , dem Danziger Magiſtrat aber die Práliminairpunkte zur Ratification

einzuſoiden nicht zugeſtanden .

Hienáchſt ließen die Oberbefehlshaber beyder an dieſer Occupation tþeilnehmenden Armeen, die Ruſ fiſch. Kanſerliche fowol als die Churfürſtlich - Sächfie fde Fabne ,

unter Abfeurung der Kanonen in der

niſon mindeſtens, die Ehre ju thun , fie eine einzige Lage mit Sanonen abfeuern ju laßen : allein es iſt mit ſchwerem Verineſien die Antriort erfolget, daß wenn nur ein Schuß gelthenn tvurde , kein Gebein von der Beratung übrig bleja ben otte.

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 445 Feſtung aufpflanzén , Haberi quc noch eine ſpecielle Convention wegen des künftigen Betragens gegen dieſelbe mit einander geſchloſſen. x) Wii

Natürlich mußte der unverhofte Verluſt

der

Weichſelmünde eine außerordentliche Niedergeſchla. genheit in Danzig verurſachen , nachdem insbeſon . dere den treuen Anbångern des Königs Stanis. -laus , hiemit der Reſt ihrer Hofnungen entwice, feiner Sache durch eine beharrliche Standşaftigkeit und Vertþeydigung , einen erwünſchten Ausgang Von der andern Seite aber trat zu verſchaffen . nach überſtandenem Schrecken , eine fältere Ueber

57

->

l .

legung Herpor , ſie beſiegte den Wankelmuth , der bisher in den Verſammlungen der Regierungsſtände geherrſcht hatte, und ließ es zu einer reifern Beurs theilung kommen , daß kein beſſerer Weg , als der Weg einer

nachgiebigen Unterwerfung ,

um die

Stadt vom Untergange zu retten , gewählt werden könnte.

Der angemeldeten Rathsdeputation batte

der Feldmarſchall,

nace er altener Verſicherung,

daß Danzig den König Auguſt den Dritten an . erkennen wollte , ſchon einen Paß überſchicfet, aude * ) A18 in Danzig die Uebergabe der Münde mit Gewisheit bekannt worden , båt set Lieftandiſche Woywod morſtyn , im Vorjiinner des Stonigs und in Gegenwart mehrerer Pols niſchen Herren , einen eben bereintretenden Rathbheren in lateiniſcher Sprache mit Heftigkeit gefraget : ,, Was doch .. die Danziger Beratung in der Münde für Urſachen in 'W einer ſo plößlichen Uebergabe der Feſtung gehabt hätte ? Deffen Antwort ift ganz gelaßen getperen : , laboravit mor „ bo gallico " worauf der Woywod mit einem bedeutenden Lächeln replicirt bat : „ Proh dolor ! nos omnes eodein la boramus,

1 1

Danzigs . Gefchichte.

446

1 den Tag zu ihrem Empfange beſtimmet; und ob er gleich den verlangten achtågigen Waffenftillſtand wiederholentlich abſchlug, ſo gab er doch in einem 26 Jung anocymaligen Sdirriben die Verſicherung , während der Zeit der Außenbleibens der Deputirten ,

von

* Ber Opriſchen Seite wo ſie ihren Weg zu nehmen bätten , mit dem Beſchießen der Stadt einhalten zu laßen .

Die Sendung der abgeordneten Raths

berren Joh . Wahl und Nath. Gottfr. Ferber , denen der Secretair Janken mitgegeben ward, geo wann demnach ihren Fortgang ,

als vorher noch

eine Deputation fämtlicher Ordnungen, dem Könige Stanislaus durch ſeine Commiſſarien ,

die geo

'nommene Reſolution und den ganzen Zweck des Abſendungsgeſchäftes umſtåndlich hatte beybringen taßen .

Stanislaus bezeigte ſich

dabey ſo groß.

müthig , daß er den Entſchluß der Stadt nicht nur threr åußerſten Noth wegen genehm hielt , fondern fe auch ſeiner fortdauernden Gnade und Zuneigung Berfichern ließ , und wegen der vollkommenen Zu. friedenheit mit ihrem bisherigen Betragen , ein eige. nes Diplom ausfertigen zu laßen verſprach.

Die

Aufnahme der Depucirten Rathsherren beym Gra. Fen von Münnich war nicht eben ſo fried fertig und günſtig .

Mit der geforderten Auslieferung

Der Polniſchen Herrſchaften und des Franzöſiſchen Ainbaſſadeurs; mit der angedeuteten Kriegsgefan . genſchaft der beyden in Danzig befindlichen Polni. føen Regimenter; und mit der zweifelhaften Er: Flärung wegen einer Amneſtie, " wurden noch unges mein ſchwere Bedingungen vorgeleget .

Die De

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 447 putirten nahmen dieſelben an iþre Mitobern zurüc , und kaum waren ſie Abends in der Stadt angetom . 27 Juny. men , fo wurde zum Schrecken der Einwohner wie der ſtark canoniret und mit Bomben geworfen .

Nade dem Bericht,

7

den die Deputation am

Stanislaiſchen Hofe fowol , als bey den Ordnun . gen der Stadt , von ihren Verrichtungen ablegte, und worauf die Stadt alle Sorgfalt für den König

1

8

5

den Polniſchen Commiſſarien überließ, der Marquis de Monti aber von ſelbſt erklärte , daß man reinet wegen unbefümmert ſeyn ſollte ;

ſo entſchloß der

Rath rich jego beym Herzoge von Weiſſenfels und dem Såderiſchen Miniſter von Bülow , um die Beförderung eines Waffenſtillſtandes Anſuchung Kraft deren Interceſſion accordirte der Feldmarſchall denſelben endlich auf drey Tage , ver knüpfte damit aber die unanneşmliche Bedingung,

zu thun.

1

daß man mitlerweile die Belagerer in ihren Ans

1 näherungen und Arbeiten gegen die Stadt unges hindert ſollte fortſchreiten laßen . Jndem nun des halb abermals

ſchriftliche Remonſtrationen

aus

Danzig eingeſchickt wurden , und der Stillſtand zwar von beyden Theilen erklärt ward , doch alſo daß die Danziger Soldateske, zugleich Ordre be tam , jede verbåchtige Annåþerung der Ruſſen mit Feuer abzuweiſen ; ſo wurde deſſelben Nachmittags, die erhebliche Neuigkeit rurbar,

daß der König

Stanislaus ſich aus Danzig entfernet håtte . Die Meldung ſo der Franzöſiſche Geſandte dem Rath davon thun ließ , beſtåtigte diefes Factum , und die Handſdreiben welche Stanislaus an die Stadt

F igs

448

Danz

ichte ,.

Geſch

-

ſomol als an die Polniſchen Senatoren zurückgelafen hatte , regten den Ablied deſſelben in vollkommene

. Gemisheit.

Von der Flucht dieſes unſchuldig ders

folgten Fürften , auf deſſen Kopf ſogar Prämien gefekt worden , hat man ſpåterhin folgende Haupt. " umftande erfahren . " Er war Abends vor getroffes nem Stillſtande , unter dem Vorwand den Boint: ben auszuweichen , in Gefellſchaft zweyer Polniſoen Herren zum Marquis de Monti gegangen , web cher wenige Tage vorber ſein Logis auf dem Langen Markte verlaßen , und das Haus eines Kaufmanns, in der Niederſtådtfchen Reutergaſſe bézogen hatte. Unfehlbar war daſſelbe abſichtlich gemåblt worden , weil der dabey befindliche Garten einen Ausgang auf der Wal hatte ,

wo der Marquis zu beſſerer

Verheblung ſeines Vorhabens , noch ein Bomben . hauß aufregen ließ .

Hier war es , wo Stanis :

kaus gegen die Nache, in Bäuerskleidern mit dem General Steinflied , -y ) ' und vorerſt unter der Führung eines Officiers , der ihrer auf dem Wall erwartete , durch den dortigen Ausfall fortfam , auf einem Boot ins Bauamt ,

welches die Danziger

während der Belagerung unter Waſſer gefegt hat. fen ,

übergefüþrt wurde,

und von dannen eine åußerſt

y ) Dieſer treue Gefährte des Königs hatte ſchon während der Belagerung Mittel gefunden , heimlich in die Stadt ju kommen , und Ihm feine perſönlichen Dienſte zu widmen. Hey den Dangiger Vorpoſten und Schildwaden mußten der Stónig ſowol als der General in beſagter Nacht für zwen Stundſchafter pafſiren , die zu einer geheimen Expedition aus der Stadt geſchickt wurden ..

Sechſter Abſchnitt. Fünftes" Kapitel.

449

äußerſt beſchwerliche Reiſe, unter augenſcheinlichen Gefahren ( die zum Theil von ihm ſelbſt find erzähle worden ) 7 ) bis Marienwerder gemacht hat , wors auf er

nach überſtandenen Müpſeeligkeiten , den

Weg nad Königsberg, aufKöniglich - Preußiſchem Gebiete ſicherer und bequemer þat fortſeßen können. Sein an die Stadt zurückgelaßenes Sớreiben giebt von der wahrhaften Vaterliebe ein Zeugniß , womit er den Danzigern ſchon ſeit ſeiner erſten Erhebung, unverändert iſt zugethan und gemogen geblieben, a ) Der'mehrgedachte Waffenſtilſtand ſollte nunt

han um die Mittagszeit würklich ſeinen Anfang neş: 28 Jump. men , und dreymal vier und zwanzig Stunden war ren von ſelbiger Zeit an dazu bewilliger worden . Weil aber an demſelben Morgen derDanziger Com . mendant ſeinen Adjutanten mit einem Schreiben an den Feldmarſchall abgeſchickt hatte ,

be

worin er

ihm die Kriegsregeln vorhielt, und den Befehl fei ner Obrigkeit mitfchickte, vermöge deſſen er die zum Fundamentdes Stilſtandes geſegte Condition niche anzunehmen erklärte; ſo ließ der Feldmarſchal mit 7 ) Schreiben des Königs Stanislaus an einen ſeiner Freunde , worin die wahren umftande ſeiner Retirade aus Danzig -euts ** ? halten. 1734. ( aus dem Franz. ) 2 ) Die Worte deſſelben lauten nach dem Original alſo : Je * pärts au moment que je ne puis plus Vous poſſéder , érant reſté par l'attrait de Votre fidélité ſans exemple. J'emporte avec inoi la douleur de Vos ſouffrances & la reconnoiſſance que je vous dois , ' & dont je in’acquirerai en tout tems par tout ce qui pourra Vous en convaincre. « Je Vous fouhaite tout le bonheur que vous méritez , qui ſoulagera le chagrin, que j'ai de m'arracher de Vos bras . Je ſuis toujours partout Votre très affectionné Stanislas Roy. Geſch . Danz , 3ter Th.

ff

459

Danzigs Geſchichte.

großem Unwillen ſofort eine Gegenordre ausfertigen , fraft deren das Bombardement gegen die Stade mit Heftigkeit wieder anfangen ſollte.

Hiezu kam

gegen Abend die vom Herzoge von Weiſſenfels dem Grafen Münnich

communicirte Nachrict, daß

Stanislaus ſich beimlich aus der Stadt gemacht fåtte ; worauf nicht nur das Canoniren und Boms þenwerfen vermehret , ſondern auch der noch anweg ſende Danziger Hauptmann und Adjutant Silinski in Urreſt genommen , und geſchloſſen wurde.

Gey

dachte Umſtände enthalten zugleich die wahren Ur. Ceſachen , warum

der zugeſtandene breytågige Wafe

fenſtilſtand nur etliche Stunden gedauert hat, und Ruſſiſchet: feite ohne Gegenerklärung iſt gebrochen worden . b ) Deſſen ungeachtet ließ man in Danzig , die bervorſchimmernden Friedensblicke nicht ungenugt ſich verlieren.

Der Rathsherr Roſenberg bekam

als Deputirter einen Zutritt ins Sachfiſche Lager, wo dię nåßern Maasregeln zur Verföhnung des Königs Auguſt fomol,

als zur Befänftigung desky

Grafen von Münnich verabredet wurden. den Königlichen Hof zu Dresden wurde darauf die åbſendung des Subſyndicus Schröder in

den

nächſten Ratſchlägen beliebet, um die völlige Sube miſſion der Stadt durch ihn erklären zu laßen z beym Grafen Münnich erneuerte man føriftlich das An . b ) Mit Dieſer Erläuterung der wahren -Umfånde wird der Zweifel gehoben , den der Herausgeber der Mannſteinſchen Nachrichten von Rußland 24. S. 11Ị. eines vermeintlich gefundenen Widerſpruchs balber , nicht bat aufidfen können ,

3

Sechſter abſchnitt. Fünftes .Kapitel. 451 fuchen

einen vollſtändigen Waffeaſtiftſtand ;

um

lehnte auch alle Theilnahme an der Abfentirung des Königs Stanislaus ab ,

und legte ein Zeugnis

144 des Franzöſiichen Ambaſſadeurs bey , daß weder der Rath und die Ordnungen ,

noch auch der go

ringſte Bürger in der Stadt, dazubeygetragen , oder

H

17

Wiffen davon gehabt hätten. Anrathen

Jedoch wurde auf

des Herzogs von Weiffenfels ,

ſogleich

eine gerichtliche Unterſuchung gedachter Flucht we 1

gen angeſtellet , welche auch fpåterģin mit Zuzie bung eines Commiſſarius von Rufifieh. Kayſerlicher, und eines von Königlich Polniſcher Seite ift fortge. fekt worden .

: Vom

Feldmarſchall lief zwar ein

þartes Schreiben ein , womit jest infonderheit auf die Ertradition des Primas, des Marquis de Monti und des Woywoden Poniatowski gedrungen wura de , imgleichen ließ. Der Kroninſtigator nnd Confo : derationomarſchall Poninski, dem Rath einen føriftlichen Arteft auf alte Perſonen der Stanislaia ſchen Parthen , wie auch auf die verineintlich in der ! Stadt vorhandenen Reichsinfignien eingândigen .

Ehe aber noch die pflichtverſprechenden Antwort fchreiben aus Danzig darauf eingelaufen waren , 1 July. fo bracte am folgenden Morgen ein Ruſſiſcher Ritte meiſter die Bothſchaft, daß alle Feindſeeligkeiten aufhören ſollten .

Das mitgekommene Schreiben

an den Rath beſtätigte den unbedingten Waffenſtille ſtand , den der Graf Münnich nunmehr verſpracy, indem er dafür noch deſſelben Tages erwartete, daß die Deputirten der Stadt zu ihm þinauskommen, und zugleich die verlangten

Perſonen miebringen ff 2

1

459

bl inn

würden .

Danzi

gs . Geſchichte.

Die Deputirten Rathsherren fanden ſich

daraufnachſt erhaltener Jaſtruction , im Ruſſiſchen Lager gleich nach Mittage ein , und mit ihnen fuh . ten der Primas und der Woywod von Maſuren hinaus.

Der Franzöſiſche Ambaſſadeur verbürgte

fick gwar des Hierbleibens wegen , mit ſeinem Ehren: wort bey der Stadt, er hat aber erſt zwey Tage fpåter,

nach dem

Begehren des Feldmarſchalls,

feinen Abſchied genommen , und iſt von einer Ruſſte fchen Eſcorte empfangen worden ,

die ihn durchs

Lager , ohne zu einer Unterredung mit dem

Felde

marſchalt zu gelangen , zueeft nach Prauſt begleitet þat , von wannen er nachgegends nach Elbing ift abgefüßrt worden ; c)...... jis Die Vergleichsgeſchäfte mit der Stadt beban men

unterdeſſen einen hofnungsvollen Fortgang.

Die Verlängerung des Stilſtandes wurde nachy.an ſelbigem Abend

erklåret ,1, und unerachter in den

ferneren Conferenzen fchwere Unterhandlungen we. gen der eingeſchränkten Amneſtie , wegen einer gros

c ) Der Marquis de Monti , deffen Character eines Franzöſis fchen Ambaſſadeurs der Graf von Münnich nicht anerkannt

bat , ift in der Folge uach Thoren gebracht,und unter einer ſtarken Wache gehalten worden. Eben daſelbfi hat nian den Reichsprimas poroki, ſo lange er fich der Submiſſion entfogen , Ruffiſcher reits bewachen lafen . Diesmebreften Polniſdocu Senatoren , Dignitarien , und Edelleute Aber , weld )e bisher unter dem Namen der Stanislaiften in Dan: sig geweſen , Baben noch obr gefchloffener Capitulation der Stadt an der Zahl wey und fünfzig , eine Declaration unterzeichnet, wodurch fie fich dem Fönige Auguft deus ihrem re Könige chtml und feiner Onade empfohlen haben .

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 453

Ben Gelbforberúng ,' wegen Einräumung Stadethores ,

Weichſelmünde dortamen ,

fo war

der Wolfart

Danzigs doch zu ſehr daran gelegen , die Friedens. tractaten , nicht wieder abbrechen zu laßen .

1

1

eines

und der bedingten Zurüdgabe der '

Sie

wurden demnach innerhalb ſieben Tagen einſtimmig zum Stande gebracht, und unter dem Namen einer Capitulation von der Stadt ratificiret.

Der

In : 9 July,

þalt derſelben beſteht aus ein und zwanzig Artikeln , denen noch ein Separatartifel zur Erläuterung des vierten Hauptpunfts hinzugefügt ift..

Danzig. et. i

klärt ſich darin zur fouldigen Treue und Gehorſam an den rechtmäßigen König von Polen Auguſt den Dritten ; i

verſpricht auch ,

durch einen Abgeordo

neten die Submiſſionsacte einzuſdicken , die Hule

digung zu leiſten , und den König in Perſon zum ehrenvollen Einzuge einladen zu lafen : Art. I. Dagegen der König die Redte und Privilegier der Stadt nach dem gen wird.

Benſpiel feiner Vorgänger beſtátie

Art. II. Vom General- Feldmarſchall

Grafen von Münnich und vom Herzoge von Sach. ſen - Weiſſenfels wird erklåret ,

bey der Ruffiſchen

Kayſerin Majeſtåt ſomol, als bey Sr. Königlichen Majeſtät von Polen und Churfürſtl. Durchl. zu Sadfen , fid, um eine Generalamneſtie für die Stadt Danzig bewerben zu wollen ; wonachſt die Stadt fich verpflichtet die Feinde Sr. Ruſſiſche Kayſerliden Majeſtát nie weder einzunehmen noch Art. III. VII. Die beyden in zu unterſtüßen . der Stadt Eyde geweſenen Polniſchen Regimenter, imgteichen alle fremde Militairperſonen , ſo wåg. SF 3

4547

3:15

Danzigs

Geſchichte.

rend der Belagerung der Stadt Dienfte gethan has ben, rollen zwar mit allen miltiairiſchen Ehrenzeichen Herauszieheu , aber Ruffirah . Kayſerliche Kriegsge fangene werden . Art. IV . Die Sommer- und Winterſchanze, wie auch die Redouten an der Boss mannslacke follen der Stadt in unverändertem Zu ſtande fogteich wieder eingeräumet werden ; die Fe. Mung Weid ſelmündehingegen nebſt der Weſtſchanje werden bis zur Ankunft des Königs von Polen , deſſen gefälliger Wiedergabe an die Stadt vorbes þalten bleiben .

Doch rollen unterdeſſen ofne Stro .

me und Straßen zur freyen Zufuhr und Commers zien ,

imgleichen die völlige Diſpoſition über den

Seehafen , an Danzig überlaßen feyn.

Art. V.

XII. Danzig wird jutte Beweis des Vertrauens , den Königlich - Polniſchen und Churfürſtlice. Sacha fiſchen Truppen , das Oliviſche Feldthor zur Befes Kung mit zwenhundert Mann Infanterie abtreten , bis der König ſich ben ſeiner Gegenwart, zur Wie dereinräumung deſfelben an die Stadtgarniſori wird erbitten laßen .

Art. VI .

Zur Abbitte ben Ibro

Ruffiſch - Kayſerlichen Majeſtät wird Danzig eine folenne Deputation aus den Mitteln aller Drey Drönungen nach St. Petersburg abſchicken . VIII .

Art.

Jmgleichen þar Danzig an den Ruſſiſch

Kanſerlichen Hof,

zur Enerdådigung der aufges

wandten Kriegskoſten , auf drey Termine innergalb Jahresfriſt eine Million Species - Thaler zu erlegen ; wobey aber die Stadt das Vertrauen þeget , fich noch einer buldreichen Milderung getroften zu fóna nen .

Art. IX . An die Ruſſiſc

Kayſerliche Gear

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 455

levatitắt,

Mritterie

und

ngenieurcorps tablet

Danzig , für das während der Belagerung allem Kriegsgebrauc entgegen beybehaltene Spiel und Lauten der Gloden , die Summe von dreyßigtau . fenb Ducaten . Art. X. Nach geſchloſſener Capi. tulation ſollen keine fremde Eruppen in die Stadt und ihre Werke gelegt werden , aud die Ruffiſden fowol, als die Sächſiſchen Soldaten , außer dem Grafe auf Danziger Gebiete nichts abfordern ; doce 1

wird der Rufitſchen Generalitåt während ihres Auf

1

enthalts frey fteßen , drenßig bis vierzig Mann

1

Wache zur Begleitung in die Stadt mitzunehmen . Art. XI. XIV . Danzig verſpricht, igre in der Feſtung Weichſelmünde, der

eftſchanze und Some

merſchanze, zur Befaßung genoeſenen Officiers und Gemeinen , behalten . baler ,

opne alle Unterſuchung im Dienft zu Art. XIII . Mit Zablung der Million

welche Ruffiſch - Kayſerlicher feits wegen

der Entfernung des hier geweſenen Königs Stas nislaus verlangt worden , verſpricht ficy die Stadt berſabonet zu bleiben , wenn die deshalb angeſtellte Unterſuchung ihre Schuldloſigkeit wird dargethan 7 Haben ; weshalb gedachte Inquiſition mit Zuziehung der Generalauditeure beyder hohen Mächte , auf das genaueſte fortgelegt werden ſoll . XVII.

Art. XV ,

Danzig erklåret fich auch wegen der der .

meintlich großen Franzöſiſchen Geldgülfe , daß fel. bige größtentheils in Almoſen an die Armen , und in kleinen Verehrungen an die Garniſon beſtanden babe , der den Stadtcaſſen gereichte Zuſchub aber den gehabten Unfoſten ben weitem nicht 8f4

gleich

s

Danzig

456

hte .

Geſchic

tomme , und noch weniger den erlittenen Schaden erſeße,

zu deſſen Vergütung übrigens nichts als

çinige mündliche Promeſſen vom Marquis deMonti påren gemacht worden .

Art. XVI.

Zulegt vers

ſpricht Danzig, den fremden Negocianten ,

des

ihnen etwa zugefügten Abbruchs und Eintrags hale ber gerecht zu werden , und alle Ueberläufer und Ge . fangenen unentgeldlich auszuliefern . XX .

Im

Art. XIX .

XXIſten Artikel wird dieſe Capitulas

tion befrå feiget., wie ſelbige von beyberſeits Pacis ſcenten mit vorbehaltener Ratification , namentlich iſt unterzeichnetund beſiegelt werden .

Der bin

zugekommene Separatartifel betrift die im IV ten Hauptartifel beſtimmte Kriegsgefangenſaft der beyden Polniſchen Regimenter , für welche erläutert und abgemacht ward , daß alle bey der alten Pole niſchen Krongarde geſtandene Gemeinen ſowol als habere Militairperſonen ,

ingleichen die aus Sach. fen gebürtig oder in Sächſiſchen Kriegsdienſten ges weſen , vom Herzoge von Sachſen - Weiſſenfels ben den Königlich . Churfürſtlichen Truppen in Dienſt

genommen werden ſollten . d )

9 Jut.

An eben dem Tage als die Capitulationsinſtrue mente ausgewechſelt waren , wurden ſchon einige Artikel derſelben zur Vollziehung gebracht. Die fremden Militairperſonen und die Polniſchen Regie menter sogen durchs Petershagide Sgor aus der Stadt ; das Oliviſche Tborwurde einer Såsfiſcher d ) Capitulationes der Stadt Danzig und der dazu gehörigen Feftung Weichſelmünde, nach dein wahren Original ausges fertiget. Langfohr bey Danzig . 1734. 4to.

E!

Sechſter Abſchnitt.

Fünftes Kapitel. 457

Wade eingeräumet; und dieDeputirten der Stadt kamen nun aus dem Ruflifden Lager zurück .

Am

folgenden Sonntage, als in allen Kirchen das Dank- 11 Jut: feſt mit der feyerlichen Intimation celebrirt wurde, kamen der Herzog von Weiſſenfels und nach ißm auch der Feldmarſvall von Münnich in die Stadt, und wohnten in der Oberpfarrkirche der Predigt und dem ſolennen Lobgefang ber .

Ferner wurden

die Spanjen am Holm und die Laafſchanzen wies 13 Jul. der gegeben , und die Stadt zahlte der Ruſſiſchen Generalitåt dreyßig, tauſend Ducaten wegen der

Glocken ... Mitlerweile kam auch der Subſyndicus. aus Dresden zurück , und brachte die Nachricht von

74

der nahen Unkunft des Königs , die bald darauf in der Olive erfolgte. In Danzig fegte man ſich zwar

-

zum ehrenvollen Empfange des Königs in Bereit ſchaft, doch wurde beliebet, vorher eine Depu .

JE

tation aus allen Ordnungen an ihn nacky Olive zu fchicken :

die ungünſtigen Meinungen aber ,

die

man am Hofe noch von den Danzigern hatte , der. zögerten die Audieng, und der Subſyndicus der die Deputation angemeldet hatte , mußte mit vieler Moderation bemühet feyn , die froſtige Begegnung fo man ihn empfinden ließ , durch gefällige Argu. mente und Vorſtellungen zu beſiegen .

Der Tag

zur Nudienf wurde endlich angeſeket, und die Deo putirten e ) erſcienen vor dem Könige , den ſie bey as Jule 1 2 ) An der Spite dieſer Deputation befand ſich der damalige Präſident und Burgermeiſter Groddect ; nächft ihm waren noch zwer Herren des Raths , zwey Gerichtsherren , und

Ffs

458

7 Danzigs

Geſchichte. auf einer Chrono

ſtarter Frequenz feines Hofes ; fefſel fißend antrafen.

Der Rathsherr und Syna

dicus Roſenberg hielt eine wolgefekte teutſde An rede,

an deren Schluß er eine demüthige Einla ,

dung des Königes , in die Stadt zu kommen , Hins zufügte.

Der

Biſchof von Krafau als Kronuna

terlangfer antwortete aber in lateiniſcher Sprache, und ließ die Admonition vorausgehen , daß der Syndicus au

fåtte lateiniſch reden ſollen .

In

zwiſchen þatten der König rowol als die Herren vom Sådefiſchen Hofe den deutſchen Vortrag wol aufgenommen ,

die Deputirten wurden auch insges

Tammt zum Handkuß gelaßen , und der Königlichen von der man durch eine node Gnade verſichert, deutlichere Probe überzeuge zu werdeit glaubte, in dem deſſelben Tages das Olivifckie Chor der Stadt Allein wider Vers fren wieder eingeräumt wurde. muthen fand der Antrag zweyer Rathsdeputirten , welche an den Herzog von Weiſſenfels wegen der zugeſagten Procuration einer Generałatneſtie ab . geſchidt waren , ſo wenig

Ingreß , daß vielmeht

eine große Geldpråtenſion vom Königlichen Hofe dafür zur Bedingung gemacht wurde.

Hiedurch

þat Danzig , ohne daß ſolches der Inhalt der Cae pitulation mit ſich gebracht hätte ,

ein unerwartet

ſchweres Geldgeſchäft mit dem Könige und dem Churſachfiſchen Hofe bekommen .

Die Erſtattung

der Kriegskoſten zum Sächſiſchen Feldzuge iſt der Stadt auf 8ootauſend Species. Thaler angeſchla . acht Mitglieder der Dritten Ordnung dazu ernannt und abs geſchidt worden.

.

Sechſter Abſchnitt . Fünftes Kapitel. 459

!

!

By

71

gent , für den angeblichen Affront an den Reſidenten von Frensdorf find 100000 Thaler gefordert, und an die Sächſifiche Generalität iſt ein Ehrenges fchenk von 20000 Ducaten verlangt worden ; die Weichfelmünde nebſt der Weſtſchanze Şaben erſt nach Erfüllung obiger Bedingungen wieder eingen räumt werden , und die Stadt verpflichtet ſeyn ſol len , für die Löhnung und Verpflegung der dortigen Sådfiſchen Garniſon während dieſer Zeit Sorge zu tragen . Nach einigen Tagen ließ der König die Huldi: 2 Aug. gung ,

ben 'welcher er anfänglich ſelbſt zugegen zu

ſeyn verſprochen gehabt ,

durch den

Kratauſchen

Biſchof und Polniſchen Unterkanzler Lipski, als dazu ernannten Commiſſarius abnehmen .

Er ber

ehrte die Stadt gar nicht mit ſeiner perſönlichen Ge genwart, fondern þatte fchon drey Tage vorher ſeine Růdreiſe nach Sachfen beſchleunigt. einigte ſich jeko ,

Alles vera

die der Stadt auferlegten Geld .

jahlungen mit der gemeſſenſten Strenge abfordern zu laßen .

Der erſte Termin welcher der Capitu

lation gemas ,

an den Ruffiſch , Kayſerlichen Hof 1

erlegt werden mußte , ward durch auswårts fomol als in Danzig ben bemittelten Privatperſonen erho. bene Vorſchüſſe zuſammen gebracht; man beförderte auch die Abreiſe der Deputation aus allen Dren Ordnungen f) nach St. Petersburg , und als fel

1 *

) Hieju : waren die Nathsherren Joh. Wahl ung Cari Gottl. Lhler , die Gerichtsherren Fridr. Regger und Conft. Bonborft , und als Mitglieder der Dritten Ordnung, Seinr. Martens and Joh. Ludw . dende ermiblt worden om

Danzigs Geſchichte.

460

1 1

uy Sept. bige dort angekommen war, ſo erlangte fie stoar eine ſehr ſolenne und gnådige Audienz bey der Ruffifdex Kayſerin ,

welche die ganze Deprecationsrede des

Rathsverwandten Wahl vor einem Lehnſtuþl ſte Bend anhörte, die Beantwortung des Vicekanzlers Grafen von Oſtermann enthielt auch eine völlige Vergeſſengeit und Verzeihung der Fehltritte und Beleidigungen in Rich ,

deren Danzig gegen den

Ruſſiſchen Hof für ſchuldig war erkannt worden : allein das fernere Betragen dieſes Hofes im Gelda negog , iſt gegen die Stadt nicht ſo ſchonend gewes fen , als man von den troftreichen Verſicherungen der Rayſerlichen Kuld und Großmuth erwarten zu können geglaubt hat. Einen weitläuftigen und

noch ſchwereren Gang nahm dieNegociation wegen der Königlichen Forderungen , welche infonderşeit von den Sächfifden Miniſtern geführtwurde. Der Hof hatte nun zwar die verlangte Totalſumme mit Inbegrif der Mündiſchen Verpflegungskoſten auf Zwey und ein Drittel Millionen Preußiſcher Gul den berunter geſeket ,

die Ordnungen in Danzig

aber kamen nach vielen Debatten nur über die Suma me von Neun mal hundert Schluß.

tauſend Gulden zum

Der König bezeigte ſich auf viele Remon

ftrationen endlich auch mit dieſem Anerbieten zufrie. den , er ließ der Stadt dur

den Seheimen Confe

renzrath von Bülow erklären , daß er zwar eine Men der Stadtſecretair D.E. Jangen zugefellt warb. Es bat ibrigens viele Mühe gekoget, den Burgermeiſter von Bomeln , der namentlich nach Rußland verlangt worden , Gitar dieſer Reiſe halber zu entſchuldigen ,

/

1

Sechſter Abſchnitt. Fünftes Kapitel. 461

"

gefälligere Submiſſion von derſelben erwartet gåtte, Ostbr. für ſich aber jegt nichts weiter begehren , und die angetragene Geldſumme nur annehmen wolle, um fie unter per Sächſiſchen

Generalitåt und ſeinem

Miniſterium vertheilen zu -laßen .

Mit Soluß des

Jahres alſo, nachdem man ſich endlich auch über die Art und Weiſe der Zahlungen geeiniget hatte, wurden dem Gebeimen Rath von Bülow achtzeha Dbligationsſcheine, beren jeder zu 5 otauſend Gul den auf einen beſtimmten Termin ausgeſtellt war, von der Stadt überliefert; das Diplom der Äffecu . ration und Generalamneſtie , welches ſich zugleic auf die ſchon geſchehene Königliche Confirmation aler Rechte und Privilegien Danzigs befog , wurde dem Rath nunmehr eingehåndiget, allein die Reſti tution der Weichfelmünde welche daritt þåtte mit begriffen feyn ſollen ,

blieb wider Vermuthen bis

zur Rückkehr des Königs nach Polen verſchoben .

1

Hierüber þat die Dritte Ordnung ihr Mißvergnů . gen zu bezeigen nicht unterlaßen ,

und wegen der

eiífertigen Auslieferung der Obligationsbillette vor V

3

erfolgter Evacuation der Münde , offentlichen Rathſchlagen die

hat ſie in den

Erklärung gethan ,

daß fie fich die nachtheiligen Folgen davon , fünftig nicht würde zur Laſt kommen laßen.

26

1

462

Danzigs Geſchichte.

Sechſtes

1

1

Kapitel..

Märkungen und Folgen der Danziger Belagerung ſchiedbaudienz der Danziger Depurtrten am Petersburger Hofe - Ruſſiſche Erecutionsvdlfer im Danziger Gebiete zugemuthete Lieferung an die Sächſiſchen Truppen und veränderte Geldpråtenſion an Danzig -- die Sächſte 1 ( die Einquartierung wird wieder aufgehoben - Danzig vergleiche fich wegen der Königlichen Gelder -- die Feſtung 2 Weichſelmúnde wird evacuiret und der Stadt wieder geges ben - Friedenspråliminarien zu Wien - Pacifications reichstag zu Warſchau.

Die Feindſeeligkeiten gegen Danzig batten vor. gedachter weiße ein Ende genommen.

Die Ruiſto

fchen ſowol als die Sächſiſchen Kriegsdotter, ( außer der Beſaßung ſo lektere in der Münde zurückließen ) waren allmålig vom Danziger Territorium wegges zogen , wird batten ihren Marfch nach Polen ge nommen , uin den dort erneuerten Unruhen Einbalt zu thun.

In Danzig war nun alles beſchäftige,

die beſchädigten Stadtgebäude und Bohnhäuſer wieder ist Stand Feken

zu laßen .

Man hat auf

achtzehnhundert Häufer gerechnet, die eine betracht. liche Reparatur vonnöthen gehabt haben , und weil weder hinlånyliche Baumaterialien , noch eine zu: reichende Anzahl Handwerker ſogleich vorhanden geweſen, ſo ſind in vielen Straßen die Häuſer eine zeitlang noch öde , und ihre Bewohner fich andere Deſſen wärts aufzuhalten genothigt geblieben . ungeaďtet hatten die Bomben , deren laut einer aufgenommenen Tabelle , vom 30 April bis zum

Sechſter:Abſchnitt . Sechſtes Kapitel. 463 30

Juny , vier tauſend vier hundert und Dreyßig

in die Stadt ſind geworfen worden , einen ſo großen Schaden nicht verurſachet, als iþrer Menge nach augenſceinlich war zu befürchten geweſen. Einige öffentliche Gebäude ſind auf Fürſprache fremder Herrſchaften , und ſelbſt auf Befehlder Feindlichen Generalitat verſchont worden , wie unter andern der Herzog, von Sachſen - Weiſſenfels ſich für den Junkerhof und für den Thurm des Rechtſtådeſchen Rarphauſes ſoll intereſſire gehabt haben . An Men .

1 Ichen ſo durch die Belagerung theils ums Leben ges tommen , theils an ihren Gliedmaßen verſtümmelt gder verlegt worden , hat man ohngefehr 1.509 ge rechnet; von Perſonen aber die in geiſtlichen und weltlichen Ehrenamtern , oder anderu Bürgerlichen Bedienungen geſtanden , hat niemand weder in ſein .

of

nen Umts.. und Berufsgeſchäften , noch außer dens felben , einigen Schaden an ſeinem Leibe erlitten. Ueber außerordentlichen Mangelder Mundproviſion þat man die ganze Zeit þindurch in der Stadt nicht. zu klagen gehabt.

Mit ſchlichtgemaßlnem Brod

7

þat man ſich zwar behelfen müſſen , und die mebres ften Pictualien find theuer pesagt worden ; pon

M

einigen aber hat man würklic einen Ueberfluß gea

1

Þabt , worunter Fiſche und infonderheit dem armen Manne zu großer Erleichterung , die Häringe in Nach geen: zahlreicher Menge vorräthig geweſen. digter Belagerung þat die Handlung und das ge meine Verkehr bald wieder einen guten Fortgang geo wonnen , und im bürgerlichen Privatleben iſt die Noth mindeſtens in keiner Ubſicht aufs bådfte geſtiegen .

1

Danzigs Geſchichte.

464 1

Am drůdendſten ſind noch långere Zeit durch , die öffentlichen Beſchwerden , als Folgen der Bes lagerung, inſonderýeit wegen der Herbenzuſchaffen : den

Geldſummen geworden.

Der baare Zuſchub

von Drenßig tauſend Ducaten , welchen der Frane zdfiſebe Ambaſſadeur,

auf Anſinnen des Königs

Stanislaus, den Stadtcaffen zugewandthatte ,s ) war allerdings für die außerordentlichen Uusgaben þůlfreich zu ſtatten gekommen ; aber was fonate derſelbe zur Beſtreitung eines ſo großen Aufwandés vermogen , als Danzig theils nach dem Inhalt der Capitulationsartikel, theils für die nacøgeßends unvermutħet hinzugefommenen Prätenſionen und Erecutionsgelder þar über ſich nehmen müſſen ? vies ler Gratificationen , Ehrengeſchenke und freywilliger Offerten noch zu geſchweigen , wozu man ſich theils nac Bewandnis der Umſtånde aus Erkenntlichkeit verpflichtet gefunden , theils aud um Madrichtund Schonung zu erhalten , zur Vermeidung eines grå. Beren Ungernachs hat anwenden müſſen.

Zu dere

gleichen Geldbedürfniſſen haben , außer einigen itt der Stadt erlegten Abgaben , die auswärts und vornemlich in

Holland negociirten Geldvorfchüſſe die

3 ) Dieſe Summte Gelbes hatte der Marquis demonti, im 1 Fall des Ausbleibens der franzöfiſchen Hůlfsflotte, gleichs fam zur Verſicherung ſeiner öftern Conteftationen deponiret gehabt. Sie wurde nadiher auf Verlangen des Königs Stanislaus , der den Danzigern eine noch kräftigere Fürs ſprache am Franzöſiſchen Hofe zu ihrer Entſchädigung vers bieß , zum Behuf der Stadt, ohne genauere Beſtimmung nóc darüber gegebenen Revers oder Quittung , überlaßen.

Sedyſter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 465 bie bereitefte Hülfe geleiſtet, wonachſt aber ' die Stadt, der Securität und der Intereffen Halber, die nöthigen Verfügungen bat anordnen müſſen. In St. Petersburg erhielt die Danziger Deputation eine Abſchiedsaudieng, die mit den kråftigſten Ver. ficherungen der Kanſerlichen Protection und des gnädigſten Wolwollens gegen die Stadt beſchloſſen wurde ; banådaſt blieb Danzig mit der anfänglid 1738; Seforderten Million Thaler wegen der Stanislati 27 Map. fchen Entfernung , vermoge einer Kayſerlichen Des claration verſchont, und von allen Anfprachea dari auf befrenet; aber eben gedachte Declaration ento pielt zugleich mebrere Punfte, womit der Stadt ihre an den Ruffifc- Kayſerlichen Hof abgelaßene Bitten abgeſchlagen , und inſonderheit feine Mila derung in Betref der Zahlungstermine der erſteren

i Million Thaler zugeſtanden , vielmehr das erbetene Diplom einer Amneſtie nicht eher auszufertigen ver fprochen wurde , bis man den dritten Termin zum Vollen würde bezahlt bekommen haben.

Mit dies

fem Beſcheide famen die Deputirten nach Danzig 29 Jun y. zurück, ohne daß einem'oder dem andern von ihnen , ein perſonelles Gnadenmerkmal ware juertheiltwor . den .

Sie fanden das Gebiet ihrer Waterſtadt mit

Ruſſiſchen Erecutionstruppen befeget, die den Car fen ſowot als den Dorfſchaften derſelben nicht wenig für Laft fielen. Der Ruffifche Oberſte von Uterkult war ſchon ſeit dem zweiten Zahlungsteiniin mit einem Commando von anderthalb hundert Mann, in die Danziger Lånderenen "eingetüchet . Dieſe Executionscruppen würden von Zeit zu Zeit beina Geſch . Danz, 3ter Th . Gg

2

466

Danzigs Geſchichte,

mehrt oder vermindert , und es ward dabey Sfters gedroßet, daß ein ganzes Regiment Dragoner nach kommen ſollte.

Die Ruſſen zogen von einer Dorf

foaft jur andern ,

es mußte ihnen Proviant und

Fourage geliefert werden ,

und der Obetſte ließ der

Stadt eine firicte Summe täglicher Execution gebe der abfordern.

Zu ſeinem Hauptgeſchäfte war ihm

nur der Befehl ertheilt worden , die limitirten Zah. lungstermine in vollwichtiger Münze einzucafſiren , und im Fall der Verzögerung ſich militåriſcher Hülfe

1

zu bedienen ; nachdem die Stadt ſich über ſeine wills führlichen Forderungen beklagt hatte , wurden ihm auch vom Ruſſiſchen Hofe ernſtliche Verweiſe dess wegen gemacht;

aber nichts deſto weniger behielt

die Erecution ihren Fortgang,

die vom Oberſten

widerrechtlich erpreßten Getdfummen wurden ge. mißbilligt, aber nicht wieder erſtattet,

und man

mußte ſich tröſten, genug damit gewonnen zu haben , daß nach der Zeit, vom Rußiſchen Militair einige Moderation beobachtet wurde.

Allererſt im Märg

1736 ſind die baaren Gelder in Danzig zuſammen gebracht worden , womit die dritte und legte Ruſſi. fche Rate an den Oberſten Uexkul zum Vollen hat bezahlt werden können.

Einige Wochen ſpåter iſt

das Rußiſc - Kayſerliche Verſicherungsdiplom der Amneſtie durch den Hofrath Erdmann dem Rach übergeben worden ,

und zu gleicher Zeit þat der

Oberſte den Befehl bekommen , theils die eingeo ſchickte Originalquittung im Nahmen Ihrer Kay. ferlichen Majeſtåt abzuliefern ,

theils auch die er.

Baltene Drdre zu ſeinem Abzuge aus dem Danziger

2

Sechſter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 467 Gebiet, * dem Magiſtrat

der Stadt bekannt zu

machen . Wegen Zurückgabe der Weichfelmünde, trieb Danzig am Königlich - Polniſchen Hofe noch lange 1735. Zeit þindurd , eine fruchtloſe Unterhandlung.

Auc

fierin' wollte es mit der inſtåndigſt erbetenen Inter .

-1

I

poſition des Ruſſiſchen Hofes nicht glüden, und ob gleich aus einer erweckten Jalouſie der Polniſcher Krontruppen , welche die Sächſiſche Befagnng itt der Münde abzulöſen pråtendirten , ſich einige Hof Decbr. nung bervotthat, als ob, allen Particulairſtreit zu vermeiden ,

gedachte

Feftung der Stadtgarniſon

miéder eingeräuint werden würde: ſo ließ ſich doch Das Polniſcie Borhaben auf eine bequemere

Art

ablehnen , und die wiederholten Danziger Remoni ſtrationen hatten nicht Gewicht genug , die anders weitigen Gründe des Sådfiſchen Miniſteriums fine

WY

3

all

Y

fen zu machen .

Indem nun noch der endliche Er.

folg in dieſer Angelegenheit zweifelhaft war , ſo ère eignete ſich ein neuer Unfall, daß das Sächſiſche General .. Kriegscommiſſariat die Stadt und ihre Territorium mit in die Repartition zießen wollte, ſo wegen des Probiants für die Sachfifchen Uuri. fiartruppen auf die ganze Provinz Preußen , abſon : derlich aber auf die Pommerelliſche Woywodſchaft war in Anſchlag gebracht worden.

Der Preußiſche

Schafmeiſter felbft Balf den Danzigern diefe Lapte aufbürden , und fo fehr die Stadt fich auf ihre Ca

32

pitulation und auf das Königliche Affecurations.

20

Diplom zu berufen hatte , ſo blieb doch das Univer. fal des Herzogs von Weiſſenfels als Sächſiſchen Sg.2

468

Danzigs Geſchichte .

General - Feldmarſchalls nicht aus, worin Danzig und deſſen Gebiete ,

ausdrücklich mit einem Cone

tributionscontingent belegt wurde.

Vom König.

lichen Hofe wurden hierüber anfangs feine deutliche Declarationen gegeben , bis man erplich durch den 1736. Danziger Secretair Behne aus Warſbau erfuhr, Sanuar. daß wenn von der Stadt die an den Hof ſtipulirten

Gelder gleich auf einmal in unzertrennter Summe gezahlt werden måten , man nicht nur auf einen Naçlaß von 100000 Gulden würde rechnen , ſong dern ſich auch die Zurückgabe der Weig felmünde verſprechen , vielleicht auch eine gånzliche Eremtion von der Proviantlieferung erlangen können . Mit dieſem Bericht ſtimmten mehrere eingelaufene Erg klärungen überein , und der Rath war desfalls bey müßet, in den Conſultationen mit den übrigen Ded; nungen , lich wegen eines Entſchluſſes darin zu eini. Die Wichtigkeit der Sade brachte aber zu Diffic piele ultaten aufdie Bahn , als daß die Rath : gen.

ſchläge in kurzer Zeit håtten können : geendiget wera den. Der größte Theil der Regierungsſtånde glaubte mit Rect , von der Feſtigkeit des getroffenen Ver gleichs und der ausgegebenen

Obligationsſcheine

nicht abweichen zu dürfen , man ſabe die neue Vera wechſelung der Forderungen für eben ſo råt felhaft, als unbequem an , und auf der andern Seite ſtieß noch die ungelegene Schwierigkeit vor , eine fo (tarfe Summe bagren Geldes in der Eile fchwerlich aufbringen zu können . Die Sächliche Einquartierung hatte unterdef. ſen ſchon ifren

Anfang genommen .

Vom Urn .

Sechſter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 469 ftåbtſchen Regiment, welchem die Danziger Lånden reyen waren angewieſen worden , rückte ein Cornet 32 Dragonern in Prauſt ein , machte dem 4 Febr.

mit

Dorffchulzën die Abſicht ſeiner Ankunft befannt, und verlangte daß von ſeiten der Stadt jemand hin . aus geſchickt werden ſollte, die Contribution mit ihm zu reguliren . Der Rath aber trug Bedenten ,

fich mit dieſer 'unbefugten Erecutionsſache zu befaſo fen, er åberließ es dem Dorfſchulzen , ſich mit dem Såchfiſchen Officier ſeiner Forderungen wegen moge lichſter maaßen zu vergleichen , und fäumte übrigens nicht, theils an der König und die Polniſchen Se. natoren dagegen ſchriftliche Vorſtellungen zu ma . chen , theils auch an den Landſchafmeiſter , an die Gåchrifchen Miniſters , und an den Chef rowol, als den Commandeur des Arnſtadtſchen Regiments die bündigſten

Et

faßen.

Remonſtrationsſchreiben

abgeßen

zu

Nach einem Beſchluß der Ordnungen wur.

det ferner öffentliche Manifeſtationen und Proteſtas tionen , wider die illegale Repartitiou der Kriegga . ſteuer für die Sächſiſchen Hülfstruppen auf die Stadt Danzig zum Druck befördert, und im Dir. fhauſchen Grodgericht ingroſſiret : aber nichts deſto weniger war die Prauſter Dorfſchaft ſchon zu einer reichlichen Verpflegung der Menſchen und Pferde, dom Erecutionseommando gendthigt worden . Der günſtigſte Effect in dieſer Sache ließ ſich noch von den behutſamen Maasregeln des Raths hoffen , in dem derſelbe durch gegebene Inſtructionen an fete nen reſidirenden Secretair zu Warſcau , das Gelds geføåft am Königlichen Hofe weder gånzlich abbrea G g 3

470

Danzigs Geſchichte.

dhen ließ , uoch auch die Bereitwilligkeit verſagte , daſſelbe zur Zufriedenheit des Königs und der Sache fiſchen Miniſteriums zum Ende zu bringen.

Ju

kurzem åußerte ſide ein guter Erfolg dieſer Negocia . 27 Febr. tionen , als wenige Tage ſpåter währender Sikung des Raths , fic ein Sächſiſcher Regimentsquartier meiſter zu Rathhauſe anmelden ließ , und den bea fommenen Befehl vorzeigte, die Erecution im Dans ziger Gebiet aufzubeben , auch unter Feinem

Titel

einige Abforderungen weiter machen zu laßen. Das Sächſiſche Commando räumte nun unverzüglich die Danziger Låndereyen , und nad einem darauf ein , gelaufenen Bericht vom Secretair Behne , erfuhr man , wie am Warſdauer Hofe auf eine Vorſtels lung des geheimen Conferenzminiſters von Bülow befunden worden , daß das Sächſiſche Kriegscom . miſſariat zu weit gegangen wäre , das Territorium der Stadt, wider den klaren Sinn des Königlichen Aſſecurationsdiploms,

mit militairiſchen Lieferun .

gen beſchweret zu haben . Eben gedachter Miniſter war nunmehr in Dan. zig beſchäftigt,

die Königliche Geldſache und die

darauf beruhende Reſtitution der Weichſelmünde durch ein gürliches Vernehmen mit den Ordnungen der Stadt zum Ende zu bringen .

Die deshalb gen

pflogenen Rathſchlage wurden zwar unter verſchie: denen Debatten noch áber zwey Monate verzögert; endlich aber fam man in den Hauptpunkten überein, daß die erſte Hälfte der abzutragenden Gunderttaus ſend Ducaten ſogleich in baarem

Gelde entrichtet,

und der Zahlungstermin der andern Hälfte durch

1

Sechſter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 471 Reberſalien über vier Monate ſicher geſtellt werden follte.

Vermoge erfolgter Genehmigung des Kdo

nigs wurde ſofort mit Abzahlung der erſten Rate , die Wiedergabe der Mündiſden Feſtung nebſt der dazu

gebdrigen

Schanzen

verknüpfet ,

und die

1

Stadt ſorgte dafür, daß die kurz darauf von Hofe abgeſchickten Kammerofficianten die Gelder in Ems

1 pfang nehmen konnten .

Nachdem nun auch die

Abioſung in der Münde, mit dem daſelbſt commans direnden Sächſiſchen Oberſtlieutenant Sehdens war regulirt worden , ſo gog ,am dazu beſtimmten 22 Mag. Tage ,

der Danziger Oberſte Harang mit einem

Detaſchement von zwey Compagnien der Stadtgar niſon nach der Münde , ldſete die Sachfiſche Bes fakung nach militairiſchem Gebrauc ab ,

und ließ

fick vom Oberſtlieutenant die Schlüſſel nebſt dem Inventarium der Feſtung überreichen :

er ſaicte

pierauf noc einige ſeiner Leute zur Ablöſung in die

!

Weſtſchanze, und die geſammte Sächſiſche Manne ſchaft marſcirte ſodann mit klingendem Spiel aus der Feſtung,

reßte auch noch an demſelben Sage 1

iþren Weg bis Prauſt fort.

Nach dem Abzug der

Sachſen tam . der Burgermeiſter Wahl als Präſie dent, in Geſellſchaft des Kriegscommiſſarius und Rathsherrn Schrader in die Feſtung , übernahm vom Oberſten die Schlüſſel nebſt dem Inventarium , und dimittirte denfelben alsdenn ,

fich mit ſeinem

Commando nach der Stadt zurück zu begeben . Hier auf ließ der Präſident die ebemalige Mündiſche Bea ſakung nebſt der aus der Contreſcarpe und Weſto fchange, die ſich ſchon in der Nähe beym Meemen G94

1

472

Danzigs

Gefchichtes.

trüge fertig geßalten , zum Anmarfch beordern ; fie zogen beyderſeits ſtille unter dem Vortritt des Capi. tains Paper ţineint, und die Mündiſchen wurden vom Präſidenten , fo wie diejenigen welche in den Schanzen blieben , vom Kriegscommiſſarius aufs neue mir vorgeftabtem Eyde verpflichtet. h )

Soldergeſtalt war. Danzig nun mehrentheils von den ſchmerzhaften Naďwehen der Ruſſiſch Sachfiſchen Belagerung befreyet, und alle Umſtånde dereinigten ſich zugleich nåber ,

dem ganzen Polnis

-- [ chen Reiche die vollkommene Ruhe wieder zu ges ben.

Stanislaus , der nach ſeiner Flucht aus

Danzig zu Königsberg Hof hielt, Verwüſtungen

war über die

ſeines Vaterlandes von Mitleiden

durchdrungen , und ging ſelbſt damit um ,

Maas

regeln zur Beförderung des Friedens zu treffen : Eine abermals für ihn errichtcte Verbündung zu Dzitow hatte ſeiner Parthen , den Umſtänden nach , mehr Schaden als Nußen zu wege gebracht.

Dem

Woywoden ven Kiow war es verkleinernd vorges kommen , unter den Befehlen des Conföderations. marſchalls Staroſten Jaſielski zu ſtegen , er war darüber unwillig worden , und hatte ſich mit feinem

1

h ) Die villige Reftitution der Ründifchen fotot als der in den übrigen Außenſchanzen gewefenen Befaßungen , uners achtet diefelbe sermoge der Capitulation verglichen geme fen , hat in der Folge noch vielen Mißmuth und Widers ſpruch der übrigen Stadtſoidateske "verurſachet : infonderi heit haben die mit dem Obercommendanten General don Wittingbor daraus entſtandene Differenzen guleßt die Dis miffion beffelben , ſo er unter einigen Bedingungen felbf verlangt hat , ( 1737. 12 Jung. ) nach ſich gerogen.

En

1 5

Sechſter Abſchnitt.

Sechſtes Kapitel. 473

ganzen Heere dem Könige: Auguſt unterworfen . ( 1735. 28 Febr.) :

Die immer mehr geſchwäch .

ten Stanislaiſten konnten dergeſtalt nichts erſprieß. fiches ausrichten , und igre Kriegsvöller verheerten für Unmuth das Land. Dadurch ward Stanis . laus bewogen , in einem dffentlichen Ausſchreiben ( 12 May ) den Befehl zu ertheilen , daß der Adel die Waffen niederlegen , und die Soldaten in ihre Befagungan jurück gehen fouten .

Nicht lange dars

auf war der Reichsprimas Potocki in Freyheit geg Teßt worden , und hatte ſich zu Warſchau dem Kda nige Auguft perſönlick ſubntittiret ( 15 Jul.)

Die

innerliden Kriegsunruhen waren ſo merklich piem durch geftklr worden , daß man ſchon einige Hülfse truppen fonnte abziehen laßen , indem vier Sächſia ficke Regimenter nach Sachſen zurückgingen , und der General Låcy mit 30000 Mann Kuſſen dem Seutſchen Kayſer wider Frankreich zu Hülfe ge. ſchicht wurde.

Der hierauf verſuchte Pacifications.

reichstag ( Septbr .) hatte zwar einen fruchtloſen Ausgang gehabt, und noch einmal hatten die Star 2,5 nislaiſten unter dem Namen der Confödericten Ren publik Polen gegen alle Reichstagsgeſchäfte mania feſtiret; inzwiſchen wurden nun auch auswärts un ter den kriegenden

Mächten ,

die der Polniſche

Wahlſtreit entzweyet gehabt,

folche Vorſchritte

zum Frieden gemacht, wovon, die Krone Polen fich einen weſentlichen Einfluß derſprechen fonnte. Ab. ſonderlich hatte der Franzöſiſche Hof Mittel gefun den , ohne Zuziehung anderer Potenzen , dem Kay ſee Earl dem Sechſten ein insgeheim communicir. Gg5

474

Danzigs Geſchichte.

ter Friedensproject annehmlich zu machen .

Die

Friedenspråliminarien wurden darauf unvermurhet zu Wien unterzeichnet, ( 3 Ocebr. ) und die Acceſo fionen der übrigen dabey intereſſerten Mächte , find ohnerachtet einiger anfangs erhobenen Schwierige Feiten , glücklich nacheinander erfolget.

Vermoge

einiger Hauptartifef dieſer Friedenshandlung ,

ift

der Churfürſt von Sachſen Auguſt der Dritte, als ' regierender König von Polen und Großherzog von Litthauen erkannt , dem Könige Stanislaus aber nur der Ehrentitel davon überlaßen , und auf

/

Lebenszeit der Befik von Lothringen und Bar zuer .

! theilt worden.

Stanislaus wurde auch in ſeine

und ſeiner Gemahlin Erbguter in Polen reſtituiret ; feinen bisherigen Anhängern wurde eine allgemeine Amneſtie verſichert, und übrigens alle Rechte und Frenheiten des Polniſchen Reichs , frene Königswahl aufrecht erhalten.

1

folgenden

i

acte wegen

vornemlich die Zunächſt im

Jahre ließ Stanislaus ſeine Verzichte der Polniſchen Krone zu Königsberg

1736. ausfertigen , ( 27 Januar ) und wurde dagegen von den Ruſſiſchen und Sächſiſchen Geſandten zu Wien als König von

Polen eckannt. ( 15 May ) ,

ale

Polniſche Magnaten ,, bis auf den Krongroßſdae. meſter Oſolinski, der dem Könige Stanislaus nach Lothringen gefolgt iſt , bezeigten nunmeør dem Könige Auguft ihren völligen Gehorſam , und es blieb nichts weiter übrig , als durch einen Reichs. tag die allgemeine Ruße des Staats zu befeſtigen . 1 Ein folcher Pacificationsreichstag wurde darauf, Juny, mit beſſerm Erfolg als im vorigen Jahre , ju War.

4

3

22

> ! Sechſter Abſchnitt. Sechſtes Kapitel. 475 rahau geßalten .

Die ewige Vergeſſenheit aller vor ,

gefallenen Mißhelligkeiten und Staatsunrußen wurde zum Fundament der übrigen Beſchlüſſe geo ſekt; viele åltere Conſtitutionen wurden beſtåtigt, inſonderheit auch in Betref der Diſſidenten der wider. wärtige Beſchluß des Convocationsreichstages, bea fråftigts

in Anſehung der fremden

Kriegsvolfer

gelobte der König ( mit Ausnahme ſeiner Leibmache ) die Sächſische Armee innerhalb vieezig Tagen aus Polen zu ziehen , und in eben ſo viel Zeit verſprache er den Abzug der Ruſſiſchen Truppen, ohne Rück . kehr derſelben zu bewürfen .

Es iſt aber zugleich

merkwürdig , daß dieſes der einzige Reichstag geo 1 weſen , den König Auguft der Dritte unter ſeis Hem Scepter zum Stande gebracht hat.

Siebentes Kapitel . Inactivitåt in der Polniſchen Staatsregierung - Danzig wird aufs neue vom Cujaviſchen Biſchofe beunruhiget . mehrere Urſachen des bürgerlichen Mißvergnügens in Dans zig – kriegeriſche Störungen der Handlungsſchiffahrt in der Oſtſee - Schif & differenz bey Danzig zwiſchen Rußs land und Schweben - Reparation des Danziger Weſters tiefs – verweigerte Landesinſtigatur - Debatten über Differenz den Wechſelbau an der MontauſchenSpike mit dem Franzöſiſden Hofe wegen des Grafen de la Salle.

D er Früchte des von außen wieder Hergeſtellten Friedens,

þat das Königreich Polen während der

ganzen Regierang Auguſts des Dritten , feindliche Interruptionen genoſſen.

ohne

Die bald nach .

Danzigs

476

Geſchichte . :

. )

Her entſponnenen Succeſſionsbewerbungen in Euro land , ingleichen die fernerhin geführten Kriege in Ceutſchland, haben die Krone Polen zwar in einer iminerwåþrenden

Connerion wit dem

Ruſſiſchen

· Reiche erhalten , inſonderheit hatten auch die Schless fiſchen Kriege von feiten des Königs von Preußen, manche Staatserſchütterungen für Polen mit ſich gebracht; dennod aber Hat dieſe Republik den Nuss bruch öffentlicher Feindſeeligkeiten glücklich vermies den , und ſich vielmehr durch Nachricht,

mit

dem

Partheyloſigkeit und

Schilde

der nachbarlichen

Freundſchaft gedecet. " Dagegen' gaben fich die Geiffeln der innerlichen Zwietracyt vom Staate nicht abwenden laßen.

Die unaufþörliche Zernich

tung der Reichstage ;

das ewige Emporkomment

zwiſtvoller Gegenſtände , und mit Factionseifer bes gewiſſer Betrachtung ſtrittener Materien , jog 9 in s alle Aufmerkſamkeit die , fick nach eine Anarchie und Achtung auf die Wolfart des Reichs aus der Der König konnte dawider nur Augen gefegt hat. mit den Senatsconſilien als ſchwachen Linderungsa mitteln zu Hülfe fommen , und wenn gleich der Frien geriſchen Auffäßigkeit megrerer gegen einander ers bitterten Familien und Partheyen noch vorgebeugt )

wurde ,

ſo fonnte doch nie zur feſtern Ruße und

zum waþren Beſten des Vaterlandes, am wenigſten aber zur innern Verbeſſerung und Vervollkomm . nung deſſelben , than werden.

irgend ein würkſamer Schritt ge Die Provinz Preußen hat von einer

fo unthätigen und fraftloſen Staatsregierung gleich großen Nachtheit gezogen . ' Mifibrauc nnd Vera

Sechſter Abſchnitt. Stebentes Kapitel. 477 nachlaßigung der Gefeße , Regeneration ehemaliger Landesgebrecen ,

und Hervortþun neuer Staats.

ůbel, daneben auch Eiferſucht, Mißtrauen , und das ganze Gefolge des Zwieſpalts unter den Stån den ,

haben das Land entnervet,

und die noth.

wendigſten Staatsgeſchäfte deſſelben ins Stocken gebrachte i 2 Die Preußiſchen Städte , denen die Folgen dieſer Staatsinactivitåt nicht weniger zur Laft fielen, fuckren hauptſächlich das Intereſſe ihrer Handlung and des bürgerlichen Gewerbes dabey nicht gar zu verlieren .

Sie nahmen jede Gelegenheit wahr,

im Frieden ſowol als unter Veranlaßung auswårti ger Kriegsunruhen , die zufälligen Ereigniſſe und Umſtände der Zeit mit iþren Commerzvortheilen in Verbindung zu ſehen ; und indem alfo der Körper. des Staats fich in einer würkungsleeren Schlaffucht befand , ſo arbeiteten pie und da einzelne Theile deſ felben mit Anſtrengung , Privatfleiß und Induſtrie, um deſto meßr wolhabende Bürger zu ziehen , und nůbliche Einwohner des Landes in die Höhe zu bringen. In deren Reyße befand ſich auch die Stadt Danzig , die unfehlbar ein noch unbeſchránt. teres und reegenvolleces Aufformen erlangt håtta, wenn nicht viele nach ſchleichende Folgen der vorhed . erlittenen Kriegsunfälle ,

und die Fortbauer miß .

günſtiger Störungen im Lande;

iþr daran hinderá

lich geweſen , inſonderbeit aber wenn mit mehr Ciri cumſpection die innerlichen Spannungen wären vera mieden worden , worin fich zulegt Bürger gegen Bürger gefeßt haben , und wodurch die Auslegung

1

Danzigs Geſchichte.

478

der Gefeße fowol, als die Diſcuſſion über den Neo gimentszuſtand der Stadt, beynabe der Form eines Offentlichen Rechtshandels haben unterliegen müffen . Mit einem der erſten und beſchwerlichften fan. desanträge , iſt Danzig nach der Belagerung durch den Biſchof von

Cujavien beunruhiget

worden .

Die Einſaſſen der Biſchöflichen Gründe vor der Stadt, þatten iþre abgebrannten Gebäude größtens

! theils wieder hergeſtellet,

und ihr Wirthſchaftswe

fen in die vorige Verfaſſung geſeket.

Die Danyi.

ger Bürgerſchaft fam demnach in den Fall , durd dieſelben aufs neue in ihrer bürgerlichen Naprung | und im gemeinen Gewerbe gefchmålert zu werden : Die Sclagen darüber hatten nun einen um fo viel beträchtlichern Grund ,

weil die neuen Anlagen ik

Danzig , womit unterſchiedene Waaren ,

Lebensmittel und

nach der Belagerung zum Beßuf der

Stadteinkünfte belegt worden , der Gewerbe und Commergerleichterung auf den Geiſtlichen Gründen ein unüberwindliches Uebergewicyt gaben.

Jndem

alſo dieſer Urſachen wegen , die Jalouſie in der nach barlichen Nahrungsconcurrenz fich von Tage zu Tage vermehrte , fo reproducirte auch der Eujavi. fiche Bifchof Szembeck das åſtere Anliegen ſeines Kapitels , und drung darauf, daß Danzig die ebes mals wegen der Forderungen deſſelben gepflogene Negociation wieder anfangen follte.

Nach einiger

Uusweichungen konnte der Magiſtrat nicht weiter 1737. umhin , in die Erneuerung der Conferenzen mit den Decbr. Biſchöflichen Commiffarien zu willigen . Der Suci ceß derſelben wurde aber durch unacceptable Vero

i

.

Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 479 gleichsvorſchläge in kurzem wieder gehemmet. Dans zig fuchte ſich der hervorgeſucten Geldpråtenſionen inſonderheit mit dem Königlichen Amneſtiediplom zu entſchlagen , und declinirte es beþarrlice , irgend cine andre Zuſtändigkeit an das Cujaviſche Kapitel zu thun , als eine ſolche die mit der Stadt Recten und Privilegien combinirtwerden könnte. Inzwi, ſchen bekamen die Biſchöflichen Forderungen nach einiger Zeit ( 1740.) einen Zuſak , indem die barm , Herzigen Brüder Mönche ihre abgebrannte Kirche nebſt dem Kloſter und Hoſpitalgebäude , an demſel, ben Ort wo ſie ehedem geſtanden , wieder aufju . bauen verlangten.

Weil nun gedachte Kirce nebſt

den zugehörigen Gebåuden , wie auch mehrere in Häuſer den den Fer Gaſſe gelegene Motlauſchen der Fer n der Stadt, ihrer Nabeit ſtungswerfe men

wegen både lich geweſen waren ,

ſo hatte man ſich der Wieder .

7

aufbauung derſelben zeither eines tõeils widerſeket,

1

dagegen aber auch den Tauſch eines Drts im Weine berge naße an der Grenze des Biſchöflichen Grun des vorgeſchlagen , wo man den Kirchenbau keires Nur der Bifchof weges ju bindern gedacht bat. þat fieraus einen neuen Vorwand ergriffen , fico über die unbilligkeit der Stadt zu beſchweren , und eine öffentliche Landesklage deshalb androhen zu laßen.

Die Unterhandlungen

darüber mit dem

Klofterconvent haben ſich noch bis ins folgende Jabr endlich aber þat der Rath einen Ento wurf in Form eines Contracts , zum nähern Ueber einkommen verfertigen laßen , wozu der Biſchof

verzogen :

nachber ſeine ſtillſchweigende Einwilligung gegeben

480

Danzigs

Geſchichte .

Hat , und nach deſſen Vorſchrift auf dem

von der

Stadt angewieſenen Plage, die neuen Kirchen und Kloſtergebäude ginfort ſind aufgefekt worden . Gleichwie nun dieſe Mißverſtändniſſe mit dem Bifchofe und den Biſchöfliden Einſaſſen , manche Debatten in den Conſultationen zu Rathhauſe ver urſaçet baben , ſo wurde auch von andern Era 1 fchwerungen " oder Mißbrauchen und Mängeln im mercantilifchen Fache ſowol als im Juſtig und Pos liceyweſen der Stadt, Anlaß genommen , ſich über die drůdenden Laſten der Bürgerſchaft zu beklagen . Einige neue Baaren und Conſumtionsanlagen , die ſeit geendigtem

Kriege im Gange geblieben , wo :

durch aber der innere Landhandel nicht wenig ges fchwächt wurde , mußten auf dfteres Anſuchen der Dritten Ordnung , theils moderirt ,

theils gånzliche

abgeſtellt werden . Eben dieſes Collegium drung nebſt einem Tbeil der Kaufmannſchaft , mit ſcharfer Aufmerkfamkeit immer tiefer in die Verwaltung des Policeyregiments ein , und die größte Anzahl der. jenigen Querelen , welche ſpåterhin zu dffentlichen Beſchwerdepunkten über die Oberhaupter der Stadt: regierung erwachſen find , Şaben in den jeßt aufein ander folgenden Jahren , durch oft wiederholte Er. drterungen und Vorträge, ihre Reife bekommen. h 1740. Der außerordentlic ſtrenge Winter , welcher mit

Anfang des Jahres 1740

einfel, und drey Mos .

1

nate lang fortgewährt hat , vergrößerte die Beforge nis eines allgemein um ſich greifenden Elends . Man mußte darauf der plóklich überhand nehmen den Betteley mit Macht abwehren , man mußte der Armuth

15

1

Sechſter Abſchnitt.

Siebentes Kapitel. 481

Armuth mit öffentlicher Schonung und Unterſtů , bung zu Hülfe kommen , und inſonderheit des many gels und der zuneşmenden Theurung wegen , auf einen hinlänglichen Vorrath geſunder Lebensmittel Alle aber zu dieſem Ende gemachten Verfügungen und Anſtalten ſchårften zugleich die Blicke der Bürger auf den Zuſtand der Stadtpoli. bedacht ſeyn .

cey , und deren bisherige ſowol als gegenwärtige Adminiſtration wurde einer ſtarken Verbeſſerung bedürftig gefunden .

Nicht ſelten ließen ſich ſorg.

loſe Pernachläſſigungen oder ſtrafbare Nebenabfich . ten darin entdecken ,

oft wurde man eigennåkige

Unterſchleife der Amtsgehůlfen und Unterbedienten gewahr, und felbft purdi eigenmächtige Befeble glaubte man zuweilen die geſeglid gewordenen Voda fchriften überſchritten zu finden . .:: Hieraus iſt es deu Umſtånden , der Lage und der Zeit nach begreif lich , wie nach und nach åltere fowol als neuere Staatsgebrechen

find hervorgelangt und reledirt

worden , um das eifrige Beſtreben nach einer Haupts reforme der bürgerlichen Verfaſſung zu erwecken , und den Ausbruch einer Revolution näher zu brin. gen , die unerachtet einiger patriotiſchen Abſichten , doch mit mannichfaltigen Gefahren des Verluſts der conſtitutionsmäßigen Freyheit der Stadt iſt ders knüpfet geweſen . Bekauntlich brachen bey Gelegenheit des Oeſter. reich ſehen Succeſſionsfrieges auch neue Feindſeelig . keiten der Krone Schweden gegen das Ruſſiſche 1741, Reich aus.

Die frere Schiffahrt auf der Oſtſee

wurde dadurch vermoge der Declarationen bender Geſch . Danz. zter Th. $ 6

s

482

Danzig

hte .

Geſchic

triegführenden Mächte geſtdret, und Danzig ro fide in einem beträchtlichen Commerzverkeør mit den Schwediſchen Handlungsſtådten befand , wurde nicht nur dem Ausfall vieler Handlungsvortheile, fondern auch einer noch minder erwarteten Verfes genheit ausgereget, indem der Ruſſiſch - Kayſerliche Hof durch ſeineu ģieſelbſt accreditirten Reſidenteu Schendel, außer der Abſchiffung contrebander Güter und Kriegsbedürfniſſe ,

der gieſigen Kauf

mannſchaft ſogar die Ausfuhr der Victüalien und auderer Effecten nach Schweden , bey Vermeiduug Der Dani der Kayſerlichen Ungnade unterſagte. ziger Magiſtrat ließ hierauf zwar ein Edict ausge. hen , daß keine als Priſen genommene Schiffe im hieſigen Hafen aufgebracht und herein gelaßen , noce weniger dergleichen etwa eingelaufene Schiffe und deren Ladungen Kieſelbſt verkauft werden ſollten ; und er war übrigens ſorgfaltig bemůßet , mit Ab. lehnung des Ruffiſch - Kayſerlichen Verbots ,

die

Erportation neutraler Güter und Lebensmittel für die Danziger Handlung auf Schweden , während * dem Kriege fren zu erhalten. Allein das Begegren des Ruſſiſchen Hofes wurde von einer Zeit zur an. dern reiteriret; auf die geringſte Verſendung nach Schweden, wurde der Kayſerliche Unwillen gegen die Stadt erklåret,

und die Danziger Kaufleute

mußten mit äußerſter Précaution ihre Handlungs. geſchäfte

auf Schweden einſchrånken ,

bis nach

Verlauf von zwen Jahren der Uboſche Frieden die Schiffahrt auf dem Baltiſchen Meere wieder fren und ſicher gemacht hat.

1

.

f

1

1

Sechſter Abſchnitt. Stebentes Kapitel. 483 Während eben gedachten Seeftörungen , hatte ſich noch vor geſchehener Publication des erwähna ten Danziger Edicts ,

der unangenehme Vorfall

ereignet,

daß ein Holländiſches Schiff , fo von Amſterdam mit Salz und Toback auf Wyburg vera laden geweſen ,

unter die Schwediſchen Kriegs *

ſchiffe gerathen und für eine Priſe war erklärt wore den ,

nachher

aber

Gelegenheit

gefunden ,

der

Schwediſchen Flotte zu entfommen , und ſeinen Lauf in den Danziger Seebaafen gerichtet hatte.

Der

Holländiſche Schiffer Gerrit Sock, deſſen Soiff mit einer Swediſchen Admiralitätswache bereke geweſen , war gleich nachdem er die Weichfelmünde paſſiret gehabt , dem Schwediſchen Conſtapel und feinen Leuten

mit

ungeſtümen Drohungen

und

Speleworten begegnet, er hatte ſobald er ſich ben der Sommerſchanze geleget , die Wache und deren Proviant gewaltthårig in ein Boot werfen laßen , auch auf erfolgte Gegenwehr ſogar eigenhändig den Conſtapel bey den Beinen ergriffen , eine vehemente

und ihn auf

Art' über Bord geſtürzet.

Der

Swediſche Commiſſair in Danzig Hindr. Holm , ſtedt machte dieſes gewaltſame Verfahren dem Rath mit allen limſtånden bekannt , und verlangte bis zur näheren Inſtruction von ſeinem Hofe , ſowol die Sequeſtration des Holländiſchen Schiffes , als daß der Schiffer in Verhaft genommen werden follte.

Der Rath fahe rich alſo gendthigt, nach

eingezogener Wahrheit des Berichts , das Schiff ) nebft der Ladung mit Arreſt 'zu belegen , und den Schiffer zur Haft bringen,zu laßen. $ 6 2

Jndeſſen

484

Danzigs

Gefchichte . mati

fparete man keinen Fleiß , im Verfolg dieſer Sache mit möglichſter Begutſamkeit zu verfahren.

Der

Schwediſche Commiſſair wurde inftàndigſt erſuchet, dieſelbe bey ſeinem

Hofe dergeſtalt einzuleiten , das

mit'weber Rußiſcher ſeits noch von der Republik Holland, der Stadt weiterer Verdruß zugezogen werden möchte. Dieſes Anſuchen hat auch den erwünſchten Ingreß gefunden , und nach einer wole wollenden Erklärung des Königs von Schweden , iſt Danzig mit ferneren Ungelegenheiten aus dieſer Sache verſchont worden .

Der gelegte Arreft hat

zwar beynabe ſechs Monate gedauert , im April des 1742. nächſtfolgenden Jahres aber iſt auf ein beygelom menes Memorial vom Søwediſchen Commiſſair, der Holländiſche Schiffer nebſt ſeinem Schiffe frey gelaßen , und erſterm gur angedeutet worden , daß er mit ſeiner zur Prife verurtheilten Ladung , nach keinem feindlichen Ruffiſden Hafen fich zu wenden berechtigt ſeyn ſollte. 1743.

Das Jahr darauf bekam Danzig wegen einer abermaligen Schiffedifferenz , mit dem Ruſſiſchen ſowol als mit dem Schwediſchen Hofe zu ſchaffen . Ein armirtes Rufiſches Paquetboot war auf die Danziger Røede gekommen , und hatte kurz voro Her unter den Kanonen der Feſtung Weichſelmünde zwen Schwediſche Kauffurdeyſchiffe, die mit Waa. ren hießer beſtimmt geweſen , als Priſen genommen , wovon das erſtere -zwar, nachdem die darauf befind (lice ladung für frenes Gut erkannt und in die Stadt gebracht worden , nach Pillau geführt ward, das andre pingegen , eine Schwediſche Jacht von

!

Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 485 Weſterwick mit Elfen beladen , im Danziger Fahr waſſer liegen blieb.

Wenige Tage darauf kamen April.

vier Schwediſche Kriegsſchiffe nach einander auf die hiefige Rhede , worauf ſich das Ruſſiſche Paquet.

4

boot in die Weid ſelzog, und feine Söwediſaie " Prife zurück ließ.

Derſelben bemådytigten ſich regr

bald die Sdwediſchen Kriegsfciffe durch einige von ihnen ausgefekte Mannſqaft ;'allein es ſtond das bey zu befürdyten , daß dieſe friegeriſche Deſcente noch weitläuftige Jrrungen nach ſich ziehen , der Stadt neuen Verdruß verurſachen würde .

und Die

Kieſelbſt accreditirten Geſchäftsführer beyder Höfe, nahmen ſich mit ganz unterſchiedenem Intereſſe in der Sache, der Rechte und Vortheile iþrer Natio. naten an , weswegen der Rath nad einigen Remon .

3 ftrationen aufs ſorgfältigſte bemüht war , vermit. telft einer Ausgleichung , bem widerwärtigen Ers folg diefer Differenzen zuvorzukommen. . Es ges lung aud in ſo weit mit einem Vertrage , daß das Ruffiſche Paquetboot nad abgelieferter Kriegsmu.

7 nition in der Pulverwage,

fich nåber an die Stadt

legen , ſeine Mannſchaft abgehen laßen ,

und felo

bige für eigne Zehrung anders wohin verlegen follte,

"I

Daß die darauf gefangen gehaltene Schweden , ge.

ļ

gen einen in Schwediſche Hände gerathenen Ruſſen ausgewechfelt wurden , und daß der Ruſſiſch Kay. Terliche Reſident ſchriftlich verſicherte , wie gedachy tes Paquetboot entweder den nächſten Sommer über den Danzig liegen bleiben , oder falls es früher auszulaufen Orore bekåme , dem Danziger

Com

merz fernerhin keine Störung verurſacen würde.

5.3

Danzigs Geſchichte.

486

V

Das Ruſſiſche Paquetboot wurde fodann auf Ano halten des Reſidenten in die Motlau gelaßen , wo es zugleich durch die benöthigte Reparation iſt itt Stand gefekt worden .

Deſſen ungeachtet blieben

noch viele Schwediſcher ſeits gemachte Forderungen unerfülle, die ſich tþeils anf die Reſtitution gewiſe ſer Defecte in den Ladungen der Schwediſchen Prie fen , theils auf die verſprochene Zurückgabe der Kan. zionsgelder , imgleichen auf die geſtellten Cautionen bezogen ,

worin aber der Ruſſiſche Reſident

ein

Gnüge zu leiſten ſich entweder geweigert, oder Ver . zögerungen geſucht,

und ſich zu keiner

klärung vom Rath hat bewegen laßen .

feſten Er. Mitler.

weile gingen die Schwediſchen Kriegsſchiffe ,

bis

auf eines ſo fic im Fahrwaſſer vor Anker legte, un . ter Seegel , und zu gleicher Zeit kam das befreyte Weſterwicker Schiff in die Stadt , um ſowol den übrig behaltenen Theil ſeiner Ladung zu loßen , als auch Retourwaaren nach Schweden hieſelbſt einzu. nehmen.

Darauf aber gab der Ruſſiſche Refident

ein neues Memorial ein , nes Sofes verlangte ,

worin er im Namen ſeis

daß gedachtes Schiff, weil

es für eine gute Priſe erklärt worden ,

vom Rath

mit Arreſt beleget, und die daraus ertradirten Gús ter nicht verkaufet, vielmeniger aus dem Hafen ges laßen werden ſollten .

Indem nun der Schwediſce

Commiſſair fich dieſes nochmaligen Eingrifs nicht annahm , dod aber gegen allen Arreſt zu proteſtiren erklärte ; indem auch die Danziger Kaufleute welo dhe die Ladung empfangen hatten ,

weder derſelben

noch des Sạiffs Halber Caution leiſten wollten ;

!

3

1

Sechſter Abſchnitt, Siebentes Kapitel. 487

for faße der Rath fick fürs erſte zu einer Verfügung fraft welcher die Weſterwicker Jacht

gemüſſiget,

nicht aus dem Hafen gehn konnte , und die Kaufe leute wegen der empfangenen Güter, bis auf weio teren Beſcheid reſponſabel bleiben mußten. Der ungleiche Sinn zwiſchen den Ordnungen der Stadt , ließ es ferner in dieſer critiſchen Ange! legenheit weder zu der vom Rath vorgeſchlagenen

1 Caution fommen , noch auch ein gemeinſchaftliches Geſuch deswegen , an den König von Polen gelan.

EN

Hingegen Hatte der Schwediſche Commiſſaie die Verfügung des Raths als einen förmligen Ar!

EM

reft angeſehen , und indem

gen.

es ſich mit dem Austrag

der Sache immer långer verzog , fo wiederholte et

Et

auf Befehl ſeines Hofes nicht nur die folenne Pros teſtation , ſondern verlangte auch , daß bis zur vol.

21

ligen Genugthuung,

1

Ruſſiſce Paquetboot ebenfalls mit Arreſt belege werden möchte. Die darauf ertheilte Antwort ent hielt die bůndigſten

das in Danzig befindliche

Vorſtellungen , , warum

die

Stadt in ihrer Neutralität mit dergleichen Zumus thungen verſchont zu ſeyn wünſchte , um ſo viel mehr , da auf Interceſſion Sr. Königlichen Maje. ſtåt von Polen, die Eiſenladung vom Sowediſchen Raum Schiffe fchon war fren gegeben worden . aber hoffte man auf Schwediſcher Seite einige Zus friedenheit bergeſtellet zu haben , ſo meldete ſich wies der der Ruſſiſche Reſident mit

einem Befehl von

ſeiner Monarchin , daß eheſtens das hier befindliche Ruſſiſche Paquetboot zurückgeben , und die Weſtere wideſche Jacht als Priſe in einen Kanſerlichen Sep.

Hb4

488

i

Danzigo

Hafen mitnehmen ſollte.

Geſchichte . Weil nun der Königlich

Polniſdye Hof fic anjeßt ſchon nåber in dieſer Streit: fache intereffiret, und die Stadt ihrer Activitat fo. pol als der Verantwortung darin entbunden hatte ; weil ferner wegen des von der Krene Søweden ge. ſuçten Arreſts auf das Ruſſiſche Pâquetboot , noch Fein Beſcheid des Königs von Polen erfolgt war ; weil auch endlich der Ruſſiſche Reſident weder den kurz angelegten Termin der Abfahrt verlängern, noch die fichre Caution eines Danziger Kaufmanns für dås Swediſche Schiff annehmen wollte ; fo konnte der Rath ihm keine andre Reſolution geben , als daß der finale Befehl Sr. Kidniglichen Majeſtät von Polen , in allem Betreff dieſer Sache abgewar: Nach Verlauf weniger Tage fet'werden müßte .

bekam der Magiſtrat ein Schreiben vom Geheimen Jul. Rach von Brühl aus Dresden , worin zwar keine ausdrückliche Verhaltungsbefehle, Fräftigſten Verſicherungen gegeben

wol aber die wurden , daß

an beyden noch im Streit begriffenen Höfen , die Interpoſition Sr. Königlichen Majeſtät in det Schiffsdiffereng, bey Danzig eine gute Würfung gethan hatte , und daß wiſſentlich die an den Refi denten Schendel desfalls ergangene Ordres derges ftalt beſchaffen wären , daß über den ganzen Hans Niders del feine Klage weiter vorfallen fonnte. deſto weniger Hat der Rufifche Reſident feine Zumu tvungen an den Rarh noch wiederholet, auch ſogar phne Einwilligung deſſelben , die Schwediſche Jacht mit Ruſſiſcher Mannſchaft befeket , und ſie eigen . machtig weiter hinunter führen

laßen.

Indem

Sechſter Abſchnitt. Seibentes Kapitel. 489

Aber eben jekt mit dem Friedensgeſchäfte fchon fo

3 weit fortgeſchritten geweſen , daß man den baldia gen Beſoluß deſſelben hat abroarten fönnen ; fo find von ſeiten des Raths alle Verzögerungsmittel gebraucht worden , die Beendigung dieſer Schiffs. afaire ſo lange zu verziehen , bis beyde durch den Frieden wieder vereinigte Mächte, keine diſcrepantę Befehle weiter darin ertheilt haben. Dieſe und mehrere dergleichen wåþrend den Kriegsläuften , in Betreff der Schiffahrt und Hand ſund entſtandene Jrrüngen , erhielten Danzig gleich andern Seeſtådten ,

in einer fortdauernden Auf

merffamkeit , die ſich dem

unpartþeyiſchen Reſpect

gegen ausmårtige Potenzen þat anſoiden müſſen . h ) Ade darin beobachtete Vorſicht und Klugheit iſt der Commerzvortheilen der Bürger zu ſtatten gefom . men , und nach Verhältnis der Umſtände hat doch pie Danziger Seehandlung gegen die Mitte dieſes

A ) nach ausgebrochenem Striege wiſchen Frankreich und Croßbritannien ſind im J. 1745. dren Engliſche Schiffe als Franzöfiſche Drifen nach Pilau qufgebracht, dafelbft aber vom Kaper verlaßen ; und ohne Gewalt von den Engliſchen Schiffsleuten wieder in Beſiß genommen worden , worauf dieſe zu befferer Sicherheit in den Danziger Safen einge: laufen ſind. Hier hat ſich der vom Großbritanniſchen Hofe accreditiſte Banquier Archibald Gibſone ihrer infonderheit angenommen , and theils um den Schuť , theils wegen Loßung und Verſorgung mit Propiant für gedachte Schiffe, bey der Stadt intercediret.' Glücklicher weife ift Danzig

E

mit gegenſeitigen und widerſprechenden Forderungen in dies far Schiffsſache verſchonet geblieben: dennoch hat man fich verpflichtet gehalten , nach dem Inhalt des Edicts vors 3. 1741. Partheylos darin zu verfahren .

$$ s

Danzigs Geſchichte.

490

Achtzehnten Jahrhunderts einen merklichen Wachs . thum erreichet.

Für die innere bürgerliche Zufries

denheit in der Stadt aber zogen noq immer trúbe Wolfen einher.

Seiten

wurden die gemeiuen

Rathiqlåge mit einer ungeſtorten Eintracht gepflo. gen ; über viele wichtige Gegenſtånde konnten die Conſultationen zu feinem Schluß gebracht werden , und oft traten zwiſtige Bedingungsartikel einer all gemein gebilligten und nöthig erkannten Ausfüh . rung dieſes oder jenes guten Vorgabens entgegen . Solchergeſtalt wurde ,

( damit wir nur ein Beyſpiel

ausheben , ) dren Jahre şindurch über die unaus bleiblich nothwendige Reparation des Wefterfahr waſſers gerathſchlaget und geſtritten , nicht als ob eine oder die andre Ordnung ſolches für minder er . forderlich oder unnug gehalten Håtte ,

ſondern weil

man eines theils wegen des Auftrags der Arbeit, mißtrauiſche Bedenklichkeiten geheget ; andern theils ſich über den dazu nöthigen Geldzuſchub nicht eher hat einigen fönnen . Nach oft wiederholten Vor. trågen und dringenden Anmagnungen des Raths 1744. iſt endlich in dieſe Arbeit am Weftertief eingewilliget, und um daſſelbe infonderheit gegen das zuſehends ſchådlicher werdende Eindringen des Sandes zu be wahren , eine Verlängerung der oftwärts gelegenen Steinkaſten , beſſer nach Norden hin bewerkſtelliget worden. Unerachtet alle Landesverſammlungen in der Provinz Preußen während dieſem Zeitraum růck . gångig gemacht wurden , ſo ereigneten ſich

doch

dann und wann Umſtände, nach welchen es der König

1

1 ! Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 491 aus eigner Bewegung für nothwendig hielt , außer. ordentliche Verfügungen im Lande ergeben zu laßen . Eine Neuerung ſolcher Art, die ſoon oft dem Streit unterworfen geweſen ,

maďte das Königliche Di.

plom , womit ein neuer Landesfiscal und Inſtiga. 1746. tor in Preußen inſtallirt wurde. Die Activitåt eines Fiſcalswar aber dem klaren Sinn der Staats. geſeke juwider , ſo lange die Stände der Proving

u

ihn nicht auf einem Generallandtage erfannt und angenommen þatten , und was das Amt eines In ſtigators betraf, ſo waren der Ausübung deſſelben von altersher Rechtsproteſtationen entgegen gefekt, und ale jemals daju conſtituirte Perſonen als auf. gedrungen angeſehn worden . Die Großen Städte bewieſen demnach um ſo vielmeør Wachſamkeit , der Anerkennung

des

neuen

Fiſcals Carl Daniel

Fuchs zu widerſprechen, weil viele nachtheilige und iþren Specialrechten prăjudicirliche Clauſeln in dem

"

Inſtallationsdiplom deſſelben enthalten waren . Da.

!

gegen wurde eine andre Materie die den Weidfel

}

bau anging , eines freneren Beyfalls würdig geach

1

tet, und man beſtrebte ſich einmüthig, dieſelbe mit allgemeiner Theilnahme zu unterſtüßen. Seit den effectloſen Vorkehrungen , welche im J. 1719 zum Bau an der Montauſchen Weichſelſpiße waren ges macht worden , war ſieben und zwanzig Jahre lang alles in der vorigen Lage geblieben , bis nach frucht loſem Ausgang des Reichstages vom J. 1746, der König es auf Unſuchen einiger Stånde , nebſt ſtars ker Jnfiftenz des Preußiſchen Hofes , für nothwen. 1747. dig erkannte , eine eigene Commiſſion zur Beſor: Januari

1

492

gs

Danzi

chte .

Geſchi

gung des gedachten Weichſelbaues niederzuſeßen , Dem Ermländiſchen Biſchofe wurde der Vorſię da. bey übertragen , :) und eine Conferenz der König. lichen Commiſſarien nach Marienburg ausgeſchries ben , weshalb auch an den Rath zu Danzig , zur Abſendung ſeines dazu ernannten Mitgliedes ein Königliches Refcript einlief. Die Beförderung des Baues Tchien von allen Seiten mit ganjem Eifel betrieben zu werden .

Aus dem Kronſchake fowol

als aus den Königlichen Deconomiegeldern wurde

1

ein anſehnliches Quantum dazu beſtimmt;

der'Kör

nig von Preußen erklärte ſich zu einem Zuſchub von fünftauſend Thalern ; und zu einer gleichen Geld. ſumme po die Polniſchpreußiſchen Weichſelſtådte wieder beytragen

ſollten ,

wurde Danzig allein ,

ſeines Hauptſächlichen Intereſſe Halber , auf dren . Der Bau ſollte Thaler angeſchlagen.

tauſend

nach einem Project des Königlich. Preußiſchen Ober Teich . Inſpectors Suchodelez ausgeführet,

vor

her aber das Locale noch von andern im Waſſerbau erfahrnen Perſonen

gehörig

unterſucht

werden .

Nichts deſto weniger ſind alle desfalls gemachte Ents. würfe und gute Vorſägedamaliger Zeit zufeiner Ausführung gekommen .

Die Beſichtigungen der

Commiſſion ſind wegen verſchiedener Hinderniſſe un

; ) Nachft dem Ermländiſchen Biſchofe Adam Stanisl. Gras bowski , waren der Marienburgſche Staroſt und Generals Deconomus mich . Nerin , der foniglideHofrath Ant. von Leubniß , der Danziger Rathsherr Friedr. Keyger und der Narienburgiche Surgermeiſter Rrokifius ju Commiffariek eruantit worden.

1

Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 493 terblieben , und der Waſſerbau iſt aus Mangel des Geldes weder angefangen , noch die Lage des Orts Pazu gehörig unterfuckt worden . Der Kron - Große foaßmeiſter hat zulegt die ausdrückliche Erklärung gethan , daß zum Reparationsbau an der Weidel, aus dem Kronſchake fein Geld erhoben werden Ednate,

und nach Verlauf eines Jahres ſind am

Königlichen Hofe ganz neue Vorſchläge Hervorges treten , um die dafür erforderlichen Koſten im Lande Preußen allein aufbringen zu laßen.

Von einem

Project fo in Polen den mehreſten Beyfall gewannt, wurde Danzig durch den Kron - Großkanzler ſchrift lich unterrichtet,

und ernſtlich ermahnet, ſich un.

1748 . gefäüme dazu zu verſtehen . Es ſollten nemlich oraria jwey Procent von allen auf der Weichſel zum Ver. fauf nach Danzig abgeführten Waaren und Gütern erlegt, und hiemit ſo lange fortgefahren wetben , bis famtliche zum Waſſerbau erforderliche Unkoſten beſtritten ſeyn würden .

Man wollte dieſe Abgabe

nicht unter dem Namen eines Zolls ,

ſondern als

einen Detract oder Abzugsgeld einführen , worüber Käufer und Verkäufer ſich miteinander einigen könn : ten , dem Kronſchafmeiſter aber die Erecution der ganzen Einrichtung überlaßen ſeyn ſollte; ja man war von dieſem Project dermaßen eingenommen , daß aus dem Königlichen Cabinet noch ein ſpecieller Uuftrag an den Königlichen General. Commiſſarius in Danzig Grafen von Unruh gelangte, um dem Rath deswegen Vorſtellungen „zu thun , und ihn zur wilfàbrigen Annahme des gedachten Waarens detracts zu bewegen .

Jagwiſchen tam es mit der

Danzige Geſchichte.

494

ganzen Sache des Weichſelbaues eine Zeitlang wiea der zur

Ruhe.

Von

Danzig aus ,

wurde zwar

mit den Städten Thorn und Elbing, der angetra . genen Vorſchläge Şalber conferiret, allein deren Erklärungen ſowol als die vorgängig desfalls mit den Ordnungen in Danzig gepflogenen Rarhrdlåge fielen einſtimmig dagin aus , daß auf feine Weiſe

1

in einige Belaſtung der Commerzwaaren auf der Weid ſel eingewilliget werden könnte , wenn gleich die Eigenſchaft eines Zolls noch ſo ſehr darunter verſteckt werden möchte.

Es hat alſo der ganze

Porfchlag zur Erhebung der Reparaturfoſfen kraft einer Preußiſchen Commerzanlage müſſen aufgege ben werden ; ein noc in ſelbigem Jahre gehalte . nes Senatusconfilium aber þat der Königlichen zum Weichſelbau verordneten Commiſſion den erneuer . ten Auftrag ertheilet ,

für die nothwendige Vers

beſſerung der Montauſchen Spige Sorge zu tragen . Darauf iſt die Bewerkſtelligung des Baues groß tentbeils nach dem zuerſt entworfenen Plan wieder vorgenommen worden ; der Kronſchak hat eifftau. fend Ducaten dazu Şerſchießen ſollen , und was das Landescontingent in Preußen betroffen ,

fo bat die

Stadt Danzig ſich zu einem eben ſo großen Bey . trage ,

als ſchon im J. 1719. gegeben wordea ,

nemlich zu neuntauſend Gulden Preuß. aus freyen Willen und ohne Widerrede erflåret. In offentliczen Staatsangelegenheiten ,

war

die Krone Polen um dieſe Zeit von den Seemach . ten Großbritannien und Holland als Alliirten des Deſtreichen

Saufes ,

um

die Erlaubnis zum

1

Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel. 495 Durchzuge der in Sold genommenen Ruffifcheri Uuriliartruppen durch die polniſchen Lande erſuche worden . Eine Armee' von 37000 Mann hatte fich demnach unter der Anfäörung des Fürſten Rep nin in drey Diviſioneu in Marſch gefeßet , war während einer beſchwerlichen Winterwitterung, über Grodno und Krakau durch Polen gezogen , und růdte kurz vor der erſten Pråliminair . Confed renz zum lachner Frieden , auf Teutſchen Boden ein , von wannen ſie weiter an den Rþein gegen die Franzöſiſche Kriegsmacht hat geführt werden ſollen , Von ſeiten des Franzöſiſchen Hofes war gegen dies

I

Ten Aufbruch der Rußiſchen Hülfetruppen vielesint Bewegung geſekt, und unter andern auch ein Graf de la Salle als Geſchäftsträger 'nach Warſchau geſchickt worden , um bey der Republik Polen dem Durchzuge der Ruſſen Hinderniſſe in den Weg zu legen .

Gedachter Graf batte nun zwar feine Ab. 1

5

ficht nicht erreichen können ,

T.

Danzig,

1

" perſönliche Gegenwart , in eine andre Verlegenheit mit dem Ruffiſchen ſowol als vornemlich mit dem Franzöſiſchen Hofe. La Salle war ehemals als . Oberſtlieutenant in Ruffiſchen Dienſten geweſen ,

tam aber darauf nach

und verwidelte diefe Stadt durch ſeine

þatte aber im J. 1744. die Erlaubnis erhalten, eine Reiſe nach Frankreich zu thun , wo er ſodann in ſeinem Vaterlande iu Militairdienſte getreten war, ohne von der Ruſſiſchen Kayſerin ſeinen Abſchied erhalten oder begehret zu gaben .

Als Franzöſiſcher

Oberſter hatte er die Geſchäfte zu Warſ @bau betrie. ben , fam aber unter dem Namen von Lewardi

1 496

Danzigs Geſchichte .

to Danzig an , wo er einige Zeit ſäumte , dem Prás fidenten der Stadt ſein Ereditiv , $

ken rollte ,

zu überreichen .

welches ihn ſchů .

Dieſes Umſtandes

wachte ſich der Ruſſiſche Hof dem ſeine Perſon ver , rathen worden , zu nuke.

Der Ruſſiſche Ägene

Scherer þatte den geheimen Befehl bekommen, ihn als einen deſertirten Officier zn requiriren

und in

Verbaft nehmen zu laßen , und weil der Danziger Magiſtrat nichts erhebliches gegen dieſe Requiſition einwenden konnte ,

ſo bekam der Secretair Roſens

berg den Auftrag , ihn in Begleitung des Wacht. meiſterlieutenants , mit einem Lieutenant und zwölf Syrenadiers , in ſeinem tiren .

Wohnungsquartier zn arre

Der Graf beklagte fich über dieſe unvermu .

thete Gewalt , die ihm als einem Franzöſiſchen Offts cier widerführe , er berief ſich auf ſein Creditiv , wels

1

dhes er anjekt vorzeigte ,

und proteſtirte förmlich

wegen feiner Perſon ſowol als wider die Wegneh . mung ſeiner Papiere.

Nichts deſto weniger wurde

nach einigen Tagen in der Verſammlung des Raths beſchloſſen , daß der Gráf nach der Feſtung Weich. felmünde abgeführt werden ſollte. Seine Widers ſprüche und die Vorſchükung ſeines Characters als cines Franzöſiſchen Envoyē der durch den Commiſ. ſair Matthy pieſelbſt beſtätigt wurde , fanden da. gegen nicht ſtatt ;, ſondern der Graf wurde ,

weil

er ſich nicht gutwillig bequemen wollte, im Solafe rock mit dem Creditiv in der Hand , in einen Wa. gen geſekt, und unter einer militairiſchen Bedeo dung nach der Münde gebracht.

Indefu

1

1

*

Sechſter Abſchnitt. Siebentes Kapitel, 497 Indeſſen war der Ruſſiſche Hof mit dieſer Will. fårigkeit noch nicht zufrieden geftellet, ſondern vers langte nun auch die Auslieferung des Grafen .

Das

gegen aber entſchuldigte ſide der Danziger Magiſtrat, daß er ſolches ohne Befehl des Königs von Polen nicht thun

würde.

Der Vorgang dieſer Sache

þatte überhaupt ſchon ein Aufſehen in Europa er . wedet, und eines theils glaubten viele darin eine Verleßung des Völkerrechts zu bemerken , weshalb die Ruſſiſche Kayſerin den auswärtigen Geſandten * an iþrem Hofe, von der wahren Beſchaffenheit aller Umſtände Bericht zu ertheilen Befehl gab. In allen Ruſſiſcher ſeits ferausgegebenen Staats. Særiften wurde zum Grunde geleget, daß mit dem la Salle als einem Ruſſiſchen Deſerteur rechtmaa Big wåre verfahren worden , daß er als ein ſolcher keine fremde Dienſte fåtte annehmen können , und daß die Krone Frankreich felbft ſeine Demarſden in Polen ſowol als fein unregelmäßiges Betragen in 3 Danzig mißbilligen müßte. Der Franzöſiſche Hof aber unterließ nicht, mit Ernſt auf die Befreyung des Oberſten de la Salle zu dringen , und inſon. derheit mußte der Franzöfiſche Ambaſſadeur in Dres. den Marquis des Iffarts ſehr ſtarke Anträge ma . den , womit unter andern gedrohet wurde , ſiç der Genugthuung balber , an den Magiſtrat in Danzig zu Halten .

Dennoch belamen die Vorſtellungen

des Königlich - Polniſchen Miniſters Pezold zu St. Petersburg , imgleichen die Bearbeitungen des

de

niglich · Polniſchen und Churfürſtlich. Sachfiſden Ambaſſadeurs Grafen von Loos zu Verſailles, Geſch . DanZ. zter Th. gi

I

498

Danzigs Gerdidyte .

nach einiger Zeit ſo viel Gewicht, daß die Forderun, gen beyder Höfe in dieſer Sache von der anfängl. den Heftigkeit nachließen.

Laut einer Erklärung

aus Verſailles wollte man daſelbſt keine Notiz gee Habt haben , daß der Graf, die Ruſſif@ en Dienſte ohne Abſchied verlaßen gåtte , und die ihm gegebene Commiſſion ſollte ſer'n widerrufen geweſen , fo bald der dortige Ruſſiſche Miniſter ſolches zu Paris be: kannt gemacht hätte.

Von ſeiten des Ruſſiſchen

Hofes wurde wenigſtens nicht weiter auf die Aus. lieferung des Grafen gedrungen , und der Rufftfche Agent in Danzig gab zu , , daß er ungepindert auf die Feſtung zurück geführt wurde , als er ſchon eine mal entkommen war ,

vierundzwanzig Stunden

darnace aber wieder war eingeholet worden. Nichris deſto weniger hat derſelbe in der Folge eine aber: malige Gelegenheit abgeſehen , aus ſeinem Arreft zu entfliegen , er iſt darauf nach Frankreich zurück gegangen , roll aber nach ſeiner Heimkunſt ein abera maliges Gefängnis in der Baſtille zu Paris gefun. den þaben.

Danzig þat es übrigens dem

Bey.

ſtande des Königs von Polen rowol, als der fråfs tigen Unterſtügung der Ruſſiſơen .Kayſerin zu dans fen , daß der Franzöſiſche Hof in Betreff des ganzen Vorganges , das anfänglich für eine große Beleidis, gung aufgenommene Verfahren der Stadt, durd teine nachtheilige Folgen hat aħnden wollen . k ) , k) Johann Chriſtian Udelungs pragmatiſche Staatsgeſchichte Europens ac. Sechfter Hand. S. 303. und 378.

Sechſter Abſchnitt. Achtes Kapitel. 499

Adtes Kapitel.siis :1:0 5 : die Bars Urſprung innerlicher Mißhelligkeiten in Dängig Btety Kids gerſchaft Flagt beym Könige über den Rath nigliche Bevollmådſtigte werden bergeſchickt , ben tuelt in der Gute beyzulegen - deren Bemühungen haben we ebung der waho nach Zufh ſten Acctſen - wird dieſe Commiſſion limitiret – die an der Drits Freyheit der Rathsführ wirdigehemmet ten Ordnung ein neues Präſentacionsrecht gegeben 1. woraus noch mehrere Differenzen entſtehen Die Könige

ein

et:

nid.

liche Commiſſion erneuert ihre Geſchäfte in Danzig 5.00 werden von beyden ſtreitenden Partbeyen Deputirte nac ) dieſen wird eine Königlide Ordination / Hofe geſchickt zwis bekannt gernacht und zur Vollziehung mitgegeben ſtiger Wortwechfel in den gemeinen Rachſchlagen der Aus deshalb : ers nahme und Vollziehung der Drdinatton neuerte Klagen und Reſcripte - womit lektlich eine Rathss Deputation nach Hofe beſchieden wird. - Trennungen unter der Bürgerſchaft in Danzig - Aufſtand der Hands Werksgeſellen .

er Der Faden unſerer Geſchichte leicer anjeßt auf bürgerlicher Unruhen in Danzig ,

den Ausbruch

welche der vielen Verwickelungen und der noch er. heblichern Folgen Halber, fich nor andern ſehr merk würdig auszeichnen.

>>

Ohne Partheyfinn oder Lieb lofigfeit in der Beurtheilung zu verratøen , laßt es

-fich mol feinesweges begaupten , daß von einer oder der andern Seite , Tchlechterdings ſtrafbare Abrich iten dabey zum Grunde gelegen ,

und auf eine free

ielhafte Uri Zwietracht und Uufruhr in der Stabt derurſachet hårcen. Wir ſind auch über jene Zei fen der innerlichen

Gährung kinaus , 1/2

worin bie

500

Danzigs Geſchichte.

Partheyen einander in öffentlichen Druckſchriftex die bitterſten Vorwürfe gemacht Gaben , und nach deren Inhalt zu ſchließen , man bald einzelnen Per fonen im Staat , bald ganzen Collegien , bald die fer oder jener Gemeinbeit es aufbůrden mußte , die Det fängliciſte Argliſt oder den unleidlichſten Deſpo. tismus , zum Umſturz der Wolfart_und Ruhe des gemeinen Weſens verůbec und angewendet zu haben. Den Häuptern der Stadtregierung war es aller. dings nicht zuzumuthen , daß fie fdyweigend und ohne Widerfeßung ,

auf långſt conſolidirte Rechte,

eigenbehörig ausgeübte Prárogativen und unver . hindert genoſſene Vortheile, ein für allemal Ver . zicht teiſten Follten .

Viele unter ihnen waren fick

ihrer Rechtſchaffenheit und Unſchuld beroußt ; es berlebte iþre Ehrliebe, für die Fehler oder Vergeh ungen ihrer Vorgånger und Beyſißer zu búßen ; und ſie hatten ein zu edles Gefühl , die Dignitat ihrer Aemter darunter nicht in Staub treten zu Auf der andern Seite aber war es weder laßen. çine Zerrüttung der bürgerlichen Conſtitution , node ein tumultuariſches Aufgeben des Stadtregiments und der Geſeke zu nennen , wenn die angefebenften Bürgergemeinden mehr. Mitwiſſen und Theilnahme an den offentlichen Regierungsgeſchäften verlang. ten , wenn ſie der ungeſcheuten Abweichung von ger feßlichen Vorſchriften ein Ziel feßen , veraltete Miß . bråuce und eingewurzelte Sdåden der bürgerlichen Gefellſchaft ausreuten , der waþren frenheit mit Gemeingeift zurecht helfen , und alles Uebel einer ariſtokratiſchen Eigenmaqt aufgeben wollten . Befo

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel.. sor

fer wäre es für- Danzig geweſen , wenn der Rath und die Bürgerſdaft,

gleic benm erſten Auftom .

men der Mißverſtändniſſe, ihre vernünftigen Grunds fåße zu einer zwedmäßigen Staatsreforme einander Del

friedlicy communicirt båtten ,

wenn, beyde Theile

von grundloſen oder unerreichbaren Abſichten , mit Klugheit und vorſichtiger Schonung abgegangen wåren , und wenn nur das möglichſte Gute als geo meinnükig wäre ausgeſondert und mit wahrer Va . terlandsliebe zu Stande gebracht worden.

Nach .

ott alt

dem aber die Behauptungen und Forderungen einer Parthen an die andre , nur momentane Eindrücke

Ber

der Streitluft erwegten , und als Zunder des Uns

id 28

millens gebrauçtwurden ; nachdem viele Vorſchläge

tit

tem

und Anſuchen

mit froſtigem Stillſchweigeu übers

gangen , oder mit ſpródem altfinn beåugelt und flüchtig beurtheilet wurden : nicht feğlen ,

fo fonnte es freylich :

daß gegenſeitiges Mißtrauen ,

Bite

terfeit und Groll fid zuleßt ein Uebergewicht gegen ben haben ,

wodurch dfters die klareſte Wayrbeit

mit falſchen Farben entſtellt ward , und viele Gea genſtände des Staats in einer ganz verkehrten Geo ſtalt find erblickt worden ,

2.

In dieſen Rückſichten läßt fich nichts natürlie

der finden , als daß die Mißhelligkeiten in Danzig beynaße bis zur Wuth eines innerlichen Krieges haben übergebn müſſen.

Allenthalben hat man

Perbrecen und vorſegliche Staatsfehler anzutreffen geglaubet, wo dfterá nur leichte Verleben und Mån. get richtiger Beurtheilung, dem Menſchen dem in jeder Situation tius gebrechliche Natur anklebet , Ji 3

Fa2

tiic / Danzigs

Sersister: 13

entrahlupft warena ' Uebetalli har man eine Beiló bare Verderbtbett der Staatsok faffung wavenekus men wollen , wosstelleicht wie einer gelindent Coral rection alles wåre beſſer gemacie worden ;" und jedel von außen der Stadt nachcheilig gewordene Ver. Håleniffe ; tft man'innerlich blos aus dem Eigentugo oder der Sorgfoſigkeit des Raths und der Obrigkeita. lichen Aemter herzüleiten befliffen geweſen .

Wie

nun alles dori Ufldein uno Wabu übergeſtrome ' Hat;

wie überſch månglicky diel Dinge in Falfichem

1 Lichte, gefeøtt; -fpielend beurtbeitet, partheniſcheras gåhler , and mit argwöhniſcher Berheimligung geo than wordent ; ' fo geriethen auch dte redlichſten und patriotiſcygeſinnten Bürger if den Verdade, das Staatsgebäude aus Verblendung und irrigem Freys Keitseifer einreiffen zu wollen .

Die Parthenedes

Raths glaubte in jedem Einfaſſen , der nur auf ir . gend eine Reforme der Regierung gindeurenmochte, einen Feind der Obrigkeit und der Stadt anzutrefa fen .

Vielſeitige Verwickelungen und factiöſe Vera

þegungen dfentex diefem unſerw Taumel zur Näha rung , und roannman von einerSeite auf die Greuel einer Voltsanärchie mit furchtbaren Ayndungen þinzeigte , fo würde ' von der andern Seite, das Dhr der Bürgerfühaft mit Ausfällen gegen den Druck der Ariſtokratiſchen Herrſo fuật betåubet.

Zwar

nicht auf einmal kam dieſe. Dürgerfehde

igrem

gangen Umfange zum Ausbruch , zu verwundern ,

aber es iſt niché

daß viele in der vorhergebenden

Fabren erwachſene Streichåndet ſich auf einmal zu. fammen gedrängt , und eine Revolution veranlaßet

!

Sechſter- Abſchnitt.

Achtes Kapitel. 503 "7

Baben , deren Zwietrachtsfener nicht mehr ohne ges Waltthätige Mittel und Rechtseingriffe hat geldſche werden tonnen . 43. Wie bereits oben gedacht iſt , ſo waren untera fchiedene Objecte der Danziger Verfaſſung ſeitmeh . recen Jahren ber , zwiſchen dem Rath und der Bür gerfchaft,

in den öffentlichen Seſſionen der Drda

sungen gwiſtig geworden .

Die Verzögerung einer

nüglichen Policeyanſtalt zur Reinigung der Niedere ftådtkhen Graben , der ſchwere Drud der Acciſen , und die willführlich ausgedehnte Commerzfrenheit der Juden und jüdiſchen Måckler ; imgleichen der

20

Intereffenrůdſtand und die geheime Verwaltung

18

der Kammerencaſſe, die unterlaßene Eröfnung ge. richtlicher Teſtamente , und die Verweigerung des Mennonitiſchen Schirmgeldes , waren einige der ergeblichften Punkte , worüber die Dritte Ordnung dem Rath zu wiederholten malen fruchtloſe Vor. ſtellungen gemacht hatte.

Hiezu kamen die Bes

fdywerden über unzählige Hinderniſſe und Schmå ferungen des bürgerlichen Gewerbes und Handels, die theils durch eingeldlichene Mißbräude,

Bes

günſtigungen der Unbürger und Verſtoße gegen die Marktordnungen ,

theils auch

durch ausgedehnte

Freyheitsrechte auf den Låndereyen und dem Ger biete der Stadt außerhalb den Thoren , oder auch durch nachgefebene Liceng auf den Geiſtlichen Grün den verurſachet wurden , und woraus inſonderheie den Kramer - und Brayer , Zünften , imgleichen den Gpeichernegocianten tåglich größere Schäden und Nahrungsabbrüche erwudſen .

Dieſe und mehrere

gi 4

504

Danzigs Geſchichte.

dergleichen Klagepunkte , capitulirten Vorfällen ,

nebſt unterſchiedenen ree worin man ſich von der

Obrigkeitlichen Aemtern , oder einigen daben ange ſtellten Officianten zeither beſdoweret gefunden , rut. den nunmeşr zur Fülle des Mißvergnügens mit eine ander verknüpfet. Die Gegenparthen des Raths ließ auch ein merkwürdiges Einbringen der Dritten Ordnung vom J. 1721. fum Abdruck befördern , worin ſon damals einige der beträchtlichſten Bee fchwerdeartikel über die Fehler der Regimenteverá waltung angezeigt worden , und welches jeßt als ein : Schlüſſel zur Nachricht vom wahrenUrſprunge der innerligen Mißhelligkeiten iſt zu betrachten geweſen . eigentliche Separation der Dritten Ordnung 1748. 4 Decbr, Die aber , womit fie dem Rath ihren Vorfaş erklärt þat,

ben Sr. Königlichen Majeſtåt von Poler

Külfe zu ſuchen , erfolgte auf das ihr abgeſchlagene Anſuchen ; ,, allen unbefugten Handel der unbür. or ger plößlich durdy einen Ordnungsfoluß zu vero ,, bieten ; " wogegen der Kath nebſt dem Gerichte allererſt eine Deputation zur ausführlichen Unter. fuchung darüber gaben anſtellen wollen . Adr Tage

1

vorher waren ſchon drey Deputirte der Kramerſo cietåt und der Speichernegocianten nach Warſchau gegangen , um über die Urſachen und Hinderniſſe ihrer verfallenen Handlung am Königlichen Hofe klagbar zu werden .

Mit dieſen Şaben die Quare

tiere ſofort gemeinſchaftliche Sache gemacht. würften es zugleich beim

Könige aus ,

Sie

daß dem

Doctor und Profeffor Lengnich der Befehl ertheile pourde, ihnen in ihren Anliegen ,

mindlich und in

3

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel.

5os

Schriften , mit Rath und That an die Hand zu geo, þen , und derſelbe iſt mit dem Titel eines Königli . den legationsraths nacber

durch cin ſpecielles

Diplom ( 16 May ) dazu berechtiget worden . Von Hofe wurden zwey Königliche Commiffa. 1749 . rien nace Danzig geſchickt, -), welche die Different:: 27 Febr. gen in der Güte beyzulegen verſuchen, in Entſtehung deſſen aber dem Könige nåþeren Bericht davon abo; ftatten ſollten . Gleich in der erſten Conferenz ga. ben acht Depucirteder Dritten Ordnung eine Schrift mit ſieben und ſechszig Artikeln bey der Commiſſion e

ein , worin alles , worüber man fich zu gravamini.

m.

ren befuge hielt, umſtändlich auseinander geſegt war . Bald darauf überreichten die Commiſſarien

g

dem Magiſtrat theils ein Königliches Reſcript, wors in die bevorſtehende Rathsführ für dieſes Jahr ein. zuſtellen befohlen ward , theils auch einen Auszug von acht bürgerlichen Klagepunkten , deren inſon . derheit fünfe, welche die Ubrobaffung der Acciſen , die Reinigung der Niederſtådeſchen Graben ,

die

Reviſion der Willküfr , die Defnung der Teſtamente nebſt Abzahlung der Kammerenginfen an Urmen , ſtiftungen , und die beffre Einrichtung der Scheffel. maaße betrafen , in die gemeinen Rathſchläge mit fåmtlichen Ordnungen genommen werden ſollten . Unter allen

Dieſen Materien aber ,

mit denen es

großtentheils billiger weiſe zum Zwed gekommen

2 ) Dieſe waren der Fürft : Biſchof von Ermland 20. Star nislans Grabowski und der sednigliche Scaraffeſſor une Sofrath Anton von Lenbnis .

1

1

5.06

Danzigs Geſchidjte... 3

ift , wurden in der Ucciſeſache diemebreften Sdnie rigkeiten erreget.

Die Dritte Ordnung ging gulegt gar von der dazu ausgelegten Deputation ab , uno hielt ſich genöthigt, die Entſcheidung dem Ausſprucha des Königs zu überlaßen . Viele andre Streitpunkte wurden darin verflochten . dereyen ,

Die Belegung der Lårs:

bas mennoniſtiſche Schirmgeld und die

Einſchránkung

der Mennoniten

Veränderung mit den

überhaupt , die

Judengeleiten , die Abgabe

des þundertſten Pfennigs und die Verhöhung des Scharwerksgeldes , als insgeſamt vorgefchlagenet Gefälle, womit die Einfünfte aus den Accifen, die Regt werden ſollten , find nođ . in weitläuftige. De batten übergegangen. Mitlerweile Haber die Ko: Qqay , niglichen Commiſſarien wieder zwanzig Beſchwere depunkte der Bürgerſchaft

1

und einige Wochen .

ſpåter nochmals acht deưſelben , an den Rath -gur : Deliberation mit den Ordnungen gelangen laßen . Die erſteren betrafen vornemlich die nachtheiligen

P

Berøåleniſſe und eingeſchlichenen Mißbrauche im Handlungs- und Policeyweſen ,

und die testeren

gingen den Finanzzuſtand nebſt der Verwaltung der Einkünfte der Stadt an.

Hiezu kamen , ausdrück ,

liche aus Königlicher Vollmacht ertheilte Erlaub . niffe, daß den Haupt, und incorporirten Gewerfen , fich zu verſammeln ,

und ihre Anliegen und Bes

fwerden unmittelbar der Commiſſion dorzutragen frey Kehen ſollte. Vorfalle ereignet,

Dazwiſchen haben ſich gewiſſe womit das. Unmuthsfeuer der

Bürgerſchaft gegen einige Magiſtratsperſonen noch árger iſt angefacht worden.

Ein ungewöhnliches

8

12

1

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel. 507

Perfahren mitmilitairiſcher Straferecution gegen ehen hieſigen Kaufmann und Quartiermeiſter in der Dritten Ordnung , der von der Ducerey - Societåe in Odyweden , durch den hiefelbft accreditirten Com. tiſſair ,

wegen eines ſtreitigen Handlungfactums

it Unſpruch genommen worden ,

und die Perſon

feines Correſpondenten in Shweden hat nahmkun ." dig machen ſollen ; ferner die fohimpfliche Strafe , wozu ein unbeſcholtener Bürger aus der Häcker- und Tråger. Zunft , auf eine unbedeutende und frivole Anklage , im Vicepräſidirenden Amte condemnirt ward , verurſachten ſo große

Bewegungen ,

zu

Kathhaufe ſowol als unter dem Votf , daß die Ko. Miglichen Bevollmächtigten ihre Bermittelung darin anwenden mußten.

Die Dritte Stube beflagte

fich auch beym Rath über das partheniſche Beneh . men des Danziger Secretairs am Königlichen Hofe, und entſchloß fich deshalb , den Kaufmann Gott hilf Wernick m ) als einen eignen Geſchäftsführee Aug, in ihren Angelegenheiten nach Dresden zu ſchiden.

1

EP

1,

ET

11m ) Dieſer aus Berlin gebürtig gewerene Kaufmann , hat wah: rend der Dermaligen innerlichen Nifhelligkeiten , als Dans ziger Bürger den Anfang zu einer bedeutenden Rolle ges macht. Mit einem lebhaften Geift, einer guten Bildung IS" des störpers und nicht gemeinen Naturgaben , verknüpfte er ein frenes und impoſantes Betragen , welches leicht bis zur gewagteften Dreuftigkeit übergehn konnte . Eines fols chen Subjects , das Stühnheit und Gegenwart des Geiftes genug hatte , intricate Aufträge eben ſowohl zu faſſen , als ; fie in Form der Geſchäfte gehörigen Drts zum Endzweck ju 1 . bringen , ſchien die Danziger Bürgerſchaft in gegenwärtigen Umſtänden vonnötben zu haben. Wernick richtete reine Commiffionen nach Wunſch aus , er war wenigftens bey ei

.

508

Danzigs Geſchichte. Die Königliche Commiſſion hatte

unterdeſſen

mit ihrer Hauptabſicht zur Zeit nur ſchwachen Forte, gang gehabt. Die Mißbelligfeiten in der Stadt waren eher vermehrt als vermindert worden .

Die

Gewerbe hatten nun insgeſamt ihre Anliegen und Béro werden zum Vortrag gebracht;

von vielen

Seiten hatten ſich noche ſpecielle Querellen oder Sol licitationen erhoben ;

und über die bürgerlicen

Gravamina oder Reformationspunkte , deren noch dreyzehn durch die Königlichen Commiſſarien in die dffentlichen Rathſchläge gegeben worden , waren in Betreff einiger Gegenſtände ganz diſcrepante Meio nungen hervorgetreten .

Die ſtreitigfte und zugleich

intereſſanteſte Materie war aber die Abſ@ affung der Accifen geworden : Fie wurde offentlid

fomot als in

Privatſchriften und Deductionen , von ihrer theils nüglichen theils nachtheiligen Seite ventiliret ; und. der Rath war inſonderbeit durd Vorſtellungen bes müfet, die Acciſen hoftens nur durch eine billige Reduction modericen zu laßen .

Adein die Koniga

nigen der erften Magnaten und Minifters an tönigliden Hofe gelitten , und er ſchien dadurch nicht geringen Einfluß zu gewinnen . Groftentheils auf Empfehlungen vom Hofe beſtieg er kurz nach einander die Ehrenſtufen in der Dangis ger Ragiſtratur. Seinen ,moraliſchen Charaeter baben andre , obgleich nicht durchaus mit unpartheniſcher Feder beſchrieben ; er erhielt ſich wenigſtens in feinen Würden, urd genoß ſeines Glücks, oder verſtand es vielmehr, den Außern Glanz deffelben ben aller feiner fururidſen febensart bervorftechen zu laſſen , biß ihn im I. 1760 einige unglüdos fälle im Handel gånglich zurückfetten , und einen für ihn eben fo nachtheiligen als durch fein Betragen ( chimpflid ges wordenen Bankerut ausbrechen liegen. Er vergrößerte diefe

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel.

509

lichen Bevollmächtigten gaben dem Begegren des größten Theils der Bürgerſchaft nac , und würf. ten ein Königliches Refcript aus ,

traft deſſen die

beträchtlichſten Acciſen aufzugeben befohlen , und zugleich eine Vorſchrift gegeben wurde , was für Auflagen oder Einfcrånlungsmittel an deren Stelle eintreten ſollten .

Vermöge dieſes. Referipts muß

ten fåmtliche Ordnungen die Remotion der Aceiſen zum Schluß kommen laßen , und drey Monate ſpå " ter iſt ein Ediet publicirt worden , womit alle Malz. und ftådeſche Bieracciſen , die Getrende oder Ben deraceiſen ,

ein dritte Part der Weinaccifen und

Anlagen , die Brandtweinaeciſen der Bürget , die Kåſeacciſe und die Hälfte der Fleiſcheraceiſen aufo gehoben ; dagegen aber außer zwey Dritte Part der Weinaceiſen und Anlagen , der halben Fleiſcherae: eiſe und den vorigen Edulienascifen , noch eine Ab. gabe von fremden Bieren , und eine Verhöhung des S @ arwerføgeldes neu eingeführt ſind .

Nach

dem folches vollbracht worden , befanden die König. lichen Commiſſarien für dienlich ,

die Fortfekung

4

ihrer Geſchäfte zu limitiren , und von dem bisherie chande Durch das ftrafbare Mittel, fraft defien er fich mit Verläumdungen und verrätheriſchen Unſchlägen gegen die Stadt , in der er ſein Glück gemacht hatre , herausreißen wollte. Atein reine Abfichten haben fehl geſchlagen ; die mit Sr. Stöniglichen Majeftat von Polen der Stadt Danzig zugezogene Irrungen , find in der Güte verglichen , und Wernid ift im 3. 1762 als ein Gefangener der Stadt aus: geliefert worden. Er hat darauf einen lebengwierigen aber leidlichen Arreft auf der Feftung Weichſelmünde bekommen, wovon ihn allererſt im I, 1773 der natürliche Tudo befrepet hat.

1

Danzigs . Geſchichte.

$ 10

gen Succeß derſelben dem Könige mindlichen Bes richt abzuſtatten . Sie gaben dieſes Borhaben den Ordnungen der Stadt zu vernehmen , ermahneten waprend iſrer

bweſenbeit zur Ruhe und Eintracht,

ja auch ſo viel möglich zur Wiederherſtellung und Selbſtbeförderung des innerlichen

Friedens , und

traten darauf ihre Reiſe nach Dresden an nachdem vorher noch ein Don . Gratuit für Se. Kinigliche Majeftåt fomol als ein Gratificationsgeſchenk an die Herren

Commiſſarien ,

im Namen ſåmtlicher

Ordnungen war angetragen , nejmen beliebet worden .

und jenerſeits , anzu :

Im folgenden Jahre ward die Rathsführ oder die Einwahl neuer Magiſtratsperſonen , erſten Objekte ,

eines der

worauf zu einer nad dem

Unfin .

nen der mißvergnügten Bürger beſchloſſenen Ver. ånderung ,

ernſtliche Befehle

vom

Königlichen

1750: Hofe gerichtet wurden. Ein desfalls, ergangenes 9 Januar. Refcript reſtituirte zwar die Freyheit , zur gewohn lichen Zeit den diesjährigen Kührtag zu halten ; ers hårtete aber zugleich die Verfügung, daß nach dem Inhalt des Decrets pom J. 1678 ein Dritter Theil des Raths ſomol als der Zweyten Ordnung oder im Rechtſtådtſchen Shoppengericht, mit Kaufleuten ;

belegt werden ſollte.

Der Dritten Drdnung wurde

dazu für alle fünftige Zeiten ,

das Präſentations.

Recht auf vier Perſonen zu jeder durch einen Kauf. mann erledigten Schöppenſtelle verlieben : dieſeso mal aber , da fünf Stellen im Rath , und drey im Gericke für Kaufleute erledigt angeſehen wurden , follten nebſt einem Kaufmann der aus dem Schop:

Sechſter :Abſchnitt. Achtes Kapitel . SII penſtuf nach Gewohnheit in den Rath einrückte , von der Dritten Ordnung noch vierzehn Kaufleute vorgeſchlagen werden , und der Rath aus denſelben pier, unmittelbar ins Rathscollegium , und drey in - die Schöppenbank unverweigerlich zu erwählen ha Der Rath unterließ zwar nicht, auf gedach. ben .

* tes Reſcript eine beſcheidene Vorſtellung oder IH .formationsſchrift an den König abgeben zu laſſen , um

der Stadt, und des Raths: Prårogative einer freyen Wahl,

11

1

I

Eingriffe geſchahen .

Allein am Königli.

chen Hofe, wurde dieſe neue Verfügung als ein Mittel betrachtet ,

et

EN

inſonderheit die Neuerung des Präſentations.

Rechts abzulehnen , als womit in die Grundgeſeke

der Abweichung vom Decret

2 Fohanns III . und von den Concordaten der Ordo nungen , Schranken zu regen , und man wollte die Vorzüge der Kaufmannſchaft fowol als das bere dienſtliche Anſegen der Dritten Ordnung damit er. heben.

Die Gegenargumente wurden demnach for

wenig geachtet, daß vielmehr in kurzem ein Zwers tes Reſeript einlief, und den Königlichen Befehl 7 Febr. swegen der bevorſtehenden Kühr mit ſcharfen Aus. i drücken wiederholte .

Der Rath rahe ſich zugleich

genöthiget , gedachte beyde Reſcripte den Ordnune gen zu communiciren , und nach deren Vorſchrift überreichte die Dritte Ordnung den Tag vor der Kühr , dem Rath ihren verſiegelten Präſentations zettel mit vierzebn darin nahmhaft gemachten Bürs gern und Kaufleuten.

Die Wahl aber erfolgte

doch nicht zur Zufriedenheit der flagbar geworde. 19 mdr nen Parthen . Der Rath ḥatte nur zwey aus den

512

Danzigs Geſchichte.

pråſentirten Perſonen zu Rathmånnern , u. zwey dero ſelben zu Sądppen erwåhlet ; zwey niche präſentirte Kaufleute aber waren zu Mitgliedern des Raths , und einer aus der Reformirten Gemeinde zum Gerichts. berrn ernannt worden.

Hierauf nun zeigten ſich foo

gleich furchtbare Ausſichten , daß die Mißhelligkeiten mitnod mehr Erbitterung zuneşmen würden . Eines theils wurde geðroßet , die ganze Kühr für ungül. tig zu erklären ;

anderntheils wollte man nur die

Einwahl der nicht präſentirten Perſonen für un. fråftig anſeben .

Deffentlich wurde im Namen der

ganzen Dritten Ordnung , wider alles was bey der Waộl vorgegangen war , proteſtiret , n )

und der

Rath muſte zur Vertþeydigung ſeiner ausgeübten Reqyte eine Reproteſtation einlegen .

Die neuer.

wählten Rathsherren leiſteten insgeſamt iþren End , unerachtet den nicht präſentirten eine ſchriftliche Warnung dagegen war zugeſtelle worden ;

durch

iden ins Geridye erbobenen Quartiermeiſter £. G. Janſſen aber , ( der gegen die Kúhr mit proteſtire þat ,)

wurde den übrigen beyden Schöppen fo

bange gemacht, daß ſie ſich zwar zur Introduction im .

* ) Bey dieſer Gelegenheit außerte ſich die Separation in der Dritten Dronung noch eigentlicher , welche ſchon im Julys monat 1749 ſechs Quartiermeiſter und fieben Quartiereges noſſen mit ihrer verſagten Unterſchrift zur Vollmacht an den Bürgerbeputitten nach Dresden , Bargethan hatten , troju auch der Grund idon durch einigen Widerſpruch i fu Ende des Jahres 1748 als dem Rath der Vorfaß zu klagen offent: lich angezeigt ward , ift gelegt worden , und woraus in der Folge ein offenbarer Fruch entftanden ift , der große Incom penienfen für Begleitung gebabt bat.

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel. 513

im Scöppenhauſe einſtelten , aber

annoch

verbaten ;

fißungen enthielten .

und

die Endesleiſtung ſich der

Gerichts .

Die Königlichen Comm :ſſas

rien , welche wenige Wochen vor der Rühr wieder in Danzig angelangt waren , mißbilligten gleicher weiſe das Verfahren des Raths , und nahmen die Entſculdigungen nicht wol auf , womit ſich derſelbe rechtfertigen wollte. Ueberþaupe ſind mit dieſem

f Vorgange ſelbſt ſowol ,

als mit allen wechſelſeitig

darauf erfolgten Exorbitanzen und ſchriftlichen Auf

I fäßen ,

die Animoſitàcen zwiſchen den ſtreitenden

I Partþeyen unſäglich vermehrt worden ,

und zulegt

Þaben die nicht präſentirt geweſenen Magiſtratsper.

# fonen fic doch nach des Königs Willen , ihrer era langten Ehrenſtellen gånzlich begeben müßen .

Alle

noc ferner vom Rath deshalb verſuchte Bitten und Remonſtrationen find gegen die ihrer Entießung halber reiterirten Königlichen Befehle und Referipte unwirkſam geblieben , und die vacant erklärte Stela len haben im figenden Rath vermittelſt einer außerá ordentlichen Wahl ( 3 Aug. ) mit andern aus der

1

1

Reyhe der Präſentirten ernannten Kaufleuten müſ . ſen belegt werden . Die Geſchäfte der Königlichen Bevollmachtige ten waren

mitlerweile wieder fortgefekt worden.

Sie hatten die Königlichen Declarationen mitges bracht,

welche die Discuſſion der differenten Mei

nungen zwiſchen dem Rath und den Ordnungen , über die oft erwähnten Reformationspunkte enthiel ten , und dieſe Reſultate des Kdniglichen Willens wurden anjeßt zur nochmaligen Communication im April, Geſch . Danz. 3ter Th. RK

Danzigs

514

Gefchichte.

Breiten Rath übergeben. manderley

Es fehlte zwar nicht an Bedenklichkeiten und Einwendungen,

womit die einſtimmigen und concluſien Approba tionen derſelben annoc zurüd blieben ; unter andern kamen auc Motionen einiger Gewerke dazwiſchen , welche den frenen Kaufhandel mit ihreti Fabricaten und Werfsmaaren verlangten , doch blieb es zur Zeit ohne nåßere Erörterung der daraus mit der Kaufmannſchaft beſorgligen Differenzer.

Weil

aber auch Se. Königliche Majeſtát Ihr Verlangen erflårt batten , daß die Danziger Stčeitſache, wäh. rend dem nächſt bevorſtehenden Reichstage ausein . ander geſeket, und zu dem Ende Deputirte der Stadt nad Warſchau geſchickt werden ſollten ;

Po

wurden der Burgermeiſter Nath . Gottfr. Ferber und der Rathsherr Dan. Eilh . Janken nebit dem Syndicus Lengnich als Abgeordnete des Raths dahin abgefertiget o ) und die Dritte Ordnung er

Mag. nannte vier Deputirte aus den Quartieren , p ) . die nebſt den Elterleuten der Hauptgewerke zu beſagtem Geſchåfte ihre Reiſe nach Warſchau antraten .

Zu

0 ) Der bisherige Profeſſor und Jaſpector am Oyinnaſium D. Bottfried Lengnich war zu Anfang des J. 1750 aufSr. Königlichen Majeftat Verlangen zum Syndicus ernannt worden , iſt aber von der Zeit an zur Vertbendigung der Sache Des Raths bemůbet geweſen . p ) 418 Mitglieder der Dritten Ordnung waren friedr. Gorti. Remmerſon , Adam Tritt , Job. Diecr . Elstorf und Erd, mann Salle deputirt worden. Chriſt. Rròger , Jakob Semrichs, Mich . Adam und Gottfr . 685 ſind von den vier Hauptgemerken der Schuſter, Becker , Schmiede und Flek fcher als Deputirte mitgegangen .

1

Sechſter Abſchnitt. Adates Kapitel.

gi !

gleicher Zeit brachen die beyden Königlichen Bevolle

3

mächtigten eben dabin auf, und von allen Seiten ſtand, man nunmehr in Errartung , des verſies

,

wiffert zu werden

dentlich gergünſchten Ausgangs der Sache verge,

Die Präferenz welche den Deputirten der Bůcs gerfd aft am Königlichen Kofe zu Theil wurde, führte eine günftige Präſumtion für deren Urliegen mit Sie ſäumten nicht, dem Kron . Großfanzler fich.

33

im Rahmen ihrer Principalen Unzeige zu thun, daß

B)

die gefammte Danziger Bürgerſcaft dankbar und mit Freuden , die Königlichen Declarationen ans

Der

Der Biſchof von Erm . zunehmen geneigt wåre. land erklärte fiche gegen den König zum Vortheil

Er

m

der klagbar gewordenen Bürger mit vorzüglicher Theilnagme , und in den dffentlichen Geboren beym

34

Könige ſowol , als bey der Königin wurde fåmelte

21

11

den Bürgerdepucirten überaus, buldreich begegnet. Dagegen erlangten die Abgeordneten des Raths allererſt vier Woden ſpåter ben benden Königlichen Majeſtácen Uudienz.

Die Anrede des Syndicus

an den Rdvig enthielt eine ebrerbietige Deprecacion im Namen des Raths , worauf durch den Mund des Krom Großbanglers die Verſicherung von der wiedererlangten Gnade des Königs gegeben wurde, Dennoce aber batte, nåchit dem Verbruß aus der noc obſchwebenden Kührſtreitigkeit, der Hof mit Miffallen vernommen , daß in Betreff der König lichen Erklärungen , der Rath fich fernere Infore mationen an den König vorzubefalten und zu erlau. ben geſonner wäre, und eben dieſes Vorhaben ſtuud KE 2

1

Danzigs Geſchichte.

516

aller Feſtigkeit eines beſſern zutrauens entgegen. Deſſen ungeachtet wurden die Maasregeln zur Bes endigung der Danziger Streitſache weiter verfolget. In Fundament der oftgedachten Declaration war eine Gefeßliche Vorſchrift unter

dem Titel

Kids

niglicher Verordnungen für die Stadt Danzig ausgearbeitet worden .

Dieſe ließ der König durch

den Kronreferendarius den Abgeordneten des Ratha öffentlich vorleſen , welche ſich darauf als Bevolla mådytigre iþrer Mitobern gemåffiget ſahen , die Un. nahme und Vollziegung derſelben im Namen des Magiſtrats mit völliger Submiſſion zu verſprechen . Gedachte Ordination wurde, nachdem ſie mit dem 25 July . Reichsſiegel bekräftiget worden , von den Abgeords ? necen ſelbſt vor iører Abreiſe in Empfang genom.

men , und nach ihrer Zurückunft in Danzig fåns digten ſie das Original davon dem Rath ein .

Um

eben dieſe Zeit kamen auch die Deputirten der Drita ten Ordnung und der Gewerke aus Warſchau za růck , und es hatte nunmehr den Anſchein , daß mit Eintritt des folgenden Monats alle Uneinigkeiten getilget , und die Ruhe gånzlich wieder hergeſtellt werden würde. Solmer Glückſeeligteit aber mußte Danzig node eine geraume Zeitlang entbehren. -

Nachdem die

neuen Verordnungen in den gemeinen Rathrolågen vorgetragen worden , ſo erwuchs darüber ein Wort ſtreit ,

worin man ſich anfänglich entweder nicht

recht verſtanden , oder vielleicht mit Abſicht under ſtändlich zu bleiben geſucht fat.

Nach langen Des

batten aber iſt dieſer Zwift fo fartnäckig und um fich

Sechſter Abſchnitt. Achtes Kapitel. 517 greifend geworden ,

daß alle Hofnungen zu einer

friebfertigen Ausgleichung darin ſind verloren ger gangen .

Jeglicher Regierungsſtand gab einzeln

zwar die Verſicherung, nach dem Willen des Kó, nige , die neue Ordination befolgen zu wollen ; doch proponirte der Rath feine Gründe , warum einige Artifel derſelben nicht ohne vorgängige Prüfung und Modification nach den åltern Rechten und Prix vilegien der Stadt ,

angenommen werden könnten.

Das Gerichts · Collegiumt war geneigt, dieſer Voce ſtellung Benfall zu geben ;

nur die Dritte Orde

nung nahm die neuen Vorſchriften ohne Einſchrän kung an , und blieb bey der categoriſchen Behaup tung ,

daß die darin enthaltenen Königlichen Bes

De fehle

einſtimmig

angenommen

werden

müßten.

Daraus erzeugte ſich in den öffentlichen Rathſchlás: gen ,

ein

Wortwechſel über Unnahme und Vol .

ziehung der Königlichen Verordnungen.

Die Pro ,

poſitionen des Raths drungen immerfort auf die Vollziehung derfelben , ohne ſich deutlich über die vorläufige Annahme zu erklären . Die Quartiere

1

1

hingegen verlangten , daß ein Schluß fåmtlicher Ordnungen wegen abſoluter Annehmung der Kdo niglichen

Ordination gemacht werden ſollte , und

erklärten ſich alsdenn erſt bereitwillig , zur Erecu : tion , der darin befindlichen Artifel die Maaßregeln zu treffen .

geborigen

Die zweyte Ordnung

fchien zu beſorgen , daß man ſich dieſer Differenz halber nicht einigen voürde, und ſchlug zu dem Ende ein bequemeres Vernehmen durch eine gemeinſchaft lige Deputation vor.

Allein auch biegu ließ es ſich RE2

5.18

Danzigs

Gefchichte .

unter der Verſchiedenheit der Meinungen nicht britti gen . Der Nath feste jwar unabläßig feine Bes mühungen fort, die Conſultationen der Ordnungen einbellig zu machen , und depuriete ſelbſt der Herr ren leitars Ratels in die Verſammlung der Quar: tipre , um mit Bitten und Vorſtellungen dieſelben zu einein näheren Beyfall zu bewegen , und aller unfriedliden Trennung entgegen zu treten .

Nidts

detto weniger ward die Dritte Ordnung nicht über. geugt ,

daß die Vollziehung der Königlichen Ordi.

karton ohne vorgängige

Annahme derſelben

ſtatt

finden könnte : fie glaubte aach in des Raths Ana dringen ein verſtecktes Mittel zu finden , womit ſelo biger die ihm mißfälligen Artikel ben feite feßen , und nur die gleichgültigen und unbeſtrittenen Verfüguns gen zur Erecution bringen wollte.

Sie blieb dem

,

nad bey ihrem kurz vorher geäußerten Vorſaß , ger gen dieſe Verzögerung zu proteſtiren, und ſie führte denſelben mit ſolder Heftigkeit aus, daß der Rath in die Nothwendigkeit gelegt wurde , ſich mit einer Noobr. umſtändlichen Reproteftation dagegen zu proſpiciren . Auf dieren unfreundlichen Schritt folgten noch meh rere Juſtificationen , auch Proteſtationen gegen ein zelne Mitglieder der Duartiere, und das Gerichts. Collegium , dem unter dieſem Schriftwechſel wider Vermuthen die Sduld beygemeſſen worden , vor güglich die Annahme der Königlichen Ordination verzögert zu haben ,

fand ſich dadurck gemüßigt,

fren und dffentlich zu erklären , daß es diefelbe ans Deebr. funehmen befoloſſen båtte.

1

21

Sechſter Abſchnitt. Achtes Kapitel.

519

Nun ſchien das Uebereinkommen gmeyer Did nungen der Sache einen nåßeren Aufſchluß zu vers ſprechen.

Donſeiten des Raths aber wurden die

vorigen Argumente noch benbeñalten.

In den wies

derbolten Antrågen gab derſelbe ausdrücklich zu er. kennen , daß der Königlichen Willensmeinnng nicht fowot mit der Annahme, als mit der Beobachtung der neuen Ordination ein Genüge geſcheun würde,

BV

und hieraufſtüşten ſich deſſen erneuerte Vorſchläge, der Vollziehung wegen eine gemeinſchaftliche Des

tt

putation zu ernennen.

74

7

1

Die Dritte Ordnung hins

gegen gedachte jeßt durch ſterkere Mittel ſich dieſer ermúdenden Mißverſtändniſſe zu entſchlagen. Sie drohete am Königlichen Kofe von neuem klagbar zu werden , auch die Rathſchlåge zu hemmen und die Stadteaſſen zu ſchließen , bis ein Schluß wegen der vollſtändig und geſeßlich angenommenen Ordid Hierauf wurde nation verlautbaret ſeyn würde. zwar in der nådſten Propoſition ſo welt nachgege. ben , daß der Rath die Königliche Ordination, mit Beybehaltung der Rechte der Stadt, anzunehmen erklärte :

weil aber beſagte Reſervation wiederum

das Anſehen hatte , rich von dem Sinn der übrigen Ordnungen zu entfernen , ſo bekam die Differenz nur eine andre Geſtalt, und in der Hauptſache wurde noch nichts damit gewonnen . Im folgenden Jahre verliefen wieder etliche 1751 . Monate ,

ohne daß

friedliche Fortſchritte,

den

Streit benzulegen, gemacht werden konnten . Viel meşr voljog die Dritte Ordnung iþr bereits anges fündigtes Vorhaben ,

durch einen Bevollmachtig.

s

Danzig

520

hte

Geſchic

.

glichen

ten am Köni Hofe , pon neuem über den e d r e rige w Rath Beſch zu führen . Der nunmeh

Gerichtsverwandte Wernid ließ ſich zu dieſem Gee 7 Febr. ( cbafte abermals nach Dresden hinaufſchicken ; er bekam eine Vollmacht ,

die

Deciſion des Zwiſts

wegen anzunehmender Ordination , in die Hände des Königs zu übergeben , und obgleich der Rath durch glimpfliche Vorſtellungen und Berichtſchrei, ben an die Herren Kanzler der Krone ,

allen Wete

derungen zuvor zu fommen bemühet war, Doch in kurzem

ein Refcript Herunter ,

ſo kam

worin der

1 ben Androhung der Königlichen un : gnade ermahnt wurde , die Ordination underjůg ,

Magiſtrat

lich anzunehmen ,

und gånzlich zu einer wahren

und reellen Vollzießung zu bringen .

Der Rath

beklagre ſich hierauf ſowol über die eilige Interrup . tion der Rathſchlage, ' als über die ungegründete Beſchuldigungen , womit er bey Hofe wäre ange. griffen worden , bebarrte aber bey ſeiner vorigen Meinung, und benugte ſelbſt die Worte des Re : ſcripte, uin den Gehorſam gegen den König wieder in der ungeſäumten Vollziebung der Ordination zu er: ißverſtändnis lenkte demnach in Das Hårten . die vorige Heißenein ; jedoch fing der Rath ernſt lider an , auf d., Ernennung einer Deputation aus allen Ordnungen zu dringen ; das Gericht geneh . migte dieſelbe, und ernannte dazu ſeine Depucire ten, nur die Dritte Stube beſtand auf ihrem Ben geören , daß duro einen vorgångigen Søluß , die r Pige unter indeſſen dies Weil ſollten werden nommen . ſer

aufgehaltenen und unausgemachten Validitåt

Sechſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel. 528

der Gefeße, der Illegalitäten immer mehrere vors tamen ; weil im gemeinen Handel und Gewerbe den Mißbräuden nicht geſteuert, die Mängel nicht erſeget, und feine Richtſchnur gehörig feſt geſegt werden konnte , ſo bequemten fick endlich die Quar. tiere , aus Liebe zum gemeinen Beſten , ihre Bey . fißer zur vorgeſdlagenen Deputation zu ernennen, und fick den vom Rath proponirten Schluß zur

1

Annahme der Ordination zmar gefallen zu laßen, doch unter der Bedingung , daß die þinzugefügten Worte ,, mit Beybehaltung der Rechte der Stadt " für fraftlos erklärt werden follten ; weshalb denn

5 -1

auch zu mehrerer Verſicherung , gegen dieſen an . geblichen Vorbehalt, im Namen der Dritten Ord . nung eine notariale Proteſtation eingeleget und ma . nifeſtirt würde.

Der Rath fand ſich darauf wieder

gendthigt, mit einer Gegenproteſtation zu reinania feſtiren , und beyde Theile unterließen nicht,

hie.

naoſt ihre Juſtificationen in die offentlichen Rath . fchlage zu bringen ,

Ob

nun gleich die gemein:

ſame Deputation , welche die Maaßregeln zur Voll . ziehung der

Droinationspunkte, verabreden ſollte

anjeßt ihre Sißungen anfing, ſo äußerten ſich doch

1 1 I

bald ſolche Sowierigkeiten ,

die keinen Fortgang

ihrer Arbeiten verſprachen ,

und in der Dritten

Stube wurden laute Klagen geführet,

1

daß man

mit einer eigenmächtigen Erklärung der geſeblichen Porſchriften , von dem Gehorſam gegen den Ge febgeber abzuweichen beſliſſen wäre.

Indem

auch

pom Königlichen Hofe abermals ein Reſeript einlief, 23 Juni worin der Burgermeiſter Joh . Wahl nebſt den KES

Danigs

522

Gefthichte.

Racheberren Chr. Gabr . von Scrpeber und Ludw . Gottfr: Janſſen ,

namentlich nach Dres. den beſchieden wurden , um in Perſon die Urſachen an den Tag zu legen , warum die Königliche Ordt.

nation noch nicht in Erfüllung gegangen wåre ; ro glaubte man wenigſtens von feiten der Gegenpar. they des Raths, immer mehr Bewegungsgründe zu finden , die Vollziehung der Ordination , den Bes fehlen und der gånzlichen Entſcheidung des Königs zu überlaßen. Zur Vergrößerung der Unrufen , hatten ſich in dieſem Jahre unter der Bürgerſchaft merfliche Se. parationen geåußert, die zum Theil mit tumultua riſchen Unzettelungen verknüpft waren , und ſich in Offentlichen Ausbrüchen der Zwietracht Gervorges than fatten .

Einige Gewerke waren von igrem

bisherigen Uebereinkommen mit der Dritten Orde nuug jurůdgetreten , fie Hatten ſich der committir . ten Zuſammenfünfte mit derſelben enthalten ,

und

die Vollmach i igres neuerlichſt abgeſchichten nach Dresden nicht mit unterſchrieben .

Verſchiedene

womit ſich inſonderheit

die Schuſter ,

Klagen ;

Schneider und Kürſchner , imgleichen die Gerber, Riemer und Sattler , über die Kram- und Spei cher - Negocianten beſchmeret , and worin ſie ihr anerkanntes Recht dargelegt hatten , rohe fomot als fabricirte Werksmaterialien an Bürger in der Stade zu verkaufen , waren doch zeithér'ogne geſegmäßige Wůrkung geblieben.

Einige Kaufleute wurden

beſduldiget, ſie unverantwortlich daran gehindere und durdi fortdauernde Vertebre mit

zu gaben ,

1

1

Sediſter Abſchnitt.

Achtes Kapitel. 523

Gewerksbeſchådigern , ihren Gerechefamen Übbruck zu thun .

In dem hieraus entſtandenen Mißvera

gnügen , war vom Hauptgewert der Souſter eine Bittſchrift

an

den

Rath

vorgelegt

worden ,

( 25. April. ) die nicht nur die vornehmſten Ben

4 ſchwerden

der Gewerke enthielt ,

ſondern womit

auch das geſaminte Verfabren der Kramerzunft ged mißbilligt wurde , und welche dem Könige als eine Vorſtellung dagegen hat überreicht werden ſollen . Jedennoch ſind die meøreſten Gewerke iører Vereie nigung mit dem größern Theil der Bürgerſchaft treu

geblieben ,

und nur die Hauptgewerke der

1 Sæuſter und der Faſtbåder, nebſt einigen incorpos rirten Gewerfen und einzelnen Mitgliedern derfel ben , haben ſich ſeit der Zeit öffentlich von der Drita ten Ordnung getrennet. Während dieſem Unfrien den bat es ferner nicht an mancherley Verbekungen gefeplet, womit unter dem Vorwand fein Recht zu bebaupten , ſich entweder unnüge Klagen und lieba loſe Widerſeklichkeiten erhoben , oder auch Muth. willen und Gewalt mit offenbarem Empörungsgeift find ausgeůbt worden .

Unter andern hatten die

Schuſtergeſellen in und außer ihrem Gewerkspauſe einen fürchterlichen Tumult gegen ihre Meiſter era reget .

( 21. May . )

Dieſe gatten den Geſellen

einige ungewöhnliche Forderungen nicht zufliehett wollen , woraus ein bißiger Streit wegen der Ge. werfølade entſtanden geweſen , und weil ſid, ein Gerede verbreitet gebabt ,

daß die Lade von den

Geſellen ins Scottland geführt werden würde , ro hatten die Meiſter dieſelbe mit Ketten und Vorhangi

1

Danzigs

524

Geſchichte.

Schloſſern anſchließen laßen , auf nochmals darüber erneuerten Lårm und Gewalt aber, den Kaſten mit der Lade und allem Zubebör den Geſellen gånglice entzogen , und bey Nachtzeit der Sicherheit wegea aufs Rathhaus gebracht.

Hiedurcy nun waren ſie hatten

die Geſellen in Wuch gereßt worden ,

ineprere Handwerksgenoſſen an ſich gezogen , und waren in dieſer Verſtärkung vors Rathhaus gelaus fen , wo ſie das Begehren nach ihrer Lade und alle ábrige Forderungen mit Ungeſtům wiederholt Hate ten .

Aus dieſem Aufruhr war ein allgemeines

Schreden entſtanden :

man hatte in der

ganzen

Gegend des Rathhauſes , und in den umliegenden Straßen bis auf der grünen Brüde ,

die Buden

und Kramladen geſchloſſen , die Gaſſen waren dde geworden , und jedermann þatte ſich in den Haus fern dabeim gehalten , in nicht geringer Beſorgnis , hinter dieſen tumultuariſchen Bewegungen noch gefährlichere Abſichten verborgen ſeyn dürften .

daß

Zwey Herren des Raths waren hierauf ausgeſekt worden , den Gewerksſtreit zu ſchlichten ,

and die

Meiſter mit den Geſellen ſo viel möglich auf eine gütliche Art zu verſöhnen.

Das erſtere war end .

lich mit vieler Gedult über das Betragen der auf gebrachten

Handwerksgeſellen

berückt

worden ;

doch hatte man für rathſam befanden , denſelben die meøreſten iører Forderungen

zu

bewilligen 5

auch batten ihnen die Meiſter eine Geldgabe zuge. ſtegen ,

und ſonn - und Feſttaglich einen

zur Zeche zuſagen müſſen.

Beytrag

Die Geſellen aber hats

ten julegt bey Fackeln und unter vollſtändiger Muz

1

1

1

Sechſter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 525

Rit, ihre zu Ratghauſe fequeftrirt geweſene Ges und ſelbige mit großem

werkslade aufgehoben ,

Jauchzen , in Begleitung einer unſäglichen Menge Volfs , zurück auf die Herberge getragen.

Neuntes

Kapitel .

Die feparirten Bürgerparthenen in Danzig proteſtiren gegen einander – die Eröffnung der Königlichen Aſſeſſorialges richte wird hieſelbſt fund gemacht - und alle Hoffnung jur Súhne verſchwindet - Ankunft der beyden Reichs kanzler und der übrigen Gerichts Beyfiger der Pros ceß gervinnt ſeinen Fortgang , und die Decrete werden abs geſprochen - Inhalt der beyden vornehmſten Decrete

1 die Königliche Ordination befommt die Kraft eines prags matiſchen Geſebes in Danzig drer Edicte werden zur Befeſtigung der Rube publiciret - die doch nicht mit vál liger Eintracht zu Stande kommt - Maasregeln des Danziger Magiſtrats zitr gånzlichen Abolition des proceſa ſes - Königliches Mandat einer vollſtändigen Amneſtie der Danziger Bürgerſchaft fehlgeſchlagene Erneuerung der Klagen - abermalige Inſurrectionen der Handwers ker in Danzig - der innerliche Frieden wird nach und nach befeſtiget

en Abgeordneten des Raths wurde nicht auf 1751. einerley Art in Dresden vegegnet.

Der Raths.

þerr Janſſen , der in die Forderungen der unzufries denen Bürgerfjaft einſtimmte, wurde zwar nebſt deren Bevollmächtigten dem Schoppe Wernick , nach Verlauf zweyer Monate ,

in Gnaden

Rückkehr nach Hauſe

( 13. Septbr. )

erlaßen .

fur

Der Burgermeiſter Wahl hingegen patte mit allen

Danzige Geſchichte..

$ 26

in Betreff der Königlichen Verordnungen bey Hofe überreichten Remonſtrationen , gar lawaden Ein drud gemadt,

und er fomof als der Rathsherr

Schroder pebft den benden mit geſchickten Secre tairen muſten nod in Erwartung fernerer Königlis den Befehle zurückbleiben .

In Danzig brađen

unterdeffen die zwiſchen der Bürgerſchaft entſtatt dene Trennungen zu offenbaren und litigidſen Rechts. bergandlungen aus . plit an den

Zuvörderſt wurde eine Sup.

König gemacht,

wozu einundfunfzig

Bürger, Gelehrte ſowol als angeſebeneKaufleute, wie audy die Elterleute von achtzeşn Gewerken fick

namentlich unterſdorteben. Dieſelbe enthielt þaupts Aug. fachlich ein inſtåndiges Unfuốen ,

die Stadt ben

3 ifrer biogerigen Regierungsform nach den Status ten Sigismunds I. , dem Decret Johann III. , und den Concordaten vom J. 1678 zu er alten und zu beſchüßen , allen Neuerungen aber und der daraus beforglichen Zwietracht und Unordnung zu ſteuern .

Weil nun hiemit ein Widerſtreben gegen

die neuen Königlichen Verordnungen ſtillich weigend angezeiget , und zugleich mit deutlichen Ausdrúden dargelegt ward , daß im

Namen der ganzen Bür.

gerſchaft Neuerungen verlangt worden ,

wovon die

Herzen vieler redlichen Bürger abgeneigt wåren : fo erweckte folches von feiten der Gegenparthey Heftige

Widerſprüche,

die auch im Namen der

Dritten Ordnung der Kaufmannſchaften , fåten ,

Zünfte und der übrigen Gemerke,

Socie durch

eine notariale Proteſtation Offentlich fund gemacht wurden . Zwar fauden finde noch seha Sewerts,

1

1

1 1

Sechſter Abſchnitt. Neuntes Kapitel. 527 unter denen das Hauptgewerk der Schuſter oben an fand , die wieder dagegen proteſtirten, und ihre Manifeftation und Redutsreferpation befangt mers den ließen , pomit inſonderheit die Elterleute der Spuſter und Faſtbåder, alle ihnen zur Laſt gelegte Erorbitanzen ind . Jrregularitäten abzulehnen mübt waren :

bes

allein auch hierauf wurde von der

übrigen vereinigten Bürgerſchaft eine Neproteſta tion infinuiret, und in derſelben den Verantwors tungen der Proteſtirenden , eine Beziehung auf be glaubigte Thatfachen entgegen gefehet.

Ueber.

þaupt haben dieſe gegenſeitige Conteſtationen und Streitſchriften die Verbitterung

der Parthenen

noch böher getrieben , uod alle Mittel zur friebli den Uuseinanderſegung fruchtlos gemacht. Im gleichen ſind die Namen und Perſonen der einund funfzig Bürger , welche die Bittſchrift an den Ka. nig unterzeichnet,

und durch den Rato inſinuirt

baben , ſo verpaßt worden , daß man ſie nur ſpotte weiſe die Funfziger genannt, und ihnen alle Wer ge zu bürgerlichen Eprenſtellen zu verſcließen geo Dieſe Herabfeßung iører Perfonen ift fucht hat. fogar duro , Königliche

Refolutionen

bekräftiget

worden , und es hat ihnen in der Folge Koſten und Mühe genug verurſachet,

fich durch Biteſeriften

und günſtige Vermittelungen vavon zu befreyen . :) 9 ) Allererſt nach Verlauf von zwey Jahren , und zwar auf ſpecielle deshalb an Se. Stönigl. Majeftat ergangene Kitts ſchriften , find obgedachte Funfrig Burger durch ein eigenes Abolitions Refcript reſtituiret , und aller Ehrenstellen und Obrigkeitlichen Aemter in der Stadt wiederum fåbig erklas ret , ja auch einige derfelben namentlich dazu empfolen worden.

Danzigs Geſchichte.

328

Eine ungemeine Senſaeton ermedte nunmehr 19 Aug. das Königlice Refeript,

womit die Erdfnung der

Kangler , oder Allefſorial- Gerichte in Danzig an gekündigt und allen Bürgern und Einfaſſen , dies felben ruhig und ſtille zu erwarten geboten wurde. Der Rath ſahe ſich verpflichtet, Mandat ,

dieſes Kidnigliche

der Gewohnheit nac , durch ein Edice

zu verlautbaren , doch wollte er die öffentliche Bea tanntmachung der Königlichen Alteſſorial- Gerichte annođe zurück Galten ,

in Hofnung dem ftrengen

Rechtsgange durch friedliche Maasregeln ausweis chen zu können .

Mit dieſer Abſicht war ſchon der

Entwurf zur alleinigen Publication eines ruhigen Perhaltens gemacht worden ; weil aber die Dritte

·

Ordnung ſich zu keiner Sübne willfährig bezeigte, vielmehr den genauen Befehl des Königs nade den Borten des Refcripts verlautharet wiſſen wollte; ſo ſchlug die Intention des Raths zur Abfürzung des Ediets febl, und von ſämtlichen Ordnungen wurde beſchloſſen , den wörtlichen Inhalt des Kode niglichen Mandats unter Trompetenſ@ all durch ein Ediet publiciren zu laßen .

Eben ſo befremdend

fiel es den Herren des Raths auf, als ihnen kur,

nachher im Namen der Dritten Ordnung als kla« . 1e Sept. genden Theils , eine förmliche Citation , nach Vers laufvon vier Wochen vor dem aſſeſſorial, Gericht zu erſcheinen , gelegt wurde.

Nichts deſto weniger

wurde noch in mehreren nach einander folgenden Propoſitionen des Raths nicht unterlaßen ,

der

Dritten Ordnung eine Wiedervereinigung anzubies ten ,

und ſich aufs bereitwilligſte zum Nachgeben und

Sechſter Abfchnitt. Neuntes Kapitel. 529 und zur Verſöhnung mit ißt zu erklären .

Bon

dieſer Seite aber war alles Vertrauen erloſchen ; die Sache fchien auch zu weit gekommen zu feyn, und die Solicuationen am Hofe waren zu beftig gemorden ; ja -48 dem Nath noch zum größten Porwurf gemacht ward , war daß ſelbſt in ſeinen Aufforderungen zur Eintracyt, der einſtimmig und uneingeſchränkt anzunehmenden Ordination feine Ermahnung geſchahe. So lief demnach wiederum ein Jahr ab , ohne daß weder Hülfsmittel anſchlugen ,

noc Hoffnung

gen zurück blieben , die innerlichen Mißhelligkeiten in Danzig zu tilgen , und duro einen friedlichen Bergleich auseinander zu reßen . Die Zeit der aus gekündigten Affefforialgerid te naþete heran . Die beyden Reichskanzler, welche vom Könige dazu (per sielle Uuftrage und Jaſtructionen empfangen hat. den , befoleunigten ihre Ankunft in Danzig , und 12 Deche beachten ,

nebſt dem Kroninftigator Krajewsky

Dem Kronſecretaix Klonowski und denen Kron , Kanzeleymetricanten Nowicki , der die Feder gee führt hat, noch vier vornehme Benfißer des Gee sichts aus den Polniſchen und Preußiſchen Digni tarien , und sier Polniſche Udvocaten mit ſich . ) Sie wurden den Tag nach ihrer Ankunft , im Nam men des Raths -rom Burgermeiſter Ferber , dem r ) Nachft dem stron

Großkanzler Malachowski und der

frou sunterkanalerwodzici waren der Koffdaßmeiſter Koszowstir det Landrichter" von Cuim Bajewski , der Laudrichter von Marienburg xczewski, und der Staroft Bon Marienburg Generalmajor Regin zu Bepligern des al Serd. Danz. 3ter Th.

Danzigs

530

ths

Gethicsteati

Rarhsheeren Jangen und Seni Sindičus Lengnics bewilltommer." Des folgenden Tages eißielten die Deputirten der Dritten Ordnung,

deren einige

ſchon beym Empfang iße Ehrerbietung bezeigt habe ten ,

die erſte Audienz .

Auch der Abgeſchichten

Der Bemerke murden Gehöre Yerſtattet, doch muß ten von den getrennten Gewerken, welche die Haupts gedprte der Spuſter und der Faſtbåder zu Anfüße tern hatten , nice mehr als ſechs Perſonen hinein . treten .

In gleider Anzahl erſchienen mit anſtån.

digem Ceremoniel die Deputirten der funfzig Bår. ger , welche ſich mit ißrer Bittſchrift an den König gemaadt hatten , und einer von ihnen hielt an den Kron Großfanzler eine wol abgefaßte Anrede. Jń

1

. deren Namen wurde nachher auf eine zwedmåßige Portellung für Füſtification der von ihnen ergriffen nen Gegenparthen , in Formeinee Bittſchrift dette

2 :: Kron : linterkanzler infinuirer!

Auf dieſe nun und

mebrerevon beyden Seiten der uneinigen Partheyen , Tohriftlich ſowol beygebraďte Mertoriale, als můnd. Tich geäußerte Anſuchen , erfolgten zwar die kraftige ften Verſicherungen von der Gnade bei Königs und der Vollziehung theniſchen

ſeiner Befehle mit einer unpat's

Gerechtigkeitspflege ; doch aber wurde

ben alien Verfriſtungen zum

Grunde geleget , daß

bie Königliche Orditiation in keinem einzigen Punti verlaßen oder abgeändert werden könnte. fefforialgerichts ernannt worden. Die benden Xovocaten Blominski und fleiſzerowicz haben im Proceß dem Rath gedienet , die beyden übrigen aber Czwordowicz uno al brecht, ber Bürgerſchaft Seyftand geleifet.

Sechſter Abſchnite . Neuntes.Rapitel . 531 Nach den voraus ergangenen Citationen naha men in demfelben Privathaufe p wo der Kron- Groß kanzler zu . ſeinem Wohnungsquartier abgetreten: war , die Affefforialgerichte ihren Unfang , derent ,113 Erdfung vorber von einein etwas erhöheten vor dem

Plaka

Hauſe , durch einen Wozny oder Gerichts- :-52.

boren in polniſcher Sprae dffentlich warsbekanno 3 -Januar. gemacye worden . ) +

In den erſteren Seſſioten bei

Pohjaftigte man fich theils mit Formalien und Präs liminair - Fragen in theils wurden einige réchelide Privat -und Nebenfachen , fo die Stadt oder ihre Bürger angitigerin, sum

wig gebracht;

auch

Vortrag und zur Erfennta

tourde lentſdzieden , daß zur

Berantwortung an .Gerichtsſtelle;

als: Deputirte

des Raths, der Burgerineifter Ferber, der Raches herr Janken und det Byndicus: Lengnich nebſt dem Secretair Penski/ Fugegen fequi ,' Undanur imi erforderlichen Falle der ganze Rath zu erfcheinen fich befugt halten ſollte.

Im Namen der Dritten Orde

aung find großtentheils vor dem Gericht feche Dee putirtesderfelben gegenwärtig geweſen . Die vierte. Seſſion iſt ſchoni' ineitien geräumigern Haufe auf In der dem Langen Martte gehalten worden . fechſten geſchahe wegen eines Zwiſts auf dem Ratha

ſein Logis' in der Behauſung des $ ) Der Großfangler nahm fein Quartiermeiffers Sam .flander, dem Rechtfådtfchen Rathr bauſe gegenüber , und der Unterkanzler logirte ſich in dem daneben liegenden Hauſe ein . In erſterein wurden auch die Gerichtsfißungen angefangen , rcchher aber, in das befre Roſenbergſche Haus auf dem Langen Markte verleget , w : ebedem König Auguft der Zwegte geſtanden batte. 1 a

Danzigo Geſchichte.

532

þauſe , ein widermårtiger Wusſpruch gegen die Funfo ziger , deren einer als Quartiersgenoſſe zur Zeit

vom Rachbauſe ausgeſchloſſen feyn ſollte.

In der

14 Jan. eilften Sißung wurde ein Decret gefället, daß die oft erwähnte Königliche Ordination ohne alle Clax feln und Reſervationen ,

bey den dreyen Ordnun ,

gen in der gemdhnlichen Stube , und zwar innerhalb drey Zagen ,

nade gef @ ebener Infinuation dieſes

Decrets , concluſive zu publiciren feyn würde.

Gea

dagte Publication erfolgte demnace am beſtimmten { age ( 17 Jan.) , da teine Gerichtsſeffion gehal ten wurde, zur Mittagszeit um ein Uhr , und das mit dieſer Act deſto feyerlicher und bekannter gen made würde , ſo mußte der Reichsrozny von der äußern Kathhaustreppe ,

dreymal ben dazwiſchen

geblaſenen Trompeten , mit lauter Stimme ausru . fen , daß die KöniglicheOrdination nunmehr in der @tadt allgemein wåre angenommen und approbito worden . Rachdem ohngefeộr zwanzig Hauptfeſſionen der Königlichen Affefforialgerichte waren gehalten , und der gemeine Rechtsgang nach Polniſchen Gebrauch darin beobachtet worden , ſo wurden zulegt die Dee erete abgeſprochen und publiciret, womit allen Miß . Helligkeiten und Fehden ein Ziel geſeket , und die Ruhe in der Stadt völlig befeſtiget werden ſollte. Die oft ermahnten Funfsig Bürger und Kaufleute, welche durch Es. Raths Vermittelung mit einer Bittſchrift an Se. Königliche Majeſtåt gegangen waren , wurden zwar in Anfeßung alles ignen zur Laſt gelegten ſtrafbaren Unterfangens , inſondergeit

.

Sechſter Abſchnitt. Meuntes Kapitel. 533

des Vorwurfs nachtheiliger Störungen , und wider die Dritte Ordnung gehaltener

Zuſammenkünfte,

poltommen unſchuldig befunden , auch dieſerwegen Den aller geſeblichen Ähndung loß und ledig geſpro den ; doch aber ſollte aus gewiſſen bewegenden Ute

0

fachen das Verfahren der Dritten Ordnung gegen diefelben , in dieſem Falle nicht für unrechtmäßig

58

angeſehn werden. Den abtrünnig gewordenen und in der Supplik unterzeichnet geweſenen Gewerken

#

hingegen , deren einige Elterleute und Mitgenoſſen ,

ED

würflich angeſtifteter Trennungen und Uneinigkeiten überführt waren , wurde auferleget , Seſſion zu Rathhauſe,

bey der erſten

innerbalb vierzehn Tagen

nach abgeſprochenem Urtheil, der Dritten Ordnung in ihrem Verſammlungszimmer öffentliche Abbitte welche von derſelben mit Zufriedenbeit

zu thun ,

angenommen , alle Vorwürfe aufgehoben , und alle Vergehungen in ewige Vergeſſenbeit geſtellt werden ſollten.

Außerdem waren noch zwey Bürger laut

den Inquiſitionsacten überwieſen worden ,

durde

ausgeſtreuete Schriften ſowol als mit mündlichen Pecſuafionen und Unzettelungen , Vergerniſſe gegee ben , und die Zerrüttungen unter der Bürgerſchaft vergrößert zu Qaben, wofür einer derfelben zu zwolf monatlicher Haft auf dem Rathbauſe condemniret, der andre aber, deſſen unbefugte Unternehmungen nicht vollends ſo weit gegangen waren , auf einen Monat ju gleichmäßigem Arreſt verurtheilet, und dem Magiſtrat in Danzig die Vollziehung gedace. e der Strafen in gebührender Urt übertragen wurde. £ 13

1

> 534 ...... Darligs Grfaithte.

4 Febr.

-

Lagis dårauf wurde das Decret- zwiſchen dem Rath der Stadt, und der Dritten Ordnung nebſt ganzen Gémethie , in folgenden Hauptpuncten vers Was erſteng alle den magiſtrat der "Dautbaret: Städt oder der Nathøcollegium , wegen Bernaci , laßigung und ' Renitenz gegen die Königlichen Re. ſcripte und Mandate , angefchuldigte Vergeþungen

und ſtraffållige Handlungen betraf, fo würden dies Felben zur Verabſchiedung , und nad Beſchaffen heit Der Umſtände zur vorbehaltenen Strafe, an die Königlichen Relationsgerichte remittiret .

Ferner

Serfolgte eine nochmalige Beſtätigung der bereits pui blicieten Röniglichen Ordinatioti, mit hinzugefügten Erläuterungen - einiger darin befindlichen Artikel . Der Dritten Ordnung ſollten alle dieſes bürgerli chen Rechtsſtreits wegen gehabte Unkoſten von An "fang bis zu Ende , aus dem gemeiten Seckel refun .. diret, und zwar innergalb dien Tagen der Anfang dieſer Zahlung aus der Stadtcaſſe die Zulage ge nannt, ſo weit dieſelbe hinreichen würde, gemacyt werden . Der Rath hingegen wurde in die Pro ceßloſten condemniret,

diejenigen ausgenommen ,

*welche für die Königlichen Bevollmächtigten und während der Zeit der gehaltenen Gerichte waren veča Zur Vollziehung einiger ausge

wandt worden .

zeichneten Artikel der Kidniglichen Ordination, würde innergalb acht Tagen nach der Publication des De crets , Depuiationen auszufekeit verordnet net ;; "wogen gen kein geheimner Ausſchuß von einer oder der an. dern Seite ," der bisherigen Irrungen wegen wèio terhin ftate finden ſollte.

Uebrigens wurden alle

Sechſter.Abſchnitt. Meuntes Kapitel. 535

bervorgekommene Separationsacten und angreifens de Schriften mortificiret, þeimliche Zuſammenfünfte und

Sumuttsanlagen , bey harter Strafe verbotenz

der ſchuldige.Reſpect und Seborſam gegen die Obriga Feit aber ,

der Gelege und bůrgere fiche Liebe und Eintracht untereinander , anf das gemeſſenſte anbefohlen . Damit auch die gegen wärtige Wiederherſtellung der- Ruße und des Fries dens zu jedermanns Wiſſen in der Stadt gebragt werden möchte , ſo ward der Befehl hinzugefüget,

I daß, innerhalb drey Tagen dieſesDecret , nebſt dara in begriffener: Anerkennung der Königlichen Orbis nation als eines pragmatiſchen Geſekes , mit einer ſcharfen Verwarnung gegen allen Tumult und Bes einträchtigung der öffentlichen Ruhe ,

durch ein

Edict bekannt gemacht werden ſollte. Solchergeſtale belam nun dieſe nach langer Debatten , und mit vielen Sowierigkeiten angen

79

nommene Königliche Verordnung, die vollkommene Kraft und Stårte eines

pragmatiſchen Seſebes,

Threm gangen Inhalt nach

beſteßt ſie aus fünf

und ſiebenzig , oder vermoge ein paar in der Folge

7 1

gemachten Separationen , aus ſieben und ſiebengig Artikeln , Webſt einem Supplement von neún und

zwanzig Paragraphen , die zur Erläuterung einiger gereklichen Artifel , unter dem Namen der Clarifi. cationen ,

am Königlichen Hofe find beliebet und

feſtgefekt worden.

Sie erſtreckt ſich

fammte Staatseinrichtung

über die gee

oder Conſtitution der

Stadt Danzig , worin die ålteren Fundamentalge fefe entweder fotechthin beſtätiget , oder auch deut £ 14

536

s

Danzig

yte : ; . 1 ;

Gefühld

lidher beſkimmet, mit neuen Verfügungen bereidhere, und in Hinſicht auf das gemeine Beſte, mit einigen Din Amint Beränderungen modificirt werden . feration des Staderegimento ; die Verwaltung der öffentlicher Caffen ; die Einrichtung und Auflicht im Finanz- und Policeywefen ; der ganze Umfang des Eomierzmoefene ,

imgleichen der bárgerlichen

Syandthierungete und Gewerbe ; der Gerichtszuſtand und die Zuftißpfleges die Beſorgung des Kriegs wefens ; die Armenpflege und Wahrnehmung fronti mer Stiftungen , und überhaupt alles was zur Auf nahme der gemeinen Welfahrt und zur Erhaltung der bürgerlichen Ruße und Zufriedenbeit, einer Pers befferung, oder bånderung bedürftig geweſen , war barin als ein Gegenſtand der erneuerten Legislatur angeſehen und beberzigetworden . Der erſte, frente und dritte Artikel , wegen des freyen Zutritts der Kaufleute zu den Ehrenſtellen des Magiſtrats , we gen deren Anzahl und der Art und Weiſe diefelben zu wählen ,

imgleichen

des den Hundertmånaeru

bazu verliebenen Präſentationsrechts ; ferner der Fünfte Artikel wegen der aufgehobenen Ueciſen ; der Iste wegen Ausſchließung der Mennoniften , Uno bürger und Fremden , von den Vortbeilen des Bür. gerbeſtes im Padhauſe , oder des Waarenrabat von Zegn Procent ; der 22ſte wegen des Lagerhaue fes oder der angeordneten Niederlage der Waaren zur Einforånfiing des Handels der Unbürger mit fremden ; der 24fte wegen derånderter Gerechofame die Juden - Gelekte zu ertheilen , der 68fte wegen Porbenfahrt des Seebafens und Defraudation der

Sechſter Abſchnitt. Méuntis Kapitel. 537 Pfalfammer; der 73fte wortu åber die beſondern Beſchwerden der Gewerke decrecirt worden ;

und

endlich der 76fte weger erneuerter Anlage des bun bertſten Pfennigs oder eines Theils deſſelben ,

zur

Abtragung der öffentlichen Schulden ; diefe alle hat ten abſonderlich vor den übrigen erhebliche Einmen dungen und Interventionen gefunden , worüber get richtlid bat erkannt und verabſdiedet werden müſ fen. Ferner war in Anſehung einiger Artikel, nem lich wegen der Mieterſtåderdhen Graben , Reinigung, der Reviſion der Willführ, der Einrichtung des Commercien • Collegiums , der Verwaltung der Kammeren , der Unterſuchung der Waldungen, der Unterſuchung der Güter und Einkünfte der Stade, der Regulirung der Sporteln , der Beforgung des Múndiſchen Landes, der Adminiſtration des fiscus, und endlich wegen der Vorſtådeſden und Langgart. Ichen Gründe decretirt worden , daß zur Vollziehung aller für benannte Materien gegebenen Königlichen Befeble, innerhalb dem Lauf einer Woơe Depu. tirte aus den Mitteln ſämtlicher Ordnungen ernannt werden ,

und ibre Zuſammenfünfte deswegen an :

fangen ſollten .

Allen dieſen Vorſchriften iſt nun ,

mebr, ſo weit es die Umſtånde erlaubt Şaben , ein Genüge geſchehen ; der .Magiſtrat þat auch kurz auf einander dren Edicte publiciren laßen , die insgeſamt auf den wiederhergeſtellten Ruheſtand , und auf die Crididung aller innerlichen Mißbelligkeiten

und

Streitigkeiten bejiebend geweſen . Das erſtere mard 8 Febr. Kaut abgeſprochenera Decret, zur Publication des Decrets felbft , und der durch daſſelbe der Königlie LIS

1

538

ming

Danzigs Geſchichte.

chen Ordination ertheilten Gefeßlichen Kraft, ime gleichen zum Gebot der allgemeinen Ruhe und Eina tracht in der Stadt verlaurbaret. In dem Zwey , ten wurden vier Wochen ſpåter , alle fich auf die bisherigen Unruhen beziehende verſeprliche Schrif ten , gegen men und unter was für Schein oder Namen ſie auch berauskommen möchten , bey ernſt lider Strafe verboten . Das dritte endlich ſo wier der vier Wochen nacher herausgekommen ift , bat den in dem erſtern Edict enthaltenen Befehl der of feutlichen Ruhe wiederholet,

þat ficky aber Haupt.

fachlich auf dem

kurz vorber erneuerten Tumult der Handwerksgeſellen bezogen , und alle tumultuarta

riche Zuſammenfünfte und Complotte, auf den Here bergen und außer denſelben , bey Leibes - und Lebense ſtrafe unterfaget.

?

Nichts deſto weniger hat es weit gefehlet , daß alle Quellen des Streits und der Zwietracht wåren daß die aus Könige

verſtopfet geweſen , noch auc

} licher Macht und Befehr ausgeglichene Parthenen hätten verſöhnet und völlig zufrieden geſtellet , oder wenigſtens inſoferne beruhigt ſeyn ſollen , um nicht von neuem die abgeſprochenen Urtheile anzufechten , und auf eine Reviſion derſelben zu dringen . Was eigentlich die vom Rath genommenen Scritte ber traf , ro traten dieſelben zwar feinesweges den Kde niglichen Verfügungen entgegen , fie waren auch nicht auf eine Entfråftung der verlautbarten Rechts . Decrete gerichtet; fondern ſie verfolgten nur einen in den Gerichten felbft offen gelaſſenen Weg ,

um

die weiter binaus geſchobenedi Verſchlimmerung der

1

SechſterQib'ſchnitt. Neuntes Kapitel. 539

Sache abzuwenden , oder dieſelbe vielmehr gångs Das Decret des Afeſſorialges lich zu elidiren . richts Hatte nemlich den Vorbehalt und die Erfennt. nis der Strafe gegen den Magiſtrar,

an die Kaa

niglichen Relations - Gerichte verwieſen : es war als daß der *alſo nichrs natürlicher und billiger , Rath allé Müße anwandre ,

fich dieſes mißlichen

'Uebergangs feiner Rechtsſache zu entledigen , und ge Recrudeſcen ; derfelben gegen eine nachtheili fichern . Das Mittel , " po anfangs dazu gewählt wurde , ſchien zwar nicht daswürkſamſte zu ſeyn, * und nur die Freundſchaft fo der Kron . Unterkang ler 'für den Nath hegte , konnte demſelben eine bey .

* råthige Hülfe gewähren .

Dieſer Herr fichichte mit

unverfennbarer Offenherzigkeie das Schreiben des Raths unentſiegelt und unabgegeben zurück , web des an den König durch ihn hatte inſinuirt werden follen ,

worin man ſich aber mehe zur Rechtferti.

gung auf ein ſchuldlofes Betragen berufen , als eine Bitte um Erlaſſung der Strafe Katte einfließen laßen .“ Dem zufolge empfing der Magiſtrat ech 3 ſchriftliches Anrathen des Kanglers , fic in ſeinem

Bittſchreiben an Se. Königliche Majeſtåt folcher · Ausdrücke zu bedienen , womit nicht ſowot eitie ſ@ on durch den

Rechtsgang ercludirte Unſchuld ,

als vielmehr wegen des vergangenen eine aufrichtige Reue, und eine demüthige Bitte wegen des Künf tigen zum

Grunde gelegt wurden .

Judeſſen hat

i dieſes Abolitionisgeſchäft ferner in einen noch feners licher und fowerer

gemacten Weg genommen.

Es iſt ein Königliches Reſeript qus Frauſtadt ein

540

Danzigs Geſchichte

getroffen , vermöge deffender Burgermeiſter Friebe. Renger und der Natósperr Dan. Eilh . Jangan namentlich als Deputirte find verlangt worden, um im Namen des Raths beym Könige Ubbitte thun . Dieſe Deputation ift fo fort abgeſchickt wors den , und der Rathsbeer Janßen hat in einer fub. miſſen Anrede ben öffentlicher Audieng depreciret. ( 7. Juny. ) Hierauf iſt eine völlige Wiederverſiche die noch ins .

rung der Königlichen Gnade erfolget,

befondre durch eine freywillige Benſteuer aus bent Mitteln des Raths ift erkannt worden .

Der Roe

nig hatvermittelſt eines mit dem Kronſiegel befeſtige ten Diploms, den Ratogu Danzig von aller weie teren Belangung und Condemnation in der Rela . tionsgerichten befreyet, und ibn

excigen Zeiten

von dieſer Streitfache abſolpiret .

Zu eben dem

Endzwed und mit gleicher Erklärung ,

Haben Se.

Majeftåt ein Abolitionsreſcript an die Stadt gelar . gen laſſen , worin zugleich eine vollftändige Amnes ſtie geboten ,

und den beyden übrigen Drdnungent

der Stadt iſt anbefohlen worden , den Rath als die erſte Ordnung mit pflichtmäßiger Uçtung in Ehren zu Şalten , und denſelben in der geſeblichen Ausů . bung ſeitter Rechte aufirgend feine Art zu behindern . Nach dieſem glüdlich ausgerichteten Geſchäfte find die Danziger Abgeordneten zu ifrer Abreiſe von Frauſtadt in Gnaden erlaſſen worden , ( 12. July ) und zu gleicher Zeit baben der Bürgermeiſter Wahl und der Rathsherr Schröder ,

die ſich bisher in

Dresden þatten aufhalten müſſen , den mit fide sebabten

nebſt den bey .

Stadtſecretairen , ( dertu

1

Sechſter Abfahnitt. Neuntés Kapitel. 541 cinee abec nach Frauftadt gegangen war , ) die Era taubnis erhalten , ſich ebenfalls nach Danzig zurüd zu begeben . "

Aus einer gang entgegengefekten Abſicht, wa. ren unter der Zeit von der Dritten Ordnung und den ihr Bempflichtenden Bürgerſocietåten , am Kde niglichen Hofe Bewegungen gemacht worden .

Es

hatte ſich gleich nach gefchehener Publication der oben angeführten Decrete , ein empfindliches Miß. vergnügen geäußert;

daß viele von ihnen anges

tlagte Perſonen entweder gar feine Strafe, oder nur gang gelinde Urtheile bekommen hatten , und daß alle Ahndungen gegen die beſchuldigten Mit glieder des Rachs , erſt auf eine nad langer Zeit zu erwartende Eröffnung der Relationsgerichte hit ausgefekt bleiben follten .

Die Dritte Ordnung

ließ demnach durch ihren am Königlichen Sofe zu Dresderu jeßt angeſtellten Geſchäftsführer Joh. Ehrenfr. Boehme ,

benm erſten Miniſter dem

Reichsgrafen von Brühl fomol, als auch dem Könige felbft , die triftigſten Vorſtell