Römischer Witz : Ausgewählte Epigramme

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Römischer Witz : Ausgewählte Epigramme

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MARCUS VALERIUS MARTIALIS ist der Klassiker des lateinischen Epigramms

und der bedeutendste Sittenmaler seiner Zeit.

Martial wurde um 40 n. Chr. in Spanien geboren,

lebte von 64-98 in Rom und starb um

das Jahr 104 n. Chr.

Ein Verzeichnis der GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN KLASSIKER in Goldmanns GELBEN Taschenbüchern

finden Sie am Ende dieses Buches

M. V. MARTIAL

Römischer Witz s

'AusgewäKlie Epigramme Ober trägen von Hermann Swoboda

MÜNCHEN WILHELM GOLDMANN VERLAG

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VORWORT

Der römische Dichter Marcus Valerius Martialis wurde zwischen 38 und 41 n. Chr., an einem 1. März, in Bilbilis, dem heutigen Bilbao, im nördlichen Spanien, das damals eine römische Provinz war, ge­ boren. Da er sich gern seiner, keltischen Abkunft rühmt, ist es wahr­ scheinlich, daß er der Ehe eines römischen Provinzialen mit einer pinheimischen keltischen Mutter entstammte. Er besuchte in seiner Vaterstadt eine Grammatiker- und Rhetorenschule und kam, wie so viele talentvolle Provinziale, schon in jungen Jahren nach Rom, wo er den größten Teil seines Lebens unter der Regierung der Kaiser Vespasian, Titus, Domitian und Nerva verbrachte. Im Jahre 98 kehrte er, seiner Sehnsucht folgend, in die Heimat zurück, wo er spätestens 104 starb. ■ Über sein Leben in Rom sind wir durch seine Epigramme unter­ richtet. Nicht so glücklich wie Vergil und Horaz, die ihren Mäzenas fanden, war er, um sein Dasein zu fristen, genötigt, sich durch Schmeicheleien die Gunst der Kaiser und hochgestellter Persönlich­ keiten zu erwerben, Vermögende um Geld, Kleidung und Nahrung anzubetteln und sich zum Dienst als Klient herzugeben. Es war mit einem Wort ein Schnorrerdasein, das er führte. „Aber es galt damals nicht für unanständig, wenn ein Dichter von der Freigebigkeit der Großen und Reichen lebte, die er ansang und verherrlichte . * “ Von Domitian wurde Martial mit einem Landgut beschenkt, das aber, nach seiner Schilderung, recht armselig war. Eine Ehrung, die nichts eintrug, war die Erhebung in den Ritterstand. Martial ist nach übereinstimmendem Urteil einer der eigenartig­ sten Dichter aller Zeiten und Völker. Er gilt als der Klassiker des Epigramms. Er hat deren 1200 in zwölf Büchern geschrieben, die allerdings, wie er selber zugibt, von verschiedenem Wert sind und für den heutigen Leser nicht durchweg von gleichem Interesse. Epi­ gramme waren ursprünglich, wie das Wort sagt, kurze Aufschriften auf Denkmälern, Grabstätten, Weihegeschenken und dergleichen. • L. Friedländer, Sittengeschichte der römischen Kaiserzeit»

« 1 Audi bei Martial gibt es zwei- und vierzeilige Epigramme, aber die meisten sind länger, bis zu dreißig Versen, eine Neuerung, derent­ wegen er von seinen Gegnern getadelt wurde. Martials eigentliche Originalität besteht -aber in der Mannigfaltigkeit der Gegenstände, die er in den Epigrammen behandelt: die eigenen beschwerlichen Lebensverhältnisse, die Schwächen und Torheiten seiner lieben Mit­ menschen, beso'nders aber die Ausschreitungen und Läster, durch welche die römische Kaiserzeit berüchtigt ist, der irrsinnige Luxus, das Protzentum, die Schlemmerei, die Habsucht, endlich die Ent­ artungserscheinungen auf, dem Gebiet der Liebe und Ehe, die nün einmal zu einem Zeitalter des Verfalls; hinzugehören. Dafür stand ihm eine reiche Skala von Ausdrucksmitteln zu Gebote, vom harm­ losen Witz bis zum beißenden Spott und der grimmigen Satire. Es war die Zeit, wo der um zwanzig Jahre jüngere Juverial den Aus­ spruch tat; »Es ist schwer, keine Satire zu- schreiben.“ Allein der Unsittenschilderef ist nicht der ganze Martial, wenn­ gleich et dieser Seite seines Wesens die Berühmtheit verdankt. Es gab auch zu seiner Zeit noch die gute alte Sitte, edle Männer und Frauen, musterhafte Ehen, Gatten- und Kinderliebe, nur War da­ von Weniger die Rede, und Martial fuhrt uns solche Beispiele mit ersichtlicher Befriedigung vor. Ihnen gehört sein Herz. Auch die an seine Freunde gerichteten Epigramme zeigen ihn als Gemütsmen­ schen. Man pflegt witzige Menschen für reine Verstandesmenschen Zu halten. Sie sind jedoch häufig verkappte Gemütsmenschen, und ein solcher war Martial. Sympathisch berührt uns auch sein Wider­ wille gegen die Großstadt und die Sehnsucht nach dem Landleben. Daß der Charakter eines so unverblümten Sittenschilderérs Ver­ dächtigungen ausgesetzt war, ist begreiflich. Daher erklärt Martial gleich zu Beginn des ersten Buches in einem-an den Kaiser gerich­ teten Epigramm, daß man von seinen Dichtungen nicht auf seine Sitten schließen dürfe (lasciva est nöbis pagina, vita proba). Der jüngere Plinius; einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit, Ver­ trauter des Kaisers Trajan, stellt ihm das Zeugnis aus,'daß er als Schriftsteller reich an Witz und Galle war, irá Leben aber nicht min­ der än Lauterkeit. Martial war schon zu Lebzeiten im ganzen Römerreich berühmt. Durch die Legionen kamen seine Bücher bis in die entferntesten' ,Provinzen: von den Säulen des Herkules (Gibraltar) bis zur Le-

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vante, von England bis Afrika. Er sagt selbst, daß seine Bücher nicht nur gelesen, sondern zerlesen wurden (teritur noster ubique über). Er war auch überzeugt, daß ihn sein Ruhm überleben werde, und darin hat er sich nicht getäuscht. Er wurde das ganze Mittel­ alter hindurch bis in die Neuzeit eifrig gelesen. Unsere Klassiker haben ihn noch gut gekannt und gewürdigt, besonders Lessing, der selber ein witziger Kopf war und, durch Martial angeregt, sich in Epigrammen versuchte. Er sagt über ihn: „Martial ist nicht bloß der erste, der das Epigramm als eigene Kunstgattung bearbeitet und dieser Gattung sich ganz gewidmet hat, er ist auch bis jetzt der erste dem Wert nach geblieben. Nur wenige haben so viele Sinngedichte (so wurde .Epigramm * von Logau verdeutscht) gemacht wie er, und niemand unter ihnen so vortreffliche." Auch Wieland und Goethe haben ihn, nicht zuletzt wegen seiner Anzüglichkeiten, geschätzt. Ludwig Friedländer, der Verfasser der Sittengeschichte der römi­ schen Kaiserzeit, dessen wichtigste Quelle Martial ist, sagt über ihn: „Martial ist einzig in der sprudelnden Fülle seines Witzes, in seinem nie versiegenden Talent, immer neue glückliche Motive und immer neue Wendungen zu ihrer Gestaltung zu finden, vor allem in der Meisterschaft, mit welcher er in seinen Epigrammen die Erwartung des Lesers erregt, erhält und spannt, uni ihn zum Schluß um so wirksamer zu überraschen." Erst im 19. Jahrhundert geriet Martial, in dem Maße, wie die Kenntnis des Lateins abnahm, außerhalb der Fachkreise in Vergessenheit, und die wenigen Übersetzungen älteren Datums waren nicht geeignet, eine richtige Vorstellung von ihm zu vermitteln. Bei der Übersetzung von witzigen Dichtungen genügt nicht die noch so getreue Wiedergabe des Gedankens, denn die Witzwirkung beruht auch auf der Form. Das Haupterfordernis des Witzes nach Shakespeares bekanntem Rezept, die Kürze, ist bei Martial ideal erfüllt, wobei ihm allerdings die lateinische Sprache entgegen­ kommt, da sie keinen Artikel, kein Pronomen beim Zeitwort und kein Hilfszeitwort hat. Manchmal besteht der Witz bei ihm in einem einzigen Wort, zu dessen Übersetzung im Deutschen ein gan­ zer Satz erforderlich ist. Es ist auch zu bedenken, daß infolge der schwerfälligeren deutschen Sprache auch unsere Auffassung lang­ samer ist. Bei allzu großer Kürze schlägt daher der Witz nicht ein, sondern verpufft. Ein anderer Umstand, der bei der Übersetzung

• eine Abänderung verlangt, sind die vielen mythologischen Anspie­ lungen, die für den gebildeten Römer ohne weiteres verständlich waren, während die meisten Leser von heute einen Kommentar be­ nötigen. Sie wurden daher in der vorliegenden Übersetzung weg­ gelassen, da sie der unmittelbaren Wirkung abträglich sind..Weg­ gelassen wurden auch die Namen der besprochenen und der angere­ deten Personen, zumal sie meistens fingiert sind. , . Vein besonderer Wichtigkeit bei der Übersetzung von.witzigen Gedichten sind Versmaß und Reim. Die antiken Versmaße hatten für das Ohr des Römers den Reiz des Kunstvollen, zumal wenn ein Dichter die Sprache so virtuos handhabte wie Martial. Tadellose lateinische Verse bauen war tätsädilich eine Kunst und dementspre­ chend selten. Für uns jedoch hat.die Nachahmung der antiken Vers­ maße keinen Reiz, sie klingen für uns' gekünstelt, sprachwidrig. Die deutschen Versmaße hingegen sind an sich völlig kunstlos wer kann nicht in Jamben oder Trochäen dichten! Es muß,daher zur Erhöhung des Reizes noch etwas hinzukommen, und das ist'der Reim. Man mag sinnschwere ernste Gedichte in reimlosen Versen verfassen, in witzigen Gedichten ist der Reim ein unbedingtes Er­ fordernis. Um dies an bekannten Beispielen aufzuzeigen: die Verse yon W. Busch „Es ist ein Brauch von altersher, wer Sorgen hat, hat auch Likör“, oder „Ein Jeder Jüngling- hat wohl mal ’neh Hang fürs Küchenpersonal“ würden in einer noch so gewandten reim­ losen Fassung nicht dieselbe oder überhaupt keine Wirkung haben. „Max und Moritz“ ist ungereimt Undenkbar. Das gleiche, gilt aber auch von den vielen humorigen Versen im ersten Teil des Faust, z. B.: „Mir ist von all dem Zeug so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum“, die es dem Reim verdanken, daß sie zu Zitaten geworden sind. Kein Geringerer als Schopenhauer hat über die Wir­ kung von Vers und Reim nachgedacht und ist zu folgendem Ergeb­ nis gekommen: „Daß so geringfügige, ja kindisch scheinende Mittel, wie Metrum und Reim, eine so mächtige Wirkung ausüben, ist sehr auffallend und wohl der Untersuchung wert. Ich erkläre es mir auf folgende Weise. Das dem Gehör unmittelbar Gegebene, also der bloße Wortklang, erhält durch Rhythmus und Reim eine gewisse Vollkommenheit und Bedeutsamkeit an sich selbst, indem er zu einer Art Musik wird. Das Ohr zu ergötzen, scheint seine ganze Bestimmung zu sein. Daß er nun aber zugleich noch einen Sinn

9 erhält, einen Gedanken ausdrückt, stellt sich als eine unerwartete Zugabe dar, als ein unerwartetes Geschenk, das uns überrascht. Wenn nun aber gar dieser Gedanke'ein solcher ist, daß er an sich selbst, auch in Prosa gesagt,'bedeutend wäre, dann sind wir ent­ zückt.“ Eine gereimte Übersetzung nötigt nun freilich zu größeren.' Abweichungen vom Original, aber der Gewinn wiegt diesen Nach­ teil auf. Zur Rechtfertigung der Freiheit bei der Übersetzung von Versdichtungen sei noch folgendes bemerkt: Es ist üblich, zwischen Über­ setzungen im engeren Sinne, Übertragungen und Nachdichtungen zu unterscheiden, je nach dem Grade der Freiheit gegenüber dem Original. Prosa soll womöglich wörtlich übersetzt werden, bei Dich­ tungen räumt man eine größere Freiheit ein. Diese Freiheit ist wohl­ begründet, denn beim Prosaschriftsteller wird die Wortwahl bloß durch den Gedanken bestimmt, beim Dichter hingegen auch durch die Erfordernisse von Vers und Reim. Der Dichter wählt je nach Bedarf längere oder kürzere Wörter, er reiht, um den Vers zu fül­ len, mehrere sinnverwandte Wörter aneinander und dergleichen Anpassungen mehr. Der Einfluß der Form rejdit aber noch weiter.' Victor Hugo, ein Verskünstler und Reimschmied, der sich auf seih Handwerk verstand, gesteht einmal offenherzig: »Manchmal kömmt man durch einen Gedanken auf einen Reim, manchmal aber auch durch einen Reim auf einen Gedanken.“ Die Kunst, des Dichters besteht nun unter anderem darin, daß man vom Zwang des Vers­ maßes nichts merkt, sondern im Gegenteil den Eindruck völliger Ungezwungenheit hat. Dem Verszwang, unter dem der Dichter steht, entspricht nun die Freiheit des Übersetzers, denn in einer anderen Sprache, bei einem anderen Versmaß besteht nicht derselbe Zwang. Der Übersetzer hat nur am Gedanken des Originals festzuhalten. Allein diese Freiheit wird wieder eingeschränkt durch die Versforderungen der eigenen Sprache. Auf diese Weise kommt dann eine völlige Umdichtung zustande, die jedoch die Bezeidinung »treu“ mehr verdient als eine wörtliche Übersetzung. Martial ist es aus mehr als einem Grunde wert, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Als lateinischer Dichter ist er den anderen, be­ kannteren, zumindest ebenbürtig, an Originalität sogar überlegen. Als Quelle für die Kulturgeschichte seiner Zeit ist er einzig. Er ver­ mittelt eine lebendige Anschauung der damaligen Sitten, em farbi-

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ges Zeitgemälde, man wird durch seine Epigramme mitten ins Leben des alten Rom versetzt. Wir haben nichts Ähnliches über andere Kulturzentren des Altertums, über Athen, Alexandrien, Byzanz, aber auch nicht über die spätere Zeit. Es ist fraglich, ob unsere Zeit ein literarisches Dokument hinterlassen wind, durch das die Men­ schen in zweitausend Jahren von ihr eine so deutliche Vorstellung haben werden, wie wir sie durch Martial von seiner Zeit haben. Endlich: man kann durch Martial etwas lernen, was unserer Zeit besonders not tut, das Lachen, das befreiende Lachen über Menschen und Mißstände, die man nicht ändern kann. Seit den Tagen Mar­ tials hat sich zwar in den Sitten, des Abendlandes viel zum Besseren gewandelt, aber es ist noch genug zum Lachen übriggeblieben und einiges sogar dazugekommen. Hermann Swoboda

An den Leser

Den ihr da lest, der Dichter eürer -Wahl,

Das ist er,,der gewisse Martial, Den.alle Welt, bis an das fernste End’,

Als witz’gen Epigramm verf asser kennt. Was er durch euch an. Ruhm empfing im Leben, Wird wenig Dichtern nach dem Tod gegeben.

ERSTES BUCH

Der Bücherschnorrer

Treff’ ich wo mit dir zusammen, Ist das erste, was ich hör': „Ach, für deine Epigramme Schwärme ich so sehr. Ist dir’s recht, bist du nicht böse, Wenn ich drum den Burschen schick * Und sie rasch zu Ende lese? * Geb sie gleich hernach zurück. * Deines Burschen Kräfte schone, Lieber Freund! Du weißt ja doch, Daß ich sehr weit draußen wohne, Außerdem drei Treppen hoch. Das, wonach du voll Begier, Kriegst du näher als bei mir. Kommst bei deiner Bummelei Doch am Forum oft vorbei. Nahebei in den Arkaden Ist ein feiner Büchefladen. Findest außen angeschlagen Alle Dichter, die’s nur gibt Der Verleger ist beliebt Und auch ich bin zu erfragen. Deinen Wunsch sieht dir der Mann An der Nasenspitze an.. Unverzüglich vom Regal Reicht er dir den Martial. Schön gebundnes Exemplar, Billig, nut um fünf Denar. Das ist dir zuviel für mich? Aufs Geschäft verstehst du dich!

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Ein idealer Freier

’s ist einer wie versessen drauf, Ein Frauenzimmer ’rumzukriegen, Und wendet alle Mittel auf, Ihr Widerstreben zu besiegen. Er drängt und bettelt und charmiert, Daß sie nur ja die Seine wird, Und spart, um ihren Sinn zu lenken, Audi nicht mit teueren Geschenken. Warum? Ist sie so wunderschön? I wo! Abscheulich anzusehn. Was reizt ihn dann an diesem Drachen? Sie hustet stark, wird’s nicht lang machen. Der neue Freund

Wenn du noch Platz in deinem Herzen hast Bei solchem Andrang wird es schier zu klein -, Wenn’s aber einen Freund vielleicht noch faßt, Dann bitt * ich dich: laß mich der eine sein!

Daß ich dir neu noch bin, ist einerlei. Ein jeder alte Freund war einmal neu. Nur darauf schau den neuen Freund gut an, Ob einst aus ihm ein alter werden kann. Einem Weinpanscher

Wie kannst du nur so edlen; alten Trank Mit minderwertigem Gesüfif verschneiden? Wofür verdient der.schlechte Wein den Dank? Und warum muß der gute Wein so leiden? An uns nicht, nein, am Wein ist’s Missetat, Durch solche Panscherei ihn zu verderben. Um deine Gäste wär’s vielleicht nicht schad’, Doch dieser Wein hat nicht verdient, zu sterben.

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Auf das SchoBhiindchen I-ssa

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Das Hündchen Issa, dieses neckisch-kleine; Das Turteltäubchen übertrifft an Reine, Das köstlich ist wie Indiens Edelsteine, Das alle holden Mädchenreize schmücken, Ist seines -Herren stündliches Entzücken.Es äußert Freud’ und Kummer im Gesicht, Und wenn es winselt, meint man rein, es spricht. Am Hals des Herren hält es seinen Schlaf, Daß man' sein Atmen nicht verspürt, so brav. Und hat es ein Bedürfnis und muß ’naus, So kommt ihm nie auch nur ein Tröpfchen aus. Es weckt den Herrn mit sanfter Pfote auf, Damit er’s ’runter heb’ und wieder ’nauf. Die reinste Unschuld ist’s in Liebesdingen. Wie so was mit ’nem Mann zusammenbrirtgen? Auch wird für dieses zarte Jüngferlein Nicht leicht ein Würdiger zu finden sein. Damit wir’s durch den Tod nicht ganz verlieren, . Ließ sein verliebter Herr'cs porträtieren. So ähnlich ist dies Bild, dü glaubst, es spricht. So ähnlich ist sich Issa selber nicht. Und stellt man Issa auf Und ’s Bild daneben, Dann weiß man wirklich nicht, Obbeides Bilder sind, ob beide leben. Billiger Vorschlag

Es dringt da ein Gerücht zu meinem Ohr -r Ich muß mich bitter drob beschweren ; Du liest dem Leuten meine Verse vor, Gerad’so, als. ob’s die deinen wären.

Liest du sie, merke!, als die meinen vor, Dann werde ich sie gratis dir verehren. Liest du sie aber als die deinen vor, Dann kauf sie, daß sie nicht mehr mir gehören.

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Wirkung der Ehe

Siehst du ihn mit dem wirren Haar Und den gefurchten Brauen, Verschlossen, mürrisch, unnahbar, Erschrecklich anzuschauen; Der mit dem ernstesten Gesicht Nur von den alten Helden spricht? Natürlich denkst du reiner Tor: Was geht in dem Gewalt’ges vor? Wie uns das Äußre täuschen kann: Er ist seit gestern Ehemann.

Verhängnisvolle Erbschaft

Als dein Vermögensstand in bar Noch unter zwanzigtausend war, Was warst du für ein nobler Mann I Auf keine Summe kam’s dir an, So daß die Freundesschar von Herzen Dir wünschte fünfmal mehr Sesterzen. Der Gott erhört’ uns auf der Stelle Und eh’ ein halbes Jahr dahin, Verhalfen dir vier Todesfälle Zu dem erbetenen Gewinn. Doch du, als hätt * man dir gestohlen Die hunderttausend, nicht geschenkt, Hast, statt nun tüchtig aufzuholen, Dich wie ein Bettler eingeschränkt. Die sogenannten Festgelage, Die du uns einmal gibst im Jahr, Bestreitest du mit dem Betrage Von ein paar lumpigen Denar. Es kostet unser Freundschaftsbund Dich mehr nicht als von Blei ein Pfund. 'Was ist dafür der richt’ge Lohn? Wir wünschen dir eine Million.

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Denn, solltest du auch diese erben, Dann wirst du sicher Hungers sterben. Höchste Zeit

Mein lieber Freund, als alter Zechkumpan Fühl’ ich das Recht, dir einen Rat zu geben: Der Sechziger rückt schon bedrohlich an Und allzu lange hast du kaum zu leben. Verschieb nicht, was der Augenblick gewährt! Nur das ist sicher, was man schon genossen. Viel Mühsal ist dir fürder noch beschert, Die Freuden, die sind ach so bald verflossen.

Greif zu mit beiden Händen, halt sie fest! Es glückt auch dann noch allzuviel daneben. Wer sich für morgen etwas übrigläßt, Der ist kein Weiser: heute muß man leben. Falscher Vorwurf

Du wirfst mir immer vor, ich sei In meinem Urteil allzu frei. Allein, wer ist bei dir zu frei? Dein Gegner! Deshalb das Geschrei. Brotlose Kunst

Mein hochgeschätzter Freund, folg meinem Rat, Er kommt von einem, der Erfahrung hat: Laß ab vom Dichten und dergleichen Sachen! Geschäft ist mit den Musen keins zu machen.

Moneten kriegst du nicht mal durch Apoll. Minerva, ja, die hat die Kasse voll. In ihrem Fach ist was zu profitieren, ' Die könnte alle Götter finanzieren.

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Zum Zeichen dessen ist seit alter Zeit Der früchteschwere öllSaum ihr geweiht. Doch Bacchus kriegt für seine Kunst zur Zier? Nur ’s Efeulaub - was kauft man sich dafür? Adi, überhaupt der ganze Helikon 1 Mit seinen Hainen, Quellen und dem Singen -Ich bitte dich, was hast du schon davon? Den Ruhm? Das nichtigste von allen Dingen. Laß von den Nymphen ab in Griedienland, Hast doch in Rom was Besseres zur Haiid. Das Forum, ja, das ist mir eine Welt! Da tut sich was, da scheppert nur das Geld. Doch bei der Dichterei schaut nichts heraus Als bestenfalls ein schallender Applaus.

Versprechen im Rausch

Ich habe gestern, schon in später Nacht, Beiläufig nach dem zehnten Viertel Wein, Und schwer bezecht, den Vorschlag dir gemacht. Beim Mittagessen heut mein Gast zu sein. Du hast das gleich für blut’gen Ernst genommen Und im Gedächtnis heimlich aufnotiert Und bist mir wirklich jetzt dahergekqmmen: Mit dir, mein Freund,'zu zechen, ist riskiert. Der Grieche sagt: Ich hass’ den Zechkumpan, Der sich hernach an was erinnern kann.

Ein Schlaumeier

Als es noch erläubt war, hat Niemand in der ganzen Stadt Deine Gattin angerührt, Niemand Lust dazu verspürt.

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Aber jetzt, wo Tag und Nacht Sie von Spitzeln wird bewacht, Ist ein groß Geriß um sie: Du bist wirklich ein Genie!

Winke für einen Plagiator

Mir scheint, du kecker Räuber hältst dafür, Daß man ein großer Dichter werden kann Um das, was Tinte kostet und Papier. Für Kleingeld wird man kein berühmter Mann. Such dir ein Buch, das nur deiii Mann bekannt, Dem einen, der’s mit harter Mühe schrieb, Und das, noch unberührt von Lesers Hand, Jungfräulich-rein im Schubfach liegenblieb. Ein Buch, das alle kennen, nah und fern, Kann nicht beliebig wechseln seinen Herrn. Doch Manuskripte, die noch ungebunden, Worauf kein Titel und Verfasser steht, Dergleichen hab’ ich feil für solche Kunden, Die kannst du von mir kaufen. Streng diskret! Wer sich aus Ruhmbegier an mir vergeht Und meine Verse ausgibt als sein Eigen, Dem nützt es nichts, wenn er mein Buch ersteht: Mich hat er zu bezahlen für mein Schweigen.

Vermindertes Risiko

Warum ich lieber dir die Hälfte schenke, Anstatt das Ganze dir zu kreditieren? Sehr einfach, lieber Freund: weil ich mir denke, So kann ich doch die Hälfte nur verlieren.

w . Einer Schlemmerin

Hast'wieder eine Nacht durchzecht Und, weil sich das am Morgen rächt Und du abscheulich riechst nach Wein, . So nimmst du jetzt Pastillen ein. Nun ja, das parfümiert den Mund, Allein, was von des Magens Grund Emporkommt, ändert sich nicht sehr: Wenn es dich aufstößt, quelle odeurl Aus Wein und Pulver die Mixtur Wirkt tim so widerlicher nur, Und der zwiefache gift’ge Hauch Reicht dementsprechend weiter auch. Geh, laß den alten Schwindel sein! Darauf fällt niemand' mehr herein. Und da ’s doch nicht verborgen bleibt, Gib einfach Zu: du bist bekneipt. Einer Hundeliebhaberin

Von deinem Hündchen lässest du Gesicht und Mund dir lechen. Nun ja, ein Hund hat immerzu Das Maul im Drecke stecken.

Ern verdächtiges Gut

Ein Landgut, nah der Stadt gelegen Und wohlbestellt, kam zum Verkauf. ■' Ein jeder fragte sich: Weswegen Gibt es der Eigentümer auf?" ' Der Makler rief: »Ihr meint wohl, Leute, Daß er verkaufen muß. O neinl Er schuldet nichts, er macht nicht Pleite, Er kann sogar noch Geld verleih’ni“


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Promiskuität

Mit dermanen und Parthern läßt du dich ein. Doch kann’s auch ein Kappadozier sein; Der Kilikier wird im Bett nicht verschmäht, In gleicher Gunst der Sarmate steht; Der Ägypter kommt zu dir übers Meer, Und der farbige Inder findet Gehör; Selbst beschnittenen Juden gibst du dich hin Und du bist doch eine Römerin! Wie kommt’s, daß von den Völkern allen Dir gerade die Römer nicht gefallen?

Der geheilte Simulant

In aller Frühe schon herumzujagen Die Gassen kreuz und quer, von Haus zu Haus, Den hohen Herren guten Morgen sagen Und ihren Hochmut noch dazu ertragen Das, denkt der Cälius, halt’ ein andrer aus! Und um sich von der Pflicht zu dispensieren, Beginnt er’s Podagra zu simulieren. Doch wie er, um den Schwindel echt zu machen, Die Füße, die gesunden, bandagiert Und schmiert und mühselig dahermarschiert, Da hat das Mittel - es gibt nichts zu lachen Sich wahrhaft wunderbar bewährt: Er hat zu simulieren aufgehörtl

Viel und wenig

Beim Saturnalienfeste Hast du mir Geschenke gemacht, Die du im Verlauf einer Woche Mit Müh * zusammengebracht. Schreibtafeln ein ganzes Dutzend,

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Zahnstocher und anderen Kram, Wozu als Beigab’ ein Bedter, Ein Schwamm und ein Mundtuch kam. Dann ein halber Scheffel Bohnen Und sonstige Pflanzenkost, Ein großer Korb mit Oliven, Nebenbei eine Flasche Most. Es kamen ferner Pflaumen, Vom Reife braun gebrannt, Und ein sdiwerer Topf mit Feigen Aus dem fernen Libyerland. Kaum dreißig Sesterzen waren Die ganzen Geschenke wert, Doch haben zu dem Transporte Acht große Sklaven gehört. Da wär's doch bequemer gewesen Und bei weitem nicht so schwer, Du schichtest mir einen Burschen Mit fünf Pfund Silber her.

Das teure Geschenk

Der Eber, der Toscanas Wald verheerte Und bis zur Trägheit sich von Eicheln nährte, Der gleich dem Riesentiere folgt an Rang, Das Herkules mit starkem Arm bezwang, Er, den mein Freund mit blankem Speer durchbohrte, Liegt nun als Beute da vor meiner Pforte. Das wird ein Fest für meine Küche sein! Auch die Penaten soll ein Stüde erfreun. Doch wieviel Pfeffer wird der Koch verschwenden Und zu der Soß’ den besten Wein verwenden! Nein, lieber Eber, kehr zu deinem Herrn zurück! Für meinen Herd bedeutest du kein Glück. Er machte mich bankrott, der feine Schmaus. Da komme ich mit Hungern billiger aus.

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Ein Zuschauer

Dreihundert Tische stehn in dem Saal, Und den Tischen entspricht die Dienerzahl. Mit Schüsseln und Tellern, beladen schwer, Galoppieren die Burschen hin und her. Euch Vornehmen gönn’ ich die Tafelei, Mir selber jedoch ist nicht wohl dabei. Ich bin an dem Essen nicht interessiert, Das vor mir hin- und hergetragen wird.

Kußplage im Winter

Es friert, ein grimmiger Dezember ist, Doch diese Plage hat nicht abgenommen, Und alle, die dir in die Quere kommen, Sie werden angehalten und geküßt. Bei dieser Kälte laß’ ich mich fürwahr Nicht einmal von der trauten Gattin küssen, Noch von der Tochter holdem Lippenpaar. Und da soll ich’s von dir erdulden müssen, An dessen Hundenase man Das Eis in Zapfen sehen kann, Dazu der Bart, vom Frost erstarrt. Von einem solchen Munde Küsse nehmen, Dazu kann ich mich wahrlich nicht bequemen. Ich würd’ mich weniger gegen Männer sträuben, Die mit dem Munde Unzucht treiben! Darum, hast du noch Scham und Mitgefühl, Versdiieb die Küsserei auf den April.

Der Appetitliche

Eine Salbe war’s, als sie das Onyxbüchslein umschloß, Kaum riecht der Papylus dazu, wird’s eine Soß’.

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Wohnungsluxus

Ein Haus hast du auf dem Esquilin, Ein anderes auf dem Aventin, Zu diesem grüßt die Kybele herüber, Von jenem schweift der Blick hinüber Zum Tempel, wo die Vestalinnen walten. Dein Vaterhaus liegt im Stadtgebiet, Von wo man die Jupitertempel sieht, Den prächtigen neuen und den alten. In jedem Bezirk ein Absteigquartier Da kenn * sich ein anderer aus! Sag bloß, wo kommt man zusammen mit dir? Wer überall wohnt, ist nirgends zu Haus. Einem Autographenjäger

Du drängst mich, ich möge dein Exemplar Meiner Bücher mit eig’ner Hand korrigieren. Zu viel der Schätzung und Liebe fürwahr! Ich muß mich darob beinah genieren, Daß mit so winzigen Autographen Ich dir eine Freude kann verschaffen. Der Unglücksprophet

Du erzählst mir an jedem Morgen Einen Traum der vergangenen Nacht, Der mich betrifft und mir Sorgen Wegen drohenden Unheils macht. Es ist schon die zweite Fechsung, Seitdem ich in diesem Bann Und mich von der bösen Behexung Durch nichts befreien kann. Eine Alte hab ich gedungen, Eine Wahrsagerin vom Fach:

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Die Beschwörungen sind mißlungen, Und die Schäden ließen nicht nach. Was hab ich an Weihrauch verschwendet Und Haufen von Opferschrot! ’s ist die halbe Herde verendet Und an Lämmern war doch keine Not.

Kein Schwein, kein Huhn ist geblieben, Nichts übrig vom ganzen Getier. Wach oder schlaf nach Belieben, Doch träume gefälligst von dir. Gebet zu Jupiter

Gebieter im Heiligtume Auf ragender Felsenhöh’, Vom Kaiser zu deinem Ruhme Errichtet in Himmelsnäh’, Du, den sie mit gläubigem Sinne Als Donnerer verehren, Du, Göttervater, den alle Mit kindlichen Wünschen beschweren, Weil nur ihr himmlischen Wesen Erfüllung könnt gewähren: Wenn ich, entgegen der Sitte, Nichts für mich selbst erbitte, Oh, wolle so gnädig sein, Mich nicht des Stolzes zu zeihn. Für den Kaiser bitt’ ich dich, Den Kaiser bitt’ ich für mich. Bild und Buch

Indessen Freund Caecilius Noch auf mein Bildnis warten muß, Das ihm geschickte Künstlerhand Leibhaftig auf die Tafel bannt,

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Mach dich zu ihm, 'mein Büchlein, auf Ins Land am untern Donaulauf, Das Thrakerstämmen.er entrissen Und nun zu halten ist beflissen. Die Gabe, die du bringst, ist sie auch klein, So wird sie ihm doch lieb und teuer sein, Denn klarer als im Bild wird mein Gesicht Für ihn erkennbar sein in dem Gedicht. Dies Bildnis wird kein Mißgeschick zerstören, Vom Zeitenlauf verschont wird es noch währen, Wenn jenes andre von des Malers Hand Schon lang vorher ein traurig Ende fand.

Ein treuer Leser

Ist dir um die paar Groschen für meine Gedichte leid Und hättest du doch recht gerne Über diese Späße Bescheid,

Dann wende dich an Freund Auctus. Er ist dir vielleicht bekannt: Das erste Haus in der Gegend, Die nach Mars, dem Rächer, benannt.

Ein Jurist von größtem Wissen Und ein Anwalt von feinstem Ton, Er ist kein meiniger Leser, Er ist mein Buch in Person. Er hat es so gut im Kopfe Und trägt es so glänzend vor, Daß er nie noch von allen Gedichten Eine einzige Silbe verlor. Er könnte den Anschein erwecken, Daß ec sie selber schrieb,

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Dodi kommt ihm nicht der Gedanke, Mein Ruhm ist ihm viel zu lieb.

Besuch ihn am späten Abend, Erst dann ist er sicher frei. Wirst sehn, er empfängt dich mit Freuden Und jereitet ein Mahl für euch zwei. Du wirst trinken und er wird lesen Ohne Schonung für dein Ohr, Und wenn du ihm sagst .Genug schon!“, Er liest dir noch weiter vor.

ACH T E S B U C H

Abwertung

Beim Fest des Saturn, zehn Jahre ist’s her, Bekam -ich Geschenke, an vier Pfund schwer. Und da bei Geschenken die Regel gilt: Nicht weniger werden, wenn schon nicht mehr, War ich von stiller Hoffnung erfüllt. Allein, da täuschte ich mich gar sehr. Denn im nächsten Jahre schicktest du mir Nur mehr zwei Pfunde statt der vier, Und noch um vieles billiger war Das Geschenk im dritten und vierten Jahr. Im fünften Jahr führte der weitere Schwund Zu einem abgewerteten Pfund. Im sechsten ward mir ein Teller beschert, Nur mehr zwei Drittelpfunde wert, Und das Geschenk im siebenten Jahr Betrug nur ein halbes Pfund in bar. Im achten war’s ein Löffel, ein Schund, Im Werte von kaum einem Sechstelpfund, Im neunten ein Löffelchen, winzigklein, Eine Nähnadel dürfte schwerer sein. Im zehnten Jahr bin ich auf Null herunt’, Kehr also zurück zu den vier Pfund!

Einem Neider

Charinus ist wütend, gelb vor Neid, zerspringt, Sucht einen Ast, um sich dran aufzuhängen, Nicht, weil mein Vers in aller Welt erklingt Und mich Verehrer überall umdrängen,

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Auch nicht, weil meine Bücher, schön verziert, Verbreitet sind, wo immer Rom regiert. Der Grund ist, weil ich für die Zeit der Hitze Nah bei der Stadt ein kleines Gut besitze, Und weil ich dort mit einem Muligespann, Das mir gehört, spazierenfahren kann. Was soll man nun dem armen Mann erflehn, Damit die Wut und Gelbsucht ihm vergehn? Ich wünsch’ ihm und bin sicher, es wird nützen: Auch er soll Muli und ein Gut besitzen.

Der Antiquitätensammler

Die Sammler von Antiquitäten sind Unleidliche Exemplare. Ich bin, nebenbei, für den Trödel blind Und kauf’ lieber Töpferware.

So einer schwätzt dir lang und breit Einen ganzen Roman zusammen, Von wo, von wem und aus welcher Zeit Seine Originale stammen. „Hier diese Becher haben schon Auf des Priamus Tafel geprangt. Apollo hat sie von ihm als Lohn Für den Bau der Feste verlangt.

Und dieser Krug hier hat die Schlacht Der Zentauren und Lapithen Als Keulenwaffe mitgemacht Und im Kampf, wie man sieht, gelitten.

Hier der Pokal wird von der Kritik Dem Nestor zugeschrieben. Von seinem Daumen, das zeigt ein Blick, Ist die Stelle da blank gerieben.

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Dieser Humpen hat dem Achilles gehört. Wie oft auf sein Geheiß Mit feurigem Wein gefüllt und geleert Ward er im Freundeskreis! Nun kommt die schöne Dido dran: Das hier ist die prunkvolle Schale, Aus der sie Xneas, unserem Ahn *, Zutrank beim festlichen Mahle." Und hast du die alten Sachen zum Schluß Bewundert, wie sich’s gebührt, Dann wird dir im Becher des Priamus Ein Heuriger serviert . * Schnorrertrick

Um uns beständig anzuschnorren, Bist x-mal du im Jahr geboren. Ich glaube, von Geburtstag frei Sind nur der Monate zwei, drei. Doch wäre dein Gesicht so fein Wie blankgefegter Kieselstein Und rosig schwellend deine Haut, Als wärst du eine junge Braut, Die Brust wie Flaum, so zittrig-weidi, Der Milch, der frisch gestochten, gleich, Und wenn dein Haar noch schwärzer wäre Als wie des Maulbeerbaumes Beere: Trotz allem säh’ ich es schneeweiß Und dich als einen Mummelgreis. Nun aber habe ich genug Von diesem schändlichen Betrug. Wenn du das Spiel noch weiter treibst Und nicht bei einem Geburtstag bleibst, Dann bist du - schreib dir’s hinter die Ohren! Für mich nicht einmal einmal geboren. * Die Römer haben den jungen Wein ntdit gesdiätrc.

91 Natur und Kunst

Wer auf Korfu die Weinkultur, Seit je berühmt, gesehn, Wird doch der deinigen in Rom Den Vorrang zugestehn. Damit der neidische Winterfrost Die Trauben nicht versehrt Und Bacchus’ köstliches Geschenk Vom Reif nicht wird zerstört, Hast deine Reben du mit Glas Fürsorglich überdeckt, So daß sie weiterhin gedeihn, Geschützt, doch nicht versteckt. So kann man auf des Wassers Grund Die Kieselsteine schaun Und durch das dünne Florgewand Den Körper schöner Frau’n. Oh, welche Macht räumt die Natur Dem Menschengeiste ein! Der unfruchtbare Winter wird Gezwungen, Herbst zu sein.

Das richtige Verhältnis

Warum ich keine reiche Frau begehre? Weil ich alsdann die Frau in der Ehe wäre. Die Gattin unter dem Manne stehe! Nur so herrscht Gleichheit in der Ehe.

Ungleiches Los

Damit nicht der Dezemberfrost Die Obstkultur gefährde Und allzu heftiger Nordost Ihr zum Verderben werde,

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Hase du ein Glashaus eingericht’, Der Windgewalt zu wehren Und helles, warmes Sonnenlicht Den Bäumen zu bescheren.

Ich aber krieg’ ein Kabinett, Kaputt die Fensterscheiben; Ich glaub’, Boreas selber liätt * Nicht Lust, darin zu bleiben. Läßt seine alten Freunde man Erfrier’n in solchen Räumen? Da wär’ ich ja viel besser dran Als Gast bei deinen Bäumen. Der frühe Gast

Du Unglücksmensch, was fällt dir ein? Hast du denn ganz die Zeit vergessen? Noch eh * die Sklaven fünfe schrei’n, * Kommst du mir her zum Mittagessen. Gerade vorhin war’s erst viere, Am Forum kam der Lärm zur Ruh’, Im Zirkus geht die Hatz der Tiere Soeben ihrem Ende zu. Callistus, lauf! Hol das Gesinde, Auch ungewaschen, ’s eilt ja sehr! Das Sofa mach bereit, geschwinde! So Caecilianus, setz dich her! Nun wünschest du vor allen Dingen, Man soll dir warmes Wasser bringen. Du hast es leider schlecht getroffen: Nicht einmal kaltes ist zur Hand. Die Küche ist zur Zeit nicht offen Und auf dem Herd kein Feuerbrand. Schad’ um den Weg und um die Mühe! Was wart’st du, bis der Tag vergeht? * Die Stundcnzahlung ist die römische, von 6 Uhr früh ab.

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Komm nächstens lieber in der Frühe! Zum Frühstück ist es jetzt zu spät.

Guter Rat

Du, dem der Freunde sorgend Herz gehört, In ew’gem Rosenmond zu leben wert, Wenn du gescheit bist, nimm die Stunde wahr, Umwinde dir das Haupt mit Blumenkränzen, Mit Asiens Wohlgerüchen salb dein Haar, Laß funkelnden Falerner dir kredenzen. Ein holdes Lieb mög das Geschick dir spenden, Ein weiches Lager sei zur Lust bereit: Dann mag das Leben in der Mitte enden, Es war doch länger als die Lebenszeit.

Lob der Vergangenheit

Bei dir sind nur die Dichter groß, Die längst schon ruh’n im Erdenschoß. Doch, deinen Beifall zu erwerben, Verspür’ ich keine Lust zu sterben.

Der bestrafte Koch

Man schilt mich einen Schlemmer und von Sitten rauh, Weil ich des Essens wegen meinen Koch verhau *. Der Grund für diese Strafe scheint euch leicht zu wiegen. Aus welchem Grunde soll ein Koch dann Prügel kriegen?

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Der Wahrheitsliebende

„Sag mir die Wahrheit, bitte, frank und frei! Nichts hör’ ich lieber, was es immer sei.“ Sooft du deine Bücher rezitierst Und für Klienten eine Sache führst, Pflegst du in dieser Art mich zu beschwören. Es wäre grausam, dich nicht zu erhören. Und also will ich dir die Wahrheit sagen. Die Wahrheit ist: du kannst sie nicht vertragen.

Bitte an den Kaiser

Laß diesen schmalen Gedichteband Mit schüchterner Bitte dir verehren, Und, wenn er deine Prüfung bestand, * Mög deine Huld mir was gewähren.

Doch wenn ich auch nicht Erhörung find’, Dann laß dich, Cäsar, wenigstens bitten: Denn Weihrauch und Gebete sind Ja auch von Jupiter wohlgelitten.

Nicht durch des Künstlers Schöpferkraft Aus Marmor und Gold eine Gottheit entsteht. Nein, wer sie in Wahrheit erst erschafft, Das ist der Mensch, der zu ihr fleht.

Genie und Liebe

Hast du den Wunsch, daß Kraft und Schwung In meinen Gedichten sei, Daß sie weiterleben, ewig jung, Dann schaff mir ein Lieb herbei! Den lock’ren Properz hat die Cynthia Zum großen Sänger gemacht,

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Durch die schöne Nemesis hat es Tibull Zu seinem Ruhme gebracht. Des Gallus Genius hat erst Die Lycoris erweckt zum Leben, Dem Catull hat seine Lesbia Die Gedichte eingegeben. Glaub mir, ich werd’ selbst einem Vergil Nicht nachstehn an Dichtergabe, Wenn ich nur eine Corinna, wie er, Oder einen Alexis habe.

Mustergatten

Der eine, der begräbt seine Frau’n, Die andere, die begräbt ihre Gatten. Man sollte sie mitsammen trau’n, Dann könnt’ man sie zugleich bestatten.

Edelmut

Liest du was vor aus deinen Epigrammen, Dann tu’s getrost mit meinigen zusammen. Doch magst du auch der erste sein, Ich räum’ dir gern den Vorrang ein. Allein für deinen alten Freund Bist du von Rücksicht so erfüllt, Daß dir mein Ruhm weit wicht’ger scheint Und mehr noch als der eigne gilt. So hat Vergil darauf verzichtet, Horazschen Oden sich zu widmen, Und er hätt’ Besseres gedichtet In Pindars feierlichen Rhythmen. Und hätt’ er gleich mit mächt’gern Tönen Die Bretterwelt gebracht zum Dröhnen, So ließ er doch aus Courtoisie Dem Varius die Tragödie.

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Ja, Geld und Gut und derlei Gaben Kann man von vielen Freunden haben, . Allein nur selten find’st du wen Bereit, an Können nachzustehn.

Einem Dichterling

Wer täglich zweihundert Verse schmiert Und nie einen einzigen rezitiert, Benimmt sich der nicht dumm? Er weiß ganz gut, warum!

Das D r e i - Ki n d e r - Re ch t *

Verzeih, doch es gefällt mir nicht, Daß du so sehr darauf erpicht, Als Ehemann von jungen Jahren Dir das Drei-Kinder-Recht zu wahren.

Hör endlich auf schon, mit Suppliken Dem Kaiser auf den Leib zu rücken Und kehre schnell - ’s ist an der Zeit Zurück in deine Häuslichkeit.

Läßt du die Frau so lang allein, Um Vater von drei Kindern zu sein, Dann könnt’s geschehn, du reiner Tor, Du findest ihrer viere vor. An den Kaiser **

Wieviel auch deine Huld dem Volke gibt Und wie auch deine Gaben wachsen mögen: Der Gaben wegen wirst du nicht geliebt, Es liebt das Volk die Gaben deinetwegen. • Das Drei-Kinder-Recht war eine gnadenweise Begünstigung Kinderloser. •• Domitian

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Eine üble Causa

Ich habe deine Sache vertreten, Honorar zweitausend war der Pakt. Du schickst mir die Hälfte der Moneten Warum hast du was abgezwackt? Du sagst, ich hab * vor dem Richter geschwiegen Und deshalb den Prozeß verloren. Doch wieviel hab * ich dafür zu kriegen, Daß ich rot werden mußt’ bis über die Ohren!

Warnung an Priapus

Kein Park, kein lieblicher Palmenhain, Ein schütteres Wäldchen nur ist mein, Das hast du zu betreuen. Ich mahne dich, gib sorglich acht, Es hat dich einst hervorgebracht Und kann dich stets erneuen. Die Diebe mußt du mir vertreiben, Das Holz muß für den Herd verbleiben. Weh, wenn ich Mangel dran verspür’! Dann heiz * ich ein mit dir . *

Auf eine Schale

Die Schale hier, ist sie von Myrons Hand? Hat sie geschaffen Polykletens Kunst? Sie läuft nicht bläulich an in Rauch und Dunst, Und auch der Feuerprobe hält sie stand. Das Gold erglänzt in bernsteingelbem Schein, Das Silber weißer noch als Elfenbein. Die Arbeit steht nicht nach dem Materiale: Hell wie der Vollmond strahlt die runde Schale. Ein Bock ist drauf zu sehn mit gold’nem Vliese Die Priapuastatuen waren gewöhnlich aus Holz gesdiniczt.

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Als Reittier hält’ ihn Helle vorgezogen Und Bacchus, sonst den Böcken nicht gewogen, Ihn gern von seinem Laube fressen ließe. Ein gold’ner Amor sitzt auf seinem Rücken Und bläst die Lotosflöte zum Entzücken. So ward Arion vom Delphin, dem guten, Bei Leierspiel getragen durch die Fluten. Mit würd’gem Nektar füllt dies Prunkgefäß! Audi einen Mundschenk wünsdi * idi, ihm gemäß. Nicht dem Nächstbesten ziemt dies Amt, nur dir, Mein Cestus, unsrer Tafel schönste Zier. Komm, misch uns den Setiner, mach geschwind, Sieh, wie selbst Bock und Amor durstig sind! Doch halt, ich muß dir sagen, wieviel Glas: Istantius Rufus * Name sei das Maß. Er hat mit dieser Spende midi bedacht, Drum sei ihm auch das erste Prost gebracht. Doch stellt sich meine Telethusa ein Zum Liebesfest - sie hat ihr Wort gegeben -, Dann muß ich - du verstehst schon - mäßig sein Und lasse vorerst nur den Rufus leben. Kommt sie nicht bald, bin ich im ungewissen, Dann werd * ich langsam weitertrinken müssen. Doch läßt sie ungetreu mich ganz im Stich, Dann, aller Hemmung bar, bekneip’ ich mich. Und zur Genesung von dem Liebesgrame Sei dann begossen auch der andre Name . *

Die Relativistin

Die Schar der Freundinnen, die dich Umgibt, ist etwas wunderlich: Man sieht nur Vetteln, schiech und alt, Von jämmerlicher Mißgestalt. Mit diesen treibst du dich herum Und zeigst dich vor dem Publikum • Man trank auf das Wohl *o viel Glas, wie der Name des Gefeierten Budistaben hatte.

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In den Theatern, bei Gelagen. Oh, du bist schlau, das muß man sagen. Denn neben so viel Häßlichkeit Wirkst du beinah als „holde Maid“.

Die Perlenkette

Die Gellia, die fromme Seele, Hat eine eigene Manier: Sie schwört nicht etwa bei Kybele, Nicht bei Ägyptens heil’gem Stier, Bei keiner Gottheit überhaupt, Bei nichts, woran ein Mensch sonst glaubt, Sie schwört bei einer Sache nur: Bei ihrer schönen Perlenschnur. In diese ist sie so verliebt, Daß sie ihr Kosenamen gibt, Ans Herz sie drückt und zärtlich küßt Und ihre Kinder drob vergißt. Wenn durch ein böses Mißgeschick Die Ärmste kam’ um dieses Glück, Nein, das ertrüg * sie nimmermehr, Sie würde auf der Stelle sterben. Oh, daß ein Dieb zur Stelle wär"! Der könnt * sich ein Verdienst erwerben.

NEUNTES BUCH

Revanche

'Wenn du zum Essen wo geladen bist, Verdienst du dir’s durch eine feine List: Du amüsierst mit den neusten Berichten Nur bist du so keck, sie glatt zu erdichten. Du weißt, was in seinem Herrscherpalast Der Partherkönig für Pläne faßt. Was der Dakerfürst in Briefen geschrieben, Das ist für dich kein Geheimnis geblieben. Du weißt genau, was von unserem Heer Stationiert ist am Rhein und am Schwarzen Meer. Und wer demnächst Triumphator wird sein, Das weißt du natürlich im vorhinein. Wann in Oberägypten der Regen fällt, Wieviel Schiffe an Libyens Küste verkehren, Wer den Julischen Siegerkranz erhält, Das alles bekommt man von dir zu hören. Bei mir erspar dir diese List! Ich lade dich zum Essen heut, Doch merk dir wohl, Bedingung ist: Erzähl mir keine Neuigkeit! Die Witwe

An Kappadoziens wildem Strand, Dort war es, daß Antistius Rusticus Ein allzu frühes Ende fand. Oh, das verbrecherische Land!

Fürsorglich hat die Gattin heimgetragen In ihrem Schoß den teuren Aschenkrug,

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Und über eins nur hörte man sie klagen: Die Reise, ach, war ihr nicht lang genug. Und als die Urne, die geweihte, Dein Grabeshügel sie empfahl Wie neidete sie ihm die Beute! — * Fühlt sie verwitwet sich zum zweitenmal. Leichte Wahl

Wenn die Wahl ich hätte, geladen zu werden Zu den Göttern im Himmel, zum Kaiser auf Erden, Und zum Greifen nahe wären die Sterne Und der Kaiserpalast in weiter Ferne, Den Göttern schickt * ich Botschaft hinüber: Sucht euch einen Menschen, der sich lieber Zu euerem Tische laden läßt! Mich hält mein Gott auf der Erde fest. Der verschuldete Olymp

Wenn du, Cäsar , * überschlägst. Was den Göttern du gegeben, Und einmal die Absicht hegst, Ihre Schulden einzuheben, Und im hoh'n Olympe droben Kommt im weiteren Verlauf Alles, was die Götter haben. Zur Auktion und zum Verkauf: Es wird insgesamt nicht reichen, Deine Forderung zu begleichen, Und des Himmels höchster Gott Würde jämmerlich bankrott. Denn womit bezahlt * er wohl Das berühmte Heiligtum, Das du auf dem Kapitol Neuerbaut zu seinem Ruhm? An Kaiser Domitian gerichtet, der Rom durdi zahlreiche Tempel verschönerte.

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Und was könnt * er gleicherweis’ Als Entschädigung dir gewähren Für das Kampfspiel und den Preis, Eingeführt zu seinen Ehren? Und des Donnerers Gattin käme Ernstlich in Verlegenheit, Wo sie den Betrag hernähme Für die Tempel, ihr geweiht. Herkules, Apollo gar Und das Dioskurenpaar, Jedem hast du was errichtet, Alle sind sie dir verpflichtet. Leider nur am Geld gebricht’s, Mußt dich, Cäsar, sehr gedulden, Denn die Götter haben nichts Zur Bezahlung ihrer Schulden.

An einen Sittenrichter

„O Zeiten, o Sitten!“ rief Cicero einst aus, Als Catilina auf Verbrechen sann, Als in des traurigen Bürgerkrieges Graus Das edle Römerblut in Strömen rann, Familienbande nicht dem Morden wehrten, Sich Väter gegen Schwiegersöhne kehrten. Warum zitierst du diesen Ausruf jetzt? Worüber, sag mir, bist du so entsetzt? ’s gibt keine Führer mehr mit wildem Sinn, Nicht wütet mehr im Land des Kriegers Schwert, In sich’rem Frieden leben wir dahin, Und überall ist Freude eingekehrt. Nicht unsre Sitten geben Grund zum Klagen, Nein, schändlich wird die Zeit durch dein Betragen.

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An Stertinius Avitus

Du edler Sänger, aller Welt bekannt, Dodi aus Bescheidenheit nicht gern genannt. Den erst ein künftiges Geschlecht Belohnen wird, wie es gerecht: Füg, bitte, meinem Konterfei, Das du im Atrium aufgestellt Und großen Männern zugesellt, Die folgenden paar Verse bei. »Das bin ich, unerreicht in kleinen Dingen, Vom Leser nicht bewundert, nein, geliebt. Es mögen Größre Größeres vollbringen: Ich gönn’ es ihnen neidlos, mir genügt, Wenn meine schmächtigen Gedichtebände Ihr immer wieder nehmt in eure Hände. *

Dichtc rp ri qz i p

Der Leser und der Hörer sind Entzückt von meinen Sachen. Doch einer der Kollegen find’t, Man könnt’s noch besser machen.

Der Tadel geht mir nicht sehr nah: Die Tafel, die wir decken, Sie ist für unsre Gäste da, Braucht keinem Koch zu schmecken.

Prometheus

Vom Heeresdienst in ein Land verschlagen, Über dem das Sternbild des Nordens, der Wagen, In trägem Kreise sich bewegt, Wirst du zu Betrachtungen angeregt.

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Dort ragt das Gebirg’ in Himmelshöhcn, Wo Prometheus sühnte, was er gefehlt, Dort kannst du mit eigenen Augen sehen Die Stätte, von der die Sage erzählt. Erblickst du die Felsen, die wolkenumwallten, Die von seinen Klagen widerhallten, Dann sagst du dir: er war härter als Stein. Und kannst ihm den Gedenkspruch weih’n: Wer solches ertrug, der hatte das Recht, Aus Lehm zu formen das Menschengeschlecht.

Dem Freunde

Oh, glaube mir, mein teures Bruderherz: Es gilt mir dein Geburtstag im April Und das ist dein Verdienst - genausoviel Als wie der meinige am ersten März.

Zwei Tage, die sich glückverheißend gleichen, Mit Rotstift im Kalender anzustreichen. Doch mein Geburtstag gab mir nur das Leben, Der deine hat mir mehr, den Freund, gegeben. Der Bauherr

Der Gellius baut in einem fort: Erst steckt er Grenzen aus, Und wenn die Sache fertig ist, Gibt’s immer was im Haus.

Jetzt hat er mit den Tür’n zu tun, Paßt Riegel, Schlösser ein, Und dann die Fenster: einmal sind Zu groß sie, dann zu klein. Was will er eigentlich damit? Oh, dieser Mann ist schlau.

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Kommt jemand ihm mit einer Bitt’, So sagt er nur: „Ich bau’!“ Schlechtes Geschäft

Für drei Denare hast du mich eingespannt, Frühmorgens in deiner Halle aufzuwarten, Hernadi als unzertrennlicher Trabant An deiner Seite zu den Besuchen zu starten.

Da hab’ ich deiner Sänfte voranzugehn Und zu einem Dutzend Witwen mitzulaufen. Meine Toga ist schäbig, alt, nicht anzusehn Und für drei Denare kann ich mir keine kaufen. Die Wahrsagung

’s hat jemandem ein Astrolog * Ein schnelles Ende prophezeit. Daß dieser Mann durchaus nicht log, Das lehrte die Begebenheit.

Der Gute dachte: „Wenn ich sterb’, So haben andre den Gewinn. Nein, daß ich andern was vererb’, Das kommt mir gar nicht in den Sinn.“

So lebt’ er denn ein ganzes Jahr Drauflos, bis für ein Testament Kein Groschen mehr vorhanden war Das heißt man doch ein schnelles End’! Auf das Bildnis eines Kindes

Dies Bildnis stellt Camonus dar, So wie das Kind im Leben war, Doch gleicht’s dem Originale nur Ln Form und Umriß der Figur.

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Die Züge sind mit Vorbedacht Unähnlich der Natur gemacht. Der Vater könnt’s nicht überstehn, Das liebe Antlitz stumm zu sehn.

Meine Toga

Das ist die Toga, die ich viel besang, Dem Leser wohl vertraut und lieb geworden. Dem edlen Spender weiß ich ewig Dank. Sie trug ich stolz als Mann vom Ritterorden, Als sie noch nagelneu und blendend weiß Die Wolle war, zu ihres Spenders Preis. Jetzt ist sie alt, kein Schuster möcht’ sie tragen. Und daß sie noch schneeweiß, kann niemand sagen. Was schwindet nicht dahin in langen Jahren! An meiner Toga hab’ ich es erfahren. Nun, edler Gönner, ist sie nicht mehr deine: In diesem schäb’gen Zustand ist sie meine.

Der Kunstkenner

Dort, wo in den noblen Läden Die ganze Herrlichkeit Des ewigen Rom zu erstehen, Verbringt er flanierend die Zeit. Besieht sich erst hübsche Sklaven, Die er mit den Augen verschlingt Nicht die gewöhnliche Sorte, Die man zu Markte bringt;

Nur was der besseren Kundschaft In separiertem Raum Gezeigt wird; unsereiner, Der kennt ja so was kaum.

107.

Und ist er davon gesättigt, Dann bringt man ihm Möbel herein, Viereckige, runde Tische Und-Sachen aus Elfenbein. Ein Sofa mit Sdiildpatteinlag’ Umschleicht er interessiert. „Nur schade“, meint er seufzend, „Daß das Holz mir nicht konveniert."

Er beschnuppert korinthische Bronzen, Ob sie auch wirklich echt, Statuetten der größten Meister Sind ihm noch viel zu schlecht. Die kristallenen Gefäße Sind ihm keine Neuigkeit. Aus Achat, die gefallen ihm besser, Davon stellt er zehn beiseit *.

Und altertümliche Kelche, Besonders aus Griechenland, Die mit getriebener Arbeit, Wiegt er in kundiger Hand.

Und goldgefaßte Smaragde Bringt man zur Auswahl ihm her Und Perlenohrgehänge Und alles nur möglichst schwer. Und nach echtem Onyx sucht er Auf allen Tischen herum, Und große Stüdce aus Jaspis, Da gäb’ er erst was drum!

Am späten Abend endlich Da gehn ihm die Kräfte aus. Jetzt kauft er zwei billige Gläser Und trägt sie selber nach Haus.

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Sanfte Mahnung

Solang dir dran lag, mich einzufangen, Hast du mir reichlich Geschenke beschert; Doch als die Bemühungen dir gelangen, Hast du mit dem Schenken aufgehört.

Um des Eingefangenen sicher zu sein, Mußt du ihm weiter Geschenke reichen, Sonst könnte das schlechtgefütterte Schwein Dir aus dem Stalle wieder entweichen.

Aufstieg

Ich kannte ihn als Schuster nodi, Der mit den Zähnen ’s Leder streckte, In einem finstern Kellerloch Bei altem Stiefelzeug verdreckte. Und jetzt nennt er ein Landgut sein. Das der Patron ihm hinterließ, Tut gütlich sich an dessen Wein, Am hübschen Mundschenk überdies.

Mich haben sie zur Schul * geschickt Die Eltern, diese Toren, Und mit Grammatikunterricht Hab’ ich die Zeit verloren.

Fort mit Papier und Federstiel! Was werd’ ich mich da plagen. Wenn mir die Bücher nicht so viel Wie dem die Stiefel tragen.

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An die Neider

Zerspringt vor Neid, weil idi in Rom Von jedermann gelesen werde, Zerspringt vor Neid, weil idi ein Haus Erworben hab * und ein Stück Erde. Zerspringt vor Neid, weil mir’s gelang, Midi in der Freunde Herz zu singen, Zerspringt vor Neid, weil ihre Gunst Mir Kaiser selbst entgegenbringen. Zerspringt vor Neid, weil, wo idi geh, Es immer einen Auflauf gibt, Zerspringt vor Neid, weil, kurz gesagt, Die ganze Welt midi lobt und liebt.

Ein netter Freund

Für die Freunde bist du knaus’rig, Die Freundin kriegt, was sie mag. Nur deine niederen Lüste Haben nie einen Grund zur Klag’. Von Gebäck aus feinstem Weißmehl Wird die Buhlerin didt und feist: Wir, deine Freunde, werden Mit Schwarzmehl abgespeist.

Mit eisgekühltem Setiner Wird sie, die Mätresse, traktiert. Uns wird der trübe Gifttrank Aus Korsika serviert. Für eine Nacht nur wird sie Mit einem Gute belohnt, Dieweil dein Herzensbruder Auf fremdem Acker front.

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Die feile Dirne glitzert Von Gold und Edelstein, Hingegen unsereiner Nennt überhaupt nichts sein. Und während ihr im Bette Euch köstlich amüsiert, Wird einer von den Freunden In die Schuldhaft abgeführt.

Sie besitzt eine prächtige Sänfte, Acht Sklaven zum Transport, Und unsere nachte Leiche Schafft man auf der Bahre fort. Herbei, du strenge Kybele! Dieser Hurer gehört entmannt Das wäre für dein Messer Ein würdiger Gegenstand. *

Dilemma

Am Tag, da man der Bekannten gedenkt, Indem man sie mit Geflügel beschenkt, Wie ich da für meiner Freunde zwei * Grad ein paar Drosseln schaff * herbei, Fällt mir eine ganze S