Salomon und Markolf – Ein literarischer Komplex im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: Studien zu Überlieferung und Interpretation [Reprint 2013 ed.] 3484150815, 9783484150812

Der lateinische Prosaroman "Dialogus Salomonis et Marcolfi", der eine Auseinandersetzung zwischen den Prinzipi

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Salomon und Markolf – Ein literarischer Komplex im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: Studien zu Überlieferung und Interpretation [Reprint 2013 ed.]
 3484150815, 9783484150812

Table of contents :
I. Einleitung
II. Der ›Dialogus Salomonis et Marcolfi‹
1. Vorbemerkungen
2. Die Textzeugen
3. Unfester Textbestand: Überlieferung und Werkbegriff
III. Das Brautwerbungsepos ›Salman und Morolf‹
1. Vorbemerkungen
2. Die Textzeugen
3. Interpretation des Brautwerbungsepos
4. Beobachtungen zu Struktur und Erzählhaltung
IV. ›Salomon und Markolf‹ – Markolfs buch
1. Kurzcharakteristik
2. Die Textzeugen
3. Der Erzähler
4. Der Spruchteil
5. Die Schwankepisoden
6. Die Figur Markolf - »mehr gumpelman [...] als gebur«
V. Das Exemplum des Gregor Hayden: Markolfs Listigkeit als Vorbild
1. Kurzcharakteristik
2. Die Widmung
3. Die Handschrift Cgm 579
4. Bearbeitungstendenzen eines Autors
VI. Die deutsche Prosa
1. Kurzcharakteristik
2. Die Textzeugen
3. Die handschriftlichen Fassungen - Übersetzungen lateinischer Vorlagen
4. Modifikationen der Druckfassungen
Tabelle: Das Streitgespräch in den verschiedenen Fassungen
VII. Formen der Einzelüberlieferung im 16. Jahrhundert – Die Einblattdrucke
1. Das tanzende Bauernpaar
2. Markolfs letzte Abenteuer
VIII. Die Fastnachtspiele von Salomon und Markolf
1. Hans Folz
1.1. Kurzcharakteristik
1.2. Die Fassung der Handschrift
1.3. Neukonzeption der Druckfassung
2. Der ›Marcolfus‹ von Zacharias Bletz
IX. Markolf bei Hans Sachs
X. Schlußbemerkung
XI. Anhang
1. Die deutsche Prosa in der Fassung der Hs. Alba Julia Bibl. Batthyányana Cod. 154
2. Literarische Zeugnisse zu ›Markolf‹
XII. Literaturverzeichnis
1. Abkürzungen und abgekürzt zitierte Literatur
2. Textausgaben
2.1. Textausgaben von ›Salomon und Markolf‹-Texten
2.2. Textausgaben (allg.)
3. Forschungsliteratur
XIII. Register
1. Handschriften und Drucke
2. Namen und Sachen
XIV. Abbildungsverzeichnis

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HERMAEA GERMANISTISCHE FORSCHUNGEN NEUE FOLGE HERAUSGEGEBEN VON HANS FROMM, JOACHIM HEINZLE, HANS-JOACHIM MÄHL UND KLAUS-DETLEF MÜLLER

BAND 81

SABINE GRIESE

Salomon und Markolf Ein literarischer Komplex im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Studien zu Überlieferung und Interpretation

MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN 1999

Gedruckt mit Unterstützung des Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft der VG Wort. Die Arbeit wurde im Jahr 1995 von der Philosophischen Fakultät IV - Sprach- und Literaturwissenschaften - der Universität Regensburg als Dissertation angenommen.

D 355 Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Griese, Sabine: Salomon und Markolf - ein literarischer Komplex im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: Studien zu Überlieferung und Interpretation / Sabine Griese. Tübingen: Niemeyer, 1999 (Hermaea; N.F., Bd. 81) ISBN 3-484-15081 -5

ISSN 0440-7164

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 1999 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Printed in Germany. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier. Satz und Druck: Guide-Druck GmbH, Tübingen Buchbinder: Geiger, Ammerbuch

Vorwort

Die vorliegende Untersuchung wurde 1994 abgeschlossen und für den Druck in einigen Abschnitten leicht überarbeitet. An dieser Stelle gilt es, vielfach Dank auszusprechen. Er gebührt vor allem meinen akademischen Lehrern für die Bereitstellung des philologischen Rüstzeugs, ganz besonders Herrn Professor Dr. Gerhard Hahn (Universität Regensburg), der mir den >Markolf< anvertraut hat. Ich hoffe, daß ich diese >Markolfische< Aufgabe in seinem Sinne gelöst und zu einem Ende geführt habe. Der Studienstiftung des deutschen Volkes danke ich dafür, daß sie mein Studium und die vorliegende Arbeit angenehm und anregend begleitet und durch Stipendien gefördert hat. Daß die Arbeit in die Reihe >Hermaea< aufgenommen worden ist, ist mir eine große Freude. Ich danke den Herausgebern, besonders Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Hans Fromm, der mir darüber hinaus wertvolle Ratschläge gegeben hat. Dank zum Schluß auch an Hartmut Bleumer für seine umsichtige Hilfe bei den Korrekturarbeiten. Münster, im Frühjahr 1998

Sabine Griese

V

Meinen Eltern

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

ι

II. Der >Dialogus Salomonis et Marcolfi< ι. Vorbemerkungen 2. Die Textzeugen a) Die Handschriften b) Die Drucke α) Die Redaktion I: Dialogus ß) Die Redaktion II: Collationes c) Mitüberlieferung: Der >Dialogus Salomonis et Marcolfi< im Anhang zu Andreas Gartners >Proverbialia Dicteria< 3. Unfester Textbestand: Uberlieferung und W e r k b e g r i f f . . .

23 23 31 31 59 60 62

III. Das Brautwerbungsepos >Salman und Morolf< ι. Vorbemerkungen 2. Die Textzeugen a) Die Handschriften b) Die Drucke c) Zum Text-Bild-Verhältnis in der Stuttgarter Handschrift d) Besonderheiten der Textform 3. Interpretation des Brautwerbungsepos 4. Beobachtungen zu Struktur und Erzählhaltung

77 77 85 86 92 94 102 107 132

IV. >Salomon und Markolf< - Markolfs buch ι. Kurzcharakteristik 2. Die Textzeugen 3. Der Erzähler 4. Der Spruchteil 5. Die Schwankepisoden 6. Die Figur Markolf-»mehr gumpelman [...] als gebur« ...

139 139 140 147 154 162 168

66 73

VII

V. Das Exemplum des Gregor Hayden: Markolfs Listigkeit als Vorbild

173

ι. 2. 3. 4.

173 174 178 180

Kurzcharakteristik Die Widmung Die Handschrift C g m 579 Bearbeitungstendenzen eines Autors

VI. Die deutsche Prosa ι. Kurzcharakteristik 2. Die Textzeugen a) Die Handschriften b) Die Drucke 3. Die handschriftlichen Fassungen - Ubersetzungen lateinischer Vorlagen 4. Modifikationen der Druckfassungen a) Die Gliederung des Textes durch das Bild am Beispiel des Ayrer-Druckes (1487) b) Veränderung der Textform Tabelle: Das Streitgespräch in den verschiedenen Fassungen VII. Formen der Einzelüberlieferung im 16. Jahrhundert Die Einblattdrucke ι. Das tanzende Bauernpaar 2. Markolfs letzte Abenteuer VIII. Die Fastnachtspiele von Salomon und Markolf ι. Hans Folz 1 . 1 . Kurzcharakteristik 1.2. Die Fassung der Handschrift a) Der Textzeuge b) Zur Datierung und Entstehung des Spiels c) Das spil von konig Salomon vnd markolffo eine Interpretation 1.3. Neukonzeption der Druckfassung 2. Der >Marcolfus< von Zacharias Bletz I X . Markolf bei Hans Sachs X . Schlußbemerkung VIII

193 193 194 194 206 212 219 221 224 229

233 234 235 239 239 239 240 240 242 245 251 2 j6 267 277

X I . Anhang ι. Die deutsche Prosa in der Fassung der Hs. Alba Julia Bibl. Batthyányana Cod. 1 5 4 2. Literarische Zeugnisse zu >Markolf
Salomon und MarkolfHistoria comitum GhisnensiumSeifrid von ArdemontSalomon u n d MarkolfDidot PercevalDialogus Salomonis et Marcolfi< vgl. auch M. Curschmann in: V L 2,1980, Sp. 80-86, der anstelle einer Datierung die Erwähnung des Wortstreits bei Notker und andere Anspielungen auf einen möglichen Vorgängertext des >Dialogus< anführt (bes. Sp. 84^). Gemeinhin setzt man die Entstehung des >Dialogus< »im 12. Jh. im nordfrz./anglonormann. Kulturraum« an (so z.B. Alfred Karnein, in: Killy Literatur Lexikon, Bd. 10, München 1991, S. 123). - Vgl. hierzu auch unten, Anhang 2, die Auswertung der literarischen Zeugnisse.

12

Michael Curschmann meint, es handele sich um »eine (verlorene) anglo-normannische Fassung der Spruch- und Schwankdichtung von Salomon und Marcolfus« (Curschmann, Höfische Laienkultur, S. 163). Helmut Tervooren gibt zu bedenken, daß die Sprache am Hof sicher das Französische war (H. Tervooren, Literaturwege: Ida von Boulogne, Gräfin in Geldern, Herzogin von Zähringen, ZfdPh 1 1 0 , 1 9 9 1 , 8 . 1 1 3 - 1 2 0 , hier S. 118). Insofern könnte es sich um eine A d hoc-Ubersetzung ins Französische oder um eine nicht erhaltene französische Version des >Dialogus Salomonis et Marcolfi< gehandelt haben. D. A. Stracke dahingegen ist der Meinung, die Texte seien in der niederländischen Volkssprache vorgetragen worden (D. A. Stracke S.J., Over middelned. epische gedichten, Tijtschr. v. Taal en Letteren 14, 1926, S . 1 1 0 - 1 5 1 , 177-208).

IJ

Dazu vgl. unten, Anhang 2, Zeugnisse, Nr. 3 - 1 2 .

3

Abb. i a: Ältester Überlieferungszeuge des >Dialogus Salomonis et Marcolfi< von 1410. Darmstadt, Hess. Landes- und Hochschulbibl. Hs. 2225, f. 59r.

4

Abb. ib: Ältester Überlieferungszeuge des >Dialogus Salomonis et Marcolfi< von 1410, Darmstadt, Hess. Landes- und Hochschulbibl. Hs. 2225, f. 59 V.

5

ΐ4· Jahrhundert verlorengegangen sind. Vierhundert Jahre, in denen nur indirekt auf die Existenz geschlossen werden kann, liegen also zwischen der ersten Erwähnung eines Markolf-Textes oder einer Markolf-Erzählung bei Notker und dem frühesten erhaltenen Textzeugen. Wie ist diese Zeitspanne zu deuten und die Tatsache zu erklären, daß die Verschriftlichung so spät einsetzt?' 4 Paul Zumthor formuliert verschiedene Aspekte, um die Mündlichkeit von Texten im frühen Mittelalter zu vergegenwärtigen. 1 ' So nennt er z.B. eine Melodienotation oder den Titel >chanson< als mögliche Hinweise auf den mündlichen Vortrag eines Textes, ebenso die Publikumsanreden durch den Autor oder Bitten um Aufmerksamkeit, welche in diesbezügliche Überlegungen miteinzubeziehen sind. 16 Wenn man auch den Beweis letztlich nicht erbringen kann, scheinen die Indizien auszureichen, die die »Existenz einer mündlichen Poesie überhaupt« wahrscheinlich machen. 17 Schwierigkeiten der Deutung bereitet die LeerZeit, das jahrhundertelange Schweigen, bis die (schriftliche) Uberlieferung einsetzt; in diesem Zusammenhang ist an Zensur, obrigkeitliche Reglementierungen und Verbote zu denken.' 8 Trotzdem: »Nichts von alledem führt uns auch nur an die Schwelle des unbekannten Bereiches. Man wird wohl in den Jahrhunderten des Mittelalters nicht an der Existenz zahlreicher (lebendiger) und sich' oft lange durchhaltender mündlicher poetischer Uberlieferungen zweifeln können: archaischer und ursprünglicher Überlieferungen oder auch solcher von einer längeren zeitlichen 14

Der mündliche Vortrag des strophisch tradierten Brautwerbungsepos >Salman und Morola läßt sich noch verstehen. Doch wie erklärt man die mündliche Tradition des gelehrten Prosaromans >Dialogus Salomonis et Marcolfi« mit seinen zahlreichen, fein aufeinander abgestimmten Spruchpaaren? 1 ' Paul Zumthor, Die Stimme und die Poesie in der mittelalterlichen Gesellschaft. - Zumthor soll hier stellvertretend für die umfangreiche Literatur zum Thema Mündlichkeit/ Schriftlichkeit< stehen. Das Problemfeld Mündlichkeit /Schriftlichkeit< wird von mir lediglich am Rande berührt. Als neuere Beiträge hierzu vgl. Dennis H. Green, Medieval Listening and Reading. The primary reception of German literature 800—1300, Cambridge 1994 (hierzu auch die Rez. von Manfred G. Scholz, ZfdA 125,1996, S. 3 50-361); Jan- Dirk Müller, Der Spielmann erzählt. Oder: Wie denkt man sich das Entstehen eines Epos?, in: Erzählungen in Erzählungen. Phänomene der Narration in Mittelalter und Früher Neuzeit, hrsg. von H. Haferland und M. Mecklenburg, München 1996 (Forschungen zur Geschichte der älteren deutschen Literatur Bd. 19), S. 85-98; Wandhoff (wie Anm. 1); Horst Wenzel, Hören und Sehen. Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter, München 1995. 16 Zumthor, S. 1 5 - 1 7 . 17 Ebd., S.24. 18 »Es bleiben die periodischen, offiziellen oder privaten Verdammungsurteile vom 6. bis 12. Jahrhundert gegen poetische Formen, die sehr summarisch mit Cantica ostina [!], Cantationes rusticae bzw. mit winileodos im germanischen Bereich bezeichnet wurden.« (Zumthor, S. 23).

6

Dauer, parallel oder nicht zu einer schriftlichen Überlieferung.« 19 - In seiner vierten Vorlesung über >Das Mittelalter und die Stimme< spricht Zumthor dezidiert über den Zusammenhang zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Text, über den Einfluß der Stimme auf die Schrift. Er formuliert: »Aber selbst die durch und in einer Schrift vollzogene Fixierung einer einstmals mündlichen Tradition beendet diese notwendigerweise nicht, noch drängt es sie mit einem Schlag an den Rand. Es kann eine Symbiose entstehen oder zumindest eine gewisse Harmonie: Das Mündliche wird niedergeschrieben, und das Schriftliche versteht sich als ein Bild des Mündlichen; in jedem Fall ist Bezug genommen auf die Autorität einer Stimme.«20 Hier spricht er explizit die >Salomon und MarkolfDialogus Salomonis et Marcolfi< und seiner Nachfolger-Texte erst im 15. Jahrhundert liegt. Diese Erzählkultur bezieht sich nicht explizit auf zugrundeliegende Buchfassungen, sondern es scheint sich um mündlich umlaufende wahrscheinlich im jeweiligen Vortrag sich auch wandelnde - Versionen zu handeln, die darüber hinaus noch nicht an bestimmte Autoren gebunden sind.22 19

Ebd., S.24. Ebd., S.82. 21 Ebd., S. 82. - Ich führe im folgenden das französische Originalzitat an, denn die Ubersetzung von Klaus Thieme ist an dieser Stelle fehlerhaft: »C'est d'une coexistence active de cette espèce que témoignent, aux marges de la poésie, la tradition de textes tels que les Dialogues de Salomon et Marculfe, fabulose popularium narrationesLes jongleurs en France au moyen âgemimushistrioscurrajongleurioculator< etc. in der Literatur (poetische und historiographische Texte) veröffentlicht; wenn in diesem Zusammenhang auch poetische Werke aufgezählt sind, werden hier nie die Autoren, sondern immer die Protagonisten genannt. Ich führe einige Beispiele aus seinem Material an: Tristan (Nr. 22), vitam et conversationem sancti Theobaldi (Nr. 26); Et chantant d'Apoloine et del biel Tenebre, Del viel Antiocus, de Poms et d'Otré, Et del roi Alexandre et delpreu Tholomé (Nr. 44); Recitantur etiam pressurae vel injuriae eidem crudeliter irrogatae, sicut de Arturo et Gangano et Tristanno, fabulosa quaedam referunt histriones [...] (Pierre de Blois, Nr. 77) etc. 20

7

Die vorliegende Arbeit unternimmt eine Untersuchung des literarischen Komplexes >Salomon und MarkolfSalman und MorolfDialogus Salomonis et Marcolfi< umfaßt. Dabei handelt es sich im einzelnen um eine Versbearbeitung des 14. Jahrhunderts, >Markolfs buchSpruchgedicht< bezeichnet, 23 weiterhin um eine in der Uberlieferung singulär gebliebene Reimpaarfassung des Autors Gregor H a y d e n am Ende des 15. Jahrhunderts, um die Prosaübersetzungen des 15. Jahrhunderts und die >dramatischen< Werke des 15. und 16. Jahrhunderts, die Fastnachtspiele des Hans Folz, Hans Sachs und Zacharias Bletz, die comedi und anderen Kleinformen des Hans Sachs. Hierbei soll der Versuch unternommen werden, diesen gesamten literarischen Komplex >Salomon und Markolf< in den Blick zu bekommen, also sämtliche Texte (Textsorten), die mit den Protagonisten Salomon und Markolf im Mittelpunkt verfaßt worden sind, im Verbund zu betrachten, um Zusammenhänge auf verschiedenen Ebenen zu erkennen oder postulieren zu können. 24 Dabei kann - und soll - keine literarische Reihe gebildet werden. Bewußt ist der Terminus literarischer Komplex< gewählt worden, welcher nicht einengend Abhängigkeiten und Entwicklungen suggeriert. U n ter philologischen und interpretatorischen Aspekten sollen Zusammenhänge zwischen dem lateinischen Prosaroman und seinen Übersetzungen ins Deutsche aufgedeckt werden, weiterhin werden die volkssprachigen Bearbeitungen der einzelnen, bisweilen namentlich genannten Autoren untersucht. Markolf und Salomon werden in ganz unterschiedlichen Textsorten verarbeitet (Prosaroman, Brautwerbungsepos, Versroman, Fastnachtspiel, Meisterlied), die Personen sind nicht an eine literarische Gattung gebunden (wie z.B. Artus), ganz im Gegenteil, der Wechsel der Textsorte präsentiert jeweils bestimmte Akzentveränderungen, die herauszustellen sind. Die einzelnen Texte werden jeweils nach einem ähnlichen Schema vorgestellt und untersucht. Jedem Kapitel ist eine überblicksartige Kurzcha25

24

Vgl. Michael Curschmann, Art. >Salomon und Markolf< (>SpruchgedichtMarkolf< und die Werkgruppe bieten demnächst auch Rüdiger Brandt und Henning Wuth in ihrem Artikel >MarkolfSolomon and Marcolf«, Dictionary of the Middle Ages 1 1 , 1988, S. 366-370, und N . H . Ott, L e x M A 7, 1995, Sp. 1 3 1 i f .

8

rakteristik des Textes oder der Textgruppe vorangestellt. Daran schließen sich die Beschreibung der Überlieferung (Handschriften-, Drucküberlieferung) und ein interpretierender Abschnitt mit Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten der Textgruppe (Autorfassung, Ubersetzung etc.) an.2' Durch die Beschreibung der Uberlieferungszeugen werden Aussagen zur Gebrauchssituation und zum Umfeld der Texte gewonnen, wobei folgende Aspekte zu beleuchten sind: Neben dem >Dialogus Salomonis et MarcolfiFrag vnd antwortDialogusillitteratus< meint hier primär >nicht lateinkundigSalman und MorolfDialogus Salomonis et Marcolfi
Dialogus Salomonis et MarcolfiDialogus Salomonis et Marcolfialtercatio< und die Titel des »Dialogus Salomonis et Marcolfi« (vgl. Anm. 2) sind bereits ein Indiz für die Gattung >Streitgedicht< (vgl. Hans Walther, Das Streitgedicht, S. 18). - Vgl. auch Walthers Definition von >Streitgedicht< (ebd., S. 3): »Ich nenne hier Streitgedichte im eigentlichen Sinne Gedichte, in denen zwei oder seltener mehrere Personen, personifizierte Gegenstände oder Abstraktionen zu irgend einem Zweck Streitreden führen, sei es um den eigenen Vorzug darzutun und die Eigenschaften des Gegners herabzusetzen oder um eine aufgeworfene Frage zu entscheiden.« ' Si per omnia poteris respondere sermonibus meis, ditabo te magnis opibus et nominatissimus eris in regno meo (Benary, S. 5, Ζ . 9 - 1 1 ) . 2

23

offen für Überlieferungsschwankungen und demnach in unterschiedlichem Umfang erhalten ist: Die Zahl der Spruchpaare schwankt zwischen 9 und ca. 140. 6 Salomon gilt im Mittelalter als Inbegriff des weisen und gerechten Herrschers; noch im >Ackermann aus Böhmen< des Johannes von Tepl heißt es: Salomon, der Weisheit schrein.7 Außerdem werden ihm biblische Sprüche und Weisheitslehren, einige Psalmen und das Hohelied zugeschrieben. 8 Marcolfus hingegen, der aus dem Orient - a parte orientis (Benary, S. 1, Z. 3) - stammt, zeichnet sich nach außen durch besondere Häßlichkeit aus. Hierbei weisen seine igelartigen Borstenhaare (capillos veluti sunt spinule ericiomm, Benary, S. 2, Z. 2), die an den Hahnenkamm des Narren erinnern, auf (seine) superbia und Obszönität (eventuell auch auf seine Geilheit). Seine behaarten, langen Ohren (Benary, S. 1, Z. iof.) könnten diejenigen eines Esels sein und symbolisierten damit geistige Trägheit (acedia).9 Dieser Bedeutung, auf die Marcolfi Außeres weist, stehen seine Redegewandtheit und Schlauheit entgegen. Eingebettet in den oben angedeuteten Erzählrahmen folgt ein Wortstreit, der sich als Schlagabtausch von Redensarten, Sprichwörtern und gnomischen Sprüchen erweist. Hierbei speisen sich die Vorgaben Salomons zum Großteil aus den Quellen, als deren Verfasser er dem Mittelalter ohnehin gilt, aus den biblischen Proverbien, dem Liber Ecclesiastici, dem Hohenlied, dem Liber Sapientiae und dem Liber Ecclesiastes. 10 Vielfach ist dabei der Vulgatatext wörtlich übernommen, 1 1 d.h. Salomon zitiert sich gleichsam selbst und steht dadurch für größtmögliche Authentizität. Dahingegen ist es schwieriger, Quellen und Parallelen für die Marcolfischen Antworten anzugeben. 12 Sie stammen nicht aus den biblischen Büchern; Sprichwortparallelen sind feststellbar in Egberts von Lüttich >Fecunda ratisHeinrich von Friemar der Älteres VL 3, 1981, Sp. 730-737. A. Zumkeller, Dictionnaire de Spiritualité VII, 1969, Sp. 191-197. C. Stroick, Heinrich von Friemar. Leben, Werke, philosophisch-theologische Stellung in der Scholastik, Freiburg 1954, bes. S. 37-42. W. Maaz, Art. >Isidor von Sevillas EM 7, 1992, S· 297-313·

Br

Bratislava (Preßburg) A r c h i v H l a v n é h o Mesta M s . 84

Papier • 346 Bl. • 30 χ 23 c m • 15. Jh. ir-jr 9vb iov-i2ra 12 r a - v a I2

va-vb

D e confessione A n d r e a s de Escobar: M o d u s confitendi Nota A r b o r consanguinitatis et affinitatis, dt. Papst Pius II: Litterae indulgentiarum (1460) Indulgenz f ü r N i c o l a u s Flinns

i2vb i3 r

N o t a de absolutione Matthias C o r v i n u s : Epistola (1467)

I3v-i4ra i6 r

N o t a de solutionibus C o n c o r d a n t i a N o v i Testamenti

i7 r —83 v 84 r -86 r 8 6r 87*"—95v

Petrus v o n Rosenheim: R o s e u m memoriale d i v i n o r u m e l o q u i o r u m Jesu Christi vita brevis Oratio Peregrinationes Jerusalem et totius sanctae terrae (1443)

9Ó V -io3 v I03v-ii2r 112 r - v H3r-i26r

Petrus v o n Poitiers (?): C o m p e n d i u m historiae Veteris ac N o v i Testamenti Aetates mundi N o m i n a R o m a n o r u m regum N i c o l a u s v o n Lyra: P r o b a d o adventus Christi contra l ú d e o s (vgl.

I2ér-i37v

V L 6, 1987, Sp. I i 19) A l p h o n s u s Bonihominis: Epistola Rabbi Samuelis ad Rabbi Isaac

i43 v i43v-i45v i46r-i7iv

Excerpta ex biblia Papst Paul II.: Bulla (8.12. 1465) Liber Ecclesiastes c u m commentario

iyir-iyyr

Historia M a r c o l f i Inc.: Cum staret rex Salomon super solium excelsum Davidpatris sui plenus sapiencia hahundans in iudiciis ymaginando diversa precogi-

34

i77 v -202 v 203 r -207 r 209 r -222 r 222v 223 r -244 v 2

45 r a _ 3 2 9 v a 33° r _ 337 v 338r—344r 344v—34ir

tans vidit quendam hominem nomine Marcolphum a parte orientis venientem Expl.: quare hec fecisset respondit nonne tu tassisti me super terram proicere salinam numquid caput suum terra est Et sic de singulis et tantum de isto Historia de preliis Epistola Presbyteri Johannis Chronica Bratislaviensis N o t a e ad alchimiam spectantes Gesta Romanorum Petrus Aureolus: Compendium Sacrae Scripturae Papst Paul II.: Epistolae (1466/1465) Matthias Corvinus: Sententiae (1466), dt. Matthias Corvinus: Epistola (1467)

Die Handschrift ist nicht bei Benary genannt. Ich danke Bettina Wagner f ü r den Hinweis auf den Uberlieferungszeugen. Die Angaben, die aus dem Handschriftenkatalog von Sopko zu entnehmen sind (Inc., Expl.), deuten auf eine bislang unbekannte Fassung des >DialogusAndreas de Escoban, V L 1, 1978, Sp. 339.

C

Chicago, Illinois N e w b e r r y Library Ms. 62

Papier · I+36+I Bl. • 20,9 χ 14,5 cm • zweite Hälfte d. 15. Jh. Die Hs. stammt durchgehend von einem Schreiber. ir-ior Dialogus Salomonis et Marcolfi U: Incipit dyalogus Salomonys et Marcolfi Inc.: C u m staret Salomon Expl.: post hoc d o m u m remeans quievit in pace. Explicit dyalogus Salomonys et Marcolfi ior-i6v Ps.-Petrarca: Aronus et Marina i6 v -25 r Ps.-Petrarca: De vera sapientia 2j r -28 r Ps.-Petrarca: Dialogus inter Piladem et Horestem 28v~30v Pius II.: D e captione urbis Constantinopolitane 3 ir—33r Lukian: Totengespräch (Dial. mort. 10) (in der lateinischen Ubersetzung von Rinucius Aretinus); mit Widmungsbrief des Paulus Niavis (vgl. Hain 10270) 33r—35r Lukian: Totengespräch (Dial. mort. 12) (in der lateinischen Ubersetzung von Rinucius Aretinus) Die Handschrift ist bei Benary nicht genannt. (Ein Mikrofilm lag mir nicht vor.) Lit.: Dennis Dutschke, Census of Petrarch Manuscripts in the United States (Censimento dei Codici Petrarcheschi 9), Padua 1986, S. 95-97, Nr. 28 (mit Literatur zur Hs.). Berthold L .

35

Ullman, Petrarch Manuscripts in the United States (Censimento dei Codici Petrarcheschi ι), Padua 1964, S. 4 5 o, Nr. 19.

D

D a r m s t a d t H e s s . L a n d e s - u . H o c h s c h u l b i b l i o t h e k H s . 2225

P a p i e r · 83 Bl. ( 1 + 8 i + I ) • 20,8 χ 14,5 c m • 1 4 1 0 ( S ü d d e u t s c h l a n d ) W i m p f e n , D o m i n i k a n e r ( K r ä m e r , S. 839) D a t i e r u n g (f. ι ν ) : 1 4 1 0

[Item dis buch ward beschnidden do man zalt Indem Jor von Christus geburt dusent vier hundert und acht.] [ v o n a n d e r e r H a n d d a r u n t e r : Item dis buoch ward gescriben

do man zalt

von

christi geburt 1410 ior.] (Bei d e m D a t u m d e s B u c h b e s c h n i t t s - 1408 - w i r d es sich u m e i n e n S c h r e i b f e h ler h a n d e l n , d a d a s P a p i e r erst n a c h d e r B e s c h r i f t u n g b e s c h n i t t e n w e r d e n k a n n . ) f. i r

A l e x a n d e r d e Villa D e i : D o c t r i n a l e (die e r s t e n 12 Verse)

3 r - i 7r I7r-34v

J o h a n n e s d e G a r l a n d i a : S y n o n y m a (Walther, I n i t i a 374) [ohne Prosateile; Textverlust am Anfang; unleserlich] J o h a n n e s d e G a r l a n d i a : E q u i v o c a I ( W a l t h e r , I n i t i a 54)

35 r ~42 v 43r-jov

[45 Verse v o r S c h l u ß b r i c h t d e r T e x t a b ] J o h a n n e s d e G a r l a n d i a : C o m p o s i t a v e r b o r u m ( W a l t h e r , I n i t i a 885) J o h a n n e s d e G a r l a n d i a : V e r b a d e p o n e n t i a l i a ( W a l t h e r , I n i t i a 20264)

51r—5

[auf d e n e r s t e n Seiten a m R a n d k o m m e n t i e r t ] Johannes de Garlandia: Dictionarius metricus (Auszug)

54 r _ v 54V—î5V j 6 r - j 7r 57 R —j8 r

[dt. glossiert] C a r m e n d e d u o d e c i m signis celi ( W a l t h e r , I n i t i a 8837) lat. M e r k v e r s e ( R o t h , M i t t h e i l u n g e n , S. 259) C o n f l i c t u s v i r t u t u m et v i t i o r u m (Walther, I n i t i a 4 2 9 1 , N e n n u n g d e r Hs.) Verse z u T i e r b i l d e r n (?) ( W a l t h e r , I n i t i a 20452; R o t h , M i t t h e i l u n g e n , S.259)

5 8V 5 8v—5 9 r

E p i s t o l a L e n t u l i (>AnnalenNovus Cornutus< des Otto von Lüneburg. - In diesem Umfeld steht ein bearbeiteter Auszug des >Dialogus Salomonis et Marcolfi< ; es finden sich 9 Spruchpaare (9ab, 74ab, 86ab, m a b , n 8 a b ; Kap. 1 6 , 1 5 / 7 5 ^ Kap. i6,2iff./5b, Kap. 17,1 iff./6b, Kap. i6,2f./7ib) und die Hälfte des ersten Kapitels des Schwankteils (Benary, S. 23,12-24,5). Die Thematik >mulier< steht hierbei im Vordergrund. Einzigartig im Uberlieferungsbefund des >Dialogus< ist - abgesehen von einem Fall in Clm 5015 (s.u.) - die Bearbeitungstechnik: Es werden teilweise Sprüche (und nicht nur von Salomon, in einem Fall auch von Nathan) aus den Kapiteln 16 und 17 des Schwankteils in das Streitgespräch inseriert. Lit.: Benary, Ausgabe, S. X X I V f . K. H. Staub, Geschichte der Dominikanerbibliothek in Wimpfen am Neckar (ca. 1460-1803). Untersuchungen an Hand der in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt erhaltenen Bestände, Graz 1980, S. 1 1 3 f. Jakob Werner, Lateinische Sprichwörter und Sinnsprüche des Mittelalters aus Handschriften gesammelt, Darmstadt 2 1966. N . Henkel, Deutsche Ubersetzungen lateinischer Schultexte, S. 269t. F.J. Worstbrock, Art. Johannes de Garlandia*, V L 4 , 1 9 8 3 , 5 p . 6 1 2 - 6 2 3 . G. L. BursillHall, Johannes de Garlandia - Forgotten Grammarian and the Manuscript Tradition, Historiographia Linguistica 3, 1976, S. 15 5 - 1 7 7 (keine Erwähnung der Hs.). F.J. Worstbrock, Art. >Otto von Lüneburg«, V L 7,1989, Sp. 2 2 5 - 2 2 8 . F.W.E. Roth, Mittheilungen aus mittellateinischen Handschriften der Hofbibliothek zu Darmstadt, R F 6, 1891, S . 2 3 9 - 2 7 0 (zur Hs. S. 259Í.). Ders., Altdeutsche Handschriften der Bibliothek zu Darmstadt, Germania 32 (N.R. 20. Jg.), Wien 1887, S. 3 3 3 - 3 5 1 (zur Hs. S. 343 f.). K. Ruh, Art. Der sog. >Lentulus-Brief über Christi Gestalte V L 5, 1985, Sp.705-709. E. v. Dobschütz, Christusbilder. Untersuchungen zur christlichen Legende, Leipzig 1899. W.F. Storck, Das Vado Mori, ZfdPh 42, 1910, S . 4 2 2 L W. Crecelius, Lieder aus dem X I V . - X V . Jahrhundert, Germania 12, 1867, S. 2 2 6 - 2 3 2 . H.-F. Rosenfeld, Art. >Suchendank, KonradDialogus Salomonis et MarcolfiAndreas de EscobarBruder Marcuss V L 5, 1985, Sp. 1 2 3 1 - 1 2 3 3 . A. Vidmanová-Schmidtová, Quinqué claves sapientiae, Leipzig 1969, S. X X V I I und S. 41-102. F.J. Worstbrock, Art. -Adolf von Wien«, VL 1, 1978, Sp. 68-71. N. Henkel, Art. >Liber Floretuss VL 5, 1985, Sp.756-759. P. Klopsch (Hg.), Pseudo-Ovidius De vetula. Untersuchungen und Text. Leiden und Köln 1967 (zur Hs. s. S. 177). S. Christoph/F.J. Worstbrock, Art. >Salutaris poeta«, V L 8, 1992, Sp. 547Í. J. Bujnoch, Die Spruchdichtung des Salutaris poeta, Mlat. Jb. 5, 1968, S. 199-241, hier S. 202 (Hs. F).

Gd

Gdañsk (Danzig) Biblioteka Gdañska Polskiej Akademii Nauk Ms. 1947

Papier • 342 Bl. • 31 χ 21 cm • 15. Jh. Gdañsk, Kirchenbibliothek (Krämer, S. 162) f. i r Besitzernotiz: Liber Joannis [folgt Rasur] decani Varmiensis ir-i87v 190 1 --196' 200r--2I 7 r 2I 7 V "-222 v 223'--23 231*-- 2 3 9 v 2 4 8 r --27IV 272'--279 v 28or--283' 283'--29 I r 291'-- 3 3 2 r 33 2 ' 333r

Briefe des Hieronymus Dialogus Salomonis et Marcolfi (Benary, Hs. D) Briefe des Phalaris (in der lat. Ubersetzung von Franciscus Aretinus) Briefe des Brutus (in der lat. Ubersetzung des Rinucius Aretinus) Benvenuto Rambaldi: Liber augustalis de vitis Caesarum usque ad Wenceslaum Ps.-Plinius: De viris illustribus Petrarca: Secretum Briefe Petrarcas (u.a. an Papst Clemens VI.) Petrarca: Liber invectivarum contra Galium (unvollständig) Briefe Petrarcas Petrarca: De vita solitaria Lukian: Totengespräch (Dial. mort. 10) (in der lat. Ubersetzung von Rinucius Aretinus) Lukian: Totengespräch (Dial. mort. 12) (in der lat. Ubersetzung von Rinucius Aretinus)

Der >Dialogus Salomonis et Marcolfi< ist nicht vollständig überliefert. Er bricht kurz vor dem Schluß ab [Benary, S. 45, Z. 1]; außerdem fehlen aufgrund einer Textlücke auf f. 192' Passagen des Anfangs von Teil II (Kap. 1, 2 und Teile von Kap. 3; Benary, S.22, Z. 11 - S.25, Z. 18). 39

Lit.: Otto Günther, Katalog der Danziger Stadtbibliothek Band III, 1909. Benary, Ausgabe, S. X V f . Kristeller, Iter Italicum, Bd. IV, S. 398. K. Ruh, Art. >Hieronymus, Sophronius EusebiusGerard van VliederhovenCordiale de quattuor novissimis< von Gerhard von Vliederhoven in mnd. Uberlieferung, Köln/Wien 1975 (Nd. Stud. 20). Β. Schnell, Thomas Peuntner »Büchlein von der Liebhabung GottesSalomon und Markolf< (V. 1631-1902) - verarbeitet (vgl. Kap. III. 1.). Lit.: Benary, Ausgabe, S. X X I I f . und S. 4 8 - 5 1 . M . Kowalczyk, A . Kozlowskau.a., Catalogus codicum manuscriptorum medii aevi latinorum qui in bibliotheca Jagellonica Cracoviae asservantur, Bd. III, Wratislaviae/Varsaviae/Cracoviae/Gedani/Lodziae 1984, S. 3 56-374. C . Stroick, Heinrich von Friemar, Freiburg i.Br. 1954, bes. S. 76. A . Zumkeller, Schrifttum und Lehre des Hermann von Schildesche, Würzburg 1959, S. Ö4ff. R . G . Warnock, Art. >Heinrich von Friemar der Älteres V L 3, 1 9 8 1 , Sp. 7 3 0 - 7 3 7 . G . Roth, Sündenspiegel im 15. Jahrhundert. Untersuchungen zum pseudo-augustinischen »Speculum peccatoris« in deutscher Uberlieferung, Bern/Berlin/Frankfurt a . M . / N e w York/Paris 1991 (Deutsche Literatur von den Anfängen bis 1700, Bd. 12), S.39. B. Söller, Art. >Paradisus animaeInterrogationes faciendae infirmo moriendiDialogus< ist der gereimte Prolog vorangestellt (abgedruckt bei Benary, S. XVIII; vgl. auch B 2 , W s , M 4 u. W J . Lit.: Benary, Ausgabe, S. X V I I I . K. Schneider, Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Bd. V,4, Wiesbaden 1978, S. 3 0 9 - 3 1 1 (mit Literatur zur Hs.). W. Williams-Krapp, Die deutschen und niederländischen Legendare des Mittelalters. Studien zu ihrer Uberlieferungs-, Text- und Wirkungsgeschichte. Tübingen 1986, bes. S.451 u. 467.

M2

München BSB Cgm 3974

Papier • 323 Bl.-29,5 χ 20,5 cm-Bayern-Osterreich Regensburg, Benediktiner St. Emmeram (Krämer, S.677) Bei dieser Handschrift verweise ich auf die ausführliche Beschreibung, die K. Schneider (Die deutschen Handschriften, Bd. V,6, Wiesbaden 1991, S. 504-519) liefert, und beschränke mich auf die Angaben zum >Dialogus Salomonis et Marcolfi< und seinem direkten Umfeld (vgl. unten Kap. VI.2.a.). i24 r -2i3 r a I68v-I69v 182 r +18i v 2oorb 209 vb -212 vb

Ulrich Boner: Der Edelstein (mit lat. Randnachträgen) drei Mirakel des hl. Bernhard (an den Rändern des Fabeltextes nach getragen) Robertus Holcot: >MoralitatesDialogus< zu der lateinischen Langfassung (Benary, Hs. F [140 Spruchpaare, 20 Schwankepisoden]) Expl.: nullam arborum illarum Marcolfus elegit. Et sie adhuc manet in spensus (!). Et sic est finis huius. Lit.: Benary, Ausgabe, S. X X I , X V I f. K. Schneider, Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. V,6, Wiesbaden 1991, S. 504-519 (mit Literatur zur Hs.). 45

Κ. Grubmüller, Elemente einer literarischen Gebrauchssituation. Zur Rezeption der aesopischen Fabel im 15. Jahrhundert. In: Würzburger Prosastudien II. Kurt Ruh zum 60. Geb. Hg. von Peter Kesting, München 1975 (Medium Aevum 31), S. 139-159. M. Curschmann, Marcolfus deutsch, S. 180-183 (zur Hs.). Nigel Harris,The Latin and German >EtymachiaGesta Romanorums V L 3, 1981, Sp. 2 5 - 3 4 . BWeiske, Gesta Romanorum, 2 Bde., Tübingen 1992 (Fortuna vitrea 3). J.B. Schneyer, L T h K 5, i960, Sp. 842.

W,

Wien Ö N B Cod. 3092

Papier • 371 Bl. • 29 χ 22 cm • Mitte 15.Jh. (1444/1451) D a t i e r u n g e n : 1 4 4 4 ( 1 7 2 v ) ; 1 4 5 1 (iSO r )

Schreibername: Johannes Rothel (344": bau9 [baccalaureus ?] in theologia et professo monasterii st. dorothee in wyend) [Hand eines zweiten, bearbeitenden Schreibers; Randbemerkungen] Randbemerkungen und Wortvarianten beim >Dialogus Salomonis et Marcolfi< lassen vermuten, daß aus zwei Handschriften gearbeitet worden ist (s.a. Benary, Ausgabe, S. XX). Der Codex stammt aus der Praemonstratenserabtei Bruck in Niederösterreich (i72 v : Ex Prukpridie kal. decembris 1444). ir-i42v

i43 r_v

Guido de Columnis: Historia destructionis Trojae Inc.: Cum igitur sub diuo Augusto Romano fortuna Italie non. Brief des Joh. Capistranus

finibus

[s.a. C o d . s.n. 3 3 4 4 , f . i 9 9 v - 2 0 0 v ]

144'-146"

Brief des Joh. Capistranus (an Joh. Boratin ?) [s.a. C o d . s.n. 3 3 4 4 , f . i 9 3 r - i 9 5 r ]

I46 v -i47 v

Brief des Joh. Boratin an Joh. Capistranus [s.a. C o d . s.n. 3 3 4 4 , f . i 9 J v ]

I47 v -i49 r

Brief des Joh. Capistranus an Joh. Boratin [s.a. C o d . s.n. 3 3 4 4 , f . I 9 6 v - i 9 8 r ]

i49 r_v i49 v -i jo r

Brief des Joh. Rokycanus an Joh. Capistranus [s.a. Cod. s.n. 3344, f. i98 r-v ] Brief des Joh. Capistranus an Joh. Rokycanus [s.a. C o d . s.n. 3 3 4 4 , f . I 9 8 v - i 9 9 v ]

151va— 157 v b 15 8 r -i 62e

162 r -i 72v

Dialogus Salomonis et Marcolfi (Unterteilung in drei Bücher, Benary, Hs. N) Brief des Leonardo Bruni an Johannes de Malatesta (De ornamento et praestantia litterarum studii in utroque sexu) Inc.: Compulsus crebro rumore Expl.: eiusque genitrici gloriose etc. Brief des Enea Silvio Piccolomini an Johannes von Eich 49

I77r~i89v i93 r -222 r

Augustinus: Sermo de decern plagis Aegypti Nikolaus von Dinkelsbühl: Eucharistiepredigten (Sermo 1-5; Madre, S. 249) 222 v -233 v Nikolaus von Dinkelsbühl (zugeschrieben): Predigten 235 r -282 v Sermones (zur Predigtvorbereitung?) Inc.: Exurge a mortuis ^94r—3 3r Sermones 343vb—3 50" Tractatus de casibus episcopalibus Inc.: Sciendum breviter quibus Expl.: debentur supplicia 3 53r—3 59v De inveniendis veris locis planetarum (mit Zeichnungen: 3541; 355*; 3 j6r; 357', unvollst.) Inc.: Ad laudem dei omnipotentis 364^371 v

Expl.: motuam Septem planetarum

Opus super >De inveniendis veris locis planetarum