Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverläßigen Quellen und Handschriften [2]

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Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverläßigen Quellen und Handschriften [2]

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ſuch

einer

Geſchichte

Danzigs

zuverläßigen Quellen und Handſchriften.

Don

D. Daniel Grala th.

1

3 wenter

Königsberg ,

Band.

1790.

bey Gottlieb keberecht Hartung.

1

1

SOOMINI

1

Nad trag zum Verzeichnis

der Prånumeranten

und Subſcribenten .

In Berlin. Herr Ober : Conſiſtorialrath D. Ant. Fried. Büſching. In Danzig . Herr I. S. Alberti. Fråul. fi . Ch. von Bagge. Hr. I. Benzmann , Bur: germeiſter. I. 6. Borch Fe. J. C. L. Buſch CG. von Cedernſtolpe. Ed . Sr. von Conradi, ålreſter Burgermetſter und Protoſcholarch. L'ES. Döring. - Pet. Dodenhof, Kathos herr der Redten Stadt. I. G. Eberhard. Dle verroittw . Madame Ens gelke. Die permittw . Frau Raths, herrin von ferber . Hr. Dan. Severabend. 5. J. Fiſcher. - S. 3. Gerhard , Quars tiermeiſter im Hohen Quars tier.

Hr. I. C. Sein . - D. Jon .Seller, E. Ehem . Mintt. Senior und Erſter Paſtor an der Ober.Pfarts kirche zu St. Marien . I. C. Sermann . - Vac. Rabrun jun . Ch. Karth . C. W. G. Raufmann , Gerichtsherr derUltenſtadt. J. G. Rrieger , Predis ger in Reichenberg. E. Zif . RR. den Linderrowes ki, Sr. Königl . Maj. von Preuſſen accreditirter Res fident in Danzig . Ephr. Lindner, Predte ger in der Feſtung Betcha

1. C. Mackenren . S. L. Majewski, Pas ſtor zu St. Peter und Paul, a 2

Hr. 9. Ch. Wanski. I. 5. Martens , Rathss herr der R. St. J. G.Matthiack . IZ. Momber . B. Müller . D. S. Xoſenmeyer . C. F. Schaper . C. Scheer . 8. C. Schmidt , Org. in Siegenort. S.Š.Schneider , Stub. -0. L. Schönbeck . C. 5. Schuls . m . Skepsgard , Capts tain der Artillerie. C. Soermanns. Sim . Don Sokolowss Ei , Ruß. Kayſerl. Colles

glenrath , und in Dangis accreditirter Chargé d'Af faires. Hr. 4. B Skuſa , E. E. Min. Cand. und Oberlebs rer an der teutſchen St. Barbara Schule. 211. Steiff: 1.3 . Stormer. - 3. 6. Taubert. Aug. Terier. I. Turowski. - 6.2. Wagenfeld. - 4. B. Wichers , Quars tiermeiſter im FiſcherQuars tier. 8.6 . Wolf, Gerichtss herr der Rechten Stadt.

Auf Stolzenberg und Neu . Fahrwaſſer bey Danzig. Hr. Picentrath Grünhas gen. Generaldirector Krüger.

Hr. Geo . fr. Xore. Poſtſecretair Xogou . - Licentinſpector Zander,

Bey Mietau in Groß Zezen .

Hr. fr. Freyherr von Sacken .

In Warſchau. ør. I. P. von Solzhauſſer, Königl. Medaillent,

1

: Vorbericht.

3 ur Fortſetung der Danziger Geſchichte, enthält

gegenwärtiger

Abſchnitte,

in

Band

deren erſterem ,

wieder

zwey

unter inner

lichen Staatsrevolutionen , und im zweyten während den Schwediſchen Kriegen , Danzig in ſo intereſſanten

Situationen

erſcheinet,

daß der aufmerkſame Lefer, mit Betrachtung aller darin verwebten Conjuncturen ,

über

Zeugt werden wird , wie ſehr dieſe berühmte den Augen

See- und

Handelsſtadt ,

Europens,

jederzeit als ein erheblicher Ger

in

genſtand politiſcher Theilnahme ſey angeſee hen worden.

VI

Vorbericht Ueber den Hauptplan meines Verſuches

MAI habe ich mich in dem Vorbericht zum erſten Bande zur Genüge erkläret ,

und ich werde

im Verfolg deſſelben keine weſentliche ånderung machen . welche davon in

Ver

Die günſtigen Urtheile, dem

acht und achtzigſten

Bande der allgemeinen deutſchen Biblio thef , und in dem 35ſten Stück der neuen wöchentlichen Nachrichten des Herrn D. Canzler worden ,

in Göttingen haben

mir

1789 , ſind gefällt

zur Fortſekung Muth

eingeſprochen ; und wenn ich gleich die gefál lige Aufnahme des Erſten Theiles , insbeſon dre in meiner Vaterfadt , mehr einem dank wehrten Wolwollen

gegen die

Perſon des

Verfaſſers, als der Bonitåt des Buchs bey zumeſſen geneigt bin , ſo glaube ich doch im mer des lohnreichen Endzwecks nicht zu vers fehlen , den ich mit Erweckung einer concen

VII

Vorbericht. trirten

Kenntnis

der merkwürdigſten

ſchichtsſcenen des Vaterlandes ,

Ges

unter mei

nen Mitbürgern zu befdrdern mir ſchmeichle. Bey der Erzählung der Kriegshåndel,

Schwediſchen

werden Wiſkundige unfehl

bar die dazwiſchen eingetretene und wichtige Veränderung der Landesmünzen

vermiſſen,

die in den Zuſtand Danzigs allerdings einen bedeutenden Einfluß gehabt hat.

Ich wollte

aber die Vorfälle über dieſes Object nicht von einander trennen ,

und da die Materias

lien zum vierten Abſchnitt ſich ſchon zu ſehr gehåuft hatten , ſo werde ich nachſt den übri gen

Folgen

des

merkwürdigſten

Oliviſchen Friedens, Ereignungen der

Preuſſiſchen Münzgeſchichte,

die

Polniſch

in dem fünf

ten Abſchnitt meines Hiſtoriſchen Verſuches, in Verbindung darſtellen , womit ich zugleich ein Verzeichniß aller in Danzig geſchlagenen

a

4

VIII

Vorbericht.

Medaillen und Schaumünzen zu verknüpfen, mir vorbehalte. Wegen mancher ſich oft und unvermuthet entgegenſekender Hinderungen , nicht mehr ,

die Zeit zur Herausgabe

dritten Bandes genau zu deſſen

wage ich es

beſtimmen .

des In:

verſpreche ich mit der Ausarbeitung

deſſelben keinesweges zu ſäumen , und da ich hoffen kann , von dem Quellen ', zuweilen

Zufluß authentiſcher

deren ich zur Ausführung meiner noch

unvollſtändigen Collectaneen

bedarf , nicht verlaſſen zu werden , ich dem Vorſak getreu ,

ſo bleibe

wenn anders Sees

len- und Leibeskräfte ſolches verſtatten wer ben , auch die neueſten Merkwürdigkeiten der Danziger Geſchichte in meinen Entwurf aufa nehmen zu wollen .

Der Verfaſſer.

IX

Inhalt

ded

3 we y ten B

Dritter ' 26

11526

a ndes

dy nitt.

1585 .

Erftes Capitel. Seite Danzig arrangirt ſich in ſeiner erneuerten Civils Berfaſſung --ift bey der neuen Münzverordnung im Lande mitintereſſirt - muß den Verfall einiger alten Beſißungsrechte erdulden bringt aber das Siſcamt Scharpau fåuflich an fich .

34

zweytes Capitel. Danzig wird in Streitigkeiten im Lande und in die Striegshåndel der Nordiſchen Mächte verwickelt nimmt auch Cheil an den Landesprojecten zur Vers beſſerung der Schulen - und bes Juftißweſens . 34 - OL

Drittes Capitel. Die Danziger Schiffahrt leidet nod wihrend dem Nordiſchen Striege - Danzig wird in Preuffen und in Polen , mit Argwobn 'und Nibgunft verfolget. 61

77

X

Inhalt Biertes Capitel.

Seite Danzig nimmt Anſtand dem stånige zu huldigen des St &xige Gegenwart in Danzig låßt einen bers ſern Ausgang der Stadtangelegenheiten hoffen die Proteftantiſche Kirchenreformation wird in Dans 3 3 78 - 109 tig zur Ausführung gebracht. Fünftes Capitel.

Danzig bekommt ein academiſches Gymnaſium- und verbeſſerte Schulanftalten leidet aber unter dem bevorſtehenden Umſturz der Preuſſiſchen Provin: jialfreyheit - und wird durch äußere Striegsgefabs ren in Unruhe und Seldaufwand geſeßt. s § 109

140 ,

Sed ftes Capitel. Neue Störungen der Danziger Seehandlung - Dans zig ſou fich einer Polniſchen Unterſuchangscommiſs fion unterziehen ' - gegen die Commiſſarien wers den die Stadtthore geſchloffen - und Danzig will foldies mit einer Geſan dtſchaft an den stönig 2 141 entſchuldigen .

ini

Siebentes Capitel .

Das Decret ju Lublin befeſtigt die union der Pros vinz Preuſſen mit dem Polniſchen Reichskörper die Danziger Abgeordneten werden in die Gefans genſchaft geführet - und eine neue Commiſſion nach Danzig geſchidet - der Reichstag ratificirt, die in Danzig vermöge der Starnkowiſchen Conftis tutionen gemachte Reforme eine Deputation aus Danzig muß öffentlich Atbitte thun - beßre Ausrichtung eines neuen Abgeſchidten aus Dans sig - Danzig bålt feft an der Verweigerung der S $ 3 172 - 199 neuen Reforme. Adtes Capitel. Danzig leidet Seeſchaden von Dånentark - Sigism . Augufto Privilegien und wohlthåtige Verfügungen

t (

des zweyten Bandes .

Seite in Danzig - tirchenhandel und Zwifte unter den 5 200 - 216 lutheriſchen Predigern in Danzig. Neuntes Capitel. Danzig vergleicht ſich mit der Strone Dänemark in Polen erfolgen zwey unruhige zwiſchenregierun: Danzig proteſtirt gegen die gen auf einander Unterwerfung der Provinz Preuſſen an den Stönig 5 3 Stephan Satori. 217 - 236 zehntes Capitel. Junere Miſhelligkeiten in Danzig vergrößern das uns gemach wegen der jmieſpaltigen Stönigswahl Danzig verſagt die Huldigung - wofür der stos nig ein Achtsdecret abſprechen läßt, und in die Stadts lånberenen einrüdet - ein obhandener Vergleid wird jernichtet - die Danziger Abgeordneten bes kommen barten Arreſt doch werden noch unters 3 handlungen gepflogen . 237

258

Eilftes Capitel. Striegeriſche Vertherdigungsanſtalten -- ftarke Ers klärung des stönigs – und lebte Reſolution in Danzig - das Achtsdecret wird publiciret , und die Feindſeligkeiten nehmen den Anfang - Dans siger Niederlage bey Lübeſchau - Wiedereröfnung fruchtloſer Ausgang der Friedensconferenzen 5 259 derſelben . z w i1ftes Capitel. und belagert die Stadt Dangig König Stephan noch heftiger die Feftung Weichrelmünde - 10 felbft ein bißiges Gefechte vorfáut - die Danziger verſenken mit Däniſcher Hülfe den Elbinger Has fen neue Verſuche zur Friedensvermittelung welche endlich durch deutſche Fürftengefandtſchaften jum Ziel kommt Danzig thut fenerlich Abbits te – und erhält günſtige Vergleichepunkte. 287 Dreyzehntes Capitel . Danzig huldigt dem Stonige - die Commiffionsface bleibt ausgeftellt - Danzig fucht ſich der Kinde

309

XII

Inhalt

Seite 1 rungen ſeiner Commerzfreybeit zu entſchlagen Finanz- und Policeyeinrichtungen in Danzig die Commiſſionsſache wird durch den Pfalgeld 8s 3 310 - 336 tractat ausgeglichen .

Vierter Abfơnitt. 1585

1660 .

Erftes Capitel. Erſte stirchenftreitigkeiten zwiſchen den Lutheranern und Reformirt.n in Danzig - Sigismund der Erbprinz von Schweden , kommt als neugewählter s 341 Stönig von Polen , nach Danzig .

358

3 weytes Capitel . Swiftvolle Anſprůdhe der Preuffiſchen Biſchöfe auf die Pfarrkirchen der Großen Städte - Unglücklicher Volkstumult in Danzig während der Anweſenheit des Königs - Erneuerter Streit der Proteftanti: 359 fchen Stirchengemeinden

376

Drittes Capitel.

Danzigs Betragen beym Verfall der Hanſeatiſchen Commerzfreyheit in England - das Danziger Beſaßungsrecht wird beſtätiget - erſter Ausbruch des Schwediſchen Strieges mit Polen - Eintrachts: band der Großen Städte in Preuſſen . 377

398

Viertes Capitel. Wieber ausgebrochene Miſhelligkeiten in Danzig mit den Reformirten Glaubensgenoſſen - Streit mit dem Cujaviſchen Biſchofe wegen des Brigittiner: Nonnenklofters - Pápftliches Privilegium der Danziger - Danzigs Vergleich mit der Englis 399 ſchen Handlungsgeſellſchaft.

412

Fünft : 8 Capitel. Interhandlungen Danzigs mit dem Sdnige von Schwes Sdywediſcher Strieg is ben Guftav Adolph

jut

des zweyten Bandes .

Seite Preuſſen - Danzig wird im Schwediſchen Lager Schwediſcher Waffen : für feindlich erklåret filfand mit Polen – Danzigs Separatvergleich 5 mit der Strone Schweden. 413 Sechſtes Capitel. Danzigs nachtheilige Lage während dem Stilftans innere Verfaſſung des Civil- und Kirchens de refens - Offentliche Gebäude und Stiftungen in 3 Danzig. 441-453

Siebentes Capitel. Mneinigkeit zwiſchen dem Preuffiſchen Adel und den Städten . eröfnete Friedensvermittelung mit vertångerfer Stillſtand zu Stums Schweden dorf der König von Polen legt Preuſſiſche Seer zilean. wogegen Danzig Widerfiand leiſtet und mit Beyftand Däniſder Striegsſchiffe ſeinen Hafen befreyer. 454

479

Adotes Capitel. Im Streit wegen des Seejolls werden Dansig # Red ): te angefodyten – und einige magiftratsperſonen des Hochverraths beſchuldigt - antatt des Seejou wird die Danziger Zulage in Anſpruch genoms men - Danzigs Vergleich mit einer Königlichen der auf dem Reichstage nicht ges Commiſſion nehmiget wird - erneuerte Zwiftigkeiten der Groſs ſen Stådte mit dem Adel und unter einander. 479

SOL

Neuntes Capitel. Die Biſchöfliche Stirchenanſprüche in Preuffen were Danzigs ſchwerer Proceß mit den fortgeſeßet ben Jeſuiten -- Seitenblick auf das Religionsges widrige Folgen deſſelben ſpråch ju Thorn Hauptumfände des. Janikowskiſchen Privilegiens s bandels. 502

zehntes Capitel. Sriedensgeſchäfte mit Schweden -werrätheriſche mods Anſchlage des commendanten in Danzig

516

XIV

gnhalt des zweyten Bandes.

Seite mals ausgebrochener unfrieden zwiſchen den stirs chengemeinden in Danzig - Complanation am Königlichen Hofe - Policeyverbeerungen aufs 3 gehobene Hofhaltung im Artushofe. 517 Eilftes Capitel . Friebensbruch unter Carl Guftav dem neuen Stönige von Schweden - Schwediſche Striegsprogreſſen in Preuffen - feindliche Verſuche wider Danzig und Ueberwältigung der Weichſelſchanzen - Danziger Negociation wegen Holländiſcher Striegshülfe Holländiſche und Däniſche Flotten beſchüten die Danziger Seehandlung Danzig nimmt einen Schwediſchen Feldmarſchall gefangen – vortheits hafte Veränderung des Krieges für den stönig von Polen - Streifereyen und Scharmügel im Lande. 541-580 3w8Ifte 8 Capitel. Des Königs Johann Caſimir Willfährigkeit gegen Danzig auf den Reichstagen - Schwediſche Striegss Operationen und Brandſchaßung in den Danziger Lånderepen - Abnahme der Schwediſchen Progreſ: fen Danzig erobert die Schanze am Weichſels haupt hofnungsvolle Erneuerung der Friedens: geſchäfte - Oliviſcher Friedensſchluß SU Abreiſe 580 des Spönigs nach Warſchau .

$

603

Der

Geſchichte

Dritter

Danzigs 1 !

Abſchnitt.

Danzig unter der Herrſchaft der Könige von Polen ,

in

Verknüpfung mit der

Provinz Preuſſen , ſeit den neuen Statuten unter Sigismund I , bis auf den errichteten Pfahlgelds - Tractat unter Stephan Batori.

1526

bis

158 5 .

Schriften ſo zur Geſchichte dieſes Zeitraums vor: züglich genußt worden .

Gedruďte Bücher : D. Gottfr. Lengnich Geſchichte der Preußiſchen Lande Königl . Polniſchen Antheils , I. II. und IIIter Band von 1526 bis 1586. Danzig 1722 = 1724 . Dav . Chytråus Continuation der Schüßiſchen Beſchreis bung der Lande Preuſſen ; oder der Chronic 11. 12. und 13tes Buch , nebſt George Knoffs Beſchreibung des Danziger Krieges vom I. 1577. Eisleben 1599 . Geſch . Danz . 2ter Th .

Q

.

B

Danzigs Geſchichte. Wahrhaftiger Beſchreibungen der Preußiſchen Geſchichte 2tes Buch vom Königl. Inſtigator Nlich. Friedewald . Hill Krakau 1578. Nic. Schulz defenfio contra calumnias Fridewaldi.

Mag

deb . 1593. Jo. Laſitii Danziger Niederlage 1577. verteutſcht durch Leonh. Thurneyſer. Kinigsb. 1579. Jura ſeu Privilegia municipalia terrarum Pruſſiae. Dant.

1.22 1578. Dav . Braun Bericht vom Polniſchen und Preußiſchen

Münzweſen . Elbing 1722. Gedanken vom Münzweſen , unter den Kreuzrittern in Preuſſen ( von Daniel Hufland. ) Dang. 1768. Chr. Sartknoch Preußiſche Kirchenhiſtorie ac. Hiſtoriſcher Auszug von Veränderung der Religion in

15

Danzig 1651. Joan . de Temporibus ( Adr. Engelke ) Erläuterung des hiſtoriſchen Auszugs. 1652. X. Curide Beſchreibung der Stadt Danzig 2 . ( m. C. Sanod ) von der Preußiſchen Münze unter den Kreuzherren ( in der Preußiſchen Sammlung II . und

+

IIItem Bande. ) M. C. Hanovii merita Protoſcholarcharum et Protobi bliothecariorum Gymnaſii Gedanenſis ( in Actis Jubi laei de A. 1758. )

1

INSU

Ephr. Praetorii Athenae Gedanenſes. Lipf. 1713 . Ej. Danziger Lehrer Gedächtniß. Danzig und Leipzig 1760 . Sam . Fr. Willenberg Diff, de unionis, qua Poloniae jun

gitur Pruſſia , indole.

Ged . 1727 .

Declaratio ordinum civitatis Gedanenſis, quibus de cau ſis cum Rege Stephano in controverſiam protracti fint. Ged. 1577 cum Appendice dictae Declarationis ,

Dieſelbe Declaration in teutſcher Sprache.

1 AL

Dritter Åbichnitt. 3 Joach . Guil. Weickhmann gratulatio ad Patruum , quá fimul disquiritur , utrum fan & tiones Karnkovianae una quam Gedani yim legis habuerint. Wittemb . 1762. Deſcription abrégée de la Ville de Thorn dans le Calen drier politique de Varſovie pour l'année 1782 . Stan . Orichovii Annalium Libb. VI. ap. Dlugoffum ex edit. Lipf. Sal. Neugebaueri hiſtoriae rerum Polonicarum Libb. IX . Han . 1618. Bernh. Vapovii Fragmentum , Cromero in Edit. Colon , adjectum , Jo. Dem . Sulicovii Comment , rerum Polonicarum a morte Sig. Aug. Dant. 1647 . Ej. Vita Sigism . Auguſti ap. H. Kirchnerum in curricu lis Impp .

Epiſtolae Virorum illuſtrium Tom. II. edit. Lipf. Dlug: adjectae. Sigism. Auguſti Pol. Reg. Epiſtolae , legat, & reſponſa ex rec . Menckenii. Lipf. 1703. Joach. Paftorii Florus Polonicus. 1679. Ej. Hift. Polona plenior . , Dant. 1685. Reink . Heidenftein Rerum Polonicarum ab exceffu Si gism. Aug. Lib. XII. Francof. 1672. A. M. Fredro Geſta populi Poloni fub Henrico Valefio . Dant. 1652. Tractatus Portorii cum Commentario Lengnichiano. D. £. Wagner Geſchichte von Polen , it. von Preuſſent,

it. von Dänemark , it. von Schweden ; nach Guthrie und Gray Weltgeſchichte. 3. P. Willebrandt Hanfiſche Chronic. Lübeck 1748 . J. A. Thuani hiſt . ſui temporis Lib . XIIV . ad a. 1568 ſ.

bandſchriften : 'J. E. von der Linde Jus Publicum Gedanenfe. El. Conft. v. Trewen Schroeder R. P. , Secr. Jus Publ. Dan riſcanum .

A

Danzigs Geſchichte. 4

Zug. Willenbrod Auszug etlicher Geſchichten aus der Danziger Chronica bis 1578. Mich . Behme von Behmenfeld ( Cof. Ged ) Tractat vom Münzweſen in Polen und Preuſſen . 1672. 3. C. Fiſchers Zeitbuch der Stadt Danzig. 1674. Stenz. Dornbach geheime Schriften und Receffe von

w 111

1561 bis 1578 . "Jac. Weſthof Excerpta ex Receſſibus Ordd. Civit. Gedan .

1545-1670 , Caſp. Schützii de Commiff. Gedan . negotio Libb. III. 1578. Ej. Dialogus de bello Gedan . cum R. Stephano . 1577. 1

Erſtes

Capitel.

Neue Repartitionen in der bürgerlichen Verfaſſung Dans zigs - Danzig ſieht ſeine Anſprüche auf Lauenburg und Bütow verfallen - das Thorner Stapelrecht wird auf: gehoben - Danzigs Befißungsrecht eines Grundſtücks auf Schonen wird ſtreitig gemacht – Danzigs Theils, nahme an den zwiſtigen Geſchäften wegen der Landesa múnje -- Danzig bemühet fich fruchtlos , das Pußiger Gebiet an ſich zu bringen - erkauft aber das Eigenthum über die Scharpau.

ie ftatutariſchen Vorſchriften , Die

womit König

Sigismund die firchlichen und bürgerlichen Zwi. ftigkeiten in Danzig auseinandergeſekt hatte, kön . nen in vieler Abſicht zugleid, als eine Richtſonur erneuerter Regiments - und Policeyderfaſſung hie. ſelbſt angeſehen werden .

Nachſt dem Rath , und

dem Rechtſtådtſchen Schöppengečichte a) , welches a ) Die Rechtſtadtſchen Gerichtsherren find anfänglich Deles girte des Raths geweſen , und der erſte unter dieſen Rathss berren , der das Directorium geführt hat , ift Schultheif

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

5

als ein urſprünglich ausgegangenes Mitglied des Raths , von jeher an den öffentlichen Berathſchla. gungen Antheil gehabt hatte , war nunmeßr aus einer beſtimmten Anzahl Bürger noch eine dritte |

Ordnung feſtgeſekt worden, um in den Angelegen, heiten der Stadt gerekmåßig und mit unwandelba rem Rechte zu den gemeinen Rathſchlagen hinzu : gezogen zu werden.

Die Einwählung der hundert

hiezu berechtigten Perſonen aus der Bürgerſchaft, ( welde deshalb auch Hundertmånner genannt wera den , ) bezog ſich zugleich auf eine neue Eintheilung der Rechten Stadt in vier Duartiere , dem

die unter

Namen des Koggen - Quartiers , des Hohen.

Quartiers , des Breiten , und des Fiſqer - Duar. tiers bekannt wurden ,

und welche unfehlbar von

einigen Chören als Scheidungspläßen dieſer Stadt. Diſtrikte dergeſtalt ſind benannt worden .

Aus je.

dem gedachter Quartiere ſollte der Rath eine gleiche Anzahl Bürger ,

nebſt den Helterleuten der pięp

oder Richter genannt worden , wie ſolches auch nach Lubis ſchen Rechten und Gewohnheiten üblich iſt. Seit Ablauf des vierzehnten Jahrhunderts tsat man eigengeſeffene Schops pen oder Gerichtsherren erwählet, deren Anzahl vorerſt klein und ungleich geweſen , bis ſie zuleßt auf ein Collegium von zwolf Perſonen iſt gebracht worden . Indeſſen iſt der Rich ter , d . i. derjenige Rathsherr , welcher das richterliche Amt führet , noch immer Chef von dieſem Gerichtscollegium ; denn er hat die erequirende Macht, und bringt alle deſſen Rechtsurtheile zur Vollziehung. Auch bey den gewóbulis chen Gerichtsſitzungen , wo der Richter zwar nie gegenwärs tig iſt , wird dennoch ſeine Perſon in allen vorkommender Rechtsgeſchäften vom Conſenior des Gerichts repräſentiret, von der Linde Jus publ. Gedan . Part, I, Sec . II,

3

6

Danzigs Geſchichte.

Hauptgewerke zu erwählen befugt fenn b ), und jego liches derſelben bekam vier ernannte Quartiermeie fter , denen das Directorium und die innere Auf licht über ein ruhiges und regelmäßiges Verfahren ben den Zuſammenkünften zu Rathhauſe zukome Noch aber blieb dem Weltermann des men ſollte. Schöppengerichts das von Alters her eingeführte

10 7

Recột vorbehalten , im Namen der beyden unteren Ordnungen und der geſammten Bürgerſchaft, vor dem Rathscollegium das Wort zu führen , indem b) In den Curialreceffen ſpäterer Zeiten geſchieht nicht ſelter eines Anſpruchs der Hauptgewerke auf den fünften Tiſch, oder auf die fünfte Stimme , wie es genannt worden , Er: wähnung. Die Meinungen hievon find nie ei nſtimmig gęs weſen , und wenigftens ifts ſchwer , barin zu entſcheiden, Es wird damit geſagt, ,, daß den Gewerken , neben den ,, vier Quartieren der Bürgerſchaft, ein eigues Collegiats Votum zukomme, wie es vor Alters geweſeu . " Daß die Gewerkę zwar unter des Ordens Regierung und noch ſpå: ter , in Angelegenheiten der Stadt eigene Stimmen gehabt haben , iſt nicht zu leugnen . Aber damals hat die Einthei: Yung der Bürgerſchaft in Quartiere noch nicht Statt gefuns. den. Der Inhalt der Statuten yom J. 1526 , worin gea gedachte Eintheilung mit der neuen Regierungsreforme aller: erft beſtimmt wird , macht keinen kleren unterſchied eines fünften Quartiers oder Tiſches der Gewerke ; nur in der Königlichen Erklärung auf die 48fte Bürgerbitte vom J. 1552 und in den Verordnungen vom J, 1570 wird namentlich darauf hingejielet. Indeffen läßt fich kein unbezweifeltec und conftitutionsmäßiger Gebrauch davon erweislich mas chen. Defters find durch den Präſidenten oder durch Depu: tirte des Raths , die Hauptgewerke zur gemeinſchaftlichen Mitftimmung beteitet worden ; nur in unruhigen Zeiten fins det man die Trennungen und das Beſtreben nach dem fünf ten Tiſche erneuert ; mit ſpåtern Verfügungen aber iſt noch dienlicher allen daraus beſorglichen Differenzen geſteuert worden.

1

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

?

es erſt ſpåterhin üblich geworden iſt, die von den Quartiermeiſtern ſchriftlich abgefaßten Vortråge, in Gegenwart fåmmtlicher dren Ordnungen , dem Rath einzubringen , und durch einen Secretair der Stadt öffentlich vorleſen zu laſſen.

Aus einem

hievon unterſchiedenen und mehr aufs Policeywe. fen abzweckenden Grunde, fcheinet um dieſelbe Zeit auch eine andre Eintheilung der geſammten Bürger und Einwohner Danzigs, nach beſtiinmten Rotten aufgekommen zu ſeyn : vermuthlich þat man damit eine genauere Notiz von der Anzahl und den Wohs uungen der anſäſſigen Einwohner ſo wohl, als von dem Aufenthalt der Fremden und nenen Uukomms linge in der Stadt ,

zu erlangen geſucht ; und

gleichwie ſich von den Rottmeiſtern , die ben jeder Rotte angeſeßt wurden , die Verzeichniſſe der ſtåda tiſchen Einſaſſen nach iþren Wohnungsquartieren nun viel bequemer haben aufnehmen laſſen ; ſo ift auch die Abforderung und Anſage der Scharwer fen , der Real- und Perſonalabgaben , und andes rer bürgerlichen

Verpflichtungen ,

wenig erleichtere morden .

dadurch nicht

In einiger Verbindung

piemit ſtehet noch eine dritte und zwar militairiſche Repartition

der Bürgerſchaft Danzigs.

find ſchon ,

laut hiſtoriſchen Nachrichten früßerer

Zwar

Zeiten, bey åußerer Kriegsgefahr ſo wohl als wenn auſſerordentliche Vorfälle folches nothwendig ge. macht Gaben , die Danziger Bürger in Wachen und Baffen gefeßt worden ; es war ſolches auc den teutſchen Stadteinrichtungen vollkommen gee måß, und unter der Regierung des Ordens hatter 44 .

1

8

Danzigs Gefchichte.

die Hochmeiſter mehr denn eine geſebliche Veran ſtaltung zur Waffenübung der Bürger getroffen : aber nichts deſtoweniger

ſcheinet

die diesjährige

Reforme in der Stadtregierung eine ſich näher dar auf beziehende Veränderung hierin veranlaſſet ju haben ,

wobey man ſchon jeßt oder erſt ſpåterhin

auf die obige Abtheilung der vier Quartiere in der Jedes der Stadt fein Augenmerk gerichtet hat. Bürgerregi ment, felben iſt nemlich als ein eignes mit darin begriffenen zwölf Compagnien oder Bür gerfahnen betrachtet ,

und nach einer beſtimmten

Differenz der Fahnenfarbe, dem Koggen - Quartier der Namen des rothen Regiments , dem Hoben Quartier des weißen , dem Breiten- Quartier des blauen , und dem Fiſder - Quartier des crangegel ben Regiments zuertheilt worden.

Zu den Char

gen der Hauptleute und der übrigen Subalterns Dfficiers bey den acht und vierzig ſolchergeſtalt er. richteten Compagnien hat man immer die erfahren . ften Bürger ,

größtentheils aus den Mitgliedern

der dritten Ordnung , zu ernennen geſucht;

vier

Herren des Raths , die ſonſt auch für die Policey einrichtung der Stadt Quartierherren genannt were den , ſind gedachten Regimentern als Oberſten vor geſeket, und eben ſo viele aus den Mitteln des Ges richts oder der

zweyten

Ordnung vertreten die

Stelle der Obriſtlieutenants ; das Oberdirectorium aber über den geſammten bürgerlichen Kriegsetat wird einem der Herren Bürgermeiſter unter dem Namen des Oberwachberrn übertragen .

Das wea

ſentlige dieſer Einrichtung iſt frågen Urſprungs im

*

84

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

9

16ten Jahrhundert , hat aber mit verſchiedenen darin erfolgten Veränderungen , bis auf gegen. wärtige Zeit , ſeine Fortdauer ; denn ſpåterhin ge. machte Reviſionen haben die Wachordnung der Stodt Danzig nur genauer auseinander geſeket, und durch neue den Umſtänden der Zeit nach ver. ånderte Reglements , mit mehreren Zuſaßen erwei tert. Indeſſen würde es uns von unſerm End. zweck zu weit ableiten , wenn wir theils die Vor. (chriften zur innern Kriegsdiſciplin , theils die Vers ſammlungs - oder Paradeplåße der Danziger Bür gerſchaft ,

theils auch die Art der Verknüpfung,

nac welcher die

Altſtadtſchen Bürger ſowol als

auch alle innerhalb den Mauern wohnhafte Ein faſſen der Vorſtådte, unter obgedachten vier Res gimentern mit begriffen ſind , ſchreiben wollten .

umſtändlicher be

Es läßt ſich nur noch mit we.

nigem hier anmerken , daß neuerer Zeiten auch in den Auſſenwerken , oder aus den Einſaſſen die zwi ſoben den Stadtmauern und den äußern Thören der Stadt wohnen ,

einige Bürgerfahnen unter

dem Namen eines grünen Regimento find erricytet worden ; daß fich ferner in der Stadt felbſt ein fore mirtes Corps von Bürger - Artilleriſten oder Schů . Ben befindet,

und daß endlid, wenn Noth und

Umſtånde folches erfordern , noch eine junge Mann. fcbaft von Handlungsbeſliſſenen ſo wol als von Handwerksgeſellen zuſammen gebracht wird, deren aber bey ruhigen Zeiten gewöhnlich nur drey Com. pagnien von

Handlungsgeſellen geführt werden,

und woben man die Officiersſtellen mit einigen der s

IO

Danzigs Geſchichte.

angeſehenſten Bürger aus der

Kaufmannſchaft,

unter der Aufſicht zweyer dazu verordneten Raths . Herren , beſeget. Eine genauere Erörterung in unſerer Stadtges fdichte verdienen allerdings die merkwürdigen Fol gen der Staatsgeſchäfte ,

welche König

Sigis

mund bey ſeiner diesjährigen Anweſenheit in Dan zig ,

in Bezug

macht hatte.

auf die Landesverknüpfung abge Die engen Verwandſchaftsbande

und das Einverſtändniß mit den Herzogen George und

Barnim

von

Schweſterſöhnen ,

Pommern als

Königlichen

brachten einen Lehnsvergleich

1926.. über die Herrſchaften Lauenburg und Bütow zu 3. May Stande , der feine Hoffnung zurück ließ , Danzigs darauf gegründeten Anſprüchen jemals wieder ge reqit zu werden.

Oft genung hatte man zwar ſeit

Beendigung des großen Krieges , von Seiten der Stadt und der Landesſtånde, die Forderungen des Halb wiederholet ; Die

aliein ſchon im J. 1505 , als

ſeiner Schweſter, der Prinzeſſin Anna , zurückbe. hielt , glaubte ihr neuer Gemahl , Herzog Bogis. lav , dafür ſeinen Beſig in gedachten Pommerelli fchen Herrſchaften befeſtigen zu können ;

und als

nunmehr deſſen Sdýne fich ihrer Anſprüche auf die mütterliche Mitgabe von 14000 Ducaten gånzlich

VA begaben ,

ſo wurde ,

ohne nåþeres Anſuchen in

0 Preuſſen , ein Vertragsgeſchäfte vollzogen , fraft deſſen K. Sigismund die Herrſchaften Lauenburg und Bütow den Herzogen von Pommern vollends als erbliche Mannlegne von Polen verliege.

In

1 VU

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

II

ber That iſt mit Abſonderung dieſer Pommerellia fchen Landesſtúde ein Hauptartikel des Uebergabe. vergleichs ,

nemlich das Land Preuſſen in ſeinen

alten Grenzen zu erhalten , verlegt worden , aber auchy Danzig insbeſondre hat dadurc den Ausfall ei: ner vielfältig erneuerten Königlichen Zuſage erlitten. Spåterhin zwar ſind nach Abgang des Herzog'. Pommerſchen Mannsſtammes iin J. 1637 dieſe urſprünglich zu Pommerellen gehdrige Herrſoaften an die Krone Polen zurück gefallen ; allein nur zwanzig Jahre darauf hat man ſie aufs neue dem Churhauſe Brandenburg als ein freyes lehn über tragen , und ſie ſind endlich gleichſam durch Con ſolidation , vermöge des Warſchauer Tractats vom J. 1773 ,

dem Könige von Preuſſen mit völli:

ger Souverainitåt und Unabhängigkeit abgetreten worden. Ein weites Feld zu Streitigkeiten und Wider ſprüchen hatte ferner die in Danzig abgefaßte Lan. desordnung eröfnet.

Man piele dieſelbe ſchon des.

Halb der Staatsverfaſſung entgegen ,

weil

ohne

Zuziehung der Städte , bloß der Adel die Publis cation der darin enthaltenen Verfügungen genega migt þatte ; aber was noch bedeutender war , lo wurden die Gerechtſamen der Stådte und ihrer Bürger ,

durch einige darin befindliche Artikel,

ausdrücklich verleßet.

Ob nun gleich ohne Wider.

rede auch unterſchiedene Punkte auf die Wohlfahrt des Landes abzwedten , und Heilſame Vorſ @ riften enthielten , wodurch manche bisher vernachläßigte Staatsmaterien in Drdnung gebracht wurden ; To

12

Danzigs Geſchichte.

Haben ſich die großen Stådte doch nicht eher dar über zufrieden gegeben , bis die controverſen Artis fel dieſer Landesverordnung eilf Jahre ſpåter eine mit den Rechten und Prårogativen der Stådte näher übereinſtimmende Abänderung oder Erläutes rung bekommen haben .

Bis dahin aber find noch

viele Landtage gehalten , ehe man ſich über die Are

W

und Weiſe einer ſolchen Reviſion hat einigen kön nen ,

und es traten auch mehrere Landesgeſchäfte

dazwiſchen ,

welche felten ruhig auseinander geo

reget, ſondern größtentheils unter differenten Meie nungen von einer Zeit zur andern find ausgeſtellt worden . Die Thorner Stapelgerechtigkeit ward als eine der nåchſten Streitſachen weiter in Bewegung ges

1 !1

bracht. Danzig hatte ſich ſchon ehedem deutlich darüber erklåret, und was die Einſaſſen der Krone Polen betraf, macht , ren fenn.

zu

ſo hielten dieſelben es für ausge.

einer

Produkten

ungepemmten

Fahrt

auf der Weichſel

mit ih.

berechtigt

zu

Wůrklich hatte König Sigismund das im

F. 1505 zu Radom darinnen abgeſprochene Ur. theil durch ein in Danzig gegebenes Decret aufs neue befräftiget,

und dem Polniſchen Adel fowol

als der Geiſtlichkeit die Befugniß verliehen , ihre. Maturalgüter ,

die

Weichſel herunter ,

ungehin.

dert bis nach Danzig zu ſchiffen ; nur was die Kaufmannsgüter und die Waaren der Stådte beo traf,

ſo ſollte wegen verlangter genauern Unter .

ſuchung der Sache, die Entſcheidung darüber erſt auf dem nådſten Reichstage erfolgen .

Allein auch

7

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

13

dieſer brachte für die Thorner nichts beruhigendes mit rich : weder ihre Beziehung auf die erworbenen Privilegien , und auf die Jllegalitat der auswärti. gen Rechtsſprüche , noch audy die beypflichtenden Vorſtellungen der Preuſſiſchen Landſtånde, konn ten ein abermals zu Krakau abgeſprochenes Decret 1527 abwenden ,

wodurch vielmehr nicht der Adel und

die Geiſtlichkeit allein , ſondern nun auch die Polnt ſchen Städte die Frenheit bekamen ,

ihre Güter

ungehindert die Weichſel herab nad Danzig zu führen.

Dergeſtalt blieb der Stadt Thorn nichts

weiter übrig , als das Andenken ihrer Gerechtſame durch eine Proteſtation zu bewahren , und ſo viel es

ſich

Rechts

thun ließe ,

den ferneren Beyſtand des

im Vaterlande zu erbeiſchen.

geſchahe ſogleich Elbing ;

Solches

auf dem nächſten Landtage zu

die Stände zogen auch das Anſuchen

der Thorner in nåħere Erwägung , und es wurde ein Soluß abgefaſſet, den König ſchriftlich um ihre Reftitution zur ungeſtörten Ausübung der Nies derlagegerechtigkeit anzutreten .

Nur die Danzi.

ger Abgeordneten þatten hierin einzuwilliger , ' von ibren Mitobern keine Befehle , und unerachtet man von Danziger Seite ,

den Thornern eine andere

> weitige Vergütung auszuwürfen willfährig bereit war , fo ftritt doch iþr pråtendirtes Stapelrecht gar zu ſehr mit den Vortheilen der Danziger Handlung , es ward auch mindeſtens nicht algemein dem Nu Ben des Landes erſpriestich gehalten , daß alſo die Danziger i

erſuchten ,

dagegen den König

noch insbeſondre

es beym endlichen Beſcheide des Kra

A 1

.

1

Danzigs Geſchichte.

14

In fpå:

kauer Decrets darin bewenden zu laſſen . teren Jahren

iſt

doch

einigermaaßen für

eine

Schadloshaltung der Stadt Thorn geſorgt wor* den : ſie hat im J. 1532 ein Königliches Decret erhalten ,

kraft deſſen alle die Weichſel þinaufges

hende Kaufinannswaaren daſelbſt anlegen ſollten ; im J. 1543 iſt ihr ein Privilegium ertheilt, und öffentlid, im Lande befannt gemacht worden , daß alle von Danzig und andern Dertern der Provinz Preuſſen

nach

Groß - Polen reiſende Fuhrleute ,

ihren Weg über Thorn zu nehmen , gehalten ſeyn follten ; auch in I. 1552 hat König Sigismund Auguſt das Verſprechen zu einem Freybeitsrechte erneuert , daß alle zwiſchen Polen und Preuſſen auf- oder abwärts geführten Commerzgüter , dren Tage lang in Tjorn zum Stapel aufgelegt werden follten ; weil aber dieſes Privilegium keine Beſtåti gung auf dem Reichstage bat belommen können , fo iſt auch niemals ein legaler Gebrauch davon ge. Indeſſen Kat Thorn unter man.

macht worden .

cherlen Begünſtigungen des nachbarlichen Getreis deñandels , und durch den Gebrauch des Dan ziger Seehafens , eines

noch geraume Zeit

vortheilgaften Commerzverkehrs

þindurch zu genie .

ßen gehabt. Ein anderer Reqyteſtreit , fchen

der aus Hanſeati.

Verbindungen Şerrührte,

Beſigung

eines Landesbezirks

und

wegen der

oder einer Vitte

bey Falſterbo auf Schonen gelegen , mit der Stadt Lübeck entſtanden war ,

ſollte in dieſer Zeit von

Danzig für ſich und im Namen mehrerer Preuſa

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

fiſchen Hanſeſtådte ausgeführt werden. Zeiten hatte ,

15

In alten

laut den darüber befindlichen Ur

kunden ) vom J. 1370 , Danzig nebſt den Preuſ. fiſchen Hanſeſtadten Culm , Thorn , Elbing , Kó. nigsberg und Braunsberg ,

gedachte Vitte vom

Könige Waldemar III. für fünføundert Angrie ſche Gulden an fich gekauft, auch alle damit ver . knüpfte Gerechtſamen erlanget ,

welche den Eig.

nern nach Hanſeatiſchem Bundesrechte insbeſon. dre die nicht geringen Freyheiten gaben, ihre Vogte und eigne Gerichte daſelbſt zu beſtellen , mern und Kramlåden zu errichten ,

Packam

Handwerker

und Profeſſioniſten anzuſeßen , auch Waarenver. tauf und Gewerbe nach Gefallen daſelbſt zu regus liren .

Anderthalbhundert Jahre lang hatten die

Preuſſiſchen Städte, vornehmlich Danzig , einen ruhigen Beſie darauf ausgeübet , als Lübeck , wel. des ebendaſelbſt einen angrenzenden Landesbezirk in Poffeffion hatte , einen Grenzſtreit erregte , und c) JA Lengnichs Preuffiſcher Geſchichte , iſtem Bande , Doc. 12. 13. zur Erhaltung des Landes ſowol, als des Compagniehauſes auf Schonen, hat Danzig bis in die neues ren Zeiten , theils Grenzſtellungen und Reparaturen ges macht, theils auch für Untervogte und Prediger bey der dortigen Kirche geforget , und noch ime J. 1652 findet man, daß zu einer Grenzberichtigung ſowol als zur Freyheit der Heringsfiſcheren ſehr fleißige Anſtalten ſind getroffen wor : den. Das Danziger Grenzland hat in der Långe 1650 Schuh und in der Breite 410 Schuh gehalten ;' das Compagnies haus ift 70 Schuh lang und 30 Schuh breit geweſen , und über der Hausthür bat das Danziger Wapen im weiffer Stein ausgehauen geſtanden. Auch auf Seeland beym Dorfe Dracken bat Danzig ein ſolches Compagniehaus ges habt , welches aber ſchon viel früher eingegangen iſt.

Danzigs Geſchichte.

16

ber mit Anſprüchen auf einen großen Theil der Preuf fifoen Vitte hervorrückte.

Dren Jahre nachein ,.

ander hatte man ſeit 1524 fruchtloſe Unterhand. lungen darüber gepflogen, ohnerachtet König Chri. ftian II. von Dänemark den Preuſſen ſchon ein. mal als Vermittler das Recht zugeſprochen hatte, auch ſein Nachfolger Friedrich alle Mühe an. wandte ,

die Differenz in der Güte beyzulegen .

1527. Legterer aber wurde nunmehr von beyden Theilen

förmlich zum Schiedsrichter erbethen , und König Sigismund von Polen empfaḥl es ihm inſtan digſt, das Recht ſeiner Preuſſiſchen Unterthanen Jndeſſen ſind nicht nur die Termine zu ſchüßen . zur Zuſammenfunft noch eine Zeitlang verlegt wor . den , ſondern man hat auch in der Folge verſchie . dene Zweifel der Privilegien wegen , und noch an dere Einwendungen aufzuwerfen gewußt , worauf es zwar endlich durch Däniſche Commiſſarien gu einem Ausſpruch gekommen iſt,

daß die ſtreitige

Vitte zwiſchen Lübeck und den Preuſſiſchen Ståd ten durch eine Grenzlinie getheilt bleiben ſollte; allein

die

Danziger Abgeordneten ,

welche der

Schoppe Overam mit dem Secretair Fürſten . berger , auch der Vogt zu Falſterbo und noch zwey Danziger Bürger geweſen , haben es hieben nicht beruhen laſſen , ſondern ſind noch mit einer Appel lation an den König von Dänemark ſelbſt gegan. gen , der denn die Streitſache zwar auf dem näch . ften Däniſchen Reichstage vorzunehmen verſpro . den gehabt , nachher aber derſelben nicht einmal þat Erwähnung thun laſſen .

Ohnfehlbar iſt deren Erneye.

1

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

17

Erneuerung unter den nachherigen Jrrungen und Kriegshåndeln mit der Krone Dänemark noď meşr vergeſſen worden , und die fernerhin erfolgten Veränderungen der Handlungsrechte des Bundes, mögen auch für Danzig vur das Andenken des ges dachten Beſikes übrig gelaſſen haben.

Im Lande Preuſſen war ſchon viele Jahre lang , über convenable Vorſchlåge zur Verbeſſes rung der Landesmünze gerathſchlaget worden , doch hatte man dieſe Angelegenheit unter' mancherley Verhinderungen immer von einem Landtage zum andern aufſchieben müſſen ;

nunmehr aber war

dàs Intereſſe der

Polniſchen Nation allmählig näher darin verwebt worden, und nach des Königs

Willen enthielt die neuerlich zu Danzig abgefaßte Landesverordnung im dreißigſten Artikel die aus drückliche Sagung in Rich :

„ daß die alte Münze

, in Preuſſen aufgehoben , und an deren Stelle eine dreyfache neue , nemlich Groſchen , Schil. ,, linge und Pfennige, mit des Königs und der ,, lande Preuſſen Wapen geſchlagen werden , und ,,dieſe Münze der Polniſchen , die gleichfalls neu „ würde geſchlagen werden ,

an Schrot ,

,,und Werth völlig gleich kommen ſollte.“

Korn Das

Münzweſen wurde demnach auf den Preußiſchen Landtagen mit ernſtlicherm Eyfer betrieben , und es iſt nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten , im ganzen Lande, zu neuen ob zwar nicht immer vortheilhaft zu nennenden Veränderungen der Gelde forten gekommen . Ob nun gleich die Schranken unſerer Stadtgeſchichte eine ausführliche Ausein . Geſch. Danz, ater Th ,

Danzigs Geſchichte.

18

anderfeßung dieſes Landesgeſchäftes nicht zulaſſeti, fo befiehlt doch die Wichtigkeit deſſelben , das We. fentlichfte

davon in Beziehung auf Danzig ins

Licht zu ſtellen ,

und zwar um ſo viel mehr ,

da

dieſe Stadt durce fpecielle Privilegien das Regal. recht beſiket, ,, Münzen in Gold und Silber , mit i, des Königs Bild und Namen , zu ewigen Zeiten , ohne einige Störung und Hinderniß mju können ,

fchlagen

entweder nach dem ſchon gewöhnli

den Sørót uud Korn , oder wie ſolches vom ,, Könige und den Råthen der Lande und Städte Preuſſen beltebet ſeyn würde. “

5

Unter der Regierung des Teutſchen Ordens , Hatten bereits vor errichtetem Landesrath in Preuſ. ſen , einige Städte , Danzig ,

und inſonderbeit Thorn und

an der Einrichtung des

Antheil gehabt ,

Münzweſens

nicht nur , daß igre Búrger zu

Zeiten die Münze in Pacht nahmen , ſondern daß aud, die Stådte felbft , von den Hockineiſtern zur Ausmünzung des Geldes ſind aufgefordert wor den . Was das Reglement der Landesmünze bez traf, fo war in der Culmiſchen Handfefte die ein fache Verfügung enthalten : ,, daß nur eine Münze ,,durchs ganze Land ſtatt finden , und zwar Pfen . ,, nige von reinem Silber gemacht werden ſollten ; ,, fechos folcher Pfennige ſollten einen Schilling bee op tragen , und ſechszig Schillinge ſollten einer Mart ,, feines Silbers an Gewicht gleich ſeyn " d) . Frühe d ) Es war auch daben verordnet , daß alle zehn Jahre das Geld ſollte umgemünzt werden , und alsdann ſollte man für 14 alte und abgenugte Pfennige nur 12 neue bekommen ,

i

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

19

genug aber iſt man von dieſer vortreflichen Münz. Schon im J. 1309 klagt

ordnung abgewichen .

über den Man .

Siegfried von Feuchtwangen

gel an eigner Münze im Lande ; die Prager oder Böhmiſchen Groſchen waren deswegen vor andern gangbar geworden , und ſtatt der alten Preuſſiſchen Pfennige,

deren rechs einen Schilling betragen

follten , gingen nun vier auf einen Sqilling , und man nannte ſie Culmſche Vierchen ; auch der Bobs miſchen Groſchen wurden 30 auf eine Mark feſt. geſekt , und galt jeglicher alſo zwey Preuß. Schil linge , da ſie in J. 1233. kaum den Werth eines Im J. 1335 Iteß der Schillings gehabt þatten . Hochmeiſter

Graf

Dietrich

von Oldenburg

durch einen Thorner Bürger die erſten Preuſſiſchen Schillinge fælagen ; Silber ,

ſie waren nicht aus reinem

ſondern dreyzehnlothig ,

uud aus einer

Mark feine wurden 120 Schillinge oder 2 Mark Heinrich Duſener von an Gelde geſchlagen. 1346 breite Groſchen in J. Arfberg ließ ums Preuſſen verfertigen ; über Schrot und Korn der felben iſt man nicht einerley Meinung , am wahre ſcheinlichſten werden ſie den Böhmiſchen Groſchen gleich gebalten , und jeglicher hat etwa zwey Sợil. damit allezeit wichtiges Geld im Umlaufe bliebe. Was die Verhältniß des Silbers gegen Gold anlanget, fo galten das mals fünf Ungriſche Gulden ſo viel als eine Markfein Silbers geld , und ein ungriſcher Gulden betrug alſo 12 Preuſſiſche Schillinge oder 4 Oroſchen. Dieſe Proportion hat auch noch im J. 1528 ſtatt gefunden , indem man eine Marf fein Silber mit fünf Ducaten gekauft hat. W. Böhme , vom Münzweſen.

Cap. IX,

2

20

Danzigs Geſchichte.

finge gegolten.

Zu Winrichs von Kinprobe

Zeiten kam im J. 1370 eine neue Münze unter dem Namen der Scoter Hervor ; ſie waren dren. zehnlothig und jeder ſollte 15 Pfennige gelten , daß alſo vier und zwanzig derſelben auf eine Mart gingen . den

A

Aber nach dem J. 1404 gerieth der Or.

allmählig in eine Geldnoth ,

die ihn zu den

äußerſten Rettungsmitteln vermochte.

Das Land

felbſt wurde mit ſchweren Schakungen

beleget ,

und die Silbermünze immer geringer geſchlagen ; zulegt ward die Ausmünzung an den berufenen Danziger Burgermeiſter Bened. Pfennig ver pachtet,

und dieſer machte ſo falechte Münze ,

daß drey - oder vierlöthige Schillinge anſtatt der dreyzehnldthigen in Umlauf kamen , es ging ſchon ſo weit , daß acht bis zehen Mark Geldes aus einer 1 Mart Silbers geprågt wurden , und im J. 1416 unter dem Hochmeiſter von Sternberg fing das Land unwillig an , auf die Verbeſſerung der Mün Zwey Jahre darauf fam auch ein zen zu dringen . Landesſchluß zum Stande ,

daß wieder dreyzehn

löthige Schillinge gemünzt werden ſollten ; und in dieſer Zeit hat man wol die Mark neuen Geldes, eine Gute Mark,

die Marf des ſchlechten zwi

fchen 1410 und 1416 geſchlagenen Geldes aber, Geringe Mark zu benennen angefangen .

Doch

Haben in der Folge dieſe Benennungen eine andre Bedeutung bekommen ; denn weil die Münzen in Preuſſen von Zeit zu Zeit immer geringer gewors den ,

daß man ſchon im erſten Viertel des ſechs.

ześnten Jahrhunderts

12 Mart Geldes aus der

>

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

Mart fein Silber ausgebracht

hat ,

21

ſo iſt dieſe

Münze auf die Uralte Marf referiret und der Aus druck üblich geworden : ,, die Mart mit 12 Mark „ neuer Münze zu löſen ." Ja nackdem ſpåterhin wol 24 Mart Geldes und mehr , aus der Silber mark find fabriciret worden , fo hat man endlich zwen ſolcher gemeinen oder geringen Mark für eine gute Mark gerechnet, und dergeſtalt mit 12 guten oder doppelten Marken die Alte Marf redimiret e ) . In der That aber haben in noch neueren Zeiten den Werth

nicht 3 bis 4 geringe Mark Geldes.,

einer ſolchen Guten Mart ausbringen mögen. Im J.

1425

beklagte ſich der Hochmeiſter

ſeiner Unvermögenheit , die Münze weiter fortzuſe . gen , und hierauf bekamen die Stådte Thorn und Danzig auf einem Landtage den Auftrag, eine zeite lang zu münzen ; in jeder Stadt wurde ein Rath85 e ) In der Landesgeſchichte, findet man , daß eine zwiefache Differen ; der Preuſiſchen Geldmark ſen eingeführt worden. Denn erſtens , iſt unter obgedachten Ereigniſſen , die Gute Mark von der Gemeinen oder Geringen Mark unterſchieden geweſen : und hieraus läßt ſich der in den Erbs oder Grunds büchern , wie auch anderwärts vorkommende Ausdruck: re: dimendo inarcam per 12 marcas novae , oder bonae monetae erklären . Böhme. Cap . IX. Zweytend if ein Unter: ſchied zwiſchen der Großen und Stļeinen Mark üblich gewors den. Dazu haben die ins Land gebrachten fremden , ins: beſondere die Schweidnißer Groſchenſtücke, Anlaß gegeben ; denn als die Landesmünze ſchon fchlechter geweſen , hat man 15 folcher Groſchen mit 20 Preuß . Groſchen verglichen, mit dem Lauf der Zeit aber find beyder Art Groſchen mit ein: ander vermiſcht worden , und man hat der Preuß. Mart. überhaupt den Gehalt von 15 Orpfchen gegeben. Lengnich P. P. Geſch, B.I , S. 62. B

3

Danzigs Geſchichte. herr zum Mängmeiſter beſtellet,

und die Hälfte

des Gewinns von der Münze dem Hochmeiſter vor Es kam auch eine Münzordnung ber aus , und nach felbiger wurden neunlothige Sail

behalten .

Zehn Jahre darauf aber wollte

linge gepråget.

der Hochmeiſter Zweydrittel vom Gewinn an fick ziehen , dem widerfekten ſich die Städte , und nun åbernahın der Orden von neuem die Münze. Nach einem Vorſchlage des Hochmeiſters von Rußdorf im J. 1439 ſollte das Geld nun achtlåthig ausge. aber der Widerſpruch der Städte

můnzt werden ,

ließ es nicht dazu kommen.

Im J. 1454 trat

Preuſſen unter die Krone Polen , und darauf wurde zwar in den vier Stådten , Thorn , Danzig , El. bing und Königsberg , eigentlich aber den Preuſ fiſchen Landesſtånden auf ihre Koſten , das Münz recht überlaſſen ; indeſſen da dieſe ſolches nicht aus. åbten , ſo gab der König im J. 1457 zuerſt der Stadt Danzig , nachber auch den Städten Thorn und Elbing ,

ausdrückliche Privilegien ,

für ihre

Rechnung gangbare Münzen im Lande zu ſchlagen . Allein erſt nad dem Frieden konnte man gegen vies len wåþrend des Krieges entſtandenen Schaden , auf eine

beßre

Münzeinrichtung

bedacht

ſeyn .

Demnach ward im J. 1467 zu Elbing beſchloſſen , daß die Münze des Ordens den Münzen der Städte gleich ſeyn ſollte , das Geld felbſt aber wurde würk. lich nicht beſſer beſtimmet , indem es zum Beſchluß kam , aus der Mart feine acht Mark Geldes zu prågen , da doch Danzig nach der Verordnung von 1426 faſt neunldthige Münzen , und nur fieben

+

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

23

Mark

Geldes aus der Mark Feine ausgemünze

hatte.

Audy die Vorwürfe , welche Copernicus

im J. 1521 auf dem Landtage zu Graudenz den Stådten gemacht hat , als ob ſie feit der Einverlei bung mit Polen , die Münzen immer mehr deterio . rirt båtten ,

haben ſich durch ſichre Gegenbeweife

vernichten laſſen , und fallen vielmeør auf die Kreuz.

1 þerren zurück , Zeugniſſe 12.,

welche nach Waiſſels beſtåtigtem 13. und mehrere Mark Geldes aus

der Silbermark ausgebracht,

und ( nächſt dem

durch Einführung fremder Münzen verurſacten Scaden ) zu den Geldirrungen im Lande , und den darüber erregten Polniſden Beſchwerden, nicht wenig beygetragen haben. Unter ſolchen Ereigniſſen ward nach

vielen

fruchtloſen Berathſchlagungen endlich auf dem Landtage zu Marienburg eine würkſamere Münz: 1528. beredung gehalten , wozu ſich auch die Gefandten des neuen Herzogs in Preuſſen mit einfanden . Kiefelbft fam nun ein Münzabſchied, beraus , defe ſen Hauptartikel die von der Krone Polen bisher nicht zugemuthete

Forderung

enthielt ,

daß die

Polniſchen und Preußiſchen Münzen völlig gleich gemacht werden , und in benden Landen auf gleiche Art gangbar ſeyn ſollten ; auch ſollte man finfort im Münzweſen nacı der Krafauſchen

Mark die

Gewichte berechnen f). Uebrigens blieb die Preuſ f) Der Kochmeifter Paul von Rußdorf hatte das Miniges wicht in Preuffen auf die Collniſche art fundiret, und es ware beffer geweſen , wie Bohme von Böhmenfeld bezeuget , wenn man ſie immer im Münzweſen und jum 34

22

Danzigs Geſchichte.

herr zum Mångmeiſter beſtellet,

und die Hälfte

des Gewinns von der Münze dem Hochmeiſter vor behalten .

Es kam auch eine Münzordnung ber

aus , und nad ſelbiger wurden neunlöthige Schila linge gepråget.

Zehn Jahre darauf aber wollte

der Hochmeiſter Zweydrittel vom Gewinn an fich ziehen , dem widerfekten ſich die Städte , und nun åbernafın der Orden von neuem die Münze. Nach einem Vorſchlage des Hochmeiſters von Rußdorf im J. 1439 ſollte das Geld nun achtldthig ausge. můngt werden , aber der Widerſpruch der Städte ließ es nicht dazu kommen.

Im J. 1454 trat

Preuſſen unter die Krone Polen, und darauf wurde zwar in den vier Städten , Thorn , Danzig , EL bing und Königsberg ,

eigentlich aber den Preuf

fiſchen Landesſtånden auf ihre Koſten , das Münz recht überlaſſen ; indeſſen da dieſe ſolches nicht aus. åbten , ſo gab der König im J. 1457 zuerſt der Stadt Danzig , nacher auch den Städten Thorn und Elbing , ausdrücfliche Privilegien , für ihre Rechnung gangbare Münzen im Lande zu ſchlagen . Allein erſt naď dem Frieden konnte man gegen dies len während des Krieges entſtandenen Soaden , auf eine beßre

Münzeinrichtung

bedacht

ſeyn .

Demnach ward im J. 1467 zu Elbing beſchloſſen , daß die Münze des Ordens den Münzen der Städte gleich feyn follte , das Geld felbſt aber wurde würf. lich nicht beſſer beſtimmet, indem es zum Beſchluß kam , aus der Mark Feine acht Marf Geldes zu prågen , da doch Danzig nach der Verordnung von 1426 faſt neunlöthige Münzen ,

und nur ſieben

Dritter Abſchnitt. Mark batte.

Erſtes Capitel.

Geldes aus der Mark

23

feine ausgemünzt

Auch die Vorwürfe, welche Copernicus

im J. 1521 auf dem Landtage zu Graudeng den Stådten gemacht hat , als ob ſie feit der Einderlei bung mit Polen , die Münzen immer mehr deterio. rirt þåtten ,

haben ſich durch ſichre Gegenbeweiſe

vernichten laſſen , und fallen vielmehr auf die Kreuz. þerren zurück, welche nach Waiſſels beſtåtigtem Zeugniſſe 12., 13 und mehrere Mark Geldes aus der Silbermark 'ausgebracht,

und (nåchſt dem

durch Einführung fremder Münzen verurſachten Scaden ) zu den Geldirrungen im Lande ,

und

den darüber erregten Polniſchen Beſchwerden , nicht wenig bengetragen haben. Unter ſolchen Ereigniſſen

ward naď vielen

fruchtloſen Berathſchlagungen

endlich auf dem

Landtage zu Marienburg eine würkſamere Münz- 1928. beredung gehalten , wozu ſich auch die Gefandten des neuen Herzogs

in

Preuſſen

mit einfanden .

Kieſelbſt fam nun ein Münzabſchied, heraus, deſo ſen Hauptartikel die von der Krone Polen bisher nicht zugemuthete

Forderung

enthielt ,

daß die

Polniſchen und Preuſſiſchen Münzen völlig gleich gemacht werden , und in benden Landen auf gleiche Art gangbar feyn ſollten ; auch ſollte man þinfort im Münzweſen nach der Krafauſchen Mark die Gewichte berechnen f). Uebrigens blieb die Preuſ f ) Der Rodmeifter Paul pon Rußborf hatte das Müniges wicht in Preuffen auf die Collniſche Mark fundiret , und es wåre beffer geweſen , wie Bobine von Böhmenfeld bezeuget , wenn man fie immer im Münzweſen und zum B4

24

Danzigs Geſchichte.

fiſche Geldmark auf zwanzig Groſchen oder rechs. zig Schillinge feſtgeſeßt, und jeder Schilling zu ſechs Pfennigen gerechnet. Auch das äußere Gepräge wurde beſtimmet , und zum Unterſchied von den Königlichen und Herzoglichen ,

ſollten die ſtådti

fchen Münzen auf einer Seite das Bildniß des Kem nigs , und auf der andern das Wapen der Stadt vorſtellen.

Unter dem curſirenden ſchlechten Gelde

wurden , was kleine Münze betraf, die Schweid

> !

niker und die neuen Herzoglich - Preuſſiſchen Gro : heruntergereßt , die Tippelgroſchen nebſt

fchen den

neuen

Danziger

Schillingen

und

Pfenni.

.

gen

gånzlich

verboten 8) ,

und

obgleich

die

Schweidnißer Halben Groſchen noch zur Zeit im Gange blieben , ſo ſollten doch dieſe und alle ausa ländiſchen Münzen , ſobald ein hinlänglicher Vor , rath des neuen Geldes vorhanden ſeyn würde, gang Einkauf bes Silbers gebraucht hätte. Gegen die Collnis fche Mark , welche 152 Englis wieget , hält die Strakauer Mark nur 128 Englis 17 As im Gewicht , und 16 Preuſs ſiſche Silbermark werden nach einem Münzbedenken vom I. 1439 auf 13. Collniſche Nark geredynet, Die Stra : kauſche Mark Fein Silber hat man im J. 1528 für 5 Ducas ten , oder 7 Gulden 15 Grofchen gekaufet ; denn der Du: eaten galt 45 Groſchen und ein Reichsthaler 30 Groſchen , daher auch vis gegen Ablauf des ſechszehnten Jahrhunderts die Preuſſiſchen Gulden mit den Reichsthalern einerley Werth gehabt haben . 9 ) Die Schweidnißer waren Schleſiſche Groſchentücke , ſo von der Stadt Schweidniß den Namen führten. Die Preuffiſchen Schillinge batten nach dem großen Striege den Namen der Groſchen bekommen , waren aber unter den Herzogen , gleichwie die Tippel- oder Doppelgroſchen , an ihrem ehemaligen Gehalt junfåglidh verringert worden .

1

Dritter Abſchnitt.

Erftes Capitel.

25

von größerer Münze ward unterſagt werden . insbeſondre einer dreyfachen Art Horngulden geo dacht ,

die nach ihrem wahren Werth gegen die Endlich Drengroſchen- und

neue Münze geſchåßt werden ſollten . war auch für gut befunden ,

Sedsgroſenſtücke auſſer den kleinen Münzſorten ſchlagen zu laſſen ; deren die Mark 14 loth feines Silbers enthalten ſollte.

Bey allen dieſen Vor.

fchriften , die noch durch einige ſpätere Edicte erlåy . tert oder verinebrt wurden , åußerte es fide den . noch in kurzem ,

daß es leichter Rer ,

im

Münz

weſen neue Gefeße zu geben , als dieſelben ohne Nachtheil des Ganzen zur Vollziehung zu bringen . Von allen Seiten zeigten ſich Hinderungen und die theils die Aufhebung der alten Münzen , theils das Fortkommen der neuen růda

Einwürfe ,

gångig machten , und der Herzog in Preuſſen , wie + auch die Polniſch . Preuſſiſchen Handelsſtådte hatten die wichtigſten Gründe , ſich allen Störungen ent die durch die neuen Münzedicte

gegen zu regen ,

ſomol dem Commerzweſen nachtheilig ſeyn ,

als

auch im Einkauf der Lebensmittel und der gemeinen Bedürfniſſe , imgleichen bey Leiſtung der bürgerli den Abgaben , der Ucciſen und anderer. Gebühr ren , gefährliche Differenzen nach ſich ziehen konn . ten.

Hiezu kam

noch , daß von Seiten des Polnis

fchen Hofes bald anfangs Miene gemacht wurde, die Münzprivilegien der großen Städte zu frånfen ; der König ſelbſt legte eine eigne Münze zu Thorn an , und ließ durch ſeinen daſelbſt beſtellten Münzmeia , ſter , Jobſt Ludwig.Decins , Preuſfiſches Geld BS

26

Danzigs Geſchichte.

ausmünzen ; die dringend verlangte Gleichheit bec Landesmůnze mit der Polniſchen ,

gab zu unglei.

den Urtheilen über die darauf gegründeten Abſiche ten Anlaß ,

und der ſpåtere Erfolg hat mit trau .

riger Erfahrung gelehret ,

daß die jekt beſtimmte

Abånderung im Münzweſen nicht nur dem Lande keinesweges zuträglich geworden , fondern auch der Handlung und dem Gewerbe der großen Städte in Preuſſen vielfältigen Abbruch gethan , ja was das Uebel

vermehrte ,

dieſe und inſonderheit die

Stadt Danzig in vieljährige Jerungen und Strei tigkeiten mit dem Könige und der Republit Polen verwickelt hat. Danzig hat ſich bald nadi Einführung der neuen Münzen einem zwiefachen Kampf ausſehen müſſen .

Der erſte entſtand wegen des fremden

Geldes ,

ſo unter dem Namen der Schweidnißer

im Lande gangbar war , und am þåufigſten vom : gemeinen Mann in den Stådten gebraucht wurde. Dieſe Groſchenſtücke waren von ihrem bisherigen Werth herunter gefekt , und folleen in kurzem

gar

nicht curſiren ; ein jeder ſuchte demnach ſich derſel. ben zu ſchäften

entledigen , ſie wurden bey allen Geldges angebracht ,

und obgleich der Rath zu

Danzig ſie noch von ſeinen Bürgern eine Zeitlang für vollgültig annahm , ſo litten doch die öfferstlie chen Caſſen zu ſehr dabey , daß man ſie alſo vorerſt von 12 auf 10 Pfennige herabfekte , und nachher durch öffentliche Edicte ganz zu verbieten ſuchte : allein die gånzlicze Tilgung derſelben verurſachte ſo viele Ståbrungen , und zuleßt einen Tumult unter

3

. Dritter Abſchnitt. dem Volke ,

Erſtes Capitel.

27

daß der Rath fick bald wieder gend

thigt fahe, den Schleſiſchen Münzen iþren Umlauf zu laſſen , und ſie nur auf den Werth von 8 Pfen nigen zu feßen. Auch hiemit zwar ward das Mur ren unter dem gemeinen Mann nicht geſtillet, nächſt den Schweidnißern erweckte die Herabwürs !

digung der alten Pfennige gleichen Verdruß , es wurden aufrühreriſche Schriften deshalb verbreitet, man fand auch die neuen

Königlichen

Münzen

dffentlich zur Schau hingehangen , und ein Papier daneben , worauf Schwerb, Galgen und Rád von Bley befeſtiget geweſen.

Jndeſſen ward nichts

mit dergleichen ſchmahfüchtigem Spotte verbeſſert ; vielmehr hat die Stadt wegen dieſer zur Verfleines rung des Königlichen Anfebens gedeuteten Schand that beſchwerliche Anfechtungen erlitten , und ſo wenig die Obrigkeit es unterlaſſen hat , fich zur Auskundſchaftung des Chåters alle Mühe zu gee ben , ſo ſind ihr doch auf den Landtagen ſowol als vom Königlichen Hofe, manche unverſchuldete Vors würfe deswegen gemacht worden .

Einen eben ſo nachtheiligen Zwiſt mußte inſonderheit für Danzig die plöbliche Abſchaffung der bisher im Gange geo weſenen Kleinen Mark nach ſich ziehen .

Man war

an felbige ſo ſehr gewöhnet, daß im Handkauf fo. mol als im großern Gewerbe , Verwirrungen und Unordnungen durch ausdrückliche Feftfeßung der Preuſſiſchen Geldmark auf zwanzig Groſchen ento ſtanden .

Jedermann wollte in der Einnahme die

Mart für 20 Groſ@ en gerechnet wiffen ,

in der

Ausgabe hingegen den alten Werth von 15 Gro

28

Danzigs Geſchichte.

ſchen behaupten ;

ſelbſt

der Preiſ verkauflicher

Waaren ward nicht dadurch geåndert, und was man vorher mit funfzehn Groſchen bezahlt hatte , mußte jeßt mit zwanzig bezahlt werden ; der fremde Kaufmann litt ebenfalls in der Verhältniß gegen die Goldmünzen , denn anſtatt drey Mark Silber münze bekam er jegt zwey Mart und fünf Groſchen für den Ducaten ,

ohne dafür einen beſſern Ein .

kauf der Waaren machen zu können .

Zu wieder.

holten Malen ſuchte Danzig insbeſondre die nach theilige Seite dieſes Unterſchieds der Marken ben den Landesberathſchlagungen deutlich zu machen ; allein des Königs Wille wurde darin befolget, der Herzog rowol als die Polniſchpreuſſiſchen Stände wollten beym alleinigen Gebrauch der Großen Mark bleiben , und in den Stådten war man gendthigt, ſich damit zu helfen ,

daß vorerſt im

und gemeinen Gewerbe ,

Kaufhandel

auch in Verhältniß des

Goldes , die Kleine Marf noch zu funfzehn Gro. ſchen gebraucht worden, Zinſen und Renten hinges gen , auch Arbeitslohn und andre Zahlungen, nach der Großen Mark zu zwanzig Groſchen gerechnet werden mußten .

Spåterhin aber hat man die

Rechnung nach Marken aus guter Abſicht gånzlich verlaſſen , und im Handel und Wandel iſt es , die Zahlungen nach Gulben zu beſtimmen ,

in Se.

wohnheit gebracht worden , Selbſt die Freyheit zu münzen hat man den Stådten unter dieſer Regierung mehr denn einmal Schon im 3. 1531 ſoll das ſtreitig gemacht. Land zureichenden Vorrath

an Schillingen und

0

Dritter Abſchnitt. Pfennigen gehabt haben ,

Erſtes Capitel.

29

und Elbing romol als

Danzig Jaben deshalb auf Königlichen Befehl der gleichen nicht weiter ausmünzen ſollen .

Dieſes

Verboth iſt noch öfter wiederholt worden ,

auch

der Preuſſiſche Landesrath iſt dem Könige darin bengetreten , und die Städte haben ſich zwar mit Vorbehalt iører Rechte demſelben zu gehorſamen bequemet (nachdem Thorn vorher ſchon aus eige ner Bewegung den Gebrauch ſeines Münzrechts fiftirt hatte ) ; nur ſollten , ihren Vorſtellungen nac, der König fowol als der Herzog ebenfalls den Münz Hammer niederlegen . rigkeiten gefunden ,

Solches aber hat Schwie der König hörte zwar auf in

Thorn zu münzen , allein der Herzog þat ſich nicht dazu verſtanden : endlich haben Elbing und Dan. zig dennoch im J. 1537 ihre Münzen geſchloſſen . Sehr bald aber hielten es die Danziger für nöthig, von neuem zu münzen, und die Preuſſiſchen Lan. desråthe ſelbſt waren ihnen behůlflich , dazu die Königliche Erlaubniß zu erbitten ; allein der eigen. mächtig erneuerte Gebrauch des Münzhammers in Danzig, und das darin befolgte Beyſpiel in Elbing, gaben ſo großen Anſtoß gegeben , daß der König im J. 1539 fämmtliche drey großen Stådte mit Ungnade auf den Reichstag þat ausladen laſſen , um ſie daſelbſt

zur

Verantwortung

zu ziehen.

Durch einſtimmige Vorſtellung der Landesråthe find zwar die Polniſchen Citationen entfråftet, und die Münzſache an den Preuſſiſchen Landtag zurück gebracht worden , auch Elbing hat man wegen ab. gewarteter Königlichen Erlaubniß zu můngen , ents

Danzigs Geſchichte.

30

ſchuldigt gehalten ; hingegen die Stadt Danzig iſt nicht nur wegen iþres zwar ſtrafbaren aber nothgeo drungenen Ungehorſams gegen den König ,

den

Barten Vorwürfen der Landſtånde ausgeſekt geblies ben ,

ſondern ſie Hat fich auch zur ungeſäumten

Schlieſſung ihrer Münze verſtehen müſſen.

Noch

einige Zeit ſpåter im J. 1943 , iſt des Königliche Mandat zu gånzlicher Niederlegung des Münz hammers an die Preuſſiſden Stådte ſowol, als an den Herzog in Preuſſen erneuert worden ; doch ba. ben die fernerhin entſtandenen ausmårtigen Kriegs. håndel die Debatten wegen der Münzangelegenheit Indeſſen fann eine Zeitlang zur Ruhe gebracht. gkeit, Uneigennůßi die Republik Polen ſich iþrer oder eines dem Staatsintereſſe vortbeilhaften Ver. fahrens daber nicht rühmen ,

da es ſich vielmehr

1

durch klare Zeugniſſe aus dieſem Zeitalter beſtåti gen låßt , daß die Polniſchen Münzen , in Verglei: chung mit den Preußiſchen , einen noch weit folech . teren Gehalt gehabt haben . Jndem noch wegen dieſes weitläuftigen Münzs geſchäftes

die erſten

Unterhandlungen

betrieben

wurden , war man in Danzig mit Vorſicht darauf bedacht , über mehrere Gegenſtände , die einen Streit mit Polen beſorgen lieſſen , und Schmåle rungen der Rechte nach ſich ziehen konnten, in Zei ten ein friedliches Uebereinkommen zu treffen . Den

j 1

Befik des Pußiger Gebiets hatte man långſt für eine dem guten Verneħmen mit dem Königlichen Hofe gefährliche Klippe gehalten : zwar ſichere

Beweiſe

ſeines

Danzig beſaß

darauf erneuerten

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

31

die Verſchreibungen Königs Caſi: mir vom I. 1491 über die Summe von sooo

Pfandrechts ;

Ungriſchen Gulden , und Königs Alexander vom I. 1502 über rooo Ungriſche Gulden , lauteten ju deutlich , als daß fie gåtten beffritten werden fónnen , aber die daraus herflieſſenden Rechte wa. ren doch immerfort einer ſchwankenden Erklärung unterworfen geblieben . Mit der oft angedeutes ten Ausloſung kam es aud zu keiner Gewißheit , und weil deshalb die erforderlichen Unfoſten auf die Erhaltung der Grundſtücke nicht verwandt wurden , fo fonnten die

jährlich

abnehmenden Einkünfte

kaum zur Abwerfung der Intereſſen mehr hinrei. dend ſeyn.

Für Danzig ſchien es demnad, rath

fam , das Pfandrecht in ein Eigenthuin zu verwan . deln , man gab ſich alle Mühe , biezu die Geneh . migung des Kdnigs zu erlangen , die Bevollmach tigten der Stadt bekamen aucı meør denn einmal den Auftrag, den Zuſchuß einer nahmhaften Sum me Seldes dafür zu bieten ; allein die ganze Saçe fand bey Hofe noch keinen Ingreß , die Antråge darüber wurden mit Stillſchweigea oder mit falten Verzögerungsgründen erwiedert , und man konnte den König nicht einmal dahin vermogen , daß er in die nothwendige Baureparatur des Pußiger Schlor ſes einwilligte , wozu man die Koſten bey fünftiger Ausloſung einzuziehen gedachte. Glücklicher war 1529 , Danzig in einem andern Zueignungsgeſchäfte, wel . ches den neben der Nebring gelegenen Fiſcham : 6

Scharpau

betraf.

Die

Bezirk des vielfältigen

Grenzſtreitigkeiten zwiſchen dieſen beyden Landdis

Danzigs Geſchichte.

32

ftriften , nebſt den häufigen Waſſerergieffunger, welchen die Nehring ausgeſegt war, weil die Dåm me in der Scharpau nicht mit gehöriger Sorgfalt unterhalten wurden ,

brachten die Stadt zu dem

Entſchluß, ſich in die freye Diſpoſition eines Grunda ſtůds zu regen , aus deſſen ſchlechter Verwaltung iþren Låndereyen jährlich ein unvermeidlicher Sdas den erwuchs.

Der Beſia deſſelben war zeither

mannigfaltigen Verånderungen untermorfen gewea ſen .

Schon im J. 1457 hatten einige Danziget

Birger durch einen Vorſchuß von 7000 Ungri. f @ en Gulden auf die Scharpau , nebſt ſechszig Kau telſchiffen , eine Pfandsgerechtigkeit erhalten , die ſpåterhin durch Vergleiche oder Vererbungen an die Ferberſche Familie gekommen war ,

König

Alexander aber hatte im J. 1505 das Fiſchame felbſt, wie ſolches zu den Königlichen Soloßge bieten gehörte, zum Heil ſeiner Seele an die Kirche zu Frauenburg verſchenket ,

und ſeine Donation

auf einem dffentlichen Reichstage zu Radom mit der Clauſul beſtätigen laſſen , daß die darauf vors geſchoſſene Summe vom Biſchofe abgezahlt wer . den ſollte. Ohnerachtet nun der Biſchof Lucas Weiſſelrod ſolches nachher nicht leiſtete, ſo ward doch durch ein Commiſſorialdecret das Eigenthum an die Scharpau der Ermländiſchen Kirche zuges ſprochen , die Fructnieſſung aber blieb den Pfands inhabern ſo lange vorbehalten , völlig abgemacht ſeyn würde.

bis die

Zahlung

Weil nun unter ſol

den Umſtånden , da niemand fick der Sorge für das Land gehörig annehmen wollte,

von Zeit zu

Zeit

Dritter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

33

Zeit immer neue Streitigkeiten entſtanden , wober auch die Vortheile der Kirche nicht beſtehen konne ten , die Danziger Grenzgåter aber am mehreſten litten ; ſo erbot ſich der Rath in Danzig , dieſe ver fehrliche Pfandſchuld zu tilgen , wenn zugleich mic dem Biſchofe Morik Ferber ein endlicher Ver gleich wegen der Soarpau getroffen werden könnte. Es kam alſo im folgenden Jahre ein förmlicher 1810 Kaufcontract zu Stande , in deffen ausgefertigter Verſchreibung der Bifchof ausdrücklich bekennet, daß er zum Nugen ſeiner Kirche, mit reifem Rath , Wiſſen und Bewilligung des Ermländiſchen Capi tels ,

nicht weniger mit Zulaß Sr. Königlichen

Majeſtåt, das Fiſchamt Scarpau nebſt dem dazu gehörigen Gebiete und allen Nußungen der Stadt Danzig , für funfzehn tauſend kleine Mark Preuſ fiſch verkäuflich überlaſſen habe. ' Hienåckſt iſt die Pfandſumme mit 7000 Ducaten an die Ferbers ſchen Erben entrichtet, der Biſchof und das Capi tel völlig befriediget, der Stadt hingegen auď die Sdenkungsacte Königs Alexander an die Erme låndſche Kirche im Original zugeſtellt worden .

Es

dürfte ſchwer fenn , unter obgedachten Verhältniſſent zu glauben , daß Danzig noc Sowierigkeiten wer gen des Eigenthums der Scarpau fernerhin haben gemacht werden fónnen : aber nichts deſto weniger ſind nicht nur ſchon

unter den erſten Nachfolgern

des Königs Sigismund rechtliche und gewaltdro. hende Håndel darüber entſtanden ,

ſondern aude

bis in die neueſten Zeiten hinein þat man der Stade ifre theuer daran erworbenen Rechte ſtreitig zu mas Berdy. Danz. 2ter Th . C

Danzigs Geſchichte. 34

then geſucht, ja wenn dieſelben ſchon in Kayſerlie den und Königlichen Cabinetten bewährt befunden gewefen ; ſo hat man noch hie und da in Private ſchriften neuen Zunder zu Zwiſtigkeiten darin anles

gen wollen .

Zweytes Sapitel . Xuſſerordentliche Königswahl Sigismund Auguſts L zwi: ftige Landesgeſchäfte - Danzig bekommt Streit mit den Herzoglich Preuſſiſchen Einſaſſen - die Nordiſchen Kriegs . håndel ſtdhren die Danziger Seehandlung - Zwiſtigkeis Danzigs ten mit Lübeck - Vergleich mit Dänemark Måshelligkeiten mit Schweden - werden gehobenend : liche Reviſion der Danziger Landesſakungen zu Thorn und Danzig wird im Lande mit Feindſchaft verfolget te on n jec igi e ge s zur Schu : - Pro we leidet auf neu der Rel Anſtalten zur Reviſion des lenverbeſſerung im Lande

Culm

chen Rechts .

In der Polniſchen Geſchichte zeichnet es ſich als eitt einzelnes Beyſpiel aus , daß der lekte månnliche Erbe des Jagelloniſchen Hauſes noch bey Lebzei ten ſeines regierenden Vaters im zehnten Jahre ſei. nes Alters zum Könige erwählt und gefront wurde ; aber auch für die Provinz Preuſſen brachte dieſe WahlSigismund Auguſts die ungeſebliche Neuer 1530. rung mit ſich, daß die Preuſſiſchen Stände nicht ein mal dazu eingeladen wurden .

Die nachher ber

kannt gewordene Bedingung ,

unter welcher die

Polen ſich einem ſo ungewöhnlichen Wahlgeſchäfte unterzogen hatten , verbreitete zwar mehreres Licht über den Grund dieſer Unterlaſſung , denn König

1

BE

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

35

Sigismund þatte ſeiner Nation die Zuſage gelei ftet , daß ſein Sohn bey künftiger Uebernahme der Regierung ,

Litchauen ſowol als Preuſſen , nach Aufhebung aller ihrer ſpeciellen Rechte , völlig mit dem Königreich Polen vereinigen ſollte ; allein die Preuſſiſchen Stånde konnten in keinem Fall ihre Zurücklegung bey der Erwählungsceremonie

mit

Stillſchweigen übergeben .

Sie waren auch nicht mit einer bloßen Entſchuldigung von Seiten des Bifchofs von Krakau zufrieden , ſondern ſie brach ten es dahin , daß ihnen vor dem Krónungsreichs. tage, in einer beſondern Audienz beym Könige, die Wahl feines Prinzen namentlich zu bewerkſtelligen, berſtattet werden mußte, und ſie erhielten noch eine ſchriftliche Verſicherung, daß die jekt unterlaſſene Einladung künftighin niemals zu einer Folge gezos gen werden ſollte.

Deſſen ungeachtet hat ſich bald unter der folgenden Regierung das unwiderſtehliche

Beſtreben in Polen geäuſſert, wodurch die Proving Preuſſen einen großen Theil ihrer Vorrechte aus der urſprünglichen Staatsverfaſſung hat aufgeben müſſen ; auch noch unter dem Scepter Sigis : munds des Erſten ſind mancherley Verſuche ges macht worden , einzelne Prárogativen des Landes zu Frånken ,

oder wenigſtens dieſelben in zweifel

hafte Uuslegung zu zießen . Das Einzöglingsrecht, um deſſen Beobachtung die Stände den König bey jeder Gelegenheit erledigter Würden und Landess bedienungen erſuchten ,

blieb doch nicht mit allen

Eingriffen verſchonet ,

und in Polen widerſprache

man immerfort der Erklärung deſſelben , daß feine

Geſchichte Danzigs .

36

andre als in Preuſſen gebohrne und daſelbſt mit Gütern angeſeſſene ,

auſſerhalb der Provinz aber

weder mit Gütern noch mit Bedienungen verfehene Perſonen , unter Einzöglingen verſtanden werden mußten.

Nicht geringe Klagen veranlaſſeten von .

einer Zeit zur andern die in Maſuren und Litthauen neu angelegten Zolle, womit infonderbeit die Preuſ fifoen Städte in ihrem Handlungsverkehr geſtó . ret , und nicht ſelten die zunächſt gemachten Vers Der Contributionen tråge überſchritten wurden . im Lande tonnte man ſich um ſo viel weniger gånz. lich entſchlagen , weil unter Sigismunds Regies rung theils die Furcht vor einem Türkenkriege zu . naþm , theils von Seiten des Teutſchen Reichs , und anderer dem Teutſchen Orden günſtigen Måch te , den .

gefäßrliche Anfälle auf Preuſſen beſorgt wura Man war nur bemühet , der regelmäßigen

Verwendung der Contributionsgelder zur Noth . durft des Landes nichts zu vergeben , und mit glets der Thårigkeit regte man ſich in Bereitſchaft, jeder einbrechenden Gewalt eines Feindes Widerſtand zu leiſten , ohne daß man nach dem Anſinnen der Pos len , in Preuſſen zuſammengebrachte Truppen mit Ver Polniſchen Armee zu vereinigen und gegen einen auswårtigen Feind ausrücken zu laſſen , ſich anhei faig machte.

Wir übergehen noch vielerley åhn .

liche Zumuthungen ,

womit allmählig die erſten

Schritte gethan wurden , dem Lande Preuſſen den Gebrauch ſeiner Gerechtſamen zu ſchmålern , und daſſelbe in eine genaue Verbindung mit der Krone ju jiegen , indem die Stände mindeſtens noch neun

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

37

und dreyßig Jahre lang einer ſolden Staatsverån . derung ausgewichen ſind , die durch das Siegel der Gefeße wåre befråftiget worden. Gleichwie nun Danzig an allen dieſen öfters beſchwerlichen Landesangelegenheiten Theil ne men mußte , ſo ward dieſe Stadt auch durch Hanſeati. ſche Verbindungen ſowol,

als um ibres eigenen

Intereſſe willen in auswärtige Staatshåndel ver flochten , die wenigſtens nicht allemal einen glücklis chen und ruhigen Ausgang für ſie gewannen . Mit dem Serzoge von Preuſſen entſponn fit ein Grenz. ſtreit in der Nehring , indem die Einfaſſen der im Herzoglichen Untheil gelegenen Dorffdaften einen Holzungs , und Wieſenzins zu entrichten verweiger ten , den Danzig , den Vertrågen nach , abzufors dern berechtigt geweſen .

Es wurden dieſer Streite

ſadye wegen von bender Theile Commiffarien , et liche Fabre

nacheinander Conferenzen

gehalten ;

man hat ſich aber zum völligen Vergleich nicột mite einander einigen können , ſondern die Sache gat müſſen bis auf eine bequemere Zeit bengelegt wer iden .

Noch unangenehmere Folgen lieſſen ſich aus

einer andern Differenz befürcten , welche die Hers zoglichen Untertpanen durch einen Eingriff in die Danziger Handlungsgeſeke veranlaſſet Batten. Ei. nige Königsberger Kaufleute nemlich hatten eine Parthen zu Thorn gekauftes Korn in Danzig auf. I ſchütten laſſen , um ſelbiges ben bequeiner Fahrt nach Königsberg zu verſchiffen : weil nun wegen der ungemåpnlichen Getrenderbeurung in dieſer Zeit 1531. der Rath zu Danzig,

auf Anratzen des Königs € 3

igs

38

.

und der

Danz

te .

hich

Geſc

Polniſch - Preuffiſchen Stånde ,

mit Genehmhaltung

auch

der Bürgerſchaft, eine Ver

ordnung gemacht hatte ,

kraft welcher ein jeder

Kornhåndler die zeģnte Laſt zur Nothdurft des ge meinen Vorraths liegen laſſen mußte ; ſo wurde ein gleiches von den Königsberger Kaufleuten nächſt einer über dieinländiſche Conſumtion zu leiftenden Verſicherung gefordert. Dieſe aber wollten dars aus eine Stöhrung

ihrer Handlungsfreyheit ers

> preſſen , und ſtellten die Sache ihrem Landesfürſten von einer ſo widrigen Seite vor , daß Herzog Al brecht dagegen alle für Danziger Rechnung aus Litthauen kommende Güter, ohne vorgängige War nung oder Erklärung, in ſeinem Gebiet mit Arreſt belegte,

und die Urſache ſolcher Repreſſalien nur

den Ständen der Provinz Preuſſen durch den Bie fchof von Ermland bekannt machen ließ.

Jn der

Tþat hatte Danzig mit den beſten Abſichten damals nicht nur nothig , durch dergleichen Mittel einem beſorglichen Brodmangel

vorzubeugen ,

ſondern

auch mehrere Unterſchleife die ihrem Hafenrecht entgegen waren , mußten dieſe Vorſicht rechtferti: gen , weil die fremden Kaufleute nicht ſelten unter dem Namen der Landesbedürfniſſe aus Danzig ges holtes Getreyde nachher durch andre Seehafen in auswärtige Lånder verſchickten . Herzog Albrecht aber ließ ſid , nicht gleich durch rechtmåßige Gründe bewegen , er war der Stadt Danzig auſſerdem ab geneigt , weil er ſie wegen einer ſpröden Verkleines rung ſeiner Perſon in Verdacht hatte , und fie -fos gar bey den Stånden darüber verklagte , daß die

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel .

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gegen ihn ergangenen Kayſerlichen Mandate in die ſer Stadt gedruckt , verkauft und mit Vergnügen wåren geleſen worden.

Inzwiſchen haben fich die

Preuſſiſchen Stände auf dem nächſten Landtage, Danzigs mit Nachdruck angenommen ,

es ward

auch der Pommerelliſche Unterkammerer

Achag

von Zehmen deshalb an den Herzoglichen Hof ge. ſdicket,

der es denn nach einigen Unterhandlungen

daşin brachte, daß die beſchlagenen Danziger Gú= ter frei gegeben wurden , obgleich der Herzog noch ferner darauf beſtand ,

den Streit der Danziger

mit ſeinen Unterthanen , wegen freyer Abführung iþrer Commerzgüter , vom Könige von Polen ſelbſt entſcheiden zu laſſen . In den obſchwebenden Zwiſtigkeiten mit Hole land , die noch aus alten Verlegungen und Fordes rungen ,

insbeſondre wegen mancher Entſchädi

gung während dem Däniſchen Kriege Herrührten , wurde mindeſtens einem öffentlichen Ausbruch des Unfriedens ausgewichen , indem Danzig felbſt von Zeit zu Zeit den Waffenſtillſtand mit Holland zu verlängern bemüßt war ; doch lieſſen - rich nicht alle Jrrungen vermeiden ,

die neuerdings durch den

Einfluß der Nordiſchen Staatshåndel,

zuweilen

auch Holland und die übrigen Niederlande betrofe fen haben.

- gene Feindſeligkeiten des Däniſchen

Königs Friedrich mit ſeinem

flüchtig geworde.

nen Krongegner Chriſtian II hatten noch nicht Chriſtian þatte mit ihre Endſchaft erreicher. Kayſerlicher Hülfe eine Landung auf Norwegen 1531. gewaget , indem die Religionsveränderung in den C4

Danzigs Geſchichte: Däniſchen Staaten ihm einigen Anfang unter den Römiſchcatholiſchen Einwohnern verſprac . Din. erachtet er nun wieder unvorſichtig genug war , ſich durch die Hofparther ,

nnter Zuſage eines Ver:

gleichs, nach Kopenhagen loden zu laſſen , von wo man ihn , - ſtatt eines freyen Geleits ,

gefänglich

auf das Schloß Sanderburg abführte ; lo ſchien 1833 , doch die bald darauf durch Friedrichs Abſterben erfolgte Zwiſchenregierung ihm aufs neue günſtige

Ausſichten zu öfneu.

Gleich zu Anfang dieſer

Nordiſchen Unruhen wurde der Danziger Seehana del geſtokret, weshalb auch eine Seſandſchaft der Stadt nach Kopenhagen geſchickt wurde , die aber wenig ausgewürft Håtte , wenn König Friedrich ſich nicht der Perſon ſeines Gegners håtte bemach tigen können .

Hieju tam noch , daß . Danzig das

ben mit den Lübeckern in ein Mißverſtändniß geo riech : denn dieſe ſuchten zu Friedrichs Beyſtand die Danziger in ein Kriegsbündniß zu ziehen , und weil den Hollandern S@uld gegeben ward, die Lan, bung Chriſtians befördert zu haben , ſo ſollte zu= gleich das gute Vernehmen mit Holland getrennt werden ; Danzig aber hielt dieſen Sdritt zu neuen Feindſeligkeiten nicht ratpfam , und ließ vielmehr den Getrendehandel auf Holland ,

felbft mit Abs

bruch der Lübecker Verſorgung, ungeşindert ſeinen Dafür nun råchten ſich die Fortgang behalten . Lübecker durch offenbare Hemmung der Danziger Seefahrt, insbeſondre an ſieben auf Seeland mit reicher Ladung befrachteten Schiffen , die ſie insgen fammt als gute Priſen bey fick aufbrachten.

Es

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

41

wurde zwar ein Stadtſecretair deshalb nach Lúbed und um die Befreyung der Schiffe fehr ; die Antwort aber war nicht angehalten dringend geſchickt,

befriedigend , die Schiffe ließ man nur mit Ballaſt beladen nach Danzig zurückkehren , allein die Güter mußten theils mit Verluſt , theils mit großen Ko ften , über Hamburg an neutrale Derter zum Ver Der Danziger Secretair fauf geführt werden .

1

hatte hienådſt den Auftrag, auch einige vorjährige Anſprüche in Lübeck rege zu machen ,

weil ſoon

vom verwichenen Herbſte her , etliche im Lübecker Hafen überwinterte Schiffe mit Arreſt belegt was ren , und zum großen Schaden der Danziger Kauf mannſqaft ihre Freyheit nicht erhalten konnten. Jedoch wurde bierin eben ſo wenig gefuget, weil Danzig rich nicht gegen die Niederlande feindlich Endlich würkte der Secretair erklären wollte. zwar eine Verſicherung aus ,

daß

die Danziger

Schiffaþrt auf Frankreich , Portugall und auf die Brittanniſchen Inſuln nicht geſtdþrt werden ſollte, wenn die Schiffer beglaubigte Certificate von dem Nach der Stadt vorzuzeigen haben würden ; aber das Handlungsverkehr mit Holland wurde auch auf eine wiederholte Sendung von Danzig abgeſchla nur erft einige Monate ſpäter brachte eine

gen ;

Geſandſchaft von zwey Danziger Rathsherren den Vergleich mit Lübeck zu Stande , wodurch die Logo laſſung der Commerzgüter verſtattet ,

und über.

þaupt wieder eine freye Seefaþrt ausgewürfe wurde. Mitlerweile war in Dänemark eine Zwiſchena regierung der Reichsråthe entſtanden , weil fich die CS

42

Danzigs Geſchichte.

getheilten Parchenen über die Königswahl nicht ei: nigen konnten .

Die römiſchgeſinnte Clerifey ar

beitete dem ålteſten Pringen Chriſtian , Herzoge von Holſtein , als einem eifrigen Lutheraner , ent. gegen ; mehreren Beyfall ſchien der jüngere Pring Johann zu erhalten , aber eine noch größere Par. they erklärte fich für den gefangenen Chriſtiern , dem viele unter den Bürgerſchaften und vornehms lich die Bauern zugethan waren .

Die ýieraus ents

ftandenen Unruhen vermehrte wider Vermutben ein Graf Chriſtoph von Oldenburg , der ſich als eit 1

Anverwandter des gefangenen Königs Vertheydigung aufwarf.

zu deſſen

Lübeck , welches bisher

ftets gegen gedachten Chriſtiern oder Chriſtian den Zweyten feindlich agirt hatte , ergriff eben ſo unerwartet deſſen Parthey , und verband fich dazu Eine öffentlich mit dem Oldenburgiſchen Grafen . Bürgerrevolte in Lübeck ,

wobey ein paar ehrgeis

kige und unruhige Köpfe k ) das ganze Staatsru . h ) Selbige waren der Stadthauptmann Marcus Neier und der Sürgermeiſter George Wollenweber : beyde zogen fich durch widerrechtliche mit Herrſchſucht und Grauſamkeit ver : knüpfte Handlungen einen gewaltſamen Tod zu . Erfferer fiel 1536 den Dånen in die Hände, wurde enthauptet , und Tein Körper nachher geviertheilt und aufs Rað geflochten ; lekterer erlitt das Jahr darauf , nach der entfeßlichſten Folter zum Oeftåndniß ſeiner Verbrechen , eine gleiche Strafe zu Wolfenbüttel, auf Befehl Herzogs Heinrich von Hraunſchweig , bey dem ihn der Däniſche Hof romol als der wieder eingefekte Rath von Lübeck angeklagt batten . f. Willebrand hanſiſche Chronick , Gebhardi Ge ſchichte von Dänemarf , und Wagner XVI. B. 3te Abth . S. 127 .

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

43

per an

ſich zogen , brachte dieſe ſchnelle Veråndee rung hervor ; die Stadt bekam unter einem gewalt

thårig uſurpirten Regiment das Anſehen , als ob ſie mit weitausſehenden Anſchlägen gegen die .Nors diſchen Reiche, gegen Holſtein und gegen die Nies derlande ,

ja ſelbſt mit Unterdrůdung einiger iſt

durch den Bund mitverwaroten Städte ,

fich zu

einer auſſerordentlichen Größe erheben wollte ; fie half mit Geld und Mannſchaft einen kriegeriſchen Einfall in Hollftein befördern , gog unterſchiedene Stådte in Dänemark an fich , bemachtigte ſich , mit Hülfe einiger benachbarten Reichsgrafen , der meh reſten Däniſchen Jafeln ,

ließ ſogar dem Könige

Heinrich dem Achten von England die Däniſche Krone anbieten , und gab zu dem Gerüchte Anlaß , als ob der Teutſche Orden mit ihrer Hülfe die Lande Preuſſen wieder erobern wollte . Legteres wurde 1534 . wůrklich als eine ſo wichtige Kriegsnachricht in Preuſſen aufgenommen , daß die Stände der Pro. vinz deshalb eignes Geſchäftes beliebten, den Dan ziger Burgermeiſter , Johann von Werden , an den König von Polen nach Wilná zu ſchicken , und ibn um frühere Anfeßung des gewöhnlichen Landta. ges zur näheren Kriegsberathſchlagung erſuchen zu Inzwiſchen aber bekamen die Nordiſchen laſſen . Kriegshåndel eine andre Geſtalt : denn als die be drängten Jütlander den Hețzog Chriſtian zum Könige ausriefen , und dieſer fick nåber mit Schwe den verband, ſo wurden ſchon viele Maasregeln der Lübecker vereitelt , unter Mediation einiger Hanſe ſtådte trafen ſie einen vierjährigen Waffenſtilſtand 5

Danzigs Geſchichte. mit Holland, wobey Danzig die Unterbandlungen am eifrigſten durch feste, und bald darnach mußten fie fich zu eineni Particularfrieden über die Holla ſteinſchen Lande verſtehen.

Das Jahr darauf wur .

1535. de ein Hanſeconvent zu Lüneburg gehalten ,

den

auch Danzig mit zwey Rathsherren beſdicte, und

Pse von Lübeck nicht nur wegen wieder aufgebrachter Soiffe eine Schadenvergütung fordern , ſondern aud, die Erklärung thun ließ ,

daß ,

wenn man

mit den Lübeckern wegen ihrer unordentlichen Ree gierung nicht receßmåßig verfahren würde,

feine

Deputirte von Danzig rieben dieſer Stadt ferner in den Rath geſchickt werden ſollten.

Hauptſächlich

hatte man auf dieſer Verſammlung die Abſicht, den Frieden zwiſchen den Nordiſchen Reichen und Lů . beck völlig wieder herzuſtellen ; allein der König von Dånemark wollte in die vorgeſchlagenen Bedingun gen der Lübecker nicht einwilligen , und obgleich die Conferenzen von Zeit zu Zeit erneuert, auch zulegt ins Kloſter Rþeinfeld , waren ,

ohnweit Lübec , verlegt

ſo wurden ſie doch wieder abgebrochen , und

man mußte die Fortſegung des Krieges geſchehen laſſen.

Neu pinju gekommene Vorfälle beförder.

ten dennoch die baldige Ausführung mit Lübeck. Einestheils ſchon

machten

die Zurüſtungen

des

Pfalzgrafen Friedrich , der ſich mit des gefange nen Chriſtian älteſten Prinzeſſin vermählte, und nun die Däniſche Krone begehrte, den König Chri ſtian geneigt ,

den Lübeckern mehr zuzugeſtehen ,

þauptſächlich aber brachte die in Lübeck wieder her: geſtellte Regierung der vorigen Magiſtratsperſonen

1

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

45

zümege, daß man ſich auch hier nach einem feſten Friedensſchluß fehnte. Derſelbe kam demnach in 1536. Februar. Hamburg glücklich zu Stande, und bald darauf ge. riechen die fernern Unternehmungen des Pfalzgra .

fen in Stecken , daher man aud in Preuſſen nicht weiter nothig hatte , auf eine thårige Unterſtüßung des Königs von Dänemart bedacht zu ſeyn , wozu zwar König Sigismund die Stände aufgefordert hatte,

Danzig aber ſolches inſonderheit von fich

hatte ablehnen müſſen , weil ſonſt zu befürchten ge weſen , daß ihre in den Niederländiſchen Seehafen

i liegende Schiffe mit allen Gütern als feindlich wi Dennoch kam man aus

ren eingezogen worden .

Preuſſen dem Könige von Dånemark mit Geldlies ferungen zu Hülfe,

und weil ſich noch ferner die

Vermuthung verbreitete, daß das Oeſterreichiſch . Burgundiſche Haus ſelbſt, auf die Nordiſchen Staa ten Abſichten hatte , und fich des Sundes bemách. tigen wollte , ſo wurden nicht nur vom Könige von Polen , in Preuſſen ſorgfältige. Maasregeln dagegen genommen , ſondern der König von Dänemark ließ auch den Sund ſchließen ,

allen Handel auf die

Niederländiſ @ en Provinzen verbieten , und die vor dorther kommenden Schiffe zu Kopenhagen ohne Unterſchied anhalten .

Danzig fand bieber wieder

für nöthig , durch einen an den Däniſchen Hof abs geſandten Secretair , um die freye Fahrt und die Losgebung ihrer aufgebrachten Schiffe anſuchen zu lafſen ; lekteres wurde auch unter einigen Bedin . gungen bewilligt, die Schiffahrt ſelbſt aber nur mit ausdrůdlichem Ausſchluß derNiederländiſchen Sege

.

46

Danzigs Geſchichte.

þáfen verſtattet.

Ohnerachtet nun die Burgundio

ſchen Zwiſtigkeiten mit Dånemark noch nicht völlig ihr Ende erreichten , und König Chriſtian III noch immer des Kayſers wegen beſorgt bleiben mußte, Yo konnte er ſich doch , nach Uebergabe der Reſidenza ſtadt Kopenhagen , einer beſſer geſicherten Regies rung erfreuen , wonachft er fich aufs

neue init

Schweden und mit dem Sąmalfaldiſchen Bunde enger verband, audą ſpåterhin ein Vertheidigungs Bündniß mit Frankreich errichtet hat.

Er konnte

nunmeşr auch in Ruhe ſeine und ſeiner Gemahlin 1537. Krónung fenerlich vollziehen laſſen , welcher , nebfi vielen auswärtigen Fürſten und Herren , der Her zog von Preuſſen beywohnte, und wozu auch Dan . zig, auf vorhergegangene Einladung, zwey Raths. Herren abſchickte , die bey dieſer Gelegenheit eine Beſtätigung aller Vorrechte und Freyheiten erhiel: ten , deren die Stadt von alters her in den Dåni. ſchen Staaten genoſſen hatte.

Durch Veranlaſſung der Lübecker Feindſeligkeis ten war Danzig auch mit dem Könige von Sowe den in eine Uneinigkeit verfallen , die beym nähernt Vernehmen mit Dånemarf, noch nicht völlig geho. ben werden konnte .

König Guſtav fatte freylich

Tchon früher einige Unzufriedenheit mit Danzig gen åuſſert, die zum Theil von ſpeciellen Handlungs ſtreitigkeiten Schwediſcher Unterthanen berrührte, größtentheils aber ſich auf einen Verdacht gründete, worin die Stadt Danzig zur Zeit der Schwediſchen Kirchenreformation gerathen war , 418 ob ſie die

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

47

widerſpenſtigen Biſchöfe ber fich geſchüßt und der Königlichen Beſtrafung

vorenthalten båtte ,

da

doch der Aufenthalt, den insbeſondre nur der Bie ſchof von Lincoping in Danzig gehabt hatte , bloß unter dem Geleit und auf Vorſtellung des Königs von Polen war begünſtiget geweſen.

Allein es ka men in der Folge erheblichere Umſtånde binzu, wo

durch die Freundſchaft mit dem Schwediſchen Reis de gebrochen wurde.

Allerdings ſchien die Politik

Danzigs einen zweifelhaften Erfolg zu verſprechen , als man bey Lübecks ausgebrochenem Kriege gegen die Nordiſchen Reiche, mit einer ſtrengen Neutrali. tåt zugleich eine überall freye Handlung und Schif fahrt zu verknüpfen gedacte.

Danzig wurde viel.

meýr einem zwiefachen Schaden dadurch unterwor fen ; denn die Lübiſche Parthen verwehrte die Fahrt auf Schweden , und die Schwediſchen Schiffe ban= den ſich eben ſo wenig an Freundſchaftsrechte , um nicht gelegentlich die neutrale Handlung zu ſtören . So Hatte im J. 1534 der Schwediſche Admiral Flemming um ein ficheres Geleit nach Danzig an . Halten laſſen , er hatte ſich hiefelbft mit allen Notha wendigkeiten verſorget, und zugleich die Verſicher rung gethan , weder im Hafen noch in der Nähe der Stadt , einige Feindſeligkeit zu unternehmen ; nichtsdeſtoweniger überfiel er nachher bey Hela eine ziemliche Anzahl in den Danziger Hafen feegelnder Kauffardenſchiffe ,

und führte vierzehn derſelben

mit voller Ladung mit ſich zurück.

Nun brauch

ten die Danziger , gleich bey offner Fahrt , im fol genden Jabre Repreſſalien , fie pielten alle Schwe

1

Danzigs Geſchichte.

48

diſchen Schiffe an , und es gelang ihnen ſogar, den Admiral felbſt gefangen zu nehmen . Dadurch ward König Guſtav zum Nachgeben bewogen , er ließ die von Danzig aufgebrachten Schiffe und Gůs ter , ſo viel deren noch vorhanden waren , ſogleich losgeben ,

compromittirte aber ,

gütung balber ,

der Schadender

auf den Preuſſiſchen Landesrath

und auf den Herzog in Preuſſen .

Zu Danzig wur.

den ebenfalls der gefangene Admiral ſowol als die beſchlagenen Schiffe in Freyheit gefekt, und man wünſchte mit noch mehr Sehnſucht, eine völlige Ausgleichung zu Stande zu bringen.

Es hat ſich

damit aber noch einige Jahre verzogen , und obwol 1537. auf einem Landtage zu Tborn zwey Schwediſche Geſandten, Holger Carlſon und Chriſtoph An derſon , perſönlich den Vortrag machten , um un . ter Vermittelung der Stånde und der Herzoglich . Preuſſiſchen Bothſchafter , die Rechte ihres Herrn ſowol zu verthendigen , als eine geziemende Genugs thuung zu erhalten ; ſo wollte dode Danzig fich zu der verlangten Erſtattung

keinesweges verſtehen ,

um ſo viel meþr , da man dieſelbe mit gültigen Ger genforderungen aufgeben zu fönnen überzeugt war . Daher iſt es im J. 1541 bey einer perſönlichen Zu fainmenkunft der Könige von Dänemark und von Schweden zu Brómſebroo dahin gediehen , daß die Stadt Danzig unter vorþer erbetener Königl . Dåni. roher Vermittelung, mit der Krone Soweden iſt aus geſdhnt worden .

1

Benderſeits Anforderungen und

Anſprüche in dieſer Sache ſind dabey gånzlich ges tilget,

und das gegenſeitige Verſprechen geleiſtet worden ,

l

Dritter Abſchnitt. worden ,

Zweytes Capitel.

49

dieſelben in ewige Vergeſſenheit geſtellt

feyn zu laſſen . Ein wichtiges Geſchäfte im Lande Preuſſen , das in dieſer Zeit zum Ende gebracht wurde , vers dienet hier feine Stelle, vorzüglich weil einige Prås rogativen der Stådte darauf berubeten . nemlid oben der Danziger

Es iſt

Landesordnung vom

F. 1526 gedacht worden , daß ſelbige unterſchie dene Artikel enthielt, welche den Rechten der Städte zuwiðer waren , und dem Adel dagegen ungebührs ·liche Frenheiten ertheilten .

Syierüber nun hatte man ſeit etlichen Jahren auf den Landtagen geſtrite ten , es war'desfalls zu einem förmlichen Rechts. proceſſe gekommen , und der diesjährige Landtag 1537. ſollte die lekte Entſcheidung deſſelben mit ſich brin . gen . Eigentlich waren wohl drey Polniſche Sena. toren als Königliche Commiſſarien auf den Thorner

Landtag geſchickt worden , um mit dem Preuſſiſchen Landesrath gemeinſchaftlich die Ritterſchaft und die Stådte zur Eintracht zu bringen ; allein man hielt es der Staatsverfaſſung für angemeſſener , ohne Beytritt der Commiſſarien das Vereinigungsges ſchäfte zu ſchlieſſen.

Solches erfolgte auch zur

Zufriedenheit bender Theile ,

indem die ſtreitigen Sagungen eine rechtmåßige Abånderung oder Uufe Kebung bekommen ; und dieſe getroffene Modera tion hat man nachher den Königlichen Commiſſa. rien vorgeleſen und communiciret. Was die abgeånderten Artikel ſelbſt betrift , ſo zeichnen wir gier zweckmäßig nur die erheblichſten

.

aus , gleichwie auch einige derſelben aus der erſten D Geſch . Danz. ater Th.

Danzigs Geſchichte.

50

E

Conſtitution , in der erneuerten gånzlich ſind wegges.. laſſen worden . nung das

Merkwürdig' iſt in dieſer Verord

Verſprechen

des

Königs ,

im Lande

Preuſſen zu keiner Sache Commiſſarien oder beſons , ders ernannte Richter zu beſtellen , ausgenommen in Grenzſachen Königlicher Güter , oder wenn an den

König

rechtskräftig

wåre

appellirt worden ;

auc ſollten in einer Saqe nicht zweymal dieſelben Commiſſarien ernannt werden .

Ein neuer Zuſak

wurde darin gemacht, daß die Preuſſiſchen Con filiarien vom Adel ſowol als aus den Städten, den Sißungen der kleinen Landtage nicht beywohnen dürften ; in Anſehung der Gerichtscompetenz wurde beygefüget, daß in Verbrechen ſowol als in friſch gemachten Contracten ,

die Thåter und die Pa.

ciſcenten an dem Ort, wo das Verbrechen began . gen oder der Contract geſchloſſen wåre , dingſtellig gemacht, gerichtet und verurtheilet werden ſollten . Ferner wurde die unbeſtimmt gelaſſene Freyheit der Fahrt und der Fiſcherenen auf den Preuſſiſchen Stromen und Flüſſen durch die Clauſul erläutert, daß ſolches mit Vorbehalt der Königlichen

Güter

und Rechte ; auch keinen Privilegien und lang bere gebrachter Gewohnheit

zuwider geſchehen

ſollte ;

gleichergeſtalt bekam die Einſchränkung der Fiſche. reyen in den Königlichen Landſeen den beſtimmtern Zuſak, daß daraus den Inhabern Königlicher Gü ter kein Nachtheil entſtehen , eigner

und den Beſißern

Landſeen keine Gewalt zugefüget werden

ſollte, als ob ſie ſich ihrer alten Rechte und Privi legien nicht zu bedienen

hätten .

Endlich wurde

1

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

51

eine Sagung , welche den Bürgerſtand und 'unader liche Perſonen

vom Ankauf der Landgüter aus .

fobloß , ausdrücklich dergeſtale abgeändert , daß es den Bürgerlichen freyſtehen ſollte, Landgüter, und den Adelichen , Stadtgüter zu kaufen , doch alſo, daß ſie von beyden Theilen gleiche Laſt zu überneh . men verbunden wåren ; daß nemlich die Bürger, itt Anſehung der Landgüter , alle Pflichten des Adels , und die Edelleute , wegen der Stadtgüter, alle bürgerliche Beſchwerungen auf gleiche Art tras gen müßten . Unter den weggelaſſenen Artikeln fiel vornehmlich das Strafgeſek weg , welches gegen die Ausſchlieſſung der Polniſchen Nationalen von den Handwerken in den Städten gemacht war; im. gleichen die Sagungen vom freyen Bierbrauen und Connenverkauf des Adels ſowol , als der adelichen und auf geiſtlichen Gründen

wohnenden Krüger,

als womit insbeſondre in die Privilegien der kleinen Stådte viele Eingriffe waren verurſachet worden. Nunmehr ließ ſich mindeſtens hoffen , daß die friede liche Ausgleichung über dieſe bisher zwiſtig gewes ſenen Provinzialfagungen , zwiſchen dem Adel und den Städten im Lande ein beſſeres Uebereinkommen bewürken ,

und zugleich einen günſtigen

Einfluß

auf die Behandlung aller übrigen Staatsgeſchäfte mit ſich führen würde.

Nur wider Danzig lagen

noch einige ſpecielle Beſchwerden im Wege , die in dem bisher mit dem Adel geführten Proceß ganz genau waren verwebt worden ; und auch dieſerwer gen wurde von der jeßigen Landesverſammlung ein Abſchied ercheilet, mit welchem die Gegenpartþey D2

A

Danzigs. Geſchichte.

52

beruhiget werden konnte. verpflichtet ,

Danzig wurde damit

den Seehafen niemals ohne gemeins

ſamen Beſchluß der Preuſſiſchen Råthe zu ſchlief ſen ;

das Recht Accifen anzufellen ,

wurde dieſer

Stadt, laut ihren Privilegien , als unſtreitig zuer ! kannt , man hatte aber ihre Angelobung erhalten , auf freundſchaftliches Anſuchen und nach Beſchafa

fenheit der Umſtände, frene Roggen- und Malzaus fuhr zu verſtatten , auch die Meblacciſe niemand als ihre eingeſeſſenen Båcker tragen zu laſſen. Vers ſchiedene Klagepunkte der Ritterſchaft waren jeſt niedergeſchlagen worden ,

und ſo þatte man ſich

auch der Invectiven gegen den Danziger Burger. meiſter Johann von Werden enthalten , der vore Her mit großem Unrecht, verſehrlicher Ausdrůde gea gen die Königlichen Befehle , und gewaltſamer Uno ternehmungen gegen die adelichen Güter war be ſchuldiget worden , ohnfehlbar weil er ſeiner adeli lichen Würden und der Staroſten Neuburg wegen beneidet , auch wegen der Hoffnung zu mehreren Königlichen Gnadenbegeigungen im Lande ange feindet wurde. Nichts deſto minder ereigneten ſich bald neue Veranlaſſungen , das Misverſtändniß zwiſchen dem Preußiſchen Adel und den Stådten wieder rege zu machen , auch noch mehr den Unwillen der Polni. ſchen Nation und des Königs felbft damit zu erwe Danzig hatte die unangenehmen Folgen das

den .

von größtentheils am nåd) ſten zu

fühlen .

Die

Differenzen , welche das Münzweſen hervorbrachte, waren jeßt aufs höchſte geſtiegen :

die Nothwen .

!

Dritter Abſchnitt. digkeit ,

Zweytes Capitel.

worin die Stadt ficky befand ,

53

nicht nur

ibre Münzfrenheit zu behaupten , ſondern ſie auch eigner Bedürfniß wegen auszuüben, hatte ihr långſt die Vorwürfe einer unleidbaren Widerfeßlichkeit zu. gezogen. " Ihr durch den Druck auſſerordentlicher Abgaben an den König, gerechtfertigtes Beſtreben , fice der Landescontributionen entledigt zu halten , wurde für ein gerekwidriges Betragen im Lande, und für eine Verkleinerung des Königlichen Anſe. Ihre Vorſtellungen , womit fie es hens erklåret. unternahm , bielen unſtatthaften

Neuerungen ent

gegen zu treten , als die geforderte Endesleiſtung der Großen Stådte im Landesrath abzulehnen , der gemeinſchaftlichen Berathſchlagung mit den: Polni. fichen Senatoren auszuweichen , und mehrere den Rechten oder den Umſtänden nach feuchtloſe Vors ſchläge zu entfråften , wurden für eben ſo viele Be. weiſe eines unverträglichen Eigenwilens gehalten . Hieraus -erwuchs eine übneigung, piele Feindſeligkeiten zugog,

und

die der Stade ſie von ihren .

Gegnern nichts geringeres befürchten ließ ,

als

durch fortgefekte Verläumdungen ganz und gar in die Ungnade des Königs zu fallen , Dabey mard die Religion aufs neue ein Ger genſtand , womit man die Mishelligkeiten in Lande vermehrte.

Die unterſchiedenen Meynungen in

Kirchenfachen , welche ſic in Polen fowol als im Lande åufferten ,

lieſſen

die großen. Stådte in

Preuſſen der ſcharfen Cenſur hierin nicht entgehen, die noch in Verknüpfung mit einigen zum Theil gut gemeinten Verbeſſerungen des Schulweſens und D 3

54

Danzigs Geſchichte.

der Geſekgebung in deſto größere Bewegung gefekt wurde.

Im Herzogthüm Preuſſen war das Sys

ſtem der Lutheriſchen Kirche befeſtiget , auch in Pommern ſowol als in andre benachbarte Lånder war die Evangeliſche Lehre mit Beyfall eingeführt worden .

Polen ſelbſt þatte angeſehene Familien ,

die derſelben ſchon þeimlich zugethan waren ,

der

bejahrte König ſchien gegen das Ende feines Lebens , von der Strenge gegen die ſogenannten Keber nach zulaſſen , von dem jungen Könige fonnte man fiche noch mehr Toleranz verſprechen , und obgleich die hobe Cleriſen nach den eifrigen Grundſåken des Erzbiſchofs von Gneſen , Andreas Krzycki, noch immer mit äuſſerſter Heftigkeit den Religionszwang zu behaupten bemüßt war,

ſo fand man doch in

Polen ſomol als in der Provinz Preuſſen , einige Bi ſchöfe , die mit Glimpf und Schonung die Abwei chungen von der Päpſtlichen Lehre und von den åufu fern Kirchengebråuchen beurtheilten .

Hierin zeich

neten ſich insbeſondre die beyden Biſchöfe von Erm . land und Culm , Johannes Dantiſcus und

Tie

demann Gieſe, durch Einſicht und Gelehrſamkeit aus : mit einer reiferen Kenntniß der Wiſſenſchaf ten verknüpften ſie ein helleres Licht in Religions Wahrheiten, wodurch die Ungleichheit der Meinun gen einen milderen Einfluß gewann , und wenn ſie gleich für das Bekenntniß ihrer Religion reden mußten , ſo lieſſen fie doch im Gewiſſenszwang bes þutſamere Maasregeln ſtatt finden. Unter folchen Umſtånden nahm ſich in den dren großen Städten der Anfang der Lutheriſchen Lehre im Stillen immer

Dritter Abſchnitt.

Zuveytes Capitel.

55

mehr auf; die Lehrbücher des Evangeliſchen Chri ſtenthums wurden eifrig geleſen , die Predigten un. vermerkt mit veråndertem Vortrage gehalten , in einigen Kirdyen fon Pſalmen und lutheriſche Lie= der geſungen ; nur in den Kirchenceremonien woll ten die Obrigkeiten noch keine laſſen , thum

Veränderung zu.

ſo ſehr ſie auch ſtillſchweigend den Wachsa

und die Uufnahme der lutheriſchen Reforma.

tion zu begünſtigen bereit waren .

Hiebey konnte

es nicht fehlen , daß mit einer geſchwächten Zunei gung zur Römiſchtatholiſchen Geiſtlichkeit auch das Anſehen und die Einfünfte derſelben abnahmen, daß die Meſſen wenig beſucht wurden , und die Kids fter almåølig

,

. wovon ein auffallendes Beyſpiel im J. 1937 fich zeigte, indem eine Synode zu Leslau von den Klo ſterorden aus Danzig nicht beſucht wurde, weil der größte Theil der Mönche frank und abgelebt war, die übrigen aber ſich in fo fümmerlichen Umſtänden befanden , daß ſie die Reiſekoſten nicht aufbringen konnten. Ein näherer Schritt zur öffentlichen Kirchen: 1537. veränderung wurde dennoch , obwol nicht ohne Be þutſamkeit, von Pancratius Klein , einem Do minicanermond ,

in Danzig gemacht :

derſelbe

Hatte ſchon einige Jahre vorher mit ſeinen Predig ten eine ungerneine Aufmerkſamkeit erwecket; weil er aber ben allem durch ſeine Beredſamkeit erwors benen Beyfall, eine fanfte Beſcheidenheit und einen untadelhaften

Wandel behauptete ,

Mönchskleidung beybehielt,

auch

ſeine

in den Kirchencerea D4

Danzigs Geſchichte.

56

monien keine Neuerungen zuließ ,

und mit ſeinen

Ordensverwandten vertraglich und freundſchaftlich umging ,

ſo

gatte der unausbleibliche Naďdruc

ſeiner Lehre bisher feinen Anſtoß verurſachet, ja als er einſt vom Biſchofe darüber zur Rede gelegt worden , ret ,

Hatte dieſer ſelbſt ihn für ſchuldfrey erflås

und aufs neue im Predigtamte beſtåtiget.

Nunmehr aber wurde er vom Rath zum ordentli. Den Prediger in der Pfarrkirche zu St. Marien ben ſtellet, woraufer in kurzem nicht nur die Mönchs. kappe abwarf,

ſondern auch ſeinen Beytritt zur

Evangeliſchen Religion nach der lutherſehen Lehre öffentlich und ohne Zurückhaltung an den Tag legte. Schon einmal ſtand ihm deswegen eine harte Prů. fung bevor ,

wenn nicht der Biſchof unterweges

auf ſeiner Reiſe nac Danzig

Todes verblichen

wåre ; allein wenige Zeit nachher kamen zu einer abermaligen

Kirchenviſitation

drey

Biſchöfe

in

Danzig zuſammen , unter denen auſſer dem Cuja . viſchen Biſchofe Nicolaus Dzierzgowski, und dem Biſchofe von Culm , Tiedemann Gieſe, fick auch der eifrige Biſchof von Ploczk, Samuel Ma. ciejowski , befand. Pancratius mußte ſich nun der wider ihn angebrachten Beſchuldigungen wegen , zur Verantwortung ſtellen, und es war wůrklich dar . auf angelegt , ihn gefänglich aus der Stadt führen zu laſſen ; allein die Bürger Hatten ſich beweßrt auf dem Markte vor dem Wohnungsquartier des Bi ſchofs von Cujavien verſammelt, auch die Ausfahrt in der Hundegaſſe dergefalt befeßet , daß ihr Pres diger ißnen nicht þeimlich entführt werden konnte.

Dritter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

57

Dunfehlbar aber ward gedachtem Biſchofe für Thåt. lichkeiten am mehreſten bange , denn er fam ſelbſt beraus, führte den Pancratius. bey der Hand, und überlieferte iśn den Bürgern ,

mit den Worten :

„ Seht, da habt ihr euren Abgott , man wird aber ,, euch und ihn wieder zu finden wiſſen . “

Indeſſen

mag auch die Gegenwart des Ploczker Biſchofes viel zu den Ausdrucken beygetragen haben , womit der Biſchof von

Cujavien ſeinen Widerwillen be.

zeigte : denn in der Folge hat er ſeine Geneigtheit der Stadt Danzig, als Erzbiſchof von Gneſen , ben feiner Gelegenheit entzogen , und auch jekt , nach der Abreiſe des Biſchofs von Ploczt, beſtåtigte er gutwillig den Prediger Klein in ſeinem Amte, ohne ihn weiter zur Rechenſchaft fordern zu laſſen , ob gleich es nicht eben glaublich iſt, was in einigen Chroniken erzählt wird , daß der Biſchof ihn mit dem Segenswunſche entlaſſen habe, „, den Wein : „ berg des Herrn mit i, alſo zu bauen . “

Fleiß zu warten und ferner

In Polen veranlaßte der verånderte Religions zuſtand in den Preuſſiſchen Stådten eine weit gros Bere Bewegung.

Man verknüpfte damit , durch

Angeber aus der Provinz ,

unaufgårliche Klagen

über die Magiſtraturen , wollte dem Rath in Dan. zig alle Schuld beymeſſen , von der

daß die Bürgerſchaft

ſchwärzte auch namentlich einige Obrigfeitliche Per. fonen an , ſo daß in Gegenwart eines Königlichen Abgeſandten , auf dem Landtage einige Preuſſiſche Råthe es billig fanden , ſich mit den Abgeordneter

58

Danzigs Geſchichte.

Der Ståbte zur Entſchuldigung des Danziger Mac giſtrats zu vereinigen , und mit richtiger Vorſtel fung der Sache zu zeigen , daß es unmöglich ſey, dem einſchleichenden Auffommen der Lutheriſchen Lepre zu ſteuren , indem der tägliche Umgang mit ankommenden Fremden ſolches unvermeidlich machs te, und ein innerlicher Aufruhr zu befürchten ſtünde, wenn man den Hang des gemeinen Mannes zur Kirchenreforme mit offenbarer Gewalt tilgen wollte . In eben dieſer Zeit war ein Edict auf dem Reichs. 1539, tage erſchienen , worin allen Königlichen Untertha. nen anbefohlen ward , ihre ſtudierende Jugend auf feine der Regeren wegen verdächtige Univerſitäten zu ſchicken , und die ſich an ſolden Dertern befana den , unverzüglich zurück kommen zu laſſen.

Dies

1540. Fes Edict gab auf dem Preuſſiſchen Landtage Geles genheit ,

das Elbinger

Gymnaſium anzugreifen,

welches ſeit 1536 angelegt war , und einen gelehr . ten Rector , Wilhelm Gnaphens,

þatte , der

aber der Religion wegen aus den Niederlanden

1

weichhaft geworden , und nun auch hieſelbſt Reges ren halber verſchrieen wurde.

Danzig und mehrere

Derter im Lande , welche einen Mangel an guten Schuleinrichtungen hatten , Kielten es für vortheil haft und bequem , ihre Kinder dahin ſchicken zu können , fie gaben ſich auch alle Mühe , den belieb . ten Rector im Amt zu erhalten ; allein nur wenige Jahre ſpåter þat er der Verfolgung weichen und feine Zuflucht nach Königsberg nehmen müſſen . Ueberhaupt entſtand hieraus ein allgemeines Be . gehren nach einer Schulenverbeſſerung im Lande,

) Dritter Abſchnitt. Zweytes Capitel.

59

Elbing zwar ſuďte ſein Gymnaſium , gleichwie der Culmſche Biſchof fein neu angelegtes Lyceum in Culm zu erhalten , der aufgeklärtere Theil der Preußiſchen. Einwohner ſahe auch ſehr wohl ein , wie nachtheilig die Einſchrånkung fey , der auswår. tigen Univerſitåten gånzlich entbehren zu müſſen ; nichtsdeſtoweniger wünſchte man , regelmäßigere Unterrichtsanſtalten zu haben ,

und hauptſächlich

eine größere Landesſchule, wo die Studierenden der Unführung zu gdhern Wiſſenſchaften genieſſen fdna ten .

Es wurden biezu verſchiedene Mittel in Vor

fchlag gebracht,

man wandte ſich vornehmlich an

die angeſeßenſten Kldſtercondente, und glaubte aus einer Beyſteuer von ihren Einkünften einen reichli. chen Zuſchub zu bekommen ;

allein dieſe ſchüßten

işre Dürftigkeit vor , brauchten auch zum Theil nichtige Ausflüchte, und man mußte , nach vieleu andern fruchtlos angewandten Bemühungen , das ganze Project fahren laſſen , welches einer glücit chern Periode bedurfte , um zur Ausführung geo bracht werden zu fönnen . Zu dieſer Sorgfalt für Kirchen- und Schulwę. ſen , geſellte ſich noch das ſehnliche Verlangen im Lande , nach einer beſſern Ordnung und Gewißheit der Gefeße und der darauf gegründeten Juſtizpflege. Auch hiezu hatte die oft erwähnte Danziger Landes Drdnung die erſte Bahn zu brechen geſucht. Das Culmifoe Recht,

deſſen man ſich vornehmlich in

Preuſſen bediente ,

war mehr dem Namen nac, als in einer feſten und bündigen Abfaſſung, für ein

Gefeßbuch des Landes zu halten.

Es war demnach

Danzigs Geſchichte.

60

ernſtlich verfügee worden , daſſelbe mit Fleiß und Einſicht in Ordnung zu bringen , und es dergeſtalt daß es durch den Druck gemein ge. macht und öffentlich beſtätiget werden könnte. Hiers abzufaſſen ,

auf nun gründeten ſich die erſten Fortſchritte , die man darinnen machte, und wozu der König felbft den Herzog in Preuſſen ſowol als die Stände der Provinz zu mehreren malen anmahnen ließ .

Den

Anfang dazú hatte ſchon der Herzogliche Geſandte, Hofrath und D.Johann Reinecke , im J. 1534 gemacht, indem er auf dem Landtage zu Neumarf eine Abſchrift des Alten Culms zur Grundlage der fünftigen Reviſion überreichte: es war auc andem , daß ihm und dem damaligen Domherrn , Tiede "

mann Steſe, die Einrichtung anvertrauet werden ſollte ; weil aber die großen Städte zu dieſer Sache nicht befehliget waren, ſo verzog ſich das Geſchäfte 1540. und wurde einige Jahre ſpåter dem Woywoden von Marienburg übertragen ,

unter deſſen Aufficyt es

auch mit Hülfe einiger gelehrten Mitarbeiter. eine Zeitlang wohl von ſtatten ging.

Seine nachherige

Krankheit aber und die Verſchick ungfeines fleißig ſten Mitarbeiters' des Danziger Syndicus, D. Eon rad Lagus , in eignen Angelegenbeiten der Stadt, Þaben einen neuen Aufſchub verurſacet, und ob. wol der

Culmiſche Biſchof,

Tiedemann Gieſe,

fich anfangs der Fortfeßung dieſer Arbeit unterzie: hen wollte , ſo hat er doch einige Jahre ſpåter ( 1545 ) diefelbe ganz von ſich abzulehnen gewußt. Dergeſtalt iſt unter der Regierung Sigismunds des Erſten noch nichts darin zu Stande gekommen ,

2

Dritter Abſchnitt.

Drittes Capitel.

61,

und obgleich man ſich gewiſſermaaßen der Koſten wegen geeiniget hatte , auch faſt auf jedem Lande tage ernſtlich dieſer Sache iſt erwåbnet worden , ſo hat man doch großentheils die Sąuld der Verzo . gerung dem Preuſſiſchen Adel zuſchreiben wollen , weil felbiger fich vorbehalten gehabt, in einigen Rechtsmaterien gewiſſe Sakungen 34 Papier zu bringen ,

worauf er aber die Landesverſammlung

viele Jahre hindurch vergeblich þat warten laſſen .

Drittes

Capitel .

Maturſchåden im Lande - mit Fortſeßung des Mordiſchen Krieges wird Danzigs Schiffahrt von neuem geftdyret die Stadt Danzig wird durdy Argwohn und Mißgunſt, im Lande ſowol als in Polen , verhaßt - wober fie den Befik des Pußiger Gebiets einbußet. - Abgewandte Tod des bejahrten Kriegsgefahren aus Deutſchland Königs Sigismund des Erſten . Die Beſchwerlichkeiten , welchen Danzig in poli tiſcher Hinſicht ausgelegt war , wurden nicht ſelten von natürlichen Unfällen begleitet.

Epidemiſche

Krankheiten hatten ſeit ( 1529 ) und noch einige Zeit långer , eine große Menge núblicher Einwoh. herverzehret. Im J. 1538 war wieder eine Pert Krankheit entſtanden , die zwar bald nachließ, oder mindeſtens in Danzig nicht überhand nahm , aber nur zehn Jahre ſpåter iſt ſie hier aufs neue ausge brochen , und hat im

J. 1549 dergeſtalt gemütet ,

daß wöchentlich etliche hundert Perſonen zu Grabe gebracht, und vorzüglich Jünglinge und Jungfern in großer Anzahl find weggerafft worden.

Hiegu

62

Danzigs Geſchichte.

kam ſeit dem J. 1540 eine ungewöhnlice Theus rung der Lebensmittel , die einige Jahre lang fort gewåþret gat , und nachft natürlichem Mißwachs, durch Eigennuk der Menſchen , elend und ſtråflich genug iſt vermehrt worden. " Ueberaus großes Uns glüc aber brachte der verderbliche Weichſelbruch in 1540. eben demſelben Jahre mit ſich . Matthias zur Abendzeit ,

Am Sonntage vor

brach die Weichſel ben

Kafemark im Danziger Werder mit ſolchem Unges ſtům aus , daß ſiebenzehn Dörfer bis an die Dås cher der niedrigen wurden.

Gebåude unter Waſſer geſeßt

Die Rettung der Menſchen , welche auf

die Häuſer und bis oben in die Kirchen þinan ſties gen ,

um mit angemachtem Feuer nach Hülfe zu

ſcreyen ,

konnte nur langſam und mit Mühe gen

ſchepen : eine Menge vortrefliches Vieh mußte er

N ſaufen , und ganze Familien wohlhabenden Landa volks wurden zu Stadt

blieb

Bettlern

gemacht.

i

Auch die

nicht völlig daben verſchonet ; das

Waſſer floß ſo ſtark auf Langgarten über, daß man fid , der Kåhne und Bðte bediente ;

es ſtieg auch

aus der Motlau in einige Speicherråuine, und vere zehrte eine beträchtliche Parthen Salz .

Sroßen

Schaden Gatten an vielen Orten die Werderſchen Damme bekommen ; zur Wiederherſtellung derſele ben mußte nothwendig im Danziger Gebiet eine Geldſchakung auferlegt werden , und obgleich der Rath mit allem Recht

:

eine Landesſache daraus machte, die auch auf vielen Landtagen ernſtlich ges nug ventilirt wurde , ſo ging es doch mit dem bes . ſtimmten Geldbeytrage fomol, als mit der nachbar.

1

Dritter Abſchnitt.

Drittes Capitel.

63

lichen Menſchenhülfe zur Ausbeſſerung der Dåm. me, ſo ſchwierig und langſam zu , daß Danzig meh . rentheils auf eigne Dammriffe

bat

Koſten die Ergånzung der bewerkſtelligen müſſen. Zwen

Jabre darauf tamen abermalige Ueberſchwemmun gen im Werder hinzu , die neuen Arbeiten wurden dadurch zum Theil zerſtóbret , die Koſten vermehr ten ſich , und Danzig ward gendthigt, den König ſowol als das Land um Beyſtand zu erſuchen . Hier. aus läßt ſichs

erklären ,

woher noch viele Jahre

þindurch die Reparatur der Werderſchen Damme ein wichtiger Gegenſtand der Landesbergthſchlagun gen geblieben iſt.

Die Wendung , welche die Nordiſchen Kriegs håndel genommeu hatten , befreyeten Danzig noche nicht von allen Handlung .

Ståbrungen der Schiffahrt und

Glücklich genug kam ein Vergleich

mit Lübeck zum Stande, kraft deſſen Danzig für die oft von den Lübeckern erlittenen Seeſchåden eine Erſtattung bekam ,

daß nemlich 8000 Mart Lů

biſch in zehn Jahren, und zwar jährlich auf Pfing ſten 800 Mark gezahlt werden ſollten ; allein von Dånemark wurden die jüngſt gegebenen Verſicher rungen nicht feſt gehalten.

Nach Ablauf des Waf.

feuſtillſtandes - iyit dem Kayſer , wurde zwar der Niederlande wegen an einem Frieden gearbeitet, 154 aber die erſte Zuſammenkunft zu Bremen zerſchlug ſich, ja es verbreitete ſich ſogar ein Gerüchte , daß der König gegen die Burgundiſchen Erblande des Kayſers noch weiter um ſich greifen würde, indem

64

Danzigs Geſchichte.

Frankreich , Schweden und die Herzoge von Gele dern und Cleve gemeinſchaftlich mit Dånemark dar . an Theil nehmen wollten .

Würflich blieben die

Niederländiſchen Schiffe im Danziger Hafen lie gen, und þatten Befehl, ſich nicht durch den Sund zu wagen ; auch der König von Dänemark farieb an Danzig , müßte ,

"

daß er aufs neue den Sund ſchließen

und daß den Danziger Schiffen nur die -

Fahrt auf neutrale Derter freyſtehen ſollte.

1

Dan

zig that alles , und hatte darin die Preuſſiſchen Stånde zur Seite , um durch Interceſſion des Ko. nigs von Polen ſich eine frene Fahrt zu verſchaffen . Man konnte um ſo viel ficherer den König Sigis mund um ſeine Vermittelung , ja ſelbſt um eine Friedensſtiftung anſprechen , weil er durch die Ver måhlung des jungen Königs in eine nåbere Ver. wandſchaft mit dem Deſterreichiſchen Hauſe getres ten war , weil auch die Regentin der Niederlande

4

jüngſt einen freundſchaftlichen Brief an ihn geforie. ben Hatte , und weil der Herzog von Preuſſen , als ein vielgeltender Freund von Dänemark , die Pere ſon ſeines Lehnsherrn annehmlich genug daſelbſt empfehlen konnte . Allein von Däniſcher Seite fqien man zur Vermittelung des Königs von Po. len Fein völliges Zutrauen zu haben , und obgleich der Kayſer und die Regentin beſſer davon bachten , ſo gab doch lektere den Danzigern ebenfalls die Warnung , rich aller Handlung auf die Däniſchen Provinzen , ben Verluft igrer Schiffe und Güter, zu enthalten .

Die Nothwendigkeit erforderte e8,

dieſerwegen aufs neue Geſchäftstråger abgegen zu laſſen .

1

1

Dritter Abſchnitt. Drittes Capitel. laſſen.

65

König Sigismund ſchickte einen Edel.

mann, Chriſtoph Konarski, an die Regentin , ließ die Freyheit der Danziger Seeýandlung ben ihr auswürken , und trug zugleich ſeine Friedens. Vermittlung an, die fie ; mit Genehmigungdes Kayſers ,

ihrer feits annahm. Kurz vorher war Danzi ger Secretair an den König von Dänes ein mark abgegangen , der aber auf feiner Seereiſe ver. ſchlagen wurde , und ſpåterhin unverrichteter Sas

Dagegen war ſchriftlich mit dem chen zurúdtam . Könige Chriftian tractirt worden ; man þatte alle beſtåtigten Rechte und Privilegien vorgeſtellet, fraft deren Danzig befugt war , felbft mit den Feinden der Krone Dånemark ungehindert Schiffahrt zu treiben ,

wenn ihnen nur keine Kriegsbedürfniſſe

zugeführt würden , und man bezog ſich zugleich auf die Zulaſſung der Fahrt in die Burgundiſchen Lan . de, womit andre neutrale Nationen und Seeftådte, während dieſein Kriege, begünſtiget wurden. Stet. tin , Hamburg , Bremen und mehrere Städte, konnten zum Beyſpiel angeführt werden , und wie wot der König von Dånemark ſolches zum Theil ignoriren , zum Thril auc, entſchuldigen wollte , ſo ließ ſich doch nicht alle Hintanſekung der Danziger Freyheitsrechte darin ableugnen. Weil indeſſen mit dieſem Briefwechſel nichts ausgerichtet wurde,

ſo entſchloß man ſich aufs neue , der Saơe wegen einen Rathsherrn nach

Kopenbagen zu ſchicken . Selbiger wurde auch bald zur Audienz gelaſſen , und konnte nun mit mehr Nachdruck die äuſſerſt nachtheilige Lage vorſtellen , in welche das Com . Geſch . Danz. 2ter Th.

66

Danzigs Geſchichte.

merz der Krone Polen und insbeſondere der Stadt Danzig , durde das Königliche Verbot gegen die fråftigſten Verſprechungen wäre gereßt worden : er wiederholte noch mit ſtårkerem Gericht alle Grün . de, die man zur Behauptung der freyen Schiffahrt foon ſchriftlich dargelegt hatte,

er beantwortete

auch alle Einwendungen und Vorwürfe , die man Däniſcher ſeits machte , unter andern , daß die Danziger zum Schein ſollten Holländiſche Schiffe gekauft aben , um ſie den Eignern ſicher durd den Sund zurückführen zu können , und daß mit eignen Schiffen , wider den Jnhalt der vorgezeigten Cero tificate , contrebande Güter den Burgundiſchen Staaten wåren zugeführt worden .

Erſteres zwar

wurde als eine falſobe Beſchuldigung erwieſen , und wegen des lektern verſprach der Abgeſandte im Na. men des Raths von Danzig , daß die treulos bee fundenen Schiffer mit ſcharfer Strafe belegt werdent ſollten .

Die leßte Reſolution des Königes von

Dånemark brachte doch nur die Erklärung mit ſich , daß ſo gerne er der Stadt Danzig einen freyen Seehandel verſtatten wollte, die jeßigen Conjunc turen ſolches doch noch nicht zuliefſen : man ſollte ſich demnach bis zum Austrag der nächſten Zuſam menkunft in Münſter gedulden ; bis dahin würde er ,

nach Inhalt der Privilegien , die Danziger

Schiffe zwar den Sund ungehindert hin und her paſſiren laſſen , aber keine Zufuhr, insbeſondre von Getreyde , ſollte weder auf die Burgundiſchen Lande, noch auf andre die mit felbigen in Commerzverkehr ſtůnden , gemacht werden .

91

Dritter Abſchnitt. Drittes Capitel.

67

Die Friedensconferenzen wurden in der Tþat 1543 . wieber eröffnet, nur die Zuſammenkunft ward von Münſter nach Campen in Ober - Y fel verleget; aber quch dieſe batte einen fruchtloſen Ausgang .

Viela meør bekam Danzig ein Forderungsſchreiben vom Däniſchen Hofe , daß weit der Krieg feinen Forta gang behielte , die Stadt igre Fahrt durch den Sund gånzlich einſtellen ſollte ; ihre in den Dánia lidhen Staaten handelnden und ausreiſenden Bůra ger , es ren zu Waſſer oder zu Lande,

ſollten Cers tificate mitbringen, daß ſie nirgends als in Dans

zig zu

Hauſe gehörten ,

die in Däniſchen

Landen

auch

rich

vereydigen

gekauften Güter

und

Paaren ,an feinen Ort als nach Danzig zurück zu führen ; endlich

ſollte die Stadt fich erklären , eines Betragens und Beyſtandes fiche der König im Notbfalle von ihr zu verſichert was für

hätte. - Danziger - feits erſchöpfte man ſich hiera auf mit Vorſtellungen und Ueberzeugungsgrünte. den , daß die Zumuthungen des Königs von Däne mark allen bisherigen Vertragen und Zuſagen zum wider waren , und daß die neu hinzugefügten Fors derungen , ſo ſehr ſie nicht nur ihren Privilegien , ſondern auch dem Volkerrecht ſelbſt entgegen was ren , die Wohlfahrt der Stadt gånzlich aufhebett mußten : aber nichtsdeſtoweniger blieb der Sund geſchloſſen , und Danzig þatte auſſerdem noch das Unglück , daß iỹre Kaufmannsgüter in Amſterdam mit Arreſt belegt wurden . Congreß ,

Ein neuer Friedenst

den man zu Hamburg. angelegt hatte, wurde ebenfalls růdgångig gemacht; dennoch aber

ie 68

Danzigs Geſchichte.

fchienen alle trieg führende machte der fruchtloſen Feindſeligkeiten

überdrüffig

zu

feyn ,

und

das

1544. Jahr darauf bot der Kayſer die Hand , einen enda lichen Frieden zu fchlieſſen.

Derſelbe kam auf demt

Reichstage zu Speyer zu Stande : Preuſſen und die Stadt Danzig zogen davon den Vortheil, daß fie ſich der freyen Fahrt durch den Sund , und des Handels auf die Niederlande wieder bedienen konn . ten , indem der König von Dänemark nicht nur diefe Gerechtigkeit wiederfahren ließ , ſondern auch drey Jahre ſpäter ,

als einige Hanſeeſtådte ihn

wieder zur Sperrung des Sundes baben veranlaſſen wollen , der Stade Danzig die Verſicherung beſtå . tiget þat,

daß er iþres freyen Commerz Halber,

nicht anders als in den dringendſten Umſtånden , und nach geſchehener Anzeige davon ,

den Sund

ſchließen würde. Mitlerweile war im Lande das Mißvergnügen mit Danzig genåþrt worden ; die Anfeindungen in der Provinz Preuſſen und die Verläumdungen am Königlich Polniſchen Hofe hatten ſich

dermaßen

gegen die Stadt gehåufet , daß ſchon im vorherge henden

Jahre zwey Burgermeiſter ,

Bartholo

mans Brandt und Tiedemann Gieſe, auf den Reichstag nach Krakau waren ausgeladen worden . Die Citation 'war um ſo viel bedenklicher ,

weil

keine Urſache davon angegeben , und kein Verbree ' den

ſich darin ausgedrückt fand ; man wußte wol,

daß die im J. 1532 von Danzig geſchehene Vers weigerung der Contribution ,

imgleichen das abge

drüngene Verfahren in der ſtreitvollen Münzſache,

Dritter Abſchnitt. Drittes Capitel.

69

zu Zeiten den Zorn des Königs erweckt Vatten ; aber nun hieß es , daß die Ausgeladenen erſt auf den angefeaten Termin ,

vom Reichs - Inſtigator

mit ihren Verbrechen bekannt gemacht werden foll ten . Die Ausladung ſelbſt trat auch der Rechts

gewohnheit ſo ſehr entgegegen , daß die Stadt mit Grunde bemühet feyn durfte , die perſönliche Vors forderung ihrer Magiſtratsperſonen abzulenken, und fie höchſtens nur durch Bevollmächtigte erſcheinen zu laffen . ließen

Die Landesråthe von Preuſſen

Interceſſions ſobreiben

König ergehen ,

deswegen

an

felbſt den

und beym Beylager des jungen

Königs wurde der alte Herr mündlich gebethen , die Sache der Danziger Burgermeiſter, den Grunds gelegen gemäß , in die Provinz zu verweiſen . Allein dieſes alles iſt von keiner Wůrkung geweſen , die benden Bürgermeiſter mußten fich einige Monate ſpåter perſönlich auf den Reichstag zu Peterkau eins ſtellen , und ſie ſchlugen zwar fråftige Mittel ein , um mit Fürbitte der Kronſenatoren und Landese råthe ein ferneres Verfahren von rice abzuwenden, fie wurden auch in Gnaden vom Könige erlaſſen ; allein es läßt ſich leicht urtbeilen , daß nächſt den Reiſekoſten noch ein viel größerer Aufwand damit Habe müſſen verknüpfe werden . Uebrigens batten die Feinde der Stadt doch ihren Hauptendzwed erreicht; man erfuhr auch fernerhin , daß auſſer den oben zum Theil angezeigten Fällen , worin man den Rath von Danzig eines ftrafbaren Ungehore fams und Widerſtrebens in Staatsangelegenheiten bat bezüchtigen

wollen ,

die Geiſtlichkeit biebep

E

3



70

Danzigs Geſchichte.

富尝意

ihre Beſchwerden in Religionsfachen angebracht þatte ,

und daß

einige Biſchofe ſelbſt

perſonelle

Anklagen , ſo unbedeutend ſie auch geweſen , damit verknüpft þatten . der Religion

So war es als eine Verchtung

angeſehn worden , daß die beyden

Burgermeiſter fich am nächſten tage dem Mitgehen

Frohnleidynams.

bey der Proceſſion entzogen

þåtten , und daß der Burgermeiſter Gieſe beym Begräbniß ſeiner erſten Ehegattin fowol, als bey feiner Verbindung mit der zweyten ,

die achten

Kirchengebräuche nicht ſollte beobachtet haben ; ja wie ſich gemeiniglich der Verfolgungsgeiſt in den Religionsen fer einkleidet , ſo ſuchte man Schwach .

be

Þeitsfehler und in den demtern begangené Verreo þen , zu großen Verbrecen gegen den Staat und die Kirche zu machen . Was noch hinzu kam , fo mußte gerade in dies Fer Zeit, da Danzig den Haß vieler Feinde gegen eine Angelegenheit, die bisher immer

fich hatte ,

ben Hofe war liegen geblieben , zum Nachtheil der Stadt in Bewegung gebracht werden . Danzig þatte von Zeit zu Zeit vortheilhafte Erbietungen gemacht , um das Pußiger Amt eigenthümlich an fich zu bringen , es war aber nie eine categoriſche Erklärung darauf erfolget; nur jeko beſtellte der König eine Commiſſion von dren Preußiſchen Lan desråthen , nebft dem Stifts ,

welche das

Probſt des Ermländiſchen Recht unterſuchen , ſollten ,

kraft deſſen Danzig das Amt Paßig dazu gehörigen Gebiete befäße.

nebſt dem

Zur erſten Ein

leitung des Geſchäftes wurde zugleich folgender

AW

Dritter Åbſchnitt. Drittes Capitel.

71

Entwurf den Commiſſarien mitgeteilet : es rollte nemlich in den Urkunden und Verſchreibungen genau nachgeſehen werden , für was für eine Geldſumme Pubig den jeßigen Inhabern verpfändet wäre , ob ſelbige ſich aus den Einfünften des Amts bezahlt machen müßten , oder ob eine Summe ausgedrückt ſtånde , die der König bey der Einldſung zu erle. gen håtte ; wenn nun lekteres ſtatt fånde , ſo ſollte der Landſ@ akmeiſter gebalten feyn, die Summe Geldes im Namen des Königs zu zaplen , wåre aber das erſtere ſtipulirt worden , ſo ſollten die Com. miſſarien einen Ueberſchlag magen , nicht ſchon ſo viel

genoſſen þåtte ,

S @ uldſumme betrüge ; in dieſem

ob Danzig

als die ganze

Falle nun würde

der Landſchagmeiſter den Diſtrict Püßig, ohne weis tere Einrede ,

in Beſik zu nehmen haben ;

ſollte

Danzig aber noch zu einer růdſtåndagen Forderung berechtigt ſeyn , ſo würde auch dieſe aus dem Kö. niglichen Scak můffen gutgethan werden .

Die Stadt Danzig erhielt nunmehr ein Königo 1944. lidzes Mandat , den ernannten Commiſſarien Folge Jul. zu leiſten ,

und bald darauf gingen die Ladungen

von der Commiſſion ein , daß die Stadt ihre Be. volmachtigten nebſt allen den Puziger Beſik ange. benden Urkunden , nach Marienburg abfertigen follte. Solches geſchah in ſo weit , daß die Dan ziger Deputirten zwar nur abſchriften von den Originalurkunden mitnahmen ,

doch aber darauf

inſtruirt waren , daß wenn die Originale verlangt würden , man durch eine von der Commiſſion abge. ſchickte und autoriſiete Perſon , die Copien mit den E 4

72

Danzigs Geſchichte.

Driginalſchriften wollte conferiren laſſen . die

Commiſſarien

Allein

ſchickten ohne Erwiederung die

Abſchriften an den Königlichen Hof, und von dort kam ein neues Mandat herunter , daß man ſich mit den Originalurkunden einfinden ſollte , und im Fall ſolches nicht geſchahe, dennoch in der Sache, was Recht iſt ,

ergehen würde.

Dieſem Befehl des

Königs wurde gehorſamet, und wenige Tage dar auf ſprachen die Commiſſarien ihre Sentenz ab : daß Danzig gehalten ſeyn ſollte, ' die Stadt und das Amt Pußig mit allem was dazu gehörig , ben V

Strafe von zehntauſend Gulden zu räumen , und die Befiknehmung davon an den Marienburgſchen Unterkammerer zu überlaſſen , der ferner das Puķi . ger Gebiet dem Caſtellan von

Elbing abliefern

Bevor aber ſolches geſchahe,

würde.

Caſtellan von

ſollten der.

Elbing mit dem Landſchaßmeiſter

viertauſend Sulden , jeden zu 30 Groſchen gerech . net, und eintauſend Ungriſche Gulden , im Namen des Königs , aus dem Königlichen Schaß an die Stade bezahlen ;

falls ſich hingegen nachgehends fände,

daß die Stadt gedachte Summe ſchon empfangen Håtte, oder eine Gegenſchuld růcſtåndig wåre , ſo follte der König das gezahlte Geld wieder zu for dern befugt ſeyn .

Von dieſem Ausſpruch appel.

lirten die Danziger Abgeordneten ſogleich an den König ,

unerachtet die Commiſſarien ſolches nicht

nachgeben wollten ,

ſondern der Elbingſche Caſtel.

lan Koſtka vielmehr Anſtalten machte , das Geld an die Stadt zu zahlen .

Die Zahlung wurde aber

nicht angenommen , und man brachte das Geld

Dritter Abſchnitt .

Drittes Capitel.

73

deshalb aufs Marienburgiſche Rathhaus , wo es bis zum Austrag der Sache gerichtlich niedergelege bleiben ſollte.

Hienåchſt verweigerten die

Com

miffarien die Zurückgabe der eingelieferten Origi-. nalurkunden , reitſchaft,

und legten ſich ungeſäumt in Bee

die Beſiknehmung des Pußiger Geo

biets, nach dem Jnhalt der Sentenz , durch den Unterfåmmerer von Marienburg zur Vollziegung zu bringen .

Dagegen aber wurden von Danziger

Seite die erforderlichen Anſtalten getroffen ,

man

machte ſich gefaßt, den Beſik des Pukiger Geo biets nicht nur rechtlich zu behaupten , ſondern auch gegen alle Gewalt zu vertheidigen.

Es wurde zu

dem Ende ein Corps bewaffneter Mannſchaft nach Pußig abgefertiget, mit feinern

und als der Untertämmerer

Commando

zur Erecution

anfam ,

mußte er bald der Vertheidigung weichen , und vom ganzen Vorhaben abfteben.

Damit aber dieſes Verfahren feinen widrigen Eindruck am Königlichen Hofe verurſachen möchte, ſo ſchickte man ungeſäumt einen Secretair dahin ab ,

dem wenige Wochen ſpåter der Syndicus

Conrad Lagus nachfolgte, und durch deſſen uner . müdetes Beſtreben ward mindeſtens die Appella tion für gültig erkannt, und die Stadt nur gewöhna licherweiſe zur Juſtification derſelben ausgeladen. Zwer Herren

des

Raths ,

Burgermeiſter von

Werden und Johann Brandes , wurden nun . mehr nach Krakau abgeſchickt, um die Stadt noch ferner fierin zu vertreten ; die Unpåßlid )feit des Königs verzögerte zivar die Audienz, Es

allein die

Geſchichte Danzigs .

74

Deputirten bekamen ſchon die Verſicherung,

daß

der König alle Billigkeit in ihrer Sache zu beob. achten geneigt wåre ; ſie hatten auch die Ehre, eit geneigtes Gehør bey der vielvermogenden Königin Bona zu erhalten ,

und

derſelben perſönlich die

Juſtificationsſchrift mit verknüpfter Bitte um igre 1545. Fürſprache zu überreichen .

Die Audienz

beym

9. Mårt. Könige ſelbſt beſtåtigte die Hofnung eines guten Ausganges .

Man hatte in der Rechtfertigungs

førift nicht nur die wahre Beſchaffenheit des Pukis ger Beſikungsrechts auseinander gefegt,

ſondern

auch die großen Geldſummen , die Danzig darauf verwandt fatte , documentiret, und bienåchſt erwie ſen ,

daß auch eine der angegebenen Pfandfum

men von 4000 Gulden , * nicht in Preuſſiſchem Gelde ,

ſondern in Ungriſchem Golde,

ſchreibung nach

der Vers

entrichtet werden müßte.

Bev

allem günſtigen Anſchein aber mußte die Stadt dennoch , in Gegenwart des Königs und vieler Se natoren , vom Reichs - Juſtigator eine Anklage des Verbrechens der beleidigten Majeſtát über fid , erge hen laſſen .

In der Lage ,

worin ſich die Depu.

tirten von Danzig in Polen befanden ,

batten ſie

freylich die äußerſten Schritte von ihrer Gegen parthen zu befürchten , weil ſie aber feine Urſachen hatten , an den geneigten Geſinnungen des König lichen Hauſes ſelbſt zu zweifeln ,

ſo unterließen ſie

nicht mit den kråftigſten Vorſtellungen die hiedurch erlittene Sømadı von ſich abzuwenden , fie berie . fen ſich auch auf das Recht und ihre Beſtimmung, Rich keinesweges mit Sr. Königlichen Majeſtåt in

1

r itt Dritte Abſchn .

1

einen Proceß einzulaſſen ,

s Dritte Capitel.

75

am wenigſten ſich dem

Richterſtuhl der Polniſchen Senatoren zu unters werfen ,

ſondern wenn ein Erkenntniß über ein

Verbrechen ſtatt finden mußte ,

vor dem Preuſſie

ſchen Rath von Land und Städten gerichtet zu wer den .

Hiedurch wurde denn zwar der Endzwed

erreicher, daß die Stadt von allen Beſchuldigun. gen der beleidigten Majeſtåt frey erklärt wurde; dagegen aber nahm es der König an ſich ,

in der

Pußiger Sade ein Decret abzuſprechen , welchem ohne Widerrede ein Genüge geſchehen follte. Kraft deſſelben erflärte ſich der König wegen Pußig zu einer Sæuld an die Stadt Danzig von 6000 Una griſchen und 2000 Preuffiſopea Gulben ; inzwiſchen follte die Stadt vor Empfang dieſer Geldſummen , dem Königlichen Bevollmächtigten

das Pubiger

Gebiet ohne Verzug einräumen , nach Verlauf eines Jahres aber ſollte ißr fren ſtegen , ſich wieder zu melden , und alsdann würde der König die Wahl . þaben , entweder das Amt Pußig vergleichsweiſe an Danzig abzutreten , oder die nahmhaft gemachte Dieſem Ausſpruch zufolge Summe zu erlegen. weigerte man ſich in Danzig nicht weiter ,

dem

Caſtellan Koſtka , der mitlerweile bie Caſtellaney Culm betommen batte ,

Pukig mit allem daju

laut Königlicher Voimacht, des Beſikes daran zu bege. ſich und , einzuräumen Jahre , ron . nådyſtfolgenden Nicht nur im ben .

gehörigen

Lande ,

dern auď fernerhin hat man zwar von Zeit zu Zeit die Verſuche wiederholet , das Amt Pußig eigen. thümlich an die Stadt zu bringen , allein bevor

Danzigs Serchichte.

76

ſpåtere Conjuncturen eine Veränderung veranlaſſet haben , þat man feinen erwünſchten Erfolg davon zu gewarten gehabt. In den erſten Regierungsjaþren Sigismund des Erften , wurden Danzig und ganz Preuſſen noch mit åußern Kriegsgefahren von Seiten des Teutſchen Reiches bedrohet.

Der

Biſchof von

Ermland wollte die gewiſſe Nachricht haben , daß 1547. der Kayſer nach dem Siege über die Schmalkalo diſchen Bundesgenoſſen ernſtlich entſchloſſen wäre , den Teutſchmeiſter in Preuſſen einzuſeken , und ſeine beſondre Abſicht auf die Stadt Danzig aus . zuführen , woran ihm feiner Burgundiſchen Erb lande wegen viel gelegen ſeyn müßte. Die Vors ſtellungen, fo man dem Könige dieſerwegen machte, brachten es zuwege , daß er einen eignen Geſande ten auf den Reichstag zu Augsburg abfertigte ; und weil Danzig und Elbing von Zeit zu Zeit noch immer vom Kayſer und Reich die Aufforde rung bekommeu hatten , ſich als angebliche Stådte des Oberfächſiſchen Kreiſes , zu Abtragung der Römermonate und Kammerzieler ,

imgleichen zu

Kriegsſteuern und andern Abgaben , im Teutſchen Reich , zu bequemen , ſo wurde , nåckſt Tilgung der Reichsacht gegen den Herzog von Preuſſen ,

es

zum Hauptgeſchäfte der Geſandtſchaft gemacht, in dieſen Angelegenheiten eine befriedigende Erklärung zurück zu bringen. Unerachtet nun die Antwort nicht vollkommen nach dem Sinne des Kenigs von Polen ,

und nach dem Wunſch der Preuſſiſchen

Stånde ausfiel,

ſo wurde doch am

Kayſerlichen

7 Dritter Abſchnitt. Drittes Capitel.

77

Hofe ſelbſt, die Kriegsanſtalt aus andern Grün . den zurückgehalten ,

und dem Teutſchen Orden

großentheils nur mit leeren Verſprechungen gee fohmeichelt.

Jndeſſen hielt Sigismund fich auf

alle Fälle bereit , feinen oft gegebenen Verſicher rungen nach , das Land Preuſſen aus allen Kråfo ten zu vertheidigen und zu beſchügen , und es gerei. chet ihm zu Königlicher Ehre ; hierin , wie in allen feinen Unternehmungen ,

den groſſen Namen des

Jagelloniſchen Hauſes behauptet zu Şaben ; weil

1 aber ſein hohes Alter ihn tåglich erinnerte , ſich die Regierungslaſt möglichſt leichter zu machen ,

ſo

übertrug er nun auch , wie ſchon wenige Jahre vorher mit Litthauen geſchehen war,

die Regies

rung und alle Einkünfte von Preuſſen feyerlich an 1548. 6. Jan den jungen König Sigismund Auguſt , ben welcher Solennitåt die Abgeordneten der Preuſſia

ſohen Stände, die übertriebene Demuth bezeigten , die Abſchriften der Landesprivilegien zu ven Füßen des alten Königs zu legen , und faſt ſclaviſch um die Beſtätigung derſelben iģn und den neuen Ko. Die Folge der Zeit þat gelehret, wie weit man dennoch vom Ziel der genommenen Maasregeln fen zurückgeſeer worden , und wie nig zu bitten .

bald , nach dem Code Sigismunds des Erſten , der im 82ſten Jahre ſeines Lebens entſchlief , das : 1. April. Land Preuſſen einer merkwürdigen Staatsverans derung nåber gerückt rey .

Danzigs Seſchichte.

78

Viertes Sapitel.

Danzig entzieht ſich der Huldigung an Sigismund Auguſt erſte Verſuche , die Provinz Preuſſen in Polniſche Vers faſſung zu ziehen -- Urſachen zur Ankunft des Königs in Danzig – unangenehme Vorfalle bey derſelben – Ans ſtalten zur Beylegung vermeintlicher Mishelligkeiten in der Stadt Des Königs Abreiſe - Danzig Thickt der Hands? lung wegen , Geſandten nach Dåtiemark und England. Danzigs Handlung wird durch den neuen Weichſelgraben in Sefahr geſeket - Neue Unternehmungen zur Kirchens reformation in Danzig - ſelbige wird ruhig zur Auss führung gebracht , und durch Freyheitsrechte beſtätigt: Die ie

Thronbeſteigung

Sigismund

Auguſts

erweckte in Polen ein ungeduldiges Verlangen , das Verſprechen erfüllt zu feben , welches ſein Herr Vater ,

in Abſicht der genauen Einverbin .

dung der Polniſchen Nebenländer mit der Krone, gegeben hatte. Dawider ſuchte nun die Provinz 06 Preuffen überhaupt ihre Maasregeln zu nehmen , allein der Udel ſowol als die Städte hatten auch einſeitige Beſorgniſſe ,

ihre Vorrechte verluſtig zu :

gehen , und darum mußte jeder Theil , nad Ver þåltniß der Umſtände , auf die Rettung derſelben bedacht ſeyn.

Danzig wählte das Mittel, mit der

Huldigung ſo lange zu zögern , bis der König die Privilegien des Landes ſowol als die Freyheitss rechte der Stadt würde ſicher hergeſtellt haben . Die 1549. zur Huldigung abgefertigten Commiſſarien konnten ihr Geſchäfte hier nicht ausricyten ,

und unerach .

tet ſich die unangenehmen Folgen davon ſehr leicht vorausſeßen lieſſen ,

ſo glaubte die Stadt dock

Dritter Abſchnitt. Gründe genug zu . Kaben ,

Viertes Capitel.

79

um den Unwillen des

Königs damit zu beſänftigen .

Man hielt es ſchon

für verkleinernd , daß nächſt dem Woywoden von Marienburg, nur noch ein Commiſſarius, und zwar ein Königlicer Secretair , der damalige Krakaa ſche Canonicus Martin Cromer ſid, einfand , da doce fonſt dergleichen Commiſſionen an die großen Ståbte,

dren und mehreren der erſten Biſchöfe

und Reichsråthe pflegten übertragen zu werden ; 1 noc meşr aber wurden die ſchriftlich an den Kön nig übergebene Beſchwerdepunkte für kräftig genug angeſehen , die Stadt zu rechtfertigen und zu ents ſchuldigen.

Die Münz- und Contributionsſachen ,

die Zollneuerungen , die Störungen des Handels , auch die Vorenthaltung des Pußiger Gebiets , und die willkührliche Ausladung der Magiſtratsperſon nen , waren einige der beträchtlichſten Gegenſtande, worin man über Eingriffe in die Vorredere der Stadt zu klagen ſich berechtigt hielt ; die vielfälti. gen Landesgebrechen aber waren ſchon längſt ,

ſo

wie noch auf dem nächſt vorhergehenden Reichs tage ausführlich vorgeſtellet, und auch jekt von neuem wiederholt worden .

Es wurde aber dieſes

Verfahren am Königlichen Hofe ſehr ungnådig aufgenommen , der König ließ erklären , daß er den von der Stadt Danzig einzig und allein bemies fenen Ungeborſam von den Räthen der Krone und des Landes wollte beurtheilen und richten laffen ; er gab auch rein Befremden darüber ſo ſtark zu erken nen , daß er ſelbſt an der Einſtimmung der ganzen Bürgerſchaft darin zweifelte, und es nur für das

80

Danzigs Geſchichte . widerſpenſtigen Einwohner hie.

Anſtiften einiger

felbft halten wollte .

Die Sache wurde kurz nach

þer auf dem Preuſſiſchen Landtage erörtert;

die

Danziger Abgeordneten vertheidigten dieſelbe mit aller Wärme für eine patriotifiche Abſicht, fie ver maßen ſich , daß weder Zwietracht noch Eigennuk , und noch vielweniger treulofe Widerſeblichkeit dazu mitgemůrkt gåtten , und fie lagen den Landesråthen inftåndig an , ihre dem Könige deshalb gemachte Vorſtellung

zu

unterſtüßen .

Dieſes

Anſuchen

blieb nicht ohne Würkung ; die Preuſſiſchen Stånde vereinigten fiche , dem Könige einen umſtåndlichen Aufſchluß von

Danzigs Betragen zu geben ; fie

ſtellten es Sr. Majeſtát zwar angeim

, eine nähere

Unterſuchung anzubefehlen , ob Storer der innerli den Ruhe , zu Beförderung ihrer Privatabſichten , ſich in der Stadt aufhielten , in dieſer Sache aber , welche die verſagte Huldigung anging , gaben ſie ihre Ueberzeugung zu erkennen , daß Danzig feine ſtråfliche Abſicht, ſondern nur die einſtimmige Sorge falt damit verknüpft Batte , dem Vaterlande in feio ner Bedrůdung zu helfen , den Nußen des Königs ſelbſt zu befördern , und ihre eignen Gerechtfamen und Privilegien aufrecht zu ergalten .

Um dieſe

und mehrere Fürſprachen in Sachen der Stadt, durch Wachſamkeit und Aufmerkſamkeit zu beföra dern , fertigte Danzig einen Secretair an den Ko. niglichen Hof ab ;

ſelbiger aber drang zu nahe in

das Geſchäft ein , die unſquld der Stadt vertheio digen zu wollen , und bekam darüber den Beſcheid, daß die Sache zu wichtig fen , um mit ißm bepan. dele

1

Dritter. Abſchnitt.

Biertes Capitel.

81

delt zu werden , vielmehr hätten ſeine Obern jemand aus ihren Mitteln zu ſchicken , mit dem man dars ůber in Unterhandlung zu treten fich würde geneigt finden laſſen .

Unerachtet nun lekteres nicht lange

darauf würflich geſchehen iſt , ſo hat ſich doch die Beendigung dieſer Negotiation über zwen Jahre derzogen ; endlich aber hat die Stadt mit Hülfe des Rron - Großkanzlers die erwünſchte Abfertigung erhalten , daß der König ihren Deputirten in einer geheimen Audienz perſönlich die Verſicherung gab , alle wegen der aufgeſchobenen Eydesleiſtung gefaßte Uagnade fallen zu laſſen ;

daß er auch die Hul

digung felbſt nicht weiter verlangte,

ſondern mit

dem Eyde , den ſie feinem Heren Vater geſchwox ren , zufrieden zu ſeyn ſich erklärte. In Polen wurden wåþrend dieſer Zeit allmaa lig die Ketten geſchmiedet, womit das Land Preuſo fen ſeiner Freygeit beraubt werden ſollte.

Auf

dem Reichstage zu Peterkau wurden die deputir. ten Landesråtbe zu einer öffentlichen Audienz in Beyſeyn des ganzen Reichsſenats gezogen ,

man

legte ihnen ſchon das Vereinigungsproject gang eigentlich

vor ,

man machte

unſtate afte Aus.

legungen des Indigenatrechts , und hätte wol alle Beſtåtigung der Preuſſiſchen Privilegien verhin . dert , wenn nicht der König felbft ſich zu einer Verſicherungsſchrift erklärt hatte , daß er in ſeinem zu Krafau geleiſteten Krdnungseyde,

die Privile.

gien des Landes Preuſſen habe mit begriffen ſeyn laſſen .

Bey der dem Herzoge in Preuſſen ertheil

> ten Lehnsernennung zu Krafan wurden die Preuſſic 38594 Geſch . Denz , ater Th.

Danzigs Geſchichte.

82

fohen Råthe noch dringender in den Polniſchen Se nat gefordert ,

fie mußten Silę neýmen und mit

•ftimmen , und der König felbſt kam iğren Beigen tungen zuvor ,

indem er ſie verbindlich anredete:

Warum wollet ihr Preuſſen mir nicht ratgen und ,, eure Stimmen geben , da ihr mir doch als Råthe , geſchworen habet ? "

So verfloffen noch mehrere Sabre unter fortgefekten Aufforderungen und Ers

mahnungen ,

fich freywillig die Veränderung mit

der Krone gefallen zu laſſen ; ſuchte

noch immer aber

man

Preuſſiſcher Seits entweder einen 2Aufſchub zu gewinnen , oder es wurden . Ziveifet und Einwürfe entgegen geſegt,

die erſt aus dem

Wege geräumt werden mußten ,

ebe man ſich ents

ſchließen wollte,

eine feſte Erklärung zu geben. Peußere Kriegsunruben , die den Gang der innern Staatsangelegenheiten dann und wann aufpielten ,' baben gleichfalls dazu beygetragen , daß die Bee ſchleunigung des Unionswerfs nicht nach dem Wunſch der Polen hat durchgefeßt werden können ; ja es mußte ſich zuleßt noch eine andre Staatsmas terie

damit vereinigen ,

die , wenn ſie gleich der

Reichsmagnaten nicht vollkommen genehm gewes fen , doch von dem großern Theil der Nation feks -angelegentlich iſt betrieben worden, und die fernerhin unter dem Namen der Executionsſache, in gemein ſchaftlichem Andringen es zur Vollziehung gebracht hat, daß die Staatsverfaſſung der Provinz Preuf ſen geſchmålert, und dieſes Land , ſo viel möglich , der Polniſchen Regierungsform und Polniſchen Ges regen iſt gleich und unterwürfig gemacht worden .

Dritter Abſchnitt.

Blertes Capitel.

83

obengedachte Ausſdýnung des Königs mit der Stadt Danzig hatte demſelben noch nicht Die

allen Argwohn benommen ,

daß fich bier mißvečs

gnügte Einwohner befånden , die gegeri Pflicht and Treue , eine ungehorſame Widerſeblichkeit gegen die Kdniglichen Befehle unter der Bürgers fchaft anzuheben fuchten.

Er entſchloß ſich dem.

nad, perſönlich nach Preuſſen zu reifen , und insbes fondre in Danzig auf einige Zeit feinen Aufenthalt zu nehmen. Zum mindeſten war dieſes mit Grunde für eine Haupturfache ſeiner Reife zu halten , theils am fide mit der Regierung im Lande anſchaulich bekannt zu machen , theils auch die Verwaltung des Stadtregiments in Danzig nåher zu prüfen , zumal da man dem Könige vorgebracht hatte , daß zwiſchen dem Rath und der Bürgerſchaft Mißvers ftåndniffe ſchwebten , und daß fich ſelbſt ungleiche Geſinnungen über die Polniſche Regierung hier außerten .

Hiemit låßt fich aucı gewiſſermaaßen

die Meinung berichtigen , Orzechowski angiebt i ) ,

welche der Canonicus als

ob es der vora

nehmſte Bewegungsgrund zur Königlichen Reiſe nach Danzig geweſen ſey ,

die Stadt im Gehore

fam zu erhalten , und dem Entſchluß vorzubeugen , den man hieſelbſt gefaßt fåtte,

fich einem neuen

Oberherrn , oder dem Kayſer zu unterwerfen . Die nähere Veranlaſſung biezu will gedachter Schrifte ſteller aus einer Furcht für die Rache des Römiſche teutſchen Reichs berleiten , welche wegen der unab , i ) Orich @ vius Aonal, y ,

84

Danzigs Gefchichte.

tåßig in Danzig verſchmåheten Ausladungen ans Reichskammergericht,

damals bevorſtehen ſollte.

Unerachtet es nun mit einer leeren Furcht ſo weit nicht gekommen ſeyn möchte , ſo iſt doc richt zu leugnen , daß Danzig fo wol als Elbing vor An fang dieſer Regierung mit dergleichen Ausladungen wieder waren beunruhigt worden . Der neue Chur fürft Morig von Sachſen Hatte ſie im Januar 1549 zum Oberfächſiſchen Kreißtag nach Jüterbock rufen laſſen, und nach oft wiederholten Anſagen zu Reichs . anlagen und Kriegsſteuern , war im

J. 1551 ein ge.

ſchårftes Erecutorial - Mandat vom Reichskammer : gericht an Danzig gekommen , worauf noch fernerģirt verſchiedene Monitorialbriefe erfolgten ; auch iſt die Stadt im J.1553 auf den Reichstag nach ulm eins geladen worden , und man hat ſich der Fortſekung von dergleichen Zunöthigungen nie völlig entſchla gen können.

Indeſſen iſt auſſer der eignen Be.

ſchwerlichkeit mit dieſer Art Geſchäften , kein wei teres Ungemacı daraus entſtanden ;

der Biſchof

1551. von Ermland hat auch , da er einma ! hauptſächlich dieſer Anſprüche wegen , als Abgeſandter an den Kayſerlichen Hof war geſchickt worden , vom Reichs tanzler die Erklärung erhalten : daß die Städte folches nicht befremden müßte , weil das Kammer. gericht mit dem Ausſchreiben an Elbing und Dan. zig , nur den gewöhnlich gewordenen Canzelley . Am wenigſten gebrauch zu beobachten ſuchte. aber läßt es

ſich

erweislich machen ,

aus zuverlåßigen Nachrichter daß Danzig aus Furgt oder

Schrecken über die Reichs - Executionsmandate den

1

Dritter Abſchnitt.

Biertes Capitel.

85

( chudden Entſoluß ſollte gefaßt haben , die Treue gegen die Krone Polen zu verlegen , und nach einer neuen Oberherrſchaft zu ſtreben. So wenig

nun auch Sigismund Auguſt 1952. 8. Jul. Danzig in Ruhe anzutreffen glaubte , ſo warb er dock bald vom Gegentheil überzeuget , weil weder

rebelliſche oder verråtheriſche Unſchläge auch nur dem Schein nach entdeckt wurden , nocy Klagen oder Beſchwerden der Bürger über ihre Obrigteie hervor kamen , bis vom Könige ſelbſt Antrag und Aufforderung dazu gemad )t worden , daß ein jeder Bürger , der ſich womit gedrückt und beläſtigt zu fenn glaubte ,

die Erlaubniß Håtte folches beym

Könige anzubringen , und ſich Erleichterung davon zu verſchaffen.

Nichtsdeſtoweniger ereigneten fich

unmittelbar , nad Ankunft des Königs , einige widrige Zufälle , die , wenn ſie gleich nur dem klein müthigen Aberglauben als bde Vorbedeutungen gelten fonnten , dod mindeſtens beym Könige und feiner Hofſtatt für die erſten Tage ihres Aufent Halts eine üble Laune erweckten .

Gleich beym Ein

fuge des Königs, fiel im hohen Thore , chnfehlbar von der Erſchütterung, die das Schieſſen aus den Kanonen verurſachte ,

ein großer Dachſtein hart

vor dem Pferde, worauf der König ritte , herune ter , that zwar keinen Sợaden , ließ aber dennode ein nicht geringes Soreden zurück. Drey Tage dars auf entſtand ein nächtlicher Tumult , den urſprüng lich nur die ungeſittete Aufführung des Königlichen Hofgefindes , und Zånfereyen mit ihren Wirthen , wo ſie einquartiert waren , verurſachten ; er nafn 3

Danzigs Geſchichte.

86

aber dermaßen überhand , daß etliche Polen daben ums Leben kamen , und als deren Brüder fick dagegen an der Stadtwache vergriffen , ſo wurde das Handgemenge

immer größer ,

daß auch die

beſſer geſinnten Bürger es fürs gerathenſte hielten , fich an den Marſhall des Königs zu wenden , und durch deſſen perſönliche Vermittelung den Friedent zu ſtiften.

Obgleich nun dieſer die Parthen ſeiner

Landsleute keinesweges verließ , ſo wurde doch der Lernt in kurzem geſtilet;

von Seiten der Stadt

gab man ſich nacyber alle Mühe ,

die wahren Urs

beber der Zuſammenrottung auszuforſøen ,

und

dieſe fomol als die am Tode der Polen fchuldigen Thåter zu beſtrafen ; aber auch der König kielt ordentlich Rath mit ſeinem Hofe, wie den fernern Ausbrüchen ſolcher Tumulte zu ſteuern våre, und es gefiel den Polniſchen Herren nicht allerdings wol, daß es beſchloſſen wurde , fie ſelbſt die Wachen vera fehen , und die Patroullen in der Stadt reiten zu laſſen , damit allem Unfug deſto beffer vorgebeugt würde.

Bey dieſer Gelegenheit erzählet Eurice

aus den Parallelen des Warſzewicz,

daß unter

andern ein geringer Bürgermeiſter, Namens Hans Fürſt,

den Königlichen

frey angeredet habe , wie er hieße.

Hofmarfdall

þare und

worauf ihn dieſer gefraget,

Als nun Hans Fürſt ſeinen Na.

men genannt hatte, fragte ihn der Marſchall, ob. er denn ein Fürſt wåre. Nein , antwortete dieſer , es ſey nur ſein Geſchlechtsname. Geſpräch fortgefekt worden ,

Hierauf iſt das

und der Marſball.

hat den Bürger gefraget , wober es fame daß die

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

87

Teutſchen ſich mit den Polen nicht einigen fonnten ; wie nun Hans Fürſt die Antwort gegeben hat, Gnådiger Herr, der Erdboden des Landes fana , ,, es nicht leiden , daß die Polen über die Preuſſen Herrſchen und Gewalt au ihnen ausüben " , ſo iſt der Marſdal darüber entruſtet geworden , hat es dem Könige geklaget, und Hans Fürſt hat deso wegen ins Gefängniß gehen müſſen. Inzwiſchen iſt er bald wieder in -Freyheit gefekt worden , da vermuthlich der König mehr ſeiner Freymůchigkeit: þat zu gut halten, als ſeine Unbeſcheidenheit ahnder wollen . Dhue. Grund aber wird aus dieſem Uma; ftande , wie einige es zu thun wagen , die übereilte Folgerung hergezogen , daß die von Hans Fürſt gegebene Erklärung damals die Stimme der geſamme, ten Danziger Bürgerſchaft geweſen ſeyn ſollte. Der fernere Nufenthalt des Hofes in Danzig ; iſt nicht nur in ungeſtörter Ruhe zugebracht worden , ſondern der König hat ſich auch manderley Ver gnügungen während demſelben gemacht, und ing: beſondre feinen Geburtstag mit öffentlich angeſtell: 1. Aug. ten Luſtbarkeiten gefeyert.

Nachſt vielen Krona

Magnaten und den Preuſſiſchen Landesråthen , fich in

feinem

Herzog in

Gefolge befanden ,

Preuſſen

zum

die

war auch der ,

Beſudy hergekommen ,

baid darauf ward die Ankunft des Herzogs Bar. nim von Pommern gemeldet , und gegen die Ube reiſe des Hofes iſt noch ein Tatariſcher Geſandter: hier eingetroffen .

Am Geburtstage des Königs

wurden große Turnierſpiele auf dem freyen Plan am Hagelsberge bey der Schießſtange gehalten ; et F 4

Danzigs Geſchichte.

88 ließ auch

andre Leibesübungen mit Ringen

Klopfechten

zum Sqauſpiel

ſeiner

und

Ritterſchaft

anſtellen , und nahm perſönlich Tþeil an vielen Luſt und Waſſerfahrten , die in dieſer Zeit zum Vergnü gen des

Hofes veranſtaltet wurden.

Hienädalt

aber wurde das wichtigere Geſchäfte nicht ausges laffen ,

welches auf eine Unterſuchung und vorge

Kommene Verbeſſerung des Stadtregiments abzies len ſollte.

Es mußte bedenklich genug anſcheinen ,

daß der König es in den verſammelten Rath ſeiner Senatoren fowol als der Preuſſiſchen Confiliarien nahm ,

über eine

öffentliche Zuſammenberufung

der geſammten Zünfte und ganzen Gemeine in Danzig votiren zu laſſen .

Die Preußiſchen Bia

ſchöfe ividerriethen ſolches bedachtig, und die depu tirten Råthe der Stadt fielen deren darin geäußera ten Beſorglichkeit bey , åltere

fie beriefen ſich auch auf

Beyſpiele , daß unter

folden Umſtänden

öfters ein Aufruhr wäre erregt worden ; allein der König ſahe es als ein Mittel an ,

Wohlſtand und

Ruhe unter der Bürgerſchaft zu befördern ,

und

ließ ſich von ſeinem Vorſak nicht abbringen .

Es

ward ein Tag angeſeket, an welchem ſich der Ko. nig mit ſeiner Begleitung aufs Rathhaus verfügte; und ſämmtlichen Zünften und Gewerken war vor Her angeſagt worden , daß ihnen frey ſtånde , fich durch Abgeſchickte mit ihren Beſchwerden zu mela Den , wenn ſie ſich irgend womit beläſtiget pielten . Nun fehlte es zwar ,

wie gewöhnlich , nicht an

Querelen und Klagen , womit dieſe oder jene Geo noffenſchaft ihre Unzufriedenheit åber das Obrige

1

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

feitliche Regiment bezeigte;

89

doch aber blieben die

angebrachten Beſchwerdepunkte weit unter der Er wartung des Königlichen Hofes. Schon im

J. 1545

þatte auf geåußertes Verlangen der gemeinen Bür. gerſchaft, die dritte Ordnung dem Rath eine Vor: ſtellung in 54. Punkten überreichet,

womit theils

um die Abſtellung eingeſchlichener Fehler und Miß: bräuche in Juftiß · und Polioenſachen war anger ſacht worden , theils auch

beſſere Einrichtungen

zum Aufnehmen der Handlung und des Gewerbes, das gemeinſame Wohl der Stadt betreffend, vers Unfehlbar aber war der darauf wille langt waren. fårig vom

Rath gegebenen Erklärung noch keitt

Genüge geſchehen ,

oder man batte mindeſtens

nicht allen billigen Anforderungen in ſo kurzer Zeit gerecht werden können ; daher iſt dieſe Vorſtellung jebo größtentheils zur Grundlage genommen , wors auf man unter dem Namen einiger Bitten an den König , 49 Artikel zu Papier brachte, um felo bige zur Wandelung aller Staatsgebrechen und Mißbräuche,

womit die Bürgerſchaft in Danzig

gedrückt würde, Sr. Majeſtät zu überreichen und zu empfehlen . Was hieber zuvörderſt als auſſerordentlich vor. fiel, war eine neue Auswahl der Bürgerſchaft, welche unter Königlicher Autorität anſtatt der Mit. glieder der dritten Ordnung gemacht wurde k ) ; k ) Die Bürgerſchaft wurde dieſesmal durch die ganze Stadt in vier Theile abgeſondert , die ſich im Schießgarten am Hohen Thor , im Schůbengarten am Breiten Thor , auf dem Dominikaner Sloterbofe und auf dem Grauen són 3s

90

Danzigs Geſchichte.

obgleich aber die dergeſtalt neuerkobrnen Repråſen tanten der Bürger in einem Urtikel ihrer übergebes nen Bittſchrift nachher auch

ausdrücklich

nicht nur geitlebens zu bleiben ,

baten ,

fondern auch die

durch den Tod oder ſonſt erledigten Stellen unter fich felbſt wieder befeßen zu können ,

ſo hat doch

der König den genauen Beſcheid darauf ertheilet, daß die Wahl der Hundertmånner, nach dein Sta . tur Sigismund des Erſten , dem Rath zukáme, und daß auch ihre jeßt gewählten nicht langer bleis ben ſollten , als der König fich in der Stadt auf þalten würde. Unter den übrigens angebrachten Artikeln befanden ſich viele , ſo auf eine wahre Correction der bürgerlichen Verfaſſung abzielten : die Aufſchüttung raths , die

eines öffentlichen

Getrendevore

die Wiederherſtellung der Münzfreyheit,

regelmäßige Verwaltung

der Pfundkammer ,

die beßre Repartition der Scharwerfen , die Feſte regung der Zuſammenfünfte der dritten Ordnung, die Erſparung der Unfoſten ben öffentlichen Sende fchaften und Reiſen , die Ausſchlieffung der Stadt belehnten vom Kaufộandel init der ihnen anvers trauten Waare ,

die Unordnung gemeiner Fiſches

renen und Jagdten , und mebrere dieſer Art neue oder nur in Vorfall geweſene Verfügungen , waren långſt zur Wiederberſtellung dienlich erkannt , und nur unter Zwiſchenfunft anderer Geſchäfte,

oder

durch Inconvenienz der dazu gewåhlten Sittel , dhen Hofe verſammelt haben . Sie bekamen die Freyheit , ihre Repräſentanten ju wählen , nnd durch ſelbige ihre Best ſchwerden und Anfuchen an den König zu bringene

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

91

Es ges

noch nicht zum Stande gebracht worden .

ſellten ſich biezu auch einige Klagen über Verſäum . niſſe und Mängel in der Juſtigpflege,

über An .

ſtöße in den Obrigkeitlichen Aemtern , über Ein wahl naber Blutsverwandten in die Regierungs Collegien , über Schmålerung der Stadteinkünfte und den Druc der Acciſen ; aber faft noch nåber wurde es dem Könige ſelbſt geleget, wie vielen Eins griffen in ihre Rechte , die Bürger der Stadt , von den Königlichen Hofgerichten und Inſtigatoren , ins: beſondre in Appellations , uad fiscaliſchen Sachen ausgelegt wåren , wie reht auch durch Vervortheia lungen

der

Polniſchen

Zollmåhter ,

imgleicher

unter Vernachläßigung der Landesgeſege,

durch

unbefugte Kaufleute und Landfahrer , die Hand lung der Danziger Bürgerſchaft geſchwächet und zurückgefekt würde.

Vorzüglich mußte es

dem

Könige noch auffallen , daß er gleich in dem erſten Hauptartikel dieſer Bittſchrift inſtåndigſt erſucht wurde , der Stadt eine freye und uneingeſchránkte Uusübung des Proteſtantiſchen Gottesdienſtes zu verleihen .

Die darauf vom Könige gegebene Er

klärungen waren größtentheils

zur Zufriedenheit .

der Supplicanten abgefaſſet, doch ließ ſich , wo es die Bewahrung

der Königlichen Rechte betraf,

febr wol dabey wahrnehmen ,

daß ſchon weniger

die Preußiſche Provinzialverfaſſung, als ein engeres Band mit dem Polniſchen Reichskörper zum Grunde gelegt wurde. Der innern ſowol als auswärtigen Handlung wegen , wurde faſt die tūåtigſte Sorgfalt bewieſen ; der König verſprach auf den 45ften Ar

92

Danzigs Geſchichte .

tikel ausdrücklich , die nachtheilig gewordene Coma merzlage der Danziger , in Dänemark , England und Schottland , durch eigne Fürſchreiben zu ver beſſern , und ſie , wo möglich , wieder in den ehe maligen Flor zu verſeken . Auch die Zunft der Kramer in Danzig erhielt auf ihre Vorſtellungen ein eigenes Privilegium , zur Beſtätigung und Ver mehrung ihrer ålteren Rechte ,

gegen alle unge

bührlide Handelſchaft der Juden , Sdyotten und fremden Landfahrer oder herumziehenden Paudel. Fråmer im Lande , und hauptſächlich auf dem Geo biete der Stadt. Ein ſehr andringliches Begehren aber ward noch insbeſondre von der Corporation der Brauer beym Könige anhångig gemacht. Dieſe hatten ſich ſchon ehedemn wegen einer Abgabe des

1

fechszehnten Theils vom Malze, oder der ſo genann ten Meße beſchweret gefunden , und nächſt Aufhe. bung derſelben ,

verlangten ſie jego zugleich die

uneingeſchränkte Befugniß , ohne Zuziehung des Raths , ihre frenen Zuſammentůnfte in Be tref des

Brauweſens zu halten.

In der That

wurde ihnen vom Könige darüber ein Privilegium • mit einigen Modificationen gegeben ;

der Rath

aber hielt es für reçtmäßig , Rich an die Statuten des vorigen Königs zu halten ,

worin theils die

Autorität des Raths in Zunftſachen der Brauer beſtimmet,

theils auch die wilführlichen Zuſam

nienfünfte der bürgerlichen Genoſſenſchaften ernſt. licy waren unterſagt worden .

Es entſtand hieraus,

felbſt des ertgeitten Privilegiums Halber , ein lang. wieriger Streit, der nachgebends auf mancherlen

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

93

rechtlichen Wegen iſt fortgefegt, zuweilen geſtillet, nod öfter aber von neuem rege gemacht, und mit mehreren darin verwebten Forderungen und Ans ſprüchen verknüpft worden , bis endlich unter einem glücklichern Geſtirn , im J. 1592 ein Vertrag zu Stande gebracht iſt, worin fich der Rath mit den Brauern völlig geeinigt hat , und womit ſelbſt das Andenken de: vorgefallenen Mißhelligkeiten in Ver. geſſenheit þat begraben werden ſollen. Was den Punkt der Religion betraf, ſo wollte der König , To demüthig er auch darum war erſucht

1

worden ,

ben ſeiner Anweſenheit in Danzig' feine Er nahm offenbare Neuerung darin verſtatten .

zwar eigentlich von Kirchenſachen hieſelbſt keine Notif, wenn iým gleiche der ſtillſchweigende Wachs . thum der lutheriſchen Lehre nicht unbekannt ſeyn konnte , aber er verwieß die Bürgerſchaft mit aller Güte auf die Statuten ſeines Vaters, gab iþr auch zu verſtehen ,

daß die Am :srechte des Pommes

relliſchen Biſchofes nicht verlegt werden dürfe ten , und ließ es alſo bey den Verordnungen der Biſchofe bleiben , die auch wåþrend dem Aufenthalt des Königs dafür ſorgten , daß die lutheriſchgeſinn . ten Prediger fick des Kanzelvortrags enthalten mußten , und daß keine Abweichung von den påpft Der lichen Kirchengebråuchen gemacht wurde . Aufbruch des Königlichen Hofes erfolgte nach einer 1552. 1. Sept. Zeit von acht Wochen , die in Danzig waren zuge . bracht worden .

Die Reiſe ging nun nach Marien

burg , woſelbſt ein Preußiſcher Landtag angefekt war ; und zu gleicher Zeit ernannte der König theils

94

Danzigs Geſchichte.

eine Commiſſion , welche die innerlichen Zwiſtigkefe ten in Thorn entſcheiden und beylegen ſollte , theils nahm er ſich vor , zur Auseinanderſebung der yra rungen zwiſchen dem

Rath und der Bürgerſchaft in

Elbing , ebenfalls Commiſſarien zu ernennen . Der auswärtigen Handlung wegen , zu derett Aufrechthaltung Danzig den König inſtåndigſt um feine Interceſſion ' erſucht þatte,

wurden nun , ſo

bald als möglich , in Geſellſchaft der übrigen Han feſtådte , von hieraus Abgeordnete nach Dånemark

3953. ſowol als nach

England geſchicket.

Im erſtern

Reiche zwar , wohin ſämtliche Hanfeſtådte die 46 . ſchriften ihrer Freyheitsrechte zur Beſtätigung bata ten gelangen laſſen , fam der Danziger Secretair ſo wenig als die übrigen Abgeſchickten mit ihren Geſchäften zu Ende ; ſie waren nicht mit zureichen den Volmachten verſehen , und noch aus megreren Urſachen wurde die Beſtätigung verſchoben ;

erſt

das Jahr darauf iſt die Unterhandlung zu Odenfee fortgeſekt, und was Handlungsfreyheit betraf, eine etwas vergnüglichere Antwort ertheilt worden .

In

England hatte die Bewerbung , dem erſten Anſes Hen nach , einen beſſern Erfolg .

Nachdem König

Eduard der Sechſte, welcher den Hanſeſtådten ihre Freyheiten entzogen hatte , mit Tode abgegan . gen war , ſo verſammelten ſich die Geſandten der Stådte zu Brügge , bis ſie erfuhren , daß die neue Königin Maria ihre Reife genehmhalten würde. Hierauf regten ſie nach England über , und wurs den zu London mit Königlicher Gnade empfangen . Nebſt den Geſandten von Lübeck , Cóln , Bremen

Dritter .Abſchnitt.

Viertes Capitel.

95

und Hamburg, waren aus Danzig der Burgermeiſter und Ritter von Werben, mit dem damaligen Syd dicus Kleefeld ,

zu dieſem Geſchäfte abgefertiget

imorden : ſie kamen mit den dazu verordneten Enge liſchen Commiſſarien fleißig zuſammen , und erhiele ten , nach ſechsmonatlichen Unterhandlungen , julegt die Verſicherung,

daß fie im Genuß ihrer herges

brachten Freyheiten erhalten werden ſollten . Niche geringe Schwierigkeiten aber hatten ſich hiebey gea åuſſert , indem man den Bundesgenoffen ſchuld gab , daß ihre Handlung je långer je mehr , zum Nachtheil des Engliſchen Reidys geführt wurde. Die Fahrt der Hanſiſmen mit ihren eigenen Schife fen , hieß es , verurſachte , daß die Ergebohrnen in England faſt keine Schiffahrt mehr hätten ; den Englåndern würde in - und auſſerhalb Landes iſt Handel durch ſie verdorben , weil einer ihrer Factos ren für viele Kaufleute handelte , wie ein einzelner Menfæ aber wenig verzehrte , auch weniger Abga. ben trüge , als der Eingeſeffene mit ſeiner Familie, und daher die Waaren in den Niederlanden weit , beſſern Kaufs geben könnte : wåre am mebrejten zu klagen ,

über Preuſſen aber weil den Englåna

dern dort ſo viele Verdrüßlichkeiten gemache wür den , daß fie gar keine Handlung mehr treiben fónna ten .

Würflich ſind die Zwiftigkeiten der Hanſe mit

England bald nachher von neuem ausgebrochen, und kurz vor dem Tode der Königin Maria iſt der König von Polen nochmals dom geſammten Bunde erſucht worden , ſich der Hanſeatiſchen Handlungs Rechte in England anzunehmen , wiewol unter der

1

96

Danzigs Geſchichte.

Regierung der Königin Eliſabeth die Urſachen , fich zu beklagen , noc weniger find aus dem Wege geräumt worden .

Selbſt im Lande Preuſſen ward um dieſe Zeit ein Project zur Ausführung gebracht, woraus Darts zigs Polniſcher Handlung unausbleibliche Hinders Elbing und Marienburg hat ten dem Könige, zu ihrem Vortheil , die Vorſtels

niſſe bevorſtunden.

lung gethan, daß durch Anlegung eines neuen Gra. bens , eine große Quantitåt Waffers aus der Weich . fel in den Nogathfluß geleitet werden könnte ; der König Hatte ſich auch dieſen Vorſchlag gefallen laſ fen , und den Rathsverwandten gedachter Stådte, nebſt den Teichgeſchwornen des großen Werders be fohlen ,

einen hiezu gelegenen Ort auszuſuchen .

Weil aber verſchiedene dabey intereſſirte Stådte und Dorfſchaften , auch einige der umliegenden Ge. gend und der Sachen kundige Perſonen , die Ges genvorſtellung machten , daß durch eine ſolche Waſo ferleitung nicht geringer Schaden für die Beidfel Dåmme zu beforgen wäre , ſo hatte der König eine Commiſſion vom Landesrath beordert, die mit Zu . ziehung der Elbinger und Marienburger aufs ge . naueſte unterſuchen ſollte, ob durch Führung eines ſolchen Grabens, die Weichſeldämme wůrklich einer Gefahr ausgelegt würden. Es kam alſo dazu , daß unter andern die beyden Woywoden von Culm und Marienburg . zu Commiſſarien ernannt wurden , 1554. allein die Beſichtigung ſelbſt wurde ganz unter

laſſen .

Nichtsdeſtoweniger ging die Arbeit vor ſich ,

und der Woywode von Cylm , als Landſchafmeiſter und

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

97

und Schaffner von Marienburg, ſuchte mit großem Eifer den

Fortgang

derſelben

zu

beſchleunigen .

Dagegen nun mußte Danzig mit Ernſt auf die Be. wahrung des Weichſelſtroms bedacht ſeyn , weil ih. rem eignen Commerzverkehr , und ſelbſt der Krone 1

Polen , äuſſerft daran gelegen war , denſelben voll kommen ſchiffbar zu er alten , und einer Ableitung vorzubeugen, die, auſſer andern Schäden , natur lich einen großen Thell Waſſers entziegen würde. Danzig ließ alſo durch Ubgeordnete dem Woywo den Koſtka zu Marienburg die dringendſten Vors ſtellungen thun ,

daß er eine Sache unternahme,

die dem ganzen Reiche einen unerſeblichen Soaden zufügen , und wohl gar den Untergang ihrer Stadt nach ſich ziehen könnte.

Man gab ihm um ſo viel mehr ſein Unrecht zu verſtehen , da die vom Könige anbefobine Beſichtigung nicht vor fich gegangen war ; allein der Woywod wollte ſich dieſes Befehls gar nicht erinnern , und bezog ſich bloß auf ein kda nigliches Mandat , worin ihm die Verfertigung des Der Katy Grabens war aufgetragen worden .

von Marienburg hingegen , an den Danzig ebena falls Anmahnungen thun ließ , hatte gültige Grún . de , fich zu entſchuldigen , und bezeugte gewiſſen : baft , gar nicht auf die Ziehung des Grabens bes ſtanden , noch von einem Königlichen Geheiß dazu gewußt zu haben : zu der ſchon unternommenen Umgrabung aber waren die Marienburgiſchen Eina ſaſſen bloß vom Wonmoden mit Zwang angehaltent Die Abgeordneten von Danzig legteni worden . hierauf vor dem figenden Rath zu Marienburg eine Gerch . Danz . ater Th.

te .

Danzigs Geſchich

98

förmliche traf,

Proteftation ein ;

was die Elbinger bes

ro hatten dieſe fich auf Danzigs Anſucent

auch ſchon erboten ,

mit der Arbeit einhalten zu

lafſen : nichtsdeſtoweniger blieb der Culmiſche Woy wod bey ſeinem Vorſak, und ließ ſogar im großen Werder den dritten Mann aufbieten , um das Werk nur ſchleunig zu Ende zu bringen .

Indeffen würkte

der Danziger Secretair am Königlichen Hofe ein Juterdict aus , welches vor Ablauf des Jahres be kannt gemacht wurde, und worin der König feine Meinung dergeſtalt erflårte , daß es feiu Wille nicht geweſen , die Weichſel einen andern Gang, als ſie von alters her gehabt hätte , führen zu laſ. fen ,

ſondern nur anzubefehlen , daß die Zugänge

des Nogats geſäubert und für aller Verſtopfung ge ſchüßt würdeu , damit inſonderheit zur Sommers. zeit auch dieſem Strom das nöthige Waſſer nicht fehlen möchte.

Hienåchſt wurde eine Commiſſion

an den Biſchof von Ermland ausgefertiget, fich ohne Verzug mit einigen dazu ernannten Mitcont. miſſarien an den Ort des neuen Grabens zu verfü gen ,

daſelbſt alles genau in Augenſchein zu neh.

men , und gründlichen Bericht davon abzuſtatten . Allein auch dieſe Beſichtigung ward nicbt ausge. führet; dagegen gaben das Jahr darauf einige Pole niſche Herren , die den Sommer über in iþren Gee fchäften, die Weichſel hinuntergeſchiffet waren, dem Könige einen getreuen Bericht, daß die neue War ſerleitung nicht nur die Werder gefährlichen Ueber foywemmungen ausſekte , ſondern auch der Deflui tation nachtheilig wåre , und ſelbſt den Danziger

Dritter Abſchnitt. Hafen allmählig

Viertes Capitel. ' 99

könnte eingehen machen .

König þat ſich dadurch bewogen gefunden ,

Der noch

zwenmal ſtarke Mandate deswegen ergehen zu laſ. ſen ,

damit aufs ſorgfältigſte geprüfet und unter

ſucht würde , ob die vorhandene Gefahr es nicht vielmehr nothwendig machte, die neue Waſſerlei

1 tung wieder zu hemmen , und dem Schaden , den die Werder ſowol als das Schloß zu Marienburg und die Stadt Danzig davon zu befürchten gåtten , in Zeiten Einhalt zu thun . Die Sache iſt auc auf dem Landtage zu Marienburg 1556 weitläuftig in Betractung gezogen, ferner aber nichts darin ent. ſchieden worden , ja ſie iſt þernach, vermutýlich der differenten Meinungen und Debatten wegen , viele Jahre in Ruhe gelaſſen , bis mit der Zeit der ſchon augenſcheinlich daraus entſtandene Schaden , ſie uns ter des Königs Stephan Regierung aufs neue zu einem wichtigen

Gegenſtande

der Landesberath .

ſchlagungen gemacht þat. Es fehlete nicht an mehreren Hinderniſſen, die der Handlungsfreyheit der Provinz Preuſſen , zum Theil auch durch neue und ungewohnte Verfüguns gen des Polniſchen Staats ,

in den Weg gelegt

wurdett ; þier iſt aber noch nicht Zeit , der eigentlis Men

Ausbrüche derſelben Erwähnung zu tõun.

Näher liegt uns die merkwürdige Kirdjenderånden rung , welche endlich auch in Danzig das oft ge. ſcheiterte Reformationswert zum Schluß brachte. Gleich nach der Abreiſe des Königs , batte der Bi fchof von Cujavien alle hieſelbſt der lutheriſchen Lehre wegen bekannte Prediger zu fich rufen laſſen ,

Danzigs Geſchichte.

100

er hatte ein Geſpråck mit ihnen gehalten und ſie zum reinen Vortrag der Religion ermahnet , Qatte fie aber insgeſammt in Frieden wieder von ſich ge laſſen , auſſer einem Namens Jacob Dalmann oder von Dalen , dem er gånzlich die Kanzel un . terſagte.

Es wurde von işm ferner die Abſingung

der teutſchen Pſalmen , und jede Abweichung von der påpſtlichen Liturgie verboten ; doch iſt mit Feis

1 ner Strenge darin verfahren , ſo ſehr auch der eifrige Biſchof von Ermland, Stanislaus Hoſius, dazu gerathen hat, indem dieſer gerne den König fowol als den Pommerelliſc) - Cujaviſchen Biſchof von friedfertigen Maasregeln abgeleitet håtte . Als die Biſchöfe ſelbft nicht mehr gegenwärtig waren , wurden auch igre Anordnungen mit minde. rer Genauigkeit ge alten :

ſelbſt einige påpſtliche

Prieſter verånderten die Religion , oder ſie legten ihre Aemter

nieder ,

1IN 4 1

1 11

die lutheriſchen Kirchengen

bräuche kamen wieder empor, die evangeliſchlehren den Prediger wurden fleißiger beſucht,

und die ro

miſche Geiſtlichkeit ſowol als ihre Kirchengemeinen 1554. und Kldſter , geriethen von Tage zu Abnahme.

Tage mehr in

Drey von der bohen Cleriſey ausges

würfte Königliche Mandate , die furz nacheinander dagegen einliefen , und vom Biſchöflichen Official dem Rath der Stadt überreicht wurden , vermoch : ten nichts wider die ſchon måchtig gewordenen neuen Religionsgebräuche, und von Obrigkeitlicher Seite wurden nur gute Verſprechungen zu deren Abånde rungen geleiſtet.

Unter ſolchen Umſtånden kam der

Biſchof von Cujavien aufs neue hieher, und wollte

1

1

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

IOI

auf dem Biſchofsberge eine allgemeine Prüfung mit den Danziger Predigern anſtellen.

Eben damals

war in Großpolen die bekannte Vereinigung zu Koſnim , zum Vortheil der Böhmiſchen Brüder geo ſtiftet worden , und auf dem Reichstage zu Peter- 1555. kau drangen die Landboten auf eine Nationalfir chenverſammlung.

Die Danziger Prediger woll

ten auch die geiſtliche Gerichtsbarkeit des Biſchofs Drojewski auſſerhalb der Stadt nicht erkennen ; er fam alſo in die Stadt und bewerkſtelligte auf dem Rathgauſe die angeſagte Unterſuchung.

Ein Pre

diger , Johann Halbrod , nahm es für die übrie gen auf, das Wort zu führen ; er mag aber zu bef tig geweſen renn , fo daß der Biſchof ihm das Still. fabweigen gebot , und die Sache mit dem Rath ab zumachen erklärte.

Leşteres geſchahe durch einen

Vergleich , worin insbeſondere wegen der Pfarrger bühren an den Official eine Einrichtung getroffen wurde .

Uebrigens blieb

dem vorigen Verhältniß.

das Religionswefen in Am Frohnleichnamstage

dieſes Jahres unterblieb zum erſtenmale die öffents liche Proceſſion in der Stadt , und die Evangeli fchen Gemeinden lagen ihren Predigern ſchon in ſtåndigſt an , die Communion unter benderley Ge. ſtalt einzuführen.

Dieſe thaten darum beym Rath

ordentlich Anſuchung ,

ſelbiger aber hielt es nicht

rathſam , eine öffentliche Erlaubniß dazu zu erthei. len, inſonderheit da man das Benſpiel vor ſich hatte, daß ſelbſt in Polen die proteſtantiſchgeſinnten Reichs Råthe und Landboten in dieſem Punkt nichts hatten erhalten können ; die Prediger wurden demnach mit ♡ 3

IO2

2.6

Danzigs Geſchichte.

ihrem Begehren auf einen bequemeren vertröſtet,

Zeitpunkt

worüber aber der mit teutſchem Reli

gionseifer hergekommene Hallbrod einen ſolchen Verdruß empfand , daß er bald darauf ſeinen Ab. fchied geſuchet und die Stadt verlaſſen hat ,

um

ſein Amt nicht , wie er geſagt hat, unter ſo verklei

1556 .

nernden Einſchränkungen zu führen . Auf den neuen Preuſſiſchen Landtagen wurde die

Religionsfache vielſeitig in Betrachtung gezogen. Ein eben überreichtes Königliches Mandat gegen die Wiedertåufer , Piccarder und andre . Keker in Preuſſen , gab die nächſte Veranlaſſung , den gro Ben Stådten wegen ihrer Neuerungen beftige Vor würfe zu machen.

Der Biſchof von Ermland , an

den ſich die Städte doch ſelbſt nachher wandten, um ihnen durch Vermittelung beym påpſtlichen Nun tius, zum freyen Gebrauch des Sacraments zu ver helfen , redete eifrig gegen die neuen Glaubensbe kenner ,

als Angånger des fünften Evangeliums,

das er teufeliſd nannte ; er legte auch den Stådten zur Laſt ,

daß fie unter einem Vorwand ,

womit

der König ſelbſt verkegert würde , ſide mit einer er: dichteten Religionsfreybeit ſchmeichelten.

Indeſſen

wurde es , nach vielen Debatten, auf dem Stanis Par laus . Landtage noch dahin gebracht, daß durch eine faſt allgemeine Beyſtimmung der Stande , die Re ligionsſache

im Lande bis nach dem Polniſchen

Reichstage verſchoben werden ſollte , wozu man auch die Biſchofe zu bewegen bemüht war. 1 Der Oct. nåchſtfolgende Landtag zu Graudenz þatte keinen beſſern Erfolg.

Der Biſchof von Ermland entzog

1

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

103

ſich aller Fürſprache am Päpſtlichen Hofe, und wies alle Nachricht im Lande von ſich , warum man ihn dod mit den kräftigſten Ueberredungsmitteln er . ſuchte ; er vertröſtete die großen Stådte nur noch aufs Concilium zu Trident , welches er ſelbſt bezie . ben wollte ,

und wo er fich ihres Begehrens anzu .

nehmen verſprach , inſoferne ſie allen übrigen Vors ſchriften der Rimiſchkatholiſchen Kirche treu bleis ben würden . Es ließ ſich alſo leicht abſehen , daß die Kirchenreformation im Lande feinen geſeglichen Beyfall zu erwarten

håtte :

deſſen

ohngeachtet

machte mau in Danzig mit derſelben immer weitere Fortſchritte.

Ein evangeliſcher Prediger , Nas

mens Greg. Wagner zu St Catharinen , verfer tigte ein ailgeineines Kirchengebet, welches öffent lich gedruckt wurde, völlig nach Lutheriſchen Grund . fåßen eingerichtet war , und das ſehnliche Verlan gen nach dem rechten Gebrauch des Abendmahls an den Tag legte.

Man beſchäftigte ſich ohne Zurüde

Haltung mit Abſchaffung aller überflüſſigen Sabun gen und Gebräuche der römiſchen Kirche ;

ſchon

mit Ablauf des vorigen Jahres hatten die bendent zuleßt übriggebliebenen Mönce des Franciscaner Kloſters auf der Vorſtadt ( die ſonſt auch die Neus ſtadt hieß ) ihr ganzes Kloſter dem Rath aufgetra. gen , und ſich nur die Verpflegung ihrer Perſonen dabey ausbedungen ; mehrere Geiſtlichen und Möns che folgten dieſem Beyfpiele , und gewannen das durch beſſern Unterhalt und Unterſtüßung.

Mit

wenigem alles geſagt; der Uebergang zur evangelie fchen Kirchewar allmählig und mit Ruße ſchon ſo G4

104

Danzigs Geſchichte.

weit in Danzig ausgeführt worden , daß der vore nehmſte und größte Theil der Bürger und Einwohs per ſich laut dazu bekannte , und nur noch eine ge. ſegliche Beſtåtigung fehlte , um die öffentliche Be bandlung der Sacramente, nach den Lehrfäßen ge dachter Kirche , keinem Hinderniß weiter ausgefeßt ſeyn zu laſſen .

Ohnſtreitig hatte

die gelinde und gutmüthige

Denkungsart des Cujaviſchen Biſchofs , Johann Drojewski, hierin einen nicht geringen Einfluß ; er war nicht einmal der verlangten Abänderung des Abendmahls abgeneigt

allein

er ſowol als der

Rath in Danzig mochten es beſſer einſehen , daß es fathſam wåre , fich damit nicht zu übereilen ,

fone

Pern vielmehr mit Geduld eine glückliche Vollendung Der Religionsfreyheit abzuwarten.

Ganz anders.

þingegen dachten hierin die Prediger mit dem groß. ten Theil ihrer Gemeinden ; dieſe beſchloſſen , nach pielen mit einander gepflogenen Berathſchlagun

2

gen , dem Rath nicht weiter mit Bitten beſchwer lich zu fallen , ſondern die Communion unter bey. derten Geſtale ſtid fchweigend einzuführen ,

und es

þernach der Zeit und den Umſtänden zu überlaſſen , pie man folches am beſten würde entſchuldigen kon

V

nen.

V

Indeffen ward doch aus Vorſicht zum An

fang die Hoſpitalskirche zu St. Jacob gewählet, wo man das wenigſte Aufſehen beſorgté, und würf. lich ohne Stöhrung die Ausſpendung des Abende mablo dergeſtale vollzog , daß zuerft die Prediger, und nach ihnen auch andere weltliche Perſonen , jum

Dritter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

zwiefachen Genuß deſſelben hinzutraten .

105 Einige

Wochen darnach geſchabe daſſelbe ohne Geråuſch auch in der Kirche zu St. Eliſabeth, und auf Lang.

!

garten zu St. Barbara , obwol die Anzahl der Communicanten ,

aus

untadelhafter Beſorgniß,

nur immer noch klein blieb.

Endlich aber trat man

freyer damit heraus , und Perſonen beyderley Ger ſchlechts ,

verheyrathet und unverbeyrathét , wurs

den dazu gelaſſen, ja man enthielt ſich nicht weiter, in den größern Kirchen die Communion in beyder Geſtalt zu adminiſtriren . Nun aber wurde ein allgemeines Aufſehen dadurch zuwege gebracht, und nächſt den Warnungen behutſam denkender Bür ger ,

fanden ſich viele Päpſtlichgeſinnte ,

die den

Eifer der römiſchen Cleriſey erweckten , und die Berichte davon an den Biſchof gelangen lieſſen . Sehr bald bekamen die Prediger ein biſchöfliches Verbot , und dem Rath wurden , ſeiner Nachricht wegen , unangenehme Vorwürfe gemacht.

Legte.

rer ließ hierauf råmtliche Prediger aufs Rathbaus fordern , ihr eigenmächtiges Verfabren wurde in nen verwieſen , und ſie konnten nicht leugnen , daß dadurch ein unglücklicher Tumult fåtte entſtehen können .

Inzwiſchen entſchuldigten ſie ſich mit der

Sache der Religion , und mit einem gewiſſenhaften Betragen , nach ihrer Erkenntniß gehandelt zu ha . ben ; fie baten auch , daß der Rath ſelbſt das ange. nommene Ritual bey der Communion zu erhalten bemühet ſeyn möchte. Die Umſtånde aber mach. ten es nöthig , daſſelbe annoch zu unterſagen , und der Rath fegte nur die Verſicherung hinzu , daß er

106

1

Danzigs Geſchichte.

die Lehre des Evangeliums zu befördern , ſich anges legen ſeyn laſſen würde.

11

Ein demůtpiges Schreiben an den König, worin der Rath den Zuſtand der Kirchen , nach den herr

1

fchenden Meinungen der Bürgerſchaft in Danzig, freymüthig darſtellte ,

1

that noch nicht zur Erlan

gung einer beſſern Religionsfrenheit die gewünſchte Wůrkung: weit mehr aber erlangte eine bald dar auf an den Hof abgefertigte Deputation , mit der auch die Abgeſchickten der übrigen Großen Städte ein gemeinſchaftliches Gewerbe machten . Der Kron . Großfanzler erklärte ſich gegen dieſelben mit vieler Pråciſion ,

daß es zwar unſtatthaft wäre,

den König um die öffentliche Conceſſion einer Sache zu bitten , die ihn theils mit dem påpſtlichen Stuhl entzweyen , theils auch den Kayſer und andre Pos tentaten der Chriſtenheit gegen ihn aufbieten müßte ; indeſſen wollte er für ſich als ein Freund ihnen ra. then und dafür gut ſagen , daß wenn ſie mit Klug heit darin verführen , ſie ohne ferneres Anſuchen , den Kirchendienft nach eigener Erkenntniß unge

1

ſtórt verändern könnten : ſie gåtten auch weder den Bannſtrahl noch biſchöfliche Mandate zu fürchten , weil der König nichts von dem allen ausdrücklich zu . laſſen , ſondern ihnen vielmehr öffentlich in der Re ligion nachſehen würde.

Die Danziger Abgeſchick

ten bekamen vom Kanzler noch insbeſondere die Abfertigung , daß es mit geheimem Conſens des Königs ihnen freyſtehen ſollte, evangeliſche Predi ger zu halten , und die Sacramente in beyden Ge. ftalten zu reichen ; nur ſollten ſie die übrigen Ritua

4 HD

42 +

Dritter Åb ,chnitt.

Viertes Capitel.

107

lien nicht mit Gewalt aufheben , auch die Bilder in den Kirchen unverrůdt laſſen , ſonſt aber verſichert reyn , daß der König mit dem Biſchofe von Cuja. vien ſprechen und ſie in ihrer Freyheit ſchůßen würde . Die Abſchiedsaudienz beym Könige ſelbſt, beſtåtigte dieſes Verſpreden ,

die Deputirten wurden nur

nochmals dabey erinnert , vorſichtig zu handeln, und die alten Ceremonien nicht auf einmal abzuſtele len . · Sie wurden auch für allen Misbrauch der zugeſtandenen Freyheit gewarnet, damit nicht Auf ruhr und Spaltungen daraus entſtünden ;

insbe

fondere aber ſollte man des Königlichen Namens noc raonen, damit es nicht hieſſe , als ob ſie aus. drückliche Auftråge und Befehle ,

von Warſchau

aus , zu dieſen Kirchenneuerungen erhalten hätten . Eine ſo günſtige Erklärung brachten nun die Danziger Herren , nemlich der Burgermeiſter Jo hann Brandes und Rathsherr Johann von 1857 . der Linde ,

an ihre Mitobern zurück .

Vorher

hatten ſie ſich noch mit den Thorner und Elbinger Deputirten beſprochen ,

wie die neue Kirchenord

nung am füglichſten ins Werk gerichtet werden könnte , und man war überein gekommen , daß ſol. bes nicht zu gleicher Zeit geſchehen , ſondern Dan zig um die Faſtenzeit den Anfang machen, und als. dann Thorn und Elbing allmählig nachfolgen ſoll. ten . Eine neue Kirchenagende war ſchon nach dem Breslauſden Formular verfertiget worden ; mant nahm dieſelbe in den Danziger Kirchen auf, welche, auſſer denen beym Dominikaner - Carmeliter- und Brigittenkloſter insgeſammt foon evangeliſch ger

108

Danzigs Geſchichte.

weſen ſeyn ſollen.

Indeſſen wurde die Lateiniſche

Sprachy beym Meßamt noch eine Zeitlang beybe. halten ; die Einführung des Abendmahls unter bey . der Geſtalt ward auch nur in den kleinern Kirchen

tv wieder angefangen ,

und man war ſorgfältig bes

bacht , zu keinem tumultuariſchen Aufſehen Anlaß zu geben.

Ein allgemeines Beſtreben zielete nur

ſehnlicher dahin ab , über die mündlich erlangte Re. ligionsfreyheit eine ſchriftliche Confirmation auszu . würfen . 1

Danzig wandte ſich deswegen , zu höhes .

rer Unterſtüßung,

an den Herzog von Preuſſen ,

und deſſen Fürſprache ſowol als die Bemühungen des ihr jederzeit getreu und freundſchaftlich geweſe nen Woywoden von Marienburg ,

Achaz von

Zehmen , nebſt der unermüdeten Wachſamkeit des Danziger Syndicus , D. George Kleefeld , ha. ben ſo viel Gewicht gehabt, daß der König , ſo ungerne er ſich ſonſt in Religionsſaơen eine Ent:

4. Jul. fcheidung erlaubte , dennoch ein Reſcript ausferti gen ließ , worin der Stadt Danzig die öffentliche Befugniß ertheilt wurde ,

ſich bis

zum nächſten

Reichstage des Sacraments im Abendmahl auf ſolche Art zu bedienen , wie es im Römiſchteutſchen Reiche unter beyderley Geſtalt ausgeſpendet wurde. Seit dieſer Zeit iſt der freyere Gebrauch des Abend. mahls in gedachter Art eingeführt worden , und da man foon den erſten Verſuch damit in der Ober : Pfarrkirche zu St. Marien aufdem Nicolaus , oder Brauer - Altar gemacht Hatte, ſo find forthin auch in den übrigen Kirchen feine Zweifel oder Jrrungen parüber entſtanden .

Die Erklärung des Königs,

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

109

dieſe Frenheit nur bis zum nächſten Reichstage vere liehen zu haben , hat ebenfalls keine Schwierigkeis ten verurſachet, und theils die willfåþrigen Erbie. tungen , welche Danzig dem Könige zur Erleichte. rung des Lieflàndiſchen Krieges gemacht hat, theils auch die ſpäteren Conjuncturen , welche ſich immer mehr zum Beſten der proteſtantiſchen Religionsver. wandten in den Polniſchen Staaten entwickelt ha. ben , find zugleich Stågen geweſen , um das Res formationswerk in den Preußiſchen Stådten für die Folge der Zeit zu befeſtigen .

Fünftes

Capitel.

Verbeſſerungen des Schulweſens im Lande - in Danzig Daſſelbe wird zum acas wird ein Gymnaſium errichtet demiſchen Gymnaſium erhoben - Wachsthum der Schus len bieſelbſt - Im Juſtizweſen kommt keine einſtimmige Aufnahme des verbeſſerten Culms zu Stande - Danzig wird durch den Liefländiſchen Krieg in Unkoſten geſeket der Runiſche Krieg zieht eine Neuerung in den Polniſchen das Alerandriniſche Statut wird Finangen nach ficy mit dem Polniſchen Unionsplan verknüpfet - Danzig nimmt Theil an dem bevorſtehenden Verfall der Preuſſis ſchen Provinzialfreyheit - der dazu beſtimmte Reichstag wird durch die Ruſſiſche Eroberung von Poloczk gehem. met – Danzig legt wegen åuſſerer Kriegsgefahr ſeine Fes ſtungswerke in Stand – Herzog Erich von Braunſchweig kommt ungerufen ins Land , und bietet Auxiliartruppen an - er verurſachet der Stadt Danzig unnüße Beſorg. niß und großen Geldaufwand. Hatte atte bisher der Zuſtand der chriſtlichen Kirche,

in Polen ſowol als in der Provinz Preuſſen , unter merklich freyeren Geſinnungen des größten Theils

11ο

Danzigs Geſchichte.

der Nation, mit Connivenz der regierenden Macht, ein beſſeres Anſehen bekommen ; ſo war man inſon . derbeit in Preuſſen auch auf Mittel bedacht, durch wohleingerichtete Schulinſtitute die Aufklärung der Erkenntniß überhaupt fortzupflanzen, und mit Ein führung einer durch den Geiſt der Philoſophie und der ſchönen Wiſſenſchaften geläuterten Lehrart , die armſelige Trockenheit des Kloſterunterrichts ent behrlich zu machen .

Die Anſtalten , welche einige

Jahre früher zur Einrichtung größerer Sɖulen in Elbing und in Culm

waren gemacht worden , hat

ten freylich durch den Verfolgungsgeiſt der Biſchöfe gegen alles was mit dem Lutherthum in einiger Connerion ſtand , zu viel gelitten , als daß ſie gåt: ten aufblüşen und ſich erhalten können . Unter dem Vorwand

unleidbarer

Keçeren ,

Culmſe Biſchof, Lubodziewski ,

þatte der

den berühm

ten Profeſſor Johann Hoppe aus Königsberg, einen gelehrten Mann , den der Rath zu Culm im J. 1554.zum Rector des dortigen Lycåums beſtellt batte , kurz nach angetretenem Amte eigenmächtig wieder entſeket. Dieſes ſein Verfahren hatte zwar auf dem damaligen Michaels - Landtage zu Grau . deng nicht geringe Bewegung verurſachet, die kraft volle Rede , burg,

welche

der Woywod von Mariens

Achaz von Zehmen ,

deswegen gehalten

hat, giebt ein Zeugniß von der vortreflichen Den fungsart dieſes Herrn ſowol , als von den faſt durchgehends damit übereinſtimmenden Geſinnun . gen der weltlichen Landesråthe in Preuſſen , ja von der Culmſchen Ritterſchaft war dem Woywoden für

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

III

die Vertheidigung des Rectors öffentlich Dank ab. geſtattet worden ; aber nichtsdeſtoweniger hat ſich der Biſchof von ſeinem Entſchluß nicht abwendig machen laſſen , und der Profeſſor Hoppe war kurz darauf das Culmſche Gebiete gånzlich zu råumenge ndthiget geweſen. Inzwiſcen hatte man ſich mit der Hoffnung beruhigt , dieſen im Lande ſehr geſchåßten Mann nicht nur in Elbing aufs neue verſorgen zu können ,

ſondern auch durch ihn den Wachsthum

des aufblühenden Gymnaſiums daſelbſt befördert zu ſehen ; allein auch hier war er kaum im J. 1555 als Rector angeſtellt worden , ſo lehnte ſich der Bi ſchof von Ermland , Stanislaus Hoſius, nadı feinem ſtrengen Religionseyfer, gegen ihn auf. Dies fer nahm noch weniger Vertheidigung an, und ließ feine Vorſtellungen gelten , daß Hoppe weder als Prediger , noch als Lehrer der Theologie verdådy. tig ſeyn könnte , weil er , vermoge ſeines Berufs, nur die Phyloſoppie und die darin einſchlagenden Wiſſenſchaften zu lehren gåtte. vielmehr nichts unterlaſſen ,

Der Biſchof gat

den Rector in ſeiner

Amtsführung zu Elbing unabläßig zu beunruhigen , den Königlichen Hof feiner Vertreibung wegen zu beſtürmen , und ſelbſt durch den Ruf eines andern Profeſſors aus Wien , ſeine Entfeßung vom Amte zu erleichtern .

Dieſer neuen Kränkung aber iſt von

Danzig aus eine beßre Vocation an den Rector 1558 . Hoppe zuvorgekommen ,

indem er zu dem ehren:

vollen Geſchäfte berufen wurde , das hier neu an . gelegte Gymnaſium gründen und einrichten zu hel fen ;

denn obgleich es nicht unwahrſcheinlich iſt ,

1

II2

Danzigs Geſchichte.

wie Hartknoch anführet, daß man ſeine Beſtate lung anfangs unter dem Namen eines Secretariats der Stadt þabe fund werden laſſen ,

ſo hat doch

ſeine unmittelbare Beſtimmung es anders erwieſen ; und erſteres mag man vorſichtig zum Schein ge braucht haben , um den Anfällen der hohen Geiſt. lichkeit deſto ſicherer ausweichen zu können . Aus dem Grauen Mönchen- oder Francisca . ner , Kloſter , welches , wie oben erwähnt iſt , Armuth und Mängel an Subſiſtenz, lich ausgeſtorben oder verlaſſen , Jahre vorher ,

für

faſt gånz.

und ſchon drey

vom Cuſtos und den zwey übrigo

gebliebenen Mönchen ,

mit allen ſeinen Privile.

gien und Gerechtigkeiten dem Rath in Danzig rechtsfenerlich war übergeben worden , wurde jeko,

1

N nach einem Beſchluß des Raths , ein Gymnaſium zum öffentlichen Unterricht in philoſophiſchen und philologiſchen ſowol als in andern ſchönen Wiſſen raaften zum Stande gebracht.

Der Cuſtos Io :

hann Rollau hatte mit den beyden übrigen Miu noriten ſchon vorher von dem Wohlwollen des Magiſtrats Erkundigung eingezogen ,

theils für

ihre Perſonen zeitlebens verſorget , und in einigen Zellen des Kloſters unterhalten zu werden , theils auch , daß ihr Kloſter durch keinen profanen Ges brauch entweißet werden ſollte.

In dem der Uer

bergabe wegen aufgerichteten Vergleich wurde es deshalb ausdrücklich zur lobenswürdigen Bedin : gung gemacht , daß diefes dem Rath in Beſik ges gebene Kloſtergebäude auf immerwährende Zeiten einem nüglichen Schulinſtitut gewidmet ſeyn ſollte. Die

1

1 V

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

113

Die Herren des Raths fanden gewiß auch piemit ihre långſt geģegten Wünſche übertroffen ; die Seģ. nungen nach größern wiſſenſchaftlichen Schulen im Lande , waren von Tage zu Tage dringender gewors den ;

die kåpfigen Stdþrungen ,

Clerus ,

ließen

von Seiten des

in andern Städten nnr ſchwache

Hoffnungen dazu aufkommen , hier aber bätte man ſchon eine freyere Bahn vor fich , in Sachen , die .die Grenze des Religionsweſens berührten , ohne furchtſame Zurůchaltung Veränderungen machen können. Mit rühmlicher Äemſigkeit hatten fick demnad, ſchon eine Zeitlang der damalige Burger« meiſter Conſtantin Ferber und der Rathsherr Auguſtin Wilner der erſten Einrichtung zu dies fem Inſtitut angenommen , noch der

neu gewählte

Kleefeld zur Seite.

und nun trat ihnen

Burgermeiſter George

Der weiſen Ånorðnung dies

fer verdienſtvollen Männer hat man nicht nur die Abtheilung der Hörſåle und der Claſſen , die erſte Verfügung wegen der lectionen und zum

Untera

richt angewieſene Diſciplinen , wie auc die åltés ften Porſchriften zum Betragen der ſtudierenden 1

Jugend zu danken ;

ſondern ſie Gaben auch bald

anfangs zur Unterſtügung und zum Unterhalt des Gymnaſiums und der

dabey angeſtellten Lebrer,

Veranſtaltungen getroffen ,

gleichwie ſie es ſich

zum Hauptgeſchäfte machten , daſſelbe mit Heißl. gen und durch Erudition berühmten Männern zu berleben . Ohnſtreitig war der Namedes Profeſſor Hoppe lin Lande getugſam berühme, ſetine Schickſale aber

Geſch , Denz, ater Th.

H

114

Danzigs Geſchichte.

waren auch bisher ſo unſicher geweſen , daß man aus beyden Urſachen nicht zweifeln konnte , in ihm des brauchbaren Mannes theilhaftig zu werden , der das Rectorat bey dieſem in einer ruhigern Lage befindlichen Muſenſiße annehmen , und zur allge. meinen Zufriedenheit führen würde. Er þat dieſes Amt auch , ſo viel man weiß , willfårig angetretent, 1558. und die Lehrſtunden im neuen Gymnaſium , nach 13. Jun. ſeiner ſolennen Einführung , mit einer Einweis

4

yungsrede und der erſten Vorleſung eröfnet, doch ſoll er,

ohne daß man die eigentlichen Urſachen

davon angezeigt findet,

nach Verlauf von zwen +

Jahren ſich wieder nach Culm begeben haben ? ). 3pm , als vermuthlich angeſtellt geweſenen Profeſſor der Philoſophie und Beredſamkeit ,

ſind gleich an .

fangs noch drey andre Lehrer zugeſtellt worden , unter denen M. Michael Retellius , der als Corte rector aufgeführt wird , die Poeſie nebſt der Gries chiſchen Sprache geleþret ; M. Achaz Scherer , ( ſonſt auc Cureus genannt ) in der Lateiniſchen Sprache und in der Moral Unterricht gegeben hat, und zuleßt noch einer mit Namen Johann Tiedes mann als College, oder wie man ihn bisweilen titulirt findet ,

als Gymnaſiarch angeſegt ward .

Jndeſſen ſind alle dieſe Lehrer an den obern Claf ſen unſers neu errichteten Gymuaſiums , wenige 1 ) Laut einigen Nachrichten , war Hoppe kurz vor feiner Berufung nach Danzig zum Rathsverwandten in Culm ers wählt worden , und hatte zur Danziger Profeffur auf zmes Jahre Urlaub genommen , nach deren Verlauf er rein Anut in Culm angetreten , und noch bis 1565 gelebt babeu fol Praet. Ath , Ged . p. 23.

L

Dritter Abſchnitt. Finftes Capitel.

115

Jahre ſpäter , ſchon insgeſammt Profeſſoren ges nannt worden .

Eine den damaligen Zeiten ganz angemeſſene Vorſicht war es hieben , daß man ſich nicht gleich das Anſehen geben wollte , das neue Gymnaſium mit Profeſſoren in den ſogenannten gobern Facul tåten ' zu befeßen.

Dönfeßlbar mußte hauptſäch .

lich der Theologie wegen ,

dieſe Behutſamkeit im

Fortſchreiten beobachtet werden , und das Danzi ger Gymnaſium blieb noch einige Jahre lang , blos eine Unterrichtsſchule in den philoſophiſchen und Humanitats , Wiſſenſchaften .

Erſt in den beſſern

Zeiten , nachydem die unglücklichen Kriegsſcenen mit dein Könige Stephan geſchloſſen geweſen , fin . den wir ,

daß dieſes Jnſtitut in Danzig fich den

glänzendern Namen

eines academiſchen Gymna

ſiums ( Gymnafii academici ſeu illuſtris) þatzueig nen mögen . Und auch dieſe Ergebung deſſelben ift man noch der unermüdeten Sorgfalt und der vore züglichen Begünſtigung des verdienſtvollen Bür germeiſters Conſtantin Ferber fuldig , der als erſter Protoſcholarch , nebſt den . Scholarchen und Rathsherren Daniel Czirenberg ,und dem bald darüber verſtorbenen Albrecht Gieſe, dieſes rühme liche Werk befördert und im J. 1580 dadurch zur Vollendung gebracht hat , daß in einer jeden der drey höhern Facultåten ein graduirter Lehrer vor den übrigen Profeſſoren iſt angeſtellt worden . In eben dieſe Zeit iſt ferner die regelmäßige Einrich . tung der übrigen Trivial - Squlen zu ſeßen , welche man bey den Hauptkirchen in Danzig unter Obrigo

Danzigs Geſchichte

116

feitlichem

Sæuße

öffentlich

veranſtaltet

findet.

Die ſeit dem I. 1540 nur ſchwankend beſtandene proteſtantiſche Hauptſchule zu St. Marien ,

kat

eine erneuerte Verfaſſung bekommen ,

im J. 1581

welche zur Fortdauer ihres Unſeøens die Grundlage gemacht hat .

Die Schule zu St. Johann , der

ſchon ſeit dem J. 1552 Erwähnung geſchiehet, iſt im 7.1571 , in Abſicht des gereinigten Unterrichts , verbeſſert,

und im J.

1577

ein neues Gebäude

dazu feierlich eingeweihet worden. Für die St. Ca. tharinenſchule iſt aller Wahrſcheinlichkeit nach das I. 1572 als ein neues Stiftungs , oder Verbeſſe rungsjahr anzunehmen ; die Schulen zu St. Bare tholomåi und zu St. Barbara Haben wol erſt im nächſtfolgenden Jahrhundert , an den åußern Ges båuden fowol , als in Betref des Unterrichts , eine glücklichere Reforme bekommen ;

die Schule zu

St. Peter und Paul aber hat ſchon im J. 1564 , nad Einführung des proteſtantiſchen Gottesdien ſtes ,

ein neu errichtetes Gebäude erhalten ,

iſt von ihrer erſten Fundation Qer , und

berühmten Schullehrern

und

mit gelehrten

verſehen

geweſen .

Hienåchft hat Danzigs Beyſpiel eine gleich lebhafte Beförderung des Soulweſens , großen Stådten ſowol,

in den übriger

als auch in verſchiedenen

kleineren im Lande nach ſich gezogen ,

und nach

dem das proteſtantiſe Religionserercitium Hinfort immer mehr Freyheit erlangt hat , ſo hat auch für die Bedürfniſſe des Unterrichts und der Erziehung, den Bürgerſchaften eine deſto leichtere Befriedis gung , opne Einſpruch der Kloſter , verſchafft were

Dritter Abſchnitt. den können.

Fünftes Capitel.

117

Das Thorner Gymnaſium , der frů .

hern Anlagen deſſelben hier nicht zu gedenken , hat im J. 1584 erſt ſeine wohleingerichtete Verfaſſung bekommen , und das Gymnaſium zu Elbing , wel. des ſeit ſeiner Fundation viele Stdhrungen und Wie derwårtigkeiten hat ausſtehen müſſen , eigentliche Wiederherſtellung Herſchreiben :

Marienburg ,

fann ſeine

nur vom J. 1588 Graudeng ,

Konik ,

und noch einige andre Städte in der Proving Preur: fen , ſtehen ebenfalls in der Reihe derjenigen , die . 1

fich , kraft des reinen Lichts gion ,

der chriftlichen Reli.

zur Ausbreitung eines beßren Schul- und

Erziehungsweſens, durch fruchtbare Benſpiele haben erwecken laſſen . Es iſt nie eine weite Entfernung gewefen , von Kirchen- und Soulanſtalten ,

auf die Lage der

Gefekgebung , und eine Reforme des Juſtizweſens zu kommen. So waren auch die Sände von Preuf fen ,

unter den Geſchåftext ,

die das auswärtige

Intereſſe fowol als den inneren Wohlſtand des Staats betrafen , ſtets dahin bemüßet , die ſchon oft in ihre Räthſchlage gebrachte

Reviſion des

Culmiſchen Rechts nicht aus der Acht zu laſſen , forte dern vielmehr über diefen, eine Verbeſſerung ſehr beo dürftigen Gegenſtand endlich einmal zum erwünſch . ten Soluſſe zu kommen . Nach den Verzögerun gen , die ſich unter der vorigen Regierung dafür in den Weg gelegt hatten , war es im J. 1554 mit der Arbeit doch fo weit gekommen , daß der Bi fchof von Ermland ,

nach ſeinem ſchon das Jahr

zuvor gegebenen Verfprechen ,

$

auf dem Landtage

3

. 118

Danzigs Geſchichte.

zu Marienburg ,

eine vollſtändige

Reviſion

des

Culmſchen Rechts vorlegen konnte , die unter ſeiner Aufſicht zu Heilsberg war ausgearbeitet worden . Man hatte dieſelbe, bis zur nähern Erklärung dar über, dankbarlich aufgenommen , und zugleich eine "Ueberſegung davon in die Lateiniſche Sprache zu Nichtsbeſtoweniger iſt die Betreibung dieſes Geſchäftes , unter mehreren ſich

beranſtalten bewilligt.

Håufenden Staatsmaterien ,

wieder einige Jabre

lang mit minderem Eyfer fortgefekt worden , und 3358. als im

J. 1558 eine von den Ständen eigentlich

dazu veranſtaltete Zuſammenkunft gehalten wurde, ſo waren die Abgeordneten des Adels von den Des putirten der Städte , über die Verfügungen in eini. gen Rechtsmaterien , mit ihren Meinungen ſo ſehr unterſchieden , mußte ,

daß

man

zuleßt übereinkommen

jeden Theil ſeine Erinnerungen und Ein

wendungen gegen das revidirte Geſekbuch insbeſon dre verfertigen zu laſſen , um ferner durch Gegen . einanderhaltung der Såße , nung bringen zu können.

das Ganze in Ord .

Hiemit aber wurde das

Geſchäfte noch mehr in die Långe gezogen .

Auf

dem nåchſten Landtage 1559 åußerte ſich ſchon ein wichtiger Streit mit dem Adel , weil felbiger in Succeſſionsſachen Neuerungen verlangte , welche die Städte

als

Abweichungen

vom Culmiſchen

Rechtsbrauch nicht eingehen konnten ; ja der Adel ſelbſt war über dieſen Artikel von Erbfällen nicht unter ſich einig .

Man verſchob demnach die gange

Sache bis zur nåchſten Verſammlung ; aber auch dieſe wurde nicht glücklicher beendigt, nur fam es

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

119 1

dahin , Kleefeld

daß man

dem Danziger Burgermeiſter

gemeinſchaftlich den

Auftrag machte ,

noch die legte Hand an eine Reviſion des Culms ju legen , und nach ſeiner Einſicht die zwiſtigen Ma terien ins Reine zu bringen. Dieſe Verbeſſerung iſt auc unter dem Namen der Zweyten Heilsberga ſaben zu Stande gekommen , obgleich der Burger. meiſter ſie wegen ſeiner übrigen Geſchåfte ,

und

vielfältigen Verhinderungen , erſt im J. 1566 bis auf einige Artikel vollſtändig hat überreichen fón: nen ,

nachdem ihm vorber noch der Biſchof von

Ermland und der Herzogliche Hofrath D. Jonas waren zur Hülfe gegeben worden . Zeit aber hat dennoch gelebret ,

Die Folge der daß weder dieſe,

noch einige Fernerhin in Urbeit genommene Reviſios nen eine einmüthige Aufnahme des Culmiſchen Rechts baben bewürfen können. Im Allgemeinen betrachtet ,

hing auch der

Ausgang wichtiger Landesgeſchäfte in dieſer Zeit fchon merklich von den Maasregeln ab , nach wele chen Land und Stådte ſich entweder zu den Polni fchen Staatsmarimen bequemten , oder aber davon abzuweichen und ibre Provinzialfreyheit zu behaup. ten bemüht waren.

Die auswärtigen Kriegshån

del hielten nur noch eine Zeitlang den Vereinigungs. plan auf,

womit man die Separatverfaſſung der

Provinz Preuſſen gånzlich aufgeben wollte.

Im

F. 1556 þatte ſich der Ordenskrieg in Liefland gegen den Erzbiſchof von Riga , einen Bruder des Herzoge in Preuſſen , entſponnen ; König Sigis, mund Anguft war demſelben , in Gemeinſchaft § 4

Danzigs Geſchichte.

I20 mit dem

Herzoge ,

zu Hülfe gezogen , unb Batte

ſchon damals an Danzig die Zumuthung gethan , Kriegsſdiffe zum Dienſt des Königs auszurüſten , und alle Ausführung des Getreydes auf Lieftand und die mit dem Heermeiſter in Verbindung ſtehen : den Teutſchen Provinzen abzuſchneiden , auch die von auswärts angekommenen Schiffe mit Arreſt zu belegen .

Danzig aber hatte dagegen Vorſtellun .

gen gemacht, daß der Ausbruch öffentlicher Feind. feligkeiten yon Seiten des Teutſchen Reichs fomot als von Dänemark darauf ſtånde, und daß Dan . zig fich , vermoge dieſes Befehls , auſſer der Stók . rung des Handels , ausſegen müßte.

einer zwiefachen Kriegsgefahr

Dieſe Vorſtellungen Katten groß.

tentheils Eingang gefunden ,

die Seefaþrt war

frey geblieben , nur war Danzig vcrpflichtet wor. den , die Ausfuhr auf Liefland foviet möglich zu Hemmen ,

und fünfzehn ausgerüſtete Schiffe für

den König in Bereitſchaft zu halten. Das Jahr darauf aber war der Lieftàndiſche Zwift , durch Vers mittelung des Römiſchen Königs , friedlich benge. tegt worden , und eben damals ward zu Paswald das merkwürdige Bündniß zwiſchen Litthauen und Liefland, gegen Rußland geſchloſſen , welches bald nachher einen

tangen und koſtſpieligen Krieg mit

dieſem Reiche verantafſet þat,

$ 599. Der Czar Jwan Waſilietitfch grófutete der Krieg gegen Liefland, mit Anſprüchen auf einen Eribut, den er ſogteich mit Eroberungen im Dörpe tijden Stifte erpreßte ; Sigismund Auguft war

Dritter Abſchnitt. genteigt,

Fünftes Capitel.

121

die , dem Paswaldſchen Vergleich nach,

vom Heermeiſter geſuchte Hülfe zu leiſten ; allein er hatte ſich mit den vorigen Zurüſtungen zu ſehr erſchöpfet, und es fehlte ihm an baaren Geldmite teln , zu deren Bewilligung die Polniſmen Stande ſchwer zu bewegen waren , ſo dringend auch der König die Noth und die Gefahr für ſeine eignen Reichslande, ihnen vorſtellte.

In Litthauen zwar /

wurde ſein Antrag zur Hůlfsleiſtung beſſer aufge. nommen ; ſteuer,

die Litehauer bewilligten eine Kriegs.

beſtåtigten auch zu Wilna das Bündniß 1559.

mit Liefland durch eine nähere Vereinigung ; doch fuchte der König ſelbſt die erſte Thåtlichkeit der Litthauer gegen Moskau zu entſquldigen ,

und

wünſchte, wegen des glücklichen Fortgangs der feindlichen Waffen , ſich durch einen Vergleich , des Krieges gar entledigen zu können.

Die Proving

Preuſſen hatte mitlerweile die ſtårkſten Aufforde , rungen befommen , fich durch Anlagen im Lande dem Könige dienſtfertig zu erweiſen ; und was die Stadt Danzig insbeſondre betraf, fo mußte ſelbige, auffer

den

Landescontributionen ,

noch mehrere

Beiträge zur Geldhůlfe auf rich neşmen . Unlängſt waren dem Könige 70000 Gulden in Vorſchu gegeben und 30000 zum Gefchenk überreicht wor den ;

man gründete auch darauf ſowol,

als auf

den ſchlechten Zuſtand der Stadtcaſſen , wegen der großen Koften zur jährlichen Unterhaltung des See Hafens, und zu andern auſſerordentlichen Staats. abgaben , die billige Bitte , von der im Lande bes wiligten Malzacciſe befrenet zu bleiben ; allein diez

§ 5

I22

Geſchichte Danzigs.

ſelbe war fruchtlos , vielmehr wurden farz darauf noch 1ooooo Thaler vom Könige begehret, welche 1560. Danzig entweder ſelbſt vorſchießen , faft dafür leiſten ſollte.

oder Bürge

Jedoch wurde dabey

eine Sicherheit für Capital und Zinſen beſtellet, indem die vier Pommerelliſchen Klöſter Oliva , Sara nowik ,

Sudau und Carthauſe ,

auf fünf Jaßre

fich der Stadt als Selbſtſchuldner für die Haupt. ſumme verſchrieben , auch den Rath zu Danzig während dieſer Zeit zum Oberaufſeher ihrer Ein künfte annahmen , obgleich die von Danzig eigent lich verlangte Verwaltung ihrer Güter , nicht damit verknüpft wurde.

nachher

Zur Sicherheit der

Intereſſen wurde der Stadt der Cauenſche Zoll in Litthauen angewieſen ,

doch alſo ,

daß die Rech

nung davon jährlich dem Könige vorgeleget , und der Ueberſchuß der Einnahme an ſeinen Schak geo zahlt werden ſollte ; übrigens aber ward auch auf den Fall der verminderten oder gar entzogenen Zoll. einnahme der Stadt, eine anderweitige Soadlos . 1561. Haltung verſidyert.

Dieſen Pfandsvergleich haben

die Litt auiſchen Råthe genehmiget , und die abges ſdickten Einnehmer von Danzig , felbſt in die Zoll Nichtsdeſtowe: nnahme niger Hat dieſe Zollei den Beſtand der jåfre

bude zu Cauen einweiſen laſſen .

lichen Intereſſen nicht ausgetragen ,

1

und anderte

halb Jahre darauf findet man ſchon gegen den Ko. nig darüber geführte Klagen , womit zugleich ein aufs neue verlangter Vorſchuß von 100000 Dha lern iſt abgelehnt worden , um ſo viel mehr , da man des gedachten Rückſtands wegen , vergebens

19i

Dritter Abſchnitt.

1. :

Fünftes Capitel.

123

bey der Königlichen Schakkammer Anſuchung geo than ſatte. Unter der Zeit hatten die Angelegengeiten in Liefland eine ganz,verånderte Lage bekommen . Die Herrſchaft der Teutſchen Ritter neigte ſich in dieſem Lande völlig zum Ende .

Herzog Magnus von

Holſtein , ein Bruder des Königs von Dånemark, Hatte mit dem Biſchofe von Defel einen Caſſions ! vergleich ſeines Stifts wegen gemacyt, äußerte bald durch

aber er

weiter getriebene Anſprüche,

daß er eine größere Ausdehnung ſeiner Herrſchaft im Plan þátte.

König Guſtav von Schweden

ſchien gegen die Däniſchen Pråtenſionen , Liefland beſchüßen zu wollen ; aber fein Sohn und Nach . folger Erich XIV . růckte mit ganz andern Abſich ten heraus ; er nahm eigenmächtig Reval und an. dre benadybarte Plake in Beſig , Miene ,

und maďte faſt

Liefland als eine Herrenloſe Provinz zu

behandeln.

Rußland þatte unterdeſſen ſchon einen

beträchtlichen Theil des Landes ,

auch das Stift

Dörpt bis an das Erzbistyum Riga erobert ; und was den König von Polen betraf, ſo war ſelbiger gendthiget , nun Rußland ſowol als Schweden für Feinde zu halten ,

indem er ſeinen Beyſtand den

Liefländern zugeſagt hatte. niß ,

In dieſer Bedrång.

worin rich Liefland befand,

und welche die

fohlechten Vertheidigungsumſtånde noch mißlicher machten ,

faßten der Erzbiſchof von Riga , der

Heermeiſter mit den Ordensgebietigern , und die Abgeordneten von Land und Städten , den Ent.

1 ſchluß nach Wilna zu geben , ſich für ihre Perſonen

Danzigs Geſchichte.

I24

in den Schuß des Königs von Polen zu geben , und zugleich ihr ganzes Land ,

unter gewiſſen Bedin.

gungen , feiner Herrſchaft zu unterwerfen .

A

Dieſe

Erbietung wurde auch vom Könige , als Großheca

1561. zoge von Litthauen , angenommen , ein Vergleich geſchloſſen ,

und es ward

fraft deſſen der Heer

meiſter, Gotthard von Kettler , alles Recht auf Liefland , ro jenſeits der Dúna liegt , abtrar , und das diesſeitige Antheil, unter dem

Titel der Hers

zogthümer Curland und Semgalen , als ein erblie ches Mannlehn empfing. Als eine Folge dieſes wichtigen Tractats, ließ es ſich leicht abſehen , daß der Czar nunmehr förm lich gegen den König von Polen die Waffen ergrei fen würde.

Dieſe Kriegserklärung blieb auch nicht

lange aus : fie zog aber , wegen des großen Gelds manges , eine Neuerung in den Finanzmitteln des Reichs nach ſich , die der Provinz Preuſſen um fo viel unvergeßlicher bleibet, weil damit der Weg zur Vertilgung ihrer urſprünglichen Landesfreybeiten mehr und mehr iſt gebahnt worden .

Soon öfters

hatten die Unterſtånde des Reichs dem Könige zu verſtehen gegeben , daß er nicht nöthig håtte , neue Contributionen aufzulegen , wenn er nur , den Ge ſeken nach , die von ſeinen Vorfahren unbillig vers fchenkten Güter und Einkünfte der Krone einzießen modète.

Dieſes Begehren zielete gänzlich auf die

Volziehung des Alerandriniſchen Statuts ab, der moge deſſen im I. 1904 ein Gefeß war gemacht worden , daß die Königlichen Güter þinfort weder perpfändet, noch verſchenket, oder auf irgend eine

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

Art veräuſſert werden ſollten . unter

Man hatte daſſelbe

Sigismunds Auguſts

mehrmals ,

125

obwol 'vergebens ,

Regierung ſchon in Ausübung zu

bringen geſucht ; der jebige Reichstag zu Peterkau 1562 . aber war eifrigſt mit dieſer Staatsmaterie beſchåfo tigt.

Die Polniſchen Magnaten zwar , welche ei

nes vortheilhaften Genuſſes dadurch verluſtig gien. gen, konnten igre Unzufriedenheit damit nicht allera dings verbergen ; allein deſto befriger drang die Landbotenſtube darauf, und der König mußte end oft wiederholtes Verſprechen vollziehen ,

lich ſein

welches die gegenwärtigen Geldbedürfniſſe zum bet vorſtehenden Kriege , für ihn ſelbſt noch nothwendia ger machten. . Man hat dieſes Staatsgeſchäfte in Polen ,

die Erecution der

Geſeke,

genannt,

weil alle nach dieſer åltern Sakung von der Krone abwendig gemachte Güter und Grundſtücke, unrechtmäßig veräuſſert angeſehen ,

als

und gefeßlich

eingezogen werden ſollten . Es hat auch dabey fo wenig Moderation und Einſchränkung ſtatt gefun: den , daß man die Execution fogar auf die Proving Preuſſen ausgedehnet ,

und zuweilen gewaltſame

Mittel gebraucht hat , nach der Strenge damit zu verfahren .

So wenig nun Preuſſen ſich verpfliche

tet halten konnte ,

den Polniſchen Kronfaßungen

unterworfen zu ſeyn, und deshalb alle Maasregeln ergriffen hat , fiche mit feinen Frenbeitsrechten dage. gen zu verteidigen ;

ſo naße iſt doce , eben zum

Umſturz dieſer Separatfreybeit ,

gedachte Erecy tionsſache mit dem großen Vereinigungsgeſchåfte

verknüpft worden ,

um

teinen Ausweg offen zu

126

Danzigs Geſchichte.

laſſen , worauf die Preuffiſchen Einſaſſen die Vers bindlichkeit gegen die Reichsſtatuten von ſich ableh nen könnten . Der Peterkauer Reichstag war beſtimmt, die= ſes zwiefache Vorhaben gegen Preuſſen zur Aus. führung zu bringen.

Er mußte , unter angedro

þeter Strafe des Ungehorſams, und mit Warnung, daß auch , im Fall der Abweſenheit ,

gültig und

rechtskräftig verfahren werden ſollte , durch Abge. ordnete aus Preuſſen beſchickt werden.

Dieſe wur

den zwar in einer Privataudienz beym Könige huld reich etapfangen ,

allein aus einigen Worten des

Beſcheides ließ ſich ſchon mit Sicherheit ſchlieſſen ; daß man ihnen unter den Polniſchen Stånden einen Plak anzeigen würde.

Es trug allerdings viel zur

Erleichterung der Polniſchen Abſichten ben ,

daß

die Geſandten aus Preuſſen unter ſich ſelbſt nicht vollkommen einſtimmig waren : einige Conſiliarien lieſſen ſich durch den Glanz der Senatorwürden ver, blenden , die Landboten ſtauden, nicht ohne Grund, in Verdacht, bedingte Auftråge zum Beytritt an die Krone zu ħaben, die kleinen Stådte ſchwankten noch, ohne einen feſten Entſchluß faſſen zu können, und nur die großen Städte , nebſt einigen patrios tiſchgeſinnten Råthen ,

blieben unwandelbar ent

foloſſen , nach den Rechten des Landes und ihrer Juſtruction , die Preuſſiſche Staatsfrenheit in allen vorkommenden Fällen ſtandhaft zu vertheidigen und zu behaupten . ' Inzwiſchen ward auf dem Reichs. tage wegen der

Erecution ein Decret abgefaffet,

worunter auch Preuſſen begriffen ſeyn ſollte ;

es

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

127

tam ferner zu einem Reichsrathsſchluſſe, fraft deſſen den Preuſſiſchen Woywoden und Caſtellånen ihre Stellen im Polniſchen Senat beſtimmt wurden ; und den Preußiſchen Råthen , auch fåmtlichen Abs geordneten von Land und Stådten, ward angedeu . tet , daß ſie ſich zur neuen Vereinigung ſowol als zur Erecution , unwiderſeklich erklären ſollten. So gut man nun unterrichtet war , daß der König , in Betref der Conjunctionsſache, ganz milde und der Preuſſiſchen Frenheit günſtige Geſinnungen hegte, fo ſtanden doch die hievon untrennbaren Vortheile ihm entgegen , die er mit der Erecutionsſache fåtte aufgeben müſſen .

Auf der andern Seite war man

zwar überzeugt ,

daß die Großen im Reiche die Vollziehung des Alexandriniſchen Statuts durchges

Hends nicht wünſchten , auch zum Theil die Widera ſtrebung der Preuſſen ſelbſt anfeuerten , wenn gleich das Unionswerk darüber vereitelt allein die

werden ſollte ;

größere Menge des Polniſchen Adels

hatte auf beyde Gegenſtåude ihr Augenmerk gerich tet ,

und ließ nicht nach ,

mit Heftigkeit auf die

Vollendung derſelben zu dringen .

Eine Anrede

des Großkanzlers an die Preußiſcheu Stådte , era låuterte faſt alles , was die damalige Denkungsart der Nation in dieſer Angelegenheit mit ſich führte ; aber die darauf von den Städten freymůthig

ers,

theilte Antwort gab der Sache feine glücklichere Wendung ; vielmehr meinte der Kanzler , daß die Prårogativen des Landes Preuſſen gegen die Reichs. folüſſe keinen Effect machen würden ; man gab roa gar einigen in den Privilegien befindlichen Worteu

1

Danzigs Geſchichte.

128

eine ganz fremde und unſichre Deutung , und ob gleich die Preuſſiſchen Geſandten perſönlich beym Könige und beym Senat ihr Anliegen auch bitt weiſe und inſtåndigſt vortrugen , ro ſchienen doch dieſe unabláſſigen Vorſtellungen keinen Eindruck zu machen .

Nur der König wollte noch einmal von

den Preußiſchen Stånden ſelbſt umſtändlich beleha ret ſeyn , in wie ferne ſie einige Befugniß fåtten, ſich der Vereinigung fomol , als der decretirteit Erecution zu

entziehen .

Dieſe Darſtellung der

Provinzialrechte wurde von den Landesgeſandten , dem

Danziger Burgermeiſter Kleefeld einmůthig

übertragen , und er führte ſie mit derjenigen Gründ. lichkeit aus , welche man von ſeiner alles umfaſſen den Kenntniß des Preuſſiſchen Staatsrechts erwar Sie wurde im öffentlichen Reichsrath

ten konnte .

verleſen , und es ſollte weiter darüber gerathſchla= get werden ;

allein auch dieſer lekte Verſuch zur Rettung der Landesgerechtſamen ſchlug feßl. Vors erft unterbrachen die Landboten und

die kleinen

Stådte aus Preuſſen dieſe Seſſion durch den Vors trag einiger iører Particularanliegen , wobey ſie zu. gleich ihre Meynung äußerten , daß wenn der Kós nig nicht, kraft des Alexandriniſchen Statuts , fon dern aus fiscaliſchem Rechte , die Gütereinziehung vor fich gehen lieſſe, fie ſolches gefällig annehmen würden .

Ferner wurden vom Kanzler alle Gründe 4

der Preuſſiſchen Vertheidigung im Namen des Kos nigs entkräftet ,

die Preußiſchen Råthe mußten

förmlich im Reichsſenate Siß nehmen , und ohner achtet ſie folches nur mit Proteſtation thaten , ſo be jeigten

1

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

129

zeigten dod die Landboten aus Preuſſen in ſo weit darüber ihre Zufriedenheit , als zum Beſten ihres Landes mit dem Könige wegen der fiscaliſchen Ein . ziehung deliberirt werden ſollte. der Polniſchen Stånde

Nach dem Sinn

hingegen blieb- es daber ,

daß man die Erecution den Preuſſen aufdringen wollte ; es wurden ſchon alle Anſtalten dazu getrof fen ,

und die Preuſſen bekamen nur noch einen

Termin von vierzehn Tagen ,

um iỹre Verſchrei

bungen aufzeigen zu fönnen , mitlerweile man den Entſchluß faßte , mit der Erecution in den Polo niſchen Wonmodſchaften den Anfang zu machen . Aber eben in dieſer Zeit traf die unglückliche Nach , richt von der Ruſſiſchen Eroberung der feſten Stadt 1963. Poloczk in Litthauen ein ; Schreden und Betrübniß darüber hemmten den Fortgang des Reichstags , der König felbſt begab ſich unverzüglich nach lit thauen , und dergeſtalt entging das Land Preuſſen noch dieſesmal dem gånzlichen Fall ſeiner Grunds verfaſſung , und der Vollziegung fremder und nie bey fich erkannter Gefeße. Ein kurzer Waffenſtilſtand fekte den König einigermaßen wieder in Ruhe ;

deſſen ungeachtet

fand er für nöthig , ſich in immer beßre Kriegsveča faſſung zu legen .

Danzig bekam bieber aufs neue

die Anforderung , einen Geldvorſchuß mit 100000 Thalern zu machen ;

zugleich wurde dieſer Stade

zugemutbet , eine Revenuen- oder Vermögenſteuer, zum Behuf des Königs , ben ſich anzuſeßen , einen Königlichen Zoll auf aứe Getreydeausfuhr anzu . nehmen , und einen vom Könige privilegirten Freya Gefch . Danz. zter Th.

Danzigs Geſchichte.

130 beuterchef ,

Namens Scharping,

Kriegs , und Mundproviſionen

nicht nur mit

behålflich zu ſeyn ,

ſondern auch zu deſſen Dienſte: zehn Caperſchiffe auszurüſten , und alle auf Rußland und Sdweden ſeegelnde Schiffe aufbringen zu belfen . Die Stadt hatte Entſchuldigungsgründe genug , fic aller Ver bindlichkeiten entledigt zu halten , die theils die An . ſekung eines neuen Zolles , gegen die Landesprivi. legien betrafen , theils mit Sdyweden einen Krieg vorausſekten , Stadt

zur

der weder erklärt war, Regulirung

noch der

ihrer Commerzangeles

genheiten mit Schweden war angezeigt werden. Was Rußland betraf, ſo pielt man ficy verpflich . tet , einem offenbaren Feinde des Königs in feiner Art behúlflich zu ſeyn ,

ſondern vielmehr die Ki

niglichen Freybeuter gegen denſelben zu unterſtü . ken .

Ju Anfehung der Geldhülfe aber konnte

Feine Bewilligung ſtatt finden ; Danzig. befriedigte den König nachher mit zweyhundert Centner Pul ver , wovon die Hålfte geſchenkt wurde , und konnte übrigens den großen Aufwand fühnlich darthur , der während den neuern Kriegsanſtalten , für den Seehafen ſowol als zur Stadefortification , hatte müſſen

gemacht werden , womit auch die Caſſen

erſchöpft waren , und die Auflagen unter der Bür. gerſchaft ſich jährlich vermeþrt hatten.

Seit dem

I. 1535 war die Fortificationsarbeit mit Fleiß wieder vorgenommen ;

aber in den legtern zehn

Jahren , bis 1564 und noch fpåteröin , iſt ſie faſt unablaßig fortgeſegt worden .

Die Vertiefung des

Grabens hinter dem Grauen :Mönchenklofter , fat

Dritter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

131

viele Müße und Koſten verurſachet, weshalb auch eine eigene Auflage auf alle Buden und Häufer gem leget geweſen ;

þat im

man

J. 1538

erft die

Mauer hinter dem Kloſter , wo jego der Ball lies get ,

abgebrochen und

in den Graben geworfen ,

þernach aber Steine und Sæutt mit Karren wie Darauf iſt ferner der herausführen müſſen . der Wall nach dem Neuen oder ( Legen ) Thor, vom Karren Rundel an geſchüttet worden , welches man eben

daſelbſt kurz zuvor in der Gegend des

Karrenthors m ) verfertiget þatte .

Zu dieſer neuen

Wallarbeit þat damals der Rathsherr George Schewecke , einen

geſchickten

Jagenieur ,

Wilhelm von Dutken genannt wird ,

der

und der

Stadt als Hauptmann gedient hat , von Lüneburg mit ſich gebracht, wo er im J. 1537 auf eine Tas gefahrt des Hanſeebundes war hingeſchicket gewer ſen ;

im J. 1548 iſt eine allgemeine Sagung

ergangen, zur Sekung des Walles beym heil. Leichs namsthore ; derſelbe iſt von dort bis ans Jacobs thor aufgeſeßt.,' und einige Zeit ſpåter auch die Bruce vor dem heil. Leichnamsthor fertig gemors den .

Im J. 1559 hat man auf der jeßt genanns

ten Vorſtadt eine Mauer långft dem Graben gezo. gen ,

und iſt ſelbige vom Karrenthor bis an die

Anferſơmiedbrücke über den ganzen Weg gemacht worden .

Auch die Gewölbe unter den Wållen þar

m ) Das Starrenthor ift im 3. 1563 , da der Herzog Erich mit unſichern Abſichten in die Nähe der Stadt gerückt iſt, ganz und gar zugeſchüttet, auch nicht wieder hergeſtellt worden .

132

Danzigs Geſchichte.

ben unſäglich viel Zeit und Arbeiterfordert, infona derheit das Große Gewölbe , ſo beym hohen Shore durchgehet, und welches man im J. 1563 zu errich ten angefangen bat ; wie denn auch unweit davon , s einige Jahre

ſpåter,

die Riedewand

über den

Stadtgraben gemacht iſt, wo die Radaune in die Alte Stadt einfließet.

Man müßte der Nachrich

ten zu viel auszeichnen , um ſich eine vollſtändige Jdee vom Umfang der Arbeiten machen zu fdnnen , die von unſern Vorfahren , nebſt großen Summen Geldes , auf die Befeſtigung der Stadt ſind vera wandt worden : und doch iſt auf ſpåtere Zeiten noch immer viel zu verbeſſern übrig geblieben ,

und zu erneuern

nachdem inſonderheit Bereiches

rung der Kunſt und Wachsthum der Wiſſenſchaft, im Fortificationsbau andre Plane bervorgebracht, und veränderte Einrichtungen nothwendig geo macht haben .

Jeßt dienten diefe Unkoſten und Geldbedürf niſſe, der Stadt zu einern gültigen Grunde, die Ablehnung des Königlichen Anſuchens zu entſchule digen .

Der König wandie ſich hierauf an Land und Stådte, und es wurden ihm cuch einige Con . tributionen bewilligt; nichtsdeſtoweniger kam bald darauf eine erneuerte Geldforderung an Danzig. Vorläufig wurde dazu die Einleitung gemacht, daß der König fich unumgänglich genöthige ſåhe, mit Schweden zu brechen .

In zweyen deshalb abge.

laſſenen Schreiben , ermahnte er die Danziger, ihr Commerzverkehr mit Schweden aufzuheben , die Schwediſchen Sciffe feindlich zu behandeln , fick

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

133

ſelbſt aber in guten Vertheidigungsſtand zu ſeßen , weil aller Anſchein wåre , daß der König von Schweden ſich der Herrſchaft über die Oſtſee an . maaßen wollte. Legteres aber ließ fick Danzig nict wol überreden ,

und was den Defenſionsju .

ſtand betraf, ſo hatte man dafür in Zeiten geſoro get , arbeitete, auch noch immer an den Werken der Stadt ſowol, als an dem Blockhauſe zur Be. ſqůkung des Hafens , nahm Kriegsleute in Sold , und zog verſuchte Befehlshaber an fich .

Nur war

Danzig unter folchen Verhältniſſen nicht im Stande, dem Könige mit Ummunition und Geſchůke ; "nebft einer Summe von 100000 Thalern zu dienen, weldes alles jekt als ein freywilliges Geſchenk ver langt wurde. Hiezu

fam

noch ein

Umſtand ,

welcher die

Stadt nicht nur in plögliche Beſorgniß feste, fon. dern ihr auc nad ber eben ſo unnüße als unerwar. tete Koſten verurſaciet hat.

Herzog Erich der

Jüngere von Braunſchweig , ein Sowager Her fogs Albrecht in Preuſſen , hatte vor einiger Zeit im Niederſächſiſchen Kreiſe ein Kriegsforps von 12000 Mann Fußvolk und 2000 Mann Keute ren angeworben ,

in Abſicht,

dem

Könige von

Sweden damit gegen Dänemart Hülfe zu lei fter 2 ) .

Der König von Dänemark aber ,

1)

um

Einige Urſachen zur feindſeligen Geſinnung Herzogs Erich gegen Dänemark , lagen in eitter herrſchaftlichen Pri: vatfende damaliger Zeit. Derjog Magnus nehmlich bes fand ſich im J. 1562 bey feinem Beſuch zu Stönigsberg in Preuſſen , auf einem Fürflichen Tangball , mochte ſich aber im Trunke übernommen haben , und warf im Tanje , der

I

3

Danzigs Geſchichte.

134

Hollſtein keiner Gefahr auszufeßen , und die Weſt phåliſchen und Niederſächfifen Kreißſtånde , um der Sicherheit ihrer Lande willen , drangen einſtim. mig darauf, daß Herzog follte auseinandergehen

Erich

fein Kriegsvolt

laſſen ; ja es sogen fich

Kreißtruppen zuſammen , um ſolches mit Gewalt zu erzwingen .

Hierauf veränderte Erich

Project und brauchte den Vorwand ,

ſein

daß er fein

angeworbenes Corps dem Kidnige von Polen zufüh. ren müßte ;

er erlangte auch hiemit einen freyen

Durchzug durch Mecklenburg, ſche Mark und Pommern , Preuſſiſche Grenze. war ,

þatte

er

die Brandenburg

und kam bis an die

Als er nun noch im Anzuge

einen Geſchäftstråger vorausges

f « ickt, um dem Könige von Polen feine Ankunft zu melden , und ihn zugleich bitten zu laſſen , ſeine Truppen gegen Rußland in Sold zu nehmen , und ihm ſelbſt einen perſönlichen Beſuch ben Hofe zu verſtatten . Durch einen andern Abgeordneten ließ er auch der Stadt Danzig ſeinen Unmarſch befannt machen , nebſt dem Anſuden , daß ſeinem Kriegs. Herjogin , Erichs Schweſter, ihren Hauptput vom Stopfe. Nun wollten zwar die Herren aus der ganzen Sache einen Spaß machen ; allein die Herzogin hielt ſich dadurch aufs Xußerſte beleidigt , und hat mit allem Ernſt ihren Bruder nach damaligem Gebrauch , zum Ritter ermahtet, um dieſe Schmach am Herzoge Magnus zu rächen . Dieſer glaubte das biezu gegebene Verſprechen jegt am bequemſten erfüllen zu können ; und hatte zugleich die Hofnung , feine Stoften dafür bezahlt zu erhalten. Bock, Leben Markgraf Als brechts . S. 380 f. Wagner , Geſchichte von Oſta preuſſen , und daſelbſt citirte Schriftſteller,

Dritter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

135

volf alle Nothwendigkeiten an Proviant zugefüh ret , ein freyer Durchzug durch die Stadt oder neben derſelben bewilliget, wegen der abgeriſſenen Kleidung feiner Soldaten 20000 Gulden , Tuch ,

oder

nebſt dem übrigen Zubehör zu Kleidungs

ftüden gereichet,

und ein paar ausgeſuchte Reit.

pferde in den Herzoglichen Stall geliefert werden möchten .

Von Danzig aus hatte man ſich ſchon

in Bereitſchaft gefeket, dem Herzoge eine Deputa. tion entgegen zu ſchicken , ſobald er die Pommerel. liſche Grenze betreten würde.

Dieſe wurde nun Isaug. aus allen Ordnungen abgefertiget, und an iğree Spige befanden ſich der Burgermeiſter Conſtantin

Ferber nebſt dem Rathsherrn Matthias Zir mermann ; der Herzog hatte unweit Lauenb13 ein Lager aufgeſchlagen , wo die Deputirten yter Sie hatte den

einem Gezelt zur Audienz kamen . Auftrag ,

ſich zu erkundigen ,

Freund oder als Feind Tåme , Verlangen

des Königs

ob der Herzs als und wenner auf

von Polen. Feinn Zug

machte, fich davon die ſchriftliche Einlading vor zeigen zu laſſen ; übrigens aber zu bitten , daß der Marſch nicht fortgeſegt würde , bis man in Dan . zig von der Willensmeinung des Königlichen Kofes nåher unterrichtet ſeyn würde.

Der Hefogger

nehmigte ſolches , und verſprache für ſein Criegsheer die Drdre aus Polen abzuwarten ,

wobey er nut

ſeine der Stadt inſinuirte Forderunget, beſtens zu empfehlen bemüht war. Mitlerweile war man in Danzig beſchäftigt,

fich gegen alle feindliche Ueberfälle zu rüften ; die 94

1

Danzigs Geſchichte,

136

Nachridjten und Meinungen

von der

Abſichten

des Herzogs , waren ro zweifelhaft und unſicher, daß man in jedem Fall auf ſeiner Hut ſeyn mußte. Auſſer den Miethſoldaten , Stadt hatte ,

die man ſchon in

der

und welde mit erfaþrnen Befehls

habern verſorgt waren ,

wurde auch die Bürger

1 fchaft, nach einem ordentlichen Kriegsreglement, in Waffen gerekt, man gåhlte. 156 Rotten ). aus der Rechten - Alten - und Vorſtadt, die auf ihre Sammelplåße wohlgerüſtet zur Muſterung kamen , unerachtet dieſe Bürgerrotten ,

mit den Einwoh.

nern gerechnet, vier auch rechsmal ſtårker die Wa. hen bezogen haben .

Für Verſchanzungen und

ſchůge nebſt zureichender Ammunition ,

Hatte

Mu ſchon in frühern Zeiten Sorge getragen , und es Mlte nur an dem Ausſchlag , den die Sache des berzogs durch einen Beſcheid vom Königlichen Hofe etommen ſollte, um aller äußern Gewalt gewachen zu ſeyn .

Dieſer run lief dem Vorha.

ben Erths gånzlich entgegen .

Sigismund Au

guſt ließihm nicht nur die ganz ungelegene Zeit ſeines Azuges während dem Waffenſtilſtand mit Rußland vorſtellen , ſondern er ließ auch ſeine Aſſi ſtenz gånglich verbitten , indem er nie daran gedacht Håtte , end derſelben aude gar nicht benöthigt reyn Vielmehr wurde das ausdrückliche Ver

wollte.

langen des Sönigs hinzugefüget , daß Herzog Erich ſeine Truppen ohne Verweilung aus den Königli den Landen wegſchaffen ſollte, widrigenfalls kein 0 ) Die Bürgerrotten ſind dazumal zwiſchen 30 und so Perſos Men angenommen geweſen .

.

Dritter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

137

Anſtand würde genommen werden , ſoldies mit gea waffneter Hand zu bewürfen.

Doch bot der Ki

nig dem Herzoge für ſeine Dienſtfertigkeit eine jähr. liche Penſion von 2000 Thalern an ,

und wollte

es ſich auch gefallen laſſen , penn ihm vom Lande Preuſſen oder von der Stadt Danzig ein Geſchenk an Gelde gemacht wurde.

Juzwiſchen aber ließ

Sigismund Auguſt es nicht blos ben einer můnda lichen Erklärung feines Gegenwillens bewenden, fondern er ließ aud, Univerſalien an den General von Großpolen ausfertigen , und pieſelbſt ſowol als in Preuſſen die Ritterſchaft aufbieten , um auf die erſte Ordre jur Anrückung gegen die Braunſchweig ſchen Truppen ſich fertig zu halten . Dem Herzoge in Preuſſen ließ er eine wachſame Sorgfalt für i feine Staaten

empfehlen ,

gleichwie dieſer Herr

aus eigner Bewegung feinen Unſtand nahm , dem råthſelhaften Vorhaben ſeines Sdywagers,

mit

einigen unverzüglich ins Feld geſtellten Kriegsvol. fern entgegen zu kommen. blieben immer beſchäftigt ,

Elbing und Danzig nicht nur fich ſelbſt in

guter Verfaſſung zu Şalten , ſondern auch die Ein. raſſen ihrer Låndereyen mit Gemehr und Kriegsge råth zu verſehen ,

und der König gab Hoffnung,

im Fall der Noth 10000 Mann Hůlfstruppen nach Preuſſen zu ſchicken , auch wol in Perſon ſich hieher zu verfügen . Dem Herzoge Erich fing es an ,

vorzüglich

an Geld , zu Bezahlung ſeiner Soldaten , zu fehlen, er machte deshalb einen neuen Antrag an Danzig , iøm gegen eine ſchriftliche Verſicherung einen Vor

gs

!

Danzigs Geſchichte.

138

ſchuß von 20. oder 30000 Thalern zu machen . Man entſchuldigte ſich aber,

ohne Beytritt der

Preuſſiſchen Stände fein Darlehn zuſtehn zu kåne nen ,

und befriedigte den Herzog mit einer Pro.

viantlieferung,

und einigen zur Erfriſchung geo

fchenkten Mundbedürfniſſen .

Er ſelbſt glaubte

noch immer vom Könige eine beßre Aufnahme zu erhalten ,

er zog demnach auf Oliva und Heil .

Brunn , in aller Stille über die Berge bey Dan . zig vorben , und ſchlug ſein Lager zu Dirſchau auf,

er

mit dem Königlichen Gevollmächtigten ,

George von Bayſen , aufs neue ein Vernehmen hatte, auch das angebotene Jahrgehalt annaým p ), und ſich zu einem baldigen Abzug erklårte , in fo ferne er nur ein anſehnliches Darlehn auf rechs Monate vom Lande erhalten würde.

Inzwiſchen

war der Herzog von Preuſſen mit ſeinen Truppen nåber gegen die Weichſel gerügt , und weil er aus Erichs Belagerung bey Dirfohau , wie auch aus feinen ſprøden Antworten , noch immer einen Vera dat ſchöpfen mußte , ſo blieben beyde Kriegsheere gegen einander im Felde , ohne daß einige Feind. feligkeit ausgeübt wurde.

Man hat dieſen Feld.

zug den Preuſſiſchen Nußkrieg genennet , weil gerade die Nüſſe reif waren , und beyder Theile Soldaten ſich die Zeit mit Nußknacken verkürze baben.

Endlich ſchien es doch dem Herzoge Al

p ) Mit dem Jahrgelde ift es dennoch nicht zum Schluß gee kommen , weil der Herzog das Verſprechen nicht geleiſtet hat , unter welchem der Stönig ibm daſſelbe ausgemacht batte,

$

Dritter Abſchnitt."

Fünftes Capitel.

139

Brecht ſowol als den Ständen der Provinz das ratha famſte zu ſeyn , den Abmarſch der Braunſchweig. fchen Truppen zu befördern , und ſich mit dem Hers zoge eines Vorſchuſſes wegen zu einigen. Die ver langte Summe wurde , nach einigen Unterhandlun gen , auf 12000 Thaler heruntergeſchlagen , wie es aber zur Zahlung fam ; mußte Danzig die Volls macht beyder Lande Preuſſen übernehmen , um gee dachte Summe Geldes an den Herzog auszujahlen, mit der Bedingung ,

daß er nach rechs Monaten

das Capital und viertehalb von fundert Jntereſ fen , zu Lübeck wieder erſtatten würde.

Der Ab.

zug der Braunſchweigſchen Vå fer erfolgte nun wücklich , aber das vom Herzoge hinzugefügte Vera ſprechen , eine gute Mannsjudit zu halten , wurde ſo wenig in Ausübung gebracht, daß die fremden Soldaten vielmehr durch ganz Pommerellen Spu. ren der Frechheit und des Muthwillens zurück ließen, ſo, daß es dem Könige ſelbſt leid gethan Şat, fie nicht als liebloſe Feinde behandelt zu baben. Die Stadt Danzig hat noch den größten Verluſt davon getra gen. Auſſer den Unkoſten , die ſie gelegentlich dabey gehabt hat , iſt der Schaden auf ihre Låndereyen an soqoo Gulden werth zu ſchåßen geweſen , und die Wiedererſtattung der vorgeſchoſſenen Summe Hat ſie viele Jahre lang , aber allezeit fruchtlos gefor: dere , der Widerwårtigkeiten zu geſchweigen , denen ſie ſich ſelbſt von ihren Mitſtånden dabey Hat aus. geſegt ſehen müſſen .

Das Jahr darauf verlangte

der Herzog fogar , daß Danzig ihm die geliebene Symme fichenten ſollte;

und als die geſammten

140

Danzigs Geſchichte.

Stånde Preuſſens ihm ſolches abſchlugen , ſo Hat er das Gerücht ausſprengen laſſen , als ob er von neuem mit einem großern Kriegsheer in Preuſſen einråcken würde , aud bereits beym Herzoge in Pommern um den freyen Durchzug angeſuchthåtte. Man wurde aber in kurzem belehret , daß , wenn er auch würflich die Abſicht dazu gehabt hätte , er ben dieſem

Feldzug doch

zuviel Sawierigkeiten

i würde gefunden haben ; es verlor ſich alſo die uns gegründete Furcht, die man ſchon im Lande deswer gen gefaßt hatte ,

und Danzig hatte mindeſtens

in den erſten Jahren noch die Genugtņuung , daß ihr die Ratge der Provinz für ihren Beyſtand , zur Rectung der Lande Preuſſen , öffentlich Dank gee ſagt þaben.

1

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel.

Sechs tes

141

Capitel.

Die Danziger Seehandlung leidet während dem neu ausgebros chenen nordiſchen Kriege - Peſt in Danzig -- Stdhrungen der Commerz : und Zoufreybeit im Lande - lekte Vertheis digung der Preuſſiſchen Separatrechte auf dem Reichstage zu Warſchau - die großen Stådte ſollen ſich der Inquifts tion Polniſcher Commiſſionen unterwerfen - grundloſes Vorgeben eines Bürgeraufruhrs in Danzig - Danziger Beſchwerden über die Misbrauche der Capereyen – und der Königlichen Geleitsbriefe – Danzig wird mit der Erecution in den Låndereyen bedrohet – eine Polniſche Commiſſion ſoll von Elbing nach Danzig kommen - bore Vermuthungen von ihren Geſchäften - Danzig läßt den König dagegen informiren Der Commiſſion werden die Thore der Stadt geſchloſſen - ſie zieht ab , und Danzig ſchickt eine Geſandſchaft an den König . Der Krieg des Königs von Polen mit Rußland þatte nicht ſo viel Beziehung auf die Preuſſiſcher Staaten ,

als die

Feindſeligkeiten ,

welche

mit

Schweden zuin öffentlichen Ausbruck, kamen. Sie

gismund Auguſt verband fich mit dem Könige . Friedrich den Zweyten von Dänemark durch eine als lekterer eben der Krone 1563. Schweden den Krieg angekündigt hatte , und beyde s. Okt. Allianz zu Stettin ,

Könige kamen nun überein , Schweden zu ribließen ,

keinen Frieden mit

bevor ſie beyderſeits für

ihre Anſprüche befriedigt ſeyn würden .

Die Dane

ziger Seehandlung wurde dadurch , nåchit andern daraus entſproſſenen Widermårtigkeiten , vornehme lich geftdyret.

Der König von Dänemark hatte

zwar durch eine eigne Geſandtſchaft in Danzig vera ficherà laſſen , daß er den Preuſſiſchen Soiffen eine

142

Danzigs Geſchichte.

freye Fahrt durch den Sund verſtatten würde; allein das Gegentheil zeigte ſich in kurzem , ' indem alle ſowol

abgebende

Schiffe,

als

zurůckommende. Danziger

bey Helſingår angeşalten ,

penhagen einzulaufen

und zu Ko.

gezwungen wurden .

Zur

Urſache dieſes Verfahrens wurde angegeben , daß man von der Schwediſchen Kriegsmacht in der Oft ſee beſorgen müßte , ſie würde ſelbſt die Danziger Schiffe aufbringen und gegen Dånemark brauchen. Durch mühſames Anhalten eines Secretairs , der nach Kopenhagen abgeſchickt ward , erlangte man zuleßt ,

daß die Danziger Schiffe

fren gemacht

wurderi, bis auf drey , deren ſich König Friedrich zum Tranſport ſeiner Truppen nach Sconen , se gen Bezahlung und Soadłospaltung , bediente. Mit einer andern Gefahr drobten die umherlaufen den Nachrichten von einer Schwediſchen Landung auf der Preuſſiſchen Küſte , und der Herzog von Preuſſen warnete insbeſondre ſehr dringend , daß man im Danziger Hafen ſowol ,

als auf der Neha

rung und im Pubiger Winkel auf wachſamer Hut ſeyn ſollte.

Dieſe Furcht ward ſoviel größer , weil

Schweden den Dånen im Seefriege überlegen zu fern ſdien ,

der König von Polen feine größte

Macht in Litthauen brauchte, und eine Friedens: beredung zu Roſtock rich durch Schwediſche Auss flüchte zerſchlagen hatte.

· Bald darauf fam aber .

mals ein Schreiben vom Dániſden Hofe naď Dane zig , daß die Noth es erforderlich machte , den Preuſſiſchen Schiffen den Sund zu ſchließen , weil man ſichre Beweiſe davon gåtte, daß die Schiffer,

Dritter Abſchnitt,

Sechstes Capitel.

143

gegen ihre abgelegten Ende, den Schweden alle nöthigen Bedürfniſſe zugeführt. Håtten , wogegen auch kein anderes Mittel wäre, als ſolches mit Spere rung der Fahrt zu verhindern .

Die Danziger Qat

ten nicht nur auf die erſte Nachricht hievon , einen Secretair nach Kopenhagen geſchickt, ſondern ſie gaben ſich auch am Polniſchen Hofe die äußerſte Mühe, für ihre Schiffahrt den Sund fren zu erhal ten , : Hier aber hatte man ein neues Project: der König von Polen ſchien nicht ungeneigt, die Schlie Bung des Sundes zu genehmigen ,

er verknüpfte

aber damit den Vorſchlag , ſeine Unterthanen mit Polniſchen Seepåſſen, zu verſehen , wenn ſie einer freyen Fahrt ſicher ſeyn wollten .

Dieſe Neuerung

mußte der Stadt überaus beſchwerlich vorkommen , und ſie ſaße wol die nachtheiligen Folgen davon ein , wenn erſt Polniſche Seepåſſe in Gebrauch ges bract würden ; es wurde ſolches demnach von ſo großer Widtigkeit angeſehen , daß in möglichſter Eile der damalige Burggraf und Burgermeiſter Kleefeld deswegen an den Königlichen Hof abges fertiget wurde. Das ganze land nahm ſich des Preuſſiſchen Seehaudels an , und auf einem auſſerordentlichen Landtage zu Leſſen , ließen die Stånde an den Kda 1565. nig reßr fråftige Vorſtellungen machen , theils geo gen des Königs von Dänemark Vorhaben ,

den

Sund zu ſchließen , theils gegen die Königlich Polo niſcher Seits geäußerte Meinung , daſſelbe unter gewiſſen Bedingungen genehm zu Halten .

Der

Danziger Burgermeiſter Gatte eine noch nåþere In

Danzigs Geſchichte.

144

!

ſtruction ,

die Polniſchen Seepåſſe durchaus zu

verbitten ,

und

vielmeør inſtåndigſt anzuhalten ,

daß der König ben ſeinem

Bundesgenoſſen , für

das Preuſſiſche Seecommerz , eine völlig frene Fahrt ausroürfen möchte.

Es koſtete nicht wenig Mühe,

die vortheilhaft gefaßte Idee von den Seepåffen, am Königlichen Hofe wieder auszulörden ;

gulegt

aber ernannte der König eine eigne Geſandtſchaft, die aus dem Marienburgſchen Unterfåmmerer Franz von Selislau ,

und dem Danziger Rathoherrn

Albrecht Gieſe beſtand 9 ) , um beym Könige von Dånemark eine unbedingte freye Fahrt der Danzi. ger Schiffe zuwege zu bringen , doch mit vorbehal tener Beendigung der Scyiffer, daß ſie bey

Ver

luft des Lebens , des Schiffs und der Güter , in feiner Gemeinſớaft mit Schwediſchem Commerz zu ſtehen , auch die Fahrt in ſolchem guten Glau . ben unternommen zu haben , 'verſichern könnten. Der Sund war ſchon geſchloſſen , als die Gefand. ten iþre Reiſe antraten , indeſſen waren ſie in ihrem Geſchäfte fo glücklich , daß König Friedrich igre Anwerbung geneigt aufnahm , und nach einigen darüber gepflogenen Unterhandlungen , Fahrt wieder

herſtellte.

die freye

Nichtsdeſtoweniger iſt

gleich zu Anfang des folgenden Jahres , der Sund aufs neue geſchloſſen worden ; Danzig hat wieder . holte Vorſtellungen , und Polniſche Fürſprache dazu erbitten müſſen ; die Ersfnung deſſelben iſt auch g ) Der Burgermeiſter Sleefeld hatte die Mitfendung, welche ihm angetragen warð , aus anderi Urſachen verbeter .

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

145

aud endlich , obwol zum Schaden der Handlung, erſt ſpåt im Jahr wieder erfolget, und der König von Dänemark hat zur Entſchuldigung angegeben , daß er ſeine Kriegsflotte allererſt håtte müſſen aus.

1 laufen laſſen . Dergleichen der Seehandlung nachtheilige Vore fålle ,

mußten freylich als unvermeidliche Folgen

des Nordiſchen Krieges angeſehn werden ;

man

fühlte aber den Druck derfelben um ſoviel ſchwerer, weil Danzig in dieſer Zeit von vielen Seiten mit Un . glücksfällen bedrångt wurde ,

und einen Mangel

des Erwerbs und der Naþrung empfand , der nur durch den ungeſtöhrten Fortlauf des auswärtigen Commerzverkehrs ; überſtanden werden konnte. Im vorbergebenden Jahre hatte eine wütende Peſte Krankheit um ſich gegriffen , von der man , was Danzig betrift, Zeugniſſe findet, daß Staatsans gelegenheiten ſowol ais bürgerliche Geſchäfte daa durch eine

Zeitlang in Stockung gerathen ſeyn

müſſen ; und der Menſchenverluſt, unter den Dan. ziger Einfaſſen , wird in einigen Chroniken auf die Zahl von 24000 gebracht, in andern aber werden ſogar

über 33000 angegeben.

Wolfen ,

Die politiſchen

welche ſich von Polen her zuſammen zo•

gen , droheten dem ganzen Lande noch immer mit einer trüben Staatsveränderung, bey welcher Dans zig ſchon als ein Glied der Provinz nicht gleichgüle tig fenn , aber auch in ſpeciellen Verhältniſſen man che ungewohnte Abhängigkeit dadurch vorausſehen konnte.

Es waren bereits Beyfpiele ſolcher Ein .

ſcrånkungen obhanden , aus welchen ſich auf mehe

Merch . Danz, ater TH,

146

Danzigs Geſchichte

rere Folgen foließen ließ ,

die das bevorſtehende

nach s en Seit der Krone Polen war im Uebergabever gleich vom J. 1454 , den Preuſfifden Kaufleuten aufs Bündigſte die Freyheit zugeſagt worden , ihre Baaren in alle Lande des Polniſchen Reichs einzu : führen , ſie zu verkaufen oder aufzuſchütten , oder auch ins angrenzende Staaten zu verſchicken , blos mit Erlegung der von Alters üblichen Zille. Man þatte aber von Zeit zu Zeit , nicht nur die Polnia fchen und Littauiſchen Zille , wider die alten Gee wohnheiten und Verträge , erhobet , fondern auch Thorn , Elbing und andern Stådten , die freye Ein fuhr einiger Waaren , inſonderheit des überſeeie ſchen Salzes , nebſt der Verkaufung und Aufſchůt. tung deſſelben in den Königlichen Landen , gånza lich verboten . Schon ſeit dem J. 1548 findet man die Klagen darüber oft wiederholet ; im J. 1561 machte auch der Herzog von Preuſſen deshalb nicht geringe Bewegungen , und in der Proving bezog ſich der Landesrath auf die richtige Bemerkung , daß mit dieſem Eingriff in die Vorrechte des lan des , der Danziger Seehantel geſchwächt , die mit fremdem Salz beladenen Sciffe abgewieſen , und ſelbſt zum Nachtheil der Polen , die Ausfuhr des n ſonſt mitgenommene Getreydes vermindert wurde. Ohngeachtet deſſen , war im folgenden Jahre das Königliche Verbot , wegen Einführung des frem . den Salzes in Polen , unter den hårteſten Strafen geſårft worden ;

ja bald darauf kam es ſo weit , daß ein Freyheitsrecht, welches den Preuſſiſchen

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

147

Stådten mit willkührlicher Macht entzogen war , aus eben ſo arbitratrer Begünſtigung, Polniſchen Hofbedienten gewiſſer Grajewski

an einen

verliehen wurde.

Ein

befam vom Könige das Pris

vilegium , 22000 Laſt überſeeiſches Salz in Dan zig und Königsberg aufkaufen , und in alle zu Pon len gehörige Lande einführen zu können , womit ſelbſt ins Land Preuſſen einem jeden die Einfuhr verſagt ward, bis Grajewski ſeine Quantitåt Salg Ueber dieſe unerhörte 1565. abgeſekt haben würde. Neuerung wurde auf dem Landtage zu Leſſen mit großer Beſorgniß gerathralaget, man mußte na.

1

türlich die ſchädlichſten Folgen im geſammten Come merz davon befürchten, und man ließ an den Kin nig die inſtåndigſte Bitte ergeben , daß er gedachtes Privilegium zurücknehmen , und das Land mit Mon nopolien verſchonen möchte.

Allerdings

erfuhr

man unter den übrigen Zumuthungen , auch hiex mit ſchmerzhaft genug , daß die Abſichten des Kö . nigs ſich weit von den Prårogativen des Landes entfernten , und die Betrübniß darüber wurde aus . nehmend vermehret , als der Woywod von

Zeh

men , einer der wärmſten und Herzhafteſten Patrios in Preuſſen , eben bey einer Seſſion dieſes Landtages vom Schlage gerüört wurde , und ſtarb.

ten

Der Peterkauer Reichstag machte doch , auf drina gendes Anſuchen der Preuſſiſchen Stände, mit dem Salzmonopol einige Veränderung :

die Verpach .

tung wurde aufgehoben , und nun erhielten Große Polen und Maſuren die Frenheit , gegen eine Ab gabe an den Königlichen Schaß, das fremde Salz *

2

148

Danzigs Seſchichte.

ſich ſelbſt aus Preuſſen ju golen .

Bey demn allen

iſt þiemit den Stohrungen in dieſer Commerzfache nicht völlig abgeholfen worden ; und wenn nicht auf Königliche Befehle, ſo haben doch die Polniſchen Aufſeher eigenmächtig zuweilen die Einfuhr des Salzes zu verhindern geſucht.

Zwey Jahre ſpåter

iſt auch ein Verſuch zur Verpachtung des Wachs. handels

gemacht

worden ,

allein der Danziger

Syndicus D. Kleophas Men hat ,

fraft eines

Auftrages der Preuſſiſchen Stände , ſo åmſig dan gegen gearbeitet , bewegen laſſen ,

bis endlich der König fich hat

auch dieſem Monopol wieder fein

Daſeyn zu nehmen . Die Zoufreyheit in Preuſſen war bis ķieģer noch nicht offenbar gefrånft worden ; es fam aber der Zeitpunft heran , daß auc pierin der Landeso

gerechtfamen wegen geſtritten werden mußte.

Auf

1567. Königlichen Befeặl wurde der Leslauſoe Zoll aus Cujavien nach Graudenz verleget, und von allem Weichſeltransport ſollte eine Abgabe in die neue Zollkammer hieſelbſt entrichtet werden. Die Stadt Graudenz ,

welche nebſt dem Staroſten das Kida

nigliche Mandat dazu bekommen hatte , gab davon den Preuſſiſchen Conſiliarien Notiz ,

und dieſe

machten eine allgemeine Landesſadze daraus ,

lies

ßen aber auch nicht eher nach , bis der König gegen Ausgang des folgenden Jahres den Befehl ertheilt þat , die Zollkammer in Graudenz wieder zu folies Ben. Das Hauptgeſchäfte in dieſer ſchweren Sache iſt ebenfalls dem trauet geweſen ;

obgedachten Syndicus

anders

die Stadt Graydenz Haf dabey ,

Dritter Abſchnitt. 1

Sechstes Capitel.

149

ihrer Widerſekung halber gegen die Zolleinnehmer , einen harten Stand von der Ungnade des Kdnigs zu fürchten gehabt ; allein der Landesrath hat ſich ihrer mit aller Treue angenommen , auch die Vor. ſtellungen des Herzogs von Preuſſen zur Vertheidin gung der Landesprivilegien , haben ein ſtarkes Ge. wicht gegeben ; und obgleich man von Seiten des Königlichen Hofes die Erklärung gebraucht fat, daß hiemit kein neuer Zoll errichtet, ſondern nur ein alter Zoll von einem Orte an einen andern vers legt wäre , ſo hat dod, die gegründetere Auslegung das Uebergewicht behalten , kraft deren in Preuſ ſen keine vorher unbekannte Zollabgabe ſtatt fine den konnte.

Mehrere dieſer Art Eingriffe und

Verlegungen der ehemaligen Verfaſſung , als unverkennbare Winke zu betrachten ,

waren wie zu.

verläßig man es rayon dafür anſahe, daß die Prow ving Preuſſen ſich unter Polniſche Gefeße ſchmie gen , und eine Staatseinric tung würde annehmen müſſen , welche unter einer mit Polen faſt gleich . förmigen Regierung , nur den Schatten iører alten Conſtitution übriglaſſen würde. Die Zeit rückte heran ,

da das Project der

genauen Einverbindung der Polniſchen Provinzen mit dem Reichskörper , zur endlichen Ausführung iſt gebracht worden .

Auf dem Warſchauer Reids. . tage hatten die Abgeordneten Råthe von Preuſſent

noch tyre leßten Kråfte verſchwendet , um ſich bey der Landesfreyheit zu ſąüßen : es ſchienen auch dann und wann einige Strahlen guter Hofnung þervor , qllein die moterate Denkungsart des Kör

K 3

150

Danzigs Geſchichte:

nigs wurde durch das

ungeſtüme Anhalten des

größten Theils der Polniſchen Stånde unterdrücfet. Doch hatten die Preuſſen gegen ihre Einziehung in die jüngſte Reichsconſtitution proteſtiret ; fie þatten noch jekt , ohngeachtet ihres Sißes im See nat , fidy aller Stimmung über Polniſche Angele.. genheiten enthalten , ſie batten auch ihre gemeſſene Inſtruction aus dem Lande, Reichstage vorleſen laſſen ;

öffentlich auf dem

dieſe war aber ſo vers

fehrlich aufgenommen worden , daß die Kronſena . toren zweymal aufgeſtanden waren , den König zu bitten , daß die Preuſſen als Verbrecher der beleie Nidąts digten Majeſtát möchten beſtraft werden. deſtoweniger waren der Woywod von Marienburg und der Danziger Burgermeiſter Kleefeld Herz. þaft genug geblieben , zur Vertheidigung des Va: terlandes eindrucksvolle Reden zu halten , und ſich über den bittern Haß der Verfolger iþrer Frenheit Eine Verzögerung von Seiten zu beſchweren . des Königs hatte der Sache nochmals einen beſ fern Anſchein gegeben ; allein der Kaltfinn einiger

1

Preuſſiſchen Landesråthe , und die ſtrafbaren Pri vatabſichten der Poinmerelliſchen Landboten hatten alles wieder verdorben ; ja der Unwillen des Ko nigs ward nod mehr gereizet , als ißm die Preuſ ſiſchen Geſandten die Bewilligung einer verlangten Geldſumme , mit Vorſchüßung der Noth im Lande, und aus Mangel einer Vollmacht, nicht zuſtehen konnten . fen mit

Dafür war mit der Erecution in Preuſ

wirklich der Anfang gemacht worden , Mühe

Şatten

nur

die

Großen

und

Städte

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

151

mindlich eine abermalige Verſicherung bekommen, daß ſie im ruhigen Beſik iþrer Güter gelaſſen wer: Endlich gatte , vor Endigung des

ben ſollten .

Reichstages 1564, der Woywod von Culm noche eine Rede gegalten , worin , et die Proteſtationen gegen alle Eingriffe in die Rechte des Landes wies derholet , und den König nochmals wehmüthig erſucht gatte ,

die Staatsverfaſſung der Provinz

Aber auch dies Preuſſen ungekrånkt zu erhalten . ſer Vortrag war dem Könige mißfällig geweſen ; die Senatoren hingegen hatten darauf Unlaß ger nommen , den Preuſſiſchen Räthen mit Vorſtellung einer völligen Gleichheit der Würden zu ſchmeicheln , und Eintracht und Verſdýnung, des vorgefallenen Zwiſts wegen , iğnen anzubieten . In ſolcher Lage befand ſich die Provinz Preuſ fen ,

als am Polniſchen Hofe von Tage zu Tage

mehrere Maasregeln gewählt wurden , iğren Ge rechtſamen Abbruch zu thun , und mit einer unbe: grenzten Macht darin zu gebieten . Dergeſtale wurde , wie oben gedacht iſt, die Handlungsges rechtigkeit durch Verpatungen gefrånfet, der Zoufreyheit des Landes entgegen getreten , die Ein . ziehung der Gåter durch Polniſche Reviſoren betries ben , und der freyen Schiffahrt ein Hinderniß nach dem andern geleget.

Hieben war der älteſte und

getreueſte Patriot im Lande mit Tode abgegangen , andre weltliche Kåtõe wurden furchtſam und nach. gebend , und die hobe Cleriſey ließ die Vaterlandsa liebe dem Religionshaß unterliegen . Selbſt der Cod des Markgrafen Albrecht , erſten Herzogs in 1568 .

4

152 Preuſſen ,

Danzigs Geſchichte. entzog den Stånden der Provinz einer

wohlgeſinnten Nachbar und einen treuen Freund , der nicht ſelten die gemeinſchaftlichen Freybeiten des Landes vertreten hatte. Nür allein die großen Stådte blieben noch bey der feſten Entſchloffenheit ,

ſich

der Zerrůttung der Landesconſtitution fo viel als möglich zu widerſeßen , und ibre eignen Privilegien bis aufs

Blut zu verfechten .

Sie ſtanden auch

ſchon im Ruf dieſes vermeintlich hartnäckigen Vor fakes , und ihre Gegner ſchmiedeten Anſchläge ges nug , die rechtmäßigſten Unternehmungen dafür lieblos zu vereiteln . Es fand fein bequemeres Mit tel dazu ſtatt, als den Städten eine Beſchäftigung aufzubůrden , womit ſie in ſich ſelbſt in Furcht und Verantmortung gefekt und zugleich kraftlos ges . macht würden , zur Wohlfahrt des ganzen Landes Rath zu ertheilen , und in den Reichsverſammlun gen eine Activitåt zu beßalten .

Sehr glaublich

haben die geheimen ablichten der Polniſchen Com . miſſionen hierauf abgezielet , welche unter Könige licher Autoritåt nach Elbing und'nach Danzig find abgeſchickt worden , obgleich offentlich der beſſere Vorwand gebraucht ward , daß allen eingeriſſenen Uebeln der innern Verfaſſung damit ' abgeþolfen , und Ruhe und Ordnung in den Städten wieder hergeſtellt werden ſollte. Thorn zwar wurde den Umſtänden nach , damit überſehen , in Elbing aber bot ſich eine Gelegenheit zum Commiſſionsgeſchäfte von ſelbſt dar ;

denn es waren bürgerliche Unrus

hen mit dem Magiſtrat ausgebrochen , um derente willen auch ein gewiſſer Michael Friedewald die

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

Stadt hatte råumen müſſen ,

153

weil er mit rebellis

ſchen Anſchlagen die Bürgerſchaft gegen den Rath aufgebeßt hatte.

Eben dieſer racſüchtige Mann

aber Half das Unglück ſeiner Vaterſtadt fowol , als die Verfolgungen gegen Danzig vermehren . erwarb ſich bey den damaligen Conjuncturen mit leichter Müße die Sunft des Biſchofs von Cuja vien und des Caſtellans von Danzig ,

er wurde

auch vom Königlichen Hofe mit ſicherm Geleite geſchüßet,

als

Königlicher Inſtigator

bey den

Commiſſionen angeſtellet , und in Elbing fowol als in Danzig , zu allen mit dieſem Amte verknüpften Auftrågen gebrauchet. Selbſt in der Wahl der Commiſſarien ſchien man abſichtlich Gegner der Stådte geſehen zu haben.

auf erklärte Der Bi.

roof von Cujavien , Stanislaus Karnkowski , war das Haupt derſelben , und er und alle Hebris gen batten megrentheils ſchon igre Abneigung ger gen die Magiſtratsperſonen der Großen Städte in Preuſſen bewieſen .

In Elbing wurde durch

23 vom Königlichen Inſtigator angebrachte Klage. puncte , der ganze Rath des Verbrechens der beo leidigten Majeſtåt beſchuldigt ,

gwen Bürgermei.

fter wurden můrklic , bis zur Verantwortung dages gegen , von ihrem Anite ſuſpendiret; die Com. miſſion machte auch mit den Repräſentanten der Bürgerſchaft eine Veränderung , und ließ gewiſſe Sakungen zur Richtſchnur des fünftigen Stadto regiments publiciren.

Es findet ķier die Unterſu .

cung nicht eigentlich ſtatt,

ob die Commiſſion

dergleichen Verfügungen mit Recht Babe treffen Ks

154

Danzigs Geſchichte.

können , und aus was für einem Grunde der regies renden Macht, der König felbſt eine ſolche Com . miſſion in Preuſſen habe anordnen mögen. Was aber in dieſem Zeitraum geſchehen iſt , und was die Geſchichte als Thatfachen nicht auslaſſen kann , überſchreitet größtentheils die Grenzen der in Preuſ ſen feſt geſtellt geweſenen Regierungsform .

Si.

gismund der Erſte gatte noch ausdrücklich die Verſicherung für ſich und ſeine Nachfolger gegeben, keine Commiſſarien um Staatsſachen willen ins Pand zu ſchicken ,

als wegen Grenzberichtigung

der Königlichen Güter , und in Privatſacen , ben ſtreitigen Erbfållen zwiſchen Geſchwiſtern und an . deren Verwandten.

Dieſes zuerfannte Vorrecht

gat die Provinz Preuſſen weder verloren noch auf gegeben , und auf alle Folge der Zeiten haben die Könige von Polen fich zur Beobachtung deffelo ben verſtanden . mäßiger ſeyn ,

Es konnte demnach nichts rechte als daß Danzig den Beſuch einer

Commiſſion ablehnte ,

von der man ſchon durch

die Beendigung der Angelegenheiten in Elbing , einen Beweis fatte , wie ſehr von derſelben in die Freyheitsrechte von Land und Städten ein Eingriff gethan wurde . Die Receſſe Danzigs geben kein Zeugniß , daß ausgebrochne Streithåndel zwiſchen der Obrigkeit und den Bürgern , in dieſer Zeit ſich hervorgethan hatten .

Eine Differenz der Meinungen , die ben

den Rathiqlågen aller Ordnungen ſelten ganz zu vermeiden geweſen , konnte doch keine Bürgerun ruhe genannt werden , und Forderungen der Zünfte

Dritter Abſchnitt. oder der Gewerke ,

Sechstes Capitel.

155

womit weder der Rath -noch

ſämmtliche Ordnungen einſtimmig waren , bliebert noch immer von einem innerlichen Aufruhr entfer net . So hatten die Serichte fowol als die Dritte Ordnung ſoon im J. 1565 , bem Rath aufs neue ſechszig Punktevortragen laſſen, die ſich þauptſächliche auf die Verbeſſerung des Commerz- und Polizena weſens bezogen , und womit man verlangte ,

daß

allen ſchon oft und früher erwågnten Beſchwerden abgeholfen werden ,

und keine Vernachlåßigung

der Stadtgeſeße fünftighin ſtatt finden ſollte. Rath batte

ſich

Der

hierauf großteatheils zufrieden

erklåret, nur in einigen Artikeln die Unvermogen. heit ſeiner Diſpoſition mit Zeit und Umſtänden ent fquldiget, in andern auch die Inconvenienz des Begehrens mit Gegengründen zu erweiſen geſucht. Auſſerdem ſchwebten noch einige Streitigkeiten mit den Janungen oder Gewerfen , und neue Wider ſprüche dieſer Art wurden nach und nachy in Bewe. gung gebracht.

Die Brauerfache hatte einen ſo

weiten Umfang låſtiger Anträge betommen ,

daß ſämmtliche Ordnungen bemühet ſeyn mußten , die Rechte des Raths und den Gehorſam gegen die Obrigkeit zu unterſtüßen. ſich durch die

Die Fleiſcher pielten

Talchtare beſchweret,

und waren

beſtrebt, das Recht dazu dem Rath zu entziehen ; fie ſtükten ſich zugleich auf Freyheitsrechte, das Tald auszuſchiffen , Ochſen aus dem Stal zu ver faufen , ſich das Fleiſch nicht pfundweiſe ſegen zu laſſen , und unter ſich ſelbſt Verordnungen zu ma. den .

Die Bäcker Batten ebenfalls ihre Klagen ,

156

Danzigs Geſchichte .

fie weigerten ſich , das Korn aus dem Stadtvors rath zu kaufen , und legten Drohungen Hinzu , wenn ihnen nicht gefugt würde , fein Brod mehr zu backen . Der breite Rath unterließ nicht, gůto liche Mittel uns chen ; man fuchte inſonderheit den Berichten und Citationen nach Hofe entgegen zu kommen , und mit Beyſtand der beyden übrigen Ordnungen , wurde zu mehrerenmalen das Anſegen des Raths durch Complanation mit den ſchwierigen Gewerken Den ferneren klagen derſelben Einhalt erhalten . zu thun , wurde einſtimmig beſchloſſen , von allem Getränke, ſo eine halbe Meile weit gebrauet und in die Stadt geführt ward , die doppelte Acciſe zu nehmen , auf den Dörfern Stadtbier zu verſoen fen ,

fremd Bier nur einem jeden zu feiner Con .

ſumtion zu verſtatten , die Beſchwerden ben den Morgenſprachen abzuſchaffen , Kråmer und Raufo leute im Roſenthal Neugarten und andern Vors ſtådten nicht zu dulden , den Mennoniten die Woh . nungen zu unterſagen , auſſer den Jahrmärkten f auf Dominik und Martini , allen Waarenverfan aus dem Schottlande ben Verluſt des Guts zu ver n bieten , keine Maſcopen mit Auſſenhanſiſche zu berſtatten , und die Duldung der Bonhafen abzuſtel. len. Wenn nun gleich nicht alle und jede Jrrun gen auf einmal dadurch ein Ende erreichten , ſo wurde dod den Pflichten hiemit ein Genüge ges than , welche man zum Wohl der Stadt beobach . ten mußte , um dem Ausbruce öffentlicher Feinde feligkeiten zu ſteuern .

!

7 Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

157

Mit weit erheblichern Beſchwerden wurde die Stadt , theils unter den Veranſtaltungen des Ko nigs während dem Nordiſchen Kriege gedrůdet, theils auch durch anderweitige Anſprüche, und von ihrer Gegenparthey in Polen hervorgeſuchte Inten tate beångſtiget.

Die Königlichen

Freybeuter,

ſo Sigismund Auguſt gegen die Ruſſiſche und Schwediſche Schiffahrt im Baltijden Meere pris vilegirt hatte ,

und welche ihrem Auftrage nac ,

die offene See Halten ſollten , Beſtallung ,

mißbrauchten ihrer

und legten fich vor dem

Danziger

Hafen , wo fie ohne Scheu an neutralen Schiffen Gewaltthätigkeiten ausübten.

Oft genug hatte

Danzig dem Könige willfåþrig verſichert, fein aus feindlichen Orten kommendes Schiff bey ſich eine laufen zu laſſen , noch aus iþrem Hafen auf verbo. tene

Plåße die Fahrt zu verſtatten ; allein man die Erorbitanzen der Polniſchen Caper

konnte

1 ſchiffe , mit guten Vorſtellungen nicht hemmen. Die Stadt ſelbſt gerieth dadurch bey fremden Pon

$ tenzen in Verdacht , die Caperey zu beſchůßen , die Klagen häuften ſich , und es erfolgten ſogar Drox þungen ,

ſich an Danziger Schiffen und Gütern

durch Repreſſalien zu rächen .

Man ſchlug endlich

den Weg ein , den Kinig um gånzliche Einſtellung der Capereyen zu bitten.

Es waren Gründe ges

nug dazu vorhanden , weil wůrklich dem Feinde damit tein Abbruck geſchahe, indem die Polni. fden Freybeuter ſich immerfort zu nahe bey Dan. zig aufhielten ;

weil auch Dänemark und Lübeck

Seepåſſe auf die Ruffifchen Häfen ausgaben , und

Danzigs Geſchichte:

158

fogar ein Däniſcher Commiſſarius deshalb in Narva gehalten wurde ;

weil endlich die Herzoge von

Pommern ihren Unterthanen einen freyen Handel auf Schweden erlaubten , und es alſo beyderſeits feindlichen Mächten weder an überſeeiſcher Zufuhr,

.

node an Mitteln fehlte , fich der gegen ſie commit. tirten Caperen gånzlich entledigt zu halten. Hofnung aber , welche der König dann

Die und

wann zur gånzlichen Abſchaffung der Frenbeuter

! gegeben hatte ,

war noch immer unerfüllt geblies

ben ; und ſo febr auch die Vorſtellungen Danzigs vom Preuſſiſchen Landesrath unterſtüßt wurden , fo war fødſtens nur ein Königlicher Befehl aus. gemůrkt worden , daß die Caperſchiffe die Gegend des Danziger Hafens

meiden ſollten .

Hiemit

nun wurde dem Uebel nicht abgeholfen ; die Freybeu ter fanden doch Vorwand , oder ſie waren vermes gen genug ,

ihren Raub weiter zu treiben ,

und

weder Franzöſiſche, Engliſche und Niederländiſche, noch Däniſche und kůbiſche Sciffe blieben dafür ficher , als Priſen von ihnen genommen und bey Danzig

aufgebracht

zu

werden .

Zulegt

ging

ihre Frechheit ſo weit , daß ſie mit iþren Schiffen gar anlegten , und auf der öffentlichen Landſtraße ſchåndlichen Muthwillen und Straßenraub ausüb . ten .

Dergleichen Frevelthaten nun durfte Dan

zig nicht überſehen , und weil die Königlichen Påſſe keinen Scuk dafür verlengen konnten , ſo wurden eilf ſolcher Straßenråuber , auf Veranſtaltung der Danziger Obrigkeit ,

ergriffen , und dffentlich mit

bem Leben beſtrafet.

Erſt nach geendigtem Kriege

V

5

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

159.

mit Schweden , da Erich XIV . entreßt worden , und König Johann der Zweyte nach ſeiner Throna beſteigung 1569 ſich mit dem Könige von Polen verglichen , auc bald darauf mit Dänemark den Stettiner Frieden geſchloſſen hat ( 1570 ), haben die Capereyen hieſelbſt allmålig aufødren müſſen , und Danzig þat das nachbarliche Vernehmen mic den Nordiſchen Potenzen , zum Beſten der Handa lung, in die vorige len können.

Verhåltniß

wieder herſtel.

Die erwähnte Beſtrafung des Straßenraubs an den Polniſchen Frenbeutern ;

iſt nachher dem

Danziger Magiſtrat verfänglich genug , gur offena, baren Beleidigung des Königs ausgelegt worden , und man hat megrere abſichtlich erfundene Mittel in Bereitſchaft gehabt, den Königlichen Hof immer årger gegen dieſe Stadt zu erbittern. Es iſt nie eine Zeit geweſen , wo ſo viele Misbrauche von den Königlichen Geleiten ſind gemacht worden, als eben in dieſen Jahren , da man die Landesfreyheit und die Gerechtſamen der Stådte aufheben wollte.

Oft

. hat ſich der König mit vieler Geneigtheit in eignen Refcripten an Danzig erklåret, wie er ſelbſt ſeine Geleidsbriefe ( literas publicae fidei , ſalvos con du & us ) ohne Abbruch der Rechte wollte verſtar den

haben ;

aber die Gegner der

Stadt haben

größtentheils Auswege gefunden , auch ſolche Per fonen damit zu beſchůßen, rer der Ruhe ,

welche nur als Ståh.

als offenbare Feinde,

Verråther Danzigs

angeſebni werden

ja gar als konnten .

Eine gleich fruchtbare Quelle , die ungelegenſten

1

Danzigs Geſchichte.

160

Anſprüche an die Stadt zu vermehren ,

gab die

auf Preuſſen ausgedehnte Volziehung des Aleran driniſchen

Statuts.

Mit genugſamer Pråciſion

Hatte zwar der König bey unterſchiedenert Gelegen. þeiten erklåret, daß die Geiſtlichkeit und die Städte der Erecution wegen nichts zu befürchten fåtten ; ja felbſt im J. 1563 ,

als ſchon das Peterkauer

Decret die Provinz Preuſſen derſelben mit unter . worfen hatte, war der König, in Gegenwart der Dan . ziger Geſandten und nahmentlich gegen den Syndi. cus Kleefeld ſehrfbuldreich geweſen , þatte ſich an die Bruft geſolagen ,

und mit Zuſage eines Priviles

giums darüber verſichert: „ Wenn auch die Erecu . tion in Preuſſen ihren Fortgang gewonne , ro ſollten doch Thorn, Elbing und Danzig davon eri

mirt bleiben . " .

Allein gegen alle dieſe Königlie

chen Verſicherungen kam fchon frühe genug ein 1565. Bevollmächtigter vom Hofe nac Danzig , und februar. forderte die Scharpau , oder die drey darin liegens den Dörfer , Janfendorf, ort zum Königlichen fügt ward ,

Brunan und Tiegen .

Tiſche ; ja was noch hinzuges

ſo ſollten Hela und die Nebring zua

růckgegeben werden ,

weil man daſelbſt des Börns

ſteins und der Jagd gemißbrauchet gåtte ; auch im Werder ſollten einige bey Grebin gelegene Wieſen geräumt werden , gehörten.

weil ſie zur Königlichen Tafel

Der Canonicus Radagoſki, der mit

dieſem Auftrage bergeſandt war , gab rehr zu vers ſtehen , daß dieſe Forderungen hauptſäcklich dadurch wåren veranlaſſet worden,

weil die Stadt fich géo

weigert þatte, ihre Verſchreibungen und Privilegien

auf

Sechstes Capitel.

Dritter Abſchnitt.

161

auf dem Reichstage vorlegen zu laſſen. Es hac aber in den folgenden Jahren viel Mühe gekoſtet, in dieſer Angelegenheit ,

durch Bitten und Enca

fchuldigungen , mit Vriefen und Geſandtſchaften, vorerſt nur einen Aufſchub zu erhalten ,

bis die Flaren Rechtsbeweiſe der Stadt einigen Jngreß gea funden haben , und

wenigſtens das

ſelbſt nicht bis auf das worden .

äuſſerſte iſt

Verfahren durchgelegt

Doch iſt es im J. 1570 mit der Erecu.

tion in der Scharpau bis dahin gediehen , daß der Woywod von Marienburg Fabian von Zehmen, laut einem Königl. Decret , den Inſtigator Grzi bowski perſönlich in die Poſſeſſion derſelben hat einweiſen rollen ;

die

gegenwärtigen Deputirten

von allen Ordnungen aus Danzig aber haben feyer. lich dagegen proteſtiret; es iſt auch eine Proteſta . tion des Ermländiſchen Capitels zu Hülfe gekom . men , und weil das Finalgeſchäfte mit den Königl. Cominiſſarien eben in der Stadt obhanden gewes ſen , ſo bat der Woywod ſelbſt ,

durch ſeinen Aufo

bruch es zu keiner gewaltſamen Befikverfechtung kommen laſſen .

Die ferner erfolgte Deprecation

und Ausföhnung der Stadt mit dem Könige, Haber die Ruße in dieſer Sache ziemlichermaſſen weiter be. fördert,

und der König felbft hat ſich gegen den abgeordneten Rathsherrn aus Danzig George Roc ſenberg nachher der Worte bedienet: Er wür: ,, de Mittel und Wege finden , obey allen

damit die Stadt

ihren Landgütern bleiben ſollte.'

Allein in dieſer Zeit , da noch die kintunft der Commiſſarien bevorſtund , hacte es völlig das Una fehen , als ob man Polniſderfeits alle Rechte und Geſch . Danz, ater Th , p

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n ſc en Dags Ge eh . g n e i r t o en en nz iv ll fi nte s ſſ kEib Pr e Da gl wo if e la u au . t s h ſ m m l i lc ni dw tt f e o en m e is ,sk we ha ho di Kö .veinCo nkå d n n c a n w r a o n ſ ja h Bi vo Cull St ak Ka ſc , te r s n n ſ li i u o e a a a d C S v K , 2

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Schubski von Jungleslau , Oſtrowicz von Eulm 1558. und Johann Koſtka von Danzig beſtand , ihren 12 Oct. Einzug in Elbing gehalten ; ſo kamen den Tag darauf ein Notarius, ein Secretair und einige vom Gefolge des Biſchofs nach Danzig, um die Königli chen Mandate zur Aufnahme der Commiſſion , durch öffentlichen Anſchlag kieſelbſt bekannt zu machen . Auf Befinden ſämtlicher Ordnungen aber wurde dieſe Publication , als widerrechtlich und unges wöhnlich vom Präſidenten verhindert , und die Ge. a c von ihrem Vorhaben abzuſtehen .

Doch gingen ſie

gleich darauf mit dem Notarius zum Königlichen Burggrafen , Burgermeiſter Kleefeld , und lege ten ihm eine Ladung , vor der Commiſſion auf dem Elbinger Rathhauſe zu erſcheinen , indem man ihn des Verbrechens der beleidigten Majeſtåt fuldig erkannt hatte. Zu dieſer Beſchuldigung war ders ſelbe gekommen , weil unter den Gerichtsacten in Elbing ein Rechtliches Reſponſum von ihm gefun. den war , worin, er den Grundgereken gemäß bes þauptet hatte , daß in peinlichen Sachen keine Ap pellation aus dem Lande an den Königl. Hof versi ſtattet werden dürfte. Dieſe ungebührliche Aus. ladung beſtårkte die Ordnungen der Stadt in dem Vorſak ,

ſich der Commiſſion zu widerſeken , es

wurde auc der Secretair Caſpar Schüß nach

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel.

163

Elbing geſchidt, den Citationstermin aufzuhalten, 22 Oct. und an den König fandte man förderſamft den Syndicus Máy mit dem Secretair Radecke, um von allen Vorfällen die mit der Commiſſion fich er eignet hatten , einen getreuen Bericht zu ertheilen , die Gerichtsbarkeit derfelben aber von der Stadt gånzlich abzulehnen.

Nicht blos im bürgerlichen

Regiment, ſondern auch der Religion halber muß. te man beſorgt ſeyn , daß die Commiſſion ibre Mackt auf Neuerungen ausdehnen wollte . Der Parochus þatte den Vorſtehern der Ober . Pfarrkirche, im Namen des Cujaviſchen Biſchofs ſchon angedeutet, daß ſie die Treſkammer ,

die Capellen und Attare

geģdrig einriďten , auch die Kirchenornate und in. ſonderheit das Meßgeråthe bereit þalten ſollten , weil der Biſchof gleich nach ſeiner Ankunft in die Kirche tommen ,

Meſſe halten , und den römiſch

catholiſchen Gottesdienſt wieder Berſtellen würde. Eben dieſes hatte ſich der entſegte Abt von der Oliva Caſpar Jeſchke oder Geſchkau , ein Ver trauter des Biſchofs verlauten laſſen , und ſeinem vermuthlichen Wunſche nach , von einer gånzlichen Reforme in den Stadtkirchen geredet. Daraus låßt ſich auch abneşmen, wober die geſammte Bür. gerſchaft der einſtimmigen Meinung geweſen ſey , eine ſolche Revolution im Angeſicht der Commiffa . rien nicht über die Stadt kommen zu laſſen , je ge wiffer man daben zu befürchten þatte ,

r) einen

1) In der damals ſchon ju Danzig eingerichtet geweſenen Bis ſchöflichen Stüche, batte man einen Zettel mit den Worten , angeheftet sefunden : „ Dilir Herren voir Danſk , gebt gut nanicht auf eure Sach, denn mit Galgen und Nav ftellet

164

Danzigs Geſchichte.

Aufruhr unter dem gemeinen Mann rege zu mas chen , und zu einer wiederholten Verwirrung in Religions- und Regierungsſaden Anlaß zu geben . Dennoch konnte der Danziger Syndicus am Königlichen Hofe ſeinen Zweck nicht erreichen , in , dem der König auf die Vollziehung der Commiſ. ſionsgeſchåfte beſtand, und keine Gegenvorſtellun . gen dafür annehmen wollte.

Seine Unzufrieden

beit mit der Stadt hatte neuerlich noch mehr Nah. rung bekommen , weil man dem Königlichen Se cretair Juſtus Claudius ,

einen für den König

verlangten Geldvorſchuß von 200000 abermals hatte abſchlagen müſſen ,

Gulden ,

worüber doch

auſſer der Verſicherung wegen der ålteren Darleh ne ,

von den Kidſtern und mit dem Lauenſchen

Zou , annoch die Städte Lauen und Wilda in Lit. thauen zur Mithaftung waren angetragen worden. Ein Theil der Orduungen in Danzig hatte zwar den eigentgümlichen Befin von Pußig ,

und die

Verpfändung der benachbarten biſchöflichen Grün de zur Bedingung dieſes neuen Darlehns machen wollen , allein das Geſchäfte hatte nicht einſtimmig zu Stande gebracht werden fönnen . iſt es dagegen ,

Unleugbar

daß Danzig in dieſer Zeit ,

Treue gegen den König nichts vergab ,

der

vielmehr

noch immer in dem Zutrauen lebte ; unter feinem Schuhe aller feindſeligen Anfechtungen entledige zu werden . Ein ficp auszeichnendes Benſpiel hier von gab die Aufforderung,

welde bald nach dem

nian euch nach : "' wovon unter den Einwohnern der Stadt, Behr unglückliche Deutungen gemacht wurden .

Dritter Abſchnitt.

Sechstes Capitel .

165

Ableben des Herzogs Albrecht in Preuffen , bie. Her kam .

Der Hoch und Teutſchmeiſter ließ ein

Schreiben aus Mergentheim an die Stadt Danzig ab , worin ſelbige in den verbindlichſten Ausdrücken, ihrer ehemaligen Connexion und des damit vers fuüpften Wolſtandes erinnert pürde ; ſie ward mit den annehmlichſten Gründen eingeladen , ſich die . fer alten Herrſchaft freywillig wieder zu unterwer fen , und bekam die Verfiderung , igrer uralten Freyheiten , ohne dergleichen Störungen und Neue rungen ,

denen ſie jekt unterworfen wåre ,

kommen wieder theilhaftig zu werden .

voll.

Es bezog

ſich dieſe Einladung zugleich auf die oft erneuerten i

Anſprüche des Kaiſers , und des teutfcgen Reichs, und die Stadt wurde dringend ermahnet , ihren dahin ſchuldigen Gehorſam nicht beyſeite zu ſehen . Die Antwort aber welche die Stadt ſchriftlicy darauf ertheilte , war kurz , und enthielt die einfache Er. klärung , daß Danzig dem Kdnige von Polen uns terworfen wäre und aus Gehorſam gegen denſela ben , auch das empfangene Screiben an ihn gea ſchickt håtte , um deffen weitere Befehle im bewu. ften Antrage zu erwarten .

Ungefäumt überfandte auch die Stadt gedachten Brief an den König mit

bengefügter Verſicherung , ſich ben Verluſt alles Shrigen nie von der Krone Polen zu

trennen ,

Nicht weniger wurde Danzig durch die ungeðühr lichen Capereien " auf iþrer Rhede beläſtiget;

von

Schweden waren dafür ſo wie von England: ſchon harte Repreſſalien gebraucht, und die Kaufmann . fchaft in Danzig in vielen Verluſt gefeßt worden :

§

3

1

Danzigs Geſchichte.

166

Dennoch aber enthielt ſich die Stadt , ohne Eine willigung ihres Königs , nad Schweden zu foie den , und ſo lange der Krieg wåþrte , um Freybeit der Handlung anſuchen zu laſſen . Es wurde auch um der Vorwürfe von fiofe entledigt zu ſeyn , den nen in Capereiſachen hier angeſtellten Polniſchen Kriegscommiffarien eine weit ausgedehntere Ges : richtsbarkeit zugeſtanden , als die Stadt ſich ihren Seerechren nach zu thun, verpflichtet halten durfte. Alle dergleichen mit Staatsvorſicht gewåølte Maasregeln aber , blieben faſt unträftig, dem Kda nige eine unbefangene Neigung gegen die Stadt abzugewinnen .

Die erneuerte Inſtruction an den

Syndicus ging aus nothwendiger Einſchrånkung julegt nur dahin , daß er ſich bemühen ſollte, zur Vollziehung der Commiſſion , einen Anſtand bis auf ben nåchſten Reichstag auszuwürfen ; es koſtete aber viel Müge, foldes zu erhalten, und der Syndicus þat noch etliche Wochen lang eine beſtimmte Er. klärung bey Hofe. abwarten müſſen .

Mitlerweile

& hatten ſich hier die Königlichen Commiſſarien durch keine Vorſtellungen ab

alten laſſen , als ihre Ges .

ſchäfte in Elbing beendigt geweſen , nach Danzig aufzubrechen.

Mit des Biſchofs

Küchenwagen

kamen der Prior zu Sukow und der Danziger Ofo fictal ,

vorläufig ans Werderfoe Thor :

erſterer

brachte einen Brief von den Commiſſarien mit, auf

Den er ſo gleich Antwort erwartete , und bienåchſt 29 Okt, die Einlaſſung des Küchenwagens vertangte. Man entſchuldigte ſich aber auf bende Anträge, daß ohne Zuſammenberufung der Ordnungen nichts darin

. 5

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel. zugeſtanden werden könnte.

167

Weil man nun gerne

noch Bothſchaft aus Polen abwarten wollte, und eben ein Feiertag eintrat , fo wurden nicht cher als den dritten Tag darauf, Rathſchläge gehalten, und währender Zeit war ſchon der Biſchof mit den åbri gen Commiſſarien auf dem Stolkenberge eingetrofe. si Okt. Unerachtet nun feine neue Nachrichten aus

fen .

Polen eingelaufen waren , ſo wurde doch zu Rath. þauſe die einſtimmige Reſolution gefaſſet, der Com . miſſion den Eintritt in die Stadt zu verſagen , ins beſondre da man ſich einer gleichen Geſinnung der Gewerke und der gemeinen Bürgerſchaft, verſichert falten konnte .

darin

Es wurden auch Veran .

ſtaltungen gegen alles gewaltthätige Eindringen getroffen ,

man ließ die Wachen an den Thoren

verſtårken ,

beſtimente die Anzahl der Dienerſchaft

von

der Commiſſion ,

zwanzig Perſonen ,

deren

zum

man födſtens nur

Einfauf der Victualien

oder anderer Geſchåfte wegen , in die Stadt ein laſſen wollte, und verabredete die Art und Weiſe , die Königlichen Mandate ſo wol als die Forderun gen der Commiſſion entgegen zu

nehmen .

Der

Probſt von Sukow kam nochmals and hohe Eþor ' ? Nos. und ließ ſich mit dem Rath anmelden .

de ihnen verſtattet, fchaft bekam ,

Kanzler des Biſchofs beym

Der Eingang in die Stadt wur. weil man aber fichre

Kund

daß ſich einer der Commiffarien,

nemlich der Caſtellan Schubski in igrer Beglei dung befånde , ſo wurden ſie bald ernſtlich gewar. net , fich keiner Gefahr von Seiten des Psbels aas . zuſeßen , ſondern ungeſäumt wieder die Stadt zu L4 1

168 verlaffen.

Danzigs Geſchichte. Dieſes Anrathen , nahmen ſie um fo

viel mehr an , weil ſie ſchon einigen Spott hatten. ausſtehen müſſen , und der Rath ließ ſie zu beſſerer Sicherheit mit einer Wahe zum Thore hinaus bes. gleiten .

Den Tag darauf

fam der Landrichter

pon Pukig mit zwen Landſchoppen zum Präſiden . ten , und verlangte vor einer Verſammlung aller drey Ordnungen ,

die Königlichen

Mandate zu

überreichen ; er wurde aber beleitet , die mandate an den Burgermeiſter perſönlich abzuliefern , und der ferneren Rathſchläge darauf gewärtig zu ſeyn. Es waren fechs Mandate verſchiedenen Inhalts, und in lateiniſcher Sprache , die nun ein offentlicher Notarius einreichte , und welche der Präſident mit geziemender Ehrfurcht für den König, empfing. Das erſte enthielt die Königliche Beſtåtigung der Commiſſion ; Das zweyte den Befehl zur gehorſa. men Aufnahme derſelben ; das dritte einen ſcharfen Befehl an den Rath ,

feine widerſeßliche oder Fries

geriſche Anſtalten zu machen , ſondern die Ruhe in der Stadt zu befördern ; das vierte war åbnlichen Inhalts an alle Zünfte , Gewerke und die gemeine Bürgerſchaft, Beſchwerden

nebſt einer Verſicherung, ſie ihrer zufrieden zu ſtellen ; das

wegen

fünfte enthielt eine Ordre an die Befehlshaber des Militairs in der Stadt , mit allem Kriegsvolk un. verzüglich von ihrem Dienft abzudanken ; und das fechfte endid eine wiederholte Citation an den Burggrafen , auf dem Stolzenberge vor dem Com. puiſionsgericht zu erſcheinen , ſo ferne man ben de Perweigerung bliebe , die Stadt zu erommen:

I

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel. In

169

Danzig beharrte man übrigens bey dem

Entfaluſſe,

für die Commiſſion die

Thore gea

fchloſſen zu halten , und dieſen Beſcheid erhielten auch jegt die Abgeſchickten derſelben ,

mit benges

fügtem Anſuchen , den Ordnungen der Stadt, bis zur legten Erklärung des Könige, in allen dieſe Sade betreffenden Punkten eine Friſt zu verſtatten . In zwiſchen wartete weder der Landrichter mit ſeiner Begleitung die Rathrchläge in der Stadt ab, noce fäumten die Commiſſarien ,

mit Bezeigung ihres

Widerwillens gegen die Danziger Regierung , den Abzug vom Stolzenberge zu nehmen .

Die von den 3 Nom

Danziger Abgeordneten , aus Warſchau bald das rauf eingekommenen Berichte verkündigten noch keine günſtigen Ausſichten ; die nachtheilige Rela. tion der Commiſſarien war eben bey Hofe einges laufen , als der König ſchon Hofnung gegeben hat te, fich gegen die Stadt geneigt zu erklären ; weil aber fein Zorn aufs neue dadurch rege gemacht 29 Nox. worden , ſo hatte es endlich ſein Bewenden das bey gebabt ,

daß die Commiſſionsſache mit Dan

zig , auf den ein und zwanzigſten Tag , der nåchos ften Reichsverſammlung öffentlich vorgelegt wer. den ſollte. Man war demnach in Danzig beſchåf. tigt, zu einem neuen Verſöhnungsmittel feine Zu « fluckt zu nehmen , und die Mehrheit der Stimmen brachte es aus ,

daß eine

Deputation aus allen

Drdnungen an den König gefandt werden ſollte, um das Verfahren der Stadt gegen die Commiſ fion ' zu

rechtfertigen ,

und ſich

der Kdniglicher

Grade beſtermaſſen zu verſichern .

ş

Das Haupt

Danzigs Geſchichte.

170

derſelben war der bejahrte Burgermeiſter Johann Brandes, der nebſt dem Rathsherrn Peter Beh me , den Schöppenherren Reinhold Müller und Johann von Werden, wie auch Joachim Ehler, Conrad

Howe ,

Joachim Landmann und

Friedrich Hütfeld , aus der dritten Ordnung aba geſchickt wurde. Dieſe traten ihre Reiſe fünf Tage

11 Dec. nach der Zurückunft des Syndicus an , der aber zugleich die Nachricht mitbrachte , daß der König mit feiner Hofſtatt bereits aus Warſchau aufge. brochen wäre. Die abgeordneten Herren zogen dem Könige 1569.

bis Lublin nac , und þatten zwar in Gegenwart vieler Senatoren eine willfårige Audieng, die aber durch die Anweſenheit einiger ebenfalls zurüd ges tommenen Commiſſarien , und unter dem þúlf. loſen Verhalten der aus Preuſſen gegenwärtigen Råthe, ſich mit ſolchem Kaltfinn endigte, daß man keinen erwünſchten Ausgang

der Sache hoffen,

oder höchſtens nur eine Verzögerung des gaüzen Handels erwarten konnte.

Mit dieſen mißlichen

Ausſichten kamen auch einige Herren von der Des putation wieder nach Danzig zurück , und konnten Feinen vortheilhafteren Bericht abſtatten , als daß der bevorſtehende Reichstag ( der um die Mitte des Februar ſeinen Anfang nehmen ſollte , ) einen ente foeidenden Austrag in den Angelegenheiten ihrer Stadt mit ſich bringen würde.

Jn Preuſſen ward

vorher ein Landtag gehalten , der der graſfirenden Peſt wegen einige Wochen ſpåter nad Elbing vere legt wurde , übrigens aber auch darin merkwürdig

is

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel.

171

war , daß er als der erſte Untecomitial , Landtag in der Provinz angeſehen werden konnte .

Aus Dan

zig waren der Burgermeiſter Kleefeld

und der

Rathsherr Zimmermann dazu deputiret, welche zugleich dasGeſandtſchaftsgeſchåfte, auf den Reichs. tag übernehmen ſollten . 3) Die Klagen des Königs über das Betragen der Danziger gegen ſeine Com miſſarien , konnten Hieſelbſt nicht ausbleiben ; die Råthe aber ſo wol als die Unterſtånde,

nur den

Biſchof von Ermland und den Danziger Caſtellan als Mitcommiſſarius

ausgenommen ,

einhelligen Stimmen

erbötig ,

waren mit

die Unſchuld der

Stadt Danzig beym Könige zu vertreten ; der von den Elbinger Geſchichten abgeſtattete Bericht, vere gröſſerte noch die Unzufriedenheit mit dem Verfah ren der Commiſſion , und es ließ ſice zu neuen Hof nungen an , daß Danzig durch eine fråftige Får. ſprache der Preußiſchen Mitſtånde, mit dem Kids nige ausgeſdýnt werden , und in ihren Freyheitsa, rechten unbeeinträchtigt bleiben würde. 1 ) An fatt des Rathsherrn Zimmermann if nachher Peter Behme auf dem Reichstag ju Landesfachen ernannt wors den.

172

Danzigs Geſchichte.

Siebentes

Capitel.

Vorbereitungen zum Lubliner Reichstage

das Decret 34

Lublin befeſtigt die genaue Bereinigung der Provinz Preuſſen mit dem Polniſchen Reichskörper, - Danzig wird dabey insbeſondre zurückgefekt - vier Danziger Herren des Raths werden gefänglich nach Polen gefühs ret eine Königliche Commiſſion kommt aufs neue nach Danzig - ſie eröfnet Gerichtsfigungen und macht be: ſchwerliche Anforderungen an die Stadt es werden Artikel eineț neuen Staatsreforme bekannt gemacht wogegen die Stadt proteſtiret – die Commiſſarien ziehen auf den Reichstag wohin auch die Stadt eine Depil tation Tendet. Die Danziger Reforme wird ratifici: ret – und die Geſandten der Stadt müſſen öffentlich Abbitte thun - Unzufriedenheit in Danzig, über die Ger ſandtſchaftsgeſchäfte ein Rathsherr wird aufs neue an den Hof geſchickt und richtet ſeine Aufträge glücklicher aus Danzig bleibt bey der Verweigerung , die neuen Verordnungen oder Kornkowſchen Conſtitutionen anzuneh . men die Commiſſarten nehmen nacheinander ihren 216zug,

Seit dem Warſchauer Reichstage vom J : 1563. Hatten die Preuſſiſchen Stånde fichs gleichſam zur Regel gemacht,

ſo wol den Beſuchen

der Polni

faen Reichstage auszuweichen , als auch den Fort gang der Landesgeſchäfte ſelbſt zu verzögern.

Aus

dieſem Betragen blickte nun zwar der Anſchein ei ner Sorgloſigkeit hervor, in der That aber lag eine überlegte Zurüchattung dabey zum Grunde, woo mit man unter Erwartungen günſtigerer Umſtände, die Vertilgung deë Landesfrenheiten zu þemmen bemüht war.

Zwey Reichstage waren deshalb

gar nicht aus dem Lande beſchickt porden , einige

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel. Landtage waren nur nachlaßig gehalten ,

173 und zu •

weilen hatten die einreifſenden Peſtkrankheiten eis dieſelben von einer Zeit

nen Vorwand gegeben ,

auf die andere zu verlegen.

Inzwiſchen that fola

ches dem Neuerungseifer in Polèn gar keinen Ab und dieſer Aufſchub der Zeit wurde deſto

bruch ,

freyer benuket , die gemachten Entwürfe zur völli. Der König ließ daben gen Reife zu bringen. nicht ſelten ſeinen Unwillen über das Ausbleiben von den Reichstagen ,

in harten Ausdrücken ere

klären , und auf dem Stani, lauslandtage zu Ma. rienburg vom J. 1568 war ein drohender Befehl an die Preußiſchen Stånde ergangen, ſich auf dem bevorſtehenden Reichstag zu Lublin , in vollſtån . Nun hatte man zwar diger Anzahl einzufinden . eines Theils Miene gemacht, ſich auch hievon mit der Abwartung des Biſchofs von Ermland , der erſt von der Kirchenverſammlung zu Trident zurücks , kommen ſollte , zu entſchuldigen ; allein der Won . wod von Culm ħielt eine Anrede , worin er es als Höchſtnothig vorſtellte, den Reichstag zu beziehen , und öffentlich wegen der Landesbeſchwerden zu reo den ,

worauf die Råthe fich einigten folches pere

ſönlich zu thun ,

und ungeachtet die Unterſtånde

anderer Meinungen waren ,

fo ward doch dieſer

Entſchluß dem Königlichen Abgeſandten in ſeiner Abfertigung mitgegeben. Der Lubliner Reichstag wurde alſo von dem Vorlandtage zu Elbing beſchicfer. Die erſte Be. willkommung gab ſchon zu erkennen , daß man die alten Gewohnpeiten gegen die Preußiſche Landese

174

Danzigs Geſchichte:

geſandtſchaft ganz aufgeben wollte.

Un ſtatt der

ſonſt üblich geweſenen Privataudienz beym Kdnige, follten die Landesråthe ſogleick in Sénat Siß neh. men :

hierüber wurde zwar der ſchon epedem ento

ſtandene Wortſtreit erneuert, allein der König ents ſchied denſelben durch einen Machtſpruch , und ließ die Preußiſchen Råthe in den Senat fordern. Nur an die Abgeordneten von Danzig erging der Befehl, fich wegen ihres Commiſſionszwiſtes , des jeßigen Beſuchs der Reichsverſammlungen und aller Bes þandlung der Staatsgeſchäfte zu enthalten.

Die

Preußiſchen Råthe unterlieſſen zwar nicht , ben ihren abgendthigten Sißungen im Senat, die Se paratrechte des Landes ſchriftlich und mündlich zu vertheidigen , allein es wurde faſt nicht darauf geo achtet, und an ſtatt einer Beantwortung , befahl der König , daß die Privilegien der Provinz Preuſ Der Bin ſen öffentlich ſollten voègelegt werden. ſchof von Ermland Cardinal Hoſius legte vidimir te Abſchriften davon auf,

welches der Konig un

gnädig aufnahm und die Originale verlangte ; al lein auf Bitte des Biſchofs wurde dennoch eine Commiſſion aus

dem

Senat verordnet ,

um die

mitgebrachten Privilegien gehörig zu unterſuchen . Dieſes Unterſuchungsgeſchäfte veranlaßte verſchie dene Diſputen , worin über den wahren Sinn eini ger Worte und Ausdrücke in den Privilegien geſtrit ten wurde ; man konnte ſich auch nicht darin eini. gen , und die Entſcheidung wurde wieder dem Ke. nige überlaſſen .

Hierauf berubete nun allerdings

die endliche Beſtimmung, ob die Provinz Preuſſen

1 Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel. für unterwürfig der Krone zu Galten ,

175

oder ob fie

mit einer Staatsverfaſſung privilegirt fer , die es unſtatthaft machte, in den Polniſchen Reichsvers ſammlungen und mit den Ständen der Krone , ges meinſaftliche Beratſchlagungen wegen iører Lan desgeſchäfte zu Halten.

Der König aber entſchied

für die genaue Vereinigung der Preußiſchen Ståns de mit den Polniſchen Reichsſtånden , und die in Polen beliebte Erklärung der ſtreitigen Ausbrüde in den Privilegien , wurde durch ein abgeſprochenes Decret befeſtiget, vermoge deſſen den Preußiſchen 1969: 16 Mári.

i

Landesråthen ben Verluſt ihrer Würden befohlen wurde , auf dem Reichstage unter den Polniſchen Senatoren Sik und Stimme zu nehmen ; die Preußiſchen Landboten bekamen Befehl, fich in die Polniſche Landbotenſtube zu verfügen ; alle insge ſammt wurden verpflichtet , an den Staatsgeſchäf ten der Krone gleichen Antheil zu neşmen ; und über die Angelegenheiten der geſammten Reichs. lande, gemeinſchaftliche Rathſchläge zu falten ; die Einfaſſen der Preußiſchen Lande ſollten den Be folüfen der Reichstage unterworfen ſeyn , ünd als Einwohner und Unterthanen eines Reichs , gleiche Vortheile zu genieſſen , und einer .

gemeinſame

ley Bůrden auf ſich zu nehmen haben . Die einzelnen Proteſtationen der Råthe vom Lande , der Großen Städte , der Landboten , und der fleinen Städte Preuſſens , gegen den Auss ſpruch und Inhalt dieſes Decrets , wurden nun vielmehr nicht weiter in Betrachtung gezogen ; verwieß man die Abgeſchickten des Udels und der

Danzigs Geſchichte.

376

1

kleinen Ståbte , mit Drohungen in die landboteria ſtube , von wo ſie erſt nach einigen mit Stillſchwei gen abgewarteten Seſſionen , bielten .

igre Entlaſſung ers

Die adelichen Landesråthe aber bewieſen

ſich ſehr bald folgſamer , ſie nahmen die ihnen im Senat angewieſenen Plåge freywillig ein , und lei . ſteten ſelbſt den End ,

der iğnen zur beſtändigen

Beobachtung des abgeſprochenen Decrets vorge legt wurde.

Nur die Abgeordneten der Großen

Stådte enthielten ſich aller Theilnahme an dieſen neu aufgelegten Verpflichtungen , ja ſo gar als die auf den Ungehorſam gegen das Decret verordnete Strafe öffentlich angeſchlagen ,

und durch einen

Gerichtsdiener publicirt wurde , ſo machten ſie mit den Preußiſchen Landboten und mit den kleinen Städten gemeinſchaftliche Sache , und ſuchten ſich mit dem Mangel ihrer Vollmachten ,

von aller

Uebertretung ſchuldlos zu ſtellen . Soloergeſtalt hatte man nun in Polen das große Unionswert zum Stande

gebracht, woran

ſeit der ganzen Regierung Sigismund Auguſts , unablaßig war gearbeitet worden . darauf ward auch die genaue

Wenige Tage

Vereinigung des

Großherzogthums Litthauen mit der Krone Polen vollzogen ,

und das darüber aufgerichtete

Inſtru .

ment iſt ſchon den Conſtitutionen des gegenwärti gen Reichstages einverleibt worden . zeichnete Bahn unſerer Erzählung

Die vorges verſtattet es

nicht, den hiedurch verånderten Zuſtand der Pros vinz Preuſſen in allen und jeden Staatsverhålte niſen zu entfalten ; aber die Folge der Geſchichte wird

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

177

wird es genugſam erweiſent, wie viel nicht nur die ganze Provinz von ihren ehemaligen Cardinalrech . ten dadurch verlohren habe, ſondern wie auch ein jedes Glied derſelben in den Verluft urſprünglicher Vors rechte, und in eine Abhängigkeit fey gebracho wore den ,

welche den Verfall des Anſebens und des

Wohlſtandes in vieler Abſicht nach ſich gezogen hat.

Danzig war bey dieſer

Cataſtrophe noch

außerordentlich zurückgefekt worden :

man þatte

ihren Geſandten alle Activitåt geleget , die Preuſs fiſchen Mitſtånde hatten ſie gegen das auf dem Landtage geleiſtete Verſprechen , meşrentheils hülf: los gelaſſen ; die gehåßigen Relationer ,

welche

die Polniſche Commiſſarien in iþrer Sache gegen fie ausbrachten , batten die Gemüther am Königli chen Hofe gånzlich erbittert, und es war gleichſam eine allgemeine Verſchwörung von Feinden, womit diefe Stadt nun einen Karupf aushalten ſollte. Bald nach Beendigung der erſten Hauptges ſchäfte des Reichstages., trat der Königliche In ftigator Friedewald im Reichsſenat auf, und 23 März klagte fämmtliche Ordnungen der Stadt Danzig, namentlich aber den Burgermeiſter Kleefeld , der als Mitgeſandter zugegen war , der beleidigten Majeſtåt an .

des Verbrechens Den Abgeordneten

der Stadt wurde hierauf ein Termin zur Verants wortung geſeket,

dem Burgermeiſter Kleefeld

aber der Hausarreſt angekündiget ,

und weniger

Tage darauf ließ der König drey Ausladungen an die beyden Burgermeiſter Conſtantiu Ferber und Johann Proite, imgleichen an den Rathmann Geſch , Denz, 2ter Th. M

Gefchichte Danzigs.

178

Dieſe Citationen mac Albrecht Gieſe ergehen . ten in Danzig nicht geringe Bewegung , ſie wur den von einem Königlichen Kammerling im Bey . feyn eines Notarius gelegét, und obgleidyzu Rath . þauſe unterſchiedene Meinungen fielen , ob die auss geladenen Herren ſich zu ſtellen verpflichtet ſeyn ſoll. ten , fo würde doch zulegt die Abreiſe derſelben , und zwar als Geſandten der Stadt für nothwendig erkannt, worauf ſie ſich im Monat May zu Lublin einfanden , nachdem theils durch Briefe von der Stadt ,

theils durch Vorſtellungen der am Hofe

befindlichen Abgeordneten , voraus alle Mübe war angewandt worden , rechtfertigen.

ſie ihrer Unſduld wegen zu

Nichts deſto weniger bekam der in

Man tendirte Criminalproceß ſeinen Fortgang. tegte es inſonderheit dem Burgermeiſter Ferber und den ausgeladenen Herren zur Laſt , die Rechte der Majeſtát , durch Verſpottung und Ausſtoffung der Königlichen Geſandten und Commiſſarien vers leßt zu haben , und was mit Beſchluß fåmmtlicher Ordnungen geſchehen war , ſollten jekt einige at Ruder fißende Magiſtratsperſonen entgelten . Ver . theidigungen machten hier keinen Eindruck , und weder Privilegien noch Perſonen der Stadt fanden die Beklagten faſſen wie Geo

einigen Benſtand ,

fangene in ihren Quartieren ,

der Proceß wurde

12 Aug. geendiget , und es erfolgte ein Decret , Kraft defe ſen die Königliche Commiſſion aufs neue berechtigt wurde , nach

felbft bewieſenen Ungehorſam in Ausſchlieſſung ders felben genau zu unterſuchen , und nace den egedem

.

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

179

erhaltenen Befehlen , das Stadtregiment in Orda nung zu bringen .

Feråer Ferner ſollten bis zur Beendi

gung der Commiſſionsgeſchäfte , die drey Burgers meiſter und der eine Rathmann aus Danzig ,

in

Polen gefänglich ange alten werden , die übrigen Depucirten der Stadt aber ihre Abfertigung bes Hierauf wurden der Burgermeiſter kommen . Kleefeld und der Rathsherr Gieſe nach Sendo. mir , die beyden Burgermeiſter Ferber und Proite aber nach Peterkau in die ' ihnen beſtimmte Gefans genſchaft abgefüfret, und der Lubliner Reichstag ward mit der Abreiſe des Königs nach Kniſjin gem cadiget. Die neue Anmeldung der Commiſſion in Dan, 23 Sept. zig machte ein Secretair derſelben , der Cujaviſche Domherr Gofzliecki;

er brachte fünf Mandate

mit , wovon die beyden erſten ſich auf die Wieders eröfnung und Beſtätigung der Commiſſion bezoe gen , das dritte aber ein beſonderes Begehren ento hielt,

daß alle fremde Kaufleute,

Seefahrende,

Handwerksgeſellen und Gäſte in der Stadt vor dem Einzuge der Commiſſion, einen Submiſſions. eyd den Statuten nach , leiſten ſollten ; das vierte war an den Rath gerichtet, den Commiſſarien ein Standquartier auf dem langen Markte anzuzeigen , und das fünfte an die geſammte Bürgerſoaft, bes traf die Ruhe in der Stadt und die Abſtellung alo ler bürgerlichen Beſchwerden .

Einige dieſer Man

date nebſt dem Ankündigungsbriefe der Commiſſa . rien von ihrem Einzuge, wurden dffentlich vor dem Artushofe nnd an die Kirchenthüren angeſchlagen ;

»

2

.

1

Danzigs

180

Geſchichte.

die vorläufige Correſpondenz mit ihnen ging auch in den meþreſten Punkten glücklich von ſtatten , nur die Abforderung des Endes von den Fremden er. weckte S & wierigkeiten unter den Gewerfen , wels che die Obrigkeit nicht geben konnte.

Eine Ver .

långerung fo die Commiſſarien mit dem Termin ih 'rer Ankunft machten ,

verſtattete noch Zeit , ins

beſondre deshalb an den König zu ſchreiben : man Hatte Gründe genug fich damit zu entſchuldigen , daß jenes vom Könige Sigismund gegebeneSta . tut fich blos auf den damaligen Aufruhr bezogen þåtte ,

itachher aber nie wäre vollzogen worden ;

daß die Stadt jego in Ruhe wåre ,

die fremden

Handwerksgeſellen aber lieber davon ziehen als ey. digen wollten ,

wodurch denn die Stadt in Schas

den und Abnahme der Nahrung

gelegt

werden

müßte ; der König überließ es den Commiſſarien , ſich mündlich über dieſen Punkt mit den

Ordnun

gen zu einigen ; und in Danzig wurde zu dieſem po wol als zu andern ſich auf die Commiſſion be ziehenden Geſchäften ,

ein engerer Ausſchuß aus

allen Ordnungea erwählet , um ſo oft es erforder lich wäre , geheime Conferenzen mit den Commif ſarien zu pflegen .

1 Dec. Die Commiſſion wurde bey ihrer Ankunft vor den Deputirten der Stadt im Schießgarten em pfangen.

Der Biſchof von Cujavien , der Woys

wode von Lenczycy Johann Sirakowski, und die Caftellåne von Danzig , Mislicz und

Biechow ,

Koſtka, Firley und Wyſzodki waren die jeßt das zu ernannten Perſonen , ſie hielten mit 200 Pfer .

Dritter Abſchnitt.

Siebentes Capitel.

181

den und 30 Rüftwagen ihren Einzug, und hatten dren Rechtsconſulenten als

Secretaire bey fich ,

worunter der Abt von der Oliva Caſpar Jeſchke einer der geſchåftigſten war .

Nach wiederholter

Anzeige der Urſachen ihrer Herkunft , wie auch der Jaſtructionen und Vollmachten zu ihrer Verrich . tung , fing die Commiſſion ihre Geſchäfte mit Ge richtsſibungen an , die aber faſt unbeſucht blieben, ſo ſehr auch infonderýeit einige Gewerke ausdrück: lich zu klagen angereigt wurden ; nur einzelne Aus . lånder, Schiffer oder unzufriedene Einwohner þervorgeſuchte

brachten

Obrigkeit vor.

Beſchwerden gegen die 1

Dagegen wurde die Bürgerſchaft

åußerſt aufgebracht, daß der Inſtigator wald ,

Friede

fich dffentlich bey dieſem Gerichte in bůr

gerlichen Privatſachen zu thun machte. Dieſer Feind feines Vaterlandes hatte neuerlid wegendes

}

vorigen Commiſſionszwiſtes , unter dem Titel einer Anklage, eine låſterliche Schmåbſchrift gegen den Danziger Magiſtrat,

zu Krafau drucken laſſen ;

man ſabe daher feine Gegenwart mit dem àußerſten Widerwillen in der Stadt , und weil das Volk mit Recht Rache über ihn færie , fo würfte der Rath e$ ben der Commiſſion aus , daß zu Vermeidung mehreren Unglücks ihm angeſagt wurde , ſich we der öffentlich ſeßen zu laſſen , noch andre als ſeine eigentliche Amtsgeſchäfte bey der Commiſſion zu betreiben .

Ueberhaupt verliefen etwa fechs Wo.

chen , ohne daß etwas weſentliches in Sachen der Stadt auseinander geſegt wurde;

nunmehr aber

prung die Commiſſion mit Ernſt darauf, daß iþrep 3

Danzigs Geſchichte.

182

erſten Hauptforderung nach , die Ordnungen , zut Verſöhnung des Königs eine genugthuende Erbie 1570. tung ausmitteln ſollten . Weil es fich nun ſchon $ Januar bey den vorläufigen Conferenzen gezeigt hatte, daß eine beträchtliche Summe Geldes , deſſen der Kode nig während dem Rußiſchen Kriege nod immer bes nöthigt war ,

eins der fruchtbarſten Mittel ġiezu

feyn würde , ſo wurden vom engern Ausſchuſſe die Einfünfte der Pfalkammer dafür in Vorſchlag ge bracht.

Die Art und Weiſe aber wie man dema

Könige dieſen Beyſtand anbieten ſollte, gab noch triftige Urſachen , die Rathſchläge der Ordnungen zu verlängern : die Meinungen fielen größtentheils dahin aus, daß man kein : Theilnahme an der Pfala kammer abtreten ,

ſondern dem Könige eine bes

ſtimmte Summe Geldes ,

höchſtens auf ſeine Leo

benszeit und zwar unter dem Namen eines Hülf geldes ,

aus den Pfaleinkünften antragen ſollte.

Einigermaaſſen aber åußerte ſich hieben ſchon ein aufkeimendes Mißtrauen gegen den Burggrafen

!

Zimmermann , der bey der geheimen Deputation den Vorſik hatte.

Er wurde jegt von dem Com.

miſſarius Koſtka , als Burggraf beſonders in Eyd genommen , er beobachtete eine zuvorkommende

1 Gefälligkeit in der Conderſation mit den Commiſ farien , und ſchien von der Zuneigung des Hofes. am wenigſten ausgeſchloſſen zu ſeyn , er hatte auch gleich anfangs den Ordnungen die feſte Hofnung gegeben, daß mit einer willfårigen Zuſtändigkeit an den König ,

man in kurzem der

Commiſſion fo

wol als aller Beſchwerdeu der Stadt entledigt reyn würde.

Dritter Abſchnitt. Stebentes Capitel.

183

Hieju war aber noch keine Ausſicht vorhanden , und die fruchtloſe Erwartung derſelben beförderte beynahe den Entſchluß der Bürgerſchaft, ſich mit ihren etliche Jahre lang vergebens wiederholten Kelagepunkten jeßt an die Commiffarien wenden zu wollen ; der Rathy fam aber zuvor , und verſprach nicht nur , ſondern erbot ſich auch zu einer perſön . liden Bürgſchaft , daß die Correction aller Fehler und Mißbräuche im Juſtik- und Policeywefen der Stadt , aufs eifrigſte jollte beſchleuniget werden . Auf einer au:dern Seite nahmen die Ordnungen der engern Ausſchuß in Anſpruc : derſelbe gatte nebſt beſchloſſener Verhöhung des Pfalgeldes , dem Koda nige ſchon einen Theil davon unbedingt zugeſtan den , auch ein Darlehn von 100000 Gulden für Rechnung der Stadt aufzunehmen bewilligt;

da .

gegen waren ungeachtet der geleiſteten Zuſage, wer der die in Polen gefangenen Herren befreyet, noce die Schmåbſchrift

des Friedewalds, confiſciret,

noch die Erecutions - und Pönalmandate aufgeho ben , noch die ungebührlichen Geleite und Citatio nen abgeſchaffet, noch auď andren Bedrückungen die ſich von der Commiſſion Herſchrieben , ein Ende gemacht worden.

Man legte demnach dem engern

Ausſchuß zur Laft , ſeine Vollmacht überſchritten 16 Febre 34 Gaben ,

und es wurde zum Schluß gebracht,

daß nichts vinfort ohne Ratification der Ordnun. gen von demſelben geſchehen ſollte.

Miezu tam

node daß neue Forderungen dringend auf die Bahn gebracht wurden.

Unter andern war der Erbau .

ung eines Hauſes , nebſt Stall und Speicher für M4

184

Danzigs Geſchichte.

die Königliche Hofſtatt bisher nur beyläufig Era wähnung geſchehen , man hatte ſich immer mit dem Geldmangel und den Schulden , worin die Stadt zum Dienft des Königes gerathen war ,

entſchul.

digen und dabey anführen können , daß man doch nie ermangelt håtte , ben Anweſenheit des Königlia

1 chen Hofes ,

für Bequemlichkeit des Aufenthalts

Sorge zu tragen ; jeßt aber verlangte die Commiſe fion ausdrücklich einen freyen und geräumigen Plak in der Stadt , als etwa das Koggenthor mit den Nebenhåuſern in den anliegenden Straſſen , angee wieſen zu haben ,

und ſie erklärte es ſo gar für

eine Beleidigung, als einige Bürgerhäuſer auf dem Markt vom Rath dazu angezeigt wurden .

23 Febr. :: Nächſtdem kam der Termin , daß die Commiſ fion nach ihrem zweyten Hauptendzweck,

die neuen

Vorſchriften zur Reforme des Stadtregiments eins richten wollte.

Sie hatte ſich dazu eine Anleitung

yom Rath geben laſſen ,

die nun auf dem Rath

þauſe ſämmtlichen Ordnungen und Gewerken vorges legt wurde.

Der Woywod hielt daben eine polni.

fche Unrede , die der Caſtellan Koſtka deutfc wies berholte , und worin alle bisher verlangte Jrregu . laritäten mit neuen Drohungen geſchårft wurden . Wegen dieſer Reformationsartikel mußte man nun viele Rathſchlåge halten , denn den Ordnungen fo wol als den Gewerfen wurde anfangs zugeſtanden , ihre Bedenken und Meinungen darüber der Com . miſſion zu übergeben ; nachber aber entſprungen daraus fo große Streitigkeiten , daß die Commiſ 13 Måra farien lid unwillig erklärten , die veränderten Rea

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

185

gierungspunkte ſchon nach ihrem Willen beſchloſſen zu haben , welche auch nach ihrer Reforme ohne Widerſpruch publicirt werden ſollten.

Die Ein .

griffe in die Privilegien über Seerechte,

Appella

tionen , Hülfgelder und andre Rechte der Stadt, þatten hiebey die wichtigſten Differenzen verurſa. Pet ; wegen des Gebäudes zur Königlichen Hof ſtatt hatte man ſich ebenfalls nicht geeiniget , und die Ordnungen wollten iþre Erklärung deswegen an den König felbft gelangen laſſen ;

wegen des

Eydes der fremden Geſellen ward auch noch geſtrit ten , und die Gefangennehmung des unſchuldigen Hauptmanns Joſt Zander von der Münde , ers wedte eine allgemeine Widerrede, weil er nur ſeine Pricht beobachtet, und einem Königlichen beuter durch die Seegel geſchoſſen hatte ,

Fren

welcher

wider die Feſtungsrechte weder batte ſtreichen noch Mitlerweile waren Beſcheid ertheilen wollen . Schreiben vom Hofe eingelaufen , worin ſich der König zwar wegen des Anlehns und der angebote: nen Hälfte des zu verhöhenden Pfalgeldes günſtig erklärte, aber zugleich ohne Verzögerung die Eins nahme des " lektern verlangte ,

und einen Königli

chen Officianten bey der Pfalfammer anſtellen woll te. Dieſer Beſcheid lief gånzlid den Verſprechun gen der Commiffarien entgegen ,

man machte ih .

nen darüber gegründete Vorſtellungen , ſie aber ſchienen der vorhergegangenen Placation nicht zu achten , und drungen dadurch den Ordnungen eine Proteſtation ab , daß fie ohne Revers über die Sicherheit iğrer bisherigen Rechte derPfalkammer, MS

186

Danzigs Geſchichte .

an Feine Zuſage gebunden ſeyn wollten .

Gleicher

maaſſen erging es bey der erzwungenen Publication der Reformationsvorſchrift.

Der Syndicus las

vor Bekanntmachung derſelben nicht ohne Wider ſtreben der Commiſſarien , }

eine Proteſtation ab ,

14 März und als die Publication dennod aus einem Fenſter der großen Wettſtube des Rathbauſes erfolgte , fo wurde abermals durch eine Deputation aller Ord nungen , den Commiſſarien die Proteſtation in ige rer Behauſung geleget.

Man regte ſich damit

zwar vielen unfreundlichen Begegnungen aus, und insbeſondre mußte der Syndicus , der bey der De putation das Wort führte ,

1

ſehr bittre Vorwürfe

verſchmerzen, allein man ließ ſich dadurch nicht ab . forecen , die Proteſtation noch einmal zu wieder . holen , als der Abt Jeſchke auf Befehl der Com. miſſion den Verſuch machte, die geſchehenen Ein griffe in die Privilegien der Stadt , Glimpf zu beſdidnigen .

mit einigem

Doch gab der Biſchof

dafür dem Rath eine angreifende Weiſung , wo mit demſelben alla Verleitung der

Bürgerſchaft

,

zum Ungehorſaın gegen den König Schuld gege ben , und der Proteſtationen wegen im Namen des Königs erklärt wurde, daß die damit zugefügte Bea 16 März leidigung , nicht anders als durch eine offentliche Uebria Deprecation ausgeldfdyt werden könnte.

gens glaubte die Commiſſion nach Vollendung ih , ter Geſchäfte , einen freundlichen Abſchied von den Ordnungen neşmen zu können , machte fid

und der

Biſchof

den Tag darauf, nebſt den meşreften

Commiffarien wirklich auf die Reiſe, ſo daß nur

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel

187

der Caſtellan Firley und der åbt von der Olive in Danzig zurück blieben .

Der Abt erwies ſich nun überaus geſchäftig , die von der Commiſſion zurückgelaſſenen Auftråge ins Werk zu richten .

Im Namen derſelben wur .

de noch in das Wahlrecht des Ratús und der Ord . nungen eingegriffen , und zwölf Perſonen aus der Bürgerſchaft, Amt und Eyd aufgedrungen , um an der Verwaltung der Güter und Einfünfte der Stadt Antheil zu nehmen . May ergingen

Gegen den Syndicus

Ponalmandate

und eine Auslas

dung an das Reichstagsgericht, auch die Drohun. gen mit der Erecution , und alle ſchon oft ermågn te Zunothigungen wurden ohne Moderation wies derholet.

Für ſich ſelbſt hatte die Stadt ein nd

thiges Geſchäfte , den (qon angefangenen Reichs. 25 April. tag in Warſchau zu beſchicken , wobin aufs neue

beſchloſſen wurde, , eine Geſandtſchaft aus allen Ordnungen abgegen zu laſſen . Nur in der Wahl der Perſonen dazu war man anfangs nicht einig ; die vom Rath geſchehene Ernennung des Raths: Herrn Zimmermann wurde von den übrigen Ordo nungen , aus unterſchiedenen Urſachen gemißbilli get, zumal da ſein naher Anverwandter der Raths . Dennoch herr von Kempen mit deputirt war. blieb der erſtere nach einigen Debatten das Haupt der Geſandtſchaft , nur ward der Ratheherr Beh : me ihm zugefellet , wonach ft aus dein Schöppen . ſtul Hieronymus Schilling, und aus der drit Ordnung vier Quartiermeiſter dazu ernannt wurden . Man gab dieſen Geſandten eine ſehr ten

1

188

Danzigs Geſchichte.

genaue und eingeſchránkte Inſtruction mit , worin insbeſondre die Bewilligung des Pfalgelds nach dem Schluß der Ordnungen beſtimmt wurde, und alle gegen die Privilegien der Stadt ſtreitende Reus 31 Mar formationsartikel von waren .

der

Anerkennung erimirt

Gleich bey ihrer Ankunft aber ,

die Abgeordneten keinen Anſchein zur gung des Königs.

fanden

Beſänfti.

Danzig ſtund am Hofe ſo gar

im Verdacht, ſich mit den erklärten Feinden

der

Krone Polen in ein Verkehr eingelaſſen zu haben, obgleich man hier allen Argwohn einer Unthätigkeit im Seekriege zu vermeiden ſuchte , und eben da . mals , weil einige Rußiſche Caperſchiffe nahe vor der Rhede Schaden gethan hatten , drey Kriegs ſchiffe nebſt einer Pinke ḥatte auslaufen laſſen, ſo fehr auch der damit verknüpfte Aufwand in dieſen kummervollen Zeiten die Stadt bey ihren übrigen ſchweren Ausgaben beläſtigen mußte . Die Commiſ

+

fionsangelegenheiten hatten ebenfalls eine ſchlechte Situation , Die Zugeftehung des Pfalgeldes vurde aabedingt , und nicht blos auf Lebzeiten des Königs bey Hofe verſtanden ;

auf die Ereçution

der Stadtgüter in der Scharpåu, Grebin und Wes linke wurde beharrlich gedruny.n ; die Reformations . artifel, gleid, wie die Einſchränkungen in den Re: galien der Stadt fanden beri Hofe einſtimmigen Beyfall; die Pánalmandate gegen Danziger Ma. -giftratsperſonen und Bürger blieben unentkräftet ; auch die in Arreft gehaltenen Herren des Raths foll ten erſt auf fünftigem Reichstage frey werden, und von den Geſandten wurde eine Deprecation abſei

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel. ten der Stadt gefordert,

189

wozu man ihnen ein

foarfes Formular vorſchrieb.

Alle

Berichte , To

die Geſandtſchaft hiervon herüberſchickte, vermehr ten die Unzufriedenheit in Danzig , die Ordnungen aber beſtunden nichts deſtoweniger ſtrenge darauf, daß wenn die Inſtruction überſchritten werden ſoll. te , man ſolches für nichtig und unkräftig anſeßen würde.

Mitlerweile mußten die Danziger Abgeordne ten ſich einer ſchweren Verhandlung in Warſchau unterziehen .

Der

Reichstag war fürzlich ges

endiget worden ; in einer Seffion deſſelben hatte 10 Jul. der Biſchof von Cujavien , ausführlichen Bericht von den ausgerichteten Geſchäften der Commiſſion in Danzig abgeſtattet; die daſelbſt getroffenen Bers ånderungen waren ratificirt worden, und der Kron Großtanzler hatte im Namen des Königs den Coma miſſarien danket .

öffentlich

für

ihre Bemühungen ge Wenn nun die vornehmfte Bewerbung

der Abgeordneten dahin abzwecken ſollte , fich der Ausſibnung der Stadtmit dem Könige zuverſichern , und zugleich die Aufhebung der Karnkoviſchen Cons ftitutionen

) zu bewürfen ; ſo wurden ihnen dage

gen ganz andre Vorſchriften gegeben , wonaca fie ohne Verzug Maasregeln , welche der Inhalt ihrer Inſtruction gar nicht berührte, ergreifen mußten . Der Kron - Unterkanzler machte iğnen den Königlia 1 ) Vom Biſchof Karnkowsfials Chef der oft gedachten Comts miſſion , ſind die Reformationsartikel oder Verordnungen derſelben in Danzig ſpåterhin die Starnkomiſchen Conftitue tionen ( ob wol febr ' uneigentlich ) genannt worden .

Danzigs Geſchichte.

190

dhen Willen bekannt , daß fie öffentlich nach einem vorgeſchriebenen Formular depreciren ſollten. Dies fer Antrag blieb von feiten des Burggrafen und der übrigen Deputirten nicht ohne nen ;

Remonſtratio

man glaubte ſich mit dem ehemaligen Ver

3ſprechen der Commiſſarien ſo wol ,

als mit dem

Mangel mitbekommener Befehle, dieſes Anfinnens zu entledigen ,

und weigerte ſich lange , um we nigſtens einen Aufſchub bis zu näherer Bevolle

mächtigung darin zu erhalten ; allein der Rangler erhärtete es mit Heftigkeit, daß der König darüber aufgebracht werden ,

und alsbean an feine Ver .

föhnung weiter zu denken feyn würde. Die Abge ordneten gingen hierauf fleißig mit einander zu Rathe , fie ſaßen alle Ungelegenheiten ihres Nach . gebens voraus , entſchloſſen ſich aber dennoch, wie fie dafür hielten , machen ,

aus der Noth eine Tugend zu und um der Stadt noch größeres un

þeil abzuwenden ,

ſich zur verlangten Abbitte per

24 Jul. ſönlich zu ſtellen .

Dieſelbe geſchahe demnach in Gegenwart der noch zurückgebliebenen Senatoren ,

!

und als die Abgeordneten nach erfolgtem Eintritt, noch eine Weile inne hielten , weil ſie immer auf eine Moderation hoften , ſo ſprach der König zu iņuen „Wollet ihrs thun, fo mogt ihrs thun, wol ,, let iþrs nicht,

ſo mögt ihrs laſſen ."

týaten fie insgeſammt einen Fußfall;

Hierauf der Erzbie

roof von Skeſen aber nahm ſo gleich das Wort, und legte eine Fürbitte beym Könige ein , ' worauf durch den Unterkanzler die Erklärung erfolgte, daß der König die Stadt zu Gnaden annähme ,

und

7

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

191

ihr ſelbige zu gelegener Zeit erweiſen würde.

Die

Deprecation wurde fodenn geleiſtet; was aber die Conſtitutionen becraf, ſo ſollten dieſelben ſo lange beſtehen bleiben , bis die Stadt mit ihren Original. privilegien

erwieſen hätte,

daß ſie ihren erlange

ten Freyheiten entgegen wåren , alsdenn verſprache der König ſie zu ändern , und die Stadt bey ihren Nachdem die Abge Gerechtſamen' zu erhalten. ordneten aufgeſtanden waren , wurden ſie zum Zeis dhen der wieder erlangten Huld zum Handluffe ge laſſen , und der König unterließ nicht, ſich freunde liæ mit ihnen zu beſprechen. Ganz anders dachte man in Danzig , über den Ausgang dieſes Verföhnungsgeſchäftes .

Die Ord . 2

nungen glaubten mit den gemachten Geldantrågen , wie ſolches der Burggraf nach ſeinen Conferenzen mit den Commiſſarien zugeſagt hatte , den König völlig beſänftigt zu haben ; zudem hatte man in den übrigen Anſuchen und Beſchwerden , über die ges fchehenen Eingriffe in die Privilegien der Stadt, keine Erhörung erlanget, man war ſich auch keiner Untreue noch eines frevelhaften Ungehorſams ge gen den König bewuſt; und daher ließ es ſich we gen der Deprecation ſo wol als wegen der Inſtruc. tion und anderer an den Hof eingeſchickten Schrif. ten ,

ju bedeutenden Differenzen' an ,

worin die

Drdnungen ſelbſt mit dem Rath eine mißtrauiſche Unzufriedenheit an den Tag legten .

Die Geſandt.

foaft kam zwar in kurzem nach Hauſe,

und der 21 Aug,

Rathsherr Zimmermann ſuchte nun mündlich eine befriedigende Relation vom Vorgang ihrer ſchroes

192

Danzigs Geſchichte.

{ ren Geſchäfte abzuſtatten , er zeigte auch an , daß der aus Noth gemachte Fußfall nicht namentlich in der Inſtruction wåre verboten geweſen ,

und

daß er zur Abwendung eines großern Uebels un ausbleiblich håtte geſchehen müſſen : allein der Ver. dacht gegen den Burggrafen hatte ſchon aus vor . gångigen Umſtånden Wurzel gefaſſet, und wurde nicht wenig durch den Lobſpruch vergrößert , wos mit der Cujaviſche Biſchof, Reichstage gehaltenen Rede,

in ſeiner auf dem ihn als

einen der

Königlichen Majeſtåt beſonders ergebenen Mann Hervorgezogen hatte. u?

In derſelben Zeit entſtan .

den weitläuftige Debatten wegen Auffdickung der Originalprivilegien ,

welche der König bey Verluſt

der Stadtländereyen ausdrücklich verlangt hatte, und worin von fåmmtlichen Ordnungen , mit zuges zogener Genehmigung der Elterleute von allen Ses werken zuleßt beſchloſſen wurde ,

daß der Raths.

Herr George Roſenberg nebſt einem -Mitdeputir ten und dem Secretair Radecke, mit den Haupt. privilegien hinauf gehen ,

auch eine Inſtruction

mitbekommen ſollte , alle übrigen Angelegenheiten der Stadt aufs ſorgfältigſte zu vertreten und zu betreiben. Unter .

u) Der Unwillen gegen ihn ſtieg aufs höchfte, nachdem bald darauf ſeine beträchtliche Schuld an die Stadtcaſſen aufge : deckt wurde , worüber er aber auf ſein Unſuchen , nicht nur ein Stönigliches Moratorium , ſondern auch ein Fürſchreis ben erhielt , der Forderungen sänglich entlaſſen zu werden. Er wurde während den darauf erfolgten Streitigkeiten vom Schlage gerühret , hat ſich aber auch der Staatsurſachent wegen, bis an ſeinen Tod des Rathhauſes enthalten müſſeu

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

193

Unterdeſſen waren wieder drey Königliche Come 30 Sept. miffarien nach Danzig gekommen , nemlich der Woywod von Brzeſc; Johann von der Schleuſe, Sluſzewski genannt, der Caſtellan von Danzig, und der von neuem zum Oliviſchen Abt eingeſekte Caſpar Jeſchke. follten ſie nun

Ihrem Hauptauftrage nach

die Karnkowiſchen Conſtitutionen ,

nach wiederholter Publication zur

Vollziehung

bringen ; allein ihre darauf abzwedende Forderun gen machten ſo wenig Eindruck, daß vielmehr Krafe einesSæluſſes fämmtlicherOrdnungen , denCommiſo farien ein ſchriftlicher Abſchied gegeben wurde, worin man ſich deutlich erklärte, die Conſtitutionen niche anzunehmen , und ohne fernere Negotiation mit den Commiſſarien , die ganze Sache mit dem Könige ſelbſt beendigen zu wollen . Zur Rechtfertigung dieſes Be. ſcheides bezog man ſich auf die bedingte Ausſõhnung , und auf die Capitulationspunkte , unter welchen ſela bige mit der Commiſſion zum Abſchluß gekommen war. Zehen der leßtern wurden insbeſondre nahmhafe gemacht: daß nemlich die Friedewaldiſde Schmåh . ſchrift confiſcirt und wiederrufen , auď der Urheber derſelben beſtraft werden ſollte; daß der König die Commiſſion aufheben ,

und die

drey Herren aus

der Gefangenſchaft befreyen würde ; daß die Frey. beuter fich von der Stadt entfernen ſollten ; daß die Landgüter der Stadt unangefochten bleiben , wie auch die die ungebährlichen Ausladungen , Misbråuche der Geleitsbriefe abgeſchaft werden , die Contribution der Stadt erlaſſen ſeyn, ihr Münz Privilegium ungeſtört bleiben ,

Serch . Danz, ater Th.

und die Weichſele

194

Danzigs Geſchichte.

Strohme gånzlich frey ſeyn ſollten . müthigen Schreiben an den König

In einem

de

wurden die

Gründe der Entſouldigung noch ausführlicher ause einandergefekt , und der König ward inſtåndigft gebeten , um der erfolgten Ausſdhnung willen , dle Stadt von dem beſchwerlichen Commiſſionsgeſchäf te zu befreyen .

Die Streitigkeiten mit den Com .

miſſarien , wurden , wie leicht zu eracgten iſt,

das

durch in die Långe gezogen , und obgleich der Wome der wod von Brzeſcz ein friedliebender Herr war , die Vorſtellungen von Seiten der Stadt ruhig an . nahm , auch von dem

ungeſtümen Sinn des Car

ſtellans Koſtka und des Ubrs von der 1

Olive fick

merklich entfernte , ſo fuchten dieſe lektern doch deſto feindſeliger durch ihre Correſpondenz mit dem Königlichen Hofe,

die Aufvůrdung der Conſtitu .

tionen in Danzig zu Stande zu bringen . Die Bearbeitungen des Rathsherrn

Roſen

berg in Warſchau , fdyienen anfangs fein Gegen gewicht dafür zu erhalten . Der König ließ ſich ſo unter dem Vorwand , daß die gar überreden , Obrigkeitlichen Amtsgeſchäfte in Danzig vernach. låßigt würden , anſtatt der in Polen arreſtirten Herren ,

die drey

Rathmånner Zimmermann ,

Behme und Schachmann ,

durcy ein Mandat

interimsweiſe zu Bürgermeiſtern zu ernennen ; in der Erecutionsſache der Stadtgüter , wurden außer der Swarpau , noch die Nehring und der Hof Grea bin im Werder , durch ein Decret der Stadt abge. ſprochen ; es war auch einigen Polniſchen Magnaa ten daran gelegen , daß dieſe Landesſtúde zum Ké.

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel. 195 niglichen Tiſch gezogen würden , indem ihnen die Poſſeſſion davon war zugeſagt worden , und Dan.. zig regte ſich ſchon ganz in Bereitſaft , mit milie tairiſden Anſtalten ſo wol als durch Deputationen aus allen Ordnungen , Gewalt zu verteidigen .

ihre Beſikungsrechte mie Allein kurze Zeit nach

Her wußte Roſenberg dem Könige eine beßre Zu. weigung abzugewinnen ; er negocirte dienſtfertiger wor

åber eine dem Könige zugeſagte Geldøůlfe,

mit die Stadt bisher noch Unſtand gemacht hatte ;

1 er fuchte mit kluger Mäßigung die Erecutionster mine aufzuhalten ;, er inſinuirte mit Behutſamkeit den Nachtheil der Eingriffe ins Obrigkeitliche Wahl. recht, und brachte es durch unablåßige Vorſtellun gen ſo weit , daß die in Polen angehaltenen Herren 20 Oct iþres Arreſts entledigt und nach Warſchau gerufen wurden , wo ſie zum Handfuß gelangten und eine Verſicherung der Königlichen Gnade erhielten. Sie bekamen auch bald darauf die Erlaubniß nach Dan. zig zurück zu gehen , und nacıdem Der Rathsherr Roſenberg mit der Gemalin des Burgermeiſter . Kleefeld die Reiſe vorher angetreten hatte , fo 2 Deer

3 brachen die übrigen Herren einige Tage ſpåter auf, und langten glücklich in Danzig an , nachdem fie die aus von einer Deputation aller Ordnungen , dem Rathsherrn Roſenberg, dem Schöppe Con rad , und vier Quartiermeiſtern beſtand , mit ei nem Aufzuge von 160 Pferden ebrenvoll waren 17 Dec In ihrem Königlichen Dimiſ eingeholt worden .

fionspatent , ſo nachher auf dem Rathhauſe öffent. lich geleſen ward , wurden gedachte vier Herren

Danzigs Geſchichte.

196

von allen ihnen zur Laſt gelegten Staatsverbrechent und Vergehungen frey und fuldlos erkannt, hiee nådiſt aber wurde (wie ſchon nach der erſten Dan. ziger Miſſion befoloſſen geweſen ) die Friedewaldo ſche Schmåhſchrift gegen die Stadt und ihre Pere ſonen insbeſondre , für ſchåndlich und ehrenrührig, und mit vorbehaltener Strafe gegen den Urheber derſelben , Flåret.

für kraftlos ,

ungültig und nichtig er

unfehlbar wäre die Zufriedenheit in der Stade über dieſe

günſtige

Veränderung der

Umſtände

großer geweſen , wenn nicht eben jego die verdåch tige Geldſchuld des Burggrafen Zimmermann , und überhaupt die låſtigen Schulden ,

ſo man ben

Aufnahme der Stadtcaſſen befand, hienåchſt aber. die ſchweren Ausgaben zur Seerüſtung, und die Aufbringung neuer Capitalien , den Rath mit den übrigen Ordnungen und den Gewerfen , in Ver . legenheiten und zwiſtvolle Geſchäfte verwickelt Håt ten . i

Hiezu kam noch , daß mit Anfang des neuen

1971. Jahres , von den Commiſſarien eine umſtåndlice Anwerbung wiederholt wurde , der Conſtitutionen zu bequemen. Referendarius

Czarnkowski

fich zur Annahme Ein Königlicher war neuerlich der

Commiſſion deshalb zur Hülfe geſchickt worden , welche nun in ihren Forderungen ſchon ſo weit nach ließ , daß die Stadt nur diejenigen Artikel anneh . men ſollte,

die ſie nicht mit ihren Privilegien in

Widerſpruch zu ſeyn glaubte.

Der Beſchluß der

Rathſchläge aber fiel dahin aus , daß die Conſtitu tionen den Commiſſarien nochmals mit Proteſt zu =

;

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

197

růd gegeben werden ſollten ,

dieweil man in fich

felbſt damit beſchäftigt war ,

würklich auch ſchon

zum Theil einen Ausſchuß dazu ernannt þatte , um im Juſtiz. Finanz . und Policeyweſen der Stadt, eine durchgångige Verbeſſerung zum Stande zu bringen , die mit den Grundgefeßen, Statuten und Privilegien vollkommen übereinſtimmen ſollte. Man gab daben in der Erklärung an die Commiſſarien ſehr deutlich zu verſtehen , daß nur ſeit ihrer An. funft, die Stadt in einen zerrůtteten Zuſtand gee rathen ſey , daß die Ordnungen untereinander mis. Hellig gemorden ,

die Seeräuber in ihrem Muth.

willen geſtårket,

ſchlechte und auffäßige Bürger

geſchüßet, in die Rechte der Obrigkeit Eingriffe geſchehen, der Vergleich des Raths mit den Brau auch die Gewerke

ern ohne Urſache aufgehoben ,

r widerrechtlich aufgeboten ,

und dieſe nebſt andern

von der gemeinen Bürgerſchaft , zu Endesleiſtun . gen eigenmächtig waren gezwungen worden . Man ſtugte ſich endlich auf die urſprüngliche Gerechte fame der Stadt , ſich eigne Wilführen zu ſeßen , und die Ordnungen hielten feſt darauf,

daß ,

ro

gerne der Rath eine gelindere Inſinuation pavon machen wollte ,

alle dieſe Wahrheiten den Com.

miſſarien frey heraus und ohne fimſtliche Einflei. dung geſagt werden mußten.

Die erſte Folge das

von war , daß der Caſtellan Koſtka und der Abt von der Dlive mit großem Zorn und Verdruß plok. Mit den beyden zu . 16 Febr, lich von Danzig abzogen , růckgebliebenen Commiſſarien kam es zwar noch zu gåtlichen Conferenzen , e $ rebien auc , N 3

als ob

198

Danzigs Geſchichte.

man iþrer Empfehlung nåher treten würde , durch Niederſchlagung der Geldvorſchüſſe , fo die Stade vom Könige zu fordern hårte , ſich der ſo genann ten Conſtitutionen ganz zu entfdlagen : weil aber die Meinungen in den Danziger Regierungscoller gien immer gar zu getheilt blieben , und man ficky

be weber mit den erſchöpften Caſſen ausbelfen konnte,

C

noch einen andern Vorſlag eingehen wollte, ficky den Conſtitutionen nur in einigen ſpeciellen Arti keln zu unterwerfen, ſo konnte in der ganzen Sache kein näherer Vergleich abgemadyt

werden .

Es

vermehrte die Schwierigkeiten nicht wenig , daß zu derſelben Zeit ein neuer Burggraf beendigt werden ſollte , den auch der Woywod ſeinem Auftrage ger

ME mås ,

in Eyd zu neğmen bereit war , aber niche

anders als naç der abgeånderten

Endesformel,

und mit den Ceremonien die der Inhalt der Cons Da nun der Rath ſtitutionen mit ſich braďte. und die Ordnungen hierin nicht einwilligen woll ten ,

ſo zerſchlug fich nicht nur dieſes Geſchäfte,

ſondern es wurde auch mit allen übrigen

Unter

handlungen zu feiner Ubånderung des vorigen Ents Dagegen aber , als die Com . fchluſſes gebracht. miffarien wegen ihrer ſchon beſchloſſenen Abreiſe , 10 Márt auf eine endliche Reſolution eine große Deputation an

antrugen ,

fo ward

dieſelben abgefertiget,

welcher der ganze Rath , fämmtliche Gerichtshers ren , alle Quartiermeiſter und die Elterleute von den Gewerken benwohnten .

Der Bürgermeiſter

Proite als Präſident hielt eine kurze Anrede, und bat ,

das eộrfurchtsvolle Kemonſtrationsſchreiben

4

1

Dritter Abſchnitt. Siebentes Capitel. an den König leſen zu laſſen ,

199

worin rowol der

wahre Sinn der Placationspuncte erläutert , als auch die erheblichſten Gründe zur gånzlichen Ab. fage der Conſtitutionen auseinandergeſekt waren, Die Antwort der Commiſſarien darauf enthielt men niger Vorwürfe als ein Bedauren wegen des fruchte loſen Ausganges iþrer Geſchäfte ;

dod ließ der Ries

ferendarius etliche Worte fallen , als ob er die gut geſinnte Bürgerſchaft durch einige anders denkende Anführer getauſcht zu feyn glaubte.

Solches gab

die Veranlaſſung , daß der Burgermeiſter vor feie nem Ubſchiede , die anweſenden Deputirten insges ſammt aufrief, fich ihrer Einſtimmung wegen pers ſönlich zu erklären , und darauf erfolgte von allen ein einhelliges Bekenntniß , daß nicht einige unter ihnen , ſondern ſie alle einſtimmig die vom Rath angezeigte Willensmeinung beſchloſſen fåtten. Die Commiffarien waren hiemit zufrieden , fie verſpra. den , der Stadt Freunde zu bleiben , und nahmen in wenigen Tagen , Rüdweg,

einer nach dem andern ihrem

200

Danzigs Geſchichter Achtes Capitel.

88 Danzig'wird von Dänemark in Seeſchaden geſekt nig Sigismund Auguſt geht mit Tode ab . -- Defren Wohlthätigkeit gegen fromme Stiftungen in Danzig und Danzig bat gute Privilegten von ihm erlangt nügliche Bauten unter ſeiner Regierung vollbracht Nachtheilige Kirchenhåndel - und Religionszwiſte unter den lutheriſchen Predigern in Danzig.

Danzig þatte måþrend der rohweren Commiſſions. þåndel , weldje den innern Zuſtand der Stadt in einer müſſeligen Lage erhielten ,

wenigſtens von

auſſen die Hofnung geſchöpfet , daß durch die Frie. densunterhandlungen mit Schweden ,

und durch

die geſchårften Befehle an die Polniſchen Freybeus ter ,

eine ſichere Schiffahrt zur

Fortſegung des

Seehandels wieder gergeſtellt werden würde.

Da .

gegen war der König von Dänemark zu wenig über, geugt ,

daß die Danziger Auslieger an allen Be.

fæådigungen auf dem Meere unſchuldig waren , und er ſchien die Seefahrer dieſer Stadt faſt durch . gehends für ſeine Feinde zu falten. tung der Hanſeſtadte,

Die Vertres

an die ſich Danzig öfters

pierin gewandt þatte , ſchien auch nicht mehr den vormaligen Eindruck zu machen ,

und Friedrich

der Zweyte regte eine gegründete Urſache Rache zu nehmen , in der angeblichen Gewißheit, daß ſo lange der Krieg gewährt hatte, Danziger Schiffe den Schweden Proviant ,

Salz und andre Bee

dürfniſſe zugeführt gåtten .

Hiedurch verlor Dan.

nig wider alles Vermuthen ſeine drey Kriegsſchiffe und die Pinke , welche gegen die Rußiſchen Caper

Dritter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

201

Heuerlich waren ausgerüſtet worden ; eine Däniſche Escadre bemachtigte ſich derſelben bey Bornholm , und weder die inſtåndigen Vorſtellungen der Stadt, noch die Fürſchreiben des Königs von Polen würke ten die Loslaſſung derſelben aus .

Man regte noche

alles Vertrauen auf die bevorſtehende Friedensver ſammlung zu Stettin ,

welche im I. 1570 den

įten Jul. eröfnet wurde :

Danzig ſchickte einen

Abgeſandten dahin ab , und der König von Polen ließ durch ſeine Geſandten , die Danziger Fordea rung mit großem Eyfer unterſtüßen.

Sie ward

auch durch die Kayſerlichen und Churfürſtlich Sách . after als Friedensvermittler derge. ficken Bothſ ftalt eingeleitet, daß ein eigener Artikel dem Rs. nige von Dänemark deswegen vorgeleget, und mit den Däniſchen Miniſtern Konferenzen darüber gee Halten wurden ;

allein ſie blieb nachber unausges

macht, und die Verzögerung derſelben ſchien min deſtens nicht wichtig genug , um das ganze Fries densgeſchäfte deshalb růckgängig zu machen .

In

der Folge iſt dieſe Sache zwar auf Empfelung ' des Polniſchen Hofes der Vermittelung der Churfúra ften von Brandenburg und Sachſen überlaſſen ges blieben ; allein der Tod Königs Sigismund, und andre

dazwiſchen

getretene

noch weiter verlängert,

Umſtånde haben ſie

und Danzig hat ſich zus

leßt um aller Störung der Schiffaþrt im Sunde überhoben zu ſeyn, mit dem Könige von Dänemark geeiniget, die genommenen Schiffe und Güter mit Erlegung einer Summe Geldes in feßen.

Freyheit zu

Ueberhaupt müſſen in dieſen unglücklichen NS

!

Danzigs Geſchichte.

202

Zeitläuften , die Kräfte Danzigs im Navigations weſen ,

ausne mend feyn in Abnahme gerathen ;

denn man findet, daß die Stadt ſich in einer Vor. ſtellung an den König von Polen betlagt bat, von þundert und funfzig Schiffen die zuvor bey derſele ben geweſen , kaum den vierten Theil davon übrig behalten zu haben ; wie denn auch in dieſen nahre loſen und friegeriſchen Zeiten ,

kein Privatbürger

mehr Muth gehabt þat , neue Schiffe zu bauen , oder dieſelben auswårtig an ſich zu kaufen . Die aufgehobene Separatfrenheit der Proving Preuſſen verminderte in der That alle Hofnungen , des ehemaligen Wolſtandes wieder theilhaftig zu werden.

Danzig rahe mit dem ganzen Lande den

Folgen der Einſdyrånfung entgegen ,

womit die

mißgünſtige Politik der Polniſchen Nation ,

die

Commerzvortheile der Preuſſiſchen Städte , ſchon geſchwächt hatte ,

und noch tåglich mehrere Ein .

griffe darin zu machen drohete.

Es wurde zwar

unter dieſer Regierung jede Gelegenheit von den Preußiſchen Stånden ergriffen ,

die Wiederher.

ſtellung ihrer verlornen Vorrechte rege zu machen ; die rührende Anrede eines Preußiſchen Unterkåm. 1592.

merers in der Polniſcheu Landbotenſtube, that auch einſt auf dem Reichstage eine ſo gute Würfung, daß ein Landbote aus Cujavien es offentlich Tyranniſch erklärte ,

für

die Privilegien der Preuſi

fchen Einfaſſen geſchmålert zu haben ; allein unter dem Getümmel der großern Gegenparthen ver . ſchwand alle Beherzigung der Vorſtellungen , die man noch ferner auf eine ſo gute Grundlage du

Dritter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

203

Es blieb demnach nur ben

bauen bemiht war.

einigen zweifelhaft gemachten Vertröſtungen , und noch auf demſelben Warſchauer Reichstage wurde ein Erecutionsdecret gegen die großen Städte in Preuſſen , zur Erlegung der zu Lublin beſtandenen Der König erlebte Contribution verlautbaret. nicht lange den weiteren Erfolg der unter ihm voll. brachten Staatsveränderung , denn er ſtarb auf an einer Entfråf. ſeinem Luftſchloß zu Kniſpin , tung, im zwey und funfzigſten Jahre ſeines Lebens. Wenige Monate vorher war die Königin reine drit te Gemahlin geſtorben , mit der er in einer eben fo mißvergnügten als unfruchtbaren Ehe gelebt hatte ; und mit ihm erloſch zugleich die månnliche Linie des Jagelloniſchen Hauſes . Wenn man die Staatsbedrůdungen ausnimme, welche Danzig unter dieſem Könige hat ausſtehen müſſen , ſo iſt ſein Andenken Hieſelbſt durch unter fchiedene gute Werke , und durch Begünſtigungen verewigt worden , die er insbeſondre einigen from men Stiftungen þat zuflieſſen laſſen . niß davon

Ein Zeuge

geben die beyden Kirchen und damit

combinirte Hoſpitåler zum beil. Geiſt und St. Eli fabeth , deren erſteres

ſeine Handfefte und Ver.

leyhung an den Rath zu Danzig , 1382

unter dem

Hochmeiſter

ſchon vom I Winrich

von

Kniprode berſchreibet, lekteres aber im J. 1394 ( der Elenden Hof genannt,) neben der Ordenska. pelle oder Kirche zu St. Eliſabeth , vom Hocmei. fter Conrad von Jungingen iſt geſtiftet worden , und worüber dem Compthur zu Danzig die apo

7 Jula

204

Danzigs Gefchichte.

fchließliche Verwaltung

und Obervormündroaft

verließen geweſen , welche aber nach aufgehobener Ordensherrſchaft,

vom

Könige Kaſimir an den

Rath der Stadt übertragen iſt.

Dieſen beyden

Hoſpitalskirchen þat Rönig Sigismund Auguſt nicht nur alle Rechte, Beſikungen und Prårogatis ven , durch Erneuerung ihrer Privilegien beſtåtie get , ſondern auch die Entledigung ihrer Landgů : ter von Auflagen und Contributionen ; gegen alle. Anfechtungen mit neuen Freyheitsbriefen geſichert, Eben ſo wolthätig hat er ſich gegen das kurz nach dem Antritt feiner Regierung gleichſam durch eine neue Stiftung wiederhergeſtellte Wayſenhaus in Danzig erwieſen.

Wir finden zwar aus den ålde:

ſten Zeiten her , unverkennbare Spuren , daß ein åhnliches Inſtitut zar Aufnahme und Unterſtübung þúlfbedürftiger Wayſentinder , hier in der Stadt ſey errichtet geweſen , da ſchon unter dem deutſchen Orden ſich vor andern die beyden Hochmeiſter Con rað und Ulrich

von Jungingen durch milde

Stiftungen darum verdient gemacht gaben ; aber wenn auc dos Andenken derſelben ſich noch in den Ueberbleibfeln einiger wolthårigen Dotationen ers hålt, ſo iſt daſſelbe doch durch die Zuflüſſe der Groß muth und Menſchenliebe in neuern Zeiten ziemlich berdunkelt worden . Dem Rechtſtådtſchen Rathos herrn und Kämmerer Johann Connert

( oder

Conrath ) gebühret der Nachruým der Wiederaufo bauung des Wayſenhauſes ,

und der erneuerten

Einrichtung deſſelben , woran er , wenn nicht gang auf ſeine Koſten , doch gewiß die freygebigſte und

Dritter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

205 1

tgåtigſte Hand angelegt þat.

Das vorige Gea

båude war im J. 1547 durch ein ausgekommenes Feuer bis auf den Grund abgebrannt, und im J. 1549 iſt der Bau des neuen ſchon bis zum dien . lichen Gebrauch

fertig geweſen ,

außer daß vier

und achtzig Jahre ſpäter , aus den milden Gaben einiger Privatperſonen die Hofmauer um daſſelbe iſt aufgeführt worden .

In den Jahren 1551 und

1552 hat dieſes Wayſenhaus vier Königliche Prie vilegien erhalten , wodurch daſſelbe von allen Aufe lagen und bürgerlichen Beſchwerden befrenet , und aller Vorrechte frommer Stiftungen theilhaftig geo macht, gewiſſe Vergleiche deſſelben über Holzlie ferungen aus den Oliviſchen Wäldern beſtätiger, die Theilnahme an den Strafgeldern aus den Obrige Feitlichen Aemtern , zur Verpflegung der Wayſen Finder ihin zuerkannt, und Vortheile

und noch mehrere Rechte

angewieſen ,

ferner auch dieſem Hauſe das ausdrückliche Freyheitsrecht iſt ertheilt worden , daß alle darin aufgenommene uneheliche Kinder legitimiret , und gleich den ehelichy gebohr nen in alle Zünfte , Gilden und Gemerke einzutres ten befugt ſeyn ſollen , wie ſolches das Privilegium vom J. 1552 am Mondtage nach St. Bartholo mài gegeben ,

ben einer naşmhaften Strafe von

200 Ungriſchen Ducaten beſtimmet .

Nachdem

auch im Jahr 1563 der Grund zu der gewölbten Riedewand w ) über den Stadtgraben gelegt wor w) Dieſes gemauerte Gewölbe iſt im I. 1636 nachdem es leck und baufäuig geweſen , abgebrochen, und eine andre Ries dewand von ſtarkem Holze geſekt worden , welches man auch in den ſpåterhin erfolgten Reparationen bis auf ges genwärtige Zeit beybebalten bat

1

te Danzigs Geſchich .

206

den , wodurch der für Danzig höchſt nůßliche Ra . daune Fluß ſeinen angewieſenen Lauf in die Alte Stadt bekommet , die große Mühle daſelbſt trei bet, und ſich nach er in die Motlau ergieffet ; ro þat Danzig , als dieſe Hrbeit im J. 1567 vollens bet geweſen , ten ,

ein Königliches Privilegium erhal.

daß weder das Cartheuſerkloſter Marienparas

dies , 3 ) noch ſonſt einige långſt gedachtem Fluſſe anwohnende Einſaſſen , den Lauf deſſelben zu hem . men , oder anders wohin abzuleiten, unter irgend einem Vorwande rich anmaſſen ſollen .

Noch meh.

rere Privilegien haben theils die Danziger Dorf ſchaften , theils auch die Stadt felbſt, zur genaues ren Beſtimmung des

gerichtlichen Appellations

rechtes, imgleichen über die Einſchránkung der König ( ichen Geleitsbriefe, und für andre wichtige Gegen. ſtånde erýalten .

Auch den Danziger Gewerken

find unter dieſer Regierung ,

nicht geringe Frey .

Þeiten und Beſtåtigungen ihrer Rechte ertheilt wor * ) Die Carthauſe vier ONeilen von Danzig entfernet , iſt im I. 1382 von einem Edelmann , Johann Ruſchniß geftiftet, und urſprünglich mit drey Dörfern Colpint , Djemlin und Gedingen dotirt worden ; hingegen hat die Stirche daſelbft ein , reicher Birger aus Danzig , Johann Chiergårt , auf ſeine Stoften erbauen laſſen. Etwa eine Meile oberhalb dies ſem Skloſter entſpringt aus einem Landſee die Radaune, und Flieffet ihrem natürlichen Lauf nach in die Motlau. Ben dem Danziger Dorfe Prauft aber wird die Radaune ver: mittelft einer Schleuſe getheilet , und ein Theil behålt fein natürliches Bett unter dem Namen der alten Radaune, der andre Theil aber heiſſet die neue Radaune wegen des neu gegrabenen Canals durch Alt Schottland, von wo fie in die Danziger Alte Stadt geführt iſt, und fich fodenu mit der Rotlau vereiniget.

Dritter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

207

den , worunter aber diejenigen Privilegien wol zu unterſcheiden ſind , welche König Stephan , weil ſie in den unrußigen Zeiten erſchlichen

geweſen ,

ſpåter hin für ungültig und kraftlos erklärt hat. Außer den oben gedachten im Walli und Feſtung 86 bau verbeſſerten oder neu aufgeführten Werken , þat Danzig in nigs ,

den Regierungsjahren dieſes Kids

auch auf andere öffentliche Gebäude , theils

aus Nothwendigkeit, und zum Nugen der Stadt, theils zur Verſchönerung derſelben , nicht geringe Koſten verwendet.

Als im

J. 1556 die Spiße

des Rechtſtådtſchen Rachhauſes welche aus fünf neben einander errichteten Thürmen beſtanden þats te, durch ein bey den Sparren des Uhrwerks aus . gekommenes Feuer faſt gånzlich abgebrannt war, y ) ſo iſt drey Jahre darauf zur Yuffeßung des neuen Thurms in ſeiner jeßigen Geſtalt , der Anfang geo maçt worden .

Im J. 1560 hat man die erſte

große Glocke zur Schlaguþr aufs Rathbaus ges bracht, aber erſt im folgenden Jahre iſt die Arbeit mit Aufbringung der Zeigerſcheiben , der Glocken zum Singewerk und aller übrigen Verzierungen , wie auch Curicke ſolches bezeuget, fertig gewor . den .

Wenige Jahre ſpåter ,

iſt nachdem

ſchon

vorher die abgebrochene Roggenbrücke mit Einram , mung friſcher Pfåle , durchaus von neuen verfere tiget geweſen , das daneben liegende Thor in Ar. 9) Dieſe Nachricht des damaligen Zeichenverwalters berita Walgebäude Auguftin Willenbrock halte ich für richtigere als die welche Curicke aus dem Sönigsbergſchen Handbüch's lein genommen hat

Danzigs Geſchichte.

208

beit genommen worden . ein

Man hat auf demſelben

feſtes und zierliches Gebäude errichtet ,

das

dreifache Thor felbft aber von unten auf durchweg mit einem ſtarten Gewölbe verſehen , auch auf eie ner Seite die große Waage zum öffentlichen Ges

@ brauch hieſelbſt angeleget ;

und alles dieſes iſt im J. 1568 gerade gegen die Zeit im Stande gemee fen , da die Polniſchen Commiſſarien in die.Stade gekommen ſind , und auf dieſes neue Thorgebäude, nachher zur Königlichen Wohnung einen Antrag Im J. 1563 hat Danzig , um

gemacht haben.

in dieſen unruhigen Zeiten am Seehafen eine beſs ſere Schußwehr zu baben , das Haus bey der fo vorher nur von Holz erbauet

Weichfelmünde , geweſen , von

Ziegelſteinen aufführen und mit eie

ner ſtarken zehn Ellen diden Mauer verſichern laſ Wir wollen nicht mehrerer Bauarbeiten er . ſen . wähnen , welche theils an Thören , und Brücken , zu theils auch an andern öffentlichen Plågen , geſchweigen an Kirchen , und Schulengebäuden , in Es dieſer Zeit haben beſorgt werden müſſen. machet unſrer Stadt Ebre genug ,

dem

Druck

kummervollen Zeiten nie dergeſtalt untergelegen zu haben ,

daß nicht alles was Sicherheit ,

Nußen

und Wolſtand derſelben erforderlich machten , da. bey Kåtte geleiſtet und zur Ausführung gebrache werden können . In einer gefrånkten Lage finden wir dagegen das Kirchenweſen in Danzig , ob gleich man gåtte vermuthen follen ,

dach nach der glücklich empore

gebrachten Kirchenreformation , Ruhe und Ein . trace

Dritter Abſchnitt.

Achtes Capitel. 209

tracht die Gemütßer der Evangelifølgeſinnten Res ligionsverwandten hier würden beſeliget Şaben . Der Unfrieden der Römiſch · Catholiſchen Glaubensgea noſſen , fonnte würklich gegen die überwiegende Menge der Lutheraner nicht mehr fråftig genug auftommen ; aber die evangeliſchen Prediger ſelbſt fingen liebloſe Gezånke untereinander an , welche dann, fo zweydeutig und råthſelhaft auď die Ger genſtände derſelben geweſen , dem fchiefen Urtheil der Bürgerſchaft, oder der Layen überhaupt, nicht gånzlich

entgingen ,

foudern vielmehr Factionen

und Sectirereyen unter ihnen verurſachet haben . Perſoneller Neid zwiſchen zweyen Predigern an der St. Johanneskirche, unter denen der Pfarrer oder Paſtor D. Samuel Gebel, weniger Beyfall gats te als der Vesperprediger Johann Huking , bat den erſten Grund zu einem um ſich greifenden Zwiſte geleget,

der durch die dfters erfolgten Amtsver.

wechſelungen unter den Geiſtlichen , vornemlich iſt fortgepflanzt worden.

D. Gebel brachte es mit

ben groben Angriffen ſeines Collegen und durch of fentlich auf der Kanzel ausgeſtoffene Injurien ges gen die Kirchenvorſteber, im J. 1560 ſo weit, daß er abgefekt wurde , , und die Stadt råument ſollte. Er fand aber unter den übrigen Predigern in Danzig, drey eifrige Vertheidiger, die ihm nicht nur auf der Kanzel das Wort redeten , und den Prediger Huging dafür ſchmåheten, ſondern auch Entſcheidungsurtheil des Magiſtrats aus drücklich oder verblümt in iþren Predigten angrif das

fen .

Sie zogen ſich dadurch insgeſammt den Verá

Geſch. Danz, ater Th .

Danzigs Geſchichte:

210

luft ihrer Aemter zu , und fie mußren ,

gleich wie

der D. Gebel , alle drey , nemlid Franz Burch hard , Benedict Morgenſtern , und Heinrich Saalfeld , bey Sonnenſchein aus der Stadt gies þen .

Man berief andere Prediger an deren Stelle

aus Wittenberg , doch wurden zwey von jenen in Thoru angenommen ,

die der Kirche in Danzig

noch manchen Schaden gethan haben .

Indeſſen

fchien auch unter den neuen Predigern, M. Johann Weidner zu St. Marien ,

in ſeinem Vortrage

von dem Sinn der evangeliſchen Lehre abzuweichen , Er wiederrief zwar freywillig einen irrig vorgetrae genen Sak von der Nothwendigkeit guter Werke zur Seligkeit , und die Ruhe ſchien wieder herges ſtellt zu ſeyn ; allein bald darauffam es durch zwey fremde Gaſtprediger , zu neuen Streitigkeiten uns ter

Erhard

mehreren Geiſtlichen in Danzig .

Sperber und Veit

Neuber , welche ſchon in

Königsberg mit einander gezankt hatten , dort im I. 1561 abgeſekt worden ,

waren

und kamen

beyde hieher, als ob ſie abſichtlich hier ihren Streit fortſeken wollten . Neuber, den fein Gegner des Calvinismus beſchuldigte , ward von einem þieſta gen Doctor der Rechte Jacob von Barten , dex Herren des Raths inſtändigſt empfolen , und ihm darauf die Betretung der Kanzel verſtattet ; Kaplan Kender

Sperber aber erhielt

wegen

der

bevorſte

ſeiner Ehegattin eine frene und erbot ſich dafür , Wochen- und

Entbindung

Herberge ,

Mittagspredigten dem Geſinde zu halten , obgleich ſeine Feinde ihn für einen Anhänger des Papſta

Dritter Abſchnitt. Achtes Capitel.

2IT

tõums hielten . Doch wurden bende bald darauf, weil ſie einander årgerliche Vorwürfe in der Lehre vom Abendmahl, und wegen der Adminiſtration deſſelben gemacht hatten , zu einem freyen Bea kenntniß beym Rath vorgefordert, und þiebey er. hielt M. Neuber den Vorzug ,

daß er zu einem

ordentlichen Prediger an der Pfarrfirche zu St. Marien angeſtellt wurde: Sperber trieb nun aus Verdruß ſeine Verleumdungen noch weiter, er ver lor aber darüber ſeine Verpflegung in der Stadt, und mußte fortzießen , doch gab man ihm die Ers laubniß , fich durcy auswärts aufgebrachte Zeug . niſſe wider ſeinen Gegner rechtfertigen zu können . Er hat nachber wirklich einige Zeugniſſe gegen den M. Neuber zuſammen getrieben , þat auch durch Fürſprecher und durch Briefe an den Rath zu Dana zig , um ein freyes Geleit angehalten , und ein fo genanntes Vermahnungsbüchlein an denſelben bey. gelegt , auch zulegt eine gedruckte Apologie für ſich eingeſchidet.

Weil aber fein Vermaßnungsbüche« Tein eine Schrift voll bitterer Indectiven geweſen ,

man auch der Predigerhåndel in Danzig ſchon gea nug hatte , ſo iſt ihm die Rückkehr

beharrlich ver

weigert geblieben . Indeſſen iſt M. Neuber das bey der Verfolgungen auch nicht überhoben gewes fen , und der Sperberſube Anhang in der Stadt, hat ſeine Ruhe ſo ſehr geſtoret , daß er zulegt im J. 1563 den Entſchluß gefaßt þat, von ſeinem Amte abzudanken und Danzig gar zu verlaſſen. Die erheblichſte Folge der Kirchenzwiſte, wele ge durch Veranlaſſung dieſer beyden Månner in

/

212

Danzigs Geſchichte.

Danzig entſtanden waren , und worin insbeſonbre die Streitfrage von der Eigenſchaft der Ueberbleib. Fel des Brodes und eins nach dem Gebrauch des Abendmahls , weitläuftig ventilirt wurde , f. 1562 die übfaſſung der

if im

Danziger Notel,

wie ſie genannt wird, geweſen .

Dieſe iſt eigentlich

eine einſtimmige Erklärung , ( und wird dager aude Formula concordiae oder Formula conſenfionis gen nannt ) über dreyzehn das Sacrament des Abende mahls betreffende Religionsartikel, wozu ſich alle evangeliſche Prediger , die in Danzig ein Predigera amt verwalten wollen , freywillig bekennen , und dieſelbe eigenhändig unterzeichnen müſſen . Die Verfertigung derſelben wird dem obgedachten D. von Barten zugeſchrieben ,

welcher zugleich ein

gelehrter Theolog geweſen ſeyn ſoll.

Allein ihrer

friedlichen Abſicht ungeachtet, iſt dieſe Notel nicht ſowol in Danzig , als vielmehr durch auswårts gee fållte Urtheile , gleich anfangs einer ſtreitvollen Cenſür unterworfen worden.

Benedict Morgen

ſtern zu Thorn fand hierin eine Gelegenheit, ſeine Rache gegen Danzig auslaſſen zu können ; er ſuchte einige Danziger Prediger durch Briefe gegen die Nos tel aufzuheben , und wandte ſich an auswärtige Thed. logen , ihm ſelbſt zur Anfechtung derſelben behůlf lich zu ſeyn.

34 gleicher Zeit wurde die gedructe

Sperberſche Apologie ins Publicum gebracht, und dieſes alles hatte den böſen Erfolg , daß die Dana siger Bürger gegen ihre Previger mißtrauiſd wur. den , und untereinander in Zwietracht geriethen . Der Rath zu Danzig ließ fierauf bey den Theolos

!

Dritter Abſchnitt. Achtes Capitel.

213 )

giſchen Facultåten zu Wittenberg und Roſtod, um eine frene Beurtheilung der Notel anſuchen ; von Roſtock aber wurde die Antwort durc Morgen: ſterns Rånke zurückgebalten, dagegen erfolgte von Wittenberg ein Reſponſum , welches die Nocel ap .. probitte , worauf der ' Rath dieſelbe aufs neue beo ſtåtigte , und den Befehl beyfügte , daß alle Prer diger , welche dieſelbe nicht unterzeichnen wollten , fick ihres Amts und des Aufenthalts in der Stadt zu begeben hätten .

Inzwiſchen vermeþrten einige

fremde Særiften die Unſicherheit der Meirungen in Danzig.

Das Buch des berühmten Matthias

Flacius vom þeil. Abendmahl ,

welches er der

Stadt Danzig debicire Hatte , ' imgleichen die Cen . ſur der Notel vom Wismarſchen Superintendenten D.Wigand, machten die Bårgerſchaft von neuem irre.

Hiezu kam noch , daß aus Thorn der Predia

ger F. Burchard rich in Danzig einfand , um mig dem M. Weidner mündlich zu ſtreiten , und ob, gleich erſterer fich nachher wider Vermutben zum Frieden bequemte ,

fo trat doch bald ein anderer

Prediger Chriſtoph Celler, oder Frank genannt, ( weil er aus dem Frankenlande gebürtig war ) an der Pfarrkirche öffentlich auf, und feste fich der Notel und allen ihren Verthendigern

entgegen .

Dergeſtalt gaben dieſe Feindſeligen Sacramentſtrei. tigkeiten den Einwohnern der Stadt noch viel Ner gerniß , und ſie mußten um ſo viel ſtråflicher anges ſehen werden, weil darunter die Zuſprüche der Prex diger verloren , deren man bey den ſchrecklidyen Peſta Frankbeiten damaliger Zeit , wol ohne Kader und 93

.

Danzigs Geſchichte .

214 und

Mißtrauen , fue criſtlichen

Erbauung, bears

> durfte. Die Wachſamkeit des Raths unterließ bieber nicht,

dem

erſten Paſtor an der Pfarrkirce, D.

Johann Kittel, ausdrücklich den Auftrag zu ma chen , daß er die ſtreitenden Parthenen zu vereinia. gen

bemühet"ſeyn ſollte ;

allein

Morgenſternt

würfte auf ſeine Anhänger in Danzig zur Forta ſegung der Håndel , er gab auch ſeine långſt vere, ſprochene Wiederlegung der

Notel heraus ,

und

ſteifte mit Verläumdungen und falſchen Berichten , die vercảchtigen Urtheile , welche ſich ſchon von den

.

Danziger Sacramentlehrern genugſam verbreitet hatten .

Die gutgeſinnten

Prediger in Danzig

fanden nunmehr für ndrþig ,

eine ausführliche

Squgſdrift der Notel im Druck ausgehen zu taſ ſen , welches auch im J. 1567 nebſt einer genauen Erzählung ihrer bisherigen Streitigkeiten geſchehn iſt; und dieſe Apologie hat mindeſtens den öffent. licen Diſpüten über die Sacramentslebre hieſelbſt ein Ende gemacht, ſie iſt von fåmmtlichen Predi. gern in Danzig unterzeichnet worden ,

Morgen

ſtern hat auch nichts öffentlich dagegen geſchrieben , ſein Anſeben iſt hier ſowol als ſelbſt in Thorn , ims mer mehr herabgeſunken , und mit ihm ſind auch die Namen ſeiner Anhänger größtentheils verdun . felt worden. Dieſemnade þátte Danzig vielleicht noch låne ger einer ungeſtörten Ruhe in Kirchenſachen genoſ» ſen , wenn nicht zwen Jahre darauf ein anderer Gegenſtand wäre auf die Bahn gebracht worden ,

Dritter Abſchnitt. Achtes Capitel.

215

worin die Prediger die Ungleichheit ihrer Meinun . gen , wiederum durch einen feindſeligen Wortſtreit ausfechten wollten . Die Ausbannung des Teufels beym Taufactus, oder der Erorcismus'war eigenta, lich der Kreuſel,

womit man fick etliche

Jahre

! tang , erſt heimlich und bald auch öffentlich þerum jagte, bis ferner durch einen intoleranten Parthene geiſt , noch mehrere Sciſſionen im Religionsweſen fich hinzu geſelle haben .

Zwey Prediger an der

Bartholomaikirche eröffneten dazu im 3. 1569 den Kampfplag. Der Paſtor Gregorius Schůz ver theidigte den Erorcismus , ſein Caplan zingegen Nahmens Johann Krosling, regte ſich demſelben , Dennoch famen die puſilli Chriſti,

eifrig entgegen.

wie ſich die Schüßiſchen Anhänger anfangs iþrer Heinen Anzahl wegen genannt haben ,

gegen die

großre Menge der Prediger , welche dem Krosling beyfielen , fo ſebr empor, daß faſt in allen Bürger håuſern Danzigs , die Ausbannung des böfen Gei ftes inſtåndigſt verlangt wurde , und nicht Månner allein , ſondern auch das weibliche Geſchlecht, den Bohen Werth des Exorcismus zu behaupten ſich anmaßte.

Der Magiſtrat verſuchte etliche male,

die Prediger und içre Gemeinden über dieſe Materie zum Frieden zu bringen , zulegt aber rahe er ſich genöthiget , den allgemein gewordenen Vorurtheil nachzugeben , und den Gebrauch des Erorcismus bey Verluſt der Aemter in allen Kirchen anzubefeh . len .

Nichtsdeſtoweniger

blieb

die Sache

dem

Streit unterworfen ; einige Prediger machten auch ein ſchriftliches Bedenken gegen den Obrigkeitlichen 24

216

1 Danzigs Geſchichte.

Befehl, man ließ Urtheile von auswärtigen Univer : fitäten abholen, und zur Schonung der Schwachen fomol , zu

als

ſteuren ,

nachgeſehen ,

um

allen fo wurde

ferneren Unordnungen ſtillſchweigend endlicy

wenn ein jeder die Freybeit aus .

übte, den Erorcismus entweder zu brauchen , oder ohne denſelben zu taufen und taufen zu laſſen , 1) bis man denſelben ſpåterhin aus beſſerer Ueberzeu. gung freywillig verlaſſen bat.

Unter mebreren Be.

denken und Vorſtellungen aber , die bey dieſer Ge. legenheit in Religionsfachen ſind gemacht worden , zeichnete ſich der Vorſchlag aus , ſyſtem oder Corpus do & rinae Danzig aufzunehmen .

ein feſtes Lebr

zur Richtſchnur in

Weil nun dafür im Minto

ſterium ſelbſt , verſchiedene Meinungen wegen der ſymboliſchen Bücher bervortraten , weil auch die partþeyiſden Trennungen in der Proteſtantiſchen Kirche, von Zeit zu Zeit mehr Auffommen in Dan. zig erlangten , und vornemlich bey den damaligen Niederländiſden Staats - und Kirchen - Unrufen, viele von dorther geflüchtete reformirte Glaubenss genoſſen , Stadt ſich

1572.

in dieſen Gegenden und im Gebiete der anfäffig machten ;

ſo iſt eben hiemit,

während den Zwiſchenregierungen nach dem Ab. gang des Jagelloniſchen Stammes, der erſte Grund zu den gieſelbſt ausgebrochenen Streitigkeiten zwis fchen der Lutheriſchen und Reformirten Kirche ges legt worden , woven die Geſchichte der folgenden Jahre das merkwürdigſte anzeigen wird . D ) Benedit Morgenſtern hat ſich bey dieſem Streit auch wies Der berworthun wollen . Er kam gus Königsberg 416 Damas :

Dritter Abſchnitt.

Neuntes Capitel.

217

Neuntes. Eapitel. Meue Kenigswahl Danzig hat beſchwerliche Geldge der ſchäfte Vergleich mit der Krone Dånemark Verdacht gegen Danzig veranlaſſet heimliche Kriegsanſtals ten im Lande – und wird durch zufällige Beleidigungen der Franzöfiſchen Geſandtſchaft vermehret - - König Heinrich wird gekronet verläßt aber in kurzem das Reich - Maasregeln in Polen zu einer abermaligen Zwis ſchenregierung Zwieſpaltige Königswahl – Preuſſen ſubmittirt ſich dem Könige Stephan Batori - wogegent Danzig offentlich proteſtiret. Unter der kurzen Regierung des neuen Königs Herzogs von Anjou, Heinrich von Valois , wurde weder die Verfaſſung der Provinz , noch der Zuſtand Danzigs in eine beffre Lage gebracht. Das ganze Wahlgeſchäfte fübrte ſchon Schwierigkeiten mit ſich , die aus den verånderten Staatsverhälte Die Landes. niſſen unausbleiblich entſproſſen. råthe wurden als Kronſenatoren eingeladen ,

und

ein Polniſches Univerſal ſollte in Preuſſen verlaut Dagegen ließ zwar die Provinz ihr baret werden . eignes Landesedict ausgeben , es wurden auch die þieſelbſt üblichen Landtage gehalten, man faßte Ar tikel ab , die dein neuen Könige zur Beſtätigung vorgelegt werden ſollten ,

und man fchien einſtim ,

mig darauf bedacht zu ſeyn , der alten Verfaſſung 37 : Allein auf dem 13 wiederum måchtig zu werden. ge hsta reic Convocations zu Warſchau , beobachte. liger Pfarrherr an der Seneiphdffchen Domkirche nach Dans zig , allein der Burgermeiſter Brandes lies ihm den Weg aus der Stadt weifen , welches von allen Ordnungen.ger billiget wurde. $ >

218

Danzigs Geſchichte.

ten die Preufliſchen Råthe keinen Unterſdied gee gen die Kronſenatoren , fie traten auch der Polnis fchen Eintrachtsconföderation freywillig bey , und $ April dieſer Reichstag ſowol als der Wahlreichstag, wur . den nach Polniſcher Weiſe , von dem Adel perſone lich bezogen , ohne wie ſonſt geſchehen war , Des putirte dazu ernennet zu haben.

Die Wahl er

folgte auf der Ebene bey Warſchau, und die Stim men theilten ſich zwiſchen dem Erzgerzoge Ernſt von Deſterreich ,

und dem franzöſiſchen Herzoge

von Anjou.: erſtern hatten auch die Geſchidten der bren Großen Städte aus Preuſſen einmüthig er . nannt ,

und dieſe traten ihre Rücreiſe an , ohne

den Anwachs der franzöſiſchen Parthey abzuwarten , welche durch den Abfall der Oeſterreichiſchgeſinn. ten in kurzem ſo ſtark wurde, daß der neu gewählte König Heinrich,

nacdem die franzöſiſchen Ger

ſandten den Wahlvertrag in ſeinem

Namen be

t

ſchworen batten , ohne Widerſpruch öffentlich pro . 16 9Ray clamirt werden konnte. Während diefer Zwiſchenregierung

war vor

andern mit der Stadt Danzig über verſchiedene An ſprüche geſtritten worden.

In

der Commiſſions:

fachezwar ſuchte man den Eyfer ihrer Gegner mit Vorſchüßung einer guten Abſicht zu entſchuldigen , es wurde aber auc die Tröſtung hinzugefüget, daß der Biſchof von Cujavien feinen Fegler erkannt Håtte , und überzeugt wäre , gegen das Wohl des Landes und die Rechte der Stådte zu weit geſchrit ten zu ſeyn .

Dagegen wurde es zu einer großen

Klage in den Staatsverſammlungen erhoben , daß

1

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

219

Danzig fich willkührlich angemaßt håtte , den Haa fen zu ſchlieſſen , und ob wol die Stadt das Reche dazu zu

erweiſen nicht nöthig befand ,

ſo wurde

doch die Rechtfertigung iğrer Abgeordneten nur zweifelhaft angenommen , daß die Fahrt zur See nicht wäre geßemmet, ſondern blos wegen der Theurung des Getreydes ,

die Ausfuhr deſſelben Nod

eine Zeitlang verboten geweſen .

großere

Bewegungen veranlaßten die Keldſter , welche Rich für das dem vorigen Könige gemachte Darlehn , als Selbſtſchuldner an Danzig verſchrieben hatten. aa ) Die Stadt hatte dem Könige im J. 1566 eine Verlängerung des Termins zuſtehen müſſen , war aber weder in den verſprochenen Bedingungen , noch durch Abtragung der Schuld befriediget wor . den ; der Tod hatte vollends die Hofnung vereitelt, vom Hofe bezahlet zu werden ,

weshalb Danzig

dem Recht nachging , ſich an die Mitverſicherung Der Abt von der Olive der Kloſter zu Şalten. aber erhob darüber im Namen ſämmtlicher Kidſter eine ſo beſchwerliche Klage , daß die Stände des ganzen Reichs aufgefordert wurden ,

Danzig init

dieſer vermeintlich unbilligen Forderung abzuweis ſen , oder die geiſtlichen Stifter in einer andern Art , von dieſer auf ſie baftenden Schuld zu bes freyen .

Es wurde darauf zwar ,

weil man die

Kidſter deutlich genug verpflichtet befand , von den

1 Landesråthen vermittelt , daß Danzig bis zur Zah. sa ) Dben unter dem J. 1560 ift dieſe Verpflichtung der selbe Her Olive , Carthauſe , Sudau und Serxowicj angezeigt worden

1

220

Danzigs Geſchichte.

lung des Seldes, einige Kloſtergüter in Beſia nega men ſollte,

alein die gedachten Stifter würkten

fic zur Zahlung eine verlängerte Friſt aus ,

und

als der Termin kam , ſo ſchlugen ſie ſich wieder an die Preuffiſchen Råthe und Landboten , welche iño

! men aufs neue Schuß gegen die Danziger verſpra. Qen , feine gewaltſame Beſignehmung auf ihren Låndereyen ſtatt finden zu laſſen .

Wenn Danzig

hingegen in dieſer Zeit zu wiederholten malen der Landesſchuld Unregung machte, die aus dem über. nommenen Vorſchuß an den Herzog Erich von Braunſdweig þerrührte , fo wurde dieſe Materie entweder mit völligem Stillſchweigen ,

oder Goch.

ſtens mit Vertröſtungen auf die Zukunft, aus den Conſultationen der Stände abgewieſen . bb) Auce der Däniſchen Streitſache iſt gier nicht zu vergeſſen , da ſelbige für Danzig zulegt einen koſtſpieligen Äus, gang erreicht hat.

Vergebens war bisher wegen

der weggenommenen Schiffe mit dem Däniſchen Hofe negocirt worden.

Dabey

fatte

die Jagd

der Däniſchen Schiffe auf die Polniſchen Freybeu . ter noch immer fortgewåþret, und weil leßtere ge. gen alle. Befeble des Königs von Polen ſich noch öfters erfühnten , zu beunruhigen ,

die neutrale Fahrt in der See nachher aber wenn ſie verfolge

wurden, im Danziger Hafen Zuflucht zu ſuchen , ſo waren nicht ſelten die Unternehmungen von Däni bb ) Im J. 1574 hat Danzig die Einwilligung einiger Mits hånde erlangt , oft gedachte 12000 Thaler von einer beſtan : denen malBaccife einjubehalten ; es tft aber nach ber nicht baju gekommen .

Dritter Abſchnitt,

Neuntes Capitel.

221

ficher Seite mißlungen , ja wol mit Verluſt und Schaden rückgängig gemacht worden .

Dafür nun

mußten die Danziger Kaufleute die Sicherheit iſ . rer. Handlungsfahrt einbůſſen ,

und

gegen

den

Ausgang des Japres 1572 lagen ſchon 34 Dans siger Kauffardeyſchiffe in Norwegen und im Sunde arreſtiret.

Der König von Dånemark hatte den

unwiederruflichen Vorſaß gefaßt ,

die Erſtattung

des Schadens , den die Polniſchen Caper ſeinen Unterthanen zugefügt hatten , von Danzig ju for dern , and dem dortigen Geſandten der Stadt wurde angedeutet, daß wenn um die Faſtenzeit keine Schadenvergütung erfolgt ſeyn würde , ihre Schiffe und Güter preiß gegeben werden ſollten. Hiero auf entſchloß man ſich zu Danzig , das Vertrags geſchäfte mit Gelderbietungen zu erneuern ; man verſäumte dabey nicht, den Preuſſiſchen Landesrath um Beyſtand zu erſuchen ; weil aber, wie gewohn . lich nur leere Fürſchreiben in dieſer Sache beliebt wurden , ſo mußte Danzig tņåtiger bedacht ſeyn , mit Befriedigung des Däniſchen Hofes die Gefahr eines nocy großern Verluſts von fich abzuwenden . Es wurden demnach zwey Herren des Raths nach Kopenhagen gefandt, um den endlichen Vergleich , ſo gut als möglich zum Stande zu bringen.

Die 1573 fer wurde auch bald darauf zu Middelfort auf der Mari Inſel Fühnen geſchloſſen : Danzig verpflichtete

fich darin ,

innerhalb vier Jahren ,

auf Termine

die geforderte Summe von hundert tauſend Thalertt zu erlegen ; dagegen murden die aufgebrachten drey Kriegsſchiffe nebſt der Pinke mit aller Seråthſchaft

1

Danzigs Gefchichte. undUinmunition , imgleichendie angehaltenen Hands tungsſchiffe mit Sütern und Waaren zurück geges ben ;

der Werth veräuſſerter Güter wurde baar

bezahlet ; alle Privilegien in den Däniſchen Staa: ten wurden der Stadt beſtåtiget ; auch ein neu eins geführter Laſtzoll erlaſſen , und die freye Fahrt im Sunde und allen Däniſchen Gewäſſern verſichert. Zulegt erklärte ſich der König von Dänemark, wenn Danzig ferner Kriegsſchiffe auszurüſten nöthig bea fånde,

und ihm gehörige Notiß davon gegeben

haben würde , die Sicherheit derſelben nachbarlich zu befördern . Das Wahlgeſchäft in Polen war unterdeſſen ruhig beendiget worden , und deſto mehr mußte es die Preuſſiſchen Stånde befremden ,

daß mitter

im Frieden ſich aus Polen und Pommern Truppen zuſammen zogen , für welche im Pußiger Gebiete ein Lager aufgeſchlagen wurde, von deſſen Veran ſtaltung und Abſicht niemand - im Lande unterrichtet fern wollte .

Der Caſtellan von Danzig ,

der

wůrklich die ganze Zurüſtung beforgt hatte, fimu. lirte eine völlige Unwiſſenheit derſelben , und eben fo zweydeutig war die vom Woywoden von Culm ertheilte Antwort ,

welche ſich die Stadt Danzig

wegen der Kriegsanſtalten in iþrer Nachbarſdaft, von ihm ausgebeten Hatte.

Inzwiſchen zeigte es

fich ſehr bald , daß dieſe beyden Landesråthe, die pråſumtive Aufforderung der Kronſenatoren ,

zu

ihren Privatabſichten mißbrauchen wollten , indem teştere nur auf ſolchen Fall zu einer Truppenwer. bung gerathen þatten , wenn ſich wider die franzo,

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

223

fiſche Königswahl, eine Gegenparther in Preuſſen" Hervorchun möchte.

Zur

Beſchånigung

ſeines

Vorhabens aber ſuchte der Caſtellan Koſtka das Augenmerk des ganzen Staats auf Danzig zu’rich ten ,

er machte dieſe Stadt durchaus gegen das

Intereſſe des neuen Königs verdächtig ; es war bei kannt daß fie fo wol als Thorn und Elbing für das Haus Deſterreich geſtimmt hatten , fåmtliche drey Stådte ſuchten auch zuvörderſt die Beſtätigung iß. rer Privilegien vom neuen Könige zu erhalten, und ſie waren gemeinſchaftlich bemühet, zur Abſtellung aller Beſchwerden , zu machen.

vor der Huldigung Anträge

Danzig aber war weit davon entfer

net , weder an Polen untreu zu werden, noch fick der vollbrachten Königswahl zu widerſeken .

Nur durch zufälliges Unglüd mußten ſich in der Stadt ſelbſt Vorfälle ereignen , welche dem Argwohn iş. rer Feinde ein Gewicht gaben , und den Unwillen der Geſchäftsträger des Königs gegen ſie aufbrach Eben als die Stadt Danzig , wegen der ten. råthſelhaften Truppenmuſterung ben Pußig ,

ſich

gegen alle Ueberfälle in Vertheidigung zu regen bes ſchäftigt war , ihre Befagung verſtårfte, an den Feſtungswerken åmſiger arbeiten ließ , die Bürgers wachen fleiſſiger verfaße, Kundſchafter ausſchickte, und mit allen dergleichen nur aus nothwendiger Vorſicht gemachten Anſtalten , den Verdacht einer anders wohin zielenden Intention wider ihren Wil. len unterhalten mußte ; ſo nahm einer der franzöſie roben Geſandten Marquis St. Gelais de Lanſac hier ſeine Durchreiſe, um über die See nach Frant. Juny.

Danzigs Geſchichte. reich zu gehen .

Wenige Tage vorher fatte det

erſte franzöſiſche Geſandte Johann Montluc Bi. fchof von Valence , ſeine Ankunft ,

fo er verſpros

dhen gehabt , bey der Stadt entſchuldigt, und die nen Polniſchen Edelmann hieher geſchickt, um zur

k

Unterwerfung an ſeinen König anmaßnen zu laſſen , mit dem ſich aber die Stadt nicht ausführlich hat einlasſen wollen , ſondern ihn nur mit einem Ant wortſchreiben zurück ſchickte.

+

Indem nun hiers

über noch unterſchiedene Urtheile gefällt wurden , ſo entſtund bald nach Ankunft des Marquis de Lanſac, mit einigen polniſchen Bedienten aus ſeis

ju nem Gefolge, bey einem Luftfechten im Schießgar ten , ein verdrüßlicher Lerm . Die Polen zieleten nemlich aus Muthwillen mit Bogen , nach einigen auf der Mauer ſtehenden Zuſçauern , und obgleich fie nicht abdructen , ſo wurden doch jene der Ges fahr halber ſo aufgebracht, daß ſie Steine cuf die Polen şerabwarfen , und unfehlbar ein großeres Handgemenge mit dem Volk entſtanden ſeyn müra de , wenn man nicht Sorge getragen håtte ,

die

Leute des Geſandten mit Wachen und Stadtdie. nern

ſicher in ihre Herberge begleiten zu laſſen .

Vermuthlich aber war es eine Folge hievon , was den Tag darauf weit unglücklicher vorfiel. Ein Schmiedeburſch ſtand im Vorbergehen , vor dein Geſandtſchaftsquartier ſtille , um den Schmuck ei. kes Pferdes zu betrachten , welches ein Stallknecht Dieſer aber, als ob ihm das An

am Zügel hielt.

ſchauen mißfiel, Tohelle,

unterbrach es mit einer Maula

die er dem Schmiedeburſcher

verfekte. Der

i

Dritter Abſchnitt. Meuntes Capitel.

225

Der Burſch zog eilends ein Meſſer hervor ,

um

ſich zu råchen , er wurde aber von andern aus dem Hauſe Kerzulaufenden Dienern umringet , mit vie. ten Schlägen

zugerichtet ;.

und

zu weiterer Bes

Der Staroſt von Golab ſtrafung feſt gehalten. ein Bruder des Caſtellans Koſtka nahm ſich der Sache an , et ging in Perſon mit, und ließ den Burſchen vors Rathhaus führen ,

( wo eben alle

Ordnungen verſammelt waren) , um dffentliche Sa Indeffen war

tisfaction vom Rath zu verlangen.

ein Haufen Volks unterweges bis vors Rathhaus zuſammen gelaufen , der Burſch erzählte ſein Un, glück, und berief ſich auf ſeine Unſchuld ;

das Mit

leiden des Volko wurde rege gemacht, daſſelbe war unentſchloſſen , aber einige Anführer munterten es auf, den Burſchen mit Gewalt zu befreyen .

Die

Polen zogen nun iþre Såbel, und einem angeſehen nen Kaufmann wåre beynahe der Kopf geſpalten worden ;

hierauf fing der Pöbel an zu ſteinigen ,

und die Polen mußten nicht nur ihren Gefangenen los laſſen , ſondern ſie wurden auch bis an des Ges ſandten Quartier mit Steinen verfolget.

Dieſer

Herr kam ſelbſt entrüſtet herausgelaufen , und trieb ſeine Leute mit dem Degen in der Hand , ins Haus zurück , er wurde aber zufälliger weiſe daben mit einem Stein am Fuſſe getroffen , und mußte durch pieſe Unordnung eine Wunde davon tragen. Dem Geſandten konnte man nicht zur Laſt legen , daß er dieſen Volksunfug die Stadt habe entgelten laſſen . Ernaým die Satisfactionserbietung und das Entſchuldigungscompliment ſehr wol auf, welches Geſch . Danz . 2 ter Th. P 1

226

Danzigs Geſchichte.

ihm von zwey Deputirten des Raths gemacht wurde, man gab ſich dagegen alleMüße, derHaupttþåter und Rådelsführer unter dem Volke Qabhaft zu werden , allein dieſe waren in Zeiten aus der Stadt flüchtig geworden . Nur die übelgeſinnten Gegner Danzigs nahmen aus dieſen Vorfällen Anlaß , nicht allein ein großes Verbrechen wider das Völkerrecht dar . aus zu machen , ſondern auc den verdächtigen Ab . Fichten der Stadt damit eine ſcheinbare Gewisheit zu geben .

Noch ein widriger Umſtand kam hinzu ,

der dem Argwohn eine neue Beylage ertheilte. Der franzöſiſche Geſandte hatte bey ſeiner Abreiſe aus Danzig , eine Begleitung von Polniſcen Capera (diffen mitgenommen ; felbige aber wurden im Sunde auf Befehl des Königs von Dänemark ana geşalten , ihren

Füßrern wurde als Seeräubern

der Proceß gemacht, cc) und der Geſandte ſo wol als fein Reiſegefährte , der Caſtellan von Radziac, welcher als Polniſcher Bothfchafter nach Franks reich gehen ſollte , wurden nach Danzig zurück zu reiſen genöthiget .

Auch hievon wollten nun einige

feindſelige Angeber , dieſer Stadt die Schuld auf bůrden ,

und es erhob ſich auf dem Landtage zu

Graudenz ſo gar ein öffentliches Gerede, daß Dan zig mit dem Däniſchen Hofe in einem geheimen Vers cc) Die Freybeuter hatten immer noch einen ſichern Aufents halt im Pußiger Gebiete , 100 fie vom Danziger Caftellan als daſigen Staroſten geſchüßt wurden . Indeffen wurden wieder drey ,derſelben im J. 1573 in Danzig geköpfet ; bis 1575 hat man ſie noch ferner verfolgen måſſen ; endlich aber find fie kleinmüthig geworden , und die nodi übrige Sande bat fich volig getrennet.

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

227

håløniſſe ſtünde, um ſich von der Krone Polen zu trennen ,

wozu man ſich nicht ſcheuete , den legt getroffenen Vergleich mit Dånemark , zum Be weis anführen zu wollen .

So ſchmåhſüchtig wur

den die unſchuldigſten Unternehungen der Stadt zu Staatsbeleidigungen verdrepet,

und ibre Abges

fchickten fanden ſich täglich gendthigt , dergleichen argwöhniſch ausgeſprengte Nachrichten

entweder

umzuſtoſſen oder von iører verfälſchten Seite zu zeigen. Bey dem allen þatte Danzig in Gemeinſchaft deputirter Herren aus Thorn und Elbing , eineUn . terhandlung mit dem franzöſiſden Geſandten glúca lich geendigt, Königliche

wodurch dieſen drey Städten ,

Beſtätigung ihrer Privilegien ,

die

ohne

Vorbeşalt durch einen ſchriftlichen Revers war ver ſprochen werden . Andererſeits wurden die Landes ſtånde es überdrüſſig , rich von fremden widerrechte lich zuſammengebrachten Kriegstruppen långer bea unruhigen und brandſchaken zu laffen. Würfe lich war dadurch eine Unſicherheit entſtanden , wela che beſchwerlicher als ein offenbarer Krieg wurde. Der Landmann ward ohne Endzweck gedrucet ; in den kleinen Städten und Dörfern äuſſerten ſich die ſchåndlicſten Unordnungen ; Reiſende und Wan. derer wurden auf freyer Straſſe geplündert , wege geſchleppet und zuweilen todtgeſchlagen ; ſogar die Thorner Abgeordneten waren auf ihrer Abreiſe von Graudeng bey Culmſee überfallen , und gewaltſam behandelt worden . gleichen raubſüchtige

Das Land wollte nun ders Perheerungen nicht långer P 2

Danzigs Geſchichte.

228

erdulden , und da man ohnedem fein wahres Ziel der Truppenanwerbung abſaße , ſo wurde ernſtlich in den Caſtellan Koſtka gedrungen , voll auseinander gehen zu laſſen .

das Kriegs Dieſer mußte

demnach dem Obriften Ernſt Weyher ,

der das Commando darüber gatte , den Auftrag ertheilen , ſeine angeworbenen Soldaten zu beurlauben ; es

verknüpften fid , damit allerdings viele Nebengwiſte, die wegen der Swadenvergütungen entſtanden , worüber aber die mehreſten Anforderungen verge. bens gemacht wurden .

1574 25 Jan.

Mit Anfang des folgenden Jahres betrat Rois

nig Heinrich die Polniſche Grenze , und hielt als. denn ſeinen Einzug in Krakau , woſelbſt der Kros 21 Febr. nungsreichstag feinen Fortgang hatte.

Allein we .

det der König eydigte dem Lande Preuſſen nach deſſen ehemaliger Conſtitution ,

noch konnten die

Preuſſiſchen Räthe trok aller deshalb vorgefallener Debatten , ihren Eyd anders als nach der in Polen üblichen Vorſchrift ablegen. In den Stådten ſtand man der Huldigung wegen , noch in einer zweifel. þaften Entſchlieſſung ; in furzem aber verurſachte der Tod des Königs von Frankreich , eine Verån: derung in Polen , welche auch für die Preuſſiſchen Landesgeſchåfte andre Maasregeln anwieß.

Als

erblicher Nachfolger ſeines Bruders Carls des 18 Junn Neunten ,

reiſete König Heinrich eilends nade

Frankreich , um bey den dortigen Staatsunruhen Feine Zeit zu verſäumen , er ließ zwar Briefe an die Polniſche Magnaten zurück , þeimliche

Abreiſe entſąuldigte ,

worin er ſeine und eine baldige

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

229

Rückkehr verſpracy. Der angefektgeweſene Reichs tag zu Warſchau, ward auch in ſeiner Abweſenheit 30 Ang. gehalten ; unerachtet aber die Litthauer und Preuſ: ſen davon ausblieben , ſo wurde dem Könige doch auf den Maymonat des folgenden Jahres ein Tag für Wiederkunft angeſeket, und im Fall ſeines Uusbleibens fchon verabredet , daß der Thron für erledigt erklärt werden ſollte.

Unter der Zeit ließ

Heinrich zwar durch einen aus Frankreich abge. ſchickten Geſandten , die Reichsſtånde zum Gehor.

Dec..

ſam und zur Erhaltung des innerlichen Friedens anmahnen , er gab auch ferner der aus Frankreich zuråckehrenden Polniſchen Geſandeſchaft ,

Entſchuldigung

wegen ſeiner

gerten Wiederkunft mit ,

eine

1575. års

nothwendig verzo.

und wollte einen ſelbſt

ausgeſchriebenen Reichstag durch

Bevollmächtigte

beſchicken : allein die Polniſchen Stånde blieben bey ihrem Entſchluß, der Warſchauſchen Verabredung gemås, ihren Reichstag zu Stenſic zu Şalten.

Auf

felbigein kam es ſchon ſo weit , daß eine neue Ko. nigswahl öffentlich verlautbaret wurde ; weil aber 26 May die Litthauer noch einigen Unſtand verlangten , und die Preuſſen gar nicht herbey

gekommen waren,

ſo äuſſerten ſich dagegen ſo viele Proteſtationen , daß der Reichstag vielmehr zerriſſen als friedlich geen. 7 Jump diget wurde. In Preuſſen þatte der nåcftfolgen de Landtag zu Graudenz noch die Würfung , daß man dem Könige in der Perſon ſeines Geſandten , die Verſicherung einer beſtåndigen Treue erneuerte, und da man Polniſcher Seits die Danziger beſchul digt hatte, der Verſammlung zu Stenſic allein

P 3

11 230

Danzigs Geſchichte.

widerſtrebet zu haben , durch das

ſo wurden dieſelben jest

öffentliche Zeugniß einer einſtimmigen

Landeserklärung gerechtfertiget.

Jndeſſen machte

folches in den Polniſchen Maasregeln keine Veråna

3 Det.

dérung. Es wurde vielmehr förmlich ein- Tag zum Convocationsreichstage in Warſchau angeſeket, und in ſo ſchwacher Anzahl derſelbe beſucht,

auch

nach zweymaliger Verſammlung foon geſchloſſen wurde,

ſo war man doch einig geworden ,

fünf

Wochen ſpäter einen Wahlreichstag bey Warſchau zu halten .

Solches veranlaßte einen abermaligen

Preuſſiſchen Landtag zu Leſſen , woſelbſt zwar aufs neue beliebt ward , die Inſtruction der Landesge fandtſchaft für Feſthaltung der Treue gegen den Abweſenden

Konig einzurichten ;

dennoch

aber

wurden zwey Kayſerliche Geſandten zur Uudieng gelaſſen , welche den Erzherzog Ernſt zum bevor ſtehenden Wahlgeſchäfte empfalen , und weil um dieſelbe Zeit , ſichre Nachrichten aus Frankreich einliefen , daß man keine Hofnung baben könnte, den König Heinrich wieder in Polen zu ſehen ; ro erfolgte ein einmüthiger Beſchluß der Stånde , der Wahl eines neuen Herrn benzutreten , und zu dem Ende , den Reichstag durch eine Geſandtſchaft im Namen des ganzen Landes zu beſchicken,

Der Wonwod von Culm erhielt den Auftrag , bie Landesſtimme dem Kanſerlichen Prinzen und

1

Erzherzoge Ernſt zu geben ;

er vollzog

ſolches

auch , ohne daß einige einzelne Widerſprüche, die Gültigkeit dieſes allgemeinen Votums aufgeben konnten ; nur þatte der Primas die Preuſſiſche Ger

.

Dritter Abſchnitt. Meuntes Capitel.

234

fandtſchaft vorher daħin beleitet, ihre Stimme von Sohne auf den Vater ,

nemlich

auf den Kayſer

Maximilian den Zweyten , zu wenden. erheblicher aber war der Zwieſpalt,

Weit

welcher fiche

beym Wahlgeſchäfte unter den Polen ſelbſt zeigte. So einſtimmig anfangs der Beyfall an das Haus Deſterreich zu ſeyn ſcien , ſo trat doch in kurzem eine größere Parthey bervor, verlangte , und weil

es

die einen Piaſten

wegen der Perſon eines

Polniſchgebobrnen Kronwerbers zu feiner Gewis. Þeit kam , ſo erwählte man die Jagellonifoe Prina zeſſin Anna , beſtimmte ihr den Fürſten von Sies. benbürgen Stephan Batori zum Gemahl , und ließ denſelben nebſt ihr zum Könige ausrufen . Die- 14 Det. fe Waýl gefcaße auf eben dem Plaße , wo zwen Tage vorher der Reichsprimas, den Kayſer Mari milign öffentlic proclamiret hatte ,

und ſodann

nebſt den Stånden ſeiner Parthen nach Warſchau gegangen war , um die Pacta Conventa mit den Kayſerlichen Geſandten in Richtigkeit zu bringen . Die Piaſtiſchgeſinnten resten aber noch eine neue Zuſammenkunft nach Andrzejow in der Krakauſchen Woywodſchaft an ,

und von beyden Partheyen

wurden Geſandten an iþre neu erwählte Könige ab gefertiget. Zu Andrzejow würde ſchon der Tag 1576 Januge, zur Krönung und zum Königlichen Beylager bes

ſtimmet,

man fuchte auch den Kayſerlichen An

þang zu ſchwächen , und nåchſt andern Einrichtun gen , wurden zwey Abgeordnete nach Preuſſen ge fchicfet, um einen Landtag zum Vortheit des Kos wigs Stephan in Vorſchlag zu bringen . P 4

Selbje

232

Danzigs Geſchichte.

ger kam auch trok aller Einwendungen , und vors nemlich wider die aus Danzig gemachten Gegens vorſtellungen , in Graudenz zum Stande, es fand fich aber nur die Culmide Ritterſchaft, die bald anfangs die Wahl des Königs Stephan gebilli get hatte, ftark genug dazu ein, weshalb der Land . tag þieſelbſt noch ſpäter verlegt bleiben ſollte. Ben berathídlagte Wiedereröfnung deſſelben aber , man ſich vielmehr wegen des Betragens gegen die Warſdauer Zuſammenfunft,

welche der Primas als Haupt der Kayſerlichen Parthey ausgeſchrieben båtte; felbige ward zwar weder aus Litthauen, noch von den Preuſſen befint,

doch ließen lektere ein

Schreiben ab, worin fie ibre Feſthaltung bey der Wahl des Kanſers nochmals angelobten. Vors nemlich aber war zu Warſchau , nebſt einer neuen Geſandtſchaft ,

das Univerſal angekommen , mit

welchem man nunmehr auch in Preuſſen , die Kay . ſerlidye Annehmung der Krone öffentlich verlauts baren fonnte .

Nichts deſto weniger ging die Batoriſche Pars they in ihrem Vorhaben nocy thátiger zu Werfe. König Stephan Hatte ſchon zu Meggies in Sie geleiſtet , den Wahlvertrag

benbürgen den Eyd

unterzeichnet , und die Privilegien beſtåtiget , und er fam ſchneller als man es vermuthen konnte nace 22 April Krakau , wo er wenige Tage darauf vom Cujavia May lohen Biſchofe Karnkowski gefront wurde, und fein Beylager mit der Prinzeſſin Anna vollzog . Die Preuſſiſchen Stände waren zu dieſer Kronung feyerlich eingeladen worden ,

aber der König fees

1

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

233

tigte nach deren Vollziehung noch zwey Geſanda ten ab , um dieſelben zur Anerkennung ſeiner Wür. de ausdrücklich aufzufordern .

Nun ward zu eben

der Zeit wieder ein Landtag zu Graudenz gehalten , wo man mit den Beſchlüſſen der Warſchauer Ver. ſammlung zur Behauptung der vollzogenen Wahl in der Perſon des Kayſers , zu thun þátte : inzwis ſoben

wurden

die

Batoriſchen

Audieng gelaſſen , man begegnete

Geſandten

zur

iğnen aber nur

als Abgeſchikten des Fürſten von Siebenbürgen , es ward auch auf Anrathen der Danziger Abges ordneten beſchloſſen , ihnen

eine mündliche Abfer

tigung zu geben , daß man ihren Herrn nicht als König erkennen könnte ; nachdem aber theils durch abgegebene Briefe an den Preußiſchen Adel, theils auch durch mündliche Beredungen init einigen Landesråthen , die beyden Geſandten eine merk liche Sinnesänderung erweckt hatten , ſo äußerte ſich bey

deren Abſchiedsaudienz ſchon ein ſo be.

trächtlicher Zwieſpalt, daß nächſt vielen aus der Rit. terſchaft, fich auch einige von den Råthen offent lich für den König Stephan erklärten.

Jedene

noch wurde den Geſandten zum endlichen Beſcheide nur mündlic ) angedeutet , daß man den Reichstag in Warſchau zur Herſtellung der allgemeinen Ruhe Gedachten Reichstag hatte der abwarten wollte. Primas Uchanski ausgeſchrieben ,

König Stes

phan aber kam den Abſichten ſeiner Gegner zuvor, und brach in Zeiten von Krakau auf,

um den

Fortgang des Reichstages durch ſeine Gegenwart zu verhindern ; er erlangte auch ſeinen Endzwed , Ps

234

Danzigs Geſchichte.

indem der Primas den dieſe Verlegenheit übereilte, das äußerſte nicht abwarten wollte , ſondern auf Befehl des Königs nach Warſchau kam , und den Eyd der Treue vor ihm ablegte.

Alle übrige Kaye

ſerlichgeſinnte in Polen ſo wol als in Litthauen , folgten hierauf dieſem Beyſpiel, und ohne des vo. rigen Plans weiter zu gedenken , unterwarfen fic fich dem erſtgefronten Könige,

blos nach erhal

tener Verſicherung, für ihre Perſonen und Frey .

1

Keiten geſchüket zu werden. Eine fo plákliche Veränderung der Umſtånde tonnte auch in der Provinz Preuſſen nicht ohne

Effect bleiben . * pung

Gleich in der erſten Beſtůrkung

rief der Biſchof von Culm die Råthe naçı mark zuſammen .

Neu

Hier wollte man eines theils ro

gleich eine Geſandtſchaft inftruiren , um mit vora behaltenen Rechten und Freyheiten der Provinz, ſich dem Könige Stephan zu unterwerfen ;

allein

die Großen Städte brachten es durch Vorſtellun : gen dahin ,

daß noch ein Landtag in Culm , zur

1 reifern Ueberlegung der Sache von fåmtlichen Stån. den ,

angelegt wurde.

Bey Eröfnung deſſelben

überreichte ein Königlicher Geſandter Nikolaus Kaſobucki ſein Creditiv , und machte eine gründ . lich ausgeführte Unwerbung,

dem Könige Ste

phan den Gehorfam nicht langer zu verſagen .

Jn

den Berathſolagungen der Stånde fiel auch der geſamte Adel dieſem Antrage ohne Verzug ben ; einige Landesråthe wollten nur zuvor verſichert ſeyn , daß der König die Privilegien der Provinz , nach den ihm darüber vorgelegten Artikeln beſtätigen

Dritter Abſchnitt.

Neuntes Capitel.

235

würde ; die Großen Stådte aber gaben dabey ihne beſondern

Bedenken

in

Erwågung

zu

ziehen.

Thorn zwar bat nur wo möglich , einen Aufſchub von etlichen Wochen , ließ ſich aber ſonſt die Tref fung eines endlichen Soluſſes gefallen ; die Elbins ger hatten der Unſicherheit wegen , gel nicht mitgebracht,

das Landesſie

und konnten ſich nach dem

Befehl ihrer Obern in nichts eher einlaſſen , bevor ſich das Land vom Kanſer los gemacht hatte ; der Danziger Secretair Matthias Radecke hingegen brachte vorerſt verſchiedene Urſachen bey , womit er die Abweſenheit feiner Obern zu entſchuldigen ſuchte, ferner gab er das Mißfallen derſelben zu erkennen , daß man ſich zu Neumark für den Ko nig Stephan erklärt þåtte , er proteſtirte feyerlich , in einer ſo wichtigen Saqe ,

innerhalb Monats .

1 friſt nichts weiter zu beſtimmen , und widerſprach zulegt öffentlich aller Willensbezeigung, womit man ſich zum Gehorſam an den König Stephan Unfehlbar Hatte die eben bereit finden möchte. vorher geſchehene Ankunft eines Kayſerlichen Ge. ſandten D. Lorenz Heichel, in Danzig , zu dies ſer, ſtandhaften Erklärung Vorſchub gethan ; fein Antrag vom Kayſerlichen Hofe an die Stadt ro wol als an ſåmtliche Stånde des Landes , zielete nicht nur auf die Feſthaltung der Treue ,

ſondern

er enthielt auch vortheilhafte Erbietungen , die Provinz zu beſchüßen , und eine Summe Geldes zum Bebuf derſelben ,

in Danzig zuſammen zu

1 bringen , worüber die ſolches erläuternden Briefe Allein die auf dem Landtage vorgeleſen wurden .

Danzigs Geſchichte.

236

Sache des Kayſers konnte hiemit nicht mehr in die Höhe gebracht werden ; fronten Königs wicht,

hatte

das Anſehen des erſtge. ſchon

ein zu großes Ge

und ohne ſich durch den Widerſpruch der

Stadt Dartzig abýalten zu laſſen ,

wurde dem Ko.

niglichen Geſandten eine ſolche Abfertigung geges ben , womit dem Könige Stephan im Namen der ganzen Provinz die Unterthänigkeit angetras gen wurde.

Unerachtet das Landesſiegel nicht

bey der Hand war , ſo wurde doch in einem ehrer bietigen Schreiben der Stånde an den König, dies re Erklärung beſtåtiget; nur ſollte nådſtens noch eine Deputation aus der Provinz abgehen ,

um

fich der Königlichen Geneigtheit zur Beſtåtigung der Landesprivilegien feſter verſichern zu können .

Dritter Abſchnitt. zehntes

Beintes Capitel. , 237 . Sapitel .

Danzigs Rechtfertigung wegen behaupteter Gegenparthen des Königs – die äußre Gefahr der Stadt wird durch innre Zunfts und Gewerksunruhen vergrößert - der König wird ins Land Preuſſen eingeladen - wogegen Danzig einen Kayſerlichen Geſandten der Batoriſchen Ges Danzig verſagt die Huldigung ſandtſchaft vorziehet und wird dafür zur Verantwortung ausgeladen Das Uchtsdecret gegen Danzig wird abgeſprochen -- worauf Rónig Stepban ins Danziger Werder einrúcet - die Gegner der Stadt zernichten einen obhandenen Vergleich - fruchtlos fortgeſelste Unterhandlungen auf dem Reich: tag zu Thorn - die Danziger Abgeordneten werden in bartem Arreſt gehalten - ihnen wird eine Rückreiſe nach Danzig verſtattet, bringen.

um eine gefälligere Erklärung zu

Alue de bisher erzählte Verånderungen und Vorfälle, die ſich unter zweyen auf einander erfolgten Zwiſchen. regiernngen ereignet hatten , laſſen uns den miß lichen Zuſtand erkennen , worin Rich Danzig bey den damaligen Staatsconjuncturen befand . Die Gegner der Stadt am Polniſcher. Sofe,

waren

nichts weniger als untħåtig geblieben , obgleich Rie während den Kronvacanzen etwas behutſamer vers Der Biſchof von Cujavien hatte ſich im fuhren . I. 1572 ſo gar das Anfehen gegeben , als ob es ihm leið týåte ,

die Commiſſionseingriffe zu weit

getrieben zu haben, aber als Heinrich von Anjou zum Thron kam , ſo dedicirte er dieſem jungen Herrn eine Schrift von den Rechten des Landes und der Großen Städte in Preuſſen, worin er nicht nur hievon eine entſtellte und unvollſtändige Abbil

1

238

Danzigs Geſchichte.

dung gab , ſondern dem Könige auch eine ſehr ver. fångliche Inſtruction über die Danziger Regie: rungsverfaſſung ertheilte. dd) Der Caſtellan Koſte ka , nunmehriger Woywod von Sendomir ee) Hats te das erſtere Interregnum , durch Verbreitung eines ungegründeten Verdachts , zur feindſeligſten Erniedrigung Danzigs gemißbrauchet ; alle Ver . wandten und Freunde deſſelben ergriffen noch jede Gelegenheit, der Stadt Streitigkeiten oder Vers druß zu erwecken , und da ſeine Familie in Polen ein überwiegendes Anſehen hatte, ſo konnte es nies mals an Anhångern fehlen ,

die nach dem Beye

ſpiel ihrer Beſchůbec an dergleichen unfriedlichen Anfechtungen Theil nahmen .

Es mußte ſich da . ereignen ,

bey durch ſonderbare Fügungen

daß

beydemale , da eine Königswahl vorging , Preuſ ſen ſich für die ſtårkere Parthey des Oeſterreichſchen Hauſes erklärte , und doch beyde male eine Neben. parthey erwuchs,

die

unter concurrirenden'Um .

ſtånden das Uebergewicht bekam , den Vorzug behaupten konnte.

und vor jener

Insbeſondre blieb

ir

Danzig beym leßtern Wahlgeſchäfte gånzlich vers laſſen , und doch unbiegfam von der verſprochenen Treue zu wanfen , ſo ſehr auch eine feinere Politik dd ) Man ſehe die kurze Abhandlung von Stanislaus Karnkovii Schrift de jure provinciali terrarum majorumque civitatum Pruf fias: im zten Bande von Lengnichs

Polniſchpreuſſiſcher

Landesgeſchichte . u Er war vom Stónige Heinrich , zum erſten Beyſpiel , ale ein Preuffiſcher Caftellan jum Polniſchen Woywoden erbos ben worden.

Dritter Abſchnitt.

Zehntes Capitel.

239

vielleicht zum Gegentheil þátte anrachen müſſen . Die Zuneigung zum Oeſterreich roben Haufe, wur . de daber noch verdächtiger gemacht,

ja ſie ward

dieſer Stadt offentlich zu einem Staatsverbrechen Polniſche fo wol als auswärtige ausgeleget. Særiftſteller,

die ſich durch die Friedewaldſoen

Odmåþungen haben verblenden laſſen , pflegen bier wol das entſcheidendeUrtheilzu fällen, als ob eine übermächtige Autorität einiger Perſonen des Raths, die ganze Bürgerſchaft in Danzig beſtrickt gehabe Kåtte , von der Batoriſchen Parthey abwendig zu, bleiben ; ſie legen es insbeſondre dem Burgermeia fter Conſtantin Ferber zur Laft, daß er vom Kayſerlichen Hofe erkauft geweſen , und eine desa potiſche Macht ausgeübt habe , Stephan zu widerſehen , Unglück zu ſtürzen , des Kayſerø ,

ſich dem Könige

die Stadt dadurch ing

und ſelbſt nach dem Ableben

noc , gegen den rechtmäßigen Lan

desherrn die Waffen zu führen.

Mit dergleichen

Meinungen aber werden nur diejenigen irre ge führet, welche nach einer flüchtigen Ueberſicht der Polniſchen Staatsſchriften , die Urſachen des Ba. Wem hingegen toriſchen Krieges beurtheilen. die wahren Quellen bekannt ſind ,

aus welchen

die Widerſeklichkeit gegen die Anerkennung der KS . niglichen Majeſtåt Herfloß,

dem kann es nicht

fremde důnfen , daß ſämtliche Ordnungen und alle patriotiſche Bürger der Stadt einſtimmig beſtrebe ſich eines Jochs zu erwehren , das von Zeit zu Zeit immer drůdender geworden war , und 2 waren ,

unter dem man mit einer übereilten Nachgebung,

?

240

Danzigs Geſchichte.

nicht den geringſten Ueberreſt der vormaligen Frey . Heit würde behalten Şaben.

Es läßt ſich aller

dings nicht ableugnen, daß der Magiſtrat in Danzig Grund gohabt haben müſſe, auf die öffentlichen und geheimen . Verſprechungen des Kayſerlichen Hores ein zuverſichtliches Vertrauen zu feßen ,

womit

auce die Vertheydiger der Vaterländiſchen Frey . Heit geglaubt haben , in einem Könige von Polen aus dieſem Hauſe, den Wiederherſteller ihrer ehe. maligen Wolfart zu erlangen : nachdem aber dieſe Hofnung durch den Tod war vereitelt worden ,

ſo

kann man nicht behaupten, daß Danzig eine Tren nung von der Krone Polen im Plan gehabt babe, ſondern es ward vielmehr alle Abſicht nur dahin gerichtet , ſich der bisherigen Bedrůdungen zu entſchlagen , den Einfluß feindſeliger Verläum . dungen zu tiigen , und von der Gerechtigkeit des Königs, dem man ſich nun zu ſubmittiren bereit war , vorher eine feſte Verſicherung der rechtmare ſig erworbenen Privilegien zu erhalten . Inzwiſchen ward die Stadt Danzig ehe es das zu fam, in ein jammervolles Labyrinth hingeriſſen , worin ſie nicht nur den liebloſeſten Urtheilen ausgefekt blieb , ſondern auch offenbar, als eine Feindin des Königreichs Polen behandelt wurde.

Unglückli

der Weiſe vergrößerten nod innerliche Mißhellig . keiten ihr trauriges Schickſal.

Seit etlichen

Jah

ren hatten die Gewerke der Fleiſcher auf die Aus . übung gewiſſer Freyheiten gedrungen , Rath ,

welche der

weil die Obrigkeitliche Policeyeinrichtung

dadurch eingeſchränkt wurde , bisher noch größten. theils

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel. theils abgewandt batte.

241.

Während der Commife

fionspåndel aber war eine neue Bekråftigung ders ſelben ohne Mitwiſſen des Raths ausgewůrkt wors den , -und als im J. 1974 der Armuth zum Bea ſten verordnet wurde , daß das Fleiſc Pfundweiſe verkauft werden ſollte, ſo beriefen ſich die Fleiſcher auf ihr Privilegium , kraft deſſen ſie gedachter Vors Hieraus ers fdrift nicht nackommen wollten . wuchs nun ein heftiger Streit wegen Aufzeigung welche die der Gewertsrollen und Privilegien , Fleiſcher in den follten .

Dieſe

Originalen dem Rath vorlegen aber gehorſamten nicht,

ſondern

Dirſchau und Graudenz

lieſſen in Marienburg , vidimirte Abſchriften davon nehmen , und brachten dieſelben aufs Rathhaus. Die Befehle an ſie wurs den fruchtlos wiederholet , und iħr beharrlicher Uns gehorſam vermochte den Rath , ihnen den Markt zu ſperren , und iþre Schragen auf den Stadthof Es ward durch Trompetenſchal führen zu laſſen . jedermann frey zu ſolaďten erlaubt, und der Ma. giſtrat ſelbſt ließ etliche Odren auf dem Stadthofe ſchlachten ,

wovon das Fleiſd Pfundweiſe durch

Stadtdiener verkauft wurde. alles die

Fleiſcher zum

Indem aber ſolches

Gehorſam zu bringen gee

roahe, ſo hatten dieſe an ihre Mitgewerke in Thorn geſchrieben ,

fein Rindvieh nach Danzig

treiben

fu laſſen , mit Vorwand daß iþrem Gewerk hie : ſelbſt das Solachten gelegt wäre.

Dieſe Briefe

ſchichte der Rath zu Tborn an den Präſidenten in Danzig ein , und laut Schluß fåmtlicher Ordnun gen ſollten die Fleiſcher darüber hart zur Rede gee Serch . Danz, 2ter Th .

Danzigs Geſchichte.

242

ſtellt werden .

Sie erſchienen zwar insgeſamme,

brachten aber Notarien und Zeugen mit , und als fie der Briefe wegen befragt wurden , ſo erklärten ſie einſtimmig ,

daß dieſelben nicht von einzelnen

Gewerksgliedern , ſondern 'mit ihrer gemeinſamen Bewilligung wåren geſchrieben worden .

Hierauf

wurde aufs neue des verlegten Gehorſams wegen in ſie gedrungen , und die Auslieferung der Origi nalprivilegien wurde nochmals gefordert. Sie blie ben aber bey ihrer Ausrede , und festen nun noch hinzu ,

daß ſie die Privilegien mit Zwey ihrer Mit

genoſſen nach Warſchau hinauf geſchickt Håtten. Dieſes Geſtåndnis veranlaßte eine neue Berath ſchlagung , und von ſämtlichen Ordnungen wurde beſchloſſen , weil hiemit des Landes Freyheit und Gerechtigkeit verlegt wäre,

daß die Fleiſcher zu

Rathhauſe in Verhaft bleiben ſollten .

Jöre Ge

fangenſchaft hat . faſt ein Jahr lang gedauert ,

es

find daraus des Schlachtens und des Fleiſchmarkts wegen verderbliche Unordnungen entſtanden , man hat auch mit den arreſtirten Fleiſchern deren über achtzig an der Zahl geweſen , zu Rachhauſe tumul tuariſche Auftritte gehabt , und ſo ſehr der Rath ſich Mühe gegeben , ſie einzeln durch Vorſtellun gen zu beleiten , ſo haben ſie ſich doch von ihrem Vorhaben in ſeiner Art abbringen laſſen . Sie gaben zulegt die Entſcheidung des Raths, den ſie als klagenden Theil anfaben , in ihrer Streitſache gånzlich verworfen , und ein Verlangen geäuſſert, daß ſelbige entweder von den Ständen der Krone Polert, oder von andern in oder auſſer der Stadt

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capſtel.

243

erwählten Schiedsrichtern geſchlichtet werden ſolle Nachdem aber die Seſſion wegen der Polni te. roben Königswahl ausgebrochen

geweſen , ' ſo hat

man aus Vorſicht, die Fleiſcher ihres Arreſts ente laſſen , und ſie haben zwar mit einem Handſchlage verſichern müſſen , ſich zu Auswartung des Rechts gehorſamlich zu ſtellen, allein ein großer Theil dere ſelben iſt nach Warſau gegangen , wo ſich nach . þer igre Beſchwerden mit den übrigen dem Rath der Stadt zur Laſt

gelegten

Vergebungen ver .

miſcht Gaben . In derſelben Zeit hatten die öffentlichen Geld. bedürfniſſe in Danzig es nothwendig gemacht,

die

Bürgerſchaft und einige Nahrungsſtånde derfel. ben , auf neue oder erhobete Abgaben zu reken , vornemlich aber zugleich Mittel gegen die Unters fchleiffe vorzuleøren , welche ben Erlegung ſolcher publiquen Ungelder eingeriſſen waren. “ Wie nun deshalb eine Verordnung

beraus kam ,

daß die

Malzacsiſen fo wof als die Acciſe von Getränken, zum Voraus und vor der Ausſpåndung bezahlet, oder auf gewiſſe Termine des Jahres entrichtet wers den ſollten , fo fand ſich die Brauerzunft biedurch aufs äuſſerſte befchweret, und es konnte des Wie derſpruchs wegen , bey allen Verſuchen nichts feſtes darin zum Stande gebracht werden.

· Aehnliche

Debatten aber entſtanden bald darauf im J. 1575 wegen Verdoppelung der Acciſe von Getränken, und wegen der von der Kaufmannſchaft zu entrichten . den Zulage,

welche damals auch der Freybeüter

Zoll iſt genannt worden . Man hat ſich der Leiſtung 1 2

1

244

Danzigs Geſchichte.

ſolcher verdoppelten Abgaben , zwar der gemeinen Noth halber nicht entbrechen können , aber es iſt daben ein unaufhörliches Klagen und Murren fort und weil nach ausgebrochenem gelegt worden ; Kriege , auch mit der Vermögenſteuer oder 46 . tragung des Hundertſten Pfennings, mit andern

imgleichen

Lieferungen und Abgaben ,

für den

Geldmangel der Stadt þat Rath und Hülfe ge. ſchaft werden müſſen , fo find noch öfters Uneinig . feiten entſtanden ,

welche ſich nicht nur unter den

Bürgern und Einwohnern , ſondern auch ſelbſt in den Regierungscollegien der Stadt Hervorge. than , und den Druck dieſer unfriedlichen Zeiten noce låſtiger gemacht haben. Mitten unter ſolchen innerlicen Privatunru . hen , war nun das Land Preuſſen , ohne den Beys tritt Danzigs beſchäftigt, dem Könige Stephan feine Kronwürde anzuerkennen .

Auf dem auf

1976. ferordentlichen Landtage zu Meve , der nach einet 16 Aug. fruchtlos in Löbau angelegten Zuſammenkunft geo: halten wurde ,

entſchloſſen ſich die Stände, dem

Könige der ſich ſchon zu einer Reiſe nach Preuſſen bereit hielt , ein Submiſſionsſchreiben entgegen zu ſchiden , und ihn ihres Verlangens nach ſeiner Ankunft verſichern zu laſſen .

Der Danziger Se

cretair bekam zur Abfaſſung eines ſolchen Briefes den Auftrag ; weil ſelbiger aber Ausdrücke ein . flieſſen ließ , die auf eine vorgångige Befriedigung des Kayſers abzielten , ſo wollten die Stände eine dergeſtalt bedingte Einladung nicht gelten laſſen , und es kam

mit den Großen Städten

in dieſer

Dritter Abſchnitt. Sache zur Spaltung. putirten

Zehntes Capitel.

245

Nun gaben zwar die Des

Rathsherren aus Danzig ,

Mdiner , ' und George Roſenberg ,

Reinhold dem Vere

langen der Stånde noch nach , daß fie işren Sea cretair zurüd ſaicten , um eine breitere Vollmacht zu bolen ; allein dieſer brachte eine ſchriftlice Bea fråftigung der vorigen Stände von ihrem

Befehle,

und weil die

Entſchluß ebenſo wenig aba

weichen wollten , ſo wurden zwen Briefe unter fchiedenen Inhalts , aus der Provinz an den Kids nig abgefertiget.

In dem erſten erſuchten ihn die

Råthe und die

Unterſtånde des Landes um die

Beſtätigung der Privilegien , mit einem unbeding ten Berlangen nach ſeine

baldigen Ankunft ;

int

dem andern hingegen wurde er im Namen der Großen Städte gebeten , ſeine Reiſe nicht eger an . zutreten ,

bis der Kayſerliche Hof der Wahlcon.

currenz wegen befriedigt, die Privilegien beſtåtigt, und die Beſchwerden des Landes abgeſtellt Reyn würden .

Ohne Genegmhaltung Danzigs ,

wur

de ferner wegen des Königlichen Empfangs , nåhes re Verabredung in Thorn zu nehmen beliebet ; die Thorner Abgeordneten erklärten dabey freymüthig, daß die Ordnungen ihrer Stadt ſchon beſchloſſen båtten , dem Könige den Einzug unbedingt zu ver ſtatten ;

und was die Elbinger betraf,

fo gaben

dieſe zwar jeko noch von ihrer Unentſchloſſenheit Proben , fie Haben aber fernerhin feinen Anſtand genommen ,

ſich zur Zuſammenkunft in Thorn

einzufinden , um den Befehläffen der übrigen Stan . de beyzutreten . 23

igs

Danz

246

ichte

Geſch

Danzig blieb demnach

.

iſolirt auf der widers

ſprechenden Seite. Der Königliche Geſandte Kora ſobucki war zwar gleich vom Culmer Landtage hies þer gefommen ,

und

hatte im fißenden Rath die

Anwerbung für ſeinen König an die Stadt wies derholet,

allein man hatte ſich in der gegebenen

Antwort , auf die nahe Verbindung mit dem Kay ſer bezogen , und alle Entſchuldigung aus der una permeidlichen Gefahr hergeleitet , die man mit ei per Beleidigung des Kayſerlichen Hofes befürch : ten můste. Den Geſandten hatte man bieber nur als einen Fürſtlichen Geſchäftstråger aufgenommen , Weshalb derſelbe auch die gewöhnliçen Ehrenge. ſchenfe jurůck geſpickt hatte ; noch mehr aber wur. de ein kaltſinniger

Abbruch der Conferenzen mit

ihm verurſachet, weil während ſeiner Anweſenheit , die Nachricht in die Stadt einlief , ſerlicher Geſandter, Kurzbach, fchen

daß ein Kaya

der Freyherr Heinrich von

auf ſeiner Herreiſe nach Danzig, zwi

Rheden

und

Schmechau ,

Weyher mit 70. Mann wåre

vom Obriſter

angegriffen ,

ver .

wundet , und ſeiner Inſtructionen und Briefſchaf ten ſo wol , als auch für ſich und ſein Gefolge, al ler Baarſdaften und Koſtbarkeiten beraubt wors den ; zuleßt hatte man ihm noch das Ehrenwort abgenommen ,

ſeine in Befeýl bekommenen Ge.

fdäfte an niemand zu entdecken , und ſich ſo oft es gefordert wurde, vor den König von Polen zu ſtel. len .

Dieſer gewaltthätige Anfal zog in Teutſch

land die Feſthaltung , zweyer Polniſchen Kanzeley .

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel. Secretairs nach fick , ff )

247

welche die Republik bes

vollmächtigt hatte ,

mit dem Kayſer einen friedli. den Vergleich wegen ſeiner Anſprüche auf die Pole niſche Krone zu treffen , worin aber das Geſchåfte von beyden Theilen durch Verlegung der Formalis táten war růckgångig gemacht worden .

In Dana

zig ſuchte man dafür, den Freyherrn von Kurz bach mit großen Ehrenbezeigungen einzuholen , und ihm ſeiner Bleſſuren wegen , alle Bequem lichkeit auf der noch übrigen Reiſe zu beſorgen. Vierzig Bürgersſdhne ritten ißm etliche Meilen weit gerüſtet entgegen, der Rath ſchickte einige Zů . ge Wagen und Pferde hinaus , und ein Detaſches ment Fußvolk , weil die Stadt damals noch keine Reuter hatte , mußte bis ans Kloſter Olive entges gen zießen .

Um dieſelbe Zeit hatten einige Polnis

ſche Edelleute gegen die Bärgerſchaft in Thorn Gewalt ausgeübt , die Thorwace angegriffen, und im Daraus entſtandenen Lerm , einen Bürger er . ſchoſſen ; es wurden auch überall im Lande Klagen geführet, daß die Reuterſ @ aaren welche der Ko nig vor ſeiner Ankunft nach Preuſſen geſchickt þat e , in den Dorfſchaften plünderten , und ohne alle Mannszucht , Gewalt und Unfug begingen .

Da.

durch war nun Danzig immer mehr bewogen wor . den , ſich gegen den Ausbruch beſorglicher Feino. feligteiten in Sicherheit zu reben , und weder dem ff ) Johann Strotowski und Jobann Demetrius Soſikowski, welche erſt nach des Kayſers Tode , und nachdem der Stay : ſerliche Geſandte in Polen ſeine Freyheit erlangt batte, auf freyen fuß find geſtellt worden. 2.4

Geſchichte Danzigs .

248

1

Königlichen Secretair Roſſobucki, noch auch auf den ro fort aus Marienburg erfolgten Antrag des Hofmarſchalls Zborowski,

eine deciſive Erklås

rung wegen ihres Verhaltens gegen die Ankunft des Königsgu geben .

26 Aug. Mitlerweile kam Stephan unter großen Fey. erlichkeiten , womit ihn die Preuſſiſchen Landes ſtånde empfingen , nad Thorn .

Die erſte Ceres

monie , worüber ein weitläuftiger Wortwechſel ges führt wurde ,

betraf die Königliche Endesleiſtung

an das Land Preuſſen , worin zulegt doch nur die Erklärung erfolgte , daß der König die Preuſſiſchen Stånde in den zu Krakau abgelegten Eyd mitbe. griffen Kåtte , und zwar wie er felbft mündlich hins zu ſekte , ,, mit Vorbehalt der Rechte und Priviles gien der Preuſſiſchen Lande.

Jým wurde darauf

von den anweſenden Stånden , und von der Stadt Thorn in pleno gehuldigt, von Danzig aber traf eben ein Antwortſchreiben auf eine nochmals geſchehene Einladung der Preuſſiſchen Råthe ein , worin dieſe Stadt ihc Ausbleiben mit der ſpåter vermutheter Eintreffung des Königs zu entſąuldigen ſuchte, übrigens aber den Stånden anlag ,

ihr ſo wol als

der ganzen Provinz , zur Entlaſtung von allen Bee fchwerden,

beym Könige bepůlflich zu ſeyn .

Das

Verfahren mit Danzig ward nun ein wichtiger Ge genſtand der fermeren Conſultationen. rich Gegner ,

Es fanden

die zur äuſſerſten Schärfe anråthig

waren ; dod, überwog eine Mehrheit der Stimmen , denen Srephan ſelbſt benfiel ,

noch mit Glimpf

und Schonung der Stadt zu begegnen .

Eine neue

Dritter Abſchnitt.

Zehntes Capitel.

249

Landesverſammlung in Graudenz war ſchon beliebt worden ; man warb alſo ſchlüſſig ,

daß vor Erdf

nung derſelben , Abgeordnete aus Elbing im Namen des Landes nach Danzig gehen , und die Ordnun : gen der Stadt zur Vereinigung mit den übrigex Mitſtånden bewegen ſollten. Dieſes Gewerbe wur . de abgeleget, aber an demſelben Tage trafen zwer Königliche Geſandten in Danzig ein , Gegenwart aller Ordnungen ,

welche in

mit einem dringen :

den Vortrage , die Stadt zur Huldigung auffor derten , und im fall des fernern Widerſtrebens die þårteſten Drohungen hinzufügten . Die Huldigung zwar lehnte die Stadt mit kurzen Entſchuldigungen ab , fie ließ aber den Antrag der Geſandtſchaft mit einer ſchriftlichen Deduction erwiedern , und wollte dieſelbe als eine Antwort an den König überreichen taſſen ; allein weder der Culmiſche Biſchof noch der Woywod von Brzeſcz nahmen ſelbige an , ſondern beyde febrten unverrichteter Sache nach Marien burg zurück , und die Danziger mußten ihre Erklå. rung nebſt einem Schreiben , felbft an den König befördern.

Kurz darauf erfolgte eine Königliche

Citation , daß fåmmtliche Ordnungen der Stadt, fich innerhalb fünf Tagen , am Königlichen Hof lager perſönlich einſtellen ſollten.

Nun ſuchte man

zwar turch ein abermaliges Schreiben an den Kö. nig , dieſe Ausladung demüthig zu

verbitten , et

wurde auch an die Preuſſiſchen Landesråthe ge fchrieben, ſich der Stadt mit freundſchaftlicher Hülfe. hierin anzunehmen ; alleix legtere riechen in ihrem Antwortſchreiben ,

zur ficerſten Entkvåftung der 25

Danzigs Geſchichte.

250

Citation , fick dem Könige durch Abgeordnete zu unterwerfen ,

und fie hatten zu dem Ende ſchon

ein Geleite ausgewürfet , welches ſie ſchriftlich und unterſiegelt der Stadt überſchickten . war eines theils die angeregte indem

die Deputation

Dazu aber

Friſt viel zu furz,

in einem Tage gåtte zur

Stelle gebracht werden müſſen , und auf der an dern Seite ward die Stadt nicht wenig in Bes ſtürzung gefekt, als gleich nach erfolgter

Ausla

dung, einige Polniſche Fußtruppen einen Ueberfall in die Prauſter Dorfſchaft machten, auch der Obri. ſte Weyher mit ſeiner unter ihm ſtehenden Mann . ſchaft feindſelige Wegelagerungen und Plünderun gen im Höhiſchen Gebiete Denn mit dergleichen offenbaren Kriegsproceduren ſchien ſoon die Rachſucht der Feinde, ſo die Stadt hatte, über alle friedfertige Abſichten des Königs obgeſieget zu gaben . Der Graudenzer Landtag hatte,

weil beym

Ausſchreiben deſſelben die bisherige Form vernache låßigt geweſen ., einen fruchtloſen Ausgang , doch nahmen einige wolgeſinnte Råche bey dieſer Zu. ſammenkunft Anlaß , nochmals eine Fürbitte zu machen, daß Danzig mit ferneren Hoſtilitåten vere ſchont werden möchte.

Es ſchien aber als ob das ,

was man befürchtet hatte , nun deſto eher geſches Der feſte Sinn der Stadt wurde dem hen ſollte. Kidnige als eine fo Halsſtarrige Vermeſſenheit vor. 24 Sept. geſtellet ,

daß er zu Marienburg ein Decret abs

ſprach , fraft deſſen Danzig ausdrücklich in die Uche erklärt, und als eine Staatsrebellin bebandelt wers

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

251

den ſollte. Daſſelbe iſt zwar erſt im folgenden Jahre verlautbaret worden ,

aber ſchon den dritten Tag

nach deſſen Abſpruch ,

fam ohne Vollmacht ein

Trompeter in die Stadt , und wollte ein teutſch abs gefaßtes Proclama in den Straßen öffentlich aba leſen , welches mit vielen verſehrlichen Auedrücken, eine Anmahnung an die Bürgerſchaft zur Unters werfung enthielt. ſolches dem

Obgleich nun

der Magiſtrat

Trompeter auf ſeine Gefabr zu publi

çiren verſtatten wollte , ſo hielt dieſer doch bey den wahrgenommenen Volfsgeſinnungen hernach ſelbſt für gerathener, von ſeinem Vorhaben abzuſtehen , und nahm vielmehr den Auftrag des Raths an , ein Søreiben an die Königlice Majeſtác mit ſich zu nehmen , worin um ein ofneres und gnädigeres Betragen gegen Danzig gebeten wurde.

Gleich

Darauf aber erfolgte das Gegentheil mit der ſchre. cenvollen Nachricht, daß die Polniſcen Kriegs . vólfer an zweyen Orten ins Danziger Werder eine gerückt wåren , der Stadt ,

alle daſelbſt gefundene Soldaten

deren

ungefebr 150 zur Verthendi.

gung gegen die Streiffereyen ,

in den Dorfſchaf

ten verlegt waren, todtgeſchlagen und ſich gleidyer. maſſen gegen die Bauern feindlich betragen hätten. Die Kedbeit einiger Danziger Soldaten ,

denen

zwar aller Anfang der Gewaltthätigkeiten gegen die Polen aufs höchſte unterſaget geweſen , welche aber unweit Dirſchau auf die Königlichen Kundſchafter Feuer gegeben , und ein Pferd des Königs erſchor ſen Hatten ,

ward als die nächſte

Urſache dieſes

Ueberfalls angegeben , bald darauf aber nahm det

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g bin m n fen ni , in de rſHcohe Gre rei Sta Kö n e er de ne rupp ß d örf n die Wner D i T un lieen ſei e ig t b geg leg nz lie es nich ber Jn Da zung hin . ver r b n e r n r b ü e e ü ſ t nd r ſ deerr gee , cſhoen hie Beſ der blo linſ n e t her oe n ſ c n h i d l t e r a g in Ki di ktaun , wleige Mt me h c f e te a ſ i e e d d t t t r n e Hat , rnot Anſ fei Ver lig te rl hey wi r e t h e e n lda r h t t n a o u k zu S m Pa fic mein ei ni ter mm hefniel ins Domi nd in die loſ c n u , K , ſa ſ e r t r dt ffe git ſte ſta d un der Wei der Bri Kid Alt er ren und Fenſt , fing 28 ernJü fam t l nd te och eşr d wa m n , un n hät zu plü an ge e et r e g h e h u c nde n en Kirciſt verůb , wenn f s a n u R re i d a U i rme er ht eren räſid rb t rge u ,lim Fe B n chie p d nic m e a t n l ſ h ö a e k c ſ t n d r rt Anſ per ſei , un tdur wů ück wa lle m en hdr i d r g t t n n ſ , un mi nac ge dnegeLe Ge ht, u l rac he hen oh be n b r c u r ö e e u i g R z P d D l ch en te s rd glni ch , ſo viel möe u n n die baeu a Ersn wu Håt . e bt e mm e r u t i a e a ſ r ſ t ser , gertn zu Gü den Kld aug ert s athh e ief d hren igne f l i n u e t w i r E , u g R a e e s ell e htn to enig te ie ach eſt d R leb w . Nhincer deſ der zug o en er en inw ngen f von neu r au , atlesn die Po . E ru d unt e e e ek d e r rb enrtſ , auc im len die Ve n t We ndet fo ſ e b r h e l n ü ü c e f d n f z r ſ da ; de an daht un Ki Ho s c n e ig n eſi rd rges ön , chdeeirn ebe die im Ang wu sbe de K f ſ o t m en ch m ad aahnd , nl in Aug g vo cheBniſ St e t i d t i l r h n o z t en ſ h ruc Grü . , Sc benliDga die Gei d enb wil e p h ſ n an d p c i e in Br , mu n un Hto htwe c i e e r h h inig eß n hat ma am Nac e , ja nac gef Biſchofsberge , in Petershagen , Roſenthal und Neugarten , ohne daß ſolches abſichtlid beordert geideſen , viele Häuſer im Rauch aufgehen laſſen .

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

253

Es ſahe demnach ſchon äußerſt verwirrt und trieges riſc aus , obgleich von beyden Seiten node şofe nung zum gütlichen Vergleich gemacht wurde. Die Stadt erhielt ein freyes Geleit, ihre Abgeordneten nach Grebin fchicken zu können , und man benuste dieſe Erlaubniß ,

um eine Deputation aus allen

drey Ordnungen abgehen zu laſſen . Der Königliche Burggraf Peter Behme , nebſt dem Rathsherrn Tiedemann Gieſe, der Schöppe Conrad Leinke und Cyriac von Vechteld aus der dritten Ords nung , erhielten eine genaue Inſtruction , in wele der Art ſie das bisherige Betragen entſchuldigen , zugleich aber beym Könige darauf beſtehen ſollten , die Stadt ihrer oft abgelaſſenen Bitten zu gewåh . Es wurde darauf eine Commiſſion von zwey ten . Polniſchen Senatoren , dem Woywoden von Kras tau Peter Zborowski und dem Reichs - Unter. kanzler Johann Zamoyski ausgeſeket,

welche

mit den Abgeordneten der Stadt in nåhere Unter. bandlung traten .

Die Sache fchien ſich anfangs

zu einer guten Vereinigung zu lenken , allein man kann es für ausgemacht halten ,

daß der Biſchof

von Cujavien und der Woywod von Sendomir , nach ihrem eingewürzelten Groll ,

dem Vergleich

Hinderniſſe gelegt haben ; die Negotiation blieb alſo feuchtlos ,

und da die Stadt wegen der vore

läufigen Bedingungen , daß ſie die angeworbenen Soldaten abdanken , die Huldigung leiſten , die unbeerdigten Fremden aus der Stadt weiſen, und fußfällige Ubbitte thun folte,

teine Moderation

erbalten konnte , fo wurden die Unterhandlungsger

Danzigs Geſchichte.

254

ſchäfte völlig abgebrochen , und der König machte ſich auf,

von Grebin nach

Tjorn zu reiſen , wo.

Hin er einen Reichstag ausgeſchrieben hatte. Die Reichstagsgeſchäfte hatten vorzüglich die Danziger Sache zum Vorwurf.

Der König ver

langte von den Preuſſen eine Kriegshülfe gegen die Stadt , die Landesråthe aber verſãoben ihre Er. klärung darüber,

weil ſie noch immer glaubtert,

daß der König in der Güte würde befriediget wer's den . Von Seiten Danzigs machte man ſich zwar auf alle Fälle bereit , den Feindſeligkeiten , womit immer någer gedrohet wurde , fu begegnen ; weil aber unterdeſſen die Nachricht vom Ableben des 12 Oct. Kayſers Maximilian des Zweyten eingetroffen war , und die Stadt nun deſto größre Urſache hats te, fick nach der Ausſöhnung mit dem Könige zu Tehnen ; ſo waren nicht nur die Kronſenatoren und 3 die Preuſſiſchen Råthe , ſondern auch die Königin Anna um ihre fürſprechende Interceſſion

dazu

fchriftlich erſuchtworden , und es ward durch dieſe Vermittelungen , nebſt einem demüthigen Sąrei. ben der Stadt an den König ausgewürket,

daß

aufs neue ein freyes Seleit auf zwolf Tage für ihre Abgedrdneten nach Tþorn ausgefertiget wurde. Die Sendung traf jeko den pråſidirenden Burger . meiſter

Conſtantin

Ferber ,

den

Rathsherrn

George Roſenberg und den Syndicus Heinrich Lembke , denen aber im

Namen des Königs bey

ihrer Ankunft befohlen wurde , mit niemand , als den ernannten Commiſſarien in ihrer Sache, Vernehmen zu haben ,

ein

wozu der Kronmarſchall

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel. nebſt einem geſchwornen

Feinde der Stadt ,

255 dem

Ubt von der Olive Caſpar Geſchke erwåble was ren .

Gleich nach der erſten Zuſammenkunft, rgür

de auch dem Könige, von den mitgegebenen Ge ſandtſchaftsauftragen ein ſo nachtheiliger Bericht abgeſtattet, daß fämmtliche Abgeordnete in ihrem Wohnungsquartiere Arreſt betamen . Sie ſchidten darauf eine Abſchrift iğrer Inſtruction an den Kos nig , und ob nun gleich der Arreft nicht gehoben wurde , ſo ward doch an ſtatt des Oliviſchen Abts, der Woywod von Brzeſc; zum Mitcommiſſarius er. nennet, wonachft auch der König gewiſſe Bedin gungen vorſchlagen ließ ,' unter welchen er die Stadt zu Gnaden anneğinen wollte. Hauptpunktë;

Hievon waren die

einen Theil der Stadtmauer zum

Zeichen der Unterwerfung niederzureiſſen, das Haus Weichſelmünde dem Kdnige und der Republit Por len zu übergeben, acht Stüde ſchweres Geſchüßes, und zu jedem 500 Kugeln nebſt dem dazu ndthigen Pulver zu liefern ;

þundert tauſend Gulden

der

Ausſdhnung halber an unkoſten zu erlegen ; die feit den Commiſſionsgeſchäften rückſtändigen Gel der , imgleichen die von der vorigen Regierung re. ſtirenden Schulden zu bezahlen ; und das Kriegse volk der Stadt fechs Monate lang zum Lieflånd. fchen Kriege auf eigne Koſten zu unterhalten. Die Vollmacht der. Danziger Geſandten war aber viel zu enge , als daß ſie ſich auf ſo beſchwerliche Bes dingungen fåtten einlaſſen können , ſie baten dem . nach um Erlaubnis , ihrer Obern Meinungen dars über einholen zu können , und weil biezu eine Vera

256

Danzigs Geſchichte.

längerung des fichern Geleits nothwendig war , lo wurde auf daſſelbe inſtåndig angetragen .

Beydes

befamen ſie auch zugeſtanden , und der neue Ges leitsbrief ward nunmehr uneingeſchrånkt bis zur Beendigung der Gefchäfte geſtellet.

Aus Danzig

aber brachte der Syndicus auf obgedachte Bes dingungspunkte,

keine befriedigende Antwort zu .

růck ; die Abgeordneten wurden inſtruiret,

ſelbige

insgeſammt mit einer beſcheidenen Entſchuldigung abzulehnen, man verknüpfte damit ein eignes Bitte ſchreiben an den König , und hienächſt wurden in Form einer Capitulation, vierzig Beſchwerdeartikel von der Stadt eingeſchicket,

um deren Abſtellung

ein ſubmiſſes Anſuchen an den König erging . Durch , Dec.

den Woywoden von Brzeſcz wurde dieſes alles dem Könige vorgetragen ,

der Erfolg davon aber be

zeugte eine ſo ungnådige Aufnaşme der Berichte, daß nicht nur der Hausarreſt den Ubgeordneten aufs neue viel þårter angekündiget, und zur ge nauern Aufſicht mit einer Wache von zwölf Tra . banten geſichert wurde ; ſondern die Herren mußten ſich auch ein (prodes und unhöfliches Betragen vom Hofmarſchal , laſſen .

ja ſelbſt von der Wache gefallen

Sie wurden willführlic von einander ges

trennet , man entzog ihnen die Aufwartung ihrer Diener, man nahm ignen ihr Geråthe , und ließ fie oft an den gemeinſten Bequemlichkeiten Mangel leiden . Unter ſolchen Umſtånden ſchlugen ſich die Preuſſiſchen Landſtånde ins Mittel, erlaubt wurde,

denen auch

mit den Danziger Abgeſandten ,

wegen einer dem Könige gefälligern Erklärung eine Con

Dritter Abſchnitt. Zehntes Capitel. Conferenz anzuſtellen.

Mit ſelbiger aber wurde

eben ſo wenig ausgerichtet. Stånde thaten

257

Die Deputirten der

zwar den Vorſchlag ,

die ganze

1 Streitfache mit einer beträchtlichen Gelderbietung aufzuheben ,

und nächſt der Eydesleiſtung und Ab.

bitte , dem Könige eine Summe von vier mal guns dert tauſend Gulden anzubieten ; die Abgeordneten der Stadt aber beriefen ſich auf die Eingeſchrånkt. Þeit ihrer Befehle ,

ſie konnten höchſtens nur ein

Hundert tauſend Gulden auf Termine zur Befries digung antragen , und hiemit ſollte die Stadt bey ihren Freyheiten erhalten ,

alle Klagen und Ges

breden getilget, und inſonderheit die Commiſſions, Weil nun bey håndel völlig aufgehoben werden . einer ſo geringen Offerte keine Hofnung hiezu ges geben werden konnte ,

ſo zerſchlug ſich das Vera

mittelungsgeſchäfte; doch wurde beym Woywoden von Brzeſz noch eine Zuſammenkunft mit etlichen Preuſſiſchen Råthen gehalten , worin alle Unben . ſtimmtheit aus dem Wege geräumt und des Roe nigs endliches Verlangen dergeſtalt erklärt wurde ; die Hälfte des Pfalgelds ohne daß es erhöht wurs de , ſollte dem Könige

zukommen ;

über Rechte

des Meers und der Seefahrt folten ohne Einwil. ligung des Königs keine Verträge gemacht were den , das Haus Weichſelmünde aber der Stade verbleiben ;

und alle Beſchwerden

miſſionsſache

aus der Com .

auf nächſtem Reichstage abgeſtellt

werden ; in Ueberlaſſung des

Geſchüßes und der

Soldaten würde die Stadt fich dem Könige gefällig bezeigen ; das ſichre Geleit würde den Abgeordne. R Geſch . Danz. ater Th .

258

Danzigs Geſchichte.

ten der Stadt geßalten werden ,

übrigens folltert

alle ſchon vorgelegte Bedingungen in iþrer Kraft bleiben . Mit dieſen rectificirten Artikeln mußte ein Secretair der Stadt zurück geben , um von fåmmtlichen Ordnungen

derſelben eine Antwort

darauf einzuholen . Aber dieſer Secrétair Radecke kam nicht zurück, und die den Geſandten aufs neue aus Danzig eingeſchickte Inſtruction fiel weder zur Zufriedenheit des Kofes ,

noch dem Wunfo der

Landesråthe gemåß aus ; indeſſen drungen lektere unaufgårlick in die "Danziger Abgeordneten ,

ein

Mittel zur Vergütung iþres gånzlichen Untergangs ausfindig zu machen .

Dieſe nun wußten weiter

teinen Rath , als perſönlich nach Hauſe zu gehen , um ihren Mitobern mündlich eine dringende Vor ſtellung in der Sache zu thun.

Die Räthe übers,

nahmen es , ihnen die Erlaubniß dazu auszuwür ken , und auf deren unablaßiges Bitten , ließ fich der König mit Mühe bewegen ,

den Burgermei.

fter Ferber nebſt dem Syndicus, auf eydliche Ver ficherung , ſich den 3 Janúar folgenden Jahres in Shorn wieder einzuſtellen , laſſen .

nady Danzig reiſen zu

Bald darauf wurde der Reichstag in Thorn

gerbloſſen , nachdem noch die Preufftfchen Stände, auf eine wiederholte Aufforderung zur Kriegsgülfe wider die Danziger , eine zwiefache Malzacciſe ju contribuiren bewilliget batten .

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitel. Eilftes

259

Sapitel .

Kriegriſche Verthendigungsanſtalten in Danzig - die Difs ferenz mit dem Kdnige ſcheint grdßtentheils ein Geldges ſchäfte zu werden - die Zünfte und Gewerke in Danzig nehmen nähern Theil an der Fortſegung der Negotiatios nen - ſtarke Erklärung des Königs – leßte Reſolution in Danzig - das Achtsdecret gegen die Stadt wird pus bliciret – und der Abſagebrief ausgefertiget - Anfang gegenſeitiger Feindſeligkeiten - Danziger Niederlage bey Lubeſchau - der Krieg wird auf dem Reichstage beſchloſs ſen - einmüthige Wiederherſtellung des Kriegsey fers in Danzig - nochmalige Er8fnung der Friedensconferens

zen

fruchtloſer Ausgang derſelben .

Das Betragen der Stadt Danzig bekam nun ima mer mehr Anſcein eines hartnäckigen Ungehorſams gegen den König ; und doch iſt aus den glaubwür . digſten Receſſen und Nachrichten dieſer Zeit erweis. lich , daß man hieſelbſt nichts weniger als eine 26 . neigung gegen den großmüthigen Stephan gehabe habe. Nur um den hohnſprechenden Haß ihrer Feinde zu beſiegen , und deren eigennůßige Private abſichten zu vereiteln , befand ſich die Stadt in der Nothwendigkeit ,

die åußerſten und gefährlichſten

Schritte zu wagen , ſonder welche Freybeit , Un feben und Wolſtand unwiederbringlich wären ver loren gegangen .

Es droheten alle Umſtånde den

Ausbruch eines offenbaren Krieges , wozu . aber nug in in Bereitſchaft gefekt Danzig fich frühe genug hatte .

Die Befaßung in der Stadt beſtand jeko,

nachdem der commandirende Obriſte nocy eine Fab. ne für ſich angeworben hatte , ' aus fünf Fahnen deutſcher Soldaten , und zwey von Hofleuten, (mie R2

260

Danzigs Geſchichte.

fie genannt wurden ) errichteten Adelsfahnen , wor mit ſich nachher noch eine Fahne Freywilliger vero Nächſt vielen tapfern Officiers die einiget hat. größtenteils aus Deutſchland gekommen waren , ward das Obercommando dem erfahrnen Krieges obriſten Hans Winkelbruch von Eslen ander. 1

trauet, der dem Churfürſten von Sachſen im Mage deburgiſchen Kriege unter dem Grafen von Mannsa feld gedienet hatte , und den die Stadt fick durch ihren Secretair Joach . Bokacius ,

eignes Ges

werbes vom Sächſiſchen Hofe hatte ausbitten laſ ſen . . Uuf den Wållen waren rund umber Wach. häuſer für die Bürgerſchaft aufgerichtet,

und zu

jeder Nacht bezogen an 2000 Bürger die Wachen . Zwey hundert Büchſenmeiſter Hatten

das große

Geſchůße unter ihrer Aufſicht, denen noch 400 Stük An den Feftungswers knechte zum Dienſt waren. ten hatte man ſchon das ganze Jahr hindurch un . ermüdet gearbeitet,

die Streichwehren repariret

und neue Blockhauſer gebauet , oder die alten ver . Seit dem November arbeitete man an

beſſert.

der neuen Bruſtwehre hinter den Speichern, vom Nilchkannenchor bis an den alten Aſchhof; långſt dem Zimmerhofe wurde alles mit hölzernen Rah men verſchürzet, und mit Blockhäuſern verbauet, gleichwie ein Blockhaus mit der Zugbrücke gegen den Kran åber an der Schefferey aufgerichtet wur . Eine Abwehr gefährlicher Ueberfälle von der de . niedrigen Seite der Stadt, verſprach man ſich ins. beſondre von der im vorigen Sommer unternom menen Perpfàlung der Motlau , da felbige beym

!

Dritter Abſchnitt. Sheerhofe war

Eilftes Capitel.

durchgeſchnitten

und mit

261 einer

Schleuſe verſehen worden , vermoge welcher, der Lauf des Fluſſes über die Wieſen nach der Niedes rung der Stadt geleitet , und dieſe Seite ins kleine Werder hinein ,

eine deutſche Meile weit,

Waſſer gereßt werden konnte.

unter

Auf dem Hauſe

Weichſelmúnde lag der Hauptmann Claus Wet fteten mit einer Fahne guter Soldaten ; etliche wol gerüſtete mit Geſchüße und eignem volt bes mannte Schiffe hatten Drdre , zur Entſegung des Hauſes in Bereitſchaft zu liegen , und auch hier wurden die Verſchanzungen und Bruſtwehren tåg. lid vermehrt und verbeſſert. Der ſchweren Ab. gaben zu fo großem Aufwande fonnte Danzig al. lerdings nicht entledigt bleiben .

Im Monat Dea

çember erging ſchon die dritte diesjährige Sakung, ſo man dieſer Zeit zu den großen Kriegsauflagen gezahlt þat. Die erſtere war eine Kopfſteuer ge weſen , Þie ſo gar für Kinder mit einem Sbaler, und für Dienſtboten mit einem þalben Thaler iſt erlegt worden ;

die zweyte war die ungewähnlich

erhöhte Acciſe von Getränken , und die dritte bea ſtund in einer allgemeinen Vermögenſteuer des hun dertſten Pfennigs .

Indeſſen fehlete es dabey mee

der an Kriegsnothwendigkeiten noch an zureichen . dem Mundproviant ; es waren Lebensmittel, ſelbſt auf den Fall einer Belagerung , in der Stadt vor. råthig ,

und ſo lange die Zufuhr zur See unge

ſperrt blieb , konnte auch der tägliche Abgang ims merfort erſeßt werden .

R3

262

Danzigs Geſchichte . Die Ankunft der vom Könige auf Angelobung

entlaſſenen

Depucirten , jog nunmehr in Danzig

Der Burgermeie fowere: Rathſchlåge nach Fich. fter Ferber machte fåmmtlichen Ordnungen die Feſtigkeit des Königlichen Willens , und die ware nungsvollen Vorſtellungen der Preuſſiſden Stäna de bekannt , welche deswegen auch eigne Zuſchrif Großtentheils aber ten an die Stadt ablieſſen . Kopienen die Differenzen in ein Geldgeſchäfte úber vier halben Pfalgelde, Außerdem zugeben . großen Kanonen ,

und der Erbauung eines Palo

laſts , ſo vom Könige noch immer verlangt wurde, follte die Stadt in alle Rechte und Freyheiten , ih rem Anſuchen gemås reſtituirt werden ,

wenn ſie

ſich eine Summe von 300000 Gulden innerhalb Allein Jahresfriſt zu bezahlen , erklären würde. die Ordnungen lieſſen ſich mit Mühe nur zu einer Einſtimmung auf 200000 Gulden bewegen , ſie verlegten die Zahlung derſelben auf vier Termine innerhalb vier Jahren , und wollten hiemit nicht nur die übrigen Bedingungen abgeſtellt, ſondern auch die Beſchwerden der Stadt , nebſt den Coma miſſionshåndeln und allem was denſelben anhängig Und weil die Stånde war , völlig gehoben wiſſen . der Provinz fick vorhin fchon aus freyem

Willen

erboten gehabt , zu Beförderung des Ruheſtandes mit Danzig , hundert tauſend Gulden für den Ko nig im Lande aufzubringen , ſo ergrif man dieſes Anerbieten , um das Königliche Begehren damit als vollkommen befriedigt anzugeben , man fertigte 1 Januar auch den Burgermeiſter nebit dem Syndicus wice

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitel. derum ab ,

263

um der Königlichen Majeſtåt folches

alles nåber zu infinuiren .

Dennoch wurde auch

hiemit keine Zufriedenheit bewürfet.

Der König

befand ſice jeko in Bromberg, wohin die Danziger Abgeordneten ihm zu folgen Befehl hatten . ließ ſich

Er

ihre mitgebrachte Inſtruction vorlegen ,

die vor den übrigen Anſuchen kun auch die Reli. gionsfreyheit nach dem Augſpurgſen Glaubens. befenntniß zum Hauptartikel enthielt;

weil aber

der ſpeciellen Forderungen des Königs feine Ero wähnung geſchahe, dagegen einige misfällige Eins fchránkungen ; des Eydes ſo wol als des Königlio den Einzuges wegen , gemacht waren , der König es auch unwillig empfand ,

die Zahlung für die

Stade zum Theil dem Lande aufbůrden zu laſſen , fo bekamen einige Commiſſarien des Hofes den Aufe trag , mit den Danziger Deputirten eine Abånde . rung der Vereinigungspunkte zu treffen . Nun konnten zwar lektere von iþrer Inſtruction nicht abweichen , man ſchlug aber , um die gůtliche Uns terhandlung nicht gar zu zerreiſſen ,

noch einmal

das Mittel ein , den Rathsherrn Roſenberg mit dem Syndicus nad Danzig abgeben zu laſſen , und iğnen die lekten Vorſchläge des Königs mitzu . wornach jeko" drey Termine zur Zahlung

geben ,

der 300000 Gulden innerhalb achtzehn Monaten verlegt wurden , übrigens aber das halbe Pfalgeld, und vier der größten metallnen Kanonen mit dazu nöthigem Pulver und Bley in der Forderung blie. ben ; dod ſollten die Kanonen nach Beendigung des Ruffiſoen Krieges der Stadt wieder zugeſtellet R4

264 werden .

Danzigs Geſchichte. Hienächſt schickte der König den

Ente

wurf eines Reverſes mit , worin er ſich zur Beſtår tigung der Privilegien , und zur Abbelfung aller Beſchwerden Danzigs, entweder aus eigner Macht oder auf einem allgemeinein Reichstage erklärte, womit auch eine genaue Beantwortung der beo trächtlichſten von Danzig eingeſchichten Capitula . tions- oder Beſchwerdepunkte verknüpft war. Die Rathfolåge der Regierungscollegien itt Danzig wurden hierauf mit neuer

Lebhaftigkeit

fortgeſeket, was aber die dritte Ordnung ſchon ben dem vorigen Miſſionsgeſchäfte enfrig verlangt bat te , nemlich die Mitſtimmung der Zünfte und Ge. werke hinzuzuziehen ,

darauf wurde zur jeßigen

Entſcheidung noch mehr inſiſtiret.

Es geſchahe

auch trop verſchiedener dagegen gemachten Ein würfe ,

daß die Deputirte von den Zünften und

Gewerken aufs Rathbaus berufen wurden ,

in den

ren Gegenwart , gleich wie vor allen Ordnungen , der Präſident die neuen Antråge ſo der Rathsherr Roſenberg mitgebracht hatte , proponirte.

Jene

brachten nach einem auf etliche Stunden zur geo meinſchaftlichen Beredung erbetenen Abtritt, durch ihren Redner Caſpar Giebel einen Beſcheid zu růd , womit alle fernere Offerten berſagt wurden , wenn der König nicht mit der gebotenen Summe Geldes zufrieden ſeyn wollte.

Weil nun die Orde

nungen hiemit in iþren Entſchlüſſen der Mehrheit nach einſtimmig waren , die zur Rückeør beſtimme te Zeit auch heran nahte , Roſenberg aber einer jugeſtoffenen Krankheit wegen nicht abreifen konn .

Dritter Abſchnitt.

Eilftes Capitel.

265

te , 68 ) ſo wurde der Syndicus Lemke allein zu. 22 Jan. rückgeſchidet, um die Nothdurft der Stadt ſo wol als das Ausbleiben des Rathsherrn zu entſchuldi. gen , und die Briefe an den König , nebſt der Dan ziger Reſolution zu überbringen .

Der König vera

nahm unwillig , daß der Syndicus rich allein wic. der in Bromberg eingefunden hatte , er wollte die Krankheit des Rathsheren als

einen Vorwand ,

und für eine Verlegung der geleiſteten Zuſage an . ſehen , gab auch ausdrücklichen Befehl, den Burs germeiſter wieder unter ſcharfer Wache zu halten ; indeſſen ließ ſich der Syndicus dadurch nicht abe forecen ,

feinem

mitbekommenen Befeßl nach,

um eine Audienz beym Könige zu bitten , und dem Siebenbürgiſchen Kanzler Goslicki nebſt dem Abt von der Olive die Relation abzuſchlagen , ſie wegen ſeines Geſchäftes verlangten.

welche

Der Bur

germeiſter und der Syndicus erhielten auch kurz darauf ein Gehør beym Könige ,

und überreichten

perſönlich die mitgebrachten Papiere.

Hier aber

äußerte ſichs deuclich, wie ſehr ſich der König durch die ungehorſamen Verzögerungen Danzigs beleis digt erkannte.

Seine mit den Deputirten in la .

teiniſcher Sprache gehaltene Unterredung ,

ließ

zwar noch immer eine bereitwillige Verzenkung, er warten ,

allein er druckte ſich zugleich dergeſtalt

aus , daß er allen fernern Misbrauch ſeiner Lange muth als ein vollendetes Verbrechen anſehn wollte . . Ich will, ſagte er :

die von euch bengebrachte

Eg) Er war durch eine Bautentzündung ſo die Roſe genannt wird , am linken Fuß , frank geworden . R5

266

Danzigs Geſchichte

Schriften den

Reichsråtben vorlegen,

und ihr

follt unſre lekte Entſchlieſſung erfahren .

Jør

ir rolle endlich erkennen , ob iþr dem Reich , oder ,, das Reich euch unterworfen ſey : ich fürchte aber, ihr werdet es zu eurem Schaden beklagen , daß ihr unſre und des Reichshoheit dermaſſen feil ges ,, tragen habet.

Heute wollen wir der Sache ein

Ende machen : es follen euch Bedingungen vor ir geſchlagen werden , die an ſich höchſt billig ſind , mič ſelbigen aber ſollen alle Tractaten aufhören . Nach der Art wie ihr ſie aufnehmen werdet, rolle s, ihr erfahren ,

ob ihr Feinde oder Unterthanen

ſend, ob ihr an uns einen König oder einen Feind i habet.

Werdet iør von eurem Stolz ablaſſen ,,

ſo werdet ihr nicht minder als die andern Glie. der des Reichs , unſerer Königlichen Huld und w Schußes genieſſen ; werdet ihr aber in der Hofo fart fortfahren , ſo wird eure Hoffart, ſo wie ſie im Himmel nicht beſtanden , alſo auch auf Ers den nicht beſtehen . Nachdem die Abgeordneten ihre Dimiſſion vom Könige

er alten

hatteny : fo wurden ſie zu einer

Conferenz mit dem Woywoden von Krakau beru: fen , wobey nur der Kanzler Goslicki gegenwårs tig. war.

Der Beſchluß derſelben lief daşin aus,

daß der Syndicus nochmals mit wiederholten Vor. ſchlågen nach Danzig abgehen ſollte, um die aller lekte Reſolution der Ordnungen darauf, zu bringen .

þerůber

Der König erklärte ſich jego mit deç

gebotenen Summe von 200000 Gulden auf zwey Termine innerhalb vierzehn Monaten zufrieden ,

Dritter Abſchnitt . Eilftes. Capitel..

267

doch ſollte die Stadt ihr Contingent zur zwenjåþri. gen Ucciſe, die das Land aufbringen wollte, bey, tragen ; die Forderung der vier Kanonen blieb un. geåndert; den Punkt wegen des Pfalgeldes ſollte der Reichstag entſcheiden , doch wollte der König von jeßo an einen Schreiber bey der Einnahme an . feßen ; wegen der Beſchwerden und Commiſſionsa þåndel der Stadt blieb es bey der vorigen Zuſage ; die Confirmation der Rechte und Privilegien ward zugeſtanden ,

auď

ein eignes Formular dazu ein

geſchickt; gleichermaffen wurde die Religionsfrey Heit nach der Augſpurgſehen. Confeſſion verſichert; und endlich war hiemit der Revers einer Königli chen Angelobung, die übrigen Gebrechen der Stadt auf dem Reichstage zu geben verknüpfet, imglei chen zwey Vorſchriften für die Stadt , deren eine die Deprecationsformel, und die andre eine Vera pflichtung über die zu entrichtende Seldſumme in ſich enthielt.

Hiemit nun wurden die Ordnungen

in Danzig zur lekten Conſultation , ohne Hofnung ſelbige wieder eröfnen zu können ,

aufgefordert.

Der Termin zur Antwort war kurz , und nur auf ſechs Tage beſtimmt; man hielt dieſen entſcheidena den Schritt in der Stadt für wichtig genug , um eiligſt eine geheime Deputation aus allen drey Orda Der Burgermeiſter dazu zu beſtellen .

nungen

Ferber ſchickte auch zwey Privatbriefe ein , worin er aus eigner Bewegung , die gånzliche Ungnade des Königs zu vermeiden , anråthig war , hienåchit von aller ungeſeblichen Haltung der Rathſchläge abrieto , und den Zorn des Kidnigs über das 448a

268

Danzigs Geſchichte.

bleiben des Rathsherrn Roſenberg dringlich geo nug vorſtellté.

Als indeſſen die Ratification der

genommenen Entſchlieſſung von ſämmtlichen Ord nungex erfolgte, auch alle desfalls abgefaßte und einzuſchickende Schriften, den Elterleuten der Zünfs te und Sewerfe waren vorgeleſen worden ; ſo beach . te das Reſultat davon doch keine beffre oder neue Zugeſtehung mit ſich , man bat den König nur ben jedem Forderungsartikel aufs demüthigſte, es ben den vorigen Erklärungen der Stadt beruben zu laſſen, und dankte ihm gefliſſentlich für die þuld reichen Verſprechungen , die er der Religionsfren . Ja Þeit und der Privilegten wegen ertheilt hatte. faſt dürfte man ſchlieſſen , daß dieſe ſchweċe Final. reſolution , damals mehr Disharmonie im Innern der Stadt , und gegenſeitige Vorwürfe wegen ål. terer Ereigniſſe rege gemace babe, als daß man die mit neuem Ungemach droßenden Vorfälle , und die bevorſtehende Kriegsgefahr reché påtte beberzi. gen ſollen .

Wenigſtens brachten viele Mitglieder

der dritten Ordnung alle die Beſchuldigungen wie der Hervor, womit ſie während der Commiffions. þåndel ,

iþre Unzufriedenheit über einige Raths.

perſonen und deren Ueberſchreitung einſtimmiger Ordnungsſchlüſſe, als wegen der Placationsſchrift, des Deprecationsgeſchäftes , und bey andern Ges : legenheiten , zu erkennen gegeben hatten .

Auch

die Gewerke redeten heftig wider den Burgermei fter Ferber, daß er gegen ihre Aufrufung zu Raths þauſe geſchrieben þatte , und daß er nun felbft von kiner Standhaftigkeit abzuweichen ſchiene, worth

Dritter Abſchnitt . Eilftes Capitel.:

269

er egedem die Gewerke mit vielem Eyfer ermahne hätte.

Es entſtunden aus dergleichen Differenzen

ſpåterhin noch mehrere Privatſtreitigkeiten , die ſich auf die Adminiſtration ,

oder die Functionen der

Stadt, auf die Verwaltung der Caffen und Güter, auf die Kriegspolicey , und auf eine ungewöhnliche Tþeilneýmung der Bürger an den Staatsgeſchäf ten bezogen ,

womit aber die von auſſen fo ver

derblich gewordene Situation Danzigs am aller wenigſten wol berathen ſeyn konnte. Inzwiſchen þatte ſich der Rathsherr Roſens berg , nach ſeiner Geneſung als Deputirter an den König , mit dem Syndicus wieder auf die Reiſe Bald nad ihrer An: nach Bromberg gemacht. kunft und übergebenen Inſtruction , wurden ſie von der ungnådigen Aufnahme ihrer mitgebrachten Antwort fo wol, als der übrigen Schriften , wor unter ihnen auch neue Entwürfe zum Königlichen Revers , zur Deprecation u. f. w . waren mitgege. ben worden , durch zehen Königliche Commiſſarien deren der Biſchof von Krakau der vornehmſte 'war, unterrichtet.

Auf Königlichen Befehl ſollten nun

mehr alle Unterhandlungen

abgebrochen werden ,

und Danzig rollte die bisherige Sicherheit zu Waſ.. ſer und zu Lande verlieren .

Die Abgeordneten bea

müheten ſich vergebens , durch eine Bittſchrift an den König , die Verſtattung einer neuen Friſt, oder die Erlaubniß zu einer nochmaligen Geſchäftsreiſe an die Ordnungen in Danzig zu erhalten. wurde ihnen dieſes ſo wol als ein perſönliches Geo Kde beym Könige abgeſchlagen .

Dagegen ließ der

7 Febr.

270

Danzigs Geſchichte.

König einen förmlichen Abſagebrief an die Stadt Danzig ausfertigen , das im vorigen Jahr gegen fie abgeſprochene Decret wurde mit aller Schårfe publiciret , fie wurde für vogelfrey erklåret,

ihre alle Handlung und Gewerbe zu entziehen geboten , und ihren Abgeſchickten perſönlich eine Garte Feft Kaltung angekündiget.

Dieſe wurden , ſo fehr fie

fich auch auf ihr ſicheres Geleit zu ſtüßen glaubten, in das Innerſte des Reichs als Gefangene abge. führet. Man brachte den Burgermeiſter und den 9 Febr. Rathsherrn nebſt dem Stadtſecretair Thorbecke unter einer ſtarken Bedeckung auf das Schloß zu Lencic, nur der Syndicus wurde unter Bewachung zurückbehalten , bis man ihn mit dem Abſagebrief Er wurde von der ihm an die Stadt wegſdickte. zugeordneten Mannſchaft, an den polniſchen Ges neral Zborowski nach Dirſchau gebraçt, der ihn aber noch vierzehn Tage aufgielt, eße er zu ſeinen Obern zurückkehren , und von allem ſo bisher vors gegangen war , Bericht abſtatten fonnte. Das Signal zu offenbaren war nunmehr gegeben .

Feindſeligkeiten

Ein Königliches Unider

ſal unterſagte den Danzigern alle Freyheit des Handels mit Fremden ſo wol als mit Einfaſſen der Krone ,

wovon Thorn und Elbing die Vortheile

ziehen ſollten , und ein angelegter Reichstag nach Jungleslau ſollte die Kriegsgewalt gegen Danzig Es erging ein Ausſdrei noch näher beſtåtigen. Fremden in Danzig , Einwohner und ben an alle · die feinen Theil an der rebelliſchen Auffäßigkeit þåtten , ſich aus der Stadt zu begeben , und eines

!

Dritter Abſchnitt. freyen Geleits

Eilftes Capitel.

271

ſo wol , als des fernern Schußes

verſichert zu feyn : imgleichen wurden der Dangi gei Güter und ausſtehende Schulden in den polni. fchen Staaten, ſo viel man derſelben fund werden konnte , in Befolg der Königlichen Decrete an den Fifcus gezogen .

Der Obriſte Weyher fing mit

ſeinem Kriegsvolk wiederum an , die Pommerſchen Straſſen unſicher zu machen , die Polen ſtreiften partherweiſe um die Stadt herum ,

fie fielen bey

Nachtzeit in die Höhiſchen Dorfſchaften ein , wag . ten ſich bis zur Dýra , ſuchten auch bey Prauſt die Radaunenſohleuſe zu verderben , und das Waſſer zu nehmen.

der Stadt

Alle dieſe Streifereyen

aber zielten vornemlich dahin ,

die Danziger Bee

ſabung heraus zu locken , welches man doch glück. lich vermieden, und nach der Zeit auch mit Gewis Heit erfahren hat , daß alle Thåler zwiſchen Lan genau und Roſenberg mit einem Hinterhalt von Der feindlicher Reuterey waren beſeget geweſen . Polniſche General Zborowski, welcher ſeit dem Thorner Reichstage mit der Stadt einen Waffen . ſtilſtand getroffen , das Werder evacúirt, und ſeine Truppen in die Dirfauſche Staroſtey ver legt hatte, fing nun ebenfalls neue Feindſeligkei. ten an , woben auch einige herum wohnende Edela, leute in die Danziger Låndereren einfielen , die aber in ihren Landgütern das Vergeltungsrecht theuer genug dafür empfinden mußten. haupt mar man in Danzig ben dieſen

Ueber. eröfneten

Kriegsſcenen nichts weniger als müſſig geblieben . Weil man hier Nachricht bekam , daß der Abt von

Danzigs Geſchichte:

272

der Olive dem Obriſten Weyher , die Gegend des Kloſters zum Deckungsort angetragen katte , ſo wurde ein Detaſement Fußvoll ſo wol als R :us terey von der Stadt ausgeſchicfet , um das Kloſter und alle gefährlichen Gebåude daſelbſt in Brand Dieſes wurde zu ſtecken , und niederzureiſſen . mit übertriebener Thåtigkeit ins Werf gerichtet : das Kloſter und die Kirche wurden an allen Koſta barkeiten rein ausgeplündert, råthe zerbrochen und gerhauen ;

alles übrige Ges die Gebäude in

Brand geſeket, zwey Mönche erſchoſſen , und zwey derſelben als Gefangene eingebracht: ja weil nac . þer der Kriegsrath befohloß , daß alle noch übers bliebene Mauerſtücke und Ruinen der Kloſterges båude bis in den Grund zerſtört werden ſollten , ſo zogen drey Tage ſpåter, nicht nur Soldaten , ſons dern auch Bürger , Einwohner und Geſinde mit Hacken und Spaten hinaus , nahmen etliche Ton nen Pulver mit fich, und ſprengten, zerhieben und zernichteten alles dermaſſen , daß die ganze Gegend zur feindlichen Lagerung untauglich gemacht wur . de.

Weil auch zur Befeſtigung der Stadt viel

Holz war verbraucht worden , und ſich einiger Man. gel deſſelben åußerte , fo ward durch ein offentlich Edict, jedem Bürger der Stadt die Erlaubniß ge geben, ſich zu ſeiner Nothdurft aus dem Olibiſchen Walde mit Holz zu verſorgen , nur mit der Ben dingung ,

daß die fünfte Rahne zum Behuf der

Stadt abgeliefert werden ſollte.

Solches veran

laßte viele Wochen lang eine äußerſt frequente Abs holung des Holzes , deſſen eine große Menge von

Dritter Abſchnitt.

Eflftes Capitel.

273

der Olive nach der Stadt , und nachher auch nach der Münde, Zur Ausbeſſerung der Werke gebracht wurde , und man bat damit dem Ubt ſeinen Bart, wie er den Wald zu nennen gewohnt war, vors treflich zu ſcheeren gewußt. Hauptſächlich war man in Danzig beſorgt, der Verſtärkung des Feindes ben Dirſçaŭ entge. gen zu kommen , und durch einen herzhaften Huse fall die Truppen zu zerſtreuen , welche ſich daſelbſt, mit fürchterlichen Anſtalten zur håhern Einſchlief fung der Stadt ;

zuſammen geziehen

anfingen .

Zwey mal fchon hatten entfeßlichês: Schneegeſtö, ber und ungeftůmes Wetter , ſolchen Ausfalls vereitelt,

der

Borhaben eines

amerften Ditertagé wae

ren ſo gute und geheime Veranſtaltungen dazu ge macht worden , daß man des glúdlichſten Erfolgs davon båtte gemårtig feyn können , aber ein Qefs tiger Südweſtſturm mit Donnerwetter und entſeg ? lichem Regen þatte bey den ſorgfältigſten Anords

i

nungen , die Ausführung des Vorhabens unmög. lich gemacht.

Der Obriſte von Eslen war dars' +

åber ruhon bis zum Widerwillen verdrüßlich , fein Unmuth ſtieg um ſo viel höher , da er von der ge meinen Bürgerſchaft ſo gar höhniſche Reden dafür anhören mußte, als ob er aus Feigheit dem Fein . de nur zufähe, und keinen Ungrif zu thun Muth Håtte. Er iſt auch durch dieſes ungerechte Spot ten und Murren ſo aufgebracht worden , daß er im Zorn geſagt haben ſoll : „ er wolle den Feind ,, angreifen , wenn auch kein Mann wieder nach Danzig zurückkommen ſollte " Berch . Danz, 2ter T

und ob gleich er

274

Danzigs Geſchichte.

es feiner Kriegseinſicht nach wirklich nicht für rath . ſam gehalten hat , den Ausfall in der nach Herigen Lage zu unternehmen , ſo trieb er dock am achten Tage nach Oſtern felbſt dazu an ,

daß die

Bera

kurfg ſo wol , als die Bürgerſchaft in der Stadt durch Drompetenſipall aufgeboren wurde , fich zu einem bewafneten Ausmarſo gegen die Feinde fer 16 April tig zu machen.

Dergeſtalt zogen an vier tauſend

und zwey bundert bewehrter Mannſchaft zu Fuß und zu Pferde, worunter zwölføundert in dren Fahnen vertheilet geweſen ,

Bürger

unter Anfüh

tung des Obriften durch zwey verſchiedene Thore, Den übrigen unbewafaeten

zur Stadt binaues

Troß ungerechnet , waren noch ungefehr fünf þun dert Mann bey den Wagen und beym Geſchüße, wele ches fieben metallne Stůde ausmachte ,

verleget,

und dieſes ganze Kriegscorps ſchlug in den Dör. fern Langenau und Roſenberg ſein Nachtlager auf, da unterdeſſen die Stadt von den Bürgern bewa det wurde.

Der Feind aber war ſchon durch ver

råtheriſche Kundſchafter , wozu ſich auch der Bau . meiſter in der Stadt Hans von Derſchen , und ein Danziger Student batten brauchen laſſen , vom Uusfall benachrichtigt worden , er hatte die mit ſich geführte Beute nebſt den Provianttoagen in Zeiten nach Meve geſchicfet ,

und erwartete den Angrif

in völliger Bereitſchaft. Er þatte die Höhe ges wonnen , und als die Danziger nach ihrer Vor

..

růkung jenſeit Schönwarnit ſeiner anſichtig wur . den , ſo mußten ſie um die Moråſte zu vermeiden , den gebahnten Landweg auf das Dorf Lübeſchau

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitel. unweit Dirſchau ,

behalten .

275

Sie fanden gegen

ſich unter dem Oberbefehl des Generals Zborowski nebſt dem Caſtellan Firley ,

ungefeßr drittehalb

tauſend Mann , die aber den Vortheil hatten, hins ter den Bergen verſteckt die Danziger immerfort im Geſicht zu behalten .

Leştere

kamen nun an

den Lübeſchauer See , wo ſie die vom Feinde abges worfene Brücke zwar wieder in Stand resten, und das grobe Geſchüße hinüber zu führen bemüht was ren ; es hatten aber kaum ſechs und vierzig Reute ter , und etwa die Hälfte ihres Fußvolts , mit ei nem großen nebſt zwen kleinen Feldſtúden hinüber gefeßet, fo wurden ſie von einem Hinterhalt der feindlichen Jafanterie plößlich und mit gewaltigem Geſchren überfallen. Es- konnte auch bey dieſem Ueberfall zu feiner Schlachtordnung kommen , die Brücke brad wieder wåþrend dem Angrif , und nur vermdge des dies ſeits dem See ſtehenden Geo ſchüßes wurde der Feind einigermaſſen zurück geo trieben . Bald aber kam der größere Haufen mit der Cavallerie ihm zu Hülfe , die Danziger geries then in die Enge, und ob wol der Obriſte ſich mit der berübergegangenen Mannſchaft aufs tapferſte wehrte , ſo mußte er doch den verdoppelten Angrife fen weichen. Es war kein anderer Ausweg zur Flucht, als über einen ſchmalen Damm und die ſchadhafte Brüde. Solches verurſachte noch gróſ. fern Verluſt, ſo daß viele in den See ſtürzten und ertrunken , viele auch auf der Flucht von den Bau . ern erſchlagen wurden, zumal da das dies ſeits der Brücke gebliebene

Kriegsvolt

ebenfalls feiner

276

Danzigs Geſchichte.

Stand : faßte,

ſondern fich im erſtern Schrecken

Ueberhaupt gleich auf die Flucht gemacht hatte. þat dieſe Niederlage der Stadt än 2500 Todte und 900 Gefangene gekoſtet ,

die nebſt drey großert

Kanonen und dem kleinern Geſchüße, auch allem Proviant und Kriegesgeråth den Polen zu Theil wurden . Der Obriſte von Collen entfam mit großer Gefahr durch den Lübeſchauer See, indem ein treuer Reuter ihm ſein Pferd gab , der aber mit Rettung ſeines Befehlshabers ,

fein eignes Leben

einbüßte. Ein Obriftlieutenant, ein Rittmeiſter und noch acht Oberofficiers, worunter der Hauptmann von der Münde geweſen ,

blieben auf der Wahl

ſtatt ; auch an Bürgern und Bürgerskindern ſind viele durchs Schwerd oder auf der Flucht unglücf lich ums Leben gekommen .

Der feindliche Verluſt

läßt ſid, wegen Mangel der Nachrichten nicht ſicher angeben , ob wol er von einigen auf 1500 Mann gerechnet wird : einen großen Schaden aber Şaben die Polen beym Beute machen erlitten , indem ſie ſich wegen eines Pulverwagens entzweyten , wobey sine Lunte ins Pulver fiel, und eine Menge Men . fden in die Luft geſprengt wurde.

Noch ein An

ſchlag , der gedachten Ausfall unterſtüßen ſollte, war hiedurch růckgångig gemacht worden.

Die

Danziger nemlich batten zwey große Weidfelfáhne mit Geſchüß ausgerüſtet, drey hundert Männ dar . auf gefeket,

und ſelbige unter eiljem

verſuchten

Capitaine die Weichſel hinauf nach Dirſchau ge ſchicket , mit der Ordre den Feind von hinten anzu. greifen , wenn er ſich mit den Truppen zu Lande

/

Dritter Abſchnitt. Ellftes Capitel. würde eingelaſſen haben .

277

Dieſe aber, fo genau ſie

auch zur Stelle waren , erwarteten eine Nachricht von den Landtruppen vergebens, ja fie fonnten des Nordoſtwindes wegen nicht einmal ſchieffen hören , fie fekten demnach nur die fåbre und einen Krug an der Weichſel in Brand , und ſtreiften am Ufer herum ,

als die Polen nach

ihrem

Siege herben

Der Capitan blieb

kamen , und ſie zurück jagten .

hierauf mit beyden Kåhnen mitten auf derWeichſel, in augenſcheinlicher

Gefaßr ,

dem Feinde in die

Hånde zu fallen , allein durch ein glüdlich gewage tes Manoeuvre, worin er vermittelſt eines Lauffeu ers aus ſeinem Geſchüße alles was tým bey einer Enge auf dem Damm aufpaßte,

Herunter warf,

rettete er ſich und ſeine Leute, und kam am folgen , den Tage unbeſchädigt nad Danzig zurück, Dennoch hatte die Lübeſchauer Niederlage Un . glück genug mit ſich gebracht, um Beſtürzung und Leidweſen in der Stadt zu verbreitent ; man war bier außerdem noch nicht ruhig, daß der Syndicus Lemke, den verſehrlichen Abſagebrief mitgebracht, und nicht wie es nach dem Sinn der Bürgerſchaft håtte geſchehen ſollen ,

die Aufträge des Königs

ganz abgelehnt hatte ."

Es waren hierüber unter

den Ordnungen zwiftige Wortwechſel entſtanden , die ſich oft mit den oben ſchon angeführten Strei. tigkeiten vermiſchten .

Hiezu fam noch, daß man der Abziehung des Handels und Nahrungsgewers ,

bes ,

mit Bekümmerniß und Beſorgung großen

Schadens entgegen ſabe.

Auch

einige Fremden ,

ja felbft Bürger waren ſchudde genug , oder beim . S 3.

1

278

Danzigs Geſchichte .

lich aus der Stadt gezogen , und ſuchten die ihnen von Hofe angebotene Schirmfreyheit zu nuken . ! Danzig þatte inzwiſchen an die verſammelten Lande ſtånde zu Graudenz geſchrieben , die mühſelige Las ge der Stadt und ibre Rechtfertigung beweglich vorgeſtellet, und um nochmalige Fürſprache beym Könige Anſuchung gethan ; die Räthe Katten auch , 'T

unerachtet der Landtag nicht zu Stande gekommen , doch aber den thátigſten Beyſtand verſprochen , nicht anders als mit Submiſſion der Stadt, zum Es wurde hierauf der Frieden Hofnung gegeben. Reichstag zu Jungleslau geħalten , vor deſſen Er . dfnung die Danziger noch an den König ſo wol, als an die Reichsſenatoren geſchrieben , auch um die Losgebung iþrer Geſandten demüthigſt gebeten aber alle dieſe Verſuche zu fernerer Ver

batten ,

meidung feindſeliger Thårigkeiten waren kraftlos geblieben , und Danzigs Gegner am Königlichen Hofe erreichten volkommen ihren Endywed . Zu Jungleslau ward der Krieg den 26 Mårz im Bey . ſeyn weniger Senatoren förmlich geſchloſſen , und zu deſſen Genehmhaltung , gleich wie zur Bewillis gung der Kriegskoſten ,

waren die Landtage in

ſåmmtlichen Reichslanden angefeßt worden . Danzig ließ unterdeſſen den Muth in keinem Fall ſinken .

Freylich vermehrten die Ausbrüche

innerlichen Zwieſpalts nicht ſelten die åußern Ge. Scon zu Ende des Februar , nach abe 1 fahren . gebrochener Unterhandlung zu Bromberg , batten niederträchtige Håndelmacher ein bdſes Gerüchte ausgeſprenget, als ob die wegen růdſtändiger 46 .

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitet. gaben der

Bürgerſchaft

Miethſoldaten ,

unbefoldet

279

gebliebenen

von allen Ordnungen die Conni.

veng erlangt håtten, in der Alten Stadt und Vors einige Bürgerhäuſer inſondergeit der Fleis faber und anderer Handwerker , bey Nachtzeit zu

ſtadt,

ſtürmen , und ſich durch Plünderungen bezahlt zu machen .

Es fand dieſe unverſchämte Lüge fo ftar.

ten Glauben , daß ein Aufruør bevorſtand ,

und

die Ordnungen zur Beruhigung des Volks einen öffentlichen Anſchlag machen ,

aud Pråmien für

den Angeber des lägenhaften Complots ausfeßen lieſſen , womit endlich der aufrühriſche Argwohn gemildert wurde.

Dennoc aber äußerten ſich ſeif

der Zeit immerfort Spuren feindſelig in der Stadt perumſdleichender Verråther.

Dergleichen vers

råtheriſche Anſtiftungen entdeckte man nun auch nach der fatalen Niederlage bey Lůbeſchau , ja ein großer Theil

der Bürgerſchaft wähnte ro gar , daß die Obern im Kriegsrath und die Anführer felbſt

nicht von aller Untreue frey wåren .

Die

Darüber geführten Schmåþreden und finfiſchen Ur theile veranlaßten ,

daß der Obriſte von Collen

ausdrücklich begehrte, vor allen Ordnungen und in Gegenwart der Zünfte und Gewerke, von dem unternommenen Ausfall Rede und Antwort zu ges ben .

Solches geſchahe auch nicht allein zu ſeiner

Ehre und Rechtfertigung ,

ſondern er verknüpfte

damit noce eine fråftige Ermahnung zur Einigkeic in der Stadt, die einen ſolchen Eindruck machte, daß die Gewerbe und alle fo von der Bürgerſchaft in der Verfammlung waren , ſich mit einem Eyde

S 4

Danzigs Geſchichte

280 verpflichteren ,

in Ruhe und Eintracht ben einan

der zu bleiben , alle Misverſtändniſſe aufzuheben , die Wachen freywillig zu beziehen ,

und mit ge

meinſ@ aftlichen Eifer für die Vertheydigung der Stadt Sorge zu tragen , 27 April

Eine dergeſtalt

erneuerte

Endesverbindung

war faſt uothwendig geworden , um die fchlaff gen wordenen Sehnen des Staats mit beſſerer Spanns Es wurden nun würflid alle

kraft zu beleben .

Defenſionsanſtalten mit neuem

Eifer beſchicket.

Zuvörderſt forgte man für die Anwerbung frifdyer Soldaten .

Dieſe famen theils aus Pommern und

den benachbarten Lånderenen zuſammen ,

theils

wurden dazu in Teutſchland und andern auswärtie gen Staaten Maasregeln genommen , insbeſon dre aber kam der König von Dänemark bald mit

1

einer bereitwilligen Ueberlaſſung derſelben zu Hülfe. Er hatte ſchon früher einige Obfervationsſchiffe in die Oſtſee auslaufen laſſen ,

die auch etliche Tage

auf der Danziger Nyede gelegen hatten : ſie waren aber nachher auf Ordre des Obriſten Weyher, der kurz darauf Hela bat plündern laſſen , bey Reſehd. ved von den Pußiger Ausliegern angebalten

und

an ihrer Equipage und Gütern beraubt worden , worüber der Däniſche Hof fich feþr unwillig'beym Könige von Polen beſchweret þatte.

Nunmehr

wurden auf Danziger Anſuchen Däniſche Officiers fo wol als Soldaten in der Stadt Dienſte gelaſſen , und deren Anführer, der Obriſtlieutenant Nicolaus von Ungern , und der Kriegsrath Seorge Fah: fensbeck haben mit Rath und hat vielfältigen

1

1

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitel.

281

Beyſtand in dieſen Kriegstroublen geleiſtet. Spår terhin ſind noch mehr teutſche Truppen ,

imgles.

den ein Corps Schotten in Danziger Sold getre ten , und mindeſtens iſt ſehr bald nach dem Lübe fqauer Verluſt , die Beſagung der Stadt wieder mit fechs Fahnen Fußvolk und einer Fahne Reuter completirt geweſen ,

obgleich man aus verſchiede

nen Urſachen , die unruhigen Hofleute oder Adels fahnen , größtentheils dafür dimittirt fat.

Der

Soaden welchen die Danziger Handlung , durch die Polniſden Ausſchreiben , zu der auf Elbing hingewieſenen Sciffahrt erlitte , ward auch fdyon ſo betrådtlich ,

daß die Stadt aus gemeinſamen

Schluß der Ordnungen fechs Fregatten ausrüften ließ , um die Elbingfahrer bey Danzig aufzubrine gen .

Hollander,

Embdner , Frieſen und auch

andre Nationen mußten ſich dieſer Kriegsnochdurft ergeben , doch wurde dabey eine ſo genaue Einrich tung beobachtet, daß vor einer Deputation aus allen Ordnungen , die gemachten Priſen unterſucht, inventiret und die Schifsgüter ſo viel als möglich , ohne Schaden ihrer Eigner diſtrahirt wurden , weil man damit niemanden unrecht thun , ſondern nur nicht die Cominerzfahrt von Danzig, frey und ohne Widerſpruch wollte abwendig machen laſſen . Man empfand es ohnedem übel genug , daß einige Fein. de der Stadt , und felbſt ein paar von ihr ausge. tretene Bürger ,

ſich in Elbing ſaßhaft gemache

þatten , und den beſten Seehandel durch verfånga liche Berichte und Marimen dorthin zu zießen fuch . ten, Es wurden demnach als Repreſſalien auch SS

282

Danzigs Geſchichte .

die Mittel gebraucht, theils alle Wegziehung und Handthierung der Danziger Bürger und Einwoha ner an fremden Orten , bey Proſcriptionsſtrafe und Verluſt des Eigenthums verbieten zu laſſen , tþeils ein Edict zu publiciren , daß alle in Danzig vor. Þandene Güter und ausſtehende Schulden der Pos len zur Compenſation des vom Polniſchen Fiſcus erlittenen Sợadens verfallen ſeyn ſollten, "k) Alle diefe und noch mehrere hiemit verknüpfte Veran . ſtaltungen erforderten

nun einen

Geldaufwand ,

der bisher immer den hårteſten Anſtoß in den Rath ſchlagen gemacht hatte.

Jeßt aber tam mit leich

terem Uebereinkommen ,

eine nochmalige Abgabe

22 May des Hundertſten Pfennings zum Stande , und weil auch hiemit den Bedürfniſſen der Kriegscaſſe noch

kein Genüge geſchahe, ſo wurden die lange ver . Berat ſchlagungen zweckmäßig zu Ende gebracht, daß man der Stadt , nachdem es die

zögerten

Nothwendigkeit erforderte,

mit dem ungebraucot

vorräthigen Silber in den Kirchen , wie auch mit dem ſo rich bey den Bånken und Zünften befand , zu Hülfe tommen müßte .

Solches begraf dem.

nach vorerſt die filbernen und vergoldten Bildniſſe oder Abgüſſe der Heiligen , imgleichen die unnöthi. gen Gefäſſe und andre Geſchmeide in den Kirchen , welche nach richtig aufgenommenen Verzeichniſſen , von den Kirchenvorſtehern gegen empfangene Reo verſe, an eine eigentlich dazu gefekte Deputation kh) Hiemit ift es wegen der nachherigen Tractaten , und an: derer darauf erfolgten Ereigniſſe , nicht zur Vollziehung gekommen .

Dritter Abrohnitt. abgeliefert wurden .

Eilftes Capitel.

283

Man kat daraus die nach ber

ſo genannten Danziger Noththaler auf Hollandi. fchen Fuß ausprågen laſſen . Die Vorderſeite der . ſelben ſtellet das Stadtwapen vor , mit der Jahr zahl 1977, und der Umſchrift Moneta nova Civi. tatis Gedanenfis ; auf der Rückſeite befindet ſich das Bruſtbild des Heilandes mit der Weltkugel in der Hand, ſo zur Ueberſchrift hat: Defende nos Chriſte Salvator : und hiemit iſt in dieſer Zeit hauptſächlich der fowere Unterhalt der auswärts angeworbenex Beſagung erleichtert worden . Unterdeſſen hatten die Danziger Kriegshåndel

doch manchen Anſchein zur Veränderung erhalten , Glücklicherweiſe fatte der General Zborowski die Stadt nicht gleich im erſten Schrecken nach der erlittenen Niederlage überfallen , es war blos ben der Aufbietung durch einen Trompeter geblieben, und aude dieſen Batten die Bauern bey Gute Hero berge erſchlagen , ſo daß der Aufforderungsbrief, beym Obriſten durch einen Fremden ins Haus was gebracht worden .

Gedachter

Unfall verurſachte

zwar die donnernde Drohung des Generals , der Stadt einen Wagen vol 150 Köpfe ihrer Gefan genen vors Tøor führen zu laſſen , woferne fie die Urheber des Mordes nicht ausliefern würde; allein er þat ſich nachher durch beßre Belehrung beſänfti Einige Tage ſpåter fiel es noch mehr auf, daß er und der Woywod von Sendomir fich

gen laſſen .

zur Ausſöhnung der Stadt mit dem Könige , er bötig bezeigten.

Es hielt ſchwer ,

ehe die Ord.

nungen ſich inſonderheit mit dem Woywoden als

284

Danzigs Gefchichte.

ihrem erklärtem Feinde darauf einlaffen wollten ; weil aber ſchon ein ſicheres Geleit dazu war einger fchickt worden , ſo

kam

es zu einer Conferenz im

May. Dorf Lesken im Großen Werder, wohin der Burg graf Peter Behme, der Rathsherr Reinhard Málner , ii) der Soppe Conrad Lemke und der Quartiermeiſter Jeron. Fike als Deputirte der Man verknüpfte das Stadt abgeſchickt wurden . mit ſehr ehrerbietige Schreiben an den König -und an die Senatoren des Reichs , ſo noch fernerhin , wåfrend den mündlich im Dorfe Gütland fortges Esérs fekten Unterhandlungen wiederholt wurde: folgte darauf aber keine ſchriftliche Antwort , und die Polniſche Herren gaben nur die Verſicherung, daß ſie auch ohne Briefe , ' von ihrer Seite alles in Richtigkeit zu bringen bemühet ſeyn würden . Der General und Caſtellan Zborowski machte dabey den Danziger Ubgeordneten bekannt , daß der Kö. nig die merkwürdigen Worte zu işm geſprochen þatte : Was meineſt du , wenn ich dieStadt mit Gewalt eroberte , daß ich daraus ein Dorf ma mchen ſollte ! Sie muß eine Stadt bleiben , und alſo ihre Privilegien haben. erboten , die Religion

Habe ich mich doch

der Augſpurgſen Con .

feſſion frey zu laſſen , ihre Freyheiten zu beſtåti igen , die

Beſchwerden fo ich abſchaffen kann ,

i, abzuſchaffen , ii gu vergeſſen . "

und alles bisher geſchehene gang Indeffen þatten die Abgeordne.

ii) Rathbherr Mölner iſt kurz darauf in der den 15. May ger baltenen übr , Burgermeiſter, und Schoppe Lemke, Raths herr geworden .

!

Dritter Abſchnitt. Eilftes Capitel.

285

fen auf ihre vier legten Erklärungsartikel noch eine Schlußantwort des Königs zu erwarten, dieihnea bald darauf in dem Dorfe Krifekol gebrackt wurde. Der Religion und der Privilegien wegen war die günſtige Zuſage erneuert , einen Revers aber vers ſagte der König ,

bevor die Stadt die Waffen nie.

dergelegt, die Soldaten beurlaubet , und Abbitée gethan fåtte , wegen der Telmine zur ftipulirten Geldſumme- follte es leicht zur Einigkeit kommen , über die Sache des Pfalgeldes und der Commiſ fionshåndel aber ſollte unwandelbar auf dem Reichs. tage

erfannt werden .

Dennoch hielten die Dan .

ziger Herren dieſen Beſcheid nicht befriedigend ges nug.

1

Die Beſtätigung der Privilegien ſchien noch

eine unſichre Bedingung zur Seite zu haben , die Commiſſionshåndel nebſt der anhängigen Pfalgelds fache wollte Danzig gånzlich caſſist wiſſen ,

und

durch den verlangten Revers glaubte man der Kos niglichen Hoheit nichts zu entziehen .

Die Polni.

roben Vermittler nahmen es alſo noch einmal an fich , dem Könige davon Bericht abzuſtatten , und an demſelben Abend ſchrieben ſie aus dem Lager 11 Juny bey Dirſchau zurück , daß der König mit Beyrath ſeiner Senatoren beſchloſſen hätte , eine Geſandt. ſchaft in die Stadt zu ſchicken, und mit dem Rath, den Ordnungen und der ganzen Gemeine die Un . terhandlung zum Schluß zu bringen. Dazu aber ſollten nicht nur die fichern Geleite , fondern auch Geifeln aus Danzig ins

Lager geſchickt werden,

wogegen der König für den

folgenden Tag alle

Feindſeligkeiten einſtellen würde.

Von Seiten der

1

1

Danzigs Geſchichte.

286

Abgeordneten wurde hierauf geantwortet , daß fie ſolches ' den Ordnungen der Stadt Hinterbringen würden ; nur baten ſie um einen dreytågigen Stills ſtand , und daß teine Vorrückung aus dem Lager mitlerweile geſchehen möchte. Allein die fernere Erklärung von Polniſcher Seite wurde vergebens erwartet.

Vielmehr erfuhr man den Tag darauf,

daß der König

von Dirſchau aufgebrochen ,

mit feinen Truppen nach wåre.

Danzig

und

im Anmarſch

Hiemit wurde die Scene þier gånzlich vers

åndert; die zur

Aufnahme der Königlichen Ges

fandtſchaft eben angeſtellte Rathroolåge geriether in Steden , und das allgemeine Augenmerk ward nur dahin gerichtet, die polniſchen Truppen , niche unbereitet, als Feinde zu empfangen .

#t

Dritter Abſchnitt. Zwošlftes Capitel. 3 wolftes .

287

Capitel.

Danzig wird vom Könige Stephan belagert Verſuch neuet Friedensvorſchläge - Danzig ſorgt für innere Rus be - und muß von auſſen den Krieg fortſeßen . Die Feſtung Weichſelmünde wird glücklich entſeget - der Kids nig hebt die Belagerung vor Danzig auf - Die Münde wird aufs neue mit ganzer Macht belagert hißiges Treffert daſelbſt glückliches Unternehmen der Dangis ger der König zieht mit der ganzen Armee von der Münde ab — fruchtloſer Ausgang fremder Friedensmes diationen - die Danziger verſenken mit Dåniſcher Hülfe den Elbinger Hafen . günſtige Ausſichten einer neuen Friedensvermittelung - ſelbige kommt durch deutſche Fürſten Geſandtſchaften zum Stande Achtsentbins dung und Amneſtie für Danzig – feverliche Deprecation der Stadt Hauptartikel des geſchloſſenen Friedens.

Wenn Senn auch waþrſcheinlich der Aufbruch der R&

niglichen Truppen von Dirſchau , nicht ohne feinds liche Abſichten geſchehen war , ſo wurde es doch in der Folge dergeſtalt erflåret,

daß man von Dan .

ziger Seite die Hoſtilitäten wieder angefangen fåt te ,

ohne die Ankunft der Polniſchen Geſandtſchaft

in der Stadt abgewartet zu haben.

Ehe alſo noche

das Polniſche Lager bey Prauſt aufgeſchlagen wurs de , war es ſchon zu leichten Scharmükein mit ei. und der nigen Danziger Vorpoſten gekommen , König ließ bey Janfendorf eine Brücke über die Weichſel folagen , um durch die Nehrung vor die Münde zu rücken , wobey nie Polen viele Grau. famfeiten in den Nehrungſoen Dorfſchaften aus . übten.

Unterdeſſen wurden von den Danzigern

die Vorſtådte Schidlik und Neugarten , nebſt den

Danzigs Geſchichte .

288

Gebäuden auf dem Ziganen und Stolzenberge dni gezündet, welches aber ſo befehlswidrig und un ordentlich zuging, daß vorne die ſchädlichſten Häu ſer ſtehen gelaſſen ; die entferntſten aber zuerſt weggebrannt wurden .

Der Feind that auch den

Tag darauf hier einen Ueberfall, und kam plößlich hinter den Bergen Hervor , als die Einwohner mit Wegſchaffung der überbliebenen Sachen beſchaf tigt , viele auch nur aus Neugierde hieher gekome Einige theils vornehme Perſonen

men waren .

beyderley Geſchlechts kamen daben zu Schaden , andre wurden gefangen genommen , und erſt das von den Wällen abgefeuerte Geſchůk , Polniſchen Reuter zurück,

jagte die

deren etliché ſchon in

der Sandgrube Poſto gefaßt hatten.

Die Stade

ſchickte hierauf ein Commando hinaus , um den Reſt der Gebäude in der Sandgrube und Peters. Hagen

gånzlich

einzuáſcern ;

kurz nachher aber

13 Jun. wurden die feindlichen Schanzen und Lagerzelte, von Schönfeld bis an den Biſchofsberg und Won nenberg über die Brandſtåten gezogen , und das Königliche Heer , " ro fich

dafelbſt lagerte ,

warð

auf 4000 Mann zu Fuß und 7000 zu Pferde an gegeben.

Hienáchſt nahm die Beſchießung der

Stadt vom

Stolzenberge ihren Anfang.

Funfo

zigpfündige Kugeln , und Steine mehr als ſieben : zig Pfund ſchwer , wurden in die Stadt geworfen , und ſchon am erſten Tage befam man 260 Scuß Herein , welche Týůrme , auch Giebel und Dächer der Häuſer und Thore nicht wenig zerſtörten .

Faſt

unaufgórlich wurde das hohe Thor beſchoſſen , und

Dritter Abſchnitt. Zwölftes Capitel.

289

um den Feind dabey aufzuhalten , ſtellte man fick Tehr beſorgt darum an , ließ es mit Wollfacen be hången ,

und inwendig mit Miſt und Erde vers ſchütten. Die Stadt beantwortete auch unablåßig die Canonade der Feinde ; und es wurde von bey . den Seiten drey Tage lang die Nächte hindurch damit fortgefahren ;

doch hat man in der Stadt Men ſch env erluſt nur vier Todte, und zwey Vers an wundete gebabt. Bey allen ſo ernſtlich eröfneten Kriegsopera. tionen aber , ließ der König noch den Antrag zur Friedensberedung erneuern .

General Zbo: 16 Juny 1 Der rowski gab der Stadt Nachricht, daß Se. Ma

jeſtät gegen ſicheres Geleit und abgeſchichte Gei. feln , geneigt wåren , Commiſſarien deshalb in die Stadt zu ſchicken .

Es wurde demnach ein Stille

ſtand getroffen , und wie zwiſchen dem Generat und einigen Deputirten des Raths eine nähere Veraba 18 Juny redung war gehalten worden , ſo verſammelten ſich Tages darauf, der Woywod von Culm Johann von Dżialin , der Graf Chriſt. von Rozdeze jow ,

der Königliche Secretair Goslici, und der

Siebenbürgiſche Obriſte Janus Boramiſſa, als mit den Danziger Herren , Schi eßſtange , von wo nach vor der Stadt bey der Königliche Legaten ,

einer

eingenommenen Collation ,

der Burggraf

Peter Behme , der Rathsherr Joachim Ehler, der Schippe Johann Hein , die Hundertmånner Daniel Hein und Heinrich Kleinfeld nebſt dem Haupmann Barthel Lembke , als Geifeln ins La. Die : Legaten gingegen begaben fick ger gingen. Serch . Danz, 2ter Th .

Danzigs Geſchichte . 290 in die Stadt, und wollten nicht dem Rath und den Ordnungen allein , ſondern der geſammten Bür gerſchaft öffentlich ihr Geſchäfte bekannt machen . Ob nun gleich einige Widerſprüche dagegen ents ſtanden , ſo wurde doch auf nochmals eingeholten Befeßl des Königs, am folgenden Tage, die ganze Bürgerſchaft auf den Markt berufen , um den Auftrag der Königlichen Geſandten vom Rathaus Daſelbſt alſo verlas ein Polni, fe zu verneğmen . er eine Schrift aus dem andt ſcher Kanzeleyverw Fenſter , welche bernach in lateiniſchen und deuts ſchen Eremplaren auf den Markt ausgeworfen wur. de, und werin der König , gezwungener weiſe die Waffen wider die Stadt ergriffen zu haben erflår te ; es wurde die Schuld davon nicht allen Bürs gern und Einwohnern , ſondern dem Stolz und Ungeħorſam einiger Obern und Anführer derſelben bengemeſſen ; es wurden auch die Mittel und Vera ſuçe der Süte ſo der König angewandt håtte, vor geſtellet, und übrigens annoch , zur Unterwerfung und zur Ablaſſung lichſte ermaḥnet.

vom Ungeþorſam aufs ernſt Es befanden fich aber in dieſer

Schrift einige ſo unglimpfliche Angriffe und Aus drücke gegen den Rath , die Kriegsbefehlshaber und andre biedere Männer,

daß dem Syndicus

aufgetragen wurde , dieſe Schrift zu beantworten , und insbeſondre die Unſchuld der Stadt zu perthey . Die deshalb ausgefertigte Gegenſchrift

digen .

wurde auch in gleicher Art publiciret, und die Ges fandten

ſelbſt

nahmen die Refutation ſo wenig

ůbel, daß vielmehr einige verſehrliche Ausdrucks

Dritter Abſchnitt. in der deutſchen gegeben

wurden ;

Zwölftes Capitel.

291

Sprache dem Ueberſeßer ſchuld man ging auch mit aller Hifa

lichkeit auseinander ,

und nach einer ehrenvollen

Aufnahme, deren die Königlichen Legaten in der Stadt genoſſen þatten , erwarteten ſie wieder ben der Schießſtange die Ankunft der Geiſeln ,

und

nahmen alsdenn mit freundlichem Abſchiede ihren Rückweg. Vorher hatten die Ordnungen der Stadt mündlich verſichert, daß fie eine Deputation aus iþren Mitteln an den König abſchicken würden , und daß ſie zur glücklichen Wiederherſtellung des Friedens nichts ſehnlicher wünſchen könnten ,

als

für dieſelben eine Audienz beym Könige zu erhal. Hiezu Hatten die Geſandten ihren dienſtfers

ten .

tigen Beyſtand verſprochen , und ſie haben dieſes Verſprechen auch redlich gehalten. In der Stadt hatte man mitlerweile nicht un. terlaſſen , die bürgerliche Eintracht auf jeden Fall zu befeſtigen.

Die ganze Bürgerſchaft fatte ſich

vor Antunft der Legation, durch einen körperlichen Eyd wiederholentlich verpflichtet, für des Vater. landes Freyheiten Leib und Leben aufzuſegen , und zur Verthendigung der Stadt in feſter Treue zu beharren .

Ein gleiches geſchabe auf den verords

neten Paradeplågen , vom Obriſten , den Kriegs . Officiers und der ganzen Befaßung, zur Beſtåti gung ihrer der Stadt angelobten Treue; und zwey Tage

früher

hatten ſämmtliche

Ordnungen fick

durch eine ähnliche Eydeserneuerung gegen einans der verpflichtet, wobey doch die Feſthaltung an der Krone Polen ,

und das Incorporationsband mic

Danzigs Geſchichte.

292

1

der Provinz Preuſſen , immer zum Grunde warere gelegt worden .

Jego Hatte man das Geſchäfte

vor fich , die Deputirten ins Königliche Lager zu ernennen ,

man konnte aber nächſt dem Geleit,

keine Geiſeln vom Könige dazu erhalten , welches ſchon einiges Misverſtändniß veranlaßte. Der verabredete Waffenſtilſtand war auch von beyden Theiten nicht ſo unverbrüchlich

gehalten worden ,

daß nicht verſchiedene Scharmüßel, ja ſelbſt kleine Attaquen hie und da vorgefallen wåren. Die Bes lagerer arbeiteten unter der Zeit an ihren Schanzen und Laufgråben , und vor der Münde ward mit den Kriegsoperationen gar .

Es miſchte ſich dabey aufs neue die Furcht für Ver råthereren ein ,

und dieſer Verdacht wurde nict

wenig vermepret , als man einſtens in der Nacht das

Heilige

Leichnamsthor offen gefunden hatte ,

wie wol es nacher fund wurde , daß wegen vers borgener Auführung des Holzes aus dem Jung. ſtádtſden

Raum ſolches Håtte geſchehen müſſen .

Indeſſen wurde nach gehobenen Sawierigkeiten eine Deputation aus allen Ordnungen ausgeſeket. Der Burgermeiſter und Ritter Johann Proit, der Rathsherr. Joachim Ehler ,

der Schoppe

Hieronimus Fick , und Cyriac von Fechteld aus der dritten Ordnung , nebſt dem Syndicus D. 26 Juny Lemke gingen ins Kinigliche Lager , und batten ihre Inſtruction ſo wol als die Antwort mit fich , welche auf den öffentlichen Antrag der Legation ge geben werden ſollte.

Sie erhielten auch die ihnen

zugeſagte Audienz beym Könige,

der ignen am

Dritter Abſchnitt. Zw

iftes Capitel.

293

Unſerer Schluß folgende Erklärung mitgab : , he Gnade Habt ihr euch gewis zu getröſten , wenn p, ihr zu eurer Pflicht wieder zurück febren werdet,

das iſt, ſo ihr die Stadt in den vorigen Rube. ſtand feßen , die Waffen ablegen , die Soldaten ,, abdanken , und die fduldige Treue und Untere ,, würfigkeit an den Tag legen werdet. Und das ,, iſt unſre endliche Antwort. “ Zum Vergleichs . geſchåfte ſelbſt war man piemit zwar nicht einen Schritt nåber gelommen ; weii indeſſen der König den Stilſtand perſönlich noch auf zwey Tage vers långert hatte , fo fonnte man daraus einen Wink abnehmen , ſich noch einmal zu einer Antwort mele den zu laſſen .

Solches geſchahe denn nach gee

nommener Berathſchlagung durch ein Schreiben an den General Zborowski, der auch ſogleich einen Königlichen Geleitsbrief dazu einſchiçte.

Diefel

ben Abgeordneten gingen zum zweytenmal ab , die Ordnungen aber bezogen ſich in der mitgegebenen Inſtruction blos auf ihre bisherigen Zuſchriften an den König , womit ſie ihre Demuth und Gehorſam zur Genüge bewieſen zu haben glaubten. Weil nun die Hauptpunkte der Königlichen Willenserklärung nicht eingegangen wurden, aucı keine Unterwerfung zu den verlangten Bedingungen erfolgte ,

ſo wie .

derholte der Unterkanzler nur die vorhin vom KS. nige gegebene Antwort , und die Unter andlungen nahmen ein Ende ; ja wenn auch nach der Zeit ei. 29 Juny nige male an den König , imgleichen an die Kron : Genatoren iſt geſchrieben worden , ſo hat man és

Danzigs Geſchichte.

294

doch nicht wieder zur nåßern Conferenz in der Sache ſelbſt bringen können . Danzig wurde gleich nach Zurückunft der Des putirten aufs neue beſchoſſen , und ein dem Feinde nachtheilig geweſenes Scharmüßel vermehrte deſſen Eifer fo reßr , daß ſchon in der nächſtfolgenden Nacht 236 Feuerkugeln in die Stadt geworfen wurden .

Hauptſächlich ſollte nun ,

anfangs gemachten Anſchlage nach , Weichſelmünde forcirt werden .

dem

gleich

die Feſtung

Hier lag nur eine

ſchwache Beſaßung, die zwar der Belagerung fich tapfer i July

erwehrte , allerdings aber eines baldigen

Entſages bedurfte. Selbigen übernahmen nun die benden Däniſchen Befeßlshaber Fahrensbeck und von Ungern , mit achthundert Hackenſchüßen aus der Stadt , denen 330 Schotten zugeſellt wurden . Sie liefen auf Bdten und Kåhnen die Weid fel bin . unter ,

hatten etliche Pinken mit

Geſchůße zur

Hülfe, und zogen noch einige Mannſchaft aus der Feſtung an ſich .

Dergeſtalt fielen ſie frühe Mors

gens den zum Theil ſchlafenden Feind mit großer Gewalt an , wobey zwar der commandirende Obriſte Weyher, als er in ſeinem Gezelte gewecket wurde, den Danziger Angrif mit

Verachtung verlate,

ſehr bald aber die ernſtliche Gefahr waþrnahm , und faſt am erſten auf ſeine Entrinnung bedacht zu ſeya Die Danziger Truppen erlangten fiegreich iğren Endzweck, fie ſchlugen den Feind in

nöthig þatte.

die Flucht,

befreyeten die Münde ,

und dfaeten

der Stadt wieder die Communication mit ihrem Ha. fen :

es wurde auch das bey ' Lübeſchau verlorne

Dritter Abſchnitt.

Zwölftes Capitel.

295

Geſchüß und nachft dem noc vierzehn kleinere Stue de, erbeutet.

Nur der zufällige Tod eines tapfern

Schottiſchen Capitains Robert Gurley, der berm Ausweichen ins Boot einen Sprung verfehlte und ertranf , war der größte Schaden,

den Danzig

nåchſt weniger verlornen Mannſchaft, litte.

bieber er :

Aus der Stadt hatte man mitlerweile den

Feind öfters durch leichte Ausfälle gereizet, es wa ren auch ſtarke Detachements zu Aufgaltung der ſelben in die Nehring und ins Werder geſchickt wor den , die zum Theil bis Dirſchau vordrungen , und mit Vieh und Getreyde nebſt anderer Beute zurück kamen,

Alein die Belagerer ſelbſt nahmen in furs

zem mit ihren Maasregeln eine Veränderung vor , denn ob ſie gleich aus Rache für den Verluſt ben der Münde , nocy etliche Tage der Stadt mit hef rigem Feuer zufekten , auch ungeheure Steine von mehr als 150 Pfund an Gewicht, aus Mörfern þinein warfen ,

fo braqen ſie doce

bald nachher

mit ißrem Lager gånzlich auf, zogen um die Berge 15 July . herum , und verrietben nach aufgehobener Bela gerung ,

nunmehr ihre Abſicht,

ſich mit ganzer

Macht vor die Weichſelmünde zu legen . Die Vertheydigungsanſtalten in Danzig þat. te man während dieſer Zeit noch immer verbeſſert. Man findet insbeſondre ein neu erridytetes Regle. ment für die Bürgerwachen ,

welches von vieler

Ordnuug und Genauigkeit in der Kriegspolicen geu get ,

nach welchem auch der

ganze Umfreiß der

Stadt in neun Standplåge zu den Bürgerwachen

296

Danzigs Geſchichte.

iſt abgetheilt worden, wohin aus jedem Rechtſtådte fchen Quartier zwey oder mehr Rotten ,

die übrie

gen aber aus der Alten Stadt und Vorſtadt ſind angewieſen geweſen . Der Militairetat der geſamm ten Bürgerſchaft hat damals alſo eine Eintheilung in neun Fahnen bekommen , auſſer Langgarten der ſen Einwobner unter einer eignen Fahne geſtanden haben .

Zwey Tage nad dem Mündiſchen Entfak

war der

Rathsherr Michael Siefert mit dem

Kriegsrath Fahrensbeck an den König von Då . nemark geſchickt worden , theils um deſſen Vermits telung beym Könige von Polen zu erbitten , theils für die Stadt , um Geld und Kriegsnothwendig Feiten Anſuchung zu thun.

Man konnte ſich den

Umſtänden nach aus Dånemark die nächſte Hülfe þierin verſprechen ;

18 war auch ſchon früher der

Weg dazu gebahnt worden ,

und noch neuerlich

war wieder ein Transport Schottiſcher Soldaten , auf Dåniſsen Schiffen þerůber gekommen .

Die Polniſchen Truppen waren unterdeſſen im Danziger Werder verleget, der König wartete noch grobes Geſchüße und Ammunitionsbedürfniſſe aus Königsberg ab , 30g aud Siebenbürgiſche Hülfes pólfer an ſich , und marſchirte rodarin 20000 Mann ſtark , unter öftern Sqarmügeln bey Dan zig vorben , um zwiſchen Stries und dem See ſtrande ein neues Lager zu beziehen. Hierauf wåør.

9 Aug.

te es nur zwey Tage , ſo wurde die Feſtung Weich . felmünde aufs neue belagert. Man hatte hieſelbſt zur Gegenmehr gute Anſtalten getroffen , es regte Fidj auch das ganze Schottiſche Regiment,

wober

Dritter Abſchnitt,

3w8iftes' Capitel.

297

viele Franzoſen und Niederländer dienten , unter dem Obriſten Wilhelm Stuart , der polniſchen Armee gegenüber , um die Fahrt offen zu balten und die Communication mit der Stadt zu beſchů . ken .

Nächſtdem kamen die Danziger Abgefando ten nach guter Erpedition aus Dänemark zurück ,

ihre Pinke ward von einem Däniſchen Kriegsſchif und vier Saleeren die auf der Rhede anlegten , begleitet, ſie brachten auch 20000 Thaler baares Geld , 2 Karthaunen , 12 Nothſchlangen, 6 Laſt Pulver und einen Vorrath an Kugeln mit, welches alles , ſo ſehr es die Polen auch zu verhindern ſuchý. ten , glücklich in die Stadt tranſportiret wurde. Die Abgeordneten hatten zugleich die Verſicherung erýalten , daß der König von Dänemark fraft eis .ner eignen Geſandtſchaft fick dem Vermittelungs geſchäfte unterziehen , und ferner das Beſte der Stadt wahrnehmen würde. Inzwiſchen war der Můnde mit unaufhörlichem Schieſſen ſo heftig zu . gelegt worden , daß fchon der Thurm mit der La terne herunter geworfen war, die beyden Blod båuſer gegen die Weichſel zwey Tage lang Brand gelitten hatten ,

auch ein Theil der Hauptmauer

durchildert, und die Feſtungswerke dermaſſen zu. gerichtet waren , daß die Befaßung ſich nicht mehr bedeckt hielt , ſondern theils ins freye Feld ausjog, theils ſich in die warf.

Scottiſchen Schanzen hinein Darauf nun ſegten die Polen unter beſtån .

digem Kanonenfeuer , in Boten über die Weichſel, bemächtigten ſich eines Bollwerks und wollten das Fort übermannen .

Sie trafen auch zunächſt auf 15

+

Danzigs Geſchichte.

298

einige teutſche Truppen der Danziger ,

die ohne

der Scotten Beyſtand wåren verloren geweſen ; aber mitten in der Action kamen drey Bürgercom pagnien aus der Stadt an , die zur Ausbeſſerung der Feſtungswerke abgeſchickt waren .

Nach deren

Ankunft zog der Feind ſich zurück , und man regte fich von benden Seiten zum eigentlichen Angrif in Poſition.

Doch behaupteten die Polen das

Bollwerk , worin fie ſich mit Steinen verſchanzten, dagegen die Danziger ebenfalls zwey SĐanzen auf. warfen , und gleich wie der Feind größeren Succurs bekam , auc ſie unter iþrem Obriſten von Csden nebſt dem Kriegsrath

Fahrensbeck mit einigen

24 Aug. hundert - Mann aus der Stadt verſtärkt wurden. Das Treffen wurde þierauf mit großer Hiße et : neuert ; die Danziger machten den Anfall und woll. ten den Feind delogiren , wobey das Geſchüß von ſollte ; das

den Dåniſchen Galeeren mitwürfen

gegenſeitige Schieſſen dauerte bis in die finkende Nacht ,

aber dennoch behielten die Polen iøren

Stand auf dem Bollwerk, und es ging nur von beyden Theilen viel Kriegsvolk verloren . Die Dans siger beklagten mit Somerzen den Verluſt ihres tapfern Obriſten von Edtlen ,

verſchiedene der

erſten Befehlshaber, Fahrensbeck , Ahnenfeld , und viele Schottiſche Capitains waren verwundet, wie auch in den Bürgercompagnien einige Lüden gemacht worden .

Den beſten Erfolg fatte die uns

ablåßige Arbeit der Bürger an den Mündiſden womit wenigſtens alles

Feſtungswerfen gegabt ,

Dena

wieder in gute Gegenverfaſſung gefegt war.

7

Dritter Abſchnitt. Zwiftes Capitel. noch lieſſen die Polen nicht nachy,

299

iþrem Project

auf andre Weiſe zur Ausführung zu belfen .

Sie

folugen nun eine Floßbrúce über die Weichſel, vornemlich um die Conjunction zwiſchen dem Bolle werk und ihrem Lager zu haben , welches auch die Beſagung in der Münde nach der Lage des Orts, mit ihrem Geſchůz nicht verhindern konnte.

Doch

beobachtete man den Feind mit alor Wachfamkeit, und bey der Stadt wurden indeſſen zwey alte Weich . feltåhne mit Pech , und

Theertonnen ,

trodnem

brennenden Materien zubereitet, um die Brüde damit in Brand zu brin Strauchwert,

und andern

gen : ſie waren aber kaum ſo nahe gekommen , fo roboſſen die Feinde gewaltig darauf und legten ben . de Gefäſſe in Feuer, wovon das eine gar ans Män . diſche Haus trieb , und den Schaden beynahe noch Nichts deſto weniger woll- 1 Sepce großer gemacht gåtte. ten die Danziger die Zernichtung der Brüde nicht aufgeben .

Sie

rüſteten kurz darauf ein

ſtarkes

Schif aus, von einer Art die man Boyert genannt þat , reßten es mit günſtigem Südweſtwinde in volle Seegel , und lielſen es auf die Brücke anlau fen , welche dadurch mit großer Gewalt in Stücke gerbrach .

Die Polen

hatten dieſes Unterfangen

faſt für lächerlich angeſehen , und glaubten mindes ſtens , nachdem ſie größtentheils ins Lager gegan gen waren , ſich mit der Defenſion des Bollwerks nicht übereilen zu dürfen ; ſie ſchoſſen aber kaum viermal aufs Schif, als die Brücke ſchon zerſprun gen war , und die noch auf dem Bollwert befinds liche Mannſchaft ſich abgeſchnitten

ſaben

Dieſe

Danzigs Geſchichte.

300

nun ſuchte fiche tħeils am Strande , Schwimmen zu retten ;

theils durch

der größte Theil aber fiel

den Danzigern in die Hånde, welche auch das Boll. werk mit allem darauf vorräthigem Geſchůße und Ammunition in Beſik nahmen .

Gleich nach die

ſem Vorfall ſchien man Polniſcher Seits die Hofs nung zur Eroberung des Forts aufzugeben . Mangel an Kriegsgeråthe

Der

und der Abgang des

brauchbaren Geſchüßes mogen das meiſte dazu bey getragen haben ; denn würklich hob der König die

6 Sept.

Belagerung auf, und zog mit der ganzen Armee, auf dem vorigen Wege , bey Danzig über die Bere ge vorber nach Prauſt ,

wo er einige Raſttage

hielt, und ſodann, nachdem auf dem ganzen Marſch die Danziger Låndereyen nebſt einigen Höfen und Stahlhammern noch viel Kriegsungemach hatten erdulden müſſen , ſeine Truppen zu Marienburg und in der dortigen Gegend in Quartiere verlegte. Während allen dieſen Feindſeligkeiten ,

war

doch wieder bisweilen eine Anlage zum Frieden ge Die Stadt felbſt hatte nach jenen macht worden . im Lager abgebrochenen Conferenzen , Zeiten

durch Briefe

wieder zu

an den König und an die

Reichsråche, ihre Bereitwilligkeit dazu geåuſſert; noch weiteren Fortgang aber . Hatten gegen Ende des Auguſtmonats einige Herren von Pommerelli ſøen Udel kk )

gemacht, und weil der König ſeine

lekten Erklärungspunkte

gegen

die Stadt ,

zum

kk) Selbige waren Reinhard Strokow , Joſua Jannowix uno Walentin Oberfeld aus der Pußiger und Nirachowſchen Ritterſchaft. 1

Dritter Abſchnitt. Zwölftes Capitel,

301

Fundament des Vergleichs gelegt Haben wollte , fo þatten ſie mit vieler Moderation dieſe Punkte als Pråliminarien einzuleiten geſucht, waren auch zu fernerer Fortſegung des Friedensgeſchäftes erbdtig Nachdem aber die Stadt wegen des er littenen Kriegsſchadens von aller Gelderlegung ab.

geweſen.

geben wollte, ferner auch der Verluft bey der Mün de die gegenſeitige Erbitterung vermehrt fatte, und eben noch einige neu herbeygekommenen Unterhånd ler dem Könige gefälliger zu ſeyn ſchienen ; ſo geo rieth dieſe erſtere Beredung in Stecken . Zur neuen Mediation hatten ſich der Baron Johann von Taube und der Ritterſchaftsmarſchall Fromhold von Tieſenhauſen ,

welche

als Deputirte der

Provinz Liefland , ' an den König zur Requiſition einer Kriegshilfe wider Moſcau gefchickt waren, erboten . Dieſen wurde zur Erleichterung ihres 11 Sept. eignen Geſchåftes verſtattet, in Danzig nochmalia ge Vorſtellungen zu thun : weil aber die vorigen Schwierigkeiten durch ſie nicht gehoben wurden , die Stadt auch vor Eröfnung der

Friedensconfe

renzen , die Achtsentbindung und eine völlige Am . neſtie verlangte , und die Liefländiſche abgeordne ten alle dergleichen Verzögerungen nicht abwarten konnten ; ſo war man auch dieſe Negociation abs 1

zubrechen genöthige. Bey dem allen ergrif Danzig jede Gelegen , beit, den Feinden Abbruch zu thun ,

und unter

dem Recht des Krieges fich zugleich an den Ber ſchädigern ihrer Seefahrt und Handlung zu råchen . Durch an ſich gezogenes Seecommerz þatten einige

1 Danzigs Geſchichte.

302

am friſchen Haf gelegene Stådte , vornemlich aber Elbing ,

rich während dem Kriege in ſo betrachts

liche Vortheile geſekt, daß man in Danzig auch für die Folge beſorgt war , mit einer geſchwachten Seehandlung , der nachbarlichen Eiferſucht untere zuliegen.

Es ward demnach ein Plan gemacht,

nicht nur das freye Verkehr und die Ruhe der in den benachbarten Håfen liegenden Schiffe zu ſtören , ſondern ſich auch durch Abbruch der ſchon genoſies nen Commerzvortheile,

an Elbing 'zu råchen; und

piezu wurde der auf der Danziger Rhede liegende - Dåniſche Admiral Erich Munk , mit ſeiner Eſca dre um Beyſtand erſuchet. Pinken und

Danzig gab iým vier

einige Kriegsbåte

mit

genugſamer

Mannſchaft zur Verſtärkung , ſo daß er nebſt ſeis nen Kriegsſchiffen eine Armade von achtzehn Fahrs zeugen hatte , die unter Danziger Beſtalung auss fuhren .

Es befanden ſich darauf beynahe 3000

Mann Kriegsvolf, über welche der Graf Ferdi nand von Hardeck als Stadtobriſter , das Com . mando führte, und worunter auch Bürgerskinder Die Erpedition nebſt vielen Freywilligen waren . ging zuerſt ins Haf auf die Ermlåndiſchen Stift ſtådte ,

aus welchen Braunsberg auf fünf tauſend ,

und Frauenburg mit den daſigen Domherren auf zehn tauſend Thaler gebrandſchaket wurden , das Stådtchen Sokkemit aber ſich mit freyer Zufuhr und Proviantlieferung abfinden mußte. Darauf verfolgte die ganze Flotte ihren Weg auf Elbing . Hieſelbſt fand man zwar den Eingang des Tiefs , mit einem verſenkten großen Weichſelbahn ,

der

Dritter Abſchnitt. Zwölftes Capitel,

303

mit Ballaſt und Dielen angefüllt war , verſperret, allein die Danziger Båte råumten bald auf, und liefen in finſtrer Nacht beynahe bis an die über den Ben größerer Stille Elbing gehende Brücke. þåtte man die Stadt vielleicht überrümpeln können ; nachdem aber alles in Bewegung gebracht war , ro ſchichten die Danziger einen Trompeter pinein , und lieffen Abgeordnete zum Eccord beraus fordern . Dieſe aber ſtellten ſich nicht ein , ſondern Elbing ſandte

unterdeſſen

an

den König nach Marien .

burg , um Benſtand und Húlfstruppen zu bitten . Darauf fekten die Danziger die Laſtadie und die Speicher in Brand ,

landeten auc mit ihrem

Kriegsvolt , und plünderten in der

Vorſtadt und 18 Sept.

einigen naße gelegenen Hofen , bis der polniſche Succurs mit etlichen þundert Huſaren und Hens ducken anlangte. Mit dieſen kam es zum Gefechte, worin von beyden Sheilen ein Berluſt an Verware deten und Todten erfolgte.

Zuleßt aber ward ein

Trupp der Danziger ins Geſümpfe gejagt, wobey ein und dreißig Gefangene den Polen in die Hände fielen ,

und nach Marienburg gebracht wurden .

Als die Danziger nun nichts 1 konnten ,

weiter ausrichten

ſo verſenkten ſie beym Abzuge noď an

dren Orten den Elbinger Hafen , führten 70 Hole ländiſche,

Engliſche und andre Kauffardenſchiffe,

die theils bey Elbing gelegen ,

theils unterweges

aufgebracht worden , mit ſich , und kamen allmå. e5 Septe lig nach Hauſe, nachdem ſie einige Handlungs fchiffe wieder verloren þatten, die in den Pregel ente

Danzigs Geſchichte.

304

wiſcht waren ,

und

vom Herzoge zurüdbehalten

wurden. Indeſſen ließ ſich der König von den Friedens . geſinnungen dadurch nicht abwendig machen , und weil fich für Danzig abermals eine Gelegenheit darbot, ſich einer erwünſchten Vermittelung zu bedienen , ſo wurde diefelbe mit einem glücklichen

1

Ausgang benuket.

Es war eben damals die Bee

richtigung des wichtigen Geſchäftes , wegen der Curatel über den bidden Herzog Albrecht Frieds rich in Preuſſen , und der damit zugleich an den Markgrafen von Unſpach George Friedrich zu übertragenden Adminiſtration des Landes ob þanden.

Weil nun hiezu mit mancherler Empfeh

lungen ,

von den Churfürſten

Brandenburg ,

zu

Sachſen und

vom Adminiſtrator des

Erzſtifts

Magdeburg, vom Markgrafen von Anſpach , vom Herzog von Würtenberg,

auch von den Landgram

fen zu Heſſen und den Herzogen in Pommern, Ge ſandtſchaften an den König von Polen nach Ma: rienburg abgeſchicket waren , ſo faßte man in Dan: zig den Entſchluß ,

gleichwie ſchon früher und zu

mehreren malen auswårtige Potentaten , und ins . beſondre die Fürſten in Teutſchland um Schuß und Fürſprache während dem Batoriſchen

Kriege wa.

ren erſucht worden , ſich jego um eine günſtige und fruchtbare Mediation ihrer Geſandtſchaften werben .

zu beo

Einige der Geſandten hatten dieſe Vermitte. lung ſchon in ihren Auftrågen , und weil auch die übrigen die Befehle dazu von iþren Herren ohne Anſtand

Dritter Abſchnitt.

ZwSiftes Capitel .

305

Anſtand er ielten ,fo bekam Danzig , durch einen Cburbrandenburgiſchen Secretair die willfährige Erklärung, daß mit Genehmhaltung des Königs von Polen , das Friedensgeſchäfte von Seiten der Stadt eröfnet werden von allen Ordnungen ,

könnte. ein

Hierauf wurde

dankbares Antworfs

fchreiben eingeſchicfet, und vermittelſt eines an den Secretair Johann Thorbecke dazu ergangenen Befehls , die teutſchen Gefandten erſuchet, durch Abgeordnete aus ihren Mitteln , mit der Stadt in nåhere Unterhandlung zu treten . Man konnte es als eine gute Vorbedeutung aufnehmen ,

hiebey

daß die bisher gefangen gehaltenen

Herren

diese

Raths ihre Freyheit erhalten hatten , ll) und kurz darauf mit dem Secretair Thorbecke nac Danzig zurück kamen , wofür auch dem Könige in einem ſubmiſſen

Schreiben

Dank

abgeſtattet

wurde.

Bald nacher trafen fünf Herren von der teutſchen Geſandtſchaft in Danzig ein , ſie wurden feyerlich mit Löſung des Geſchůßes empfangen ,

und nach

abgelegtem Ceremoniell, am folgenden Tage aufs Rathhaus in die öffentliche Rathsverſammlug ge führet.

Hieſelbſt machte der Cþurfächſiſche Rath

und Geſandte Abraham von Bock mit einer ſom lennen Anrede die Einleitung zur Negotiation, woe rin er vornemlich den Ordnungen mehr Nachge. 11) Sie waren feit abgebrochenem Vergleichsgeſchäfte zu Sromberg , gefänglich auf das Schloß zu Lencjoc gebracht worden . Im Maymonat hatte man ſie eine Zeitlang ges trennet, zu Ende des folgenden Monats aber zuſammen auf das Schloß zu Marienburg abgeführet, wo ſie bis ju ers langter Freyheit geblieben find. u Geſch . Danz. 2ter Th .

Geſchichte Danzigs.

306

bung gegen ihren König empfahl.

Der Syndicus

erwiderte dieſen Antrag im Namen der Stadt mit einer feyerlichen Dankſagung , und man bevoll 1

måchtigte fodenn eine Deputation aus allen Ordo nungen , um mit den Geſandten umſtändlich zu conferiren , worauf in wenigen Tagen ſchon einige

14 Oct. Herren von der Geſandtſchaft nach Marienburg abgehen konnten , um dem Könige eine ſchriftliche Erklärung von Seiten der Stadt zu überbringen . Die hierauf ebenfalls fcriftlich abgefaßte Antwort des Königs enthielt aber noch folche Artikel , daß man die legaten nach ihrer Zurückunft bitten muß te,

ſich um

zu bemüßen .

eine der Stadt günſtigere Reſolution Solches gerdahe zuvörderſt durch

Briefe an den König , und an die beyden Kanzler der Krone ;

nadidem aber nicht alle Hofnungen

zu einer geneigtern Willenseröfnung verſagt wur den , ſo reiſeten einige der Herren Vermittler noch mals nach Marienburg , und nahmen einen Dan ziger Secretair mit fich .

Dieſer kam in wenigen

Tagen mit den Finalbedingungen zur Hauptſache 19 Nov. zurück , und bracote zugleich ein ſicheres Geleit für die Abgeordneten der Stadt mit , welche nach Mas rtenburg kommen ,

und alle übrigen Vergleichs.

punkte in Richtigkeit bringen ſollten. Der Burgermeiſter Ferber nebſt dem Raths Herrn Roſenberg und dem Syndicus , der Schop penherr Reinhard Kleinfeld und aus der dritten Ordnung Hans Nitke gingen demnach ab , um die lekte Hand an die Vollendung des Friedensges fchaftes zu legen. Ihre Conferenzen blieben blos

Dritter Abſchnitt. Zw8lftes Capitel.

307

ben den vermittelnden Geſandten ; durch deren uns ermüdete Sorgfalt aber wurde in kurzem der Fries de zu Stande gebracht, und mit revidirten Schrif- 11 Des, Am folgenden Tage gingen mit ten befeſtiget. Kdniglicher Erlaubniß, die Abgeordneten aus Dan . zig unter Begleitung der Fúrſtlichen Geſandten , aufs Schloß in die Verſammlung des Königs mit Die feyerliche den Senatoren und Hofminiſtern . Deprecation der Stadt geſchahe hieſelbſt vor dem Königlichen Throne, Querbant,

zwiſoen weichem und einer

worauf zum Theil die Teutſchen Gea

ſandten iþren Sie hatten , den Danziger Abgea Sie ließen ordneten ihre Stelle angewieſen war. insgeſammt ſtegend , durch ihren Syndicus das zur Übbitte beliebte Formular, in lateiniſcher Spra . che ableſen ; und der Kron - Unterkanzler ertheilte darauf die Antwort, ,, daß der König auf geſchen bene Abbitte, der Stadt alle Vergebungen er . ,, ließe, und mit Tilgung des gegen dieſelbe abges on ſprochenen Decrets , ſie völlig reftituirte ; woben es Sr. Majeſtåt Wille wåre, ſie für die getreur. ſte Stadt gleich den übrigen Reidysunterthanen me gu erklåren , und das Decret ihrer Achtsentbin . 7 . Nachd eme lektee ,, dung verlautbaren zu laſſen . res in offentlicher Verſammlung geſchehen war, nåøerten ſich die Danziger Abgeordneten dem Thron , und wurden vom Könige zum Handfuß gelaſſen ; worauf der Syndicus dieſe feyerliche Handlung mit einer Rede berdloß , 4

worin er nådft Gott,

dem Könige für den gegebenen Frieden Dant ab . ftattete , und gegen die Fürſtlichen Geſandten , für W 2

1

Danzigs Geſchichte:

308

ihren Benſtand die Empfindungen der Erkennt lichkeit an den Tag legte.

Nacy auseinander ges

gangener Verſammlung wurde noch an demſelben Sage , die Achtsaufhebung für Danzig , durch eis nen Wozny oder Gerichtsdiener, aus dem Schloß fenſter auf dem Markte publiciret ,

und auch der

geſchloſſene Frieden überall bekannt gemacet. Was die Bedingungen des Friedens angebet, ſo waren der Stadt Danzig damit die Verpflichtun gen auferleget, innerhalb fünf Jahren,

auf fünf

gleiche Termine , die Summe von zwey mal Jun dert tauſend Gulden an den König zu zahlen ; den Huldigungsend nach dem Preuſſiſchen Formular, ſo in den Alexandriniſchen Statuten befindlic ,

zu

leiſten ; die in Sold genommenen Kriegsodiker zu beurlauben ;

zur Wiederaufbauung des Kloſters

Dliva, innerhalb den fünf nächſten Jahren 20000 Gulden zu erlegen ; die dein Könige jährlich ſchule digen Raten , und Recognitionsgelder zur gehorie gen Zeit abzutragen ; ihre Schuldforderungen an die Krone aber , bis zum nächſten Reichstage aus . gefeßt feyn zu laſſen . Dagegen erklärte ſich der Koi nig , naciſt der Achtsentbindung und völligen Um. neſtie für die Stadt , alle ihre Rechte und Priviles gien , fraft ſeines zu Krakau geleiſteten Endes mits beſtätigt zu haben ; er ertheilte. ißr eine ſchriftliche Verſicherung wegen des freyen Gebrauchs der Rea ligion nach dem Augſpurgichen Glaubensbefennta nis ;

er erließ ihr außer den Anſprüchen des Klos

* ſters Olive, alle übrigen aus dem Kriege berzuleie tenden Schadenserſegungen ; er gab die confiſcir

Dritter Abſchnitt. Zwölftes Capitel.

309

ten unbeweglichen Güter an Danzig zurůd , und moderirte den Verluſt der beweglichen in ſo ' weit, daß fie fich nicht über 30000 Gulden belaufen follten ; er bob alle nachtheiligen Urtheile , Edicte und Mandate gegen die Stadt , und deren Güter und

Einwohner auf ;

die aus der Commiſſions.

Gebrechen

und Differenzett

fache

herrůprenden

aber ,

worunter ſich auch die Pfalgeldsanſprüche

befanden , ſollten auf dem nächſten Reichstage abs Zulegt geftellt und auseinandergereßt werden . Einzu Königl ges in ichen wurde noch wegen des Danzig , ein auf Ruhe und Sicherheit abzielene des Uebereinkommen verabredet, und åbrigens die ... fer Friedensvergleich von den anweſenden Senatos ren und Miniſtern des Reichs unterzeichnet,

! 1

1

U

3

310

>

Danzigs Geſchichte.

Dreizehntes Sapitel . Danzig huldigt dem Könige – die Commiſſionsſache wint ausgeſtellt – Das Preußiſche Landesintereſſe wird auf wieder eröfnete den Polniſchen Reichstagen verleget he - Danzig ionsſac er te Commiſſ Geſchäf in der Dangig fudit ſich der Hinderniſſe feiner Commerzfreyheit zu ente Engliſche Niederlage in Elbing - Berana ſchlagen ſtaltungen zu beſſerer Weichſelfahrt – Finanz und Polte ceyeinrichtungen in Danzig – die zwiſtige Commiſſions fache wird durch einen Vergleich beygeleget : - welcher der Pfalgeldstractat genanntift – wichtiger Inhalt deſo ſelben . Die Stadt Danzig fabe ſich nunmehr eines vers Die derblichen ,

und wenigſtens der Auſſenſeite nach

ruhmloſen Krieges entlediget.

Die Feindſeligkei.

ten ſind zwar unter 'mancherley Soarmügeln und Streifereyen nod bis zu Ende des Novembers fortgeſeket worden , die Danziger Kriegsvölker şa. ben auch größtentheils glücklich geſtritten ; aber es blieb immer ein trauriges Verhångnis , daß die Vorſtådte und Låndereyen der Stadt dabey bers Heeret , viele Dörfer in Pommerellen gånzlich der. wüſtet, Dirſchau ausgebrannt und geplündert, und in der ganzen Provinz Land und Städte durch uns zählige Kriegsunfälle mitgenommen waren , woo ben ſich dennoch das ſchonende Mitleiden des KS. nigg , und ſelbſt deſſen verzeybliche Geſinnungen gegen Danzig nie gaben verkennen laſſen . Die Einwohner der Stadt Katten auch um ſo viel mehr Urſache fich nach dem Frieden zu fehnen ,

da fick

zu Zeiten ein Abgang an Lebensbedürfniſſex zeigte, wofür die Zufuhr mit Gewalt abgeſchnitten wurde,

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. auch durch Hemmung

der Radaune ,

311

die große

Mühle ihren Gang verloren hatte , welches einen Brodmangel verurſachte, dem man erſt mit lang. famer Vorbereitung, durch Hand- und Roßmüb. Erwünſcht genug war len þat" abbelfen können . demnach einem jeden ,

der das Vaterland liebte,

die frohe Nachricht von der wiederhergeſtellten Ru he und Sicherheit des öffentlichen Gewerbes.

Der

König verließ nun die Provinz Preuſſen , und be gab ſich mit ſeiner Hofſtatt nach Warſchau.

In

Danzig trafen zwey Tage nach Zurückunft der Stadtdeputation ,

die Königlichen Commiſſarien

1577. Der Litthauiſche Unterfanj. 15 Dec. ler und Caſtellan von Trock , Euftachius Wola : wicz, der Caſtellan von Lublin Andr. Firley und der Probſt von Ploczko Graf Hieronimus von zur Huldigung ein.

Rozdrzejow waren dazu ernannt worden ; fie wurden mit großem Ceremoniell eingeholet, und der Huldigungscyd wurde zuerſt von den Ordnungen auf dem Rathhauſe , nachher aber von der ganzen Vor ih. Bürgerſchaft auf dem Markte geleiſtet. ien ten ſar ich e miſ das Ori die Com rer Abreiſ überre

1 1

ginal der Königlichen Beſtåtigung der Privilegien , gleichwie die Danziger Abgeordneten ſchon in Mae rienburg , die Abolition der Acht ſo wol als das um in Originalen empfangen Religionsprivilegi þatten . Nad Beendigung aller Hauptgeſchäfte bes Fries dens , erwartete Danzig den nach Warſchau aus : geſoriebenen Reichstag, woſelbſt die noch ſchweo

1

benden Streitpunkte,

aus der Commiſſions ſache U 4

. 20 Jan.

312

Danzigs Geſchichte.

abgemacht werden ſollten.

Dieſe Erwartung aber

ward fruchtlos : die Reichsſtånde wollten ſich mit den Danziger Beſchwerdeartikeln nicht eher bes faſſen , bevor der Grund derſelben wåre unterſuche worden , und ob wol der König biezu den Biſchof von Krakau nebſt dem Woywoden von Krakau und Lenczyc zu Commiſſarien ernannte, ſo famen doch dieſe mit den Danziger Abgeordneten zu feiner Vereinigung, weil man über den Artikel des Pfala geldes går zu ungleiche Meinungen Batte.

Der

Burgermeiſter Ferber nebſt den Rathmånnern Al brecht Gieſe und Conrad Lemke, bekamen deme nach unverrichteter Sache ibre Abfertigung , woo bey ihnen der König nur in milden Ausdrúdent verſpradı, daß er ausführlich mit der Stadt durch eine Geſandeſdaft; dieſer Angelegenheit wegen würde negociren laſſen . Ueberhaupt waren die Beſchlüſſe dieſes Reichss tages und vieler folgenden Staatsverſammlungen in Polen ,

für die Preußiffen Landesgerechtigkei

ten in verſchiedener Art nachtheilig. Das eben damals in Polen errichtete Tribunal gab Gelegen . heit, daß man auch die Preuſſen der Gerichtsbar keit deſſelben unterwerfen wollte; die Vorſtellun . gen und Proteſtationen dagegen vereitelten

zwar

jeko dieſe Zumuthung der Reichsſtånde, allein der Preuſſiſchen Stånde vielfältiges Anſuchen um ein eignes in iþrem Lande anzuordnendes Obergericht, wurde dafür gånzlich abgeſchlagen ; und doch hat fich die Preuſſiſche Ritterſchaft ſpåterhin aus eigner Bewegung für die polniſchen Tribunale

erklåret .

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 313 Denn die Zwiſtigkeiten über die Juſtizpflege in der haben es unter mehreren Differenzen 1 dahin ge. zwiſchen dem Adel und den Stådten ,

Provinzi

bracht, daß erſterer ſich im J. 1585 auf gewiſſe Bedingungen , der Jurisdiction des Peterfauer Eine andre diesjäh . Tribunals unterzogen hat. rige Conſtitution beſtimmte am Weichſelhaupt eis nen neuen Waſſerzoll in Preuſſen , der nach dem Reichstage nur mit einer Veränderung des Orts , nemlic am Weiſſen Berge bey der Conjunction des Nogats mit der Weichfel,

für die nach Danzig ,

Marienburg und Elbing gehenden Gefäfſe, würk lich angelegt wurde.

Es hat vieljährigeMühe gem

koftet, eñe man die Abſtellung deſſelben hat er. Vielmehr ſind in kurzem noch an.

langen können .

dre Zollneuerungen gemact worden : auf der Ma. rienburger Brücke, in Stargard , in den Dörfern Lübeſchau und Langenau ,

hat Polen trok aller

Preuſſiſchen Privilegien Landzölle angelegt , auch in Graudenz und bey Danzig im Sạottlande und auf dem Stolzenberge ſind Befehle auf anzuſtellen de Zölle ergangen ..

Einige derſelben ſind zwar

bald nach ihrer Anlage in Stecken gerathen , ges gen die übrigen hat man auf jedem Landtage ges ſtritten , es ſind Königliche Reſcripte dafür und das gegen Herausgekommen , oft ſind auch Gewaltega tigkeiten vorgefallen , und die Zolleinnehmer in iß Verrichtungen nicht wenig geſtört worden ; doch hat ſich das Land vom Waſſerzolle am Weiſſen ren

Berge erſt im J. 1585 völlig befreyet geſehen . Eben ſo zwiſtvolle Schwierigkeiten führte das Polo ... US

Danzigs Geſchichte.

314

niſche Contributionsuniverſal mit ſice,

kraft deffen

das Land Preuſſen ſeine gewöhnliche Art zu con tribuiren verlaſſen , und fich zu den Polniſchen Staatsabgaben bequemen ſollte.

Es wurde zwar

anfangs auf die Landesgewohnheiten noch einſtimo mig gehalten , der König ließ ſich auch nach eini gen Vorſtellungen die in Preuſſen úbliche Contris butionsart zum Lieflåndſchen Kriege gefallen ; nach

1

dem aber in den folgenden Jahren, die fortwah. renden Unruhen mit Rußland , immer gåufigere Geldforderungen des Königs verurſachten , ſo ſchien der Preuſſiſche udel auf die Erleichterung in den Polniſchen Contributionen allmålich aufmerkſam zu werden . Er fand die Poborren ſeinem Stande viel zuträglicher , wenn gleich der Bürgerſtand da. mit Hårter gedruckt wurde , er nahm alſo dieſelben gleich der Polniſchen Ritterſchaft an , und überließ es den Städten , ſich mit Verwahrung ihrer alten Privilegien zu verthendigen. Dieſe haben ſich dem. nach gemäßiget geſehen , größere Geldſummen zur Contribution aufzubringen , damit ſie nur von un angenehmeren Zundthigungen befreit

blieben .

Der nächſt folgende Landtag zu Graudenz, ( der auch der erſte Poſtcomitial- Landtag in Preuſ ſen geweſen iſt ),

follte, alles wieder gut machen ,

was durch Neuerungen auf dem Reichstage war verlekt worden . Man bearbeitete wurklich Ent . würfe, alle Schmålerung der Landesimmunitäten zu bemm ?n ;

man ſekte Beſchwerdeartifel

auf,

ohne welche keine Inſtruction auf die Reichstage gegeben werden ſolte; die Landesprivilegien wur

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 315 ben auc zum Druck befördert, damit jedermann von dem Inhalt derſelben überzeugt würde : "allein die Lubliner Union gatte ſchon ein gar zu großes Gewicht bekommen , als daß man die daraus er folgten Staatsveränderungen gåtte aufgeben kön . nen ."

Der nächſte Reichstag gab ein abermaliges

Zeugnis von Preuſſens willfåriger Ergebung un . Die adeliche ter die Polniſchen Staatsgefeße. Råthe verglichen ſich mit der übrigen Ritterſchaft über gewiſſe Moderationsartikel, womit ſie von den alten Vorrechten etwas nachlaſſen wollten , um der übrigen verſichert zu bleiben . wurden dem Könige vorgetragen :

Drey derſelben man wollte die

Anſekung der Landtage der Königlichen Entſchei. dung überlaſſen ,' man unterwarf ſich der gemilder tin Vollzieþung des Alerandriniſchen Statuts , und zur Erlangung des Einzöglingrechts wurde eine Saßhaftigkeit von funfzehn Jahren vorgeſchlagen . Der lektere Punkt aber machte die ehedem in Po. len behauptete Erklärung des Indigenats rege, und 'nun gereuete es die Landesråthe, fich frucht. Die Danziger los hierüber ausgelaſſen zu haben. Abgeordneten proteſtirten fenerlich gegen alle dieſe Moderationsartikel , und ſelbſt einige Conſiliarien ſuchten ſich ben den Städten desgalb zu entſchul. digen .

Nichts deſto weniger wurden die

Jrrun

gen zwiſchen den Stånden in der Folge noch man Indem viele Nationalpolen nigfaltig vermehret. in der Provinz Preuſſen ſich anfäßig machten, ſo tamen polniſche Sitten und Gebräuche in Uebung , und es äußerten ſich Prárogativen des Adels vor .

7

isto

316

Danzigs Geſchichte.

dem Bürgerſtande , wovon man zu åttern Zeiten beſonders in Vergebung geiſtlicher und weltlicher Würden keine Notiß gehabt hätte.

Eben hiedurch

ſchlic ſich eine Standesjalouſie ein ,

welche ſehr

unangenehme Übånderungen veranlaßte ,und un . ter andern einen ſichtbaren Eintrag in die oft vero ſuchte Reforme des Preuſſiſchen Juſtigweſens bera vorbrachte. Die auf vielen Preuſſiſchen Landtagen bisher mit Eifer geſuchte Verbeſſerung des Culmi fchen Rechts , þatte ungeachtet der oft deshalb er . neuerten Zuſammenfünfte und Arbeiten , nie einen Mit der dies

1580. glücklichen Ausgang gewonnen .

jährigen Reviſion zu Neumark i wozu ſich nåchſt dem Herzoglichen Geſandten , Deputirte vom Udel und aus den Stådten der Provinz eingefunden katı fen , kam man eben ſo wenig zum Endzweck ,

und

es äußerten ficke ſo widerſprechende Meinungen in unterſchiedenen Rechtsmaterien , daß man keine einſtimmige Aufnahme des revidirten Culms zum Das Geſekbuch des Landes , erwarten konnte. Herzogliche Preuſſen hatte ſchon ſeit dem J. 1577 einſeitige Landesverordnungen heraus gehen laſſen, und im Polniſchen Preuſſen iſt ſeit der Neumark. roßen Zuſammenfunft eine Spaltung entſtanden , worin die Ritterſchaft zulegt entſcheidend erklärt hat , das Culmiſche Recht den Städten zu über laſſen , für ſich ſelbſt aber ein eignes Landrecht aus. arbeiten zu wollen .

Solch ein adeliches Landrecht

iſt im J. 1598 wůrklich zum Stande gekommen ; und es ift mehr als zu offenbar, daß neu errungene Pråtenſionen ſo wol als die emporgebragte

Ana

Dritter Abſchnitt. Drenzehntes Capitel . 317 Hängigkeit ans polniſche Gerichtsweſen , an dieſer gånglichen Scheidung des Preuſſiſchen Adels von den Juſtigeinrichtungen des Bürgerſtandes , den nächſten Uutheil gegabt haben. Die Commiſſionsſache mit Danzig batte bisa ber eine Zeitlang geruøet.

Der König þatte zwar

ſeinem Verſprechen gemås , noch im J. 1578 ei nen Geſandten , nemlich den Caſtellan Firley an die Stadt abgefertiget; dieſer aber war gleich ben Eröfnung

ſeines Gewerbes mit den Ordnungen

uneins geworden , Urt, die Stadt mit

und þatte auf ungewöhnliche einer Proteſtation verlaſſen .

Nachher Hatte Danzig einige Verſuche gemacht, den zwiſtigen Punkt des Pfalgeldes und die miß. fällige Verhdhung deſſelben,

durch anderweitige

Erbietungen aus dem Wege zu räumen ; aber mit allen Bewegungsgründen war der König nicht auf andre Geſinnungen gebracht worden. Indeſſen war der Stadt in vieler Ubricht daran gelegen , den Marienburgſchen Friedensvergleich zur gånzlichen Vollziehung zu bringen. Sie ſehidte demnach eia ne Deputation nach Warſchau , die aus dem Bür. 1583. germeiſter Reinhold Málner , dem Rathsherrn Conrad Lembke und dem

Syndicus D. Hein

rich Lembke beſtund , und dieſe Herren hatten den Auftrag , die Zugeſtegung eines Antheils am Pfal. gelde nochmals abzulehnen , wol aber dem Könige dagegen eine Geldofferte bis auf die Summe von 20000 Gulden zu machen. Allein fie fanden hie= zu fein geneigtes Gehör , und ſo behutſam ſie auch mit dem Geldantrage zu Werk gingen ,

ja ſelbſt

Aug.

t

318

Danzigs Gefchichte.

Fraft einer nocy ſpåter erhaltenen Vollmacht , dem Könige für ſich und ſeine Nachfolger , auf alle Fünftige Zeiten , eine jährliche Abgabe von 16000 Gulden dafür antragen konnten ; fo blieben doch alle Selbvorſchláge ſo unwiederruflich verworfen, daß der König vielmehr ſich erflårte, weil die Steie gerung des Pfalgeldes der Stadt entgegen zu feyn ſobiene,

mit zwen Drittheilen von dem unverán .

derten Ertrag deſſelben , für ſich zufrieden zu ſeyn, ja auch den Einkünften der Stadt eine andre Ver .

1

6 Dec. gütung anzuweiſen , wenn ſelbigen zu viel dadurch abgehen ſollte.", Dieſe Erklårung beförderte aber die Entſchlieſſung der Ordnungen in Danzig , in die Verhöhung des Pfalgeldes auf zwen Pfennige einzuwilligen ; und ſo bald dem König ſolckes vor. getragen wurde , erhielten die Abgeordneten einen gnädigen Beſcheid , daß die fernern Unterhandlun . gen wegen der Beſchwerdeartifel ihren Fortgang Inzwiſchen mußte man dem gewinnen ſollten . Hofe auf ſeiner Reiſe nach Krakau folgen ,

und

als ſic Hier wiederum Verhinderungen und Difficul. tåten zeigten, weswegen der König in der Danziger 1583. Angelegenheit einen Aufſchub beſtimmte , ro batte Mårz. man zuvdrderſt eine vierteljährige Friſt abzuwarten , die aber mit abgebrochenem Geſchäfte noch ferner verlängert wurde ,

ſo daß erſt nach abermaligem

Perlauf eines Jahres , die Commiſſionsſache mit allen darin verwebten Nebenartikeln iſt zu Ende gebracht worden . Seit dem geſchloſſenen Frieden , nahm Dan . zig zur Wiederherſtellung ſeines Wohlſtandes jede

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 319 Gelegenheit wahr ,

Handlung und Gewerbe von

neuem in Aufnahme zu bringen , und es ward nichts verſäumet, um durch den obýandenen Finala vergleich mit dem Könige,

zugleich die eingeriſſeo Commer Hinder zfrenh niſſe der eit, aus dem nen Hierauf ziefeten auch alle mic Wege zu räumen . den Preuſſiſchen Landeseinfaſſen gemeinſchaftlich, wiederholte Klagen , über die Polniſche Hemmung des

überſeeiſoen

Salzgandels,

" wobey Danzig

į

nicht nur für ſich ſelbſt unerſegliche Einſchrånkun.. gen litte, ſondern es auch mit ſichern

Beweisgrün

den darthun konnte , daß dadurch die auswärtige Abnahme der Polniſchen Naturproducte beträchts' lich geſchráchet würde , und daß außer unzähligen die für Schiffahrt, Rhederey, geſam und für das mte Seecommerz daraus bevore

anderu Schäden ,

ſtünden, die Quellen des meiſten Reichthums für die Polniſchen Reichseinſaſſen, je långer je meşr wür. den verſiegen müſſen . Es wurde durch dergleichen oft erneuerte Vorſtellungen , nach und nach mehr Freyheit für die Verführung des fremden Salzes, mindeſtens in Preuſſen bewurket, dergeſtalt daß im I. 1583 ein Mandat an den Vorgefekten der Königlichen Salzwerke erging, feine Aufſeher vom Weiſſen Berge zurück zu rufen ,

und ſie an die

Polniſche Grenze zu verlegen , damit nur die Eins fuhr des fremden Salzes in Polen verhindert bliez Eine eben ſo nahe Beziehung auf die Com .

be.

merzvortheile Datzigs hatten die Kränkungen , womit die Handlungsfreyheit der Hanſeatiſchen Bundesverwandten ,

um dieſe

Zeit in England

320

Danzigs Geſchichte.

beeinträchtigt wurde.

Die Königin

Eliſabeth

hatte im J. 1579 ein Edict publiciren laſſen , daß, ſo ferne nicht den Engländern der freye Gegenban, die Reſidenz zu

del in den Harſeſtädten , und Hamburg verſtattet würde,

die Hanſiſchen Kauf.

leute in England aller Freyheiten verluſtig , und andern

Nationen gleich geachtet werden Follten .

Hierauf war auf dem Convent zu Lübeck beſchloſſen worden ,

daß alle in Hanſiſchen Hafen liegende

Schiffe und Güter von England , bis auf den wie. dererlangten Genuß der alten Privilegien in Bes ſchlag bleiben ſollten ; und Danzig als der Haupt ort des Preuſſiſchen Duartiers , hatte den Auftrag bekommen , mit den hieſigen Bundesſtådtea - dar. über ein Vernehmen zu Qaben.

Danzig ſelbſt bes

folgte in ſeinem Hafen ungeſäumt die beſchloſſene Arreſtirung, die übrigen Stådte aber zögerten das mit, bis ein Termin zur Zuſammenfunft angefekt wurde , worauf ſie außer Elbing, dem Lübeckſchen Dieſer einzelnė Widerſpruch, Schluß beyfielen . aber veranlaßte eine Moderation , vermoge welcher beliebt wurde , ehe man zu Thåtlichkeiten fritte, die Englånder in Preuſſen vorher zu warnen , und ihnen den Beſchluß des Hanſecondents bekannt zu machen .

Solches thaten die Städte nacı iþren

Verhältniſſen , und auch Danzig ließ die beſolages nen Schiffe ro wol als die Fahrt auf England bis auf ferneren Beroeid frey ; nur Elbing ſtand mit den Englåndern in gar zu genauer Gemeinſchaft, um ihnen die Handlungsfreyheit für die Folge der Zeit auffündigen zu können .

3

3

/

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 321 In Elbing war während dem Batoriſchen Krie. ge , den Engländern eine Reſidenz verſtattet und ferner darauf eine Handlungsgeſellſchaft errichtet worden , die weder nach Hanſeatiſchen Rechten noch laut den Conſtitutionen der Preuſſiſchen Stadte beſtehen konnte, als welcke den Fremden nur mit Bürgern zu handeln ,

und ſich keiner Stapelgee

rechtigkeit anzumaſſen erlaubten .

Allein dieſe Se:

ſellſchaft pråtendirte theils Baaren in den polnis fchen Staaten aus der erſten Hand einzukaufen, und auf Engliſchen Schiffen wegzuſchicken , theils auch eine Niederlage von Engliſchen Tüdyern und andern Waaren in Elbing anzulegen, und ein Mos nopol damit zu treiben.

Auf Andringen Danzigs

fekte ſich der Hanſebund dieſer Engliſchen Reſidenz in Elbing eifrig entgegen , und es wurde desfalls ein Secretair des Engliſchen Comtoirs an den Kos nig von Polen abgeordnet, dem noch eine Legation nachfolgen ſollte , wenn Elbing nicht in die geſeño lichen Schranken würde zurück gebracht werden . Dieſe Masregeln brachten zuvörderſt ein Königlie des Reſcript an die Elbinger zuwege ,

um den

Engliſchen Kaufleuten keine ungewdönlichen Frey . heiten zu verſtatten , und am wenigſten eine Waa. renniederlage anlegen zu laſſen . Weil aber Elbing fich mit den Engländern ſchon zu weit vertieft hate te ,

auch eigene Vortheile dabey fand , mit ihnen

gemeinſchaftliche Sache zu machen , und dieſelbe auf dem Reichstage zu vert endigen ;

ſo kam es

zwar mit der Geſandtſchaft des Hanſebundes auf E Gerch . Danz, ater Th.

322

Danzigs Geſchichte.

dem Warſauer Reichstag 15 81 nicht zum Stan . de , doch erhielten die Abgeſandten von Thorn und Danzig die Vollmacht, fick der Hanſeatiſden Rech te anzunehmen , und auf eine genauere Unterſus

1 dung in der Elbinger Sache zu bringen . Vom Kos nige Stephan erfolgten hierauf febr geneigte Ver. ſprechungen , allein es derzog ſich noch drey Jahre, 1584. bis auf dem Marienburger Landtage , der Burger meiſter Reinhold Mdiner und der Rathmann Michael Siefert als Abgeordnete aus Danzig , von neuem über die Kränkung der einheimiſchen Handlungsrechte Klage führten , und ein diesjäh. riges Königliches Verbot wegen des Gewerbes der Ausländer aufzeigten ,

deſſen Verlautbarung mit

Beyfall der Landesråthe verlangt wurde.

Die

ſem ſegten ſich die Elbinger mit großem Widerſpruc entgegen ; und ob gleich das Königliche Interdict ſtraks auf öffentliđem Markte publicirt ward , ro unterlieſſen fie doch nicht, eine Proteſtation unter . dem Landesſiegel dagegen auszufertigen . Die Engländer hatten unterdeſſen förmlich einen neuen Vergleich ifres Niederlagerechts wegen mit Elbing errichtet, aud durch den Engliſchen Geſandten am Polniſchen Hofe, um

die Beſtätigung deſſele

ben anhalten laſſen ; allein der König nahm es nun an ſich

dieſer Saơe wegen nåhere Kundſchaft

durch Commiſſarien einzuzießen .

Nächſt dem Bis

ſchofe von Culm , wurden noch vier weltliche Mas gnaten zur Commiſſion ernannt; ſie verſammelten ſich in Elbing , wohin man außer den Danzigern ,

1

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 323 von Thorn und Marienburg

Deputirte' beſdiedex

þatte ; allein nur Danzig ſchickte zmen Herren des Raths und den Syndicus ab .

Selbige mußten

eine ſõõriftliche Deduction gegen die Rechtfertigung der Elbinger benbringen ,

und als dieſe hierauf

noch einen Gegenbericht eingegeben hatten , ſo ber fohloß die Commiſſion igre Sigungen .

Man er

wartete die Entſcheidung des Königs ; von allen Seiten ſuchte man für dieſes wichtige Handlungsı Object, die Gunſt deſſelben zu gewinnen :

allein

es wurde eine neue Commiſſion ausgeſeget , wobey der Woywod von Lublin Tarlo den Vorfik hatte, und die Sache blieb aus Gründen die der König hatte , annoch unentſchieden.

Man hófte auf den

nächſtfolgenden Warſchauer Reichstag 1585 die. ſelbe beendigt zu ſehen ,

ſie tam würflich in die

Rathſchlåge des Senats ; als aber der Elbingſche Burgermeiſter Sprengel von Röbern dem Ks . nige einen Fußfal that , und insgeheim um die Beſtätigung der zwiſchen der Stadt und den Eng liſchen Kaufleuten geſchloſſenen Artikel eine Bitte vorbrachte , ſo wandte fich der König um und ante wortete laut ;

Dieſen neuen Artikeln fann auf

feine Weiſe ein Genüge geſchepen : werdet iør vom Kanzler vernehmen .

das übrige Hiemit

wurde in aller Hinſicht eine Abfertigung gegeben, die den Engliſchen Kaufleuten in Elbing nicht mehr erlaubte ,

als was ihnen in andern Preuſſiſchen

und Liefländiſchen Städten zufam ; E

deſſen unge

Danzigs Geſchichte.

324

achtet trafen die Elbinger nach Zurückunft ihrer Reichstage , doch wieder einen

Deputirten vom

neuen Vergleich mit den Engländern, der bis zu einer Königlichen Genehmigung, auf die fie nod immerfort boften , beſtehen ſollte.

1

Es þat dette

nach dieſe Commerzangelegenheit noch unterſchie dene Differenzen nach ſich gezogen , bis ſeit dem J. 1603

die Engliſche

Handlung größtentheits

an Danzig gekommen , und in ſpåteren Jahren die Niederlage zu Elbing , mit Hülfe der Reichscons ftitutionen völlig iſt aufgehoben worden .

Noch ein Staatsaugenmerk wobey der Danzle ger Handel intereſſirt war ,

wurde auf das ſogen

nannte Maydeloch oder den neuen Weich felgraben gerichtet, deſſen Wahrnehmung feit dem Ableben Sigismund Auguſts ,

wegen der particulairert

Abſichten im Lande fowol , als durch die innerlia chen Kriegsunrußen war hintan Die Ausdehnung

dieſes

gelegt worden .

Grabens zeigte immer

furchtbarer, daß die Fahrt auf Danzig und Königse berg gånzlich verſanden , das Waſſer aus der Weich ſel in den Nogat ſchieſſen , deſſen Dåmme auch zu fchwach ſeyn ,

und beyde Werder dadurch übers Man veranſtaltete

fchwemmt werden würden .

durch Commiſſarien von Land und Städten im Ji 81 eine Beſichtigung , und es fand ſich ,

daß

der Graben , der anfänglich vier Ruthen breit und vier Schuh tief gewefent, fchon zwölf bis ſechszehn Ruthen in die Breite , und vierzehn Schuh in die

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 325 Tiefe austrug.

Durch die

daraus entſtandene

Schmålerung des Weichſelwaſſers, hatte der Dan . ziger Hafen von neun Ellen bis auf fünf an der Tiefe abgenommen , und man þielt es für nothwen dig , durch gute Veranſtaltungen größerem Unge. mach davon vorzubeugen . Dennoch wurde ecſt nach Verlauf von drey Jahren , eine neue Com 13.84. Jul miſſion angeſeket, zu deren Geſchäfte nachſt den

vornehmſten bey der Weichſelfahrt

intereſſirten

Stådten in Polen und der Provinz Preuſſen , auch Abgeordnete aus dem Herzogthum Preuſſen einges laden wurden . Es traten aber wieder ſo ungleiche Meinungen hervor, daß eine Parthey eben ſo ſehr die Erhaltung des Grabens vertheydigte , als die Danziger die Verſchüttung deſſelben zu bewürfen bemüht waren ; und die Herzoglichen Rathe, wel che ganz andre Gegenſtånde hatten , reiſeten mit 1 einer Proteſtation ab ,

weil die Commiſſion ihnen

die Beſichtigung des Danziger Haupts bey der

$ Nehring verſagt hatte.

Der Ausſpruch der Com.

miſſarien brachte zulegt mit ſich , daß der Graben zwar bleiben , aber in feine erſtere Breite einger ſchränkt werden ſollte : auch wurden die Danziger auf ihre Koſten ein Bodwerk zu ſchlagen angewie.

* fen , damit dem Strom der ſtårkſte Lauf nach ihrer Stadt verſchaft würde . Von dieſem Urtheil aps pellirten bende Tbeile , das Königliche Decret aber beſtåtigte den

Ausſpruch der Commiſſarien ,

nur

mit dem Zuſak, daß vor Errichtung des Bollwerks , 3

1585,

í

Danzigs Geſchichte.

326

von erfahrnen und Fachverſtändigen Männern un terſucht werden ſollte , ob nicht durch leichtere Mit tel die gehörige Proportion im Lauf des Fluffes ere Halten werden könnte.

Das Jahr darauf wurde

nach geſchehener Unterſuchung den Danzigern ſo wol als den Elbingern für igre Koſten auferleget, daß ſie beyderſeits ein Hauptſchlagen , und eine Fütterung mit eingerammten Pfålen an den Orten machen ſollten ,

wo es am dienlichſten befunden

würde, dein Strom dadurch ſeine gehörige Leitung zu geben . Die Elbinger Kaben ſich biezu erft durch einen

wiederholten

Commiſſorial - Xusſpruch an.

Kalten laſſen ; aber weder dieſe noch die fernerhik fortgefekten Waſſerarbeiten Qaben den gefährlichen Ausbrüchen , den großen Verſandungen , und al len

aus

der vernachläßigten

Beobachtung

des

Weichfelgrabens erfolgten Schåden gånzlich ab. Belfen können .

Nächſt Handlung und Gewerbe, war Danzig nicht weniger bemüket, fine Finanz . und Policeye Einrichtungen nach dem Kriege, wieder in beſſern Zuſtand zu feßen .

Die Kriegskoſten hatten ſich

auf 635000 Gulden belaufen , man rechnete noch 43000 Gulden auf die Erbauung

des Hauſes

Weichſelmünde, und über 24000 Gulden an Reis fefoften , vieler Geſchente uyd freywilliger Grati: ficationen nicht zu gedenken , womit man ſich Katte abfinden müſſen.

Deſſen ungeachtet unterließ man

nicht, für baldige Reparatur der in der Belages

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 327 rung zerſtörten dffentlichen Gebäude zu ſorgen , und mit Erlegung des halben hundertſten Pfennigs, mit der erhdheten Zulage , ' mit dem Schornſteingelde und andern Abgaben , eilte man willig den Stadt. caſſen zu Hülfe.

Unter mehreren Sebåuden, wur.

de das Hohe Thor ,

welches ausnehmend beſcha

digt war , mit Fleiß in Arbeit genommen ; es war kurz vor dem Kriege mit dem Gewdibe und der åuſſern Brüde in Stand gelegt worden , es wur de nunmeşr aber vollends ausgebauet , und zulegt iſt der äuſſere Giebel deſelben im J. 1588 mit ei ner fehenswürdigen Auszierung in Steinarbeit vers fehen , und das Werk damit ausgeführt worden . Man findet ferner ,

daß in dieſer Zeit die Lange

Saſſe geſteinbrådet fen , wozu die Stadt einen ge. fahickten Meiſter verſchrieben , und die Arbeit une ter eigner Functionsaufſicht genommen bat.

Das

baufällige Rathhaus der Alten Stadt iſt im J. 1587 völlig

abgebrochen ,

und der

Grund zu

dem neuen unweit dem Carmeliter Kloſter gelegt worden ,

worin ſchon zu Anfang des folgender

Jabres Gerichtsſigungen geýalten ſind .

Aud hat

man ſich die Aufnahme des Gymnaſiunis ſorgfältig empfolen ſeyn laſſen , und den Störungen die derKrieg verurſachet patte, 'mit

Bauanſtalten ſo wol als

durch den verbeſſerten Zuſtand der innern Einrich . tung

abgeholfen .

Schulweſen ,

mit

Die Sorge für allen

darin

Kirchen

Rechten , þar überhaupt nach der erlangten ligionsfreyheit mertlich

zugenommen , F

4

und

einſchlagenden Ne.

und zum

328

Danzigs Geſchichte

Beweiſe aufgeklärter Erkenntnis låßt ſich hier an . merken ,

daß ſeit dem J. 1582 der neue Gregoa

rianiſche Calender in Danzig ohne Streit und Wi. derſpruch iſt eingeführt worden , womit man in ges da

tem Jahre anſtatt des 5 ten den 15 ten October

geſchrieben hat,

Pielfältig liefet man ,

daß die

Drdnungen ſich in dieſer Zeit, mit den ſchon mehre mals

inſtåndigft

begehrten

Berichtigungen

Stadtadminiſtration beſchäftiget haben , felbe iſt wenigſtens erneuert ,

der

und dies

uud mit vielen ſich

darauf beziehenden Finanz - und Policeyverfügun gen zum Stande gekommen. Auch außer den Ring mauern nahm Danzig ſich der ausgebrannten Vor ſtádte an : das Hoſpital zum Geil. Leichnam wurde wieder aufgebauet, und man leiſtete für die vers fallenen Kirchengebäude ſo wol als für Privatháu ſer eine thårigeUnterſtügung.

Die Schidlig wurs

de megrentheils von Danziger Bürgern für ihre ei gene Koſten bebauet , womit nachſt dem privilegir. ten Dhereigenthum der Stadt ,

auch für die Nu.

kungseinkünfte des Brigittinenfloſters geſorgt wurs de. Nur ſuchte man dafür die Wiederanbauung im Schottlande und auf dem Stolzenberge ſo viel mog. fich zu Hindern, womit aber zugleich die erſte Epoque einfällt, in welcher Danzig dieſer Geiſtlichen Grün de wegen , mit dem Biſchofe von Cujavien , theils in Streit gerathen , tớeils aud in eine Unterhand lung getreten iſt.

Dieſe Bifosflichen Grundſtů

de , worunter Scottland wahrſcheinlichſt von der Anſiedelung Sợottiſcher Leinweber den Namen ere

1

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 329 langt hat ,

trieben ſeit geraumer Zeit fo viel Ge

werbe und bürgerliche Nahrung , daß Danzig den Schaden iþrer widerrechtlichen Anmaſſung in ſo naher Nachbarſchaft merklich empfinden mußte, und deshalb oft auf den Landtagen darüber geklagt þatte. Wegen Stofzenberg þatte die Stadt auſ ferdem einen Grenzſtreit , und um vieler Beſchwers den willen hatte ſie mehrmals geſucht, beyde Grunde ſtůde fåuflich an ſich zu bringen.

Es waren auch

zu Zeiten Antråge darin geſchehen , aber entweder die Kaufſumme zu hoch angeſchlagen , oder auch die Vorſchläge zur Verfauſchung gar zu ungleich gemacht worden , ob wot die Stadt doch einmal den Zeitpunkt verſäumt haben ſoll, da ſie Scott land mit dem Stolzenberge und einigen Dörfern , für 30000 Gulden hat an ſich bringen können . Dein fey wie ihm wolle , ſo ſind nach der Reforma. tion , die hierüber aufkeimenden Streitigkeiten miç dem Biſchofe unſäglich gewachſen , gedachte Vor. ſtådte ſind aus ihrer Arme in wenigen Jahren wie der empor geſtiegen , und nachſt Danzigs Klagen über den nachbarlichen Nahrungsabbruc , hat man ſich nun auch über die Anforderungen beſchwe ret gefunden , welche der Biſchof aus ſeinem geiſt. lichen Jurisdictionsrechte, gegen die Stadt , ih. ren Religionsprivilegien zuwider gemacht hat. Be gen des Stolzenberges iſt zwar im J. 1585. eine Grenzberichtigung veranſtaltet worden , der König þat auch zwer Jahre früher die übrigen Misverſtånd. piſſe mit dem Biſchofe beyzulegen geſucht, und ſelbſt

5 /

1585.

330

Danzigs Geſchichte.

einen Tauſch mit den Biſchoflichen Grundſtücfen vorgeſchlagen , es iſt aber in keiner Abſicht ein feſtes Uebereinkommen darin getroffen worden .

Unter dem Fortlauf dieſer und mehrerer Staats . geſchäfte fam endlich der Zeitpunkt heran , in wel. chem die völlige Ausgleichung mit dem Königlichen Hofe, in den Angelegenheiten Danzigs , zum Schluß gebracht wurde. Sæon mit Eintritt des J. 1584 waren der Burgermeiſter Hans von der Linde, der Rathsherr Conrad Lembke und der Syndicus Heinrich Lembke , als Abgeordnete von Danzig nach Grodno gekommen , nachdem fie unterweges zu Kniſzyn eine vorgångige Conferenz mit dem Großtangler gehabt hatten.

Zu Grodno über

reichten ſie dem Könige ihres Gewerbes wegen eine fchriftliche Deduction ; dieſelbe aber erregte wider Vermuthen eine ſo große Unzufriedenheit, und der König glaubte darin noch ſo viel abſichtliche Ver wirrungen der Sache anzutreffen , daß er unmuths voll die übergebenen Papiere zerriß, und den Abge ſchickten anzudeuten befahl, daß ſie ohne Untwort wieder nach Hauſe ziehen könnten .

Glücklicher .

weiſe traf eben der Sroßkanzler Zamoyski von ſeiner Reife aus Krafau beym Könige ein ; denn deſſen gemäßigten Vorſtellungen hatte man die Bes ſänftigung der Königlichen Majeſtát zu verdanken . Es wurde alſo den Danziger Abgeordneten nodi eine Conferenz zu niſgyn verſtattet, und nachdem ſelbige unter der Zeit von ihren Mitobern eine geo

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 331 fålligere Erklärung erlangt hatten , fo fonnten ſie zum Ziel des Geſchäftes nåþer treten .

Mit beſſer

rer Erleichterung wurden nun fåmmtliche Artifel des Vergleichs ir. Richtigkeit gebracht, und einige Tage darauf ( 2 April) ward derſelbe vom Kdnige zu Wilna interſchrieben .

Es iſt dieſer Vergleich

Tractatus Portorii oder der Pfalgelds Tractat genannt worden , weil der Artikel vom Pfalgelde gleichſam zur Grundlage feiner Errichtung gedient hat.

Die Verhöhung des Pfalgeldes nebſt der

Einnahme deſſelben får den König, ſind auch ohne weiteren Verzug zur Vollziehung gekommen , in dem ſchon am geýnten Tage nach Unterzeichnung des Vergleichs , die Pfalherren und ein Pfalſchreis ber im Namen des Königs beendigt , und bey an . gehender Schiffahrt, die neuen Einrichtungen mit dem Pfalgelde beobachtet murden . Indeſſen ward die Beſtåtigung und die öffentliche Verlautbarung des Vergleichs auf den nächſten Reichstag zu Warſchau 1585 verſchoben . Solches geſchahe, nachdem der Groß kanzler, ohne Beyſeyn der Danziger Abgeordneten , den Verlauf der Commiſſionsſache und den geſchloſ fenen Tractat , der Långe nach im öffentlichen Ses Der Tractat wurde ro fort nat vorgeleſen hatte . gebilliget und Conſtitutionsmäſſig bekräftiget ; nur der Biſchof von Cujavien brachte einige Reſerva. tionen ben ,

ſo die Geiſtlichen Gründe betrafen ,

und einige Commiſſarien aus dem Senat ( an deren Spige Stanislaus Karnkowoki jeßt als Erzbi. fchof von Gneſen war) ſollten den Tractat nach dem

Danzigs Geſchichte.

332

Sinn der Danziger Privilegien prüfen , deren Un. terſuchung aber ibn unveråndert gelaſſen hat. Auch der König hat vor Beendigung des Reichstages über dieſe Materie noch einen kurzen Vortrag geo halten , worin er die bisherige Wiederſtrebung der Danziger mit vieler Leutſeligteit entſchuldigt, und pie ehemalige Commiſſion , als den Grund aller erfolgten Mishelligkeiten , vermoge des neuen Trace tats gånzlich zu tilgen , für nothig erkannt hat.

Nachdem nun alle Hauptgefchäfte dieſer Sache wegen berichtigt geweſen, ſo erhielten die Danziger Abgeordneten vom Könige eine Audienz im Senat ; es wurde ihnen die Beſtätigung des Tractats, und die Ausfertigung des Privilegiums darüber anges deutet ; der Syndicus machte darauf eine kurze Dankſagung ,

und nachdem das

Privilegium

Portorii unter dem großen Reichsſiegel war aus gefertiget worden , ſo wurden die Abgeordneten vom Könige , der ſelbſt ſchon reiſefertig war , buldreich zu den Jürigen entlaſſen.

Der Pfalgeldstractat iſt außer dem erſten Ob, ject deſſelben , daß den Seezoll betraf , auch we gen der Zuſicherung mehrerer Vorrechte ' wichtig, und er wird billig zu den erheblichen Fundamental. Acten gegåhlet , worauf die Conſtitution Danzigs beruhet.

Hier folget ein kurzer Auszug deſſelben ,

dieweil der fernere Zuſammenhang der Geſchichte es erfordert , die damit geſchehene Veränderungen

Dritter Abſchnitt. Dreyzehntes Capitel. 333 des Danziger Staatsverhältniſſes, naḥmkundig und deutlich zu machen .

Die

Verbihung des Pfal.

geldes ward ohne Nachtheil der Rechte und Fren heiten der Stadt Danzig eingeführet: alle Rüd ſtånde von Geldſchulden der Stadt an den Kidnig Sigismund Auguft, ſo man aus der Placations formel oder dem Formular der ehemaligen Ausſih. nungsſchrift berleiten könnte, wurden erlaſſen und aufgehoben , auch die Placationsſchrift felbſt ihrem Jnhalt und allem Effect nach caſfiret. " Das Pfale geld ward wie

bisher gebräuchlich geweſen ,

Stadt zur Einnahme gelaſſen ;

der

nur wurden die

drey Dazu als Pfalherren ernannte Rathmånner, und zwey daju vom Rath beſtellte Schreiber, vor einem Königlichen Commiſſarius zu eybigen ,

die

Rechnungen abzulegen , und fich vor dem Königli den Gerichte zu ſtellen verpflichtet .

Der Werta

der einkommenden Waaren , blieb wie gewöhnlich, ber Taration und Einrichtung des Raths überlaſ fen .

Die jeßige Verhöhung des Pfalgeldes von

zwey Pfennigen auf vier Pfennige von der Mark , nach dem Werth der Güter , wovon die Hälfte den Einfünften des Königs zufiel , ward gegen alle künftige Steigerungen geſichert: auď ſollte niemand davon befrenet,

noch damit überſehen

werden ;

übrigens aber die Einnahme am bisher gewöhna lichen Ort geſchehen , die Seepåffe unter dem Sie. gel der Stadt ausgefertiget , und überhaupt keine Neuerung mehr bey dieſer Abgabe eingeführt were den .

Das See , und Hafenrecht wurde der Stadt i

334

Danzigs Geſchichte

nach ihren åltern Hauptprivilegien beſtätiget, und we

1

gen der fohifbrüchigen und Caduc - Güter die Conceſs fionSigismunds des Erſten wiederholet, wie denn auch die alten Verſicherungen

weder Land - noch

Waſſerzölle aufzulegen , aufs neue bekräftiget wur ben .

Ferner bekam Danzig auf ſeine oft erwåhn .

ten Beſchwerdeartikel eine beſtimmte Erklärung. Die unter Sigismund Auguſt beſtellt geweſene Commiſſion , wurde mit allen daraus entſprunge nen Håndeln , gemachten Verordnungen , gegebe. nen Freyheiten und erfolgten Anſprüden , gånzlich aufgehoben und annulliret.

Dafür behielt der Kids

nig fich zwar die Macht vor , in Sachen der Stadt Commiffarien zu ernennen , doch ohne der Appella. tion an ihn ſelbſt damit Eintrag zu thun.

Keine

ungebüşrliche Ausladungen und Mandate zu Std: rung des Rechtslaufs follten ferner ergehen , und in peinlichen Sachen gar keine Pónalmandate nach Keine Freybeuterey follte fort. und keinen Misbrauchen der Ro.

gegeben werden . þin verſtattet,

niglichen Geleite und Gnadenbriefe fåuffig nach Der König verſprach niemand von der Gerichtsbarkeit der Stadt , und von bůr

geſehen werden .

gerlichen Pflichten und Bürden zu befreyen , auch die ſchon dafür erlangten Privilegien , neugetroffenen Contracten ,

weder in

noc in begangenen

Verbrechen gelten zu laſſen . Die Macht des Raths in den Geredytſamen der Zünfte und über die Ge. werfsrollen wurde beſtétiget,

auch alle denſelben

insgeheim und ohne Vorwiſſen des Raths erteilte

Dritter Abfchnitt. Dreyzehntes Capitel. 335 Privilegien wurden für ungültig erklåret.

Im

gleichen ſollten alle von Bürgern und Einwohneru der Stadt erbetene Moratorien oder eiſerne Briefe, mit einein Zeugnis des Raths beglaubiget werden . Die

Verführung des überſeeifchen Salzes inner

Halb den Preuſſiſchen Grenzen , ' ward nace deu Rechten des Landes , auch der Stadt Danzig fren gegeben .

Die Weichzelfahrt und der Lauf dieſes

Fluſſes ſollte für Danzig in den vorigen Zuſtand gebracht werden.

Keinem Fremden ward verſtate

tet , gegen die Preuſſiſchen Rechte und Gewohn. Keiten Handlung zit treiben , allen dagegen ertheil. ten Privilegien ward işre

Kraft und Gültigteit

entzogen, und alle zum Nachtheil Danzigs errick

1 tete Waarenniederlagen und Monopolien wurden aufgehoben.

Endlich wurden der Stadt

ihre

Landgüter, nach den darüber vom Könige Caſimir erhaltenen Privilegien beſtåtiget und auch diejenigen Beſikungen wozu fie ſpåterhin gekommen ,

und

worüber man die Erwerbungstitel zuweilen in Zwei fel gezogen hatte ,

wurden ihr zu ewigen Zeiten

verſichert.

Mit einer; ſo buldreichen Erneuerung und Bes fråftigung der Danziger Privilegien und Vorrechte, endigte ſich auf dem Warſchauer Reichstage,

die 3585: Februar

vieljährige Fehde , worin Danzig bisher mit ſeinen Königen und dem ganzen Reiche gelegen hatte. Der großmüthige und erhabene Character Königs Stephan iſt dabey bis ans Ende unverkennbar

Danzigs Geſchichte.

336

geblieben . Er þat fich weder durch Schmeiches leyen , noch durch niederträchtige Cabalen übere wältigen laſſen ,

und obgleich er ſein Königliches

Anſehen mit Würde behauptet hat, fo ließ er doce der Wahrheit und dem Werth einer guten Sache fuleßt ale Gerechtigkeit widerfahren , und Danzig wurde in die ebemalige

Situation reſtituiret ,

ro

weit es die feit dem J. 1569 unſäglich veränderte Staatsverfaſſung der Provinz Preuſſen hat julafe fen wollen .

1

Det

Det

Geſchichte

Vietter

Danzigs

Abſchnitt.

Danzig unter der Herrſchaft der Könige von Polen , in Verbindung mit der durch das Lubliner Decret vom I. 1509 der Krone. Polen näher vereinten Provinz Preuſſen; feit dem errichteten Pfalgelds - Tractať unter Ste: phan Batori, bis auf den Oliviſchen Fries densſchluß unter Johann Caſimir . 1585

bis

1660.

Duellen und Hülfsmittel zur Geſchichte dieſes Zeib raum

Gedrudte Bücher : D. Gottfr. Lengnich Geſchichte der Preußiſchen Lande Königl. Polniſchen Antheils IV. V. VI. und VII. Band OOK 1586 bis 1668. Danzig 1726 -- 1734. Reinh. Curide Beſchreibung der Stadt Danzig x , Geſch . Danz, atet Th.

338

Danzigs Geſchichte.

Chr. Bartknoch Preuſſiſche Kirchenhiſtorie x. Conſtitutiones Regni Polonici Voll . VI. Varſau. 1732. feq. Reinh. Heidenftein rerum Polonicarum ab exceffu Sigiſm . Aug. Libb . XI. Francof. 1672. Pauli Piaſecii Ep. Przemisl. Chronica ab a 1571. vſq. ad a. 1648. Cracov . ( & Amftelod ) 1648. Vefp. Kochovii Annalium Poloniae Climacteres HI. Tomi III. Cracov . 1683. Joach. Paftorii ab Hirtenberg hift. Polona plenior part. II. Dant. 1685. A &a Conventus Thorúnienſis. Varf. 1646 . Caroli Ogerii Ephemerides ſive Jter Danicum, Svecicum ,

Polonicum . Lutet. Paris. 1656. Proceß des ganzen Handels zwiſchen Schweden und Pos len. 1605. Ausführlicher Bericht von dem Schwediſchen Marſche nac Preuſſen . Königsb . 1627 ( von D. Sebach ). Verlauf des Treffens , To zwiſchen des Kånigs von Pos len und Guft. Adolphs Schiffen vor der Danziger Ribes

de 1627 geſchehen . 1628. Unterricht von dem Zoll, oder der anf dem Reichstage beliebten Seezulage. ( im Polniſchen Original, ſo die Spiringe deutſch und lateiniſch haben überſeßen laſs fen ) 1637 . De telonio affe &tato , cujusdam patriae amantis Differ tatio ( aut. J. E. Schröer Praecoſ. Ged. ) 1637. Rationes contra telonii maritimi exa &tionem cum re fponfione ad rationes adverſarias. ( um Namen der Stadt Danzig vom Syndicus S. Freder ausgefera tiget ). Informario de juribus terrarum Pruſſiae & Civitatis Ge danenſis adverſus novam telonii affectionem ( aut.Free

dero ) Diſcurſus neceffarius de telonio 1638.

( ab

AnonymoPol. )

Vierter Abſchnitt.

Erftes Capiel.

339

Refutatio diſcurſus di& ti neceffarii ( aut. Chemnitio Secr.

Ged .) , Mare balticum (ex parte Aulae Danicae ſcript.) , Antimare balticum . (aut. Jo . Pfennig Cof. Mariaeb . ) . Elifaei Aurimontani ( Dan. Krufe Ged. Canon . Cracov . ) ad Dantiſcanos, bellum & * Itola.

arma circumſpicientes, epi

"Ad Elif. Aurim . Epiſtolam Reſponſoria ( aut. Schröero ); Juſti Patricii ( Mich. Borck Secr. Ged. ) ad El. Aurim . epiftolam refponfio . Conſt. Şinceri ( Chriſt. Riccii Synd . Ged. ) ſpongia in El. Aurim . Epiſtolam . Elif. Aurimontanus defenfus. ( Aut. J. A. Carneolo ) 1639 .

Information wegen der Bürgerzulage in Danzig ( vom Secret. Mich . Bord ) . Lift Szlachcica Pruskiego do Obywatela W. X , Litews kiego ( wegen der Danziger Zulage von Cl. Colmer ) . Extractum ex actis publicis de ſigillatione panni Geda nenfium . Nefaria de prodendo Gedano Colonelli Hubaldi machi natio . 1651, Verbeſſerter hiſtoriſcher Auszug von Beränderung der

Religion in Danzig . It. Verleitung deſſelben von ( Jo . de temp. ) 1652. Erörterung der Frage, ob die reformirte Kirche der Dans ziger Notel mit gutem Gewiſſen unterſchreiben könne.

1652 . Europå Zuſtand abgebildet durch Juſt Knüppelhardt. 1658. ( worin die Schwediſche Correſpondenz mit dem Rath zu Danzig , auch des Syndicus Anrede an den König von Polen , nebſt der Antwort ac. befindlich ). Tractatus commercii initus inter Nic. de Bry Reſid . R. Pol. & Chriſt. Schröderum Deputatum Gedanenſom , ac Deputatos Foederati Belgii. 1656.

340

Danzigs Geſchichte.

Verſoek van Chriſt. Schröder Afgefant van Danzig en de Staaten General der vereennichde Nederlanden . Middelb. 1656 . Relation , auf was Weiſe der Graf Königsmarf von der Danziger Rhede gefangen eingebracht worden . 1656 . It. Bericht vom Ausfall aus Danzig. 1657. Trauerreden über die Zerſtörung der Vorſtådte in Dans zig ; nebſt dem Miſſiv eines Niederländers in Danzig , gegen die Schrift , worin gedachte Stadt wegen der abgebrannten Vorſtådte angegriffen wird. 1659. Wahrhafter und gründlicher Bericht von Belager- und Eroberung der Hauptſchange in der Danziger Neha rung von Pat. Rogatan . Danzig 1661, Sam . Pufendorffii Commentariorum de rebus Svecicis Lib . XXVI. Francof. 1707 . Leben der Königin Chriſtina von Schweden : in 3. 17. Schródh Biographie. Th . 2 u . 3. Berl, 1770 . Sam . Pufendorffii de rebus geftis Caroli Guftavi commen tariorum Libb. VII. Norib . 1696 . Ej. de rebus Friederici Wilhelmi. Tomi II. Berol. 1695. Jo . Gottl. Böhmii A & a pacis Olivenfis inedita. Vratisl. 1766. Voll. 11.

Leonis ab Aitzema hiſtoria pacis a foederatis Belgis ab a . 1621. ad a. 1654 tractarae. Lugd. Bat. 1654. Willebrandt Hanfirde Chronik xc. 2. Anderſons hiſtoriſche und chronologiſche Geſchichte des Handels von den ålteſten bis auf jebige Zeiten . VI. Theile. Riga 1773 - 1778.

..

sandſchriften : Danziger Dronungs . Receſſe von 1552 bis 1661. J. Weſthoff Excerpta ex Receſſibus Ordd. Civ. Ged. bis 1670 . J. Cv. d . Linde Jus publicum Gedanenſe , cum annota

gionibus a b. J. A, Roſenbergio collectis,

1

Vierter Abſchnitt. Erſtes Capitel.

341

G. Lengnich Selecta Juris publ. Gedanenſis. Memorabilia Hanſeatica ex notatis Schützii ,

Curicke , Keckerbarti, Bergmannį & plurium Continuatorum , Driginalſchriften über verſchiedene Vorfälle des Schmes dilchen Krieges. Philipp Lakke (Danz. Erfecr .) Gegenbericht auf die Dans giger Information wider dem Seezoll oder Seezulage. 1637 . Hiſtoriſcher Verlauf von affem demjenigen , fo von A.

1561 bis 1651 in Kirchenweſen zu Danzig fich zuges tragen . ( Aut. Adr. Engelke ), £ . Botechers geheime Inſtruction von den Danziger Kirchenhåndeln . fiſchers Chronologie, oder Tagebuch Schwediſcher Kriegs, und Friedensnachrichten . 1654-1660,

Erſtes

Sapitel.

Danzigs bürgerliche Situation - Urſprung der Kirchens ſtreitigkeiten zwiſchen der Lutheriſchen und Reformirten Gemeinde - erſter Streit wegen des Concordienbuches -- Neue Zwiftigkeiten über die Unterzeichnung der Dans giger Notel. Die Motel wird nady vielen Debatten

unterſchrieben - Ableben des Königs Stephan Batort Sigismund der Erbpring Zwiſtiges Wahlgeſchäfte pon Sch : den behauptet die Königliche Würde - er lans. det bey Danzig -- und eydigt in der Olipiſchen Kirche Einzug in Danzig und Abreiſe des Kdnigs nach Polen die Preufpifchen Landesgerechtſamen werden aufs neue verlebet,

In den legten Regierungsjahren des Königs te phan Batori , hatte Danzig wieder einige Kråf te geſammelt. Die Erholung von den vielfältig erlittenen Kriegsſchäden konnte zwar nur einen

3

Danzigs Geſchichte. 342 langſamen Fortgang gewinnen ,

die Quellen zu

nothwendigen Staatsausgaben mußten immer noch offen bleiben , und für die Schuldfordecungen der Stadt an die Krone , die ſich bald auf acht Tonnen Goldes beliefen , ſind jego die Ruſſiſchen Kriegs. unruhen , ſo wie fernerhin die mit Schweden aus gebrochenen Staatshåndel dergeftalt hinderlich ges weſen , daß es zu feiner Entrichtung derfelben hat gebracht werden können . Inzwiſdén hatte soch Handlung und Gewerbe neues Aufleben befom . men , die wichtigſten Prårogativen der Stadt wa. ren wieder hergeſtellt worden , in den erheblich ſien Bürgerfehden war es zur Ruhe gekommen , die Adminiſtration war in den Hauptpunkten verbeſſert, und die Stadt Danzig ſabe fick mindeſtens in ei nem wieder aufkeimenden Wolſtande, der für den ganzen Umfang ihrer politiſchen Situation die moge lichſten Verbeſſerungen verſprach. Nur im Kirchen weſen ward die bürgerliche Ruhe noch durcķi par theyiſdze Zwiſtigkeiten geſtoret, und dieſe hatten einedeſto widrigere Seite, da ſie aus Intoleranz unter gemeinſchaftlichen Bekennern des Evangeliſchen Glaubens entſproſſen waren . Die vor einiger Zeit in Danzig rege gewordenen Sacramentzwiſte hat: ten während dem Batoriſchen Kriege neuen Zunder empfangen ,

indem zum Theil nach Anſiedelung r verſchiedene Niederländiſcher Familien im Danzia ger Gebiete , faſt noch mehr aber durch öffentlich verſtattet geweſene Kirchendienſte und Prediger: für die von der Stadt angeworbenen Schotten , Frans joſen und andere proteſtantiſche Kriegsbóſker , fich

1

Bierter Abſchnitt. Erftes. Eapitel.

343

das Religionsſyſtem derjenigen Gemeinde nid )t we. nig verbreitet hatte , welche nach den angenomme nen Leþrſäßen Zwingli und Calvins , ſpåterhin unter dem Namen der Reformirten Kirche im Teut Dieſe Refore fden Reiche iſt berechtiget worden . mirte Glaubensgenoſſen ſind aber in Danzig mit den Lutheranern in fo befrige Religionscontrovers fen gerathen , daß ſelbſt der bürgerliche Frieden das durch beeinträchtigt, und ſo gar das Obrigkeitliche Anſeben nicht genug ift reſpectirt worden , um ſick von liebloſen Verfolgungen.gegen einander ableiten zu

laſſen . Mit der Danziger Notel und deren Apologie,

þatte zwar allen Abweichungen

der Prediger von

der Augsſpurgfden Confeſſion , follen vorgebeuge werden.

Es war auch ſeit dem Ji 1575 das

Corpus do & rinae von Philipp Melanchton, im gleichen deſlen Examen Ordinandorum

hieſelbſt an .

genommen , und die Candidaten des Miniſteriums parnach ordinirt worden .

Nichts deſto weniger

ward die Notel von verſchiedenen Predigern unter . zeichnet , welche nachher den Lehrbegrif der Refore mirten Kirche obne Zurückhaltung befolgten :. und D. Peter Prátorius , welcher aus Zeiß in Meiſ fen ( 1575 ) bieħer berufen und als Paſtor an der Oberpfarrkirche angeſtellt ward , erſte geweſen ,

iſt eigentlich der

der die Reformirten Glaubensley.

ren durd Anweiſungen und empfolene Legrbücher, unter: der

Bürgerſchaft bekannter gemacht hat.

Bier Jahre ſpäter hatte das ſo genannte Concor Dienbuch ( Formula concordiae)

»

4

aus Teutſchland,

1

4

Danzigs Geſchichte.

344

zur Vergrößerung der hieſigen Religions zwifte ano laß gegeben .

Der Rath zu Lůbec þatte eine Ab

ſchrift dieſes Buches ,

noch eße daſſelbe gedrudt

warb , bieber ,geſchicket , und deſſen autoriſiete Auf« nahme zur Abſtellung aller Kircenierungen empfo len ; daſſelbe fand aber ben einigen Predigern , den nen es communicirt wurde, gleich wie bey den Per fonen der Obrigkeit ſo wenig Benfall, daß es ohne Gebrauch davon zu machen, bei Seite gelegt ward . Eben in dieſer ſcheinbaren

Verwerfung des Cons

cordienbuche aber , glaubten hernach einige ortho dore Lehrer der Lutgeriſchen Kirche einen Anſtoß zu finden.

Es entſponn fich daraus ein langwieriger .

Streit zwiſchen dem erſten Paſtor an der Ober Pfarrkirche D. Johann Kittel und feinem Spee cialcollegen D. Pretorius , Jacob

worin auch der D.

Schmidt

eines Danziger Rathsheren Sohn , der der Reformirten Lebre zugethan war,

und nach ſeiner Beförderung zum Rectorat am Gymnaſium , den Namen Fabricius bekommen þat, ziemlich genau iſt verflochten worden . Meb rere Prediger fielen dem D. Kittel als einem Vers thendiger des Concordienbuchs bey , und auf der andern Seite bekam auch D. Pråtorius nicht wes nigen Anhang.

Die feindſeligen Ungriffe zwiſden

dieſen Parthenen nahmen dermaßen überhand, daß im J. 1980 der Präſident der Stadt fich bemühen mußte , zwiſchen den benden Doctoren Frieden zu ſtiften ; weil aber hiemit nichts ausgerichtet warb , fo wurde im folgenden Jahre eine Deputation vor fünf Herren des Raths ausgereget, welche die gee

Vierter Abfchnitt. Erſtes Capitel. bachten Prediger,

und

345

bey ferneren Zuſammen ,

fünften , das ganze Miniſterium in die Behauſung des Burgermeiſters Ferber vor fich rufen lieſſen , ein Friedegebot auflegten , und widrigenfalls ernſte lichere Maasregeln im Namen des Raths androge ten .

Vermittelſt einer allgemein befohlnen Un .

terſchreibung der Danziger Notel, fchien auch die ſer Fehde endlich ein Ziel gefeßet zu ſeyn ,

allein

man fat damit wenig mehr als einen kurzen Stille ſtand erhalten . Die Streitpunkte wurden ſehr bald wieder here vorgefuchet: der Inhalt des Concordienbuchs, und die daraus gefolgerte ubiquität im feil. Nacht. mahl gaben die nådſte Gelegenheit zu wiederhol. ten Diſputen . So oft ein reformirt erkannter Pres diger in Danzig befördert wurde , bekamen die ge genſeitigen Erbitterungen neuen Zuwachs ; aude auswårtig ben ,

vermehrten

gedruckte Bücher

a) und ſelbſt

D. Luthers

dieſele Streitſchriften ,

welche der eifrige D. Kittel ju canoniſiren verſuch . te , bewürften ein Gezánke, das mit Autoritåt des Raths geſtillt werden mußte.

Zuweilen ergrif

man åltere Stadtverordnungen zur Schußwehr, und als im J. 1585 ein Edict gegen die Fremder , daß ſie nicht eignen Heerd Şalten ſollten , erneuert wurde, ro ſuchten die lutheriſchen Bürger hiemit auf die Vertreibung der Reformirten Niederländer zu dringen.

Dagegen kamen von verſchiedenen

6 ) Z. B. D. Wigand Biſchofs in Poinefanien Urſachen wat rum Chriftliche Obrigkeit und Gemeine die Sacramentirie iche Lehre und Lehrer nicht leiden ſolle. Scönigsberg is &

Y

5

346

Danzigs Geſchichte.

Magnaten aus Polen , und unter andern voit der Fürſtlichen Familie Radzivil, die ſich zur Refors mirten Kirche bekannte , Fürſchreiben für ihre Glaubensgenoſſen nach Danzig ; Prátorius gab ſich mit ſeinen Gefülfen alle Mühe,

die

Rechte

dieſer Gemeinde öffentlich zu vertþeydigen , und würflick ſaßen im Rath felbft viele Mitglieder , die derſelben zugethan

waren,

Unter dem fernern

Aufkommen dieſer Parthey wurde dem reformirten Rector Schmidt am Gymnaſium zugleich die Kane zel an der Trinitatiskirche übergeben , ihm und mehreren neu vocirten Predigern wurde auch die Unterzeichnung der Notel erlaſſen , und ihre geras de Erklärung zur Augsſpurgſchen Confeſſion für zureichend angenommen . Bald darauf aber ſollte ein Calvinifch befundener Candidat Sam . Linde : mann zum Predigtamt beſtåtiget werden . Dieſem verſagte D. Kittel die Ordination , und die Pres digerhåndel brachen darüber mit neuer Heftigkeit D. Pråtorius wurde durch Obrigkeitlichen Auſtrag berechtigt, die Ordination zu vollziehen ;

aus.

fie ging ruhig vor fice, ob gleich der KittelſeAn. hang mit Aufruhr gedroßt hatte, und ein anderer Candidat Mart. den follte,

Filz , der zugleich ordinirt were

als ein eifriger Lutheraner aber das Era.

men des D. Pråtorius ausſchlug, ging nicht nur des ißm beſtimmten Amtes verluſtig , ſondern wur. de auch wegen fernerer Aufhebungen unter der Bür gerſchaft, die Stadt zu räumen verurtheilet. 6 ) b ) Seit dieſem Borfall ſind die hieſigen Ordinationen bis zum J. 1629 unterblieben .

Vierter Abſchnitt. Erſtes Capitel.

: 347

Deſto mehr fingen nun die beyden Doctoren Häupter der Partheyen an ,

als

offentlich gegen ein

ander zu predigen ; den orthodoxen Lutheranern kam eben damals ( 1586 ) ein şartes Reſcript vom Könige, gegen die Niederländiſchen Glaubensver wandten zu ſtatten , der Danziger Rath hingegen wollte allem Unheil des feindſeligen Kanzelſtreits abhelfen ,

und

fand dazu nöthig ,

beyden obgea

dachten Doctoren die Kanzel zu unterſagen . Zu Rathbauſe wurden nunmehr die Conſulta : tionen auf völlige Wiederherſtellung des Kirchen friedens gerichtet. Es ward ein Schluß gemacht, die Notel noch einmal unterſchreiben zu laſſen ; das ganje Miniſterium , außer den beyden ſuſpendirten Paſtoren und dem Rector des Gymnaſiums, wur den dazu in das Haus des Burgermeiſters Ferber berufen ,

und obgleich gedachter Rector der D.

Schmidt, der nur zur Kanzel beſtellt war , blos aus Jethum eine Einladung dazu bekommen hatte, fo war er doch zugegen , und man fonnte ihn mit der Aufforderung zur Unterſchrift nicht übergehend Deſſen Vertheidigung

dawider

madote aber das

Es entſtunden dars gange Voryaben rückgängig. aus neue Debatten , mit den lutheriſchen Predi. gern ,

wodurch die Unterzeichnung aufgeſchoben

blieb , und der Rath dem Miniſterium ein Decret befannt machen ließ, ( 1586. 23 October ), worin

3 überhaupt alles polemiſde Gezánfe auf den Kanzeln verboten , insbeſondre aber der unfriedliche Mis braud des 13ten Afrifer ausdrücklich inhibirt wurde.

Weil nemlic in gee

Danzigs Geſchichte.

348

dachtem Artikel einige verfehrliche Ausdrůde gegen die erſten Hauptlehrer der Reformirten Kirche eina, geſchlichen waren , ſo hatten indiſcrete

Prådican

ten ſich zeither öffentliche Verdammungen der Lehr rer ſo wol als der reformirten Lehrbücher erlaubet ; das Decret gab demnad eine deutliche Vorſchrift, daß kein Prediger die fremden Streitſchriften und . Lehrbegriffe der chriſtlichen Kirchen eigenmächtig weder zu canoniſiren , noch zu condemniren ſich an . maßen ſollte.

Allein das Zwietrachtsfeuer wur

de damit nicht geldſaet.

Die lutheriſchen Eiferer

ſegten ſich der Annahme des Decrets Heftig entgé. gen , fie bielten damit ihre Umtsrechte verleket, und beſquldigten

den Rach einer freyen Unter

ſtůßung des Calvinismus gegen den klaren

Inhalt

der Notel; es famen Anonymiſche Schmåblørif. ten dagegen Berau , c) und der Diaconus zu St. Johann , Clemens Friccius, zeigte ſich in einem Wortſtreit mit ſeinem Collegen Joh. Keckermann verwegen genug ,

das Decret gottlos und teufe.

liſch zu benennen ; ja als D.Schmidt aufKecker manns Anzeige , ihn deshalb beym Präſidenten angeklagt hatte , ſo entblodete er ſich nicht, dem

auf

Rathhauſe die gedagten Worte node hårter

zu wiederholen .

Er wurde darauf ſeines Dienſtes

entreßet, und ſollte ſogleich die Stadt bey Son. nenſchein råumen , allein unter mancherley Vor. ® ) Eine angreifende Echrift kam unter dem pofſierlichen Titel beraus : Die Danziger Decretsfidel, darauf vier Sdiafs und ſechs Wolfs : Sayten , welche mit einander übel klane Sen getogen.

Vierter Abſáhnitt. Erſtes Capitel.

349

.

wand verzog es ſich damit etliche Tage , 'måhrend welchen ein großer Theil der Bürgerſchaft auf Frics cius Seite gebracht , und ein Voltsanhang sum Tumult aufgehegt wurde, der den M. Recker mann ſo wol als den D. Schmidt in Lebensgée fahren gebracht hat.

Das Haus des erſtern wur.

de auch mit Mühe für einer Zerſtörung geſchůßet, und er ſelbſt entflohe in Weibskleidern , um an ein nem fichern Orte fein Leben zu retten .

Alle Rache

ſchien fich nun gegen den D. Schmidt zu vereini. gen , dieſer aber wurde von ſeinen Freunden und Anhängern ſorgfältig befchůbet, der Rath ließ auch vorerſt die Bürgerwachen auf der Vorſtadt verſtår: ten , und weil wegen eingefallener Zwiſchenregie. rung einige hundert Mann Soldaten angenommen wurden , Stadt ;

ſo konnten felbige theils in der Rechten theils in der Vorſtadt,

zur Bewachung

des Gymnaſiums verlegt werden .

Es durfce dem.

nade feine Gewalt gegen die reformirte Parthen aufkommen , und ihre Gegner mußten auf andre Mittel zur Unterdrückung derſelben bedaďat ſeyn . Der Caplan Friccius hielt ſich noch immer unter Vertretung der Bürgerſchaft in der Stadt auf, er ging aber nebſt ſeinen Mitbrüdern im Mi. niſterium

noch weiter ,

und brachte es durch Be

redungen unter der Kaufmannſchaft und den vor . nehmſten Zünften und Gewerken dahin , großer

Theil derſelben ſich vereinigte ,

daß ein

theils um

Keckermanns Abfeßung und Friccius Reſtitu tion ,

theils aud um die

und eine unbedingte

Caſſation

des Decrets

Unterſchreibung

der Notel,

1587

Danzigs Geſchichte .

350D

offentlich Anſuchung zu thun.

An den Rath tas

men inner alb acht Tagen ſiebengebn Suppliquen dergleichen

Inhalts , und einige derſelben , woll

ten zugleich die Suſpenſion des D. Kittels aufge hoben haben.

Wůrklich wurde des Friedens şal.

ber vom Rath ſo weit nachgegeben , daß felbiger die Nótel ohne Erwähnung des Decrets wollte un terzeichnen laſſen ;

allein diejenigen Prediger wele

che das Decret fchon angenommen þatten, brach. ten ſo viele Gründe gegen die unbedingte Unter fchrift vor , daß damit noch Anſtand zu neğmen beliebt wurde. Inzwiſchen liefen abermals Bitte ſchriften ein ,

deren eine von 200 angeſehenen

Bürgern unterzeichnet war, und worin man nåchſt den vorigen Anliegen ,

ſich gegen alle Einſdyrån .

I kungen der Notel erklärte. : Der Rath ließ fich hiedurch bewegen ,

die Wiedereinſegung des M.

Friccius ohne Verzug zu bewilligen , und wegen Unterzeichnung der Notel, wurde der Bürgerſchaft die möglichſte Befriedigung verſprochen.

Seþr

weit ausſehend aber blieb noch die Controverſe in Betreff des Decrets ; der größte Theil der dritten Ordnung wollte daſſelbe zwar abgeſchaft wiſſen , allein die zweyte Ordnung , imgleichen die benden Syndici , und ſechs Quartiermeiſter machten mit ihrer Namensunterſchrift dem Rath Vorſtellungen , daß er ohne Schmålerung der guten Sache und feie ner Autoritåt , von dem

Decret nicht abgehen

könnte. Es ward demnach ein Ausweg gemåhlet , den rechten Sinn des Decrets durch eine Declarge tion zu erläutern ,

worin der Rach ſich erklärte,

.

.

Vierter Abſchnitt. Erſtes Capitel. ueber den

351

13 ten Artikel dere Notel aufheben zu

wollen , noch in das geiſtliche Strafamt einzugrei fen , noch auch den fymboliſchen Büchern der:lų . theriſchen Kirche Eintrag zu thun .“ Die Declara . tion fqien befriedigend zu feyn ; ſie traf auch ben den reformirten Predigern feinen directen Wider fpruch an ; nichts deſto weniger miſchten ſich von beyben Seiten Einwendungen und Nebenforderun . gen ein ,

die alle Hofnung zur völligen Ruhe es

ſtickten . Die Prediger welche an der lutheriſchen Kirche feſt hielten , übergaben eine Schrift, worin ſie die Annahme des Decrets ſo wol als der Erklärung deſſelben verſagten ; der removirte D. Kittel Hatte diefelbe mit unterſchrieben , worüber ihm zwar ein Verweis gemacht, übrigens aber keine Nachges bung weder von ihm noch von ſeinen gleichgeſinn . ten Freunden erreicht wurde. So viel gefälliger • nun die reformirten Prediger waren , ſo begehrten doch dieſe dagegen , daß der Rath ihnen das De cret und die Declaration mit dem Stadtſiegel ben träftiget ein Gåndigen ſollte.

Hiezu aber wurde die

Einwilligung abgeſchlagen , und dër Magiſtrat wollte ſich feine Beſtätigung einer gültig genug ane geſehenen Publication ſeiner Entſcheidung vorſchreia ben laſſen . Er drung vielmehr ernſtlich auf die unbedingte Unterzeichnung der Notel, und obgleich node

mancherlen Debatten dazwiſchen vorfielen,

auc ärgerliche Paſquillen und alberne Prophezens ungen , zum Spott der Parthenen untereinander gemacht wurden ;

ſo tam es doch endlich ſo weit,

352

Danzigs Geſchichte.

daß die Notel von allen Prebigern nach der Por: ſchrift des Raths , ohne wilführliche Zufäße, zum britten mal unterſchrieben wurde. gleich

verordnet ,

Es ward 34

daß auf den nächſt folgender

Sonntag die Notel ogne das Decret und deſſen

4

Declaration , von den Ranzeln abgeleſen werden follte, und hieber gatten die auf das Decrer hal tende Prediger ein Verlangen

geäußert, 'minde

ftens den roten und 13ten Artikel der Augsſpurgo fchen Confeſſion nac der Wittenberger Ausgabe von 1531 zugleich. ableſen zu dürfen . warb iğnen jugeſtanden ,

Solches

und dergeſtalt iſt auch

von dieſer Seite die Ruhe ziemlicher maßen berge ſtellt wordent. Unerachtet ſich nachher der Ableſung weger noch einige Differenzen geåußert haben ,

ſo ſind í

doch die heftigen und årgerlichen Ausbrüche des Predigerſtreits auf einige Zeit unterblieben . mag nicht wenig dazu bengetragen bald nach dieſer Friedensſtiftung ,

haben ,

daß

die růſtigſten

Kämpfer beyder Parthenen kurz nacheinander mir Sode abgegangen

ſind , nachdem unter iğnen der

D. Kittel vorher wieder war zum Amte gekom . men , Redkermann aber entſegt worden, und Pras torius während ſeiner Suſpenſion geſtorben, auch Friccius feine Wiedereinfegung nur 16 Monate lang überlebt hat.

Deſſen ungeachtet hat Danzig

in der Folge der Zeit noch tragiſche Scenen ge Habt, wozu die Trennungen unter den proteſtantis ſchen Glaubensgenoſſen den Weg gebahnt haben ; und obgleich die ſtårkſte Anzahl der hieſigen Eins wohner

.1 1

1

Vierter Abſchnitt. Erſtes Capitel.

353

wohner ſich immerfort für die lutheriſche Kirche ers klárt þat, fo ift doch die reformnirte Gemeinde durch vornehme Bürgerfamilien , und in dieſen Jahren ſchon durch gebn Herren des Raths , die ſich vazu bekannt haben , betråchtlich in die Höhe gebracht Ueberhaupt iſt die Geſchichte der nåchafte folgenden Regierung mit merkmůrdigen Begebene worden .

heiten angefüllt, die ſich auf das Religions , und Kirchenweſen in den geſammten polniſchen Reichs låndern bezogen haben . Nachdem König Stephan Batori in ſeinem beſten Lebensalter das Zeitliche mit dem Emigen verwechſelt hatre , ( 1586 , 12 Dec. ) ſo beſtieg Sigismund der Erbprinz von Schweden den Pol niſchen Thron . Auch deffen Erwählung iſt nicht ohne Zwieſpalt vollbracht worden : er hatte einen ſtarken Krongegner an Marimilian dem Erzber zoge von Oeſterreich , der von der måchtigen 360 rowskiſchen Familieunterſtüßt wurde ; Zamoyski hingegen , der beliebte Krongroßkanzler und Feld berr war an der Spiße der Schwediſden Parthen , zu welcher fich auch die Probinz Preuſſen erklärte, und ihre Stimme dem Culiniſchen Woywoden auf krug.

Indeſſen

regte die Zborowskiſche Faction die Wahl des Erzherzogs durd, unerachtet Sigis: mund foon zwey Tage vorher als König war pro: Marimilian iſt auch einige Wo: 1587 . 19 Aug. eter Hand nad Polen ge bewafn den ſpåter ,mit

clamirt worden .

kommen , hat aber mit der Königlichen Gegenpar they unglücklich gefochten , ift fo gar bey Bitſchin in Schleſien gefangen worden , und Kat ſeine Frey , Cerch . Danz , 2ter T. 3

1

Danzigs Geſchichte.

354

Heit nicht eher wieder erhalten , bis er durch einen Vergleich unter påpſtlicher Vermittelung ( 1589 ) auf die Krone und den Titel eines Königs von Po len Verzicht gethan bat. Die erſte Ankunft, des Königs Sigismund des Dritten in den Polniſchen Staaten, gefahabe zu Danzig.

Eine Flotte von 24 Segeln bracte

ihn aus Schweden Berúbar, und eße man es ver 28 Sept. muthet batte ,

lag dieſelbe ben Hela vor Anfer .

Danzig hatte demnach die Ehre , den König zuerſt auf ſeinem Schif durch eine Deputation zu bewill kommen , indem die Polniſche fo wol als die Preuf fiſche Abgeordneten erſt einige Tage ſpåter daju volljählig wurden , und die Flotte ſich ſchon auf ein ſchriftliches Geleite ,

ſo der Admiral

Flem

ming von der Stadt abnahm , nåber in den Dan . ziger Hafen gelegt hatte.

Nach ſämmtlich abge.

ſtattetem Ceremoniel wurden die Punkte des Wahle vertrages bericytigt, und nun follte die Kirche bez ſtimmtwerden , worin der König denfelben beendis gen würde. Der Biſchof von Eujavien fatte bies

ju einen vorläufigen Antrag in Danzig wegen Eins råumung der Oberpfarrkirche thun laffen , der Rath aber hatte ſolches abzulehnen geſucht ; doch wurde nunmehr aus Schluß der Ordnungen , dem Ko nige das Anerbieten gemacht , die Pfarrkirche zur Ablegung des Endes zu öfnen ,

wenn übrigens

keine Henderung damit vorgenommen werden ſollte. Der König erklärte ſich ģtemit zufrieden , und ver ſprac ro gar , fich fchriftlich gegen alle Krånfun gen der Religionsfreybeit zu

verpflichten ;

allein

Bierter Abſchnitt.

Erſtes Capitel.

358

der Biſchof Rozdraſzewski, der mit ſeiner For derung einen breitern Anſpruch auf die Pfarrkirche verknüpfte , ließ die Offerte der Stadt gånzlich vero werfen ;

fein Official proteſtirte ſo gar zur Ben

wahrung der Biſchöflichen Reďte , und die Stade mußte ſich mit einer Gegenproteſtation ſchußen . Der Biſchof gåtte ſich zuleßt wol mit einem Altar in der Pfarrkirche, zum beſtåndigen Gebrauch ſei, nes Gottesdienſtes begnüget , weil man aber auch dieſes abſeiten der Stadt , mit gefährlichen Folgen verknüpft glaubte ,

fo

wurde dieſer Gegenſtand

gånzlich verlaſſen , und mit Einwilligung des Rós nige , die Abne mung des Eydes in der Oliviſchen Kirche vollziehen zu laſſen beliebet. Der König ging am Tage dieſer fenerlichen Handlung zum er . ften mal ans Land, und kehrte Abends wieder nach Uebrigens hat der Biſchof ſeinem Schiffe zurück. von Cujavien ,

beym Königlichen Eyde ,

den er

vorſtabte , nicht nur aufs neue wider die Danziger wegen der Marienkirche, ſondern auch im Namen ſeiner Glaubensverwandten , gegen den Artikel vom Religionsfrieden proteſtiret,

den Polen nicht nur

ſondern auch das Land Preuſſen , nach der War. ſdauer Conföderation vom

J. 1573 ,

ausdrůda

lich batten einſchalten laſſen . Am folgenden Tage hielt der König ſeinen dfa fentlichen Einzug zu Waſſer , in die Stadt Dan. zig , und es verſpåtete ſich damit dergeſtale, daß man die Königliche Herrſchaft , (woben ſich auch die Prinzeſſin Anna des Königs Schweſter und eta nige teutſche Fürſten befanden ) erft bey Fackeln ik

3 2

7 Det.

s

Danzig

356

hte

Geſchic

.

ihr logis am Langen Markte , an der Ede der for genannten Kürſchnergaſſe gebracht hat .

Der Aufa

enthalt in der Stadt dauerte noch zmdif Tage, wäh. rend welchen der König das Wahldecret in der Do minikanerkirche empfing,

und vor ſeiner Abreiſe,

von der Stadt mit einem filbernen Becher der mit tauſend Stück Ducaten angefüllt war , beſchenkt wurde.

Auch die Schwediſche Prinzeſſin erhielt

ein ähnliches Ehrengefqenk, und außer den Ben weiſen aller pflichtvollen Ehrerbietung , womit der König ber ſeinem Abzuge begleitet wurde , that Danzig noch an den Kronſchafmeiſter einen Vor. ſchuß von 10000 Gulden ,

um es an den Reifen

koſten , die eines Zuſchubs bedurften , nicht fehlen zu laſſen.

Der Krdnungsreichetag zu Krakau

wurde wegen der Peſt und Unſicherheit der Wege Der Eyd ward von wenigen Preuſſen beſuchet. 87 Dec. nach dem

Formular unter den beyden vorigen Res

gterungen geleiſtet, und flüchtig genug wurden die Preuſſiſchen Vorrechte dabey übergangen .

Uebers

haupt nahmen bald unter dieſer Regierung die Ein . griffe in die Landesprivilegien zu ,

und die Hof.

nung ward immer kleiner , zum Genuß der alten Iminunitäten zu kommen . Berge ,

Der Zoll am Weiſſen

welchen König Stephan im J. 1585

abgeſtellt hatte, ward unter dieſem Könige an dem

1588. felben Orte aufs neue angeleget , und dermaſſen geſchårfet, daß zur Verhütung des Unterſchleifs ſo gar Zolbuden in den Dörfern Langenau und Succzyn unweit Danzig, wie auch am Ganßfrue ge vor der Stadt, und bey Fürſtenwerder gegen

Vierter Abſchnitt. Erſtes Capitel.

357

der Scarpau über angelegt wurden , wovon Dan . zig rich aber zum Theil mit Gewalt frey gemacht hat. d ) Jn der Folge lieſſen ſich auch Zöllner ben Bårenwalde gegen dem Danziger Haupt über, imt, gleichen zwiſchen Dirſchau und Groß Muntau res per ; ſie wurden aber durch Widerſtand der Baus ern in kurzem bertrieben .

Nach langen Unters

þandlungen der Landesſtånde, und mit baar dafür gezahltem Gelde, hat man es endlich im J. 1592 erhalten , daß dieſer

Wafferzo

über die Preuf

fifehe Grenze nas Fordan iſt verlegt worden .

Er

follte auch dafelbft nach einigen Jahren aufhören , und die Preuſſiſchen Einfaſſen völlig davon entbun den werden , allein das erſtere þat man nicht er 1 langet,

und legteres iſt mit vielfältigen Bedin .

gangen beſtritten worden , beſonders mit einer Ey. desleiſtung über das Eigenthum der Waaren , de ren ſich die Preuſſiſchen Stådte vermittelſt eines freywilligen Geſchenkes haben entledigen müſſen. Nicht weniger Klagen erhoben ſich im Lande über die Hintanſebung des Einzöglingsrechtes , in Ver lenhung der Würden und Güter ,

über die Ein

griffe des Peterkauer Tribunals ,

über die Vers

legung der Münzrechte , über den Misbrauch der Executionen , und mehrere mit den Privilegien der Proving ftreitende Zundthigungen .

Man hat al

lererſt einige Hofrung geſchöpfet, durch die perſön d ) In dieſer Zeit find , ber Stadt zum Troß oder zuin Spott , einige Polniſche Zollbediente mit ihren Pferden durch die Pfarrkirche geritten , und hätten vielleicht noch größern uns fug getrieben , wenn ſie nicht durch den Suſamgenlauf de Wolls waren verjagt worden . 32

)

358

. Danzigs Geſchichte . "

liche Gegenwart des Königs wieder aufgerichtet zu werden , als ſelbiger nach dem Ableben des Königs Johann feines Vaters , den Weg durch Preuffen genommen þat,

um

in

fein

Erbreich hinüber zu

3. fegeln .

3 weytes.

Capitel.

Anſprüche der Preuſſl Der König 'relſet durch Danzig ſchen Biſchofe auf die Pfarrkirdjen in den Großen Ståd tenis der Konig unterſtüßt die Forderungen des Bis fchofs von Cujavien an Danzig das Geſchäfte darüber wird durch einen Volfstumult in der Stadt unterbrochen Unglückliche Folgen deſſelben - der König reiſet verſöhnt aus Danzig - Erneuerung der biſchoflichen Kirchenzwis ſte – worin der Jeſuiterordea fich einmiſcht der Bis fchof benugt die Grrungen zwiſchen den Proteſtanten in Danzig. – Ausbrüche derſelben mit Abänderung der Lehrs fåße und Kirchenceremonien D. Schmidts Predigt zieht demſelben ein Contumaz : Urtheil zu Anwachs der Danzigs Proces Reformirten Gemeinde in Danzig 4, mit dem Biſchofe wird verzögert und die äußere Ges walt abgewendet ,

Die Abreiſe des Königs nach Schweden , wurde auf Jahresfriſt von den Reichsſtånden genehmigt. 1993. Aug.

Er kam demnad von Warſchau zu Waſſer nach Danzig ,

nachdem er unterweges in

Thorn abgea

treten war , auch den Zuſtand des Weichſelſtroms zwey Danziger

wahrgenommen þatte , wozu ihm

Deputirte, der Burgermeiſter Hans von der Linde und der Rathsherr George Mehlmann in einer Barfe entgegen geſchickt waren , die der KS . nig nachher "beſtieg , um rich zur Beſichtigung des

Vierter Abſchnitt. Zweytes Capitel.

359

Neuen Grabens am Weiſſen Berge herum führen zu laſſen .

Ben ſeiner Ankunft in Danzig wurde von der auf beyden Seiten der Motlau paradis er renden Bürgerſchaft,

und mit Löſung des Ges

ſchůkes von den Wållen und Schiffen empfangen ; der Pråſident Gerhart Brandes überreichte ihm in dem am Langen Markte zubereiteten Quartier die Schlüſſel der Stadt , und der König ro rol als die Königin und die Prinzeſſin wurden mit eigens an ſie gehaltenen Reden complimentiret. 4 Außer verſchiedenen. Polniſchen Magnaten , waren audy dle Preuſſiſchen Råthe und einige von den Unterſtånden zahlreich hier eingetroffen , c

.

dies

weil ſie der Königlichen Erklärung auf ihre viele fachen Anliegen und Beſchwerden wollten .

verſichert fenn In der That wurde durch den vom Ko.

mige gegebenen Beſcheid, der Wunſch des Landes in einigen Hauptpunkten

befriedigt;

die Stådte

hingegen fanden die Hofnung, in iþren Kirchenan . gelegenheiten erhdret zu werden , deſto hůlfoſer pereitelt. Seit jener unbilligen Proteſtation ges gen den Religionsfrieden , ben der Beendigung des Wahlvertrages in Olive , die auch auf dem Krós nungsreichstage wiederholt war, hatte die Römiſch Catholiſche Geiſtlichkeit den Anfang gemaďt, die Preuſſiſchen Städte wegen iører Evangeliſchen Kire dhen in Unruhe zu regen. Die kleinen Städte wurden mit weniger Mühe nach und nach unterdrådet, man ging aber bald weiter , und wollte auch den Großen Städten ihre Hauptkirchen durch Rechts . proceſſe entziehen . Aus dieſem

Grunde ward Thorn

360

: Danzigs Geſchichte.

wegen der Pfarrkirche zu St. Johann zuerſt in Ano ſpruchy genommen , dieſe wurde durch ein Decret des Affefforialgerichts dem Catholiſchen Pfarrer Markowski

zugeſprochen ,

und

uneruchtet die

Stadt an den Reichstag appellicte , auch mehrere Mittel einſchlug , iþren Befit zu verchendigen , fo þat fie doch drey

Jabre fpåter dem Biſchofe von

Culm die Pfarrkirche mit allen dazu gehörigen Gea båuden einräumen müſſen .

Die Reyhe traf eben

ſo wol Elbing , wegen zweyer Pfarrkirchen in der Alten und Neuen Stadt.

Bende wurden durch

ein Aſſeſſorialurtheil entzogen , allein Elbing ſuchte muthig den Proceß zu verzögera , ſchüßte fich lani. ge mit Fürſprachen und Unterhandlungen , ließ fich felbſt darüber in die Acht erklåren , und hat erſt nach Verlauf von 24 Jahren , eine, nemlich die Altſtådeſche Pfarrkirche, an den Biſchof von Erm . land abgetreten . Uud Danzig blieb hiebey Feinesi weges verſchonet.

Die Anforderung des Biſchofs

von Cujavien Gatte ſich bereits ben der erſten Uno kunft des Königs geäußert, fein vermeintliches Recht zur Oberpfarrkirche zu St. Marien wurde durch eine eigene Proteſtation von ihm bewahret , und wenn auch nach er einige Vergleiche darüber waren verſucht worden , fo hatte er fich nur gegen Einråumung einer andern Kirche dazu willig begeia get. Die jekige Unweſenheit des Königs erneuerte die Forefehung der biſchöflichen Anſprüche. Durde unablåßiges Anhalten brachte der Prälat es beym Könige dahin , daß Se. Majeſtät für ſich ſelbſt die Pfarrkirche zur Haltung der Meſſeabfordern ließená

Vierter Abſchnitt. Der

Gehorſam

Zweytes Capitel.

ließ fich hierauf nicht ſchlechters

dings denegiren ,

es wurde deshalb nur um einert

kurzen Anſtand zur Erklärung gebeten , Konig

361

ernannte drey

Woywoden

von

und der Poſen ,

Lenczyc und Pommerellen zu Commiffarien , um mit der Stade näher darin zu conferiren . in

Mac wenigen Tagen fiel der Schluß fåmmt

licher Ordnungen doch dagin aus, die Einräumung der Kirche mit Submiſſion beym Könige abzuleh uen, und die vier Burgermeiſter nebſt dem älteſten Syndicus Lembke Hinterbrachten den Königlichen Commiſſarien dieſe Reſolution . " auf eben des Erfolgs wegen in

Man war hiers Erwartung, und

gerade fiel auch der Rechtstermin ein ,

daß die

Stadt ſich auf dren vorhergegangene Ladungen des Biſchofs ſtellen ſollte , als diefes zwiſtvolle Geo ſchäfte durch einen antern gleich unglücklichen Vor. fall unterbrochen wurde .

Zwen Diener vom Rosa Sept.

niglichen Hofgeſinde , der eine ein Pole, der an . dre ein Teutſcher ,

geriethen mit einander auf sf

fentlicher Straße in Streit , es tam vom Scyims pfen zum Schlagen , und der Pole wurde vom Teutſchen mit dem

Degen Verwendet.

entſtand ein Tumult ,

Hierüber

worin die Herbey gelaufene

Poten ſich des Verwundeten annahmen , und weil ſie des Thåters nicht babýaft wurden , ihre Rachye an jedem , der ihnen in teutſcher Rleidung begegnes te , ausließen . Aus der Hoſennåpergalſe, 'mo der Lårm entſtanden war , fielen fie vor dem Grů . nen Thor einen Träger an , dem ſie faſt den Arm som

Leibe weghieben , und eine Obſtverfàuferir

3 5

Danzigs Geſchichte.

362

wurde noche gefährlicher bermundet. Die Rames raden des Trägers blieben hieben nicht müßig, und einige Tagelöhner ſtießen hinzu , fo daß in wenigen Minuten zwen ftreitende Parthenen auf dem Markt waren ,

deren eine mit dem Sábel in der Fauſt,

bie andre mit eifernen Stangen , Kolben und Steie nen auf einander losgingen .

Die Polen würden

juerft zum Weichen gebracht, nachdem ſie abec aus den nah gelegnen Häuſern , wo viele Polniſche Herrſchaft logicte ,

verſtärkt waren ,

fo fing das

Soarmügel von neuem an , zumalen da auch die Teutſchen mehreren Beyſtand befamen . Der Kampf hatte ſich nahe unter die Königlichen Fert. fter gezogen , der König felbft rief zum Frieden , aber unter dem Getümmel wurde darauf nicht ges båret; der Burggraf eilte berben , allein er mußte fich mit Lebensgefahr zurück ziehen ,

indem ihm

ein Hayduck den Kopf ſpalten wollte.

Vielmehr

ließ ſich der Streit noch, blutiger an , als von' ben . den Ebeilen

Sæießgewehr berzu geholt

wurde.

Die Polen brauchten daſſelbe zuerſt , und erſchoſs fen -zwen Bürger und einen Knecht auf der Stelle.

1

Nun ſchien alles in Wuth zu gerathen ; man ſchoß blindlings auf eiaander,

die Kugeln flogen fo gar

ins Königliche Zimmer, wo ſich die Königin und die Prinzeßin befanden ,

nach dem

( wie man geſagt

hat ) auch aus dem Rdniglichen Logis , doch ohne

3 Wiſſen Sr. Majeſtåt war geſchoffen worden . Nun erlangte der

Präſident vom Könige die Erlaubnis,

eine Compagnie von der Stadtfoldateske anrüden zu laſſen ; er ſelbſt und mehrere Perſonen der Obrige

Vierter Abſchnitt.

Zweytes Capitel.

feit traten unter das Voff ,

auch einige Herren

vom Hofe gefellten ſich hinzu., fungen fo wol als

363

und mit Vorſtel

mit ernſtlichen Befehlen und

Drohungen wurde endlich dieſer tumultuariſche Lerm geſtillet.

Glücklicher weiſe hatte man vorher einen

Trupp von

Langgarten

anrückender Hayduden,

noch duro Aufziehung der grünen Brücke aufger halten , bis der König iğnen den Befehl zurück zu marſchiren einſchickte. Außer vier Todten von Pol. niſcher , und drey von der Stadtſeite ,

war der

Verwundeten eine weit größere Anzahl, worunter ſich auch der Caſtellan von Przemysł befand , der als Marſchall der Königin , bey Vorzeigung feines Stabes war bleſſirt worden . So plóglich nun dieſer Auflauf entſtanden war, und weder aus vernachläßigter Sicherheitspflege, s!

noch aus Mangel des Reſpects oder aus unfried . lichen Abſichten , der Stadt zur Laſt gelegt werden konnte ; ro ſehr ſuchte man doch polniſcherſeits ein , fchweres Verbrechen daraus zu machen .

Inſon .

derheit ward gegen den Frevel, der in den Könige lidhen Zimmern und an einem Reichsfenator vers übt worden , geeifert.

Der Magiftrat ſchlug zwar

alle Mittel ein, die Thater davou þeraus zu be kommen ; und ließ loon eine Belohnung von roo Ducaten auf jeden Kopf reßen .

Es ward aud

kicito verabfäumet, um den König.ro wol , der doch am wenigſten erzůrnet zu ſeyn ſchien, als auch das geſammte Polniſche Sofperſonale zu beſänfti. gen und zu verſdýnen.

Nichts deſto weniger hat

Danzig in den Staatsverfammlungen von Polen

. 364

:

und Preuffen ,

Danzigs Geſchichte. noch lange deswegen Harte Vori

würfe und Drohungen der ſchårfſten Uhndung er : Auf dem nächſten Landtage zu Thorn wolle litten . te der Preuſſiſche adel, zur Satisfaction der Po. len ,

die Stadt ſo gar aus dem

ſchlieſſen ; auf dem

Landesrach aus .

Reichstage zu Krafau ( 1995 )

fielen, einige Stimmen im Senat ſo fürchterlich aus , daß man dafür die Privilegien aufheben , den har fen verfenfen , und einige der vornehmſten Eino wohner fopfen wollte ; der Clerus und insbefondre der Biſchof von Cujavien ſuchte auch dieſe Tumult ſache zu ſeinem Vorrþeil , mit den Anſprüchen auf die Pfarrkirche, und mit den Religionsklagen zu verknüpfen. Inzwiſchen hat die StadtMittel gefun den , mit dem Hofe deshalb in geheime Unterhandlung Ju treten , und als der Ausſpruch darüber erſt eint. ge Jahre verzögert geweſen, ſo hat ſie im J. 1598 ein Königliches Decret erhalten ,

kraft deſſen fie

von allen Beſchuldigungen wegen gedachten Auf laufs entledige, und gegen alle daraus herrührende Zundthigungen iſt frey und ſicher geſtellet worden . Huc jest war es þeilſam , daß der König vor feiner Abreiſe ein Mandat ergeben ließ , um die Danziger während ſeiner Abweſenbeit für aller Ra che der Polen zu ſchüßen .

Er that ſolches mit Ver.

ficherung ſeiner Huld , ſo er noch insbeſondre beym Abſchiedscompliment des Raths wiederholte, e) Man hat ſich bey dieſer Gelegenheit , dem stönige lauf Rein fehnliches darnach geäußertes Verlangen , durch Einbåns digung der Reliquien und Heiligthümer gefällig gemacht, welche bisher im großen Altaitas anfbehalten gewefen .

365

Vierter Abſchnitt. Zweytes Capitel. 1

als ſelbiger in voller Verſammlung, die Königliche Herrſchaft zu Fuße nach der grünen Brüde begleia fete, von wo eine zubereitete Barſe Dieſelbe an das Schif brachte , in welchem die Abfahrt nach 1593. 16 Sept. Stockholm mit einer Flotre vou 40 Segeln ges macht wurde.

Das Jahr darauf nahm Danzig ,

gleichwie Elbing Gelegenheit,

zum Glůcrunfch

wegen der Königlichen Kronung zu Upſal, Deputation nach Schweden zu ſchicken ,

eine

welche

zugleich den Auftrag hatte , ſich um die Fürſprache der Schwediſchen Reichsråthe,

in der Religions .

rache und der Danziger Kirchendifferenz zu bewer. ben ; hienchit hatre ſie zehn Schiffe mitgenommen , an ſtatt der Zwanzig welche der König zu feiner Kůckfahrt verlangt hatte.

Es gåhrte aber uners

achtet der rollzogenen Krónung, im

Schwediſcher

Reiche ſelbſt ein Verdacht, daß unter dieſem Koc nige die Lutheriſche Religion in Gefahr tommen dürfte,

weil man ihn nicht nur der Römiſcheit

Kirche fehr enge zugethan , ſondern auch den Jeo fuiten und ihren Marimen geneigt þielt. Dadurch folich ſich ein gegenſeitiges Miscrauen ein , und der Konig hatte würflich aus Polen drey tauſend Mann bey Danzig zu feiner Sicherheit nach Stock. Holm einſchiffen laſſen .

Jndeſſen fehrte er dieſes

mal nach

ohne daß wichtige Ver

Polen zurüc ,

ånderungen erfolgt wåren.

Die Seereiſe ging wies:

der auf Danzig , wo man für möglichſt gute Orde nung und Ruhe ſorgte, gleich wie ſich das Koni gliche Gefolge während dem Aufenthalt des Hofes, auch friedlich und ſtille aufgeführet hat.

[

1994.

366

$

Danzigs Geſchichte:

Der ſtreitig gemachten Kirchen Halber, konnte

ten die Sroßen Städte mit iþren dftern Bittſchrif ten keine günſtige Erklärung

auswürfen.

Der

König ſchüßte vor, daß er der Geiſtlichkeit die Aus führung ihres Rechts nicht vorenthalten könnte, und das einzige Verſprechen ſo er den Danzigern bey ſeiner Abreiſe gab , war , daß er alle Billige teit gegen ſie beobachten wollte.

Mithin hatte der

Biſchof Rozdraſzewski eine freye Bahn , Pråtenſionen zu verfolgen .

ſeine

Sehr bald brachte

er ein Contumazialdecret aus ,

daß die Marien .

kirche bey Strafe von 100000 Polniſchen Gulden ihm geräumt werden ſollte,

die Stadt appellirte

1595. davon an den Reichstag zu Krakau , aber auch hier wurde ein Königliches Decret von gleichem Inhalt abgeſprochen. In demſelben Jahre wurde von Evangeliſchen Glaubensverwandten in den

den

Polniſchen Staaten eine zu Krakau verabredete Synode in der Stadt Thorn gehalten ,

der aus

Preuſſen aber nur zwey Edelleute förmlich beywohn Die Großen Städte waren zwar dazu ein . ten . geladen worden ,

und Elbing fo wol als Danzig

ſandten jede einen Burgermeiſter nach Thorn , de nen ſich von hier zwen Herren des Raths.zugeſelle ten : allein dieſe Abgeordneten enthielten ſich aus gegründeten Urſachen des Beſuchs der Zuſammen , künfte ; es wurden auch , außer einem Geiſtlichen in Thorn , die aus den Städten eingeladenen Pres diger nicht hingeſoicet; die Abgeſandten fanden nicht weniger bedenklich , den hier beſtätigten Sen.

Vierter Abſchnitt. Zwentes Capitel.

367

domirſ @ en Conſens, f ) der iğnen vorgelegt wura de , zu unterzeichnen, und mindeſtens läßt fic feie nesweges bepaupten , daß die Religionsfreyheit in Polen ,

von dieſer Synode größre Vortheile geo

fogen gåtte.

Ja Preuſſen blieben die Städte den

Verfolgungen unaufhörlic ausgefekt.

Es fam

in furjem ſo weit , daß über die Großen Städte insgeſammt

die

Achtserklärung erfolgen

ſollte :

Danzig hat von Zeit zu Zeit noch die mehreſten fürſprecher und Freunde zu Abwendung derſelben gefunden .

Inzwiſchen trat auch mancher Neben .

zwiſt ein ,

welcher dem Biſchofe zur Anſtrengung

ſeines Kirchenproceſſes neue Kräfte verliehen þat, und alle deshalb verſuchte Ausgleichungen ſind, ſo lange er gelebt hat , fruchtlos geweſen . Eben ſollte es nach abgeſprochenem Decret ite Krakau ,

durch Vermittelung

zu einem gutligen

Vergleich mit dem Biſchofe fommen , wozu ſchon Danziger Deputirte unterweges waren , als man in Erfahrung brachte, daß der Biſchof einen neuen Anſpruch gebraucht hatte , ein gegründetes

dem Rath zu Danzig

Kirchenrecht ftreitig zu machen .

Daffelbe betraf den in der Alten Stadt befindlichen Seit der Stiftung dieſes Brigittiner Convent. Dieſer im 3. 1570 auf einer Synode zu Sendomir beftans dene Conſens oder Religionsvertrag hatte den Bentritt als ler damaligen Evangeliſchen Religionsverwandten in Polen und Litthauen , nemlich der Lutheraner , der Reformirteo 1. rund der Böhmiſchen Brüder gehabt , und wurde nun in gleicher Art zu Zborn beſtåtigt. Die Entziehung der Preuſs fiſchen Städte von dieſem Verein , läßt ſich aus den Irruns gen zwiſchen den unterſchiedenen Confeſſionsverwandten in Denfelben erklären.

Danzigs Geſchichte

368

Nonnenkloſters zu Marienbrunn genannt, die ins J. 1396 geſeßt wird , war dem Rath zu Danzig ein unvordentlicher Beſik des Patronatrechts dara über erwachſen, welches auch nachher die König . lichen Privilegien beſtåtigt haben , der Rath batte nächſt der Schußpflege, die Beſorgung der Güter und Einfünfte, und aller weltlichen Angelegenheir ten

des

Kloſters überkommen ;

er , hatte demſel

ben viele Schenkungen, und unter andern das Dorf Schidlik zur Nußung verließen , 8 ) dagegen aber nicht nur das Obereigerthum und die Gerichtsbar, feit darin behalten , ſondern aucı immerfort einige Danziger Bürger zu Vorſtehern oder Proviſoren des Kloſters ernennet ,

denen alle weltliche Auf.

ficht über die Einfünfte , Bedürfniſſe und Rechts. vorfälle deſſelben , unter Oberdirection des älteſten Burgermeiſters anvertrauet geweſen .

Nun hatte

aber das Kloſter im J. 1586 einen ſehr verderb. lichen Brandſchaden erlitten, es war auch die Zaht der Kloſterjungfern bis auf vier oder fünf herunter gekommen , und biezu kam noch , daß der nunmeh . rige Unterſchieb der Religion den bequemen Vora wand b ) Die Behauptung , daß dem Brigittiner Slofter ben deffen Stiftung , die Kirche zu St. Catharinen tåre einverleibet, und zugleich das Dorf Schidlik als deren Brautſchaş ver : lieben , lekteres auch durch ein Biſchöfliches Decret vom I. 1472 in einem Streit mit dem Pfarrherrn zu St. Cas tharinen , dem Stlofter jugeſprochen worden , hat ſich nies mals mit beſtätigteu Gründen erweiſen laſſen . Sicher aber ift die Donation der Schidlik an Danzig , nach dem Jubalt der Hauptprivilegien , worauf auch die fundirte Propries tåt ja den ſpätern Privilegien ihre Beſtätigung erlangt hat.

/

Vierter Abſchnitt . Zweytes Capitel.

369

wand verliehe, der Oberaufſicht des Raths einen widrigen Anſtrich zu geben .

Alle dieſe Umſtände

gebrauchte der Biſchof zu ſeinem Vortheil.

Seit

dem J. 1593 ſtrebte er bereits nach der ercluſiven Verwaltung dieſes Kloſters mit allen dazu geboris gen Gütern , und die Dienſtfertigkeit der Jefuiten tam ihm treflich zu ſtarten , um ſeinem Entwurfe zur Wusführung zu belfen.

Er hatte in dieſer Zeit

den Jeſuiter · Drden nach Pommerellen gebract, gleichwie ſolches auch die übrigen Biſchöfe in der Provinz Preuſſen gethan hatten .

Es war ein Jes

ſuiter - Collegium im Schottland errichtet worden, und der Biſchof hatte die Abſicht, mit demſelben das Brigittiner Kloſter in der Stadt zu verknüpfen, damit gedachter Orden einen feſten Fuß zu fernes

1

ren Fortſchritten þieſelbſt befommen ſollte.

.

weit nun ſchienen zwar die Jeſuiten ſelbſt, aus un,

So

terſchiedenen Urſachen ſich noch nicht wagen zu wollen , es wurde auch mitlerweile für die Wieder Herſtellung des Kloſters ,

und für eine vermehrte

Anzahl der Kloſterjungfern geſorget ;

jedennoch

brachte es der Biſchof mit ſeinen Verordnungen dahin , daß den Jeſuiten das Parochial-Amt in der Marien Magdalenen Kirche bey den Nonnen übertragen wurde , und gegen den Danziger Rath erhielt er ein Königliches Reſcript, worin ihm die Verwaltung der Güter des ward .

Kloſters zuerkannt

Mit den Jeſuiten hat Danzig in der Folge des þalb noch viele zwiſtvolle Scenen gehabt , fie theils durch Stadtedicte entfernet , Na Geſch. Danz. ater Th.

indem

und aus

1596.

370

Danzigs

Gefchichte:

dem Brigitten - Kloſter Øerausgeſegt worden , of ters aber auch auf Zutpun der Biſchöfe und unter dem Schuß der Reichsconſtitutionen zurück gefehrt find, und ihr Amt wieder angetreten haben. Selbſt die Vorgeſegten Nonnen im Kloſter ſind wegen der Aufnahme dieſer Våter , zuweilen mit einander in Uneinigkeit gerathen ; die Stadt iſt dftern Anklam gen und beſchwerlichen Forderungen durch fie aus . gelegt worden ; und unerachtet aller in dieſer gen fuiter . Controverſe, theils verſuchten , theils auch zum

Stande gebrachten Vergleiche ,

haben die

folauen Ordensbrüder doch lange noch Mittel gex funden , entweder öffentlich oder Heimlich ,

eine

Connexion mit dem Nonnenklofter und einen Zus tritt in die Stadt zu behalten , ja es foll ſo gar in ein zu Rom gedrucktes Verzeichnis der Jeſuiters Collegien , zu Anfang des ſiebenzehnten Jaþrşun derts , namentlich ein in Danzig geſtiftetes Colle gium feyn eingerůckt worden. Mit nicht weniger behenden Anſchlågen ergrif der Biſchof eine Gelegenheit ,

von den Kirchen .

håndeln zwiſchen den Lutheranern und Reformirten in Danzig, einen vortheilhaften Gebrauch für ſeine Anſprüche zu machen . Dieſe ſchon ermahnte Streis tigkeiten hatten durch inerklichen Zuwachs der Res formirten Gemeinde , immer weiter um ſich gegrif fen.

Bald nachdem die proteſtantiſche Religionsa

freyheit vom Könige Sigismund dem Dritten war beendiget , und der Stadt mit einer Cautions . Tørift bekräftiget worden ,

hatte ſich ein Zweifel

entſponnen , ob die Reformirten Glaubensgenoſſen,

Vierter Abſchnitt. Zweytes Capitel.

371

unter dieſer der Augspurgfchen Confeſſion Halber gegebenen Sicherheit, mit begriffen waren . war darüber ein öffentliches Gezánfe entſtanden , das nicht einmal durch Obrigkeitlichen Verbot konn. Im Gegentheil war bald dar te geſtillet werden . auf Reformirterſeits weiter geführitten , und zu öf fentlicher Abånderung der Kirchenceremonien ein Anfang gemacht worden .

Die Abbrechung des

baufälligen Großen Altars in der St. Peterekir. de , und die dafür mit dem Decalogus, aufgeſekte zwey Tafeln ,

maceten im J. 1589 ſo viel Bes

wegung, daß der Biſchöfliche Official ſich ſchon damals dazwiſchen gelegt hat , und der Rath aus Beforgnis größerer Unruhen den Altar wieder bat auffeßen laſſen .

Nichts deſto weniger

Reformirte Gemeinde im

hatte die

åußern Gottesdienſt .ro

wol als mit den Religionslehren ſelbſt , ifre Maas. regeln weiter befolget.

Die Einführung des Hen .

delbergſchen Catechismus und

das Brodbrechen

beym Abendmal, imgleichen die Wegräumung der Bilder , die Abſchaffung der Altarlichter, der la teiniſchen Geſänge und anderer dergleichen Cere monien ,

haben nicht geringe Störungen in den

Kirchen verurſachet. Hieju waren noch öfters fpes cielle Prediger - Controverſen auf den Kanzeln gee kommen , die auch nach ausgebrochenen Differens gen der Stadt mit dem Cujaviſchen Biſchofe, gee

In 1 • rade zur höchſten Unzeit fortgeſegt wurden . fonderheit aber machte eine vom D. Schmidt am Grünen Donnerſtage in der Trinitatiskirde gehal: 1596. tene Predigt vom Abendmahl , einen ſo widrigen U a 2

.. Danzigs Geſchichte

372 Eindrud ,

daß auch der Offtcial in der Stadt,

nachdem er derſelben unter Notariat : Zeugnts baba haft geworden , eine vidimirte Abſchrift davon an den Biſchof von Cujavien einſcicte.

Dieſer nun

fåumte nicht, die Evangeliſchen Glaubensverwando ten in Danzig noch nåßer an einander zu beßen , und aus gedachter Predigt nicht nur pie fürchtero lichſte Keperen , ſondern auch den Umſturz des Augſpurgſden Glaubensbekenntniſſes zu folgern ; er ſchickte dem D. Schmidt eine Citation zu ſich nach Leslau ein , beſchuldigte ihn der ſtrafwürdigo ften Kirchenverbrechen , und legte ihm zur Laft, daß er Rice in Hendelberg zum Superintendenten åber alle Kirchen und Schulen in Danzig fåtte ors diniren laſſen . Der D. Schmidt fand zwar beym Rach der Stadt einen bereitwilligen

Beyſtand ,

und dieſer nahm es auf fich , gegen die noch ferner wiederholten Biſchöflichen Ausladungen zu pro . teſtiren : dennoch aber kam die Sache bis an den König ,

und fraft eines foarfen Mandats fonnte

es nicht verhindert werden ,

daß gegen den D.

Schmidt ein þartes Contumazurtheil abgeſprochen wurde , womit es nur durch ſorgfältige Abwenduns gen nicht zur Vollziehung gekommen ift.

Unter ſolchen Umſtänden þåtte man wol zur Sicherheit

der Evangeliſchen Kirche,

fick eines

friedlichern Vernehmens befleißigen rollen , allein wir finden zum Gegentheil noch viele Jahre hin . durch , daß bende Parthenen derſelben , mit oft ere neuerten Animoſitåten gegen einander ausgefallen find.

Die ſtarte Anzahl der Reformirten Slau

>

Vierter Abſchnitt. Zweytes Capitel.

373

bensgenoſſen iſt noch bis ins J. 1605 måchtig gea blieben .

nemlich zu St. Peter

Drey Kirchen ,

und Paul , ju St. Trinitatis und die Hoſpitalse firche zu St. Eliſabeth ,

ſind odllig zum Gottesa

dienſt derſelben eingerichtet geweſen , und auc an andern Kirchen in der Stadt und auf ihren Låna dereyen , þaben ſich verſchiedene Prediger zur Rea formirten Religion erflåret.

Im Rath ſind zwölf

Mitglieder nebſt dem Syndicus ,

derfelben zuge.

than geweſen , und außer mehreren Collegien und Amtsſtellen , haben ſich in den beyden Shoppen . bånken vierzehn Perſonen , und unter actzig das maligen

Mitgliedern der dritten Ordnung ,

fünf

uno prepßig derfelben zur Reformirten Gemeinde gehalten. Die ångſtlichen Klagen der eifrigen Lutheraner über eine ſolche Ausbreitung und Theile nehmung ihrer Gegenparthen an den Würden und Hemtern der Stadt, laſſen ſich beſſer mit dem Here: fchenden Geiſt der damaligen Zeiten vereinbaren , als daß es ſich heutiges Tages einen Gebrauch das pon zu machen geziemen ſollte, nachdem ein fried. fertiges Betragen und eine berechtigte Verhältnis unter benderſeits Glaubensgenoſſen , alle Wider, wärtigkeiten jener intoleranten Mißgunft pets fcheucht haben.

Was nun neben den angeführten Ereigniſſen, den erſteren Streit mit dem Biſchofe betraf , ſo wurde unerachtet der dazmiſchen getretenen Fehde wegen des Nonnenkloſters, dennoch ein Vergleichs. geſchåfte auf dem Biſchöflichen Soloß Sobkau grófnet , und nachgepends im Kloſter Olive erneu 3 A

374

Danzigs Geſchichte.

ert ; Danzig wollte ſchon die Verwaltung des Bris gitten . Rioſters ,

nur mit Ausnahme der Sạidlik

und init Proteſtation gegen die Einführung der Je. ſuiten , abtreten , wenn zugleich alle Anſprüche an die Marienkirche damit aufgehoben ſeyn ſollten ; allein der Biſchof ließ ſich auf dieſe Bedingungen nicht ein , und verwarf eben ſo wol eine nachges bends daneben angebotene Geldſumme zur volligen Wiederaufbauung der Brandſtåtten des Kloſters .

1897.

Dagegen wurde bald darauf wegen der Nonnen güter , bey Hofe ein Pdnaldecret wider die Stadt zur Geldbuſſe von 20000 Ducaten abgeſprochen , womit es aber zur Zeit nur bey einer Drohung ver blieb.

In den Proceß über die Pfarrkirche , war

Danzig fchon früher ebenfalls zu einer Geldſtrafe von 100000 Gulderi condeinnirt worden , die der Woywod von Pommerellen in den Stadtländereyen eintreiben ſollte.

Die Zeit der Erecution fiel nun

mehro ein , weil aber der Woywod ro wol als die Biſchöflichen Macht aber

wenig Ernſt dazu bes

zeigten , fo konnten die Danziger ohne Schwierig . keit die Verlängerung des Termins erlangen. Hier auf zerſchlug fich zwar eine zur Wiedererdfnung der Tractaten geſchöpfte Hofnung, allein das erecutive Verfahren wurde doch weiter verzögert, und es verlor fich allmålig die Furcht, daß in den Dan. ziger Kirchenſachen etwas gewaltſames, verhänge werden wärde , wozu unter andern Urſachen , das Verhältnis des Polniſchen Hofes gegen Schweden , und die Interceſſionen der Schwediſchen Reichsråthe

/

beym Könige, nicht wenig beygetragen Baben .

Es

Vierter Abſchnitt. Zweytes Capitel.

375

Find zwar zwey Jahre ſpäter vom Könige perſönlich wieder Ermahnungen an den Rath zu Danzig ere gangen ,

ſich mit dem Biſchofe durch einen gůta

lichen Vergleich aus einander zu reßen ; die Reiſe des. Biſchofs nach Rom aber ,

und ſein bald dar .

auf erfolgter Tod haben dem Rechtsſtreit einen An ſtand verliehen ,

dem

auch ſein friedſamer

Nach

folger Tarnowski ſo weit nachgeſehen hat ,

als

er es wegen der übrigen hohen Geiſtlichkeit hat tņun können , wie er ſich ſelbſt in einem Schreiben an den Danziger Syndiciis Keckerbart dergeſtale ausgedruckt hat.

376

te .

Danzigs Geſchich

Drittes

S à pitel.

Die Hanſeatiſchen Handlungsrechte werden in England ges ſtdret - woben auch Danzig Abbruch leidet - die Hans ſeatiſche Reſidenz in London hört auf Polniſche Ges ſandtſchaft nach London wegen der Danziger Commerzs freyheit - ein Spaniſcher Bothſchafter macht Porſchläge zum Handlungsverkehr mit Danzig - Danzig berpirkt . ſich einſeitig um die Engliſche Handlungsfreundſchaft bekommt dafür Vorwürfe vom Hanſebunde - wird aber inſtruiret , einen allgemeinen Vergleich mit England eine füleiten - der deshalb eröfnete Congreb -zerſchlagt fich Danzig ſucht ferner das gute Vernehmen mit England Polniſche Vorſchläge wegen der Engliſchen Niederlage in Elbing - Störungen des Salzhandels in Preuſſen Vernachläßigung des Weichſelgrabens - das Danziger Beſagungsrecht wird beſtätiget - des Königs Rückfunft aus ſeinem Schwediſchen Erbreiche - mit welchem der Krieg ausbricht - Danzigs Verhalten gegen den neuen König von Schweden - Schwediſche Streifereren in der Oſtſee -- mehrere auswärtige Kriegsunruhen - Rokoſt in Polen Union der Großen Stådte in Preuſſen .

Unter andern politiſchen Hauptgeſchäften , welche außer der bürgerlichen und kirchlichen Ruhe , den Wolftand Danzigs am nächſten betrafen , ward das Seecommerz in dieſer Zeit ein erhebliches 06 ject , welches ſo viel mehr Sorgfalt erheiſchte, weil durch die nahe Verbindung der Krone Polen mit Schweden , bey den damaligen Kriegen im Weſte lichen Europa , eine ſchårfere Aufmerkſamkeit geo wiſſer Potenzen , darauf erweckt wurde.

Seitdem

die Königin Eliſabeth im J. 1578 die Hanſeati ſchen Handlungsprårogativen in England geſchwås det , und ſelbige höchſtens nur den Rechten ifrer

Vierter Abſchnitt.

Drittes Capitel.

377

commercirenden Unterthanen gleich gemacht hatte, ſo war es in

den Differenzen des Bundes mit dies

ſer Krone imm er weiter gegangen. Zoll,

welchen

Der verhibete

der Bund im J. 1579

Engliſche Waaren feit

auf alle

ſe kte , ward vom England

mit einer gleichen Abgabe vom Waarenbandel der teutſchen Stallhofs ,Kaufleute erwidert. Drey Jahre darauf kam es auf Antrieb des Hanſecon vents zum Beſchluß , den Engliſchen Adventurernt ( oder wagenden Kaufleuten ) allen Handel im teut. ſchen Reiche zu legen , unerachtet felbige feit dem J. 1564 von der Königin durch ein Patent privi. legiret, und zu einer corporirten Geſellſchaft waren erhoben worden ,

auch in Hamburg und anderet

Orten gutwillige Aufnahme gefunden , und zu 16. rem eignen ſo wol , als zum Vortheil der Städte, wo ſie ſich aufhielten , gehandelt hatten : es ward aber 1582 auf dem Reichstage zu Augſpurg beſtåtii get, daß gedachte Kaufleute aus Deutſchland bannet ,

vera

auch alle wollene Waaren von Engl and

ſchlechterdings verboten ſeyn ſollten .

Nun

hatte

zwar der Engliſche Geſandte George Gli pping die Sache ſeiner Nation auf dem Reichstage vers thendigt, auch in der Folge Mittel gefunden ,

die

Vollziehung des Reichsſchluſſes aufzuhalten , es ließ ſich ſo gar ( 1587 ) dazu an, als ob die Hart. fifchen Kaufleute ihre Freyheiten in England , ir Rückſicht aufden Handlungsjoll wieder bekommen würden , und die Königin Eliſabeth gründete auf den gegebenen Auf ein dieſer Hofnungen ,

eine

WBarnung an die gefammten Hanſeftådte, fich det Na 5

Danzigs Geſchichte." ;".

378

Zuführ aufSpanien ſorgfältig zu enthalten. Nach dem aber dieſem tektern Artikel fein Genüge geleis ftet ,

auch wegen

der übrigen

Commerzirrungen

Yein Vergleich war zum Stande gebracht worden ; ſo hatte die Königin von England im J. 1589 ben teutſchen

Hanſeſtådten ,

rechzig

Lajtſoiffe

mit

Waizen und Kriegsbedürfniſſen, womit ſie die Spa niſche Flotte batten verſorgen wollen, an der Müns dung des Tagus wegnehmen laſſen . Durch dieſen Vorfall blieb fein Mittel mehr gegen einen gång. lichen Bruch übrig.

Der Engliſche Hof wurde ,

vom Kayſer ; und von allen teutſchen Städten mit ' Heftigen

Vorſtellungen beſtürmet ;

auch Danzig

hatte an gedachter Erpedition Theil genommen , und machte deshalb nicht nur felbft wegen der genom . menen Schiffe und ladungen Anſprüche, ſondern brachte es auch beym Könige von Poien dahin, daß9 derſelbe ein dringendes Søreiben an die Königin abließ , worauf eine Antwort erfolgte, die zwar nicht, wie an einige teutſche Städte , mit Spott oder Drohungen angefüllt war, doch aber größten . theils nur leere Entſchuldigungen in fick enthielt. Im

J. 159

follten die Kayſerlichen Mandate

in Betreif des Augſpurger Reichsſchluſſes geſchårft werden :

die Stadt Stade,

beynahe der einzige

teutſche Zufluchtsort, der die Engliſchen

Udven

tårer noch aufnahm , bekam ein Verbot , fie zu fchüßen und Handlung treiben zu laſſen ; gleichera maſſen ließ der Hanſeconvent den Elbingern die Abſchaffung der Engliſchen Reſidenz und Nieders lage andeuten und vermittelft Danzigs, ward ein

Vierter Abſchnitt. Drittes Capitel.

379

Pánalmandat beym Könige von Polen ausgewüro Eet, daß dieſelben ben Strafe von 30000 Ducaten aufhören follten . Indeſſen wuſten Elbing in Preuß ſen ſo wol ,

als die deutſchen Städte der ſchnellen

Vollziehung ſolcher Befehle auszuweichen ,

und

Kayſer Rudolph II. ward noc ſechs Jahre lang mit Correſpondenz und Geſandtſcaften aufgehal. ten , eße er ſein Erecutionsmandat zur Vertreibung aller monopoliſchen

Commerzien

der Engliſchen

Kaufleute , aus dem Reiche teutſcher Nation , pu bliciren laſſen konnte. Nachdem aber ſolches ges foeben war , ſo mußten Stade , Embden und noch einige Stådte in den Herzogthümern Braunſchweig

und Hollſtein , den Adventurern gånzlich ihren Ab. fchied geben , und dieſe gingen nun größtentheils nach Middelburg, ob mol ſie auch von andern Nie. derländiſchen Städten, ja ſelbſt nach wenigen Jah. ren , wieder von einigen in Teutſdıland , mit Ver. langen ſind eingeladen worden . Am wenigſten wollte die Königin von England dieſe Vertreibung ungeahndet gefbehen laſſen .

Sie ließ zwar aus

Politik um Widerrufung des Mandats beym Ray. ſerlichen Hofe anhalten , als ſelbige aber abgeſchla. gen ward , ro gab ſie noch in demſelben Jahre eis nen Befehl an den Major und die Sherifs von Lon don ,

das Haus Stiliard und das Haus Guilde

Hetle genannt ,

fo zum Stallhof der Hanſiſcben

Kaufleute gehörten , und den dieſe unter ayt Kos nigen von England ruhig beſeſſen þatten , juju: fchlieffen und in Beſik zu nehmen

und von der

Aug.' 11547

1

380

Danzigs Geſchichte.

Zeit an iſt der ſo genannte Stallhofplas in london niemals zu dieſem Beguf wieder gebraucht worden . In eben der Zeit , da ſolches vorging , hatte König Sigismund einen Polniſchen Geſandten , Paul von Dzialin nach London geſchicket , um fich über die Schmålerung der Privilegien beſchweo ren zu laſſen , womit den Hanſiſchen Raufleuten in feinen Staaten , der Handel nach England ſo wol als die freye Seefahrt auf Spanien und Por tugal geſperrt würde, und zugleich der genomme. nen Schiffe wegen Genugthuung und Wiederer. ſtattung zu fordern .

Der Geſandte aber hielt ſeine

Anrede in einem dermaſſen gebietenden Tone, und mit ſo harten Ausdrůden , daß die Königin Eliſas beth rich nicht enthalten fonnte ,

ißm mit signer

Beantwortung in lateiniſder Sprache ſeine Uribe fcheidenheit porzurücken ; ſie fagte iým unter an dern , daß er zwar viel geleſen haben könnte , aber von Staarsgeſchäften und Weltumgang rolechte Kenntniſſe fåtte; uno was

ſein eigeatliches Ger

werbe betraf , fo wurde işm vom Staatsrath ein ausführlicher Beſcheid ertheilet , daß die Krone England weder das Völkerrecht, noch die Tracta : ten mit Polen Berlekt Håtte ,

aude eben ſo wenig

den Hanſeftådten Unrecht geſchehen wäre , indem die Königin nur als eine Mutter die für ihre Kin . der forgte, ihre Unterthanen denfelben in der Eom . merzfreyheit þåtte gleich magen wollen . h ) Bey k ) Madeinoiſelle de Keralio , ( hiſt. d'Eliſabeth Reine d'Angleterre Tom IV.p.558 .' ift hier, gleichwie Cambden ( Annal. rer. Angl. regn . Eliſabetha Lub a. 1597. ) der irre

+

X

Vireter Abſchnitt.



Drittes Capitel.

383

dem gllen abei außerte fiche unter den damaligen Unamdan immer nåber der Verfall der Hanſeati. Moe Handlung in England , und gleicywie andre Europåtſche Potenzen , vornemlich Spanien , das noch mit England im Kriege lag , davon Vortheile ju ziehen glaubten , ſo bekamen die desfalls gee machten

Entwürfe im Baltiſchen Meere ,

auch

nicht geringen Bezug auf die Stadt Danzig. Noch während dem diesjährigen Warſdauer

Neichstage , von weldem der Geſandte nad Enge land war abgeſchickt worden , þatte ſich der Ammi rant von Arragonien Franz von Mandoza als Spaniſcher Bothſchafter gemeldet. Er beſtåtigte die Hofnung , welche den Hauſeſtädten überhaupt in dieſer Zeit gemachtwurde, des ſchweren Zolles in Spanien entlaſtet zu werden , die Freyheit des Comtoirs zu Sevilla wieder zu bekommen , auch Die Erneuerung ihrer Rechte in Liſſabon zu erlan gen ; inſonderheit aber war er mit einer geheimen Inſtruction verſehen ,

die Abzießung des Polnis

fchen Handels aus England und den Vereinigten Niederlanden , in die Spaniſchen Provinzen , als nach Brabant und Flandern , tractatmåßig zu bes arbeiten . Er hatte deshalb im Plane, zu Deckung der Schiffahrt wider obige beyde Nationen , einen gen Meinung, die Engliſche Geſandſchaft in Danzig babe es berürket, daß die Danziger den Hanſetag in Lübec nicht beſchickt haben : allein dieſe Zuſammenkunft war ſchon bes endigt, da der Geſandte in Danzig angekommen ift , und bie wahre Urſache , daß das ganze Preuffiſche Quartier das mals vom Hanſeconvent ausgeblieben iſt , war der Anwes Tenbeit des Königs im Lande Preuſſen zuzuſchreiben.

1 382

Geſchichte Danzigs .

Schwedifchen Hafen art der Nordſee zu begehren, wo der König von Spanien eine beſtåndjace Sfotte von hundert Kriegsſchiffen zu Şalten gedåcyte rund damit zur Ausführung dieſes Vorhabens ungelaumt der Anfang gemacht würde , To follten alle Englis fae Sciffe die in den Polniſchen Seehäfen lågen , confiſcirt werden ,

wozu man wegen des Verluſts

der Danziger Schiffe vom J. 1589 einen gegrün, deten Vorwand zu nehmen befugt wåre. Weil aun Danzig als der beträchtlichſte Seehafen , ben dieſem Project unſtreitig :

war ,

am nächſten intereſſirt

ſo gab man auf dem Reichstage den Abges die früheſte Nach.

ordneten dieſer Stadt davon

richt. Von ihnen aber wurde dieſer Entwurf nicht nur was England und Holland betraf, von auſ ſerſt gefährlichen Folgen für das Seecommerz der Preuſſen befunden ,

ſondern auch die Entgegen.

fegung des Königs von Dänemark befürchtet, daß ſelbiger zur Abhaltung einer Spaniſchen Flotte aus den Swediſchen Gewäſſern , mit den weſte lichen Seemachten gemeinſchaftliche Sache machen , und wol gar durch Schließung des Sundes alle Communication mit den polniſchen Staaten ab . ſchneiden würde.

Hiezu kam noch , daß die Dee

putirten von Danzig einige vertrauliche Warnun , gen bekamen , in dieſer Angelegenheit äuſſerſt bea hutſam zu gehen , weil man polniſcher Seits die Stadt durch Aufhebung ihres Verkehrs mit Eng. land und Holland ,

in Verfall und Schwäche zu

bringen , und ſie alsdenn deſto eher unterjoden zu Wie weit nun dieſe den Polen Edhnen gedachte.

3

Bierter Abſchnitt. Drittes Capitel.

383

weder zur Ehre noche zum Vortheit gereichende Nysa Fichten gegründet geweſen fenn mögen , folches laſ fen wir in Ermangelung ſicherer Beweife dahin ge. ſtellt fenn ; ſo viel þat der Erfolg wenigſtens gee lehret, daß wenn nicht die Danziger Vorſtellungen allein ,

auch andre concurrirende Umſtånde den

Antrag des Spaniſ @ en Geſandten

fruchtlos gee 1

macht þaben , der ohne eine deciſive Antwort erhala ten zu Şaben , von Warſchau bat abreiſen müſſen .

Nicht lange darauf fing Danzig an , ſich nacho gebender gegen den Engliſden Hof zu betragen. Soldes veranlaßte , daß während einer abermalis gen Reiſe , die König Sigismund nach Some den

gemacht hatte ,

ein

Engliſcher

Geſandter

George Carrew an ihn zuDanzig eintraf, und nicht nur die Stadt des fernern Genuſſes der Hanſei ſchen Freyheiten in England , imgleichen der ungee Handlung mit Lebensbedürfniſſen und andern zuläßigen Waaren und Gütern auf Spa hinderten

nien verſiderte ;

ſondern auch

eignes Geſchäftes

deswegen nach Schweden zum Könige von Polen eilte , um ihm eben dieſe Entſd

úffe der Königin Eliſabeth vorzutragen , und zur Beförderung des Engliſchen Handels auf Preuſſen mehrere Vor ſchläge zu thun , die zum Theil vom Könige ange. nommen , theils auch bis zur Berathſchlagung mit den Polniſchen Reichsſtanden verſchoben wurden . Weil nun die Erecution des Kayſerlichen Mandats gegen die Engliſchen Kaufleute ſich eben damals in der erſten Bewegung befand, auch alle Sdiffaþrt und Handlung mit den Hanſeſtadten

1898,

3,84

Danzigs Geſchichte.

des Römiſchen Reichs , node in England verbotett waren ,

ſo gog gedachtes Gefandtſchaftsgeſchäfce

den Danzigern vom Hanſebunde einige ſcheelſüchtie ge Vorwürfe zu. Es wurde als unrecht angeſehen , daß Danzig fich unterſtünde , einſeitige Verträge mit der Königin einzuleiten , fo wenig es den Auf. trag gåtte ,

im

Namen der Stådte zu negociiren ;

und weil ſich ſchon ſeit dem vorhergehenden Jahre der Senior des Rechtſtådtſchen Schöppen - Gerichts George Liſemann als Abgeordneter der Stadt, in London befand, ſo wurde von deſſen Geſchäften nod meþr gemuthmaſſet ,

als ſich der Wahrheit

nace darin befand , um fo viel weniger , da Dan. zig der Polniſchen Geſandtſchaft Şalber ,

demſele

ben ſo gar ein Creditiv mitzugeben unterlaſſen ßat. te .

Bey dem allen, als Danzig fich ein paar Jahre

ſpåter sleutlicher erkläre hat , daß es die Königin von England zu einer allgemeinen Unterhandlung nicht ungeneigt gefunden fåtte, ſo iſt vom Bunde ſchriftlich geantwortet worden ; ,, daß er wol leis e den fdnnte ,

wenn von Danzig darüber fernere

,, Sewisheit eingezogen würde. “

Nur ſollten,

wenn es zu einer gåtlichen Negociation fåme , die Wiedererſtattung des Stallhofes , die Wiederher. ſtellung des Handels auf teutſchem Boden , und der Kayſerliche Conſens, zu den erſten Bedinguns gen dabey gemacht werden .

In der That iſt mit

Danzigs fernerem Fleiß und nunmehr berechtigtem

. Zuthun , im J. 1604 zwiſchen einer Engliſchen Geſandtſchaft und den Abgeordneten des Bundes , mit Zuzießung Kayſerlicher Delegaten , in Brement eine

1

.

Vierter Abſchnitt.

Drittes Capitel.

385

time Unterhandlung ersfnet worden ; weil aber die Engliſchen Geſandten ſich nur um die Gewogenþeic des Kayſers bewerben , den Städten hingegen viele misfällige Bedingungen vorgelegt þaben , zu gleicher Zeit auch die Königin Eliſabeth mit Code abges gangen iſt, ſo þat dieſer Unterhandlungscongres nach wenigen Wochen ein fruchtloſes Ende erreichet. Dafür hat ſich Danzig gebåtet, das gute Ver nehmen mit England , wozu ſchon eine günſtiga Anlage gemacht geweſen , unachtſam zu verſcherzen . Es befand ſich mit unter den fünf :)

Stådten ,

welche an den neuen König Jacob von Großbrita tannien eine fenerliche Geſandtſchaft zur Erneues rung ihrer Handelsfreyheiten abgeſchickt haben, und obgleich deren Aufnahme wegen Ermangelung Kaya ſerlicher Fürſchreiben , nicht befriedigend geweſen , ſo hat Danzig doch fortgefapren , ſich fernerhin mit flug gewählten Maasregeln , des Engliſchen Commerzverkehrs zu verſichern , womit zugleich die nåchſte Abricht iſt verknüpft worden , dem Monopol in Elbing , und der dortigen Niederlage der Enge Hiezu iſt zwar vom länder ein Ende zu machen . Könige von Großbrittannien Fein Verſprechen ges geben , ſondern vielmehr auf Bitten der Elbinger ein Anſuchen von ihm an den König von Polen zur

-

Erhaltung der dortigen Engliſchen Handlungsgee

.

fellſchaft ergangen ; was aber den König Sigiss mund den Dritten betrift, ſo Hatte derſelbe ſchon

Deren werden folgende fünf, Lübed , cfun , Hamburg , Stemen unb Danzig nahmjaft gemacht. Thuan, Lib. XXXI. ad at 1604. Geſch , Danz, ater Th ,

386

Danzigs Geſchichte.

im J. 1593 durch ſeinen Geſandten , 'Ben Krataus rohen Unterkåmmerer Stanislaus Ezykowski, unter andern vortheilhaften Anerbietungen an Dan . zig , die Verſicherung geben laſſen ,

daß wenn es

auch mit Schårfe geſcheßen ſollte , die Engliſchen Kaufleute von Elbing wieder nach Danzig můßten Es war nur hiemit der zurück gebracht werden . Antrag für die Einkünfte des Königs , auf eine Verhöhung des Seejolls unter dem Namen einer Zulage , worauf ſich die Stadt nicht hat einlaſſen können , verknüpft geweſen , und þienåchit gates fide auch das Begehren geåußert , alle Engliſche und Schottiſche Lacen durch Königliche Proviſo . Unerachtet nun unter fo uns ren Riegeln zu laſſen . bequemen Bedingungen , das Polniſche Geſandte ſchaftsgeſchäfte mit den Ordnungen der Stadt, feia nen Fortgang gewonnen hatte, fo 'war Sigismund dod immer noch geneigt geblieben , zur Aufgebung der Engliſchen Niederlage in Elbing , fein Könige Dergeſtalt iſt liches Anſehen zu interponiren . nach einer Verzögerung von etlichen Jahren , im J. 1603 ein erneuerter Vorſchlag in dieſer Sache Es war dem Könige regte von Hofe ergangen . deutlich vor Augen gelegt worden , daß der Englie ſche Handel auf Elbing ohne den geringſten Nußen des Königlichen Sựaßes geführt würde, und daß der Pfalfammer in Danzig dadurch beträchtliche Einfünfte abgingen.

Weil nun dieſem Verluſt,

durch ein Handlungsedict füglich abgeholfen wer den konnte , ſo iſt das Project gemacht worden , teine andre Engliſche Tücher und wollene Zeuge in

.

1

Vierter Abſchnitt: Drittes Capitel.

387

die Polniſchen Lande einführen zu laſſen , als die über Danzig gelommen , und das Pfalgeld ent richrét gåtten. Daſſelbe warð auch mit Königlicher Approbation, durď zwey Bevollmächtigte nach Dan . zig geſchickt, und ſollte mit dem Rath der Stadt geis nauer überlegt und zur Bewerkſtelligung gebracht werden . Weilſich aber dieſes Geſchäfte wieder an einer Anlage geſtoßen gat, die für dieSiegelung der Tücher, zum Nußen des Königs erhoben werden ſollte, wel de Danzig aber als einen neuen Zoll anſaße, der fo wol den Privilegien zuwider wåre , als auch in England Verdruß erwecken und der Kaufmann . fobaft beſchwerlich fallen dürfte ; ſo ſind die Abge fandten gendthigt geweſen, das communicirte Pro. ject an den König zurück zu nehmen . Nun þat zwar der Polniſche Hof nicht ſo gleich den Vorſak aufgegeben , ſich aus dieſer Sache einen jährlichen Gewinn zu verſchaffen , es ſind noch viele Berath fichlagungen darüber forigeſeßt worden , und unter andern hat der König für den Uebertrag der Enga liſchen Handlung nach Danzig , ein für allemal ein freywilliges Geſchenk von sooooo Gulden for dern laſſen ; allein dieſe Summe iſt hieſelbſt zu groß angelegen worden , und überhaupt hat man Zeit und bequemere Gelegenheit abwarten wollen , das Commerzberkehr mit England , ohne Nachtheil und Koſten wieder an ſich zu bringen , mozu auch in der Folge fich günſtigere Umſtände ereignet Haben . . Der oben gedachte Unterkammerer Czykowskt batte unter mehreren Empfelungsgründen ſeines Smuptgeſchäftes , auch einen Winf gegeben , daß

B6 3

i

Danzigs Geſchichte.

388

Dauzig vielleicht durch eine gefällige Bewilligung ber vom Könige verlangten Zulage , die Einfüb. rung des fremden Salzes in die geſammten Polnio ſchen Kronländer würde erhalten können . Unge achtet nun ſo weit weder die Meinung des Hofes > gegangen ſeyn mag , noc Danzig fich aufden Ger genſtand des

Geſandtſchaftsgewerbes

damaligen

bat einlaffen wollen ; ſo iſt doch in derſelben Zeic wieder , der über ſeeiſche Salzhandel ein wichtiger Vorwurf der Preuſſiſchen Landesbewerbungen gen worden .

Der Polniſche Salzverweſer Grabo:

wiecki hatte allen vom Könige Stephan verliehenen Freyheiten zuwider, abermals ein Königliches På. nalmandat ausgebracht, daß die Einfuhr und der Gebrauch des auswärtigen Salzes in allen Könige lichen Landen unterſagt bleiben ſollte , und dieſes Verbot war auc in Preuſſen verlautbaret worden . Da nun hiemit den Landesvorrecten offenbar Ein . trag geſchehn war , die Aufſeher auc fchon einige Partheyen Salz confiſcirt batten , und der Credit der Seebandlung dadurch geſchwächt worden , ſo wurde darauf gedrungen ,

daß die feene Verfüb.

rung des überſeeiſchen Salzes innerhalb den Preuf ſiſchen Grenzen,

und

eine abſolute Zollfreybeit

delfelben vom Könige beſtåtigt werden ſollte.

Der

König, hat auch dieſem Unſuchen durch Reſcripte an die Städte , und durch oft wiederholte Befehle an die Fordanſchen und andre Zolkaufſeher , ause: drůdlich und unbedingt nachgegeben ; aber nichts deſto minder ſind die Klagen über die widerrechte lichen Eingriffe der Zöllner und Salzverweſer, node

Bierter Abſchnitt. Drittes Capitel.

389

viele Jahre lang im Lande fortgefekt worden . Noche weniger Aufmerkſamkeit þæt man in dieſen Jahren, auf die vormals nothwendig, befundene Wafferar beit , ' am Mandeloď , graben gewendet.

oder dem neuen Weich féle

Danzig ztwar hat ſich ſeines

Seehafens und der bequemen Weichſelfahrt wegen , una låßig bemühet, den einmal hiefelbſt beſtimm . ten Verbeſſećungen zur Ausführung zu helfen, aber alle Vorſtellungen und gegründete Klagen der Stade find nicht vermogend geweſen, die Stände dafür in Activitåt zu fegen , ſtande zu bewegen.

und zum wirkſamen Beye

Weder die ſelbſteigne Beſich .

tigung des Königs; noch unterſchiedene von neuein ausgefekt geweſene Commiſſionen , auch nicht die Danziger ſeits mitgetheilten Vorſchläge , und zur Beurtheilung vorgelegten Riffe , Baben etwas 'ins Werk richten können, und menn ja einmal zum An : fang der Arbeit ein Schluß gemacht worden , ſo

1

ſollten alle Koſten dazu von Elbing und Danzig Şerben geſchafft werden ,

Unter dergleichen Erſchwerungen ,

1

und vielu

fåltig daraus entſtandenen Hinderniſſen des Com . merzweſens , fehlete es nicht an mehreren Vorfal. len ,

um derentwillen die Stadt Danzig

fich der

Landesprivilegien ſo wol , als auch der Vertheydi. gung eines und des andern ihrer ſpeciellen Frey . Þeitsrechte annehmen mußte . Wenn gleich Danzig wegen der ehemaligen Sumultſache, jego vom Ki . nige durch eine förmliche Amneſtie ſicher geſtellé murde , fo waren doch bey Gelegenheit dieſes un , glücflichen Berfalls ,

in den Polniſchen Staats : B6 3

Dunzigs Geſchichte

390

Verſammlungen Zweifel und widerwårtige Urtheile wegen des Beſaßungsrechts der Stadt, macht worden ,

rege ge

welche ihr nicht nur unverdiente

Vorwürfe vom Königlichen Hofe zuzogen , ſondern auch noch nåþere Schmålerungen ihrer Garniſons. freyheit befürchten lieſſen .

Danzig hatte dieſes

Recht feit der Hanſeatiſchen Einverbindung, in ungeſtörtem

Beſik ausgeüber ,

und war nächſt

1 eigner Beſchüßung,

ſelbſt den Königen von Po.

len , dfters mit Anwerbung und Verleyhung ihrer Soldaten behülflich geweſen.

Sigismund Au

guſt hatte ohne Widerſpruch dieſe Prårogative für rechtmäßig erkannt , und er wollte im

J. 1552

nur die Autoritåt dabey behaupten , den Oberſten Befehlshaber der Garniſon þieſelbſt

anzuſtellen ,

worüber er dennoch einen Revers gab, in Friedenss Reiten feinen andern , Danziger

als aus dea act ålteſten

Racksherren einen dazu zu ernennen .

Jekt aber þatte es das Unſehen , als ob Sigis : mund der Dritte der Stadt gar nicht zuſtehen wollte, ohne von ihm erbetene Bewilligung, Sols baten ben ſich in End und Pflicht nehmen zu dür: fen .

Es foſtete Mühe ,

dieſen Gegenſtand von

der Submiſſion Danzigs wegen der Tumultfacke zu trennen , endlich aber hatte der König die ihm darin

1998 .

gemad ten

Gegenvorſtellungen

ſtatt finden

laſſen ; und als er auf ſeiner Schwediſchen Reiſe zu Marienburg war , bekam die Stadt ein Privi. legium , worin die bisherige Differenz völlig nie dergeſchlagen , und ihr das Recht beſtåtiget wurs Der Kriegsofficiere und Soldaten zu ihrer Bes

1

Bierter Abſchnitt. Drittes Capitel.

391

Taßung anzuwerben , und ungeħiadere ben ſich in End und Pflicht treten zu laſſen . Wie habe es würtlich mit den Vortheilen des Königs verwandt geweſen , Danzig in einer Situa. tion zu bewahren , worin ihm von þier aus Ver thenbigungsdienſte geleiſtet und die Gemaltthätigo Feiten außerer Feinde abgehalten werden könnten , felches baben gar bald die nachherigen Ereigniſſe, ob wol nicht immer mit Vermeidung der übrigen Kriegscatamttåten , gelehret.

Scon

die jeßige

Rücretſe des Königs :wurde mit Widerwillen bes ſchleunigt, weil die Verwirtungen in Schweden ſeiner

dortigen

drohten .

Krone immer mehr Unſicherheit

Man hatte ihm daſelbſt Regierungsber

dingungen vorgeſchrieben , welche die ausſchlieſſen . de Erhaltung der lutheriſchen Religion zum Haupt. artikel enthielten ; weil nun der König bisher gang entgegengeſepte Maasregeln befolgt batte, ſo wur. den ihm vom Reichstage zu Jonkoping nochmals

1929 :

ſchriftliche Conditionen zugeſendet, die er entroes der ſelbſt erfüllen, oder ſeinen Prinzen Vladislav zur Erzießung nach Schweden ſchicken ſollte.

Sis

gismund aber würdigte die Schwediſchen Reichs. ſtånde feiner

Antwort ,

worauf

dieſe ihm vom

Reichstage zu Stockholm allen Gehorſam auffün . 14 Jul. digten ; und zur Erwartung ſeines Sohnes , noch eine

rechsmonatliche Friſt

feſt fekten ,

bis dahin

aber den Herzog Carl von Südermannland zum Reichsvorſteher ernannten .

Dieſer

bemåd tigte

fick mitlerweile des ganzen Schrediſchen Reichs, und ſelbſt Eſtýland ,

welches Sigismund aus

Bb 4

1600.

Danzigs Gefchichte.

392

Politik endlich an Polen abgetreten hatte, ging wegen Peſt und Hungersnoth ohne Schwerdſchlag verloren .

So wenig nun die Polniſchen Stande

geneigt waren , ſich in den Hauskrieg ihres Königs zu miſchen, auch keine Feindſeligkeiten wegen Eſtha land anfangen wollten ,

ſondern nur ein ſchwaches

Kriegscorps abgeſchickt hacten ,

um die Lieflàndia doch

eben Herzog Earl fich noch in Eſtbland befand, daß der Woywod“ von Wenden ,

George Faha.

fensbach , k ) vielleicht kraft eines geheimen Uufá trags vom Könige, ſich mit den Schwediſchen Vora truppen in ein Scharmügel einließ , und als er vom Herzoge wegen ſeiner Ordre dazu befragt worden , nicht nur keine Antwort ertheilte, fondern auch den Herzoglichen Geſchäftstråger gefänglich an den König Sigismund überſchickte.. Earl folgerte demnac aus dieſem Verfahren , daß die Republik Polen würklich den Krieg gegen ihn beſchloſſen gåt te , und um dem

feindlichen Anfall vorzukommen ,

růdte er zuerſt in Kiefland ein ,

und eröfnete das

mit den verderblichen Krieg, der Polen und Preuſ fen fechszig Jahre lang , mit unterbrochen wieder Holten Unruhen beläſtiget hat. Bereits zu Anfang der Schwediſchen Staatsia håndel ; Hatte König Sigismund den Danzigern die Zufuhr und alle Handelsgemeinſchaft in dieſes 1601.

Reich unterſaget:

jekt wurden gedachte Befeble

1 ) Er ward -auch Fahrensbeck genannt , und iſt eben derfele be, der im Batoriſchen Kriege, der Stadt Daniig elé Felbs Obrifter gebient bat.

1 Vierter Abſchnitt Drittes Capitel.

393

an die Preuſſiſchen Ståbte erneuert , und Danzigi ward theils ſeines Hafens , theils der Seeküſte weni gen aufgefordert ; dieſelbe gegen eine Schwediſche Landung zu deden . Danzig verſprach dem nige hierin deſſen

Koda

allen Gehorſam und Treue ; was aber

Vorſchlag zu Ausrüſtung einer Flotte bes

traf, fo wurde folches mit Unvermögenheit der Stadt und des Landes , wie auch mit der Beforga nis den Feind dadurch zur Störung der Schiffahrt zu reizen , abgelehrtet, um ſo viel mehr, fog Earl würklich

ſchon

da Heti

an den Rath zu Danzig

geſchrieben und eine Erklårung verlangt batte; weſſen er ſich von Seiten der Stadt zu verſehen þåtte.

Der ausgebrochne Krieg in Liefland rourde anfangs für Polen glücklich geführet, und noci einmal erbot ſich das Schwediſche Reich, dem Prin: 1602

zen Vladislay die Krone zu übertragen ; als aber auch hierauf gar keine Erklärung vom Polniſchen Hofe erfolgte , fo teug màn eeft dem Prinzen Jos hann einem Stiefbruder Sigismunds die Re gierung an , und weil dieſer dieſelbe ausſchlug , fo kam es innerhalb Perlauf eines Jahres ſo weit, daß kraft des Norköpingſchen Reichsſchluſſes , der König von Polen mit feiner ganzen Nachkommen : ſchaft auf ewig von der Swediſchen Krone aus . geſchloſſen , und der Herzog Carl für ſich und feine männlichen Erben auf den Thron gefekt wurde. Mit wiederholten Vorſtellungen fchrieb dieſer neue König an Danzig , daß man ein freundſchaft liches Betragen gegen ihn beobachten möchte, uno trug zugleich Freyheiten und Vortheile eines wipe BOS

1604.

394

Danzigs Geſchichte.

ber:zu erdfnenden Handlungsverkehrs 'an , fo aber mit beſcheidenem Danke von der Stadt abgelehnt wurde.

Inzwiſchen fingen Schwediſche

Kriegs.

foiffe an , die Seefahrt ihrer Feinde unſicher : zu machen .

Der erſte Angrif traf 72 von Riga fom

mende Rauffahrer,

deren 21 bey Pernau aufgee

bracht wurden . Bald darauf legten ſich fünfSomes. diſche Kutter außerhalb dem Danziger Hafen vor Anfer ; und deren ein größeres Kriegsſchif, das in der See freuzte, um fechs Lübeckern aufzupaſſen , von denen es hieß ,

daß ſie Pulver und Munition

für Polniſche Rechnung nac Liefland führen ſolla ten ; dieſes ward aber als ein falſmes Gerüchte bear funden , worauf ſie die Anfer dufþoben , und bey Roſehoved etliche nach Dangig gebende Soiffe ana pielten, die 'doch nach einiger abgenommenen Mundo proviſion , wieder frey, wurden . Indeſſen famen jene mit einem

vorgehabten Anſchlage auf Pukig,

wieder unter Hela zurüc , doch traf die biezu er. warte Mannſchaftnicht ein , und ſie verlieſſen die Preuſſiſche Küfte, nachdem ſie unterweges noch drey von Danzig mit Korn geladene Soiffe gea nommen hatten , die ſie mit ſich nach Pernaú zurüde Auf dem nächſtfolgenden Reichstage zu

führten .

1605. Warſchau , mutheten einige Reichsråthe den Dane

1

sigern zu , an Sweden offentlich den Krieg zu er . flåren ,

aus beygefügtem Grunde , daß alsdenn

der geſammte Hanſebund gegen dieſes Reich wür de die Waffen ergreiffen müſſen ; allein Danzig bata te fråftigere Gründe , dieſes Argument zu zernich teit, und zeigte die augenſcheinliche Gefahr, welche

Bierter Abſchnitt . Drittes Capitel.

395

ohne dem Könige damit einen Dienft zu erweiſen, dem ganzen Lande Preuſſen dadurch bevorſtehen würde.

Das Jahr darauf erſchienen wieder zwölf 1606

Schwediſche Kriegsſchiffe , vor dem Danziger HQ fen , und hatten die Abſicht ſich einiger Fahrzeuge zu bemachtigen , die zum Dienſte des Königs vom Pubiger Staroſten Johann Weyher , in Preu ſen waren bemannt worden , weil dieſe ſich aber in einer vortheilhaften Lage zurüdhielden , fo konnte ihnen weder jeßt , noch ein zweytes mal ,

da die RSoweden mit 19 Schiffen in der Gegend von Heo la ſtreiften ,

einiger

Saden zugefügt werden .

Nunmehr war auch die Krönung Herzogs Carl zu Upſal vollzogen , und er ließ den Polniſchen Stånden , Frieben oder Stilſtand wolmeinend an . tragen , dieſe aber Bezeigten bey iþrem Kriegsglück in Liefland dazu wenig Gehör , und erſt zwen Jahre ſpåter wurde das wiederholte Anerbieten eines Waf. fenſtilſtandes nach

einigen Unterhandlungen der

beyderſeitigen Generalitåt angenommen , ſo lange bis die regierende Bjerren ſelbſt Gegenbefehle darin einſchicken würden . $ Von benden Theilen hatten die Staatsverån. derungen in Moscau auf dieſen Interimsvertrag einen Einfluß.

Schweden ſtrebte nach der Ge.

legenheit , die Ruſſiſchen Unruhen zu neuen Erobes rungen zu nußen , und der König von Polen war nur bisher durch ſeine innerlichen Reidystroublen von der Einmiſchung in die Demetriſchen Händel abgehalten worden ,

vermittelſt 'welcher' er feinen

Sohn Vladislav auf den Rufiifchen Thron ju

1609.

Danzigs Geſchichte.

396

fegen gedachte.

Es fam ihm in der Folge zu ſtate

tent, daß Schweden durch den unvermutheten Ueber . fall des Königs von Dänemark ,

noch eine neue

Beſchäftigung bekam ; denn obgleich Chriſtian der Vierte den Seehandel auf Preuſſen zu ſtören an . gefangen ,

1

und bereits einige Danziger Schiffe Kat

aufbringen laſſen , Vermittelung ,

ſo iſt man doch durch fernere

diefer Beſorgnis entledigt, inſon .

Derheit aber der König von Schweden biß an ſeis nen

Tod ( 1611. ) verhindert worden ,

feligkeiten in Liefland zu erneuern .

die Feinds

Deſto furchte

) barer war der

Rokofg. 1) in Polen geweſen , wele

den Sigismund ſich mit feiner zweyten Vermåh. Tung , Batte.

und durch

andre Staatsfebler zugezogen

Die Provinz Preuſſen þat daran gar keis

nen Antheil genommen , aber das Misvergnügen Der Polniſchen Nation ging ſo weit, daß dffentliche Feldzüge daraus erfolgten , und erſt nach Verlauf eines Jahres die innerliche Ruhe wieder hergeſtellt wurde ( 1608 ) .

Der Konig hatte alſo von allen

Seiten mit Feinden zu thun , und wenige Jahre fpåter iſt er auch zur Wiederherſtellung eines alten Kronrechts auf die Moldau ,

in einen beſchwerlie

den Krieg mit den Türken gerathen. Dowol nun die Provinz Preuſſen ſich von allen diefen Staatserſchütterungen ſo viel möglich ento fernt "zu halten bemüßt war ,

ſo

lieſſen

ſich doch

nicht alle Ungelegenheiten vermeiden , mit welchen !) Eine Verbündung, welche die frege Nation , zur Defense fion der Grundverfaſſung des Reichs, gegen den König felett tu errichten behauptet.

4

Bierter Abſchnitt. Drittes Capitel.

397

it Bedrudung des Reichsförpers, die einzelnen Gliedmaßen deſſelben gepreßt wurden .

Die be

ångſtete Religions , und Gewiſſensfrenheit , die tåglich zunehmende Verderbtheit der Münzen , die unerſchwingliche Auflagen und Kriegscontributio. nen , nåchſt den allgemeinen Calamitåten des Kriea ges , waren belåſtigend genug ,

um den Zuſtand

des ganzen Landes ju deterioriren ; aber noch ſehr viele Widerwårtigkeiten kamen hinzu , welche der Provinz Preuſſen allein , in ihrer innerlichen Vera faſſung zur Laſt fielen , und wofür ſie ſich im Vere luſt der alten Preuſſiſchen Eintracht, am wenig , ften zu ſchüßen vermoçte.

Dieſe Staatsübel wur .

den insbeſondre pon den dren Großen Städten bex Herzigt, fie ſahen ſich auf allen Seiten mit Sffentli den Gefahren umgeben , und um wenigſtens , ſo viel es die innerlichen Kråfte noch erlaubten , iş. rem gånglichen Verfall vorzubeugen , ſo errichteten

3

file nad dem Beyſpiel der Kreuzberriſoen Zeiten , eine ſpecielle Union unter ſich , vermoge welcher ſie

I

in allen critiſchen Vorfällen , mit Gut und Blut

V

einander Berſtand zu teiſten verſprachen .

Dieſes

Bündnis ward zu Danzig errichtet, und eben auch von Danzig vorzüglich befördert , und unterſtüket. Die Rechte des Königs und die Treue gegen den . ſelben wurden aufs träftigſte geſichert :

hienächſt

maďten die Landes . und Stadtprivilegien nebſt der Religionsfreyheit ,

die erſten Hauptartikel;

eine

eigene Geldcaſſe der Stådre wurde unter Direction und mit allen Erforderniſfen eingerichtet ; ferner wurde die gegenſeitige Hülfsleiſtung,

1614

ohne allen

1

1

Danzigs Geſchichte.

398

Eigennuß und mit ſorgfältiger Pråciſion beſtimmet'; auc gemeinſoaftliches oder eignes Gewerbe follte den Einfaſſen einer jeden Stadt in der andern zu treiben erlaubt reyn ;

eine Stadt ſollte die andre

für Schaden warnen , und ihr Beſtes zu befördern bemüher reyn ; zehn Jahre lang ſollte dieſer Bund, und ſelbſt im Fall einer feindlichen Leberwältigung fortdauern , alsdenn aber entweder verlängert, oder öhne Nachtheil der bisherigen Vertraulichkeit auf. gehoben werden . zum den ;

In der That iſt derſelbe bis

J. 1623 mit unverlegter Einrichtung beſtan. die ſpåtern

Conjuncturen aber Haben nicht

nur deſſen Erneuerung zurůd gehalten ,

ſondern

auch manchen Zweifelsknoten in die wechſelſeitige Freundſchaft und das Zutrauen der Großen Städte eingeflochten .

Bierter Abſchnitt.,

Biertes Capitel. 399

Viertes

Capitel.

Erneuerte Mishelligkeit in Danzig wegen der Reformtrten Glaubensgenoſſen es entſteht daraus ein Rechtspros seß am Koniglichen Hofe – der König ſchickt einen De kegaten bieber - vergebliche Bemühungen zur Sühne + der Rechtsſtreit geråth in Steden - Abnahme der rer formirten in Kirchen- und Civilämtern - Königliches Neuer Streit mit dem Bio Mandat gegen dieſelben Offentliche Verther: ſchofe wegen des 'Nonnenkloſters Päpſtliches Privilegium digung der Religionsfreyheit der Danziger - Sorgfalt für Danzigs Seecommerz , Vergleich mit der Engliſchen Handlungsgeſellſchaft .

Der Ausbruch des nachbarlichen Kriegsjammers machte in Danzig doch nicht Eindruck genug , um den innerlichen Frieden dafür deſto feſter zu halten . Die Zerrüttungen unter den beyden Parthenen der Proteſtantiſchen Einſaſſen ,

waren bisher mit fole daß man die

der Heftigkeit fortgeſegt worden ,

Königliche Autorität zu Hülfe gerufen ,

und es

beynabe zu einer Polniſchen Staatsſache gemacht Þacte ,

über die Berechtigung der Evangeliſchen

Kirchengemeinden zu entſcheiden.

Weil ungefehir

üms J. 1604 die Epoche eingetreten iſt, daß die Anzahl der Reformirten

in den bürgerlichen und

Tirchlichen Aemtern und Bedienungen der Stadt, " ihren Gipfel erreicht batte; fo war ſeit dieſer Zeit von den Lutheranern keine Motion unterlaffen wor. den , um den weiteren Progreß ſolcher Einwahlen In Kanzel und Aemterbelegungen zu ßemmen . reden und Hausermahnungen ſtellten

die lutheri

fchen Prediger die davon beſorglige Gefahr der

Danzigs Geſchichte. Kirche rect; fürchterlich vor. wurden dadurch in

Alle Volfsſtånde

Bewegung geſegt,

ein jeder

wollte an den Predigerbeſtellungen Theil nehmen, und es wurden Zweifel aufgeworfen , um tronatrecht des Raths zu beſtreiten .

das Pa.

Bell man

euch mit Vorſtellungen und Suppliquen an den Rath, ſeinen Zweck nicht erreichte, ſo wandte man fidh an die dritte Ordnung, der im I. 1604 funfa xhn Bitefchriften von den einzelnen Ordnungsa quartieren ſo wol , als von der Kaufmannſchaft, der Kramerzunft und den Hauptgewerken nebſt eis nigen einverleibten Gewerken , überreicht wurden. Sie zieleten insgeſammt auf Abſchaffung des Re formirten Kirchendienſtes , und Entſegung der ans gefeindeten Prediger, und ſie wurden von den Quartiermeiſtern dem Rath -vorgetragen.

Dieſer

bezeigte ſich zwar bereit , für den Kirchenfrieden zu ſorgen , ließ auch die beſchuldigten Prediger vor fich fordern , verſtattete ihnen aber ihre Vertben, digung, und verzögerte die nåßere Erklärung auf die empfangenen Suppliquen. Darauf nun iſt die Ünzufriedenheit der

Bürgerſchaft þóber geſtiegen .

Selbige hat förmlich gegen den Rath proteſtiret, und Proteſtationen und Reproteſtationen Baben ihrer Sache die Geſtalt eines Rechtsſtreits mit der Obrigkeit gegeben , der in kurzem am Königlichen Hofe iſt angångig gemacht worden . Eine Bürgerdeputation ! nach Krakau ,

bey

welcher Eberhard Böttcher das Wort geführt gat, brachte es durch mündliche und 'rohriftliche Implorationen , nach

einigen Verzögerungen die bey

i

#

Vierter Abſchnitt. Blertes Capitel.

401

ben Hofe mit der Antwort gemacht wurden, enda tich dahin ,

daß der König fich erklärte ,, es folle

î, geſchehen ."

Ein Königlicher Secretair, Sas muel Laski wurde abgeſchicket, die Religionshån del zu unterſuchen .

Er brachte eine Inſtruction haup welc tſäc mit, he hlich die Aufrechthaltung der Augſpurgſchen Confeffion zum Fundament hatte, hiebey aber ſuchte er mit ſeiner Anrede fo wol, als im übrigen Verfahren, ein freundſchaftliches Uebere einkommen zu empfelen , und die Religionsfpale tungen zu heben , ohne sich insbeſondre für eine oder die andre Parthey zu erklären . Das Mis fallen , fo die Lutheriſchen Bürger hierüber bezeig ten ,

verhinderte den Fortgang feines Gewerbes ;

Laski felbſt ſchien ſolches zu fühlen , er fchükte eine nothwendige Abreifung in andern Geſchäften vor , und verſprach ber feiner Rückkehr die Sache zu endigen .

Man wartete aber ſolches nicht ab ;

die Bürger hatten ſich eine Citation nach Hofe ofe fen behalten , ſie machten davon ſelbſt gegen den pråfidirenden Burgermeiſter Brandes und andre Reformirte Rathsherren Gebrauch, und der Pro . ceß wurde aufs neue fortgeſeket. Weder die wie, berholten Ermahnungen des Delegaten Laski nach Feiner Zurådkunft, noch die wolrathenden Zuſohrif ten einiger Evangeliſchen Herren vom Polniſchen Hofe, noch auch das Königliche Friedegebot vom S. 1606 , welches in Form eines Edicts , durch Anſælag am Artushofe und an der Pfarrkirche publicirt wurde , haberi die ſtreitenden Parthenen für Ruhe gebracht.

Es war ſchon die dritte las

Gefch. Danz. ater Th .

Danzigs Gefchichte .

402

dung bey Hofe ausgebracht worden ; weil aber det Rokofs in Polen die Reſolution des Königs von Zeit zu Zeit aufgehalten

þat, weil auch mehrere

Mittel zu Abwendung eines executiven Verfahrens gebraucht worden , ſo iſt es in der Folge mit dem abgeſprochenen Contumazdecrèt nicht zur Vollzie. þung gekommen .

Der Verzögerung des Proceſſes

iſt ſelbſt die klagende Parthey zulekt überdeåffig ges worden ,

und andre Umſtände find gingu gefom

then , unter denen man aufgehört þat, die Obrigo teitlichen Autoritätsrechte mit den Kirchenſtreitigo Dagegen iſt noch im . teiten zu compromittiren . mer fortgefahren worden ,

mit mündliden Vors

ftellungen und in Bittfriften , gegen die Hemter . belegung mit ſo genannten Calviniſten zu eifern , und die Federkriege zwiſchen einigen Predigerer find nun zum ſtårkſten Ausbruch gekommen ,

bis der

Rath durch ein Edict vom J. 1615 , ein Verborg auf alle Streitſchriften in dieſer Sache gelegt hat. Nicht wenig hätte es zur Beförderung der Rus He beytragen müſſen ,

daß feit dem

J. 1605 die

vacant gewordenen Stellen in Kirchen - und Scule åmtern ſo woi , als felbft im Magiſtrat und an dern

Bedienungen der Stadt , größtentheils mit

ſtrengen Lutheranern

ſind befekt worden.

Dem

dringenden Anhalten der großern Menge der Bürs gerſchaft tonnte Obrigkeitlicherſeits nicht mit beſſer rer Circumſpection nachgegeben werden ; allein ro natürlich und mit ſo menſchlicher Ueberlegung fole des auch zuging , fo ſuchte man doch mit jeder era ledigten Amtsſtelle , oder mit jedem

merkwürdigen

Vierter Abſchnitt.

Viertes Capitel.

Codesfall eines Reformirten ,

403

ein unmittelbares

Strafgericht der Götclichen Fürſebung zu verknüe pfen , und alles deſſem ungeachtet ließ man nicht nad , um eine völlige Ausforderung der Reformir . sen Glaubensgenoffen zu ſollicitiren. Im J. 1612 wurde eitt Königliches Mandat ausgebracht , wels Mes dieſelben von allen Obrigkeitlichen Aemternt ausſchloß , und zugleich einen Unterſchied zwiſchen den Ealviniſten und den Augſpurgſøen Confeſſions Verwandten , mit ausdrücklicen Worten beſtimm te .

Hier tritt demnach der eigentliche Zeitpunkt

erſt ein , ſeit welchem die bisherige bürgerliche Vers mögenheit der Reformtrten zu Danzig,

in Ab

nahme gerather iſt.

Es mußte ſich zufällig tref fen , daß eben um dieſe Zeit , zum Belehnungsgée foäfte mit dem Churfürſten Johann Sigismund im Herzogthum Preuſſen , eine PolniſcheCommiſ fion nad Königsberg war geſchide worden .

Man harte dafelbft unter den übrigen Bedingungen ', et den Artikel wegen der Reformirten Religionsver.

:

wandten verglichen , und es war in den Landtags ſchluß eingerückt worden ,

daß blos die Römiſch

catholifdhe und Lutheriſche Religion im Lande ben recortgt, alle Zwinglianer , Calviner , Wiedertåut. fer und andre Sectirer aber , von Bekleidung der Ehrenamter und Bedienungen ausgeſchloſſen reynt folleen .

1

Auf dem Warſchauer Reichstage 1613

warb dieſer Commiſſions , Receß den

Conſtitutio

nen einverleibet, und obgleich die Evangeliſcher Retdysſtånde ſchriftlich dawider proteſtirten , ſo laße ficy dod leicht ſchlieffen , daß dergleichen Eingriffe

1613.

404

Danzigs Geſchichte

in den Sendomirſchen Conſens und in die Bar foauer Religions - Conföderation, in Polen To wol als in Danzig , das Anſehen und die Rechte der Reformirten

noch mehr þerabwürdigen mußten .

In Oſtpreuſſen hat freylich dieſer Religionspartþey, der öffentliche Beytritt des Churfürſten von Bran. denburg zu iþrer Kirche, febr bald eine uneingea ſchrånftere

Freyheit

verliehen ,

aber in Danzig

hat es mit oft erneuertem Unfrieden noch viele Jah. re gedauert, ehe ſie entweder vertragsmåßig , oder in freywilliger Befolgung beſſerer Benſpiele , dea nen der Weſtphäliſche Frieden die Richtſchnur ges geben ,

Rich eines

bürgerlichen

liebreicheren Betragens in der

Gemeinſchaft

zu

erfreuen

gehabt

Haben . Außer den Proteſtantiſchen Religionsirrungen, war auch der Biſchöfliche Kirchenzwiſt wegen des Brigitten - Kloſters wieder angefacht worden .

Die

Jeſuiten waren eine Zeitlang aus Danzig entfer. net geweſen , aber feit einer iğnen zu Gunſten ges machten Conſtitution vom J. 1607 ,

hatten ſie

Mittel geſucht, mit Beyſtand der Nonnen ſich wie. der einen Zutritt zu verſchaffen.

Die damalige

Aebtiſſin war iğnen biezu nicht günſtig , wofür dies felbe durch Cabalen und Ränke ihr Amti niederzu . legen genöthigt , und eine willfårigere

Debriſſin

dem Kloſtercondentaufgedrungen wurde ( 1611 ) . Daraus aber iſt eine Spaltung im Kloſter entſtan den , bey welcher der Rath zu Danzig fein Patro natrecht behauptet hat.

Die neue Uebtiſſin mußte

mit zwen Nonnen ihres Anhangs das Kloſter råu .

Blerter Abſchnitt.

Viettes Capitel.

405

men , und bald darauf verlieſſen noch acht Jung .

i fern daſſelbe aus eigner Bewegung.

Nun wurde

dem Rath zur Laſt geleget, er gåtte die eilf Klos ſterjungfern mit Gewalt ausgetrieben ; von den Jeſuiten wurde die Sache mit åußerſter Verlegung der Kirche und der Religion

angeſchwärzet, und

der Cujaviſche Biſchof Lorenz Gembicki unterließ nicht, den Kirchenproceß wieder anzuſtrengen , den vier ſeiner Vorgånger beynahe ſchon verlaſſen Gate ten,

Danzig bekam von neuem eine Ausladung

nach Hofe , und auf dem nächſten Landtage zu Ma. rienburg þatten deren Abgeordnete einen harten Kampf auszuſtehen , woben ſie endlich nur verhin derten , daß nic ;ts davon in die Landesinſtruction eingerückt wurde.

Das Jahr darauf þat man ſich

doch zum Vergleich bequemen můffen : der Tod der Webtiffin þat ſelbigen erleichtert, man hat

alten

nun die auf Vorſchub der Jeſuiten ernannt gewes ſene Catharina Engelsdorfin durch Biſchöfliche Commiffarien einweiſen laſſen, dem Biſchofe ſelbſt hat man fich gefällig gemacht, die Jeſuiten ,

welche in der

dafür aber gegen

Nonnenkirche fchon

wieder geprediget und Meſſe geleſen

Gatten ,

ein

abermaliges Remotionsedict in der Stadt publici ret.

Der nachfolgende Bifchof Paul Wolucki

Hat zwar iin J. 1618 auf Anſtiften der Nonnen den Streit von neuem rege gemacht, und einer vom Rath geſchehenen Wahl zmener neuen Vorſteher

des Kloſters widerſprochen , es find darüber Ponal- Décrete auf ſchwere Geldſtrafen er. gangen ,

auch die Verwaltung der Nonnengüter Cc 3

1

Danzigs Geſchichte.

406

dem Biſchofe völlig zugeſprachen ; allein die Stadt þat ſich von Jahr zu Jahre mit Appellationen und Vorſtellungen an den König geholfen , und im 3. 1623 Find dem Biſchofe acceptable Punkte zu ein nem gåtlichen Vergleich vorgeflagen , womit es auf einige Zeit iſt zur Ruhe gebracht worden . Während dieſen Danziger Streitigkeiten ſo wol ,

als unter mehreren Kirchenfehden ,

womic

die Großen Städte in Preuſſen beångſtiget wur . + den , bat fich auch mancher merkwürdige Auftrite zur Verthendigung der Religions , und Gewiſſens Freyheit der Evangeliſchen Einfaſſen ereignet. Ine 1615: ſonderheit verdienet hier angeführt zu werden , was auf dem Reichstage zu Warſchau vorgefallen iſt, als die Städte

Thoru und Danzig ,

bey Gelegena

heit der åber Elbing ergangenen Achtserklårung, ein eignes Memorial wegen ihrer Religionsange, legenheit , den geſammten Reichsſtänden vorgelegt þatten . Obgleich wegen einiger angreifenden Alus. drücke gegen den Jeſuiterorden , die öffentliche Les fung dieſer Rechtfertigungsſchrift nicht bis zum En de verſtattet worden , ſchiedene,

ſo fanden ſich doch unter:

ſelbſt Catholiſche Landboten , welche die

Evangeliſche Religionsfrenheit verfochten , und es der ganzen Krone zur Verkleinerung auslegten , daß man die Städte deshalb beſchimpfte, oder mit . Peken wollte.

Unter andern aber trat ein Fürſt

Janus aus der Familie Radzivil auf,

der die

Religionsverbindungen der Polniſchen Nation zur Seit ſeiner Vorfahren erhob , treffende Beyfpiele

3

" Vireter Abſchnitt. vom

Biertes Eapitel.

497

Schaden der Kirchenverfolgungen darlegte,

und die toleranten Maasregeln einiger Römifocam tholiſchen Potentaten ruhmwürdig hervor fog .

Er

tam insbeſondre auf Danzig , und legte ein Päpſt liches Privilegiüm auf, fraft deffen die Danziger durch ganz Italien iþres Glaubens wegen unangea fochten ſeyn ſollen , und welques damals der Långe nad in der Landbotenſtube iſt geleſen worden .

Ju

Wahrheit hatte Papſt Clemens der Achte , als die Danziger feine Staaten , zur Zeit einer großer Getreydetheurung, durch Zufuhr auf Genua , Li vorno und Civitavecchia , reichlich mit Polniſchen Korn verfeben Gaiten , zur Erkenntlichkeit dafür, im J. 1993 ein Privtlegium ertheilet, womit den Danzigern, nebſt der Zollfreyheit und einem fichern Aufenthalt in allen påpftlichen Landen , auch durch ganz Jtalien eine uuverlekbare Religions , und Ges wiſſensfreybeit zuerkannt wird.

Ein faſt ähnli

!

des Privilegium þaf Danzig im J. 1597 vom Doge zu Venedig Marino Grimani befommen , und mindeſtens iſt bey auswärtigen . Måchten ro wol , als in Anblick der Krone Polen , Danzigs Staats- und Religionsfreybeit,

damals in groſ

1 ſerm Werth und Anfeßen geweſen , als ſich in neu . ern Zeiten , gleich ſtarke Zeugniſſe davon antreffen laffen .

Eine Sorgfalt, welche dieſer Zeit ebenfalls Danzig in den Augen Europens betråchtlich erhielt, erſtreckte ſich immer mit vieler Aufmerkſamkeit, über die Erhaltung und Ausbreitung des Seegan . vels .

Die Däniſchen

Meeresſtörungen þatter CC 4

Danzigs Geſchichte.si,

408

bald 'ohne fonderlichen Verluſt wieder aufgehörer, mit Sweden war man bisher noch wichtigen Vere wickelungen entgangen ,

und hatte vielmehr wie

derholte Verſprechungen einer freyen

Schiffahrt

bekommen , der fremde Salzhandel wurde Polnin fcherſeits nun freyer gelaſſen , und Spanien wat aus eigner Bewegung geneigt, das Commerz mie Preuffen zu vergrößern , aber bey dem allen war Danzig noch fehr daran gelegen , der fruchtbaren Handlung mit England wiederum mächtig zu wera den , und hauptſächlich die Engländer aus Elbing mit dorten ziehen .

aufzuhebender Geſellſchaft an ſich zu

Das Intereſſe des Königs von Polen

war damit verknüpft, der Ktone Großbrittannien trat foldes mindeſtens nicht entgegen , und es tam größtentheils auf den Vergleich an , wie ſich Dan . zig mit den Engliſchen Kaufleuten würde einigen können . Hiezu nun wurden von Zeit zu Zeit die möglichſt dienenden Maasregeln genommen . Bald nad den legt gedachten Vorſchlagen des Königs von Polen , fam wieder ein Königlicher Secretair 1616.

Jacob Szepanski nach Danzig, und brachte un ter andern Punkten die gerade Erklärung mit, daß die Aufhebung der Engliſchen Gefellſchaft zu El. bing , am Hofe völlig beſchloſſen worden , weswe gen Danzig eine Einrichtung treffen möchte, die Engliſchen Kaufleute bey fich aufzunehmen .

So

geneigt man ſich biezu gleich anfangs bezeigte , Find doch einige Jahre verfloſſen , eße es zu würfe lichen Tractaten darüber gekommen ift. Erſt im F. 1622 baben ſich drey Abgeordnete von der Eng.

Vierter Abſchnitt. Biertes Capitel.

409

lifoben Compagnie pier eingefunden , fie haben ein nen Verſtattungsbrief vom Großbrittanniſchen Ho: fe mitgebracht, und find mit einer dazu ausgeſeka ten Deputation , zu Danzig in Unterhandlung ges treten .

Auf freye Reſidenz und eigenen Heerd oder

Wohnung ,

auf frenes Religionserercitium mit

Haltung eines ſtimmte

eigenen Predigers , ' und auf bei

Handlungsfrenheiten ,

bezogen ſich

zehn Hauptpunkte welche ſie vorgelegt haben .

die Un .

terdeſſen ſind noch verſchiedene Sowierigkeiten ein . getreten , wodurch das Geſchäfte iſt verzögert wors den. Die Engländer haben ſchon Miene gemacht, fich nach Stettin oder Königsberg zu begeben , und ihr Agent Franz Gordon hat im J. 1626 eini ge Bitterfeiten wegen Vernachläßigung der Engi tijden Nation einflieſſen laſſen .

Endlich iſt im Fi

1 : 627 ein Schluß der Ordnungen in Danzig zu

}

ihrer Aufnahme gemacht worden , und das Jahr

!

darauf wurde es ſogar zu einer Polniſchen Reichs

1

Conſtitution , daß die Engliſche Handlungsgeſelle fqaft in Elbing und in allen Preuſſiſchen Städten

1

aufgehoben ſeyn , und nach Danzig verlegt werden follte, damit alle Engliſche und überſeeiſche Tücher ben Strafe der Confiſcation , nur durch den Dan. ziger Hafen nac Polen geführt, und von der Stadt

1

Danzig geſtempele würden.

1

Dennoc iſt das Vergleichsgeſchäfte allererſt im J. 1631 zu Stande gebracht worden. Der

1 dazu berüber gekommene

1

Großbrittanniſche Ge

fandte Theophilus Eaton war mit der Tuchſiege. lung unzufrieden geweſen , Gatte auch darüber die CCS

J

410

Danzigs Geſchichte.

Ehrengeſchenke von der Stadt zurůd

gewieſen ,

und den Tractat faſt zwen Jahre lang unterbrochen , Endlich aber iſt derſelbe mit folgenden Hauptpunt. ten geſchloſſen :

Vorerft wurde die Anerkennung

der Obrigkeitlichen Gerichtsbarkeit in bürgerlichen Håndeln und Criminalfällen beſtimmet, außerge. richtliche Handlungs- und Hausangelegenheiten der Engliſchen Geſellſchafter aber , zur Erkenntnis der Reſidenz vorbehalten ; der Director und der See cretair der Societåt bekamen eine bequeme Boh. nung unentgelblic ,

und von allen Auflagen be.

freyet ; die Caration der Engliſchen Tücher blieh den Pfalherren mit Zuziehung der

Geſellſchaft,

und nicht båber als auf zwey Procent åberlaffen ; frene Handlung ward den Engliſchen Kaufleuten brey mal im Jahre zugeſtanden , zehn Cage lang auf Pfingſten ,

auf Laurentii und auf Martini;

Strome und Wege frey zu befahren , Compagnie

nicht verſtattet ;

ward der

Eigen Feuer und

Heerd zu halten ward nur den Verheyrathéten er . laubet ; zur Abtragung des hundertſten Pfennigs wurden die Engländer von eignem Vermögen , nicht pon committirten Gütern verpflichtet; und zur Zah. lung des Zehnten ,

von ausgebender Verlaſſen :

fchaft eines Verftorbenen , nicht wegen veränder ten Wohnſikes ;

die Erbſchaftsmaffe eines Ver.

ſtorbenen ſollte in Gempahrſam des Burggrafen und des Raths bleiben ,

Commiſſionsgut aber gegen

fichere Documente oder Bürgfobaft den Eignern perabfolget werden ; die Königlichen Schiffe ſollten nicht mit Arreſt belegt, und mit der Tuchfiegelung

i

.

Vierter Abſchnitt.

Viertes Capitel,

911

bergeſtalt verfahren werden , daß ſelbige mit Vore wiſſen des Societåtsdeputirten ,und im Fall er ſolches nicht abſagte oder verſäumte , in deſſen Beyſeyn Dieſer Vergleich iſt auf eine Zeit von vier Jahren , mit vorbehaltener Ratifica

geſchehen müßte.

'tion vom Großbrittanriſchen Hofe feſtgeſtellt wor den : es hat aber ſchon im F. 1633. der Engliſche Geſandte Eaton als Deputirter der Compagnie, auf eine ausgedehntere Freyheit derſelben hieſelbſt angetragen , und achtzehn Punkte übergeben , wo. rin theils der Religions- und Engliſchen Kirchen . Freyheit, theils einer völlig uneingeſchränkten Hande lung mit Caſſation der Tuchſiegelung , und mehre. rer Immunitåten wegen , Forderungen enthalten Man hat ſich zwar von Danziger Seite, waren . auf ein näheres Erklärungs , und Moderationsge ſchåfte darüber einlaſſen wollen , weil aber die Ords nungen nicht blos zur Pluralitåt darin einſtimmig geworden , man aud infonderheit nicht die vera langte Verſicherung bekommen hat , daß die ganze Engliſche Reſidenz in Preuſſen , hieher transferire werden würde ; fo iſt die Negotiation abgebrochen , und nicht weiter fortgeſebt worden .

3 )

/

412

Danzigs Geſchichte. fùftes

Capitel.

Ausſichten des Schwediſchen Krieges - Vertheybigungs , anſtalten in Danzig - der Königliche Polniſche Hof kommt nach Dangig - und zugleich Guſtav Adolph auf die Danzis • ger Rhede - Danzigs Unterhandlung mit dem Könige von Schweden - Wozu die Kronſenatoren beytreten - Dans fig giebt eine Freundſchaftsverſicherung an Schweden Abreiſe der Koniglichen Herrſchaften - Guſtav Adolphs vorgeſchriebene Meutralitåtsformel an Danzig - Erneu : erung des Schwediſchen Krieges - Guſtav Adolph uns terſtützt den Spiringſchen Rechtsſtreit gegen Danzig Ausbruch des Krieges in Preuſſen - Danzig wird für feindlich erklåret - Danzig ſorgt får die Herſtellung des Seehandels - die Schiffahrt auf Danzig wird frey ges geben Danziger Tapferkeit bey der Käſemarker Schans ze - die Erkenntlichkeit an Danzig wird in Polen bei herzigt - auf dem Reichstage zuerkannte Gratificatio: nen fortgeſepte Kriegsunternehmungen Waffenſtilt

ſtand

- Danzigs Separatvergleich mit Schweden ,

Mit dem Schwediſchen Kriege rahe es nach der Thronbeſteigung des jnngen und Heldenmüthigen Königs Guſtav Adolph , nocy zweifelhaft aus. Ein zu Stettin verſuchtes Friedensgeſchåfte hatte keinen

Fortgang gehabt ,

und bald

darauf ließ

König Sigismund ſich durch die Vorſchläge eines Deſterreich ſchen Grafen von Althan verleiten, un ter der Hand Anſtalten zur Eroberung des Schwe 1617.

diſchen Reichs vorzukehren.

Danzig bekam hieben

den Befehl, die wåbrend dem Stillſtande wieder vor fick gegangene Handlung mit Schweden auf : zuheben , und alle von dort kommende Schiffe mie Arreſt zu belegen , allein die Stadt machte Gegen. porſtellungen , wodurch ſie ſich noch bey ihrer Com,

1

1

Bierter Abſchnitt. merzfreyheit erhielt.

Fünftes Capitet.

Auch das

413

Vorhaben auf

Schweden ging gånzlich zurück , weil die Ulthans Inzwiſchen fden Entwürfe zu ſeicht waren .

1

hatten dieſelben dem Könige eine Erneuerung der Schwediſchen Feindſeligkeiten in Liefland zugezo : gen , die erſt im folgenden Jahre wieder durch ei. men zweyjåþrigen Waffenſtillſtand gehoben wur. Es trat auch um dieſe Zeit eine Peſt ein , den.

1618.

welche noch etliche Jahre ſpåter , fich an verſchie denen Orten im Lande hervorgethan bat, und Dan . zig þat davon im J. 1620 einen Unterſøied von

1690.

9600 Geſtorbenen , gegen die Anzahl der Gebohrs nen gehabt.

Hienáchſt nahm doch die Beſorgnis

tåglich mehr zu , daß es nach abgelaufenem Stille ſtande, de.

mit Schweden zum Bruch kommen wür

Die Schwediſchen Zurüſtungen zu Waſſer

lieſſen eine Landung auf Preuſſen befürchten ; der Woywod von Pommerellen ward demnach beor, dert ,

Truppen zur Beſcügung des Seeſtrandes

anzuwerben , und obgleich die Stadt Danzig aus dem Schwediſchen Lager ben Elfsnab wiederholte Verſprechungen empfing, in der Neutralitätsſichers Þeit gelaſſen zu werden , ſo fuckte man ſich hier doch ben Zeiten iu beſſere Defenſionsverfaſſung zu Die Beſaßung fo zur Zeit nur ſchwad, ges feßen. weſen, wurde in kurzem mit etlichen bundert Mann vermehret, und in der Stadt fo wol als an der Feſtung Weichfelmünde iſt für Verbeſſerung der Fortificationswerke ,

und für Unterſtügung und

der Ballarbeiter geſorgt worden . Eben in dieſer Zeit þat inan auch angefangen , den Erweiterung

1621.

414

Danzigs Geſchichte.

Diſtrikt von Langgarten m ) nebſt der Kirche St. Barbara ,

1

und die Niederſtadt , fo vor iþrer Er.

bauung die Schweinwieſe genannt geweſen , mit Wållen und Mauern zu umziehen , und unter dem Namen der Neuſtadt n ) mit der Rechten Sradt zu verknüpfen , woran denn der größte Theil der Fe ftungsarbeit fchon bis ins J. 1626 ift zu Stande gebracht worden. Guſtav Adolph hatte alle Sicherheit au Dan zig verſprochen ,

wenn ihm angelobe würde, daß

im Danziger Hafen keine Kriegsſchiffe ausgerüſtet, noch aus demſelben wider das Schwediſche Reich einige Unternehmungen gemacht werden

ſollten .

Hierauf gab jego die Stadt ihre Erklärung, daß ihr von feiner

Kriegesrüſtung gegen die Krone

Schweden etwas bekannt wäre , und daß fie in ihs rem Hafen alles was dem freyen Seehandel eine Störung verurſachen könnte, ſorgfältig abzuwens den bemůbet ſeyn würde.

Nun nahm zwar der

Liefländiſche Krieg aufs neue einen Anfang, aber er wurde nach Schwediſcher Einnahme der Stadt Riga , abermals durch einen zweyjährigen Waffen ftilſtand gehemmet; und alſo blieb noch die Furcht 1622.

für weiter um fich greifenden Feindſeligkeiten ents m ) Nur ein kleiner Theil dieſes Diſtrikts ift abgeſchnittent, und außer den Mauern ftehen geblieben , der deshalb noch heutiges Tages der Kneipab beiſſet.

m ) Vermuthlich bat auch damals die heutige Rechtftädtiche Borſtadt, fo ebedem die Neuftadt geheiſſen , dieſen Nat men verfoten , weil aus obbeſagtem Piftrift abermals eine Neuſtadt erwachſen ift.

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel. fernet.

Jón folgenden

415

Jahrewurde der Polnifde

Reichstag ruhig gehalten , weil aber nach Endia gung deſſelben , der König fich unter dem Namen einer Luftreiſe nach Preuſſen verfügte, fo gab foto ches zu unterſchiedenen Urtheilen Anlaß , die wen nigſtens beym Könige von Schweden , einen Arge wobn gegen die Abſichten des Polniſchen Hofes ere wecften . König Sigismund kam unterdeffen mit der Königin , dem Prinzen Vlastislav und einer zahlreichen Hofſtatt nach Danzig , und hielt þie felbſt unter den folennen Ebrenbezeugungen der Stadt , einen prachtvollen Einzug. Zu gleicher 1693 . Zeit aber lag fchon eine Schwediſche Flotte von 1 Iuli! zwanzig Schiffen auf der Danziger Rhede; mit denen Guftav Adolph in Perſon berüber gekom men war, und einen Forderungsbrief an die Stadt einfdichte,

fich deutlich zu erklärent, daß fie, fo

lange der Stillſtand

wåþrte,

feine Hoſtilitäten

wider Sqweden aus ihrem Hafen geftatten würde .

Es war gedachtes Schreiben eigentlich die Fol. ge von einem frühern , das der König von Schives den im

April an Danzig abgelaſſen , und die Ante

frage erneuert hatte , ob er von hieraus Feindſelige keiten zu beſorgen hårte. Nun hatte man ſich givar mit der egedem vorgeſchüßten Unwiſſenheit aller Kriegsunternehmungen entſchuldiget,

auch nicht

weiter als der gedachten Luſtreiſe des Königs von Polen Erwähnung thun fonnen : weit aber ſchon damals die Nachrichten laut waren , daß der Ko . nig Befehl ertheilt fåtte , zuſammen zu zießen ,

ben Pugig Kriegsvolt

Matroſen zu preſſen und

Danzigs Geſchichte.

416

Schiffe zu bemannen , auch die ben Danzig voce handenen Kauffarden -Schiffe in Berdlag zu neh ſo hatte ſich Guſtav mit der empfangenen

men ;

Antwort um ſo viel weniger zufrieden gegeben , und fandte jego mit dem an die Stadt geſchickten Trom . peter ,

zugleich einen Brief an die gegenwärtigen

Kronſenatoren , um einer categoriſchen Erklärung gewiſſer zu werden . · Hienáchſt ließ er , noch ehe ein Beſcheid erfolgte, zwey nach Spanien beſtimm te Danziger Schiffe anħalten , weswegen der hier figé Magiſtrat die Abſchickung des Stadtſecretairs Wenzel Mittendorf mit einer Antwort befchlews nigte. Dieſelbe enthielt zwar: blos eine Wieder þolung der vorigen Declarationen , wogegen der Kde nig von Schweden beþarrlich eine feſte Verſiches rung verlangte ; doch begeigte er ſich gegen den Sea cretair überaus buldreich , und ließ durch iön an den König Sigismund und die Königliche Fami. lie ſo wol , als an den Rath zu Danzig einen Gruß abſfatten .

Der Secretair mußte ſich bald nade

Feiner Zurückunft , zum zweytenmal zur Schwes diſchen

Flotte verfügen ;

er nähm nun die Ents

fchuldigung mit , daß es dem Rath nicht zuſtehe, die Abſichten ſo der König von Polen mit dem ans geworbenen Kriegsvolt haben möchte, auszufor: fichen , bey allen Muthmaßungen aber würde man in Danzig nichts unterlaſſen , was mit unverbrüch ticher Haltung des Stilſtandes ,

das gute Vere

nehmen mit der Krone Sdweden befördern könn . te.

Uebrigens katte der Secretair von der Könige

lichen Familie den Auftrag , das Gegencompliment an

+

ND

Vierter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

: 417

an den König Guſtav zu überbringen , und im Namen der Stadt präſentirte er Demſelben einige Indeſſen blieb . Gu mitgeſchickte Erfriſchungen. ſtav Adolph noc unzufrieden , und beſtand auf ſeinem Begehren ; er drohte auch die aufgebrachten Schiffe nach Calmar zu führen ,

und gehn ſeiner

Kriegsſchiffe im Hafen zu laſſen ; doch beſchenkte er den Secretair mit einer goldnen Kette , und ließ þundert Thaler an deſſen

Begleitung austheilen .

Einige Tage ſpåter rekten die Polniſchen Senato. ren dieſes Geſchäfte fort, indem ſie den Königlia chen Secretair Golinski an die auf der Flotte bes findlichen Schwediſchen Reichsråthe ſoiceten , und eine nåßere Erklärung gegen einander zu vermite teln fich Mühe gaben.

Solches hatte aber wes

nigen Fortgang ; vielmehr wurde die Handlungs. faþrt aufs neue geſtdret, da die Flotte ſechs Dan. ziger Schiffe anhielt.

Die Stadt befand demnach

ihren König um die Erlaubnis daß ſie an Guſtav Adolph die von .

für nothwendig , zu bitten ,

ihm verlangte Verſicherung thun könnte ; und als Hiezu mit Königlicher Genehmigung ein Formular war abgefaßt worden , ſo erging, nach bereits gea Qehener Abreiſe des Königs von Schweden , an den Unteradmiral Nicolaus Sternſchild , von Seiten der Stadt die Erklärung: Danzig nehme es über ſich und verſpreche , mit erfolgter Zuſtime mung des Polniſchen Reichsraths , daß der getrof. fene Stillſtand unverbråchlich bis zu deſſen Aus. gang folle beobachtet werden , woferne Schwedia roberſeits feine Anreigung zu ferneren Tfåtlichkeiten Geſch .,Danz, ater Th.

Geſchichte Danzigs .

418

gegeben , die Danziger Sciffe frer gelaſſen , und die Seefahrten auf Danzig nicht weiter beunruhigt Der Erfolg hievon war die un. werden würden. geſäumte Befrenung der aufgebrachten 9 Juli

und kurz darauf

Schiffe,

auch die Abfahrt der Schwedie

fchen Flotte an der Preuſſiſchen Seeküſte. i

Nichts

deſto weniger hat ſich Guſtav Adolph , durdy die Danziger Declaration noch nicht befriedigt gefun. den , und bald nach der Zurückunft des Admirals wurde in dieſem Gefchäfte von neuem ein Schwea

19 Juli diſcher Geſandte nach Danzig abgefertiget.

Vor

Ankunft deſſelben nahm der Polniſche Hof ſeinen Rückweg , 'nachdem derfelbe rechs Tage lang von der Stadt frey war bewirthet worden , und noch zwolf Tage ſeinen Aufenthalt

verlängert þatte.

Zum Abſchiede erġielt die Königliche Herrſdaft Ehrengeſchenke an filbernen und verguldeten Po. calen , worin dem Könige zwey tauſend , der ko. nigin funfzehn hundert , dem Prinzen Vladislav tauſend : und der Prinzeſſin fünf hundert Ducaten überreichet, auch die geſammten Kron- und Hof beamten reichlich von der Stadt beſchenfet wurden .

Nunmehr traf der geheime Hofrath Rafch ein , und brachte ein Formular zur Neutralitäts erklärung nach Danzig , weldes auf Verlangen des Königs von Schweden , unterſchrieben und mit dein großen Stadtſiegel ausgefertiget werden ſollte. Der Inhalt deſſelben war eine Angelobung der Stadt , , . zur Zeit des Krieges und des Still . ,, ſtandes zwiſchen den Königen von Polen und r Schweden ,

eine gånzliche Unpartheylichkeit zu

7

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

419

» beobachten ; ipren Bürgern und Einſaſſen feia ,,, nen Dienſt wider Šd weden zu verſtatten ; dem ,, Kidnige von Polen weder mit bewehrten noch mit

unbewehrten Schiffen beýůlflich zu ſeyn, ihm auch den Beyſtand mit Matroſen , und den Beſchlag Es ging allers

fremder Schiffe zu verſagen .“ dings ſehr weit ,

wozu ſich die Stadt hiemit vera

bindlich machen ſollte, fie mußte demnach auf eine Moderation bedact ſeyn ,

und fertigte den Ges

ſandten mit der Antwort ab ,

daß während dem

Stilſtande aus ihrem Hafen nichts feindliches un ternommen werden ſollte,

fie ſich auch auf dem

någften Reichstage bemůben würde , ihren Hafen , ſo lange der Krieg dauerte , von allen feindlichen Zurüſtungen fren zu erhalten .

Guſtav Adolph

aber ward damit nicht beruþigt ,

er wandte fiche

noc an die Hanſeſtådte , und Lübeck nebſt Ham. burg mußten an Danzig Verſtellungen tyun, nach ſeinem Willen ſich zu bequemen . Allein die Stade þatte zureichenden Grund , : fich mit ihrer Pflicht desfalls zu entſchuldigen , worauf der König von Schweden es ſich vorbehielt, ſelbſt ſolche Verfügun.

3 gen zu machen , damit aus dem Danziger Hafen feinem Reiche nichts widriges zuſtoßen könnte. Was den König von Polen betraf, ſo ging ders felbe von ſeinem Vorhaben nicht ab , fide mit fort. gefektem Kriege,

des Schwediſchen

Reichs beo

mächtigen zu wollen . Neben vielen Schmeichs lern von der Hofparthey aber , fanden ſich auch getreue Rathgeber , welche die Ueberlegenheit der Sowediſchen Macht einfaßen , und ihm zur Ver

1624

420

Danzigs Geſchichte

långerung des Waffenanſtandes

rietpen.

Weil

nun Sheden die Hand dazu bot, ſo ward noch bis ins folgende Jahr, durch einen Vergleich im SQloß Dalen an der Lieflàndiſchen Grånze, die Rubeer Halten. Auc der nächſtjährige Reichstag zu Wara 1625.

ſchau beſtåtigte den Entſchluß der Stånde , den Schwediſchen Krieg zu vermeiden ; man legte Beo dingungen vor, die alle Anſtalten dazu erſchwerten , es wurden nur geringe Summen zur Beſtreitung der Rúſtungskoſten bewilliget, und der Senat nahm eine Unterhandlung an , welche die Schwediſchen Reichsråthe aufs neue antragen lieſſen . Alles dieſes Håtte den polniſchen Staaten den Frieden ge wåøret , und den König von ſeinem Vorfaße ab Şalten müſſen , wenn Polen nicht ſelbſt, mit der Abſchickung ſeiner Geſandtſchaft zur Friedensun terhandlung , gezögert þåtte. Dieſe Langſamkeit

+

aber und das falte Betragen des Polniſchen Hofes, beleidigten den König Guſtav Adolph , ' der deſ ſenungeachtet noch einen Termin von vier Wochen anſekte , nach deren fruchtloſem Ablauf aber, die Kriegsoperationen mit vielem Vortheil in Liefland wiederum anfingen . Kurz vor der Ablegung mit ſeiner Flotte nace Riga , ſchickte der König von Schweden ein Schreie ben an Danzig ,

worin er die ehedem bedingte

Neutralität nochmals anbot , aber auch eine Gelds forderung dringend hinzufekte , womit ein gewiſſer Spiring , wegen eines Erbſchaftanſpruchs , von der Stadt befriediget werden ſollte. Dieſer Peter Spiring war ein Tapetenmacher aus Delft, und

2

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

421

Hatte auf die Perlaſſenſchaft eines gewiſſen Chri ſtian Duyſt, der im 3. 1614 zu Danzig geſtors ben war , nebſt andern Miterben , die Gültigkeit Eben

ſeiner rechtlichen Erbanſprüche erwieſen .

aber, als iým die Erbſchaft, welche über 15000 Ducaten betrug ,

zugeſprochen werden ſollte ,

ro

war vom Königlich Polniſchen Hofe eine Einrede geſchehen , aus dem Grunde, daß Duyſt bey Leb. Zeiten ſein ganzes Vermögen dem Könige vor Polen

geſchenket hätte ,

abgefordert,

weshalb die

Erbſchaft

und der Spiringſche Proceß an das

Königliche Hofgericht gezogen wurde. " Spiring hatte nicht Muth bezeiget, mit dem Könige von Polen zu rechten , er hatte ein Contumazdecret über ſich ergehen laſſen, und die Duyſtiſche Verlaſſen . ſchaft war an den König ausgeliefert worden . Bald darauf aber war Spiring nach Schweden gegangent, um mit Hilfe des dortigen Hofes feine Schadlos. Valtung von der Stadt Danzig gy erzwingen . Seit dem J. 1620 hatte der König von Sowe. den

dafür: intercediren

bed hatte ſchon

laſſen ,

die Stadt Lůs Fürſprache,

einmal durch

eine

deshalb beſtimmt geweſene Arreſtirung aller Dan. ziger Schiffe

in Schweden

abgewandt ,

endlich

aber war auf Michaelis 1624 ein Termin feſtge ſegt worden, auf welchen die Zahlung von der Stadt ohne fernere Widerrede erfolgen ſollte. Weil nun - dieſer Forderung kein Genüge geſchepen war , lo waren die Danziger Schiffe ſogleich in Scymeden mic Arreſt belegt worden , und nunmehr ſollte Spiring auch die Macht þaben , unter dem Na

DO

3

Danzigs Geſchichte.

422

men der Repreffalten ,

wiber Danzig Caperen zu

treiben , woferne nicht vor dem legten Februar des J. 1626 dem Willen des Königs von Schweden , in allen vorgelegten Artikeln würde' Folge geleiſtet werden o) . Danzig fonnte ſich in der hierauf ges gebenen Antwort , der verlangten Neutralitåt Hal. ber nicht näher als vormals erklären , und was .

die Spiringfohen Anſprůçe betraf, ſo glaubte die Stadt-eine ſo gerechte Sache zu haben , daß ſie işe ferneres Schickſal darin mit Geduld abwarten wollte. Der Krieg in Preuffen

ward unter folcher

1626; Umſtänden als unvermeidlich betrachtet." Man 87 Jan. machte dazu auf einem abermaligen Reichstage ein

nige Gegenanſtalten , es wurde auch auf den Preuſ. fiſden Landtagen für die Verthendigung im Lande, und für Unterſtübung mit Gelde geſorget; aber die Polniſche ro wol als die Preuſſiſche Kriegsver faſſung fonnte nur für unbedeutend , gegen die Schwediſche Macht zu Waſſer und zu Lande ange. ſehen werden,

Guſtav Adolph ḥatte in Liefland

und Curland den Meiſter geſpielet, mit den ſitthauern o ) Spiring hát wibrend dem Schwediſchen Striege den Dants zigern vielen Schaden gethan : und obgleich die Repreffas lien im J. 1635 find gehoben worden , der Polniſche Hof auch die Befriedigung des Spiring und ſeiner Angehörigen über ſich genommen hat , fo find dieſe doch fernerhin dem ganzen Lande Preuſſen , ben Einrichtung der widerrechts lichen Seejolle ſchädlich geweſen . Wegen der Dunftſchen Berlaffenfchaft find die Spiringe in 1. 1647 mit 168000 Sulden auf die Störiglichen Schangelder in Preuffen anges wiefen worden , die nian aber nicht im Lande bezahlet, ſona pern an den König felbſt gegen Quittung entrichtet hat.

1

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel. nach

423

ein paar Schlachten , einen kurzen Waf

fenſtillſtand getroffen , und er ſchien nun ſeine ganze Abſicht auf Preuſſen gerichtet zu haben.

Spiring

war durch eine Schwediſche Commiſſion zur Frems April

beuterey berechtiget worden ; er kam als ein Vor. bote auf die Danzigtr Rhede, und brachte in kurzem Bald þernach zwem . Sciffe nace Nycoping auf. ging Guſtav Adolph im Gefolge einer Flotte pon vierzig Seegeln vor Pillau , landete daſelbſt,

und

bemächtigte Fin der Feftung fowol als des Hafens, den er mit zwey Scanzen Verſichern ließ .

Er

nöthigte ferner die Stände des Herzogthums Preuſ ſen , in Abweſenheit igres Landesherrn , ſich zur Neutralität zu erklären , růdte aud mitlerweile in Ermland ein, wo die Braunsberger gebrandſchaket, und der Dom zu Frauenburg geplündert wurden , und erhielt eine faſt leichte Uebergabe von Elbing, welchem Beyſpiel Marienburg, Dirſchau und meg. rere kleine Städte nachfolgten .

Hierauf ließ er

ben Dirſchau ein Lager aufſchlagen ,

und ſchrieb

16 Jul. von dorther aufs neue an Danzig. Während gedachten Kriegsoperationen in Preuſ fen , hatte ſchon der Schwediſche Reichsadmiral Carl Carlſon von Güldenhielm mit neun Kriegs . ſchiffen den Danziger Hafen geſperret, für alle Kauffahrer einen Seezoll gleich dem Danziger Pfal gelde verordnet , nåchſt dem auch 400 Mann aus. geſekt, von denen das Kloſter Olivå und die um. liegenden

Herrenhofe geplündert

worden , das

Stådtchen Pußig aber ſich hatte ergeben müſſen . Immittelft traf das Søreiben des Königs vor

Dånzigs Geſchichte.

424

;

Schweden ein , worin Danzig nochmals einen An . trag der Neutralität mit völliger Handlungsfreys Þeit bekam , auch die Zollanmaßung entſchuldigt, und nur die vorigen Bedingungen an die Stadt jedoch mit hinzugefegter Bes

wiederholt waren ,

drohung , im Fall des Widerſtrebens feindlich gez gen ſie zu verfahren .

Die Danziger füchten hier

auf zwar durch ihren ins Lager geſchickten Syndi cus Johann Keckerbart ſich vermittelſt der voria gen Declarationen , einer nåßeren Verwickelung mit dem Könige von Schweden zu entzießenz allein es mußte zu einer genauern Negociation kommen , worin die Stadt vorerſt nachgab , fieben ben ihr vorhandene Königlich - Polniſche Schiffe abzutadeln , und

fortzufaffen ,

auch keine Werbung wider

Weil aber Guſtav im . Schweden zu verſtatten . mer weitere Forderungen machte, Aufenthalt für ſeine Sotdaten ; Zufuhr

ins Lager,

auch Eins

forånkung der Garniſon und des Fortificationss baues von der Stadt verlangte , hierüber ein ſchrift liches Formular einſchichte, und ſich noch mündlich erklärte ,

daß er nåber an die Stadt růcken , und

den Biſchofsberg befeßen würde; fo konnte man unerachtet des fråftigſt dabey verſprochenen Schus kes , dergleichen Zumuthungen nicht annehmen . Als demnach der Schwediſche Hofmarſchall

Die

trich von Falkenberg zur Beendigung dieſes Ges ſchäftes , mit dem Character eines Geſandten in die Stadt kamn , fo hielten die dazu deputirte Hera ren , welche nebſt dem präſidirenden Bürgermeiſter Arnold von Holten , die Rathsøerren George

Fünftes Capitel.

Vierter Abſdinite.

425

Roſenberg und Matthias Werdermann waren , mit ihm noch unterſchiedene Beredungen : mußten aber gulegt die Tractaten abbrechen ,

wozu die

Schwediſebe Befeßung des Weichſelhaupts fowol, als eine vorgängig verlangte Entſchädigung wegen aller ſchon an Danzig verübten Feindfeligkeiten , zum nächſten Vorwand, gebraucht wurden . Vermöge dieſes Bruchs, ließ Guſtav Adolph die Danziger in ſeinem erklären ,

Lager öffentlich für Feinde,

und an neun bey der Olive weggenom . 14 Aug.

menen Danziger Frachtwagen , Dorfſchaften der Stadt,

imgleichen in den

wurden die erſten Ges

waltthätigkeiten bewieſen . Indeſſen verſagten der Culmiſche Adel fomol als die Stadt Thorn faſt in gleicher Art, die angebotene Neutralitåt ; Guſtav aber wollte ſeinen Beſik im Lande Preuſſen bea þaupten.

Er ließ das Danziger Haupt und die

Stadt Dirſchau befeſtigen , nahm den Elbingern die Huldigung ab , befekte Stargard , und foenkte das ausgeplünderte. Kloſter Pelplin ſeinem Stall meiſter Arel Banner.

Ferner brandſchakte er

im Danziger Werder, und ließ nebſt hundert Laſten Haber , von jeder Hufe Landes funfzig Thaler, in allem 70000 Reichsthaler an Gelde

abfordern .

Hiebey verlor Danzig auch Hundert Reuter, und zwey þundert Mann Fußvolk , die aufs Grebiner Schloß zur Deckung gelegt waren , ſich aber nach einer kurzen Gegenwehr als Kriegsgefangene er : gaben .

Alle Schwediſche Progreſſen Gatten bis .

Ker nur geringen, Widerftand im Lande gefunden ; die Preuſſiſche Ritterſchaft verſammelte ſich node

1

426

Danzigs Geſchichte.

** Aug. unter Graudeng, und nun erſtkam der König von Pos len mit 4000 Mann Truppen, und einem Corps Kos ſaken herüber, und conjungirte ſich mit den Preuſ. fen.

Dieſer Änmarſch erſparte dem Fort Weich .

felmünde eine So wediſche Attaque. Sigismund fing an , Meve zu belagern, Guſtav eilte dem. nac zum Entſak hin , es kam zu einer hartnäckigen 1 Oct.

Action, die Schweden aber ſiegten, und befreyten nicht nur Meve , ſondern bemeiſterten fich auch ein ner Schifsbrücke, welche die Polen zur Communi. cation mit Ermland und dem Stumſchen Gebiete, über die Weichſel geſchlagen hatten .

Beyde Kde

nigliche Låger famen nun zwey Meilen auseinan . der , unweit Dirſchau zu ſtehen , und Polniſcher feits wurden Friedensvorſchläge gemacht, die abec der König von Schweden nicht eingeben wollte. Dieſer verlegte darauf ſeine Armee in die Winger. i

quartiere , und ging nach Stodholm zurück, wo.

$ Nov. gegen der König von Polen feinen Weg über Dan . zig nahm , um zu Thorn einen Reichstag zu hal Noch während gedachtem Feldzuge war der Woywod von Culm Melchior Weyher nach Dan zig gekommen ,

und hatte dem

Rath einen Vor

fchlag gethan , den Schweden das Danziger Haupt wegzunehmen ; er hatte darüber eine zeitlang mit einer Deputation des Raths negociiret, weil aber der Woywod allen Beyſtand biezu allein von Dan zig erwartet ,

und in allem Betracht,

ſich über .

große Hinderniſſe dagegen geäußert hatten , ſo war man ſchlüßig geworden , ſich dieſes Antrags durch çine Abfindung mit Proviant und Geſchůß an den

1

.

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel. Woywoden , ganz zu entledigen.

4273

In gleicher Art

Hat man den Caſtellan von Culm , Fabian Czema befriedigt,

als derſelbe im Namen des Königs ,

zur Eroberung der Hauptſchanze eine neue Aufforo derung gethan , aber auch eben ſo unfråftige Mita' tel in Vorſchlag gebracht, und ſich zulegt mit Geo rohenfen an Geſchüß und Ammunition ,

von der

Stadt hat abweiſen laſſen . Der Thorner Reichstag fo wol als die damit verknüpften Landtage in Preuſſen ,

beſchäftigten

fich mehrentheils mit Klagen über die Unvermögerts heit des Landes , und mit Anordnung'einiger bef ſeren Kriegsanſtalten .

Danzigs wurde dabey in

Ebren gedacht, und weil man dieſer Stadt,

für

ihr Verhalten gegen den König und das Reich , öffentlich dankte , ſo nahmen iþre Abgeordneten dieſer Gelegenheit wahr , in einer übergebenen Schrift, um die Zuſicherung einiger bisher beſtrit tenen Vorrechte und Vortheile zu bitten .

Jør

erſtes Ánſuchen ging auf einen Geldzuſchub wåh rend des Krieges , der um ſo viel nöthiger war , weil außer den übrigen Defenſionskoſten , zur Ben fakung allein , die man jegt auf 5000 Mann rech nete , jährlich beynabe eine Million Gulden erfors derlich war.

Hienächſt begehrten ſie ein ausſchlief

fendes Recht zur Exportation der Polniſchen und Litthauiſchen Producten ,

die Anerkennung einer

ungefrånften Criminaljurisdiction über den Adel, und eine Moderation der Polniſchen und Litthaut fchen Zdule.

Man ließ ſich auch die Berathfchlai

gung über dieſe Anliegen gefallen , allein Danzig

igs

Danz

ichte .

Geſch

428 ſowol als Thorn , ( ſo gleiches Lob für ſich hatte ), wurden zur nåøern Erklårung auf den folgenden Uebrigens ſind die Schwe Reichstag vertröſtet.

en aus den , den Winter über , durch Streiferen en ch g n r t Lage , nich weni in ihre Quar. dem Polniſ tieren beunruhiget worden ; ſie verloren auch Worm , , dit im Ermlande , Ditſchau aber wurde vergeblich angegriffen , und die Danziger Lånderenen waren en der Polniſchen Trup eben ſo wol den Thåtlichkeit n ne io at ſt der Schweden ausges pen als den Deva n feket , welche leißtere auch im Werderſche Dorfe Großzinder ein Commando von vierzig Soldaten angriffen , und gute Beute nebſt einigen Gefanges nen wegführten . Gleichen Verluſt hatten die Dante n wohin ihr Capitain Appelman ziger ben Pukig n el n mp he rt ru , zu über detaſohi worden , das Städtc ben, ie tr en ge ed ck e hw rü n n rd er zu vo de Sc ab er wu und mußte einige Mannſchaft dabey einbüßen . ft empfand infonder. Die Danziger Bürgerſcha heit der geſperrten Handlung wegen die Beláſti. gungen des Krieges , und deshalb ſollte der Win , Inters cerſſion darin freyer zu machen . Man ging zuerſt fe s n an die vornehmſte Städte des Hanſebunde ; dieſe g thaten auch eine Vorſtellun beym Könige von Schweden , die mit den Rechten ihrer eignen Coma

merzfreyheit unterſtüßt war ; Guſtav Adolph aber ließ ihnen antworten , daß ſie die Polniſchen Producten und die Waaren aus Preuſſen , von Königsberg und durchs friſche Haf abholen fånn. ten , oder wegen des Zolls im Danziger Hafen mit

Vierter Abſchnitt.

Fünftes Capitel.

ihm einen Vergleich treffen müßten .

429

Auf eine von

Danzig verlangte Unterſtügung mit Gelde , und eine nåbere Friedensbeförderung hatten die Hanſe ſtåtte keine Erflärung gegeben ; man wandte fich zu dem Ende an die Staaten der Vereinigten Nie. derlande.

Auf eigne

Veranlaſſung des Königs

von Polen , wurde der Danziger Secretair Gres 1637. Febr. ger Kammermann nach Holland gefchicfet, die Generalſtaaten um eine Friedensvermittelung beym

Könige von Sweden , oder in deren Entſtehung, um eine engere Allianz mit der Krone Polen zu bit Die Antwort hierauf war ſo erwünſcht, daß. ten . nicht nur zur Beförderung des Friedens, Geſandte ſchaften an bende Könige verſprochen wurden , fons dern auch Danzig

eine ſpecielle Verſicherung der

Freundſchaft erhielt. lüngslage der Stadt

Inzwiſchen wurde die Hande noch mehr

verſchlimmere,

weil eine zier vom Könige von Polen angefekte Schiffscommifſion die Anordnung gemacht hatte , alle fremde Schiffe ohne Unterſchied als gute Priſen aufbringen zu laſſen.

Danzig bekam dadurc ohne

Verſchulden , mit den Seemachten Verdruß , und obgleich dem Könige der daraus erwachſende Scha den aufs deutlicſte vorgeſtellet wurde, fo war doch alles Flehen vergebens , und die Commiſſion ſchal tete nach Gütdünfen . Mit Eintritt des Frühlings wurde Pußig von 24 Máte den Polen wieder erobert;wozu Danzig mit ſchwe rem Geſchůz, Ammunition und einiger Mannſchaft Beyſtand get an þat; aber ein jegt verſuchtes Unternehmen der Danziger auf die

Sợanze beym

may

Danzigs Geſchichte.

430

Haupt ſchlug unglücklich aus, denn der Schwedis ſche Feldmarſchall Wrangel eilte von Marienburg mit ſechs hundert Mann zum Entſak, und ndtvigte die Danziger den Rückweg zu nehmen , wobey fie funfzig Mann , drey Kanonen und einiges Kriegs. geråthe verloren .

Mitlerweile hatte der Churfürſt

von Brandenburg, ben ſeiner Ankunft in Preuſſent, ſich für Polen erklåret ;

faum aber war Guſtav

Adolph vor Pillau zurück gekommen , ſo drung er dem Churfürften durch einen neuen Vertrag die Neutralität auf.

Er repte auch friſche Truppen

in der Nehrung aus , machte Anſtalten fein altes Lager zu

beziehen ,

und gedachte die Danziger

Schanzen bey Kåfemark zu überrumpeln . þundert Mann ScheerBoten

Sechs

Schweden fuhren dazu auſ 18

vom Haupte die Weichſel Gerunter,

und waren ſchon unter den Kanonen der Schanzen , aber das Geräuſche der Ruder erweckte die

Berako

ung , und es kam zum ſcharfen Feuer, worin König Guſtav ſelbſt mit einer Muſquetenkugel verwun. det, ein junger Graf von Thurn durch den Arm geſchoſſen , auch viele Officiere und Gemeine ge tödtet, und mit völlig zernichtetem Anſchlage, eis nige Gefangene nach Danzig gebracht wurden. Die auswärtigen Mächte hatten endlich den König von Sqweden bewogen , die Schiffahrt auf Danzig wieder frey zu verſtatten . Sein Ad . miral ließ folches der Stadt , doch mit Vorbehalt des Schwediſchen Seezolls, durch einen Trompe ter bekannt machen , und zu gleicher Zeit gab der König von Polen ſeiner Schiffscommiſſion den Bee

3

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

431

. fehl, die in Bergblag genommenen Schiffe los zu laſſen , und ſich der freyen Fahrt wegen zu reverfi. ren.

Kurz darauf tam auch der Zuſage nach, die 30 Mapa

Holåndiſche Gefandfchaft nach Preuſſen. D) Ste wollte zwar bey Danzig einlaufen , aber der Sowe. diſche Admiral bewog fie ben Pillau die Anker zu werfen , von wo ſie ſich nach Elbing verfügte , und von dort durchs Schwediſce und durchs Polniſche Lager , 'nach Danzig zurüd kam . Nach einigen Conferenzen mit dem Rach der Stadt , reiſeten die Geſandten nach Warſçau, woſelbſt eine Friedens. negociation zwar eröfnet, aber durch die erſte Ant wort des Königs von Polen wenig begünſtiget wur . de , welches man der Ankunft eines Spaniſchen Geſandten , und der Hofnung zur Deſterreichifchen Hülfe beymeſſen wollte.

Der Krieg behielt dem

nach ſeinen Fortgang : die Polen wurden aus Erm land zurück getrieben ,

wober Guſtav Adolph

Braunsberg und Mehlſad größtentheils einåſer. te : dagegen bemächtigte ſich der Polniſche Unter . feldøerr der Stadt Meve, Guſtav aber rådte zum zweyten mal ins

Danziger Werder vor die

Scanzen bey Kåſemart.

Hier wurden nun die

Polniſche undiDanziger Truppen , weil der Ges neral

Potodi

dergeſtalt

in

die

mit dem Enge

Entſaß

getrieben ,

ausblieb , daß fie ſich

Ju derſelben befanden fich Rochus von den Honaert, Mitglied des hohen Raths von Holland , Seeland und Friesland , Andreas Bider , Burgermeiſter von Amſter: dam, und Simon von Beaumont, Rathspenſionair der Stadt Middelburg

Jul,

432

Danzigs Geſchichte. 1.

i

entweder ergeben oder durchſchlagen mußten. Der Danziger Obriſte Franz Lieſemann , unter deſſen Commando die Befagung geſtanden , lektere ;

wählte das

er kam ſelbſt dermaffen ins Gedrånge,

daß er mitdem Grafen von Thurn , anderthalb Stunden zur Defnung eines verſchloßnen Weges

fechten mußte , er ſchlug fich aber mit ſeiner Dan ziger Mannſchaft glücklich ins Freye; dagegen vers weilten " fich

die Polen mit Plünderung und Auf

packung ihrer Bagage , worauf ſie gånzlich abge. ſchnitten , und mit dem Obriſtlieutenant Dönhof, dem Schottiſchen Major Aſton ,

und mehreren

Oberofficiers zu Gefangenen gemachtwurden . Man Hat Polniſcherſeits dem Danziger Obriften von dieſer Schlappe zwar: alle Schuld beymeſſen wole len , allein er hat ſeine Unſchuld mit angeführtea Shatſachen

mit zwangig

und

Zeugen erwieſen ;

gleichwol da vom Könige felbft feine Dienſtente laſſung begehrt worden , fo hat man ihn um ſeine Dimiſſion anhalten laſſen , und mit dem Zeugnis eines rühmlichen Verhaltens verabſchiedet. Mehrere unbedeutende Actionen ,

wie auch

2.des Königs von Polen Zurückunft nach Preuſſen, gaben den

Holländiſchen Friedensgeſchäften

beſſeres Ausſehen.

Der Vorſchlag eines Weffent.

ſtilſtandes ſcheiterte eben ſo fruchtlos , Sept.

fein

und nun

ward der Reichstag in Warſchau zu någern Be. ſtimmungen erwartet. ' Außer det dringend empfole nen Sorgfalt ,

für die allgemeine Nothvurft in

Preuſſen , wurden Kieſelbſt aufs neue die Verbienſte Danzigs erhoben ;

es fatte ſchon in der vorigen Pero

3

2

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

433

Verſammlung des Senats ein ungenannter Pan triot eine Schrift vorgeleget , nach welcher die Stadt Danzig nicht nur in iþren Forderungen bea friedigt werden , ſondern auch die Ländereyen der foywediſơ gewordenen Städte nebſt der Curiſchen Nehrung bekommen , und iğren Magiſtratsperſo nen das Vorrecht zu Reichsämtern verließen wer. den ſollte , woferne ſie der Evangeliſchen Religion entſagen , und den politiſchen Entwürfen der das maligen Hofparthey beytreten würden.

Derglei.

den Vorſchlåge nun hatten zwar eine zu fchwache Grundlage, aber auch eine billige Erkenntlichkeit gegen die Stådte wurde noch auf eine andre Zeit ausgeſeket, und Thorn nebſt Danzig erhielten nichts mehr als einen Reichsſchluß , zur Criminal. Jurisdiction in Verbrechen der Edelleute berechtigt zu ſeyn . Uebrigens wurden Commiſſarien zur Fries denshandlung ernennet , und man ſchlug die Dien. fte nicht aus , wozu ſich der Churfürſt von Brans denburg und der Fürſt von Siebenbürgen dabey erboten hatten .

Am wenigſten ſchien Guſtav

Adolph rich nach dem Frieden zu ſehnen ; er war in Preuſſen ſowol als gegen Liefland im Vortheil, und die Preuſſiſchen Zolle erfekten ihm die Koſten des Krieges.

Jekt eroberte er Wormdit und Guts

ſtadt zurück , vertrug ſich wieder mit dem wankend gewordenen Herzoge in Preuſſen , ließ ſeine Trup pen in die Winterquartiere gehen , und reiſete nach Schweden zurück . noch der

Etliche Wochen ſpäter wollte

Schwediſche Feldmarſchall

Graf

von

nach einigen Streifereyen in den Dan. Geſch , Danz, ater Th .

Thurn ,

Oct.

434

Danzigs Geſchichte.

ziger Dorfſchaften , ſich des Schottlands bemåck . tigen ; allein das Dånbofiche Regiment ſo hiefelbſt lag, wurde mit einer Compagnie aus Danzig ver ſtårfet, und die Schweden mußten ihr Vorhaben aufgeben .

Noc glücklicher gelung die Seeerpedi:

tion von neun Polniſchen Schiffen ,

gegen das

Schwediſche Unteradmiralschiff, ſo nebſt noch ein 28 Nov. nem Kriegsſchiff auf der Danziger Rgede lag , und vier andre bey. Hela gelaſſen hatte.

Gedacte

zwer Schiffe wurden

von den

vor dem Hafen ,

Polniſchen Schiffen umringet , und das Admirals ſæiff nach einem

þartnåckigen

Gefechte

erobert,

das andre aber ſprengte ſich ſelbſt in die Luft.

Der

Unteradmiral Sternſchild büßte das Leben dabey ein , und Polniſcher ſeits waren der Admiral Arend Dickmann und der Capitain Storch geblieben. Uußer den Verwundeten , hat man rechs und recha zig Sựweden gegåhlet , die beym Leichenbegång. nis der gebliebenen Seeofficiers in Danzig , als Kriegsgefangene ſind aufgeführt worden . Hiemit bekam Erſatz

zugleich für

König

Sigismund

die Fehlgeſchlagene

einigen

Hofnung,

ſeine

Schiffe mit einer Spaniſchen Flotte vereinigen zu können ;

denn die Hanfeſtådte hatten Flüglich die

Ausrüſtung einer Spaniſchen oder Deſterreich fchen Flotte in der Oſtſee verhindert, und alle ſonſt darin angewandte Beinůhungen des Spaniſchen Hofes þatten nicyts weiter gefruqytet , als die Entſchule digung beym Könige von Polen damit zu rechte fertig:n.

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

435

Eine Friedensconferenz, die im folgenden Jahre 1

1628. Febr.

von der Holländiſchen Geſandſchaft , mit Beytritt des Cþurfürſten von Brandenburg verſucht wurde,

414 bekam unter Formalitätseinwendungen einen aber. maligen Aufſub.

Der bevorſtehende Reichstag

follte alle. Hinderniſſe beben : allein fåmmtliche Reichsſtånde beſchloffen auf demſelben die Fort ſebung des Schwediſchen Krieges , ſie bewilligten die nöthigen Geldanlagen , und die Gratification

Da

*

57

an Danzig wurde wieder in die Ratholåge ges bracht. Die Abgeordneten dieſer Stadt, der Burs germeiſter Valentin von Bodeck, der Rarosßere Conſtantin Ferber und der Syndicus Johaun Reckerbart, bekamen diefes mal eine ebrenvolle Aufnahme in der Polniſchen Landbotenſtube , wos bin ſie ſich verfügt hatten , um durch ihren Syn . dicus ,, in einer Unrede, die Nothdurft der Stadt Es wurde darauf mit Cons Þorſtellen zu laſſen . ſtitutionen bekräftiget, daß Danzig , ſo lange der Krieg währte, von den Landescontributionen frey bleiben , die Engliſche Tucſtempelung ausſchließ = lich bekommen ,

und nächſt dem mit Aufhebung

der Engliſchen Handlungsgeſellſchaft ihr zugewands ten

Vortheil ;

einen Geldjuſub von

Gulden erhalten ſollte. Vor dem Reichstage

500000

war der König von

Schweden mit einer Truppenverſtärkung

wieder

Seine Abſichten auf Preuffen gekommen . nach eine Polniſche Scanze gelungen ihm nicht, aber er plünderte Sconecf , und ließ.von einer zwiſchen Danzig und der Münde aufgeworfenen Batterie,

Juny

436

. ::

Danzigs Geſchichte

zwey Polniſche

:

Kriegsſchiffe in Grund foieſſen.

Er rückte darauf durchs Danziger Werder ins Culo miſche Gebiet , fekte Thorn in das Soloß Engelsburg ein.

Furcht, und nahin Sein Feldmarſchall

belagerte nachher Mede vergeblich, er aber beſąloß dieſen Feldzug mit Eroberung der kleinen Städte Neuburg und Strasburg, und ging von Pilau wie . Nos.

der in ſeine Staaten zurück.

Obgleich nun Guſtav

Adolph unter dieſen Kriegsoperationen nicht aller Bereitwilligkeit zum Frieden abgeſagt,

ſondern

nach völliger Rückreiſe der Holländiſchen Geſande ten , ſeine Bedingungen dem Churfürſten von Brandenburg mitgetheilt þatte ,

ſo wurde . doce

Polniſcherſeits durch Zeitverſäumnis fowol ,

als

durch einen abermaligen Streit wegen der Titulas tur, die eigentliche Negociation Dereitelt, und

wieder nach dem nächſten Reichstage verſchoben, 1629. 9 Jan.

Das neue Jahr wurde mit diefer Reichsvere ſammlung angefangen ,

und auch hier ſiegte der

Vorſak den Krieg zu continuiren .

Eine bisher

in Polen unbekannte Art der Anlagen unter dem Namen der Rauchfangscontribution , wurde daju bewilliget , wofür Preuſſen ſich zu ſeiner gewöhn . lichen

Geldſteuer erklårte, und die Stadt Thorn

ſo glücklich war , nach dem Beyſpiel Danzigs, während dieſem Kriege von allen Contributionen befreyet zu werden ; mit der an Danzig zu zahlen. den Geldſumme aber blieb es nur ben einem wie. derholtem Verſprechen.

Hier meldete ſich auch

der Biſchof von Cujavien wegen einer auf dem Bie foofsberge von Danzig aufgeworfenen Spanje ,

1

)

Vierter Abſchnitt. Fünftes Capitel.

437

und reſervirte fein Recht, dieſelbe nach geendigtem Kriege ſchleifen zu laſſen .

Eine unglückliche Nach

richt traf wåþrendem Reichstage ein , daß der Felde Marſchall Wrangel die Polen bey Gorzno unweit Strasburg geſchlagen hatte, und noch größere Beſorgung verurſachte der Anmarſą auf Thorn, Febr. der ſelbſt die zu ' Warſchau verſammelten Stånde in Furcht fekte. Durch die tapfere Verthendigung der Thorner wurden ſie davon befreyet; die Schwes den mußten fic zurück zießen , und Thorn hatte nur den Schaden , ſeine Vorſtådte und einige Stadtdörfer durch Brand und Plünderung der zehret zu ſehen .

Indeſſen hatte dieſer Vorfall die

Folge, daß die Polniſchen Reichsſtände ihrem Kids nige die Uebernehmung Kayſerlicher

Hůlfsvölker

unter einigen Bedingungen zuſtanden .

Derge

ſtalt wurde , als eben der Churfürſt von Branden burg einen Waffenſtilſtand auf einige Monate zus wege gebracht hatte , ein Oeſterreidſches Hůlfs. korps von 10000 Mann in Sold genonimen ; und bald nach Verlauf des Stilſtandes kam es zu eis 26 Jun.

3 nem Treffen im Stumer Walde , worin bekannt lich Guſtav Adolph in die Gefangenſchaft eines Croaten gerieth , und durch Klugheit eines treuen Schwediſchen Dragoners , aus der Freyheits- und Lebensgefahr errettet wurde. Die Schlacht ſelbſt blieb beynahe unentſchieden ,

und beyde Armeen

fekten ſich nach derſelben in ihren Lagern gegenein ander zurechte.

Von der Zeit an ſind auch nur

einige Scharmügel vorgefallen , Mangel und ans

V ſteckende Krankheiten haben den Eifer beyder ſtrei. Ee 3

1

s

Danzig

4385

hte .

.?

Geſchic

tenden Partheyen unterdrůdet , und dieſer Krieg .: hat um ſo vielmehr ſein Ende erreichet, als Franks reich und England wůrklich einen feſten Stillſtand : 1 ins Werk gebracht haben . Unweit Stum , auf dem

·

Felde bey

Altmart

wurde ein Waffenſtillſtand auf ſechs Jahre geſchloſs ſen.

Der Franzöſiſche

Geſandte ,

Baron von

Charnace, und der Großbrittanniſche

Thomas

Roe , waren dazu durch vorzüglich mitwürfende. Bemühung des

Churfürſten von

Brandenburg ,

nach Preuſſen geſchickt worden , und die Hauptbes dingungen wurden mit den Polniſchen und Schwes 16 Sept. diſden Commiſſarien in folgender Art verglichen ; daß ganz Liefland und ein Theil von Preuſſen , als die Städte ,

Elbing , Braunsberg und Toltemit,

das Fiſchaufiſde und ein Stück vom großen Were der , imgleichen Pillau 'nebit dem Diſtrict bis Ster gen in der Danziger Nebrung , in Schwediſchem Beſin blieben ; Marienburg nebſt dem übrigen Theil des Großen Werders , Stuin und das Dana ziger Haupt bekam der Churfürft

von Brandene

burg in Sequeſter;. alles ſollte im Beſikſtande obs ne Veränderung bleiben ; die Handlung zu Waſſer und zu Lande behielt ungehindert ihren Fortgang; im Fall eines Angriffs während dem Stillſtande, verpflichtete ſich

das

Herzogthum Preuſſen und

Danzig in Betreff Schwedens,

dem angegriffen

nen Theil Beyſtand zu leiſten .

Auf dem nächſt

sy Nov , folgenden Reichstage ju Warſchau , wurden dieſe und alle übrige Vergleichsartikel genehmiget , " ſo ſehr aucy König Sigismund fich anfangs damis

1

Bierfer Abſchnitt. Fünftes Capitel.

439

der fekte , und die Hofparthen den Polniſchen Beo vollmächtigten deswegen Borwürfe machte.

Zum

legt aber reſervirte fich Sigismund nur ſeine Rechte,

wegen des an Guſtav Adolph gegebes

nen Titels eines Königs von Schweden.

Danzig bekam auf gedachtem Reichstage nichts mehr , als ein erneuertes Verſprechen der ausges maçten Geldſumme, und gleichermaaſſen wurde Thorn blos mit Worten ,

der Dankbarkeit

des

Königs verfichert. Ein wichtiges Geſchäfte aber ſtund noch mit Danzig bevor , weil man unterlaſ ſen hatte, wegen des Schwediſchen Zolles , der vor dem Danziger Hafen erlegt wurde , ſich in den Stillſtandstractaten gehörig zu einigen . Der Franzöſiſche Geſandte hatte zwar ben ſeiner

An

kunft, Vorſchläge von der Stadt zu wiſſen ver langt , auch dieſelben umſtåndlich vernommen , und die verbindlichen Ausdrücke, deren ſich der König von Frankreich in dem Geſandſchaftscreditiv an den Rath von Danzig bedient hatte , mußten die fchmeickelhafteſte Hofnung von ſeinem Beyſtande erweckt haben ; allein der Engliſche Geſandte fatte fich fogleich offenherziger erklåret , und dem Rath 1 überhaupt zu verſtehen gegeben , daß es nöthig feyn würde ,

wegen des Seezolls und wegen der

Stadtländereyen mit Schweden einen ſeparirten Vertrag abzuſchlieſſen. Legteres mußte demnach , dieweil ſich der Polniſche Hof naq dem Reichstage der Sache nicht weiter annahm , lich geſchehen .

nunmehr würk,

Eine Deputation aus allen Ord.

nungen welche den

Burgermeiſter Eé 4

Eggert von

440,

Danzigs Geſchichte.

Kampen an der Spiße hatte , wurde nebſt dem 1

Syndicus nach Tiegenhof geſchicket, wo durch Bea förderung des Großbrittanniſchen Geſandten , mit den So wediſden Commiſſarien , der Vergleich in Die Hands 16.30: folgenden Artikeln zu Stande kam . 28 Febr. lung ward beyder ſeits frey und ungehindert , wie vor dem Kriege wieder hergeſtellt.

Aufbewahrte

Güter oder Schulden wurden beyderſeits Eigner zurückzufordern berechtigt, mit Ausnahme deſſen ſo im Kriege confiſcirt oder verſchenkt worden ; der Seejol bey ſeyn ,

Danzig ſollte dem ben Pillau gleich

und fünf auch ein Halbes von Hundert bes

tragen, davon die Schwediſchen Zöllner im Hafen

1 viertegalb ,

und die Danziger zwey Procent zu

nehmen gåtten ;

Danzig. ſollte keine Kriegsſchiffe

bauen oder ausrüſten , noch fremde

kaufen

und

veråußern , oder zum Nachtheil der Krone Sowe: den , deren Ausrüſtung verſtatten ; ein wedſelſeitiger Beyſtand

zulegt wurde

verſichert,

im Fall

dieſer Vergleich ſowol als der Waffenſtilſtand mit Polen , von irgend jemanden verlegt werden ſollte.

1 Vierter Abſchnitt. Sechstes Capitel.

441

Sechstes Capitel . Danzigs nachtheilige Lage während dem Stillſtande Eer neuerte Landesgeſchäfte wegen der Weichſelfahrt Ubs ſterben des Königs von Polen Innrer Zuſtand der bürgerlichen Verfaſſung Danzigs — und des Proteſtans tiſchen Kirchenweſens - Neue Einrichtungen , dffentliche Gebåude und Stiftungen in Danzig .

Solchergeſtalt war nun die erſte Scene des Schwes diſchen Krieges in Preuſſen geſchloſſen ; die Vora theile aber waren geringe, ſo das Land felbſt da . mit gewann ,

und Danzig hatte vielleicht am eis

by ein auf kurze Zeit geſchloſſener Stilſtand mit den Erholungen des Landes und der Stådte in Wider

ſpruch treten würde.

Hiezu kam noch ,

daß ein

beträchtlicher Theil der Provinz in fremdem Beſię blieb, und Danzig nicht nur die Occupation in der Nehrung,

ſondern auch den Fortgang des

Swediſchen Seezolls zugeben mußte.

Danzig

konnte den erlittenen Scaden , und die gehabten Ausgaben nacı Millionen berechnen ; mit den er ſparten Landescontributionen oder den zurückbehal tenen Malzacciſen , lieffen ſich dieſe Summen nicht aufwiegen ;

ſeit dem J. 1627 war daneben der

hundertſte Pfennig ſchon viermal abgetragen, auch zu Zeiten ein monatliches Hauptgeld auferlegt wor außer den vielfältig erneuerten und verån. derten Accifen und der Handlungszulage, um des

den ,

ren Abnahme und Adminiſtration wegen , ſich in dieſen Jahren viele Streitigkeiten unter den Dros Ee's

Danzigs Gefihichte .

442

nungen der Stadt hervorgethan haben .

Hienådft

wurden mit den verſprochenen Tonnen Goldes an Danzig ,

von einem Reichstage zum andern nur

Ausflüchte gemacht; einige Vergeltung zwar gab einer

der lekteren Reid,stagsſchlüſſe,

Weichſeltranſport des

daß

Polniſchen Korns

allein auf Danzig verſtattet ſeyn ſollte ;

aller

vorjeßt aber das

gegen find andre Kinderungen hervorgekommen, welche dem Danziger Handlungsintereſſe nicht we nig Ubbruch gethan Şaben.

Die Alianz des Ko

nigs von Polen mit dem Kanſerlichen Hofe, und insbeſondre die Unterſtüßung, ſo der Kayſer dadurch in der Oſtſee gewinnen ſollte, hatte Danzig in die Repreſſalien des Königs von

Dänemark Chri

ſtians des Vierten verwickelt.

Derſelbe ließ

im I. 1629 der Stadt Bürger , Schiffe und Gů. ter anhalten , und unerachtet die Unternehmungen der Polniſchen Schifscommiſſarien ,

von Danzig

weder gebilliget noch begünſtiget wurden , ſo ließ ſiç König Chriſtian doch durch keine ſchriftliche Vorſtellung davon abbringen ,

die Danziger als

Polniſche Unterthanen und als Alliirte des Kayſers mit dem er im Kriege lag , feindlich zu behandeln . Man hofte hernach mit einer eigenen Geſandſchaft, in welcher der Rathsherr Czireberg mit dem Secretair Mittendorf an den Däniſchen Hof ab geſchickt wurde , feinen Zweck beſſer zu erreichen ; allein die Confiſcation der beſchlagenen Danziger Schiffe und Güter iſt damit nicht abgewandt wors den , und alle Schiffe dieſer Stadt waren ferner genórhiget ,

mit Erlegung des doppelten Sund.

4

>

Vierter Abſchnitt. Sechstes Capitel. zolls ſich eine freye Fahrt zu verſchaffen .

443 Dieſe %

Bebártigung hat noch zehn Jahre fang fortgebau . ert , eģe Danzig ſich durch anderweitige Erbietun geni davon hat los machen können .

Um fo viel weniger konnten auch die Anträge des Spaniſchen Hofes Plaß gewinnen , welcherchon im J. 1627

der Spaniſche Agent Gabriel dů Roy, und noch nåber im 9. 1629. der Baron von d'Auſchi als Geſandter in Polen , wegen des Etabliſſements einer Handlung mit Danzig

wiederholt

hatten .

Es ließ ſich wieder ohne Zuziehung der übrigen Hanſeſtadte, noch wegen des erneuerten Einver ſhåndniſſes mit der Republik der Vereinigten Nie derlande,

eine feſte Entſchlieſſung dazu nehmen ,

und nun kamen noch von auſſen neue Erſchwerun gen der Schiffahrt hinzu , womit alfo die Bedent. lichkeiten wegen eines Commerzverfeþrs mit Spai nien , bis zur gånzlichen zunahmen .

Zurüd tretung davon ,

Nod immer Hatte Danzig auch den ſchlechten Buſtand der Weich fel am Weiſſen Berge zum Au genmerf behalten .

Schon im J.

1609 waren

von dieſer Stadt, zur Hemmung des ſtarken Stroms: im Nogatfluß zwe Mittel vorgeſchlagen worden , entweder den Muntauſchen Wald durch zugraben , oder die Kampe bey Mede durchzuſtechen ; allein beyde

Vorſchläge waren der Koſten wegen nicht

angenommen .

Im I. 1611 wurde ein mit große

fem Schaden erfolgter Ausbruch des Nogats, demi Weich felgraben am Weiſſen Berge ſchuld gegebent ſolches beſchleunigte eine vom Könige erbetene Born

1

!

Danzigs Geſchichte... 444

ſichtigung , die Commiſſion dazu hatte auch ihren Fortgang gehabt ;

weil aber weder die

Proving,

noch die geſammten Städte zur vorzunehmenden

!

Arbeit einen Beytrag bewilligten , ſondern Elbing und Danzig die Koſten allein tragen ſollten , ſo ift man hiemit in der Sache felbft noch nicht weiter Dennoch warb im folgenden Jahre

gekommen .

dieſer Gegenſtand wieder in Betrachtung gezogen , und Danzig übernahm zulegt den Bau, um einem unüberwindlichen Schaden Einhalt zu thun , ließ ſich auch nebſt Elbing den Vorfuß der Koſten das zu gefallen ,

den ferner in die EinbeẠaltung der

Malzacciſen hat vergüten müſſen .

Den Zufluß

der Borau in den Nogat, hat man nunmehr durdy Häupter am Küchenwerder zu Kindern geſucht ; am Weiſſen Berge iſt in der Weichſel ein Haupt von ſechs Ruthen in die Breite geſchlagen worden , den Schaden an der Muntauſchen Spiße hat man aus . beſſern , und die am Maydeloch eingerammten Pfàle wieder ausziehen laſſen , zu welcher Arbeit die Ein . Werders

wenigſtens

Strauch und Erde zugeführt haben .

Nachdem

ſaſſen

des

Marienburger

dieſe Arbeit zum Stande gebracht worden , iſt der Effect davon für den Arm der Danziger Weichſel unfehlbar beträchtlich geweſen .

Der Nogat aber,

fo den oftmaligen Landesſchlüſſen gemås, nur ein Drittel des Weichſelwaſſers empfangen ſollte, hat dadurch ſo ſehr gelitten , daß er beynahe zur Schif fahrt untauglich

geworden .

Hierüber find neue

Klagen inſonderheit von ſeiten der Elbinger ento ftanden ,

und bey der Durchreiſe

des Königs im

.

1

}

1

Vireter Abſchnitt. Sechstes Capitel., 445 F. 1623 ſind die Beſchwerden über die Danziger Direction dieſes Wafferbaues ,

und die dadurch

geſchmålerte Fahrt auf Elbing , ſo laut geworden , daß der König eine neue Beſichtigung und Unter ſuchung des Weichfelzuſtandes am Weiſſen Berge þat verſprechen müſſen .

Judeſſen find bald dar

auf die Schwediſchen Kriegsunruhen in Preuſſen eingefallen , welche einen Aufſqub in dieſer Sache verurſachet haben. Dieſe und

megrere

landesangelegenheiten ,

welche der Krieg gehemmt hatte , ſollten nun wåh rend dem Stilſtande, ſo viel es die Umſtånde ere laubten , mit erneuerter Sorgfalt in die Staats . Conſultationen gebracht werden ; ſie wurden aber eines Theils durch andre von den Preuffifchen Stån . den aufgeworfene Materien verdrüngen , und eine noch mehr veränderte Richtung der Landesgeſchåfte brachte der Tod des Königs mit ſich , der im dritten Jahre des getroffenen Waffenſttuſtandes erfolgte. 1632. Sigismund der Dritte ſtarb an einem Schlag 30 Áprit. fluß, eben als er'in Bereitſchaft war, das Leichen begångnis feiner zweyten laffen.

Gemalin

celebriren zu

Kurz vorher hatte er noch einen Reichs

tag ge alten , auf welchem nächſt einigen Verſore gungen in der Königlichen Familie , wenig erbeba liches beſchloſſen wurde , außer daß die Polniſchen Reichsſtände aufs neue Anregung machten , fick um

einen

feſten Frieden mit dem Könige von

Schweden zu bewerben .

An Danzig war auf dem

vorgångigen Landtage in Preuffen , weil die Stadt Elbing in Schwediſchem Beſige war , die Unfers

1

Danzigs Geſchichte.

-

446

tigung eines neuen Landesſiegels , und die Bewag. tung deſſelben anvertrauet worden ; auf dem Reichs . tage bingegen war weder für

Thorn ,

noch für

Dangig , eine Befriedigung nach der ehemaligen Verbeiffungen zum Schluß gekommen , fo : fehr auc , bende Stådte iþr Auſuchen deshalb fu erneu ern waren berechtigt geweſen . Was Danzigs innern waren

vermoge

der

Zuſtand angehet ,

ſo

Kriegsuncuben verſchiedene

Differenzen entſtanden, welche die Rathſchläge der Ordnungen nicht ſelten zwiſtig und macht hatten .

ſchwierig ge

Wegen der Hausſåßigkeit oder des

eignen Rauchhaltens der Fremden , wegen Ver . teyhung des Bürgerrechts , wegen Einrichtung ung Adminiſtration der Bürgerzulage im Handlungs, gewerbe 9), und wegen mehrerer das Finanz- und Policeyweſen der Stadt betreffenden Gegenſtande, batten ſich größtentheils ungleiche Geſinnungen ges äußert, welche den Drang der allgemeinen Staárs : Defters hatte de : for beſchwerungen vermehrten. en zur Eintracht ergeben nig deshalb Ermahnung laſſen , und inſonderheit im F. 1626 den Staro . ſten von Brzeſc Johann Lowicki , als ſeinen Lee gaten pießer geſchicket, innerlichen

um allen Stdrungen der

Ruhe abzuhelfen. Dieſer hatte den

1) Die Zulage in Danzig , iſt eine eingeführte Abgabe von allen durch den Hafen ein : und ausgeljenden Waaren und Gütern , welche als ein Hülfgeld zu Abtragung gemeiner Schulden und zu andern außerordentlichen Ausgaben der Stadt , von ihren bürgerlichen und commercirendeu Eins faffen erlegt wird. Sie iſt der Stadt durch ein Königliches Privilegium vom I. 1454 beſtåtjget worden .

Vierter Abſchnitt. Sechstes Capitel. Auftrag gehabt , Sachen ,

447

in Geiſtlichen und Weltlichen

die Mishelligkeiten unter der Bürger.

ſchaft beyzulegen ;

er hatte zwölf die Regiments.

Verfaffung der Stadt betreffende Punkte ſchriftlich eingegeben , deren Beobachtung der König ,

auf

ergangenes Unſuchen der unzufriedenen Bürger, dem Rath einſchårfen ließ , er hatte auch die ſpeo cielle Beeydigung zu Stande gebracht, mit wele cher der Rath , die Gerichte und die dritte Ords nung , ſich auf dem Rathþauſe endlich verbanden, zur Zeit dieſes Kriegs, in der Treue gegen den Kd. nig ,

ſtandhaft und ungetrennt bey

einander zu .

bleiben , und wozu ferner die gemeine Bürgerſchaft Rottenweiſe aufs Rathhaus iſt gefordert worden, um dieſe Verpflichtung ebenfalls mit Gut und Blut zu beſowdren.

Ju der Kirchendifferenz, welche

noch immer zwiſchen den Lutheranern und Refors mirten fortwährte, gleichermaſſen

fatte der Königliche Legat

Befehle erhalten ,

beyder Parthenen zu beſänftigen ,

die Gemüther und ſie insgea

fammt in Religionsſachen , auf den Flaren Inhalt der Stadtprivilegien zu verweiſen .

Seit den leßt

angeführten Urſachen , welche den Wachsthum der Reformirten Gemeinde in Danzig vermindert þate ten , war es freylich nicht zu beftigen Ausbrüchen des Unfriedens gekommen , doch loderte das Feuer noch unter der Aſche, und mit der geringſten Vera anlaſſung ließ ſich ſtets

eine wieder aufſteigende

Flamme deſſelben befürchten.

Im J. 1619 war

dergleichen Erneuerung des Haders entſtanden , als die Reformirten , wie man glaubte, ein Königliches

!

448

Danzigs Geſchichte.

Manbat zu ihrem Vortheil ausgebracht hatten, worin ihnen eine unbedingte Gleichbeit mit den ku : theranern , in Ehrenſtellen und Aemtern der Stadt Hierüber war ein Hartnäckiger zuerkannt wurde. Vorzugs- und Rechtsſtreit entſtanden , der eine zweymalige Abſendung vom Königlichen Hofe nach fich gezogen hatte , und womit ſich dennod nicht, die bitterſten Animoſitåten beyder Parthenen gegen Es iſt das einander , Şaben vermindern laſſen . durch ſelbſt bis zur 'nahen Gefahr eines bürgerli hen Aufruhrs gebracht worden , und man hat ſich nicht eher zufrieden gegeben , bis fraft einer Ko. niglichen Erklärung,

das

oben erwähnte Man.

dat abgeſchaffet , und das im J. 1612 gegen die Calviniſten in Danzig gegebene Mandat reaſſumirt iſt.

Uebrigens haben die nach der Zeit geführten

Prediger . Controverſen , welche gemeiniglich unter dem Namen der Rathmanniſchen Streitigkeiten in Danzig bekannt ſind r ) , zwar Einfluß genug auf die Unterhaltung des Partheyzwiſtes , und eines mit blindem Religionseifer genährten Haſſes ge habt , allein ſie ſind mindeſtens nicht bis zur Be. einträchtigung der öffentlichen Ruhe ausgetreten , und nach Rathmanns Code ( 1628 ) iſt durch Zuthun

1 ) M Herrmann Kathmann , Diaconus an der Oberpfarr: kirche zu:St . Marien, gerieth mit dem Paftor an derſelben Stirche D. Johann Corvinus in einen theologiſchen Streit, der zu langwierigen Debatten über mehrere Kirchenſäße und Irrthümer in der Religionslehre, Gelegenheit gegeben hat. Bartknoche Kirchengeſch , B. III. Cap. 8.

:

Dritter Abſchnitt. Sechstes Capitel.

449

Zutyun einiger chriſtlichgeſinnten Religionsfreuns de , ein Vertrag zwiſchen den Predigern in Dan. zig bewůrkt worden ,

fraft deſſen

man ſich alle

Neuſſerungen dieſer bisher ventilirten Streitpunkte villig aufzuheben ,

und ſich einſtimmig an deren

fchriftlich beſtätigter Entſcheidung zu halten , an Geifchig gemacht hat.

In dieſer Situation hatte

auch der Kdnigliche frgat die Evangelilisen Kir. chengemeinden in Danzig ziemlich beſånftigt vers laſſen . Bald darauf ( 1629) war der D.Schmidt oder Fabricius mit

Tode abgegangen , nachdem

er ſchon dren Jahre vorher , Alters und Schwach. heit Qalber , einen Subſtituten im Predigtamt be. fommen hatte ; und nunmehr iſt im J. 1631 zum Rectorat am Gymnaſium fo wol ,

als zum Pres

digtamt an der Trinitatiskirche, ein eifriger Luthe raner der D. Johann Botſacc beſtellet worden, ſeit deſſen Einführung ,

zagleich die Verordnung

gemacht iſt, daß in gedachter Kirche die Lutgeri fchen Religionsverwandten , und die Reformirten, ihren Gottesdienſt wecrelsweiſe halten ſollten, wel. ches Simultaneum aber zwanzig Jahre ſpåter für die Reformirten vdllig aufgehört hat .

So unleugbar es nun alle bisher erzählte Vor fälle beſtåtigen , daß unter der langen und unruh vollen

Regierung

Sigismunds des Dritten,

Danzig nebſt dem ganzen Lande , mannigfaltigen Bedrůdungen unterworfen geweſen ; fo vielmehr Aufmerkſamkeit und Bewunderung verdienet es, daß felbſt in dieſen foyweren Zeiten ,

es unſerer

Stadt weder an Thätigkeit noch an Kräften gee Gesch . Danz. 2ter Th.

f

1

450

Danzigs Geſchichte.

fehlt habe , theils viele außerordentliche Abgabeu , Ehrengeſchenke und Gratificationen zu beſtreiten , theils auch nächſt dem koſtſpieligen Fortifications,

}

bau und andern nothwendigen Vertbeydigungsar ftalten zum Kriege, noch zu manchen nüglichen Einrichtungen , öffentlichen Gebåuden , und neuen Stiftungen , die baaren Fonds und Geldmittel Herben zu robaffen , ohne ſich damit eine überwies Eben gende Schuldenlaſt aufgebürdet zu baben . in dieſem Zeitraum iſt das ſchon ſeit dem J. 1574 künſtlich errichtete Waſſerwerf, mit allen in der Erde unter dem Hohen Thore durehgelegten Rob ren völlig zu Stande gebracht worden , vermittelſe deſſen die öffentlichen Brunnen in der Stadt fowol, als auch diejenigen ſo in den Hofplåken vieler Pris vathäuſer angelegt find , mit immer flieſſendem Im Waſſer aus der Radaune verſorgt werden . hen gſc s ) Waſo J. 1593 find aus den Tempelbur s ) Tempelbnrg ( über Schidlik gelegen , wo ehedem die Mühle geſtanden ) hat ein Privilegium des Teutſchen Or: dens , vom 3. 1445 datiret , ift fpåterhin ein adeliches Out geweſen , und unter Sigismund dem Erſten an den Rathsherrn Gerhard Brandes in Danzig gekommen. Im 9. 1582 haben acht an dem Beſiß deſſelben theilhabende Danziger Häuſer einen Familien Vergleich getroffen , das niach Abgang fåmmtlicher acht Stämme, in mannlichen und weiblichen Nachkommen , das Gut Tempelburg zum Beſten kranker und preßhafter Perſonen in Danzig , unter admi: niſtration gegeben , aber nicht verkauft werden ſollte. Ders geſtalt iſt Tempelburg als ein Stammgut , und zwar auf den ålteſten aus jedein Stamnie bis zum J. 1726 vererbet worden . Nad) Abſterben des Mathsherrn George Fried rid Sdrader aber , der die letzte Verwaltung davon ge . führt hat , haben weder deſſen noch der übrigen Familien

Vierter Abſchnitt.

Sechstes Capitel.

451

ferteichen , Röhren durch die Schidlik gelegt wor den , von dannen das Waſſer durch Neugarten geführt iſt, und nahe ben der Stadt ſich in die Radaune ergieſſet: auc iſt im J. 1614 die gee mauerte Brücke mit zwey Schwibbogen , bey der Waſſerkunſt über die Radaune gebauet, und im J. 1633 der eben ſo zierlich als fünſtlich von blauen Steinen verfertigte Springbrunnen , mit de: Neptunus - Seule nebſt andern Verzierungen yon Erz ,

vor dem Artushofe aufgelegt worden .

Unweit dem Hohen Thore, wo ſich die Lange Gaſſe endiget,

iſt im J. 1612 ein regelmäßig ſchönes

Thor von ausgeþauenen weiſſen Steinen erbauet, und mit einem

Fallgegitter verſehen , auch im J.

1626 das Neue oder Lege - Thor, Seite der Stadt ; 'welches um

an der ſüdlichen

der Steinarten ſo

wol als der Architectur wegen , bey aller ſeiner Simplicitåt von Kennern geſchåßt wird , errichtet, und zwer Jahre ſpåter das Werderſche oder Neue Thor , an der Oſtſeite der Stadt erbauet worden , Die Arbeit an den Feſtungswerken , hat man um Langgarten ſo wol als am Jacobschore feit dem J. 1624 mit großem Fleiß fortgefeget;

lekteres

iſt auc verſchüttet und ein Bouwerk davor gelege worden, wogegen einige Jahre ſpåter ein ſteinernes gewölbtes Thor mit einer davor liegenden Brüde Erben , fich der Adminiſtration und dem Beſig des Gutes unterziehen wollen , fondern ſie baben es insgeſammt als ein deſerirtes Gut dem Rath zn Danzig angeboten , worauf nach erfolgten Vernehmen mit ſämmtlichen Ordnungen, die Decupation deſſelben beſchloſſen , und die Verwaltung davon der Function des Stadt : Sauamts ift übertragen wordeu . Ff 2

452

Danzigs Geſchichte.

fertig gemacht iſt. .

Unter den öffentlichen Gebäu .

den verdienet nåcoft der im J. 1619 gemachten Verbeſſerung und Erweiterung des Stadthofes , vorzüglich das große oder alte Zeughaus angemer . ket zu werden ; welches von ſeiner edlen und ſtars Fen Bauart fo wol , als wegen der innern Einrich . tung berühmt iſt , deren ſich ſchon die erſten Stifa ter deſſelben , unter welchen im J. 1605 vor an .

1

dern die Burgermeiſtere Barthel Schachmann und Johann Speymann , :) nebſt dem Raths. Herrn Johann Proite genannt werden, verdienſt voll ſollen angenommen haben .

Es würde zu weita.

läuftig fallen , mehrerer mit Aufwand verknüpfter Meliorationen und Baureparaturen zu gebenten , welche an den

Rathhäuſern der Stadt ,

an der

Großen Mühle , an dem Stock - oder Gefängniß. Hauſe , und an mehreren Stadtgebäuden , in dies ſen Jahren ſind gemacht worden ; nur iſt noch das Zucht und Arbeitshaus anzuzeigen , welches man im J. 1630 neu hat aufbauen laſſen . Die erſte Stiftung dieſer Werksanſtalt ſchreibet ſich eigent: lid aus dem Lazareth oder Pockenhauſe her , defe ſen Vorſteher im J. 1629 unfehlbar zum Nußen des Hauſes, ſowol,

als um dem Müſſiggang und

der Bettelen vieles unnůßen Geſindels auf den Straſſen zu ſteuern ,

dem Rath einen Vorſchlag

gerhan haben , im Lazareth eine Werkſtube anzue legen , worin dergleichen zur Arbeit tüchtige Müfo * ) Dieſer iſt im J. 1593 vom Papfte zum Ritter geſchlagen , und die Familie mit dem Beynamen von der Spye geadelt worden .

1

Vierter Abſchnitt. Sechstes Capitel. figgånger ,

zum

Wollſpinnen

und

453

Tuc fabricie

Hiezu iſt auch rung angebalten werden könnten . Einwilligun Obrigkeitlic g ein guter Anfang her mit gemacht worden ;

weil aber nicht lange darauf,

außer andern damit verknüpften Unbequemlichkei. ten , die vermebrte Anzahl der Hülfbedürftigen im Lazareth es nothwendig gemacht hat , gedachte Werksſtube zum Behuf der Kranken einzuräumen , ſo hat der Magiſtrat im J. 1630 einen Plak zwi. fchen dem alten Schloß und der Schneidemühle ans weiſen laſſen , woſelbſt ein eignes Gebäude zu Ein .

5

M

ſchlieſſung ſtrafwürdiger Züchtlinge ſo wol , als anderer der Correction bedürftigen Perſonen ers richtet iſt.

Die Anſtalten zur Arbeit und zur Uns

terhaltung derſelben , Lage bekommen ,

haben nun eine verbeſſerte

das Zuchthaus iſt durch milde

Gaben und Schenkungen unterſtüßet ,

und vom

Rath find deinſelber alle Gerechtſamen einer from Hienåchft hat men Stiftung zugewandt worden. daſſelbe im J. 1636 ein Königliches Privilegium und mit demſelben die Vorrechte, des freyen Erb . anfalls , der Legitimation , des unbefcywerten Güterbefißes und mehrerer Freyheiten

erhalten.

Soldergeſtalt Hat dieſes Haus , zur Beſſerung der Sitten und zur Beförderung der Arbeitſamkeit, unter guter Aufſicht und Ordnung, immer högern Berch eines nußbaren Inſtituts gewonnen ; es iſt auch ſeit dem J. 1691 auf Anſuchen des Schóp Pengerichts der Rechten Stadt , mit einen Ange. båude zur Feſtung größerer Uebelthäter , denen fchwerere Arbeiten zur Strafe auferlegt werden ,

f 3

Danzigs Geſchichte..

454

unter dem Namen des Raſpelhauſes erweitert wors den ; man kat ferner unter mehreren lobenswürdie gen Anordnungen, die Einrichtung zu einem öffente lichen Gottesdienſte dabey gemacht, und ſeit dem 9. 1747 iſt die Aufſicht und Verwaltung dieſes Hauſes , einer Function aus allen Ordnungen der Stadt übertragen worden .

Siebentes

Capitel.

Ruhrige Wahl des neuen Kidnigs

Streit mit den Ståds

ten wegen des Beſites adlicher Güter – Beförderungen eines feſten Friedens mit Schweden - der Reichstag bes ſtimmt neue Zurüſtungen zum Kriege - Wiedereröfnung der Friedensgeſchåfte und Ankunft der vermittlenden Ges ſandten - Es wird ein 26jähriger Stilſtand zu Stumss dorf geſchloſſen - Vladislav der Vierte macht Anſprüche auf die Fortdauer der Preußiſchen Seezdte - er legt dies ſelben eigenmächtig an - wird aber durch Danzig mit Geld davon abgebracht die Seezšlle werden aufs neue errichtet - Danzig Tebet ſich eifrig dagegen , und findet Vier Dåntſche Kriegsſchiffe bey Danemark Beyſtand befreyen den Danziger Hafen . Sigismunds Abſchied von der Welt þatte kein Geräuſch der Waffen geſtdret, und eben ſo ruhig ward das Wahlgeſchäfte ſeines Prinzen Vladislav

als 1632. Nov.

des

einzigen öffentlichen

Zeit vollzogen .

Kronwerbers dieſer

Die Provinz Preuſſen gab dem .

ſelben durch den Biſchof von Culm als damaligen Landespräſidenten die Stimme, er warb auch durch einſtimmige Wahl der Polen und Litthauer, zum 1637.

König ausgerufen ,

Febr.

nächſtfolgenden Jahres zu Krakau gekrönet. Wåga

und im zweyten Monat des

Vierter Abſchnitt.Siebentes Capitel.

455

rend dem Zwiſchenreich war unter andern Haupt geſchaften des Staats , woran Preuſſen vorzüglich Theil nahm , die Religionsfreyb eit nach der Wars ſchauer Conföderation vom J. 1573 durch einen Reichsſchluß beſtåtiget worden ;

man hatte ſich auch der pråtendirten Annehmung der Polniſchen Rauchfangscont ribution in Preuſſen erwehret ; zivi. Toen dem Adel und den Städten in der Provinz aber waren Streitigkeiten zum Uusbrug gekoms men , die noch manche verdrůsliche Folgen gehabt þaben . Indeſſen þatten die Danziger Abgeordne ten , nemlich der Burgermeiſter Conſtantin Fers ber und der Rathsherr Eilhart von Bobart nebft dem Subſyndicus Heinrich Freder , zur Zeit des Krónungstages , nicht nur in einer zweymaligen Audienz beym Könige, die Beſtåtigung der Stadt privilegien , und eine gefällige Vertröſtung wegen Staatsgebređen erhalten , woben . Vladislav nur die Ermahnung hinzugefügt hatte , mit den Reformirten Glaubensgenoſſ en in gutem Bernehmen zu leben , und ſie der Religion wegen nicht von den öffentlichen Ehrenamtern auszu . ſchlieſſen ; ſondern Danzig bekam nun auch auf Ab. folag der verſprochenen

Geldſummen ,

theils in Anweiſungen , theils in baarem Beſtande, ein hun . dert und funfzig tauſend Gulden , und es wurde eine Conſtitution gemacht , fraft welcher der Kron ſchafmeiſter , zu baldiger Entrichtung des Rüds ſtandes , verpfliďtet ſeyn ſollte. Einan unangenehmen Zwift erweckte, dafür die Widerſtrebung ,

mit welcher die Preuſſiſche Mita

1.4

456

Danzigs Geſchichte.

terſchaft den Bürgern der Städte das Befißungen 2 rect adlider Gůter abftreiten wollte.

Unter Sia .

gismund dem Dritten war ſchon auf dem Reichs tage vom J. 163,1 einmal die Klage angebracht worden , daß die Fremden, ſo bald ſie in den Große fen Städten das Bürgerrecht gewonnen hatten , Adlidze und Königliche Güter in ihren Beſik bråchten ; man wollte deshalb dieſes Reqtnur gare gen Städten , nicht aber einzelnen Bürgern vere gånnt wiſſen, oder wenigſtens follte nach einigen Mein . nungen , ein Unterſchied zwiſchen vornehmen und gemeinen , wie auch zwiſchen einheimiſch und aus. wärts gebohrnen Bürgern beobachtet werden.

Es

hatten aber dergleichen Vorſchläge, gleich wie der Klagepunkt ſelbſt , damaliger Zeit bey den Reichs. ſtånden feinen Eindrud gemacht , man regte dieſe, Materie demnac, auf dem Krónungsreichstage von neuem in Bewegung.

Die Preuſſiſchen Landbou

ten brachten es gegen ihre Vollmacht würklich das þin , daß die Polniſche Landbotenſtube dem Könige deswegen Anträge machte;

allein auch hier blieb

die Königliche Erklärung ſehr weit entfernet ,

eta

was zum Nachtheil dieſer bürgerlichen Vorrechte zu verfügen .

Deſſen

ungeachtet unterließ

die

Preuffiſde Ritterſchaft nicht, durch andere Nebena wege hierin zu iþrem Zwed zu gelangen . Sie benußte daju jede Differenz, worin fich ehedem die Stådte dem Adel entgegen gefegt hatten, ſie fuckte die kleinſten Abweichungen Hervor, womit man den Bürgern etwas zur Laſt legen fonnte , fie wollte alle álteren Misverſtändniſſe des Landes mit dem

3

1

Vierter Abſchnitt.

Siebentės Eapitel.

457

Kidnige, und alle fich node außernden Jerungen, blos dem tatelhaften Betragen der Stådte aufbården , und gleich wie die kleinen Stådte foon lange in Verfall gerathen , und von den gemeinen Ratha folågen ausgeſchloſſen waren , ſo zeigte ſich jege offenbare Beſinnung des Adels ,

eine

auch

die

Großen Städte zu unterdrüden, und ſie iğrer Con ſultationsrechte und Staatsprårogativen ganz zu berauben 3.

Unter ſolchen Verhältniffent enthielt man ſich

eben ſo wenig, die Erclufion der Bürger vom Adeo lichen Güterbeſike nody weiter zu treiben .

Man

ergrif eine kürzlich in Polen gemachte Conftitution ,, dom Beweiß des Adelichen Standes " zur Schub. wehr, und gleich als ob Preuſſen kein eignes Staats recht mehr hätte , fo -ward aus dieſer Polniſchen Sagang gefolgert,

daß Preußfiſche Bürger une

fåþig wåren , Landgüter an ſich zu bringen , oder die an ſich gebrachten im Beſik zu behalten.

Eine

der erſten Beſtreitungen aus dieſem Grunde, traf auf einen Danziger Bürger Gerhard von Prdnen, einen Niederländiſchen Abkommling, deſſen Fami. lie von Kayſer Carl dem Fünften geadelt wors den , deſſen Vater aber in Danzig das Bürger, redyt gewonnen , und ſich mit einer Tochter des Burgermeiſters Gerhard Brandes derşeyrathet şatte .

Der gedachte Sohn aus dieſer Ebe patte

die Tenute Sobowiz an fich gebracht, und ſelbige bisher unter einer vom Könige Sigismund dem Dritten erhaltenen Confirmation beſeſſen ; nun åber bot der Woywod von Pomerellen ſich die

SES

1

458

Danzigs Geſchichte.

ſelbe vom Könige Vladislav aus , fie toard ihut auch aus obigem Scheingrunde geſchenket, weil aber von Prdnen die Einråumung verſagte, ſo kam es zu einem Proceß , der nähere Erdrterungen in dieſer

Sache veranlaßte.

Der König , ſelbſt

nahm das Reqt derſelben , wovon er ſich unter : ridtet hatte , fo ſehr zu Herzen , daß er alle Mise Helligkeiten im Lande auszugleichen bemüht war. Der Biſchof von Cujavien unterzog ſich darin einer Vermittelung , allein der Widerſpruch des Adels ieß es nur ber einem unſichern Verſprechen , den • Streit wegen der Udelichen Güter zur Zeit in Rube zu laſſen .

Nichts deſto weniger wurde der Prdne

fche Rechtsſtreit ans Tribunal zu Peterlau gezogen, und mehrere Edelleute fuþren fort ,

die

Bürger

in dem Beſin ihrer Landgüter fu ſtören . Fernerhin kam im J. 1635 eine Reichsconſtitution zum Stans de, mit welcher der Geiſtlichkeit Einhalt geſchahe, adeliche Güter an ſich zu bringen ; es war beſorglich , daß die Preuſſiſchen Stådte darunter leiden dürften, und man

legte desfalls

im Grod zu Warſchau

eine Schrift ein , wodurch allen Misdeutungen des gedachten Reichsſdluſſes vorgebeugt wurde.

Au

im J. 1638 þat der König fick öffentlich der Vera laurbarung einer Conſtitution widerfeket,

welche

die Preuſſiſche Ritterſchaft fchon abgefaßt þatte, um den Bürgern den Beſie Königlicher und Adelia der Güter zu unterſagen .

Dennoch iſt es im fol.

genden Jahre abermals dieſer Sache wegen ,

in

der Polniſchen Landbotenſtube zur Sprache gefom men : man bat drey von bürgerlichen Perſonen be

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

459

Peſſene Tenuten , worunter Bårenwald der Bittwe des

Danziger

Burgermeiſters ' von

pfandsweiſe zuſtand ,

Kempen

ſchlechterdings an Edelleute

vergeben wollen ; allein auch jekt hat fich der Kos nig dagegen erklåret , und durch einige

Reichs

råthe den Adel zur Ruhe , oder zur rechtlichen Bes ſprechung der zwiſchen

Tenutarien

verweiſen laſſen .

Alle

der Preuſſiſchen Ritterfoaft und mic

den Stådten verſuchte Vergleiche ſind unterdeſſet bereitelt worden , und der Pröneſche Proceß bat: einen formellen Rechtsgang behalten . Mit ſelbigem haben ſich im J. 1641 noch mehrere Controverſen vermiſchet, als von Prdnen die bey Danzig ge.

3

legenen Adelichen Güter , Naſſenhuben ,

Hochzeit

und Mutterſtrenz von der Werdenſchen Familie an fid gekauft hatte ; ein Edelmann Priczewski Hat ihn deswegen ans Tribunal ausladen laſſen , wo ihm die Güter abgeſprochen und für caduc find ere fannt worden . Doch gat ein Fürſchreiben der Danziger an den König ,

vielleicht auch das Ge

wicht mehrerer Bewegungsgründe, dieſer Störung wieder abgeholfen , und von Prdnen iſt der bes nannten

Güter wegen in Ruhe geblieben .

Nur

den Proceß wegen Sabowicz þat er im I. 1643 mit Bezahlung einer Summe von 13000 Gulden an den Woywoden Dzialinski aufgeben müſſen , nachdem vorher der Danziger Syndicus Riccius eine Reichstags - Entſcheidung

8

darin

ſtand des Königs abgewandt hatte , noch kråſtigerm

mit Beya nachdem zu

Rechtsbeweiſe, zwer Königliche

Decrete abgefaßt wurden , die den von Prdnen

.

460

Danzigs Geſchichte.

als einen Preuſſiſchen Bürger Königliche und Ades liche Güter zu beſißen berechtigten , und ihm gegen alle Anſprüche Schuk gaben . Indem nun die bis jer erwähnte Controverſe,

und noch mehrere Streitigkeiten zwiſchen dem udel und den Städten , ſich aus

Eiferſucht und Mis .

gunſt entſponnen , ſo war man gegen den Ablauf des ſedysjährigen Waffenſtillſtands mit Soweden , allgemein im Staat auf politiſche Maasregeln beo dacht, ſich eines dem Lande Höchft beſchwerlichen Die baldigen Fries Krieges ganz zu entledigen . 1634.

densſchlüſſe mit Rußland und der Pforte Hemmten zwar die neuen Kriegszurüſtungen , wozu die Preuſ fiſchen Stånde fchon mit aufgefordert waren , aber in einem faſt ſchlechten Verthendigungszuſtande , hatte man die Provinz gegen Schweden gelaſſen , und obgleich von Polniſcher Seite nicht alle Bears beitungen zur feſtern Ruße unterblieben , es doch noc ungewiß ,

ſo war

ob die beyden feindlichen

Mächte fich wegen der ſtreitigen Hauptpunkte wür den einiger fönnen .

Allerdings hatte ſich der Zu

ſtand in Schweden nicht

wenig verändert,

der

tapfere Guſtav Adolph lebte nicht mebe,

das

Reich wurde im Namen einer unmündigen Königin , vom Reichsrath regieret ,

und der teutſche Krieg

ſo wol , als innre Drangſale des Landes Qatten die Kråfte deſſelben mitgenommen .

Nichts deſto wes

niger arbeiteten die Schweden an ihren Feſtungs. werken in Preuſſen , fie verſtårkten hieſelbſt ihre Kriegsdólfer , und wenn ſich gleich feine fürchter liche Wiedereröfnung des Krieges vermuthen ließ .

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

461

Po ſchien doch die Krone Schweden eine ſolche Forte dauer des Stillſtands zu wünſchen , worin fie bey allen bisher in Preuſſen behaupteten Poffeffionen erhalten bliebe.

Polen dagegen ernannte ſchon auf

dem diesjährigen Reichstage zu Warſchau ,

ſeine

Commiſſarien zur Berichtigung des Friedensge. ſchäftes, und gegen Ausgang des Jaþres bequem . te man ſich Schwediſderſeits, ein gleiches zu thun .

gn eben der Zeit that der König eine Reiſe nach Preuſſen , er kam auch auf einige Tage nach 1

Danzig , wofelbft er im Märzmonat, durch den Woywoden von Culm Melchior Weyher und den Staroſten von Schwer Johann Zawacki die Hulo digung batte abnehmen laſſen , er ging ferner nach Thorn ,

befand fidy aber nach wenigen Wochen

wieder in Warſchau.

Das Hauptgeſchäfte des 1636 . 18 Jant Staats wurde nunmehr die Eröfnung der Friedens. tractaten .

Nächſt der dabey unabläßigen

Bee

mügung des Churfürſten von Brandenburg Geor ge Wilhelm , Hatten die Könige von Frankreich und England , wie auch die Republik der Verein 2 nigten Niederlande die Vermittelung darin über nommen.

Indeſſen nahm die Unterhandlung vors

erſt mit alleiniger Zuziehung der

Churfürſtlichen

Seſandtſchaft u ) ihren Anfang. Zum Ort der Zus

u ) Die Perſon des Churfürſten ſelbſt repräſentirte hieben der Markgraf son Brandenburg , Sigismund . Dieſem waren der Preuffiſche Landhofmeifter von Creußen und der fang: ler von Saufen , imgleichen der Landrath von Königseck, der Hofgerichtdrath von Rausfen , und der Hofrath Bergs mann zugeordnet.

1

Danzigs Geſchichte .

462

ſammenkunft war nach einigen Wechſelreden , die Preuſſiſche Stadt Holland beliebet worden , und an einem und demſelben Tage pielten die Polniſchen und die Schwediſchen Commiſſarien 1 ) þieſelbſt ih . 24 Jan. ren Einzug. Gleich in der erſten Seſſion aber äußerte ſich eine Differenz wegen einiger Ausdrücke in den Polniſchen Vollmachten , und obgleich mit . lerweile der Engliſche Geſandte George Duglas in Holland eintraf, ſo konnte doc aud deſſen eifrie ges Zuchun nicht verhindern , daß die Negociation abgebrochen , und den Erklärungen nach , auf eine

1 bequemere Zeit verlegt wurde. Der Polniſche Reichstag fiel dazwiſchen ein , der nun zwar nicht alle Hofnungen zum gütlichen Vergleich niederſchlug, aber doch im gegenſeitigen Falle , ernſtliche Anordnungen zur Fortfeßung des Krieges feſtſtellte. geendigtem

Die Zurüſtungen wurden nach

Reichstage ſehr åmſig betrieben , Polen

ſuchte ſich ſelbſt im Brandenburgiſchen fichrer zu machen ,

Preuſſen

der Weichſelſtrom wurde mit

neuen Scanzen gedecet ,

und

den

Schweden

*) Die Polniſchen Commiſſarien waren der Culmiſche Biſchof und Feron : Großkanzler Jacob Zadzic , der Woywod vou Wilna und Litthauſche Großfeldherr Fürſt Chriſtian Rad zivil , der Woywod von Belcz Raphael Leſzczynski, der Stronreferendarius Remig. Zalaski , Magn. Ernſt von Denhof und Abraham Golochowski. Von Schweden waren dazu verordnet , der Graf Peter Brahe, der Statt: balter in Preuſſen und Feldmarſchau Wrangel, der Reiches rath Achaz Axelſon , der geheime Rath Jchann Dren ftierne, und der Königliche Secretair Yohann Nicodemi.

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel. warð alle Zufuhr an · Lebensmitteln Auch

463

erfchweret.

Danzig verſäumte es nicht, ſich gegen eine

Erneuerung zu legen .

des Kriegstheaters in Bereitſchaft Unter mancherley Jrrungen und

un

gleichen Geſinnungen , die ſich zwiſden den Ord . nungen der Stadt Hervorgetýan ýatten ,

war die

Beſakung des fchweren Soldes wegen , von einem Jahre zum andern wieder bis auf tauſend Mann abgedankt worden .

Jeßt aber bewarb man fick

nicht nur um einen Oberſten Kriegsbefehlshaber, Generalmajor

Chriſtoph

Huwald y ) als Commendanten in

Beſtallung,

und nahm dazu den

fondern man trug demſelben auch auf, einige hun. dert Soldaten in Deutſchland anwerben zu laſſen ,

3 und in gleicher Abſicht wurde ein Danziger Capitain nach Lübeck und Hamburg geſchict, um ein paar hundert Fußknechte zuſammen zu bringen. An den Fortificationswerfen der Stadt ließ man mit er neuerter Aemſigkeit arbeiten , es wurde auch wies der eine Schange bey Kåſemart aufgeworfen , die zur Deckung des Werders , und zur Beobachtung des in Schwediſchen Händen befindlichen Weichſels þaupts dienen ſollte .

Hienáchſt

wollte

Kdnig

Vladislav eine Polniſche Flotte in See bringen , und erließ an die Stadt triftige Befehle, die Aus. růſtung ſeiner Schiffe befördern zu helfen ; allein

# y ) Er hatte ſich in Schwediſchen Dienften bis zum Generals Major aufgedienet, war aber im Jahr 1634 disguſtirt wors den , und hatte ſich nach verlangtem Abſchied als Volontair zur Churſächſiſchen Armee begeben. Von Dannen kam er nach Danzig und übernahm die Stelle eines Cominendatis ten in der Stapt.

Geſchichte Danzigs .

4.64

Danzig lehnte dieſes Vorhaben mit Entſchuldigun. gen ab , die theils in der Stillſtandsverpflichtung, theils auch in dem behutſamen Betragen gegen fremde Mächte ihren Grund hatten . Dennoch wurden

bieſelbſt Königliche

Schifscommiſſarien

verordnet, und auch zwey Perſonen Obrigkeitlichen Standes in Danzig dazu ernannt , welche aber die Stadt durch ein inſtåndiges Fürſchreiben wieder von dieſem Amte befreyt hat. Nicht lange darauf kam der König von Polen ſelbſt nach Preuſſen , um die getroffenen Kriegs. anſtalten zu ſehen .

Von Königsberg, wo er die

Feſtungswerke in Augenſchein nahm ,

ging er nach

Thorn zurůd , und begab ſich ins Polniſche Lager, welches ohne den aus Polen erwarteten Succurs, aus 12000 Mann regulairer Truppen beſtand . Der Schwediſche Feldmarſchall Wrangel machte nicht weniger Vorbereitungen zur Wiedereröfnung des Krieges ,

er ließ ſich von Churbrandenburg

die ſequeſtrirten Derter zurück geben , und ſtach ein Lager bey Marienburg ab , welches durch Zuſam : menziehung der Truppen ſo wol , als an Geſchüße, Kriegsvorrath und Lebensmitteln , mit allen Noth. wendigkeit verſorgt wurde .

Mitten unter ſo růſtis

gen Veranſtaltungen aber hatten vorzüglich der Enge liſche Geſandte und der Brandenburgiſche Hofrath Bergmann den König von Polen dahin diſponiret, daß er noch einen Verſuc zum Fortgang des Frie densgeſchäftes bewilligte. lung

Die fernere Vermitte.

brachte demnach beyderſeits

Commiſſarien

wieder nåber zuſammen , und nach unterſchiedenen Vors

I

f

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel .

465

Vorſlågen , wurde endlich Stumsdorf zum Ort der neuen Zuſammenfünfte beliebet. Um dies felbe Zeit trafen auch die übrigen Mediateurs , nem . lich der Franzöſiſche 3 ) ſo wol als die Holländiſchen 3 ) Der auſſerordentliche Geſandtepon Frankreich war Clande de Mefmes , Graf von Avqur ; in der Holländiſchen Geſandts ſchaft befanden fich der obengedachte hohe Rath Rocus von den Honaert , der Burgermeiſter Bieker von Amſters tam , und Joachim Andrå Mitglied des hohen Raths von Friesland. Im Gefolge des Grafen von Avaur was auch der Franzöſiſche Geſandtſchafts : Secretair Carl Ogier , der als Schriftſteller durd feine Ephemeriden bekannt iſt, worinken er nåchſt einer genauen Relation von der Stumos dorfer Unterhandlung ; viele Anecdoten oder Privatnachs richten von Danzig , die ihm während ſeinem Aufenthalt hiefelbft vorgekommen ſind , aufgezeichnet hat. Er bezeigte insbeſondre mit dem Umgange in dem Hauſe des Burgers meiſters Czirenberg ſeine Zufriedenheit. Die Tochter deffelben beſchreibet er nicht nur als das ſchönſte Frauens zimmer ihrer Zeit in Danzig , ſondern er růhmet fie auch wegen ihrer vorzüglichen Tugenden , wegen ihrer ausgebils deten Talente , und ihres einnehmenden und fittſamen Ses tragens. Er erhebt ihren Fleiß und ihre Bekanntſchaft mit den ſchönen Stúnften , inſonderheit aber zieht er fie in der Muſik als eine trefliche Clavierſpielerin hervor , und bewundert ihre liebliche Stimme ſo wol, als ihre Kunft, nach Italieniſchem Geſchmack zu ſingen , beſtätigt auch ſein Zeugniß mit dem Lobſpruch der Mayländiſchen Virtuoren , von denen ihr deshalb mit einer ſchmeichelhaften Zuſchrift, ein muſikaliſches Buch ift debicirt worden . Der Secretair felbſt hat ein Gedicht auf dieſes ſchöne Frauenzimmer ges niacht, welches die Heberſchrift führet : - An die Baltiſche ,.. Sirene, Conſtantia Czirenberg. " Ueberhaupt ſcheint die Czirenbergſche Familie ſchon damaliger Zeit das Beys ſpiel einer feinern Education , und eines erpolirten Hauss weſens in Danzig gegeben zu- baben , welches nicht wenig mit den gemeinen Sitten und Erziehungsarten contraftiret, deren einiger eben dieſer Dgier gedenket , f. B. wenn er S9 Geſch . Danz. 2ter Th .

466

Danzigs Geſchichte.

24 May Geſandten über See zu Danzig ein.

Die Gea

ſchäfte nahmen demnach, ohne Verzug ihren An. fang. Bey der erſten Zuſammenkunft wurde die Differenz'wegen der Volmachten gehoben ,

und

bey der zweyten ſchon das eigentliche Fundament zur Friedenshandlung geleget , wozu aud die Abgeordneten von Danzig, der Burgermeiſter Con ſtantin Ferber , der Rathsherr

Johann Ernſt

• Schrder und der: Subſyndicus Heinrich Fréder, ſich auf erhaltene Einladung

des Biſchofs von Krakau einfanden . Jndeſſen gewann doch die Ne

gociation keinen ununterbrochenen Fortgang. Man auf eine Erzählung von Danziger stindermarkt, oder dem Wennachtsmarkte kommt, wobey er die albernen Gebräuche, und ſelbft ärgerlichen Religionsſpotterenen råget, mit denen man den Sindern verkehrte Ideen bengebracht hat. Nach ſeiner Erzåhlung hat mau die Stinder zur Nacht gegen den erſten Fenertag frühe zu Bette gejaget , mit der Ermahs nung zeitig auszuſchlafen , und beym Erwachen fich amju. fehen , was der heil. Chriſt werde gebracht haben. Man hat. alsdenn gegen den Morgen Spielwerk und Näſcherzoen in ihre Schlafkammern geſetzet, und wenn ſie nach worden , ſie überredet, daß ſolches der heil . Chriſt vom Himmel ges bracht habe. Was für falſche Vorſtellungsarten von Gott, der göttlichen Liebe und Mitwůrkung , und was für fehler: bafte Begriffe überhaupt fich hieburch bey stindern babent einſchleichen müſſen , ſolches bedarf hier keines Beweiſes. Gewiß ſind hieraus auch die noch zum Theil populaires Ausdrüde, ,, auf beil. Chrift geben , beil . Chrift geben " u. 1 t . entftanden , indem man zuletzt alle Wernachtiges ſchenke , Puppen und Naſchwerk , ia ſo gar den Markt felbſt, heil. Chriſt genannt hat. Viele dergleidhen thdrichs te und mit Vorurtheilen unterfüßte Ueberbleibfel alter Sex bräuche ſind noch heutiges Tagos unter unſern aufgeklärtent Sitten im Umlauf : man ſpiegle fich an einem Erempel, um ſie alle zu vermeiden!

3

3

}

3

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

467

gieng nachher der Schwierigkeiten wegen , von einer völligen Friedensberichtigung ab, und.wollte ſich nur auf einen vieljährigen Ruheſtand einigen ; alleitt die Dauer deſſelben gab zu neuen Spaltungen Uns laß , die Sißungen wurden ſogar darüber aufges hoben , doch brachten die Vermittler alles wieder in Drdnung . Der Waffenſtillſtand ward auf ſechs und zwanzig Jahre beſtimmet ,

und man wollte

fchon zur Abſchlieſſung aller übrigen Punkte des Tractats ſchreiten ; allein die Religionsfreybeit der Catholiken in Liefland verurſachte einen abermalie gen Verſtoß , und ein von den Sqwediſchen Com miffarien darüber unternommener Aufbruch zog zu fålliger weiſe einen Cumult nach ſich , der ohne mühſames Beſtreben der vermittelnden Geſandten fiche mit einem Blutbad ; båtte fchlieſſen können . Sower. gcnug ward aber auch dieſer Streit bey. geleget , und man erreichte endlich das Ziel , den 9 Sept. Tractat völlig zum Ende zu bringen. Dieſer 26jährige Stilſtandstractat ſollte dem . nade Preuſſen auf ein Vierteljahrhundert wieder in Die Hauptpunkte deſſelben , ſo weit ſie dieſes land betrafen , waren zuvörderſt die

Ruhe

legen .

Zurückgebung aller bisher von Schweden inne ges þabten Derter in Preuſſen, in derſelben Verfaſſung die ſie vor dem Kriege gehabt gåtten ; ferner die Demolition der Søanzen am Weichſelhaupt und bey Junkertreiel in der Nehrung ; der Abzug der beyderſeitigen Armeen aus dem Lande ; die Wies derherſtellung der

zole nach ihrer vorigen

Eins

richtung und Gleichheit; die Reſtitution der eße. Sg 2

Danzigs Geſchichte

468 maligen wol ,

Religionsübung Römiſcatholiſcher: fo

als Evangeliſcher Glaubensgenoſſen ;

eine

Amneſtie für alle bisher partþeyifch geweſene Eina faffen ; die Aufgebung der Confifcationen und Ver . fchenkungen unbeweglicher Güter ; und endlich die Verſicherung, während dem Stillftande , zwiſchen den Unterthanen beyderſeits paciſcirender Mächte, weder Urreſte und Repreſſalien , noch eigenmächti ge Beſtrafungen , ohne Zuziehung einer gemeins ſchaftlichen Commiſſion aufzulegen , und überhaupt nichts feindliches gegen einander zu unternehmen . Bevor die Ratificationen dieſes

Tractats erfolgt

ſind , wurden die Herzoge von Preuſſen und. Eura land ſo wol,

als die Großen Stådte in der Pros

vinz Preuſſen verpflichtet, ißre beſonders vergliche nen Angelobungen gegen die Krone Sweden beya zubringen und zugleich beſtåtigen zu laſſen . Danzig ertheilte darauf eine ſchriftliche Vera ſicherung ,

die

Schweden in der Einnahme des

Seejolls vor ihrem Hafen bis zu Ausgang des Jabres nicht zu verhindern ,

imgleichen die bey

Kåſemark im Werder angelegten Schanzen einzu . werfen . In Betreff der Spiringſchen Forderungen aber , welche die Sowediſche Commiſſarien unters ftůßten , wollte Danzig rich weder zur Befriedigung der Anſprüche erflåren , noch den Vorſchlag einer Arbitrage darin

annehmen :

eben

ſo wenig þar

Danzig den Engliſchen Zumuthungen nachgegeben , þat auch dafür bey den Polniſchen Commiſſarier Beyſtand gefunden , daß weder der aufzuhebenden Luchſiegelung , noch einer in Elbing wieder anzu .

3

Vierter Abſchnitt. Siebeutes Capitel.

469

legenden Handlungsgeſellſchaft, in den Stilſtands. tractaten Erwähnung geſchahe. Denn ſo aus . führlich die Danziger fich zwar um dieſe Zeit mit dem Engliſchen Compagnie - Deputirten , wegen Er neuerung der Vertragspunkte ,

in ein Geſchäfte

eingelaffen , auch ferner die Vorſchläge und Beo dingungen einer in Danzig wieder aufzurichtenden Handlungsſocietat , vom Engliſchen Geſandten Duglas vernommen hatten ;

ſo waren doch der

Widerfpruch gegen die Stempelung der Engliſchen Tücher , und das directe Verlangen der Engliſchen Kaufleute , freye und uneingeſchrånfte Handlung mit Fremden zu treiben , nur gar zu erhebliche Bee wegungsgründe ,

fick der übrigen Vortheile der

Engliſchen Reſidenz

zu begeben ,

und das Ges

fchäfte mit derſelben völlig abzubrechen.

Jndeſſent

find hieraus ſpåterhin viele nachtheilige Unterneh . mungen gegen die Danziger Tuchſiegelung am Pola nifchen Hofe entſproſſen , worin England und Hole land nicht geringen Einfluß gehabt haben .

We

gen der Spiringfden Anſprüche kam ebenfalls in kurzem eine Polniſche Commiſſion

nace Danzig,

welche eine neue Unterſuchung in dieſer Streit. fache vornahm . - Das Verfahren der Stadt ward - aber aus allen dardber vorgelegten Documenten und Schriften für gerechtfertigt erkannt , und der König nahm ſelbſt die Befriedigung der Spiringe auf ſich , welche nun durch eine Anweiſung an die Stadt,

für Rechnung des Königs bezahlt were

den ſollten .

G g 3

1636.

Danzigs Cerchichte.

470

Dagegen ward in kurzem eine andre Praten , from hervorgebracht, welche die Preuflichen Sees ſtådte und vorzüglich Danzig “ mit unſäglice gróf ferm Scaden bedrohte, und weswegen die Dans ziger ſich auf neue Koſten und Weitläuftigkeiten , zu Tilgung derſelben einlaſſen mußten .

Die Vers

anlaßung dazu hatte ein Hauptartikel des Stums: dorfer Vertrages gegeben .

Die großen Vortheile

welche Schweben aus den Preuſſiſchen Seezöllent gezogen hatte, ſchienen dem Könige Vladislav dem

Vierten

ein bequemes Mittel anzuweiſen ,

ſich wegen ſeiner unvergoitenen Anſprüche auf die

1

Krone Schweden fohadlos zu halten , wenn er die eingeführten Zille nun ferner für feine Rechnung fortdauern lieſſe.

Er þatte dazu vorerſt nur auf

zwer Jahre den Antrag gemacht ; allein weder die Schwediſchen Commiſſarien , noch die vermitteln den Geſandten hatten einige Einrůdung davon is den Tractat zugegeben ; und eben ſo wenig þatter auf dem nächſtfolgenden Reichstage die Polniſchen Stånde etwas darüber beſchloſſen .

Deſſen unge.

achtet waren die Spiringe als geweſene Zollauf feher in Preuſſen, wie auch der dimittirte Danziger Secretair Philipp Lakke, ss) dem

Könige mit

ea)Philipp Laffe war misvergnügt aus der Stadt Dien: ften getreten , aber mit beybehaltenem Sacretarientitel und der Stadt geleiſtetem Eyde erlaſſen worden. Diefem ents gegen warb er nachnials Stöniglicher Secretair , bekam eine Penſion aus den Stöniglichen Ratengeldern in Danzig und ſchniedete viele unreife Projecte zum Nachtheil der Stadt, Deren Ausführungen man aber fo viel möglich porzubeugen

geſucht bar.

1

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

4I

fomeichelhaften Vorſtellungen anråthig , aus eig. ner Macht die erwähnten Seezölle für ſich ergeben Trok aller Bemühungen welche Dan . zu laſſen . zig vor andern zur Unterdrückung dieſes Projects anwandte , tam würklich ein Königliches Placat Heraus , daß für Preuſſen , in den Seehafen bey Danzig, Pillau und Memel, und für Curland zu Windau und Liebau , ein Zoll von allen Waaren mit 'viertehalb von fundert , zuin Nußen des Kids

3

nigs abgegeben werden ſollte. In Danzig wur den der Kaufmann George Hsfel zum Einneh. mer , und zwey Polniſche Magnaten zu Obervere weſern angeſtellet; der König tam auch in Perſon nach Danzig þerůber, um bey der Einrichtung dieſes Jantar. neuen Seezolls zugegen zu ſeyn .

Der Rath in

Danzig unterließ nicht, den König nochmals mit den dringendſten Remonftrationen von ſeinem Vor. kaben abzubringen , allein ſelbſt eine Ciceroniani. ſche Beredſamkeit würde dazu zu ſchwach geweſen feyn , wenn nicht in der Gewisheit daß der Hof Geld nöthig þåtte ,

das hůlfreichere Nebenmittel

wåre gebraucht worden , eine beträchtliche Summe baaren Geldes zu bieten .

Man kam nach einigem

Wortwechſel mit dem Königlichen Bevollmächtig. 1 ten , über die Summe von 800000 Gulden zum Sæluſſe , und

dergeſtalt befreyete Danzig ſich

ſelbſt ſo wol als die übrigen Seeſtadte, diefes mal von einer neuen Handlungsbůrde, vermoge eines. metallnen Sühnopfers , bey dem nur zu bedauern , daß daſſelbe zum widrigen Schidſal, in Polen

G g 4

472

Danzigs Geſchichte.

eben ſo bald iſt verſchmolzen , als ganz und gar in Vergeſſenheit geſtellt worden .

Febr.

Auf einem der nächſten Preuſſiſchen Landtage zu Marienburg, ſahen ſich die Großen Stådte vere fdsiedenen Feindſeligkeiten ausgelegt , die ſich aus dem noc

obwaltenden Mißverſtändnis

Ritterſchaft þauptſächlich hervortħaten .

mit

der

Die Vera

wahrung des Landesſiegels , welche Danzig zwar freywillig wieder an die Stadt Elbing abtreten woll. te , wurde vom Adel mit großem Widerſpruch vers weigert, bevor Elbing förmlich mit den Ständen wäre ausgeföhnt und der vorigen Würden fåhig erklärt worden .

Die Danziger aber waren

ſeit

dem J. 1634 in einen Privatſtreit zweyer Edele leute eingeflochten , indem ſie einem Vetter des Wonmoden von Culm , gegen den Staroſten von Pußig Dzialinski , mit ibrer Soldatesque Bey. ſtand geleiſtet Katten. Legterer Hatte iğnen dafür einen Proceß gemacht, der aus dem Sądnecffchen Grod zwar , durch Appellation der Danziger, ans

1

Königliche Hofgericht gezogen , und durch ein Con . tumazurtheil war ſupprimirt worden. Allein der Staroſt þatte dagegen ohne

Ausladung ,

beym

Peterkauſchen Tribunal gegen Danzig ein Decret ausgebracht,

wodurch die Stadt der Ehren vere

luſtig erklärt wurde.

Man Hatte zwar ſo gleich

ein Caſſatorium deſſelben ,

und die Verſicherung

des Königlichen Schußes dagegen erlanget; nichts deſto weniger ſollten Elbing ro wot als Danzig aus obigen Urſachen von den Landtagsſikungen ausge . fchloſſen werden.

Jazwiſchen erreichten die Dee

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel.

473

batten zuleßt für beyde Städte einen 'günſtigern Ausgang, und den Elbingern wurde auch das Lan . desſiegel aufs neue zur Bewahrung eingehåndigt. Der nächſtjährige Reichstag zu Warſchau , wo eben das wichtige Landesgeſchäfte wegen der erles digten Herrſchaften Lauenburg und Bütow bear: beitet wurde, bekam auch mit den erneuerten Vors ſchlagen wegen der Preuſſiſchen Seejille zu thun . Ein angeſebener Edelmann in der Landbotenſtube, der Sendomirſche Fähnrich Koricinski fatte wahrs [ cheinlicher weiſe eine Aufforderung zur Propoſio tion diefer Materie , vom Königlichen Hofe erhal ten ; er that ſolches mit vieler Beredfamkeit , bezog ſich auf das ungeſtörte Recht , welches der Chur fürſt von Brandenburg ausgeübet, und vor kurzer Zeit eine neue Licentkammer in Pillau errichtet , den gewöhnlichen Zoll erhobet,

cuch neue Anlas?

gen unter dem Namen der Schifs , und Feſtungs. gelder

eingeführt

hätte ,

und fudite

damit zu

behaupten , daß es der Krone Polen mit noch gröſ ſerm Recht zuſtünde, dem Verfall des öffentliden Scakes mit neuen Zollen und Anlagen zu Húlfe zu kommen .

.

Ob nun gleich weder dieſer Vora

ſchlag , noch ein damit verknüpfter Entwurf zu eis ner

auszuråſtenden

Schiffsflotte;

durchgängig

Beyfall gewonnen , ſondern größtenebeils nach vies len darüber geführten Wechſelreden , die Meinun gen zur Ausſtellung dieſer Materien auf den nächs ften Reichstag ausfielen ;

ſo wurde doc zulegt eine

Conſtitution abgefallet, ,, daß zur Einrichtung der Seejolle die ficherffen und beſtåndigſten Mittel,

G95

16376 Juny

474

Danzigs Geſchichte.

ohne Nachtheil der Freyheiten des Adels und der .. Stådte, ausgefunden werden ſollten ."

Vollends

aber ſchien die mit Danzig des Preuſſiſden Sees jouls wegen gemachte Transaction vergeſſen zu

1

fenn , als der König kurz nach ſeinem mit der Kays ferlichen Prinzeſſin Caecilia Renata vollzogenen Beylager, in einer Zeit da beſtandig ben. Sofe über Geldmangel geklagt wurde , den Forte gang der Zollſache aufs àußerſte zu betreiben beo ſtrebt war.

Die oben gedachte Conſtitution mußte dazu den bequemſten Vorwand verlengen. ciellen Vorſtellungen Danzigs ,

Beder die noch auch die

allgemeinen Widerſprüche

aus Preuſſen konntent

dagegen empor kommen .

Die Ueberredungen der

beliebten Spiringe behielten den Vorzug,

und

es hatte das Anſehen , als ob der König weder von der Krone Schweden wegen des StumsdorferVer. gleidys , noch von Dänemark wegen Abbruch der Sundiſchen Schiffahrt, darin vorſtellen wollte ;

rich etwas

beſorgliches

oder es wurden gar uns

fruchtbare Plane gemacht, den auswärtigen Macho ten in vorkommendem Falle andre Vergütungen dafür zukehren zu laſſen .

Ein öffentliches Univer:

ſal hatte foon die neue Zollcommiſſion , und die Spiringe zu Generaleinnehmern der Seezolle in den Preuſſiſchen Hafen erklåret.

Arend Spiring

tam auf einem Königlichen Kriegsſchiffe unter Hole ländiſcher Oct.

Flagge und mit geſchloſſenen Schieße

idhern vor Pillau an :

kaum hatte er Unter geo

porfen , ſo ließ er die Polniſde Flagge wegen, die

.

Vierter Abſchnitt.

Siebentes Capitel.

475 .

Schießlocher dfnen , und dem Commandanten an . deuten , daß er zur Zolleinnahme bergeſchidt ſen . Der Commendant hatte keine Befehle ſolches zu verſtatten , er drobte das Schiff in Grund zu fcien ßen , und behauptete die Frenheit der Schiffahrt. Spiring lag noch etliche Tage vergebens, bis ihm der Commendant ,

auf ſein Verſprechen nach El.

bing zu ſegeln , die Abfahrt erlaubte.

Er abeç

richtete ſeinen Lauf nach Königsberg , und brachte es zum wenigſten dahin , daß die Fahrt zwiſchen Königsberg und Pillau gehemmt wurde. Der Polniſche Hof hatte unterdeſſen beym Churfürſten in Berlin , um die Einwilligung zur Zolleinnahme förmlich Unſuchung thun laſſen , es ſcien auch ans darin nachgegeben zu werden , allein die Vorſtellungen der Churfürſtlichen Gemahlin þiel

fangs

ten die Zuſtåndigkeit noch zurück, und erſt im fol. genden Jahre hat der Cþurfürſt ſich unter gewiſſen Bedingungen ,

auf die Bewilligung des Polni

fchen Seezols einzulaſſen , für rathſam befunden. Der zweyte Verſuch wurde im Danziger Ha fen gemacht. Der Woywod von Sendomir Geor : ge Oſlolinski und der Staroſt von Berend Graf von Dönhof als Königliche Zollcommiſſarien , þielten zuvörderſt in dem Dorfe Redlau , mit dem Ubt von der Olive, den Spiringen , und dem er nannten Einneğmer George Höfel eine Beredung, auf welche Art der Zoll am füglichſten eingeführt werden könnte.

Hierauf fuhren ſie in ſechs Kute

fchen , unter Bededung einiger polniſchen Reuter an den Seeſtrand, unweit der Weſtſchanze, mahu

Danzigs Geſchichte:

476

men für den König und die Krone Polen die Herrs fcyaft der See in Beſiß , und lieſſen deshalb eine Stange mit einem weißen Lafen aufrichten , wél.

A die von den Königlichen Schiffen auf der Rhede mit drey Kanonenſchüſſen begrüßt wurde.

Die

Spiringe wurden ſodann förmlich als Oberzoll. aufſeher eingewieſen , einnahme legter fich

und zur Deckung der Zoll. zwen Polniſche Schiffe von

auſſen vor dem Hafen , eine Pinfe aber warf im Eingange deſſelben die Anfer. Un demſelben Tas ge ſchickten

die Zollcommiſſarien ,

Schreiben an die Stadt ,

nebſt einem

ein gedrucktes Königli,

ches Univerſal hinein , womit der angelegte See zoll öffentlich bekannt gemacht wurde.

Obgleich

man nun in der Stadt das Zolluniverſal fehr man . gelhaft und unfrăftig befand , ſo daß auch nach ein nigen Tagen ein anderes Univerſal eingeſchickt wur. de , ſo batte die Zolleinnahme doch ſchon ihren An. fang genommen , und -zuerſt einen Schwediſchen Schiffer

von

Gothenburg

kommend betroffen .

Die Ordnungen in Dangig aber machten unver züglich einige Beſchlüſſe , theils an den König von Polen und die vornehmſten Reichsſenatoren , theils auch an auswärtige Potentaten deswegen zu ſchreie ben ; ferner durch Schlieſſung der Pfalkammer den Seehandel zu ſperren , das Schwediſobe Schiff fo den Zoll gegeben ,

nicht einzulaſſen , und folches

im Sunbe zu notificiren ; endlich auch allem frem 'den Schiffsvoll die Thóre zu ſperren , ihre Bürger und

BürgersFinder

"Schiffen abzurufen ,

aber bey Strafe von

den

und ſich für Vertbendigung

3

1

Vierter Abſchnitt. Siebentes Capitel. gegen

alle Hoſtilitäten gefaßt zu machen .

477 Hier

nächſt wurde der Herzog von Preuſſen um gleich : mäßige Schlieſſung ſeiner Seehafen erſuchet, und wider die Spiringe eine Proteſtation der Stadt Danzig im Grodgerichte zu Stargard eingeleget. So viele Zwangsmittel man nun auf der andern Geite verſuchte, um der Stadt den Seezoll auf zubringen , und ſich iþren Hinderungen entgegen zu feßen , ja ſo gewaltdrohend auch einige Anſchlås ge ' waren , indem man den Weichfelſtrom vermita telft des Nogats unfaþrbar machen , einige Obrig . Keitliche Perſonen aus Danzig vor Gericht ziehen , die Biſchöflichen Kirchenproceſſe gegen die Stadt wieder anſtrengen laſſen , und den Abt von der Dlive berechtigen wollte, die auf ſeinem Boden er: richtete Weſtſchanze zu demoliren ;- bb), fo - blieben dody die gegenſeitigen Maasregeln der Danziger, und insbeſondre die Bewerbung ben auswärtigen Mächten nicht ohne Wůrkung.

Der Polniſche

Hof hatte ihren Zutritt in Dänemark und Holland nicht verhindern können , unerachtet bey den Gea neralſtaaten der Zoll mit den Bedürfniſſen zum Lůrlenkriege war entſchuldiget worden . Am Dåni. rohen Hofe aber richtete der Danziger Secretair Jo hann Chemnik weit mehr aus , als der Polniſche Geſandte und Obriſte Arciczewski.

Der König

bb) Wegen der Weftſchanze , welche Danzig im J. 1627 dies: feite des Fluffes , dem Hauſe Weichſelmünde gegenüber, auf Oliviſchem Grunde angelegt hatte , war mit dem Abt von der Olive und dem Convent ein Vergleich von der Stadt gemacht worden , den man bey den jeßigen Zoudifs ferenzen , Polniſcherſeits umzuſtoßen gedroht hat.

€ 478

Danzigs Gefchichte .

von Dänemark , welcher durch die geſperrte Hands lung auf Danzig , an ſeinen Einfünften im Sunde fchon einen Abgang von achtzig tauſend Ebalera bemerkt hatte , entſchloß fich , ungeſäumt und mit Gewalt den Danziger Hafen frey zu machen . Er fchickte vier Kriegsſchiffe ab , welche ſich in kurzem

/ ber benden Polniſchen Soiffe die vor dem Danzis ger Hafen lagen , bemachtigten , nachdem Iſaac Desemb. Spiring ſich vorher mit der Caſſe und den Særifs ten ins Oliviſche Kloſter retirirt batte.

Die De

nen fuhren auch nachher auf Pillau , fanden aber dieſen Hafen foon offen , ebenfalls

die

Flucht

weil Arend Spiring

genommen ,

Braunsberg im Haf angelegt þatte. ten demnach mit

den

und

unweit

Sie febra

aufgebrachten Polniſchen

Schiffen nach Copenhagen zurück , lieſſen aber zur Sicherbeit der Fahrt ,

noch zwey ihrer Kriegse

ſchiffe vor Danzig liegen .

Vierter Abſchnitt. Achtes Capitel. Achtes

479

Capitel.

Fortgang der Zollangelegenhetten - Danzig wird deshalb und wegen der fremden Reis verantwortlich gemacht Danziger Magiſtratsperſonen benturen angefochten werden des Hochverraths beſchuldigt - Der Seezoll wird Danemart nochmals auf dem Reichstage beſchloffen deckt die Danziger Rhede - Anſtatt des Seezols werden Anſprüche auf die Danziger Zulage gemacht – Danzig Es kommt dess bietet dafür eine Summe Geldes an halb ein Vergleich mit zwey Röntglichen Commtffarten zum Stande - den weder der König noch der Reichstag ratte habtret - Das Zollgeſchäfte wird erneuert - verliers Dans ſich aber allmålig aus den Staatsverſammlungen zigs Privilegien werden gefrånket - fortdauernde Strets tigkeiten der Städte mit dem Preuſſchen Abel - Jrrunts gen der Großen Städte unter ſich ſelbſt - Danzig ſorget für ſein Commerzweſen . Das jekterwähnte Zollgeſchäfte blieb zwiſtig und erheblich genug , um die Eintracht im Lande fo wol , als inſonderheit die Ruhe Danzigs, noche Die Seeers auf geraume Zeit zu unterbrechen . pedition , womit der Däniſche Hof die Anordnuno gen des Königs von Polen geſtört hatte, veran laßte einen heftigen Briefwechfel zwiſchen gedach ten beyden Mächten , der, ſo.offen er geführt wur de , auch öffentlich gedruckte Schriften nach ſich zog, worinnen von einer ſo wol als von der andern Seite ,

die Seegollsgerechtigkeit des Königs von

Polen unterſucht und ins Licht gefegt wurde . cc) Die Seehandlung in Preuſſen blieb währender Zeit zwar wieder Şergeſtellet,

allein dem angelegten

cc) Gedachte Schriften ſind oben in dem Verzeichnis der ge; nützten Sülføquellen angezeigt worden.

Danzigs Geſchichte.

480

Zolle wollte der König von Polen noch nicht ent. ſagen , ſondern er ließ vielmehr ein Univerſal bes kannt machen , daß unerachtet der von Dänemark behaupteten

Defnung der Preuſſiſchen Seehåfen,

allen Kaufleuten und Schiffern , ben Verluſt ifrer Schiffe und Güter , die an die Spiringe abzu. tragenden Zollgebühren berechazt werden ſollten. Danzig hatte daneben die Härteſte Ahndung zu fürchten .

Der König ließ dieſer Stadt durch

eine abgeordnete Legation mit Unwillen den Gehor. ſam abfordern : die Pfalfammer ſollte ungeſchloſ. ſen bleiben , die beym

Zou

abgefundenen Schiffe

follten eingelaſſen , und die zurückgerufenen Dat. ziger Einſafſen , wieder auf die Königlichen Sæiffe geſchicktwerden : das Weichſelhaupt ſollte nicht be: feßt, die Weſtſqanze demoliret , auch die Stüde von den Wållen abgeführt werden ; und weil der Hof dem Ratý oder einigen Mitgliedern deſſelben allein die Schuld beymaß , daß der König von Då. nemarf die Polniſchen Schiffe von der Rhede şat te wegführen laſſen , ſo wurden einige Magiſtrats, perſonen auf den nåchſten Reichstag ausgeladen , um in Gegenwart des ganzen Senats fich zu ver antworten , und zu erklären , ob ſie zweyen Köni. gen zugleich ,

einem zu Lande , und dem andern

zur See unterwürfig zu ſeyn gebåten .

Ein Kó.

niglicher Fiſcal verlangte nackber auch die Briefe und Inſtructionen der Stadt, fo an fremde Höfe, und insbeſondre dem Secretair Chemnitz nach Då nemark und Holland, waren mitgegeben worden , zu unterſuchen. : Unerachtet nun

auf alle

dieſe

Fordes

1 1

Vierter Abſchnitt.

Achtes: Capitet.

481

Forderungen , die kraftigſten Entſchuldigungen, Informationen und Vorſtellungen der Stadt , an

1

den König abgetaſſen wurden , fo 'bekam man doch in der Zollfache und allen damit verknüpften Voro fallenheiten , mit einer Königlichen Ecmimiſſion zu thun , welche anfangs zu Warſchau angeſeket, fernerhin aber nach Dirſekau iſt verlegt worden, und deren Geſchäfte nach dem mebr Extenſion

erlangt

Reichstage noch

baben .

Gegen dieſen

Reidsfag bemüheten die Danziger rico gwar , mit den gültigften Gründen die Stände wider den See zoll einzunehmen , und die auswärtigen Mächte tiebſt den vornehmſten Hanſeſtadten wurden erſu det ,

durch

Briefe

und Geſandtſchaften

an

die

Reichsverſammlung, rich in dieſer Sache zu inters efſiren.

Es

ward auch im Haag ſo mor ; trok

aller Hinderniſſe die der Polniſche Reſident de By, bem Danziger Secretair in den Weg legte, als in England und Frankreich darauf reflectiret, und der Baron d'Avaugour ward abſichtlich als Franzofie fcher Geſandter auf der Reichstag geſchickt, um für die geſammten Vermittler des Stumsdorfiſchen Vergleichs , der Einführung des neuen zu widerſprechen.

Seejolls

Eben hiemit aber Hatte Dan

zig einen neuen Anſtoß beym Königlich Polniſchen Hofe gegeben .

Es entſtand ein fprodes Misvers

gnügen über die auf Danzigs Verwendung, von auswärtigen Potentaten geſchehene Interceſſion, und die Folgen davon waren ſo miderwärtig , daß man die Prårogative der Staðt- in Betreff fremdet Reſidenturen , dafür in Streit ziehen wollte. Es

Geſch . Danz. 2ter Th.

HH

1638.

482

Danzigs Geſchichte.vn

warb, behauptet,

baß ,es den accreditirten Mini

ſtern nur zulåme, fich an einem regierenden Hofe aufzuhalten , und der König begehrte es , ließ auck ſpåterhin ſchriftliche

mandate

darüber

ergeben ,

daß Danzig die fremden Reſidenten von Frankreich , Großbrittannien , und der Republik der Vereinig. Niederlande, von fich verabſchieden ſollte.

ten

Danzig aber hatte Gründe genug , ſich deshalb zu rechtfertigen . Nicht nur ein ungefrånftes Ges wohnpeitsrecht

unter Vladislavs Vorgängern,

ſondern auc das Commerzverkehr der Stadt, die }

Benſpiele anderer Seeftådte , und inſonderheit der aus Hanſeatiſchen Verbindungen erlangte Vorzug, gaben diefer. Gerechtſame eine Beſtätigung, und ſo lange die fremden Reſidenten nicht als Feinde

}

der Krone Polen angeſehen werden konnten ,

ſo

war es eine Sache des Königs , den auswärtigen Höfen felbft ſeine Urſachen anzuzeigen , wenn und warum er ihrer Reſidenturen in Danzig entübrige feyn wollte.

Io Mars ſeine Der Warſdauer Reichstag þatte unterdeſſen e

ſelben tamen die beyden Polniſchen Schiffe von Kopenhagen frey wieder auf die Danziger Røede zurück , nachdem der König von Dänemark zwar den Beſchluß des Reichstages abwarten wollte, aber doch unter pråſumirter Aufhebung des Zolles , Sơiffe , Poll und Seråthroaft in FrenĶeit geo feßt hatte. Dagegen ging die vornehmſte be ſicht des Polniſchen Hofes noch immer dahin , der Seegoll durch eine allgemeine Zuſtimmung zu bea

er

tt

el it 3 p at Ab Vi 48 . . A eediCg e t n i e şmpr it ig rb rü gs r r ſu ſt Sa . e So ga r de bhesta fe Je en mů cz att ic e inte diich Ge wi Re b . in ſreei n e l e d ürk nld ſſ er azuhe orb n a ü s h w en , u f lg m d ac v t t ng fuan ß na r fa uf e eeyß o gro ſ ge , B ſ im iS ann di Zo r n r n ß de ge e e anz ſſe hre a i a e i e i W , i d af D d enm g d s chl g r g ine r zue Be , eun beſs St n e we tun, t e t n p e l l t e o s r n u u l l s o au e . Fl tati wo de ne n Zo ige ei þa en z en u ag t ckht ee ſ n p ſ l ſ c g i De hst Da D , cwhei . un la rü ſ n s dn f en eic gne le e u r u b l h aen d R r Ond a a ca i e r h fa ßl eb ne ag wa , bee mi in ei ſic hi r L m, e å d d t t üh åt uim Geh r ben ur e z erſ n ſp un mi eM ſie wg n e ic h aſſe i d d gb e p n d n n n l e sr ßFier un Kö ſto ge ;iuih be tet Sy å l i c i b t c r a r be mi dee un te Ch r Ri lich ar d e h d a d d c n e mü , um di Re un Fe der St verthendigen ; man re des Magiſtrats e zu Eh und di n g g rb gi en n un wa h m lliene udi y nder öni c ie e e i K bwe d A uwo e b ſ m, d o c e r n y l s t r h tee Ky ig Ve all mi rWaoc au chb f n r ge erſp eer ur ben ſu r ü i e b F . g ge n z ee ; tao hev n c a d r n r ri Hofnung ra r ſp de Se wu nu ge t er

gegeben.

ni

h ſc

es

t ch

Vielmehr übereilte dieſelben der Reichs .

Inſtigator,

mit einer Anklage der

ausgeladenen

und nickt erſchienenen Obrigkeitlichen Perſonen aus Danzig.

Dieſe wurden auf eine ſimple Contumaz,

Verråther des gemeinen Guts ,

?? des Kopfs ,

Ehren und Güter verluſtig erkannt,

der

und die Voll.

ziehung dieſes Urtheils an die competenten Gerichte verwieſen . Sogleich aber arreſtiree ein Danziger Secretair gedachtes Urtheil , und als daſſelbe drey , Tage darauf als Urreſtfache vorkam , ſo wurden , den Verurtheilten drey Anwalde beſteller , worauf ☆ \ ' 2

Danzigs Geſchichte.

484

zwar ein Ausſpruch zur Fortſegung des Rechtse proceſſes erfolgte, den aber der König vorerſt durch Termine verzögern , und endlich ganz und gar þar aufheben laſſen . Inzwiſchen þatten die dringenden Vorſtellun. gen der Danziger , bey vielen Senatoren andre Meinungen vom Seezoll erwedet, und man fqien davon abgeben zu wollen , wenn Danzig den Koa nig würde verſöhnet, und ſelbſt zu andern Gelda mitteln Anweiſung gethan haben. Hingegen ver nichteten die Preuſſiſchen Stånde dieſe Sinnesåna derung , durch ihre bezeigte Bereitwilligkeit, ſich dem Willen des Königs in der Zollfache zu unters werfen ; und obgleich die Danziger, ſelbſt mit den Landesprivilegien dieſelbe beſtritten , eine neue Conſtitution zum Stande ,

fo fam doch fraft deren

der König den Seezou zu erheben , und eine Nai tionalcommiſſion dazu zu beſtellen berechtiget wuri Die vom Könige zugeſagte Bedingung, daß de. die

Diſtricte Lauenburg und Bütow mit Pomme.

rellen wieder vereinigt werden ſollten , hatte vore züglich die ſchnelle Einwilligung der Preuſſen beo würket ; als ſolches aber auf dieſem Reichstage nicht geſchahe, ſo wollte der Pommerelliſche Adel ſeine Zuſtimmung zurückziehen, es ward ihm aber verſaget, und den Preuſſiſchen Standen überhaupt fo wol als den Großen Stådten blieb nichts weiter übrig , als die Rechte der Provinz gegen die nach . theiligen Conſtitutionen mit einer Proteſtation zu bewahren .

Blerter Abſchnitt. Achtes Capitel.

485

Der Ausgang der Zollangelegenheit auf den Reiðstage hatte übrigens nicht nur im Lande, fon . dern auch ausmårts bey den Europäiſchen Machten ein Mißfallen erwecket.

Unmittelbar darauf ließ

König Chriſtian IV.weider ſieben Dåniſche Kriegse ſchiffe auslaufen , wovon ſich vier vor dem Danę ziger Hafen legten , und drey ihren Lauf nach Pile ļau fortſegten.

Danzig verbielt ſich dabey vors

ſichtig, um keinen Anlaß zum Verdacht eines Heim. lichen Verſtändniſſes zu geben : die nähere, Gea meinſchaft mit den Däniſchen Schiffen würde' forg fåltig vermieden , fo gar daß man der hohen Ad. miralität nicht einmal die zeigungen

ermies,

und

gewdönlichen Ehrenbes die Bedürfniſſe auf die

Kriegsſchiffe wurden nur für Geld in der Stadt einzukaufen verſtattet.

+

Es geſchahe auf Königli.

geſchickt Admiral den Befehl, daß der Danziger Syndicus an den wurs

um ſich nach der ſeiner Unkunft zu erkundigen. Die Antwort ſchien zwar anfangs ſein Befremden anzubeuten , daß er über die Ordre ſeines Königs in ofner See ... Res

8 chenſchaft:geben ſollte ,

3 >

doch gab eţ nachgehende

die Erklärung, daß er feine Feindſeligkeiten vors zunehmen, ſondern nur die freye Handlung auf der See zu

beſchüßen Befehl gåtte .

Eine gleiche

Antwort wurde bald darauf einigen Bevollmache tigten der Stånde vom Preuſſiſchen Nadlandtage gegeben, doch repte der Admiral nod hinzu, daß er die Spiringe, ro bald er derſelben Jabhaft wür. de , gefänglich nach Dånemark bringen ſollte. Auf dem Marienburger Landtage konnten die Großen y Ø 3

May

s

Danzig

486

hte .

Geſchic

Stådte nicht erhalten , daß die Ritterſchaft fich mit ihnen zur gemeinſchaftlichen Sache wider den Seed joli verſtände.

Dagegen brachte der Franzöſiſche Geſandte ben ſeiner Rückunft aus Warſchau den Danzigern die Nachricht, daß der König von Po. len ſich deſſelben begeben möchte, wenn Danzig ihm jáþrlich eine beſtimmte Geldſumme dafür zu . ſtehen würde.

Mit eben folchem Antrage kam ein

vertrauter Königlicher Kammerherr Andr. Rey bieber, er ſchlug dazu auch einen Theil der Zulage vor , oder die Abzahlung der Privatſchulden des Königs an

einige Bürger in Danzig.

Indeſſen

wollte ſich die Stadt darüber noch nicht erklären, ſie hatte außer jenen fohon früher an den König ges zahiten acht Tongen Goldes , beynahe zwey Tone nen Goldes auf unkoſten verwendet ; es mußte jeßt auch ein wichtigeres Geſchäfte voraus geßen, nemlich die Verordnete Zollcommiſſion von ſich ab. zulehnen,

und vielmehr mit dem Könige felbſt,

wegen eines Zuſchubs zur Königlichen Caſſe Ver. abredungen zu nehmen .

Dieſerwegeii konnte die

Unterhandlung mit den Commiſſarien in Warſchau nicht ſtate finden ,

dennoch aber mußten ſich die

Stådte nachher zu einer Beredung in Dirſchau mit den Königlichen Bevollmächtigten bequemen . Befriedigung des Königs ward

Zur

nun eine gerade

Summe Geldes in Vorſchlag gebracht, und Dan. zig erbot ſich dren Tonnen Goldes zu zahlen , aber die Commiſſarien verlangten die Danziger Zulage mindeſtens auf zehn Jahre, und þiemit zerſchlug ſich wieder das ganze Geſchäfte. - Der Danziger

VierterAbſchnitt. Áchtes Capitel.

487

Syndicus Riccius wärd abermals nach Hofe ges faidt, er war bevollmächtige, repon einen Una trag von vier- Tonnen Goldes zu thun , afeiñ die Antwort darauf flung ſo deciſiv , daß man im Na. men des Königs fein Geld zu nehmen erklärte , wenn

gleich

fo

viel geboten würde ,

als ' die

ganze Oftfee is fick faſſen könnte ." " Es war dima nach am Ztele , daß die ganze Pråtenſion des Séen jolls , in eine Forderung der Danziger Zulage vers wandelt , und ferner darüber negociirt werden ſollte

W

te.

Allerdings hatte man in der Provinz - felbft

eine Veranlaſang dazu gegeben ; denn Toon auf dem Graudenger Porlandtage waren die Stände mit einer Unzufriedenheit über die Zulage in Dan . zig , als einer Art widertechtlichen Zolles fervor. getreten , und’unerachtet die Danziger ſelbige 'als ein bürgerliches - Hülfgeld , nach dem Sinu ihrer Privilegien vertbendiget hatten , ſo war doch von den Landbóten- faſt mehr gegen die Danziger 31 lage , als zur Abftellung des neuen Seezolls geeio fert worden . Die

Krone Dänemark ließ unterðeffen nicht

11 nac , für die frene Soiffaþrt auf der Oftſee ju Die jüngſt zurückgekehrten Schiffe wurs 1639. ſorgen.

1 den wieder dure andre unter dem Admiral Jass

3 mund , auf der Danziger Rhede erfeket, und weil eben damals der Eþurfürſt von Brandenburg, unter gewiffen Bedingungen und verſprochener Ere laſſung ſeiner Squlden an der Polniſden Kron . feas , in die Anlegung der Spiringſhen Zoltam . mern zu Pillau und Memel eingewilligt hatte, ſo

$ 64

2

488

Danzigs Geſchichte

kam . eine Däniſche Verordnung heraus, daß alle aufdieſe Seehafen gehende Schiffer, bey Verluſt iþrer Schiffe und Ladungen , im

Sunde exlegen ſollten .

den doppelten Zoll, Einige Zeit nachber

aber iſt die Fahrt dahin gånzlich verboten worden , und weil ſich auch ein Polniſches Schiff unter Aufe ficht der Spiringe zur Abforderung des Zolles, Haff gelegt hatte, ſo wurde der Schiffen

auf dem

welche ſich dem Zoll unterwarfen ,

alle Einfahrt

von dannen in Danzig geſperret.

Hienåchaft fchick,

teu bie Danziger aufs neue eine

Deputation aus

allen Ordnungen nac Wilna , um den König von Polen zur, Annehmungder lekt angetragenen Gelde, fumme zu bewegen .

Die Antwort aber welche die

Abgeordneten vorerft in Ortelsburg , wo der Kos

.

nig den Churfürſten beſucht hatte , erhielten , war zweifelhaft, und nachher wurde vom Großkanzler es nåber erklåret ,

daß der König darauf beſtünde,

in. Stelle des Seegolls , an der Bürgerzulage in Hiemit mußten die Ub Danzig Theilzu nehmen. geordneten ſich unbefriedigt in Geduld geben ; dode wurde eine vom Churfürften angebotene Vermite telung in den Zulagetractaten abgelehnet, und

Berechtigung der Spiringe ließ man eben ſo wenig zur Publication ,

è das Königliche Edict

gelangen .

wegen

Einen harten Streit verurſachte ferner,

das . Zollwefen auf dem nächſten Graubenzer Vore landtage,

indem die Ritterſchaft, nach der left:

beſtandenen Conſtitution darin verfahren wollte ; die Großen Städie aber ſepten, ſich der Einføråns kung, dieſes Entſchluſſes in die Landesinſtruction :

1 Vierter Abſchnitt. Achtes Eapitel.

489

Heftig entgegen , und es kam ſo weit , daß fie des Widerſpruchs Halber, den Landtag ganz und gar riffen .

Auf dem folgenden Reichstage wurde das

für gegen Danzig mit großem Unwillen geſprochen , und dieſe Stadt ſollte mit Gewalt ihre Pflicht zu leiſten gendthiget werden ; doch war man der frema den Potenzen wegen nicht ganz auſſer Beſorgung, und einige Stimmen riechen theils zur Schonung , theils wollten ſie Dirſau , Pubig und andre Dera

3

ter beſſer befeſtigen und durch Commiffarien untera fucht wiſſen , wie weit man ſich auf die Sicherheit derſelben zu verlaſſen håtte.

->

77.Inzwiſchen Korte Danzig nicht auf, dem Koda nige mit Darbietung einer Summe Geldes gegen die begehrte Zulage , neten

anzuliegen .

Die Abgeord

betamén nach vielen Sollicitationen ,

eine

geheime Audienz, woſelbſt ſie ihr bisheriges Ver. Now, fahren mit Demuth beym Könige entſchuldigten , und zum Theil aus Gründen zu rechtfertigen ſuch Das Reſultat dieſer Unterredung brachte ten .

24

auch mit ſich , daß der König noch zwen oder dren Monate abwarten wollte, um eine categoriſche Er klärung wegen der Zulage von Danzig zu verneh . men ; mitlerweile aber ſollte die Fahrt auf dem Haff von der Stadt ungeſperrt bleiben . Ein Neben Object ſo damals in der Proving nicht geringe Sto . rungen machte, fuchte der König hiebey zu ſeinem

*

Die MiB , " ch zwis fchen dem Preuſſiſchen Adel und den Städten, wels dhe urter verſchiedenen Ereignungen , nicht nur viele Jahre lang fortgeråbret , fondern auch im

?

490

Danzigs Geſchichte .

mter mehr Nahrung bekommen Hatten , waren auf dem lekt zerriſſenen Landtage in eine offenbare

4

Trennung ausgebrochen , und es ſtand zu beſorgent, daß in fortdauernd beeinträchtigter Ruße des Lana des, die Staatsverſammlungen deſſelben gar fruchts tos gemacht werden dürften ; weil nun dem Könige febridaran gelegen war , mit Hülfe und Zuftim . mung der Ritterſchaft, der Danziger Zulage tþeilo þaftig zu werden , oder auch andre Geldmittel auf bringen zu können , und weil er zugleich bey den Städten ein großes Derbieift zu gewinnen glaub te , wenn er ſich für igre Ausſohnung mit dem Adel, als ein Friedensmittler intereſſiete ; ſo wåþl. te er diefen Weg , fich beyden Parthenen gleid fam

.

gefällig und dienſtfertig zu erweiſen .

1

zu dem

Er ſchickte

Ende den Grafen Dönhof Woywoden

?

von Siradien und den Kron - Unterfanzler George

1640.

Oſolinski auf den Landtag zu Thorn , und gab ihnen den Auftrag , nicht ſo wol die Urſachen der bisherigen Zwietrache oder des zerriſſenen Landtas

ges zu unterſuchen , als vielmehr beyde Tþeile zu vereinigen , und zur friedlichen Berwohnung der Landesrathlolage zu bewegen .

Dieſe Königliche

Vermittler brachten es auch nach einigen aus dem Wege geräumten Sawierigteiten dahin , daß die Ritterſchaft und die Abgeordneten

der Großen

Ståbte , zum Zeichen des guten Vernehmens , ein ander die Hände reichten , und zur Eröfnung des Landtags zuſammen aufs Rarhhaus gingen . Daß aber hiemitder Stoff des Mißvergnügens und des Zwiefpalts wäre gehoben geweſen , tåßt ſich um ſo

11

Vierter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

491

weniger behaupten , da in kurzer Zeit mehrere Fälle und Landesgeſchäfte vorgekommen ſind, woben fick die gegenſeitigen Animoſitåten fo wol, als einant der widerſprechende Meinungen beyder Parthenen geäußert haben . Auf dem Thorner Landtage wurde der Danzi. ger Zulage Halber noch nichts entſchieden , ſo ſehr auch mit Ausnahme der Städte, die übrigen Ståna de den Privilegien , welche Danzig zu ſeiner Vera theydigung anführte, eine andre Auslegung zu ge ben bemüht waren .

Weil aber die Königlichen

Vermittler in dieſer Sache ebenfalls befehliget was ren , 'fo machten es die Preuſſiſchen Stände vor aufgehobenein Landtage unter fich ab , gedachten beyden Senatoren , durch eine feyerliche Deputas tion, aus ihren Mitteln, eine Einladung nach Dan . zig zur Fortſegung des Zollgeſchäftes zu inſinuiren . Soldes geſchahe unter dem Vortritt des Caſtela lans von Danzig , und nebſt zweyen Herren aus Thorn und Elbing und dem Marienburgſchen Decor nomus, waren die Abgeordneten aus Danzig mit gleich hatten nur aber angel det anfangs Vollmacht nicht dazu deputiret ; diefe ausdieMangel der dieſem nehmen widerſprochen ,

Unters

ſondern ſie gingen audi

auf dem Wege in das Geſandtſchaftslogis von der Deputation ins geheim ab .

Indeffen nahmen die

Herren Vermittler bis zur Abwartung des Könige lichen Befehls , gedachte Einladung an ,

und ſie

erhielten ſehr bald 'von Hofe die Erlaubnis , als Commiſſarien nachy Danzig zu begeben.

fiche Sie

ſchickten den Dörptfchen Untertàmmerer Chriſtoph

492

Danzigs Geſchichte.

Lode voraus , theils um ihre Ankunft zu melden , theils auch auf einen Ausfuß, fåmmtlicher Orda nungen der Stadt, zur Eröfnung der Negociation anzutragen , und hierauf hielten ſie unter Trompe tenſchal mit einem anſehnlichen Gefolge ihren Ein

Der verlangte Ausſchuß war nach den Ses 28 Jan. wohnheitsrechten der Stadt , mit vorbehaltener jug.

Ratification der Ordnungen beliebt worden , und man vernahm nunmehr von den Commiſſarien den Antrag, daß wenn die Stadt ſich zum Seegol be quemen wollte , der König ihr nicht nur einige Ein fünfte davon , ſondern auch den völligen Genuß iþrer Zulage laſſen würde. Nächſt der freyen Wahl in dieſer Alternative aber, Rollte die Stadt ihrer bisherigen Widerſeblichkeit halber,

zur Befánfti

gung des Kdnigs fünf Tonnen Goldes erlegen ; beym Könige von Dänemark anſuchen , daß keine Kriegsſchiffe inehr auf die Danziger Rhede geſchickt würden ; den Secretair Chemnik feines Dienſtes entfeßen , niemanden künftig ohne Erlaubnis des Königs an auswårtige Höfe verſenden ; und keine fremde Reſidentenden ben ſich aufnehmen . Nun hate te man ſich eben keine angenehme Bedingungen von der Commiſſion vorſtellen fönnen , allein dieſe þarte Punkte überſchritten alle Erwartung; und dennoch blieb man bey dem feſten Vorſake , weder des Zolles noch der Zulagewegen nachzugeben , auc kein Geld als eine Strafe zu zahlen , wozu man fich feines Verbrechens halber ſchuldig befand. Eine Summe Geldes wurde zwar als das einzige Mittel angeſehen ,

ſich der gemachten Anſprüche

3

Vierter Abſchnitt. Achtes Capitel.

493

zu entledigen , allein man wollte diefelbe nur zum Zeichen der Ergebenheit, und als einen freywili. gen Zuſoub zu den Bedürfniſſen des Königlichen Saßes entrichten. Es wurden nach einigen Un . terhandlungen fechs mal hundert tauſend Gulden geboten , welche in ſieben Jahren auf Termine ber zahlt werden follten , und wobey fich die Stadt die Verſicherungen ausdung ,

im

Genuß der Zulage

ju ewigen Zeiten ungeſtört zu bleiben, in der Tuch . ſiegelung geſchüßet zu werden , und eine Reichsa Conſtitution zur Befrenung von allen ferneren 206 ten , zu Lande und auf der See oder in andern Geo wäſſern, zu erhalten.

Dieſen Vergleich gingen

die Königlichen Bevollmächtigten ein ,

fie unter: 1 Måt

fofrieben und beſiegelten denſelben , bekamen auch jeder ein Geſchenk von tauſend Ducaten , wofür ſie die Königliche Genehmigung fo wol , als eine Neidsconſtitution zur Beſtåtigung auszuwürfen verſprachen . dd) Es ſchien demnach dieſes ſchwere Geſchäfte nun abgethan und berichtigt zu ſeyn, allein wider alles Vermuthen , tam nach wenigen Monaten der Dörptfche Unterkammerer aufs neue nac Danzig , begehrte im Namen des Kron , Un terkanzlers, daß auf den ſchon angefangenen Reichs. tag zu Warſçau , Abgeordnete der Stadt geſchickt werden ſollten , und zeigte daben an , daß man ih. res Benraths bedürfte, wie der Seegoll auf zwey Jahre am bequemſten eingeführt werden könnte . da) Man hatte dabey in Danzig das Verfehen gemacht , den Commiffarien völlig Glauben beygemeſſen , und keine Cres, dentialſchreiben von ihnen gefordert ju baben.

Man

494

Danzigs Geſchichte.

Danzig Hatte

ſeine

Deputirten zum Reichstage

ſchon abgeßen laſſen , und hielt es für überflüßig, denſelben eine neue Jnſtruction nachzuſchicken , da die Königlichen Commiſſarien ſich mit ihrer Zuſage verpflichtet þatten , die Vollziehung des getroffenen Vergleichs zu befördern.

Indeſſen erfuhr man

mit großem Mißvergnügen , daß der König , und noch mehr die Polniſchen Reidsſtånde, die Rati fication des mit Danzig ohne ihr Vorwiſſen ges ſchloſſenen Vergleichs nicht zuſtehen wollten . Abgeordneten

Die

dieſer Stadt wurden demnach. von

neuem zur nähern Erklärung wegen der Annahme des Seezolls aufgefordert; weil ſelbige aber hiezu Feine Vollmachten empfangen hatten , ſo entſoul. digten ſie ſich die Sache an iþre

Obern zurück

nehmen zu müſſen , und da die Reichsſtände auſſere dem einige der gemachten Vertragsartikel in reifere Berathſchlagung ziehen wollten, ſo wurde das ganze Zollgeſchäfte auf den nächſten Reichstag verſão. ben. Es iſt aber fernerhin dieſe Angelegenbeit immer mehr in Stockung gerathen ; der getroffene Vergleich iſt zwar nie zur Vollziehung gekommen, Danzig hat vielmehr im folgenden fehl des Königs ,

Jahre, auf Be.

neue Conferenzen mit andern

Bevollmächtigten deſſelben ,

zu Marienburg ein

gehen müſſen , es iſt auch die Zollfache gewiſſer . maſſen von den Forderungen der Zulage ſeparirt worden , allein ,

und man hat mit dem Danziger Rath ohne Zuziehuug der übrigen Ordnungen

darüber Unterhandlung pflegen wollen ,

aber im

3.1643 iſt man ſchon ſo unbekannt mit der Sache

4

3

Vierter Abſchnitt.

Achtes Capitel.

495

des Seezolls geweſen , daß die Liteþauer auf dem Reichstage beftig für die Abſtellung deſſelben ge eifert, und ſo gar geglaubt baben , daß die Stade Danzig denfelben für ihre eignen Eintünfte gåtte einfübren laſſen.

Dagegen iſt es ausgemacht und

gewiß , daß gedachter Seegol bey Danzig niemals angelegt ſey , noch geſegmåſfigen Fortgang gehabt Babez, und was die Forderungen des Königs, oder die Anſprüche wegen der Zulage betrift,

ſo find

dieſelben in den Augen des Staats allmålig erlos ſohen , nachdem man in der Folge Mittel gefunden þat , mit minderer Publtctgåt , den Königlichen Hof deswegen zur Ruhe zu bringen . Deſſen ungeachtet hat Danzig durch andre aus den Zollſtreitigkeiten

entſtandene Erſchwerungen ,

nicht geringe Eingriffe in feine . Gerechtſamen und Vortheile erlitten . Die oft gedachte Siegelung der Engliſchen Tücher ,

welche an Danzig durch

eine Conſtitution ausſchließlich war zuerkannt wor den ,

iſt nicht nur von Zeit zu Zeit angefochten ,

durch nachtheilige Edicte geſchwächet ,

auf ange .

ſekte Termine fiſtiret, oder unter dem Vorwand des Mißbrauchs durch Unterſuchungscommiſſionen aufgehalten ; ſondern man hat auch im J. 1947 das Privilegium der Stadt gånglich entziehen , und den Elbingern zutehren wollen , und wenn gleich folches durch einige wohlgeſinnte Vertbendiger der Danziger Freybeitsrechte iſt abgewandt worden , fo iſt doch eben damals eine Reichsfaßung zum Stande gekommen , daß die Ludſiegelung aller Preufliſchen Städten , die einen Hafen båtten, dere

gs

Danzi

496

chte

Geſchi

.

Nicht weniger Verbrüßlichkeie ftactèt feyn ſollte. ten hat Danzig in dieſer Zeit wegen der aus den Stadtländereyen abgeforderten Poborren ausſtehen müſſen ; denn obgleich nach den Landesſtatuten , die Großen Städte zu dieſer Art Abgaben Adelider Güter , in Betreff iğrer Patrimonialgründe, nicht ohne eigne Einwilligung verpflichtet ſeyn ſollten , To fatte man doch aus Gefälligkeit für die Ritter: 1642.

im Königlichen Relationsgerichte ein Ure geil gegen Danzig gefållet, die Poborren aus dem

fchaft ,

Werder zu bezahlen , wogegen die abgenothigten Berthendigungen allererft mit großen Difficultåten find angenommen und vom Könige unterſtüßt wore den .

Gleichermaſſen wurden die Großen Städte

mit vieler Feindſeligkeit, wegen

eines vorgegebes

nen Rückſtandes der Malzacciſen vom J. 1637 in Anſpruch genommen , und obgleich die Unbilligkeit dieſer Zunöthigung von einem Tbeil der Polniſcher Reichsſtånde ſelbſt eikannt worden , ſo mußte doch ein förmliches Verboch an den Gerichtsmarſmall und den Inſtigator im Namen des Königs ergehen , um nichts gegen die Srådte zu unternehmen , fone dern die Erkenntnis in ihren Contributionsgebüh . ren ,

dem

Könige als ihrem einzigen Richter zu

überlaſſen . Nächſtdem ereigneten ſich noch immerfort une friedliche Auftritte mit dem Preußiſchen Adel. Vors zugs - und Rangsſtreitigkeiten mit den Städten in den offentlichen Staatsverſammlungen ,

Beftreis tungen

1

-

51

} Vierter Abſchnitt. tungen des Actorats , ee)

Achtes Capitel.

497

Rechtsproceffe gegen die

Bürger wegen Adelicher Beſikungen , ſchnode Ver. folgungen uncatholiſcher Einſaſſen , und auf Relto gionsbaß gegründete Kirchenanſprüche, hie und da auch perſoneller Neid gegen wohlhabende oder durch Ruhm ausgezeichnete Bürgerfamilien , waren die vornehmſten Quellen einer fortdauernden Unders tråglichkeit. Der König hatte auf dem Reichstage im J. 1641 wiederum einen Verſuch machen laſ fen , durch einige Senatoren den Zwieſpalt im Lane de Preuſſen zu beben ; aber weder mit dieſer noch mit mehreren þinfort dazu angewandten Bemühun. gen , iſt folches unter Vladislavs Regierung von ſtatten gegangen .

Dieſes Uebel wurde zu Zeiten

unglücklicherweiſe dadurch vermeøret , daß ſelbſt unte: den Großen Städten Mißverſtåndniſſe enta ſtunden , und eine ſich über die andre , wegen vera lekter Freyheitsrechte oder Prárogativen zu bekla. gen , Urſachen fand.

Thorn und Elbing beriefen

fich zu einer völlig freyen Handlung in Danzig , auf alte Gewohnheiten und Rechte , die doch wes der durch ehemalige Gefeße und Willkühren , noche durd vorgezeigte Verträge beglaubigt wurden . Dagegen beklagte man ſich in Danzig über betracht liche Abnahme der eigenen Handlung .

Der Mehl.

Handel , bieß es , der Eiſenbandel, der Handel mit überſeeifchem Salz, mit Wein , Baten , Sal. peter , Holz und Mineralien wäre geſchwächet, die Schiffahrt würde geſtoret., und faſt bliebe nur der es) Actorat wird die Criminaljurisdiction der Städte in Verbrechen der Edelleute, genannt. Geſch . Danz . 2ter Th.

Danzigs Geſchichte.

498

Kornhandel noch übrig.

Solches

verurſachten

die angelegten Eiſenbammer in Schweden ,

der

verbeſſerte Hafen bey Pillau , und die Salzberge in Polen ; auch die Wälder wurden daſelbſt ver þauen , die Mineralien ausgegraben , und der Sale peter mit Auflagen beſchweret,

imgleichen ſtünde

man des Litthauſchen und Preuſſiſchen Handels 1643. wegen mit Königsberg im Proceſſe.

Segen obige

beyde Städte wurden Schlüſſe gemacht,

nachdem

ſie keine Vertråge oder Documente beygebracht gåte ten , ihre Lieger abzuſchaffen ,

und ſie kein Ger

treyde ſo auf dem Strom gekauft, Ģier an Fremde verkaufen zu laſſen .

Es kam aber noch feiner in

ju ſpeciellen Beſchwerden , ſo die Städte gegen . einander vorgebracht haben .

Dborn befchwerte

fich , daß iğrer Kaufleute Söhnen und Handlunge. dienern , nicht mit Fremden in Danzig zu handeln erlaubet ,

daß ihre übers Haff gegende Waaren

beſchweret, und förperliche Eyde zu Certificirung der Waaren verlangt würden ; daß Engländer und Kaufleute

aus den

Hanſeſtadten ,

wegen

Auf

ſchickung iğrer Baaren auf den Thorner Jahr. markt ,

geſtraft würden ; daß die Danziger iþrer

berechtigten Niederlage des Hårings und anderer Waaren , ſo nach Polen verſchickt würden , ab. bruch thåten , daß ſie ihre in Danzig eingebauften Weine Fellern måſten ; und daß die Danziger Gem

1 werfe ihnen ohne Aufzeigung der Geburtsbriefe, Lehrburfde wegnáşmen . mit

Elbing wegen

Nicht weniger fam es

unterſchiedener

Klagen

zur

Sprache; aber Danzig hatte gegen beyde Städte

1

Vierter Abſchnitt. Achtes Capitel.

499

nicht nur ſeine Vertõendigung , fondern auch viele Thorn wur gerechten Vorwürfe in Bereitſchaft. de einer Sorgloſigkeit in Verleyhung des Bürger rechts beſchuldigt; einer Aufhaltung und Beſchwes rung der von Danzig auf Polen abgehenden Waa . ren ;

einer Matſchopen mitMennoniten und andern

unbefugten liegern in Danzig ;

ferner beflagte

man ſich über das Betragen gegen Danziger Bür ger auf den Thorner Jahrmärkten , und über die großen Untoften beym Tranſport der Waaren , nebſt dem

Abbruch den die Schleſiſche Niederlage det

Danziger Handlung verurſachte.

Mit den Elbitte

gern war man unzufrieden , daß ſie vermoge eines Edicts vom Frauenburgſchen Domcapitel , das Monopolium des Flachs- und Hopfenhandels an fich zu ziehen ſuchten ; und daß in deffer Entſte Hung, die

Ermländiſchen Fuhrleute angehalten ,

drey Tage zu Markt zu ſteßen gendthiget, und zu legt mit Abgaben gedruckt würden ; es ward auch über die Unlockung der Engliſchen Kaufleute gee imgleichen daß aus Elbing die Waaren ohne Brake zu Danzig auf die Speicher gebracht,

klaget,

und fo fort an Fremde verkauft würden , nåchit mehreren Beſchwerden über unbefugte

Bürger,

uud eine willführlich in Elbing unter dem Namen des Tiefgeldes eingeführte Auflage.

Einige Jahre

bindurch iſt dieſer Streitpunkte wegen , zwiſchen nicht durchaus freundſaft

den Städten eine

liche Correſpondenz geführt worden, doch ſind nicht alle darin eingetretene Vorſchläge zur Aufhebung der

Differenzen

fehlgeſchlagen , Ji 2

und Danzig iſt

500

.

Danzig8 Geſchichte .

insbeſondre während dieſer Zeit bemüher geweſen , zur Verbeſſerung ſeines Commerzienzuſtandes die dienlichſten Maaßregeln zu ergreifen. Mit einem in dieſer Zeit aufgeworfenen Pro. ject zur Errichtung eines Kaufmannsraths hat es zwar feinen Fortgang gehabt, weil eines theils der erſte Entwurf deſſelben , den man dem verhaßt gee wordenen Erſecretair Lakken zuſchrieb , eine un günſtige Präſumtion dagegen erweckte , noch mehr aber weil der Danziger Magiſtrat wichtigere Grüne de dawider zu haben glaubte, welche ſich aus der Conſtitution der Stadt, und aus ihren Verhålt niſſen gegen die Krone Polen ,

mit nocywendiger

Circumſpection in allen Neuerungen , gen lieſſen .

vertheydi

Inzwiſchen wurden in Martt - und

Handlungsſachen , in Anſehung des Bürgerrechts und wegen Beendigung eigenen Rauch Fremden ,

altender

geſchärfte Stadtgefeße gegeben ,

und

dury revidirte Verordnungen ſuchte man viele bisa her im Kaufhandel þemmen.

eingeriffene Mißbråuche zu

Die im J. 1628 wegen der Königlich

Polniſchen Schiffe, zwiſchen dem Könige von Då nemark und der Stadt entſtandene Jerungen wa ren ſchon im J. 1638 abgethan , und foriftlich verſichert worden , daß die Danziger Seefahrer ben Abſchaffung des

doppelten Oreſundſchen

der Vortheile mit genießen ſollten.

Zolles,

Hierauf iſt im

F. 1641 mit den Hollandern zu Glückſtadt der Bergleich geſchloſſen , fraft deſſen der Zoll wieder in den vorigen Stand iſt gefekt worden ,

und in

dieſer Gleichheit hat ſich bald darauf aud Danzig

1

}

Capitel. Bierter Abſchnitt. Achtes Capitet.

501

nebſt den andern Seeſtådten am Baltiſchen Meere, gedachter Zollerſchwerung entledigt geſehen. Die ofterwågate Sache des getheilten Weichſelwaſſers Ward jeßiger Zeit auch wieder in Betraçtung ges zogen .

Sie

hatte ſeit dem I.

1623 geruhet;

im J. 1638 aber hatten ſich die Marienburger mit den Elbingern vereinigt, um über Danzigs eges Waſſerbau Befd werde 34 führen , weil

maligen

dem Nogatfluß ſein Drittheil Waſſers damit ware geſchmålert worden. mutfſion ausgefeßt,

Es ward darauf eine Come die eine abermalige Bauver

beſſerung beliebet , aber nur den fechſten Theil der Unfoſten -den Elbingern zuerkannt , und alles übris ge den Danzigern

aufgebůrbet hatte, - wogegen

von dieſen , wider die ganze Commiſſion , im Schd neckſchen Grod war proteſtirt worden .

Dennoce

ward im J. 1642 zu Marienburg eine friedlichere Conferenz zwiſchen den Abgeordneten beyder Ståd . tt , mit dem Marienburgfden Oeconomus gehal ten , wofelbſt ein neuer Bau an der Muntauſchen Spige unter billigern Bedingungen beſchloſſen , und ohne Verzug ins Wert gerichtet wurde , und mo bey zugleich Danzig die Hofnung gegeben hat , in Fall der Erfolg davon nicht entſprechen ſollte, über dem Maydelod ein neues Haupt ſchlagen zu laffen.

gi 3

Danzigs Geſchichte.

502

Capitel..

Neunites

Die BiſchoflicheKirchenanſprüche werden erneuert gig8 Vergleich mit den Brigittinernonnen

Dans

fchwerer Achtsdecret gegen den Rath Proceß mit den Jeſuiten welches der König aufhebet - angeſtelltes. in Danzig, Steligionsgeſpråd tin Thorn - fruchtloſer Ausgang deſſels ben - und vermehrte Drangſale der Evangeliſchen Kirs 3 Hauptums che - Janikowskiſcher Privilegienbandel

.

ſtände des dabey entdeckten Betruges .

Di Die Drangſale , denen Danzig bisher durch uns terſchiedene Staatsmarimen unterworfen geweſen , þatten noch nicht ein Ende genommen , als auch die Kirchenftreitigkeiten von

in der Provinz Preuſſen ;

der Römiſc catholiſchen Geiſtlichkeit

wieder

þerborgeſucht wurden , wobey der Biſchof von Cute javien ſeine Anſprüche auf die Marienkirche erneu . ert hat.

Ju den kleinen Städten iſt der Evanger

liſche Gottesdienft faft durchgehends mit Abfordea rungen der Kirchen , und durch unzählige Hinder. niſſe geſtört worden .

Thorn hatte ſchon ſeit dem

J. 1636. mit einer verjåørten Kirchenpråtenſion der Franciſcaner zu ſchaffen gepabt, und der Bi. fchof von Culm hatte wegen der daſelbſt im verhinderten Proceſſion ,

J. 1639

einen noch idroeeren

Proceßr angeftrenget ; ein Jahr ſpåter war Reihe

auch an Danzig gekommen .

die

Der Cujavi.

fche Biſchof Matth . Lubienskt þatte die Stadt vors Königliche Hofgericht ausladen laſſen , wo ſie zur Einräumung der Oberpfarrkirche, ben einer neuen Geldbuſſe von 200000 Gulden angehalten werden ſollte.

1

Die Stadt ſute die Ladungen in

1 .

3

Vierter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

503

Hofnung eines Vergleich zu verzögern , noch beſo ſer aber hat fichs getroffen , daß der Biſchof zum Gneſniſchen Erzbischum gelangt iſt , und die la : dungen nicht fortgeſegt þar. Dagegen haben die Brigittinernonnen dieſen günſtig febeinenden Zeit punkt zu nugent, und ſich in das völlige Eigenthum des Dorfs Soidlik zu regen geſucht. Sie haben auch Unterſtüßung bey Hofe gefunden , und nach einem fruchtloſen Verſuch zur Vereinigung mit dem Rath , iſt eine Commiſſion ausgelegt worden , wel che eine Unterſuçung in der Sache angeſtellet, doch aber den Hauptpunkt derſelben der Königli chen Entſcheidung vorzubehalten Befehl Hat.

Nach einigen Verzögerungen kam

gehabt

es im

I.

1643 darin zur Endſchaft, als zu eben der Zeit

1643.

die Thorner ihren Vergleich mit dem Culmiſchen Biſchofe wegen der Proceſſion am Frohnleichnams. feſt abmachten .

Dur ” Beförderung des Biſchofs

von Cujavien Nicl. Alfr. Gniewoſz, wurden der Ábt von Peiplin Rembowski und der Biſchöfliche Official Florian Fall als Bevollmächtigte er. nannt , um mit der Stadt Danzig von Seiten der Kloſterjungfern in Unterhandlung zu treten , wor. auf denn der Syndicus Heinrich Freder den Vers 23 Juni trag mit ignen im Namen des Raths völlig hat abſchlieſſen können .

Vermöge deſſelben ſind die

bisherigen Proviſoren oder Vorſteher, nach abger legter Redinung , mit Aufhebung ihres Amtes 'er laſſen , an deren Stelle aber zur Oberdirection in Verwaltung der Dorfſchaft Schidlik , und der dor tigen Jurisdictionsrechte , zwey Herremdes Raths Ji 4

1

Danzigs Geſchichte

504

verordnet , zu deren Ernennung den Nonnen ins künftige das Präſentationsrecht

auf vier Perſonen

aus dem Rath zukommen ſollte.

Uebrigens ver

pflichtete ſich das Kloſter, weder in der Schidlik noch in der Stadt , auf ſeinem Grunde , irg einie gen Perſonen geiſtlichen oder weltlichen Standes, einen Plaß einzuräumen , noc zum Nachtheil der. Dieſer Stadt , desfalls Vergleiche zu treffen . Vertrag iſt nachgebends dom Cujaviſchen Biſchofe genehmiget, und die Königliche Beſtätigung deſ felben unter dem großen

Reichsſiegel ausgefertia

get worden. Mit vorſichtiger Ueberlegung hatte man die legtere Clauſel dem Vergleich hinzugefüget, damit Ferneren

der

Einſchleichung der Jeſuiten vorgea

beugt werden ſollte.

Dieſe Våter hatten von Zeit

zu Zeit ſchon mehrere Eingriffe gemacht, fie şatten auf dem Pfarrhofe in einem dazu angefertigten großen Gemach offentlid Meſſe gebalten , gepre . digt und die Sacra adminiſtriret , und als der Of ficial im J. 1642 ernſtlich deshalb beſprochen ge weſen , ſo hatten ſie doch ein kleineres Zimmer zu iþrem Kirchendienſte gemahlet, weshalb die Stade får nöthig erkannt hatte, fich deswegen an den Bi. fichof von Cujavien zu wenden .

Inzwiſchen hiele

die damalige Veränderung mit der Biſchöflichen Würde den Ausgang der Sache zurüd ; die ge fuiten aber gaben ſich an den Påpſtlichen Stul gea wendet, um vornemlich ihren vermeintlichen Rechts . anſpruch auf den Befik dg8 Danziger Nonnenklos fters , in Rom angångig zu machen .

1

Jm

J. 1643

Dritter Abſchnitt. Neuntes Capitel. erfolgte ein Päpſtliches Breve ,

505

welches den ges

fuiten alle geiſtliche Handlungen in der Nonnen kirdye zu verrichten befahl, und dem Erzbiſchof von Gneſen , ſie wieder in das Kloſter einzuſeßen die Macht gab . Das Jahr darauf fam ein Königli. cher Legat, Marcian Wituski nach Danzig , ber richtete die Beendigung des Proceſſes am Päpſt. lichen Hofe,

gab alle Gründe an, die ſich zur Aufs.

rechthaltung des Jeſuiterordens ,

aus den Polnie

fchen Staatsgefegen auffinden lieſſen ,

und ver

ficherte, daß die Krone Polen denſelben in Danzig zu beſchůßen ſich angeifdig gemacht hätte. ge Monate ſpåter kam

Einir

auch eine ausdrücklich

ers

nannte Kirchencommiſſion ber , bey welcher nebſt dem Ermländiſchen Probſt und dem Official von Marienburg, chael

der Ermländiſche Saffragan Mi

Dzialinski im Namen des Erzbiſchofs den

Vorfie hatte, und durch deren Autoritåt der Je fuiterorden ins Nonnenkloſter eingeführt werden follte.

Die Stadt ließ dagegen durch ihren Syn

dicus

Fabricius die gemeſſenſte Vorſtellung ma

chen , daß ſie die Einführung der Jeſuiten nimmer, mehr zugeben würde , es wurden auch ſolche Ver. fügungen gemacht,

daß wider den Willen des

Raths nichts darin geroepen fonnte , und die Kloa fterjungfern ſelbſt betrugen fick ſo vorſichtig, daß niemand von der Commiſſion unter einigem wand ins Kloſter gelaſſen wurde.

Herren mußten ſich zuleßt mit einer begnügen ,

Pors

Die Geiſtlichen Proteſtation

der die Danziger ſogleich eine Repro.

teſtation entgegenſekten . Inzwiſchen nahmen die

1644

506

Danzigs Geſchichte.

Jeſuiten daraus Gelegenheit, die Stadt auf dem nåciſten Landtage bart zu verklagen , und in der auf den Reichstag gerichteten Inſtruction wurde die Sade nicht nur dem Könige feør dringlich em . pfolen , ſondern Danzig auch ferner deswegen ans Königliche Affefforialgericht ausgeladen. Im fol genden Jahre 1646 iſt gegen die Stadt ein Con tumazial. Decret ergangen , und fraft deſſelben , der ganze Rath in die Acht erklärt , ſeiner Güter und Aemter verluſtig erkannt,

den Jeſuiten aber

das Brigittiner Nonnenkloſter unbedingt zugeſpro den worden ; ja es iſt ſo weit gedießen , daß dies fes Urtheil im Sooned ſchen Grod

eingetragen,

und ſogar auf öffentlichem Markte zu Warſchau, unter Trompetenſchall iſt verlautbaret worden . Als. denn aber hat der König , der die ganze Procedur ungnådig aufnahm , und es für unrecht erkannte, eine angeſehene Stadt öffentlich als vogelfrey aus. blaſen zu laſſent, dem Danziger Syndicus in eis ner geheimen Uudienz die kråftigſte Verſicherung

1 gegeben , daß die Jeſuiten , der Stadt nicht auf gedrungen werden ſollten . Die Danziger ſind auch durch ein Königliches Geleit geſchüket, ihr See genpart iſt ad reponendum geladen , und das Jabr darauf im Relationsgericht ein Urtheil abgeſprochen worden , kraft deſſen das erſtere als ungültig auf geboben , und die ganze Streitſache zur Königli chen Erkenntniß ausgeſtellt iſt , ohne einen eigent lichen Zeittermin dazu beſtimmt zu haben. Vladislav der Vierte Hat ſich bey gedachtem

Danziger Kirchengwiſte ro wol, als ben allen Res

2

:

3

Bierter Abſchnitt.

Neuntes Capitel.

ligionsverfolgungen im Lande ,

507

von einer ſolchen

Seite gezeiget, die ihn ſeiner toleranten Denkungs . art, wegen ruþmwürdig macet. Es lieſſen fiche noch mehrere Benſpiele anführen , die ihn als eis nen friedfertigen Regenten und als einen Feind des Religionszwanges darſtellen würden ; aber am våchſten können wir hier auf das Thorner Religi ensgeſpråde ( Colloquium charitativum genannt ) einen Seitenblick werfen , da felbiges unfehlbar mit einer friedliebenden Abſicht des Königs zum Berſuch gebracht wurde, um vermoge einer Ver einigung der driftlichen Religionsſyſteme, der über, Þandgenommenen Unverſöhnlichkeit der Partþeyen in feinen

Staaten

Einhalt zu thun.

Idee dazu fahreibt fich freylic von

Die erſte

einem Manne

bet, für den feine gute Pråſumtion ſtritte. Ge. meiniglich wird der ehemalige Prediger an der Pe terskirche in Danzig Barthol. Nigrinus als Urs þeber davon angegeben . Er war glaublid , von So. finianiſchen Eltern geboren und erzogen , tannte alle: Secten unter den Chriſten , war den drey Hauptſyſtemen in der lateiniſchen Kirche nach ein ander beygetreten , aber faſt in allen auch Apoſtat geworden , und hatte ſich , als er dem Könige nå, ber bekannt gemacht wurde , in Warſchau zum Römiſchkatholiſchen Glauben erklåret. Das Zu trauen des Königs zu iþm , laßt fich aus der Eme pfehlung ſchlieſſen , womit er ihn der hohen Geiſte lichkeit in Warſchau als eine Perſon vorgeſtellt hat, von der die Kirche Gottes in den Polniſchen Staa . ten viel Gutes ju. gewarten båtte.

In der That

Danzigs Geſchichte.

508

gewann er durch ſeinen Beytritt zur Päpſtlichen Kirche ſehr vielen Beyfall, ſein Project rourde an genommen , und nach ſeinem Rath batte man abe fichtlich das Ausſchreiben dazu dergeſtalt einge richtet, daß die Evangeliſchen Glaubensverwands ten , als aus iþrer Mutter Hauſe weichhaft geworé dene Kinder ,

zur Widerkehr angemahnt wurden .

Scon hiemit ließ ſich der wahre Endzmed der Römiſchcatholiſchen Parthen durchſbauen , alleix es ſind noch erheblichere Scenen erfolget, die mit der guten Intention des Königs nicht übereins ſtimmten.

Jndeſſen bekam nach völliger Ubwete

ſung der Arianer oder der Socinianiſchen Secte, fede der drey Hauptkirchen ihren Vorſteber oder Director zur angefekten Religionsunterredung, vom Könige ernennet.

Den Catholifen wurde der Ca:

ſtellan vou Gneſen Johann Leſzczynski, den Lua theranern der Staroſt von Stum

Sigismund

Güldenſtern , und den Reformirten der Caſtellan von Ehelm , Sbigneus Goraiski vorgeſeket, das Generalpråſidium aber dem Kron . Großkanzler Oſſolinski,

als

Königlichem

Abgeſandten dazu

aufgetragen . Hienachft tamen aus den Kidniglichen Landen viele Geiſtliche zuſammen , unter denen der Biſchof von Samogitien das Haupt der Catholie fchen Cleriſey vorſtellte. Die Evangeliſchen bat ten ſich auch fremden Beyſtand erbeten : den ku theranern in Großpolen ſchickte der EØvrfürſt von Sachfen den Wittenbergſchen Profeſſor D. Hülſe: mann zu , für die Reformirte ließ der Churfürſt von Brandenburg den D. Johann Bergius und

1

3

Vierter Abſchnitt. Neuntes Capitel. den D. Reichel abgehen ,

509

erlaubte folches auch

dem D. George Calixtus zu Helmſtådt, der aus eignem Hange zur Religionsvereinigung, das Col loquium zu beſuchen gewünſcht batte.

Aus der

Provinz Preuſſen rendete der Pommerelliſche Woy . wod ſeinen Catholiſchen Prediger Johann Epiſco Die Großen Städte ſchickten außer

pius hin.

einigen Predigern , auch Abgeordnete des Raths nach Thorn ; von Danzig waren der Burgermeis fter

Adr. von der Linde mit dem Rathsherrn

Fried . Ehler und vier Prediger D. Joh . Bott fack, D. Abr. Calov , Joh. Mochinger und Joh. Fabricius dazu ernannt worden , und aus vielen kleinen Städten waren ihre eigene Prediger zugegen . Es befand ſich alſo , außer den Zuhörern und vielen aus Neugierde hinzugekommenen Fremden, eine ſtarke Verſammlung in Thorn ,

als das Res

ligionsgeſpräch , laut den eignen Vorſchriften des Königs ,

1645.

in Ruße und Eintracht eröfnet werden 28 Ang.

follte. Aber ſchon vorläufig hatten ſich Differenzen zwiſchen den Lutheranern und Reformirten geåuſ fert, wodurde mindeſtens feine Gemeinſchaft unter ihnen , wie ſie der D. Calixtus vorſchlug , gegen die Römiſchcatholiſche Parthen zum Stande gee bracht wurde. Das Colloquium nahm darauf mit einer Rede des Großianzlers ſeinen Anfang, und nådſt den übrigen Bewillkommungsreden þatte mai in der erſten Seſſion mit dem Ceremoniel und der Einrichtung, zu thun , nach welcher die Geſchäfte felbſt und die Verzeichnungen derſelben vor ſich

Danzigs Geſchichte.

510 geben ſollten .

Ein Beſchluß , jede Sißung mit

einſtimmigem Sebet anzufangen , veranlaßte wies Der eine Separation ; der Biſchof von Sjamayten wollte nach einem allen drey Religionsparthenen unanſtößigen Formular vbrbeten , allein die Luthe. raner wollten weder mit den Reformieten ,

noch

mit den Catholiken in Geſellſchaft beten , und ere klärten es für einen Punkt der Gewiſſensfreyheit, ihr Gebet allein zu verrichten ,

welche Delicateſſe

der Gewiſſensruhe iğnen denn auch in einem ei gnen Zimmer verſtattet wurde. Nicht weniger wur. den die Reformirten und Lutheraner durch einen Prácedenzſtreit bey den Seſſionen , entzwenet.

mit einander

Als es endlich zur Ableſung der Glau .

bensbekenntniſſe kam , ſo wurde zwar nady der Rós miſchcatholiſchen Specialconfeffion , das Bekennt: nis der Reformirten geleſen , allein der Bildhof von Szamayten proteſtirte dagegen ,

erklärte es dem

Willen des Königs zuwider , und der Catholiſchen Kirche zum Schimpf.

Der Kanzler nannte es ro

gar ein Paſquill und ließ es nicht ins Protocoll ein tragen.

Die Lutheraner

fonnten die offentliche

Leſung ihrer Confeſſion gar nicht erhalten , denn der Großfanzler facte ihre Schrift vorher durch. rehen laſſen ; und verlangte daß man verſchiedene Såße darin wegſtreichen ſollte.

Er felbft brach

von der Verſammlung völlig nach Warſchau auf, und ließ den Caſtellan von Gneſen an ſeine Stelle zurúd .

Die übrige Zeit verſtrich in der noch ges

Haltenen Seffionen ,

größtentheils init unnüber

Wortſtreiten und lieblofen Vorwürfen ,

und zulegt

+

Blerter Abſchnitt.

Neuntes Capitel.

SIT

wurde dieſe zur friedlichen und liebreichen Unterre dung beſtimmt geweſene Zuſammenkunft mit feind ſeligen Proteſtationen und

Reproteſtationen ben

ſchloſſen . Der Jeſuit Schönhof nebſt dem Cara 21 Nov . meliter .Mönchen Cyrus , D. Hülſemann von Seiten der Lutheraner , und unter den Reformir , ten Predigern D. Bergius , durch Verfechtung

baben fick bieber

und Widerlegung der unter.

ſchiedenen Religionsartikel ſo wol , als durch aus. führlich gehaltene Streitreden ausgezeichnet, und wenigſtens wird doch das Andenken dieſes an fick unfruchtbaren Colloquiums ,

in der Religionsges

ſchichte bemerkenswerth bleiben . Die Verbeſſerung des Kirchenzuſtandes hatte unter ſolchen Ereigniſſen , weder in Polen noch in Preuſſen ,

durch das Thorner Religionsgeſpråch

nicht das geringſte gewonnen.

Vielmehr þat es

eine traurige Erfahrung beſtåtigt , daß der Haß gegen die Proteſtanten vergrößert , und die Reli. gionsfreyheit in der Provinz deſto mehr iſt beunru . higet worden .

In den tleinen Städten wurden

die Evangeliſchen Glaubensgenoſſen bald unter den Rathbäuſern , bald in verfallenen Gebäuden , ihren Gottesdienſt zu Şalten genothiget ; die

Franciſca

- ner feßten igre Anſprüche auf die Thorner Marien firche fort ; die Jefuiten verfolgten ihren Proceß gegen die Danziger , fie behaupteten ihr neu angea legtes Collegium zu Graudenz ,

und lieſſen nicht

ab , die auf dem Stadtchore zu Marienburg er bauete Kirche zu begehren.

Den überall ausge.

1 breiteten Kircen - Proceſſen fam noch ein fondere

512

Geſchichte Danzigs.

barer Privilegienhandel zu Ratten , den der berúcy. tigte Janikowski eine Zeitlang mit unverſchäm . tem Betruge getrieben hat. Dieſer Chriſtoph Stenzel Janikowski , ein Edelmann aus dem Dirſhauſchen Gebiete , hatte ſich von Jugend auf mit Verfälſchung

fremder Schriften beſchäftigt,

und verfiel zulegt aus Gewinnſucht und ſtrafbarem Ehrgeiß , auf die Anfertigung falſcher Privilegien und Urkunden , die theils in Adelichen Grundbries fen , theils in Geiſtlichen Stiftungen ,

Grenzbe.

richtigungen und andern Documenten beſtanden, welche von den alten Pommerſchen Fürften , von den Kreukberren , und zum Theil von den Könis gen von Polen herkoinmen ſollten .

Danzig Jac

in der Folge verſchiedene derſelben aufgebracht, die über den Haferi, den Seejoll,

die Stadedörfer,

eine angebliche Staroſten über die Stadt , auc über Stadtkirchen und dazu gehörige Straßen und Häuſer , trugvolle Verfügungen enthielten.

Ins

deſſen þatte dieſer Falſarius zur Beförderung ſeiner Abſichten eine Erzählung erdichtet,

als ob er in

der Mauer des verfallenen Soloſſes zu Mitter fchein einem Pommerſchen Dorfe,

einen Kaften

mit alten Urkunden gefunden håtte ,

der im J.

1569 von Polniſchen Edelleuten aus dein Stettin. roen Schloſſe nach Mitterſchein gebracht ,

und

zur Sicherheit daſelbſt wåre vermauert worden . Sein Hauptvorhaben gründete ſich hiemit auf eine Bereicherung der Klöſter,

denen er in den erſten

Zeiten der Reformation, eine heimliche Entgiepung vicler

Güter

und Privilegien vorſpiegeln wolte,

Vierter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

513

und von denen er dafür reichlich bezahle, und in Anſegen gebracht zu werden gedachte. Der Pfar: rer zu Bütow machte ihn mit dem Woywoden von Marienburg Iacob von Weyher bekannt ,

der

auch zuerſt einige Papiere von ihm erkaufte ; bald darauf aber wurde er an den Königlichen Hof nach Polen gerufen.

Unerachtet er nun ſchon damals

wegen unterſchiedener Verfålſæungen ,

in Polen

gerichtliche Bannitionen gegen ſich hatte , fo be. kam er doch ein Geleite, und fekte ſich durch die mitgebrachten Urkunden beym Großtanzler in Gunſt . Er gerieth zwar in kurzem , wegen einiger von eis

3

nem aufmerkſamen Magnaten bemerkten Unrich . tigkeiten ,

wieder in ſtarken Verdacht der Betrů.

gerer , und ward deshalb ſo gar in Eiſen geſomie. det , allein er wußte den Argwohn abzulehnen, 3

ward frey , und machte ſich immer mehr am Hofe beliebt.

Man beſchenkte ion, man gab ihm einen

neuen Schukbrief,

und

einige ſeiner Urkunden

wurden zu größerer Kraft fo gar in die Reichsme tric eingetragen .

In der Provinz Preuſſen ging

ſein Handel noch beſſer von ftatten , man beſtellte Privilegien bey ihm wie eine Fabrikmaare , und in kurzer Zeit hatten die Kolditec ſo viele Anfpruchs 1

rechte, daß niemand ſeiner Befißungen gewiß blieb, und in den Städten ſo wol als unter den adelichen Familien ,

unzäbliche Verwirrungen

daraus ent

i

ſtunden .

e

endlich eine genauere Aufinerkſamkeit auf vie here vorgekommenen Urkunden, man entdeckte fidbare

Die Sorgfalt für ſein Eigenrhum

Hejch . Danz. iter Th.

erweckte

Danzigs Geſchichte.

514

Merkmale einer ganz neuen Arbeit ; die Züge der Buchſtaben kamen nicht mit dem Zeitalter überein , das Pergament war zu friſch ,

die Schnüre der

Siegel waren neu , und das Papier führte die Zei den moderner Papiermacher ,

unzähliger Fehler

hier nicht zu gedenken , die ſich im innern Inhalt der Urkunden verriethen . fang gemacht, 1646.

Hierauf wurde ein Un.

der Janikowskiſchen Betrügerey

umftåndlicher nachzuforſchen.

Der Woywod von

Marienburg machte die erſte Entdeckung , er ließ zu Bütow einen Chriſtoph Unger einziehen , der in ſeiner Ausſage die Verfälſchung geſtand , dieſe wurde durch einen andern

Namens Kapnik in

Schlochau beſtätigt, und noch mehrere Zeugen, die als ehemalige Gehůlfen oder Bekannte des Janikowski gegen ißn auftraten , Testen die Are des Betruges

in unleugbare

Sewisheit.

Den

Hauptumſtånden nach hatte Janikowski ſelbſt die falſøen Privilegien verfertiget, Unger hatte ihm im Abſchreiben geholfen , ein Schwerdfeger in Dana zig Cornelius Wright hatte die Siegel gegraben , ein Schulmeiſter eben daſelbſt auf dem Dominita nerhofe hatte

einige Polniſche Urkunden

teutſch

und lateiniſch überſeget, und in dieſen Sprachen abgeſchrieben. man dem

Den Schein des Alterthuins hatte

Pergament und Papier , mit eingeriebe.

nen Ziegeln und mit Alche vermiſchtem Töpferchon gégeben ,

auch einiges im Raud hången laſſen ;

und nach

mehreren hinzugekommenen Beweiſen

blieb fein Zweifel übrig , daß das Polniſche Reich ſo wol als Land und Stådte in Preuſſen ,

durch

i

40 1

Vierter Abſchnitt. Neuntes Capitel.

515

offenbar falfde und nichtige Urkunden waren ýin . tergangen worden .

Man dürfte vermuthen , daß die Wolfahrt und Sicherheit des Staats es

erfordert håtte, allen

dergleichen Pſeudodocumenten ſorgfåltig nachfpůs ten und ſie auftreiben zu laſſen , oder mindeſtens kraftvolle gerekliche Mittel zu wählen , damit jeder Gebrauch derſelben für ungültig und ſtraffällig ers klärt wåre ; die Wichtigkeit der Sache fåtte auce eben ſo rebr die Gerechtigkeit des Staats aufforo dern müſſen ,

den Urheber der höchſt foådlichen

Verfälfungen nebſt ſeinen Mithelfern öffentlich und eremplariſch zu beſtrafen ; allein von dem allen läßt ſich in der Geſchichte nichts finden .

Rechte

fdaffene Månner im Lande warfen zwar mit Be fchamung und Unwillen die gekauften Trugſchriften von ſich , andre aber legten fie bey Seite , uin viel leicht

in vorkommenden Fällen die Leichtgläubig.

feit der Nachwelt zu nußen. Zur Unterdrückung der falſchen Urkunden , machte der Danziger Burgermei ſter Freder auf dem Landrage zu Graudenz einen leb: þaften Vortrag , und fand bey den

Ständen der

Provinz Beyfall, daß man es auf dem Reichstage zu bewürfen beſbloß , damit dieſe untergeſchobene Documente aus der Metric gehoben ,

und ferner

für kraftlos erkannt wurden.

Jn Polen hingegen

bezeigte man feinen Eifer ,

den Janikowsfiſchen

Urkunden ihren Werth zu benehmen .

Sýun ſelbſt,

obgleich die Preuſſen beftig gegen ſein frenes Gea leit eiferten , wurde perſönlich eine Vertheidigung auf dem Reichstage verſtattet, und er nahm Týrå RI 2

1647.

Danzigs Geſchichte.

516

nen zu Hülfe , um ſich die Miene des Unſchuldiger zu geben.

Dergeſtalt þat man unter dieſer Re

gierung kein gerichtliches Verfahren wegen des Ja nitowsfiſchen Falfums erhalten können , und nur der Preuſſiſche Udel befam vom Könige das Vera fprechen ,

daß keine denſelben angehende Priviles

gien ohne Unterſuchung ſollten angenommen wers den . Unter dem Nachfolger Vladislavs þat man zwar in Preuſſen , die Ungültigkeit der Janikowsa fiſchen Urkunden durch einen Landesſchluß offent lice bekannt gemacht ;

és iſt auch ferner im 3.

1652 eine Königliche Commiſſion zur förmlichen Unterſuchung der unächten Privilegien , - in Po len ausgelegt worden ; allein die davon abzuftat. tende Berichte ſind von einem Reichstage zum an dern verſchoben worden , bis allmålig die gange Sache liegen geblieben , und unter andern Staats. geſchäften in

Vergeſſenheit

gebracht iſt.

Was

übrigens die Perfon des Janikowski betrift, Fo þat ſich unter ſo vielen Feinden die er mit Grunde gehabt hat , zuleßt ein Privatråcher gefunden , ff ) durch deſſen Hand er eines gewaltſamen Todes ge ſtorben ſeyn ſoll. ff ) Die Danziger haben den Janikowski, ( von einigen auch Janifowicz genannt ) im I. 1648 mit gewafneter Band wollen aufheben laffen ; bep dieſem erecutiven Berfahren aber , Roll er von einem der Jacob Purch genannt wird , auf einem adelichen Gute reyu erſchoſſen worden. In eis ner Königlichen Sicherheitscaution vom J. 1649 wird Dau: zig unter andern aufgehobenen Anſprüchen, auch wegen des Perlegten Geleits an gedachtem Janikowski fren geſprochen .

1 .

1

I

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

$ 17

Zehntes Capitel . angetragene Frles Interregnum und neue Röntgswahl densgeſchäfte - General Huwald Commendant fin Dans zig macht verrätheriſche Anſchlåge – Polniſche Friedenss conferenz mit Schweden - Nochmals ausgebrochener Unfrieden zwiſchen den Lutheranern und Reformirten in Danzig te der Grauen Mönchen Ktrche wird der Res formirte Gottesdienſt aufgehoben - die ſtreitige Kirchens ſache gelangt an den Röntg - darüber angefangener Pros Complanation am Königlichen Hofe , wegen des ceß Kirchenftreits , und anderer darin 'verwebter Serungen mit aufges Danzig Policen , Verbeſſerungen in Danzig hobene Hofhaltung im Artushofe.

Im legten Regierungsjahr Vladislavs des Vier ten wurde Polen mit einem neuen Kriege , durch die Empórung der Kofaken bedrohet.

Der König

erlebte nur den erſten Ausbruch davon , denn der Gram über den frühzeitigen Tod ſeines einzigen Prin zen Sigismund

Caſimir , hatte die Gefahren

ſeiner ſchmerzhaften Gicht und Steinkrankheit der . geſtalt vermehret, daß er neun Monate nadı ihm im 53ſten Jahr feines Alters mit Tod abging. 1648. 20 May Die eiligen Zurüſtungen und der widrige Anfang

des Koſafenkrieges , verurſaçten in Polen eine unruhige Zwiſchenregierung :

Aud

die Proving

Preuſſen mußte iøren Theil davon tragen.

Man

rathſchlagte aufden Landtagen , um ſich gegen ei nen gewaltſamen Angrif in gute

Verfaffung zu

regen , überſchritt auch dieſes mal den ſonſt nur gee wöhnlichen Geldbeyſtand an die Krone, indem man fchlüßig wurde,

zwölf hundert Mann im Lande

angeworbener Soldaten über die Grenze zur Hülfe Ke 3

Danzigs Geſchichte:

518 >

zu ſchicken , mit dem Vorbehalt , daß ſolches den Preuſſiſchen Rechten zu keiner nachtheiligen Folge gereichen ſollte. Nach dem Convocationsreichs tage erfolgte dieſer berbilligte Auszug der Landes, truppen : auſſerdem hatten der Woywod von Ma. rienburg und der Caſtellan von Elbing,

jeder auf

eigne Koſten , þundert Pferde geſtellet , und von der Stadt Danzig wurde eine wolgerüſtete Com . pagnie Fußvolk unter einem Capitain , nach Wars f @ au geſchidet, und dem Königlichen

Prinzen

Carl Ferdinand überlaſſen. Die Königswahl hatte daneben einen ruhigen Fortgang ; denn obgleich es ſich anließ , als ob die benden Prinzen und Brüder des verſtorbenen Kids nigs , einander als offentliche Kronwerber entgee gen feyn würden , fo ward es doch ohne Spaltung dahin gebracht, daß der jüngere Prinz Carl Fer dinand Biſchof zu Breslau und Ploczko , unter einigen Bedingungen von ſeiner Anwerbung abs ging , und ſide ſelbſt bey den Reichsſtånden für die Erwählung feines åltern Bruders intereſſirte.

Jo

17 Nov. hann Caſimir ward demnach einmůchig zum Ko nige ernannt :

der Biſchof von Ermland gab ihm

als Landespräſident, im Namen der Provinz Preuſ ſen die Stimme, und die Preuſſiſchen Stånde was ren ferner bedacht, wegen Abſtellung iþrer Landeso gebrechen dem Wahlvertrage einen eignen Artikel 1649. einſehalten zu laſſen . Auf dem Krdnungsreichstage Junúar befamen die Preuſſen , außer der allgemeinen Bea ſtåtigung iþrer Privilegien , noch insbeſondre eine fråftige

Verſicherung wegen ihres

Einzoglingos

VierterAbſchnitt. Zehntes Capitel.

519

rechtes, worin auch dieStådte ſich einbegriffen befan . Den Religionsfrieden hatte man während den . dem Interregnum , in der Provinz.To wol als in Polen , als einen Hauptgegenſtand in Betrachtung Wegen vielfältiger Klagen über die gee gezogen . I

fømålerten Rechte der Diſſidenten 88), ſollte nach einigen Stimmen , die Warſchauer Conföderation vom J. 1573 nicht nur für ein beſtändiges Geſek, erklåret,

ſondern auch die Webertretung deſſelben ,

oder die geſtörte Sicherheit der Diſſidenten ,

als

ein Verbrechen , mit harten Strafen belegt wer. den .

Nach einigen Debatten aber ward die Reli.

gionsfreybeit, nur wie es in der vorigen Zwiſchen regierung geſchehen , beſtåtiget, und in gleicher Árt iſt dieſelbe vom neuen Könige beendiget wor. doch mit der dabey von den Standen be

den ,

ſchloſſenen Einſchränkung , daß ſie nur diejenigen Glaubensverwandten angehen ſollte , die einen Dreyeinigen Gott in ihrem Befenntniſſe annáh Hiemnit wurden die ſogenannten Arianer men . davon ausgeſchloſſen ; man machte auch auf dem Krónungsreichstage eine Conſtitution ,

#

NI

1

daß ihnen

€ 8 ) Das Wort Diffidenten , iſt anfänglich in Polen , wie ſolches noch die Confideration vom I. 1573 bezeuget, von allen Chriſtlichen Glaubensgenoſſen , in Anſehung des un: terſchieds ihrer Confeffionen oder Kirchenſyſteme, gebraucht worden : feit Sigismunds des Drittett Zeiten aber if es in Polniſchen Staatsrecht aufgekommen , die Römiſchs catholiſche Stirche ganz von dieſer Benennung auszuſchlieſ: .fen , und nur die Lutheraner , die Reformirten und Sie Mitglieder der Griechiſchen Kirche darunter zu verſtehen . Lengnich. Jus, publ . R. P. Lib . IV. Cap . XIV . KE4

520

Danzigs Geschichte.

Kirchen zu bauen und Güter anzukaufen unterfa . get ſeyn ſollte , und Danzig wurde als ein lobens . würdiges Beyſpiel angezogen , daß die Arianer das ſelbſt aus der Stadt wåren vertrieben

worden . Drey Jahre ſpåter þat man gedachten Reichsſchluß

noch bårter zu beſtimmen geſucht, aber im

3.1658

þaben die Arianer durch eine Conſtitution , die ſie aller Güter und Ehren ; ja felbft des Lebens vers luftig erklärt hat , alle Theilnahme an der Staats . und Religionsfreyheit verloren . In den drey Großen Städten der Proviny Preuſſen , wurde jeßt die Huldigung an den Kids nig , durch den Biſchof von Culm und Kron - Un. terkanzler

Andreas

Leſzczynski

abgenommen ,

nachdem ſie insgeſammt vorher dafür geſorgt þat. ten , daß ihnen ihre eignen Privilegien , inſonders heit auch die freye Religionsübung na dem dugg. purgſchen worden .

Glaubensbekenntnis

waren beſtåtiget

Hienåchlt hatte man ſich in der Proving,

der wiederholten Aufforderungen zum allgemeiner Aufgebot , ſo wol als der ungefeßlichen Geldanla. gen zu erweşren , die Münzberedungen und andre die Wolfart des Landes betreffende Geſchäfte was ren mit unzähligen Difficultåten verknüpft ,

im .

gleichen vermehrten die militairiſchen Durchzüge und Einquartierungen den gedruckten Zuſtand der Preuſſiſchen Einſaſſen in dieſer unruhvollen Perio . Daben war eins der wichtigſten Staatsges de. ſchäfte zeither , die Befeſtigung eines guten Ver 'nehmens mit der Krone Schweden geweſen .

Seit

dem Ausbruch des Däniſchen Krieges gegen Siwe

1

5

1

3

3

Bierter Abſchnitt. Zehntes Capitel. ' 521 den im J. 1643 , Hatten die Stumsdorfſchen Ver. mittler verſchiedentlich eine genauere Friedensħande ? lung mit Polen in Vorſchlag gebracht.

Als im

J. 1646 König Vladislav der Vierte ſich in ein Bündnis mit den Venetianern gegen die Cürfen eingelaſſen hatte , ſo war unter andern deshalb in und außerhalb Polen geäußerten Beforglichkeiten , bey der Königin Chriſtina

von Schweden

der

Argwohn entſtanden , daß die Zurüſtungen des Kör nigs gegen

ihre Staaten gerichtet ſeyn möchten ,

und ſie hatte die Anfrage wegen eines Friedensſchluſs, Das Jahr darauf hatte man : res erneuern laſſen . auch Polniſcher ſeits reelle Entſchlieſſung biezu geu nommen , die gebeimnisvolle Art aber , womit der König ſeine Friedenscommiſſarien zu inſtruiren ge dachte, hatte aus Mißvergnügen der Ritterſchaft, das ganze Geſchäfte wieder vereitelt."

Nunmehr

hingegen war nicht nur wåþrend dem Interregnum , des nåøern Vergleichs mit Schweden vielfältig Er. wähnung geſchehen , ſondern der König Johann Caſimir ſuchte auch ohne Auffqub den Wunſch der Nation darin zu befriedigen , er ernannte die Friedenscommiſſarien , ließ die Inſtruction für ſie ausfertigen, und zog Bevollmächtigte aus der Pro: vin ; Preuſſen þinzu, die der Friedenshandlung beys wohnen, und für die Wolfahrt ihres Landes daran arbeiten ſollten . Eben nun als dieſes Geſchäfte betrieben wure de , bekam Danzig einen auffallenden und verdrüß. lichen Auftritt mit dem Generalmajor Huwald , Der einige Zeit als Obriſter und Commendant in der

1650.

522

Danzigs Geſchichte.

Stadt Dienſten gewefen war .

Er hatte geit ſeines

Hierſeyns , wovon auch der oben gedachte Geſand. ſchaftsſecretair Ogier gewiſſe Umſtånde angeführt hat, verfdiedene Håndel und ſtreitige Vorfälle ges ħabt: im J. 1638 hatte der Woywod von Pom . merellen ſo gar ſeine Güter arreſtiren laſſen , und dem Rath in Danzig die Erecution empfolen , die ſer aber hatte den formellen Rechtsweg dazu anges wieſen ,

und ſich des Obriſten

angenommen ;

er

war darauf criminell an den Königlichen Hof aus. , geladen worden , weil er ſich verſehrlicher Worte gegen die Majeſtát, ben Jaſinuation der Rechts ladungen ſchuldig gemacht haben ſollte.

Indeſſen

war er von der Stadt beſtermaſſen verthendiget, ja er hat ſo gar Mittel gefunden , ſich nach ber beym Könige Vladislav auf eine vorzügliche Urt zu in . finuiren .

Ulein bierauf beging er den ſanddeſten

Undanf an Danzig , und trat nicht nur gegen ſeio ne Capitulation , in Königlich Polniſche Dienſte, wofür er zum Kammerþerrn, Skriegsrath und Com . mandeur der teutſchen Truppen gemacht wurde, ( 1648 ) ſondern verlangte auch daneben im

Dienſt

und Beſtallung der Stadt zu verbleiben .

3m

wurde zwar die Erlaſſung ſeiner Dienſte erklåret, und der Rath . nahm das Commando der Stadt wiederum

an fich ; allein er glaubte ohne Vorwiſ:

fen des Königs nicht reſigniren zu dürfen , und, wollte das . Commando fo wol als ſeine Beſtallung auf 1800 Reichthaler behalten. der magiſtrat bey dem

Dagegen blieb

gefaßten Entſchluſſe , ließ

fich aber doch nach einigen Unterhandlungen bewee

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

523

gen , dem General eine vortheilhaftere Dimiſſion zuzugeſtehen. Dieſer ſelbſt trug dazu auf folgen de Bedingungen an : er wollte in der Stadt Eybe verbleiben ,

ſich aufErfordern derſelben wieder eine

ſtellen , dafür aber ein Gehalt von 2000 Ebalern genieſſen , und übrigens ſeine vorige Capitulation mit vorbehaltener Freundſchaft caſſiren . Dieſe Bedingungen wurden auch in fo weit eingegangen , daß er mit abgetretener Commendantenſtelle, in

3

der Stadt Eyde zeitlebens eine Penſion von 1800 Thalern zu ziehen haben ſollte. Gerade , um die Zeit : aber , da er dieſen neuen Vergleich mit der Stadt abſchloß, ſoll er den Plan zu einer Verråtheren an Danzig gelegt baben , der zwar jeitig genug entdeckt worden , der Stadt aber mande ungelegenheit zugezogen bat.

Er eröfuete

mündlich dem Schwediſchen Obriſten und Schloß Hauptmann zu Alten Stettin, Anton Schlief, als derſelbe ſich in Danzig befand , die Maasregeln zur Ausführung ſeines Vorhabens. lich zu Anfang des

Es ſollten nem

J. 1649 , wenn der Froſt am

hårteſten wåre, rechs tauſend Mann zu Fuß und ein tauſend Reuter an der Pommerelliſchen Grenze in Bereitſchaft fteßen , auf gegebenen Wint durch Vorſpanne herben geführet, und die Stadt an

1

ei

nem ſchlecht verſicherten Ort , den Huwald an. feigen würde , überwältiget werden : er ſelbſt woll. te die Truppen dazu anführen, ſich der Hauptwache bemachtigen , die

Danziger

Bürgerſchaft aber

durch das grobe Geſchůz und durch Anzündung eto lider Säuſer, von der Gegenwehr abhalten. Diça

524

Danzigs Geſchichte .

fes war eigentlich das Project der Perråtherey, wie ſolches in einem nachher vom Obriſten Schlief an den Rath zu Danzig abgelaſſenen Schreiben vero zeichnet geweſen.

Gleich damals aber hat dem

Dóriften der mündlich vom Huwald gemachte An trag ſo wichtig geſchienen , daß er dazu eine ſchrift lice Beſtätigung von einigen Großen am Schnee biſchen Hofe verlangt hat. erfolget ,

Solches nun iſt nicht

ſondern Huwald þät im Märjmonat

den Obriften Schlief nach Clements - Fähre ohn . weit Elbing beſchieden , um ſich wegen eines Paſſes ju beſprechen , mit dem er unter dem Vorwand růckſtändige Gelder einzutreiben, felbſt nach Schwe. den gehen , auch zur Verficherung der Treue ſeine Göhne daſelbſt als Dagegen ſäumte der

Geiſeln zurücklaffen wollte. Obriſke Schlief nunmehr

nicht, alle Umſtånde dieſes Vorfalls an den Sdwe biſchen Reichskanzler zu berichten , und ſchickte zugleich ein Schreiben mit , weldes Huwald für fiche an den Kanzler zu befördern verlangt hatte. Noc vor Ablauf deſſelben Jahres bekam Danzig hievon auf Befehl der Königin von Schweden , durch den Franzöſiſchen Geſandten Vicomte de Bregy , die erſte Eröfnung ; und faſt zu gleicher Zeit lief ein Schreiben aus Stettin 'ein , worin der Obriſte Schlief rich von der Stadt eine Perſon ausbat, der er eine Sache von der äußerſten Wichtigkeit anvertrauen könnte. An den Schwediſchen Hof "wurde unverzüglich Chriſtian Schroder , hk ) ein hh Dieſe Verſchickung iſt ohne Zuziehung des Raths , von den Bürgermeiſtern allein , in der Art veranftaltet worden , Damit fie deſto geheimer vor ſich gehen ſollte,

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

525

junger Mann aus einer angeſehenen Familie, der aber noch nicht in der Stadt Dienſten war, mit gebeimen Auftrågen zur Erforſchung und Beglau. bigung der Sache abgeſendet; nad Stettin aber ließ man den Secretair Michael Böhme hinge. ben , der nachgehends das vom Obriſten Schlief eigenhåndig unterzeichnete und

beſiegelte Soreis

ben , mit dem Bericht der oben erwähnten Uma ſtånde mitgebracht hat .

Aus Søweden hingegen

konnte man der intentirten Verråtheren Halber, feine nåßere Beweiſe erhalten. Huwald hatte ſich ſo wol in Acht genommen ,

daß aus ſeinen dorthin

gekommenen Briefen und Schriften , nicht die ge ringſten Merkmale davon hervorſchienen , und al. les beruhete nur auf des Obriſten Schlief mündlich geſchehene Ausſage.

Inzwiſchen

konnte Danzig

nicht umpin , die Sache, da ſie einen Königlichen Kammerherrn und Militairberürdeten betraf, beym Könige von Polen anzubringen , und ſie deſſen Er. Kenntnis zu überlaſſen.

Huwald aber hatte ſol.

des faum erfahren , ſo regte er alles in Bewegung , am nicht nur mit den äußerſten Bergeurungen ſeine angebliche Unſchuld zu rechtfertigen , ſondern ſiche auch der Sache ſelbſt , als der ſchwårzeſten Ver . låumdung wegen, gu råchen.

Es kam ihm pieber

nicht wenig zu ſtatten , daß die Soliefſchen Bes richte und Ausſagen ,

ſich mit der Huwaldſchen

Correſpondenz nach Schweden nicht völlig verein baren lieſſen, und da ſeine an den Obriften Schlief gegebene Jaſtruction nicht hervorgebracht wurde, dieſer auch måfrend der erſten Unterſuchung init

526

Danzigs Geſchichte.

Tóde abging , ſo wurde die Sache dermaaſſen ver- · wickelt, daß Danzig ſich aller Zeugniſſe und ferne. ren Erläuterungen zur Wahrheit des Factums be raubt ſabe.

Noch mehr wurde diere Stadt in

Verlegenheit geſeket,

als der General Huwald .

dieſelbe wegen einer vorfeblichen Berläumdung und Diffamation anklagte , und ſie förmlic an die Ko niglichen Gerichte ausladen ließ.

Der König felbft

aber hat den Lauf dieſes Proceſſes gegemmet, und Refcript ausfertigen laſſen , kraft deſſen Hu : ein 161. 14 May wald zwar für unſchuldig erkannt, der Stadt Danzig aber auch kein ſtrafbares Verfahren darin iſt bengemeſſen worden , in ſo ferne fie nach ihrer Pricht und Treue, dem Könige von dieſem ihr beo richteten Vorfall şabe Unzeige thun müſſen . i ) Mit der Krone Schweden wurden mittlerweile die dfters in Vorſchlag gebrachten

Friedensconfe.

renzen nun würklich zum Stande gebracht. Als eben damals der Kron : Großfeldherr dem Koſaken . Hetmann Chmielnicki einen abermaligen Friedens. vergleich zugeſtanden hatte , ſo verſammelten fick die Polniſchen und die Schwediſchen Commiſſarien zu Lübeck, um auch von dieſer Seite die Ruhe des Polniſchen Reichs zu befeſtigen .

Von den Bere

mittlenden Mächten war nur ein Franzöſiſcher # b geſandter zugegen , der Herzog von Curland Hatte ii) Der General Huwald ift ferner in Polniſchen Dienften geblieben , der Penſion von Danzig aber verluſtig gegans gen ; er hat ſich auch durch ſeine im soſakenkriege erfoch : tene Meriten , auf dem nächſten Reichstage das Indige nat erworben.

Bierter Abſchnitt. Zehntes Capitel. zwey !

Bevollmächtigte ,

527

zur Mitunterhandlung

abgeſchidt, und die Danziger lieſſen einen Secres tair zur Empfelung ihrer Stadt hingehen , der Ab. geordnete der Provinz Preuſſen aber mußte zurück bleiben , damit die Polniſche Geſandtſchaft nicht ſtårfer als die Anzahl der Schwediſchen Commiſ farien würde. Die erſten Beſuche lieſſen ſich reßr freundſchaftlich an, und ſelbſt ben einem Gaſtmahle wurden einige Differenzen geboben : als es aber zu den Geſmåften ſelbſt kam , ſo machte die gefore derte Entſchädigung des Königs von Polen , we. gen ſeiner aufzugebenden Anſprüche an Schweden , einen ſo ſchwierigen Artikel, daß in kurzem die Zu- 7Oct. fammenfunft völlig abgebrochen und auf eine andre Zeit verlegt wurde , womit es alſo noch ungewiß blieb , ob Polen unter dieſer Regierung, mit Schwe. den würde in Ruhe gelegt werden. Eine andere Art des Unfriedens kam zu eben der Zeit über Danzig , indem eine mißhellige Kirs chenveränderung hiefelbft , aufs neue die beyden Religionspartþeyen der Lutheraner und Reformir. ten , gegen einander aufbrachte.

Bisher waren

mit einer äußeren Zurüchaltung der Uneinigkeiten, die frtebliebenden Ermahnungen Vladislavs des Vierten , ziemlichermaaſſen befolgt worden . Der D. Botſack hatte ſich zwar zeit ſeines Lebens in Diſputationen und Særiften als ein Gefriger Gea gner der Reformieten bewieſen, zur Abwechſelung auch den Streithammer wider die Sociniſten oder Das Geiſtliche die Arianiſche Secte aufgehoben . fernerhin fo gar ' in Miniſterium ' in Danzig war

Danzigs Geſchichte.

528

Verdacht gerathen , ſich am Schwediſchen Sofe bemůbet zu Şaben , damit die Reformirten , von der Religionsberechtigung im Weſtphålifden Fries Die Reformirten Ger den ausgeſchloſſen würden . - meinden in Polen , batten ſich deshalb durch Send. 1 fchaften und mit Briefen ſehr beweglich beym Rath zu Danzig beklaget, und dringend angehalten , die Rechte ihrer Glaubensgenoſſen in der Stadt nicht zu frånken , noch die Macinationen am Sowe diſchen Hofe ungeahndet zu laſſen ;

und die hier.

aus entſtandene Beſchuldigungs- und Verantwor. tungs . Correſpondengen hatten nicht ehe

aufgehd

ret , bis ein eigenhåndiges Schreiben des Schwes diſchen Reichskanzlers , die beargwdhnten Danzi. Hierauf

ger Prediger darin gerechtfertigt hatte.

aber war vom Magiſtrat ein Manifeſt publiciret, worin nicht nur roegen der in Verdacht gezogenen Unterhandlung mit Schweden , ein Stillſchweigen auferleget , ſondern auch alle bey dieſer Gelegene Beit Hervorgekommene

Sømåbſdriften , waren

verboten und confiſcirt worden. Indeſſen iſt unter Vladislavs Regierung, feine Reußerung vorgefallen , die ſich zu einer of fentlichen Störung des Kirchenfriedens qualificirt Kåtte.

Dieſer Herr þatte bey ſeiner Anweſenheit in Danzig ( 1634 den 30 December ) wirklich ein Diplom aufſeßen laſſen , nach welchem , ſo fehr daſſelbe auch beſtritten worden , die Reformirten als unbezweifelte Theilnehmer an allen auf die Nuggs purglobe Confeſſion in Danzig gegründeten . Relie gionsreçten ,

auch aller bürgerlichen Würden und Aemter

1

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

529

dlemter þiefelbſt theilhaftig ſeyn ſollten : allein die Ausfertigung dieſes Privilegiums iſt wegen ders zögerter Unterſchrift des Großkanzlers in der Folge unterblieben ; und obgleich der König zwer Jahre ſpåter ſich abermals der Reformirten

in Danzig

21

angenommen , und es den Burgermeiſtern münds lich zum Vorwurf gemacht hat ; daß dieſe Relie

$

gionsverwandten von den öffentlichen Ehrenſtellen

W

ausgeſchloſſen ſeyn würden ; ſo hat man doch von Seiten des Magiſtrats vorgångige Reſcripte und Decrete dagegen anführen können , dermoge deren wenigſtens einer ausdrücklichen Abånderung iſt vors gebeugt worden.

Unter ſolchen Verhältniſſen iſt

die Aemterbeſegung aus der Reformirten Gemein de noch ferner unentſchieden geblieben ; ſelbſt die Vocation eines außerordentlich angeſtellten Predis gers an der St. Peterskirche, Namens Johann Cåſar, hat im J. 1646 einen beftigen Widers ſpruch des Miniſteriums nac fich gezogen , den die perſonelle Disharmonie dieſes Reformirten Geifte lichen mit einigen Lutheriſchen Predigern , noch Aber alle dergleichen zwiſtvoller gemacht þat. Streitfälle waren mindeſtens nicht bedeutend ges nug geweſen, um durch eine nähere Theilnehmung des Publicums , die allgemeine Volksruhe zu bes einträchtigen . ge Paul ,

Nur der Todesfall des D. Geor

welcher als Reformirter

Prediger an

der H.Dreyeinigkeits , oder der ſogenannten Grauen und bisher wecha geſtanden , den lutheriſchen Paſtoren an dieſer

Mönchen . Kirche felsweiſe mit

Kirche, vermoge des im J. 1631 beliebten Simul LI Geſch . Danz. ater Th.

Danzigs Geſchichte.

330

taneums geprediget hatte , gab zu einer auffallenta den Veränderung Anlaß , die nicht, ohne das Ju. tereſſe' der Kirchengemeinden darin zu verfleckten , volbracht werden konnte. Ein großer Theil der Vorſtådtſchen Bürger und Einſaſſen lutheriſcher Confeſſion , þatte ſchon ſeit einigen Fahren, inſonderheit aber in einer aus: führlichen Bittſchrift vom Anſuchung gethan ,

J. 1647, bey dem Rath

daß ein ungetheilter lutheris

ſcher Sottesdienſt in der H. Dreyfaltigkeitskirche möchte wieder Bergeſtellt werden .

Dieſes Anfue

den wurde nadı dem Ableben des D. Pauli , ſo fehr auch die

Reformirten Glaubensverwandten,

die Belegung der vacanten Stelle mit einem Lebe rer ihres Bekenntniſſes begehrten , flehentlich wies derholet , und aus Gründen , welche der Rath für gültig erkannte, darin gewilfaret: denn die Luther raner konnten nicht nur das

urſprüngliche Beſte

ßungs und Gebraucsrecht dieſer Kirce für ſich an . führen ; ſondern auch

jene. Urſadyen hatten fick

größtentheils verloren ,

aus welchen ehemals die

Verſtattung des Reformirten Gottesdienſtes hie. felbſt war erforderlich, worden , indem die Anzahl der Reformirten Gemeinde- ſich merklich vermindert, und þienächſt die zweyte Vorſtådeſche Kirche zu St. Peter und Paul, ſchon längſt eine Einrichtung zum ausſchließlichen Gebrauch iþrer Confeſſionsglieder , bekommen hatte .

Dennoch glaubten dieſe ſich in

ihren Rechten verleget zu finden , und ſechs und zwanzig Mitglieder der Reformirten Gemeinde lief fen im Namen derſelben gegen die gemachte Vere

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

531

fügung , daß fünftig allein der lutheriſche Gottes. dienſt mit Aufhebung der Reformirten Predigere ſtelle , in der Trinitatistiche ſtatt baben ſollte, dem Rath eine förmliche Proteſtation inſinuiren . Dieſel. be wurde zwar unverzüglich mit einer Manifeſtation erwidert, es wurden auch die Urheber der Proteſta. tion zur Rede gelegt, und mit Ermahnungen zur Ruße gegen den weitern Ausbruch der Streitig feiten einige

vermittelnde Vorſchläge , verſuchet;

allein die Sache bekam ein ſo ernſtliche Ausleben , daß ſie in kurzem in die Rathſchläge råmmtlicher Drdnungen gezogen ,

und alles gåtliche Verneb.

men mit den Reformirten begrenzt wurde.

Gleich

in der erſten Bewegung war ein þartes .Schreiben von den General , Staaten der Vereinigten Nieders

1

lande , zur Verthendigung der Rechte ihrer Relia gionsverwandten , an den Rath eingelaufen , und bald darauf war das erſte Königliche Mandat in Barſchau ausgebracht worden, dem einige Wochen fpåter ein ſcharfes Pánalmandat nachfolgte,

daß

die Dreyfaltigkeitskirche den Reformirten von der Augſpurgichen Confeſſion reſtituiret, ein neuer Pre diger ihres Bekenntniſſes angeſtellet ,

und iþre inic

der übrigen Bürgerſchaft gleichmäßigen Vorrechte, in feiner Art verlegt noch vernachläßiget werden routen.

Weil nun unterdeſſen ' auch andre Bes

ſchuldigungen gegen Danzig am Königlichen Hofe

!

rege gemacht waren , und jeder Aufſchub

der Zeit

mit einer Verſchlimmerung der Sacen drohte , ſo wurde eine Deputation aus allen Ordnungen nach £ 17

1

19 Jan.

te gs ch hi zi c n ſ 5 Da Ge . n io au et h ct d u c i h r en rſ ſc ſt urf k n er Wa ge Inn ae n ; k ) i d h e e w c ch no ro all en fa n ge hts s it de a e n ia r l r s be ner St , al de Zu crec, de rs Br n te e i r e u ſ t n e t d g z d o s git ande Kl uenn ein de Cahrif we er t ſc go ff chen ine tſ r r n i o u e D V z Ne . n n li ng, e e o g b i e t e d ge ni ru n n of bgeenge n i e cia chti am Kö en H h ,ol u e lfü ſi ſel r pf ubs vor der em s wate . trAu s g ſ g r i e o d n ie s er Di Kr ng ab un bev ſch . e de Kön in edlu h n e de ſ a ü ſ n ſ i n c r r w he Rreha na de uk , lie n die ge m. n huenkga ht tatt de n te c n a e n e i i t U gn ſ f gen , m eic b n u l ti ge fn sg r nf . nur eini Ho zuen fü Agus ; i j ch ollte ach eſmſenill e isrtKön ie ſtre do ſ n d W r d e , d e t d ſ h r e d ert t que ta rc te tig enKſit un , un aaďltle Go dir re n n e i n e b p i n er sd ri te ſuſ da ble Un . nu 32

diefe Clauſel mit wichtigen Entſouldigungen abge Juny lehnt ward , auch nace Zurüdtunft der Danziger Geſandtſchaft, mehrere Maasregeln befolgt wur . den ,

die Forderungeu der Reformirten unfråftig

zu machen ; fo gewonnen doch dieſe dagegen vielen Eindruck mit einer neuen Supplik an den König , ein abermaliges Fürſchreiben aus dem Haag te iğnen in Danzig zu ſtatten kommen ,

roll.

einige Pols

niſbe Magnaten ihrer Confeſſion arbeiteten eifrig ju igrem Vorteil, und ben dieſen gerieth Danzig durch eine falſche Nachricht aus Holland, ro gar in den beleidigenden Verdacht, ſich wider Pflicht kk) Hiezu waren der Burgermeifter Andr. von der Linde, Rathsherr Nicol. von Bodeck und der Syndicus ; aus der zweyten Ordnung der Eltermann des Gerichts, und aus der dritten Ordnung der Quartiermeiſter Jac. Harder er: nannt worden.

Bierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

333

und Treue um Schwediſchen Squg in der zwiſtt. gen Kirchenſache beworben zu şaben. Dadurch rourde nun das perſonelle Mißtrauen am Königli. chen Hofe ſo pol , als in der Stadt tåglich vers großert; die benden untern Ordnungen ſtellten es Dem Rath dringend vor, daß die Reformirten Mits glieder zu den öffentlichen Berathſchlagungen ,

in

Kirchenangelegenheiten nicht weiter zugelaſſen wers den möchten ,

und als ſolches nur unter gewiſſen

Einſchränkungen bewilliget worden ,

ſo hat doce

die dritte Ordnung ihren Reformirten Mitgenoſſen , die Aufforderung zu den gemeinen Rathſchlagen allgemacı gånzlich verſaget. In einer ſo unangeneýmen und des Uusgangs unſichern Lage befand rich Danzig , als der König Johann Caſimir , Preuſſiſchen Stådte ,

auf feinern

Beſuch mehrerer

perſönlich hieber kam ,

um

die Kirchenhåndel ſo wol , als die übrigen Diffes 19 Sept. renzen mit Danzig auseinander zu reben. Seine Ankunft war anfänglich mit furchtbaren Gerüchten begleitet , als ob er die Stadt mit Aufhebung ihrer 1

Privilegien überwåltigen , im Fall des Widerſtan

F des aber ſie durch in den Kloſtern verſteckte Solba. ten in Brand reben ,

und zugleich an deen Orten

würde beſtürmen laſſen ; allein dieſe zum Theil aus Schweden verbreitete Berichte, die fidz Polniſcher. ſeite noch auf den obigen Argwohn gegen die Stade mogen bezogen haben ,

wurden insgeſammt als

ungegründet befunden ,

nachdem man von dem

friedfertigen

Betragen des Königs ſich zureichend

überzeugt halten konnte. Zu Beylegung der Haupt. faqen , wurden: zwar weder in den Uudienjen beym 2 13

534

Danzigs Geſchichte.

Kidnige, uod in den Zuſammenfünften mit ſeiner Bevollmächtigten große Fortſchritte gemacht ;

al.

lein es geſchabe auch den Rechten kein abſoluter Eins trag, und es ließ fich völlig dazu an , daß die Sache der Reformirten durch einen Proceß würde ausges boet. macht werden .. Bald nach der Abreiſe des Königs

wurde dem Rath ein neues Pánalmandat überreicht, daß den Reformirten die prátendirte Kirche eingeräu. met, und ſie den Augſpurgſøen Confeffionsverwands ten gleich geachtet werden ſollten . Nun ſchickte man zwar eilende dem Könige den Syndicus nac , und 1 ließ eine Bittſchrift von allen Ordnungen inſinuiren ; allein wenige Wochen darauf erging Sos.

ſchriftliche Ladung an den Magiſtrat,

foon

eine

welche im

Namen des Kroninſtigators von einem Kiniglichen Fiſcal,

mit Notar und Zeugen in die Ratýſtube

eingelegt wurde.

Der Beſchluß der Rathſchläge

brachte es mit ſich , daß man ſich durch eine Ge. ſandtſchaft zum Proceß einſtellen wollte, und als zu Ende des Jahres eine wiederholte Ladung , nebſt einer Proteſtation des Reichsinſtigators gegen die Beſtellung des neuen Rectors am Gymnaſium , im. gleichen ein Königliches Mandat zur Communication der nöthigen Documente an die Reformirten , eingee laufen waren ,

ſo wurde wiederum eine Abſendung

aus allen Ordnungen beliebet, ll) welde mit einer den Umſtänden nach erforderlichen Inſtruction an den Kdniglichen Hof abging . U ) In dieſer Geſaudſchaft befanden fich der Burgermeiſter dr. von der Linde, Rathsherr Geo . von Båmeln , und der Syndicus Vinc . Fabritius, der Schoppe Arnold Reyger , und die vier Quartiermeiſter Val. vou Boded ; Jacob Harder, Joft Mügge und Friedr, Fedderſen .

Vierter Abſchnitt.

Zehntes.Capitel.

535

Der Proceß naþm þierauf förmlich ſeinen An. fang , und es ſtand zu beſorgen , daß alle Strenge, fo man dem Syndicus bey ſeinem lektern Hierſeyn gedroht

hatte ,

den .

darin

würde

ungeachtet boten

Deſſen

beobachtet fick

wers

bei Hofe

ſelbſt einige Gönner der Neformirten Parthey rehr bald zu als

friedlichen

einer

Vermittelung

an ,

und

es auch wegen der übrigen Differenzen mit

der Stadt nåher zur Spraơe gebracht wurde , po erfuhr man durch einen der angeſehenſten Magna . ten , daß , wenn die Stadt fich gegen den König dankbar bezeigen wollte, ſie wegen aller angefocha tenen Privilegien fichergeſtellt werden dürfte. Konn. te man mun gleich die Abſicht nicht haben , ſich auf ein neues Erwerbungsgeſchåſte wegen ſolcher Freya Heitsrechte einzulaſſen , welche långſt erworben und für gültig erkannt , auch

von allen Thronfolgern

im Reiche beſtätigt waren '; ſo wollte man ſich doch auch einer abzulegenden Erkenntlichkeit mit etlichen Tonnen Goldes nicht entziehen , wenn vom Könige alle Kinderniſſe und Anſprüche aus dem Wege ge. räumt würden, womit fernerhin die Privilegien der Stadt verlekt,

oder beſtritten werden

Mit folder Beurtheilung der Sachen ,

könnten . fan es

demnach vermittelſt einiger Unterhandlungen , die in Danzig ratificirt wurden, zu einer Complanation Mars am Königlichen Hofe, womit eines Tbeils dem Lauf des Kirchenproceſſes ein Ziel gelebt ward, und auch Angelegenheiten größtentheils zur die übrigen Zufriedenheit

der Stade eine Endſchaft

erreich .

ten . Die ehemaligen Pråtenſionen wegen des Sepe LI 4

Danzigs Geſchichte.

536

zolls , an die darauf fundirten Zulagegelder, wur. den auf alle Folge der Zeiten laut der Zuſage des Königs entfråftet ; die Reformirten Gemeinden ir Danzig wurden vom Hofe und durd ihre eignen. Glaubensverwandten daſelbſt zur Ruhe beleitet, fie erhielten die Verſicherung eines freyen und ungeftdr. ten Gottesdienſtes , in den Kirchen zu St. Peter und zu St. Eliſabeth, nebſt der St. Petersſoule zum Religionsunterricht nach iþrer Confeſſion ; ſie ſollten ferner in der Stadt ben allen bürgerlichen Freyheis ten und Gerechtigkeiten erhalten und geſchůket mere den , und ſie erlangten kienādſt einen Königlichen April Freyheite , oder Geleitsbrief, worin die Gleichheit ihrer bürgerlichen ſtimmt wurde.

Gerechtſamen

noch nåßer bea

Es ſind auch in der Folge zur bůra

gerlichen und firchlichen Eintracht mit ihnen , ins ſonderheit aus Gefälligkeit des Raths , unterſchie dene Wege gebahnt worden , und ſie ſelbſt haben im J. 1655 durch einige Mitglieder ihrer Gemeine de , wie ſolches auch fernerhin geſchehen , zu einer vergnüglichen Vereinigung mit der geſammten Bürs gerſchaft die Hände geboren. geſchåft

Ein anderes Haupte

ging die Brigittinernonnen ,

Forderung an .

Dieſe þatten ,

und deren

ſeit der Ankunft

einiger Brüder ihres Ordens ( 1640 ) , welche den Kirchendienſt bei ihnen verfahen , mit dem Rath in Danzig zwar gemeinſeaftliche Sache gemacht, den Jeſuiten keine Rete in ihrem Kloſter anzuerken nen und zu verſtatten ; der König Johann Caſimir Qatte Danzig auc , wider das ſoon unter dislao aufgehobene Decret ,

Vlas

noch durch eine ſpes

3

2

3

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

cielle Caution vom

537

J. 1649 geſichert , aber nichts

deſto weniger hatten die Kloſterjungfern ſich den Querulanten zugeſeller, und gegen den im J. 1643 mit dem Rath abgeſchloſſenen und vom Könige con firmnirten Vergleich , neue Einwendungen Haupts fächlich wegen des Dorfs Schidlik rege gemacht. Damit nun die daraus am

Hofe entſtandene Bee

wegungen völlig abgethan würden, fo gat man fick von neuem dem Geſchäfte mit einer Commiſſion una terzogen , ſo zwar außer den Ehrengeſchenken an die Commiſſarien, mit nicht geringen Geldaufwand zur Befriedigung des Kloſterconvents verknüpfet geweſen, dafür aber zur dauerhafteſten Befeſtigung der ålteren Verträge iſt abgemacht worden . Was endlich die wegen des Caducrechts eingetretenen Mißverſtåndniſſe betraf,

ſo wurde nicht nur die

vom J. 1647 wegen eines von der Stadt gemac ten Vorſchuſſes gegebene Königliche Verſchreibung Vladislavs des Vierten auf die caducirten Gel nach geſchehener Unterſuchung bekräftiget, fondern Johann Caſimir þat auch ſpåterhin im

der ,

I. 1660 den 30 April an Danzig ein Privilegium gegeben , kraft deſſen ſchifbrüchige fo wot als durch ledigen Erbanfall caducirte Güter und Gelder; nicht wie bisher , zum Gewahrſam für den König , foni dern der Stadt zu iğrer eigenthümlichen Diſpoſition und Nukung , worden . Indem

auf ewige Zeiten

ſind zuerkannt

nun die lautgewordenen Mißhelligkeia

ten Danzigs mehrentheils beygelegt wurden ,

ſo

war man zum Beſten der innere Ruhe und Drdo LIS

538

Danzigs Geſchichte.

nung , hier zugleich ſolchen bürgerlichen Beſchwer.

1

den abzuhelfen bedacht, deren öffentliche Ausbrüche

f

zwar vorſichtig waren vermieden worden , die aber

1

noch manche Beſorgung zurücklieſſen, daß das gute Vernehmen im Civilregiment dadurch geſtört wer. den fönnte. Ein Beſchluß vom J. 1644 , kraft deffen man das Geldquantum zur Erwerbung und ſogenannten Verbeſſerung des Bürgerrechts , be tráchtlich erhöht hatte , wurde wegen wiederholent. lich darüber bezeigter Unzufriedenheit der Gewerke, durch neue Verordnungen gemildećt. Nächſtdem machte man Verfügungen für das Gewerbe der Fremden oder eigenen

Rauchalter ,

Handlungsgeſchäften und

damit den

den Nahrungszweigen

der Bürger dadurch nicht Abbruch gethan würde. Die Reviſion der Stadtwillführ und eine verbeſſerte Einrichtung des Bettgerichts , wurden in dieſen Jahren mit vorzüglicem Fleiße bearbeitet. Mit nicht minderer Aufmerkſamkeit ſorgte man für die Verpflegung der Armen , unterſtüßte die Sculen , und ließ unterſchiedene Anordnungen machen , die ſich auf Uusbreitung und Bequemlichkeit des bür gerlichen Erwerbes bezogen ; ja es ſchien ſich mit der glücklid , beſiegten Revolution , eine allgemeine Thätigkeit in Danzig erzeuget zu haben , um allen Beſtandtheilen der innern Verfaſſung neue Kräfte In eben dieſen Zeitraum aber fålle

zu geben .

auch diejenige Veränderung ein , welche naď einer länger als dritteħalb hundert Jahre hindurch bey. behaltenen Obſervanz , mit der Hofhaltung im Ko. niglichen Artushofe iſt bewerkſtelliget worden, Niche

Vierter Abſchnitt. Zehntes Capitel.

539

ohne gegründete Vermuthung, babet die geſchwacha ten Verhältniſſe der Hanſeatiſchen Bundesverwand. ſchaft hierin den nächſten Einfluß gehabt : denn bea kanntlich war ſchon im J. 1630 die Abnahme dies fes Bundes ſo merklich geworden , daß die drey , Stådte Lübeck , Bremen und Hamburg , zur Auf. rechthaltung der deutſchen

Hanſe,

eine ſpecielle

Verbindung mit einander errichtet hatten ; und obe

1 gleich Danzig vor allen übrigen mitverknüpft gewes ſenen Ståbten, ſich immer noch am nächſten zu den Hanſeatiſchen Verpflichtungen und Einrichtungeir. angeſchloſſen hat , auch in ſolcher Verhältniß , bis in die neueſten Zeiten , von hohen Mächten Euros pens ift Hervorgezogen worden ; ſo hatten doch jene ålteren Lande der genaueſten Commerzverbindung , des wechſelſeitigen Beyſtandes ,

und der gemeine

fchaftlichen Staatsvortheile, $

3 i

Stärke verloren ;

foon damals iþre der Lauf der Commerzien hatte

fice vielfältig verändert; das einſeitige Intereſſe der Kaufleute nahm abgeſonderte Wege ; die Hand. tungsmarimen der Stådie Hatten eine andre Rich . tung bekommen , und die politiſche Verfaſſung der Europåiſchen Staaten wollte im ganzen Umfang . den Hanſeatiſchen Bundesgeſchäften das vormalige Webergewicht nicht meậr verſtatten . Unter ſo vera ånderten Umſtänden konnte es nicht fehlen , daß auc in Danzig , die durch Hanfiſche Freundſchaft, Hanfiſche Schiffahrt,

Handlungsconnexionen und Hanfiſqe beſtandene Beſuche des Artushofes,

mehr und mehr eingeſtellt wurden , daß den Végten und Elterleuten der Bänke, die Hofhaltungen von

Danzigs Geſchichte.

540

Zeit zu Zeit låſtiger und für ihre Corporationen ges winnloſer wurden , und daß die Vertraulic leit und der Heitere Muth, womit die Frequenz bieſelbſt ebee dem belebt worden , um des , entzogenen Hauptende zweds willen , fick allmålig habe verlieren müſſen . Soldergeſtalt Körte die Converſation nach und nach auf, deren noch Ogier zu ſeiner Zeit mit einigem Wolgefallen gedentet ; die Concerte der Hofmuſic kanten , die Bälle , die Zeden und die Aufnahme durreiſender Fremden , alles wurde feltener, und obgleich man im J. 1631 noch eine erneuerte Vors førift des Raths zur Hofgaliung findet, ſo iſt doch ſoon im

daß die

J. 1656 beſchloſſen worden ,

Hofgaltungen werden ſollten .

gånzlich

aufhören und

abgeſchaft

Weil aber auch in vorgängigen

Zeiten die Einrichtung getroffen geweſen ,

daß jea

1 der junge Bürger als Kaufmann , vierzehn Tage 1

lang die Hofhaltung mit Danziger Bier zur freyen Auszapfung hat verſorgen müſſen , eine Verordnung gemacht worden ,

ſo iſt dagegen daß die auf

Kaufmannsrecht neu angenommenen Bürger, über alle andre Unkoſten , hundert Gulden wegen Nicht haltung des Hofes, an die Wette zu erlegen vera pflichtet ſeyn follen .

Blerter Abſchnitt. Eilftes Capitel. Eilftes

541

Capitel .

Ausſichten zur Erneuerung des Schwa Peſt in Preuſſen diſchen Krieges - Zurüſtungen in Danzig - Erftere Schwediſche Kriegsprogreſſen , Carl Guſtav bemachtigt ſich der Provinz Preuſſen , außer Danzig , Martenburg, und Pusig feindliche Perſuche gegen Danzig der Dans ziger Entſaß von Marienburg wird verſpätet - Danzig brennt ſeine Vorſtådte ab, und verliert das Weichſelhaurt Danzig wird in den Beſitz von Pubig reſtituiret vers beſſerte Situation des Königs von Polen - Carl Guſtav ſchließt überwältigt die Danziger Schanze bey Stůblau ein Offenſiv Bündnis mit dem Churfürſten von Brandens burg - Danziger Negociation wegen Holländiſcher Kriegos bülfe - Danzig wird wider Wideu in den Elbingſdien Tractat eingeſchloſſen - Hollandiſche und Däniſche Flota ten halten die Fahrt in der Oſtſee offen , und beſchußen die Danzig nimmt den Schwedis Danziger Seehandlung ſchen Feldmarſchall Grafen von Königsmark gefangen Der König von Polen hält einen Einzug in Danzig - Dans ziger Streifereyen gegen den Feind - Aufbruch des Ros nigs von Polen , und ſeiner fo wol als der Schwediſchen Armee aus Preuſſen - feindlicher Weichſelſchaden für vortheilhafte Veränderungen für den König Danzig VON Polen deſſen . Verträge mit dem Churfürſten von Brandenburg - abermalige Ankunft einer Dániſchen Flotte bey Danzig - Danziger Scharmükel im Lande Dirſchau und Lauenburg werden von Danzig befeket. Mit den node drohenden Gefahren des Krieges, vereinigte ſich jego eine in ganz Preuſſen berumzie: bende Peſtkrankheit. Danzig þat dadurch im 7. 1653 einen Menſchenverluſt von 11616 Todten, gegen

1677 Gebohrne gehabt , und die

innern

Stadtangelegenheiten fo wol als die Staatsgeſchåfo te des Landes , wyrden zupeilen in iþrem fauf uns

16536

542

Danzigs Geſchichte.

terbrochen . Dennoch machten die erneuerten Feinda, feligkeiten mit den Koſaken es ndthig , nicht nur der Krone Geldhúlfen zu leiſten , ſondern auch zur Sicherheit der Provinz, ein bewafaetes Corps Sol daten unter dem Obercommando der Moymoden in Bereitſchaft zu

halten .

Deſſen unerachtet

aber

blieb Preuſſen nicht von den Drangſalen , ja ſelbſt nicht von Gewaltthårigkeiten befreyet, womit man fich in dieſen Jahren durch die

Polniſden Krons

truppen , wegen Mangels der Kriegsdiſciplin , kat beſchweret gefunden.

Neue und noch erheblicere Beſorgniſſe braďte 1654.

ferner die in Schweden erfolgte Thronveränderung mit fich .

Die Königin Chriſtina legte die Regies

rung nieder, und ließ ihres Vaters Schweſterſobne dem Pfalzgrafen Carl Guſtao die Krone fenerlig aufſeßen.

Weil nun eben damals der Polniſche

Geſandte Heinrich Canaſiles , der zwar zur Er: Reuerung der Friedensgeſchäfte abgeſchickt war,

1 jekt aber gegen die unvermuthete Thronfolge einen Widerſpruch erklären mußte , ' von der Königin be.

1 tanntlich eine ſehr ſpråde Antwort darauf empfing, ſo ließ ſich mit aller Wahrſcheinlichkeit abnehmen , daß der neue Thronfolger ſein Kronrecht mit offen baren Thåtlichkeiten gegen den König von Polen zu behaupten gedachte. Jedoch machte Earl Gu ſtav vorerſt ſeine Thronbeſteigung dem Polniſchen

! Hofe durch ein Schreiben

bekannt,

welches der

Sởwediſche Commiſſarius in Danzig

Johann

Koch zu Warſchau einhändigen mußte, und Joa hann Caſimir erwiederte ſoldes mit noch großecer

Vierter Abfchnitt.

3

Eilftes Capitel.

543

Hoflichkeit , indem er ſeinen Kammerherrn Andr . Morſtein ' zur Glückwünſchung nach

Stockholm

abfandte , ſelbigem auch neue Verhaltungsbefehle zur

Einleitung

einer

Friedensconferenz

mitgab .

Nunmehr aber ließ der König von Schweden feine

4

Abſichten någer erkennen ; Morſtein gelangte nicht zur Audienz , weil man ſein Creditiv der Kronwurs

1

de und den Rechten Carl Guſtavs entgegen er: klarte , obgleich alle Fehler fo demſelben beygelegt wurden , ſich nur aus dem Polniſchen Siegel worin das Schwediſche Wapen mit ausgedruckt war, und aus einigen

Nebenzeichen der

Titulaturen darles

gen ließen . Inzwiſchen ſchien der Entſchluß ſchon genommen zu ſeyn , den Waffenſtillſtand mit einer Kriegsantündigung aufzuheben , und gleich wie ſich im J. 1652 der zweyte Congreß zu Lübeck, we geit der Siegel und Titel in den Vollmachten zero rolagen batte , ſo wurden auch jeßt dieſe Streits punkte erneuert, nur um die Entſchuldigungen des wieder zu eröfnenden Krieges deſto ſcheinbarer zu machen . Polen ſaße demnach unter allen Umſtänden ein neues Kriegstheater von Schwediſcher Seite vor fich ; weil man ſich aber von einer nochmaligen Friedensgeſandtſaft, die auf dem nächſtfolgenden Reichstage ernannt wurde, noch vortheilhafte Ausrichtungen verſprach , ſo hatten allerdings die Ver. theydigungsanſtalten und Zurüſtungen in

Polen

nicht den eifrigen Fortgang , den eine ſo dringende Gefahr nothwendig båtte befördern müſſen .

Nur

in der Provinz Preuſſen war man tpåtiger auf einen

1655*

Danzigs. Geſchichte.

544

beſſeren Sicherheitszuſtand bedacht: die geſammte Ritterſchaft wurde ermahnet , ſich zu einem allgee meinen Aufgebot fertig zu halten , welches auch der nådſtfolgende

Nachlandtag beſtåtiget bat ;

der

Woywod von Marienburg wurde zum Oberſten Kriegesbefehlshaber erklåret , und die Städte Pu kig ,

Solochau

und

Thorn

wurden

als

die

vornehmſten Påffe des Landes ſeiner vorzüglichen Aufſicht empfolen . Den Großen Städten wurde die eigne Sorgfalt für ihre Kriegsverfaſſung úbers laſſen ,

Thorn aber ſollte Diebau befeſtigen , und

an Danzig ließ der König die ſchon zwen Jahre vorber gemachte Erinnerung ergeben , das Weich. felhaupt durcı neue Feſtungswerke zu ſichern , im gleichen den Seeſtrand gegen feindliche Landungen zu deden .

Hienåchaft wurde Marienburg mit eió

ner Polniſchen Beſagung verſehen , und der König verſprach auf den Fall einer überhandneşmenden Gefahr, den Preuſſen mit einem ſtarfen Kriegs. þeer zu Hülfe zu eilen .

Was Danzig insbeſondre

betrift, ſo war man hier von ſeit einigen Jahren beſchäftigt, auf alle Fålle, zur Sicherheit der Stadt die nöthigen Maasregeln zu nehmen. F. 1649

SẠon im

war der General - Quartiermeiſter von

Perceval aus Holland hießer gerufen worden , um fein Urtheil und dienliche Inſtructionen zur Ver. beſſerung der Fortificationswerte zu geben ,

und

man batte ißm nebſt freyer Reiſe , nach einem vier . monatlichen Aufenthalt, fchent dafür ertheilet.

ein reichliches Ehrenges

Jeßt wurde mit einer res

gulirten Einrichtung und Berechtigung des Kriegse raths,

1 +

545

Vierter Abſchnitt. Eilftes Capitel.

raths , die Stadtgarniſon auf 3000 Mann' vers ſtårket , nommen ,

auch zwey Compagnien Reuteren ange. in der , Perſon des Obriſten Valentin nap.

von Winter ein erfahrner Kriegsofficier , der Be. faßung als Oberbefeßlshaber vorgeſeget, Einwilligung des Königs die

1

und mit

Veranſtaltung ges

maçt , beym Könige von Dänemark , bey den Ges neral -Staaten , und in den Hanſeſtådten, fich vora Hienächſt läufig um Kriegshülfe zu bewerben . wurden die älteren Verordnungen wegen der Bürs

$

gerwachen revidiret und in Ausübung geſeket, den fremden Handwerksgeſellen Wartgeld gegeben, und übrigens in der Stadt fo wol als in den Auſſens

1

werten , auch bey der Weichſelmünde und in den Schanzen , die nöthigen Reparationen oder Bau . ten an den Feſtungswerken , mit ununterbrochener Arbeitſamkeit zum Stande gebracht. Auf dem diess jåþrigen Reichstage' erlieſſen die Reichsſtånde den Danzigern in Betracht ihrer ſchweren Kriegskoſten,

3

wiederum die Abtragung der Malzacciſen ,

und

laut einer mündlichen Erklärung des Königs , woo zu er den Danziger Secretair an ſeinen Thron rief, verlieh er dieſelben der Stadt zu ihrer eignen Be.

5

ſchůkung,

auch ſollten ,

im

Fall der Friede mit

Schweden zu Stande fåme , die von Danzig an geworbenen Soldaten in Königlichen Sold über

1

TX

laſſen werden .

Einige Monate früher aber þatte

der König reine Einfünfte von den Danziger Pfals geldern , der Stadt für eine naşmhafte Summe Geldes verpfändet , deſſen er zu Abzahlung der Tau Mm Geſch. Danz. 2ter Th .

Danzigs Geſchichte.

546

tarn , in ben jeßigen ihn überall drångenden Kriegsa ndchen , bedurfte. Gleich

nach geendigtem Reichstage nahmen

die Schwediſden Feindſeligkeiten ſchređenvoll iş. ren Anfang.

Die Polniſche Geſandtſởaft wurde

unterdeſſen in Stockholm mit leeren Worten abges fertiget , und nur zu einer neuen Conferenz in Stete tin ward eine unſichre Hofnung gegeben . Juln

Dage

gen brace eine Swediſche Armee von 34000 Mann in zwey Diviſionen , deren eine der König, die andre der Feldmarſchall Wittenberg anführte, aus Pommern in Großpolen ein.

Hiemit bemach.

tigte ſich Carl Guſtav der Woywodſchaften Po. ſen und Kaliſch , eroberte Warſchau ,

flug die

Polniſchen Truppen bey Czarnowa, zwaag den Ko. nig

Johann Caſimir ,

nach klein

Soleſien zu flüchten , und nahm nac lider Belagerung,

Glogau in zweymonat:

Krakau mit Capitulation in

Beſik. Dieſes unaufhaltbare Kriegsglúd vers breitete eine ſo große Furcht und Verwirrung im Reiche,

daß der größte Theil der Polniſchen und

Litthauiſchen Stände , gleichwie die Kriegsvotter, ſich dem Könige von Schweden als ihrem Oberberen unterwarfen , und er ſo gar einen Reichstag nach Warſchau ausſdrieb , um durch die Huldigung des Landes ſeine Herrſchaft befeſtigen zu laſſen .

Die

Provinz Preuſſen fahe unterdeſſen einem feindlichen Anfall mit Zittern entgegen ; alle ihre Kriegsans ſtalten waren zu ſchwach , ſich gegen dieſe überall fiegende Armee zu verchendigen , und was ihr noc eine Rettung verſprechen konnte ,

war ,

mit dem

.

le

Vierter Abſchnitt.

Eilftes Capitel.

547

Churfürſten von Brandenburg eine nåbere

Verei

nigung zu treffen .

Mehrentheils waren die Lan.

desſtånde biezu geneigt , man þatte auch bereits fichre Nachricht, daß der Churfürſt ſein Land ge gen einen feindlichen Ungriff zu decken gedachte ; nur den Großen Städten ſchien dieſe Vereinigung bedenklich , inſonderheitweil der Churfürſt bis zur Krakauer Belagerung , noch mit dem Könige von Schweden wegen der Neutralitåt negocitet hatte. Die Danziger ſprachen auf der Marienburger 34. 4Oct. ſammenkunft ſo ſehr dagegen , daß man ihnen ſo gar eine þeimliche Verabredung mit Schweden zur Laſt legte.

Jndeſſen hatte der Churfürſt, in Dan

zig ben ſeiner Durchreiſe nach Preuſſen , perſönlich Verfi

erung gegeben , daß er der ganzen Proving

fo wol als der Stadt Hülfe zu leiſten geneigt wäre, und nach einer von den Landesgeſandten 'mit dem Churfürſten , bey Rinsk unweit Tþorn gehaltenen Unterredung, famen die Unterhandlungen mit der Brandenburgiſchen Geſandtſchaft völlig zum Stan de , daß alſo laut dem Marienburger Vergleich, ein genaues Defenſivbåndnis mit dem Cþurfürſten Friedrich Wilhelm geſchloſſen wurde, Inmittelſt ließ es Carl Guſtav nicht anſtehen, die Preuſſen noch während ihrer Tractaten zu über rumpeln . Schon im September þatten die Schwe. diſche Beſaßungen aus Bromberg und Fordan, eta nen Ausfall auf das benachbarte Lager der Culm fchen Ritterſchaft. gethan ,

und daſſelbe gånzlich

zerſtreuet. Im October rückte der General Horn in Pommerellen ein , eroberte Schweß nach einer Mm 2

548

Danzigs Geſchichte.

tapfern Gegenwehr der Befagung, darauf Tuchel ,

Konik ,

kleine Stådte unter ſich.

und brachte

Friedland und mehrere Im November fam der

König von Someden ſelbſt mit einer ſtarken Macht nac Preuſſen , er ließ durch den abtrünnig gewor. denen Polniſchen Unterfanzler Radziejowski die Stadt Tþorn auffordern , die mit einer ſchraden Beſakung und ſchlechter Munition verſehen war ; fie fand noch andere Bewegungsgründe, von aller Gegenwehr abzuſtehen , 4 Dec.

und ging unter billigen

Bedingungen die der König ihr zufagte,

über .

.

Vor Elbing zogen ſich bey Guſtavs Annäherung die Brandenburgiſchen Truppen zurück , und dieſe unbewehrte Stadt unterwarf ſich noch leichter der Schwediſchen Bothmåßigkeit. Zu gleicher Zeit ergaben ſich mehrere Städte , in Pommerellen fo wol als in den übrigen Woywodfchaften der Pro. vinz , an die vertheilten feindlichen Corps , und zu Ende des Jahres waren außer Danzig , nur Mar rienburg und Pußig noch übrig , die als Kaltbare Derter in ihrer Treue an den König von Polen ver, blieben.

Unmittelbar nach der Einnahme von El

bing Watce Carl Guſtav ſeinen Zug auf Königs. berg die Reſidenz des Churfürſten

gerichtet ;

die

Ungemisheit der Unterhandlungen wozu es mit dem ſelben gekommen war, machte den König von Schwe. den nicht ſicher ; dieſer nöthigte demnach den Chura fürſten , die rowankenden Erklärungen mit einem beſtimmten Vergleich zu verwechſeln , der auch in kurzem jur gånzlichen Herausziebung der Branden

.

burgſchen Truppen aus der Provinz Preuſſen er:

1

al

91

Vierter. Abſchnitt. Eilftes Capitel.

549

folgte, und worin der Churfürſt die Lehnshoheit der Schwediſchen

Krone über ſein Herzogthum

Preuſſen , gegen gleichmäßige Belehnung mit dem Bisthum Ermland erkannte. Danzig war mitlerweile nicht unangefodten geblieben .

Zu Anfang des Septembers war der

Unteradmiral Wrangel mit einer Flotte von 36 Seegeln auf die Danziger Rhede gekommen , und hatte durch den Schwediſchen Commiſſair Koch die Neutralitåtsantråge erneuern laſſen , welche dieſer bereits vor ausgebrochenem mal an den Rath der Stadt ,

Kriege ,

zwen.

mit Verſicherung

der gnådigen Geſinnungen ſeines Königs , und mit ber Einladung zu einem nåßern Vertragsgeſchäfte, gemacht hatte . Tractaten ,

Die Stadt hingegen hatte alle in fo ferne die Hofnung zum Frieden

vereitelt wurde , mit iører an den König von Polen ſchuldigen Treue abgelehnet , und als nunmehr der nach dem Beyſpiel Guftavs Adolphs wieder an gelegte , und mit Kriegsmacht unterſtügte Seezou ein neues Mittel werden ſollte , die Stadt entweder zu einem Vergleich zu nöthigen , oder wenigſtens ein beträchtliches Geld damit zu gewinnen ; ſo war Danzig beyden Abſichten mit freywilligem Verluſt in den Weg getreten , und hatte mit Schlieſſung der Pfalfammer alle Seehandlung gehemmet, die

4 Schiffe ſo den Zoll entrichtet , abgewieſen , und den auswårts befindlichen davon Notiß gegeben , um

ihre Fahrt auf andre Seehafen zu richten .

Nächſtdem hatte der Schwediſche Admiral Truppen ans Land regen , und durch dieſelben Pufig untec .

M m

3

350

Danzigs Geſchichte .

Barter Bedrohung zweymal auffordern laſſen . Det Woywod von Marienburg aber hatte ſich darin mit der Befakung ſo brag vertþeydiget, daß die Schweo den zum Abzuge genöthiget worden ;

und ein geo

fangeneé Capitain þatte ißm verſichert , daß ſo gut auch die Schwediſchen Kriegsſchiffe bemannet und mit Proviant und Munition verſehen geweſen , ſie doch größtentheils lecf geworden , und faum vier Wođen lang die See Håtten şalten können ; fie denn auch vůrklich gegen

wie

den Winter -nach

Schweden zurück gelehrt waren . Nach der Zeit hatte zwar der General Steenbock in Pommerele · len den Meiſter geſpielet; Mewe war erobert, Dira ſchau durch angedrohten Sturm zur Uebergabe gea bracht , und Stargard war aus Furcht von ſeiner Beſagung vælaſſen worden ; vor Danzig aber ward nichts weiter unternommen , als daß der Ges neral eine nochmalige Anmaßnung einſchichte , mit ſeinem Könige einen hatte -würflich den

Vergleich einzugeben .

Befehl bekoinmen ,

Er

gegen dieſe

Stadt allen Glimpf zu bezeigen , ſelbſt im Fall fie zu Spåtlichkeiten ſchritte , iþr mit Sconung zu bes gegnen , ihr auch den Kaufhandel mit Stettin frey zu laſſen , und alles mögliche zu verſuchen , damit

!

ſie eine Deputation an ſeinen König zu einem Vers gleichsgeſchäfte abſchicken möchte.

Dagegen wur.

de das benachbarte Kloſter Olive von Dragonera befekt, und ein abermaliger Verſuch auf Pukig gemacht, der aber durch Zuthun der Danziger feßl. 1

folug, und dann überhaupt mit zunehmenden Froſt,

Januar der Schwediſche Feldzug geendiget wurde .

i

Eilftes Capitel.

Vierter Abſchnitt.

551

Die nådyſte Folge des Churbrandenburgroen Neutralitåtsvertrags mit Schweden , war die Eva. cuation von Marienburg geweſen .

Durch den Abs

zug der Herzoglichen Truppen war die Beſagung Hier dermaſſen geſchwächt, daß der Woywod von

1

Marienburg als Commendant, ein Schreiben nach Danzig einſchickte , um Beyſtand an Volf ſo wot als an Gelde zu bitten .

Man fonnte ſich aber hiee

1 ſelbſt wegen eigener Bedürfniſſe , nicht gleich daju

1 entſchlieſſen , und unterdeffen förderte ſich der Geo neral Steenbock , Marienburg zu belagern. Ein aus Zagþaftigkeit der Bürger geöfnetes Thor , era leichterte den Sdyweden das baldige Eindringen , die Beragung konnte ſich kaum

eilig genug ins

Solof retiriren , und auch dieſem wurde nun mit Einwerfung der Bomben ſo ſcharf zugeſeket , daß es aus Mangel an Proviant und Munition , mit Accord überging , ehe noch die 2000 Mann fri fches Volf ankamen , welche Darzig zum Entſag über die Weichſel hatte abgehen laſſen . Dieſe 30. gen ſich demnach mit einigeu Verluſt zurück , weil der Feind ſie ausgefundſchaftet, und ihnen ein ſtars kes Corps Reuterey entgegen geſchickt hatte. Ueber . Haupt ſabe es ſchon rings um Danzig fehr friegeriſch aus .

Gleich mit Anfang des Jabres Hatte man

den Entſchluß gefaſſet, alle umliegende der Stadt ſchädliche Gebåude niederzureiſſen oder in Brand zu ſtecken .

Solches geſchabe unter Taration, und

mit vorgängiger Verwarnung der Einwohner , wel che ſelbſt zur Abbrechung ihrer Häuſer Hand anlega ten ,

dieſelben verlieſſen ,

und ſich in der Stadt, mm 4

in

1

Danzigs Geſchichte.

552

mit nicht geringem Anbau derſelben , kommen verſchafften.

ein Unter .

Petershagen mit der Kirche

zu St. Salvator, Hoppenbruch, die Mottlaugaſſe, Solathal ,

Jacobsader,

Schidlik und ein groß

Theil von Neugarten verloren dergeſtalt iþre Ges båude : die Einſaſſen im Schottland waren eben . falls deswegen beſprochen worden , weil ſie aber trotz aller Warſchauung, ſich der Danziger Obrigkeit darin wiederfekten , ſo wurden einige Feuerherren verordnet, welche in

Begleitung etlicher Compas

gnien Soldaten, nebſt der Trågerfunft, die Fafeln und Pechkrånze mitführte , aus der Stadt zogen , und im Biſchöflichen Gebiete das Schottland nebſt der daſigen Jeſuiterkirche und dem Hoſpitalkloſter der Barmherzigen Brüder mm ) abbrannten , und gleichermaaſſen den ganzen Stolzenberg nebſt einem Theil des Biſchofsberges von Häuſern entledigten, um den Feinden allen Aufenthalt daſelbſt untauga lich zu mađen.

Nicht lange darauf bekam Danzig

5 einen Angrif auf die Schanze am Weichſelhaupt in der Nehrung , welche während des Stillſtandes, ziemlich war ausgebeſſert ,

und mit zwey hundert Soldaten unter Commando eines Hauptmanns bee

i

ſegt worden .

Die Sąweden thaten darauf einen unvermutheten Unfall, und als der commandirens

14 Febr. de Hauptmann

Adrian Dilger gleich anfangs

durch eine Falkonetkugel getödtet wurde, fo fåumte mm) Das Hoſpitalfloſter der Barmherzigen Brüder ( Fratrum B. Joannis Dei , vulgo boni Fratelli genannt ) , ift im J. 1646 auf Schottlandiſchem Grunde bey Danzig errichtet und dotirt worden . Nach dem Striege haben die Brüder ihr Hoſpital und Kirche ebendafelbft wieder erbauet.

1

1

3

3

Vierter Abſchnitt. Eilftes Capitel.

553

die Befakung nicht lange , mit dem Feinde zu capie tuliren . Die bequeme Lage dieſer Schanze, um die Weichſelfahrt auf Danzig zu ſperren , und die um liegende Gegend in Contribution zu regen , kam den Sweden vortreflich zu ſtatten , und deshalb trafen ſie von Stunde an die Veranſtaltungen , dies ſelbe zu einer anſehnlichen Fortereſſe zu machen . Für dieſen Verluſt hatten die Danziger mindeſtens den Erſaß , ben Nachtzeit das Oliviſche Kloſter zu erſteigen ,

außer einigen daſelbſt niedergemachten

Schweden ,

vierzig Gefangene in die Stadt zu

bringen , und das Kloſter ſelbſt in Beſik zu begal. ten. Um dieſelbe Zeit wurde auch ein verråtheris

1 fæer Unſlag in Pugig gernichtet, womit der treu loſe Commendant Ezarpski nebſt einigen Officiers, dieſen Ort den Schweden hatte in die Hände ſpie len wollen . Die Befaßung aber ſo größtentheils aus dem Wengerſchen Regimente

beſtand, ents

deckte die Verråtherey , nahm den Commendanten nebſt ſeinen Gehülfen gefangen , ſehickte fie nach Danzig , und ließ von hier aus um eine Verſtår. kung anſuchen.

Danzig ſchickte darauf einen Lieu.

tenant mit Hundert Mann den Pußigern zu Hülfe, ließ aud Munition und andre Nothwendigkeiten der Feſtung zuführen ,

und nun zogen ſich die in

der Nähe liegende 400 Schwediſde Dragoner un. verrichteter Sacen zurück.

Nach dieſem Vorfall

hat der König von Polen , die Feſtung Pußig den Danzigern gleich der ehemaligen Verhältnis völlig wieder anvertrauet, und dieſe lieſſen ſo fort eine Mms

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Währender Zeit hatten ſich auch in Polen für den geflüchteten König Johann Caſimir, beſſere Veränderungen ereignet.

Die zu Tyskiewicz für

den rechtmäſſigen Landesgerrn ,

für

die Religion

und die Freyheit des Vaterlandes , errichtete Cono föderation , hatte des Königs Rückehr nach Lems berg befördert, und Carl Guſtav ſo wol als ſein Un hang in Polen, waren für Reichsfeinde erklärt wor , den . Dieſer Hatte zwar ſeinen Aufbruch aus Preuſ ſen beſchleunigt, und darauf den tapfern General

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und Woywoden von Kiow Stephan Czarnecki

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bey Golub geſchlagen , er kam aber nach einem be.

Weichſel, bey Sendomir dergeſtalt ins Gedrånge; daß er ſich mit åuſſerſter Müße und Gefahr den April

1

Rückweg nach Warſchau öfnen mußte, da unter: deſſen Czarnecki über einen andern Theil der Schwes diſchen Armee, eine Feldſchlacht ben Warka ge wann . Nichts deſto weniger traf Carl Guſtav , der auf dein Jaroslawer Zuge zwanzig Tage lang nicht aus den Kleidern gekommen ſeyn ſoll , unver muthet wieder in Preuſſen ein , wo man iğn kurz vorher todt geſagt hatte. mahlin ,

Die Anfünft ſeiner Geo

nebſt den Abſichten , ſich nåøer mit dem

Cþurfürſten von Brandenburg zu verbinden , und Danzig nach ſeinem Willen zu zwingen , hatten ihn hiezu bewogen. ten Entſchluße.

Danzig aber blieb bey dem gefaß.

Nächſt der Garniſon , welche jegt in allem auf 80,00 Mann gebracht worden ,

Vierter Abſchnitt. Eilftés Capitel.

555

Hatten fick ſämmtliche Ordnungen und alle Bürger und Einwohner der Stadt , in dieſer Kriegeszeit, durch einen fpeciellen Eyd der Treue für iþren König miteinander verbunden , ſie feyerten mit großen Solennitäten ein offentliches Danffeft , als ihnen die Zurückunft Caſimirs und

deffen verbeſſerte

Situation , auf ſeinen Befehl durch Abgeordnete

9 war gemeldet worben , und Earl Guſtav konnte nicht die mindeſte Hofnung zur Erreichung ſeines

TO Endzweds Hiefelbft erlangen .

Er beſchloß dem .

nach mit feindlicher Gewalt gegen Danzig zu ver . fahren .

Vier Schwediſche Kriegsſchiffe legten ſich

aufs neue vor dem Hafen , worauf aber ſogleich die .

Pfalkammer geſchloſſen wurde , und alles .Seevers Fehr bis zu Ankunft der Holländiſchen Flotte aufge. hårt bat.

Die Danziger machten ſo gar felbft mit

Thåtlichkeiten

einen Verſuch ,

und fchickten ein

Corps von etlichen Hundert Mann aus ,

um die

Schweden in Dirſchgu zu überfallen; allein dieſe Expedition hatte keinen glücklichen Ausgang , in dem außer dem Verluſt vieler guten Soldaten , bald darauf größere Feindſeligkeiten von den Schweden, MAN dafür im

Werder ausgeübt wurden .

Der König

von Sdweden tam in Perſon vor die Stade, nahm unter Bedeckung eines Trupps Reuterey ihre Fe. ſtungswerke in Augenſchein, wandte ſich aber nach. Her ins Werder , und forderte das Schloß Grebin auf, worin die aus fechzig Mann beſtandene Bes ſagung doch erſt nach angedrohetem Sturm capitu. lirte .

Ein Hårteres Schickſal fatte die Danziger

Schanze bey Stůbtay , deren Befeſtigung kaum

556

Geſchichte Danzigs.

vollendet war , und worin soo Mann unter dem Hauptmann Daniel Gabriel lagen . Unerachtet der König fie nebſt dem General Steenbod beya naße mit 4000 Mann forcirte, fo wehrte ſich die Mannſchaft doch ro tapfer , daß ihr bey endlicher Uebergabe ein efrenvoller Accord zum Abzuge zu: geſtanden wurde. Eben beym Ausmarſch aber geſchahe, ( vielleicht zufällig ), aus den Gliedern der Dangiger, ein Muſquetenſchuß der einen Pauker dicht vor dem Könige erlegte , and worüber der König mit ſo feſtem Argwohn , felbſt gezielet geweſen ,

daß es auf ihn

ergrimmt wurde , daß er

die Capitulation brach , und unverzüglich Befehl gab, die ausziehende Danziger Befakung feindlich zu überfallen .

Hierauf erfolgte eine blutige Maße

facre, worin ohnerachtet einer tapfern Gegenwebe, der Hauptmann und der größte Theil feines Corps ihr Leben einbüfſen

mußten .

Noch voll

Salle

ſchrieb Carl Guſtav pienáchſt an den Rath zu Danzig einen Brief, der mit Drohungen und Vors würfen , wegen ehrenrühriger auf ihn und ſeinen Staat , in Danzig gemachter Schmåbfchriften ans gefüllt war , der Herzog von Croy und der Gea neral Steenbockmußten denſelben mit iþren Schrei ben begleiten , welche zuleßt dennoch eine wieders Holte Einladung enthielten , mit dem Könige in ein gütliches Vernehmen zu treten . Die Antworten der Stadt, welche übrigens bey ihren Entſchlüſſen ſtandhaft beharrte , trafen den König nicht mehr im Werder ,

nach dem er über Bromberg nack

Großpolen gegangen war , und kurz darauf den

Wierter Abſchnitt . Eilftes . Capitel.

557

General Czarnecki ben Elcin verjagte. Er kant aber bald wiedes nach Preuſſen zurůd , und brach te mit dem Cþurfürſten von Brandenburg , unter gawiſſen Bedingungen , zu Marienburg ein Offenſiva Bündniß zum Stande. und wichtigſte Folge ,

Hievon war die nächſte

daß dieſe neue Bundesges

noſſen, nach einer dreytågigen Schlacht die Reſidenz Warſchau wieder eroberten ,

worauf der König

July

Johann Caſimir nach Lublin fortzurüden genda thiget wurde.

Dennoch außerte ſich in turzem der

Anſchein , als ob der Churfürſt von der Allianz wie der abgeben würde, und Carl Guſtav þat es einis ge Monate fpåter für nöthig befunden , demſelben zu beſſerer Freundſchaftsverſicherung,

durch den

Labiauiſchen Tractat , die Souverånetåt des Here zogthums Preuſſen und des Stifts Ermland-zuzu . geſtegen.

Aus Danzig waren mitlerweile zwar ein paar Kriegserpeditionen auf Lauenburg und Stargard

9

verſucht worden , allein ſie hatten den gewünſchten Erfolg nicht gehabt , und nur aus der lekteren war die abgeſchickte Mannſchaft, mit einiger Beute zu- 20 Juli rúc gekommen . Die Danziger bemächtigten fich, zu derſelben Zeit auc einer Schwediſchen Schute,

>

die von Elbing nach Stralſund beſtimmtwar, und mit welcher außer der Bagage des Schwediſchen Reichskanzlers und Preuſſiſchen Statthälters Oren

1

ſtierne, viele vornehme Perſonen , worunter auc ein Schwediſcher Obriſtlieutnant, der auf Werbung

1

gehen ſollte , bey der Weichfelmünde aufgebracht

2

wurden .

Ein wichtigeres Geſchåfte aber , woran

1 Danzigs Geſchichte.

558

Danzig mit vieler Thåtigkeit Tþeil nahm , wurde jekt an einigen Europåiſchen Höfen betrieben , wel. de das Sowediſche Kriegsglück in Polen , mit nicht geringer Eiferſucht, anſaßen . Johann Cas fimir ſuchte von dieſem politiſchen Mißfallen Vors theil zu ziehen, und hatte am Wiener Hofe ſo wol als in Dänemark und beym Fürſten von Siebenbürgen ſeine Geſandten , welche mit Vorſtellungen unter: ſchiedener Bewegungsgründe, eine Kriegshálfe für ihn auswürfen ſollten .

Mit des Königs Genega migung hatte auch Danzig ſchon am Ausgang des

vorigen

Jahres , den Subſyndicus Chriſtian

Schroder nach Dånemark , und ferner im folgen den Februarmonat nad Holland gefchicfet, wo er gerade zu der Zeit ankam , als die General-Staa. ten im Begrif waren , eine Geſandtſchaft

an den

König von Schwedeu nach Preuſſen abgehen laſſen . Seinem Hauptauftrage nach ſollte der Subfyndi. cus hieſelbſt um eine fråftige Beſchůkung der freyen Schiffahrt auf der Oftree, zur Siderheit des Sees Þandels Anſuchung thun. Nachdem er nun hiezu die General - Staaten ſo bereitwillig antraf, daß den Holländiſchen Geſandten in ihrer Inſtruction ausdrücklich mitgegeben wurde , nachft dem Vers ſuch einer völligen Friedensvermittelung , vorfúgo lich alles abzuwenden , was dem Seecommerz und dem freyen Gebrauch der Oſtſee nachtheilig ſeyn könnte; ſo wurde nach Abreiſe der Geſandtſchaft,nn ), nn ) Dieſe Geſaudtſchaft beſtand aus den vier Herren Govert von Singerland, Fred. von Dorp, Pieter de

Húbens und Johann felbrandts .

Vierter Abſchnitt.

Eilftes Capitel

559

eine nähere Negociation im Haag eingeleitet, wel. de mit den mündlichen Unterhandlungen der Gea fandten in Danzig combinirt werden ſollte .

Der

Subſyndicus legte die übrigen Anliegen vor , nach welchen Danzig mit Volk fo wol als mit Gelde, Die von Holland unterſtüßt zu werden verlangte. Berichte welche von den Holländiſchen Geſandten , nach ihrer in Danzig mit 1

Raths oo) ren ,

gehaltenen

einer Deputation des

Conferenz, eingeſchickt was

bekräftigten auch die Nothwendigkeit dieſer

Kriegsbülfe , um der Stadt genugſame Sicherheit zu verſchaffen , und es beruhete nur auf der gefälli gen Aufnahme einer nåþern Beſtimmung derſelben . Danzig ließ demnach nebſt einer zureichenden An zahl Schiffe zur Beſchüßung des Hafens , um eitt Corps Holländiſcher Truppen mit erfahrnen und in

-

der Ingenieurkunſt geübten Officiers ,

um

einen

monatlichen Zuſchub von zwölf tauſend Thalern, und um ein Darlehn von einer halben Million Guls

8

den , gegen ſchriftliche Verſicherung anſuchen. So geneigt nun die General - Staaten ſich zu dieſer Hůlfsleiſtung bezeigten , ſo glaubten fie doch für die verlangten Pråſtationen berechtigt zu ſeyn , des

5

nen ſich in Danzig aufhaltenden Eingebohrnen ih

+

rer Nation , einige Vortheile dagegen auszubedin .

1

gen ,

und dieſes Argument wurde dem Danziger.

Subſyndicus mit ſo dringenden und einleuchtenden Gründen vorgeleget , auch dabey unverzüglich Bes 00 ) Zu dieſer Conferenz waren der Burgermeiſter Adr. von Linde, der Rathsherr Albr . Roſenberg und der Syndicus Binc. Fabricius ausgeſellt worden .

560

Danzigs Geſchichte.

fehl ertheilet, eine Holländiſche Flotte in die Oſtfee auslaufen zu laſſen , daß derſelbe fich , ohne dazu 10 Jul, inſtruirt zu ſeyn, zur Abfolieſſung eines Vergleichs erklärte , der nachgebends nicht nur viele Verzo gerungen , ſondern zulegt auch eine nur unvollkom , mene Beendigung des ganzen Geſchäftes zuwege gebracht hat. Die weſentlichſten Punkte des gedachten Ver. gleichs betrafen eines Theils , die Zollabgaben der Niederländer in Danzig', bey ihrer Ankunft und Abfahrt , ,, daß nemlich , die Eingeſeſſenen und Un ,, terthanen der Vereinigten Provinzen , mit ihren Schiffen ,

welche

Waaren und Kaufmann

ſchaften , auf die Stadt Danzig und den Weich , felſtrom fchiffen und und Ausfahren ,

þandeln ,

im Einkommen

mit feinen Zillen ,

licenten ,

Pfundgeldern , Zulagen oder andern Impoſten und Ungeldern , anjeko , oder insfünftige, hår: ter und mehr ſollen beleget und beſchweret wer . den , als die eigene Eingeſeſſene , oder auch einis1 ge andere am wenigſten belegte Fremdlinge, ( im , Fall zu einigen Zeiten jemand ſelbiger Fremdlir . , ge , meør als der beſagte eigne Eingeſeſſene, vers er ſchonet werden möte), anjego beleget feyn, oder $ ,, bernachmals werden beleget werden . “ Ferner aud die Belaſtung der Niederländiſchen Nationa . len in Danzig , außerhalb den Commerzien ; daß , die Eingeſeſſene und Unterthanen der Vereinigten Provinzen , über ihre Perſonen , Schiffe, Waa. , ren und Kaufmannſchaften hinführo nicht weiter oder höher ſollen beſchweret werden , als dieſelben

anjeko

3

Vierter Abſchnitt. Eilftes Capitel. », anjeßo beſchweret reyn ." Und endlich

561

die freye

Handlungsfahrt der Niederländer auf den benach barten Stedmen und Gewåſſern ; wie nemlich, 1, Danz