Stesichoros: Papyrus Oxyrhynchus 2359, 3876, 2619, 2803 [Hardcover ed.] 9004128328, 9789004128323

The work of Stesichoros, an ancient Greek poet of the early sixth century B.C., is transmitted in fragments only. This v

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German Pages 242 [249] Year 2002

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Stesichoros: Papyrus Oxyrhynchus 2359, 3876, 2619, 2803 [Hardcover ed.]
 9004128328, 9789004128323

Table of contents :
Title Page......Page 5
Copyright Page......Page 6
Table of Contents......Page 7
Vorwort......Page 9
Einleitung......Page 11
P. Oxy. 2359......Page 21
P. Oxy. 3876......Page 45
P. Oxy. 2619 & 2803......Page 127
Appendix......Page 226
Literaturverzeichnis......Page 228
Indices......Page 231
(A) Namen......Page 233
(B) Sachen und Titel......Page 236
(C) Wörter......Page 239
(D) Stellen......Page 242

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STESICHOROS

MNEMOSYNE BIBLIOTHECA CLASSICA BATAVA COLLEGERUNT H. PINKSTER· H. S. VERSKEL D.M. SCHENKEVELD· P.H. SCHRIJVERS S.R. SLINGS BIBLIOTHECAE FASCICULOS EDENDOS CURAVIT H. PINKSTER, KLASSIEK SEMINARIUM, OUDE TURFMARKT 129, AMSTERDAM

SUPPLEMENTUM DUCENTESIMUM TRICESIMUM SEPTIMUM GERSON SCHADE

STESICHOROS

P. Oxy. 2619, fr. 30, 15b, 15a & 31 (v. p. 124). (Photo: courtesy of the Egypt Exploration Society)

STESICHOROS PAPYRUS OXYRHYNCHUS 2359, 3876, 2619, 2803

VON

GERSON SCHADE

BRILL LEIDEN' BOSTON' KOLN 2003

This book is printed on acid-free paper. Als Habilitationsschrift auf Empfehlung der Fakultat der Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universitat Berlin gedruckt mit Unterstiitzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Library of Congress Cataloging-in-Publication Data Stesichorus. [Fragments. German & Greek] Stesichoros : Papyrus Oxyrhynchus 2359, 3876, 2619, 2803 / by Gerson Schade. p. em. - (Mnemosyne, bibliotheca classica Batava. Supplementum; v. 237 Originally presented as the Schade's thesis (Habilitationsschrift)-Freie Universitat Berlin, 2000. ISBN 9004128328 1. Stesichorus-Translations into German. 2. Manuscripts, Greek (Papyri) 3. Lost literature-Greece. 4. Oxyrhynchus papyri. I. Schade, Gerson. II. Title. III. Series. PA4435.S8 A45 2002 881 '.01-dc21

2002067568

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaumalune [MnelI1osyne I SupplelI1entulJ1] Mnemosyne : bibliotheca classica Batava. Supplementum. - Leiden ; Boston; Kaln : Brill Fn"iher Schriftenreihe Teilw. u.d.T: Mnemosyne / Supplements Reihe Supplementum zu: Mnemosync 237. Schade, Gerson: Stesichoros.

Stesichoros : Papyrus oxyrhynchus 2359, 3876, 2619, 2803 / von Gerson Schade. - Leiden ; Boston; Kaln : Brill, 2002 (Mnemosyne : Supplementum ; 237) ISBN 90-04-12832-8

ISSN 0169-8958 ISBN 90 04 12832 8 © Copyright 2003 fry Koninklijke Brill.Nv, Leiden, The Netherlands

All rights reserved. No part of this publication may be reproduced, translated, stored in a retrieval system, or transmitted in aay form or fry any means, electronic, mechanical, photocopying, recording or otherwise, without prior written permission from the publisher. Authorization to photocopy items for internal or personal use is granted by Brill provided that the appropriate fies are paid directly to The Copyright Clearance Center, 222 Rosewood Drive, Suite 910 Danvers, MA 01923, USA. Fees are subject to change. PRINTED IN THE NETHERLANDS

INHALTSVERZEICHNIS Vorwort

......................................................................................

VII

Einleitung ................................................................................... . P. Oxy. 2359

11

P. Oxy. 3876

35

P. Oxy. 2619 & 2803 ................................................................

117

Appendix

....................................................................................

216

Literaturverzeichnis ...................... .... ... ........ .............. ....... ..........

218

Indices .......................................................................................... (A) Namen .............................................................................. (B) Sachen und Titel ... ........ .... ..................................... .......... (C) Warter .................. ....... ...... ... .......................... ... ............... (D) SteBen ..............................................................................

221 223 226 229 232

VORWORT Das vorliegende Werk ist meine iiberarbeitete Habilitationsschrift, die der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universitat Berlin im Februar 2000 angenommen hat. Ich danke Prof. Dr. Adolf Kohnken, Prof. Dr. Herwig Maehler und Prof. Dr. Bernd Seidensticker fiir ihre Gutachten, dem Dekan, Prof. Dr. Gert Mattenklott, dariiber hinaus fiir die institutionelle Betreuung der Arbeit. Ich danke ferner der Universitat Hamburg und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die im Rahmen des Graduiertenkollegs Textiiberlieferung ein Post-Doc-Stipendium gewahrt haben; den AbschluB der Arbeit ermoglichte ein Habilitationsstipendium der DFG, wofiir ich ebenfalls danke. Ohne die vielfaltige Hilfe von Frau Dr. Stephanie West und Dr. Revel Coles sowie gerade von Dr. Rudolf Fiihrer ware die Arbeit nicht zustandegekommen; schlieBlich danke ich dem Gutachter des Verlags fiir seine Hinweise sowie der DFG fiir den gewahrten DruckkostenzuschuB. Berlin, Marz 2001

G.A.S.

EINLEITUNG Uber Leben und Werk des Stesichoros ist wenig bekannt und noch weniger gesichert. Den Angaben der Suda zufolge (TA 19 PMGF) stammt er aus Himera auf Sizilien oder aus Matauria in Italien. I Weiterhin soll der Dichter laut Suda eigentlich Tisias geheiBen haben und mit Kunstlernamen Stesichoros genannt worden sein, 'weil er als erster dem (wohl 'seinem') Gesang zur Kithara einen Chor beigesellte' (on 1tpil:rroc Kl8apOloiq. xopov ECCTlC£V). Das alteste erhaltene Testimonium schlieBlich, die Bezugnahme des Chorlyrikers Simonides auf Stesichoros (TA la PMGF),2 mag letzten Endes dazu gefuhrt haben, daB die Suda und die antike Chronologie uberhaupt den Tod des Stesichoros und die Geburt des Simonides in dasselbe Jahr setzten (01. 56, i.e. 556-553). Eine ebensolche literarische Spekulation Spaterer laBt sich auch in der Angabe der Suda uber das Geburtsdatum des Stesichoros vermuten, wenn es heiBt, Stesichoros sei Junger als der Lyriker Aikman' (v£cO'tIopOC 'AAKIlUVOC tOU AUptKOU) und in der 67. Olympiade, i.e. 632-629, geboren. 3 Ebenfalls aus der Suda stammt die Information, das Werk des Stesichoros habe 26 Bucher umfaBt; bezeugt sind 13 Titel: 4 Athla epi Peliai, Geryoneis, Helena und Palinodia, Eriphyle, Europeia, Iliu Persis, Kerberos, Kjknos, Nostoi, Orestie, Slrylla und ~otherai. Wie bei den antiken Zeugnissen

I Ein Ort, der sonst unbekannt ist und hinter dem sich vielleicht das sizilische Matauros verbirgt, von dem Stephanos von Byzanz als Geburtsort des Stesichoros spricht (TA 34 PMGF). 2 Nach Simonides hat Stesichoros den Mene!aos bei den Leichenspielen des Pelias siegen lassen (564 PMG resp. 179 [ii] PMGF); fur diese Darstellung kennt Simonides aber auch eine epische Vorlage, wenn er schreibt oi)cro yap "OIlT1poC (i.e. ein Homeride) ~O£ C'tucixopoc aBc£ AUO'iC. 3 C[ die ausfuhrliche Diskussion bei West 1971, 302-306 mit der re!evanten alteren Literatur 3023. Nach Ausweis antiker Testimonien ist Stesichoros fUr seine Orestie der des Xanthos gefolgt (229 PMGF resp. 699 PMG) und eben so dem pseudohesiodeischen fuvum))v Ku'taAoyoc (215 PMGF resp. fr. 23 M.-W.); femer hielt Stesichoros Hesiod fur den Autor der 'AC1tlc (269 PMGF)-samtlich vage chronologische Angaben. (Ob Xanthos aufgrund des erwahnten Testimoniums als 'Gattungsvorlaufer' des Stesichoros gel ten kann, wie es Segal 1985, 187 erwagt, ist ganz unsicher.) + Wenn M. Wests Uberlegung zutrifft (-?,PE 4, 1969, 148), daB die Suda mit der Angabe 'Bucher' nur 'TiteI' gemeint haben konnte, dann fehlt genau die Halfte der Tite! von Stesichoros' Werken.

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EINLEITUNG

zu Stesichoros' Biographie, so herrscht auch bei den Informationen uber sein Werk eine gewisse Vagheit. Die Athla epi Peliai etwa wurden bereits in der Antike Ibykos zuerkannt, dem sie Athenaios iv 172D (resp. seine Quelle) jedoch mit dem erwahnten Simonides-Zitat aberkennt und Stesichoros zuweist. 5 Die Titel Daphnis, Kalyke und Rhadine gehoren ohnehin einem zweiten Dichter Stesichoros aus Himera (aus dem zweiten Jahrhundert), den Martin West auch fur die S9lla als Autor nicht ausschlieBt (CQ 20, 1970, 206). Die Titel lassen sich zu folgenden Gruppen zusammenstellen: Ganz offensichtlich hat Stesichoros in mehreren Werken die Ereignisse urn den trojanischen Krieg, den Stoff der kyklischen Epen, behandelt; die Titel Helena (und die mit diesem Werk verbundene Palinodia), Iliu Persis (der Untergang Trojas) und Nostoi (die Heimkehrergeschichten) gehoren in diesen Kontext. Weiterhin hat Stesichoros mehrere Heroenmythen auBerhalb des Kyklos dichterisch verarbeitet: allen voran die Orestie, aber auch die Athla epi Peliai (die Leichenspiele fur Pelias), die zum Argonauten-Epos gehoren, femer die Jagd auf den kalydonischen Eber in den Syotherai, und schlieBlich den thebanischen Sagenkreis in der Eriphyle, die den N amen der Gattin des Sehers Amphiaraos als Titel fuhrt. Zu einer dritten Gruppe schlieBen sich mythologische Figuren zusammen, mit denen Herakles kampft: der Hirt Geryon, der Hollenhund Kerberos, der Aressohn Kyknos sowie die monstrose Skylla. Einzig der Titel Europeia steht etwas abseits von den genannten Gruppen; zu den angefuhrten Heroenmythen kann man das Werk schwerlich stellen. Stesichoros' Werke sind zwar im dorischen Kunstdialekt verfaBt (TB 21 PMGF), jedoch ist der Stil vom homerischen nur wenig verschieden. 6 Sowohl dieses auffallige Homerisieren als auch der in erhaltenen Fragmenten gut bezeugte heroisch-epische Charakter der Werke durfte Stesichoros die Bezeichnung 'OIlTlpn.:Ol'tu'toc durch den Autor 1tEpt U\jIouc 13.3 (TB 8 PMGF) eingetragen haben, zu der sich treffiich Horaz mit der Wendung c. 4.9.8 (TB 16 PMGF) Stesichorique graves Camenae und Quintilian Inst. Or. 10.1.62 (TB 12 PMGF) fugen, der

5 Ein SchluB, der nicht zwingend ist, weil Simonides auch in einem anderen stesichoreischen Werk als den Athla gefunden haben kann, daB Menelaos im Speerwurf siegte; cf. P. Maas, RE S.v. Stesichoros 2461 (1929). 6 Cf. neben der friihen Arbeit von C. Santini, Ommsmi in Stesicoro, GlF 22.3, 1970, 71-76, vor aHem die materialreichen Aufsatze von A.D. Maingon, Epic Convention in Stesichorus' Geryoneis: SLG S 15, Phoenix 34, 1980, 99-107, und Form and Content in the Lille Stesichorus, QUCC 31, 1989, 31-56.

EINLEITUNG

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Stesichoros' Werk mit den Worten skizziert, der Dichter habe es unternommen, 'die bcdeutendsten Kriege und hochberuhmten Feldherm zu besingen und die Last des (langen) epischen Gesangs allein mit der Lyra (wohl 'mit den Kunstmitteln der Lyrik') zu schultern' (maxima bella et clarissimos canentem duces et epici carminis onera lyra sustinentem). Stesichoros war bereits in der Antike fur seine Neuerungen beriihmt. Gewichtige formale Neuerungen waren die Einfuhrung der triadischen Komposition von Strophe, Antistrophe und Epode (TB 22a.c PMGF) und die erstmalige Verwendung daktylo-epitritischer Metren. 7 Inhaltliche Innovationen sind gemeint, wenn davon die Rede ist, daB Stesichoros 'die Geschichten neu gestaltet hat' (h:atvo1toiTJc£ 'tac tc'topiac), wie es Chamaileon ausdruckt (fr. 29 W. = PMGF 193). Einige dieser bedeutungsvollen Neuerungen, die die antike Literaturgeschichtsschreibung auf Stesichoros zuruckgefiihrt hat, lassen sich noch erkennen: Stesichoros' Orestie (219 PMGF) etwa enthielt eine Szene, in der Agamemnon als Schlange mit blutigem Haupt Klytaimnestra im Traum erscheint, und ebenfalls bereits die Wiedererkennung Orests durch Elektra anhand einer Locke (217.11-13 PMGF)Motive, die Aischylos ausfuhrlich gestaltet. Von Stesichoros stammt femer die Version eines Helena-Mythos, den Euripides in seiner Helena dramatisiert hat: Helena habe nur Agypten erreicht und niemals Troja, wohin Paris nur ein Trugbild gebracht habe (192sq. PMGF).8 Auch solI Stesichoros als erster die in ihrer Rustung aus dem Haupt des Zeus springende Athene dargestellt haben (233 PMGF).9 Das Bild des Stesichoros hat in der zweiten Halfte dieses Jahrhunderts durch Papyrusfunde eine bedeutende Veranderung erfahren. 10 Die ersten Neufunde hat Edgar Lobel 1956 ediert, und Denys Page konnte P. Oxy. 2359 und 2360 als Fragmente aus den Cuo9ilpat (PMG 222) und Noc'tot (PMG 209) in seine Poetae Melici Graeci aus dem Jahr 1962 aufnchmen. PMG 222 umfaBt etwa ein Dutzend

Cf. Haslam 1974 und 1978. Ein suspektes antikes Testimonium fUhrt diese Innovation allerdings auf Hesiod zuruck; zu diesem fro 358 M.-W. cf. West 1985, 133-135. 9 Nach Athenaios xii 512E-513A (229 PMGF) soli Stesichoros als erster Herakles mit einem Lowenfell beklcidet dargestellt haben, wohingegen Strabon 15.1.9 diese Neuerung auf den Epiker Peisandros von Rhodos zuruckfuhrt (fr. 1 B.I 1 D.). 10 Cf. Haslam 1978, 29: "Until the papyri reincarnated him, Stesichorus (... ) was but the shadow of a great name in the history of Greek literature." 7

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EINLEITUNG

Halbverse, PMG 209 zeigt funf nahezu vollstandige Verse und etwa ein Dutzend 'Halften '. II Aus den von Edgar Lobel 1967 edierten P. Oxy. 2617, 2618 und 2619 stammen die Fragmente der fTJPUOVTJlc (SLG 8-16, 18, 20-84), 'Eptq>uA-TJ (SLG 148-150) und 'lA-lou IIEpctc (SLG 88-132), aus dem von Edgar Lobel 1971 edierten P. Oxy. 2803 die von Page als Equus ligneus betitelten Fragmente SLG 133-147 in seinem Supplementum Lyricis Graecis von 1974 Y Bei SLG 8-16 handelt es sich urn so groBe und lange Stucke, daB sogar eine triadische Komposition sicher konstatiert werden kann (cf. SLG 11 mit uber 25 Zeilen oder SLG 15 mit zweimal 17 Versen); die groBe Masse von P. Oxy. 2617 bilden allerdings zahlreiche kleine Stucke, die gelegentlich einzelne Worter erkennen lassen (cf. e.g. SLG 22 oder 24). SLG 148 hat je ein halbes Dutzend vollstandige Zeilen und Halbverse, 149 und 150 zeigen nur einzelne Worter. Unter den Fragmenten der 'lA-lou IIEpctc glanzt besonders SLG 88, mit dessen Hilfe ein triadisches Strophenschema rekonstruiert werden kann. Die Fragmente SLG 133-147 zeigen wiederum nur einzelne Worter; da die Fragmente ebenfalls den Fall Trojas thematisieren, die metrische Struktur aus P. Oxy. 2619 sich jedoch nicht nachweisen laBt, hat Denys Page, ausgehend von den Spuren einer Titelangabe auf der Ruckseite eines Fragments, ein neues Werk mit dem Titel "11t1tOC boupnoc (Holzernes Pferd) angenommen. Nach Pages Supplementum Lyricis Graecis sind neu hinzugekommen 1976 P. Lille 73, 76 & 111, der nach der Veroffentlichung durch Gilbert Ancher und Claude Meillier I3 von Peter Parsons maBgeblich 1977 ediert wurde,I4 sowie der 1990 von Michael Haslam herausgegebene P. Oxy. 3876. Der umfangreichste Stesichoros-Papyrus

II Ebenfalls bei Page findet sich bereits P. Oxy. 2506 fr. 26 i & ii (PMG 193 & 217) ediert, ein anonymer antiker Kommentar zu Stesichoros und anderen Melikern; als eigener Band xxix der Oxyrhynchus-Papyri ist der Papyrus vollstandig 1963 erschienen. 12 Der Geryoneil-Papyrus ist vor dem Supplementum Lyricis Graecis bereits in Pages Lyrica Graeca Selecta, Oxford 1968, 263-268 ediert.-Die Fragmente aus P. Oxy. 2735, die anfanglich allgemein als Stesichoros-Texte galten (temptativ E. Lobel, P. Oxy. vol. xxxv, London 1968, 9, cf. M.L. West, ZPE 4, 1969, 135-149, bes. 142-149, R. Fiihrer, ZPE 5, 1970, 11-16, bes. 15sq.), hat Page Ibykos zugeschrieben (SLG 166-219, cf. PCPhS 15, 1969, 69-71); cf. JP. Barron, BICS 31, 1984, 20. 13 Cahiers de Recherches de l'Institut de Papyrologie et d'Egyptologie de Litle 4, 1976, 287-351. 1+ Ike Litle 'Stesichorus', ZPE 26, 1977, 7-36, Corrigenda, ZPE 28, 1978, 287.

EINLEITUNG

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uberhaupt ist P. Lille 76, der mehr als 30 nahezu vollstandige Verse bietet, mit dem sich die kleineren Bruchstucke aus P. Lille 73 & III verbinden lassen, wodurch sich ein Text von weit uber 100 Zeilen verschiedener Lange ergibt. Da sich dieser Lille-Papyrus mit der Rede (wohl) der Iokaste an Teiresias uber das Schicksal des Eteokles und Polyneikes metrisch nicht mit dem anderen Stesichoros-Text aus dem thebanischen Sagenkreis, der Eriphyle, verbinden laBt, liegt ein neues Werk des Stesichoros VOf, das sich mit Martin West (ZPE 29, 1973, 3) etwa 7hebais nennen lieBe. Die jungste Veroffentlichung, P. Oxy. 3876, umfaBt uber 80 einzelne Stucke, von denen einige etliche Halbverse liefern. Wiederum ergibt sich ein Titelproblem, das kurz skizziert sei. Die aussagekraftigen Fragmente dieses Papyrus lassen zwei mythologische Szenarien erkennen. Zum einen erfcihrt Althaia, die Gattin des Oineus, daB ihre Bruder getotet worden sind; dies ereignet sich wahrend resp. nach der Jagd auf den kalydonischen Eber, der Tater ist Althaias Sohn Meleagros. Zum anderen ist in den Fragmenten dieses Papyrus von der Bestattung (wohl) des Achill die Rede. Zwar kommen bezeugte Werktitel fur die Zuweisung der neuen Fragmente in Betracht-fur die Meleagros-Althaia-Geschichte die Syotherai, fur die Schilderung von Achills Ende die Iliu Persis. Metrisch lassen sich die Fragmente des P. Oxy. 3876 aber nicht mit den genannten Werken verbinden. Wie in den Fallen Iliu Persis/ Equus ligneus und Eriphyle/7hebais ist also davon auszugehen, daB die Fragmente aus bisher unbekannten Werken stammen. Aber nicht nur inhaltlich haben die Papyri das Bild erweitert, sondem sie erlauben auch einen neuen Blick auf die Frage nach der literarischen Gattung. DaB die Orestie zwei Bucher umfaBte, war bereits aus den Buchzitaten bekannt (cf. e.g. 213 PMGF); jetzt liefert ein Fragment aus der Geryoneis (P. Oxy. 2617 fro 7) die kolometrische Angabe '1300'-d.h. dieses Werk war mindestens viermal so lang wie das langste Epinikion Pindars (Pythien iv). Betrachtlicher Umfang kann mithin auch fur weitere stesichoreische Werke nicht ausgeschlossen werden. Daruber hinaus laBt die Anordnung der Fragmente mit erhaltenem Rand in Kombination mit der triadischen Struktur die Folgerung zu, daB zwischen Geryons Rede uber sein bevorstehendes Schicksal in fro 13 und der Schilderung von Geryons Tod in fro 4 nahezu 400 Verse-oder ein mehrfaches davon-gestanden haben mussen (West 1971, 3021; V. Appendix). Der Sch1uB auf ein langsames episches Erzahltempo des Stesichoros drangt sich auf, zu dem sich Quintilians

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EINLEITUNG

Zeugnis Jnst. Or. 10.1.62 (TB 12 PMGF) fugt: Stesichoros 'ist uberladen und ohne MaE' (redundat atque effunditur). SchlieBlich ist offensichtlich, daB das Werk des Stesichoros eine groBe Anzahl von direkten Reden enthalt. DaB es uberhaupt Reden gab, hatten bisher zwei kurze Buchfragmente bezeugt (228 und 242 PMGF, c[ auch 273); jetzt zeigt al1ein die Geryoneis neben der erwahnten Rede Geryons in P. Oxy. 2617 fro 13 eine von Geryons Mutter Kallirrhoe an ihren Sohn in fro 19 und wohl auch in fro 11 sowie eine Rede Athenes an Poseidon in fro 3. Eine Rede Helenas an Telemachos enthalt P. Oxy. 2360, und ganze Redeabfolgen zeigen P. Oxy. 2618 fro 1, 2619 fro 1 & 47 und fro 19 sowie P. Lille 73, 76 & Ill, und auch P. Oxy. 3876 fro 4 laBt eine Rede erkennen. Durch den Zufall der Papyrusuberlieferung konnte zwar bedingt sein, daB das Einzelfragment P. Oxy. 2360 und das einzige aufgrund der Textmenge aussagekraftige aus P. Oxy. 2618 Reden enthalten, wogegen bei dem einzigen aussagekraftigen aus P. Oxy. 2359 oder denen aus P. Oxy. 2803 nichts auf eine Rede hindeutet. Die relative Haufigkeit von Reden in den umfangreichen Fragmentgruppen der P. Oxy. 2617 und 2619 spricht jedoch fur die Annahme, daB direkte Reden ein Kennzeichen mindestens eines T eils der stesichoreischen Werke waren-ein Befund, der ganz dem homerischen Vorbild entspricht. 15 Angesichts der homerisierenden Stilisierung, i.e. einerseits der Uberfuhrung konventionel1er epischer Formen in die dorische Kunstsprache und andererseits der Ubernahme einer so signifikanten Stileigenheit wie der haufigen Reden, sowie angesichts der immensen Lange l6 laBt sich eine Klassifizierung des Autors als Chorlyriker schwerlich vertreten. 17 Der Hinweis auf die triadische Komposition verfangt nicht, handelt es sich bei dieser doch urn ein musikalisches Formprinzip,

15 C[ J. Griffin, Homeric Words and Speakers, ]HS 106, 1986, 36-57 .-Die teilweise langen Reden der chorlyrischen Dichtung, wie etwa die Medeas in Pindars vierter pythischer Ode oder die des Meleagros in Bakchylides' ftinftem Epinikion, unterscheiden sich jedoch in ihrer Stilisierung deutlich von etwa der erwahnten Rede Geryons, die sich eng an eine Rede der !lias anschlieBt (cf. die Beobachtungen Barretts bei D.L. Page, Stesichorus: 77ze Geryoneis, ]HS 93, 1973, 138-154, bes. 149sq.: Die Rede des Geryon an Menoites SLG 11.8-24 [Po Oxy. 2617 fro 13-15] evoziert die Worte des Sarpedon an Glaukos M 332-338). 16 Segal kalkuliert, daB eine Auffuhrung der Geryoneis etwa vier Stunden gedauert haben milBte-"longer than a chorus could reasonably dance" (1985, 187). 17 Cf. M. Davies, Monody, Choral Lyric, and the Tjranny if the Hand-book, CQ, 38, 1988, 52-64 mit der Diskussion der alteren Literatur.

EINLElTUNG

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das gerade keine spezifische Auffuhrungspraxis implizierte (West 1971, 313). Das eingangs angefuhrte Zeugnis der Suda, das wie eine bloB etymologisierende Erklarung eines Kunstlernamens wirkt, erscheint nunmehr in neuem Licht. Denn unter der Formulierung on npro'toc Kt9aprooil(( xopov £C'tT]CfV darf man nunmehr verstehen, daB Stesichoros seinen Gesang zur Kithara-ganz wie Demodokos in der 04Yssee 9 258-von einer Tanzergruppe begleiten lieB (West 1971,309). Angesichts der von der antiken Literaturgeschichtsschreibung getreulich festgehaltenen Neuerungen des Stesichoros durfte er sich jedoch deutlich von den Homer-Rhapsoden unterschiedcn haben. 18 Die singulare SteHung des Stesichoros in der Gattungsgeschichte ist klar zu erkennen: Er ist nicht mehr Rhapsode, der Texte anderer vortragt, und noch kein Chorlyriker, der seine Texte von einem Chor vortragen laBt. 19 Einc neue Edition der Papyrusfragmente des Stesichoros ist ein Desiderat. Zwar hat Malcolm Davies 1991 nach den beiden Ausgaben von Denys Page-den Poetae Melici Graeci von 1962 und dem Supplementum Lyricis Graecis von 197{-den ersten Band seiner N euausgabe Poetarum Melicorum Graecorum Fragmenta vorgelegt; die Ausgabe, die zum erstcn Mal zusatzlich zu den Fragmenten auch die Testimonien verzeichnet, hat jedoch die Rezensenten nicht uberzeugt.20 Ein Kommentar zu den Papyrusfragmenten des Stesichoros ist ebenfaHs ein Desiderat;21 nur fur den groBen Lille-Papyrus mit Stesichoros' 1hebais liegt eine entsprechende Arbeit vor. 22

IS Cf. W. Burkert, the Making if Homer in the Sixth Century B.G.: Rhapsodes versus Stesichorus, in: Papers on the Amasis Painter and his World, Malibu 1987, 43--62 mit den Spekulationen p. 51 & n. 53 tiber den AnlaB, bei dem solche Werke vorgetragen worden sein konnten; cf. zuletzt A. Gostoli, Stesicoro e la tradi;;,ione citarodica, o...UCC 58, 1998, 145-152.

19 Moglicherweise spricht er sogar einmal von seiner Identitat als Dichter und Sanger (212 PMGF): tOUi[S-9

] 1):!iptf.laKEaC