Studien zum Nerobild in der Lateinischen Dichtung der Antike 3519076659, 9783519076650

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Studien zum Nerobild in der Lateinischen Dichtung der Antike
 3519076659, 9783519076650

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Christoph Schubert Studien zum Nerobild in der lateinischen Dichtung der Antike

Beiträge zur Altertumskunde Herausgegeben von Michael Erler, Ernst Heitsch, Ludwig Koenen, Rcinhold Mcrkclbach, Clc1ncns Zintzcn Band 116

B. G. Teubner Stuttgart und Leipzig

Studien zum Nerobild in der lateinischen Dichtung der Antike

Von Christoph Schubert

B. G. Teubner Stuttgart und Leipzig 1998

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Schubert, Christoph: Studien zum Nerubild in der lateinischen Dichtung der Antike / von Christoph Schuhen. - Stuttg.ut; Ldpzig: Tcubncr, 1998

(Beiträge zur AltCTtumskunde; ßd. 116) Zugl.: Erlangen, Nürnberg, Univ., Diss., 1997/98 ISBN 3-519--07665-9 Das Werk einschließlich aller seiner Teile

ist

urheberrechtlich gcschütz1.

Jede Vcrwenung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesctzn ist ohne Zustimmung des Verlages unzulissig und strafbar.

Das gilt besonders für Vcrviclf.iltigungcn, Übcrscsilioocn bezieht. wurde oft betont. vgl. dazu u.a. Lund 1994. S. 28f. 31 Dasselbe Motiv des vu/ius ,•erw,endet Calp. Sie. 7,84. Viel~cht ist auch an den legcndaren SIJllhlendcn Blick des Augustus galachl.

"vox ist m.E. proprie zu verstehen, eher nicht als Anspielung auf die rhetorische Beg;ibung. Das Aufbebcn. das Nero Spilter von seiner Stimme machte (vgl. Plin. nal.lust. 34,166 und Suet. Nero 20), ist damit bereits für den Sicbzehnjilhrigen belegt. Die spateren künslleris,,hen Vorlieben 5"hcinen bereits wll cntwickell.

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Von Neros Regierungsantritt bis zu seinem Tod

Man beachte, daß Apoll, der von Nero eindeutig als schon Lebendem spricht, die Zeit zwischen Geburt und Regierungsantritt wie selbstverständlich übergeht. Warum? Durch die explizite Datierung in den ersten Kapiteln der Satire hatte sich Seneca die Möglichkeit genommen, im Stile von Vergils 4.Elcloge die Ankunft eines neuen Goldkindes zu besingen, ja er war nur dank der Konstruktion, daß die Parzen den Faden der Herrschaftszeit dem Prinzeps gesondert beim Regierungsantritt zuspinnen, überhaupt in der Lage gewesen, den laudes die Parzensymbolik mit ihrem großen panegyrischen Potential zu erhalten. Dennoch wäre es möglich gewesen, auch Neros Jugend panegyrisch-propagandistisch zu verwerten, wie es das Beispiel der strukturell vergleichbaren Nero-Prophezeiung des Calpumius Siculus zeigt ... Seneca hat darauf offenbar bewußt verzichtet. So.hoch der Wechsel war, den er auf die Zukunft des jungen Kaisers ausstellte. aus den lcleinen Höhepunkten der Kindheit und Jugend hat er keine Großtaten gemacht Zurück zum Text. Nicht nur die in seiner Person beschlossenen Vorzüge veranlassen Apoll, Nero ein überlanges Leben zu erbitten, auch seine künftigen Taten erheischen rückhaltlose Unterstützung: fehcia /ass/s saecula praestabit /egumque silenlia rumpel.

v23

Als Wohltäter der Menschheit wird der Kaiser goldene Zeiten heraufbringen - wieder begegnet das Leitwort felix - , er wird die Ermüdeten auflichten" und insbesondere die Geltung der Gesetze wiederherstellen. In knappster Form skizziert Seneca hier den Kern des neo-augusteischen Regierungsprogramms, das er selbst maßgeblich beeinflußt hatte: das Ende der Rechtsunsicherheit und der Einmischung des Pri117.epsin die Justiz, die Erneuerung der hergebrachten, gesetzlich fixierten Rechte im Rahmen der augusteischen Staatsordnung und die politische Selbstverpflichtung zu einer behutsamen Außenpolitik und einer Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Reich, kurz eine nach außen und innen gerichtete neue Friedensordnung, noch kürzer: fe/icia saecula. Den Abschluß der Partie bildet der große, die laudes krönende und äußerst wirkungsvoll vorgetragene Vergleich Neros mit den leuchtenden, richtungsweisenden Gestirnen der Nacht und des Tages. qualis disculiens fagienlia lucifer astra aut qualis surgit redeunhbus Hesperus astris. qua/is, cum primum tenebris Aurora so/ulis indralt rubicunda diem. Sol asplcir orbem lucidus et primos a carc~re concitat axes: ralis Caesar adesr. ralem iam Roma Neronem asplctet. jlagrar nitldus falgore remlsso vu/ruser adfuso cervix formosa capillo. ·

V

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v30

'°Vgl. u. S. 58f. zu Calpurnius' Hinweis auf Neros Redepro /1/tnsi~us. " Die Nahe zur biblischen Sprache (,,kommt zu mir, die ihr mOhsclig und beladen seid") ist auf-

ru.Iig.wenn auch insgesamt schwacher ausgcpragt als in Vcrgils 4.Eklogc.

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Seneca, Apocolocyntosis

In makelloser sprachlicher und stilistischer Schönheit", in vollendet abgerundeter, einen vollen Tag umfassender und so auf Ewigkeit weisender Komposition symbolisieren der Morgenstern (J,ucifer), der Abendstern (Hesperus) und die aufgehende Sonne Neros künftige Herrschaft. Kein stechendes Gestirn wird er der Welt sein, sondern sanft, aber dennoch kraftvoll (discutiens) die Schatten der Vergangenheit, die Finsternis der Regierung des Claudius vertreiben. Sehr glücklich ist das Bild der aufgehenden Sonne für den Anbruch der Weltherrschaft (orbem!) Neros gewählt: so wie, schon klar und hell leuchtend, doch noch mild, schon in voller Schönheit am Horizont zu erblicken, einen herrlichen Tag versprechend, der himmlische Wagenlenker seine segensreiche Bahn zu ziehen beginnt, so hilfreich ist der junge Kaiser schon zugegen: talis Caesar adest. Und wie der neue Weltherrscher, der Sonne gleich, gütig auf die Länder unter sich herabschauen wird, so wird Rom zu seinem sonnengleichen Nero aufblicken können. Leise deutet dabei die Parallelisierung mit Apoll (vgl. adest v 15!) und die Betonung des Blickvorgangs (zweifaches aspicere) meines Erachtens das Motiv der Epiphanie Neros an, das die spätere Pancgyrik breiter gestalten wird. Erst hier, am Ende der laudes, flillt der offizielle Titel Caesar, flillt der Name Nero. Jeder Zweifel an der Identität dessen. der die goldene Zeit bringen wird, ist mit diesen Versen ausgeschlossen - erneut begegnet die Strategie der Vereindeutigung, noch verstärkt durch die erneute Namensnennung in 4,2 - , Neros en~e Beziehung zu seinen Römern wird sinnflillig. vielleicht mit etymologischem Spiel l, vor Augen geführt. In Ringkomposition zum Beginn der Rede (vu/tus'). in geschickt für den Schluß aufgesparter Konkretisierung beschreibt der Gott Neros Gestalt, in der sich apollinische und solare Schönheit wie bei Phoebus Apollo selbst vereinigen. Glänzend, aber sanft erstrahlt sein Antlitz", die weich in den Nacken fallenden Haare zieren seine Erscheinung. Es verdient Beachtung, daß diese Bestätigung des Sonnenvergleichs durch die oberirdische Schönheit Neros im Präsens geboten wird. Apolls Rede hatte mit dem Wunsch begonnen, Nero die überlange Leben57,eit zu belassen ( vin,·at tempora), hatte dann im Futur der absoluten Gewißheit die segensreiche Regierungstätigkeit des neuen Kaisers prophezeit, um nun in der lebendigen Vergegenwärtigung des schon real gedachten sonnengleichen Prinzeps zu enden. Die Vermutung liegt nahe, Seneca habe die Sicherheit seiner Apollo-Rede ex eventu bezogen. Was dies für die Datierung der Satire besagt, wird noch zu erörtern sein. haec Apollo. at Laches1s, quac et ipso homm, formos1ss1mofavere/, fccil plena manu et Neronl multos ant1os de suo donat.

4,2

" Man beachte u.a. die dreifache Anapher qualis mit lktusvariation im zweiten au/ qualis und klassischer YergrOllcrung des dri11CnKolon. " In dem Nebeneinander von Rom. dessen Bcdcurung formudo wegen des griechischen JWµ'l gelaulig ist. und Nero, das Gellius 13,23,8 als v/rtus. fortltudo außOst. ist mOglichcrwcisc die pcrfckle Harmonie von Hcmchcr und Bchcrrschlal angedeutet 44 YioUoicbt liegt zusatzlich oino An-32: a.a.20o-24 / llJl.25-32. Scolt 1931 versucht die stnlklurelle Anlehnung der Passage •n einige Panien bei Ovid nachzuweisen.Auf die Symmetrieder drei großen Abschnitte (12 Vene Parzen. 6 Verse Apolls Hilfe, 12 Verse Apolls Rede) sei nur ncilcnbci hingcwie,cn

" Die Angabeder Verszahlenkann die Oberschne1dungcn der Motivenur unvollstandigwieder• geben.

Seneca. Apocolocyntosis

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genentwurf zur falschen Apotheose des Vorgängers, dessen Konstruktivität ihn als engagierten Politiker zeigt. Für die Darstellung der eigenen Haltung gegenüber dem neuen Prinzeps hat der Philosoph hier die nahezu ideale Form gefunden. Gleichzeitig verbindlich und unverbindlich konnte er - gedeckt durch die Fiktionalität der Rahmenhandlung und die persona Apolls - ein propagandistisches Bild Neros entwerfen, dessen Ausgestaltung in seinem freien Belieben stand. Was er an Nero lobte, war dieser gehalten einzulösen'6, was er fonließ, konnte er, zu vollständigen oder auch nur repräsentativen Aussagen nicht verpflichtet, ohne Schaden übergehen. Das dergestalt nachhaltig von persönlichen und politischen Motiven bestimmte Bild Neros hat Seneca mit großer künstlerischer Meisterschaft in dichtester Form umgesetzt. Dies sollte, nachdem die Zweifel an der Stringenz der Par7.enhandlung ausgeräumt werden konnten, die Interpretation hinlänglich gezeigt haben. Die Apoco/ocyntosis ist auch in den laudes Neronis das ,,in jedem Won zugespitzte[n] Meisterwerk", das Heinze in ihr Sie nimmt in nuce fast alle spätere Panegyrik auf Nero vorweg und stellt so den wichtigsten Schlüssel zu deren Verständnis dar.

sahn

Nero 54-56 n.Chr. Seil dem Regierungswechsel Übergriffe der Parther auf Armenien. Einsetzung Corbulos und andere kluge Personalentscheulungen. Anfang 55 Agrippinas f:lnjluß durch Liebschaft mit Acte und f:ntmachnmg des Pallas gesclrwdcht. Von ihren Drohungen zur Ermordung des Brirannicus getrieben, Mitte Februar kalrblürige Ausfohrung mit Hilfe Locustas. Keme Folgen for das po/111scheKlima. aber dauerhaft gesldrt,s Verhältnis zur Mutier, trotz ihrer e,folgre,chen Verte,digung in der Affere um /unia S,. lana. Nachtliche Streifzüge und Roujhandel. Krawalle Im Theater. Otho. Claudius &necio, der Schauspieler Paris neue Vertraute. &neca und Burrus profitieren vom politischen Desinreresse, erreichen demonsrrariv milde Amufahrung. Rückfahrung des Plaullls Lareranus in den ~nar. wellere Gnadenakte. Erfolgretche F1nanzverwa/111ng. Prozeßreform for Schuldner du aerarium Ende des Jahres Erfolge Corbulos. Vologaeses räumt Armenien. ovatio und S1a111e im Mars Ultor-Tempel for Nero. 56 Senecas und Burrus · Kandidaren Konsuln. Weiler posllive Maßnahmen und Jrahenfreundhche Polifl/c. vor allem for die Industrie. s.c. Pisooianwn sfärkt Richteramr der Konsuln und Pratortn. Spatestens Jetzt p:ater patria&-Tilel.EntspaMtes Verhdlmis zum Senat. Welrere EskiJpaden. aber Ende der Thcaterlcrawalledurch Ausweisung der mimologi.

,. Zur Ennahnung. die im Lob liegt. vgl. Russo 1964,S. 63 zu v 30. "Hcinzc 1926, S. 49.

2. Seneca, De clementia

Senecas Traktat De c/ementia, der wohl in der ersten Hälfte des Jahres 56 n.Chr. entstand und verstümmelt überliefert ist, wendet sich nach Art eines Fürstenspiegels an den jungen Prinzeps, um ihm mit einer Viel7.ahlvon zumeist der stoischen Lehre entnommenen Argumenten den hohen Wert der Herrschertugend c/ementia zu verdeutlichen, ihr Wesen und ihre Grenzen zu bestimmen und Nero zur bewußten Vollendung des bereits eingeschlagenen Weges zu einer gütigen Herrschaft anzuleiten. Die Forschung hat sich mit dem literarisch, philosophisch und historisch interessanten Werk eingehend befaßt und die Schrift als Fortsetzung und Weiterentwicklung griechischer Fürstenspiegel, als gewichtige philosophische Fundierung und erste stringente Theorie der absoluten Souveränität des römischen Prinzeps, als politisches Manifest Scnecas im Kampf um die Etablierung eines humanen, in der Ethik gnlndenden Kaisertums, aber auch als Quelle für die persönliche politische und denkerische Entwicklung des Philosophen, als Dokument seiner Erziehungsversuche an Nero und Musterbeispiel für sein psychagogisches Geschick gewürdigt 1. Es kann hier nicht darum gehen, das Nerobild des Traktats in ertenso 1

Den letzten Forschungsi,cricht zu den Ph1losophica bietet Chaumartin 1989, speziell zu De clemtnha Mortureux 1989; eine umfassende Bibliogniphie bei Motto-Clark 1989. Eine moderne Standardausgabe fehl! ebenso wie ein ausführlicherer Kommentar. Der Text wird im folgenden nach der Ausgabe von Büchner 1992 zitiert Unter den Altcren Arnc:itcn seien die ,·on Milnseher 1922 zur Datierung. von Albertini 1923 zur KomJ>J5ition und die allgemeine Würdigung von Faider 1928, S. Sl-66 hervorgehoben, unter den neueren zur Struktur Abel 1967, zum Aufbau und zur Tcndcru: Buchner 1970. ,um Vorbild griechischer Traktate und Scnecas rechtlicher Konzeption des Pnnzipats Adam 1970, zur philosophischen Theone des Prinzipats Buchncr 1962 und besonders Bellincioni 1984. deren vorrugliche Srudie den gedanlclicheo Kern des Werlces, ausgehend von einer pr2ziscn BegrilrsbeStimmung der politischen und der richterlichen Tugend cltmtnha unter Einbeziehung der einschlagigcn Passagen von Dt ira und D, btntficiis umfassend erschbcßt Den verfehlten Versuch von FuhrmaM 1963, den Bc&riffder c/emenrta auf die juristische Dimension zu beschranken (so S. S00-507) und den Traktat systematisch zu zergJie• dem, hat schon Büchner 1970 zunlckgewiescn, dessen „politische"' Begriffsbestimmung von cl,m,nba S. 2041T.und „dynamische" Gliederung S. 21 S-219 uber,eugen köMCn. Wenig ansprechend hingegen die Erbsenztblcrci bei Morturcux 1973 (eine Zusammenschau der Strulcturanalyse S. 68f.). In der Frage der Datierung wurde bislang keine Einigung erzielL Richter 1965, der das Problem zuleut umfassend aufgerollt hat, ptadiert, allerdings auf konjekturaler Basis. lllr den IS.12.SS n.Chr. als tmnmws antt qv,m und will das Werl< m.E. ohne triftigen Grund noch ,-or die Ermordung des Britannicus setzen (vgl. bes. S. 168f.). Ebenfalls ftlr die Frühdatierung vor den Tod des Britannicus zuletzt Dingel 1989. S. 174 Anm. 3S, dem sich Maurach 1996. S. 100 anschließt. Mit Adam 1970, S. 9 Anm. 1 und Büchner 1970, S. 203 und 1992, S. l0S gehe ich von einer Abfassung fnlhestens Ende SS n.Chr. aus. Abwegig allerdings Herrmann 1960, der ohne irgendein wirlclich stichhaltiges Argument die Abfassung auf Ende 58 o.Chr. hinaufset7.cn will. Als gescheitert k0Men die Versuche gelten, die \'Ollslandige Erhaltung des Werli:es zu er· weisen. Diese These Prl!chllcs(in der Einleitung seiner Ausgabe 1925 plSSim) widerlegt bereits Faider 1928, S. 7fI., Slf. und70 schlagend, vgl. da,u auch B~chncr 1970, S. 219. Unvcrstandlich ist daher der berclts vierte unvcranderte Nachdruck von Prtchacs Ausgabe, da SO\\'Ohlsein Vorwort als auch die massiven Tcxtumstcllungen obsolet sind. Ob das Abbrechen des Wcrli:es auf Lustlosigkeit Senccas (so u.a Morturcux 1989, S. 1679), politische Grilndc (Richter l 96S, S. 169 nimmt die Aufgabe des Projekts bei der Ermordung des BritaMicus an) oder mnsbruch 1897, ebenso Kille! 1990 (s. Al.5.), S. 763lf. und O>urtncy 1993, S. 351 u. 464. Mindestens zwei Bücher l.yrica und eine gnmmalischc Schrift libtr de metris lassen sieb nach\\'Ci• sen. Als Lyriker war BaSSIIS innovativ, seine Komma-Lehre beeinOußte Scncca. Gestorben dürfte er 79 n.Chr., Jedenfalls vor der Abfassung der /nslifllllones QuinWians sein. Aus einer Inschrift 30 n.Chr. und der Widmung an Nero (vgl. dazu das Folgende) sind weitere Eckdaten zu gcwin• ncn. Zu BassusWerk vgl. bc:s.Durct 1986, S. 3193-98. 6 Rulin. GLK VI, s. 555 ( Zilien bei Bl3nsdorf 1995, s. 316). ' 1amb1cusv 1 ist durch ,ambus zu ersetzen. da Iambus die korrekte Bezeichnung des Versfußes, tambtcus nur das Adjektiv ist, das erst im Grammatikcrgd,r.iuch ftlr das Nornen eintritt. vgl. die Belege im ThlL VII.!, p. 130, 1. 64 • p. 131, 1. SI, s.v. iambus: 2 usu latiorc de versibus iambicis

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Bassus bildet hier den gebrandmarkten metrischen Verstoß einer daktylischen Fußfolge im iarnbischen Versmaß in dem Vers und mit den Worten selbst nach, mit denen dieser Verstoß beschrieben wird (die Binnenkürze des ersten Metrums ist gegen die Regel mit dact- als Lange aufgelöst, so daß mit dactylici gene- zwei Daktylen entstehen), ein bei späteren Grammatikern beliebtes Verfahren der praktischen Exemplifizierung am Lehrstoff selbst1 Inhalt und Versmaß legen es nahe, das Zitat eher einer metrischen Spezialschrift als dem lyrischen Werk des Bassus zuzuweisen. Diese mit dem Traktat De metris, der für Bassus gesichert ist, zu identifizieren, verbietet allerdings die metrische Gestalt, da in De metris allem Anschein nach die metrischen Regeln selbst in Prosa und nur die illustrierenden Beispiele in Versfonn gegeben wurden. So wird man ein von der Metrik getrenntes iambischcs Gedicht Ad Neronem postulieren können9, in dem Bassus, vielleicht in Anlehnung an die horazischen Literaturbriefe und insbesondere an die Ars poetica, in der eine ähnliche Thematik verhandelt wird' 0 , im weitesten Sinne mit dem Iambus zusammenhängende Probleme erorterte. Die Widmung eines Gedichts gerade diesen Inhalts an Nero spricht dafür, daß Bassus den Kaiser als Fachmann für Bühnendichtung betrachtete und ihm als dramatischem Autor und Liebhaber des Theaters seine Reverenz erwies. Selbst wenn man auf der bisherigen Lesung des Fragments als Prosa beharren sollte, bleibt die Tatsache der Widmung an Nero, sei es dann der ganzen Metrik oder des Abschnittes über den Iambus. bestehen. Dies mag eine Selbstverständlichkeit scheinen. Doch zeigt die nähere Betrachtung der friihkaiserzeitlichen Liteund ThlL Vß,1. p. 130, 1. 13-63, s.v. iambicus: subst. m. iambicus (sc. versus) i.q. trimcter iamblcus mit dem ersten Beleg von Diomcdes, 1. 51-61. sibi ist bei ossomere ganz gelaufig. vgl. die ll.oyo1der nmntng gag als Hcilmiuel gegen Phantastereien). Trunken von Nieswurz bcdeulet also „völlig blutleer, ubcrsattigl mil Phaniasielosigkeil"; vgl. mil wcilercn Belegen und ahnlichcr lnlerpn:lation Kißcl s. 176f. "Allgemein zur Trojamodc in der Z.Cilvgl. N~raudau 1985. S. 2032f.

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werden zum Beleg drei lateinische Epigramme zitiert, die als Versus in Neronem in die Sammlung der FPL Aufnahme gefunden haben u und zuletzt von Cupaiolo einer Besprechung gewurdigt worden sind Demnach sind die Verse in die Gattung des Pasquills einzureihen, das in der Kaiserzeit - zunehmend in der Fonn des elegischen Distichons - als neues Medium der Meinungsäußerung entdeckt wird und in ernst-heiterem Ton einen persönlichen Angriff vorträgt, wobei der individuellen Verfehlung in der Regel eine meist global an republikanischen Idealen orientierte Nonn gegenübergestellt wird 16 . So richtet sich das erste Beispiel bei Sueton gegen den Muttermord Neros, dem die pietas des Stammvaters Aencas entgegengehalten wirdQa,lsnegat Aeneae magna de stirpe Neronem? sustul,t hie marrem.sustu/11il/e palrem. 0

- , das zweite gegen die unmilitärische Haltung des Kaisers, die eine Niederlage an der Partherfront absehbar macht Dum tendit citharam noster, dum comua Parthus. nosler enl Paean. 11/eHecatebeletes. - und das dritte gegen die Gigantomanie der domus aurea, die implizit an der altrömischen Bescheidenheit der Quirites gemessen wird: Roma domusfiet: Veios migrare,Qa,intes, st non er Vetos occupat tsta domus. Indes erschöpft sich der Gehalt dieser Epigramme meines Erachtens nicht in der witzigen Formulierung einer einlinigcn und eindeutigen Attacke gegen diese oder jene Verfehlung, vielmehr besitzen sie alle eine über den bloß politischen Vorwurf hinausweisende, von semantischen bzw. intertextuellcn Bezügen konstituierte Dimension. Betrachten wir zunächst das letzte Beispiel Man gelangt uber die Standarderklärung der Kommentare, ,,das Ganze [sei] eine Anspielung auf Neros Goldenes Haus und seine Ausdehnung" 17 hinaus, wenn man fragt, warum der Dichter seine Mitbürger auffordert, ausgerechnet nach Vcii auszuwandern. Die Erklärung findet sich bei Livius. Am Ende des 5.Buches berichtet der Historiker von der nationalen Katastrophe des Galliersturmes, der Eroberung und dem Brand Roms, der Sammlung der verbliebenen Kräfte durch Camillus in Veii, dem Sieg über die Gallier und der Rückeroberung der Stadt. Dort eingerückt stellen die Volkstribunen angesichts der rauchenden Trümmer den Antrag, man möge Rom aufgeben und nach Veii aus"Bei Blansdorf 1995, S. 331f., der auch die neueste Literatur verzeichnet. Vgl. auch Cowtncy 1993, S. 479ff. •• Cupaiolo 1993 bietet außer der Einordnung in die Ganungpasquinalt(eine Gattung,,dcfinition S. 128) und einem ausfllhrlichen Inhaltsreferat S. 71-74 keine eigentliche Interpretation. Hulgewiesen sei auf seine Appendice II, S. 14Sf. u. 148 mit einigen humanistischen Epigrammen, die den klassischen Nero-Tyrannen-Vergleich haben. 11 Giebel 1986 (s. A.111.2.b.),S. 118, Anm. 122.

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wandern, relictis ruinis in urbem paratam Veios transmigrarent (5,50,8). Camillus widersetzt sich diesem Ansinnen und bewegt die Römer in einer großartigen, von Livius zum erhebenden Abschluß der ersten Pentade geformten Rede dazu, Rom nicht zu verlassen und die heilige Stadt der Väter wieder aufzubauen (5,51-54) 18 Die historische Leistung des Camillus, der im entscheidenden Augenblick die Preisgabe Roms verhinderte, beschreibt Livius so: Servatam deinde bel/o patriam iterum in pace haud dubia servavit (sc. Camillus) cum prohibuit migrari Veios (5,49,8). Dieser große Moment der römischen Geschichte in seiner livianischen Fassung, der zum allgemeinen Bildungsgut gehörte, bildet die Folie, vor der unser J:pigramm seine historische Tiefendimension erhält. Wie zur Zeit des Galliersturmes hat auch in der Gegenwart ein Brand - überdies an demselben Tag - die Stadt verwüstet 19, wie damals mahnt der anonyme Dichter als neuer Volkstribun zur Auswanderung nach Veii Doch tut er dies nicht, weil er die Mühen des Wiederaufbaus scheute, sondern die Vertreibung der Bevölkerung geht nun von dem Wiederaufbau selbst, der Errichtung der domus aurea aus. Nero ist es, der als ein AntiCamillus die Römer zur Auswanderung nötigt, der Rom nicht rettet, sondern die Vernichtung der heiligen Stadl gegen alles Herkommen betreibt und so erreicht, was nicht einmal den Galliern gelang Nicht nur die Gigantomanie des Goldenen Hauses wird also angegriffen, sondern Nero der größten denkbaren Schande bezichtigt, des Verrats an Rom und allen altrömischen, von Carnillus verkörperten idealen. Die Schuld und Schande des Kaisers besitzt, dies drückt der Anonymus mit dem Aufgreifen des livianischen migrate Veios aus, historische Ausmaße, ja sie übersteigt die bislang größte nationale Katastrophe: damals sei es möglich gewesen, nach Veü auszuwandern, heute sei nicht einmal dies mehr sicher2°. So verleiht der intertextuelle Bezug dem Epigramm zusätzliche Schärfe und demaskiert Nero, der sich nach dem Brand Roms als zweiter Stadtgründer und neuer Romulus feiern ließ,.als schlimmsten Feind der Stadt. Strukturell hiervon verschieden präsentieren sind die beiden anderen Distichen. Hier wird das offizielle panegyrische Kaiserbild aufgegriffen. zum Schein bestätigt und gleichzeitig in sein Gegenteil verkehrt. Das erste Distichon bedient sich des propagandistischen Schlagworts von der julischen Abstammung Neros und der Zurückführung der Linie auf Aeneas. Der Dichter stellt sich zunächst im Hexameter „vollinhaltlich" hinter die ideologische Aussage, Nero sei ein echtblütiger Sproß des trojanischen Ahnen, um dann im Pentameter für diese überraschend regimekonforrne Haltung eine Begründung zu liefern, die, scheinbar die Parallelität der Handlungsweisen von Aeneas und Nero im einenden s11s111/it erweisend, den fundamentalen Unterschied zwischen der pietas des Aencas und der Greueltat des Enkels 11

Die Junk1ur migror, V,ios begegnet in S,Sl-S4 in abgewandelter Form Oftcr. Auch der L,b,r dt viris il/usrrlbus (Kap. 23,10 in der Ausgabe von Pichlma)T 1911, s. A.111.2.c.) keMt m1grare Vtios als klassische Formulierung. •• Vgl. Tac. aM. IS,41,2. Schon aus dem Bc-,ug auf Livius ware zu schließen, daß der Bau der domus, die hier gemeint ist. nach einem Brand s13ltfand. Das intertcX1UelleSpiel erlaubt also, die Vc~ auf 64 n.Chr. zu datieren und einen Bezug auf die domus rranSiroria auszuschließen. Counney 1993, S. 479f. verwciS1 auf die Livius-l'llrallelc, deutet diese aber nicht. Die Verbindung des Stadtbrands von 64 mit der BrcMus-K.ltaS1rophc, die als Vergleich ßlr große Krisen überhaupt beliebt ist. u.a. auch bei Tac. Ann. IS,31,1 und Cass. Dio 62,17,3!1'. :o Auch das militarischc occupat tr11gtzur Stilisierung Neros als eines lroslisbei.

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entlarvt. Besondere Brisanz muß dieses Spiel mit der Propaganda dadurch erhalten, daß Nero nur Oberseine Mutter Agrippina mit der gens Julia verbunden war, und so die Tat, die ihn scheinbar dem Aeneas ebenbürtig werden ließ, in Wirklichkeit die Verbindung mit dem Stammvater kappte Das zweite Distichon arbeitet mit einer der zentralen GTbßen der neronischen Ideologie, der Darstellung des Kaisers als novus Apollo. Es ist bemerkenswert, daß dies die einzige Stelle in der gesamten ncronischcn Dichtung ist, an der Nero nicht nur mit Apoll verglichen, sondern direkt mit dem Gon identifiziert21 wird. Man wird darin den Einfluß der volkstümlichen Propaganda, die vor der dezidierten Gleichsetzung Neros mit Apoll nicht zurückschreckte, auf die Subliteratur des Pasquills erkennen können, der sich die hohe Dichtung, die eigene panegyrische Konzepte entwickelte, erfolgreich entzog. Wie im ersten Distichon wird hier das offizielle Schlagwort aufgegriffen und bestätigt - Nero sei tatsächlich ein Gon, der heilende und Frieden stiftende Apollo Paean, der mit den Klängen und Harmonien seiner Lyra die irdische und kosmische Harmonie garantiere 22 -, doch tritt unvermittelt ein zweiter, parthischer Apoll auf den Plan, der als kriegerisches Gegenstück des zahmen Paean den Frieden empfindlich stören und die heile Welt des Lyraspielers letzten Endes vernichten wird23 . Damit greift der anonyme Dichter eine zentrale Schwachstelle des neronischen Systems, den verhängnisvollen Verzicht auf eine offensive militärische Sicherheitspolitik, an und trifft zugleich den Kaiser selbst, der fest davon überzeugt war, dank seiner Kunst und persönlichen Ausstrahlung alle Konflikte lösen zu können24 . Hier, in der doch ernsten und fast pädagogischen Warnung vor einem zweiten Apoll aus dem Osten, der die Blütenträume rasch beenden könnte, liegt der Unterschied zu dem nur karikierenden Aeneas-Epigramm. Es fllllt auf, daß in beiden Gedichten die scheinbare Pointe, Neros Entlarvung als Muttermörder bzw. als unkriegerischer Musikus, nicht für den Schluß aufgespart ist, sondern bereits in der ersten Pentameterhälfte fllllt. Man mag dies mit dem Unvermögen des Dichters erklären, der den Spannungsbogen bis zum Ende durchzuhalten nicht in der Lage war, doch scheint die Doppelung der Erscheinung darauf hinzuweisen, daß es dem oder den Verfassern nicht oder zumindest nicht nur auf die ,,Enthüllung" ankam, dies umso mehr, als im ersten Fall die Beseitigung Agrippinas gar nicht verschwiegen wurde und somit enthüllt hätte werden können, sondern offiziell bestätigt und durch öffentliche Dankfeiern für die ,,Errettung" Neros aus Agrippinas ,,Komplott" jedem Römer präsent war. Vielmehr dürfte der Witz auch in dem semantischen Spiel mit dem Bedeutungsumfang von tollere liegen. Wie bei den modernen Witzen des Musters „Was ist der Unterschied zwischen ...? 21

Apollo ist zu noster direkt zu erg:lnzen; mit Paean wird Nero danlber hinaus ohne Abstriche mit einem der ilblicbcn Kwtnamcn des Gottes benannt. 22 Zur Kosmolaator-ldcologicund dem Motiv der Weltenharmonievgl. auch u. S. 420. Courmcy 1993, S. 479 erldart Pa,an ricbti&als .Apollo as god of music". Vgl. auch Roschcr 1, s.v. Apollo, Sp. 434f. (als Gott der Musik und der Dicbtlcunst)und Roschcr m.s.v. Paian, Sp. l246f. (Apollo Paian als Helfer und Retter).

"'Zu Hccncbclctes vgl. Roscbcr 1, s.v. Apollo, Sp. 43St!'. (als mit Pfeil und Bogen bcwat!'ncter Kri~goll HccatcbclCICsbes. Sp. 437). "Vgl.

hen.

Suct. Nero 43,2 zu Neros Plan, 68 n.Chr. den AufSl!ndischcn als Kitharist entgegenzuge-

Kleinere Dichtungen und Fragmente - Nero als Dichter

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Keiner: ...." die Pointe neben der inhaltlichen Seite auf der sprachlichen Formulierung beruht, die die Doppeldeutigkeit eines Wortes ausnützt, liegt der Witz hier darin, daß der für Nero stadtbekannte Akt des sustulitpar-entemüberraschend nun auch für Aeneas vindiziert wird21 . Dasselbe gilt für das Apollo-Epigramm, in dem Neros propagandistisch behauptete Gönlichkeit, die, einmal durch die Apostrophicrung als Paean bestätigt, nicht mehr negativ umwertbar scheinen mußte, überraschend durch das schließende Hecatebeletesdoch noch abgewertet wird. In diesem Zusammenhang verdient eine Beobachtung Neraudaus Beachtung, der für die bei Sucton im selben Kapitel überlieferten griechischen Spottepigramme gezeigt hat, daß die Nachsicht Neros gegenüber den Verfassern wohl darauf zurückzuführen ist, daß sich der Kaiser trotz des Spottes und der Anklagen durch den dort vollzogenen Vergleich mit den mythischen Figuren Orest und Alkmeon in gewisser Weise geschmeichelt fühlte und daraus eine Bestätigung der dramatischen Rolle eines Tragödienhelden, die er im Leben einzunehmen suchte, ableitete 26• Ähnliches dürfte für die lateinischen Beispiele gelten. Auch hier wird Nero zu historisch-mythischen Gestalten - Apoll, Aeneas, Carnillus - in Beziehung gesetzt und erscheint in der quasi-mythischen Pose eines Anti-Aeneas und Anti-Carnillus. Obwohl sich der Vorwurf dadurch noch potenziert, dürfte diese mythisierende Sicht seiner Person Nero - abgesehen von dem sprachlichen Reiz der Verslein, den er als Fachmann vielleicht zu schätzen wußte - durchaus nicht unangenehm gewesen sein. Es kommt hier ein Charakterzug des Kaisers zum Tragen, der gar nicht genug betont werden kann und ohne den man Neros gesamtes Handeln nicht richtig einschätzen wird, das unbedingte Streben nach absoluter, freilich ausschließlich ästhetischen, nicht aber moralischen Kategorien gehorchender Größe. Nero erscheint darin, der Vergleich mit der Modeme sei gestattet, der Decadence-Bewegung des Fin de siede wesensverwandt, die aus dem Gefühl der Epigonalität heraus in der umfassenden Sublimierung und Ästhetizisierung aller Bereiche, in der Totalität künstlerischer Stilisierung des Lebens Sinngebung zu erreichen - und die Klassik zu übertreffen suchte. Neros zahlreiche Uberschreitungen moralischer Schranken, die Überfeinerung in der Literatur und den bildenden Künsten, die teils barocke Blüten trieb, auch die sexueUen Perversionen dürften zumindest zu einem gewissen Teil auf dieses Streben nach dem Absoluten zurückzuführen seinn. In dieses Bild fügt sich nun die auffallige Nachsicht Neros gegenüber den Verfassern der Pamphlete nahtlos ein und verleiht ihm ihrerseits noch größere Wahrscheinlichkeit: solange man Nero Größe zubilligte, und sei es auch nur die negative eines Mörders oder Landesfeinds, war er's zufiieden. M. Annaeus Luc:anus, der Sohn von Senecas Bruder M. Annaeus Mela, wurde am 2. November 39 n.Chr. im spanischen Corduba geboren"; schon im Jahr darauf " Zu dem Spiel mit to/1,n nennt Courtncy 1993, S. 479 als Parallelen Cic. ap. Brut. Ad. Farn. 11,20,1; Vell. Pat. 2,62,6 und SU2durch 7,45759, den von 1,33-4Sdurch 7.654f ausfuhrt 66

mtntimur 1st nur gerechtfertigt, weM das Proom tatsachltch panegyrisch war. Rückwirlu:ndc Entwertung des Enkomium sieht hier ebenfalls 1-Uußler 1978, S.78 und Fantham 1992, S. 13 M.E. nicht überzeugend Brcna 1983, S. 144, die Nero als ober den trnditioncUenGoltem stehend von dem Dementiausgenommensehen will. 6

' Vgl. zu di=m Aspekt Lcbck 1976, S. 166. der die Tbc.c pauschaler Kritik am Prinzipal in den ersten dn:i Bilchem widerlegt. Ein fn:undschaftlichcs Verhaltnis zwischen Lucan und Nero bei der Abfassung des 3.Buchcs ist, wennKr.iutters These 1992, S. 198 (vgl. dazu o. S. 98 Anm.

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Von Neros Regierungsantritt bis zu seinem Tod

Übertragung auf Nero tendenziell erschweren sollte, können und sollen nun als Kritik am Kaiser verstanden werden. Anders als in allgemeiner Form scheint Lucan seine Kritik freilich nicht ausgedrückt zu haben. Doch wird man der Ansicht Ahls zustimmen können61, daß gerade die grundsatzliche und sich nicht bei Einzelheiten aufhaltende Kritik - so wie schon die an Details arme Pancr in umgekehrter Richtung - die wirkungsvollste Form der Verurteilung darstellt . Eine dritte Form von Aktualitätsbezügen wurde in der positiven oder negativen Darstellung von Protagonisten der epischen Handlung gesehen. die mit Nero in verwandtschaftlicher Beziehung stehen. unter ihnen besonders der im 7.Buch mit Wohlwollen gezeichnete Pompeianer Domitius Ahenobarbus. Die ältere Forschung sah hier überwiegend den Versuch Lucans, dem Kaiser zu schmeicheln'°. Lounsbury stellte die These auf, daß Lucan mit der rhetorischen Überhöhung des Dornitius im Gegenteil Kritik am Kaiser üben wollte, da dieser seine natürliche domitische Abstammung zugunsten der julisch-claudischen Adoptivlinie unterdrückt habe". Dagegen hat Mayer gezeigt, daß Nero seinen Vater und mit ihm die ganze 56) zutrifft, anzunehmen. Allerdings ist Krautters Spätdatierung des lcleinen Dichteragons, die auf der m.E. unzulassigen Hcraufsctzung von Sen. nat.quacst. auf 64 n.Chr. beruht (vi:I. Krauttcr S.200f.),abzulehnen . .. AbJ 1976 (s. A.1.4.), S. 49. 69

Konlacte Anspielungen auf Nero werden u.a. behauplCI von Haslcins 1887, S. XXXVIIIII'. flir l,S92ff. (lustralio der Stadl, vgl. Tac.13,24); 7,776ff. (Furien des MuttcrmOrdors Om,t~Nm,); 8,397-410 (Osllicher Luxus und Inzest mit Agrippin2); 9,964ff. (Troja, hier ~tiv gegenüber Nero). sowie allgemein auf den Zustand des Reiches 1,670; 2,61; 4,S7S-S79. 69lf. 821-823; S,38Sf.; 6,809; 7,694-696; 8,83S-839; 9,S66f. 601-604. 1108; 10,26-28. Von Ahl 1976 (s. Al.4.), S. 43f. !Ur 7,638-646. Von Haußler 1978. S. 78f. !Ur4,822f. Massenhall konkrete Kritik in den sp:lteren Büchern sieht ViteUi 1900, u.a. 6,30lff. und 807ff.; 8,409f., 4S0-4S3 und 482-49S; 9,8797 und 980-986. Wie vor und nach ihm viele Forscher crlccnnt Schonberger l 9S8, S. 233 in der Zeichnung Cacsars Kritik: .,In ihm mi5chensich lypische ZOgc und Anspielungen auf Nm,". Fanlham 1992, S. 14 meint, daß außerdem die zunehmend ~bvc Zeichnung des Pompcius in den spAtcren BOChemantincronisch sei. 0

Z.B. Haskins 1887, S. XXXVII.ff., Domitius in 2,479-S2S und 7,219'. und S99-616 sei adulatorisch. Soweit ich sehe, sind alle Behauptungen von ~tiven Bezügen auf Nero in den spQtercn Büchern widerlegt. Vgl. insbesondere zum angeblich adulatorischcn Nilabschnitt im 10.Buch die Widerlegung von Pfligcrsdorffer 1959, S. 360 und 37211'.Ein Rllclcf:ill bei Brisset 1964, S. 188191, die auch in den spAtercn Büchern Positives erlceMen will. Plausibel hingegen ihre Annahme von Kritik an Neros Orient-Faible S. l93ff. bes. S. 208-213 zu der Invektive gegen Alexander den Großen in 10,20·S2. Vgl. zu letzterer auch Christenscn 1909, S. 12711' .• Crcsccnte Marrone 1983-1984 (s. B.), S. 80ff. und besonders Croisillc 1990, S. 275f., der hier Kritik an Nero in doppelter Weise erkennt: einerseits sei die Schilderung der negativen Zoge desMakedoniers. vor allem seine Alfeklbchcrrschtheit angesichts Neros bekannter imltalio Alexandri auf diesen gc• mQnzt, andcbcn B11 Kleiner K;unpftag(631-740) Nacht (631-634) Tag (635-682) Nacht (683-740) I.LZweitegroße Schlacht (741-1062) 1. Kampfeohne Achill (741-838) a Kampf um das Lager (741-778) > Hectors kurze Kampfpause (779-785) b Kampfwn die Schiffe, Pauoklos Ende(786-838) > Thetis' Bittgang und SchildbeschreiblDlg(839-891) 2. KampfeAchills (892-1003) a nut verschiedenenTrojanern (892-910) > Achills Ausscheidm aus der Schlacht (911-922) b Zweikampfmit Hector (923-1003) Ausklang: Leiche,feiem (1004-1062) Epilog: 3. Musenanrufang (1063-1070)

Daß die skizzierte Strulctur auf die Auswahl der homerischen Szenen und ihre breitere oder knappere Gestaltung Einfluß haben mußte, leuchtet unmittelbar ein. Ohne dies im einzelnen erörtern zu köMen, scheint mir hier der tiefere Grund dafür zu liegen, daß sieb Baebius bei der Auswahl nicht ausschließlich von der rhetorischen Eignung der einzelnen Episoden leiten ließ. doppelteAuftretenwichtiger Helden mit korrcspondiertnElementen (Steinwürfe,Sch„sertk:unpf, etc.) und die sparsam verwendetenepischenGleichnisse,die rcgclm11lig besondere HOhepunkle der Handlungbc7.eichnenund den erollten Heldenvorb:haltcn sind (die wicbtig51enin der ParisMenclaos-Szenc v 298f., bei Diomodes und seinen Opfern v 39611"., in der Hector-AgamcmnonSzcnc v 48811". und SOOff.und im zweiten Teil Oberhauptnur bei Hoctor und Achillv 939ff. Als Beispiel fllr sorgflltige Gestaltung im Detail sei nur die Dolan-Episodev 703-n9 genannt. die um Dolons Rodeals strukturellenKern komponiert ist.

Baebius ltalicus, llias Lalina

243

Einen weiteren Aspekt der künstlerischen Leistung des Bacbius hat bereits Scaffai erkannt und beschrieben: die geschickte Umsetzung des griechischen Versmaterials ins Lateinische unter reicher Verwendung literarischer Zitate aus anderen (lateinischen) Epikern''. Bacbius hat in einer An elaborierter Cento-Technik Halbverse und Junkturen vor allem aus der Aeneis - teils umdeutend - in die eigene Dichtung eingeschmolzen, mancher Stelle damit einen unverwechselbaren color Vergi/ianusverliehen und damit meinesErachtens den Beweis anzutreten versucht, nicht nur ein guter Übersetzer Homers zu sein, sondern auch umfassende literarische Bildung zu besitzen". Die voranstehende Untersuchung sollte hinlänglich gezeigt haben, daß sich Baebius in Theorie und Praxis intensiv mit der kunstlerischen Ausgestaltung seines Werkes beschäftigt hat. Es ist nun in höchstem Grade unwahrscheinlich, daß dieses so mühevoll erarbeitete Poem eines wenn auch nicht untalentierten, so doch gewiß nicht zum Dichter berufenen jungen Mannes nur eine Schülerarbeit, eine rhetorische Fingerübung oder einen dilettierenden Versuch zum Vortrag im privatesten Kreis darstellt. Gerade wenn ein Baebius, der sicherlich mehr dem Typus des Politikers oder Militärs als dem des Dichters entsprach, zur Feder griff und sich der Strapaze einer neuen ßias unterzog, liegt die Vermutung nahe, daß er mit seinem Elaborat ganz konkrete, politische Absichten verfolgte, und daß sein Werk, um überhaupt Wirkung zeitigen zu können, zur Veröffentlichung bestimmt sein mußte. Nie hätte Baebius für eine einmalige Lesung unter Freunden diese Mühen auf sich genommen; veröffentlicht, und nur veröffentlicht konnte die 1/ias Latina ihren Zweck erfüllen. Es scheint mir daher aufgrund des überall durchscheinenden, bewußten, teils sehr gewollten künstlerischen Bemühens des Dichters festzustehen, daß die 1/iasLatina von Baebius selbst für die Publikation gedacht war und auch publiziert wurde". Geht man von der Veröffentlichung aus. flillt ein neues Licht auf die dezente, im Vergleich zu Lucan oder Calpurnius merkwürdig verhaltene Nero-Panegyrik. Zwei Erklärungen scheinen denkbar. Entweder wollte Baebius aus kritischer Distanz zum Hof und Kaiser keine größere Konzessionen an die obligate Huldigung machen. Dann ist schwer verständlich, weshalb er, von seiner Vorlage gedeckt, überhaupt panegyrische Elemente in den Ablauf der homerische Handlung einfließen ließ. Niemand konnte ihn dazu zwingen". Oder, und dies scheint eher " Vgl. Scalfai 1982 im Kommen1ar passtm, der Bacbius' Anleihen in der lateiruschen DichlllDg umfasssend erschlielll, m.E. allerdings den Akzent etwas zu einseitig auf die Epiker legt. Man vgl. etwa, um nw ein Beispiel zu ncMen, Hor. epod. 15,1 zu v 111, was Scalfai 1972, S. 930-. bei seiner im ubrigen zutreffenden Interpretation der Stelle nicht berocksichtigt.

„ Die Vcrgil-im11oho verdiente

eine eigene Studie. Racbius' Stil ist m.E. insgesamt durchaus nicht vergilisch, das tauschen die • im übrigen sehr uruegelmaß1g Ober das Werk veneilten wOrtlicben Übernahmen und Anklange nur vor. Nimmt man gewisse Nester herous, insbesondere die epischen Zeitangaben v 111-113, 130, 158, 635, 650 und 696, bleibt Slffl:kenweise nicht viel Vcrgfüsches ilbng. Daß Bacbius Vergil verehrte, wie Scaffaj 1982, S. 58 glaub!. ist m.E. nicht der Fall. Die Pragung dutl:h die Schule und das epische Thema mußten jeden Dichter der Zeit zu Vcrgilismen fblucn. " Die Publikation erklan das Übcrlcllen des Werkes (in öffenUichen oder privaten B1bliotbcken) zudem ~r. als dies die Annahme eines bloß privaten Manuskript$ vermag. " Gegen eine regjmelcritische Haltung de< Baebius spricht auch die unaufdringliche Panegyrik, die aller aufgcsctten Plakativit1t fern steht.

Art der

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Von Neros Regierungsantritt bis zu seinem Tod

wahrscheinlich,Baebius mußte seine Kaisertreue nicht mehr besonders herausstreichen, da sie bekannt und bewährt, da der junge Dichter in der au/a Neronis bereits arriviert war. Für diese Annahme spricht abgesehen von der Thematik der /lias IAtina, die auf den homerbegeistertenKaiser deutet, auch der eigenartige Charakter des Werkes, der zwischen Übersetzung und Originalkunstwerkschwebt. Ohne ru dem Epiker Nero in Konkurrenz ru treten, wie es mit einem selbständigenGedicht geschehen wäre, konnte Baebius der Liebe des Kaisers zur Literatur und zu Homer Reverenz erweisen, sich als niveauvollerDichter empfehlenund sein politisches Fortkommen dergestalt beflirdem. Die merkwürdige, sich allen GattungsdefinitionenentziehendeForm der /lias IAtina erscheint als geradezu ideal für diesen politischen Zweck. Man wird in ihr eine Art Gesellenstück des aufstrebenden Jun~litikers Baebius, seinen Tribut an den kunstbegcisterten Kaiser sehen dürfen . Der Stellenwert, der den panegyrischen Aussagen zukommt, ist damit beträchtlich. Nicht irgendeine private Verarbeitung eines panegyrischen Nerobildes sind sie60, sondern ein in seinem zweifellosvollinhaltlichgebilligtenCharakter nahezu einmaligesDokument für die aus dem Innersten des Palatin kommende Auspragung des offiziellenNerobildes der spaten Jahre:alle Züge im Porträt Neros, die Baebius bietet, dürfen mit gutem Recht rum Kernbestand der offiziellen Propaganda gerechnet werden. Nero 68 n.Cbr. Cos. V sine collega. Anfang 68 prtlchliger Einzug in Rom Inszeniert. Pseudo-mllittlrischer Kllnstlertriumph. Bald wieder auf Kunstreise nach Neapel. Zunehmend realittltsblind. Unkontrolliertes Regiment der Freigelassenen in Rom fortgesetzt. Despotismus erzeugt weitere Verbillerung im Senat und im Militdr. Finanz- und WirtschaftsJ:ns, in den Provinzen besonders hart. Geheime Kontakte :r:wlschmSenat, Generalität und Provinzialverwalrung. Im Mtlrz Aufstand kann die moralische EntrtlStung politischen Hintergrund besitz.cn, so z.B. Plinius' Vcnineilung dct l=ria die Erfahrung des oeronischen Staa!Sbankrolls.vgl. dazu Zehnaclder.Dia Koppcluog der Antichrist-Vomclhmg mit dem Vc:rf211 des Imperiumswie hier lallt sieb samt cru ab dom 4.1h. bclcgon, vgl. l,ohmcyer, Sp 4¾. Zur Bc~bleber Gcscbiehtsschrcibung (hier eindeutig zu Neros Lebzeiten) ist Tac. Ann. 1.1,2.

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Systematischer Teil

verwendet, die Nachfolge des Augustus dennoch angetreten werden. Nero, dessen Legitimität und Juliertum seit Britannieus niemand mehr ernsthaft angezweifelt hatte, wurde so aus politischem Kalkül erst in der ßavischen Ideologie zum unrechtmäßigen Eindringling im Kaiserhaus, der sich die Macht erschlichen und den legitimen Erben Britannieus heimtückisch ennordet habe127 Dieser spezifisch flavische Zug des insitivus findet sich bei Josephus und andeutungsweise beim Älteren Plinius. Der Octavia-Dichter, der das Modell am breitesten entwickelt hat, lehnt es am Ende als unzutreffend ab und zeigt so seine latent oppositionelle Haltung. Beeinflußt hiervon scheint der breit ausgeführte dornitische Stammbaum zu Beginn der suetonischen Vita zu sein, der bis Aurelius Victor nachwirkt 121 Die späteren Dichter haben auf diesen Vorwurf nicht zurückgegriffen. Dieselbe Stoßrichtung, sich von dem Vorgänger abzugrenzen ohne die augusteische Konzeption des Prinzipats preiszugeben, besitn Josephus' Versuch, streng zwischen dem Amtstnlger und dem Menschen Nero zu trennen. Charakteristisch für die anti-neronische Ideologie der Flavier scheint daneben auch der Angriff auf die östliche Weichlichkeit und unmilitärische Haltung, den Valerius Flaccus angedeutet und den der Ältere Plinius ausgeführt hat. Wirkungsvoll vermochten sich hiervon die siegreichen Feldherren Titus und Vespasian, die Rom im Judäischen Krieg zum Triumph geführt hatten, abzuheben. Mußte den Vertretern des römischen Traditionalismus im Senat dieser Zug der Ideologie entgegenkommen. so konnte sich dank der bewußten Orientierung Vespasians am mos maiorom eine Reihe weiterer gemeinsamer Kritikpunkte entwickeln. Zugleich senatorisch und flavisch motiviert erscheint bei Plinius die Verurteilung von Neros luxuria und Geldverschwendung, insbesondere bei den sinnlosen Großprojekten der domus aurea und des Isthmus-Durchstichs, die Geißelung seiner unwürdigen Auftritte im Theater und Zirkus (unter denen Vespasian persönlich gelitten hatte), der Angriff auf die Einführung neumodischer Sitten; bei Flavius Josephus die Kritik am Regiment der liberti'"'.

,n Den Vorwurf, der bcn:ilS im Bel/um N,ronianum eine Rolle spielte, wird man auch dort aus dem Ziel der AufstJndischcn, cincn suchhaltigen Grund für die erfolgte Beseitigung des Kaiser,; ru liefern, erldattn können. Nicht ru belegen ist er bei Lucan. der für sein rq,ublilcanisches Konzept des Tyranncnmordes einen solchen Vorwand nicht bcnOligte Auch die übrigen Vcr.;chworcr um Plso, die dann einen legitimeren Nachfolger bauen pr3Sellticn:n mUSSen. dOrften diese Tat Neros nicht ,um enlSCheidenden Punkt erhoben haben. Erst die Rechtfertigung der eigenen (im Grunde illegitimen!) Nachfolge bediente sich dieser Gedankenfigur. In cli=lbc Richtung weist die Bcobachrung. daß Nero die Ennordung des Claudius nur in Oavischer Zeit dnet 1croi Midas (Persc, Satire 1, v. 121); REL 6 1928 S. 313-319. Herrmann. L., Neron et la mort dePersc;Latomus 22 1963 S. 236-239. Hooley, D.M., Mutatis mutandis. Imitations of Horaoe in Pcrsius' first salire; Arcthusa 17 19&4

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