Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz, Bd. 4. Drei Täufergespräche

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Inhaltsverzeichnis

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QUELLEN ZUR GESCHICHTE DER TÄUFER IN DER SCHWEIZ

VIERTER BAND DREI TÄUFERGESPRÄCHE IN BERN UND IM AARGAU

THEOLOGISCHER VERLAG ZÜRICH

QUELLEN ZUR GESCHICHT E DER TÄUFE R IN DER SCHWEIZ

4 DREI TÄUF E RGESPRÄCH E I N BERN UN D IM AARGA U

Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz

QUELLEN ZUR GESCHICHTE DER TÄUFER IN DER SCHWEIZ VIERTER BAND

DREI TÄUFERGESPRÄCHE Gespräch der Berner Prädikanten mit dem Aarauer Täufer Pfistermeyer, 19. bis 21. April 1531 in Bern Gespräch der Berner Prädikanten mit den Täufern, gehalten vom 1. bis 9. Juli 15 32 zu Zofingen im Aargau Gespräch der Berner Prädikanten mit den Täufern, gehalten vom 1 1. bis 1 7. März 1 53 8 zu Bern

Herausgegeben von MARTIN HAAS

THEOLOGISCHER VERLAG ZÜRICH

Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Gemeinde Zollikon Auflage: 665 Exemplare

Alle Rechte vorbehalten

©

1974 by Theologischer Verlag Zürich

Printed in Switzerland by Meier & Cie AG Schaffhausen ISBN 3 290 II 344 z

Vorwort

zn2 erschien der erste Band der Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz, der das Aktenmaterial zur zürcherischen Täuferbewegung bis I JJJ wiedergibt. Die Bearbeitung der weiteren Bände ist inzwischen vorangetrieben worden, und so können in kurzem Abstand zwei weitere vorgelegt werden. Dem Aktenband Ostschweiz ( I 97;) folgt die Herausgabe der Täufergespräche als vierter Band. Es besteht die Absicht, den dritten Band in spätestens zwei Jahren zu publizieren. Er wird das Queilenmaterial für Aargau, Bern und Solothurn umfassen und gleichzeitig die Reihe abschließen. Die ursprünglich vorgesehene Numerierung der Bände wurde beibehalten, obgleich es sich inzwischen erwies, daß die Täufergespräche früher zur Druckreife gebracht werden konnten. Der erste Band der Reihe war seit einiger Zeit nicht mehr im Buchhandel erhältlich. Inzwischen wurde der Verlag gewechselt. Der Theologische Verlag Zürich, der die verlegerische Betreuung der ganzen Quellenreihe übernommen hat, sorgte nun dafür, daß die noch vorhandenen Druckbogen aufgearbeitet und I974 als zweite Auflage in den Handel gebracht wurden. Es bleibt mir, all jenen zu danken, welche die Entstehung des vorliegenden Bandes ermöglicht oder mit ihrer Hiife maßgeblich unterstützt haben. Leonhard von Muralt, der Initiator und Promotor der ganzen Reihe, gab auch für die Herausgabe der Täufergespräche den Anstoß. Der Schweizerische Nationaifonds zur Fiirderung der wissenschaftlichen Forschung trug finanziell die Bearbeitung und den Hauptteil des Druckes; die Gemeinde Zollikon gewährte einen Beitrag an die Druckkosten. Der Theologische Verlag Zürich nahm sich der verwaisten Reihe an, wobei zuerst Bugen Marti und dann Marcel Pfänd/er die Betreuung führten. Die Buchdruckerei Meier+ Cie AG arbeitete rasch und sehr sorgfältig. Das Staatsarchiv Bern brachte den Bedürfnissen der Edition großes Verständnis entgegen und ermöglichte eine speditive Abwicklung der Arbeiten im Archiv. Ein ganz besonderer Dank gilt den Herren Dr. Heinold Fast in Emden, der mir manche anregende Ratschläge gab, und Nikolaus Greim in Krefeld, der mit großer Sorgfalt viele Schreibarbeiten bewältigte. Winterthur, im Juni I974

Martin Haas

Inhaltsverzeichnis Seite

Einleitung ..................................... .

IX

Die Bedeutung der vorliegenden Quellen ........ .

IX

Die historischen Hintergründe der Berner Gespräche Gespräch mit Pfistermeyer ................... . Gespräch zu Zofingen ....................... . Gespräch zu Bern .......................... . Die thematische Einordnung der vorliegenden Gespräche ..................................... .

XI XIII XV XVII XVIII

Die Textüberlieferung ......................... .

XXXIII

Editionsgrundsätze ........................... .

XXXIV

Literaturverzeichnis ........................... .

XXXVII

Gespräch mit Pfistermeyer ....................... . [Glaube und Liebe] ........................... . [Bedeutung von Altern und Neuem Testament] . . . .

7

Vom eyd.....................................

14

Von zinsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

zo

Von der oberkeyt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

33

Von ghorsami der oberkeyt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

40

Von der narung der dieneren deß worts gottes . . . .

41

Vom thouff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

44

[Abschließende Stellungnahme Pfistermeyers] . . . . .

57

Gespräch, so Pfyster Meyer mit sinem mitgefangnen bruder, in offentlich zu underrichten, gehalten hat .

60

Zofinger Gespräch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

67

Vorred.......................................

69

Gloub und liebe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

74

Von der sendung [der Täufer]...................

79

Wer die rechte kilchen hab . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

94

Vom bann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

115

lnbaltrverz.eithnis

VIII

Wär bannen sölle ............................. . Ob die oberkeyt sin sölle ...................... . [Ob die christliche Obrigkeit das Schwert führen solle] ....................................... . [Inwiefern man der Obrigkeit gehorchen solle] ... . Der töfferen bekandtnuß zinß und zähenden halb .. Eyd schweeren .............................. .

zoo

Von sendung der predicanten .................. .

207

Von narung der vorständer .................... .

220

Zinß und zähenden ........................... .

226

Vom thouff .................................. . Beschluß und abred der presidenten ............. . Abred und beschluß [von Großem und Kleinem Rat zu Bern] .................................... .

Das Berner Gespräch ........................... .

2

57

Vorred ...................................... .

259

Ob nüw unnd alltt testament ein testament unnd inn ein wertt sye, wievil es gälldte oder nitt gelltte unnd uffgehept oder nitt uffgeheptt sye ............... .

269

[Der Täufer] beruff zum predigampt ............ .

274

Von der kilch ................................ .

313

[Exkurs über die Sünde] ....................... .

325

[Fortsetzung des Artikels] von der kilch ......... .

342

Von touff ................................... .

345

Vom eyd .................................... .

398

Von der oberkheitt ........................... .

41 9

Vom bann ................................... .

439

Beschluß unnd abscheid [von Großem und Kleinem Rat zu Bern] ................................. .

Namen- und Ortsregister ........................ . Verzeichnis der biblischen Personen und Orte ...... . Sachregister ................................... . Verzeichnis der Bibelzitate ....................... .

Einleitung

I.

Die Bedeutung der vorliegenden Quellen

Die vorliegenden drei Gespräche der bernischen Prädikanten mit den Täufern sind nur drei Beispiele aus einer langen Kette von Unte"edungen. In der Schweiz allein schätzt sie Yoder bis I J4J auf insgesamt achtundzwanzig 1 • Dennoch besitzen die drei hier edierten Disputationen im Rahmen der überlieferten Quellenlage einen besonderen Wert. Die übrigen Gespräche waren oft bloß Verhiire, wobei sich nur fragmentarische Notizen des Gerichtsschreibers überliefert haben 2• Solche Stücke, meist ziemlich kurzgehalten, fanden Aufnahme in den Aktenbänden zur Geschichte der Täufer in der Schweiz. Wenn die Auseinandersetzung über das Verhb'r hinausging, wenn also wirklich gleichberechtigt mit Argument und Gegenargument gefochten wurde, so sind die eilig hingeworfenen Schreibernotizen für uns oft kaum mehr verständlich, wie etwa die Aufzeichnungen Cyros auf der Unterredung zu Bern, die inmitten der großen Disputation von I J 28 mit den Täufern gehalten wurdea. Jene Aufzeichnungen waren nämlich hiichstensfür den internen Gebrauch bestimmt. Eine andere Form der Überlieferung bilden die eigentlichen Streitschriften der Prädikanten, die den tiiuferischen Anliegen in sehr unterschiedlichem Maße gerecht werden. Ich denke etwa an Konrad schmid, der zwar behauptet, ein Resümee des Berner Gesprächs von I J 2 8 zu geben, doch in Wirklichkeit bloß durch eine hb'chst willkürliche Interpretation des Täufer/ums den Leser fangen will4. Auch die Notizen bei Johannes Gast sind zu sehr darauf angelegt, die Täufer als lästerliche l"lehrer darzustellens. Besser und sachlicher fühlt sich bereits Vadian in die Rolle seiner Gegner ein. Seine Notizen zum Gespräch mit Marquart verdienen Beachtung, doch diese Aufzeichnungen sind bereits zugiinglich 6 • Zum Teil sorgfältig werden die täuferischen Argumente in Oekolampads Auseinandersetzung mit Carlin und in Zwinglis Elenchus aufgenommen; es scheint sich um wb'rtliche Übertragungen zu handeln. Doch auch diese Schriften sind im Rahmen neuester Editionen mühelos zugänglich 7 • Die hier vorgelegten Disputationen heben sich davon dennoch ab. Sie sind ausführlicher als alle Gerichtsprotokolle und treten sorgfältiger und ausführlicher als Oekolampad und Yoder II 97. Vgl. dazu z.B. Staatsarchiv Bern UP 80 Nr. I und 2 (Mai bis August If27 ). DruckQGTS III Nr. 279 bis 281. Die Reibe ließe sieb vergrößern. 3 QGTS III Nr. 29J. Auch dieses Stück wurde also im Aktenband untergebracht. Vgl. auch die durch Leonhard von Muralt besorgte Edition in Zwingliana V 409-41J. 4 Konrad Schmid, Verwerffen der articklen und stucken, so die widertoffer uff dem gespräch zu Bernn vor ersamen grossem rodt fürgewendt habend. [im Anhang an die Akten der Berner Disputation] Zürich If28, vor allem etwa S. Niiij r. und Nv v. s Johannes Gast, De anabaptismi exordio, erroribus, historiis abominandis, confutationibus adiectis, libri duo, Basel r f 44. 6 Vadian, Deutsche historische Schriften III 464ff. Jetzt auch QGTS II 640-697. 1 Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation, bg. von Emil Dürr und Paul Roth, Bd. 2 1 f47ff. Z VI r, 21ff. 1

2

X

Einleitung

Zwingli auf Argument und Gegenargument ein. Das Gespräch von I y38 ist uns zum Beispiel in vier Ausführungen überliefert: die direkten Nachschriften der beiden Schreiber, die unabhängig voneinander während des Gesprächs in einer Art Schnellschrift protokollierten, ferner die erste stilistisch ausgefeilte und in der Argumentation abgerundete Verarbeitung der Direktaufzeichnungen und schließlich, praktisch unverändert, die Reinschrift. Vergleicht man die letzte Darstellung mit den ersten Notizen über die täuferischen Voten, so stellt man eine außerordentlich skrupulöse Arbeit der Schreiber fest. Allfällige Abweichungen werden in unserem Textkommentar vermerkt. Die Unterlagen von der Disputation mit Pfistermeyer und vom Zofinger Gespräch sind uns zwar verloren. Die Beobachtungen zum Berner Gespräch von I ! 38 berechtigen uns jedoch, auch für die beiden anderen Disputationen den Willen zur ausgewogenen Wiedergabe anzunehmen. Ohne Zweifel wurde in den hier vorgelegten Stücken die Wiedergabe des täuferischen Standpunktes dennoch etwas beeinträchtigt. Die ttns überlieferte Darstellung des Gespräches mit Pfistermeyer beruht auf einer straffen Zusammenfassung; denn der geringe Umfang entsprach wohl kaum dem Protokoll einer dreitägigen Auseinandersetzung. So lassen sich einige Lücken nachweisen, die in unserem Kommentar vermerkt wurden. - Die gedruckte Wiedergabe unseres zweiten Stückes, des Zoftnger Gespräches, hatte keineswegs die Billigung der Täufer gefundene. Die Antwort der Obrigkeit auf die Vorwürfe zeigt uns, wo der kritische Punkt der Quelle liegt: Die Disputanten diktierten den Schreibern nicht in die Feder9, sondern begegneten sich in freier Rede und Gegenrede. Das Protokoll versuchte davon soviel als möglich festzuhalten. Die Wiedergabe der Voten mochte darunter etwas gelitten haben. Dem ist entgegenzuhalten, daß dies kaum zu schweren Verzerrungen führte; die Notizen zum Gespriich von Ifj8 zeigen doch, wie die Schreiber Mühe hatten, dem Tempo zu folgen, und gleichwohl eine gute Wiedergabe ermöglichten. Abgesehen von den angeführten Gesichtspunkten rechtfertigt sich die Edition auch dadurch, daß die Quellen für viele Interessenten schwer zugänglich sind. Die zeitgenössischen Drucke des Pfistermeyer- und jene des Zoftnger Gesprächs sind in der Schweiz nur noch selten und außerhalb kaum vorhanden. Das Berner Gespräch von r!J 8 liegt handschriftlich im Staatsarchiv Bern. Außerhalb der Schweiz gedruckte Quellen von gleicher Anlage zu finden bereitet einige Mühe. Das Gespräch zu Frankental in der Pfalz kann vom Aufbau und der Thematik her mit den Berner Gesprächen verglichen werden, liegt aber zeitlich viel später ( r !7I po. Die Streitgegenstände und die Argumentationen verschoben sich nur gering. Sie drehten sich ebenfalls um die Zusammenhänge von Altem und Neuem Testament, um die Einheit von alttestamentlicher und neutestamentlicher Kirche, um die Rolle des Christen in der Obrigkeit, um den Eid und um die Berechtigung der Kindertaufell. Unsere hier edierten Quellen 8 Sie versuchten, der rechtlichen Anerkennung der Gesprächsakten auszuweichen. QGTS III Nr. J99ff. 9 Vgl. unten S. 214[., 262. 10 Uns war folgendes Exemplar zugänglich, nach welchem wir zitieren: Protocoll, das ist alle handlung des gesprechs zu Franckenthal. Heidelberg 1573. 11 Frankentaler Gespräch r2jf, besonders aber 7rjf. (Altes und Neues Testament) JI J, J28, J7Jf und J86f (Einheit der Kirche in NT. und AT.) - 4n, 4r 4, 469 (Eid) 462/f., 496 (Obrigkeit) 620- 7ff passim (Kindertaufe).

Einleitung

XI

habenjedoch den Vorteil, daß sie den Stand der Diskussion zu einem vielfrüheren Zeitpunkt zeigen. In Frankental nahmen dann allerdings Streitfragen über Erbsünde und Dreieinigkeit einen breiten Raum ein1 2 • Diese Fragen schwangen in der Schweiz nicht oder höchstens am Rande mit. Das rührt natürlich daher, daß dort eine etwas anders gelagerte täuferische Richtung bekämpft wurde. Ferner ließe sich, dem Charakter der Quellen nach, die Disputation der lutherischen Prädikanten mit den Täufern zu Münster i. W. vergleichen. Am 7. August I JJJ hatte Bernd! Rothmann zahlreiche Vorwürfe seiner Gegner anhören müssen, und am 8. August gab er seine Antwort. Diese Quelle, von zeitgeniissischen Schreibern aufgenommen, trägt durchaus den Charakter eines Gesprächsprotokolls, war aber in der Zeit selbst nie publiziert worden1a. Die Aussagen Rothmanns stehen in der Frage der Taufe denjenigen der schweizerischen Täufer sehr nahe und sind Schritt für Schritt vergleichbar14. Es wird die Aufgabe der Forschung sein, die Schlüsse aus solchen Zusammenhängen zu ziehen. Indem wir in der Aufzählung analoger Quellen weiterfahren, könnte noch auf die Disputation hingewiesen werden, welche Corvinus mit dem gefangenen Täuferkönig von Münster, Jan Bockelson, gehalten hatte. Bereits hier kann man sich jedoch fragen, ob die Quel/e wirklich den Disputationen und nicht eher den Verhiiren zuzurechnen sei; die Grenzen sind fließend. Es ist noch ungeklärt und wird Aufgabe künftiger Untersuchungen sein, ob die Gespräche zu Flensburg, Straßburg, England, Emden und Leeuwarden in einer thematischen Beziehung mit den hier vorgelegten Disputationen stehen. Die entsprechenden Drucke sind heute kaum mehr zu beschajfen 15 •

2.

Die historischen Hintergründe der Berner Gespräche

In Bern tauchte das Täuftrtum schon I J 2J auf. Es ist anzunehmen, daß es von Zürich her kamI. In der früheren Literatur wurde allerdings die Meinung vertreten, in Bern sei die Bewegung selbständig aus den waldensischen Gemeinden herausgewachsen und ein personeller Zusammenhang habe anfänglich zwischen Zürichs und Berns Täufern nicht bestanden 2 • Diese Meinungfußte ursprünglich auf den Thesen von Ludwig Keller; im konkreten Falle Bern

Frankentaler Gespräch IJJ/f und 2r6ff. Text ediert in der Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Band 20, Münster i. W. r819, IJI-r94. Jetzt in neuer Edition: Die Schriften Berndt Rothmanns (Die Schriften der Münsterischen Täufer I. Teil), bearbeitet von Robert Stupper'ich, Münster i. W. r970, 94-rr9. 14 Dazu besonders etwa in der Edition von Stupperich II r, II J-IItf. 15 Nicht zugänglich war un.r bis Jetzt das Gespräch von IJ7J zu England. Selbstverständlich ist die Zahl der in einzelnen Lokalzeitschriften edierten Gesprächsakten bibliographisch nicht genau erfaßbar. 1 Vgl. QGTS I 4f, wo ein Christen aus Bern als Weggefährte von Johannes Brötli bezeugt wird. Daß Täufer in Bern waren, bezeugt Haller in seinem Brief vom f· Okt. IJ2J an Vadian. Vgl. Vadian. Briefsammlung III Nr. 4J4· Ferner erwähnt es im November IJ2J auch Zwingli. QGTS l r22. 2 Ernst Müller, Geschichte der bernischen Täufer, Frauenfeld r891, 12.ff. Theodor de Q1111r11ain, Kirchliche und soziale Zustände in Bern unmittelbar nach der Einführung der Reformation, Bern r906, r20.ff. Samuel Geiser, Die Tau/gesinnten Gemeinden, Karlsruhe r9p, rtfS. Delbert L. Gratz, Bernese Anabaptists and their American Descendents, Goshen USA I9JJ, r.ff. 12

13

XII

Einleitung

hielt sie sich vor allem auf einen undatierten Brief Bullingers an Heinrich Simler 3 • Aus den benachbarten Briefen im Manuskriptband schloß man nämlich auf I J 24· Dies läge zeitlich vor der Begründung des zürcherischen Täufertums, die auf den Januar IJ2J fixiert wird. Es kann indessen aufgrund verschiedener neuerer Arbeiten 4 als gesichert gelten, daß der Brief unmöglich vor dem f· November IJ2J geschrieben wurde, so daß es heute keine Quelle mehr gibt, die belegen könnte, daß das bernische Täufertum vor dem zürcherischen entstand. Vielmehr scheint alles darauf hinzuweisen, daß früh zürcherische Einflüsse bestanden. Abgesehen davon, daß schon bald Lehrer auftauchten und im Bernischen wirkten, die eindeutig dem zürcherischen Täufertum entstammten oder mit ihm doch personell eng verbunden waren5, belegen auch die täuferischen Argumente in den vorliegenden Gesprächen, daß sie, soweit wir sehen, mit der Gedankenführung der zürcherischen Täuferschriften übereinstimmten. Andere Einflüsse waren zwar vorhanden, bewegten sich aber eher am Rand. In diesem Rahmen soll die Frage offenbleiben, warum man in weiten Teilen der Schweiz und Deutschlands bereit war, sich dem Täufertum zuzuwenden. Allgemein günstige Voraussetzungen waren wohl vorhanden. Etwas anders lagen die Einflüsse im Aargau. Zwar gilt es zu bedenken, daß im I6.jahrhundert der Aargau bis Brugg zum bernischen Untertanengebiet gehörte, die Grafschaft Baden aber unter der Herrschaft von acht, das Freiamt unter sechs regierenden Orten stand. Eine politische Einheit im heutigen Sinne galt also nicht. Im bernischen Aargau tauchte das Täufertum früh auf. Sympathien für radikale s trömungen der Reformation zeigten sich schon I J 2}. sowohl bilderstürmerische Aktivität wie auch Störung der Predigt durch Zwischenrufe erinnern an zürcherische Vorbilder 6 • In den gleichen Bereich gehören Bibelzirkel für Laien und Fleischessen zur verbotenen Zeit. Schon bevor das Täufertum im Aargau richtig Fuß fassen konnte, zeigten sich verschiedene Einfiußrichtungen der Reformation. Die eine kam aus Zürich, wohin man zu Zwingli in die Predigt ging, und die andere aus Waldshut, wo man Balthasar Hubmaier schätzte 7 • Von

3 Gedruckt bei ]oh. Jac. Simler, Sammlung alter und neuer Urkunden zur Beleuchtung der Kirchengeschichte, vornehmlich des Schweizerlandes, Zürich r767, Bd. 2, 90-rr2. Original (eigenhändige Kopie Bullingers) Zentralbibliothek Zürich, Ms 82,f. 7Jr. 4 Paul Peachey, Die soziale Herkunft der Schweizer Täufer in der Reformationszeit, Karlsruhe 19}4, 82. Joachim Staedtke, Die Anfänge des Täufer/ums in Bern, in: Theo/. Ztschr., rr.Jg. Basel 19}}, 7J bis 78. Wohl abschließend wurde darüber geurteilt von Heino!d Fast, Heinrich Bul/inger und die Täufer, Weierhof (Pfalz) 19J9, 20-21. Fast weist nach, daß Bul!inger für diese seine erste theologische Abhandlung über das Täufer/um zwei Schriften von Zwingli kennen mußte (vom 27. Mai 1J2f und vom f· November 1f2}, Z IV 188/f und f77f!). Daraus ergibt sich der Terminus post quem. Terminus quo ante dürfte sich aus dem im Manuskriptband folgenden Stück, dem 10. Dezember 1 J2f, ergeben. 5 z.B. Laurenz und Jakob Hochrütiner. Jakob ist der Sohn des in Zürich und St. Gallen wirkenden Laurenz (Z VIII 44of, Z IX 138f; Staatsarchiv Bern, UP 80 Nr. 2. Druck bei Müller, Geschichte der bernischen Täufer, 42). Hans Hotz, ein Zimmermann aus dem Grüninger Amt, und Lincki, der auch in Zürich anzutreffen war. Zu HotzQGTS I, 186, 281, 284, 288, J6J/66,ferner unten S. 248/f; zu Lincki vgl. QGTS I 136, J66. Holz und Lincki waren die r11ichtigsten täuferischen Wortführer 1 JJ2 in Zofingen, Hotz auch noch 1JJ8 in Bern. Lincki wirkte allerdings weniger auf Berner Boden. Ein großer Anhang aber zog jeweils über die Grenze, um ihn im So!othurnischen zu hören. Auch der Zürcher Hans Landolt entTJJicke!te dort seine Tätigkeit. 6 Steck und Tob/er Nr. 220, J18, 429, 492, JOl, JlJ. 7 Steck und Tob/er Nr. }64 Pt. 4.

Einleitung

XIII

diesen beiden Zentren strömte dann auch das Täufertum ein. Schon im August 1 f2f wurden der Aarauer Hans Meyer, genannt Pftstermeyer, und ein Hutmacher aus dem gleichen Ort von Niklaus Gulde bei Zollikon im See getauftB. Beide traf man auch an der Novemberdisputation des gleichen Jahres in Zürich an, wo sie eindeutig auf täuferischer Seite standen. Auch an den Unruhen der Kirchgemeinde Hinwil im Zürcher Oberland waren Aarauer Täufer beteiligt. Aber auch die Waldshuter Richtung machte sich bemerkbar; denn dort hatte sich eine modifizierte Form des Täufertums durchgesetzt. Hubmaier anerkannte, daß auch ein Christ in der Obrigkeit sitzen und das Schwert führen könne. Als sich Waldshut gegenüber dem österreichischen Druck nicht mehr halten konnte, flohen viele Taufgesinnte und setzten sich im Aargau fest 9 • Zum Teil gelang es sogar, eine eigentliche Gemeinde zu gründen 10 • Der Lehrunterschied zwischen den beiden auswärtigen Zentren der Einwirkung, Zürich und Waldshut, wirkte noch bis If27 nach, wo über Schwert und Obrigkeiten unter den Berner Täufern verschiedene Meinungen herrschten. Daß es aber zu internen Streitigkeiten gekommen wäre, ließ sich nicht feststellen. Unter dem Eindruck der Schleitheimer Artikel, die offenbar gerade in Bern besonders beachtet wurden 11 , verloren schließlich Hubmaiers Gedankengänge ihren Anhang unter der Gemeinde. Spätere Lehrunterschiede, wie sie auch in den vorliegenden Gesprächen stellenweise erkennbar sind, gingen wahrscheinlich nicht mehr auf die geschilderte frühe Zeit zurück. Für die schrittweise Verbreitung der Täufer im bernischen Untertanenland sei auf die älteren Darstellungen oder auf die geplante Aktenedition verwiesen. Gespräch mit Pftstermeyer,

1~.-21.

April IJJI

Nach seiner Taufe in Zollikon (August I f 2f) und seiner Teilnahme an der zürcherischen Novemberdisputation, wo sich Zwingli mit den Täufern stritt, kehrte Pftstermeyer nach seiner Heimatstadt Aarau zurück, und schon am 22. Dezember If2f verlangte der bernische Rat, daß Pjistermeyer schweigen solle bei Strafe der Verbannung 1 • Offenbar hielt sich dieser nicht daran; deshalb wurde er am 26.Januar If26 aus dem Gebiet Berns verbannt2. überhaupt räumte man mit der ganzen Täufergemeinde auf8. Die Vertreibung aber fö"rderte die Verbreitung. So wirkte zum Beispiel ein anderer Aarauer im zürcherischen Unterland4. Pftstermeyer aber zog ins Base/biet und entfaltete besonders in Therwil und s QGTS I zo61md zz7,-ferner Nr. z26.

Täuferakten Bd. 4, Baden{ Pfalz, hg. von Manfred Krebs, Nr. JJO. Steck und Tob/er Nr. l!JJ. Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 208, 24. 20 Vgl. die Darstellung bei Steck und Tob/er Nr. 8IJ (zum J. Artikel). Staatsarchiv Zürich EI 7.z (Bericht von Brugg an Zürich über Jakob Gross), Regest Egli Nr. z277. 11 Z l X Nr. 608. Haller hatte in Bern die Schleitheimer Artikel ausfindig gemacht. 1 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 208, 24. 2 Stadtarchiv Aarau Missiven I Nr. zo7. 3 Stadtarchiv Aarau Ratsmanuale IJ26-IJJ71 zzf,ferner Missiven I Nr. IO!J. Steck und Tob/er Nr. 8Jo, 8IJ, 8J6. Täuferakten Bd. 4, Baden und Pfalz, hg. von Manfred Krebs, Nr. 370, J7I. 4 QGTS I I!J!J. 9

XIV

Einleitung

Reinach eine lebhafte Mi.rsion5. Da er es aber nicht lassen konnte, seine Tätigkeit auch auf die Stadt auszudehnen, konnte ihn die Obrigkeit leichter aufspüren und ihn aus Basels Herrschaftsbereich verbannen. Aber schon drei Tage später, am 20. Mai 1f2J, entfaltete Pftstermeyer seine Aktivität im solothurnischen Giisger Amt. Aufjenen Grenzhöhen des Jura kamen die Gläubigen von beiden Seiten her, aus dem Base/biet einerseits und aus dem Bernischen und Solothurnischen andrerseits. Es scheint, daß man Pftstermeyer bald vertrieb&. Die Gemeinde aber blieb erhalten; denn gerade in jenem Raum konnte sie auf einflußreiche Unterstützung zählen. Ein Adliger zeigte an den Täufern Interesse, wohl weniger, weil er sich von deren Ideen angezogen fühlte, als weil er seine bürgerlich-städtische Obrigkeit ärgern wollte. Da die weiteren Nachrichten über Pftstermeyer vorerst eher sporadisch sind, ist es moglich, daß er immer wieder injener Gemeinde Unterschlupffand. Am 2 2 .Januar 1J28 nahm er als täuferischer Vertreter an der Berner Disputation teil7 , und für den Juni 1J2!J ist seine Gefangenschaft in Bern belegt. Reichlichere Akten lassen sich erst für 1 J JO wieder erbringen, wo Pftstermeyer wieder im Aargau auftauchte. Jedenfalls wurde der Vogt von Lenzburg vor ihm gewarnt 8, und Aarau sollte vorsichtig sein9. Bald gab es im Freiamt große Bewegung, die Frucht von Pftstermeyers Wirksamkeit. Es scharten sich zwei- bis dreihundert Zuhö"rer um ihn 10, Bern drängte, den Mann zu verhaften 11 • Selbst durfte es jedoch nicht zugreifen, da es im Freiamt keine Rechte besaß. Die bernischen Bemühungen vermochten Pftstermeyers Erfolg nicht zu beeinträchtigen; der katholische Landvogt verhielt sich zurückhaltend 12 . Der Zuspruch der Täufer schwoll dermaßen an, daß sich auch Bullinger als reformierter Prädikant zu Bremgarten mit ihnen beschäftigen mußte. Es entsprach dem Schwergewicht von Pftstermeyers Predigt, wenn vor allem die Auseinandersetzung um die Berechtigung des Zinses im Zentrum stand13 . Anfangs 1 J JI drängte Bern nochmals inständig, im Freiamt zuzuschlagen 14 . Offenbar nützten alle Vorstöße beim unterwaldischen Landvogt nichts. So ließ Bern seinen in Mellingen seßhaften Burger Hans Rudolf Sägesser handeln. Dieser war Junker und Besitzer von Gerichtsbarkeilen im Freiamt. Er ergriff Pftstermeyer nach dem 2 4. März 1 JJI in der Gemeinen Herrschaft und lieferte ihn an Bern aus 15 . Zuerst saß der Prediger im Ge5 Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation, hg. von Emil Dürr und Paul Roth, Bd. 2 Nr. 386, 414; Bd. 4 Nr. 288. 6 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 2If, r70. 7 Steck und Tob/er Nr. r480, 234r. 8 Steck und Tob/er Nr. 2867. Auch Pfistermeyers Knecht ging von Aarau hinüber ins Solatburnische. Vgl. Stadtarchiv Aarau Ratsmanuale If20-I!J7 1 239. 9 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 226, 220. Stadtarchiv Aarau Miuiven I Nr. 184. 10 Steck und Tob/er Nr. 2869, 2879. Eidg. Abschiede Bd. 4.rb, 761J, fit a. Staatsarchiv Luzern, gebundene Abschiede l,r, 236 r J, Z IX 99. 11 Staatsarchiv Bern, Instruktionenbuch B fol. 23. 12 Staatsarchiv Zürich A 216.1 ( 20. Sept. r !JO ). Eidg. Abschiede Bd. 4.1 b, 784 Jit. b, 803 lit.J, 8II fit. a, 842 lit. b (bzw. die entsprechenden Originale im Staatsarchiv Zürich). 13 Bullinger, Diarium, hg. von Emil Egli, Basel 1904, 19. Ferner unten S. 2f Schon vor diesem Gespräch entstand die Schrift über die Zinsen, die er später seinem «unverschampten Frevel» im Druck anfügte. Heino!d Fast, Bullinger und die Täufer, Weierhof 1918, JO. 14 Staatsarchiv Bern Instruktzonenbuch B f JO. 15 Steck und Tob/er Nr. 2982. Diese Erklärung wurde vor dem 24. März abgegeben, denn die

Einleitung

XV

fängnis zu Lenzburg 16 , und am JI· März verlangte die Obrigkeit seine Überführung nach Bern. Da Pfisterm~yer im Aargau großen Anhang besaß, wollte der Rat unter Beteiligung der Öffentlichkeit gegen Pfistermeyer vorgehen. Glaubensfragen wurden in jener Zeit in Form von Disputationen verhandelt. Schon Zürich hatte mehrmals diesen Weg auch gegen die Täufer gewählt, und Bern war diesem Vorbild in der großen Berner Disputation von 1f28 gefolgt. Dieses Gespräch hatte sich zwar in erster Linie gegen die katholischen Formen von Lehre und Kirche gewandt. Viele Täufer wollten sich jedoch an der Auseinandersetzung mitbeteiligen. Man schob sie an sicheren Gewahrsam ab, und als man am Hauptgespräch eine Pause machte, setzte man sich einen Tag lang auch mit ihnen auseinander. Das entsprach natürlich nicht den ursprünglichen Vorstellttngen der Täufer; denn diese wollten mit ihren Ansichten einen bestimmenden Einfluß auf das Hauptgespräch ausüben. Auch Pfistermeyer sollte nun nicht einfach verurteilt werden. Man plante eine Disputation, die an frühere Vorbilder anknüpfte. Die Sache erhielt das notwendige Gewicht, indem man bedeutende Delegationen aus dem Aargau aufbot, dem Gespräch beizuwohnen. Nachher mußten diese überall bestätigen, daß es bei der Sache mit rechten Dingen zugegangen seil?. Pfistermeyer trat denn auch vom Täufertum zurück. Dieser Erfolg war bedeutsam genug, um die Disputationsakten im Druck zu veröjfentlichenis. Der prominente ehemalige Führer der Täufer blieb seinem Entschluß treu, und in den späteren Gesprächen nahm er stets auf der Seite der Prädikanten teil. Das Gespräch zu Zofingen, 1.-g.Juli Ifj2 Ermuntert durch den Erfolg über Pftstermeyer, strebte die bernische Obrigkeit ein großes Gespräch mit den Täufern anl. Diese Idee fand bei den Prädikanten nicht ungeteilte Zustimmung. Haller zum Beispiel war von der Idee des Rates keineswegs begeistert; er versprach sich wenig davon 2 • überhaupt erwarteten die Prädikanten eine größere Wirkung, wenn man energischer darauf schaue, daß sich die Lebensweise der Gläubigen in der Volkskirche endlich bessere. Die Obrigkeit aber beharrte auf ihrer Idee. Zofingen im Aargau drängte sich als Austragungsort auf; denn die Untertanen im Aargau sollten den Eindruck bekommen, nicht bei den fernen gnädigen Herren zu Bern hätten die Prädikanten einen Sieg davongetragen, sondern hier, mitten unter ihnen. Tatsächlich war es damals in der ganzen Gegend unruhig; überall machten sich Täufer bemerkbar. Im Raume Aarburg und Lenzbug waren sie vorhanden, doch wurde dort ihre Tätigkeit stark behinderts. Auch gegen das Napfgebiet hin und Aarwangen zu wirkten sie. Dort war

Boten nahmen sie mit dem Gesuch an die Tagsatzung mit, eigenmächtig in der Gemeinen Herrschaft in dieser Frage handeln zu dürfen. Vgl. Staatsarchiv Bern Instruktionenbuch B f. 49 v. 16 Staatsarchiv Bern Ratsmanual Bd. 229 1 70. 17 Steck und Tob/er Nr. 2992. StadtarGhiv Aarau Ratsmanuale IJ26-IJJ71 276. 18 Vgl. dazu Steck und Tob/er Nr. 2997. 1 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 234, JJ, Jf;ferner Deutsch-Missiven Bd. T 484f. 2 Staatsarchiv Zürich E II UJ Nr. 6. Staatsarchiv Bern UP 79 Nr. ro7. s Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 2JJ, r82, I8f, 299 1 237. Ferner UP 7 Nr. 29.

XVI

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ihnen bereits viel schwerer beizukommen4. Noch kritischer war die solothurnische Nachbarschaft, wo die Obrigkeit konfessionell zerrissen war und sich deshalb zu keinem klaren Kurs gegenüber den Täufern finden konnte. Praktisch ungehindert überschritten die bernischen Untertanen die Grenze undfanden sich dort in Zirkeln zusammen 5 • Es wirkten verschiedene berühmte Prediger, so etwa Christian Brugger, der bernische Untertan, und vor allem Marti Weniger, genannt Lincki. Außerdem hatte Hans Landolt aus dem zürcherischen Raum großen Anhang, und es scheint, daß auch Hans Hotz dort wirkte. Der Kontakt im Jura zwischen Base/biet und Solothurn war besonders intensiv undgab der Bewegung offenbar immer neue Impulses. Dies waren für Bern Gründe, die Disputation nach Zoftngen auszuschreiben. Die einheimischen Täufer wurden aufgefordert zu erscheinen, und auch Solothurn drängte man, es möchte die täuferischen Exponenten aus seinem Gebiet nach Zoftngen weisen. Freies Gefeite wurde allen versprochen?. Prädikanten aus dem ganzen Untertanengebiet sandte die bernische Obrigkeit hin, damit sie einen Eindruck erhielten, wie man der täuferischen Argumentation am besten begegnete. Die Täufer wollten offenbar vorerst nicht gerne kommen, vor allem jene aus dem solothurnischen Herrschaftsbereich hielten sich zurück, ließen sich aber dann doch herbei. Während der Disputation kam es zu einem Zwischenfall. Der Rat des Städtchens Zoftngen steckte eine Rüge ein, weil er Täufer auf der Kanzel der Kirche hatte predigen lassen. Abgesehen von dieser Episode geben die vorliegenden Disputationsakten genügend Aufschluß über den Verlauf des Gesprächs. Nach dem Abschluß der Verhandlungen entschied sich die bernische Obrigkeit, aus den Protokollen eine Publikation zusammenzustellen8. Der Täuferführer Lincki wurde aufgefordert, an der Arbeit mitzuwirken, doch ließ sich dieser nicht mehr blicken; er blieb diesmal in seinem solothurnischen Schlupfwinkel. Als Ersatz forderte man Hans Ryff au.r Madiswil und Christian Brugger aus Rohrbach (bei Huttwil) auf Diese wollten aber mit der Sache auch nichts zu tun habenu. Sie weigerten sich und brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Um bei Pfarrern und Amtleuten die obrigkeitlichen Argumente zu verbreiten, entschloß sich der bernische Rat dennoch zum Druck der Akten; am IJ. September z532 ließ er sie an alle Amtleute vertei!enio. Tätigkeit und Erfolg der Täufer wurden durch das Zoftnger Gespräch jedoch nicht spürbar beeinträchtigt. Zur Proftlierung und Abgrenzung der Fronten trug es immerhin bei.

4 Stuk und Tob/er Nr. 2184/, 27I6, 3008. Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 228, 222; Bd. 229, 79, IIJ2, 2II; Bd. 230, 78, II8; Bd. 2JJ1 237. Ferner Staatsarchiv Bern B III 68. 5 Steck und Tob/er Nr. 3043. Staatsarchiv Bern B III 444, 43-41. Besondl!rs auch der Schluss des Briefes im Stadtarchiv Aarau Missiven II Nr. JI; ferner auch Nr. 40 (aus dem Jahr I JJ3). 6 Vgl. dazu Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation, hg. von Emil Dürr und Paul Roth, IV Nr. 2'JJ, 364, 607. Staatsarchiv Solothurn, Basel-Schreiben I ( Io.fanuar IJJO). Ferner im gleichen Archiv Missiven Bd. q, ;f, ')J/, 28I, 283, 600; Bd. r8, IJ7f Im gleichen Archiv Ratsmanuale Bd. r9, J4, I371 r8f, 239, ;89; Bd. 20, 2, 4r, r88f 7 Staatsarchiv Bern Deutsch-Missiven T 484/, 498, fI3· UP 79 Nr. ro8. 8 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 2J41 I3J 1 q2jf. 9 Staatsarchiv Bern Deutsch-Missiven T f8r, 189, 608. Vgl. unten S. 2!ff An dieser Stelle wird behauptet, Brugger sei entwichen, während er laut Missiven T 608 mit Zustimmung der Obrigkeit entlassen wurde. 10 Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 2J4, J70; Deutsch-Missiven T f')r; UP 79 Nr. I24.

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XVII

Das Gespräch zu Bern, II.-IJ. März 1;38 Mittlerweile bildete sich im Emmental ein neuer Schwerpunkt der Täuferbewegung. Hatte schon zur Zeit des Zoftnger Gesprächs diese Gegend zu Klagen Anlaß gegeben, so stand sie bald im Zentrum der obrigkeitlichen Bemühungen, der «Sekte» Herr zu werden. Man versuchte, die Aujspürung der Schuldigen besser zu organisieren, und verschärfte schließlich die Strafen 1 • Auch die Todesstrafe wurde viel häufiger angewandt als früher. Solche Maßregeln nützten offenbar nur beschränkt; denn die Bewegung breitete sich weiterhin aus. In allen Herrschaften des Emmentals und der angrenzenden Gebiete machte sie den Amtleuten zu schaffen. Besonders in Großhiichstetten entwickelten die Täufer eine große Aktivität und verwickelten den Prädikanten des Dorfes in ein Gespräch. Dieser fühlte sich der Auseinandersetzung bald nicht mehr gewachsen, und hilfesuchend wandte er sich an den Rat zu Bern. Dabei betonte er, daß die Täufer das Gespräch wünschten. Der Rat war von diesem Vorstoß nicht eben begeistert; er verwies auf die früher im Druck erschienenen Disputationsakten von I JJ 2. Dennoch willigte er ein. Allerdings stellte er die Bedingung, daß die Obrigkeit von Gott gesetzt sei, die Bösen zu strafen. Dieses Geständnis hatte den schweizerischen Täufern noch nie große Schwierigkeiten gemacht. Der Streit begann erst bei der Frage, ob auch ein Christ ein Oberer sein könne. Verheißungsvoller war vermutlich schon das zweite Zugeständnis, das die Täufer vor dem Gespräch machen mußten. Sie willigten nämlich in das Bekenntnis ein, daß sie das Alte und das Neue Testament in gleichem Werte hielten2. Auf diese Gleichsetzung hatte schon Zwingli im Elenchus gedrängt, und im Gespräch mit Pftstermqer war davon die Rede gewesen. Auch Bullinger hatte schon empfohlen, auf dieser Grundlage ein Gespräch aufzubauen. Nachdem Schwenckfeld diesem Problem ausdrücklich eine Schrift gewidmet hatte, drohte sich die täuferische Haltung noch stärker als früher darauf zu versteifen, daß das Neue Testament ftir den Christen einen höheren Wert habe als das Alte. Dies aber stellte die Argumentation der Prädikanten im Bereich von Kirche, Taufe, Obrigkeit und Eid in Frage, weil sie in diesen Fällen, mangels genügender Argumente aus dem Neuen, ihren Standpunkt nur aus dem Alten Testament heraus rechtfertigen konnten. Daß es zum Erfolgführen konnte, wenn man die Täufer von der Bedeutung des Alten Testamentes zu überzeugen vermochte, hatte r JJ J die Bekehrung Linckis gezeigt. Dieser Punkt erwies sich bei ihm als entscheidend, daß er, die Koryphäe auf dem Zoftnger Gespräch I J p, in Schaffhausen vom Täufertum abstand. Auf diesen Erfolg spielten die Prädikanten gerne an 3 • Die Disputation von 1;38 wurde mit allem Aufwand geführt. Die einheimischen Täufer wurden aufgeboten, und man erlattbte ihnen, zur Verstärkung Fremde beizuziehen. Wie schon IJJ2 war Hatz einer ihrer wichtigsten Leute. Selbstverständlich erhielten alle Staatsarchiv Bern UP 2I Nr. J· Deutsch-Mi.rsiven T 800, 8J7· Staatsarchiv Bern Ratsmanuale Bd. 262, I JJ, I 14/ Deut.rch-Mi.rsiven W 600. s QGTS III Nr. J78. Vgl. dazu unten S. 7/f, be.ronder.r S. 8 Anm. 47 und S. ro Anm. 64. Ferner S. 268 und be.ronder.r QGTS II I2J. Zu den Gründen .reine.r Widerruf.r besonder.r unten S. 404. Staatsarchiv Solothurn Schreiben aus Schaffhausen I und Mi.r.riven Bd. 21, J22. Zu Schwenckfeld vgl. Heinold Fa.rt, Bu!!inger und die Täufer, Weierhof I9J9, JJ. 1

2

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freies Geleite. Ferner bestellte die Obrigkeit Prädikanten und Laien aus dem ganzen Untertanengebiet, der Auseinandersetzung beizuwohnen. Gleichwohl endigte die Veranstaltungfür die Obrigkeit mit einem Mißerfolg. Weder gelangen wichtige Bekehrungen, noch wurde der täuferische Anhang auf dem Lande gebrochen. Die Verfolgungen wurden mit einstweilen ungebrochener Härte weitergeführt4. Bald aber erwies es sich, daß die bloß lokale Verbreitung insgesamt harmlos blieb,· man konnte den harten Griff etwas lockern. Ob1vohl das Gespräch von r J 3 8 sicher nicht bloß eine Wiederholung der Diskussionen von I Jj2 bot, empfand die bernische Obrigkeit die Argumentation zum Teil sehr ähnlich, so daß sie auf eine erneute Drucklegung der Akten verzichtete. Das Zoftnger Gespräch lieferte Prädikanten und Amtleuten genügend Stoff für allfällige Auseinandersetzungen.

3. Die thematische Einordnung der vorliegenden Gespräche Nach den Ausführungen über das Zustandekommen der hier vorliegenden Disputationen gilt es nun, diese Quellen einzuordnen in unsere sonstigen Kenntnisse der damaligen Auseinandersetzungen zwischen Täufern und Prädikanten. Sind unsere Disputationsakten in ihrem breiten und sorgfältigen Aufbau formal durchaus einmalig, so darf dennoch nicht übersehen werden, daß wir bruchstückhafte oder sonstwie weniger ausführliche Nachrichten über weitere Streitgespräche haben. Oft waren dies Briefe, oft amtliche Akten aller Art, oft wurden die vorher behandelten Streitpunkte in einer Streitschrift nachträglich als eine parteigebundene Apologie dargestellt. Somit drängt sich also die Frage auf, wie sich die in unseren Texten angeschnittenen Themen in die sonstwie überlieferten Nachrichten einordnen, wie weit das hier von den Parteien Vorgetragene frühere Argumente wiederholt, wie weit das Schema zu einem solchen Gespräch bereits durch frühere Erfahrungen vorgeprägt war. Wir gehen das skizzierte Problem so an, daß wir die einzelnen vorliegenden Disputationsthemen auf ihre Entstehung und frühere Entwicklung sowie auf die späteren Wandlungen hin durchleuchten werden. Die Gespräche setzten in der Schweiz mit jenen Auseinandersetzungen ein, welche Simon Stumpf, Konrad Grebel und Felix Mantz, wohl jeder für sich, gegen Ende I J 2; oder Anfang IJ24 mit Zwingli führten. Von einer eigentlichen Disputation mit Täufern konnte nicht die Rede sein; denn noch spielte die Taufe überhaupt keine Rolle. Der Streit drehte sich in erster Linie um die Gemeindeauffassung. Wie Zwingli später aussagte, trat man mit der Aufforderung an ihn heran, «das sy ein besonder volck und kilchenn söttind uffrichtenn und ein christenlich volck darin han1». Es ging also darum, eine Gemeinde zu bilden, die dem entsprach, was später die Täufer zu verwirklichen suchten. Wenig läßt sich heute über die genauere Argumentation in dieser frühen Auseinandersetzung sagen. Wahrscheinlich wurde das Gespräch nicht so systematisch geführt wie in den späteren Disputationen. Doch wohl schon damals kam es zu Mißverständnissen über den Begriff der 4 Vgl. QGTS III Nr. 6!Jr, wo in den Säckelamtrechnungen die Beerdigungen von drei Täufern für die erste Hälfte IJJ8 aufgeführt werden. In der 2. Hälfte I!J8 wurden sieben Täufer auf Staatskosten vergraben, mochten sie nun hingerichtet worden oder im Turm gestorben sein. QGTS III Nr. 689 a,g, k, !, o. 1 QGTS I I2of, Z VII, JJ1a-J41.

XIX

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Sünde. Konsequent behauptete Zwingli in den späteren Zeugenaussagen und in späteren Streitschriften, sie hätten verlangt, «das niemandts inn derselbenn kilchenn sin muste noch sötte, dann die, so sich selbs wüstind on sünd sin2». Die Gegenseite verstand es anders. Felix Mantz verteidigte sich gegen diesen Vorwurf. Zwingli habe ihn gefragt, «ob einer nit ouch möchte heimlich und by im selbs ein christ sin3». Daraufgab Mantz die später für die Täufer typische Antwort: «Nein, dann christenliche und bruderliche liebe, die muste je einer dem andern offenntlich erzöigenn, das sölichs nit heimlich möchte sin.» Schon damals erkannte er also die christliche Kirche als den Ort, an dem Christus die Gemeinde von den Bösen trennt, Reines von Unreinem scheidet. Zwinglis Vorstellung von sichtbarer und unsichtbarer ( = vollkommener) Gemeinde kann Mantz also nicht recht begreifen. An diesem Punkte knüpften die Täufer unter anderem auch I J32 an; denn sie sagten, die Gemeinde werde über die Glieder wachen und die Schlechten mit dem Bann bestrafen; denn nur so könne der sündige Leib der Frommen abnehmen und absterben4. Zwingli jedoch schöpfte Argwohn. Er wähnte, ein mönchisches Heiligungsstreben zu entdecken. So fürchtete er, es könnte in der reformierten Kirche unter neuem Vorzeichen just das entstehen, was er bisher an der katholischen Ordnung heftig bekämpft hatte, nämlich die geheuchelte Frö'mmigkeit5. Auch später noch nährten die Prädikanten dieses Mißtrauen, so etwa im Gespräch von IJJ8 6 • Zwingli wie später seine Amtsbrüder griffen in der Auseinandersetzung nun sogleich auf die Formulierungen zurück, wie sie im achten Artikel in der Auslegung der Schlußreden standen. Es gebe eine unsichtbare Gemeinde von Gläubigen, die nur Gott kenne; denn das sei die Gemeinde der Auserwählten. Ihr Glaube ist auf Christus gegründet, und wer zu dieser Gemeinde gehö"rt, der könne nicht verdammt werden 7 • Darauf spielte Zwingli wohl an, wenn er fragte, ob einer auch heimlich ein Christ sein könne. In der für jeden Menschen sichtbaren Kirchgemeinde jedoch seien Fromme und Heuchler, und ein Christ sei gewiß nicht in der Lage, in das Herz der Mitmenschen zu sehen. Gegen Mantz erhob der Reformator also den Vorwurf, mit seinem Gemeindeverständnis vermische er die beiden Ebenens. Vom Bann war in dieser frühen Zeit der Auseinandersetzungen wohl noch nicht die Rede, denn auch Zwingli war überzeugt, daß man die offenen und sichtbaren Laster, die jedermann ein ./frgernis seien, bestrafen müsse. Im Laufe des Jahres I J24 verlagerte sich unter Zwinglis radikalen Kritikern das Gespräch auf die Kindertaufe, deren Einrichtung in der Frühzeit der Reformation einer verbreiteten Skepsis begegnete. Sogar Zwingli hatte eine Zeitlang daran Anstoß genommen 9 , doch dann war er zur Überzeugung gekommen, daß es besser sei, nicht davon abzuweichen. Nachdem der nunmehr als Gemeinschaft geschlossene Kreis um Grebel, Mantz und anderen mit auswärtigen Theologen ins Gespräch gelangt war und zum Teil eine Bestätigung seiner 2

QGTS I I22.

a QGTS l r27. Daselbst auch die folgenden Stellen. 4

Vgl. unten S. 86/

s

Z.B. QGTS I

222s-2s.

s Vgl. unten und vor allem S. J2J-J42· 7

Z II 59.ff.

s Auch dies wurde in den Berner Gesprächen disputiert. Vgl. unten S. 85ff, I2If. 9

Hubmaier, Schriften r86f, QGTS I I9f1-l5, Z IV

22824-25,

606.

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XX

Überzeugungen gefunden hatteio, wagte er die offene Auseinandersetzung mit Zwingli. Auf Geheiß des Rates trafen sich beide Parteien Ende 1;24 zu den Dienstagsgesprächen. Die Diskussion profilierte sich; denn zum früheren Thema gesellte sich nun die Kindertaufe als neuer, grundlegender Streitgegenstand. Wenn auch Zwingli im Augenblick noch nicht wußte, worauf die Täufer mit ihrem neuen Widerstand abzielten 11 , so schuf er in diesen Gesprächen doch die grundlegende Argumentation, womit er später immer und in allen Streitgesprächen die Kindertaufe verteidigte. Zwar sind wir über den Verlauf der Diskussion nicht durch Protokolle unterrichtet, doch geben uns zwei Dokumente genügend Aufschluß. In seinem Brief an Franz Lambert in Straßburg faßte Zwingli seine ganze Gedankenführung straff zusammen12, und den oppositionellen Standpunkt legte Felix Mantz in seiner an den Rat gerichteten Protestation darls. Beide Verfasser bezogen sich auf die vorangegangenen Gesprächel4. Z1vingli begann mit der Einsetzung der Taufe. Nicht etwa der Schluß von Matthäus und Markus sei maßgebend, sondern die Taufe, wie sie von Johannes gebraucht worden sei; denn an diesem Ort komme ihr wirklicher Sinn zum Ausdruck. Johannes taufte nämlich auf einen, der kommen werde, den die Menschen also noch nicht kannten. So war die Taufe ein Hinweis, ein «anhebliches Zeichen», wie es Zwingli etwas später formulierte 15 • Sie wies die Menschen attj Christus hin. -b

Vorher warf Cunz kurz ein, ob sy nit sölche lugner hiltint. D ! 4. C 43 bringt diesen Teil erst im Amch/uß an das folgende Votum Hotzem. D ! ! läßt erst jetzt Hotz replizieren.

Fehler. ausgleitet. 76 überrascht. 76 versündigt. 77 erbt. 78 fällt. 79 Vgl. Spr. 24,r6. so zum Leib Christi gezählt. r. Kor. r1,2 eher r. Kor. I2,IJ. Genau analoge Argumentation wie IJJ2, wo die Prädikanten anhand des Galaterbriefes zum gleichen Schluß zu kommen suchten. Vgl. S. ror. 81 Apg. 6,7,' 2r,2Iff. 82 zum Leib zählen. 83 zu heftig. 84 [verab] scheuen. 86 der gewitzte Bauer. 73

74

Berner Gespräch r f J 8

widerumb, das nitt mitt ußrüttungsG des unkrutts ouch der weitzenn ouch ußgerüttett werde. Mathei 13ssa. Das wir doch nitt darumb anzüchenntB7, das man das unkrutt dermas sölle lan ufwachsenn unnd die laster nitt straffen noch ußschliessen. Das sye verrss von unns; aber mitt mas, unnd alle ding zu buwung unnd liebeb, Hatz: Wir ylennt ouch nitt uf ein mitt dem ußschliessenn, sunders warnnent inn nach gestalltt der sach, unnd nachdem er fürfartt unnd beharrett, [halten wir es,] wie Paulus den Corinthern in siner erstenn epistell ein mangell nach dem anndern erzelltt uff hoffnung, sy wurdennt sich bessern, wie ouch beschechenn, das er inen inn der anndern epistell empfilcht, den hurer wider uffzenemens9, Nu hörennt wir gern von üch, das die laster nitt zu übersechenn sind. Unnd wenn ir nachlassennt, das ein straff unnder der gemeind sin söll, ze bruchenn, wie es nach der ordnung Christi angeben, sind wir zefridenn. Wenn es aber khein straff bette, dann das man es alles Hesse wachsen nach dem 13. capittell Mathei, wurde man die welldtlich unnd geistlich straff uffheben. [S. 97] Erasmus:

Diewyl ir nachlassennt, das die heilligen glöübigen, angesächenn 90 das fleisch, ouch sündigennt, das ouch väler by üch sind unnd, obwol valsch christenn sich hininschleickent91, sünder unnd schwache sind, das es nüdtdesterminder ein kilch sye unnd darumb derselbenn kilchen, unnder deren sy sind, den namen nitt abgeschlachenn, solltten ir billich by unns sin belybenn 92 unnd üch nitt von unns abgesündertt haben von wegenn unnser unreinigkeitt unnd schwacheitt. Dann ir fürwar khein billiche ursach zu söllicher absünderung gehept, so doch Christus selbs ouch ein sölliche khilchenn gehept. Hatt er 1z jünger; darunder was einer ein tüffell. Item von den apostelln inn actis 8: alls die apostell ir kilchen ufgenommen, hannd sy alle die, die den herrn mitt mund bekhent, angenommen. Aber es hannd sich darin verschleickt Simon, der zouberer, Ananias, Saphira, derhalb ouch sy ein söllich presthaffte khilchenn gehept93, Paulus, alls er die Gallater gestrafft alls die torächtenn94, hett er inen nüdtdesterminder geschribenn alls einer khilchenn gottes alls den heilligen. Hieruß vollget gewüßlich, obwol ein 86 86•

87 88 89 90

91 92 93

Ausreutung. Matth. r3,24.!f. z.ur Sprache bringen. fern. r. Kor. f,rff; 2. Kor. 2,1ff. in Anbetracht. hineinschleichen. billigerweise bei uns geblieben sein. Durch ihre Häufigkeit wurde diese Argumentation geradezu z.ur Schablone. Vgl. z..B. S. IIJ,

IJ"ef, 240. 94

nä"isch, liederlich, töricht. Fischer II 27r.

Die rechte Kirrhe

kilchen hatt brästhaffte 95 , sündtliche bösse menschen, die nitt in die khilchen (eigentlich ze redenn) gehörennt, das sy nüdtdesterminder wie die khilchenn zur apostelln zytten ein kilchen unnd gmeind gottes sye. Hotz: Wir hannd vorhin geseitt, wiewoll die glöübigen sünder sient, namlich der erbsündt von Adam har unnd anfechtung halb, die wirtt aber nitt für sünd gerechnett, sunder durch das blfitt [S. 98] Christi gereinigett unnd hingenommen. Item so mag woll geschechenn, das einer überylltt96 wirtt mitt der that, wie dann das fleisch inn anfechtungenn stat. Item es mögennt böß, valsch christen sich inn die khilchenn inschleickenn 97. Sover das die gemeindt nitt weist, das ein söllicher vorhannden unnd in deßhalb nitt strafft, so urteillet gott denselbenn unnd schadt der gmeindt nütt unnd blybt nüdtdesterminder ein gmeind gottes. Wenn aber die gmeind oder ettwar darinn das weist unnd nit sovill leid unnd missval ab dem übell trügend, das sy es ordennlich straffenn, alldann were die gmeind unsuber unnd wurde der ganntzen gmeind zugerechnett. Dann ein wenig surteig97a. etc. Allso sol man das böß ußstossenn unnd von unns thun. Sidt ir nu bekhennennt ein straff unnder der gmeind gottes, lassent unns anzöügenn, wie dieselb sin sölle. aErasmus: Von der straff wärde man nachwertz reden. Dammb das wir böß under unß hand, söltent sy sich nit ußzogen98 haben 8 • bDoctor Bastion: Ir bekhennent, das inn der khilchen gottes sünder mögen sin. Dieselb nüdtdesterminder ein kilch gottes sye unnd blybe, unangesechen das sy sünder a.-a fehlt in A. Aus C 44. Ferner ergänzt C: Ist inen vorgläsen, hand's bestätet. Wahmheinli&h bezieht si&h dies auf die Aufzeichnungen der Schreiber, die vorgelesen wurden. b Vorgängiggibt D J6ffolgenden Dialog Hotz: Meint, sy heller anzöigen, [war)umb sy ußgangen von der warheit. So sy ein strafbruchen under der gmeind, sölle zeigen [?),was die straf sye. Erasmus: Dwil er liden der kilchen glöbig, angesechen das fleisch, deßglichen püben [?) inschlichen. Item wer vil sünder, brästhalft lüt, böß hüben, die aber den namen der ki!chen nit nemen, sy nit gesendet von inen [?). Hotz: Welche erlöst durch das blut Christi. Ist inen nit verd[erbjlich diewil sy hend geist„ ., ob sy wo! schwachs fleisch lidt [?) sy doch in der kralft gottes, von denen heilt, sy geret.

mangelhafte. sich selbst überrascht mit seiner Tat. 97 einschleichen, einziehen. 97• Vgl. I. Kor. f,6.8. 98 sollten sie nicht [aus unserer Kirche) ausgezogen sein. 95

96

Berner Gespräch r 138

32·4

hatt. Das bekhennen ouch wir. Item ir hannd bekhennt, das man offne sünd nitt ungerechtvertigett soll lassenn fürgan. Das lernnent [ !] ouch wir. Nun zöügennt unns den väll 101 an, worumb üwers die kilchen sye unnd worumb ir unns die kilchenn nitt ziHassenn wellent. cBrügger: Syent allein sünder der erbsünd halb. Die presidenten hand die töüffer gheissen erwysen, das sy die khilchen gottes unnd disers nit die khilchen gots syec. Hotz: Wir erkhennent unnser gmeind, das die uffgericht sye nach der ler Christi unnd siner aposteln uf den eckstein, die bußverttigkheitt angenommen, welliches von üch nitt geschechen, das ir102 [weder] wider- [S. 99} geborn, noch die ordnung Christi dem evangelio gemeß by üch ufgericht sye. Darumb wir üch ouch nitt für ein kilchen bekhennent unnd von üch ußganngen sind. aErasmus: By unns sind glöübig, by unns ist straff der lasternn. Wir predigen endrung, bußverttigkeitt, sind von gotts gnadenn vil laster abgestelltt, die vor ganngenn. Unnd handlenn alle ding mitt lebenn unnd fromkeitt alls wol unnd basios dann ir jemermerl04 (wie sich ouch harnach im leben erfunden). Deßhalb müssent ir unns die rechte ware kilchen lassenn, wie dann nur ein kilchen. Üwers lerlo5 ist nütt dann glisnerylo6 unnd ein rott, anlo? gloubenn unnd liebe, darmitt ir ouch die gröste houptsünd, (wie sy Paulus zun Galla. 51os erzellt) mitt absündrung unnd secten, uf üch ladennt. Sölltennt nitt so fräffell urtheillenn, sunder wider zu unns kherenn. Die presidennten hannd die touffbrüder heissen anzöügenn, worumb sy die kilchen habent unnd disers, der predicanten, khilchenn nitt die khilchenn gottes sye.

nach C 44. a Vor Erasmus sprach lt. C und D Sulzer C 41: Sultzer. Paulus [lt. D 17 Korinther] nänne die ein khilchen, die doch gsündet. Dheiner so rein, der dem nächsten güts von hertzen gönne oder von dem bgären glassen. Das gricht falle z'frü uff usserlich ding. 201 Fehler. 202 d.h. die Kirche der Prädikanten. 103 besser. 104 jemals. 105 Lehre. 106 Heuchlerei. 107 ohne. 2os Gai. J,20. c--c

Exkurs über die Sünde

Uf mittwuchen, x 3. martii nach gemeinem bätt. Doctor Bastion:

[ S. I ooJ F ragennt üch nach, diewyll ir nachgelassenn, das by üch sünder sind unnd sich väl begebenn, nitt allein die, die sich regennt von der erbsünd har inn glidernn, sunder tägliche bewegliche sünd unnd wir ouch ein straff über fleischliche laster gestanndt 109 unnd die by unns ouch fanden werdennt, hierumb die sach glich ist, wie es khemme, das ir die kilchenn söllttenn han unnd wir nittb. Hotz: Wir bekhennen, wie allwegenn, das es geschechen möge, das der versucher ettwann ein überyletno, das er inn ein laster falle. Denn sol inn die kilch, so si es vernimpt, ordennlich straffen, dann wo die gmeind das nitt straffenn, wurde ein wenig surteigs etc, wie Paulus die Chorinther mitt dem hurer schuldigett, x. Cor. 5, den ganntzen lyb verletzenn111. Doctor Bastion: cAber erzöügt, dwyl sy nachlassent, nit allein anfechtungen, sonders ouch tättliche sünd, wiewol ettlich fürgäben, sy mogent nit mer sündenc. Da aber offentlich unnd gnugsam erfochtenn, wie dann nur ein ware christenliche kilchen, das dieselbe uff unnser syttenn ist, wie ouch dieselb reformiertt, vom bapstumb, wie ir, gestanndten, darzu die sacrament reformiertt, es sye den heilligen christennlichen touff, ouch das abenntmal. Dero kheins recht by inen was, wie es sich us unnsern büchern unnd predigenn by allen rechtverständigen erfindet. Unnd das alles ee unnd khein töüffer gewessenn. Daruß zu vernemen, das ir kein khilchen hannd, sunder nur rottungen, sündrungen, welliches das höchst laster, von der warenn rechten christennlichen kilchen abträtten.

[S. IOI}a Unnd alls hierinn sich zugetragenn, das einer, der sich ouch der töüffern absünderung und artticklenn gebrucht, genempt Gorius, im Ämenthal 112

b Daß hier der Prädikant von Holz unterbrochen wurde, geht aus C 4J und D JS hervor. A und B lassen ihn weitersprechen und schließen Hotz an. c-e nach C 46.

zugestehen. einen [von der Sünde} überrascht. 111 r. Kor. J, S. 112 Emmental. Bedeutendes bernisches Untertanengebiet gegen die Luzerner Grenze hin. Gorius ist in den Akten nie faßbar. Diese Stelle ist das einzige Zeugnis. 109

110

• A gibt nur eine Zusammenfassung des Gesprächs. Die Protokolle orientieren jedoch ausführlich über die einzelnen Voten. Wir geben im folgenden C und D wieder, wobei die Auswahl nach der Ausführlichkeit der Wiedergabe getroffen wurde.

Hatz: [nach D J9} Beschwert sich, das doctor Bastion geret, [die Täufer behaupten] sy mogen nit sünden.

Berner Ge.rpräch IJJS

[nach C 46] Der von Hönstetten

hat angäben, das aber ander die leer prucht, und insonders einer, gnempt Gorius, hat anzogen, Lüti zu kennen. [nach D 19] Lüti:

Spricht, er habe mit her Hans [= dem Pfarrer von Großhöchstelten] geret, Gorius genge daraffter und lere die lüt. Sie hand in nie für khein bruder ghept. Noch nit. Volgt, er lere nit nach dem evangelium und lebe. Sy handt in nit wellen toffen nach ufnemen. Sy wüssent von sim toufen nit mer für ein bruder. [nach C] Hönstetten: [= Pfarrer von Großhöchstelten]

Er sye aber ouch toufft. [nach D] Lüti:

Ein andrer hete inn vor 4 jaren khennt, alls sy erkhundet, sin !er und wandell nit dem e[ vangelium] gemäs, zevor und in ze schleipfen umb der spis willen, d[ie] er sich selbs sucht. Hanns Vogt von Villingen: Sy entschullgen sich; dasß wir in aller fluch [ ev. spruch, fluchten] söllent ir nit entgelten. Welle m[inen] h[erren] gern für herren han nach der warheit. Im ist der touf nit verlanget. Wie Lüti. Rupp ab Stoufen ist ouch ein lerer gsin. Sol antwurt gen, ob sy nit des gelert habennt: Welcher toufft sye und in der buß stannde, das der nit mer sünden moge. Lüti: ist ouch ein lerer gsin. Wil sy och gern billich für m[in] h[erren] han, diewil sy das böß strafen und gut keren [?]. Galater 5, das die glüst söllent gecrüziget werden, darmit sy nit fürbrechent. [nach C] Hönstetten: Hat den spruch ouch ußgleit, man sölle die glüst nit lassen ußbrechen im werch. Der glöubig thüge darumb glltte werck, das er gots gfallen und eer, ouch des nächsten nutz und fromen damit schaffen moge; nit darumb, das wir darumb selig wöllent werden.

Ulli Rupp: Hat anzögt, er hab daruff giert, das ad Rom. 8 [ D: und 6] stat, denen, die in Christo, ist nüt verdamlichs. Sye nit sin meinung, das man nit sündigen moge. Aber wölche in Christo syent, söllent fürhin im geist wandlen und kein süntlich werck mer thun. [nach D 60] Und gseit, wie es sölte zugan. Welcher ein glid Christi sye. [nach C] Der von Hönstetten hab wöllen, niemants moge Christo ghorsam sin und sine pot halten. Hönstetten: Rupp hab wöllen, man moge das gsatz gots in allweg halten. Daruff er geantwurt: nein, das gsatz darumb gäben, das man unser unvermuglickeit khenne. [nach D] Erasmus: Corinth. 8: nit sünden und nit verdamplich ist zwey ding. Het giert den spruch Johannis, aber den nit verstanden. Die daruf gestorben, sy syent an sünd, khöndent nit mer sünden. [nach C 47] Rupp: Anzogen Johannis spruch. [nach D] Welcher nüw geborn wirt, deren enthalte die nüwe gehurt, das er nit mer sünden moge. Und welcher sünde, der sye uß dem tüffell und syennt nit mer glider. [nach C] Kölbli, ouch also. [nach D] Brügger: Der von got geboren worden, sündigt nit, sonder die nüw gehurt enthalte inn, das er nit mer sünden moge. Aber die sünd zum tod genempt.

Kaderli: [nach C] Hab also giert: [nach D] Dwil der sam und gnad gots by eim blipt, wirt er eim

Exkurs über die Sünde

enthalten. Die widergeburt. Wen sy von im wichen, ist er nit mer in der widergeburt. Die sünd zum tod. Erasmus: Die sünd zum tod thut khein glöbiger. Petrus, David hand grosse sund than, aber nit zum tod. Da[rum]b het Rupp gelert, das er nit geweist; hett fil f[rommer] Jüten verfürt. Nit gewüst warumb. Cunz: Proverbiorum 24. In sprüchen velt der gerecht siben mal im tag und blipt, d[ennoc]ht sye er gerecht. Wie es dazu diene, das Rupp gseit, der sünde, sye nit mer ein glid? [nach C] Rupp: Müsse alweg wider uffstan, sunst könt er nit so dick fallen, dan das end der sünder ist der tod; uß unwüssenheit sünden. [nach D 6r] Cunz: Johannis 8. Die sünd zum tod, heist von Christo in unglouben abstan; khan got nit verziehen. 2.. der ander uß unwüssenheit velt, der sye nütdesterminder ein glid Christi. Den hurer nempt er allweg ein bruder, ob er ußgeschlossen. Syent nitdesterminder glider Christi uß unwüssenheit oder blödigkeit. Von den hurer und buhen vorgan im rich gotes. Sind zu gefar [?] uß !er Nicli Fry gehurtt und huren und huben, w[elche] vorgen [ ! ] letz gehandelt im Appenzellerland, allso bekent sy die geschrifft letz. Ist disputierens art, was eim emfalt, das man im's ufläse. Sind in der töuferischen sect, die den widertofen, halten ire artigkell? Vogt: Sy entschlachen sich dero, die nit recht gelert. Merkt sich ir nit mer. Bernhart im Eggenwil: Johannis in der epistell stat, khinder last uch etc. Blipt by den sprüchen. Hett 2. mal gelesen in Johanne. Wil die frömbden lassen anntwurt gen, was erhalten wirt. Moge wo! sünden, man sol aber bus thun. P. Cunz: Ob P[etrus] vom tüfel wer, das er Christi verstosset. Bernhart: Wen Petrus daby blyben wer, so khönde er nit erkhenen, das er von gott wer. Cunz: Wer Petrus recht geborn [?] gsin, so wer der samen goz in im nit erloschen. Volgt, das er nit recht in der widergeburt gestanden. [nach C 47] Nach sinem [d.h. Bernharts] fürwenden etc. [nach D] Rügseck: Endrung, beßrung des lebens. Wo man nit abstande, moge das evangelium leben nit endren. Des spruchs nit sovil [unleserlich] Johannis in der epistell. Tummermut: Hat khein !er gefürt. [D 62] Cunz: Er sye ein lerer gsin im Sibental by Wimmis. Inn bewysenn. Tummermut: Hab geschrifft gelesen, aber nit gelert. Cunz: Es sye gelert, welcher lese nach lennge und dan sage, das sye die meynung.

„.

Gerber: Sye khein lerer, aber gelesen. [Am Rand:] Johannis 3. Ulli Fluckinger: Sye khein lerer, habe gelesen. Welcher im namen geboren ist, mag nit sünden. Johannis 3. [durchgestrichen:] Der glöbig mag sünden uß unwüssenheit.

Berner Gespräch r J J 8

darafterus ganngenn, u[nser} g[nädiger] herren lanndtvolck mitt siner ler verfürtt unnd gelertt, wellicher toufft sye unnd inn der buß stannde, der möge nitt mer sündenn. Welliches der predicannt von Hönnstetten 114 angezogenn, den Lütti darumb zu khundtschafft gestellt, ouch ettlich unnser g[nädiger] h[e"enJ lanndtserborner widertöüffern, jetz zegegen, [welche] dieselbe ler gefürtt us dem spruch inn der epistell Johannis 3115. Darzu einfalltten lüttenn dermaß gespannen us uß geleitt unnd b ire gewüssenn verstrickt, das wellicher von inen widerkere unnd abträtte, das der inn den heilligen geist sündem, für die sünd niemermer ze bitten, sye weder hie nach dörtt. Hiemitt dieselbenn darinn erherttetm, das fr119 vill den tod erlitten. Hatt die herren presidennten für gutt unnd nodtwenndig angesechenn, ob es wol ettwas von der ban1 20, aber sidt das ein sölliche verfürische fallsche ler sye, umb sovil ein usganng ze thund. Denne wider uf den weg, wie er jetz gelassenn, ze gannd. Hieruff die touffbrüder vast all gefragt, wie sy darvon, besunders dem einen arttigkell, das sy ane sünd sient, gelertt, habennt sich die frömbdenn all, Hotz, Wiser unnd die anndern versprochenn, das sy bedure, das inen der Gorius fürgezogenn, dann sy inn nie für khein bruder gehallttenn unnd sy ouch, das sy nitt sündigenn mögen oder ane121 sünd siennt, nie gelertt habennt. Banns Lüti, ist ouch ein lerer gsin, hatt sich ouch Gorius halb versprochenn, wie sy inn weder thouffen noch für ein bruder hallten wellen, [S. 102] dwyll er Cunz: Volgete, wer nit sünden moge, dörfe des vater unsers nüt: Vergib uns unser schulld. Verstande den spruch nit recht. Flückinger: Ja, der glöbig moge sünden uß unwüssenheit. J ost Minscher: Ist heim. Mag heim [?]. Sy feien [?], wartet [?], alltag ander ze khommen. Hans von Haßlibach: In fleisch und blut ist nit guts. Wenn der geist etwas guts thun wil, hanget im das fleisch.

Ist inen aber nit schulld. 15 Johannis. Rein, aber nit all zum tod sind gereiniget durch das blut, welche sich in sin ghorsame ergeben.

[nach C 48] Ir sind rein umb des worts willen, aber nit all, meint Judam. Beide Protokolle fahren nun mit der Erläuterung des Erasmus Ritter fort, wie sie auch in A ausgearbeitet ist. b

113 114

A dermas gestrichen.

da öfter. Diesem war die Lehre durch seine früheren Gespräche mit den Täufern bekannt. Vgl. QGTS III

Nr. 6JJ/f. r.Joh. J,J. 6.9. überspannt. m gegen den Heiligen Geist siintlif{e. 118 bestärkt. 119 iro. 120 vom Weg des Gesprächs. 121 ohne. 115

116

Exkurs über die Sünde

die ler gefürett nitt nach dem evangelio, die er ouch selb von im gehördtt. Hatt den spruch zun Gallatern 5122 allso ußgeleitt, das sy die gelüst söllennt crützigen, damitt sy nitt fürbrechenntl23. Ully Rupp ist ouch ein lerrer gsin unnd hett die meynung gelertt unnd wellenn erhallttenn inn bysin sins vatters: Wer widergeborenn sye, möge nitt sünden; die widergeburtt ennthallte inn. Wer aber sünde, sye uß dem tüffell unnd sye khein glid mer. Den spruch Johannis allso ußgeleitt. Des hatt er sich bekhennt unnd mitt im Kölbly unnd Schnider. Ülly Flückinger hett nitt gelertt, aber geläsenn, hallttett ouch die meynung us dem spruch, wer widergeborenn sye, möge nitt sündenn. Die anndern all, wie man sy gefragt, hannd sy sich lernne[n)s124 wennig angenommen, sunders die sprüch us der geschrifft geläsenn, die zu enndrung, beßrung, bus etc. diennentt, wie ir bruch ist. Darby inn ßeisch unnd blUtt sie12s nütt gutts, aber denen inn Christo nütt verdamplichs12s. Man möge aber woll us unwüssennheitt oder schwacheitt sündigen. Daruff inen die predicannten söllichs allwegenn ingeschlagen, den vall Petri fürgezogenn, ob er darumb ouch us dem tüffell gsin, da er Christi verlougnet121. Item proverbiorum 2412s: Der gerecht falltt zum tag 7 mall, blybt dennocht gerecht; inen darmitt zu erkhennen, das es zweyerley sünd ist Johannis 8 129 [ !}, die sünd zum tod, für die nütt mer ze bitten ist, unnd denne, wenn einer us unwüssennheitt oder schwacheitt vanu1ao, das der nüdtdesterminder ein glid Christi sye, wie der hurer zu Chorinthe allweg ein glid genempt ist1a1. Item den spruch huren und bubben [S. IOJ] werdennt üch vorgan im rich gottes 132 den hat ouch einer in Appenzellerlannd, genannt Niclaus Fry 13oa, mißbrucht, der ir sect der widertöüffern gsin ist, doch inen nitt zu argem oder darumb fürgezogenn, alls ob man sy darfür halltte. Erasmus Ritters enntliche lütrung über disen hanndell: Inn den reinen glöübigenn sind ouch mängell, die khönnden und mögent sünden us unwüssennheitt unnd anfechtungenn. Darumb muß man die füs alls glider des libs für unnd für wäschenn. Desß sind heitter exempell, David unnd Petrus, die sich inn ganntz grobenn sünden verganngen hannd. So ir das bekhennent, sind wir in dem vall eins. Die ersuchung ist darumb geschechenn, Gai. f, 24. wieder hervorbrechen. 124 hier: lehrens. 125 sei. 12a gereiche nichts zur Verdammnis. 121 Vgl. Matth. 26, 69/f. 12s Spr. 24, 16. 129 1.foh. 1,16-17; 1.foh. 3'9· 130 fällt. 130a Vgl. unten Anm. 220. Fry ist im Appenzellerland personell nicht nachweisbar. 131 Vgl. 1. Kor. ;,rlf; 2. Kor. 2,;jf. 132 Vgl. Matth. 9, 1ojf. 122 123

Berner Gespräch I!J8

das daß volck mit irrigem darthün unnd ußherzwackenn 133 der sprüchen us der geschrifft unnd faltschem verstannd verfürtt unnd verwysenn. Desß nu du, brüder, unnd ir anndern üch ouch entschlagenn. Aber [es wurde] dennocht an ettlichenn, wie sy sich ir meynung erlüttertt, erfundenn, das sy disen spruch Johannis 3134, wer us gott geborn ist, thütt nitt sünd, valtsch dem vollck fürgebenn, dann glich darvor im erstenn capittell 135 seitt Johannes das widerspilll36: Wann wir sagenn, wir sünden nitt, so sind wir lügner. Nu muß es beide war sin. Ist das die wyß, darvon ze redenn: Inn unnserm fleisch unnd artt sind wir sünder. Das bricht ouch ettwan uß in die werck. Darumb wir allwegenn müssen bitten: vergib unns unnsere schuld. Wir hannd ouch allwegen anfechtungen, [S. ro4] gott geb, wie wir stryttenn. Obwoll die werck nitt geschechen, sind doch dieselbenn sünd. Sölliche sünd thünd die glöübigen ußerwelltenn. Denne 137 ist ein sünd zum tod, darvon redt Johannes im 1. Johannis 5138, die khein glöubiger thün mag. Das ist die sünd inn heilligenn geist, für die nitt ze bitten ist, alls l39 verzwifflung, abfall, ungloub, die erkanndte warheitt widerfächtenn, nidenn, haßenn. Vor dero enthallttett der sun gottes die ußerwellttenn. Darumb du, Rupp, unnd dinsgelichenn nitt recht gelertt hast. Christann Brügger hatt sich bekennt, das er die meynung, wie sy jetz gelüttertt ist, von hertzenn halltte, dann er vor 7 jarenn allso darvon geredt. Ouch mitt dem spruch Johannis, das der nitt sünde, so von gott widergeboren, dann die widergeburtt enthallte inn. Aber die sünd zum tod darzügenempt, das der glöübig inn dieselb nitt falle. Darumb er ouch indem ettwan exempelswyß gegenn einanndern gestellt Petrum unnd Judam, da der ein inn heilligen geist gesündett unnd der annder nitt zum tod etc. Ist der lütrung woll zefridenn. Des hatt sich ouch nacher Ru p p unnd annder bekhennt, das sy söllicher ußlegung zefridenn siennt unnd aber sich hiemitt sin bewyst, das die, so söllichs allso gelertt, nitt war gelertt unnd der geschrifft nitt gemes gehanndlett habennt. Des sich die übrigenn, die es dann nitt angangens unnd sy, dise lerenn nitt gefürtt, nützitt beladenn. bQb sy all allso der lütrung Erasmi zefridenb.

[S. IOJ] Lüti von der sund in heilligen geist: Mich beschwertt, das ouch ungloub ein sünd inn heilligenn geist sin sölltte. • in A nachträglich ko"igiert aus anzogen. b nach D 63. 139 134 136 136 137 13 8 139

herauszwicken, herausreißen. Vgl. I.foh. 3,9. Vgl. I.foh. I, 8. Gegenteil. Ferner. z. Joh. J, r6-J7. wie zum Bei!piel.

Exkurs über die Sünde

Alls wellicher dem evangelio nit gloubtt, mag woll bekhertt werdenn zu erkhanndtnus der warheitt des evangelii. Sölltte dem sin ungloubenn unnd blödigkheitt 140 des fleischs, darumb das er vor nitt gloubt hette, im dahin diennen zur sünd des tods, für die nitt ze bitten were? Wenn ir aber den ungloubenn allso rechnent, das ouch min verstannd ist, wenn einer zu erkhanndtnus der warheitt des evangelii kommen were, darnach vom geist ußträtte unnd jetz lestertte den heiligen geist unnd geschanndte den geist der warheitt, das der inn die sünd des todts gefallenn, für die nitt ze bittenn sye. Allso verstan ich die geschrifft unnd bin sin mitt üch zefriden. Peter Cuntzen erlüterung von der sünd inn heilligen geist: Das ist die sünd in heilligenn geist: Wenn einer einmall zu gewüsser erkhanndtnus der warheitt khumpt, gott unnd Christum erkhennt, aber dann abfalltt unnd die warheitt widerfichtet wie Julianusa unnd annderl41, die warheitt lestrett; was gott redt, spricht er, es sye erlogenn, der ist denn im gröstenn abfal unnd ungloubenn. Hatt das mittell, [nämlich] den glouben, niemmer, dardurch im gott die sünd verzichenn khönndte alls umb des gloubenns willenn. [S. ro6} So der nitt mer da, ist die sünd zum tod unnd mag nitt verzigenn werdenn. Aber wellicher us blödigkeittl42 unnd unwüssenntheitt sündet, der ist darumb nitt abgefallenn vom gloubenn, wiewoll sich der gloubenn schmelerett 143 unnd ußlöschenn welltte; ist doch der funckenn unnd sam gottes da. Derselb khumpt wider zu gnadenn. Item es sind zweyerley möntschenn: einer, der schon anfangs dem evangelio nitt gloupt. Meinett, es sye nitt das recht evangelion noch der recht weg, uß unwüssenheitt. Sundett nitt zum tod. Aber us ungloubenn vollgett die verzwyflung. Alls wellicher uß verhenngter boßheitt abfalltt von warer erkhanndtnus, der kan gott nitt mer bittenn. Darumb khan im gott nit mer verzichen 144. Lüti: Wenn ir's dahin mögennt lassenn khommen, das allein der in heilligenn geist sünde, wellicher zu erkhanndtnus khommen unnd lestert den, der sy geheilligett, Christum Jhesum, so bin ich des arttigkells halb zefridenn, wie es jetz unnd vor erlüttertt ist. Erasmi Ritters erlüterung: Alle sünd verdiennet den ewigenn tod. Nu sind zweyerley volck: die uß• gestrichen Martius. Am Rand von anderer [späterer?} Hand Martion. Schwachheit. ]ulianus Apostata, römischer Kaiser ( 361- 363). Obgleich früher gläubig, verfolgte er später die Christen. 142 Schwachheit. 143 schmälert. 144 verzeihen. 140 141

Berner Gespräch IJJ8

erwelltten von ewigkheitt unnd die verworffnen. Die userwelltten hett gott fürgesechenn 145. Aber eb146 unnd ir beruff zum [S. ro7] gloubenn angatt, sündenn sy ouch durch ungloubenn, doch us unwüssennheitt. Unnd wiewoll ir sünd so schwer, dardurch sy den ewigenn tod verdiennenten, enthalltt147 si doch der samen gottes, der nach der wall gottes in inen ist. Dann ires nitt der ungloubenn ist, welliche man mag nennen die sünd inn heilligenn geist oder die sünd zum tod. Alls 148 Paulus vor sim berfüf hatt gros gesündett, die khilchenn gottes verfollgett, doch unwüssent. Wenn aber der berßff149 zum gloubenn angatt150, fallent sy nidtdesterminder ettwan inn grobe laster durch die begird des fleischs, aber niemermer inn die sündt inn heilligen geist, dann der samen gottes enthallttett sy. Den verworffnen aber, denen offnett sich ouch gott sovil, das sy sich nitt entschuldigenn mögen. Johannis l 5151 spricht Christus: Wenn ich nitt khummen were unnd hette es inen nitt gesagt, so hettenn sy khein sünd. Dann sölliche werdennt überwundenn unnd überzügett inn iren hertzenn, das sy nitt wider die warheitt könnden. Aber ir hertz mögent sy nitt daringebenn. Gennd 152 khein gloubenn der erkhanndten warheitt. Die sündenn inn heilligen geist, dann sy die warheitt nitt mögent annemen. Lüti: Mir will manglen der sünd inn heilligen geist halb, geläsenn ad Hebreo 6 unnd 10153. Dise geschrifft verstan ich lutter dahin, das die, einmal das wortt gottes gehördt, durch die gnad gottes inn buß gestelltt unnd sich nach dem evangelio gericht154 unnd denn widerumb hingand [S. ro8] von dem weg der warheitt zur ungerechtigkheitt, das blfüt Christi verachtenn, den sun gottes crützigen unnd für ein gespött hallttenn, ouch sin warheitt herfürtragent, sagennt, die syennt tüffell. Die habennt inn heilligen geist gesündett unnd ist unmüglich, das die zu erkhanndtnus der warheitt khommen, wie Hebreorum 10 stat: Wenn jemantz das gesatz Mosi bricht, der stirbt an erbermpt durch 2. oder 3 zügenn. Wievil ergrer straff werden die sin, die den sun gottes crützigenn. Nu ist es aber ouch nitt gnugsam. So wir den willenn gottes hörennt, müssent unns darnach richtenn. So wir's aber nitt thund, sündennt wir doch nitt zum tod. Wo wir aber denn ouch nitt buß thätten 155, stellen ich's an sin ortt156. Alleinl57 das die sünd vorgesehen, vorbestimmt. ehe. 147 bewahrt. 148 wie zum Beispiel. 1 49 Berufung. 150 beginnt. 151 }oh. I f, 22. 152 geben. 153 Hebr. 6,4-6; ro,26-29. 154 atif das Evangelium ausgerichtet. 155 Wo wir aber andrerseits den Willen Gottes hören und dennoch keine Buße tun ••• (Anspielung auf die Prädikanten). 145

14&

Exkurs über die Sünde

333

nitt vollge denen, so nitt zü erkanndtnus khommen sind. Dann dieselbenn sich nach bekherenn möchtennt. Erasmus: Ezechielis 18158: Wenn sich der gottloß bekhertt unnd abstat, will im gott siner sünden nitt mer gedennckenn. Joelis z159: Bekherennt üch zü mir vom ganntzem hertzenn etc. unnd an vil anndern orttenn. Nu kan sich keiner bekherenn zu einem, er sye dann von im abträtten. Item David ist fromm gsin, hett gott erkhenndt, eb160 er gevallenn. Dann gott redt: Ich hab einen man nach rninem hertzen mir erwelltt161. Ward ein eebrecher unnd mörder. Petrus het den herrn erkhenndt, eb160 er sinn verlöügnett. Dann wie inn der herr [S. 109} gefragtt, wer bin ich? inn recht erkent, nitt us fleisch unnd bliltt geredt. Demnach sinen verlöügnett unnd geschworenn, er khenne inn nitt etc.162 Wie will sich aber das rnitt dem spruch Pauli ad Hebreorum 6 verglichenn? Hierumb ist das der recht verstannd unnd sind dise sprüch nitt widereinanndern. Alle erkhanndtnus, sye wie khlein sy welle, khumpt von gott durch den heilligenn geist, dann fleisch unnd blütt offnet's nitt, dann es verstatt's nitt. 1. Corin. z163. Dieselb geschieht inn zweyerley wys: einne dermas, das ettlich wüssent die warheitt. Sind inn ir gwüssne164 überzügett, aber von sathanae überwellttiget unnd gefanngen, das sy dem rechten nitt bewilligenl65 mögent, wie die Juden gsin unnd noch vill mönschenn, so der warheitt bezügett166 unnd aber nitt gloubenn wellent. Darvon redt Paulus Hebreo. 6. Die [ ! ] wirtt solliche erkhanndtnus nütt hellifen; dann es gott der her darumb den verdampten last predigen unnd inen die erkhanndtnus für die ougen stellenn 167, darnitt jederman bekhennen, ouch sy selbs zületst, das sy gott billichenn verdampt16S. Die sünden169 in heilligen geist, unnd sölliches ist der erschrockennlich ungloub, die sünd zum tod. Die annder erkhanndtnus hatt David und Petrus geheptt. Die gibt gott sinen ußerwelltten dermaß, das sy nitt allein die warheitt erkhennen, sunder rnitt hertz unnd gemütt darin bewilligen. Die hannd truncken von dem brunnen des läbenndigen wassers, das sy nitt mer dürsten wirtt. Dieselbenn vallent woll inn sünd,

156 157 158 159

160 161 162 163 164 165 166 167 168 169

lasse ich offen. sicher ist, daß. Ez.. r8,2r. Joel 2,r2jf. ehe. I. Sam. Io, I. Vgl. Matth. r6,r6; 26,69ff. r. Kor. 2,r2. Gewissen. ins Rechte nicht einwilligen können. von der Wahrheit überzeugt. die [richtige Erkenntnis} vor Augen führt. billigerweise verdammt. sündigen.

Berner Gespräch IJJ8

334

aber sy mögent nitt empfallen110, dann der samen gottes, der in sy gelegt ist von ewigkeitt nach der wall gottes unnd demnach durch den berüff zum gloubenn, behallttett sy, wie vor geseitt. aD. Bastion: Lüti halt recht, das er achte, die sündent nit im helgen geist, denen schon das evangelion hörent und darumb [? J nit angentzl71 gloubent, sonders harnach den glouben anne[me)n mogent 8 •

[S.

IIO}

Lüti:

bDoctor Bastions lütrung ist Lüti zefridenb. Der Spruch Ezechielis 18 bin ich zefrydenn, wenn der gottloß abstat, wirrt er nitt sterbenn. Wenn der fromm abstat, müß er sterbenn inn siner ungerechtigkeitt, unnd siner frommkeitt wirrt wytter nitt gedacht. Aber der spruch zun Hehre. 6 ist mir noch nitt gnüg uffgelöst. Petrus, wie er Christi verlougnett, lenndettl7 2 derselb spruch nitt uff inn, dann er ist nitt hinganngen nach dem vall, het den heilligen geist geschennt unnd Christum gecrütziget, sonnders us blödigkeittI7a des fleischs, nitt uß müttwillen gefallen. Ouch Christi ler nitt für unrecht genl74, sonnder stif gehalltenc. Indem hatt inn der gloub enthalltten, gott inn wider ufgericht zum apostell. Wenn er nu inn söllichem vall unnd lasterenn, wie Hehre. 6 stat, begriffenn, wer er hinganngen, het die ler Christi geschenndt. Das er aber nitt gethan. Wenn man mich daby last belybenn, das allein die, welliche das gottswortt angenommen, gereinigett durch das blütt Jhesu Christi, denn wider abfiellennt irs fryenn müttwillenns, unbezwungen unnd ungetrungen, nitt uß blödigkheitt sich ergebenn unnd sprechenn, die inn reinigkeitt belyben, wie syl74a es von den apostelln gelertt, sölliche ler were von dem tüffell unnd hüllffennt die lerrer unnd anhennger crützigenn unnd vervollgenn: dieselbenn zum tod unnd in heilligenn geist gesündett habenntd. Sunst, wenn sich hüry zütreitt oder einer sich inn grobenn lastern vergiennge, das er zum ußschluß khumpt, ist nitt min meynung, das der darumb ein sündt zum tod oder in den heilligen geist gethan habe, dann er nitt wurde hingan, gott lesternn, sünder sich bekherenn unnd enndern. Wo aber einer über das [S. 11r] bestat, wüssenntlich unnd verdachtlich hingat, wider die reinigkheitt thütt unnd

....., C JO. b-b

D 66.

nach B 98. A hat gehabenn. d nach C JI warf hier Cunz ein: Der gmein man möcht verstan, wenn man in usserliche laster fiele, das der nit wider möcht begnadet werden. Dann fährt Lüthi mit der Ret/4 fort. c

110

entfallen [aus der Gnat/4 Gottes].

m sogleich.

weist. Schwachheit. 174 gegeben. 1748 Gemeint sind jene, die in Reinheit geblieben sind. 172

173

Exkurs über die Sünde

gott lesteret, ouch die anhännger Christi crütziget, wie obstat, das bekhenn ich für die sünd inn heilligenn geist. Petrus Cüntz: Din vilmal beschechner anzug, Luti, will daruff diennen: wellicher von üch touffbrüdern abstannde, das der niemermer zu gnadenn khömme. Wie sich ouch erfundenn, das üwer ettlich den armen einfallttenn töüffern den spruch Johan. 3 [ ! )175 allso ußgeleitt rnitt unwarheitt, sy allso in iren conscientzen gefanngen. Wellicher von üch abstannde, das der verlorn sye und ein sünd zum tod unnd inn heilligen geist gethan habe. Da sich aber muß findenn, das der sach nitt allso ist. Der spruch zun Hebreern 10176 leitt sich selbs us, darrnitt man nitt mercke von der sünd, so uß blödigkeitt oder unwüssentheitt geschieht, sunder uf die zum tod sündenn. Alls da er spricht, wievil ergerer straff wirt der wert sin, der den sun gottes mitt füssenn trittett unnd das blUtt des testaments unrein achtet, den geist der gnaden schendett etc. Darumb vil ein annders ist es umb die sünd, so uß blödigkeitt unnd unwüssennheitt geschieht. Aber sunst alle sprüch Petri, Johannis, lutten uff den ungloubenn. Die sehenden das blUtt des testaments. Lüti, Rupp unnd die anndern all sind der ußlegungen von der sünd in heilligen geist benügklichen unnd besunnders das der spruch Johannis 3 177 von der sünd in heilligen geist redea.

[S.

II2}

Andres Rappenstein:

Liebenn brüder, (alls ich ouch üch für brüder hallttenn, sowytt ir Christum bekhennent) ich verstan üch [so], das nitt allein der inn heilligenn geist sünde, wellicher in sim hertzen nit empfindt die gnad unnd gunst gottes überkommen 178 durch Christus, zu weelicher zytt es joch gescheche11s, dann der1ao gott nit kan liebenn, der muß inn hassen, darumb er zum tod sündett; sonnder 181 ir bringent

• D 67 präzisiert: Lüti: Hat sich deß vernügt. Rupp: Er erkent's och wie die brüder den spruch Johannes 3, das er von der sünd in den heiligen geist handle.

D. B[a.rtion] Hand ghort die ußlegung Johannis 3. Ob sy dero wol zefriden, wie es inen ußgelegt von der sünd des heilligen geists. 11s 11&

17? 11s 11s 180 1s1

Vgl. z.Joh. f,I6-q; z.Joh. 3,8. Hehr. zo,26-29. I. job. J, 8. erhalten. ge.rrhehe. denn wer. Konstruktion: das nitt allein ... , sonnder.

Berner Gespräch I!J8

ouch üwere züloserl82 unnd anhännger dahin, das wellicher schon woll lept, den heilligen geist empfindt unnd dessen versichertt ist inn sim hertzenn (so 1ss der nitt by üch blybt, sunder sich von üch absündertt von ettlicher arttigcklen wegenn, [diejaJ das usserlich läbenn allein belannget [ ! J, wie ir's dann hallttennt), das derselb sich hab ußgerissenn von der khilchenn, trätte das bliitt Jhesu Christi rnitt füssenn. Schlüssent unnd bringennt denselbenn biß in den tod. Hiernitt ir die einfallten beredenntl84 unnd bindent, das sy nitt dörffent von üwernn artigckelln abstan, dann sy vörchtent uß üwerm fürgebennl85 die sünd zum tod inn heilligen geist, für die nitt ze bitten ist. Begärte haruff üwer lüttrung. Hanns Hotz: Min grund unnd meynung ist nitt allso. Rappennstein, exempell: Bekhennstu denn, das Hanns Pfistermeyer von Arouw, hiezegegenn, der rnitt üch unnd unns stimptl86, das unns allen [S. IIJ} durch Christum das ewig lebenn erworbenn, ob er's woll in usserlichenn dingenn nitt mitt üch glich hallttet unnd ouch nitt inn üwer gmeind ist. Hatt doch ein warenn rechten glouben im hertzenn, darumb das er nitt in üwer gmeind belybenn, darrnitt nitt in heilligenn geist gesündett habel87? Hotz: Wer bim rechtenn warenn gloubenn blybt oder ob er woll vorn weg der warheitt irtt, aber widerkhertt, den soll man lan 188 sin. Ein seel sündet nitt inn heilligenn geist. Wer aber im unglouben stirbtt, der ist verdampt. Ich hab weder von Pfistermeyer noch von anndern, die von unns sind gestannden, nitt geseitt 189, das sy darumb inn heilligen geist gesündett habennt. Setzen jedes gloubenn an sin ortt. Rappennstein: Ich bin mitt dir zefrydenn. Wellicher inn warem glouben stirbt, ob er wol von üch unnd üwer gmeind ußganngen, das derselbig [selig werde}, unnd wellicher inn ungloubenn sterbenn, werde verdampt. Das ist aber schlechtlich 190 üwer rneynung unnd fürgebenn: wellichenn ir ußschliessennt oder der sunst von üch abtrittett unnd widerl91 üwer artickell ist unnd nitt widerl92 von üch ufgenorn182 183 184

185 186 187

188 189 190

Zuhörer. sofern. die Einfältigen vollschwätzt ( verreden). Vorhalt. übereinstimmt. Auf die gleiche Problemstellung war man I!JZ vom Bann her gekommen. Vgl. oben S. IJ8f. lassen. gesagt. gemeinhin.

Exkurs über die Sünde

H7

men wirtt, unangesechenn, das er sunst in eim warenn gloubenn zu gott durch den sun stat, das der inn heilligen geist gesündett. Dann Marti Lingcki (der hievor üwer oberster gsin, aber nun abgestannden) einmal in Hemman Habersl93 huß offenntlich geredt, das der von Mümpelgarttl94, darumb das er nitt wider von üch ufgenommen unnd allso gestorbenn, ewig verdamptt sye. aHotz: Wen sich erfinde, wer die rechte khilch sye, dann werde man von der straff der sünden und lastern redena.

[S. II4} Glichenn anzug hatt ouch der predicannt von Hönstettenl95 gethan, wie sy im Ämmentall da ussenn gelertt, wellicher nitt in ir gemeind sye, der sye verdampt, dann usserthalb sye khein heill. Statt aber unnser heill uf Christum, unnsern heillannd unnd erlöser. Frag: Haruff ist denn touffbrüdern dise frag fürgeworffenn, wellicher inn ir, der töüffernn, gmeind nitt sye oder darvon abstannde, ob der darumb inn heilligen geist sünde. bßrügger: Halte die sünd, wie Erasmus erlütert und sovil wyter. Wenn einer schon von der warheitc abfalle unnd er dennochtd got umb gnad pätten moge, dem werde verzigen 196 und vergäben . .....,. nach C ;2. C J2f. Die Zusammenfassung in A ist zu knapp und unklar. Die Zusammenfassung A I I 4f lautet:

b-b

Brügger hatt sich bekhennt, wellicher schon von inen abträtte, ouch von der warheitt unnd gottes bott abfielle unnd doch sich erkhennen, das er gesündett unnd denne durch den gloubenn umb gnad unnd barmhertzigkeitt bittenn, der sye nitt verdampt, hab darumb nitt inn heilligen geist gesünndett. Wiser hatt einmal gerett, er halltte irs für die ware christenliche khilch unnd der schon von inen abträtte, sye darumb nitt verdampt noch von christenlichem glouben abträtten. Wie aber Eraßmus Ritter im sölliches ingeschlagen unnd beschlossem us siner red, das sy nitt die rechte christenliche kilch habennt, dann wer von der rechtenn khilchen abfalltt, sye verdampt. Usserthalb der kilchenn sye weder gloub, gnad, sälligkeitt noch verzichung der sünd. Allso ist Wiser umb- [ S. I I J] her gefallenn. Sy habennt die rechte khilchen Christi, unnd wer von der kilchenn abträtte, das der nit sellig werde, er bekhere sich dann. Das möge ouch geschecheme, welle er niemant abgeschlagenn habenn. c warheit über gestrichenem inen. d gestrichen in glouben gegen gott recht stande. gegen. wieder. 193 nicht näher bestimmbar. 194 Montbiliard. Die gleiche Anspielung wurde von Rappens/ein schon IJJ2 gemacht. Vgl. unten S. IJ8. Dort ist die Episode genauer dargelegt. 195 Großhöchstelten. 196 verziehen. 191

19 2

Berner Gespräch IJJI

Erasmus: Sölle sagen, ob einer, der von den t[öüffern falle] sünde in h[eiligen] geist. Brügger: Wen sich erfinde, das ire artickell nit recht, wer dann schon darvon trätte, drumb nit verdampt. Wiser: Hoff, sy syennt die rechte khilch; die schon von inen abträttent, syent drumb nit verdampt, als er halt. Erasmus: Wär ir khilch die recht khilch, so were der verdampt, so von inen abträtte, dann wer von der rechten chri[stlichen] khilch abträtte, der mag nit selig werden. Wiser: Der von inen abträtte, der trätte von der rechten khilchen. Wär usserthalb der chr[istlichen] khilchen, sye kein seligkeit; moge aber widerumb gnad und barmhertzickeit empfachen. Wär von der khilchen Christi abfalle, und sy syent die khilch Christi, der wärde nit säligb. [ S. r 1 J] Hiemitt Wiser zwo reden unnd meynungen gefürtt. Rappennsteins frag: Bekhennent ir, wie ir den Pfistermeyer ußgeschlossen von kheins lasters willenn, sunder darumb, das er sich lassen beredenn unnd überzügett wordenn us gottes wortt ettlicher articklen halb, die er nitt mögen erhallttenn 197, das er darumb in heilligen geist gesündett, das er von denselbenn articklenn gestannden unnd möge nitt sällig werdenn alls lanng er sich nitt widerumb zu üch bekhere unnd buß thügel98 nach üwerem bruch. ltem bekhennen ir ouch, das inn der ganntzen welltt die sin mögent, die ein rechtenn, warenn gloubenn inn gott habent, vertröstet uf denn einigen sun Christum, sy siennt dann by unns, üch oder annderswo, das dieselbenn sällig syennt. Hanns Hotz: Ich bekhenn, das ein sünd ist, namlichenn die geschichtl99 inn heilligen geist, darfür nitt ze bittenn noch zu verziechenn 200 ist. Dargegen bekenn ich ein sünd alls die geschieht wider des möntschenn sun. Die mag verzigenn werdenn. Für die ist ouch ze bittenn nach der geschrifft. Aber wir könnent uf die sünd inn

197 19s

m 200

aufrechthalten. tue. besonders die geschieht wider. verzeihen.

Exkurs über die Sünde

H9

heiligen geist [S. II6} nitt ebenn düttenn201. Wir wüssenn's nitt, ob einer, wo oder wenn einer die sünd inn heiligenn geist thüge202, ist unns verborgenn unnd hannd dessenn khein empfälch, sunder müssent's gott heimstellenn in sin urtheill. Welliche aber die sünd oder laster thünd, so das rich gottes nitt erbenn, findt man ouch. Dieselbenn habennt wir alle ze straffen unnd obschon die einmal den weg der warheitt mitt unns erkhennent, von unns abträttennt, sagenn ich nitt, das sy inn heiligen geist gesünder. Aber der, der vom gloubenn abfalltt unnd übells thutt, der muß biiß thun, rüw 20a unnd leid han über sine sünd, oder er hatt khein sälligkheitt. Dise, Hotzenn, bekhanndtnus hatt man inen vorgeläsenn unnd demnach die herren presidennten sy, die touffbrüder, all nach einanndern gefragt. Die hannd sich all dero vergnügr204, die bestättet205 unnd sy kheiner widersprochenn. Erasmus: Liebenn christen, alls nu lanng geredt von den sünden, dero inn heilligenn geist unnd anndern, da ir gehördt, das ettlich unnder inen m[iner] g[nädiger] h[errenJ lanndtlütt gelertt unnd verfürtt, das die, so abträttenn von ir versammlung unnd artigckelln, habennt khein heill noch sälligkheitt zii erwartten, es sye dann, das sy sich zu inen bekherennt unnd biiß tügennt. Derselbenn meynung nu Hotz nitt ist. Hatt die ouch nitt allso gelertt. W ol bruder Mathis Wiser von Bremgartten ettwas wytter in siner bekhanndtnus geöffnett, sy habennt die [ S. II7] rechte khirchenn. Wer von dero abträtte, habe kein heill. Deßhalb ir meynungen unnd fürgebenn ettwas widrig, jedoch aber enntlich sich Hotzenn meynung begebenn 200, begerennt wir von üch, u[nser] g[ nädiger] herren lanndtlüttenn, ob ir ouch allso stan unnd belybenn wellennt, das wellicher von üwerer versamlung unnd von üwern artigklenn abträtte, derselb khein heill, sälligkeitt noch ewigs lebenns zü erwartten habe. Dann vill dessen beredt, ettlich daruff gestorbenn unnd ir läbenn darumb gebenn. Sind all daruff belybenn, wie vorstat by Hotzenn bekanndtnus, das wer von inen wol abstannde, darumb nitt inn heilligen geist gesündett habe.

[C 14, und D 7z geben eingangs eine Rede Sebastian Mryers wieder, die bereits in der vorangegangenen Zusammenfassung des Erasmus enthalten ist. Die Täufer geben neuerdings ihre Zustimmung. A und B lassen diese Wiederholung weg. Dagegen bezieht sich das nächste Votum darauf.]

201 202 202 204 206

20&

nicht hindeuten. tue. Reue. sie waren dero zufrieden. bestätigt. angesch/o.r.ren.

Berner Gespräch I!J8

340

aGeörg Träffers lütrung über die sünd inn heilligen geist: Wie Hatz zweyerley sünd hie im zytt, eine uß überylung 207 , nitt muttwillencklich, allso wenn einer gloupt, bekert unnd inn die christennlich khilchenn verfast wirtt unnd denn derselb abtryttett [ ! J von der gemeind (die ich bekenn, die töüffer syennt's warlich) uß blödigkeiu2os des fleischs durch überylung 207 unnd er sich bekertt, derselb mag wider zu buß unnd gnadenn khommen. Die annder aber, wellicher warhafftig gloupt, denn abfallt mitt mßttwyllen, in siner irthumb beharrett, lestertt die gmeind unnd gnad gottes, der khilchenn artigckell oder der minsten gebotten Christi eins, umb den stat es schwarlich unnd misßlich, das er die sünd inn heiligenn geist thüge209, alls do die Judenn Christum verlesterten, muttwillenklich seitten 210, er tribe die tüffell uß [S. II8} durch beltzebock unnd wüstenn woll, das ein tüffel den anndern nitt ußtribenn, sunder die macht des einigenn 211 gottes das thdn müsteb. cwyser: Wenn einer abtretet, moge glich [sein], das er drumb nit in heilligen geist gesündet. Wenn einer nit widerkert und [nicht] buß thut, sye in h[eiligen] g[eist] gesündt. Hotz: Welcher von der kilchen abtrete und nit widerkere, der sundet in hellgen geist und werde nit selig. Das hat Erasmus geoffnet und aber Hatz bekennt. Darumb ist er wider sich selbs, das er vor gseit, welcher schon von inen abträte, sünde darumb nit im h[eiligen} geist. Und [unter der Voraussetzung,] das ir samlung [?} nit die kilchen sye.c D. Bastions beschlußred: Welliche nitt sällig werdenn unnd in heilligen geist sünden, ist ein ding, dann wer in heilligen geist sündet, wirtt verdampt. So mag kheiner verdarnpt werdenn, er sünde dann inn heilligenn geist. Wer nu von der rechtenn heilligenn christenlichenn khilchenn warlich abfalltt, der mag nitt sällig werden, dann er hatt inn heilligenn geist gesündett. So hannd aber ir vor212 bekhenndt mit Hatzen, • nach D 7r begann hier die Nachmittagssitzung vom IJ. März. b D 72 vermerkt, daß Triiffers Aussage in zwei Teile fiel, unterbrochen durch einen Einwurf Ritters. Materiell aber unbedeutend. e--0 D 72. unversehens, ohne Absicht. Schwachheit. 209 tue. 21o sagten. 211 alleinigen. 212 vorher. Ritter interpretierte Hotz in diesem Sinn. Die Täufer wide"iefen jedoch diese Ansicht wieder. Vgl. S. JJ8. 201

2os

Exkurs über die Sünde

das wer schon von üch abträtte, darumb nitt in heilligen geist sünde. Darumb vollget gewüßlichenn, das üwers nitt die rechte khilchenn ist. Wellent ir's aber genng darfür ußgebenn unnd erwysenn, sind deßhalb us üwernn eignen worttenn widereinanndern. Nu söllennt ir wüssen, liebenn brüder, was schwerenn hanndels, ouch wie gevarlich unnd schädlich es ist, das sich jemandts intringe21s unnd unnderstannde des heilligenn predigampts, daran unnser seelheill unnd das ewig läbenn gelägenn. Darin gar bald verfelltt ist durch list des sathanes, der gar vill listiger dann wir wännen21 4, wie es sich dann jetz erfundenn unnder üch, unnsern lieben brüdern. Mögen üch wol zß.gebenn, das es uß g&ttem yfer geschechenn. Nüdtdesterminder gesechennt215 ir das übell, daran verfellt, wie hütt bekhennt ist, das Gorius ettwas meynung gelertt, wie ir selbs gestänndig, das ir ouch selbs nitt annement. Lit216 am tag, das inn u[nser} g[nädiger] h[erren] lanndenn gelertt unnd prediget sind irthumen, [S. n9} die üch ouch misßvallennt. Da sich aber erfunden, das du, br&der Hotz, einer anndern meynung von der sünd in heilligen geist unnd zum tod gewessenn, wiewoll Rupp unnd annder sich bekhenndt, das sy annderst gelertt dann die geschrifft vermag, wie sy dann überzügett unnd bewyst. Nüdtdesterminder sind von inen einfalltt 217, bider lütt in u[nser] h[erren} lannd in disem artickell des ungloubenns verfürtt, zß. ungehorsame geleittett, ir 218 ampt unnd iren ber&ff zß. verbringenn 21 9, daruff [sind die biederen Leute} gestorbenn; die, ob gott will, so si noch in leben, ouch darvon weren gestanndenn unnd sich lassen wysen. Item es hatt sich erfunden, das Melchior Hofman ein schädlichenn artigckell gefürtt, den ir selbs verdamment alls irrig, der aber ein träffennlicher vorstännder gsin by vyllen. Item Claus Fry 220 hatt übell gehanndlett im heilligen eestannd, den verwirrett unnd verschaffett, das lütt, die lanng by einanndern gesessenn, von einanndern trönnet221, hin und wider zogenn222, das zß. erbarmmen. Item ettlich hannd gelertt, die tüffell unnd alle verdampten werdennt ennteindränge. wähnen. 215 seht. 216 liegt. 211 einfache. 21s bezieht sich auf die Führer der Täufer. 219 Amt und Berufung zu vollbringen. 220 Melchior Hofmann aus Schwäbisch Gmünd. Die Werke Hofmanns waren den schweizerischen Täufern wohl kaum ganz bekannt. Immerhin hatten sie gewisse Vorstellungen. Vgl. oben S. 297. Auch von Straßburg aus wirkte er thch vor allem in den Norden. Hofmann wurde in der Schweiz bedenkenlos mit den Melchioriten Münsterscher Prägung gleichgesetzt. Claus Fry wurde I JJ 4 wegen Bigamie zu Straßburg ertränkt. Vorher hatte er Kontakt mit Hofmann. Es scheint, daß er aus Windsheim, Bez. Uffenheim, Bayern (Mittelfranken) stammte. TA Elsaß II z2, z4. Zu den Greuelgeschichten über Täufer im Appenzellischen vgl. Z VIII 487, ;06. Im Elenchus hält Zwingli an diesen Schilderungen nicht mehr fest. Z VII, 89. 221 getrennt. 222 hier- und thrthin [zu andern} gezogen. 21a 214

Berner Gerpriith r f J 8

lieh sällig. Item ettlich gelert, das Christus, unnser lieber herr, nit warhaffter nadtürlicher, wässennlicher gott sye, wiewol ich achten unnd üch darfür halltten, lieben brüder, das ir ganntz nitt der meynung; jedoch dieselbenn, die söllichs gelertt, töüffer genempt werdenn. Allso findt sich, das fillerlei träffenlich, schedlich, verderplich meynungen unnd secten unnder den töüffern gewesenn. Daruß schlüß ich, das es gefarlich unnd schädlich ist, wo sich jemandt selbs inn das predigampt tringt223, darstelltt224 oder einfalltte, unverstänndige der geschrifft söllichs unnderstannden. Darumb ir touffbrüder (wie ir vast all sind) üch gar hartt söllten lassenn bewegenn; wenn joch ein oberkheitt üwereim ein pfarr [ S. 1 20} zu versechenn vertruwenn welltte in dem türen seel- unnd hirttennampt, üch deß wegern unnd werenn 225 unnd erkennen üwer ungelertte, derenn ir wol erwysenn sind vor der gmeind. Ich stan mins theills inn grosser sorg mitt disem ampt, da ir billichenn üwere khleinheitt erkhennen unnd dest ee des predigampts stillstan. Unnd alls üch dann ettliche mal üch hannd lassenn merckenn, wie ir zum predigampt getrunngen, ursach, das das arm völckli wißloß 226 ganngen wie die schäffli an 227 hirtten; das redent ir unbillich, dann unnsere gnedigen herren habennt Bissige sorg, wie trüwenn vätternn zimpt22s, nach verstä.nndigen, belä.snen, gotzvörchtigen predicanten. Deßhalb khein pfarr229 noch wyßloß22e oder hirttlos gestannden, sunder all versechenn unnd versorgett mitt denen, die so verstä.nndig, gottzvörchtig alls ir jemer230 sin mögent, wiewol wir üch nitt abschlachent. Bitten üch haruff, lieben brüder, umb gotts willenn, ir wellennt söllichs erkhennen, fürhin abstan von dem predigampt unnd irthumb, durch üch bißhar gelertt, dann es mitt dem gnug unnd zuvil, so ir bißhar gethan, damitt ir die masß nitt füllennt, das sy überlouffe unnd gott ein schwere rechnung gebenn müssennt. Sovill hab ich zu gfüter ermanung üch brüderlicher meynung wellen anzöügenn. Ennd des ußschweifs von der sünd inn den heilligenn geist. Wider ad propositum, wer die rechte khilch habe.

[S.

121]

Wider von der kilchenn, da es vor gelassenn.

Doctor B[astion]: Diewyll ir hievor bekhenndt, das uff beider sytt, by üch unnd unns, sündt syennt unnd wir ouch sagennt, das ein straff sin soll, stannd wir glich. Nu sagennt aber wir, die khilchen sye by unns, dahin ir unns nitt wellennt lassenn khommen.

223 224 225 22& 221 226 229

2ao

drängt. hin.rtel!t. bessern und [der Unkenntnis] erwehren. führerlos. ohne. geziemt. Pfarrei. ebenso verständig •. • als ihr nur sein mögt.

Die rechte Kirche

343

Allso stat die frag noch, worumb üwer versamlung ein christenliche khilch sye unnd das unnser nitt. aVogt: Diewyl dises gspräch darumb, das sy2a1 rechenschaft gäbent, meinen sy2a1, das man sy 2a1 vernämen sölte. Uß diser langen red mogent sy2a1 nit bricht2a2 werden. Aber wen sy schon übery1t 2aa wurdent und etwan ein mißverstand by inen sin und sy gwyst234, wöllent sy sich lassen wysen. Ammergöüw: Hat sich beclagt, das die presidenten die p[ rädikantenJ so lang reden lassent bruchen und aber sy mit irem willen nach mogent z'worten khomen. Die presidenten hand's versprochen, sy habent inen nie abgstrickt235, ir meinung zu sagen. Wöllent, das fürhin sy zu beiden syten khurtz fürtragen bschächent. & Hatz: Wir hallttenn, gloubennt unnd erkhennent, das wir die gmeind oder khilch Christi habennt, auch söllichs erwyst nach der heilsamen ler Christi unnd der aposteln, welliche von anfanng zu iren zytten ufgericht unnd versechenn mit ordnungen unnd brüchenn, darmitt die gmeind gottes sol zieret sin, wie wir das zöügt236 hannd. Nu dwyll jeder theill ein khilchenn han, wil ich ursach sagen, worumb wir üwer khilchenn nitt für die christenliche kilchenn habenn khönnent: das ir die christenlichen brüch unnd ordnungen nit könnent ufrichtenn, das ich verstan moge. Will gern vernemen, ob ir nach dem heilligen evangelio hanndlent, dwyll ir doch gestannd, das ein gwaldt in der gemeind gottes sin sölle ze straffen alle ungehorsame, die sich erhept, 2. Cor. 102a1, wider die gerechtigkeitt gottes, namlich [S. z22] der bann, den hab ich noch nienndertt funden, wie er aber unnder der christennlichen gmeind verordnett sin soll unnd by denen, die sich der ler Christi rüment. bErasmus: Wir hannd gester gnugsam bewertt, so der heillig geist lertt, regiertt etc., das die christenlich khilchen da sye. Hatt sich erfunden, das der heillig geist by ,...... C 16. Fehlt in A und z. T. auch in D. b Der folgende Abschnitt ist gegenüber dem Protokoll C vom Schreiber in A etwas umgestellt. Da aber keine wesentliche Kürzung vorliegt, folgen wir A. 231 232 23s 234 235 23& 237

die Täufer. belehrt. überrascht, erwischt. belehrt werden. abgeschlagen. gezeigt oder bezeugt. 2. Kor. ro,4-6.

Berner Gespräch IIJ 8

344

unns gsin, geregiert, die irthumben angezeigt unnd hinweg gethan 2as; das ouch ir inn vil dingenn, wie ir selbs bekhenndt, von unns gelertt. Daruß gewüsslichen gevollgett, das dieselb war christennlich kilchen (wie dann nur eine) by unns gsin unnd noch ist. Alls ir aber anzöügen, worumb sy nitt by unns sye unnd ir zu einer ursach meldent, die straff, alls der bann, sye nitt inn unnser kilchenn, wie sy die apostell ghallttenn; daran thund ir unns unrecht, dann wir ernnstige straff, die menge person ungern thuldett, nitt allein mitt dem predigenn, sunders mitt der thatt, mitt verwißung von lannd unnd kestigung239 im loch etc. darin habennt, wie sich harnach finden, so man darvon hanndlenn wirtt. Das sy aber nitt ist, grad wie ir meynent, daran ligtt nütt. aHotz: Vermeint, inen sölle bescheid werden umb die straff. a Erasmus: Unnd alls sy, die touffbrüder vermeint, inen sölle jetz der straff halb antwurtt gebenn werdenn, dwyll man sovil darinkhommen unnd die predicannten bekennt, das in der khilchen ein straff sin sölle, diese zu erwyßung, welliche parthy die rechte khilchenn habe. Unnd aber [S. z23] die predicannten vermeintent, die artickell söllint vorgan, waruß ein khilchen bestannde, wie man darin kömme alls fürnämlich der thouff, eyd schwerenn. Unnd allsdenne vollge für sich selbs hernach, was man nitt darin tuldenn, wie man es straffen sölle. bßrügger et Lüti: Hand sich begäben, das sy nach ordnung handlen wöllen, von dem touff zum ersten, darnach vom eyd etc. b cHotz: Wil die straf lassen stan. Was sy halten, das nit nach der hellgen ler der apostell. Erasmus: Das sy nit gesendt, sonder geluffen [?]. Ir absundrung und ander artigkell söllent erzöigen, warumb sy nit ein c[hristlich] kilch. Die presidenten hand abgestelt das alls. Söllent den touff anzöigen. c

a-a b-b

C 11· c 11·

c---b

war. s noch. 399 Berechtigung der eigentlichen Wiedertaufe. Vgl. S. f2. 400 Vgl. Eph. 4,7. 4 01 bewirkt. 402 geringere [Zeichen]. 397 39

Taufe

39I

Erasmus: Wie obgeseitt: Nach der mas hannd sy den heilligen geist, wie inn die alltten durch den gloubenn, allso die kind, das sy gereinigett von Christo von den sünden unnd sy ingeschribenn sind in sin zall der glöübigen kilchenn.

D. B[ astian]a: Wie dann der heillig geist vill unnd mencherley würckung hatt, in eim die,

inn eim anndern ein anndre, allso würckt er ouch inn den khindlinen. Namlich die verzichung403 der sünden, das ist die geistlich widergeburtt, das sy mitt gott dem vatter versündt, das richt der heillig geist in inen an, ob er sich woll nit uffthutt404. Allso ouch inn Christo, der mitt der zytt zunam unnd sich der heillig geist in im je lennger je mer harfürthet405, ob er sich schon in inen nitt merergcklichenn b406 erzeigt, wie inn denn alltten. Darzu empfacht407 man den heilli gen geist ettwan nitt von nüwem an, aber die merung desselben alls in eim richern werck. Alls die apostell hatten ouch den heilligen geist, da sy der her berufftc unnd sy im nachvollgten, aber nitt so rich unnd völlig inn einer söllichen maß, wie sy inn am pfingstag empfienngent. Da retten 408 sy mencherley sprach, wurdent geschickte dienner, das evangelium umbherzetragen. Wenn ir üch nu nitt fürgesetzt409, uf üwerm kopff410 unnd fürnemen ze belyben (alls wir üch doch bessers trüwennt411) so hettent ir numer bericht gnug empfanngen.

[S. r88] Vogt: Wir werdennt allweg darfür geachtett [daß], so wir den jungen kindenn den touff nitt zUlassennt, das wir inen ouch die sälligkeitt abschlachennt. Das halltten wir aber nit, dann Christus rüfft sy zu im. Das wir inen aber könndent den touff zUlan, das mogent wir nitt fanden. So sy weder böß nach gutts wüssent. Wie Christus, Marci ultimo ouch Rom 8 stat412, sinen jüngern bevelch gebenn, hatt er nitt gesprochenn: gannd hin zu den khinden, sunder sy zu denen gesennt, die es verstan konndten, denen, die sich der besserung ergabennt. Denen gehördt ouch der touff allein, wie hütt vil gesagtt. Hallttennt ir, das die kind nitt sällig • in A sind die Voten von Ritter und Meyer zusammengezogen. C und D trennen jedoch an dieser Stelle. b

c

4oa 404 405

406 407 408 409 410

411 412

in A korrigiert aus mengcklichenn. in A korrigiert aus: dann sy der her toufft. Verzeihung. eröffnet. hervortut. Bedeutung unklar. Wohl doch: jedermann. empfängt. redeten. vorgenommen. bei euerem harten Kopf. zutrauen. Mk. ro,rf.lf, wohl eher Röm. 8,rr.

Berner Gespräch I JJ 8

werdent, sy werdennt dann toufft? Dwyll ir so hefftig daran hangendt, das man sy touffen sölle. Erasmus: Im spruch Marci ultimo diennet eins zum anndern, dann ziiletst statt: Wer nitt gloupt, ist verdampt. Wenn ir inen uß dem gründ, darumb das sy nitt gloubennt, wellent den touff abschlachenn, so müst ir inen im nachgennden «wer nitt gloubt» ouch die sälligkeitt abschlachenn. Item zun Römeren 8413: Das ist ein gmeine redt, schlüst niemandt uß. Wer den geist Christi nitt hatt, ist nitt sin. Allso er6ndt sich, das die kind sin sind. Darumb müssent sy den geist Christi han, unnd dwyll ir inen den heilligen geist abschlachent, schlüssent ir sy von der sälligkeitt us, dann es ist khein [ S. I 89} sälligkeitt an 414 die widergepurtt des heilligen geist. Johannis 3 415, Item uf die frag, welliche kind allso uß disem zytt verscheidenn, den wassertouff nitt habenn mögent, die sind darumb nit verdampt, dann sy toufft sind in dem blUtt Christi mitt der widergepurtt. Unnd alle die man mag zum touff bringen, söllent getoufft werdenn nach dem bevelch Christi, darmitt sy der ordnung nach mitt dem anheblichenn zeichenn a in die gemeind Christi verzeichnett, wie es ouch alle christen nitt unnderlassenn werdennt. Vogt: Die khind sind wol in dem pundt der verheissung. Aber ich bin noch nitt bericht 41 6, das inen der touff gehöre oder das man jemandt touffen sölle, der nitt gloube unnd den geloubenn bekhennen kan. Dwyll wir bewisen durch villfalltige geschrifft, [daß] nach der ler Christi unnd der apostelln das lerenn vorgan; denn touffen, das gehördt den alltten gelöübigen zu. Die werdenn verfast zu eim lyb, wie Paulus redt. Des behellffen wir unns, allen denen, die gloubenn inn den herrn Jhesum, die ein gewiße zügcknus unnd kundtschafft einer gutten gewüssne, denen verkündt buß unnd besserung; die begrabennt417 den alltten mentschen in den tod Christi; dab fyret418 der sündtlich lyb; sind uferstannden in eim nüwen lebenn; wie ir ouch bekhennent nur ein glouben, nur ein touff, der brucht wirtt nach der apostell ler. Denselben fürent wir unnd gehördt denen allein das zeichen. Hiemitt wellent wir ouch erwysenn habenn, das der üwer alls der khindertouff nitt recht sye.

a b

41s 414 •10 418

417 418

in A gestrichen ein zweites Zeichen. in A da korrigiert aus dan. Röm. 8,9. ohne. ]oh. 3, 3· belehrt. gaben ab. hier: fällt aus.

Taufe

393

[S. r90] Erasmus: Das alls ist vor vill unnd dick 419 verantwurttett. Namlich das nur ein touff, sye der touff Christi. Darinn werdenn kind unnd alltt toufft inn das lidenn Christi. Unnd wenn den khinden der touff von deswegenn, das sy nitt glouben, nitt gebenn sölle werdenn, so ist inen die sälligkheitt abgeschlagenn. 1. Petri 3420: Nitt das abweschenn am fleisch macht unns rein, sunder der annder teill, die widergeburtt, ein gutte gewüssne421 han mitt gott. Das halltten wir ouch. Wer sällig welle werdenn, muß ein gutten pundt oder zügcknus mitt gott han. Das habent die kind; namlich durch die widergeburtt des heilligen geists. Darumb sind sy ouch sällig.

Lüti: Lassennt ir zu, das der touff uff die widergeburt gehöre unnd die widergeburtt vorgan müsse? Erasmus: Der touff ist zweyerley, wie wir dick geseitt422: eins die widergeburtt, das ist die verheissung des pundts durch den heilligen geist, wie gott verheist dem Abraham, er welle ir gott sin, sy müssent sin vollck sin. Dwyll ir müst bekhennen, das die kind die widergeburtt hannd, sind durch den heilligenn geist widergeborenn, der inn den kinden würckt423 reinigkeitt. Mitt was billigkeitt wellent ir inen das usser oder das wasser alls das minder abschlachen? Allso wie in den jungen dise widergeburtt gatt durch die verheissung in unnd [S. I~I} wirtt gewürckt durch den heilligenn geist, macht die khinder vächig424 des touffs, allso inn den allttenn, wie si die apostell getoufft hannd, würckt der heillig geist die widergeburtt durch den gloubenn, unnd derselb macht die alltten des touffs vächig424, dann die zwey ding, zeichenn unnd das verzeichnett, wasser unnd widergepurtt, müssent entlieh beide da sin, wo man soll touffen42s. Hotz: Wie vor von minen brüdern geredt, das die khind och 3 den tod Christi habennt, durch inn erlöst, sällig gemacht unnd das eewig lebenn habennt, das bekhennen ich ouch und gloubens. Das aber söllichs durch den glouben bescheche oder das sy widergeborenn werdennt, das hallttenn ich nitt, dann sy • och nach B 169. A hat i"tümlich durch. oft. 1.Petr.3,21. 421 Gewißheit. 422 oft gesagt. 423 bewirkt. 424 fähig. 425 Ritter meint, die äußere Taufe müsse gespendet werden, wo die Möglichkeit der Wiedergeburt im Geist vorhanden sei. 419 420

Berner Gespräch I!JS

394

noch in der unwüssenheitt sind unnd das sündtlich fleisch von Adam har an inen hannd. Wie inen aber dasselb an 426 ir schuld harkhumpt, allso wirtt es inen an ir schuld unnd zuthun hingenommen unnd die erbsündt nitt verdamptlich sin; dann wie den glöübigen die begird nitt anhanngett dann mit sünd, aber doch inen nitt schädlich, allso ist es mitt den khinden ouch. Der spruch 1. Petri 3 rett nitt nur vom pundt, sonnder von einer gutten gewüssne mitt gott. Allso ist der touff ein gutte gewussne mitt gott, das alles [nur] by den alltten [sein] unnd by den jungen nitt sin mag. Erasmus: Ir bekhennent, das die khindli das eewig leben habennt427. Stat Johannis 3428, wie Christus zum Nicodemus rett, es kan niemant das rieb gottes sechen 429, er sye dann widergeboren. So aber die [S. rg2] khindli den heilligenn geist nitt hettind, so werent si ouch nitt widergeborenn, wie ir dann inen die beide stuck abschlachent, unnd darmitt schlachent ir inen die sälligkeitt ab; dann was nitt widergeborenn ist, das ist von wegen der erbsünd verdampt. Wenn aber die erbsünd nitt verdamptlich ist, geschieht durch die widergepurtt des heilligen geists, inn wellicher der mentsch gereinigett wirtt durch das blUtt Christi. Johannis 1430. So sy nu aber des merern wirdig4s1, worumb wolltt man inen das minder unnd usser abschlachenn? Petrus 1. Pet. 3 sagt, was den mönschenn behallttenn 432 möge im touff: namlich der innerlich teill unnd nitt das usserlich wäschenn - glich wie die arch Noe ein bedüttung des touffs, in wellicher acht seelen behalltten, hatt darmitt abgeleineta43s, das man die sälligkeitt mitt dem wasser zugebe. Nu die kind hannd ein gutte gewüsse khundtschafft mitt gott durch den heilligen geist, der inn inen ist, unnd hett inen gott verheissenn, er weil ir gott sin unnd ouch das rieb gottes inen zugeseitt; darumb inen billichenn das zeichen des touffs gehördt. Uf frytag, dem 15. Martii. Töüffer Wisers abred über den touff: Eß ist unns allwegenn darumb ze thund, das es unns darfür geachtett, alls ob wir den kinden die sälligkeitt absprechennt. Das doch nitt unnser meynung ist, sunder lassennt inen die gernn zu uß Mathei 19, Marci 10434. [S. rg3] Das • abgeleinet nach B r69. A unleserlich. 426 4 27

42a 429 430

431 432

433 4 34

ohne. Das wußten beide Teile schon längst. Vgl. oben S. J7I. ]oh. J,J. sehen. joh. I,JJ-Jl· des höheren würdig. halten, erhalten, bewahren. abgewiesen. Matth. r9,1J-IJ. Mk. ro,1;-r6.

Taufe

39 5

versichertt unns unnd halltten sy wie im alltten testament: die meittli ouch im pundt gsin unnd nitt beschnitten worden. Allso im nüwenn halltten wir die kind, das sy sällig werdenn, (ob sy woll, wie Marci am letsten der bevelch wyst, nit toufft werdennt) darumb, das sy unschuldig sind. Dann wie der tod umb eines mentschen willen über alle khomen, also ist die reinigung durch Christum komen. Item der spruch Marci ultimo: wer aber nitt gloubt, ist verdampt. Derselb diennett nitt uff die khind, sunder uff die alltten. Wenn denselben das evangelium verkhündt unnd sy nitt gloubent, denn reicht es inen zur verdamptnus. Laß die khinder in disem vall an irem ortt stan. Item zun Römern 8 435: wer den geist Christi nitt hatt, ist nitt sin, halltten wir ouch von den alltten unnd nitt von den khinden, alls wellicher im alltten 436 das evangelium hördt unnd nitt buß thlitt, der ist nitt sin, Christi. Das könnent die khind nitt, sind unwüssent. Deßhalb es ein thorheitt ist, das man soll sagen, unwüssentheitt khönnde gloubenn. Darumb habennt sy ouch nitt den heilligen geist, dann niemant weiß, was im mönschen gsin, biß er verstat. Item die widergeburtt Johannis am 3. reicht ouch nitt uff die jungen, sunder uff die alltten. Das unnd annders bevilch ich denen, die geschrifft läsennt, ob es uff die jungen oder alltten dienne. Wellennt hiemitt beschlossen haben mitt unnsem dargelegtten geschrifften unnd gründen, alls Mathei 3, zo, 28; Marci ultimo; acto. z, 8, 10, 16, 19; Rom. 6; Coloß. z, Gallat. 3 437, was unns ouch hüttigs tag ursachett, das wir denn kindertouff nitt zülassen könnent unnd allein den alltten den touff gehörenn erkhennent.

[S.

z~4]

Erasmusa:

Ir begebennt üch für unnd für, wie ir den khindern die säligkeitt nitt abschlachennt. Söllent sy nu sällig werden, so müssent sy je den heilligen geist habenn; dann es khan niemandt sällig werdenn dann durch die widergeburtt des heilligen geists. Allso sind sy von der erbsünd widergeborenn vom heilligen geist durch das blütt Christi. So nu die khind unschuldig, fromm unnd gerecht, worumb solltten sy nitb das zeichen der gerechtigkheitt haben? Item in Marco ultimo: wer nitt gloubt, wirrt verdampt. Sagennt ir, es gannge die khind nitt an, so müst dann ouch das vorder4as mitt dem glouben unnd touffen die kind nitt angan; hettent wir den wider den kindertouff nitt allso vill söllen anziechen unnd verwerffen lut des spruchs. Aber doch entlieh gat er die khind an, doch inn glichem wertt die ersten unnd die nachgennden wortt, wie vill geoffnet, nitt vom touff ußschliessennde, sunder vil mer alls a b

435

in A: predicannten beschluß. nit in A nachträglich eingeschoben. Röm. 8,9.

•ss im Alter. 437 Matth. 3,2/f; Matth. 20 wurde von den Täufern nicht zitiert im Zusammenhang mit der Taufe. Vielleicht eher Matth. r9,r3-rf; Matth. 28, 18/f; Mk.16,rfff; Apg. 2,38; 8,34-39; ro,47; 16,33; r9,rff; Röm. 61 3-4; Kol. 2,12; Gai. 3,28 [?]. 438 das [bei Markus] vorangehende.

Berner Gespräch IfJ8

die unnder die zall der glöübigen gehörennt, zum touff verbindett. Wenn ir allso mitt der geschrifft wollttennt machen, so were khein spruch. Man könndte sagen, es gatt das nitt an. Zun Röm. 8 ist ein gemeine red, wellicher den geist Christi nitt hatt, ist nitt sin. Spricht nitt allein, wellicher alltter den geist Christi nitt hatt, ist nitt sin. Darumb gatt es die khind an. Sy hannd den geist Christi unnd sind sin. Demnach alls ir ein huffen sprüch angezeigtt, das ir meynnent, man sölle den kinden den touff nitt geben, aber darmitt kein grund ußbracht. Dargegen ist das unnser antwurtt, das man die kind sölle touffen, sye recht unnd [S. I9J} nodtwenndig unnd darumb vill annders, dann ir nach umbgestossenna. oder mögen darthun, bewysen unnd angezeigt. Nu zu erclärenn, warumb wir doch die kinder touffennt: Ist zum erstenn ze vermercken, alls wir üch fürgeworffen, ob die wiber ouch söllenn zu des herrn tisch gan. Daruff ir ja gesagt unnd aber dasselb mitt kheinem büchstaben oder einicher ußtrucktenn geschrifft mogen bewärenn, allein geschlossen mitt billichen ursachen unnd abrechnungen uß der geschrifft unnd darinn recht gethan. Dasselb ir billich mitt dem khindertouff ouch ansechenn unnd gelldtenn sölltten lassenn; dann im bevelch 439 ist khein vollck oder keiner mitt sinem namen benempt, wen b man touffen sölltte, weder jung noch alltt. Sölltte man nu darumb die kind nitt touffen, darumb das es nitt mitt namen ußtrücklich ist bevolchenn, so müste vollgenn: Diewyll der wybern halb kein ußtruckt heitter wortt, das sy ouch nitt zum tisch des herrn gan sölltten. Das werent letz meynungen440, die wir [/je ouch selbs nitt zülassent. Die gründ, warumb wir die khinder touffenn, hannd wir üch mitt vil warenn, rechtmässigen abrechnungen, ouch mitt der geschrifft bewysen. Das ir nitt darankommend, alls ir aber billich solltten, des mögent wir nitt. Namlich us denn worten Pauli Collo441 2 e, das der touff anstatt der beschnidung komen, dann der apostell nempt in die beschnidung Christi. Daruß vollgett, wie die jungen im alten beschnitten, das die jungen im nüwen söllen toufft werden. Sunst hielltte man sy nitt anstatt der beschnidung. Zum anndern: Alle die gotts sind, hannd den geist Christi. Sind sy nu gottes, so hannd sy den heilligen geist unnd söllent sy ouch sällig werdenn; alls ir inen die [S. I96} sälligkheitt zügebennt, müssent sy widergeborenn werdenn durch den heilligen geist. Sunst wurdennt sy nitt sällig. Derhalb müssent sy den heilligen geist habenn. Das sich aber der heillig geist, wie ir meynennent, in A korrigiert aus umstossenn. in A wen korrigiert aus wenn. c wir übereinstimmend in A und in B 172. d darankommen korrigiert aUJ daranbekommen. • z in A übergeschrieben über gestrichene 4.

a

b

439 440 441

Taufbefehl. das wären falsche Meinufllen. Kol. 2, 1 I.

Taufe

397

nitt in inen erzöügtt, ursach ist, das er nach der red Pauli nach der mas geben wirtt 442 . Deßhalb er in den khinden nit kann würckenn wie in alltten, sunder nach der artt mentschlicher nathur unnd alltters; dann in Christo hatt man ouch inn siner jugent (der vom heilligen geist nie verlassenn) sin gottheitt nitt gespürtt, hett geweinett, geesen, truncken wie ein annder kind unnd alle khindtliche artt, väll unnd brästen 443 an im gehept, ußgenommen die sünd, unnd ist mittenzu die gottheitt liplich in im gewonnett, aber darumb nitt ußbrochenn, biß er ettwas ufferwachsenn, wie die geschrifft seitt, er hab gewachsenn, unnd zugenommen. Unnd wer wolltte darumb löugnen, das er nitt warer gott gewessenn unnd göttlich wäsen in im gehept, ob es woll in der jugennt sich nitt erzeigtt wie im alltter. Allso ouch mitt den khinden. Sol man verstan, wie sy den heilligen geist habenn, dann wo ir inen den heilligen geist abschlachent, wie offt gerett, so schlachent ir inen das eewig läben ab. Sy hannd aber den heilligen geist. Darumb soll man sy touffen. Inn actis 10, alls Petrus sin predig ußgefürtt, seytt 444 er: Mag ouch jemandts werenn, das die nitt im wasser getoufft werden, die den heilligen geist empfanngen habenn, glich wie wir. Meldet annderst khein ursach, weder glauben noch bußverttigkeitt, sunder sy sient es touffs wirdig, so sy den heilligen geist empfangen. [ S. r 97} Allso ist es mitt den khindern. Im touff sind zwey ding: eins die widergeburtt durch den heilligen geist, das annder wasser. Da machent ir ein unnderscheid, wellennt inen die widergeburtt alls das mer zUlassenn (wiewol ir ouch dasselbig zu zytten widersprochenn), die an445 den heilligenn geist nitt mag, sunder durch den heilligen geist muß beschechen. Unnd das minder, alls das wasser, wellent ir inen abschlachenn, das doch niemermer billich ist. Zum drytten: dwyll ir bekhennent, das der touff ein zeichenn der glöübigenn khilchen ist unnd sich findt uß allttem unnd nüwem testament, gene. 17 unnd annderswo446, das gott allweg die kind unnder die zall der glöübigen gerechnott, hallttett sy alls wertt alls die den glauben bekhennen mögent, so man inen das zeichenn der glöübigen mitteiln 447, unnd ob sy woll kein gloubenn betten; das aber nitt, dann das senffkörnli des gloubenns nach der mas des heilligen geists in inen ist. So hannd sy doch die verheißung, züsagung, erlößung durch das blUtt Christi erlanngett, darumb man inen ouch das wasser, darin söllichs geoffnett, mitteilen sol. Denne hannd wir ouch annder gloubwirdig ursachen der vättern, die vor 1300 jarenn gsin, kinder toufft unnd darvon geschriben hannd, alls Origenes, Ciprianus, Lactantius, Hieronimus unnd der hoch, thür unnd fürnäm man Augustinus44s, wie obstat. Dieselb khundtschafft der vättern ist mir gewüsser 442

443 444 440

446 447 448

Vgl. Eph. 4,7. Fehler und Unzulänglichkeiten. sagt. Apg. ro,47f. ohne. r. Mos. 17,9-1 r. Mitteilen. Vgl. oben S. Jo2 Anm. r 21; S. J64 Anm. r J9; S. Jn Anm. JIO.

Berner Gespräch r ! J 8

dann aller touffbrüdern. Ir sagent, die apostell habennt kheine kinder toufft, unnd [ihr] habent kein geschrifft, [ S. 1!)3} nitt ein buchstabenn, darumb ze zeigenn. So schribennt die vätter, sy habennt die kinder toufft unnd sy söllichen bruch von denen, die der apostelln jünger gsin, empfanngen, die ouch bas449 mögenn wüssenn, wie es mitt den apostelln zuganngen weder ir. Allso findt sich, das der khindertouff der touff Jhesu Christi gsin, wie ouch nur ein touff ist unnd haruß gnugsamlich bewysenn, das man denselben touff den kinden alls woll wie den alltten geben soll unnd mag unnd es inen ouch nütz unnd nodtwenndig sye, wie villgemeldt. Bevelchen hiemitt das urteill der khilchenn.

[ S. I 99] Der fünfft arttigkell: Vom eyd Warumb der nitt christennlich sye unnd man den nitt thun möge aErasmus: Nit eyd schweren das völckli gelert. Söllent ursach anzöigen, das es nit christenlich a. bHotz: Begärt, das man von dem gwalt unnd straff rede; daruß volge dan oberkeit und eyd. Presidenten hannd anzöugt, das der eydtschwür jetz volge nach der ordnung. Wiser: Dye straff sölte vorgan. Wen den die welt und khilch von einander gesündert, alldan gsäche man, was jeder zughorte. D. Bastion: Söllent antwurt gäben des eydtschwurs halb b. Wiser: W orumb wir nitt bekhennen, das wir eyd schwerenn söllenn, wo wir annderst christen sin, ist die ursach: Christus sagt Johannis 121, der vatter hatt mir ein gebott gebenn, was ich thun unnd reden soll; wie dann im alltten, deutr. 182, 449

besser.

a-a

nach D r 28. Fehlt in A und B, in C 96 kürz.er. nach C 96. Fehlt in A, B und D.

b-b

1 job. I 2 1 49. • !· Mos. r8,r8.

Eid

399

von demselbenn prophetten, das ist Christus, gewyssagett, ist er kommen, den willen gottes, sins vatters, ze offnenn. Nu wie im alltten ein bruch gsin, das es nach fleischlicher wyß usserlich gehanndlett, söllich sittenn unnd brüch müssen unnder dem volck Israel sin. Ist inen bottenn wordenn, wann sy ein warheitt sagenn, das sy söllen unnd mögen by dem namen gottes schwerenn, wie stat, solltt khein valtschen eyd thün, sunder gott din eyd hallttenn. Alls aber Christus kommen, hatt er unns ein annder gebott gebenn, dem wir nitt könnden widersträbenn uß vorcht gottes, sunder müssent unns dem gehorsam unnd unnderwürfflich machen. Mathei 53 : Ir habennt witter gehördt, das zü den alltten (das ist unnder dem schattenn des alltten gesatzes) gesagt, du solltt nitt valtsch schweren etc. Ich sag aber üch „. - Das ist [ S. 20 o} unns. Denen gitt er ein annders, gar ein nüws, das ir aller dingen nitt schwerenn söllennt etc. Das hett unns Christus angebenn, der doch nütt gelertt, dann wie er das gebott vom vatter empfanngen. Der verbüttett nütt mer schwerenn in keinerley schwur, sunder was wir sagen, das ja ja unnd nein nein sye, wie das Jacobus in siner epistell 5 ouch bevestigett: Vor allen dingenn, mine brüder, schwerennt nitt4. Das ist unnser grund unnd ursach, das wir nitt billich unnd recht khönndent achten, welliche christen sin wellennt, inn die gehorsame gottes ergebenn, das die eyd schweren, sunder ir red sol ja ia unnd nein nein sins. Erasmus: Ir verstannd weder Christum noch J acobum unnd merckent nitt uff üwern selbs inzug von dem prophetten Deutro. 18, das man denselben, wellicher ist Christus, sol hören wie den Mosen. Nu hatt Moses gelertt unnd geheissenn eyd schweren; sprechent ir, Christus hab's uffgehept6, so werennt sy wider einanndern, dwyll by beidenn völlchern 7 gliche ursach erfunden wirtt. Sind aber eins verstanndts unnd müssent eins verstanndts sin. Die alltten hennd söllen unnd müssen eyd schweren. Sprechent ir, Christus hab ein annder bott gebenn des eydschwerens halb, das ist aber nütt. Wer inn die geschrifft wila vallen, der sol den anlas der wortten bedennckenn, us vor unnd nachgennden ortten 8 lügen 9 , das man den [ ! ] sententz, will unnd meynung ergriffe, deßglichen an anndern ortten, darmitt man einem spruch [mit] dem anndern ze hillff komen. So velt 10 üch [S. 201] am rechten willenn, meynung unnd verstannd, das ir demselben nit

a in A wil korrigiert aus willen.

Matth. J,JJ-Jl· jak. J1 I2. s Da die Täufer die Argumentation der Prädikanten schon kennen, versuchen sie sich gegenüber dem Alten Testament abzusichern. Vgl. die früheren Gespräche oben S. I 4ff, 20;. & aufgehoben. 7 Völkern. s Bibelstellen. 9 schauen. io fehlt. 3

4

Berner Gespräch I !J8

400

nachsuchenn, noch den ergryffen, sunder allein allso an sunderbarenn 11 , ußgezognen 12 sprüchenn hanngen wellent, das aber nitt recht noch giltt, dann die geschrifft ist gebenn, das man gottes willen darinen erkhennen. Unnd wenn wir allso machen wölltten unnd die geschrifft nitt im rechten willen Christi anzogen, so wurde alle geschrifft nütt zil unnser besserung, sunder vil mer zil verwirung diennen etc. Inn disem 5. capittell Mathei nimpt Christus den anlaß von den pharisern 13. Es sye dann, das üwer gerechtigkeitt höcher dann der geschrifftgelertten unnd pharisern sye etc. Dieselben leitten das gesatz valltsch us. Alls wenn einer allein mitt der thatt nitt sündigette alls so er mitt der hannd nitt tödte, mitt der thatt nitt eebreche, sölltte nitt für sünd gerechnott werden, wenn schon begirdenn unnd anfechtungen in inen werennt. Allso ouch mitt der täglichen red. Wenn einer den namen gottes nampte unnd es nur war were, so "'schiedeal4 es nütt. Denne, wenn einer schwüre zur unwarheitt unnd nur gott nitt nampte, bim himell, by der erdenn etc, so were es ouch nit sünd. Lartenn 15 allso valltsche gerechtigkeitt, glißnery1s und besunder mitt dem valltsch schwerenn, darmitt den nechsten zu betrügen. Das alles ursachett 17 den herrn Jhesum, das er sinen jüngern der phariseren ungerechtigkeitt fürzücht. Söllich valsch, unnütz [S. 202] schwerenn hatt ouch allein Christus berett unnd abgestelltt unnd gar nitt den rechten eydschwur. Sag mir an, Wißer, wo stat im alltten testament das, so Christus sagt, es ist zil den alltten gesagt, ir söllent khein valltschen eyd thiln? Wiser: bWeys wol, das Christus die warheit seit, das sy im alten testament nit valsch schweren, ob es wol nit mit ußtrukten worten statb, Levitici am 1918: Ir söllennt nitt vallsch schwerenn. Exodi 2019: Item nitt by anndern göttern schwerenn, sunder by sinem namen nütt globen unnd darnach nitt halltten. Sollten nitt schweren, das im hertzen erlogenn were. Das alles hett den Christum doch geursachett das er Mathei 5 darvon gerett. Welten woll, das ir den unnderscheid recht bruchtent, so wurdent ir's woll verstan.

....,. schiede nach B I71· A schrieb von B schüde ab. nach D I JO. Fehlt in A, B und C.

b-b

einzelnen. herausgerissen. 13 Vgl. oben S. 203. Vgl. aber auch die genau gleichen, z.um Teil etwas umständlicheren oder knapper dargestellten Argumente Zwinglis und Bullingers. Z VI r,r47f FrJjel IIJV ff. 14 würde es nichts schaden, wenn es wahr wäre. 15 lehrten. 16 Heuchelei. 17 verursacht. 18 J. Mos. r~,I2. ie 2. Mos. 20,7. 11

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Erasmus: Exodi zo stat: du solltt den namen des herrn, dines gotts, nitt liechtverttig nemen [ ! J. Levitici 19: Ir söllennt nitt vallsch schwerenn by minem namen. Da wirtt an dewederm 20 ortt der eyd genempt unnd findt sich nienndertt21 mitt ußtruckten wortten: du solltt khein vallschen eyd thun. Allso nimpt ouch Christus nitt den anlas vom eyd, sunder von valscher ußlegung des gesatzes, das die phariseeer, wie vorgeseitt, [S. 203] vallsch ußleitten; sagtenn, wenn man zur unwarheitt schwüri22 bim himell oder warbya2s man welltte, allein das man nitt gott nampte 24, so were es khein sünd. Deßglichenn sölltte es nütt schaden, wenn man schon gott nampte im täglichenn zuschweren, so es war were. Allein das man khein valltschenn eyd thätte unnd den namen gottes nitt zum valltschen erlognen bruchte unnd darumb von der phariseer misßpruch rett Christus: Ir hannd gehördt, das zu den alltten gesagt, du solltt khein valtschen eyd thun. Allso redtent die phariseer unnd geschrifftgelertten. Das alles hatt Christus widerredt, nitt allein das valsch eyd schwerenn, sunder alles valsch schwerenn, zuschwerenn, unnütz schweren by sinem namen unnd by allen creaturen, es sye zur warheitt oder unwarheitt, verbotten. Mathei z 3 25 leitt 26 er den phariseern sin meynung mitt dem valsch schwerenn witter uß. Darmitt stimpt ouch Jacobus21, der seitt28: Du solltt khein anndern schwlir thun. Allso findt sich, das Christus das recht eydschweren gar nütt ufgehept noch verbottenn, sunder allein das valsch schweren, es sye dann mitt oder ane 29 den eyd. Wer valsch, betruglich, den nechsten zu betriegen, mitt der unwarheitt schwertt, denne ob es woll die warheitt, das man doch nitt uppenklichso zu einem jeden ding in der täglichen red den namen gottes fürenn sölle, wie aber die phariseer mitt irem valtschenn verstannd ußleittent. Wiser: Im alltten testament hett man allwegen geschworen: [S. 204] «SO war gott läpt », ouch gott selbs gerett: «So war ich läb » ; allso hatt es gott durch Mosen gebotten. Wenn die sach war was31, mocht man sagenn: «So war der herr lebt». Wo im aber nitt allso, was es verbotten. Aber im nüwen testament, Mathei 5, • by eingesetzt für gestrichenes wie. 20

21 22 22 24 25 2&

27

2s 29

so 31

an keinem der beiden Orte. nirgends. schwören würde. wobei. nennen würde. Matth. 23,ro. legt. jak.J,I2. sagt. ohne. überßü.rsig. war.

Berner Gespräch r JJ 8

hett Christus ein annders bracht unnd gerett: Ir söllennt aller dingen nitt schwerenn. Darinn ist begriffen eyd unnd annder schwerenns 2 • Hallt mich der wortten Christi, weiß im sy nitt ußzeleggen unnd khan ouch nitt darwider. Darumb hallt ich für recht unnd fründtlich, das man einem jeden christen, wann er umb ein sach ja sagt, trüwess unnd ouch ein jeder sich allso halltte, das man im sins jasagenns gloube. Was darüber, ist von bösenn, alles witter schweren unnd globenn; dann wir nitt vermögent, ob wir etwas verhiessent34, das, so war gott lept, ze thfmd, dasselb ze halltten, dann unnser kheiner kan ein einigs har uf sinem houpt wys oder schwartz machen35, Erasmus: Die valsch ußlegung der phariseern verursachet Christum, wellichia36 was man sölltte kein valschen eyd thun bim namen des herrn, ouch den namen gottes nitt zu falschem erlognen schweren bruchenn, schiede 37 aber nitt, wann man schwiereas bim himell oder erdenn zu betrug, deßglichen wenn es nur war were. So möchte er zu einem jeden den namen gottes uppig nemen, were nitt sünd, richtetent alles vallsch ußleggen dahin, das einer den anndern betrügenn möchte unnd dennocht nitt sünd were. Daruff rett [S. 20J] Christus, wie dann ouch inn den zechen botten darumb ein verbott stat: ir söllennt aller dingenn a9 nitt schweren, alls khein vallschenn eyd noch sunst schwerenn zu betrug, darzu nitt allein den namen gottes, sunder ouch kein creatur nitt bruchenn. Item denne zuschwerenn alls den hochen namen gottes uppig in allen worten unnd zu allen sachen liechtverttig fürenn, ist ouch verbotten unnd stat christen nitt zu. Ist alles sünd unnd unrecht. Das aber darumb eydschweren von Christo ufgehept unnd verbotten (wenn es von einer oberkeitt zu der eer gottes unnd liebe des nechstenn ervordertt wirtt), ist nitt unnd muß das wörttli schweren allein vom valsch schwerenn unnd täglichen unnützen schweren 40 verstanden werdenn, wie es ouch Christus gemeint. Das aber du, Wiser, für ein ursach angezogenn, worumb wir solten schweren, so wir's nitt hallttenn unnd kheiner uß schwartzem wyses har uf sinem houpt machen möge 41 , wollt ich gern wüssen, was du doch diner eefrouwenn zugesagtt habest, so es in dinem gwalldt nitt stat ZU leistenn. Wenn es allso were, das keins dem anndern zusagenn sölltte, darumb, das es nitt

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B r79 hat wellchi. Anspielung auf die zweite Bedeutung von schweeren: fluchen. traue. versprechen würden. Matth. J,36. welche. würde nicht schaden. schwören würde. bei allen Dingen. bereits schon im Sinne von fluchen. Matth. J,36.

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leisten 42 möchte, so wurde ouch kheiner im eelichen stat trüw43 sinem gemachell44 dörffenn zusagenn. Wer es doch alls4S ufgehept46 der eelich stantt unnd annder erlich sachen. Ich sag aber, das wir schweren unnd es ouch halltten mögen inn unnd mitt gott, ja, der ein fromm hertz hatt. Wer aber ein betrüglich hertz hatt, der mag glichwoll sagen: ich mag es nitt halltten. Was sollt ich zusagenn? Oder ob er woll schwertt, so hallttett er's dennocht nitt. Das ist aber ein ware liechtverttigkheitt und unwarheitt; dann man mag [ S. 206} mitt gottes hillff halltten, was eerlich unnd mitt gott ist. Sunst soll man ouch umb khein annder ding kein eyd thun. Allso hatt ouch Abraham unnd anndre heilligen eyd geschworen unnd die gehallttenn. Der spruch Jacobi 547 ist ouch gar nütt wider den eyd, dann er dessenn nütt gedennckt, sunders wie ouch Christus selbs, das üwer wortt ja ja unnd nein nein sin, uf das ir nitt inn glißnery48 fallent. Was darüber ist, das ist von argem. Allso inn täglichen redenn allwegen glich darzu schwerenn unnd gott nennen a, wie dann by unns allenn ein bösser bruch unnd woll ze schelltten ist. Darvon redt Jacobus. Die Latiner hannd dessenn ein finen underscheid; das in tütsch sunst alles schweren heist, ist inn derselben sprach mitt angehennckten zusätzen unnderscheiden; alls gottlestern, täglich zuschwerenn, valsch eyd thun unnd ein rechten eyd thun. Wenn ir dieselb sprach verstündent, könndten wir