Lexikon der älteren germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen. Band 3. P-Ä [3] 904203470X, 9789042034709, 9789401207508

Die ostseefinnischen Sprachen enthalten viele alte, d.h. vor etwa 500 A.D. übernommene Wörter germanischer Herkunft. Die

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Lexikon der älteren germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen. Band 3. P-Ä [3]
 904203470X,  9789042034709,  9789401207508

Table of contents :
VORWORT vii
ABKÜRZUNGEN ix
LITERATURVERZEICHNIS xi
WÖRTERBUCH 1
P 1
R 96
S 208
T 257
U 334
V 343
Y 426
Ä 429

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LEXIKON DER ÄLTEREN GERMANISCHEN LEHNWÖRTER IN DEN OSTSEEFINNISCHEN SPRACHEN

Bd. III: P-Ä

LEXIKON DER ÄLTEREN GERMANISCHEN LEHNWÖRTER IN DEN OSTSEEFINNISCHEN SPRACHEN

Bd. III: P-Ä Begründet von

A.D. Kylstra fortgeführt von

Sirkka-Liisa Hahmo Tette Hofstra Osmo Nikkilä

AMSTERDAM - NEW YORK, NY 2012

The paper on which this book is printed meets the requirements of ‘ISO 9706: 1994, Information and documentation - Paper for documents Requirements for permanence’. ISBN: 978-90-420-3470-9 E-Book ISBN: 978-94-012-0750-8 © Editions Rodopi B.V., Amsterdam - New York, NY 2012 Printed in The Netherlands

INHALT

VORWORT ABKÜRZUNGEN LITERATURVERZEICHNIS WÖRTERBUCH P R S T U V Y Ä

VII IX XI 1 1 96 208 257 334 343 426 429

VORWORT

Nachdem der erste Band 1991 und der zweite Band 1996 erschienen waren, geriet die Arbeit am dritten Band bald ins Stocken. Vor allem Lehre und Verwaltung beanspruchten immer mehr Zeit und Energie der Bearbeiter. Weitere erschwerende Umstände kamen hinzu. Der dritte und letzte Band erscheint nun erst anderthalb Jahrzehnte nach dem zweiten Band. Zu Beginn der Arbeit am dritten Band waren die drei Bearbeiter alle noch in Groningen tätig. Osmo Nikkilä (1933–2002), der ab 1979 am Projekt beteiligt war, kehrte im Jahre 1995 zurück nach Finnland. Er hat aber bis Dezember 2002, als er einer schweren Krankheit erlag, wesentlich zum dritten Band beigetragen und an den Lemmata paahata – rivi (mit einigen Ausnahmen) vollwertig mitgewirkt. Ab rohkea sind die meisten Lemmata leider ohne seine ausgezeichneten Kenntnisse zustandegekommen. Sein Tod bedeutete nicht nur für die Arbeit am Lexikon, sondern auch im persönlichen Bereich einen schweren Verlust. Sirkka-Liisa Hahmo folgte im Jahre 2000 einem Ruf nach Greifswald. Die bis dahin übliche, regelmäßige gemeinsame Arbeit an einem einzigen Ort, Groningen, war damit nicht länger möglich. Der Begründer des Lexikons, A. D. Kylstra (1920–2009), war bereits ab zweitem Band nicht mehr an der praktischen Arbeit beteiligt. Er verfolgte aber bis zu seinem Tode die Arbeit mit Interesse. Er hat das Erscheinen des dritten Bandes bedauerlicherweise nicht mehr erlebt. Die Arbeit war nur möglich, weil die Bibliotheken in Groningen und Greifswald über gute relevante Bestände verfügen. Ohne das Forschungszentrum für die einheimischen Sprachen Finnlands (KOTUS) und ohne die Bibliothek der Universität Helsinki wäre die Materialgrundlage des Lexikons allerdings wesentlich beschränkter gewesen. Diesen beiden Institutionen gebührt viel Dank für den freien Zugang, den wir zu ihren Beständen hatten. Wir danken auch den Greifswalder studentischen Hilfskräften Andrej Schabalin, Heike Krannich und Tanja Aho für ihre Hilfe unterschiedlicher Art. Dem Verlag Rodopi, ins besondere Herrn Fred van der Zee, danken wir für das uns entgegengebrachte Verständnis und für die Geduld. Die lange Bearbeitungszeit hat dazu geführt, daß die Verarbeitung des Materials einigermaßen uneinheitlich ist. So hat der Umstand, daß im Laufe der Bearbeitung immer wieder neue Werke herangezogen werden konnten, zur

VIII

Uneinheitlichkeit beigetragen; dies macht sich u. a. in der Schreibung von altgermanischem und ostseefinnischem Material bemerkbar. Die zur Zeit der Veröffentlichung der beiden ersten Teile des Lexikons gültige Orthographie des Deutschen wurde trotz der Orthographiereform aus dem Jahre 1996 beibehalten, damit die drei Bände äußerlich mehr oder weniger einheitlich aussehen. Einzelne Abweichungen dienen vor allem der Einsparung von Raum. Im Wörterverzeichnis des Lexikons wird die Reihenfolge des finnischen Alphabets gehandhabt. Estnisch õ wird als letzter Buchstabe nach dem finnischen Alphabet eingeordnet. Für den dritten Band wurde die uns bekannte Literatur bis zum Jahre 2009 ausgewertet; nur in einigen Ausnahmefällen sind später erschienene Veröffentlichungen berücksichtigt worden. Das Literaturverzeichnis im dritten Band bezieht sich auf alle drei Bände des Lexikons. Die Literatur ist in der in Deutschland üblichen Weise alphabetisch geordnet.

Greifswald, am 23. November 2011

Sirkka-Liisa Hahmo

Tette Hofstra

ABKÜRZUNGEN

A. adän. Adj. Adv. ae. afries. agotl. ahd. aind. aisl. alem. an. apreuß. aruss. as. aschwed. aSs. aWb. awn. balt. Bed. C D. dän. Dekl. dial. Dial. dt. Elat. engl. estn. estnS. f. fär. fi. fig. fi.-ugr. fries. frühind. frühurfi.

Akkusativ altdänisch Adjektiv Adverb altenglisch altfriesisch altgotländisch althochdeutsch altindisch altisländisch alemannisch altnordisch (= altisländisch) altpreußisch altrussisch altsächsisch altschwedisch alte Schriftsprache alte Wörterbücher altwestnordisch baltisch Bedeutung Konsonant Dativ dänisch Deklination dialektal Dialekt deutsch Elativ englisch estnisch südestnisch feminin färöisch finnisch figürlich finnisch-ugrisch friesisch frühindisch frühurfinnisch

frühurgerm. G. germ. got. gotl. gr. idg. ieur. Ill. Ind. indoiran. Iness. Inf. ingr. intrans. iran. isl. K. karel. Komp. Konj. lat. lett. lit. liv. lp. lpI. lpK. lpKld. lpL. lpN. lpS. lpSk. lpSüd. lpT. lpVefs. lüd. LW LWW M. m.

frühurgermanisch Genitiv germanisch gotisch gotländisch griechisch indogermanisch indoeuropäisch Illativ Indikativ indoiranisch Inessiv Infinitiv ingrisch intransitiv iranisch isländisch Kukkosi karelisch Komparativ Konjugation latein(isch) lettisch litauisch livisch lappisch (samisch) inarilappisch kolalappisch kildinlappisch lulelappisch norwegisch-lappisch schwedisch-lappisch skoltlappisch südlappisch terlappisch vefsenlappisch lüdisch Lehnwort Lehnwörter Mahu maskulin

X me. mhd. mnd. mnl. mordw. mordwE. mordwM. n. N. nd. ndl. Neol. nhd. nordfi. nordgerm. nördl. norw. nwgerm. obs. obugr. olon. ON ostfi. ostj. östl. ostseefi. P. Part. perm. Pl. Postp. Präp. Präs. Prät. russ. samoj. samojJur. schwed. Sg. skand. slav. slaw. späturfi. späturgerm. Subst. südl. südwestfi. syrj. trans. tscher.

mittelenglisch mittelhochdeutsch mittelniederdeutsch mittelniederländisch mordwinisch erzamordwinisch mokschamordwinisch neutrum Nominativ niederdeutsch niederländisch Neologismus neuhochdeutsch nordfinnisch nordgermanisch nördlich norwegisch nord- und westgermanisch obsolet (veraltet) obugrisch olonetzisch Ortsname(n) ostfinnisch ostjakisch östlich ostseefinnisch Person Partizip permisch Plural Postposition Präposition Präsens Präteritum russisch samojedisch juraksamojedisch schwedisch Singular skandinavisch slavisch slawisch späturfinnisch späturgermanisch Substantiv südlich südwestfinnisch syrjänisch transitiv tscheremissisch

tscherKB. tscherU. ung. unpers. ural. urar. urfi. urgerm. urn. urnord. V Vd. vorgerm. vorgot. Wb. Wbb. weps. westfi. westgerm. westl. wolg. wogul. wolgafi. wot. wotj. wotJ. wotK. wotM. Wz. Zs(s).

tscher. Mundart von Kozmodemjansk tscher. Mundart von Urzum ungarisch unpersönlich uralisch urarisch urfinnisch urgermanisch urnordisch urnordisch Vokal Volksdichtung vorgermanisch vorgotisch Wörterbuch Wörterbücher wepsisch westfinnisch westgermanisch westlich wolgaisch wogulisch wolgafinnisch wotisch wotjakisch wot. Mundart von Joenperä wot. Mundart von Kukkosi wot. Mundart von Mahu Wurzel Zusammensetzung

LITERATURVERZEICHNIS

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XIX —— 1990c: Germanische Lehnwörter im Ostseefinnischen und weitere Lehnbeziehungen des Germanischen und des Ostseefinnischen. Uralo-Indogermanica II. Moskva, 23. —— 1991a: Zur Herkunft von osfi. *huikeįa. LU 27, 15–18. —— 1991b: Germaanse leenwoorden in de Oostzeefinse talen: een interdisciplinair projekt aan de RU Groningen. In: M. Demoor (Hrsg.), De kracht van het woord. 100 jaar Germaanse filologie aan de RUG (1890–1990). Studia Germanica Gandensia. Gent, 301–309. —— 1992a: Germanisch-ostseefinnische Lehnbeziehungen: Notizen zu Adjektiven. In: Honti et al. 1992, 55–63. —— 1992b: Rez.: Koivulehto 1991c. ABäG 36, 215–217. —— 1993: Rez.: Katz 1990a. Kratylos 38, 150–154. —— 1994a: Hängt am Webstuhl eine Spinne? Zu ostseefi. kangas. In: Künnap 1994, 40–47. —— 1994b: Rez.: Ritter 1993. ABäG 40, 201–207. —— 1995a: Zur Frage der ”westgermanischen” Lehnwörter im Ostseefinnischen. GJN 13, 138– 148. —— 1995b: Zu einer Insel der Vergessenheit: urfi. *laito und urfi. *lǀto. In: Künnap 1995, 67– 72. —— 1996: Ostseefinnische Verben germanischer Herkunft: Bemerkungen zur Morphologie. In: CIFU VIII:llI, 105–108. ——.1997a: Zu mutmaßlichen frühen ostseefinnischen Lehnwörtern im Nordgermanischen. In: Hahmo et al. 1997, 127–134. —— 1997b: Germanskie zaimstovannije slova v pribaltijsko-finskom i dalnejšie otnošenija zaimstvovanija meždu germanskim i pribaltijsko-finskim. In: T. M. Sudnik – E. A. Helimskij (Hrsg.), Balto-slavjanskie issledovanija 1988–1996. Sbornik nauþnyx trudov. Moskva, 128– 140. —— 2001: Probleme der germanisch-ostseefinnischen Lehnwortforschung: zur Semantik der Adjektive. In: CIFU IX:4, 369–375. —— 2002: Adjektive in der germanisch-ostseefinnischen Lehnwortforschung. In: Blokland– Hasselblatt 2002, 148–151. —— 2005: Zur Herkunft von finnisch taistella ’kämpfen’. In: FUM 28/29, 175–182. —— 2010a: Zur Frage der gotischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen. In: H. F. Nielsen – F. T. Stubkjær (Hrsg.), The Gothic Language. A Symposium. NOWELE 58/59, 195– 215. —— 2010b: Fi. ventovieras. In: Saarinen–Siitonen–Vaittinen 2010, 181–188. —— 2011: Zum niederländischen Wort zeep und seinen Verwandten. ABäG 67, 131–141. HOFSTRA, T. – HAHMO, S.-L. 1999: Ausgetretene Pfade im umhegten Gelände. Zu fi. raitti. NM 100, 379–388. HOFSTRA, T. – NIKKILÄ, O. 1993: Rez.: Koivulehto 1991c. Kratylos 38, 36–39. HOLTHAUSEN, F. 1934: Altenglisches Etymologisches Wörterbuch. Heidelberg. —— 1948: Vergleichendes und etymologisches Wörterbuch des Altwestnordischen. Göttingen. HONKO, L. 1962: Geisterglaube in Ingermanland I. FFC 185. HONTI, L. 1980: Rez.: SKES I–VI 1955–78. ALH 30, 185–190. —— 1983: Ablautartige Vokalwechsel in den obugrischen Sprachen. FUF 45, 25–45. —— 1993: Grundzahlwörter der uralischen Sprachen. Budapest. HONTI, L. et al. (Hrsg.) 1992: Finnisch-ugrische Sprachen zwischen dem germanischen und dem slavischen Sprachraum. Vorträge des Symposiums aus Anlaß des 25-jährigen Bestehens der Finnougristik an der Rijksuniversiteit Groningen 13.–15. November 1991. Amsterdam–Atlanta. HULDÉN, L. 1983: Svenska språkminnen i Satakunta. SoS 1983, 63–78. HUMMELSTEDT, E. 1938: Etymologiskt. FMS 5, 240–248. HUSTAD, T. 1979: Großes Norwegisch Deutsches Wörterbuch. Oslo–Bergen–Tromsø. HUURRE, M. 1979: 9000 vuotta Suomen esihistoriaa. Helsinki.

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XXV —— 1979b: Lainoja ja lainakerrostumia. Vir. 83, 267–301. —— 1979c: Baltisches und Germanisches im Finnischen: die finn. Stämme auf -rte und die finn. Sequenz VrtV. In: Schiefer 1979, 129–164. —— 1981a: Reflexe des germ. /Ɲ1/ im Finnischen und die Datierung der germanisch-finnischen Lehnbeziehungen. PBB (T) 103, 167–203, 333–376. —— 1981b: Zur Erforschung der germanisch-finnischen Lehnbeziehungen. SFU 17, 161–175. —— 1981c: Paikan ja joukon tulo kieleen. Vir. 85, 195–213. —— 1981d: Zur Datierung der germanisch-finnischen Lehnbeziehungen. Linguistische Studien. A 77. Akademie der Wissenschaften der DDR. Zentralinstitut für Sprachwissenschaft. Berlin, 12–25. —— 1981e: Die Datierung der ältesten germanischen Lehnwörter im Finnischen. In: CIFU V:7, 73–78. —— 1982a: Rasia ja asia. Vir. 86, 257–276. —— 1982b: Zur Periodisierung germanischer Lehnwörter im Ostseefinnischen. Wie findet man germanische Lehnwörter und was sagen sie uns? Vorträge gehalten an der Rijksuniversiteit Groningen am 12.5.1982 bzw. am 13.5.1982. (Handout.) —— 1982c: ’Kylvämistä’ ja ’hajoittamista’ merkitsevistä verbeistä. Symposiumi 82. Suomalais-neuvostoliittolainen itämerensuomalaisen filologian symposiumi 30.8. – 2.9.1982 Jyväskylä. Esitelmien referaatit. Jyväskylä. —— 1983a: Kalpa. In: Res referunt repertae. Niilo Valonen 1913–1983. MSFOu 183, 93–103. —— 1983b: Suomalaisten maahanmuutto indoeurooppalaisten lainasanojen valossa. JSFOu 78, 107–132. —— 1983c: Saksalais-virolaisia lainasuhteita. Rez.: Hinderling 1981. Vir. 87, 543–548. —— 1983d: Seit wann leben die Urfinnen im Ostseeraum? Zur relativen und absoluten Chronologie der alten idg. Lehnwortschichten im Ostseefinnischen. In: Janhunen et al. 1983, 135–157. —— 1983e: Zur Etymologie von finnisch kuiva und deutsch trocken. NM 84, 66–76. —— 1984a: Germaaninen filologia ja kansalliset tieteet. Vir. 88, 9–16. —— 1984b: Itämerensuomalais-germaaniset kosketukset. In: SVEJ, 191–205. —— 1984c: Pronssikautemme uudistuva kuva. Vir. 88, 217–225. —— 1984d: Rez.: Hinderling 1981. PBB (T) 106, 288–295. —— 1984e: Suomen vanha uskonto – Finlands gamla religion. Vortrag gehalten auf dem Tvärminne-Symposium 26.10.1984. (Handout.) —— 1985: Lehnwörter im Bereich von ’Korn’, ’Finne’, ’Flosse’. In: LKK 1985, 85–94. —— 1986a: Pinta ja rasva. Vir. 90, 164–177. —— 1986b: Die Sieverssche Regel im Lichte der germanisch-finnischen Lehnbeziehungen. In: B. Brogyanyi – T. Krömmelbein (Hrsg.), Amsterdam Studies in the Theory and History of Linguistic Science. IV. Current Issues in Linguistic Theory. Germanic Dialects: Linguistic and Philological Investigations, 249–294. —— 1986c: Zur ALE-Karte ”belette”: die Etymologie von Harm und Hermelin. In: Aspects of Language. Studies in Honour of Mario Alinei. I. Geolinguistics. Amsterdam, 133–147. —— 1987a: Namn som kan tolkas urgermanskt. In: Klassiska problem inom finlandssvensk ortnamnsforskning. SNF 67, 27–42. —— 1987b: Zu den frühen Kontakten zwischen Indogermanisch und Finnisch-ugrisch. In: Parallelismus und Etymologie. Studien zu Ehren von Wolfgang Steinitz anlässlich seines 80. Geburtstags am 28. Februar 1985. Akademie der Wissenschaften der DDR. Zentralinstitut für Sprachwissenschaft. Linguistische Studien A 161/11. Berlin, 195–218. —— 1988a: Lapin ja itämerensuomen suhteesta. Ieur. -Tr- yhtymän korvautuminen lainoissa. Vir. 92, 26–51. —— 1988b: Sananselityksiä. Viikottaiset viiden minuutin radioesitelmät kevätkaudella 1988. (Handout.)

XXVI —— 1988c: Besen und Bast. In: H. H. Munske et al. (Hrsg.), Deutscher Wortschatz. Lexikologische Studien Ludwig Erich Schmitt zum 80. Geburtstag von seinen Marburger Schülern. Berlin–New York, 246–258. —— 1988d: Idg. Laryngale und die finnisch-ugrische Evidenz. In: A. Bammesberger (Hrsg.), Die Laryngaltheorie und die Rekonstruktion des indogermanischen Laut- und Formensystems. Heidelberg, 281–297. —— 1988e: Alte indogermanische Lehnwörter im Finnisch-Ugrischen. UAJ.NF 8, 1–7. —— 1989a: Ehkä ja ehto, yskä ja ystävä. JSFOu 82, 171–192. —— 1989b: Rez.: Hofstra 1985a. PBB (T) 111, 93–100. —— 1989c: Etymologioinnin periaatteita: suomen keto, saamen gied'de. SJ 31, 39–52. —— 1989d: Sananselityksiä. Kieliposti 1989:1, 28–30. —— 1990a: Entlehnung und Lautgesetz. In: CIFU VII:1A, 7–26. —— 1990b: Zu den ältesten Kontakten zwischen Ostseefinnisch und Balto-Slavisch. In: Itämerensuomalaiset kielikontaktit, 148–153. —— 1991a: Rez.: OVL 1988. ABäG 34, 186–191. —— 1991b: Zur Chronologie der Besiedlung Finnlands im Lichte der Lehnwortforschung. Zur germanischen Glottogenese im Lichte der germanisch-finnischen Sprachkontakte. Vorträge gehalten an der Universität München am 18.2.1991 bzw. am 20.2.1991. (Handout.) —— 1991c: Uralische Evidenz für die Laryngaltheorie. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Sitzungsberichte 566. Wien. —— 1992a: Hieman heidestä. Vir. 96, 185–211. —— 1992b: Germanisch-lappische Lehnbeziehungen. In: Honti et al. 1992, 85–95. —— 1992c: Direkte Kontakte des Lappischen mit dem Baltischen. In: Deréky et al. 1992, 299– 304. —— 1992d: Der Typus palje ’(Blase-)Balg’, turve ’Torf’ unter den Lehnwörtern des Ostseefinnischen. JSFOu 84, 163–190. —— 1993a: Suomi. Vir. 97, 400–408. —— 1993b: Zur Etymologie von fi. susi, tosi – und kesi: eine Entgegnung. LU 29, 21–37. —— 1994a: Kuuluvatko lanko ja lanka yhteen? Vir. 98, 3–24. —— 1994b: Indogermanisch – Uralisch: Lehnbeziehungen oder (auch) Urverwandtschaft? In: R. Sternemann (Hrsg.), Bopp-Symposium der Humboldt-Universität zu Berlin. Akten der Konferenz vom 24.3–26.3.1992 aus Anlaß von Franz Bopps zweihundertjährigem Geburtstag am 14.9.1991. Heidelberg, 133–148. —— 1994c: Suomen kielen indoeurooppalaiset lainasanat ja indoeurooppalais-uralilainen alkusukuongelma. In: Academia Scientiarum Fennica. Vuosikirja 1992–1993. Helsinki, 181– 190. —— 1994d: Indo-European Laryngeals in Uralic: a Reply. LU 30, 1–8. —— 1994e: Germaanisten lainojen leksikko. Rez.: Lexikon der älteren germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen I: A–J. Amsterdam–Atlanta 1991. Vir. 98, 637–649. —— 1995a: Zur indogermanisch-germanischen Kontinuität in der Nachbarschaft der Finnougrier. GJN 13, 116–137. —— 1995b: Ala-Satakunnan Kainu ja pohjoisen Kainuu. In: Kielen ja kulttuurin Satakunta. Juhlakirja Aimo Hakasen 60-vuotispäiväksi 1.11.1995. TuYSYJ 51, 71–104. —— 1996a: Kuoleman ja elämän sanoja. Eeva Uotilan (8.3.1941–9.9.1995) muistolle. Vir. 100, 322–339. —— 1996b: Früher Pelzhandel: finn. kiihtelys ’40 Stück Felle’. In: A Frisian and Germanic Miscellany Published in Honour of Nils Århammar on his Sixty-Fifth Birthday, 7 August 1996. NOWELE 26/29, 413–430. —— 1997a: Die alten Sprach- und Kulturbeziehungen zwischen Germanen und Finnen. In: B. Bendel et al. (Hrsg.), Deutsche Sprache und Kultur – Brücke und Scharnier im Nordosten

XXVII Europas? Vorträge auf der Nordischen Konferenz 6.–9. September 1995 in Tampere/ Finnland. Tampere, 77–94. —— 1997b: Die Datierung der germanisch-finnischen Kontakte, revidiert. In: Hahmo et al. 1997, 11–33. —— 1997c: Rannie indoevropejsko-ural'skie jazykovye kontakty . In: T. M. Sudnik – E .A. Helimskij (Hrsg.), Balto-slavjanskie issledovanija 1988–1996. Sbornik nauþnyx trudov. Moskva, 156–163. —— 1998a: Puhdas ja Suomi. Vir. 102, 425–434. —— 1998b: Kiire ’päälaki’ ja muuta etymologista rajankäyntiä. In: Oekeeta asijoo, 235–246. —— 1999a: Verba mutuata. Quae vestigia antiquissimi cum Germanis aliisque Indo-Europaeis contactus in linguis Fennicis reliquerint. SUST 237. Helsinki. —— 1999b: Varhaiset indoeurooppalaiskontaktit: aika ja paikka lainasanojen valossa. In: Pohjan poluilla, 207–236. —— 1999c: Rez.: Lexikon der älteren germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen II: K–O. Amsterdam–Atlanta 1996. Kratylos 44, 119–122. —— 2001a: Etymologie und Lehnwortforschung: ein Überblick um 2000. FUF 56, 42–78. —— 2001b: The earliest contacts between Indo-European and Uralic Speakers in the light of lexical loans. In: Carpelan–Parpola–Koskikallio 2001, 235–263. —— 2002: Häät. Vir. 106, 490–507. —— 2003: Arjalaisia lainoja. Vortrag gehalten im Suomalais-Ugrilainen Seura 21.3.2003. (Handout.) —— 2005: Ein neuer autochthoner Grundstamm? In: FUM 28/29, 249–255. —— 2006: Finnische Namen germanischer Herkunft für Weidenarten. In: U. Breuer – I. Hyvärinen (Hrsg.), Wörterverbindungen. Festschrift für Jarmo Korhonen zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main usw., 423–430. —— 2009: Etymologisesti hämäriä -(is)tA-johdosverbejä, lainoja ja omapohjaisia. JSFOu 92, 79–102. KOPONEN, E. 1991: Itämerensuomen marjannimistön kehityksen päälinjoja ja kantasuomen historiallista dialektologiaa. JSFOu 83, 123–161. —— 1993: Viron murresanaston etelävirolainen komponentti. Sanaston alkuperän tarkastelua ja itämerensuomalaista sananmuodostusoppia. Lisensiaatintutkimus. Helsingin yliopisto. Itämerensuomalaiset kielet. Manuskript. —— 1995: Rez.: Hahmo 1994a, SJ 37, 213–224. —— 1996: Kirkko ja paasto – Itämeren alueen kulttuurihistorian kysymyksiä kahden lainasanan valossa. In: Hahmo–Nikkilä 1996, 91–104. —— 1998: Etäläviron murteen sanaston alkuperä. Itämerensuomalaista etymologiaa. MSFOu 232. —— 1999: Itämerensuomalaisten kielten meteorologisen sanaston etymologiaa Lauri Hakulisen väitöskirjan aineiston valossa. Vir. 103, 506–530. —— 2001/02: Zur Etymologie zweier lappischer Vogelnamen: rievsâk ’Moorschneehuhn’ und guovsâk ’Unglückshäher’. UAJ.NF 17, 1–8. KORHONEN, M. 1960: Heittää verbin semantiikkaa. Vir. 64, 164–175. —— 1963: Rez.: Rédei 1962. Vir. 67, 191–193. —— 1981a: Johdatus lapin kielen historiaan. Helsinki. —— 1981b: Kaksi juhlakirjaa Saksasta. Vir. 85, 247–258. —— 1984: Suomalaisten suomalais-ugrilainen tausta historiallisvertailevan kielitieteen valossa. In: SVEJ, 55–71. KORHONEN, O. 1982: Samisk-finska båttermer och ortnamnselement och deras slaviska bakgrund. En studie i mellanspråklig ordgeografi och mellanfolklig kulturhistoria. Skrifter utgivna av Dialekt-, Ortnamns- och Folkminnesarkivet i Umeå, Serie A Dialekter Nr 3. Umeå. —— 1990: A Western Boat Term in an Eastern Region. In: CIFU VI:2, 305–307.

XXVIII KORHONEN, T. 1999: Esisuomalaisen pyyntikultuurin ja maanviljelyn sanasto kansatieteen näkökulmasta. In: Pohjan poluilla, 174–179. KOSKI, M. 1957: Suomen vanki ’härän aisa’ sukulaisineen. Vir. 61, 391–401. —— 1967/70: Itämerensuomalaisten kielten hiisi-sanue. Semanttinen tutkimus I–II. AUTu C 5, 7. —— 1986: Zur morphologischen Restrukturierung und zu semantischmorphologischen Interdependenzen im ostseefinnischen Wortschatz. SFU 22, 177–186. —— 1987: Ihmisen ruumiinosien nimitykset suomessa ja ruotsissa (1). In: Kontrastiivista kielentutkimusta I. Fennistica 8. Turku, 25–116. —— 1990: A Finnic Holy Word and its Subsequent History. In: T. Ahlbäck (Hrsg.), Old Norse and Finnish Religions and Cultic Place-Names. Scripta Instituti Donneriani Aboensis 13, 404–440. KRATYLOS. Kritisches Berichts- und Rezensionsorgan für indogermanische und allgemeine Sprachwissenschaft. Wiesbaden. KRAUSE, W. 1966: Die Runeninschriften im älteren Futhark I–II. (Mit Beiträgen von H. Jankuhn.) Göttingen. —— 1968: Handbuch des Gotischen. 3. neubearbeitete Auflage. München. —— 1969: Zur Herkunft von finn. runo ’Lied’. FUF 37, 91–97. —— 1971: Die Sprache der urnordischen Runeninschriften. Heidelberg. KROHN, J. 1895: Nimien luettelo. In: Kalevala II. Selityksiä. Helsinki, 155–175. KROHN, K. 1908: Rongoteus. Sitzungsberichte der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1908. Helsinki 1909, 19f. KRONASSER, H. 1948: Zur Verwandtschaft zwischen Finnisch-Ugrisch und Indogermanisch. In: W. Brandenstein (Hrsg.), Frühgeschichte und Sprachwissenschaft. Wien, 162–185. KUHN, H. 1955/56: Zur Gliederung der germanischen Sprachen. ZfDA 86, 1–47. KULONEN, U.-M. 1988: Uralilaiset etymologiat tulevat. Rez.: UEW. Vir. 92, 283–292. —— 1990: Etymologian harhapoluilta: horma, jukopuu ja koikka. Vir. 94, 328–332. —— 1993: Suomalais-ugrilaisista *mo- ja *mu- pronomininivartaloista. In: Festschrift für Raija Bartens zum 25.10.1993. MSFOu 215, 195–201. —— 1996: Etymologie, Lautgeschichte, Herkunft. In: CIFU VIII:5, 88–91. —— 1999: Kulttuurisanat ja esihistoria. In: Pohjan poluilla, 240–244. KÜNNAP, A. (Hrsg.) 1993: Minor Uralic Languages and their Contacts. Tartu. —— (Hrsg.) 1994: Minor Uralic Languages: Structure and Development. Tartu. —— (Hrsg.) 1995: Minor Uralic Languages: Grammar and Lexis. Tartu–Groningen. KUUSI, M. 1983: Karjalan arvoitus. Vir. 87, 235–241. KV = Kalevalaseuran vuosikirja. Helsinki. KYLSTRA, A. D. 1961: Geschichte der germanisch-finnischen Lehnwortforschung. Assen. —— 1969: Väliaikatietoja uudesta itämerensuomalaisten kielten vanhimpien germaanisten lainasanojen sanakirjasta. Vir. 73, 389–393. —— 1970: Vorbemerkungen zu einem neuen Wörterbuch der ältesten germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen. Orbis 19, 175–182. —— 1974: Entwurf zu einem neuen Wörterbuch der ältesten germanischen Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen. UAJ 46, 27–53. —— 1981: Das finnisch-lappische Nominalsuffix *-ek und seine Bedeutung für die Lehnwortforschung. FUM 5, 21–32. —— 1985: Zur Frage eines Substrats im Skandinavischen. ABäG 23, 1–19. KZ = Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen. Berlin–Göttingen. LAAKSO, J. 2002: Rez.: SSA III 2000. FUF 57, 363–370. LAANEST, A. 1975: Sissejuhatus läänemeresoome keeltesse. Tallinn. —— 1982: Einführung in die ostseefinnischen Sprachen. Hamburg.

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P

PAAHATA (dial.) ’laut reden, antreiben, anspornen, sich beharrlich für etwas einsetzen; laut schelten’. *pƗha[~ [urgerm. *blƝsan-,] nwgerm. *blƗsan-, urn. *blƗsan; vgl. an. blása ’blasen, atmen’, aschwed. blƗsa id., ahd. blƗsan ’blasen, wehen, einhauchen’.] Paahata ist vor allem aus ostfi. Mundarten bekannt. Die Deutung als germ. Lehnwort ist von Katz; sie setzt Substitution von germ. bl- durch urfi. p- (statt l-) und von germ. s durch urfi. š > h voraus. Paahata dürfte eine deskriptive, unter Einfluß von fi. (ingr.-karel.-estn.) pauhata ’brausen, toben; stürmen; lärmen’ und fi. PAASATA ’laut sprechen; stürmen’ entstandene Bildung sein. Vgl. PAASATA. [Hellquist 1939 83;] SKES II 1958 450; [de Vries 1962 42; ODEE 1969 99; Seebold 1970 120; Lehmann 1986 373; Blöndal Magnússon 1989 63; N.Nielsen 1989 58;] Katz 1990a 34; SSA II 1995 282 [; Bjorvand–Lindeman 2007 109]. Kein germ. LW.

PAAHTAA, pahtaa ’bähen, rösten, grillen, bräunen; brennen (Sonne); schmerzen’, pa(a)htua ’geröstet oder gebrannt werden’; ingr. pƗhtua; karel. poahtoa ’rösten, wärmen, trocknen (trans.); brennen (Sonne); kräftig werfen’, poahtuo ’geröstet werden, trocknen (intrans.)’; lüd. puahtada ’verbrennen’; weps. pahtuda ’gerinnen (Blut)’; wot. pƗhtua ’anbrennen (Speisen), gerinnen (Blut)’; estn. pahtuma ’trocken oder hart werden, erstarren, gerinnen, zusammenbacken, sich verhärten, verkrusten, verquellen’; liv. påթ ‫ތ‬tի tΩյ ’rösten (Bohnen, Erbsen)’. *pahta- / *pahtu- / *pƗhta- / *pƗhtu~ [urgerm. *bƝjan-], nwgerm. *bƗjan- (, urn. *bƗjan); vgl. ahd. bƗen, bƗjen ’wärmen, bähen’, mhd. bæn, bæhen ’id., Brot bähen, rösten’.

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Kettunen betrachtet sowohl liv. pǀ֑‫ތ‬kstΩյ ’(Erbsen, Bohnen) braten, rösten’ wie auch westliv. påթ ‫ތ‬tի tΩյ ’id.’ als aus urfi. *pahta- hervorgegangen und vergleicht dies mit fi. pahtaa. SKES und SSA verbinden nur die westliv. Form mit pa(a)htaa. UEW faßt fi. paahtaa als ta-Ableitung von fi.-perm. *paše ’braten, backen, rösten’ auf, das Fortsetzungen im Wotjakischen (z.B. wotj. pi֑ ž ’braten, backen’) und Syrjänischen habe; im SSA wird dies als Möglichkeit erwähnt. Die Herleitung aus dem Germanischen wurde von Koivulehto vorgeschlagen. Diese Deutung setzt voraus, daß paahtaa ein verbales Suffix -(a)hta- aufweist. Auf das gleiche germ. Original sei auch PAATUA zurückzuführen. Koivulehtos Deutung weist zwei Schwächen auf: erstens wird das germ. j nicht reflektiert; zweitens ist das ahta-Suffix momentan, während paahtaa kein momentanes Verbum ist. Die einheimische, fi.-perm. Deutung ist ihr daher vorzuziehen. Vgl. PAATUA, PAISTAA, PAISUA, PEITTÄÄ. Kettunen 1938 307; SKES II 1958 446, 457f.; [Kluge–Mitzka 1967 44;] Hakulinen 1979 341; Raun 1982 114; Koivulehto 1981a 356–358; EEW 1982/83 1889; Hofstra 1984 36; Hofstra 1985a 37, 146, 344; T.Itkonen 1987 171; UEW II 1988 725; Häkkinen 1990a 194; SSA II 1995 278, 288; Koivulehto 1999a 215f.; Häkkinen 2004 848. Kaum germ. LW.

PAANU ’Dachschindel’, paunu ’Schindel’. *pƗnu ~ [urgerm. *spƝnu-z,] urn. *spƗnuR; vgl. an. spánn m. ’Holzspan, Splitter; Schindel; Löffel’, aschwed. spƗn m. ’Span’, ae. spǀn m. id., ahd. spƗn m. id. Paanu ’Pflock zum Anbinden des Viehs; hölzernes Grenzzeichen, Grabzeichen, -kreuz’ ist von paanu ’Dachschindel’ zu trennen und dürfte eine Variante von paalu ’Pfahl’ (mit sporadischem Konsonantenwechel l/n) sein. Paunu neben paanu ist auffällig und ungeklärt. Seit Thomsen wird paanu gewöhnlich als (jüngeres) skand. Lehnwort gedeutet. Koivulehto denkt an Herkunft aus dem Urnordischen. Die Entlehnung ist weder lautlich noch semantisch genau datierbar. Vgl. PIENA, PIENI. Setälä 1913a 419; Streng 1915 136; [Hellquist 1939 1056;] Karsten 1943/44 356; SKES II 1958 448; Kylstra 1961 119; de Vries 1962 532; ODEE 1969 856; Koivulehto 1976a 269; Hakulinen 1979 371; Hofstra 1985a 318; Nikkilä 1987 239; Blöndal Magnússon 1989 939; N.Nielsen 1989 413; Häkkinen 1990b 232; SSA II 1995 280; Nikkilä 1999 143 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1032]. Germ. oder jüngeres LW.

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PAARNA (dial., Vd.), paarne, paarni, parni, pa(a)rnikka usw. ’Kind’. *pƗrna ~ urgerm. *barna-, urn. *barna; vgl. an. barn n. ’Kind’, aschwed. barn n. id., ae. bearn n. id., as. barn n. id., got. barn n. id. Von paarna und Varianten sind aus den Mundarten nur Streubelege bekannt. Thomsen hat paarna als germ.Lehnwort gedeutet; Lönnrot hat es mit russ. paren' ’Junge’ verglichen; Wiklund hält diese Annahme für unbewiesen und denkt außer an Herkunft aus dem Urnordischen an Entlehnung aus dem Lappischen (lp. bar'dne < germ.). Setälä nennt Thomsens und Wiklunds Deutungen als Alternativen. Laut SKES und SSA können Entlehnungen aus unterschiedlichen Zeiten vorliegen; paarna könne eine urnord. Quelle haben; daneben sei an lappische Beeinflussung und – weniger sicher – an Einfluß aus dem Russischen zu denken. Vermutlich ist paarna ein junges Wort, das aus unterschiedlichen Richtungen gekommen ist. Thomsen 1869 47, 139; Wiklund 1892 243; Setälä 1913a 419; [Hellquist 1939 54;] SKES II 1958 449; de Vries 1962 27; [ODEE 1969 69; Lehmann 1986 62; Blöndal Magnússon 1989 42; N.Nielsen 1989 42;] SSA II 1995 281f. [; Bjorvand– Lindeman 2007 75]. Jüngeres LW.

PAARRE ’Borte’ s. PAARTAA.

PAARTAA (dial.) ’einfassen, verstärken, säumen’, paarre ’Borte; verstärkende Leiste am Bootsrand’; karel. poartoa ’drehen, winden, haspeln’. *pƗrta1. ~ urgerm. *barþa- (*barÿa-), urn. *barþa (*barÿa); vgl. an. barð n. ’Mittelteil eines Stevens, (Vorder)steven; Rand, Kante’, schwed. dial. bård ’Rand’, bårda ’mit einem Rand versehen’; [2. ~ urgerm. *brazÿa(z), urn. *braRÿa(R); vgl. an. bradd(r) ’Spitze’ (schlecht bezeugt), norw. bradd n. f. ’Rand, Kante’, ae. breard m. ’Rand, Kante’, ahd. brart m. ’Rand, Kante, Vorderschiff’.] Im SKES werden fi.-karel. paartaa und lpN. bar'det ’flechten, winden (Seil)’ als urverwandt betrachtet; vergleiche aber unten. Thomsen 1869 und 1870 hat das Substantiv paarre als germ. Lehnwort aufgefaßt und mit ahd. brart sowie mit dem germ. Lehnwort PARRAS verglichen, diese Ansicht aber später zugunsten einer Herleitung aus dem Baltischen (vgl. lett.

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bƗrkste ’Saum am Kleid’) aufgegeben. Wiklund verbindet fi. paartaa mit lp. bar'det und betrachtet paarre als Ableitung von paartaa. SKES bezeichnet Herkunft aus dem Baltischen als unwahrscheinlich und weist auf lautlich ähnliche Wörter wie an. barÿ hin, die zwar als Original nicht passen dürften, aber möglicherweise einen semantischen Einfluß ausgeübt hätten. O. Korhonen leitet paartaa aus dem Lappischen her, vgl. auch Plöger. SSA hält diese Deutung für wahrscheinlich; unklar sei das Verhältnis des lappischen Wortes zu germ. *barÿ-. Fi. paarre (G. paarteen) sieht an. barð lautlich und semantisch sehr ähnlich; es liegt aber im Nordgermanischen kein altes hinzugehöriges Verbum vor, denn das schwed. Verb bårda (in Finnland auch bard) ist eine Ableitung vom schwed. Substantiv bårda, vgl. dazu SAOB B 4710. Fi. paarre ist wahrscheinlich eine Ableitung von paartaa. Es ist nicht deutlich, ob fi. paartaa, karel. poartoa und lp. bar'det alle zusammengehören (fi. und karel. < lp.) oder ob fi. paartaa von lp. bar'det und (nord)karel. poartoa (< lp.) zu trennen und als Lehnwort aus dem (Finnland)schwedischen aufzufassen ist. Vgl. PARRAS, PARSI. Thomsen 1869 140; Thomsen 1870 161; Thomsen 1890 162; Wiklund 1904a 156; Setälä 1913a 419; [Torp 1919 16; Hellquist 1939 52;] SKES II 1958 449f.; [de Vries 1962 26;] Plöger 1982 78f.; O.Korhonen 1982 61–83; [Blöndal Magnússon 1989 41;] Lehtiranta 1989 98f.; SSA II 1995 282. ? Jüngeres LW.

PAASATA ’laut sprechen; stürmen (trans. und intrans.); heftig blasen; eilen, schnell gehen’; ?karel. poašata (SSA) ’heftig wehen’. *pƗsa1. ~ urgerm. *bas-, urn. *bas-; vgl. schwed. basa ’(los)rennen, stürmen, zurechtweisen’, norw. base ’sich abquälen; sich austoben’, mnd. basen ’unsinnig reden, handeln’, mnl. basen id. [2. ~ [urgerm. *blƝsan-,] nwgerm. *blƗsan-, urn. *blƗsan; vgl. an. blása ’blasen, atmen’, aschwed. blƗsa id., ahd. blƗsan ’blasen, wehen, einhauchen’.] Das im KKS fehlende karel. poašata wurde nur in Uhtua verzeichnet und ist laut SKES und SSA eine Entlehnung aus dem Finnischen. Hakulinen hat paasata als germ. Lehnwort gedeutet und es mit schwed. basa verglichen. Laut Karsten ist paasata ein Lehnwort aus dem Neuschwedischen, laut SKES und SSA zumindest teilweise ein neuschwed. Lehnwort und möglicherweise zum Teil eine deskriptive Bildung. Die von Katz vorgelegte Herleitung aus nwgerm. *blƗsan- setzt eine ungewöhnliche Substitution von urgerm. bl- durch urfi. p- voraus.

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Annahme einer Entlehnung aus dem Schwedischen oder dem Mittelniederdeutschen reicht lautlich (a in schwed. basa, mnd. basen ist gedehnt) und semantisch aus, das semantisch gefächerte paasata zu erklären. Vgl. PAAHATA. Hakulinen 1933a 172; [Hellquist 1939 56, 83;] Karsten 1943/44 356; SKES II 1958 450; [de Vries 1962 42; ODEE 1969 99; Seebold 1970 120; de Vries 1971 34; Lehmann 1986 373; Blöndal Magnússon 1989 43, 63; N.Nielsen 1989 58;] SSA II 1995 282 [; Bjorvand–Lindeman 2007 109]. Jüngeres LW.

PAASI (G. paaden) ’flacher Stein, Fliese; Felsen, Felsbrocken, -platte’; ingr. pƗZi ’weicher Stein’; karel. poaje (G. poatien) ’Deckplatte auf dem Ofen; Herdplatte’; wot. pƗsi; estn. paas (G. pae) ’Fliese(nstein), Kalkstein, Bruchstein; Fels’; liv. pǀ֑ž̗ ’Kalkstein’. *pƗsi si beteiligt; das für die Entlehnung vorauszusetzende germ. Original (nur hochdeutsch bezeugt) aber hat bereits nwgerm. Ɨ < germ. Ɲ. Die Etymologie des Wortes paasi bedarf weiterer Erforschung. [Hellquist 1939 1035f.;] SKES II 1958 450; [Kluge–Mitzka 1967 720;] Hakulinen 1979 312; Raun 1982 113; EEW 1982/83 1866f.; Koivulehto 1986b 288; [Blöndal Magnússon 1989 932; N.Nielsen 1989 405;] Hofstra 1995a 144; SSA II 1995 282f.; Koivulehto 1999a 260; Häkkinen 2004 850. ? Germ. LW.

PAASTO ’Fasten’; ingr. pƗsta, pƗsto; ?karel. poasto; wotK. pƗstǀssA ’fasten’; estn. paast (G. paastu); liv. pasթ t. *pƗsto ~ urgerm. *fastǀn-, urn. *fastǀ; vgl. an. fasta f. ’Fasten(zeit)’, aschwed. fasta f. id., as. fasta f. id., ahd. fasta f. id.

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Karel. poasta ist nur aus zwei Kirchspielen bekannt und ist wahrscheinlich ein Lehnwort aus dem Finnischen. Thomsen hat paasto als germ. Lehnwort gedeutet; es wird gewöhnlich als jüngeres, (alt)schwed. Lehnwort bezeichnet (so bereits Mikkola). Ahlqvist hat paasto als Entlehnung aus dem Russischen (vgl. russ. post·) aufgefaßt; dies ist nach Mikkola aber lautlich unmöglich. Koponen lehnt Mikkolas Einwand ab; es handele sich entweder um ein altsächsisches oder eher noch um ein altruss. Lehnwort; auch Leisiö deutet paasto – zusammen mit weiteren Termini aus dem kirchlichen Wortschatz – als slaw. Lehnwort. Lautlich wäre die Deutung als älteres germ. Lehnwort problemlos. Als christlicher Terminus aber kann das Wort auf (früh)mittelalterlicher Entlehnung aus dem Niederdeutschen oder dem Schwedischen beruhen; und dann wäre auch an Herkunft aus einer slaw. Sprache zu denken. Thomsen 1869 47, 138; Ahlqvist 1875 251; Mikkola 1894 32; Streng 1915 236, 295f.; [Hellquist 1939 202]; Karsten 1943/44 356f.; SKES II 1958 451; de Vries 1962 112; [ODEE 1969 346;] Hakulinen 1979 48; Raun 1982 113; EEW 1982/83 1868; Hofstra 1985a 28; [Lehmann 1986 109f.; Blöndal Magnússon 1989 166;] Joki 1989 22; [N.Nielsen 1989 115;] Häkkinen 1990a 264; SSA II 1995 283; Koponen 1996 95–102; Leisiö 1996; Häkkinen 2004 850 [; Bjorvand–Lindeman 2007 246f.]. ? Jüngeres LW.

PAATUA ’verstocken, starrsinnig werden; (dial.) sich festsetzen, haften, zusammenbacken’, paattua ’zusammenbacken, sich festsetzen, (an etwas) haften’, paattaa ’zusammenbacken (machen), anbrennen (machen), haften machen, hart werden lassen’; karel. poattuo ’sich festsetzen (Schnee)’, poatuo ’anbrennen, geröstet werden; gerinnen; zusammenbacken’; lüd. puaduda ’anbrennen’; ?weps. pattuda ’anschwellen (Holzgegenstand im Wasser)’; wotK. pƗttua ’gerinnen (Blut)’; estn. paaduma, paatuma ’zusammenbacken, sich verhärten, verkrusten, verquellen’. *pƗt(t)u~ [urgerm. *bƝjan-], nwgerm. *bƗjan- (, urn. *bƗjan); vgl. ahd. bƗjen ’wärmen, bähen’, mhd. bæjen ’id., Brot bähen, rösten’. Im EEW stellt Mägiste (irrtümlicherweise s.v. padi) die paatua-Sippe zu ostseefi. PAASI ’flacher Stein; Felsen’, was lautlich, morphologisch und semantisch möglich erscheint; zur Semantik vergleiche man etwa dt. versteinern = starr werden. Die Herleitung aus dem Germanischen wurde von Koivulehto vorgeschlagen. Sie setzt voraus, daß paat(t)ua und paat(t)aa die Suffixe -t(t)u- bzw. -t(t)a- aufweisen. Auf das gleiche germ. Original sei auch PAAHTAA zurückzuführen.

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Im SSA wird die von Koivulehto vorgeschlagene Deutung als einzige Etymologie erwähnt, wenn auch mit Fragezeichen; ferner rechnet SSA mit Vermischung mit dem semantisch nahen paahtaa, das anderer Herkunft sei. Koivulehtos Deutung von paatua, das keinen Reflex von germ. j hat, ist lautlich und semantisch nicht überzeugend; paatua dürfte eher eine Ableitung von PAASI (paate-) sein. Vgl. PAAHTAA, PAISTAA, PAISUA, PEITTÄÄ. SKES II 1958 452f.; [Kluge–Mitzka 1967 44;] Hakulinen 1979 347f.; Koivulehto 1981a 357f.; Raun 1982 112; EEW 1982/83 1860, 1874; Hofstra 1985a 37, 146, 240, 241, 344; SSA II 1995 285; Koivulehto 1999a 216f. Kaum germ. LW.

PADE (aWb., dial.) ’Pfad, Weg; Uferbefestigung aus Steinen an einer Bootslandestelle’, patikka in jalkapatikka ’Fußweg’ (jalka- ’Fuß’); karel. pajeh ’Richtung, Weg’. *paFeh (G. *patehen) ~ urgerm. *paþa- (, urn. *paþa); vgl. ae. pæÿ n. ’Pfad, Spur; Tal’, afries. path n. ’Pfad, Weg’, ahd. pfad n. id.; ~ urgerm. *paþa-z (, urn. *paþaR); vgl. ae. pæÿ m. ’Pfad, Spur; Tal’; ~ urgerm. *paþi-z (, urn. *paþiR); vgl. ahd. pfad m. ’Pfad, Weg’; ~ urgerm. *paþan-, urn. *paþƗ; vgl. aschwed. paþi m. ’Pfad, Weg’ in i Mæþalpaþa ’in Medelpad’, schwed. dial. (Finnland) pada ’Flußtal’ (Karsten). Fi. pade in der konkreten Bedeutung ’Pfad’ findet sich in alten Wörterbüchern und ist daneben, vor allem im übertragenen Gebrauch, in Streubelegen in fi. Mundarten bezeugt. Karel. pajeh hat nur eine geringe Verbreitung. Die Deutung als germ. Lehnwort findet sich bereits bei Thomsen 1869, der von einem germ. i-Stamm ausgeht. Karsten setzt als Original einen germ. ez-/azStamm an, während in der Germanistik in der Regel *paþa- angesetzt wird. Laut SKES und SSA sei pade ’Pfad’ wahrscheinlich ein germ. Lehnwort und könne pade ’Anlegestelle’ zu jenem pade gehören, aber auch eine Ableitung von pato ’Damm’ sein. Kettunen stellt pade in allen Bedeutungen zu pato. Die unmittelbar mit pato verwandten Wörter in anderen fi.-ugr. Sprachen beziehen sich auf das Fischwehr, also ein Flechtwerk. Aus semantischen Gründen ist daher die Herleitung von pade aus dem Germanischen der Deutung von pade als fi.-ugr. Lexem vorzuziehen. Thomsen 1869 84, 138; Thomsen 1870 98, 159; Setälä 1913a 420; Karsten 1915 87f.; Hellquist 1939 639; Karsten 1943/44 357f.; Mikkola 1945 569; SKES II 1958 454; Virtaranta 1958 40–44; Kettunen 1960a 64; Jonsson 1966 372–381; Kluge–Mitzka 1967 540; [ODEE 1969 657;] Koivulehto 1973a 11f.; Sammallahti

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1977 121; Hakulinen 1979 165, 359; Hofstra 1985a 85, 91, 314f.; [N.Nielsen 1989 320;] SSA II 1995 285f.; [Kluge–Seebold 1995 623;] Bentlin 2008 79. Germ. LW.

PAHA ’böse, schlecht, schlimm, übel’; ingr. paha; karel. paha; lüd. paha; weps. paha; wot. paha; estn. paha; liv. pǀ֑‫ތ‬mi, påթ ‫ތ‬mi ’umgekehrt; link’; ?lpN. buošše ’böse’. *paha < *paša ~ [urgerm. *bƝЀa-z,] urn. *bƗЀaR; vgl. an. bágr ’schwierig, beschwerlich, lästig’, schwed. dial. båg ’eigensinnig, halsstarrig, mürrisch’, norw. båg ’mürrisch, unwillig, schwierig’. Laut SKES und SSA ist es undeutlich, ob lpN. buošše zu paha zu stellen sei. Lehtiranta bezeichnet urlp. *pǀšƝ ’böse’ (> lpN. buošše) als fi. Lehnwort. Eine Übernahme ins Urlappische muß bereits aus einer urfi. Form mit erhaltenem š (> h) erfolgt sein; auch der Vokalismus läßt auf Entlehnung aus dem Urfinnischen schließen. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde zuerst von Mäkeläinen vorgelegt. Nahezu gleichzeitig hat Koivulehto sich ausführlich zu dieser Etymologie geäußert und sie weiter begründet; diese Deutung setzt voraus, daß das germ. Original bereits den nordwestgerm. Lautwandel Ɲ > Ɨ erfahren hat. Dem intervokalischen Ѐ des germ. Originals entspricht hier urfi. h (< š), nicht wie sonst üblich urfi. k, vgl. jedoch auch LAHO. Die germ. Etymologie wird im SSA mit Fragezeichen versehen. Wenn lpN. buošše < urlp. *pǀšƝ ein Lehnwort aus urfi. *paša (> paha) ist, kann das urfi. Wort seinerseits kaum eine Entlehnung von (urn.) *bƗЀa- sein. SKES II 1958 454f.; [de Vries 1962 22f.; Seebold 1970 93f.;] Hakulinen 1979 323; Koivulehto 1979b 272, 274, 288, 298, 300; Mäkeläinen 1979c 163; Koivulehto 1981a 336, 338, 339–341, 343, 365; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1883f.; Hofstra 1985a 37, 93, 143, 168, 339, 340; [Blöndal Magnússon 1989 36;] Lehtiranta 1989 110f.; Häkkinen 1990b 221; Ritter 1993 90, 184; SSA II 1995 286; Koivulehto 1999a 202f.; Sammallahti 1999 79; Häkkinen 2004 851; Aikio 2006 41; [Bjorvand–Lindeman 2007 163;] Saarikivi 2007 329. Kaum germ. LW.

PAHNA ’Stroh, Spreu, Streu; Schlafstelle eines Tieres; Schweinekoben; ein Wurf Ferkel’; ingr. pahna ’Schweinekoben’; karel. pahna; lüd. pahn ’Schlafstelle eines Bären oder Dachses’; weps. pahn ’Streu’, pahnad (Pl.) ’Geschenke zur Geburt eines Kin-

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des’; wotJ. pahn ’Schweinekoben; Streu’; estn. pahn ’Kurzstroh, Streu; Plunder, Schund; Lagerstelle’. *pahna 1. ~ urgerm. *faznǀ, urn. *faRnu; vgl. an. fІnn f. ’Schneewehe, -haufen, Schnee’, norw. fonn f. id. [2. ~ urgerm. *ban(ÿ)sa-z, urn. *ban(d)saR; vgl. an. báss m. ’abgeteilter Raum im Kuhstall’, norw. bås m. id., schwed. bås m. id., mnd. bǀs m. ’Kuhstall’.] Thomsen hat pahna als germ. Lehnwort bezeichnet und zu an. báss gestellt. Diese aus lautlichen Gründen (fi. -hn- ~ germ. -ns-) sehr unwahrscheinliche Herleitung wurde von Setälä mit Fragezeichen versehen, von Karsten gutgeheißen, im SKES und im EEW als sehr unsicher bezeichnet. Die von Hofstra vorgelegte Herleitung aus urgerm. *faznǀ ist lautlich möglich und semantisch denkbar unter der Voraussetzung einer semantischen Entwicklung ’leichte Stoffe wie Stroh, Schnee’ ĺ ’Streu’ ĺ ’Schlafstelle, Nest’. Sie wird im SSA mit einem Fragezeichen versehen; laut Häkkinen ist sie aus semantischen Gründen unsicher. Vgl. PAHT, PATSAS, POHJA. Thomsen 1870 159; Setälä 1913a 420; [Hellquist 1939 119f., 199;] Karsten 1943/ 44 358f.; SKES II 1958 457; de Vries 1962 28 [, 151]; Hakulinen 1979 332; Hofstra 1980b; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1887f.; Hofstra 1985a 69, 98, 306; [Lehmann 1986 61f.; Blöndal Magnússon 1989 43, 222; N.Nielsen 1989 81;] SSA II 1995 287; Koponen 1998 139; Häkkinen 2004 852 [; Bjorvand–Lindeman 2007 164f., 296f.]. ? Germ. LW.

estn. PAHR (dial.), pahru, parh, pahõr ’Eber’. *parhV 1. ~ urgerm. *farȤa-z, urn. *farhaR; vgl. aschwed. fargalter ’Eber’ (-galter ’Eber’), ae. fearh m. ’Ferkel’; ~ urgerm. *farȤaz / *farȤiz (, urn. *farhaR / *farhiR); vgl. ahd. far(a)h n. id. 2. ~ urgerm. *baruЀa-z, urn. *baruЀaR; vgl. an. bІrgr m. ’Eber’, ae. bearg m. ’verschnittener Eber’, ahd. barug m. id.; ~ urgerm. *barЀuz, urn. *barЀuR; vgl. oben. Pahr ist nur aus dem Südestnischen bekannt. hr neben rh dürfte auf Metathese beruhen; vgl. dazu fi. karhu ’Bär’, estnS. kahr ’id.’ und Kettunen 1962 100. Toivonen hat, unter Hinweis auf eine ältere, seines Erachtens durchaus mögliche Deutung als balt. Lehnwort (lit. par֥ šas ’Ferkel, verschnittenes Schwein’) zwei alternative germ. Originale für estn. pahr vorgelegt. Saareste und Joki bezeichnen

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die drei Deutungen als gleichermaßen wahrscheinlich. Im EEW wird pahr als balt. Lehnwort bezeichnet und die Herleitung aus dem Germanischen abgelehnt. Die vorgeschlagenen germ. Originale passen weder lautlich noch semantisch schlechter zu estn. pahr als das balt. Wort. Angesichts der südestn. Verbreitung ist Herkunft aus dem Baltischen aber wahrscheinlicher. Toivonen 1919 106; Saareste 1924c 59f.; Kalima 1936 145; [Hellquist 1939 200; de Vries 1962 70, 113; ODEE 1969 76, 345;] Joki 1973 303; EEW 1982/83 1888; [Blöndal Magnússon 1989 101f.; N.Nielsen 1989 114;] Vaba 1990 133; Koponen 1998 139. ? Germ. LW.

estn. PAHT (G. paha) (dial.) ’(Schweine)stall, Lager, Streu’; liv. pǀ֑‫ތ‬dΩյz ’Schlafstelle, Lager, Nest eines Tieres; Streu’. *pahta ~ urgerm. *bansti-z (, urn. *banstiR); vgl. got. bansts m. ’Scheune’. Ojansuu hat südestn. paht als got. Lehnwort bezeichnet und – unter der Voraussetzung, daß die Annahme eines urfi. Wechsels t ~ n stichhaltig sei – auf fi. PAHNA, estn. pahn als Vergleichsmaterial hingewiesen. Laut Mägiste (1929 und im EEW) und SKES ist paht wahrscheinlich etymologisch identisch mit pahn, dessen Herkunft aus dem Germanischen mit zwei Fragezeichen versehen ist. Nikkilä rechnet mit einem Suffixwechsel -na ~ -ta (*pahna ~ *pahta). Laut Koponen ist paht möglicherweise eine Variante von pahn. Lautlich ist die Etymologie schwach; Substitution von germ. -nst- durch urfi. -ht- wäre ohne Parallele. Zwar wird urgerm. -anst- zu nordgerm. *-Ɨst-, aber diese Entwicklung dürfte so spät sein, daß aus -Ɨst- entlehntes vor-estn. -Ɨst- nicht mehr zu -Ɨht- (-aht-) hätte werden können. Vgl. PAHNA, PATSAS, POHJA. Ojansuu 1915 158; Mägiste 1929 13f.; Kettunen 1938 307; [Hellquist 1939 119f.;] Karsten 1943/44 359; SKES II 1958 457; [de Vries 1962 28;] Hofstra 1980b 167f.; EEW 1982/83 1888; [Lehmann 1986 61f.; Blöndal Magnússon 1989 43; N.Nielsen 1989 81;] SSA II 1995 287; Koponen 1998 139; Nikkilä 1998a 93, 97 [; Bjorvand–Lindeman 2007 164f.]. Kaum germ. LW.

PAIDATA (paitaa-) (dial.) ’vor Gericht laden; einladen mitzukommen’; ingr. paijaDa ’bitten, einladen mitzukommen’; wotK. paijatA ’id.’. *paita-

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~ urgerm. *baiÿejan- > *baiÿijan-, urn. *baiÿijan; vgl. an. beiða ’begehren, fordern, nötigen, mahnen, zwingen’, aschwed. bƝþa id., ae. bϾdan ’zwingen, antreiben, (be)drängen, verlangen’, as. bƝdian ’zwingen’, ahd. beiten ’zwingen, antreiben, drängen, nötigen’, got. baidjan ’zwingen’. Die germ. Herkunft wurde von Toivonen vorgelegt (und von SKES und SSA gutgeheißen); Toivonen verbindet mit paidata auch paitata in der Bedeutung ’vor Gericht laden’ (aWb.); diese Bedeutung ist nicht in den Mundarten belegt und beruht nach SKES auf einem Irrtum. Karsten hält PAITATA für ursprünglich, Formen mit -t-:-d- (wie paidata) seien unter dem Einfluß von schwed. *baid- entstanden; die Entlehnung sei relativ jung, wie sich aus der Morphologie (Kontraktionsverb als Wiedergabe eines germ. jan-Verbs) ergebe. Lautlich und semantisch ist die Etymologie in Ordnung; die Entlehnung läßt sich nicht eindeutig datieren, da auch junge Entlehnung (etwa aus ostschwed. Mundarten) möglich erscheint. Toivonen 1916/20 22; [Hellquist 1939 59;] Karsten 1943/44 360f.; SKES II 1958 458; [de Vries 1962 30; Seebold 1970 94–96;] Sammallahti 1977 121; Hofstra 1985a 235, 236f., 243, 346f.; [Lehmann 1986 56; Blöndal Magnússon 1989 46; N.Nielsen 1989 44;] SSA II 1995 288. Germ. oder jüngeres LW.

PAIKKA ’Platz, Stelle, Ort; Flicken; (Kopf)tuch’; ingr. paikka ’Platz, Stelle, Ort; Flicken’; karel. paikka; lüd. paikթ ; weps. paik; wot. paikka, wotJ. paikթ ’Platz, Stelle, Ort; Flicken’; estn. paik ’id.’; liv. pàiЄka ’id.’. *paikka ~ urgerm. *spaikƗ > *spaikǀ, urn. *spaiku; vgl. gotl. spaik f. ’Radspeiche; Zeichen am Baum, entstanden durch Entfernung eines Stückes Holz mit der Axt’; ~ urgerm. *spaikan- (, urn. *spaikƗ); vgl. ae. spƗca m. ’Speiche’; ~ urgerm. *spaikǀn- (, urn. *spaikǀ); vgl. as. spƝka f. ’Speiche’, ahd. speihha f. id. Germ. Herkunft ist von Koivulehto vorgelegt worden; die phonotaktische Struktur schließe aus, daß paikka ein Erbwort wäre; von der im Gotländischen bezeugten Bedeutung ’Zeichen am Baum’ lasse sich die Semantik des ostseefi. Wortes ableiten. SSA hält diese Etymologie für wahrscheinlich. Koivulehtos Deutung ist lautlich in Ordnung. Zweifel erscheint dennoch angebracht, zumal das angebliche germ. Original sich auf Holz zu beziehen scheint, während ostseefi. paikka ursprünglich Textilien bezeichnet haben dürfte. Die allgemeine Bedeutung in den östlichen ostseefi. Sprachen ist nämlich ’Kopftuch’, vgl. auch wot. paikas, estn. paigas ’eine Art Kopfbedeckung der Frauen’. Andererseits wäre denkbar, daß die ursprüngliche Bedeutung von paikka ’als Flicken verwendbares Stück Tuch’ ist, vgl. auch das allgemein-ostseefi. Verbum paikata

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’flicken’. ’Flicken, Stück Tuch’ könnte sich einerseits zu ’Stelle (mit einem Flicken)’, andererseits zu ’Kopftuch’ entwickelt haben. Vielleicht sind jedoch zwei Wörter, ein Wort unbekannter Herkunft mit der Bedeutung ’Kopftuch usw.’ und ein zweites, entlehntes mit der Bedeutung ’Platz, Flicken’ teilweise homonym geworden sein. Vgl. SAIKKA. [Hellquist 1939 1032, 1041;] SKES II 1958 458f.; [de Vries 1962 535; ODEE 1969 856;] Hakulinen 1979 312; Koivulehto 1981c 195–199, 211f.; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1891f.; Hofstra 1985a 68, 183f., 300, 327; Häkkinen 1990a 222; Häkkinen 1990b 223; Ritter 1993 27; [Kluge–Seebold 1995 776;] SSA II 1995 288f.; Koivulehto 2001a 68; Häkkinen 2004 852. ? Germ. LW.

PAINAA ’(ein)drücken, (be)drucken, bedrücken; biegen; wiegen (intr.); sich beeilen; (Stoff, Netze) färben; Beigeschmack geben, färben (vom Eßgeschirr)’; ingr. painƗ; karel. painoa; lüd. painada ’id.; (unter)tauchen’; weps. painda ’id.; tauchen (in die Soße)’; wot. painaa ’biegen, (nieder)beugen; wiegen (intr.); färben’; estn. painama ’(be)drücken, pressen; quälen; zudringlich bitten; färben’; liv. painΩ ’färben; biegen, beugen’; ?lpN. buotnjut ’(Fleisch, Brot) in eine Flüssigkeit (Fett, Soße, Kaffee) tunken’. *paina- (< *pajĔa- [< ??*paĔa-]) ~ urgerm. *spannejan- > *spannijan-, urn. *spannijan; vgl. an. spenna ’spannen; umfassen, umklammern, ergreifen’, aschwed. spænna ’spannen, festmachen’, mnd. spennen ’spannen, fesseln’, mhd. spennen ’spannen, dehnen’. Painaa wurde früher mit perm. und obugr. Wörtern verglichen, aus lautlichen Gründen ist dies aber abzulehnen. Koivulehto verbindet painaa mit lp. buotnjut und legt eine Deutung als germ. Lehnwort vor. Da es zur Zeit der Entlehnung weder -ĔĔ- noch -nj- gegeben habe, sei das germ. Verbum als frühurfi. *paĔaübernommen worden. Weitere Fälle von -Ĕ- als Wiedergabe von germ. -nnj- liegen allerdings nicht vor. Der Übergang von -VĔ- >> -Vin- hat eine Parallele in kyynel ’Träne’ < *küinel < ural. *küĔelɡ. Die Fächerung der Semantik der ostseefi. Wörter läßt sich am leichtesten erklären, wenn von einer auch auf germ. Seite nachweisbaren Bedeutung ’drücken’ ausgegangen wird. [Hellquist 1939 1057;] SKES II 1958 459f.; [de Vries 1962 534; Seebold 1970 450;] Hakulinen 1979 337, 431; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1893–1895; T. Itkonen 1983 205; UEW I 1988 348; [Blöndal Magnússon 1989 934; N.Nielsen 1989 412:] Häkkinen 1990b 223; SSA II 1995 289; Häkkinen 2004 853; Koivulehto 2005 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1028]. ? Germ. LW.

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PAISTAA ’scheinen, strahlen; braten, backen (trans.)’; ingr. paistƗ; karel. paistoa; lüd. paštada; weps. paštta; wot. paissƗ(g); estn. paistma; liv. paì֐ stΩյ ’glänzen, scheinen’. *paista1. ~ [urgerm. *bƝjan-,] nwgerm. *bƗjan- (, urn. *bƗjan); vgl. ahd. bƗjen ’wärmen, bähen’, mhd. bæjen ’id., Brot bähen, rösten’. [2. ~ urgerm. *bakan- (, urn. *bakan); vgl. ae. bacan ’backen’, ahd. bahhan, backan id.; ~ urgerm. *bakǀ(ja)n-, urn. *bakǀn; vgl. an. baka ’backen, braten, wärmen’, aschwed. baka id., ae. bacan ’backen’, ahd. bahhan, backan id.] Paistaa war ohne Etymologie, bis Koivulehto eine Deutung als germ. Lehnwort vorlegte. Er geht davon aus, daß paistaa ein mit -(i)sta- suffigiertes Verbum ist, dessen erster Teil Entlehnung aus dem Nordwestgermanischen (*bƗjan-) ist. Allerdings könne, unter der Voraussetzung daß paistaa auf *paIista- zurückgehe, nicht ganz ausgeschlossen werden, daß germ. *bakan- das Original sei. Die Verknüpfung mit germ. *bakan- verträgt sich nicht mit den ostseefi. Lautentwicklungen, da I als schwache Stufe von k im Wepsischen einen konsonantischen Reflex haben würde (urfi. *paIista- > weps. *pagišta-, vgl. MAISTAA). Laut Ritter könne paistaa als Erbwort eine Ableitung von *paise- sein, und zwar nach dem Muster haista- (trans.) neben haise- (intrans.) ’riechen’. SSA, das die Herleitung aus germ. *bƗ-ja- mit einem Fragezeichen versieht, lenkt die Aufmerksamkeit auf ingr. paisse (G. paistƯn) ’Geschwür, Schwellung’, estn. paiste ’Schwellung’, paistetama ’schwellen’ usw., die auf einer späteren Vermischung beruhen können, für die es aber auch Berührungspunkte mit PAISUA ’schwellen’ gebe. Diese ingr. und estn. Wörter, die semantisch mit paistaa nicht verbunden werden können, gehören aber zu derselben Sippe wie paisua. Lautlich und semantisch entspricht nwgerm. *bƗjan- dem urfi. Verb *paista-, wofür eine ”einheimische” Vergleichsmöglichkeit fehlt, derart gut, daß germ. Herkunft anzunehmen ist. Vgl. PAAHTAA, PAATUA, PAISUA, PEITTÄÄ. [Hellquist 1939 47;] SKES II 1958 461; [de Vries 1962 23; Kluge–Mitzka 1967 44; ODEE 1969 69; Seebold 1970 87f.;] Hakulinen 1979 313; Koivulehto 1981a 348–353, 365; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1896; Hofstra 1985a 37, 144, 192f., 210, 237f., 344, 345f.; [Blöndal Magnússon 1989 36; N.Nielsen 1989 37;] Koivulehto 1991c 87; Ritter 1993 102; SSA II 1995 290f.; Koivulehto 1999a 209–213; Häkkinen 2004 854.; Hofstra 2005 178; [Bjorvand–Lindeman 2007 68;] Koivulehto 2009 91. Germ. LW.

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PAISUA ’(an)schwellen, anwachsen; fluten, steigen (Wasser)’, paise ’Abszeß, Geschwür’; ingr. paisua ’(an)schwellen’, paizek ’Abszeß, Geschwür’; karel. paisuo ’(an)schwellen’, paise ’Abszeß, Geschwür’; lüd. paiže ’id.’; weps. paiže (G. paišken) ’Schwellung, Geschwür’, paižotada ’schwellen lassen’; wot. paize֑ ttnjsag ’(an)schwellen, anwachsen’, paize֑ (g), wotK. paisse, wotM. paize֑ h ’Geschwür’; estn. paisuma, paise; liv. paì֐ zΩյ ’schwellen, aufquellen; umfangreicher werden’. *paisV[~ [urgerm. *bƝjan-], nwgerm. *bƗjan- (, urn. *bƗjan); vgl. ahd. bƗjen ’wärmen, bähen’, mhd. bæjen ’id., Brot bähen, rösten’.] Im SSA wird in vorsichtiger Weise mit dem Gedanken gespielt, daß paisua eine Ableitung mit s-Element von demselben Stamm *paj3- wie PAISTAA sei und Entlehnung aus dem Germanischen (*bƗjan-) vorliege. SSA vergleicht zur Morphologie haistaa ’riechen (trans.)’ neben haise- ’riechen (intrans.)’ und haju ’Duft’. Der im SSA vorgebrachte Gedanke ist morphologisch schwach begründet; ein Wort *pai- ist nicht bezeugt, und verbale sV-Ableitungen sind problematisch; das Verhältnis zwischen haise- und haju der im SSA angeführten Parallele ist unklar (vgl. dazu auch SSA I 1992 129 s.v. haista). Semantisch läßt paisua sich kaum mit germ. *bƗjan- verbinden. Vgl. PAAHTAA, PAATUA, PAISTAA, PEITTÄÄ. SKES II 1958 461f.; [Kluge–Mitzka 1967 44;] Hakulinen 1979 190, 270, 313, 318; Raun 1982 114; EEW 1982/83 1897f.; Häkkinen 1990a 220; SSA II 1995 291; Häkkinen 2004 855. Kein germ. LW. PAITA1 ’Hemd; Geburtshaut’; ingr. paiDa ’Hemd’; karel. paita; lüd. paid ’Hemd’; weps. paid; wotK. paitA ’Hemd’; estn. paida ’id.’. *paita ~ urgerm. *paiÿǀ (, urn. *paiÿu); vgl. ae. pƗd f. ’Rock, Mantel’, as. pƝda f. ’Ge wand’, ahd. pfeit f. ’Hemd’, got. paida f. ’Leibrock, Unterkleid’. Lp. buoi'de ’Fett’, von Lehtiranta zu paita1 gestellt, muß aus semantischen Gründen davon ge trennt bleiben. WotK. paitA und estn. dial. paita sind wahrscheinlich Entlehnungen aus dem Finnischen oder dem Ingrischen. Zu paita1 gehören auch paita ’Geburtshaut’ (mit semantischer Entwicklung ’Hemd’ ĺ ’Hülle’) und möglicherweise PAITA2, die oft als selbständiges Lexem aufgefaßt werden.

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Mit got. paida wurde paita bereits im 18. Jh. verglichen. Paita wird allgemein mit der germ. Wortsippe um got. paida verbunden. Einen schwachen Zweifel an der Richtigkeit dieser Auffassung äußert nur SSA. Die oben erwähnte germ. Wortsippe dürfte auf Entlehnung (aus dem Griechischen, Thrakischen oder Illyrischen?) beruhen oder ein sog. Wanderwort sein. Vgl. PAITA2, PÕIS. Hellquist 1939 744f.; Karsten 1943/44 129, 359f.; SAOB 19 1952 P 52; Fromm 1957/58 84f.; SKES II 1958 462; Pokorny 1959 92f.; Kylstra 1961 59, 161; de Vries 1962 424; Loikala 1977 235, 237, 239; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358, 363; Laanest 1982 331; EEW 1982/83 1891, 2276; T.Itkonen 1983 220; Hofstra 1985a 68, 299f.; Lehmann 1986 271; Lehtiranta 1986 250; Joki 1989 19; Lehtiranta 1989 108f.; Ritter 1993 176; SSA II 1995 291; Häkkinen 2004 855. Germ. LW. PAITA2 in mahapaita und vatsapaita ’Bauchfell, Magenwand; Fettablagerung um den Magen (und die Därme) des Schlachttieres’ (maha- ’Magen’, vatsa- ’Bauch’); karel. paitarasva ’Fett um den Pansen’ (-rasva ’Fett’); ? lpN. buoi'de ’Fett’. *paita ~ urgerm. *faita-z, urn. *faitaR; vgl. an. feitr ’feist, fett’, aschwed. fƝter id., dazu schwed. dial. (Västerbotten) feta f. ’Fettschicht um den Magen und die Därme eines Rindes’, mnd. veet ’fett’, mhd. veiz id. Wiklund hielt es für möglich, daß lpN. buoi'de ’Fett’ über fi. *paita aus dem Urnordischen stamme. Setälä hielt -paita in mahapaita in die Diskussion eingebracht und die germ. Herkunft für unsicher. Seitdem ist umstritten, ob PAITA1 und paita2 zusammengehören und von lpN. buoi'de zu trennen sind oder ob paita2 und lpN. buoi'de zusammengehören und eine gemeinsame Entlehnung aus dem Germanischen sind oder zwar zusammengehören, aber keine germ. Lehnwörter sind. Es läßt sich weder lautlich noch semantisch entscheiden, ob paita2 eine fi.-karel. semantische Entwicklung des Lehnwortes PAITA1 ist oder aber auf einer frühen Entlehnung aus dem Germanischen beruht. Vgl. PÕIS. Wiklund 1894 64; Setälä 1913 420; [Hellquist 1939 206f.;] SKES II 1958 462; de Vries 1962 115f.; ODEE 1969 346f.; Koivulehto 1976a 260; Lehtiranta 1986 250; [Blöndal Magnússon 1989 169;] Lehtiranta 1989 108f.; [N.Nielsen 1989 116;] Koivulehto 1992a 187, 197; [Heidermanns 1993 186f.;] SSA II 1995 291; Nikkilä 1996a 393f.; Häkkinen 2004 855 [; Bjorvand–Lindeman 2007 253]. ? Germ. LW.

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PAITATA (paittaa-) (dial.) ’wetten; streiten; sich zieren, Umstände machen’, paitta in lyödä paittaa ’wetten’ (lyödä ’schlagen’). *paitta~ urgerm. *baitejan- > *baitijan-, urn. *baitijan; vgl. an. beita ’jagen, töten; eine Waffe handhaben; gegen den Wind segeln, kreuzen; zäumen, vorspannen; (etwas gegen jemanden) betreiben’, aschwed. bƝta ’jagen’, schwed. dial. bajtä ’hetzen; fluchen’, baita ’id.; (Vieh) hüten’; ae. bætan ’beizen, jagen, zäumen; ? gegen den Wind segeln’, ahd. beizzen ’auf zäumen, anspornen, Jagd mit Vögeln treiben’. ~ urgerm. *baitǀn-, urn. *baitǀ; vgl. an. beita f. ’Köder’, ahd. beiza f. ’Beize, Lauge’; ~ urgerm. *baitǀ, urn. *baitu; vgl. neuisl. beit f. ’(Vieh)weide’, aschwed. bƝt f. id., ae. bƗt f. ’Nahrung’. Karsten hat paitata als Entlehnung von aschwed. bƝta bezeichnet, allerdings aus einer Entwicklungsstufe mit noch erhaltenem ai; er verbindet hiermit auch PAIDATA (dial.), paitata (aWb.) ’vor Gericht laden’. SKES und SSA halten das Substantiv paitta in lyödä paittaa für primär und paitata für eine Ableitung; laut SKES sei das Original wahrscheinlich skand. *bait-, wozu u.a. schwed. dial. (Finnland) bäitu ’Ablehnung des Heiratsantrags’, norw. beita f. ’Kampf’ und an. beita ’jagen (mit Falken oder Hunden), gegen den Wind segeln’; paitta wird im SSA allerdings mit ”germ. (sk.) *bait(ja)-” verglichen, wozu zuerst altnord. und altschwed. Verbformen gestellt werden. Es liegt zweifellos eine Entlehnung vor. Allerdings ist nicht klar, ob das Substantiv oder das Verbum entlehnt wurde (oder aber beide); die Entlehnungszeit kann nicht bestimmt werden, da bait- auf germ. Seite noch in neuschwed. Mundarten mit Diphthong vorkommt. Im Falle der Entlehnung von paitata kann paitta eine Rückbildung sein. Vgl. PAITTO. [Hellquist 1939 67;] Karsten 1943/44 360f.; SKES II 1958 462f.; [de Vries 1962 30f.; ODEE 1969 69; Seebold 1970 96–99; Blöndal Magnússon 1989 48; N.Nielsen 1989 44;] SSA II 1995 292. Germ. oder jüngeres LW.

PAITTILAS (aWb., dial.) ’Unterlage beim Hebeln mit der Brechstange’. *paittilas ~ urgerm. *baitila-z, urn. *baitilaR; vgl. schwed. dial. (Gotland) baitl m. ’Stemm eisen, Meißel’, mnd. bêitel m. ’Meißel, Stecheisen’. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Suolahti. Sie wird im allgemeinen, wohl zu Unrecht, mit einem Fragezeichen versehen.

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SKES und SSA erwähnen als alternative Deutung eine Ableitung von paitata ’mit Hilfe einer Brechstange heben’, das mit PAITATA ’streiten’ identisch sein sollte, was semantisch nicht überzeugt; außerdem ist -ilas als Instrumentalsuffix in der fi. Wortbildung unbekannt. Suolahti 1924 341f.; SKES II 1958 463; [de Vries 1971 40;] Sammallahti 1977 121; Hofstra 1985a 322f.; [N.Nielsen 1989 46;] SSA II 1995 292. Germ. LW.

PAITTO (aWb., dial.) ’Beizlösung bei der Lederherstellung’, paitata, paitota ’Tierhäute beizen’; karel. paitto ’Beizlösung bei der Lederherstellung’, paitota ’Tierhäute beizen’. *paitto ~ urgerm. *baitǀn-, urn. *baitǀ; vgl. an. beita f. ’Köder’, schwed. dial. (Finnland) bäito ’Borkenlauge (Farbezubereitung)’, ahd. beiza ’Beize, Lauge’; ~ urgerm. *baita-z, urn. *baitaR; vgl. gotl. bait ’Farbe; Lauge’; ~ urgerm. *baitǀ, urn. *baitu; vgl. neuisl. beit f. ’(Vieh)weide’, aschwed. bƝt f. id., ae. bƗt f. ’Nahrung’; ~ urgerm. *baitejan- > *baitijan-, urn. *baitijan; vgl. an. beita ’weiden, grasen lassen; jagen, töten; eine Waffe handhaben; gegen den Wind segeln; zäumen, vorspannen; betreiben (etwas gegen jemanden)’, aschwed. bƝta ’jagen; in einer Lauge zubereiten, beizen (Leder)’, gotl. baita ’beizen (Leder)’, schwed. dial. (Finnland) baitas ’das Gerben’, ae. bϾtan ’beizen, jagen’, mnd. bêten ’beizen, mazerieren (Leder)’, ahd. beizzen ’aufzäumen, anspornen, Jagd mit Vögeln treiben’. Ahlqvist hat fi. paitota mit schwed. beta, dt. beizen verknüpft. Setälä zählt es zu den älteren germ. Lehnwörtern. Später gelten paitto und paitota im allgemeinen als Lehnwort aus dem Altschwedischen; Karsten rechnet aus semantischen Gründen mit einer vor dem Lautwandel ai > as. ê erfolgten Entlehnung aus dem Niederdeutschen. SSA erwägt auch eine ältere Entlehnung. Ob das Substantiv oder das Verbum oder aber beides ins Ostseefinnische entlehnt wurde, läßt sich nicht entscheiden. Es gibt kein lautliches Kriterium für eine zeitliche Bestimmung. Die geringe Verbreitung läßt zwar an jüngere Entlehnung denken, aber das benannte technische Verfahren ist bereits alt. Ein jüngeres Lehnwort ist das aus derselben Richtung entlehnte, gleichbedeutende peitto, peitota (allgemein finnisch). Vgl. PAITATA. Ahlqvist 1871 90; Setälä 1913a 420; [Hellquist 1939 67;] Karsten 1943/44 361; SKES II 1958 463f.; de Vries 1962 30f.; KLM XV 1970 520f.; [Seebold 1970 97; Blöndal Magnússon 1989 47f.; N.Nielsen 1989 44]; SSA II 1995 292, 331. Germ. oder jüngeres LW

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PAKISTA (pakise-), paata (pakaja-) ’sprechen, plaudern’; karel. paissa (pakise-) ’id.; tadeln; beten’; lüd. pagišta; weps. pagišta; wotJ. pagize֑ ma ’knarren, krachen, donnern’; estn. pagisema ’id., wimmeln’; liv. pagat; ? lpN. bak'kudit ’sagen, sprechen, ausrufen’, lpS. pakot ’sprechen’. *pakise[~ urgerm. *sprakǀ(ja)n-, urn. *sprakǀn; vgl. an. spraka ’knistern, prasseln’, aschwed. spraka id.] SKES und SSA verbinden die lappischen Wörter mit Fragezeichen mit pakista, erwägen aber auch die Möglichkeit, daß sie alte ostseefi. Entlehnungen sind. Oft (z.B. Siro, Hakulinen) wird pakista als ursprünglich deskriptives Wort betrachtet. Die lautlich unmögliche Deutung als germ. Lehnwort stammt von Katz. Vgl. PÄRSKYÄ. [Hellquist 1939 1050;] Siro 1949 106–116; SKES II 1958 467; [de Vries 1962 537;] Ruoppila 1967 32f., Karte 32; Hakulinen 1979 262, 406f.; Raun 1982 113; EEW 1982/83 1881; [Blöndal Magnússon 1989 940; N.Nielsen 1989 409f.;] Katz 1990a 55; SSA II 1995 295. Kein germ. LW. PAKKA1 (Lönnr., dial.) ’dickeres Stück (im) Fleisch; dickste Stelle des Kummets; Stehplatte des Schis’, päkkä ’dicke Stelle im Fleisch; Fuß-, Daumenballen; kleiner Hügel’; estn. päkk (G. päka) ’Ballen (an der Hand, am Fuß, im Pferdehuf), Hinterbacke, Hode; Daumen’. *pakka / *päkkä ~ urgerm. *baka-z, urn. *bakaR; vgl. aschwed. baker m. ’Rücken’; ~ urgerm. *baka-, urn. *baka; vgl. an. bak n. ’Rücken’, ae. bæc n. id., as. bak n. id., ahd. hintar bah ’hinten’; ~ urgerm. *bakan- (, urn. *bakƗ); vgl. mnd. bake m. ’Rücken, Unterteil des Rückens, Hinterbacke, Schinken’, ahd. bahho m. ’Rücken, Speckseite’; ~ urgerm. *bakǀn- (, urn. *bakǀ); vgl. isl. baka f. ’Seehundshaut mit Speck’. Wahrscheinlich gehören pakka und päkkä zusammen, wie im SKES bereits vermutet wurde. Ferner wird päkkä im SKES und im UEW mit Vorbehalt mit lpL. pahkkƝ ’Magen des Eichhörnchens’ und mit unsicheren Entsprechungen in anderen fi.-ugr. Sprachen verbunden; diese Zusammenstellung ist lautlich und semantisch nicht plausibel; vgl. auch EEW und SSA. Zu pakka / päkkä können auch fi. päkiä ’Fuß-, Daumenballen; Spann’; ingr. päGi(äin ’weicher Mittelteil des Pferdehufes oder der Fußsohle des Menschen’; päkie ’Rist, Spann’; lüd. päged ’id.’; liv. pä'G, Pl. pägìD ’vordere Fußsohle’ gehören.

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Karsten hat pakka in der Bedeutung ’dickeres Stück im Fleisch’, das in einigen weit voneinander entfernten Mundarten belegt ist, mit Vorbehalt als Entlehnung von urn. *baka- gedeutet. Lautlich ist die von Karsten vorgeschlagene Herleitung in Ordnung. Semantisch ist an eine ursprüngliche Bedeutung ’Wölbung’ zu denken (vgl. auch de Vries). Die Bedeutung ’Hügel’ bei päkkä kann auf Einfluß von pakka ’Hügel, Sandbank, niedriger Uferwall’ (< schwed. backe ’id.’) beruhen. [Hellquist 1939 47;] Karsten 1943/44 362; SKES II 1958 467; SKES III 1962 681f.; [de Vries 1962 23; ODEE 1969 68;] EEW 1982/83 2310; UEW I 1988 379; [Blöndal Magnússon 1989 36; N.Nielsen 1989 37;] SSA II 1995 456f. Germ. oder jüngeres LW. PAKKA2 (aWb., dial.), pakko ’Keil; Klotz; stehend faulender Baum, morsches Stück Zaunholz, Baumstumpf’; ingr. pakko ’Klotz’; wot. pakko ’id.’; estn. pakk (G. paku) ’Klotz, Block; Fußblock; gebogenes Querholz (unter dem Boden des Bauernschlittens)’. *pakka / *pakko ~ urgerm. *spakǀ, urn. *spaku; vgl. norw. spak, spake ’Spake, Stange’, ahd. spahha f. ’dürres Reisholz, abgeschnittene Zweige’, as. spaka f. ’Speiche’, mnd. spaken (Pl.) ’abgefallene dürre Äste und Zweige’; ~ urgerm. *spaka-z, urn. *spakaR; vgl. aschwed. spaker m. ’Spake, Stock, Rute’, schwed. spak ’Hebel, Handgriff, Spake, Knüppel, Stange’ (falls nicht < mnd.); ~ urgerm. *spakan- (, urn. *spakƗ); vgl. ahd. spahho m. ’Reisholz, Reisig’. Pakka2 wird gewöhnlich zu pakko ’Zwang, Notwendigkeit, Schmerz’ gestellt. Nikkilä deutet pakka2 als Entlehnung aus dem Germanischen. Laut Koivulehto ist die ganze Gruppe von pakka2, pakko ’Zwang’, pakkanen ’Frost’ usw. letztendlich germ. Herkunft. Laut SSA hängt pakka offenbar mit pakko ’Zwang’ zusammen und ist onomatopoetische Entstehung jedoch genauso gut möglich wie Entlehnung. Pakka, pakko ’Klotz, Keil, Baumstumpf usw.’ kann lautlich und semantisch problemlos mit der germ. Wortsippe *spak- verbunden werden. Die Sippe um pakko ’Zwang’ jedoch ist aus semantischen Gründen von pakka2 fernzuhalten. [Hellquist 1939 1032;] SKES II 1958 468; Raun 1982 115; EEW 1982/83 1904; Nikkilä 1987 238; Koivulehto 1988b; Koivulehto 1989d 28f.; [N.Nielsen 1989 404;] SSA II 1995 296; Häkkinen 2004 858. Germ. LW.

PALE (G. paleen) (Lönnr.) ’kleiner Landrücken’. *paleh

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1.~ urgerm. *balan-, urn. *balƗ; vgl. an. bali m. ’flacher Strandhügel’, norw. bale id. [2. [urgerm. *ȤwƝla-z >] nwgerm. *ȤwƗlaz, urn. *ȤwƗlaR; vgl. an. hváll m. ’kleiner, rundlicher Hügel’, norw. kvål ’rundliche Bodenerhöhung’.] Pale ’kleiner Landrücken’ ist nur bei Lönnrot bezeugt; in fi. Mundarten ist es nicht belegt. Virtaranta vertritt die Ansicht, daß pale offenbar eine mundartliche Form von PADE ’Pfad, Weg’ sei (in einigen fi. Mundarten: F > l). Im SKES und im SSA wird die Verbindung mit PADE mit Vorbehalt erwähnt. Ein erster Versuch, pale als germ. Lehnwort zu deuten, wurde 1918 von Carlsson unternommen; als Vergleichsmaterial zog er zunächst den gotländischen Ortsnamen Bäl heran. Karsten schloß sich Carlssons Deutung, die lautlich und semantisch möglich erscheint, an und baute sie weiter aus; dabei setzte er als Original einen älteren ez-/az-Stamm (*balez > *baliz) an, aus dem über einen i-Stamm der in an. bali vorliegende an-Stamm hervorgegangen sei. Das von Katz vorgeschlagene germ. Original ist eine der beiden Rekonstruktionsversuche für an. hváll. Diese Deutung ist mit Substitutionsproblemen belastet. Die schwache Materialgrundlage erlaubt es nicht, zwischen der Verbindung mit PADE und der Deutung als Entlehnung von germ. *bal- zu entscheiden. Carlsson 1918 240–243; Karsten 1943/44 363; SKES II 1958 454; Virtaranta 1958 42; de Vries 1962 24 [, 268]; Katz 1988b 10; [Blöndal Magnússon 1989 38, 392;] Nikkilä 1994a 134f.; SSA II 1995 285f. ? Germ. LW.

PALJAS ’bloß, nackt, bar, entblößt, kahl, leer, öde, wüst; lauter, rein’; ingr. paljaz; karel. paljas; lüd. pal'l'az; weps. pal'l'az; wot. pal'l'az; estn. paljas; liv. pǀ֑l'az ’kahl, nackt’; ? lpS. puoljos ’waldlos’. *paljas 1. ~ urgerm. *failija-z (, urn. *failijaR); vgl. ahd. feili ’verkäuflich’, mhd. veile, veil ’feil, käuflich’. 2. ~ [urgerm. *fƝlija-z,] nwgerm. *fƗlijaz (, urn. *fƗlijaR); vgl. ahd. fƗli ’feil’. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt; er ist sich nicht sicher, ob nwgerm. *fƗlijaz oder aber ein frühes urgerm. *failjaz dem ostseefi. Adjektiv zugrunde liege. Koivulehtos Etymologie wurde von Itkonen akzeptiert. Ritter aber lehnt sie aus semantischen Erwägungen ab (im Deutschen lasse sich die von Koivulehto für das Original von paljas vorausgesetzte Bedeutung ’entblößt’ nicht nachweisen) und schlägt mit Vorbehalt urbalt. *spali֐ as ’*abgestreift, abgerissen’ (vgl. lit. spalͿs ’Flachsschäbe’) als Original vor, was ebenfalls semantisch bedenklich erscheint.

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Problematisch an der nordwestgerm. Rekonstruktion *fƗlijaz ist auf jeden Fall, daß der einzige Beleg, ahd. fƗli, ein Hapax legomenon ist und in einem Text mit orthographischen Irrtümern begegnet. Auch die Rekonstruktion *failijaz (mit -ai-) ist unsicher; es kann eine Entgleisung (ai statt a; vgl. an. falr ’feil, verkäuflich’, aschwed. fal id. < urn. *falaR < urgerm. *fala-z) vorliegen. Herleitung aus *falaz würde urfi. -j- unerklärt lassen. Die Deutungen als germ. Lehnwort sind aus semantischen Gründen zweifelhaft. Eine überzeugende Etymologie fehlt noch. [Hellquist 1939 196;] SKES II 1958 473; [de Vries 1962 110f.;] Koivulehto 1978 310f.; Koivulehto 1981a 336, 343–348; Raun 1982 115; EEW 1982/83 1911f.; Fromm 1984 93; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 49, 69, 111, 142f., 334, 336, 384f., 390; [Blöndal Magnússon 1989 161; N.Nielsen 1989 113;] Häkkinen 1990a 222; [Heidermanns 1993 187, 185f.;] Ritter 1993 108–111, 141; Hofstra 1995a 144; SSA II 1995 300; Kluge–Seebold 1995 256; Ritter 1998 203f.; [Kluge–Seebold 2002 283;] Ritter 2002 322f.; Häkkinen 2004 862. Kaum germ. LW.

PALJE (G. palkeen) ’Blasebalg, Balg’; ingr. pale (G. palkehen) ’Polsterung des Kummets’; karel. paleh; lüd. paɥgiš; weps. paugiž ’id.; Hülse’; wot. palge ’Polsterung des Kummets’; estn. pale (G. palge, pale) ’Wange; Gesicht’; liv. palթ G ’(Kissen im) Kummet’. *palIeh (G. *palkehen) /* palIis (G. *palkihin) ~ urgerm. *balЀi-z, urn. *balЀiR; vgl. an. belgr m. ’Balg, Blasebalg, Ledersack’, aschwed. bælgher m. ’Balg, Bauch’, ae. bealg m. ’Balg, Sack, Beutel; Schote’, got. balgs m. ’Ledersack’. Laut Kettunen und SKES ist es unsicher, ob estn. pale und liv. palG zu fi. palje gehören; laut EEW ist liv. palթ G ’Wange, Gesicht’ möglicherweise ein Lehnwort aus dem Estnischen. Bereits am Ende des 18. Jh.s wurde ein Zusammenhang zwischen fi. palje und dem germ. Balg-Wort vermutet. Seit Mitte des 19. Jh.s gilt palje als germ. Lehnwort. Semantisch und lautlich ist diese Deutung problemlos. Vgl. PALKO. Thomsen 1869 138; Setälä 1913a 420; Hellquist 1939 121; Karsten 1943/44 363; Kettunen 1951 125; Fromm 1957/ 58 89; SKES II 1958 473f.; Kylstra 1961 82; de Vries 1962 32; [ODEE 1969 87f.;] Viires 1970 297; Koivulehto 1972 584; Koivulehto 1973a 2, 7; Koivulehto 1977a 141; Loikala 1977 227, 238; Loikala 1978 43; Hakulinen 1979 119, 360, 363; Hahmo 1981 51; Koivulehto 1981a 178; Raun 1982 115; EEW 1982/83 1908f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 71, 284, 322; [Lehmann 1986 59f.; Blöndal Magnússon 1989 49;] Joki 1989 20f.; N.Nielsen

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1989 76; Häkkinen 1990a 252; Koivulehto 1992d 163; Salo 1992a 113f., 118, 121f.; SSA II 1995 300; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1998b 241; Hahmo 2004b 152; Häkkinen 2004 862, 864. Germ. LW.

PALJO(N) ’viel’; ingr. paljo; wot. pal'l'o, pal'jo; estn. palju, pailu. *paljo [1. ~ urgerm. *felu-, urn. *felu; vgl. an. fjІl n. ’Menge’, fjІl- ’viel’ (in Zss.), neunorw. fjøl- in Komposita wie fjølment ’mit großem Gefolge, voll Menschen’, ae. fela, feala, feola ’viel, sehr’, as. filu id., ahd. filu id., got. filu id.] [2. ~ urgerm. *falu- (, urn. *falu); dazu vielleicht ae. feala ’viel’.] Die Zusammengehörigkeit von paljo und tscher., wogul. und samoj. Wörtern ist umstritten (Literaturangaben im SSA und im UEW). Nachdem Thomsen als lose Vermutung paljo über *pjalo als Entlehnung von späturn. *fialu (> an. fjІl) gedeutet hatte, hat Karsten 1902 mit Hinweis auf ae. fealo an urgerm. *falu, genauer einen verlorengegangenen ǀ-Stamm *faljǀ, als Original von paljo gedacht; ae. fealo dürfte jedoch eine erst im Altenglischen entstandene lautliche Variante von ae. fela ’viel’ (< urgerm. *fel-) sein (vgl. Brunner 1965 87), womit der Ansatz von germ. *falu- (und auch *faljǀ) unbegründet wäre; Karsten wiederholt 1943/44 die Zusammenstellung nicht. Laut Widmer beruht paljo ”ziemlich wahrscheinlich” auf Entlehnung von urgerm. *falu-, einer von ihr auf Grund von idg. *polh1u- (vgl. griech. ʌȠȜȣ- ’viel’) angesetzten, allerdings neben *felu ’viel’ nicht sicher bezeugten Form. Im SSA wird eine Herleitung aus germ. *felu genannt und als sehr unsicher bezeichnet. Keine der Herleitungen aus dem Germanischen ist lautlich plausibel. Saarikivi deutet 2009 paljo als Entlehnung von altruss. *bol-jɶjɶ (vgl. russ. ɛɨɥɟɟ ’mehr’), was lautlich und semantisch den bisherigen Herleitungen aus dem Germanischen überlegen ist. Diefenbach 1851 I 272, 391; Thomsen 1869 52; Thomsen 1870 60, 103, 160; Karsten 1902 192f.; Setälä 1913a 420; SKES II 1958 474; de Vries 1962 125; Joki 1973 128; Raun 1982 115; EEW 1982/83 1912; [Lehmann 1986 116;] UEW I 1988 350f.; [Blöndal Magnússon 1989 182;] Häkkinen 1990b 224f.; SSA II 1995 301; Widmer 2002; Häkkinen 2004 863; Saarikivi 2009 146f. Kein germ. LW.

PALKKA (dial.), palkko, palkku ’Latte zum Trocknen, Sparren’; karel. palkka ’id.; Balken’.

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*palkka ~ urgerm. *balkan-, urn. *balkƗ; vgl. aschwed. balke m. ’Balken’, as. balko m. id., ahd. balko m. id.; ~ urgerm. *balku-z, urn. *balkuR; vgl. an. bІlkr, balkr m. ’Scheidewand, Abteilung’, aschwed. balker, bolker m. ’Balken’. Palkka ’Latte zum Trocknen’ hat eine begrenzte mundartliche Verbreitung. Karsten behandelt PALKKU ’Holzklotz’ und palkka, palkku ’Latte, Sparren’ als ein und dasselbe Wort; SSA behandelt palkka als Variante des schwed. Lehnwortes palkki ’Balken’; im SKES wird zusätzlich mit der Möglichkeit der Entlehnung aus dem Lappischen gerechnet. T. Itkonen aber deutet palkka, palkku ’Latte usw.’ als Lehnwort für sich. Semantisch und lautlich paßt vor allem urgerm. *balkan- / urn. *balkƗ gut als Original. Koivulehto erklärt nach einer mündlichen Anregung durch T.Itkonen allgemein ostseefi. palkka ’Lohn’ als aus palkka ’Latte, Sparren’ hervorgegangen. Dies ist angesichts der geringen Verbreitung von palkka ’Latte’ und der allgemein ostseefi. Verbreitung von palkka ’Lohn’ nicht wahrscheinlich. Überdies sind die zum Vergleich angeführten Bedeutungsentwicklungen nicht völlig parallel. Palkka ’Lohn’ ist ein Homonym, dessen Herkunft weiterer Erforschung bedarf. Vgl. PALKKU. [Hellquist 1939 48;] Karsten 1943/44 364; SKES II 1958 475; [de Vries 1962 70; ODEE 1969 70;] T.Itkonen 1973a 58f.; Hofstra 1985a 321; Nikkilä 1987 239f.; [Blöndal Magnússon 1989 38; N.Nielsen 1989 39;] SSA II 1995 301; Koivulehto 2001a 67f.; Häkkinen 2004 863. Germ. LW.

PALKKU, palkus ’(Hack)klotz; die Schlittenstreben verbindendes Querholz’. *palkի kus / *palkku ~ urgerm. *balku-z, urn. *balkuR; vgl. an. bІlkr, balkr m. ’Scheidewand, Abteilung’, aschwed. balker, bolker m. ’Balken’. Thomsen meinte bereits 1869, daß palkku vielleicht zu an. bІlkr usw. zu stellen sei. Tunkelo deutet palkku, palkus als Entlehnung von urgerm. *balkuz. Karsten hält palkku für entweder ein Deminutivum von palkki ’Balken’, einem Lehnwort aus dem Schwedischen, oder eine Entlehnung von urn. *balku-. T. Itkonen befürwortet die Deutung als urnord. Lehnwort. Lautlich und semantisch steht einer Deutung als germ. Lehnwort nichts im Wege. Wegen der Endung -us kommt Entlehnung aus dem Urnordischen oder bereits dem Urgermanischen in Frage. Vgl. PALKKA.

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Thomsen 1869 138f.; Setälä 1913a 421; Tunkelo 1918 123f.; [Hellquist 1939 48;] Karsten 1943/ 44 364; SKES II 1958 475; de Vries 1962 70; [ODEE 1969 70;] T. Itkonen 1973a; Koivulehto 1976a 257; Hakulinen 1979 360; Nikkilä 1983 116; Hofstra 1985a 287, 314; Nikkilä 1987 239f.; [Blöndal Magnússon 1989 38; N. Nielsen 1989 39;] SSA II 1995 301f. Germ. LW.

PALKO ’Schote, Hülse; längliche Schwellung, z.B. als Folge eines Peitschenhiebes; durch Schleifen angeschrägte Fläche an der Messer- oder Axtschneide’; ingr. palGo ’Schote, Hülse; Striemen’; karel. palko; lüd. paɥg ’Schote, Hülse’; weps. paug, poug ’id.’; wot. palko ’id.’; estn. palg (G. palu) ’id.’. *palko ~ urgerm. *balЀi-z, urn. *balЀiR; vgl. an. belgr m. ’Balg, Blasebalg, Ledersack’, aschwed. bælgher m. ’Balg, Bauch’, schwed. dial. gotl. bälg m. ’Balg, Blasebalg, Schote’, Finnl. bälg m. ’Ährenscheide’, ae. bealg m. ’Balg, Sack, Beutel; Schote’, got. balgs m. ’Ledersack’. Estn. palg (nordöstliche Mundarten) kann eine Entlehnung aus dem Finnischen sein (siehe z.B. SKES und SSA). Bereits um die Mitte des 19. Jh.s wurde palko mit germ. Wortgut (got. balgs) verglichen. Laut EEW und SKES ist -o ein ostseefi. Diminutivsuffix. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch in Ordnung. Die Entlehnung dürfte wie die von PALJE in urfi. Zeit geschehen sein, aber mit einer vielleicht früheren Anpassung des germ. i-Stammes an die ostseefi. Morphologie. Vgl. PALJE. [Hellquist 1939 121;] SKES II 1958 476; [de Vries 1962 32; ODEE 1969 87f.;] Koivulehto 1973a 2; Hakulinen 1979 359; Koivulehto 1981a 178; EEW 1982/83 1909f.; Hofstra 1985a 311, 353; [Lehmann 1986 59f.; Blöndal Magnússon 1989 49;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 76;] SSA II 1995 302; Häkkinen 1996a 162; Söderman 1996 90; Häkkinen 2004 864. Germ. LW.

PALLAS (G. paltaan), palta, palto, paltta, paltto ’Hang, Abhang’; wot. paltta ’Rain’. *palFas (G. *paltahan) ~ urgerm. *falþa-z > *falÿaz, urn. *falÿaR; vgl. an. faldr m. ’Falte, Saum (eines Gewandes); hohe Leinenmütze (als weiblicher Kopfputz)’, aschwed. falder m. ’Falte, Rand, Saum’;

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~ urgerm. *falþa-z (, urn. *falþaR); vgl. ahd. fald m. ’Falte’; ~ urgerm. *falþi-z > *falÿiz, urn. *falÿiR; vgl. an. feldr m. ’Mantel’, aschwed. fælder m. ’Fell, Decke’, ae. field, fyld m. ’Falte, Faltung, Umdrehung, Band’. SKES stellt paltta zu derselben Wortgruppe wie PALLE; pallas sei eine Ableitung von PALLE. Koivulehto hat pallas als germ. Lehnwort gedeutet; es könne sich um eine spätere Entlehnung als PALSI handeln. Laut SSA, wo pallas nicht genannt wird, gehört paltta zu derselben Wortsippe germ. Herkunft wie PALLE und PALSI. Lautlich und semantisch ist die Herleitung aus dem Germanischen in Ordnung. Vgl. PALLE, PALSI. [Hellquist 1939 251, 253;] SKES II 1958 476, 479; [de Vries 1962 116; Seebold 1970 183–185;] Koivulehto 1976a 255, 286; Koivulehto 1979c 140, 142, 145, 154; Hofstra 1985a 86, 132, 277, 325; [Lehmann 1986 107f.; Blöndal Magnússon 1989 162, 169; N.Nielsen 1989 127;] SSA II 1995 304. Germ. LW.

PALLE (G. palteen), palte (G. paltteen) ’Saum, Rand; Abhang, Uferböschung, Rand (Graben) , Rain; Schnee- oder Kieshaufen am Wegrand; Heuschwaden’; ingr. palle ’Abhang, Rand’; karel. palte ’id., Rain; schräg’; lüd. palte ’Abhang’; weps. paute֑ (G. pautken), poude֑ ’id., Rain, Rand’; estn. palle ’Kante, Rand, Saum’; liv. pƗld ’Berg’. *palFek (G. *palteIen) / *paltի tek (G. *paltteIen) ~ urgerm. *falþa-z > *falÿaz, urn. *falÿaR; vgl. an. faldr m. ’Falte, Saum (eines Gewandes); hohe Leinenmütze (als weiblicher Kopfputz)’, aschwed. falder m. ’Falte, Rand, Saum’; ~ urgerm. *falþa-z (, urn. *falþaR); vgl. ahd. fald m. ’Falte’; ~ urgerm. *falþi-z > *falÿiz, urn. *falÿiR; vgl. an. feldr m. ’Mantel’, aschwed. fælder m. ’Fell, Decke’, ae. field, fyld m. ’Falte, Faltung, Umdrehung, Band’. Es ist vermutet worden, daß estn. (dial.) palle auf Entlehnung aus dem Finnischen beruht. Bereits von Diefenbach und Thomsen wurde palle ’Saum (Näharbeit)’ mit Wörtern wie an. faldr verbunden. Setälä und SKES aber denken für ’Saum’ an Bedeutungswandel eines ostseefi. Wortes unter Einfluß eines germ. Wortes. Koivulehtos Deutung von palle ’Saum’ und ’Abhang’ als germ. Lehnwort ist semantisch und lautlich problemlos. Fi. palttaa und paltata ’umsäumen’ sowie wot. paɥttƗ ’zusammennähen’ dürften Ableitungen sein, obwohl auch unmittelbare Entlehnung aus einem germ. Verbum möglich erscheint; siehe das germ. Wortmaterial zu dem meistens als Ableitung von palle usw. gedeuteten Verbum PALLISTAA. Vgl. PALLAS, PALSI.

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Thomsen 1869 139; Setälä 1913a 421; [Hellquist 1939 251, 253;] Karsten 1943/44 364; SKES II 1958 476; [de Vries 1962 116;] Koivulehto 1976a 254–257, 286; Hakulinen 1979 357, 358; Koivulehto 1981a 354f.; EEW 1982/83 1910f., 1915; Hahmo 1981 51; T.Itkonen 1983 220; Hahmo 1986 163; Hofstra 1985a 99, 238, 300, 325, 343; [Lehmann 1986 107f.; Blöndal Magnússon 1989 162, 169;] Joki 1989 22; [N.Nielsen 1989 127;] Ritter 1993 176; SSA II 1995 302; ALFE 1 2004 143–145; Häkkinen 2004 864. Germ. LW.

PALLISTAA ’säumen, umnähen’; estn. palistama ’umsäumen, besäumen; flechten’; liv. palթ 'štΩյ, palթ 't'štΩյ ’id.’. *palFista~ urgerm. *falþijan-, urn. *falþijan; vgl. an. fella ’zusammenfügen, befestigen’; ~ urgerm. *falþǀ(ja)n- > *falÿǀ(ja)n-, urn. *falÿǀn; vgl. aschwed. falda ’zusammenlegen, zusammenfalten, einwickeln’; ~ urgerm. *falþan- > *falÿan-, urn. *falÿan; vgl. an. falda ’(eine Kopfbedeckung) aufsetzen, falten’, ae. fealdan ’falten’; ~ urgerm. *falþan- (, urn. *falþan); vgl. got. falþan ’falten, zusammenrollen’, ahd. faldan ’falten’. Im allgemeinen wird pallistaa als eine Ableitung vom germ.Lehnwort PALLE gedeutet. Koivulehto aber vergleicht es mit germ. Verben; mehrere ista-Verben seien als unmittelbare Entlehnungen aus dem Germanischen zu deuten, z.B. KALLISTAA, LOISTAA, LUISTAA, MAISTAA. Nicht nur pallistaa, sondern auch fi. palttaa und paltata ’umsäumen’ sowie wot. paɥttƗ ’zusammennähen’ können, wenn es sich nicht um Ableitungen von PALLE handelt, unmittelbare Entlehnungen aus dem Germanischen (*falþ-/*falÿ’falten usw.’) sein. [Hellquist 1939 251, 253;] SKES II 1958 476; [de Vries 1962 110, 116f.; ODEE 1969 366;] Hakulinen 1979 334; Koivulehto 1981a 354f.; Raun 1982 115; EEW 1982/83 1910f.; Hofstra 1985a 233, 238, 343; [Lehmann 1986 107; Blöndal Magnússon 1989 162, 169f.; N.Nielsen 1989 127;] SSA II 1995 302. ? Germ. LW.

PALLO ’Ball’; karel. pallo; wot. pallo. *pallo

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~ urgerm. *ballu-z, urn. *balluR; vgl. an. bІllr m. ’Ball’, aschwed. balder, bolder m. ’Kugel, Ball’, schwed. boll ’Ball’, gotl. ball id., as. ball m. id., ahd. bal m. ’Ball zum Spielen, Bissen’; ~ urgerm. *ballǀn- (, urn. *ballǀ); vgl. ahd. balla f. ’Ball zum Spielen, Bissen’; ~ urgerm. *ballan- (, urn. *ballƗ); vgl. ahd. ballo m. ’Ballen an der Hand, am Fuß; Bissen, Kugel zum Spielen’. Bezüglich der Zeit der Entlehnung sind unterschiedliche Auffassungen vorgetragen worden: schwed. Lehnwort (so bereits Becker im Jahre 1824; vgl. dazu SSA), altnord. Lehnwort (Thomsen), urnord. Lehnwort (Karsten). Eine genauere Zeitbestimmung erscheint nicht möglich; es sei allerdings noch auf palli ’Ball’, das erst aus dem (Alt)schwedischen entlehnt wurde, hingewiesen. Setälä 1913a 421; [Hellquist 1939 89;] Karsten 1943/44 364, 365; SKES II 1958 477; de Vries 1962 70; [ODEE 1969 70;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 360; EEW 1982/83 1914; Hofstra 1985a 322f.; Grönholm 1988 267; [Blöndal Magnússon 1989 101; N.Nielsen 1989 60;] SSA II 1995 303; Häkkinen 2004 864f. Germ. oder jüngeres LW.

PALSI (G. pallen, palsin) ’harte Lehm- oder Erdschicht, bes. am Grund eines Sees oder Flusses’; karel. palsi (G. pallen) ’Rand, Abhang’; lpL. puol'tâ ’Abhang, (Birken)wald’. *palsi < *palti < *palte ~ urgerm. *falþa-z > *falÿa-z, urn. *falÿaR; vgl. an. faldr m. ’Falte, Saum (eines Gewandes); hohe Leinenmütze (als weiblicher Kopfputz)’, aschwed. falder m. ’Falte, Rand, Saum’; ~ urgerm. *falþa-z (, urn. *falþaR); vgl. ahd. fald m. ’Falte’; ~ urgerm. *falþi-z > *falÿi-z, urn. *falÿiR; vgl. an. feldr m. ’Mantel’, aschwed. fælder m. ’Fell, Decke’, ae. field, fyld m. ’Falte, Faltung, Umdrehung, Band’. Der fi. Stamm palsi- (neben fi. palte-) dürfte auf Analogie beruhen. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt; er führt die Wortgruppe palsi, PALLAS, PALLE als Ganzes auf urgerm. *falþ- usw. zurück; die älteste Entlehnung in dieser Gruppe sei palsi (mit lappischer Entsprechung); palsi sei bereits vor dem urfi. Lautwandel ti > si entlehnt worden. Zur Semantik weist Koivulehto darauf hin, daß das germ. Wort als *falda in romanische Sprachen, mit der Bedeutung ’Abhang, Schicht’, entlehnt worden sei (z.B. ital. falda). Ritter lehnt, im Gegensatz zu anderen Forschern, diese Deutung ab; er nimmt Zusammengehörigkeit von fi. und karel. palsi ’trockene Lehm- oder Kieskante’ (mit ursprünglichem Genitiv *palsen) und lpN. buol'Њâ ’steiler Moränenrücken, trockene kiesreiche Höhe’ an und rekonstruiert wahlweise fi.-ugr. *palþe bzw.

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*palüe (ohne Belege außerhalb des Ostseefinnischen und Lappischen). Da es im Finnischen kaum alte Erbwörter mit einer ls-Verbindung gibt, überzeugt Ritters Vorschlag nicht. Koivulehtos Etymologie ist lautlich in Ordnung und semantisch immerhin möglich. Vgl. PALLAS, PALLE. [Hellquist 1939 251, 253;] SKES II 1958 478; [de Vries 1962 116; Seebold 1970 183–185;] Koivulehto 1976a 254–257, 262, 278, 286, 289; Sammallahti 1977 121, 122; Hakulinen 1979 357, 361; Koivulehto 1979c 140, 145, 154; Koivulehto 1981a 355; Koivulehto 1981d 18f.; T. Itkonen 1983 353, 356; M.Korhonen 1981a 35; Hofstra 1985a 69, 132, 157, 326; Hahmo 1986 163; [Lehmann 1986 107f.; Blöndal Magnússon 1989 162, 169;] Joki 1989 22; [N.Nielsen 1989 127;] Ritter 1993 76–78, 206, 213f.; Häkkinen 1994a 330f.; SSA II 1995 304; Häkkinen 1996a 157; Ritter 1998 204; Sammallahti 1998 230; Sammallahti 1999 79; Sammallahti 2001 400f.; Aikio 2006 11, 24. Germ. LW.

PALSTA ’Parzelle; Spalte; Teil der Radfelge’, palsa, palstas ’Teil der Radfelge’; ingr. palsta ’Teil der Radfelge’; karel. palsta ’id.; Parzelle’; lüd. pausteࡓ . *palsta [~ urgerm. *spalÿa-z (, urn. *spaldaR); vgl. ahd. spalt m. ’Spalte, Zerteilung’; ~ urgerm. *spalÿǀ (, urn. *spaldu); vgl. mhd. spalte f. ’Spalte, Spaltung’.] Palsta ist seit der Mitte des 19. Jh.s mehrmals als russ. Lehnwort gedeutet worden (~ russ. polosá ’Streifen, Strich (Land); Himmelsstrich, Zone’ oder plast (G. plastá) ’Schicht, Lager; Scheibe, Stück’). Wegen lautlicher Schwierigkeiten werden diese Herleitungen von Kalima u.a. abgelehnt, im SKES, von Plöger und im SSA angezweifelt. Aus lautlichen Gründen lehnt Plöger polosá als Original ab; aus lautlichen und semantischen Gründen zweifelt sie (zu Unrecht?) an der Richtigkeit der Deutung als Entlehnung von plast. Zum Lautlichen sei bemerkt, daß russ. plast sich zu fi. palsta verhalten würde wie germ. *blika- zu fi. PILKKA. Katz hat palsta und Nebenformen zu urgerm. *spalÿa-z und *spalÿǀ gestellt. Diese Etymologie setzt eine merkwürdige Metathese von s voraus. Sie wird mit Recht von Ritter abgelehnt. Es mag aber – wie oft angenommen wird – schwed. spalt oder dt. Spalte in irgendeiner Weise palsta, dessen seiner Herkunft nach wie vor ungeklärt ist, semantisch beeinflußt haben. [Hellquist 1939 1033;] SKES II 1958 478f.; Kalima 1956 107; Plöger 1973 120; Hakulinen 1979 366; Turunen 1979 241; Katz 1990a 44; Ritter 1993 77, 78f.; SSA II 1995 304; Häkkinen 2004 866. Kein germ. LW.

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PALTE ’Saum, Aufschlag, Rand’ s. PALLE.

PALTTI (aWb.) ’überschäumend, übermäßig’, jetzt noch in suupaltti ’großmäulig; Prahler’ (suu- ’Mund’) und (ylen)palt(t)inen ’übermäßig’ (ylen- ’sehr, (all)zu’). *paltti ~ urgerm. *balþa-z, urn. *balþaR; vgl. an. ballr ’kühn; gefährlich’, aschwed. balder ’kühn, ausgezeichnet’, schwed. dial. bålt (Adv.) ’außerordentlich, unerhört’, ae. beald ’kühn, tapfer, stark’, as. bald ’kühn’, mnd. balt, bolt ’rasch, kühn, trotzig’, got. balþaba (Adv.) ’kühn’. Diefenbach hat paltti als germ. Lehnwort gedeutet; Streng vergleicht es mit aschwed. balder und mnd. balt. Laut Karsten handelt es sich um ein mittelniederdt. Lehnwort. SKES hält Herkunft aus dem Germanischen (Skandinavischen) für besonders unsicher, SSA (aus semantischen Gründen) für unwahrscheinlich. Semantisch passen die germ. Wortgruppe und paltti gut zusammen; man vergleiche noch ndl. boud (< germ. *balþaz) ’zuversichtlich, tapfer; dreist, allzu selbstsicher’, besonders in bezug auf Aussagen. Es ist wegen tt und -i und wegen der Verbreitung entweder mit Karsten an mittelalterliche Entlehnung (< mittelniederdt.) oder eher noch an eine Entlehnung aus dem Schwedischen (vgl. noch fi. ylenpalt(t)inen und schwed. förbålt (Adv.) ’sehr, viel’) zu denken. Diefenbach 1851 I 272; Streng 1915 140f.; [Hellquist 1939 119;] Karsten 1943/44 365; SKES II 1958 479; [de Vries 1962 24; ODEE 1969 105;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 374; [Lehmann 1986 60; Blöndal Magnússon 1989 38; N. Nielsen 1989 60;] Heidermanns 1993 115f.; SSA II 1995 305; Bentlin 2008 78f., 101, 103. ? Jüngeres LW

PALVOA ’anbeten, verehren; pflegen, verwöhnen; bitten, flehen’; ingr. palvoa; karel. palvuo; wot. palvoa ’anbeten; bitten’; estn. paluma ’bitten, auffordern’; liv. pal̖ lΩյ ’bitten, beten’. *palvo~ urgerm. *balwǀ(ja)n-, urn. *balwǀn; vgl. an. bІlva ’(ver)fluchen; brüllen’; ~ urgerm. *balwijan- (, urn. *balwijan); vgl. got. balwjan ’martern’. Palvoa wurde oft mit mordw. palams ’küssen’ verbunden. Sammallahti stellt palvoa zu fi.-ugr. *pålwå ’Dorf; (heidnischer) Gott’; im UEW (I 1988 351) wird palvoa zwar nicht genannt, wohl aber ugrisch (? fi.-ugr.) palȖɡ ’Dorf’. Die von einigen Forschern vorgenommene Verbindung von palvoa mit ostseefi.-lp. palvata ’Fisch oder Fleisch räuchern’ ist unbegründet.

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Die Herleitung aus dem Germanischen (*balwǀ-) wurde von Koivulehto in einem nicht veröffentlichten Vortrag vorgeschlagen. Lautlich ist diese Etymologie problemlos; an an. blóta zeigt sich, daß sich die Bedeutungen ’opfern, verehren’ und ’verfluchen’ in einem Verb vereinen können, wenn auch im Falle palvoa die ursprüngliche Bedeutung sich auf Schlechtes bezieht. Tunkelo 1912; SKES II 1958 480; [de Vries 1962 70; ODEE 1969 70;] Hakulinen 1979 345; Raun 1982 116; EEW 1982/83 1918f.; Koivulehto 1984e; [Lehmann 1986 60;] Sammallahti 1988 548; [Blöndal Magnússon 1989 101;] Joki 1989 14; Häkkinen 1990b 225f.; Ritter 1993 27; SSA II 1995 306; Häkkinen 2004 867f., 868; ALFE 2 2007 325–327. ? Germ. LW.

PANKA ’Henkel, Griff, Weidenband um einen Besen; Rentierhalfter; (hölzerne) Fessel am Hals eines Tieres’; ingr. paƾGa ’Henkel eines Gefäßes’; karel. panka ’Griff, Henkel, bogenförmiger Gegenstand (oder Teil davon)’; lüd. paƾg ’Henkel’; weps. paƾg ’id.; Türgriff’; wot. paƾka ’Henkel’; estn. pang ’id.; Fessel am Hals eines Tieres’; lpN. bag'ge ’Fessel für Rentier, Pferd oder Rind’. *paƾka 1. ~ urgerm. *fangǀn-, urn. *fangǀ; vgl. schwed. (Finnland) fangu f. ’Ring, Öse’; ~ urgerm. *fanga-, urn. *fanga; vgl. an. fang n. ’Nehmen, Ergreifen; (Fisch)fang, Beute’, aschwed. fang n. ’Fang; ein Armvoll, Umklammerung’; ~ urgerm. *fanga-z (, urn. *fangaR); vgl. ae. fong, fang m. ’Beute’; ~ urgerm. *fangi-z (, urn. *fengiR); vgl. an. fengr m. ’Erfassen, Gewinn’; ae. feng m. ’Griff, Umklammerung, Beute’, ahd. -fang m. ’Fang’ (z.B. in wintfang ’Windfang’); ~ urgerm. *fanȤǀ > *fƗȤǀ (, urn. *fƗhu); vgl. mhd. vƗch f. ’Fang; Halfter, Zaumzeug’; 2. ~ urgerm. *spangǀ, urn. *spangu; vgl. an. spІng f. ’Spange, dünne Platte; Eisscholle’, aschwed. spang f. ’Spange, dünne Platte; kleine Brücke’, ae. spang f. ’Spange’, ahd. spanga f. ’Spannbalken, kleiner Verschluß; Beschlag’. Setälä stellte panka z.B. zu mordwE. paƾgo ’zur mordwinischen Tracht gehö rende Haube’, wogul. pǀȤ-kэթlΩj ’Zügel’ (-kэթlΩj ’Schnur’) und samojJur. paƾk ’Handgriff, Stiel’; diese Zusammenstellung ist wahrscheinlich unrichtig (vgl. auch das Fehlen bei Sammallahti 1988 und die Fragezeichen im UEW). Karstens Deutung von panka ’Rentierhalfter’ als Entlehnung von germ. *fanhâ (= *fanȤǀ, nur im Mittelhochdeutschen belegt) wurde von Setälä abgelehnt, weil panka bis ins Samojedische vorkomme. Später hat Karsten panka zusammen mit PANKKU ’Spange’ als Entlehnungen aus germ. *spangǀ usw. gedeutet. Germ.

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*spangǀ (oder eine ähnliche Form) paßt zwar lautlich gut als Original, ist aber semantisch schwer mit panka zu verbinden. Wenn panka ein germ. Lehnwort ist, so kommt germ. *fanȤ-/*fanЀ- am ehesten als Quelle in Frage. Die in zahlreichen Ableitungen vertretene germ. Wortgruppe *fanȤ-/*fanЀ- hat als Kern das Verb *fanȤan-, das in einzelnen germ. Sprachen mit Bedeutungen wie ’fangen, ergreifen, fassen, fesseln’ belegt ist. Die ostseefi. Wörter lassen sich auf ein urfi. *panka in der Bedeutung ’Vorrichtung zum Anfassen, Griff, Henkel’ zurückführen. Vgl. PANKKU. Karsten 1910 274; Setälä 1913a 421; Setälä 1914 165–170; Karsten 1915 135f., 144, 156, 190; Collinder 1932 221–223; [Hellquist 1939 251, 1056;] Karsten 1943/44 366f.; Fromm 1957/58 324; SKES III 1962 307; [de Vries 1962 540, 111; ODEE 1969 344, 849; Seebold 1970 185f.;] Joki 1973 104, 105f.; Hakulinen 1979 333; Raun 1982 116; EEW 1982/83 1924; [Lehmann 1986 102;] UEW I 1988 354f.; [Blöndal Magnússon 1989 163, 170;] Lehtiranta 1989 98f.; [N.Nielsen 1989 405;] SSA II 1995 307. ? Germ. LW

PANKKO, panko, pankku ’Ofenbank, Raum vor dem Ofenherd’; karel. pankko. *paƾkko ~ urgerm. *bankan-, urn. *bankƗ; vgl. an. bakki m. ’Erhöhung, Hügel, Flußufer’, aschwed. bakke m. id., ae. banca m. ’Lager, Bett’; ~ urgerm. *banki-z , urn. *bankiR; vgl. an. bekkr m. ’Bank’, aschwed. bænker m. id., ae. benc f. ’Bank’, as. bank f. id., ahd. bank m. id. Karel. pankko wurde vermutlich aus dem Finnischen entlehnt. Seit Ende des 19. Jh.s wird pankko als germ. Lehnwort betrachtet; zum germ. Original werden unterschiedliche Meinungen vertreten: n-Stamm oder i-Stamm. Zeitlich läßt sich die Entlehnung schwer bestimmen; es ist außer an frühe Entlehnung auch – aufgrund der Sachgeschichte – an Übernahme nach der urnord. Periode gedacht worden. Mikkola 1894 16f.; Setälä 1913a 421; Hellquist 1939 [45,] 122; Karsten 1943/44 367; SKES III 1962 483; de Vries 1962 31; Valonen 1963 483–488; Ruoppila 1967 153; [ODEE 1969 73, 88;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358; Vuorela 1979 318; Nikkilä 1982 253; Hofstra 1985a 318; [Blöndal Magnússon 1989 36, 48;] Joki 1989 19; N.Nielsen 1989 [40,] 77; SSA II 1995 308; Häkkinen 1996a 161; Häkkinen 2004 870. Germ. oder jüngeres LW.

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PANKKU (obs.), panku, panka ’Spange’; estn. pang (G. panga) (Wied.) ’Spange, Armband, Halsschmuck’. *paƾk(k)u / *paƾka ~ urgerm. *spangǀ, urn. *spangu; vgl. an. spІng f. ’Spange, dünne Platte; Eisscholle’, aschwed. spang f. ’Spange, dünne Platte; kleine Brücke’, ae. spang f. ’Spange’, mnd. spange f. id., ahd. spanga f. ’Spannbalken, kleiner Verschluß; Beschlag’. Die ursprüngliche (urfi.) Form des schlecht bezeugten Wortes läßt sich nicht genau bestimmen; es kommt hinzu, daß die Bedeutung von pank(k)u nicht gesichert ist. Urgerm. *spangǀ usw. ist fi. panka lautlich sehr ähnlich; bereits Thomsen meinte, einen Zusammenhang erkennen zu können. Pankku, panka würde gut in die Gruppe von Lehnwörtern im Bereich der Kleidung und des Kleidungszubehörs passen; es kann ein altes Lehnwort sein, aber auch erst mit mittelalterlicher Mode übernommen worden sein. Vgl. PANKA. Thomsen 1869 139; Setälä 1913a 421; Collinder 1932 221–223; Hellquist 1939 1056; Karsten 1943/44 366f.; Fromm 1957/58 87; Kylstra 1961 59f., 80; SKES III 1962 483; de Vries 1962 540; ODEE 1969 849; EEW 1982/83 1924; Hofstra 1985a 300; UEW I 1988 355; [Blöndal Magnússon 1989 945;] N.Nielsen 1989 405; SSA II 1995 308; Hofstra 2002 149. Germ. oder jüngeres LW.

PANTA ’Band, Halsband, Lederriemen, Ring oder Faßreifen (aus Weidenruten), Henkel’; estn. pand ’Henkel, (aus einer Rute gedrehter) Ring; Fessel am Hals eines Tieres’; liv. pƗnda ’Querholz; Gehänge’. *panta ~ urgerm. *banÿa-, urn. *banda; vgl. an. band n. ’Band, Fessel’, aschwed. band id., as. band n. ’Band, Fessel’, gotl. band ’Balken, Querbalken über der Wand’, ahd. bant n. id.; vgl. auch gotl. bande m. ’Ring aus Weidenruten als Teil des Tores in einem Zaun’. Bereits Thomsen zählte panta zu den germ. Lehnwörtern. Diese Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung. Vgl. PANTIO. Thomsen 1869 139; Setälä 1913a 421; Kettunen 1938 279; [Hellquist 1939 49;] Karsten 1943/44 368; T.Itkonen 1957 74, 152; SKES III 1962 485f.; de Vries 1962 25; [ODEE 1969 72; Seebold 1970 102–104;] Ariste 1973 176, 177; EEW

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1982/83 1921; Hofstra 1985a 324; [Lehmann 1986 60f.;] Nikkilä 1987 237f.; [Blöndal Magnússon 1989 39f.; N.Nielsen 1989 81;] SSA II 1995 309f.; Häkkinen 2004 872. Germ. LW.

PANTIO (aWb., dial.), pantia ’Miete zur Aufbewahrung von Feldfrüchten, Fisch, Rentierflechte o.ä.; kastenartige Birkhuhnfalle; Strohband’. *pant(i)ja / *pant(i)jo ~ urgerm. *banÿijǀ / *banÿƯ, urn. *bandiju / *bandi; vgl. ae. bend f. ’Band, Binde, Fessel’, as. bendi f. (Plur.) ’Bande, Fesseln’, got. bandi f. ’Band, Fessel’; ~ urgerm. *banÿijǀn-, urn. *bandijǀ; vgl. an. benda f. ’Band, Fessel’, schwed. dial. bänna f., benda f. ’Vorrichtung unter dem Dach, zum Aufbewahren von Brot u.a., Korb (auf dem Rücken des Lasttieres), Korb als Wiege’; ~ urgerm. *banÿija-, urn. *bandija; vgl. an. bendi n. ’Band, Strick’, schwed. dial. bänne n. ’Korb (auf dem Rücken des Lasttieres)’, bände n. ’Flachsbündel’. Die von Karsten 1906 vorgelegte Herleitung aus dem Germanischen ist lautlich und semantisch in Ordnung. Vgl. PANTA. Karsten 1906a 17; Setälä 1913a 422; [Hellquist 1939 49;] Karsten 1943/44 368; SKES III 1962 487; [de Vries 1962 32; ODEE 1969 88; Seebold 1970 102–104;] Seebold 1972 91; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 154, 359; Koivulehto 1981b 167; Koivulehto 1982a 261, 269, 275; Hofstra 1985a 300f., 304, 320, 324; [Lehmann 1986 60f.; Blöndal Magnússon 1989 49; N.Nielsen 1989 81;] SSA II 1995 310. Germ. LW.

PARILA, parilas ’Bratrost; am Boot angebrachter Rost, auf dem beim nächtlichem Fischstechen ein Feuer brennt’; karel. parilas ’am Fischerboot angebrachter Rost’. *parilas ~ urgerm. *barila-z, urn. *barilaR; vgl. an. berill m. ’Gefäß’. Setälä hat parilas als Lehnwort aus dem Skandinavischen gedeutet; er stellte das Original später zu germ. *ber- ’tragen’. Die Etymologie von an. berill ist nicht gesichert. Zu germ. *ber- (ablautend mit *bar-) ’tragen’ gehört auf jeden Fall ahd. biril ’Korb’ < urgerm. *berila-z. Wegen der semantischen Unterschiede zwischen dem ostseefi. und dem germ. Wortmaterial und wegen der unsicheren Etymologie von an. berill ist die Deutung

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von parila(s) als germ. Lehnwort unsicher; die Wortstruktur aber erinnert an mehrere mutmaßliche Lehnwörter: apila(s) ’Klee’(? < balt.; SSA I 1992 79), KARILAS, PURILAS, TURILAS. Äimä 1908 34; Setälä 1912 279–284; Setälä 1913a 422; Karsten 1943/44 369f., 411; SKES III 1962 491; de Vries 1962 33; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 130, 162; Vahtola 1980 205, 206; Hofstra 1985a 321; Blöndal Magnússon 1989 51; SSA II 1995 314; Häkkinen 1996a 161. ? Germ. LW.

PARKA ’arm, elend; Windel, Lappen, Tuch’; ingr. parGa ’arm, elend’; karel. parka ’id.’. *parka [~ urgerm. *wraka-z, urn. *wrakaR; vgl. mnd. wrak ’verdorben, untauglich’, mnl. wrac id.; dazu auch aschwed. vrak n. ’Wrack, untaugliche Sache’.] Estn. dial. parg ’arm, elend’ ist eine Entlehnung aus dem Finnischen. Ostseefi. parka ’arm, elend’ ist mit samojJur. parka ’Überkleider aus Rentierfell’ verbunden worden; SKES hält die Ähnlichkeit mit Recht für zufällig. Adjektive mit der Bedeutung ’elend’ hängen zwar häufig mit einer Bezeichnung für Kleidung zusammen, dann aber mit einer Bezeichnung für ’alte, abgenutzte Kleidung’ (z.B. fi. raasu, riepu). Katz hat parka als Entlehnung von urgerm. *wraka- gedeutet. Er nimmt außer Metathese *raka wäre möglich gewesen) auch Substitution von urgerm. w durch urfi. p an. Letzteres bedarf einer Erklärung, da das Urfinnische die anlautende Verbindung va- kannte.Die Herleitung aus dem Germanischen überzeugt nicht. Die Etymologie von parka bedarf noch einer eingehenden Erforschung. Hellquist 1939 1366; Nirvi 1946 227, 318f.; SKES III 1962 492; [Seebold 1970 568–570;] Hakulinen 1979 334; EEW 1982/83 1937f.; [Lehmann 1986 410;] Katz 1988b 10; [N.Nielsen 1989 501;] Häkkinen 1990a 39f.; [Heidermanns 1993 692;] SSA II 1995 315; Häkkinen 2004 877f. Kein germ. LW.

PARMAS, pa(a)rma ’Schoß, Brust, Busen; bestimmte Menge (Stroh, Holz usw.)’; ingr. parmaZ Kosewort; karel. parmas ’Brust, Busen, Schoß’; wot. parmaz ’id.’; estn. parmas ’Armvoll, Schoßvoll (z.B. gemähtes Getreide); Schar, Haufen’, parm (G. parma) ’Schoß, Schoßvoll’. *parmas

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1. ~ urgerm. *barma-z, urn. *barmaR; vgl. an. barmr m. ’Busen, Schoß’ (falls kein LW), aschwed. barmber m. id., ae. bearm m. ’Schoß, Brust; Busen, Inneres’, as. barm m. ’Schoß’, ahd. barm m. ’id., Busen’; ~ urgerm. *barmi-z (, urn. *barmiR); vgl. got. barms m. ’Busen, Schoß’. [2. ~ urgerm. *farma-z, urn. *farmaR; vgl. an. farmr m. ’Last, Bürde, Schiffsladung’, aschwed. farmber m. id., ae. fearm m. ’Last’, as. farm m. ’Ansturm’, ahd. farm m. ’Floß’.] [3. ~ urgerm. *faþma-z, urn. *faþmaR; vgl. an. faðmr m. ’Umfassung, Umarmung; Busen, Schoß; Faden’, aschwed. famn m. ’id.; eine Armvoll’, ae. fæÿm m. ’Umarmung; Klafter, Schutz, Busen; Faden’, as. fadmos m. (Pl.) ’Hände und Arme’, ahd. fadam, fadum m. ’Faden, Klafter’.] Thomsen hat parmas ’Schoß usw.’ und parmas ’Heumenge usw.’ als zwei unterschiedliche germ. Lehnwörter gedeutet und jenes zu an. barm usw., dieses zu an. farm usw. gestellt. Setälä legt zusätzlich zu Thomsens Auffassung als Alternative die Deutung vor, daß beide ostseefi. Wörter zusammengehören und Entlehnungen von germ. *barma- sind. Karsten stellt parma(s) ’Schoß’ zu germ. *barma-, deutet parmas ’Heumenge’ aber als Entlehnung von germ. (urn.) *faÿma-z, was lautlich problematisch ist. Urgerm. *barmaz usw. ist lautlich und semantisch für parmas in allen Bedeutungen ein passendes Original. Zur Semantik vergleiche man noch fi. syli ’Schoß; bestimmte Menge, Klafter’, ein allgemein fi.-ugr. Wort. Thomsen 1869 139; Setälä 1913a 422; Hellquist 1939 53f. [, 198]; Karsten 1943/ 44 370f.; Kylstra 1961 60; SKES III 1962 493f.; de Vries 1962 27 [, 109], 112; [ODEE 1969 75, 347; Seebold 1970 104–106, 186–188]; K.Vilkuna 1970 269, 275; Niskanen–Hofstra 1971 51; Hakulinen 1979 362; Raun 1982 117; EEW 1982/83 1942; Hofstra 1985a 28, 69, 297, 313; [Lehmann 1986 62, 110; Blöndal Magnússon 1989 42, 160;] N.Nielsen 1989 41 [, 115]; SSA II 1995 316. Germ. LW.

PARRAS (G. partaan) ’Rand; Bord, Schiffsbord’; ingr. parraZ; karel. parras; lüd. pardaz ’Rand (Wune, Eisloch)’; wotJ. parre֑ Z, wotK. parrasvitsat ’Reling’ (-vitsat ’Reisholz’); estn. parras ’Schiffsbord, erhöhte Wand, Steilwandhang unter dem Wasser’; liv. pƗrdaZ ’Bord, Reling’. *parFas (G. *partahan) 1. ~ urgerm. *barþa- (*barÿa-), urn. *barþa (*barÿa); vgl. an. barð n. ’Mittelteil eines Stevens, (Vorder)steven; Rand, Kante’, schwed. dial. bård ’Rand’; ~ urgerm. *barÿaz / *barÿiz, urn. *barÿaR / *barÿiR; vgl. an. barð n. ’Mittelteil eines Stevens, (Vorder)steven; Rand, Kante’; ~ urgerm. *barÿa-z (, urn. *barÿaR); vgl. nnl. baard m. ’Gefüge aus Reisig; Brett’.

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[2. ~ urgerm. *brazÿa(z), urn. *braRÿa(R); vgl. an. bradd(r) ’Spitze’ (schlecht bezeugt), norw. bradd n. f. ’Rand, Kante’, ae. breard m. ’Rand, Kante’, ahd. brart m. ’Rand, Kante, Vorderschiff’.] Thomsen 1869 und 1870 hat parras als germ. Lehnwort gedeutet und mit ahd. brart verglichen. Toivonen hat parras als Entlehnung von urgerm. *barÿa-z (oder *barzÿa-z) gedeutet. Umstritten ist, ob das germ. Original als neutraler a-Stamm (Juntune) oder ez-/az- Stamm (Karsten, SSA) oder als maskuliner a-Stamm (Toivonen, Koivulehto) anzusetzen ist. Toivonens Deutung von parras als germ. Lehnwort ist aber in Ordnung. Vaba jedoch hat 1990 – ohne eine Begründung vorzulegen – Herkunft aus dem Baltischen erwogen. Vgl. PAARTAA, PARSI. Thomsen 1869 140; Thomsen 1870 161; Toivonen 1916/20 23; [Torp 1919 16; Hellquist 1939 52;] Karsten 1943/44 371; SKES III 1962 495; [de Vries 1962 26;] Raun–Saareste 1965 44; Ruoppila 1967 34; Juntune 1973 31, 33; Hakulinen 1979 359; Koivulehto 1979c 131, 142–146; Raun 1982 117; EEW 1982/83 1943; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 316, 325; [Blöndal Magnússon 1989 41, 74;] Vaba 1990 133; SSA II 1995 317; Koivulehto 1999a 7; Hahmo–Nikkilä 2004 97, 101f.; Häkkinen 2004 880. Germ. LW.

PARSI (G. parren) ’Stange, Balken (als Unterlage in der Darrscheune); Stalldachboden; Fußboden(brett); Stand im Kuh- oder Pferdestall’; ingr. parZ ’Balken als Unterlage in der Darrscheune’; karel. parsi ’Balken; Stand im Kuhstall’; lüd. parž ’Balken, behauener Holzstamm’; weps. paĚĨ ’Balken als Unterlage in der Darrscheune’; wot. parsi ’id.’; estn. pars (Pl. parred) ’id.; Latte, Stange, Darrstange’; liv. parթ ž ’Latte in der Darrscheune’; tscher. pΩյrįΩյš, pürFüž ’Wand’; wotj. bord(i֑ ) ’id.’; syrj. berd in stenberd ’Wand’ (sten- ’Wand’); wogul. pϹrt ’Brett’; ostj. pert ’Brett’. *parsi fi. vasa ’Tragbalken’) könnte semantisches Vergleichsmaterial bieten. Ein Argument für die Annahme, daß parsi ein Lehnwort ist, findet Koivulehto in seiner Beobachtung, daß alle zweisilbigen urfi. Wörter auf -rte Lehnwörter sind. Im Jahre 1998 aber erklärt er parsi unter Hinweis auf Sammallahtis Rekonstruktion *pärtä als bereits vorgerm. Lehnwort, dessen Original mit germ. *barÿ- verwandt ist. Ritter ging 1993 von einem urbalt. Original *spartis ’Stütze, Balken, Sparren’ aus, das in lit. pãspartìs ’Unterstützung; Stütze’ vorliege; lautlich und semantisch wäre die Deutung problemlos; sie würde aber voraussetzen, daß die oben genannten perm. und obugr. Wörter nicht hinzugehören. Vgl. PAARTAA, PARRAS, PARTA. [Torp 1919 16; Hellquist 1939 52, 1034, 1058;] SKES III 1962 496; [de Vries 1962 26, 534;] E. Itkonen 1968 501; Collinder 1977 120f.; Hakulinen 1979 332; Koivulehto 1979c 142–146, 149, 153; Raun 1982 117; EEW 1982/83 1943; Hofstra 1985a 92, 157, 182, 318; Hahmo 1986 167; Sammallahti 1988 548; UEW I 1988 374; [Blöndal Magnússon 1989 41, 934]; Häkkinen 1990a 222, 252; Katz 1990a 44; Ritter 1993 207–209; SSA II 1995 317f.; Koivulehto 1998b 238; Koivulehto 1999a 159; Ritter 2002 323; Häkkinen 2004 880f. ? Älteres LW.

PARSIA ’stopfen (mit Nadel und Faden)’; ingr. pars̖ ia ’Socken schlecht flicken’; karel. parsie; wotK. parsia. *parsi[~ urgerm. *sparƝ(ja)n-, urn. *sparƝn; vgl. an. spara ’sparen, schonen’, aschwed. spara id., ae. sparian id., as. sparon id., ahd. sparƝn id.; ~ urgerm. *sparǀ(ja)n-, urn. *sparǀn; vgl. an. spara ’sparen, schonen’, ae. sparian id., as. sparon id., ahd. sparǀn id.] Es ist vermutet worden, daß parsia eine Ableitung von PARSI ’Stange, Balken’, hier aber in einer sekundären Bedeutung ’Form, Art und Weise’ sei, vgl. vaateparsi ’Tracht’ (vaate- ’Kleidung’), puheenparsi ’Redensart, Redewendung’ (pu-

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heen- ’Rede, Sprache’) (SKES, SSA). SSA rechnet außerdem mit der Möglichkeit einer Art von Kontamination und vergleicht harsia ’(mit einem Faden) heften’, kursia ’id.’ und paikata ’flicken’. Diese Deutungen sind kaum befriedigend. Katz hat parsia als Entlehnung von urgerm. *sparƝn- gedeutet; wegen der vorausgesetzten Metathese und der Bedeutung ist diese Deutung unglaubhaft. Parsia bedarf noch einer gründlichen etymologischen Erforschung. [Hellquist 1939 1034;] SKES III 1962 496; [de Vries 1962 532; ODEE 1969 850;] Hakulinen 1979 337, 398f.; T.Itkonen 1983 350; [Blöndal Magnússon 1989 931; N.Nielsen 1989 405;] Katz 1990a 44; SSA II 1995 318; Häkkinen 2004 881. Kein germ. LW.

PARSKUA ’spritzen; prusten’ s. PÄRSKYÄ.

PARTA ’Bart’; ingr. parDa; karel. parta; lüd. bard; weps. bard; wot. parta; estn. pard. *parta ~ urgerm. *barÿa-, urn. *barÿa; vgl. an. barð n. ’Bart’ (falls kein LW < Westgerm.); ~ urgerm. *barÿa-z (, urn. *barÿaR); vgl. ae. beard m. ’Bart’, as. bard m. id., ahd. bart m. id. Parta wurde bereits im 18. Jh. mit germ. und slaw. Wortgut verglichen; Thomsen zog auch balt. Vergleichsmaterial heran. Man vergleiche dazu z.B. lett. bƗrda ’Bart’, russ. borodá ’id.’. Weder lautlich noch semantisch kann zwischen balt., germ. oder russ. Herkunft entschieden werden. Deutung als germ. Lehnwort wird von einigen Forschern (z.B. SSA, Häkkinen) bevorzugt. Thomsen 1869 140; Thomsen 1890 162; Setälä 1913a 423; Kalima 1936 146, 199; Karsten 1943/44 371; Kalima 1956 31, 103; Kylstra 1961 26f.; SKES III 1962 496f.; de Vries 1962 26; E.Itkonen 1968 501; [ODEE 1969 83;] Plöger 1973 123f.; Hakulinen 1979 358, 363; Koivulehto 1979c 131, 146; Raun 1982 116; EEW 1982/83 1936; Hofstra 1985a 297, 351, 377; [Lehmann 1986 62f.;] Hofstra 1988 41f.; [Blöndal Magnússon 1989 41;] Vaba 1990 133; SSA II 1995 318; Häkkinen 1996a 161; Häkkinen 2004 881; Salo 2004 325. ? Germ. LW.

PATJA ’Matratze, Polster; Kissen’; karel. patja; estn. padi (G. padja); liv. pad'à. *patja

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~ urgerm. *baÿja-z, urn. *baÿjaR; vgl. an. beðr m. ’Unterlage (im Bett), Polster, Bett’, aschwed. bædder m. ’Bett’; ~ urgerm. *baÿja- (, urn. *baÿja); vgl. ae. bedd n. ’Bett’, as. bed n. id., ahd. betti n. id., got. badi n. id. Thomsens Deutung von patja als Lehnwort aus dem Germanischen ist lautlich und semantisch überzeugend. Vgl. PATSAS. Thomsen 1869 140; Setälä 1913a 423; Hellquist 1939 120f.; Karsten 1943/44 372; Moberg 1951 47; SKES III 1962 503; de Vries 1962 29; Raun–Saareste 1965 44; ODEE 1969 84; KLM XV 1970 144; Seebold 1972 92; Koivulehto 1973b 579, RGA II 1976 319; Ritter 1977 174, 175; Hakulinen 1979 36, 359; Koivulehto 1981a 199–201, 366f.; Koivulehto 1981b 167; Koivulehto 1982a 261, 269a; Raun 1982 113; EEW 1982/83 1874f.; Hofstra 1985a 91, 166, 321, 418; Koivulehto 1986b 255; Lehmann 1986 55; Blöndal Magnússon 1989 46; Joki 1989 20, 22; N. Nielsen 1989 43f.; SSA II 1995 324; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 6, 224; Häkkinen 2004 887. Germ. LW.

PATSAS ’Pfeiler, Posten, Säule; Statue; Pritsche (in der Sauna); Kamin, Herd’; ingr. patsaZ ’Pfeiler, Posten, Säule; Bienenkorb’; karel. patšas ’id.’; lüd. pat'š̗ az ’Pfeiler, Posten, Säule’; weps. pat(t)saz ’id.’; wot. patsaz ’id.’, pattsaz ’Bienenkorb’; estn. patsas ’Stützsäule an der äußeren Ecke des Ofens; Seitenmauer des Aschenloches vor dem Ofen; Schlafplatz auf dem Ofen’; ?lpN. baҊ'Ҋe ’Statue; Pfeiler; schwerer Gegenstand; Stütze’. *paccas 1. ~ urgerm. *ban(ÿ)sa-z, urn. *ban(d)saR; vgl. an. báss m. ’Kuhstand, Lagerraum’, aschwed. bƗs m. ’Viehstall’, mnd. bǀs f., bǀsen m. id., nd. bǀs id.; als Ableitung ae. bǀsig ’Stall, Krippe’. 2. ~ urgerm. *baÿja- (, urn. *baÿja); vgl. ae. bedd n. ’Bett’, as. bed n. id., ahd. betti n. id., got. badi n. id.; ~ urgerm. *baÿja-z, urn. *baÿjaR; vgl. an. beðr m. ’Unterlage (im Bett), Polster, Bett’, aschwed. bædder m. ’Bett’. LpN. baҊ'Ҋe kann eine Entlehnung aus dem Finnischen sein. Koivulehto hat patsas als Entlehnung (über *pantsas) von germ. *bandsaz ’*primitiver Viehstall mit Säulenkonstruktion’ gedeutet. Ritter stellt es lieber zu – nicht bezeugtem – urgerm. *baÿja-z ’*Pfahl, Säule’, wozu urgerm. *baÿja- ’Bett’ ein Kollektivum sei, wobei man an ein in den Boden des Wohnhauses gerammtes Bettgestell denken könne. Beide Deutungen sind semantisch schwach.

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Vgl. PAHNA, PATJA, POHJA. [Hellquist 1939 119f., 120f.;] SKES III 1962 504f.; [de Vries 1962 28, 29; ODEE 1969 84;] Koivulehto 1977b 24; Hakulinen 1979 323; Koivulehto 1981a 346; EEW 1982/83 1955; Hofstra 1985a 100, 115, 318; [Lehmann 1986 55, 61f.; Blöndal Magnússon 1989 43, 46; N.Nielsen 1989 81;] Ritter 1993 100–102, 107; SSA II 1995 324f.; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 207; Häkkinen 2004 888. Kaum germ. LW.

PAUKA (dial.) ’Bindeband eines Besens; Metallreifen; aus dickem Faden gewebter Streifen am Stoffrand’. *pauka ~ urgerm. *bauЀa-z, urn. *bauЀaR; vgl. an. baugr m. ’Ring’, norw. baug m. ’Ring; Streifen am Stoffrand’, altgotl. baugr m. ’Ring’, ae. bƝag m. ’Ring, Krone, Kranz’, ahd. boug m. ’Ring’; ~ urgerm. *bauЀila-z, urn. *bauЀilaR; vgl. vielleicht schwed. dial. bögel ’Bügel’, norw. dial. bøygel id.; ~ urgerm. *bauЀǀn-, urn. *bauЀǀ; vgl. ahd. bouga f. ’Reif’. Pauka ist ein seltenes Wort, das in Häme-Mundarten bekannt sein soll (Vuorela 1979 325). Tunkelo verbindet pauka ’Bindeband eines Besens’ zusammen mit pauka ’Pickel, Pustel, Beule, Schwellung’ (vgl. dazu PAUKAMA) mit germ. *baug-. Diese Deutung ist für pauka ’Bindeband des Besens’ lautlich und semantisch problemlos; sie wurde allerdings von der späteren Forschung nicht beachtet. Zur Frage der Herkunft von pauka ’Pickel’ vergleiche man PAUKAMA. Vgl. PAUKAMA, POUKAMA. Tunkelo 1913/18 29–31; [Hellquist 1939 116; de Vries 1962 29; Seebold 1970 110f.; Lehmann 1986 73; Blöndal Magnússon 1989 45, 52; N.Nielsen 1989 78;] Hahmo 1998 122 [; Bjorvand–Lindeman 2007 161f.]. Germ. LW.

PAUKAMA ’Pickel, Beule, Schwellung; kleine, abweichende Stelle im Gelände (z.B. Baumgruppe auf dem Felde, Teich im Wald, usw.)’, pauka, paukura ’Pickel, Beule’, paukapää ’Dickkopf, Dummkopf, dickköpfig, dumm’ (-pää ’Kopf’); ?liv. bǀga-pϹ ’Kaulquappe; Tier, dessen Kopf größer ist als der Rumpf’ (-pϹ ’Kopf’). *paukama / *pauka / *paukura

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~ urgerm. *bauЀa-z, urn. *bauЀaR; vgl. an. baugr m. ’Ring’, altgotl. baugr m. id., ae. bƝag m. ’Ring, Krone, Kranz’, ahd. boug m. ’Ring’; ~ urgerm. *bauЀila-z, urn. *bauЀilaR; vgl. vielleicht schwed. dial. bögel ’Bügel’, norw. dial. bøygel id.; ~ urgerm. *bauЀilǀn-, urn. *bauЀilǀ; vgl. vielleicht schwed. dial. (Finnland) bögla ’Buckel, Beule, Geschwür, runder Gegenstand’; ~ urgerm. *bauЀǀn-, urn. *bauЀǀ; vgl. ahd. bouga f. ’Reif’. Mägiste hat estn. pau (G. paua) ’große Perle’ zu paukama gestellt; auch estn. põu (G. põua) ’große silberne Perle’ könne hinzugehören. Beides ist aus lautlichen Gründen unwahrscheinlich. Liv. bǀga-pϹ ist – als Alternative – auch zu lett. bauga ’ein Klötzchen oben am Sack des Fischernetzes’ gestellt worden (Kettunen, SSA). -ma in paukama und -ra in paukura sind ostseefi. Suffixe. Tunkelo verbindet pauka in der Bedeutung ’Pickel, Beule, Schwellung’ zusammen mit seltenem mundartlichem PAUKA ’Bindeband eines Besens’ mit germ. *baug-. Das germ. Original habe eine Bedeutung ’Ring, ringförmiger Rand usw.’ gehabt; Pickel seien öfters von einem Rand umgeben. Diese Deutung wurde kaum beachtet; SKES bezeichnet paukama als deskriptiv. Laut SSA ist der Ursprung des Wortes unklar. Nilsson stellt pauka, paukura zu pankka ’dickerer Teil von etwas’ und nimmt ad hoc eine ostseefi. Entwicklung -aƾk- > -auk- an. Hahmo, die Tunkelos Deutung für möglich hält, weist auf alternative Deutungsmöglichkeiten hin, indem sie balt. Wortgut heranzieht: lett. paugurs ’Hügel’ und (nicht mit paugurs verwandt) baugurs ’id.’, bauga ’id.; niedrige oder versumpfte Stelle’. Lautlich sind sowohl die Herleitung aus dem Baltischen wie jene aus dem Germanischen problemlos, und semantisch sind beide Herleitungen denkbar. Vgl. PAUKA, POUKAMA, PUKAMA. Tunkelo 1913/18 29–31; Kettunen 1938 27; [Hellquist 1939 116;] SKES III 1962 630; [de Vries 1962 29; Seebold 1970 110f.;] EEW 1982/83 1957f., 2298f.; [Lehmann 1986 73; Blöndal Magnússon 1989 45, 52; N.Nielsen 1989 78;] Nilsson 1995b 245; SSA II 1995 326; Hahmo 1998 121–123, 125 [; Bjorvand–Lindeman 2007 161f.]. ? Germ. LW.

PAULA, pakla ’(Schuh)band, Schnur; Simm des Fischernetzes; (Fang)schlinge’; ingr. paGla ’Simm des Fischernetzes; Schuhband’; karel. pakla ’id.’; lüd. pagɥ ’Schuhband’; weps. pagɥ ’id.’; wot. pagɥa ’id.’; estn. pael ’Band, Schnur, dünner Strick’; liv. pa‫ތ‬ggΩյl ’(Schuh)band, Leine’. *pakla

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~ urgerm. *fatila-z, urn. *fatilaR; vgl. an. fetill m. ’Riemen, Gurt, Band’, aschwed. fætil m. ’Band’, ae. fetel m. ’Gürtel’, ahd. fezzil m. ’id., Band’. Paula wurde von Ahlqvist mit balt. und russ. Wörtern verglichen. Seine Etymologie wurde von Mikkola abgelehnt. Koivulehto hat eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt und die urgerm. Formen *fatilaz und *fatlaz konstruiert; aufgrund der germ. Überlieferung ist wohl nur urgerm. *fatila-z anzusetzen. Diese Deutung setzt voraus, daß germ. *-t(i)ldurch urfi. *-kl- ersetzt werden konnte; Parallelfälle sind nicht bekannt; siehe jedoch NEULA, SEULA und VAULA. Ritter erwägt, offenbar ohne Ahlqvists Deutung zu kennen, für paula eine Herleitung aus dem Russischen (vgl. paklja ’Hede, Werg’ oder *pakla ’id.’). Russ. paklja ist jedoch laut Vasmer II 1955 303 eine Entlehnung eines präfigierten balt. Wortes (vgl. lit. pãkulos ’Werg’, zu kùlti ’dreschen’; dazu Fraenkel 1962 211), so daß Herkunft des allgemein ostseefi. Wortes aus dem (Alt)russischen nicht plausibel ist; es kommt noch hinzu, daß in keiner der am vorauszusetzenden Entlehnungsprozeß beteiligten Sprachen die Bedeutungen ’Werg’ und ’Schnur’ zusammen belegbar sind. Die Lautgestalt urfi. *C+akla findet sich in mehreren Lehnwörtern aus dem Baltischen oder dem Germanischen. Weitere Erforschung der Herkunft von paula ist notwendig. Vgl. HETALE. Mikkola 1894148; Ahlqvist 1875 80; [Hellquist 1939 255;] SKES III 1962 507; [de Vries 1962 118f.;] Ruoppila 1967 102f.; [ODEE 1969 352;] Hakulinen 1979 337; Koivulehto 1979b 270f., 297; Raun 1982 113; EEW 1982/83 1878; Hofstra 1985a 82, 96, 179f., 300f., 302f., 324; Koivulehto 1987a 35; [Blöndal Magnússon 1989 172;] Häkkinen 1990a 222, 252; Ritter 1993 177, 186f.; SSA II 1995 327; Häkkinen 1996a 161; Ritter 1998 204; T.Korhonen 1999 177; Häkkinen 2004 890. Kaum germ. LW.

PEIJAAT (Pl. zu peijas), peijaiset ’Fest nach der Bärenjagd; Beerdigung(sfeier), Totenmahl; Gastmahl; Hochzeit’; karel. peijahat, peijahaiset ’Bärenfest’; estn. peied (Pl.) ’Totenfeier, Begräbnisschmaus; Hochzeit’, peig (G. peie) ’Begräbnisfeier’; liv. peijed ’id.’. *peijas (Pl. *peijahat) / *peijek (Pl. *peijeIet) ~ urgerm. *faiЀija-z, urn. *faiЀijaR; vgl. an. feigr ’dem Tod verfallen’, runenschwed. (um 800) faiki™ąn (A.Sg.m.) ’tot’, aschwed. fƝgher ’dem Tod verfallen’, ae. f‰Ͼge ’zum Tode bestimmt, tot; unselig, schwach, feige’, as. fƝgi ’dem Tod verfallen’, ahd. feigi ’id.; arm, gering’; ~ urgerm. *faiЀa-z, urn. *faiЀaR; vgl. an. feigr ’dem Tod verfallen’, aschwed. fƝgher ’dem Tod verfallen’.

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Estn. peied ist in südestn. Mundarten verbreitet; peig ist nur in einigen Gemeinden an der Grenze zwischen den nord- und südestn. Mundarten bezeugt. Mikkola hat peijas zu germ. *faigjaz gestellt. Diese Deutung setzt eine Lautentwicklung *peikjas > peijas voraus; vgl. dazu huojas (s.v. HUOKEA) und LAAJA. Semantisch ist Mikkolas Deutung unter der Annahme einer Bedeutungsentwicklung im Ostseefinnischen möglich; sie wurde von mehreren Forschern akzeptiert. Mägiste stellt fi.-karel. peijaat zum nicht bezeugten Verbum *pej- (vgl. dazu noch PEITTÄÄ). Estn. peied sei aber eine Ableitung zu einem sekundären Verbalstamm *pei-tä- ’(be)decken, begraben’; die schwache Stufe *pei-Fä- (> estn. *peiä-) sei verallgemeinert worden. Laut Ritter könne peijas balt. Lehnwort sein. Koivulehto deutet peijaat als Entlehnung aus indoiran. *paiȖas (> aind. péya’Trankopfer, Trunk, Getränk’); die ursprüngliche Bedeutung im Ostseefinnischen sei ’ritueller Umtrunk’ gewesen. Vgl. PEIKKO. Mikkola 1905a; Mikkola 1905b; Setälä 1913a 423; Wiklund 1915b 12; Wiklund 1917a 72; [Hellquist 1939 204;] Karsten 1943/44 373; Mägiste 1962a 292–295; SKES III 1962 509f.; de Vries 1962 115; [ODEE 1969 353;] Seebold 1972 93; Ritter 1977 172f., 179; Hakulinen 1979 361; Hahmo 1981 51; Nirvi 1982 104– 107, 116–119, 152–154; Raun 1982 118; EEW 1982/ 83 1977; E.Uotila 1984 48; Hofstra 1985a 48, 69, 94, 331; [Lehmann 1986 68;] Blöndal Magnússon 1989 168; [Heidermanns 1993 182f.;] Joki 1989 21; [N.Nielsen 1989 116;] SSA II 1995 329; Leisiö 1996 175f.; Koponen 1998 143; Koivulehto 2002 494, 507; Häkkinen 2004 892; [Bjorvand–Lindeman 2007 252f.;] EWA III 2007 113f. ? Germ. LW.

PEIKKO, peiko ’böser Geist, Unhold, Kobold; Gespenst, Spuk; widerspenstiges, bösartiges Wesen (Mensch oder Tier)’; karel. peikoine ’?unglücklich’. *pei(k)ko(i) ~ urgerm. *faiЀija-z, urn. *faiЀijaR; vgl. an. feigr ’dem Tod verfallen’, runenschwed. (um 800) faikiąn (A.Sg.m.) ’tot’, aschwed. fƝgher ’dem Tod verfallen’, ae. fϾge ’zum Tode bestimmt, tot; unselig, schwach, feige’, as. fƝgi ’dem Tod verfallen’, ahd. feigi ’id.; arm, gering’. ~ urgerm. *faiЀa-z, urn. *faiЀaR; vgl. an. feigr ’dem Tod verfallen’, aschwed. fƝgher ’dem Tod verfallen’. Karel. peikoine ist nur in Klageliedern belegt und semantisch nicht ganz klar. Einige Forscher (z.B. Mägiste im EEW, Nirvi) stellen estn. peig ’Bräutigam’ zu peikko; semantisch ist die Verbindung jedoch problematisch. Diefenbach und Johansson haben peikko als balt. Lehnwort gedeutet. Mikkola hat peikko als hypokoristische Form des germ. Lehnwortes peijainen (vgl. PEI-

44 JAAT) aufgefaßt. Laut Wiklund ist peikko eine ”Kurznamenbildung” zu *peijas, Pl. PEIJAAT). Karsten, der 1915 an Entlehnung aus vorgerm. *paiki֐ o (> germ. *faigi֐ a)

dachte, übernahm 1943/44 Wiklunds Deutung, die sich auch im SKES findet. Collinder verbindet peikko mit obiger Wortgruppe um urgerm. *faiЀija-z, an. feigr. Diese Deutung findet sich mit Fragezeichen auch im SSA. Für direkte Herleitung aus dem Germanischen ist urfi. kk als Reflex von urgerm. Ѐ oder Ѐj problematisch. Allen obigen Deutungen fehlt eine plausible semantische Begründung. Ritter deutet, mit einem Hinweis auf Johannson, peikko als balt. Lehnwort, dessen Original als lit. paƭkas ’schlecht, dumm usw.’ fortlebe; er setzt eine ursprüngliche Bedeutung ’böse’ an. Vgl. PEIJAAT. Diefenbach 1851 I 337; Johansson 1900 360; Mikkola 1905b 138; Setälä 1913a 423; Karsten 1915 119, 183; Wiklund 1915b 12; Wiklund 1917a 72; Collinder 1932 224f.; [Hellquist 1939 204;] Karsten 1943/44 373; Nirvi 1952 46f.; SKES III 1962 510f.; de Vries 1962 115; [ODEE 1969 353;] Ritter 1977 173f.; Hakulinen 1979 361; Nirvi 1982 103–119, 152–154; Raun 1982 118; EEW 1982/83 1977f.; [Lehmann 1986 68; Blöndal Magnússon 1989 168; Heidermanns 1993 182f.; N. Nielsen 1989 116;] Koponen 1993 130; SSA II 1995 330; Häkkinen 2004 893; [Bjorvand–Lindeman 2007 252f.;] EWA III 2007 113f. Kaum germ. LW.

PEITTÄÄ ’(be-, ver-)decken, verhüllen; verbergen, verhehlen, verheimlichen’; ingr. peittϹ; karel. peitteä; lüd. peit't'ädä, peittada; weps. pƯtta, peitta ’verstecken’; wot. peittLϹ; estn. peitma ’verstecken’. *peittä1. ~ urgerm. *bƝjan- (, urn. *bƗjan); vgl. ahd. bƗjen ’wärmen, bähen’, mhd. bæjen ’id., Brot bähen, rösten’. [2. ~ urgerm. *paiÿǀ(ja)n- (, urn. *paiÿǀn); vgl. got. ga-paidǀn ’bekleiden’.] Die Etymologie von peittää war lange dunkel; im EEW hat Mägiste eine Ableitung von urfi. *pei- oder *peje- für möglich gehalten und dabei an Verwandtschaft mit estn.-liv. peesima ’warm werden’ und ostseefi. PEIJAAT gedacht. Koivulehto hat peittää als germ. Lehnwort gedeutet (frühurfi. *pej- ~ urgerm. *bƝja-/ *bƝje-; -ttä Suffix); vgl. zur Morphologie HEITTÄÄ. Semantisch sei die Herkunft aus dem Germanischen so zu verstehen, daß durch Einwickeln Wärme erzeugt werde. Ritter schließt nicht aus, daß peittää (= *peit- + Suffix -tä-) zu *(ga-)paidǀ-jan zu stellen sei. Dieses Verb ist nur im Gotischen bezeugt und dürfte als Ableitung von got. paida ’Leibrock, Unterkleid’ eine relativ junge, nur gotische Bildung sein; es sei noch hingewiesen auf PAITA1 mit ai als Reflex des germ. Originals. Auch morphologisch überzeugt Ritters Vorschlag nicht.

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Vgl. PAAHTAA, PAATUA, PAISTAA, PAISUA. SKES III 1962 512; Mägiste 1962a 293f.; [Kluge–Mitzka 1967 44;] Hakulinen 1979 320; T.Itkonen 1980a 137; Koivulehto 1981a 185f., 195–198, 364; Koivulehto 1981b 170, 172f.; Koivulehto 1981d 14f.; Koivulehto 1982a 271; Raun 1982 119; EEW 1982/83 1977, 1979f.; Hofstra 1984 36, 39; Hofstra 1985a 37, 138f., 189f., 238f., 347, 384f.; [Lehmann 1986 271;] Häkkinen 1990b 229; Koponen 1993 129f.; Ritter 1993 100; Hofstra 1995a 143; SSA II 1995 331; Koivulehto 1999a 6, 191–193, 226; Häkkinen 2004 894. Germ. LW.

PEKKO (obs.) Gottheit der Gerste; (dial. auch) ’Bier’; estn. Peko Fruchtbarkeitsgott, -geist. *pekko(i) ~ [urgerm. *bewwa-,] urn. *beggwa; vgl. an. bygg n. ’Gerste’, aschwed. bjug(h) n. ’Gerste’, schwed. dial. bju, bygg, bägg id., ae. bƝow n. ’Getreide, Gerste’, afries. bƝ ’Zugewinn’, as. beo n. ’Ernte’; ~ urn. *beggwjaR; vgl. an. Byggvir m. mythologische Gestalt, ursprünglich ?Korndämon. Estn. Peko ist nur aus dem äußersten Südosten Estlands bekannt. Als germ. Lehnwort wurde Pekko von M. Olsen gedeutet (vgl. Setälä 1910). Wiklund hegt Zweifel an der germ. Etymologie und weist auf den fi. Personennamen Pekka, Pekko ’Peter’ hin. SKES bezeichnet die Herleitung aus dem Germanischen als unsicher, SSA als kaum haltbar. Im SKES und im SSA wird die Zusammengehörigkeit mit Pekka für die wahrscheinlichere Deutung gehalten; es könne aber auch Beeinflussung durch PEIKKO vorliegen. Lautlich würde die Herleitung von pekko aus urn. *beggwa keine besonderen Schwierigkeiten bereiten; für o nach Velar als Reflex von germ. wa (allerdings im Anlaut) vergleiche man KOISO. Unter der Voraussetzung einer ursprünglichen Bedeutung ’Gerste’, die sich neben ohra ’Gerste’ nicht hat behaupten können, ist vorstellbar, daß das ostseefi. Wort auf die Dauer ein wichtiges Gerstenprodukt und den Beschützer der Gerste bezeichnete. Eine semantische Parallele bietet allgemein ostseefi. nisu ’Weizen’, das im Finnischen und Karelischen auch ’Weizenbrot, -gebäck’ bedeutet. Setälä 1910 56; Setälä 1913a 424; Wiklund 1917a 106f.; Hellquist 1939 74, 1288; SKES III 1962 512; de Vries 1962 66f.; EEW 1982/83 1982; [Blöndal Magnússon 1989 96; N.Nielsen 1989 75;] ERKL 1995 193f.; SSA II 1995 331 [; Bjorvand– Lindeman 2007 152f.]. ? Germ. LW.

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PELASTAA ’retten’; karel. pelastoa ’id.; von Schmerz befreien’, *pelas: pelkaha- ’Retter, Rettung’; lüd. (Vd.) *peɥvastada. *pelIasta~ urgerm. *felȤan-, urn. *felhan; vgl. an. fela ’verbergen’, aschwed. fiæla, fiala id., ae. feolan ’anhangen, eintreten, sich begeben; ausharren’, ahd. felhan ’bergen’, ahd. und as. bifelhan ’übergeben, begraben, anempfehlen’, got. filhan ’begraben, verbergen’. SKES und SSA stellen estn. pelgu in pelgu minema ’fliehen’ (minema ’gehen’) und pelguma ’id.’ mit Fragezeichen zu pelastaa; diese estn. Wörter gehören eher zu fi. pelätä ’(sich) fürchten’ (EEW). Die ostseefi. lautlichen Verhältnisse sind nicht ganz klar. Die urfi. Rekonstruktion mit -k- : -I- wie in *pelIasta- beruht auf dem Karelischen, wird aber nicht von finnischen Dialekten gestützt. Setälä hat pelastaa als germ. Lehnwort gedeutet und als Original *felȤan- angesetzt. Semantisch setzt diese Deutung eine Bedeutungsentwicklung ’bergen’ ĺ ’retten’ voraus. Im SKES und im SSA wird diese Etymologie mit einem Fragezeichen versehen. Lautlich ist Setäläs Deutung wegen urfi. -k- : -I- statt urfi. -h- als Wiedergabe von germ. Ȥ nicht ganz unproblematisch. Semantisch ist sie denkbar, aber nicht in Einzelschritten nachweisbar. Weitere Erforschung von pelastaa ist angebracht. Setälä 1916 500; Setälä 1923; Setälä 1929 196f.; [Hellquist 1939 60;] MESz II 1941 194f.; SKES III 1962 513; [de Vries 1962 116;] Hakulinen 1979 362; EEW 1982/83 1984–1986; Hofstra 1985a 347; [Lehmann 1986 115; Blöndal Magnússon 1989 169; N.Nielsen 1989 121;] SSA II 1995 332; Leisiö 1996 163, 174; Häkkinen 2004 894f. ? Germ. LW.

PELKKA (aWb., dial.), pelkko, pelkku ’Balken’, pölkky ’Stamm(stück), Kloben, Klotz; Balken; Scheit; hölzerne Ackerwalze’; ingr. pölkkü; karel. pölkky; lüd. pölkkü ’Holztransportschlitten’; weps. pöl'kΉĔe; wotM. pölkkü ’Holzblock zum Sitzen’. *pelkka / *pelkku / *pölkkü ~ urgerm. *belkan-, urn. *belkƗ; vgl. an. bjalki m. ’Balken’, aschwed. biælke m. id. Im allgemeinen wird pelkka, pelkko, pelkku als schwed. Lehnwort gedeutet (z.B. Thomsen, SKES, SSA), während pölkky als einheimisches (deskriptives) Wort aufgefaßt wird (z.B. SKES, Hakulinen). Karsten hat, obwohl er Entlehung von

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pelkka aus dem Altschwedischen für wahrscheinlicher hielt, mit der Möglichkeit der Entlehnung aus dem Urnordischen gerechnet. Nikkilä greift Karstens Gedanken, daß pelkka ein Lehnwort aus dem Urnordischen sein könne, auf und deutet pölkky als Labialisierung von pelkku. Letzteres wird vom SSA übernommen; es hält aber an Entlehnung aus dem (Alt- oder Neu-) Schwedischen fest. Die Verbreitung bis ins Wepsische spricht aber gegen eine so junge Entlehnung von pölkky. Zweifache Entlehnung ist denkbar, einmal *pelkku > *pölkkü und einmal *pelkka. Lautlich ist die Deutung als urnord. Lehnwort problemlos; sie läßt genügend Zeit für die Labialisierung und die Verbreitung bis ins Wepsische. Thomsen 1869 52, 53; Setälä 1913a 424, 432; [Hellquist 1939 75;] Karsten 1943/ 44 374; SKES III 1962 514, 695; [de Vries 1962 38;] Rapola 1966 342; Hakulinen 1979 41, 336; T.Itkonen 1983 220; Nikkilä 1987 239–241; [Blöndal Magnússon 1989 58; N.Nielsen 1989 54;] SSA II 1995 332f., 466; Häkkinen 2004 1001 [; Bjorvand–Lindeman 2007 92]. Germ. LW.

PELLAVA, pellavas, pellovas, pellaves, pellain ’Lein, Flachs’; ingr. pellovaZ; karel. pellavas ’id.; Sehne’; lüd. peɥvaz; weps. pü(uv)az (G. püuhan); wotK. pellovaz. *pellavas ~ urgerm. *fella-, urn. *fella; vgl. an. fjall, fell n. ’Haut’, schwed. fiäl, fiäll n. ’Schuppe’, ae. fell n. ’Haut, Fell’, as. fel n. id., ahd. fel n. id., got. -fill n. (in þrutsfill ’Aussatz’). Die im 19. Jh. vorgeschlagene Verbindung von pellava mit wog. polnƗ und ostj. polΩ ’Hanf’ wird aus lautlichen Gründen als unsicher angesehen (SKES, SSA). Koivulehtos Deutung des Wortes als einheimische va-Ableitung eines germ. Lehnwortes *pella- (~ urgerm. *fella-) ist zwar semantisch abgesichert (vgl. iho ’Haut; Flachs- oder Hanffaser’ und HIPIÄ ’id.’), ist aber morphologisch (-vas ist weiter verbreitet als -va) weniger gelungen und leidet überdies darunter, daß ein substantivisches *pella im Ostseefinnischen nicht belegbar ist. Oja hat pellava – unabhängig von Koivulehto – ebenfalls als einheimische vaAbleitung aufgefaßt. Sie deutet *pella- als Übernahme eines indogerm. Substratwortes, das zur Wurzel *pel- ’bedecken’ gehöre; diese Wurzel liege u.a. in got. fill (und den oben genannten auf urgerm. *fella- zurückgehenden Wörtern) vor. Auch Ojas Deutung ist morphologisch problematisch. Sowohl im Baltischen wie im Slawischen ist eine Wortgruppe vertreten, die lautlich und semantisch dem ostseefi. pellava(s) nahe kommt: lett. pelavas ’Spreu’, pelavains ’spreuig’, russ. pelëva, polova ’Spreu’, lett. plêve ’dünnes Häutchen’, lit. plơvͅ ’dünne, weiche Haut’, russ. pleva ’dünnes Häutchen’. Vielleicht

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wäre pellavas mit dieser Wortgruppe zu verbinden. Problematisch allerdings erscheint ostseefi. ll als Reflex von balt. oder slaw. l. Das Wort pellava bedarf weiterer Erforschung. [Hellquist 1939 215;] Virtaranta 1946 344f.; SKES III 1962 514; [de Vries 1962 123;] Fraenkel 1962/65 I 568f., 620; [ODEE 1969 349;] Hakulinen 1979 337; Koivulehto 1983a 101; [Lehmann 1986 113f.;] UEW I 1988 370f.; Blöndal Magnússon 1989 180; Karulis 1992 II 34, 65; SSA II 1995 333; Oja 2002a; Oja 2002b 81– 84, 90, 91; Häkkinen 2004 986; ALFE 2 519f., 524–527. Kaum germ. LW.

PELLE (G. pelteen) (aWb.) ’lose Erde, Humus, Graberde; Grab’. *pelFeh (G. *peltehen) ~ urgerm. *felþa- (, urn. *felþa); vgl. as. feld n. ’Feld, Ebene’, ahd. feld n. id.; ~ urgerm. *felþaz / *felþiz (, urn. *felþaR / *felþiR); vgl. ahd. feld n. ’Feld, Ebene’; ~ urgerm. *felÿa-z, urn. *feldaR; vgl. aschwed. fiælder m. ’Grundstück im Privatbesitz außerhalb der (neu)verteilten Dorfgemarkung’; ~ urgerm. *felþu-z (, urn. *felþuR); vgl. ae. feld m. ’Feld, Ebene’. Karsten deutet pelle, ein in der jetzigen fi. Schriftsprache und in Mundarten nicht belegtes Wort, als Entlehnung eines germ. s-Stammes (*felþes- > *felþiz-). Laut SKES und Koivulehto hat pelle denselben germ. Hintergrund wie PELTO, entweder als getrennte Entlehnung oder als im Finnischen entstandene Nebenform zu PELTO. Beides ist möglich. Vgl. PELTO. Karsten 1915 99f.; [Hellquist 1939 253, 1288;] Karsten 1943/44 374f.; SKES III 1962 516; de Vries 1962 137; ODEE 1969 354; Hahmo 1981 51; Hofstra 1985a 69, 326; [N.Nielsen 1989 116;] Koivulehto 1992d 165. ? Germ. LW.

PELTO ’Acker, Feld; Getreide auf dem Felde’; ingr. pelDo; karel. pelto; lüd. peɥd, peud(o); weps. püud, pöud; wot. pe֑ lto; estn. põld ’Feld, Acker’. *pelto ~ urgerm. *felþa- (, urn. *felþa); vgl. as. feld n. ’Feld, Ebene’, ahd. feld n. id.; ~ urgerm. *felþaz / *felþiz (, urn. *felþaR / *felþiR); vgl. ahd. feld n. ’Feld, Ebene’; ~ urgerm. *felÿa-z, urn. *feldaR; vgl. aschwed. fiælder m. ’Grundstück im Privatbesitz außerhalb der (neu)verteilten Dorfgemarkung’; ~ urgerm. *felþu-z (, urn. *felþuR); vgl. ae. feld m. ’Feld, Ebene’.

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Bereits im 18. Jh. wurde pelto mit germ. Wortgut verbunden. Seit Thomsen wurde die Deutung als germ. Lehnwort nie angezweifelt. Allerdings sind zur Datierung der Entlehnung unterschiedliche Auffassungen vertreten worden: Karsten bezeichnet pelto als urnord. Lehnwort, und Koivulehto faßt es als urgerm. oder als vorgerm. Lehnwort (vorgerm./idg. *pelto-) auf. Verbreitung, Bedeutung und vor- und urgerm. Vergleichsmaterial legen es nahe, pelto zu einer frühen Lehnwortschicht zu zählen. Vgl. PELLE. Thomsen 1869 140; Setälä 1913a 424; Hellquist 1939 253, 1288; Karsten 1943/44 375; Fromm 1957/58 88; Pokorny 1959 805–807; Kylstra 1961 69, 76, 130; SKES III 1962 516; de Vries 1962 137; Raun–Saareste 1965 44; Sköld 1967b 67; ODEE 1969 354; von Hertzen 1973 95; Fromm 1977 145; Hakulinen 1979 359; Raun 1982 133; EEW 1982/83 2278; Koivulehto 1983d 137; Koivulehto 1984c 223; Hofstra 1985a 69, 85, 124, 309; Joki 1989 17; N.Nielsen 1989 116; Häkkinen 1990a 248; SSA II 1995 334; Leisiö 1996 163, 174f.; Salo 1997 72f.; Sammallahti 1998 129; Koivulehto 2001a 63; Häkkinen 2004 896f. Germ. oder älteres LW.

PELTTA (dial.) ’Streu, Spreu; Zeug, Kram; Habe’; ?ingr. peltti, peltto; ?wotM. peɥtta, ?wotK. peltt'ĞI ’schlechtes, kurzes Stroh’; estn. pelt (G. pelda, peldi) ’Strohteilchen, Flöckchen’. *peltta ~ urgerm. *speltǀ (, urn. *speltu); vgl. as. spelta f. ’Dinkel, Triticum spelta’, mnd. spelte f. ’id., Schrot’, nd. dial. Spilt ’äußere Hülle des Haferkornes’, ahd. spelza, spelta f. id., mhd. spelze, spelte f., nhd. Spelze ’Hülse, Schale des Getreidekorns’. Die ingr. und die wot. Wörter können Entlehnungen aus dem Finnischen bzw. dem Estnischen sein. Laut Raun ist estn. pelt ein Lehnwort aus dem Estlandschwedischen; wegen der Verbreitung (nicht nur westliche Inseln, sondern auch südestnisch) ist diese Ansicht kaum haltbar. Im EEW wird s.v. peldik ’Abtritt, Abort’ estn. pelt ’Kurzstroh, Spreu, Kaff usw.’ zusammen mit ingr. und wot. peltti als mittelniederdt. Lehnwort gedeutet, während pelt ’Flöckchen’, das mit fi. peltata ’durcheinanderbringen’ verglichen wird, als ”mögl. ostseefi. deskr[iptiv]” bezeichnet wird. Das SKES, in dem peltta nicht erwähnt wird, läßt die Frage offen, ob peltata eine Nebenform von päntätä ’schlagen, hauen; zerstampfen, hineinstopfen’, das teilweise ein schwed. Lehnwort sein könne, oder ein Wort völlig anderer (deskriptiver) Herkunft ist. Laut EEW aber kommt Verknüpfung von päntätä und peltata kaum in Frage. Nuorti hat peltta als germ. Lehnwort gedeutet und als Original germ. *spelta ’Spelze, Spreu, Hülse, Granne usw.’ angesetzt. Nikkilä stellt pel-tta im Rahmen

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eines Suffixwechsels zu pel-mu und pel-u ’Streu, Spreu’. Bentlin deutet sowohl fi. peltta wie auch estn. pelt als niederdt. Lehnwörter. Die Rekonstruktion des urgerm. Originals ist unsicher, denn das Lehnverhältnis zwischen lat. spelta und as., ahd. spelta ist nicht völlig geklärt; ae. spelt ’Dinkel, Triticum spelta’ ist Lehnwort aus as. oder ahd. spelta. Fi. peltta und estn. pelt gehören kaum zu den alten Lehnwörtern, sondern sind wahrscheinlich erst mittelalterliche Entlehnungen aus dem Niederdeutschen. [Hellquist 1939 1057;] SKES III 1962 684; Nuorti 1967 32–37, 38; [ODEE 1969 852;] Vuorela 1979 328; Raun 1982 119; EEW 1982/83 1983f., 1987; [Blöndal Magnússon 1989 933;] SSA II 1995 334; Nikkilä 1998a 92; [Kluge–Seebold 2002 863;] Bentlin 2008 240f., 265. Jüngeres LW.

PERATA (perkaa-) ’wegräumen, reinigen; jäten; Fische ausnehmen, Gemüse, Pilze o.ä. putzen’; ingr. peraDa ’Beeren reinigen; Beeren pflücken; Fische ausnehmen’; karel. perkoa ’roden; Fische ausnehmen; schlagen, hauen; Flachs brechen’; lüd. pergada ’id.’; estn. põrgama ’auskehren, ausfegen’. *perka[~ urgerm. *berЀan-, urn. *berЀan; vgl. an. bjarga ’bergen, retten’, aschwed. b(i)ærgha id., ae. beorgan ’bergen, schützen’, ahd. bergan id., got. bairgan id.; ~ urgerm. *berЀǀ(ja)n-, urn. *berЀǀn; vgl. an. bjarga ’bergen, retten’, aschwed. b(i)ærgha id.] Die von Saxén mit Zweifel vorgelegte Herleitung von perata aus dem Germanischen ist laut Setälä sehr unsicher und wird seitdem im allgemeinen mit Fragezeichen versehen. Hakulinen bezeichnet perata als einheimisch. Lautlich wäre die Deutung einwandfrei, sie ist aber aus semantischen Gründen abzulehnen. Saxén 1895/98 188; Setälä 1913a 424; [Hellquist 1939 122;] SKES III 1962 522; [de Vries 1962 39; Seebold 1970 106f.;] Hakulinen 1979 363; T.Itkonen 1980a 132; EEW 1982/83 2289; Hofstra 1985a 233, 235, 349; [Blöndal Magnússon 1989 59; N.Nielsen 1989 54;] SSA II 1995 338; Häkkinen 2004 900; Bjorvand–Lindeman 2007 86. Kein germ. LW.

PERHANA mildes Fluch- und Kraftwort; karel. perhana. *perhana

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~ urgerm. *ferЀunja-, urn. *ferЀunja; vgl. ae. fiergen- in Zusammensetzungen wie fiergenholt ’Bergwald’ (-holt ’Holz, Wald’), got. fairguni n. ’Berg’; ~ urgerm. *ferЀunjǀ, urn. *ferЀunju; vgl. an. fjІrgyn f. ’Erde’ (poet.), auch Name einer Göttin (daneben auch FjІrgynn m.). Manchmal wird perhana als Variante von PERKELE betrachtet. Karsten deutet jedoch perhana als germ. Lehnwort und fragt sich, ob neben *ferЀunja- oder ähnlichem auch germ. *ferȤana- angesetzt werden dürfe; dann wäre das Wort bereits vor der Wirkung des Vernerschen Gesetzes (Ȥ > Ѐ) entlehnt worden. Wiklund bezweifelt Karstens Deutung; Collinder bezeichnet sie als fragwürdig. Karstens Etymologie ist wegen der von ihr vorausgesetzten Wiedergabe von germ. rЀ durch urfi. rh kaum richtig. Zur Semantik vergleiche man HIISI. Vgl. PERKELE. Karsten 1915 23–25, 186; Wiklund 1917a 104f.; Collinder 1932 73: Karsten 1943/ 44 375, 376–378; SKES III 1962 523f.; de Vries 1962 126; Sammallahti 1977 121; [Lehmann 1986 104f.; Blöndal Magnússon 1989 183;] Hahmo 1994a 186– 190; SSA II 1995 339; Häkkinen 2004 901. Kaum germ. LW.

PERKATA (perkkaa-) (dial.), perkaa in syödä perkata / perkaa ’gefräßig essen’ (syödä ’essen’), lyödä / mennä / tehdä perkaa ’eifrig (hart, streng) schlagen / gehen / tun’ (lyödä ’schlagen’, mennä ’gehen’, tehdä ’tun’); karel. perkoa ’hart, schnell, reichlich etwas tun’, z.B. in Ĕiitteä pergoa ’fleißig mähen’ (Ĕiitteä ’mähen’), wotJ. pe֑ rge֑ t(a) in pe֑ rge֑ ta mennE ’(man) läuft schnell’ (mennE ’(man) geht’). *perkka- / *perka~ urgerm. *frekǀ(ja)n-, urn. *frekǀn; vgl. norw. freka ’kräftig machen, zu Kräften kommen lassen’, frekast ’zu Kräften kommen’, schwed. fräckna till ’tüchtiger werden als bisher’, ae. frecian ’gierig sein’; ~ urgerm. *freka-z, urn. *frekaR; vgl. an. frekr ’gierig; hart, streng, scharf, forsch, eifrig’, norw. frek ’id.; tüchtig’, schwed. dial. fräk id., ae. frec ’begierig, dreist’, ahd. freh ’begierig’, got. faihu-friks ’habsüchtig, geldgierig’ (faihu- ’Geld’). Karsten hat perkata zum germ. Adjektiv *freka- gestellt und als Vergleichsmaterial für die Metathese perma (vgl. PERMU) und – das wohl jüngere Lehnwort – perjantai ’Freitag’ herangezogen. Laut Wiklund ist perkata eine einheimische deskriptive Bildung. In der Fennistik bleibt Karstens Etymologie seit der Ablehnung durch Wiklund in der Regel unberücksichtigt. Im SKES wird perkata als Variante von PERATA behandelt. Im SSA wird perkata ’schnell etwas tun’ nicht erwähnt. Eher als das von Karsten vorgeschlagene Adjektiv ist das Verbum (in seiner urnord. Gestalt?) als Original von perkata anzusehen; man vergleiche noch die

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Ableitung (fi. dial.) perkaantaa ’gesund werden, zu Kräften kommen’. Die Metathese legt es nahe, wie im Falle perjantai eine jüngere Entlehnung anzunehmen. Vgl. VERKKA, VIRKKU. Karsten 1915 253; Wiklund 1917a 113; [Hellquist 1939 242;] Karsten 1943/44 620; SKES III 1962 522; de Vries 1962 141 [; Lehmann 1986 103; Blöndal Magnússon 1989 206; N.Nielsen 1989 143; Bjorvand–Lindeman 2007 303f.]. Germ. oder jüngeres LW.

PERKELE ’Teufel’, auch als Schimpfwort; ingr. perkele; karel. perkele; wot. pe֑ rku ’Hölle, Totenreich’, perkele Schimpfwort; estn. põrgu ’Hölle, Totenreich’, pärgel, pergel, põrgel ’Teufel’. *perkeleh 1. ~ urgerm. *ferЀunja- (, urn. *ferЀunja); vgl. ae. fiergen- in Zusammensetzungen wie fiergenholt ’Bergwald’ (-holt ’Holz, Wald’), got. fairguni n. ’Berg’; ~ urgerm. *ferЀunjǀ, urn. *ferЀunju; vgl. an. fjІrgyn f. ’Erde’ (poet.), auch Name einer Göttin (daneben auch FjІrgynn m.). [2. ~ urgerm. *dwerЀa-z, urn. *dwerЀaR; vgl. an. dvergr m. ’Zwerg’, aschwed. dværgher m. id., ae. dweorg m. id., ahd. tverg n. id.; ~ urgerm. *dwerЀala-z (, urn. *dwerЀalaR); vgl. ostmitteldt. Quergel m. ’Zwerg’.] Bereits im 18. Jahrhundert wurde perkele mit balt. Wortgut verglichen. Im allgemeinen wird perkele jetzt als balt. Lehnwort aufgefaßt und mit u.a. lit. perknj̗ nas ’Donner(gott)’ verglichen; ostseefi. -leh bleibt unerklärt (vgl. jedoch Uotila). Karsten deutete perkele als germ. Lehnwort (zu urgerm. *ferЀunja- u.ä.); auch dies läßt ostseefi. -leh unerklärt; zur Semantik ließe sich HIISI vergleichen. Katz legte eine neue germ. Etymologie vor; sie setzt eine unbegründete Substitution von urgerm. dw- durch urfi. p- voraus. Der Vokal der zweiten Silbe der urgerm. Rekonstruktion von Quergel läßt sich nicht genau bestimmen; möglicherweise ist es eine junge, innerdeutsche Bildung. Katz‫ ތ‬Deutung ist abzulehnen. Vgl. PERHANA, PIRU, TURKANEN, VERKANEN. Karsten 1915 20–27; Wiklund 1917a 104f.; [Hellquist 1939 165;] Karsten 1943/44 376–378; SKES III 1962 523f.; [de Vries 1962 89; ODEE 1969 296;] E.Uotila 1970a 6–8; Hakulinen 1979 163, 355; Suhonen 1980 201; Raun 1982 134; EEW 1982/83 2289f.; [Lehmann 1986 104f.;] Katz 1988b; Suhonen 1988 608; [Blöndal Magnússon 1989 139, 183;] Joki 1989 19; [N.Nielsen 1989 98;] Vaba 1990 134; Rédei 1991 166–171; Hahmo 1994a 187–190; SSA II 1995 340; Häkkinen 1996a 154; Sammallahti 1998 129; Häkkinen 2004 901, 903, 931 [; Bjorvand–Lindeman 2007 199–201]. Kaum germ. LW.

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PERMU, perma, permut ’Larve der Rinderdasselfliege, Dasselbeule’; ingr. permut; karel. permu; ?ostj. purΩm, p΃rΩm ’Bremse, Dasselbeule’. *permu ~ urgerm. *breman- (, urn. *bremƗ); vgl. as. bremo m. ’Bremse, Stechfliege’, ahd. bremo m. id.; ~ urgerm. *bremǀn- (, urn. *bremǀ); vgl. ahd. brema f. ’Bremse’; ~ urgerm. *bremisjǀ > *brimisjǀ, urn. *brimisju; vgl. aschwed. brims m. ’Bremse’, ahd. brimissa f. id. Die ostj. Wörter werden, zuerst von Toivonen 1923/24, manchmal (z.T. mit Fragezeichen) mit fi. permu verknüpft. Laut SSA ist permu entweder zu den ostj. Wörtern zu stellen oder eine Variante [!] von ostseefi.-wolgafi. paarma ’Bremse’. Wiklund hat das ostseefi. permu als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung ist laut Setälä unsicher. Laut Karsten ist permu ein urnord. (oder urgerm.) Lehnwort; das Original sei entweder eine im Skandinavischen nicht bezeugte s-lose Form oder eine s-haltige Form, die nach Entlehnung ins Urfinnische im Zuge einer Deminutivierung das s eingebüßt habe. Katz deutet wie Wiklund permu als Entlehnung von urgerm. *breman- usw. Sollten die ostjakischen und die ostseefi. Wörter zusammengehören, dann kann permu kein germ. Lehnwort sein. Anderenfalls ist Herkunft aus dem Germanischen – trotz der seltenen Metathese – denkbar. Wiklund 1904a 157f.; Setälä 1913a 424; [Hellquist 1939 101;] Karsten 1943/44 378; SKES III 1962 525; [Seebold 1970 135;] Hakulinen 1979 315; UEW I 1988 373f.; [N.Nielsen 1989 64f.;] Katz 1990a 13; Hahmo 1992 160; SSA II 1995 341. ? Germ. LW.

estn. PERV (G. perve) ’Ufer, Abhang’. *pervi < *perve ~ urgerm. *ferwǀn-, urn. *ferwǀ; vgl. an. fjara f. ’Ebbe, bei Ebbe trockenfallender Strand’, schwed. dial. fjöra, fjära f. id. Die Deutung von estn. perv als germ. Lehnwort wurde von Ojansuu als Alternative zur Deutung als russ. Lehnwort vorgelegt. Im allgemeinen wird estn. perv als (wegen der vorauszusetzenden unregelmäßigen Lautentwicklung und/oder -substitution unsicheres) (alt)russ. Lehnwort aufgefaßt; vgl. aruss. berg ’Ufer’, russ. bereg. Koponen erwähnt beide Möglichkeiten, bevorzugt aber wegen der Semantik die Herleitung aus dem (Alt)Russischen. Wenn das skand. Wort als Bezeichnung eines zeitweise überschwemmten Gebietes aufgefaßt wird (vgl. dazu Hellquist 1939 249f.), ist die Herleitung aus dem Germanischen lautlich und semantisch möglich.

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Ojansuu 1923 14f.; [Hellquist 1939 215, 249f.;] Mägiste 1962b 40f.; [de Vries 1962 123;] Raun 1982 119; EEW 1982/83 2000; [Blöndal Magnússon 1989 180;] Koponen 1998 144 [; Bjorvand –Lindeman 2007 276f.]. ? Germ. LW.

PEUKALO, peikalo ’Daumen’; ingr. peikalo, peukalo; karel. peikalo; lüd. peigaɥ; weps. peigol, peigǀ; wot. peiko; estn. pöial (G. pöidla), peial (G. peigla); liv. pƝgal. *peikalo / *peukalo [1. ~ urgerm. *beuЀalǀ, urn. *beuЀalu.] [2. ~ urgerm. *beuЀa-z, urn. *beuЀaR; vgl. an. bjúgr ’gebeugt, krumm’, neuisl. bjúgur ’id.; Anschwellung, Ödem’.] In der Fennistik wird peukalo, trotz lautlicher Schwierigkeiten, gewöhnlich als Ableitung von einem auch im Lappischen und in perm. und wolgafi. Sprachen vertretenen Grundlexem *pelkä gedeutet: lpN. bæl'ge, mordw. pel'ka, päLkä, wotj. pe֑ l'i֑ , syrj. pel, pev ’Daumen’. Nilssons Versuch, peukalo als Entlehnung eines im Germanischen mit der Bedeutung ’Daumen’ nicht bezeugten, zur Wurzel *beuЀ- ’beugen’ zu stellenden uroder vorgerm. Wortes zu deuten, wurde aus semantischen Gründen abgelehnt. Koivulehto macht in einer Anmerkung und ohne ausführliche Begründung darauf aufmerksam, daß peukalo möglicherweise zu einer germ. Wortgruppe mit der Bedeutung ’schwellen, Schwellung’ zu stellen sei. Benennungsmotiv sei die relative Dicke des Daumens. Da fraglich ist, ob bei den genannten germ. Wörtern ’schwellen’ die primäre Bedeutung ist, überzeugt auch diese Deutung (noch) nicht. Keiner der bisherigen Versuche, peukalo etymologisch zu deuten, ist gelungen. SKES III 1962 534f.; [de Vries 1962 41; Seebold 1970 110f.;] Hakulinen 1979 310; Raun 1982 136; EEW 1982/83 2333f.; Sammallahti 1988 553; UEW I 1988 361; [Blöndal Magnússon 1989 60;] Nilsson 1993b; SSA II 1995 346; Koivulehto 1996a 325; Kulonen 1996 89f.; Häkkinen 2004 910. Kein germ. LW.

PIENA ’(Quer)leiste, Quer-, Stützholz’; ingr. pƝna ’Türpfosten’; karel. piena; wot. pƯna; estn. põõn (G. põõna); liv. pƝ֑n. *pƝna ~ urgerm. *spƝnu-z, urn. *spƗnuR; vgl. an. spánn m. ’Holzspan, Splitter; Schindel; Löffel’, aschwed. spƗn m. ’Span’, ae. spǀn m. id., ahd. spƗn m. id.

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Karsten hat piena als germ. Lehnwort gedeutet. Seine Deutung wurde aber nicht beachtet, bis Nikkilä zeigte, daß sie zu Unrecht übersehen oder abgelehnt wurde. Laut Vaba ist piena möglicherweise ein balt. Lehnwort. Vgl. PAANU, PIENI. [Hellquist 1939 1056;] Karsten 1943/44 381, 624; SKES III 1962 538f.; [de Vries 1962 502; ODEE 1969 856;] Hakulinen 1979 336; Raun 1982 135; EEW 1982/83 2330f.; Nikkilä 1987 238f.; UEW I 1988 372; [Blöndal Magnússon 1989 939; N. Nielsen 1989 413;] Vaba 1990 134; SSA II 1995 348 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1032]. Germ. LW.

PIENI (G. pienen) ’klein, gering, dünn, mager’; ingr. pƝn, pƝni; karel. pieni; lüd. pieĔ(i); weps. peĔ, piĔ; wot. pƝni; estn. peen ’dünn, fein, klein’; liv. pì‫ھ‬ntի tΩյ, pì‫ھ‬n ’dünn, fein’. *pƝni < *pƝne ~ urgerm. *spƝnu-z, urn. *spƗnuR; vgl. an. spánn m. ’Holzspan, Splitter; Schindel; Löffel’, aschwed. spƗn m. ’Span’, ae. spǀn m. id., ahd. spƗn m. id. Das allgemein ostseefi. Wort pieni war ohne Etymologie, bis Koivulehto es 1976 mit frühurgerm. *spƝni- (nicht *spƝnu-) verglich. Die Deutung hat Beifall gefunden, obwohl sie erhebliche semantische Probleme bietet. Vgl. PAANU, PIENA. [Hellquist 1939 1056;] SKES III 1962 539; [de Vries 1962 502; ODEE 1969 856;] Koivulehto 1976b 269; Hakulinen 1979 362; Raun 1982 118; EEW 1982/83 1968–1970; Hofstra 1985a 138, 334, 340; Nikkilä 1987 239; [Blöndal Magnússon 1989 939; N.Nielsen 1989 413;] Häkkinen 1990a 222, 252; Häkkinen 1990b 232; Ritter 1993 90; SSA II 1995 348; ALFE 1 2004 221–225; Häkkinen 2004 912 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1032]. Kaum germ. LW.

PIHA ’Hof, Vorplatz; Viehgehege’, pihalla (Adv.) ’draußen’; karel. piha; lüd. piha; weps. piha ’Wand zwischen Viehgehege oder Stall und Wohngebäude; Trennwand im Stall’; estn. piht ’Stange, Zaunstange’; tscher. piþê, peþê ’Zaun, Gehege’, wotj. puþ ’Stange’, syrj. poþ ’lange, dünne Stange, Zaunstecken’. *piha < *piþa [~ urgerm. *weiȤsa- > *wƯȤsa- (, urn. *wƯȤsa); vgl. got. weihs n. ’Dorf’.]

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Estn. PIHT ’Stange, Zaunstange’, im allgemeinen mit Fragezeichen zu fi. piha gestellt, ist eine Ableitung von piha, wie Koski und Nikkilä nachgewiesen haben. Piha gilt als Erbwort mit Verwandten bis ins Permische. Katz deutete es aber als germ. Lehnwort, ohne die tscher. und perm. Wörter zu berücksichtigen; er setzt eine urfi. Grundform *pikša an; sie verträgt sich nicht mit den tscher. und perm. Wörtern. SKES III 1962 541; Hakulinen 1979 56; Raun 1982 120; EEW 1982/83 2017f.; Koski 1986 178f.; [Lehmann 1986 399;] Katz 1988b 10f.; UEW II 1988 729f.; Joki 1989 14; Sammallahti 1988 553; Häkkinen 1990a 191; SSA II 1995 350; Häkkinen 1996a 105; Nikkilä 1998a 97; Häkkinen 2004 913. Kein germ. LW.

PIHATTO, pihaitta (Agricola) ’Viehstall; Viehhof’. *pihatto ~ urgerm. *feȤu, urn. *fehu; vgl. an. fé n. ’Vieh, Besitz, Geld’, aschwed. fϾ n. id., ae. feoh n. ’Vieh, Herde; Eigentum, Geld’, as. fehu n. ’Vieh, Besitz’, ahd. fihu, feho n. ’Vieh, Tier’, got. faihu n. ’Geld’. Laut gängiger Auffassung ist pihatto eine -tto-Ableitung von PIHA ’Hof’. Ableitungen auf -tto sind aber selten und bezeichnen im allgemeinen den Ort, an dem das vom Grundwort der Ableitung Bezeichnete aufbewahrt wird. Lindström hat pihatto mit ahd. fihu verbunden (-tto als fi. Ableitung). Setälä übernahm zwar Lindströms Deutung von pih- im wesentlichen, zog aber die bei Agricola bezeugte Form pihaitta heran und deutete pihatto als Zusammensetzung von pih[u] ’Vieh’ (< germ. *fihu) und aitta ’Speicher’. Die Deutung als germ. Lehnwort berücksichtigt zu wenig, daß im Germanischen die Formen mit i der ersten Silbe nur in Teilen des Westgermanischen belegt sind; sie ist aber semantisch attraktiv. Denkbar ist eine Zusammensetzung mit -aitta oder vielleicht besser noch eine Ableitung mit -tto: *pih(V)aitta (*pih(V)- *’Vieh’) im Unterschied etwa zu vilja-aitta ’Kornkammer, Getreidespeicher’ (vilja ’Getreide’); pihV+tto wie karjetta / karjetto ’Viehstall’, navetta / navetto ’id.’, ometta / ometto ’id.’ (Ableitungen von KARJA ’Vieh’, NAUTA ’Rind’ bzw. oma ’eigen; Eigentum’) und auch pyhättö ’Heiligtum’ zu PYHÄ ’heilig’. Setälä 1905/06 13–15; Setälä 1913a 425; [Hellquist 1939 252;] Kylstra 1961 68; SKES III 1962 541; [de Vries 1962 114; ODEE 1969 349;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 183; Hofstra 1985a 306; [Lehmann 1986 102f.;] UEW II 1988 729; [Blöndal Magnússon 1989 167; N.Nielsen 1989 146;] SSA II 1995 350 [; Bjorvand–Lindeman 2007 249–251]. ? Germ. LW.

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estn. PIHT (G. piha) ’Zaun, Steinmauer; (Zaun)stange; Palisade’, pihapuu ’Zaunholz’ (-puu ’Holz’), pihe (G. pihte) ’Stange’. *pihta / *pihįeh [~ urgerm. *kwistu-z / *twista-z, urn. *kwistuR (/ *twistaR); vgl. an. kvistr m. ’Zweig’, aschwed. kvister m. id., me. twist ’Zweig’.] Mägiste hat piht im EEW zu pihti- in fi.-karel. pihtipuoli ’Türpfosten’, fi. pihtipieli (puoli ’Seite’, pieli ’Pfosten’) gestellt. Im allgemeinen wird piht aber mit Fragezeichen zu fi. PIHA gestellt. Erst Koski hat das Ableitungsverhältnis (pih- + -ta) mit einer Begründung nachgewiesen. Nikkilä schließt sich Koski an und stellt zu piht auch pihti- in pihtipuoli. Semantisch ist die Verbindung von piht mit PIHA einwandfrei. Katz hat estn. piht als germ. Lehnwort gedeutet; das Original sei urgerm. *twista-(z). Umstritten ist, ob kv- in den skand. Wörtern auf urgerm. *tw- oder auf urgerm. *kw- zurückgeht; me. twist ist vielleicht ein skand. Lehnwort. Die Herleitung von estn. piht aus dem Germanischen setzt eine sonst nicht bezeugte, unnötige Substitution von tw-/kw- vor ungerundetem Vokal durch p- voraus. Die von Katz vorgeschlagene Etymologie ist lautlich unmöglich, während die Deutung als einheimische Bildung unproblematisch ist. Vgl. VIHTA. [Hellquist 1939 536f.;] SKES III 1962 541; [de Vries 1962 339; ODEE 1969 952;] EEW 1982/ 83 2017f.; Koski 1986 178f.; Katz 1988b 11; UEW II 1988 729f.; [Blöndal Magnússon 1989 529; N.Nielsen 1989 246;] SSA II 1995 350; Nikkilä 1998a 97 [; Bjorvand–Lindeman 2007 619f.]. Kein germ. LW.

PIIKA ’Magd, Dienstmädchen, Mädchen, Jungfrau’; ingr. pƯGa; karel. piika; wot. pƯka; estn. piiga ’Mädchen, Jungfrau’. *pƯka [~ urgerm. *flƯkǀn- / *flikǀn-, urn. *flƯkǀ / *flikǀ; vgl. schwed. flicka f. ’Mädchen’.] Piika ist meistens im Zusammenhang mit einem skand. Wort (schwed. piga ’(Dienst)mädchen’ usw.) betrachtet worden; relativ junge (mittelalterliche) Entlehnung entweder aus dem Ostseefinnischen oder ins Ostseefinnische wird für möglich gehalten. Entlehnung aus dem Ostseefinnischen ins Skandinavische ist wahrscheinlicher. Räsänen hat piika als wolgabulgarisches Lehnwort gedeutet. Katz hat eine aus lautlichen Gründen abzulehnende Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt; p- als Substitution für fl- ist ungebräuchlich. Zu erwarten wäre likka; diese Form ist wie auch plikka und flikka ’Mädchen’ als jüngere Entlehnung in fi. Mundarten bezeugt (siehe SSA II 1995 76).

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Die Etymologie von schwed. flicka ist umstritten; unsicher ist, ob i in flicka auf älteres i oder auf älteres Ư zurückzuführen ist. Ojansuu 1905 54; Setälä 1913a 425; Hellquist 1939 [219f.,] 759; Karsten 1943/44 381f.; Martti Räsänen 1947b 355f.; SKES III 1962 544f.; de Vries 1962 [131,] 424; P.Vuorela 1962; Hakulinen 1979 371; Raun 1982 121; EEW 1982/83 2021f.; Blöndal Magnússon 1989 [191,] 709; N.Nielsen 1989 323; Katz 1990a 34; SSA II 1995 353; Hofstra 1997 128; Häkkinen 2004 915. Kein germ. LW.

PIITTA ’eine Art Verbindungsholz oder -brett; Ruderbank; Trockenstange; Abhang, Anhöhe, Steilufer’; ingr. pƯtta ’Ruderbank’; wot. piitas ’Querleiste’ (Mustonen), wotJ. pƯtթ (G. pƯtթ Ɨ) ’Pfeiler; Radspeiche’; estn. piit (G. piida) ’Pfeiler, Türpfosten; Ruderbank’; liv. pƯt̖' ’hölzerne Klammer’. *pƯtta ~ urgerm. *bitan-, urn. *bitƗ; vgl. an. biti m. ’(Quer)balken’, schwed. dial. bita ’id.; Ruderbank’, norw. bite m.’Balken, Querbalken (Boot)’, mhd. bizze m. ’Keil’. Karel. piitta (nur Kiestinki) ’?Ruderbank’ ist ein Lehnwort aus dem Finnischen. Bereits Lindström hat piitta mit an. biti verglichen; an Herkunft aus dem Nordgermanischen wird seitdem nicht gezweifelt. Zum Alter der Entlehnung gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten; lautlich kann die Entlehnungszeit nicht festgestellt werden; Verbreitung und Bedeutungsdifferenzen im Ostseefinnischen passen besser zu einer älteren Entlehnung. Möglicherweise fand beiderseits des Finnischen Meerbusens getrennte Entlehnung (zu unterschiedlichen Zeiten) statt. Lindström 1859 165; Sirelius 1911 61; Setälä 1913a 425; Karsten 1943/44 383; SKES III 1962 554f.; de Vries 1962 38; Raun 1982 121; EEW 1982/83 2036f.; O. Korhonen 1982 83–91; Hofstra 1985a 23f., 316, 318; Nikkilä 1987 237f.; [Blöndal Magnússon 1989 58;] SSA II 1995 359f.; Häkkinen 2004 920; Palviainen 2004 228. Germ. oder jüngeres LW.

PIKA- ’schnell’, pian (Adv.) ’bald’; ingr. pikastua ’schnell wütend werden’; karel. pika ’tollkühn(er Mensch)’; weps. pigai, pigƗ (Adv.) ’schnell’; wot. pigƗ (Adv.) ’schnell’; estn. pea (Adv.) ’bald’; liv. pigà (Adv.) ’id.’. *pika 1. ~ urgerm. *fika-, urn. *fika; vgl. norw. fik n. ’Fleiß, Eifer, Schnelligkeit, Eile’,

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isl. fik n. ’schnelle, leichte Bewegung’; ~ urgerm. *fƯka-z, urn. *fƯkaR; vgl. an. fíkr ’gierig’, dazu mit -in-Ableitung auch aschwed. fƯkin id. [2. ~ urgerm. *kwikwa-z, urn. *kwikwaR; vgl. an. kvikr ’lebend(ig)’, aschwed. kvik(k)er id., ae. cwic id., as. quik, ahd. quek id., got. qius id.] Ostseefi. pika hat seine erste (Lehn)etymologie 1988 von Katz bekommen; diese Deutung setzt die unmögliche Substitution von kv- durch p- voraus. Liukkonen deutet pika- als Entlehnung von balt. *piga (vgl. lit. pìga ’leicht’, pigùs ’leicht, einfach, billig’). Semantisch ist dies nicht plausibel. Nikkilä verbindet pika- mit urgerm. *fik- / *fƯk-, einer Wortgrupppe mit Bedeutungen im Bereich der Schnelligkeit. Lautlich kommt sowohl *fik- wie *fƯk- als Original von pika in Frage. Urfi. -k- als Wiedergabe von germ. -k- deutet auf frühe Entlehnung. Semantisch ist Nikkiläs Deutung in Ordnung. SSA und Häkkinen haben sie denn auch akzeptiert. Laut SSA könne es sich aber auch um ”ein lautlich motiviertes Wort” handeln. Vgl. KUIVA, VIKEVÄ, VIKKELÄ. [Hellquist 1939 208, 534f.;] SKES III 1962 555f.; [de Vries 1962 119, 338; ODEE 1969 731f.;] Hakulinen 1979 322; Raun 1982 118; Lehmann 1986 278f.]; Katz 1988b 10; [Blöndal Magnússon 1989 173f., 528; N.Nielsen 1989 117, 245f.;] Häkkinen 1990a 224; Häkkinen 1990b 232; [Heidermanns 1993 194f., 352f.;] Nikkilä 1994a; SSA II 1995 360; Liukkonen 1999 104f., 160; Nikkilä 2001a 396; Häkkinen 2004 920 [; Bjorvand–Lindeman 2007 617–619]. Germ. LW.

PILA ’Scherz’, pilata (aSs., dial.) ’scherzen’; karel. pila, pilata; weps. pilaita, pile֑ ita ’scherzen’; estn. pila ’albern; Neckerei, Scherz’, pilama ’(ver)spotten’. *pila ~ urgerm. *spila-, urn. *spila; vgl. ahd. spil n. ’Spiel, Scherz’, mnd. spel, spil n. ’Kurzweil, Vergnügen, Spiel’ (> aschwed. spil, spel n. id.). In der früheren Forschung wurden pila ’Scherz’ und pila als Adverb in olla pilalla ’verdorben, schlecht sein’ und mennä pilalle ’unbrauchbar werden, kaputt gehen’ als ein und dasselbe Wort betrachtet; und das Verb PILATA ’schaden, verderben’ galt als Ableitung von pila. Setälä hat erwogen, ob diese Wortgruppe mit germ. *spil- zu verbinden sei. Einige Forscher halten die Herleitung für richtig, andere zeigen Vorbehalte. Im SKES wird die Möglichkeit erwogen, daß es sich nicht um eine einzige, sondern um zwei Wortgruppen handele: die eigentliche Entlehnung sei pila ’Scherz’ (< Germ.); danach habe PILLA ’Schaden, Zerstörung’ (< Germ.) pila beeinflußt. SSA hält es für möglich, daß ohne Einfluß von außen

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eine Bedeutungsentwicklung von ’scherzen’ zu ’schaden’ über ’spotten’ ĺ ’lästern’ ĺ ’schänden’ eingetreten sei. Hahmo möchte pila ’Scherz’ von pila ’Schaden’ trennen. Pila ’Scherz’ ist ein germ. Lehnwort. Datierung der Entlehnung ist sowohl lautlich wie semantisch schwierig, aber die Verbreitung bis ins Wepsische spricht für eine alte Entlehnung. Setälä 1913a 426; Setälä 1913b 328f.; [Hellquist 1939 1037;] Karsten 1943/44 384; SKES III 1962 357f.; Hakulinen 1979 290, 361; Raun 1982 121; EEW 1982/ 83 2043f.; Hofstra 1985a 68, 329; [Blöndal Magnússon 1989 935; N.Nielsen 1989 406f.;] SSA II 1995 361f.; Häkkinen 2004 921; Hahmo 2010 169 f., 176. Germ. LW.

PILATA ’schaden, verderben, beschädigen’, (pila:) olla pilalla (olla ’sein’) ’verdorben, schlecht sein’, mennä pilalle (mennä ’gehen’) ’unbrauchbar werden, kaputt gehen’; ingr. pilaDa ’verderben, schaden’; karel. pilata ’id.’, (pila:) pilalla, pilah ’verdorben, schlecht, kaputt’; weps. pilotada, piloštada ’schaden’; wot. pilata(g) ’beschädigen, verderben, schaden; verhexen’; estn. pilama ’Unzucht treiben, schänden; beschmutzen, verderben’. *pila~ urgerm. *bilǀ(ja)n-, urn. *bilǀn; vgl. an. bila ’versagen; fehlen, mangeln’, isl. bila ’beschädigt werden, kaputt gehen; einstürzen; mangeln’, norw. bila ’mangeln’; schwed. dial. bela ’fehlen, mangeln; pfuschen, schlecht arbeiten’, bila ’brechen, (obs.) zur Neige gehen, ausgehen’. Pilata wurde in der früheren Forschung mit PILA ’Scherz’ verbunden; siehe dort. Einer Anregung von Nikkilä folgend, deutet Hahmo pilata als germ. Lehnwort. Lautlich ist dies problemlos; die intransitiven germ. Verben und die transitiven ostseefi.Verben beziehen sich auf Schaden und Verderben, so daß die Herleitung auch semantisch plausibel ist. Pila in Adverbien wie pilalla usw., mit denen intransitive Konstruktionen gebildet werden, ist eine Rückbildung aus pilata. Setälä 1913a 426; Setälä 1913b 328f.; Karsten 1943/44 384; SKES III 1962 357f.; Hakulinen 1979 290, 361; EEW 1982/83 2043f.; [Blöndal Magnússon 1989 55;] SSA II 1995 362; Häkkinen 2004 921f.; Hahmo 2010 169, 174–176, 177. Germ. LW.

PILKATA ’verspotten’, pilkka ’Spott’; ingr. pilGaDa, pilkka; karel. pilkata, pilkka; wotJ. piɥkama ’tadeln, verspotten’, piɥkթ ’Schande’, wotK. piɥkatA ’tadeln, narren’; estn. pilkama ’verspotten’, pilke (G. pilgu) ’Spott’; liv. pilթ kի kΩյ ’verspotten’.

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*pilkka1. ~ urgerm. *flikǀ(ja)n-, urn. *flikǀn; vgl. isl. flika ’verführen, betrügen’, schwed. dial. fleka ’streicheln, liebkosen’, norw. flika ’schmeicheln’. 2. ~ urgerm. *flikr-, urn. *flikr-; vgl. aschwed. fliker n. ’Schmeichelei; schmeichlerisch’, flikra ’schmeicheln’, schwed. dial. flikra ’zum Narren halten’, flikker, flekker n. ’Spott; Schmeichelei’, norw. dial. flikra ’verstohlen lachen, liebkosen, sich einschmeicheln’. Im allgemeinen wird pilkata als Ableitung von pilkka ’Spott’ aufgefaßt; pilkka ’Spott’ soll eine semantische Weiterentwicklung von PILKKA1 ’Fleck’ sein. Dies ist kaum richtig, weil die Gesamtheit von pilkata ’verspotten’ und pilkka ’Spott’ eine viel größere Verbreitung als PILKKA ’Fleck’ hat. Laut Mägiste (EEW) könnte pilkka eine hypokoristische Bildung zu PILA sein. Nikkilä betrachtet es als Suffixerweiterung von PILA. Setälä hat pilkka und pilkata mit Fragezeichen zu schwed. dial. flickär (= flikra) ’spotten’ gestellt; Karsten möchte Setäläs Fragezeichen streichen. Laut SKES ist die Zusammengehörigkeit sehr unwahrscheinlich. Setäläs Deutung weist jedoch in die richtige Richtung; am ehesten kommt aber das r-lose urgerm. *flikǀ(ja)n- (oder eine etwas jüngere Form) als Original für das Verbum pilkata in Frage. Pilkka ’Spott’ erklärt sich am besten als Rückbildung zu pilkata. Setälä 1913a 426; Setälä 1913b 329f.; [Torp 1919 120;] T.E.Uotila 1937 147f.; Karsten 1943/44 283f., 385f.; SKES III 1962 559f.; Hakulinen 1979 184, 290, 407; Raun 1982 122; EEW 1982/83 2050; [Blöndal Magnússon 1989 189, 191;] SSA II 1995 362; Nikkilä 1998a 90; Koivulehto 2001a 68; Häkkinen 2004 922. ? Germ. LW. PILKKA1, pilkku ’Zeichen am Baum; (andersfarbiger) Fleck’; karel. pilkka, pilkku; lüd. pileh ’Fleck’; wot. pilkku; estn. pilk, pilgu ’Fleck’. *pilkka / *pilkku 1. ~ urgerm. *blika-, urn. *blika; vgl. an. blik n. ’Glanz, Schimmer’, norw. blik ’schwacher Glanz; weiße Stelle auf einer Klippe; Zeichen am Baum’. 2. ~ urgerm. *flikka-z / *flekka-z, urn. *flikkaR / *flekkaR; vgl. an. flekkr m. ’Fleck, Stelle, Makel’, aschwed. flækker m. id., ahd. flek m. ’Mal, Lederstückchen’. Mägiste (EEW) verbindet pilkka ’Fleck usw.’ mit der Wortgruppe PILKOTTAA, z.B. estn. pilkuma ’glänzen’. Thomsen verglich pilkka mit an. flekkr. Wiklund verglich pilkka und pilkku mit an. flekkr und dachte an Entlehnung aus einer Form mit noch erhaltenem i. Setälä setzte ein Fragezeichen. Koivulehto führt pilkka auf urgerm. *blika- zurück.

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Beide Etymologien sind semantisch und lautlich möglich; sie setzen Metathese des l voraus. Dennoch ist die Herleitung aus *blika- der anderen vorzuziehen, und zwar wegen der Bedeutung ’Zeichen am Baum’ und wegen i der Wurzelsilbe. Thomsen 1869 58f.; Wiklund 1904a 153, 158; Setälä 1913a 426; [Torp 1919 29;] T.E.Uotila 1937 145–150; [Hellquist 1939 225;] Karsten 1943/44 283–285, 385, 387; SKES III 1962 558f.; de Vries 1962 [44,] 130; [ODEE 1969 361;] Hakulinen 1979 184; Koivulehto 1981c 197f., 211; EEW 1982/83 2052f.; Koivulehto 1983a 100; Hofstra 1985a 69, 176f., 184, 209, 321; Blöndal Magnússon 1989 64f., 189f.; [N.Nielsen 1989 55, 125;] Katz 1990a 13; SSA II 1995 362f.; Koponen 1998 155; Koivulehto 2001a 68; Hahmo 2002 93f.; Häkkinen 2004 922, 923 [; Bjorvand– Lindeman 2007 102]. Germ. LW. PILKKA2 ’Spott’ s. PILKATA.

PILKKOA ’(zer)spalten, zerkleinern, zerhacken’; ingr. pilkkoja; karel. pilkkuo; lüd. pilɥkkoda; weps. pilki֑ ida; wotK. piɥkkoa, wotJ. piɥkotta; ?estn. pilkuma. *pilkkV~ urgerm. *spelkǀ(ja)n-, urn. *spelkǀn; vgl. aschwed. spiælka ’spalten, zerhacken’, gotl. spilka ’spalten’. Laut SSA stammt estn. dial. pilkuma möglicherweise aus dem Finnischen. Wiklund meinte in pilkkoa, das zu PILKKA1 ’Zeichen am Baum’ zu stellen sei, auch Spuren der Grundform von aschwed. spiælka erkennen zu können. Setälä versieht Wiklunds Deutung mit einem Fragezeichen Karsten geht vom Substantiv pilkko ’Stück einer zerschnittenen Rübe’ (Lönnrot) aus, das eine Entlehnung von schwed. dial. spilk ’kleines Stück, Splitter’ oder von schwed. spilka ’Splitter’ sei; pilkkoa wäre eine Ableitung. Diese Ansicht verträgt sich schlecht mit der weiten Verbreitung des Verbums im Ostseefinnischen. Im SKES wird s.v. pilkka ’Rübenscheibe’ (dial., selten) die Lehnetymologie abgelehnt: es liege eine deskriptive Wortgruppe vor. Uotila (auch SSA und Häkkinen) verknüpft pilkkoa mit PILKKA1 ’Zeichen am Baum’; die semantische Entwicklung sei ’Zeichen in einen Baum schlagen’ ĺ ’spalten/hacken (Baumstamm)’ ĺ ’zerkleinern, (zer)spalten’. Laut SSA könne eine deskriptive Bildung vorliegen. Gegen Ableitung aus PILKKA1 sprechen die Verbreitung und die Semantik. Pilkkoa ist nahezu allgemein ostseefinnisch und hat überall dieselbe Bedeutung. Es ist allem Anscheine nach ein bereits urfi. Wort, für das keine fi.-ugr. Verwandten aufgezeigt worden sind. Auf germ. Seite findet sich eine semantisch als Original passende Wortgruppe. Der Vokal e der Wurzelsilbe des urgerm. Verbums paßt

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nicht gut zum urfi. i; in germ. Einzelsprachen finden sich aber außer gotl. spilka auch noch Substantive mit i der Wurzelsilbe, wo also eine Entwicklung e > i vor i oder j der Folgesilbe (etwa urgerm. *spelki-z > *spilki-z >> norw. spilk m. ’Schiene’, ae. spilc m.(?).’Span, Holzschiene’), stattgefunden hat. Es liegt denn auch nahe, die ostseefi. und die germ. Wortgruppe miteinander zu verbinden. Wiklund 1904a 158f.; Setälä 1913a 426f.; [Torp 1919 692;] T.E.Uotila 1937 146f.; [Hellquist 1939 1046;] Karsten 1943/44 386; SKES III 1962 560; [de Vries 1962 533, 536;] Hakulinen 1979 299; [Blöndal Magnússon 1989 933, 936, 937;] SSA II 1995 363; Häkkinen 2004 922f. ? Germ. LW.

PILKOTTAA ’durchschimmern; hervorblicken’, pilkkua ’funkeln, schimmern’; karel. pilkottoa, pilkkoa, pilketteä; lüd. pilt'š̗ oda; weps. piɥkta ’funkeln, aufleuchten’; ?wotJ. piɥkթ ’Blick’; estn. pilkuma ’blinken; glänzen, schimmern’, pilk ’Blick’; liv. pilթ kի kΩյ ’funkeln, schimmern’. *pilkkV~ urgerm. *blikǀ(ja)n-, urn. *blikǀn; vgl. an. blika ’blinken, erglänzen, funkeln’, aschwed. blika ’sichtbar werden, sichtbar sein’, ae. blician ’scheinen’, mnd. bleken ’erscheinen, sich zeigen’; ~ urgerm. *bleikan- > *blƯkan-, urn. *blƯkan; vgl. an. blíkja ’blinken, erglänzen, funkeln’, ae. blƯcan ’glänzen, scheinen, leuchten’, mnd. blƯken ’glänzen, scheinen’, ahd. blƯhhan ’weiß, hell sein’. Laut SSA stammt wotJ. piɥkթ ’Blick’ vielleicht aus dem Estnischen. Wiklund hat auf die Übereinkünfte mit an. blika und blíkja hingewiesen; Setälä versieht die Zusammenstellung mit der germ. Wortgruppe mit einem Fragezeichen. Laut Uotila könnte pilkottaa zwar mit PILKKA1 ’Fleck’ zu verbinden sein, ist es jedoch unter der Voraussetzung, daß Metathese von l (germ. *blik- ~ urfi. *pilk-) möglich gewesen ist, wohl eher ein separates germ. Lehnwort. Im SKES wird pilkottaa (als Teil einer Wortgruppe) als deskriptiv bezeichnet; die Bedeutung ’Blick’ könne auf semantischem Einfluß seitens germ. Sprachen beruhen. Mägiste (im EEW), der diese Wortgruppe mit anderen pilkk(a)-stämmigen Wörtern (z.B. PILKKA1) verknüpfen möchte, hält Herleitung aus dem Germanischen für kaum richtig. Laut SSA ist pilkottaa wahrscheinlich ein germ. Lehnwort. Gegen Annahme germanischer Herkunft spricht nichts; zur Metathese vgl. 1 PILKKA . Wiklund 1904a 159; Setälä 1913a 426; E.T.Uotila 1937 149f.; [Hellquist 1939 83;] Karsten 1943/44 386; SKES III 1962 561f.; [de Vries 1962 44; Seebold 1970 118–120;] Raun 1982 122; EEW 1982/83 2051, 2052f.; [Blöndal Magnússon 1989 64f.;] SSA II 1995 363; Koponen 1998 154f.; Häkkinen 2004 923 [; Bjorvand–

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Lindeman 2007 100f.]. Germ. LW.

PILLA ’Schaden, Zerstörung; Übeltat’; ingr. pilla; karel. pilla; lüd. piɥ(ɥu) ’Schaden’; wot. pilla ’Übeltat’; estn. pill (G. pilla, pillu) ’Verschwendung; Schaden, Verlust’. *pilla 1. ~ urgerm. (*spelþi-z >) *spilþiz (, urn. *spilþiR); vgl. ae. spild, spilth m. ’Zerstörung’; ~ urgerm. *spelþijǀ > *spilþijǀ (, urn. *spilþiju); vgl. mnd. spilde f. ’Verlust, Ausgaben, Unkosten’. 2. ~ urgerm. (*spelþijan- >) *spilþijan-, urn. *spilþijan; vgl. an. spilla ’beschädigen, verderben, zerstören, töten’, aschwed. spilla ’verschwenden, verlieren, zerstören, verderben, kränken, schänden’, ae. spildan ’vernichten, zerstören’, as. spildian ’töten’, ahd. spilden ’verschwenden’; ~ urgerm. (*spellijan- >) *spillijan-, urn. *spillijan; vgl. an. spilla ’beschädigen, verderben, zerstören, töten’, aschwed. spilla ’verschwenden, verlieren, zerstören, verderben, kränken, schänden’, ae. spillan ’zerstören, verstümmeln; töten, verwüsten, vergießen’, mnd. spillen ’verbrauchen, verschütten, preisgeben’. Setälä hat pilla aus germ. *spilþian hergeleitet und diese Deutung – wegen lautlicher Probleme – mit Fragezeichen versehen. Im allgemeinen geht man jetzt von einer (späteren) skand. Entlehnung aus. Bentlin hält jedoch sowohl Herkunft aus dem Niederdeutschen wie Herkunft aus dem Schwedischen für möglich. Laut Hahmo könnte pilla ein expansives jüngeres (altschwed. oder mittelniederdt.) Lehnwort sein. Sie schließt jedoch nicht aus, daß es ein altes Lehnwort ist; die Form pilla (G. pillan) statt *pilta (G. pillan) beruhe dann auf Stufenwechselentgleisung. Eine weitere Möglichkeit sei eine frühe Rückbildung aus dem Verb PILLATA, die sich rasant verbreitet habe. Die lautliche und semantische Ähnlichkeit des germ. und des ostseefi. Wortmaterials macht Herleitung von pilla aus dem Germanischen, sei es direkt oder über PILLATA, unumgänglich. Vgl. PILLATA, PILTO. Setälä 1913a 427; Setälä 1913b 328f.; [Hellquist 1939 1042;] Karsten 1943/44 387; SKES III 1962 562f.; [de Vries 1962 535; ODEE 1969 853;] Hakulinen 1979 371; Raun 1982 123; EEW 1982/83 2046f.; Hofstra 1985a 329; [Blöndal Magnússon 1989 936; N.Nielsen 1989 407;] SSA II 1995 364; Häkkinen 2004 921f., 923; Bentlin 2008 242–244; Hahmo 2010 169, 170–174, 177. ? Germ. oder jüngeres LW.

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PILLATA ’schaden, zerstören’; karel. pillata; lüd. piɥɥoida ’Schaden verursachen’; estn. pillama ’zu Grunde richten’. *pilla~ urgerm. (*spellijan- >) *spillijan-, urn. *spillijan; vgl. an. spilla ’beschädigen, verderben, zerstören; töten’, aschwed. spilla ’verschwenden, verlieren, zerstören, verderben, kränken, schänden’, ae. spillan ’zerstören, verstümmeln; töten, verwüsten, vergießen’, mnd. spillen ’verbrauchen, verschütten, preisgeben’; ~ urgerm. (*spelþijan- >) *spilþijan-, urn. *spilþijan; vgl. an. spilla ’beschädigen, verderben, zerstören; töten’, aschwed. spilla ’verschwenden, verlieren, zerstören, verderben, kränken, schänden’, ae. spildan ’vernichten, zerstören’, as. spildian ’töten’, ahd. spilden ’verschwenden’. Fi. pillata ’verschütten’ und pillata ’verschwenden’ sowie estn. pillama ’fallen lassen, verschütten; verschwenden’ und liv. pil̖ lΩյ ’verschwenden, zerstreuen’ könnten separate Entlehnungen aus dem Schwedischen und/oder dem Niederdeutschen sein; wot. pillata ’verschütten’ wäre dann ein estn. Lehnwort. Pillata ’schaden, zerstören’ gilt im allgemeinen als Ableitung vom Substantiv PILLA. Laut Hahmo könnte dieses pillata wohl eher ein altes germ. Lehnwort sein. Auf germ. Seite kommen sowohl Formen mit lþ wie auch Formen mit ll vor, so dass Entlehnung also nicht erst nach dem skand. Lautwandel -lþ- > -ll- stattgefunden haben muß. Zur Semantik kann darauf hingewiesen werden, daß die Bedeutung ’zerstören’ in obigen germ. Verbgruppen sehr verbreitet ist und also bereits für das Urgermanische angenommen werden kann. Vgl. PILLA, PILTO. Setälä 1913a 427; Setälä 1913b 328f.; [Hellquist 1939 1042;] Karsten 1943/44 387; SKES III 1962 562f.; [de Vries 1962 535; ODEE 1969 853;] Hakulinen 1979 371; Raun 1982 123; EEW 1982/83 2046f.; Hofstra 1985a 329; [Blöndal Magnússon 1989 936; N.Nielsen 1989 407;] SSA II 1995 364; Häkkinen 2004 921f., 923; Bentlin 2008 242–244; Hahmo 2010 170–174, 177. Germ. oder jüngeres LW.

PILSU (dial., Lönnr.) ’Splitter, kleines Stückchen’. *pilsu ~ urgerm. *flƯsǀ, urn. *flƯsu; vgl. an. flís f. ’kleines (Holz)stück, Splitter’, schwed. dial. flis id., mnd. vlƯse f. ’Fliese’; ~ urgerm. *flƯsǀn-, urn. *flƯsǀ; vgl. schwed. dial. Finnland flisu f. ’Splitter’. Wiklund hat pilsu als Lehnwort aufgefaßt und mit an. flís usw. verglichen. Setälä versieht die Gleichung mit einem Fragezeichen. Karsten denkt an eine Entleh-

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nung aus einem schwed. Dialekt in Finnland. Katz deutet pilsu als bereits urgerm. Lehnwort. Diese Vorschläge gehen alle von einer Metathese des l aus. SKES und SSA bezeichnen pilsu als deskriptiv. Laut Nikkilä ist pilsu möglicherweise eine morphologische su-Variante zu einer Wortgruppe pil- ’Splitter’ (pilsta, pilp(p)a usw.); diese Deutung ist plausibel. Entlehnung aus dem Germanischen oder angesichts der geringen Verbreitung wohl eher aus einer jüngeren Sprachstufe ist lautlich und semantisch ebenfalls möglich. Wiklund 1904a 159; Setälä 1913a 427; [Hellquist 1939 220;] Karsten 1943/44 388; SKES III 1962 565; [de Vries 1962 132; Blöndal Magnússon 1989 192; N. Nielsen 1989 123;] Katz 1990a 13; SSA II 1995 366; Nikkilä 1996a 394 [; Bjorvand–Lindeman 2007 280f.]. ? Jüngeres LW.

PILTATA (pilttaa-) (dial.) ’in Stückchen schneiden; durch Schneiden verderben’, piltota ’id.; Späne abspalten’. *pilttV[~ urgerm. *spleitan- > *splƯtan- (, urn. *splƯtan); vgl. mnd. splƯten ’(sich) spalten’, mhd. splƯzen id., afries. splƯta id.] SKES bezeichnet piltota als deskriptiv und erwähnt piltata ohne weiteren Kommentar s.v. PILLA. Katz hat die seltenen Dialektwörter (nur in Asikkala, Iitti, Valkeala) piltata und piltota als Entlehnungen von frühurgerm. *splƯtan-, einem erst relativ spät und nur im Westgemanischen bezeugten Verb, gedeutet. Lautlich ist diese Deutung nicht plausibel. Am ehesten dürften piltata und piltota irgendwie zu PILLATA oder zur Sippe um pil- ’Splitter’ (vgl. PILSU) gehören. [Hellquist 1939 1047;] SKES III 1962 560, 562; [ODEE 1969 855; Seebold 1970 454f.;] Katz 1990a 54; Hahmo 2010 172f. Kein germ. LW.

PILTO (Lönnr.), piltomus (Lönnr., dial.) ’unbändiges Lebewesen (Pferd)’, piltomies (aSs.) ’Verbrecher; Vogelfreier’ (-mies ’Mann’). *pilto ~ urgerm. (*spelþijan- >) *spilþijan-, urn. *spilþijan; vgl. an. spilla ’beschädigen; verderben, zerstören, töten’, aschwed. spilla ’verschwenden, verlieren; zerstören, verderben, kränken, schänden’, ae. spildan ’vernichten, zerstören’, as. spildian ’töten’, ahd. spilden ’verschwenden’.

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Karsten hat pilto zu einem urnord. Verbum *spilþian (> aschwed. spilla) gestellt. Erst aus dem Altschwedischen (aschwed. *spilda f. ’Verderben, Zerstörung’) seien die lautähnlichen und semantisch vergleichbaren Wörter piltto, pilttomus ’Verbrecher, Vogelfreie(r)’ entlehnt worden; auch Setälä 1913a 427 und SKES III 1962 565f. halten diese Wörter für Entlehnungen aus dem Altschwedischen, das Original sei aber aschwed. biltogha ’landesflüchtig’. Im SSA werden pilto, piltto usw. s.v. piltua ’Verbrecher; verächtet, vogelfrei’ als eine einzige Wortsippe behandelt und zu aschwed. biltogha gestellt. Karstens Annahme einer älteren Entlehnung ist unbegründet. Es liegt allem Anscheine nach eine jüngere Entlehnung vor, die von lautlich und semantisch ähnlichen Wörtern (vgl. z.B. PILLA, pillastua ’durchgehen (Pferd), sich erzürnen’, schwed. vild, vill ’wild; unbändig (Pferd)’) beeinflußt worden ist. Vgl. PILLA, PILLATA. [Hellquist 1939 1042;] Karsten 1943/44 389; [de Vries 1962 535;] SKES III 1962 562; [ODEE 1969 853; Blöndal Magnússon 1989 936; N.Nielsen 1989 407;] SSA II 1995 366; Hahmo 2010 174. ? Jüngeres LW.

PINO ’(geschichteter Holz)stapel, Stoß, Haufen’; ingr. pino; karel. pino; lüd. pino; weps. pino; wotK. pino; estn. pinu. *pino ~ urgerm. *fƯnǀ (, urn. *fƯnu); vgl. ae. fƯn f. ’Haufen’ (in wudufƯn ’Holzhaufen’, wudu- ’Holz’), mnd. vƯne f. ’geschichteter Holzhaufen’, ahd. fƯna f. (in witufƯna ’Holzhaufen’, witu- ’Holz’). Ojansuu hat pino als germ. Lehnwort gedeutet; diese Etymologie ist seitdem unumstritten. Mit der Annahme einer frühen Entlehnung vertragen sich sowohl die Verbreitung wie auch urfi. i als Substitution von urgerm. Ư. Ojansuu 1911 108; Setälä 1913a 427; Karsten 1943/44 390; SKES III 1962 570; Raun–Saareste 1965 44; Koivulehto 1971b 598, 605; Koivulehto 1973b 608; Koivulehto 1976a 275; Hakulinen 1979 175, 360; Koivulehto 1981a 193; Raun 1982 123; EEW 1982/83 2070; Hofstra 1985a 69, 321, 325, 384; Joki 1989 21; Nikkilä 1994a 135; SSA II 1995 369; Leisiö 1996 163, 176; Häkkinen 2004 927. Germ. LW.

PINTA ’Oberfläche; Splintholz; Speck; Haut mit Fettschicht (Seehund)’; ingr. pinDa ’Oberfläche; Haut’; karel. pinta ’id.; Speck’; lüd. pind ’Oberfläche; Haut’; weps. pind ’Splintholz; Oberfläche’; wot. pinta ’Oberfläche’; estn. pind (G.

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pinna) ’Fläche, Oberfläche, Boden, Erdboden’, pind (G. pinnu) ’Splintholz, Schalbrett; Splitter, Dorn’; liv. pƯnda ’äußere Schicht; Baumsplint’. *pinta ~ urgerm. *spinda- (, urn. *spinda); vgl. ae. spind n. ’Fett’, as. spind n. (?) ’Speck, Fett’, mnd. spint n. ’Splintholz’; ~ urgerm. *spinda-z (, urn. *spindaR); vgl. as. spind m. (?) ’Speck, Fett’, mnd. spint m. ’Splintholz’, ahd. spint m. ’Fett, Mark, Schmer, Bauchfettgewebe’, mhd. spint m. ’Fett, Schmer; Splintholz’. Zu pinta wurde früher auch wotj. ped, z.B. in ped pal ’äußere Seite’ (pal ’Seite’), pedlo ’hinaus, heraus’ gestellt. UEW stellt irrtümlicherweise auch mordw. ponda ’Körper, Leib’ zu pinta. Mägiste (EEW) hält es für möglich, daß estn. pind (G. pinnu) sowohl in der Bedeutung ’Splitter, Dorn’ wie auch in der Bedeutung ’Schwartenbrett’ eine Deminutivableitung von pind (G. pinna) ist, wobei eine speziell estn. Bedeutungsentwicklung ’Oberfläche’ ĺ ’Splintholz’ ĺ ’vom Splintholz abgelöstes Stück’ ĺ ’Splitter, Dorn’ eingetreten sei. Raun deutet pind ’Splitter, Dorn’ als Entlehnung von mnd. spint ’Splintholz’. Koivulehto hat pinta als frühes germ. Lehnwort gedeutet; aus dem Urfinnischen sei das Wort ans Wotjakische weitergegeben. Die Deutung von ostseefi. pinta als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch plausibel. SKES III 1962 570; Koivulehto 1981c 207, 213; Raun 1982 122; EEW 1982/83 2061–2063; Hofstra 1985a 297, 308f., 321, 391, 393, 400, 402; Koivulehto 1986a 164–167, 173, 175; Sammallahti 1988 553; UEW II 1988 730f., 734f.; Häkkinen 1990a 192; Häkkinen 1990b 233; Ritter 1993 27; SSA II 1995 370; Häkkinen 1996a 163; Häkkinen 2004 927. Germ. LW.

PIRSKUA, pirskoa, pirskota, pirskata ’spritzen’; karel. pirskoa, pirskuo, pirskata. *pirskV[~ urgerm. *sprekan- (, urn. *sprekan); vgl. ae. sprecan ’sprechen’, as. sprekan id., ahd. sprehhan id.] Die Wortgruppe, die als deskriptiv gilt (z.B. SKES), wurde von Katz als germ. Lehnwort gedeutet. Seine Deutung ist lautlich unmöglich, da sie eine zweifache, unmögliche Metathese voraussetzt. Die alte Bedeutung von urgerm. *sprekan- ist möglicherweise ’knistern, prasseln’ gewesen (vgl. dazu auch de Vries 1962 537, Seebold 1970 456).

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Es liegen wohl onomatopoetische Bildungen vor (vgl. auch SKES und SSA), man vergleiche noch weitere expressive, semantisch ähnliche Wörter der Struktur pVrskV-: porskua, purskia, pyrskää und PÄRSKYÄ. [Hellquist 1939 1053;] SKES III 1962 575; [de Vries 1962 537; ODEE 1969 851; Seebold 1970 455–457; N.Nielsen 1989 409;] Katz 1990a 60; SSA II 1995 372. Kein germ. LW.

PIRU, peru ’böser Geist, Teufel’, auch als Schimpfwort; ingr. piru Schimpfwort; karel. piru; estn. piru Schimpfwort. *piru [1. ~ urgerm. *ferЀunja- > *firЀunja- (, urn. *firЀunja); vgl. ae. firgen- in Zusammensetzungen wie firgen-holt ’Bergwald’ (-holt ’Holz, Wald’), mhd. Virgunnia Name eines Gebirges in Bayern, got. fairguni n. ’Berg’.] [2. ~ urgerm. *dwerЀa-z, urn. *dwerЀaR; vgl. an. dvergr m. ’Zwerg’, aschwed. dværgher m. id., ae. dweorg m. id., ahd. tverg n. id.] Estn. piru ist nur aus der Inselmundart von Muhu bekannt. Peru ist laut SKES eine Kontamination von piru und PERKELE. Piru wird manchmal als Variante von PERKELE aufgefaßt; Thomsen hat für die beiden Wörter Herkunft aus dem Baltischen angenommen. Laut Karsten ist piru Entlehnung aus germ. *firgunja-; piru sei aus der schwachen Stufe pirun zu *pirku hervorgegangen. Lautlich ist diese Deutung unglaubwürdig. Die von Katz vorgelegte Deutung aus frühurgerm. *dwerЀo- setzt die ungewöhnliche Substitution von urgerm. dw- durch urfi. p- sowie die (vielleicht in MITTA und MITATA bezeugte) Substitution von urgerm. e durch urfi. i voraus. Neben obigen Deutungen ist auch Herkunft aus dem Slawischen erwogen worden (Ahlqvist, SKES mit Fragezeichen). Oinas verknüpft piru mit der einheimischen Wortgruppe um piiri ’Kreis, Bezirk’, wozu auch piirtää ’zeichnen’, piiru ’Strich, Linie’ gehören; ein semantischer Parallelfall liege im Russischen vor; russ. þort ’Teufel’ gehöre etymologisch zu Wörtern, die ’Strich, Linie’ bzw. ’zeichnen’ bedeuten. Diese Deutung dürfte die überzeugendste sein (vgl. auch Plöger). Vgl. PERHANA, PERKELE, TURKANEN, VERKANEN. Ahlqvist 1875 244; Thomsen 1890 207f.; Karsten 1915 20–24; [Hellquist 1939 165;] Karsten 1943/44 376f.; SKES III 1962 576f.; [de Vries 1962 89, 126;] Oinas 1966 110–113; [ODEE 1969 296;] Plöger 1973 321f.; Hakulinen 1979 347; [Lehmann 1986 104f.;] Katz 1988b 12; [Blöndal Magnússon 1989 139, 183; N.Nielsen 1989 98;] SSA II 1995 374; Häkkinen 2004 931 [; Bjorvand–Lindeman 2007 199– 201]. Kein germ. LW.

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POHDE (G. pohteen) (dial.) ’Eile; schwere Arbeit’, pohti ’schnelle Bewegung’. *pohįek (G. *pohteȖen) [~ urgerm. *spǀÿi-z, urn. *spǀÿiR; vgl. ae. spƝÿ f. ’Erfolg, Glück, Reichtum; Eile’, as. spǀd f. ’Gelingen’, ahd. spuot f. ’Eile, Geschwindigkeit; Erfolg, Fortgang; Wesen, Substanz’.] Pohde und puohde sind Ableitungen von pohtaa (auch: puohtaa) ’Getreide schwingen, worfeln, Getreide mit Hilfe von Luft von Spreu säubern’; pohde und puohde bedeuten beide ’Spreu’ (als Ergebnis von pohtaa), aber gelegentlich auch ’Luftdruck, Luftzug’; die Bedeutung ’Eile; schwere Arbeit’ findet sich nur bei pohde. Pohti ’schnelle Bewegung, Fahrt’ erklärt sich als Variante von puhti ’Fahrt, Schwung, Kraft’ (in Anlehnung an die Wortgruppe um pohtaa). Obwohl die Wörter mit einheimischen Mitteln erklärt werden können, hat Katz pohde ’Eile’, puohde (ohne Bedeutungsangabe) und pohti ’schnelle Bewegung’ als germ. Lehnwörter gedeutet und als Original urgerm. *spэթÿi-(z) angesetzt. Diese Deutung setzt eine unwahrscheinliche Metathese des s- voraus und ist abzulehnen. SKES III 1962 589, 626; [ODEE 1969 852; Seebold 1970 455; Lehmann 1986 319; UEW II 1988 738;] Katz 1990a 49; SSA II 1995 384, 415f. Kein germ. LW.

POHJA ’Boden, Grund; Nord(en); abgelegene Gegend; Nordwind’; ingr. pohja ’Boden, Grund’; karel. pohja; lüd. pohd' ’id.; Sack am Ende des Schleppnetzes’; weps. pohd' (G. pohdan) ’id.’; wot. pe֑ hja, wotK. pohja; estn. põhi (G. pohja); liv. pu‫ތ‬oi֐ ; ?lp. boaš'šo ’hinterer Teil des Lappenzeltes’. *pohja [1. ~ urgerm. *bandsija-, urn. *bandsija- (j-Ableitung von urgerm. *bandsa-z, urn. *bandsaR); vgl. an. báss m. ’Kuhstand, Lagerraum’, aschwed. bƗs m. ’Viehstall’, mnd. bǀs f., bǀsen m. id., nd. bǀs id.; als Ableitung ae. bǀsig ’Stall, Krippe’.] [2. ~ urgerm. *busjǀn-, urn. *busjǀ; vgl. aschwed. bysia f. ’Streu (als Schweinelager)’, schwed. byssja, bössja ’Streu, Strohlager (für Tiere)’; vgl. auch norw. bos n. ’Bettstroh’, bus n. ’Streu’ < urn. *busa-.] Lp. boaš'šo ist vielleicht ein Lehnwort aus dem Ostseefinnischen (SKES, SSA). Eine erste Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto in einem Vortrag vorgelegt. Die angesetzte j-Ableitung *bandsja- ist nicht belegbar; die Deutung ist auch semantisch kaum haltbar. Ritters Alternative (Verknüpfung mit schwed. bössja, angeblich aus *bosjǀnmit *bos- < *bus-) ist lautlich problematisch, da urgerm. u nur dann zu o wurde, wenn kein i oder j folgte; sie leuchtet auch semantisch nicht ein.

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Die von Sköld vorgelegte, lautlich und semantisch mögliche Deutung als indoiran. Lehnwort ist den Herleitungen aus dem Germanischen überlegen Vgl. PAHNA, PATSAS. [Torp 1919 35, 50, 52; Hellquist 1939 119f.;] SKES III 1962 587f.; [de Vries 1962 28;] Koivulehto 1977c; Hakulinen 1979 333; Raun 1982 133; EEW 1982/83 2269–2271; Hofstra 1985a 29, 98, 127, 186, 318; Lehmann 1986 61f.; [Blöndal Magnússon 1989 43, 73; N.Nielsen 1989 81;] Häkkinen 1990b 235; Ritter 1993 27, 107f., 226; Hofstra 1994b 203; SSA II 1995 383; Häkkinen 1996a 161; Sköld 1999; Häkkinen 2004 936 [; Bjorvand–Lindeman 2007 164f.]. Kein germ. LW.

POHTI ’schnelle Bewegung’ s. POHDE.

POLATA ’plappern; planschen; geschäftig sein’, polista, polahtaa ’über den Rand spülen’; ingr. polissa ’plappern’; karel. polissa ’platschen; plätschern’, pol'ahtoakseh ’platschen’. *pola[~ urgerm. *skwalǀ(ja)n-, urn. *skwalǀn; vgl. schwed. (obs.) skvala ’strömen, spülen’, norw. skvala ’plätschern’; ~ urgerm. *skwulǀ(ja)n- > *skulǀ(ja)n-, urn. *skolǀn; vgl. an. skola ’wegspülen’, schwed. dial. skola ’spülen (Kleider), klopfen (Wäsche)’.] Katz setzt als Original ”frurg.*skwulэթn” oder ”frurg. *skwэlVn” an; seine Deutung setzt die sonst nicht bezeugte, unglaubwürdige Substitution von skw- durch pvoraus. Es handelt sich hier deutlich um eine einheimische onomatopoetische Wortgruppe, vgl. auch POLSKIA, PULATA und PULSKATA. Vgl. POLSKIA, PULATA, PULSKATA. [Hellquist 1939 962;] SKES III 1962 594, 638; [de Vries 1962 497; Blöndal Magnússon 1989 853; N.Nielsen 1989 383;] Katz 1990a 59; SSA II 1995 389, 391; Häkkinen 2004 942. Kein germ. LW.

POLO, poloinen ’arm, elend, unglücklich; armes Wesen’, palo(inen) (aWb.) ’id.’; ingr. polի loin ’id.’, polopoiGa ’unglücklicher Junge’ (-poiGa ’Junge’); karel. polo, poloine; wotK. poɥoinA. *polo / *palo [< *palvo]

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~ [urgerm. *balwa-,] urn. *balwa; vgl. an. bІl n. ’Unglück, Übel, Schade’, ae. bealu n. ’Übel, Verderben, Elend, Unglück’, as. balu n. ’Verderben’, ahd. balo n. (auch m.) ’Bosheit, Verderben’, got. balwawƝsei f. ’Bosheit’ (-wƝsei ’Sein’). ~ [urgerm. *balwa-z,] urn. *balwaR; vgl. ae. bealu ’übel, tödlich, gefährlich, böse’. Polo wird oft als Ableitung von polkea ’treten’ aufgefaßt. Laut T. Itkonen ist polo ein einheimisches, im Altkarelischen entstandenes Wort. Nikkilä hat polo als urnord. oder jüngeres Lehnwort gedeutet. Da der germ. Wurzelsilbenvokal a wohl erst gegen Ende des 1. Millenniums im Skandinavischen vor w zu І wurde, dürfte polo erst in der Wikingerzeit entlehnt worden sein. Fi. palo(inen) (? < urfi. *palvo) dagegen kann auf alter Entlehnung beruhen. Mägiste 1954; SKES III 1962 596; [de Vries 1962 70; ODEE 1969 70;] Hakulinen 1979 324; T.Itkonen 1983 352; [Lehmann 1986 60; Blöndal Magnússon 1989 101; N.Nielsen 1989 39;] Nikkilä 1990b 252, 254; [Heidermanns 1993 116f.;] SSA II 1995 391; Häkkinen 2004 942. ? Jüngeres LW.

POLSKIA, polskaa ’platschern’. *polskV[~ urgerm. *skwalǀ(ja)n-, urn. *skwalǀn; vgl. schwed. (obs.) skvala ’strömen, spülen’, norw. skvala ’plätschern’; ~ urgerm. *skwulǀ(ja)n- > *skulǀ(ja)n-, urn. *skolǀn; vgl. an. skola ’wegspülen’, schwed. dial. skola ’spülen (Kleider), klopfen (Wäsche)’.] Gewöhnlich wird polskia als onomatopoetische Bildung betrachtet. Die von Katz angenommene Herkunft aus dem Germanischen setzt die unmögliche Metathese von sk- des anlautenden Klusters skw- und die schwach bezeugte Substitution von w durch p voraus. Es handelt sich klar um eine Variante von pulskia, wozu die s.v. PULSKATA erwähnte onomatopoetische Wortgruppe zu vergleichen ist. Vgl. POLATA, PULATA, PULSKATA. [Hellquist 1939 962;] SKES III 1962 594, 638; [de Vries 1962 497; Blöndal Magnússon 1989 853; N.Nielsen 1989 383;] Katz 1990a 59; SSA II 1995 389, 391; Häkkinen 2004 942. Kein germ. LW.

PORKKA ’Störstange; Scheibe am Ende der Störstange; Skistock; Schneeteller’; ingr. porkka ’Störstange’; karel. porkka ’Scheibe am Ende der Störstange; Schneeteller; Tragebalken; Riegel’; estn. põrk (G. põrga) ’Verbindungsstab; Querholz am Schlitten; Störstange’; ?liv. bo‫ތ‬ĚG ’Störstange’.

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*porkka ~ urgerm. *furka-z, urn. *furkaR / *forkaR; vgl. an. forkr m. ’(Schiffs)stange, Bootshaken’, schwed. dial. (Finnland) fork m. ’(Schiffs-, Stör-)stange; Skistock’, schwed. dial. (Schweden) fork, furk ’Heugabel; Hebebaum, Stör-, Schiffsstange’. Liv. bo‫ތ‬ĚG und ostseefi. porkka sind lautlich nicht völlig identisch (Kettunen 1938 26); Entlehnung aus dem Estnischen wird vermutet (SKES, SSA). Mägiste denkt an eine einheimische Ableitung von onomatopoetischem *por- (dazu u.a. estn. põrisema ’krachen, krachen, dröhnen’, fi. porista ’brodeln, murmeln’). Vendell hat porkka als skand. Lehnwort bezeichnet. Laut Setälä (mit Fragezeichen) ist es eine jüngere Entlehnung. Karsten hat porkka als Entlehnung aus ”urnord. *forka-” gedeutet. T. Itkonen hält skand. Herkunft für sicher; es handele sich um eine relativ frühe Entlehnung. Das Lehnwort stammt aus einer germ. Sprache, allem Anscheine nach aus dem Skandinavischen; eine genauere Datierung (bereits urnordisch oder erst jünger) ist weder lautlich noch semantisch noch aufgrund der Verbreitung möglich. Sollte das germ. Wort ein lateinisches Lehnwort sein (wie allgemein angenommen wird), dann entfällt die urgerm. Rekonstruktion. Vendell 1892 10; Setälä 1913a 427f.; [Hellquist 1939 231;] Karsten 1943/44 399– 401; T.Itkonen 1957 95–101, 156f.; Mägiste 1959c 321–323, 330; SKES III 1962 603f.; [de Vries 1962 138; ODEE 1969 371;] Hakulinen 1979 371; Raun 1982 134; EEW 1982/83 2291f.; T.Itkonen 1983 352; Hofstra 1985a 302f.; Nikkilä 1987 238; [Blöndal Magnússon 1989 202;] Joki 1989 23; SSA II 1995 398. Germ. oder jüngeres LW.

PORRAS (G. portaan) ’Steg; Stufe; (im Pl.) Treppe’; ingr. porraZ ’Leiter’; karel. porras; lüd. pordaz; weps. pordaz. *porįas (G. *portahan) ~ urgerm. *burÿa-, urn. *burÿa- / *borÿa-; vgl. an. borð n. ’(Schiffs)planke, Brett; Tisch; Bord, Schiffsseite; Rand’, aschwed. borþ n. ’Brett, Schiffsplanke; Schiffsbord; Tisch’, ae. bord n. ’Brett, Planke; Tafel, Tisch; Rand’, ahd. bort n. ’Schiffsplanke; (Schild)rand’, got. fǀtubaurd n. ’Fußbank, Schemel’ (fǀtu-s ’Fuß’); ~ urgerm. *burÿaz / *burÿiz, urn. *borÿaR / *burÿiR; vgl. oben; ~ urgerm. *burÿa-z (, urn. *burÿaR / *borÿaR); vgl. as. bord m. ’Schiffsbord, Rand, Schild’, afries. bord m. ’Bord, Fach, Tisch’. Estn. PURRE und liv. pnjrdaZ, die früher zu fi. porras gestellt wurden, sind aus lautlichen Gründen davon zu trennen. Thomsen hat als erster den Zusammenhang von porras (und estn. PURRE) und der Wortgruppe um an. borÿ erkannt. Seitdem gilt porras als germ. Lehnwort. Diese Etymologie ist semantisch und lautlich einwandfrei.

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Die Etymologie des germ. Wortes ist umstritten; es wird damit gerechnet, daß zwei Wörter (1. ’Brett’; 2. ’Rand’) zusammengefallen sind. Vgl. PURRE, PURSI. Thomsen 1869 141; Setälä 1913a 428; [Hellquist 1939 91;] Karsten 1943/44 402; Fromm 1957/ 58 95; Kylstra 1961 69, 70; SKES III 1962 606; de Vries 1962 50; [ODEE 1969 103;] Niskanen –Hofstra 1971 45; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 137, 358; Koivulehto 1979c 131, 148f., 154; EEW 1982/83 2241f.; T.Itkonen 1983 220; Hofstra 1985a 31f., 180, 208f., 318; [Lehmann 1986 120f.; Blöndal Magnússon 1989 72;] Joki 1989 19; [N.Nielsen 1989 61;] SSA II 1995 400; Häkkinen 1996a 161; Häkkinen 2004 947; Bjorvand–Lindeman 2007 116. Germ. LW.

POUKAMA ’(kleine) Bucht, Einbuchtung an einer Flußbiegung, tiefe Stelle zwischen Stromschnellen’; karel. poukamo ’kleine Bucht’. *poukama ~ urgerm. *bauЀa-z, urn. *bauЀaR; vgl. an. baugr m. ’Ring’, altgotl. baugr m. id., ae. bƝag m. ’Ring, Krone, Kranz’, ahd. boug m. ’Ring’; ~ urgerm. *bauЀila-z, urn. *bauЀilaR; vgl. (vielleicht) schwed. dial. bögel ’Bügel’, norw. dial. bøygel id.; ~ urgerm. *bauЀǀn-, urn. *bauЀǀ; vgl. ahd. bouga f. ’Reif’. Das im SSA mit Fragezeichen zu poukama gestellte weps. poukotada ’weit öffnen, aufreißen (Augen)’ weicht lautlich und semantisch so stark ab, daß es von poukama getrennt zu bleiben hat. Tunkelo deutet poukama als Entlehnung aus derselben germ. Wortgruppe wie PAUKA, PAUKAMA, PUKAMA, und zwar aus einer jüngeren urnord. Form mit ІuDiphthong. -ma ist ein ostseefi. Ableitungssuffix. Diese lautlich und semantisch plausible Deutung ist unbeachtet geblieben; laut SKES handelt es sich um ein deskriptives Wort. Zu fi. ou ~ urgerm. au vergleiche man s.v. LOUHIA, LOUNIA, LOUSATA. Vgl. PAUKA, PAUKAMA. Tunkelo 1913/18 31; [Hellquist 1939 116;] SKES III 1962 614f.; [de Vries 1962 29; Seebold 1970 110f.; Lehmann 1986 73; Blöndal Magnússon 1989 45, 52; N. Nielsen 1989 78;] SSA II 1995 407; Häkkinen 2004 953f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 161f.]. Germ. oder jüngeres LW.

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POUKKU (Vd., dial.) ’Wäsche, das Waschen der Wäsche’; ingr. poukku; karel. poukku; wot. pe֑ ukku; estn. põuk. *poukku ~ urgerm. *bauka-, urn. *bauka; vgl. schwed. dial. (Finnland) bök, böyk n. ’Wäsche, Waschen’, norw. bauk n. ’unordentliche Arbeit’, bauk m. ’das Graben in der Erde’; ~ urgerm. *baukǀ(ja)n-, urn. *baukǀn; vgl. an. bauka ’wühlen, graben’, schwed. böka ’wühlen; (schwed. dial. Finnland) waschen (Kleider)’, norw. bauka ’(von Tieren) Erdlöcher graben, wühlen; (von Wasser) wogen, tosen, sieden, stark plätschern; (von Schiffen) schlingern; toben, herumtollen’; hierzu auch ? mnd. bǀken, bпken ’schlagen, klopfen; Wäsche büken; pochen, prahlen’. Poukku kommt im Finnischen nur in südöstlichen, im Estnischen nur in nordöstlichen Dialekten vor. Saxén bezeichnete poukku als ein skand. Lehnwort. Laut Setälä handelt es sich um ein junges Lehnwort. Karsten stellt es zu schwed. dial. böyk. Laut SKES handelt es sich, ungeachtet der deskriptiven Färbung, möglicherweise um ein skand. Lehnwort (< skand. *bouk-). Laut SSA ist poukku wahrscheinlich ein germ. Lehnwort. Bentlin deutet poukku als mnd. oder älteres Lehnwort, räumt allerdings ein, daß ein entsprechendes mnd. Substantiv nicht bezeugt ist. Poukku ist allem Anscheine nach ein Lehnwort. Eine Datierung auf lautlicher Grundlage erscheint kaum möglich; vergleiche dazu auch LOUNIA und LOUSATA. Saxén 1904a 94f.; Setälä 1913a 428; [Hellquist 1939 124;] Karsten 1943/44 403; SKES III 1962 615; [de Vries 1962 29;] KLM XIX 1975 565; Turunen 1979 263; [Blöndal Magnússon 1989 45;] SSA II 1995 407; Bentlin 2008 249f. Germ. oder jüngeres LW.

PUKAMA ’Papille, Erhebung, Beule, Schwellung, Geschwür, Eiterbeule; kleiner Sumpf, tiefe Stelle im Wasser, Vertiefung im Boden’, puka ’Sattelknopf’; karel. pukama ’Beule; Knorren am Baum; kleiner Sumpf’. *pukama / *puka ~ urgerm. *buЀan-, urn. *buЀƗ; vgl. an. bogi m. ’Bogen’, aschwed. bughi, boghi m. ’Bogen (Waffe); Regenbogen’, ae. boga m. ’Bogen’, ahd. bogo m. id.; ~ urgerm. *buЀi-z, urn. *buЀiR; vgl. an. bugr m. ’Biegung, Krümmung; Haken, Ring; Bogen’, ae. byge m. ’Biegung, Ecke’. Estn. pugu ’Vogelkropf’ wird allgemein mit Fragezeichen zu pukama gestellt; es handelt sich wohl eher um eine metathetische Form von kubu ’id.’ (vgl. dazu Kettunen 1913 99; Nikkilä 1997a 297f.). Tunkelo hält es für möglich, daß puka und (mit Ableitungssuffix -ma:) pukama ’Schwellung, Beule’, die etwas Gebogenes bezeichnen, mit urgerm. *buЀan- usw.

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zu verbinden sind. Er rechnet wegen der Bedeutungsvielfalt mit mehrfacher Entlehnung: puka könne ein schwed. Lehnwort, pukama ein älteres Lehnwort sein. Karsten betrachtet puka als Entlehnung aus schwed. Mundarten Finnlands. SKES bezeichnet pukama als deskriptiv und puka (s.v. poka) als Lehnwort aus dem Schwedischen. Im SSA fehlt s.v. pukama (wo auch puka) ein konkreter Hinweis auf die Herkunft. Hahmo schließt sich der von Tunkelo vorgelegten, lautlich und semantisch naheliegenden Deutung an. Pukama in der Bedeutung ’kleiner Sumpf; tiefe Stelle im Wasser’ (vgl. auch PAUKAMA) gehört zweifellos zu pukama ’Beule usw.’. Tunkelo 1913/18 26–29; [Hellquist 1939 118;] Karsten 1943/44 408; Virtaranta 1946 60; SKES III 1962 592f., 630; [de Vries 1962 47, 63; ODEE 1969 111; Seebold 1970 110f.;] EEW 1982/83 2197; [Lehmann 1986 73; Blöndal Magnússon 1989 69, 90; N.Nielsen 1989 72;] SSA II 1995 387, 418; Hahmo 1998 121, 124f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 148f.]. ? Germ. LW.

PULATA ’platschen, plappern’, pulista ’id.; widersprechen’, pulahtaa ’plumpsen’; ingr. pulissa ’murmeln, rieseln’; karel. pulissa ’id.; platschen’; weps. bul'ahtada ’plumpsen’; wot. bulisa ’glucksen’; estn. pulisema ’murmeln, rieseln’; liv. bul'ƯkšΩ ’id.’. *pula[~ urgerm. *skwulǀ(ja)n- > *skulǀ(ja)n-, urn. *skolǀn; vgl. an. skola ’wegspülen’, schwed. dial. skola ’spülen (Kleider), klopfen (Wäsche)’; ~ urgerm. *skwuljan- > *skuljan-, urn. *skuljan; vgl. aschwed. skylja, skölja ’übergießen, wegspülen’, norw. skylla ’strömen, fluten, spülen’, mnd. scholen (schпlen) ’schlingern, schwanken; (Flüssigkeiten) hin und her bewegen, schütteln’.] Katz führt pulata usw. auf dasselbe germ. Original wie PULSKATA zurück. Substitution von skw- durch p- ist aber unglaubwürdig. Es handelt sich um eine einheimische onomatopoetische Wortgruppe. Vgl. POLATA, POLSKIA, PULSKATA. [Hellquist 1939 978;] SKES III 1962 632; [de Vries 1962 497;] EEW 1982/83 2216; [Blöndal Magnússon 1989 853, 880; N.Nielsen 1989 383;] Katz 1990a 59; SSA II 1995 420f. Kein germ. LW.

PULKKA (dial.) ’Stab, Stock; Stößel; Sprosse’; ingr. pulkka ’hölzerner Nagel; Zapfen’; karel. pulkka ’Handgriff einer Brettsäge’, pulkko, pulkoh ’Querbalken im Schlitten’; weps. pnjkiž (G. pnjkhen) ’Unterlage für

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Balken im Schlitten’; wotK. pulkka, wotJ. pulk ’Zapfen; Stab’; estn. pulk (G. pulga) ’Pflock, Stöckchen; Sprosse; Zapfen’; liv. pnjlkի ka ’Stöckchen, Stock; Zapfen’. *pulkka ~ urgerm. *pluggan- (, urn. *pluggƗ); mnd. plugge m. ’Pflock, Zapfen, Nagel, Spund’, mnl. plugge m. ’Holznagel, Zapfen’; ~ urgerm. *plugga-z, urn. *pluggaR; vgl. norw. plugg m. ’Pflock, Holzpflock, Holznagel, Zapfen, Spund’, schwed. plugg ’Pflock, Zapfen’ (falls nicht < Mnd.); ~ urgerm. *plukka-z (, urn. *plukkaR / *plokkaR); vgl. mhd. pfloc m. ’Pflock’, mnd. pluk, plok m. ’Nagel, Spund’; ~ urgerm. *plukkan- (, urn. *plukkƗ / *plokkƗ); vgl. mhd. pflocke m. ’Pflock’. Die etymologischen Wörterbücher des Finnischen halten es für möglich, daß fi.karel. pulkka ’Ackja, kleiner Pferdeschlitten’ zu pulkka ’Stab, Stöckchen usw.’ zu stellen ist. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Bedeutungen der oben genannten karel. und weps. Wörter hingewiesen. Saxén verglich pulkka ’Stab usw.’ mit schwed. plugg; Wiklund bezeichnete die Entlehnung aus dem Skandinavischen als ”deutlich alt”. Setälä versah diese Zusammenstellung mit einem Fragezeichen. Karsten hielt pulkka für eine Entlehnung aus einer finnlandschwed. Mundart; wegen der Verbreitung bis ins Wepsische ist diese Ansicht unrichtig. Laut SKES und EEW liegt kein Grund vor, an germ. Herkunft zu denken. Katz hat die Deutung als germ. Lehnwort für haltbar erklärt. Laut SSA ist pulkka vielleicht ein deskriptives Wort. Die Herleitung aus dem Germanischen ist lautlich möglich; die von ihr vorausgesetzte Metathese plu- > pul- erscheint akzeptabel. Semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort problemlos. Saxén 1895/98 199; Saxén 1898 8; Wiklund 1904a 159; Setälä 1913a 429; [Torp 1919 494f.; Hellquist 1939 770;] Karsten 1943/44 408f.; SKES III 1962 633f.; [ODEE 1969 690;] Hakulinen 1979 336; Raun 1982 130; EEW 1982/83 2217f.; [Lühr 1988 271f.; N.Nielsen 1989 328;] Katz 1990a 12f.; SSA II 1995 421f.; Hahmo 2002 95; Häkkinen 2004 968. ? Germ. LW.

PULLEA, pullakka ’rund, voll; beleibt; dick’, pullistua ’(an)schwellen’; ingr. pullillƗ (Adv.) ’aufgeblasen, dick, ausgebeult’; karel. pullakka ’rund, voll; dick; aufgeblasen’, pullistuo ’schwellen; sich anstrengen; böse werden’; weps. pul'l'ištuda ’(an)schwellen’; estn. pullakas ’groß und dick (Mann)’; lpN. bold'ne ’Anhöhe, Hügel; ziemlich steiler Gipfel des Hügels’. *pullV- < *pulna-

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~ frühurgerm. *fulna-z, urgerm. *fulla-z, urn. *fullaR; vgl. an. fullr ’voll’, aschwed. fulder id., ae. full ’voll, schwellend, plump’, as. ful ’voll’, ahd. fol id., got. fulls id. Ostseefi. pullea gillt als deskriptiv. Aikio ordnet dem ostseefi. Wort auch lpN. bold'ne zu und deutet diese Wörter als gemeinsame Entlehnung aus dem Germanischen; die Entlehnung müsse noch vor dem urgerm. Lautwandel ln > ll geschehen sein. Lautlich und semantisch ist diese Deutung problemlos. [Hellquist 1939 245f.;] SKES III 1962 635; [de Vries 1962 146; ODEE 1969 380;] Hakulinen 1979 121; EEW 1982/83 2219f.; [Lehmann 1986 131; Blöndal Magnússon 1989 216; N.Nielsen 1989 144; Heidermanns 1993 220f.;] SSA II 1995 422; Häkkinen 2004 968f.; Aikio 2006 18f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 317f.]. Germ. LW. PULLO1 ’Flasche; Becher’; ingr. pullo; karel. pullo. *pullo ~ urgerm. *bullan-, urn. *bullƗ / *bollƗ; vgl. an. bolli m. ’(kleines) Gefäß, Schale’, aschwed. bulle, bolle m. ’Napf, Trinkgefäß ohne Fuß’, ae. bolla m. ’Napf, Gefäß, Topf’, as. bollo m. ’Schale, Napf’, ahd. bollo m. ’id.; Schöpfgefäß’; ~ urgerm. *bullǀn- (, urn. *bullǀ / *bollǀ); vgl. ahd. bolla f. ’sich wölbendes Gefäß; Becher; Schöpfgefäß’. Pullo ’Flasche’ und PULLO2 ’Blase; Netzschwimmer usw.’ werden von einigen Forschern etymologisch nicht getrennt. Pullo ’Flasche’ wird manchmal als jüngeres, (alt)schwed. Lehnwort gedeutet; Setälä hat als erster pullo (in allen Bedeutungen) als altes germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich ist Entlehnung aus dem Altschwedischen genauso gut möglich wie aus dem Urgermanischen; die Verbreitung läßt eher an ein jüngeres Lehnwort denken. Vgl. PULLO2. Setälä 1913a 429; Collinder 1932 225–229; [Hellquist 1939 111;] Karsten 1943/44 409; SKES III 1962 635f.; de Vries 1962 49; [ODEE 1969 111;] Koivulehto 1975b; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 359; Hofstra 1985a 319; [Blöndal Magnússon 1989 70;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 60;] SSA II 1995 423; Häkkinen 2004 969. Germ. oder jüngeres LW.

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PULLO2 (dial.) ’Blase, Seifenblase; Schwimmblase; Borke als Material für Schwimmer oder Floß; Netzschwimmer, Angelfloß’; ingr. pullo, pullu ’Blase, Netzschwimmer’; karel. pullo ’Netzschwimmer’; lüd. puɥ(ɥo) ’id.’; weps. puɥo, puɥu ’id.’; wot. pullo ’id.’, wotK. puɥɥu ’Blase, Seifenblase, Schwimmblase’; estn. pull (G. pulli), pull (G. pullu) ’Netzschwimmer; Blase, Schwimmblase’; liv. bu‫ތ‬l' ’Wasserblase’. *pullo [~ urgerm. *bullan-, urn. *bullƗ / *bollƗ; vgl. an. bolli m. ’(kleines) Gefäß, Schale’, aschwed. bulle, bolle m. ’Napf, Trinkgefäß ohne Fuß’, ae. bolla m. ’Napf, Gefäß, Topf’, as. bollo m. ’Schale, Napf’, ahd. bollo m. ’id.; Schöpfgefäß’; ~ urgerm. *bullǀn-, urn. *bullǀ / *bolla; vgl. ahd. bolla f. ’sich wölbendes Gefäß; Becher; Schöpfgefäß’.] Setälä hat pullo ’Blase, Netzschwimmer’ zusammen mit PULLO1 ’Flasche’ als germ. Lehnwort gedeutet. Herkunft aus dem Germanischen wurde von Collinder als Alternative erwogen. Im SKES und im SSA wird pullo als deskriptiv bezeichnet; die lautliche Ähnlichkeit mit germ. Wörtern könne zufällig sein. Lautlich wäre Herleitung aus dem Germanischen problemlos, semantisch aber ist diese Deutung nicht plausibel. Vgl. PULLO1. Setälä 1913a 429; Collinder 1932 225–229; Kettunen 1938 31; [Hellquist 1939 111;] Karsten 1943/44 406; SKES III 1962 636; [de Vries 1962 49; ODEE 1969 111;] EEW 1982/83 2219; Hofstra 1985a 298; [Blöndal Magnússon 1989 70; N. Nielsen 1989 60;] SSA II 1995 423; Häkkinen 2004 969. Kein germ. LW.

PULSKATA, pulskaa, pulskahtaa, pulskia ’plätschern, platschen, planschen’; karel. pul'skata, pul'skoa, pul'skahtoa; lüd. bul'skada, bul'skahtada; weps. bul'skutada. *pulskV[~ urgerm. *skwulǀ(ja)n- > *skulǀ(ja)n-, urn. *skolǀn; vgl. an. skola ’wegspülen’, schwed. dial. skola ’spülen (Kleider), klopfen (Wäsche)’; ~ urgerm. *skwuljan- > *skuljan-, urn. *skuljan; vgl. aschwed. skylja, skölja ’übergießen, wegspülen’, norw. skylla ’strömen, fluten, spülen’, mnd. scholen (schпlen) ’schlingern, schwanken; (Flüssigkeiten) hin und her bewegen, schütteln’.] Gewöhnlich wird pulskata, pulskahtaa usw. als onomatopoetische Bildung betrachtet. Die von Katz angenommene Herkunft aus dem Germanischen setzt die

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unmögliche Metathese von sk- des anlautenden Klusters skw- und die schwach bezeugte Substitution von w durch p voraus. Es handelt sich klar um eine onomatopoetische Wortgruppe, wozu auch noch mulskahtaa, mulskia, polskahtaa, POLSKIA, porskahtaa, porskia usw. zu vergleichen sind. Vgl. POLATA, POLSKIA, PULATA. [Hellquist 1939 978;] SKES III 1962 638; [de Vries 1962 497;] EEW 1982/83 2216; Blöndal Magnússon 1989 853, 880; N.Nielsen 1989 383;] Katz 1990a 59; SSA II 1995 424. Kein germ. LW.

PUNKEA (dial.) ’rundlich, stattlich, dick’, punka ’dick’, punkero ’id.; dicker Mensch’; karel. punka ’gebogen’, punkalleh (Adv.) ’gebogen, gebeugt’, punkura ’gewölbt, ausgebuchtet’; wotJ. buƾge֑ ri ’(kleiner) Hügel’; estn. pung (G. punga), pung (G. pungi) ’etwas Rundliches (z.B. Knospe, Knolle)’; liv. bnjƾga ’Knolle, weiche Hervorragung, Anschwellung’; ?lpN. bog'ge ’kurz und dick’, bug'ge ’Beule, Knollen, Knoten’. *puƾka ~ urgerm. *bungan-, urn. *bungƗ; vgl. schwed. dial. (Finnland) bunge m. ’Haufen, geordneter Stapel’, schwed. dial. bunge ’Gehölz’, mhd. bunge m. ’Knolle’; ~ urgerm. *bungǀn-, urn. *bungǀ; vgl. an. bunga f. ’Klumpen, Wölbung’, schwed. dial. bånga ’Haufen’, norw. bunga f. ’kleiner Haufen’, mnd. bunge f. ’Pauke, Trommel; Kasten, Behälter’, mhd. bunge f. ’Pauke, Trommel’. Im allgemeinen wird punkea als deskriptives Wort aufgefaßt; in anderen fi.-ugr. Sprachen gibt es ähnliche Wörter (z.B. mordw. pokol' ’Stückchen, Klümpchen, Klumpen’, ostj. puƾkΩl ’festgebackener Schnee’ und ung. bog ’Knoten’), die als mehr oder weniger sichere Verwandte von punkea betrachtet werden. Karsten stellte Punka- in Punkaharju (Landrücken in Ostfinnland) als Lehnwort zu schwed. dial. (Finnland) bunge, bogga ’Haufen, geordneter Stapel’; er äußerte sich nicht zum Adjektiv punkea, punka. Saxén war sich sicher, daß punka- in Ortsnamen (wie Punkajoki, Fluß in Südwestfinnland) das in schwed. Mundarten erhaltene bunge ’Gehölz’ sei. Setälä, der als Bedeutung von punka ’?steiler Hügel’ vermutete, versah diese Deutungen als germ. Lehnwort mit einem Fragezeichen. Lautlich und semantisch ist Anknüpfung von punkea und von Punka- in geographischen Namen an germ. *bung- möglich. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, daß es sich um ein altes fi.-ugr. Wort handelt. Karsten 1905 192; Saxén 1910 87; Setälä 1913a 430; [Hellquist 1939 112;] Karsten 1943/44 409f.; SKES III 1962 641f.; [de Vries 1962 65;] Raun 1982 131;

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EEW 1982/83 2230f.; UEW I 1988 404; [Blöndal Magnússon 1989 93;] Hakanen 1990 88; SSA II 1995 427. ? Germ. LW.

PUNTA ’Pfund (Gewicht, Geldeinheit); Stein als Anker oder Senker am Zugnetz’; estn. pund ’Liespfund’; liv. pnjnda ’id.’. *punta ~ urgerm. *punda-, urn. *punda; vgl. an. pund n. ’Pfund’, aschwed. pund n. ’Liespfund, Gewichts- und Münzeinheit’, ae. pund n. ’Pfund’, as. pund n. id., ahd. pfunt n. id., got. pund n. id. Bereits Mitte des 19. Jh.s war die germ. Herkunft von punta klar; allerdings ist umstritten, ob das Original urgermanisch, urnordisch, gotisch oder erst mittelalterlich-skandinavisch ist. Toivonen denkt an getrennt nördlich und südlich vom Finnischen Meerbusen erfolgende, mittelalterliche Entlehnung. Weder Lautgestalt noch Bedeutung erlauben eine genaue Datierung der Entlehnung ins Ostseefinnische. Besonders früh kann die Entlehnung nicht sein, da das germ. Wort selber eine Entlehnung aus dem Latein ist. Auf getrennter Entlehnung (wahrscheinlich < gotisch) beruhen mordw. pondo ’Pud (altes russ. Gewicht)’ und tscher. pundo ’Geld, Kapital’. Thomsen 1869 141; Setälä 1913a 430; Hellquist 1939 796; Karsten 1943/44 410; Toivonen 1955 46–56; Fromm 1957/58 93f.; SKES III 1962 643; de Vries 1962 429; Karlsson 1964 52f.; Raun–Saareste 1965 44; ODEE 1969 701; Hakulinen 1979 284, 360, 362; Raun 1982 130; EEW 1982/83 2228; Hofstra 1985a 313, 392, 393, 398f.; Lehmann 1986 274; [Blöndal Magnússon 1989 729;] Joki 1989 21; N. Nielsen 1989 333; Ritter 1993 142; SSA II 1995 428; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1996b 415; Koponen 1998 151f.; Hahmo 2004b 156; Häkkinen 2004 973, 974. Germ. oder jüngeres LW.

PUNTARI ’Schnellwaage, Besemer’; ingr. punteri; karel. puntari; wot. punde֑ ri. *puntari ~ urn. *pundar-; an. pundari m. ’Schnellwaage’, aschwed. pundare, pyndare m. ’id., Waage’, ae. pundur, pundar n. ’Senkblei, Lot’, pundern n. ’Waage, Senkblei’, pundarn n. ’Waage; Lotleine’, mnd. punder m. ’große Schnellwaage; Gewicht von einem halben livländischen Pfund’.

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Karel. puntari ist nur in ein paar Gemeinden bekannt. Es ist sehr unsicher, ob estn. pundre ’ein Gewicht, das am Webstuhl hängt’, das manchmal mit fi. puntari verglichen wird, damit wirklich zusammenhängt (vgl. EEW). Dieses Wort und südestn. pundre ’Uhrgewicht’ können Lehnwörter aus dem Niederdeutschen sein. Puntari wird im allgemeinen als jüngeres Lehnwort angesehen; sporadisch aber wird es, wohl zu Unrecht, als altes germ. Lehnwort bezeichnet. Der Ansatz einer urgerm. Form ist angesichts der vermutlich späten Entlehnung aus dem (Mittel)Latein (pondƗrium) in die germ. Sprachen nicht sinnvoll. Setälä 1913a 430; [Hellquist 1939 800;] Karsten 1943/44 410; SKES III 1962 644; de Vries 1962 429; Hakulinen 1979 360; EEW 1982/83 2229; [Blöndal Magnússon 1989 729]; SSA II 1995 429; Häkkinen 1996a 161; Häkkinen 2004 974. Jüngeres LW.

PUO (aWb., dial.) ’Hintern, Anus; Hinterteil, Boden; vulva’; karel. puo ’vulva’; weps. po ’id.’. *pǀ [~ urgerm. *fuþi-z, urn. *fuþiR (oder urgerm. *fuÿi-z, urn. *fuÿiR); vgl. an. fuð’vulva’ in fuðflogi ’Mann, der seiner Braut davonläuft’ (-flogi ’Fliehender’), isl. fuð f. ’vulva’, norw. dial. fu, fö usw. f. ’Hinterteil’, fud f. ’cunnus’, schwed. dial. fu, fö, fod f. id., engl. dial. fud ’Hintern, vulva’, mnd. vut f. id., mhd. vut f. id.] Mehrere Wörter in obugr. Sprachen und im Samojedischen werden (oft mit Fragezeichen) zu puo gestellt, z.B. wogul. poj, puj ’Hintern, Po, Arsch’, ostj. puj, püj ’id.; Hinterteil, Anus’, sam. pnj΃ ’Hinter-’, pnj ’Hintern’. Laut Lidén ist die Grundlage von fi. puo die schwedisch-norwegische Dialektform fo (mit sekundär gedehntem o). Setälä erwägt (mit Fragezeichen) die Möglichkeit einer früheren Entlehnung. Karsten hält puo für ein Lehnwort aus nordschwed. Dialekten. Puo kann aus lautlichen Gründen kein altes Lehnwort sein; gegen jüngere Entlehnung spricht die Verbreitung bis ins Wepsische. Ojansuu 1908 55; Lidén 1911 129f.; Setälä 1913a 430; [Torp 1919 138; Hellquist 1939 247;] Karsten 1943/44 410; SKES 3 1962 644f.; [de Vries 1962 145f.;] Hakulinen 1979 83f.; Sammallahti 1988 547; UEW I 1988 401; [Blöndal Magnússon 1989 214;] SSA II 1995 430 [; Kluge–Seebold 2002 310f.; Bjorvand–Lindeman 2007 269f.]. Kein germ. LW.

PURA ’Meißel; Ahle, Dorn, Stift; Bohrer’, puras ’id.; Eishacke; Eiszapfen’; ingr. pura ’Bohrer’; karel. pura ’Bohrer; Ahle; Putzstock für den Gewehrlauf’,

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puras ’Eishacke; Ahle; Eiszapfen’; lüd. puraz ’Eishacke’; weps. puraz ’id.; Eiszapfen’; estn. pura ’(Eis)zapfen’; liv. purƗz ’Meißel’. *pura / *puras [~ urgerm. *bura-z, urn. *buraR / *boraR; vgl. an. borr m. ’Bohrer’, schwed. bor m. id., ae. bor m.? ’id.; Lanzette, Skalpell; Griffel’; ~ urgerm. *bura- (, urn. *bura / *bora); vgl. mhd. bor n. ’Bohrer’; ~ urgerm. *burǀn- (, urn. *burǀ / *borǀ); vgl. ahd. bora f. ’Bohrer’.] Pura / puras gilt im allgemeinen als ural. Wort mit Entsprechungen in den meisten ural. Sprachen. Laut Sammallahti handelt es sich um zwei Homonyme: fi. pura < ural. *pura ’Bohrer’, fi. puras < fi.-perm. *pura ’Eishacke’. Laut Koivulehto ist ural. *pora ’Bohrer; bohren’ > fi. pura ’Bohrer; Ahle’ ein indogerm. Lehnwort. Karsten hat puras als Lehnwort aus urn. *bura- oder *buraz gedeutet und pura als Lehnwort aus den schwed. Dialekten (bor). Lautlich und semantisch wäre diese Deutung an sich plausibel; dennoch ist pura / puras ein altes ural. Wort. Fi.-karel.ingr. pora ’Bohrer’ dahingegen ist eine Entlehnung aus dem Schwedischen. Setälä 1913a 430; [Hellquist 1939 93;] Karsten 1943/44 411; SKES III 1962 649f.; [de Vries 1962 51; ODEE 1969 108;] Hakulinen 1979 336; Raun 1982 131; EEW 1982/83 2235c,d; Sammallahti 1988 539, 553; UEW I 1988 405; [Blöndal Magnússon 1989 72;] Joki 1989 15; [N.Nielsen 1989 61;] Häkkinen 1990a 171; Koivulehto 1994b 138; Koivulehto 1995a 130; Häkkinen 1996a 132; Koivulehto 1999a 333f., 355; Koivulehto 1999b 209f.; SSA III 2000 433f. [; Bjorvand–Lindemann 2007 116f.]. Kein germ. LW.

PURHA (dial.) ’Wasserfall; Gischt an einer Stromschnelle’; karel. purha ’Blase, Schaum, Gischt; Strudel; Strom, Stromschnelle; Wäsche; Streit, Lärm’; lüd. burh(u), ?burž ’Gischt an einer Stromschnelle’, ?weps. burž ’Strudel; Brausen’; ?lpN. bor'se ’Stromschnelle in einer Schlucht’. *purha [< *purša] ~ urgerm. *fursa-z, urn. *forsaR; vgl. an. fors m. ’Wasserfall’, aschwed. fors m. id. Unklar ist, ob lüd. burž und weps. burž zu purha gehören oder ob sie aus dem Lappischen entlehnt sind. Im allgemeinen gilt purha als deskriptiv; T. Itkonen bezeichnet es als neues ostseefi. Grundlexem. Aikio, der lpN. bor'se als Entlehnung von germ. *fursaerklärt, deutet auf Koivulehtos Anregung auch ostseefi. purha als Entlehnung von germ. *fursa-; unklar sei aber, ob es sich um eine einzige Entlehnung oder um Parallelentlehnungen handele. Lautlich und semantisch ist die Deutung von

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purha als germ. Lehnwort möglich, wenn wenigstens die Entlehnung früh geschehen ist und germ. rs durch ostseefi. rh reflektiert werden kann. [Hellquist 1939 231;] SKES III 1962 650f.; [de Vries 1962 139;] T.Itkonen 1983 212; [Blöndal Magnússon 1989 203f.; N.Nielsen 1989 138;] SSA II 1995 434; Aikio 2006 19f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 298f.]. ? Germ. LW.

PURILAS (gewöhnlich Pl. purilaat), purilo, puri ’Tragbahre’; karel. purit (Pl.) ’Bahre’. *purilas ~ urgerm. *burila-z, urn. *burilaR; vgl. norw. byrel, byrdel ’Handgriff, Henkel’; ~ urgerm. *buri-z (, urn. *bur-); vgl. mnd. bLöre f. ’Bahre, Tragbahre’, nnd. bör(e) (dän. bør ’Tragbahre, Schubkarren, Traggestell’, schwed. dial. bör ’Bahre’ < Nd.). Laut Karsten ist purila(s) eine Nebenform von PARILA(S) und ist puri eine Entlehnung aus einer schwed. Mundartform bor ’Bahre’. Purila(s), purilo wurde von Setälä als altes germ. Lehnwort (< germ. *burilaz) gedeutet. Setäläs Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung. Die Behauptung im SSA, daß *burila-z sich im Germanischen nicht finden lasse, stimmt nicht: norw. byrel < *burila-z. Setälä 1912 279–284; Setälä 1913a 430f.; [Torp 1919 52; Hellquist 1939 119;] Karsten 1943/44 411, 412; SKES III 1962 651, 651f.; de Vries 1962 33; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 162, 359; Hofstra 1985a 314f.; Blöndal Magnússon 1989 51; Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 79;] SSA II 1995 434f.; Häkkinen 1996a 162. Germ. LW.

PURJE ’Segel; Rückenwind; Geschwindigkeit, Eile; Not, Schwierigkeit; als Segel verwendeter Baum, z.B. Birke’; ingr. purje ’Segel’; karel. purjeh ’id.’; weps. purýeh ’id.’; wotJ. purje֑ , wotK. purja ’id.’; estn. puri (G. purje); liv. pnjraz ’id.’; lpN. borjâs ’id.’. *purjeh < *purješ ~ urgerm. *buri-z, urn. *buriR; vgl. an. byrr m. ’(leichter) Wind, Brise, Segelwind’, aschwed. byr m. ’Wind (auf See), Rückenwind’, schwed. dial. bör, byr ’Rückenwind’, dän. bør ’Fahrwind’, ae. byre m. ’starker Wind, Sturm’, mnl. borein borelôs ’ohne Segelwind’, ostfries. bur ’Wind’; ~ urgerm. *burja-z, urn. *burjaR; wie oben.

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Seit Thomsen wurde purje lange für ein balt. Lehnwort gehalten; Kalima und Nieminen jedoch vertraten Entlehnung in umgekehrter Richtung (ostseefi. > balt.); Kalima räumte ein, daß auch auf ostseefi. Seite eine sichere Etymologie fehle. Purje galt lange als deskriptives Erbwort, bis Koivulehto der bereits von Ahlqvist vertretenen, von Setälä aber zurückgewiesenen Ansicht, daß purje germ. Herkunft ist, mit ausführlicher Begründung zu einem neuen Durchbruch verhalf. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch problemlos. Ahlqvist 1871 157; Ahlqvist 1875 175; Thomsen 1890 163f.; Setälä 1913a 431; Kalima 1936 12, 83, 148, 189; [Hellquist 1939 125;] Peltola 1955; SKES III 1962 652; [de Vries 1962 68;] Peltola 1965; Koivulehto 1970 182; von Hertzen 1973 94; Koivulehto 1973b 575–583; Laanest 1975 219; Ritter 1977 174; Hakulinen 1979 359; Hahmo 1981 51; Hinderling 1981 153; Raun 1982 131; EEW 1982/83 2238f.; Laanest 1982 316; Hofstra 1985a 316f.; Koivulehto 1986c 139f.; [Lehmann 1986 133f.; Blöndal Magnússon 1989 97;] Joki 1989 14; [N.Nielsen 1989 79;] Häkkinen 1990a 215; Koivulehto 1992d 164; SSA II 1995 435; Koivulehto 1998b 241; Sammallahti 1998 128; Koivulehto 1999a 93–100, 120; Hahmo 2002 94; Häkkinen 2004 978 [; Bjorvand–Lindeman 2007 161]. Germ. LW.

estn. PURRE (G. purde) ’Steg; Fuß’, purte (Wied.) ’Leiter, Stiege’; liv. pnjrdaZ ’Steg, Trittbrett’. *purįeh (G. *purtehen) ~ urgerm. *burÿa-, urn. *burÿa- / *borÿa-; vgl. an. borð n. ’(Schiffs)planke, Brett; Tisch; Bord, Schiffsseite; Rand’, aschwed. borþ n. ’Brett, Schiffsplanke; Schiffsbord; Tisch’, ahd. bort n. ’Schiffsplanke; (Schild)rand’, ae. bord n. ’Brett, Planke; Tafel, Tisch; Rand’, got. fǀtubaurd n. ’Fußbank, Schemel’ (fǀtu-s ’Fuß’); ~ urgerm. *burÿaz / *burÿiz, urn. *borÿaR / *burÿiR; vgl. oben. ~ urgerm. *burÿa-z (, urn. *burÿaR / *borÿaR); vgl. as. bord m. ’Schiffsbord, Rand, Schild’, afries. bord m. ’Bord, Fach, Tisch’. Zum Verhältnis estn. purre ~ fi. PORRAS siehe letzteres Lemma. Thomsen hat den Zusammenhang von purre (und PORRAS) und der Wortgruppe um an. borð als erster erkannt. Seitdem gilt purre als germ. Lehnwort; diese Etymologie ist lautlich und semantisch einwandfrei. Die germ. Lautentwicklung gibt Anlaß zu der Vermutung, daß purre vor PORRAS entlehnt worden ist. Die Etymologie des germ. Wortes ist umstritten; es wird damit gerechnet, daß zwei Wörter (1. ’Brett’; 2. ’Rand’) zusammengefallen sind. Vgl. PORRAS, PURSI. Thomsen 1869 141; Setälä 1913a 428; [Hellquist 1939 91;] Karsten 1943/44 402; Fromm 1957/ 58 95; SKES III 1962 606; de Vries 1962 50; [ODEE 1969 103;]

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Niskanen–Hofstra 1971 45; Koivulehto 1979c 131; Raun 1982 132; EEW 1982/83 2241f.; Hofstra 1985a 31f.; [Lehmann 1986 120f.; Blöndal Magnússon 1989 72; N.Nielsen 1989 61;] SSA II 1995 400 [; Bjorvand–Lindeman 2007 116]. Germ. LW.

PURSI ’(kleines) Boot, Segelboot’, purtilo ’Trog, Mulde, Tischgeschirr, Schweinetrog; kleines Gefäß; kleines Boot’; karel. pursi ’kleines Boot’, purtilo ’tiefer Teller; schlechtes Boot’. *pursi lit. krañtas ’Ufer’), nennt aber als Alternative Entlehnung aus dem Germanischen, sei es aus germ. *strand-, sei es aus der Wortgruppe, wozu dt. Rand gehört. Liukkonen weist in seiner Behandlung von ranta als balt. Lehnwort darauf hin, daß Kazimieras Bnjga bereits 1908 an balt. Herkunft von ranta gedacht habe. Ranta ist unbestreitbar ein Lehnwort; Herkunft aus dem Germanischen und Herkunft aus dem Baltischen erscheinen lautlich und semantisch beide möglich. Vgl. RANNE1, RANNE2, RANTU. Thomsen 1869 142; Setälä 1913a 436; [Hellquist 1939 1085;] Karsten 1943/44 433; Öhmann 1954 17; Kylstra 1961 80, 168; SKES III 1962 733f.; de Vries 1962 555; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 873;] Koivulehto 1971b 595; Laanest

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1975 220; Hakulinen 1979 358, 363; Raun 1982 139; EEW 1982/83 2409f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 128, 325; Mann 1984/87 557f., 1089; [Blöndal Magnússon 1989 977;] N.Nielsen 1989 423; Häkkinen 1990b 256; Ritter 1993 27, 90f.; Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 7; Liukkonen 1999 117–119, 159; SSA III 2000 48; Häkkinen 2004 1024 [; Bjorvand–Lindeman 2007 862f., 1059f.]. ? Germ. LW.

RANTU (G. rannun) ’Streifen; Rand’; ?karel. rantu ’Streifen’. *rantu ~ urgerm. *ranÿǀ, urn. *randu; vgl. an. rІnd f. ’Rand, Kante, Streifen; Schild’, aschwed. rand f. ’Rand’, neuschwed. strand ’Ufer (des Strandes, des Flusses), Strand, Kante, Rand, Seite’; ~ urgerm. *ranÿa-z (, urn. *randaR); vgl. ae. rand m. ’Rand, Ufer; Schildbuckel, Schild’, as. rand m. ’Rand; Schildbuckel’, ahd. rant m. id. Karel. rantu mit nur geringer Verbreitung dürfte ein fi. Lehnwort sein. In mehreren ostseefi. Sprachen liegen ähnliche Wörter vor, die alle junge Entlehnungen aus Nachbarsprachen sein dürften: fi. rant(t)i ’Rand; Streifen; Schweißleder’; ingr. rantti ’Rand am Schuh’; karel. rantta, rant(t)u ’id.’; wotJ. rantթ -kamašši eine Art Schuh; estn. rant ’Rand, Kante’; liv. rƗntի ta ’Kerbe, Strich, Streifen’. Wiklund bezeichnet rantu als junges schwed. Lehnwort mit hinzugesetztem -u. Karsten räumt ein, daß dies möglicherweise richtig sei, er erwägt aber auch die Möglichkeit einer Entlehnung aus dem Urnordischen. Laut SKES ist rantu zwar ein junges Lehnwort aus dem Skandinavischen, aber älter als z.B. ranti. Angesichts der großen Variation jüngerer Formen und der auf das Finnische beschränkten Verbreitung handelt es vermutlich um eine junge Entlehnung. Ältere Entlehnung kann allerdings nicht ganz ausgeschlossen werden. Vgl. RANNE1, RANNE2, RANTA. Wiklund 1917a 99f.; [Hellquist 1939 815;] Karsten 1943/44 433; SKES III 1962 734f.; [de Vries 1962 458;] Raun 1982 139; EEW 1982/83 2413; Mann 1984/87 1089; [Blöndal Magnússon 1989 789; N.Nielsen 1989 339;] SSA III 2000 48; Häkkinen 2004 1024 [; Bjorvand–Lindeman 2007 862f.]. Germ. oder jüngeres LW.

RAPA ’Treber, Bodensatz; Schmutz; Moder; halbverdauter Mageninhalt (Tier)’; ingr. raBa ’Treber’; karel. rapa ’Mageninhalt; Eingeweide; Erbrochenes; Mist, Kot; Schmutz; Treber, Bodensatz; Alte(r)’; lüd. raba ’Bodensatz, Treber’; weps. raba ’id.’; wot. rapa ’id.’; estn. raba ’Treber, Trester; Moor’; liv. rabàD ’Treber’.

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*rapa ~ urgerm. *draΰa-, urn. *draΰa; vgl. an. draf n. ’Bodensatz, Hefe, Abfall’, aschwed. draf n. ’Schweinefutter’, neuschwed. drav ’Treber; Schweinefutter; (dial. Estland) (Torf)moor’, mhd. treber n. (Pl.) ’Treber’; ~ urgerm. *draΰaz / *draΰiz, urn. *draΰaR / *draΰiR; vgl. mhd. treber n. (Pl.) ’Treber’. Fi.-karel. rapa ’Grus; brüchig’ und allgemein ostseefi. rapea ’brüchig; spröde’ werden oft mit rapa verbunden; sie passen jedoch semantisch nicht dazu. Die von Saxén und – unabhängig von ihm – von Kluge vorgelegte Deutung als germ. Lehnwort wurde von Setälä akzeptiert; SKES und EEW zeigen einigen Zweifel. Laut EEW ist es möglich, daß rapa ’Treber’ und rapa ’Schmutz, Kot’ (zusammen mit estn. raba ’Moor’) auf getrennter Entlehnung beruhen. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch problemlos. Saxén 1895/98 207; Kluge 1912 39; Setälä 1913a 436; [Hellquist 1939 153;] Karsten 1943/44 434f.; SKES III 1962 735f.; de Vries 1962 80; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 287;] Matti Räsänen 1975 67f.; SKKK 1 1976 108; Kallasmaa 1978 33; Hakulinen 1979 358; Nikkilä 1981 68; Hofstra 1982 36; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2371; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 89, 311f., 325; [Lehmann 1986 95f.; Blöndal Magnússon 1989 122f.; N.Nielsen 1989 93;] Häkkinen 1996a 160; SSA III 2000 48f.; Häkkinen 2004 1024; Hahmo–Nikkilä 2005 113. Germ. LW.

RAPEA (dial.), ravea ’schnell; fleißig; stark, heftig; groß; stolz ; tüchtig, gut’; karel. rapie ’reichlich’, ravie, ravei ’schnell; fleißig; tüchtig, geschickt; stark, kräftig; dick, steif; reich’; lüd. raved ’schnell, fleißig, stark’; estn. rabe (G. rabeda) ’rüstig, munter’. *rapeįa / *raveįa 1. ~ urgerm. *frawa-z, urn. *frawaR; vgl. an. frár ’schnell, flink, behende’, aschwed. ƗrfrƗ ’früh aufstehend’ (Ɨr- ’früh’), as. frƗ, frǀ ’froh’, ahd. frao, frǀ id. 2. ~ urgerm. *krawa-z, urn. *krawaR; vgl. älter dän. kraa ’frisch’, vgl. dazu auch norw. kraa seg ’sich erholen, gesunden’. Liv. ra‫ތ‬bdΩյ ’dünn, schlank’ wird zwar gewöhnlich zu rapea gestellt, dürfte aber wegen der Semantik nicht hinzugehören; vgl. auch EEW s.v. räpakas. Qvigstad hat als erster Wörter der rapea-Sippe mit germ. Wortgut (an. frár) verglichen. Paasonen und Setälä lehnten diese Herleitung aus dem Germanischen ab. Seitdem wurde die Wortsippe als mehr oder weniger deskriptiv aufgefaßt. Nikkilä hat aber nicht nur mit lautlicher und semantischer Begründung rapea erneut als Entlehnung von urgerm./urn. *frawa- gedeutet, sondern auch eine lautlich und semantisch gleichwertige Herleitung aus dem seltenen germ. *krawa- vorgelegt.

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Die Herleitung aus dem Germanischen ist in jeder Hinsicht in Ordnung. Qvigstad 1893 261; Paasonen 1897 44; [Falk–Torp 1910/11 276;] Setälä 1913a 438; [Torp 1919 318; Hellquist 1939 244, 516;] SKES III 1962 737; [de Vries 1962 140;] Hakulinen 1979 323; Nikkilä 1981 67–69, 81; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2374, 2601f.; Hofstra 1985a 104, 218, 335, 337; [Blöndal Magnússon 1989 205; N.Nielsen 1989 141;] Ritter 1993 80; SSA III 2000 50; Hahmo 2003/04 16. Germ. LW.

RASIA, rasio ’Schachtel, Kästchen, Dose, Büchse, Karton’; ?karel. rasi, rasie ’(Butter)dose’; estn. rasi (G. rasja) ’aus einem Holzblock ausgehöhltes trogförmiges Eßgeschirr; aus gebogenen Brettchen hergestellte Schachtel’. *rasia < *ras(i)ja ~ urgerm. *ranÿija-, urn. *randija; vgl. schwed. dial. rände ’Rand einer Schachtel; Einfassung eines Siebs; Hutkrempe’, als Adjektiv an. rendr ’mit einem Rand versehen, beschlagen’. Rasia begegnet vorwiegend im Finnischen; karel. rasi hat eine beschränkte Verbreitung und dürfte aus dem Finnischen entlehnt sein; estn. rasi ist vor allem von der Insel Hiiumaa bekannt. Laut Koivulehto ist rasia ein germ. Lehnwort, dessen Original eine Ableitung von germ. *rand- ’Rand’ sei. Es handele sich ursprünglich um eine runde oder ovale Holzschachtel, deren Rand bzw. Wand aus gebogenem, dünnem Holz (seltener aus Rinde) bestehe. Zur Semantik vergleicht er u.a. fi. keri ’gebogene Schachtelwand; Schachtel’. Die Annahme germ. Herkunft setze aus lautlichen Gründen sehr frühe Entlehnung voraus, vergleiche ASIA. SKES III 1962 740f.; [de Vries 1962 441;] Hakulinen 1979 334; Koivulehto 1981c 208; Koivulehto 1982a 257–264, 274f.; EEW 1982/83 2418f.; T.Itkonen 1983 351; Koivulehto 1983d 145f.; Hofstra 1985a 92, 100, 158f., 320f.; Koivulehto 1986b 280–282; [Blöndal Magnússon 1989 754;] Häkkinen 1990a 246; Ritter 1993 72, 197f.; Häkkinen 1994a 329, 330; Koivulehto 1999a 237, 266, 267f.; SSA III 2000 52; Häkkinen 2004 1028. ? Germ. LW.

RASTAS (G. rastaan), rästäs, rasto ’Drossel, Turdus’; ingr. rästähäin ’Krammetsvogel’; karel. rassas, rastahaine, ratšoi, rätšöi; lüd. ra(t'š̗ uoi, riä(t'š̗ öi; wot. rassa (Pl. rasaD), rasas, wotJ. räsäZ; estn. rästas, räästas; liv. raštà ’Singdrossel’. *rastas / *rästäs

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~ urgerm. *þrastu-z, urn. *þrastuR; vgl. an. þrІstr m. ’Drossel’, norw. trost, trast id., schwed. trast id. Thomsen hat rastas als balt. Lehnwort gedeutet (lit. strazdas ’Drossel’). Qvigstad hat für rastas eine Herleitung aus dem Germanischen vorgelegt. Sie hat sich gegen Thomsens Etymologie nicht durchsetzen können und wird – als Alternative – nur noch sporadisch erwähnt. Das balt. Wort entspricht Laut für Laut dem Ostseefinnischen. Ein germ. Original kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden: Als Reflex von urgerm. -uz wäre fi. -us (-uu-) erwartungsgemäß; dieser Stammtypus ist aber sehr selten; vergleiche auch HARRAS. Semantisch sind beide Herleitungen möglich. Thomsen 1890 220; Qvigstad 1893 259; Setälä 1913a 436; [Hellquist 1939 1216f.;] SKES III 1962 741f.; [de Vries 1962 625;] Fraenkel 1962/65 920; Raun– Saareste 1965 43; Hakulinen 1979 354; Raun 1982 148; EEW 1982/83 2606; Hofstra 1985a 377; S.Suhonen 1988 601f., 611; [Blöndal Magnússon 1989 1200;] Häkkinen 1990a 245; Vaba 1990 135; Mäger 1994 47; [Kluge–Seebold 1995 196;] Häkkinen 1996a 153; Liukkonen 1999 56; SSA III 2000 52f.; Häkkinen 2004 1029; Häkkinen–Nikkilä 2004 109 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1190f.]. Kaum germ. LW.

RASTI ’Wegweiser (in einen Baum geritztes Zeichen, krumm gebogener oder gekappter Wipfel eines Baumes); Kreuz, Merkmal’; karel. rasti ’Zeichen (als Wegweiser)’. *rasti ~ urgerm. *rastǀ, urn. *rastu; vgl. an. rІst f. ’Wegstrecke, Längenmaß’, aschwed. rast f. ’Strecke zwischen zwei Rastplätzen’, ae. ræst, rast f. ’Rest, Ruhe, Schlaf’, as. rasta f. ’Rast, Lager, Tod, Grab’, ahd. rasta f. ’Ruhe, Rast, Wegmaß von drei Wegstunden’, got. rasta f. ’Meile, Wegstrecke’. Kalima zweifelt, ob rasti vielleicht aus dem Baltischen stamme (vgl. lett. raksts ’Schrift; Zeichnung’). Närhi, die vom Ausdruck ristiin rastiin ’kreuz und quer’ ausgeht, deutet rasti als velare Lautvariante von risti ’Kreuz’. Laut SSA ist diese Deutung möglich und laut Häkkinen wahrscheinlich. SKES bezeichnet sie – mit Recht – als unsicher. Karsten hat rasti zu einer nicht belegbaren Variante *rasti von germ. *rastǀ gestellt. Vielleicht kommt als Original eher schwed. rast in Frage. Lautlich wäre eine solche Entlehnung problemlos, und semantisch ist sie denkbar, wenn man sich die Wegstrecke als durch Wegweiser markiert vorstellt. Vergleiche auch fi. dial. rastinnainen ’markierter Weg im Wald; neugebahnter, schwer begehbarer Weg; festgelegte Strecke für einen Winterweg’.

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Kalima 1936 151f.; [Hellquist 1939 819;] Karsten 1943/44 435; Närhi 1960 62– 69, 76f.; SKES III 1962 742; [de Vries 1962 458;] Ruoppila 1967 39, Karte 40; [ODEE 1969 760;] Hakulinen 1979 338; Raun 1982 148; EEW 1982/83 2501– 2503, 2606; [Lehmann 1986 281; Blöndal Magnússon 1989 790;] Vaba 1990 134; [N.Nielsen 1989 340;] SSA III 2000 53; Häkkinen 2004 1029. ? Jüngeres LW.

RASVA ’Fett’; ingr. razva; karel. rasva; lüd. razv; weps. razv; wot. razva, wotJ. razv(E֑ ); estn. rasv (G. rasva); rasu (G. rasva); liv. razà. *rasva ~ urgerm. *krausa- (, urn. *krausa); vgl. mnl. kroos n. ’Eingeweide (von Schlachttieren, bes. Gänsen und Enten)’; ~ urgerm. *(ga-)krausija- (, urn. *krausija); vgl. mhd. krœs, krœse, gekrœse n. ’das kleine Gedärm, Gekröse’. Das allgemein ostseefi. rasva war lange Zeit ohne etymologische Deutung. Koivulehto hat es mit einer germ. Etymologie versehen. Es handele sich um ein so frühes Lehnwort, daß -aws- (oder bereits -aus-) phonotaktisch noch nicht möglich gewesen sei. Metathese -ws- > -sw- liege auch in kasvaa ’wachsen’, einem laut Koivulehto indogerm. Lehnwort, vor. Als sicher kann die Deutung als germ. Lehnwort erst gelten, wenn die vorausgesetzte Metathese mit weiteren Parallelen gestützt werden kann. Semantisch ist sie möglich. [Hellquist 1939 517f.;] SKES III 1962 742; [de Vries 1971 365;] Hakulinen 1979 311; Raun 1982 140; EEW 1982/83 2421f.; Koivulehto 1986a 167–172, 175f.; [N.Nielsen 1989 241;] Häkkinen 1990a 44, 222; Koivulehto 1991c 34f.; Ritter 1993 86f.; Kluge–Seebold 1995 309; SSA III 2000 53; Häkkinen 2004 1029. ? Germ. LW.

RATA ’Bahn, Pfad, Spur (z.B. eines Tieres oder Wagens)’; ingr. raDa ’Milchstraße’; karel. rata ’id.; Zuggleis’; estn. rada ’Pfad, Fußsteg, Spur, Streifen’; liv. radà ’Spur, Streifen’. *rata ~ urgerm. *traÿǀ, urn. *traÿu; vgl. an. trІð f. ’Einhegung, Viehhürde, Pferch’, Pl. traðir ’eingehegter, von Erdwällen eingeschlossener Weg’, schwed. dial. trad m. ’im Schnee oder auf dem Eis durch Gehen oder Fahren gebahnter Weg; Spur’, as. trada f. ’Tritt’, ahd. trata f. ’das Zertrampeln, Weg, Viehtrift’.

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Ahlqvist hat rata mit aschwed. strƗta ’Weg, Landweg’ verknüpft. Neuhaus hat es als germ. Lehnwort erklärt; seine Deutung wurde von Setälä und der späteren Forschung übernommen. Kalima allerdings hat 1936 mit Vorbehalt eine Herleitung aus dem Baltischen erwogen; er hat sie bereits 1940 unter dem Einfluß der Kritik von Nieminen wieder aufgegeben. Die Herleitung aus dem Germanischen leuchtet lautlich und semantisch ein. Ahlqvist 1871 112; Ahlqvist 1875 124; Neuhaus 1908 153; Setälä 1913a 436; Kalima 1936 152; [Hellquist 1939 1233;] Kalima 1940 388; Nieminen 1940 381; Karsten 1943/44 435; SKES III 1962 742–743; de Vries 1962 600; Raun–Saareste 1965 44; de Sivers 1972 100; Hakulinen 1979 299, 362; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2376f.; Hofstra 1985a 314f.; [Lehmann 1986 348; Blöndal Magnússon 1989 1067;] Vaba 1990 134; SSA III 2000 53; Häkkinen 2004 1030. Germ. LW.

RATSAS (G. ratsaan), ratsu ’Reit-, Reitpferd’, ratsastaa ’reiten’; ingr. ratsastƗ ’reiten’; karel. ratšas ’Reit-, Reitpferd’, rattšu ’Reitpferd’, ratšastoa ’reiten’; lüd. rat't'š̗ ahiz ’zu Pferd’; weps. ratshƯl' ’id.’, raccastada ’reiten’; wotK. rattsaZ- ’Reit-’, rattsƗ ’zu Pferd’, wotJ. rattse֑ Z- ’Reit-’, ratse֑ sse֑ ja ’Reiter’, rattsà, rattse֑ zi ’zu Pferd’; estn. ratsa, ratsal ’reitend, zu Pferd’, ratsu ’Pferd’, ratsama ’reiten’; liv. ratթ sΩյl ’reitend’, ratթ stΩյ ’reiten’. *raccas < *raüüas ~ urgerm. *raiÿja-z > *raiÿija-z, urn. *raiÿijaR; vgl. an. reiðr ’wo, wodurch geritten werden kann’, ae. r‘æde ’beritten, reitend’. Das allgemein ostseefi. Wort hatte keine Etymologie, bis Koivulehto 1977 in einem Vortrag es zu urgerm. *raiÿja-z stellte. Die Entlehnung sei so früh geschehen, daß im Urfinnischen -j- (oder -i- als zweite Komponente eines Diphthongs) vor der mouillierten Affrikata -üü - nicht möglich gewesen sei. Ostseefi. -cc- (< -üü-) als Reflex von germ. -ÿj- oder -þj- ist möglich (vgl. MALTSA). Semantisch gibt es keine Probleme. Vgl. RAITIS. SKES III 1962 744f.; [de Vries 1962 437;] Hakulinen 1979 136, 338; Koivulehto 1979b 290, 300; Koivulehto 1981a 346, 366f.; Koivulehto 1981b 168, 169; Koivulehto 1981c 201, 204; Raun 1982 140; EEW 1982/83 2424f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 49, 166, 218f., 314f.; Koivulehto 1986b 263–266; Ritter 1986 242; [Blöndal Magnússon 1989 749;] Joki 1989 20, 21f.; Häkkinen 1990a 222, 223, 252; Ritter 1993 122–124; Häkkinen 1996a 162; Ritter 1998 204; Koivulehto 1999a 14, 224, 255f., 262, 271; SSA III 2000 54; Häkkinen 2004 1030f. Germ. LW.

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RAUHA ’Ruhe, Frieden, Stille’; ingr. rauha; karel. rauha; ?wotK. rauhA, ?wotJ. rauh; estn. rahu. *rauha ~ urgerm. *rǀwǀ, urn. *rǀwu; vgl. an. ró f. ’Ruhe, Frieden’, aschwed. rǀ f. id., ae. rǀw f. id., mnd. rouwe, rawe f. id., nnd. Rauh, Raug id., ahd. rouwa, rƗwa f. id.; ~ urgerm. *rƝwǀ (, urn. *rƗwu); vgl. mnd. rƗwe f. ’Ruhe’, ahd. rƗwa f. id. Wot. rauhA, rauh gilt als Entlehnung aus dem Finnischen. Thomsen hat 1890 die von ihm 1869 mit Fragezeichen vorgelegte Herleitung aus dem Germanischen (~ an. ró usw.) als wenig wahrscheinlich bezeichnet; Setälä hat sie abgelehnt; rauha galt seitdem lange in der Fennistik als einheimisch; Thomsens Deutung wird aber in der germ. Sprachwissenschaft noch manchmal erwähnt. Sie ist jedoch lautlich nicht akzeptabel, da sie das h in rauha nicht erklärt. Bentlin deutet fi. rauha und estn. rahu als unterschiedliche Entlehnungen aus dem Niederdeutschen und dürfte damit recht haben. Thomsen 1869 142; Thomsen 1890 28; Wiklund 1912 233; Setälä 1913a 236; [Hellquist 1939 839f.;] SKES III 1962 746; de Vries 1962 449; Hakulinen 1979 345; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2387–2389; [Blöndal Magnússon 1989 769; N.Nielsen 1989 347f.;] Häkkinen 1990b 257; SSA III 2000 55; Koivulehto 2001a 63; Häkkinen 2004 103; [Bjorvand–Lindeman 2007 887f.;] Bentlin 2008 251–253. Jüngeres LW.

RAUHANEN, rauha ’Drüse; Hode; Leiste’; ingr. rauha; karel. rauha, rauhaine, rauhna(ine); lüd. raun, rauhn ’stechender Schmerz in der Seite / im Arm; geschwollene Drüse’; weps. rauh, rauha֑ iĔe, ravaz (Pl. rauhad) ’Drüse am Hals / an der Leiste’; wot. ravu ’Drüse; Niere’, wotK. rauhiame ’Drüse’; estn. rahu, rahk (Pl. rahud), rahn (Pl. rahnud) ’id.; Niere’; liv. ro‫ތ‬ugΩյZ ’id.’; lpN. ruok'se ’Euter’. *rauha < *ravša ~ urgerm. *Ȥrauzǀ, urn. *hrauRu (ursprünglich: ? urgerm. *ȤrauzƯ, urn. *hrauRi); vgl. schwed. dial. rör f. ’Leiste’, norw. dial. røyr, Pl. røyrar id.; ~ urgerm. *Ȥrausǀ, urn. *hrausu (ursprünglich: ? urgerm. *ȤrausƯ, urn. *hrausi); vgl. aschwed. rпs f. (?) (Pl. rпsar, -er) ’Leiste’, schwed. dial. (Finnland) rösar (Pl.) ’Hodensack, männliches Glied, Schamgegend’, norw. dial. røys ’Leiste’. Die ostseefi. Formen mit -hn- bzw. -n- beruhen auf späterer Entwicklung. Tunkelo hat rauhanen zu der im Nordgermanischen vertretenen Wortgruppe *rausǀ / *rauzǀ gestellt. Diese Deutung, die lautlich und semantisch möglich erscheint, wurde im allgemeinen übernommen, wenn auch oft mit (leichtem) Zweifel. Der Zweifel ist berechtigt, da unsicher ist, welche Formen für das Urgermani-

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sche bzw. Urnordische rekonstruiert werden können; an. hrœrar (m. Pl.) ’Leistengegend’ setzt beispielsweise nicht urn. *Ȥrauzi, sondern *Ȥrǀzi voraus. Tunkelo 1913/1920 21–23; [Torp 1919 562; Hellquist 1939 839;] Karsten 1943/44 435f.; SKES III 1962 746f.; [SAOB XXIII 4559; de Vries 1962 264;] Hakulinen 1979 310; M.Korhonen 1981a 182; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2387; Hofstra 1985a 98, 297; Koivulehto 1986a 171; Koski 1987 87; [Blöndal Magnússon 1989 384;] SSA III 2000 55; Aikio 2006 11. ? Germ. LW.

RAUKKA ’armes, armseliges Lebewesen; Toter, der Selbstmord begangen hat (oft: Wiedergänger); Feigling; elend, unglücklich’; ingr. raukka ’armes, armseliges Lebewesen’; karel. raukka ’id.; lieber Freund, Liebling (Kosewort); elend, unglücklich, arm’; lüd. raukթ ’armes, armseliges Lebewesen; lieber Freund, Liebling (Kosewort)’; weps. rauk, rƗk ’armes, armseliges Lebewesen; elend, arm, unglücklich’; wot. raukka, wotJ. raukթ ’id.’; estn. rauk (G. rauga) ’Greis; armer Schelm, alter, armseliger Mensch; schwach, armselig’. *raukka [1. ~ urgerm. *drauЀa-z, urn. *drauЀaR; vgl. an. draugr m. ’Gespenst, Wiedergänger’, norw. draug m. ’Toter; Wiedergänger’.] [2. ~ urgerm. *wrakjan-, urn. *wrakjƗ; vgl. ae. wrecca m. ’Verbannter, Elender, Flüchtling, Abenteurer; elender, armer Mensch’, as. wrekkeo m. ’Fremdling, Held aus fremdem Land’, ahd. reccheo m. ’Verbannter, Vertriebener’, mhd. recke m. ’Verbannter; Fremdling; Abenteurer’.] Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Setälä, der raukka mit an. draugr verglich; er hielt auch eine Verbindung von raukka mit raukea ’matt, kraftlos, usw.’ für möglich, wodurch die Herleitung aus dem Germanischen hinfällig werde. Die Tenuisgeminata -kk- (statt -k-) als Reflex von germ. -Ѐ- ist ungewöhnlich; Karsten erklärt sie aus dem hypokoristischen Charakter des Wortes. Auch semantisch ist diese Deutung sehr problematisch, da die allgemeinostseefi. Bedeutung ’arm(seliger Mensch)’ ist. Die Bedeutung ’Toter, Wiedergänger’ ist nur aus Nordfinnland bekannt und dürfte auf lp. Einfluß (lpN. raw'gâ ’Seegespenst’) beruhen. Die Herleitung von Katz aus urgerm. *wrakjan- ist lautlich unmöglich. Setälä 1913a 436f.; Setälä 1913b 332–334; Karsten 1943/44 436; Nirvi 1946 221223, 318; SKES III 1962 748; de Vries 1962 81; [ODEE 1969 1014;] Seebold 1970 168f.;] Hakulinen 1979 227, 317; Raun 1982 140; EEW 1982/83 2430; [Lehmann 1986 410;] Blöndal Magnússon 1989 125; [N.Nielsen 1989 42;] Katz 1990a 52; SSA III 2000 55f.; Häkkinen 2004 1032; Bjorvand–Lindeman 2007 180f. Kein germ. LW.

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RAUMA (dial., aSs.) ’Sund, enges Fahrwasser, Meeresströmung’. *rauma ~ urgerm. *strauma-z, urn. *straumaR; vgl. an. straumr m. ’Strom, Strömung’, aschwed. strпmber m. id., schwed. dial. straum m. (auch strauma f.) id., schwed. ström ’id.; Fjord, Bucht, Sund’, as. strǀm m. ’Strom’, ahd. stroum m. id. Die germ. Herkunft von rauma wurde von Thomsen erkannt; sie wurde allgemein akzeptiert. Ritter weist allerdings darauf hin, daß die Frage, ob nicht auch balt. Herkunft (vgl. lit. sraumuõ ’Strom, Bach’) möglich sei, übergangen worden sei. Wie auch von Ritter angedeutet, weist die geringe Verbreitung (nur in den westfi. Mundarten) nicht auf balt., sondern auf germ. Herkunft Lautlich und semantisch ist Herkunft aus dem Germanischen plausibel; die Entlehnung braucht aber nicht besonders alt zu sein, dürfte aber vor dem aschwed. Lautwandel au > п (etwa Anfang 2. Jahrtausend) stattgefunden haben. Thomsen 1869 142; Setälä 1913a 437; Karsten 1914 105; Hellquist 1939 1093; Karsten 1943/44 437; SKES III 1962 748f.; de Vries 1962 552; [ODEE 1969 874;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358, 363, 428; Hofstra 1985a 324; Pitkänen 1985 123–125, 127; [Blöndal Magnússon 1989 969;] N.Nielsen 1989 426; Ritter 1993 92; SSA III 2000 56; Häkkinen 2004 1032; Bjorvand–Lindeman 2007 1066f. Germ. oder jüngeres LW.

RAUNA ’grober Kies’ s. RAUNIO.

RAUNIO, rauhnio, rounio, roumio ’Steinhaufen; Ruine’, kiviraunio (aSs.) ’id.; steiniger Boden’ (kivi- ’Stein’); rauna, rauma ’grober Kies, kleine Steine auf dem Grund eines Sees’, rauhna ’Steinbrocken, grober Kies’; ingr. raunio; karel. raunivo; wot. raunio, wotJ. rauĔo; estn. raun (G. rauna) ’Stein-, Granithaufen’. *rauna / *raun(i)jo ~ urgerm. *Ȥrauna-, urn. *hrauna; vgl. an. hraun n. ’steiniger Boden, Lava’. Die seltenen fi. Dialektformen mit -h- sind (entgegen Katz) sekundär ebenso wie die Formen mit -m-. SKES erwägt die Zusammengehörigkeit von fi. rauna, estn. raun ’Steinhaufen’ einerseits und nordfi.-karel. rauhna, karel. rauna, lüd. raun ’totes Tier, Aas’ andererseits; eine solche Zusammengehörigkeit ist semantisch sehr unwahrscheinlich. Die Herleitung von raunio aus dem Germanischen stammt von Thomsen. Sie ist semantisch und lautlich plausibel; die Formen, die urfi. *-(i)jo voraussetzen, sind

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entweder eine im Ostseefinnischen gebildete Ableitung oder reflektieren einen im Germanischen nicht erhaltenen ja-Stamm (neben dem a-Stamm). Thomsen 1869 142; Setälä 1913a 437; Hellquist 1939 [874,] 876; Karsten 1943/44 437f.; SKES III 1962 747, 749; de Vries 1962 252; Raun–Saareste 1965 44; K. Vilkuna 1965b; Hakulinen 1979 154, 362, 363; Raun 1982 140; EEW 1982/83 2430; Nikkilä 1983 116; E.Uotila 1984 45; Hofstra 1985a 326; Blöndal Magnússon 1989 367f.; N.Nielsen 1989 355; Katz 1990 39f.; SSA III 2000 56; ALFE 1 2004 392–395; Häkkinen 2004 1032. Germ. LW.

RAURA (dial., Lönnr.), rauru ’kleine Feldsteine, Kies’; raula ’Steine auf dem Ofen in der Sauna oder Darre, Kieshaufen, steiniger Seegrund’, raulu ’grober Kies’; karel. raura, rauru ’Kies; von der Herdplatte sich lösende Ton- und Steinteilchen; Kohle und Asche’. *raura ~ [urgerm. *Ȥrauza-z], urn. *hrauRaR; vgl. an. hreyrr m. ’Steinhaufen’; ~ [urgerm. *Ȥrauza-], urn. *hrauRa; vgl. aschwed. rпr n. ’Steinhaufen; Grenzzeichen’. Die fi. Varianten raula und raulu beruhen auf Dissimilation. Karsten hat raura als germ. Lehnwort gedeutet. Wegen fi. r als Reflex von urn. R (> an., aschwed. r) kann die Entlehnung nicht sehr alt sein. Vgl. noch KAIRA. Die lautlich und semantisch ansprechende Deutung wurde im allgemeinen akzeptiert. Vgl. RAHU. Karsten 1905 182; Setälä 1913a 437; Hellquist 1939 875; Karsten 1943/44 438; SKES III 1962 749; de Vries 1962 255; Sammallahti 1977 121; Hofstra 1985a 326; Blöndal Magnússon 1989 371; Nikkilä 1990b 252. Germ. oder jüngeres LW.

RAUTA ’Eisen, Werkzeug aus Eisen’; ingr. rauDa; karel. rauta; lüd. raud; weps. raud, roud, rƗd; wot. rauta, wotJ. raut; estn. raud; liv. rǀda (Part. roù֐ dΩյ); lpN. ruow'de. *rauta < *ravta ~ urgerm. *rauÿan-, urn. *rauÿƗ; vgl. an. rauði m. ’Rasenerz’, norw. raudjord ’Raseneisenerz’ (-jord ’Erde’).

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LpN. ruow'de geht entweder zusammen mit dem urfi. *rauta auf das Frühurfinnische zurück oder ist eine frühe Entlehnung aus dem Urfinnischen. Die von Thomsen stammende Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch plausibel und wurde im allgemeinen akzeptiert. Die von einigen Forschern vorgelegten alternativen Etymologien, z.B. Herleitungen aus dem Baltischen oder Slawischen, wurden von anderen widerlegt. Thomsen 1869 143; Wiklund 1896 142f.; Setälä 1913a 437; Hellquist 1939 872f.; Senn 1940 5–7; Karsten 1943/44 438–439; Collinder 1956 72, 74f.; Senn 1957 62–64; Fromm 1957/58 214; Kylstra 1961 13, 40, 70, 145; SKES III 1962 749– 750; de Vries 1962 434; Raun–Saareste 1965 44; E.Itkonen 1968 504; Salo 1969 226; von Hertzen 1973 93; Koivulehto 1976a 247, 262, 277, 281, 285, 289; Hakulinen 1979 36, 360; M.Korhonen 1981a 35; Laanest 1982 328; Raun 1982 140; EEW 1982/83 2426–2428; T.Itkonen 1983 353; Sammallahti 1984 144; Hofstra 1985a 91, 119, 130, 322, 371, 417; Blöndal Magnússon 1989 744; Joki 1989 21; Häkkinen 1990a 250, 251, 252; Salo 1992a; Ritter 1993 33, 35, 195–197; Häkkinen 1994a 325–327; Häkkinen 1996a 161; Liukkonen 1999 119–121; SSA III 2000 57; Schrijver 2001 419; Laakso 2002 366; Häkkinen 2004 1032f.; Palviainen 2004 228; Aikio 2006 12. Germ. LW.

RAUTU ’Seesaibling, Salvelinus alpinus; Saibling, Bergforelle, Rotforelle, Salmo salvelinus, Salmo alpinus’. *rautu [~ urgerm. *rauÿijǀ, urn. *rauÿiju; vgl. an. reyðr f. ’eine Art Forelle; eine Art Wal’, norw. røyder, røe f. ’eine Art Forelle’.] Rautu wurde zusammen mit lp. rav'do ’Salmo alpinus’ von Qvigstad als germ. Lehnwort gedeutet. Nach K. Nielsen aber handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Lappischen; diese Ansicht ist wegen der sehr allgemeinen Verbreitung im Lappischen und der geringen und nördlichen Verbreitung im Finnischen plausibel. Qvigstad 1893 260; K.Nielsen 1908 228; Setälä 1913a 437; Karsten 1943/44 439; SKES III 1962 751; de Vries 1962 442; A.Vilkuna 1965 9; Hakulinen 1979 380; [Blöndal Magnússon 1989 756;] SSA III 2000 57; Häkkinen 2004 1033. Kein germ. LW.

RAVATA (rapaa-) ’Garben an die Wand o.ä. schlagen, um die besten Körner herauszulösen; schlagen, hauen’, rapata ’id.’; ingr. ravaDa ’id.’, raputtƗ ’schütteln’; karel. ravata ’id., schütteln’, rapata ’rasch handeln’; lüd. rabaita ’beschädigen (der Frost das Getreide)’; wotM. raputtaG

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’schlagen, schütteln’, wotK. ravatA ’schlagen, hauen’, wotJ. rappama ’schütteln; schwingen (Flachs)’; estn. rabama ’schlagen, schütteln, schwingen, dreschen; sich heftig bewegen, heftig greifen nach etwas; befallen, beschleunigt arbeiten; bezaubern, überraschen’, rapama, raputama ’schütteln’; liv. ra‫ތ‬bbΩյ ’schlagen, hauen’. *rapa- / *rappa~ urgerm. *draΰan-, urn. *draΰan; vgl. an. drafna ’sich auflösen, zerfallen’ (Ableitung von *draΰan-), got. gadraban ’hauen’ (ga- Präfix). Die von der älteren Forschung vorgeschlagene Verknüpfung mit tscher., ung. und obugr. Wörtern ist wegen lautlicher Probleme abgelehnt worden. Die Deutung als Entlehnung von germ. *draΰan- stammt von Koivulehto. Lautlich und semantisch wäre sie in bester Ordnung, ein Problem ist jedoch die geringe Verbreitung von *draΰan- und etwaigen Ableitungen im Germanischen. Es findet sich nur ein Beleg für gadraban im Gotischen, der laut Seebold Schreibfehler für gagraban sein dürfte (zu urgerm. *graΰan- ’graben’); siehe jedoch Lehmann. Zugehörigkeit von an. drafna zu ga-draban (dazu Lehmann) ist unsicher. [Hellquist 1939 307;] SKES III 1962 752; [de Vries 1962 79, 80, 184;] Ruoppila 1967 81; [ODEE 1969 411; Seebold 1970 160, 235f.;] Koivulehto 1974 121–122, 126; Sammallahti 1977 131; Hakulinen 1979 361, 362; Lehtinen 1979 250, 257; Turunen 1979 277; Lehtinen 1980 53f.; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2372f.; Hofstra 1985a 194f., 226, 232f., 243, 449; [Lehmann 1986 136, 158f.;] UEW I 1988 425; [Blöndal Magnússon 1989 123 271; N.Nielsen 1989 161;] SSA III 2000 57f. ? Germ. LW.

REHA (dial.) ’(leiterartige) Auflage auf dem Arbeitsschlitten; Dreschgatter; Hackklotz, Sägebock’. *reha [~ urgerm. *rƝfa-, urn. *rƗfa; vgl. an. ráf n. ’Dachstuhl, Sparrendach, Dachraum’, norw. raav n. ’Dach (eines Hauses)’; ~ urgerm. *rƝfan- (, urn. *rƗfƗ); vgl. ahd. rƗfo m. ’Balken, (Dach)sparren’, mhd. rƗve m. ’Sparren, Dachsparren’.] Reha ist nur aus einem Teil der westfi. Mundarten bekannt. Im SKES wird reha ’Art Bank’ mit Vorbehalt zu reha ’alter, kaputter Gegenstand (z.B. schlechtes Bett)’ und auch u.a. karel. rehallah, -lleh (Adv.) ’offen ohne Ordnung’ gestellt; semantisch ist die Zusammengehörigkeit unwahrscheinlich. Mägiste (EEW) möchte mit fi. reha noch estn. reha, riha, rihä ’Harke’; liv. rejà ’id.’ vergleichen; semantisch ist auch dieses unwahrscheinlich.

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Katz hat reha zu urgerm. *rƝf- (> ahd. rƗfo) gestellt. Lautlich ist dies sowohl wegen urfi. e ~ germ. Ɲ wie auch wegen urfi. -h- ~ urgerm. -f- problematisch; die Gleichung ist außerdem semantisch fragwürdig. Reha dürfte eine Kontamination von den teilweise gleichbedeutenden Wörtern REHTO (oder rekka bzw. reteli) und kaha sein. SKES III 1962 754; [de Vries 1962 431;] EEW 1982/83 2443; [Blöndal Magnússon 1989 738;] Katz 1990b 21, 22. Kein germ. LW.

REHAHTAA ’(ent)flammen, lodern; aufblühen; auflachen’; ?ingr. rehissä ’(auf)lodern, aufleuchten’; karel. rehahtoa(kseh); weps. rehuda ’glühen; sich erhitzen’. *rehV~ urgerm. *breȤǀ(ja)n-, urn. *brehǀn; vgl. an. brjá ’glänzen, funkeln’, norw. brjå ’leuchten (Blitz)’, mhd. brehen ’(plötzlich und stark) leuchten’; ~ urgerm. *breȤan-, urn. *brehan; vgl. wie oben. SKES bezeichnet das kaum erforschte rehahtaa als deskriptiv und vergleicht es mit REHENNYS und rehevä ’üppig, von hohem Wuchs’; SSA vergleicht es mit rehevä und mit riehua ’toben, schuften; wüten (Sturm, Feuer)’. Nikkilä hat ostseefi. rehahtaa mit dem oben genannten germ. Verbum verglichen. Das ostseefi. und das germ. Wortmaterial können lautlich und semantisch miteinander verbunden werden, am ehesten in dem Sinne, daß rehahtaa zu einer germ. beeinflußten Wortgruppe gehört, die expressive Färbung bekommen hat; vergleiche noch riehahtaa ’verwildern, sich begeistern, gereizt werden’, lehahtaa ’auflodern; aufwehen’, liehahtaa ’schwingen, aufflattern’. SKES III 1962 755; [de Vries 1962 57; Seebold 1970 130–132; Lehmann 1986 78f.;] T.Itkonen 1988 18; [Blöndal Magnússon 1989 82; N.Nielsen 1989 43;] Nikkilä 1990b 251; SSA III 2000 59. ? Germ. LW.

REHENNYS (G. rehennyksen) (dial.), rehennus, rehennös, rehento, rohennos ’Kohlenfeuer, in die Öffnung des Ofens gezogene Kohle, in die Holzstücke gelegt werden können, um das Feuer im Gange zu halten oder wieder aufflammen zu lassen’; karel. rehennys ’id.; Tadel’; lüd. rehenduz; weps. Ěehenduz, Ěihenduz, l'ihenduz. *rehenįüs ~ urgerm. *breȤǀnÿƯn-, urn. *brehǀndƯ; vgl. an. brjándi f. ’Glanz, letztes Aufflackern, Glimmen’; zu an. brjá ’glänzen, funkeln’ (vgl. REHAHTAA).

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Laut SKES ist ostseefi. rehennys wahrscheinlich eine deverbale Ableitung, wozu karel. rehenteä ’ein Kohlenfeuer im Gange halten, im Kohlenfeuer backen (trans.)’ und rehentyö ’im Kohlenfeuer gebacken werden’ verglichen werden könnten. Die Wortsippe gilt als deskriptiv. Nikkilä hat rehennys als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich ist diese Deutung problemlos; semantisch wäre sie vielleicht denkbar. Möglicherweise handelt es sich jedoch um eine innerostseefi. Bildung; vergleiche auch REHAHTAA. SKES III 1962 755; [de Vries 1962 57; Seebold 1970 130–132; Lehmann 1986 78f.;] T.Itkonen 1988 18; [Blöndal Magnússon 1989 82; N.Nielsen 1989 43;] Nikkilä 1990b 251. ? Germ. LW.

estn. REHT (G. rehi) (Wied.) ’Bratrost’. *rehti [~ urgerm. *brƝÿ- (, urn. *brƗÿ-); vgl. mnd. brƗt- in brƗtspit ’Bratspieß’, brƗtschape ’Bratpfanne’.] Das estn. Wort reht kommt nur in Wiedemanns Wörterbuch vor, und zwar als Variante von röst (G. rösti) ’(Brat)rost’ neben rest. Röst, das auch schriftsprachlich ist, ist laut EEW (1982/83 2618) ein mittelniederdt. Lehnwort; vgl. mnd. rǀste ’Rost, eisernes Gitterwerk’. Karsten erklärte estn. reht als Lehnwort, dessen Original mit mnd. brât- vergleichbar sei; ht als Wiedergabe des germ. Dentals sei unklar, könne aber ein Versuch sein, den spirantischen Charakter des Dentals zu imitieren. Lautlich ist Karstens Etymologie sehr problematisch. Wahrscheinlich ist reht eine Variante von röst, rest. Die Form reht kann auf dem Wechsel s/h beruhen, vgl. z.B. estn. tust ’(Mehl)staub’ (< mnd. dust ’Staub’; EEW 1982/83 3380f., Raun 1982 185) und estn. dial. tuht ’id.’. Vgl. RAATO, RIEHTILÄ. Collinder 1932 76; Karsten 1943/44 449f.; SKES III 1962 776; EEW 1982/83 2446. Kein germ. LW.

REHTI ’redlich, ehrlich, gerade, aufrichtig; stolz, hochmütig’. *rehti ~ urgerm. *reȤta-z, urn. *rehtaR; vgl. an. réttr ’recht, gerade; aufrecht; richtig, rechtmäßig’, aschwed. rætter id., ae. riht id., as. reht id., mnd. recht id., ahd. reht id., got. raihts id.

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Karel. rehti ’tüchtig, ehrlich’ kommt nur in der Grenzgemeinde Uhtua vor und ist eine Entlehnung aus dem Finnischen. Die von Thomsen mit Zweifel vorgelegte Herleitung aus dem Germanischen wurde auch von Setälä angezweifelt; laut Setälä komme vielleicht schwed. präktig als Original in Frage. Karsten deutet rehti als junges finnlandschwed. Lehnwort. Laut SKES ist rehti am ehesten eine von der Sippe um rehevä ’von hohem Wuchs, üppig, protzig’ semantisch beeinflußte Lautvariante von rihti ’redlich, ehrlich, gerade, aufrichtig’. Dieser Ansicht steht entgegen, daß rehti weiter verbreitet ist als rihti. Laut SSA ist rehti wahrscheinlich eine Entlehnung von schwed. riktig; das e der ersten Silbe beruhe auf Einfluß von rehevä. Laut Nikkilä ist das Mittelniederdeutsche eine bessere Quelle für rehti als das Altschwedische. Dieser Gedanke wurde von Häkkinen übernommen. Bentlin hat die Herleitung aus dem Mittelniederdeutschen weiter begründet; sie ist wegen der -ht-Verbindung der Herleitung aus dem (Alt)schwedischen überlegen und ist auch semantisch in bester Ordnung. Thomsen 1869 143f.; Setälä 1906 9f.; Setälä 1913a 438; [Hellquist 1939 870;] Karsten 1943/44 440; Schlachter 1962 22, 24, 89; SKES III 1962 756; de Vries 1962 442; [ODEE 1969 767f.;] Hakulinen 1979 371; [Lehmann 1986 281; Blöndal Magnússon 1989 756; N.Nielsen 1989 344;] Heidermanns 1993 441f.; SSA III 2000 60; Koivulehto 2002 500, 501; Nikkilä 2002 127; Häkkinen 2004 1035; [Bjorvand–Lindeman 2007 878f.;] Bentlin 2008 82f. Jüngeres LW.

REHTO, riehto (dial.) ’Raum oder Abstand zwischen Zaunpfählen, Umzäunung, hölzerner Rahmen oder hölzernes Gestell; Netzreihe’; karel. rehto, riehto ’Raum zwischen zwei Zaunpfählen; vom Sämann in einem Arbeitsgang besäter Ackerstreifen’; lüd. rieht(o), rehto ’Raum zwischen zwei Zaunpfählen’; weps. reht (G. rehton), Ěöuht, röuht ’id.; Zauntor’; estn. rõht (G. rõhdu), rõhk (G. rõhu), rõhu, reht, rehk, rähk ’Horizontalliegendes, bes. Holzklötze in Wänden, Stangen in Zäunen oder auf Getreidehaufen, Steine’; ?liv. re֑ ‫ތ‬ut̖, re֑ ‫ތ‬vt̖ ’Stangenlänge zwischen zwei Zaunpfosten; lange Stange’. *rehto ~ urgerm. *wreȤti-z, urn. *wrehtiR; vgl. an. rétt f. ’Gehege, Pferch; Einsammeln und Abtrieb der Schafe von der Sommerweide’, schwed. dial. vrätt ’Ackerparzelle, kleiner Acker’, dän. dial. vræt id., mnd. wrechte f. ’Zaun, Einfriedung’; ~ urgerm. *wreȤtu-z, urn. *wrehtuR; vgl. an. réttr m. ’das Treiben, eingehegtes Vieh’. Die weps. und liv. Formen mit Diphthong sind ungeklärt (vgl. Posti 1942 246, Tunkelo 1946 613, T.Itkonen 1987 172). Liv. re֑ ‫ތ‬ut̖, re֑ ‫ތ‬vt̖ könnte eine Entlehnung aus dem Estnischen sein (dazu Kettunen 1938 und EEW).

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Toivonen hat rehto als germ. Lehnwort gedeutet. Karsten hat die von Toivonen angesetzte germ. Form (*rehtǀ) kritisiert und durch *wrehti- (> *wrehtǀ) ersetzt, aber Toivonens Deutung im Grunde übernommen. Sie gilt als wahrscheinlich, wenn auch nicht gesichert. Koivulehto deutet rehto als indogerm. oder vorgerm. Lehnwort. Das Original sei *reh1-tó / *reh1-tƗ̗ >> schwed. rad ’Reihe’. Lautlich stehen Toivonens Herleitung aus dem Germanischen keine Bedenken entgegen. Semantisch ist sie auch in Ordnung: vgl. germ. ’Gehege, Einfriedung’ ~ allgemein ostseefi. ’Raum, Abstand zwischen Zaunpfählen’. Toivonen 1919b 19–22; Setälä 1933 491; [Hellquist 1939 1367f.;] Karsten 1943/ 44 440–443; Virtaranta 1957 536; SKES III 1962 757; [de Vries 1962 442;] Raun 1982 146; EEW 1982/83 2571f.; Nikkilä 1983 122; Hofstra 1985a 306; T.Itkonen 1987 172, 181f., 183; Nikkilä 1987 238; [Blöndal Magnússon 1989 755f.;] Koivulehto 1999a 13; Koivulehto 1999b 212f.; SSA III 2000 60; Koivulehto 2001a 50; Laakso 2002 366. Germ. LW.

REIPAS (G. reippaan), reipakka ’frisch, keck, rasch, schnell; stolz; üppig’, raipas ’frisch, keck, rasch, schnell’; karel. reipas, reipakka; ?weps. reibasteldas ’beschäftigt sein’. *reipի pas (G. *reippahan) / ?*reiȕas (G. *reipahan) 1. ~ urgerm. *(Ȥ)raifa-z, urn. *(h)raifaR (oder urgerm. *(Ȥ)raiΰa-z, urn. *(h)raiΰaR); vgl. an. reifr ’fröhlich, heiter, freundlich’, isl. (h)reifur id. 2. ~ urgerm. *reiΰa-z > *rƯΰaz, urn. *rƯΰaR; vgl. an. rífr ’begehrt, erwünscht, vollwertig’, aschwed. rƯver ’freigebig, nicht geizig’, schwed. dial. rƯv ’rasch, fleißig’, ae. rƯf ’gewaltig, heftig, wild’, mnd. rƯve (Adj.) ’verschwenderisch, freigebig, reichlich’, (Adv.) ’sehr, stark’; ~ urgerm. *reifa-z > *rƯfaz (, urn. *rƯfaR); wie oben; ~ urgerm. *reiΰija-z > *rƯΰijaz (, urn. *rƯΰijaR); vgl. ae. rƯfe ’häufig, verbreitet, reichlich vorhanden’, mnl. rive, rijf ’mild, freigebig; reichlich; kräftig (Strom); belebt, stark besucht’; ~ urgerm. *reifija-z > *rƯfijaz (, urn. *rƯfijaR); wie oben. Unsicher ist, ob auch weps. raibak ’kalt (Wind)’ zu dieser Wortgruppe gehört. Estn. reibas (G. reipa) ’flink, frisch, lebhaft, aufgeweckt, rege’ ist ein dem Finnischen entlehnter Neologismus. RIEPAS, das (als lautliche Variante) von Karsten und auch z.B. noch im SKES zu reipas gestellt wird, bleibt davon besser getrennt. Reipas wird manchmal als germ. Lehnwort gedeutet; Karsten dachte an Entlehnung aus einer noch nicht von der germ. Lautverschiebung erfaßten Form *reipo-s

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oder *reipaz (> *reifaz). Urfi. ei als Reflex von urgerm. ei > Ư setzt eine sehr frühe Entlehnung voraus und ist sonst nur aus unsicheren Lehnwörtern bekannt. Toivonen und Wiklund haben, offensichtlich voneinander unabhängig, Karstens Deutung abgelehnt und als unsichere Alternative auf Vorstufen von an. reifr hingewiesen. Urgerm. *(Ȥ)raifa-z bzw. urn. *(h)raifaR kommt aus lautlichen Gründen in der Tat eher in Frage, wenn auch urfi. pp : pի p als Substitution von germ. f (oder ΰ) auffällig bleibt. Erwartungsgemäß ist aber das unsichere urfi. *reiȕas (G. *reipahan), das auf Grund von weps. reibasteldas rekonstruiert werden kann; urfi. pp : pի p würde dann auf Stufenwechselentgleisung beruhen. Laut SKES und SSA ist die Deutung als germ. Lehnwort sehr unsicher; hier und z.B. von Mägiste wird Deutung als einheimisches deskriptives Wort bevorzugt. Semantisch sind die beiden oben genannten Etymologien problemlos. Vgl. RIPEÄ. Karsten 1915 77, 183, 187, 190, 194, 224, 225; Toivonen 1914/22 86f.; Wiklund 1917a 72; Wiklund 1917b 11; Collinder 1932 164f., 229–232; Karsten 1943/44 444–447, 625; Öhmann 1954 15f.; Kylstra 1961 131, 132, 137, 140, 143, 145; Schlachter 1962 5, 22; SKES III 1962 760; de Vries 1962 438, 445; Mägiste 1965 195f.; [ODEE 1969 767;] Koivulehto 1972 627; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 324; Nikkilä 1981 64, 81; Raun 1982 141; EEW 1982/83 2448; Hofstra 1985a 43, 48, 85, 335; Blöndal Magnússon 1989 [369,] 749 [, 760]; [Heidermanns 1993 302, 433, 442f.;] Ritter 1993 143; SSA III 2000 61; Häkkinen 2004 1036. ? Germ. LW.

REITTI (G. reitin) ’Seensystem (Gewässersystem) oder Teil davon; Weg, Fahrweg, Route, Richtung, Bahn’. *reitti ~ urgerm. *wraitu-z, urn. *wraituR; vgl. an. reitr m. ’abgegrenzte Fläche, Streifen, abgegrenztes Gebiet, Revier’, aschwed. vrƝter m. ’abgestecktes, begrenztes Gebiet; einzelnes, eingehegtes Ackerland; von einem Teilhaber bebauter Acker in der unverteilten Gemarkung’, schwed. vret ’kleiner eingehegter Acker; (dial.) schmaler Gang zwischen Häusern’, ahd. reiz m. ’Linie, Zeichen; Ritz, Schramme’; ~ urgerm. *wraita-z, urn. *wraitaR; wie oben; ~ urgerm. *wraitǀ, urn. *wraitu; vgl. norw. (v)reit f. ’Ackerfurche, Streifen, Reihe, Linie’, ahd. reiza f. ’Linie’. Estn. reit (G. reidi) ’Kurs des Schiffes, Richtung’ ist wahrscheinlich ein Lehnwort aus dem Finnischen, aus einer schwed. Mundart oder aus dem Niederdeutschen. Estn. reit ’Reede’ (Einzelbelege) erklärt sich dagegen am besten als Lehnwort aus dem Niederdeutschen. Rapola hat auf die Ähnlichkeit von reitti einerseits und germ. Wörtern andererseits hingewiesen, ohne sich mit Bestimmtheit zu einer Etymologie zu bekennen.

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Laut SKES, SSA und Häkkinen, wo an. reitr als Vergleichsmaterial genannt wird, ist reitti ein Lehnwort aus dem Skandinavischen. Hakulinen erwähnt reitti mit Fragezeichen in seinem Verzeichnis schwed. Lehnwörter. Kettunen deutet 1955 reitti als entweder mittelniederdt. oder russ. Lehnwort; 1956 bezeichnet er reitti als Entlehnung von estn. reit (< mnd. reid). Reitti läßt sich kaum von der Wortgruppe mit germ. *wrait- trennen, dürfte aber jünger sein als RAITTI. Vgl. RAITTI. [Hellquist 1939 1367f.;] Kettunen 1955b; Rapola 1955a; Rapola 1955b; Kettunen 1956c; SKES III 1962 761; [de Vries 1962 439; Seebold 1970 566f.;] Hakulinen 1979 371; EEW 1982/83 2453f.; [Blöndal Magnússon 1989 751;] Hofstra–Hahmo 1999 383; SSA III 2000 62; Häkkinen 2004 1037; Bentlin 2008 84. Jüngeres LW.

RENGAS (G. renkaan) ’Ring; Reifen; Kreis’; ingr. reƾGaZ; karel. renkas; lüd. reƾgas; weps. reƾgaz; wot. re֑ ƾgaZ, wotJ. re֑ ƾge֑ Z; estn. rõngas. *reƾgas (G. *reƾkahan) ~ urgerm. *Ȥrenga-z > *Ȥringaz, urn. *hringaR; vgl. an. hringr m. ’Kreis, Ring’, aschwed. ringer m. id., ae. hring m. ’Ring, Fessel; Kreis, Rand, Kugel’, as. hring m. ’Ring’, ahd. ring m. ’Ring; Reif; Panzerring; Kranz; Kreis; Versammlung’, got. (Krim) rinck, ringo ’Ring’. Die bereits im 18. Jh. vorgeschlagene und dann von Thomsen 1869 übernommene Deutung von rengas als germ. Lehnwort hat allgemeine Zustimmung erfahren. Thomsen 1869 142; Setälä 1913a 438; Hellquist 1939 836f.; Karsten 1943/44 448; Fromm 1957/ 58 95, 97, 98f., 321; Kylstra 1961 58; SKES III 1962 764f.; de Vries 1962 256; Raun–Saareste 1965 44; ODEE 1969 768; Koivulehto 1971b 601; Niskanen–Hofstra 1971 57; Hakulinen 1979 360, 364; Koivulehto 1981a 346; Laanest 1982 328; Raun 1982 146; EEW 1982/83 2575; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 322, 324, 414; Lehmann 1986 285; Blöndal Magnússon 1989 374; Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 346f.; Häkkinen 1990a 248; Ritter 1993 29, 32, 176– 178; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 64; Ritter 2002 325; Häkkinen 2004 1039f.; Palviainen 2004 223; Bjorvand–Lindeman 2007 884. Germ. LW.

RENKI (dial.) ’Melkeimer, (hölzerner) Eimer, hölzerner Kübel’; karel. renki ’id., Bottich; Hohlmaß für Getränke: ungefähr 13 Liter’; lüd. reƾgi ’Eimer’.

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*reƾki ~ urgerm. *Ȥrengijǀn- > *Ȥringijǀn-, urn. *hringijǀ; vgl. an. hringja f. ’Milcheimer’, norw. ringja, ringje ’Milcheimer’, schwed. dial. ringa ’Bütte, Melkeimer’, engl. dial. ringe ’großer Zuber’; vgl. noch mnd. ringel ’Zuber’ (l-Ableitung). Im Finnischen findet sich renki nur in den östlichsten Mundarten. Karsten deutete renki ’Eimer’ als Entlehnung von finnlandschwed. dräng ’langes, nicht gespaltenes Stück Holz’; dies ist völlig unbegründet. Toivonen hat renki als – wegen e der ersten Silbe altes – germ. Lehnwort gedeutet und mit hringja usw. verglichen; lautlich ist dies möglich, semantisch überzeugend. [Torp 1919 533;] Karsten 1943/44 448; Toivonen 1944a 353–355, 466; Fromm 1957/58 95; SKES III 1962 765f.; [de Vries 1962 256;] Koivulehto 1971c 32; T.Itkonen 1983 352; Hofstra 1985a 319f.; [Blöndal Magnússon 1989 374, 764;] Nikkilä 1990b 252. ? Germ. LW.

RIEHTILÄ, riehtelä, riehteli, riehtenä, riehtänä, riihtilä, rehtilä, rehtilö, riettilä, riettiläs, riehkilä, riekkilä ’Bratpfanne’; ingr. rƝ֑htila; karel. riehtilä; lüd. rieht'iɥ; weps. reht'il'; wotM. rehtilä, wotK. rƝhtelÄ, wotJ. rehtel. *rƝhtilä [1. ~ urgerm. *brƝÿila-z, urn. *brƗÿilaR; nicht bezeugt.] [2. ~ urgerm. *brƝÿi-z, urn. *brƗÿiR (oder urgerm. *brƝÿǀ, urn. *brƗÿu); vgl. an. bráð f. ’rohes Fleisch, Wildbret; Beute der Raubtiere’, aschwed. brƗþ f. ’Braten; Jagdbeute, Raub’.] Mägiste (im EEW) möchte estn. redel ’Leiter, Skala, Abstufung’ mit fi. riehtilä usw. verbinden. Lautlich und semantisch ist diese Zusammenstellung unwahrscheinlich; redel wird denn auch von anderen (z.B. Raun 1982 140) als baltendt. Lehnwort (zu Reddel ’Leiter’) aufgefaßt. Mikkola hat got. *brƝdila- als.germ. Original für fi. rietilä angesetzt; rietilä in Gananders Wörterbuch beruht aber auf einem Versehen (SKES). Auf urgerm. *brƝÿila- zurückführbare Wörter (got. *brƝdil- oder etwa an. *bræðill) entsprechen zwar den morphologischen Regeln des Germanischen, sind aber nicht belegt. Collinder dachte, mit einem Hinweis auf estn. REHT (Gen. rehi) ’Bratrost’, an die Möglichkeit der Entlehnung von urgerm. *brƝþi mit nachheriger Anfügung des ostseefi. Suffixes -lä. Estn. REHT gehört aber nicht zu dieser Wortsippe. Von einigen Forschern wird urfi. ht als Wiedergabe eines kräftig artikulierten þ erklärt; die germ. Überlieferung setzt aber ÿ, nicht þ voraus (vgl. Seebold 1970 128f.). Die Substitution von urgerm. ÿ (oder auch urgerm. þ) durch urfi. ht ist sonst

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nicht bezeugt. Auch angesichts dieser Tatsache reicht die Evidenz für die Annahme einer Entlehnung aus dem Germanischen nicht aus. Vgl. RAATO, REHT. Mikkola 1894 98f.; Wiklund 1905 220, 223f.; Setälä 1913a 438; Jacobsohn 1925 267; [Hellquist 1939 1345;] Karsten 1943/44 449; Fromm 1957/58 214; Kylstra 1961 77, 119, 137; SKES III 1962 775f.; de Vries 1962 62; Mägiste 1965 195; EEW 1982/83 2438; Hofstra 1985a 319f.; T.Itkonen 1987 201; [Blöndal Magnússon 1989 74; Nielsen 1989 62;] Nikkilä 1990b 251; SSA III 2000 70 [; Bjorvand-Lindeman 2007 147f.]. Kein germ. LW.

RIEHUA ’zanken, randalieren; toben, spielen; schuften; wüten’; karel. riehuo ’schaukeln, schwingen; (auf)lodern; flattern’; weps. rehuda ’glühen; sich (er)eifern’. *rƝhu~ urgerm. *rƝsǀ(ja)n-, urn. *rƗsǀn; vgl. an. rása ’rasen, (herum)laufen’, mnd. rƗsen ’rasen, wüten’, mhd. rƗsen ’rasen, toben’. Gewöhnlich gilt riehua als deskriptiv. Laut Häkkinen könnte es auf irgendeine Weise zu riesa (< slaw.) ’Plage, Ärger, Last’ gehören. Laut Aikio, der riehua auf frühurfi. *rƝšu- zurückführt, hat es den Anschein, daß riehua eine Entlehnung von urgerm. *rƝsǀ- ist. Eine solche Erklärung ist nur möglich unter der Voraussetzung, daß die Entlehnung schon sehr früh stattgefunden hat und daß germ. intervokalisches s durch frühurfi. š > urfi. h wiedergegeben werden konnte. Semantisch wäre die Gleichung plausibel. [Hellquist 1939 818;] SKES III 1962 775; [de Vries 1962 434; Blöndal Magnússon 1989 742; N.Nielsen 1989 340;] SSA III 2000 70; Häkkinen 2004 1044; Aikio 2006 34 [; Bjorvand–Lindeman 2007 864f.]. ? Germ. LW.

RIEKKEÄ (Lönnr.) ’lebhaft, wild, ungestüm; grell, scharf’, riekas ’lebhaft, froh’, riekko ’lebhaft, wild, ungestüm’. *rƝkkV ~ urgerm. *sprƝki-z, urn. *sprƗkiR; vgl. an. sprækr ’lebhaft, beweglich’, norw. spræk ’gewandt, behende, keck, lebhaft, tüchtig’, schwed. dial. spräk(er) ’mutig; munter; gesprächig; lebhaft; glänzend’, dän. dial. spræg ’hochmütig’; vgl. noch schwed. sprakfåle ’junges wildes Fohlen’; ~ urgerm. *sprƝkija-z, urn. *sprƗkijaR; wie oben.

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Von den obigen fi. Wörtern ist nur riekko mundartlich belegt. Riekas kommt z.B. bei Kivi und Lönnrot (NS) vor, riekkeä nur bei Lönnrot. Die älteste Form dürfte riekko sein; die anderen könnten analogisch aus riekko entstanden sein. Riekas und riekkeä werden in den etymologischen Wörterbüchern nicht genannt; riekko wird im SKES und im SSA mit dem ”onomatopoetisch-deskriptiven” Verbum RIEKKUA verknüpft. Nikkilä hat riekkeä als germ. Lehnwort gedeutet und in vorsichtiger Formulierung gefragt, ob riekko und RIEKKUA ’schreien; toben’ auch in irgendeiner Weise mit den oben genannten germ. Wörtern zusammenhängen können. Lautlich entspricht die Herleitung den gängigen Substitutionsmustern; semantisch wäre sie problemlos, aber der expressive Charakter der Wortgruppe mahnt zur Vorsicht. Vgl. RIEKKUA. [Hellquist 1939 1050f.;] SKES III 1962 776f.; [de Vries 1962 539; Seebold 1970 455–457;] Nikkilä 1981 70f., 82; Hofstra 1985a 138, 217f., 339; [Blöndal Magnússon 1989 943; N.Nielsen 1989 410; Heidermanns 1993 537;] SSA III 2000 70. ? Germ. LW.

RIEKKUA ’toben, wüten, schuften; hängen, schaukeln’; karel. riekkuo ’schaukeln, schwingen; hängen; krähen’. *rƝkku[1. ~ urgerm. *sprƝki-z, urn. *sprƗkiR; vgl. an. sprækr ’lebhaft, beweglich’, norw. spræk ’gewandt, behende, keck, lebhaft, tüchtig’, schwed. dial. spräk(er) ’mutig; munter; gesprächig; lebhaft; glänzend’, dän. dial. spræg ’hochmütig’; vgl. noch schwed. sprakfåle ’junges wildes Fohlen’; ~ urgerm. *sprƝkija-z, urn. *sprƗkijaR; wie oben.] [2. ~ urgerm. *skrƝkijan-, urn. *skrƗkijan; vgl. an. skrækja ’schreien, kreischen, krächzen’, norw. skrækja id., schwed. dial. skräka ’id.’.] [3. ~ urgerm. *skrƯkan- , urn. *skrƯkan; vgl. isl. skríka ’hinzulaufen, stürzen’, schwed. skrika ’schreien’.] In den etymologischen Wörterbüchern wird riekkua als onomatopoetisch-deskriptiv bezeichnet. Ojansuu stellte es ohne nähere Begründung zu schwed. skrika. Karsten stellt 1915 es zwar zu ”urg. *skrƝk-”, fragt aber anschließend: ”Oder ist finn. riekkua onomatopoetisch?”. Karsten behandelt riekkua 1943/44 nicht und hat seine alte Ansicht offenbar aufgegeben. Nikkilä sieht zwar irgendeinen Zusammenhang zwischen riekkua und dem altnord. Adjektiv sprækr, begründet die von ihm erkannte Möglichkeit nicht näher. Keiner der Versuche, riekkua mit germ. Wortgut zu verbinden, ist plausibel. Vgl. RIEKKEÄ

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Karsten 1915 81, 225; Ojansuu 1905a 23; [Hellquist 1939 948, 1650f.;] SKES III 1962 776f.; [de Vries 1962 505, 539;] Hakulinen 1979 293; Nikkilä 1981 70f.; Grönholm 1988 88; [Blöndal Magnússon 1989 862f., 869, 943; N.Nielsen 1989 377f., 410;] SSA III 2000 70 [; Bjorvand–Lindeman 2007 987]. Kein germ. LW.

RIEPAS (G. rieppaan) (dial.), riepakka ’frisch, keck, rasch, schnell; stolz; üppig’. *rƝpի pas (G. *rƝppahan) ~ urgerm. *krƝΰija-z, urn. *krƗΰijaR (oder urgerm. *krƝfija-z, urn. *krƗfijaR); vgl. an. kræfr ’stark, tapfer’, norw. dial. kræv ’tüchtig, stark; lebhaft, lebenskräftig’. Die von Wiklund vorgelegte Deutung von riepas als germ. Lehnwort wurde von Setälä als sehr unsicher bezeichnet. Karsten dachte außer an Entlehnung aus vorgerm. *krƝpi֐ os (statt *grƝpi֐ os) (> urgerm. *krƝfi֐ az oder *krƝΰi֐ az) an eine lautliche Variante von REIPAS; diese Auffassung liegt auch im SKES und im SSA vor. Die Herleitung aus germ. *krƝΰija-z ist lautlich möglich, wenn auch urfi. *pp : *pի p als Substitution von germ. ΰ / f auffällt; semantische Probleme gibt es nicht. Wiklund 1912 225; Setälä 1913a 438; Karsten 1915 81, 183, 190; Wiklund 1917a 72; Collinder 1932 232–234; Karsten 1943/44 444–447, 450; Kylstra 1961 77; Schlachter 1962 22; SKES III 1962 760; de Vries 1962 XLVI; [Blöndal Magnússon 1989 512;] SSA III 2000 61. ? Germ. LW.

RIETAS (G. riettaan) ’unanständig, lüstern, unmoralisch, unrein; Teufel’; rietta ’Bösewicht; Raubtier, -vogel; Kadaver; Schmerz; Teufel; Schmutz; ekelhaft, häßlich; unanständig’; karel. rietta ’Augeneiter, Augenbutter; Schmutz; Ärger’; estn. retas Fluchwort. *rƝtի tas (G. *rƝttahan) [~ urgerm. *wrƝþu-z, urn. *wrƗþuR; vgl. adän. vrƗth ’Schweineherde’, dän. vråd ’Gruppe von 12 Schweinen’, ae. wr‘æd, wr‘æÿ f. ’Herde’; got. wriþus [= *wrƝþus] m. ’(Schweine)herde’; ~ urgerm. *wrƝþan-, urn. *wrƗþƗ; vgl. an. ráði m. ’Eber’.] Estn. dial. retas wird im SKES und im SSA als fi. Lehnwort bezeichnet. Die Herleitung des Adjektivs rietas aus dem germ. Substantiv *wrƝþu-z (oder richtiger: einer Stufe mit noch nicht zu þ verschobenem vorgerm. t) wurde von Karsten vorgelegt. Diese Deutung wäre lautlich zwar möglich, wenn auch wegen urfi. tt ~ urgerm. þ auffällig, aber semantisch ist sie völlig unakzeptabel; sie wurde denn auch von anderen Forschern nicht übernommen.

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Karsten 1915 81, 183, 187, 190f.; Wiklund 1917a 72; Jacobsohn 1925 267; Collinder 1932 234–237; Karsten 1943/44 450–453; Nirvi 1950 408–412, 480; Kylstra 1961 137; Sköld 1961 133; SKES III 1962 780; [de Vries 1962 431;] Juntune 1973 17; Hakulinen 1979 136, 323; [Lehmann 1986 411; Blöndal Magnússon 1989 737;] SSA III 2000 72. Kein germ. LW.

RIEVÄ (dial.) ’frisch, ungesäuert, süß; locker; fade; nicht gesäuertes Gerstenbrot; feuchtes, schlecht befahrbares Gelände’. *rƝvä [~ urgerm. *Ȥrawa-z, urn. *hrawaR; vgl. an. hrár ’roh, frisch, ungekocht’, aschwed. rƗr ’feucht, frisch; roh, unbearbeitet’, ae. hrƝaw ’roh, ungekocht’, as. hrao ’roh, ungemalzt’, ahd. rao ’roh’.] Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Wiklund vorgelegt; er stellte rievä zu an. hrár < urn. *hrƗwaz < *hrƝwaz. Die urgerm. Vorstufe von an. hrár usw. ist aber nicht *ȤrƝwa-z, sondern *Ȥrawa-z (dazu z.B. Nielsen, Heidermanns). Rievä wird im SKES und im SSA als Kontamination von LIEVÄ ’gelinde, mild, locker’ und rieska ’frisch usw.’ aufgefaßt. Vgl. RAAKA, RAAVAS. Wiklund 1912 224; Setälä 1913a 439; Hellquist 1939 861; Karsten 1943/44 453; Kylstra 1961 77; SKES III 1962 781; Schlachter 1962 23; de Vries 1962 251; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 334; T.Itkonen 1982a 133f.; Hofstra 1985a 37, 33; Blöndal Magnússon 1989 366; [N. Nielsen 1989 356; Heidermanns 1993 306;] Nikkilä 1996a 394f.; Nikkilä 1998a 80; Nikkilä 1999 132; SSA III 2000 72 [; Bjorvand–Lindeman 2007 914]. Kein germ. LW.

RIIHI (G. riihen) ’Getreidedarre mit Dreschtenne; Getreide in der Darre’; ingr. rƯhi; karel. riihi; lüd. rƯh; weps. rihi, Ěii֐ h; wot. rihi ’Stube, Hütte, Häuschen’, wotK. rƯhI ’Darre’; estn. rehi (G. rehe), rehe, rei, reht, riha, rihi, riih; liv. rƯ‫;ތ‬ wotj. inši֑ r ’Tenne, Dreschtenne’; syrj. ri֑ ni֑ š ’Getreidedarre, Riege’. *rƯhi < *rƯhe *rimǀ, urn. *rimu; vgl. an. rim f. ’Brett, Latte, Stange (z.B. eines Zauns); oberste Plankenreihe eines Schiffes’, norw. dial. rim ’langes, schmales Brett, Stange’, schwed. dial. rim ’Stock, Balken; Langholz im Schlitten’, dän. rem ’waagerechter Balken in einem Gebäude’, engl. dial. rim ’Leitersprosse’, ostfries. rim ’Langbalken des Daches’; ~ urgerm. *riman-, urn. *rimƗ; vgl. an. rimi m. ’langgestreckter (flacher) Bergrücken, Höhenzug’, ae. rima m. ’Rand, Grenze, Küste’. Estn. riim ’Teil des Giebels’ findet sich in nur zwei Gemeinden im Südestnischen. Estn. riim (G. riimi) ’Kopf an der Spindel in der Mühle, das Eisen, welches den oberen Mühlstein dreht’, das im EEW mit Vorbehalt mit fi. RIMA und riima verglichen wird, ist aus semantischen Gründen davon getrennt zu halten. Riima wurde oft – mit Vorbehalt – als lautliche Variante von RIMA aufgefaßt, bis Koivulehto, der estn. riim offenbar nicht kannte, es als selbständige Entlehnung aus dem Germanischen deutete. Die Entlehnung könne wegen urfi. Ư ~ germ. i (vgl. VIIKKO) früh geschehen sein; das Original sei dann das frühe urgerm. *rimƗ gewesen; aber auch Entlehnung von urgerm. *riman- komme in Frage. Angesichts der Verbreitung des Wortes und der an germ. *rim- enger als an ostseefi. RIMA anlehnende Bedeutung ist Koivulehtos Deutung plausibel. Vgl. RIMA. [Hellquist 1939 826;] Karsten 1943/44 457, 459f.; SKES III 1962 799; [de Vries 1962 446; ODEE 1969 768;] Koivulehto 1973b 571; Sammallahti 1977 121, 122; EEW 1982/83 2477; Hofstra 1985a 24, 318; [Lehmann 1986 286; Blöndal Magnússon 1989 762; N.Nielsen 1989 343;] Koivulehto 1999a 90. Germ. LW.

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RIIPIÄ ’abreißen, abpflücken, abstreifen; kratzen, ritzen; riffeln (Flachs)’; ingr. rƯpiä; karel. riipie ’id.; reiben’; lüd. rƯpidä; weps. ripta, Ěibd'ä, Ěii֐ pta; estn. riibuma ’harken; streifen, streichen, scharren’; liv. rƯbΩյ ’reiben, streifen, raffen’; ? lpN. ribâtit, rivâtit ’entkommen lassen, verlieren’. *rƯpi1. ~ urgerm. [*reifan- >] *rƯfan-, urn. *rƯfan; vgl. an. rífa ’(zer)reißen; berauben’, aschwed. riva ’(zer)reißen, verschlingen’, afries. rƯva ’reißen, kratzen’. 2. ~ urgerm. *ripǀ(ja)n-, urn. *ripǀn; vgl. norw. ripa ’pflücken, abreißen’, schwed. repa, älter ripa id., mnd. repen ’Flachs riffeln’. 3. ~ urgerm. [*wreiΰan- >] *wrƯΰan- (, urn. *wrƯΰan); vgl. mnd. (w)rƯven ’reiben’, ahd. rƯban id. Sammallahti stellt zu riipiä auch lp. ribâtit als Ableitung von rihpa- ’berauben’ < fi.-lp. *rƯpi-. Bereits Lindström hat riipiä zu schwed. rifva gestellt. Neuhaus hat riipiä als germ. Lehnwort gedeutet und mit an. rífa verglichen. Karsten hält die Verknüpfung mit aschwed. riva und an. rífa für wahrscheinlich, weist als Alternative auf schwed. repa, älter ripa hin. Neuhaus’ Etymologie ist lautlich in Ordnung; Karstens Alternative bedeutet eine auffällige, aber nicht unmögliche Wiedergabe des -p- des germ. Originals. Zusätzlich zu diesen Herleitungen wäre auch noch an (teilweise) Entlehnung von urgerm.-urn. *wrƯΰan- zu denken. In der Fennistik wird riipiä aber gewöhnlich als einheimisch-deskriptiv aufgefaßt. Die Wortfelder ’reißen, pflücken’ und ’kratzen, schaben’ haben eine große Zahl von ostseefi. Wörtern mit der Lautfolge rVp- (auch noch u.a. fi. raapia, repiä, ruopia), während auf germ. Seite eine große Zahl semantisch ähnlicher Wörter mit der Lautfolge (C+)r+V+Labial- vorkommt (auch noch u.a. urgerm. *hreiΰan- > *hrƯΰan-; vgl. an. hrífa ’greifen’, (vielleicht auch) ’kratzen’, urgerm. *reipan- > *rƯpan-; vgl. ae. rƯpa ’Korn schneiden, ernten’ und *greipan- > *grƯpan- ’greifen’). Germ. Einfluß auf das Ostseefinnische liegt nahe. Wörter aus obengenannten germ. Wortgruppen konnten auch in späterer Zeit entlehnt werden: Estn. riivima ’(zer)reiben, (an)streifen’ ist ein mittelniederdt. Lehnwort; fi. riivata ’reiben’ ein schwed. Lehnwort. Eingehende Erforschung der Einzelheiten ist notwendig. Lindström 1859 39; Neuhaus 1908 153; Setälä 1913a 440; Neuhaus 1919 157; [Hellquist 1939 827, 839;] Rytkönen 1940 159; Karsten 1943/44 458; SKES III 1962 786f., 794; de Vries 1962 445; [Seebold 1970 270f., 368f., 370f., 565;] Hakulinen 1979 320; Raun 1982 142; EEW 1982/83 988, 2472f., 2485; T.Itkonen 1983 205; Blöndal Magnússon 1989 759; [N.Nielsen 1989 347;] Koponen 1998 158; Sammallahti 1998 261; SSA III 2000 74. ? Germ. LW.

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RIIPPI (dial.) ’netzförmiger Heusack; netzartiger Rucksack; Traglast’; estn. ripi (Wied.), ripp, rüpp, rüpe ’Heukorb’. *rƯppi ~ urgerm. *Ȥripa-, urn. *hripa; vgl. an. hrip n. ’Traggestell, Korb oder Kasten (am Packsattel des Pferdes)’, norw. dial. rip ’großer viereckiger Rückenkorb’, nd. rep ’Korb, Eselssattel aus Holz, Traggestell’, ahd. href n. ’Tragkorb, Rückenkorb’; ~ urgerm. [*Ȥrepez >] *Ȥripiz, urn. *hripiR (oder [*Ȥrepi- >] *Ȥripi-, urn. *hripi; wie oben). Möglicherweise gehört zu riippi auch fi. riippa ’Senker, Senkblei, Ankerstein, usw.’. Die obigen estn. Wörter sind nur in den Mundarten der westlichen Inseln belegt. Estn. rübi, ribi ’Sattel (aus Holz)’, laut EEW und Raun etymologisch unklar, könnte vielleicht auch zu riippi zu stellen sein. Toivonen hat riippi ’Heusack’ als germ. Lehnwort gedeutet, ohne sich zur Zeit der Übernahme zu äußern. Collinder hat riippi mit riippa ’Senker, Senkblei, Ankerstein’ und riippu ’Hänge-, Pendel’ (Wechsel -a ~ -u ~ -i) verbunden und mit riippua ’hängen’ verglichen. Im SKES hat Toivonens Etymologie ein Fragezeichen und wird die Möglichkeit erwogen, daß riippi ’Heusack’ mit riippi ’Birkenzweig (als Tragemittel)’ zusammenhänge und mit norw. rip usw. oder mit fi. riippua verbunden werden könne. Laut SSA dürften riippi ’Heusack’ und riippi ’Birkenzweig (als Tragemittel)’ zum deskriptiven Verb riippua ’hängen’ gehören. Riippi ’Heusack’ ist auch aus semantischen Gründen von urgerm. *Ȥripa-, norw. rip usw. kaum zu trennen. Die Verbreitung legt zwar den Gedanken an späte Entlehnung nahe, aber Ư als Reflex von germ. i liegt gerade in einigen alten Lehnwörtern vor (RIIMA2, VIIKKO), so daß auch riippi ein altes germ. Lehnwort sein könnte. Toivonen 1920 125; Collinder 1932 63; Karsten 1943/44 458; SKES III 1962 787f.; [de Vries 1962 256;] Raun 1982 148; EEW 1982/83 2496, 2623; [Blöndal Magnússon 1989 374;] Häkkinen 1990b 257f.; SSA III 2000 74f. Germ. oder jüngeres LW.

RIITA ’Streit, Zwist, Streitigkeit, Uneinigkeit, Kampf’; ingr. rƯDa; karel. riita; lüd. rƯd; weps. rid, rƯd, Ěid; wotKJ. rƯto; estn. riid (G. riiu); liv. rƯd. *rƯta 1. ~ urgerm. [*streiÿa- >] *strƯÿa-, urn. *strƯÿa-; vgl. an. strƯð n. ’Streit, Krieg, Uneinigkeit; Leid, Kummer, Schmerz’, aschwed. strƯdh n. und f. ’Kampf; Anstrengung, Mühsal; Streitkraft’, afries. strƯd n. ’Streit, Kampf’; ~ urgerm. [*streiÿa-z >] *strƯÿaz (, urn. *strƯÿaR); vgl. as. strƯd m. ’Streit, Eifer’, ahd. strƯt m. ’Streit, Zwietracht; Auseinandersetzung’.

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[2. ~ urgerm. [*Ȥreiÿǀ >] *ȤrƯÿǀ, urn. *hrƯÿu; vgl. an. hríð f. ’Unwetter, Sturm, Schneesturm; Ansturm, Angriff, Kampf; Zeit(raum), Weile’, norw. dial. ri ’kurzer heftiger Anfall; kurze Zeit’, schwed. dial. rid, ri ’kurze Zeit, Weile; Krankheitsanfall’, ae. hrƯd f. ’Schneesturm, Unwetter’.] Seitdem Thomsen riita als germ. Lehnwort gedeutet hatte, wurde es im allgemeinen zu germ. *strƯÿ- gestellt. Vendell hat riita mit germ. *ȤrƯÿǀ verbunden, fand aber wenig Beifall. Die beiden Deutungen sind lautlich in Ordnung, semantisch ist Thomsens Deutung der von Vendell vorgelegten weit überlegen. Thomsen 1869 144; Vendell 1894 7; Setälä 1913a 439; Hellquist 1939 [834,] 1087; Karsten 1943/44 458; Kylstra 1961 45; SKES III 1962 791; de Vries 1962 [255,] 553; Raun–Saareste 1965 44; Hakulinen 1979 302, 362; Raun 1982 142; EEW 1982/83 2473f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 330f.; Nikkilä 1985 98f.; [Blöndal Magnússon 1989 371, 971;] N.Nielsen 1989 424; Häkkinen 1990a 252; Koivulehto 1999a 5; SSA III 2000 76; Häkkinen 2004 1048. Germ. LW.

RIITTA (aWb., dial.), riitto ’Stapel (Stroh, Heu, Holz)’; wot. rƯta ’Holzstoß’; estn. riit (G. riida) ’id.’; liv. rƯt̖' ’Stapel; Reihe’. *rƯtta [~ urgerm. [*reȤtijan- >] *riȤtijan-, urn. *rihtijan; vgl. an. rétta ’gerade machen; einrichten’, aschwed. rætta ’(auf)richten’, aber auch schwed. dial. rƯta ’aufrichten’, ae. rihtan ’berichtigen; leiten; aufrichten, errichten’, as. rihtian ’(er)richten; lenken’, ahd. rihtan ’(auf)richten, lenken’, got. garaihtjan ’richten, lenken’.] Saxén hat riitta mit schwed. dial. (Finnland) rƯtu, rƯto ’Hocke’ (zu schwed. dial. rita ’aufheben, sich erheben’ < urgerm. *rihtian) verglichen. Laut Setälä ist riitta kein germ. Lehnwort. Im SSA wird es mit Fragezeichen als Entlehnung von urn. *rƯt(t)a gedeutet und – ohne daß Saxén erwähnt wird – mit schwed. dial. rƯt(a) verglichen; schwed. dial. rƯto ist laut SKES und SSA ein fi. Lehnwort. Riitta kann kein altes Lehnwort sein, da dann statt ostseefi. *rƯtt- wohl *rihtoder noch *reht- eingetreten wäre. Angesichts der Verbreitung im Ostseefinnischen ist auch eine jüngere Entlehnung kaum plausibel. Außerdem macht der Unterschied zwischen germ.Verb und ostseefi. Substantiv die Deutung von riitta als germ. Lehnwort sehr unwahrscheinlich. Liukkonen hat riitta als balt. Lehnwort gedeutet, nachdem bereits Vaba mit dieser Möglichkeit gerechnet hatte. Saxén 1895/98 210; Setälä 1913a 439; [Hellquist 1939 871;] SKES III 1962 792f.; [de Vries 1962 442;] Hakulinen 1979 337, 363f.; Raun 1982 142; EEW 1982/83 2481; [N.Nielsen 1989 344;] Vaba 1990 134; [Heidermanns 1993

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441f.;] Liukkonen 1999 121f.; SSA III 2000 76; Nikkilä 2002 127 [; Bjorvand– Lindeman 2007 878f.]. Kein germ. LW.

RIKAS (G. rikkaan) ’reich, reichlich, ausgiebig’; ingr. riGaZ; karel. rikas; lüd. rikkahembaine (Komp.) ’ein wenig reicher’; wot. rikaZ; estn. rikas; liv. rikի kàZ. *rikի kas (G. *rikkahan) ~ urgerm. *rƯkijaz, urn. *rƯkijaR; vgl. an. ríkr ’mächtig, stark; reich’, aschwed. rƯker id., ae. rƯce id., as. rƯki id., ahd. rƯhhi id.; vgl. got. reiks m. ’Herrscher’. Lüd. rikkahembaine ist nur in der Mundart von Kenjärvi bezeugt. Bereits Moller hat 1756 fi. rikas mit germ. Wortmaterial verglichen. Die danach bei Thomsen begegnende Deutung als germ. Lehnwort wird mit Recht allgemein akzeptiert, wenn auch das Fehlen eines Reflexes von germ. -j- auffällt. Thomsen 1869 47, 144; Setälä 1913a 440; Hellquist 1939 835; Karsten 1943/44 459; SKES III 1962 795f.; de Vries 1962 446; Raun–Saareste 1965 44; Krause 1969 91f.; [ODEE 1969 766;] Niskanen–Hofstra 1971 42, 49–51; Posti 1973 166f.; Ritter 1977 179; Hakulinen 1979 364, 361; Koivulehto 1979b 272, 298; Koivulehto 1981a 193, 336, 346; Raun 1982 142; EEW 1982/83 2486f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 36, 83, 105, 169, 332, 338, 341; [Lehmann 1986 283; Blöndal Magnússon 1989 761;] Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 346; Heidermanns 1993 450f.; Ritter 1993 127, 129, 146, 177; Häkkinen 1996a 160f.; SSA III 2000 77; Häkkinen 2004 1049. Germ. LW.

RIKKOA ’zerbrechen, kaputt machen; brechen, ein Verbrechen vergehen’; ingr. rikkoa; karel. rikkuo; lüd. rikkoda ’töten; verderben, schaden’; weps. Ěikta ’töten, ermorden’; wot. rikkoa ’brechen; verderben, schaden’; estn. rikkuma, rikkima, rikma ’id.; verführen’; liv. rik̖ kΩյ ’verderben, beschädigen’. *rikko~ urgerm. *brekan- (, urn. *brekan); vgl. ae. brecan ’brechen’, as. brekan id., ahd. brehhan id., got. brikan id. Schon Ganander 1787 hat rikkoa mit got. brikan, ae. brecan usw. verglichen. Öhmann hat rikkoa als got. Lehnwort gedeutet und darauf hingewiesen, daß es Laut für Laut mit got. brikan übereinstimme. Vgl. zu urfi. i ~ urgerm. e / got. i MITATA. Öhmanns Deutung hat kaum Beachtung gefunden, obwohl sie semantisch und lautlich plausibel erscheint.

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Laut SKES ist rikkoa kaum ein germ. Lehnwort. In der Fennistik wird rikkoa vielmehr als Ableitung von rikka ’Körnchen, Halm, Splinter’, Pl. rikat ’Kehricht, Müll’ aufgefaßt. Rikka hat allerdings eine viel geringere Verbreitung (fi., karel., wot.) als rikkoa (allgemein ostseefi.); semantisch ist diese Herleitung schlechter als Öhmanns Etymologie; überdies ist die Herkunft von rikka dunkel. Öhmann 1925 237; SKES III 1962 797f.; ODEE 1969 115; [Seebold 1970 132– 135;] Hakulinen 1979 299; Raun 1982 143; EEW 1982/83 2488f.; [Lehmann 1986 80;] SSA III 2000 78; Häkkinen 2004 1050. Germ. LW.

RIMA ’Latte; Zaunstange; kleiner Baum, Schößling, Zweig’; karel. rima ’Latte; dünner, entästeter Baumstamm’. *rima ~ urgerm. *rimƗ > *rimǀ, urn. *rimu; vgl. an. rim f. ’Brett, Latte, Stange (z.B. im Zaun); oberste Plankenreihe eines Schiffes’, norw. dial. rim ’langes, schmales Brett, Stange’, schwed. dial. rim ’Stock, Balken; Langholz im Schlitten’, engl. dial. rim ’Leitersprosse’, ostfries. rim ’Langbalken des Daches’; ~ urgerm. *riman-, urn. *rimƗ; vgl. an. rimi m. ’langgestreckter (flacher) Bergrücken, Höhenzug’, ae. rima m. ’Rand, Grenze, Küste’. Estn. riim (G. riimi) ’Kopf an der Spindel in der Mühle, das Eisen, welches den oberen Mühlstein dreht’, das im EEW mit Vorbehalt mit fi. rima und RIIMA2 verglichen wird, ist aus semantischen Gründen davon getrennt zu halten. Saxén hat rima als nordgerm. Lehnwort gedeutet. Es gibt weder lautliche noch semantische Probleme; diese Etymologie ist denn auch allgemein akzeptiert. Es gibt allerdings keine Kriterien, die eine jüngere Entlehnung ausschließen würden. Vgl. RIIMA2. Saxén 1895/98 210; Setälä 1913a 440; Hellquist 1939 826; Karsten 1943/44 459f.; SKES III 1962 799; de Vries 1962 446; [ODEE 1969 768;] Koivulehto 1973b 571; Hakulinen 1979 358; EEW 1982/83 2477; Hofstra 1985a 23, 318; [Lehmann 1986 286; Blöndal Magnússon 1989 762; N.Nielsen 1989 343;] Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 90; SSA III 2000 79; Häkkinen 2004 1050. Germ. oder jüngeres LW.

RINNE (G. rinteen) ’Abhang; Rand’; karel. rinne (G. rintien); estn. rinne (G. rinde) ’Schicht; Front; Streifen’; ?lpN. râddâ in pæi'verâddâ ’Stelle, wo die Sonne kräftig scheint’ (pæi've ’Sonne’). *rindek (G. *rinteȖen)

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1. ~ urgerm. [*strenÿǀ >] *strinÿǀ, urn. *strindu; vgl. an. strind f. ’Kante, Seite; Erde, Land’, norw. strind ’Streifen, Seite’; ~ urgerm. [*strenÿi-z >] *strinÿiz, urn. *strindiR; wie oben; ~ urgerm. [*strenÿija- >] *strinÿja-, urn. *strindija; vgl. an. strindi n. ’Land’ (nur in Poesie). 2. ~ urgerm. [*renÿǀ >] *rinÿǀ, urn. *rindu; vgl. norw. rind f. ’Erdrücken, hohe Erdbank; Streifen (im Tuch)’; ~ urgerm. [*renÿan- >] *rinÿan-, urn. *rindƗ; vgl. neuisl. rindi m. ’schmaler grasbewachsener Erdstreifen an einem Felsabhang’, norw. rinde m. ’Erdrücken, hohe Erdbank’; dazu auch got. rintsch ’Berg’(?). Lp. râddâ hat eine geringe Verbreitung (vielleicht liegt ostseefi. Einfluß vor). Karsten hat rinne mit norw. rind usw. verglichen. Wiklund stellte rinne zu an. *strind usw. Beide Deutungen wurden von Setälä angezweifelt. Nach allgemeiner Auffassung ist rinne eine Ableitung von RINTA. Koivulehto bezeichnet aber rinne als germ. Lehnwort und nennt sowohl *rind- wie auch *strind- als germ. Vergleichsmaterial. Lautlich und semantisch ist diese Deutung plausibel. Vgl. RINTA. Karsten 1906a 17; Wiklund 1912 239–241; Setälä 1913a 440; [Torp 1919 532, 727; Hellquist 1939 1085, 1087f.;] Karsten 1943/44 460f.; Kylstra 1961 81; SKES III 1962 802; de Vries 1962 553; Hakulinen 1979 120, 312; Hahmo 1981 53; Raun 1982 143; EEW 1982/83 2490–2493; Hofstra 1985a 325; [Lehmann 1986 286; Blöndal Magnússon 1989 763, 972; N.Nielsen 1989 423;] Häkkinen 1990a 105; Koivulehto 1992d 165; SSA III 2000 80; Häkkinen 2004 1051. Germ. LW.

RINTA ’Brust; Vorderteil; Seite, Kante, Rand; Abhang’; ingr. rinDa ’Brust; Abhang’; karel. rinta; lüd. rind ’Brustgegend, Hemdeinsatz’; weps. Ěind ’Brust’; wot. rinta ’Brust’; estn. rind, rõnd, ründ ’Brust; Front; vorragender Teil; Reihe, Zeile; Streifen’; liv. rƯnda ’Brust; vordere Fläche; Reihe’; lpN. râd'de ’Brust’. *rinta [1. ~ urgerm. [*strenÿǀ >] *strinÿǀ, urn. *strindu; vgl. an. strind f. ’Kante, Seite; Erde, Land’, norw. strind ’Streifen, Seite’; ~ urgerm. [*strenÿi-z >] *strinÿiz, urn. *strindiR; wie oben; ~ urgerm. [*strenÿja- > *strinÿija-, urn. *strindija; vgl. an. strindi n. ’Land’ (nur in Poesie).] [2. ~ urgerm. [*renÿǀ >] *rinÿǀ, urn. *rindu; vgl. norw. rind f. ’Erdrücken, hohe Erdbank; Streifen (im Tuch)’;

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~ urgerm. [*renÿan- >] *rinÿan-, urn. *rindƗ; vgl. neuisl. rindi m. ’schmaler grasbewachsener Erdstreifen an einem Felsabhang’, norw. rinde m. ’Erdrücken, hohe Erdbank’; dazu auch got. rintsch ’Berg’(?).] Saxén stellte rinta in den fi. Ortsnamen Hovirinta und Rinta(la) zu isl. rindi und norw. rinde oder strind; Wiklund stellte rinta ’Brust’ zu an. strind usw. Beide Deutungen wurden von Setälä mit einem Fragezeichen versehen. Die Herleitung aus dem Germanischen wird im allgemeinen für unsicher gehalten; rinta wird oft als einheimisch aufgefaßt. Koivulehto bezeichnet rinta (und auch RINNE) als germ. Lehnwort und nennt sowohl *rind- als auch *strind- als germ. Vergleichsmaterial. Der semantische Unterschied (ostseefi.-lp. ’Brust’ ~ germ. ’Kante, Streifen’) läßt die Deutungen von rinta als germ. Lehnwort verfehlt erscheinen. Hinzu kommt, daß der ostseefi.-lp. Zusammenhang auf recht frühe Entlehnung (lp. râd'de hat eine große Verbreitung) schließen ließe, während eine Verbindung von germ. *rindbzw. *strind- mit germ. *rand- bzw. *strand- wegen der dafür vorauszusetzenden Entwicklung e > i eher auf Entlehnung frühestens um die Zeitenwende denken läßt. Die Bedeutung ’Kante, Abhang’ (fi., ing., karel.) kann auf einer internen ostseefi. Entwicklung beruhen, wobei Einfluß von RINNE durchaus möglich ist. Vgl. RINNE. Saxén 1905 51, 238; Wiklund 1912 238; Setälä 1913a 440; [Torp 1919 532, 727; Hellquist 1939 1087f.;] Karsten 1943/44 461f.; Raun 1958 32; Kylstra 1961 80, 160; SKES III 1962 803f.; de Vries 1962 553; Hakulinen 1979 310; Raun 1982 143; EEW 1982/83 2490–2493; Hofstra 1985a 297, 325; [Lehmann 1986 286; Blöndal Magnússon 1989 763, 972;] Lehtiranta 1989 110f.; [N. Nielsen 1989 423;] Koivulehto 1992d 165; Ritter 1993 90; SSA III 2000 80; Häkkinen 2004 1051. Kein germ. LW. RIPA1 (dial.) ’Webkette’. *ripa [~ urgerm. *riΰja-z, urn. *riΰjaR; vgl. an. rifr (G. rifjar) m. ’Webbaum; Rolle, Walze’, norw. rev, riv ’Garnbaum, Webbaum’, schwed. dial. rev ’Webbaum’; ~ urgerm. *riΰa-z, urn. *riΰaR; wie oben; ~ urgerm. *riΰan-, urn. *ribƗ; vgl. schwed. dial. riva ’Webbaum’.] Karsten hat ripa 1915 zu germ. *riΰa(n)-, 1943/44 zu urn. *riΰa- gestellt, ohne auf die Bedeutungsunterschiede einzugehen. Das fi. und das germ. Wortmaterial lassen sich semantisch nicht miteinander verbinden. Laut SKES ist ripa wahrscheinlich ein junges Lehnwort, entweder aus schwed. dial. reve ’Webkette’ oder aus schwed. dial. (Finnland) riva ’Webbaum’; die Substitution von schwed. v durch fi. p statt – wie bei jungen Lehnwörtern üblich –

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durch v bleibt ungeklärt. Schwed. reve ’Webkette’ ist wahrscheinlich eine Ableitung von schwed. reva < *raiΰǀn- ’wickeln’ (dazu SAOB R 1630, 1618f.), so daß mit *riΰ- ’Webkette’ als Original von ripa nicht gerechnet werden kann. [Falk–Torp 1910/11 893;] Karsten 1915 254; [Torp 1919 537; Hellquist 1939 831;] Karsten 1943/44 462, 625; SKES III 1962 805; de Vries 1962 445 [; Blöndal Magnússon 1989 760]. Kein germ. LW. RIPA2 (dial.) ’Franse, Quaste; Beinwickel’, pääripa (Vd.) ’Kopfband’ (pää’Kopf’), ripo, ripu (Lönnr.) ’unordentlich abhängender Gegenstand, Fetzen; Kehricht’; ingr. riBa ’Beinwickel’; karel. ripa ’Franse, Quaste’, ripu ’id.; Fetzen, Lumpen’; lüd. ribu ’id.’; weps. ribu ’Fetzen; Franse’; wot. ripa ’Beinwickel’; estn. riba ’Streifen; Beinwickel’, ribu, ribo ’Plunder, Fetzen; Kehricht’. *ripa ~ urgerm. *strƯpǀn-, urn. *strƯpǀ; vgl. norw. stripa f. ’Streifen, Strähne’, schwed. stripa ’Strähne’, mnd. strƯpe f. ’eingewebter Streifen im Gewebe; Striemen als Spur von Schlägen; Besatzstreifen (Kleidung); schmaler Landstreifen’; ~ urgerm. *strƯpan- (, urn. *strƯpƗ); vgl. mnd. strƯpen m. (Bedeutung wie mnd. strƯpe), mhd. strƯfe m. ’Streifen’. Die Formen auf -u, -o können Diminutivbildungen zu ripa sein. Karsten hat ripa als Entlehnung aus schwed. Mundarten Finnlands aufgefaßt. Die fast allgemein ostseefi. Verbreitung macht diese Deutung unmöglich. Für das gewöhnlich (z.B. SKES) als deskriptiv bezeichnete ripa hat Katz eine lautlich und semantisch plausible Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt. Ostseefi. p als Reflex von germ. p würde sich mit einer sehr frühen Entlehnung gut vertragen. Vgl. RIPSU. [Hellquist 1939 1088;] Karsten 1943/44 463; SKES III 1962 805; [de Vries 1962 553;] Ruoppila 1967 161f.; Raun 1982 141; EEW 1982/83 2463, 2465f.; [Blöndal Magnússon 1989 972; N.Nielsen 1989 424;] Katz 1990a 59; SSA III 2000 82. Germ. LW.

RIPEÄ ’flink, schnell; heftig (Regen); üppig’, riipeä ’schnell, flink, kräftig, ungestüm, schlank, schön’, ripevä ’schnell; heftig (Regen)’, riveä ’flink, reichlich, hochgewachsen (Wald)’, rivakka, ripakka ’tüchtig, geschäftig, hurtig’, rivata, rivahtaa ’sich schnell bewegen’; karel. rivakka, ripakka ’flink, tüchtig’, rivahtoa ’schnell warm oder gebacken werden, schnell brennen’; weps. Ěibaita ’sich beeilen’, Ěibahtada ’id.’; estn. ribe (G.

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ribeda) ’flink, hurtig; bösartig, zänkisch’, ?ripakas ’sehr beweglich, geschäftig’, ?rebe, rebeda ’schnell, hurtig, eilig’. *ripeįä / *riȕakka ~ urgerm. [*reiΰija-z >] *rƯΰijaz (, urn. *rƯΰijaR); vgl. ae. rƯfe ’häufig, verbreitet, reichlich vorhanden’, mnl. rive, rijf ’mild, freigebig; reichlich; kräftig (Strom); belebt, stark besucht’; ~ urgerm. [*reifija-z >] *rƯfijaz (, urn. *rƯfijaR); wie oben; ~ urgerm. [*reiΰa-z >] *rƯΰaz, urn. *rƯΰaR; vgl. an. rífr ’begehrt, vollwertig’, aschwed. rƯver ’freigebig’, schwed. dial. rƯv ’rasch, fleißig’, ae. rƯf ’gewaltig, heftig, wild’, mnd. rƯve Adj. ’verschwenderisch, reichlich’, Adv. ’sehr, stark’; ~ urgerm. [*reifa-z >] *rƯfaz (, urn. *rƯfaR); wie oben. Das semantisch gut zu ripeä passende estn. ripakas hat p < * pի p, dies im Gegensatz zu ripeä. Estn. rebe (Wied.) hat auffälliges e statt i, aber Zugehörigkeit ist wegen des gelegentlichen mundartlichen Wandels von i zu e (Tauli 1956 98f.) dennoch möglich; im EEW wird rebe zu rebima ’(zer)reißen’ gestellt. Nikkilä hat die Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt (zu urn. *rƯΰia-). Lautlich und semantisch ist sie ohne Probleme. Vgl. REIPAS. SKES III 1962 806, 818; [de Vries 1962 445; ODEE 1969 767;] Hakulinen 1979 324; Nikkilä 1981 64–67, 81; EEW 1982/83 2435–2437, 2495, 2507f.; Hofstra 1985a 43, 335; [Blöndal Magnússon 1989 760; Heidermanns 1993 442f.;] SSA III 2000 80f., 85; Häkkinen 2004 1052, 1055f. Germ. LW.

RIPSAA ’streifen, berühren; schnappen, knacken, rascheln’, ripsata ’(mit Zweigen) vorsichtig schlagen’, ripsiä ’mit einem Besen Staub wischen; tröpfeln’, ripsoa ’id.; sprengen’, ripsuttaa ’id.; mit einem Zweig peitschen; blinzeln; federnd gehen’; ingr. ripsuttƗ ’spritzen’; karel. ripsata ’schnell erledigen; spritzen’, ripsuttoa ’spritzen; schnell bewegen (z.B. Augen, sich selbst)’; lüd. ripšuttada ’schwingen’; weps. ripsta ’blinzeln; mit den Augen zwinkern’; wotJ. ripsiä ’blinzeln’; estn. ripsima ’bespritzen’; liv. ripթ sΩյ ’schütteln, sich bewegen, schlagen, blinzeln’. *ripsa[~ urgerm. *strƯpǀ(ja)n- (, urn. *strƯpǀn); vgl. mnd. strƯpen, nur als Part. Prät. (ge)strƯpet ’gestreift (Zeichnung eines Tierfells, Musterung von Tuch), mit Streifenbesatz (Kleidung)’, mnl. stripen ’einen Strich ziehen’.] Die Wortgruppe um ripsaa wird in der Regel – mit Recht – als deskriptiv-onomatopoetisch aufgefaßt. Die von Katz vorgelegte Deutung als germ. Lehnwort ist wegen der vorausgesetzten Metathese und wegen der Semantik unmöglich.

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[Hellquist 1939 1088;] SKES III 1962 808f.; [de Vries 1962 553;] Raun 1982 143; EEW 1982/ 83 2499; [Blöndal Magnússon 1989 972; N.Nielsen 1989 424;] Katz 1990a 58f.; SSA III 2000 81. Kein germ. LW.

RIPSI (Pl. ripset) ’Wimper, Zilie; Franse; Haferspelze, Gerstengranne; Beerentraube; einzelne, lose Heuhalme am Außenrand des Schobers’; karel. ripsi ’Haferspelze, -rispe; Beerentraube; Heuabfall; Wimper’; lüd. ripš(i), rips ’Haferrispe; Wimper’; wot. ripsi (Pl. ripsiD) ’Wimper’, wotJ. rips ’id.; Blumen- oder Haferrispe; Büschel; Traube’; estn. ripse (Pl. ripsmed), riipse ’Wimper; Haferrispe’; liv. ripթ s ’Augenwimper’; lpN. râk'sâ ’Windel, Wickel; Lappen’, lpI. ropsa ’Wimper; Vorhang’. *ripsi < *ripse ~ urgerm. *Ȥrispǀ, urn. *hrispu; vgl. schwed. risp ’Haferrispe; etwas Zerrissenes, z.B. Teil eines Kleidungsstückes, der als Verband verwendet wird’; ~ urgerm. *Ȥrispǀn-, urn. *hrispǀ; vgl. norw. rispa ’Rispe’, ahd. (h)rispahi ’Gesträuch, Gebüsch’ (-ahi Kollektivsuffix), mhd. rispe f. ’Gezweig, Gesträuch’. Das ostseefi.-lp. Wort war lange ohne Etymologie. Koivulehto hat ripsi als germ. Lehnwort gedeutet. Die Metathese (ps statt sp) beruhe darauf, daß zur Zeit der Entlehnung das (Früh)urfinnische noch keine -ps- Verbindung gekannt habe. Metathese sp ~ ps ist auch auf germ. Seite denkbar (vgl. de Vries 1962 447f.). Koivulehtos Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung. Ripsi kann kaum von fi.-ingr.-karel.-weps. RIPSU getrennt werden; die beiden Wörter können auf separater Entlehnung aus derselben germ. Quelle beruhen, aber es ist auch möglich, daß RIPSU eine ostseefi. Weiterentwicklung von ripsi darstellt. Vgl. RIPSU. [Torp 1919 535;] SKES III 1962 809; Hakulinen 1979 310; Raun 1982 143; EEW 1982/83 2498; Koivulehto 1992a 198; SSA III 2000 81; Häkkinen 2004 1052. Germ. LW.

RIPSU ’Quaste, Franse; Band (im Haar); Fetzen (Stoff)’; ingr. ripsu ’Augenlid, Wimper; Haferspelze, Haferrispe; Beerentraube, Blumendolde’; karel. ripsu ’id.; Heureste’; lüd. ripš ’Augenwimper; Haferspelze, Haferrispe’; weps. rips ’Augenlid, Wimper; Schuppen der Birkenrinde’. *ripsu 1. ~ urgerm. *Ȥrispǀ, urn. *hrispu; vgl. schwed. risp ’Haferrispe; etwas Zerrissenes, z.B. Teil eines Kleidungsstückes, der als Verband verwendet wird’;

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~ urgerm. *Ȥrispǀn-, urn. *hrispǀ; vgl. norw. rispa ’Rispe’, ahd. (h)rispahi ’Gesträuch, Gebüsch’ (-ahi Kollektivsuffix), mhd. rispe f. ’Gezweig, Gesträuch’. [2. ~ urgerm. *strƯpǀn-, urn. *strƯpǀ; vgl. norw. stripa f. ’Streifen, Strähne’, schwed. stripa ’Strähne’, mnd. strƯpe f. ’eingewebter Streifen im Gewebe; Striemen (von Schlägen); Besatzstreifen (Kleidung); schmaler Landstreifen’; ~ urgerm. *strƯpan- (, urn. *strƯpƗ); vgl. mnd. strƯpen m. (Bedeutung wie mnd. strƯpe), mhd. strƯfe m. ’Streifen’.] Die von Katz vorgelegte Deutung von ripsu als germ. Lehnwort (aus urgerm. *strƯpǀn- usw.) setzt eine unmögliche Metathese voraus. Nikkilä erklärt ripsu ’Quaste, Franse’ als Suffixerweiterung von RIPA2 und vergleicht hapsu und tupsu ’Quaste’.Es ist möglich, daß ripsu zu RIPSI ’Wimper usw.’ zu stellen ist (so SKES, SSA, Häkkinen). Eine separate Entlehnung aus urgerm. *Ȥrispǀ(n)- kommt aber ebensogut in Frage. Vgl. RIPA2, RIPSI. [Torp 1919 535; Hellquist 1939 1088;] SKES III 1962 809; [de Vries 1962 553;] EEW 1982/83 2498; T.Itkonen 1983 221; Blöndal Magnússon 1989 972; N.Nielsen 1989 424;] Katz 1990a 58f.; Nikkilä 1998a 96; SSA III 2000 82; Häkkinen 2004 1052. ? Germ. LW. weps. ęIŠT ’lange Zeit’, Ěištan (Adv.) ’lange’; ingr. rƯssan (Adv.) ’lange’. *rƯsta ~ urgerm. *fristi-z, urn. *fristiR; vgl. aschwed. frist f., m. ’Zeitraum, Frist; Weile; Ausdehnung; Aufschub; Wegstrecke’, ae. frist f. ’Frist, Zeit(raum); Weile; Waffenstillstand’, ahd. frist f., m. ’Frist; Aufschub; bestimmte Zeit, Zeitpunkt’; ~ urgerm. *frista-, urn. *fresta / *frista; vgl. oben und an. frest n. ’Zeitraum, Frist; Aufschub’, aschwed. fræst f., m. ’id.; Weile; Ausdehnung; Wegstrecke’. Im SKES und SSA wird weps. Ěišt zu fi. riista ’Jagdwild; Habe, Reichtum; Ernte(ertrag)’ gestellt; diese Verknüpfung ist aus semantischen Gründen abzulehnen. Nikkilä hat für weps. Ěišt eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt. Lautlich und semantisch ist diese Deutung ohne besondere Probleme; die Rekonstruktionen auf germ. Seite sind allerdings umstritten. Kettunen 1933; [Hellquist 1939 239;] SKES III 1962 790; [de Vries 1962 141f.;] EEW 1982/83 2480f.; [Blöndal Magnússon 1989 207; N.Nielsen 1989 141;] Nikkilä 1990b 252; SSA III 2000 75 [; Bjorvand–Lindeman 2007 306–308]. Germ. LW.

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RITA ’Falle (zum Fangen von Tieren), Fangkiste, -grube’; karel. rita; lüd. rida; weps. Ěida; lpT. raitte; ?tscher. rΏ.įΩյ, rüįö, lΏ.įΩյ; ?syrj. ri ’Hebepinne (die aufspringt, wenn der Vogel in die Schlinge geraten ist); Brunnenschwengel’. *rita ~ urgerm. *wriþa-, urn. *wriþa / urn. *wreþa; vgl. schwed. dial. vred, vre n. ’Drehung, Biegung, Krümmung; Ecke in einer Umzäunung’; ~ urgerm. *wriþan-, urn. *wriþƗ ; vgl. schwed. dial. vrida m. ’dicke Stange, Hebestange’, ae. bƝahwriða m. ’Ringband’ (bƝah- ’Ring’), ahd. rido m. ’Spannung’; ~ urgerm. *wrƯþan-, urn. *wrƯþƗ; vgl. schwed. dial. vrƯda ’Hebestange’. Karsten hat rita als germ. (nord.) Lehnwort gedeutet und dabei an *wriþa(n)- als Quelle gedacht. Die lp., tscher. und syrj. Wörter, die zu rita gestellt werden, dürften der Grund sein, weshalb Karstens Deutung keine Zustimmung gefunden hat. Rita gilt denn auch als fi.-perm. Erbwort. Laut SSA aber sind die tscher. und syrj. Wörter keine lautlich ganz einwandfreie Entsprechungen. Koivulehto hat die Aufmerksamkeit auf Karstens Etymologie gelenkt und zusätzlich germ. *wrƯþan- als mögliche Quelle genannt; die germ. Substantive seien Ableitungen zu germ. *wrƯþa- ’winden’. Lautlich steht der Annahme der Herkunft aus dem Germanischen nichts im Wege; semantisch wäre an ’Holzkonstruktion (z.B. zum Tierfang)’ zu denken. Das Wort mag sich als Wanderwort und Bezeichnung einer technischen Errungenschaft bis ins Permische verbreitet haben. [Hellquist 1939 1368;] Karsten 1943/44 442f., 464; SKES III 1962 814f.; [Seebold 1970 567f.;] Hakulinen 1979 340; Hofstra 1985a 300f., 352, 391f.; Koivulehto 1986a 166; Sammallahti 1988 556; UEW II 1988 746; Joki 1989 14; Häkkinen 1990a 192f.; SSA III 2000 83; Palviainen 2004 228. ? Germ. LW.

RIUKU ’Stange, Latte, (dünner) entästeter langer Baumstamm’; ingr. riuGu; karel. riuku; wot. riuku; ?estn. riug ’Stange, Latte’. *riuku ~ urgerm. *þreuЀǀn-, urn. *þreuЀǀ; vgl. norw. triug ’eine Art Schneeschuh’, schwed. trioga f. id.; dazu als Beiname an. þriúgr m. Estn. riug (nur nordöstl. Küstenmundarten) kann ein fi. Lehnwort sein. Die Deutung von riuku als germ. Lehnwort wurde von Nikkilä vorgelegt. Lautlich gibt es keine Probleme. Da norw. triug ’Schneeschuh’ dem Ursprung nach die Bezeichnung eines gespaltenen Holzstückes ist (dazu De Vries), ist auch semantisch die Herkunft von riuku aus dem Germanischen plausibel.

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[Torp 1919 809; Hellquist 1939 1227;] SKES III 1962 816; [de Vries 1962 623;] Hakulinen 1979 337; Nikkilä 1987 238; [Blöndal Magnússon 1989 1194, 1196;] SSA III 2000 84; Häkkinen 2004 1055. Germ. LW.

RIUTTA ’Reihe von Klippen, Sandbank, (steiler) Abhang, Steinhaufen’, riutas ’steiler und steiniger Abhang, höhere Stelle auf dem Acker’; karel. riutta, riuhta ’Fels oder Hügel mit steilem Abhang; steiler Abhang’. *riutta ~ urgerm. *greuta-, urn. *greuta; vgl. an. grjót n. ’grober Sand, Steine, Steinhaufen’, ae. grƝot n. ’Grieß, Sand, Erde’, as. griot m. ’Sand’, ahd. grioz m. ’Sand’; ~ urgerm. *greutija-, urn. *griutija; vgl. an. stórgrýti n. ’großer Stein’ (stór’groß’), aschwed. grшt (*grшte n.)’Tierhöhle, (in ON) Stein’, schwed. gryt ’steiniges Gelände; Tierhöhle’. Bereits Thomsen hat riutta als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich und semantisch gibt es keine Probleme. Vgl. RÖYTEIKKÖ, RÖYTÄ. Thomsen 1869 144; Setälä 1913a 440; [Hellquist 1939 304f.;] Karsten 1943/44 465; SKES III 1962 817; de Vries 1962 190; [ODEE 1969 415;] Koivulehto 1973b 574; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358, 363; Hofstra 1985a 45, 46, 325; Lehmann 1986 160; [Blöndal Magnússon 1989 280;] N.Nielsen 1989 163f.; Koivulehto 1999a 93; SSA III 2000 84; Häkkinen 2004 1055 [; Bjorvand– Lindeman 2007 392]. Germ. LW.

RIUTUA ’dahinsiechen, dahinschwinden, dahinwelken; erlöschen’; karel. riutuo, riuduo ’id.; müde werden, einschlafen’; ?estn. riuduma. *riutu~ urgerm. *þreutan-, urn. *þreutan; vgl. an. þrjóta ’müde werden, aufhören, mißlingen’, aschwed. þrшta ’zur Neige gehen, mangeln; Not leiden’, ae. ƗþrƝotan ’verdrießen’ (Ɨ- Präfix, < *uz-), ahd. irdriozan ’sich etwas verdrießen lassen’ (ir- Präfix, < *uz-), got. usþriutan ’belästigen’ (us- Präfix). Estn. riuduma (nur auf Saaremaa) ist laut SKES ein fi. Lehnwort. Saxéns Deutung von riutua als germ. Lehnwort wurde von Setälä mit einem, in SKES und SSA mit zwei Fragezeichen versehen. Entlehnung aus dem Germanischen ist jedoch lautlich möglich und semantisch problemlos.

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Hakulinen zählt riutua mit Fragezeichen zu den schwed. Lehnwörtern; das Schwedische kommt aber wegen ш kaum als Quelle in Frage. Saxén 1896 14; Setälä 1913a 440; [Hellquist 1939 1229f.;] SKES III 1962 817f.; [de Vries 1962 622f.; ODEE 1969 919;] Seebold 1970 523f.; Hakulinen 1979 371; [Lehmann 1986 383f.; Blöndal Magnússon 1989 1194; N.Nielsen 1989 137;] SSA III 2000 85. ? Germ. LW. RIVI (Pl. rivit), ripi ’Reihe, Zeile, langes Gebäude mit vielen Räumen’; karel. rivi; estn. rivi ’Front, Reihe; Reihe der Netze’, ribi in võrgu ribid ’Reihen von zehn oder mehr untereinander verbundenen Netzen’ (võrg ’Netz’), ?riba ’Reihe von hintereinander gehenden Lebewesen (Soldaten, Wölfe)’. *rivi [~ urgerm. [*reiȤwǀ >] *rƯȤwǀ (, urn. *rƯȤwu); vgl. mnl. rƯe f. ’Linie, Reihe’, mhd. rƯhe(n) f. ’Reihe, Linie; schmaler Gang zwischen zwei Häusern’; ~ urgerm. [*reiȤwǀ >] *rƯЀwǀ (, urn. *rƯЀwu); vgl. ahd. rƯga f. ’gekrümmte Linie, Kurve, Strich’; ~ urgerm. *riȤwǀ > *riЀwǀ (, urn. *riЀwu); vgl. mnd. rige ’Reihe, Ordnung; Häuserreihe’, ahd. riga f. ’Linie’; ~ urgerm. *riȤwǀn- > *riЀwǀn-, urn. *riЀwǀ; vgl. an. riga f. ’Krümmung, Unebenheit’.] Fi. ripi und estn. ribi sind analogische Bildungen. Es wird im SSA und von Häkkinen für möglich gehalten, daß das nur in südöstlichen Dialekten des Finnischen begegnende rivi ’Sandbank; Reihe von Klippen’ (< schwed. riv, rev ’Sandbank’) und ostseefi. rivi ’Reihe’ ein und dasselbe Wort seien. Die Richtigkeit dieser Möglichkeit ist nicht auszuschließen. Karel. rivi ist laut SKES und SSA ein Lehnwort aus dem Finnischen; estn. rivi ’Front, Reihe’ sei möglicherweise ein fi. Lehnwort. Rivi ’militärische Reihe’ gilt als Bedeutungsentlehnung aus dem Finnischen, rivi ’Netzreihe’ aber nicht. SKES stellt estn. riba mit Fragezeichen zu rivi (als Alternative zu RIPA2). Neuhaus zählt rivi zu den germ. Lehnwörtern und vergleicht es mit ahd. riga. Öhmann kennt Neuhaus’ Deutung offenbar nicht und hält es für möglich, daß nhd. Reihe auf germ. *riȤw- zurückgehe und rivi eine Entlehnung einer aus *riȤw- hervorgegangenen Form sei, die das postvokalische Ȥ verloren habe. Ein Problem sei dann allerdings i als Reflex von germ. Ư < iȤ. Das germ. Vergleichswort ist etymologisch dunkel; die urgerm. Formen werden auch ohne w angesetzt. Sollte rivi ein germ. Lehnwort sein, so kann es sich aus lautlichen Gründen nicht alt sein. Ostseefi. rivi – in allen Bedeutungen – bedarf noch näherer Erforschung. Neuhaus 1908 154; Neuhaus 1919 158; Öhmann 1924a 3; Nissilä 1939 68f.; Karsten 1943/44 465; SKES III 1962 819; [de Vries 1962 430; ODEE 1969 775;] Ha-

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kulinen 1979 371; Raun 1982 143; EEW 1982/83 2508f.; SSA III 2000 85; Häkkinen 2004 1056. ? Jüngeres LW.

ROHKEA ’mutig, tapfer, furchtlos; reichlich (Maß), fleißig; hochgewachsen’; ingr. rohkia ’mutig, tapfer; (Adv.) reichlich’; karel. rohkie; wot. rohkƝa, wotK. rohkiap (Komp.), wotJ. rohkap (Komp.) ’mehr’; estn. rohke ’reichlich; freigebig; häufig, übertrieben, überflüssig, weitläufig; dreist, derb; frei, ungeniert im Reden’. *rohkeįa ~ urgerm. *wraskwa-z, urn. *wraskwaR; vgl. an. rІskr ’tüchtig, tapfer, beherzt’; vgl. auch an. rІskvast ’reifen, heranwachsen’, mnd. rasch ’kräftig, schnell, rasch’, ahd. rasko (Adv.) ’heftig, hitzig, lebhaft’. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Nikkilä vorgelegt. Er ging dabei von der Annahme aus, daß zur Zeit der Entlehnung das a der ersten Silbe des Originals unter dem Einfluß des folgenden w eine o-ähnliche Einfärbung hatte; eine andere Möglichkeit sei, daß sich vorgerm. (idg.) o noch erhalten habe. hk als Reflex von germ. sk findet sich bei weiteren frühen germ. Lehnwörtern. Semantisch gibt es keine Probleme. Häkkinen hält diese Deutung für wahrscheinlich. Im SSA wird die Herleitung aus an. rІsk-r mit einem Fragezeichen versehen. Es ist nicht völlig sicher, ob mnd. rasch und ahd. rasko auf dieselbe urgerm. mit w- anlautende Form wie an. rІskr zurückgehen. [Hellquist 1939 819;] SKES III 1962 821; [de Vries 1962 458; Seebold 1970 571; de Vries 1971 563;] Hakulinen 1979 324; Nikkilä 1981 76–78, 81; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2515f.; Hofstra 1985a 29, 98, 338; [Lehmann 1986 154; Blöndal Magnússon 1989 789f.; N.Nielsen 1989 340;] Heidermanns 1993 693f.; SSA III 2000 86; Häkkinen 2004 1056. Germ. LW.

ROIRA (Lönnr., dial.), roiro, roilo ’Schloßriegel; Querholz, Querleiste’. *roira [~ urgerm. *rauza-, urn. *rauRa; vgl. aschwed. rпr n. ’Rohr, Schilf‘, ahd. rǀr n. id.; got. raus n. id. (oder dieses aus urgerm. *rausa-); ~ urgerm. *rauza-z, urn. *rauRaR; vgl. an. reyrr m. ’Rohr, Schilf’; ~ urgerm. *rauzijǀ, urn. *rauRiju; vgl. an. reyrr f. ’Schilf’, aschwed. rпr f. ’Schilf’; ~ urgerm. *rauzija, urn. *rauRija; vgl. aschwed. rпr ?n. ’Schilf’.] Das bei Lönnrot und vereinzelt in westlichen Mundarten belegte Wort wurde nur von Karsten etymologisch behandelt. Roira sei wahrscheinlich eine Entlehnung

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von urn. *rauria, *rouria, *røyria (> aschwed. rпr). Die anzunehmende Lautsubstitution zur Erklärung von oi in roira ist unglaubhaft. Auch semantisch ist die Etymologie problematisch; sie ist denn auch mit Recht unbeachtet geblieben. [Hellquist 1939 875;] Karsten 1943/44 465f. [; de Vries 1962 443; Lehmann 1986 282; Blöndal Magnússon 1989 757; N.Nielsen 1989 355]. Kein germ. LW.

RONKKA, ronkko, ronko (dial.) ’Hüfte, Lende’; karel. ronkka. *roƾkka ~ vorgerm. *wronkƗ > urgerm. *wra(n)Ȥǀ, urn. *wra(n)hu; vgl. schwed. ro ’Hüfte’. Das im SKES als deskriptiv bezeichnete ronkka wird oft mit dem als Variante von ronkka aufgefaßten Wort LONKKA verglichen. Die Deutung als (vor)germ. Lehnwort wurde von Koivulehto in Kurzform vorgelegt. Problematisch ist, daß die Entlehnung noch einen o-Laut auf germ. Seite voraussetzt und daher als früh angesehen werden muß, während andererseits es fraglich ist, ob vorgerm. k (> germ. Ȥ) von urfi. kk wiedergegeben werden kann. Außerdem ist ƾkk im Urfinnischen sehr selten. Im SSA wird die Herleitung aus dem Vorgermanischen für wahrscheinlich gehalten. Das Wort bedarf aber noch einer eingehenden Erforschung. [Hellquist 1939 839, 1369;] SKES III 1962 835; Koivulehto 1971b 607; Koivulehto 1972 582, 627; Fromm 1977 145, 155; Loikala 1978 43, 44; Nikkilä 1982 253f.; Hofstra 1985a 28f., 88, 123f., 297; Koski 1987 106; Ritter 1993 103; Koivulehto 1999a 38f., 46, 80; SSA III 2000 91; Häkkinen 2004 627. Kaum germ. LW.

estn. ROOGAS (G. rooka) (Wied., dial.) ’Saatkrähe, Corvus frugilegus’. *rǀkի kas (G. *rǀkkahan) ~ urgerm. *Ȥrǀka-z, urn. *hrǀkaR; vgl. an. hrókr m. ’Saatkrähe’, aschwed. rǀker, auch rǀka m. ?id., ae. hrǀc m. id., mnd. rǀk(e) m. id., ahd. hruoh, hruohho m. id. Roogas könnte laut Suolahti ein germ. Lehnwort, aber auch eine späte Entlehnung aus dem Deutschen sein. Setälä versieht die Herleitung aus dem Germanischen mit einem Fragezeichen. Mägers Deutung von roogas als Entlehnung aus dem Estlandschwedischen wird vom EEW übernommen. Lautlich und semantisch kann roogas ein altes Lehnwort sein, aber die Verbreitung (nur Inselmundarten) macht Deutung als schwed. Lehnwort sehr plausibel.

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Suolahti 1909 183f.; Setälä 1913a 140f.; [Hellquist 1939 864; de Vries 1962 259;] Mäger 1967 149; [ODEE 1969 772f.;] EEW 1982/83 2531; [Lehmann 1986 192; N.Nielsen 1989 357;] Mäger 1994 124. Jüngeres LW.

ROUKA (aWb., dial.), roukka, rooka ’aus Erlen-, Birken- oder Fichtenrinde hergestelltes Mittel zum Färben von Netzen’; karel. rouka; lüd. roug ’braune Borke unter der Rinde’; weps. roug ’id.; Erlenrinde’. *rouka [~ urgerm. *raudka-, urn. *raudka-; ? in norw. rokka, rokke ’Eisenrost; Eisenhaltigkeit von Wasser oder Erde’.] Saxén hat mit Zweifel rouka als Entlehnung von skand. *rІukka- < *rІuðka- gedeutet. Setälä versieht die Deutung als altes germ. Lehnwort mit Fragezeichen. Collinder hat rouka mit dem aschwed. Verb rødhga ’rotfärben’ verglichen. Lautlich sind die obigen Deutungen nicht plausibel. Auf germ. Seite ist die Beleglage für das für rouka angenommene Original äußerst mager. Nicht sicher ist, ob norw. rokka, rokke auf älteres *raudkV- oder *rІudkV- zurückgeht. Saxén 1895/98 213; Setälä 1913a 441; [Torp 1919 541;] Collinder 1932 130; SKES IV 1969 847; T.Itkonen 1983 212; [Blöndal Magnússon 1989 770;] SSA III 2000 96f. Kein germ. LW.

ROUKKIO, roukio, roukko, roukku, röyk(k)iö, röykkö, röykky, röykkä, röykäs ’(großer) Haufen’; ingr. roukko, roukku ’kleiner Heuhaufen’, röükkü ’Haufen’; karel. roukka, roukkivo, roukku, röykkö, röykkivö; weps. rouk (Pl. roukad) ’Strohhaufen’, Ěöukթ , Ěe֑ ‫ܜ‬k ’Haufen flach liegender Hafergarben’, Ěüuk ’Getreidegarben auf dem Trockengestell’; wot. reukko ’langer Heuschober’; estn. rõuk (G. rõugu, rõuga, rõuge). *roukka / röükkä / *roukko / *röükkö / *roukk(i)jo ~ urgerm. *Ȥrauka-z, urn. *hraukaR; vgl. an. hraukr m. ’kegelförmiger Haufen’, aschwed. rпker m. ’Getreidehocke’, gotl. rauk ’Felsen, großer Stein (z.B. im Acker)’, ae. hrƝac m. ’Haufen, Stapel’, mnl. rooc f. ’Heuschober, Heumiete’. Die Variation des Vokalismus (Palatale neben Velaren) kommt in weiten Teilen des Ostseefinnischen vor und muß schon früh entstanden sein.

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Toivonen hat roukkio usw. zu der germ. Wortgruppe von an. hraukr, ae. hrƝac usw. gestellt. Karsten stellt roukkio zu germ. *hrauka-: ou spiegele eine Zwischenstufe zwischen urn. *au und aschwed. *öu wider. Im SKES werden roukko, roukkio als Wörter skand. Herkunft erklärt. Laut EEW, wo skand. Herkunft mit einem Fragezeichen versehen ist, hat die Wortgruppe einen deskriptiven Einschlag. Die Deutung als germ. Lehnwort setzt wegen des Vokalismus eine späte Entlehnung voraus, was sich aber schlecht mit der Verbreitung verträgt. Toivonen 1919a 107f.; Manninen 1933 95–98; Tiberg 1933 91; Hummelstedt 1937 242–244; Ariste 1939 9; Hellquist 1939 873f.; Karsten 1943/44 467f.; [de Vries 1962 252;] Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 766;] SKES IV 1969 847f.; K.Vilkuna 1970 264, 272, 275; Koivulehto 1981c 204f.; Raun 1982 146; EEW 1982/83 2579; Hofstra 1985a 51, 307f., 325f.; Nikkilä 1987 238; [Blöndal Magnússon 1989 367;] Häkkinen 1990a 113; SSA III 2000 97, 135; Häkkinen 2004 1094; Bjorvand–Lindeman 2007 899–901. ? Germ. LW.

ROUKO (Pl. rouot) (dial.), rouku, roukku ’(Schlitten)decke aus (Schaf)fell’; karel. roukku, rouku; lpN. roaw'go. *rouko [~ urgerm. *rawwǀ, urn. *raggwu; vgl. an. rІgg f. ’eingewebte Wollflocke’, norw. rugga, rogga f. ’Decke aus grobem Zeug’, aschwed. rag f. ’(Ziegen)haar’, dän. (dial.) rag ’lange, struppige, grobe Wolle’; ~ urgerm. *rawwa-z, urn. *raggwaR; vgl. an. rІggr m. ’eingewebte Wollflocke’, norw. ragg ’rauhes Haar’, schwed. ragg, rugg ’(Ziegen)haar’; ~ urgerm. *rawwa-, urn. *raggwa; vgl. norw. ragg n. ’rauhes Haar’, schwed. ragg, rugg n. ’(Ziegen)haar’.] Bergsland hat lpN. roaw'go als Lehnwort aus dem Skandinavischen und fi. rouko als Lehnwort aus dem Nordlappischen gedeutet. Im SKES wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß das fi. Wort auf Entlehnung aus dem Germanischen beruht und lp. roaw'go usw. ein fi. Lehnwort ist. Es gebe allerdings Probleme, da von hypothetischem, vor dem Lautwandel ou > au zu datierendem urgerm. *rouЀwǀ auszugehen sei. Die gängige Rekonstruktion ist aber in der Tat *rawwǀ (mit a < o). Laut SSA stammt das ostseefi.-lp. Wort vielleicht (zwei Fragezeichen) aus dem Germanischen. Entlehnung von fi.-karel. rouko aus dem Germanischen ist aus lautlichen Gründen sehr unwahrscheinlich. Es hat eine beschränkte Verbreitung (nur im Norden), während lpN. roaw'go Entsprechungen in allen lp Sprachen hat. Dies macht es unwahrscheinlich, daß das lp. Wort aus dem Finnischen stammt; eher ist an umge-

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kehrte Entlehnungsrichtung zu denken. Lp. roaw'go kann ein germ. Lehnwort sein, vgl. z.B. Sköld 1961 98, Lehtiranta 1989 114f., Sammallahti 1998 128. [Hellquist 1939 810f.; de Vries 1962 458;] Bergsland 1964b 144, 147; [ODEE 1969 736;] SKES IV 1969 148f.; Sammallahti 1984 144; Hofstra 1985a 52; [Lehmann 1986 286; Blöndal Magnússon 1989 788;] SSA III 2000 97 [; Bjorvand– Lindeman 2007 855]. Kein germ. LW.

RUHKA (aWb., dial.), ruuhka ’Abfall, Plunder; (trockener) Müll, Kehricht (z.B. auf dem Fußboden), Heu- oder Strohreste’; karel. ruhka ’id.; gröbere Teile von Flachs oder Hanf; nutzlose Gegenstände, Kram’, ruhku ’Kehricht, Krempel; Gegenstand; Eigenschaft; Kleidung; Einbruch, Windbruch’; lüd. ruhkad (Pl.) ’Gegenstände, Habseligkeiten; Kopf, Beine, Lunge, Leber, Herz eines geschlachteten Tieres’; wot. ruhgat (Pl.) ’Kehricht, Abfallstoffe’. *ruhka ~ urgerm. *ruska-, urn. *ruska; vgl. norw. rusk ’Abfall, Schund, Plunder, Stäubchen’, schwed. rusk n. ’Abfall, Kehricht, Krempel, Schmutz’, dän. dial. rusk ’Krempel; Daune’. Ruhka gilt im allgemeinen als deskriptiv. Laut SKES ist es wahrscheinlich, daß ruhka und RUUHKA ’Stau’ zusammengehören, SSA hält dies aber aufgrund der Semantik und der Verbreitung für unsicher. Laut Hahmo und Nikkilä kann ostseefi. ruhka vielleicht auf germ. *rusk- beruhen. Lautlich ist dies möglich unter der Voraussetzung, daß die Entlehnung so früh geschehen ist, daß germ. -sk- durch (früh)urfi. -šk- (> späturfi. -hk-) ersetzt wurde, vgl. auch VIHKO. Semantisch ist diese Deutung problemlos. [Hellquist 1939 854;] SKES IV 1969 853f.; T.Itkonen 1987 172, 175, 184f.; [Blöndal Magnússon 1989 780; N.Nielsen 1989 352;] Nikkilä 1998b 355; SSA III 2000 99, 113; Hahmo–Nikkilä 2005 114f., 117. ? Germ. LW.

RUHMO (dial.) ’Hackblock, Amboßblock; Stampftrog; dickbäuchiger Mensch oder dickes Tier’, ruhmu ’id.; Walze; Radnabe; hölzerne Mäuse-, Ratten- oder Hermelinfalle’, ruhma ’Hackblock, Amboßblock; Stampftrog’; rumho ’Hackblock; dicker Mensch’, ruhmoa ’ramponieren; walzen, schnell essen; schmerzen’; karel. ?ruhmo ’Wölckchen’, ruhmata ’einen dumpfen Ton hervorrufen’, ruhmoa ’lärmen, poltern; langsam etwas tun’; weps. ruhmda ’fressen’. *ruhmo / *ruhma

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[~ urgerm. *þruma-, urn. *þruma; vgl. schwed. dial. trum ’Stock, Baumstamm, Hackblock’, ae. þrum ’Band’, mnd. drom, drum n. ’Endstück, Saum, letzter Teil des Aufzugs im Gewebe’, mnl. drom n. ’Ende des Fadens im Gewebe’, ahd. drum n. ’Ende, Endstück, Stamm’, mhd. drum, trum n. ’Endstück, Ende, Stück, Splitter’ (vgl. noch an. þruma f. ’Land, Boden’ < urgerm. *þrumǀn-).] Katz hat ruhmo usw. als germ. Lehnwort gedeutet; er geht dabei von urfi. Formen wie *rušmo, *rušma, *rumšo aus. Lautlich ist diese Deutung fragwürdig: Katz geht davon aus, daß die Konsonanten in þr- beide reflektiert werden können, wobei der erste durch Metathese in den Inlaut geraten und durch urfi. š [!] substituiert sein soll. Erwartungsgemäß wäre aber *rumo oder *ruma. [Hellquist 1939 1227; de Vries 1962 624; ODEE 1969 920;] SKES IV 1969 854; [Blöndal Magnússon 1989 1196;] Katz 1990a 51; SSA III 2000 100. Kein germ. LW.

RUHO ’Leib, Rumpf, geschlachtetes großes Tier; großer, ungeschickter Mensch, verkrüppelt(er Mensch)’, ruha ’Körper oder Skelett eines Jagdvogels; verkrüppelt(er Mensch)’, ryhä, ryhy, kryhä, kryhy ’Buckel, Knollen, Höcker; Rückenwirbel; Brustknochen, breiterer Knochen eines Vogels; Kropf; buckelig’; ingr. ruho ’alter und unnützer Mensch’; karel. ruho ’Körper (eines Tieres, vor allem eines Vogels)’, ryhä, Ěyhä, kryhä ’Buckel’; lüd. rühä ’schlecht’. *ruho / *ruha / *rühä 1. ~ urgerm. *Ȥruza-, urn. *hruRa / *hroRa; vgl. an. hrør n. ’Leichnam’, ae. gehror n. ’Fall, Tod, Unglück’; ~ urgerm. *Ȥruzi-z (, urn. *hruRiR); vgl. ae. hryre m. ’Fall, Sturz, Tod’. [2. ~ urgerm. *þrnjȤǀ, urn. *þrnjhu; vgl. an. þró f. ’ausgehöhlter Stock, hölzerne Wasserrinne’, steinþró f. ’Steinsarg’ (stein- ’Stein’), aschwed. -thrǀ f. in stƝnthrǀ ’Steinkiste, Steinsarg’ (stƝn- ’Stein’), ae. þrnjh f. ’Kiste, Lade, Sarg, Trog, Wasserrohr’; vgl. auch as. thrnjh f. ’Fessel’, ahd. drnjh f. ’Kette, Fessel’.] Setälä hat ruho ’Leib’ als Entlehnung von urgerm. *þrnjȤǀ gedeutet. Karsten hat diese Deutung übernommen. Im SKES wird sie für kaum möglich gehalten, was in semantischer Hinsicht einleuchtet. Obige ostseefi. Wörter werden von manchen Etymologen nicht als eine einzige Gruppe aufgefaßt; SKES hält es für möglich, daß ruho ’Leib’ und ruho ’verkrüppelt’ etymologisch verwandt sind, behandelt ryhä ’Buckel’ aber getrennt davon und bezeichnet es als deskriptiv. Nikkilä hat die obigen Wörter als eine einzige Gruppe mit einem auch sonst belegbaren Wechsel palataler und velarer Vokale dargestellt und für die breite semantische Fächerung Parallelen vorgelegt. Er hat ruho auf urgerm. *Ȥruza- zurückgeführt; lautlich und im Lichte von an. hrør auch semantisch ist dies problemlos.

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Liukkonen hat ruho als Entlehnung aus dem Baltischen gedeutet; sein Vergleichsmaterial ist u.a. lit. grùžas ’das benagte Stück’. Nikkiläs Deutung ist Liukkonens Etymologie semantisch überlegen. Vgl. RUNKO, RUUHI. Setälä 1912 220; Setälä 1913a 441; Tunkelo 1913/18 36; Karsten 1943/44 468f.; [de Vries 1962 264, 623;] SKES IV 1969 855, 895; [Seebold 1970 276f.;] Sammallahti 1977 121; Nikkilä 1982 254–257; Hofstra 1985a 31, 98, 110, 220, 297, 333; Koski 1987 100; [Blöndal Magnússon 1989 385, 1194;] Liukkonen 1999 122f.; SSA III 2000 100, 116f.; Nikkilä 2001a 396; Häkkinen 2004 1065. Germ. LW.

RUHTINAS (G. ruhtinaan), ruhtina ’Fürst, Herrscher, Held; hochmütig’. *ruhtinas ~ urgerm. *druȤtina-z, urn. *druhtinaR; vgl. an. dróttinn m. ’Herr (eines Gefolges), Gebieter, Fürst, König; Gott, Christus’, aschwed. drǀtin m. id., ae. dryhten m. id., as. drohtin m. id., ahd. truhtƯn m. id. Die bereits im 18. Jh. erfolgte Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch ohne Probleme. Vgl. RUOHTINA. Thomsen 1869 144; Setälä 1913a 441; Hellquist 1939 156; Karsten 1943/44 469; Fromm 1957/ 58 214; Kylstra 1961 53f., 61, 167; de Vries 1962 85; Meid 1966 188; SKES IV 1969 855; Niskanen–Hofstra 1971 44, 56; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 361; Huurre 1979 215f.; Sköld 1983 258; Hofstra 1985a 328; [Lehmann 1986 94;] Blöndal Magnússon 1989 129; Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 94; Häkkinen 1990a 252; Ritter 1993 63, 142f.; Häkkinen 1996a 160, 161; SSA III 2000 100; Häkkinen 2004 1065; Bjorvand–Lindeman 2007 187. Germ. LW.

RUIS (G. rukiin) ’Roggen, Secale cereale’; ingr. ruiZ; karel. ruis; lüd. rugiž; weps. rugiž; wot. rüiZ, wotK. ruiZ, wotM. rΉZ; estn. rukis (G. rukki), rükis, ruis, rugis; liv. ri‫ތ‬ggΩյZ, ri‫ތ‬kš, rü‫ތ‬kš. *ruȖis ~ urgerm. *ruЀiz, urn. *ruЀiR; vgl. an. rugr m. ’Roggen’, aschwed. rogher m. id., ae. ryge m. id., as. rugi- id., im ON Rugikampon ’Rückamp’; ~ urgerm. *ruЀ(Ѐ)an- (, urn. *rug(g)Ɨ); vgl. as. roggo m. ’Roggen’, ahd. roggo m. id.

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Die Ähnlichkeit der germ. und ostseefi. Bezeichnungen für den Roggen fiel bereits im 18. Jh. auf. Allerdings ist auch die balt. Bezeichnung, wie zuerst von Thomsen 1869 festgestellt wurde, fi. ruis sehr ähnlich; 1890 bevorzugt er die Deutung als germ. Lehnwort, ebenso wie die Mehrheit der jetzigen Forscher. Lautlich und semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort einwandfrei, aber Herkunft aus dem Baltischen kann weder lautlich noch sachlich ausgeschlossen werden. Die für as., ahd. roggo angesetzte urgerm. Grundform ist nicht sicher, es kommt auch älteres *ruЀn- in Frage. Thomsen 1869 144; Thomsen 1890 119, 212f.; Setälä 1913a 441; Hellquist 1939 863f.; Karsten 1943/44 469; de Vries 1962 453; Raun–Saareste 1965 44; ODEE 1969 778f.; SKES IV 1969 856; K.Vilkuna 1971 54; Hakulinen 1979 137, 359; Koivulehto 1979a 70; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2551; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 256, 285, 310; Ritter 1986 242; [Blöndal Magnússon 1989 777;] Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 350; Häkkinen 1990a 251f.; Ritter 1993 151–154, 177, 213; Häkkinen 1996a 123, 161f.; Häkkinen–Lempiäinen 1996 167–172, 175; Koponen 1998 162; SSA III 2000 101; Häkkinen 2004 1065f.; Bjorvand–Lindeman 2007 895. ? Germ. LW.

RUKKA ’armer Mensch; Pelz aus Rentierfell’, rukkanen ’lederner oder gestrickter Handschuh’; ingr. -rukka z.B. in tüttörukka ’armes Mädchen’ (tüttö ’Mädchen’), rukkaset ’lederne Handschuhe’; karel. rukka ’armer Mensch; Liebling; Toter’, rukkaine ’(lederner) Handschuh; gestrickter Pulswärmer’; lüd. rukթ ’armer Mensch’; weps. -ruk in mezruk ’armer Mann’ (mez ’Mann’), rukaiĔe ’Wickeltuch’; wot. rukka ’ärmelloses Frauenkleid, Rock’; estn. rukk ’Kleid, Rock, schwarzer Weiberrock’, dial. rukk z.B. in poegrukk ’armer Knabe’ (poeg ’Knabe’). *rukka 1. ~ urgerm. *rukka-z, urn. *rukkaR / *rokkaR; vgl. an. rokkr m. ’Rock, Wams’ und aschwed. -rokker, z.B. vƗpnrokker ’Waffenrock’ (möglicherweise aus einer westgerm. Sprache; vƗpn ’Waffe’), ae. rocc m. ’Rock’, mnd. rok m. ’Oberkleid’, ahd. rok m. ’Obergewand, Hemd, Rock’. [2. ~ urgerm. *druЀa- (, urn. *druЀa / *droЀa); vgl. as. gidrog n. ’Trugbild, Erscheinung’, ahd. gitrog n. ’Trugbild, Gespenst’.] Rukkanen ist eine Diminutivableitung von rukka. Die von einigen Forschern angenommene Herkunft aus dem Russischen (vgl. rukavica ’Fausthandschuh’) ist wenig wahrscheinlich. Karsten sah in rukka ’armer Mensch’ eine Variante von gleichbedeutendem RAUKKA, die auf eine Ablautvariante des Originals von raukka zurückginge, und

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zwar auf germ. *druga-. Karstens Deutung ist lautlich (wegen ostseefi. kk als Reflex von germ. Ѐ) und semantisch problematisch. Nirvi, der rukka ’armer Mensch’ und rukka ’Pelz’ als ein und dasselbe Wort mit ursprünglicher Bedeutung ’Kleidungsstück’ auffaßt, hat die Deutung als Entlehnung von germ. *rukka vorgelegt. Diese Etymologie ist plausibel. Ahlqvist 1875 152; Mikkola 1894 159; [Hellquist 1939 840;] Karsten 1943/44 436f., 470; Nirvi 1946; Tuomi 1961; [de Vries 1962 451;] E.Itkonen 1968 505; SKES IV 1969 857f.; [Seebold 1970 168f.;] Hakulinen 1979 123, 358; EEW 1982/83 2551f.; Hofstra 1985a 299f., 351f.; [Blöndal Magnússon 1989 771; N. Nielsen 1989 348;] Häkkinen 1990a 39; [Kluge–Seebold 1995 689f.;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 101f.; Nikkilä 2002 133; Häkkinen 2004 1066. Germ. LW.

RUKOILLA, rukuilla ’beten, (er)bitten, anflehen, ersuchen’; ingr. ruGo(ella; karel. rukoilla, rukuostoa, rukoustoa ’beten’; ? lpL. råhkåt. *ruko~ urgerm. *þrnjЀǀ(ja)n-, urn. *þrnjЀǀn; vgl. an. (spät) þrúga ’drohen, unterdrücken’, aschwed. þrnjgha, þrnjwa ’drohen; eifrig bitten; (ab)zwingen’, afries. thrnjwa, thrnjga ’drohen’. Rukoilla kann mit einigen lappischen Entsprechungen (z.B. lpL. råhkåt) auf frühurfi. *ruke- zurückgeführt werden. Die lp. Wörter können aber auch auf Entlehnungen aus dem Urfinnischen beruhen. Später ist in mehrere lp. Sprachen das fi. Verb rukoilla entlehnt worden, z.B. lpN. rokkâdâllât ’beten’. Karsten hat rukoilla als Entlehnung gedeutet, sei es aus ”germ. *þrnjgǀn”, sei es aus ”altschwed. þrnjgha”. Die Herleitung aus germ. *þrnjЀǀn- ist lautlich in Ordnung (urfi. u als Entsprechung von germ. nj z.B. auch in RUNO); aschwed. nj müßte dahingegen zu fi. nj geführt haben. Semantisch ist Karstens Deutung bedenklich. Sie setzt für das Original eine ursprüngliche Bedeutung ’bitten’ voraus. Die skand. und fries. Wörter haben aber die gemeinsame Bedeutung ’drohen’. Karstens Etymologie hat denn auch wenig Beifall gefunden Die Etymologie von rukoilla bedarf weiterer Erforschung. Der Gedanke, daß rukoilla in irgendeiner Weise mit lat. rogare ’fragen, bitten’ zu verbinden sei (vgl. Laakso), ist wegen des Vokalismus abzulehnen. Karsten 1915 56f.; [Hellquist 1939 1226f.;] Karsten 1943/44 471; [de Vries 1962 624;] SKES IV 1969 858; Hakulinen 1979 347; Turunen 1979 284; [Blöndal Magnússon 1989 1196; N.Nielsen 1989 462;] SSA III 2000 102; Laakso 2002 369; Häkkinen 2004 1066f.; ALFE 2 2007 325–327. Kaum germ. LW.

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RUKO (G. ruon) ’kleiner Heuhaufen (auf der Wiese)’; karel. ruko; estn. ruga (G. roa), rukk (G. rukka). *ruko / *ruka 1. ~ urgerm. *ȤruЀǀn-, urn. *hruЀǀ / *hroЀǀ; vgl. schwed. råga f. ’Übermaß, gehäuftes Maß’; ~ urgerm. *ȤruЀan-, urn. *hruЀƗ / *hroЀƗ; vgl. schwed. råge m. ’Übermaß’; ~ urgerm. *ȤrnjЀǀn-, urn. *hrnjЀǀ; vgl. an. hrúga f. ’Haufen’, schwed. dial. ruga ’kleiner Haufen’. 2. ~ urgerm. *Ȥrukan-, urn. *hrukƗ / *hrokƗ; vgl. an. hroki m. ’gehäuftes Maß’, norw. roke ’id., Haufen’; ~ urgerm. *Ȥrnjkǀn-, urn. *hrnjkǀ; vgl. an. hrúka f. ’Haufen’, norw. ruke ’Heu- oder Torfhaufen’, schwed. dial. ruka ’kleiner Haufen’. Die erste Vergleichung mit germ. Wortgut stammt von Lindström. Suolahti hat ruko zu germ. *hrugôn (= *ȤruЀǀn-) gestellt, nennt aber auch germ. Formen mit -k-. Setälä setzt Originale mit langem und kurzem u, mit g und mit k an. Karsten bevorzugt das zu schwed. råge führende urgerm. *ȤruЀan- als Original. Obwohl die Herkunft aus dem Germanischen von mehreren Forschern angezweifelt wird, sind die ostseefi. Wortgruppe und die beiden germ. Wortgruppen einander lautlich und semantisch derart ähnlich, daß ruko zweifellos ein germ. Lehnwort ist. Die ostseefi. Bezeichnungen aus dem Bereich der Heugewinnung stammen zu einem großen Teil aus dem Germanischen. Vgl. RUUHKA. Lindström 1859 132f.; Suolahti 1912 105f.; Setälä 1913a 442; Karsten 1915 127; Toivonen 1919a 107; Hellquist 1939 [850,] 864; Karsten 1943/44 470–471; de Vries 1962 259, 261f.; SKES IV 1969 858; K.Vilkuna 1970 265, 275; Hakulinen 1979 359; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2548f.; Hofstra 1985a 307f., 381; [Blöndal Magnússon 1989 377, 380;] T.Itkonen 1989 352; Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 350;] Häkkinen 1996a 162; Koponen 1998 159; SSA III 2000 102; Häkkinen 2004 1066; Palviainen 2004 229. Germ. LW.

RUNKO ’Baumstamm; Körper; Skelett (fig.)’, runka ’Baumstamm; Körper’; karel. runka ’Körper; Baumstamm; Taille’, runkku ’Körper’; lüd. ruƾgeࡓ ’id.; Taille’; weps. ruƾg ’Taille; Rückengrat; Kreuzbein’; lpKld. rå`ƾ̖g ’Körper; Baumstamm’; mordw. ruƾgo ’Körper’. *ruƾka / *ruƾko 1. urgerm. *skrunka-z, urn. *skrunkaR; vgl. an. skrokkr m. ’Körper, Rumpf’, schwed. dial. skrokk ’Körper’.

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2. urgerm. *strunka-z , urn. *strunkaR; vgl. an. strokkr m. ’Butterfaß’, mnd. strunk m. ’Kohlstrunk, Stengel eines größeren Krautes’, mnl. strunc m. id., mnl. stronc m. ’Stumpf eines Körperteils’, mhd. strunc m. ’Strunk’. [3. ~ urgerm. *þrunȤǀ > *þrnjȤǀ, urn. *þrnjhu; vgl. an. þró f. ’ausgehöhlter Stock, hölzerne Wasserrinne’, steinþró f. ’Steinsarg’ (stein- ’Stein’), aschwed. -thrǀ f. in stƝnthrǀ ’Steinkiste, Steinsarg’ (stƝn- ’Stein’), ae. þrnjh f. ’Kiste, Lade, Sarg, Trog, Wasserrohr’; vgl. auch as. thrnjh f. ’Fessel’, ahd. drnjh f. ’Kette, Fessel’.] Die Deutung von runko als Entlehnung aus germ. *þrunȤǀ (oder *þrungǀ ?) stammt von Karsten. Sie überzeugt semantisch nicht und ist auch sonst unsicher, da urfi. -nk- als Reflex von urgerm. -nȤ- sonst nicht bezeugt ist. Überdies ist die germ. Rekonstruktion mit -nȤ- unsicher; urgerm. *þrungǀ ist eine rein hypothetische, von Karsten mit Vorbehalt angesetzte Form. Karstens Etymologie wurde denn auch nicht akzeptiert. Runko galt dann lange als altes einheimisches Wort. Nikkilä hat runko zu urgerm. *skrunka-z gestellt. Lautlich und semantisch ist diese Deutung in Ordnung. Vennemann weist in einer Behandlung von dt. Strunk darauf hin, daß fi. runko ein germ. Lehnwort sei. Auch die urgerm. Form von Strunk, *strunka-z, kommt sowohl lautlich als semantisch als Original von runko in Frage. Sowohl wenn urgerm. *skrunka-z wie auch wenn urgerm. *strunka-z das Original sein sollte, muß Entlehnung angesichts der Verbreitung früh erfolgt sein. Mit früher Entlehnung verträgt sich auch urfi. k als Reflex von germ. k. Ritters Vorschlag, runko als Lehnwort aus dem Baltischen zu deuten (vgl. altlit. strùngaz ’gestutzt, mit gekapptem Schwanz’), ist semantisch nicht überzeugend. Vgl. RUHO, RUUHI. Karsten 1905 176–178; Neuhaus 1908 154; Setälä 1913a 442; Karsten 1943/44 476, 488; SKES IV 1969 862f.; [de Vries 1962 623;] Hakulinen 1979 314; Nikkilä 1982 251–254; Hofstra 1985a 88, 272, 297, 321, 392f., 400f.; Koski 1987 101; UEW II 1988 746f.; [Blöndal Magnússon 1989 865, 974; N.Nielsen 1989 378;] Häkkinen 1990a 208; Ritter 1993 121f., 226; Koivulehto 1997b 13; Vennemann 1998 376; Liukkonen 1999 123; SSA III 2000 103; Nikkilä 2001 396; Hahmo 2003/04 17; Häkkinen 2004 1068; Ritter 2002 321 [; Philippa et al. IV 2009 307]. Germ. LW.

RUNKOTEIVAS Name eines Gottes s. TEIVAS.

RUNNAKKO (dial.) ’Körper, Leib’, runto ’(großer und schwerer) Körper’; ?karel. runnakko ’Körper, Kadaver’, runnukko ’Körper; Baumstamm’. *runta ~ urgerm. *skrunta-z, urn. *skruntaR; vgl. schwed. skrott ’Kadaver; Gehäuse (z.B. des Apfels)’, norw. skrott ’Körper’, dän. skrut id.

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-kko ist ein Ableitungssuffix. Die karel. Wörter können aus dem Finnischen entlehnt sein. Die Deutung von urfi. *runta als germ. Lehnwort wurde von Nikkilä vorgelegt; sie ist lautlich und semantisch problemlos. [Hellquist 1939 950f.;] SKES IV 1969 863; Nikkilä 1982 257f.; Hofstra 1985a 113, 297; [N.Nielsen 1989 379;] SSA III 2000 103f. Germ. LW.

RUNO, dial. runoi ’Gesang, Lied, Gedicht; Vortragende(r)’; karel. runo ’(Volks)lied, Gedicht; Musikinstrument’. *runo 1. ~ urgerm. *rnjnǀ, urn. *rnjnu; vgl. an. rún f. ’(geheimes) Wissen; Rune, Zauberzeichen, Schriftzeichen’, aschwed. rnjn (auch rnjna) f. ’Rune’, ae. rnjn f. ’Geheimnis, Rat, Beratung; Rune, Schrift’, as. rnjna f. ’geheime Beratung, Besprechung’, ahd. rnjna f. ’Geheimnis, Geflüster’, got. rnjna f. ’Geheimnis’. 2. ~ urgerm. *runǀn-, urn. ronu ’Reihe’ (A.Sg.) / *runǀ; vgl. neuisl. runa f. ’Reihe; Redefluß; langer Hügel’. Estn. runo ’altes finnisches oder estnisches Lied’ ist ein fi. Lehnwort. Die von Thomsen vorgelegte Deutung als germ. Lehnwort (germ. *rnjnǀ) ist lautlich und semantisch plausibel und hat allgemeinen Beifall gefunden. Krause aber geht von einem anderen germ. Original, und zwar mit kurzem Vokal, aus; auch dies ist möglich, aber das von ihm vorgeschlagene germ. Original hat eine nur geringe (westskand.) Verbreitung und paßt semantisch weniger gut. Thomsen 1869 145; Setälä 1913a 442f.; Hellquist 1939 852f.; Karsten 1943/44 478; Toivonen 1944b 189f.; Kylstra 1961 36; SKES IV 1969 864f.; de Vries 1962 453; Krause 1969; ODEE 1969 777; Krause 1971 21, 52 ; Sammallahti 1977 121; Darms 1978 132, 474; Hakulinen 1979 175, 361; EEW 1982/83 2556; Hofstra 1985a 41, 331; Lehmann 1986 287f.; Blöndal Magnússon 1989 779; Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 351; SSA III 2000 104; Häkkinen 2004 1068; Palviainen 2004 224; Bjorvand–Lindeman 2007 897–899. Germ. LW.

RUNSAS ’reichlich, üppig; reichlich bemessen’; karel. runsas, rusnas ’id., groß und stark’; lüd. ruznaz ’groß (Kuh, Pferd)’. *runsas [~ urgerm. *runsi-z (, urn.*runsiR); vgl. got. runs m. ’Lauf, Strom’, ahd. runs m. ’strömendes Wasser, Flut’;

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~ urgerm. *runsǀ (, urn.* runsu); vgl. ahd. runsa f. ’Rinne, Bachbett’.] Laut Ritter ist runsas möglicherweise ein germ. (nicht ahd., wie im SSA) Lehnwort; die Entlehnung bedürfe semantisch keiner Erläuterung. Lautlich wäre die Etymologie möglich, aber semantisch ist sie unglaubwürdig. [Seebold 1970 375–377;] SKES IV 1969 865f.; Hakulinen 1979 323; [Lehmann 1986 288;] Häkkinen 1990b 259f.; Ritter 1993 120, 226; SSA III 2000 104; Häkkinen 2004 1068f. Kein germ. LW.

RUNTO ’(großer und schwerer) Körper’ s. RUNNAKKO.

RUODE (Pl. ruoteet) ’Dachlatte, Stütze; große Rute; Querbalken unter dem Wagenkasten’, ruote ’Dachlatte; Latte als Stütze der Türpfosten; große Rute’, ruoto (Lönnr.) ’Dachlatte, Stütze’, ruotein (Pl. ruoteimet) ’id.; Latte als Stütze der Türpfosten oder des Fensterrahmens; Peitsche’; ingr. rǀ֐Di(ain ’Dachlatte, Stütze’; wotK. rǀ(t'ĞiaimƝ-riuku ’id.’ (-riuku ’Stange’); estn. ?rood ’(Dach)first, Kielbalken’, roodjas ’Dachlatte, Stange’, roodle, roodli ’Zaunstecken, Stange, Latte’, rooe (G. roode) ’Dachlatte’. *rǀįeh 1. ~ urgerm. *trǀÿǀn-, urn. *trǀÿǀ; vgl. an. tróða f. ’Stange, Latte’, aschwed. trǀdha f. ’Zaun’, schwed. dial. trodo ’Zaunstange, Dachsparren’, troda ’Stange, Angelrute’; ~ urgerm. *trǀÿa-, urn. *trǀÿa; vgl. an. tróð n. ’Sparren’, aschwed. trǀþ n. ’Zaun’, schwed. dial. trod ’Zaun(stange), Dachholz’. 2. ~ urgerm. *rǀÿa-, urn. *rǀÿa; vgl. schwed. dial. roÿ ’Zaunstange’; ~ urgerm. *rǀÿǀn-, urn. *rǀÿǀ; vgl. an. róða f. ’Stange, Kreuz’; as. rǀda f. ’Rute, Galgen, Stange’, ahd. ruota f. ’Stange, Rute, Stab, Meßlatte’; ~ urgerm. *rǀÿǀ (, urn. *rǀÿu); vgl. ae. rǀd f. ’Rute, Stange; Kreuz, Galgen’, ahd. ruota f. ’Stange, Rute, Stab, Meßlatte’. Seit Wiklund wird ruode oft als Ableitung von RUOTO aufgefaßt. Semantisch ist das vermeintliche Ableitungsverhältnis sehr fraglich. Saxén hat ruode wie auch RUOTO als germ. Lehnwort gedeutet und zwei alternative Originale genannt: an. tróð usw. und schwed. dial. rodh, ae. ród usw. Saxén dürfte im Grunde richtig gesehen haben: beide germ. Originale sind möglich. Vgl. RUOTO. Lindström 1856 72; Saxén 1896 14f.; Setälä 1913a 443; Karsten 1915 103; Wiklund 1915a 219; Hellquist 1939 [841,] 1222f.; Karsten 1943/44 479f.; de Vries 1962 [450], 598; [ODEE 1969 772;] SKES IV 1969 874f.; Hakulinen 1979 119,

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358; Raun 1982 144; Hahmo 1981 52; EEW 1982/83 2518, 2528f.; Hofstra 1985a 318; [Blöndal Magnússon 1989 769f., 1062;] Koivulehto 1992d 165; SSA III 2000 105. Germ. LW.

RUOHO, ruuho ’Gras; Kraut’; ingr. rǀ֐ho; karel. ruoho; weps. roho ’id.; Schilf, Rohr’; wot. roho; estn. rohi (G. rohu), roho ’Gras, Kraut, Gewächs; Arznei, Medizin; Gewürz’; liv. re֑ ‫ތ‬u(v), ri‫ތ‬u(v) ’Gras; Binse; Vogelknöterich’. *rǀho 1. ~ urgerm. *grǀsǀ (, urn. *grǀsu); vgl. mnl. groese f. (?) ’junges Grün, Grassode, mit grünem Gras bewachsenes Gelände’, mnd. grǀse f. ’frisches Gras, Rasen; junge, grüne Pflanzenstiele, Blattsprossen, Triebe; ausgepreßter Pflanzensaft’, mhd. gruose f. ’Pflanzensaft, junger Trieb der Pflanzen’. [2. ~ urgerm. *grǀzǀ, urn. *grǀRu f.; vgl. norw. dial. groor ’Wurzelkeim (Gras, Getreide)’.] Die Deutung als germ. Lehnwort (zu *grǀsǀ) wurde von Neuhaus und unabhängig von ihm auch von Kluge vorgelegt. Setälä versah sie mit einem Fragezeichen. Laut Karsten stammt ruoho möglicherweise aus ”urnord. *grǀzǀ f.”. Norw. dial. groor, das laut Karsten auf *grǀzǀ zurückgehe, wird von Torp (1919, 184) als maskulinum auf germ. *grǀþu- (> an. gróðr, G. gróðrar und gróðar ’Pflanzen(wuchs), Wachstum’) zurückgeführt. Auf welche urgerm. Form norw. groor auch immer zurückgehen mag, semantisch paßt es schlecht zu ostseefi. ruoho. Urfi. h ist als Entsprechung von intervokalischem germ. s sonst nicht bezeugt; daher ist Herleitung von ruoho aus germ. *grǀsǀ äußerst unsicher. Neuhaus 1908 154; Kluge 1911 140; Setälä 1913a 443; Neuhaus 1919 158; Kettunen 1938 335; [Hellquist 1939 306f.;] Karsten 1943/44 480f.; SKES IV 1969 869; Aalto 1970 28; [de Vries 1971 223;] Darms 1978 255f., 498; Hakulinen 1979 314; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2513–2515; Hofstra 1985a 307; [Lehmann 1986 159f.; N.Nielsen 1989 164;] Nikkilä 1998a 84; Koivulehto 1999a 5; Koivulehto 1999b 213; SSA III 2000 105; Koivulehto 2001a 70; Häkkinen 2004 1069. Kaum germ. LW.

karel. RUOHTINA, ryöhtinä in syntyruohtina, -ryöhtinä ’Erlöser’ (synty ’Geburt’). *rǀhtina ~ urgerm. *druȤtina-z, urn. *druhtinaR; vgl. an. dróttinn m. ’Herr (eines Gefolges), Gebieter, Fürst, König; Gott, Christus’, aschwed. drǀtin m. id., ae. dryhten m. id., as. drohtin m. id., ahd. truhtƯn m. id.

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In der älteren Literatur wird karel. ruohtina zusammen mit fi. RUHTINAS auf eine einzige Entlehnung von germ. *druȤtinaz zurückgeführt. Es ist aber unmöglich, daß karel. ruohtina auf urfi. *ruhtinas zurückgeht. Laut SKES und SSA ist karel. ruohtina wahrscheinlich aus urn. *drǀhtina- entlehnt worden. Dies ist plausibel; *drǀhtina- kann als eine erst späturnord. Zwischenstufe zwischen urn. *druhtinaz und aschwed. drǀtin angesetzt werden; die Entlehnung von ruohtina ist denn auch später als die von fi. RUHTINAS zu datieren. Vgl. RUHTINAS. Thomsen 1869 144; Setälä 1913a 441; [Hellquist 1939 156;] Karsten 1943/44 469; [de Vries 1962 85;] SKES IV 1969 855; Niskanen–Hofstra 1971 44; [Lehmann 1986 94;] T.Itkonen 1987 201; [Blöndal Magnússon 1989 129; N.Nielsen 1989 94;] Nikkilä 1990b 252; SSA III 2000 100 [; Bjorvand–Lindeman 2007 187]. Germ. oder jüngeres LW.

RUOJU (aWb., dial.) ’Schnürschuh, Schnürstiefel; Schaft eines Stiefels; schlechter Schuh’, ruojus ’Halbstiefel, Schaft eines Stiefels’, ruojut ’id.’; karel. ruoju ’Schaft eines Schuhs’; ? lpN. ruojâs ’id.’. *rǀju ~ urgerm. *brǀkez > *brǀkiz ( ? > *brǀkiuiz > *brǀkiu(i)z), urn. *brǀkiR (? / *brǀkiuR); vgl. an. brœkr (Pl.) ’Hose’, aschwed. brпker (Pl.) id., got. *brǀkjus id. LpN. ruojâs ist möglicherweise ein Lehnwort aus dem Finnischen. Ruoju wurde oft als Ableitung von ruoja ’Schlamm, Morast; Schmutz’ oder als Kurzform von ruojukenkä ’Stiefel’ (-kenkä ’Schuh’) aufgefaßt. Koivulehto hat in einer Fußnote ruojus zu germ. oder urn. *brǀkjuz gestellt. Diese Deutung setzt voraus, daß germ. *brǀk- eine Zeitlang ein u-Stamm gewesen ist, was im Lichte der überlieferten Formen möglich, wenn auch nicht gesichert ist. Die Wiedergabe von germ. -kj- (oder -ki-) durch urfi. -j- entspricht nicht der Erwartung. Semantisch wäre die Deutung plausibel; vergleiche die Ähnlichkeit von Hosen(beinen) und Stiefelschäften. [Hellquist 1939 95, 100;] Virtaranta 1957 707; SKES IV 1969 870f.; [de Vries 1962 58; ODEE 1969 116;] Hakulinen 1979 185, 335; [Blöndal Magnússon 1989 83; N.Nielsen 1989 66; Kluge–Seebold 1995 138;] Koivulehto 1995 77, 98; SSA III 2000 105. Kaum germ. LW.

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RUOKA ’Speise, Essen; Kost, Verpflegung’; ingr. rǀ֐Ga; karel. ruoka; lüd. ruog (SKES, SSA); wot. rǀka, wotJ. rǀk; estn. roog (G. roa), ruug ’Speise, Gericht, Gang’. *rǀka ~ frühurgerm. *rǀkƗ > urgerm. *rǀkǀ, urn. *rǀku; vgl. mnd. rǀke f. ’Achthaben, Sorge, Sorgfalt’, ahd. ruohha f. ’Sorge, Fürsorge, Sorgfalt, Bemühung, Aufsicht, Rücksicht’. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Koivulehto, der frühurgerm. *rǀkƗ als Original ansetzte; die Entlehnung sei früher als die von RUOKKO geschehen; zur Semantik wies er auf die s.v. RUOKKIA verzeichneten germ. Verben. Lautlich und semantisch ist die Deutung problemlos. Wegen urfi. -k- und -a muß die Entlehnung sehr früh geschehen sein. Vgl. RUOKKO. SKES IV 1969 871; Koivulehto 1972 621, 626; Fromm 1977 141; Hakulinen 1979 362; Koivulehto 1979b 292; T.Itkonen 1980a 132; Koivulehto 1981a 174, 176–179, 180; Hofstra 1982 36; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2530; Plöger 1982 94; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 136, 153, 183, 221, 312, 329f., 384; [Lehmann 1986 280;] Joki 1989 20; Häkkinen 1990b 260; Ritter 1993 27, 64; Koivulehto 1999a 75, 175–177; SSA III 2000 105; Häkkinen 2004 1069. Germ. LW.

RUOKE (Pl. ruokkeet) (obs., dial.) ’Hose, schlechte Hose; abgenutztes Kleidungsstück’, rouke (Pl. roukkeet) (Lönnr.) ’Hose’. *rǀkի keh (G. rǀkkehet) ~ urgerm. *brǀk-s / *brǀkǀ (Pl. *brǀkez > *brǀkiz), urn. *brǀk- / *brǀku (Pl. *brǀkiR); vgl. an. brók f. (Pl. brœkr) ’Hose(nbein)’, aschwed. brǀk f. (Pl. brпker) id., ae. brǀc f. ’Hose’, as. brǀk f. id., ahd. bruoh f. id. Thomsen hat ruoke als germ. Lehnwort gedeutet; seine Etymologie ist lautlich und semantisch problemlos. Vgl. RUOJU. Thomsen 1869 91, 145; Wiklund 1904a 162; Setälä 1913a 443; Hellquist 1939 95, 100; Karsten 1943/44 481; Kylstra 1961 81, 137, 139f.; de Vries 1962 58; [ODEE 1969 116;] SKES IV 1969 871; Koivulehto 1971b 602; Koivulehto 1972 608; Koivulehto 1973a 11, 12; Sammallahti 1977 121; Hahmo 1981 51; Hofstra 1985a 83, 299f.; Blöndal Magnússon 1989 83; N.Nielsen 1989 66; [Kluge–Seebold 1995 138;] Koivulehto 1995b 98; Koivulehto 1999a 35; SSA III 2000 106. Germ. LW.

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RUOKKIA, ruokita ’zu essen geben, verpflegen; düngen, bearbeiten; roden; jäten; (Fische usw.) sauber machen; entästen; schlachten und ausweiden (Seehunde)’; ingr. ruǀkkia ’Fische ausnehmen; entästen; roden (Wald)’; karel. ruokita, ruokkie ’zu essen geben, verpflegen; sauber machen’; wot. rǀttšia ’entschuppen; schälen’, wotJ. rǀttšima ’id.’, wotK. rǀkkia ’Bäume umhacken, entästen; roden’, wotM. rǀtšiaG ’Mist ausbreiten’; estn. rookima ’reinigen, (Schnee) wegschaufeln, ausmisten; Fische ausnehmen’; ?liv. rùo֐ kի kΩյ ’Leder recken, (?) gerben’. *rǀkki~ urgerm. *rǀkijan-, urn. *rǀkijan; vgl. an. rœkja ’sich kümmern, sorgen (für etwas)’, ae. *r‘œcan (Prät. rǀhte) id., as. rǀkian id., ahd. ruohhen id.; vgl. auch aschwed. rökt f. ’Sorge, Fürsorge’ (Dentalableitung) und aschwed. rökta ’sich kümmern, sorgen (für etwas), versorgen; bewirken; verschaffen’. Das gegenseitige Verhältnis von liv. rùo֐ kի kΩյ ’Leder recken’ und rùok̖ ’Gerberbank’ ist dunkel; vgl. dazu s.v. RUOKKO. Nach ersten Ansätzen im 18. Jh. wurde eine Deutung als germ. Lehnwort von Lidén mit Begründung vorgelegt. Lautlich und semantisch steht dieser Deutung nichts im Wege; vgl. zur Semantik außer aschwed. rökta mit einem breiten Anwendungsbereich auch RUOKKO. Die im EEW vertretene Ansicht, daß sich in dieser Wortgruppe zwei Wörter verbunden haben, und zwar ein germ. Lehnwort in der Bedeutung ’zu essen geben’ und ein einheimisches deskriptiv-onomatopoetisches Wort in der Bedeutung ’reinigen, aufräumen, schlagen’, ist nicht zwingend. Lidén 1911 123f.; Setälä 1913a 443; Hellquist 1939 858; Karsten 1943/44 481f.; de Vries 1962 457; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 746;] SKES IV 1969 871; Koivulehto 1972 621; Hakulinen 1979 362; T.Itkonen 1980a 134; Koivulehto 1981a 176–179; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2532f.; Hofstra 1985a 242, 347; [Lehmann 1986 280, 284, 287;] Koivulehto 1987b 199; [Blöndal Magnússon 1989 785;] N.Nielsen 1989 355; Häkkinen 1990b 260; Ritter 1993 15; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 75, 175–177; SSA III 2000 106; Häkkinen 2004 1070. Germ. LW.

RUOKKO ’Pflege, Kost; Fütterung (eines Haustieres); Ordnung’; karel. ruokko ’id.; Aufbewahrungsort, Versteck’; lüd. ruokkoh (Adv.) ’in Verwahrung’; ?liv. rùo֐ k̖ ’Gerberbank’. *rǀkko ~ urgerm. *rǀkǀ, urn. *rǀku; vgl. mnd. rǀke f. ’Achthaben, Sorge, Sorgfalt’, ahd. ruohha f. ’Sorge, Fürsorge, Sorgfalt, Bemühung, Aufsicht, Rücksicht’. Unklar ist, ob liv. rùo֐ k̖ direkt zu ruokko zu stellen ist oder aber eine Ableitung vom liv. Verbum rùo֐ kի kΩյ ’Leder recken’ (dazu s.v. RUOKKIA) ist.

184

Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Kluge und von Lidén vorgelegt; sie ist lautlich und semantisch plausibel und wurde allgemein akzeptiert. Ruokko dürfte später entlehnt sein als RUOKA. Vgl. RUOKA. Kluge 1911 140; Lidén 1911 123f.; Setälä 1913a 443; Karsten 1943/44 481; SKES IV 1969 871; Koivulehto 1972 621; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 362; Koivulehto 1979b 292; Koivulehto 1981a 174, 176f.; Hofstra 1985a 136, 153, 312, 329f., 384; [Lehmann 1986 280;] Häkkinen 1990b 260; Ritter 1993 64; Koivulehto 1999a 5, 75, 175–177; SSA III 2000 106; Häkkinen 2004 1069, 1070. Germ. LW.

RUOKO ’Rohr, Schilf’; ingr. rǀ֐Go ’id.; Spule’; karel. ruoko; lüd. ruog; weps. rogo; wot. rǀko, rǀku; estn. roog (G. roo); liv. rùo֐ gΩյ(Z) ’id.; Spule’; ?lpL. ruohkǀ. *rǀko ~ urgerm. *brǀka- (, urn. *brǀka); vgl. as. brǀk (n. ?) ’Bruch, Sumpf’, mnd. brǀk n. ’id., Moor’, ahd. bruoh n. (auch m.) id.; ~ urgerm. *brǀka-z (, urn. *brǀkaR); vgl. ae. brǀc m. ’Bach’. Das nahezu allgemein lp. ruohkǀ kann ein frühes ostseefi. Lehnwort sein. Koivulehto hat ruoko als germ. Lehnwort gedeutet und als Original frühurgerm. *brǀko- angesetzt. Frühe Entlehnung (mit urfi. -k- ~ urgerm. -k-) ist lautlich plausibel. Semantisch ist die Deutung trotz einiger von Koivulehto genannter Wörter, die außer ’Sumpf’ auch ’Schilf’ bedeutet, nicht völlig überzeugend. Ritter denkt wegen der Semantik mit einigem Vorbehalt lieber an eine ältere, von Bnjga vorgelegte Deutung als balt. Lehnwort. Bnjga 1911 235; SKES IV 1969 872; [ODEE 1969 120;] Hakulinen 1979 358, 362; Koivulehto 1981a 179–181; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2530f.; Hofstra 1985a 83, 154, 183, 307, 384f.; Nikkilä 1987 238; Lehtiranta 1989 116f.; Ritter 1993 92; Kluge–Seebold 1995 138; Koivulehto 1999a 178f.; SSA III 2000 106; Häkkinen 2004 1070f. ? Germ. LW.

RUOMA ’Zugriemen (am Kummet)’; ingr. ruǀma; karel. ruoma; wot. rǀma, wotJ. rǀm; estn. room (G. rooma). *rǀma 1. ~ urgerm. *drǀman-, urn. *drǀmƗ; vgl. an. drómi m. ’Band, Gelenk, Fessel’.

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2. ~ urgerm. *(Ȥ)rǀma-, urn. *(h)rǀma; vgl. schwed. dial. rom m. ’Zugriemen im Geschirr eines Pferdes; Riemen aus Walfischhaut’, norw. roma ’Weidenzweig’; ~ urgerm. *(Ȥ)rǀmǀn-, urn. *(h)rǀmǀ; vgl. schwed. dial. roma f. ’Zugriemen’. LpN. ruobmâ ’Zugriemen’ ist ein fi. Lehnwort. Vendell hat ruoma mit seltenem, nur schwed. und norw. roma verglichen. Setälä hat die Deutung als altes Lehnwort gutgeheißen. Saxén denkt an ein umgekehrtes Entlehnungsverhältnis. Karsten hält an Entlehnung ins Urfinnische fest; rom in den schwed. Mundarten Finnlands und Estlands könne aber eine fi. Lehnwort sein. Nikkilä verbindet ruoma mit an. drómi; ruoma läßt sich problemlos als Entlehnung von urgerm. *drǀman- oder einer daraus hervorgehenden Entwicklungsstufe erklären. SSA nennt beide Herleitungen aus dem Germanischen. Vendell 1895 306; Saxén 1895/98 214; Setälä 1913a 443; Karsten 1943/44 482f.; [de Vries 1962 84;] Raun–Saareste 1965 44; SKES IV 1969 872; Viires 1970 288; Hakulinen 1979 338; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2533f.; [Blöndal Magnússon 1989 128;] Nikkilä 1991b 1f.; SSA III 2000 106. Germ. LW.

karel. RUOSME, ruosma, ruosmi ’Rost (auch in Pflanzen); rosthaltige, rötliche Flüssigkeit; Froschlaich’; weps. rozۤe (G. rozۤgen) ’Rost (im Wasser)’. *rǀsmek / *rǀsmeh/ *rǀsma ~ [urgerm. *rusman-,] urn. *rusmƗ / *rosmƗ; vgl. an. rosmhvalr m. ’Walroß’ (-hvalr ’Wal’), norw. dial. rossmal id., ahd. rosomo, rosamo m. ’Rost; Sommersprosse, Röte’. Das karel.-weps. Wort wurde von Hahmo als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung ist lautlich und semantisch unproblematisch. Zu urfi. ǀ als Wiedergabe von germ. oder urn. u (> o) vergleiche man noch KUONO und RUOSTE. Von den drei urfi. Rekonstruktionen steht *rǀsma dem germ. Material am nächsten. Die Formen auf *-ek bzw. *-eh dürften sich als Einfluß von RUOSTE erklären. An. rosmhvalr dürfte auf volksetymologischer Anlehnung an hvalr ’Wal’ beruhen; der Walroß ist nach seiner Farbe benannt worden. [Torp 1919 544; Hellquist 1939 846, 1299f.; de Vries 1962 451; Blöndal Magnússon 1989 773; Kluge–Seebold 1995 692;] Hahmo 2004a 130. Germ. LW.

RUOSTE (G. ruosteen) ’Rost (auch in Pflanzen), Patina; Zahnkrankheit’; ingr. rǀ֐sse (G. rǀ֐stƯn) ’Rost’; karel. ruoste ’Rost, Patina’; lüd. ruoste ’Rost’; weps. roste֑ (G. rostken) ’id.’; wot. rǀs(s)e֑ , wotM. rǀssa ’id.’; estn. rooste (G. rooste), roste ’Rost; Mehltau’; liv. rùo֐ st ’Rost’.

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*rǀstek ~ [urgerm. *rusta-z,] urn. *rustaR / *rostaR; vgl. an. rost- in rostungr ’Walroß’ (Benennung nach der Hautfarbe), aschwed. rost, rust m. ’Rost; eine Augenkrankheit (?)’, as. rost m. ’Rost’, ahd. rost m. id.; ~ [urgerm. *rusta-,] urn. *rusta / *rosta; vgl. aschwed. rost, rust n. ’Rost; eine Augenkrankheit (?)’, as. rost n. ’Rost’. Die Ähnlichkeit von ruoste und obigem germ. Wortgut war bereits im 18. Jh. aufgefallen. Im 19. Jh. haben dann mehrere Forscher ruoste als germ. Lehnwort gedeutet. Das Verhältnis von Kurzvokal des germ. Originals und Langvokal im Urfinnischen hat zwar bei o / ǀ nur wenige Parallelen (vgl. dazu KUONO, RUOSME), findet sich bei anderen Vokalen aber häufiger (vgl. z.B. LIIKKIÖ, VIIKKO). Semantisch steht der Deutung als germ. Lehnwort nichts im Wege. Lindström 1859 64; Qvigstad 1881 238; Setälä 1890 64, 214; Setälä 1913a 444; [Hellquist 1939 846;] Karsten 1943/44 483; SKES IV 1969 873f.; [de Vries 1962 452;] Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 778;] Koivulehto 1976a 258; Koivulehto 1977a 138; Hakulinen 1979 120, 358; Hahmo 1981 51; Kylstra 1981 27, 30; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2538; Hofstra 1985a 32, 99, 322; T.Itkonen 1987 176; [Blöndal Magnússon 1989 774; N.Nielsen 1989 352;] Häkkinen 1990a 252; Koivulehto 1992d 164; Salo 1992a 110, 118, 121; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1998b 241; Koivulehto 1999a 125; SSA III 2000 108; Hahmo 2004a 130; Häkkinen 2004 1072. Germ. LW.

RUOTO ’Gräte, Rückengrat, Körper; Angel (eines Messers); entästeter Baumstamm’, ruota ’Gräte; Stöckchen’, ruoti ’Blattrippe; Gräte; Angel (eines Messers)’, ruote ’Schaft einer Feder’; ingr. rǀ֐Do ’Gräte, Rückengrat’; karel. ruota ’Gräte; Rückenflosse; Angel (eines Messers)’; lüd. ruod (Pl. ruodad) ’Gräte’; weps. rod (Pl. rodad) ’id.’; wot. rǀto ’id.; (wotK. auch:) Rückengrat’; estn. rood (G. roo) ’id.; Blattrippe; Angel (eines Messers)’; liv. rùo֐ D ’Messerklinge, Schneide’. *rǀto / *rǀta 1. ~ urgerm. *trǀÿǀn-, urn. *trǀÿǀ; vgl. an. tróða f. ’Stange, Latte’, aschwed. trǀdha f. ’Zaun’, schwed. dial. trodo ’Zaunstange, Dachsparren’, troda ’Stange, Angelrute’; ~ urgerm. *trǀÿa-, urn. *trǀÿa; vgl. an. tróð n. ’Sparren’, aschwed. trǀþ n. ’Zaun’, schwed. dial. trod ’Zaun(stange), Dachholz’. 2. ~ urgerm. *rǀÿa-, urn. *rǀÿa; vgl. schwed. dial. roÿ ’Zaunstange’; ~ urgerm. *rǀÿǀn-, urn. *rǀÿǀ; vgl. an. róða f. ’Stange, Kreuz’; as. rǀda f. ’Rute, Galgen, Stange’, ahd. ruota f. ’Stange, Rute, Stab, Meßlatte’;

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~ urgerm. *rǀÿǀ (, urn. *rǀÿu); vgl. ae. rǀd f. ’Rute, Stange; Kreuz, Galgen’, ahd. ruota f. ’Stange, Rute, Stab, Meßlatte’. Saxén hat ruoto (wie auch RUODE) als germ. Lehnwort gedeutet und zwei unterschiedliche Originale genannt: sowohl an. tróð usw. wie auch schwed. dial. rodh, ae. ród usw. Letzteres wurde von Setälä gutgeheißen. Karsten hat auf semantische Probleme hingewiesen, aber die Deutung nicht abgelehnt. Joki hielt ruoto für ein altes Erbwort mit Verwandten im Tscheremissischen und Samojedischen; diese Auffassung fand keine Stütze. Laut SKES beruht die Sippe ruoto (wozu als Ableitung auch RUODE) höchstwahrscheinlich auf alter Entlehnung von entweder germ. *rǀÿ- oder germ. *trǀÿ-. Laut SSA ist das Original von ruoto wahrscheinlich germ. *rǀÿa-, *rǀÿǀn-. Lautlich entspricht ruoto den beiden vorgeschlagenen germ. Originalen genau, aber die Bedeutungsdifferenzen machen Herkunft aus dem Germanischen sehr unwahrscheinlich. Vgl. RUODE. Saxén 1896 14f.; Setälä 1913a 444; Hellquist 1939 841, 1222f.; Karsten 1943/44 483; Joki 1956 46; de Vries 1962 450, 598; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 772;] SKES IV 1969 874f.; Hakulinen 1979 358; Raun 1982 144; EEW 1982/83 2528f.; [T.Itkonen 1983 210;] Hofstra 1985a 297, 318; [Blöndal Magnússon 1989 769f., 1062;] Koivulehto 1991c 99; Koivulehto 1999a 5; SSA III 2000 108; Häkkinen 2004 1072. Kaum germ. LW.

RUOTSI ’Schweden, schwedische Sprache, Schwede/-in’; ingr. rǀ֐t̖sa ’Schwede/-in’, rǀ֐t̖si ’schwedisch’; karel. ruottši ’finnisch; lutherisch; (lutherisches) Finnland; Finnisch; Distel, Carduus’; lüd. ruot'š̗ ’lutherischer Finne; Finnland, Schweden’; weps. roüid (Pl.) ’Finnen’; wot. rǀttsi ’Schweden’; estn. rootsi ’schwedisch’, Roots (G. Rootsi) ’Schweden’; liv. rùo֐ t'š-mǀ֑ (-mǀ֑ ’Land’). *rǀtsi ~ [urgerm. *rǀþra-, urn. *rǀþra oder urgerm. *rǀþ(r)u-z, urn. *rǀþ(r)uR;] vgl. aschwed. rǀþs-karl ’Ruderer’ (-karl ’Mann’, -s- Genitivzeichen; aschwed. rǀþer m. ’das Rudern’). Im 19. Jh. wurde ruotsi zu den alten germ. Lehnwörtern gezählt. Die frühe Datierung wurde bereits von Thomsen mit einem Hinweis auf historische Umstände und Parallelfälle (Saksa ’Deutscher, Deutsch, Deutschland’) abgelehnt; dennoch wird ruotsi gelegentlich noch zu den alten germ. Lehnwörtern gezählt. Gewöhnlich wird es aber mit Recht als junges (achwed.) Lehnwort betrachtet. Thomsen 1890 38f.; Setälä 1913a 444; Hellquist 1939 841; Karsten 1943/44 483f.; Mägiste 1958a; Nissilä 1959 299; de Vries 1962 450; Raun–Saareste 1965 44;

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SKES IV 1969 875f.; Koivulehto 1976a 270; Hakulinen 1979 362; M.Korhonen 1981a 45; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2539f.; Hofstra 1985a 331; [Blöndal Magnússon 1989 770; N.Nielsen 1989 348;] Häkkinen 1990a 62f., 251; Häkkinen 1990b 261; SSA III 2000 108; Häkkinen 2004 1072f. Jüngeres LW.

RUPA (aWb., dial.), ruppa ’Schmutz, Moder, Schlamm, Schlick; Bodensatz’, ruuppu, ruupu, rupu ’Überrest, Schund’; wotJ. rupu ’Heureste’. *rup(p)a / *rnjp(p)u / *rupu [~ urgerm. *gruwwa-, urn. *gruwwa; vgl. isl. grugg n. ’Bodensatz’, norw. grugg n. id.] Rupa ist laut SKES und SSA deskriptiv. Laut SKES scheine rupa teilweise zu ’Bodensatz, Schmutz’ und ropa ’Schmutz, Staub’ zu gehören und teilweise auf Kontamination von RAPA mit ruta ’Schlick, Schlamm’ zu beruhen. Die Deutung von rupa, ruppa als germ. Lehnwort stammt von Katz. Da es keine sicheren Lehnwörter mit p oder pp als Reflex von intervokalischem germ. ww gibt, ist die Deutung im Sinne von SKES und SSA zu bevorzugen. RAPA

[Torp 1919 185; de Vries 1962 191;] SKES IV 1969 877; Katz 1988a 9; [Blöndal Magnússon 1989 282;] Katz 1990a 66f.; SSA III 2000 109; Hahmo–Nikkilä 2005 112f. Kein germ. LW.

RUPILAS (Lönnr.) ’mißgebildeter Mensch’. *rupilas 1. ~ urgerm. *krupila-z, urn. *krupilaR; vgl. norw. krypel ’kleines Insekt, gebrechliche Person’, ae. crypil m. ’Krüppel; verkrüppelt’, mnd. kropel(e) m. ’Krüppel’, mhd. krüpel m. id. 2. ~ urgerm. *Ȥruΰila-, urn. *hruΰila; vgl. norw. rufl, ruvl n. ’Unebenheit, Falte, Furche’; ~ urgerm. *Ȥruΰilǀn-, urn. *hruΰilǀ; vgl. norw. rufla, ruvla f. id. Karsten hat 1906 rupilas, ein nur in Lönnrots Wörterbuch bezeugtes Wort, als germ. Lehnwort gedeutet und es einerseits mit germ. *hruΰila-z und anderseits (aber wegen p statt pp mit Bedenken) mit germ. *krupila-z verglichen. Setälä versah beide Deutungen mit einem Fragezeichen; Karsten hat 1943/44 die Verknüpfung mit *hruΰila-z besser zu begründen versucht, indem er weitere l-Ableitungen

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von *hruΰ- (siehe dazu RUPI) vorlegte. Blöndal Magnússon setzt germ. *hrufilǀn mit -f-, nicht mit -ΰ- an. Nach Karsten hat rupilas keine Beachtung gefunden. Lautlich sind beide Deutungen möglich; vgl. zu p als Reflex von germ. p KUVE (G. kupeen). Semantisch ist die Verknüpfung mit germ. *krupilaz plausibel. Die geringe Belegbarkeit des Wortes warnt vor voreiligen Schlüssen; vielleicht darf man an eine Gelegenheitsbildung denken; vgl. dazu noch RUPI und RUPULI. Karsten 1906a 9; Setälä 1913a 444f.; [Torp 1919 554;] Karsten 1943/44 484 [; ODEE 1969 229; Blöndal Magnússon 1989 511; N.Nielsen 1989 241]. ? Germ. LW.

RUPI (G. ruven) ’Schorf, Grind, Kruste; Pocken’; ingr. ruBi; karel. rupi; lüd. rubi; weps. rubi; wot. rupi; estn. rubi ’Pocke, Ausschlag’, rubid (Pl.) ’Pocken’. *rupi < *rupe ~ urgerm. *Ȥrufǀn- / *Ȥruΰǀn-, urn. *hrufǀ / *hruΰǀ; vgl. an. hrufa f. ’Schorf; Ausschlag’, norw. dial. ruva ’Schorf’, aschwed. ruva f. id., mnd. rove f. id.; ~ urgerm. *Ȥrufi-z, urn. *hrufiR; vgl. ahd. hruf f. ’Schorf; Aussatz’; ~ urgerm. *Ȥrnjfija- / *Ȥrnjΰija-, urn. *hrnjfija / *hrnjΰija; vgl. an. hrýfi n. ’Ausschlag, Schorf’ (wenn nicht aus *hriufija < urgerm. *Ȥreufija-). Nachdem Ihre rupi mit germ. Wortgut verglichen hatte und Lindström es als germ. Lehnwort gedeutet hatte, hat Mikkola hat die Deutung als germ. Lehnwort näher begründet. Er ging von einer altgerm. Form *hruΰƯ aus, die allerdings mit uVokalismus der Wurzelsilbe nicht belegbar sei. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch plausibel. Lindström 1859 64; Mikkola 1901 182; Karsten 1906a 9; Setälä 1913a 444; Hellquist 1939 856; Karsten 1943/44 484; de Vries 1962 258, 261; Raun–Saareste 1965 44; T.Itkonen 1969 136; SKES IV 1969 877f.; Koivulehto 1971a 386; Hakulinen 1979 358; Nikkilä 1982 256; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2546; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 85, 298, 404; Hahmo 1986 164, 167; [Blöndal Magnússon 1989 379, 381; N.Nielsen 1989 348;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 109; Hahmo–Nikkilä 2004 100; Häkkinen 2004 1073; ALFE 2 2007 403–406. Germ. LW.

RUPULI ’Pocke; Pocken; Ausschlag, Ekzem’. *rupuli ~ urgerm. *skruΰula-, urn. *skruΰula / *skroΰula; vgl. schwed. dial. (Finnland) skrovel n., Pl. skrovler ’Unebenheit’.

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Karsten hat rupuli als germ. Lehnwort gedeutet; die Konstruktion des germ. Originals beruht bloß auf einem schwed. Mundartwort. Lautlich läßt sich die germ. Konstruktion problemlos mit rupuli verbinden. Eine direkte Verbindung von ’Unebenheit’ und ’Krankheit’ ist nicht wahrscheinlich. Denkbar ist aber, daß rupuli aus rupulitauti ’Pocken’ (”Unebenheitskrankheit”?) verkürzt ist; ähnlich mag sich RUTTO ’Pest’ (< ruttotauti ’schnell tötende Krankheit’) entwickelt haben. Karsten 1943/44 485f.; SKES IV 1969 879; SSA III 2000 109. ? Germ. LW.

RUSU (Lönnr., dial.), rusa (aWb., dial.) ’Streu, Dreschabfall; Müll’; ingr. rnjsu ’Heureste’; karel. rusu, rusa ’Reisig; Dreschabfall; Müll; (pejorativ) etwas Kleines, Winziges’; weps. ruzud (Pl.) ’Müll, Reste’; estn. rusu ’Scherbe, Splitter; Trümmer’; ?liv. ruznj ’(Stein)haufen’. *rusu 1. ~ urgerm. *trusa-, urn. *trosa; vgl. an. tros n. ’halbverfaulter dünner Zweig, Reisig’ (auch trys n. ’Abfall, Unrat’), norw. tros n. ’abgefallene Zweige’, schwed. dial. tross ’Abfall, Kram, Trödel’; ~ urgerm. *trnjsa-z (, urn. *trnjsaR); vgl. ae. trnjs m. ’abgefallener Reisig’; ~ urgerm. *trnjsa-, urn. *trnjsa; vgl. norw. trnjs n. ’Abfälle’. 2. ~ urgerm. *rusa-, urn. *rusa; vgl. norw. rus (auch ros, rys) n. ’dünne Schale (einer Frucht); Splitter, winziger Abfall’. Liv. ruznj ’(Stein)haufen’ kann ein estn. Lehnwort sein (SKES). Hahmo und Nikkilä haben das bis dahin als deskriptiv-onomatopoetisch aufgefaßte rusu als germ. Lehnwort gedeutet und zwei mögliche Originale genannt: *trusa- und *rusa-, von denen das weiter verbreitete *trusa- (oder eine Nebenform) am ehesten in Frage kommt. Lautlich und semantisch ist dies plausibel. [Hellquist 1939 1225; de Vries 1962 599;] SKES IV 1969 879, 880, 883f.; Raun 1982 146; EEW 1982/83 2560; [Lehmann 1986 372; Blöndal Magnússon 1989 1063, 1066; SSA III 2000 110; Hahmo–Nikkilä 2005 111, 116f. Germ. LW.

RUTA ’Schlick, Schlamm, Moder, Morast; Abfall; Reisighaufen’, rytä ’Abfall; verfallenes Gebäude’. *ruta 1. ~ urgerm. *Ȥruÿan-, urn. *hruÿƗ / *hroÿƗ; vgl. an. hroði m. ’Schleim, Rotz; Kram, Plunder, Abfall’.

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2. ~ urgerm. *Ȥruta-z (, urn. *hrutaR / *hrotaR); vgl. as. hrot m. ’Rotz, Schleim’, ahd. hroz m. id.; ~ urgerm. *Ȥruta- (, urn. *hruta / *hrota); vgl. ae. hrot n. ’Rotz, Schaum’, as. hrot n. ’Rotz’, ahd. hroz n. id. Laut SKES ist fi. ruta von karel. ruta ’See-Erz, Sumpferz; (Eisen)erz’, lüd. ruda ’(Eisen)erz’ und weps. ruda ’id.’ (< russ.) zu trennen; fi ruta sei vielmehr ein deskriptives Wort. SSA behandelt ruta ’Morast’ und ruta ’Abfall’ als zwei unterschiedliche Wörter: das erste sei deskriptiv und das zweite gehöre zu RYTÖ. Hofstra hat ruta mit urgerm. *Ȥruÿan- und mit urgerm. *Ȥruta-z verglichen; letztere Form würde aber eher urfi. *rutta oder *rutas ergeben haben. Urgerm. *Ȥruÿan- ist lautlich und semantisch als Original in Ordnung. [Tunkelo 1913/18 36f.;] Kalima 1927a 55f.; [de Vries 1962 259;] SKES IV 1969 884; Hofstra 1985a 325; [Blöndal Magnússon 1989 376; Kluge–Seebold 1995 693;] SSA III 2000 111; Nikkilä 2002 134; Hahmo–Nikkilä 2005 114, 117. Germ. LW. RUTJA1 (dial.) ’(großer) Haufen (Brot, Steine, Holz, Eis usw.); Packeis’. *rutja ~ urgerm. *ruÿjǀn-, urn. *ruÿjǀ; vgl. aschwed. ryþia f. ’Rodung’; ~ urgerm. *ruÿja-, urn. *ruÿja; hierzu vielleicht norw. ryde n. ’Gesträuch’ und aschwed. ryþ n. ’Rodung, Lichtung’; ~ urgerm. *ruþa-, urn. *ruþa; vgl. an. ruð n. ’Rodung, Lichtung’, mnd. rot n. ’Rodung’, ahd. rod n. id. Karsten hat rutja als Entlehnung von urn. *ruÿja gedeutet. Setälä hielt diese Etymologie für unsicher. Im SKES wird germ. Herkunft abgelehnt und wird rutja als deskriptiv bezeichnet. Lautlich ist Karstens Etymologie plausibel, semantisch aber kaum möglich. Vgl. RUTJA2. Karsten 1905 196f.; Setälä 1912 220; Setälä 1913a 445; [Hellquist 1939 857;] Karsten 1943/44 486f.; [de Vries 1962 452;] Sköld 1967b 65, 68; SKES IV 1969 885; Seebold 1972 91; Sammallahti 1977 121; Hofstra 1985a 325f. [; Blöndal Magnússon 1989 776; N.Nielsen 1989 352f.; Bjorvand–Lindeman 2007 897–899]. Kaum germ. LW. RUTJA2 (aWb., dial.) ’Nordlicht’, als ON Rutja, Ruija. *rutja

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[1. ~ urgerm. *ruÿja-, urn. *ruÿja; vgl. an. ryð n. ’Rost’; ~ urgerm. *ruÿja-z, urn. *ruÿjaR; vgl. an. ryðr m. ’Rost’.] [2. ~ urgerm. *ruÿjǀn-, urn. *ruÿjǀ; vgl. aschwed. ryþia f. ’Rodung’; ~ urgerm. *ruÿja-, urn. *ruÿja; hierzu vielleicht norw. ryde n. ’Gesträuch’ und aschwed. ryÿ n. ’Rodung, Lichtung’.] Der Ortsname(nteil) Rutja, Ruija usw. (u.a. als Bezeichnung Lapplands und im ON Rutjankoski) wird sowohl zu RUTJA1 ’Haufen’ wie auch zu rutja2 gestellt. Saxén hat Rutja, Ruija als Entlehnung zu skand. *ruthja (> aschwed. ryþia ’Rodung’) gestellt; Setälä hat diese Deutung mit einem Fragezeichen versehen. Karsten hat 1905 rutja ’Nordlicht’ und Rutja usw. ’Lappland’ als Entlehnung von urn. *ruÿja- ’Rost’ gedeutet. Urgerm. *ruÿja ist nur aus dem Altnordischen bzw. Isländischen bekannt, aber Nebenformen ohne j haben eine größere Verbreitung: an. roð n. ’rote Farbe’, norw., schwed. dial. rod ’Röte am Himmel’ und mhd. rot n. und m. ’Rost’. Setälä versah auch Karstens Etymologie mit einem Fragezeichen. Karsten 1943/44 hat sie nicht wiederholt. Im SKES wird sie als völlig willkürlich bezeichnet. SSA bezeichnet rutja als onomatopoetisches Wort, das möglicherweise zu rutista ’knarren, krachen; jammern’ zu stellen sei. Keiner der bisherigen Vorschläge ist semantisch plausibel. Vgl. RUTJA1. Saxén 1896 14; Karsten 1905 194f.; Setälä 1913a 445; [Hellquist 1939 857;] SKES IV 1969 884, 885; [de Vries 1962 454;] K.Vilkuna 1978; [Blöndal Magnússon 1989 782; N.Nielsen 1989 352f.;] SSA III 2000 100, 112; Nikkilä 2002 128 [; Bjorvand–Lindeman 2007 899]. Kein germ. LW.

RUTO ’Gestrüpp, Dickicht’ s. RYTÖ.

RUTSA ’Sexualverbrechen’, gewöhnlich in sukurutsa ’Inzest’ (suku ’Geschlecht, Familie’), sukurutto ’id.; erbliche Krankheit’. *rutsa / *rutta ~ urgerm. *bruta-, urn. *bruta / *brota; vgl. an. brot n. ’das Brechen, Niederbrechen, Bruch’, aschwed. brut, brot n. ’id.; Verbrechen’, ae. gebrot n. ’Bruchstück’ (ge- Präfix), ahd. broz n. ’Sproß, Knospe’. Rutsa ist vor allem schriftsprachlich; es kommt mundartlich kaum vor. Die Herkunft ist laut E.Itkonen, SKES und SSA dunkel. Itkonen (und SKES) halten es allerdings für möglich, daß von nicht belegtem *sukurutta auszugehen ist; das Grundglied sei aus dem Germanischen entlehnt und das Bestimmungsglied beruhe auf Übersetzung (vgl. dazu kynzimis brut ’Inzest’(kynzimi ’Verwandt-

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schaft’) im mittelalterlichen Gesetz von Skåne). Die Form auf -rutsa gehe auf ein Mißverständnis seitens Agricola (16. Jh.) zurück (und zwar wegen des westfi. -tt< -ts-, z.B. mettä neben metsä ’Wald’) und sei eine Anlehnung an das in südostfi. Mundarten begegnende russ. Lehnwort -rutsa in sukurutsa ’Familie, Gesamtheit der Verwandten’. Ursprüngliches -tt- dürfte noch in sukurutto erhalten sein, wenn wenigstens nicht Vermischung mit RUTTO vorliegt. Die Deutung als germ. Lehnwort ist zwar möglich, aber vor allem wegen des Umweges, der in lautlicher Hinsicht gegangen werden muß, dennoch nicht völlig überzeugend. Im Falle einer Entlehnung wäre urgerm./urn. *bruta- als Original zwar vielleicht möglich, käme jedoch angesichts der geringen Verbreitung und des Rechtswortcharakters von rutsa wohl eher aschwed. brut als Original in Frage. [Hellquist 1939 101; de Vries 1962 59;] E.Itkonen 1968 505; SKES IV 1969 886; [Seebold 1970 141f.; Blöndal Magnússon 1989 84; N.Nielsen 1989 67;] SSA III 2000 112. ? Jüngeres LW.

RUTTA (dial.) ’Blattknospe, Kätzchen (Blütenstand)’; karel. rutta. *rutta 1. ~ urgerm. *sprutan-, urn. *sprutƗ / *sprotƗ; vgl. an. sproti m. ’Zweig, Gerte, Rute, Stab’, aschwed. sproti, spruti m. ’Schößling, Sproß’, ae. sprota m. ’Sproß, Zweig’, ahd. sproz(z)o m. ’(Leiter)sprosse’; ~ urgerm. *spruta-, urn. *spruta / *sprota; vgl. norw. dial. sprot n. ’kleine Stange’, ae. sprot n. ’Zweig, Sproß’, as. gisprot n. ’Sprößling’ (gi- Präfix). 2. [~ urgerm. *bruzÿa-z, urn. *bruzdaR >] urn. *bruddaR / *broddaR; vgl. an. broddr m. ’(vierkantige) Eisenspitze; Pfeil; Spitze’, aschwed. brodder, brudder m. ’Spitze (am Hufeisen), spitzes Werkzeug (in der Schmiede)’, ae. brord m. ’Keim, Blatt, Spitze’, ahd. brort m. ’Spitze, Rand, Vordersteven’. Nikkilä hat fi.-karel. rutta (im Finnischen nur in südöstlichen Mundarten) als germ. Lehnwort gedeutet und als Originale urn. *spruta- bzw. *brudda- vorgeschlagen. Beides ist lautlich und semantisch problemlos; es kann daher nicht entschieden werden, welches das Original von rutta ist. [Hellquist 1939 100, 1055; de Vries 1962 58, 538;] SKES IV 1969 886; [Seebold 1970 459; Blöndal Magnússon 1989 83, 942f.; N.Nielsen 1989 66, 411;] Nikkilä 1990b 252 [; Bjorvand–Lindeman 2007 846]. Germ. LW.

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RUTTIA (aSs.) ’Sklave’, ruttio ’Vogt, Verwalter’. *ruttia / *rutt(i)jo ~ urgerm. *brutjan-, urn. *brutjƗ; vgl. an. bryti m. ’Großknecht, Vorarbeiter, Verwalter, Vogt’, aschwed. bryti m. ’(Guts)verwalter’, ae. brytta m. ’Austeiler, Fürst’. Setälä, der entgegen der Überlieferung rutja schreiben möchte, hat 1912 die Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt. SKES schließt sich dieser Deutung an. Lautlich und semantisch ist sie in Ordnung. Setälä 1912 276–279; Setälä 1913a 445; Karsten 1915 127f.; Karsten 1943/44 486f.; SKES IV 1969 886; de Vries 1962 62; [Seebold 1970 141f.;] Seebold 1972 92; Ritter 1977 174, 175; Hofstra 1985a 328; [Blöndal Magnússon 1989 88;] N. Nielsen 1989 69. Germ. LW.

RUTTO ’Pest, schnell tötende ansteckende Krankheit; sehr schädliche Krankheit bei Pflanzen oder Tieren; schnell’; ingr. rutto (Adv.) ’eilig, schnell’; karel. rutto ’schnell, plötzlich, unerwartet; heftig; empfänglich’; lüd. ruttoi ’schnell’; wot. rutto ’Eile; (wotJ. auch:) schnell’ (Adv.); estn. rutt (G. rutu) ’Eile, Hast’; lpL. råhttǀ ’Eile; Pest’. *rutto [~ urgerm. *þrutan-, urn. *þrutƗ / *þrotƗ; vgl. an. þroti m. ’Schwellung, Geschwulst’, ae. þrota m. ’Kehle’, mhd. drozze m. id.; vgl. auch got. þrutsfill ’Aussatz’ (-fill ’Haut’); ~ urgerm. *þrutǀ (, urn. *þrutu / *þrotu); vgl. ae. þrotu f. ’Kehle’, ahd. drozza f. id.; ~ urgerm. *þrutǀn- (, urn. *þrutǀ / *þrotǀ); vgl. ae. þrote f. id., ahd. drozza f. id.] Schon Ahlqvist hat rutto ’Pest’ mit rutto ’schnell’ verbunden: es habe sich ruttotauti ’Pest’ (eigentlich ’die schnelle Krankheit’; -TAUTI ’Krankheit’) unter Verlust des Grundwortes zu rutto ’Pest’ entwickelt; ein Parallelfall ist kettueläin ’Pelztier; Fuchs’ (kettu ’Fell, Pelz’, -eläin ’Tier) > kettu ’Fuchs’. Einige Forscher möchten rutto ’schnell’ von rutto ’Pest’ trennen. Qvigstad erklärt mit einem Hinweis auf einen Aufsatz von Fritzner rutto in ruttotauti ’Pest’ als Entlehnung von got. þrut-. Laut Mikkola ist rutto ’Pest’ ein altes germ. Lehnwort, das sich auf natürliche Weise mit an. þroti und got. þrutsfill verbinde. Karsten faßte rutto als germ. Lehnwort auf: die Bedeutung ’schnell’ hätte sich aus der Bezeichnung der schnell zum Tode führenden Krankheit (ruttotauti) entwickelt. Die größere Verbreitung des Adjektivs spricht gegen diese Ansicht.

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Gewöhnlich geht man davon aus, daß es sich bei rutto ’Pest’ und rutto ’schnell usw.’ um ein einziges Lexem handelt, dessen Herkunft ungeklärt ist. Vaba deutet rutto als balt. Lehnwort, ohne ein balt. Original zu nennen. Ahlqvist 1875 XIII; Qvigstad 1881 215; Mikkola 1901 182; Setälä 1913a 445; Collinder 1932 238f.; Karsten 1943/44 487; de Vries 1962 623; [ODEE 1969 920;] SKES IV 1969 887; Hakulinen 1979 318; Raun 1982 146; EEW 1982/83 2562f.; [Lehmann 1986 366; Blöndal Magnússon 1989 1195;] Häkkinen 1990a 51; Vaba 1990 135; Hahmo 1994a 324; SSA III 2000 112f.; Nikkilä 2002 126; Häkkinen 2004 1076. Kein germ. LW.

RUUHI (G. ruuhen) ’kleines Boot ohne Kiel, Einbaum; Trog; Rinne’, ruuha ’kleines Boot ohne Kiel, Trog’, ruuhka ’id.’; ingr. rnjhi; karel. ruuhi ’Sarg; kleines Boot, Einbaum; Trog’; lüd. rnjhi ’Sarg’; weps. ru‫ܜ‬hd', ruhd', rnjh ’Boot’; wotJ. ruhi-pnj ’Sarg’ (-pnj ’Baum, Holz’); estn. ruhi (G. ruhe), ruhi (G. ruhvi), ruuh (G. ruhe), ruih (G. ruhi) ’Einbaumkahn’. *rnjhi < *rnjhe ~ urgerm. *þrnjȤǀ, urn. *þrnjhu; vgl. an. þró f. ’ausgehöhlter Stock, hölzerne Wasserrinne’, steinþró f. ’Steinsarg’ (stein- ’Stein’), aschwed. -thrǀ f. in stƝnthrǀ ’Steinkiste, Steinsarg’ (stƝn- ’Stein’), ae. þrnjh f. (auch m., n.) ’Kiste, Lade, Sarg, Trog, Wasserrohr’. Herkunft aus dem Germanischen wurde bereits von Ahlqvist angenommen; Karsten hat das germ. Original (*þrnjh-) ausführlicher behandelt. Seine Herleitung von ruuhi aus dem Germanischen leuchtet lautlich und semantisch ein. Das germ. Wort ist vermutlich ein altes Wurzelnomen: *þrnjȤ-z; vgl. Karsten 1905, der die fi. Form ruuhe- als Indiz dafür hält, daß ihr ein ”nordisk i-stam *þrnjhi-” zugrunde liege; *þrnjȤ- kann auf älteres *þrunȤ- zurückgehen (vgl. RUNKO). Vgl. RUHO, RUNKO. Ahlqvist 1875 166f.; Karsten 1905 176–178; Setälä 1913a 446; Karsten 1914 83f.; [Torp 1919 807; Hellquist 1939 1231;] Karsten 1943/44 488; de Vries 1962 623; T.Itkonen 1969 136; SKES IV 1969 887f.; Hahmo 1986 164, 167; Hakulinen 1979 359; Raun 1982 145; EEW 1982/83 2549; Hofstra 1985a 316f., 319f.; [Blöndal Magnússon 1989 1194;] Joki 1989 20; Häkkinen 1996a 161; Koponen 1998 160; SSA III 2000 113; Hahmo–Nikkilä 2004 97; Häkkinen 2004 1077. Germ. LW

RUUHKA ’Haufen, Anhäufung; Stau’, ruhka ’Stau’, ryhkä ’Treibeis’, ryyhkä ’Haufen; Ekzem’;

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karel. ruhka ’Stau’; estn. rühk (G. rüha), rüha (G. rüha) ’Gerölle, Trümmer, Steingerölle, zersplittertes Eis, Treibeis’. *ruhka / *rnjhka / *rühkä ~ urgerm. *ȤruЀǀn-, urn. *hruЀǀ / *hroЀǀ; vgl. schwed. råga f. ’Übermaß, gehäuftes Maß’; ~ urgerm. *ȤruЀan-, urn. *hruЀƗ / *hroЀƗ; vgl. schwed. råge m. ’Übermaß’; ~ urgerm. *ȤrnjЀǀn-, urn. *hrnjЀǀ; vgl. an. hrúga f. ’Haufen’, schwed. dial. ruga ’kleiner Haufen’. Das obsolete fi. ryhkä, das auf wenige fi. Mundarten beschränkte ryyhkä sowie estn. rühk dürften palatale Varianten von ru(u)hka sein. Fi. ruuhka und RUHKA ’Abfall usw.’ galten lange (noch im SKES) als wahrscheinlich zu einer einzigen Wortsippe gehörig. Katz hat, unter der Annahme einer Metathese, ruuhka (< *rnjhka < *rnjška), ruhka, ryhkä und ryyhkä als Entlehnung von urgerm. *ȤrnjЀǀn- gedeutet; die vorausgesetzte Metathese ist unglaubhaft, und für die angenommene Substitution von Ȥ durch š liegt kein Grund vor. Die obengenannte germ. Wortgruppe könnte dennoch Quelle einer Entlehnung sein; es müßte dann, wie von Nikkilä vorgeschlagen, Substitution von Ѐ durch hk eingetreten sein, wie das vielleicht auch bei LAHJE und RAHJE geschehen ist. Vgl. RUKO. [Hellquist 1939 864; de Vries 1962 261f.;] SKES IV 1969 853f.; Hakulinen 1979 330; Raun 1982 149; EEW 1982/83 2625; T.Itkonen 1987 172, 174; [Blöndal Magnússon 1989 380; N.Nielsen 1989 350;] Katz 1990a 50f.; Nikkilä 1998b 355f.; SSA III 2000 113; Häkkinen 2004 1077; Hahmo–Nikkilä 2005 114. ? Germ. LW.

RUUMA ’Raum, Platz; Schiffsraum; Mistschuppen, Latrine; Zelle’, ruoma ’großes Zimmer, Gebäude; Schiffsraum; Mistschuppen, Latrine; Zelle’. *rnjma ~ urgerm. *rnjma-, urn. *rnjma; vgl. an. rúm n. ’Raum, Platz, Bett; Schiffsraum’, aschwed. rnjm n. ’Raum, Platz; Gebiet; Zeit(raum)’, ae. rnjm n. ’Raum, Gelegenheit’, got. rnjm n. (wenn nicht rnjms m.) ’Raum, Platz’; ~ urgerm. *rnjma-z (, urn. *rnjmaR); vgl. as. rnjm m. ’Raum, Entfernung’, ahd. rnjm m. ’Raum’, got. rnjms m. (wenn nicht rnjm n.) ’Raum, Platz’. Estn. ruum (G. ruumi) ’Raum, Platz’ ist ein mittelniederdt. Lehnwort; wotJ. rnjmi ’Platz, (Schiffs)raum’ stammt aus dem Estnischen; liv. rùi֐ m, rnjim, rnjm ’Raum; Miete’ ist entweder direkt oder über das Lettische aus dem Mittelniederdeutschen entlehnt worden (SKES und EEW 1982/83 2564f.).

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Karsten deutet ruuma als urnord. Lehnwort; im allgemeinen gilt ruuma aber als (alt)schwed. Lehnwort. Lautliche Kriterien für eine genaue Datierung liegen nicht vor. Die geringe Verbreitung dürfte für eine junge Entlehnung sprechen. [Hellquist 1939 851;] Karsten 1943/44 488–489; [de Vries 1962 453; ODEE 1969 773;] SKES IV 1969 889; Hakulinen 1979 371; Hofstra 1985a 272; [Lehmann 1986 287; Blöndal Magnússon 1989 778; N.Nielsen 1989 350;] SSA III 2000 114; Häkkinen 2004 1078 [; Bjorvand–Lindeman 2007 892]. Jüngeres LW.

RUUMEN (Pl. ruumenet), dial. ruummen(et), ruumena, ruuhmen(et), ruhmena(t), ruhmen(et), rummen(et) ’beim Dreschen von Getreide entstehender leichter Abfall von Stroh, Ähren usw., Spreu, Kaff’; ingr. rummen; karel. ruumen; lüd. rnjmeĔ (Pl. rnjmened), rnjme (Pl. rnjmeged) ’Spreu, Spelze des Haferkorns; Häcksel’; weps. rume, rumen (Pl. rumned, rumged), rumeged (Pl.), ruƾged (Pl.) ’Spreu’. *rnjmen / *rnjmek ~ urgerm. *krnjma-z (, urn. *krnjmaR); vgl. ndl. kruim ’das Innere des Brotes, Stück, Krümel’; ~ urgerm. *kruman- (, urn. *krumƗ); vgl. ae. cruma m. ’Krume, Stückchen’; ~ urgerm. *krumǀ (, urn. *krumu); mnd. f. krome ’Krume’. Hahmo hat mit einigem Vorbehalt ruumen usw. mit der germ. Wortsippe *krum/ *krnjm- verglichen. Lautlich gibt es keine Probleme; zur Semantik kann darauf hingewiesen werden, daß bei allem Unterschied sowohl auf germ. wie auch auf ostseefi. Seite etwas Kleines bezeichnet wird. [Hellquist 1939 409; ODEE 1969 231f.;] SKES IV 1969 889; Hakulinen 1979 341; T.Itkonen 1987 199; [Blöndal Magnússon 1989 510; N.Nielsen 1989 239;] Hahmo 1990b 212; Hahmo 1994a 111–113; SSA III 2000 114; Häkkinen 2004 1078. ? Germ. LW.

RUUMIS (G. ruumiin), rumis ’ Leib, Körper; Leiche’; ingr. rnjme, rnjmis; karel. ruumis; wot. ruume֑ , ruumis, wotJ. rnjm, rnjme֑ z; ?estn. ruumis, ruumisk(u). *rnjmis (G. *rnjmihin) 1. ~ urgerm. *skruma-, urn. *skruma / *skroma; vgl. schwed. (obs.) skrom n. ’etwas Sperriges, Masse, Gerippe’, schwed. dial. skråm n. id.

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2. ~ urgerm. *þruma-, urn. *þruma / *þroma; vgl. norw. trum n. ’Rahmen (auf Karren oder Schlitten)’, norw. trom(m) m. ’id., Rand, Kante’, schwed. trum, trom m. und n. ’Stock, Kloben’, ae. þrum in tungeðrum ’Zungenband, Ligament’ (tunge- ’Zunge’), ahd. drum n. ’(abgeschnittenes) Stück, Ende, Endstück’. Die estn. Formen (wenige Belege in nordöstlichen Küstenmundarten) sind der Entlehnung aus dem Finnischen verdächtig. Ein Versuch, ruumis als germ. Lehnwort zu deuten, wurde von Hofstra vorgelegt. Die Deutung ist lautlich nicht völlig problemlos (germ. u in urgerm. *skruma~ urfi. nj). Unklar bleibt, weshalb das ostseefi. Wort zum seltenen -is : -ihi- Typus gehört, ohne daß das vermeintliche germ. Original dazu irgendeine Veranlassung (etwa Zugehörigkeit zur i-Deklination) gibt. Zur Semantik sei bemerkt, daß es weitere Wörter gibt, die einen Körper als Ganzes, aber auch den Rumpf oder einen leeren Körper (ein Gerippe) bezeichnen (vgl. z.B. kehä, wozu SKES, SSA und Hakulinen 1959 287f.). Dennoch ist Hofstras Deutung, auch laut Ritter und Häkkinen semantisch unsicher; im SSA wird sie mit zwei Fragezeichen versehen. Ritter weist auf die lautliche Ähnlichkeit von ruumis und norw. trumm usw. hin; diese lautlich plausible Verknüpfung ist ebenfalls morphologisch und semantisch problematisch. [Hellquist 1939 953, 1227;] Hakulinen 1959 289–291; [de Vries 1962 624; ODEE 1969 920f.;] SKES IV 1969 889; Hakulinen 1979 136; Hofstra 1985a 268–273, 282, 297; Koski 1987 101f.; [Blöndal Magnússon 1989 1196;] Ritter 1993 120f.; SSA III 2000 114; Häkkinen 2004 1078. Kaum germ. LW.

RUUTANA (aWb., dial.) ’Gespenst, der Böse; Pech, Unglück; widerlicher, abscheulicher Mensch; Ansteckung (durch die Pest), ansteckende Krankheit’; Schimpfwort für einen Menschen oder ein Tier mit dickem Bauch. *rnjtana 1. ~ urgerm. *þrnjtana-z, urn. *þrnjtanaR; vgl. an. þrútinn m. ’(an)geschwollen’, ?norw. truten ’geschwollen’, ?aschwed. thrutin id.; ~ urgerm. *þrutana-z, urn. *þrutanaR / *þrotanaR; vgl. norw. truten, troten ’geschwollen’, aschwed. thrutin, throtin ’geschwollen; aufgeblasen, hochmütig’. [2. ~ urgerm. *Ȥrnjþǀn- (, urn. *Ȥrnjþǀ); vgl. ahd. (h)rnjda f. ’Schorf’, ae. hrnjðe f. ’Räude, Krätze’; ~ urgerm. *Ȥrnjþan- (urn. *ȤrnjþƗ); vgl. as. hrnjtho m. ’Räude’; ~ urgerm. *Ȥrnjþa-z, urn. *ȤrnjþaR; vgl. an. hrúðr m. ’Kruste, Schorf’.] Karsten deutete ruutana ’ansteckende Krankheit, häßlicher Mensch’ als germ. Lehnwort und setzte germ. *þrnjdana- als Original an. Es handele sich wegen des einfachen t um ein vor der Lautverschiebung von idg. d > germ. t übernommenes Wort, und damit um eine frühere Entlehnung als RUTTO mit tt. Auf die semanti-

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schen Unterschiede hat Wiklund hingewiesen; sie lassen sich aber überwinden, indem man ’geschwollen und darum unangenehm aussehend (etwa infolge einer Krankheit)’ als Bedeutung zur Zeit der Entlehnung annimmt; vgl. noch das s.v. RUTTO genannte got. þrnjtsfill ’Aussatz’. Es gibt kein (lautliches) Kriterium für eine genaue Datierung; auch mittelalterliche Entlehnung ist möglich. Karsten 1915 170; Wiklund 1917a 67; Collinder 1932 237f.; [Hellquist 1939 1228;] Karsten 1943/44 489; de Vries 1962 [231,] 624; [Lehmann 1986 366; Blöndal Magnússon 1989 379, 1195;] Hahmo 1994a 322–324; SSA III 2000 115. Germ. oder jüngeres LW.

RYHKÄ ’Treibeis’ s. RUUHKA.

RYHÄ ’Buckel’ s. RUHO.

RYSÄ, rysiä, rysy, ryskä, rysin ’Reuse’; ingr. rüZä; karel. rysä; wot. rüsä; estn. rüsa; ?liv. re֑ zà (?rüzà). *rüsä ~ urgerm. *rusjǀn-, urn. *rusjǀ; vgl. schwed. ryssja ’Reuse’; ~ urgerm. *rnjsijǀn-, urn. *rnjsijǀ; vgl. schwed. ryssja id., norw. rysa f. id., mnd. rü‡se id., ahd. rnjsa f. id.; ~ urgerm. *rnjsǀn-, urn. *rnjsǀ; vgl. norw. rnjsa f. id., gotl. räusa f. id. Liv. re֑ zà ist vielleicht ein estn. Lehnwort. Die Ähnlichkeit der germ. Wortgruppe und des ostseefi. Wortes war bereits Ihre 1769 aufgefallen. Gewöhnlich wird fi. rysä als schwed. Lehnwort aufgefaßt; im EEW wird es als skand. Lehnwort bezeichnet. Laut Hofstra können schon urgerm. *rusjǀn und *rnjsijǀn- als Original von rysä in Frage kommen. Bentlin lehnt aus lautlichen Gründen sowohl die Deutung als schwed. Lehnwort wie die Erklärung von rysä als altes Lehnwort ab; vielmehr sei rysä als Bezeichnung einer nützlichen technischen Erneuerung erst ein mittelniederdt. Lehnwort, das sich rasch verbreitet habe. Die seltene fi. Mundartform rysiä ist laut Bentlin ein aschwed. Lehnwort. [Torp 1919 551;] Karsten 1933b 189; [Hellquist 1939 860;] Karsten 1943/44 490f.; SKES IV 1969 901; Hakulinen 1979 379; Raun 1982 149; EEW 1982/83 2632; Hofstra 1985a 302f.; [N. Nielsen 1989 316;] SSA III 2000 119; Häkkinen 2004 1084; Palviainen 2004 228; Bentlin 2008 178f. Jüngeres LW.

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RYTÖ, ruto ’Gestrüpp, Dickicht, dichter feuchter Wald, Unterholz; Windbruch, gefallene Bäume, massenhaft am Boden liegende Äste’, ryteikkö ’Gestrüpp, dichter Wald; Windbruch’, ruteikko ’id.; Rodung’; ingr. rüdüzikko ’Gestrüpp, dichter Wald; Windbruch’; karel. ryteikkö ’id.; gestrüppig’; lpN. rotto ’dichter Wald, Gestrüpp’. *ruto / *rütö 1. ~ urgerm. *brutan-, urn. *bruta / *brota; vgl. an. broti m. ’Haufen gefällter Bäume’, schwed. bråte id. 2. ~ urgerm. *ruþǀn-, urn. *ruþǀ; vgl. aschwed. ruþa f. ’Rodung’; ~ urgerm. *ruþa-, urn. *ruþa; vgl. an. ruð n. ’Rodung, Lichtung’, mnd. rot n. ’Rodung’, ahd. rod n. id. Ruto und rytö gelten im allgemeinen als lautliche Varianten mit Velar- und Palatalvokal. Im EEW wird s.v. rüdi (G. rüdi) ’Gedränge’ mit Vorbehalt auf fi. rytö und ryteikkö hingewiesen, rüdi bleibt aber von diesen Wörtern besser getrennt. Von T. I. Itkonen wurde ruto als Entlehnung von lpN. rotto gedeutet; diese Auffassung findet sich z.B. auch im SSA. Laut Karsten ist ruto ’Gestrüpp, junger Wald’ ein germ. Lehnwort (zu urn. *ruþǀn-). Lautlich ist diese Deutung unproblematisch, semantisch aber weniger überzeugend. Rytö ’Windbruch’ ist laut Karsten eine Entlehnung aus finnlandschwed. rydio ’Rodung’. Koivulehto hat mit Einbeziehung von lpN. rotto und wegen der als früh anzusehenden Substitution von intervokalischem germ. t durch urfi. t rytö und ruto als frühe Entlehnung von urgerm. *brutan- (oder noch älterem *bruton-) gedeutet. Fromm meint, daß fi. rytö wahrscheinlich nicht mit lp. rotto zusammengehöre; nirgendwo im Lappischen bezeichne rotto einen gefallenen oder gefällten Baum; Fromm meint denn auch, in der Nachfolge von T. Itkonen, daß rytö, lp. rotto und skand. broti drei Wörter unterschiedlicher Herkunft seien; rytö gehöre zu einer onomatopoetisch-deskriptiven einheimischen Wortsippe. Koivulehto hat dann zwar seine Etymologie 1979 aufgegeben, ist aber 1999 zu ihr zurückgekehrt. Lautlich kommen *brut- und *ruþ- beide als germ. Original in Frage. Ersteres setzt wegen ostseefi. t als Wiedergabe von germ. t frühe Entlehnung voraus. Semantisch ist Herleitung aus *brut- einer Herleitung aus *ruþ- vorzuziehen. Karsten 1905 196; Setälä 1913a 445; T.I.Itkonen 1920 52; [Hellquist 1939 106, 857;] Karsten 1943/44 487, 492; de Vries 1962 454; Sköld 1967b 64, 68; SKES IV 1969 885f.; Koivulehto 1971b 592–595, 603, 604; Koivulehto 1973a 10, 13; Fromm 1977 140, 154; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358; Koivulehto 1979b 291, 300; EEW 1982/83 2623f.; Hofstra 1985a 121, 152; [Blöndal Magnússon 1989 84, 776; N.Nielsen 1989 352f.;] Koivulehto 1999a 28–30, 36, 73, 153, 159f.; SSA III 2000 112, 120; Häkkinen 2004 1085; Palviainen 2004 228. Germ. LW.

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RYVÄS (G. rypään), rypäs (G. ryppään) ’Anhäufung, Haufen, ungeordnete Gruppe, Traube, Bündel, Bund’, ryve (G. rypeen) ’Gruppe (Häuser, Menschen, Tiere)’; karel. ryväs, rypäs, ryveh; lüd. buoɥrübäs ’Preiselbeerentraube’ (buoɥ- ’Preiselbeere’). *rüȕäs (G. rüpähän) / *rüpի päs (G. *rüppähän) ~ urgerm. *þrnjΰan- (, urn. *þrnjΰƗ); vgl. ahd. drnjbo m. ’Traube’; ~ urgerm. *þrnjΰǀn- (, urn. *þrnjΰǀ); vgl. as. thrnjba f. id., mhd. trnjbe f. id. Ryväs ist kaum Gegenstand etymologischer Forschung gewesen; es wird in den fi. etymologischen Wörterbüchern beim Stichwort rypäle ’(Beeren)traube, Weintraube; Gruppe’ behandelt, ohne daß das morphologische Verhältnis der beiden Wörter geklärt wird. Rypäle (dazu auch estn. dial. rübäl, rübal ’Traube usw.’ < fi.) wird von einem Teil der Forschung als junges Lehnwort, sei es aus dem Altschwedischen (Streng, mit Fragezeichen), sei es aus dem Mittelniederdeutschen (vgl. mnd. drnjfele ’Traube’; Karsten) gedeutet. Tunkelo hat ryväs (und rypäle) zu der Wortgruppe um ahd. drnjbo gestellt, zu der als l-Ableitung u.a. auch nd. drubbel ’Klumpen, Haufen, Traube’ gehört. Ritter rechnet ebenfalls damit, daß ryväs ein germ. Lehnwort ist, und zwar eine frühere Entlehnung aus derselben germ. Wortgruppe wie rypäle; für ahd. drnjbo sei dieselbe Grundbedeutung wie für ryväs anzusetzen, nämlich ’Klumpen, Haufen’. Lautlich ist frühe Entlehnung möglich; zum ostseefi. Kurzvokal für germ. Langvokal vergleiche man RUNO; denkbar wäre auch ein germ. Original mit Kurzvokal (vgl. noch ndd. drubbel ’Menschenhaufe’, schweizerdt. truppele ’Haufen Vieh, Menge Haselnüsse’; dazu Kluge–Seebold 2002 926); vgl. zum ostseefi. Palatalvokal für germ. Velarvokal PÄÄRME. Semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort völlig problemlos. Die Morphologie (-As : -AhA-) ist ein Indiz für frühe Aufnahme ins Ostseefinnische. Streng 1915 193f.; Tunkelo 1913/18 38f.; [Hellquist 1939 157;] Karsten 1943/44 490; SKES IV 1969 900; Hakulinen 1979 163, 314; [Blöndal Magnússon 1989 129, 1196; N.Nielsen 1989 94;] Ritter 1989 95f.; SSA III 2000 118; Häkkinen 2004 1083f.; Bentlin 2008 90f. Germ. LW.

RYYPÄTÄ (ryyppää-), ryyppiä ’einen Schluck nehmen, trinken, saufen, schlürfen’; ingr. rΉBäDä; karel. ryypätä, ryyppie; wot. rΉpätÄ, wotJK. auch rΉppiä; estn. rüüpama, rüüpämä; liv. rƯpի pΩյ, rΉpի pΩյ ’mit dem Löffel essen, schlürfen’. *rLüppä~ (urgerm. *dreupan-,) urn. *dreupan / *driupan ; vgl. an. drjúpa ’tropfen, triefen’, aschwed. drшpa ’id.; (tr.) tropfenweise gießen’, ae. drƝopan ’tropfen, triefen’, as. driopan id., ahd. triofan id.;

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~ urgerm. *drnjpan- (, urn. *drnjpan); vgl. mnl. drnjpen ’tropfen, triefen’; ~ urgerm. *drnjpƝ(ja)n-, urn. *drnjpƝn; vgl. an. drúpa ’herabhängen, sich neigen, den Kopf hängen lassen (in Trauer)’. Früher wurde ryypätä als onomatopoetisches Wort aufgefaßt. Koivulehto hat in einer Fußnote aber fi. ryyppää- als Entlehnung aus späturn. / altschwed. *drinjpa- / drшpa gedeutet. Semantisch biete u.a. fi. juo- ’trinken’ (< *jǀ- < fi.-ugr. *juxi- / *juȖe-) neben juosta ’laufen, rinnen, fließen’ (< *jǀ-ks-) eine Parallele; *jǀ- sei ein altes indogerm. (vorarisches) Lehnwort. Die lautliche Ähnlichkeit ist auffällig; semantisch ist die Annahme einer Entlehnung nicht unmöglich. Von SSA und Häkkinen wird Koivulehtos Etymologie als Alternative erwähnt. Erst von weiterer Erforschung ist völlige Klarheit, auch hinsichtlich der Zeit der Übernahme, zu erwarten. [Hellquist 1939 157; de Vries 1962 84, 85; ODEE 1969 290;] Hakulinen 1979 317; SKES IV 1969 904; Raun 1982 149; EEW 1982/83 2636; [Blöndal Magnússon 1989 128, 131; N.Nielsen 1989 94f.;] Koivulehto 1991c 17f.; SSA III 2000 120; Laakso 2002 367; Häkkinen 2004 1086. ? Germ. LW.

RÄIVÄ ’schlechtes Ding; an den Strand gespülte Reste von Gewächsen usw.; armer Mensch; Schurke, Gauner; frivol, unanständig’; ?estn. raibe (G. raipe, aSs. raibe), rõibe, reibe ’Aas, Kadaver’, auch Schimpfwort. *räivä / ?*raipի peh / ?*raiȕeh ~ urgerm. *Ȥraiwa-, urn. *hraiwa; vgl. an. hræ n. ’toter Körper, Leiche; Überrest, Wrack, Trümmer’, ae. hrƗ(w), hrϾ(w) n. ’Leiche’, as. hrƝo n. id., ahd. hrƝo n. id., got. hraiwa- in hraiwadnjbǀ ’Turteltaube’ (-dnjbǀ ’Taube’); ~ urgerm. *Ȥraiwaz / *Ȥraiwiz, urn. *hraiwaR / *hraiwiR; wie oben. Die Etymologie von estn. raibe ist umstritten. Karsten verbindet dieses Wort mit fi. RAIVO1. EEW (1982/83 2391f.) bezeichnet raibe als möglicherweise deskriptiv und verbindet es mit Fragezeichen mit fi. roipe ’Kram, Gerümpel, Überreste’. Laut Raun ist die Herkunft von raibe unklar. Estn. raibe und fi. räivä können zusammengehören, wenn entweder nördlich oder südlich des Finnischen Meerbusens eine analogische Änderung im inlautenden Konsonantismus (vgl. fi. v, aber estn. b) eingetreten ist und überdies im Estnischen die Palatalvokale sich zu Velarvokalen entwickelt haben oder möglicherweise im Finnischen umgekehrt eine Entwicklung von Velar- zu Palatalvokalen eingetreten ist. Thomsen hat estn. raibe mit Fragezeichen zu got. hraiw und an. hræ gestellt. Bruse hat räivä auf dasselbe Original (urn. *hraiwa-) wie estn. raibe zurückgeführt. Laut Koivulehto könnte man vermuten, daß RAJU ’wild’ und fi. RAIVO3 ’Wut; wild’ auf dasselbe germ. Original zurückgehen wie räivä, unter der Vorausset-

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zung, daß estn. raju ’Schmutz, abgenütztes Stück’ zu ostseefi. RAJU gehört (vgl. auch fi. aivo ’Gehirn’ neben estn. aju ’id.’); räivä (< späturn. *hræiwa-) und raivo seien dann zu verschiedenen Zeiten entlehnt worden. Der Verbindung von fi. räivä mit germ. *Ȥraiw- usw. steht lautlich und semantisch nichts im Wege. Die von der Verbindung von estn. raibe mit germ. *Ȥraiwvorausgesetzte Substitution von germ. w durch urfi. p hat Parallelen (z.B. ARPI). Wenn fi. räivä und estn. raibe tatsächlich auf dasselbe Original zurückgehen, so wird entweder auf beiden Seiten des Meerbusens das Lehnwort sich lautlich und semantisch unterschiedlich entwickelt haben, oder es liegen beim Original zwei entwicklungsgeschichtlich (lautlich und semantisch) differenzierte Varianten vor. Vgl. RAIVO1, RAIVO3, RAJU. Thomsen 1870 164; Bruse 1917 140f.; Collinder 1932 175; Karsten 1943/44 427; de Vries 1962 263; Koivulehto 1973b 594–596; Sammallahti 1977 121; Hahmo 1981 52; Nikkilä 1982 251; Raun 1982 138; EEW 1982/83 2391f.; Hofstra 1985a 48, 112f., 331; [Lehmann 1986 190f.;] Blöndal Magnússon 1989 383; Koivulehto 1999a 109f.; Ritter 1993 118; SSA III 2000 123. Germ. LW.

RÄKÄ ’(Nasen)schleim’; ingr. räGä; karel. rekä, räkä; lüd. rögä, regä; weps. rega; wot. räkä; estn. räga, rõga ’(Nasen)schleim, Schmutz’; liv. gregàD, griegaD ’Schleim, Speichel’. *räkä ~ urgerm. *ȤrƝkan- > nwgerm. *ȤrƗkan-, urn. *hrƗkƗ; vgl. an. hráki m. ’Speichel’, aschwed. rƗke m. id., schwed. dial. råke, ae. hrƗca, hr‘æca m. ’Räusperung, Speichel, Schleim’. Es ist nicht sicher, ob die mit l- anlautenden Formen fi. läkä ’(Nasen)schleim’ (und estn. lägä ’Schleim, dünner Kot; Ausfluß von Leichen’; SKES II 1962 320; EEW 1982/83 1433f.) und fi. lökä ’Schleim, Schmutz’ (auch karel. lökä ’Nasenschleim, Speichel’ und estn. löga ’Schleim, Schmutz’; SKES II 1962 323; EEW 1982/83 1453) in irgendeiner Weise mit räkä zu verbinden sind. Im allgemeinen wird räkä als deskriptives Wort aufgefaßt. Der Vokalismus (neben ä auch e und ö) und der konsonantische Anlaut des liv. Wortes sind tatsächlich ein Indiz für Deskriptivität. Die von Koivulehto vorgelegte Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch plausibel. Die Vertretung von germ. k durch urfi. k entspricht der Erwartung bei recht frühen Entlehnungen. Das Wort ist zwar ein Lehnwort, hat aber affektive Konnotation und kann bereits früh deskriptive Züge angenommen haben; letzteres würde die lautliche Variation erklären. Vgl. RAHKA.

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[Hellquist 1939 864; de Vries 1962 251; ODEE 1969 743;] SKES IV 1969 910f.; de Sivers 1972 94; Koivulehto 1976a 264, 265f., 275, 287; Nikkilä 1981 72; Raun 1982 147; EEW 1982/83 2588f.; Hofstra 1985a 139, 140, 154, 298; [Blöndal Magnússon 1989 365;] Katz 1990a 50; SSA III 2000 124; Hahmo 2002 95; Häkkinen 2004 1088; Palviainen 2004 228. Germ. LW.

RÄNGET (Pl., dial.), ranget ’Kummet’; wot. raƾge֑ D, wotJ. raƾgiD; estn. rangid ’Kummethölzer, Halsgeschirr, Ranken (am Geschirr)’; liv. raƾթgΩյd ’Zaum des Pferdes’. *raƾke~ urgerm. *wrangǀ, urn. *wrangu; vgl. an. rІng f. ’Spant; etwas Krummes’, norw. vrong, rong ’Spant, Schlittenrücken’, schwed. dial. vrang ’Spant’ (ae. wrong, wranga m. ’Schiffsbauch’ < Skand.), mnd. wrange ’Krummholz’. Fi. länget ’Kummet’ (ingr. läƾGeD, karel. läƾket, lüd. läƾged, weps. l'äƾed, wotK. läƾgeD) wird oft mit ränget verknüpft, wobei im allgemeinen die ostseefi. Formen mit l- als die ursprünglichen und die Formen mit r- als Varianten aufgefaßt werden. Dies ist aber unwahrscheinlich, auch im Lichte der Verbreitung der lund der r-Formen. Fi. ränget kommt in westfi. Mundarten vor; fi. ranget ist beschränkt auf südwestfi. Mundarten und wird von T. Itkonen als Lehnwort aus dem Estnischen gedeutet. Estn. rangid wurde ins Baltendeutsche (Ranken) und ins Estlandschwedische (rankar usw.), fi. ranget ins Finnlandschwedische (rankor) entlehnt. Nachdem bereits Ihre 1769 fi. ränget mit germ. Wortgut verglichen hatte, wurde ränget / ranget von Mikkola als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung wird oft als Alternative neben der Deutung als Variante von länget erwähnt. Lautlich paßt ostseefi. *ranke- gut zu germ. *wrang-. Fi. ränget dürfte auf Kontamination von ranget und länget beruhen. Für ostseefi. *ranke- und germ. *wrang- kann problemlos eine gemeinsame Grundbedeutung ’krummes, gebogenes Holz’ angesetzt werden, so daß der Annahme einer Entlehnung nichts im Wege steht. Suhonen, der die Möglichkeit erwogen hat, daß länget eine Ableitung von länkä ’krumm, gebogen’ ist. hat auch an Herleitung aus dem Baltischen gedacht (vgl. lit. rangýti ’winden, biegen, krümmen’); er weist darauf hin, daß der ostseefi. Wortschatz im Bereich des Zugtieres (Pferdes) eine starke balt. Prägung habe. Ahlqvist 1875 128; Mikkola 1894 16f.; Saxén 1895/98 206f.; Setälä 1913a 446; [Torp 1919 542f.;] Hellquist 1939 1370; SKES III 1962 730; [de Vries 1962 458;] Raun–Saareste 1965 45; Ruoppila 1967 26f.; Viires 1970 287; Raun 1971 79, 85; T.Itkonen 1972 99f., 105; de Sivers 1972 100; KKK I 1976 142; Raun 1982 139; EEW 1982/83 2410f.; T.Itkonen 1983 220; [Lehmann 1986 411; Blöndal Mag-

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nússon 1989 789;] Suhonen 1989 213–215; Vaba 1990 134; SSA II 1995 125; Häkkinen 2004 653; ALFE 2 2007 42–44. Germ. LW.

RÄPÄLE, rääpäle ’Fetzen, Lumpen; armes oder armseliges Wesen’, räpä ’zerfetzter Gegenstand’, räväs (G. räpään oder rävään) ’Staubfaden (des Roggens)’; ingr. räpի pϹle ’Fetzen; zerfetzter Gegenstand’; karel. reäpäleh ’Fetzen, Lumpen; armer oder armseliger Mensch’, räpäleh ’abgenutzter Gegenstand; dünner Brei; kränklicher Mensch’, räpä, räpy ’abgenutztes Kleid; kränklicher Mensch’; räväs ’Blüte von Gräsern, bes. Roggen; Fetzen, Lumpen’; weps. -Ěäbu ’schwach; abgenutzt’: sapugĚäbu ’abgenutzter Stiefel’ (sapug- ’Stiefel’); wotK. räpälä ’schlecht’, rävüD (Pl.) ’Grieben’, wotJ. räpäl ’Fetzen, Lumpen’; estn. räbal (G. räbala) ’Fetzen, Lappen; Bagatelle; zerfetzt, lumpig; armselig, schlecht’, räbu, räba ’Überbleibsel, (feiner) Schutt, Krümchen, Eisenspäne, Unbrauchbares, Schlacke’. *räpä(-) / *räpäleh ~ urgerm. *rafa-z, urn. *rafaR; vgl. an. rafr m. ’gedörrter Streifen Heilbuttfleisch’, vgl. norw. rav id.; ~ urgerm. *rafila-z, urn. *rafilaR; vgl. an. refill m. ’Streifen, Stück eines Gewebes; Wandbehang, Vorhang’, schwed. revel ’Sandbank’, ndl. rafel ’Franse’. Im SKES und im EEW wird obige Wortgruppe mit repale ’Lumpen, schlechtes Kleidungsstück’ und weiteren *rep-Wörtern verbunden und die ganze Sippe als deskriptiv bezeichnet. Mägiste (EEW) möchte aus semantischen Gründen estn. räbal von räbu und räba trennen und deutet letztere zwei Wörter als Ableitungen von räbisema ’(zer)reißen, zerren’ (vgl. EEW 2345–2347, s.v. rebima). Katz hat räväs, räpä und das seines Erachtens dazu als Ableitung gebildete rä(ä)päle als Entlehnung aus germ. *rafa-z gedeutet; er nennt in diesem Zusammenhang auch die Ableitung an. refill, mit der Hahmo repale verglichen hat. Die oben genannten ostseefi. Wörter dürften unterschiedlicher Herkunft und teilweise germ. Lehnwörter sein. Weitere Erforschung der Wortgruppe ist angebracht. [Torp 1919 518, 528; Hellquist 1939 832; de Vries 1962 431, 436;] SKES IV 1969 768; [de Vries 1971 558;] Raun 1982 147; EEW 1982/83 2585f., 2587; [Blöndal Magnússon 1989 738, 746; N.Nielsen 1989 345;] Katz 1990b 21; Hahmo 1994a 320f.; SSA III 2000 131; Häkkinen 2004 1090f. ? Germ. LW.

RÄYSTÄS (G. räystään), rästäs, rästä, rästi, räste, räystö ’Traufe’; ingr. räüssäZ; karel. räyssäs, räytšäs; lüd. räustäz; weps. Ěäustaz, ĚϹst'as; wot. räsäZ, wotJ. räüseZ; estn. räästas (G. räästa), rästäs (G. rästa), rästas; liv. rϹstΩյZ ’Wassertropfen, der vom Vordache trieft; die Eiszapfen am Vordache’.

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*räüstäs ~ urgerm. *Ȥrausta-, urn. *hrausta; vgl. mittelnorw. raust n. ’Spitze des Giebels’, norw. raust, røst n. ’Dach eines Hauses, Dachsparren, Raum unter dem Dach’, schwed. röste, seltener auch röst n. ’Dachsparren’. Bereits Lindström verband räystäs mit germ. Wortgut, u.a. mit schwed. röste. Qvigstad hat es mit schwed. röste und norw. røyste verglichen und an eine junge Entlehnung gedacht; junge Entlehnung ist aber angesichts der Verbreitung unmöglich. Karsten deutete räystäs denn auch als Entlehnung aus dem Urnordischen. Laut SKES sind die lautlichen Verhältnisse zwischen dem ostseefi. und dem germ. Wort problematisch; Palatalvokal statt Velarvokal kommt aber auch sonst vor. Semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort plausibel; mehrere Wörter aus dem Bereich der Hausbautechnik sind alte germ. Lehnwörter. Lindström 1859 139; Qvigstad 1893 80; Setälä 1913a 446f.; [Hellquist 1939 876;] Karsten 1943/ 44 492–493; Raun-Saareste 1965 45; SKES IV 1969 919; de Sivers 1972 101; Koivulehto 1973a 13; Hakulinen 1979 332; Koivulehto 1981a 346; Raun 1982 148; EEW 1982/83 2614; Hofstra 1985a 50, 111, 205, 318; SSA III 2000 130; Häkkinen 2004 1089f. Germ. LW.

RÖYTEIKKÖ (Lönnr.) ’Steinhaufen’, röyttä, röytä, röytikkö (dial.) ’id., steiniger Boden’. *reüt(t)ä ~ urgerm. *greuta-, urn. *greuta; vgl. an. grjót n. ’grober Sand, Steine, Steinhaufen’, ae. grƝot n. ’Grieß, Sand, Erde’, as. griot m. ’Sand’, ahd. grioz m. id.; ~ urgerm. *greutija-, urn. *griutija; vgl. an. stórgrýti n. ’großer Stein’ (stór’groß’), aschwed. grшt (*grшte n.)’Tierhöhle, (in ON) Stein’, schwed. gryt ’steiniges Gelände; Tierhöhle’. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Wiklund vorgelegt. -ikkö ist ein fi. Ableitungssuffix zur Bildung von Kollektiva. Sowohl lautlich wie auch semantisch ist die Deutung in Ordnung. Sie wurde von Setälä aber mit einem Fragezeichen versehen und in der fennistischen Literatur nicht mehr erwähnt, bis Nikkilä 1996 erneut die Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Vgl. RIUTTA, RÖYTÄ. Wiklund 1904a 162f.; Setälä 1913a 447; Hellquist 1939 304f.; Karsten 1943/44 494; [de Vries 1962 190; ODEE 1969 415; Lehmann 1986 160; Blöndal Magnússon 1989 280; N.Nielsen 1989 163f.;] Nikkilä 1996a 395; Nikkilä 2002 134 [; Bjorvand–Lindeman 2007 392f.]. Germ. LW.

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RÖYTÄ (dial.) ’Vordach eines Gebäudes; Krempe (am Hut)’. *reütä [~ urgerm. *greuta-, urn. *greuta; vgl. an. grjót n. ’grober Sand, Steine, Steinhaufen’, ae. grƝot n. ’Grieß, Sand, Erde’, as. griot m. ’Sand’, ahd. grioz m. id.; ~ urgerm. *greutija-, urn. *griutija; vgl. an. stórgrýti n. ’großer Stein’ (stór’groß’), aschwed. grшt (*grшte n.) ’Tierhöhle, (in ON) Stein’, schwed. gryt ’steiniges Gelände; Tierhöhle’.] Koivulehto hat röytä als Entlehnung aus urgerm. *greuta- gedeutet. Lautlich steht dieser Etymologie nichts im Wege, semantisch aber klafft eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem Germanischen und dem Finnischen, denn in keinem der beiden Sprachbereichen sind die zwei Bedeutungen ’Sand, Steine; Höhle’ und ’Vordach’ beide belegbar. Vgl. RIUTTA, RÖYTEIKKÖ. [Hellquist 1939 304f.; de Vries 1962 190; ODEE 1969 415;] Koivulehto 1973b 574; Hofstra 1985a 45, 46f., 318; [Lehmann 1986 160; Blöndal Magnússon 1989 280; N.Nielsen 1989 163f.;] Koivulehto 1999a 93; SSA III 2000 135 [; Bjorvand– Lindeman 2007 392f.]. Kein germ. LW.

S

SAAKKUNA (aWb., dial.), saahkuna ’Märchen, Geschichte, Erzählung, Anekdote; Begebenheit, Vorfall; Streit, Gezänk, Auseinandersetzung; Schelte’; karel. soakkuna, suahkuna ’Geschichte, Erzählung; Sage, Märchen’. *sƗkkuna / *sƗhkuna ~ urgerm. *saЀƝni-z, urn. *saЀ(Ɲ)ni-R; vgl. an. sІgn f. ’Aussage, Erzählung’, aschwed. saghn, säghn f. ’Erzählung’, ae. sægen f. ’Rede, Erzählung’, gesagun f. ’Aussage’ (ge- Präfix). Ganander (1787), Lönnrot und einige weitere Forscher verbanden saakkuna mit schwed. saga ’Sage’. Später wurde saakkuna als russ. Lehnwort betrachtet. Unter der Annahme, daß saahkuna die ursprüngliche Form gewesen ist, hat Hahmo eine Deutung von saakkuna als (älteres) germ. Lehnwort (< urgerm. *saЀƝni-) vorgelegt; saakkuna erkläre sich aus dem sporadischen Wandel fi. -hk- > -kk-. Die Wiedergabe von urgerm. oder urn. Ѐ durch hk ist allerdings einigermaßen problematisch. Hahmo nennt als Alternative eine Entlehnung aus dem Altschwedischen (aschwed. saghn); schon Lindström hat an eine jüngere Entlehnung (~ schwed. sägen, dän. sagn) gedacht. Lautlich sind sowohl eine frühe wie auch eine späte Entlehnung möglich; in beiden Fällen gibt es keine semantischen Probleme. Der urgerm. i-Stamm *saЀƝni-z hat teilweise Formen nach der u-Deklination bekommen, z.B. an. sІgn. Lindström 1859 206; [Hellquist 1939 879, 1145;] Kalima 1952 155; SKES IV 1969 934f.; [de Vries 1962 578; Blöndal Magnússon 1989 1017; N.Nielsen 1989 358] Hahmo 1994a 192–194; SSA II 1995 137. ? Germ. oder jüngeres LW

SAARI (G. saaren) ’Insel, inselartige Formation’; ingr. sƗri; karel. soari; lüd. suaĚ(i); weps. saĚ; wot. sƗri; estn. saar; liv. sǀ֑r ’Furche im Kartoffelfeld; Erhöhung zwischen zwei Furchen; Insel’. *sƗri < *sƗre [~ urgerm. *skarja-, urn. *skarja; vgl. an. sker n. ’Schäre, Felsklippe’, aschwed. skær n. id., mnd. scher n. (?) ’Felsklippe’; vgl. auch mhd. schere f. id.]

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Für das allgemein ostseefi. saari sind keine Verwandten in den anderen fi.-ugr. Sprachen bekannt. Laut Ariste ist saari ein protoeuropäisches Substratwort. Katz hat saari unter der Annahme einer urfi. Form *sƗrja > *sƗri als Entlehnung von urgerm. *skarja gedeutet. Diese Deutung ist lautlich nicht plausibel. Vgl. KARI. [Hellquist 1939 974; de Vries 1962 490;] SKES IV 1969 938; Ariste 1971 256; Hakulinen 1979 312; Ariste 1981 18; Raun 1982 150; EEW 1982/83 2651f.; [Blöndal Magnússon 1989 839; N. Nielsen 1989 385;] Häkkinen 1990a 220; Häkkinen 1990b 264; Katz 1990a 28; SSA II 1995 139; Häkkinen 1996a 166, 173; Häkkinen 2004 1098. Kein germ. LW.

SAATTO (aWb., dial.) ’Heuschober’; ingr. sƗtto; karel. soatto; lüd. suatթ , soatto; weps. sat; wot. sƗtto; estn. saad (G. sao), saat (G. saadu). *sƗtto ~ [urgerm. *sƝtǀn-,] urn. *sƗtǀ; vgl. an. sáta f. ’Heuhaufen’, aschwed. sƗta f. ’Heuschober’. Seit Mitte des 19. Jh.s gilt saatto als germ. Lehnwort, dessen Original bereits (nord- und westgerm.) Ɨ aus Ɲ hat. Die Zeit der Entlehnung ist einigermaßen umstritten; auch erst Entlehnung aus dem Altschwedischen ist für möglich gehalten worden. Die Verbreitung bis ins Wepsische verträgt sich schlecht mit der Annahme, daß es sich um ein altschwed. Lehnwort handeln würde. Die Deutung als urnord. Lehnwort ist lautlich und semantisch in Ordnung. Lindström 1859 133; Thomsen 1869 145; Setälä 1906 4; Setälä 1913a 447; Hellquist 1939 1144; Karsten 1943/44 495; Kylstra 1961 119; SKES IV 1969 942; de Vries 1962 463; Raun–Saareste 1965 44; Sköld 1967b 66; K.Vilkuna 1970 256, 272, 275; KLM XVI 1971 209f.; Koivulehto 1971b 582; Koivulehto 1972 625; Juntune 1973 27; Koivulehto 1976b 264; Loikala 1977 24; Koivulehto 1978 310; Kallasmaa 1978 39; Hakulinen 1979 359; Koivulehto 1981a 334f.; Raun 1982 150; EEW 1982/83 2641; Hofstra 1985a 37, 81, 135, 307f., 381; T.Itkonen 1989 352, 359; [Blöndal Magnússon 1989 798; N.Nielsen 1989 486;] Nuutinen 1989 33; Nikkilä 1994b 159; SSA II 1995 141; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1999a 21, 78, 198. Germ. LW.

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SAHA ’Säge’; ingr. saha; karel. saha; wot. saha. *saha ~ urgerm. *saȤƗ > *saЀǀ, urn. *saЀu; vgl. an. sІg f. ’Säge’, aschwed. sagh f. id., ae. sagu f. (auch sage m.) id., mnd. sƗge f. id., ahd. saga f. id. Estn. dial. saha, nur in einer nordöstlichen Gemeinde, ist eine Entlehnung aus dem Finnischen. Thomsen deutete saha als germ. Lehnwort; diese Ansicht wurde von mehreren Forschern geteilt. Meinungsverschiedenheit herrscht allerdings hinsichtlich der Frage, ob das germ. Original mit Ȥ (Karsten) oder mit Ѐ (Koivulehto) anzusetzen ist. Sammallahti hält die Herkunft aus dem Germanischen für unsicher. Andere Forscher (z.B. Collinder, Nikkilä) denken aber an eine jüngere Entlehnung aus dem Altschwedischen. Laut Bentlin ist saha ein niederdt., schwed. oder älteres Lehnwort. Zweifellos ist saha ein Lehnwort; das Alter der Entlehnung läßt sich kaum bestimmen; sachlich wären frühe und junge Entlehnung beide möglich. Urfi. h kann sowohl Reflex von urn. Ѐ (vgl. LAHO) wie auch von aschwed. gh sein; zur Substitution von urgerm. Ѐ durch urfi. h ließe sich MAHA vergleichen. Thomsen 1869 145; Setälä 1913a 447; Collinder 1932 73f.; Hellquist 1939 1142; Karsten 1943/ 44 496; Kylstra 1961 111; SKES IV 1969 943; de Vries 1962 578; [ODEE 1969 791f.;] KLM XVII 1972 671; Koivulehto 1972 580f., 622, 626; Hakulinen 1979 290, 360; Koivulehto 1979b 274, 288, 298; Hofstra 1985a 93, 137, 168, 322f.; [Blöndal Magnússon 1989 1017;] Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 361; Ritter 1993 184; Hahmo 1994 188f.; Häkkinen 1996a 161; Nikkilä 1998b 350; Koivulehto 1999a 44f., 76, 79; SSA III 2000 141; Häkkinen 2004 1102; BjorvandņLindeman 2007 917f.; Bentlin 2008 254f., 259, 268. Germ. oder jüngeres LW. SAIHO1, saihvo (dial.) ’oberirdischer oder versenkter gezimmerter (Aufbewahrungs)behälter, (Fang)gehege, Fuchsbau’; karel. saiho ’Vogelfanggehege, Viehgehege, Aufbewahrungsgehege’. *saiho / *saihvo 1. ~ urgerm. *saiȤa-z, urn. *saihaR; vgl. an. sár m. ’Kübel’, aschwed. sƗr m. id, ae. sƗ m. ’Tonne, Eimer’. [2. ~ urgerm. *saiȤwǀn- > *saiЀwǀn- > *saiЀǀn-, urn. *saiЀǀ; vgl. schwed. (dial., Finnland) sega f. ’Regennebel, Regenwolke’, ahd. (tala)seiga f. ’Talhänge’.] Toivonen hat saiho ’Gehege’ und saiko (nur bei Lönnr.) ’Treibbeet; Fuchshöhle’ als germ. Lehnwort gedeutet und germ. *saiha-z als Original angesetzt;

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saiko sei bereits entlehnt, als germ. (h) Ȥ noch durch urfi. k ersetzt worden sei. Es ist aber unwahrscheinlich, daß saiko je existiert hat. Lautlich ist die Verbindung von saiho und germ. *saihaz möglich. Semantisch ist sie problematisch; allerdings sind sowohl Gehege wie Kübel Aufbewahrungsobjekte. Koivulehto schließt sich 1967 Toivonens Deutung an (allerdings mit der Rekonstruktion *saiȤwa-z); 1972 verbindet er saiho1 und SAIHO2 ’Wasserader usw.’ trotz semantischer Unterschiede; er setzt für sie als germ. Original ein noch nicht vomVernerschen Gesetz betroffenes *saiȤwǀn- (> *saiЀwǀn- > *saiЀǀn-) an. Die von der Verbindung von saiho1 und SAIHO2 vorausgesetzte breite Ausfächerung im Ostseefinnischen ist schwer vorstellbar. Vgl. SAIHO2, SAIKKO. Toivonen 1916/20 25f.; [Hellquist 1939 1141;] SKES IV 1969 944; [de Vries 1962 463;] Koivulehto 1967 113–118; Koivulehto 1972 579, 587–594, 622, 624, 626; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358; Koivulehto 1979b 274, 288, 298; Koivulehto 1981a 338, 339; Hofstra 1985a 93, 167f., 300f., 320f., 324f.; [Blöndal Magnússon 1989 797; N.Nielsen 1989 445;] Nikkilä 1990b 252; Ritter 1993 183f.; Hahmo 1994 189; Koivulehto 1999a 50–55, 76, 77, 79; SSA III 2000 142. ? Germ. LW. SAIHO2 (dial.) ’Wasserader; Streifen im Gestein oder im Eis’; karel. saiho ’Regenwolke’; ?estn. sahvajus ’Regenwolke, Windbö’. *saiho ~ urgerm. *saiЀwǀn- > *saiЀǀn-, urn. *saiЀǀ; vgl. schwed. (dial.) sega f. ’Regennebel, Regenwolke; durchsickerndes Wasser; Quelle’, ahd. (tala)seiga f. ’Talhänge’. Es ist aus lautlichen Gründen unsicher, ob estn. dial. sahvajus zu saiho zu stellen ist. Koivulehto hat saiho2 (zusammen mit SAIHO1) zu germ. *saiЀwǀn- gestellt. Diese Deutung von saiho ’Wasserader usw.’ ist lautlich und semantisch problemlos. Vgl. SAIHO1. Toivonen 1916/20 25; SKES IV 1969 944; [de Vries 1962 463;] Koivulehto 1967 113–118; Koivulehto 1972 579, 587–596, 622, 624, 626; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358; Koivulehto 1979b 274, 288, 298; Koivulehto 1981a 338, 339; Hofstra 1985a 93, 167f., 300f., 320f., 324f.; [Blöndal Magnússon 1989 797;] Nikkilä 1990b 252; Ritter 1993 183f.; Hahmo 1994 189; Koivulehto 1999a 50–55, 76, 77, 79; SSA III 2000 142. Germ. LW.

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SAIKKA (aWb., Lönnr., dial.) ’Stock, Stab; Stange; Pfahl’, saikko ’id.; Stäbchen; Spitze’, saiko ’lange Rute, Gerte, langes Stück Holz; Spanhalter’. *sai(k)ka ~ urgerm. *spaikƗ > *spaikǀ f., urn. *spaiku; vgl. gotl. spaik f. ’Radspeiche, Zeichen am Baum entstanden durch Entfernung eines Stückes Holz mit der Axt’; ~ urgerm. *spaikan- (, urn. *spaikƗ); vgl. ae. spƗca m. ’Speiche’; ~ urgerm. *spaikǀn- (, urn. *spaikǀ); vgl. as. spƝka f. ’Speiche’, ahd. speihha f. id. Die Verbreitungsgebiete von saikka (nördlich) einerseits und saikko und saiko (nur sporadisch, nicht im Norden) andererseits liegen weit auseinander. Obige Wörter werden im SKES und im SSA, die beide auf fi. saitta ’Stange, Latte, Angelrute’ (mit karel. und lp. Entsprechungen) hinweisen, als deskriptiv bezeichnet. Katz hat saikka, saikko und saiko wie auch (mit ostseefi. ai > ei) seikka ’Spanhalter; Stange, Pfahl; Rute, Gerte’ und seikko, seiko, seikku ’Spanhalter’ als Entlehnungen aus dem Germanischen gedeutet. Diese Deutung ist wegen der ungewöhnlichen Substitution von germ. sp- durch urfi. s- problematisch. Vgl. PAIKKA. [Hellquist 1939 1032, 1041;] Rapola 1953d 254f.; [de Vries 1962 535; ODEE 1969 856;] SKES IV 1969 945, 989f.; Katz 1990a 30; [Kluge–Seebold 1995 776;] SSA III 2000 143, 164. Kaum germ. LW.

SAIKKO (dial.) ’Melkeimer; hölzernes Gefäß zur Entnahme von Mehl’, saikka ’Kübel, hölzernes Waschgefäß’; ingr. saikka ’hölzernes einhenkeliges Gefäß, Kübel’; karel. šaikka ’Kübel, Zuber, Bottich; kleines Gefäß, kleine Schöpfkelle; Menge eines Kübels’; lüd. šaik, šaikթ ’Kübel (mit einem Griff )’; weps. šaik ’Kübel, kleines Gefäß, kleine Schöpfkelle’. *saikka [~ germ. *saiȤa-z, urn. *saihaR; vgl. an. sár m. ’Kübel’, aschwed. sƗr m. id., ae. sƗ m. ’Tonne, Eimer’.] Saikko ist im Finnischen nur aus einigen wenigen Kirchspielen bekannt. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Collinder mit Fragezeichen vorgeschlagen. Problematisch ist urfi. kk als Reflex von urgerm. Ȥ. Für saikko liegt eine in der Fennistik allgemein akzeptierte ansprechende Deutung als russ. Lehnwort vor. De Vries allerdings erwähnt Collinders Deutung. Vgl. SAIHO1.

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Collinder 1932 128; [Hellquist 1939 1141;] de Vries 1962 463; SKES IV 1969 945; [Blöndal Magnússon 1989 797; N.Nielsen 1989 445; Bjorvand–Lindeman 2007 1121]. Kein germ. LW. SAIKO (Lönnr.) ’Treibbeet; Fuchshöhle’ s. SAIHO1.

SAIMA (Lönnr.) ’eine Maränenart (Coregonus), die in der Mitte des Ladogasees gefangen wird’, saimasiika ’id.’ (-siika ’Große Maräne’), saimaverkko ’Netz für den Fang von Maränen’ (-verkko ’Netz’); karel. saima ’weitmaschiges Netz’. *saima [1. ~ urgerm. *saima-z, urn. *saimaR; vgl. an. seimr m. ’Draht, Faden’, norw. seim ’guter Stoff, gute Kleidung’.] [2. ~ urgerm. *saiwa-z, urn. *saiwaR; vgl. an. sjór, sær m. ’See’, aschwed. siǀr m. id., as. sƝo m. id., ahd. sƝo m., got. -saiws m. in marisaiws ’See’ (mari- ’See, Meer’); ~ urgerm. *saiwi-z, urn. *saiwiR; vgl. an. sjór, sær m. ’See’, aschwed. siпr m. id., ae. sϾ m. und f. id., got. -saiws m. in marisaiws ’See’ (mari- ’See, Meer’).] Das Wort hat eine sehr geringe Verbreitung (im Finnischen nur bei Lönnrot und als saimaverkko (-verkko ’Netz’) in der Mundart von Sortavala am Ladogasee; im Karelischen in einigen nördlichen Gebieten). Im Lappischen ist ein ähnliches Wort (z.B. lpN. sai'bmâ ’Fischnetz’) weit verbreitet; dieses ist laut SKES eine Entlehnung aus dem Ostseefinnischen. Einige Forscher rechnen damit, daß lp. sai'bmâ eine Entlehnung aus dem Nordgermanischen ist. Tunkelo verbindet den Seenamen Saimaa mit germ. *saiwiz / *saiwaz und hält es für nicht unmöglich, daß saima- in saimasiika zu saima- ’See’ (vgl. Saimaa) gehört. Der Wechsel m ~ v kommt öfter vor: laimeta ~ laiveta; hoimessa ~ hoiva, hoivata. Toivonen stellt kar. saima und lp. saibma zu an. seimr m. ’Draht, Faden’ usw. Sköld übernimmt Toivonens Erklärung. Aufgrund der Verbreitung der genannten lp. und ostseefi. Wörter ist es wahrscheinlich, daß fi.-karel. saima ein lp. Lehnwort ist. Vgl. SAIVO. Tunkelo 1910b; [Falk–Torp 1910/11 956;] Toivonen 1919 108f.; Sköld 1961 48; [de Vries 1962 468f.;] SKES IV 1969 946; von Hertzen 1970 [; Blöndal Magnússon 1989 802, 1015f.; N.Nielsen 1989 443; Bjorvand–Lindeman 2007 958f.]. Kein germ. LW.

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SAINE (G. saineen) (aWb., dial.), sainea, saines, hainea, haines ’langsam, leise; traurig; gierig, geizig; eifrig; appetitlos; versessen (auf etwas)’. *saineh / *saineįa / *haineh / *haineįa ~ urgerm. *saini-z, urn. *sainiR; vgl. an. seinn ’langsam, verspätet; langwierig’, aschwed. sƝn ’langsam, träge; spät’, gotl. sain id., ae. sϾne ’träge, zögernd, langsam’, mhd. seine ’langsam, träge; klein, gering’; ~ urgerm. *saina-z, urn. *sainaR; wie oben; ~ urgerm. *sainu-z, urn. *sainuR; wie oben. Die im SKES erwähnten mit h- anlautenden fi. Formen beruhen vielleicht auf einem seltenen fi. Wechsel s ~ h, vgl. LÖYSÄ und löyhä. Die Herleitung aus dem Germanischen findet sich zuerst im SKES. Sie ist lautlich in Ordnung und auch semantisch plausibel, wenn die in einigen Mundarten vorkommende Bedeutung ’langsam, leise’ ursprünglich ist. Im SSA wird diese Deutung jedoch aus semantischen Gründen für fraglich gehalten. Die Rekonstruktion des germ. Adjektivs (a-Stamm oder i-Stamm usw.?) ist unsicher (vgl. Heidermanns). [Hellquist 1939 900; de Vries 1962 469;] SKES IV 1969 946; Hofstra 1985a 216f., 258f., 339f.; [Lehmann 1986 291; Blöndal Magnússon 1989 802; N.Nielsen 1989 364; Heidermanns 1993 462f.;] SSA III 2000 143; Hofstra 2002 148 [; Bjorvand–Lindeman 2007 936]. Germ. LW.

SAIPPUA, saippuo, saippoa, saippoo, saippuu, saipua, saiput, saipu, saipot, saipo, saippio, saipio, saipjo, saipia ’Seife’; *saip(p)u- / *saip(p)o~ urgerm. *saipǀn- (, urn. *saipǀ); vgl. ae. sƗpe f. ’Seife, Salbe’, mnd. sƝpe f. ’Seife’, ahd. seifa f. ’id.’; ~ urgerm. *saipijǀn- (, urn. *saipijǀ); vgl. dt. (dial.) Seipfe ’Seife’. Ingr. saippu, saippia, saippi(Ɨ und karel. saiput sind Entlehnungen aus dem Finnischen. Estn. (Wied.) saip (Gen. saibi) ’Seife’ ist laut Mägiste (EEW) ein Lehnwort aus dem Finnischen. Seit Thomsen gilt saippua als germ. Lehnwort. Lautlich und semantisch wie auch kulturgeschichtlich ist diese Etymologie problemlos. Die große Variation der fi. Formen kann teils auf einer innerfi. Entwicklung, teils auf Entlehnung zu unterschiedlichen Zeiten beruhen. Thomsen 1869 146; Setälä 1913a 447; Hellquist 1939 1143; Karsten 1943/44 497f.; Rosenfeld 1950 98–105; Sköld 1961 111; de Vries 1962 XLVII, 462; Ruoppila 1967 163; ODEE 1969 842; SKES IV 1969 947; KLM XVII 1972 674; Koi-

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vulehto 1973b 608f.; Simmler 1974 367; Sammallahti 1977 121; Koivulehto 1978 311; Hakulinen 1979 142, 186, 359; Koivulehto 1981a 343; EEW 1982/83 2675; Sköld 1983 254–256, 259–260; Sammallahti 1984 144; Hofstra 1985a 80, 298, 384f., 390; Blöndal Magnússon 1989 797; Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 441;] Pokorny 1959 894; Ritter 1993 171, 177; Koivulehto 1995b 87, 99; Koivulehto 1999a 118f., 205; SSA III 2000 143; ALFE 1 2004 200–204; Häkkinen 2004 1103; Palviainen 2004 229; [Bjorvand–Lindeman 2007 948f.;] Hofstra 2011. Germ. LW.

SAIRAS (G. sairaan) ’krank; (selten:) kaputt’; wotK. sairaZ ’id.’. *sairas ~ urgerm. *saira-z, urn. *sairaR; vgl. an. sárr ’verwundet, schmerzlich’, aschwed. sƗr id., ae. sƗr ’schmerzlich, traurig; verwundend’, as. sƝr ’schmerzlich, leidend, traurig’, ahd. sƝr ’traurig, betrübt; schmerzlich, leidvoll; schrecklich’. Karel. sairas ’krank’ ist eine Entlehnung aus dem Finnischen. Sairas wurde bereits im 18. Jh. mit schwed. sår verglichen. Die seit Thomsen 1869 gängige Herleitung aus dem Germanischen ist lautlich und semantisch einwandfrei. Thomsen 1869 146; Setälä 1913a 105f.; Hellquist 1939 1143; Karsten 1943/44 498; Pokorny 1959 877; de Vries 1962 463; E.Itkonen 1968 506; ODEE 1969 847; SKES IV 1969 947; Niskanen–Hofstra 1971 45, 56–58; Loikala 1977 235, 246; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 362, 364; Koivulehto 1979b 282, 289; Koivulehto 1981a 347f.; Hofstra 1985a 244f., 249, 298, 333; Lehmann 1986 292; Blöndal Magnússon 1989 797; N.Nielsen 1989 446; Häkkinen 1990a 248f.; Häkkinen 1990b 266; Koivulehto 1990b 2; [Heidermanns 1993 465f.;] Ritter 1993 27; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 208; SSA III 2000 143; Hofstra 2002 148f.; Häkkinen 2004 1103; Palviainen 2004 223 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1122]. Germ. LW.

SAITA (Lönnr., dial.) ’Köhler oder Seelachs, Pollachius virens; karel. saita ’id.’. *saita [~ urgerm. *saiþa-z, urn. *saiþaR; vgl. an. seiðr m. ’Köhler’, norw. sei id., schwed. sej id.]

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Laut Wiklund ist saita, falls es direkt von den Skandinaviern übernommen sein sollte, wahrscheinlich in urnord. Zeit entlehnt worden. Setälä versieht Wiklunds Deutung mit einem Fragezeichen. In allgemeinen wird saita als lp. Lehnwort aufgefaßt und wird das lp. Original (lpN. sai'de) für ein germ. (skand.) Lehnwort gehalten. Aufgrund der Verbreitung des Wortes (allgemein lappisch, aber nur nördliche fi. Mundarten) und des Fisches (Eismeer, nicht Ostsee) ist die Deutung als lp. Lehnwort plausibel. Wiklund 1904b 185; Setälä 1913a 63; [Hellquist 1939 897; de Vries 1962 468;] SAOB 24 1965 137; SKES IV 1969 948; Hakulinen 1979 380; [Blöndal Magnússon 1989 802; N.Nielsen 1989 362;] SSA III 2000 165. Kein germ. LW.

SAIVO (Lönnr., dial.) ’klare Stelle im See’, saivovesi ’klares Wasser’ (-vesi ’Wasser’); karel. saivo- in saivovesi (-vesi ’Wasser’) ’trübes Wasser, das vom Lande in ein Gewässer fließt’. *saivo [~ urgerm. *saiwa-z, urn. *saiwaR; vgl. an. sjór, sær m. ’See’, aschwed. siǀr m. id., as. sƝo m. id., ahd. sƝo m. id., got. -saiws in marisaiws m. ’See’ (mari- ’See, Meer’); ~ urgerm. *saiwi-z, urn. *saiwiR; vgl. an. sjór, sær m. ’See’, aschwed. siпr m. id., ae. sϾ m. und f. id., got. -saiws m. in marisaiws ’See’ (mari- ’See, Meer’).] Karel. saivovesi findet sich nur in der nördlichen Gemeinde Kiestinki. Thomsen hat die Herleitung aus dem Germanischen vorgeschlagen. Sie wurde von Tunkelo und Setälä gutgeheißen. Wiklund deutete aber saivo als lp. Lehnwort, dessen Original (lpN. sai'vâ ’Süßwasser’) ein germ. Lehnwort sei; angesichts der Verbreitung (nur in nördlichen fi. Mundarten) ist Wiklunds Auffassung sehr wahrscheinlich. Vgl. SAIMA. Thomsen 1869 146; Tunkelo 1910b 46f.; Wiklund 1912 117f.; Setälä 1913a 448; Hellquist 1939 919; Karsten 1943/44 498; Sköld 1961 126; de Vries 1962 575f.; [ODEE 1969 804;] SKES IV 1969 949; von Hertzen 1970; Hakulinen 1979 381; [Lehmann 1986 292; Blöndal Magnússon 1989 822f.; N.Nielsen 1989 443;] SSA III 2000 144 [; Bjorvand–Lindeman 2007 958f.]. Kein germ. LW.

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SAKKA, sako ’Bodensatz, Rückstand, in einer Flüssigkeit zu Boden sinkende Masse fester Stoffe; in heißem Wasser oder Dampf eingeweichtes Viehfutter; Schaum; Schnee oder dicke Reifschicht auf den Bäumen’; ingr. saGa ’Bodensatz, Rückstand, Asche’; karel. sakka, sako ’Bodensatz (z.B. Kaffeesatz)’, estn. sago, sagu ’Bodensatz; Grundsuppe’; ?tscher. šukΩյ ’viel’; syrj. suk ’dicht; Bodensatz’. *sakka / *sako [~ urgerm. *slaggan- (, urn. *slaggƗ); vgl. norw. slagge ’Geifer’, schwed. dial. slagg ’naßkalt(es Wetter)’, mnd. slagge(n) m. ’Metall-, speziell Eisenschlacke; naßkaltes Wetter, Gemisch von Regen und Schnee’; ~ urgerm. *slagga-, urn. *slagga; vgl. norw. dial. slagg n. ’Geifer’, aschwed. slag n. ’Eisen-, Silberschlacke’ und (wenn nicht zu urgerm. *slaggan-) engl. dial. slag(g) ’Metallschlacke’, als Adjektiv ’glitschig, schlammig’; ~ urgerm. *slakkan- (, urn. *slakkƗ); vgl. ostfries. slakke ’Schlacke, Schmutz, Unreinigkeit, die sich beim Bearbeiten der Metalle im Feuer ergibt’; ~ urgerm. *slakka- (, urn. *slakka); vgl. ostfries. slak id.] Die karel. Form sakka ist möglicherweise eine Entlehnung aus dem Finnischen. Sakka wird im allgemeinen mit dem Adjektiv sakea ’dick, dicht’ verbunden, das wie die Nebenform sako allerdings nur einfaches k aufweist; sakea ist allgemein ostseefinnisch und hat Entsprechungen im Lappischen. Sakka hat außer einer Entsprechung im Syrjänischen vielleicht auch eine im Tscheremissischen. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Katz, der mehrere Varianten als Originale ansetzt. Die Verhältnisse innerhalb der germ. Wortsippe sind verwickelt; teilweise liegen Entlehnungen aus dem Mittelniederdeutschen ins Skandinavische vor. Die von Katz vorgelegte Deutung, die eine unwahrscheinliche Substitution von germ. sl- durch urfi. s- voraussetzt, ist nicht plausibel. Es handelt sich um ein fi.-perm. Wort, zu dem auch sakea zu stellen ist. [Hellquist 1939 983;] SKES IV 1969 951; [ODEE 1969 833;] Hakulinen 1979 227; [Lühr 1988 291f.;] Sammallahti 1988 553; UEW II 1988 750; [Blöndal Magnússon 1989 886;] Häkkinen 1990a 194; Katz 1990a 34f.; SSA III 2000 145; Häkkinen 2004 1106. Kein germ. LW.

SAKKO ’Geldstrafe, Strafgebühr, Bußgeld’; ingr. sakko ’Strafe’; karel. sakko ’Geldstrafe’; estn. sakk (G. saku) ’id.’. *sakko ~ urgerm. *sakǀ, urn. *saku; vgl. an. sІk f. ’Rechtssache, Klage; Schuld, Vergehen; (Geld)buße; Grund, Ursache’, aschwed. sak f. ’Rechtssache, Klage; Buße; Ursache, Ereignis, Sache, Ding’, ae. sacu f. ’Streit, Krieg, Verfolgung, Prozeß;

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Sünde’, as. saka f. ’Sache; Streit, Gericht, Feindschaft; Schuld’, ahd. sahha f. ’Sache, Ding; Zustand; Ursache, Grund; Anklagegrund, Schuld’. Karel. sakko ist laut SKES und SSA möglicherweise ein fi. Lehnwort Bereits um die Mitte des 19. Jh.s wurde sakko als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung ist lautlich und semantisch problemlos. Thomsen 1869 146; Setälä 1913a 448; Hellquist 1939 897f.; Karsten 1943/44 499; Pajula 1955 137; Fromm 1957/58 87; Kylstra 1961 39, 60, 76f., 166; de Vries 1962 578; ODEE 1969 782; SKES IV 1969 951; Koivulehto 1971b 580; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 175, 361; Koivulehto 1979b 289, 292; Koivulehto 1981a 194; EEW 1982/83 2677; Koivulehto 1984b 203; Hofstra 1985a 73, 329; [Lehmann 1986 293; Blöndal Magnússon 1989 1017f.;] Joki 1989 21f.; N.Nielsen 1989 358; Salo 1992b 489, 492; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 19, 189f.; SSA III 2000 145; Häkkinen 2004 1106 [; Bjorvand–Lindeman 2007 918f.]. Germ. LW.

SALLIA, saltia ’Erlaubnis bzw. Gelegenheit geben; einwilligen, zustimmen; dulden, tolerieren; ertragen; geschehen lassen; ermöglichen’; ingr. sallia ’hoffen; dulden; erlauben’; karel. sallie ’erlauben; gönnen, gestatten; billigen, zustimmen’; wot. sallia ’dulden, ertragen, sich gedulden; erlauben; hoffen’, wotM. ’mögen’; estn. sallima, salima ’dulden, leiden; zulassen, erlauben’. *salli~ urgerm. *saljan-, urn. *saljan; vgl. an. selja ’übergeben; gewähren; verkaufen’, aschwed. sælia ’verkaufen; überlassen’, ae. sellan ’geben; überliefern; verkaufen’, as. farsellian ’verkaufen’ (far- Präfix), ahd. sellen ’übergeben, einliefern, überweisen’, got. saljan ’opfern’. Die südwestfi. Nebenform saltia ist eine analogische Ausgleichsform. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Tunkelo vorgelegt; Setälä setzte ein Fragezeichen. Die Deutung ist lautlich und semantisch akzeptabel. Unklar ist allerdings das Verhältnis von ostseefi. ll und germ. l; westgerm. llj (< lj) und urgerm. l mit urspünglichem Laryngal sind als Auslösefaktor für möglich gehalten worden; vgl. dazu KUNNIA. Germ. Herkunft kann trotz dieser Teilfrage als sicher gelten. Tunkelo 1913 86f.; Setälä 1913a 449; [Hellquist 1939 1146;] de Vries 1962 469; [ODEE 1969 808;] SKES IV 1969 956; Hakulinen 1979 262, 362; T.Itkonen 1980a 134f.; Raun 1982 152; EEW 1982/83 2685; Hofstra 1984 36; Hofstra 1985a 102, 228f., 346, 384; [Lehmann 1986 294;] Ritter 1986 242; [Blöndal Magnússon 1989 803; N.Nielsen 1989 442;] Häkkinen 1990b 266; Koivulehto 1991c 28; Ritter 1993 27, 168; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 148; Häkkinen 2004 1111 [; Bjorvand–Lindeman 2007 940f.]. Germ. LW.

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SALPA ’Riegel; Kolben (Teil des Schlosses); Naht zur Verstärkung einer reißgefährdeten Stelle; Sperre, Hindernis’; karel. salpa ’Riegel, Schloß; Deckel, Korken’; lüd. saɥb, saɥv ’Riegel’; weps. saub, soub ’Deckel, Schutzdach, Unterstand; Überzug, Bezug, Hülle; Fensterladen’. *salpa ~ urgerm. *stalpan-, urn. *stalpƗ; vgl. an. stalpi (Beiname), neuisl. stalpi m. ’halbwüchsiger Knabe’, schwed. dial. stalpe m. ’Stange, Pfahl’. Koivulehto hat salpa als frühes germ. Lehnwort gedeutet; es hat wie mehrere andere frühe Lehnwörter urfi. s- als Wiedergabe von urgerm. st-. Die ursprüngliche Bedeutung dürfte ’Pflock’ gewesen sein. [Lidén 1941 90, 95; de Vries 1962 543;] SKES IV 1969 956f.; Hakulinen 1979 332; Koivulehto 1981b 164; T.Itkonen 1983 220, 222, 224, 229; Koivulehto 1984b 195f.; Hofstra 1985a 68f., 153, 322f.; [Blöndal Magnússon 1989 949;] Ritter 1993 135, 136, 209f.; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 149; Häkkinen 2004 1112; Palviainen 2004 228. Germ. LW.

SAMA ’der-, die-, dasselbe, gleich’; ingr. sama; karel. sama; lüd. sama; wot. sama; estn. sama, samma. *sama ~ urgerm. *saman-, urn. *samƗ; vgl. an. sami m. ’derselbe’, aschwed. sami, samme m. id., ahd. samo id., got. sama m. id.; ~ urgerm. *sama-z, urn. *samaR; vgl. an. samr m. ’derselbe’, aschwed. samber m. id. Nachdem bereits im 18. Jh. die Ähnlichkeit zwischen sama und obiger germ. Wortsippe aufgefallen war und Thomsen sama zu den germ. Lehnwörtern zählte, wird sama im allgemeinen und mit Recht als germ. Lehnwort aufgefaßt; nur Karsten bezeichnet es als altschwed. Lehnwort. Thomsen 1869 146; Setälä 1913a 449; [Hellquist 1939 884f.]; Karsten 1943/44 501; de Vries 1962 461f.; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 785;] SKES IV 1969 959; Hakulinen 1979 362; Raun 1982 152; EEW 1982/83 2690; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 99, 349f.; [Lehmann 1986 294f.; Blöndal Magnússon 1989 795; N.Nielsen 1989 360;] Häkkinen 1990b 266; Heidermanns 1993 467f.; SSA III 2000 150f.; Häkkinen 2004 1114 [; Bjorvand–Lindeman 2007 923f.]. Germ. LW.

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SAMMIO ’Bottich, Zuber, Kübel; großes ovales oder rundes henkelloses Gefäß aus Holz’. *samm(i)jo [~ urgerm. *skammijǀn-, urn. *skammijǀ; vgl. an. skemma f. ’Häuschen, Bude, Vorrathaus; Frauengemach’, aschwed. skæmma f. id.] Bisher liegen für sammio unsichere, semantisch unbegründete Anknüpfungen an Wörter wie sampo ’Weltsäule’ und SAMPI ’Stör’ sowie eine sehr unsichere fi.-ugr. Etymologie vor. Katz hat eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt; sie setzt die ungewöhnliche Substitution von germ. sk- durch urfi. s- voraus. Semantisch sei an ein ’kleines Holzgehege’ zu denken. Die Deutung von Katz ist genauso unbefriedigend wie die anderen Vorschläge. Vgl. KAMMIO. Ahlqvist 1871 125; Toivonen 1929 52f.; [Hellquist 1939 972f.; de Vries 1962 489;] SKES IV 1969 962f.; T.Itkonen 1973b 164; Hakulinen 1979 337; UEW I 1988 43f.; [Blöndal Magnússon 1989 838; N.Nielsen 1989 384f.;] Katz 1990a 24, 28; SSA III 2000 152; Häkkinen 2004 1116. Kein germ. LW.

SAMPI (G. sammen, sammin), sämpi, sempi, sammi, samme (G. sampeen) ’Stör, Acipenser sturio; Wels, Silurus glanis; großer Fisch; Geist bzw. Schutzgeist in Gestalt eines Fisches; großer, kräftiger Mann’; estn. samb (G. samma, sammi), samm (G. samma, sammi) ’Stör, Acipenser sturio’. *sampi [~ urgerm. *stramba-z, urn. *strambaR; vgl. an. -strambr m. in hafstrambr ’sagenhaftes Meeresungeheuer’ (haf- ’Meer’), neuisl. strambur m. ’Sturm’, mnd. stram ’stark, straff’.] Es liegen mehrere unsichere Deutungen vor, z.B. fi.-ugr. und balt.; auch wurde Zugehörigkeit zu sampo, sammas ’Säule’, möglicherweise einem indogerm. Lehnwort, erwogen. Die Deutung als germ. Lehnwort mit der ungewöhnlichen Substitution von urgerm. str- durch urfi. s- wurde von Katz vorgelegt. Sie ist lautlich nicht plausibel. [Hellquist 1939 1984; de Vries 1962 552;] SKES IV 1969 963f.; E.Uotila 1973 18f.; EEW 1982/83 2690f.; UEW I 1988 462f.; [Blöndal Magnússon 1989 969; N. Nielsen 1989 423;] Katz 1990a 57; Häkkinen 1996a 17; Liukkonen 1999 124; Nikkilä 2001a 402; SSA III 2000 153; Häkkinen 2004 1117. Kein germ. LW.

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SANKA ’bogenförmiger (Hand)griff, Henkel; bogenförmiger Gegenstand oder ein Teil davon; Bügel; Brillengestell; (Pl.) Fangeisen oder Teile davon; Stützpfahl in einem Heuschober’; ingr. saƾGa, saƾGo ’Pfahl in der Mitte eines Heuschobers’; wot. saƾka ’Eimerhenkel’, wotJ. saƾk ’id.; Handgriff an einem Kübel o.ä.’; estn. sang (G. sanga), sangas (G. sanga) ’Henkel, Bügel’; ?mordwE. Ğango, M. t'Ğangă ’(Heu)gabel’. *saƾka ~ urgerm. *stangǀ, urn. *stangu; vgl. an. stІng f. ’Stange’, aschwed. stang f. id., as. stanga f. id., ahd. stanga f. id. Koivulehto stellt mordwE. Ğango, M. t'Ğangă zu sanka und deutet die Wortgruppe als Entlehnung aus dem Indogermanischen. Im SSA wird diese Deutung mit einem Fragezeichen versehen. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Katz vorgelegt. Urfi. s- als Substitution von urgerm. st- findet sich in weiteren frühen Lehnwörtern. Semantisch ist die Herleitung denkbar. Sie ist aber nur dann möglich, wenn ostseefi. sanka keine Äquivalente im Mordwinischen haben sollte. Vgl. TANG, TANKO. [Hellquist 1939 1102f.; de Vries 1962 559;] SKES IV 1969 966; Raun 1982 152; EEW 1982/83 2697f.; Koivulehto 1983b 114; Hofstra 1985a 375; [Lehmann 1986 383f.; Blöndal Magnússon 1989 984; N.Nielsen 1989 415;] Katz 1990a 24; Koivulehto 1999b 212, 214; SSA III 2000 154; Häkkinen 2004 1120. ? Germ. LW.

SANTA ’Sand; Sandufer’; ?wotK. santA ’Ort am Unterlauf des Flusses Laukaanjoki (russ. Luga), wo Baumstämme sortiert werden’; ?estn. sand- in sandauk ’flacher Sand- oder Lehmboden’ (-auk ’Loch, Vertiefung, Grube’), sandsavi ’grauer Lehm’ (-savi ’Lehm). *santa ~ urgerm. *sanÿa-z, urn. *sandaR; vgl. an. sandr m. ’Sand’, aschwed. sander m. id., as. sand m. ’id., Ufer’, ahd. sant m. ’Sand’; ~ urgerm. *sanÿa-, urn. *sanda; vgl. ae. sand n. id. ’Sand, Ufer’, as. sand n. id., ahd. sant n. ’Sand’. Estn. dial. sand- in sandauk und sandsavi (jeweils in nur einem Kirchspiel) kann eine Entlehnung aus dem Deutschen oder Schwedischen sein. Die germ. Herkunft von santa ist seit Thomsen unumstritten. Nur bezüglich der Zeit der Entlehnung sind die Meinungen geteilt; santa kann ein altes germ. Lehnwort sein, aber jüngere Entlehnung ist lautlich und sachlich genauso gut möglich.

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Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 449; Streng 1915 201f.; [Hellquist 1939 886f.;] Karsten 1943/ 44 501; Pokorny 1959 146; de Vries 1962 462; Sköld 1967b 67, 68; ODEE 1969 786; SKES IV 1969 967; Hakulinen 1979 371; EEW 1982/83 2699; [Blöndal Magnússon 1989 796; N.Nielsen 1989 360;] SSA III 2000 155; Häkkinen 2004 1121 [; Bjorvand–Lindeman 2007 924f.]. Germ. oder jüngeres LW.

SAPILAS (Pl. sapilaat) (dial.), sapila (Pl. sapilat), sapilot (Pl.), sapileet (Pl.) ’Stangenpaar als Beförderungsmittel; Gestell zum Trocknen von Heu; Hebel, (Hebe)stange zum Drehen von Baumstämmen’; karel. sapilas, saplas (meistens in Pl. sapilahat, sapla(h)at) ’Stangenpaar zum Transport von Heu’; lüd. sabiɥaz, sabɥaz ’glatter, etwa zwei Klafter langer, an einem Ende zugespitzter Pfahl’, sab(i)lahad (Pl.) ’Stangenpaar zum Transport von Heu’; weps. sabiɥahad (Pl.) ’id.’. *sapilas (Pl. *sapilahat) ~ urgerm. *stapula-z, urn. *stapulaR; vgl. an. stІpull m. ’dicker Pfahl, Pfeiler; Kirchturm’, aschwed. stapul m. ’Turm; Stapel’, ae. stapol m. ’Baumstamm, Pfeiler, Stütze’, mnd. stapel m. ’Säule; Unterlage; aufgeschichteter Haufen (Holz, Waren)’, ahd. staffal, stapfal m. ’(Fuß)gestell, Sockel’. Für sapilas liegen zwei Etymologien vor. Die eine verbindet das Wort zweifelnd mit wogul. šapϷl, sopϷl ’(Zaun)pfahl, -stange; Baumstumpf; Türpfosten’. SSA begründet den Zweifel mit der Verbreitungslücke zwischen Ostseefinnisch und Wogulisch; UEW lehnt die Verbindung aus lautlichen Gründen ab. Die Herleitung aus dem Germanischen wurde von Nikkilä vorgeschlagen. Zur ostseefi. Endung -ilas vergleicht er die semantisch ähnlichen germ. Lehnwörter HAMILAS und PURILAS. Diese Deutung ist lautlich und semantisch einwandfrei; sie setzt wegen urfi. s- ~ germ. st- und urfi. -p- ~ germ. -p- voraus, daß die Entlehnung früh geschehen ist. [Hellquist 1939 1066; de Vries 1962 559; ODEE 1969 863;] SKES IV 1969 970; Nikkilä 1987 238; UEW II 1988 885; [Blöndal Magnússon 1989 984; N.Nielsen 1989 413;] SSA III 2000 156 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1046f.]. Germ. LW.

SARA ’Riedgras, Segge, Carex; Rohr-, Federgras, Calamagrostis’; karel. šara; lüd. sara; weps. šarahơin (-hơin ’Gras’). *sara 1. ~ frühurgerm. *starrƗ > urgerm. *starrǀ, urn. *starru; vgl. an. stІrr f. ’Segge’, aschwed. star id., schwed. starr id.

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[2. ~ urgerm. *saȤra-z (, urn. *sahraR); vgl. ahd. sahar m. ’Segge, Riedgras, Schilf’, mhd. saher m. ’Sumpfgras, Schilf’.] Kluge und Ritter haben versuchsweise urgerm. *sahra- als Original vorgeschlagen; dieser Vorschlag ist nicht ernst zu nehmen, da das angebliche germ. Original nur marginal bezeugt ist und -hr- sich im Ostseefinnischen gehalten hätte; Flucht vor der Homonymie mit sahra ’Pflug’ (so Ritter) kommt kaum in Frage, da sahra eine jüngere Variante von saara ist (siehe dazu SSA III 2000 141f.). Nachdem bereits Neuhaus, ohne positives Echo, auf die Ähnlichkeit von sara und schwed. starr aufmerksam gemacht hatte, hat Koivulehto das Wort als frühurgerm. Lehnwort gedeutet. Lautlich und semantisch ist die Deutung plausibel. Neuhaus 1908 130, 156; Kluge 1911 140; Setälä 1913a 449; [Hellquist 1939 1067; de Vries 1962 559;] SKES IV 1969 972; Koivulehto 1979b 282, 289, 299; Koivulehto 1979c 162; Koivulehto 1981a 366; Koivulehto 1981b 165, 169; Koivulehto 1981d 15; T.Itkonen 1983 220, 222, 223; Koivulehto 1984b 196; Hofstra 1985a 102, 163, 307; UEW II 1988 766; [Blöndal Magnússon 1989 984; N.Nielsen 1989 416;] Häkkinen 1990a 250; Koivulehto 1992d 176; Ritter 1993 135–137; [Kluge– Seebold 1999 753;] Koivulehto 1999a 156, 224; SSA III 2000 157; Häkkinen 2004 1123. Germ. LW.

SARKKI (Lönnr., dial.) ’Hemd (aus grobem Stoff, manchmal aus Leinen); Jacke; Pelz ohne Stoffüberzug, Pelz mit Haut nach außen’, särkki ’Frauenhemd; (Schürzen)kleid aus Wergleinwand’; estn. särk (G. särgi) ’Hemd; (wollener) Rock’; liv. serթ k̖ , Sal. särk ’Hemd; der innere Teil des Teerofens’. *särkki / *sarkki ~ urgerm. *sarki-z, urn. *sarkiR; vgl. an. serkr m. ’Hemd, kurzärmliges oder ärmelloses Obergewand’, aschwed. særker m. ’Hemd; leinerner Stoff’, ae. s(i)erc m. ’Hemd, Rock, Panzer’. Thomsen hat estn. säĚk mit an. serkr usw. verglichen; Ahlqvist stellte sarkki zu an. serkr usw. Laut Setälä sind fi. sarkki und estn. särk jüngere Entlehnungen; de Sivers und Raun–Saareste bezeichnen estn. särk als schwed. Lehnwort. Die Entlehnung dürfte frühestens aus dem Urnordischen, wahrscheinlich aber erst aus dem (Alt-, Mittel- oder Neu-)Schwedischen geschehen sein, und zwar einmal nördlich und einmal südlich des Finnischen Meerbusens. Die Herkunft des germ. Wortes ist unklar; es dürfte eine Entlehnung (? < Latein) sein. Die Konstruktion einer urgerm. Form dürfte daher nicht berechtigt sein. Thomsen 1870 173; Ahlqvist 1871 79; Setälä 1913a 449, 454; [Torp 1919 575;] Hellquist 1939 1149; Karsten 1943/44 501; de Vries 1962 471; Raun-Saareste

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1965 45; [ODEE 1969 789;] SKES IV 1969 976; de Sivers 1972 102, 107; Raun 1982 166; EEW 1982/83 2990; [Blöndal Magnússon 1989 806; N.Nielsen 1989 442]. Germ. oder jüngeres LW.

SARPA (aWb., dial.), sarva ’Binse, Simse, Scirpus; Schilf, Phragmites’, sarpio ’Froschlöffel, Alisma’. *sarpa / *sarva ~ urgerm. *saura-z, urn. *sauraR; vgl. norw. dial. saur, søyr m. ’Seggenart, Scirpus silvaticus’, schwed. dial. sör m. ’Unkraut’. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt. Sie setzt Metathese wie bei TARPOA voraus. Fi. rp neben rv erklärt sich durch Stufenwechselentgleisung. Vgl. SAURA2. [Torp 1919 568;] Koivulehto 1972 611; Koivulehto 1973b 562; Koivulehto 1977a 146; Vahtola 1980 254f.; Koivulehto 1981a 194; Hofstra 1985a 104, 307f.; [Blöndal Magnússon 1989 799;] Koivulehto 1999a 68, 84, 130; SSA III 2000 159. ? Germ. LW.

SATAMA ’Hafen’; ingr. sattƗma; estn. sadam ’id., Ufer’; liv. sadƗm. *satama ~ urgerm. *staþa-z, urn. *staþaR; vgl. schwed. dial. stad in vatustadin ’See- oder Flußufer’ (vatu- ’Wasser’), ae. stæð m. ’(Fluß)ufer’, as. stað m. ’Ufer, Gestade’, ahd. stad m. id., got. staþa (D.Sg.) m.(?) id.; ~ urgerm. *staþa-, urn. *staþa; vgl. aschwed. stadh n. ’See- oder Flußufer’, ae. stæð n. ’(Fluß)ufer’, got. staþa (D.Sg.) n.(?) id. Obwohl bereits Diefenbach satama als Entlehnung aus obiger germ. Wortgruppe bezeichnete, galt satama seit Ahlqvist als Ableitung von ostseefi. sataa ’fallen’. Nikkilä hat satama erneut als germ. Lehnwort gedeutet; die letzte Silbe -ma sei ein möglicherweise unter Einfluß von valkama ’Landungsplatz, Hafen’ hinzugefügtes fi. Ableitungssuffix. Diefenbach II 1851 301–303; Ahlqvist 1871 147; Ahlqvist 1875 163; Hellquist 1939 1060f.; [de Vries 1961 558f.;] SKES IV 1969 980; Hakulinen 1979 197; Raun 1982 150; EEW 1982/83 2663; [Lehmann 1986 323f.;] Nikkilä 1988 153– 158; [Blöndal Magnússon 1989 983;] Nuutinen 1989 37–45; Häkkinen 1990a 130;

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Koivulehto 1991a 191; Häkkinen 1996a 177; SSA III 2000 160; Häkkinen 2004 1127f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1042]. Germ. LW.

SATO ’Ertrag, Ernte; Resultat; Beute, Fang; Fall, Ausfall (in Komposita, z.B. höyhensato ’Mauser’ (höyhen- ’Feder, Daune’), lehtisato ’Blätterfall’ (lehti- ’Blatt’))’; ingr. saDo ’Regen’; karel. sato ’Mauser; sich mausernder Vogel’; wotJ. sato ’Platzregen, Regenguß’; estn. sadu (G. saju) ’Regenfall, Regen’, sadu, sau, sado ’Fall, Gefallenes, Niederschlag (bes. Regen); im Wald liegendes faulendes Holz; unbeholfener Mensch’; liv. sa‫ތ‬D ’Niederschlag, Regen’. *sato [~ urgerm. *skaþan-, urn. *skaþƗ; vgl. an. skaði m. ’Schaden, Verlust’, aschwed. scadhi m. ’Schaden’, ae. sceaða m. ’id.; Verbrecher’, as. scatho m. ’Schaden, Schädigung’, mnd. schade m. ’Schaden; Zins’, mnl. schade m. id., ahd. scado m. ’Schaden, Nachteil, Unheil; Räuber; Strafe’ (vgl. auch noch got. skaþis n. ’Schaden, Unrecht’ < urgerm. *skaþiz-).] Im allgemeinen gilt sato in allen Bedeutungen als Ableitung von sataa ’regnen’, ursprünglich ’fallen’. Liukkonen deutet fi. sato ’Ernteertrag’ als balt. Lehnwort. Katz hat fi. sato ’Ertrag, Ernte’ als germ. Lehnwort gedeutet. Seine Deutung setzt eine ungewöhnliche Substitution von germ. sk- durch urfi. s- voraus. Sie ist auch semantisch sehr unglaubwürdig. Das vermeintliche Original kommt allgemein germanisch in der Bedeutung ’Schade’ vor. Die nur im Mittelniederdeutschen und Mittelniederländischen belegbare Bedeutung ’Zins’, auf die sich Katz bezieht, erklärt sich als späte Entwicklung: ’Vermögensnachteil, der durch Verzinsung einer Schuld entsteht’ (Lübben 1888 817). Auch das von Katz herangezogene westfälische Verb schåden ’Ertrag ergeben (Getreide)’ hilft nicht weiter, da die Wurzelsilbe dieses Verbs auf urgerm. *skƝþ- zurückgeht. [Hellquist 1939 922; de Vries 1962 480; ODEE 1969 795;] SKES IV 1969 981; [Kluge–Mitzka 1975 630f., 638;] Hakulinen 1979 49f., 216; EEW 1982/83 2663f.; [Lehmann 1986 309f.;] UEW I 1988 52; [Blöndal Magnússon 1989 824; N.Nielsen 1989 369;] Katz 1990a 27f.; Liukkonen 1999 129; SSA III 2000 160; [Kluge– Seebold 2002 790, 795;] Häkkinen 2004 1129 [; Bjorvand–Lindeman 2007 959– 961]. Kein germ. LW.

SATULA ’Sattel; Metallgerüst des Sattelranzens’; ingr. satի tnjla ’Sattel; kammdeckelartige Vorrichtung zum Einspannen’; karel. satula, satuli ’Sattel’; lüd. sadul'(i) ’id.’; weps. saduɥ ’id.’; wot. satula ’id.’; estn. sadul, sadulas (G. sadula) ’id.’; liv. sa‫ތ‬ddΩյl, sa‫ތ‬dlΩյZ ’id.’.

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*satula ~ urgerm. *saÿula-z, urn. *saÿulaR; vgl. an. sІðull m. ’Sattel’, aschwed. sadhul m. id., ae. sadol, sadul m. id., ahd. satul, satal m. id. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh.s wurde die germ. Herkunft des Wortes erkannt; Karsten erwägt Entlehnung aus dem Altschwedischen; dies ist wegen der allgemein-ostseefi. Verbreitung nicht wahrscheinlich. Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 449; Hellquist 1939 878; Karsten 1943/44 501f.; de Vries 1962 577f.; Raun–Saareste 1965 44; KLM XIV 1969 647; [ODEE 1969 781;] SKES IV 1969 982; Hakulinen 1979 130, 159; Koivulehto 1979b 289; Koivulehto 1981a 194; Raun 1982 32, 33; EEW 1982/83 2665; Hofstra 1985a 314f.; Lehmann 1986 369; [Blöndal Magnússon 1989 1017;] Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 358; Häkkinen 1990a 223, 252; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1999a 189; SSA III 2000 161; Hahmo 2004b 156; Häkkinen 2004 1130; Bjorvand–Lindeman 2007 916f. Germ. LW.

SAUMA ’Naht, Fuge’; ?estn. saamas (G. saama) ’mit Teer gefüllte Fuge zwischen übereinandergelegten Brettern’, saam (G. saama) ’Unebenheit an den Fugen der Bretter von Holzgefäßen’, saum ’Fugestelle zwischen den Brettern eines Bootes’. *sauma ~ urgerm. *sauma-z, urn. *saumaR; vgl. an. saumr m. ’Näharbeit; Schiffsnagel’, aschwed. sпmber m. ’Näharbeit, Saum’, gotl. saum m. id., ae. sƝam m. ’Saum, Naht, Verbindung’, as. sǀm m. ’Saum, Rand’, ahd. soum m. ’id., Besatz’. Aus lautlichen Gründen ist es unsicher, ob estn. saamas und saam hinzugehören; estn. saum (nur in einer Küstengemeinde) könnte ein fi. Lehnwort sein. Die bereits Mitte des 19. Jh.s bekannte Herleitung aus dem Germanischen ist lautlich und semantisch problemlos. Hinsichtlich der Entlehnungszeit sind unterschiedliche Ansichten vertretbar. Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 107; [Hellquist 1939 1152;] Karsten 1943/44 502; de Vries 1962 464; [ODEE 1969 804;] SKES IV 1969 982f.; Hakulinen 1979 358, 364; EEW 1982/83 2649; E.Uotila 1984 45; Hofstra 1985a 300; [Lehmann 1986 306; Blöndal Magnússon 1989 799;] Joki 1989 19; [N.Nielsen 1989 444;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 161; Häkkinen 2004 1131 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1108f.]. Germ. oder jüngeres LW.

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SAUNA, sa(a)kna, saina ’Sauna’; ingr. sauna; karel. sauna; wot. sauna; estn. saun, sann ’id.; Häuschen, Hütte’; liv. sǀna, sƗn; lpN. suow'dnje ’in den Schnee gegrabene Grube’. *sauna < *savĔa / *sakna < *sakĔa ~ frühurgerm. *staЀna-z > urgerm. *stakka-z, urn. *stakkaR; vgl. an. stakkr m. ’Heuschober, Haufen’, aschwed. stakker m. id.; ~ frühurgerm. *staЀna- > urgerm. *stakka- (, urn. *stakka); vgl. mnd. stack n. ’Damm von schrägen Pfählen’. Sauna galt lange als einheimisches ostseefi. Wort. E. Itkonen hat es mit lpN. suow'dnje verbunden; die Sauna habe sich ursprünglich in einer in die Erde gegrabenen Grube befunden. Itkonens Deutung wurde allgemein übernommen. Mägiste denkt daneben an altruss. Herkunft von ostseefi (nicht lp.) sauna. Kallio deutet sauna als Entlehnung aus dem Germanischen, die wegen ostseefi. s- als Wiedergabe von germ. st- und wegen des im Original noch erhaltenen n früh erfolgt sein müsse. Er schließt nicht aus, daß das germ. Original nicht *staЀna-z, sondern *staЀnja-z (> schwed. dial. stäck ’Haufen’) gewesen sei; diese Rekonstruktion passe besser zu fi.-lp. savĔa, sei aber nicht nötig, da es im Lappischen weitere Fälle spontaner Palatalisierung gebe. Kallio geht davon aus, daß eine Entwicklung ’Haufen’ ĺ ’Ofen’ eingetreten ist und daß urfi. *sakna ’Saunaofen’ und ’Sauna’ bedeutete. Kallios Etymologie von sauna ist zwar lautlich in Ordnung, aber dennoch problematisch. Sie setzt voraus, daß innerhalb des Ostseefinnischen eine semantische Entwicklung ’Haufen’ ĺ ’Ofen’ ĺ ’mit dem Ofen beheizter Raum’ stattgefunden hat. Gegen eine solche Annahme spricht, daß es keine Spuren der angesetzten älteren Bedeutungen gibt und sauna nur in der Bedeutung ’Sauna, finnisches Dampfbad’ vorkommt. Außerdem fällt schwer ins Gewicht, daß sie die Hinzugehörigkeit von lpN. suow'dnje ’in den Schnee gegrabene Grube’ zu sauna ausschließt. Vgl. TAAKKA [Hellquist 1939 1060;] E.Itkonen 1962 265–267; E.Itkonen 1965; SKES IV 1969 983; [de Vries 1962 542; ODEE 1969 860;] Hakulinen 1979 41, 332; Koivulehto 1981a 222f.; Raun 1982 153; EEW 1982/83 2717f.; [Blöndal Magnússon 1989 948;] Joki 1989 14; [N.Nielsen 1989 414;] Koivulehto 1999a 195f.; Häkkinen 1990a 213; SSA III 2000 161; ALFE 1 2004 168f.; Häkkinen 2004 1131f.; Kallio 2008. Kaum germ. LW. SAURA1 (aWb., dial.) ’langer und schmaler Heuschober’, saapra ’id.; Pfahl in einem Heuschober; Stock, Stütze an der Seite eines Arbeitsschlittens’, sapra,

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sapro ’Giebel- oder Zwischenstange in einem Heuschober; Ring oder Stütze an einem (Last)schlitten’; karel. soapra; lüd. suabr(eࡓ ); weps. sabr; estn. saur. *sapra ~ urgerm. *staura-z (*stawraz), urn. *stauraR; vgl. an. staurr m. ’Stange, Pfahl’, aschwed. stпr m. id. Estn. saur ist nur aus einem Kirchspiel bekannt. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt; sie zeigt urfi. p als Reflex des zweiten Teiles des urgerm. Diphthongs au; dazu vergleiche man noch HAURAS und TEURAS; semantisch ist die Deutung problemlos. [Hellquist 1939 1109; de Vries 1962 544;] SKES IV 1969 983; K.Vilkuna 1970 267, 275; Hakulinen 1979 342; Koivulehto 1979b 279–284, 288f., 293, 299f.; Hofstra 1980a 228; Koivulehto 1981b 165, 167; Koivulehto 1981d 15; Hofstra 1982 35; T.Itkonen 1983 220, 222, 223, 224, 229; Koivulehto 1984b 196; Hofstra 1985a 68f., 103, 163, 178, 308; [Lehmann 1986 326;] Blöndal Magnússon 1989 952; Nuutinen 1989 29; Ritter 1993 22, 135, 136, 209f.; SSA III 2000 161f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1045]. Germ. LW. SAURA2 (aSs., dial.) ’Drachenwurz, Kalla, Calla palustris; ? Schilf, Rohr’. *saura ~ urgerm. *saura-z, urn. *sauraR; vgl. norw. dial. saur, søyr m. ’Seggenart, Scirpus silvaticus’, schwed. dial. sör m. ’Unkraut’. Saura ist spärlich belegt. In der Bedeutung ’Drachenwurz’ ist es aus nur zwei Kirchspielen bekannt; in der unsicheren Bedeutung ’Schilf, Rohr’ findet es sich in einem Werk aus 1778. Hinzugehörigkeit von sauramo ’Kamillenart’, wie manchmal angenommen, ist aus sachlichen Gründen sehr unwahrscheinlich. Die Deutung als urnord. Lehnwort stammt von Vilkuna; sie ist lautlich und semantisch plausibel. Auch jüngere Entlehnung erscheint möglich. Vgl. SARPA. [Torp 1919 568;] K.Vilkuna 1939 139–141, 311; SKES IV 1969 983; Koivulehto 1970 181; Koivulehto 1972 611; Koivulehto 1973b 562; Sammallahti 1977 121; Hofstra 1985a 307; [Blöndal Magnússon 1989 799;] Koivulehto 1999a 68, 84; SSA III 2000 162. Germ. oder jüngeres LW.

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SAUVO (Lönnr.) ’Quelle’. *sauvo [~ urgerm. *sawwa-z, urn. *sawwaR; vgl. isl. söggr m. ’Feuchtigkeit’, norw. søgg ’feucht’, südschwed. sögg, sygg ’id., sumpfig’; ~ urgerm. *sawwan-, urn. *sawwƗ; vgl. isl. saggi m. ’Feuchtigkeit’; ~ urgerm. *sawwa- (, urn. *sawwa); ae. sƝaw n. ’Saft, Feuchtigkeit’, as. sou n. ’Saft’, ahd. sou n. id.] Sauvo ist kaum gesichert: nur im Supplement zu Lönnrots Wörterbuch. Karsten und Setälä haben sauvo als germ. Lehnwort gedeutet; das Original habe in zweiter Silbe noch den Vokal o (> germ. a) gehabt. Karsten 1943/44 behandelt sauvo nicht. Seitdem haben nur Fromm, Kylstra und Mägiste (EEW) sich zu sauvo geäußert; die beiden zuerst genannten betonen die unsichere Beleglage von sauvo. Laut Mägiste ist germ. Ursprung von sauvo nicht sicher. Lautlich und semantisch wäre obige Deutung vielleicht möglich, aber Bemühungen um die Etymologie sind angesichts der unsicheren Bezeugung kaum sinnvoll. Karsten 1905 180f.; Setälä 1906 24f., 29; Setälä 1913a 449; Karsten 1915 125; [Torp 1919 765;] Fromm 1957/58 92; Kylstra 1961 72; EEW 1982/83 2719 [; Blöndal Magnússon 1989 792, 1017]. Kein germ. LW.

SEIKKA ’Spanhalter; Stange, Pfahl; Rute, Gerte’ s. SAIKKA.

SEPALE ’ Splitter ’ s. SÄPÄLE.

SEULA, siekla ’Sieb’, Seulaset ’Plejaden’; ingr. sƝ֐gla; karel. siekla; lüd. šiegɥ; weps. segɥ; wot. sigla, wotK. sƝgɥA; estn. sõel (G. sõela), sõõl, sõgl, segl ’Sieb’, Sõel ’Plejaden’; liv. se֑ ‫ތ‬ggΩյl ’Sieb; Plejaden’. *sekla / *sƝkla ~ urgerm. *sƝþla- /*sƝÿla-, urn. *sƝÿla; vgl. an. sáld n. ’Sieb’, aschwed. sald, sƗld n. id. Nachdem bereits im 18. Jh. das fi. und das schwed. Wort miteinander verglichen worden waren, wird seula seit der zweiten Hälfte des 19. Jh.s als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich ist seula mit NEULA vergleichbar. Ahlqvist 1866 108f.; Neuhaus 1908 156; Setälä 1913a 449f.; Wiklund 1917b 5; Hellquist 1939 1142f.; Karsten 1943/44 503; Pokorny 1959 889; Kylstra 1961 76, 119; de Vries 1962 460; Raun–Saareste 1965 44; SKES IV 1969 1005; Laanest

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1975 220; Koivulehto 1976b 248, 264; Hakulinen 1979 299, 359; Koivulehto 1979b 268, 271; Koivulehto 1981a 168, 194; Korhonen 1981a 48; Raun 1982 164; EEW 1982/83 2948f.; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 86, 114, 180, 319f.; Blöndal Magnússon 1989 793; Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 403; Häkkinen 1990a 252; Koivulehto 1991a 91; Ritter 1993 128, 170; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 170, 190; SSA III 2000 171; Häkkinen 2004 1145; Bjorvand–Lindeman 2007 1121f. Germ. LW.

SIETÄÄ ’dulden, vertragen; ertragen, ausstehen; erlauben, zulassen; brauchen, bedürfen; nötig sein’, siitää ’dulden’; ingr. sƯtϹ ’dulden’; karel. sieteä ’id.; nötig sein’, siiteä (unpers.) ’müssen, sollen, nötig sein, angebracht sein’; ?estn. seedima ’verdauen; vertragen (Speisen usw.)’. *sƝtä~ urgerm. *stƝ-, urn. *stƗ-; vgl. aschwed. stƗ ’stehen, ertragen’, as. stƗn ’stehen’, ahd. stƝn, stƗn id. Das Verhältnis zwischen den Formen mit ie und solchen mit Ư (ii)ist ungeklärt. Estn. seedima steht sietää lautlich und semantisch nahe, wird aber – wenn überhaupt – nur mit Zweifel mit sietää verbunden. Sietää wird im SKES und im SSA mit siityä ’fertig zum Bad sein (Sauna), erkalten (Ofen), verglimmen’ verglichen. Im SKES wird siintää ’(in der Ferne) schwach zu sehen sein’ als weiteres Vergleichsmaterial genannt; semantisch ist dies aber nicht befriedigend. Koivulehto hat in einem Vortrag sietää zu urgerm. *stƝ- gestellt; ein entlehntes *sƝ- (mit s- für urgerm. st-) sei mit einem einheimischen Verbalsuffix -tä- versehen worden; vgl. dazu auch HEITTÄÄ. Diese Deutung wird seitdem in etymologischen Werken für möglich gehalten. Koivulehtos Deutung setzt wegen s- für urgerm. st- eine sehr frühe Entlehnung voraus. Eine frühe urgerm. Rekonstruktion *stƝ- ist allerdings nicht unumstritten. Die Etymologie von sietää bedarf auch deshalb der weiteren Erforschung Vgl. TIETÄÄ. [Hellquist 1939 1101; de Vries 1962 543; ODEE 1969 862f.;] SKES IV 1969 1011, 1019; [Seebold 1970 464f.;] Hakulinen 1979 318; Raun 1982 154; Koivulehto 1982b; EEW 1982/83 2729f.; Hofstra 1985a 164, 207, 347; [Lehmann 1986 323; Blöndal Magnússon 1989 945, 947f.; N.Nielsen 1989 431;] Häkkinen 1990b 323; Ritter 1993 135f.; SSA III 2000 174, 177f.; Häkkinen 2004 1306f.; Aikio 2006 22 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1073f.]. ? Germ. LW.

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SIIKA ’Große Maräne, Renke, Schnäpel, Coregonus lavaretus’; ingr. sƯGa; karel. siika; lüd. šƯg; weps. sƯg; wot. sƯga; estn. siig (G. siiga), siik (G. siiga); liv. sƯG, sƯgΩյZ. *sƯka ~ urgerm. *sƯka-z, urn. *sƯkaR; vgl. an. síkr m. ’Große Maräne’, aschwed. sƯker m. id. Fi. siika wurde von Renvall 1826 als schwed. Lehnwort bezeichnet, und seitdem haben mehrere Forscher siika als germ., urnord. oder skand. Lehnwort gedeutet. Die umgekehrte Richtung wurde auch für möglich gehalten; sie kann nicht ausgeschlossen werden. Lautlich und semantisch wäre siika ein problemloses germ. Lehnwort; die Entlehnung muß wegen fi. k ~ germ. k früh erfolgt sein. Lautlich ähnliche und semantisch identische Wörter liegen auch im Baltischen und im Russischen vor; die Verhältnisse zwischen diesen Wörtern und ostseefi. siika (wie auch germ. *sƯka-z) sind ebenfalls ungeklärt. Thomsen 1890 279; Kalima 1919 217; [Hellquist 1939 907;] Karsten 1943/44 505; [de Vries 1962 475;] Fraenkel II 1965 784f.; SKES IV 1969 1013; K.Vilkuna 1970 274; Hakulinen 1979 315; Ariste 1981 14; Koivulehto 1981a 170; Larsson 1981 24; Raun 1982 156; EEW 1982/83 2781; Hofstra 1985a 150, 303f., 364f.; [Blöndal Magnússon 1989 814;] Karulis II 1992 179; Nikkilä 1994a 135; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 171; SSA III 2000 175 ? Germ. LW.

estn. SIIL (G. siilu) ’Zipfel, Zwickel, schmaler Streifen, eingesetzter Keil zwischen zwei Nähten’. *sƯlo / *sƯlu [~ urgerm. *seЀlijǀn- > *siЀlijǀn-; urn. *siЀlijǀ; nicht belegt; vgl. aber unten; ~ urgerm. *seЀla-, urn. *seЀla; vgl. an. segl n. ’Segel’, aschwed. segl n. id., ae. segel n. id., as. segel n. id., ahd. segal n. id.] Tunkelo, Setälä und Mägiste (EEW) stellen siil zu SIULU. Die beiden Wörter können aber besser getrennt bleiben. Tunkelo erwog die Herleitung von estn. siil, wozu das Kompositum käilasiil ’dreieckiges Focksegel’ (Wied.), und fi. SIULU aus germ. *siЀl-; er wies darauf hin, daß sich in siil die erschlossene ursprüngliche Bedeutung (*’Stück Tuch’) und die bezeugte Bedeutung des germ. Etymons vereinigen. Setälä pflichtete ihm bei und meinte, daß siil und fi. SIULU einer i-umgelauteten germ. Ableitung *sighliǀn entsprechen könnten. Laut Mägiste (EEW) ist siil wohl eine Entlehnung aus dem Skandinavischen und zwar in einer ursprünglichen Form urfi. ?*sikla, die ”eine alte Substitution” von -ik- durch -Ư- (statt -iu-) erfahren habe.

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Lautlich ist diese Deutung wegen estn. -Ư- und auch wegen des Fehlens eines belegbaren germ. Originals mit -i- nicht plausibel. Außerdem ist die mutmaßliche germ. Bedeutung *’abgeschnittenes Stück Tuch’ nicht bezeugt. Raun hat siil als deskriptiv bezeichnet. Siil verlangt weitere Erforschung. Vgl. SIULA, SIULU. Tunkelo 1906 4; Setälä 1906 12f., 16; Setälä 1913a 451; [Hellquist 1939 896f.;] Karsten 1943/44 509f.; [de Vries 1962 467; ODEE 1969 782;] Koivulehto 1979b 268; Raun 1982 156; EEW 1982/ 83 2781f. [; Blöndal Magnússon 1989 801; N. Nielsen 1989 362; Bjorvand–Lindeman 2007 933]. Kein germ. LW.

SIIMA ’Angelschnur; Peitschenschnur’; ingr. sƯma; karel. siima ’id.; Band, an dem das Kreuz um den Hals getragen wird; Roßhaar; Spinnengewebe’; lüd. šƯm ’Angelschnur’; weps. sƯm, sima, sim ’Angelschnur; Spinnenfaden’; wot. sƯma, wotJ. sƯm; estn. sihm ’Peitschenschnur’. *sƯma ~ urgerm. [*seiman- >] *sƯman-, urn. *sƯmƗ; vgl. an. sími m. ’Band, Strick’, aschwed. sƯmi m. id., ae. sƯma m. ’Band, Kette, Strick’, as. sƯmo m. ’Strick’. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Thomsen; sie ist lautlich und semantisch einwandfrei. Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 450; Hellquist 1939 909; Karsten 1943/44 505; de Vries 1962 476; SKES IV 1969 1015; Hakulinen 1979 299, 359; T.Itkonen 1983 223; Hofstra 1985a 43, 302f., 324; [Blöndal Magnússon 1989 816;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 366;] Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 5; SSA III 2000 176; Bjorvand–Lindeman 2007 938–940. Germ. LW. SIIPATA1 (siippaa-) (dial.) ’(weg)schnappen, (ent)reißen’. *sƯppa[~ urgerm. [*sneipan- >] *snƯpan-, urn. *snƯpan; vgl. norw. dial. snipa ’schnappen, wegraffen’, dän. dial. snibe ’kneifen’.] Siipata ist nur in zwei weit auseinander liegenden Gebieten bezeugt. Im SKES wird es mit Recht für eine mundartliche Nebenform des gleichbedeutenden fi. und karel. siepata gehalten. Katz aber hat siipata als germ. Lehnwort gedeutet. Die ungewöhnliche Lautsubstitution (germ. sn- > fi. s-) spricht gegen diese Deutung.

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[Hellquist 1939 1013f.;] SKES IV 1969 1008f.; [de Vries 1962 525;] Katz 1990a 38 [; Blöndal Magnússon 1989 917; N.Nielsen 1989 400]. Kein germ. LW. SIIPATA2 ’streifen’ s. SIPOA.

SIIVILÄ, siihvilä, sihvilä, siivelö, siiveli, siipilä ’Seihe, Sieb, Durchschlag, Filter; Milchseihe’; ingr. sƯvilä ’Milchseihe’; karel. siivilä ’Seihe, Sieb, Filter’; lüd. šibiɥ- in šibiɥheiĔ ’Bärlapp, Lycopodium (früher zum Durchseihen von Milch verwendet)’ (-heiĔ ’Gras’); weps. sihɥoiĔe ’Sieb, Filter, Milchseihe’. *sƯvilä / *sƯhvilä ~ urgerm. *sƯȤwila-z, urn. *sƯhwilaR; vgl. schwed. sil ’Seihe’, norw. sil id. Siivilä wird Mitte des 19. Jh.s mit schwed. sil (Diefenbach 1851), dann von Mikkola mit älteren Formen des germ. Wortes verbunden. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch problemlos. Mikkola 1893 390; Setälä 1913a 450; Hellquist 1939 907f.; Karsten 1943/44 504; SKES IV 1969 1020f.; Koivulehto 1967 117; Koivulehto 1972 579, 581; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 130, 359; Hofstra 1985a 24, 319f.; T.Itkonen 1987 172, 184; [Blöndal Magnússon 1989 813;] Joki 1989 20; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 44, 45; SSA III 2000 178; Häkkinen 2004 1147; Bjorvand–Lindeman 2007 949f. Germ. LW.

SIIVITÄ (siivitse-) (aWb., dial.), sihvittää, sihvata, siiviä, siivittää, siipiä ’sieben, (durch)seihen, filtern’; ingr. sƯviDä; wotJ. sƯvittsemä, wotK. sƯvittsϹ. *sƯvV- / *sƯhvV~ urgerm. [*seiȤwan- >] *sƯȤwan-, urn. *sƯhwan; vgl. schwed. sia ’seihen’, ae. sƝon id., mnd. sƯhen id.; ~ urgerm. [*seiȤwǀ(ja)n- >] *sƯȤw(ǀj)an-, urn. *sƯhwǀn; vgl. an. sía ’seihen’. Siivitä und Nebenformen werden, wenn überhaupt ihre Herkunft behandelt wird, als Ableitungen von SIIVILÄ betrachtet. Sie haben aber kein -l- und sind daher keine direkten Ableitungen von siivilä; es liegt nahe, sie unmittelbar mit dem germ. Verb *sƯȤwan- zu verbinden und sie als von siivilä getrennt entlehnt zu betrachten.

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[Hellquist 1939 906;] SKES IV 1969 1020f. [; de Vries 1962 472; Seebold 1970 389–391; Blöndal Magnússon 1989 809; N.Nielsen 1989 364; Bjorvand–Lindeman 2007 949f.]. Germ. LW.

SIJA ’Platz, Ort, Stelle, Raum; Bett, Schlafstätte; Spur, Richtung’; ingr. si(a, sija ’Platz, Ort, Stelle’; karel. sija; lüd. šija ’id.; Bett’; weps. sijä, sija ’id.; Haus, Haushalt’; wot. siha ’Platz, Stelle; Schlafstätte, (wotJ. auch:) Spur’; lpN. sâggje ’Platz, Raum, Schlafstätte’. *sija ~ urgerm. *stƯja-, urn. *stƯja; vgl. an. svínstí n. ’Schweinestall’ (svín ’Schwein’), aschwed. svƯnastƯa f. id.; ~ frühurgerm. *stƯjƗ-, urgerm. *stƯjǀ (, urn. *stiju); vgl. mnl. stie, stije f. ’Stall für Kleinvieh’, ahd. stƯ(g)a f. id.; ~ urgerm. *stƯjǀn-, urn. *stƯjǀ; vgl. an. stía f. ’Gehege’, mnl. stie, stije f. ’Stall für Kleinvieh’, ahd. stƯ(g)a f. id. Koivulehto hat sija als germ. Lehnwort gedeutet und es auf frühurgerm. *stƯja bzw. *stƯjƗ- zurückgeführt. Diese semantisch einleuchtende Deutung setzt voraus, daß an. stí usw. auf Formen wie urgerm. *stƯja- zurückgeht; für an. stí wird aber auch eine urgerm. Grundform *stiȤja mit später verschwindendem Ȥ (Ȥ > h > 0) vertreten; wenn letztere Auffassung stimmt, dürfte die Entlehnung kaum bereits aus dem Frühgermanischen stammen. Urfi. s- als Wiedergabe von urgerm. stfindet sich in anderen frühen Lehnwörtern (z.B. SALPA, SARA, SATAMA, SAURA1). [Hellquist 1939 1072; de Vries 1962 547; ODEE 1969 879;] SKES IV 1969 1021f.; Hakulinen 1979 312; Koivulehto 1981b 165; Koivulehto 1981d 16; T.Itkonen 1983 222–224, 229, 353, 359; Koivulehto 1984b 196; Hofstra 1985a 164, 306, 327, 372; [Blöndal Magnússon 1989 958;] Lehtimäki 1989 116f.; [N.Nielsen 1989 418;] Häkkinen 1990a 215; Häkkinen 1990b 279f.; Ritter 1993 27, 135f.; Nikkilä 1994a 134; [Kluge–Seebold 1995 791;] Häkkinen 1996a 157, 160; Sammallahti 1999 80; SSA III 2000 178f.; Häkkinen 2004 1148. Germ. LW.

SIKA ’Schwein’; ingr. sika; karel. sika; lüd. šiga; weps. siga; wot. sika; estn. siga; liv. sigà; mordwE. tuvo, mordwM. tuva. *sika < *tika ~ urgerm. *tikǀ, urn. *tiku; vgl. an. tik f. ’Hündin’, aschwed. tik f. id., mnd. tike f. id.;

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~ urgerm. *tiЀǀ (, urn. *tiЀu); vgl. ahd. ziga f. ’Ziege’. Koivulehto hat fi.-mordw. *tika als germ. Lehnwort gedeutet und es mit ahd. ziga und schwed. tik verglichen; es sei von einer allgemeinen Bedeutung ’kleineres weibliches Haustier’ auszugehen. Koivulehtos Deutung ist lautlich einwandfrei, aber semantisch zweifelhaft; die von ihm zur Stützung der Semantik genannten Beispiele sind nicht völlig mit sika vergleichbar. [Hellquist 1939 1182; de Vries 1962 588;] SKES IV 1969 1022; Hakulinen 1979 49, 342; Raun 1982 155; EEW 1982/83 2773f.; [Lehmann 1986 140f.;] UEW II 1988 796; [Blöndal Magnússon 1989 1039;] Joki 1989 14; Häkkinen 1990a 204, 209; Koivulehto 1997b 29; SSA III 2000 179; [Kluge–Seebold 2002 1010;] Häkkinen 2004 1148. ? Germ. LW.

SIKUNA ’erstes, ungereinigtes Destillat beim Branntweinbrennen, Fusel’. *sikuna ~ urgerm. [*seiЀ- >] *sƯЀ-, urn. *sƯЀ-; vgl. an. síga ’sinken, herabgleiten; zurückweichen’, aschwed. sƯgha ’sinken, herabgleiten; sickern lassen’, ae. sƯgan ’sinken, fallen, gleiten’, as. sƯgan ’sinken, sich vorwärts bewegen’, ahd. sƯgan ’sinken, sich neigen, herabfließen’; ~ urgerm. *siЀ-, urn. *siЀ-; an. siga ’fallen, sinken’, norw. siga id.; schwed. dial. sigha ’sinken, gleiten, langsam fließen’. Laut Hahmo steht sikuna (bisher ohne Etymologie) vielleicht in irgendeiner Verbindung zur germ. Wortsippe um *sƯЀ-/*siЀ-; eine sehr frühe Entlehnung komme für diesen Terminus der Branntweinbrennerei nicht in Frage. Es müsse an ein skand. Original gedacht werden, obwohl ein entsprechendes Substantiv, im Gegensatz zu Verben, nicht belegt sei. Semantisch und lautlich käme die germ. Wortgruppe als Quelle in Frage; wegen des Fehlens eines passenden Substantivs auf germ. Seite kann sikuna aber nicht als sicheres Lehnwort betrachtet werden. [Hellquist 1939 906; de Vries 1962 437; Seebold 1970 388f.; Lehmann 1986 292; Blöndal Magnússon 1989 811; N.Nielsen 1989 365;] Hahmo 1994a 326f.; SSA III 2000 179 [; Bjorvand–Lindeman 2007 947f.]. ? Jüngeres LW. SILA1, silo (gewöhnlich Pl. silat, silot) ’Siele(ngeschirr), Brust- und Schulterpolster am Pferdegeschirr’. *sila

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~ urgerm. *silan-, urn. *silƗ; vgl. an. sili, seli m. ’Pferdegeschirr; Riemen’, aschwed. sili, sele m. ’Siele’, norw. sele m. ’id.; Tragriemen’, mnd. sele m. ’Zugriemen, Zugtiergeschirr; Tragriemen’, ahd. silo m. ’Zugtiergeschirr’. Seit Thomsen gilt sila als Entlehnung aus einer germ. Sprache; zum Alter der Entlehnung werden unterschiedliche Ansichten vertreten. Lautlich und semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort einwandfrei. Die Zeit der Entlehnung kann nicht festgestellt werden; wenn es ein jüngeres Lehnwort sein sollte, muß es vor dem skand. Übergang e > i übernommen sein. Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 450; Hellquist 1939 899f.; Karsten 1943/44 506; SKES IV 1969 1023; de Vries 1962 469; Viires 1970 286; Niskanen–Hofstra 1971 51; Hakulinen 1979 359; Hofstra 1985a 314; [Blöndal Magnússon 1989 815;] N.Nielsen 1989 363; Häkkinen 1990a 223; Häkkinen 1996a 162; SSA III 2000 180; Bjorvand–Lindeman 2007 938–940. Germ. LW. SILA2 (dial.) ’schmaler Streifen, Fetzen; Spitze, Zipfel’, sile ’id.; Latte, Leiste; Splitter; langer (Kien)span; Stückchen, kleine Scheibe’, silo (Lönnr.) ’Steinsplitter’, silu ’Scheibe; kleiner Zipfel; Splitter, Scherbe; Häcksel’; karel. šile ’Latte, Leiste; Span; Fetzen, Streifen; Scheibe; (Holz)splitter’, silo ’Splitter, Span’, šilu ’Splitter, Scherbe, Trümmer; Fetzen; Eisnadel’. *sila / *sileh / *silu / *silo [~ urgerm. *spilǀn-, urn. *spilǀ; vgl. an. spila f. ’schmales Holzstück, Speiler’, schwed. spila, spela f. ’Latte’, dän. spile id., mnd. spile f. ’dünner Stab’; ~ urgerm. *spilǀ (, urn. *spilu); vgl. ae. spilu f. ’Stift, Spitze’, mnd. spile f. ’dünner Stab’; ~ urgerm. *spila-, urn. *spila; vgl. dän. spil n. ’langes dünnes Holzstück; Stock’; ~ urgerm. *spƯla-z (, urn. *spƯlaR); vgl. mnd. spƯl m. ’Spitze’, vgl. auch mnl. spƯle f. ’dünne Stange’.] Sila, sile usw. haben in den fi. Mundarten jeweils eine sehr geringe Verbreitung. Laut SKES machen fi.-karel. sila, sile usw. den Eindruck, teilweise deskriptiver Herkunft zu sein, und dürften sie teilweise mit sileä ’glatt’ zu verbinden sein. Katz hat fi. sila, silo, silu und (mit Zweifel) fi.-karel. sile als germ. Lehnwörter gedeutet. Die Substitution von urgerm. sp- durch urfi. s- ist ungewöhnlich. Der deskriptive Charakter der Wortgruppe läßt an einheimische Bildungen denken. [Hellquist 1939 1046;] SKES IV 1969 1023; [de Vries 1962 535; Blöndal Magnússon 1989 935f.; N.Nielsen 1989 407;] Katz 1990a 29. Kein germ. LW.

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SILAKKA, silahka, silhakka ’Ostseehering, Strömling, Clupea harengus membras; gesalzener Fisch’; ingr. silakka ’gesalzener Fisch; salzige Pilzspeise’; karel. silakka ’gesalzener Fisch; gesalzene Pilze, gesalzenes Fleisch’; lüd. siɥak̖ ’gesalzener Fisch’; wot. silakka ’gesalzener Ostseehering’; estn. silk (G. silgu), silakas; liv. silթ 'k̖ࡓ ’id.’. *silakka [~ urgerm. *sil(a)ÿƗ > *sil(a)ÿǀ, urn. *sil(a)ÿu; vgl. an. sild f. ’Hering’, aschwed. sill, sildh f. id.] Nachdem bereits um 1750 die Ähnlichkeit von fi. silakka und schwed. sill festgestellt worden war, hat Wiklund es zu urn. *sƱlaðƗ (*sƯlðƗ) gestellt; -kka sei ein fi. Diminutivsuffix. Setälä versah dies mit einem Fragezeichen. Karsten setzte als Original urn. *silðƗ-ka- an. Eine Erweiterung um ein k-Suffix, wie von Karsten erwogen, ist nicht belegbar. Laut Posti handelt es sich vermutlich um eine spätmittelalterliche Entlehnung von schwed. sillaka ’Pökel zum Aufbewahren von Hering’ (= sill ’Hering’ und laka ’Salzlake’). SSA und Häkkinen halten Postis Deutung für wahrscheinlich. Da das Wort im Ostseefinnischen fast immer in Salzlake konservierte Lebensmittel bezeichnet, liegt es nahe, daß es – trotz der Verbreitung – im Mittelalter, als Salz als Konservierungsmittel um sich griff, im Ostseefinnischen aufgekommen ist, und zwar wahscheinlich als schwed. Lehnwort (schwed. *sill-laki m. ’Pökel zum Aufbewahren von Hering’) Vgl. SILLI. Wiklund 1912 244; Setälä 1913a 451; Hellquist 1939 908f.; Karsten 1943/44 507; Posti 1965; SKES IV 1969 1023, 1026; [de Vries 1962 475;] K.Vilkuna 1970 274; Hakulinen 1979 371; Raun 1982 156; EEW 1982/83 2795; Hofstra 1985a 303f.; Häkkinen 1996a 161; [Blöndal Magnússon 1989 814; N.Nielsen 1989 365f.;] SSA III 2000 180; Häkkinen 2004 1149. Kein germ. LW.

SILLI ’Hering, Clupea harengus; (dial.) Kleine Maräne, Coregonus albula’; estn. sill, silling ’großer Ostseehering oder Strömling, Clupea harengus membras’. *silli ~ urgerm. *sil(a)ÿǀ, urn. *sil(a)ÿu; vgl. an. sild f. ’Hering’, aschwed. sill, sildh f. id. Estn. sill und silling sind nur aus nördlichen Küstenmundarten bekannt. Die hier und da (z.B. Hofstra 1985) vertretene Auffassung, daß silli ein älteres Lehnwort sei, ist nicht richtig, da ll in silli sich nur aus einem jüngeren, wahr-

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scheinlich altschwed. Original verstehen läßt. Die skand. Bezeichnung des Herings wird oft auf eine ältere Form mit ÿl oder þl zurückgeführt. Vgl. SILAKKA. Streng 1915 206; [Hellquist 1939 908f.;] Karsten 1943/44 507; SKES IV 1969 1026; de Vries 1962 475; Hakulinen 1979 371; Hofstra 1985a 303f.; [Blöndal Magnússon 1989 814; N.Nielsen 1989 365f.;] Häkkinen 1990a 263; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 181; Häkkinen 2004 1151. Jüngeres LW.

SILPOA, silvota, (Lönnr. auch:) silvata ’in Stücke schneiden; zerreißen, zerreiben; verstümmeln’, silpiä ’enthülsen, entschoten; abschälen; putzen, schälen (Kartoffeln); entästen; entgräten; Fische aus dem Netz nehmen’; karel. silpie ’zerstückeln; zerreißen; verstümmeln; schneiden, spalten; schälen, abhülsen’, silvottoa ’schälen, abhülsen’; weps. šil'pta ’rupfen; (zer)reißen, zerren’. *silpo- / *silpi[~ urgerm. [*sleiΰan- >] *slƯΰan- (, urn. *slƯΰan); vgl. ae. *slƯfan, nur in tǀslƗf (Prät., tǀ Präfix ’zu’) ’spalten, in Stücke schneiden’.] Silpoa dürfte laut SKES auf jeden Fall teilweise zu silpa ’Flocke, Blättchen; Schuppen; Span, Scherbe; Häcksel’ gehören; silpa ist ohne weitere Etymologie. Laut SSA können silpoa und silpa eine deskriptive Grundlage haben. Katz hat silpoa und silvata als germ. Lehnwort gedeutet. Das von ihm genannte urgerm. Original *slƯΰan- ist schlecht bezeugt und selber etymologisch dunkel. Dieses und die ungewöhnliche Metathese des l im Entlehnungsprozeß (germ. *slƯ> ostseefi. *sil-) sprechen gegen diese Etymologie. SKES IV 1969 1028; [ODEE 1969 835; Seebold 1970 427;] Hakulinen 1979 299; Katz 1990a 16; SSA III 2000 181; Laakso 2002 367; Häkkinen 2004 1152. Kein germ. LW.

SIMA ’eine Art Limonade, Met; Nektar, Honig’; karel. sima ’Honig’; estn. sima ’klebrige Flüssigkeit; süßer Fruchtsaft; Extrakt; leicht alkoholhaltiges Getränk’. *sima ~ urgerm. *sim-, urn. *sim-; vgl. dän. dial. sime (av) ’(herab)triefen’. Die ursprüngliche Bedeutung von sima war wahrscheinlich ’Honig’. Die heutige Bedeutung ’Getränk’ (zuerst im Kalevala) dürfte auf Lönnrot zurückgehen.

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Seit Thomsen wird sima mit der Sippe um germ. *saim- ’Honigseim’ verglichen; lautlich paßt zu sima nur das seltene germ. *sim-, das allerdings nicht mit passender Bedeutung belegt ist. Sima ist von Räsänen als Entlehnung aus dem Wolga-Bolgarischen (vgl. tschuw. sim ’ein Honiggetränk; Bier erster Klasse; Nektar’) gedeutet worden. Laut SKES und EEW schwächt die Tatsache, daß die ostseefi. Wörter in ihrer ursprünglichen Bedeutung ’Honig’ von tschuw. ’Getränk’ abweichen, diese Deutung. Die Erklärung von sima als germ. Lehnwort wird im allgemeinen mit gewissem Vorbehalt genannt. Der Vorbehalt ist berechtigt, weil ein lautlich und zugleich semantisch passendes germ. Original nicht vorhanden ist. Thomsen 1869 147; Setälä 1913a 451; Martti Räsänen 1946 193f.; SKES IV 1969 1029f.; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 359; Turunen 1979 305; Raun 1982 157; EEW 1982/83 2801; Hofstra 1985a 312; Pulkkinen 1986 285; [Blöndal Magnússon 1989 802;] Joki 1989 20; SSA III 2000 182; Häkkinen 2004 1153. Kaum germ. LW.

SINGOTA, sinkoa ’werfen, schleudern; (hinaus)geschleudert werden, fliegen’; ingr. siƾgaDa ’werfen, schleudern’; karel. šinkata ’stoßen, schubsen; werfen’, šinkuo ’werfen; schroff behandeln’; lüd. šiƾgoda ’verbreiten, ausstreuen’; weps. šiࡓ ƾgotada, šiࡓ ƾkta ’kneifen, klemmen; (zer)reißen; werfen, schleudern; aufschütteln (Heu)’; estn. singutele- ’sich gegen etwas sträuben’. *siƾko- / *siƾka[1. ~ urgerm. [*slengwan- >] *slingwan-, urn. *slingwan; vgl. an. slyngva ’schleudern’, aschwed. sliunga id., ae. slingan ’sich schlingen’, ahd. slingan ’verfallen, vergehen’.] [2. ~ urgerm. [*swengan- >] *swingan- (, urn. *swingan); vgl. ae. swingan ’schlagen; (sich) schwingen’, as. swingan ’(sich) schwingen’, ahd. swingan id.] Im SKES ist singota nicht mit einer Etymologie versehen, im SSA wird es als onomatopoetisch bezeichnet. Katz hat singota als germ. Lehnwort gedeutet und zwei Originale genannt. o in sinko- sei ein Reflex von wa in germ. *slingwan-. Die Herleitung aus germ. *slingwan- ist abzulehnen, weil es für den Ersatz von germ. sl- durch ostseefi. skeine brauchbaren Parallelen gibt. Die Herleitung aus germ. *swingan- kommt auch nicht in Frage, weil hier die Labialität des germ. w entgegen anderen Fällen (KOISO, KOITO) nicht in irgendeiner Weise im Ostseefinnischen reflektiert wird. Vgl. LINKO. [Hellquist 1939 992, 1128;] SKES IV 1969 1031; [de Vries 1962 518; ODEE 1969 835; Seebold 1970 432f., 493; Lehmann 1986 7; Blöndal Magnússon 1989

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900; N.Nielsen 1989 392, 437;] Katz 1990a 32; SSA III 2000 183; Häkkinen 2004 1155f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1311–1313]. Kein germ. LW.

SIPALE ’Splitter’ s. SÄPÄLE.

SIPOA ’streicheln; leicht berühren’, sipaista, sivaista ’id.; etwas schnell tun’, sivaltaa ’id.; schlagen; klatschen, peitschen; schnell schneiden oder spalten; (heraus)reißen’, siipata ’streifen, (leicht) berühren; treffen, an etwas stoßen; schlagen’, siipaista ’leicht berühren; schnell reinigen (z.B. Flachs)’; karel. sipaissa ’leicht berühren; schlagen’, šivaltoa, šipaltoa ’schlagen, peitschen; etwas schnell tun oder sich schnell bewegen’, šiipaija ’bewegen; schlagen, schleudern; stoßen’, šiipata ’leicht berühren’, šiivata ’id.; stoßen; reißen’, siivaltoa ’schlagen; (ent)reißen, (er)greifen, schnappen’; estn. sibama ’(davon)laufen; sich hin und her bewegen; zappeln; mit dem Schweif schlagen’. *sipo- / *sipa- / *sƯp(p)a[~ urgerm. *strƯpǀ(ja)n- (, urn. *strƯpǀn); vgl. mnl. strƯpen ’einen Strich machen’.] Die obengenannte Wortgruppe ist durch lautliche Variation gekennzeichnet und braucht nicht zu einer einzigen Wortsippe zu gehören, vgl. dazu auch SKES. Teilweise gilt die Gruppe als deskriptiv oder onomatopoetisch. Katz hat sipoa, sivata, sipaista, sivaltaa, siipata und siipaista als (offensichtlich getrennte) Entlehnungen aus dem Germanischen aufgefaßt. Die von ihm vorgeschlagene Herleitung weist eine unmögliche Substitution von germ. str- durch ostseefi. s- auf. Zur Semantik sei bemerkt, daß das schlecht bezeugte mnl. strƯpen ’streifen = einen Streifen oder Strich machen’ bedeutet, nicht – wie Katz meint – ’streifen = leicht berühren’. Vgl. HIPOA. [Hellquist 1939 1088;] SKES IV 1969 1016, 1035, 1050f.; Raun 1982 155; EEW 1982/83 2769, 2770; [Blöndal Magnússon 1989 972; N.Nielsen 1989 424;] Katz 1990a 58; SSA III 2000 184, 190f.; Häkkinen 2004 1157, 1167. Kein germ. LW.

SITTA ’Exkrement(e), Ausscheidung, Kot; Mist; Schmutz, Unsauberkeit’; ingr. sitta; karel. šitta; lüd. šitթ , sit̖; weps. sit; wot. sitta, wotJ. sitթ ; estn. sitt (G. sitta); liv. sitի tà; wotj. sit'; syrj. sit; samoj. t'i’ ’Abfall’. *sitta

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[~ urgerm. [*skeita-z >] *skƯta-z, urn. *skƯtaR; vgl. an. skítr m. ’Kot’; ~ urgerm. *skita-, urn. *skita; vgl. norw. skit n. ’Kot’, schwed. dial. sket n. id.; ~ urgerm. *skiti-z, urn. *skitiR; vgl. norw. skit m. ’Kot’, schwed. dial. sket m. id., ae. scite m. id. ~ urgerm. *skitjǀ (, urn. *skitju); vgl. ae. scitte f. ’Durchfall’, mnl. scitte f. ’Kot’.] Im allgemeinen wird sitta als finnisch-permisch oder als uralisch bezeichnet. Katz aber vertritt die Ansicht, daß das ostseefi. Wort aus lautlichen Gründen nicht mit den perm. und samoj. Wörtern verwandt sein könne. Er deutet es als Entlehnung von urgerm. *skƯta-; germ. sk- werde durch ostseefi. s- vertreten. Da eine semantisch und lautlich einwandfreie fi.-ugr. Etymologie vorliegt, ist die von Katz vorgelegte Deutung – auch wegen der von ihr vorausgesetzten Substitution von urgerm. sk- durch ostseefi. s- – abzulehnen. [Torp 1919 597;] Hellquist 1939 937f.; de Vries 1962 494; SKES IV 1969 1048; [Seebold 1970 410f.;] Hakulinen 1979 310; Sammallahti 1979 35; Raun 1982 158; EEW 1982/83 2827f.; UEW I 1988 444f.; Sammallahti 1988 553; [Blöndal Magnússon 1989 846; N.Nielsen 1989 372;] Häkkinen 1990a 91; Katz 1990a 27; SSA III 2000 189f.; Häkkinen 2004 1186. Kein germ. LW.

SIUKKA (aSs., Lönnr., dial.) ’krank, unwohl’. *siukka ~ urgerm. *seuka-z, urn. *seukaR / *siukaR; vgl. an. sjúkr ’krank’, aschwed. sinjker id., ae. sƝoc ’id., schwach’, as. siok ’krank’, ahd. sioh, siuh id., got. siuks id. Becker hat in Finsk grammatik (1824) siukka als schwed. Lehnwort bezeichnet. Karsten hat es zu den urnord. Lehnwörtern gezählt. Lautlich kann die Entlehnung nicht näher datiert werden. Vgl. HIUKAISTA. [Hellquist 1939 916;] Karsten 1943/44 509; [de Vries 1962 479; ODEE 1969 825;] SKES IV 1969 1048; [Lehmann 1986 307;] Söderström 1988 166; [Blöndal Magnússon 1989 823; N.Nielsen 1989 440;] Heidermanns 1993 480f.; SSA III 2000 190; Bjorvand–Lindeman 2007 957f. Germ. oder jüngeres LW.

SIULA ’Flügelnetz; Flügel eines Zugnetzes; Zaun, entlang dessen Rentiere ins Gehege geleitet werden; Seite, Rand, Kante; Winkel, Ecke’, sikla ’Teil eines Zugnetzes; Bindfaden, der den Netzsack eines (Zug)netzes mit dem Simm verbindet’;

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ingr. sigla(verkko) (verkko ’Netz’) ’Netzteil eines Zugnetzes’; karel. sikla; lüd. šigɥ ’Flügel eines Zugnetzes’; ?estn. siul ’id’. *sikla [~ urgerm. *seЀla-, urn. *seЀla; vgl. an. segl n. ’Segel’, aschwed. segl n. id., ae. segel n. id., as. segel n. id., ahd. segal n. id.; ~ urgerm. [*seЀila- >] *siЀila-, urn. *siЀila; vgl. aschwed. sigel, sigill n. ’Segel’, schwed. dial. (Finnland, Estland) sigäl n. id.] Estn. siul ist spärlich in nördlichen Küstenmundarten belegt und kann ein fi. Lehnwort sein. Als germ. Lehnwort wurde siula zuerst von Tunkelo gedeutet; er ging von urn. *siЀla mit i (statt e, analogisch nach i- oder j-haltigen Ableitungen mit lautgesetzlichem i < e) aus. Setälä vertrat 1906 Herkunft aus nicht belegtem got.*sigl mit i < e, verglich siula aber 1913 mit Formen mit e wie an. segl. Karsten deutete siula als Entlehnung einer urnord. Nebenform *sigila-. Die Grundbedeutung des germ. Wortes wird als *’abgeschnittenes Stück Zeug’ angegeben. Koivulehto vertritt eine Herleitung aus dem Baltischen (urbalt.*tinkla > lit. tin֥ klas usw. ’(Fischer)netz’), die im Gegensatz zur Deutung als germ. Lehnwort semantisch und lautlich problemlos ist. Vgl. SIIL, SIULU. Tunkelo 1906 1–3; Setälä 1906 12f., 16; Setälä 1913a 451; [Hellquist 1939 896f.;] Karsten 1943/ 44 509; Kylstra 1961 74, 75; [de Vries 1962 467; ODEE 1969 782;] SKES IV 1969 1048f.; K.Vilkuna 1975 311; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 359; Koivulehto 1979b 267–271, 297; EEW 1982/83 2781f.; Hofstra 1985a 302; [Blöndal Magnússon 1989 801; N.Nielsen 1989 362;] Vaba 1992b 727; Häkkinen 1996a 153; Liukkonen 1999 63, 65, 141; SSA III 2000 190; Häkkinen 2004 1166 [; Bjorvand–Lindeman 2007 933f.]. Kein germ. LW.

SIULU (Lönnr.) ’Zipfel, Flicken, Lappen, Fetzen, Stück, Bissen, Happen’. *siulu [~ urgerm. *seЀla-, urn. *seЀla; vgl. an. segl n. ’Segel’, aschwed. segl n. id., ae. segel n. id., as. segel n. id., ahd. segal n. id.; ~ urgerm. [*seЀila- >] *siЀila-, urn. *siЀila; vgl. aschwed. sigel, sigill n. ’Segel’, schwed. dial. (Finnland, Estland) sigäl n. id.] Es ist fraglich, ob siulu (nur Lönnr.) jemals existiert hat. Es ist ebenfalls fraglich, ob das von Tunkelo, Setälä und Mägiste (EEW) zu siulu gestellte estn. SIIL ’Zipfel usw.’ hinzugehört.

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Tunkelo und nach ihm Setälä deuteten siulu und estn. SIIL als Entlehnung desselben germ. Wortes (in einer Form mit i < e: *siȖl-) wie SIULA. Die Grundbedeutung des germ. Wortes wird als *’abgeschnittenes Stück Zeug’ angegeben. Laut Setälä könnten fi. siulu und estn. SIIL einer i-umgelauteten germ. Ableitung *sighliǀn entsprechen. Karsten dachte an eine Diminutivbildung zu SIULA. Da siulu kaum als sicher belegbar gelten kann, das vorausgesetzte germ. Original nicht in einer Form mit -i- vorkommt und die mutmaßliche ursprüngliche Bedeutung nicht bezeugt ist, ist die Herleitung aus dem Germanischen abzulehnen. Vgl. SIIL, SIULA. Tunkelo 1906 4; Setälä 1906 12f., 16; Setälä 1913a 451; [Hellquist 1939 896f.;] Karsten 1943/44 509f.; [de Vries 1962 467; ODEE 1969 782;] Koivulehto 1979b 268; EEW 1982/83 2781f. [; Blöndal Magnússon 1989 801; N.Nielsen 1989 362; Bjorvand–Lindeman 2007 933f.]. Kein germ. LW.

SIUNATA ’segnen; billigen; schimpfen; (etwas) bedauern; durch Zauber herbeiführen’; ingr. siunaDa ’segnen’; karel. siunata ’segnen; tadeln, vorwerfen; schimpfen; (ver)fluchen; zwingen’; wot. siunata ’segnen; heiligen, weihen’; estn. siunama, sõunama ’fluchen, wettern; ausschimpfen; verwünschen; segnen’. *siuna~ urn. *siЀ(a)nǀn; vgl. an. signa ’weihen, segnen’, aschwed. sighna ’mit einem Kreuzzeichen versehen; segnen, weihen’. Becker hat in Finsk grammatik (1824) siunata als schwed. Lehnwort bezeichnet. Thomsen hat siunata mit an. signa und aschwed. sighna gleichgestellt. Laut Setälä, der offenbar eine alte Entlehnung nicht für unmöglich hält, könne semantischer Einfluß seitens eines im Mordwinischen bezeugten Erbworts Ğovnoms ’schelten’ vorliegen. Seit Streng gilt siunata im allgemeinen als altschwed. Lehnwort; gelegentlich erscheint es jedoch in Aufzählungen von mehrheitlich alten Lehnwörtern. Obgleich es keine semantischen oder lautlichen Kriterien gibt, die eine ältere Entlehnung ausschließen würden, ist siunata wahrscheinlich ein altschwed. Lehnwort, denn das skand. Wort dürfte seinen Ursprung im Latein der Kirche haben und daher frühestens in späturnord. Zeit aufgekommen sein. Thomsen 1869 147f.; Setälä 1913a 451f.; Streng 1915 207–209 [Hellquist 1939 906;] Karsten 1943/44 510; SKES IV 1969 1049f.; de Vries 1962 474; Hakulinen 1979 361, 362; Raun 1982 158.; EEW 1982/83 2831; [Blöndal Magnússon 1989 812;] N.Nielsen 1989 365; SSA III 2000 190; Hahmo 2004b 158; Häkkinen 2004 1166f. Jüngeres LW.

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SIVALTAA ’schlagen’ s. SIPOA.

SOIKEA ’oval, eiförmig, eirund, länglich rund; lang und schmal, länglich’; karel. soikie ’oval, eiförmig, eirund; länglich’; lüd. pit'kan-šoihkeD ’lang und hager (Mensch)’ (pit'kan- ’lang’). *soikeįa ~ urgerm. *swaiЀija-z, urn. *swaiЀijaR; vgl. an. sveigr ’biegsam; biegsamer Zweig, Rute, Bogen’, schwed. dial. sveg id., dän. dial. svej ’biegsam’. Im SKES wird soikea als deskriptiv bezeichnet; im SSA wird es zu sojo (z.B. sojossa ’ausgestreckt, gerade aufgerichtet’) gestellt. Karsten hat 1905 soikea als urnord. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung geriet in Vergessenheit, bis Nikkilä wieder die Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Lautlich ist die Deutung von soikea als Entlehnung von germ. *swaiЀ- möglich (vgl. dazu noch KOISO); auch semantisch ist sie denkbar. Karsten 1905 188f.; Setälä 1913a 452; [Hellquist 1939 1127;] Karsten 1943/44 513f.; SKES IV 1969 1057; [de Vries 1962 566;] Hakulinen 1979 228; EEW 1982/83 2841f.; [Blöndal Magnússon 1989 996; N.Nielsen 1989 435;] Nikkilä 1992b 119; Heidermanns 1993 570; Nikkilä 1998a 88; Koponen 1999 507; SSA III 2000 193f.; Häkkinen 2004 1174. ? Germ. LW. SOIMA1 (aSs., Lönnr.), soimu (aWb., Lönnr.) ’Dunst, Dampf’, soimata (dial.) ’dunsten, (aus)atmen, ausstrahlen, durchlassen (Kälte, Wärme, Feuchtigkeit)’. *soima ~ urgerm. *swaima-, urn. *swaima; vgl. an. sveim n. ’Unruhe, Trubel’; ~ urgerm. *swaima-z, urn. *swaimaR; vgl. an. sveimr m. ’Unruhe, Trubel’, schwed. dial. sväim ’Dunst, Dampf’, sväm(a) ’Hitze, Krankheitsanfall; Wutanfall’, mhd. sweim m. ’Schweben, Schwingen, Schwung’; ~ urgerm. *swaimǀ(ja)n-, urn. *swaimǀn; vgl. an. sveima ’sich hin und her bewegen’, aschwed. svƝma ’id., schweben’, ae. swƗmian ’dunkel werden’, Ɨ-swƗmian ’absterben, aufhören’ (Ɨ- Präfix), mnd. swêimen, swƝmen ’sich frei im Raum bewegen’, mnl. sweimen, swƝmen ’sich schwankend bewegen, taumeln’, mhd. sweimen ’schweben, schwingen’; ~ urgerm. *swaimijan-, urn. *swaimijan, vgl. an. sveima ’sich hin und her bewegen’, ae. Ɨ-swϾman ’wandern, ziehen’, mhd. sweimen ’schwanken, flattern, taumeln’, mnd. swêimen ’sich frei im Raum bewegen’. Das Substantiv soima ist mundartlich nicht belegt. Das Verbum soimata ist auf westfi. Mundarten beschränkt. Hakulinen hat soimata ’dunsten’ und soimata

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’tadeln’ (s. SOIMA2) als eine einzige Wortsippe aufgefaßt und zu soida (intr.) ’klingeln’ gestellt. Diese Deutung findet sich noch im SKES. Nikkilä hat die Sippe soima und soimata als Entlehnung von (urgerm./ urn.) *swaim- gedeutet. Lautlich und semantisch ist diese Herleitung ohne Probleme; vgl. zum Lautlichen noch KOISO und SOINI (mit Coi- ~ germ. Cwai-). Vgl. SOIMA2, VAIMETA, VIEMATA. Hakulinen 1933a 1–24; Hakulinen 1941 157–159, 170–181, 267; [de Vries 1962 566f.;] SKES IV 1969 1058; [Blöndal Magnússon 1989 996; N.Nielsen 1989 436;] Nikkilä 1992b 120f.; Koponen 1999 507; SSA III 2000 194. Germ. LW. SOIMA2, soimu ’Tadel, Schimpf; (obs., Vd.) Verleumdung’, soimata ’beschuldigen, tadeln, vorwerfen; schimpfen; herumnörgeln, bemängeln, meckern, zanken’; karel. soima ’Tadel, Makel; Vorwurf; Anklage, Anschuldigung’, soimata ’beschuldigen, tadeln, vorwerfen; schimpfen’; wotK. soimata ’beschuldigen, tadeln, vorwerfen’; estn. sõimama ’(be)schimpfen, (aus)schelten, schmähen; keifen, zanken’; liv. s‫ܜ‬oì֐ mΩյ ’schelten, schimpfen, schmähen’. *soima ~ urgerm. *swaima-, urn. *swaima; vgl. an. sveim n. ’Unruhe, Trubel’; ~ urgerm. *swaima-z, urn. *swaimaR; vgl. an. sveimr m. id., schwed. dial. sväim ’Dunst, Dampf’, sväm(a) ’Hitze, Krankheitsanfall; Wutanfall’, mhd. sweim m. ’Schweben, Schwingen, Schwung’; ~ urgerm. *swaimǀ(ja)n-, urn. *swaimǀn; vgl. an. sveima ’sich hin und her bewegen’, aschwed. swƝma ’id., schweben’, ae. swƗmian ’dunkel werden’, Ɨ-swƗmian ’absterben, aufhören’ (Ɨ- Präfix), mnd. swêimen, swƝmen ’sich frei im Raum bewegen’, mnl. sweimen, swƝmen ’sich schwankend bewegen, taumeln’, mhd. sweimen ’schweben, schwingen’; ~ urgerm. *swaimijan-, urn. *swaimijan, vgl. an. sveima, ae. Ɨ-swϾman ’wandern, ziehen’, mhd. sweimen ’schwanken, flattern, taumeln’, mnd. swêimen ’sich frei im Raum bewegen’ Fi.-karel. soima ’Tadel’ hat eine ziemlich geringe Verbreitung. Das Verbum soimata ist dagegen allgemein finnisch und außerdem aus mehreren anderen ostseefi. Sprachen bekannt. Hakulinen hat soimata ’tadeln’ und soimata ’dunsten’ (s. SOI1 MA ) als eine einzige Wortsippe aufgefaßt und zu soida (intr.) ’klingeln’ gestellt. Diese Deutung findet sich noch im SKES. Nikkilä hat mit der Möglichkeit germ. Herkunft gerechnet und die Wortsippe als Alternative neben einer Ableitung eines einheimischen Stammes *soi- ’tönen, lauten’ mit urn. *swaima verglichen. Lautlich wäre diese Deutung in Ordnung, aber der semantische Unterschied zwischen der germ. und der ostseefi. Wortgruppe belastet sie einigermaßen.

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Vgl. SOIMA1. Hakulinen 1933a 1–24; Hakulinen 1941 157–159, 170–181, 267; [de Vries 1962 566f.;] SKES IV 1969 1058; Hakulinen 1979 407; Raun 1982 164; EEW 1982/83 2951f.; [Blöndal Magnússon 1989 996; N.Nielsen 1989 436;] Nikkilä 1992b 120f.; Koponen 1999 507; SSA III 2000 194; Häkkinen 2004 1174. ? Germ. LW. SOIMATA1 ’dunsten’ s. SOIMA1. SOIMATA2 ’beschuldigen; schimpfen’ s. SOIMA2.

SOINI (obs.) ’Waffenträger (eines Ritters)’, jetzt noch als Personenname. *soini ~ urgerm. *swaina-z, urn. *swainaR; vgl. an. sveinn m. ’Knabe, Bursche, Diener’, aschwed. svƝn m. id., ae. swƗn m. ’(Schweine)hirt, Bauer; Jüngling; Mann, Krieger’, ahd. swein m. ’Hirt, Diener’. In der etymologischen Literatur wird oft nur der Personenname Soini behandelt. Saxén und Karsten haben 1905 unabhängig voneinander Soini als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich und semantisch ist diese Deutung unproblematisch. Karsten 1905 189; Saxén 1905 188, 212f.; Setälä 1910 46–48, 51; Setälä 1913a 110; [Hellquist 1939 1125;] Karsten 1943/44 511f.; [de Vries 1962 567; ODEE 1969 891;] SKES IV 1969 1058; [Blöndal Magnússon 1989 996; N.Nielsen 1989 436;] Nikkilä 1992a 119 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1085f.]. Germ. LW.

SOLA ’Paß, Enge; Gasse, Gang zwischen Gebäuden; überdachter Balkon an der Seitenwand eines Dachbodenspeichers’, solukka ’Enge, schmale Gasse, enger Platz; Ecke, Winkel; kleiner Raum’; ?ingr. sola ’Pferdestand; enger und langer Raum oder Platz’; ?karel. šolukka ’Landstreifen; Ecke; enger Durchgangsraum, Mittelzimmer; Gasse; Paß, Enge’; ?estn. sola ’von Bäumen, Gebüsch usw. umringte Lichtung’. *sola ~ urgerm. *swalan-, urn. *swalƗ; vgl. aschwed. svali m. ’offener oder überdeckter Gang zwischen zwei Gebäuden’; ~ urgerm. *swalǀ, urn. *swalu; vgl. an. svalar f. (Pl.) ’überdeckter Hausumgang’.

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Estn. sola (nur in einer nordöstlichen Küstenmundart) ist laut EEW ein fi. Lehnwort. Laut SSA sind die ingr., karel. und estn. Wörter alle fi. Lehnwörter. Nachdem Ihre 1769 sola mit germ. Wortmaterial verglichen hatte und Lindström es als Entlehnung aus dem Germanischen gedeutete hatte, hat Setälä es als germ. Lehnwort bezeichnet und mit aschwed. svali und an. svalar verglichen. Karsten bezeichnet es als urnord. Lehnwort. In neuerer Zeit wird aber die Deutung als schwed. Lehnwort bevorzugt. SSA bezeichnet sola als Entlehnung aus neuschwed. [!] Mundarten Finnlands, obwohl es bereits Mitte des 16. Jh.s (Agr.) vorkommt. Lautlich und sachlich kann sola sowohl ein altes wie auch ein jüngeres (mittelalterliches) Lehnwort sein. Lindström 1859 137; Setälä 1910 50; Setälä 1913a 452; [Hellquist 1939 1120;] Karsten 1943/44 512; SKES IV 1969 1063f.; [de Vries 1962 564;] Hakulinen 1979 371f.; EEW 1982/83 2844f.; Hofstra 1985a 306f., 318; [Blöndal Magnússon 1989 992; N.Nielsen 1989 434;] Häkkinen 1990a 87; SSA III 2000 195; Laakso 2002 368; Häkkinen 2004 1177; Bentlin 2008 223. Germ. oder jüngeres LW.

SOMA ’hübsch, niedlich; passend, bequem, angenehm; merkwürdig’, somea ’hübsch’; karel. tšoma ’hübsch, niedlich; passend’; lüd. t'š̗ oma ’hübsch, niedlich’; weps. t'š̗ oma ’id.’; ?lpN. suobmâd ’hübsch’. *soma / *someįa ~ urgerm. *sǀmǀ (, urn. *sǀmu); vgl. ae. sǀm f. ’Übereinstimmung, Versöhnung’, dazu gesǀm ’einmütig, friedlich, freundlich’ (ge- Präfix); ~ urgerm. *sǀmi-z, urn. *sǀmiR; vgl. an. sœmr ’geeignet, passend, geziemend; angenehm’, as. sǀmi ’schicklich, passend’, mhd. süeme ’angenehm, lieblich’; ~ urgerm. *sǀmija-z, urn. *sǀmijaR; vgl. schwed. dial. sym ’passend’. LpN. suobmâd kann eine alte Entlehnung aus dem Urfinnischen sein. Lindström hat als erster fi. soma als germ. Lehnwort gedeutet. Thomsen, der das lp. Wort als germ. Lehnwort deutete, war im Zweifel, ob auch die ostseefi. Wörter hinzugehörten. Setälä lehnte die Herleitung aus dem Germanischen ab; seitdem galt soma als einheimisch. Hofstra stellte es erneut zu urgerm. *sǀm-. Parallelen für die seltene Substitution germ. ǀ ~ ostseefi. o seien fi. KOLEA und NOPEA. Lautlich und semantisch paßt soma gut zu obigen germ. Wörtern; dennoch wird diese Etymologie im SSA mit zwei Fragezeichen versehen. Lindström 1859 66; Thomsen 1869 150; Setälä 1913a 452; [Hellquist 1939 1152f.; de Vries 1962 529f.;] SKES IV 1969 1068; T.Itkonen 1983 212; Hofstra 1985a 337, 405–408; [Lehmann 1986 295; Blöndal Magnússon 1989 1015; N.Nielsen

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1989 444;] Nikkilä 1990b 251; Heidermanns 1993 529; Koivulehto 1993b 31; SSA III 2000 197; Häkkinen 2004 1180 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1109]. Germ. LW.

SORA (Lönnr., dial.) ’Teil eines Zugnetzes; die Zugteile eines Zugnetzes verbindendes Schnurwerk; rundes Holz, an dem die Leine des Zugnetzes befestigt wird’, sorasin ’Verlängerungsschnur am Zugnetz’; ingr. sorain ’Netzteil’; karel. soro ’weitmaschiger Netzteil eines Zugnetzes’, soroine ’id.; durch beide Enden des Netzrückens durchgezogenes, ellenlanges Seil; als Merkzeichen dienender Zugnetzschwimmer aus Stroh’; lüd. soro ’Verlängerungsschnur am Zugnetz’; weps. sorod (Pl.) ’Netzteil am Flügelende eines Zugnetzes’. *sora [~ urgerm. *snǀrǀ, urn. *snǀru; vgl. aschwed. snǀr f. ’Schnur’, norw. snor f. id.; ~ urgerm. *snǀri-z (, urn. *snǀriR); vgl. as. snǀr f. id., ahd. snuor f. ’id., Faden’.] Katz hat eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt; sie setzt eine ungewöhnliche Substitution von sn- durch urfi. s- (statt n-; vgl. NUORA) voraus. Solange eine Begründung dieser Substitution aussteht, muß die Herleitung aus dem Germanischen abgelehnt werden. Vgl. NUORA. [Hellquist 1939 1022;] SKES IV 1969 1077; [de Vries 1962 528; Lehmann 1986 317; Blöndal Magnússon 1989 925; N.Nielsen 1989 400;] Katz 1990a 38; SSA III 2000 201 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1015f.]. Kein germ. LW.

SORTAA ’zu Boden werfen; niedertreten; vernichten, töten; niederschlagen, bedrücken; stürzen (trans.); ab-, wegtreiben (durch Wind oder Strömung); Bäume fällen; unterdrücken; belästigen; tadeln; vergewaltigen’, sorto ’Unterdrückung; wegtreibende Wirkung der Luft- oder Wasserströmung; Windbruch; Holzeinschlag(fläche); Zaun aus Fallholz’; ingr. sortƗ; karel. sortoa ’id.’, sorto ’Windbruch; Zaun aus Fallholz; Disziplin, Ordnung’; lüd. sortta ’umwerfen, fällen; fallen lassen, herabschütteln’, sord, sordo ’Zaun aus Fallholz’; weps. sorta ’fallen lassen, herabschütteln; umwerfen, umstürzen (trans.); (zer)reißen, zerstören’; wot. se֑ rto Name eines Ortes, wo Gestrüpp und Dickicht wächst, wotK. sorto ’Ort, wo Bäume gefällt wurden’; estn. sõõrd (G. sõõru) ’Schwende, Rodung; Zaun aus abgehauenem Gesträuch, damit eingezäunter Platz; Feldrain, Rasenstreifen auf dem Acker’, sord ’Schwende, Rodung’. *sorta-

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~ vorgerm. *strֈ d-> urgerm. *sturtijan- (, urn. *sturtijan); vgl. ae. styrtan ’losstürzen, aufspringen’, ahd. sturzen ’stürzen, fallen, sinken; zu Fall bringen’, mhd. stürzen ’fallen machen, stürzen, fällen; fallen’. Sortaa, das laut Lehtimäki ein alter Terminus der Schwendwirtschaft ist, hat immer als einheimisch gegolten. Koivulehto hat als Alternative zu der Deutung von sortaa als ta-Ableitung zu einem einheimischen, nicht belegten Stamm *sor- eine Entlehnung aus dem Vorgermanischen erwogen; das rֈ des Originals sei durch or im Urfinnischen wiedergegeben worden; für s- als Reflex von germ. st- gibt es mehrere Parallelen. Koponen denkt an ein onomatopoetisch-deskriptives Wort. Die Deutung als vorgerm. Lehnwort ist spekulativ; es fehlen Parallelen für vorgerm. rֈ ~ urfi. or. Weitere etymologische Erforschung von sortaa ist notwendig. Lehtimäki 1961; [ODEE 1969 864;] SKES IV 1969 1081f.; Koivulehto 1979c 131, 152 f., 162; Raun 1982 165; EEW 1982/83 2975f.; Hofstra 1985a 31f., 180f., 228, 345, 346; [N.Nielsen 1989 429;] Koponen 1998 435f.; Koivulehto 1999a 135, 156; SSA III 2000 203; Häkkinen 2004 1187. Kaum germ. LW.

SUIKEA ’langgestreckt, länglich; oval, eirund’, suikkea ’schlank und geschmeidig, schmal und biegsam’, suikula ’oval, länglich, lang; Streifen’; ingr. suikia ’scharf, dünn’; karel. tšuikula ’oval, länglich; ovaler Gegenstand’. *suikeįa ~ urgerm. *swiЀa-, urn. *swiЀa; vgl. an. sviga n. ’Krümmung, Biegung, Bogen’; ~ urgerm. *swiЀ(j)an-, urn. *swiЀ(j)Ɨ; vgl. an. svigi m. ’dünner, biegsamer Zweig, Gerte, Rute’. Im SKES und im SSA wird auf einige Wörter wie SOIKEA und sojo hingewiesen, ohne daß etwas zu einem etwaigen Ableitungsverhältnis o. ä. ausgesagt wird. Das dort zu suikea gestellte weps. suikerm ’Verwicklung (im Garn); verwickeltes Büschel; Gewirr’ ist aus semantischen Gründen davon zu trennen. Karsten hat suikea als urnord. Lehnwort gedeutet. Setälä versah diese Etymologie mit einem Fragezeichen, wonach sie in Vergessenheit geriet. Karstens Deutung mit urgerm. *sw- ~ urfi. *su- ist lautlich mit der Etymologie von KUJA (urgerm. *kw- ~ urfi. *ku-) vergleichbar. Problematisch könnte sein, daß auf germ. Seite nur Substantive bezeugt sind und daß das germ. und das ostseefi. Wort sich semantisch nicht völlig decken; vgl. auch noch HELPPO. Karsten 1905 188f.; Setälä 1913a 452; [Hellquist 1939 1127;] Karsten 1943/44 513f.; SKES IV 1969 1089f.; [de Vries 1962 569; Blöndal Magnússon 1989 1002;] Nikkilä 1998 87; Koponen 1999 507; SSA III 2000 193f.; Häkkinen 2004 1199. ? Germ. LW.

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SUKKA ’Strumpf, Socke’; ingr. sukka; karel. sukka; lüd. sukթ ; wot. sukka, wotJ. sukթ ; estn. sukk (G. suka); liv. sukի kà. *sukka ~ urgerm. *sukka-z, urn. *sukkaR / *sokkaR; vgl. an. sokkr m. ’Strumpf, Socke’, aschwed. sokker, sukker m. id., ae. socc m. id., as. sok m. id., ahd. soc m., auch socko m. id. Bereits im 18. Jh. wurde sukka mit schwed. Wortmaterial verglichen. Thomsen deutete sukka als skand. Lehnwort. Lautlich und semantisch kann es ein altes germ. Lehnwort sein; zu den frühesten Schichten kann es aber nicht gehören, da das germ. Original selber ein Lehnwort aus dem Latein ist. Auch jüngere Entlehnung ist möglich; vgl. noch aschwed. sukker. Thomsen 1869 150; Setälä 1913a 453; Hellquist 1939 1023; Karsten 1943/44 514; de Vries 1962 529; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 842;] SKES IV 1969 1097; Laanest 1975 220; Hakulinen 1979 358, 362; Raun 1982 162; EEW 1982/83 2904; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 299f., 351f.; Joki 1989 19f.; N.Nielsen 1989 402; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 209f.; Häkkinen 2004 1202. Germ. oder jüngeres LW.

SUNNUNTAI ’Sonntag’; ingr. suntaki ’Sonntag’. *sunnuntaki ~ urn. *sunnudaЀaR, vgl. an. sunnudagr m. ’Sonntag’, aschwed. synno-, sunnodagher m. id., ae. sunnundæg m. id., as. sunnundag m. id., ahd. sunnnjntag m. id. Da die westgerm. Wochentagsbezeichnungen wahrscheinlich erst im 3. Jh. zustande kamen und die Skandinavier ihre Wochentagsbezeichnungen von den Westgermanen übernahmen, ist eine urgerm. Rekonstruktion sinnlos und eine urnord. Rekonstruktion sehr unsicher. Im allgemeinen hält man sunnuntai für ein skand. Lehnwort, ohne eine genaueres Original zu nennen. Es dürfte sich wohl um ein jüngeres Lehnwort handeln, dessen Original (vor)altschwedisch oder niederdeutsch gewesen ist. Thomsen 1869 150; Setälä 1913a 111; Hellquist 1939 1153; Karsten 1943/44 514; de Vries 1962 562; [ODEE 1969 885;] SKES IV 1969 1108; Hakulinen 1979 372; [Blöndal Magnússon 1989 988;] N.Nielsen 1989 444; Häkkinen 1990a 264; Häkkinen 1990b 291; SSA III 2000 213; Häkkinen 2004 1207; Bjorvand–Lindeman 2007 1110; Bentlin 2008 92f., 206f., 268, 269. Jüngeres LW.

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SUORA ’gerade, recht, direkt; unverhohlen; aufrichtig’; ingr. sǀra; karel. suora; lüd. suoreD ’flach; gerade’; weps. soĚeD ’glatt (Baumstamm)’; wot. sǀrƗ (Adv.) ’direkt, geradeaus’; estn. soora (Adv.; Wied.) ’id.’. *sǀra [~ urgerm. *stǀra-z, urn. *stǀraR; vgl. an. stórr ’groß, gewaltig; bedeutend, wichtig’, aschwed. stǀr ’groß’, ae. stǀr ’groß, gewaltig’, afries. stǀr ’groß, viel’, as. stǀri ’berühmt’.] Liv. sùo֐ rtի tΩյ ’Tannenrinde schälen’ wird manchmal zu suora gestellt; dies kann kaum richtig sein. Koivulehto hat sich im Rahmen der Behandlung von SUURI gefragt, ob vielleicht suora eine Entlehnung von germ. *stǀra-z sein könne. Lautlich wäre dieser Deutungsversuch plausibel. Semantisch überzeugt der Deutungsversuch jedoch nicht. Vgl. SUURI. [Hellquist 1939 1083;] SKES IV 1969 1117f.; [de Vries 1962 551f. ;] Hakulinen 1979 323; Koivulehto 1979b 283f.; EEW 1982/83 2864; Hofstra 1985a 69, 336, 341, 355; [Blöndal Magnússon 1989 967; N.Nielsen 1989 422;] Häkkinen 1990b 293; [Heidermanns 1993 557f.;] SSA III 2000 217; Häkkinen 2004 1213 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1057]. Kein germ. LW.

SUORTUVA ’Strähne, Locke, kleines Büschel oder Bündel (Haare, Garn usw.); (langes, welliges) Haar; Handvoll Flachs, Flachsbündel’, suortu ’Strähne, Locke’; karel. tšuortu ’(Haar)strähne oder -locke; Bündel oder Büschel (Flachs)’, tšuurtu ’Strähne, Locke; Zotte, Zottel’; ?estn. sõõre (G. sõõrme, sõõrde) ’Bündel, Büschel oder Handvoll Flachs’. *sǀrtu ~ urgerm. *swarÿu-z, urn. *swarÿuR; vgl. an. svІrðr m. ’die (behaarte) Kopfhaut; (Walroß)haut; Grasdecke, Narbe’, altgotl. suarþr ’behaarte Kopfhaut’, aschwed. sværdher m. id., auch, grönsværdher m. ’Grasnarbe’ (grön- ’grün’); ~ urgerm. *swarÿǀ (, urn. *swarÿu); vgl. ae. sweard, swearÿ f. ’Schwarte’, mnd. swarde f. ’behaarte Haut’, grönswarde ’Grasnarbe’ (grön- ’grün’), mhd. swarte f. ’behaarte Kopfhaut’. Estn. sõõre wird von einigen Forschern (z.B. Raun) mit liv. sõĚ ’in einen Knäuel gewickelte Baumrinde’ verbunden. Unsicher ist, ob sõõre zu suortuva gehört. Es ist vermutet worden, daß suortuva von SUORA abgeleitet sein könnte. Nikkilä hat suortuva als va-Ableitung von *sǀrtu aufgefaßt und als germ. Lehnwort gedeutet. Urfi. o ~ germ. wa findet sich z.B. auch in SOLA, SOINI; diese Substitution ist bei älteren und auch bei jüngeren Entlehnungen möglich. Nikkiläs Deutung setzt

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urfi. Dehnung des Kurzvokals vor r voraus (*sortu > *sǀrtu). Semantisch ist die Herleitung aus einer älteren oder jüngeren germ. Sprachform in Ordnung. [Hellquist 1939 1130; de Vries 1962 572; ODEE 1969 892;] SKES IV 1969 1118; Hakulinen 1979 146; Raun 1982 166 EEW 1982/83 2977; [Blöndal Magnússon 1989 1008; N.Nielsen 1989 438;] Nikkilä 1992b 117–119; SSA III 2000 217f.; Häkkinen 2004 1213. ? Germ. oder jüngeres LW.

SUOTA (aWb., dial.) ’Brunst der Pferde; (Pferde- oder Rentier)herde; (Menschen)menge, (Kinder)schar’, suotillaan, suovallaan (Adv.) ’brünstig’; karel. suovillah (Adv.) ’id.’. *sǀta ~ urgerm. *stǀÿa-, urn. *stǀÿa; vgl. aschwed. stǀþ n. ’Stutenherde mit einem oder mehreren Hengsten’, ae. stǀd n. ’Gestüt’; ~ urgerm. *stǀÿǀ, urn. *stǀÿu; vgl. an. stóð f. ’Stutenherde, Gestüt’, mnd. stǀt f. ’id.; Einzäunung für Pferde’, ahd. stuot f. ’Stutenherde’. Lange wurde suota als fi.-ugr. betrachtet und wurde eine Entwicklung ’Brunst’ ĺ ’brünstige (Pferde)herde’ĺ ’(Pferde)herde’ ĺ ’Schar’ angenommen. Koivulehto hat, zuerst in einem Vortrag 1979, eine Herleitung aus dem Germanischen vorgeschlagen. Er ist dabei von der Bedeutung ’Pferdeherde’ ausgegangen, aus der sich nach Ansicht von Sivula die spätere Bedeutung ’Brunst’ entwickelt haben kann, während das Umgekehrte nicht in Frage komme. Koivulehtos Etymologie ist auch lautlich in Ordnung, denn urfi. s- ~ germ. st- findet sich in weiteren Wörtern; sie wurde im allgemeinen akzeptiert. [Hellquist 1939 1079; de Vries 1962 550;] Wickman 1965 508; [ODEE 1969 877;] SKES IV 1969 1120f.; Sammallahti 1979 36; Plöger 1982 86–88; Hofstra 1985a 165, 305; [Lehmann 1986 33;] UEW I 1988 28f.; [Blöndal Magnússon 1989 964; N.Nielsen 1989 421;] Sivula 1989 204–206; Koivulehto 1990b 3; Koivulehto 1990c 5; Koivulehto 1993b 27, 31; Ritter 1993 135–137; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1999a 5, 14, 40; SSA III 2000 218. Germ. LW.

SUPPA (dial.) ’Dickicht, dichtes Waldstück (mit jungen Fichten); Anhäufung’, supas ’dichtes Waldstück, Gesträuch; Rasenhügel, Mooshöcker’. *suppa / *supի pas [~ urgerm. *strubbǀn- (, urn. *strubbǀ); vgl. mhd. struppe f. ’Gestrüpp’, mnd. strubbeken (Pl.) id., mnl. strubbe f. ’Baumstumpf, niedriger Strauch, Busch’.]

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Suppa hat eine sehr begrenzte Verbreitung (nur in den südwestfi. Dialekten). Laut SKES ist suppa ’Dickicht’ möglicherweise gleicher Herkunft wie fi.-karel.lp. suppa, suppea ’eng, schmal usw.’; dieses sei offenbar deskriptiv. Laut SKES und UEW liegen ähnliche Wörter z.B. im Wotjakischen und Ungarischen vor. Katz deutet suppa als Entlehnung von urgerm. *strubbǀn-. Lautlich ist diese Deutung wegen s- als Wiedergabe von germ. str- unwahrscheinlich. Weitere Erforschung ist notwendig. [Falk–Torp 1910/11 1183; de Vries 1971 711;] SKES IV 1969 1124f.; UEW I 1988 44; Katz 1990a 57. Kein germ. LW.

SURKU, surko ’Trauer, Kummer; Mitleid’, surkea ’elend; traurig; kleinlich, untauglich; niederträchtig; bedauerlich; niedergeschlagen; wehmütig, bitter’; ?karel. surkie ’traurig; elend, schlecht; Mitleid, Mitgefühl; Trauer, Kummer’. *surko / *surku ~ urgerm. *s(w)urЀǀ, urn. *sorЀu; vgl. an. sorg f. ’Sorge, Trauer’, aschwed. sorgh f. id., ae. sorg f. id., as. sorga f. id., ahd. s(w)orga f. id., got. saurgǀ f. id. Laut SKES und SSA ist karel. surkie eine Entlehnung aus dem Finnischen. Ein Zusammenhang zwischen surku und der obengenannten germ. Wortsippe wird seit Mitte des 19. Jh.s vermutet oder für gesichert gehalten. Dennoch rechnen einige Forscher, z.B. bereits Setälä, mit der Möglichkeit, daß zwei Wörter vorliegen, die sich gegenseitig beeinflußt haben: einheimisches suru ’Trauer, Kummer’ (Ableitung von fi. surra ‘trauern’) und das obengenannte germ. Lehnwort,. Lautlich und semantisch ist die Herleitung aus dem Germanischen einwandfrei. Vermutlich hat surku < urgerm. *surЀǀ semantischen Einfluß auf surra (ursprünglich ’sterben’) ausgeübt, wodurch dies auch eine Bedeutung ’trauern’ erhielt. Thomsen 1869 150; Setälä 1906 19, 21; Setälä 1913a 453; [Hellquist 1939 1030;] Karsten 1943/ 44 515; SKES IV 1969 1126f.; de Vries 1962 531; E.Itkonen 1968 509; [ODEE 1969 847;] Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 318, 364; Hofstra 1985a 329; [Lehmann 1986 297;] UEW I 1988 489; [Blöndal Magnússon 1989 929; N.Nielsen 1989 404;] Häkkinen 1996a 161; Nikkilä 1998a 87; SSA III 2000 221; Häkkinen 2004 1213 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1021–1023]. Germ. LW.

SUURI (G. suuren) ’groß; hoch; kräftig, stark, mächtig, hart; weit, umfangreich; bedeutend, beträchtlich, enorm; (ehr)würdig, angesehen; reichlich, ausgiebig’; ingr. snjr ’id.; grob (Mehl)’; karel. suuri; lüd. snjĚ(i); weps. snjĚ (Pl. snjred), suĚ; wot. snjri, wotJ. snjr; estn. suur (G. suure); liv. snjr ’groß; sehr’.

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*snjri < *snjre 1. ~ (früh)urgerm. *stnjra-z, urn. *stnjraR; vgl. aschwed. stnjr ’groß’, norw. stur ’mürrisch, betrübt’, mnd. stnjr ’steif, strenge; widerspenstig, lästig; grimmig’, nd. dial. stnjr ’groß, stark, schwer; mürrisch’, ahd. stnjr ’stark, groß’. [2. ~ urgerm. *stǀra-z, urn. *stǀraR; vgl. an. stórr ’groß, gewaltig; bedeutend, wichtig’, aschwed. stǀr ’groß’, ae. stǀr ’groß, gewaltig’, afries. stǀr ’groß, viel’, as. stǀri ’berühmt’]. Bereits im 18. Jh. und um die Mitte des 19. Jh.s ist versucht worden, suuri in irgendeiner Weise mit germ. Wortgut zu verbinden. Nachdem Thomsen suuri, wenn auch mit großem Zweifel, mit an. stórr verglichen hatte und Setälä diese Deutung mit Recht abgelehnt hatte, haben andere Forscher versucht, suuri als fi.ugr. Erbwort oder als Entlehnung aus dem Indo-Iranischen zu erklären. Koivulehto hat suuri als Entlehnung von frühurgerm. *stnjra- gedeutet. Lautlich ist diese Etymologie in Ordnung, und auch semantisch ist sie plausibel. Vgl. SUORA. Thomsen 1869 149f; Ahlqvist 1871 42f; Ahlqvist 1875, 48f.; Setälä 1913a 453f.; Kalima 1933 133; [Hellquist 1939 1083, 1097;] de Vries 1962 551f.; SKES IV 1969 1136; Mäkeläinen 1977b; Hakulinen 1979 323; Koivulehto 1979b 283f., 289, 299; Koivulehto 1981b 165; Koivulehto 1981d 16; Raun 1982 164; EEW 1982/83 2938–2940; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 68f., 138, 163, 207, 334, 340f.; Hahmo 1986 167; UEW II 1988 779; [Blöndal Magnússon 1989 967;] Häkkinen 1990a 222, 252, 263; Häkkinen 1990b 295f.; [Heidermanns 1993 558, 566;] Ritter 1993 27, 135f.; Koivulehto 1999a 156; SSA III 2000 224f.; Häkkinen 2004 1221 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1043f.]. Germ. LW.

SUUTE ’Arger, Verdruß’ s. SUUTTUA.

SUUTTUA ’wütend, zornig oder böse werden, sich ärgern, übelnehmen, sich aufregen’; (aWb.:) suuttu, suutto, suute ’Arger, Verdruß’; ingr. snjttua; karel. suuttuo; lüd. snjtuskendelda ’böse, empört, aufgebracht, zornig sein’; weps. snjtta; wot. snjttu-. *snjttu[~ urgerm. *snjti-z, urn. *snjtiR; vgl. an. sút f. ’Kummer, Trauer; Krankheit’, schwed. dial. sut ’Sorgfalt, Fürsorge’, norw. sut ’Krankheit’, dial. auch ’Sorgfalt, Fürsorge’; dazu als Verbalableitung sýta ’plagen, quälen; trauern’, aschwed. sшta ’pflegen, versorgen’, schwed. dial. syta ’wimmern’, norw. syta id., dän. syte id.; ~ urgerm. *snjtǀ, urn. *snjtu; wie oben;

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~ [urgerm. *suht-, urn. *suht- >] urn. *snjt-; wie oben.] Sköld hat suuttua und suute als nordgerm. Lehnwörter (vgl. an. sút) gedeutet, ohne die Formen der Originale oder die Zeit der Entlehnung angeben zu können. Im SKES hat diese Deutung ein Fragezeichen. Aus semantischen Gründen ist sie abzulehnen. Hinzu kommt, daß die Etymologie von an. sút umstritten ist. Hakulinen hat Skölds Etymologie abgelehnt und suuttua als Ableitung von suu ’Mund’ gedeutet. Semantisch ist Hakulinens Deutung kaum glaubhaft, aber SSA hält sie für möglich. Saarikivi hat suuttua als vorslaw. erklärt. [Torp 1919 747;] Sköld 1960 32–40; [de Vries 1962 562f.;] SKES IV 1969 1140f.; Hakulinen 1971; Koivulehto 1976a 273; [Blöndal Magnússon 1989 990;] SSA III 2000 227; Häkkinen 2004 1222; Saarikivi 2009 147–150. Kein germ. LW.

SYPEÄ (Lönnr., dial.), sypäkkä ’heftig, hitzig; schnell, rasch, eilig’; karel. sypie ’streng, hart; zornig, böse; schnell, rasch‘. *süpeįä [~ urgerm. *swipi-z, urn. *swipiR; vgl. an. svipr m. ’schnelle Bewegung; Augenblick’, schwed. dial. swep ’Augenblick’, mhd. inswif m. ’Umschwung’ (in ’in’).] Im SSA wird sypeä als deskriptiv bezeichnet. Katz hat sypeä über ostseefi. *süpi als Entlehnung von urgerm. *swipi- gedeutet. Lautlich ist diese Deutung problematisch, da als Wiedergabe von urgerm. *swipi- ostseefi. *suip(p)- erwartungsgemäß gewesen wäre; vgl. dazu z.B. HUILATA1. Gelegentlich wird nicht urgerm. *swipi-z, sondern *swipa-z angesetzt; die altnord. Pluralform svipir weist aber auf *swipi-z. [Hellquist 1939 1126; de Vries 1962 571;] SKES IV 1969 1147; [Blöndal Magnússon 1989 1004f.;] Katz 1990a 23; Hofstra 1992a 59f.; Hofstra 1993 154; SSA III 2000 231. Kein germ. LW.

SYVÄ ’tief’; ingr. süvä ’tief; spät (vom Herbst)’; karel. syvä; lüd. šüvä; weps. süvä; wot. süvä; estn. süva ’tiefliegend, tief’; liv. te֑ và, tivà, tüvà ’tief; weit nach innen; echt’; lpN. dâvve ’Norden, nördlich; (Sk., K., Kld., T. auch:) offene See’; ?tscher. tü-: tünö ’draußen’. *süvä *tƗh-. Das Fehlen eines n im Ostseefinnischen könne auf dem germ. Original, aber auch auf der urfi. Phonotaxis beruhen. Urfi. k als Reflex von inlautendem urgerm. Ȥ ist aber problematisch; überdies sind taaja und das angesetzte germ. Original semantisch unterschiedlich. Liukkonen hat taaja als balt. Lehnwort gedeutet und zu balt. fem. *tankjƗ- (> lit. tankùs ’dicht, häufig, schnell’) gestellt; -n- sei bei der Entlehnung aus phonotaktischen Gründen verschwunden. [Hellquist 1939 1263; de Vries 1962 607; ODEE 1969 933;] SKES IV 1969 1185; Hakulinen 1979 323; M.Korhonen 1981a 91; T.Itkonen 1982a 135f., 138f.; Plöger 1982 88; Raun 1982 169; EEW 1982/83 3047; Hofstra 1985a 33, 82f., 88, 187, 188, 209, 335, 409–411; E.Uotila 1987 379; [Blöndal Magnússon 1989 1174; N.Nielsen 1989 136, 471; Heidermanns 1993 591f.;] Ritter 1993 130f.; Liukkonen 1999 140–142, 160; SSA III 2000 247f.; Nikkilä 2001a 396; Häkkinen 2004 1248. Kein germ. LW.

TAAKKA, takka ’Last, Bürde; Menge Heu, die eine Person tragen kann’; ingr. tƗkka; karel. takka; lüd. takթ (Pl. takad) ’Last’; wot. tƗkka; estn. taak (G. taaga) ’(insbes. auf dem Rücken getragene) Last, Bündel’.

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*tƗkka / *takka ~ urgerm. *stakka-z, urn. *stakkaR; vgl. an. stakkr m. ’Heuschober, Haufen’, aschwed. stakker m. id. Die Deutung als skand. Lehnwort stammt von Setälä; er dachte offenbar an ein älteres Lehnwort. Im EEW, im SSA und von Raun wird ebenfalls skand. Herkunft (ohne nähere Zeitangabe) angenommen. Laut SKES und Hakulinen aber handelt es sich am ehesten um ein schwed. Lehnwort. Herkunft aus einer germ. Sprache erscheint sicher, aber weder die Semantik noch die Lautgestalt ermöglicht eine genaue Datierung. Vgl. SAUNA. Setälä 1913a 455; Setälä 1913b 335; [Hellquist 1939 1060;] Karsten 1943/44 518, 626; [de Vries 1962 542;] SKES IV 1969 1186; K.Vilkuna 1970 271, 275; KLM XVI 1971 238; Hakulinen 1979 372; Raun 1982 168; EEW 1982/83 3025; Hofstra 1985a 307f.; [Blöndal Magnússon 1989 948; N.Nielsen 1989 414;] SSA III 2000 248; Häkkinen 2004 1248. Germ. oder jüngeres LW.

TAATA (takaa-) ’garantieren, (für etw.) bürgen, gewährleisten, einstehen’; ingr. tƗDa ’sicher sein, garantieren’; karel. toata; ?weps. takƗd'a ’versprechen (irgendwohin zu gehen)’; estn. tagama ’garantieren, (zu)sichern’. *taka~ urgerm. *takǀ(ja)n-, urn. *takǀn; vgl. aschwed. taka, tagha ’Bürgschaft stellen’. Bereits im 18. Jh. (Ihre) wurde taata mit schwed. taga usw. verglichen. Setälä dachte an zwei Quellen: germ. Lehnwort und die einheimische Wortgruppe um taka ’locus posticus’ (vgl. dazu takana ’hinter’). Laut Karsten handelt es sich um ein altschwed. Lehnwort. Die etymologischen Wörterbücher des Finnischen betrachten taata als skand. (schwed.) Lehnwort. Im EEW dahingegen wird estn. tagama usw. als Ableitung vom einheimischen Stamm *taka- ’hinter’ gedeutet. Die Entlehnung von taata ist lautlich und semantisch plausibel. Kriterien für die Zeit der Entlehnung fehlen; es ist jedoch wahrscheinlich, daß die Entlehnung von taata mit der mittelalterlichen (schwed.) Gesetzgebung zusammenhängt. Späterer Einfluß von einheimischem taka ist naheliegend. Urgerm. *takǀ(ja)n- ist eine Ableitung von urgerm. *taka- (> urn. *taka; vgl. an. tak n. ’Bürgschaft, Haftung’, aschwed. tak n. ’id.’), das zum starken urgerm. Verb *takan- (> urn. *takan; vgl. an. taka ’nehmen’, aschwed. taka ’id.’) gehört. Setälä 1913a 455; Karsten 1915 162–164; [Hellquist 1939 1158f.;] Karsten 1943/44 526f.; de Vries 1962 580; [ODEE 1969 900;] SKES IV 1969 1189f.;

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Hakulinen 1979 189, 361; EEW 1982/83 3034–3037; Hofstra 1985a 233, 346; [Blöndal Magnússon 1989 1023; N.Nielsen 1989 447;] SSA III 2000 250; Häkkinen 2004 1250f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1123f.]. Germ. oder jüngeres LW.

TADE (G. tateen) (dial.) ’Mist, (Kuh)dung; Schmutz, Dreck’; ingr. tae (G. tatի tƝhen); karel. toah (Pl. tatehet), ta(j)eh; lüd. tadeh (Pl. tadehed). *taįeh ~ urgerm. *taÿa-, urn. *taÿa; vgl. an. tað n. ’Mist’, norw. tad n. id., schwed. dial. tad n. id. Bereits im 18. Jh. wurde tade mit skand. Wortmaterial verglichen; es gilt seit Thomsen als altes germ. Lehnwort. Weder lautlich noch semantisch steht dieser Deutung etwas im Wege. Vgl. auch TADIKKO. Es ist damit gerechnet worden, daß die urgerm. Wortform einmal *taÿez gelautet hat und *taÿa- eine jüngere Form ist (dazu Karsten, Koivulehto 1972). Thomsen 1869 151; Setälä 1913a 455; Karsten 1915 100; Hellquist 1939 1157; Karsten 1943/ 44 518f.; de Vries 1962 579; Sköld 1967b 67, 68; SKES IV 1969 1191; K.Vilkuna 1971 54; T.Itkonen 1972 95; Koivulehto 1972 603; Koivulehto 1973a 12; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 359; Hahmo 1981 51; Hahmo 1985 53; Hofstra 1985a 91, 309f.; [Blöndal Magnússon 1989 1021;] Koivulehto 1991c 29; Koivulehto 1992d 164; Ritter 1993 195; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1999a 62; SSA III 2000 250f., 261; Hahmo–Nikkilä 2004 101; Häkkinen 2004 1263f. Germ. LW.

TADIKKO, talikko ’Mistgabel; Heugabel’. *taįikko [~ urgerm. *taÿika-z, urn. *taÿikaR; vgl. schwed. dial. (Finnland) tacka ’Schafdünger über die aufgehende Saat streuen als Mittel gegen Unkraut’.] Im allgemeinen wird tadikko als Ableitung von TADE gedeutet. Karsten konstruierte eigens für tadikko ein (urnord.) Substantiv *taÿika-, dessen einstiges Vorhandensein er aus einem Verb, schwed. dial. tacka, erschloß. Die Grundlage dieser Etymologie ist schwach. Tadikko dürfte zu TADE gehören. Setälä 1913a 455; Karsten 1943/44 519; KLM V 1960 454; SKES IV 1969 1191; Hakulinen 1979 158; SSA III 2000 261; Häkkinen 2004 1265f. Kein germ. LW.

260

TAHDAS (G. tahtaan) ’Teig, Paste, weiche Masse’; karel. tahas, tahtas; lüd. tahtaz (Pl. tahtahad); weps. tahtaz (G. tahthan); estn. tahas (G. tahta) ’gekneteter Teig’. *tahįas (G. *tahtahan) [1. ~ urgerm. *þaista-z, urn. *þaistaR; nicht belegbar, sondern aus anderen idg. Sprachen erschlossen.] [2. ~ urgerm. *daiЀa-z, urn. *daiЀaR; vgl. an. deigr m. ’Teig’, aschwed. dƝgher m. id., ae. dƗg m. id., ahd. teig m. id., got. daigs m. id.; ~ urgerm. *daiЀi-z, urn. *daiЀiR; wie oben; ~ urgerm. *daiЀa-, urn. *daiЀa; vgl. an. deig n. ’Teig’, ae. dƗg n. id.] Mit germ. Wortgut wurde tahdas bereits im 19. Jh. verglichen. Ahlqvist führte es 1866 auf dasselbe Original wie TAIKINA zurück, deutete es 1871 aber als entweder urgerm. oder slaw. Lehnwort, letzteres mit Hinweis auf russ. testo ’Teig’. Seit Thomsen 1890 wurde es als einheimisches Wort gedeutet. Koivulehto hat tahdas 1981 mit Vorbehalt als Entlehnung von urgerm. *þaista-z erklärt. Er deutete es 1999 als Entlehnung von idg. (vorslaw.) *tah2i-s-to-(s) (>> russ. testo), wie auch Viitso es bereits 1992, allerdings mit Vorbehalt, als vorslaw. Lehnwort (?vorslaw. *taistos >> russ. testo) gedeutet hatte. Vgl. TAIKINA. Ahlqvist 1866 110; Ahlqvist 1871 42; Ahlqvist 1875 48; Thomsen 1890 147; [Hellquist 1939 137;] SKES IV 1980 1192; Hakulinen 1979 363; Koivulehto 1981a 347; EEW 1982/83 3039f.; T.Itkonen 1983 216; Hofstra 1985a 253, 311f.; [Lehmann 1986 87, 90;] T.Itkonen 1987 182; Viitso 1992 190f.; Ritter 1993 124f.; Koponen 1998 176; Koivulehto 1999a 12, 13, 208, 228; Koivulehto 1999b 213f., 233; SSA III 2000 251; Koivulehto 2001a 50; Häkkinen 2004 1253; Salo 2004 329 [; Bjorvand–Lindeman 2007 171f.]. Kein germ. LW.

TAHKEA, tahea ’klebrig, schmierig, haftend; mehlig (z.B. Kartoffel), mürbe’; ingr. tah֒ հ h֒ ì(a ’mehlig (z.B. Kartoffel)’; karel. tahie, tahkie; wot. tah(h)e֑ a, wotJ. tahk ’locker, mürbe, weich, mehlig’; estn. tahke ’zäh, hart (Brot)’, tahe (G. taheda) ’trocken, mürbe, locker; kühl (Wetter)’; liv. tǀ֑‫ތ‬ndϷյ ’trocken werden’. *tahkeįa / *taheįa [~ urgerm. *þaiska-z (, urn. *þaiskaR); vgl. ahd. theisk m. ’Abfall, Kot, Mist’.] Karel. tahie, tahkie kann eine Entlehnung aus dem Finnischen sein. Laut SKES sind tahkea und tahea möglicherweise zwei unterschiedliche Wörter; der Wechsel hk ~ h sei ungeklärt. Im SSA wird tahkea zu TAHMA und TAHNA gestellt und als deskriptiv bezeichnet.

261

Koivulehto hat tahkea mit urgerm. *þaisk- > ahd. theisk verglichen, ohne direkt tahkea als germ. Lehnwort zu bezeichnen; das Material erscheint aber in einem Kontext mit fi. Wörtern, die möglicherweise (vor)germ. Herkunft sind. Nikkilä faßt in einem Aufsatz zum Suffixwechsel tahkea und tahea wie auch tahja ’mürbe, mehlig’ als eine einzige Wortgruppe auf. Die Herkunft von tahkea und tahea bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. SKES IV 1969 1192f.; Koivulehto 1981a 347; Raun 1982 169; EEW 1982/83 3040; Nikkilä 1998a 83, 87; Koivulehto 1999a 208; SSA III 2000 251. Kein germ. LW.

TAHMA ’klebriger, weicher Stoff, Schleim; klebrige, zähe, oft als dünne Schicht auf einer Oberfläche erscheinende Substanz’, tahmea ’klebrig, rutschfest; steif, fest; mehlig (Kartoffel)’; ingr. tahmia ’dickflüssig (Brei, Grütze)’; estn. tahm (G. tahma) ’Ruß; Belag, Schleim; Brand (bei Getreide)’. *tahma [~ urgerm. *drǀȤsmǀn- (, urn. *drǀhsmǀ); vgl. mnd. drǀs n. ’Bodensatz, Niederschlag zäher Flüssigkeiten’, mnl. droeseme m., ndl. droesem ’Hefe, Bodensatz’.] Laut SKES ist tahma ein deskriptives Wort mit mehreren Nebenformen mit n, z.B. TAHNA. Im SSA wird auch TAHKEA zu tahma und TAHNA gestellt und die ganze Gruppe als deskriptiv bezeichnet. Laut Koivulehto kann tahma eine Art von deskriptivischer ”Ableitung” von TAHDAS sein; es lasse sich aber mit vorgerm. *tah2ismo(n)- (> urgerm. *þaisman- > ae. þƗsma m. ‘Sauerteig’, ahd. theismo m. ’Hefe, Sauerteig’) vergleichen; der Laryngal h2 könne durch š > h reflektiert werden. Katz hat tahma als Entlehnung von urgerm. *drǀȤsmǀn- gedeutet. Diese Deutung geht davon aus, daß urgerm. ǀ zur Zeit der Entlehnung noch eine sehr offene Aussprache hatte und der germ. Anlaut dr- von urfi. t- (statt r-) reflektiert werden konnte; letzteres ist unbegründet. Das Ȥ in der urgerm. Form ist wahrscheinlich unrichtig; vgl. dazu TAHNA. Das -m in mnl. droeseme usw. wird durch Ersatz von ursprünglichem -n durch -m entstanden sein. Die von Katz vorgelegte Deutung ist daher abzulehnen. Thomsen 1890 147; [de Vries 1971 137;] SKES IV 1969 1194; Koivulehto 1981a 347; Raun 1982 169; EEW 1982/83 3043f.; Katz 1990a 37; Nikkilä 1998a 91f., 93; Koivulehto 1999a 208; Koivulehto 1999b 214; SSA III 2000 252; [Kluge–Seebold 2002 218; Philippa et al. I 2003 632;] Häkkinen 2004 1853. Kein germ. LW.

262

TAHNA ’klebrige Substanz, Pasta, Paste, Creme, Brei; festsitzender Schmutz’. *tahna [~ urgerm. *drǀsnǀn- (, urn. *drǀsnǀ-); vgl. ae. drǀsne f., auch drǀsna m. ’Bodensatz, Hefe, Schmutz, Ohrenschmalz’, ahd. truosana f. ’beim Keltern zuerst abfließender Schaum, Bodensatz, Hefe’.] Laut SKES ist tahna eine Nebenform vom deskriptiven TAHMA. Im SSA wird tahna zu TAHMA und TAHKEA gestellt und ebenfalls als deskriptiv bezeichnet. Laut Koivulehto kann tahna eine Art von deskriptivischer ”Ableitung” von TAHDAS sein. Es lasse sich aber mit vorgerm. *tah2ino- > urgerm. *þaina- > ae. þƗn ’feucht, in Wasser getaucht’ vergleichen; der Laryngal h2 könne durch š > h reflektiert werden. Katz hat tahna als Entlehnung von urgerm. *drǀȤsnǀ gedeutet; Er geht davon aus, daß urgerm. ǀ zur Zeit der Entlehnung noch eine sehr offene Aussprache hatte und daß germ. dr- von urfi. t- (statt r-) reflektiert werden konnte; letzteres ist unbegründet. Das Ȥ in der urgerm. Form ist wahrscheinlich unrichtig, weil sonst das Altenglische -x- und das Althochdeutsche -hs- gehabt hätte. SKES IV 1969 1194; [de Vries 1971 137;] Katz 1990a 37; Nikkilä 1998a 91f., 93; Koivulehto 1999b 214; SSA III 2000 252; [Kluge–Seebold 2002 218; Philippa et al. I 2003 632;] Häkkinen 2004 1853. Kein germ. LW.

TAHRA ’Schmutzflecken, Fleck, Schmutz’. *tahra ~ urgerm. *taȤru-z (, urn. *tahruR); vgl. ae. tƝar, tæhher m. ’Träne’, ahd. zahhar m. id.; ~ urgerm. *taȤra-, urn. *tahra; vgl. an. tár n. ’Träne’, aschwed. tƗr n. id.; ~ urgerm. *taȤra-z (, urn. *tahraR); vgl. ae. tƝar, tæhher m. ’Träne’, ahd. zahhar m. id. SKES und SSA bezeichnen tahra als deskriptiv und vergleichen u.a. tuhria und töhriä ’beflecken, beschmutzen’. Laut Häkkinen ist tahra eine Rückbildung von tahrata ’beschmutzen, beflecken’. Fromm hat tahra als germ. Lehnwort gedeutet; als Original setzte er germ. *taȤra- an. Dies wäre zwar lautlich problemlos, aber das germ. Wort bedeutet allgemein ’Träne’, während fi. tahra diese Bedeutung nicht hat. [Hellquist 1939 1262; ] Fromm 1961; Sauvageot 1962 219; [de Vries 1962 582; ODEE 1969 906;] SKES IV 1969 1195; Hakulinen 1979 323; Hofstra 1985a 325; [Lehmann 1986 338; Blöndal Magnússon 1989 1027; N.Nielsen 1989 474;]

263

Ritter 1993 137; SSA III 2000 252; Häkkinen 2004 1254 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1229]. Kaum germ. LW.

TAIKA ’Zauber, Zauberei, Hexerei; Vorzeichen; Teil, Stück, Brocken’; ?ingr. taiGa ’Zauber(ei); Teilchen’; ?karel. taika ’Zauber(ei)’; ?wotK. taika ’id.’; ?estn. taig(a) ’Aberglaube, Zauberglaube, -streich’. *taika 1. ~ urgerm. *taikna-, urn. *taikna; vgl. an. teikn n. ’Zeichen’, aschwed. tƝk(e)n n. id., ae. tƗcen n. ’id.; Vorzeichen; Wunder; Beweis’, as. tƝkan n. ’(Wunder)zeichen’, ahd. zeichan n. ’id.; Bild’; ~ urgerm. *taikni-z (, urn. *taikniR); vgl. got. taikns f. ’Zeichen, Wunder’. 2. ~ urgerm. *taiЀǀn- (, urn. *taiЀǀ); vgl. ahd. zeiga f. ’Darlegung, Bestimmung’, mhd. zeige f. ’Weisung (des Weges), Anweisung’. Laut SSA sind die ingr., karel., wot. und estn. Entsprechungen von fi. taika möglicherweise Entlehnungen aus dem Finnischen. Seit Mitte des 19. Jh.s gilt taika als germ. Lehnwort. Unterschiedliche Meinungen werden hinsichtlich der Form des germ. Originals vertreten. Möglicherweise beruht urfi. *taika auf Entlehnung einer germ. Form ohne -n-, wie sie dem altenglischen Verb tϾcan < *taikjan- ’unterrichten’ zugrundeliegt. Lindström 1859 108; Thomsen 1869 151; Setälä 1913a 455; Hellquist 1939 1170, 1171; Karsten 1943/44 522–526; Pokorny 1959 189; de Vries 1962 585; [ODEE 1969 929;] SKES IV 1969 1196f.; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 299, 361; Raun 1982 169; EEW 1982/ 83 3049; Hofstra 1985a 331; Lehmann 1986 340; [Blöndal Magnússon 1989 1032;] Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 450; Koivulehto 1991b 3; Koivulehto 1991c 81; Koivulehto 1992d 182; Ritter 1993 177; Kluge–Seebold 1995 905; SSA III 2000 253; Häkkinen 2004 1255f.; Bjorvand–Lindeman 2007 1134. Germ. LW.

TAIKINA ’Teig; Teigbottich’; ingr. taikina ’Teig’; karel. taikina ’id.; Teigbottich, -schüssel’; lüd. taigin; weps. taigin ’Teigbottich’; wot. taitšina, wotK. taikina ’Teig’; estn. taigen (G. taigna), tainas (G. taina), (Wied.) taignas, taigne (G. taigne) ’id.’; liv. tài֒ gandϷյks ’id.’. *taikina ~ urgerm. *daiЀa-z, urn. *daiЀaR; vgl. an. deigr m. ’Teig’, aschwed. dƝgher m. id., ae. dƗg m. id., ahd. teig m. id., got. daigs m. id.; ~ urgerm. *daiЀi-z, urn. *daiЀiR; wie oben;

264

~ urgerm. *daiЀa-, urn. *daiЀa; vgl. an. deig n. ’Teig’, ae. dƗg n. id. Der Zusammenhang zwischen ostseefi. taikina und der germ. Wortgruppe wurde bereits im 18. Jh. festgestellt. Lautlich und semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort problemlos; -na ist urfi. Suffix. Vgl. TAHDAS. Ahlqvist 1866 110; Ahlqvist 1875 48; Thomsen 1869 151; Setälä 1913a 455; [Hellquist 1939 137;] Karsten 1943/44 526; de Vries 1962 74f.; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 286;] SKES IV 1969 1197; Laanest 1975 220; Valonen 1977 132–135; Hakulinen 1979 133, 358; Raun 1982 170; EEW 1982/83 3049f.; T.Itkonen 1983 205, 216; Hofstra 1985a 311f.; [Lehmann 1986 87, 90;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 87;] Häkkinen 1990a 252; Hahmo 1994 150, 194–196; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1999b 212, 214; SSA III 2000 253f.; Häkkinen 2004 1256 [; Bjorvand–Lindeman 2007 171f.]. Germ. LW.

TAINA ’(große) Zwirnspindel, Litzenspule (Seilerei); Eisenstange, -stab; Sproß, Knospe; Rohrkolben’; karel. taina ’voll gesponnene Spindel; Spindel voll Garn’; lüd. tain(eࡓ ) ’id.’, taim (Pl. taimed) Maß für Spinngarn; weps. tain (G. tainan) ’Spindel voll Garn’; estn. taina in sootainad (Pl., Wied., soo- ’Sumpf’) ’Rohrkolben (Pl.)’. *taina ~ urgerm. *taina-z, urn. *tainaR; vgl. an. teinn m. ’Zweig, Sproß’, aschwed. tƝn m. ’Spindel, kleine (Metall)stange’, ae. tƗn m. ’Zweig’ in mistiltƗn ’Mistel’, as. tƝn m. ’Stab’, ahd. zein m. ’Pfeilschaft, Rohr, Stab’, got. tains m. ‘Zweig’. Die lüd. Nebenform taim mag z.T. von ostseefi. taimi ’Sproß’ beeinflußt sein. Seit Lindström 1859 wird taina als urgerm. oder urnord. Lehnwort betrachtet. Lautlich und semantisch ist diese Herleitung plausibel. Lindström 1859 149; Thomsen 1869 151; Karsten 1906a 17; Setälä 1913a 455; [Hellquist 1939 1173;] Karsten 1943/44 526; Kylstra 1961 71f.; de Vries 1962 585f.; Ruoppila 1967 49f.; SKES IV 1969 1198; KLM XVI 1971 501; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 360; EEW 1982/83 3052; Hofstra 1985a 68, 299, 321; Lehmann 1986 340f.; [Blöndal Magnússon 1989 1032;] N.Nielsen 1989 450; SSA III 2000 254; Bjorvand–Lindeman 2007 1135–1137. Germ. LW. TAINIO1 (obs., dial.) ’eine Art Reuse im Lachswehr’. *tain(i)jo

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~ urgerm. *tainijǀn-, urn. *tainijǀ; vgl. an. teina f. ’aus Zweigen geflochtener Korb; Reuse’, norw. dial. teina ’Korb’, teine ’Reuse’, schwed. dial. tena ’Reuse aus Weidenzweigen’, ahd. zeina f. ‘Korb’, got. tainjǀ f. id. Karel. tainiekka, tainikka ’Lachsfanggerät’ ist ein russ. Lehnwort (< russ. tainik ’am Fischwehr verwendetes Fanggerät’). Tainio ist als Appellativ nur aus dem nordfi. Kirchspiel Simo bekannt und kommt auch als erster Bestandteil von Ortsnamen (z.B. Tainionkoski, -koski ’Stromschnelle’) vor. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Räsänen. Lautlich und semantisch ist diese Deutung unproblematisch. Martti Räsänen 1913; Wiklund 1927 309; [Hellquist 1939 1173;] Nissilä 1939 196; Karsten 1943/44 526; [de Vries 1962 585f.;] SKES IV 1969 1198f.; Seebold 1972 91; K.Vilkuna 1975a 186–188, 423; K.Vilkuna 1975b 165–173; Vahtola 1980 240–242; Koivulehto 1981a 348; Hofstra 1985a 48, 302f.; [Lehmann 1986 340; Blöndal Magnússon 1989 1032;] Ritter 1993 176; [Kluge–Seebold 1995 903;] Koivulehto 1997b 30; Koivulehto 1999a 209; Palviainen 2004 229 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1135]. Germ. LW. TAINIO2 (aWb., dial.) ’Ohnmacht; ohnmächtig’. *tain(i)jo ~ urgerm. *dawƯni-z, urn. *dawƯniR > *dƗin(i)-; vgl. an. dán f. ’Tod’. Karel. tainijo ’Ohnmacht’ ist ein Lehnwort aus dem Finnischen. Ältere Deutungen sahen in tainio und TAINTUA Ableitungen von einem Stammwort *taje- (taipua ’sich biegen, sich krümmen’, taittua ’brechen, zerbrechen’ usw.). Koivulehto verband tainio mit dem Germanischen und deutete es als Entlehnung von späturn. *dƗin-; -io sei ein fi. Suffix. Vgl. zum Semantischen noch an. dá n. ’bewußtloser Zustand’. Die Deutung als späturnord. Lehnwort ist lautlich und semantisch in Ordnung. Vgl. TÕBI, TUONI. [Hellquist 1939 168; de Vries 1962 72;] SKES IV 1969 1199; [Blöndal Magnússon 1989 105; N.Nielsen 1989 102;] Koivulehto 1996a 326–328, 338; SSA III 2000 254f. Germ. LW.

TAINTUA ’ohnmächtig werden; aus der Ohnmacht zum Bewußtsein kommen, wieder zu sich kommen; sich beruhigen’;

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karel. tainistuo, tainehtuo ’das Bewußtsein verlieren, bewußtlos, ohnmächtig werden; (zu) lange bleiben’. *tain~ [urgerm. *dawƯni- >] urn. *dƗi(n)nǀn-; vgl. aschwed. dƗna ’bewußtlos werden’, schwed. dåna id., dän. dåne id. Ältere Deutungen sahen in taintua und TAINIO2 Ableitungen von einem Stamm *taje- (taipua ’sich biegen, sich krümmen’, taittua ’(zer)brechen’ usw.). Bedeutungen wie ’aus der Ohnmacht zum Bewußtsein kommen’ dürften von tointua ’sich erholen usw.’ beeinflußt sein. Im 18. Jh. hat allerdings Boling in einem nicht veröffentlichten Manuskript taintua bereits mit schwed. dåna verglichen (vgl. dazu Kylstra). Koivulehto, der darauf hinweist, daß für ein Verb wie aschwed. dƗna, schwed. dåna usw. grundsätzlich eine ältere Form auf -nǀ- gebildet werden kann, setzt als Original von taintua späturn. *dƗi-(n)nǀ- an. Die verbalen Ausgänge sind ostseefi. Suffixe. Koivulehtos Deutung ist lautlich möglich und semantisch problemlos. [Hellquist 1939 168;] Kylstra 1961 23f.; [de Vries 1962 72;] SKES IV 1969 1199; [Blöndal Magnússon 1989 105; N.Nielsen 1989 102;] Koivulehto 1996a 326–328, 338; SSA III 2000 254f. Germ. LW.

karel. TAISKATA ’schlagen’; wot. (Vd.) taiskutella. *taiskV[~ urgerm. *straikǀ(ja)n- (, urn. *straikǀn); vgl. ae. strƗcian ’streicheln’, ahd. streihhǀn ’streicheln’.] Dieses Wort wird im SKES und im SSA als Vergleichsmaterial für fi. Katz hat es als Entlehnung von urgerm. *straikǀn- gedeutet. Lautlich ist diese Deutung unmöglich.

TAISTELLA erwähnt.

SKES IV 1969 1200f.; [ODEE 1969 876;] Katz 1990a 61; SSA III 2000 255f . Kein germ. LW.

TAISTELLA ’kämpfen; streiten; ringen; sich bemühen, sich anstrengen’. *taistV1. ~ urgerm. *takan-, urn. *takan; vgl. an. taka ’nehmen’, aschwed. taka, tagha ’nehmen’;

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~ urgerm *taka-, urn. *taka; vgl. an. tak n. ’Bürgschaft, Haftung’, aschwed. tak n. id. [2. ~ urgerm. *straitijan-, urn. *straitijan; vgl. an. streitast ’sich anstrengen’ (-st Reflexivendung), norw. streita ’sich anstrengen, sich mühen’.] In der Forschung wurden lange für taistella zwei Deutungsmöglichkeiten gesehen: als Ableitung von ural. *taka- ’hinter’ oder als Nebenform von takistella; letzteres ist mit takistaa, takistua ’hängen-, steckenbleiben’ verbunden worden. Katz hat taistella als Entlehnung von urgerm. *straitjan- gedeutet. Lautlich ist diese Deutung unmöglich. Hofstra hat taistella als mittelalterliches Lehnwort aufgefaßt und es mit aschwed. dagha ’verhandeln; übereinkommen’ und mnd. dagen ’vorladen, vor Gericht laden’ verglichen. Koivulehto hat taistella als Entlehnung von germ. *taka- (entweder Verbum oder Substantiv) erklärt. Entlehntes *taka- sei mit fi. -ista- suffigiert worden (*takista- > *taȖista- > *taista-); vgl.z.B. MAISTAA. Danach sei *taista- um ein Iterativsuffix -ele- erweitert worden. Lautlich steht dieser Deutung nichts im Wege: ostseefi. k statt kk als Wiedergabe von germ. intervokalischem k findet sich in sehr alten Lehnwörtern und in altschwed. Lehnwörtern. Eine semantische Parallele bietet das Nebeneinander von fi. ottaa ’nehmen’ und der Iterativbildung otella ’kämpfen’. Dieser Erklärungsversuch ist semantisch der von Hofstra vorgelegten Deutung überlegen Ojansuu 1916 45f.; [Torp 1919 725, 768; Hellquist 1939 1086f., 1158f.; de Vries 1962 552, 553f., 580; ODEE 1969 900;] SKES IV 1969 1200f.; Hakulinen 1979 260, 391f.; [Blöndal Magnússon 1989 970, 1023; N.Nielsen 1989 425, 447;] Häkkinen 1990b 305; Katz 1990a 60f.; SSA III 2000 255f.; Häkkinen 2004 1258; Hofstra 2005; [Bjorvand–Lindeman 2007 1123f.;] Koivulehto 2009 97f. Germ. oder jüngeres LW.

TAIVAS ’Himmel’; ingr. taivaz; karel. taivas; lüd. taivaz; weps. taivaz; wot. taivaz; estn. taevas (G. taeva); liv. tǀvaz (Pl. touvϷd) ’id.; Sturm, Unwetter, Gewitter’. *taivas [~ urgerm. *teiwaz > *tƯwaz, urn. *tƯwaR; vgl. an. Týr m. ein (Himmels)gott, ae. TƯwes- in TƯwesdæg ’Dienstag’.] Seit der Mitte des 19. Jh.s werden unterschiedliche Deutungen als Lehnwort vertreten. Im allgemeinen galt taivas als Entlehnung aus dem Baltischen. Koivulehto hat 1972 auch Entlehnung aus dem Urgermanischen für möglich gehalten; er verglich taivas mit urgerm. *teiwaz, hat aber später mit Recht den

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Gedanken an ein germ. (oder balt.) Lehnwort zugunsten der Deutung als iran. Lehnwort wieder aufgegeben. Die Deutung als germ. Lehnwort hat zwei Probleme, erstens die Substitution von ei des Originals durch urfi. ai und zweitens den Umstand, daß das Original eine Gottheit bezeichnet, während das ostseefi. Wort ’Himmel’ bedeutet. Die Deutung als balt. Lehnwort ist semantisch ebenfalls problematisch. Vgl. TEIVAS. [Hellquist 1939 1257f.; de Vries 1962 603; ODEE 1969 947;] SKES IV 1969 1202; Koivulehto 1972 627; Joki 1973 323; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 350; Turunen 1979 326; Raun 1982 169; EEW 1982/83 3034; Hofstra 1985a 44, 331, 374, 377; [Lehmann 1986 352; Blöndal Magnússon 1989 1076; N.Nielsen 1989 470 ;] Häkkinen 1990a 241; Häkkinen 1990b 306f.; Ritter 1993 90, 182; Koivulehto 1998b 244; Koivulehto 1999a 80, 82, 100; Koivulehto 1999b 227, 228, 232; Liukkonen 1999 19; SSA III 2000 256; Häkkinen 2004 1259. Kein germ. LW.

TALAS (G. talaan) ’Schuppen, Unterstand für Boote oder (Treib)netze am Ufer; Hochsitz; Stange zum Fischtrocknen’; estn. talas (Pl. talasid) ’Stellage, Baugerüst; Stützpfosten, -pfeiler’, tala ’Dachsparren, Tragebalken; Stechbalken (an Brücken o.ä.)’; ?liv. talàzϷյD (Pl.) ’Gestell, Gerüst, Stellage’, ta‫ތ‬llist (Pl.) ’Gerüst’. *talas (G. talahan) 1. ~ frühurgerm. *stƗla-s > urgerm. *stǀla-z, urn. *stǀlaR; vgl. an. stóll m. ’Stuhl’, norw. dial. stol ’kleines Gestell; Unterlage für Getreide oder Heu’, aschwed. stǀl m. ’Stuhl’, dän. dial. stol ’Gestell, auf dem das Getreide gedroschen wird’, ae. stǀl m. ’Stuhl’, as. stǀl m. id., ahd. stuol m. id., got. stǀls m. id. 2. ~ urgerm. *stalla-z, urn. *stallaR; vgl. an. stallr m. ’Gestell, (heidnischer) Altar; Stall, Krippe’, aschwed. stalder m. ’Stall’, ae. steall m. ’id.; Stelle’, ahd. stal m. ’Stelle, Stand; Stallung’. Liv. talàzϷյD kann ein Lehnwort aus dem Estnischen sein. Für talas liegen unterschiedliche Deutungen als Lehnwort vor. Toivonen verglich es mit aind. talam ’Fläche, Ebene’, apreuß. talus ’Fußboden’ und weiterem indogerm. Wortgut. Joki dachte an Zugehörigkeit zu einer fi.-perm. bzw. fi.-ugr. Wortgruppe, die vielleicht aus dem Urarischen entlehnt sein könnte; auch das Urbaltische (vgl. lit. pã-talas ’Bett’ und tìlès (Pl.) ’Bodenbretter im Kahn’) sei als Quelle der ostseefi. Wortsippe denkbar. Koivulehto hat 1977 talas als Entlehnung von frühurgerm. *stƗla-s gedeutet: frühurgerm. Ɨ (> ǀ) erscheine als urfi. a. Lautlich und semantisch steht dieser

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Deutung nichts im Wege; die Entlehnung muß aber früh erfolgt sein. Später bekennt Koivulehto sich zur Herleitung von talas aus dem Arischen. Hofstra hat talas mit germ. *stalla-z verglichen. Auch in diesem Falle gibt es keine semantischen Probleme; es wäre aber eher urfi. *tallas als *talas zu erwarten, es sei denn die Entlehnung wäre so früh erfolgt, daß im Urfinnischen ll noch nicht möglich gewesen wäre. Laut SSA ist talas entweder ein arisches Lehnwort (< urar. *tala-s ’glatte Oberfläche, Unterlage’) oder ein germ. oder balt. Lehnwort. Mehrere ostseefi. Bezeichnungen von Gebäuden und Gebäudeteilen sind balt. oder germ. Lehnwörter. Entlehnung von talas aus dem Baltischen oder Germanischen würde daher gut in ein allgemeineres Bild passen. Die vorgeschlagenen germ. Originale passen semantisch besser zu talas als das balt. Vergleichsmaterial. Vgl. TALLA. Toivonen 1916/20 42–44; [Hellquist 1939 1064, 1081; de Vries 1962 542, 551; ODEE 1969 862, 872;] SKES IV 1969 1210; Joki 1973 324f.; Koivulehto 1977b 23f.; Hakulinen 1979 137, 358; Raun 1982 170; EEW 1982/83 3056f.; Hofstra 1985a 102, 318; [Lehmann 1986 327;] UEW I 1988 508; [Blöndal Magnússon 1989 949, 965;] Joki 1989 16; [N.Nielsen 1989 414f., 422;] Häkkinen 1990a 241; Häkkinen 1990b 308f.; Vaba 1990 136; Ritter 1993 136f.; Koivulehto 1999b 227; SSA III 2000 260 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1057]. ? Germ. LW.

TALIKKO ’Mistgabel, Heugabel’ s. TADIKKO.

TALLA ’Kufenbeschlag; Kufe (z.B. Schlitten); Bereich des Skis, auf dem der Läufer steht; Einlegesohle für Schuhe; Stütze, Unterlage (z.B. unter dem Tischbein); Schneeklumpen (unter dem Huf)’; ingr. talla ’Innensohle eines Schuhs aus Stroh oder Filz’; ?karel. talla ’Verstärkung an der Gleitfläche einer Schlittenkufe’; estn. tald, tall (G. talla) ’Sohle (Fuß, Schuh, Schlitten); Unterteil, untere Fläche’; liv. tǀ֑la, tåթ la ’Fußfläche’. *talla ~ urgerm. *stalla-z, urn. *stallaR; vgl. an. stallr m. ’Gerüst, Altar; Stall, Krippe’, aschwed. stalder m. ’Stall’, ae. steall m. ’id.; Stelle’, ahd. stall m. ’id., Stallung’. Karel. talla ist möglicherweise ein Lehnwort aus dem Finnischen. T.I. Itkonen hat talla als einheimisches, zu tallata ’(nieder)treten, (zer)stampfen’ zu stellendes Wort gedeutet; -talla in mastontalla ’Mastspur’ sei ein Wort altnord. Herkunft (vgl. an. stallr ’Mastspur’). Karsten deutet talla in allen Bedeutungen als ”urnord.”, d.h. urgerm. Lehnwort; Entlehnung aus dem Altschwe-

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dischen sei auch möglich. Im SSA wird vermutet, daß sich in talla zwei Wörter vermischt haben: ein zu tallata zu stellendes Wort und ein germ. Lehnwort. Die Deutung von talla als altes germ. Lehnwort ist jedoch lautlich und semantisch einwandfrei Vgl. TALAS. T.I.Itkonen 1933 384; [Hellquist 1939 1064;] Karsten 1943/44 528; [de Vries 1962 542; ODEE 1969 862;] SKES IV 1969 1212f.; Hakulinen 1979 372; Raun 1982 170; EEW 1982/83 3057–3059; [Lehmann 1986 327; Blöndal Magnússon 1989 949; N.Nielsen 1989 414f.;] SSA III 2000 262f. Germ. LW.

TANA- in tanassa ’ausgestreckt, kräftig, steif, starr gerichtet’, tanakka ’untersetzt, stämmig; kräftig, robust; ernst, ruhig’, tanea ’id.’; karel. tanakka ’untersetzt, stämmig; robust; starr, steif; klar, hell’; ?estn. tänikas ’gedrungen, kurz, untersetzt’. *tana ~ urgerm. *þana-, urn. *þana; vgl. isl. þan n. ’Streckung, Ausdehnung’, norw. tan n. ’Ausspannung, Ausdehnung, Ausstrecken’; vgl. auch an. þІn f. (] *þingǀ(ja)n-, urn. *þingǀn; vgl. an. þinga ’eine Versammlung abhalten; verhandeln’, aschwed. þinga ’id.; bedingen; bestellen, kaufen’, ae. þingia ’bitten, verlangen; sich vertragen, beschließen’, as. thingǀn ’verhandeln’, ahd. dingǀn ’id.; sprechen’, mhd. dingen id., feilschen’; ~ [urgerm. *þengijan- >] *þingijan- (, urn. *þingijan); vgl. ae. þingan ’einen Vertrag eingehen; einladen, anreden, bestimmen’, as. farthingian ’versprechen’ (far- Präfix), ahd. dingen ’hoffen, (er)streben’. Laut SKES stammen die karel. Verben wenigstens teilweise aus dem Finnischen. Estn. tingima ’handeln, feilschen, abhandeln, abdingen’ ist eine Entlehnung von mnd. dingen. Bereits in der 2. Hälfte des 18. Jh.s wurde tingata mit germ.Wortgut verbunden. Tingata wird im allgemeinen aber als Ableitung von TINKA und tinkiä als Ableitung vom schwed. Lehnwort tinki ’Tagewerk, vereinbarte Arbeitszeit, Liefervertrag über Milch, Butter usw.’ aufgefaßt. Hahmo hat tingata als Entlehnung von urgerm. *þingǀ(ja)n- (nach dem Wandel e > i) oder einer jüngeren daraus hervorgegangenen Form gedeutet. Lautlich und semantisch ist diese Deutung unproblematisch, wenn auch das Original sich nicht genau feststellen läßt. Laut Hahmo kann tinkiä eine (spätere) Entlehnung

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aus derselben Quelle wie tingata oder eine Parallelbildung neben tingata sein. Auch die germ. Nebenform *þingijan- kommt als Original von tinkiä in Frage. Streng 1915 231; [Hellquist 1939 1187f.;] Karsten 1943/44 549f.; SKES V 1975 1305f.; [de Vries 1962 611; Hakulinen 1979 372; Raun 1982 177; EEW 1982/83 3178f.; [Lehmann 1986 359; Blöndal Magnússon 1989 1179f.; N.Nielsen 1989 454;] SSA III 2000 296f.; Häkkinen 2004 1316f.; Hahmo 2005. Germ. oder jüngeres LW.

TINKA ’Streit, Wortwechsel; Mangel; wunder Punkt, Bedrängnis’, auch viime tingassa ’im letzten Moment’; ?karel. tinka ’Streit, Unstimmigkeit über Preis u.ä.’ (SKES); ?estn. ting (G. tinga) ’(Ab)dingen; Bedingung; Schwierigkeit’. *tiƾka ~ urgerm. [*þenga- >] *þinga- (oder [*þengaz >] *þingaz), urn. *þinga; vgl. an. þing n. ’Versammlung (z.B. Gericht); Dingstätte; (Pl.) Dinge’, aschwed. þing n. ’Versammlung, Angelegenheit, Sache; Gegenstand’, ae. þing n. id., as. thing n. ’Gericht, Sache’, ahd. ding n. ’Ding, Gericht(sversammlung), Sache, Ursache’. Laut SKES stammt karel. tinka aus dem Finnischen. Unsicher ist, ob estn. ting (G. tinga) zu fi. tinka gehört. Laut EEW ist dieses estn. Wort entweder eine sekundäre Variante von ting (G. tingi), einer Ableitung von estn. tingima ’feilschen, verhandeln, bedingen usw.’ (< mnd.), oder ein älteres skand. Lehnwort. Im SKES und im SSA wird als Original von fi. tinka urn. (germ.) *þingaangegeben. Tinka kann von obiger germ. Wortgruppe nicht getrennt werden. Die Entlehnung muß nach der Entwicklung *þenga- > *þinga- stattgefunden haben, kann aber auch noch in altschwed. Zeit geschehen sein. Neuhaus 1908 164; Tunkelo 1923; [Hellquist 1939 1187;] Karsten 1943/44 549f.; [de Vries 1962 610f.; ODEE 1969 917;] SKES V 1975 1305f.; Hakulinen 1979 372; EEW 1982/83 3178f.; Hofstra 1985a 330f.; [Lehmann 1986 360; Blöndal Magnússon 1989 1179f.; N.Nielsen 1989 454;] SSA III 2000 296f.; Häkkinen 2004 1316f.; Hahmo 2005 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1150f.]. Germ. oder jüngeres LW.

TINKIÄ ’abdingen, feilschen’ s. TINGATA.

TIPPA ’Tropfen’; ingr. tippa; karel. tippa; lüd. t'ipթ ’Tropfen’, t'ippud (Pl.) ’Punkt’; weps. t'ipp; estn. tiba; liv. sipի pà, sipa ’Tropfen; Punkt’.

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*tippa ~ urgerm. *tipp-, urn. *tipp-; vgl. schwed. dial. (Finnland, Estland) tip ’Tropfen’, norw. tipp ’Zipfel’, dän. tip ’id., Spitze’, engl. tip ’Gipfel, Ende, Spitze’. Toivonen hat fi. tippa verbunden mit einer germ. Wortgruppe *tipp-. Umgekehrte Entlehnungsrichtung (vom Finnischen in schwed. Mundarten Finnlands) ist von Vendell für möglich gehalten worden. Obwohl die Entlehnung von ostseefi. tippa aus dem Germanischen lautlich und semantisch einwandfrei wäre, ist dennoch wohl am ehesten mit einer einheimischen deskriptiv-onomatopoetischen Bildung zu rechnen. Vendell 1890 33; Collinder 1932 131; [Hellquist 1939 1189; ODEE 1969 925;] SKES V 1975 1308f.; Raun 1982 175; EEW 1982/83 3140f.; UEW I 1988 49f.; [N.Nielsen 1989 454;] SSA III 2000 297f.; Häkkinen 2004 1317. Kaum germ. LW. TIUHTA1, tihta ’Webblatt beim Bandweben, Kettgarntrenner zwischen den Webblatthaken; Holzzapfen im Webstuhl, der das Kettgarn voneinander trennt’; ingr. tiuhta; karel. tiuhta ’Kettgarntrenner; Bolzen, mit dem bei der Tuchherstellung ein Kettgarntrenner gemacht wird’; lüd. t'iuhte֑ ’Webblatt, zwischen dem Kettgarn zwischen den Litzen und dem Kettbaum verlaufendes Webblattgarn’; estn. tihv (G. tihva), tiust ’zwischen dem Kettgarn des Webstuhls befindlicher Webblattzapfen’. *tiuhta ~ urgerm. *stifta-z, urn. *stiftaR; vgl. mnd. stift m. ’Metallstift; Dorn des Leuchters zum Aufsetzen der Kerze; Schmucknadel mit verziertem Knopf’, ahd. steft, stift m. ’Achse; Stachel, Dorn, Nadel’, mhd. stift, steft m. ’Stachel, Dorn, Stift; oberstes Ende, Spitze; Stengel’. E. Itkonen hat für tiuhta1 und TIUHTA2 eine einzige Entlehnung (Original germ.*stifta-) befürwortet; nachher habe tiuhta sich semantisch gespalten. Die Semantik legt aber den Gedanken an zweifache Entlehnung nahe; im SKES finden sich denn auch zwei Stichwörter tiuhta. Itkonen geht davon aus, daß uh als beste Wiedergabe des germ. Labials f empfunden worden sei. Die Verbindung uh mit labialem u und frikativem h dürfte tatsächlich geeignet sein, den germ. labialen Frikativlaut f wiederzugeben; ht als Wiedergabe von germ. ft findet sich auch in VYYHTI; vergleiche auch kiuhdata ’nuancieren’ neben kihdata < schwed. skifta ’wechseln (Farbe)’. Semantisch ist die Herleitung aus dem Germanischen vertretbar. Vgl. TIUHTA2.

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[Hellquist 1939 1074;] E.Itkonen 1971 123–134; SKES V 1975 1315f.; Hakulinen 1979 372; Koivulehto 1979b 289; Raun 1982 175; EEW 1982/83 3150f.; Hofstra 1985a 84f., 299, 322f., 384, 390; [Blöndal Magnússon 1989 958; N. Nielsen 1989 418;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 300. Germ. LW. TIUHTA2 ’Granne, Ährenspitze’; karel. tiuhta ’Mehl aus Stroh und Borke; Spelze’. *tiuhta ~ urgerm. *stifta-z, urn. *stiftaR; vgl. mnd. stift m. ’Metallstift; Dorn des Leuchters zum Aufsetzen der Kerze; Schmucknadel mit verziertem Knopf’, ahd. steft, stift m. ’Achse; Stachel, Dorn, Nadel’, mhd. stift, steft m. ’Stachel, Dorn, Stift; oberstes Ende, Spitze; Stengel’. E. Itkonen hat für tiuhta1 und TIUHTA2 eine einzige Entlehnung (Original germ.*stifta-) befürwortet; nachher habe tiuhta sich semantisch gespalten. Die Semantik legt aber den Gedanken an zweifache Entlehnung nahe; im SKES finden sich denn auch zwei Stichwörter tiuhta. Lautlich (siehe TIUHTA1) und semantisch ist die Deutung einwandfrei. Vgl. TIUHTA1. [Hellquist 1939 1074;] E.Itkonen 1971 123–134; SKES V 1975 1315f.; Hakulinen 1979 372; Koivulehto 1979b 289; Raun 1982 175; EEW 1982/83 3150f.; Hofstra 1985a 84f., 311, 384, 390; [Blöndal Magnússon 1989 958; N.Nielsen 1989 418;] Häkkinen 1996a 161. Germ. LW.

TIUKKA ’fest; zu eng, straff; streng; hart, schlimm; dicht; Mangel’; karel. tiukka. *tiukka 1. ~ [urgerm. *þek(w)u-z, urn. *þek(k)wuR oder *þekwija-z, urn. *þikwijaR;] vgl. an. þjokkr, þjukkr, þykkr ’dick; dicht (gedrängt), eng beieinander’, aschwed. þiokker, þiukker id.; [2. ~ urgerm. *þenȤta-z > *þinȤtaz > *þƯȤtaz, urn. *þƯȤtaR; vgl. an. þéttr ’dicht’, aschwed. thϾtter id., me. thiht id., mnd. dicht(e) id., mhd. dicht(e) id.; ~ urgerm. *þenȤtija-z > *þinȤtijaz > *þƯȤtijaz, urn. *þƯȤtijaR; wie oben.] Thomsen verband tiukka und gleichbedeutende Wörter wie TIIVIS und TIHEÄ in vorsichtiger Formulierung mit an. þéttr ’dicht’ und mit an. þjokkr usw.

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Die Herleitung aus der germ. Wortgruppe um an. þjokkr wird im SKES und im SSA als besonders unwahrscheinlich bezeichnet. Das östliche tiukka sei vielmehr mit TIIVIS zu verbinden und weise laut SKES möglicherweise Kontamination mit gleichbedeutendem piukka auf. Nikkilä und Häkkinen erklären tiukka als wahrscheinlich eine Ableitung von dem Wortstamm germanischer Herkunft, zu dem auch TIIVIS gehöre. Aschwed. þiukker und fi. tiukka sind einander lautlich und semantisch so ähnlich, daß tiukka sich am einfachsten als altschwed. Lehnwort erklären läßt. Vgl. TIHEÄ, TIHTI, TIIVIS. Thomsen 1869 154; Setälä 1913a 460; Hellquist 1939 [1267,] 1193; de Vries 1962 [609,] 614; [ODEE 1969 916, 923]; SKES V 1975 1316f.; Hofstra 1985a 335f., 337; [Blöndal Magnússon 1989 1177, 1183;] N.Nielsen 1989 469 [, 472]; Nikkilä 1990b 250f.; [Heidermanns 1993 617f., 619f.;] Ritter 1993 131; SSA III 2000 300; Laakso 2002 357; Häkkinen 2004 1320 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1142–1144, 1207f.]. Jüngeres LW.

TIURA (dial.) ’kleiner Fisch; Ukelei, Alburnus lucidus’, tiuru ’id.; etwas Kleines, Unbedeutendes (z.B. Beere)’, tiuri ’kleiner Fisch’, tiuriainen ’Mückenlarve’; ?karel. tšiuroi ’Kaulquappe; kleines Wasserinsekt’; ?lüd. t'š̗ iuròi, tš̗ iuruoi ’id.’; ?lpN. diw're ’Insekt’. *tiura ~ [urgerm. *deuza-,] urn. *deuRa; vgl. an. dýr n. ’(wildes) Tier, bes. Reh’, aschwed. dinjr n. ’wildes Tier’, ae. dƝor n. id., as. dior n. id., ahd. tior n. id., got. dius n. id. Laut SKES sind die gegenseitigen Verhältnisse der fi., karel., lüd. und lp. Wörter dunkel. LpN. diw're könnte auch ein Lehnwort aus dem Finnischen sein. SKES rechnet mit der Möglichkeit, daß tiura ein skand. Lehnwort ist. Wenn aber die karel. und lüd. Wörter zu tiura gehören, handele es sich um ein einheimisches deskriptives Wort. Die Herleitung aus dem Germanischen wäre lautlich problemlos. Fi. iu als Entsprechung von germ.-urn. eu findet sich auch sonst, z.B. in KIUSATA. Die semantischen Unterschiede zwischen den ostseefi. und den germ. Wörtern sind jedoch auffallend groß. [Hellquist 1939 146; de Vries 1962 90; ODEE 1969 250;] SKES V 1975 1318 [; Lehmann 1986 92f.; Blöndal Magnússon 1989 141; N.Nielsen 1989 99; Bjorvand–Lindeman 2007 202f.]. Kaum germ. LW.

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TIURIS ’teuer’ s. TYYRIS.

TOIMI (G. toimen) ’Beschäftigung; Tätigkeit, Tun; Verstand; diagonales Muster eines Stoffes in Köperbindung’, toimittaa ’ausführen; organisieren’; ingr. toimi ’bestimmtes Webemuster’, toimittƗ ’ausführen; aufklären, belehren’; karel. toimi ’Beschäftigung; Tätigkeit; Verstand, Fähigkeit; bestimmtes Webemuster’, toimittoa ’tun, versorgen; erzählen; fragen; begreifen’; lüd. toimittada ’verstehen; aufklären; erkundigen’; weps. toimetada ’verstehen’, toimitada kaƾgaz (kaƾgaz ’Gewebe’) ’das Gewebe aufziehen (als Vorbereitung des Webens)’; wotJ. toim(i) ’Erkundigung, Erklärung’; estn. toim (G. toime) ’bestimmtes Webemuster; (Pl.) Jahresringe des Baumes’, toimetama ’ausführen; verüben; hinschaffen’; liv. tu֒ oì֒ mϷl in sэթdϷ tu֒ oì֒ mϷl (sэթdϷ ’bekommen’) ’zurecht kommen’. *toimi < *toime [~ urgerm. *taujan-, urn. *taujan; vgl. urn. tawido (Runeninschrift) ’ich machte’, mnd. touwen ’bereiten, fertig machen; gelingen, glücken’, mnl. touwen ’fertig machen, (Häute) bereiten’, mhd. zouwen, zöuwen ’machen, bereiten; schmücken’, got. taujan (tawida ’ich machte’) ’tun, machen’.] Ingr. toimi ’Beschäftigung, Arbeit’ ist ein Lehnwort aus dem Finnischen. Im allgemeinen geht man davon aus, daß toimi ursprünglich ein Webeterminus war und daß eine Bedeutungserweiterung zum Abstraktum stattgefunden hat. Früher hat man für ostseefi. toimi und mordw. tujems ’bringen, holen; abfahren’ einen gemeinsamen Ursprung angenommen. Später wurde mordw. tujems zu fi. tuoda ’bringen, holen’ gestellt. Häkkinen hält es für möglich, daß toimi eine Ableitung von tuoda ist. Koivulehto deutet toimi als eine -ime-Ableitung (frühurfi. *towime) von einem germ. Lehnwort frühurfi. *towe-, dessen urfi. Fortsetzung *tǀ- nicht mehr existiere. Als Original setzt Koivulehto germ. *tauje/a- < *taw-ej-e/a- bzw. vorgerm. *dow-ey-e/o- an. SSA hält es für wahrscheinlich, daß toimi ebenso wie z.B. toipua ’sich erholen’ eine Ableitung von einem Stamm *toj(є)- ist, erwähnt aber auch Koivulehtos Deutung. Lautlich und semantisch wäre diese Etymologie vielleicht möglich, sie basiert aber zu stark auf der Annahme eines sonst nicht nachweisbaren urfi. Etymons. Das Wort bedarf weiterer Erforschung. Rapola 1928, bes. 123–142; [Hellquist 1939 1198f.; de Vries 1962 584;] Nirvi 1964 44–62, 172–175; [ODEE 1969 905;] SKES V 1975 1325–1327; [Hakulinen 1979 405;] Raun 1982 178; EEW 1982/83 3204–3207; [Lehmann 1986 342; Blöndal Magnússon 1989 1049; N.Nielsen 1989 455;] Häkkinen 1990b 326f.; Koivulehto 1996a 330–333, 339; SSA III 2000 304; Häkkinen 2004 1323f. Kein germ. LW.

304

TORKKO, torko ’Dreieckangel, Haken der Hechtangel’. *tork(k)o ~ urgerm. *durЀǀ, urn. *dorЀu; vgl. an. dorg f. ’Angelschnur’, norw. dorg id., schwed. dörj, dial. dorj id. Wichmann hat torkko als germ. Lehnwort gedeutet; er setzte germ. *dorgǀ als Original an. Diese Deutung wurde von Setälä und SSA akzeptiert. Im SKES wird damit gerechnet, daß tork(k)o teils aus dem Lappischen (lpN. duor'go ’Angelschnur’ < urn.), teils direkt aus dem Urnordischen übernommen worden ist. Lautlich und semantisch ist die Deutung als urnord. Lehnwort problemlos. In den Bereich der Fischerei gehören mehrere germ. Lehnwörter. Wichmann 1893 18; Wiklund 1896 210; Kluge 1912 39; Setälä 1913a 461; [Hellquist 1939 171;] Karsten 1943/44 552f.; de Vries 1962 79; SKES V 1975 1353; Blöndal Magnússon 1989 121; [N.Nielsen 1989 92;] SSA III 2000 312 [; Bjorvand–Lindeman 2007 176f.]. Germ. LW.

TORNIO (Agr.) ’Spieß, Waffen’. *torn(i)jo ~ [urgerm. *þurnu-z ,] urn. *þornuR; vgl. an. þorn m. ’Dorn’, aschwed. thorn m. ’Dorn(busch)’, ae. þorn m. ’Dorn’, as. thorn m. id., ahd. dorn m. ’id., Stachel’, got. þaurnus m. ’Dorn’; ~ [urgerm. *þurna-z,] urn. *þornaR; vgl. an. þorn m. ’Dorn(strauch)’, aschwed. thorn m. (auch n.) id., ae. þorn m. ’Dorn’, as. thorn m. id., ahd. dorn m. id. Der Ortsname Tornio wird u.a. von Nissilä und von Vahtola zu tornio gestellt. Streng verglich das nur bei Agricola (16. Jh.) begegnende tornio mit aschwed. thorn und an. þorn; es sei aber wohl älter als die von ihm behandelten altschwed. Lehnwörter. SKES bezeichnet tornio als ein urnord. Lehnwort. Deutung als Lehnwort ist semantisch und, wenn -io fi. Suffix ist, auch lautlich möglich. Urnordisch und Altschwedisch kommen beide als Quelle in Frage. Vgl. TYRNI. Streng 1915 323; [Hellquist 1939 1206, 1270f.;] Rapola 1953b 37; Rapola 1962b 43; [de Vries 1962 617, 630;] Nissilä 1963 299; [ODEE 1969 918;] Vahtola 1976; SKES V 1975 1355; Vahtola 1980 102–112, 145, 241, 285; [Lehmann 1986 357; Blöndal Magnússon 1989 1187, 1210; N.Nielsen 1989 455, 458;] Vahtola 1991 192–194 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1177]. ? Germ. oder jüngeres LW.

305

TORPPA ’Kätnerhof; Hütte, Häuschen’; ingr. torppa ’Hütte, Häuschen’. *torppa ~ [urgerm. *þurpa-,] urn. *þorpa; vgl. an. þorp n. ’Bauernhof, kleines Dorf’, aschwed. thorp n. id., ae. þorp n. ’Landgut, Hof, Dorf’, as. thorp n. ’Dorf’, ahd. dorf n. ’Dorf, Hof, Landgut’, got. þaurp n. ’bebautes Land, Acker’. Karsten hat torppa als ”urn.” Lehnwort bezeichnet. Im allgemeinen aber wird torppa als (spätalt)schwed. Lehnwort aufgefaßt. Lautlich ist sowohl eine Entlehnung aus dem Urnordischen oder einer noch früheren Phase wie auch eine Entlehnung erst aus dem (Alt)schwedischen möglich, aber die für ein torppa vorauszusetzende soziale Entwicklung macht frühe Entlehnung unwahrscheinlich. Thomsen 1869 44; Ahlqvist 1871 192; Ahlqvist 1875 216; Setälä 1913a 461; Streng 1915 235; [Hellquist 1939 1207f.;] Karsten 1943/44 553; [de Vries 1962 617; ODEE 1969 918;] SKES V 1975 1356; Hakulinen 1979 372; [Lehmann 1986 357f.; Blöndal Magnússon 1989 1187;] Joki 1989 22; [N.Nielsen 1989 458;] SSA III 2000 312f.; Häkkinen 2004 1333 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1177f.]. Jüngeres LW.

TOSI (G. toden) ’wahr, wahrhaftig; wirklich; glaubwürdig; echt; ernst; Wahrheit, Ernst’; ing. tosi; karel. tosi; lüd. toži ’wahr; Wahrheit’; weps. toĨi ’id.’; wot. te֑ si ’id.’; estn. tõsi ’id.’; liv. tu֒ o‫ތ‬iž ’wahr; Wahrheit, Ernst’. *tosi an. stœðr). Das germ. Adjektiv wird von Seebold und Bjorvand–Lindeman als zu germ. *standa- ’stehen’ gehörender i-Stamm, von Katz und Blöndal Magnússon als ja-Stamm konstruiert. Die von Katz angenommene semantische Entwicklung ’fest(stehend)’ ĺ ’wahr’ kann mit Parallelen gestützt werden; vgl. dazu etwa Koivulehto 1993b 30 und Ritter 1993 86. Koivulehto, der anfangs an ein indogerm.-vorgerm. Original dachte (idg. *d‘fmtó- ’gezähmt’, vgl. urgerm. *tam- ’zahm’), schloß sich 1993 der von Katz vorgelegten Etymologie weitgehend an; auf jeden Fall sei tosi ein altes germ. Lehnwort. Er zählt 2001 tosi erneut zu den indogerm. Lehnwörtern.

306

Eine Herleitung aus dem Baltischen (balt. *statii֒ a-, vgl. *stãtia֒ - > lit. stãþias ’stehend, aufrecht, gerade(zu)’) wurde von Ritter vorgelegt. Die Deutung als germ. Lehnwort und die Deutung als balt. Lehnwort sind beide lautlich und semantisch möglich, während eine noch ältere Entlehnung auch nicht ausgeschlossen werden kann. [de Vries 1962 558; Seebold 1970 460;] SKES V 1975 1358–1360; Hakulinen 1979 345; Raun 1982 167; EEW 1982/83 3422–3424; Koivulehto 1983b 120– 122; Koivulehto 1983d 147–149; Hofstra 1985a 374f.; [Lehmann 1986 377;] Katz 1988a; UEW I 1988 537; [Blöndal Magnússon 1989 982;] Häkkinen 1990a 64, 215, 237, 238; Häkkinen 1990b 329; [Heidermanns 1993 556, 558f.;] Koivulehto 1993b 25–32, 34f., 37; Ritter 1993 23, 27, 83, 86; Häkkinen 1994a 323; Sammallahti 1998 239; Koivulehto 1999a 238–240; SSA III 2000 313f.; Koivulehto 2001a 50; Häkkinen 2004 133f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1070f.]. ? Germ. LW.

TOTTO (dial.) ’offener Kamin, offene Feuerstelle, Herd; Schornstein; Rauchloch’, töttö ’Rauchröhre; Herd’; ?karel. totto ’Feuerstelle, Kamin’. *totto ~ [urgerm. *tutǀn-,] urn. *totǀ; vgl. isl. tota ’Spitze; Schaft (von Socke oder Handschuh)’, norw. tota ’etwas, das wie eine stumpfe kurze Schnauze an einer Kanne hervorragt; eine kleine Röhre, wie jene durch die der Faden bei Spindeln geht’; vgl. auch dt. dial. Zotte ’Ausguß an einer Kanne; Brunnenröhre’. Karel. totto ist vielleicht ein Lehnwort aus dem Finnischen. Laut SKES ist totto entweder deskriptiv oder ein ziemlich altes skand. Lehnwort, dessen Original u.a. als norw. tota weiterlebe. Koivulehto hat in einem Vortrag totto mit einigem Vorbehalt als Entlehnung von urn. *totǀn- bezeichnet; lautlich und semantisch ist diese Deutung möglich. SSA leitet totto mit Fragezeichen aus dem Schwedischen her und vergleicht es u. a. mit schwed. stod, stöd ’Stelle’ (wie in eldsto ’Feuerstelle’); stod ist aber in der angegebenen Bedeutung sehr unsicher; überdies ist diese auch lautlich problematische Deutung semantisch fragwürdig. [Hellquist 1939 1249; de Vries 1962 596;] SKES V 1975 1362f.; Vahtola 1980 277–281; Pitkänen 1985 266; [Blöndal Magnússon 1989 1071; N.Nielsen 1989 459;] Koivulehto 1991b; SSA III 2000 314; Nikkilä 2002 134. ? Germ. LW.

307

estn. TUDER (G. tudra), tudar, tudr ’Leindotter, Camelina sativa’; wot. tnjdra. *tutra ~ urgerm. *duÿra- (, urn. *duÿra / *doÿra); vgl. mnd. döder, doder, dudder (n.?) ’Eigelb’, mhd. toter, tuter n. id.; ~ urgerm. *duÿran- (, urn. *duÿrƗ / *doÿrƗ); vgl. as. dodro m. ’Eigelb’, ahd. tutar- in tutarei m. ’Eigelb’, mhd. toter, tuter m. ’id.; Dotterkraut’. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Thomsen vorgelegt. Laut de Sivers, Raun und Saagpakk ist estn. tuder ein schwed. Lehnwort. Schwed. dodra, auch doddra, dådra, dudor usw. ’Leindotter’ ist seinerseits vermutlich ein Lehnwort aus dem Niederdeutschen. Das Original muß zur Zeit der Entlehnung noch u in der ersten Silbe gehabt haben. Die Formenvielfalt auf germ. Seite läßt für die Feststellung der Zeit der Entlehnung und der Sprache des Originals einen großen Spielraum. Thomsen 1890 175; Setälä 1913a 461; [Hellquist 1939 147f.;] ODEE 1969 280; de Sivers 1972 103; Raun 1982 182; Saagpakk 1982 985; EEW 1982/83 3313f. [; Blöndal Magnússon 1989 117; Heidermanns 1993 164f.]. Germ. oder jüngeres LW.

TUHKA ’Asche; feiner Sand’; ingr. tuhka ’Asche’; karel. tuhka ’id.; feiner Sand; Schneematsch’; lüd. tuhk ’Asche’; weps. tuhk ’id.’; wot. tuhka ’id.’; estn. tuhk ’id.’; liv. tnj‫ތ‬gϷյD ’id.’. *tuhka [< *tuška] ~ urgerm. *tuska- (, urn. *tuska-) oder ~ urgerm. *tuskǀ (, urn. *tusku); vgl. ahd. zusken ’verbrennen’ (Verbalableitung), mhd. enzust ’entzündet’; Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Toivonen, der als Original ein Verb *tuskian ansetzt. Diese Etymologie wird im SKES nicht berücksichtigt. Mägiste (EEW) bezeichnet sie als unmöglich. Koivulehto, der germ. Substantive rekonstruiert, von denen das althochdt. Verb eine Ableitung sein könne, hat sich unter Hinweis auf lautliche Parallelen Toivonens Etymologie angeschlossen. Semantisch und lautlich ist Toivonens Deutung überzeugend; ein entsprechendes germ. Substantiv neben dem bezeugten Verbum ist allerdings nicht belegt. Toivonen 1916/20 28f.; SKES V 1975 1375f.; Koivulehto 1975 1f.; Koivulehto 1976a 263; Hakulinen 1979 362; Raun 1982 183; EEW 1982/83 3320–3322; T. Itkonen 1983 205, 206; Koivulehto 1984a 12; Hofstra 1985a 325; Häkkinen 1990a 222, 252; Koivulehto 1991c 31; Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 7; SSA III 2000 319; Häkkinen 2004 1342. Germ. LW.

308

TUHMA ’ungezogen, boshaft; dumm, ungeschickt, ungebildet’, tyhmä ’dumm’; ingr. tuhma ’dumm’; karel. tuhma ’häßlich; grob; dumm; schlecht; ungeschickt; schwierig; einfach (Arbeit)’, tyhmä ’id.’; lüd. tuhm(eࡓ ) ’dumm; häßlich’, tühmäk ’schwerfällig’; weps. tuhm ’Dummkopf’; wotJ. tuhm ’dumm’; estn. tuhm (G. tuhmi), tuhn, tohm ’trüb, glanzlos’, (Wied.) tühm ’stumpf, gefühllos, träge, schwach; trüb’; lpN. dos'me’schlechtgelaunt, mürrisch’. *tuhma < *tušma / *tühmä ~ urgerm. *dusma-, urn. *dusma- / *dosma-; vgl. norw. dosmen ’schläfrig, matt, träge’, dosmer ’Dummkopf’, norw. dosma ’schlechter Arbeiter’, schwed. dial. dosma f. ’träger und dicker Mensch’. Die Formen mit Velarvokal müssen wegen lp. dos'me ursprünglich sein; die palatalen Varianten können daneben bereits im Urfinnischen entstanden sein. Karsten hat tuhma als germ. Lehnwort gedeutet. Seine Deutung wurde kaum beachtet; sie wird im SKES als völlig unsicher bezeichnet. Ostseefi. *tuhma < *tušma paßt aber lautlich und semantisch problemlos zu germ. *dusma-, einer Ableitung von einer verzweigten germ. Wortgruppe. Karsten 1915 149f.; Karsten 1943/44 557; SKES V 1975 1376f., 1446; Fromm 1977 140; Raun 1982 183; EEW 1982/83 3325, 3482; Hofstra 1985a 339, 340f.; [Blöndal Magnússon 1989 122; N.Nielsen 1989 92;] Koivulehto 1999b 212; Häkkinen 1990a 114; Oja 2000 112; SSA III 2000 319, 343; Häkkinen 2004 1343, 1370; Saarikivi 2007 331–333. Germ. LW.

TUHTO ’Ruderbank, Ducht’, tuhta(lauta) ’id.’ (lauta ’Brett’). *tuhto / *tuhta ~ urgerm. *þuftǀn-, urn. *þuftǀn / *þoftǀn; vgl. an. þopta f. ’Ruderbank’, schwed. toft, dial. tofte id., gotl. tuft id., ae. þofte, þoft f. id., mnd. ducht f. id., ahd. dofta f. id. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Thomsen vorgelegt, nachdem bereits Lindström 1859 tuhto mit u.a. dän. tofte verglichen hatte. Seitdem wurde diese lautlich und semantisch unproblematische Deutung allgemein akzeptiert. Man ging dabei gewöhnlich von einer alten Entlehnung aus; eine jüngere Entlehnung wäre aber auch denkbar. SSA erwägt neben der germ. Etymologie die Möglichkeit, daß tuhto ein ural. Erbwort ist. Auch dies ist lautlich und semantisch unproblematisch. Angesichts der gegenwärtigen Forschungslage muß die Frage, ob tuhto ein (altes) germ. Lehnwort ist, offen bleiben.

309

Thomsen 1869 154; Ahlqvist 1875 172; Setälä 1913a 461; [Hellquist 1939 1200;] Karsten 1943/44 557f.; de Vries 1962 616; Koivulehto 1970 182; SKES V 1975 1378f.; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 57, 359; Hofstra 1985a 84, 112, 113, 316f.; [Blöndal Magnússon 1989 1184f.; N.Nielsen 1989 456;] Hofstra 1990 247; Koivulehto 1997c 158f.; SSA III 2000 320; Laakso 2002 366; Palviainen 2004 229 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1163–1165]. ? Germ. oder jüngeres LW.

TUKKIA, tuketa ’verschließen, verstopfen, abdichten; stopfen’; ingr. tukkia, tukata ’id.’, tuGeDa ’bedecken’; karel. tukkie; wotM. tukataG; estn. tukkima, tükkima ’drängen, stopfen’. *tukki- / *tukkV~ urgerm. *stukk- (, urn. *stukk- / *stokk-); vgl. mnd. vorstocken ’steif werden’ (vor- Präfix), mnl. stocken ’gerinnen’, mhd. verstocken ’stocken, erstarren’ (verPräfix). Im EEW wird tukkia als deskriptiv bezeichnet. Laut Häkkinen ist das Grundwort von tukkia und einigen weiteren Verben (tukehtua ’ersticken’, tukahtua ’id.’) unbekannt; laut Saarikivi gehört tukkia zu tukka ’Haupthaar’. Entlehnung von germ. *stukk- ’gerinnen’ ist lautlich und semantisch denkbar. Vgl. auch tukkeutua ’verstopft werden, stocken’ und tukkija ’Person, die eine Blutung stillen kann’ (Kalevala 8:269, 9:395), ein Nomen agentis zu tukkia. [Hellquist 1939 1080;] SKES V 1975 1387; Hakulinen 1979 223; EEW 1982/83 3340f.; [N.Nielsen 1989 136; Heidermanns 1993 262f.;] SSA III 2000 323; [Kluge–Seebold 2002 886;] Häkkinen 2004 1347; Saarikivi 2007 342. ? Germ. LW. TUKKO1, tukku ’Handvoll, (Zweig)büschel, Bündel’; ingr. tukku ’Bündel (aus Tuch)’; karel. tukku ’Haufen; Bündel; Schar, Gruppe’; lüd. t'ukթ ’Haufen’; weps. tuk, tukk ’Bündel; Klumpen’; wotJ. tukթ ’Heu- oder Strohbündel; Büschel’. *tukko / *tukku 1. ~ urgerm. *dukkǀn-, urn. *dukkǀ; vgl. an. dokka f. ’Puppe’, norw. dokka, dukke ’Fadenbündel, (Garn)docke; Puppe’, aschwed. docka ’Puppe (aus Stoff)’, mnd. docke f. ’Puppe; Strohbündel’, ahd. tocka f. ’Puppe, Docke’. [2. ~ urgerm. *stukka-z, urn. *stukkaR / *stokkaR; vgl. an. stokkr m. ’Stock, Klotz, Block um die Füße eines Gefangenen’, aschwed. stokker, stukker m. id., ae. stocc m. id., as. stokk m. ’Stock, Stengel’, ahd. stok m. ’Stock, Block um die Füße eines Gefangenen; Stamm’.]

310

Meistens wird Zusammengehörigkeit von tukko mit TUKKIA für möglich gehalten. Saarikivi sieht in tukko eine Ableitung von tukka ’Haupthaar’. Qvigstad hat tukko ’Büschel’ als germ. Lehnwort gedeutet und mit norw. dokka verglichen. Lautlich und semantisch kann tukko problemlos als Entlehnung von urgerm. *dukkǀn-, urn. *dukkǀ erklärt werden. Setälä hat mit einem Hinweis auf TUKKO2 diese Etymologie jedoch mit einem Fragezeichen versehen; seitdem wurde sie zu Unrecht kaum noch beachtet. Laut Karsten, der tukko ’Handvoll’ und TUKKO2 ’Abdichtung usw.’ zusammenlegt, ist tukko mindestens teilweise eine Entlehnung von ”urn. *stukko- m.”. Das Wort ”teilweise” dürfte sich auf TUKKO2 beziehen, da Karstens Deutung im Falle von tukko1 aus semantischen Gründen äußerst unwahrscheinlich ist. Vgl. TUKKO2. Qvigstad 1881 234; Setälä 1913a 461; [Hellquist 1939 147;] Karsten 1943/44 558; [de Vries 1962 78;] SKES V 1975 1387f.; Hakulinen 1979 223; [Blöndal Magnússon 1989 118; N.Nielsen 1989 97;] SSA III 2000 323; Häkkinen 2004 1347; Saarikivi 2007 342. Germ. LW. TUKKO2 ’Abdichtung, Pfropfen; Wundverband’, auch in olla tukossa ’zugestopft, verstopft sein’, mennä tukkoon ’sich verstopfen’. *tukko [~ urgerm. *stukka-z, urn. *stukkaR / *stokkaR; vgl. an. stokkr m. ’Stock, Klotz, Block um die Füße eines Gefangenen’, aschwed. stokker, stukker m. id., ae. stocc m. id., as. stokk m. ’Stock, Stengel’, ahd. stok m. ’Stock, Block um die Füße eines Gefangenen; Stamm’.] Laut SKES und SSA gehört fi. tukko zu derselben Wortgruppe wie TUKKIA ’verschließen, (zu)stopfen’. Laut Karsten, der tukko ’Abdichtung usw.’ und TUKKO1 ’Handvoll, (Zweig)büschel, Bündel’ zusammenlegt, ist tukko mindestens teilweise eine Entlehnung von ”urn. *stukko- m.”. Dies ist lautlich in Ordnung, semantisch aber problematisch. Sie hat denn auch keine Zustimmung gefunden. Am leichtesten erklärt sich tukko ’Abdichtung usw.’ als Ableitung vom Verb TUKKIA ’verschließen, (zu)stopfen’, das im Ostseefinnischen weiter verbreitet ist als tukko. Vgl. TUKKO1. [Hellquist 1939 1679f.;] Karsten 1943/44 558; [de Vries 1962 550;] ODEE 1969 870f.; SKES V 1975 1387, 1388; [Blöndal Magnússon 1989 965; N.Nielsen 1989 421; Heidermanns 1993 562f.;] SSA III 2000 323. Kein germ. LW.

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TULLA (aWb., dial.), tullo ’Dolle, Rudernagel’. *tulla / *tullo ~ urgerm. *þulla-z, urn. *þullaR / *þollaR; vgl. an. þollr m. ’Baum, Balken’, schwed. tull ’Dolle, Rudernagel’, ae. þoll m. ’Ruderpflock’; ~ urgerm. *þullǀn- (, urn. *þullǀ / *þollǀ) oder *þullǀ (, urn. *þullu / *þollu); vgl. mnd. dulle, dolle f. ’Ruderpflock, Rudernagel’, mnl. dolle f. id. Neben tulla, tullo gibt es eine gleichbedeutendeVariante: fi. tulli, ingr. tulli, karel. tulli, estn. tull, toll und liv. tolթ '; diese Formen sind jüngere Entlehnungen mit schwed. bzw. niederdt. Original. Bereits im 18. Jh. wurde tulla mit schwed. tull verglichen. Die Deutung als germ. Lehnwort geht auf Thomsen zurück und wurde von Setälä akzeptiert. Karsten führt tulla auf schwed. dial. (Finnland) tulla zurück. Tulla kann lautlich und semantisch ein altes Lehnwort sein, aber auch jüngere Entlehnung erscheint möglich. Thomsen 1869 154; Setälä 1913a 462; Streng 1915 240; Hellquist 1939 1240; Karsten 1943/ 44 558f.; de Vries 1962 615; [ODEE 1969 918;] Koivulehto 1970 182; SKES V 1975 1393; Raun 1982 184; EEW 1982/83 3350 [; Blöndal Magnússon 1989 1186; N.Nielsen 1989 456; Bjorvand–Lindeman 2007 1165]. Germ. oder jüngeres LW.

TULPPA ’Stöpsel, Zapfen, Pfropfen; Stopfer für Dichtmaterial’; ingr. tulppa ’Zapfen’. *tulppa ~ urgerm. *stulpan-, urn. *stulpƗ / *stolpƗ; vgl. an. stolpi m. ’Pfosten, Pfeiler, Säule’, aschwed. stolpe, stulpe m. id., mnd. stolpe m. ’kleiner Balken, Pfosten’; ~ urgerm. *stulpijǀ (, urn. *stulpiju); vgl. mnd. stülpe f. ’Stülpe, Hülle, Deckel’, mnl. stulp id. Neuhaus hat tulppa als Lehnwort aufgefaßt und mit mnd. stulpe verglichen. Suolahti hat tulppa als altes germ. Lehnwort gedeutet. Eine Deutung als germ. Lehnwort wäre lautlich problemlos und semantisch plausibel. Eine jüngere Entlehnung, sei es aus dem (Alt)schwedischen, sei es aus dem Mittelniederdeutschen, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Neuhaus 1908 160; Suolahti 1924 342–344; Hellquist 1939 1082; [de Vries 1962 551;] SKES V 1975 1394; Hakulinen 1979 372; Koivulehto 1981b 164; Nikkilä 1982 254; Hofstra 1985a 322f.; [Blöndal Magnússon 1989 966; N.Nielsen 1989 422;] Häkkinen 1990a 261f.; SSA III 2000 324f.; Häkkinen 2004 1349; Palviainen 2004 228; Bentlin 2008 95. Germ. oder jüngeres LW.

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TUNKEA ’zwängen, stopfen; (weg)drängen; eindringen, durchdringen’; ingr. tuƾkissa; karel. tunkie ’stoßen, (vor)schieben; zwängen; sich drängen’; lüd. tuƾgeda ’zwängen; stoßen, (vor)schieben’; weps. tuƾkta ’stoßen’; wotK. tuƾkƯssa, wotJ. tuƾki ’sich drängen’; estn. tungima ’id.; (ein)dringen; sich verbreiten’; ?lpN. cog'gât ’zwängen; durchziehen; kleiden, anziehen’; ?mordw. tongoms ’stecken’; ?tscher. þΩƾ-cΩƾ ’genau’ (Adv.); ?syrj. þi֑ ge֑ m ’eng’; ?ung. dug ’stecken’. *tuƾke~ urgerm. *þwengan- > *þwingan-, urn. *þwingan; vgl. aschwed. þvinga ’drücken, zwingen’, as. thwingan id., ahd. dwingan id. Mehrmals wurde versucht, ostseefi. tunkea mit Wortgut in anderen fi.-ugr. Sprachen zu verknüpfen. Diese Vorschläge sind aber alle unsicher. Koivulehto geht davon aus, daß lpN. cog'gât und ostseefi. tunkea zusammengehören; er deutet das ostseefi.-lp. Wort als germ. Lehnwort. Für die Substitution von germ. Cwe- durch urfi. Cu- führt er einige Parallelfälle auf. Seine Annahme, daß im Lappischen ”eine deskriptive Änderung” von tu- > cu- stattgefunden habe, ist eine Ad-hoc-Lösung. Falls lpN. cog'gât und ostseefi. tunkea zusammengehören, ist Koivulehtos Etymologie unwahrscheinlich. Falls tunkea auf fi.-ugr. *þuƾke- bzw. *tuƾkezurückgeht, ist sie unmöglich. Koivulehtos Deutung von ostseefi. tunkea als germ. Lehnwort ist nur möglich, wenn es keine weiteren Verwandten hat. [Hellquist 1939 1252; de Vries 1962 629; Seebold 1970 526–528;] SKES V 1975 1398; Hakulinen 1979 321; Raun 1982 184; EEW 1982/83 3359f.; UEW I 1988 537f.; [Blöndal Magnússon 1989 1206; N.Nielsen 1989 468;] EWU I 1993 284; Sammallahti 1999 76; SSA III 2000 326; Sammallahti 2002 164; Häkkinen 2004 1351; Saarikivi 2007 340f.; Koivulehto 2009 92. Kaum germ. LW.

TUNKIO ’Abfall-, Düngerhaufen’; karel. tunki(j)o, tunkivo. *tuƾk(i)jo ~ urgerm. *dungijǀn-, urn. *dungijǀ; vgl. an. dyngja f. ’Frauengemach, -kammer; Haufen’ (ursprünglich ein teilweise unterirdischer, mit Dünger bedeckter Raum), aschwed. dyngia f. ’Dünger(haufen)’, ae. dynge f. ’Dünger; gedüngtes Land’, ahd. tunga f. ’Düngung’, mhd. tunge f. ’id., Dünger’. Bereits im 18. Jh. wurde tunkio mit germ. Wörtern verglichen. Urgerm. *dungijǀn- und urn. *dungijǀ entsprechen lautlich und semantisch fi.-karel. tunkio.

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Thomsen 1869 154; Setälä 1913a 462; [Hellquist 1939 166;] Karsten 1943/44 559; E.Itkonen 1960a 23; de Vries 1962 90; Sköld 1967b 67; [ODEE 1969 294;] K.Vilkuna 1971 54; SKES V 1975 1398f.; K.Vilkuna 1976a 21; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 154, 359; Hofstra 1985a 309f.; Blöndal Magnússon 1989 140f.; Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 98; Ritter 1993 195; Häkkinen 1996a 162; SSA III 2000 326; Häkkinen 2004 1351; Palviainen 2004 229; Bjorvand– Lindeman 2007 201. Germ. LW.

TUNKKA (Lönnr., dial.) ’Fäßchen, Tönnchen’. *tuƾkka [~ urgerm. *dunka- urn. *dunka;] vgl. schwed. dial. (Finnland) dunk m. ’größeres Milchgefäß’. Karsten deutet tunkka als Entlehnung von urn. *dunka-. Es besteht aber kein Grund, urn. oder urgerm. *dunka- anzusetzen, da schwed. dunk ’Fäßchen’ ein mittelniederdt. Lehnwort ist (-ke im Original mnd. tunneke ’kleine Tonne’ ist Verkleinerungssuffix). Tunkka erklärt sich am besten als schwed. Lehnwort. [Hellquist 1939 162;] Karsten 1943/44 559f.; SKES V 1975 1399; [N.Nielsen 1989 97]. Jüngeres LW.

TUOKIO ’Moment, Augenblick, Weile, kürzere Zeit unbestimmter Dauer’. *tǀk(i)jo ~ urgerm. *dǀЀez- > *dǀЀiz-, urn. *dǀЀiR; vgl. an. dœgr n. ’Halbtag von 12 Stunden’, aschwed. dпgher m. id.; vgl. auch ae. dǀgor n. id. Tuokio galt lange als Ableitung vom ural. Pronomen tuo ’jener’. Koivulehto hat tuokio als Entlehnung von urgerm. *dǀЀiz- erklärt. Lautlich ist diese Etymologie in Ordnung; semantisch ist sie ebenfalls problemlos, da der alte Zeitbegriff sich hinsichtlich der Dauer mit dem heutigen nicht völlig deckt. [Hellquist 1939 165; de Vries 1962 92; ODEE 1969 246;] SKES V 1975 1404, 1407; Hakulinen 1979 153; Koivulehto 1981a 181–183; Hofstra 1985a 183, 313f.; [Lehmann 1986 86f.; Blöndal Magnússon 1989 142; N.Nielsen 1989 100f.;] Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 179–181; SSA III 2000 329; Häkkinen 2004 1355 [; Bjorvand–Lindeman 2007 206]. Germ. LW.

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TUOMIO ’Urteil, Gerichtsbeschluß’; karel. tuomivo. *tǀm(i)jo ~ urgerm. *dǀma-z, urn. *dǀmaR; vgl. an. dómr m. ’Urteil, Gericht’, aschwed. dǀmber m. id., ae. dǀm m. ’id.; Ruhm’, as. dǀm m. id., ahd. tuom m. id., got. dǀms m. ’Ruhm’; ~ urgerm. *dǀmija-, urn. *dǀmija; vgl. an. dœmi n. ’Beispiel, Zeugnis; Urteil’, aschwed. dпme n. ’Macht(gebiet)’. Thomsen hat 1869 tuomio als Ableitung von TUOMITA bezeichnet. De Vries faßte tuomio als direkte Entlehnung aus dem Germanischen auf. Beide Deutungen sind akzeptabel und werden von mehreren Forschern vertreten. Thomsen 1869 154; Setälä 1913a 462; [Hellquist 1939 149, 171;] de Vries 1962 79, 92; [ODEE 1969 284;] SKES V 1975 1403; Hakulinen 1979 285, 361; Hofstra 1985a 329; [Lehmann 1986 93; Blöndal Magnússon 1989 120, 143; N.Nielsen 1989 91f., 101;] Salo 1992b 488f., 490; Ritter 1993 177; Koivulehto 1999a 5; SSA III 2000 330; Häkkinen 2004 1356f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 178f.]. ? Germ. LW.

TUOMITA (tuomitse-) ’(ver-, be-)urteilen, Urteil sprechen’; karel. tuomita. *tǀmi~ urgerm. *dǀmijan-, urn. *dǀmijan; vgl. an. dœma ’Recht sprechen, verurteilen’, aschwed. dпma id., ae. dƝman id., as. dǀmian id., ahd. tuomen id., got. dǀmjan id. Thomsen hat tuomita als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung und wurde allgemein akzeptiert. Thomsen 1869 154; Setälä 1913a 462; [Hellquist 1939 171;] Karsten 1943/44 560; de Vries 1962 92; [ODEE 1969 250;] Koivulehto 1971b 580; SKES V 1975 1408; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 285, 361; T.Itkonen 1980a 135; Hofstra 1985a 230, 249, 329, 346f.; [Lehmann 1986 93; Blöndal Magnússon 1989 143;] Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 101; Häkkinen 1990b 336; Salo 1992b 487–489, 490; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 19; SSA III 2000 330; Häkkinen 2004 1356f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 178f.]. Germ. LW.

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TUONI (G. tuonen) ’(personifizierter) Tod; Totenreich’; karel. tuoni; estn. toone- z.B. in toonekurg ’Storch, Ciconia alba’ (-kurg ’Kranich’); lpN. duodnâ ’arm; Tod; Teufel’. *tǀni < *tǀne ~ urgerm. *dawƯni-, urn. *dawƯni-; vgl. an. dán f. ’Tod’, aschwed. dƗn in aschwed. dƗna arver ’Hinterlassenschaft einer Person, die keine Erben hat’. Estn. tooni ’Gott der Totenwelt’ ist wahrscheinlich erst im 19. Jh. als gelehrte Bildung nach fi. Muster entstanden. Setälä hat die von Krohn 1895 erwähnte Herleitung aus *downi-, *dǀni- mit einem Fragezeichen versehen. Laut SKES ist diese Deutung kaum möglich. Karsten sah eine mittelschwed. Form *dån ’Tod’ als Original. Koivulehto hat im Grunde diese Etymologie wieder aufgegriffen, aber tuoni als Entlehnung ins Frühurfinnische gedeutet und als Original urgerm. *dawƯni- oder bereits vorgerm. *dhow-(ey)e-ni- angegeben; die frühurfi. Form müsse *towene (> späturfi. *tǀne) gelautet haben; eine ähnliche Entwicklung liege in frühurfi. *tüvene > *tΉne > fi. tyyni ’ruhig’ vor. Das lp. Wort könne nicht direkt auf *towene zurückgehen und dürfte auf Entlehnung aus dem (Ur)finnischen beruhen. Die von Koivulehto vorgelegte Etymologie erscheint plausibel. Vgl. TAINIO2, TÕBI. J.Krohn 1895 171; Setälä 1913a 462; [Hellquist 1939 134;] Karsten 1943/44 560; de Vries 1962 73;] SKES V 1975 1408f.; Raun 1982 179; EEW 1982/83 3230f.; [Blöndal Magnússon 1989 105; N.Nielsen 1989 85;] Koivulehto 1996a 322–324, 338; SSA III 2000 330; Häkkinen 2004 1357. Germ. oder älteres LW.

TUPA ’Wohnstube, Gästezimmer; Schlafkammer; Wohngebäude; Hütte’; ingr. tuBa; karel. tupa; estn. tuba; liv. tubà ’Stube, Zimmer; Wohnhaus’. *tupa ~ urgerm. *stuΰǀn-, urn. *stuΰǀ; vgl. an. stofa f. ’Stube, kleine Halle; alleinstehendes Wohnhaus’, aschwed. stuva, stova, stugha f. id., ae. stofu f. ’Badestube’, mnd. stove f. ’id., heizbarer Raum; Wohnung’, ahd. stuba f. ’Badestube, heizbarer Raum’; ~ urgerm. *stuΰan- (, urn. *stuΰƗ); vgl. ae. stofa m. ’Badestube’. Nachdem tupa bereits im 18. Jh. mit skand. Wortgut verglichen worden war, hat Thomsen es als germ. Lehnwort gedeutet. Allerdings hat Thomsen später, wenn auch zweifelnd, an Herkunft aus dem Baltischen gedacht und dann tupa

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als am ehesten russ. Lehnwort gedeutet. Seit Setälä wird jedoch germ. Herkunft allgemein angenommen. Lautlich und semantisch ist die Deutung als altes germ. Lehnwort problemlos, egal ob es sich beim germ. Wort nun um ein Erbwort oder – wie oft angenommen wird – um ein frühes lateinisches Lehnwort handelt. Thomsen 1869 155; Thomsen 1890 220; Setälä 1913a 462; Hellquist 1939 1095; de Vries 1962 550; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 872;] Fromm 1971 84; Laanest 1975 220; SKES V 1975 1410f.; SKKK I 1976 78; Hakulinen 1979 358; Raun 1982 182; EEW 1982/83 3310f.; Hofstra 1985a 318; Hofstra 1985b 64; Blöndal Magnússon 1989 965; Joki 1989 19; N.Nielsen 1989 427; Koivulehto 1992d 169; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 331; Häkkinen 2004 1358; Bentlin 2008 165. Germ. LW.

TUPAS (G. tuppaan), typäs, tyväs ’Rasenhügel, Mooshöcker; Baumgruppe’; karel. tuvas; lüd. tubaz; weps. tupaz ’Rasenhügel’. *tupի pas (G. *tuppahan) / *tuȕas (G. *tupahan) 1. ~ urgerm. *tuppa-z, urn. *tuppaR / *toppaR; vgl. an. toppr m. ’Stirnlocke, Haarbüschel; oberstes Ende, Spitze’, aschwed. topper, tupper m. id., ae. top(p) m. ’Gipfel, Scheitel’, afr. top(p) m. ’(Haar)büschel’, ahd. zopf m. ’Ende; Zipfel, Zopf’. 2. ~ urgerm. *þnjΰa-z (, urn. * þnjΰaR); vgl. ae. þnjf m. ’Büschel, Busch’; ~ urgerm. *þnjΰǀn-, urn. *þnjΰǀ; vgl. an. þúfa f. ’kleine Bodenerhebung, Erdhügel’, aschwed. thnjva f. ’Grasbüschel, Rasenhöcker’. Die Varianten tyväs und typäs beruhen auf später innerfi. Entwicklung. Tunkelos Herleitung von tupas aus urgerm. *þnjΰaz ist lautlich und semantisch vertretbar, wird aber im SKES und von Fromm nicht akzeptiert; tupas sei vielmehr einheimisch und deskriptiv. Laut SSA ist sie aber wahrscheinlich richtig. Koivulehto hat tupas 1999 zu urgerm. *tuppa-z gestellt. Diese Etymologie ist lautlich einwandfrei. Unter der Voraussetzung, daß die ursprüngliche Bedeutung des germ. Wortes ’Büschel’ war, ist sie auch semantisch in Ordnung. Variationen von Palatalen neben Velaren begegnen bei Lehnwörtern häufiger. Tunkelo 1913/18 31–33; [Hellquist 1939 1203f., 1250;] Karsten 1943/44 563; de Vries 1962 [595,] 626; [ODEE 1969 931;] Koivulehto 1971b 577; SKES V 1975 1411f.; Fromm 1977 139, 140, 154; Sammallahti 1977 121; Hofstra 1984 36; Hofstra 1985a 41, 70, 90, 326, 384; [Blöndal Magnússon 1989 1053, 1200; N.Nielsen 1989 457, 465;] Koivulehto 1999a 17, 39; SSA III 2000 331. ? Germ. LW.

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TUPPI (G. tupen) ’Scheide (für eine Hieb- oder Stichwaffe); Blattscheide; Futteral, Hülse’; ingr. tuppe, tuppi; karel. tuppi; lüd. tuppi ’Körbchen aus Birkenrinde’; wot. tuppi ’Scheide’, wotM.’?Körbchen’; estn. tupp (G. tupe); liv. tupթ ’Scheide, Futteral’; lpN. dop'pâ. *tuppi < *tuppe ~ urgerm. *duppa-z (, urn. *duppaR / *doppaR); vgl. mnd. dop m. ’(Eier)schale, Kapsel, Kelch, Topf’, mnl. dop, dup m. ’(Eier)schale’; mhd. topf m. ’Topf; Hirnschale’; ~ urgerm. *duppan- (, urn. *duppƗ / *doppƗ); vgl. mnd. doppe m. ’(Eier)schale, Kapsel, Kelch (von Eichel, Haselnuß usw.), Topf’. Laut Koivulehto ist tuppi ein in frühurfi. Zeit übernommenes germ. Lehnwort. Diese Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung. [Hellquist 1939 151; de Vries 1962 79;] SKES V 1975 1415; Koivulehto 1981d 19; Koivulehto 1981e 77f.; Raun 1982 184; EEW 1982/83 3361f.; Koivulehto 1983d 147; Koivulehto 1984b 198; Hofstra 1985a 80, 311, 322f.; Hahmo 1986 163; [Blöndal Magnússon 1989 120;] Joki 1989 14, 21; Häkkinen 1990a 215; Häkkinen 1992b 181; Ritter 1993 200f.; Koivulehto 1995a 125; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 275, 350; SSA III 2000 332; Häkkinen 2004 1359; Aikio 2006 24, 48. Germ. LW.

TUPSAA (dial.) ’schaffen, sich zu schaffen machen; stauben’; karel. tupsoa ’herumschleichen, dahinschlendern, trotten’, tupsu ’Plumps, weiches Fallen’; estn. tups (G. tupsu) ’Stoß’. *tupsa[~ urgerm. *stnjΰan-, urn. *stnjΰan; vgl. mnd. stnjven ’stieben’, mnl. stnjven ’id., stauben, sich schnell bewegen’.] Im allgemeinen wird tupsaa zusammen mit tupsahtaa ’weich fallen; aufstieben’ und ähnlichen Wörtern als lautlich motiviertes deskriptives Wort aufgefaßt. Katz hat fi. tupsaa als Entlehnung von germ. *stnjΰan- gedeutet. Diese Deutung ist wegen der von ihr vorausgesetzten Metathese lautlich unmöglich. [Seebold 1970 474;] SKES V 1975 1417; [de Vries 1971 715; Lehmann 1986 328;] Katz 1990a 45; SSA III 2000 332; [Kluge–Seebold 2002 883;] Häkkinen 2004 1359f. Kein germ. LW.

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TURILAS (G. turilaan), turila ’Maikäfer, Melolontha; Schädling (z.B. Insekt, Larve); häßliche, unsaubere zottelige Person; gefräßige Person; (aWb. auch:) starker Riese’; ?karel. turilas ’schlechter, kranker Mensch’ (SKES), (Vd.) Parallelbezeichnung eines Ochsen oder einer Kuh. *turilas ~ urgerm. *trulla- ( *tϾw- (, urn. *tƗw-); vgl. ae. tƗwian ’fertig machen, mit etw. versehen’, ge-tƗwu (Pl.) n. ’Gerät’, afries. tƗuwe f. id.] Täky ’Köder’ wurde oft mit ural. tävy ’Lungen’ verbunden. Laut Koivulehto soll täky ein germ. Lehnwort sein. Ein älteres *tävü (G. *tävün) sei zu *täkü (G. *täȕün > tävyn) geworden; die alte Bedeutung sei etwa ’das, womit der Fischhaken oder der Magen ausgerüstet, ”gefüllt” wird’ gewesen. Lautlich ist diese Deutung zwar möglich, aber äußerst unwahrscheinlich. Überdies ist die Herleitung aus dem Germanischen semantisch schwach. Vgl. TÄYSI.

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[ODEE 1969 905;] SKES V 1975 1486; Koivulehto 1976a 267, 268, 288; Hakulinen 1979 340, 359; Hofstra 1985a 301–303; [Lehmann 1986 342, 343;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 354; Häkkinen 2004 1381f. Kein germ. LW.

TÄPLÄ, tapla ’Punkt, Fleck, Tupfen; schneefreier Fleck’, täplikäs, taplikas ’fleckig, getupft, gepunktet’; ?karel. täplä ’Fleck, Punkt; Pockennarbe’, täplikäs ’fleckig, gepunktet’; estn. täplik ’id.’; lpN. daw'le ’kleiner Fleck (am Rentier oder an der Kuh); Schneefleck, Stückchen Erde oder Feld’. *täplä / *tapla [~ urgerm. *dapila-z, urn. *dapilaR; vgl. an. depill m. ’Pfütze’ (in Ortsnamen und in leirdepill ’Lehmpfütze’; leir- ’Lehm’), norw. depel id.; vgl. auch engl. dappled ’scheckig’.] Die karel. Wörter können laut SKES und SSA teilweise Entlehnungen aus dem Finnischen sein. Lindelöf hat täplä mit dem germ. Wortgut verglichen, ohne es als germ. Lehnwort zu deuten. Laut SKES dürfte die Ähnlichkeit der ostseefi. und der germ. Wortgruppe zufällig sein. Im Falle einer Entlehnung wäre *tapila oder *täpilä zu erwarten, es sei denn, es läge eine jüngere Übernahme der Mehrzahlform (späturn. oder an. *daplar < urn. *dapilǀR) vor. Lindelöf 1931; [de Vries 1962 75; ODEE 1969 244;] SKES V 1975 1478f.; EEW 1982/83 3457f.; [Blöndal Magnússon 1989 111;] SSA III 2000 269; Häkkinen 2004 1384. Kein germ. LW.

TÄYSI (G. täyden) ’voll’; ingr. täüs; karel. täysi; lüd. t'äuž; weps. t'äuĨ; wot. täüsi; estn. täis; liv. täuž; lpN. dievvâ, dievâs. *täüsi < *täüti < *täüte ~ urgerm. *tƝwija-z > *tϾwija-z (, urn. *tƗwijaR); vgl. ae. æltϾwe’vollständig, ganz, gesund’ (æl- Präfix ’all-’), afries. eltƝ ’gesund’ (el- Präfix ’all-’). Täysi ist früher für fi.-ugr. gehalten worden und mit unterschiedlichem Wortgut verglichen worden. Diese Etymologie ist mit lautlichen Problemen verbunden. Eine zweite Deutung verbindet es mit ostlp. Wörtern, z.B. lpKo. tieuda ’voll’ und tieudad ’sich füllen’, die allerdings fi. Lehnwörter sein können.

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Koivulehto hat frühurfi. *täve (> lpN. dievvâ, dievâs) als germ. Lehnwort gedeutet; dazu sei ein Verbum *täv-tü- (> *täütü-) ’voll werden’ gebildet worden; dies ist allgemein ostseefi., z.B. fi. täytyä ’müssen; (obs.) voll werden’. Dazu sei als eine Art Rückbildung ein Adjektiv *tävte ’voll’ entstanden; ein Fall wie yksi ’eins’ ( *dawƗ) und *dawa; letzteres komme weniger in Frage als die ersten zwei. Er geht von einer frühen Entlehnung aus: das a in *daw- müßte noch mehr oder weniger die alte vorgerm. oFärbung gehabt haben. Urfi. p als Substitution von germ. w liegt auch sonst vor, z.B. ARPI, HALPA, HÄPEÄ. Vgl. TAINIO2, TUONI.

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[Hellquist 1939 134; de Vries 1962 71, 72, 73;] SKES V 1975 1347; Raun 1982 186; EEW 1982/83 3396f.; [Blöndal Magnússon 1989 103, 104, 105; N.Nielsen 1989 85, 102;] Koivulehto 1996a 325f., 326, 338. ? Germ. LW.

U

UDAR (Pl. utaret), utare, utara, utaro ’Euter; Zitze eines Tieres (z.B. der Kuh)’; ingr. uar (Pl. utի tƗret); karel. uvar (Pl. utaret), utareh (Pl. utarehet); lüd. *udar (Pl.) udared, udarehed ’Euter’; weps. udar; wot. uhar (Pl. utare֑ t, uhte֑ re֑ d) ’Euter, Stelle an der die Zitzen beginnen’; wotK. utara; estn. udar (G. udara); liv. udàr (Pl. udàrD); mordw. odar ’Euter’; tscher. waįar, woįar ’id’. *uįar (Pl. *utaret) ~ urgerm. *njÿara- (, urn. *njÿara); vgl. ae. njder n. id., as. njder n. ’Euter’, mhd. njter n. id; ~ urgerm. *njÿara-z (, urn. *njÿaraR); vgl. mnd. njder m. ’Euter’, ahd. njtar m. id., mhd. njter m. id.; ~ urgerm. *njÿiran- (, urn. *njÿirƗ); vgl. ahd. njtiro m. ’Euter’, mhd. iuter m. id.; ~ urgerm. *njÿira- (, urn. *njÿira); vgl. mhd. iuter n. ’Euter’. Im allgemeinen wird udar zu den indoiran. Lehnwörtern gezählt. Ihre verglich bereits 1769 utare mit germ. Wortmaterial; Thomsen zweifelte wegen mordw. odar zwischen germ. oder balt. Herkunft. Setälä bezeichnete die Herleitung aus dem Germanischen als unsichere Alternative. Auf die Möglichkeit germanischer Herkunft wurde erneut von Hofstra hingewiesen. Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch problemlos. Das indogerm. Wort (*njdhr-) ist aber ohne größere Veränderungen in mehreren indogerm. Sprachen erhalten geblieben. Die Verbreitung spricht am ehesten für eine ältere Entlehnung als aus dem Germanischen. Thomsen 1869 155f.; Neuhaus 1908 161; Setälä 1913a 465; [Hellquist 1939 426; de Vries 1962 294; ODEE 1969 954;] Joki 1973 332f.; SKES V 1975 1512; Hakulinen 1979 135, 350; Raun 1982 190; EEW 1982/83 3516; UEW II 1988 806; [Blöndal Magnússon 1989 435; N.Nielsen 1989 511;] Häkkinen 1990a 202, 241; Hofstra 1990b 138; SSA III 2000 366; Häkkinen 2004 1413 [; Bjorvand–Lindeman 2007 551–553]. Kaum germ. LW.

UHMA ’Trotz, Widerspenstigkeit; Stolz; rasch, flink, eifrig; prächtig; zu groß; geizig’, uhmata ’trotzen; sich anstrengen, hart arbeiten; prahlen; ärgern’;

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ingr. uhmaDa ’sich anstrengen’; karel. uhma ’eifrig; geschickt; robust’, uhmata ’schlagen; Kopfschmerzen haben’, uhmoa ’sich anstrengen’; estn. uhmama ’id.’. *uhma / *uhma~ urgerm. *uȤ(u)man- (, urn. *uhmƗ); vgl. got. auhuma ’höher’, urspr. Elat. ’sehr hoch, höchster’; dazu auch auh(u)mists (Superlativ) ’höchster’ und möglicherweise ae. шmest’höchst, oberst’; ~ urgerm. *uf(u)man- > *uȤ(u)man- (, urn. *uhmƗ); wie oben. Estn. uhm ’Trotz’ und uhmama ’trotzen’ sind fi. Lehnwörter. Es ist nicht sicher, ob das Substantiv uhma primär ist und die Verben Ableitungen von diesem Substantiv; auch eine Rückbildung aus einem Verb ist möglich. Laut EEW sind uhma usw. expressiv. Im SSA wird mit einer teils deskriptiven Herkunft und mit semantischem Einfluß von Wörtern wie uhka ’Bedrohung; Trotz’ und uho ’Luftzug, Hauch; Eifer’ gerechnet. Häkkinen denkt an eine Ableitung von einem Stamm, zu dem auch uhota ’prahlen’ und uho gehören. Hofstra hat eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt; eine für got. auh(u)mvorauszusetzende germ. Form sei fi.-karel. uhma ähnlich, während semantisch dt. Hochmut neben hoch und fi. ylpeä ’stolz, hochmütig’ neben ylä ’hoch-, ober-’ vergleichbar seien; siehe z.B. SSA III 2000 490. Lautlich wäre diese Etymologie problemlos; für got. auhuma kommt aber auch eine germ. Urform mit au- statt mit u- in Frage; semantisch decken sich got. auhuma und ostseefi. uhma nur teilweise. Die Wortgruppe um uhma bedarf weiterer Erforschung. SKES V 1975 1516; Raun 1982 191; EEW 1982/83 3527; [Lehmann 1986 49;] Hofstra 1990a 246–248; SSA III 2000 367; Nikkilä 2002 134; Häkkinen 2004 1395. ? Germ. LW.

ULMAKKA (dial.) ’matt, blaß, farblos’; karel. ulmakka ’bewölkt, ziemlich kalt (Wetter, Wind); schweigsam, ernst’, ulmakko ’kalter trüber Sommertag’; lüd. uɥmak ’wolkiges Wetter’. *ulmakka ~ urgerm. *wulma-z, urn. *wulmaR / *wolmaR; vgl. an. olmr ’wild, wütend, rasend’, schwed. dial. olm id., norw. olm id., dän. olm id.; ~ urgerm. *wulmǀ(ja)n-, urn. *wulmǀn / *wolmǀn; vgl. an. olmask ’sich wild bewegen, toben’ (-sk Reflexivsuffix), schwed. dial. ulma ’dunkel werden, wolkig werden’, olma ’dampfen’, norw. dial. ulme ’dunkel, ungünstig sein’, olme ’drohend blicken’, dän. ulme ’dunkel werden, drückend heiß sein’. Fi. ulmakka hat eine sehr geringe, südöstliche Verbreitung. Es sind auch Verbalableitungen belegt: fi. ulmottaa ’durch die Wolken schimmern (Mond, Sonne)’, karel. ulmistuo ’wolkig werden’, beide mit geringer Verbreitung.

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Laut SKES ist das als deskriptiv bezeichnete ulmakka wahrscheinlich eine Kontamination von ulakka ’kühl (Wind, Wetter)’ und umakka ’Nebel; neblig’. Die lautlich und semantisch problemlose Deutung von ulmakka, mit angehängtem frequentem Ableitungssuffix -kka, als skand. Lehnwort wurde von Nikkilä vorgelegt. Zu ostseefi. u- als Substitution von urgerm./urn. *wu- > skand. u- vergleiche URME. Es gibt keine lautlichen Kriterien für eine zeitliche Festlegung der Entlehnung. Semantisch passen vor allem einige der skand. verbalen Ableitungen von *wulma- gut zum ostseefi. Adjektiv. [Torp 1919 474f., 877; Hellquist 1939 729, 1274; de Vries 1962 418, 678; Seebold 1970 552f.;] SKES V 1975 1532; [Lehmann 1986 411; Blöndal Magnússon 1989 689, 1165; N. Nielsen 1989 311, 478;] Nikkilä 1990b 253; [Heidermanns 1993 695; Bjorvand–Lindeman 2007 828]. Germ. oder jüngeres LW.

UMPI (G. ummen) ’verschlossener, verstopfter Zustand; Obstipation (Tiermedizin)’, gewöhnlich in Zss. wie umpisuoli ’Blinddarm’ (suoli ’Darm’) und adverbial ummessa (Iness.) ’in geschlossenem Zustand’, umpeen (Ill.) ’in geschlossenen Zustand geratend’; ingr. umpi ’unbefahrene, weglose Schneefläche’, ummƝs, umpƝ (Adv.); karel. umpi ’unbefahrene, weglose Schneefläche; Verstopfung’, ummessa, umpeh (Adv.); lüd. umbes, umbƝ (Adv.); weps. umbes (Adv.), umbhe (Adv.); wot. umpi- in umpise֑ ke֑ a ’völlig blind’ (se֑ ke֑ a’blind’), wotJ. umpi (Adv.) ’völlig’; estn. umbes ’in geschlossenem Zustand; ungefähr, völlig’, umbe (Adv.) ’in geschlossenen Zustand geratend’; liv. umùbi ’mit Schnee bedeckt (Weg)’; lpN. obbâ ’ziemlich groß, geschlossen, ganz; (Adv.) ziemlich’. *umpi < *umpe ~ urgerm. *umbi, urn. *umbi; vgl. an. um(b) ’um, herum, ringsum’, ae. ymbe ’id.; wegen’, as. umbi ’um’, ahd. umbi id. Neuhaus hat als erster umpi als Entlehnung von urgerm. *umbi ’an beiden Seiten’ erklärt. Setälä lehnt diese Etymologie wegen fi.-ugr. Verwandten und aus semantischen Gründen ab. Nikkilä greift sie wieder auf und begründet sie. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch in Ordnung. Vgl. YMPÄRI Neuhaus 1908 161; Setälä 1913a 464; [Hellquist 1939 730; de Vries 1962 633;] SKES V 1975 1534–1537; Raun 1982 192; EEW 1982/83 3549–3553; UEW II 1988 803f.; [Blöndal Magnússon 1989 1084; N.Nielsen 1989 311;] Nikkilä 1996c 82–84; SSA III 2000 372; Häkkinen 2004 1403 [; Bjorvand–Lindeman 2007 828–830]. Germ. LW.

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UPEA, upia ’prächtig, üppig; reich; geschickt, flink; feurig (z.B. Pferd); stolz’; uve (G. upeen) (Lönnr.) ’ausgezeichnet; stolz’. *upeįa / *up(i)ja ~ urgerm. *uΰja-z (, urn. *uΰjaR); vgl. ahd. uppi ’übel. schadend’; vgl. auch die Ableitungen auf -Ưg- (ahd. ubbƯg, uppƯg ’eitel, vergeblich, nichtig, unnütz’, mhd. üppec, üppic ’id., übermütig, hochfahrend’, schwed. yppig (< dt.)) und auf -jǀn (got. ufjǀ ist ’es ist unnötig, überflüssig’, ahd. in uppnjn ’vergeblich’); ~ urgerm. *uΰes > *uΰez > *uΰiz (, urn. *uΰiR) oder urgerm. *uΰa-, urn. *oΰa und urgerm. *uΰ(a)ra-, urn. *oΰ(a)ra; vgl. an. of n., auch ofr n. ’große Menge; Übermaß; Übermut’. Nachdem bereits Moller 1756 schwed. yppig und fi. upea miteinander verglichen hatte und Lindström 1859 upea als germ. Lehnwort bezeichnet hatte, deuteten Lidén und gleichzeitig Saxén upea als Entlehnung von germ. *uΰja-. Die lautlich und semantisch problemlose Deutung wird allgemein anerkannt. Karsten hat uve sowohl in der Bedeutung ’ausgezeichnet, stolz, lebhaft’ wie auch (1943/44) in der Bedeutung ’Hengst, Stier, Widder’ zu upea gestellt. 1915 hat er (auf der Basis an. ofr neben of) germ. *uΰes als Original von upea angesetzt; 1943/44 übernimmt er aber die von Lidén und Saxén vorgelegte Deutung. Das Substantiv UVE ist vom homonymen Adjektiv zu trennen. Lindström 1859 68; Lidén 1912 86f.; Saxén 1912 110f.; Setälä 1913a 464f.; Karsten 1915 105, 184, 194; Hellquist 1939 1409; Karsten 1943/44 567, 568– 576; de Vries 1962 [416,] 417; Koivulehto 1971 580; SKES V 1975 1541f.; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 362; Nikkilä 1981 66; Hofstra 1985a 317f., 337, 355; [Lehmann 1986 373;] Blöndal Magnússon 1989 686; [N.Nielsen 1989 511;] Heidermanns 1993 638f.; Ritter 1993 117, 168, 176f.; Häkkinen 1996a 160f.; SSA III 2000 374; Häkkinen 2004 1407. Germ. LW.

UPOTA (uppoa-) ’(ver)sinken; ertrinken’; ingr. uppǀssa; karel. upota; lüd. upota; weps. upota, upta; wot. upota; estn. uppuma; liv. upù. *uppo[~ vorgerm. *upo > urgerm. *ufo > *ufa > *uΰa, urn. *uΰa / *oΰa; vgl. an. of ’(all)zu, übermäßig’ (auch Präfix)’, ae. ufe- in ufeweard ’aufwärts’, of- ’über-, ob-’ (Präfix), ahd. oba ’oberhalb’, mhd. ob(e) id., got. uf ’unter’, (Präfix) ’auf’.] Für upota liegt keine allgemein anerkannte Etymologie vor. Der Versuch, upota mit dem Ugrischen zu verbinden, kann aus lautlichen und semantischen Gründen als gescheitert gelten (UEW). Im SSA werden mordwE. opamoms ’er-

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löschen (Feuer), ersticken, nachlassen (Wind)’ und ostseefi. upota gleichgestellt. Diese Deutung ist semantisch nicht plausibel. Karsten rechnete mit der Möglichkeit, daß upota auf ein urgerm. Präfix *upo (mit noch unverschobenem p) oder *ufo zurückgeht. Diese Ansicht ist semantisch nicht haltbar und läßt morphologische Fragen ungeklärt; sie hat denn auch keine Zustimmung bekommen. Vgl. UPPO. Karsten 1943/44 569–576; Mägiste 1954 125–127; [de Vries 1962 416;] SKES V 1975 1543f.; Hakulinen 1979 321; Raun 1982 192; EEW 1982/83 3566f.; T. Itkonen 1983 205; [Lehmann 1986 371f.;] UEW I 1988 502; [Blöndal Magnússon 1989 684;] SSA III 2000 374; [Kluge–Seebold 2002 660;] Häkkinen 2004 1407. Kein germ. LW.

UPPO, upo, upi, uppi ’ganz, völlig (Adv.)’ nur in Zss. wie upouusi ’funkelnagelneu’ (uusi ’neu’), upporikas ’sehr reich’ (rikas ’reich’); ingr. uBoi in uBoi njs ’ganz neu’ (njs ’neu’); ?karel. upo in upo uusi ’id.’; ?wot. upi in upi njs(i) ’id.’; ?estn. ubi in ubi uus ’id.’. *uppV / *upV [~ vorgerm. *upo > urgerm. *ufo > *ufa > *uΰa, urn. *uΰa / *oΰa; vgl. an. of ’(all)zu, übermäßig’ (auch Präfix)’, ae. ufe- in ufeweard ’aufwärts’, of- ’über-, ob-’ (Präfix), ahd. oba ’oberhalb’, mhd. ob(e) id., got. uf ’unter’, (Präfix) ’auf’.] Laut SKES können die karel., wot. und estn. Formen aus dem Finnischen stammen. Karsten hat uppo, upo usw. als germ. Lehnwort gedeutet; die noch nicht von der germ. Lautverschiebung erfaßte Form *upo ’unter’ werde von uppo, lautverschobenes urgerm. *ufo- (mit germ. f < idg. p) von upo widergespiegelt; uppo sei als verstärkendes Präfix entlehnt worden. Karstens komplizierte Deutung wird mit Recht allgemein abgelehnt. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Adverb wie uppo bereits so früh entlehnt wurde. Vgl. UPOTA. Karsten 1915 183–185, 187, 190, 191, 192; Wiklund 1917a 73; Collinder 1924 85–88; Karsten 1943/44 569–576; [de Vries 1962 416;] SKES V 1975 1542f.; [Lehmann 1986 371f.; Blöndal Magnússon 1989 684;] Häkkinen 1990a 109f.; SSA III 2000 374 [; Kluge–Seebold 2002 660]. Kein germ. LW.

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URME, urmas (aWb., Lönnr.) ’Knoten, Schwellung in Tierhaut; Fliegenlarve auf dem Rücken eines Rentiers, Larve der Dasselfliege, Dasselbeule’; lp. urmл ’id.; (Pl.) Pocken’, lpL. ur‫ލ‬mas ’(Raub)tier, das (Rentieren) Unruhe bereitet; ein kleines fliegendes Insekt’; ?mordw. orma, urma·’Krankheit, Schmerz’. *urmas / *urmek / *urmeh < *urmeš ~ urgerm. *wurmi-z (, urn. *wurmiR); vgl. ae. wyrm m. ’Wurm, Schlange, Drache’, as. wurm, worm m. ’Wurm, Schlange’, wƯnwurm m. ’Weinmücke’ (wƯn ’Wein’), ahd. wurm m. ’Wurm, Schlange’, mhd. wurm m. ’id., Insekt; um sich fressendes Geschwür’; ~ urgerm. *wurma-z, urn. *wurmaR / *wormaR; vgl. an. ormr ’Wurm, Schlange, Drache’, aschwed. ormber m. ’Schlange, Wurm, Flechte (Hautkrankheit)’, mnd. worm m. ’Wurm, Schlange; Insekt, Käfer,’, got. waurms m. ’Schlange’. Im SKES und im UEW wird urme als lp. Lehnwort aufgefaßt. Im SSA wird dies für möglich gehalten. Qvigstad verglich urme mit norw. orm. Wadstein hat urme als germ. Lehnwort gedeutet. Seitdem wird die Deutung als germ. Lehnwort von einigen Forschern akzeptiert. Germ. Herkunft wurde erneut von Hahmo befürwortet. Ihrer Ansicht nach ist das lp.-mordw. Wort ein sicheres germ. Lehnwort; das nur in alten Wörterbüchern belegte fi. urme sei entweder eine frühurfi. Übernahme aus dem Germanischen oder ein lp. Lehnwort. Die Deutung als germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch problemlos. Die Entlehnung ist sehr früh: w- kann im Urfinnischen geschwunden sein: *wurm- > *urm-; vgl. fi. uusi ’neu’ *wunskǀ bzw. *wunsko- > *wunska- als Original an. Die Etymologie ist lautlich in Ordnung; eine Verbindung nsk war im Frühurfinnischen nicht möglich. Zur Semantik betont Koivulehto mit Recht, daß der Weg vom Wunsch zum Glauben nicht besonders weit sei. Vgl. YSKÄ. [Hellquist 1939 1461f.; de Vries 1962 421; ODEE 1969 1009;] SKES V 1975 1553f.; Hakulinen 1979 345, 348; Raun 1982 193; EEW 1982/83 3577–3580; [Blöndal Magnússon 1989 694f.; N.Nielsen 1989 517;] Häkkinen 1990a 118f., 215; Häkkinen 1990b 349; Koivulehto 1989a 184f.; SSA III 2000 377f.; Häkkinen 2004 1412f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1361]. Germ. LW.

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UU- (dial.) nur als Präfix, z.B. in uuruokko ’Unordnung; schlecht, ungepflegt, wertlos’ (RUOKKO ’Pflege; Ordnung’). *nj~ urgerm. *un-, urn. *un-; vgl. an. ó-, ú- ’un-’, aschwed. ǀ- id., ae. un- id., as. un- id., ahd. un- id., got. un- id. Karsten hat uuruokko als Entlehnung von urn. *un-rǀkǀ gedeutet; die Entlehnung habe stattgefunden, als urn. un- noch das n hatte; dies gehe aus der Assimilation von n an r in der Mundartform uurruokko (nur in Lapua) hervor. Karstens Deutung von uu- beruht zu stark auf dem vereinzelten uurruokko. Das seltene Präfix erklärt sich am besten mit SKES als Übernahme des neuschwed. Präfixes o-, das eine uu-ähnliche Lautung hat. [Hellquist 1939 721;] Karsten 1943/44 577; [de Vries 1962 415; ODEE 1969 956f.;] SKES V 1975 1558; [Lehmann 1986 376; Blöndal Magnússon 1989 682; N.Nielsen 1989 475; Bjorvand–Lindeman 2007 1231f.]. Jüngeres LW.

UUNAS (G. uunaan) (dial.) ’Schmiedeesse; Darrofen’. *njnas ~ urgerm. *uЀna-z, urn. *uЀnaR; vgl. an. ofn m. ’Ofen’, aschwed. ughn, oghn, ofn m. id., ae. ofen m. id., ahd. ovan m. id.; ~ urgerm. *uȤna-z (, urn. *uhnaR); vgl. got. auhns m. ’Ofen’. Toivonen hat das in Mundarten in Uusimaa belegte uunas als germ. Lehnwort gedeutet; das Original sei *uЀna-z. Diese Etymologie, die lautlich und semantisch problemlos ist, ist in der Literatur weitgehend unbeachtet geblieben. Eine spätere Entlehnung des skand. Wortes ist uuni ’Ofen’. Toivonen 1919a 109; [Hellquist 1939 1273; de Vries 1962 417; ODEE 1969 637;] SKES V 1975 1562f.; Hofstra 1985a 322; [Lehmann 1986 49; Blöndal Magnússon 1989 685; N. Nielsen 1989 319; Bjorvand–Lindeman 2007 850f.]. Germ. LW.

UVE (G. upeen) (aWb., dial.) ’Hengst; (Lönnr. auch) Stier, Schafbock’; ingr. uveh ’Hengst’; karel. uveh ’id.’; lüd. ubeh ’Hengst(fohlen)’; weps. ubeh, ubez ’id.’. *uȕeh (G. upehen) ~ urgerm. *njfa-z, urn. *njfaR oder ~ urgerm. *njΰa-z, urn. *njΰaR; vgl. an. úfr m. ’herausragende Spitze, Splitter’.

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Karsten hat uve zu UPEA gestellt. Auf der Basis einer Anregung von Nikkilä hat Hahmo mit einigem Vorbehalt fi. uve als Entlehnung aus einer Vorstufe von an. úfr erklärt. Die Bedeutungentwicklung sei: ’herausragende Spitze, etwas Hängendes’ ĺ ’Penis’ und ’männliches Tier’ ĺ ’Hengst’. Dies ist lautlich problemlos und semantisch plausibel. Der Bezug auf die Zeugungsfähigkeit geht auch aus fi. upeillaan (Adv.) ’brünstig’ (mit karel., lüd. und weps. Entsprechungen) hervor. Karsten 1943/44 567; SKES V 1975 1569f.; [de Vries 1962 632;] UEW II 1988 607f.; [Blöndal Magnússon 1989 1082;] SSA III 2000 381; Hahmo 2008. Germ. LW.

V

VAA’AS (Elat. Pl. vaakahista) (Vd.) ’Schmerz’; karel. (Vd.) voakahat (Pl.) ’id.; Wellen’. *vƗȖas (G. vƗkahan) ~ [urgerm. *wƝЀa-z,] urn. *wƗЀaR; vgl. an. vágr m. ’Meer, See, Bucht; Flüssigkeit, Eiter’, aschwed. vƗgher m. ’Bucht; Flüssigkeit, Eiter’, ae. wϾg m. ’Bewegung, Woge, Flut; Meer’, as. wƗg m. ’Woge, Flut’, ahd. wƗg m. ’Woge, Meer’, got. wƝgs m. ’Sturm, Woge’; ~ [urgerm. *wƝЀǀ,] urn. *wƗЀu; vgl. aschwed. vƗgh ’Welle’ (? < Mnd.), mnd. wƗge f. ’Woge’. Vaa’as ist nur aus der Volksdichtung bekannt. Im Finnischen ist es bezeugt in Gedichten aus Sotkamo, an der Grenze zu Nordkarelien. Toivonens Deutung von vaa’as als germ. Lehnwort wird allgemein akzeptiert. Sie ist lautlich und – unter Berücksichtigung des Karelischen – semantisch problemlos. Toivonen 1914/22 89f.; Toivonen 1916/20 30–34; Setälä 1933a 500; [Hellquist 1939 1373;] Karsten 1943/44 578; Toivonen 1944b 129–139; de Vries 1962 639; SKES V 1975 1570; Koivulehto 1976a 264, 287; Koivulehto 1981a 170, 335, 338, 365; Hofstra 1985a 137f., 298, 325; [Lehmann 1986 397; Blöndal Magnússon 1989 1150; N.Nielsen 1989 508;] Ruoppila 1991 21, 24; Ritter 1993 177; Koivulehto 1999a 171, 198f., 201, 223; SSA III 2000 382 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1342]. Germ. LW.

VAAHTO, vahto, va(a)hti, vaahde, vaahi, vaaksi (G. vaahden) ’Schaum, Waschmittel, Lauge’; ingr. vƗhto, vƗksi; karel. voahti, voahi; lüd. vuahte, voahti ’Schaum (Schweißund Speichelschaum des Pferdes); Gischt (im Wasser), Milchschaum; Seifenschaum’; weps. vaht (G. vahton), vahteࡓ (G. vahtۖen); wot. vƗhsi, vƗssi, wotJK. vƗhto ’Schaum, Gischt’; estn. vaht (G. vahu), vatt; liv. v‰o% ’Schaum’. *vahtV / *vƗhtV / *vƗhįek (G. vƗhteȖen) / *vaksi urgerm. *waȤwnan- (, urn. *wahwnan); vgl. mnd. gewagen ’gedenken, erwähnen’, ahd. giwuog (Prät.) ’erwähnte’, mhd. gewahen ’sagen, erwähnen, gedenken’; ~ vorgerm. *wakwnja- > urgerm. *waȤwnijan- (, urn. *wahwnijan); vgl. ahd. giwahinen, giwahanen ’eingedenk sein, erwähnen, sagen’, mhd. gewahenen, gewehenen id. (wenn nicht aus urgerm. *waȤinǀ(ja)n-). Estn. -nd- beruht auf einer sekundären, analogischen Entwicklung. Koivulehto hat ostseefi.-lp. vannoa als ”paläogermanisches” Lehnwort gedeutet und paläogerm. *wákwna- bzw. *wakwnja- als Original angesetzt. Urfi. -tnsei eingesetzt worden, da -Kn- erst später möglich geworden sei. Für diese Entwicklung gibt es einige wenige Parallelfälle; Koivulehto erwähnt u.a. VANNAS und – mit neuer Begründung – linna ’Burg, Festung’. Semantisch ist die von Koivulehto vorgelegte Deutung plausibel; dem germ. Original und dem ostseefi. Wort ist gemeinsam, daß sie wichtige oder feierliche Aussagen bezeichnen; vgl. dazu noch an. váttr m. ’Zeuge’ < urgerm. *waȤtu-z. [de Vries 1962 648;] Seebold 1970 531; SKES V 1975 1641; Hakulinen 1979 345; Raun 1982 197; EEW 1982/83 3702–3704; [Blöndal Magnússon 1989 1153;] Häkkinen 1990a 214; Sammallahti 1998 191; Koivulehto 1999c 121; SSA III 2000 407; [Kluge–Seebold 2002 257; Philippa et al. II 2005 260f.;] Häkkinen 2004 1451; Aikio 2006 12. Germ. LW.

VANTUS (Pl. vanttuut), vannus, van(t)tu, vanttuu ’Fausthandschuh aus Wolle’; karel. vantus. *vantի tus (Pl. *vanttuhut) ~ urgerm. *wantu-z, urn. *wantuR; vgl. an. vІttr m. ’(Faust)handschuh’, aschwed. vanter m. id., mnl. want, wante m. id.

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Estn. vantu (Adv.) ’angezogen, gekleidet’, das laut Söderman wahrscheinlich zu fi. vantus gehört und im SSA mit Fragezeichen damit verbunden wird, ist aus semantischen Gründen von vantus zu trennen. Die lautlich und semantisch einwandfreie Deutung von vantus als germ. Lehnwort ist seit Thomsen unumstritten. Thomsen 1869 158; Thomsen 1890 158; Setälä 1913a 468; Hellquist 1939 1310; Karsten 1943/44 588; Kylstra 1961 107; de Vries 1962 676; T.Itkonen 1973a 50–53; SKES V 1975 1643; Koivulehto 1976b 257; Sammallahti 1977 121; Hakulinen 1979 358; Hahmo 1981 50; Nikkilä 1983 116; Hofstra 1985a 217, 287, 299f.; [Blöndal Magnússon 1989 1161;] Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 486; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 407; Häkkinen 2004 1451; Bjorvand–Lindeman 2007 1332. Germ. LW.

VAOTA (aSs.) ’beobachten’ s. VAKOILLA.

VAPISTA, vavista ’zittern’, vavahtaa ’aufschrecken, zusammenfahren’; ingr. vavissa ’zittern’; karel. vapissa, vavissa ’id.’; estn. vabisema ’id.’. *vapV~ urgerm. *waΰǀ(ja)n-, urn. *waΰǀn; vgl. ae. wafian ’schwenken, schwingen’, mhd. waben ’in Bewegung sein’ und die r-Ableitung an. vafra id., mhd. waberen ’id.; wanken’; ~ [urgerm. *wƝΰ-,] urn. *wƗΰ-; vgl. an. váfa ’schweben, baumeln, schwanken’. Im SKES wird vapista als deskriptiv anmutend bezeichnet und mit VAAPPUA verglichen. Laut Häkkinen dürfte vapista eine lautmalerische Bildung sein. Koivulehto behandelt vapista als Teil einer umfangreichen Wortgruppe, die auf germ. Superstrateinfluß beruhe und die er u.a. mit mhd. waben und an. váfa vergleicht. SSA gibt in vorsichtiger Formulierung die im SKES vertretenen Deutungen wieder, erwähnt aber auch Koivulehtos Etymologie. Koivulehtos Deutung ist lautlich und semantisch möglich, aber angesichts der Expressivität von vapista nicht notwendig. Vgl. VAAPPUA. [Hellquist 1939 1403f.; de Vries 1962 638; ODEE 1969 994, 995;] SKES V 1975 1647f.; Koivulehto 1979b 285–288, 299f.; Raun 1982 194; EEW 1982/83 3616; Hofstra 1985a 114, 348; [Blöndal Magnússon 1989 1096, 1149; N.Nielsen 1989 507;] SSA III 2000 408; Häkkinen 2004 1452f. ? Germ. LW.

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VARA ’Stütze, Schutz (abstr.); Besitz; Ressourcen; Ersatz; freier Raum, Platz; Stütze, Stützbalken; Sicherheit, Schutz, Mittel; Vorsicht’; ingr. vara ’Sicherheit; Vermögen; Reserve’; karel. vara; lüd. vara ’Stütze, Schutz’; weps. varha (Adv.) ’für etwas, sicherheitshalber’; wot. vara ’Vermögen, Vorrat; Besitz; Stütze, Schutz’; estn. vara ’Besitz, Wohlstand; Ware; Möglichkeit; Vermögen, Kraft’; liv. varà ’Vorrat, Besitz; Macht’. *vara ~ urgerm. *warǀn-, urn. *warǀ; vgl. an. vara f. ’Ware’, aschwed. vara f. ’id., Schutz; Aufmerksamkeit’, ahd. wara f. ’Ware; Aufmerksamkeit’; ~ urgerm. *warǀ, urn. *waru; vgl. aschwed. var f. ’Aufmerksamkeit; Schutz’, ae. waru f. ’id.; Bewachung; Handelsware’, as. wara f. ’Aufmerksamkeit’ in wara niman ’wahrnehmen’, ahd. wara f. ’Ware; Aufmerksamkeit’; ~ urgerm. *waran-, urn. *warƗ; vgl. an. vari m. ’Vorsicht; Aufmerksamkeit’, aschwed. *vari (nur G.D.A. vara) m. id. Seit Thomsen vara als germ. Lehnwort gedeutet hat, ist die Herkunft lautlich und semantisch unumstritten. Die breite Semantik von vara kann darauf beruhen, daß mehrere lautlich ähnliche, voneinander nicht mehr zu trennende germ. Wörter entlehnt wurden. Thomsen 1869 185; Setälä 1913a 468; Hellquist 1939 1313; Karsten 1943/44 588f.; de Vries 1962 645 [, 646]; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 992;] SKES V 1975 1648–1651; Hakulinen 1979 362; Lehtinen 1979 245; Koivulehto 1981a 175; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3718–3720; Hofstra 1985a 232, 328; [Lehmann 1986 395;] Blöndal Magnússon 1989 1105f. [, 1107]; N.Nielsen 1989 487; Häkkinen 1990a 252; Häkkinen 1990b 365; Koivulehto 1999a 175; SSA III 2000 408f.; Häkkinen 2004 1453f.; Aikio 2006 38. Germ. LW.

VARAS (G. varkaan) ’Dieb’; ingr. varaz; karel. varas; lüd. vargaz; weps. vargaz; wot. vargaz, wotJ. varge֑ z, wotK. varaZ; estn. varas (G. varga); ?liv. var. *varȖas (G. *varkahan) ~ urgerm. *warЀa-z, urn. *wargaR; vgl. an. vargr m. ’Wolf; Übeltäter, Geächteter’, aschwed. vargher m. id., ae. wearg m. ’Geächteter, Verbrecher’, as. warg m. ’Verbrecher’, ahd. warg m. ’Feind, Teufel’, got. -wargs in launawargs ’undankbar’ (launa- ’Lohn’). Liv. var (nur in Salis) dürfte eine Entlehnung aus dem Estnischen sein. Seit dem 18. Jh., z.B. von Moller, wird varas mit obigem germ. Wortgut verglichen. Die germ. Herkunft ist unumstritten. Lautlich und semantisch ist sowohl eine frühe wie auch eine etwa erst urnord. Entlehnung möglich.

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Thomsen 1869 158f.; Setälä 1913a 468; Neuhaus 1908 162; Hellquist 1939 1314f.; Karsten 1943/44 589; Kylstra 1961 20, 61; de Vries 1962 645f.; Raun– Saareste 1965 44; Koivulehto 1971b 580; Niskanen–Hofstra 1971 44; T.Itkonen 1973 54; KLM XIX 1975 173; SKES V 1975 1652; Loikala 1977 246; Hakulinen 1979 361; Koivulehto 1981a 346; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3722f.; Hofstra 1985a 329; T.Itkonen 1985 205, 227; Lehmann 1986 229; [Blöndal Magnússon 1989 1106f.;] Joki 1989 21; N.Nielsen 1989 487; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 19, 207; SSA III 2000 409; Häkkinen 2004 1454; Bjorvand–Lindeman 2007 1266–1268. Germ. LW.

VARE (dial.), vareja ’Grabruine, Hügelgrab; Steinhaufen’; estn. vare ’Steinhaufen’, varem ’id.; Haufen’, varemed (Pl.) ’Ruine(n), Trümmer’. *vareh ~ urgerm. *waru-z, urn. waruR (Runeninschrift aus Norwegen) f. (?) ’Steinhegung (um das Grab)’; ~ urgerm. *warǀ, urn. *waru; vgl. an. vІr f. ’Landungsplatz; eig. am Landungsplatz aufgeschichtete Steine’, norw. var ’hohe Stein- oder Kiesbank’, ae. waru f. ’Kiesbank am Strande’, mnd. war n. ’Damm im Wasser; Wehr’; ~ urgerm. *warǀn-, urn. *warǀ; vgl. aschwed. vara f. ’(sandiger) Strand’. Fi. vare ist beschränkt auf den Küstenbereich von Rauma und Uusikaupunki. Die Herleitung aus dem Germanischen wurde von Nikkilä vorgelegt und ist mit Recht allgemein akzeptiert. Es kann sich um ein frühes Lehnwort handeln. Hellquist 1939 1313; [de Vries 1962 674f.;] K.Vilkuna 1965 95–99; SKES V 1975 1652; Hakulinen 1979 313; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3727f.; Nikkilä 1983 116; Hofstra 1985a 325f.; [Lehmann 1986 394; Blöndal Magnússon 1989 1160;] Koivulehto 1992d 166f., 183; Koivulehto 1999a 311f.; SSA III 2000 409. Germ. LW.

estn. VARJAMA ’beschatten’ s. VARJELLA.

VARJELLA ’(be)hüten, (be)schützen, bewachen’; ?karel. varjella ’beschützen’; estn. varjama ’id., beschatten; verbergen, verstecken’. *varja-

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~ urgerm. *warjan-, urn. *warjan; vgl. an. verja ’verteidigen, schützen, (ver)wehren’, aschwed. væria id., ae. werian id., as. werian id., ahd. werien id., got. warjan ’wehren’. Karel. varjella ist laut SKES und SSA vielleicht ein fi. Lehnwort. WotJ. warjama ist ein Lehnwort aus dem Estnischen. Varjella wurde seit Thomsen als Ableitung von VARJO aufgefaßt. T. Itkonen hat aber das Verb und das Substantiv als unterschiedliche Entlehnungen aus dem Germanischen gedeutet und estn. varjama und die fi. Frequentativableitung varjella zu germ. *warjan- gestellt. Itkonens Auffassung ist in morphologischer Hinsicht der alten Deutung vorzuziehen. Thomsen 1869 159; Setälä 1913a 468; [Hellquist 1939 1395;] Karsten 1943/44 589f.; [de Vries 1962 656;] Raun–Saareste 1965 44; SKES V 1975 1655f.; Hakulinen 1979 358; T.Itkonen 1980a 132; Raun 1982 198f.; EEW 1982/83 3730– 3732; Hofstra 1985a 239f., 347; [Lehmann 1986 394; Blöndal Magnússon 1989 1123; N.Nielsen 1989 305f.;] SSA III 2000 410; Häkkinen 2004 1455 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1291]. Germ. LW.

VARJO ’Schatten(bild), Spiegelbild; Gestalt, Gespenst, Schemen (eines Toten oder Geistes); ein Platz, Vorhang oder Schirm usw. (als Schutz); (besonders in der Vd.:) Schutz, Sicherheit; Sonnen- oder Mondfinsternis’; ingr. varjo ’geschützter Platz, Schutz (vor Sonne, Regen, Wind); Schutz(bedeckung) aus Stoff’; karel. varjo ’Verstärkung, Stütz(balken)’; wot. varjo ’Schatten, Schutz; Spiegelbild; Spiegel; (wotM. auch:) kühl’; estn. vari ’Schatten; Schutz, Sicherheit; Spiegelbild’; liv. vǀ֑Ě ’Schatten, Schutz’. *varjo ~ urgerm. *warjǀn-, urn. *warjǀ; vgl. an. verja f. ’Verteidigung, Schutz’, aschwed. værja f. id. Varjo wurde bereits im 18. Jh. mit der Wortsippe um germ. *warjǀnverglichen. Die Herleitung ist lautlich und semantisch einwandfrei. Thomsen 1869 159; Setälä 1913a 468; Hellquist 1939 1395f.; Karsten 1943/44 589f.; de Vries 1962 655; Raun–Saareste 1965 44; E.Itkonen 1968 513; Koivulehto 1972 617; Hakulinen 1975 175; SKES V 1975 1655f.; Koivulehto 1976b 275; Hakulinen 1979 358, 363; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3730–3732; Hofstra 1985a 240, 326, 329; [Blöndal Magnússon 1989 1123;] N.Nielsen 1989 505; Ritter 1993 177; Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 72, 226; SSA III 2000 410f.; ALFE 1 2004 419f.; Häkkinen 2004 1455; Bjorvand–Lindeman 2007 1291. Germ. LW.

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VARMA ’sicher, zuverlässig, fest, standhaft; überzeugt; fleißig, geschickt, flink, vernünftig; kräftig, stark, robust, andauernd; wohlhabend’; ingr. varma ’robust, dick; kräftig’; karel. varma ’sicher; rasch, flink, tüchtig’; weps. varmed ’stark, fest’; wot. varma ’kräftig; dick, robust’, wotJ. varm ’dick, robust, stattlich’; estn. varmas, varm (Wied.) ’flink, rasch, tüchtig’. *varma [1. ~ urgerm. *warma-z, urn. *warmaR; vgl. an. varmr ’warm’, aschwed. varmber id., ae. wearm id., as. warm id., ahd. warm id.] [2. ~ urgerm. *frama-z, urn. *framaR; vgl. an. framr ’hervorragend, vornehm; kühn, mutig’, aschwed. framber id., ae. fram ’kräftig; kühn, stark’.] Koivulehto hat zwar 1981 für varma Entlehnung von germ. *warma- ’warm’ vermutet, gibt dies aber 1999 mit Recht auf und bezeichnet indo-iran. Herkunft (vgl. aind. várman- ’Schutzwehr, Panzer’) als ”immer noch erwägenswert”. Die von Katz vorgelegte Deutung von varma als Entlehnung von urgerm. *frama-(z) ist abzulehnen, da germ. f- in alten Lehnwörtern sonst nicht durch ostseefi. v- reflektiert wird; sie setzt außerdem eine Metathese voraus. [Hellquist 1939 234, 1316; de Vries 1962 139f. 646;] SKES V 1975 1656; Hakulinen 1979 324; [Heidermanns 1993 209, 659f.;] Koivulehto 1981a 202; Raun 1982 199; EEW 1982/83 3735; Hofstra 1985a 335, 337, 341; [Lehmann 1986 124, 394f.; Blöndal Magnússon 1989 205, 1107f.; N.Nielsen 1989 159f., 486;]; Häkkinen 1990b 365f.; Katz 1990b 22; Ritter 1993 27; Koivulehto 1999a 196, 226; SSA III 2000 411; Häkkinen 2004 1455 [; Bjorvand–Lindeman 2007 301– 303, 1268]. Kein germ. LW.

VAROA ’sich vor etwas oder jemandem in Acht nehmen, vorsehen; zurückscheuen, sich vor etwas fürchten; schützen; etw. im voraus vorbereiten oder besorgen; vermuten, schätzen; bezweifeln’, varata (obs.) ’Angst haben’; karel. varo(i)ttoa ’bereichern; durch Zauberei schützen; sich hüten’, varata, varajua ’durch Zauberei schützen; sich hüten; Angst haben; eifersüchtig sein’; lüd. varaitta ’Angst haben; vermeiden’; weps. varaita, varƗt a ’id.’; liv. va‫ތ‬ĚttϷյ ’beaufsichtigen; schützen’. *varo- / *vara~ urgerm. *warǀ(ja)n-, urn. *warǀn; vgl. an. vara ’warnen’, aschwed. vara ’auf etwas achten, schützen; warnen; auf etwas aufmerksam machen’, ae. warian ’wahren, hüten; warnen’, as. warǀn ’beachten, bewahren’, ahd. biwarǀn ’bewahren’ (bi- Präfix). Varoa ist nach gängiger Ansicht entweder eine direkte Entlehnung aus dem Germanischen oder eine Ableitung vom Lehnwort VARA. Sowohl morpholo-

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gisch wie lautlich kommen beide Möglichkeiten gleichwertig in Frage. Semantisch aber ist Herleitung aus dem Germanischen zu bevorzugen. Wie bei VARA kann an mehrere, voneinander nicht mehr zu trennende Wörter als Original gedacht werden. Diese Annahme erklärt wohl am besten die semantische Breite. Thomsen 1869 158; Setälä 1913a 468; [Hellquist 1939 1313;] Karsten 1943/44 590; [de Vries 1962 645; ODEE 1969 992;] SKES V 1975 1649, 1656; Hakulinen 1979 362; Lehtinen 1979 245; 250f.; T.Itkonen 1980a 102, 133; Lehtinen 1980 53, 54; Hofstra 1985a 236, 348; [Blöndal Magnússon 1989 1106; N.Nielsen 1989 487;] SSA III 2000 411; Häkkinen 2004 1453f., 1456 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1264f.;] Bentlin 2008 258f., 268, 272. Germ. LW.

VARPE (Pl. varppeet) (dial., aWb.), varve (Pl. varpeet), värpe ’zusätzlicher Rand, Zusatz- oder Reservebrett eines Bootes’; ingr. varppeheD (Pl.); estn. varped. *varȕeh (Pl. *varpehet) ~ urgerm. *hwarΰa-, urn. *hwarΰa; vgl. an. hvarf n. ’Kreis, Ring, eingehegter Platz; (in ON) Landzunge’, aschwed. hvarf n. ’Schicht, Runde, Mal’, schwed. dial. varv n. ’id.; Balkenschicht im Gebäude’, norw. varv n. id., ae. hwearf n. ’Landungsplatz, Strand’; ~ urgerm. *hwarΰa-z (, urn. *hwarΰaR); vgl. ae. hwearf m. ’Landungsplatz, Strand’, as. hwarf m. ’Haufe, aufgeworfene Erde’, mnd. warf (auch werf) m. (und n.) ’von Erde aufgeworfener Hügel zur Sicherung gegen Überschwemmung, (in der Stadt auch:) ein Damm, ein durch Bollwerk oder Mauer geschütztes Ufer; erhöhte oder gesicherte Haus- oder Hofstelle’; ~ urgerm. *hwarfa-, urn. *hwarfa oder urgerm. *hwarfa-z (, urn. *hwarfaR); wie oben. Die Geminate -pp- in der Variante varpe : varppeet (Pl.) ist sekundär und beruht auf Stufenwechselentgleisung; Parallelfälle sind z.B. KERPO und KÄRVÄS. Im SKES wird varpe als Ableitung von fast allgemein ostseefi. varpa ’entlaubter Zweig, Reis, Gerte, dünner Stab, Latte’ aufgefaßt. Im SSA werden varpe und varpa miteinander verglichen, ohne daß ausgesagt wird, in welchem Verhältnis diese Wörter zueinander stehen. Hahmo und Nikkilä haben varpe als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich ist die Deutung problemlos. Semantisch ist sie plausibel: varpe bezeichnet eine Erhöhung (des Bootsrandes) wie auch mnd. warf (und werf) eine Erhöhung bezeichnet; vgl. noch das mit norw. varv ablautende norw. kverv n. ’Runde, Mal; vereinzelte Reihe oder Ring, bes. eine Brett- oder Plankenschicht im Boot’. [Hellquist 1939 1319; de Vries 1962 269;] Ruoppila 1967 119f.; ODEE 1969 1001; Seebold 1970 282–284; SKES V 1975 1657, 1663f.; Hakulinen 1979 339;

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[Blöndal Magnússon 1989 393; N.Nielsen 1989 393;] SSA III 2000 411; Hahmo–Nikkilä 2004 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1296f.; Philippa et al. IV 2009 613]. Germ. LW.

VARRAS (G. vartaan) ’(Trocken)stange; Bratspieß; Stricknadel; Dreschflegel’; ingr. varraz ’Fischstange; Stricknadel’; ?karel. varras ’Trockenstange’; lüd. vardaz ’id.’; wot. varraz ’Stützstange (im Heuschober); Bratspieß’, wotJ. varre֑ z ’Spieß, Stange; Stricknadel’; estn. varras (G. varda) ’id.’. *varįas (G. *vartahan) ~ urgerm. *warÿǀn-, urn. *warÿǀ; vgl. aschwed. vardha f. ’Bündel von zehn (getrockneten) Fischen; Weidenband’, schwed. dial. våra, våla id., norw. vorda f. ’Bündel Fische’. Karel. varras ist laut SKES und SSA ein Lehnwort aus dem Finnischen. Varras wird als Ableitung von VARSI oder als balt. Lehnwort aufgefaßt. Koivulehto hält auch germ. Herkunft für möglich: varras könne dasselbe Original wie VARSI haben; siehe dort. Er bevorzugt aber die Deutung als balt. Lehnwort. Entlehnung aus dem Baltischen, wo das entsprechende Wort eine Stange bezeichnet, liegt aus semantischen Gründen näher als germ. Herkunft. Vgl. VARSI. Thomsen 1890 237f.; [Torp 1919 873; Hellquist 1939 1374;] Nieminen 1963 236–239; SKES V 1975 1658; Koivulehto 1979c 139–142, 145, 154; Raun 1982 199; EEW 1982/83 3737f.; Hofstra 1985a 158, 181, 304, 377; [Blöndal Magnússon 1989 1106;] Koivulehto 1999a 143–146, 149, 158; SSA III 2000 412; Häkkinen 2004 1456. Kaum germ. LW.

VARROTA, vartoa ’warten, erwarten’; lpN. vuor'det ’warten’. *varto~ frühurgerm. *warÿƗ- > urgerm. *warÿǀ(ja)n-, urn. *warÿǀn; vgl. an. varða ’verwehren, sichern, bürgen’, ae. weardian ’warten, hüten, schützen’, as. wardon ’sich hüten, sorgen für, schützen’, ahd. anawartǀn ’aufmerken’ (ana- Präfix), wartƝn ’achten auf etwas, beobachten, behüten’. Estn. dial. vartuma ’warten’ ist eine Entlehnung aus dem Finnischen.

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Die germ. Herkunft von varrota ist seit dem 18. Jh. bekannt. Koivulehto hat, unter Berücksichtigung von lpN. vuor'det, fi. varrota als Entlehnung von frühurgerm. *warÿƗ- gedeutet. Diese Ansicht ist lautlich und semantisch plausibel. Thomsen 1869 159; Setälä 1913a 468; [Hellquist 1939 1379;] Karsten 1943/44 590; de Vries 1962 645; [ODEE 1969 992;] SKES V 1975 1658; Koivulehto 1976a 247, 262, 277, 285; Koivulehto 1977a 145; Sammallahti 1977 121, 122; Koivulehto 1979c 131; Hakulinen 1979 362; T.Itkonen 1980a 102; M.Korhonen 1981a 35; EEW 1982/83 3744; Hofstra 1985a 236f., 348; UEW II 1988 898; [Blöndal Magnússon 1989 1106; N.Nielsen 1989 487;] Koivulehto 1991d 46; Ritter 1993 33, 35, 176f., 189; Sammallahti 1998 268; Koivulehto 1999a 130, 135; SSA III 2000 412; Häkkinen 2004 1457; Aikio 2006 12, 13 [; Bjorvand– Lindeman 2007 1287–1289]. Germ. LW.

VARSA ’Fohlen; Elchkalb’; ingr. varza ’Fohlen’; karel. varsa; lüd. varz(eࡓ )’Fohlen’; weps. varz ’id.; (junger) Hengst’; wot. varsa, wotJ. vars ’Fohlen’; estn. varss ’id.’; liv. vƗrza ’id.’; ?mordw. vašo, vaša ’Fohlen’. *varsa [~ urgerm. *farza-z (, urn. *farRaR); vgl. ae. fearr m. ’Stier, Ochse’, mnd. var m. ’Stier’, ahd. far m. id., mhd. var m. id.; ~ urgerm. *farzan-, urn. *farRƗ; vgl. an. farri m. ’Stier, Ochse’, mnd. varre m. ’Stier’, ahd. farro m. id., mhd. varre id.] Varsa wird seit Mitte des 19. Jh.s als indogerm., ins besondere indoiran. Lehnwort aufgefaßt; diese Etymologie ist lautlich und semantisch problemlos. Die von Katz vorgelegte Deutung als germ. Lehnwort ist abzulehnen, da germ. f- in alten Lehnwörtern sonst nicht durch ostseefi. v- reflektiert wird. [de Vries 1962 113;] Raun–Saareste 1965 43; Joki 1973 337f.; SKES V 1975 1658f.; Hakulinen 1979 350; Raun 1982 199; EEW 1982/83 3741f.; [Blöndal Magnússon 1989 165;] Häkkinen 1990a 207, 241; Katz 1990a 62; Katz 1990b 22; Häkkinen 1996a 105, 140f.; Koivulehto 1999b 226f.; SSA III 2000 412; Häkkinen 2004 1457. Kein germ. LW.

VARSI (G. varren) ’Stengel, Stiel, Schaft; Griff; (Weg)rand, (Fluß)ufer u.ä.; Körper’; ingr. varz ’Stiel eines Gegenstandes; Pflanzenstengel’; karel. varsi; lüd. varž ’Stiel (von Axt, Sichel usw.)’; weps. varĨ ’(Pflanzen)stengel, (Werkzeug)stiel’;

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wot. varsi ’Stengel, Stiel; Arm’; estn. vars (G. varre) ’(Pflanzen)Stengel, dünner Ast, (Werkzeug)stiel,’; liv. vaĚթž ’Stiel, Halter; Stengel’; tscher. wu·rįo, wu·rįϷյ ’Schaft, Stiel, Stengel’. *varsi -si und wegen der Verbreitung älter sein als VARRAS. Koivulehto bevorzugt wegen der Verbreitung bis ins Tscheremissische die Deutung als balt. Lehnwort. Entlehnung aus dem Baltischen, wo das entsprechende Wort Stangen (unterschiedlicher Art) bezeichnet, liegt aus semantischen Gründen näher als Entlehnung aus dem Germanischen. Vgl. VARRAS. Thomsen 1890 237f.; [Torp 1919 873;] Kalima 1936 177f.; [Hellquist 1939 1374;] SKES V 1975 1659f.; Hakulinen 1979 92; Koivulehto 1979c 139–142, 145, 153, 154; Raun 1982 199; EEW 1982/83 3739–3741; Hofstra 1985a 92, 158, 180, 181, 322, 377, 392, 393; Hahmo 1986 162, 168; UEW II 1988 814; [Blöndal Magnússon 1989 1106; Häkkinen 1990a 202; Häkkinen 1990b 366f.; Hofstra 1990b 130; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 133, 143–146, 149, 157f.; SSA III 2000 412f.; Häkkinen 2004 1457f. Kaum germ. LW.

VARTIJA, vartia, vartio ’Wächter; Hüter; Wache’, vartioida ’hüten, bewachen’; karel. vartivo ’Wache; Hüter’, vartie ’Hüter’, varteija, vartoija ’hüten, bewachen, schützen, aufpassen’; lüd. vard´oida ’id.; beschützen; beobachten, auflauern’; weps. varАƯta, vard´oita ’bewachen; beobachten, auflauern’; wot. varrita ’wachen, schauen, beobachten’; estn. vardja, vardija ’Aufseher, Hüter; Leiter der Hochzeitszeremonien’. *vart(i)jo / *vart(i)ja ~ urgerm. *warÿijan- (, urn. *warÿijƗ); vgl. got. wardja m. ’Wächter’; ~ urgerm. *warÿu-z, urn. *warÿuR; vgl. an. vІrðr m. ’Wächter, Hüter’, aschwed. varþer m. ’Wache, Bewachung; Pflege’; ~ urgerm. *warÿa-z (, urn. *warÿaR); vgl. ae. weard m. ’Wart, Wärter, Schützer; Herr; Wache, Schutz’, as. ward m. ’Wart, Beschützer’, ahd. wart m. ’Wächter’, got. daurawards m. ’Torhüter’ (daura- ’Tür’);

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~ urgerm. *warÿǀ (, urn. *warÿu); vgl. ae. weard f. ’Warte, Wache, Schutz; Vorposten, Hinterhalt’, as. warda f. ’Warte, Wache’; ahd. warta f. ’Wache, Warte; Ausschauen’. Thomsen hat vartija als got. Lehnwort gedeutet. Setälä akzeptierte diese Deutung; sie ist seitdem unumstritten. Die oben genannten ostseefi. Verben können (teilweise) auf Entlehnung eines germ. Verbums beruhen; siehe dazu s.v. VARROTA. Thomsen 1869 159; Setälä 1913a 468; Hellquist 1939 1378f.; Karsten 1943/44 590; Kylstra 1961 71; [de Vries 1962 675;] Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 992;] T.Itkonen 1971 271; SKES V 1975 1661f.; Hakulinen 1979 361; Koivulehto 1979c 131; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3726f.; Hofstra 1985a 329f.; Lehmann 1986 394; [Blöndal Magnússon 1989 1160;] Joki 1989 21; [N. Nielsen 1989 486f.;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 413; Häkkinen 2004 1459; Palviainen 2004 228 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1264f.]. Germ. LW.

VARTIO ’Wache’ s. VARTIJA.

VARTOA ’warten, erwarten’ s. VARROTA.

VASTA ’Bund grüner (Birken)zweige für das Saunabad oder als Besen’; ingr. vasta; karel. vasta; lüd. vast(eࡓ ); weps. vast. *vasta ~ urgerm. *kwastu-z, urn. *kwastuR; vgl. aschwed. koster, kvaster m. ’Laubbüschel (zur Benutzung beim Baden)’, mnd. quast m. ’id.; Quaste’, mnl. quast ’Zweig mit Blättern’, mhd. quast, kost m. ’Laubbüschel’; ~ urgerm. *kwasta-z, urn. *kwastaR; wie oben. Im Finnischen ist vasta nur in östlichen Mundarten belegt. Im 19. Jh. galt vasta als schwed. Lehnwort. Aufgrund der Verbreitung stützte Setälä Kluges vorsichtige Deutung von vasta als altes germ. Lehnwort. Nieminen erklärt vasta als allruss. Lehnwort (altruss. hvostǎ ’Schwanz’). Semantisch überzeugt diese Deutung nicht. Seine Auffassung wird dennoch allgemein vertreten; nur im SKES werden beide Deutungen als gleichwertig erwähnt. Lautlich und semantisch ist das germ. Wort ein einwandfreies Original für ostseefi. vasta. Eine östliche Verbreitung findet sich auch bei anderen germ. Lehnwörtern; siehe dazu Nikkilä 1990b.

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Thomsen 1869 59; Kluge 1911 139; Setälä 1913a 469; Hellquist 1939 544; Nieminen 1953 220–227; Plöger 1973 221f.; SKES V 1975 1667; Hakulinen 1979 368; Koivulehto 1988a XI 2; [Blöndal Magnússon 1989 531; N.Nielsen 1989 235;] Häkkinen 1990a 256; Länsimäki 1995 114; Tuomi 1994; SSA III 2000 416; ALFE 1 2004 176f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 594f.]. Germ. LW.

VATA ’kleines, meist beutelloses Zugnetz’; lüd. vada; weps. vada; estn. vada; liv. vadà. *vata ~ urgerm. *waÿǀ, urn. *waÿu; vgl. aschwed. vaþ f. ’Zugnetz’, ae. wadu f. id., mnd. wade ’großes Zugnetz’, ahd. wata f. ’id.; Seil’, mhd. wate f. ’Zugnetz’; ~ urgerm. *waÿa-, urn. *waÿa; vgl. norw. vad n. ’Angelschnur, Fischnetz’; ~ urgerm. *waÿi-z, urn. *waÿiR; vgl. an. vaðr m. ’Angelschnur’, norw. vad n. ’id., Fischnetz’. Ostseefi. vata wird oft zu tscher. wot ’Angelschnur; Spinngewebe’ gestellt und deshalb als genuines fi.-wolg. Wort aufgefaßt. Nach heutiger Auffassung ist tscher. wot eine Entlehnung aus dem Ostseefinnischen. Laut Lindström, Thomsen, Setälä und späteren Forschern ist vata ein germ. Lehnwort. Streng und Karsten 1943/44 haben fi. vata als schwed. Lehnwort aufgefaßt; die Verbreitung im Ostseefinnischen spricht dagegen. Die Deutung als älteres germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch plausibel. Vgl. VATO. Lindström 1859 113; Thomsen 1890 234; Saxén 1895/98 237f.; Setälä 1913a 469; Karsten 1915 182; Streng 1915 255; Hellquist 1939 1293; Karsten 1943/44 591; E.Itkonen 1953/54 159; de Vries 1962 637; Koivulehto 1971c 73; SKES V 1975 1671f.; Koivulehto 1976b 265; Hakulinen 1979 359; EEW 1982/83 3617f.; Hofstra 1985a 302f., 392f., 400; UEW II 1988 816; [Blöndal Magnússon 1989 1095f.;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 499;] Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1997b 25; SSA III 2000 417f.; [Bjorvand–Lindeman 2007 1249]. Germ. LW.

VATO (Lönnr., dial.), vadus (G. vaduksen) (aWb.) ’Angelschnur’. *vato ~ urgerm. *waÿǀ, urn. *waÿu; vgl. aschwed. vaþ f. ’Zugnetz’, ae. wadu f. id., mnd. wade ’großes Zugnetz’, ahd. wata f. ’id.; Seil’, mhd. wate f. ’Zugnetz’; ~ urgerm. *waÿa-, urn. *waÿa; vgl. norw. vad n. ’Angelschnur, Fischnetz’;

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~ urgerm. *waÿi-z, urn. *waÿiR; vgl. an. vaðr m. ’Angelschnur’, norw. vad n. ’id., Fischnetz’. Das nur bei Lönnrot und im fi. Kirchspiel Kymi belegte vato und das in alten Wörterbüchern genannte vadus könnten, morphologisch gesehen, Ableitungen von VATA sein. SKES hält dies für kaum wahrscheinlich, sondern denkt an eine Entlehnung von *waÿǀ- (entweder fem. ǀ-Stamm oder Plural eines Neutrums). Lautlich sind beide Auffassungen möglich, semantisch kommt aber getrennte Entlehnung am ehesten in Frage. Vgl. VATA. [Hellquist 1939 1293;] E.Itkonen 1953/54 159; [de Vries 1962 637;] SKES V 1975 1676; Hofstra 1985a 302f.; UEW II 1988 816; [Blöndal Magnússon 1989 1095f.; N.Nielsen 1989 499;] SSA III 2000 417 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1249]. ? Germ. LW.

VAULA, vaulo, vaulu ’Weidenrutenring (auch als Bremse an der Schlittenkufe); Eimerhenkel’; lpI. vyevli, lpKo., lpKld. vevli ’Fessel, Halsband’. *vakla ~ urgerm. *waÿla-z (, urn. *waÿlaR); vgl. ae. watul, watel m. ’Geflecht (aus Ruten), Hürde’; ~ urgerm. *watla-z (, urn. *watlaR); wie oben. Zu vaula wird im SKES und im SSA gleichbedeutendes fi. dial.- karel. vaunu gestellt. Mit vaula wird manchmal estn. dial. vagl ’Wurm, Raube, Made’ verbunden; semantisch ist dies nicht plausibel. Die Deutung als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt. Substitution von germ. ÿl oder tl durch urfi. kl erklärt sich dadurch, daß zur Zeit der Entlehnung tl phonotaktisch unmöglich war; siehe auch NEULA. Semantisch ist die Etymologie plausibel. Die lp. Entsprechung setzt eine frühe Entlehnung voraus. [ODEE 1969 994;] Koivulehto 1976a 258f., 262, 277, 286; Sammallahti 1977 121, 122; SKES VI 1978 1679; Hakulinen 1979 360, 362; Koivulehto 1979b 268, 270, 271; Hofstra 1985a 82, 92, 133, 179, 324, 372; UEW I 1988 553; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 420. Germ. LW.

VAURA (aWb.) ’großes Sieb’. *vaura

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[~ urgerm. *waΰra-z, urn. *waΰraR; nicht belegbar, vgl. aber dän. væver ’hurtig, behende, unternehmungslustig’, falls aus älterem dän. vever (nicht viver), und an. vafra ’schwanken’, an. vafralogi ’Waberlohe’ (-logi ’Lohe’), mhd. waberen ’in Bewegung sein’.] Koivulehto hat für das nur in alten Wörterbüchern belegte vaura denselben germ. Hintergrund angenommen, der nach seiner Meinung auch für VAURAS gilt; das Sieben sei eine Hin- und Herbewegung. Die Deutung befriedigt nicht, zumal ein entsprechendes Substantiv auf germ. Seite fehlt. Vgl. VAAPPARA, VAURAS, VAURIO. [de Vries 1962 638;] Koivulehto 1979b 288, 300; Hofstra 1985a 319f.; [N.Nielsen 1989 507;] Häkkinen 1990a 225f. Kein germ. LW. VAURAS ’begütert, wohlhabend; gesund, munter; stark, fit, stattlich, groß’; karel. vauras ’groß, stark; wohlhabend’; ?estn. vapper (G. vapra), (Wied.) vabras ’mutig, heldenhaft; munter, flink, fit, gesund; geschickt’. *vauras / ?*vapras 1. ~ urgerm. *faЀra-z, urn. *faЀraR; vgl. an. fagr ’schön’, aschwed. fagher id., ae. fæger id., ahd. fagar id., as. fagar id., got. fagrs ’geeignet’. [2. ~ urgerm. *waΰra-z, urn. *waΰraR; nicht belegbar, vgl. aber dän. væver ’hurtig, behende, unternehmungslustig’, falls aus älterem dän. vever (nicht viver), und an. vafra ’schwanken’, an. vafralogi ’Waberlohe’ (-logi ’Lohe’), mhd. waberen ’in Bewegung sein’.] Unsicher ist, ob die obigen estn. Wörter direkt zu fi.-karel. vauras zu stellen sind. Die Rekonstruktion urfi. *vapras gilt nur dann, wenn die estn. Wörter zu vauras gehören. Vauras wird häufig als zur Sippe von VAAPPUA und/oder VAAPPARA gehörig betrachtet. Koivulehto hat die Struktur des Wortes (urfi. Lautfolge -pr-, Endung auf -as) als Indiz für Entlehnung gedeutet. Auf die Möglichkeit der Herleitung aus urgerm. *waΰra-z hat er als erster hingewiesen; er verweist auch auf das verwandte westgerm. *wƗΰrja- (mit Ɨ aus urgerm. Ɲ) > ae. wϾfre ’unstet, schwankend; wandernd, ruhelos’. In der weit verzweigten Sippe von germ. *waΰ-, die von Koivulehto als Quelle auch von VAAPPARA und VAAPPUA aufgefaßt wird, finden sich keine Wörter, die direkt als Original in Frage kämen. Die für diese Etymologie vorgebrachten Argumente reichen nicht aus. Sköld führt fi.-karel. vauras auf germ. (runenschwed.) *faЀr- zurück und setzt eine Entwicklung *vaȖras > vauras an; Germ. f- in alten germ. Lehnwörtern ergibt jedoch urfi. p- oder h-, nicht v-. Ostseefi. v- (nicht p-) als Reflex von germ. f- könnte laut Sköld aber ein Indiz sein, daß vauras ein jüngeres Lehnwort ist. Vgl. VAAPPARA, VAURA, VAURIO.

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[Hellquist 1939 195; de Vries 1962 109, 638; ODEE 1969 342;] SKES VI 1978 1679; Hakulinen 1979 40, 137; Koivulehto 1979b 285–288, 291, 299f.; Raun 1982 198; EEW 1982/83 3715; Hofstra 1985a 96, 179, 337, 338; [Blöndal Magnússon 1989 161; N.Nielsen 1989 112, 507;] SSA III 2000 420; Sköld 2002; Häkkinen 2004 1465 [; Bjorvand–Lindeman 2007 235f.]. ? Jüngeres LW.

VAURIO ’Schaden’. *vaur(i)jo [~ urgerm. *waΰra-z, urn. *waΰraR; nicht belegbar, vgl. aber dän. væver ’hurtig, behende, unternehmungslustig’, falls aus älterem dän. vever (nicht viver), und an. vafra ’schwanken’, an. vafralogi ’Waberlohe’ (-logi ’Lohe’), mhd. waberen ’in Bewegung sein’.] Koivulehto hat vaurio zur Sippe von VAURAS gestellt. Die etymologischen Wörterbücher deuten vaurio als im 19. Jh. entstandene künstliche Bildung auf -io (nach dem Muster von gleichbedeutendem TURMIO usw.) und könnten damit Recht haben. Vgl. VAAPPARA, VAURA, VAURAS. [de Vries 1962 638;] Hakulinen 1979 153, 458; Koivulehto 1979b 288, 300; Hofstra 1985a 329; [N.Nielsen 1989 507;] Häkkinen 1990a 225f.; SSA III 2000 420; Häkkinen 2004 1465f. Kein germ. LW.

VEHMARO (aWb., dial.), vehmere, vehmeri, vehmärä, vehmäri usw. ’(bes. im Winter benutzte) Deichsel beim Schlitten’; estn. vehmer (G. vehmere oder vehmeri) ’Deichsel’; liv. vi‫ތ‬emϷյr ’id.’. *vehmerV / *vehmarV [~ schwed. fimmer- in fimmerstång ’Deichsel’, dt. Femer- in Femerstange id.] Ahlqvists Auffassung, daß vehmaro eine Entlehnung von germ. *femer- sei, wurde mit Recht von Setälä aus lautlichen Gründen abgelehnt. Die Herkunft von dt. Femer- und schwed. fimmer- ist ungeklärt; für eine urgerm. Rekonstruktion fehlt daher jede Grundlage. Posti hat die balt. Herkunft von vehmaro nachgewiesen; diese Deutung wird jetzt allgemein akzeptiert. Ahlqvist 1871 117; Ahlqvist 1875 131; Setälä 1913a 469; [Hellquist 1939 210;] Posti 1972; SKES VI 1978 1682; Suhonen 1980 203; Raun 1982 201; EEW

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1982/83 3780; T.Itkonen 1983 201; Koivulehto 1993a 403; Häkkinen 1996a 153; Liukkonen 1999 58, 113, 155; Koivulehto 1999a 228; Koivulehto 1999b 214; SSA III 2000 421. Kein germ. LW.

estn. VEIMED (Pl.), veim(e) (Wied.) ’Geschenke, welche die Braut bei der Hochzeit verteilt’. *veimi / *veimeh ~ urgerm. *wetman- (, urn. *wetmƗ); vgl. ae. weotuma, wituma, wetma m. ’Mitgift’, afr. wetma, witma m. ’Wittum, Brautgabe’, mnd. wedeme m. und f. ’Brautgabe, Dotierung’, ahd. widamo, widomo, widemo m. ’Mitgift, Dotierung’, mhd. widen, wideme m. ’Dotierung, Ausstattung’, mnd. wedeme m. und f. ’Brautgabe, Dotierung’. Tunkelo hat das nur im Estnischen belegte veimed (Pl.) über urfi. *veįm- als Entlehnung von germ. *wetma(n) gedeutet. Aus lautlichen Gründen ist diese Deutung unwahrscheinlich. Karsten hat veimed als mittelniederdt. Lehnwort gedeutet; das wahrscheinlichste Original sei mnd. *wedme gewesen. Liin hat veime als vermutlich jüngere Entlehnung aufgefaßt und es mit mnd. wedem(e), weme verglichen; seine Ansicht wurde von Raun übernommen. Laut Mägiste ist veimed möglicherweise eine Ableitung vom Verbalstamm *vƝ- ’(hin)bringen, (hin)tragen’. Beide Deutungen sind grundsätzlich möglich; für eine Entscheidung zwischen den beiden ist weitere Forschung notwendig. Tunkelo 1920 105–107; Karsten 1922 102; Kettunen 1923 542; Saareste 1924c 130–133; Mägiste 1925 89; Liin 1964 65; Posti 1981a 13–15; Raun 1982 201; EEW 1982/83 3783 [; Kluge–Seebold 2002 994]. ? Jüngeres LW.

VEKO (Lönnr., dial.), veku in (mennä) sitä / yhtä vekoa / vekua ’weg, in einem fort, ohne Aufenthalt’. *veko / *veku ~ urgerm. *weЀa-z, urn. *weЀaR; vgl. an. vegr m. ’Weg’, aschwed. vegher m. id., ae. weg m. id., as. weg m. id., ahd. weg m. id., got. wigs m. id. Karsten hat 1915 veko, veku als Entlehnung aus dem Urgermanischen oder Urnordischen erklärt; er rechnete außer mit einem a-Stamm auch mit einem uStamm (also urgerm. *weЀu-z usw.). Diese Auffassung wird von De Vries übernommen und findet sich auch im SKES, hier aber neben der Deutung als de-

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skriptives Wort. Karsten hat allerdings 1943/44 seine Meinung revidiert und deutet veku dann als junge Entlehnung aus finnlandschwed. Mundarten. Lautlich und semantisch könnte es sich hier zwar um ein altes Lehnwort handeln, aber Übernahme aus dem Schwedischen dürfte wahrscheinlicher sein. Karsten 1915 254; [Hellquist 1939 1382f.;] Karsten 1943/44 591; de Vries 1962 650; [ODEE 1969 995;] SKES VI 1978 1689 [; Lehmann 1986 402f.; Blöndal Magnússon 1989 1114; N. Nielsen 1989 489; Bjorvand–Lindeman 2007 1275]. ? Germ. oder jüngeres LW.

VELA (aWb., dial.) ’langsame und langwierige Beschäftigung; lang, langgestreckt’, velo, vela-, veloperäinen ’schlaff, unlustig, träge, faul’, velata ’faulenzen; plappern’; karel. velata ’umrühren (KKS); etwas vergebens oder mit schlechtem Resultat machen (SKES)’. *vela ~ urgerm. *dwelan- (, urn. *dwelan); vgl. ae. *dwelan, nur Part. Prät gedwolen ’verkehrt, verwirrt’, as. fardwelan ’versäumen’ (far- Präfix), ahd. twelan ’sich säumig zeigen, einschlafen’, irtwelan ’entkräftet sein, erlahmen, träge sein’ (irPräfix); ~ urgerm. *dwelǀ(ja)n- (, urn. *dwelǀn); vgl. ae. dwelian ’umherirren’. Fi. vela ’Grund-, Angelleine’ und velata ’Angelschnüre oder Netze testen, ohne sie ganz aus dem Wasser zu heben’, die von Rytkönen und im SKES ebenfalls dazu gestellt werden, bleiben davon besser getrennt. Rytkönen hat obige ostseefi. Wörter zu einer germ. Wortgruppe mit dw-, u.a. *dwelan-, gestellt. Im SKES wird die germ. Herkunft zwar nicht ausgeschlossen, die Wortgruppe sei aber wenigstens teilweise deskriptiv. Die Annahme einer Entlehnung aus dem Germanischen ist lautlich ohne Probleme und semantisch möglich. Rytkönen 1937c; Rapola 1947b 75f.; [ODEE 1969 296; Seebold 1970 172f.;] SKES VI 1978 1689f.; [Lehmann 1986 98; N.Nielsen 1989 98;] SSA II 1995 67; SSA III 2000 423. ? Germ. LW.

VELI, veljä ’Bruder; guter Freund, Kamerad’; ingr. veli, veljä ’Bruder’; karel. velji; lüd. vel (l i); weps. vel l ; wot. velli, wotJ. ve¢l , wotK. veli, wotM. velji; estn. veli, velja; liv. ve‫ތ‬l'; lpN. viel—¥ljâ. *velji < *velje

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~ urgerm. *sweljan- > *swiljan-, urn. *swiljƗ; vgl. an. *svili, Plural svilar m. ’Schwäger von Schwestern, Schwiegerbrüder’. Ostseefi.-lp. veli galt lange als Erbwort und wurde in älterer Zeit als mit dem ung. Kasussuffix -vel, -val ’mit’ verwandt aufgefaßt. Koivulehto hat veli 1993 und 1994 vorsichtig als Lehnwort zu einem indogerm. oder frühurgerm. Wort gestellt. 2001 ist nur noch die Rede von indogerm. Herkunft (idg. *sweliyo-). Lautlich und semantisch ist beides möglich. Liukkonen hat veli als balt. Lehnwort gedeutet; seine Deutung ist aus semantischen Gründen unglaubhaft. [de Vries 1962 569f.;] SKES VI 1978 1691; Hakulinen 1979 45, 311; Raun 1982 201; EEW 1982/83 3784f.; [Lehmann 1986 332;] Katz 1988a 91; UEW I 1988 567f.; [Blöndal Magnússon 1989 1002;] Häkkinen 1990a 212; Ritter 1993 85f.; Koivulehto 1993b 28, 34; Koivulehto 1994a 4f.; Kulonen 1999 242; Liukkonen 1999 152–154; SSA III 2000 424; Koivulehto 2001a 50, 58; Häkkinen 2004 1470. Germ. oder älteres LW.

VENTO (G. vennon) ’klug, witzig’ (Lönnr.), in ventovieras (-vieras ’fremd’) ’(völlig) fremd’; ingr. ventolain in vƝras ventolain (vƝras ’fremd’) ’völlig fremd’ (SSA); karel. vento in vento(i)vieras, vennon vieras (vieras ’fremd’) ’völlig fremd’; wot. ventõise võõras (võõras ’fremd’) ’id.’; ?estn. ventu ’Spaß treibend, zügellos’, võnnu- in võnnuvõõras (-võõras ’fremd’) ’völlig fremd, wildfremd’. *vento ~ urgerm. *swenþa-z > *swinþa-z, urn. *swinþaR; vgl. an. svinnr ’klug, weise, rasch’, schwed. dial. svinn ’bescheiden, anständig’, ae. swƯð ’stark, mächtig, heftig, streng’, as. swƯth ’stark, recht’, got. swinþs ’stark’; ~ urgerm. *swenþǀ- > *swinþǀ (, urn. *swinþǀ); vgl. ae. swƯðe ’sehr’, as. swƯtho id., afr. swƯthe id. Ein wegen der Semantik vom Obigen zu trennendes Wort ist fi. vento ’weich, nicht tragend (Erdboden); (zu) biegsam (Holz); ruhig, fast unmerklich fließend; schwach, schlaff; zart’; karel. vento, ventto ’biegsam; schlaff, kraftlos; demütig; faul’. Estn. ventu ist vielleicht ein Lehnwort aus dem Finnischen. Tunkelo hat das in Lönnrots Wörterbuch belegte vento ’klug; witzig’ zum urgerm. Adjektiv *swenþaz gestellt. Hofstra vertritt die Ansicht, daß vento als verstärkendes Element bei VIERAS sich zu derselben germ. Sippe stellen lasse, und zwar zum urgerm. Adverb *swenþǀ. Lautlich und semantisch sind beide Deutungen akzeptabel. Es kann auch zweifache Entlehnung vorliegen.

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Vgl. VINHA. [Hellquist 1939 1115;] Tunkelo 1920 108; Karsten 1943/44 592; de Vries 1962 570; SKES VI 1978 1698f.; Raun 1982 210; EEW 1982/83 3950; T.Itkonen 1983 352; Mullonen 1983 102; Hofstra 1985a 75, 220, 338, 355f.; [Lehmann 1986 336; Blöndal Magnússon 1989 1003f.;] N.Nielsen 1989 433; [Heidermanns 1993 577f.;] SSA III 2000 425; [Bjorvand–Lindeman 2007 1092f.;] Hofstra 2010b. Germ. LW.

VENÄJÄ, venät, venäh, ven(n)ää ’Rußland; russische Sprache’; ingr. venի nϹ; karel. veĔa, venäh, veneäh; lüd. *veĔa; weps. veĔa; wot. venäi-, venϹ-, wotK. vennϹ ’Rußland; russisch’; estn. vene ’russisch’. *venät (G. venäįen) ~ urgerm. *weneÿi-z > *winiÿi-z, urn. *winiÿiR; vgl. an. vindr m. ’Wende’, aschwed. vender (Pl.) m. ’Wenden’, ae. Winedas (Pl.) m. id., as. Winoth m. ’Wende’; ~ urgerm. *weneÿa-z (, urn. *weneÿaR); vgl. ae. Weonedas (Pl.) m. ’Wenden’, mnd. Wenet (G. Wenedes), Went m. ’Wende, Slawe’, ahd. WinidƗ (Pl.) m. ’Wenden’. Auch im liv. ON Vendeculle (1388) ? < *venäįenkülä (*külä ’Dorf’) dürfte *venät vorliegen. Thomsens Etymologie, wonach Venäjä auf Entlehnung der germ. Bezeichnung eines slaw. Stammes beruht, ist lautlich und semantisch einwandfrei und allgemein akzeptiert. Thomsen 1869 159; Setälä 1913a 469; Hellquist 1939 1330; Kylstra 1961 70, 114; de Vries 1962 665; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 1000;] SKES VI 1978 1701f.; Hakulinen 1979 362; Raun 1982 201; EEW 1982/83 3790; Hofstra 1985a 331; [Blöndal Magnússon 1989 1140;] Joki 1989 24; Häkkinen 1990a 157, 252; SSA III 2000 426; Häkkinen 2004 1472. Germ. LW.

VERKA ’dichtes, einfarbiges wollenes Streichgarngewebe, Tuch’; ingr. verGa ’id.; keilförmiger Einsatz an der Kleidung’; karel. verka ’id.; Teil des Fischnetzes’; lüd. verg(eࡓ ) ’keilförmiger Einsatz an der Kleidung’; weps. verg ’id.’; wot. ve֑ rka ’id.’. *verka

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~ urgerm. *werka-, urn. *werka; vgl. an. verk n. ’Werk, Arbeit, Kunst, Bauwerk’, aschwed. werk n. ’Werk, Arbeit’, ae. weorc n. id., as. werk n. id., ahd. werk n. id. Lindström und Ahlqvist haben verka mit skand. und dt. Wortmaterial verglichen. Die erste eigentliche Etymologie stammt von Karsten, der verka als Entlehnung von frühurgerm. *werg- (> *werk-) deutete. Setälä versah Karstens Deutung mit einem Fragezeichen. Collinder fand sie ansprechend, hielt jedoch die Möglichkeit eines einheimischen Wortes offen. Pukki verband verka als elliptische Bildung aus verkakangas (-kangas ’Tuch’) mit VERKANEN. Karstens Etymologie ist laut de Vries, SKES und SSA sehr fraglich bzw. kaum richtig. Häkkinen meint, daß Karstens Deutung möglich sein kann, wenn verka ursprünglich das zu verarbeitende Material bezeichnet haben sollte. Dem ist beizupflichten; lautlich ist Karstens Etymologie in bester Ordnung. Vgl. VERKKA, VERKKO. Lindström 1859 156; Ahlqvist 1875 89; Karsten 1906b 2f.; Setälä 1913a 469f.; Karsten 1915 176–178; Collinder 1932 243f.; Hellquist 1939 1331; Pukki 1941 64–74; Karsten 1943/44 592–596; Pukki 1947 274–277, 279, 339; Toivonen 1947 152–154, 234; Kylstra 1961 143; de Vries 1962 656; [ODEE 1969 1012;] SKES VI 1978 1705f.; Hakulinen 1979 335; Hofstra 1985a 298f.; Lehmann 1986 396f.;] UEW I 1988 584f.; [Blöndal Magnússon 1989 1124; N. Nielsen 1989 506;] SSA III 2000 427; Häkkinen 2004 1473. ? Germ. LW.

VERKANEN (dial.) schwaches Fluchwort; estn. verkane, verkkane Beschwörungs- und Schmähwörter. *verkanen 1. ~ urgerm. *dwerЀa-z, urn. *dwerЀaR; vgl. an. dvergr m. ’Zwerg’, aschwed. dværgher m. id., ae. dweorg m. id., as. gidwerg id. (gi- Präfix), ahd. twerg m. id. [2. ~ urgerm. *ferЀa-, urn. *ferЀa; vgl. an. fjarg, Pl. fjІrg n. ’Götter’, ae. fiergenin Zss. wie fiergenholt ’Bergwald’ (-holt ’Holz, Wald’), got. fairguni n. ’Berg’; ~ urgerm. *ferЀunjǀ, urn. *ferЀunju; vgl. an. fjІrgyn f. ’Erde’ (poet.), auch Name einer Göttin (neben FjІrgynn m.).] Die Deutung von verkanen (-nen ist ein ostseefi. Suffix) als germ. Lehnwort (urgerm. *dwerЀa-) wurde von Tunkelo begründet. Sie wurde von Setälä mit einem Fragezeichen versehen. Sie ist aber lautlich und semantisch möglich. Pukki stellte verkanen zu urn. *ferЀa- oder einer jüngeren (altschwed oder. gotl.) Sprachform. Verkanen kann kein altes Lehnwort sein, da in alten Lehn-

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wörtern germ. f- nicht durch urfi. v- reflektiert wird. Pukkis Annahme eines altschwed. oder gotl. Originals wird nicht durch die Überlieferung gestützt. Vgl. PERHANA, PERKELE, PIRU, TURKANEN. Tunkelo 1911 54–57; Setälä 1913a 470; Hellquist 1939 165; Pukki 1941 67–74, 151; Karsten 1943/44 596f.; Pukki 1947 276f.; [de Vries 1962 89; ODEE 1969 296;] SKES VI 1978 1706; [Lehmann 1986 104f.;] Katz 1988b 13 [; Blöndal Magnússon 1989 139, 183; N.Nielsen 1989 98]. ? Germ. LW.

VERKILÖ (aWb., dial.), verkilo, verkilä, verkile, verkele ’Schlaufe (Knopfverschluß), Knopfloch; Aufhänger (Schnur, manchmal dünnes Metallkettchen’). *verkilV ~ urgerm. *werЀila-z > *wirЀilaz, urn. *wirЀilaR; vgl. an. virgill m. ’Strick (zum Erhängen)’. Verkilö hat eine sehr beschränkte Verbreitung (Häme-Mundarten). Estn. (Wied.) võrel (G. võrgli), võrrel ’gedrehter Weidenrutenring’, das im SSA mit Fragezeichen zu verkilö gestellt wird, bleibt davon besser getrennt. Tunkelo hat 1920 verkilö als Entlehnung von frühurgerm. *werЀilo- (> *werЀilaz) gedeutet. Die Etymologie ist lautlich und semantisch problemlos. Tunkelo 1911 56f.; Tunkelo 1920 107f.; Karsten 1943/44 597; [de Vries 1962 667;] Koivulehto 1973a 12; SKES VI 1978 1706f.; Sammallahti 1977 121, 122; Hakulinen 1979 358; EEW 1982/83 3953, 3957; Nikkilä 1983 111; Hofstra 1985a 300, 380; [Blöndal Magnússon 1989 1144;] Ritter 1993 33, 82, 190; SSA III 2000 427. Germ. LW.

VERKKA (aWb., dial.), verkkaisa, verkkainen ’kräftig, stark; fleißig, emsig, lebhaft; Emsigkeit, Fleiß, Zähigkeit, Eifer’; ?estn. võrksa ’fleißig, emsig, lebhaft’. *verkka 1. ~ urgerm. *werkija-z, urn. *werkijaR; vgl. an. virkr ’arbeitsam; sorgsam; geschätzt’. 2. ~ urgerm. *werka-, urn. *werka; vgl. an. verk n. ’Werk, Arbeit, Kunst, Bauwerk’, aschwed. værk n. ’Werk, Arbeit’, ae. weorc n. ’Werk, Arbeit’, as. werk n. id., ahd. werk n. id.

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[3. ~ urgerm. *freka-z, urn. *frekaR; vgl. an. frekr ’gierig; hart, streng, eifrig’, ae. frecc ’gierig, kühn’, ahd. freh ’gierig, geizig’, mhd. vrech ’kühn, lebhaft’, got. faihu-friks ’geldgierig’ (faihu- ’Vieh, Geld’).] Laut SKES und SSA sind fi. verkka(inen) ’langsam; gemächlich’, karel. verkka(ine) ’langsam’, liv. vƝ֑rkի ka ’sehr langsam schleppend gehen’ und verkka ’kräftig, stark’ möglicherweise ein und dasselbe Wort, und zwar mit einer Bedeutungsentwicklung von ’emsig’ ĺ ’zäh, beharrlich arbeitend’ ĺ ’langsam’. Der große Unterschied in der Verbreitung von verkka ’emsig’ einerseits und verkkainen ’langsam’ andererseits dürfte dagegen sprechen. Karsten hat verkka mit dem germ. Substantiv *werka- verknüpft. Lautlich wäre dies problemlos, aber zum Adjektiv verkka paßt das adjektivische *werkijaz wohl besser, zumal dies ostseefi. verkka semantisch sehr nahe kommt. Die von Katz vorgelegte Deutung von verkka als Entlehnung von urgerm. *freka-(z) setzt eine sonst nicht nachweisbare Substitution von urgerm. fredurch urfi. ver- voraus und überzeugt aus diesem Grunde nicht. Vgl. PERKATA, VERKA, VERKKO, VIRKA1, VIRKKU. Karsten 1915 178, 179; [Hellquist 1939 242, 1331;] Karsten 1943/44 597; [de Vries 1962 141, 656, 668; ODEE 1969 1012;] SKES VI 1978 1707f.; Nikkilä 1981 64; EEW 1982/83 3956, 3955f.; Hofstra 1985a 335, 337; [Lehmann 1986 396f.; Blöndal Magnússon 1989 206, 1124, 1144; N.Nielsen 1989 143, 506;] Katz 1990b 22, 23; [Heidermanns 1993 212f.;] SSA III 2000 427 [; Bjorvand– Lindeman 2007 303f., 1291–1293]. Germ. LW.

VERKKO ’Netz’; ingr. verkko; karel. verkko; lüd. verkթ ; weps. verk; wot. ve֑ rkko; estn. võrk (G. võrgu); liv. ve֑ rթ gϷյ. *verkko ~ urgerm. *werkan-, urn. *werkƗ; vgl. aschwed. værke m. ’Fischwehr, -zaun’; ~ urgerm. *werka-, urn. *werka; vgl. an. verk n. ’Werk, Arbeit, Kunst, Bauwerk’, aschwed. værk n. ’Werk, Arbeit’, fiskeværk n. ’Fischwehr’, ae. weorc n. ’Werk, Arbeit’, as. werk n. id., ahd. werk n. id. Das allgemein ostseefi. verkko wurde 1906 von drei Forschern gleichzeitig als germ. Lehnwort aufgefaßt. Lautlich und semantisch ist die Deutung als Lehnwort unproblematisch; ein Fischzaun kann vor der Öffnung mit einem Netz versehen sein und ist zusammen mit dem Netz ein effektives Fanggerät. Vgl. VERKA, VERKKA.

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Tunkelo 1906 7–10; Karsten 1906b 3–5; Setälä 1906 11, 25, 27, 45; Setälä 1913a 470; [Hellquist 1939 1331;] Karsten 1943/44 597–600; Raun 1958 32; SKES VI 1978 1708; Hakulinen 1979 359; Raun 1982 211; EEW 1982/83 3954; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 25, 83, 302f.; [Blöndal Magnússon 1989 1124;] Joki 1989 20; N.Nielsen 1989 506; Häkkinen 1990a 252; Koivulehto 1991d 12; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 428; Häkkinen 2004 1473f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1291–1293]. Germ. LW.

VERTA ’Größe, mit der etw. bezüglich Menge, Wert usw. verglichen wird; ebenbürtig’, jetzt vor allem in Verbindungen wie sen (minkä) verran ’so viel (wieviel)’, kaksin verroin ’zweimal, doppelt’; ingr. verDa: sevverän, sevvertϹ ’so viel’; karel. verta; lüd. verž: Ĕe(t'š̗ en verdan ’so viel’, ühten veĚžin ’gleich viel’; weps. verĨ: seveĚĨ ’so viel’, miverdan ’wieviel’; wot. ve֑ rta: sevve֑ rta ’so viel’; estn. võrd, võrs. *verta ~ urgerm. *werþa-, urn. *werþa; vgl. an. verð n. ’Wert, Preis’, aschwed. værdh n. id., ae. weorþ n. id., as. werth n. id., ahd. werd n. ’Wert, Preis’. Seit Thomsen gilt verta als germ. Lehnwort. Lautlich und semantisch ist die Etymologie problemlos. Thomsen 1869 160; Setälä 1913a 470; Hellquist 1939 1392f. [, 1394]; Karsten 1943/44 600; de Vries 1962 655; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 1013;] SKES VI 1978 1710f.; Hakulinen 1979 362; Koivulehto 1979c 131; Raun 1982 210; EEW 1982/83 3951–3953; Hofstra 1985a 209, 313; [Lehmann 1986 391; Blöndal Magnússon 1989 1123; N.Nielsen 1989 545;] Häkkinen 1990b 372; [Heidermans 1993 674f.;] Ritter 1993 26f.; Koivulehto 1999c 135; SSA III 2000 428f.; Häkkinen 2004 1475 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1286f.]. Germ. LW.

VESLATA (dial.) ’geschäftig sein; etwas schnell, zügig machen’; ?karel. veslata ’etwas unaufmerksam, schlecht machen; gierig essen’, väšlätä ’unordentlich essen, probieren und liegen lassen’. *vesla[~ urgerm. *swelVn- (, urn. *swelVn); vgl. mnd. swelen ’zügellos, ausschweifend sein’.] Das fi. Dialektwort veslata ist nur in Kainuu und Kymi belegt. Es ist unsicher, ob karel. veslata und väšlätä zu fi. veslata gehören.

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Laut SKES ist veslata ein deskriptives Verb. Katz hat veslata als Entlehnung von urgerm. *swelVn (> mnd. swelen) gedeutet. Diese Deutung setzt eine nicht belegbare Metathese des s voraus; sie ist überdies semantisch kaum plausibel. SKES VI 1978 1715; Katz 1990a 45. Kein germ. LW.

VETO ’Wette; (jur.) Berufung, Einspruch’; (obs. auch) ’Pfand; Steuer’; ingr. veDo ’Wette’; karel. veto ’Steuer; Wette’; lüd. vedo ’Steuer’; ?wotJK. veto ’Wette’. *veto ~ urgerm. *waÿja-, urn. *waÿja; vgl. an. veð n. ’Pfand, Sicherheit, Bürgschaft’, aschwed. vædh n. ’Pfand, Berufung (jur.), Wette’, ae. wedd n. ’Pfand, Übereinkommen, Sicherheit; Mitgift’, as. weddi n. ’Pfand’, ahd. wetti n. ’Bürgschaft, Gelöbnis, Pfand’, got. wadi n. id. WotJ. veto ’Wette’ ist laut SSA ein ingr. oder fi. Lehnwort. Im allgemeinen wird veto als jüngeres skand. bzw. altschwed. Lehnwort aufgefaßt; inzidentell ist aber die Rede von einem älteren germ. Lehnwort. Der für das germ. Original vorauszusetzende vollzogene Umlaut a > e macht Entlehnung vor etwa 500 unwahrscheinlich. Setälä 1913a 470; [Hellquist 1939 1293;] Pajula 1955 134, 184f.; K.Vilkuna 1959b; [de Vries 1962 649; ODEE 1969 997;] SKES VI 1978 1718; Hakulinen 1979 361; [Lehmann 1986 386; Blöndal Magnússon 1989 1112;] Joki 1989 21; [N.Nielsen 1989 503;] Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 431; Häkkinen 2004 1478 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1271f.]. Jüngeres LW.

VIEMATA (dial.), viemistää ’schwindeln, Schwindel erregen’. *vƝma~ urgerm. *swaimǀ(ja)n-, urn. *swaimǀn; vgl. an. sveima ’sich hin und her bewegen’, aschwed. svƝma ’id., schweben’, ae. swƗmian ’dunkel werden’, Ɨ-swƗmian ’absterben, aufhören’ (Ɨ- Präfix), mnd. swêimen, swƝmen ’sich frei im Raum bewegen’, mnl. sweimen, swƝmen ’sich schwankend bewegen, taumeln’, mhd. sweimen ’schweben, schwingen’; ~ urgerm. *swaimijan-, urn. *swaimijan, vgl. an. sveima, ae. Ɨ-swæman ’wandern, ziehen’, mhd. sweimen ’schwanken, flattern, taumeln’, mnd. swêimen ’sich frei im Raum bewegen’

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Tunkelo hat germ. Herkunft erwogen und viemata mit skand. Wortmaterial verglichen. Er erkannte zwei Probleme; erstens fehlt ein entsprechendes Verbum im Finnlandschwedischen; zweitens hat sich urn. ai > ostskand. äi im Ostschwedischen im allgemeinen als Diphthong erhalten und sich nicht zum Monophthong Ɲ entwickelt; fi. ie erklärt sich aber am ehesten aus älterem ostseefi. Ɲ. In den etymologischen Wörterbüchern wird die Möglichkeit germ. Herkunft genannt. Im SSA wird darüber hinaus erwogen, ob viemata mit viedä ’bringen’ zusammenhängen kann; dies ist semantisch aber nicht vertretbar. Aus lautlichen Gründen kann viemata kein altes germ. Lehnwort sein. Es handelt sich am ehesten um eine mnd. oder aschwed. Entlehnung. Vgl. SOIMA1, SOIMA2, VAIMETA. Rytkönen 1937d; Tunkelo 1937 89–91; [de Vries 1962 566f.;] SKES VI 1978 1723; [Blöndal Magnússon 1989 996;] SSA III 2000 433 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1313]. Jüngeres LW. VIERAS (G. vieraan) ’fremd; unbekannt; Gast’; ingr. vƝ֒ras; karel. vieras; lüd. vieraz ’fremd; unbekannt’; weps. veraz ’id.; nicht verwandt’; wot. vƝ֑raz, wotJ. vƝ֑re֑ z; estn. võõras; liv. vƝ֑rϷյz ’fremd’. *vƝras (G. *vƝrahan) 1. ~ urgerm. *swƝra-z, urn. *swƗraR; vgl. an. svárr ’schwer’, aschwed. svƗr id., ae. swƗr, auch swϾr(e) id., as. swƗr ’schwer’, ahd. swƗr, auch swƗri id., got. swƝrs ’geehrt, geachtet’. [2. ~ urgerm. *wƝra-z (, urn. *wƗraR); vgl. as. wƗr ’wahr’, ahd. wƗr id., afrs. wƝr id.] Wiklund hat vieras als germ. Lehnwort gedeutet, und zwar unter der Annahme, daß germ. *wƝraz nicht nur ’wahr’, sondern auch ’freundlich’ habe bedeuten können. Diese Etymologie ist aus semantischen Gründen nicht plausibel. Setälä hat Wiklunds Etymologie abgelehnt. Er meinte, daß vieras eine Ableitung von vieri ’Rand, Seite, Kante’ sei. Diese Auffassung hat sich allgemein durchgesetzt, obwohl die Verhältnisse zwischen vieri und vieras morphologisch und semantisch nicht transparent sind. Ritter hat vieras mit got. swƝrs verglichen. Diese lautlich einwandfreie Erklärung ist semantisch problematisch. Die Probleme können nicht gelöst werden mit Ritters Annahme, daß die Beziehung zwischen ’geehrt’ und ’Gast’ mit der Sitte, dem Gast mit einem Geschenk seine Ehrerbietung zu erweisen, in Zusammenhang gebracht werden könne. Die primäre Bedeutung von vieras ist nämlich, im Lichte der Verbreitung der einzelnen Bedeutungsnuancen, eher ’unbekannt, fremd’ als ’Gast’ gewesen. Da Fremdes oft beschwerlich anmute, komme

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laut Hofstra am ehesten *swƝra-z in einer westgerm. Bedeutung (etwa ’schwer, beschwerlich’) als Original in Frage. Wiklund 1912 225; Setälä 1913a 471; [Hellquist 1939 13, 1130f.;] Karsten 1943/44 600–602; E.Itkonen 1945 179; Kylstra 1961 77; [de Vries 1962 565, 645; Heidermanns 1993 578f., 671f.;] SKES V 1975 1725f.; Hakulinen 1979 137; Raun 1982 211; EEW 1982/83 3962–3964; [Lehmann 1986 349f.; Blöndal Magnússon 1989 993; N.Nielsen 1989 435;] Häkkinen 1990a 224; Häkkinen 1990b 374; Ritter 1993 169, 170; SSA III 2000 433f.; Häkkinen 2004 1481; [Bjorvand–Lindeman 2007 41–43, 1094;] Hofstra 2010b 181–183, 185. ? Germ. LW.

VIERRE (G. vierteen), viere, verre ’Bierwürze; halbfertiges Dünnbier, Bier; Gärstoff für Bier; Rückstände (Bierherstellung); Anstellsauer’; ingr. vƝ֒rre’Bier, das gerade begonnen hat zu gären; alkoholfreies, süßes Bier’;?wot. virre, wotM. virreh ’Bierwürze’; estn. virre (G. virde), verre (G. verde) ’id.’; liv. vƯrdiG ’id.’. *verįek (G. *verteȖen) / *virįek (G. *virteȖen) ~ urgerm. *wertez- > *wirtiz-, urn. *wirtiR; vgl. an. virtr n. ’Bierwürze’, mnd. wert, werte f. id., ahd. wirz f. und n. id., mhd. wirz n. id. Wot. virre (G. virtƝ) ist laut SSA vielleicht ein estn. Lehnwort. Der Langvokal im Finnischen und Ingrischen beruht auf einer jüngeren Entwicklung. Seit dem 18. Jh. (Ihre) wurde vierre mit der germ. Bezeichnung der Bierwürze verglichen. Aus lautlichen und sachlichen Gründen ist die Entlehnung als alt zu bestimmen. Zweifache Entlehnung, einmal einer germ. Form mit e, einmal einer Form mit i der ersten Silbe, erklärt das Nebeneinander von urfi. *verįek und *virįek. Setälä 1913a 471; Hellquist 1939 1405; Karsten 1943/44 602f.; Fromm 1957/58 95, 303; Kylstra 1961 131, 143; de Vries 1962 668; Raun–Saareste 1965 44; Koivulehto 1974 122; Matti Räsänen 1975 67; KLM XX 1976 697; Koivulehto 1976a 258; SKKK I 1976 108; Koivulehto 1977a 138; SKES VI 1978 1728; Hakulinen 1979 358; Koivulehto 1979c 131; Hahmo 1981 51; Kylstra 1981 27; Raun 1982 206; EEW 1982/83 3880; Hofstra 1985a 29, 99, 149, 214, 311f.; [Blöndal Magnússon 1989 1144;] Joki 1989 20; [N.Nielsen 1989 481;] Koivulehto 1992d 164; Ritter 1993 114f.; Fromm 1995 303; Häkkinen 1996a 162; Koivulehto 1998b 241; Koivulehto 1999a 125, 135, 309f.; SSA III 2000 434; Häkkinen 2004 1482 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1341f.]. Germ. LW.

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VIHELIÄINEN, vihiliäinen ’elend, armselig; krank; unsauber, nachlässig; unzuverlässig, böse; schlecht’; ?estn. vilets ’unglücklich, elend, armselig’. *vihelV~ urgerm. *wiþelijan- (, urn. *wiþelijƗ); vgl. as. withillo m. ’Zwitter, Weichling’, ahd. widello m. ’Hermaphrodit, Zwitter’; ~ urgerm. *wƯþela- (, urn. *wƯþela); vgl. ae. wƯðl, wƯdl, widl n. (oder m.?) ’Schmutz’. -iäinen ist ein fi. Ableitungssuffix. Eine Deutung als germ. Lehnwort wurde von Karsten vorgelegt; er hielt es allerdings für möglich, daß das Wort erst mit der sächsischen Christianisierung ins Finnische aufgenommen wurde. Die Substitution von inlautendem germ. þ durch ostseefi. h ist sehr selten belegbar (siehe aber MURHA1 und MURHA2); sonst ist diese Etymologie lautlich und semantisch in Ordnung; sowohl ältere als jüngere, erst unter Einfluß des Christentums geschehene Entlehnung ist denkbar. Eine alternative Etymologie stammt von Rintala: viheliäinen sei eine sichere Ableitung von vihelä ’frisch, unreif; grün’, das seinerseits zu ostseefi.-perm. viha ’Haß’ gestellt wird. Diese von SKES und SSA mit Vorbehalt übernommene Etymologie ist semantisch der Herleitung aus dem Germanischen unterlegen. Karsten 1915 82; Karsten 1943/44 603; Rintala 1972 185–187; SKES VI 1978 1735; Raun 1982 204; EEW 1982/83 3843; Hofstra 1985a 113, 338; SSA III 2000 437; Häkkinen 2004 1484. Germ. oder jüngeres LW.

VIHJATA, viihata, vihkata ’einen Wink, Hinweis, Signal geben; beiläufig erwähnen; (geheim) raten’, vihi ’Vorahnung, ungefähres Vorwissen von etwas’, päivän vihi ’Morgendämmerung’ (päivän G. ’Tag’); ingr. vihitös in päivän vihitös ’Morgendämmerung’; karel. vihjata ’einen Wink geben, anspielen; einen Blick auf etwas werfen; anleiten, betreuen’. *vihja- [< *višja-] ~ urgerm. [*weisijan- >] *wƯsijan-, urn. *wƯsijan; vgl. an. vísa ’weisen, zeigen’, aschwed. vƯsa id., as. wƯsian ’weisen, zeigen, verkünden’, ahd. wƯsen ’führen; einladen; bringen’. Estn. vihjama ’hinweisen, andeuten’ ist laut EEW ein dem Finnischen entlehnter Neologismus. Vihjata wird in der etymologischen Literatur gewöhnlich zusammen mit fi.karel.-lüd.-weps. vihi ’zu einer Vogelfalle hinleitender Zaun; schlechter Zaun (aus Reisig)’ behandelt. Laut Koivulehto ist vihi ’Zaun’ vielleicht eine Rück-

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bildung zu vihjata. Verbreitung und Semantik machen die Verknüpfung von vihjata und vihi ’Zaun’ aber unwahrscheinlich. Koivulehto hat vihjata als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Etymologie ist lautlich und semantisch in Ordnung; vihi ’Vorahnung’ kann eine Rückbildung zu vihjata sein. Ojansuu 1909 58; [Hellquist 1939 1357;] Rytkönen 1940 94; [de Vries 1962 668;] SKES VI 1978 1735, 1736; Hakulinen 1979 319; EEW 1982/83 3811; Koivulehto 1986b 269, 289; [Blöndal Magnússon 1989 1145; N.Nielsen 1989 498;] Koivulehto 1999a 259, 265; SSA III 2000 437; Nikkilä 2002 128; Häkkinen 2004 1484, 1485 [; Bjorvand-Lindeman 2007 1316f.]. Germ. LW.

VIHKIÄ, vihitä ’(ein)weihen, die Weihe erteilen; trauen (Hochzeitspaar)’; ingr. vihkiä, vihtiä ’trauen (Hochzeitspaar); (durch Zauberei, Hexerei) verblenden’; ?wot. (Must) vihki-, vihtši-, ?wotJ. vihtimä, vihtiä. *vihki~ urgerm. [*weiЀijan- >] *wƯЀijan-, urn. *wƯЀijan; vgl. an. vígja ’weihen’, aschwed. vƯghia id.; ~ urgerm. [*weiȤijan- >] *wƯȤijan- (, urn. *wƯhijan); vgl. as. wƯhian id., mnl. wƯ(h)en id., ahd. wƯhen id.; ~ urgerm. [*weiȤƝ(ja)n- >] *wƯȤƝ(ja)n- (, urn. *wƯhƝn); vgl. got. weihan id. Die wot. Wörter stammen vielleicht aus dem Finnischen bzw. dem Ingrischen. Die bis in die Gegenwart mehrheitlich vertretene und im Kern schon bei Renvall 1826 vorkommende Auffassung, daß vihkiä ein (alt)schwed. Lehnwort ist, beruht auf historischen Erwägungen. Die Weihung gehört zu den zentralen Handlungen der Kirche. Thomsen hat als erster vihkiä als altes germ. Lehnwort gedeutet. Inlautendes -hk- ist einigermaßen problematisch, da urgerm./urn. -Ѐ- bzw. -Ȥ- (-h-) gewöhnlich durch ostseefi. -k- oder -h- substituiert wird. Karsten interpretiert -hk- als Substitution von -h- wie in got. weihan und as. wƯhian; für diese Substitution gibt es jedoch keine weiteren Belege. Semantisch passen vihkiä und obige germ. Wortgruppe gut zusammen. Obwohl eine ältere Entlehnung, wie von mehreren Forschern für möglich gehalten, nicht ausgeschlossen werden kann, ist aus kirchengeschichtlichen Gründen eine mittelalterliche Entlehnung aus dem Schwedischen zu bevorzugen. Thomsen 1869 160; Ahlqvist 1871 222; Ahlqvist 1875 252; Wiklund 1903 27f.; Setälä 1913a 471; Karsten 1915 186, 188; Streng 1915 257; [Hellquist 1939 1340;] Karsten 1943/44 603f.; Kylstra 1961 137; de Vries 1962 661; SKES VI 1978 1736; Hakulinen 1979 361; T.Itkonen 1980a 135; Hofstra 1985a 95, 229f., 348; [Lehmann 1986 398f.; Blöndal Magnússon 1989 1133f.;] Joki 1989 22; [N.

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Nielsen 1989 493;] Hahmo 1994 194; Nikkilä 1998b 350; SSA III 2000 427f.; Koivulehto 2002 492; Häkkinen 2004 1485 [; Bjorvand-Lindeman 2007 1301f.]. Jüngeres LW.

VIHKO ’Bündel, Bund, Strauß (z.B. Flachs, Getreide, Heu, Blumen); (Schreib)heft; Schrubber (aus Birkenrinde oder Bast)’; ingr. vihko ’Schrubber aus Lumpen oder Bast; Getreide-, Heugarbe’; karel. vihko ’Bündel, Bund (z.B. Heu, Blätter); Putzlappen; Wischer, Schrubber’; lüd. vihk ’Bastschrubber’; weps. vihk ’id.’; wot. vihko ’Garbe, Bündel’; estn. vihk ’id.; Heft’; liv. vƯ‫ތ‬gϷյ ’Bund, Bündel’. *vihko ~ urgerm. *wiskǀ, urn. *wisku; vgl. an. visk f. ’Wisch, Strohbündel’, aschwed. visk f. (?) ’Wisch; Besen’, ae. -wisc f., z.B. in sefwisc ’Binsenwisch’ (sef ’Binse’); ~ urgerm. *wiska-z (, urn. *wiskaR); vgl. mnd. wisch m. ’Heu- oder Strohbüschel zum Wischen’, ahd. wisk m. ’Bündel’, mhd. wisch m. ’Strohwisch’. Seit Anfang des 20. Jh.s wird vihko als germ. Lehnwort gedeutet. Lautlich und semantisch ist die Deutung einwandfrei. Neuhaus 1908 164; Setälä 1913a 471; Karsten 1915 149; Hellquist 1939 1357f.; Karsten 1943/44 604; de Vries 1962 668; [ODEE 1969 1003;] Koivulehto 1973a 13; SKES VI 1978 1736; Hakulinen 1979 359, 464; Koivulehto 1979b 280; Raun 1982 202; EEW 1982/83 3811f.; T.Itkonen 1983 205; Koivulehto 1984a 12; Hofstra 1985a 83, 98, 307f.; T.Itkonen 1987 181; [Blöndal Magnússon 1989 1146; N.Nielsen 1989 498;] SSA III 2000 438; Nikkilä 2002 128, 129; ALFE 1 2004 301f.; Häkkinen 2004 1495; Hahmo–Nikkilä 2005 115. Germ. LW.

VIHLATA (aWb.) ’verzaubern, bezaubern, verführen, verleiten’. *vihla~ urgerm. *wiȤlijan-, urn. *wihlijan; vgl. an. véla ’betrügen’, schwed. dial. væla id. Karsten hat vihlata als Entlehnung aus der Wortgruppe um an. vél f. ’Betrug, List’ (< urgerm. *wiȤl-) gedeutet. Laut SKES ist die Deutung als skand. Lehnwort unsicher; das Wort könne einheimisch deskriptiv sein. Im SSA wird vihlata mit VIHELIÄINEN verbunden; die Deutung von vihlata als germ. Lehnwort sei sehr unsicher.

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Lautlich und semantisch kann vihlata ein germ. Lehnwort sein; die schlechte Beleglage mahnt aber zur Vorsicht. Karsten 1915 186, 254f.; Karsten 1943/44 604f.; de Vries 1962 652f.; Antonsen 1975 86; SKES VI 1978 1737; [Blöndal Magnússon 1989 1117;] SSA III 2000 437, 438. ? Germ. LW.

VIHTA ’Bund grüner Birkenzweige für das Saunabad’; ingr. vihta; wot. vihta, wotJ. viht; estn. viht (G. viha). *vihta [~ urgerm. *kwistu-z / *twista-z, urn. *kwistuR (/ *twistaR); vgl. an. kvistr m. ’Zweig’, aschwed. kvister m. id., me. twist ’Zweig’.] Vihta wird im allgemeinen – mit Vorbehalt – als russ. Lehnwort aufgefaßt. Eine andere Deutung verbindet vihta mit einer onomatopoetischen Wortgruppe. Katz hat vihta als germ. Lehnwort gedeutet; das Original sei urgerm. *twista-(z). Germ. Herkunft von vihta setzt voraus, daß germ. -st- durch urfi. -ht- reflektiert werden kann; eine solche Substitution ist allerdings sonst nicht bekannt. Es ist umstritten, ob kv- in den skand. Wörtern auf urgerm. *kw- oder auf urgerm. *tw- zurückgeht. Vgl. PIHT. [Hellquist 1939 536f.;] Nieminen 1953 227f.; [de Vries 1962 339; ODEE 1969 952;] SKES VI 1978 1739; Hakulinen 1979 366; Raun 1982 202; EEW 1982/83 3813f.; Katz 1988b 11; Koivulehto 1988b XI 2; UEW II 1988 816; [Blöndal Magnússon 1989 529; N.Nielsen 1989 246;] Tuomi 1994; Länsimäki 1995 114; SSA III 2000 439; Nikkilä 2002 128, 129; ALFE 1 2004 176f.; Häkkinen 2004 1487 [; Bjorvand–Lindeman 2007 619f.]. Kein germ. LW.

VIIKKO ’Woche; (recht) lange Zeit’; ingr. vƯkko ’Woche’; karel. viikko; lüd. vƯkon ’lange’; wotK. vƯkkO ’Woche’. *vƯkko ~ urgerm. *wikǀn-, urn. *wikǀ; vgl. an. vika f. ’Woche’, aschwed. veka, vicka f. id., ae. wice, wicu f. id., as. wika f. id., ahd. wehha f. id., got. wikǀ f. ’Reihenfolge’.

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Die Herkunft von viikko aus dem Germanischen ist seit Mitte des 19. Jh.s unumstritten. Daß ein germ. Kurzvokal von einem ostseefi. Langvokal reflektiert wird, kann auch bei anderen Lehnwörtern festgestellt werden, vgl. z.B. RIIMA2. Thomsen 1869 160; Setälä 1913a 471f.; Hellquist 1939 1324f.; Karsten 1943/44 605; K.Vilkuna 1957/58 197, 212f.; K.Vilkuna 1959a 257–291; de Vries 1962 662; Niskanen–Hofstra 1971 51; KLM XVIII 1974 278; KLM XIX 1975 575; Ruoppila 1976 62; ODEE 1969 997; Koivulehto 1977a 136; Sammallahti 1977 121; SKES VI 1978 1743; Hakulinen 1979 175, 360; Sköld 1983 25; Hofstra 1985a 23, 272, 313f.; [Lehmann 1986 403; Blöndal Magnússon 1989 1135;] N. Nielsen 1989 477; Häkkinen 1990b 375; Ritter 1993 26f.; Häkkinen 1996a 112; Koivulehto 1999a 123; SSA III 2000 440; ALFE 1 2004 301f.; Häkkinen 2004 1488; Palviainen 2004 229 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1234]. Germ. LW.

VIIMA (Lönnr., dial.) ’Schwindel’. *vƯma 1. ~ urgerm. [*sweiman- >] *swƯman, urn. *swƯmƗ; vgl. an. svími m. ’Schwindelgefühl, Ohnmacht, Bewußtlosigkeit’, aschwed. svƯmi m. id., ae. swƯma m. id., mnd. swƯme m. id. 2. ~ urgerm. [*weima- >] *wƯma-, urn. *wƯma; vgl. an. vím n. ’Schwindel’ (auch víma f. id.). Laut Hakulinen und Rytkönen ist viima ’Schwindel’ zu fi.-karel. viima ’kalter Wind’ zu stellen. Die Zusammengehörigkeit bedarf jedoch noch einer Klärung. Hakulinen hat viima zu den Wortgruppen um VIIMATA und VIMMA gestellt. Tunkelo hat viima ’Schwindel’ mit einer Wortgruppe um aschwed. svƯmi verbunden. Rytkönen äußert sich in ähnlicher Weise. Als Alternative hat Tunkelo auf Wörter wie an. víma f., vím n. mit Bedeutungen wie ’Schwindel, Bewußtlosigkeit’ hingewiesen. Im allgemeinen wird viima als jüngeres Lehnwort aufgefaßt. Lautlich und semantisch wäre auch eine ältere Entlehnung möglich. Vgl. HUIMA. Hakulinen 1933a 90–101; Rytkönen 1937d; Tunkelo 1937 85–89; [Hellquist 1939 1127;] Karsten 1943/44 606; [de Vries 1962 570;] SKES VI 1978 1747f.; Hofstra 1985b 64f., 67f.; [Blöndal Magnússon 1989 1003; N.Nielsen 1989 436;] SSA III 2000 442 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1313]. Germ. oder jüngeres LW.

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VIIMATA (Lönnr., dial.), vi(i)mahtaa ’schwindeln, Schwindel erregen; schmerzen (Kopf)’; ingr. vƯmaDa ’verwirren’; karel. viimata ’schwindeln; schmerzen’. *vƯma~ urgerm. [*sweimǀ(ja)n- >] *swƯmǀ(ja)n-, urn. *swƯmǀn; vgl. aschwed. be-, forsvƯma ’ohnmächtig werden, das Bewußstein verlieren’ (be-, for- Präfixe), schwed. svimma id., norw. (be)svime id.; ~ urgerm. [*sweiman- >] *swƯman- (, urn. *swƯman); vgl. mhd. swƯmen ’sich hin und her bewegen, schwanken, schweben’. Hakulinen hat viimata zu den Wortgruppen um VIIMA und VIMMA gestellt. Tunkelo betrachtet viimata als Ableitung von VIIMA. Dagegen sprechen die Verbreitungsverhältnisse. Rytkönen faßt viimata als selbständige Entlehnung aus dem Germanischen auf, ohne sich zur Zeit der Entlehnung zu äußern. Lautlich und semantisch ist sowohl ältere wie auch jüngere Entlehnung möglich. Vgl. HUIMATA. Hakulinen 1933a 90–101; Rytkönen 1937d; Tunkelo 1937 85–89; Hellquist 1939 1127; [de Vries 1962 566f.;] SKES VI 1978 1747; Hofstra 1985b 64f., 67f.; [Blöndal Magnússon 1989 1003; N.Nielsen 1989 436;] SSA III 2000 442 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1313]. Germ. oder jüngeres LW.

VIINA ’Branntwein, Schnaps; (obs.) Wein’; ingr. vƯna ’Branntwein, Schnaps’; karel. viina ’id.’; lüd. vƯn ’id.’; weps. vƯn, vin ’id.’; wot. vƯna, wotJ. vƯn ’id.’; estn. viin. *vƯna ~ urgerm. *wƯna-, urn. *wƯna; vgl. an. vín n. ’Wein’, aschwed. vƯn n. id., ae. wƯn n. id., as. wƯn n. id., got. wein n. id.; ~ urgerm. *wƯna-z (, urn. *wƯnaR); vgl. as. wƯn m. id., ahd. wƯn m. id. Lautlich und semantisch ist viina deutlich ein germ. Lehnwort. Thomsen 1869 44, 160; Setälä 1913a 472; [Hellquist 1939 1148;] Karsten 1943/ 44 606; de Vries 1962 664; Raun–Saareste 1965 46; [ODEE 1969 1008;] Juntune 1973 27; SKES VI 1978 1748; Hakulinen 1979 377; Raun 1982 203; EEW 1982/83 3823f.; Plöger 1982 94; Hofstra 1985a 36, 312; [Lehmann 1986 399; Blöndal Magnússon 1989 1138;] Joki 1989 24; [N. Nielsen 1989 495;] Ritter 1993 142, 177; SSA III 2000 442; Häkkinen 2004 1490f. Germ. LW.

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VIIPATA ’sich ungleichmäßig drehen, eiern; wackeln; schwingen, schweben’; ingr. vƯBata ’dahinsausen, flitzen’, karel. viipata ’schwingen, schweben; winken’, wot. vƯppƗn ’ich winke’, estn. viipama ’herbeiwinken’. *vƯppa~ urgerm. [*weipan- >] *wƯpan- (, urn. *wƯpan); vgl. mnd. wƯpen ’schwingen, schleudern’, mhd. wƯfen ’schwingen, winden’, got. weipan ’kränzen, krönen’); ~ urgerm. [*weipǀ(ja)n- >] *wƯpǀ(ja)n- (, urn. *wƯpǀn); vgl. ae. wƯpian ’abwischen, reinigen’. Ostseefi. viipata wird im allgemeinen als deskriptiv bezeichnet. Es kann aber lautlich und semantisch problemlos mit einem germ. Verbum verbunden werden, am ehesten mit urgerm. *wƯpan- oder einer jüngeren Form davon. Toivonen 1944b 158; [de Vries 1962 667; ODEE 1969 1008; Seebold 1970 546f.;] SKES VI 1978 1749f.; Raun 1982 203; EEW 1982/83 3825; [Lehmann 1986 400;] SSA III 2000 443 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1087]. Germ. LW.

VIIPPI (aWb., dial.) ’beim Haspeln von Garn entstandener Fehler; Fitze; ein durch einen Fisch verursachtes verwickeltes Bündel im Netz; schlängelnde Spur (z.B. von Reifen); Irrtum, Verirrung’; ?estn. viipe in lõnga-viipe (lõnga ’Garn’) ’Haspel’. *vƯppi ~ urgerm. *wƯpǀn- oder *wƯpǀ, urn. *wƯpǀ oder *wƯpu; vgl. norw. vipa ’(einzelnes) Haar, Halm’, frühnhd. weife f. ’Haspel’, nhd. Weife f. id.; ~ urgerm. *wƯpi-z (, urn. *wƯpiR); vgl. mnd. wƯp m. ’Bund, Büschel von Reisig, Wisch von Stroh’, mhd. wƯf m. ’Schwung, schnelle Bewegung’. Es ist unsicher, ob estn. viipe zu fi. viippi gehört, wie Toivonen und SKES das für möglich halten. Laut Toivonen dürfte viippi germanischer Herkunft sein; er vergleicht nhd. Weife ’Haspel’, weifen ’haspeln’, got. weipan ’kränzen, krönen’. Diese Deutung wurde im SKES mit Fragezeichen übernommen; SKES hält es aber auch für möglich, daß viippi zu einer einheimischen, deskriptiven Wortgruppe um VIIPATA gehöre; diese Möglichkeit wird – als einzige – auch im SSA genannt. Lautlich ist Toivonens Deutung möglich; in semantischer Hinsicht ist es jedoch besser, viippi als Rückbildung aus VIIPATA zu erklären. Eine Entlehnung aus dem Niederdeutschen kann allerdings nicht ausgeschlossen werden. Estn. viipe kann eine getrennte Entlehnung aus dem Niederdeutschen sein. Toivonen 1944b 158; [de Vries 1962 667; ODEE 1969 1008;] SKES VI 1978 1750f.; EEW 1982/83 3826; Hofstra 1985a 299; [Lehmann 1986 400; Blöndal

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Magnússon 1989 1143;] Nikkilä 1990b 253; SSA III 2000 443 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1087]. ? Jüngeres LW.

VIIPSAHTAA (Lönnr., dial.) ’sich eilig bewegen; schlüpfen, davonhuschen, (schnell) schwingen, ausrutschen’; karel. viipsata, viipsahtoa ’schwingen, umkippen’. *vƯpsa[1. ~ urgerm. [*sweipan- >] *swƯpan- (, urn. *swƯpan); vgl. as. farswƯpan ’vertreiben’ (far- Präfix), mhd. swƯfen ’sich bewegen, sich schwingen’.] [2. ~ urgerm. [*sweiΰan- >] *swƯΰan-, urn. *swƯΰan; vgl. an. svífa ’sich bewegen, schwingen; treiben, schweifen, streifen’, aschwed. svƯva ’schweben, sich bewegen, winken’, ae. swƯfan ’bewegen, umherschweifen, gleiten’, got. sweiban ’aufhören’.] Katz hat viipsahtaa als Entlehnung von urgerm. *swƯpan- oder urgerm. *swƯΰan- gedeutet. Die vorausgesetzte Metathese steht dieser Deutung im Wege. Vgl. VIVAHTAA. [Hellquist 1939 1129; de Vries 1962 569, 570; Seebold 1970 484f.;] SKES VI 1978 1751; [Lehmann 1986 334; Blöndal Magnússon 1989 1001, 1004; N.Nielsen 1989 439;] Katz 1990a 45f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1086f., 1277f.]. Kein germ. LW.

VIIPSI (Lönnr., dial.) ’in Kreisform zusammengelegtes bzw. gebündeltes Garn, Seil o.ä., Strähne’, viipsiä (aWb., dial.) ’haspeln’, viipsinpuu ’Haspel’ (-puu ’Baum, Holz’); ingr. vƯpsipnj ’Haspel’ (-pnj ’Baum, Holz’), vƯpsiä ’haspeln’; karel. viipsie ’haspeln’, viipsinpuu, viiksinpuu ’Haspel’; lüd. vƯkšipnj ’Haspel’; weps. bipšt´ä, vipšt´a ’haspeln’, bipšimpu ’Haspel’; wot. vehsi, vƯpsi, wotK. vƯh(t Ğü ’Strähne’, vehsiä ’haspeln’, wotJ. vehsimä, vƯpsimä, vƯpsiä ’id.’, wotM. vehsippnjD, wotJ. vƯpsipnj, vehzipnj ’Haspel’; estn. viips ’Faden, welcher beim Haspeln abspringt; ein Stück auf die Hand gewickeltes Garn’, viipsima ’haspeln, weifen’; liv. vepթ š-pnjD ’Haspel’, vepթ šϷյ ’haspeln, weifen’. *vƯpsi < *vƯpte / *vipsi < *vipte / *vepsi < *vepte ~ urgerm. *wefti-z > *wifti-z (, urn. *wiftiR); vgl. ae. wift f. ’Einschlag’, ahd. giwift f. ’Gewebe, Stoff’ (gi- Präfix), mhd. wift m. ’Faden, Zwirn feinster Art’; ~ urgerm. *wefta-z, urn. *weftaR; vgl. an. veftr m. ’Einschlag, grobes Zeug’, ae. weft f. ’Gewebe, Einschlag’;

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~ urgerm. *weftan- (, urn. *weftƗ); vgl. ae. wefta m. ’Gewebe, Einschlag’. Nachdem Ahlqvist versucht hatte, viipsi irgendwie mit germ. Wortgut (etwa dt. Fitze ’Garnsträhne’) zu verknüpfen, galt viipsi lange als einheimisch. T. Itkonen hat dann eine Wortgruppe, zu der auch das Verb viipsiä (und VYYHTI) gehört, zu urgerm. *weftiz und ähnlichen Formen gestellt. Lautlich und wohl auch semantisch ist Itkonens Etymologie in Ordnung. Im Lichte der einschlägigen germ. Formen, d.h. nur Substantive, dürfte jedoch ein Substantiv, nicht ein Verb als germ. Lehnwort ins Ostseefinnische aufgenommen worden sein; das Verb viipsiä versteht sich dann als Ableitung von viipsi. Denkbar wäre noch, daß zwei unterschiedliche Formen der germ. Wortgruppe zu unterschiedlichen Zeiten ins Ostseefinnische entlehnt wurden. Vgl. VYYHTI. Ahlqvist 1871 76; Ahlqvist 1875 83f.; Karsten 1943/44 606f.; [de Vries 1962 650; ODEE 1969 998; Seebold 1970 540f.;] SKES VI 1978 1827f.; Hakulinen 1979 56, 338; Raun 1982 203; EEW 1982/83 3826; T.Itkonen 1987 193f.; UEW I 1988 15; [Blöndal Magnússon 1989 1113;] SSA III 2000 477; Häkkinen 2004 1515 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1298f.]. Germ. LW.

VIIPSIÄ (aWb., dial.) ’haspeln’ s. VIIPSI.

VIISAS (G. viisaan) ’klug, weise; vernünftig; schlau, pfiffig’; ingr. vƯzaz; karel. viisas; lüd. vƯzaz ’listig’; wot. vƯzaz ’id.’, wotJ. vƯze֑ z ’id.; klug, weise’; estn. viisas ’id.; schlau’. *vƯsas (G. vƯsahan) ~ urgerm. [*weisa-z >] *wƯsa-z, urn. *wƯsaR; vgl. an. víss ’weise, wissend’, aschwed. vƯs id., ae. wƯs ’weise, gelehrt, klug, erfahren’, as. wƯs ’weise’, ahd. wƯs ’id., klug, wissend’, got. unweis ’ungebildet, unwissend’ (un- Präfix). Germ. Herkunft von viisas ist seit Lindström 1859 unumstritten. Thomsen 1869 160; Setälä 1913a 472; Hellquist 1939 1356; Karsten 1943/44 607; Kylstra 1961 61; de Vries 1962 668f.; Raun–Saareste 1965 44; [ODEE 1969 1009;] Niskanen–Hofstra 1971 44; Juntune 1973 27, 32; SKES VI 1978 1752; Hakulinen 1979 364, 362; Raun 1982 204; EEW 1982/83 3832; Plöger 1982 94; Hofstra 1985a 43, 98, 340, 341; [Blöndal Magnússon 1989 1145;] N. Nielsen 1989 494; [Heidermanns 1993 664f.;] Häkkinen 1996a 160f.; SSA III 2000 444; Häkkinen 2004 1492f.; Bjorvand–Lindeman 2007 1316f. Germ. LW.

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VIITA ’dichter, junger Wald, Dickicht; (aWb.) durch Fällen der Bäume zum Schwenden vorbereitetes Waldstück’; karel. viita ’dichter, trockener Nadelwald; Dickicht’; lüd. vƯt ’dichter, junger Fichtenwald’; weps. vid(a), vid'a ’dichter, junger Nadelwald’; ?estn. viderik, videlik, videvik ’kleines, dünnes Gebüsch’. *vƯta 1. ~ urgerm. *wiÿu-z, urn. *wiÿuR; vgl. an. viðr m. ’Wald; Baum; Holz’, aschwed. viþer, vedher m. id., ae. widu m. id., as. widu m. ’Holz; Wald’, ahd. witu m. ’Holz’. [2. ~ urgerm. *swiþjǀ, urn. *swiþju; vgl. aschwed. sviþ f. (auch n.) ’Schwende, Rodung’; ~ urgerm. *swiþjǀn-, urn. *swiþjǀ; vgl. aschwed. sviþia f. ’Schwende’; ~ urgerm. *swiþǀn-, urn. *swiþǀ; vgl. an. sviða f. in saltsviða ’Salzbrennerei’ (salt- ’Salz’).] Im SKES wird erwogen, ob viita ein skand. Lehnwort sein könne und mit aschwed. sviþ, sviþa usw. verbindbar sei. Dies geschieht unter der Annahme, daß viita ursprünglich ’durch Fällen der Bäume zum Schwenden vorbereitetes Waldstück’ (nur bei Renvall 1826) und ’auf ehemaliger Schwende wachsender Wald’ (nur im Kirchspiel Äänekoski) bedeutet habe. Im SKES wird mit einem skand. Original mit Ư gerechnet; die skand. Wörter weisen eher auf kurzes i; Ư als Reflex von germ. i gibt es aber auch z.B. in VIIKKO. Semantisch ist die im SKES angenommene Etymologie nicht plausibel. Ein lautlich und semantisch einwandfreies Original ist urgerm. *wiÿu-z usw. [Hellquist 1939 1124, 1325; de Vries 1962 569, 660; ODEE 1969 1012;] SKES VI 1978 1756f.; Hakulinen 1979 313; Turunen 1979 387; EEW 1982/83 3804; Hofstra 1985a 321f., 354; [Blöndal Magnússon 1989 1000, 1131; N.Nielsen 1989 488;] SSA III 2000 446 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1271]. Germ. LW.

VIITATA (viittaa-), viittoa ’Weg durch Zeichen markieren; weisen, zeigen, ein Zeichen geben; kurz erwähnen, hinweisen, eine Ahnung haben’; ingr. vƯDaDa ’winken (zu kommen oder zu gehen)’; karel. viittuo (SKES, SSA) ’weisen; mit dem Finger zeigen’. *vƯtta~ urgerm. *witan-, urn. *witan; vgl. an. vita ’zeigen; vernehmen, erkennen’, aschwed. vita ’vernehmen, erkennen; wissen’, ae. witan ’wissen, verstehen’, as. witan id., ahd. wizzan id., got. witan id. Karel. viitata ’weisen’ und estn. viitama ’id., zeigen’ sind Neologismen.

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Gewöhnlich wird viitata als Ableitung von VIITTA aufgefaßt. Häkkinen hat aber 2004 Entlehnung aus dem Germanischen als Alternative erwähnt. Eine getrennte Entlehnung ist lautlich und semantisch möglich, aber nicht nötig; viitata kann morphologisch und semantisch sehr gut eine Ableitung von VIITTA sein. [Hellquist 1939 1334f.; de Vries 1962 669;] E.Itkonen 1968 513; [Seebold 1970 533–535;] SKES VI 1978 1756f.; Hakulinen 1979 299; Raun 1982 204; EEW 1982/83 3835; [Lehmann 1986 406f.; Blöndal Magnússon 1989 1147; N.Nielsen 1989 493;] Häkkinen 1990b 377; SSA III 2000 446; Häkkinen 2004 1493 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1319f.]. ? Germ. LW.

VIITTA ’Wegzeichen, -weiser; als Zeichen für einen Weg, ein Eisloch o.ä. aufgestellter Stab, kleiner Baum oder Zweig’; estn. viit (G. viida) ’(Weg)zeichen’. *vƯtta ~ urgerm. *witan-, urn. *witƗ; vgl. an. viti m. ’Zeichen, Anzeichen, Vorzeichen; Feuerzeichen’, schwed. vette ’Seezeichen; Steinhaufen’, ae. wita m. ’Weiser, Ältester, Zeuge’, as. giwito m. ’Zeuge’ (gi- Präfix), ahd. wizzo m. ’Wissender’, got. unwita m. ’Unwissender’ (un- ’un’). Nachdem bereits früher viitta in unterschiedlicher Weise mit neuskand. Wortgut verknüpft worden war, hat Wiklund viitta als germ. Lehnwort gedeutet. Herkunft aus dem Urnordischen oder dem Urgermanischen ist lautlich plausibel (ostseefi. Ư ~ germ. i findet sich häufiger) und semantisch problemlos. Qvigstad 1881 239; Setälä 1913a 472; Wiklund 1917a 74; [Hellquist 1939 1226;] Karsten 1943/44 607; de Vries 1962 670; E.Itkonen 1968 513; [Seebold 1970 533f.;] SKES VI 1978 1756f.; Hakulinen 1979 299, 362; Turunen 1979 387; EEW 1982/83 3833; Hofstra 1985a 24, 81, 314f.; [Lehmann 1986 379; Blöndal Magnússon 1989 1147;] Häkkinen 1990b 377; SSA III 2000 446; Häkkinen 2004 1493; Palviainen 2004 228. Germ. LW.

VIKA ’Fehler, Mangel; Schwäche, Gebrechen, Krankheit; Schuld’; ingr. viGa; karel. vika; weps. viga ’Fehler, Mangel, Gebrechen; Schuld’; wot. vika ’id.’; estn. viga ’id., Irrtum; Schade’; liv. vigà ’Übel; Krankheit; Schade; Schuld, Fehler; Ursache’; lpI. vahe ’ständiges oder vorübergehendes körperliches Gebrechen, Krankheit’. *vika

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~ urgerm. *swika-, urn. *swika; vgl. an. svik n. (Pl.) ’Falschheit, Betrug, Verrat’, aschwed. svik, svek n. id., ae. swic n. ’Täuschung’, Ͼswic n. ’Ärgernis, Betrug’ (Ͼ- Präfix); ~ urgerm. *swika-z (, urn. *swikaR); vgl. ae. Ͼswic m. ’Ärgernis, Betrug’ (ϾPräfix), ahd. biswih m. ’Betrug’ (bi- Präfix). Rytkönen und nach ihm Mägiste haben das ostseefi.-lp. Wort vika als deskriptiv-onomatopoetisch bezeichnet und es zu fi. vikistä ’piepen, quieken; winseln’ gestellt. Der Gedanke, daß es sich um ein einheimisches Wort handelt, wurde allgemein vertreten. Sköld hat aber vika als germ. Lehnwort gedeutet. Diese Deutung ist lautlich und semantisch in Ordnung; ostseefi. -k- als Reflex von germ. -k- legt zusammen mit der Verbreitung den Gedanken an eine frühe Entlehnung nahe. [Hellquist 1939 1124f.;] Rytkönen 1949 14; Mägiste 1962a 48–50; [de Vries 1962 509; Seebold 1970 486f.;] SKES VI 1978 1757f.; Hakulinen 1979 318; Raun 1982 202; EEW 1982/83 3806; [Blöndal Magnússon 1989 1002;] Lehtiranta 1989 142f.; [N.Nielsen 1989 436;] Häkkinen 1990a 215; SSA III 2000 446; Sköld 2004. Germ. LW.

VIKEVÄ, vikeä ’schnell, geschwind, behende, ungestüm, geschickt; reißend (Strom), stark (Wind)’; karel. vikevä ’schnell’; lpN. vâkkâd ’schnell; reißend’. *vikeįä 1. ~ urgerm. *wƯЀija-z, urn. *wƯЀijaR; vgl. an. vígr ’kampftüchtig’, aschwed. vƯgher ’id., kräftig’, mhd. wƯge ’kriegerisch’. 2. ~ urgerm. *kwikwa-z, urn. *kwikwaR; vgl. an. kvikr ’lebend, lebendig’, aschwed. kvik(k)er id., ae. cwic id., as. quik, ahd. quek id., got. qius id. Im allgemeinen gilt vikevä als deskriptives Wort; es wird oft mit VIKKELÄ zu einer einzigen Wortgruppe gestellt. Nikkilä hat vike(v)ä als germ. Lehnwort gedeutet; das wahrscheinlichere Original sei urn. *wƯȤia-; eine weitere Möglichkeit sei urgerm. *kwikwa-. Beide germ. Lexeme sind als Original vertretbar, aber sowohl lautlich wie auch semantisch paßt urgerm. *wƯȤija-z am besten zu vike(v)ä. Die germ. Herkunft von vike(v)ä kann als gesichert gelten. Vgl. KUIVA, PIKA, VIKKELÄ. [Hellquist 1939 534f.,1340; de Vries 1962 338, 662; ODEE 1969 731; Seebold 1970 545;] Rintala 1972 188; SKES VI 1978 1759; Nikkilä 1981 75f., 81; Hofstra 1985a 43, 217f., 335, 337, 355; [Lehmann 1986 278f., 388; Blöndal Magnússon 1989 528, 1134;] Tuomi 1989 36; Lehtiranta 1989 142f.; [N.Nielsen

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1989 245f.; Heidermanns 1993 352f., 662f.;] SSA III 2000 446f.; Häkkinen 2004 1494 [; Bjorvand–Lindeman 2007 617–619]. Germ. LW.

VIKKELÄ ’schnell, flink, gewandt, gewitzt’; karel. vikkelä ’schnell, flink; schlau’. *vikkelä ~ urgerm. *kwikwa-z, urn. *kwikwaR; vgl. an. kvikr ’lebend, lebendig’, aschwed. kvik(k)er id., ae. cwic id., as. quik, ahd. quek id., got. qius id. Im allgemeinen gilt vikkelä als deskriptiv; es wird oft mit VIKEVÄ zu einer einzigen Wortgruppe gestellt. Laut Rintala ist es eine Kontamination von VIKEVÄ und sukkela ’schnell; gewitzt’. Nikkilä bezeichnet dies als eine gute Lösung, vor allem weil vikkelä und sukkela dieselbe Verbreitung haben. Eine Alternative wäre laut Nikkilä die Annahme einer Entlehnung; Original wäre dann urgerm. *kwikwa-. Lautlich, morphologisch und semantisch ist dies denkbar; -lä ist dann ein einheimisches Ableitungssuffix. Vgl. KUIVA, PIKA, VIKEVÄ. [Hellquist 1939 534f.,1340; de Vries 1962 338, 662; ODEE 1969 731;] Rintala 1972 188; SKES VI 1978 1759; Nikkilä 1981 75f., 81; Hofstra 1985a 43, 217f., 335, 337, 355; [Lehmann 1986 278f., 388; Blöndal Magnússon 1989 528;] Tuomi 1989 36; Lehtiranta 1989 142f.; [N.Nielsen 1989 245f.; Heidermanns 1993 352f.;] SSA III 2000 446f.; Häkkinen 2004 1494 [; Bjorvand–Lindeman 2007 617–619]. ? Germ. LW.

VILJA ’Wild(bret)’. *vilja [~ urgerm. [*welþija-z >] *wilþija-z, urn. *wilþijaR; vgl. an. villr ’irrend; verwirrt; falsch’, aschwed. vilder ’wild’, ae. wilde id., as. wildi id., ahd. wildi id., got. wilþeis id.] Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Karsten, der als Original eine späturnord. Form ansetzt, in der lþ bereits zu ll geworden ist. Das Lehnwort sei lautlich zusammengefallen mit vilja ’Getreide, Korn; (auch überhaupt) Ertrag; Nahrung; Überfluß, große Menge’. Vilja ’Wildbret’ gehört aber deutlich zu ostseefi.-lapp. vilja ’Getreide, Ertrag’, wie auch allgemein angenommen wird. Es ist also kein germ. Lehnwort. Koivulehto hat vilja in allen Bedeutungen als indogerm. bzw. balto-slaw. Lehnwort erklärt.

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Vgl. VILLI. [Hellquist 1939 1343;] Karsten 1943/44 607; [de Vries 1962 664; ODEE 1969 1006;] SKES VI 1978 1763f.; Hakulinen 1979 342; Raun 1982 204; EEW 1982/ 83 3844f.; Koivulehto 1984c 223; [Lehmann 1986 403f.;] Koivulehto 1987b 209f.; [Blöndal Magnússon 1989 1137; N.Nielsen 1989 494; Heidermanns 1993 668f.;] Häkkinen 1990a 215; Koivulehto 1999a 287f.; SSA III 2000 448; Häkkinen 2004 1495 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1306f.]. Kein germ. LW.

VILLI ’wild’; ingr. villi; karel. villiškö ’böse; böser Mensch’; estn. villine (Wied.) ’wild, boshaft’. *villi ~ urgerm. [*welþija-z >] *wilþija-z, urn. *wilþijaR; vgl. an. villr ’irrend; verwirrt; falsch’, aschwed. vilder ’wild’, ae. wilde id., as. wildi id., ahd. wildi id., got. wilþeis id. Bereits von Ihre 1769 wurde villi mit dem Schwedischen verglichen. Der Gedanke an ein germ. Lehnwort findet sich zuerst bei Diefenbach 1851. Die etymologischen Wörterbücher des Finnischen nennen neben Entlehnung aus dem (Alt)schwedischen als Alternative Entlehnung aus einer älteren Phase des Germanischen. Häkkinen hält es außerdem für möglich, daß die ostseefi. Wörter auf Entlehnung von unterschiedlichen germ. Formen beruhen. ll in villi setzt die vollzogene skand. Entwicklung von lþ zu ll voraus; villi ist ist daher kein altes germ. (urnord.) Lehnwort, sondern eine jüngere Entlehnung. Vgl. VILJA. Neuhaus 1908 164; Streng 1915 260f.; [Hellquist 1939 1343;] Karsten 1943/44 607; [de Vries 1962 664; ODEE 1969 1006;] SKES VI 1978 1767; Hakulinen 1979 372; EEW 1982/83 3851f.; [Lehmann 1986 403f.; Blöndal Magnússon 1989 1137; N.Nielsen 1989 494; Heidermanns 1993 668f.;] SSA III 2000 449; Häkkinen 2004 1495f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1306f.]. Jüngeres LW.

VIMMA ’Wut, Grimm, Eifer; Verlangen, Begierde, Brunst; Schwung, Windstoß; Anfall (von Krankheit), Schmerz; Krach, Tumult’; karel. vimma ’Wut’; estn. vimm, vimb (G. vimma) ’Groll, Haß, heimlicher Zorn; Krankheitskeim, Ansatz oder Ursache einer Krankheit’. *vimma

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[~ urgerm. [*gremma-z >] *grimma-z, urn. *grimmaR; vgl. an. grimmr ’zornig, grimmig, grausam’, aschwed. grimber id., ae. grimm ’grimmig, wild, schrecklich, grausam’, as. grimm ’grimmig, feindlich; grausam, widerwärtig’, ahd. grim ’grimmig, streng’, auch grimmi ’grausam, wild’.] Karel. vimma is nur in Hietajärvi belegt. Hakulinen hat vimma mit der Wortgruppe um VIIMA und VIIMATA verbunden. Rytkönen hat versuchsweise vimma zu den Wörtern VIIMA und VIEMATA gestellt. Beide Deutungen sind weder lautlich noch semantisch plausibel. Katz deutet vimma als germ. Lehnwort; dies ist wegen der vorausgesetzten unmöglichen Substitution von urgerm. gr- durch urfi. v- abzulehnen. Vgl. VIRMA. Hakulinen 1933a 90–101; Rytkönen 1937d 176; [Hellquist 1939 304; de Vries 1962 189; ODEE 1969 414;] SKES VI 1978 1772; Hakulinen 1979 325; Raun 1982 205; EEW 1982/83 3856f.; [Lehmann 1986 159; Blöndal Magnússon 1989 278; N.Nielsen 1989 162;] Katz 1990a 36; [Heidermanns 1993 258f.;] SSA III 2000 451 [; Bjorvand–Lindeman 2007 386]. Kein germ. LW.

VINHA ’kühl, stark (Wind); heftig, schnell; munter, komisch, toll’, vinhakka ’kühl, stark (Wind); schnell’; karel. vinhakka ’stark (Welle)’. *vinha ~ urgerm. [*swenþa-z >] *swinþa-z, urn. *swinþaR; vgl. an. svinnr ’klug, weise, rasch’, schwed. dial. svinn ’bescheiden, anständig’, ae. swƯð ’stark, mächtig, heftig, streng’, as. swƯth ’stark’, mnd. geswint id., nhd. geschwind ’schnell’, got. swinþs ’stark’. Die Deutung von vinha als germ. Lehnwort wurde von Koivulehto vorgelegt. Sie wird von SSA, das als Alternative vinha für möglicherweise deskriptivonomatopoetisch hält, und von Häkkinen für möglich gehalten. Die Etymologie ist lautlich in Ordnung (vergleiche dazu MURHA1 und MURHA2) und semantisch einwandfrei. Vgl. VENTO. [Hellquist 1939 1115; de Vries 1962 570;] SKES VI 1978 1800; [Lehmann 1986 336; Blöndal Magnússon 1989 1003f.; [N.Nielsen 1989 433;] Heidermanns 1993 577f.;] Nikkilä 1998a 82, 87; Koivulehto 1998b 244; Koivulehto 1999c 119; SSA III 2000 451; Häkkinen 2004 1496f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1092f.]. Germ. LW.

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VINNATA (vinnaa-) (dial.) ’hart arbeiten, sich anstrengen; toben, umherlaufen’; karel. vinnata ’reißen, ziehen, schleppen; eilen, hasten’. *vinna~ urgerm. [*wennan- >] *winnan-, urn. *winnan; vgl. an. vinna ’arbeiten; ausführen, tun’, aschw. vinna ’tun; gewinnen, erwerben’, ae. winnan ’arbeiten, sich anstrengen; streiten, kämpfen; ertragen, leiden’, as. winnan ’kämpfen; erwerben; leiden’, mnd. winnen ’gewinnen; erwerben; bekommen; besiegen, erobern’, ahd. winnan ’sich abmühen, arbeiten; kämpfen’, got. winnan ’leiden’. Hofstra hat vinnata als germ. Lehnwort gedeutet; dies ist lautlich und semantisch möglich. Eine spätere Entlehnung, etwa aus dem Altschwedischen oder dem Mittelniederdeutschen, kommt aber auch in Frage. [Hellquist 1939 1351; de Vries 1962 666; ODEE 1969 1007; Seebold 1970 556f.;] SKES VI 1978 1776; Hofstra 1985a 26, 234, 243, 288, 349; [Lehmann 1986 404; Blöndal Magnússon 1989 1142; N.Nielsen 1989 496;] Nikkilä 1990b 252, 254 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1314]. Germ. oder jüngeres LW.

VIPSIÄ (dial.) ’sich eilig bewegen’; karel. vipsoa ’sich davon machen, auffliegen, herumschwirren’; estn. vipsuma ’schnell gehen, sich schnell hin und her bewegen, schlüpfen’. *vipsV[~ urgerm. *swipjan- (, urn. *swipjan); vgl. ahd. swipfen ’sich schnell bewegen’; ~ urgerm. *swipǀ(ja)n-, urn. *swipǀn; vgl. an. svipa ’sich schnell und geräuschlos bewegen’.] Katz hat fi. vipsiä als Entlehnung von urgerm. *swipjan- und karel. vipsoa als Entlehnung von urgerm. *swipǀn- gedeutet. Die vorausgesetzte Metathese (*svip- zu *vips-) macht diese Deutungen unmöglich. [de Vries 1962 570; Seebold 1970 479f.;] SKES VI 1978 1782; EEW 1982/83 3872; Blöndal Magnússon 1989 1004;] Katz 1990a 46 [; N.Nielsen 1989 439]. Kein germ. LW.

VIPU ’Hebebaum, Schwengel, (Wiegen)hebel; Bogen, (Spring)feder (im Schloß); Auslösehebel für Schlingenfallen; ’, vippu (aWb., dial.) ’Schlingenfalle’; ingr. viBu ’Kurbelstange am Spinnrad; Wiegenhebel oder Schwengel’; karel. vipu; lüd. bibu ’(Wiegen)hebel; Bogen am Flitzbogen; Schwengel’; weps. bibu ’Stützhebel der Wiege, Fallenhebel’; wot. vipu ’Schwengel; federnde Stange (z.B. bei einer Wiege)’; estn. vibu; liv. vi‫ތ‬B (Pl. vibùD) ’biegsame Stange’.

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*vipu ~ urgerm. *wippǀn, urn. *wippǀ; vgl. an. vippa f. ’Schaukel, Wippe’ (als Beiname), aschwed. vippa f. ’Hebel zum Spannen der Armbrust’, schwed. vippa ’Quaste; Rispe’, mnd. wippe f. ’Brunnenschwengel; Hebel, Hebelvorrichtung; Hebel zum Spannen der Armbrust’. Koivulehto hat vipu als altes germ. Lehnwort bezeichnet, ohne seine Ansicht ausführlich zu begründen. Diese Deutung wäre zwar semantisch einwandfrei, ist aber aus lautlichen Gründen problematisch, da urfi. -pp-, wie in der Nebenform vippu, die regelmäßige Entsprechung von germ. -pp- von gewesen wäre. Denkbar ist, daß nur vippu aus dem Germanischen entlehnt wurde. Die Etymologie von vipu bedarf weiterer Erforschung. [Hellquist 1939 1353f.; de Vries 1962 667;] Koivulehto 1976a 271, 288; SKES VI 1978 1782; Hakulinen 1979 360; Raun 1982 202; EEW 1982/83 3802f.; Hofstra 1985a 80, 153, 322f.; Nikkilä 1987 238; [Blöndal Magnússon 1989 1143; N. Nielsen 1989 497;] Häkkinen 1990a 222, 252; Häkkinen 1996a 161; SSA III 2000 455; Häkkinen 2004 1499. Kaum germ. LW. VIRKA1 ’Amt, (An)stellung, Aufgabe; Nutzen, Verwendung; merkwürdige oder schlechte Angewohnheit; Zeitvertreib’; ingr. viratoin ’ungezogen, unartig (Kind)’; karel. virka; lüd. virg ’Amt, (An)stellung; schlechte Angewohnheit’; estn. virga ’Sitte, Brauch, Tradition’. *virka 1. ~ urgerm. [*(ga-)werkija- >] *(ga-)wirkija-, urn. *wirkija; vgl. an. virki n. ’Handlung, Werk; Wall, Burg’, aschwed. virke n. ’Werk, Gebäude; Stellung’, as. giwirki n. (gi- Präfix) ’Werk’. [2. ~ urgerm. *werka-, urn. *werka; vgl. an. verk n. ’Werk, Arbeit, Kunst, Bauwerk’, aschwed. werk n. ’Werk, Arbeit’, ae. weorc n. id., as. werk n. id., ahd. werk n. id.] Ingr. -toin in viratoin ist ein karitives (privatives) Suffix. Estn. virga ist nur aus Kuusalu bekannt. Diefenbach und Thomsen haben virka zum germ. Substantiv (u.a. an. verk) gestellt; Lindström aber stellte es zum germ. Verbum, das z.B. als as. wirkian ’wirken, tun’ erhalten ist. Thomsen gab 1890 die Deutung als germ. Lehnwort auf. Karsten hielt zunächst an ihr fest, gab sie dann allerdings 1915 aus lautlichen Gründen (Wiedergabe von germ. k) auf und verband virka ’Amt’ mit dem ostseefi. Adjektiv virkeä ’lebhaft, aufmerksam, munter’. Posti hat virka1 ’Amt’ und VIRKA2 ’Reihe’ als ein einziges, einheimisches Lexem aufgefaßt und eine Bedeutungsentwicklung ’Reihe’ ĺ ’Gewohnheit’ ĺ

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’Beruf, Amt’ angenommen; diese Auffassung wurde lange allgemein akzeptiert. Laut Kalima ist virka in allen Bedeutungen ein balt. Lehnwort, mit dem lett. virdze (< *virge) ’großer Haufen’ und lett. verdze (< *verge) ’id.; lange Reihe’ zu vergleichen sei; auch diese Ansicht wird allgemein geteilt. Hahmo hat ausgeführt, daß zwei unterschiedliche Wörter vorliegen und daß virka ’Amt’ ein mittelalterliches schwed. oder nd. Lehnwort ist; dies verträgt sich auch gut mit fi. -k- als Wiedergabe von -k- des Originals. Vgl. VERKKA, VERKKO, VIRKA2. Lindström 1859 185; Thomsen 1869 161; Thomsen 1890 28; Karsten 1906b 1f.; Setälä 1906 15, 16; Setälä 1913a 472; Karsten 1915 179; Posti 1932; [Hellquist 1939 1331, 1354f.;] Kalima 1941 210f., 269; Kylstra 1961 68, 74; [de Vries 1962 656, 667; ODEE 1969 1012;] SKES VI 1978 1784f.; Hakulinen 1979 355; [Lehmann 1986 396f.;] UEW I 1988 576; [Blöndal Magnússon 1989 1124, 1144; N.Nielsen 1989 497, 506;] Häkkinen 1990a 245; Häkkinen 1990b 378f.; Hahmo 1996a 55; SSA III 2000 456f.; Häkkinen 2004 1500f.; [Bjorvand–Lindeman 2007 1291–1293, 1315;] Bentlin 2008 99f.,101; Saarikivi 2009 128. Jüngeres LW. VIRKA2 ’Reihe (von Fallen), Fallenstellerpfad, Dohnenstieg; Falle, Schlinge’; ingr. virka, verka ’Perlenreihe, Perlenschnur’; karel. virka ’Blesse; Zeichen am Baum’; lüd. virg(eࡓ ) ’id.’; weps. v̗ irg, v̗ erg ’Zeichen am Baum’; wot. virka ’Reihe; (Perlen)schnur’; estn. viirg ’Reihe, rechter langer Holzstoß’, virg ’wellenartige Sandhäufung am Strande; Streifen, Reihe, Furche’. *virka [~ urgerm. [*(ga-)werkija- >] *(ga-)wirkija-, urn. *wirkija; vgl. an. virki n. ’Handlung,Werk; Wall, Burg’, aschwed. virke n. ’Werk, Gebäude; Stellung’, as. giwirki n. (gi- Präfix) ’Werk’.] Karsten hat virka in permivirka ’Vogelfang’ (permi ’Vogelschlinge’) als Entlehnung von aschwed. virke gedeutet, seine Deutung aber 1915 aufgegeben, nachdem Setälä Zweifel geäußert hatte, ob dieses virka auf germ. *wirkia- zurückgehen könnte. Kalima hat virka als balt. Lehnwort gedeutet; siehe VIRKA1. Seitdem wurde die Erklärung von virka ’Schlinge’ als germ. Lehnwort nur noch im UEW erwähnt, wo sie allerdings als unsicher bezeichnet wird. Die Deutung als altes germ. Lehnwort ist lautlich und semantisch unhaltbar: Als Wiedergabe von germ. k wäre urfi. kk, nicht urfi. k zu erwarten; im Falle besonders früher Entlehnung wäre zwar urfi. k möglich gewesen, aber da wäre wohl urfi. *verka, nicht urfi. *virka eingetreten; überdies fehlt ein Reflex von germ. ij. Vgl. VIRKA1.

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Karsten 1906b 5; Setälä 1913a 472f.; Karsten 1915 179; Posti 1932; [Hellquist 1939 1354f.;] Kalima 1941 210f., 269; [de Vries 1962 667;] SKES VI 1978 1784f.; Hakulinen 1979 355; EEW 1981/82 3875; Raun 1982 206; UEW I 1988 576; [Blöndal Magnússon 1989 1144; N. Nielsen 1989 497;] Häkkinen 1990a 245; Häkkinen 1990b 378f.; Hahmo 1996a 55; SSA III 2000 456; Häkkinen 2004 1500f.; [Bjorvand–Lindeman 2007 1315;] Bentlin 2008 99f.; Saarikivi 2009 127f. Kein germ. LW.

VIRKKU, virkka (Lönnr.) ’lebhaft, rege, rührig; flink, aufmerksam; fleißig’; karel. virkku; wot. virkku, wotK. virkkO; estn. virk (G. virgu, virga). *virkku [~ urgerm. *freka-z, urn. *frekaR; vgl. an. frekr ’gierig; hart, streng, eifrig’, ae. frecc ’gierig, kühn’, ahd. frech ’gierig, geizig’, mhd. vrech ’kühn, lebhaft’, got. faihufriks ’geldgierig’ (faihu- ’Vieh, Geld’).] Laut gängiger Auffassung ist virkku zu fi. virkeä ’lebhaft, aufmerksam, munter’, einem einheimischen Adjektiv, zu stellen. Katz hat virkku aber als germ. Lehnwort gedeutet. Wegen der von ihm vorausgesetzten Substitution von urgerm. fre- durch urfi. vir- ist dies nicht haltbar. Vgl. PERKATA, VERKKA. [Hellquist 1939 242; de Vries 1962 656; ODEE 1969 1012;] SKES VI 1978 1785; Hakulinen 1979 227; Nikkilä 1981 64; Raun 1982 206; EEW 1982/83 3877f.; [Lehmann 1986 396f.; Blöndal Magnússon 1989 206; N.Nielsen 1989 143;] Häkkinen 1990a 227; Katz 1990b 22, 23; [Heidermanns 1993 212f.;] SSA III 2000 457; Häkkinen 2004 1501 [; Bjorvand–Lindeman 2007 303f.]. Kein germ. LW.

VIRMA ’schnell, lebhaft, ungestüm, feurig (Pferd)’; karel. virma ’wild, ungestüm, flink, rasch’, virmie ’flink, munter, aufgeweckt; üppig; schnell, flink’. *virma [~ urgerm. [*gremma-z >] *grimma-z, urn. *grimmaR; vgl. an. grimmr ’zornig, grimmig, grausam’, aschwed. grimber id., ae. grimm ’grimmig, wild, schrecklich, grausam’, as. grimm ’grimmig, feindlich; grausam, widerwärtig’, ahd. grim ’grimmig, streng’, auch grimmi ’grausam, wild’.] Karel. virma ist nur in Korpiselkä bekannt (SKES).

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Katz hat das Adjektiv virma, das gewöhnlich mit dem Substantiv virma ’Sitte, Lebensweise; Qualität, Eigentümlichkeit usw.’ verknüpft wird, davon getrennt und als germ. Lehnwort gedeutet. Seine Herleitung aus germ. *gremma- /*grimma- ist wegen der von ihr vorausgesetzten unmöglichen Substitution von urgerm. grVdurch urfi. vVr- abzulehnen. Vgl. VIMMA. [Hellquist 1939 304; de Vries 1962 189; ODEE 1969 414;] SKES VI 1978 1786; Hakulinen 1979 325; Lehmann 1986 159; Katz 1988b 13; UEW II 1988 805; [Blöndal Magnússon 1989 278; N.Nielsen 1989 162;] Katz 1990a 63; [Heidermanns 1993 258f.;] SSA III 2000 457 [; Bjorvand–Lindeman 2007 386]. Kein germ. LW.

VIRO ’Estland; estnische Sprache’, (Vd. auch:) ’Welt’; ingr. Viroi ’Estland’; karel. viro in Redewendungen wie ”nällissäh ku viron hukka” ’hungrig wie ein Wolf von Viro’; wot. viro ’Estland; estnische Sprache’; estn. Viru(maa) nordöstliche Provinz in Estland (-maa ’Land’), viru ’Einwohner von Virumaa’. *viro ~ urgerm. *wira-z > *wera-z, urn. *weraR; vgl. an. verr m. ’Mann’, aschwed. vær m. id., ae. wer m. id., as. wer m. id., ahd. wer m. id., got. wair m. id. Nicht sicher ist, ob Viro ’Estland’ und viro ’Welt’ ein und dasselbe Wort sind. Karsten verband viro ’Estland; estnische Sprache’ mit schwed. Insel- und Gewässernamen. Setälä hat 1939 viro ’Welt’ als eine – offenbar an viro ’Estland’ angelehnte – volksetymologische Kurzform der skand. Weltbezeichnung verald, varild, vaerald usw. erklärt. Koivulehto hat Setäläs Gedanken weitergeführt und darauf hingewiesen, daß das skand. Wort (an. ver-Іld) letztendlich ein Kompositum ist, dessen erster Teil urgerm. *wera-z < *wira-z ’Mann’ ist; auf diesem *wira-z beruhe viro in allen Bedeutungen. Lõugas hat auf die Ähnlichkeit von viro und einem balt. Wort für ’Mann’ (lit. výras, lett. vƯrs) hingewiesen. Lautlich und semantisch kommt sowohl die Herleitung aus dem Baltischen wie die aus dem Germanischen in Frage. Grünthal, SSA und Häkkinen nennen diese beiden Möglichkeiten mit einigem Zweifel. Setälä 1913a 473; Karsten 1915 214; [Hellquist 1939 1394f.;] Setälä 1939 69f.; Karsten 1943/ 44 608; [de Vries 1962 657; ODEE 1969 1012;] Lõugas 1978 10; SKES VI 1978 1786f.; EEW 1982/83 3884; [Lehmann 1986 389f.; Blöndal Magnússon 1989 1121; N.Nielsen 1989 491;] Koivulehto 1993a 400; R.Grünthal 1997 200–204, 282; SSA III 2000 458; Häkkinen 2004 1501 [; Bjorvand– Lindeman 2007 1289–1291]. ? Germ. LW.

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VITJA (oft im Pl. vitjat), vilja(t) ’(Uhr)kette; leichte (Hunde)kette’; karel. vitja; weps. vidj ’Kette, Fessel’. *vitja ~ urgerm. *wiÿjǀ, urn. *wiÿju; vgl. an. við (Pl. viðjar) f. ’Weidengerte, biegsamer Zweig; Halsband (aus Metall), Ring’, mnd. wedde f. ’zum Binden oder Flechten dienende Rute; Strick aus (Weiden)ruten’, ahd. witta f. ’(Kopf)binde, Band, Haarband’; ~ urgerm. *wiÿjǀn-, urn. *wiÿjǀ; vgl. an. viðja f. ’Weidenband, Fessel’, aschwed. viþia f. ’Weidenrute; Weidenband’, ae. wiððe f. ’Band, Fessel’, mnd. wedde f. ’zum Binden oder Flechten dienende Rute; Strick aus (Weiden)ruten’, ahd. witta f. ’(Kopf)binde, Band, Haarband’. Weps. vidj ist nur einmal im 19. Jh. belegt. Die germ. Herkunft ist seit Thomsen unumstritten. Als germ. Original wurde außer *wiÿjǀ auch die ältere Form *wiÿjƗ bzw. eine Form mit þ (z.B. *wiþjǀn-) angesetzt. Die Entlehnung von vitja muß später erfolgt sein als die von VITSA, möglicherweise erst aus dem Nordgermanischen. Vgl. VITSA. Thomsen 1869 161; Setälä 1913a 473; Karsten 1915 132; Hellquist 1939 1339; de Vries 1962 658f. [, 659f.]; [ODEE 1969 1010;] Seebold 1972 91, 93; Juntune 1973 22, 41; SKES VI 1978 1796; Hakulinen 1979 360; Koivulehto 1979b 290; Koivulehto 1981b 167; Koivulehto 1981d 16; Koivulehto 1982a 261; Hofstra 1985a 91, 166, 322f.; [Lehmann 1986 221f.; Blöndal Magnússon 1989 1129, 1131; N.Nielsen 1989 493;] Häkkinen 1990a 250; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 6; SSA III 2000 464; Häkkinen 2004 1506f.; Palviainen 2004 228 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1302f.]. Germ. LW.

VITSA ’biegsamer Zweig, (Weiden)rute, Gerte; Peitsche’; ingr. vit̖sa; karel. vittša; lüd. vitթ 'š̗ ; weps. vits; wot. vittsa, vittse֑ ; estn. vits ’Rute, Gerte; Reifen (Faß, Rad)’; liv. vitի sà ’Rute, Gerte; Faßreifen; Gürtel’. *vicca < *viüüa ~ frühurgerm. *wiþjƗ > urgerm. *wiÿjǀ, urn. *wiÿju; vgl. an. við (Pl. viðjar) f. ’Weidengerte, biegsamer Zweig; Halsband (aus Metall), Ring’, mnd. wedde f. ’zum Binden oder Flechten dienende Rute; Strick aus (Weiden)ruten’, ahd. witta f. ’(Kopf)binde, Band, Haarband’; ~ urgerm. *wiÿjǀn-, urn. *wiÿjǀ; vgl. an. viðja f. ’Weidenband, Fessel’, aschwed. viþia f. ’Weidenrute; Weidenband’, ae. wiððe f. ’Band, Fessel’, mnd. wedde f. ’zum Binden oder Flechten dienende Rute; Strick aus (Weiden)ruten’, ahd. witta f. ’(Kopf)binde, Band, Haarband’.

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Nach einem ersten Versuch, vitsa als schwed. Lehnwort zu deuten (Moller, 18. Jh.), wurde vitsa als Entlehnung aus dem (Ur)russischen betrachtet, bis Koivulehto es als frühes germ. Lehnwort deutete. Germ. þj sei durch frühurfi. üü (> cc) substituiert worden, da das Frühurfinnische noch kein tj gekannt habe. Lautlich und semantisch ist diese Etymologie in Ordnung. Vgl. VITJA. [Hellquist 1939 1339; de Vries 1962 658f., 659f.; ODEE 1969 1010;] Plöger 1973 230; SKES VI 1978 1798f.; Koivulehto 1979b 290, 300; Koivulehto 1981a 367; Koivulehto 1981b 168, 204; Koivulehto 1981d 17; Raun 1982 207; EEW 1982/83 3893–3895; T.Itkonen 1983 205; Hofstra 1985a 92, 166, 322, 324; Koivulehto 1986b 266f.; [Lehmann 1986 221f.;] Nikkilä 1987 200; [Blöndal Magnússon 1989 1129, 1131; N.Nielsen 1989 493;] Häkkinen 1990a 250; Hofstra 1990b 134; Koivulehto 1991d 99; Koivulehto 1999a 224, 257f., 271; SSA III 2000 465; Häkkinen 2004 1506f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1302f.;] Blokland 2009 318f. Germ. LW.

VITTU ’Scham, Fotze’, auch Schimpf- bzw. Fluchwort; ingr. vittu; karel. vittu; lüd. vit(tu), pittu; weps. viti֑ iĔe; wot. vittu; estn. vitt; liv. vit´. *vittu urgerm. [*fetjǀn- >] *fitjǀn- > urn. *fitjǀ; vgl. norw. fitte f. ’weibliche Scham’, schwed. fitta f. id., adän. fette f. id., dän. dial. fitte id. Vittu wird oft mit schwed. fitta verknüpft. Laut SKES und SSA ist es wahrscheinlich ein skand. Lehnwort. Laut Häkkinen ist es ein ziemlich altes skand. Lehnwort. Ostseefi. v- als Wiedergabe von f- des germ. Originals verträgt sich am ehesten mit einer erst mittelalterlichen Entlehnung; die allgemein ostseefi. Verbreitung spricht aber gegen eine solche Annahme. Die Entstehung des skand. Wortes ist dunkel. Es kann sich um die Entlehnung einer Variante von mnd. vütte handeln, deren i auf Entrundung von ü oder auf einer expressiven Änderung von ü zu i (vgl. dt. ficken neben engl. fuck) beruht. Ojansuu 1920b 46; SKES VI 1978 1799; Hakulinen 1979 310; EEW 1982/83 3896; [Lehmann 1986 118;] SSA III 2000 465; Häkkinen 2004 1507 [; Bjorvand–Lindeman 2007 269f.]. ? Jüngeres LW.

VIVAHTAA, vipahtaa, vipuahtaa, vipuustaa, vipuuttaa ’ein wenig an etwas erinnern oder wie etwas beschaffen sein, in eine andere Farbe spielen; (dial. auch:)

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hastig gehen, vorbeihuschen; einfallen, in den Sinn kommen’, (Lönnr.:) vipata, vivuta ’einem ähnlich sein, in eine andere Farbe spielen’; ingr. vivahtƗ ’huschen, schlüpfen’; karel. vivata, vibata ’einem ähnlich sein; in eine andere Farbe spielen’. *vipa~ urgerm. [*sweiΰan- >] *swƯΰan-, urn. *swƯΰan; vgl. an. svífa ’sich bewegen, schwingen; treiben, schweifen, streifen’, aschwed. svƯva ’schweben, sich bewegen, winken’, ae. swƯfan ’bewegen, umherschweifen, gleiten’, afrs. swƯva ’abweichen’, got. sweiban ’aufhören’; ~ urgerm. *swiΰƝ(ja)n- (, urn. *swiΰƝn); vgl. ahd. swebƝn ’wogen, schwimmen, schweben’, mhd. sweben ’sich hin und her bewegen’; ~ urgerm. *swiΰǀ(ja)n- (, urn. *swiΰǀn); vgl. ae. for(ð)-swefian ’Erfolg haben’, ahd. swebǀn ’schweben, wogen’. Die obigen ostseefi. Verben sind mit unterschiedlichen Ableitungssuffixen zu einem Stamm *vipa- gebildet worden. Vivahtaa wird im allgemeinen als einheimisch und deskriptiv bezeichnet. Hofstra hat eine Deutung als germ. Lehnwort vorgelegt. Diese Deutung ist lautlich plausibel, semantisch möglich, wenn auch weniger sicher. Vgl. VIIPSAHTAA. [Hellquist 1939 1134; de Vries 1962 569; Seebold 1970 484f.;] SKES VI 1978 1801f.; Hakulinen 1979 257; Hofstra 1985a 288, 349; Hofstra 1985b 63–65; [Lehmann 1986 334; Blöndal Magnússon 1989 1001; N.Nielsen 1989 439;] SSA III 2000 466 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1277f.]. ? Germ. LW.

VUOKRA, vuoro, voura ’Miete, Mietzins; (aSs. auch:) Zins’; karel. vuokra ’Miete’; lüd. vuogr ’id.; Lohn des Hirten’. *vǀkra ~ urgerm. *wǀkra-, urn. *wǀkra; vgl. an. okr n. ’Zins, Wucher’, aschwed. o(k)ker, uker n. id., ahd. wuohhar n. ’Frucht, Ernte; Ertrag, Gewinn; Lohn; Erfolg’, got. *wǀkr n. (nur Dativ wǀkra) ’Zins’; ~ urgerm. *wǀkra-z (, urn. *wǀkraR); vgl. ahd. wuohhar m. ’Frucht, Ernte; Ertrag, Gewinn; Lohn; Erfolg’, mnd. woker m. ’Zins, Wucher’, got. *wǀkrs m. (nur Dativ wǀkra) ’Zins’; ~ urgerm. *wǀkrǀ (, urn. *wǀkru); vgl. ae. wǀcor f. ’Zuwachs, Nachkommen; Wucher’. Seit etwa 1800 wird allgemein mit germ. Herkunft von vuokra gerechnet. Lautlich und semantisch ist dies ohne Probleme. Die Zeit der Entlehnung kann

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nicht bestimmt werden. Mehrere germ. Sprachformen kommen als Quelle in Frage: urgermanisch, urnordisch (Karsten), gotisch (Thomsen, Setälä) oder altoder mittelniederdeutsch (Bentlin). Thomsen 1869 161; Setälä 1913a 473; Hellquist 1939 723; Karsten 1943/44 610; Kylstra 1961 71; [de Vries 1962 418;] Karlsson 1964 57–62; Koivulehto 1971b 599; Koivulehto 1972 575f.; Sammallahti 1977 121; SKES VI 1978 1817f.; Hakulinen 1979 290, 361; Plöger 1982 94; Hofstra 1985a 39, 74, 83, 313, 420; [Lehmann 1986 409; Blöndal Magnússon 1989 688;] Joki 1989 21; N. Nielsen 1989 520; Häkkinen 1990b 381f.; Häkkinen 1996a 161; Koivulehto 1999a 5, 41f.; SSA III 2000 473; Häkkinen 2004 1512; Bjorvand–Lindeman 2007 1372f.; Bentlin 2008 207f. Germ. oder jüngeres LW.

VYYHTI (G. vyyhden), vyhti, vi(i)hti ’in Kreisform zusammengelegtes bzw. gebündeltes Garn, Seil o.ä., Strähne’; ingr. vΉhti, vƯhti; karel. viyhti, vyyhti; lüd. vƯht' ’id.; Kringelbund (40 Stück)’; weps. viht'ik, viht'ak; estn. viht. *vƯhti < *vƯhte / *vihti < *vihte ~ urgerm. [*wefti-z >] *wifti-z (, urn. *wiftiR ); vgl. ae. wift f. ’Einschlag’, ahd. giwift f. ’Gewebe, Stoff’ (gi- Präfix), mhd. wift m. ’Faden, Zwirn feinster Art’. Gerundeter Vokal ü oder Ή statt i oder Ư der ersten Silbe ist eine spätere Entwicklung im Finnischen, Ingrischen und Karelischen. Ahlqvist hat versucht, vyyhti (und VIIPSI) irgendwie mit germ. Wortgut (etwa dt. Fitze ’Garnsträhne’) zu verknüpfen. Der Versuch fand mit Recht keinen Beifall. T. Itkonen hat dann eine Wortgruppe, zu der außer vyyhti auch VIIPSI (und viipsiä ’haspeln’) gehört, zu urgerm. *weftiz und ähnlichen Formen gestellt. Lautlich ist Entlehnung von vyyhti aus urgerm. *wifti-z oder einer späteren Form möglich; zu ostseefi. ht ~ germ. ft vergleiche man TIUHTA1 und TIUHTA2. Die Entlehnung muß später erfolgt sein als die von VIIPSI, da urfi. -ti nicht mehr zu -si geworden ist. Auch Häkkinen denkt an zweimalige Entlehnung. Vgl. VIIPSI. Ahlqvist 1871 76; Ahlqvist 1875 83f.; [de Vries 1962 650; ODEE 1969 998; Seebold 1970 540f.;] SKES VI 1978 1827f.; Hakulinen 1979 56, 338; Raun 1982 202; EEW 1982/83 3813; T.Itkonen 1987 193f.; UEW I 1988 15; [Blöndal Magnússon 1989 1113;] Häkkinen 1990a 221; SSA III 2000 477; Häkkinen 2004 1515 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1298f.]. Germ. LW.

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VÄHÄ ’klein, gering, wenig; kleine Menge’; ingr. vähä ’wenig’; karel. vähä; lüd. vähä ’klein, wenig’, weps. vähä ’id.’; wot. vähä ’id.’; estn. vähe ’id.’; liv. vϹ‫ތ‬kի ki ’klein’; ?lp. vássit ’vorbeigehen (z.B. Zeit)’; ?mordwE. vež- z.B. in vež-ava ’Frau des jüngsten Sohnes des älteren Bruders’ (ava ’Frau’). *vähä (< *väšä) 1. ~ urgerm. *wƝȤa-z (, urn. *wƗhaR); vgl. ae. wƗh ’fein’; ~ urgerm. *wƝȤija-z (, urn. *wƗhijaR); vgl. ahd. wƗhi ’fein, zierlich, kunstvoll’, mhd. wϾhe id. [2. ~ urgerm. *swaka-z (, urn. *swakaR); vgl. mnd. swak ’schwach, kraftlos; unbedeutend’, mhd. swach ’schlecht, gering; kraftlos, schwach’.] Es ist unsicher, ob die obigen lp. und mordw. Wörter zu vähä zu stellen sind. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Koivulehto. Frühe Entlehnung ist denkbar unter der Voraussetzung, daß das urgerm. Ɲ eine sehr offene Aussprache hatte und daß die urgerm. Formen für ae. wƗh bzw. ahd. wƗhi stimmen (siehe dazu Heidermanns 1993 314f., 643f.). Semantisch stehen sich ’klein’ und ’fein’ zwar nicht fern, aber geklärt müßte noch werden, ob der Bedeutungswandel ’fein’ ĺ ’klein’ sich vor oder nach der Entlehnung vollzogen hat. Entlehnung ist lautlich unproblematisch, wenn vähä sich auf das Ostseefinnische beschränkt. Wenn lp. vássit und/oder mordwE. vež- zu vähä gehören, muß von frühurfi. *väšä ausgegangen werden. Für Substitution von intervokalischem Ȥ durch š findet sich aber kein sicheres Belegmaterial. Auch Katz hat vähä als germ. Lehnwort erklärt. Er setzte als Original urgerm. *swaka- an und rechnete mit einer Metathese des Sibilanten; die urfi. Form sei *wäkšä gewesen. Diese Etymologie ist lautlich unmöglich. Vgl. VAKAHAINEN. [Hellquist 1939 1119;] Koivulehto 1976b 268f., 277, 288; SKES VI 1978 1830f.; Hakulinen 1979 55, 362; Nikkilä 1981 72; Raun 1982 211; EEW 1982/ 83 3967–3069; Hofstra 1984 36; Hofstra 1985a 37, 140, 334, 340f.; UEW I 1988 585; [N.Nielsen 1989 434;] Häkkinen 1990a 208; Häkkinen 1990b 384f.; Katz 1990 48; Hofstra 1992a 59, 61; [Heidermanns 1993 571;] Ritter 1993 211; Sammallahti 1998 266; Sammallahti 1999 75; SSA III 2000 478; Häkkinen 2004 1515f.; Saarikivi 2009 125. ? Germ. LW.

VÄINÄ (Lönnr.) ’breiter, tiefer und langsam fließender Fluß’; estn. väin (G. väina), väinas, vein, vänja ’Sund, Meerenge’; liv. vƝna ’Hafen; breite Flußmündung’. *väinä

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[~ urgerm. *dwein- > *dwƯn-, urn. *dwƯn-; vgl. an. dvína ’abnehmen, nachlassen, aufhören’, ae. dwƯnan ’schwinden, abnehmen’, mnl. dwƯnen ’abnehmen, nachlassen’; ~ urgerm. *dwain- (, urn. *dwain-); nicht belegbar.] In den genannten ostseefi. Sprachen ist das erwähnte Substantiv zugleich auch der Name der westlichen Düna: fi. Väinäjoki, estn. Väinajõgi, liv. VƝna. Im allgemeinen wird für väinä Herkunft aus einer indogerm. Sprache erwogen. Wiklund hat es als germ. Lehnwort gedeutet; er setzte als Original urgerm. *dwein- (> *dwƯn-) an; die Entlehnung habe stattgefunden, als der erste Teil des Diphthongs ei noch eine sehr offene Aussprache gehabt habe. Für die gelegentlich begegnende Rekonstruktion eines urgerm. Nomens *dwain- (oder *dwäin-; siehe dazu Karsten und SSA) fehlt jede Grundlage. Karsten schloß sich Wiklunds Deutung an. Mikkola hat sie abgelehnt. Viitso hat slawische Herkunft befürwortet. Koivulehto hat sich 1990 und 1993 ähnlich geäußert; 1972 zählte er väinä noch zu den germ. Lehnwörtern. Wiklunds Etymologie ist lautlich unwahrscheinlich. Sie ist auch semantisch nicht glaubhaft, denn es wird ein breiter Fluß bezeichnet, während auf germ. Seite Schwund ausgedrückt wird. Wiklund 1916a 173–175; Mikkola 1938 11f.; Karsten 1943/44 610–613; Vasmer I 1953 331; Pokorny 1959 260; de Vries 1962 90; [ODEE 1969 296; Seebold 1970 171;] Koivulehto 1972 627; SKES VI 1978 1832; Raun 1982 211; EEW 1982/83 3972; Viitso 1983 272–274; [Blöndal Magnússon 1989 139;] Koivulehto 1990b 153; Viitso 1990 146f.; Koivulehto 1993a 406; Koivulehto 1999a 80, 160; SSA III 2000 478f. Kein germ. LW.

VÄISTÄÄ ’aus dem Weg gehen, ausweichen; umgehen’. *väistä~ urgerm. *wƝЀijan-, urn. *wƗЀijan; vgl. an. vægja ’ausweichen, nachgeben; schonen’, aschwed. vϾghia id. Väistää wird im allgemeinen zu VÄÄJÄTÄ gestellt. Laut Koivulehto aber handelt es sich um ein altes Lehnwort mit einem ostseefi. Ableitungssuffix -istä-. Ein Original wird von ihm nicht genannt, aber lautlich und semantisch naheliegend ist urgerm. *wƝЀijan-, urn. *wƗЀijan; es sei bemerkt, daß das urgerm. Ɲ vermutlich eine offene Aussprache [ۘ] hatte. Die Deutung als germ. Lehnwort wäre zwar plausibel, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, daß väistää eine Ableitung von VÄÄJÄTÄ ist. Vgl. VÄÄJÄTÄ.

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E.Itkonen 1937 308–311, 379f.; [Hellquist 1939 1384; de Vries 1962 671;] SKES VI 1978 1832, 1849f.; Hakulinen 1979 276, 316; [Blöndal Magnússon 1989 1154;] SSA III 2000 485f.; Koivulehto 2009 91. ? Germ. LW.

VÄKÄ, vääk(k)ä ’Widerhaken; Haken; Stachel, Dorn’; karel. väkä ’Widerhaken’. *väkä ~ frühurgerm. *wƝЀƗ > urgerm. *wƝЀǀ, urn. *wƗЀu; vgl. an. vág f. ’Hebebaum; Waage, Gewicht’, aschwed. vƗgh f. ’Waage, Gewicht’, ae. wϾg f. ’Waage, Gewicht, Last’, as. wƗga f. ’Waagschale’, ahd. wƗga f. ’Waage, Gewicht’. Estn. vägi ’Haken, Widerhaken’ ist ein Lehnwort aus dem Finnischen. Koivulehto hat väkä als Entlehnung einer frühurgerm. Form mit offener Aussprache des Ɲ gedeutet: *wϾЀƗ. Eine jüngere Form wurde als fi. vaaka ’Waage’ entlehnt. Die Entwicklung ’Hebebaum’ ĺ ’Haken’ hat eine Parallele im jüngeren Lehnwort fi. häävi ’(Wider)haken’ aus schwed. häv(stång) ’Hebebaum’. [Hellquist 1939 1372f.; de Vries 1962 638; ODEE 1969 1000;] Koivulehto 1976a 269–272, 277, 288; Sammallahti 1977 121; SKES VI 1978 1835; Hakulinen 1979 360; Hofstra 1985a 37, 140, 206, 300f.; [Lehmann 1986 154; Blöndal Magnússon 1989 1149; N.Nielsen 1989 508;] SSA III 2000 480; Häkkinen 2004 1517 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1342f.]. Germ. LW.

VÄSYÄ ’müde werden, ermüden’; ingr. väsի sΉ(ä; karel. väsyö; lüd. väzüdä; weps. väzda, väzuda; wot. väsüä, wotJ. vässüä; estn. väsima; liv. vä‫ތ‬zzϷյ; lpN. viessât ’müde werden; (lpI. auch:) umkommen’. *väsü~ (früh)urgerm. *wϾsijan- (< *wƝsijan-), urn. *wƗsijan; vgl. an. væstr (Partizip, < urgerm. *wϾsiÿa-z ’erschöpft von Nässe und Anstrengung’. Hakulinen hat väsyä und VÄHÄ ’gering, klein, wenig’ miteinander verbunden. Koivulehto hat väsyä zu einem im Nordgermanischen nur als Partizip belegten Verb *wϾsijan- gestellt und es als Entlehnung ins Frühurfinnische gedeutet. Die frühe Entlehnung ist denkbar unter der Voraussetzung, daß urgerm. Ɲ eine sehr offene Aussprache hatte; semantisch ist die Deutung plausibel. Hakulinen 1946 113–116; [de Vries 1962 672;] Koivulehto 1976b 265, 272f., 277, 288, 289; SKES VI 1978 1847f.; Hakulinen 1979 270; Koivulehto 1981a

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365; Nikkilä 1981 72; Raun 1982 213; EEW 1982/83 3990; Fromm 1984 94f.; Sammallahti 1984 144; Hofstra 1985a 37, 42, 75, 140f., 227, 343; UEW II 1988 818; [Blöndal Magnússon 1989 1157;] Häkkinen 1990a 216; Hofstra 1990 245; Koivulehto 1990b 2; Koivulehto 1999a 223; SSA III 2000 484f. ? Germ. LW.

VÄYLÄ ’Wasserstraße, Fahrrinne; tiefste Stelle im Fluß, im See (mit der größten Strömung); großer Fluß, Strom; Geh-, Verkehrs-, Transportweg’; lp. faw'le ’tiefste Stelle in der Wasserstrasse (im Fluß, im Fjord), tiefste Stelle im See, im Meer; (lpSk. lpKld. auch:) Fahrwasser; (lpT.) Vertiefung, Grube’. *väülä < *vävlä / *väklä ~ urgerm. *waÿlan-, urn. *waÿlƗ; vgl. norw. vale (oder val) m. ’Bucht mit sehr untiefem Wasser’. Estn. väil ’Fahrwasser’ ist ein Lehnwort aus dem Finnischen. Karstens Deutung von väylä als auf einer Akkusativform beruhendes urnord. oder altschwed. Lehnwort ist aus semantischen Gründen unsicher, da gut bezeugte mit urgerm. *waÿla- morphologisch eng verwandte Wörter gerade eine Untiefe bezeichnen, vgl. an. vaðill m. ’seichte Stelle, Untiefe, Furt’ (< urn. *waÿilaR < urgerm. *waÿilaz). Karsten 1906c 113f.; Setälä 1913a 474; Karsten 1943/44 614; [de Vries 1962 637; Seebold 1970 530f.;] SKES VI 1978 1849; M.Korhonen 1981a 89; EEW 1982/83 3972; Söderholm 1983 53; Hofstra 1985a 316f., 325; [Blöndal Magnússon 1989 1095;] Lehtiranta 1989 146f.; Häkkinen 1996a 160; SSA III 2000 485; Häkkinen 2004 1521. ? Germ. LW.

VÄÄJÄTÄ ’(einem übermächtigen Gegner) ausweichen, aus dem Weg gehen, nachgeben; leugnen, abstreiten’; karel. veäjätä ’jemandem gehorchen, etwas befolgen’; ?lpN. væggjet ’imstande sein; mehr wiegen’. *vϹjä~ urgerm. *wƝЀijan-, urn. *wƗЀijan; vgl. an. vægja ’ausweichen, nachgeben; schonen’, aschwed. vϾghia id. Zu vääjätä wird im allgemeinen auch fi. VÄISTÄÄ ’ausweichen’ gestellt. E. Itkonen hat mit vääjätä lp. væggjet verbunden. Sammallahti sieht zwei Möglichkeiten: lp. væggjet ist entweder zu vääjätä oder zu fi. voida ’können’ zu stellen.

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Airila hat vääjätä als schwed. Lehnwort gedeutet. Laut Itkonen sind vääjätä und schwed. väja < aschwed. vϾghia einander lautlich und semantisch sehr ähnlich; sollte vääjätä entlehnt sein, dann könne es kein junges Lehnwort sein. Lautlich und semantisch wäre die Entlehnung aus dem Schwedischen ins Finnisch-Karelische in Ordnung. Wenn aber lp. væggjet und vääjäta miteinander verwandt sein sollten, dann kann vääjätä kein germ. Lehnwort sein. Vgl. VÄISTÄÄ. Airila 1916 146; Saarimaa 1934 282; E.Itkonen 1937 308–311, 379f.; [Hellquist 1939 1384; de Vries 1962 671;] SKES VI 1978 1832, 1849f.; Hakulinen 1979 276, 372; [Blöndal Magnússon 1989 1154;] Lehtiranta 1989 146f.; Sammallahti 1998 266; SSA III 2000 485f.; Häkkinen 2004 1522. ? Jüngeres LW.

VÄÄNTÄÄ ’drehen, wringen, biegen; verdrehen, verzerren’; ingr. vϹntϹ ’drehen; verdrehen’; karel. veänteä; lüd. viättä ’spielen, tanzen; drehen, biegen’; weps. väta ’spielen, tanzen’; wot. vϹntϹ ’(ver)drehen’, wotM. vϹntϹG ’sich etwas verrenken, von seinem Platz verbiegen’; estn. väänama ’verdrehen’; liv. vänթ dϷյ ’flechten, wickeln’. *vϹntä1. ~ urgerm. *wenÿan- > *winÿan-, urn. *windan; vgl. an. vinda ’winden, drehen; schwingen’, aschwed. winda ’drehen; wickeln; hochziehen’, ae. windan ’winden, drehen; schwingen’, as. windan ’sich wenden’, ahd. windan ’winden, wickeln, flechten’, got. -windan z.B. in biwindan ’einwickeln, umwinden’ (biPräfix). [2. ~ urgerm. *wanÿijan-, urn. *wandijan; vgl. an. venda ’wenden, drehen; sich wenden’, aschwed. vænda id., ae. wendan ’wenden; gehen; ändern’, as. wendian ’(ab)wenden, sich wenden’, ahd. wenten ’(ab)wenden’, got. wandjan ’wenden’.] Rask hat bereits 1818 vääntää mit isl. (an.) venda verglichen. Das Original würde eine relativ späte Entlehnung voraussetzen; urfi. Ϲ paßt schlecht zum Kurzvokal des Originals, und die Verbreitung im Ostseefinnischen spricht gegen eine späte Entlehnung. Koivulehto hat vääntää in vorsichtiger Formulierung mit germ. *wenda- verglichen. Die Wiedergabe von urgerm. e (> i) durch urfi. Ϲ ist aber auch hier problematisch. T. Itkonen zählt vääntää zu den einheimischen Wörtern. SSA und Häkkinen halten die Herleitung aus dem Germanischen für unsicher. Rask 1818 106; [Hellquist 1939 1349, 1390; de Vries 1962 653, 665; ODEE 1969 1000, 1007f.; Seebold 1970 552–554;] SKES VI 1978 1850f.; Hakulinen 1979 321; Raun 1982 231; EEW 1982/83 3992–3994; Koivulehto 1983c 548; Hofstra 1985a 27, 349; [Lehmann 1986 74, 393;] T.Itkonen 1987 176; [Blöndal

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Magnússon 1989 1120, 1139; N.Nielsen 1989 490, 496;] Häkkinen 1990a 221; SSA III 2000 486; Häkkinen 2004 1522 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1283, 1310f.]. Kaum germ. LW.

estn. VÕLLAS ’Galgen; (Wied.) Wellbaum’ s. VALDAS.

Y

YSTÄVÄ ’Freund’; ?ingr. üstävä; ?karel. ystävä ’id.; Ehefrau, stattliche Frau’. *üstävä / *üstäȕä [< *vüstäpä] ~ urgerm. *wunskijan-, urn. *wunskijan; vgl. an. ýskja ’wünschen’, aschwed. yskia id., ae. wyscan id., mnd. wunschen id., ahd. wunsken id. Laut SSA stammen die ingr. und karel. Wörter offenbar aus dem Finnischen. Die Herkunft von ystävä ist umstritten. Laut herkömmlicher Erklärung ist es eine Passivpartizipform von nicht belegtem einheimischem *yskätä (Ableitung von YSKÄ) ’umarmen’. Hakulinen bezeichnet es als eine vA-Ableitung von einem nicht bekannten Stammwort. Laut Koivulehto ist ystävä ein aktives Partizip auf vA- (< *-PA) zu *ystää ’wünschen’. Er deutet *ystää als sehr frühe Entlehnung von germ. *wunskja- (< vorgerm. *u֒ n֞ sk-). Dieses sei als *vüs(k)- + -tä-Suffix > *vüstä- ins Frühurfinnische übernommen; nsk war im Frühurfinnischen phonotaktisch unmöglich; vü- > ü- ist eine frühurfi. Lautentwicklung; Palatalvokal statt Velarvokal findet sich auch sonst. Das Fehlen eines entsprechenden Verbs im Ostseefinnischen belastet diese Deutung als germ. Lehnwort, die sonst lautlich und semantisch plausibel wäre. [Hellquist 1939 1461f.; de Vries 1962 421; ODEE 1969 1009;] SKES VI 1978 1865f.; Hakulinen 1979 146; [Blöndal Magnússon 1989 694f.; N.Nielsen 1989 517;] Koivulehto 1989a 179f., 189; Häkkinen 1990b 397f.; SSA III 2000 493; Häkkinen 2004 1541 [; Bjorvand–Lindeman 2007 1361]. ? Germ. oder älteres LW.

YMPÄRI (Adv., Postp.) ’um, herum’; ingr. ümpϹr; karel. ympäri; lüd. ümbäĚ(i); weps. ümbri; wot. ümpäritsƝ; estn. ümber; liv. im̖ mϷյr. *ümpärä ~ urgerm. *umbi, urn. *umb; vgl. an. um(b) ’um, herum, ringsum’, ae. ymbe ’id.; wegen’, as. umbi id., ahd. umbi id.

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Das obige Material setzt sich zusammen aus Adverbien, die bis auf den wot. Prolativ ihrem Ursprunge nach Lative sind. Zu *ümpärä wurden mehrere Ableitungen gebildet (z.B. fi. ymmärtää ’begreifen’, allgemein ostseefi., aber nicht wot.), teils in Bedeutungen wie ’herumgehen’, ’dienen’, ’rund machen’. Diefenbach und Neuhaus haben als erste ympäri mit ahd. umbi bzw. germ. *umbi verglichen. T. Itkonen dahingegen hat ympäri als einheimische Grundform aufgefaßt. Nikkilä hat die von Neuhaus vertretene Etymologie wieder aufgegriffen und näher begründet. Lautlich und semantisch ist diese Deutung in Ordnung. Das entlehnte germ. Wort wurde, nach einem im Ostseefinnischen häufigeren Muster (vgl. Hakulinen 1979 134f.), um das Suffix -rA erweitert. Vgl. UMPI. Diefenbach 1851 I 85; Neuhaus 1908 131, 165; [Hellquist 1939 730;] Peltola 1950; [de Vries 1962 633;] SKES VI 1978 1862f.; Hakulinen 1979 108f., 288, 455, 475; Raun 1982 218; EEW 1982/83 4096–4098; T.Itkonen 1983 205; [Blöndal Magnússon 1989 1084; N.Nielsen 1989 311;] Häkkinen 1990a 48, 132, 221; Häkkinen 1990b 395f.; Nikkilä 1996c 82–85; SSA III 2000 491; Häkkinen 2004 1537f. Germ. LW.

YSKÄ ’Husten’; ?ingr. üskä in üskämarja (-marja ’Beere’) ’als Hustenmittel verwendete Beere’; karel. yskä ’Schoß; Armvoll; (Neol.:) Husten’; lüd. üsk (Pl. üskäd) ’Schoß; Armvoll’; weps. üsk (G. üskan) ’id.’; estn. üsk (G. üsa) ’Gebärmutter; Schoß’; lpN. âs'ke ’Schoß; Kleiderschoß (Tragemittel); Tal, Fläche zwischen Hängen’. *üskä [< *vüskä] ~ urgerm. *wunskǀ, urn. *wunsku; vgl. an. ósk f. ’Wunsch’, aschwed. njsk, ǀsk f. id., ae. wnjsc- in wnjscbearn ’liebes Kind’ (-bearn ’Kind’); ~ urgerm. *wunska-z, urn. *wunskaR; vgl. ahd. wunsk m. ’Wunsch’, mnd. wunsch m. id., ae. wnjsc- in wnjscbearn ’liebes Kind’ (-bearn ’Kind’). Ingr. üskä in üskämarja ist vielleicht eine Entlehnung aus dem Finnischen. Ostseefi.-lp. yskä ’Husten’ wird oft als onomatopoetisch aufgefaßt. Laut Koivulehto ist yskä ein sehr frühes germ. Lehnwort. Er setzte urgerm. *wunskƗ > *wunskǀ / *wunsko- > *wunska- oder vorgerm. *u֒ n֞ skƗ / *u֒ n֞ sko- als Original von frühurfi. *vüsk- an; frühurfi. nsk sei phonotaktisch unmöglich; vü- > ü- sei eine frühurfi. Entwicklung. Palatalvokal statt Velarvokal findet sich auch sonst. Die ursprüngliche Bedeutung sei ’Schoß; Armvoll’ gewesen; wenn man sich etwas wünsche, umarme man es und bekomme man so einen Armvoll. Die (nur fi.) Bedeutung ’Husten’ erklärt Koivulehto mit dem Hinweis darauf, daß bei bestimmten Tieren die Brunst, also eine Art Verlangen, sich mit einem hustenähn-

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lichen Laut verbindet. Diese Deutung ist zwar lautlich möglich, aber semantisch sehr verwickelt. Weitere Erforschung ist notwendig. Vgl. USKO. [Hellquist 1939 1461f.; de Vries 1962 421; ODEE 1969 1009;] SKES VI 1978 1865; EEW 1982/83 4104f.; [Blöndal Magnússon 1989 694f.;] Koivulehto 1989a 181–184; [N.Nielsen 1989 517;] Häkkinen 1990a 215; Häkkinen 1990b 398; SSA III 2000 493; Häkkinen 2004 1540f. [; Bjorvand–Lindeman 2007 1361]. Kaum germ. LW.

Ä

ÄES (G. äkeen) ’Egge’; lüd. ägez (Pl. ägehed); weps. ägez (Pl. ägehed); wot. äez (G. ä(tžƝ); estn. äke, äes (G. äke); liv. ä‫ތ‬ggϷյz, ä‫ތ‬ks. *äȖes (G. *äkehen) ~ urgerm. *aЀeþƗ > *aЀiþǀ (, urn. *aЀiþu); vgl. afries. eide f. ’Egge’, as. egitha f. id., ahd. egida f. id.; ~ urgerm. *aЀiþǀn- (, urn. *aЀiþǀ); vgl. ae. egeÿe f. ’Egge, Harke, Rechen’, afries. eide f. ’Egge’. Im allgemeinen wird äes als balt. Lehnwort betrachtet. Ahlqvist aber deutete es als germ. Lehnwort; dies wurde von Thomsen abgelehnt; Kiparsky hat 1939 äes mit mnd. egede verglichen und es 1956 als altes germ. Lehnwort bezeichnet. Laut Koivulehto kann germ. Herkunft nicht ganz außer acht gelassen werden. Er setzte als mögliches Original urgerm. *aЀiþǀ aus älterem *aЀeþƗ an. Ein Teil der germ. Überlieferung weist eher auf urgerm. *aЀiþǀn- als auf urgerm. *aЀiþǀ. Im Urfinnischen sei *aȖet zu erwarten, da aber Substantive auf -et wohl nicht vorgekommen seien, habe eine analogische Umformung zu *äȖes stattgefunden. Lautlich sind beide Herleitungsmöglichkeiten gleichwertig. In beiden Fällen entspricht dem Velarvokal des Originals ein urfi. Palatal. Wie das anzusetzende germ. Original würde auch das balt. Original (vgl. lit. akơ֤þios, apreuß. aketes ’Egge’) zunächst zu *aȖet geführt haben; vgl. dazu Kalima. Semantisch sind beide Deutungen (balt. oder germ.) plausibel. Ahlqvist 1866 98; Thomsen 1890 169; Kalima 1936 184; Kiparsky 1939 42; Kiparsky 1956 73; Raun–Saareste 1965 43; V.Anttila 1968 12; Koivulehto 1971b 591f.; SKKK I 1976 40; SKES VI 1978 1867; Hakulinen 1979 137, 354; S.Suhonen 1980 198; Raun 1982 216; EEW 1982/83 4050; Hofstra 1985a 28, 121, 309, 392f., 395, 399; [Lehmann 1986 156;] Ritter 1993 91; Koivulehto 1999a 27; SSA III 2000 494; [Kluge–Seebold 2002 227;] Häkkinen 2004 1543. ? Germ. LW.

ÄITI (G. äidin), äite, äitee ’Mutter’; ?karel. (poet.) äiti; estn. eit (G. eide) ’altes Weib, die Alte; (Wied.) Mutter’, ?äde ’Mutter’.

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*äitei ~ urgerm. *aiþƯn- (, urn. *aiþƯ); vgl. ahd. eidƯ in fuotareidƯ f. ’Ernährerin, Amme’ (fuotar- ’Futter, Verpflegung’), got. aiþei f. ’Mutter’; ~ urgerm. *aiþǀn-, urn. *aiþǀn-; vgl. an. eiða f. ’Mutter’, mhd. eide f. id. Karel. äiti stammt vielleicht aus dem Finnischen. Im 18. Jh. wurde äiti als Entlehnung aus dem Gotischen aufgefaßt; allmählich wurde auch die hochdt. Überlieferung berücksichtigt und wurde äiti nicht nur mit dem Gotischen verbunden. Sköld erklärt äiti als westgerm. Lehnwort, dessen äi einen ähnlichen westgerm. Laut (ai > ei) widerspiegele. Lautlich und semantisch ist die germ. Herkunft von äiti problemlos; die Datierung und die germ. Quellsprache der Entlehnung sind allerdings noch nicht völlig geklärt. Seit Thomsen ist die germ. Herkunft allgemein akzeptiert. Im SSA wird aber auch Iivonens Auffassung, daß es sich um ein einheimisches Lallwort der Kindersprache handeln könne, als nicht völlig unmöglich bezeichnet. Thomsen 1869 161; Setälä 1913a 474; Hellquist 1939 656; Karsten 1943/44 616; Kylstra 1961 43, 44, 59, 156, 161; [de Vries 1962 95;] Raun–Saareste 1965 44; Ruoppila 1967 180f.; Koivulehto 1971b 577; T.Itkonen 1972 97; Juntune 1973 30; Fromm 1977 140; SKES VI 1978 1869; Hakulinen 1979 362, 364; Raun 1982 7; EEW 1982/83 174; Hofstra 1985a 48, 49, 120, 122, 249, 327; Lehmann 1986 20; Quak 1986 226; [Blöndal Magnússon 1989 146;] Joki 1989 16; Häkkinen 1990b 399; Iivonen 1993 42f.; Ritter 1993 26, 63, 90; Koivulehto 1994e 643; Sköld 1994; Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 17; SSA III 2000 495; Häkkinen 2004 1544f. Germ. LW.

ÄKÄ ’Zorn, Groll’, äkäinen ’zornig; mürrisch’, äkeä ’wütend, böse, hitzig; heiß; stark, streng; prächtig, reich’; ingr. äGä ’blaue Flamme im Kohlenfeuer; sehr’, äkի käin ’zornig; glühend’, äkkƝ ’(zu) heiß’; karel. äkä ’Zorn, Groll, Streit; Absicht’, äkäine zornig, mürrisch’, äkie ’Hitze; (mythol.) von Feuer und Hitze verursachte Krankheit; heiß; stark, streng; heftig; leidenschaftlich’; estn. äge (G. ägeda) ’heftig, hitzig, ungestüm; scharf, zugespitzt; heiß’. *äkä ~ urgerm. *aЀ-, urn. *aЀ-; vgl. schwed. agg n. ’Groll, Haß’, agga ’stechen, plagen’, norw. agg n. ’Widerwille; Groll, Haß’. Die adjektivische eįA-Ableitung äkeä hat im Ostseefinnischen eine größere Verbreitung als das Stammwort äkä. Laut einer älteren Auffassung ist äkä deskriptiv. Koivulehto hat in einer kurzen Notiz für äkä, äkeä germ. Herkunft erwogen und diese Wörter mit schwed.

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agg und agga verglichen; lautlich und semantisch gebe es kein Hindernis; -ggin schwed. agg beruhe auf einer jüngeren Entwicklung. Ostseefi. k ist wegen der schlechten Beleglage des germ. Originals (mit -Ѐoder mit -gg-?) ein unsicherer Faktor, da als Reflex von -gg- des Originals im Ostseefinnischen -kk- zu erwarten wäre. Ostseefi. ä als Reflex von germ. a liegt auch sonst vor. Semantisch ist die Deutung als germ. Lehnwort plausibel. [Hellquist 1939 6;] Rytkönen 1940 63; Koivulehto 1971b 591; SKES VI 1978 1871; Hakulinen 1979 318; Raun 1982 215; EEW 1982/83 4043; Hofstra 1985a 28, 121, 330f.; R.Anttila 1986 20f.; [Lehmann 1986 12; Blöndal Magnússon 1989 7;] Koivulehto 1999a 27; SSA III 2000 496, 497; Häkkinen 2004 1545, 1546 [; Bjorvand–Lindeman 2007 26]. ? Germ. LW.

ÄNGETÄ (änkeä-), ängätä ’hineindrängen, sich hinein-, vor-, aufdrängen’, änkiä ’zwängen, stopfen, (weg)drängen; (ein)dringen’; lüd. äƾgida, äƾgidä ’(mit den Hörnern) stoßen’; estn. ängama ’anbieten, darbieten, beschuldigen, einen Schlag versetzen’, ängima ’beklemmt, kränklich, unwirsch, unzufrieden sein; seufzen’. *äƾkV~ urgerm. *angwijan-, urn. *angwijan; vgl. an. øngia, øngva ’einengen, bedrängen’, aschwed. ængia ’drücken’, ae. engan ’ängstigen, beunruhigen’, mnd. engen ’enge machen, drängen, zwingen’, ahd. engen ’beengen, bedrängen’, got. ga-aggwjan ’bedrängen’ (ga- Präfix). Laut SKES ist ängetä vermutlich eine Ableitung von der Wortsippe änki ’zwingende Kraft’ (wozu auch fi. änkä ’Druck, Bedrängnis’ und estn. äng ’Bedrängnis, Beklemmung’); änki könne irgendwie eine palatale Variante von ANKEA sein. Laut SSA liegt einerseits eine Wortgruppe deskriptiver Färbung vor, während andererseits u.a. ANKEA zu vergleichen sei. Die Deutung als germ. Lehnwort stammt von Katz; auf den ersten Blick mutet sie lautlich und semantisch plausibel an. Ängetä könnte jedoch morphologisch und auch semantisch sehr gut eine Ableitung von fi.-estn. änki sein. [Hellquist 1939 1440; de Vries 1962 682f.;] SKES VI 1978 1873f.; Raun 1982 216; EEW 1982/83 4055; [Lehmann 1986 9;] Katz 1988b 10; [Blöndal Magnússon 1989 1225;] SSA III 2000 498 [; Bjorvand–Lindeman 2007 46f.]. ? Germ. LW.

ÄPÄRÄ, äpäre ’Grummet, Herbstheu; im Herbst geborenes Lamm; uneheliches Kind; Balg; Frühchen; klein, schlecht entwickelt (Mensch, Tier, Frucht)’;

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karel. äpäreh ’Balg; uneheliches Kind; Grummet, Herbstheu’; lüd. äbäreh ’Kind; Grummet, Herbstheu’; estn. äbar (G. äbara) ’blödsinnig, lichtscheu; schwächlich, siech’, äbarik ’schwächlich, siech, verkümmert, kraftlos; Spätling (von Lämmern usw.)’. *äpärä / *äpäreh ~ urgerm. *afaran-/*aΰaran-, urn. *afarƗ/*aΰarƗ; vgl. an. afra m. (Akk. Sg.) ’eine Art minderwertiges Getränk’, ae. eafora m. ’Nachkomme, Erbe, Kind’, as. abaro m. ’Nachkomme’, got. *afara m. (Konjektur) id.; ~ urgerm. *afara(-z)/*aΰara(-z), urn. *afara(R)/*aΰara(R); vgl. an. afr m. oder n. (Akk. Sg.) ’eine Art minderwertiges Getränk’. Ahlqvist hat äpärä in der Bedeutung ’Grummet’ als skand. Lehnwort gedeutet; Bedeutungen wie ’uneheliches Kind’ hätten sich erst im Ostseefinnischen entwickelt. Karsten hat 1915 die Frage aufgeworfen, ob äpära wie APARA ein germ. Lehnwort sein könnte; er rekonstruiert als mögliches Original für *äpärä urgerm./urn. *aΰera mit -e- in der zweiten Silbe, während das Original für APARA mit -a- angesetzt wird. Karsten versieht seine Deutung von äpärä als germ. Lehnwort mit einem Fragezeichen. T. Itkonen bezeichnet äpärä als einheimisch. Lautlich und semantisch steht aber der Deutung als germ. Lehnwort nichts im Wege. Vgl. APARA. Ahlqvist 1871 191; Ahlqvist 1875 215f.; Karsten 1915 120f.; Karsten 1928 183; Karsten 1943/44 68, 616; [de Vries 1962 2;] SKES VI 1978 1875; Hakulinen 1979 135; Raun 1982 214; EEW 1982/83 4042, 4056; T.Itkonen 1983 352; [Lehmann 1986 3; Blöndal Magnússon 1989 5;] Koivulehto 1994e 643; Hahmo 1996a 54; SSA III 2000 498. Germ. LW.

ÄRTYÄ ’sich aufregen, sich erregen; gereizt werden’, ärryttää ’reizen, erregen, ärgern’; ingr. ärrüDellä ’necken’; karel. ärtyö ’sich aufregen, sich erregen; gereizt werden; zunehmen (z.B. Wind)’, ärrytteä ’ärgern, erregen; anfeuern’; lüd. ärdüdä ’gereizt werden’, ärdüttädä ’erregen, reizen’; weps. ärduda ’gereizt werden’, ärdutada ’erregen, reizen’; estn. ärritama ’id.’; liv. erթ t̖lϷյ ’reizen, necken, höhnen, ärgern, verdrießen’. *ärtü~ urgerm. *artijan-, urn. *artijan; vgl. an. erta ’reizen, necken’, aschwed. ärta ’reizen’.

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Hakulinen, EEW und SSA stellen ärtyä zum deskriptiv-onomatopoetischen Adjektiv äreä ’mürrisch’. Nikkilä (OVL) weist darauf hin, daß tU-Verben im allgemeinen nicht von *eįA-Adjektiven abgeleitet sind. Ärtyä passe aber semantisch gut zu äreä. Dennoch erwägt er auch Entlehnung von urgerm. *artjan-. Lautlich und semantisch paßt das germ. Verb gut zu ärtyä, aber Deutung als Lehnwort ist nicht nötig, da ärtyä sich mit ostseefi. äreä erklären läßt. Es wäre denkbar, daß ein Lehnwort ärtyä von äreä semantisch beeinflußt worden ist. Vgl. ARTTI. [Hellquist 1939 1447f.; de Vries 1962 105;] SKES VI 1978 1875, 1877; Hakulinen 1979 301; Raun 1982 217; EEW 1982/83 4060f.; OVL 1988 61f.; [Blöndal Magnússon 1989 156f.; N. Nielsen 1989 514;] Häkkinen 1990a 224; SSA III 2000 498, 499. ? Germ. LW.

ÄYRI ’Öre; Abgabensatz, Steuereinheit; Münze’. *äüri ~ urgerm. *aurijaz, urn. *aurijaR; vgl. an. eyrir m. ’Gewichtseinheit (Unze), Münzeinheit (Öre), Besitz’, aschwed. öre m. ’Gewichtseinheit, Münzeinheit’. Im allgemeinen gilt das nur im Finnischen vorhandene äyri als altschwed. Lehnwort. Karsten bezeichnet es als Entlehnung aus dem Urnordischen. Lautlich und semantisch ist Entlehnung vor dem Altschwedischen zwar möglich, aber kulturhistorisch sehr unwahscheinlich. Thomsen 1869 161; Setälä 1913a 475; Streng 1915 269; Karsten 1928 205f.; [Hellquist 1939 1464;] Karsten 1943/44 627; de Vries 1962 108; SKES VI 1978 1879; Hakulinen 1979 372; [Blöndal Magnússon 1989 159; N.Nielsen 1989 518;] SSA III 2000 500. Jüngeres LW.

ÄYRÄS, äpräs ’(schroffe) Böschung; Rand’; karel. äpräs ’id.; hohe Stelle’; lüd. äbräz ’(steiles) Ufer, Uferhang; (weiche) Untiefe (im Fluß oder See)’; ?lpN. ap'pâr, ap'pâras ’Vertiefung im Meerboden’, ?südlp. appërë ’Flußbett, Abhang am Bachufer’. *äpräs 1. ~ vorgerm. *Ɨp(e)r(y)o-s, frühurgerm. *Ɨf(e)ra-z > urgerm. *ǀf(e)ra-z (, urn. *ǀfraR); vgl. ae. ǀfer m. ’Ufer, Rand, Küste’, afries. ǀver m. ’Ufer, Küste’, mnd. ǀver m. und n. ’Ufer’; vgl. auch mhd. uover n. id.

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2. ~ urgerm. *aurijǀ, urn. *auriju, auch *aurƯR; vgl. an. eyrr f., eyri f. ’Landzunge aus Sand und Kies’, aschwed. пr f. ’Kies, Schäre’, in fiskis пr ’Sandbank, wo gefischt wird’; ~ urgerm. *aura-z, urn. *auraR; vgl. an. aurr m. ’sandiger Boden’, ae. Ɲar m. ’Erde’. Umstritten ist, ob die lp. Wörter in irgendeiner Weise zu ostseefi. äyräs zu stellen sind, wie z.B. von Koivulehto angenommen; sie werden im SKES, im SSA und von Häkkinen nicht erwähnt. Lindström verglich 1859 äyräs mit an. eyri; dies wurde von Neuhaus 1908 übernommen, aber seitdem geriet diese Deutungsmöglichkeit in Vergessenheit. Hofstra führte 1980 äyräs auf urgerm. *auraz zurück. Koivulehto hat äyräs 1971 als frühurgerm. Lehnwort gedeutet, aber 1999 wegen der lp. Formen als vorgerm. Lehnwort erklärt. Für das Ostseefinnische paßt die Verbindung mit urgerm. *aura-z usw. lautlich und semantisch gut. Wenn aber die lp. Wörter hinzugehören sollten, kommt nur die von Koivulehto vorgeschlagene Etymologie in Frage und ist äyräs ein sehr frühes, vielleicht bereits vorgerm. Lehnwort. Neuhaus 1908 165; [Hellquist 1939 1462f.; de Vries 1962 20, 108;] Koivulehto 1971a 386; Koivulehto 1971b 595–603; Koivulehto 1972 611, 618, 619, 624, 625; Koivulehto 1973a 12; Koivulehto 1973b 608f.; Laanest 1975 220; Koivulehto 1976a 280; Fromm 1977 139; Sammallahti 1977 121, 122; SKES VI 1978 1879; Hakulinen 1979 358; Koivulehto 1979b 286, 291, 299, 300; Hofstra 1980a 225–229; Hofstra 1985a 40, 51, 96, 103, 122, 128f., 179, 325; [Lehmann 1986 50f.; Blöndal Magnússon 1989 32, 159; N.Nielsen 1989 520;] Häkkinen 1996a 160; Koivulehto 1999a 7f., 30–36, 36f., 39f., 73, 74, 78f., 119; SSA III 2000 500; Häkkinen 2004 1547f. Germ. oder älteres LW.