Lexikon der Antike
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LEX I KON DER ANTIK E

GONDROM

Herausgegeben von Johannes Irmscher in Zusammenarbeit mit Renate Johne

6., durchgesehene Auflage 1985 Sonderausgabe für den Gondrom Verlag, Bayreuth 1985 Alle Rechte vorbehalten © VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1985 Schutzumschlag und Einband: Hans-Jörg Sittauer Printed in thé German Démocratie Republic ISBN 3-8112-0376-2

Vorwort Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.

Allenthalben in der Welt ist in unserer Gegenwart das Interesse am griechisch-römischen Altertum, an seiner Geschichte, seiner Kunst, seiner Kultur und Literatur, seiner Wissenschaft und Technik gewachsen, und Menschen aus den verschiedensten Berufen richten ihre Fragen an die Vergangenheit. Solche Fragen zu beantworten, hat sich das vorliegende Lexikon zur Aufgabe gestellt. Es ist bemüht, ein Bild des griechisch-römischen Altertums zu zeichnen, das dessen sozialökonomische Grundlagen ebenso sichtbar werden läßt wie seine Verflechtung mit dem Orient sowie mit anderen vorangegangenen und gleichzeitigen Kulturen. Die herkömmliche geistesgeschichtliche Betrachtungsweise samt ihrer klassizistischen Beschränkung sollte überwunden werden, und vor allem wird auch auf jene Fragen Antwort gegeben, die Naturwissenschaft und Technik von heute an die Antike richten. Nicht zuletzt galt dem Nachleben und Weiterwirken der Antike in der mittelalterlichen Kultur in Ost und West, im Humanismus und in der Renaissance, in der modernen Klassik und im Schaffen der Neuzeit aufmerksame Beachtung. Angesichts der Neuartigkeit dieser Zielsetzung wird Urteilen, kritischen Äußerungen und weiterführenden Anregungen aus den Kreisen der Benutzer großer Wert beigemessen. Johannes Irmscher

Hinweise für die Benutzung

Für die Schreibung der antiken Namen und Begriffe kann wegen der komplizierten historischen Wandlungen keine durchgängige Konsequenz erreicht werden. Denn weder im allgemeinen Sprachgebrauch noch in der wissenschaftlichen Literatur steht die Schreibweise griechischer und lateinischer Namen eindeutig fest. Einerseits werden alle Namen, also auch die griechischen, in lateinischer oder latinisierter Form wiedergegeben (so noch heute in den angelsächsischen Ländern), andererseits erscheinen die griechischen in ihrer griechischen Form (so besonders in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur). Daneben kommen vereinzelt Formen griechischer und lateinischer Namen vor, die unter dem französischen Kultureinfluß im 17./18. Jh. eine französisierende Schreibung und Betonung erhalten haben (z. B. Horaz). Als Grundregel für das Lexikon der Antike gilt für die Eigennamen als Stichwörter die Verwendung der griechischen bzw. lateinischen Grundform (z. B. Homeros, Eukleides, Ovidius). Hinter dem fettgedruckten Stichwort werden im Deutschen fest eingebürgerte bzw. latinisierte Namensformen angeführt, die auch in den weiteren Texten verwendet werden (z. B. Homer, Euklid, Ovid). Griechisch oder lateinisch „i" ist bei eingedeutschten Namen durch „j" ersetzt (z. B. Johannes). Dasselbe gilt für topographische Namen und Fachausdrücke, in denen „k** statt „c" geschrieben wird, z. B. Makedonien, Abakus. Bei gleichberechtigten Namensformen (Hercules - Herakles) sind Verweise verwendet worden. Bei unterschiedlich eingebürgerten C-, K- und Z-Formen wird in der Regel verwiesen, jedoch empfiehlt es sich, Vermißtes unter dem jeweils möglichen Buchstaben nachzuschlagen. Die Betonung wird durch einen Strich unter dem Vokal der Tonsilbe angegeben, betonte Diphthonge durch einen Tonstrich unter beiden Vokalen. Die Stichwörter sind streng alphabetisch vom ersten bis zum letzten fettgedruckten Buchstaben geordnet, wobei die Umlaute ä, ö, ü wie die Vokale a, o, u eingeordnet

sind; ae, oe, ue sind als getrennte Buchstaben eingeordnet. Gleichlautende Artikel sind durchgängig numeriert. Römische Namen sind unter der gebräuchlichen Benennung, z. B. Cicero unter dem Cognomen, sonst unter dem Nomen gentile aufgeführt. Geographische Namen finden sich bei bekannteren Begriffen in moderner Schreibweise, jedoch wird die antike als Verweis gebracht (Tanaïs, antiker Name des f Don). Eine Kurzbibliographie, die in Auswahl die Standardwerke der einzelnen Fachgebiete nennt, ist an den Schluß des Lexikons gestellt. Sie wurde im wesentlichen begrenzt auf die relativ leicht erreichbaren, deutschsprachigen Veröffentlichungen und soll dem interessierten Leser eine Hilfe sein. Ansonsten werden unter den Artikeln antiker Dichter, Schriftsteller, Historiker usw. Textausgaben und Übersetzungen genannt, ohne daß dabei Vollständigkeit erstrebt werden konnte, ebenso sind archäologische Sammeleditionen vermerkt. Als Anhang sind beigegeben eine Darstellung der griechischen Götter- und Heldengenealogien, eine Liste der römischen Kaiser sowie Stammtafeln der römischen Kaiserfamilien. Im Text finden sich unter dem jeweiligen Stichwort Verzeichnisse bzw. Tabellen und Listen der wichtigsten Ausgrabungen, der Maße, der Päpste des Altertums sowie der Provinzen des Römischen Reiches. Alle Artikel sind mit der Sigle des Autors signiert. Die Autorsignaturen und das Abkürzungsverzeichnis sind am Anfang des Lexikons aufgelöst. Verweiszeichen sind im Text relativ sparsam verwendet, es ist jedoch dafür Sorge getragen, daß alle wesentlichen Eigennamen und Termini gleichzeitig als Stichwörter erscheinen. Textabbildungen sind zur Illustrierung und Verdeutlichung des Textes den entsprechenden Artikeln zugeordnet. Auf die Abbildungen im Bildtafelteil am Schluß des Buches wird in den Artikeln verwiesen. Die Karten sind als Ergänzung zum Text gedacht.

Autorsignaturen und Autoren

AE AJ BB BBA BD Bd Be BK Bo Br Cr D DE Di Die DL Du E Ed EGS EH EP FH Fi FP Fr Jo GB Gl Go GP Gr Gu Gü H Ha Hd He HF HG Hg HH HK HKo HKü Hn HP HS HU I J JB JE JM Jo K Ka

Dr. Arne Effenberger, Berlin Dr. se. Armin Jähne, Berlin Dr. se. Burkhard Bouger, Berlin Dr. Bernd Barschel, Jena Dr. Bernhard Dohle, Berlin Dr. se. Heinz Berthold, Halle Prof. Dr. se. Ilse Becher, Leipzig Prof. Dr. se. Bruno Krüger, Berlin Dr. habil. Herbert Böge, Berlin Dr. Emilie Boer, Berlin (gest.) Dr. Herbert Gruger, Berlin Dr. Hans Ditten, Berlin Prof. Dr. habil. Dietrich Ebener, Potsdam Prof. Dr. habil. Mauritz Dittrich, Greifswald Prof. Dr. habil. Hans-Joachim Diesner, Halle Doz. Dr. habil. Detlef Lotze, Jena Dr. Jürgen Dummer, Berlin Dr. Eberhard Erxleben, Berlin Dr. Hannelore Edel man n, Freiberg Prof. Dr. habil. Ernst Günther Schmidt, Jena Dr. Erhard Hirsch, Halle Prof. Dr. habil. Eberhard Paul, Leipzig Dr. Friederike Heubner, Jena Dr. Siegfried Fischer, Berlin (gest.) Dr. Franz Paschke, Berlin Dr. Renate Johne (-Fiedler), Berlin Dr. habil. Gabriele Bockisch, Berlin Dr. Günther Glockmann, Berlin Dr. Gudrun Gomolka-Fuchs, Berlin Dr. Günther Poéthke, Berlin Dr. Roland Gründel, Berlin Dr. Günter Gurst, Leipzig Prof. Dr. habil. Rigobert Günther, Leipzig Prof. Dr. habil. Gottfried Härtel, Leipzig Dr. habil. Günther Christian Hansen, Berlin Dr. sc. Wieland Held, Leipzig Dr. Gerald Heres, Dresden Dr. Hagen Fischer, Berlin Dr. habil. Heinz Geiß, Berlin Doz. Dr. sc. Georg Harig, Berlin Hadwig Helms. Berlin Prof. Dr. habil. Heinz Kreißig, Berlin Prof. Dr. Hans Kortum, Berlin Dr. Heinz Kühne, Berlin Prof. Dr. sc. Liselot Huchthausen, Rostock Dr. Heiner Protzmann, Dresden Prof. Dr. habil. Heinrich Simon, Berlin Dr. Herbert Ullrich, Berlin Prof. Dr. sc. Johannes Irmscher, Berlin Dr. sc. Fritz Jürß, Berlin Jochen Bruß, Berlin Doz. Dr. habil. Joachim Ebert, Halle Jörg Milbradt, Berlin Dr. Klaus-Peter Johne, Berlin Doz. Dr. Wolfgang Kirsch, Halle Doz. Dr. Helmut Kalex, Leipzig

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Prof. Dr. habil. Heinz Kothe, Berlin Prof. Dr. habil. Horst Kiengel, Berlin Dr. Rainer Kößling, Leipzig Dr. Lothar Kleine, Leipzig Dr. se. Jutta Kollesch-Harig, Berlin Prof. Dr. sc. Helga Köpstein, Berlin Prof. Dr. habil. Dr. Kurt Rudolph, Leipzig Dr. Joachim Krueger, Berlin Dr. habil. Kurt Treu, Berlin Prof. Dr. habil. Friedmar Kühnert, Jena Dr. Hans Krummrey, Berlin Dr. Konrad Zimmermann, Rostock Dr. Hannelore Kischkewitz, Berlin Dr. Albert Lindner, Leipzig Dr. Cornelia Lehmann, Berlin Dr. Leiva Petersen, Weimar Dr. habil. Lukas Richter, Berlin Doz. Dr. habil. Martin Oppermann, Halle Dr. Matthias Springer, Dresden Prof. Dr. habil. Marie Simon, Berlin Dr. habil. Wolfgang Müller, Berlin Dr. Diethard Nickel, Berlin Doz. Dr. habil. Nikolaus Walter, Naumburg Dr. Gerhard Perl, Berlin Peter Witzmann, Dresden Dr. Detlef Rößler, Berlin OBibl. Dr. Eberhard Rechenberg, Berlin Dr. habil. Helga Keusch (gest.) Dr. Dankwart Rahnenführer, Berlin Prof. Dr. sc. Reimar Müller, Berlin Dr. sc. Martin Robbe, Berlin Prof. Dr. Rudolf Schottlaender, Berlin Dr. Ilse Rochow, Berlin Doz. Dr. habil. Gerhard Schrot (gest.) Dr. se. Irene Strube, Leipzig Prof. Dr. habil. Wolfgang Seyfarth, Berlin Dr. habil. Heinz Schulz-Falkenthal, Halle Dr. habil. Edith Schönert-Geiß, Berlin Doz. Dr. habil. Wolfgang Schindler, Berlin Dr. Gotthard Strohmaier, Berlin Doz. Dr. habil. Johannes Schneider, Berlin Dr. Ursula Treu, Berlin Doz. Dr. habil. Winfried Trillitzsch, Jena Dr. habil. Klaus Wachtel, Berlin Dr. Volker Weber, Berlin Dr. Wilfried Fiedler, Berlin Dr. Helmut Wilsdorf, Dresden Dr. habil. Friedhelm Winkelmann, Berlin Dr. Werner Rudolph, Berlin Dr. Hildegard Waldner-Bokova, Plien Dr. Wolfgang Richter, Rostock Dr. Wolfgang Schreier, Leipzig Dr. Ursula Winter, Berlin Prof. Dr. sc. Hans Wußing, Leipzig Dr. Hans-Dieter Zimmermann, Halle Dr. Christa Zimmermann, Leipzig

Abkürzungen und Zeichen im Text

Abb. Aufl. Bd., Bde. bes. betr. byz. bzw. c. desgl. dgl. d.h. d.i. dt. eigtl. entspr. evtl. europ. f., ff. geb. gegr. gest. hebr. hrsg. i. allg. i. wesentl. insbes. Jährt. Jb. Jh. lat.

Abbildung Auflage Band, Bände besonders betreffend byzantinisch beziehungsweise carmen desgleichen dergleichen das heißt das ist deutsch(e, er, es) eigentlich entsprechend eventuell europäisch(e, er, es) folgend(e) geboren gegründet gestorben hebräisch herausgegeben im allgemeinen im wesentlichen insbesondere Jahrtausend Jahrbuch Jahrhundert lateinisch(e, erfes)

N NO NW O o.a. PL rd. S S. s. a. Sg. Slg. SO sog. SW u. a. u.a. urspr. usw. u.Z. vgl. v. u. Z. W z.B. z.T. z. Z. t

Nord(en) Nordost(en) Nordwest(en) Ost(en) oder ähnliche(s) Plural rund Süd(en) Seite siehe auch Singular Sammlung Südost(en) sogenannte, er, es) Südwest(en) und andere(s) und ähnliche(s) ursprünglich und so weiter unserer Zeitrechnung vergleiche vor unserer Zeitrechnung West(en) zum Beispiel zum Teil zur Zeit Verweispfeil

Ferner alle Endungen der Adjektive auf -isch und auf -lieh.

Abkürzungen in den bibliographischen Angaben

E Frg T Ü K BA

BAW BKV BÖ BT BT Stuttgart CAG

Capelle CGF CIL CM G CML CRF

CSEL Diels

EGF FAttCom

archäolog. Sammeledition Fragment(e) Textausgabe Übersetzung Kommentar Bibliothek der Antike. Griechische und Römische Reihe, Berlin und Weimar

Bibliothek der Alten Welt, Zürich

Bibliothek der Kirchenväter, Kempten Bibliotheca Oxoniensis, Oxford Bibliotheca Teubneriana, Leipzig Bibliotheca Teubneriana, Stuttgart CommentariainAristotelemGraeca,edita consilio et auctoritate Academiae Litterarum Regiae Borussicae. 23 Bde. in 5l Teilen, Berlin l 891-1909 (Nachdruck 1955 ff.) W. Capelle, Die Vorsokratiker. Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und eingeleitet. 2. unveränd. Aufl. Berlin 1961 Comicorum Graecorum Fragmenta, ed. G. Kaibel. Berlin 1899, Nachdruck 1958 Corpus Inscrîptionum Latinarum, Berlin Corpus Medicorum Graecorum, Berlin Corpus Medicorum Latinorum, Berlin Comicorum Romanorum praeter Plautum et Terentium Fragmenta, ed. O. Ribbeck, 2. Aufl. Leipzig 1873 (= neu als: Scaenicae Romanorum poesis Fragmenta. Bd. II, Hildesheim 1962), 3. Aufl. 1898 Corpus Scriptorum Ecclesiasticorurn Latinorum, Wien H. Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker, Griechisch und deutsch, 3 Bde. 6. Aufl. v. W. Kranz, Berlin 1951/52. 10. Aufl. Berlin 1960/61 Epicorum Graecorum Fragmenta, ed.

G. Kinkel, Leipzig nn (BT)

Fragments of Attic Comedy, ed. J. H. Edmonds, Bd. I-III B, Leiden 1957-1961

(mit engl. Ü)

FGrHist FIRA FPL

GB GCS

GDV

Die Fragmente der griech. Historiker, hrsg. von F. Jacoby, Berlin und Leiden 1923-1958 (mit Kommentar) Fontes luris Romani Antejustiniani. Florentiae 12. Aufl. 1941, II2. Aufl. 1940, III 2. Aufl. 1943 Fragmenta poetarum Latinorum et lyricorurn praeter Ennium et Lucilium post Ae. Baehrens iterum ed. W. Morel, Leipzig 1927, Nachdruck 1963 Collection Guillaume Budé, Paris Die griechischen christlichen Schriftsteller

GGM GT HRR

der ersten (früher: drei) Jahrhunderte, hrsg. von der Kommission für spätantike Religionsgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, Leipzig/Berlin seit 1897. Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, hrsg. v. G. H. Pertz u. a. 1847ff. (bisher 104 Bde.) Geographi Graeci Minores, ed. C. Müller. Bd. I-II, Paris 1882 Goldmanns Gelbe Taschenbücher, München Historicorum Romanorum Reliquiae, hrsg. v. H. Peter, 2 Bde. Leipzig 1883 bis

1906, l Bd. 2. Aufl. i9l4

IG LB

LCL MG(H) MignePG Migne PL

OCT OS PIR PMelGr R SQAW TGF

TRF

Tusc.

Inscriptiones Graecae, Berlin Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischer und romischer Klassiker in neueren deutschen Musterübersetzungen., Berlin und Stuttgart Loeb Classical Library, London und Cambridge Monumenta Germaniae Historica, Hannover u. a. Orte 1826ff., Nachdruck 1961 Patrologiae cursus complétas ed. J.-P. Migne. Séries Graeca, 161 Bde., Paris 1857-1866. Patrologiae cursus completus ed. J.-P. Migne. Séries La t in a. 217 Bde., Paris 1844-1855. 4 Register-Bde., Paris 1862 bis 1864 Oxford Classical Texts. Scriptorum Classicorum Bibliotheca Oxoniensis. Oxford Osiander-Schwab, Übersetzungsbibliothek griechischer und romischer Prosaiker und Dichter, Stuttgart Prosopographia Imperii Romani, Berlin Denys Page, Poetae Melici Graeci, Oxford 1962 Reclams Universalbibliothek., Leipzig Schriften und Quellen der Alten Welt, Berlin Tragicorum Graecorum Fragmenta, ed. Aug. Nauck, 2. Aufl., Leipzig 1889, Nachdruck Hildesheim 1964, Supplementum von B. Snell Tragicorum Romanorum Fragmenta, ed. O. Ribbeck, 2. Aufl., Leipzig 1871 (= neu als: Scaenicae Romanorum poesis Fragmenta. Bd.I, Hildesheim 1962), 3. Aufl. 1897 Tusculum-Bücher, München

Abkürzungen der römischen Vornamen

A. App. C.

Auius Appius Gaius

Cn. D. F. K. L. M. M*.

Gnaeus Decimus Flavius Kaeso Lucius Marcus Manius

Mam. N. P. Q. Sex. Ser. Sp.

Mamercus Numerius Publius Quintus Sextus Servius Spurius

T.

Titus

Tib.

Tiberius

Bildtafeln am Schluß des Lexikons 1 2 3 4 5 6

8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26

Goldbecher mit Stierfangszenen und weidenden Rindern aus dem Kuppelgrab von Vaphio. Um 1500 v. u. Z. Attisch-rotfigurige Rauchamphora des Andokidesmalers. Um 5lO v. u. Z. Paestum. Heratempel II, sog. Poseidontempel. 5. Jh. v. u. Z. Etruskisches Grabgemälde aus der Tomba del Trichinio. Frühes 5. Jh. v. u. Z. Terrakottafigur aus Tanagra. Um 310 v. u. Z. Mosaik von Delos. Dionysos, auf einem Panther reitend. 2. Jh. v. u. Z. Pompeji, Villa Item, sog. Mysterienvilla. Ausschnitt aus dem Mysterienfries. Um 50 v. u. Z. Millefiorischale. Alexandrei a. l. Jh. v. u. Z. Kretisch-mykenische Kunst I - Architektur Kretisch-mykenische Kunst II - Relief und Malerei Kretisch-mykenische Kunst III - Kunsthandwerk Griechische Tempel I Griechische Tempel II Griechische Tempel und Kultbauten Griechische Schatzhäuser und Kultbauten Griechische Theater und Sportanlagen Römische Kultbauten Römische Theater Römische Fora Römische Grabbauten Römische Paläste und Häuser Römische Bogen- und Gewölbebauten Römische Paläste und Häuser Griechische Architekturplastik I Giebel Griechische Architekturplastik II Metopen Griechische Architekturplastik III Friese

27 28

33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47

Griechische Architekturplastik IV Friese Griechische statuarische Plastik I - archaische Kuroi und Koren Griechische statuarische Plastik II - Grabplastik und Weihreliefs Griechische statuarische Plastik III - klassische Skulpturen Griechische statuarische Plastik IV - klassische Skulpturen Griechische statuarische Plastik V - 4. Jh. und Hellenismus Griechische Plastik VI - Hellenismus Griechische Grabplastik und Weihreliefs Griechische und römische Sarkophagplastik Etruskische Grabbauten und Grabplastik Etruskische Plastik Römisches Historienrelief Griechisches Porträt Römisches Porträt I Römisches Porträt II Griechische und etruskische Monumentalmalerei Römische Monumentalmalerei I Römische Monumentalmalerei II Mosaik Vasenmalerei I Vasenmalerei II attisch - schwarzfigurig und rot-

48 49 50 51 52 53 54

Vasenmalerei IÎI und Reliefkeramik Kunstgewerbe Griechische und römische Münzen und Gemmen Spätantike Kunst I Spätantike Kunst II Spätantike Kunst III Glas

29 30 31 32

figurig

ab epistulis

A A. Das A entstand bei Übernahme des t Alphabets durch die Griechen (zwischen dem 12. und 9. Jh. v. u. Z.) aus dem semit.-phönik. Zeichen für einen im Griechischen nicht vorhandenen halbvokal. Laut, der an der Spitze des Alphabets stand und in seiner ältesten Form durch einen Ochsenkopf dargestellt wurde (Ochse = semit. aleph, daraus griech. alpha). - Die verschiedenen Formen des A vom Altertum bis zur Gegenwart sind bei der Gestaltung der Eingangstür der Berliner Stadtbibliothek durch Fritz Kühn verwendet worden (1966). S. a. A

und ο. Wt

Aachen, lat. Aquae Granni [„Bäder des Grannus"] : röm. Siedlung des l. Jh. u. Z. mit Thermen und Kult des Apollon (kelt. Grannus). Die Kapelle („Münster") der von Karl d. Gr. gegründeten Pfalz, ein durch Odo von Metz 796-805 errichteter Zentralbau, greift auf spätantike Vorbilder zurück (San Vitale zu Ravenna). Sie manifestiert die Aufnahme der röm. Reichsidee durch den Frankenkönig, der in ihr beigesetzt ist, und war deshalb 813-1531 Krönungsstätte der fränk. und deutschen Könige. He Abaelgrd Petrus, Pierre Abelard, 1079-1142, scholast. Philosoph und Theologe, ab 1113 scholast. Lehrer in Paris. A. begründete die dialekt.-scholast. Methode (Schrift: „Sic et non", mit Gegenüberstellung widersprüchl. Ansichten der Kirchenväter), betonte als Rationalist die Rechte des Verstandes gegenüber der Offenbarungsautorität und das Studium des Altertums, vor allem auf philosoph. Gebiet (bes. Aristoteles und Platon). A. verfaßte zahlreiche wirkungsvolle theolog, und philosoph. Schriften sowie Hymnen,- Gedichte und einen (fiktiven) Briefwechsel mit Heloisa ; darin begegnen die wichtigsten antiken Schulautoren und lat. Kirchenväter sowie christl. Dichter.. Tr T: Opera ed. V. Cousin, 2 Bde., Paris 1849159; Migne PL 178. Ü: Die Leidensgeschichte und der Briefwechsel mit Heloisa, E.Brost, Berlin 1963.

Abakus [lat., „Platte"]: 1. Rechenhilfsmittel (Brett, Tisch, Platte o. ä.), auf dem nach Art unserer heutigen Kinderrechenmaschine durch Verschieben oder Umlegen von Rechensteinen o. ä. in Spalten oder Zeilen, die bestimmten Einheiten des Maß-, Gewichts- oder Münzwesens entsprachen, gerechnet wurde. Einige Exemplare sind aus der Antike im Original erhalten (Abb.). Seine

röm. Handabakus

größte Verbreitung fand der A. im Mittelalter sowohl in Europa als auch in Asien. Seit dem 14. Jh. wurde der A. in Europa nach und nach durch das schriftl. Rechnen mittels der ind.-arab. Ziffern verdrängt. - 2. In der

griech. @ Säulenordnung die obere Abschlußplatte des Kapitells. Wu Abbreviatur [lat., „Abkürzung"]. Die A. wurde bereits in antiken Inschriften verwendet und drang von dort auch in die Handschriften ein. Die Römer kürzten durch die sog. Suspension, d. h. durch Verwendung von Anfangsbuchstaben eines Wortes, zunächst Vornamen (G. Gaius, Q. - Quintus), später auch andere Wörter (cos..consul, v. c. - vir clarissimus, „hervorragender Mann"). Verdoppelung des Buchstabens bedeutete den Plural (coss. - consules, vv. cc. - viri clarissimi). Ähnl. A.en finden wir auch in den griech. kursiven Papyri und in den griech. A.en für Münzen, Maße und Gewichte. Insbes. die röm. Juristen verwendeten die Suspension so häufig, daß Abkürzungsverzeichnisse (Notae iuris) notwendig wurden, die auch in das Mittelalter gelangten. Die Methode der Kontraktion, die Abkürzung eines Wortes durch Anfangsbuchstaben und 'Endung, verwendeten zuerst die Griechen für die sog. Nomina sacra (..heilige Namen"), wie z. B. ths - theos („Gott"). Die Romer übernahmen dieses System und wendeten es auch auf profane Begriffe an (ffs - fratres, „Bruder", gfä - gratia, „Dank"). Die Kennzeichnung der A. durch einen übergesetzten Strich loste etwa im 3. Jh. u. Z. den vorher übl. Punkt ab. Auch aus der @ Tachygraphie wurden A.en Übernommen, z. B. = „esse" (sein), -f- „est" (ist). Bereits in der spätröm. Kursive waren alle Arten der A. vorhanden und gelangten so in das mittelalterl. Schriftwesen, wo sie insbes. auf den Gebieten Recht, Medizin und Theologie weiterentwickelt und zunehmend häufiger verwendet wurden. Wt Abdera, lat. Abdera: thrak. Küstenstadt, um 650 v. u. Z. von loniern gegr., mehrmals zerstört und wiederaufgebaut; 478-411 im Att. Seebund; Heimat der Philosophen Demokrit und Protagoras; dennoch galten die Abderiten den Griechen als Einfaltspinsel (Schildbürger). - Wielands Roman „Die Abderiten" (1774) verspottet die spießbürgerl. Beschränktheit seiner kleinstädt. Zeitgenossen.

SF

Abendland, Qkzident: seit dem 16. Jh. Bezeichnung für ein (vom Standpunkt des Sprechers - urspr. von Rom aus) westl. Land. Seit dem Ende des 18. Jh. wurde es als Sammelbegriff entweder für das kathol. oder überhaupt das christl. Europa im Mittelalter verwandt. Im 19. und 20. Jh. bildet es auch die begriff l. Grundlage der A.idéologie, nach der das A. (oder Europa), dessen Ostgrenze jeweils willkürlich festgelegt wird, die ..Gemeinschaft der Völker" sei, die seit der griech. Antike ununterbrochen autochthone (eben die abendländ.) Werte verwirklicht hätten. Die Α.idéologie wird oft als Tendenzlehre zur Rechtfertigung polit.-reaktionärer Systeme benutzt, die die „abendländ. Zivilisation" zu verteidigen vorgeben. MS Abendmahl: Sakrament im Christentum, das nach neutestamentl. Darstellung von Jesus Christus eingesetzt wurde (seit dem l. Jh. als Eucharistie bezeichnet). Zunächst war es eine Mahlzeit, bei der sieh die Christen in brüderl. Verbundenheit des erlösenden Todes Christi erinnerten. Um etwa 150 waren das soziale und kult. Element getrennt: Das gemeinschaftl. Abendessen blieb Ausdruck der gegenseitigen Fürsorge, während das eigentl. A. in der Gestalt von Brot und Wein als Gedenken des Kreuzestodes Bestandteil des vormittag!. Wortgottesdienstes wurde. - Seit dem frühen Mittelalter häufig Gegenstand der bildenden Kunst (Leonardo da Vinci). Ro ab eplstulis [lat., ,,Briefbearbeiter"]: Hofamt in der röm. Kaiserzeit zur Bearbeitung der Dienstkorrespondenz der Kaiser, bekleidet zunächst von einem kaiser]. Sklaven,

Abessinien seit Claudius von einem Freigelassenen und schließlich seit Hadrian von einem hohen Beamten ritterl. Standes. Wa Abessinien: latinisierter arab. Name [ lat., „Erzpoet"]: Pseudonym oder Ehrentitel eines mittellat. Dichters deutscher Herkunft (?), geb. um 1140, aus dem Ritterstand; gehörte als geistl. Scholar und Vagant mit umfassender klass. Bildung zur weiteren Hofhaltung Friedrich Barbarossas. Er ist der typischste Vertreter der f Vagantendichtung („Vagantenbeichte": Meum est propositum ...). Die zehn erhaltenen Gedichte (1159/65) zeigen durch elegante Leichtigkeit der sprachl. Form und geistvollen Humor eine geniale dichter. Begabung von individueller Prägung. Tr T: H. Watenphul-H. Krefeld, 1958. TU: K. Langosch, Hymnen und Vagantenlieder, Berlin *1958.

53 Architektur [von griech. architekton, „Baumeister"], lat. architectyra : die f Baukunst. Sl Architrav [lat., griech. Epistyl]: der auf den Säulen ruhende, waagerechte Querbalken; Teil der f Gebälkordnung. Sl Archiv [griech. àrcheion, Urkunden-Slg. im „Rathaus"]: im Altertum Ort zur Deponierung wichtiger staatl. Akten, zunächst das Amtslokal der Registraturbehörde sowie der Behörde, die den Eingang und Ausgang dieser Akten verwaltete. Wie die Tontafelfunde von Knossos und Phaistos auf Kreta und von Pylos auf der Peloponnes zeigen, dürften die keilschriftl. Wirtschafts- und StaatsA.e Kleinasiens die Entwicklung der griech. A.e beeinflußt haben. In Athen wurden bei Publizierung von Gesetzen, Staatsverträgen, Ehrungen u. a. die Originalurkunden zunächst den sieben f Nomophylakes zur Bewahrung übergeben. Im 4. Jh. v. u. Z. kam es zur Errichtung eines Zentral-A.s im Metroon, wo Originale oder amtl. Abschriften (auf Papyrus oder Holztafeln) der Gesetze, Volks- und Ratsbeschlüsse, Verträge, staatl. Rechnungen und der wichtigsten Strafprozesse hinterlegt wurden. In Ägypten wurden mehrere größere Privat-A.e gefunden, so das A. aramäischer Urkunden aus der jüd. Gemeinde von Elephantine und das Zenon-Α, in Philadelphia. - In Rom befand sich das Staats-Α, im Saturntempel und wurde von den städt. Quästoren verwaltet. Ein plebej. A. bestand im Cerestempel. Auch in den Provinzen gab es A.e. Mü Archon [griech., „Regent"]: einer der neun jährlich gewählten höchsten Beamten Athens. An der Spitze der inneren Verwaltung stand der A. Eponymos, nach dessen Namen das Jahr benannt wurde und der den Vorsitz im Gericht führte. Der A. Basileus leitete die öflfentl. Opfer und religiösen Feste; der Polemarchos hatte den Oberbefehl über das Heer inné. Die Jurisdiktion fiel einem innerhalb des Archontats stehenden Sechsmännerkollegium, den f Thesmotheten, zu. War noch nach Solon das Amt des A. Eponymos als mögl. Vorstufe zur Tyrannis sehr umkämpft, ging die Macht der Archonten mit fortschreitender Demokratisierung zurück. Seit Kleisthenes war das Archonat nur ein Ehrenamt. GP Archytas, geb. um 400 Tarent, gest. 365 v. u. Z., Philosoph, Mathematiker, Politiker und Feldherr, bedeutendste Forscherpersönlichkeit der älteren Pythagoreer, mit Platon befreundet. Ausgehend vom Grundgedanken der pythagoreischen Lehre, daß die Zahl das Wesen aller Dinge sei, lehrte A., die Mathematik könne hervorragende Erkenntnisse über das All gewinnen und ebenso die Beschaffenheit aller Einzeldinge ergründen. Zahl und Größe seien die „beiden verschwisterten Urgestalten des Seienden". A. beschäftigte sich mit Problemen der Harmonie in der Musik und kam zu dem Schluß, daß die Tonhöhe von der Geschwindigkeit der Bewegung tönender Körper abhängig sei. Nur Fragmente sind erhalten. LRi T: Dielst 47 [35]. Areios, lat. Arius, aus Libyen stammender Presbyter in Alexandreiä, Gegner des Athanasios, wurde wegen seiner christolog. Lehre 318/19 in Alexandreiä exkommuniziert, auf der 1. ökumen. Synode in Nikaia 325 verurteilt, 327 rehabilitiert, 333 von Konstantin I. erneut verurteilt, 335 durch eine Synode zu Tyros-Jerusalem wieder rehabilitiert, starb aber kurz darauf. Von seinen Schriften sind nur Fragmente erhalten (Hauptschrift „Thaleia", Gastmahl; Darlegung seiner Lehre teils in Prosa, teils in Poesie). Bei seinen Anhängern, den Arianern, wirkte seine Lehre bis ins 5. Jh. fort. Wi T: G. Bardy, Revue de Philologie, de Littérature et d'Histoire Anciennes 53, 1927, 211-233; Recherches sur Luden d'Antioche, Paris 1936, 218-295.

Arête Arelate, heute Arles: Handelsstadt im Gebiet der ligur. Salyer (lat. Salluvii) in der Gallia Narbonensis unweit der Rhonemündung, seit etwa 120 v. u. Z. römisch; gelangte nach dem Zusammenbruch Massilias zur Zeit Caesars zu großer Blüte. Um 400 u. Z. wurde die Hauptstadt der gall. Präfektur von Trier nach A. verlegt. Im hohen Mittelalter war A. Hauptstadt des Königreichs Burgund (Arelat). Großartige Reste röm. Bauten der Kaiserzeit, u. a. Stadtmauer, Amphitheater, Theater, Kryptoporti kus und Thermen, sind hier bis heute erhalten. D Arena [lat., „Sand"]: der mit Sand bestreute Kampf- und Spielplatz in der Mitte des Amphitheaters, Zirkus oder Stadions (Taf. 16 und 18); heute allgemein Platz für Wettkämpfe. Sl Areopag [griech., „Areshügel"]: Hügel in Athen, auf dem bereits in der Frühzeit der Rat des Adels, aus den ehemaligen Archonten bestehend, tagte. In der Zeit der Adelsherrschaft führte er alle Staatsgeschäfte und war gleichzeitig Staatsgerichtshof. Er wurde durch die Reformen Solons und bes. Kleisthenes' eingeschränkt, durch Ephialtes 462 v. u. Z. vollständig entmachtet und behielt nur die Blutgerichtsbarkeit. Die Wiedereinsetzung als oberstes Regierungsorgan unter Hadrian (130 u.Z.) blieb ohne Bedeutung. GP Ares, griech. Kriegsgott, Sohn des Zeus und der Hera; als wilder Gott des zerstörenden, leidvollen Krieges wenig beliebt, war er sogar den Göttern verhaßt und wurde kaum kultisch verehrt (im Unterschied zu dem röm. Mars, mit dem er später gleichgesetzt wurde). Er war der Geliebte der Aphrodite; beider Sohn ist Eros. A. stammt aus Thrakien, ist schon in myken. Zeit nachweisbar, wohl aus bronzezeitl. Kriegsgott erwachsen, der unter thrak. Einfluß mykenisiert wurde. - Unter den Freiplastiken, die als A.-Darstellungen erkannt worden sind, haben die des 4. Jh. v. u. Z. besondere Bedeutung erlangt. Der A. Borghese im Louvre, röm. Kopie nach griech. Original der Spätklassik, ist mit dem von Pausanias genannten A. des Alkamenes in Verbindung gebracht worden. Die Statue stellt den mit Helm und vormals auch mit Schild gerüsteten A. in Ausfallstellung dar. Der A. Ludovisi in Rom (Thermen-Museum), röm. Kopie nach vorhellenist. Werk des 4. Jh. v. u. Z., zeigt den Gott, der die Waffen abgelegt hat, in sitzender Stellung. Beide Plastiken geben den A. in jugendl. Gestalt wieder. - Plastiken von Thorvaldsen, Canova; Gemälde von Botticelli, Tintoretto, Rubens, Rembrandt, Velâzquez und Corinth. Sl Aretaios aus Kappadokien, um 50 u. Z., griech. Arzt pneumat. Richtung. Er imitierte Hippokrates, auch stilistisch in der Verwendung des ion. Dialekts. In seinem Lehrbuch über akute und chron. Krankheiten gibt A. zutreffende Darstellungen einzelner Krankheitsbilder, z. B. des Diabetes, der Diphtherie und der Lungentuberkulose. Ko T: C. Hude, CMC Π, Berlin 21958. Ü: A. Mann, Halle 1858. Aretalogijg [griech.]: Lobpreis gegenwärtiger, konkreter (nicht myth.) Wundertaten eines Gottes. Die A. begegnet in hellenist. Zeit im Kult der Heilgötter (z. T. von Aretalogen berufsmäßig ausgeübt) und als Thema volkstüml. religiösen Schrifttums; sie entartet später oft zur rein unterhaltenden Wundererzählung. Gl Arete^ [griech., ..Tüchtigkeit", ..Tugend"]: urspr. der höchste Grad der Tauglichkeit oder Leistungsfähigkeit einer Sache bzw. eines Lebewesens, im Hinblick auf den Menschen bei Homer vor allem krieger. Tugenden. Die Philosophie, in der A. zur zentralen Kategorie der Ethik wird („sittl. Vollkommenheit"), untersucht u. a. die Frage der Entstehung der Tugend (Sophistik, Sokrates) und das Verhältnis der Einfceltugenden zueinander (bei

Arethusa Platon Lehre von den Kardinaltugenden Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit). Aristoteles unterscheidet eth. (prakt.) und dianoet. (theoretisch begründete) Tugenden. RMü Arethusa, lat. Arethusa, in der griech. Sage Quellnymphe, vom Flußgott Alpheios verfolgt und auf ihre Bitten von Artemis in eine Quelle auf der Insel Ortygia bei Syrakus (Sizilien) verwandelt. - Taf. 50. Be Arg i n use n: Inselgruppe im Sund von Lesbos. Hier erkämpften die Athener 406 v. u. Z. trotz großer Verluste einen Sieg über die spartan. Flotte. Die siegreichen Strategen aber würden in Athen wegen angeblich unterlassener Bergung und Bestattung Schiffbrüchiger auf Veranlassung reaktionärer Kreise hingerichtet, soweit sie nicht fliehen konnten. Sokrates erhob als einziger Richter Einspruch gegen die Todesurteile. SF Argo, lat. Argo: das Schiff der @ Argonauten. Be Argolis: in histor. Zeit von Dorern bewohnte fruchtbare griech. Landschaft im O der Peloponnes südlich von Korinth, im W von Arkadien, im S von der Kynuria begrenzt; im eigtl. Sinne nur das Gebiet von Argos (Argeia) mit Tiryns und Mykene (südlich davon Kultort der Hera); zu A. im weiteren Sinne gehörten aber schon im Altertum auch die in klass. Zeit selbständigen Slädte Hennione, Troizen und Epidauros. D Argonauten [griech., „Argoschiffer"]: in der griech. Sage die 50 Teilnehmer der Fahrt nach Kolchis am Schwarzen Meer. Ihr Schiff, die Argo, unter Anleitung von Athena gebaut, erhielt von dieser ein Stück Holz von der heiligen Eiche in Dodona eingefügt, das sprechen konnte. Die A. (u. a. Admetos, die Dioskuren Kastor und Polydeukes, Herakles, Meleagros, Orpheus, Peleus, Telamon), angeführt von lason, sollten das von Phrixos nach Kolchis gebrachte Goldene Vlies wieder nach Griechenland holen. Nach einem Aufenthalt bei Hypsipyle auf Lemnos, dem Kampf mit dem Bebrykerkönig Amykos und der Befreiung des Phineus von den Harpyien durchführen sie die Symplegaden. Nachdem lason mit Hilfe der zauberkundigen Medeia das Goldene Vlies erlangt hatte, kehrten die A. auf einer langwährenden Reise nach Griechenland zurück. Der histor. Kern der A.sage dürfte in den Fahrten der Griechen, bes. der Milesier, nach den Küsten des Schwarzen Meeres zu suchen sein. Der A.zug ist seit der Antike häufig dargestellt worden (Relief in Delphi; A.krater aus der Mitte des 5. Jh. v.u.Z., Epen von Apollonios von Rhodos und Valerius Flaccus, Drama von Grillparzer, Oper von G. Mahler). Be Argos, lat. Argus, in der griech. Sage der viel-, oft hundertäugige Wächter, den Hera der in eine Kuh verwandelten Ιο beigab (daher A.augen: alles bemerkender Blick). Hermes schläferte ihn ein oder tötete ihn. Seine Augen wurden von Hera an die Pfauenschwanzfedern gesetzt. Be Argos: Stadt in der Landschaft Argolis. Unter Argivern (Argeiern), d. h. Bewohnern von A., verstand Homer die Griechen überhaupt. Bereits in urgeschichtl. Zeit wurde A. besiedelt (myken. Burg) und war als einst bedeutendes dor. Zentrum sagenumwoben (vgl. Sieben gegen Theben). Im 7. Jh. v. u. Z. erfolgte die Einigung der Argiver unter König (Tyrann) Pheidon. A. war Jahrhunderte hindurch der Hauptgegner Spartas. Ein 30jähriger Zwischenfriede mit Sparta (451/21) und gute Beziehungen zu Korinth, Theben u. a. schufen die Voraussetzungen für die wirtschaftl. und polit. Stärkung von A. Als Mitglied des Achaiischen Bundes leistete A. den Römern 147 erbittert Widerstand. In der Kaiserzeit war A. Emporium röm. Kaufleute und zeitweilig Bildungszentrum. SF Argyraspjden [griech., „Silberschildner"]: schwerbewaffnete Eliteeinheit im Heere.Alexanders d. Gr., vor seinem

54 Indienfeldzug aufgestellt; die A. trugen mit Silber beschlagene Schilde. H Ariadne, Tochter des myth. kret. Königs Minos und der Pasiphae, Schwester der Phaidra; gab Theseus aus Liebe ein Garnknäuel, damit er an dessen Faden (A.faden = Leitfaden) nach Tötung des Minotauros den Rückweg aus dem Labyrinth fände. Sie verließ Kreta mit Theseus, der ihr die Ehe versprochen hatte, wurde aber im Schlaf von ihm auf der Insel Naxos zurückgelassen. Dionysos nahm sich der Verzweifelten an und machte sie zu seiner Gemahlin. Die Krone der A., ihr Brautgeschenk, wurde als Sternbild („Nördl. Krone") an den Himmel versetzt. A. war eine Vegetationsgottheit, die bes. auf Naxos verehrt wurde. In der Kunst wurden gern dargestellt das Schicksal der Verlassenen und ihre Verbindung mit Dionysos (Gemälde von Tizian, TintoreUo, Tiepolo, Kauffmann, Corinth; Drama von Corneille; Opern von Monteverdi, Händel, Haydn, R. Strauss). Be Arianer: Parteigänger des alexandrin. Presbyters Areios (gest. 335), der im Gegensatz zu @ Athanasios lehrte, daß Christus nicht der Gottheit des Vaters wesensgleich, sondern Geschöpf Gottes sei. Diese Lehre löste den arian. Streit aus (4. Jh.), in dem sich Theologie und Politik untrennbar verquickten. Die Arianer wurden mehrfach verurteilt, doch auch wiederum durch einige Kaiser gefördert. Durch die Weihe Wulfilas (etwa 311-383) zum ..Bischof der Goten" durch den Arianer Eusebios von Nikomedeia nahmen die Ostgermanen das Christentum in arian. Form an. Erst durch die Entscheidung des Franken Chlodwig für die kathol. Form des Christentums (497) hatte der Arianismus endgültig ausgespielt. Wi Αποη, um 600 v. u. Z., griech. Dichter und Sänger -(Kitharode) von Methymna auf Lesbos. Sein Leben ist sagenumwoben, am berühmtesten ist die Erzählung Herodots von seiner Errettung durch einen Delphin, der ihn zum Kap Tainaron trug, als er auf der Fahrt von Tarent nach Korinth von Räubern ausgeraubt und ins Meer zu springen gezwungen worden war. A. wurde zum typ. Sänger überhaupt (vgl. auch die Ballade von A. W. v. Schlegel). Den Dithyrambes gestaltete A. zur literar. Kunstform aus. Von seinen Werken ist nichts erhalten. Be Ariovist, Heerkönig der german. Sueben, die sich unter seiner Herrschaft - etwa 15000 Mann - um 72 v. u. Z. im heutigen Elsaß niederließen. Der röm. Senat erkannte 59 A. als ..Freund des röm. Volkes" an. Als Caesar 58 jedoch die Eroberung Galliens begann, wurde A. von ihm geschlagen und über den Rhein zurückgeworfen. Diese Niederlage stoppte das Vordringen der Germanen in westl. Richtung für längere Zeit. Seh Aristagoras, Schwiegersohn des Tyrannen Histiaios von Milet und selbst Tyrann von Milet, Initiator des Ion. Aüfstandes (500 v. u. Z.). Nach dessen Scheitern floh er nach Thrakien und fiel dort 497 v. u. Z. im Kampf gegen einen thrak. Stamm. SF Aristajos, lat. Aristaeus, in der griech. Sage Sohn der Nymphe Kyrene und des Apollon, Vater des Aktaion; Gottheit des Ackerbaus, der Baum- und Viehzucht und der /agd. A. stellte Eurydike nach, die, vor ihm fliehend, auf eine Schlange trat und an ihrem Biß starb. Be Arjstarchos, 1. A. von Samos, etwa 320-250 v. u. Z., Astronom und Mathematiker; versuchte als erster eine exakte, erhaltene Berechnung „Über die (relativen) Größen und Entfernungen der Sonne und des Mondes". Von der Erkenntnis ausgehend, daß bei Halbmond das Dreieck Erde(E)-Mond(M)-Sonne(S) ein rechtes ist, fand er mangels ausreichender Instrumente für ^C EM S 87° (exakt 89°50') und errechnete ohne Trigonometrie für die

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Aristokratie

Distanz ES das 19 (exakt 370)fache von EM und für 0 von S das 6,75 (exakt 109)fache des von E. Seine größte Leistung ist die Hypothese des mit der damaligen Naturphilosophie unvereinbaren heliozentr. Systems, von Copernicus, der A. zitierte, 18 Jahrhunderte später erneuert. Wie jener hatte schon A. den Einwand, die Erdrevolution müsse Verschiebung der Fixsternpositionen bewirken, mit dem Hinweis, die Erdbahn komme einem Punkt gleich im Verhältnis zur Fixsternsphäre, entkräftet. - A. schrieb über opt. Probleme, verbesserte den t Gnomon und befaßte sich mit t Sehnenrechnung. - Abb.

Aristarchos' Methode zur Bestimmung der Verhältnisse der Entfernungen von Sonne und Mond von der Erde 2. A. von Samothrâke, etwa 217-145 v. u. Z., bedeutender Gelehrter und Leiter der alexandrin. Bibliothek. Seine Bemühungen um Ausgaben, Erklärungen und Bewahrung antiker Autoren (Homer, Hesiod, Aischylos, Sophokles, Aristophanes u. a.) bilden einen Höhepunkt philolog. Wissenschaft. Er vervollkommnete die Textkritik, das Zeichensystem und vor allem die Grammatik so, wie sie, vermittelt durch Dionysios Thrax, noch heute gültig ist. Gegen Krates von Mallos vertrat er das Prinzip der Analogie in der Sprache. Seine Werke sind in späteren Schriften aufgegangen. J TU (engl.): T.L.Heath, Aristarchus of Samos, Oxford 1913. Aristeas, 7. Jh. v. u. Z., sagenumwobener griech. Schriftsteller aus Prokonnesos, schrieb ein Epos über die Arimaspen, ein sagenhaftes Volk Einäugiger im N. Das von Fabeleien durchsetzte, nur in Fragmenten erhaltene Werk enthielt zugleich wertvolle Notizen über die nördl. Schwarzmeervölker. Be T: EG F l, S. 243-247. Aristeides, lat. Aristides, 1. gest. um 468/67 v. u. Z., aristokrat. Politiker in Athen, arbeitete zunächst am Reformwerk des Kleisthenes mit; 490 Stratege in der Schlacht von Marathon, 489/88 Archon. Als Vertreter der Interessen der reichen Landbesitzer war er ein Gegner der Flottenpläne des Themistokles, der ihn 482 ostrakisieren ließ. Nach der allgemeinen Amnestie beteiligte er sich an der Schlacht von Salamis. 479 befehligte er als Stratege die Athener bei Plataiai. 478 wurde er Flottenbefehlshaber und war als solcher Initiator des Att. Seebundes, dessen Organisation (u. a. Festsetzung der Tribute der Bündner) er auch in Händen hatte. Nach 477 zog er sich aus der Politik zurück. Sein Nachfolger als Führer der Konservativen wurde Kimon. In der Überlieferung gilt A. als Beispiel für Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit. 2. A. von Milet, um 100 v.u.Z., griech. Schriftsteller, verfaßte „Milesiaka" (Miles. Geschichten), eine Slg. von Liebesnovellen, die ihres pikanten Inhalts wegen berühmt und weit verbreitet waren. L. Cornelius Sisenna übersetzte sie ins Lateinische. Das Werk ist bis auf ein Fragment verloren. - 3. A., Ailios, lat. Afilius, wohl 117 (oder 129) u.Z. bis um 187, griech. Wanderredner aus Hadrianutherai (Mysien), aus wohlhabender Familie stammend und nach sorgfältiger Ausbildung (u. a. bei Herodes Atticus) als gefeierter Redner im Rom. Reich umherreisend, erlangte er großen Ruhm in griech. und röm. Kreisen. Von seinen 55 erhaltenen Reden enthalten die 6 „Heiligen Reden" in Tagebuchform die Geschichte

seiner 17 Jahre währenden Krankheit, von der ihn der Heilgott Asklepios in Pergamon geheilt habe. In einer Rede veranlaßte er Kaiser Marcus Aurelius zum Wiederaufbau der durch Erdbeben zerstörten Stadt Smyrna (178), in einer Anzahl von Reden verteidigte er die Rhetorik gegen die Philosophie. Dem Preis der Stadt Rom, der stolzen Vergangenheit Athens u. a. Städte sind weitere Reden gewidmet. A., den Götterkulten sich öffnend und durch seine Reisen angeregt (Aufenthalt in Ägypten), verfaßte auch Prosahymnen auf Götter, so auf Zeus, Sarapis u. a., während er dem Christentum ablehnend gegenüberstand. Für ihn als typ. Vertreter der 2. Sophistik bedeutete die Redekunst die Krone aller geistigen Tätigkeit. Seine sorgfältig gefeilten Reden, in denen er sich das Attisch der großen griech. Redner der Klassik zum Vorbild nahm, erwarben ihm im Altertum und im Mittelalter Ruhm. Wertvoll sind die Reden des A. auch für die Kulturgeschichte der Kaiserzeit. Be T: W. Dindorf, Leipzig 1829 (Nachdruck Hildesheim 1964). Aristides Quintilianus, griech. Musikschriftsteller des 2. oder 3. Jh., dessen Schrift „Über die Musik" in 3 Büchern kompilatorisch eine inhaltsreiche Darstellung des gesamten Gebietes gibi. Behandelt werden im l. Buch als prakt. Grundlehre Harmonik, Rhythmik und Metrik; im 2. Buch Erziehungs- und Vortragslehre (mit eingehender. Schilderung der Ethoslehre), im 3. Buch musikal. Metaphysik (Zahlenlehre, kosm.-musikal. Analogien). LRi T: A. Jahn, 1882, R. P. Winnington-lngram. BT 1963; U: R. Schafke, 1937. Aristippos von Kyrene d. Ä., um 435-355 v. u. Z., griech. Philosoph, Schüler des Sokrates, Begründer der Philosophenschule der f Kyrenaiker, deren eth. (hedonist.eudämonist.) und gnoseolog. (sensualist.-agnostizist.) Grundprinzipien von ihm entwickelt worden sind. Bekannteste Schüler waren Antipatros und seine Tochter Arete; letzte führte wiederum ihren Sohn Aristippos d. J. in die Lehre des Großvaters ein. Gu T: F. G. Giannantoni, I Cyrenaici, 1958; E. Mannebach, A. et Cyr.fragm., 1961; TU: W. Nestle, Die Sokratiker, Jena 1922. Aristobulos aus Kassandreia, nahm am Alexanderfeldzug teil und begann nach 300 v. u. Z., eine Geschichte der Eroberungszüge Alexanders d. Gr. zu schreiben. Sein Werk wurde von Strabon und Arrianos benutzt. SF Aristogeiton, aus vornehmem athen. Geschlecht, verschwor sich mit Harmodios gegen die Peisistratiden Hfipparchos und Hippias. An den Großen Panathenäen 514 v. u. Z. ermordeten sie Hipparchos, während Hippias entkam und später mit den Persern zusammenarbeitete. Harmodios wurde von der Leibwache niedergemacht, A. festgenommen, gefoltert und hingerichtet. Seit dem 5. Jh. galten sie als Tyrannenmörder und Freiheitskämpfer (Tyrannenmördergruppe des f Antenor). Ihre Nachkommen erfuhren besondere Ehrungen. SF Aristokrat^ [griech., „Herrschaft der Besten, der Tüchtigsten"]: Herrschaft bestimmter Familien, die auf Grund ihrer Abstammung von heldenhaften Ahnherren, ihrer Traditionen und ererbten Reichtums Herrschaftsansprüche über die Gemeinfreien ableiteten. In Griechenland steht A. als Herrschaftsform entwicklungsgeschichtlich zwischen der Alleinherrschaft myken. Prägung und der entstehenden Polis. Konnte die Polis Geburtsadel und Gemeinfreie in ihrer Ordnung erfassen, wurden die stammesstaatl. Grundlagen und die monarch.-aristokrat. Tendenzen überwunden. In Rom trat allmählich neben den oft verarmten Geburtsadel der aus den Reihen der Plebejer neu entstandene Geldadel (Nobilität). - Übertragen: privilegierter Teil einer Klasse oder Gesellschaftsschicht. S. a. Oligarchie. GP

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Aristomenes Aristomenes, Held der Messenier in ihrem Freiheitskampf gegen Sparta (Mitte 7. Jh. v. u. Z.), das die Bevölkerung Messeniens versklavte. SF AristQnikos, unehel. Sohn des pergamen. Königs Eumenes' II., Führer des Sklavenaufstandes (132 v. u. Z.) im pergamen. Reich, das sein Halbbruder Attalos III. 133 v. u. Z. Rom vererbt hatte. Durch eine Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegung, der sich Sklaven, Freigelassene und vornehmlich Teile der Landbevölkerung an-, schlössen, wollte A. einen gerechten sozialen Staat begründen, dessen Bürger er nach dem oriental. Symbol der Gerechtigkeit, der Sonne (Helios), Heliopoliten („Bürger der Sonne") nannte (die Anlehnung an den utop. Roman des lambulos scheint nicht erwiesen). Nach heftigen Kämpfen besiegte A. 131 ein röm. Heer. 129 wurde er jedoch gefangen, nach Rom gebracht und ermordet. Zu seinen Anhängern gehörte der Stoiker Blossius aus Kyme, der ein Befürworter der Sozial- und Agrarbewegung des Tib. Gracchus war. SF Aristophanes, lat. AristQphanes: l.geb. um 445 v. u. Z. Athen, gest. um 386 ebd., griech. Komödiendichter, .bedeutendster Repräsentant der Alten Komödie, die im Gegensatz zu der Neuen Komödie der heilenist. Epoche mit ihrem Spott, ihrer Satire und ihrer Kritik unmittelbar an den polit., sozialen, pädagog. und literar. Auseinandersetzungen der Zeit teilhatte. In der athen. Polisordnung fußend, machte sich A. zum Sprecher des konservativen Bauerntums gegen die Ansprüche der Oligarchen wie gegen tatsächl. oder vermeintl. Auswüchse der Demokratie. Als mutiger Vertreter der Interessen der att. Landbevölkerung trat er mitten im Peloponnes. Krieg entschieden für den Frieden ein. Die Werke seiner Spätzeit leiten bereits zu der die polit. Bezüge zurückdrängenden Mittleren Komödie über. - Von den mehr als 40 bekannten Stücken des A. sind elf vollständig erhalten. Die 425 uraufgeführten ..Acharner" propagierten im sechsten Kriegsjahr das ruhige Landleben am Beispiel des biederen Bauern Dikaiopolis, der mit den Spartanern einen Separatfrieden geschlossen hatte. In den „Rittern" (424) werden die Entmachtung des demagog. Kriegstreibers Kleon und die Wiederherstellung des Friedens gefordert. In den „Wolken" (423) greift A. die sophist. Erziehungsmethoden an, die sich ihm in der Person des Sokrates verkörpern. In den „Wespen" (422) τ so benannt, weil der Chor der Richter im Kostüm von Wespen auftritt, prangert er die Prozeßsucht der Athener an. Der „Frieden" („Eirene"), 421 uraufgeführt, nimmt den sehnsüchtig erwarteten Friedensschluß vorweg. In der Zeit nach dem Nikias-Frieden von 421 schildert A. in den „Vögeln" (414) die Gründung eines Wölkenkuckucksheims; Komödie und soziale Utopie verbinden sich. Nach dem Wiederaufflammen des Krieges zeigt „Lysistrata" (411), wie die Frauen der beiden feindl. Mächte durch einen Ehestreik die Wiederherstellung des Friedens erzwingen. Eine literar. Satire stellen die „Thesmophoriazusen" (Die Frauen beim Thesmophorienfeste; 411) dar; das Stück wendet sich gegen Euripides und Agathon. Ebenfalls gegen den Neuerer Euripides richten sich „Die Frösche" (405), A.' größter Bühnenerfolg. Das Euripideische Thema der gesellschaftl. Stellung der Frau greifen die „Ekklesiazusen" (Das Frauenparlament; 392) auf. Der „Plutos" (Der Reichtum; 388) fordert eine gerechte Verteilung der Güter. - A.' Werk ist gekennzeichnet durch polit.-pädagog. Verantwortungsbewußtsein, Urwüchsigkeit der Sprache, scharfen Witz, Einfallsreichtum und Nutzung der Bühneneffekte (z. B. 4rast. Kostümierung der Chöre). Platon hat dem Dichter im „Gastmahl" einen poesievollen Nachruf gehalten. Die Schätzung des A. wechselte im Altertum, während sie seit der Renais-

sance beständig anwuchs. Zum Verständnis des Dichters sind die Scholien, die letztlich auf die alexandrin. Philologie zurückgehen, unentbehrlich. Hans Sachs und Ronsard haben A.-Stücke bearbeitet, Racine, Goethe und Platen Motive daraus nachgestaltet. In der Zeit des Vormärz entstanden die dt. Übersetzungen von J. G. Droysen

Aristophanes, Bronzekopf (Deutung noch nicht allgemein anerkannt)

(1835/38) und L. Seeger (1844/48) und übten große Wirkung. Abb. T: V.Coulon, 5 Bde., Paris 1923-30; Ü: L. Seeger 1844ff., neu hrsg. 1953, 1963 (E. Rechenberg, Griech. Komödien); J. G. Droysen, 31881.

2. A. von Byzgntion, um 257-180 v. u. Z., griech. Philologe, Vorstand" der Bibliothek in Alexandreia, gab klassisch gewordene Schriftsteller in k rit. Textausgaben heraus (Homer, Hesiod, Lyriker, Dramatiker - diese mit Einleitungen zu den einzelnen Stücken und literaturvergleichendem Urteil), begründete die wissenschaftl. Lexikographie und führte das noch heute gültige Akzentsystem ein. Sein Werk ist nur in Fragmenten erhalten. I T: A. Nauck, Halle 1848. Aristoteles, 384-322 v. u. Z., griech. Philosoph aus Stageira, bedeutendster Denker der Antike. Er schuf das tiefste und universellste System der antiken Philosophie und wirkte bahnbrechend auf zahlreichen Gebieten der Einzelwissenschaften, deren Differenzierungsprozeß damals begann. A.' philosoph. Grundhaltung ist überwiegend materialistisch und zeigt wichtige Ansätze des dialekt. Denkens. - A.' Vater war Leibarzt am makedon. Königshof. Ab 366 war A. Mitglied des Schülerkreises um Platon, dem er bis zu dessen Tode angehörte. 342 an den makedon. Hof berufen, wurde A. Lehrer Alexanders d. Gr., der ihm später alle materiellen Mittel zur Forschung zur Verfügung stellte. Um 335 gründete A. in Athen die peripatet. Schule. Nach Alexanders Tod von polit. Gegnern verleumdet und der Asebie angeklagt, ging A. 322 nach Chalkis ins Exil, wo er im gleichen Jahre starb. Die Werke des A. liegen nur unvollständig vor und sind z. T. durch Schüler und Kommentatoren zusammengestellt bzw. verändert worden. Die philosoph. Werke im engeren Sinne betreffen folgende Gebiete: 1. Lehre von den allgemeinen Entwicklungsprinzipien der Welt: „Erste Philosophie" (später „Metaphysik" genannt) in 14 Büchern; 2. Erkenntnistheorie und Logik: „Kategorien'4, „Erste Analytik" in 2 Büchern; „Zweite Analytik" in 2 Büchern, „Topik" in 8 Büchern. Die log. Schriften wurden später von Kommentatoren zum sog. „Organen*4 zusammengefaßt; 3. Ethik: „Nikomachische Ethik" in 10 Büchern; 4. Staatstheorie: „Politik" in 8 Büchern; 5. Ästhetik und Rhetorik: „Poetik", „Rhetorik" in 3 Büchern. - Die einzelwissenschaftl. Schriften, die alle von den Prinzipien der Philosophie des A. durchdrungen sind, betreffen folgende Gebiete: 1. Astronomie, Meteorologie, Physik: „Physik" in 8 Büchern; 2. Vergleichende Anatomie und Physiologie: „Tiergeschichte" in 10 Büchern, „Von der Seele" in 3 Büchern. - Allgemeine

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Entwicklungsprinzipien der Welt: Nach A. besteht Materie aus Stoff (hyle) und Form (morphe). Stoff ist zunächst qualitativ unbestimmt, enthält jedoch die Möglichkeit (dynamis) jeder Entwicklung. Zur wirkl. Entwicklung bedarf der Stoff der qualitativ bestimmten Form. Diese wirkt innerhalb jedes Dinges, sie ist sein Endzweck und seine Kraft (Entelechie). Der Stoff bleibt damit bei A. wesentlich passiv, jedoch sollen aus ihm Naturnotwendigkeit und Zufall stammen. Mit der Vorstellung von der Verschmelzung von Stoff und Form, die Entwicklung überhaupt erst möglich macht, bekämpft A. die platon. Ideenlehre. Indem A. die Form als objektives Korrelat des Begriffs faßte, verlegte er den Widerspruch zwischen Einzelnem und Allgemeinem in die Materie selbst und hob damit den idealist. Dualismus Platons zwischen einem Ideenreich über der Welt und der Wirklichkeit auf. Nach A. ist das real existierende Einzelwesen das Primäre, das einem ständigen Übergang vom Möglichen zum Wirklichen unterliegt. Diese Entwicklung ist ewig und unvergänglich und findet in allen Bereichen der Wirklichkeit statt. Dabei unterscheidet A. qualitative, quantitative sowie Orts- und Lageveränderungen. Als letzte Ursache aller Entwicklung sah A. einen „unbewegten Beweger" (nus) an, der als stoflflose ewige Form reine Aktualität ist und nicht mehr in das Weltgeschehen eingreift. Damit führte A. an der Spitze seines Systems den Dualismus zwischen Gott und Welt wieder ein. - Erkenntnistheorie und Logik: Da nach A. das Allgemeine nur im Einzelnen existiert, ist es Aufgabe der Erkenntnis, das Allgemeine i n d u k t i v zu fassen und in ein System zu bringen. Daher läßt A. die Erkenntnis mit der Wahrnehmung beginnen und durch Abstraktion zum Urteil und Begriff aufsteigen. Wahrheit kommt grundsätzlich nur Urteilen zu, und zwar soweit sich ihre Aussage mit einem real existierenden Sachverhalt deckt. Die Arten dieser Aussagen entsprechen nach A. den grundlegenden Bestimmungen dessen, was existiert. Solche Existenzformen (Kategorien) sind: Substanz, Qualität, Quantität, Relation, Ort, Zeit, Lage, Haben, Tun, Leiden. Das induktive Zuordnen der einzelnen Sachverhalte zu den Kategorien bildet die Basis für das eigerrtl. wissenschaftl. Erkennen, das nach A. deduktiv ist. Daher bildet die Schlußlehre des A. (Syllogistik) zugleich das Kernstück seiner .Logik. Ausgehend von der strengen Unterscheidung zwischen Wahrheit und Falschheit hat A. erstmalig in der Geschichte des menschl. Denkens alle wesentl. Formen des deduktiven Schließens untersucht und die log. Grundgesetze der Identität, des Widerspruchs und des ausgeschlossenen Dritten formuliert und auf Aussageverbindungen angewendet. A.' materialist. Wahrheitsdefinition und seine log. Untersuchungen bilden noch heute eine wesentl. Grundlage der log. Forschung. Ethik: Nach A. ist Ziel und Zweck alles menschl. Handelns die Glückseligkeit (eudaimonia). Diese ist nur durch tugendhaftes, d. h. vernünftiges Handeln zu realisieren. Die eth. Tugenden werden durch die ständige Unterwerfung der Begierden unter die Vernunft hervorgebracht. Dabei ist das Maß der Tugenden das der menschl. Natur gemäße Mittlere. Die eth. Tugenden sind die Voraussetzung zur Realisierung der sog. dranoet. Tugenden, die die Beschäftigung mit Wissenschaft, Kunst und Weisheit einschließen. Da diese Beschäftigung nahezu ausschließlich der Sklavenhalterklasse vorbehalten war, gibt A.' intellektualist. Ethik der Sklaverei ihre Weihe. - Staatstheorie: A.' gesellschaftl. Auffassungen sind wesentlich ideolog. Ausdruck der Sklavenhalterdemokratie. Der Mensch ist zwar ein polit. Wesen (zoon politikon), jedoch gibt es nach A. eine natürl. Ungleichheit. Nach A. sind Sklaven diejenigen, die nur zum

Aristoteles Gehorsam, nicht aber zur Einsicht fähig sind. Der Staat hat die Funktion, die Bürger zur Sittlichkeit zu erziehen. A. kritisierte die Konstruktion von abstrakten Idealverfassungen und forderte die Berücksichtigung des Volkscharakters und der geograph. Bedingungen. Er hielt Monarchie, Aristokratie und Demokratie für gute Verfassungen, wenn sie dem Gemeinwohl der Sklavenhalterklasse dienten. Eine Mischung dieser Staatsformen betrachtete er als die dauerhafteste. - Ästhetik: Nach A. hat die Kunst die Aufgabe, nicht nur Erscheinungen, sondern das Wesen der Dinge darzustellen. Die Gestalten der Kunst sind Typen allgemeiner Gesetze'der Wirklichkeit. Sie realisieren das, was die Natur nicht von sich aus hervorbringen kann. Schönheit ist nach A. das'Gute, das zugleich angenehm und erzieherisch ist. A. hat auf die Erarbeitung einer materialist. Ästhetik bis in die Gegenwart hinein einen beträchtl. Einfluß ausgeübt. - Physik und Astronomie: Nach A. ist das Weltall räumlich begrenzt, zeitlich jedoch unendlich. Die Fixsternsphäre bewegt sich gleichmäßig kreisförmig. Die Planeten sind an verschiedenartig bewegten Sphären befestigt. In der Mitte des Alls ruht unbewegt die kugelförmige Erde. Während der Himmelsraum mit Äther gefüllt ist, besteht die Erde aus den Grundelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. - Vergleichende Anatomie und Physiologie: Die ird. Natur organisiert sich durch die wachsende Unterordnung der Grundelemente (Stoff) unter die Form. Dadurch entsteht eine Stufenfolge von gerichteten Prozessen, die vom Anorganischen zum Organischen führen. A. wendet hier seinen philosoph. Entwicklungsbegriffauf das einzelwissenschaftl. Material an. Jede höhere Stufe der Entwicklung vereinigt in sich die Kraft und die Eigenschaften der niederen. Die Eigenschaft der Pflanzen beschränkt sich auf Bildungskraft. Die tier. Organismen, deren primitive Formen A. durch Urzeugung aus Schlamm erklärte, verfügen über die Fähigkeiten des Empfindens, Begehrens und der Ortsbewegung. A. gab eine Einteilung der Tiere in blutlose und blutführende, die bis zum Ausgang des Mittelalters für die sich entwickelnde Zoologie bestimmend blieb. Der Mensch vereinigt nach A. die Fähigkeit des Empfindens, Begehrens und der Selbstbewegung mit der Vernunft, mit deren Fähigkeit er erkennt und handelt. Zur menschl. Erkenntnistätigkeit entwickelte A. auch sinnesphysiolog. Überlegungen. Er kritisierte die Bildertheorie Demokrits und erklärte das Sehen der Farben durch eine Bewegung der Luft und des Wassers. Die Fähigkeit der Einbildung (phantasia) deutete A. als psych. Nachwirkung der Empfindung. Gezielte Vorstellungen sind nur unter Mitwirkung des Willens möglich. A.' Philosophie hat auf die materialist. und idealist. Strömungen des Mittelalters, der Renaissance sowie mit bestimmten Denkmotiven (Entwicklungsgedanke, Logik) auch auf die Philosophie der Neuzeit einen gewaltigen Einfluß ausgeübt. - A.' Ansicht, daß Materie aus Stoff und Form bestehe, sowie die damit verbundene paradoxe Interpretation des Nus als „unbewegten Beweger" ließ sowohl konsequentere materialist. als auch objektividealist. Deutungen zu. Die materialist. Interpretation begann bereits in der von A. gegründeten peripatet. Schule bei Straton und führte in der arab. Philosophie bei Avicenna und Averroes zu einem materialist. Pantheismus. Von hieraus sind über Giordano Bruno und den Tendenzbegriff Leibniz' Entwicklungslinien bis zur Naturphilosophie Schellings erkennbar. In der mittelalterlichen Scholastik wurde A.' Nus mit dem christl. Gottesbegriff identifiziert und dessen System durch Albertus Magnus und Thomas von Aquino objektiv-idealistisch kanonisiert. Direkte Bezüge auf A. finden sich in der Neuschola-

Aristoteliker

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stik bei F. Brentano u. a. sowie im reaktionären Neuthomismus der Gegenwart. Die progressiven materialist. und dialekt. Elemente sind in der Philosophie des MarxismusLeninismus aufgehoben. - Taf. 39. Kl T: L Bekker, Berlin 1831-1870, 2. Aufl. 1960-1961 (Gesamtausgabe), daneben eine große Zahl von Editionen einzelner Schriften. Ü: hrsg. von E. Grumach, Berlin 1956ff., daneben zahlreiche Übersetzungen einzelner Schriften.

Aristoteliker: Vertreter der aristotel. Philosophie; nach dem Peripatos auch als f Peripatetiker bezeichnet. FrJo AristQxenos, geb. um 354 Tarent, gest. 300 v. u. Z. Athen, griech. Philosoph und Musiktheoretiker. Schüler des Aristoteles. Von seinen angeblich 453 Schriften Philosoph., histor. und musiktheoret. Inhalts sind zumeist nur Fragmente und Titel bekannt. Der Geschichte der Musik gelten die „Vermischten Tischgespräche". In späterer Redaktion liegen als Fachtraktate über Harmonik die „Elemente der Harmonik" vor. Ein Gegenstück bilden die bruchstückhaft überlieferten „Elemente der Rhythmik". In seinen Äußerungen zur Ethoslehre betonte A. neben der subjektiven Gehörswahrnehmung die Rolle der philosoph. Erkenntnis zur Beurteilung des eth. angemessenen Gehaltes. LRi TU: R.Westphal, 2 Bde. 1883, 93, H. S. Macran (engl., Oxford 1902) ; T: (textkrit. Ausgabe) der Harmonik: R. da Rios, Rom 1954; der Rhythmik: G. B. Dighi, Bologna 1959, der Fragmente: M. Wehrli, Basel 1945.

Arithmetik [griech. „Zahlenlehre"] f Mathematik. Arius f Areios. Arkade [lat. §rcus, „Bogen"]: Reihe von Bogen auf Säulen oder Pfeilern als den stützenden Elementen. Die Blend-A. wird unmittelbar der Mauer vorgelegt; sie dient als gliedernder Akzent. Die hinter den A.n eingerichteten Bogengänge waren beliebt an röm. Gebäuden, z. B. am Außenbau von Theatern und Amphitheatern (Kolosseum). Abb. Sl

Arkaden vom Marcellustheater in Rom

Arkadien: schwer zugängl. Gebirgslandschaft in der Mitte der Peloponnes. Im 2. Jährt, v. u. Z. wurden die „achaiischen" Arkader durch die Dorer nach A. verdrängt. Um 550 kam A. unter spartan. Hegemonie ; nach der Schlacht bei Leuktra (371) wurde ein Städtebund u. a. mit Mantineia, Megalopolis und Orchomenos gegr.; seit 234 gehörten die Städte A.s dem Achaiischen Bund

an (146 v. u. Z. römisch). A. galt den Hellenist. Dichtern und Vergil als paradies. Hirtenland ihrer Schäferpoesie. SF Arkas, lat. Arcas, myth. Stammvater der Arkader, Sohn des Zeus und der Kallisto. Hermes übergab ihn seiner Mutter Maia zur Pflege. Be Arkesilaos, geb. 315 Pitane, gest. 240 v.u.Z. Athen, griech. Philosoph, bedeutendster Vertreter der sog. mittleren Akademie. A. nahm an, daß weder durch 'Sinnesnoch durch Verstandestätigkeit eine Erkenntnis der Wirklichkeit möglich sei. Er forderte deshalb die Zurückhaltung des Urteilens (epoche). Für das prakt. Handeln hielt er die bloße Wahrscheinlichkeit für ausreichend. Von A. sind keine Schriften überliefert. Kl Arles: heutiger Name der gall. Stadt f Arelate. D Armenien: Hochland am Oberlauf von Euphrat und Tigris und weiter östlich am Araxes (heute Aras). In dem Namen des höchsten Berges von A., des Ararat, hat sich Urartu, der assyr. Name für die Bewohner von A., erhalten. Westlich des Euphrats lag die röm. Provinz Klein-A. (Armenia minor), demgegenüber war Groß-A. (Armenia maior), d. h. A. östlich des Euphrats, ein jahrhundertelang umkämpfter Pufferstaat zwischen Persien und dem Röm. Reich, der sich bald in pers., bald in röm. Abhängigkeit befand. Um 300 u. Z. wurde A. christlich, im 7. Jh. von den'islam. Arabern unterworfen, Ende des 8. bis zum 11. Jh. stand es wieder unter eigenen Königen. Trotz Bedrückung durch· Mongolen, Türken und Perser konnten die Armenier ihre nationale Eigenständigkeit und Kultur bis heute behaupten. D Armenpflege. Die homer. Welt sicherte dem Armen aus Mitleid oder Verachtung die Existenz als Bettler. Das solon.'Athen verwies nach Aufhebung der Schuldknechtschaft Arme auf die in allen frühen Gemeinschaften üb!. Nachbarschaftshilfe und Verwandtenfürsorge ohne staatl. Unterstützung. Noch im 5. Jh. v. u. Z. ist A. auf private Milde angewiesen; so hielt Kimon täglich einen langen Tischt ür Arme bereit. - Für Teilnahme an staatl. Feiern und Theaterbesuch wurde seit Péri kies aus öffentl. Mitteln der Tagesverdienst ausgezahlt. Im 4. Jh. v. u. Z. wurde die staatl. A. weiter ausgedehnt durch Sonderregelungen für erwerbsgeminderte Krüppel, arme Waisen und Kriegshinterbliebene. Im röm. Staat ersetzte das Klientelwesen weitgehend die A. ; staatl. A. beschränkte sich auf Getreidespenden, als diese von Privatleuten und Amtsbewerbern nicht mehr zu erbringen waren. In Provinzorten gab es Stiftungen für die allgemeine· A. und solche mit spezieller Auflage (für Waisen). Das Judentum besaß die am weitesten ausgebaute A., hier ist sogar die auf urspr. agrar. Verhältnisse abgestimmte Satzung (Armenwinkel = -77— der ou Feldfläche, „Vergessenes" im Weinberg, Nachlese der Ähren) auf städt. Verhältnisse umgearbeitet worden (Armenkorb, Armenkasse). Die Christen übten anfänglich die A. beim Liebesmahl (Agape), das eine wirkl. Sättigung aller Glaubensgenossen bringen sollte. Später ist die A. im Auftrag der Nächstenliebe ausgebaut worden. Wf Arminius, geb. um 18'v. u. Z., Heerkönig der german. Cherusker, stand in den Jahren l bis 6 u. Z. als Führer german. Hilfstruppen in röm. Dienst und lernte als solcher röm. Kriegstechnik und Strategie kennen. In die Heimat zurückgekehrt, wurde er Vorkämpfer von Bestrebungen, das bis zur Elbe und Saale besetzte Germanien zu befreien. Der Unwille über das von dem Statthalter P. Quinctilius Varus eingeführte röm. Steuersystem erleichterte es ihm, die Germanen für den Kampf zu gewinnen. Im Herbst 9 u. Z. erlitt Varus mit drei

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Artemidoros

Legionen und Reiterei, etwa 20000 Mann, in sumpfigem und waldigem Gelände eine totale Niederlage (Schlacht im Teutoburger Wald), doch ist die Örtlichkeit der Schlacht heute noch nicht gesichert. Diese schwerste militär. Niederlage, die das Reich unter Augustus erlitt („Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!"), hatte die Aufgabe der auf dem rechten Rheinufer eroberten Gebiete und den Verzicht auf neue Eroberungspläne in Germanien zur Folge. Nach weiteren Kämpfen gegen die Römer, vor allem unter Germanicus (Indistaviso und an der Weser), und gegen die Markomannen unter Marbod wurde A. 19 oder 21 von Verwandten ermordet. Die Bedeutung des Namens A. ist nicht geklärt, im Volksmund heißt er ..Hermann der Cherusker". Seine Frau Thusnelda, Tochter des Cheruskerfürsten Segestes, wurde von ihrem Vater den Römern ausgeliefert und starb in der Gefangenschaft. - Drama von Kleist „Hermannsschlacht". Sey Armut. Die A. wurde im Altertum allgemein als Übel beklagt; die gesellschaftl. Ursachen blieben jedoch unerkannt. A. entwürdigte und machte schutzlos, denn der Arme wurde von einer mitleidlosen Umwelt verachtet. Als Indiz für moral. Minderwertigkeit wurde die A. nicht gewertet, dagegen oft der Reiche als korrupt bezeichnet. Die Kyniker sahen in der an A. grenzenden Bedürfnislosigkeit eine Tugend und bekundeten damit einen Protest gegen die herrschenden Ökonom. Verhältnisse. JB Arno: bedeutendster Fluß Etruriens, 241 km lang, entspringt nördlich von Arretium (heute Arezzo) in den Apenninen; sein Mündungsgebiet bei Pisa hat sich gegenüber der Antike heute weit ins Meer vorgeschoben. D Aromata: pflanzl. Produkte wie Weihrauch, Myrrhe, Kassia, Zimt oder Narde, die wegen ihres Wohlgeruchs bei kult. Handlungen (Rauchopfer), aber auch zu profanen Zwecken (Duftstoffe für Kosmetika wie Parfüm und Salben sowie zum Würzen von Speisen) verwendet wurden. Der große Bedarf der Mittelmeerländer wurde durch Handel mit dem Vorderen Orient, Indien und Ostafrika gedeckt. Se Arretjnische Keramik: nach dem Herstellungsort Arretium in Etrurien benanntes Tongeschirr der röm. Kaiserzeit; modern als Terra sigillata bezeichnet. Sl Arrianus Flgvius, griech. Arriangs, aus Nikomedeia in Bithynien, um 95 bis uni 175; kaiserl. röm. Offizier, Konsul, Statthalter von Kappadokien; Schüler Epiktets, dessen Vorträge er aufzeichnete; bedeutender Historiker; schrieb eine ind. Geschichte („Indika") und über den Perserfeldzug Alexanders d. Gr. („Anabasis Alexandru"). Beide Werke sind wichtiges und zuverlässiges Quellenmaterial für die Alexanderzeit. H T (ohne Epiktet): BA W 1950.

A.G.Roos, BT 1907/28; Ü:

W.'Capelle,

Arrugien [iber. > lat.]: in Spanien zur Römerzeit übl. Anlagen zum Abbau von Golderzen durch Entfesselung gestauter Wassermassen (Abb.), die unterhöhlte Gesteinspartien abrissen und zugleich die spezifisch leichteren Teile wegspülten. Wf Arsinoë: ägypt. Stadt im Fajum, Fundort zahlreicher Papyri. Mü Arsinoë IL Philâdelphos, lat. Arsinoë, geb. um 316 v. u. Z., Tochter des Ptolemaios I. Soter von Ägypten, herrschsüchtige Gemahlin des thrak. Königs Lysimachos, heiratete nach dessen Tod 281 ihren Stiefbruder Ptolemaios Keraunos, in 3. Ehe ihren Bruder Ptolemaios II., und beherrschte zeitweilig den makedon. und ägypt. Hof. SF Arsis und Thesis [griech., „Hebung" und „Senkung"]. Beim Vortrag antiker Verse zur Musikbegleitung wurde urspr. von einem Dirigenten der schwache Taktteil

Arrugie in Hispanien. A Querschnitt durch die Gesamtanlage; B Grundriß des Stollens; C, D Querschnitte durch den Stollen an den beiden Erweiterungen

durch Heben (A.) des Fußes oder Fingers, der starke durch Senken (T.) markiert. Danach hießen die betreffenden Versteile A. bzw. T. Spatial. Metriker übertrugen die Bezeichnungen auf die Hebung und Senkung der Stimme; danach bezeichnet man heute i. allg. den starken Taktteil, d. h. einen solchen Versteil, an dem stets oder vorwiegend eine Länge steht, als A. oder Hebung, den schwachen als T. oder Senkung. Ki Artabazos: 1. Feldherr des Xerxes bei dessen Eroberungszug nach Griechenland (480 v. u. Z.). Als Kampfgefährte des Mardonios führte er das bei Plataiai (479) geschlagene pers. Heer nach Kleinasien zurück. - 2. pers. Admirai, kämpfte 450/49 v. u. Z. gegen Kimon. - 3. Feldherr des Artaxerxes II., dann im Dienst des Dareios III., nach dessen Ermordung (330 v. u. Z.) unter Alexander d. Gr. Satrap von Baktrien (328). SF Artaphrenes, auch Artaphernes: 1. Feldherr der Perser bei Marathon (490 v. u. Z.). - 2. Statthalter von Sardeis, schlug 498 v. u. Z. den Ion. Aufstand nieder. SF Artaxata, auch Artaxiasita: das Artaschat der armen. Historiker, von Artaxias, einem Heerführer Antiochos* III., auf Hannibals Rat am Araxes gegr. Hauptstadt von Großarmenien; Trümmer befinden sich unweit Erewan. Se/ Artaxerxes: Name mehrerer Könige der pers. Achaimenidendynastie. - l. A. L Makrocheir („Langhand"), gest. 424 v. u. Z., Großkönig seit 464, Sohn des Xerxes L, kämpfte 455 gegen Ägypten; seine Flotte unterlag der athenischen 449 bei Salamis auf Zypern. A. schloß mit Athen den Kalliasfrieden (449/48). - 2. A. IL, Sohn des Dareios II., regierte von 404 bis 358 v. u. Z., kämpfte gegen seinen Bruder Kyros. 394 siegte er bei Knidos über Sparta; 387 diktierte er den sog. Königsfrieden (Friede des Antalkidas). SF Artemidoros, lat. ArtemidQrus, 1. um 100 v. u. Z., griech. Staatsmann und Geograph aus Ephesos, unternahm größere Reisen, die ihren literar. Niederschlag in 11 Büchern „Geographymena" gefunden haben. A. legte sie im Gegensatz zu der astronom.-mathemat. Geographie des Eratosthenes in der Weise eines Periplus der Küsten des Mittelmeeres an. Von seinem Werk sind Fragmente erhalten. T: R. Stichle, Philologus 11, 1856, S. 193-244. 2. 2. Hälfte des 2. Jh. u. Z., griech. Traumdeuter und Schriftsteller aus Daldis (Lydien); von seinen Werken

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Artemis sind die ..Oneirokritika" (Traumdeutung) in 5 Büchern erhalten. A., vermutlich Stoiker, brachte damit den Traumglauben in ein System. Sein Werk stellt eine wichtige Quelle des antiken Aberglaubens dar. Be T: R. A. Pack, BT 1963, Ü: F. S. Kraussl M. Kaiser, Basel! Stuttgart 1965. Artemis, griech. Göttin, Tochter des Zeus und der Leto, Zwillingsschwester des Apollon, auf Delos geboren. In A. sind die Vorstellungen von verschiedenen Gottheiten, darunter auch vorgriech., zusammengeflossen. Sie war die jungfräul. Göttin der Jagd und des Naturlebens. Ihr Kult war dem Baumkult verwandt. Als Herrin der Tiere war sie bes. mit Hirsch und Bär verbunden, Nvmphen erschienen in ihrem Gefolge. Wurde ihr Bruder dem Sonnengott gleichgesetzt, so war A. die entsprechende Mondgöttin, die oft mit Selene identifiziert wurde.

ephes. Artemis (Rom, Vatikan) Einerseits Göttin der Keuschheit, wurde sie andrerseits als Végétations- oder Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Die Kultstatue der A. von Ephesos in Kleinasien war vielbrüstig (Abb.). Als Göttin der Eheschließung und Geburt wurde A. von den Frauen bei der Entbindung angerufen und oft mit Eileithyia gleichgesetzt. A. wurde meist kurzgewandet, mit Pfeil und Lanze, oft von Hirsch und Nymphen begleitet, dargestellt; ihr wurde die röm. Diana gleichgesetzt (A. von Versailles, Louvre, röm. Kopie eines Originals aus der 2. Hälfte des 4. Jh. v. u. Z.). Die in der Antike beliebte Göttin wurde auch später von allen bedeutenden Malern teils als Jägerin, teils im Bade, mit Aktaion, mit Nymphen und Satyrn dargestellt, wobei unterschiedslos die Namensform A. oder Diana verwendet wurde. Be Artemisja, lat. Artemisia: 1. Königin von Halikarnassos, nahm mit fünf Schiffen an den Seeschlachten bei Artemision und Salamis teil und wurde von Xerxes ausgezeichnet. - 2. Schwester und Frau des Mausolos, als dessen Nachfolgerin sie sein Grabdenkmal (Mausoleum) in Halikarnassos vollenden ließ. SF Artemision: Vorgebirge und Landspitze im NO Euboias. Hier fand 480 v. u. Z. eine unentschiedene Seeschlacht zwischen Persern und Griechen statt. 1928 legten Ausgrabungen eine Bronzestatue des Zeus (oder Poseidon) frei. SF Artes liberales [lat.]: die „freien Künste", d. h. die Wissenschaften, die einem freien Mann anstehen, im Gegensatz zu den ..schmutzigen", d. h. den mit körperl. Arbeit verbundenen banaus. oder handwerksmäßigen Künsten (artes sordidae, technai banausoi), die in der antiken Sklavereigesellschaft als für einen Freigeborenen nicht standesgemäß galten. Der Ausdruck A. L, der charakteristisch ist für den Klassencharakter der antiken Bildung, bezeichnet den Inhalt der höheren Allgemeinbildung in Rom. Der sachlich entsprechende griech.

Ausdruck ist Enkyklios paideia (f Paideia). Es handelt sich dabei um einen Kanon von Fächern des höheren Unterrichts, der Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (als theoret.-mathemat. Disziplin) umfaßte und wohl bereits in frühhellenist. Zeit als Folge des höheren Unterrichts der Sophistik entstanden ist. Trotz gelegentl. Versuche, den Kreis der sieben A. l. durch Aufnahme anderer Disziplinen (z. B. Philosophie, Medizin, Gymnastik) zu erweitern, blieb dieser Bildungskanon über ein Jahrtausend konstant. In der Praxis des antiken höheren Unterrichts nahmen die Grammatik und die Rhetorik den wichtigsten Platz ein, die Dialektik wurde vor allem im Rahmen der Philosophie studiert, die mathemat. Disziplinen traten bes. in Rom ganz in den Hintergrund. Die Folge war, daß einerseits die Rhetorik mehr und mehr aus dem System des höheren Unterrichts herausgelöst wurde und den Rang eines selbständigen Studiums im Anschluß an den höheren Unterricht erhielt, und andererseits die dominierende Stellung der Grammatik als Sprach- und Literaturwissenschaft dazu führte, daß der Grammatikunterricht zum höheren Unterricht schlechthin wurde, in dessen Rahmen dann auch die übrigen A. 1. mitunterrichtet wurden, soweit es notwendig erschien. In der Spätantike wurden die ,,Zahlenfächer" Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik unter der Bezeichnung Quadrivium („Vierweg"), seit dem 9. Jh. u. Z. die „Wortwissenschaften" Grammatik, Dialektik, Rhetorik als Trivium („Dreiweg") zusammengefaßt. Die systemat. Darstellung der A. 1. in spätröm. Enzyklopädien trug wesentlich dazu bei, daß diese Fächer dem Mittelalter als ein festes System'des allgemeinbildenden höheren Unterrichts der Antike überliefert wurden, in den mittelalterl. Universitäten bildeten die A. 1. die Grundlage der Artistenfakultät, die als propädeut. Fakultät auf das Fachstudium der Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin usw. vorbereitete. Kü Arvales, A. fratres [lat., ,,Flurbrüder"]: Kultgenossenschaft von Priestern in Rom, deren Kult einer ländl. Gottheit galt. In alten Riten erbaten sie im Mai mit Tanz und Gesang Flursegen und Fruchtbarkeit für das Gemeinwesen. Im altlat. „Carmen arvale" (Arvallied) wurden Mars und die Laren angerufen. Kaiser Augustus hat die verschollenen Riten wiederbelebt. Be Arverner: großer Keltenstamm, der die nach ihm benannte Auvergne beherrschte; er verteidigte seine Hauptstadt Gergovia 52 v. u. Z. erfolgreich gegen Caesar; das Stammesheiligtum lag auf dem l 465 m hohen Puy de Dôme und trug ein Bleidach. Wf

Aryballos Aryballos [griech.]: meist kugliges, auch ei- oder birnenförmiges Salbgefäß aus gebranntem Ton, oft mit qualitätvoller Bemalung. Zahlreich sind die protokorinth. und korinth. Aryballen des 8.-6. Jh. v. u. Z., deren Fund-

61 Frequenz von wirtschaftsgeschichtlich erstrangigem Aufschluß ist. - Abb. Sl Arzt. Obwohl der A.beruf in der Antike als Handwerk galt, stand er doch, wie bereits die Homer. Epen zeigen, in hohem Ansehen. Im 7./6. Jh. v. u. Z. war dieser Beruf auf einige Familien beschränkt, die ihre Abstammung auf den Heilgott Asklepios zurückführten, die aber allmählich durch Aufnahme von Blutsfremden zu Zunftverbänden und Zentren der ärztl. Ausbildung wurden. Später wurde der medizin. Unterricht an den f Ärzteschulen oder von frei praktizierenden Ärzten erteilt. Die eth.-rechtl. Grundlage des Ärztestandes bildete der f Eid des Hippokrates. Seit dem 6. Jh. v. u. Z. gab es in größeren Städten neben frei praktizierenden Ärzten Gemeindeärzte, die von der Stadt für die ärztl. Versorgung der Armen und Überwachung der hygien. Belange besoldet wurden. Demokedes (um 500 v. u. Z.) hat als Stadtarzt von Aigina ein Jahresgehalt von einem Talent bezogen. Daneben gab es die sog. Periodeuten (Wanderärzte). Die Herausbildung von Spezialfächern bedingte seit dem 3. Jh. v. u. Z. auch eine Spezialisierung der Ärzte (Augen-, Ohren-, Zahnärzte u. a.). Operative Geburtshilfe und gynäkolog. Eingriffe blieben in der Regel den Hebammen νοΓΟεΗαΙΙβη, die auch als Ärztinnen bezeichnet wurden und dem A. sozial gleichgestellt waren. Die ersten Ärzte in Rom waren Griechen, zunächst Sklaven, später auch Freie. Durch einen Erlaß Caesars aus dem Jahr 46 v. u. Z. erhielten alle griech. Ärzte in Rom das Bürgerrecht, in den folgenden Jahrhunderten kamen weitere Privilegien dazu. Im 2. Jh. u. Z. wurde die Steuerfreiheit auf eine bestimmte, von der Größe der jeweiligen Stadt abhängige Zahl Ärzte beschränkt, die als Gemeindeärzte ebenso wie die kaiserl. Leibärzte den Titel Archiatros (davon unser Wort „Arzt") führten. Die Ärzte, denen die medizin. Betreuung der Truppen oblag, wurden von Kaiser Augustus in die Rangordnung des Heeres eingegliedert, wobei nur die Ärzte der Prätorianer und die der in Rom stationierten Truppen höhere Ränge bekleideten. Ko Ärzteschule. Das empir. medizin. Wissen der griech. Frühzeit wurde innerhalb einzelner Ärztefamilien weitergegeben. Infolge des ständig wachsenden Ärztebedarfs wurde im Verlaufe der Zeit auch Blutsfremden gegen Bezahlung die Teilnahme am Unterricht gewährt. Damit waren die Ansätze zur Auflösung der Familienverbände gegeben, und es entwickelte sich allmählich ein regelrechter Schulbetrieb, der in der medizin. Ausbildung der Antike eine entscheidende Rolle spielte. Durch die Verschiedenheit ihrer Lehren erhielten die einzelnen Ä.n, die teils nach ihren Heimatorten, teils nach den Besonderheiten ihrer Lehrsysteme benannt wurden, ihr Gepräge, wobei sich der zwischen ihnen geführte Meinungsstreit fördernd auf den Umwandlungsprozeß der urspr. rein empir. Heilkunde in eine rationalwissenschaftl. Medizin a uswirkte. Die sog. westgriechische Heilkunde, vertreten durch Demokedes und Alkmaion von Kroton, hatte sich im 6./5. Jh. v. u. Z., vermutlich unter dem Einfluß pythagoreischer Lehren, in Süditalien und Sizilien herausgebildet. Von ihren Theorien haben bes. die Pneumalehre, die Theorie vom Herzen als Sitz des Zentralorgans und die Lehre von den vier Elementen auf die- spätere Medizin eingewirkt. Die Ä. von Knidos entwickelte im 5./4. Jh. v. u. Z. eine differenzierte Krankheitslehre unter Hintansetzung des individuellen Krankheitsgeschehens. Die Ä. von Kos (5./4. Jh. v. u. Z.), deren berühmtester Vertreter Hippokrates war, stellte dagegen das individuelle Krankheitsgeschehen in den Vordergrund ihrer Lehre und hob die Wichtigkeit der Einzelbeobachtung am Krankenbett und der Berücksichtigung von Umwelt-

Asianismus einflüssen hervor. Keinen eigentl. Schulverband bildeten die erst in späterer Zeit wegen der Überbewertung der Theorie so genannten dogmatischen oder logischen Ärzte, die im 4. Jh. v. u. Z. die medizin. Lehren von Kos und Knidos (z. B. Säftelehre) unter dem Einfluß der platon. und aristotel. Philosophie hauptsächlich mit Hilfe theoret. Spekulation weiter ausbauten. Als Reaktion auf die Überbetonung der Theorie seitens der dogmat. Ärzte wurde im 3. Jh. v. u. Z. die empirische Ä. gegr., die in Anlehnung an die Lehren der skept. Philosophen den Wert der theoret. Forschung leugnete und nur die Erfahrung als Grundlage der Medizin gelten ließ. Ihr besonderes Interesse galt der Pharmakologie und der Hippokrateserklärung. Im l . J h . v . u . Z . entstand in Rom die methodische A., die auf der Grundlage der epikureischen Atomistik eine auf drei Krankheitsformen reduzierte und daher rasch erlernbare Heilmethode entwickelte. Die pneumatische Ä. wurde um 50 v. u. Z. ebenfalls in Rom gegr. Sie variierte die Lehren der dogmat. Ä. durch Übernahme stoischer Anschauungen (Pneuma = Lebensprinzip, Herz = Zentralorgan, SympathiebegrifF) und führte Gesundheit und Krankheit auf die Beschaffenheit des Pneumas im Körper zurück. Im ausgehenden 1. Jh. u. Z. spaltete sich eine zwischen den einzelnen Ä.n vermittelnde eklekt. Richtung ab. Ko As [lat., „Eins", „Einheit"]: röm. Maß- und Masseeinheit; urspr. entsprach ein A. einer Libra = 327,45 g. Im Münzgeld bezeichnete der gegossene, später geprägte A. in der Zeit der Republik die wichtigste Bronze-, dann Kupfermünze, deren Vorderseite meist mit dem lanuskopf verziert war. Die Masse des A. wurde im Verlauf der röm. Geschichte häufig verringert: am Ende des 3. Jh. v. u. Z. betrug der A. nur noch eine Unze = 27,3 g. In der späten Republik wurde er weiter auf eine halbe Unze = 13,64g reduziert. Augustus ließ einen neuen A. von etwa 11 g prägen. 2l/2 dieser neuen A. ergaben einen Sesterz. In den wirtschaftl. Wirren des 3. Jh. u. Z. hörte die A.prägung auf. Gü Asbest [griech. asbeston (linon), „unverbrennbares Garn"]. Die Verspinnung minéral. Fasern von Hornblendeasbest und ihre Verwendung zu Lampendochten gelang um die Zeitwende.' Wf Ascanius oder lulus, in der griech.-röm. Sage Sohn des Aeneas und der Kreusa, floh mit seinem Vater aus Troja und gründete in Italien Alba Longa. Er ist der sagenhafte Stammvater der lulier (Caesar, Augustus). Be Asconius Pedianus, Q., röm. Philologe aus Padua, vermutlich 9 v. u. Z. bis 76 u. Z., schrieb u. a. histor. Kommentare zu den Reden Ciceros (5 erhalten). Sie sind der Zuverlässigkeit des zugrunde gelegten Materials wegen eine wertvolle Quelle. Be T: Th. Stangl, Ciceronis orationum scholiastae, Bd. If, Leipzig 1912.

Wien l

Asebig [griech., „Gottlosigkeit"]: bei den Griechen Bezeichnung für die Verletzung der Ehrfurcht vor den Göttern, wie Tempelraub oder Entweihung und Verspottung von göttl. Dingen. Als polit. Mittel wurden A.klagen bes. bei Leugnung. Vernachlässigung oder Mißachtung der Staatsgötter gegen Sophisten und Naturphilosophen angestrengt, da deren physikal. Erklärung der Welt und Infragestellung aller überkommenen Anschauungen die staatl. Ordnung zu gefährden schien. 432 v. u. Z. wurde die gesetzl. Grundlage für die A.prozesse geschaffen. Anaxagoras, Diagoras, Protagoras und Sokrates wurden in A.klage verurteilt, Aspasia freigesprochen. Be Asianismus: in den griech. Städten Kleinasiens im 3. Jh. v. u. Z. entstandene Stilrichtung in der Beredsamkeit. Vom griech. Mutterland hatte sich in heilenist. Zeit

asiatische Produktionsweise zugleich mit dem wirtschaftl. auch das geistig-kulturelle Schwergewicht nach Kleinasien verlagert. Dort strebten die Redner, die sich nicht an die Tradition der att. Vorbilder gebunden fühlten, in bewußtem Gegensatz zum Stil der klass. griech. Beredsamkeit eine glänzendere und wirkungsvollere Ausdrucksweise an, bes. durch reichl. Gebrauch der rhetor. Schmuckmittel, wobei sie freilich oft in äußere Effekthascherei, Schwulst und Manierismus verfielen. Hauptvertreter des A. waren im griech. Bereich Hegesias von Magnesia in Lydien (Mitte 3. Jh. v. u. Z.), in Rom Hortensius (114-50 v.u.Z.). Cicero, der sich bes. im „Brutus" mit dem A. und der Stilist. Gegenbewegung des f Attizismus auseinandersetzte, unterschied zwei Arten des A. : den Stil der kurzen, antithet. gebauten, pointiert zugespitzten, stark rhythmisierten Sätze (.Sentenzenstil') und den wortreich-überladenen, pathet.bombast. Stil (.schwülstiger Stil'). In der frühen Kaiserzeit fand der A. in der röm. Beredsamkeit seine Fortsetzung in dem sog. .modernen Stil' (im Gegensatz zu dem archaisierenden Stil), dessen glänzendster Vertreter der Philosoph Seneca war. Kü asiatische Produktionsweise: von Marx an den gleichen Stellen mit f antike Produktionsweise geprägter und definierter Ausdruck für eine spezif. Produktionsweise, die die Basis bei der Herausbildung der Klassengesellschaft bildet. Sie entsteht aus einem Gemeinwesen, in dem die einzelnen Mitglieder sich zum Boden - dem wichtigsten Arbeitsmittel und Arbeitsmaterial - nur als Glied dieses Gemeinwesens als Eigentümer verhalten. Als „höherer Eigentümer" erscheint dann eine „zusammenfassende Einheit", der gegenüber die Gemeinden zu „erbl. Besitzern" werden. Das erarbeitete Surplusprodukt wird Eigentum der zusammenfassenden Einheit. Diese erscheint als Despot, als Priester in Vertretung des Stammesgottes oder in „demokrat. Form" als „Beziehung der Familienväter" zueinander. Städte entstehen nur als Sitz der höheren Einheit oder als Fernhandelszentrale. Diese Produktionsweise war in Asien nur am konsequentesten ausgebreitet, erstreckte sich jedoch - nach Marx auch über ganz Europa und Altamerika. Neuere Forschungen weisen sie auch in Afrika nach. Nur im Mittelmeergebiet wurde die auf ihr basierende altoriental. Gesellschaftsformation seit dem 9. Jh. v. u. Z. revolutionär durch- die antike Gesellschaft mit der ihr eigenen Produktionsweise überwunden. Überwiegend ging sie in der l. Hälfte des l. Jährt, u. Z. evolutionär in den Feudalismus über. HK Asien, griech. Asia, lat. Asia. Die ältesten Griechen kannten zunächst nur zwei, erst später drei Erdteile: außer dem zuerst zu A. gerechneten Libyen (= Afrika) Europa und A., letzteres oft einschließlich Ägyptens. Die einen sahen den Nil, die anderen das Rote Meer als Grenze zwischen A. und Afrika an, auch die Grenzen zwischen A. und Europa waren kontrovers (entweder der Phasis, heute Rioni, oder der Tanais, heute Don). Die ion. Kolonisation sowie die Perser- und Alexanderkriege erweiterten die Kenntnis von A. beträchtlich. - A. im engeren Sinne: die Griechenland gegenüberliegenden Gebiete ÏCleinasiens (Asia minor), wo schon Homer eine „asische Wiese" erwähnt; aus diesen Gebieten wurde dann 133-129 v. u. Z. die röm. Provinz „Asia'* gebildet. D Askese [griech., „Übung", „Pflege"]: urspr. sportl. Training. Bei den Pythagoreern bedeutete A. Enthaltsamkeit gegenüber bestimmten Dingen (z. B. Speisen = Fasten) oder Körperfunktionen (z. B. sexuellen = Keuschheit) und war Element eines aristokrat. Ideals und Lebensstils. Im Judentum hatte die A. keine selbständige Bedeutung, sondern war Element bestimmter

62 Kulthandlungen. Im Essenertum erlangte sie eigenständige Geltung: Einfache Menschen suchten sich mit ihrer Hilfe in einer ihnen feindl. Welt zu behaupten. In das Urchristentum fanden asket. Züge aus dem Essenertum und aus der Gnosis Eingang. Ohne vorherrschend zu werden, konzentrierten sie sich, zunächst im Gegensatz zum Klerikalismus, im Mönchtum. In ihm rückte unter dem Einfluß des Neuplatonismus und einer der christl. Moral entspringenden Abwertung des Natürlichen die sexuelle Enthaltsamkeit in den Vordergrund. R o asklepiadeischer Vers: nach Asklepiades 3. Benannter Vers, der entweder als kleiner a.V. in der Form ,~ .^ (z.B. Horaz c. 1 , 1 , 1 : MSScenäs âtavîs édité rëgïbus) oder als großer a.V. in der Form _ _ ~ ^ (z.B. Horaz c. 1,18,1: Nülläm, Värey sacra vite prïûs sëvërîs ârbôrëm) erscheint. Aus a.V.en, die z. T. mit anderen Metren verbunden sind, besteht die asklepiadeische Strophe, die Horaz in fünf Varianten als Odenform verwendete. In Deutschland wurde sie von Klopstock, Hölderlin u. a. nachgebildet. Ki Asklepiades: 1. A. aus Prusa in BitTiynien, 1. Jh. v. u. Z., griech. Arzt in Rom; machte Epikurs Atomlehre zur Grundlage seiner Lehren: Gesundheit und Krankheit beruhen auf der normalen bzw. gestörten Bewegung der Masseteilchen im Körper. Hierdurch wurde A. zum Begründer der Solidarpathologie. In seiner Therapie bevorzugte er einfache physiotherapeut. Maßnahmen (z. B. Bäder und Wein). T: Chr. G. Gumpert, Weimar 1794. 2. A. von Myrleja in Bithynien, griech. Philologe, um 100 v. u. Z., war in Alexandreia Schüler des Aristarcheers Dionysios Thrax, lebte später unter Pompeius in Rom und Turdetanien (Südspanien). A. verfaßte exeget. Schriften zu Homer (Monographie über den Nestorbecher erhalten), zu Theokritos und Aratos, ein Lehrbuch und eine Geschichte der Grammatik sowie lokalhistor.geograph. Schriften über Bithynien und Turdetanien. T: K. Lehrs, Herodiani scripta tria minora. Königsberg 1848, S. 428-448; B. A. Müller, De Asclepiade Myrleano, Diss. Leipzig 1903; FGrHist 697.

3. A. von Samos, griech. lyr. Dichter des 3. Jh. v. u. Z. Von seinen Werken sind etwa 40 Epigramme erhalten (in der Anthologia Palatina). In ihnen preist A. Liebe und Lebensgenuß. Echtes, unmittelbares Gefühl sind darin in schlichte Sprache und geschliffene Form gegossen. A. hat mit seinen Motiven und Bildern (u. a. der geflügelte Liebesgott mit Köcher und Bogen) stark auf die spätere Epigrammdichtung gewirkt. Nach A. wurde der asklepiadeische Vers genannt. D TU: H. Beckby, in: Anthologia Graeca, I-IV, Tusc., München 195 7l58 (Bd. l u. 2. 21966).

Asklepios, griech. Gott der Heilkunst, Sohn des Apollon und der Koronis, von Cheiron in der Heilkunst unterwiesen. Seine Söhne waren Podaleirios und Machaon. Als A, seine Wunderheilungen an Toten versuchte, wurde er von Zeus mit einem Blitz in die Unterwelt geschleudert. A. besaß in Epidauros ein berühmtes Heiligtum, dem sich seit dem 5. Jh. v. u. Z. zahlreiche weitere Gründungen von Asklepieien anschlössen (Kos, Pergamon u. a.). Der A.kult gehörte bis in die Spätantike zu den beliebtesten Kulten. A. wurde oft bärtig, mit einem Mantel bekleidet und mit dem von einer Schlange umwundenen Stab dargestellt, der zum Sinnbild der Heilkunde wurde (Äskulapstab). - Zahlreiche Votivreliefs; A.kopf von Melos. Die Römer übernahmen A. als Aesculapius. Be Askos [griech., „Schlauch"]: flachbauchiges Gefäß mit schlauchförmigem Ausguß, daran ansetzendem Henkel,

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Ästhetik

aus gebranntem Ton; auch mitfigürl.Bemalung. - Abb. Sl Äsop, latinisierte Namensform ,des Fabeldichters f Aisopos. Be

hatten. - Die Römer bildeten aus einem Teil des eroberten parth. Reiches 115 u.Z. die Provinz Assyria; ein im gleichen Jahr ausbrechender Aufstand führte zum Verzicht auf A. als Provinz und zur. Einsetzung eines parth. Klientelkönigs. - Zahlreiche Kunstschätze, auch Teile der Bibliothek des Assurbanipal, kamen im 19./20. Jh. durch dt. Ausgrabungen wieder ans Tageslicht. Abb. SF

Askos Aspasia, dt. Aspasia, aus Milet, die geistvolle zweite Frau des Perikles. Da sie nicht das Bürgerrecht von Athen besaß, wurde die Ehe nicht voll anerkannt. 432 wurde sie von der Opposition wegen angebl. Gottlosigkeit und Kuppelei angeklagt, jedoch durch Perikles' Eintreten freigesprochen. Die Komödie verspottete A. als Hetäre, während die Sokratiker sie sehr schätzten. — Abb. Z Aspasios, führender Gemmenschneider der Augusteischen Zeit, bekannt durch die aus rotem Jaspis hergestellte Gemme mit dem Kopf der Athena Parthenos. - Abb. Sl

Assyrien. Assyr. König Assurnasirpal II. als Bogenschütze (nach assyr. Flachrelief aus Nimrud)

Aspasiosgemme Kopf der sog. Aspasia (nach einer Plastik aus dem 5. Jh. v. u. Z., Berlin) Assyrien: fruchtbares Agrarland am Mittellauf des Tigris, dessen Hauptstadt Assur (mit gleichnamigem Stadtgott) war. Seit dem 2. Jährt, v. u. Z. entwickelte sich A. zu einem militärisch mächtigen Staat und dehnte seinen polit, und Wirtschaft!. Einfluß seit dem 18. Jh. durch zahlreiche Kriege aus (I.Blütezeit). Vom 17. bis 15. Jh. verlor A. seine polit. Selbständigkeit und geriet in babylon. Abhängigkeit; erst im 14. bis 12. Jh. gelang es den assyr. Königen Assuruballit I., Adadnarari L, Salmanassar I. und Tiglatpileser L, das Reich A. erneut zu festigen. Mit Hilfe eines starken, gut ausgerüsteten stehenden Heeres wurden die Nachbarvölker (u. a. Babylonier) unterworfen (2. Blütezeit). Den Gipfel seiner Macht erreichte der assyr. Staat vom 9. bis 7. Jh. (3. Blütezeit), als sich das Land unter den ebenso mächtigen wie grausamen Königen Assurnasirpal II. und Tiglatpileser III. zu einer militär. und wirtschaftl. Großmacht mit zentralist. Verwaltung entwickelte. Der Sohn Sargons IL, Sanherib, unternahm machtvolle Feldzüge gegen Babylon (689 völlig zerstört), Urartu, Syrien und Palästina (erfolglose Belagerung Jerusalems). Ninive und Assur ließ er großzügig ausbauen. Damals beherrschten die Assyrer den Vorderen Orient und Armenien bis zum Pers. Golf. Doch das aus zahlreichen fremden Völkern bestehende und auf Gewalt, Versklavung und Ausbeutung angewiesene Reich besaß keine innere Festigkeit. Mit der zunehmenden Verweigerung der Tributzahlungen setzte nach 668 der Niedergang des neuassyr. Großreiches unter Assurbanipal ein: 612 v.u.Z. wurde die Hauptstadt Ninive (Kujundschik) von Babyloniern und Medern zerstört. A. wurde Bestandteil des neubabylon. (chaldäischen) Reiches. - Sagen und Legenden über die assyr. Frühzeit (Semiramis) berichteten den Griechen Herodot und Ktesias auf der Grundlage von Erzählungen griech. Söldner und Händler, die sich im Tigrisland aufgehalten

Astarte, westsemit. (phönik.-syr.) Göttin des Kampfes, der Jagd und des Rechts, deren ostsemit. (babylon.) Entsprechung Ischtar war. Oft mit Lokalgottheiten identifiziert oder einem Baal beigestellt, war ihre Verehrung über den ganzen Vorderen Orient (von Kleinasien über Syrien und Ägypten bis Südarabien) verbreitet; auch im Alten Testament erwähnt (Aschtorgt). Durch syr. Kaufleute kam ihr Kult nach Zypern, Kreta, Sizilien (Eryx) und Karthago. Die Griechen verknüpften sie mit der Adonis- und Europasage und setzten sie oft mit Aphrodite gleich. Dadurch erst erhielt A. den ihr im Hellenismus eigenen Charakter einer Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin (Angleichung an Anat und Atargatis). Ihre astrale Manifestation war der Venusstern, ihr heiliges Tier urspr. das Pferd, später die Taube. Hauptkultort war bis ins 4. Jh. v. u. Z. Aphaka in Syrien. KR Ästhetik [griech. aisthanesthai, „mit den Sinnen wahrnehmen"]. Der Begriff Ä. ist eine moderne Prägung des Philosophen A. G. Baumgarten, 1714-1762. Jedoch begann die Ä. sich bereits im klass. Altertum zu einer selbständigen Wissenschaft zu entwickeln. Wesentl. Grundlagen einer Ä. schufen die Griechen; die Römer nahmen ihre ästhet. Theorien auf und setzten sie fort. Indessen blieb 4as ästhet. Denken im klass. Altertum in hohem Grade noch Bestandteil der Naturphilosophie, Staatstheorie, Ethik und Pädagogik. Auch die ästhet. Katego rien Schönheit. Harmonie und Maß galten in der Antike nicht nur als Element und Richtmaß des gelungenen Kunstwerks oder einzelner Naturerscheinungen, sondern darüber hinaus als Gestaltungsprinzipien sowohl der Natur im ganzen (Kosmos) als auch des gesellschaftl. Lebens (Polis). Der Gesamtkomplex der Ä. ist deshalb in der Antike nie geschlossen für sich dargestellt worden. Entweder wurden einzelne ästhet. Probleme in anderen Zusammenhängen mit erörtert oder nur Teilgebiete der Ä. selbständig behandelt. Von all diesen Werken ist mehr verloren als erhalten. Am reichsten ist die Überlieferung auf dem Gebiet der - eng mit der Rhetorik verbundenen - Poetik, mit der sich das bedeutendste ästhet. Werk des Altertums, die „Poetik** des Aristoteles, die nicht minder stark nachwirkende Epistel des Horaz „Über die Dichtkunst** wie auch Werke von Philodemos und Plutarch beschäftigen. Ansätze einer antiken Musik-

Astragal Ä. sind, außer in Fragmenten der Pythagoreer, bei Platon, Aristoteles, Aristoxenos, Philodemos u. a. überliefert. Aus der umfangreichen theoret. Literatur der Antike zur bildenden Kunst ist bis auf Hinweise bei Platon und Aristoteles und Stellen in Vitruv viel Wertvolles verloren, so u. a. der ,,Kanon" des Polyklet; erhalten sind jedoch spätere Beschreibungen von Kunstwerken bei Plinius d. Ä., den Philostraten, Kallistratos und z. T. in der Reiseliteratur (Pausanias). - Wertvolle Rückschlüsse auf dfe ästhet. Anschauungen der Antike erlauben die erhaltenen Kunstwerke, kaum zwar die fast gänzlich verlorenen Werke der Musik, eher schon die spärl. Reste der Malerei, in reichstem Maße die Dichtungen und die Plastiken. Sie beweisen, daß die griech. Literatur und Kunst schon ein hohes Niveau erreicht und ein kunstverständiges Publikum gefunden hatten, als die griech. Ä. einsetzte und Fragen aufwarf, die noch heute aktuell sind und deren Beantwortung durch die Antike einen bedeutenden Beitrag zu einer Ä. des Realismus darstellt. - In der Entwicklung der antiken Ä. lassen sich vier Perioden unterscheiden: l. corklass. griech. Ä., von den Anfängen bis fast zum Ende des 5. Jh. v. u. Z., entwickelt also in einem Zeitraum, in dem die griech. Stadtstaaten zuletzt auf den Höhepunkt ihrer sozialökonom., polit, und kulturellen Entwicklung gelangten; in dieser Periode standen die Probleme der Schönheit, Harmonie und des Maßes im Vordergrund und wurden z. T. materialistisch gelöst (Heraklit, Demokrit); das gilt auch für die Frage nach dem Ursprung der Künste; 2. klass. griech. Ä. im 4. Jh. v. u. Z., unter den Bedingungen des beginnenden Niederganges der Ökonom, und polit. Macht der griech. Stadtstaaten entstanden; zu ihr leitete Sokrates über, sie brachte als Höhepunkt der antiken Ä. nach der idealist. Ä. Platons und in Auseinandersetzung mit ihr die Ä. des Aristoteles, die beachtl. materialist. Elemente enthält. Hauptprobleme dieser Periode sind: Verhältnis der Kunst zur Wirklichkeit (Mimesis), das Schöne, soziale, polit., eth. und pädagog. Fragen der Kunstwirkung. Aufbau und Gehalt von Kunstwerken, Gattungsfragen; 3. räm. Ä., deren wichtigste Leistungen dem l. Jh. v. u. Z. angehören und die die höchste Entfaltung der polit. Macht und Kultur Roms, aber auch den Verfall der Republik und die Begründung der Herrschaft der Cäsaren zur Voraussetzung hat. In ihr werden die gesicherten Erkenntnisse der griech. Ä. zusammengefaßt und, aus eigener Sicht bereichert, dargeboten; sie erörterte Stilprobleme, einzelne ästhet. Kategorien (Horaz, Cicero) und schuf eine umfassend fundierte materialist. Theorie der Kultur- und Kunstentstehung (durch Lukrez); 4. spätgriech. Ä., 1. bis 3. Jh. u.Z.; in ihrer Entwicklung widerspiegeln sich in wachsendem Umfange die Krise und der Verfall der vom niedergehenden Römischen Reich getragenen Hellenist. Bildung. Es geht in ihr einerseits um Stil- und Formfragen sowie um einzelne ästhet. Kategorien (das Erhabene bei Pseudo-Longinos; Phantasie bei Philostratos d. Ä.), andererseits aber auch um die unterschied!. Mittel und Wirkungen der Künste; in Plotins metaphys.-asket. Schönheitslehre, die zum Mittelalter hinüberweist, wird deutlich der Verfall der antiken Ä. sichtbar. - Die bleibende Bedeutung der antiken Ä. beruht darauf, daß ihre besten Vertreter die Grundfrage der Ä. nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit materialistisch beantwortet haben, daß sie die Objektivität des Schönen nachwiesen, den Menschen in den Mittelpunkt der Ä. stellten, die gesellschaft.-erzieher. Rolle der Kunst betonten, neue ästhet. Kategorien erschlossen und eine Reihe von Gattungsproblemen der Klärung näherbrachten. Nach ihrer Wiederentdeckung in der Renaissance

64 haben es einige Werke der antiken Ä., wie die Poetiken des Aristoteles und Horaz, zu kanon. Geltung und höchstem Ansehen gebracht, die antike Ä. im ganzen aber hatte eine breite und fruchtbare Nachwirkung, bes. in der italien. Renaissance, im französ. Klassizismus, in der Aufklärung (Diderot, Lessing) sowie bei den Dichtern, Ästhetikern und Philosophen der dt. Klassik (Forster, Winckelmann, Goethe, Schiller, Hegel). Kr Ü: Ästhetik der Antike. Hrsg. von J. Krueger. Berlin 1964. Astragal [griech., ,,Sprungbeinknochen, Knöchel"]: 1. Würfel (meist vier) des antiken Knöchelspieles, bes. aus Schafknöcheln oder diesen aus Elfenbein, Gold u. a. Material nachgebildet (Taf. 42, Knöchelspielerinnen). 2. in der Architektur die bes. in der ion. Säulen- und Gebälkordnung häufige Schmuckleiste des sog. Perlstabs, der als gliedernder Akzent verwendet ist. Sl Astraia, lat. Astraea [„Sternenmädchen"], in der griech. Sage Tochter des Zeus und der Themis oder des Astraios und der Eos, auch f Dike genannt; lebte im Goldenen Zeitalter unter den Menschen, verließ als letzte der Götter zu Beginn des ehernen Zeitalters die Erde und wurde als Sternbild der Jungfrau an den Himmel versetzt. Be Astrolabium [griech., „Sternnehmer"]: unterschiedlich kompliziert ausgeführtes und mit der Armillarsphäre weitgehend identifiziertes Instrument, das aus ineinander verschachtelten, teils bewegl,, teils festen Ringen mit Gradeinteilung bestand, die die Großkreise der Sphäre wie Äquator, Ekliptik u. a. darstellten. Ein A. wird im Almagest beschrieben und diente den antiken Astronomen zur Bestimmung der auf die Ekliptik bezogenen Positionen der Sterne und der Bewegungsanomalien von Sonne, Mond und Planeten. Eine andere Form war das auch schon von den griech. Astronomen verwendete A. planisphaerium, eine stereograph. Projektion der Himmelskugel, über der eine drehbare Scheibe mit Tierkreis u.a. Sternen angebracht war. Es diente der Stundenbestimmung u. ä. J Astrologie [griech. astron, ,,Stern"]: in Antike und Mittelalter weitgehend unterschiedslos für die wissenschaftl. (astronomia) und die wahrsagende, den Einfluß der Gestirne aufs Irdische lehrende Sternkunde verwendeter Begriff. Der Sterndeutung liegt urspr. der Sternglaube zugrunde, der in der myth.-mag. Bewußtseinsform einer unentwickelten gesellschaftl. Praxis wurzelt. Dieses Bewußtsein projiziert menschl.-psych. Eigenschaften auf alle Sachverhalte der Natur, die ihm dadurch als lebendige, aber überlegene und deshalb göttl. Potenzen und Numina gegenübertreten. Durch diese Subjektivierung erscheint die Umwelt als bloß erweiterte Eigenwelt. Deshalb kann sich der Mensch als Mikrokosmos, als Abbild des Universums verstehen, in dem er überall wie im sozialen Bereich - Verwandtes und Fremdes entdeckt. Die gesamte Natur schien von einem Netz phantast. Beziehungen sympathet. und antipathet. Art durchzogen, wo jede Veränderung sich auf anderes auswirkt und zum Mitleiden zwingt (Sympathiegedanke). Darin waren auch die Sterne einbezogen, die gleichfalls zu Göttern geworden und als kosm. Potenzen von besonderer Wirkungsmacht waren. Ihren Willen zu erkunden war Bestandteil der babylon. Astralreligion. Dieser Glaube aber hat den Sternen ihre Nomina und damit zugleich ihre Omina und Eigenschaften verliehen, die mit dem Namen fortlebten, auch als die Religion längst tot war. Das Absurde auch der ..säkularisierten" A. ist, daß sie auch bei Verwendung eines astronom.-techn. Apparates immer mit diesen Omina als Axiomen arbeitet: Mars ist ein Unglücksbringer und lupiter freundlich, weil die entsprechenden Sterngötter Babylons als Projektionen unentwickelten Bewußtseins solche Eigenschaften hatten. Eine

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Astronomie

systemat. A. hatten die Babylonier wohl nicht. Ihre Voraussagen, auf den Tontäfelchen von Ninive reichlich überliefert, wurden aus den Beobachtungen von Sonne, Mond und den fünf Planeten abgeleitet und sprechen von Pest, Krieg u. a., betreffen aber immer nur das ganze Land oder den König (keine Individualhoroskopie). Das frühe und klass. Griechenland hat die A. abgelehnt. Diese begann ihren Siegeszug im Hellenismus mit Berossos von Babylon und seiner 280 v. u. Z. auf Kos gegr. Astrologenschule und hatte sich zur Kaiserzeit über die ganze Ökumene zusammen mit anderen oriental., von astraler Frömmigkeit durchdrungenen Glaubensrichtungen ausgebreitet. Diese Religionen wie auch der von der Stoa wiederbelebte Sympathiegedanke mit seinen fatalist. Konsequenzen begünstigten den Einfluß der „Chaldäer". Dadurch ist, weil auch die A. aus dem Orient kam, der ethn. Terminus Chaldäer (häufig = Babylonier) in der Antike zur Berufsbezeichnung der Astrologen geworden. Zunächst noch aus Rom verbannt (139 v.u.Z.), wurden sie später von jedermann konsultiert. Großen Einfluß übten die im heilenist. Ägypten entstandenen religiös-astrolog. Schriften von Nechepso-Petosiris (um 150 v. u. Z.) und die unter dem Namen des Hermes Trismegistos umlaufenden Bücher (1.-3. Jh. u. Z.) aus. Darauf fußen diç Anthologien des Vettius Valens (2. Jh. u. Z.) und des Firmicus Maternus (um 335). „Wissenschaftlicher" gab sich die Tetrabiblos (Vierbuch) des Astronomen Ptolemaios, der die A. wie später Kepler gleichfalls betrieb. Hier erscheint die A. systematisiert und mit der mathemat. Astronomie verbunden und vermochte so auch die Gebildeten zu befriedigen. Elemente der A. waren neben Kometen und Finsternissen bes. die Planeten (d. h. auch Sonne und Mond) und die Tierkreiszeichen mit ihrer Bedeutungsvielfalt, die, mannigfach aufeinander bezogen, die Basis der Voraussage bilden. Sie betraf entweder ganze Länder (Universal-A.) oder bestimmte aus dem Gestirnstand zur Geburtszeit, d. h. dem Horoskop, das künftige Schicksal des einzelnen (Individual-A.); so wurde das entscheidende Faktum bei der Geburt, der Stern (*), gleichbedeutend mit ..geboren". Daneben gab es die Katarchen-A. (griech. katarchein, „beginnen"), Nachfolgerin der antiken Orakel, die den günstigsten Zeitpunkt für ein polit, oder privates Unternehmen bestimmte. luvenalis spottet über die übl. Befragung eines astrolog. Kompendiums vor einer Spazierfahrt, einer medizin. Behandlung usw. Ausonius bestreitet, daß die Nägel am Mittwoch, dem Merkurtag, der Bart am Donnerstag, dem lupitertag, und das Haar am Freitag, dem Venustag, zu schneiden seien. Hier kommt'die Zeitherrschaft der Planeten zum Ausdruck. Wer die erste Stunde eines Tages beherrschte, gab auch dem ganzen Tag Namen und Gepräge (dies Solis, Lunae, Martis usw.). Auch sonst sind Termini der A. noch lebendig wie jovial (unter lupiter geb.), Influenza (Krankheit erzeugender Gestirneinfluß), Schlamassel (Unglücksstern) usw. Die A. hat sich trotz der Bekämpfung durch das Christentum und durch die aufgeklärten Denker des Altertums als außerordentlich zählebig erwiesen, wie die bis ins Mittelalter fortgesetzte Flut der Kommentare und anonymen Schriften zeigt. Schon Karneades (um 160 v. u. Z.) trug die entscheidenden Gegenargumente vor: Das verschiedene Schicksal von unter derselben Konstellation geborenen Zwillingen und das gleiche Schicksal vieler unter verschiedenen Konstellationen geborenen Menschen in einer Schiffskatastrophe u. ä. Heute ist diese Nachgeburt mytholog. Denkweise, die unter unentwickelten gesellschaftl. Bedingungen ihren relativen Sinn hatte, von der Wissenschaft eindeutig als Unsinn ausgewiesen worden. J δ

Antike

Astronomie. Die A. entwickelte sich in Griechenland im Rahmen der Philosophie, die zunächst das undifferenzierte, auch alle späteren Fachbereiche integrierende Gesamtwissen darstellte. Während der Einfluß Ägyptens aufgrund des geringen Niveaus seiner Mathematik und A. bedeutungslos war, hat die griech. A. entscheidende Anregungen aus Babylon empfangen. Als Hilfsdisziplin der Sternreligion hatte die babylon. A. die Bewegungen der Gestirne als „Leben des Sonnengottes, des Mondgottes" usw. erforscht und dabei Leistungen von wissenschaftl. Charakter erreicht. Systemat. Beobachtungen führten schon um 1600 v. u. Z. zur Erkenntnis der Identität von Morgen- und Abendstern. Aber erst seit dem 7. Jh. wurde die babylon. A. allmählich mathematisiert und die entdeckte Periodizität der Bewegungen mittels arithmet. Methoden (Reihen, „Zackenfunktionen") dar gestellt. Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt nach 300 v. u. Z., läuft also mit der griech. annähernd parallel. Doch die Abhängigkeit der Griechen vom reichen Beobachtungsmaterial der Babylonier dürfte in der Frühzeit nicht weniger groß gewesen sein, als sie es später bei Hipparchos und Ptolemaios nachweislich war. Im Gegensatz zu dieser vorwiegend empir., „phänomenolog." A. der Babylonier steht in der griech. A. die auch von der griech. Philosophie getroffene Unterscheidung von Wesen und Erscheinung im Vordergrund. Hinter der scheinbaren wird die wirkl. Bewegung in einer Theorie konzipiert und anhand eines geometr. Modells dargestellt. In der frühgriech. Philosophie erscheint die Geschichte der A. im einzelnen als Wechsel von Fort- und Rückschritt, weil systemat. Beobachtung und Theorie nicht Hand in Hand gingen. So blieb der Spekulation ein weites Feld, deren oft zufällig in die Nähe des Richtigen geratene und deshalb modern anmutende Vorstellungen zunächst wieder aufgegeben wurden, sich aber im weiteren Erkenntnisfortschritt als Denkmöglichkeiten von großer heurist. Bedeutung bewähren konnten. Schon Thaies soll über astronom. Probleme gehandelt haben. Seine Vorhersage der Sonnenfinsternis vom 28. 5. 585 v. u. Z. ist umstritten, weil auch die Babylonier zu dieser Zeit noch keine exakte Methode kannten. Doch war es aufgrund von Zyklen möglich, die Wahrscheinlichkeit einer Finsternis vorauszusagen. Sonst ist Thaies' Weltbild mit der vom Ozean umflossenen Erdscheibe noch weitgehend am Zeugnis des Augenscheins orientiert. Den großen Fortschritt bringt Anaximandros. Im Zentrum unseres Kosmos, der einer von vielen im unendl. Universum ist, befindet sich die durch das Gleichmaß ihrer Distanz zu allen Punkten der Himmelsperipherie in ihrer Lage gehaltene Erde in Gestalt einer Säulentrommel mit Antipoden. Mit der Konzeption der Himmelskugel war das Problem gelöst, wie die Sterne wieder zu ihrem Aufgangspunkt gelangen. Auch mit der Größe und dem Abstand der Gestirne hat sich Anaximandros beschäftigt. Er hielt sie für Löcher in rotierenden, mit Feuer gefüllten Reifen. Seine Theorie verlangte, die Gestalt der Erde der des Himmels anzupassen. Auch hier dürfte zunächst auf unwissenschaftl. Weise die Wahrheit getroffen worden sein. Wer sie zuerst traf, bleibt aufgrund der Fülle überlieferter Namen ungewiß, doch ist die Kugelgestalt der Erde wohl seit der Mitte des 5. Jh. in der Diskussion. 100 Jahre später bringt Aristoteles die einschlägigen Beweise. Im 5. Jh. ist auch das Beobachtungsmaterial für die Planeten von den Babyloniern übernommen worden. Die Griechen haben ihre richtige, d. h. nach Umlaufszeiten und Abständen geordnete Reihenfolge geschaffen. Sie fand sich zuerst bei dem Pythagoreer Philolaos, in dessen religiös motivierter Konzeption die Erde unter die Planeten eingereiht ist und durch eine 24stündige Umlauf-

Asturien zeit Tag und Nacht verursacht. Dergleichen hat trotz aller Phantasterei noch auf Copernicus anregend gewirkt, dessen Hypothese als Astronomia Philolaica bekannt wurde. Ebenso fruchtbar war der Gedanke der Pythagoreer, daß die Entfernungen der Planeten durch mathemat.-musikal. Proportionen geregelt seien (Kepler). Philolaos hatte um der heiligen Zehnzahl willen das zentrale Herdfeuer und noch eine Gegenerde erfunden. Solche bloße Spekulation mag Anlaß gewesen sein, daß sich in der platon. Akademie der Grundsatz durchsetzte, beim Aufstellen von Planetentheorien „die Erscheinungen zu bewahren". Dieses für die naturwissenschaftl. Theoriebildung im Prinzip richtige Postulat bedeutete hier, ein System von Bewegungsformen zu errechnen, das die irregulären Bewegungsformen der Planeten erklären konnte. Die Fruchtbarkeit des Postulats wurde aber durch das Vorurteil eingeschränkt, man dürfe bei den erhabenen Himmelskörpern nur mit gleichförmigen Kreisbewegungen rechnen, woran noch Copernicus festhielt. Auf der Basis dieses Postulats errechneten vor allem Platoniker und Pythagoreer eine Vielzahl mögl. Planetentheorien, die schließlich im Heliozentrismus des Aristarchos von Samos gipfelten. Zunächst versuchte Eudoxos von Knidos, die scheinbaren Stillstände und Rückläufigkeiten der Planeten durch seine Theorie der homozentr. Sphären „zu bewahren*'. In diesen Ansätzen einer mathemat. A. wird die scheinbare Bewegung als Resultante von drei bzw. vier kreisenden Kugelschalen gedacht, die nach Art einer Kardan. Aufhängung ineinander verschachtelt sind und deren innerste auf ihrem Äquator den Planeten trägt. Jede Besonderheit der Bewegung wird durch eine Schale dargestellt, deren Gesamtzahl für alle Planeten 26 war. Aristoteles interpretierte das rein mathematisch gedachte Modell physikalisch im Sinne realer Kristallschalen und mußte deshalb auf 55 erhöhen. Im Mittelalter wurde dieses System entsprechend der Bedeutung des Aristoteles weiter ausgebaut und von Fracastoro, einem der Lehrer des Copernicus, durch 79 Sphären noch mehr kompliziert. Das Verlangen nach Vereinfachung lag hier wie in der Antike auf der Hand. Das war z. T. schon durch die womöglich von Platon erwogene, von Herakleides Pontikos u. a. gelehrte Erdrotation und durch das auch in dieser Zeit entstandene sog. ägypt. System geschehen, in dem Merkur und Venus um die Sonne, diese aber und die anderen Planeten um die Erde kreisen. Bedeutendstes Ergebnis war das heliozentr. System des Aristarchos von Samos, Höhepunkt der griech. A. Seine Resonanz war trotz seiner Perfektionierung durch Seleukos von Seleukia gering. Das lag vor allem an der Unvereinbarkeit mit dem von der aristotel. Naturphilosophie geprägten Weltbild, in dem die träge Erde ihren natürl. Ort in der Mitte haben mußte. Auf der Grundlage des Geozentrismus hat dann Apollonios von Perge die Theorie epizykl. und exzentr. Bewegungsformen ausgearbeitet (f Epizykeltheorie). Die Basis einer soliden empir. Forschung legte Hipparchos von Bithynien. Er ermittelte bessere Daten für die Bewegungsanomalie der Sonne und entdeckte durch Vergleich mit den von Timocharis und Aristyllos in ihrem Sternkatalog 100 Jahre zuvor gemachten Positionsangaben das Zurücklaufen der Schnittpunkte von Äquator und Ekliptik, die sog. Präzession. Ptolemaios übernahm dann die Ergebnisse von Apollonios und Hipparchos und verbesserte sie. Er, dessen wissenschaftl. Leistungen Copernicus und Kepler bewunderten, hat in seinem „Almagest" die Kinematik der Planeten vom geozentr. Standpunkt aus durch die kombinierte Exzenter-Epizykel-Theorie nahezu ebenso fehlerfrei dargestellt, wie das durch die Keplerschen Ellipsen geschieht. Daneben gelang ihm die

66 Entdeckung der Evektion, eine der vielen Bewegungsanomalien des Mondes. In seinem Almagest beschreibt er ein Astrolabium, das mit dem Gnomon zu den wichtigsten astronom. Instrumenten gehört. Das System des Ptolemaios war im Mittelalter vorherrschend neben der Theorie der homozentr. Sphären. Doch gab es auch vereinzelt Rückschritte wie im 6. Jh. bei Kosmas Indikopleustes, der das bibl. Weltbild mit der flachen Erde lehrt. Durch die Vermittlung der Araber, die das Erbe der Antike tradierten und verarbeiteten, begannen sich im 12. und 13. Jh. die wissenschaftl. Studien an den Klosterschulen zu beleben. Mit Copernicus, der sein Werk, wie aus Anlage und Inhalt ersichtlich, ganz als Fortsetzung und Verbesserung des Almagest verstand, begann die Forschung dort fortzuschreiten, wo eine ihrer fruchtbarsten Entwicklungen 18 Jahrhunderte zuvor bei Aristarchos abgebrochen war. J TU: H. Balss, Antike Astronomie, München 1949. Asturien: Land der antiken Asturer, das im Altertum von der Küste des Kantabr. Meeres bis an den Duero reichte. A. war durch Goldminen und Pferdezucht bekannt. D Astyanax, lat. Astyanax. in der griech. Sage der Sohn des Rektor und der Andromache, nach der Eroberung Trojas von den Griechen von der Mauer herabgestürzt, damit das trojan. Königshaus vernichtet werde. Be Asylig [griech., „Freistätte"]: Schutz fremder Personen und ihres Eigentums. In Griechenland wurde auf Beschluß der Polisbehörden Bürgern fremder Staaten einzeln oder kollektiv die A. und damit Rechtsschutz gewährt. Mü Asylrecht: inschriftlich und literarisch bezeugtes Recht der griech. Tempel und Heiligtümer, freien und unfreien Personen vor Verfolgung Schutz zu gewähren. Bei Bruch des A.s erfolgte die Bestrafung sakral oder durch staatl. Verfahren. - Die republikan. Zeit Roms kannte zunächst kein A., bis sich in der Osthälfte des Reiches Einflüsse des griech. A.s ausbreiteten. In der Kaiserzeit entstand, vor allem für Sklaven, das A. des Kaiserkults. Seit Honorius gab es im W, seit Theodosius II. im O das christl. A. Mü Atalante, in der griech. Sage berühmte schöne Jägerin Arkadiens; beteiligte sich an der Jagd auf den Kalydon. Eber und erhielt dessen Fell von f Meleagros geschenkt. Sie besiegte alle Freier im Wettlauf und tötete sie; Hippomenes gewann sie, da er beim Lauf drei goldene Äpfel fallen ließ, nach denen sie sich bückte und deshalb unterlag. - Gemälde von Rubens, Oper von Händel. Be Ataraxie [griech.]: Unerschütterlichkeit. Gleichmut, Seelenruhe, nach Demokrit, der pyrrhonist. Skepsis und der Stoa das erstrebenswerteste Ziel und höchste Gut bzw. die Vorbedingung der Eudämonie, für die Skeptiker die Folge der Urteilsenthaltung. Gu Atargatis [syr. Atar'ata aus Aschtart und Anat = Atta] : griech. Name der nordsyr. Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin, auch Dca Syria und Derkgto genannt. Ihr Kult war weit verbreitet (Hierapolis-Bambyke, Askalon, Palmyra, Damaskus, Delos); Fisch, Taube und Schlange waren ihr heilig. Ihre Priester (Galli) entmannten sich während der orgiast. Feste. Syr. Kaufleute und Sklaven brachten den Kult über Hellas auch nach Rom, wo A. bes. von Sklaven und Soldaten, selbst von Nero verehrt wurde. Lukian verfaßte eine eigene Schrift über ihren Kult („De Syria Dea"). KR Ate [griech.], die als Göttin personifizierte „Verblendung", die die Menschen ins Unglück stürzte, oder auch das durch Verblendung herbeigeführte Unheil selbst. Be Atellane, lat. fabula Atell§na [nach ihrem Herkunftsort, der kampan. Stadt Atella]: altital. volkstüml. Posse mit feststehenden Charaktertypen (Tölpel, Vielfraß, einfältiger Alter, buckliger Scharlatan), urspr. von Laien in weit-

67

Athen

gehender Improvisation aufgeführt. In Rom früh populär geworden, wurde sie dort u. a. nach dem Muster des griech. Satyrspiels im Anschluß an Tragödien aufgeführt und erhielt z. Z. Sullas Jiterar. Form (Pomponius, Novius). Seit der Kaiserzeit wurde sie durch den Pantomimus verdrängt. Ki T: P. Frassinetti, Fabularum Atellanarum Fragmenta, Turin

1955.

A t Hamas, lat. ^\thamas, Sohn des Aiolos, sagenhafter König von Theben, tötete seinen und der f Ino Sohn Learchos. Be Athanasios, geb. 295 und gest. 373 Alexandreia, der berühmteste der alexandrin. Bischöfe (seit 328). Für seine unnachgiebige orthodoxe, antiarian. Haltung nahm er eine fünfmalige Verbannung durch die Kaiser in Kauf. Seine theolog. Kampfschriften sind eine der wichtigsten Quellen für die Kirchengeschichte des 4. Jh. Obwohl gründlich klassisch gebildet, legte er auf die Form der Schriften keinen Wert. Seine legendenhafte „Vita Antonii" (Lebensbeschreibung des ersten Eremiten Antonios) galt für spätere Hagiographen als das nachahmenswerte Vorbild und spielte eine große Rolle bei der Verbreitung der Idee und der Methoden des Mönchtums (bes. im Okzident). Von zeitgeschichtl. Interesse sind seine Osterfestbriefe, von denen 13 in syr. Übersetzung erhalten sind. Später wurden ihm viele unechte Schriften zugeschrieben. Wi T: Migne PG 25-28; H. G. Opitz 2,1; 3,1, 1934ff.;

Ü: BKV

13.31, 1913117.

Atheismus [griech. §theos, „ohne Gott"]: Gottlosigkeit, Gottesleugnung; Auffassungen, die die Götter überhaupt oder die allgemein anerkannten Götter leugnen. In der Antike tritt der A. in verschiedenen Formen auf. Xenophanes' A. bekämpfte die anthropomorphist. Göttervorstellungen. Bei den Sophisten, Epikur, bei Kynikern.und Skeptikern sowie bei Lukrez treten starke atheist. Momente hervor. Anaxagoras und Sokratçs wurden der Gottlosigkeit angeklagt - ein Zeichen dafür, daß auch im demokrat. Athen der A. verfolgt wurde. Als A. galt dabei schon die Ablehnung der herrschenden Staatsgötter, nicht erst die absolute Gottesleugnung, die übrigens nicht einmal bei Epikur zu verzeichnen ist, der die Existenz der in den Intermundien lebenden Götter ausdrücklich

anerkennt. Konsequenter und absoluter A. war eine seltene Ausnahme, Gottes Vorstellungen in den materialist. antiken Lehren sind aber nicht die entscheidenden Momente dieser Lehren. Gu Athen, griech. Athenai [„Stadt der Athena"]: Hauptstadt Attikas, inmitten einer großen, von Gebirgen umgebenen Ebene gelegen, 5 km vom Meer und 8 km von ihrem Haupthafen Piräus entfernt, mit dem sie seit 461/56 v. u. Z. durch die Langen Mauern verbunden war. Mittelpunkt der Stadt war der 156m hohe, nur von W her zugängl. Kalksteinfels der Akropolis, schon in myken. Zeit ein stark befestigter Königssitz. Innerhalb der Stadt lagen noch weitere Hügel, am bekanntesten der Areopag, der Musenhügel (Museion) mit dem röm. Philopappos-Grabmal, die Pnyx und der Nymphenhügel. Die Voraussetzung für den späteren Aufstieg war die Einigung Attikas durch A., der Überlieferung nach durch König Theseus. Urspr. standen sagenumwobene Könige an der Spitze des Staates, deren erster Kekrops gewesen sein soll. Später lag die Macht in den Händen der grundbesitzenden Aristokraten (Eupatriden), die in den seit 683/82 v. u. Z. jährlich wechselnden Archonten auch die höchsten Beamten stellten. In der zweiten Hälfte des 7. Jh. v. u. Z. kam es in A. zu einer schweren gesellschaftl. Krise, die durch eine verstärkte Ausbeutung der Kleinbauern durch die adligen Grundbesitzer hervorgerufen wurde. Etwa 632 versuchte Kylon vergeblich, diese innenpolit. Kämpfe zur Errichtung einer Tyrannis auszunutzen. Um 624 wurde die Aufzeichnung des geltenden Gewohnheitsrechts durch Drakon erzwungen. 594/93 erhielt Solon den Auftrag, durch Reformen eine Befriedung der innenpolit. Situation zu ermöglichen, was jedoch nur für kurze Zeit gelang. Wichtigster Bestandteil dieser Reformen war die Verteilung der polit. Rechte und Pflichten nach dem Besitz, wodurch die Eupatriden einen Teil ihrer privilegierten Stellung einbüßten. Die erneut ausbrechenden Machtkämpfe ermöglichten 561/60 Peisistratos, gestützt auf die Kleinbauern der Gebirgsgegenden, eine Tyrannis zu errichten. Diese brachte A. einen gewaltigen Aufschwung in wirtschaftl., polit, und kultureller Hinsicht. Der schon früher für A. nicht unwichtige Keramikexport wurde beträchtlich gesteigert. Zur Sicherung des Seehandels mit den hauptsächlich Getreide

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Grabmal

• Bauten der griechischen u. hellenistischen Zeit ^ Bauren der römischen Zeit" -*- Themistokleische Mauern —O·-· Hadriansmauer

Koile - Stadtteil

Athen im Altertum. / Odeion des Herodes Atticus, 2 Stoa média, 3 Agora (Markt), 4 Stoa Attali

Athen liefernden Schwarzmeerkolonien wurden an den Meerengen Stützpunkte angelegt. In A. wurde Peisistratos der Initiator einer großen Bautätigkeit sowohl auf der Akropolis wie in der Unterstadt. Außerdem zog er viele Künstler und Gelehrte bes. aus dem damals führenden ion. Gebiet nach A. 510 endete die Tyrannis mit Hippias. In den folgenden Jahren wurde die Demokratisierung des Staates wesentlich durch die Reformen des Kleisthenes vorangetrieben, die das Staatsgebiet neu einteilten und damit die alte gentiliz. Ordnung beiseitedrängten. In den Perserkriegen fiel A. eine wichtige Rolle im Freiheitskampf der Griechen zu. 490 siegten die Athener bei Marathon. Der Demokrat Themistokles betrieb systematisch eine Stärkung der athen. Seemacht. Bereits 493 hatte er den Piräus ausbauen lassen, und seit 483 ließ er eine große Flotte bauen, mit der er 480 zusammen mit den übrigen griech. Flotten bei der Insel Salamis einen großen Sieg über die Perser errang. 480 und 479 wurde A. von den Persern eingenommen, die dabei die Heiligtümer und viele andere Bauten zerstörten. Nach der Schlacht von Plataiai 479 setzte sich A. im Gegensatz zu Sparta für die Fortsetzung des Krieges bis zur Befreiung der kleinasiat. Griechenstädte ein und gründete dazu den Att. Seebund 478/77, in dem A. die führende Stellung besaß. Es begann damit eine Periode des ständigen Kampfes um die Vorherrschaft zwischen A. und Sparta. Dieser Zeitraum von 479 bis 431, die f Pentekontaëtie, stellte den Höhepunkt der polit, und kulturellen Entwicklung A.s dar. A. wurde zum literar. Mittelpunkt Griechenlands (Tragödie, Komödie, Geschichtsschreibung) und durch die prächtigen Bauten die schönste griech. Stadt. Während dieser Zeit übten die Demokraten unter ihrem genialen Führer Perikles fast ständig die Macht aus. 462 hatten sie unter Ephialtes dem Rat vom Areopag, in dem die Eupatriden den Ton angaben, die meisten seiner Rechte genommen. Im folgenden Jahr gelang die Verbannung des bedeutenden Führers der Konservativen, Kimon. 457 siegte A. über die von den Spartanern unterstützten Truppen Thebens bei Oinophyta. Die alte Handelsrivalin Aigina konnte 456 unterworfen werden. Im sog. Kalliasfrieden 449/48 mit Persien wurde A. als Großmacht anerkannt. Der eigentl. Zweck des Seebundes war jetzt weggefallen, er verwandelte sich nun immer mehr in ein athen. Reich, aus dem auszubrechen die Bündner mit Waffengewalt gehindert wurden. Ihre Tribute lieferten eine der Grundlagen für den wirtschaftl. und bes. auch den baul. Aufschwung A.s in dieser Zeit. Die laufenden Streitigkeiten mit dem Peloponnes. Bund wurden 445 durch einen für 30 Jahre abgeschlossenen Frieden beendet. Trotzdem kam es schon am Ende der 30er Jahre zu neuen Auseinandersetzungen, in denen vor allem die gegensätzl. Handelsinteressen zwischen Korinth und A. den Ausschlag gaben. Sie führten 431 zum Ausbruch des Peloponnes. Krieges, in dem A. 404 eine völlige Niederlage hinnehmen mußte, von der sich die Stadt nie wieder erholen konnte. Lediglich auf kulturellem Gebiet konnte A. auch weiterhin seine führende Stellung in Griechenland behaupten (u.a. Philosophie: Sokrates, Platon, Aristoteles; Rhetorik: Demosthenes). Das von den Spartanern in A. eingesetzte oligarch. Regime, die sog. Dreißig Tyrannen, wurden 403 durch die Demokraten unter Thrasybulos gestürzt und nach Eleusis vertrieben. Zwischen Persien und Sparta auftretende Spannungen wurden in A. geschickt ausgenutzt. Unter Konon erhielt es wieder eine eigene Flotte, die am Ende des Peloponnes. Krieges geschleiften Langen Mauern wurden neu errichtet, und 378 wurde der 2. Att. Seebund gegr. Dieser konnte freilich längst nicht die Bedeutung des ersten erlangen, und bereits im Bundesgenossenkrieg

68 357-355 lösten sich die meisten Mitglieder wieder von A. Makedonien nahm in dieser Zeit immer stärkeren Einfluß auf die griech. Politik. In A. wurde der makedon. König Philippos II. unterschiedlich bewertet ; während die einen unter Isokrates ihn als den Einiger Griechenlands begrüßten, sahen die anderen, bes. Demosthenes, in ihm nur den Unterdrücker der alten griech. Freiheit. Nach der Schlacht bei Chaironeia 338 schloß auch A. ein Bündnis mit Makedonien. Während des Asienzuges Alexanders d. Gr. versuchte die Stadt, sich von der makedon. Bevormundung zu lösen, erlitt jedoch im Lam. Krieg 322 griech. balsamon]. Ein aus dem arab. Balsamstrauch gewonnener Saft, der an der Luft sein äther. Öl verliert und zu Harz wird, war wegen seines starken Wohlgeruchs und seiner medizin. Eigenschaften hochgeschätzt, so daß er oft verfälscht in den Handel kam. - Heute heißt B. oft nur noch wohlriechendes oder linderndes Mittel. WR Banause [griech., „der am Ofen Arbeitende'*]: allgemein Handwerker, Künstler, bes. aber der niedrige Handwerker, der sich seinen Lebensunterhalt durch körperl. Arbeit verdienen mußte. Da unter den gesellschaftl. Verhältnissen der antiken Sklavenhalterordnung für einen freigeborenen Menschen nur diejenige Tätigkeit als ehrenvoll galt, die auf geistigen Fähigkeiten beruhte und nicht um des Gelderwerbs willen betrieben wurde, verachtete man den B. Diese antike Einstellung zeigt sich noch in der heutigen Verwendung des Begriffs B. und banausisch (ohne Sinn für höhere geistige Kultur). Kü Bandusia, lat. Bandysiae fons : von Horaz besungene Quelle von nicht eindeutig bestimmbarer Lage, entweder im Digentia-Tal in der Nähe seines sabin. Landgutes oder in der Umgebung seines Geburtsortes Venusia in Samnium. D Bankwesen. Das antike B. entstand mit Pfändern, Depositen und Anleihen landwirtschaftl. und handwerkl. Erzeugnisse bereits in homer. Zeit. Mit dem Aufkommen des gemünzten Geldes ist eine rasche Entwicklung des griech. B.s verbunden. Schon im 6. Jh. v. u. Z. gab es in Griechenland Tempelbanken und private Bankeinrichtungen. Der Zinsfuß war meist sehr hoch, bei Seedarlehen wurden 20 bis 33 % Zinsen berechnet. Im Hellenismus entstand der bargeldlose Giroverkehr auf naturalwirtschaftl. Grundlage. Die höchste Entwicklungsstufe erreichte das antike B. im hellenist.-röm, Ägypten. In der röm. Kaiserzeit breitete sich das B. in den Provinzen 6

Antike

unterschiedlich aus, je nach der Entwicklungshöhe der Ware-Geld-Beziehungen, da das Rom. Reich niemals einen einheitl. inneren Markt bildete. In der späten Kaiserzeit wurde auch das B. in Zwangsgenossenschaften zusammengefaßt. Die wirtschaftl. und sozialen Krisenerscheinungen des spätröm. Kaiserreiches bewirkten bes. im W des Reiches - den Rückgang und zuletzt die fast völlige Auflösung des antiken B.s. Gü Baptisterium [griech. fahrungsbericht" einer Vitriolgrube (Abb.) erhalten, auch hat die B.archäologie in Laureion, Dakien, Dalmatien, Norikum, Britannien und Hispanien interessante Angaben aufgedeckt. Wf Berlin. Nach Anfängen im 18. Jh. erlangten Antikenmu : seen und Altertumskunde in B. während des 19. Jh. Weltruf. Durch großangelegte Ausgrabungen (Olympia, Pergamon, Milet) und systemat. Ankäufe (z. B. Berliner Göttin) wurde die Antiken-Slg. unter E. Curtius, Furtwängler, Wiegand und Zahn ein Zentrum archäolog. Arbeit. An der Universität wirkten hervorragende Gelehrte wie Boeckh, Gerhard, Mommsen, v. Wilamowitz. Die Akademie der Wissenschaften trug durch Organisation der Forschung und Herausgabe großer Sammelwerke (Corpus Inscriptionum u. a.) wesentlich zur Entwicklung der Altertumswissenschaft bei. Speziell archäolog. Forschung betrieb das Dt. Archäolog. Institut. Früh wurden auch die ägypt. und vorderasiat. Kulturen in die Forschungs- und Sammeltätigkeit einbezogen. In der Hauptstadt der DDR werden die Humanist. Traditionen gepflegt und im Sozialist. Sinne weiterentwickelt (Humboldt-Universität, Staatl. Museen, Akademie der Wissenschaften der DDR). He Berliner Göttinnen: griech. Marmorstatuen in den Staatl. Museen zu Berlin (Taf. 28): 1. stehende B. Göttin, Statue wohl einer Göttin, die einen Granatapfel in der Rechten

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hält, mit beachtlich gut erhaltenen Spuren der einstigen Bemalung (Rot, Gelb, wenig Blau), meist ins 6. Jh. v. u. Z. datiert. - 2. sitzende B. Göttin, Statue einer thronenden Göttin, gefunden in Tarent; wohl unterital. Werk, eher dem 2. als l .Viertel des 5. Jh. v.u.Z. zuweisbar (archaist. Züge). >S1 Berliner Maler: Vasenmaler des att.-rotfigurigen Stils der 1. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z., Wegbereiter der Frühklassik. Er bemalte Gefäße großen und mittleren Formats, darunter die Berliner Amphora 2160, nach der er benannt ist; sie stellt den Kanon seines an die 250 Stücke zählenden Werkes dar. Er bevorzugte das einfigurige Dekorationsprinzip. Sl Bernstein [griech. elektron, lat. sucinum]. Die Kenntnis und Verwendung des B. ist sehr alt. Schon im 16. Jh. v. u. Z. gelangte der B. des halt. Raumes durch Handel bis nach Babyionien und in den myken. und ital. Kulturkreis; Zentrum des B.handeFs war Aquileia. Der Bernstein der Nordsee wurde im 6. Jh. v. u. Z. in Tartessos gehandelt. Er wurde wahrscheinlich auf dem Land-, nicht auf dem Seewege bezogen. B. wurde bes. zu Schmuck und kleineren Zier- und Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Bei den Griechen erweckte er vor allem wegen seiner elektr. Aufladbarkeit Interesse. Schon Aristoteles und nach ihm Theophrastos und Plinius d. Ä. vermuteten eine Herkunft des B.s aus Koniferenharz; Plinius berichtete, daß er aus „Glaesaria" („Land des Glases") komme.. Im griech. Mythos und bei Ovid galt B. als versteinerte Tränen der in Pappeln verwandelten Heliaden (f Phaethon). Se Beschreibstoff. In der Antike fand fast jeder glatte Gegenstand als B. Verwendung, so Felswände, Baumrinden, Blätter, Holz- und Wachstafeln, Metallplatten, Keramikbruch. Knochen, Leder, Stoffe. Für die Überlieferung im griech.-röm. Bereich stehen Papyrus, Pergament, Ostrakon, Papier sowie behauene Steine im Mittelpunkt. GP Besessenheit. Geisteskrankheiten wurden in der Antike vielfach damit erklärt, daß die Patienten von Dämonen oder Geistern besessen waren. Heilung der Kranken versuchte man durch Austreibung der Geister. Die wissenschaftl. Medizin dagegen sah die Ursache für Geisteskrankheiten in der Erkrankung des Gehirns. Sie unterschied mehrere Krankheitsbilder, z. B. Manie, Epilepsie und Melancholie. Ko Besoldung. Bezahlung der niederen Staatsangestellten war wohl zu jeder Zeit üblich. Tagegelder für Richter.. Ratsmitglieder und Beamte wurden in Athen von Perikles eingeführt. Auch in den heilenist. Reichen waren die Beamten besoldet. Im Röm. Reich führte Augustus feste Gehälter für die oberen Beamten und Offiziere ein, wonach Prokuratoren 60000 bis 300000, die Statthalter von Asia und Africa sogar l Mill. Sesterzen jährlich erhielten. Auch im byz. Reich erhielten die Beamten Gehälter, die der Kaiser persönlich auszahlte. - Öffentlich angestellte Ärzte gab es bereits im 6. Jh. v. u. Z. in griech. Städten; staatl. Bildungsstätten, an denen besoldete Lehrkräfte arbeiteten, gab es seit dem 4. Jh. v. u. Z. In Rom entwickelte sich beides erst in der Kaiserzeit. Wa Bessarion, 1403 (oder 1395?)-1472, griech. Humanist und Theologe aus Trapezunt, Schüler Plethons ; entschiedener Verfechter der Kirchenunion. B. war einer der bedeutendsten griech. Humanisten in Italien, der durch seine Philosoph. Schriften entscheidend zur Neubelebung des Platonismus beitrug; er übersetzte auch Aristoteles ins Lateinische. Seine Slg. von 746 Handschriften vermachte er der Stadt Venedig, wo sie zum Kern der San-MarcoBibliothek wurde. Kp T: Migne PG 161, 2-746, Paris 1866.

89 Bestattung: Konservierung, Beisetzung oder Verbrennung des Leichnams des durch Tod aus Familie o. a. Gemeinschaft Ausgeschiedenen, wobei religionsgeschichtlich der Gedanke der Abgrenzung (bis Vernichtung) oder der Einbeziehung in den Bereich der Lebenden zugrunde liegt. In minoisch-myken. Zeit wurden die Herrscher in Schacht- oder Kuppelgräbern mit reichen Beigaben, u. a. den berühmten Goldmasken, aufwendig bestattet. In frühgriech. Zeit dominierte die Verbrennung und Beisetzung der Asche in Gefäßen, deren Dekoration die Aufbahrung, Totenklage, Leichenbegängnis und -spiele oft bildlich bezeugen. Gräberluxus wurde in klass. Zeit gelegentlich durch Verbote, z.B. das von 317 v.u.Z., eingeschränkt. Vielfältige, oft aufwendige B.sweisen sind typisch für die Etrusker, deren Jenseitsglauben offenbar stark ausgeprägt war. Bei den Römern der Republik dominierte die B. durch Verbrennung und Beisetzung der Asche im Grab oder Columbarium, daneben gab es vereinzelt Sarkophag-B., die vor allem seit dem 2. Jh. u. Z. Überhand nahm, daher die stattl. Zahl der Sarkophagplastik der mittleren bis späteren Kaiserzeit. Sl Bestien [lat. bestia, „Raubtier", „reißendes Tier"]. Der Existenzkampf des Menschen gegen wilde Tiere ist uralt. Aus ihm entwickelte sich in der Sklavereigesellschaft ein neues Verhältnis zu den B. : die babylon., assyr. und ägypt. Herrscher führten bereits organisierte Großtierjagden durch. In den röm. Zirkusspielen wurden B. zur Volksbelustigung verwendet. Der Diktator Sulla veranstaltete einen Kampf von 100 Löwen, und Pompeius ließ 600 Löwen im Zirkus kämpfen und ein Rhinozeros gegen Elefanten hetzen. Caesar ließ 400 Löwen in die Arena zum Kampf gegeneinander treiben. In den blutigen Gladiatorenkämpfen mußten Menschen gereizten B. auf Leben und Tod gegenübertreten. Das Fangen und Herbeischaffen von B. aus Afrika und Germanien war kostspielig, wurde aber dennoch ohne Rücksicht auf das Schicksal der Sklaven und die Ausrottung der Tiere durchgeführt. In Tiergärten hielt man B. zur Besichtigung. Di Betender Knabe: Bronzestatue eines Knaben, wohl Kopie nach griech. Original des späten 4. Jh. v. u. Z., in den Staatl. Museen Berlin. Das Motiv ist u. a. als Gebetsgestus gedeutet worden; beide Arme sind bis auf die Oberarmansätze ergänzt. Dieses vorzügl., leider überputzte Werk ist auf den Adorans (Betenden) des Boedas, eines Schülers des Lysippos, zurückgeführt worden. Sl Bett [griech. kline]. Von modernen Grundformen weicht das B. in der Antike dadurch ab, daß es in billiger Ausführung nur ein lehnenloses, ganz niedriges Rechteck bildete, aber auch „Sofaformen" einschloß, da es (als Speise-B, für drei Personen oder als Studier- und SchreibB.) weiteren Zwecken diente. Das seit dem 4. Jh. v. u. Z. in Möbelwerkstätten angefertigte Gestell aus Ahorn, oft furniert, mit Elfenbein oder Schildpatt eingelegt und mit ornamentiertem Edelmetallblech beschlagen, war überspannt mit kreuzweis geführten Gurten; breite Seitenbretter und tiefe Gurtführung ergaben eine B.lade, die man mit Heu, Blättern oder einer Matratze aus Wollflocken, Hasenhaaren - seit hellenist. Zeit aus Baum-

_L JL Bett. Aufmauerung mit Balkenlage - die Kopflage mußte durch Kissen eingerichtet werden (nach erhaltenen Teilen im Museum des Vatikan, Rom)

Bevölkerung

Bettgestell, wohl zweischläfig, Bronzebeschläge - die Bretter der Liege waren mit Polstern belegt (aus Pompeji, vermutlich um die Zeitwende. Neapel, Museum) wolle - füllte. Einfache Formen waren nur mit Fellen oder Wolldecken belegt - Kopfkissen werden selten erwähnt, man füllte sie mit Vogelfedern - in röm. Zeit importierte man aus Germanien Schneegänsedaunen. Man schlief nackt, als Bettwäsche (bes. feine kam aus Antinoupolis) diente Leinenzeug, oft mit bunten Streifenmustern. Für Sofaformen sind Lederpolster bezeugt, sogar Seidenpolster kamen vor. Wf Bevölkerung. Die wenigen, nicht immer zuverlässigen Berichte antiker Quellen und die Auswertung archäolog. Befunde ergänzen sich zu einem nur lückenhaften Bild der B. in der Antike. - Die B. Griechenlands erfuhr vom 8. bis zum 4. Jh. v. u. Z. einen so gewaltigen, durch Kriege nur vorübergehend in einzelnen Gebieten unterbrochenen Zuwachs, daß die Griechen zu dieser Zeit an den Küsten des Mittel- und Schwarzmeeres, in Westkleinasien und in geringerem Maße im gesamten Vorderen Orient Städte gründeten (Kolonisation). Schwächer und nicht mehr allgemein war die B.szunahme nach dem durch die Kriege der Diadochen hervorgerufenen Rückgang; sie hielt bis zur Errichtung der Römerherrschaft in der Mitte des 2. Jh. v. u. Z. an. - Das Röm. Reich zeigt bis etwa zur Mitte des 2. Jh. u. Z. ein i. allg. ständiges Wachstum der B., das nur durch Kriege, bes. durch die Bürgerkriege am Ende der Republik, unterbrochen wurde. Rückgänge in einzelnen Gebieten, z. B. während des 3. Jh. v. u. Z. in Etrurien, Samnium, Süditalien und auf Sizilien durch Ausbreitung der Latifundien, oder die in Griechenland und seinen europ. Nachbargebieten seit der Mitte des 2. Jh. v. u. Z. anhaltende Stagnation fielen nicht ins Gewicht. Nach der Mitte des 2. Jh. u. Z. trat ein Rückgang zunächst in einigen Gebieten, u. a. in Rom, ein., breitete sich jedoch im 3. Jh. auf das ganze Reich aus. Im 4. Jh. gab es ein Wachstum nur in der neuen Hauptstadt Konstantinopel und im benachbarten Thrakien. Das 5. Jh. erlebte eine erneute allgemeine B.szunahme. Die Gesamtzahl der griechisch sprechenden Menschen ist für die 2. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z. auf 7 bis 8 Mill., für die Zeit Alexanders d. Gr. auf 9 Mill. geschätzt worden. Die B. des Rom. Reiches hat man für die Zeit des Augustus mit 55 bis 60 Mill. angesetzt; davon entfallen etwa 25 Mill. auf die lateinisch sprechende Westhälfte (Italien, Spanien, Nordafrika je 6, Gallien 5, die Donauländer 2 Mill.) und 30 Mill. auf die griechisch sprechende Osthälfte (Griechenland, Makedonien und Kyrene zusammen etwa 2, Kleinasien etwas über 20, Ägypten etwa 8 Mill.). Eine Vorstellung von der Größe bedeutenderer Städte vermitteln folgende Einwohnerzahlen: Athen um 430 v. u. Z. 100000; Sparta im 4. Jh. v. u. Z. 30000; Rom in der Zeit der Republik vielleicht nie viel mehr als 600000, in der Kaiserzeit bis zu l Mill. und darüber, im

Bewässerung 6. Jh. u. Z. möglicherweise nur noch 15000; Alexandreia und Antiocheia z. Z. des Augustus je 500000; Seleukeia zur gleichen Zeit 600000 (überliefert); Konstantinopel im 6. Jh. u. Z. 600000. - Die hellenist. Monarchien und das Rom. Reich bewirkten im Gefolge der Sklaverei, ihrer Siedlungs-, Militär- und Verwaltungspolitik eine für uns nicht exakt faßbare Vermischung von Angehörigen auf ganz unterschied!. Stufen der gesellschaftl. Entwicklung stehender Stämme und Völker und ihre Unterordnung unter eine Zentralgewalt. Doch führte dies in keinem Falle zur völligen Ökonom., kulturellen und sprachl. Einheit des Herrschaftsgebietes und zur Bildung einer Nation. We Bewässerung. Während die altoriental. Landwirtschaft stets auf B. angewiesen war, reichten die Niederschläge in Griechenland und Italien weitgehend aus; zusätzl. B. empfahl sich für Wiesen und beim Anbau von Hirse, Gemüse, Obst und Oliven. Erst in den Diadochenreichen

Bewässerung. Schaduff (nach einem Wandbild, um 1350 v. u. Z.)

lernten die Griechen die B. in großem Stil kennen, wie etwa um 250 der bedeutende Wasserbauarchitekt Kleon im Fayyum. Als B.sanlagen dienten Wassergräben sowie Schöpfwerke (f Schöpfrad), am häufigsten war das „Schaduff". ein Schwengelheber, dessen hochgezogener Schwenkarm seitwärts gedreht wurde, bis der Eimer die Abflußrinne erreichte (Abb.). Auch nutzte man verschiedene Arten der „Antlia" (eigtl. das ins Schiff dringende Seewasser, das ausgeschöpft werden mußte, dann auch alle Vorrichtungen dazu). Diese B.seinrichtungen wurden von Sklaven angetrieben, die man mit Schwerstarbeit bestrafen wollte. Die Römer sind mit der Annexion der Provinz Africa vor ähnl. Aufgaben gestellt worden - auch hier verblieb die techn. Leitung nicht den Einheimischen, sondern ging an die neuen Machthaber über. Wf Bibel [griech. > lat. biblia, „die Bücher"], im kirchl. Sprachgebrauch auch „Heilige Schrift": Slg. der im Christentum überlieferten alt- und neutestamentl. Schriften. Das Alte Testament besteht aus ihrem Charakter nach verschiedenartigen Schriften des jüd. Volkes, die in ihrer griech. Fassung (Septuaginta) von der christl. Kirche übernommen wurden. Das Neue Testament ist eine christl. Neuschöpfung. - Die B. hat nachhaltig auf die Kultur- und Geistesgeschichte der Völker gewirkt, in denen das Christentum verbreitet war; auch der Islam ist von ihr beeinflußt. In der dt. Literatur wurden bibl. Themen verarbeitet, z. B. in den Dramen des Mittelalters, in Goethes „Faust", in Th. Manns Joseph-Tetralogie. Spinoza und Herder insbes. haben das philolog.-geschichtl. Verständnis für die B. geweckt. Für die Entwicklung der dt. Sprache ist die B.Übersetzung M. Luthers (1521-1534) bahnbrechend gewesen. Ro Bibliotheca Teubneriana [lat.]: Slg. textkrit. Ausgaben griech. und lat. Autoren, auf der Grundlage der hand-

90 schriftl. Überlieferung und unter Benutzung aller einschlägigen Wissenschaft!. Arbeiten ediert; erscheint seit 1849 bei B. G. Teubner Leipzig, seit 1955 liegt die wissenschaftl. Leitung bei der Akademie der Wissenschaften der DDR. HH Bibliothek [griech., ,.Buchablage. Büchersammlung"]. Tempel-B.en sind bereits für den Alten Orient als Slg.en von Tontafeln (am berühmtesten die B. von Ninive im Palast des Assyrerkönigs Assurbanipal, 7. Jh. v. u. Z.) nachweisbar; über die frühen griech. B.en gibt es keine zuverlässigen Angaben. Die älteste öffentl. B. soll der Tyrann Klearchos in Herakleia (Pontos; 4. Jh. v. u. Z.) errichtet haben. Als umfangreichste Privat-B. galt die aristotelische, von der sich aber nichts erhalten hat. Bei den Ausgrabungen in Herculaneum wurde die wertvolle private B. des Epikureers und Dichters Philodemos (l.Jh. v.u.Z.) mit ca. 1860 Rollen vorwiegend philosoph. Inhalts entdeckt. Die berühmteste antike B. (auf Papyrusrollen) war die von Alexandreia, die alle überhaupt erreichbaren literar. Werke aufzukaufen suchte. Von den 700000 Bänden z. Z. Caesars ist ein Teil 47 v. u. Z. verbrannt, der Rest später durch Brand und bes. in den fanat. religiösen Auseinandersetzungen (391 Zerstörung des Serapeions durch die Christen) vernichtet worden. - In Konkurrenz zur alexandrin. B. der Ptolemaier hatte sich die von den Attaliden gegr. B. von Pergamon (200000 Rollen, dann auch Pergamentkodizes) entwickelt. In der Wissenschaft!. Sysiematisierung und Katalogisierung (in Alexandreia durch Kallimachos) waren beide B.en vorbildlich. - Die erste öffentl. B. in Rom wurde nach hellenist. Modell von Asinius Pollio ins Leben gerufen, später stifteten die Kaiser (u. a. Augustus, Tiberius, Vespasianus, Domitianus, Trajan, ebenso byz. Herrscher) weitere und bereicherten die alten. Im 4. Jh. besaß Rom 28 öffentl. B.en, aber 'auch Provinzstädte hatten gute Slg.en. - Die ältesten christl. B.en neben Privatslg.en - entstanden an den großen Bischofskirchen (z. B. Konstantinopel). Den Kloster-B.en wird weithin die Rettung und Pflege von literar. Denkmälern der Antike verdankt. FrJo Bibracte: Hauptort der Häduer, Amtssitz ihres Vergobretus (kelt., ..oberster Richter"), riesiges kelt. Oppidum (135 ha Fläche) in hoher Lage (822 m) am Mont Beuvray mit bemerkenswerten eingetieften Wohnhäusern. Die abseitige Metallarbeitersiedlung ist vorzüglich erhalten, da die Einwohner auf Befehl des Kaisers Augustus nach Augustodunum (heute Autùn) umsiedeln mußten. Wf Bienenzucht [griech. melitturgia, lat. apiaria]. Die B. wurde ausgeprägt erst mit der Obstbaumzucht möglich. Die Haltung der Bienen erfolgte urspr. in liegenden Röhren, eine Zuchtform, die noch heute in baumarmen Gegenden verbreitet ist. Die Griechen betrieben seit der Zeit Hesiods eine gezielte B. In den Stadtstaaten spielte die B. eine große Wirtschaft!. Rolle. Im griech. Mythos wurde die Biene als Nährerin des Zeus mit der Kunst belohnt, Honig und Wachs für den Winter aufzubewahren. Auch die landwirtschaftl. Literatur der Römer beschäftigte sich mit der B. : Varro wies auf das soziale Leben der Bienen hin, Vergil erteilte Ratschläge in seinen „Georgica", Seneca beschrieb den Vorgang der Honigerzeugung. Man kannte in der Antike die Rolle des Weisels beim Schwärmen, doch bestanden bezüglich der Funktion der Drohnen noch Zweifel; ihre Stachellosigkeit und ihre Tötung durch die Arbeiterinnen (Drohnenschlacht) waren bekannt. Di Bier. Das aus Getreide, überwiegend aus Gerste, gebraute Getränk war in Ägypten und Mesopotamien schon im 4. bzw. 3. Jährt, v. u. Z. in Griechenland seit dem 7. Jh. v. u. Z. bekannt. Es wurde vor allem von Orientalen und

91 Barbaren getrunken; im griech.-röm. Bereich fand es mehr als Medizin Verwendung. Bildl. Darstellungen sowie Rezepte sind erhalten (zur Gärung wurde z. B. Flachbrot mit süßer Rinde zugesetzt). Hopfenzusatz war im 1. Jh. der Kaiserzeit noch selten. Im Museum von Alzey befindet sich ein im Jahre 353 u. Z. gebrautes Bier. Wf Biga [lat., „Zweigespann"]: zweispänniger Wagen (zweirädrig, mit Wagenkorb), bei Wagenrennen und Umzügen verwendet. Sl Bilder: 1. B. als Gegenstände, Tafeln (griech. Pinakes) aus Holz, gebranntem Ton, Stein, Metall u. a. mit figürl. oder ornamentalen Darstellungen. Früheste Zeugen sind die Tonmetopen von Thermos (7. Jh. v. u. Z.), im etrusk. Bereich Boccanera- und Campana-Platten. Kleineren Formates sind die korinth. Tonpinakes aus Pendeskufia und die Holzpinakes aus Pitsa (6. Jh. v. u. Z.). Hellenist. Marmorgemälde, z. B. aus Herculaneum, kopieren klass. Vorbilder. In großer Zahl sind die röm.-kampan. Wandgemälde überliefert, die als B. meist in die dekorativen Systeme der Wandmalerei eingeordnet erscheinen. Bes. Bedeutung erlangten die meist vorzüglich erhaltenen Mumienporträts. Bei den Ahnen-B.n der Römer (lat. Imagines maiorum) handelt es sich um plast. Gebilde aus Wachs u. a. Material, also um Bildnisse. - 2, B. als Abbildungen, dekorativ auf anderen Gegenständen verwendet: Bildwerdung figürl. Kompositionen in geometr. Zeit (8. Jh. v. u. Z.) auf Gefäßen, Fibeln, Blechen usw. In der Folgezeit spielen die B. der Metopen-, Fries- und Giebelreliefs, der Grab- und Weihreliefs sowie der sog. Relief-B, (z. B. Ikariosrelief), daneben die große Zahl der Vasen-B, kunstgeschichtlich (ikonographisch und stilistisch) eine große Rolle. Das Verhältnis zwischen Bildgehalt und Bildträger wechselt von funktioneller Verklammerung bis zu rein dekorativer Lösung. Sl Bilderrahmen : antike B. bestehen meist aus einfachen flachen, rot bemalten oder beschrifteten Leisten, die um das Bild genagelt oder gestiftet, oft auch mit ihm an die Wand gedübelt sind, wenn dieses, wie üblich, auf Holz gemalt war. Einige B. sind auf Gehrung geschnitten, andere stumpf aneinandergefügt. Es gab auch edelsteingeschmückte Metallrahmen über Holzkernen, die für die christl. Ikonen übernommen wurden. Die Funktion des B. wandelte sich mit der Bildauffassung von beiläufiger Abgrenzung über die organ. Einbeziehung in die Komposition (Klassik) bis zur eigengewichtigen Verselbständigung, ja Entfremdung von dem zu rahmenden Bild (hellenist.-röm. Lösungen). Sl Bilderschrift: Wiedergabe von Gedanken durch bildl. Zeichen. Zu unterscheiden sind die Ideenschrift, die durch die unmittelbare Darstellung von Gedankenkomplexen an keine bestimmte Sprache gebunden ist, und die Begriffs- oder Wortschrift, die aus f Ideogrammen besteht, die im Verlaufe der Entwicklung auch für Wörter mit gleichartigem Lautbestand verwendet wurden („Rebusprinzip"). Zu den B.en gehören u. a. die kret., hethit. und ägypt. Hieroglyphen, die Urformen der Keilschrift und der chines. Schrift. - Abb. f Schrift. Wt Bildung. Die Abhängigkeit der antiken B.svorstellungen und damit auch der antiken Beinhalte von den gesellschaftl. Verhältnissen der Sklavenhalterordnung zeigt sich bes. deutlich darin, daß während der Antike die körperl. Arbeit meistens verachtet und als unwürdig für einen freigeborenen Menschen angesehen wurde: i. allg. galten nur diejenigen Tätigkeiten für einen Freien als ehrenwert, die auf geistigen Fähigkeiten beruhten und nicht um des Gelderwerbs willen betrieben wurden. Wichtig ist ferner, daß die röm. B.svorstellungen sich wesentlich unter dem Einfluß der griech. und in Auseinandersetzung mit ihnen entwickelt haben. - I. Griechen-

Bildung land. Das B.sideal der griech. Frühzeit, das seinen Niederschlag in den ep. Dichtungen Homers gefunden hat, ist das des ritterl. Helden, der gut „zu reden und Heldentaten zu vollbringen" versteht, d. h., der fähig ist, in Wort und Tat seinem Herrn zu dienen. Die typ. Erziehergestalt ist „der sehr weise Kentaur Cheiron", der seinen Zögling Achilleus in den ritterl. Künsten unterweist. Der homer. Held beherrscht das Waffenhandwerk, ist mit ritterl. Sport und Spiel, mit Gesang, Leierspiel und Tanz vertraut und besitzt die Gabe der klugen Rede. Darüber hinaus muß er, wie die Unterweisung Achilleus' in der Heilkunst zeigt, alles können und wissen, was in der ritterl. Welt von Bedeutung ist. Das Ziel dieser B. ist es, ..immer der Beste zu sein und die anderen zu übertreffen",, d. h., Ruhm und Ehre zu erlangen, um auch nach dem Tod im Gedächtnis der Menschen weiterzuleben. In histor. Zeit hat sich dieses B.sideal in gewissem Sinn in Sparta fortgesetzt (Blütezeit 7.-5. Jh. v. u. Z.), freilich in einer rückschrittl. Form: eine einseitig krieger. B. war hier das Ziel der unter strenger staatl. Aufsicht erfolgenden Erziehung zur Wehrtüchtigkeit im Dienst der herrschenden Adelsschicht. Die mus. B. wurde gänzlich vernachlässigt, eine kulturelle Verarmung und geistige Unfruchtbarkeit war die Folge. In anderer Weise hat das homer. B.sideal in Form einer mus.-gymnast. B. im 6./5. Jh. v. u. Z. in Athen weitergewirkt. Die gymnast. (Sport) und die mus. Ausbildung (Musik und Tanz, Lese- und Schreibunterricht mit anschließender Dichterlektüre) dienten einer harmon., körperl.-geistigen und ästhet.-sittl. B., deren Ziel die Kalokagathie („Vortrefflichkeit") war, die die Adelsschicht für sich in Anspruch nahm. - Die von der Sophistik getragene Aufklärungsbewegung (5./4. Jh. v. u. Z.) brachte in breiten Bevölkerungsschichten das Bedürfnis nach einer umfassenden intellektuellen B. mit sich. Als Wanderlehrer unterrichteten die Sophisten gegen Bezahlung das gesamte Gebiet der Sprach- und Gesellschaftswissenschaften, vor allem Grammatik, Rhetorik und Dialektik, daneben aber auch die mathemat. Disziplinen (bes. Hippias von Elis). Daraus entwickelte sich im 4. Jh. v. u. Z. in Griechenland ein höherer Unterricht, der auf dem Elementarunterricht aufbaute und eine allgemeine höhere B. (Enkyklios paideia) zum Ziel hatte, die neben Grammatik und Rhetorik auch Dialektik und die mathemat. Disziplinen Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musiktheorie umfaßte. Auf diesen höheren Unterricht lassen erstmalig Platon und Isokrates als dritte Stufe der B. ein philosoph. (Platon) bzw. rhetor. (Isokrates) Studium folgen. Aristoteles schließlich hat das Verhältnis von höherer Allgemein-B. und Studium bzw. Fach-B, festgelegt, indem er dem höheren Unterricht die Aufgabe zuwies, eine nichtspezielle, aber grundlegende Kenntnis in den verschiedenen Wissensgebieten zu vermitteln und die Urteilsfähigkeit auszubilden. Damit war ein B.ssystem geschaffen, das bis zum Ausgang der Antike und in seinen Grundzügen bis in die heutige Zeit maßgebend geblieben ist: Auf der ersten B.sstufe werden im Elementar- oder Grundschulunterricht die Elementarkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt, daneben wird Turnund Musikunterricht erteilt. Dann folgt als zweite Stufe ein allgemeinbildender höherer Unterricht, der in heilenist. Zeit meistens in sog. Gymnasien (öffentl. Bildungsanstalten mit fester Schulordnung) erteilt wurde und der vor allem in den Sprach- und Literaturwissenschaften (Grammatik, Rhetorik) und in Mathematik besteht; der Sport- und Musikunterricht wird auf einer höheren Stufe fortgesetzt. Als dritte und höchste B.sstufe folgt das Studium, das in der Antike freilich nicht in erster Linie eine Fachausbildung für einen bestimmten Beruf im

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Bimsstein modernen Sinn darstellte, sondern ganz allgemein als Abschluß und Krönung des B.sganges angesehen wurde. Dementsprechend waren Philosophie und Rhetorik als die wichtigsten antiken B.sfächer der eigentl. Inhalt dieses Studiums. Da sowohl die Philosophen als auch die Rhetoren den Anspruch erhoben, eine allumfassende Menschen-B, zu vermitteln, bestand seit Platon und Isokrates eine ständige Rivalität zwischen Philosophie und Rhetorik um den B.sprimat. In der Praxis studierte man meistens erst beim Rhetor und dann beim Philosophen, wobei in Griechenland das philosoph., in Rom das rhetor. Studium im Vordergrund stand. - II. Rom. Das altröm. ß.sideal war das des Bauernkriegers, der im Frieden als Bauer, im Krieg als Soldat dem Gemeinwesen (Res publica) dient. Was der Römer der älteren republikan. Zeit außer Lesen, Schreiben und Rechnen noch wissen und können mußte, zeigt das „Libri ad filium" (Bücher an den Sohn) betitelte Unterrichtswerk, das der ältere Cato zu Beginn des 2. Jh. v. u. Z. für die Ausbildung seines Sohnes verfaßt hatte. Darin wurden die vier Fächer Landwirtschaft, Heilkunst, Beredsamkeit und Kriegswesen behandelt, indem für jedes dieser Gebiete Ratschläge und prakt. Verhaltensmaßregeln erteilt wurden. Seit dem 2. Jh. v. u. Z. gewann das griech. B.ssystem in Rom zunehmende Bedeutung und erhielt im l. Jh. v. u. Z. auch für die röm. Welt allgemeine Gültigkeit, allerdings mit einigen spezifisch röm. Zügen. In der höheren Allgemein-B. traten die mathemat. Disziplinen ganz zurück. Dafür wurde eine prakt. Einführung in die Rechtswissenschaft in den B.skanon aufgenommen. Außerdem wurde mit dem Sprach- und Literaturunterricht auch eine Unterweisung in röm. Geschichte verbunden, die i. wesentl. in der Vermittlung von Beispielen (Exempla) vorbildl. Verhaltensweisen der Vorfahren (Mores maiorum) bestand. Der Musik- und Turnunterricht entfiel, statt dessen erfolgte häufig eine prakt. Ausbildung in Reiten, Fechten und Schwimmen. Auf den höheren Unterricht folgte das Studium der Rhetorik. In der Regel fand der B.sgang seinen Abschluß mit einer Studienreise nach Athen und den anderen griech. B.szentren, wo die vornehmen jungen Römer dann auch einige Zeit Philosophie studierten. Das Verdienst, griech. und national-röm. B. zu einer harmon. Einheit verschmolzen zu haben, gebührt Cicero. In seinem Werk „De oratore" (Über den Redner) hat er das Ideal des röm. Redners und Staatsmannes gezeichnet, der auf der Grundlage einer umfassenden und allseitigen B. philosoph. Einsicht mit prakt. polit. Tätigkeit im Dienste der Gesellschaft zu verbinden weiß. Kü Bimsstein stand als Naturprodukt vulkan. Eruptionen im Mittelmeerraum (aiol. Inseln, Melos, Nisyros, lipar. Inseln, Ätna, Vesuv) zur Verfügung. Zum Abreiben verhornter Haut und zur Enthaarung suchte man feinporige Stücke aus, zum Zähneputzen diente feinstes Bimssteinpulver. Gröber strukturierte Stücke verwendeten Bildhauer (mitunter pulverisiert) zum Polieren von Marmor und Kalkstein; mit feinporigen Stücken glättete man Rohrfedern und Papyrus und übertrug das Verfahren auch auf das seit dem 3. Jh. v. u. Z. aufkommende Pergament, auch radierte man damit auf beiden Beschreibstoffen. Pulverisierter B. ist auch als Mörtelzusatz benutzt worden. Wf Biographie [griech. bios; biographia erst seit dem 6. Jh. u. Z. ; lat. vita] : Lebensbeschreibung einer bedeutenden Persönlichkeit. Die Keime der B. entstanden, als itfi 5. Jh. v. u. Z. in Griechenland mit dem wachsenden polit. Einfluß einzelner Persönlichkeiten auch das allgemeine Interesse an deren Leben zunahm. Entscheidende Impulse zu ihrer Entfaltung gab die peripatet. Ethik. Im Hellenis-

mus entstanden zahlreiche, oft zu Slg.en zusammengefaßte B .n von Fürsten, Dichtern (namentlich in den alexandrin. Klassikerausgaben) und Philosophen, alle gekennzeichnet durch eine Fülle anekdot. Elemente sowie das Bestreben der Autoren, aus dem Gesamtverhalten einer Person ihre charakterl. und eth. Qualitäten sichtbar zu machen (Aristoxenos, Chamaileon). Erhalten sind davon nur spärl. Reste (vor allem bei Diogenes Laertios). Für die spätere antike B. blieben die genannten Züge weitgehend bestimmend. Eine neue Möglichkeit zu plastischerer Darstellung fand Plutarch mit der jeweils das Leben eines prominenten Griechen und Römers vergleichenden B. Die röm. B. entwickelte sich aus nationalen Wurzeln (Grabrede, Memoiren) unter engster Anlehnung an Hellenist. Vorlagen. Seit dem l .Jh. v.u.Z. bestanden drei Formen: Einzel-B., oft mit enkomiast. Tendenz (Tacitus „Agricola"); B.n-Slg., die seit dem 2. Jh. u. Z. die Geschichtsschreibung verdrängte (Suetonius, auf dessen Werk die gesamte B. bis zum Mittelalter fußt, „Scriptores Historiae Augustae"); vergleichende B.n von Römern und Griechen (Varro, Nepos). In spätröm. Zeit entstand aus dieser Form das Sammellexikon mit biograph. Daten bedeutender Persönlichkeiten (Hieronymus). - Die christl. B. gründete sich auf die beiden ersten Typen, den Stoff bildeten Heiligen- und Märtyrerleben. Ki T: A. Westermann, Biographoi, minores, 1845.

Vitarum

scriptores

Graeci

Biologie. Eine B. als selbständige Wissenschaft gab es in der Antike noch nicht. Die Kenntnisse der Pflanzen- und Tierformen spiegelten sich in der Praxis und im philosoph. Weltbild wider. Biolog. Wissen akkumulierte sich vor allem in den religiösen Riten und in der Medizin. Hier wurde die Lehre von den vier Säften bedeutungsvoll. Die Philosophen des Seins und Werdens beeinflußten die Auseinandersetzungen zwischen der Kortstanz- und der Entwicklungslehre. Im Hylozoismus war der Gedanke einer einheitl. Urform für die Mannigfaltigkeit des Lebens vorhanden. Den Höhepunkt der antiken B. bildeten die Werke des Aristoteles. In seinem universalen teleolog. Weltbild bestimmte die Entelechie als aktiv formende Kraft die Richtung der Veränderungen der passiven Materie. Er entwickelte die alte Auffassung von der Hierarchie der Dinge weiter, sah in der Natur allmähl. Übergänge vom Unbeseelten zum Beseelten und beeinflußte mit dieser Stufenleiterauffassung maßgebend spätere Entwicklungstheorien. Die peripatet. Schule schuf im Gegensatz zur demokrit. materialist. Richtung eine organ. Naturerklärung. Somit lag das biolog. Denken der Antike im Spannungsfeld zwischen Idealismus und Materialismus. Die röm. B. basierte auf den Aussagen der griech. Wissenschaft und dem Atomismus der Naturphilosophie. Epikur und sein Schüler Lukrez übertrugen den Materialismus konsequent in die Auffassung vom Leben. Im Weltbild der Stoa fand cler Entwicklungsgedanke eine weitere Förderung. Die Stoa vereinigte die Makro-Mikrokosmos-Lehre mit der pantheist. Logoslehre und prägte eine kausal-mechanisch bestimmte Teleologie, indem die „semina seminum" (Samen der Samen) als gestaltende Kraft den ewig rhythm. Werdegang lenken. Mit Galen fanden die antike B. und Medizin ihren Abschluß. Er sah im aufrechten Gang und in der Sprache das Spezifische des Menschen. Seine Befunde bei Sektionen an Haustieren und Affen wirkten sich jahrhundertelang aus. Die mittelalterl. B. fußte auf der Antike. Di Bion, Ende des 2. Jh. v. u. Z., griech. Bukoliker aus Phlossa bei Smyrna, ahmte Theokritos nach. Von seinen

Blech

93 Bukolika (Hirtengedichte) genannten Gedichten, die auch andere Stoffe, z. T. erot., gestalten, sind nur Fragmente erhalten. Sein „Epitaphios (Grabgesang) auf Adonis" ist eine in Hexametern abgefaßte leidenschaftl. Klage um den Geliebten der Aphrodite, bei der sich oriental. Einfluß auf die heilenist. Poesie zeigt. Be T: U. v. Wilamowitz-Moellendorff, Bucolici Graeci, Oxford 2 1910. Ü: F. Notier, LB31913. TU: H. Rüdiger, G riech. Gedichte, Tusc. *1972, S. 216-231. Birne [griech. Spion, lat. pirun)]. Die B. wurde von den Ägyptern und Semiten nicht kultiviert. Homer erwähnt sie im Garten des Antinoos. Von Griechenland, Karthago, Syrien und Alexandreia aus gelangte sie zu den Römern. Die den B.nsorten (35 im 1. Jh. u. Z.) gegebenen Namen verraten jeweils ihre Herkunft. Der Name B. (PL zu mhochdt. bir) ist entstanden aus dem lat. pirum, wie man die durch Pfropfen veredelte Holz-B, nannte. Di Bischof [griech. episkopos, ,,Aufseher"] : christl. Amtsträger, der zunächst in untergeordneter Position innerhalb des Presbyterkollegiums tätig war. Mit Herausbildung der klerikalen Hierarchie wurde er zum alleinigen Leiter der Gemeinde; seine Rechte wurden in der Staatskirche staatlich sanktioniert. Die B.e der Hauptstädte (Rom, Konstantinopel, Alexandreia, Antiocheia) stiegen zu Metropoliten und Patriarchen auf. Im Mittelalter waren die B.e den Feudalherren weitgehend gleichgestellt. Im Katholizismus ist der B. heute der vom Papst ernannte Träger der höchsten geistl. Amtsgewalt in einer Diözese (Bistum). Mit der Reformation hatte das B.samt vielfach an Einfluß verloren bzw. wurde abgeschafft. Nach dem I. Weltkrieg ist seine Bedeutung in den evangel. Kirchen wieder gewachsen. Ro Bithynien: Landschaft im NW Kleinasiens, an der Propontis und dem Pontos Euxeinos gelegen, von Thrakern besiedelt. Unter pers. Herrschaft (5. Jh. v. u. Z.) nahm die Macht einheim. Stammesfürsten zu, die sich im Kampf gegen die Diadochen schließlich unabhängig machten (Königtum: Nikomedes I. gründete 264 Nikomedeia). Unter Nikomedes II. (149-128) wurde B. Vasallenstaat Roms. 74 v. u. Z. vererbte es Nikomedes IV. an Rom. Zusammen mit Pontus war B. röm. Provinz, die Plinius d. J. 111/12 als Statthalter verwaltete. SF Bittschrift. Eingaben (libelli) von Personen niederen Standes wurden dadurch erledigt, daß der Kaiser seinen Bescheid unter die B. setzen (sog. subscriptio, „Unterschrift") und das gesamte Schriftstück öffentlich aushängen ließ, ohne daß eine direkte Antwort an den Bittsteller erfolgte. Im Verkehr mit hohen Beamten, Dienststellen usw. antwortete der Kaiser in einem Brief (epistula). Verantwortl. Hof beamte waren der f ab epistulis und f a libellis. Wa Blasebalg. Neben dem Mundgebläse mit Blasrohr und tönerner Düse diente der kaum noch (wie in Ägypten) mit dem Fuße getretene, sondern meist mit der Hand gezogene B. im Haushalt wie in der gewerbl. Arbeit (Schmelz- und Glasöfen, Schmiedearbeit). In der röm. Kaiserzeit scheint die Arbeit am B. insofern verändert worden zu sein, als eine Drehung um 90° die Betätigung des Blasebalggestänges aus einer Auf-Ab-Bewegung in ein Hin-Her umsetzte. Erstmalig tritt in dieser Zeit auch der doppelte B. mit Strahlungsschutz auf (Abb.). Wf Blattgold. In Südrußland gefundene Exportartikel griech. Werkstätten sind vielfach nur mit Blattmetall auf einer Grundlage von Gips, Kreide oder Eiweiß versilbert und vergoldet - in älteren Zeiten suchte man Edelmetall zu sparen. Blattmetall ist dagegen nicht sparsam verwendet worden; es findet sich an Tongefäßen, Holzteilen, Marmor- und Metallobjekten, mit deren Abnutzung man rechnete. Der Überzug mit B. war dauerhafter als die

Luft klappen doppelter Blasebalg für ununterbrochene Windführung mit Strahlungsschutz (nach dem Relief einer Schlosserei auf einem Grabstein in Aquileia aus der mittleren röm. Kaiserzeit) schlecht beherrschte „Feuervergoldung" mit Gold" amalgam oder der Auftrag von Goldschaum. Ältere Arbeiten begnügten sich sogar mit mechan. Einpressen des Blattmetalls in das Ornament des Untergrundes, Kanten lötete man aneinander. - Das Ladenschild eines B.Schlägers aus der frühen Kaiserzeit (Abb.) zeigt seine i. wesentl. schon in Ägypten übl. Arbeitsweise; das zu Blech gedehnte Metall ist in Packen zwischen Pergament gelegt und wird mit schwerem Hammer auf einem Amboß dünn geschlagen. Wf

Blattgold zwischen Pergamentlagen Amboß

Blattgold. Ladenschild eines Blattgoldschlägers Blech. Den in den assyr. Bronzetoren von Balawat erreichten Höhepunkt in der B.bearbeitung haben die Griechen nicht überboten. Sie begnügten sich mit handgehämmertem B. in Abmessungen, die der Größe der Metallgefäße oder Metallfriese entsprachen, die durch kalte oder warme Treibarbeit verfertigt werden sollten. Dazu wurde meist Bronze, selten Silber und nur in Ausnahmefällen Gold, mitunter aber Messing und als Schildbelag hin und wieder Eisen verwendet. Die Römer verwendeten viel Blei-B., aus dem sie offene Rinnen oder Rohre bogen, die zusammengelötet wurden; außerdem diente Blei-B, zum Schutz der Schiffsplanken; Walz-B. blieb in der Antike unbekannt. Wf

Blei

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Blei. Die Verwendung von B. in älteren Kulturen erweiterten die Griechen durch B.umguß eiserner Dübel und Klammern im Monumentalbau. Ermöglicht wurde dies durch den Massenanfall von B. bei B.glanzentsilberung in Laureion seit dem Ende des 6. Jh. v. u. Z. Nach Baurechnungen kosteten 36 kg nur 5 Drachmen. Großbedarf an Wasserleitungsrohr und an Schleuderkugel-B. konnte mühelos gedeckt werden; 318 v . u . Z . schlug Pythokles

Blei. Bleiamulett aus Dalmatien/Pannonien (im Lasvatal gefunden; um 300 u. Z.)

Grundriß des röm. Bleiofens

Blei. Röm. Bleiofen auf einem Gutshof in der Eifel. Hanglage der beiden mit Ofenbrust gebauten Öfen an einer Geleisstraße mit l ,40 m Spurweite (mittlere Kaiserzeit)

ein von den Athenern jedoch abgelehntes B.-Monopol vor: bei Ankauf zum bisherigen B.preis sollte der Verkaufsgewinn zu dreifach erhöhtem Abgabepreis der Staatskasse zufließen. Um die gleiche Zeit stieg der Bedarf, da der in Syrien üblich gewordene B.sarg rasch Eingang in die Bestattungsformen der Diadochenzeit fand. Nach wie vor diente B. zur Ausformung von Gewichten, Amuletten, als Beschreibstoff für Fluchtafeln und Liebeszauber, für Anfrage und Antwort bei Orakelstätten. Überkommene mag. Vorstellungen und leichte Verformbarkeit in einfachstem Gitterguß nutzte die griech. und bald auch die röm. Volkskunst zu Weihegaben aller Art (Tierfiguren). Deponierten Symbolen schadete es nichts, wenn sie unansehnlich wurden, aber erhalten blieben. Nebenprodukte der B.gewinnung dienten der Medizin und der Kosmetik (B.weiß als gefährl. Schminke). Die Römer bezogen riesige Mengen B. aus Sardinien, bald darauf aus Spanien, Gallien - wo kelt. Tempel Bleidächer aufwiesen - Dalmatien, Britannien und Germanien. Bemerkenswert für die Ökonom. Struktur in der Eifel ist die B.gewinnung als Nebenbetrieb der Gutshöfe. B.schlacken mit 0,02-0,37 % Ag und 4-8 % Pb, in Britannien sogar 15-25% Pb, stellen den alten Metallurgen ein schlechtes Zeugnis aus. Geringe Mengen B. wurden auch gebraucht zur Münzlegierung, als Lötzusatz zu Zinn, für Zählmarken, als Eintritts- oder Lohnanweisung und als militär. Erkennungszeichen. Die B.vergiftung als Berufskrankheit war bekannt und gefürchtet. Abb. Wf Bleiche. Rasen-B, für Wäsche, nicht ausdrücklich überliefert, ist als oxyd. Verfahren voraussetzbar. Sache der die Stoffreinigung betreibenden Tuchwalker war das (reduzierende) Bleichverfahren durch Schwefelung über Gestellen (Abb.). Als Bleichmittel genannte Pflanzensäfte sind zwar nicht zu identifizieren, aber denkbar. Die für Wachsmalerei und Pharmazie wichtige Wachs-B, durch Kochen in Salzwasser galt als karthag. Erfindung. Haar-B, verstand man ebenfalls, doch sind die verwendeten Mittel unklar. Aufhellung durch Sonneneinwirkung war bekannt. Gewisse theoret. Überlegungen zur „Entfärbung" und B. finden sich in z. T. alchimist. Färbervorschriften. Wf

Bleiche. Pompejan. Walkerei: / Warenprüfung, 2 Aufrauhen des ^toffes mit Kratze, 3 geflochtenes Gestell zum Schwefeln übergehängter Tuche, 4 Kohlenbecken Blem(m)yer [kopt. Belehmu, „die Blinden"]: unternub. Nomadenvolk auf dem rechten Nilufer. Diocletianus trat an sie das Gebiet südlich von Syene (heute Assuan) ab. Auch in den folgenden Jahrhunderten blieben die B. Heiden und gefürchtete Räuber. Mit welchem nub. Stamm der Pharaonenzeit sie identisch sind, ist noch ungeklärt. D Blitzbündel [griech. keraungs, lat. fylgur]: Attribut des obersten Himmelsgottes Zeus (lat. lupiter), der im Blitzstrahl seine Macht erweist und ihn als Waffe, z. B. im Kampf gegen die Giganten (etwa auf dem großen Pergamonfries) gebraucht. Das B. deutet auf die Herkunft dieses Gottes vom Wettergott. Sl

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Boiotien

Athener" (1817) wurde Vorbild und Anregung für die Blondus, Flavius, italien. Flavio Biondo, 1392-1463, aus Wirtschaftsgeschichte der Antike. Le Forli in der Romagna, Altertums- und GeschichtsforBoëthius, Anicius Maniius Torqugtus Scverinus, um scher der italien. Renaissance, schrieb u. a. ein Werk 480-524, röm. Philosoph und Staatsmann, aus reicher über die röm. Geschichte seit der Eroberung Roms durch röm. Hocharistokratie stammend, Vertrauter und RatAlarich 410 („Historiarum Romani imperii décades III"), geber des Ostgotenkönigs Theoderich ; von diesem später Topographien Roms („Roma instaurata") und des nach langer Kerkerhaft wegen angebl. Mitwisserschaft antiken wie mittelalterl. Italiens („Italia illustrata") sowie an einer Verschwörung hingerichtet. - B. suchte neuplaeine röm. Altertumskunde („Roma triumphans"). D ton. und stoische Gedanken mit der christl. Theologie zu Blümner, Hugo, 1844-1919, seit 1877 Prof. der Archäoloverbinden. Er interpretierte das stoische Ideal der Gegie in Zürich, widmete sich den Realien: „Technologie lassenheit so, daß alles, was dem Menschen im ird. Leben und Terminologie der Gewerbe und Künste der Griechen geschehe, ihm nach Gottes Absicht zum Heil gereiche. und Römer", 4 Bde., Leipzig 1875/19122, 1897, 1884, B.' Bedeutung besteht in erster Linie in seiner Tätigkeit 1887; Wf als Übersetzer und Kommentator von Schriften des Blutrache: die in der Gentilgesellschaft bestehende Form Aristoteles, Platon u. a. Er förderte entscheidend den der Ahndung eines Mordes oder Totschlags. Die VerEinfluß des Aristotelismus auf die Frühscholastik. Seine pflichtung, den Mörder bzw. seine Verwandten zu vereigenen philosoph. Ansichten hat B. in der im Kerker folgen, erstreckte sich auf die Angehörigen des Getöteten, geschriebenen „Consolatio philosophiae" (Trost der bei den Griechen bis auf die Kinder der Vettern ersten Philosophie) niedergelegt, eines der meistgelesenen und Grades. Ablösung durch einen Ausgleich in materiellen oft übersetzten Bücher des Mittelalters (u. a. von Notker Werten war nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit. Labeo ins Althochdeutsche übertragen). Von seinen ArDie B. verschwand allmählich mit der Entstehung des beiten über das Quadrivium sind 2 Bücher über ArithSklavenhalterstaates, dessen Organe die Blutgerichtsbarmetik und 5 Bücher über Musik erhalten. Im Anschluß keit übernahmen, hielt sich aber, entsprechend der an pythagoreische und platon. Traditionen werden in den Unterschiedlichkeit der gesellschaftL Entwicklung, in letzteren die akust.-mathemat. Grundlagen der Musik manchen Bereichen antiken Kultureinflusses, z. B. auf abgehandelt. Als zusammenfassende und abschließende Korsika, bis in die Neuzeit. Wichtigstes literar. Zeugnis Kodifikation antiker Musiktheorie gewann seit der der Ersetzung der B. durch staatl. Rechtsprechung ist die Karolingerzeit das Werk kanon. Geltung, die bis über „Orestie" des Aischylos. DE den Humanismus hinaus anhielt. Kl Boccaccio, Giovanni, 1313-1375, italien. Dichter und Humanist, Freund und Schüler Petrarcas, mit dem zu- . Γ: Migne PL 63}64; G. Friedlein, 1867 (Arithmetik, Musik, sammen er unausgesetzt um die Wiederbelebung der lat. Geometrie); C. Meiser, 2 Bde., 7577/50 (K zu Aristotelss und bes. der griech. Studien bemüht war. B. veranlaßte Hermeneutik). TU (engl.): H. F. S te war t f E. K. Rand, 1918 (theolog. Schriften, Consolatio). Ü: K. Büchner *1960; die erste vollständige Homerübersetzung ins Lateinische O. Gigon 1966 (Consolatio). und stellte Notizen aus antiken Autoren zu histor., geograph. und mytholog. Werken zusammen. Die am Boettiger, Carl August, 1760-1835, auf klärer, produktiver Lateinischen gebildete Prosa von B.s „Decamerone" Schriftsteller (Archäologie, Mythologie, Theater). Als (1348/53) wurde wie die Sprache Dantes und Petrarcas Schulrat in Weimar war er Freund und Berater der grundlegend für die weitere Entwicklung der italien. Klassiker sowie Herausgeber von Wielands „Merkur" Sprache. Le und Bertuchs „Modenjournal"; 1814 Direktor der Böcklin, Arnold, 1827-1901, Schweizer Maler, war Dresdener Antikensammlungen. EH mehrere Jahre in Rom, besuchte auch Neapel und Bogen [griech. tgxon, lat. ârcus]: Jagd- und Kampfwaffe, Pompeji, wo er die Technik röm. Wandmalerei eindie sich in den ägäischen Kulturen hoher Schätzung gehend studierte. B. schuf vorwiegend leuchtkräftige, erfreute (B. des Odysseus). Von den Griechen zunächst klar komponierte Landschaften, in denen er Gestalten als Barbarenwaffe abgewertet, kommt der B. als Polizeides antiken Mythos, seltener der Geschichte als Stimwaffe, seit den Perserkriegen als takt. Waffe zunehmend in mungsträger verwendete (z. B. Pan im Schilf, Daphnis Gebrauch. Als bes. gute B.schützen waren die Kreter und Amaryllis, beide München). Mit seinen Meergöttern, bekannt. Auch die Römer lernten in der AuseinandersetKentauren, Satyrn und Hirten ließ B. Grundstimmungen zung mit Germanen und Orientalen den B. schätzen; sie und -gestaltungen der Antike lebendig werden; so leitete stellten Hilfstruppen mit B.bewaffnung auf. Sl er eine neue Schöpfer. Aneignung griech. Kunst ein. He Bogenkonstruktion. Unter den B.en der Antike, die sich Bodensee. Strabon erwähnt den B. ohne Namen, Plinius des Hausteins oder Ziegels als Gewölbestein bedienten, d. Ä. nennt ihn erstmals Brigantinus la,cus, Mêla unterdominieren der Rundbogen, der Flachbogen und der scheidet schon den größeren Ober- und den kleineren scheitrechte Bogen; daneben gibt es den sog. „falschen Untersee (Venetus und Acron(i)us lacus). Anwohner des Bogen" (Abb.). Während die B. in der griech. Architektur Sees waren Räter wie kelt. Helvetier und Vindeliker. Das eine untergeordnete Rolle spielt (Aufgang zur mittleren Gebiet nördlich des B. wurde 15 v. u. Z. von Drusus und Terrasse des Gymnasiums von Pergamon, Durchgänge Tiberius unterworfen. An röm. Orten sind außer Briganam Didymaion, Blendarkaden in der Eumeneshalle in tium (Bregenz) noch Constantia (Konstanz), Arbor felix Athen), erfährt sie in der röm. Baukunst eine großartige (Arbon) und Confluentes (Rheineck) zu nennen. D Steigerung und komplexe Anwendung in der HerausBoeckh, August, 1785-1867, seit 1811 Professor in Berbildung von Tonnen- und Kreuzgewölben sowie von lin; bedeutendster Vertreter der von seinem Lehrer Kuppelbauten (Triumphbogen, Thermen, KonstantinsF. A, Wolf begründeten histor. Periode der zur Alterbasilika, Pantheon); Häufung der B. z. B. an den Fassatumswissenschaft erweiterten Philologie, der er systemaden der Theater und Amphitheater. Sl tisch Auf- und Ausbau gab („Enzyklopädie und MethodoBöhmen, schon in der Antike unter dem Namen Boi(o)logie der philolog. Wissenschaften", 1877). Im Auftrag haemum („Heimat der Bojer") erwähnt, 8 v. u. Z. von der Berliner Akademie schuf er das von Niebuhr anden Markomannen unter Marbod besetzt. Umstritten ist, geregte Corpus Inscriptionum Graecarum (l 828 ff.) und ob die Bayern (lat. Bai(u)varii, „Bojerlandbewohner") wurde damit zum Begründer der neueren Epigraphik. von letzteren abstammen. D Sein hieraus entstandenes Werk „Staatshaushaltung der Boiotien, BöQtien: neben dem benachbarten Attika die

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Bojer

Flachbogen

scheltrechter Bogen

historisch bedeutsamste Landschaft Mittelgriechenlands, ertragreiches Agrarland (Viehzucht, Weizenanbau). Die sozialen Verhältnisse wurden durch eine tiefe Kluft zwischen der herrschenden Grundbesitzerschicht und den Bauern und Handwerkern bestimmt, die von allen polit. Rechten ausgeschlossen waren. Unter den in einem Bund zusammengeschlossenen Städten nahm Theben eine Führungsstellung ein, die nach dem Sieg über Sparta (371 v. u. Z. bei Leuktra) zeitweilig auf ganz Griechenland ausgedehnt wurde. B. war Heimat von Hesiod, Pindar und Plutarch. Den Athenern galten die Boioter als grob, bäuerisch und unbeholfen. - B. kam als Teil der röm. Provinz Macedonia (146 v.u.Z.) 27 v.u.Z. zur Provinz Achaia. SF Bojer, lat. Boii: 1. kelt. Volksstamm, der von Gallien nach Italien zog, sich nach Verdrängung der Etrusker und Umbrer um Bononia, heute Bologna in der Romagna, niederließ und 193 v.u.Z. von den Römern endgültig besiegt wurde. - 2. Mit 1. sind auch die B. verwandt, die teils 60 v. u. Z. aus f Böhmen in die Oberungar. Tiefebene auswanderten, teils sich den Helvetiern anschlössen. D Bona Dea [lat., „Gute Göttin"]: röm. segenspendende Göttin, auch Heilgöttin, Göttin der Frauen, Tochter oder Gemahlin des Faunus. Jährlich fand ihr zu Ehren im Dezember ein nächtl. Fest im Hause eines hohen röm. Beamten statt, zu dem nur Frauen erscheinen durften. S. a. Clodius, Be Bonifatius, eigtl. Wynfrith, 672/75-754 (auf der Heidenmission in Friesland erschlagen), Angelsachse, bedeutendster Missionar des Ostfrankenreiches. Er festigte die kirchl. Macht durch Errichtung neuer Bistümer und begründete eine Reihe von Klöstern (Fulda), die er zu Stätten von Bildung und Wissenschaft erhob. Zahlreiche Briefe, in mehreren Slg.en erhalten, zeugen von seinem missionar. Wirken („Apostel der Deutschen"), daneben auch von seinen literar. Interessen und Bemühungen. B. verfaßte ferner im Anschluß an spätantike Autoren eine Grammatik und Metrik sowie verschiedene Gedichte. Tr T: J.A.Giles, 2 Bde., London 1846. Briefe: T: M.Tangl, MGH Epist. sei. I, 1916. Ü: GDV 92, 21912. Gedichte: T: E. Dümmler, MGH Poetae I, 1881. Bonna, Castra Bonnçnsia, das heutige Bonn : Siedlung der Ubier und unter Kaiser Claudius errichtetes röm. Legionslager am Rhein, das bis in das 4. Jh. bestand; im 5. Jh. von den Franken erobert. Jo Bononia, urspr. Felsina, heute Bologna: etrusk. Stadt in Norditalien; seit 189 v.u.Z. röm. Kolonie, durch die Via Aemilia mit Ariminum und Placentia, durch die Via Flaminia mit Arretium verbunden. Erneute Zuwanderung röm. Kolonisten unter Antonius und Augustus; 53 u. Z. abgebrannt, von Kaiser Claudius wiedererrichtet. Seh Bordelle, lat. lupanaria, bestanden seit klass. Zeit (5. Jh. v.u.Z.) in allen Städten und größeren Ortschaften. Dirnen (griech. porne, lat. meretrix) konnten Sklavinnen,

Bogenkonstruktionen

auch Freie sein; sie waren vertraglich gebunden und unterstanden einem Aufseher. Bekannt ist das Lupanar in Pompeji mit zahlreichen an den Wänden erhaltenen Inschriften. Sl Boreas, lat. Bgreas, griech.(-thrak.) Gott des heftigen Nordwindes, entführte die Tochter des athen. Königs Erechtheus, Oreithyia (Gemälde von Rubens) und machte sie zu seiner Frau. Beider Söhne sind Kaiais und Zetes. Be Borghesischer Fechter: Werk des f Agasias. Bory_sthenes: antiker griech. Name des f Dnepr. Boscoreale: Ort bei Pompeji mit Resten einiger durch den Vesuvausbruch 79 u. Z. verschütteter Bauwerke. Die Villa des P. Fannius Sinistor, um 30 v. u. Z. errichtet, ist durch hervorragende Wandmalereien 2. Stils bekannt. In der „Villa rustïca" bei B. wurde 1896 ein Silberschatz von 109 Teilen gefunden (jetzt Paris, Louvre), der neben schlichten Geräten und Gefäßen meisterhaft gearbeitete Schalen und Becher der frühen Kaiserzeit enthält, darunter den Augustus-, den Tiberius- und den Skelettbecher (Taf. 49). He Bosporanisches Reich. Das B. R. (östlich und westlich vom Kimmer. Bosporus, der heutigen Meerenge von Kertsch) entstand im 5. Jh. v. u. Z. und entwickelte sich mit der Hauptstadt Pantikapaion unter den Archaianaktiden und Spartokiden zu einem monarchisch regierten Stadtstaat, der in Handelsverbindungen mit den miles. Handelsniederlassungen am Maiot. See (Asowschen Meer) und dem griech. Mutterland stand, die Getreideausfuhr aus der Donebene kontrollierte sowie die benachbarten Skythen in Schach hielt. Perikles stieß um 430 bis zum B. R. vor. 107 eroberte Mithridates VI. von Pontos das B. R., das sich unter dessen Nachfolgern trotz der Abhängigkeit von Rom bis an den Don (Tanais) ausdehnte. Im 3. Jh. u. Z. wurde das B. R. von den Goten überrannt, im 4. Jh. drangen die Hunnen ein. SF Bosporus [wohl thrak. Name, griech. volksetymologisch als „Ochsenfurt" gedeutet]: 1. Thrak. B., Meeresarm zwischen Europa und Asien, der die Propontis (Marmarameer) mit dem Pontos Euxeinos (Schwarzes Meer) verbindet. - 2. Kimmer. B., heute Straße von Kertsch, zwischen der Taur. Chersonesos (Krim) und der Halbinsel Taman, verbindet das Schwarze mit dem Asowschen Meer (Maiotis). Am Kimmer. B. lag im Altertum griech. (miles.) Kolonisationsgebiet mit der Hauptstadt des Bosporan. Reiches Pantikapaion (in byz. Zeit Bosporus) auf der europ. und Phanagoreia (Kolonie von Teos) auf der asiat. Seite der Meerenge. Der Kimmer. B. war für die Handelsverbindung zu den südruss. Getreidegebieten von Bedeutung. D Botanik [griech. botanike, „Futterkraut, Pflanzenkunde"]. In der frühgriech. Zeit pflegten anonyme Rhizotomen (Wurzelschneider) und Geoponiker oder Georgiker (Bauern) eine ausgesprochen angewandte B. Die Pflanzen fanden vorwiegend als Drogen in der Heilkunde Anwendung. Im Zeitalter der Kolonisation und Tyrannis so-

97 wie des Überganges von der Natural- zur Geldwirtschaft begannen die NaturphilosophenMenestor und Anaxagoras, die Pflanze ihrem Wesen nach deduktiv zu erschließen und sie als einen Teil der Natur zu verstehen. Die Materialisten Alkmaion, Empedokles und vor allem Demokrit orientierten auf eine induktive Erklärung der Natur. Naturwissenschaftlich beschäftigte sich mit der B. erst Aristoteles, der von seinem Schüler Alexander d. Gr. auf dessen Feldzügen verschiedenes Pflanzenmaterial sammeln ließ. Die botan. Schriften von Aristoteles sind verlorengegangen. Als eigentl. Vater der B. wird daher Theophrastos von Eresos bezeichnet, der u. a. die „Péri phyton historia" (Pflanzengeschichte), eine allgemeine B., und die „Péri aition physikon" (Die Ursachen der Pflanzen), eine Art Pflanzenphysiologie, schrieb. Zur Demonstration und Förderung der prakt. Anwendung der B. legte Theophrastos, der etwa 500 Pflanzen kannte, bereits einen botan. Garten an. Auf ihn stützte sich auch die Pharmakologie der Antike. In der Epoche des Hellenismus interessierte man sich sowohl für die pharmazeut. B. (Herophilos aus Kalchedon, Apollonias, Krates) als auch für die physiol. B. (Nikolaos Damaskenos). Die pflanzengeograph. B. entwickelte Strabon. Die röm. B. war vorwiegend pragmatisch. Sie orientierte hauptsächlich auf Fragen der Landwirtschaft und vermehrte die pflanzengeograph. Literatur. Plinius d. Ä. behandelte in seiner „Historia naturalis" (Naturgeschichte) erst die Bäume, weil diese den größten Nutzen boten, dann folgten die Feld- und Gartenfrüchte sowie die Arzneipflanzen. Die Zahl der von ihm beschriebenen Pflanzen beläuft sich auf etwa 1000, wobei allerdings manche mehrfach unter verschiedenen Namen angeführt wurden. In der Spätantike stand die B. unter dem Einfluß von Dioskurides, der in seiner ,,Materia medica" etwa 600 Arzneipflanzen beschrieb und illustrierte. Dieses Werk beherrschte die B. bis in das 16. Jh. Die röm. B. wurde durch die christl. Mönche (monast. B.) an das Mittelalter weitergegeben, ûi Boudjcca, Königin des britann. Stammes der Ikener. Sie leitete 6l u. Z. eine bedeutende Erhebung gegen die röm. Besatzung. Nach Anfangserfolgen mit der Einnahme von Camulodunum (Colchester), Londinium (London) und Verulanium (Saint Albans) wurde sie von den röm. Truppen unter dem Statthalter Suetonius Paullinus vernichtend geschlagen und beging Selbstmord. Jo Brachygraphie [griech., „kurze Schrift"]: in der Neuzeit gebildetes Kunstwort, erstmals 1590 von dem engl. Schreiblehrer Peter Bales für sein System einer Geheimkurzschrift für den diplomat. Dienst verwendet; seit etwa 1900 in der Paläographie gebräuchl. Terminus für jede irgendwie verkürzte gewöhnl. (Abbreviatur-) Schrift. Gegensatz: fTachygraphie. Bö Brahma ne n [sanskrit. „Opferpriester"]: ind. Priesterkaste. Die B. wurden auf Grund ihres Einsiedler- und Asketentums in ihren letzten beiden Lebensstadien in griech. Berichten auch als Gymnosophisten bezeichnet. Die Äußerlichkeiten ihres Lebens, ihre gesellschaftl. Funktion und ihre Lehre wurden nach Alexanders d. Gr. ind. Feldzug vor allem von Megasthenes beschrieben. Die späteren moralisierenden Darstellungen idealisierten die Tugenden der B. in übertriebener Weise. D Brasidas, spartan. Feldherr, leitete 424 v. u. Z. einen Vorstoß nach dem N der Ägäis, eroberte Amphipolis, besetzte die Goldgruben im Pangaiongebirge und betrieb den Abfall einiger mit Athen verbündeter Städte in Thrakien. Ein athen. Heer unter Kleon schlug er 422 bei Amphipolis. B. und Kleon fielen in dieser Schlacht. SF Brecht, Bertolt, 1898-1956, Sozialist. Dichter und Regisseur, setzte sich schon frühzeitig kritisch mit der anti-

Brief ken Literatur auseinander (1915 Schulaufsatz über Horaz' „Dulce et décorum est pro patria mori"). Als junger Dichter machte er zahlreiche nicht ausgeführte Entwürfe mit antiken Stoffen (Alexander, Prometheus, Pluto, Ares). Bemerkenswert ist die Bearbeitung von Grabbes „Hannibal" 1922 und Shakespeares „Coriolanus" 1952, in denen die Beziehung eines großen Individuums zur Gesellschaft behandelt wird. Während Hannibals Tatkraft, durch die Ungunst der Verhältnisse gelähmt, kein angemessenes gesellschaftl. Betätigungsfeld findet, wird in „Coriolan" der Anspruch der Gesellschaft an den einzelnen betont. Das Lehrstück ,, Die Horatier und Kuriatier", 1935, nach einer Vorlage von Livius inhaltlich und sozial neu bestimmt, behandelt die Problematik des Angriffs- und Verteidigungskrieges. Die Lucullus-Thematik, 1939 als Hörspiel („Das Verhör des Lukullus") und 1951 als Operntext, vertont von Paul Dessau („Die Verurteilung des Lukullus"), benutzt B. zur Warnung vor dem Krieg und zur Anklage gegen die Kriegstreiber. Zwei Kalendergeschichten, „Cäsar und sein Legionär" und „Der verwundete Sokrates", zeigen die Taten der Großen mit ihren Auswirkungen auf die einfachen Menschen. Dem blinden Draufgängertum wird die wahre Tapferkeit der Vernunft gegenübergestellt. Im Roman ,, Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar", 1938, werden die gesellschaftl. Hintergründe von Caesars Macht aufgedeckt. Die Bearbeitung der „Antigone" des Sophokles in der Hölderlinschen Übersetzung, 1948, ist ein Beispiel der Methode B.s, das klass. Erbe für die Gegenwart zu gewinnen. Formal zeigt sich der Einfluß der Antike bes. in B.s Vorliebe für Chöre, die er häufig in seinen Lehrstücken verwendet, um den krit. Abstand des Zuschauers zu dem Geschehen auf der Bühne zu erreichen. Ein zentraler Punkt seiner theoret. Bemühungen ist die Auseinandersetzung mit Aristoteles, der Versuch, eine nicht-aristotel. Dramatik zu schaffen. Dabei richtet sich B.s Polemik weniger gegen den griech. Theoretiker als vielmehr gegen die Auslegung seiner Ansichten durch das bürgerl. Theater. Wr Brennglas. Die Römer haben seit dem l . J h . u.Z. die Nutzbarkeit einer Sammellinse aus Glas oder Bergkristall als B. erkannt und medizinisch zum Kauterisieren verwendet. Brennspiegel aus Metall von großer Brennweite wurden in der Spätantike durch Anthemios von Tralleis zum Experimentieren hergestellt und in ihrer Wirkung theoretisch beschrieben. Wf Brennus, Fürst der kelt. Senonen, Anführer der Gallier bei ihrem Einfall nach Italien, siegte 387 v. u. Z. über die Römer an der Allia und nahm Rom außer dem Kapitol, das die heiligen Gänse der luno durch ihr Geschnatter gerettet haben sollen, brandschatzend ein. Bedingt durch den Einfall der Veneter in Oberitalien zogen die Gallier kampflos wieder ab, jedoch mußten die Römer vorher noch Kriegskontributionen leisten. Die Legende überliefert B.' Ausspruch beim Abwiegen des Goldes „Vae victis!" (Wehe den Besiegten!), mit dem er höhnend sein Schwert noch auf die Waagschale geworfen haben soll. FrJo Brettspiel. Erhalten oder auf Abbildungen bezeugt sind seit der kret.-minoischen Epoche bis in die röm. Kaiserzeit B.e, bei denen auf Spielbrettern mit Feldeinteilung Figuren nach festen Regeln zu rücken waren; gelegentlich wurde dazu gewürfelt. Abb. Sl Brief [lat. brevis (libellus), „kurzes (Schreiben)"; griech. epistolç, lat. epistula]. Der antike Alltags-B. enthielt am Anfang in einer Grußformel die Namen des Absenders und des Empfängers; es folgte die - oft knapp gehaltene - Mitteilung an den Adressaten; am Ende standen ein Abschiedsgruß sowie Ort und Datum der Abfassung. Als Material für den B. dienten vor allem Ton, zusammenleg-

Brieftaube

Brettspiel. Achilleus und Aias beim Brettspiel (nach einer Amphora des Exekias, um 525 v. u. Z.)

bare Holztäfelchen, deren Innenflächen mit erhöhtem Rand versehen und mit Wachs bestrichen waren, in das man den Text einritzte, Papyrus und Pergament. Der B. wurde zusammengeklappt oder -gerollt, verschnürt und u.a. mit Wachs oder Pech versiegelt; seine Außenseite trug die Namen des Adressaten und Absenders oder blieb leer. Zur Beförderung wurden private B.e Reisenden oder Sklaven, amtl. B.e Boten oder der Staatspost übergeben. Zu unterscheiden sind, bei fließenden Grenzen, wirkl. und literar. B.c. Von beiden Arten wurden, t. T. durch die Autoren selbst, meist Slg.en herausgegeben, in die oft Unechtes eindrang. Die Stilist.-formale Gestaltung antiker B.e war stark von der Rhetorik beeinflußt. Zu den wirkl. B.en gehören: vertraul. B.e (der B.wechsel Ciceros, insgesamt über 900 B.e, wovon ca. 800 von Cicero selbst stammen; die Plinius-B.e an Trajan; Frontos B.e an Marcus Aurelius; die B.slg. des Libanios, mit über l 600, teilweise unechten B.en die umfangreichste der Antike) sowie offene B.e, die sich an einen breiten Leserkreis wandten, um Verordnungen oder Ideen, Lehren usw. zu popularisieren (Amts-B.e; B.e des Isokrates, Platon, Epikur, Sallust). Weiteste Verbreitung fand diese Form in der christl. Mission. Der neutestamentl. Kanon enthält 21 Schriften dieser Art. 13 davon werden Paulus zugeschrieben (sie sind wahrscheinlich zwischen 50 und 65 u. Z. verfaßt und jeweils nach dem Namen ihres Empfängers benannt); daneben stehen die sieben sog. „kathol. B.e" (verfaßt wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 1. und im 2. Jh. und jeweils nach ihren mutmaßl. Autoren, d. h. nach Jakobus. Petrus, Judas und Johannes bezeichnet) sowie der Hebräer-B, (geschrieben vielleicht zwischen 80 und 90 u. Z. von einem heute unbekannten Verfasser). In den Papst- und Hirten-B.en lebt diese Form fort. Der Übergang vom offenen zum literar.B. vollzog sich leicht und blieb fließend. Die B.form dient hier lediglich zur Einkleidung, die B.e erscheinen als Slg., sind stark stilisiert und oft in Versen verfaßt (Horaz, Ovid, Seneca). Hierzu gehören auch die seit heilenist. Zeit erscheinenden fiktiven B.e (Ovids Heroides, die HetärenB.e von Alkiphron und Aristainetos). In den Dunkelmänner-B.en der Humanistenzeit, den „Literatur-B.en" des 18. Jh. und im modernen B.roman lebt die Gattung des literar. B.es fort. Ki T: Epistolographi Graeci, ed. R. Her eher, 1873. Ü: Briefe des Altertums, hrsg. υ. Η. Rüdiger, 1941.

Brieftaube. Für Athen wird die B. im 5. Jh. v. u. Z. bezeugt, für die Römer im l.Jh. u.Z. Zur Nachrichtenübermittlung wurde ihr ein Briefchen ans Bein gebunden. Wf Brigçtio, heute Szöny-Komarom : Stadt und röm. Militärlager in der Provinz Pannonien am rechten Donauufer vom 1.-4. Jh. u, Z., seit Kaiser Trajan ständig Standort einer Legion. Archäolog. Grabungen brachten Teile der

98 Befestigungsanlagen, Wasserleitungen von 17,5 km Länge, Torbauten, Reste des Lagers und der Wohnsiedlungen sowie Nekropolen zutage. Jo Brille: Augenglas zur opt. Korrektur (nach Sueton von Nero benutzt), aus der Antike bisher archäologisch, nicht nachweisbar. Sl Briseis, lat. Briseis, schöne Sklavin und Geliebte des Achilleus. Als Agamemnon Chryseis zurückgeben mußte, ließ er B. zu sich bringen und verursachte dadurch den Zorn des Achilleus (besungen in Homers Ilias). - Gemälde von Rubens und Tiepolo. Be Britannien, lat. Britannia, griech. Prettanikc, Bretannia u. ä. : größte der Brit. Inseln (England und Schottland) sowie die dortige röm. Provinz. B. trat zuerst durch phönik. Fahrten nach dem zinnreichen Cornwall in den Gesichtskreis der Griechen und wird in Avienus' „Ora maritima" Albion im Unterschied zu Irland (Hierne) genannt. - B. war schon im Paläolithikum besiedelt; seit etwa 500 v. u. Z. wanderten kelt. Stämme ein. 55 und 54 v.u.Z. unternahm Caesar zwei Expeditionen nach B.; unter Claudius wurde 43 u. Z. der S B.s erobert und zur röm. Provinz gemacht. 61 wurde"der Aufstand der Ikener unter ihrer Königin Boudicca von Suetonius Paulinus niedergeschlagen. Vom S der Insel aus erfolgten weitere Eroberungen z. Z. der Flavier, vor allem durch den Schwiegervater des Historikers Tacitus, Julius Agricola, bis zum Firth of Clyde (Clota) und Firth of Forth (Bodotria); das Gebiet des heutigen Südschottland wurde von Hadrian wieder aufgegeben, der zur Sicherung des röm. Einflußbereiches einen Wall von Carlisle bis Newcastle quer durch die Insel errichten ließ (127 vollendet). Zwar wurde die Grenze unter Antoninus Pius um 143 nochmals bis zum Firth of Clyde und Firth of Forth vorverlegt und durch einen Wall gesichert, aber unter Septimius Severus, der B. in zwei Provinzen (B. inferior im O, B. superior im W) teilte, 184 abermals auf den erneuerten Hadrianswall zurückgenommen. 259-268 gehörte B. zum Reich des Usurpators Postumus, bildete unter Cerausius und Allectus 286-297 ein Sonderreich, wurde aber von Constantius Chlorus zurückerobert. Im 4. Jh. fanden häufige Einfalle von Pikten und Skoten von Schottland (Kaledonien) her sowie von german. Stämmen (Franken, Sachsen) statt. Zu Anfang des 5. Jh. wurde B. von den röm. Truppen geräumt. Die Herrschaft über die Insel teilten sich nun einheim. Stämme mit den eindringenden Angeln» Sachsen und Juten. - Vor allem der S und SO des Landes wurde stärker romanisiert, die Römer gründeten u. a. Eburacum (York), Londinium (London), Camulodunum (Colchester). D Britisches Museum. Das 1753 in London gegr. B. M. besitzt eine große Antikenabteilung, die namentlich im 19. Jh. bedeutende Kunstwerke erwarb, u.a. die Skulpturen vom Parthenon (Elgin marbles), von Bassai, vom Mausoleum zu Halikarnassos und vom Harpyien- und Nereidenmonument zu Xanthos. He BritQmartis, lat. Britomartis, kret. Göttin. Sie entfloh vor der Liebe des Minos und sprang schließlich von einem Felsen ins Meer, worauf sie von Fischern in Netzen aufgefischt wurde. Davon habe sie den Namen Diktynna erhalten (griech. diktyon» „Netz"). Be BrQmios [griech., „der Lärmende4']: Beiname des Dionyscrs. Be Bronze. Die älteren B.kulturen im ägäischen und ital. Raum wurden im 12,/ll.Jh. v.u.Z. von eisenzeitl. Kulturen abgelöst, doch blieben für zahlreiche Geräte, Gefäße, Schmucksachen, Plastiken und Reliefs die B. und ihre Bearbeitungstechniken - Schmieden, Treiben, Ziselieren, Polieren usw. - sehr beliebt. Vor allem der B.guß mit verlorener wie mit wiederbenutzbarer Form für

99 Klein-B.n im Vollguß seit geometr. Zeit (8. Jh. v. u. Z.) kam in Griechenland zu höchster Entwicklung. Die Anwendung von Hohlguß auf Großplastiken findet sich seit dem 6. Jh. v. u. Z., sie wurde von den Griechen (irrig als Erfindung) auf die Erzgießer Rhoikos und Theodoros aus Samos zurückgeführt. Für Groß-B.n mußte der Erzgießerofen (Abb.) 300-500 kg Erz fassen und 5-6 m

Brücke Zeit bei Metallmangel eingeschmolzen wurden. In neuester Zeit hat die Unterwasserarchäologie eine Reihe bedeutender Werke geborgen (Knaben aus dem Meer vor Marathon, Artemision, Antikythera), die Kunst und Technik der klass. B. illustrieren, wobei daran zu erinnern ist, daß Augen in B.bildwerke vielfach aus Halbedelsteinen eingesetzt wurden, wofür es Vorbilder bereits in altoriental. Kulturen gibt. Wf Brot. Von den Getreidearten der Antike ergaben nur Gerste und Weizen backfähiges Mehl mit dem erforderl. Klebergehalt. Mehl· wurde mit Salz, Wasser und Sauerteig geknetet, wozu man z. Τ. Handschuhe trug und z. T. Knetmaschinen (Vgl. Abb. Bäckerei) verwendete. Zum Sauerteig nahm man Hirsebrei oder Weizenkleie, säuerte mit Most und trocknete die ein Jahr lang haltbare Masse an der Sonne. Der Teig wurde auf dem Backbrett ausgeformt; dazu gab es auch Mulden und Formen; war er gegangen, wurde er in den mit Holzkohle vorgeheizten, dann ausgeräumten Backofen geschoben und buk dort gar. Flaches, weniger beliebtes Fladen-B, bereitete man wohl auf dem Küchenherdrand. Die uns verlorene Spezialliteratur über B., ß.backen, B.diät betraf wohl mehr die Kunst- und Kuchenbäckerei. Gebild-B.e, die zu Festen und Opfern gebraucht wurden, waren meist FrüchteB.e oder ..Gewürzkuchen". Brötchen, Brezeln (bracchia, bzw. bracchiola, also „verschlungene Arme oder Armchen"), Kuchen, Lebkuchen (liburn, also fladenförmiger Feinkuchen), Omelette (lamella „Blättchen") und Plätzchen (placenta, rumän. immer noch pläcinta, ungar.-österr. „Palatschinken") aus Grob- und Feinmehlen mit Sauerteig oder Eiern (Hefe fehlt als Triebmittel) gebacken, gab es in reicher Auswahl. Wf

Bronze. Bronzegießofen, Werkzeuge, Arbeiter und Gußteile (nach einer Trinkschale, um 480 v. u. Z.) Höhe aufweisen, damit die Gußmasse im raschen Fluß vor der Erstarrung die entferntesten Formteile erreichte. Der Teileguß stellt die höchste Leistung dar, weil die mehrfache Erzielung der gleichen Erzmischung Voraussetzung für die Farbgleichheit der Einzelteile ist. Die Legierung aus Kupfer und 4-32 % Zinn mit sehr variablen Zusätzen von Zink, Blei, evtl. Arsen richtete sich nach dem Verwendungszweck und nach der erstrebten Tönung der B. Für Spiegel war der Zinnzusatz am höchsten, für Münzen der Bleizusatz. Standard-Legierungen wurden in Korinth, Delos und Agina hergestellt. Der Bedarf war erstaunlich hoch, denn Orte wie Olympia, Delos, Delphi, Korinth, Athen, Rhodos wiesen jeweils über 3000 Statuen auf - man kann leicht errechnen, daß in Griechenland zur Blütezeit täglich eine Großplastik fertiggestellt wurde. Im Hellenismus entstand dann die Kolossal-B. (@ Koloß). Die Leistungen der Etrusker sind nach Menge und Güte gleichfalls beachtlich (L'Arringatore, Brutus; Taf. 37). Der etrusk. Export erreichte sogar Skandinavien; die Etrusker verwendeten Kupfer aus Vorkommen bei Volaterrae, sie bezogen Zinn aus Hispanien und Britannien, legierten aber stark mit Blei. Im etrusk. Volsini eroberten die Römer 265 v. u. Z. 2000 B.-Stat;uen. Die Römer haben die Technik der B. nicht weiterentwickelt, wohl aber sich alle Fertigkeiten angeeignet und waren dadurch befähigt, ein außerordentlich breites Sortiment an B.waren zu produzieren, insbes. Möbelbeschlage (schon in Assyrien beliebt), Pferdeschmuck und Architekturdekor sowie die Kolossalplastik. Sie wußten aber die feineren griech. Arbeiten der klass. Stile zu schätzen und haben sie in großem Umfang mehr oder minder gewaltsam nach Italien gebracht. Erhalten blieben nur wenige, meist späte Werke (Dornauszieher) oder Kopien (Betender Knabe), da die „heidn." Werke in Christi. 7*

Brot. Kneten des Brotteiges nach Flötenmusik - wohl auf einem Gutshof (nach einer Terrakottagruppe im Musée du Louvre, Paris Brücke. Bereits in myken. Zeit baute man kleine spitzbogige Steinbrücken. Aus dem 5. Jh. v. u. Z. stammt die Stein-B, von Brauron im laur. Bergwerksbezirk von 9,2 m Länge und 9 m Breite. Auch Knidos erhielt einen Viadukt von 7,6 m Spannweite. Sonst bevorzugte man Schiffs-B.n und Holzkonstruktionen. Mit einer solchen überbrückte man 411 v. u. Z. auf 30 m das offene Meer bei Euripos, um Euboia mit dem Festland zu verbinden.

Tajobrücke bei Alcântara

Brukterer Die Römer bauten über den Tiber im 5. Jh. v. u. Z. den Pons sublicius auf Holzpfählen. Die Höchstleistung im B.nbau erreichte t Apollodoros (Abb.) mit der 1070 m langen B., bei der 20 Steiripfeiler in der Donau das 50-60 m spannende Sprengwerk trugen. Die von Caesar 150 Jahre zuvor errichteten Rhein-B.n werden kaum kürzer gewesen sein. Noch heute gangbar ist die Mosel-B, bei Trier; die schönste aller antiken B.n ist die von Alcantara (Inschrift erhalten) (Abb.); die Höhe der Fahrbahn liegt bei 54 m und schafft einen Niveauausgleich mit den Römerstraßen, die Spannweite beträgt 36 m. Man unterschied Fahrbahn (Iter), Bürgersteig (Decursorium dextrum und sinistrum) und Geländer (Plutei). Wf Brukterer: westgerman. Stamm im Lippe-Ems-Gebiet, der 12 v. u. Z. von den Römern unter Drusus unterworfen wurde. Die B. schlössen sich der Erhebung des Arminius an und kämpften im Teutoburger Wald 9 u. Z. sowie gegen Germanicus 14-16 mit. Auch an dem Aufstand der Bataver 69-70 beteiligten sie sich unter Führung ihrer Seherin Veleda und drangen um 100 bis an den Rhein bei Köln vor. 310 von Konstantin besiegt, wurde der Stamm im 4. Jh. ein Bestandteil der Franken. Jo Brundisium, heute Brindisi: Hafenstadt im antiken Kalabrien, an der adriat. Küste Italiens; in der Frühzeit von Messapiern besiedelt, wurde es 244 v. u. Z. latin. Kolonie und nach 89 v. u. Z. Munizipium. Wohl im 2. Jh. v. u. Z. wurde die Via Appia von Capua nach SO bis B. verlängert. Von B. fuhr man in der Antike mit dem Schiff von Italien nach Griechenland. D Brunn, Heinrich von, 1822-1894, dt. Archäologe, versuchte, aus dem vorwiegend in röm. Kopien überlieferten Denkmälerbestand, vor allem der Plastik, die durch Schriftquellen bezeugten griech. Vorbilder zu ermitteln; der dabei eingeschlagene Weg der Formenanalyse führte zu vertieftem Kunstverständnis der Werke und lenkte die klass. Archäologie auf neue Bahnen der Stilkritik. B. forderte, röm. Denkmäler aus ihrem histor. Zusammenhang und nicht aus der griech. Mythologie zu deuten. Hauptwerke: ..Geschichte der griech. Künstler" 1853/59, 2 1888/89; „Griech. Kunstgeschichte" 1893/97. Sl Brunnen. In der Antike wurden B. durch Ausmauerung von Quellöchern oder durch Erschürfung von Wasseradern angelegt und z. T. mit schönen B.Häusern (Abb.) versehen. B., meist rund gemauert, sind fast immer ZiehB. mit Eimer und B.seil ohne Haspel; Pumpsätze kommen so gut wie nie vor. Anweisungen zur Erkenntnis

Brunnen. Wasserholende Mädchen mit Hydria vor dem Brunnenhaus der Quelle Kallikrene (nach einem Vasenbild aus Vulci; London)

100 quellhaltigen Untergrunds für den B.bau aus röm. Zeit beruhen auf Empirie, die der etrusk. Brunnensucher (Aquilex) entwickelt hatte. Sandschüttungen, auch Tuffeinlagen als B.filter, sind vom Fachschrifttum empfohlen, aber selten nachweisbar. Wf Bryttium: das heutige Kalabrien im SW der Apenninenhalbinsel, seit der Mitte des 1. Jährt, v. u. Z. vom umbr.sabell. Stamm der Bruttii besiedelt. Die Bruttier kämpften gegen die griech. Städte, gegen Alexander von Epirus (30er Jahre des 4. Jh. v. u. Z.) und Agathokîes (um 300). Nachdem sie auf seilen des Pyrrhos gegen die Römer gekämpft hatten, waren sie seit 272 von diesen abhängig. 216 v. u. Z. fielen sie zu Hannibal ab und wurden nach dessen Niederlage von den Römern, die röm. und latin. Kolonien in B. anlegten, größtenteils versklavt. B. war später ein Gebiet mit ausgedehntem Latifundienbesitz röm. Aristokraten. Der Namen Kalabrien wurde erst in byz. Zeit (7. Jh. u. Z.) vom antiken Kalabrien auf B. übertragen. D Brutus: 1. L. lynius B., sagenhafter Begründer der röm. Republik, der den König Tarquinius Superbus, seinen Verwandten, vertrieb und zusammen mit Collatinus 509 v. u. Z. (?) Konsul war. Er fiel im Zweikampf gegen Arrun, den Sohn des vertriebenen Königs. - 2. M. lynius B., 85-42 v. u. Z., der bekannteste Caesarmörder. Zunächst polit. Freund Ciceros (der Briefwechsel in 2 Büchern mit Cicero ist erhalten), seit 48 Anhänger Caesars, der ihn 46 cum Statthalter von Gallia Cisalpina und 44 zum Prätor machte. Im Interesse der Erhaltung der republikan. Senatsherrschaft wurde er neben Cassius der Anführer der Verschwörung gegen Caesar, nach dessen Ermordung beide in Griechenland und Asien ein Heer aufstellten. Sie wurden jedoch 42 von den Caesarrächern Octavianus und Antonius geschlagen. B. endete als überzeugter Stoiker durch Selbstmord. - Überliefert werden der Ausruf des sterbenden Caesar „Auch du, mein Brutus!" (so bei Shakespeare, Julius Cäsar) und das griech. Wort „Auch du, mein Kind?" (bei Sueton und Cassius Dio). Beide Ausrufe sind legendär. FrJo Bryaxis, griech. Bildhauer der 2. Hälfte des 4. Jh. v. u. Z., wohl aus Karlen. Er arbeitete an den Friesen (Nordseite) des Mausoleums von Halikarnassos mit, auch wird ihm die Statue des Mausolos von diesem Grabbau zuerkannt. In Athen ist eine von ihm signierte Basis mit Reiterdarstellung zutage gekommen. Die Zuweisung des in etl. Versionen überlieferten Serapis-Typus scheint sicher. Sl Brygos-Maler: nach dem Töpfer Brygos benannter Vasenmaler des att.-rotfigurigen Stils, der im 1. Viertel des 5. Jh. v. u. Z. bes. Schalen dekorierte. Von ihm sind über 200 Werke, z. T. fragmentarisch, erhalten, deren Bilder nach der rhythm. Komposition und der versierten Beweglichkeit der Einzelfiguren einen dem ion. Kunstkreis verpflichteten Maler zu erkennen geben. Zu den Meisterwerken zählen die Pariser Iliupersis („Zerstörung Trojas"), die Londoner Satyrattacke, die Berliner Gigantomachie sowie der Würzburger Komos ; die Iliupersis geht offenbar auf ein Vorbild der Großmalerei zurück. - Abb. f Iliupersis Sl Buc(c)ellarii [nach lat. buccella]: im 5. Jh. üblich werdender Ausdruck für die Gefolgsleute (comités, satellites usw.) von Feldherren und privaten Besitzern. Dieses Privatsoldatentum wird im Imperium als halboffizielie Institution teils geduldet, teils durch Gesetze bekämpft und war für den Übergang zum frühen Feudalismus von Bedeutung, am längsten im Westgotenreich (bis zum 7. Jh.). Die Bucchero [span. bucaro, „Siegelerde"]: Gefäße der monochromen Grau- und Schwarzware, die neben dem Impasto bes. im etrusk. Raum hergestellt und exportiert

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Zweifigurengruppe des Brygos-Malers wurde. Im 7. Jh. v. u. Z. dominierte der grazilere B. sottile, im 6. Jh. und später der derbere B. pesante. Die ornamentale oder figürl. Verzierung wurde eingeritzt, aufmodelliert, ausgedrückt oder appliziert. Die durchgehende Schwärzung ist wohl das Ergebnis eines Reduktionsbrandverfahrens. Taf. 48. Sl Buch. Das antike B. stellt sich zunächst als Papyrusrolle dar, die, aus dem oriental. Bereich kommend, die gesamte antike Welt eroberte. Im 4./5. Jh. u. Z. begann der f Kodex die Rolle zu verdrängen und ist bis heute die bestimmende Grundform des B.es geblieben. Anfangs noch aus Papyrus hergestellt, wurde dann ausschließlich das vielseitiger verwendbare Pergament benutzt. Die Bücher wurden durch Abschreiben vervielfältigt; der erste uns bekannte Verleger war der Römer Atticus, der Freund Ciceros. Auch von B.laden wissen wir aus den Werken röm. Autoren (Horaz, Martial). In der Spätantike entstanden öffentl. Bibliotheken (Alexandreia, Rom), aber es gab auch schon private Sammler; zu den bedeutendsten zählten Aristoteles und Cicero. Wt Buchhandel. Voraussetzungen des B.s sind Unternehmer für die gewerbsmäßige Vervielfältigung der Bücher mit Hilfe von Sklaven. Dichter, z. B. Euripides, ließen ihre Werke von Sklaven vervielfältigen. Seit dem 5. Jh. v. u. Z. ist die Bezeichnung „Buchhändler" belegt (griech. bibliopQles, bibliokâpelos, lat. bibliopola, librarius). Die Bedeutung des antiken B.s liegt in der Verbreitung literar. Texte und deren Tradierung ins Mittelalter. Der Verkauf von Büchern ist zuerst bei dem griech. Komödiendichter Eupolis (geb. 446 v. u. Z.) belegt. Die Gründung einer großen Bibliothek, wie der in Alexandreia im 3. Jh. v. u. Z., ist nur durch einen entfalteten B. möglich. Der B. in Rom ist erst ab Mitte des 1. Jh. v. u. Z. bezeugt. Berühmt wurde Ciceros Verleger Atticus, in der augusteischen Zeit die Verlegerfamilie der Sosii als Betreuer der Werke des Horaz, später Trypho, der Verleger Martials und Quintilianus'. Der B. der röm. Zeit war sehr leistungsfähig und belieferte die entlegensten Provinzen; während der Kaiserzeit wurden Auflagen bis zu 1000 Exemplaren besorgt. Die Bücher gelangten von den frühesten Zeiten an in Rollenform in den Handel; etwa vom 2. Jh. ab bevorzugte man den Kodex wegen seiner prakt. Handhabung und billigeren Herstellungsweise. Verlagsund Urheberrechte waren unbekannt. Am Ende der An-

Bühnenmusik tike erlag der B. allmählich und wurde im frühen Mittelalter durch Klosterskriptorien ersetzt. GP Buchrolle: bis etwa zum 4. Jh. u. Z. gebräuchl. Buchform der Antike, vorwiegend aus Papyrus. Längs der Horizontalfasern in Kolumnen beschrieben und mit der Schrift nach innen aufgewickelt, wurde die B. durch Abrollen nach links gelesen. Die Rollen wurden in den Bibliotheken liegend aufbewahrt. Zahlreiche Darstellungen finden sich in der bildenden Kunst. In der Gegenwart wird die B. noch für Urkunden, Diplome u. ä. verwendet. Wt Bude, latinisiert Budaeus, Guillielmus, 1467-1540, französ. Humanist, gelehrtester Gräzist seiner Zeit und Begründer der Humanist. Studien in Frankreich. Er veranlaßte Franz I. zur Gründüng des Collège de "France (1530) und gab eine Anleitung zum Studium des Griechischen („Commentarii linguae graecae", 1529) heraus, ferner stellte er den Text der Pandekten wieder her (1508) und kommentierte ihn. Mit „De asse et partibus eius" (Über das As [= Pfund] und seine Teile) (1514) wurde er zum Begründer der wissenschaftl., für die Humanist. Rezeption der antiken Pharmazie und Medizin unentbehrl. Metrologie. Die 1917 gegr. „Association Guillaume Budé" hat die Aufgabe, die Studien des klass. Altertums zu fördern und den Sinn für die griech.-lat. Kultur zu pflegen. Le Bühne. Die B. des antiken Theaters war eine zwischen Orchestra und Skene gelegene, seit Hellenist. Zeit wohl meist erhöhte rechteckige Plattform, die hinten von der Wand des Bühnengebäudes, seitlich von dessen vorspringenden Seitenflügeln begrenzt wurde. Zugänglich war sie durch Türen in den begrenzenden Wänden und von der Orchestra her durch Stufen. Sie wurde mit Kulissen, die man an der Skenenwand aufhängte, ausgestattet. In Griechenland war sie stets offen, die Römer kannten einen versenkbaren Vorhang. Eine besondere B.nform entstand in Unteritalien mit der Wander-B, der Phlyaken. Wie die Theater-B, unter freiem Himmel errichtet, bestand sie aus einem transportablen Holzpodest von l bis 2 m Höhe, das vorn oder an den Seiten durch Stufen zugänglich war und von einer Rückwand begrenzt wurde, an der man die Kulissen aufhängte. In der mittelalterl. Raum-B, sowie in der Jahrmarkts-B. lebten wesentl. Elemente der antiken B. fort. Als in der Renaissance antike namentlich röm. Dramen wiederaufgeführt wurden, entstand mit der sog. Terenz-B. die unmittelbare Vorform der modernen Theater-B. -Abb. t Theater. K

Bühnengebäude und Bühne des Theaters von Segeste (Rekonstruktion) Bühnenmusik. Die griech. Tragödie übernahm den Chor aus dem Dionysoskult, zu dessen Festen Satyrtänze aufgeführt wurden. Der instrumentalen Begleitung der dramat. Chöre dienten vor allem die Auloi. Äußerst kunstvoll nach Aufbau und Versmaß, hatten die Chorge-

Bukephalos sänge dramat. Funktionen, man unterschied Einzugslied (Parodos), Standlied (Stasimon), Auszugslied (HypQrchema), lyr. Dialog (Kornrngs). Unter den Tonarten bevorzugte man Mixolydisch und Dorisch, von den Tongeschlechtern Enharmonik (wie das älteste griech. Musikfragment, ein Rest aus dem Stasimon der euripideischen Orestie, veranschaulicht). Neben den Chören gab es im Drama aulos- und kitharabegleitete Monodien. Gelegentlich ließen sich Schauspieler beim Rezitieren der Sprechverse durch Aulosspiel begleiten. Während die Tragödien des Aischylos reicher an Chormusik waren als die des Sophokles, traten bei dem letzten att. Tragiker, Euripides, Sologesänge auf, deren durchkomponierter arioser Bau vom neuen Dithyrambes beeinflußt ist. Die Komödien des ihn bekämpfenden Aristophanes dürften sich sowohl durch volkstümlich schlichtere Sololieder als durch instrumentale Vor- und Nachspiele ausgezeichnet haben. Bei der heilenist, und röm. Komödie kannte man gesprochenen, gesungenen und melodramat. Vortrag. Mit ihrer Fülle an Monodien und Duetten, an Tanzeinlagen und Zwischenaktmusiken sind die Komödien des Plautus als Singspiele gestaltet. Den Pantomimus untermalte Chorgesang und Instrumentalmusik, wobei alle Mitwirkenden vom Tibiabläser mit der Fußklapper dirigiert wurden. Das improvisierte Spiel der Mimusdarsteller . wurde durch schlagerhafte Tanz- und Gesangseinlagen bereichert. LRi Bukgphalos: Leibpferd Alexanders d. Gr., starb 326 nach der Schlacht gegen Porös. Ihm zu Ehren wurde die Stadt Bukephala (heute Jalalpur) gegr. Z Bukglik [von griech. bukglos, „Rinderhirt"]:Hirtendichtung. Die antike B. wurzelt im volkstüml. Hirtengesang, der namentlich in Sizilien lebhaft gepflegt wurde. Vor Theokritos begegnen bei verschiedenen Autoren bukol. Elemente (z. B. Stesichoros, der die typ. Gestalt des Hirten Daphnis schuf). Als literar. Gattung erscheint die B. jedoch erst seit Theokritos. Sie entstand in einer Zeit zunehmender Verstädterung als Ausdruck einer sentimentalen Sehnsucht nach der Schlichtheit und Naturverbundenheit ländl. Lebens. Ihre Vertreter gehören nicht breiten Volkskreisen an, sondern den herrschenden Schichten. Theokritos' „Eidyllia" schildern das Landleben in seiner naturgegebenen Einfachheit; die Hirten sind lebensnah gezeichnet, maßvoll idealisiert; Ort der Handlung ist oft Sizilien. Demgegenüber besitzt die jüngere griech. B. (Moschos, Bion) einen verstärkten Hang zu sentimental-verklärender Darstellung; dieser Zug prägt auch das letzte bedeutende Zeugnis griech. B., den Hirtenroman des Longos. Die röm. B., auf der heilenist, fußend, erreichte nach früheren Ansätzen (Messalla [in griech. Sprache], Gallus) ihre Blüte in Vergils 10 Eklogen oder „Bucolica". In ihnen ist die Darstellung der Hirtenwelt stark idealisiert (Ideallandschaft Arkadien), aber nur selten Selbstzweck, öfter der Rahmen, in dem Belange des Dichters und seiner Zeitgenossen (auch symbolhaft) Ausdruck finden. In Form zahlreicher motiv. und formaler Entlehnungen lebte die antike B. in der vom 16. bis 18. Jh. in den meisten europ. Ländern gepflegten Schäferpoesie fort. Ki T: A. S. F. Gow: Bucolici Graeci, 1952.

Bukranion [griech., „Stierkopf"]: als Voll-, Haut- oder Nacktschädel Ornament der griech.-röm. Kunst, seit dem 3. Jh. v. u. Z. mit der Girlande zum B.-GirlandenFries vereinigt, der in der Architektur, auf Reliefs (z. B. Sarkophag Caffarelli), in der Wand- und Vasenmalerei als dekoratives Element verwendet wurde (Abb.). Das B. wurde auch ein beliebtes Ornament der Renaissance. Sl

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BukranienGirlanden-Fries

Bulg [griech., „Rat"]: in den griech. Stadtstaaten die mit der Führung der Politik durch Wahl beauftragte Bürget Ratsversammlung. In Athen wurde von Solon (als'Gegengewicht gegen den adligen Areopag) der Rat der 400, von Kleisthenes der Rat der 500 (mit 50 Mitgliedern aus jeder der neu eingerichteten 10 Phylen) geschaffen. Die 10 Phylen lösten sich innerhalb eines Jahres im Rathaus (Buleuterion) mit dem Dienst ab. I

Buleuterion. Rekonstruktion.des Rathauses von Milet

Buleutcrion [griech., „Rathaus"]: Versammlungsort der Bule, innen mit stützenden Säulen und theaterförmig ansteigenden Sitzreihen, außen mit gegliederter Fassade. Gut rekonstruierbar ist u. a. das B. von Milet (2. Jh. v. u. Z.; Teilaufbau in der Berliner Antiken-Slg.). - Abb. He Bulgarien. Der zu Beginn des 1. Jährt, v. u. Z. bei den südthrak. Stämmen einsetzende soziale Differenzierungsprozeß führte am Anfang des 5. Jh. v. u. Z. zur Bildung des Odrysenreiches. Großen Ökonom, und kulturellen Einfluß auf die thrak. Stämme übten die griech. Kolonien Apollonia, Mesambria und Odessos an der westl. Schwarzmeerküste aus. Zur Errichtung der röm. Provinzen Moesia inferior und Thracia kam es erst im Verlauf des 1. Jh. In dieser Zeit entstanden zum Schutz der Donaulinie mehrere Militärlager, die sich zu Siedlungen städt. Charakters entwickelten. Im Zuge der röm. Urbanisationstätigkeit im 2. Jh. wurden folgende Städte gegründet: Nicopolis ad Istrum, Marcianopolis, Serdica, Pautalia, Nicopolis ad Nestum, Augusta Traiana. Der im 3. Jh. einsetzende wirtschaftl. Verfall wurde durch die Barbareneinfälle seit Mitte des Jh. verschärft. In Nord-B, hörte städt. Leben in den meisten Orten am Ende des 6. Jh. auf, während im S die Siedlungskontinuität gewahrt blieb. Die Leistungen der Antike auf bulg. Boden sind iritegrierender Bestandteil des nationalen Kulturerbes in der VR Bulgarien. Das findet nicht nur seinen Ausdruck in der nach dem 9.9. 1944 sprunghaft angewachsenen archäolog. Forschung, sondern auch in der schöpfer. Auseinandersetzung bulgar. Künstler mit Denkmälern thrak. Kunst. MO Bulla: am Hals getragene lederne oder metallene (bei Wohlhabenden goldene) Kapsel, in der die Amulette der röm. Kinder aufbewahrt wurden ; bei Anlegung der Toga virilis (bei Mädchen wohl vor der Heirat) den Hauslaren dargebracht. Der Triumphator trug eine B. mit apotropäischen Talismanen. Die Bundesgenossen [lat. SQCÜ]: zuerst die im ital. Städtebund in jahrhundertelangen Kämpfen Roms vertraglich zu-

103 sammengeschlossenen Latiner, Sabeller, Osker und Griechenstädte Süditaliens. Die von Rom unterworfenen Stämme waren verpflichtet, zur Verstärkung der röm. Armee Socii zu stellen, für jede Legion etwa 5000 Mann Fußvolk und 900 Reiter. Die Socii standen unter dem Kommando von Praefecti sociorum. In der späten Kaiserzeit wurden Verträge (lat. Sg. foedus) mit außerhalb der Reichsgrenzen lebenden Stämmen und Stammesverbänden abgeschlossen und dabei die gegenseitigen Beziehungen geregelt. Die Föderalen wurden nach dem Vertragsabschluß keine röm. Bürger, behielten ihre alten Volksrechte, bekamen in Grenzgebieten Siedlungsland zugewiesen und übernahmen dafür den Grenzschutz meist gegen Jahreszahlung an Lebensrnitteln. Im Krieg stellten sie besondere Kontingente unter eigenen Anführern. H Bundesgenossenkrieg: mehrere Kriege des Altertums. 1. polit.-militär. Auseinandersetzungen (357/55 v. u. Z.) zwischen Athen und einigen seiner Bundesgenossen (Chios, Rhodos, Byzanz, Kos), z. Z. des allgemeinen Niederganges der athen. Herrschaft. Nach dem Friedensschluß, der den Abtrünnigen die Unabhängigkeit brachte, sank die Zahl der Mitglieder des 2. Att. Seebundes auf ein Drittel. - 2. Kämpfe (220/17 v. u. Z.) Makedoniens und seiner Bundesgenossen (u. a. Achaier) gegen die mit Sparta verbündeten Aitoler. Im Frieden zu Naupaktos forderte der Aitoler Agelaos die griech. Staaten zur Einheit und Eintracht gegen eine ,,westl. Gefahr" auf (Rom oder Karthago). - 3. Aufstand den autonomen ital. Stämme gegen Rom (90-88 v. u. Z.), die für das röm. Heer Hilfstruppen und Reiterei stellten, aber kein Bürgerrecht besaßen und deshalb der Willkür röm. Behörden bes. ausgesetzt waren (Ausschluß von Landverteilungen, harter Strafvollzug, Übergriff röm. Latifundienbesitzer auf das Ackerland ital. Bauern). Unter Führung der Marser und Samniten schlössen sich die meisten Italiker (mit Ausnahme der Etrusker und Umbrer, bei denen die Großgrundbesitzer mächtig und romtreu waren) zusammen, begründeten einen eigenen Staat (eigene Münzprägung) mit der Hauptstadt Italia (Corfinium) und erkämpften sich trotz militär. Niederlagen das röm. Bürgerrecht (Jurist. Gleichberechtigung). Nach dem B. führte die Entwicklung von Produktion und Handel zur Blüte vieler ital. Städte. SF Buntschriftsteller: Autoren der frühen Kaiserzeit, insbes. der ..Zweiten Sophistik" (Favorinus, Aelianus) intensivierten und kultivierten den t Paradoxographen verwandte literar. Formen, weitere fließende Übergänge finden sich zu Gnomologien, Florilegien, auch biograph. Darstellungen (wie Diogenes Laertios). Dem Leser wird Wissenswertes und Interessantes aus allen Lebensbereichen in scheinbar absichtslos-bunter Folge angeboten. Die Titel sind anspruchsvoll („Ait. Nächte", „Wälder", ..Teppiche" u. a.) oder betont schlicht („Naturgeschichte", ,,Bunte Geschichte", „Erinnerungen" u. a.). Zuweilen herrscht eine einheitl. (pädagog.-diatrib.) Gesamttendenz, z. B. bei Gellius, beliebt ist auch die Form des literar. Symposions (Athenaios, Macrobius). Der Wert der nur durch diese Literatur überlieferten Fragmente aus verlorener älterer Literatur ist beträchtlich, ebenso ihre Wirkung und Verbreitung bis ins Mittelalter (Aelianus, Gellius). Bd Burckhardt, Jacob, 1818-1897, bedeutender bürgerl. Kultur- und Kunsthistoriker, Prof. in Zürich (1855) und Basel (1858). „Die Zeit Constantins d. Gr." (1853) schildert den Untergang der Antike auf Grund ihres inneren Verfalls und die Sicherung der Bildungskontinuität durch das Christentum. Als Kunsthistoriker beschäftigte sich Β. in zahlreichen Arbeiten mit der Renaissance in Italien.

Bürgerrecht Postum erschien aus seinen Kollegheften die „Griech. Kulturgeschichte" (4 Bde., 1898-1902). die die bürgerl. Kulturgeschichtsschreibung bis in die Gegenwart hinein beeinflußt. Obwohl Β. Geschichte lediglich als Phänomen ohne Teleologie ansieht, bietet sein kulturhistor. Querschnitt in literar. Form doch eine der Wirklichkeit nähere Gesamtschau der griech. Antike als der Neuhumanismus mit seinem idealisierenden und harmonisierenden Griechenbild. Mit von Schopenhauer geprägtem Pessimismus hält Β. die Geschichte für die unwissenschaftlichste aller Wissenschaften („Weltgeschichtliche Betrachtungen", 1905); Nietzsche sah B. als seinen Lehrer an. Rf Burdjgala, heute Bordeaux: Hauptort der kelt. Bituriges Vivisci, wurde 56 v. u. Z. römisch und später Hauptstadt der Provinz Aquitanien, seit dem 4. Jh. von Aquitania secunda. In B. wurde Ausonius geboren. D Bürger [griech. polîtes, lat. civis] : Personen im Besitz von jeweils nach griech. und röm. Gesetz differenzierten Bürgerrecht. Mü Bürgerrecht. Griech. politeja bedeutet B. und zugleich auch Bürgerschaft und Staatsverfassung. In den meisten griech. Stadtstaaten waren Grundbesitz und Abstammung, durch die man in die Familie, das Geschlecht und den Demos hineingeboren wurde, die Voraussetzung für das B. In Athen galt nach dem Gesetz des Perikles von 451/50 v. u. Z. nur der als Bürger, dessen Eltern beide das volle B. besaßen, während in Sparta der Besitz eines Kleros, die Teilnahme an der staatl. Erziehung (agoge) und an den gemeinsamen Mahlzeiten (Syssitien) die Grundlage für das B. bildeten. Außer den Vollbürgern gab es in den griech. Staaten Bürger minderen Rechts, so im frühen Athen die Theten und in Sparta die Hypomeiones, denen meist die Qualifikation zur Bekleidung aller oder bestimmter Staatsämter fehlte. Im Jurist. Sinne waren auch die jüngeren Männer vor dem 30. Lebensjahr, dem Alter der aktiven Teilnahme an öffentl. Ämtern, und die Frauen, denen in Athen die Gerichtsfähigkeit und das Recht auf Grundbesitz fehlten, minderberechtigte Bürger. Das B. konnte auch an auswärtige Personen einzeln oder im Kollektiv verliehen und bei vertraglich festgelegter Epigamie durch Heirat erworben werden. In heilenist. Zeit war die Doppelbürgerschaft keine Ausnahme mehr. Schwere polit, oder religiöse Verbrechen wurden mit @ Atimie bestraft, wobei dem Verurteilten gleichzeitig das B. entzogen wurde. Die Pflicht des Bürgers bestand in der Verteidigung des Staates gegen äußere und zum Schutz der Rechtsordnung gegen innere Feinde, im Gehorsam gegen die Gesetze und in der Teilnahme an Kult und Religion. In den Epheben- und Beamteneiden wurde die strikte Erfüllung dieser Pflichten bekräftigt. - Das röm. B. [Ut. civitas Rornäna] erwarb man durch Geburt, wenn beide Eltern es besaßen, durch Verleihung, durch Freilassung. Es war zunächst den Bewohnern des röm. Stadtstaates, später einem zwar stets wachsenden, aber immer beschränkten Teil der Reichsbevölkerung vorbehalten. Als Folge des Bundesgenossenkrieges (90-88 v. u. Z.) erhielten die Bewohner ganz Italiens schrittweise das B. In den Provinzen fanden Verleihungen durch Statthalter an Einzelpersönlichkeiten und ganze Gemeinden statt. Unter Caracalla (Constitutio Antoniniana 212) erhielten alle freien Reichsbewohner das röm. B. Kennzeichen waren die Namensgebung und die Toga, Pflichten Wehrdienst, Steuern, Rechte Stimmrecht in der Volksversammlung (ius suffragii), passives Wahlrecht (ius honorum), Berufungsrecht bei Kapitalstrafen (ius provocationis), Abschluß von Verträgen (ius commercii), Ehe (ius conubii). Es gab auch Nichtbürger mit einzelnen der genannten Rechte (@ Peregrinus). Verlust des B.s trat

Bürgerverzeichnis u. a. ein bei Sklaverei, Exil, Aberkennung durch die Volksversammlung. Unrechtmäßige Anmaßung des B.s war strafbar. Mü Bürgerverzeichnis. B.se der antiken Staaten sollten verhindern, daß sich Nichtbürger die rechtl. Vorteile der Bürger erschlichen. Ihre Führung oblag in den griech. Stadtstaaten den Unterabteilungen der Bürgerschaft. Eingetragen wurden Bürgersöhne bei Eintritt der Volljährigkeit und erwachsene männl. Neubürger bei Erhalt des @ Bürgerrechts, nicht jedoch Frauen und Minderjährige, da diese weder polit. Rechte noch zivilrechtl. Mündigkeit besaßen. - In den hellenist. Staaten blieben diese Verhältnisse mit geringen Änderungen bestehen; doch zeigten sich seit dem 3. Jh. v. u. Z. Ansätze zu einer Aufnahme der Frauen. - Das B. der röm. Republik wurde auf Grund der Ergebnisse des t Zensus als Verzeichnis der erwachsenen männl. Bürger zusammengestellt. Es muß entweder die Form einer sowohl der Besteuerung als auch der Aushebung dienenden allgemeinen Zensusliste gehabt haben oder in eine @ Steuerliste und eine @ Heeresrolle zerfallen sein. Frauen und Minderjährige fehlten darin aus dem gleichen Grunde wie in den griech. Poleis. Ungeklärt ist die Frage, wie das B. des röm. Kaiserreiches aufgestellt wurde und in welchem Verhältnis es zu der Heeresrolle und der Steuerliste seiner Zeit stand. We Bürgschaft. In Griechenland war die B. in ihrer ältesten Form, nach der sich der Gläubiger bei Insolvenz des Schuldners an Vermögen und Person des Bürgen halten konnte, schon bei Homer bekannt. In klass. und hellenist. Zeit war die B. als Zahlungs- und Gestellungs-B. im Schuld-, Handels- und Sachenrecht, im öffentl. Recht und im Prozeßrecht üblich. - In Rom ist die B. schon in den Zwölftafelgesetzen bekannt. Im klass. röm. Recht gab es drei Formen der B.: für röm. Bürger die nicht erbl. Sponsio, für Fremde die nicht erbl., zeitlich befristete Fideipromissio, für Bürger wie Fremde außerdem die erbl., zeitlich nicht befristete Fideiyssio. Wa Burgunder: Stamm der Ostgermanen, zuerst nachweisbar etwa im Mündungsgebiet der Oder; von dort zogen die B. ins obere Maintal; 279 u.Z. erste Kämpfe mit den Römern. Die B. verdrängten im 4. Jh. die Alamannen und setzten 407 über den Rhein. Von Kaiser Honorius erhielten sie 413 angrenzende Teile Galliens (Gebiet von Worms und Mainz) und wurden nach der vernichtenden Niederlage unter König Gundahar 437 durch Aetius und ein hunn. Heer, die das Nibelungenepos behandelt, in Sapaudia (Savoyen) um Genf als Zentrum angesiedelt. Ihr Reich wurde 534 von den Franken unterworfen. Neben dem Burgund. Gesetz (Lex Burgundionum), 501 erlassen, das bis in das 9. Jh. gültig blieb, war für die in Eurgund lebenden Römer die Lex Romana Burgundionum verbindlich. - Bewußt unabhängig von den burgund. Königreichen des Mittelalters begründete um 900 Graf Richard von Autun in Mittel- und Ostfrankreich das französ. Herzogtum Burgund, das als Bourgogne allein den Volksnamen der B. behielt. FrJo Burgus [wohl von den Römern aus dem Germanischen entlehnt]: kleines Kastell. H Buse.ito, lat. Basentus: Fluß im Bruttierlande (heute Kalabrien), Nebenfluß des Crathis (Crati) in der Nähe von Consentia (Cosenza). Im B. soll der Westgotenkönig Alarich 410 bestattet worden sein. Die durch ein Gedicht August von Platens hierüber in Deutschland üblich gewordene Namensform B. geht auf eine Verwechslung mit dem Bussento (lat. Buxentus) in Lukanien zurück. D Busiris, Byseiris, lat. Busiris, in der griech. Sage Sohn des Poseidon, König von Ägypten; schlachtete alle ankommenden Fremden. Als er "Herakles in gleicher Weise

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wie ein Opfertier zum Altar führte, wurde er von diesem erschlagen. Be Buße: eth.-religiöse Umbesinnung, ist abhängig von einem Sündenbewußtsein. Sie fehlt deshalb in der Antike, begegnet aber im jüd. Hellenismus und in aus dem O stammenden Kulten. In der Alten Kirche wurde sie als der Taufe in ihrer Wirkung parallele Institution als öffentl. einmalige B. vor der Gemeinde mit genau festgelegten strengen Bestimmungen über B.anlasse und B.dauer, unter urspr. Ausschluß von Kapitalsünden (Mord, Abfall, Unzucht), ausgebildet. Diese öffentl. B. wurde in der röm. Kirche im 11. Jh. von der Privat-B. verdrängt. Wi Büste [italien.-französ., „Brustbild"]: bis zur Schulter oder Brust gestaltetes rundplast. Bildnis oder Porträt. Die B. leitet sich von der Hermenform ab; sie gewinnt seit dem Hellenismus (3.-1. Jh. v. u. Z.) an Bedeutung und spielt in der röm. Porträtkunst schon als Ahnenbild (lat. imago) eine außerordentlich wichtige Rolle. Sie entspricht der spezifisch röm. Bildnisauffassung, die das Wesen des Dargestellten unverwechselbar im Antlitz festzuhalten sucht. Die Porträtgestaltung in B.nform hat sich seit der Renaissance verstärkt wieder durchgesetzt. Abb. Sl

röm. Porträtbüste Butter [griech. butyron, aus dem Skythischen?]. Anstelle der B., die den Griechen und Römern zunächst unbekannt war, wurde Olivenöl benutzt. B. war und blieb auch später ein fremdes Produkt der nördl. Völker, bes. der Skythen, das mit nur sehr wenigen Ausnahmen in der Medizin und in einzelnen Kulten eine Rolle spielte. FrJo byzantinische Kunst. Die offizielle b. K. ist eine Kirchenund Staatskunst, die der Verbindung von christl. Kult und Kaisertum repräsentativ Ausdruck verleiht. Dem Kirchen- und Hofzeremoniell in seiner Pracht und sprichwörtlich konservativen Starrheit der Form entspricht die Unbedingtheit, die „feierl. Abstraktion" in der Bildkunst. Die Betonung des dekorativen Elementes, die Herrschaft von Farbe und Linie ermöglichte das Eindringen oriental. Formgutes. Die Struktur der ganz von der Fläche bestimmten b. K. ist relativ einheitlich und wenig dynamisch, da bis zum Untergang des Reiches (ebenso wie das Vorbild des röm. Imperators) das Vorbild spätantiker Kunst maßgebend blieb. Dieses Phänomen führte zur Prägung der Begriffes „byz. Form". Doch lassen sich, parallel mit den Wandlungen im Wirtschaftsund Staatsgefüge, mehrere Perioden unterscheiden. Mit Justin.an L beginnt die frühbyz. Periode, die bis ins 9. Jh. reicht. Ihre Anfänge vollenden Tendenzen der röm. Kunst und werden deshalb zur Spätantike gerechnet. Im Mittelpunkt der justinian. Baukunst steht das Problem der Durchdringung von Basilika und Zentralbau; nach einigen Vorstufen (H. Irene, H. Sergios und Bakchos) wurde in der Kuppelbasilika die klass. Lösung gefunden. Großartigstes Beispiel ist die 532-537 errichtete Hagia Sophia, Hauptkirche des Reiches und Mittelpunkt des staatl. Lebens. Den festl. Schmuck der Kirchenwände bilden die Mosaiken mit ihrer strengen, feierl. Frontali-

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tat, dem Schimmern des Goldgrundes und prunkender Farben, wie sie vor allem in den Kirchen von Ravenna (byzantinisch, 540-751) erhalten sind (z. B. Kaisermosaiken von San Vitale). Von der hohen Blüte der Buchmalerei im 6. Jh. zeugen die Purpurkodizes, für den Hof gefertigte Prachthandschriften (z. B. Wiener Genesis, Wiener Dioskurides). - Einen neuen Höhepunkt antiken Einflusses brachte die nach der von Basileios I. (867-886) begründeten Dynastie benannte „makedon. Renaissance 4 '; zu den schönsten Bildwerken dieser Zeit gehören die Malereien des Pariser Psalters (10. Jh.) und kostbare Elfenbeinschnitzereien. In der Baukunst setzte sich die Kreuzkuppelkirche, ein Zentralbau mit Hauptkuppel und zuweilen Nebenkuppeln über den Kreuzarmen, allgemein durch. In der Kuppel wurde gern Christus Pantokrator abgebildet; Ikonen, meist zu Ikonostasen vereinigt, stellen die gültigen Verehrungsbilder der Heiligen dar. Hervorragende Beispiele mittelbyz. Kunst sind die Kirchen der Athosklöster. Neben Sakralbauten entstanden Paläste, Festungen und Wohnhäuser. Im volkstüml. Kunsthandwerk, etwa in der Beinschnitzerei, trifft man auf realist. Züge. - Infolge der Plünderungen durch die Kreuzheere gelangten Werke der b. K. nach Europa, wo sie z. T. noch heute die Museen und Kirchenschätze zieren (z. B. Silberschale im Domschatz zu Halberstadt), - Die b. K. strahlte auf die südslaw. und russ. Kunst aus, sie wirkte aber auch auf die westeurop. Kunst des Mittelalters, bes. auf die italien. Malerei (maniera greca oder bizantina). He byzantinische Literatur: griech. Literatur der byz. Zeit (4. Jh. bis 1453 [Eroberung Konstantinopels durch die Türken]). Die b. L. ist in zwei nach Verfassern, Stil, Sprache und Publikum verschiedene Literaturen unterteilt: die Gelehrtenliteratur, ^deren Autoren bewußt in Literaturgattung, Form und Sprache an die Traditionen der klass. griech. Literatur anknüpften, obwohl diese selbst den gebildeten Oberschichten von Jahrhundert zu Jahrhundert fremder wurden, und die in Sprache und Stil volkstüml. Literatur, deren Träger und Konsumenten breitere Volksschichten waren. In der Prosa gehören zur Gelehrtenliteratur u. a. die philolog. Werke, denen wir Bewahrung und Kommentierung der klass. Literatur verdanken (z.B. im 9. Jh. Photios, im 12. Jh. Tzetzes, Eustathios), und bes. die Geschichtsschreibung, der außer ihrem hohen Quellenwert (Verfasser sind meist hohe Beamte u . a . ) auch literar. Wert zukommt (z. B. im 6. Jh. Prokopios, im 12. Jh. Anna Komnena, im 14. Jh. Nikephoros Gregoras). Neben dieser archaisierenden zeitgeschichtl. Historiographie, die um krit. Verarbeitung möglichst zuverlässiger Quellen bemüht ist, stehen die volkstüml. Chroniken, von Mönchen für Mönche und breitere Volkskreise in einfacher Hochsprache geschriebene Universalgeschichten, die weniger auf Historizität als auf sensationelle histor. Details bedacht sind. Sie ersetzen mitunter verlorene Quellen. In ihrer populären Tendenz stehen sie der hagiograph. Literatur nahe. Die Mönchsprosa beeinflußte stark die kirchenslaw. Literatur. In der Poesie wurde die Tradition weitergeführt in der Epigrammatik (Palladas, Agathias); byz. Zeit entstammen auch Epigramm-Slg.en (f Anthologie). Unabhängig von der antiken Tradition entwickelte sich als neues Genus die byz. Kirchenpoesie, die nicht mehr in archaisierenden quantitierenden, sondern in akzentuierenden Versen und einfacher Sprache abgefaßt war; ihr bedeutendster Vertreter war Romanos (um 490- um 560). Neben der byz. Gelehrtenliteratur und der auch dem Volk zugängl. Mönchsprosa und Kirchenpoesie entwickelte sich in den letzten byz. Jahrhunderten eine in der gesprochenen Sprache abgefaßte Volksliteratur: vornehmlich satir., zeitbe-

Byzantinisches Reich zogene Tierepen, aus einheim. Sagen erwachsene Heldenepen sowie von der eindringenden westeurop. Literatur beeinflußte Ritterromane; diese echte Volksliteratur leitet bereits die neugriech. Literatur ein. Kp byzantinische Musik: die von Byzanz ausgehende, auf altchristl. und oriental. Traditionen beruhende Musik der griech.-kathol. Kirche, mit einem Schatz an Hymnen und Psalmen, der weiter zurückreicht und besser bewahrt ist als jener der röm.-kathol. Liturgie. Von der weltl. b. M. ist wenig erhalten und erforscht. Das eigene Notationssystem ist aus der altgriech. Buchstabentonschrift hervorgegangen. Das Tonsysiem hat vier authent. und vier plagale Tonarten. Hauptformen in den Hymnendichtungen der Meloden (Dichterkomponisten der klass. Frühzeit) sind das Kontakion, ein vielstrophiges Gebilde mit Einleitung (Proömion) und Refrain (Troparion) nach jeder Strophe, und der Kanon, eine zykl. Zuordnung von meist acht in sich unterschiedlich gebauten, mehrstrophigen Liedern; dazu treten Hymnen und Psalmodien. Die Einheit von Hymnendichter und -Komponist (8. Jh.) war schon im 9. Jh. aufgehoben. Nachdichter (,,Hymnographen") unterlegten den alten Melodien neue Texte; nach 1100 machten sich immer mehr oriental. Einflüsse geltend. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 fand die b. M. eine neue Heimat im O Europas, bes. in Bulgarien und Rußland. LRi Byzantinisches Reich (4. Jh. bis 1453), benannt nach dem antiken Namen (Byzantion) seiner Hauptstadt Konstantinopel; mittelalterl. Feudalstaat. Die schon seit Diocletianus (284-305) gesondert verwalteten Ostprovinzen (umfassend Griechenland, Mittel- und Ostbalkan, Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten) wurden 395 endgültig vom Westreich als Ostrom, bzw. (später) B. R. getrennt. Charakteristisch für die Wirtschaftsstruktur des reicher bevölkerten Ostteils waren lebhafter Fernhandel, hochentwickeltes Gewerbe, bes. Kunstgewerbe (Textil-, Glas-, Metallproduktion), vorherrschender Kleingrundbesitz. Der Staat vermochte vermittels Steuern, Zöllen und Monopolen den Nutzen aus dem Reichtum des Landes zu ziehen und sich Söldnerheer und Flotte intakt zu erhalten. So konnte er - im Gegensatz zum Westreich - im 4./5. Jh. die bestehende Ordnung nach innen gegen die unterdrückten Klassen und nach außen gegen die anstürmenden Germanen erfolgreich verteidigen. - Unter Kaiser Justinian I. (527-565), der die Wiederherstellung des Imperium Romanum in seiner alten Ausdehnung erstrebte, erreichte das B. R. seine erste Machthöhe. Seine Feldherren Belisar und Narses eroberten von den Ostgoten italien, von den Vandalen Nordafrika zurück. Mit der Eroberungspolitik ging innenpolitisch eine rücksichtslose Steuerpolitik einher; es kam zu zahlreichen Unruhen, bes. zu dem großen, breite Kreise des Volks von Konstantinopel erfassenden Nika-Aufstand. Gegen die Machtfülle des Großgrundadels wurden strenge Maßnahmen ergriffen. Restaurative Bestrebungen zeigen sich auch im Corpus iuris civilis, der großen, von Justinian veranlaßten Slg. des gültigen röm. Rechts einschließl. der eigenen Erlasse. Unter Justinian erlebten Kunst (Bautätigkeit, z. B. Hagia Sophia) und Literatur (Prokopios, Agathias) eine Blüte. Die Kriege hatten jedoch die wirtschaftl. Kraft des Reiches erschöpft, die Volkserhebungen mehrten sich, die Eroberungen im W gingen bald verloren. - Die Ansiedlungen slaw. Bauern auf der Balkanhalbinsel im 7. Jh. stärkten das byz. freie Bauerntum; der Stärkung des Bauerntums wie des Heeres dienten vor allem auch die Reformen des Kaisers Herakleios (610-641): In den Grenz- (später auch anderen) Gebieten wurden sog. Soldatenbauern (Stratioten) mit dererbl, Verpflichtung der MilitärdienstJeistung angesiedelt (stabiles Bauernheer, Sicherung von

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Byzantinismus Landbestellung und Steuereingang); Verwaltungs- und Militärfunktionen wurden zusammengeschlossen, an der Spitze der Provinz (Thema) steht der Themen-General (Strategos). Auch damit ging die auf Sklavenarbeit beruhende Produktion weiter zurück, der Kleingrundbesitz wurde vorherrschend, und es gelang die Abwehr von Persern und Arabern; Syrien, Palästina und Ägypten aber gingen verloren. - Im Bilderstreit (726-843) zwischen Staat und Kirche ging es nicht allein um die Berechtigung der kult. Verehrung von Bildern, sondern weitgehend auch um die Verfügungsgewalt über Kirchen- und Klosterschätze. Mit dem 8. und verstärkt seit dem 9. Jh. versuchten bes. Kirche und Klöster, sich das Land der verarmten Kleinbauern anzueignen. Einige Kaiser der makedon. Dynastie (867-1025) versuchten vergeblich, die freien Kleinbauern durch Verordnungen gegen die Großgrundbesitzer zu schützen und der Feudalisierungstendenz zu wehren. Die Macht des weit, und geistl. Feudaladels, der immer mehr Bauern in abhängige Paroiken verwandelte, war bereits zu sehr erstarkt (t Feudalismus). Die Zeit des gelehrten Makedonenkaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (912 bis 959) bildete einen Höhepunkt der byz. Geschichtswissenschaft und literar. Sammeltätigkeit. Nachdem im 11. Jh. ein großer Teil Kieinasiens an die Seldschuken verlorengegangen war, kam mit den Komnenen (1081-1185) eine Dynastie der großgrundbesitzenden Militäraristokratie auf den Thron. Die Gründung der Kreuzfahrerstaaten sowie die italien. Handelsniederlassungen (12. Jh.) schufen dem byz. Handel eine gefährl. Konkurrenz. Volksbewegungen und dynast. Kämpfe führten zum weiteren Verfall des B. R. Das erleichterte es 1204 den westeurop. Rittern des 4. Kreuzzuges, Konstantinopel und andere byz. Gebiete zu erobern und dort einen aus mehreren kleinen Teilreichen bestehenden feudalen Erobererstaat, das sog. Latein. Kaiserreich, zu errichten. Zwar getan g es 1261 dem auf Kleinasien zurückgedrängten byz. Rumpfreich von Nikaia, Byzanz zurückzuerobern. Unter den Palaiologen (1261-1453) ist sogar in Kunst und Literatur eine neue Blüte zu verzeichnen (Palaiologen-Renaissance; Geschichtsschreibung; frühneugriech. Volksdichtung). Aber die Gesamtsituation des B. R. änderte sich kaum. Der einträgl. Zwischenhandel blieb i. wesentl. bei den Italienern. Die Türken faßten bereits in Europa Fuß. Der auf Bauern und städt. Armen lastende Druck löste in vielen Gegenden des B. R. antifeudale Volksbewegungen aus, bes. in Thessalonike den großen Volksaufstand (1342 bis 1349). Das wirtschaftlich und militärisch geschwächte B. R. war nur noch auf wenig mehr als seine Hauptstadt beschränkt, deren Einnahme den Türken 1453 schließlich, begünstigt auch durch die innere Situation, gelang. Damit wurde die sich bereits zersetzende Feudalordnung wieder gefestigt. - Der Feudalstaat Byzanz, der auf Grund seiner besonderen wirtschaftl. und staatl. Entwicklung das Weström. Reich um 1000 Jahre überlebte, war lange die erste Großmacht in Europa. Durch seine geograph. Lage begünstigt, war er wichtiger Handelsmittler zwischen O und W und führend in der Luxusindustrie. Staatssymbolik und Hofzeremoniell wirken z. T. bis in die Gegenwart. Eine besondere religiöse und kulturelle Ausstrahlungskraft übte Byzanz auf die Balkanvölker und die Russen aus, die von Byzanz das Christentum annahmen. Nicht zuletzt wahrte es die antike Tradition, die im W für Jahrhunderte abgebrochen war. Kp Byzantinismus: eigtl. typisch Byzantinisches. Die Überbetonung der negativen Züge, bes. im Hofzeremoniell, führte z. Z. der preuß.-dt. Monarchie Ende des 19. Jh. zur pejorativen Begriffsverengung: Kriechertum und Schmeichelei gegenüber Höhergestellten. Kp

Byzantin jstik: Wissenschaft, die die byz. Geschichte und Kultur sowie die mittelalterl. Gräzität zum Gegenstand hat; thematisch und methodisch der Altertumswissenschaft verwandt, von der aber Byzanz zunächst und auch später oft nur als Mittler der antiken Kultur betrachtet wurde. Nach Ansätzen im 1.6. Jh. (Hieronymus Wolf, Martin Crusius) erlebte die B. im 17. Jh. in Frankreich eine erste Blüte (Pariser Corpus der byz. Historiker; DuCanges mittelgriech. Glossar 1688). In dieser Zeit war das wisspnschaftl. Interesse an Byzanz eng mit polit, und theolog. Tagesfragen verknüpft (Türkengefahr; Unionsbestrebungen). Z. Z. der Aufklärung galt der byz. Staat nur mehr als Zerrbild des idealisierten röm. (u. a. Lebeau, Gibbon), eine Tendenz, die während des klassizist. Neuhumanismus bestehen blieb. Die Begründung der histor.philolog. Methode im 19. Jh. kam auch der B. zugute (Bonner Corpus der byz. Historiker 1828-1897) und brachte Ende des Jahrhunderts in vielen Ländern die Verselbständigung des Faches (u.a. Deutschland: K. Krumbacher; Rußland: W. G. Wassilewski, F: I. Uspenski, England : J. B. Bury). Heute ist die B. fast überall vertreten (bes. Moskau, Leningrad, die Balkanmetropolen. Prag, Washington, Paris, Brüssel). Zentrum der B. in der BRD ist München (Wirkungsstätte Krumbachers). In der DDR bestehen in Berlin an der Akademie der Wissenschaften der DDR (seit 1955) eine Arbeitsgruppe B. und in den Staatl. Museen die Frühchristi.-byz. Slg., in Halle an dty Martin-Luther-Universität ein Fachbereich B. In den letzten Jahrzehnten steht die byz. Sozialund Wirtschaftsgeschichte im Vordergrund, wobei sich die bürgerl. B. mehr der Jurist, und diplomat. Seite des Themas widmet, während die marxist. bes. die Entwicklung des byz. Feudalismus untersucht. Kp Byzanz, griech. Byzântion, heute Stambul, Istanbul: Stadt am Thrak. Bosporos von hoher handelspolit. und strateg. Bedeutung, um 660 v. u. Z. als Kolonie von Megara gegr., Ende des 6. Jh. bis 478 persisch, seit Mitte des 5. Jh. im Att. Seebund, dreimal abgefallen, seit 378 im 2. AU. Seebund, 340 erfolglos von Philipp II. belagert, blieb B. auch nach der Schlacht von Chaironeia autonom, erlebte im 4./3. Jh. eine Blütezeit, war seit dem 2. Jh. römisch. B. gewann im Rom. Reich wachsende Bedeutung als Handels- und Gewerbezentrum und wurde 330 von Konstantin als f Konstantinopel (Stadt des Konstantin) zur Hauptstadt des Reiches erhoben, es war bis zur Eroberung durch die Türken 1453 Hauptstadt des Byz. Reiches, danach der Türkei als'Istanbul. Kp

C Cacus, in der röm. Sage ein rauher., gewaltiger Riese, raubte dem mit den Rindern des Geryoneus durch Italien ziehenden Herakles die Rinder und wurde deshalb von diesem erschlagen. Dafür erhielt Herakles in Rom einen Kult. Be Caduceus [lat.] : der Heroldsstab, den der Gott Mercurius trug; er entspricht dem griech. Kerykeion des Hermes und der Iris. Be Caduceus

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Caecjlius, 1. C. Stgtius, gest. 168 v. u. Z., Komödiendichter. Er war ein kelt. Insubrer aus der Poebene, der als kriegsgefangener Sklave freigelassen wurde. In Rom schrieb er lat. Komödien nach griech., bes. Menandros' Vorbild. Von seinen Stücken sind nur Fragmente und 42 meist griech. Titel überliefert. ; T: CRF, S. 35-81. TU (engl.): E. H. Warmington, Remains of Old Latin, I, LCL 1935, S. 468-561.

2. C. aus Kaiakte (Sizilien), griech. Rhetor, z. Z. des Augustus Mitbegründer des Attizismus, verfaßte literaturkrit, Schriften und kleine Monographien, u. a. über die zehn att. Redner. Be T: E. Ofenloch, BT 1907 (Nachdruck BT Stuttgart 1967). Caelius, Cafilius mons: einer der sieben Hügel Roms, südwestlich des Esquilins, wurde in der ersten Hälfte des 4. Jh. v. u. Z. in seinem westl. Teil in das Stadtgebiet einbezogen. In der späten Republik vor allem von Plebejern dicht besiedelt (Mietshäuser); 27 u. Z. durch Großbrand verheert; nach Wiederaufbau Wohnviertel der Nobilität (u. a. Palast der Vorfahren des Marcus Aurelius, Palast der Laterani, Haus des Symmachus). Seh Caelius A u relia nus aus Sicca in Numidien, 5. Jh., röm. Arzt, Vertreter der method. Ärzteschule. Sein umfangreiches Werk über akute und chron. Krankheiten und seine Schrift über Frauenkrankheiten sind bearbeitete lat. Übersetzungen der Werke des Soranos von Ephesos. Ko Akute und chron. Krankheiten: TU (engl.): f. E. Drabkin, Chicago 1950. Frauenkrankheiten: T: M. F. Drabkin - I. E. Drabkin, Baltimore 1951.

Caere, heute Cerveteri: südetrusk. Stadt, soll die aus Rom vertriebenen etrusk. Könige aufgenommen haben; unterwarf sich im 4. Jh. v. u. Z. den Römern. Die etrusk. Grabanlagen vor der Stadt sind zum großen Teil erhalten (Taf. 36). Neben Tumuli mit schlichten Kammern gibt es kostbar ausgestattete Gräber mit Wandmalereien und -reliefs, z. B. die berühmte Tomba dei relievi, und mit reichen Beigaben. He Caeretaner Hydrien: nach dem Fundort Caere (Etrurien) benannte Vasengattung aus der 2. Hälfte des 6. Jh. v. u. Z. Die von einem wohl in Caere ansässig gewordenen Ostionier bemalten Hydrien bieten bunte, dekorativ gefällig komponierte Bilder myth. Inhalts (Busirisabenteuer des Herakles, Rinderraub des Apollon) oder Alltagsszenen meist originell kom. Gehalts (Taf. 46). Sl Caesar, C. lylius, 13.7.100 bis 15.3.44 v.u.Z., röm. Staatsmann und Feldherr. Seine Heirat mit der Tochter des Sullagegners Cinna (84) ließ seine polit. Einstellung bereits erkennen. 82'von Sulla geächtet, weil er trotz Aufforderung seine Frau nicht verstieß, wurde er durch Fürsprache gerettet und begann nach Sullas Tod 78 seine polit. Laufbahn. Sullas Anhänger belangte er wegen Erpressungen, kämpfte 74 gegen Mithridates und war 68 Quästor. Nach seiner Heirat mit Sullas Enkelin Pompeia gewann er als kurul. Ädil (65) durch luxuriöse Spiele und die Erneuerung der Denkmäler des Marius die Gunst des Volkes und wurde 63 Pontifex Maximus. Als Catilinas Umsturzversuch gescheitert war, trat er im Senat für Schonung der Verschworenen ein. 62 war C. Praetor urbanus, verwaltete im Jahr darauf Südspanien und bewarb sich um das Konsulat für das Jahr 59. Mit Pompeius und Crassus verabredete er das erste Triumvirat. Als Konsul setzte er gegen den Senat zwei Ackergesetze für die Veteranen und armen Bürger durch. Mit Calpurnia, der Tochter des Konsuls des Jahres 58 Piso, ging er eine dritte Ehe ein und gab seine Tochter lulia Pompeius zur Frau. Als Prokonsul erhielt C. die Provinzen GalJia cisalpina, Illyricum und Gallia Narbonensis (Südfrankreich) zunächst bis 54, dann auf 5 weitere Jahre. 58 bis 51

Caesar eroberte C. ganz Gallien, zog zweimal über den Rhein und setzte zweimal nach Britannien über. Nach einer Erneuerung des Triumvirats in Lucca begann zwischen C. und Pompeius eine Entfremdung einzutreten, zumal Crassus bei Carrhae gefallen und lulia gestorben war. Pompeius wandte sich wieder den Optimalen zu und versuchte C.s Machtstellung zu untergraben. Nach Ausrufung des Ausnahmezustandes in Rom war C. vor die Wahl gestellt, ob er seine Macht aufgeben oder militärisch behaupten wollte. Am 10. 1. 49 überschritt er den Rubikon, der die Grenze zwischen Gallia cisalpina und Italien bildete („Der Würfel ist gefallen"). Pompeius wurde am 9. 8. 48 bei Pharsalus besiegt und auf der Flucht bei seiner Landung in Ägypten ermordet. Im Alexandrin. Krieg blieb C. trotz verzweifelter Lage Sieger und setzte Kleopatra als Herrscherin von Ägypten ein. Mit ihr zeugte er einen Sohn, Caesarion (B. Shaw, Caesar und Kleopatra). In Afrika besiegte C. die Anhänger des Pompeius unter dessen Sohn Sextus, Cato u. a. am 6. 4. 46 bei Thapsus. nachdem er ein Jahr zuvor den König von Bosporus, Pharnakes, bei Zela geschlagen hatte (Telegramm: Veni, vidi, vici - Ich kam, sah, siegte). In Rom feierte C. vier Triumphe. Nach einem Sieg über Pompeius' Söhne 45 bei Munda in Spanien war C. unumschränkter Alleinherrscher. Bestrebt, möglichst viele Angehörige der alten Oberschicht zu gewinnen, übte C. Milde gegenüber den Besiegten. Nach Pharsalus erhielt er die Diktatur auf unbestimmte Zeit, das Konsulat auf 5 Jahre und die tribuniz. Gewalt auf Lebenszeit. Die Neuordnung des Staatswesens und des Kalenders, die Förderung der Romanisierung in den Provinzen, großzügige Verleihung des röm. Bürgerrechts, die Unterstützung der Veteranen und die Förderung der Selbstverwaltung gehören zu seinen wichtigsten Maßnahmen. Der Senat verlieh ihm den Titel Imperator als erbl. Namen und den Titel Pater patriae (Vater des Vaterlandes). Die Diktatur wurde ihm auf Lebenszeit übertragen. Den Titel Rex (König) lehnte C. ab, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß er eine Herrschaft nach dem Vorbild der Hellenist. Monarchien errichten wollte. An den Iden des März (15. 3.) 44 wurde C. von 60 Senatoren unter Führung von M. Brutus und C. Cassius im Senat ermordet (Shakespeare, lulius Caesar: „Auch du, mein Brutus"). Senat und Volk beschlossen für ihn göttl. Ehren: Divus lulius. - C. hatte die alte aristokrat. Opposition nicht ausgeschaltet, ihr fiel er zum Opfer. Als Führer der „Volkspartei" (Populären) setzte er an die Stelle der längst sterilen Senatsherrschaft die Herrschaft eines Mannes. Innenpolitisch war sein Ziel, die Lage der kleinen Sklavenhalter zu stärken und dem Reich und damit der Sklavenhalterordnung eine breitere Basis zu geben. Seine Biographie schrieb Suetonius. Der Name C. wurde zum Begriff (Kaiser, Zar), später Beinamen aller röm. Kaiser und zum Titel der Thronfolger und Nebenkaiser. Die Leichenrede, die C. 68 seiner Tante lulia, Marius' Witwe, hielt, ist verloren, dagegen sind von ihm 7 Bücher über den Gall. Krieg (De bello Gallico) erhalten, denen Hirtius ein 8. Buch hinzufügte, ferner 3 Bücher über den Bürgerkrieg (De bello civili). Die mitüberlieferten kJeinen Werke über den Alexandrin., den Afrikan. und den Span. Krieg sind unecht. Die echten Schriften sind vorbildlich durch klare Sprache und klass. Stil. C.s Geburtsmonat wurde in lulius umbenannt. - Das Motiv des Tyrannenmordes lebt um die Gestalt C.s bis ins 20. Jh. in der Literatur weiter. Bewunderung für seine polit. Tatkraft und Ablehnung der Tyrannei halten sich von jeher die Waage. In der dt. Literatur („Annolied" um 1085 und ..Kaiserchronik", 1135) wird C. als Vorläufer des dt. Kaisertums angesehen. Dante („Divina Commédia") und Petrarca („Trionfi") ver-

Caesarea dämmten C.s Mörder Brutus, doch wandte sich Petrarca auch gegen die Tyrannei. Ähnlich urteilte Hans Sachs in seiner „Historia Lebens und Sterbens Julii des ersten Kaisers" (1563) und im „Fastnachtsspiel zwischen dem Gott Apolline und dem Römer Fabio" (1551). Für Shakespeare („Julius C", 1599) war C. der überlegene Politiker und Mensch. C.s Beziehungen zu Kleopatra griffen Corneille („La mort de Pompée", 1641) und B. Shaw („C. and Cleopatra", 1901) auf. Das 18. Jh. sah C. überwiegend negativ (Bodmer, „Julius C.", 1763), doch pries Herder in dem an Shakespeare angelehnten Melodramentext „Brutus" in C. das Genie. Im 20. Jh. haben sich bes. Thornton Wilder und Bertolt Brecht mit C. beschäftigt (Romane: „The Ides of March" bzw. „Die Geschäfte des Herrn Julius C."). - Taf. 40. Sey T: Galt. Krieg: O. Seel, BT 1961; H. Lindemann2, Bamberg 1965. Bürgerkrieg: A. Klotz, BT 1964; G. Dorminger, Tusc. 1962. Alexandrin., Afrikan., Span. Krieg und Frg.: A. Klotz, BT 1927. TU: G all. Krieg: G. Dorminger, Tusc. 1962. Ü: Gall. Krieg: R. Warner, New York 1960; J. Thoraval, Paris 1967. Bürgerkrieg, Alexandrin., Afrikan. und Span. Krieg: G.'Wirth, Hamburg 1966; J. F. M itchell, Baltimore 1967.

Caesarea [lat., „die Kaiserliche"]: mehrere Städte im Rom. Reich, die zu Ehren eines Kaisers, vor allem des Augustus und Tiberius, so benannt wurden. - 1. Das heutige Cherchel an der alger. Küste war ein alter phönik.-karthag. Handelsplatz, dann Hauptstadt von Mauretanien, dessen König luba II. (25 v. u. Z. - 23 u. Z.) sie in C. umbenannte. Seit 40 u. Z. Hauptstadt der Provinz Mauretania Caesariensis, wurde C. unter Claudius zur Kolonie erhoben und entwickelte sich zu einer der größten Städte des röm. Nordafrikas. Unter luba war C. ein Mittelpunkt des Hellenismus und seit dem 2. Jh. ein Zentrum des Christentums. - Erhalten sind die Stadtmauer von 7 km Umfang und Ruinen zahlreicher Bauwerke (Theater, Amphitheater, Zirkus, Leuchtturm, Thermen, Tempel und Villen mit Mosaiken). - 2. C. in Palästina, jetzt Kaisarije in Israel, war eine alte phönik. Hafenstadt am Mittelmeer und gehörte seit dem 2. Jh. v. u. Z. zu Judäa. Herodes ließ sie umbenennen und prunkvoll ausbauen. Seit 6 u. Z. war C. Sitz der röm. Statthalter von Judäa (u. a. des Pontius Pilatus) und Garnisonsort. Vespasianus wurde hier zum Kaiser ausgerufen und erhob die Stadt zur Kolonie. Sie war seit dem 2. Jh. Sitz eines Bischofs, einer Gelehrtenschule und Bibliothek; Origenes, Eusebios und Prokopios waren hier tätig. C., im 7. Jh. von den Arabern erobert und während der Kreuzzüge im 13. Jh. zerstört, wird seit 1956 ausgegraben. - 3. Die Hauptstadt Kappadokiens, heute Kayseri in der Türkei, war bis in byz. Zeit ein polit, und militai;. Zentrum Kleinasiens. Jo Calamus [lat., „Rohr"]: etwa seit dem 2. Jh. v . u . Z . zum Schreiben auf Papyrus und Pergament verwendete Rohrfeder mit abgeschrägter und gespaltener Spitze. Wt Caldarium [lat., ,,Warmwasserbad"]: die in röm. Badeanstalten (Thermen) für das warme (Wannen-) Bad vorgesehene Räumlichkeit, die meist mit Fußboden-, auch mit Wandbeheizung (Hypokausten) versehen war. Sl Caljgula [lat., „Stiefelchen"]: Spitzname des C. Caesar Germ§nicus, 31.8.12-24.1.41 u.Z., röm. Kaiser seit 18. 3. 37, Sohn des Germanicus und der Agrippina (1.). Als Kind lebte er 14-16 im Heerlager seines Vaters in Germanien und erhielt dort den Spitznamen. Mit Hilfe des Prätorianerpräfekten Macro gelangte er auf den Thron. C. regierte mit despot. Willkür, verschleuderte den Staatsschatz, betrieb Erpressungen, Majestätsprozesse. Konfiskationen und Steuererhöhungen. Im Stil heilenist. Könige ließ er sich als Gottkaiser verehren und verfiel einem offensichtl. Cäsarenwahnsinn. Wegen des geforder-

108 ten Kaiserkults kam es unter den Juden in Alexandreia und Palästina zu Unruhen. Das Königreich Mauretanien wurde 40 in eine röm. Privinz umgewandelt. Nach zwei entdeckten Verschwörungen der Senatsopposition 39/40 fiel C. als Opfer einer dritten durch Tribunen der Prätorianergarde. Nach seinem Tode wurde zum letzten Male die Rückkehr Roms zur Adelsrepublik ernsthaft erwogen. - Biographie von Suetonius. Jo Calpurnius: altröm. plebej. Geschlechtername. - 1. L. C. Piso Frygi, Annalist der Gracchenzeit, 149 v. u. Z. Volkstribun, 133 Konsul, bekämpfte den Sklavenaufstand in Sizilien. In seinen ..Annales" (7 Bücher) von Aeneas bis zum Jahre 146 v. u. Z. geißelte er die Korruption in seiner Gegenwart und suchte sein Vorbild in alten Römertugenden. Livius, Dionysios von Halikarnassos und Plinius d. Ä. benutzten ihn als Quelle. T: (Frg.): HRR I CLXXX ff. und 120ff. 2. C. Piso, 76 v. u. Z. Richter im Prozeß gegen Roscius; fähiger Redner; 67 Konsul, der-das Gesetz gegen Amtserschleichung durchbrachte (Lex Calpurnia de ambitu), wurde 63 in einem von Caesar angestrengten Prozeß von Cicero verteidigt. - 3. L. C. Piso, gest. 43 v. u. Z., 58 Konsul, 57/55 Statthalter in Makedonien; Schwiegervater Caesars, Gegner Ciceros. Sch/Hd Cambridger Lieder, lat. Carmina Cantabrigiensia: Slg. von von 50 Gedichten geistl. und weltl. Inhalts aus einer Cambridger Handschrift des 11. Jh., in Deutschland und Frankreich entstanden. Formal meist rhythm. Dichtung, interessieren die C. L. als Vorläufer der t Vagantendichtung und älteste mittellat. Lieder-Slg. Deutschlands. Tr T: K.Strecker, MGH 1926 (21955); W. Bulst, Heidelberg 1950. Ü: K. Langosch, Hymnen und Vagantenlieder, Berlin 3 1959 (Auswahl). Camenae, dt. Kamenen, auch Kamönen, alte ital. Göttinnen, Quellnymphen, die mit den griech. Musen gleichgesetzt wurden. Ihr Heiligtum befand sich vor der Porta Capena Roms. Be Cameo [ital., „geschnittener Stein"]: t Kameen. Camjllus: Beiname des patriz. Geschlechts der Furier. Bedeutendster Vertreter war M. Fyrius C., gest. 364 v. u. Z., der 431 über die Aequer und Volsker siegte. 396 eroberte er nach zehnjähr. Belagerung die etrusk. Stadt Veji und bekämpfte 387 als Diktator die Gallier unter Brennus; nach Abzug der Gallier erhielt er den Ehrentitel Pater patriae (Vater des Vaterlandes) und sorgte für den Wiederaufbau Roms. C. soll auf dem Aventin die Tempel der luno und der Concordia errichtet haben. Die Taten des C. wurden von der röm Tradition legendär ausgeschmückt. Die Darstellung seiner Triumphe und der Bestrafung des Schulmeisters von Falerii sind von der bildenden Kunst wiederholt aufgegriffene Themen (Gemälde von Breenbergh, Poussin, M. del Tasso). Nachdem der Lehrer während der Belagerung von Falerii durch C. seine Schüler dem Gegner als Geiseln geschickt hatte, sandte C sie zurück, damit sie ihren Lehrer verprügelten. Seh Campanareliefs : nach dem Museum des Marchese Campana in Rom (bestand 1832-1859) benannte Gruppe röm. Tonreliefs, die, mit figürl. und ornamentalem Dekor versehen, offenbar zur Verkleidung von Wänden und Gebälken in röm. Häusern dienten. Die meisten der erhaltenen, inzwischen über die europ. Museen verstreuten C. entstammen der augusteischen Zeit. Abb. Sl E: H. von Rohden - H. Winnefeld, Architekten. Tonreliefs der röm. Kaiserzeit. Berlin!Stuttgart 1911. Campidoctor [lat. „Feldlehrer"]: bei den Römern Exerziermeister im Offiziersrang. H Campus Martius t Marsfeld. Canabae: urspr. die Verkaufsstände und Krämerbuden am Rande der röm. Legionslager als einfache Warenum-

Carmen arvale

Campanarelief schlagplätze, später die darauf gegründeten Gemeinwesen mit eigener Verwaltung, die in mehrfacher Hinsicht Bedeutung erlangten: als Kontakt- und Vermittlungsstelle zwischen einheim. Bevölkerung und röm. Militär, als Wohnsitz der entlassenen Soldaten, als Plätze röm. Kultur und Zivilisation, mithin als Zentren der in ihrem Wirkungsgrad in der Forschung umstrittenen Romanisierung. Gr Cannae: altital. Kleinstadt in Apulien, am Fluß Aufidus (Ofanto), nahe der Adriaküste. Hier besiegte 216 v. u. Z. Hannibal die zahlenmäßig überlegenen Römer durch taktisch kluge Einkesselung. Die Schlacht bei C. ist als klass. Beispiel einer gelungenen Umfassungsschlacht in die Kriegsgeschichte eingegangen. Hd Canova, Antonio, 1757-1822, bedeutendster Bildhauer des Klassizismus in Italien. Sein süßl. Schönheitsideal wirkte auf die Zeitgenossen faszinierend. In zahlreichen Werken, die sich durch raffinierte Marmortechnik auszeichnen, stellte er Gestalten der griech. Sage und Geschichte dar. Meisterhaft ist ein frühes Napoleon-Porträt (Rom); berühmt wurde das zur ruhenden Venus stilisierte Porträt der Paolina Borghese. Die ihm angetragene Ergänzung der Skulpturen vom Parthenon hat C. als Verfälschung abgelehnt. He Canticum [lat., „Gesang"]: Partie der röm. Komödie, die im Gegensatz zum nur gesprochenen Text (Diverbium, „Wechselrede") unter Flötenbegleitung als Arie oder Rezitativ vorgetragen wurde. Plautus führte das C. mit kunstvoller metr. Form in die Komödie ein und veriieh dadurch den Stücken Singspielcharakter. Ki Capitalis [lat.]: röm. Majuskelschrift, bis zur Entwicklung der Minuskeln gebräuchlich; bis in die Neuzeit für Inschriften verwendet. Zu unterscheiden sind C. quadrata und C. rustica. Die noch in den spätantiken Handschriften verwendete C. quadrata hat ihr Vorbild in den Inschriften der röm. Kaiserzeit; die Texte sind ohne Wortund Satztrennung geschrieben (scriptura continua, „fortlaufende Schrift"). Zu den wenigen erhaltenen Hand-

A l \C1ATE 11PSASV\S\11 H X N 1 V R G X OV l DDICA/VI l \ClOQVlStM l NEC Capitalis quadrata (Virgil) aus der Deutschen Staatsbibliothek, Berlin; 3./4. Jh.

Schriften gehört auch ein Vergil-Fragment, der sog. Vergilius Augusteus (5. Jh., Deutsche Staatsbibliothek Berlin). Beliebter war die C. rustica mit schmalen Buchstaben, deren Querstriche (bei E, F, L, T) nur noch angedeutet wurden. Sie ist bereits auf Papyri zu finden. In C. rustica gibt es allein vier berühmte Vergil-Handschriften, weshalb sie auch Litterae Vergilianae genannt wifd. Wt Capitoljnus mons: einer der Sieben Hügel Roms; t Kapitol. D Capri, lat. C§preae: Insel, der kampan. Küste beim heutigen Sorrento südwestlich vorgelagert. 29 v. u. Z. erwarb Augustus C. von den Neapolitanern. Die Insel C. wurde durch Tiberius bekannt, der hier zehn Jahre in seinen prachtvollen Villen verbrachte. Später Verbannungsort. D Capua: Stadt in Kampanien, 4 km südöstlich der heutigen Stadt, der Sage nach von Remus erbaut, im 7. Jh. v. u. Z. von Etruskern gegr., 438 unter samnit. Herrschaft. Im Kampf gegen die Samniten schloß sich C. 340 Rom an. 295 wurde die Via Appia bis C. geführt. Im 2. Pun. Krieg fiel C. 216 von Rom ab und konnte 211 v. u. Z. wiedererobert werden, seine Ländereien wurden zum Ager publicüs erklärt. Der Aufstand des Spartacus nahm in der Gladiatorenschule von C. seinen Anfang. 456 u. Z. zerstörten die Vandalen die Stadt. Im fruchtbaren Kampanien entfalteten sich die Plantagenwirtschaft (Blumengärtnereien) und das Bronzehandwerk. Die ersten Kaiser errichteten hier große Bauwerke (Kapitel, lupitertempel). Seh Caracalla: Spitzname des M. Aurelius SeverusAntoninus, den er nach einem so benannten gall. Mantel erhielt, geb. 4.4.186Lyon,ermordet 8.4.217 bei Carrhae(Syrien), röm. Kaiser seit 4. 2. 211. C. hieß urspr. Septimius Bassianus, war der Sohn des ersten Soldaten kaisers Septimius Severus und der lulia Domna, begleitete seit 194 seinen Vater auf dessen Feldzügen und ließ 197 einen Judenaufstand niederwerfen. 196 zum Caesar, 198 zum Augustus und Mitregenten ernannt, regierte er anfangs zusammen mit seinem Bruder Geta, ließ ihn aber 212 ermorden und viele seiner Anhänger hinrichten, darunter den Juristen Papinianus. Als Soldatenkaiser stützte sich C. vor allem auf die Armee und bevorzugte die Ritter gegenüber dem Senat. In der 212 erlassenen Constitutio Antoniniana verlieh er allen freigeborenen Einwohnern des Reiches das röm. Bürgerrecht. Die Maßnahme diente der Steuererhöhung, vollendete jedoch auch die Entwicklung Roms zum Reichsstaat. Grenzkriege führte C. 213 am obergerman.rät. Limes gegen Alamannen und Chatten und 214 an der mittleren Donau, In maßlosem Ehrgeiz versuchte er nach dem Vorbild Alexanders d.Gr. 216/17 die Eroberung des Partherreiches. Zur Finanzierung des Krieges mußte der Silbergehalt der Münzen reduziert werden. Auf einem Feldzug wurde der despotisch und verschwenderisch regierende Kaiser von dem Prätorianerpräfekten Opellius Macrinus, der für kurze Zeit sein Nachfolger wurde, ermordet. - Unter C. wurden die 206 begonnenen riesigen Thermen in Rom, die seinen Namen tragen, fertiggestellt. Biographie in der Historia Augusta. Porträtbüste im Pergamonmuseum. - Abb. Taf. 4l. , Jo Carinus M. Aurglius, röm. Kaiser Juli 283 - Sommer 285, älterer Sohn des Carus, der ihn 28? zum Caesar und Regenten für die westl. Provinzen ernannte. Als Kaiser bekämpfte C. den nach dem Tode seines Bruders Numerianus im O erhobenen Diocletianus, besiegte ihn in Mösien, wurde jedoch von Soldaten ermordet. Unter seiner Regierung, mit der man traditionell die Prinzipatsepoche enden läßt, begann der Aufstand der Bagauden. - Biographie in der Historia Augusta. Jo Carmen arvale [lat., „Arvallied"] : uraltes lat. Kultlied,

Carmen saliare das die t Arvales sangen. Das Lied, aus einer Aufzeichnung von 218 u. Z. bekannt, wurde schon in der Kaiserzeit nicht mehr verstanden. Be T: M. Nacinovich, Korn 193314. Carmen saliare [lat., „Salierlied"]: altes röm. Kultlied, das die f Salier bei ihren Kulttänzen sangen. Be* Carmina Burana [lat., „Benediktbeurer Lieder"]: berühmteste und umfangreichste Sammel-Handschrift von Vagantenliedern, um die Mitte des 13. Jh. im Kloster Benediktbeuern zusammengestellt; enthält etwa 250 mittellat., aber auch dt. und gemischtsprachige Gedichte meist anonymer Herkunft mit den in der t Vagantendichtung beliebten Themen der ird. Lebensfreude und der didakt.-moral. Satire (bes. gegen den Klerus) neben polit. (Archipoeta), zeitgenöss. (Kreuzzugslyrik) und mytholog. Stücken vorwiegend in rhythm. Form, außerdem einige geistl. Spiele. Der Antike sind die C. B. steif Jich-inhaltlich wie sprachlich formal stark verpflichtet (Mythologie, gedankl. Anlehnung an augusteische Dichter). Mtxierne Verbreitung fanden die C. B. durch die Vertonung C. Orffs. Tr T: A. Hilka-O. Schumann, Heidelberg 1930141 (unvollendet). TU: L. Laistner-E. Brosl, Berlin *1961 (Auswahl). Carnuntum : illyr.-kelt. Ansiedlung und seit Beginn u. Z. röm. Militärlager an der Donau bei Petronell in Niederösterreich. C. war ein. wichtiger Handelsplatz an der Kreuzung der von der Ostsee zur Adria führenden Bernsteinstraße mit der Donautalstraße. Seit 15 u. Z. Legionslager und seit 106 Haupststadt von Pannonia superior, erlangte C. im 2. Jh. seine größte Bedeutung und wurde unter Hadrian Munizipium. Die in den Markomannenkriegen zerstörte Stadt wurde von Septimius Severus wiederaufgebaut und zur Kolonie erhoben. Sie verfiel seit Mitte des 4. Jh. Ausgrabungen seit 1885 haben das Militärlager größtenteils, die Zivilstadt z. T. freigelegt (Triumphbogen, zwei Amphitheater, Statthalterpalast u. a.). Jo Carstens, Jakob Asmus, 1754-1798, Maler des dt. Klassizismus. Seit 1792 lebte er in Rom und studierte die Kunst der Antike und dcr Renaissance. Oft wählte er griech. Sagen, in denen er Urformen menschl. Lebens sah, zu Themen seiner großformatigen Schwarzweiß-Zeichnungen (z. B. Zyklus „Argonautenzug". 24 Blätter), die über formale Meisterschaft hinaus ein geistig-schöpfer. Verhältnis zur Antike zeigen. C. rang um eine ins Heroische gesteigerte Darstellung, des menschl. Körpers in seiner idealen Kraft und Würde. He Carthago: lat. Form von dt. t Karthago. Carthago Ngva, heute Cartagena: 226 v. u. Z. von Hasdrubal an der Ostküste Spaniens angelegter karthag. Militärstützpunkt; 209 v. u. Z. von P. Scipio Africanus erobert. Im 2. Jh. u. Z. war C.N. die Hauptstadt der Provinz Hispania citerior. 425 wurde sie von den Vandalen, 615 von den Westgoten zerstört. Seh Carus M. Aurglius, röm. Kaiser September 282 - Juli 283, stammte aus dem südl. Gallien, wurde Offizier und unter Probus Prätorianerpräfekt. Von den Truppen in Rätien und Noricum zum Kaiser erhoben, bekämpfte er Germanen und Sarmaten an der Donau und die Perser in Mesopotamien. Er starb nach der Eroberung Ktesiphons. Seine Söhne Carinus und Numerianus wurden seine Mitregenten und Nachfolger. - Biographie in der Historia Augusta. Jo Cäsarenwahnsinn: der durch Machtrausch gekennzeichnete krankhafte Zustand, der zuerst den Kaisern Caligula und Nero aus der iul.-claud. Dynastie, dann auch anderen Herrschern zugeschrieben wurde. Der Ausdruck geht zurück auf Tacitus, Hist. 3,72. Dort wird als Ursache für den durch krieger. Auseinandersetzungen zwischen Vitellius und Vespasianus entstandenen Brand des

110 Kapitols in Rom im Jahre 69 der Furor principum (Wahnsinn der Kaiser) genannt. Die Wortprägung C. findet sich jedoch erst in Gustav Freytags „Verlorener Handschrift" 1864. Jo Cäsaropapismus [lat., „Kaiserpapsttum"]: Verhältnis zwischen Staat und Kirche, bei dem der weltl. Herrscher auch höchste geistl. Befugnisse ausübt. In Byzanz erwuchs der C. aus der kirchl. Tradition. Kp Cassiodorus, Flavius Mggnus Aurelius, dt.* Cassiodgr, geb. um 490, gest. um 583, röm. Staatsmann und Schriftsteller aus Senator. Hochadel im Bruttierland. C. stand im Dienste Theoderichs (Konsul 514, Kanzleichef = Magister officiorum) und bemühte sich um Verständigung zwischen Goten und Römern. Mit dem Niedergang der Gotenherrschaft zog sich C. um 540 aus dem Staatsdienst zurück und gründete in seiner Heimat das Kloster Vivarium. Dort sammelte er Handschriften antiker Werke, führte, bei den Mönchen das Abschreiben dieser Schriften (auch heidn.) ein und rettete so wertvolle Literatur in die Klöster, wo sie durch das Mittelalter bewahrt wurde. Um die Bildung der Mönche zu verbessern, verfaßte er ein Lehrbuch „Institutiones", die Grundlagen für die geistl. und weltl. Bildung des Klerus enthalten (darunter eine Darstellung der sieben „freien Künste"). Seine,,Gotengeschichte'* ist nur im Auszug seines Zeitgenossen Jordanes erhalten. In ihr wollte er die Goten als den Römern gleichwertig erweisen und damit eine Aussöhnung beider Völker erreichen. Eine wichtige Geschichtsquelle sind seine 12 Bücher „Variae", amtl. Erlasse und Schriftstücke aus der königl. Kanzlei, wichtige Zeugnisse für den damaligen Amtsstil. Außerdem schrieb C. eine Chronik (von der Erschaffung de'r Welt bis 519 reichend), Psalmenkommentare u. a. theolog. Schriften, über die Rechtschreibung u. a. Be T ( Variae) : T. Mommsen MG (H) A A 72,1894; ( Institutiones) : R. A. B. Mynors, 2196l. Cassius : altröm. plebej. Geschlechtername.· C. C. Longinus rettete 53 v. u. Z. als Quästor den Rest des röm. Heeres nach der Niederlage des Crassus bei Carrhae. im Bürgerkrieg stand er auf selten Caesars, war 44 Prätor und zusammen mit seinem Schwager Brutus Haupt der Verschwörung gegen Caesar. Nach der Niederlage der Caesarmörder 42 v. u. Z. bei Philippi beging C. Selbstmord. Seh Cassius Dio Coccei§nus, um 150 bis um 235, griech. Historiker und röm. Senator aus Nikaia in Bithynien. Unter den Kaisern der Severer-Dynastie war er Beamter, Statthalter mehrerer Provinzen imd 229 Konsul. Er schrieb in griech. Sprache eine annalist. röm. Geschichte in 80 Büchern über die Zeit von der Gründung Roms bis zu seinem Konsulat. Direkt erhalten sind nur die Bücher 36 bis 60, die die Zeit von 68 v. u. Z. bis 47 u. Z. darstellen, das übrige nur in Auszügen byz. Historiker vor allem des 10.-12. Jh. Das Werk des C. D. ist eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte der ausgehenden Republik und der ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit. Darin versuchte der Senator, die Privilegien seines Standes mit der monarch. Gewalt der Kaiser in Einklang zu bringen. Jo T: U. Ph. Boissevain, 5 Bde., Berlin 1895-1931, 21955. Ü: L. Tafel, 3 Bde., Stuttgart 1831-44. Castçllum [lat.], Kastell: 1. kleineres Militärlager, wobei unterschieden wird in Castella tumultuaria, vom Heer für den gegenwärtigen strateg. Gebrauch errichtete Anlagen für die Grenzwehr, und Castella murata, mit Mauern versehene feste Anlagen an den einzelnen Limesanlagen. So gibt es zahlreiche Castella für Cohorten und Alen längs der Limites (z. B. Saalburg, Niederbieber), die im kleinen den Aufbau der Legionslager wiederspiegeln. - 2. Seitdem 1. Jh. v. u. Z. auch eine rechtlich unselbständige, häufig

111 nichtröm. und sich dann zu einer quasistädt. Institution entwickelnde städt. Gemeinde; auch kleinerer, auf einem Berg liegender Ort oder Burg. - 3. C ist ferner als Reservoir einer Wasserleitung bezeugt. - 4. auch Ortsname von vor dem Militärlager entstehenden Zivilsiedlungen, z. B. C. Firmamum (jetzt Porto di Fermo), C. Mattiacorum (gegenüber Mainz, heute Castel). H Castrum [lat.) t Lager, Cataphractgrius, auch Cataphrgctus [griech. > Iat.]:Panzerreiter nach pers. Vorbild im makedon. und seleukid., seit Septimius Severus auch im röm. Heer. Die Reiter trugen eiserne Schuppenpanzer und Helme mit Visier, die Pferde schützten eiserne oder kupferne Panzer. Die Hauptwaffe des C. war die Lanze. Für ausländ. Panzerreiter im röm. Sold wurde die Bezeichnung Clibanarius (von lat. clibanus, „Panzer") gebräuchlich. Eine Neuorganisation der Panzerreiter erfolgte durch Constantius U. H Catüina, L. Sgrgius, 108 bis Anfang 62 v. u. Z., verarmter röm. Patrizier; bereicherte sich während der Proskriptionen Sullas; 68 Praetor. C. plante, nachdem er bei Konsulwahlen mehrmals durchgefallen war, einen Putsch, um die Alleinherrschaft mit allen Mitteln zu erreichen; dazu hätte er mit cien republikan. Traditionen brechen müssen, was in breiten Kreisen der röm. Aristokratie zu diesem Zeitpunkt noch nicht .die nötige Unterstützung fand. Durch demagog. Gesetzesvorlagen über Schuldenerlaß gewann C. zahlreiche Anhänger, neben verschuldeten Adligen vor allem Veteranen Sullas und Caesars, aber auch ärmere Schichten der städt. Plebs. C.s UmsturzPläne wurden 63 von Cicero als Konsul vereitelt, der im Interesse der herrschenden Kreise aus Angst vor einem Umsturz einen Wahlsieg C.s verhinderte und dessen Anhänger in Rom verhaften und hinrichten ließ. Nach seiner Flucht stellte C. in Etrurien ein Heer auf, wurde aber bei Pisloria geschlagen und fand den Tod. Seh Cgto: 1. M. Porcius Censorius, C. d. Α., 234 Tusculum bis 149 v. u. Z., konservativer röm. Staatsmann; kämpfte 217 am Trasimen. See gegen Hannibal und danach unter Fabius Maximus in Italien; beteiligte sich an der Expedition Scipios 204 nach Afrika. Er widmete sich in seiner Jugend auf väterl. Latifundien der Landwirtschaft. 205 war er Quaestor, 199 Adil, 198 Praetor, 195 warf er als Konsul einen Aufstand in Spanien nieder. 191 war er am Sieg Roms über Antiochos III. an den Thermopylen entscheidend beteiligt. Persönlich einfach lebend und streng gegen sich selbst, war er in seiner polit. Haltung konservativ und trat gegen die Hellenisierung Roms auf. Er versuchte die altröm. Sittenstrenge zu stärken., führte 184 als Zensor (daher Beiname „Censorius") eine LuxusSteuer ein und ging gegen bestechl. Senatoren vor. Mit all diesen Maßnahmen glaubte er, die Herrschaft der Sklavenhalter in Rom zu stabilisieren. - Seine Wirtschaftspolitik zielte auf Rentabilität der sich entfaltenden Sklavenwirtschaft auf den Latifundien, nachdem er die wirtschaftl. Errungenschaften Karthagos an Ort und Stelle studiert und das landwirtschaftl. Werk des Karthagers Mago ins Lateinische hatte übersetzen lassen. Da er die wirtschaftl. und polit. Stärkung Karthagos als größte Gefahr für Rom erkannte, trat er im röm. Senat wiederholt für die Zerstörung dieser Stadt ein und soll jede seiner Reden mit f „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam" geschlossen haben. C.s Wirtschaftstheorie spiegelt die zunehmenden Ware-Geld-Beziehungen in Rom, die Rolle des wachsenden Handels- und Wucherkapitals und die Wirtschaftskonkurrenz wider. Er vertrat die Interessen der ökonomisch mächtigsten Sklavenhalter; seine Maßnahmen trugen zum Ruin der mittleren und kleinen Bauern bei. - C. gilt als Begründer der lat. Prosaliteratür. Seine „Origines" (Gründungsgeschichten)

Caudium umfaßten die Vorgeschichte Roms und der ital. Stämme bis zur Geschichte seiner Zeit in sieben Büchern (nur Fragmente erhalten). Auf uns gekommen sind auch einige seiner zahlreichen Reden. Für seinen Sohn verfaßte C. Lehrschriften über Medizin, Rhetorik, Rechtswissenschaft, Landwirtschaft und Kriegswesen. Allein sein Werk „De agri cultura 4 ' (Über die Landwirtschaft) ist vollständig erhalten. Die sog. Dicta (Disticha) Catonis (Handbuch der Vulgärethik) wurden C. fälschlich zugeschrieben; sie sind wohl im 3. Jh. u.Z. entstanden und fanden im Mittelalter als Schulbuch weite Verbreitung. T: (Agricultura): A. Mazzarino, BT 1962. Ü: P. Thielschef. Westberlin 1963. T: H. Malcovati, Oratorum Romanorum fragmenta, Turin/Mailand21955; HRR I, Leipzig 2 1914.

2. M. Porcius C. Uticensis, C. d. J., Urenkel von C. l, 95-46 v.u. Z.; studierte in Rom Philosophie, Anhänger der Stoa; vertrat die Interessen der Optimalen. Er kämpfte 72 unter Crassus gegen Spartacus; 62 stimmte er für die Hinrichtung der Catilinarier. Als Gegner Caesars vertrat er republikan. Traditionen. C. entfaltete eine Opposition gegen das Triumvirat. 49 floh er bei Ausbruch des Bürgerkrieges vor Caesar über Sizilien, Rhodos, Cyrene nach Utica (Nordafrika), wo er sich 46 nach Caesars Sieg bei Thapsus ins Schwert stürzte. C. war ein glühender Verteidiger der historisch überlebten republikan. Staatsform in Rom, er war später das Vorbild aller Gegner der Alleinherrschaft. Persönlich ehrenwert, verkörperte er jedoch den Urtyp des reaktionären Aristokraten. Sein Einfluß war so groß, daß Caesar zwei Streitschriften gegen die Verherrlichung C.s durch seine Anhänger, vor allem Cicero, richtete. Seh Catyll(us), C. Valerius, geb. 87 oder 84 v; u. Z. Verona, gest. wohl 54 v. u. Z., röm. Lyriker aus einer begüterten Familie, lebte in Rom als Mittelpunkt eines Geselligkeit und Freundschaft pflegenden, bohemehaften Dichterkreises, der bedeutendste der „Neoteriker" (Junge, Moderne). Sein Werk umfaßt 116 Gedichte: 1-60 kleinere in lyr. Versmaßen, 61-68 größere, sog. Hellenist. Gedichte, in denen er sich alexandrin. Dichter zum Vorbild nahm (64: Kleinepos auf die Hochzeit von Peleus und Thetis; 66: Übersetzung eines Gedichtes von Kallimachos auf die Locke der Berenike); 69-116 Epigramme in eleg. Distichen. Die Thematik der Gedichte berührt mannigfaltige Lebensbereiche: Tageserlebnisse, Preis von Freunden und ihren Werken, der C. schmerzlich treffende Tod seines Bruders, Feindschaft (u.a. heftige "Angriffe auf Nebenbuhler, auf Caesar und seine habgierigen Anhänger, z. B. den Offizier Mamurra). Die Liebe zu Ciodia (in C.s Gedichten „Lesbia4* genannt), der verheirateten, schönen, aber leichtfertigen Schwester des Volkstribunen Clodius, mit Glück, Eifersucht, Zerwürfnis, Versöhnung und endgültigem Bruch besingt C. in zahlreichen Gedichten, die in der röm. Literatur einzigartig sind. Vorzüglich ist auch die lat. Nachdichtung der Sappho. Schlichte Natürlichkeit, Frische, echte, leidenschaftl. Empfindung, Anmut und Zartheit, aber auch Derbheit, Schonungslosigkeit und maßlose Schärfe im Angriff sind in C.s Werk verbunden mit der Formkunst des Hellenismus. Lessing, Mörike u. a. zeigen sich von C, beeinflußt. Orff hat Gedichte C.s für eine musikal. Bearbeitung verwendet (Catulli carmina). ße T: M.Schuster, BT +1960; (mit Kommentar): W. Kroll, BT Stuttgart +1960. TU: R. Helm, SQA W21971; W. Tilgner, Leipzig 21973. Ü: V. Ebersback, R 1975.

Gaudium, heute Montesarchio: Stadt der Caudini in Samnium. an der Via Appia, in deren Nähe, in den „Caudin. Pässen" (Furc[ul]ae oder Fayces Caudinae), die Samniten 321 v. u. Z. ein röm. Heer einschlössen und be-

Cebenna nions siegten. Dieses durfte zwar abziehen, mußte dabei aber unter einem Joch hindurch; daher nennt man „Kaudin. Joch"' eine Zwangslage, aus der man nur durch eine Demütigung herauskommt. D Cebenna mons, heute Cevennen: Gebirge im S Galliens, das die Grenze zwischen den Arvernern und Helviern bildete. D Cella [lat.]: zunächst kleiner, später auch größerer (Vorrats-) Raum im röm. Wohn- und Gutshaus; auch Innenraum von Kultbauten, bes. Tempeln, bei denen sich die C. im Innenbau (Naos) befindet und meist der Aufnahme des Kultbildes diente. Sl Celsus: 1. C. A. Cornelius, schrieb unter Tiberius eine lat. Enzyklopädie („Artes", Künste), von der die acht auf griech. Quellen basierenden und für die Medizingeschichte des 2. und 1. Jh. v. u. Z. wichtigen Bücher „Über die Medizin" erhalten blieben, während die Teile über Landwirtschaft, Rhetorik, Kriegskunst verloren gingen. Arzt war C. trotz seiner therapeut. Kenntnisse wohl nicht. T: F. Marx, CML I.Leipzig 1915. Ü: E. Scheller- W. Frieboes, Braunschweig 1906. 2. C. P. luventius, bedeutender Staatsbeamter und Jurist des 1. Drittels des 2. Jh. Seine Jurist. Schriften sind bis auf spärl. Fragmente des Digestenwerkes verloren. 3. C., griech. Kelsos, veröffentlichte um 176 eine durch Origenes fragmentarisch überlieferte Kampfschrift gegen das Christentum („Alethes Logos": Wahrer Logos), das er als moral, und intellektuelle Verfallserscheinung wertet. Du T: R. Bader, Stuttgart/Berlin 1940. Celtis, Celtes, Konrad, eigtl. Bickel oder Pickel, 14591508, dt. Humanist, Wanderlehrer und neulat. Dichter; 1487 zum Dichter gekrönt; gründete mehrere wissenschaftl. Gesellschaften nach dem Muster der italien, humanist. Akademien: in Krakau, Ungarn, Wien, Heidelberg; C. gab mit seinen frei nach Horaz und Ovid gestalteten lebensvollen Gedichten („Amores", „Oden" und „Epigramme") wie durch seine ..Verskunst' 4 der neulat. Lyrik Anregung und Vorbild. Er entdeckte und publizierte die Werke der Hrotsvith von Gandersheim (1501) und den „Ligurinus" (1507), gab zwei Senecatragödien (1487) und Tacitus' „Germania" (1500) heraus. Sein rhetor. Ideal orientierte C. an Cicero. Am Wiener Kaiserhof ließ er Dramen von Seneca, Plautus und Terentius sowie eigene Festspiele aufführen. C. hat den Humanismus in Deutschland durch seine vielseitige Persönlichkeit stark gefördert („Erzhumanist"). Tr T: Amores: F. Pindter, Leipzig 1934; Oden: dies., Leipzig 1937; Epigramme: K. Hartfelder, Berlin 1881 (Hildesheim 2 1963); Opuscula, ed. K Adel, Leipzig 1966. Briefwechsel: H. Rupprich. München 1934. Cento [lat., „aus Lappen zusammengeflicktes Zeug"]: Flickgedicht, d. h. aus Zitaten berühmter Dichter, vorwiegend als Spiel oder Parodie, komponierte Dichtung, z. B. der „Froschmäusekrieg" und der C. nuptialis des Ausonius. Aus der mittellat. Literatur ist die Ecbasis captivi mit ihren zahlreichen Horaz- und Vergilzitaten das augenfälligste Beispiel eines C. Ki Centumviri [lat., „hundert Männer"]: Gerichtshof in Rom für Privatprozesse, bes. in Eigentums- oder Erbschaftsfragen. Wa Centurjpe: Ort auf Sizilien, nach dem eine dort gefundene Vasengattung des frühen Hellenismus (3. Jh. v. u. Z.) benannt ist, deren figürl. Dekoration hinsichtlich der Komposition und Farbgebung an Vorbilder der Großmalerei vermuten läßt. Sl Ceres, alte ital.-röm. Göttin des Getreides und des Ackerbaus, später der griech. Demeter angeglichen. Ihre Tochter ist Proserpina. Die Römer weihten 493 v. u. Z. der

112 Dreiheit C., Liber, Libéra auf dem Aventin einen Tempel. Die Götterdreiheit entsprach der griech. Verbindung von Demeter, Köre und Dionysos ; sie waren die Götter der röm. Plebs und spielten insofern eine große polit. Rolle (kult. Zentrum des Plebs, Abhaltung des Marktes am Tempel, Kasse der Plebejer im Tempel aufbewahrt). Die f Ädileniwaren ursprünglich Beamte dieses Tempels. Am 19. April feierte man die Götterdreiheit der f Cerialia. C. steht in enger Verbindung zu Tellus. - Schwank von H. Sachs; Gemälde von Rubens, Poussin, Watteau, Böcklin. Be Cerialia: röm. Fest für die Götterdreiheit Ceres, Liber, Libéra am 19. April. Dem Fest waren die Ludi Cercles (Ceresspiele) vom 12.-19. April angeschlossen. Be Cestiuspyramide: Grabmal des vor 12 v . u . Z . verstorbenen röm. Beamten C. Cestius Epulo in Rom vor der Porta Ostiensis. Die etwa 36 m hohe Pyramide ist mit Marmor verkleidet und im Innern mit Wandbildern geschmückt (stark zerstört), die für die Chronologie der röm. Malerei wichtig sind. In der Umgebung der C. wurden in der Neuzeit Nichtkatholiken bestattet, darunter zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten. He Ceterum censeo [lat.], vollständig Ceterum censeo Carth§ginem esse delendam („Übrigens stelle ich den Antrag, daß Karthago zerstört werden muß"). Mit diesem Ausspruch soll Cato (1) seine Senatsreden beendet haben, da er in Karthago die für Rom gefährlichste Handelskonkurrenz erkannt hatte. Daher C. c. Bezeichnung für jede hartnäckig vertretene Ansicht. FrJo Chaironeia, lat. Chaeronea: Stadt in NW Boiotiens, gehörte im 5. Jh. v. u. Z. zu Orchomenos, zeitweilig zu Theben, erlangte nach 424 Selbständigkeit. Die Entscheidungsschlacht von C., die Philippos II. von Makedonien den verbündeten Athenern und Thebanern 338 v. u. Z. lieferte (Löwendenkmal für die Gefallenen), bedeutete den Niedergang der staatl. Freiheit Nord- und Mittelgriechenlands; sie schuf im Zusammenhang mit dem 337 stattfindenden panhell. Kongreß in Korinth die Grundlagen für die makedon. Hegemonie in einem föderativ gegliederten Griechenland und für den Oberbefehl Makedoniens im Kampf gegen die Perser. 86 v. u. Z. siegte Sulla bei C. über einen Feldherrn des Mithridates. Geburtsort Plutarchs. SF Chaldaea, griech. Chaldaia: das Land Kaldu im S BabyIoniens, benannt nach den Chaldäern. In den griech. und lat. Quellen ist C. mit Babyionien identisch. D Chaldäer [semit. > griech.]: aramäischer Volksstamm aus dem Land Kaldu (Südbabyionien), der im 7. Jh. v. u. Z. die neubabylon. Dynastie in Mesopotamien (Nebukadnezar) begründete (626 bis 539); dann allgemein babylon. Priester, die den Griechen und Römern als Vertreter oriental. Weisheit, speziell der Astrologie und Magie (C. = Sterndeuter, f Magier), galten; der Name wurde in der Spätantike zum Deckmantel für astrolog., mag. und myst. Lehren, von denen bes. die chaldäischen Orakel (2. Jh. u. Z.) zu einer angesehenen Offenbarungsurkunde wurden (im Neuplatonismus). KR Chalkaspiden [griech.]: makedon. Krieger der Phalanx, die erzgeschmückte oder erzbeschlagene Schilde trugen. H Chalkedon f Kalchedon. Chalkjdike: makedon. Halbinsel, die mit drei fingerförmigen Landzungen (Pallene, Sithonia, Akte = Athos) in das Thrak. Meer, einen Teil der Ägäis, hinausragt. Zunächst höchstwahrscheinlich von Thrakern besiedelt» im 8. Jh. v. u. Z. von Chalkis (daher der Name C.) und Eretria, im 6. Jh. von Andros kolonisiert (Rohstoffe: Holz, Metall, Mineralien). SF Chalkis: mehrere Städte im Altertum, bes. die Haupt-

113 Stadt (im W) der Insel Euboia; Einfuhr- und Ausfuhrhafen in günstiger strateg. Lage zur Beherrschung Mittelgriechenlands. SF Chalyber: Volk im SO des Schwarzen Meeres. Man schrieb ihm die Erfindung der Eisengewinnung zu, auch leitete man aus diesem Volksnamen die Bezeichnung für Stahl (chalyps) ab. Z Chaos [griech., von „cheinein", ..gähnen"]: meist ursprüngl. ungeordneter und ungeformter Weltzustand. Schon bei Hesiod (noch mythologisch gefaßt) war zuerst das C, aus dem Nyx (Nacht) und Erebos (Finsternis) hervorgingen. Eine gewisse Rolle spielte das C. in der Philosophie des Anaxagoras und Platons. Gu Charjsius, F. Sosipater, 4. Jh. u. Z., röm. Grammatiker, wohl aus Nordafrika. Er schrieb eine „Ars grammatica" (Grammatik) in 5 Büchern, die wegen der zahlreichen Zitate wertvoll sind. Be T: C. Barwick, BT 1964. Charjten, griech. Charités, griech. Göttinnen der Anmut (röm. Gr§tiae, Grazien). Sie galten meist als die Töchter des Zeus und der Okeanostochter Eurynome. Man nannte gewöhnl. drei: Aglaia (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn), Thaleia (Blühende). Die C. begleiteten Aphrodite, Dionysos, Apollon u. a., sie befanden sich gern in Gesellschaft von Musen und Hören. In Griechenland wurden sie kultisch verehrt. - Die C. waren von der Antike an in der Malerei (pompejan. Wandgemälde; Gemälde von Botticelli, Correggio, L. Cranach d. Ä., Tintoretto, vier Ausführungen von Rubens) und in der bildenden Kunst (Plastik von Canova und Thorwaldsen) ein beliebter Gegenstand der Darstellung. Be Chariton aus Aphrodisias (Karien), lebte im 1. oder 2. Jh. u. Z., vielleicht auch im Späthellenismus, verfaßte den ältesten vollständig erhaltenen griech. Roman „Chaireas und Kalirrhoe", in dem er die Geschichte eines Paares darstellt, das, nach der Hochzeit getrennt, erst nach langen Leiden, Irrfahrten und Unglück wieder zusammenfindet. Das gern gelesene Werk beeinflußte die späteren griech. Liebes- und Abenteuerromane. Be TU (engl.): W. E. Blake, Ann ArborjOxford 1939. Charon, in der griech. Sage greiser, ungepflegter, bösartiger Fährmann, der in der Unterwelt die Toten mit seinem Kahn über den Acheron setzte. Dafür erhielt er als Fährgeld einen Obolos, den man den Toten in den Mund legte. C. durfte Lebende nicht übersetzen. - Gemälde von Böcklin („Die Toteninsel") ; Drama von H. Sachs. Be Charybdis, lat. Charybdis, Meeresungeheuer der griech. Sage, mit f Skylla an einer Meeresenge (Messina?) lauernd. Sie sog dieser gegenüber dreimal am Tage das Wasser ein und stieß es brültend aus. Als Odysseus durch die Meerenge fuhr, mied er auf den Rat der Kirke ihre Seite. Skylla und C. sprichwörtlich für zwei unvermeidl., gleich große Übel. Be Chatten: mächtiger westgerman. Stamm im Gebiet zwischen Fulda und Eder, der vom 1.-3. Jh. u. Z. häufig gegen die Römer kämpfte und seit dem 4. Jh. in den Franken aufging. Die C. sind die Vorfahren der Hessen. Jo Chauken: Seefahrt treibender westgerman. Stamm an der Nordseeküste zwischen Ems und Elbe, stand von 5-30 u. Z. unter röm. Herrschaft und ging im 3. Jh. in den Sachsen auf. Jo Chejron oder Chiron, weiser, gütiger, gerechter Kentaur, Sohn des Kronos und der Philyra (daher oft als Philyride bezeichnet), lebte in einer Höhle auf dem Pelion und unterrichtete viele griech. Heroen in der Heilkunst, als deren Erfinder er galt, in der Jagd, im Reiten, im Waffenhandwerk und in der Musik (galt als Erfinder der Leier). Seine Schüler waren u. a. Achilleus, Asklepios, lason, Phoinix. Als C. durch einen vergifteten Pfeil des Herakles

Chigi-Kanne unheilbar verwundet worden war, gab er seine Unsterblichkeit zugunsten des Prometheus auf. Be Chemie, Chem. Wissen ist seit dem Altertum aufs engste mit der gewerbl. Tätigkeit verknüpft. Die alten Völker besaßen eine Fülle ehem. Kenntnisse über die Metallgewinnung, die Herstellung von Glasflüssen, von Emaille, von minéral., tier. und pflanzl. Farben, von alkohol. Getränken, Kosmetika, Drogen und Giften. Sie vermochten auch, Gold und Silber durch Legieren und Überziehen zu „doublieren", aus gefärbten Glasflüssen „künstl." Edelsteine und Perlen sowie aus Pflanzenfarbstoffen imitierten Purpur zu bereiten. Bes. von der ägypt. Tempelindustrie (f Techniten) wurden diese Verfahren angewandt. Theoret. Verallgemeinerungen finden sich im Zusammenhang mit naturphilosoph. Fragestellungen nach dem Wesen von Werden und Vergehen vor allem in den Werken der griech. Philosophen, bes. Empedokles (Vier-Elementenlehre, Porenlehre), Leukippos, Demokrit (Atomlehre) und Aristoteles (Lehre über qualitative Veränderungen). Während der Zeit des untergehenden Hellenismus wurde diese prakt. -gewerbl. Chemie in die Richtung der aufkommenden f Alchemie gedrängt. Von griech. chyma = = (Metall)guß sollen sich die späteren Bezeichnungen Alchemie und Chemie ableiten. Se Chemikalien. Die Zahl der in der Antike bekannten und verwendeten C. ist sehr groß. Neben den sieben Metallen Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Blei, Eisen und Quecksilber und ihren wichtigsten Legierungen kannte man viele ihrer Derivate, vor allem die Oxide und Sulfide. Daneben waren u.a. bekannt: Schwefel, Soda, Pottasche, Kochsalz, Salpeter, Vitriol, Essig. Besondere Bedeutung für die Transmutation (f Alchemie) hatteij Schwefel (Theiön) und Quecksilber. In den Rezepten der Techniten zum Imitieren von Edelsteinen, Purpur und Perlen gehören Essig, Alaun, Nitron (Soda) und Ammoniak (aus Harn) zu den meistverwendeten Substanzen. Se Chersonesos: 1. die Thrak. C., heute Halbinsel Gelibolu, fruchtbares Getreideanbaugebiet am Hellespont (Dardanellen), im 7. Jh. v. u. Z. von aiol. und ion. Bauern besiedelt, nach 561 v. u. Z. von Athen besetzt, 493-469 pers. Operationsbasis gegen Griechenland, nach den Perserkriegen zum Att. Seebund gehörig, 404-386 spartanisch, dann wieder unter Athen, 338 makedonisch, 133 v. u. Z. römisch. - 2. die Taur. C., heute f Krim, am Kimmer. Bosporus, bildete den wichtigsten Teil des späteren Bosporan. Reiches. - 3. Stadt im SW der Krim, heute Cherson, in der Nähe des heutigen Sewastopol. SF Cherusker: westgerman. Stamm im Gebiet nördlich des Harzes zwischen Weser und Elbe. Die C. waren zeitweise von Drusus und Tiberius unterworfen, vernichteten dann jedoch 9 u. Z. unter ihrem Heerführer Arminius drei röm. Legionen in der Schlacht im Teutoburger Wald und schlugen 15/16 die Angriffe des Germanicus ab. Ihre Bedeutung schwand noch im 1. Jh. infolge innerer Kämpfe, und sie wurden von den Chatten unterworfen. Später gingen die C. in den Thüringern und Sachsen auf. Jo Chiasmus [lat. < griech., „Überkreuzstellung"]: Literar. Stilmittel, bei dem in aufeinanderfolgenden Kola oder Sätzen die einander entsprechenden Glieder zueinander in umgekehrter Reihenfolge erscheinen, z. B. Ennius, ann. 269: spernitur orator bonus, horridus miles amatur. Der C. dient der formalen Hervorkehrung inhaltl. Antithesen. Ki Chjgi-Kanne: Tongefäß aus dem 3. Viertel des 7. Jh. v. u. Z., einst im Besitz des Fürsten Chigi, jetzt in der Villa Giulia (Rom). Die figürl. Darstellungen auf den drei Friesen (Feldschlacht, Wagenfahrt, Löwenjagd, Parisurteil) gehören zu den qualitätvollsten Zeugen der polychromen spätprotokorinth. Vasenmalerei; sie gestatten

Chiliardî Rückschlüsse auf die Thematik und Gestaltung monumentaier Bildschöpfungen dieser Zeit. - Taf. 46, Sl Chiliarch [griech.]: bei den Persern Kommandeur der Leibgarde des Herrschers. Alexander d. Gr. benannte den ersten Hipparchen - Hephaistion - in C. um und schuf damit ein höchstes Reichsamt. H Chiliasmus [griech., „1000 Jahre"]: Annahme eines 1000jährigen messian. ird. Reiches für die auferweckten Frommen vor dem Weltgericht und dem Ende der Welt. Die Vorstellung ist in der jüd. Apokalyptik entstanden (Dauer und Deutung unterschiedlich), wirkte vor allem unter den Christen des Okzidents und den Montanisten, in der Neuzeit bei Schwärmern, Pietisten und Sektierern. Wi Chimaira, lat. Chimaera [griech., ,,Ziege"], Chimäre: feuerschnaubendes Ungeheuer; Lykien galt als ihre Heimat. Als Schreckgespenst versetzte man sie auch in die Unterwelt. Sie wurde vorn als Löwe, in der Mitte als Ziege, hinten als Schlange dargestellt. Bellerophon tötete sie. Übertragen: Hirngespinst, Trugbild. - Abb. Be

114 (479) Mitglied des Att. Seebundes mit demokrat. Verfassung. 406-394 spartanisch, seit 377 im 2. Att. Seebund, 333/331 unter makedon. Besatzung, 202 mit Pergamon, 190 mit Rom verbündet, 86 von Mithridates geplündert, 85 v. u. Z. römisch (sog. Civitas libéra). Im 5. Jh. v. u. Z. galten die Chien deren Gewerbefleiß ebenso berühmt war wie ihr Wein und ihre Mastixdrogen, als die reichsten Griechen. C. wurde im Altertum als eine der mögl. Geburtsstätten Homers genannt (Rhapsodenschule). SF Chirurgie [griech., „Handarbeit"]. Die C. gehört zu den ältesten Fachgebieten der Medizin. In den Homer. Epen werden einfache Behandlungen von Verletzungen beschrieben. Die hippokrat. Medizin brachte es unter Verwendung auffallend weniger und einfacher Instrumente speziell in der Knochen-C. zu beachtl. Leistungen. Nach hippokrat. Methoden werden noch heute bisweilen Schulterluxationen (Abb.) oder der Klumpfuß behandelt. Die Entwicklung der allgemeinen C., deren Anfänge in hippokrat. Zeit fallen, erfuhr mit dem 3. Jh. v. u. Z. einen Aufschwung und erreichte im l . J h . u.Z. ihren Höhepunkt. Das reichhaltigere Instrumentarium dieser Zeit enthielt neben Knochenzangen, -sägen, Skalpell und Messer u. a. Unterbindungsnadeln, Blasensteinhaken, Punktionskanülen. Starmesser und -nadeln (Abb.). Trotz Kenntnis und Anwendung schmerzstillender Mittel wurde eine völlige Anästhesie nicht erreicht. Größere

Chimaira von Sanguineto (Florenz) China. Die Bewohner C.s wurden in der Antike entweder iiach der Ts'in-Dynastie als „Sinai" oder als „Seres" (von chines, sir „Seide") bezeichnet. Die Urgesellschaft C.s wurde schon im 2. Jährt, v. u. Z. von der altoriental. Klassengesellschaft abgelöst, im 3. Jh. u. Z. begann ein Feudalisierungsprozeß, der Mitte des 9. Jh. zu einem ausgebildeten Feudalismus führte. Von antiken Autoren der Kaiserzeit wurden die „Sinai" südlich von den „Seres" lokalisiert. Das für die antiken Mittelmeervölker interessanteste Produkt C.s war die Seide. Unter dem chines. Kaiser Wu soll 114 v. u. Z. nach der kurz zuvor erfolgten Ausdehnung des chin. Einflußbereiches bis Baktrien die erste Handelskarawane nach dem W abgegangen sein. Die ersten klareren Vorstellungen von C. finden sich in einem griech. Werk des 1. Jh. u. Z. über den Ind. Ozean. Chinesischerseits wird berichtet von der ephemeren Oberherrschaft C.s über den griech. König der Paropamisaden und von einer röm. Söldnerkolonie in Kansu (1. Jh. v. u. Z.), ferner von dem Auftreten von Zauberkünstlern und Musikern vom westl. Meer ( l . J h . u.Z.) sowie von einer angeblich röm. Gesandtschaft des Kaisers Antun (Marcus Aurelius Antoninus) im Jahre 166 u. Z. Aus dem 6. Jh. stammen die Nachrichten des Kosmas „Indikopleustes" über das von ihm „Tzinista" genannte C. D Chjos: fruchtbare, von loniern besiedelte Insel in der Ägäis unmittelbar vor der kleinasiat. Küste, um 600 v. u. Z. von einem Sklavenaufstand erschüttert (in C. wurden erstmalig angekaufte Sklaven beschäftigt), 494 von Kyros II. unterworfen, nach dem griech. Sieg bei Mykale

Chirurgie, oben Oberschenkeleinrenkung durch eine mit Winden versehene Streckbank und den Druck der flachen Hand des Arztes, unten Schultereinrenkurig durch Einschieben der Schulter des Helfers in die Achselhöhle des Patienten (nach hellenist. Darstellungen)

antike Chirurg, Instrumente, l flacher runder Löffel, 2 sondenförmiger Löffel, 3 kleine Schere, 4 Pinzette, 5 geburtshilfl. Haken, 6 Zange (Forceps), 7 Wundhaken, 8 Knochensäge, 9 Messer, 10 Katheter, / / kleines Spekulum, 12 Nadel, 13 Starnadel, 14 Starmesser

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Operationen waren: Amputationen, Blasensteinschnitt und Bruchoperationen. Die antiken Chirurg. Kenntnisse behielten bis in die Renaissance hinein ihre Gültigkeit. Ko Chiton [griech., „Hemd, Gewand"]: Untergewand aus Leinen oder Wolle, lang oder kurz, mit oder ohne Ärmel, von Männern und Frauen getragen^ wurde stets gegürtet; der lange C. wird seit klass. Zeit meist von Frauen getragen. Sl Chlajna [griech.]: großer Wollmantel, von Männern über dem Chiton getragen, seit klass. Zeit bes. Philosophentracht. Sl Chlamys [griech.]: leichter, auf der rechten Schulter gesteckter Mantel für Männer, von den Griechen als Reisebekleidung und Kriegermantel getragen. Sl Chlodwig, ChlQdowech, frank. König 481/2 bis 511, Sohn des Merowingers Childerich, Teilfürst der sal. Franken um Tournai. 486/7 beseitigte er die galloröm. Herrschaft des Syagrius. Mit Theoderich, der seine Schwester Audefleda heiratete, zunächst verbündet, vergrößerte C. sein Reich auf Kosten der Alamannen (497) und Westgoten (507). Der Übertritt zum Katholizismus (497 oder 498) und die Aufzeichnung der Lex Salica erleichterten die Festigung des entstehenden frank. Großreiches. Die Choirilos, lat. Choerilus, griech. Epiker aus der 2. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z., lebte bei Lysandros und am Hofe des Makedonenkönigs Archelaos in Pella, wo er starb. Er leitete in der Epik eine neue Epoche ein, da er nicht mehr Stoffe der Götter- und Heldensagen, sondern als erster einen histor. Stoff, den Sieg der Athener über den Perserkönig, in seinem Epos „Persika" darstellte. Be T: EGF l, S. 265-272. Choliambos: griech. Form für f Hinkjambus. Chor [griech. > lat., „Tanzplatz", ..Tanzgruppe"]: Gruppe gemeinsam in der Orchestra singender und tanzender Personen in Kult, Lyrik und Drama der Antike. Der C. erwuchs aus rituellen Handlungen, bei denen sich die Teilnehmer in rhythmisch gegliedertem Tanz zu Aulosund Saitenspiel um einen Vorsänger bewegten. Gattungen der bes. bei den Dorern gepflegten Chorlyrijc sind Prosodion (Prozessionslied), Hyporchema (Tanzlied), Threnos (Totenklage), Paian (Festlied auf Apollon), Dithyrambus (Lobgesang auf Dionysos). Nach Vorformen mit Wechselgesang und Refrain setzte sich in der Chorlyrik triad. Strophenwiederkehr durch, die auch den chor. Bühnengesang beherrschte. Der C. der entwickelten Tragödie bestand aus 12, seit Sophokles aus 15 Mitgliedern unter Leitung eines Koryphaios (Chorführer), der auch mit Sprechversen in die Handlung eingriff. In der Blütezeit der antiken Tragödie wirkte der C. kommentierend als Sprachrohr der öffentl. Meinung. Viel loser war in der Komödie die Verbindung des (gewöhnlich aus 24 Mitgliedern bestehenden) C. mit dem Bühnengeschehen. Aufstellung, Ausbildung und Ausstattung der dram. Aufführungen in Athen oblag dem Choregen. In Rom war die Bedeutung des C. im Drama begrenzter. Doch sind hier chor. Volkslieder, später auch kult. Chöre bezeugt. Die Nachwirkungen des antiken C. lassen sich von den liturg. Spielen des Mittelalters über das Barockdrama und Schillers „Braut von Messina" bis zu manchen gleichfalls stilisierenden Dramen der Gegenwart hin verfolgen. LRi Chora [griech., „Ort, Stelle, Platz, Land, Gebiet"]: verschiedene Niederlassungen, meist größere, von der Küste etwas abgelegene Dörfer; in Ägypten das Land („Gau"), d. h. das ganze Gebiet, im Gegensatz zur Stadt, bes. zur Hauptstadt Alexandreia. Mü Chorege [griech.]: reicher athen. Bürger, der die Kosten für die Einstudierung eines Dramas übernahm, die

Christentum Schauspieler und den Chor bezahlte (daher: Choregie) und die techn. und Organisator. Aufgaben (Beschaffung der Ausstattung u. ä.) erledigte. Ki Chorjambus [griech.]: aus der Verbindung eines Choreios (Trochäus) mit einem Jambus gebildeter Versfuß : - v ~ (z. B. ömmpötens) ; er gehörte bei den griech. Lyrikern zu den beliebtesten Maßen. Ki Chorographijg [griech., „Länderbeschreibung'4]: im Gegensatz zur mathemat. Geographie des Eratosthenes die prakt. Länderkunde. Die C. stand bei Polybios, der den Ausdruck C. geprägt hat, im Dienste der Geschichtswissenschaft. D Chrematjsten [griech., „Betreiber von Staatsgeschäften"]: griech. königl. Richter im ptolemaiischen Ägypten. Die dreiköpfigen Spruchkammern mit einem Geschäftsführer (Eisagogeys), die im 3. Jh. v.u.Z. aus Alexandreia in die Landgebiete (Chora) geschickt wurden, fungierten seit dem 2. Jh, als ständige Gerichte für Zivil- und Fiskalfälle in einem oder mehreren Gauen. Mü Christentum: Religion, die aus den Widersprüchen der hochentwickelten Sklavereigesellschaft, insbes. auch aus der spannungsgeladenen Begegnung von Orient und Okzident im röm. Kaiserreich zu Beginn u. Z. hervorgegangen ist. Ihr Ausgangspunkt war eine Spiritualisierang und Historisierung der jüd. Messiashoffnung. In ihrer weiteren Ausbildung nahm sie Elemente oriental. Religionen und Kulte, heilenist. Philosophie und sozialer Utopien in sich auf. Kern ihrer Verkündigung wurde die Überzeugung, daß in Jesus Christus ein Sohn Gottes Mensch geworden sei (die genaue Deutung dieses Zusammenhanges ist seitdem immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen gewesen). Nach der Apostelgeschichte wurde zum ersten Male in Antioeheki von „Christen" gesprochen. Das f Urchristentum entwickelte sich als ideelle Selbstverständigung einer trostbedürftigen Welt zunächst vornehmlich in unterdrückten und rechtlosen Volksschichten. Da seine Anhänger den Kaiserkult ablehnten, ergriff die Staatsmacht wiederholt Maßnahmen gegen sie, und es kam zu den sog. ChristenVerfolgungen. Das C. hat jedoch niemals die Klassengesellschaft in Frage gestellt, sondern bot von Anfang an eine illusionäre Lösung der in ihrem Rahmen unlösbaren Widersprüche. In der Folgezeit hat es sich dieser Gesellschaft grundsätzlich ein- und untergeordnet. In der Herausbildung der kirchl. Hierarchie mit ihrer Unterscheidung von Klerikern und Laien und ihrer Rangordnung innerhalb des Klerus reproduzierten sich die allgemeinen sozialen Spaltungen und Schichtungen. Die Besitzenden und Herrschenden fanden im hohen Klerus einen BUK desgenossen, während die einfachen Laien, die in ihrer Masse ohnehin praktisch rechtlos waren, auch im Religiösen entmündigt wurden. Gegenbewegungen (Montanisten. Novatianer, Donatisten) konnten diesen Prozeß nicht verhindern. Unter Konstantin kam es zu einem Bündnis von Staat und Kirche, das dem C. den Weg zur Weltgeltung ebnete und seine weitere Entwicklung wesentlich bestimmte. - Das C. insgesamt reproduziert in besonderer Weise die Widersprüche der Ausbeutergeseli schaft, deren Wandlungen es sich anpaßte und überdauerte. In grundsätzl. Bejahung der antagonist. KlassenStruktur akkumulierte und institutionalisierte es die prakt, Unterwerfung des Gläubigen unter die herrschenden Mächte und steht seiner Selbstbefreiung entgegen. In ihm leben aber auch soziale Ideale fort, die von den Volks massen aufgestellt wurden und auf die sich diese in ihrem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung immer wieder berufen konnten. Bis zum Mittelalter traten fas alle revolutionären Bewegungen in religiöser Form auf und heute beginnen sich in Kirchen und Religionsge

Christenverfolgungen meinschaften zunehmend Kräfte vom Herrschaftsmechanismus der Klassengesellschaft zu befreien. Ro Christenverfolgungen. Im Unterschied zu den jüd. Verfolgungen, die religiöse Gründe hatten (Gotteslästerung), zielten die röm. nicht auf die Unterdrückung einer Religion ab, sondern bezwecktqp die Aufrechterhaltung der öffentl. Ordnung und die Bewahrung des staatl. Kultes. Im l. Jh. konnten sich die Christen weitgehend im Schütze der Privilegien, die den Juden zustanden, ausbreiten. Es kam lediglich zu örtl. Verfolgungen, von denen die in Rom unter Nero (64) und in Rom und Kleinasien unter Domitianus am bekanntesten sind. Im 2. Jh. war der Briefwechsel zwischen Plinius d. J. und Kaiser Trajan (111/13) Richtschnur, wonach die Christen zwar nicht aufgesucht werden sollten, aber das Christsein unter Strafe gestellt war. Die Statthalter und Magistrate handelten nach eigenem Ermessen. Die Absonderung der Christen und die Geheimhaltung ihrer Riten hatte bei der übrigen Bevölkerung Feindseligkeit und Verdächtigungen hervorgerufen. Aus dieser Zeit sind vor allem die Verfolgungen in Antiocheia und Bithynien unter Trajan und in Lyon und Vienne (177) zu erwähnen. Inzwischen war die Kirche ökonomisch und ideologisch ein wichtiger Machtfaktor im Staat geworden. Septimius Severus versuchte deshalb durch ein Gesetz (201) den Übertritt zu Judentum und Christentum zu verbieten. Als Mittel gegen die sich verschärfende Krise des Reiches wurde auf die ideolog. Geschlossenheit (Sicherung der Göttergnade durch den Staatskult) gedrungen. Die aus ihrem Absolutheitsanspruch resultierende Ablehnung des Kaiserkultes mußte jetzt die Christen als Staatsfeinde erscheinen lassen. So wurden die Verfolgungen umfassender: unter Decius (250/51), Valerianus (257/58), der Höhepunkt unter Diocletianus und Galerius (303/13). Doch war die Kirche bereits zu stark, so daß das Ziel eines einheitl. Staatskultes gegen sie nicht erreicht werden konnte. Deshalb wurde sie im sog. Mailänder Toleranzedikt (313) anerkannt und das Christentum in der folgenden Zeit zur Staatsideologie. Wi Christus [griech., „der Gesalbte"]: zentrale Gestalt im Christentum, das ihn als Stifter in Anspruch nimmt und nach ihm benannt wurde. In ihm verkörperte sich die Überzeugung, daß der im jüd. Messianismus erwartete Messias („Christgs" ist die griech. Übersetzung dieses Wortes) bereits erschienen sei und nach seiner Wiederkunft ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichten werde. Die ersten Christen, auch Paulus, begnügten sich mit dem Glauben an die Existenz und den Kreuzestod des C. Später entstanden in den Gemeinden Lebensbeschreibungen, die sowohl von jüd. Vorbildern (etwa dem „Knecht Gottes" des Alten Testaments und dem „Lehrer der Gerechtigkeit" der Essener) als auch von mytholog. Vorstellungen oriental. Religionen und Kulte (etwa dem Rhythmus von Sterben und Auferstehung bei den Fruchtbarkeitsgöttern) und von gnost. Erlösungsmysterien beeinflußt wurden. Das älteste „Leben Jesu" dürfte im „Evangelium der Nazaräer" (auch „Evangelium der zwölf Apostel" genannt), das Epiphanios erwähnt, enthalten sein. Die Wiederkehr des C. wurde indessen immer weiter hinausgeschoben (sie fand bei nichtjüd. Völkern kein Verständnis, und mit der Klerikalisierung des Christentums wurde ihr der Boden entzogen), bis sie mit dem Ende der Welt zusammenfiel. - Die Personifizierung des Heils in dem leidenden und sterbenden Gottessohn entsprach den Bedürfnissen des m die Vereinzelung getriebenen Menschen, der bei einem persönl. Gegenüber Trost und Erbauung suchte. Daß hinter der Gestalt des Jesus C. eine histor. Persönlichkeit steht, wird heute angenommen, ist aber nicht mit sicheren

116 histor. Zeugnissen zu beweisen. Der Gegenstand der christl. Schriften jedenfalls ist nicht „der histor. Jesus, sondern der C. des Glaubens und des Kultes" (R. Bultmann). Ro Christusbild. Die Entstehung des C.es ist eng mit der Entfaltung einer spezifisch christl. Bildsprache innerhalb der heidn.-röm. Kunst verbunden. Grundsätzlich galt auch für die Christen urspr. das mosaische Bilderverbot. Das C. des 1. und 2. Jh. war daher rein geistiger Natur; es fehlte jegl. Antrieb zur Schöpfung eines verbindl. Idealporträts. Die Kirchenväter haben bis weit ins 4. Jh. das C. grundsätzlich abgelehnt oder doch nur, wie überhaupt die christl. Kunst, unter Vorbehalten gelten lassen. Im 3. Jh. treten die frühesten C.er auf, jedoch nur in szen. Zusammenhängen (Hauskapelle von Dura-Europos, röm. Katakomben und Sarkophage), die in symbolhafter Weise auf Rettung und Erlösung durch Christus hinweisen: Auf erweckung des Lazarus, verschiedene Heilungs- u. a. Wunderszenen (Katakomben von S. Callisto und S. Sebastiane). Der hier auftretende Christustypus ist nie persönlich, sondern nur sinnbildhaft zu deuten. Das wichtigste Christussymbol dieser Zeit ist der sog. Gute Hirte, der dem uralten Typus des Schafträgers folgt. Auf dem Sarkophag von S. Maria Antiqua (Rom, um 270) erscheint der Verstorbene als Philosoph zwischen Gutem Hirten und Orans. - Am Ende des 3. Jh. tritt der Typus des bärtigen Christus auf, doch herrscht weiterhin der jugendlich-kurzhaarige vor, bes. auf Sarkophagen, wo jetzt bibl. Wunderszenen in breiter Ausmalung und durch neue Bildthemen bereichert (Anbetung der Magier) auftreten. - Unter Konstantin d. Gr. wurde das Christentum Staatsreligion. Antikes Kaisertum und Christusglaube beginnen einander zu durchdringen. Es entwickeln sich daher jetzt so bedeutsame Bildtypen- wie der im kaiserl. Habitus stehende oder thronende Christus inmitten seiner Apostel und die Traditio legis (Gesetzesübergabe). Der langlockig-bärtige Typus wird vorherrschend. Freiplast. C.er sind äußerst selten. - Bedingt durch den sich rasch entfaltenden Kirchenbau, entwickelte sich bes. seit theodosian. Zeit das zu liturg. Repräsentation bestimmte C., in dem sich Züge der Kaisersymbolik mit apokalypt. Motiven zu monumentalen Programmen verbinden. Im Apsismosaik von S. Pudenziana (Rom, um 450) sitzt der bärtige Christus inmitten seiner zwölf Apostel auf dem kaiserl. Gemmenthron vor dem himml. Jerusalem; auf dem Christus-Sarkophag aus Psamatia (Berlin, um 400) wird der jugendl., lehrende Christus von zwei Aposteln gleich kaiserl. Würdenträgern begleitet. Im 6. Jh. lassen sich bereits die Anfänge der Bilderverehrung (Ikonen) fassen. Damit gelangt das C. folgerichtig zu einer verbindl., auf physiognom. Spekulationen und Bilderlegenden beruhenden Typik, die dann während des byz. Bilderstreites (726-843) theologisch-dogmatisch begründet wurde. - Taf. 51, 52. AE Chrysëis, lat. Chryseis, in der griech. Sage Tochter des Apollonpriesters Chryses. Im Trojan. Krieg in Gefangenschaft geraten, wurde sie Agamemnon als Sklavin zugeteilt. Diesen konnte ihr Vater nur durch eine von Apollon gesandte Pest zur Auslieferung der C. bewegen (Gemälde von Lorrain). Be Chrysippos, geb. 276 Soli (Kilikien), gest. 204 v. u. Z. wahrscheinlich Athen, heilenist. Philosoph, einer der bedeutendsten Vertreter der Stoa und erfolgreicher Lehrer. Er systematisierte die stoische Lehre in Logik, Ethik und Physik und schuf zusammen mit Zenon von Kition eine wesentlich materialist. Erkenntnistheorie, die mit der Wahrnehmung anhebt. Begriffe faßte er als Verallgemeinerung der in der Wahrnehmung enthaltenen Objekte auf. In der Logik ging C. z. T. über Aristoteles hinaus, indem

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Cicero

er Objekt, Bedeutung und sprachl. Bezeichnung klar unterschied. C. betonte bes. die angeblich zweckmäßige, auf den Menschen bezogene Einrichtung der Welt durch den Logos. In der Ethik formulierte C. als erster das Ideal des stoischen Weisen, der in Freiheit von Affekten (Liebe, Haß, Lust, Furcht) im Einklang mit den zweckmäßigen Weltgesetzen lebt. Kl T: H. v. Arnim, Fragmenta Stoicorum veterum IL I903. Chrysoloras Manuel, gest. 1415 in Konstanz (Konzil); byz. Diplomat und Literat, suchte 1390 im W Hilfe gegen die Türken, blieb seit 1396 in Florenz ansässig als erster Lehrer der griech. Sprache und Literatur; sein Lehrbuch (lat. Frage - griech. Antwort) erschien 1484 im Druck. Wf Chrysostomos [griech., „Goldmund"]: traditioneller Beiname des Dion von Prusa und des Johannes C. Der Name wurde auch übersetzt, so russ. Zlatoust. KT Chrysothemis, Tochter des myth. Königs Agamemnon und der Klytaimestra, Schwester von Elektra, Iphigeneia und Orestes. Be chthonische Götter [von griech. chthon, „Erde"]: Gottheiten des Erdbodens und der Erdentiefe; sie schenkten Wachstum und Gedeihen und nahmen die Toten in ihr Reich auf. Zu ihnen gehören bes. Hades, Pluton, Gaia, Demeter, Köre, Hekate, Dionysos und Hermes (als Seelengeleiter). Man opferte den c. G. schwarze Tiere. Die c. G. spielten in der Volksfrömmigkeit eine große Rolle. Be Cicero, M. Tullius, geb. 106 in Arpinum (Samnium), ermordet 43 v. u. Z. bei Formiae, röm. Redner, Politiker und Schriftsteller. C. stammte aus dem Ritterstand; er kam frühzeitig nach Rom, wo er eine vorzügl. Ausbildung bes. in Rhetorik, Philosophie und Rechtswissenschaft erhielt. Nachdem er bereits unter Sulla als Redner in Prozessen mit polit. Hintergrund aufgetreten war (1. erhaltene Rede „Für Quinctius", 81), vervollkommnete er durch eine Studienreise nach Griechenland 79-77 seine Bildung (in Athen Freundschaft mit Atticus, in Rhodos Unterricht bei Molon). Seine Erfolge als Prozeßredner

Cicero (Porträt aus der frühen Kaiserzeit, Florenz) ebneten ihm auch den Weg in der polit. Laufbahn, so daß er, trotz des Widerstrebens der Nobilität gegenüber dem Homo novus alle Ämter zum frühestmögl. Termin bekleidete: er wurde 75 Quästor in Sizilien, 69 kurul. Ädil, 66 Prätor, 63 Konsul. Während seines Konsulats feierte C. seinen größten polit. Triumph durch die Niederschlagung der Verschwörung des Catilina. Die angeblich ungesetzl. Hinrichtung der Rädelsführer wurde C. jedoch zum Verhängnis. Auf Antrag des Clodius wurde er 58 verbannt, und obwohl er bereits nach einem Jahr ehrenvoll zurückgerufen wurde, hatte er seinen polit. Einfluß eingebüßt. In den folgenden Jahren verfaßte er seine wichtigsten Staatsphilosoph, und rhetor. Schriften, bis er 51 die Verwaltung der Provinz Kilikien übernehmen mußte. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges schloß sich C. nach vergebl. Vermittlungsversuchen dem Pompeius an, übte aber polit. Zurückhaltung und erhielt 47 von Caesar

Verzeihung. Die folgenden Jahre erzwungener polit. Untätigkeit wurden zur Hauptepoche der Philosoph. Schriftstellerei C.s (46-44). Nach Caesars Ermordung trat C. noch einmal polit, hervor und suchte die alte republikan. Ordnung wiederherzustellen. Als Führer der Senatspartei griff er in den 14 ,,Philipp. Reden" (benannt nach den Philippika des Demosthenes) Antonius aufs schärfste an, der ihn daraufhin nach Abschluß des 2. Triumvirats auf die Proskriptionsliste setzen und ermorden ließ (7. Dezember 43). Das Schriftsteller. Werk C.s umfaßt die Reden, die rhetor. Schriften, die philosoph. Schriften und die Briefe. Die rhetor. und Philosoph. Schriften hat schon zu C.s Lebzeiten sein Freund Atticus verlegt, die Reden sein Freigelassener Tiro herausgegeben, der auch C.s Nachlaß ordnete und einen Teil der Korrespondenz C.s zur Herausgabe vorbereitete. Von C.s Reden sind 57 vollständig erhalten (Gerichts-, Senats- und Volksreden), etwa ebenso viele sind verlorengegangen. Während C. in den früheren Reden, in denen er mit Hortensius rivalisierte, der asian. Stilmanier zuneigte, zeigte er bereits in den Reden gegen Verres (70) seinen ganz persönl. Stil, der sich von den Einseitigkeiten des Asianismus und des Attizismus gleichermaßen freihält und gekennzeichnet ist durch Vermeiden von Fremdwörtern und Vulgarismen, reichliche, aber nicht übertriebene Verwendung der rhetor. Schmuckrnittel, die große, logisch und sprachlich deutlich gegliederte und rhythmisch gestaltete Satzperiode, die souveräne Beherrschung und jeweils dem Inhalt angemessene Verwendung aller Stilarten, worin ihm Demosthenes Vorbild war. Seit dem Prozeß gegen Verres galt C. als unumschränkter Meister der röm. Beredsamkeit. Seine Reden hat C. für die Buchausgabe überarbeitet, da sie über den unmittelbaren gerichtl. bzw. polit. Anlaß hinaus auch stilistisch-literarisch wirken und seinen Ruhm als Redner verbreiten sollten. Von den rhetor. Schriften sind vor allem wichtig die drei Bücher ,,De oratore" (Vom Redner, 55), in denen C. das von ihm selbst angestrebte Ideal des allseitig gebildeten philosoph. Redners zeichnet; ,,Brutus" (46), eine Geschichte der röm. Beredsamkeit; „Orator" (Der Redner, 46), worin C. die Frage nach dem besten Redestil behandelt und sein eigenes Stilideal tneoret. begründet und rechtfertigt. Zur philosoph. Schriftstellerei hat C. nur in den Zeiten erzwungener polit. Muße Zeit gefunden. Am Anfang (56 bis 51) stehen die Staatsphilosoph. Werke ,,De re publica" (Der Staat, nur fragmentarisch erhalten) und ,,De legibus" (Die Gesetze, unvollendet), in denen C. im Anschluß an Platons philosoph. Hauptwerke das Bild des besten Staates mit der besten Gesetzgebung, verwirklicht in der röm. Verfassung (Mischung von Konsulat, Magistrat, Volksversammlung), zeichnet und damit zugleich die Nobilitätsherrschaft ideologisch begünstigt. Polit, und persönl. Mißgeschick (Sieg Caesars, frühzeitiger Tod der inniggeliebten Tochter Tullia) veranlaßten C., sich noch intensiver als bisher mit philosoph. Studien zu beschäftigen, und ließen in ihm den Plan reifen, die gesamte griech. Philosophie in ihren wichtigsten Teilen in lat. Sprache zu behandeln und so seinen röm. Landsleuten zugänglich zu machen. Diesen Plan verwirklichte er in den Jahren 46 bis 44 (erhaltene Hauptwerke: „De finibus bonorum et malorum", Das größte Gut und das größte Übel; „Tusculanae disputationes", Gespräche in Tusculum; „De natura deorum", Das Wesen der Götter; „De officiis", Die Pflichten). Ohne selbständige Forschung zu betreiben, wählte er aus der griech. Philosophie jeweils diejenigen Lehren aus, die ihm verständig und nützlich erschienen (bes. die der Akademiker Philon von Larissa und

Cincinnatus Antiochos von Askalon und des Stoikers Poseidonios), und stellt sie in populärer Form (Dialogform) dar. Von der umfangreichen Korrespondenz C.s sind vier Brief-Slg.en, nach Adressaten geordnet, erhalten, durch die wir C. auch in seinen persönlichsten Gedanken und Empfindungen so genau wie keinen zweiten Menschen der Antike kennenlernen. Darüber hinaus sind die Briefe eine unschätzbare Quelle für die gesellschaftl., polit, und kulturhistor. Verhältnisse jener Zeit. C.s Bedeutung liegt nicht, wie er selbst geglaubt hat, auf polit. Gebiet. In völliger Verkennung der histor. Situation war er bestrebt, die innerlich durch Korruption und äußerlich durch die Forderungen der Populären bedrohte Herrschaft der Nobilität, der er selbst nicht angehörte, zu stützen und mußte, da er keinen festen polit. Standpunkt hatte, in den Machtkämpfen der ausgehenden Republik politisch SchifFbruch erleiden. Dagegen ist C.s Bedeutung auf dem Gebiet der Sprache und Literatur kaum hoch genug einzuschätzen. Vor allem durch seine Reden, aber auch durch seine rhetor. und philosoph. Schriften ist er der Schöpfer der klass. lat. Kunstprosa geworden, die in der Folgezeit als Norm und Muster der lat. Sprache galt. Durch seine philosoph. Schriften hat er nicht nur die Kenntnis der griech. Philosophie in Rom verbreitet, sondern sie auch dem Mittelalter überliefert und damit zu ihrer Nachwirkung bis in die Neuzeit beigetragen. Von der Bedeutung der griech. Kultur für die Bildung des Menschen zutiefst überzeugt, hat er das Wort „humanitas" zu einem Bildungsbegriff gemacht und damit zum Ausdruck gebracht, daß der Mensch erst durch Bildung zürn Menschen wird. C.s Nachwirkung war schon in der Antike außerordentlich groß, und in der Geschichte des Nachlebens der Antike hat C. unter den Römern stets den wichtigsten Platz eingenommen. 120 Jahre nach C.s Tod hat Quintilianus den .Ciceronianismus* begründet, indem er C.s Reden als mustergültig erklärte und nachdrücklich C.s Stil- und Bildungsideal propagierte. Sehr rasch fand auch das frühe Christentum Zugang zu C. Lactantius wurde wegen seiner C.-Nachahmung der .christl. Cicero' genannt; Hieronymus warf sich selbst vor, daß er ein C.-Anhänger (,Ciceronianus') und kein Christusjünger (,Christianus') sei; Augustinus datierte von der Lektüre des (verlorenen) ciceron. Dialogs „Hortensius" die entscheidende Wende seines Lebens. Petrarca, der ein begeisterter Verehrer C.s war, verhalf dem .Ciceronianismus' endgültig zum Sieg, so daß die Nachahmung des ciceron. Stils, die mit dem Studium von C.s Schriften Hand in Hand ging, das erklärte Ziel der Humanisten wurde. Erst als im Neuhumanismus des 18. J. die griech. Originalwerke gleichsam neu entdeckt wurden, verlor C. seine Vorrangstellung in der Nachwirkung der Antike. Kü T (Gesamtausgabe): Klotz-Plasberg, BT 10 Bde., 1914ff.

ϋ (Auswahl): LB 14 Bde., 1855-1905; die wichtigsten Werke euch bei R.

Cincinnatus, L. Quinctius, röm. Feldherr, 460 v. u. Z. Konsul; galt in der Überlieferung als Symbol altröm. Tugend und Tapferkeit. Er erhielt, während er auf dem Feld arbeitete, 458 den Auftrag, die Diktatur zu übernehmen, um das von den Aequern eingeschlossene röm. Heer zu entsetzen, was ihm nach wenigen Tagen gelungen sein soll. Seh Cjjnna, 1. C. Helvius, röm. Dichter aus Oberitalien, Freund Catulls, einer der Neoteriker. Mit L.Cornelius C,, einem der Mörder Caesars, verwechselt, wurde er 44 v. u. Z. vom rasenden Volk getötet. C. schrieb u. a. in der Art der Alexandriner ein gelehrtes Kleinepos „Zmyrna" ; von seinen Werken sind nur Fragmente erhalten. T: FPL S. 87-89,

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2. C., Lucius Cornelius, neben Marius Führer der Populären, 90 v. u. Z. Prätor, 87-84 Konsul. Von Sulla vertrieben, sammelte er in Kampanien Truppen, rief Marius aus der Verbannung zurück und nahm 87 Rom ein, wo er brutal gegen die Optimaten vorging. Nach Marius' Tod (86) war er faktisch Alleinherrscher in Rom. Von der städt. Plebs, z. T. von den Italikern und bes. von den Rittern erhielt C. weitgehende Unterstützung. Als er gegen den im Orient siegreichen Sulla rüstete, wurde er von meuternden Soldaten umgebracht. Be Cjppus [lat., „Spitzpfal"]: bes. im etrusk. Bereich die aus dem Grabverschluß in ungestalteter, dann in Kegel-, Hausdach- oder Schildform sich entwickelnde Grabbekrönung (Knauf, Knospe, Kopf), auch die Grabstele, -säule, -plastik. Sl Circumcellionen [lat. Bedeutung strittig; Eigenbezeichnung „Agonistici", griech.-lat., „Kämpfer", oder „Milites Christi", lat., „Soldaten Christi"]: Hauptträger einer sozialen und religiösen Bewegung im spätantiken Nordafrika, am ehesten als linker Flügel der Donatisten zu deuten. Seit etwa 340 auftauchend, setzten sie sich aus den untersten Schichten der freien Bevölkerung und aus entlaufenen Sklaven zusammen und kämpften gegen die Auswüchse der Bürokratie, des Großgrundbesitzes und der kathol. ..Staatskirche". Aufstände der C., die zeitweise mit dem Widerstand herber. Stämme zusammenfallen, wurden (so unter Firmus und Gildo) mit Militärund Polizeigewalt niedergeschlagen; ihre ideolog. Position versuchte Augustinus - ohne vollen Erfolg - zu vernichten. Zeitweise als eigener „Ordo" anerkannt, retteten sich Reste der C. bis in die Zeit der vandal. Okkupation. Die Circus, lat. Form von dt. f Zirkus. Cista [lat., „Korb, Kiste4']: 1. runder geflochtener Korb für Speisen u. a. Gegenstände, in den eleusin. und dionys. Mysterien verwendet. - 2. bronzenes zylinderförmiges Gefäß. Die Praenestin. Cisten, mit eingeritztem und plast. Dekor versehen, dienten wohl als Behältnisse für Toilettengegenstände; ein hervorragendes Werk dieser Gruppe ist die Ficoron. C. - 3. quaderförmiges Behältnis aus Ton, Marmor, oft Alabaster zur Aufbewahrung der Totenasche; bekannt und in großer Zahl erhalten sind die reliefgeschmückten Aschenkisten aus Etrurien, bes. Volterra. Sl Civilis, C. lulius, Bataver aus vornehmem Geschlecht, Kohortenpräfekt, führte wegen persönl. Zurücksetzung 69/70 den Aufstand german. und kelt. Stämme, die sich gegen die röm. Ausbeutung empörten, zunächst durch Eintreten für Vespasianus, dann mit dem Ziel eines Imperium Galliarum. Im Herbst 70 von Q. Petilius Cerialis vor Trier geschlagen, leistete er noch hinhaltenden Widerstand im Maasgebiet. Die Cjvis Romanus [lat., „röm. Bürger"]: Inhaber des röm, Bürgerrechts. Mit dem Ausspruch „C. R. sura" [„ich bin ein C. R."] konnte der C. R. sich im Ausland der fremden Gerichtsbarkeit entziehen. Wa Civitas [lat., „Bürgerschaft"]: 1. die Gesamtheit der Bürger (lat. cives) einer staatl. Gemeinschaft. - 2. in der Umgangssprache teilweise bereits in der Zeit der röm. Republik, allgemein seit dem 2. Jh. u. Z. Bezeichnung für die Stadt als Lokalität. In dieser Bedeutung ist C. in den roman. Sprachen erhalten. - 3. C. (Romana) [lat.]:.,.das röm. Bürgerrecht", auch ins civitatis Romanae [lat]: „das Recht der Zugehörigkeit zur Bürgerschaft Roms". - 4. im offiziellen Sprachgebrauch urspr. die autonomen städt. oder nichtstädt. Gemeinden peregrinen Rechts. Die Bezeichnung verdrängt vereinzelt seit dem Ende des 2. Jh, u. Z. und zunehmend seit der Constitutio Antoniniana infolge fortschreitender Nivellierung der Unterschiede

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Coiumbanus

zwischen den Kategorien städt. Gemeinden - die Bezeichnungen municipium und colonia. - Am Ende der Antike übl. Bezeichnung für die städt. Gemeinden. We Claudia nue, Claudius, geb. um 375, letzter großer lat. Dichter, bis 404 dichtend, von Geburt Grieche aus Alexandreia. An den klass Vorbildern orientiert, gestaltete er Stoffe seiner eigenen bewegten Zeit. National römisch gesinnt und ein Bewunderer der röm. Vergangenheit, diente er Stilicho als Hofdichter. Er verfaßte Gedichte auf verschiedene Konsulate des Stilicho und des Kaisers Honorius, auf dessen Hochzeit mit Stilichos Tochter Maria, trotz des panegyr. Inhalts wertvolle histor. Quellen. Berühmt ist sein mytholog. Epos „De raptu Proserpinae" (Raub der Proserpina). Neben den Dichtungen in lat. Sprache ist auch einiges in griech. Sprache erhalten. Be T: Th. Birt, MG AA W, Berlin 1892. TK: (De raptu Proserpinae) J. B. Hall, Cambridge 1969. U: G. v. Wedekind, Darmstadt 1868. Claudius: altröm. patriz. Geschlechtername. Die älteren Angehörigen dieser Gens, u. a. Appius C., galten als Vorbilder altröm. Tugenden. - 1. Tib. C. Nero Germanicus, 1. 8. 10 v. u. Z. Lugdunum (Lyon) bis 13. 10. 54 u. Z., Sohn des Drusus, unter dem Namen C. seit 41 röm. Kaiser, bekleidete, angeblich wegen körperl. Gebrechen (Stottern), keine polit. Ämter, vertiefte sich statt dessen in die Vorgeschichte Roms und in die Welt der Etrusker, auch bemühte er sich um die Einführung neuer lat. Buchstaben. Nach Caligulas Ermordung wurde er als letzter Claudier von den Prätorianern auf den Thron gehoben, die dafür ein hohes Donativum verlangten. Die Politik leiteten weitgehend in den Kanzlesen, die C. zur Stärkung der kaiserl. Macht einrichtete, seine Freigelassenen Narcissus, Callislus, Pallas und C." Frauen, bes. die dritte, Messalina. Durch die Verleihung des Bürgerrechts an außerital. Städte förderte er die Romanisierung in den Provinzen; in der Innenpolitik war er erfolgreich (Ausbau der kaiserl. Verwaltung und der Finanzen, Änderung des Erb-, Ehe- und Sklavenrechts). Er ließ zahlreiche Kolonien, Straßen und Bauwerke errichten (u. a. Emissär des Fuciner Sees, Neuanlage des Hafens von Ostia). Südbritannien und Mauretanien kamen unter C. zum Röm. Reich. Von seiner vierten Frau, seiner Nichte Agrippina (2), wurde C. vergiftet. Seneca hielt die Leichenrede, gleichzeitig aber verspottete er C. in der „Apocolocyntosis". Auf die Senatsopposition gegen C. läßt sich wohl die negative Beurteilung seiner Person und seiner Regierung zurückführen. Biographie von Suetonius. Münzbildnis Taf. 45. 2. M. Aureliüs C. Gothicus, 219 in Dalmatien geb., röm. Kaiser 268 - 270, Sieger über die Goten (daher der Beiname) bei Naissus/Mösien. Während der Neuordnung der Donauprovinzen (u. a. Ansiedlung der besiegten Goten in entvölkerten röm. Teilen) starb er an der Pest in Sirmium. FrJo Clemens, T. Flavius, von Alexandreia (daher auch: (C. Alexandrinus) : urn 150 - vor 215, aus Athen (?), wirkte als christl. Lehrer in Alexandreia, floh 202/3 in der Verfolgung des Severus nach Kappadokien, wo er starb. Schrieb u. a. Protreptikos (Glaubenswerbung), Paidagogos (Lebensregeln), Stromata = Teppiche" (Sammelwerk). Durch Zitate aus über 360 griech. Autoren ist C. wichtige Quelle für antike Literatur und Philosophie. T T: 4 Bde. GCS, hrsg. O. Stählin, 1905ff.

Neuaufl. v. L. Früchtel

u. U. Treu. Ü: Stählin, BKV, 1936f.

Clibanarius [lat.]: Panzerreiter wie der Cataphractarius. Das Wort stammt aus dem Persischen und wurde hauptsächlich für ausländ. Panzerreiter im röm. Sold gebraucht. H Cloaca maxima [lat. cluo, reinigen: ..größter Reinigungs-

Cloaca maxima. Mündung in den Tiber kanal"]. Die Anlage wurde nach etrusk. Vorbild ums 300 v. u. Z. als überwölbte Kanalisation (Abb.) in den Tiber geleitet. Weitere Anlagen, die 184 v. u. Z. mit dem enormen Aufwand von 24 Mill. Sesterzen angelegt wurden, dienten gleichen Zwecken. Sie standen unter dem Schutz der Göttin Cloacina, worüber die Christen weidlich spotteten. Wf Clodius: vulgäre Form des patriz. Geschlechtsnamens Claudius, bes. im 1. Jh. v. u. Z. - Berüchtigt war P. C. Pulcher, um 92-52 v. u. Z., der im Orient unter Lucullus Kriegsdienst geleistet hatte. Er war 62 wegen Religionsfrevel angeklagt, wurde aber von bestochenen Richtern freigesprochen. 59 trat er zur Plebs über und änderte seinen patriz. Namen in die vulgäre Form C., um als Volkstribun die Verbannung seines Gegners Cicero durchsetzen zu können. Außerdem gelangen ihm, z. T. mit Zustimmung Caesars, die gesetzl. Einschränkung der Senatsgewalt und kostenlose Getreideverteilung an die städt. Plebs. C. verfeindete sich später mit Pompeius und dem Volkstribunen Milo, terrorisierte mit gedungenen Banden Rom und wurde 52 bei der Wahl zum Prätor, die in einem furchtbaren Aufruhr stattfand, von Anhängern Milos ermordet. Seh Clodius Alhinus, eigtl. D. Clodius Septimius Albinus, von der röm. Aristokratie unterstützter, auch literarisch tätiger („Georgica") Usurpator gegen Septimius Severus Ende 195 bis 19. 2. 197. Von den Truppen in Britannien zum Imperator deklariert und zunächst erfolgreich, wurde er bei Lugdunum besiegt und wählte den Freitod. Sch/Hd Clusium, heute Chiusi: wichtigste etrusk. Stadt. Ihr König Porsenna versuchte vergeblich die etrusk. Königsherrschaft über das republikanisch gewordene Rom zu erneuern. C. ist berühmt durch seine Grabkunst, durch die typ. Urnenmasken und Kanopen aus der Villanovakultur sowie durch heilenist. Ton- und Kalksteinkisten mit den oft porträthaft gestalteten Deckelfiguren. FrJo Codex f Kodex. Codex Tustinianus [lat.] : Teil des f Corpus iuris civilis. 528 beauftragte Justinian eine Kommission mit der Sgl. und Sicherung der vorliegenden f Constitutiones mit der Maßgabe, veraltete Gesetze und Widersprüche zu beseitigen. Mit dem Inkrafttreten des C. I. am 16. 4. 529 waren alle nicht aufgenommenen Constitutiones sowie die älteren Slg.en ungültig. Wa Codex Theodosianus [lat.]: von Theodosius II. veranlaßte Slg. von kaiserl. Verfügungen (f Constitutiones), deren älteste aus dem Jahre 313 u. Z. stammte. Der C. T. wurde 438 im O, 439 im W des Rom. Reiches mit Gesetzeskraft publiziert. Wa Cognomen [lat., ..Beiname"] : der an dritter Stelle stehende Teil des röm. Namens (f Namengebung). Urspr. handelte es sich um eine zusätzl. Kennzeichnung der Person, die aber dann vererbt wurde und zur Unterscheidung der einzelnen Zweige der großen (adligen) Geschlechter diente. Z Coiumbanus, um 543-615, ir. Mönch und Missionar,

Columbarium gründete 614 in Oberitalien das Kloster Bobbio, das sich später zu einer bedeutenden Stätte der Wissenschaften entwickelte. C. verfaßte eine Mönchsregel und ein Bußbuch, ferner Gedichte und Briefe, Predigten und Psalmenkommentare, aus denen Kenntnis antiker Autoren (darunter Vergil, Horaz und Prudentius) hervorgeht. Tr T: G. S. M. Walker, ScriptoresLatini Hiberniae II, Dublin 1957. Columbarium [lat., ,.Nistplatz eines Taubenschlages"]: Nische zur Aufbewahrung der Aschenurnen in röm. Grabanlagen der späten Republik bis mittleren Kaiserzeit; moderne Bezeichnung für die gesamte Grabanlage. Das rechteckige oder kreisförmige C., das auch unterirdisch angelegt sein konnte, faßte bis zu 700 Gräber, meist der einfachen Leute. - Abb. Sl

Columbarium Pamphili, Rom (rekonstruiert) Columella, L. lunius Moderâtus, 1. Jh. u.Z.; bedeutender lat. Ackerbauschriftsteller aus Gades (Spanien). Er lebte in Italien und verfaßte ein Werk „De re rustica" (Über die Landwirtschaft) in 12 Büchern. Davon ist das 10. Buch - über den Gartenbau -, als Ergänzung zu Vergils „Georgica" gedacht, in Hexametern abgefaßt. C. behandelte systematisch Acker-, Wein- und Gartenbau, Baum- und Tierzucht und die Aufgabenbereiche des Gutsverwalters und seiner Frau. Außerdem schrieb C. noch ein Buch „De arboribus" (Über die Baumzucht). C.s Werk wurde wegen der verwendeten wertvollen Quellen, der sachkundigen, von Verantwortung und Hingabe zeugenden Darstellung zum klass. Werk der landwirtschaftl. Fachschriftstellerei. Be T: H. B. Ash/E. S. ForsterjE. H. Heffner, LCL 1948-1955. Ü: K. Ahrens, Berlin 1972. Columna caelata [lat. „mit Relief versehene Säule"]: Säule, die einen Teil des Schaftes (meist den unteren) mit umlaufender Reliefverzierung aufweist. Berühmt waren die C. c. des Artemisions von Ephesos, des alten aus dem 6. und des neuen aus dem 4. Jh. v. u. Z., mit Figurenschmuck. Sl Comenius, Jan Amos Komensky, 1592-1670, tschech. Pädagoge und Philosoph; seine pädagog. und philolog. Werke in lat. und tschech. Sprache haben bahnbrechend für die Erneuerung des Schulwesens gewirkt. Hauptwerk: „Didactica magna" (,;Große Unterrichtslehre", lat. Fassung 1638), daneben „Orbis sensualium pictus" („Die Welt des Sichtbaren in Bildern", 1657) und „lanua linguarum reserata" (..Eröffnete Pforte der Sprachen", 1631) sowie das tschechisch verfaßte „Labyrinth der

120 Welt'* (1631). C.' lat. Stil ist an den (häufig wörtlich zitierten) alten Autoren (und der Vulgata) geschult. Tr T: Opera didactica omnia, Amsterdam 1657 (Neudruck Prag 1957, 3 Bde.); neue Gesamtausgabe seit 1970 in Prag im Erscheinen. U: H. Schönebaum, Leipzig 1924 (Auswahl). Did. magna: H. Ahrbeck, Berlin 1957. Cornes [lat., „Begleiter"]: urspr. der altröm. Klient als Begleiter seines Patrons, später der Unterbeamte des Statthalters einer Provinz. In der Kaiserzeit gehörte der C. zum Gefolge des Kaisers (Comités), in der Dominatsepoche erhielten die höchsten Beamten den Titel C., von dem es drei Rangklassen gab. Die Germanen setzten den C. mit ihrem „Graf" gleich; bis heute wird der von C. abgeleitete Adelstitel comte (französ.), conte (italien.), viscount - count (engl.) mit dem Femininum comtesse, contessa usw. gebraucht, ebenso ungarisch Komitat (aus comitatus, Grafschaft [= Verwaltungsbezirk]). Sey Comitatenses [lat.]: seit der Heeresreform des Diocletianus ein besonderes Marschheer als standige Reserve im Gegensatz zu den Limitanei. H Commodianus, christl. lat. Dichter syr. Herkunft, schrieb im 3. oder 4. Jh. in schlechten lat. Hexametern und in z. T. vulgärer Sprache u. a. „Instructiones" (Belehrungen für Heiden und-Christen). Er hängt inhaltlich stark von Cyprianus' Werken ab. Er ist Chiliast, erwartet also das Tausendjährige Reich, das seiner Meinung nach schon in Nero, einem Antichrist, angekündigt ist. Wi T: CSEL 15, 1887; CCL 128, 1960. Commodus, M. Aurelius C. Antoninus, 31.8. 161-31. 12. 192, röm. Kaiser seit 17. 3. 180, Sohn des Marcus Aurelius und der Faustina (2). Schon 166 wurde er zum Caesar, 177 zum Augustus und Mitregenten ernannt. Als Kaiser gab er sofort die offensive Politik an der Donaugrenze auf und schloß mit Markomannen, Quaden und Sarmaten Frieden. In den Provinzen Britannien, Gallien, Germanien und Afrika wurden mehrere Aufstände unterdrückt. C. stützte sich ganz auf das Heer und ließ die Prätorianerpräfekten und seine Günstlinge regieren. Er brach mit der senatsfreundl. Politik seines Vaters, ließ sich als neuer Herkules göttlich verehren und trat bei Wettkämpfen selbst als Gladiator auf. Die oriental. Kulte und alle Tendenzen zur unumschränkten Monarchie wurden gefördert. Nachdem schon 183 eine Verschwörung blutig unterdrückt worden war, forderte der vor allem seit 191 immer offensichtlicher werdende Cäsarenwahn die Senator. Opposition heraus. C. fiel einer neuen Verschwörung zum Opfer und wurde vom Senat geächtet. Mit ihm endete die Dynastie der Antonine. - Biographie in der Historia Augusta. Jo Concordia [lat., „Eintracht"], alte röm. Göttin, die personifizierte Eintracht unter den Bürgern. Ihr Kult gewann bes. in Krisenzeiten polit. Bedeutung. Noch in der Kaiserzeit war die Göttin angesehen und verehrt. Be Confluentes [von lat. confluere, „zusammenfließen*']: mehrere röm. Gründungen am Zusammenfluß zweier Flüsse, z. B. an der Einmündung der Mosel in den Rhein, das heutige Koblenz. D Consjlium [lat., „Rat"]: im röm. Privatrecht ein Beirat, den Privatpersonen, vor allem der Pater familias, vor wichtigen Entscheidungen einberiefen und um Rat fragten. Auch die röm. Beamten bedienten sich des C.s, obwohl sie nicht dazu verpflichtet waren. Eine feststehende Einrichtung wurde in der Kaiserzeit das C. principis, der Beirat des Kaisers, später f Consistorium genannt, dem vor allem führende Juristen angehörten. Wa Consistorium [lat.]: aus dem Consilium principis hervorgegangener, seit Constantius II. bezeugter Kronrat des Kaisers. - Heute Bezeichnung kirchl. Behörden. Wa Constans, Flgvius lulius, um 320-350, röm. Kaiser seit

121 9. 9. 337, jüngster Sohn Konstantins I. Er wurde von seinem Vater 333 zum Caesar ernannt und erhielt 335 die Verwaltung von Italien, Afrika und Illyrien. Sein älterer Bruder Konstantin II., der die Vormundschaft für ihn beanspruchte, fiel 340 in der Auseinandersetzung mit ihm. Seitdem beherrschte C. auch den gesamten W des Reiches. Erfolgreich bekämpfte er 338 die Sarmaten an der Donau, 341/42 die Franken am Rhein und 343 Pikten und Skoten in Britannien. Der orthodoxe Kaiser trat im arian. Glaubensstreit für Athanasios ein und ging gegen Heiden, Juden und die Donatisten in Afrika vor. Strenge gegen die Soldaten und eine harte Finanzpolitik führten zu einer Verschwörung unter Magnentius, durch die C. am 18. 1. 350 gestürzt wurde. Auf der Flucht wurde er nahe den Pyrenäen getötet. Jo Constantjnus, dt. Konstantin: 1. Flavius Valerius C. I. d. Gr., 27. 2.272 (?)-22. 5. 337, röm. Kaiser "seit 25.7. 306. Er war ein Sohn des Constantius I. Chlorus, wurde in Nai'ssus (Ni§) geb., diente unter Diocletianus und Galerius im Heer und wurde nach dem Tode seines Vaters von seinen Truppen in Eburacum (York) zum Augustus ausgerufen. Er bekämpfte Franken und Alamannen an der Rheingrenze, später Goten und Sarmaten an der Donau, entmachtete 310 Maximianus und nahm nach dem Tode des Galerius 311 den Kampf um die Alleinherrschaft auf. Im Bündnis mit Licinius (4) besiegte C. 312 Maxentius in der Schlacht an der Mulv. Brücke bei Rom und erlangte damit die Anerkennung im gesamten W des Reiches. 314 oder 316 entriß er Licinius den größten Teil der Balkanhalbinsel, um schließlich nach dessen völliger Besiegung 324 die Herrschaft über das Gesamtreich zu erringen. Im Gegensatz zur diocletian. Tetrarchie konzentrierte C. wieder alle Macht in seiner Familie. Zwischen 317 und 333 wurden seine Söhne C. IL, Constantius II. und Constans zu Caesaren und Mitregenten ernannt und als künftige Teilherrscher vorgesehen.-Innenpolitisch baute C. die mit Diocletianus beginnende Herrschaftsform des Dominais weiter aus und ist so zum eigentl. Begründer des spätantik-frühbyz. Staates geworden. Die Neugliederung des Reiches wurde durch die Schaffung der vier Präfekturen Oriens, Illyricum, Italia und Gallia, die in 14 Diözesen und 114 Provinzen unterteilt waren, vollendet. Nachdem C. anfangs in Trier, später bes. in Sirmium und Serdica (Sofia) residiert hatte, erwählte er 326 Byzanz zur neuen Reichshauptstadt und ließ sie 330 als Konstantinopel einweihen. Der absolut herrschende Kaiser war von einem strengen, orientalisierten Hofzeremoniell umgeben, wurde vom Consistorium, dem Kronrat, beraten und regierte durch einen straff organisierten Beamtenapparat. Die Senatoren wurden wieder verstärkt zur Verwaltung herangezogen. Die seit Gallienus angebahnte Trennung von Zivil- und Militärgewalt fand ihre Vollendung. Eine Heeresreform trennte das mobile Feldheer (Comitatenses) von den stationären Grenztruppen (Limitanei), die Prätorianergarde wurde aufgelöst und die Prätorianerpräfektur völlig neugestaltet. Germanen fanden in großer Zahl Aufnahme in die Armee. Die erbl. Berufsbindung breiter Bevölkerungsschichten nahm zu, vor allem wurden die Kolonen an die Scholle gebunden. Die Einführung des Goldsolidus stabilisierte die Währung. - Im Kampf gegen Maxentius vollzog C. 312 offensichtlich seine Hinwendung zum Christentum. Durch das sog. Toleranzedikt von Mailand 313 wurde es als gleichberechtigte Religion anerkannt und ihm der Weg zur Staatsreligion gebahnt. Durch das seit C. übl. staatl. Eingreifen in die dogmat. Kämpfe der Kirche begann deren Entwicklung zum polit. Machtinstrument und zur Staatskirche (Konstantin. Zeitalter}. Der Kaiser leitete das 1. ökumen. Konzil von Nikaia 325

Constitutiones und förderte allgemein die Kirche und den christl. Einfluß, u. a. wurde 321 der Sonntag zum staatl. Feiertag erklärt. Unter seiner Regierung begann auch der monumentale Kirchenbau mit der Errichtung der Laterankirche. 313 ließ er ferner die Maxentius-Basilika vollenden (Taf. 19). Der 312/15 errichtete C.-Bogen in Rom enthält zahlreiche Reliefs mit reichem Skulpturenschmuck, die von älteren Bauwerken übernommen und z. T. überarbeitet wurden. - Auf dem Wege zu einem Feldzug gegen die Perser starb C. bei Nikomedeia, nachdem er kurz vorher von Eusebios von Caesarea die Taufe empfangen hatte, als der erste christl. Kaiser. In der Apostelkirche in Konstantinopel wurde er beigesetzt. Die Kirchenhistoriker erhoben ihn zum Vorbild eines christl. Herrschers und feierten ihn als Konstantin d. Gr. Das mittelalterl. Papsttum berief sich bei seinen weltl. Machtansprüchen auf eine angebl. Konstantin. Schenkung. In der russ.-orthodoxen und der armen. Kirche wird er als Heiliger verehrt. Biographie von Eusebios von Caesarea. - Münzporträt Taf. 50. - 2. Flgvius Claudius C. IL, geb. Februar 317 Arelate (Arles), gest. 340, röm. Kaiser seit 9. 9. 337, Sohn von C. L, wurde schon kurz nach der Geburt von seinem Vater zum Caesar ernannt und regierte ab 335 die gall. Präfektur (Britannien, Gallien, Spanien). Bei dem Versuch, seinen jüngeren Bruder Constans seiner Vormundschaft zu unterwerfen und Italien zu erobern, fiel er bei Aquileia. Jo Constantius: Beiname (Cognomen) röm. Kaiser: 1. C. Flavius Valerius C. I. Chlgrus („der Blasse"), um 25025. 7. 306, röm. Kaiser seiM. 5. 305, Vater Konstantins I. Er war illyr. Herkunft, wurde Statthalter von Dalmatien und von Maximianus 1. 3. 293 adoptiert sowie zum Caesar und Mitregenten ernannt. Von Trier aus regierte C. Gallien und Britannien, das er Usurpatoren entriß. An der Rheingrenze besiegte er 294-99 Franken, Friesen und Alamannen. Bei der Christenverfolgung Diocletianus* hielt er sich zurück. Dieser ernannte ihn 305 zum Augustus im W des Reiches. C. starb aber bald während eines Britannienfeldzuges gegen Pikten und Skoten in Eburacum (York). Er begründete die konstantin. oder zweite flav. Dynastie. - 2. Flavius Iulius C. IL, geb. 7.8.317 Sirmium - 3. 11. 361, röm. Kaiser seit 9.9. 337, Sohn Konstantins I. und Enkel von C. I. Er wurde 324 zum Caesar erhoben und erhielt 335 die Verwaltung der oriental. Provinzen. Als Augustus des O führte er 338-50 und 359-61 erfolglose Kriege gegen die Perser unter Sapor IL Nach dem Tode seiner Brüder Konstantin II. und Constans sowie nach der Niederwerfung der Usurpation des Magnentius 351-53 war er Alleinherrscher im gesamten Reich. 355 ernannte C. seinen Neffen lulianus zum Caesar für die Westprovinzen. Als dieser sich 360 in Paris erhob, schloß der Kaiser Frieden mit Sapor, zog gegen lulianus, starb aber vor Ausbruch eines Bürgerkrieges in Tarsos in Kilikien. - C. griff aktiv in die kirchl. Auseinandersetzungen ein und förderte das arian. Christentum. Die heidn. Kulte wurden verboten, doch nicht streng verfolgt. Der Ausbau des Hofzeremoniells, theokrat. Tendenzen und die offizielle Gleichstellung Konstantinopels mit Rom 359 ließen C. zum ersten „byz." Kaiser werden. Unter seiner Regierung soll 354 die Feier des Weihnachtsfestes begonnen haben. Jo Constitutio Antoniniana [lat.]: Verordnung über die Verleihung des röm. Bürgerrechts an alle freien Reichsbewohner durch Caracalla im Jahre 212 u. Z. Wa Constitutiones [lat., „Verordnungen, Verfügungen'*]: Verfügungen der röm. Kaiser in Form von Edikten, Dekreten, Mandaten oder Reskripten, die neben den Senatsbeschlüssen zur wesentlichsten Art der Gesetzgebung in der röm. Kaiserzeit wurden. Wa

Consularis Consularis [lat.]: gewesener Konsul, Angehöriger der höchsten Senator. Rangklasse; in der späten Kaiserzeit Provinzstatthalter. Wa Consus [vermutlich von lat. CQndere, „bergen"], alter röm. Gott des nach der Ernte geborgenen Getreides. Er besaß am Palatin einen unterird. Altar (entsprechend dem Brauch der ältesten Zeit, Getreide in unterird. Gruben aufzubewahren). Seine Feste, die Consualia, lagen am 21. 4. und 15. 12. Be Conze, Alexander, 1831-1914, dt. Archäologe, Förderer der Ausgrabungen in Griechenland und Kleinasien, hervorragender Organisator der archäolog. Wissenschaft, deren Verlauf er in Berlin als Leiter der Antikenabteilung (seit 1877), dann als Direktor des Dt. Archäolog. Instituts (seit 1887) maßgeblich mitbestimmte. Hauptwerke: „Archäolog. Untersuchungen auf Samothrake", 1875 bis 1880; „Altertümer von Pergamon", 1912/13; „Die att. Grabreliefs", 1893-1922. Sl Corbulo, Cn. Domitius, Feldherr unter Nero, nach seinem Konsulat Befehlshaber des niedergerman. Heeres; erhielt nach seiner Rückkehr hohe Auszeichnungen. 54 von Nero mit der Kriegsführung gegen die Parther betraut, mußte er sich nach großen Erfolgen 67 auf der Rückreise in Griechenland auf Befehl Neros das Leben nehmen. Seine Tochter Domitia Longina heiratete den späteren Kaiser Domitianus. Wa Coriolanus, Cn. Marcius, legendärer Heerführer und Held der frühröm, Geschichte, soll 493 v. u. Z. Corioli, eine Stadt der Volsker, erobert haben. 491 kämpfte er politisch gegen die Plebejer, die ihn verbannten. 489/88 v. u. Z. stand er an der Spitze des Volskerheeres, bedrohte Rom, und nur die Bitten seiner Mutter Veturia und seiner Gattin Volumnia hielten ihn vor der Eroberung der Stadt zurück. Er ging ins Exil und wurde dort von Volskern ermordet (Biographie bei Plutarch). - Drama von Shakespeare, Bearbeitung von Brecht; Ouvertüre von Beethoven. Seh Corneille, Pierre, 1606-1684; schuf in der französ. klassizist. Tragödie eine Kunstform, die, der Norm des antiken Dramas folgend, strenge Regelmäßigkeit im Stückaufbau (Wahrung der vermeintl. aristotel. drei Einheiten, abgezirkelte Ordnung der Konflikte und Peripetien) beobachtet und durch makellose Reinheit von (rhetor.) Sprache und Metrik (Alexandriner) sich auszeichnet. Als Stoff diente oft die antike Geschichte oder Mythologie. C, setzte aber anstelle des antiken trag. Schicksalszusammenhanges als zwingende Einheit das moral. Gebot der Pflicht, das frei zu erfüllen der einzelne kraft seiner Einsicht und seines Willens fähig ist. Im Sieg über die eigene Leidenschaft triumphiert der Held und erträgt sei bst den Tod in stoischer Gefaßtheit („Horace", 1640; „Cinna", 1640; „Polyeucte", 1643). JM · Cornelia: Frauen aus dem berühmten röm. Geschlecht Cornelius; am bekanntesten war die Tochter des P. Cornelius Sçipio, des Zerstörers von Carthago, die Mutter der Brüder Gracchus, die sich als hochgebildete Frauder vorbildl. Erziehung ihrer Kinder widmete (2 Brieffragmente). Die Literatur umgab sie mit dem Nimbus einer vorbildl. Römerin. Hd T: Frg, HRR Peter 222, CIL 6, 31610 (Statue mit Inschrift). Cornelius: altröm. Geschlechtername (patriz. und plebej. Zweig). Größte polit. Bedeutung hatten die Familie der Scipionen, der Optimal L. C. Sulla und der Populär L. C. Cinna (2) ; verschiedene Träger des Namens C. waren in republikan. Zeit Principes Senatus und Pontifices Maximi. Seh Cornifjcius, Q., Politiker (kämpfte im Bürgerkrieg auf seilen Caesars), Redner und Dichter (Freund Catulls),

122 der zu Unrecht lange Zeit als Verfasser eines zusammen mit Ciceros Werken überlieferten rhetor. Lehrbuchs (f Auctor ad Herennium) galt. Kü Corpus Inscriptionum Etruscarum (CIE) : Slg. der etrusk. (und falisk.) Inschriften nach dem Vorbild und als Ergänzung des f Corpus Inscriptionum Latinarum, begründet von C. Pauli, hrsg. mit finanzieller Unterstützung der Preuß. und der Sachs. Akademie der Wissenschaften (1893-1936), noch nicht vollendet, fortgeführt durch das Istituto di Studi Etruschi ed Italici in Florenz in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften der DDR (bisher eine Lieferung 1970). Ky Corpus Inscriptionum Graecarum (CIG): erstes, von A. Boeckh begründetes Inschriftenwerk der Preuß. Akademie der Wissenschaften (4 Bde. 1828-1877), das die damals erreichbaren antiken griech. Inschriften meist nach älteren Editionen in geograph. Ordnung zusammenfaßte, teilweise noch nicht ersetzt; Neubearbeitung seit 1873 unter den Titel Inscriptiones Graecae (IG), auf Grund der Originale hrsg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR. Ky Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL): Slg. der antiken lat. Inschriften, als Parallelunternehmen zum Corpus Inscriptionum Graecarum von der Preuß. Akademie der Wissenschaften seit 1863 hrsg., bis 1903 unter Leitung von Th. Mommsen; grundlegend durch Rückgriff auf die Originale und Absonderung zahlreicher Fälschungen früherer Jahrhunderte; Ergänzungsbände und z. T. noch ausstehende Register heute hrsg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR. Ky Corpus iuris civjlis: seit 1583 (Ausgabe des C. von Gothofredus d. Ä.) übl. Bezeichnung des auf Veranlassung des Kaisers Justinian unter der Leitung seines Ministers Tribonianus verfaßten Jurist. Sammelwerkes, bestehend aus dem Codex lustinianus (529 veröffentlicht, enthält die geltenden Kaisergesetze), den Digesten (griech. Pandekten; 533 in 50 Büchern veröffentlicht, enthalten Auszüge aus den geltenden Juristenschriften) und den Institutionen (533 veröffentlicht, Lehrbuch für den Rechtsunterricht). Später kamen noch die Novellen hinzu, eine Slg. der nach dem Codex erlassenen Kaisergesetze. Wa Corpus Medicorum Graecorum et Latinorum : Schriften-Slg. der griech. (CMC) bzw. lat. Ärzte (CML), von H. Diels und J. L. Heiberg zu Beginn des 20. Jh. begründet und von der Akademie der Wissenschaften der DDR herausgegeben; legt die Texte der griech. Ärzte von Hippokrates bis zu den Byzantinern bzw. der lat. Ärzte vom 1. bis 6. Jh. in neuer, auf Grund der gesamten Überlieferung erarbeiteter Form mit ausführl. Einleitung, Übersetzung, Kommentar und Indizes vor. Ko Corpus Vasorum Antiquorum (CVA): das 1919 in Brüssel bei der Gründung der Union Académique Internationale ins Leben gerufene Unternehmen mit der Aufgabe, die Publikation antiker Keramik in den Museen der einzelnen Länder nach einheitl. Prinzipien zu koordinieren. Seit 1922 sind über 150 Lieferungen erschienen; die DDR ist dabei mit Veröffentlichungen der Vasen in Altenburg, Berlin, Gotha, Leipzig und Schwerin vertreten. EP Crassus: 1. L. Licinius C., 140-91 v. υ. Ζ., bedeutendster röm. Redner seiner Zeit, Lehrer Ciceros. Von seinen Reden, in denen er nicht immer die Positionen der Optimaten vertrat, sind nur wenige erhalten (z. B. 118 Rede für die Gründung der Kolonie Narbo). Gerühmt wurden seine Jurist. Kenntnisse. Sch/Hd T: H. Malcovati, Oratorum Romanorum fragmenta, /, Turin 2 7955, S. 237-259. 2. M. Licinius C., mit dem Beinamen Dives („der Reiche"), 115-53 v. u. Z., als Optimat Anhänger Sullas, aus dessen Proskriptionen er seinen Reichtum, den er für polit.

123 Zwecke geschickt einsetzte, gewann (finanzierte z. B. eine öffentl. Speisung an 10000 Tischen). Er besiegte 71 das Sklavenheer des Spartacus, war 70 und 55 Konsul, schloß 60 mit Caesar und Pompeius das l. Triumvirat (die Verbindung von Geld = C., Macht = Pompeius und Klugheit = Caesar) und erhielt 55 Syrien zur fünfjähr. Verwaltung. Er fiel 53 im Kampf gegen die Parther bei Carrhae (im Euphratbogen Nordostmesopotamiens). Biographie von Plutarch. Seh Credo quia absurdum [lat., „ich glaube, weil es widersinnig ist"]: von Tertullianus geprägter, aber nicht wörtlich auf ihn zurückgehender Satz, mit dem die Widervernünftigkeit der christl. Offenbarungsreligion gegen die rationale Philosophie verteidigt werden sollte. Kl Creticus [„Kreter", nach seiner vermeintl. Herkunft von Kreta]: Versfuß, bei dem eine Kürze zwischen zwei Längen steht: -- ~ - (z. B. ârtïfëx). Der C. findet sich häufig in der Komödie und der Hellenist. Dichtung. Ki Crux [lat., ,,Kreuz"]. Korruptelen, die nicht sicher zu heilen sind, werden in textkrit. Ausgaben mit t gekennzeichnet. Ha Cumae.lat. Namensform der kampan. Stadt f Kyme. Cup|do [lat., „Begehren"]; röm. Liebesgott, mit dem Gott Amor die lat. Entsprechung zum griech. Gott f Eros. Be Curator [Jat.]: Titel hoher Senator. Verwaltungsbeamter in der frühen röm. Kaiserzeit (z. B. C. aquarum, C. viarum: Verwalter der Wasserversorgung, Strai3en usw.). - Heute Jurist. Bezeichnung eines Vormundes, Vermögensverwalters usw. Wa Cursus honorum [lat., ..Ämterlaufbahn"]: die allmählich in der röm. Republik gewohnheitsrechtlich entwickelten Regeln einer bestimmten Ämterfolge, durch die Lex Villia annalis (180 v. u. Z.) und die Lex Cornelia Sullas (81 v . u . Z . ) gesetzlich festgelegt. Danach begann der Senator. C. h. mit der Quästur, der das Volkstribunat oder die Ädilität, derPrätur und schließlich das Konsulat folgten. Diese Reihenfolge blieb auch in der Kaiserzeit bestehen; die ebenfalls festgesetzten Mindestalter für jedes Amt erlebten mehrfach Modifizierungen. In der Kaiserzeit bildete die Prätur bzw. das Konsulat die Voraussetzung für die Bekleidung bestimmter Senator. Ämter zivilen und rnilitär. Charakters, z. B. der Statthalterschaften. Innerhalb dieser prätor. und konsular. Ämter lassen sich ebenfalls noch gewisse Rangabstufungen erkennen. Auch bei den ritterl. Beamten und den Angestellten aus dem Freigelassenenstand bildete sich im Laufe der frühen Kaiserzeit eine Art C. h. heraus. Wa Curtius: 1. Ernst, 1814-1896, dt. Historiker des klass. Altertums, Initiator und Leiter der dt. Ausgrabungen in Olympia 1875-1881 ; erwarte sich um die Erforschung der Topographie (Häfen, Straßen, Märkte, Wasserversorgung etc.) und Geschichte Athens sowie um die Kenntnis der att. Demokratie bes. Verdienste. Hauptwerke: ,,Griech, Geschichte bis zur Schlacht bei Chäronea", 1857/67 ; „Peloponnesos", 1852; „Die Stadtgeschichte von Athen", 1891 ; Publikation der Grabungsergebnisse von Olympia. - 2. Ludwig, 1874-1954, dt. Archäologe, vertiefte die archäolog. Problemstellung aus der umfassenden Beschäftigung mit den künstler., philosoph. und sozialpolit. Strömungen seiner Zeit im Sinne der Humanist. Menschenbildung. Werke: „Die antike Kunst", 1923ff.; „Die Wandmalerei Pompejis", 1929; „Deutsche und antike Welt", 1950. Sl Curtius Rufus, Qu., röm. Historiker, schrieb etwa 50 u. Z. (oder Mitte 2. Jh.?) eine umfangreiche Geschichte Alexanders d. Gr. (Historia Alexandri Magni Macedonis), die kriegstechnisch wichtig ist, Von zehn sind acht Bücher erhalten. H T: E. Hedicke, BT 193L TU: K. Müller-Η. Schönfeld, Tusc. 1954.

Dakien Cypria [griech.]: Beiname der Liebesgöttin Aphrodite (Venus) nach ihrer Hauptkultstätte, der Insel Zypern (lat. Cyprus). Be Cyprianus, Thascius Caecilius, geb. kurz nach 200 Karthago, gest. 14. 9. 258 als Märtyrer in der Valerian. Verfolgung. C. stammte aus einer reichen heidn. Familie, wurde Rhetor, trat um 246 zum Christentum über und wurde 248 Bischof von Karthago. Er galt nicht nur zu seiner Zeit, sondern auch im Mittelalter als eine der großen Autoritäten. In der Schrift „De ecclesiae unitate" (Über die Einheit der Kirche) verlieh er dem Einheitsgedanken Ausdruck und anerkannte den Ehrenprimat des röm. Bischofs, allerdings nicht im Sinne einer Jurisdiktionsgewalt. Die Schriften „Über die Vergänglichkeit** und „Über Werk und Almosen" stammen aus der Zeit der Pest (252/54), in der er sich durch die Organisation eines Krankendienstes und Geld-Sammlungen hervortrat. Die Slg. von 81 Briefen enthält zeitgeschichtl. Dokumente. Wi T: CSEL 3, 1-3, 1868/71; Migne PL Supplementum l, 41-72. Ü: BKV 34. 60, 1918, 1928.

Cytherea [griech.]: Beiname der Liebesgöttin Aphrodite (Venus) nach ihrer Kultstätte auf der griech. Insel Kythera. Be

D Dajdalos, lat. Daedalus [griech., „Künstler*'], myth. erfindungsreicher Künstler und Baumeister aus Attika, ging zu König Minos von Kreta und baute ihm das Labyrinth als Aufenthaltsort für den f Minotauros und eine hölzerne Kuh für f Pasiphae. Deswegen oder weil er Ariadne zur List mit dem Garnknäuel geraten hatte, wurde D. von Minos gefangengesetzt. Mit Hilfe von aus Federn und Wachs hergestellten Flügeln entfloh D. mit seinem Sohn f Ikarus und gelangte nach Sizilien zu König Kokalos. D. galt auch als bedeutender Bildhauer, der zuerst die steife Haltung der Figuren überwand ; deshalb wurde die früharchaische Plastik (7. Jh. v. u. Z.) auch als dädalisch bezeichnet. Be Daimonion [griech., „das Göttliche"]: bei Sokrates eine Art „göttl." Stimme, etwa dem Gewissen vergleichbar, die sich von Jugend an bei ihm äußerte und ihn von unbedachten Handlungen abhielt. Dieses D. wurde ein Angelpunkt in der Anklage gegen ihn, da es die offizielle Religion der Polis untergrub. KR Daker. Das thrak. Volk der D. war mit den Geten eng verwandt. Vom 7. bis zum 4. Jh. v. u. Z. standen die D. unter dem Einfluß der nomadisierenden Skythen, im 3. und 2. Jh. unter dem der Kelten. Im 1. Jh. v. u. Z. wurden die D. unter Burebista geeint und gelangten zu großem Einfluß auch außerhalb ihres Landes (z. B. Sieg über die Bojer). D Dakien, lat. Dgcia : Land der Daker zwischen Donau bzw. Theiß, Karpaten und Dnjestr (etwa das heutige Rumänien), nach der Eroberung durch Trajan röm. Provinz, die im wesentl. Siebenbürgen, Banat und Oltenien umfaßte. Domitianus führte 85/88 u. Z. einen ersten Feldzug gegen die Daker unter deren König Decebalus, aber erst Trajan gelang es, D. 101/06 zu unterwerfen und zur röm.

Dakisch Provinz zu machen (Reliefs der Trajanssäule und Siegesdenkmal von Adamklissi). 118/19 wurde D. in Dacia superior und inferior, 158/59 in drei Provinzen geteilt, aber schon vor Beginn des Markomannenkrieges (166) unter dem Namen „Provinz der drei D." wiedervereinigt. Seit Marcus Aurelius fielen wiederholt fremde Völker ein (Jazygen, Bastarner, Roxolanen u, a.)· Unter dem Druck der eindringenden Goten (seit 235) und Karpen (seit 248) wurde D. von Aurelianus (270/75) aufgegeben und ein Teil der Einwohner in Gebiete südlich der Donau umgesiedelt. - Wichtige Zentren waren die röm. Legionslager und Kolonien. Bedeutung hatte der Bergbau (Eisen, Blei, Silber, Gold). Der Handel wurde durch den röm. Straßenbau gefördert. Zu Beginn der röm. Herrschaft wurden zahlreiche Kolonisten aus anderen Teilen des Röm. Reiches in dem kriegsverwüsteten Land angesiedelt. - Bedeutende rumän. Ausgrabungen im 20. Jh., bes. nach 1944. D Dakisch: Sprache der den thrak. Stämmen angehörenden Daker, die nördlich der unteren Donau saßen. Das nur sehr spärlich überlieferte D. gehört zum f Thrakischen. HG Daktylus [griech. > lat., ,,Finger"]: Versfuß aus einer Länge und zwei Kürzen: - ~ ~ (z. B. äüreüs). Häufigste daktyl. Maße sind Hexameter und Pentameter. Ki Dalmatien, lat. Dalmitia: Landschaft im NW der Balkanhalbinsel, von Illyriern, Kelten und wohl auch Thrakern besiedelt. Im 4. Jh. v. u. Z. wurden einige griech. Kolonien an der Küste gegr. 229 v. u. Z. begann die röm. Eroberung (zwei illyr. Kriege: 229/28 und 219). Im 2./1. Jh. v. u. Z. erhoben sich die Bewohner von D. mehrfach gegen die Römer, bis Octavianus 34/33 v. u. Z. D. unterwarf und der Provinz Illyricum angliederte. Tiberius unterdrückte 6-9 u. Z. einen Aufstand, woraufhin zwei illyr. Provinzen gebildet wurden: Illyricum superius (seit den Flaviern D. genannt) und Illyricum inferius (Pannonien). Diocletianus trennte den südl. Teil von D. mit Scodra (heute alban. Shkodër) als Provinz Praevalitana ab. Die Römer legten in D. Militärlager und Veteranensiedlungen an (Provinzhauptstadt war Salonae). Mehrere Kaiser stammten aus D. (z. B. Diocletianus). In dem reichen D. (Erze, Holz, Weidewirtschaft) betrieben die Römer eine intensive Romanisierung. Im 6./7. Jh. setzten sich slaw. Stämme in D. fest. D Damaskus: Stadt in Syrien, bereits um die Mitte des 2. Jährt, v. u. Z. in Inschriften erwähnt und später Zentrum eines aramäischen Staates; 332 v.u.Z. von Alexander d. Gr. erobert, dann zum Seleukidenreich gehörend. 85 v. u. Z. kam D. unter die Herrschaft der Nabatäer, 66 v. u. Z. unter die der Römer (Tempel des lupiter Damascenus). Unter Hadrian wurde D. Metropole, unter Severus Alexander Kolonie; 635 von den islam. Arabern erobert. Kg Damnatio memoriae [lat., ..Verurteilung des Andenkens'4]. Personen, die in einem Senator. Strafprozeß zum Landesfeind erklärt wurden, traf die D. m., die sich vor allem in der Beseitigung der Statuen, der Tilgung des Namens auf Inschriften und der Vernichtung der persönl. Regierungshandlungen des Verurteilten äußerte. Bekannt ist die D. m. verschiedener Kaiser (z. B. Caligulas, Neros) und Angehöriger der kaiserl. Familie (z. B. Messalinas, der Frau des Claudius; Agrippinas, der Mutter Neros) sowie hoher Senator, und ritterl. Beamter (z. B. Avidius Cassius', der sich 175 u. Z. auf das Gerücht vom Tode Marcus Aurelius' hin zum Kaiser erhoben hatte). Wa Damokles: Günstling am'Hofe des Dionysios I. (nach anderer Überlieferung des Dionysios II.) von Syrakus, der den Tyrannen um seinen Reichtum, seine Macht und sein Glück beneidete. Als ihm dieser ein festl. Mahl vorsetzte, dabei über seinem Kopf aber ein Schwert an einem Roß-

124 haar aufhängen ließ, zog D. seine Lobpreisungen schnell zurück. Seitdem D.schwert sprichwörtlich für eine in Genuß und Glück stets drohende Gefahr. FrJo Dämon, im mittleren 5. Jh. v. u. Z., griech. Musiktheoretiker aus Athen, polit. Berater des Perikles, als tyrannenfreundlich aus Athen verbannt. In einer Schrift an die Areopagiten (Areopagitikos, vielleicht 462) formulierte D. erstmals klassisch die Ethoslehre. Er untersuchte die einzelnen Tonfolgen und Rhythmen auf ihre eth. Werte und stellte sie in den Dienst der polit. Jugenderziehung. Den Wechsel der Sangesweisen machte er für die Erschütterung der Staatsordnung verantwortlich und verwarf deshalb musikal. Neuerungen. LRi T: Diels-Kranz, 37 (25a), Dämon, griech. Daimon: bei Homer Gottesbezeichnung, bes. der nicht näher bestimmten Gottheit. Dadurch konnte der Begriff auch zur Umschreibung für Schicksal, Verhängnis, merkwürdiges, unverhofftes Ereignis dienen, während andererseits D. auch den persönl. Schutzgott oder die innere Stimme meinen konnte (das t Daimonion des Sokrates). Herodot bezeichnete schon den Heros, d. h. den verstorbenen Helden, als D., eine Bedeutung, die schließlich das Wort immer mehr auf die Welt der Halbgötter einengte, wie bereits bei Platon, der Götter, D.en und Menschen unterschied. Als ambivalente Zwischenwesen sind D.en dann in der Spätantike in Volksglaube und Magie herrschend geworden, bis das Christentum alle heidn. Gottheiten zu bösen D.en erklärte (ihre Stelle nahmen die Engel ein). Diese abgewertete Bedeutung („böse Geister") hat das Wort bis heute behalten. KR Damophon von Messene, griech. Bildhauer aus dem 2. Jh. v. u. Z., schuf Kultbilder, darunter das der Despoina in Lykosura (Arkadien), die mit Demeter thronend, von Artemis und dem Titanen Anytos flankiert, gestaltet war; Reste, vor allem der Köpfe, sind erhalten (Athen, Nationalmuseum). D. restaurierte den Zeus des Pheidias in Olympia. Sl Dampfkraft. Die Kraft des Wasserdampfes war bekannt und ist für spieler. Automaten ausgenutzt worden, z. B. für die um die Zeitenwende konstruierte Dampfmaschine (Abb.) oder für ein Ballspiel, bei dem ein von der D. in

Dampfkraft. Hérons ..Dampfmaschine" (Vorder- und Seitenansicht) : l Wasserbehälter, 2 Rohr zur Dampfzuführung. 3 Stütze die Höhe getriebener Ball in ein kon. Becken zurückfiel, an dessen tiefster Stelle der Dampfaustritt lag, der den Ball wieder hochtrieb. Mit D. ist auch noch zu Justinians Zeit experimentiert worden, sie wurde jedoch nicht wirklich genutzt. Wf Danaë, lat. D§naë, in der griech. Sage Tochter des Königs Akrisios von Argos. Da das Orakel von Delphi ihm den Tod durch seinen Enkel prophezeit hatte, schloß Akrisios D. in eine eherne, wohl unterird. Kammer ein.

125 Zeus gelangte in Gestalt eines Goldregens zu ihr und zeugte Perseus. Akrisios setzte D. mit dem Knaben in einem Kasten auf dem Meer aus. Dieser trieb an die Insel Seriphos. Der König der Insel, Polydektes, wollte D. heiraten und entfernte deshalb den herangewachsenen Perseus mit dem Auftrag, das Haupt der Medusa zu holen. Nach Perseus' Rückkehr wurde D., die sich vor Polydektes gerettet hatte, befreit. D. kehrte mit Perseus nach Argos zurück. - Gemälde von Correggio, Tizian, Tintoretto, A. van Dyck, Rembrandt, Tiepolo; Oper von R. Strauss. Be Danaër, in den Epen Homers Bezeichnung für die Griechen (neben Achaier); D.geschenk: unheilbringendes Geschenk; urspr. das hölzerne Pferd, das die griech. Eroberer Trojas in sich barg und das trotz der Warnung f Laokoons von den Trojanern selbst in die Stadt gezogen wurde. Be Danaiden: in der griech. Sage die 50 Töchter des Danaos in Ägypten. Dieser floh mit ihnen nach Argos, der Heimat ihrer Stammutter Ιο, als die D. wider seinen und ihren Willen an die 50 Söhne seines Bruders Aigyptos verheiratet werden sollten. Er leistete im Bunde mit dem König Pelasgos von Argos den nachsetzenden Aigyptossöhnen Widerstand und riet nach der Niederlage den D., die sich gegen die unentrinnbare Eheverbindung sträubten, ihre Männer in der Brautnacht zu ermorden. Außer f Hypermestra befolgten die D. diesen Rat. Sie wurden später entweder an Wettkampfsieger verheiratet oder blieben ehelos und mußten zur Strafe in der Unterwelt Wasser in Sieben in ein durchlöchertes Faß schöpfen (daher D.arbeit: sinnlose Arbeit). - Tragödie von Aischylos („Die Schutzflehenden"), Plastik von Rodin. Be Danaos, lat. Dänaus, Vater der f Danaiden. Be Dannecker, Johann Heinrich von, 1758-1841, süddt. Bildhauer des Klassizismus, arbeitete 1785-1789 in Rom, wo ihm seine leidenschaftl. Verehrung der griech. Kunst den Namen „Greco" eintrug. Er schloß sich an Canova an, dessen Stil er häufig imitierte. Da er den Konflikt zwischen formalist. Nachahmung und schöpfer. Gestaltung nicht zu lösen vermochte, zeichnet seine Gestalten der griech. Mythologie, z. B. der „Ariadne auf dem Panther" (1803-1810), gefällige, aber kühle Glätte aus. Meisterhaft ist sein Porträt Schillers, der ihn zu einer Darstellung Hektors nach Homer angeregt hatte. He Dante Alighieri, 1265-1321, bedeutendster italien. Dichter. D. vertrat noch das kirchl. Weltbild des Mittelalters, entschied sich aber beim Kampf zwischen Kaisertum und Kirche für die weltl. Macht. Wie Petrarca und Boccaccio Förderer der italien. Sprache (De vulgari eloquentia, um 1305), gründete er sein geistiges Schaffen doch in gleicher Weise auf antike wie auf -mittelalterl., weithin einheim. Fundamente, was die poet. (La vita nuova) wie die philosoph. Werke (II convivio, unveröffentlicht; Divina Commedia, 1307-1321) in gleichem Maße widerspiegeln. D. griff allenthalben auf antikes Geistesgut, auch aus dem ihm nicht direkt zugängl. griech. Bereich (Homer, Aristoteles), zurück. Mit Vergil, Horaz, Ovid, Lucanus und Statius sucht er die Quellen zu fassen, die - neben den mittelalterl. Philosophen und Mystikern - seinen aufgeklärten christl. Humanismus zu stützen vermochten, der um Universalität und Realismus bemüht ist. Die T: M.Barbi, 12 Bde. 1948ff. (Opère di D.); Ü: K. Vossler, 1942 (Die göttliche Komödie). Danubius, Danuvius: lat. Name des Oberlaufs der f Donau. D Daphne [griech., „Lorbeer"], Tochter des Flußgottes Peneios, wich dem Liebeswerben Apollons aus und wurde auf ihre Bitten in einen Lorbeerbaum verwandelt, als der Gott die Fliehende einholte. Seit dieser Zeit ist der griech.

David Sage zufolge der Lorbeer dem Apollon heilig. - Die Verwandlung der D. ist in Kunst (Plastik von Bernini, Gemälde von Giorgione, Tiepolo), Literatur (Drama von H. Sachs) und Musik (Oper von H. Schütz und Text von M. Opitz, Händel und R. Strauss) häufig dargestellt. Be Daphnis, in der griech. Sage schöner, junger Rinderhirt auf Sizilien, Sohn des Hermes und einer Nymphe, galt als der Erfinder des Hirtengesangs (Bukolik), Liebling der Nymphen. Von einer Nymphe, der er die Treue brach, geblendet, stürzte er vom Felsen und wurde in den Himmel entrückt. Nach einer anderen Version ging D. an der Liebe, der er sich widersetzte, zugrunde. Die Sage von D. hat, bes. auch durch den Roman des f Longos, stark auf die europ. Literatur gewirkt; der liebeskranke D. war eine beliebte Figur in der Schäferpoesie des 17. und 18. Jh. Be Dardaner. griech. Dardanoi, lat. D§rdani: zwei illyr.thrak. Mischvölker. 1. die balkan. D. standen etwa seit der Mitte des 1. Jh. u. Z. unter röm. Herrschaft. - 2. die mit den Troern verbündeten D. waren nach der Sage Abkömmlinge des Zeussohnes Dardanos. D Dardania, griech. Dardania: zwei nach den Dardanern benannte Landschaften: 1. im S des heutigen Jugoslawiens (Nordmakedonien, Südostserbien). Nach der Unterwerfung durch die Römer kam D. zur Provinz Moesia (superior), seit Diocletianus besondere Provinz. 2. in der Troas am Idagebirge, auch Stadt daselbst sowie Synonym für Troja. D Dardanos, lat. D§rdanus, Sohn des Zeus und der Elektra, gründete in der Troas die Stadt Dardania, galt als Stammvater der Trojaner, die nach ihm auch Dardaner heißen. Nach röm. Sage stammte D. aus Italien. Be Darejos, lat. Darius: mehrere pers. Könige. - 1. EX L, König 522-486 v. u. Z., festigte das von Kyros begründete, aus vielen Völkerschaften bestehende pers. Reich nach innen und außen. Innenpolitik : Niederwerfung Aufständischer, Bezirkseinteilung (20 Satrapien), Festsetzung von Steuern, Aufbau eines stabilen Münzsystems (Dareiken), Einführung einer Amtssprache, eines staatl. Nachrichtenwesens, Belebung von Handel und Verkehr (Straßen-, Kanalbau), Ausrüstung eines schlagkräftigen Heeres. Außenpolitik: 514 Feldzug gegen die Skythen, 498-494 Niederwerfung des Ion. Aufstandes, 492 Vorstoß nach Nordgriechenland. Generalangriff auf Athen. Die Taten des D. überliefert eine dreisprachige Felsinschrift in Behistun (Bisutun). - 2. D. III., König 336-330 v. u. Z., unterlag Alexander d. Gr. (Issos, Gaugamela). SF Darlehn. Sowohl im griech. wie im röm. Recht gab es seit früher Zeit sowohl das zinslose wie auch das verzinste D., das vielfach zur vollständigen Abhängigkeit des in Not geratenen Schuldners von seinem Gläubiger führte (Schuldsklaverei). Diese bedingungslose persönl. Verpfändung hört in Griechenland seit der Gesetzgebung des Solon, in Rom mit der f Lex Poetelia Papiria (326 v. u. Z.) auf. Seit dem Aufkommen privater Banken in Griechenland wurden auch See-D, gewährt, die ins röm. Recht übernommen wurden und nur zur Rückzahlung verpflichteten, wenn das Schiff mit seiner Ladung wohlbehalten seinen Bestimmungsort erreichte; sie waren daher hoch verzinst. Das griech. Recht kennt in seltenen Fällen sogar das Staats-D. Wa Datis. Flottenführer des Dareios I. im Kampf gegen Griechenland (490 v. u. Z. Schlacht bei Marathon). SF Daunia: der nördlichste Teil Apuliens, bewohnt von den illyr. Dauniern. D David, Jacques-Louis, 1748-1825, französ. Maler, Wegbereiter des Klassizismus. Während seines ersten Romaufenthaltes 1775-1780 las er Winckelmanns Schriften und zeichnete unablässig Antiken, deren Studium er als

Decebalus

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„Staroperation" empfand. Sein 1784/85 für Ludwig XVI. das Gewand des f Nessos Herakles' Tod verursacht hatte, in Rom vollendeter „Schwur der Horatier" (Louvre) gab sie sich den Tod. Be brach thematisch (Aufruf zur Befreiung) und formal Deïdameia, lat. Deïdamia, Tochter des myth. Königs (Betonung der Linie, kühle Farbgebung, antiquar. Detail) Lykomedes von Skyros, Frau des Achilleus, Mutter des mit der Rokoko-Tradition und wurde deshalb in Paris Neoptolemos. - Oper von Händel. Be begeistert aufgenommen. D. trat auf die Seite der RevoDeinarchos, lat. Din§rchus, dt. Dinarch, um 360 bis um lution und wurde später Hofmaler Napoleons, den er 290 v.u.Z., griech. Redner aus Korinth; in Athen mehrfach porträtierte. Durch umfängl. Staatsaufträge lebend. Da ihm als Metöken die Teilnahme am polit. (Krönung, Adlerverteilung) und Gestaltung der prunkLeben nicht möglich war, schrieb er für andere als Logovollen Hoffeste des Empire gelangte er zu großem Eingrapb Reden. Von seinen zahlreichen Reden sind drei aus fluß. Als begehrter Modemaler schuf er zahlreiche Pordem Harpalosprozeß erhalten, u. a. eine gegen Demoträts; das der Mme. Récamier in antik. Draperie (1800, sthenes, den er nachahmte, ohne ihn zu erreichen. Be T: F. Blass, BT 21888 (Nachdruck BT Stuttgart 1967). TU Louvre) gehört zu den bedeutendsten klassizist. Gemäl(engl.): Burtt, Minor Attic orators, LCL 1954. den. He Deiphobos, lat. Deiphobus, Sohn des Königs Priamos Decebalus, letzter bedeutender König der Daker, der von Troja und der Hekabe, nach dem Tod des Paris 85/86 u. Z. in Moesien einfiel und das Rom. Reich beGemahl der Helena; fiel von Menelaos' Hand. Be drohte, bis Trajan 101/106 Dakien unterwarf. Mit großer Deisidaimonja [griech., „Gottesfurcht"]: die der in das Weitsicht hatte D., z. T. durch griech. und röm. Fachmenschl. Leben hinein wirkenden göttl. Macht (griech. leute, eine moderne Bewaffnung und Befestigung seines Theos oder Daimonion) entgegengebrachte Ehrfurcht, Reiches sowie einen fortschrittl. Ausbau der inneren bei den Griechen bereits vom 4. Jh. v. u. Z. an die zu Verwaltung erreicht und den Dakern ein starkes FreiFurcht werdende Haltung, die die Menschen dazu führte, heitsbewußtsein und Nationalgefühl gegeben. Dennoch bei allen Gelegenheiten teils kult. Riten, teils abergläub. wurde er im zweiten Dakerkrieg völlig besiegt, nachdem Praktiken vorzunehmen. Be er sich im ersten noch behauptet hatte, wie die bildl. Dekeleia, dt. Dekelea, heute Tatoi : att. Demos am Fuße Darstellungen auf der Trajanssäule zeigen. Am Ende des des Farnes. Im Dekeleischen Krieg (413-404 v. u. Z.), der Widerstandes gegen die Übermacht der acht Legionen letzten Periode des f Peloponnes. Krieges, bedrohten die gab sich D. selbst den Tod. Wf Spartaner von hier aus Athen. Z Decemviri [lat., „Zehnmänner"]: aus zehn Männern beDeklamation [lat., „Übungsrede* 4 ]: in griech. Rednerstehendes röm. Beamten- oder Priesterkollegium. 1. D. schulen entstandene Form rhetor. Übung. Ihren Stoff Icgibus scribyndis [,,Zehnmänner zur Aufzeichnung der bildeten anfangs - gemäß der redner. Praxis - Sachver Gesetze**]: 541 v.u.Z. zur Fixierung des Rechts vom halte aus dem tägl. Leben. Als die Rhetorik unter der Volk für ein Jahr gewählte und mit konsular. Macht ausHerrschaft des Augustus die Möglichkeit zu gescllschaftl· gestattete Patrizier, die die Zwölftafefgesetze ausarbeite Wirksamkeit eingebüßt hatte, verfielen die Deklamatoren ten. - 2. D. (si)litibus iudicQndis [,,Zehnmänner zur der Lebensfremdheit und Absurdität. Ki Schlichtung von Streitigkeiten*'] : niedere GerichtsbeDekret [lat. decretum, „Beschluß'4]: Rechtsentscheid hörde. - 3. D. SQcris faciundis [„Zehnmänner zur Durcheines röm. Beamten (z. B. des Prätors), insbes. des Kaiführung heiliger Handlungen"]: Priesterkollegium, dem sers, aber auch Beschlüsse eines Gremiums (z. B. des vor allein die Aufsicht über die Sibyllin. Bücher oblag. Priesterkollegiums der Pontifices, des Senats, des GeWa meinderates). Wa Decius: 1. P. D. Mus, mehrere Angehörige einer beDelion: Ort bei Tanagra in Boiotien; Sieg der Boioter rühmten Familie der frühen Republik, von denen überüber die Athener 424 v.u.Z.; hier wurde erstmals die liefert wird, daß sie sich dem Opfertod für das Vaterland „schiefe Schlachtordnung" angewendet. Z geweiht hätten. - 2. C. Messius Quintus D. Traignus, um Delisches Problem : neben der Quadratur des Kreises und 195-251, röm. Kaiser 249-251. Mit ihm begann der Aufstieg der Illyrer. Als Senator und Oberbefehlshaber über s der Dreiteilung des Winkels eines der drei sog. klass. Pannonien und Moesien vertrat er, von seinen illyr. * Probleme der antiken Mathematik. Antiker Überlieferung nach erhielten die Délier, als sie sich um Abwendung Truppen zum Kaiser gegen Philippus ausgerufen, den einer Seuche an das Orakel in Delphi wandten, die Aufaltröm. Standpunkt, der ihn auch 250/251 die erste gabe, den würfelförmigen Altar Apollons unter Beibesystemat. Christen Verfolgung im Gesamtreich anordnen haltung seiner Form zu verdoppeln, in moderner Formuließ. In den Abwehrkämpfen gegen die Karpen und lierung: Lösung der Gleichung x3 = 2a3. Hippokrates Goten fiel er bei Abrittus in Moesien. FrJo von Chios reduzierte das Problem auf das einfachere, Decumates agri [lat.]: eine nur in der „Germania" des zwei mittlere Proportionalen nach a : χ = χ : y = y : 2a Tacitus vorkommende Landschaftsbezeichnung für das zu bestimmen, Eratosthenes von Kyrene, Apollonios von Gebiet rechts des Rheins um den Neckar und seine Perge, Archytas und Heron von Alexandreia verwendeten Zuflüsse bis zur Schwab. Alb. Seit Domitianus zur Prohöhere Kurven und Bewegungsgeometrie. Nach antiker vinz Germania superior gehörig, wurde es Mitte 3. Jh. Auffassung hätte die Lösung mit Zirkel und Lineal von Alamannen in Besitz genommen. Die Deutung der konstruiert werden müssen; dies ist jedoch unmöglich. Bezeichnung D. a. als „Zehntland", d. h. Äcker, von Wu denen man den „Zehnten" als Tribut erhob, läßt sich aus Delos, heute (Mikra) Dilos: kleine Insel im Mittelpunkt sprach!·, und rechtl. Gründen nicht aufrechterhalten. Sey der Kykladen. Nach der myth. Überlieferung gebar hier Defensor civitatis [lat.]: urspr. allgemein der ProzeßverLeto Apollon und Artemis. D. beherbergte neben Delphi walter einer Stadt oder einer Korporation. Valentiniaden berühmtesten Apollonkult Griechenlands und war nus I. errichtete 364 das Amt des D. c. zunächst für früh Mittelpunkt einer inselgriech. Amphiktyonie. Die Illyricum, um das niedere Volk vor Übergriffen der Insel kam 491 v. u. Z. unter pers. Herrschaft und wurde Mächtigen zu schützen. Sey nach ihrer Befreiung 478/77 Sitz des Att. Seebundes, 'dessen Schatz sich bis 454 im Apollontempel befand. 425 Deianeira, lat. Deïanira, Tochter des myth. Königs stiftete Athen die Délia als alle vier Jahre zu feierndes Oineus von Kaiedon. Herakles gewann sie im Kampf Fest. Seitdem durfte auf der Insel niemand geboren mit Acheloos zur Frau. Als sie später ahnungslos durch

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werden oder sterben. Die damals erfolgte Übertragung aller Gräber auf die Nachbarinsel Rheneia liefert der Archäologie wichtige chronolog. Anhaltspunkte (,,Rheneia-Grenze"). Die athen. Herrschaft dauerte bis zum Jahre 314, dann wurde D. Zentrum eines unter makedon. Einfluß stehenden Bundes der Inselgriechen. Nach der Schlacht von Pydna (168) wurde die Insel Freihafen unter athen. Oberhoheit und bald größtes Handelszentrum (auch für Sklaven) im östl. Mittelmeer; die Kunst erlebte eine neue Blüte. Die Insel wurde 88 und 69 v. u. Z. von Mithridates VI. verwüstet, seitdem ist sie meist unbewohnt geblieben. - Französ. Grabungen (seit 1873) haben zahlreiche Bauten freigelegt. Im Apollonheiligtum gruppieren sich um drei dor. Tempel (der größte, ein Peripteros, wurde im späten 6. Jh. v. u. Z. errichtet und im 3. Jh. v. u. Z. erneuert) vier dor. Schatzhäuser, ferner Hallen und kleine Tempel. Außerhalb des Heiligtums wurden u. a. Marktplätze, Tempel und ein Theater freigelegt. An der Prozessionsstraße, die den Tempel der Leto mit dem heiligen See verbindet, stehen mächtige Löwen (6. Jh. v. u. Z.). Von den vielen hervorragend erhaltenen hellenist. Wohnhäusern (meist mit reichem Mosaikschmuck; Taf. 6) ist das „Haus der Delphine" (2. Jh. v. u. Z.) hervorzuheben. He Delphi, griech. DelphoK Heiligtum des Apollon in Phokien (Abb.) mit dem berühmtesten Orakel Griechenlands; Ort der Pyth. Spiele (Taf. 16). An der Stelle alter Kultstätten (2. Jährt, v. u. Z.) erfolgte im 6. Jh. v. u. Z. der Ausbau des von einer Amphiktyonie verwalteten Heiligtums. Der in Terrassen ansteigende, im Laufe der Jahrhunderte vielfach erweiterte Bezirk ist von französ. Archäologen freigelegt worden (seit 1880). Vom Eingang führt die Heilige Straße zum Tempel Apollons; die wenigen aufrechtstehenden Reste stammen vom 6au des 4. Jh. v. u. Z., der den im späten 6. Jh. entstandenen und 373 zerstörten Tempel ersetzte (erhalten u. a. Teile des von Antenor geschaffenen Giebelschmucks). Im Innern kennzeichnete der f Omphalos den „Nabel der Welt". Von den Schatzhäusern (Taf. 15) ist das der Athener (Ende 6. Jh. v. u. Z.) jetzt wieder aufgebaut. Ferner sind Hallen, Kultbauten verschiedener Form und Bestimmung sowie ein Theater freigelegt worden. Der ungeheure Reichtum an Weihgeschenken (Taf. 28 ; Statuen, eherne Dreifüße usw.) und Siegesmonumenten ist bis auf weniges (z. B. Bronzestatue des Wagenlenkers) verloren. Taf. 25, 26. He Delphin, griech. delphis, lat. delphinus. Im Altertum war der D. allgemein beliebt. Er galt als Attribut und Symbol Neptuns, den man mit einem D. in der Hand oder unter den Füßen darstellte. Tarent, Messina, Gades u. a. Städte trugen einen D. als Wahrzeichen. Manche Städtemünzen der Antike zeigen ihn mit dem Dreizack. In Kunst und Literatur tritt er als volkstüml. Motiv auf. Antike Dichter schilderten, daß sein Verhalten uneigennützige Liebe zu den Menschen offenbare (f Arion). Er galt daher als Sinnbild der Menschenfreundlichkeit. Die pragmatisch denkenden Römer brieten aus seinem Fleisch Würste. Di Delta. Nach der dem großen griech. Δ ähnl. Form nannten die Griechen und später die Römer D. das Mündungsgebiet des Nils, der sich dort in mehrere Flußarme teilt. Danach wurde der Name D. auch auf die aus mehreren Armen bestehenden Mündungsgebiete anderer Flüsse übertragen. D Demades, athen. Redner und Politiker, urspr. vielleicht Seemann, kam 338 v. u. Z. (Schlacht von Chaironeia) als Makedonenfreund zu Bedeutung, erwirkte das Todesurteil für Demosthenes und Hypereides. Er wurde 319 von Kassandros hingerichtet. Von seinen volkstüml.

Demaratos

Das Apollonheiligtum von Delphi, l Lesche von Knidos, 2 Halle des Theaters, 3 Theater, 4 Dionysosheiligtum, 5 Exedra, 6 Thessal. Dynasten (Daochos-Weihgeschenk), 7 Bezirk des Neoptolemos, 8 Halle des Attalos, 9 Skene, 10 Alexanderjagd (des Krateros), I I Pfeiler des Prusias, 12 Dreifüße des Gelon und Hieron, 13 Apollontempel, 14 Altar von Chios, 15 Schlangensäule, 16 Wagen der Rhodier, 17 Brunnen, 18 Heiligtum der Gaia, 19 Sphinx der Naxier, 20 Heiligtum der Sibylle, 21 Halle der Athener, 22 Schatzhaus von Korinth, 23 Prytaneion, 24 Schatzhaus von Poteidaia, 25 Schatzhaus von Athen, 26 Buleuterion, 27 Schatzhaus von Knidos, 28 Treppe, 29 Schatzhaus von Kyrene, 30 sog. Äol. Schatzhaus; 31-33 Schatzhäuser: 31 von Theben, 32 von Siphnos, 33 von Sikyon; 34-41 Weihgeschenke: 34 von Tarent, 35-37 von Argos, 38 des Lysandros von Sparta, 39 von Arkadien, 40 von Athen, 41 von Kerkyra

Werken voll Witz und Schlagfertigkeit sind nur Fragmente erhalten. 2 Be T: F.Blass, BT 1888, S. 73-88 (Nachdruck BT Stuttgart 1967). TU: J. O. Burtt, Minor Attic orators, LCL 1954.

Demagogen [griech.]: Volksführer, Ratgeber; in der athen. Sklavenhalterdemokratie angesehene Männer von Rang und Namen, die im Wirtschaft!, und polit. Leben des Gemeinwesens (Volksversammlung) eine dominierende Rolle spielten (Perikles wurde als D. geehrt). Seit Kleons Zeit in abwertendem Sinn (Volksverführer) gebraucht. SF Demaratos, Damaratos, um 510-491 v. u. Z. König von Sparta, im Gegensatz zu seinem Mitkönig Kleomenes I. Vertreter einer zurückhaltenden Außenpolitik z. Z. der spartan. Expansion auf der Peloponnes und in Griechenland. Wegen angeblich illegitimer Geburt als König abgesetzt, ging D. an den pers. Hof und nahm unter Xerxes am Feldzug gegen Griechenland teil. Als Belohnung erhielt er u. a. Pergamon. SF

Demeter Demeter, Muttergöttin der Griechen, die Korn„mutter", Getreidegöttin (röm. Ceres), Tochter des Kronos und der Rhea, von Zeus Mutter der Persephone, durch lasion des Plutos, mied nach dem Raub ihrer Tochter die Gemeinschaft der Götter, irrte suchend durch die Länder und kam zu König Keleos von Eleusis nach Attika, von dessen Frau f Metaneira als Göttin erkannt. D. verhinderte auf der Erde das Wachstum, bis Zeus die Rückkehr Persephones zur Oberwelt gebot. D. setzte in Eleusis ihren Kult ein (Mysterien). Durch @ Triptolemos lehrte sie die Menschen den Getreidebau. Die Griechen feierten ihr zu Ehren im Monat der Aussaat die Thesmophorien. Die Gestalt D.s hat in Kunst und Literatur vielfältige Gestaltung erfahren (Eleusin. Weiherelief [Taf. 34], D. von Knidos; Homer. Hymnus an D.; Hymnos an D. von Kallimachos, „Thalysien" von Theokritos; Schwank von H. Sachs; „Das Eleusin. Fest" von Schiller). Be Demetrios: griech. Männername. 1. D. Poliorketes (,,Städtebelagerer"), lat. Deme.trius Poliorcetes, Sohn des Antigonos Monophthalmos, geb. um 336 v. u. Z., ehrgeiziger Heerführer und Eroberer. Nachdem das asiat. Großreich seines Vaters durch Seleukos große Gebietsverluste (Babylonien, Tigris-, Indusebenen) erlitten hatte, suchte D. nach einem Ausgleich in Griechenland. Er besetzte 307 Athen und vertrieb Demetrios von Phaleron, besiegte 306 Ptolemaios bei Salamis, belagerte 305/04 Rhodos, machte sich 302 zum Protektor des Korinth. Bundes, den er für seinen Kampf gegen Kassandros mobilisieren wollte. Nach der Schlacht bei Ipsos (301) rettete sich D. auf ein Schiff seiner Flotte, mit der es ihm gelang, in Griechenland Fuß zu fassen. 294 wurde er makedon. König. Die Griechenstaaten unterwarf er seiner Willkürherrschaft. Der gegen ihn aufgebrachten Koalition (u. a. Ptolemaios, Seleukos) unterlag er 285 in Kilikien. 2. D. von Ph§leron, lat. Dernêtrius Phalgreus, um 350-283 v. u. Z., athen. Staatsmann und Philosoph, Befürworter des makedon. Königtums, Gegner der Demokraten, führte von 317-307 im Auftrag von Kassandros die Regierungsgeschäfte in Athen, wurde 307 von D. l vertrieben, ging nach Ägypten, wo er als polit. Ratgeber das Vertrauen von Ptolemaios I. erwarb. Unter den 45 Titeln, die D. zugeschrieben werden, befinden sich rhetor., pnilolog., Philosoph., histor. und polit. Schriften (in Fragmenten erhalten), darunter eine Rechenschaftslegung über seine Regierungszeit in Athen. SF T: F. Wehrli, Die Schule des Aristoteles, Bd. 4, Basel 1949. Demiurg [griech., „der im Volke Tätige"]: in Griechenland Bürger, der eine Tätigkeit gegen Lohn verrichtete, und zwar nicht nur als Tagelöhner, Matrose, Fischer, kleiner Gewerbe- und Handelstreibender, sondern auch als Arzt, Baumeister, Künstler u. a. Nach att. Überlieferung waren die D.en der vorwiegend aus Handwerkern bestehende unterste der drei alten Stände nach den Eupatriden und Geomoren. In einigen griech. Städten war der D. (z. B. in Delphi) ein hoher Beamter. In der idealist. Philosophie Platons und Plotins war der D. der Weltbaumeister, der die Welt aus der Urmaterie formte. Gü Demochares, um 350-270 v. u. Z., athen. demokrat. Staatsmann. Als Organisator des Widerstandes gegen Kassandros war er (307-304) bemüht, Athens Macht zu stärken (Befestigungen, Bündnisse, Finanzmaßnahmen). Er verfaßte eine Zeitgeschichte und erwirkte postume Ehrung für seinen Onkel Demosthenes. SF T: FGrHist 75. Demodokos, in Homers Odyssee ein hochgeehrter, blinder Sänger am Hofe des Alkinoos, des Königs der Phaiaken. ße

128 Demokedes aus Kroton (Süditalien), um 500 v. u. Z., griech. Arzt, Sohn eines Arztes und Asklepiospriesters, einer der bedeutendsten Vertreter der westgriech. Heilkunde, war Stadtarzt von Aigina und Athen, später Leibarzt des Tyrannen Polykrates von Samos und des Perserkönigs Dareios; er brachte die griech. Medizin am pers. Königshof zu großem Ansehen. D. kehrte später nach Kroton zurück, wo er sich wahrscheinlich den Pythagoreern anschloß. Ko Demokratie [griech., „Volksherrschaft"]: eine zuerst bei den Griechen ausgebildete Verfassungsform, die wohl zunächst in Ionien auf Grund der fortgeschrittenen wirtschaftl. und sozialen Verhältnisse entstand. Schon im Altertum galt als typischste D. die von Kleistnenes geschaffene Verfassung Athens, die vor allem gegen die Bildung geschlossener Ständegruppen und deren Ökonom. Macht gerichtet war und auf einer territorialen Neueinteilung Attikas basierte. Die Gewalt lag bei der Gesamtheit der über 30 Jahre alten Bürger, die in der Volksversammlung mindestens einmal monatlich die Staatsangelegenheiten durch Mehrheitsbeschluß erledigten. Das Ideal der athen. D., das in der Folgezeit oft die Vertreter des Fortschritts beflügelte, wurde von Thukydides in der Leichenrede des Perikles dargestellt. Besondere Kennzeichen der athen. D. ist die Einsetzung der Archonten auf ein Jahr; für den Rat der Fünfhundert (@ Bule), wurden aus jeder Phyle 50 Mitglieder durch das Los bestimmt. Die Jurist. Belange nahm ein Geschworenengericht, @ Heliaia, wahr. Perikles führte die Besoldung der Geschworenen, Ratsmitglieder und Archonten ein, um auch Minderbemittelten die Wählämter zugänglich zu machen. Doch waren noch im 4. Jh. in Athen die @ Theten vom Archontat praktisch ausgeschlossen.- Die athen. D. schloß Sklaven, Metöken und Frauen von allen polit. Rechten aus und ist so immer die Herrschaft einer Minderheit, der Vollbürgerschaft, geblieben (SklavenhalterD.). Sie war aber groß genug, als tragende Kraft das polit, und kulturelle Leben des 5. Jh. so zu intensivieren, daß diese Epoche alle anderen an Bedeutung weit überragt und ihre Leistungen bis in die moderne Zeit weiterwirkt. - Im mehr aristokratisch bestimmten Rom fehlt eine D. nach athen. Art, aber in der röm. Verfassung beweisen die Rechte der Volksversammlung, die Annuität (jährl. Wahl) und Kollegialität (mehrere Beamten für gleiche oder ännl. Funktionen) der Beamten ihre demokrat. Züge. Selbst unter dem Prinzipat wurden mit der äußerl. Bewahrung republikan. Traditionen Formen der D. z. T. belassen. GP Demokritos aus Abdera, dt. Demokrit, 460-371 v. u. Z., griech. Philosoph, Hauptvertreter der antiken Atomistik und der Philosophenschule von Abdera, das damals eine reiche Handelsstadt mit hoher Kultur war. D. war ideolog. Repräsentant der antiken Sklavenhalterdemokratie. Er unternahm weite Reisen, hinterließ eine Fülle Philosoph, und naturwissenschaftl. Schriften und war von enzyklopäd. Gelehrsamkeit. Von seinen Werken sind nur Fragmente erhalten. - Nach D. besteht die Welt aus den Atomen und dem ebenso real existierenden Leeren, das die Voraussetzung dafür ist, daß diese überhaupt vereinzelt existieren (ohne die Leere gäbe es keine Zwischenräume), sich bewegen, untereinander verbinden und voneinander trennen und eine bestimmte Lage zueinander einnehmen können. Die rein quantitativen Zustände, Verhältnisse und Bewegungen der Atome sind die Grundlage der qualitativ vielfältigen und bewegten Erscheinungswelt. D. unterscheidet Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen (Größe, Gestalt, Masse, Bewegung, Härte), und solche, die sich aus deren Wechselwirkungen mit unseren Sinnesorganen ergeben (Farben,

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Demosthenes

Helligkeit, Töne, Geschmack, Geruch usw.). Die Er- auch die Gesamtheit der vollberechtigten Bürger eines scheinungswelt wird durch die sinnl. Wahrnehmung Staates (im Gegensatz zu Sklaven und Staatsfremden). erkannt. Die Dinge wirken durch ihre Ausflüsse, die Der Begriff D. bezeichnet bes. das Volk im engeren Sinne Eidola (Bildchen), auf die Sinnesorgane und dadurch gegenüber der Aristokratie bzw. der Sklavenhalterklasse. schließlich auf die Feueratome der Seele ein. Die so entFerner hieß nach 508 v. u. Z. D. in Attika die kleinste stehenden Wahrnehmungen über die Erscheinungswelt Verwaltungseinheit („Dorfgemeinde" bzw. „Stadtbebilden den Ausgangspunkt für das Denken, das aHein in zirk"); das Demotikon, die Angabe des Heimatdemos, der Lage ist, zur Erkenntnis der atomaren Struktur der gehörte zur Namensbezeichnung des Bürgers. I Welt vorzudringen. D. versuchte so, den Zusammenhang Demosthenes, lat. DemQsthenes, 384-322 v. u. Z., athen. zwischen der sinnl. und der höheren, rationalen Stufe der Redner und Politiker, Sohn eines reichen WaffenfabriErkenntnis zu klären. Die Erklärung der qualitativ vielkanten. Frühzeitig verlor er seinen Vater und wurde von fältigen Erscheinungswelt durch ihre Reduzierung auf seinen Vormündern um sein Erbe betrogen. Trotz körperl. rein quantitative Eigenschaften der Atome ist nicht Mängel bildete er sich zielstrebig in der Beredsamkeit aus identisch mit ihrer Verwerfung als bloßem Schein, wie und verklagte seine Vormünder. In der Folgezeit verdas bei Parmenides der Fall ist. Sie wird durchaus als faßte er Prozeßreden für andere. Die Anwaltstätigkeit real anerkannt. Nach D. sind auch die biolog. Erschei- führte ihn zur Politik. Er wurde zum Wortführer im nungen und sogar das Denken materiell und aus bestimmten Atomen, Atomverbindungen und -bewegungen zu erklären. Die Seele z. B. besteht aus feinen, glatten und runden Atomen gleich denen des Feuers. Da sie die beweglichsten Atome sind, können sie den ganzen Körper durchdringen und so die Lebensprozesse bewirken. Die Atome wirken aufeinander durch Druck und Stoß. Alles geschieht mit fatalist. und mechan. Notwendigkeit, auch die Entstehung der Welten (durch Aufeinanderstoßen der unterschiedlich schnell fallenden Atome im leeren Raum und der daraus resultierenden Wirbelbewegungen), deren es unzählige, in verschiedensten Entwicklungsstadien befindliche gibt, und der organ. Wesen. D.' Philosophie ist ein Markstein in der Geschichte des Atheismus. Er trat gegen die Volksreligion auf; die Götter waren für ihn nur Verkörperung von Naturerscheinungen oder menschl. Eigenschaften - so Zeus eine solche der Sonne Demosthenes (nach einer und Athena der menschl. Vernunft. Auf dem Gebiet der röm. Marmorkopie, Logik scheint D. bes. inhaltl. Bestimmungen gegeben und Kopenhagen) solche Fragen wie die der Induktion, der Analogie und der Hypothese untersucht zu haben. Aristoteles bezeichnet D. Kampf gegen Philippos von Makedonien, den er als jedenfalls als Vorläufer auf diesem Feld. Auf ästhet. gefährlichsten Gegner der griech. Freiheit leidenschaftlich Gebiet war D. Verfechter eines naiven Realismus, der in angriff, so bes. in den drei „Philipp. Reden" (351, 344, der Kunst eine Nachahmung der Natur sieht. Seine eth. 341) und den drei „Ölynth. Reden" (349/348). Nach der Auffassungen sind eng mit seiner erkenntnistheoret. und Niederlage der verbündeten Athener und Thebaner bei atomist. Grundhaltung verbunden. Wie die WahrnehChaironeia (338) hielt D., der selbst an der Schlacht teilmung entstammt auch die Lust der Sinneserregung. Das genommen hatte, die Leichenrede auf die Gefallenen. Als wahre Glück, die Eudämonie, die Zweck und Maß des die Athener 330 seine Verdienste durch Verleihung eines Menschenlebens sein soll, kann jedoch nicht aus äußeren goldenen Ehrenkranzes würdigten, rechtfertigte er in Gütern und sinnl. Befriedigung erwachsen, sondern nur seiner ..Kranzrede" seine Politik und zwang seinen polit. aus der sanften, leichten Bewegung der Feueratome, welGegner Aischines, ins Exil zu gehen. Wenige Jahre später che die rechte gedankl. Einsicht gestattet. Nach antiker wurde D. in eine Bestechungsaffäre verwickelt und Überlieferung hat D. auch eine Fülle von Arbeiten zur mußte selbst aus Athen fliehen (324). Er wurde zwar Mathematik geschrieben, z. B. über mathemat. Musik- nach dem Tod Alexanders d. Gr. zurückgerufen, aber theorie und über Perspektive. Von diesen Schriften ist bald darauf nach der Besetzung Athens durch die Makenur ein Fragment erhalten geblieben, in dem D. auf donen zum Tode verurteilt. Um seinen Verfolgern nicht Grund seiner atomist. Auffassung (wahrscheinlich durch in die Hände zu fallen, nahm er Gift. - Unter dem Namen die Methode der Schichtzerlegung) als erster den Raum- des D. sind 61 Reden überliefert, von denen aber nur inhalt von Pyramide und Kegel anzugeben, allerdings etwa die Hälfte zweifellos echt ist. Sie sind eine wichtige noch nicht streng zu beweisen vermochte. - Die Aufsachl. Quelle für die Kenntnis des alt. Gerichtswesens und fassungen D.' stellen den Höhepunkt des materialist. und Mer polit. Verhältnisse jener Zeit. Vor allem aber sind sie naturwissenschaftl. Denkens der Antike dar und haben Zeugnisse der unwiderstehl. Redegewalt des D., der auf die Nachwelt u. a. auf Epikur, Lukrez, Gassendi, bereits in heilenist. Zeit als der weitaus bedeutendste att. Galilei, Leibniz und die moderne Atomphysik großen Redner galt. Wirkungsvolle Verwendung der rhetor. und nachhaltigen Einfluß ausgeübt. Gu Schmuckmittel, sorgfältige Rhythmisierung und vor TU: DielsII, 81. Ü: Capelle, 396-470. allem die überlegene Beherrschung aller Stilarten, die Demophon, lat. Dgmophon, 1. myth. Sohn des Theseus, stets entsprechend dem jeweiligen Gegenstand der Rede befreite mit seinem Bruder Akamas seine Großmutter angewendet werden, zeichnen seine Beredsamkeit aus. f Aithra. - 2. Sohn des mytfc. Königs Keleos von Eleusis. Drängende Leidenschaftlichkeit und mitreißender Seine Mutter f Metaneira verhinderte, daß Demeter ihn Schwung sind für die polit. Reden, zwingende Logik und unsterblich machte. Be scharf zupackende Argumentation für die Prozeßreden Demos [griech., „Volk"]: im alten Griechenland allg. die charakteristisch. - In der Folgezeit wurde D. der Redner Bevölkerung eines Gebietes (oder das Gebiet selbst), schlechthin. Für Cicero, den Meister der röm. Beredsam9

Antike

Demotisch

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keit, war er das unbedingte Vorbild. Im 1. und 2. Jh. u. Z. wurde der Wortschatz des D. in attizist. Lexika zusammengestellt, sein Stil in Spèzialschriften untersucht, seine Reden wurden kommentiert und Inhaltsangaben von ihnen verfaßt. Melanchthon sah in D., den er sogar über Cicero stellte, den größten Redner aller Zeiten. Als Muster der großen polit. Beredsamkeit hat D. dann bis in die Neuzeit nachgewirkt, bes. in England, wo er seit dem elisabethan. Zeitalter als Vorbild für Parlamentsredner stets in höchstem Ansahen stand. - Abb. Kü T: C. Fuhr - D. Sykutris, BT 191411937. Ü: F. Jacoby, 1805. Demotisch [von griech. dçmos, „Volk"]: Form der ägypt. Schrift, mit der seit Ende des 8. Jh. v. u. Z. bis in die röm. Zeit die Profanliteratur Ägyptens geschrieben wurde. D. ist eine kursivere Form des Hieratischen (einer vereinfachten Schreibart der f Hieroglyphen) und enthält viele Kürzungen sowie durch Ligaturen gebildete selbständige Zeichen. HG Denar [von lat. déni, „je zehn"]: röm. Silbermünze, urspr. 10 As enthaltend, wahrscheinlich seit dem 2. Pun. 1 Krieg geprägt, anfangs etwa 4,55 g ( ΙΊ2 der Libra). Im Denar des Gaius lulius

Caesar, geprägt 44 v. u. Z. Rückseite: Venus Victrix (Münzbeamter P. Sepullius Macer)

Laufe der Kaiserzeit wurde der D. verringert (unter Nero z. B. auf 3,4 g), er wurde immer wertloser. - Die Bezeichnung D. ist noch erhalten im ..Dinar" (Jugoslawien, Jordanien, Irak, Iran) und in den Abkürzungen /^ (= d) für Pfennig und d für den engl. Penny. Gü Destillation. Die älteste Beschreibung und Abbildung eines Destillierapparates soll von der Alchimistin Maria (1. Jh.) gegeben worden sein und ist auch in die Werke des Zosimos eingegangen. Er besteht aus dem Füllgefäß, dem Abzugsrohr und dem Rezipienten, der nur mittels eines nassen Schwammes abgekühlt wurde, so daß die Destillation niedrig siedender Substanzen unmöglich war. Manchmal waren an dem Füllgefäß auch zwei oder drei Abzugsrohre angebracht, die in ebenso viele Rezipienten mündeten und den Dibikos („Zweikörper") oder Tribikos („Dreikörper") bildeten. (Abb.) Im Prinzip änderte sich während des gesamten Altertums nichts an den Destillationsgeräten. Se

Destillationsgeräte des Zosimos: a einfacher Destillierapparat aus Glas (oberer Teil: Phiole), b Destillierapparat aus Glas mit zweikörperiger Phiole, c kupferner Destillierapparat Deukaljon, lat. Deucalion, in der griech. Sage der fromme Sohn des Prorfietheus, Stammvater der Hellenen. Aus der Sintflut, mit der Zeus die Menschen bestrafte, wurde nur D. mit seiner Frau Pyrrha in einem Kasten oder Schiff gerettet. Nach der Landung auf dem Parnasses warfen die beiden auf Weisung der Göttin Themis oder des Zeus „die Gebeine der großen Mutter", d. h. die Steine der Erde, hinter sich. Aus den von D. geworfenen Steinen entstanden Männer, aus den von Pyrrha geworfenen Frauen. Die Sage von der Deukalion. Flut gehört zu den auch bei anderen Völkern erzählten Sintflutsagen (bei

Sumerern, im Gilgamesch-Epos, im Alten Testament) und hat Bezüge zur Lehre von den f Zeitaltern, in der die Menschheit z. T. durch eine Flut vernichtet wird. Be Deus ex machina [lat., „Gott aus der Maschine"]. Bei einer Reihe antiker Dramen wird die Lösung des Konfliktes nicht wie z. B. in Sophokles' „König Oidipus" aus der Handlung selbst heraus entwickelt, sondern durch eine am Schluß völlig unvermutet in das Geschehen eingreifende · Gottheit herbeigeführt (z. B. in Euripides' „Iphigenie in Tauris"). Der Darsteller dieser Gestalt schwebte bei seinem Auftritt mit Hilfe einer Theatermaschine (griech. mechane, lat. machina) aus der Höhe auf die Bühne hinab. Nach diesem Vorgang bezeichnet man noch heute die willkürl. Lösung einer dramat. Verwicklung mit dem Begriff D. e. m. Ki DevQtio [lat.]: bei.den Römern Gelübde für die unterird. Götter. Der sich Weihende war ein Soldat oder Feldherr, der durch bewußte Preisgabe seines Lebens im Kampf von den Göttern die Vernichtung des feindl. Heeres erbat. Die D. fand nach feierl. Ritus statt. Historisch überliefert ist die D. der beiden Decier (Vater und Sohn, beide Konsuln) 340 und 295 v. u. Z. Die frühe Kaiserzeit kannte auch eine D. für das Wohl des Kaisers. Be Dezimalsystem [von lat. decem, 10]: das auf die Grundzahl 10 orientierte f Zahlensystem, das in der Antike weniger weit als heute neben dem auf der Grundzahl 60 (lat. sexaginta) beruhenden Sexagesimalsystem in Gebrauch war. I Dezimierung: Hinrichtung eines jeden zehnten Kriegers einer röm. Truppeneinheit als Strafe für Feigheit oder Befehlsverweigerung der gesamten Truppe. H Diadem [griech.]: um den Kopf gelegte Binde, in Griechenland von Frauen als Schmuck, von Jünglingen und Männern als Siegerbinde (Statue des Diadumenos von Polykleitos), von Priestern als Abzeichen getragen. Wie im alten Orient galt es auch im Hellenismus und im frühen und späten Rom (seit Konstantin) als Zeichen der Königswürde. Sl Diadochen [griech., ..Nachfolger"]: die Feldherrn Alexanders d. Gr., die nach seinem Tod das eroberte Weltreich unter sich aufteilten, wodurch einige dauerhafte Staatsverbände entstanden, in deren Bereich Elemente der antiken und asiat. Produktionsweise auf der Grundlage der weiterentwickelten griech. und oriental, sozialpolit. Verhältnisse modifiziert wurden. Die wichtigsten D. waren Antipatros in Makedonien und Griechenland, Antigonos in Phrygien, Lykien und Pamphylien, Ptolemaios in Ägypten, Seleukos in Babyionien und Syrien, Lysimachos in Pontos und Thrakien. Aus den Machtkämpfen der D. gingen die Hellenist. Reiche der Seleukiden (Babyionien, Syrien), Ptolemaier (Ägypten), Attaliden (Kleinasien, Pergamon) und Antigoniden (Makedo-^ nien, Griechenland) hervor. SF Diadumenos [griech., „einer, der sich die Siegerbinde umlegt"]: berühmte Statue des Polykleitos. Sl Diagnose [griech., „Erkennen*']. Der niedrige Entwicklungsstand der Kenntnis der Krankheitsursachen in der antiken Medizin, der durch das weitgehende Fehlen von Physik, Chemie und Biologie bedingt war, gestattete die D. von Krankheitsbildern nur in geringem Umfang. Diagnostiziert wurden hauptsächlich einzelne Symptome (Fieber, Husten, Lungengeräusche u. a.), soweit sie ohne techn. Hilfsmittel, nur mit den menschl. Sinnen (z. B. Abhorchen des Brustraums, Fühlen des Pulses und der Körpertemperatur, Riechen und Schmecken der Körperausscheidungen) festgestellt werden konnten. Ko Diakgn [von griech. diakonein, „dienen"]: kirchl. Amtsträger in der urchristl. Gemeinde. Er war wahrscheinlich dem Bischof zu- und untergeordnet und vor allem mit

131

Diana

Aufgaben der Gemeindeverwaltung und der Organisation danken einer Entwicklung in der materiellen Welt finden sich auch bei Platon^ der für die Erscheinungswelt durchder karitativen Tätigkeit betraut. Innerhalb der Klerikaaus die Richtigkeit der Auffassungen Heraklits bestätigt; lisierung des Christentums trat das D.enamt in den allerdings ist diese Erscheinungswelt abhängig von der Hintergrund und verschwand schließlich. D. bzw. Sub-D. Welt der ewigen, unbewegten Ideen. Das Wort D. selbst wurde später zur Amtsbezeichnung für den zweiten und verwendet Platon für seine Ideenlehre, wo es eine völlig dritten Geistlichen einer Gemeinde. Im 19. Jh. kam es zu andere Bedeutung hat. Heraklitische Gedanken finden einer gewissen Erneuerung des D.enamtes. Ro Dialektik [griech., „Unterredungskunst"]: urspr. die sich auch in der Naturphilosophie der Stoa. Mit dem dialekt. Verhältnis von Einzelnem und Allgemeinem beKunst, in Rede und Gegenrede durch Aufdeckung der schäftigten sich Euklid, Platon und Aristoteles. Im Widersprüche zur Wahrheit zu gelangen. - Die D. als Neuplatonismus vertrat Proklos eine abstrakt-spekulative Unterredungskunst fand ihre ersten Vertreter bei den Triaden-D. Theodoros von Asine ist ihm hierbei wahrEleaten Zenon und Melissos. Aus einer dringend erforscheinlich vorausgegangen. - Die antike D. hat die derl. Waffe, um die paradoxen Lehren des Parmenides Nachwelt stark beeinflußt, und zwar nicht nur Philosovernünftig oder zumindest unwiderlegbar erscheinen zu lassen, entwickelte sich die D. bei den Sophisten zu einem phen wie Hegel, sondern auch Dichter wie Goethe und Brecht. In der konsequent Wissenschaft!, und materialist. Mittel der Argumentation, das im polit, und Jurist. D. des Marxismus-Leninismus sind die besten ErrungenLeben Erfolg bringen sollte. Die Sophisten behaupteten, schaften der antiken D. aufbewahrt und gleichzeitig auf daß es nur relative und subjektive und keine absolute eine höhere Stufe gehoben worden. Gu und objektive Wahrheit gäbe. Die objektive Bewegtheit DialQg [griech., „Gespräch"]. Den in älteren Werken der Dinge benutzten sie, um den erkenntnistheoret. ansatzweise vorgebildeten D. erhob unter dem Einfluß der Relativismus zu begründen. Ein Meister der Untersokrat. Dialektik Platon zu einer Gattung der Prosa. Von redungskunst war Sokrates. Sie diente ihm aber dazu, um ihm sind etwa 25 echte D.e überliefert, die sein philosoph. im Gegensatz zu den Sophisten gesicherte Wahrheiten zu finden, die er als notwendige Voraussetzungen für ein System popularisierten; während in den frühen die lebhafte Wechselrede vorherrscht, sind die Alters-D.e besittl. Verhalten ansah. Aus Platons Dialogen ist andächtige Lehrgespräche. An ihre Form angelehnt, schuf nähernd zu ersehen, wie die sokrat. D. in ihrer Anwender junge Aristoteles einen besonderen D.typ: das Rededung aussah. Der Megariker Eukleides entwickelte die paar mit vorangestelltem Vorwort. Mit dem Niedergang Eristik (Streitkunst, Überredungskunst). Nach Zenons des Platonismus verlor der D. zunächst zugunsten der Vorbild benutzte er u. a. den indirekten Beweis. Auch in Diatribe an Bedeutung. Neues Leben verliehen ihm in der der elisch-eretr. Schule scheint man ähnl. Künste betrieKaiserzeit Dion von Prusa, Plutarch (Moralia), Lukian, ben zu haben. Aristoteles brachte bes. in seiner Logik der ihn dem satir. Witz dienstbar machte, sowie Athealle seinerzeitigen Errungenschaften der subjektiven D. in naios. ein Wissenschaft!. System - allerdings ohne sich auf sie In Rom diente der D. zunächst als literar. Form für die zu beschränken. Er selbst bezeichnet mit dem Wort D. Fachautoren: Brutus (Recht); Varro (Landwirtschaft); die Denktätigkeit, die auf das Aufsuchen der letzten und Cicero (Rhetorik), der, auf der aristotel. Form fußend, höchsten Erklärungsprinzipien und Ausgangspunkte aller sich des D.s daneben wieder vorzugsweise zur Darstellung log. Ableitungen ausgeht. - Die antike UnterredungsPhilosoph. Gedanken bediente (Tusculanae disputatiokunst war häufig mit metaphys., relativist, und Idealist. nes). In Ciceros Tradition steht nach Inhalt und Form die Auffassungen verbunden. In zahlreichen Fällen war sie gesamte weitere röm. D.literatur: Tacitus, Minucius kein Mittel, um die Wahrheit zu finden, sondern eins, um Felix, Macrobius, Augustinus. Im Humanismus erlangte recht zu behalten und, wenn notwendig, auch fragl. Aufder D. neues Gewicht als polit. Streitgespräch oder fassungen mit Erfolg verteidigen zu können. Allerdings philosoph. Gespräch (Erasmus, Hütten) oder auch als muß ihr das Verdienst zugeschrieben werden, daß sie das Fachgespräch (Georg Agricola über Bergbau). Weite Denken geschärft und geschult und damit auch für die Verbreitung fand die Gattung in der Goethezeit. Lösung von Aufgaben vorbereitet hat, die ihm erst viel Im Drama ist der D. das wesentl. Element. Er umfaßte später gestellt wurden. - Die D. als Lehre von den allurspr. zwei, seit Sophokles auch drei Partner (Schauspiegemeinsten Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der ler, Chorführer) und beinhaltet vorwiegend GedankenNatur, der Gesellschaft und des Denkens hatte in der austausch und Widerstreit der Meinungen. SpannungsAntike bedeutende Vertreter, auch wenn diese das Wort steigerndes Mittel ist die f Stichomythie. Ki D. nicht in diesem Sinne gebraucht haben. Die allgemeine Bewegtheit der Dinge wurde schon von der ion. Diam§nt [von griech. var aber nicht ein Leitfaden für den höheren Unterricht, sondern suchte fachwissenschaftl. Ansprüchen zu dienen. Kü EQS, lat. Eos [griech., „Morgenröte"], griech. Göttin der Morgenröte (lat. Aurgra), Tochter des Hyperion, Schwester von Helios und Selene; die „rosenfingrige" Göttin entführte Tithonos als ihren Gemahl, erbat für ihn von Zeus Unsterblichkeit, vergaß aber dabei die Bitte um ewige Jugend. Der greise, zusammengeschrumpfte Tithonos wurde schließlich in eine Zikade verwandelt. Beider Sohn ist Memnon. Dem Astraios gebar E. die Winde; auch den Jäger Orion und den Kephalos liebte und entführte sie. - Fresko von Tiepolo. Be Epameinondas, lat. Epaminondas, Staatsmann und Feldherr aus Boiotien, begründete 379 v. u. Z. mit Pelopidas den boiot. Bundesstaat und schuf durch Neuordnung des Staatswesens (demokrat. Orientierung) sowie der Heeresorganisation (Bürgerwehren, Stoßtruppabteilungen, heilige Schar [Kampf bund von Freunden], Bewaffnung mit langen Sarissen) die Voraussetzungen für Thebens Auftieg zur dritten Großmacht in Griechenland. Als Demokrat und Patriot trat E. den Hegemonieansprüchen Spartas entgegen, das er 371 bei Leuktra schlug. 362 besiegte E. die antitheban. Koalition bei Mantineia, fiel aber in der Schlacht (Ende der theban. Vormacht). E. wandte als erster die sog. schiefe Schlachtordnung (Abb. f Schlachtordnung) an, wobei der linke Flügel der Phalanx keilartig zum Vortragen des Angriffs verstärkt wurde, während der rechte - schwächere - defensiv blieb. Seine Taktik wurde von Philippos II. von Makedonien und Alexander d. Gr. weiterentwickelt. SF Epaphos, in der griech. Sage der Sohn der Ιο (= Isis) und des Zeus; auf Grund seines Namens galt E. als der durch Berührung mit der Hand Gezeugte. Be Epeisodion [griech., „das Hinzukommende"]: 1. das erste (Hinzu-) Auftreten des Schauspielers zum bereits anwesenden Chor, der im griech. Drama anfangs die Hauptrolle spielte; dann überhaupt die Dialogpartien zwischen den Chorliedern, in denen sich die Handlung entfaltete. Die Epeisodien sind die Vorstufen der späteren Akte. - 2. alle Handlungsab,schnitte in Drama, Epos und Rede, die relativ selbständig und in ihren Einzelheiten ausgestaltet sind, im Gegensatz zur Fabel, die die Grundlinien der Handlung bestimmt. Ist das E. für die Gesamthandlung unerheblich, bleibt es Einschiebsel (Episode). Kr Epheben: in Athen u. a. griech. Städten die jungen Männer vom 18. Lebensjahr ab. Sie wurden in die Bürgerrolle aufgenommen und dienten zwei Jahre lang gegen staatl. Sold in militär. Abteilungen. Nach dem ersten Ausbildungsjahr leisteten sie den E.eid. H

Ephesos Ephesos, lat. Ephesus: Küstenstadt in Karien, eine der Haupthandelsstädte im Altertum (Hafen, Münzprägeund Kultstätte); Ende des 12. Jh. v.u.Z. von loniern besiedelt, anfangs mit aristokrat. Regierungsform, im 7, Jh. Tyrannis, im 6. Jh. gemäßigte Demokratie. Von Kroisos um 560 erobert, kam E. unter lyd., dann pers. Oberhoheit (Kyros IL). Es beteiligte sich nicht am Ion. Aufstand. Die Befreiung der kleinasiat. Küstenstädte ermöglichte in E. die polit. Weiterentwicklung der Demokratie. Trotz seines Beitrittes zum 1. Att. Seebund verbündete sich E. im Peloponnes. Krieg 412 mit Sparta. Durch den „Königsfrieden" (387) wurde es zusammen mit den kleinasiat. Griechenstädten den Persern ausgeliefert. Seit dem 2. Jh. geriet E. unter röm. Einfluß und fiel 133 als Teil des Pergamen. Reiches an Rom. Im Zuge romfeindl. Bestrebungen befahl Mithridates VI. von Pontos 88 v. u. Z. die Tötung von 80000 Römern und Italikern in Kleinasien (letzte griech. Erhebung gegen Rom). Unter Augustus entwickelte sich E. zur Hauptstadt der röm. Provinz Asia. In E. bestand eine der ersten größeren Christengemeinden, die auf Paulus zurückgeführt wird. 263 u. Z. von Goten zerstört, später wieder aufgebaut, kam die Stadt 1426 unter türk. Herrschaft. Damit büßte E. seine Bedeutung als Handelsplatz ein. Die durch österr. Grabungen erschlossene Anlage der Stadt mit ihren Märkten, Magazinen, Straßen, Gymnasien, Thermen und Tempeln, dem Theater und einer Bibliothek vermittelt einen vielfältigen Eindruck von der Größe sowie dem wirtschaftl. und kulturellen Leben in einer Weltstadt der Kaiserzeit. Das außerhalb der Stadtmauern gelegene monumentale Artemision (urspr. Heiligtum der kar. Fruchtbarkeitsgöttin), das 356 v. u. Z. von Herostratos in Brand gesetzt und bald darauf wieder aufgebaut wurde, zählte zu den Sieben Weltwundern. Von beiden Bauphasen ist nur wenig erhalten. SF Ephialtes: 1. ein Trachinier, führte die Perser bei den Thermopylen in den Rücken des Leonidas und wurde 469 v. u. Z. als Verräter getötet. - 2. Politiker in Athen, der den unteren Volksschichten nahestand. Er setzte 462 v. u. Z. eine Verfassungsreform durch, die dem Areopag das Recht nahm, die in der Volksversammlung beschlossenen Gesetze zu bestätigen und über Vergehen von Beamten zu richten. Dem Rat der Fünfhundert, der Volksversammlung und dem Volksgericht wurde der Verfassungsschutz übertragen. Als E. eine weitere demokrat. Reform vorbereitete, wurde er ermordet (461). Perikles setzte das begonnene Werk fort. SF Ephoren [griech., ..Aufseher"]: die von allen vollberechtigten Spartiaten für ein Jahr gewählten fünf höchsten Beamten Spartas, die wesentlich zur konservativen Grundhaltung dieser Polis beitrugen. Seit 550 v. u. Z. besaßen sie das fast unbeschränkte Aufsichtsrecht mit Strafbefugnis über die Könige, die Beamten und alle Bürger. Der Vorsitzende der E. gab dem Jahr den Namen. Seh Ephoros, Historiker aus Kyme (Kleinasien), Zeitgenosse des Theopompos, verfaßte die erste „Universalgeschichte*' Griechenlands (von der Dor. Wanderung bis 340 v. u. Z. ; nur Fragmente erhalten). E. wollte mit seiner unpolit., moralisierenden Geschichtsschreibung bilden und zugleich unterhalten. SF T: FGrHist 70. Epicharmos, lat. Epicharmus, um 550-460 v. u. Z., griech. Dichter, lebte in Syrakus. Er erhob die altdor. Volksposse zur Kunstform der Komödie, teils als Parodie der Götter- und Heldensagen (z. B. Herakles in seiner Freßlust und Liebeskraft), teils als realist. Darstellung des Alltagslebens (Typ des Parasiten). Polit, und persönl. Angriff fehlt, auch der Chor. Wegen seines Sentenzen-

152 reichtums galt er Späteren auch als Verfasser philosoph. Schriften. Von den ihm zugeschriebenen knapp 40 Stükken sind nur Fragmente erhalten, die Verwendung verschiedener Metren und der dor. Umgangssprache zeigen. Be T: CGFI l, S. 88-147. TU: Diels I, S. 190-210. Epidamnos: Kolonie Kerkyras und Korinths an der illyr. Küste. Die Vertreibung der Oligarchien aus E. 435 v. u. Z. wurde ein Anlaß für den Peloponnes. Krieg. - In röm. Zeit Dyrrhachium, wichtig für die Überfahrt nach Brundisium (Brindisi); heute Dürres, italien. Durazzo, wichtigster Hafenort der Volksrepublik Albanien. Z Epidauros: Hafenstadt an der Nordostküste der Argolis und zugleich bekannter Kurort, urspr. ionisch, aber bald von Argos dorisiert. Politisch war E. selbständig, lehnte sich aber später an Sparta an. Seinen Ruhm verdankte E. dem 10 km westlich der Stadt gelegenen Heiligtum des Asklepios, zu dem Kranke von weither kamen, um Heilung zu suchen. Von den Bauwerken in E. sind zu nennen: Thermen, Stadion, Palästra, Odeion, Hallen, ein um 390 v. u. Z. erbauter Asklepiostempel und die Tholos, in der vermutlich die heiligen Schlangen gehalten wurden. Das harmonisch angelegte, heute wieder verwendete Theater aus dem 3. Jh. v. u. Z. ist das besterhaltene ganz Griechenlands. Mit seinen 55 Sitzstufen bietet es Platz für 12000 Zuschauer. Z Epigamie [griech.]: durch Vertrag gesichertes Recht zur Eheschließung von Bürgern verschiedener Staaten in Griechenland. Das E.gesetz von 451 v . u . Z . in Athen forderte für die Ehe das Vollbürgerrecht beider Parteien. In heilenist. Zeit gehörten die E. und die Enktesis (das Recht zum Grundstückserwerb im Inland, das auch Nichtbürgern verliehen werden konnte) zu den wichtigsten Vertragsbestimmungen bei zwischenstaatl. Bündnissen. Mü Epigonen, griech. Epigonoi [..Nachkommen"]: in der griech. Sage die Söhne der f Sieben gegen Theben (u. a. Alkmaion, Thersandros), die zehn Jahre nach dem Untergang ihrer Väter unter Adrastos nach Theben zogen und es eroberten. - Heute : unschöpfer. Nachahmer. Be Epigramm [griech., „Aufschrift"]. Das E., eine ureigene Schöpfung der Griechen, war urspr. Aufschrift auf einem Denkmal, Weihgeschenk u. ä. Seine Merkmale sind Prägnanz des Ausdrucks und (seit dem 8. Jh. v. u. Z.) metr. Form (Hauptvers: eleg. Distichon). Im 4. Jh. v. u. Z. verlor das E. weitest gehend seine Aufschriftfunktion (diese erscheint jedoch häufig fingiert) und entwickelte sich zum literar. Buch-Ε, mit vielfältigem Inhalt. Unter den überlieferten E.en nimmt das Grab-E. einen breiten Raum ein. Aus dem sachl., schmucklosen archaischen E. entstand z. Z. der Perserkriege eine von Kürze und würdevoller Schlichtheit geprägte Form (Simonides). Daneben trat um 450 das sog. Att. E., dessen Merkmale Überladenheit sowie rhetor. und sophist. Elemente sind. Im Gegensatz dazu und an das Simonideische E. anknüpfend, entwickelte sich im 5./4. Jh. eine E.form, die Verinnerlichung sowie natürl. Einfachheit zeigt und zum Thema die Liebe hat (Erinna). Im Hellenismus stehen zunächst zwei E.schulen nebeneinander: die peloponnesische, bei welcher Hinwendung zum Natürlichen, zum einfachen Volk mit sprach!. Überladenheit der E.e kontrastiert, und die alexandrin.ionische, in der sich Natürlichkeit der Sprache mit realist. Darstellung verbindet (Kallimachos). Beide Richtungen schwanden um die Mitte des 3. Jh. Um die Wende des 2. Jh. blühte mit der phönik. Schule wieder eine Epigrammatik, die sich vielfach an die alexandrin. Schule anlehnte; hier liegen die Anfänge des parodist. E.s (Tierepitaph). Seit dem 1. Jh. v.u.Z. wurden E.e

Epikuros

153 berühmter Dichter in E.Sammlungen (Anthologien) zusammengestellt. In Rom diente das E. schon früh als Aufschrift. Das literar. lat. E. ist sehr stark durch das alexandrin, geprägt. In den Rhetorenschulen zur Vervollkommnung der sprach!. Prägnanz gepflegt, war es namentlich in Form des Gelegenheitsgedichtes bei gebildeten Römern beliebt. Dabei erhielt es in zunehmendem Maße spött.-satir. Züge und eine Pointe. Diese Entwicklung beginnt bei Catull und gipfelt in den originellen, witzigen, scharf pointierten E.en Martials, der für die E.dichtung bis in die Neuzeit das große Vorbild blieb. Im Christentum wurde das E. seit dem 4. Jh. gepflegt, vorwiegend als Grab- und Märtyrer-Ε, sowie als Weih-Ε, für Bauten; außerdem entstanden E.e sehr verschiedenen Inhalts. Der Einfluß Vergils und Martials wird häufig spürbar. Prominenteste christl. E.dichter sind Gregor von Nazianz, Ausonius, Damasus, Prudentius, Luxorius, Venantius Fortunatus. In Deutschland wurde das Genre seit dem 17. Jh. als Sinnspruch und Gelegenheitsgedicht gepflegt und als Waffe im polit, und literar. Kampf gebraucht: Opitz, Logau; Lessing; Schiller, Goethe; das Junge Deutschland; J. R. Becher. Ki Epigraphik [griech. épigraphe, „Auf-, Inschrift*']: „Inschriftenkunde", Spezlaldisziplin der Altertumswissenschaft, die in August Boeckh und Theodor Mommsen ihre herausragenden Vertreter hatte. Gegenstand der griech. und röm. E. sind die zur antiken Welt gehörenden f Inschriften. Aufgabe der Epigraphiker ist die Entzifferung und Deutung der Inschriften, die Ergänzung bruchstückhafter Funde, die Sammlung und Einordnung der Einzelfunde in einen größeren räuml. oder sachl. Zusammenhang und die Nutzung der antiken Inschriften für

LEGX1IXANM LUI ID1TBELLOVAR1ANOOSSA FERR E LICEBIT P CAELIVS^ T. E_

Epigraphik. Lat. Grab, . inschrift für einen 1| l Gefallenen der Varus„,-' schlacht (CIL XIII 8648)

die Erforschung nahezu aller Bereiche des gesellschaftl. und privaten Lebens der Antike. Die Ergebnisse der E. kommen der Geschichts-, Sprach- und Kulturwissenschaft zugute, so wie diese u. a. Disziplinen die E. befruchten. Die intensivere Beschäftigung mit den Inschriften der Antike setzte in der Renaissance ein. Ihre systemat. internationale Sammlung und durch Prüfung am Stein gewonnene textkrit. Veröffentlichung wurde im 19. Jh. durch die Berliner Akademie begonnen und bis zum ersten Weltkrieg zu einem ersten Abschluß gebracht. Die Slg. der griech. Inschriften, zunächst Corpus Inscriptionum Graecarum, dann Inscriptiones Graecae (IG), und die der lat. Inschriften, Corpus Inscriptionum Latinarum (Ç,IL), gehören zu den bedeutsamsten Leistungen der dt. Altertumswissenschaft. Gr Epiktetos, dt. Epiktet, geb. um 50 in Hierapolis, gest. um 130 in Nikopolis, griech. Philosoph ; lebte zuerst als Sklave,

später als Freigelassener in Rom; wurde 89 von Domitianus mit allen Philosophen aus Rom ausgewiesen. - E. war einer der bedeutendsten Vertreter der späten stoischen Philosophie. Er reduzierte Philosophie fast ausschließlich auf Ethik. E. hielt den bloßen Glauben an eine von der göttl. Vernunft zweckmäßig eingerichtete Welt zur Begründung sittl. Handelns für ausreichend. Aufgabe des Menschen sei es, seinen Willen so zu gebrauchen, daß eine völlige Einordnung in den Weltlauf erreicht wird. Glückseligkeit ist die Freiheit von allen Begierden. E. lehnte den Staat und die Ehe ab und propagierte die absolute Gleichheit aller Menschen. Im Grunde forderte er aber die Anerkennung der bestehenden gesellschaftl. Ordnung. E.' Schüler Arrianos überlieferte die Lehre E.s in den „Unterredungen". Ein Auszug daraus, das sog. „Handbüchlein der Moral" (Encheiridion), erlangte als Trostbuch in der Spätantike eine sehr große Verbreitung. Kl T: H. Schenkt, BT 1916. Ü: W. Capelle, BA W 1948. Epikuros, dt. Epikur, geb. 342/41 v. u. Z. auf Samos, gest. 271/70 Athen, griech. Philosoph, Schüler des Demokritanhängers Nausiphanes, Fortsetzer der leukipp.-demokrit. Atomistik, begründete 310 in Mytilene auf Lesbos eine Philosophenschule, die er 306 nach Athen verlegte, wo sie „der Garten" (griech. Kepos) genannt wurde, und der er bis zu seinem Tode vorstand. Von E. sind drei Lehrbriefe und die Kyriai doxai („Hauptlehrsätze") im 10. Buch des Diogenes Laertios sowie Reste des Hauptwerkes „Über die Natur" (auf Papyrus), daneben zahlreiche Fragmente aus anderen Werken erhalten. E.' Lehre gliedert sich in Kanonik, Physik und Ethik. Die Kanonik (Logik) trägt diesen Namen, weil sie den Maßstab dafür gibt, was wahr und falsch, zu erstreben und zu vermeiden ist. Die Sinneswahrnehmungen sind ihm sämtlich wahr, ob aber die daraus abgeleiteten Meinungen wahr sind, entscheidet auf theoret. Gebiet die Wahrnehmung, auf praktischem das Gefühl der Lust bzw. Unlust. Auch E.* Naturlehre (Physik), die sich an die Demokrits anlehnt, ist auf die Gestaltung des prakt. Lebens gerichtet. Sie soll den Menschen von Aberglauben, Religion und Todesfurcht befreien. Daraus erklärt sich auch die Veränderung seiner Atomtheorie gegenüber der seiner Vorgänger durch die Lehre von der Deklination der Atome (d. h. ihrer willkürl. Abweichung vom senkrechten Fall). Diese Annahme ist nach E. nicht nur erforderlich, um das zur Weltbildung notwendige Aufeinanderprallen der Atome während ihres Falles im leeren Raum zu erklären, sondern auch um der dem menschl. Individuum eigenen Willensfreiheit eine naturphilosoph. Begründung zu geben (Ethik); auch die Seelenatome besitzen diese indeterminist. Freiheit, und von ihnen hängt unser Handeln ab, das keinem Zwang unterworfen ist. Das Ziel des menschl. Lebens ist die Lust, gemeint ist jedoch nicht so sehr sinnl. Lust als vielmehr die Beseitigung des körperl. Schmerzes, der Ruhelosigkeit der Seele, der Todesangst und der Fesseln des Zwangs. Erstrebt werden Ruhe, Ausgeglichenheit, Seelenfrieden, die „Meeresstille" des Gemüts, also viel höher zu bewertende geistige Lust. Das Leben im Verborgenen (E/ Wahlspruch: Lathe biosas = Lebe verborgen), im engen Freundeskreis, die Nichtbeteiligung am staatl. Leben sind Konsequenzen dieser Lehre und zugleich Widerspiegelungen der Zeit, deren polit. Unsicherheit Staaten und Individuen gefährdete. E.' Ethik ist deshalb individualistisch und kontemplativ. Um der geistig-seel. Lust willen soll man auch tugendhaft sein; um tugendhaft zu sein, muß man wiederum weise sein. Den übl. Gottesglauben lehnte E. ab; die Götter selbst sind glückl. Wesen, die in den Intermundien („Zwischenwelten") leben und sich nicht um

Epikureer den Weltenlauf kümmern. E. war ein außerordentlich fruchtbarer Schriftsteller, sein Leben verlief im Einklang mit seinen Lehren. Von seinen zahlreichen Freunden und Schülern, mit denen er ohne äußeren Reichtum zusammenlebte, und von späteren Verehrern wurde er hoch geachtet. In seiner Schule nahmen auch Frauen und Sklaven am Unterricht teil. Der Einfluß E.' auf die, Römer zeigt sich bei Horaz und bes. in Lukrez' Lehrgedicht. E.' Lehre und Person waren in den folgenden Jahrhundertenaber auch schon bei seinen Zeitgenossen - zahllosen Verleumdungen ausgesetzt. Erst am Beginn der Neuzeit, insbes. durch die Arbeiten Gassendis (1582 bis 1655), ist begonnen worden, das richtige Bild E.' zu gewinnen. Über den Unterschied zwischen E.' und Demokrits Naturphilosophie promovierte 1841 K. Marx. Gu TU: Gesamtwerk von G. Arrighetti, Turin 1960. H. Usener, 1887. Ü: Auswahl O. Gigon, 1949. J. Mewaldt, 1956; Briefe, Lehrsätze und Frg in: Griech. Atomisten, R 1973, S. 231-377. Epikureer: Schüler und Nachfolger Epikurs und Vertreter seiner Lehre; im engeren Sinne die Angehörigen der von Epikur begründeten Philosophenschule in Athen, in der seine Lehre fast wie ein Dogma bewahrt wurde. Das letzte feststellbare Schuloberhaupt der E. in Athen war Patronos, der nachweislich bis nach 51 v.u.Z. dort lehrte. Aber noch Kaiser Marcus Aurelius stellte für die Schule besoldete Lehrer ein. Epikurs Lehre von der Freundschaft war für seine Anhänger die wichtigste Grundlage. Ihr Freundesbund war eine Art Ersatz für die sterbende Polis. Die materialist. Ethik der E. war individualistisch und der Gesellschaft gegenüber neutral. Die E. zeichneten sich durch heitere und edle Lebenshaltung aus. In Rom fand der Epikureismus schon um die Mitte des 2. Jh. v. u. Z. weite Verbreitung. Siron, der Lehrer Vergils, und vor allem Lukrez, hinsichtlich seiner Lebenshaltung auch Horaz, sind markante Vertreter. Im 2. Jh. u. Z. erlebte in Rom der Epikureismus einen erneuten Aufschwung, der sich vor allem aus der Reaktion gegen den zunehmenden Offenbarungsglauben und den Hang zur Mystik erklärt. Erst im 4. Jh. erlosch der antike Epikureismus. Das Wesen des E.s wird häufig vulgarisiert und verfälscht dargestellt. Die Auffassung, das der E. lediglich nach sinnl. Lust und dem eignen materiellen Vorteil strebt, steht im Gegensatz zu der menschenfreundl. Lebensweise Epikurs und der meisten seiner Anhänger. Gu T: W. Nestle, Die Nachsokratiker. I. Epimenjdes aus Kreta, um 500 v. u. Z., Exponent der Katharten [griech., „Sühnepriester"], die durch starke persönl. Wirkung und Verhandlungsgeschick innere Konflikte beilegten. Mit sicherem Blick für prakt. Notwendigkeiten umgab sich E., der auch eine bei Belagerungen nützl. Konserve erfand, mit der ..Wundergeschichte", er habe 57 Jahre in einer Höhle geschlafen und komme nun, um Unheil zu heilen. - Goethe knüpfte daran an in seinem Festspiel „Des E. Erwachen" zur Friedensfeier nach dem Sieg über Napoleon. Wf Epimetheus. lat. Epimetheus [griech., „der hinterher Denkende"], Sohn des lapetos, Bruder des Prometheus. Trotz dessen Warnung, von Zeus irgendein Geschenk anzunehmen, nahm er die auf Zeus' Anordnung erschaffene f Pandora als seine Frau auf und brachte damit alles Unheil über die Welt. Beider Tochter ist Pyrrha, die Frau Deukalions. Be Epinjkion [griech., ,,Siegeslied"]: Preislied auf einen Sieger (urspr. in der Schlacht, dann im sportl. Wettkampf), das bei dessen Rückkehr in der Heimat von einem Chor unter Tanzbewegungen vorgetragen wurde. Der Stoff des E.s ist vielfältig (Mythos, Person und Hek mat des Siegers, Gnomen) und in einer bestimmten Ord-

154 nung kunstvoll verknüpft; die metr. Struktur basiert i. allg. auf der Folge von Strophe, Antistrophe, Epode. Begründer der Gattung war wohl Simonides von Keos; ihre bedeutendsten Vertreter waren Pindar, dessen Epinikien nach den griech. Wettkampfstätten geordnet überliefert sind, und Bakchylides. Ki Epiphanie [griech., „das Erscheinen"]: religionsgeschichtl. Begriff für die im Unterschied zu der nur optisch erfahrbaren Vision zugleich optisch und akustisch, bisweilen auch nur akustisch (z. B. im Delph. Orakel) wahrnehmbare Erscheinung eines Gottes (bzw. eines anderen transzendenten Wesens, z. B. Engel in der jüd.christl. Religion), die sich total (z. B. olymp. Götter bei Homer), partiell (z. B. durch Wunderwirkung) oder auch unter fremder Gestalt (z. B. Zeus als Stier) ereignen kann. Zum Wesen der E., die Bestandteil bestimmter Kulte, aber keineswegs an solche gebunden ist, gehört ein fester (strenggenommen plötzl.) Anfangs- und, zumindest in der griech. und röm. Religion, auch ein fester Schlußtermin (also hier nicht E. als Beginn des eschatolog. Zeitalters) wie auch (im Unterschied zur Offenbarung) die Reaktion des betroffenen Menschen. Du Epiphanios, geb. um 315 Judäa, gest. 403; 376 Bischof von Salamis (Konstantia) auf Zypern. Er war ein eifriger, maßloser, aber auch einfältiger Vertreter der Orthodoxie. Aus seinem Hauptwerk „Panarion" (Haereses; ..Arzneikasten" gegen 80 Häresien, mit Einschluß heidn. Philosophenschulen und jüd. Sekten) sind viele, allerdings sehr kritisch zu prüfende Kenntnisse über frühchristl. Sekten zu gewinnen und sonst verlorene Quellen zu eruieren. E.' Verhältnis zum antiken Kulturgut ist völlig negativ. Philosoph, und theolog. Denken waren ihm verdächtig. Seine Gelehrsamkeit ist oberflächlich, wie z. B. seine Schrift über Maße und Gewichte, die im Alten Testament vorkommen, zeigt. Wi T: Migne PG 41-43; GCS 25, 31, 37, 1915-1933. Ü: BKV 38, 1919. Epirus, griech. Epeiros [„Festland"]: zunächst Bezeichnung der Kerkyräer für das ihnen gegenüberliegende Festland, später für die Landschaft im W von Thessalien jenseits des Pindosgebirges. E. war von illyr. Stämmen bewohnt, in denen die Griechen Barbaren erblickten. Infolge seines feuchten Klimas entwickelte sich E. zu einem Agrarland, dessen polit, und wirtschaftl. Rückständigkeit einer Weiterentwicklung im Wege stand. Erst im 4. Jh. v. u. Z. kam es allmählich zur Herausbildung einer städt. Kultur (Anwachsen von Handel und Gewerbe), zur Hellenisierung der Stämme und zur Begründung eines einheitl. Staatswesens unter dem Stammeskönigtum der Molosser (Pyrrhos). Nach Pyrrhos (seit 234/33) war E. nur ein lockerer Stammesbund, der bis zur röm. Okkupation (167 v. u. Z.) weitgehend unter makedon. Einfluß stand („Symmachie der Epiroten"), er bestand bis 146 v. u. Z. In der röm. Kaiserzeit war E. zunächst Teil der seit 27 v. u. Z. von Makedonien getrennten Provinz Achaia und später selbständige Provinz. Nach der Diokletian. Neuordnung des Röm. Reiches hieß E. als Provinz E. vetus (Hauptstadt Nicopolis) im Gegensatz zu E. nova, dem Südteil Illyriens (Hauptstadt Dyrrhachium). D Epischer Kyklos (Ring): zusammenfassender Begriff für alle frühe griech. Heldendichtung außer den Homer. Epen und Hesiod. Die kykl. Epen schlössen sich thematisch und zeitlich an die Homer. Epen an (mit Ausnahme der Kypria, die die Ereignisse vor dem Ausbruch des Trojan. Krieges behandeln): „Aithiopis" (die letzten Taten Achilleus' nach dem Ende der Ilias) und „Iliupersis" (liions Zerstörung) wurden Arktinos von Milet zugeschrieben; ..Kleine Ilias" (Ereignisse nach Hektors

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Tod), „Nostoi" (Geschichte der heimkehrenden Helden), „Telegonia" (schloß an die Odyssee an). Auch Epen aus dem theban. Sagenkreis u. a. zählten zum E. K., so „Oidipodeia", „Thebais", „Epigonen". Von den Werken des E. K. sind nur Fragmente und Inhaltsangaben erhalten; als mutmaßl. Verfasser werden-verschiedene Namen genannt; Entstehungszeit ist die nachhomer. Zeit. Der dichter. Wert der Epen steht weit unter dem der Homer. Epen. Be T: Th. W. Allen, Homer i opéra 5, BÖ Z1946. Epistel [griech., „das Zugesandte"]: Brief. Als E.n werden namentlich die im neutestamentl. Kanon enthaltenen 21 Briefe bezeichnet, wovon 13 dem Apostel Paulus und die restl. teils mutmaßl., teils unbekannten Autoren zugeschrieben werden. Ki Epistel [griech.]: untere (Steinbalken-) Lage der Gebälkordnungen, die den unmittelbaren Übergang vom stützenden zum tragenden Element des Baus veranschaulicht, eigtl. „das auf den Säulen" Liegende. Sl Epitaph [griech., „Grabinschrift"], Epitâphios Iggos: ..Grabrede", die bei der in Athen in jedem Kriegsjahr übl. feierl. Beisetzung der Gefallenen von einem dazu ausersehenen prominenten Bürger öffentlich gehalten wurde. Sie ist nach einem traditionellen Schema gegliedert: in der Einleitung betont der Redner die Schwierigkeit seiner Aufgabe; der Hauptteil behandelt Erziehung und Leben der Gefallenen in der Polis und preist die Toten und ihre Taten; der Schlußteil enthält die Aufforderung an die Lebenden, ihnen nachzueifern, sowie den Trost für die Hinterbliebenen. Zugleich rühmt die Rede die Stadt Athen und deren Verfassung. Von den wenigen erhaltenen sind die bedeutendsten Leichenreden die des Perikles bei Thukydides, des Sokrates in Platons „Menexenos" und des Hypereides für die im Lam. Kriege Gefallenen. Ki Epitome [griech., „Ausschnitt'*]: durch Verkürzung von größeren Werken meist prosaischer Literatur entstandene, seit dem 4. Jh. v. u. Z. nachweisbare Literaturform. Zum Zwecke schneller Orientierung sind bes. geschichtsund fachwissenschaftl. Werke weitgehend unverändert exzerpiert worden. FP Epizykeltheorie [griech., ,,Aufkreis"]: von Apollonios von Perge entwickelte und von Ptolemaios vollendete Theorie, welche die vom geozentr. Standpunkt aus erscheinenden Schleifenbahnen der Planeten durch Kombination zweier Kreisbewegungen darstellt. Der Grundkreis ist ein Défèrent (Trägerkreis. Abb. 1), auf dessen Peripherie der Mittelpunkt K eines kleineren Kreises, des Epizykels. umläuft, der den Planeten S trägt. Bewegt sich der Radiusvektor KS nun mil solcher Winkelgeschwindigkeit, daß er stets parallel zur Apsidenlinie PA verläuft (K und S laufen gleichzeitig um), dann beschreibt S einen Exzenter, dessen Exzentrizität dem Radius des Epizykels gleich ist. Wenn S = Sonne, dann liegt die Erde E um EM vom Mittelpunkt entfernt. So hat Hipparchos die unterschiedl. Länge der Jahreszeiten erklärt, da

Epizykeltheorie

Epos die gleichförmige Bewegung von S auf dem Exzenter von E aus gesehen ungleichförmig erscheint, d. h. schneller im Perigäum P, langsamer im Apogäum A. Für die Darstellung der schleifenförmigen Planetenbahnen hat Ptolemaios dieses Modell verfeinert. Er ging von einem Deferenten mit schon exzentrisch gelegener Erde aus (Exzenter in Abb. l ist Défèrent in Abb. 2). Läuft nun S (= Planet) öfter um als K, erscheinen die Schleifenbahnen. Der Umlauf von S ist, wenn S die äußeren Planeten Saturn, lupiter, Mars darstellt, das ins geozentr. System projizierte Abbild der heliozentr. Erdbahn, die Bewegung von K hingegen die eigentl. des Planeten. Bei Venus und Merkur ist es umgekehrt. Durch Ermittlung von EM und PA, von Epizykelradius, Umlaufzeiten. Neigung des Epizykels gegen den Deferenten und des Deferenten gegen die Ekliptik u. a. gelang es Ptolemaios, die Bewegungen der Planeten (außer Merkur) mit fast derselben Genauigkeit rechnerisch zu erfassen, wie das durch die Keplersche Ellipse geschieht. Dieser Genauigkeit hatte Ptolemaios nun aber das Platon. Postulat nach gleichförmiger Bewegung geopfert, denn die Geschwindigkeit von K war sowohl von E als auch von M aus gesehen ungleichförmig. Als Konzession schuf er einen zusätzl. Kreis, von dessen Mittelpunkt F (punctum aequans) aus betrachtet die in gleichen Zeiten durchlaufenen ungleichen Kreisbögen AK und PK1 sich unter gleichen Winkeln zeigten. Somit lief B auf dem Aequans gleichförmig um. Das Modell zeigt eine erhebl. Nähe zur Geometrie ellipt. Bahnbewegung, da ja auch die tatsächl. Bahnen - vom schwer zu beobachtenden Merkur und damals unbekannten Pluto abgesehen - einem Kreis nahekommen. So steht nach dem 1. Keplerschen Gesetz die Sonne in einem Brennpunkt der Ellipse (in der geozentr. Abb. 2 also E); und nach dem 2. Gesetz beschreibt der Radiusvektor Sonne-Planet (also EK) in gleichen Zeiten gleiche Flächen. Tatsächl. ist auch in Abb. 2 der Sektor PEK' ^ Sektor AEK. Das Punctum aequans F entspricht also etwa dem 2. Brennpunkt der Keplerschen Ellipsenbahn. J Epode [griech. epodos (stichos), „dazuklingender (Vers)", „Nachgesang"]: ein auf einen einzelnen oder auf mehrere gleiche Verse folgender kürzerer Vers, der im Rhythmus vom vorausgehenden verschieden sein kann (meist folgt auf einen jamb. Trimeter eine jamb. oder daktyl. Einheit) - der Pentameter des eleg. Distichons gilt nicht als E. -; danach Bezeichnung für ein Gedicht aus derartigen Verspaaren. Die ältesten E.n stammen von Archilochos; Horaz führte sie in die röm. Dichtung ein. Im griech. Chorlied folgt die E. auf Strophe und Antistrophe (Gegenstrophe) als dritter, im rhythm. Bau abweichender Teil (Abgesang); im Drama erscheint sie nach einem oder mehreren Strophenpaaren oft nur am Ende des Chorliedes. Ki Eponymos [griech., „den Namen gebend"]: Gott, Heros oder Person, die einer Stadt, einer Gemeinschaft oder einem Jahr den Namen gab, z. B. die zehn Heroen, nach denen die att. Phylen, der Archen E., nach dem in Athen, der Konsul, nach dem in Rom das Jahr (mangels einer einheitl. Jahreszählung) benannt wurden. Be Epos [griech., „Wort, Vers"]. Der antike Gattungsbegriff E. beinhaltete eine längere, breit erzählende, fast immer in Hexametern verfaßte Dichtung. Älteste Vorform ist das vom Aöden am Fürstenhofe vorgetragene Preislied auf einen myth. Helden; seine Merkmale sind metr. Form, stereotype Elemente (Formeln), mündl. Tradierung sowie freie Variation des übernommenen Stoffes und musikal. Begleitung des Vertrags. Die ältesten überlieferten griech. Epen sind Homers „Ilias" und ..Odyssee". Entstanden an der Westküste Kleinasiens, wo unter den

Epyllion ion. Kolonisten die Erinnerung an den Mythenschatz ihrer griech. Heimat bes. lebendig geblieben sein wird, bieten sie Heldendichtung von hohem künstler. Rang. Für den unterhaltenden Vortrag des Rhapsoden vor einem adligen Publikum bestimmt, spiegelt die Ilias weitestgehend dessen Milieu und eth. Wertvorstellungen wider, während die Odyssee daneben viele volkstüm. Züge enthält. Der Dichter selbst bleibt jeweils unerwähnt. Homers Sprache und Verstechnik blieben für das griech. E. jahrhundertelang verbindlich. Im wesentl. Gegensatz zu den Homer, stehen die Epen Hesiods: durch die themat. Hinwendung zum Göttermythos („Théogonie") bzw. zum Dasein des Bauern („Werke und Tage"), durch ihre didakt. Zielstellung und durch das persönl. Hervortreten des Dichters. Von Homers und Hesiods Werk gingen zwei verschiedenartige Traditionslinien ep. Poesie aus. In Homers Tradition stehen im 7. und 6. Jh. v. u. Z. zunächst der sog. Ep. Kyklos, eine Reihe (nur fragmentarisch bekannter) Epen über Stoffe aus dem trojan. und theban. Sagenkreis, ferner die sog. Homer. Götterhymnen, kürzere Darstellungen myth. Stoffe zu Kultzwecken; zwei wohl im 6. und 5. Jh. v . u . Z . von unbekannten Dichtern verfaßte Parodien auf die Heldenepik, der „Margites" und die „Batrachomyomachia" (Froschmäusekrieg); außerdem aus dem 7. bis 4. Jh. v. u. Z. eine umfangreiche Zahl ep. Werke, die myth. und zeitgeschichtl. Stoffe behandelten (Peisandros, Panyassis, Choirilos von Samos, Antimachos von Kolophon) und nur fragmentarisch überliefert sind. An Hesiod knüpfte dagegen namentlich die philosoph. Lehrdichtung des 6./5. Jh. an: Parmenides, Empedokles. Im Hellenismus und in der Kaiserzeit ist das Epos teils Lehrdichtung hesiodeischer Provenienz (Aratos, Nikandros u. a.), teils behandelt es myth. und histor. Stoffe (Apollonios von Rhodos; Quintus von Smyrna, Musaios, Nonnos). Eine Tiefstufe ep. Poesie ist Lykophrons „Alexandra", eine Rätseldichtung voll gesuchter Wörter und Anspielungen auf entlegene Sagen. Ein letzter bedeutender Sproß griech. Epik ist das byz. National-E. von Digenis Akritas. Das röm. E. entwickelte sich in den von den Griechen geschaffenen Formen als histor.. mytholog. und didakt. E. Am Anfang steht die Odyssee-Übersetzung des Livius Andronicus. Die ersten eigenständigen Werke behandelten histor. Stoffe: Naevius' „Bellum Punicum" (Pun. Krieg; nach dem Vorbild des Livius Andronicus im nationalen saturn. Versmaß gedichtet); die „Annales" des Ennius (Darstellung der Geschichte Roms, verfaßt im hexametr. Maß, das seitdem allmählich auch für die röm. Epik verbindlich wurde). Ennius folgten mit der Behandlung histor. Stoffe Accius, Furius, Hostius. Zugleich mit dem histor. war eine Reihe didakt. Epen vielfältigen Inhalts entstanden. Sie alle überragt hinsichtlich des Gehaltes und künstler. Ranges das nach dem künstler. Vorbild des Empedokles geschaffene philosoph. Lehrgedicht des Lukrez „De rerum natura" (Von der Natur der Dinge) sowie Vergils Lehr-E. „Georgica". Den Gipfel röm. Epik bildet Vergils „Aeneis", die homer. Tradition verpflichtet ist und zum National-E. der Römer wurde. Vergils poet. Technik blieb für die Epiker der Folgezeit vorbildlich. Eine reiche ep. Produktion entstand in der Kaiserzeit. Ihre Themen entstammten der Historié (Lucanus, Silius Italicus) oder der Mythologie (Valerius Flaccus, Statius); nicht selten begegnen panegyr. Züge (Apollinaris Sidonius). Im christl. E. werden vornehml. bibl. Stoffe behandelt (Alcimus Avitus). Die ep. Dichtung des Mittelalters und der Neuzeit ist inhaltl. wie formal stark von der antiken geprägt. Dantes „Göttl. Komödie" gründet sich auf das 6. Buch der „Aeneis", Vergil-Imitation zeigen das mittel-

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lat. Waltharilied und z. T. auch das mhd. Nibelungenlied. Stärkerer homer. Einfluß wird z. B. bei Milton, Voss und Goethe („Achilleis", ..Hermann und Dorothea") spürbar. Ki Epyllion [griech., „kleines Epos"]: kürzere Erzählung in Hexametern. Bedeutung erlangte das E. durch Kallimachos, der die Pflege umfangreicher Poesie zugunsten der kleineren literar. Form verwarf. Das E. bevorzugt myth. Stoff und das Liebesmotiv; künstler. Vollendung bis ins Detail wird erstrebt. Das Genre fand im Hellenismus weite Verbreitung, wobei die „Hekale" des Kallimachos als Muster galt. In Rom pflegten das E. die Neoteriker und ihnen nahestehende Dichter sowie C. Gallus; Partien bei Vergil und vor allem in Ovids Metamorphosen tragen Epylliencharakter. Ki Equités [lat., „Reiter"]: Angehörige des Standes der röm. f Ritter. Wa Erasjstratos von Keos, um 300-240 v. u. Z., griech. Arzt in Alexandreia, wo er umfangreiche anatom. und physiolog. Studien betrieb. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Gehirn, den Nerven, dem Herzen und den Blutgefäßen. Für die gesunden und krankhaften Vorgänge im menschl. Organismus gab er eine physikal.-mechanist. Erklärung, die auf einer Kombination der Pneumalehre der westgriech. Heilkunde mit der Atomlehre des Demokrit und den physikal. Theorien des Peripatetikers Straton beruhte. Ko Erasmus von Rotterdam, Desiderius, 1466(69) bis 1536, Hauptgestalt des europ. Humanismus, früher Vertreter einer Humanist.-bürgerl. Intelligenz; lebte in verschiedenen Ländern Europas, zuletzt in Basel und Freiburg i. Br. E. besaß eine universale klass. Bildung („Adagia", Spruch-Slg. griech. und lat. Autoren). Sein Ziel war eine Verknüpfung von antiken eth. Werten mit christl. Glauben (christl. Humanismus). Als Bildungsaristokrat und Ästhet erstrebte er ein ethisch vertieftes, tolerantes Christentum ohne Glaubenskampf und Bruch mit der Kirche und blieb damit der Reformation fern (Streit mit Luther, „De libero arbitrio" [Vom freien Willen]), der er durch sein antischolast. Bildungsstreben und seine Kritik an der klerikalen Ordnung den Weg bereiten half. E. hat in zahlreichen lat. Schriften weitwirkende Anregungen gegeben und die Rezeption antiker Literatur gefördert (krit. Ausgaben vieler antiker Autoren und Kirchenväter sowie des Neuen Testaments, Kommentart} u. a.). Seine feinsinnige Satire „Encomion moriae" (Lob der Torheit) gehört der Weltliteratur an. Die vielfältigen Beziehungen des E. zu fast allen bedeutenden Zeitgenossen spiegeln sich in etwa 3000 lat. Briefen. Im Griechischen verwarf er die von Reuchlin (f Itazismus) verteidigte neugriech. Aussprache (Etazismus). Tr T: J. Clericus, Opera omnia, 10 Bde., Leiden 1703/06 (Hildesheim 21961 /62); neue Gesamtausgabe unter internationaler Beteiligung seit 1969 in Amsterdam im Erscheinen. Briefe: T: P. S. Allen, ORUS Epistolarum, 12 Bde., Oxford 1906-1958. Ü (Auswahl): W. Köhler, Bremen 31956.

Erato, lat. Erato, eine der neun f Musen. Be Eratosthenes, lat. Eratosthenes, von Kyrene, um 282 bis um 202 v. u. Z., vielseitiger griech. Gelehrter, Schüler u. a. des Kallimachos; seit 246 Direktor der Bibliothek von Alexandreia. E. arbeitete auf den Gebieten der Philologie, Grammatik, Literaturgeschichte, Mathematik, Chronologie, Astronomie, vor allem aber der Geographie. E. begründete die mathemat. Geographie (Erdkugelvermessung, Erdumfang = 252000 Stadien, theoret. Begründung der Erdumseglung, Einteilung der Erdoberfläche in Vierecke für seine Erdkarte), sprach Homer die Autorität in geograph. Dingen ab und stützte sich demgegenüber auf Anaximandros, Hekataios und

157 die Begleiter des Zuges Alexanders d. Gr. Aus Strabons Werk sind seine „Geographika" zu erschließen. - Als Mathematiker soll E. die Gleichung a : x = x : y = y : b durch Einschiebung gelöst sowie eine Methode zur Aussonderung der Primzahlen aus der Folge der natürl. Zahlen gefunden haben (Sieb des E.). - Von E.' Gedichten über Sternbilder und Sternsagen („Katasterismos") sowie Epyllien („Hermes", „Anterinys", „Erigone") sind wie von seinen anderen Werken nur Fragmente erhalten. Da E. bei seiner Vielseitigkeit nicht immer ganz gründlich gewesen sein konnte, erhielt er den Spitznamen „Beta", d. h. Nr. 2. D Γ: J. U, Powell, Collectanea Alexandrina, Oxford 1925, S. 58-68. Ü: A. Berger, Die geograph. Frg des E., Leipzig 1880, Neudruck 1964.

Erbrecht. In Griechenland war im E. nur Antrittserwerb und Erwerb durch amtl. Einweisung bekannt. Nach att. Recht traten die leibl. oder adoptierten Söhne das Erbe ohne besonderes Verfahren an, andere Erben dagegen erst nach Entscheidung und Aufforderung des zuständigen Archon. Ausschluß vom E. war allein bei erbl. Atimie oder erbl. Verbannung möglich. Bei der Erbschaft waren die direkten Nachkommen des Erblassers bevorzugt, Söhne erbten zu gleichen Teilen. Die Ehefrau erbte neben den Söhnen nur auf Grund eines Testaments. Eine Mitgift wurde auf das Erbe als Abfindung angerechnet. Durch die in ganz Griechenland bekannte Institution der f „Erbtochter" sollte das Aussterben eines Hauses ohne männl. Nachkommen verhindert werden. Der kinderlose Erblasser bestimmte über seine Hinterlassenschaft durch Testament. Der Erbe übernahm die ideelle Verpflichtung der Bestattung und Totenverehrung und haftete materiell für die Schulden des Erblassers. Ein Verzicht auf die Erbschaft war nur fernstehenden Verwandten möglich. - Die urspr. Form der Erbfolge in der röm. Familie, die nach dem Tod des Pater familias als alleinigen Eigentümers eintrat, war die Intestaterbfolge, d. h., alle Familienmitglieder wurden gleichberechtigte Erben. Frühzeitig machten sich aber die Nachteile durch Zersplitterung des Besitzes geltend, so daß man einen Alleinerben erstrebte. Erste Jurist. Formen, um diesen Zweck zu erreichen, waren die Emancipatio, die Überlassung von Kindern einer anderen Familie zur Adoption, und die Manus-Ehe der Töchter. In der 2. Hälfte des 4. Jh. v. u. Z. kam das Erbeinsetzungs-Testament dazu, das die E.e eines Einzelerben sicherte. Diese testamentar. Erbfolge spielte gegenüber der Intestaterbfolge, die immer bestehenblieb, eine wachsende Rolle. Mü Erbtochter: gemeingriech. Rechtseinrichtung zur Erhaltung des väterl. Hauses. In Athen wurde die einzige bruderlose Tochter, die durch den Vater nicht mit einem Adoptivsohn verheiratet war, gesetzlich zur E. (griech. epikleros), auf deren Hand der nächste erbberechtigte Verwandte Anspruch besaß. Mü Erdbeben. Schon die ion. Naturphilosophen suchten Erklärungen für E. und entwickelten als bedeutendste Theorie die vulkanistische: Feuer im Erdinneren erzeugt gespannte Dämpfe. Andere Auffassungen der Vorsokratiker führten E. auf Austrocknung und Zusammensturz unterird. Hohlräume zurück und kamen damit der Erklärung tekton. Beben nahe. Man unterschied bereits Seebeben, Einsturzbeben und Stoßbeben mit vertikaler oder horizontaler Stoßrichtung. Kulturhistorisch wertete vor allem Poseidonios E. aus, der küstenfernen Poseidonkult als Zeugnis für E.gefahr ansah und die Spezifik erdbebenanfälliger Landschaften zu erfassen suchte. Von der umfangreichen antiken Literatur über E. ist nur Seneca „De terrae motu" (Über Erdbewegungen) er-

Erdöl halten. - Dem Volksglauben galt ein E. stets als „Götterzorn", sogar noch Joseph dem Hymnographen in seiner Dichtung „Schrecken des Erdbebens" (um 860). Wf Erdkarten f Kartographie. Erdmannsdorff, Friedrich Wilhelm Freiherr von, 1736 bis 1800, Architekt, Bahnbrecher des dt. Klassizismus. Urspr. Philologe, wurde er seit 1763 durch Reisen (u. a. in Italien und England) zum Studium der Architektur angeregt. In Rom verkehrte er mit Winckelmann (1765), Kauffmann und Canova. Als Kenner Vitruvs und Pompejis erstrebte E. die klaren Proportionen röm. Architektur, im tektonisch konzipierten Innenraum bevorzugte er eine füllige, aus Elementen antiker Flächenkunst sorgsam komponierte Dekoration. Mit dem Wörlitzer Schloß (1769-73) schuf er den ersten rein klassizist. Bau Deutschlands. In Dessau gestaltete er u. a. die Schlösser Georgium und Luisium, auch Wohnhäuser und Schulen, im Berliner Schloß sieben „Königskammern". He Erdnabel: eine der Deutungen des f Omphalos, eines Kultmals der Erdgöttin, an dem offenbar Opfer dargebracht wurden. Sl Erdöl. Im Altertum blieb die Verwendung des E.s auf halbschwere und schwere Arten beschränkt; leichte Öle wurden kaum genutzt. Ihre Gewinnung war höchst selten möglich, da die Destillation nur begrenzt möglich war. Aus der Begriffsskala der Quellen lassen sich akkad. nepht, napht; griech. naphta; lat. bitumen liquidum für Petroleum nachweisen. Für Asphalt werden u. a. akkad. iddu, ittu, amaru; hebr. zephet, hamar; griech. maltha, asphaltes; lat. bitumen, lapis bituminis, maltha verwendet. Die Texte zeigen, daß die Gewinnund Verwendungsmöglichkeiten vorwiegend auf den altoriental. Raum beschränkt blieben. In der griech.röm. Antike erzeugte man zunehmend Pech und Teer aus Holz. Nur in den östl. Provinzen erhielt sich die Kenntnis und Verarbeitung von E.derivaten. Als Fundorte werden genannt: Totes Meer, Nordostiran. Mesopotamien, besonders das Südufer des Euphrat, Assyrien nahe des Tigrisufers, Südküste des Schwarzen Meeres, Kilikien, Äthiopien, Indusgebiet, wogegen die Vorkommen bei Karthago, Zakynthos, Akragas, Epidamnos, sowie in Makedonien, Thrakien und Illyrien eine geringere Rolle spielten. Als Beleuchtungsmittel wurde E. als Ersatz für Olivenöl in Babylon und als „sizil. Öl" in Lampen verbrannt, daneben wurde es sporadisch für Zentralheizungen und Heißwasserversorgung in Thermen genutzt. Auch im Straßenbau fanden Asphalt und Bitumen Verwendung (Babylon, Assur, Pompeji), ebenso bei der Anlage großer Wasserbassins, etwa zur Sicherung des Wasservorrats in Ur, Babylon, Assur, Nippur und im Industal. Bekannt ist die große Kloake, die Nebukadnez^r II. in Babylon bauen ließ. Auch hier wurde Asphalt für die Isolierung der Kanäle verwendet, ebenfalls für die Abdichtung von Badeanlagen in Häusern, die Bestreichung von Wänden und flachen Dächern oder für die Abdichtung von Schiffen. In der Kriegstechnik wurde E. auch benutzt. In der Schlacht bei Plataiai, auch bei der Belagerung von Delion, ist die Verwendung von Asphalt-Bitumen bezeugt. In der Landwirtschaft war das Bestreichen der Bäume mit Erdpech allgemein bekannt. Ebenso verwendete man es mit Wachszusatz für Bienenwaben, mit Schwefelbeigabe zum Räuchern bei der Schädlingsbekämpfung. Zählreich waren schließlich die Anwendungen innerhalb der Heilkunde. Auch in der Magie nahmen E.produkte einen wichtigen Platz ein, so bei der Mumifizierung in Ägypten oder bei den „ewigen Feuern" in Vorderasien. Weite E.transporte über See sind nicht selten. Bekannt

Erdumseglung sind einige Inschriften, die Vorschriften für den Transport von E. in Schiffen enthalten. Selbst krieger. Auseinandersetzungen um reiche E.- und Bitumen gebiete sind belegt, z. B. um die Bitumenfischerei am Toten Meer. HF Erdumseglung. Nachdem bereits Pythagoreer, Eleaten und Aristoteles die Kugelgestalt der Erde geahnt bzw. erkannt hatten, bewies Eratosthenes die theoret. Möglichkeit der E. Auf Grund dieser theoret. Erkenntnisse und bes. des geograph. Werkes des Ptolemaios hat Kolumbus den westl. Seeweg nach Indien zu finden versucht und Magalhäes die erste E. durchgeführt. D Erebos, lat. Erebus: das aus dem Chaos geborene Dunkel der Erdentiefe, oft in der Bedeutung von Unterwelt gebraucht. E. und Nyx (Nacht) gebaren Aither (Himmel) und Hemera (Tag). Be Erechthcion [griech., abgeleitet von Erechtheus]: ion. Tempel, errichtet 421-15 und 409-06 v. u. Z. als letzter klass. Bau der Akropolis, der mehrere alte Kultmale sowie das Athenabild aufnahm. Seine zierl. Eleganz hat den Klassizismus beeinflußt. - Taf. 14. He Erechtheus, lat. Ergchtheus, myth. erdentsprossener König von Athen, der teils mit Erichthonios gleichgesetzt wurde, teils als dessen Sohn oder Enkel galt. Athena übergab den kleinen E. den Kekropstöchtern zur Pflege (f Aglauros). Als König führte E. den Kult der Athena in Athen ein. In einem Krieg gegen die Eleusinier opferte er auf Grund eines delph. Orakels eine seiner Töchter. Be Erfinder. Die Griechen brachten dem E. hohe Achtung entgegen, ihre Kulturtheoretiker deduzierten den Fortschritt aus der nicht abreißenden Kette von E.n. Dazu zählten sie auch alle Neuerer, mochten diese nun neue Gesetze, neue literar. oder künstler. Formen oder auch techn. Verfahren eingeführt haben. Freilich wurden infolge mangelhafter Überlieferung wichtige Kulturleistungen oder auch techn. Utopien (Flugmaschinen) willkürlich Göttern oder Helden zugeschrieben. Doch gab es auch echte E.kataloge, die z. T. von den Römern kommentiert wurden, die sogar inschriftlich selbst unbedeutende Neuerungen als persönl. Leistungen überlieferten. Der Ingenieurkatalog, die Laterculi Alexandrini, gehört zu der seit dem 4. Jh. v. u. Z. entstandenen Literatur, die den E. als den schlechthin Weisen und als den eigtl. Kulturschöpfer herausstellte unter Einbeziehung der Kulturleistungen fremder Völker. Die Einzelüberlieferungen aus der Antike haben Humanisten zur Demonstration menschl. Leistungsfähigkeit zusammengestellt, am genauesten Vergilius Polydorus (1470-1555), der deshalb als Leugner der Schöpfungsgeschichte verfolgt wurde. Wf TU: Laterculi Alexandrini, Abh. d. BerL Ak. d. Wiss. phil. hist. 1904. T: V. Polydorus; De rerum inventoribus, 1499 (dann sehr oft).

Ergasterion [griech., „Arbeitsstätte"]: Werkstatt, die ohne nennenswert mechanisiert oder technisiert zu sein, auf Bestellung oder Vorrat produzierte. Seit der 2. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z. trat als E. der manufakturmäßig organisierte Betrieb hervor; er erreichte mit Hilfe von Sklaven (auch Freigelassenen und freien Lohnarbeitern) bei etwas stärkerer Arbeitsteilung (Spezialisierung) und größerer Arbeiterzahl (bis 50 Sklaven in der handwerkl. Produktion, bis 1000 im Bergwesen) höhere Produktionsziffern. Der Unternehmer führte den Betrieb oft nicht auf eigene Rechnung, sondern stellte gegen eine Abgabe nur Räume, Geräte, mitunter auch Rohfhaterial und ließ im übrigen den Arbeiter (Sklaven) selbst wirtschaften. Das E. ist in allen Gewerbezweigen (für Möbel, Textilien, Keramik,

158 Metallwaren) anzutreffen; .in der röm. Landwirtschaft erscheint auf den Latifundien für unzuverlässige Sklaven das Ergastulum, halb unterirdisch angelegt, in dem die z. T. gefesselten Sklaven untergebracht waren und arbeiten mußten. Augustus schritt gegen unrechtmäßige Gefangenhaltung Freier im Ergastulum ein, Hadrian hob die Einrichtung ganz auf, doch hielt man sich später nicht an diese Erlasse. Wf Ergologie: der Sachkulturforschung dienende ethnograph.-histor. Teildisziplin. Im Bereich der Antike erfaßt die E. den aus älteren Kulturen übernommenen sowie den neu entwickelten Bestand an Arbeitsgeräten und Arbeitsverfahren. Sie beschäftigt sich ebenfalls anhand von Wirkspuren von Geräten (z. B. in Steinbrüchen), Beschreibungen (Größenangaben) und Abbildungen (Vasenmalerei, Münzbilder, Reliefs) mit Rückschlüssen auf verlorene Arbeitsgeräte oder nicht überlieferte Arbeitsverfahren. Sie sucht das produktive Arbeitsschaffen (auch das der Sklaven) zu interpretieren und konzentriert sich dazu auf Forschungen, die über eine bloße Gerätetypologie hinausgehen und den Produktionsablauf ermitteln, wie er z. B. an einer Folge von Einzelszenen (Werkstattbilder) ablesbar wird oder aus dem physikalisch, chemisch, thermisch bzw. mechanisch bedingten Zwangsablauf der techn. Verfahren eindeutig rekonstruierbar ist. Die E. umfaßt die moderne Forschung zur antiken Werkstoffkunde sowie antike Überlieferungen. Sie untersucht auch die Spezifik der antiken Arbeitsorganisation, z. B. bei Erzielung großer Kraftleistung durch eine Summe gleichzeitiger Sklavenarbeit mit Hilfe von Signalen und durch Anwendung rhythm. Arbeitstakte. Die E., die in Ansätzen bereits in der spätantiken Lexikographie der Fachausdrücke vorliegt und dann erneut durch die Frühhumanisten entwickelt wurde, ist bemüht, begründete Vorstellungen zu allen Sachbezeichnungen und Materialangaben zu erreichen. Dabei ergeben sich auch Aussagen über Güte, Zweckmäßigkeit und Differenzierung der antiken Geräte und Arbeitsverfahren. Sie will nicht nur terminolog. Gleichsetzungen zwischen Gerät und Gerätebezeichnung herstellen, sondern vor allem das Gerät in seiner Funktion im Produktionsablauf charakterisieren und die dazu nötige manuelle und geistige Leistung des allein oder kooperativ arbeitenden Menschen klären. Wf Ergotimos, Töpfer der sog. f François-Vase, eines att. Volutenkraters aus dem 2. Viertel des 6. Jh. v. u. Z. Sl Erhabene, das [griech. hypsos, lat. sublimitas], ist in der antiken Kunst- und Literaturtheorie dem f Schönen verwandt, insofern beiden innere Größe, Ernst, edle, würdige Haltung und Gesinnung eigen sind. In der im 1. Jh. u. Z. entstandenen griech. Abhandlung „Über das E." von Pseudo-Longinos (der sich gegen den Verfall der Beredsamkeit seiner Zeit wandte, ohne dessen gesellschaftl. Ursachen zu erkennen, und der das Ideal glatter Fehlerlosigkeit und Regelmäßigkeit wie den hohlen Schwulst bekämpfte) wird das E. idealistischintrovertiert verstanden. Das E. soll der Ewigkeit angehören, in enthusiast. Aufschwung der Seele den Menschen mit dem Göttlichen verbinden, die Vernunft überwältigen, weniger überzeugen als begeistern. Der innere Aufschwung hat seine Entsprechung im E.n der Natur und sein Vorbild in den klass. Mustern der Dichtung und Eloquenz. Kr Erholung [griech. angpausis, schole, diagoge; lat. relaxgtio, oblectâtio] verschafft nach Aristoteles die Beschäftigung mit Musik und Dichtung; sie gehört zur f Muße, beruht auf einem edlen, des Freien würdigen Vergnügen und ist frei von prakt. Zwecken. Die E. stellt eine notwendige Unterbrechung der zweckgerichteten praktischpolit. Tätigkeit dar und steht in ihrer Zweckfreiheit dem

159 reinen Denken, der Forschung, nahe, die ebenfalls Muße voraussetzt. Kr Erichthonios, der oft mit Erechtheus gleichgesetzte erdentsprossene König von Athen. Be Erigone, lat. Erigone, Tochter des myth. f Ikarios, suchte mit dem Hund Maira ihren Vater und erhängte sich an seinem Grab. Sie wurde als Jungfrau unter die Sterne versetzt. Als Sühne für ihren Tod wurde in Attika das Schaukelfest eingesetzt, bei dem zu einem Kultlied Puppen geschaukelt wurden. Be Erinna. lat. Erinna. 4. Jh. v. u. Z., griech. Dichterin von der Insel Telos bei Rhodos, schrieb mit 19 Jahren für ihre tote Freundin Baukis ein Epyllion „Alakate" (Spindel) in Hexametern im dor. Dialekt, worin in zarter Unmittelbarkeit gemeinsame Erlebnisse aus dem Alltagsleben geschildert sind. Be T: E. Diehl, Anthologia lyrica Graeca I, BT 1936, S. 207-213; TU: H. Rüdiger, Griech. Gedichte, Tusc. *1972, S. 232-233. Erjnyen, Erinnyen, griech. Rachegöttinnen der Unterwelt (röm. Furien), entstanden aus den bei der Entmannung des Uranos auf die Erde gefallenen Blutstropfen ; dunkle, mächtige Schützerinnen der sittl. Ordnung, die erbarmungs- und rastlos alles Unrecht, bes. Blutschuld und Mord, bestraften, die Frevler in Wahnsinn versetzten (Verfolgung des Orestes) und Tod und Verderben brachten. Oft erscheinen sie in der Dreizahl: Al(l)ekto (die „nie Ablassende"), Megaira („Neiderin"), Tisiphone (die „den Mord Rächende"). Dargestellt wurden sie furchterregend mit Schlangenhaar. Fackeln und Geißeln, mit . Brüllen oder Bellen einherfahrend. In Athen wurden die E. als f Eumeniden verehrt. - Eine bekannte antike Darstellung ist die „Schlafende Erinye", sog. Medusa Ludovisi (röm. Kopie). Die Ballade Schillers „Die Kraniche des Ibykus" gestaltet das Wirken der E. Be Eriphyle, Gemahlin des myth. f Amphiaraos, von Polyneikes mit dem Halsband der Harmonia bestochen, von ihrem Sohn f Alkmaion getötet. Be Eris [griech., „Streit"], griech. Göttin der Zwietracht, Tochter der Nyx (Nacht), Schwester des Kriegsgottes Ares. Bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis warf sie, da sie nicht eingeladen war, einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten" unter die Gäste (E.apfel, Zankapfel). Die Göttinnen Hera, Athena und Aphrodite beanspruchten den Apfel und ließen den Streit von Paris entscheiden. Sein Richterspruch wurde mittelbar der Anlaß zum Trojan. Krieg: Aphrodite erhielt den Apfel nach der Zusicherung, Paris bei der Gewinnung der Hélène zu helfen. Be Erjstik [griech.]: Kunst des Streitens, des Diskutierens und Polemisierens, bes. hoch in der megar. Schule entwickelt, deren Angehörige deshalb auch Eristiker genannt wurden. Die megar. Eristiker hatten jedoch in den Sophisten bedeutende Vorläufer. Gu Erkenne dich selbst, griech. Gnothi seauton: Inschrift am Apollontempel in Delphi; ein angeblich von Chilon, einem der Sieben Weisen, geprägter Ausspruch. Gu Erkenntnistheorie. Als Begründer der E. in der antiken Philosophie kann Parmenides gelten, der als erster Wahrnehmung und Denken unterschied, beide aber unvermittelt gegeneinander stellte. Der Wahrheit näher kam Heraklit, der nicht nur beide Erkenntnisstufen sah, sondern ihr Verhältnis zueinander im Prinzip richtig bestimmte. Vertieft wurde diese Auffassung von Demokrit, der gleichzeitig die erste Abbildtheorie schuf. Streng materialistisch ist auch die E. Empedokles', der für die Sinnesorgane Poren annahm, in die von den Dingen ausgehende Ausflüsse eindringen, wodurch dann die Wahrnehmung zustande kommt. Eine Idealist. E. vertrat Platon. Nach ihm ist wahre Erkenntnis ein Wiedererinnern der

Eros Seele an die Ideen, die sie in ihrer vorkörperl. Existenz schaute. Neben der begriff l. Erkenntnis konstatierte er noch die Sinneswahrnehmungj die aber, auf die Erscheinungswelt bezogen, kein Wissen, sondern nur Meinung vermittelt. Nach Aristoteles erfaßt das Wahrnehmungsvermögen die einzelnen Gegenstände und Eigenschaften, das Denkvermögen aber die Formen der Dinge, die zwar in den Dingen wirken, aber von ewiger und der Materie gegenüber von primärer Natur sind. Wesentlich materialistisch ist Aristoteles' Lehre von der Wahrheit. Relativist. Auffassungen finden sich bei Kratylos und den Sophisten, skeptizistische bei den Skeptikern. Fast alle gnoseolog. Auffassungen der Antike haben die spätere Philosophiegeschichte beeinflußt, teils vorwiegend positiv (Heraklit, Demokrit), teils vorwiegend negativ (Parmenides, Platon, Skeptizismus). Gu Erkennung f Wiedererkennung. Ermitage. Die Antikensammlung, eine der bedeutendsten in der Welt, befindet sich im Erdgeschoß der 1839 bis 1852 nach Plänen Leo von Klenzes erbauten Neuen Ermitage in Leningrad. Ihren Grundstock legte Zar Peter I. 1719 mit dem Ankauf der Taur. Venus. Spätere Erwerbungen stammen vor allem aus Privatsammlungen, seit 1830 auch aus den reichen Grabungen in den griech. und bosporan. Städten der nördl. Schwarzmeerküste, die hauptsächlich Keramik, Schmuck und Holzsarkophage erbrachten. Neben diesen Funden und den Kollektionen griech. Vasen und Terrakotten, röm. Porträts, Gemmen und Sarkophage verdient bes. die in einer gesonderten Schatzkammer gezeigte, in der Welt einmalige Slg. skyth. Altertümer (meist aus Edelmetallen) hervorgehoben zu werden. KZ Eros [griech., „Liebe"], griech. Gott der Liebe (röm. Amor, Cupido). Er galt teils als eine alte von selbst entstandene kosmogon. Urkraft, die die Entwicklung vom Chaos zur geordneten Welt bewirkte. Später wurde er allgemein als der Sohn des Ares und der Aphrodite angesehen, der sich in Begleitung seiner Mutter befand und als geflügelter Bogenschütze dargestellt wurde. Mit seinen Pfeilen erregte er nicht nur die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern auch die Liebe zwischen Männern. Seine Geliebte ist f Psyche. In der Philosophie Sokrates' und Platons wird der E. vergeistigt. Da Sokrates voraussetzte, daß aus der Erkenntnis der Wahrheit richtiges sittl. Handeln notwendig folge, bezeichnet E. die Hingabe an die Aqsformung der Seele und des Geistes. Die sokrat. Erotik*besteht daher aus der gegenseitigen Zuneigung von Lehrer und Schüler, die die gegenseitige geistige und sittl. Förderung zum Ziel hat. Bei Platon, bes. im „Symposion", bedeutet E. das Streben und die Liebe zur Erkenntnis der Idee des Schönen, das Verlangen nach Zeugung im Schönen. - Im Hellenismus wurde E. immer jünger dargestellt; als flatterhafter, kecker Wildfang peinigte er mit seinen Geschossen Götter und Menschen. Die Eroten, geflügelte Erosknaben, eine Vervielfältigung des Eros, meist unbekleidet, in der griech. Kunst seit dem 5. Jh. v. u. Z. als Trabanten der Liebesgöttin scharenweise dargestellt (Berliner Makronschale mit Parisurteil), kehren bes. im Hellenismus und vor allem in der röm. Kaiserzeit als Amoretten ihren verspielten, verniedlichten Charakter hervor, indem sie Alltagsarbeiten verrichten, jagen, reiten, Wagenrennen veranstalten u. a. kuriose Streiche vollführen. Darstellungen finden sich auf Friesen, Wandgemälden, Sarkophagen, Reliefgefäßen u. a. Gegenständen der Kleinkunst. Die Putten der Renaissance leiten sich von den Eroten der Antike her. Daneben blieb von der Antike an der Liebesgott, unterschiedslos als E. oder Amor bezeichnet, ein beliebter Gegenstand in der Plastik (Lysippos), häufig zusammen mit

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Erymanthischer Eber Psyche (Canova, Thorvaldsen, Begas, Rodin); ähnlich beliebt war E. als Gegenstand der Malerei (Tizian, Correggio, Rubens, Reni, Kokoschka) und Musik. - Taf. 47 Be

Eros und Psyche (röm. Kopie nach einem heilenist. Werk, Rom) Erymanthischer Eber: ein im Erymanthos hausender Eber; Herakles, von Eurystheus beauftragt, fing das Untier, indem er es in ein Schneefeld jagte, und brachte es lebendig seinem Auftraggeber. Be Erymanthos. lat. Erymanthus: peloponnes. Gebirge zwischen Arkadien im S und Achaia im N. D Erysichthon, Sohn des myth. Thrakerkönigs Triopas; fällte trotz der Warnung der in Gestalt einer Priesterin erscheinenden Göttin Demeter einen von deren heiligen Bäumen. Die Göttin bestrafte ihn darauf mit unstillbarem Heißhunger. - Gemälde „Adonis und E." von Giorgone. Be Erythrai: Stadt an der Küste Ioniens, westl. von Smyrna, gegenüber von Chios, eine Gründung Kretas. E. nahm am Ion. Aufstand (500-493 v. u. Z.) teil und trat 477 dem l.Att. Seebund bei. Zahlreiche Ruinen (u.a. die Stadtmauer) sind erhalten. SF Erziehung. Fragen der E. (im Sinn einer modernen Pädagogik) hat man in der Antike verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Da eigtl. erst der Erwachsene als vollwertiger Mensch galt, ging die antike E. stets vom Bild des Erwachsenen aus, ohne die psycholog. Besonderheiten des Kindes zu berücksichtigen. Das wichtigste E.smittel war das Vorbild und Beispiel. Der Ort der E. war das Elternhaus, nicht die Schule, in der Strafarbeiten und harte körperl. Züchtigungen die nahezu einzigen pädagog. Mittel waren. In Griechenland hatten die Amme und der f Pädagoge, beide meistens Sklaven, großen erzieher. Einfluß auf das Kind. Im höheren Unterricht der griech. Ephebenschule wurde der Lerneifer durch öffentl. Schülerwettbewerbe angespornt. Für die E. im Jugendalter war oft das persönl. Lehrer-Schüler-Verhältnis wichtig, das nicht selten den Charakter eines Meister-JüngerVerhältnisses hatte (bekanntestes Beispiel: Sokrates Platon). Von großer Bedeutung war die indirekte E. durch die im Grammatik- und Rhetorikunterricht vermittelte literar. Bildung. Durch die Lektüre der Dichter wurde man empfänglich für die Schönheit einer ausgewogenen Harmonie von Inhalt und Form und lernte gleichzeitig die allgemein anerkannten eth. Verhaltensnormen kennen. Im älteren Rom war außerdem das beispielhafte Verhalten der Vorfahren (Mores maiorum, Sitten der Vorfahren) ein wesentl. E.sfaktor. Im übrigen übernahmen die Römer mit der griech. Bildung auch weitgehend die griech. E., die allerdings stärker auf die prakt. Bedürfnisse des polit. Lebens in Rom ausgerichtet wurde. - Bemerkenswert ist, daß in der Antike immer wieder versucht wurde, von einem zentralen Bildungsanliegen aus die Bildung und damit

auch die E. des ganzen Menschen zu erreichen : im Kindesalter in Sparta (7.-5. Jh. v. u. Z.) durch eine harte körperl. Ertüchtigung („spartan. E."), in Athen (6./5. Jh. v. u. Z.) durch eine mus.-gymnast. Bildung; im Jugendalter durch die Schulung des mathemat. Denkvermögens (Platon), bes. aber durch das Studium der Beredsamkeit oder der Philosophie. Kü Eschatologie [griech.]: Lehre von den „letzten Dingen"; i. allg. System von Jenseitsvorstellungen, das das Schicksal des einzelnen wie der Menschheit und der ganzen Welt beinhalten kann. Die.E. ist darin mit der Apokalyptik verflochten. Sie bezieht sich im Alten Testament vor allem auf die Zukunft Israels und anderer Völker. In den letzten Jahrhunderten v. u. Z. wird die jüd. E. universalistischer; aus ihr entwickelte sich die altchristl. E., die den Anbruch einer überweltl. Zukunft zunächst für bald erwartete, bis diese Naherwartung in der entstehenden und sich festigenden Kirche - angesichts auch ihrer Nichterfüllung - zu einem allgemeinen, zeitlich nicht fixierten Zukunftsbild verblaßte. Ro Esel [griech. gnos, lat. §sinus]. Der E. ist afrikan. Herkunft. Er diente seit frühen Zeiten als Reit- und Arbeitstier. Der wilde E. (Onager) wurde im alten Sumer domestiziert und im 3. Jährt, v. u. Z. in Mesopotamien als Zugtier verwendet. Man kreuzte auch E.hengste mit Pferdestuten und nutzte den Bastard Maultier. Die umgekehrte Kreuzung ergab den Maulesel, der im Altertum vielfach Verwendung fand. In der Antike galt der E. als das Tier der armen Bevölkerung und des friedl. Lebens. Die Griechen setzten ihn für mannigfaltige Arbeiten ein. Im Röm. Reich war er bes. im Sabinerland beliebt und der Göttin Vesta heilig. Im Heer dienten Maultiere zum Transport der Wurfmaschinen auf steilen, engen Gebirgspfaden. Das Fleisch der E.füllen war sehr geschätzt. E.milch galt als wertvolles Nahrungs- und Heilmittel. E.dung wurde vielseitig verwendet. Mit der Verbreitung der Weinkultur kam der E. auch nach dem N. Di Esquiljn, lat. Esquilinus mons: einer der sieben Hügel Roms, im O der Stadt, bestehend aus dem Mons Oppius und dem Mons Cispius. Auf dem E. befanden sich zunächst Begräbnisplätze, zu Horaz' Zeit speziell der Armenfriedhof, auf seiner Westseite wurde später das Goldene Haus Neros und die Trajansthermen errichtet. Auf der Ostseite des E. reihten sich große Gärten reicher Römer, z. B. des Maecenas. An der Stelle der Porta Esquilina der republikan. Mauern wurde später nach dem Sieg über Gallien der Triumphbogen Galliens errichtet. D Essener, Essäer [aramäisch > griech., „Fromme"?]: jüd. Sekte mit mönchsartiger Organisation in Palästina. Erst die Funde von Qumran seit 1948 geben die Möglichkeit, den histor. Wert der antiken Angaben zu verifizieren. Danach gehen die E. auf eine Sezession von Priestern aus Jerusalem um 150 v. u. Z. zurück und entwickelten sich zu einer eigenständigen Gemeinde mit streng jüd. Gottesund Gesetzesverständnis, gewissen dualist. Lehren, strengen Reinheitsgeboten, messian. Erwartungen, Güter- und Lebensgemeinschaft, Handwerk und Ackerbau und existierten fast 200 Jahre. Von Bedeutung ist ihr Einfluß auf das frühe Christentum. KR Essig [lat. acgtum] : älteste dem Menschen zugängl. Säure. Im klass. Altertum benutzte man vorwiegend Weine, die durch wilde Gärung bzw. durch Zusatz von Sauerteig in E. verwandelt wurden, aber auch Äpfel und Birnen dienten als Rohstoffe. Plinius d. Ä. bezeichnete den E. als wichtiges Erfordernis zu einem angenehmen Leben, da er in der Küche mannigfaltig zum Würzen, Einsäuern und Herstellen von Getränken gebraucht wurde. Viel verwandt wurde er in der Medizin und im Handwerk als Lösungs- und Beizmittel. Se

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Ethnographie

Etazismus f Itazismus. Eteoklgs, lat. Eteocles, Bruder des f Polyneikes. Be Eteokreter [griech., „echter Kreter"]: in griech. Zeit Reste der Urbevölkerung im Ostteil Kretas. Von ihrer Sprache sind nur ganz wenige mit griech. Buchstaben geschriebene und nicht entzifferte Inschriften .aus Praisos und Dreros (6./5. Jh. v. u. Z.) erhalten. HG Ethik [griech.]. Namen und erste wissenschaftl. Ausformung verdankt die E. Aristoteles; Mittelpunkt des Philosophierens ist sie aber bereits bei Sokrates. Erste eth. Reflexionen finden sich in den Sprüchen der Sieben Weisen, allerdings ohne jede philosoph. Begründung. Pythagoras und seine Schule waren stark ethisch-religiös orientiert. Die aus der Seelenwanderungslehre abgeleitete Wiedergeburt wurde als Vergeltung für ein nicht den eth. Maßstäben genügendes vorangegangenes Dasein aufgefaßt. Die aristokrat.-antidemokrat. Einstellung der Pythagoreer und ihre Ablehnung des Volksglaubens wegen seines geringen sittl. Ernstes teilten auch die Eleaten und Heraklit. Demokrits E. ist an der Sklavenhalterdemokratie der Polis orientiert. Die Lust, die aus der Erregung der Sinne stammt, hält er für dunkel und relativ. Das wahre Glück, die Eudaimonia, entstammt dagegen der leichten, sanften Stimmung, die nur die leise Bewegung der Feueratome mit sich führt. Die rechte Erkenntnis ist Voraussetzung, um zu dieser Seelenruhe zu gelangen. Die anthropolog. Wendung, die die Philosophie bei den ebenfalls vorwiegend demokratisch gesinnten Sophisten nahm, brachte auch eine stärkere Zuwendung zu eth. Problemen mit sich. Einige Sophisten sahen in den natürl. Trieben des Menschen die Grundlage für die Normen des Handelns und leugneten, daß das Individuum sich den bestehenden Jurist. Normen unterzuordnen habe. Gegen eth. Relativismus richtete sich die Moralauffassung Sokrates'. Seiner Meinung nach handelt niemand wissentlich unrecht. Wer die richtige Einsicht hat, handelt auch gut und wird dadurch glücklich. Tugend ist also lehrbar; was allerdings das zu wissende Gute ist, weiß Sokrates nicht näher zu bestimmen. Die Kyniker sahen es in der Tugend und die Tugend in der Bedürfnislosigkeit, denn die Begierden machen den Menschen zum Sklaven der Umstände. Die Kyrenaiker sahen hingegen als Vertreter des Hedonismus die Tugend in der Genußfähigkeit. Der Kampf zwischen beiden Auffassungen spiegelt die Gegensätze innerhalb der Polis wider. Platon, Aristoteles, die Stoa und Epikur stimmen mit Sokrates darin überein, daß Tugend und Glück aus der Erkenntnis erwachsen, daß also allein der Weise tugendhaft und glücklich sein kann. Für Platon besteht das höchste Gut in der Erkenntnis der Ideen, insbes. der des Guten. In Anlehnung an seine Psychologie stellte er f Kardinaltugenden auf. Platons aristokrat. Moralauffassung hat vor allem die Gattung und nicht das Individuum zum Ziel. Aristoteles sieht für jedes Wesen das höchste Glück darin, daß es seine Natur verwirklicht. Die Natur, das Wesen des Menschen ist aber die Vernunft; die Fähigkeit des Vernunftgebrauches ist folglich die Tugend, und der Vernunftgebrauch selbst bringt Befriedigung bzw. Lust mit sich. Die Unterscheidung zwischen eth. (Charakter-) Tugenden (Tapferkeit, Selbstzucht, Freigebigkeit) und dianoet. (Verstandes-) Tugenden (Klugheit, Einsicht, Weisheit, Verständigkeit) ergibt sich aus dem Unterschied von vernünftigem Handeln und Denken. Da der Mensch ein Zoon politikon ist, kann sich die Tugend des Menschen nur im Staat verwirklichen. Für die Stoa ist die Tugend die richtige Beschaffenheit des Wollens und Handelns und das einzige Mittel, glücklich zu werden. Der Weise versucht, sich von allem Äußeren unabhängig zu machen (Autarkie). Die spätere Stoa strebte danach, in 11

Antike

Übereinstimmung mit der Natur zu leben. Seiner Natur nach ist der Mensch zur Gemeinschaft bestimmt, als Gemeinschaft schwebte aber der Stoa ein kosmopolit. Weltstaat vor. Ausgesprochen individualistisch ist die E. Epikurs. Das Gefühl der Lust bildet das Kriterium dafür, ob etwas der Natur gemäß ist. Die geistige Lust wird über die körperl, und die dauernde, ruhige über die momentane und unruhige gestellt. Ziel ist die innere Unerschütterlichkeit und Schmerzlosigkeit. Epikur stand auf dem Standpunkt der Willensfreiheit und verhielt sich gegenüber staatl.-polit. Fragen gleichgültig; um so höher bewertete er die Freundschaft. Im Gegensatz zu den bisherigen intellektualist. Auffassungen vertraten die Skeptiker einhellig die Meinung, daß nicht Wissen und Urteil, sondern gerade auf Grund der Unmöglichkeit des Wissens die Enthaltung des Urteils Voraussetzung des Glücks ist. Die E. der Stoa, Epikurs und des Skeptizismus spiegelt die Abkehr von der Polis und deren Verfall wider. Ihre dominierende Stellung in den entsprechenden philosoph. Systemen war Ausdruck der Tatsache, daß angesichts der unsicheren gesellschaftl. Verhältnisse die Philosophie dem Individuum Halt und Lebenshilfe sein sollte. Für Rom war auf eth. Gebiet neben einzelnen Persönlichkeiten (Cicero, Seneca, Marcus Aurelius) vor allem eine praktisch orientierte E. charakteristisch. Wesentlich beeinflußt wurde hier das eth. Gedankengut durch die Stoa und Epikur. Nach Philon ist das höchste Gut das ekstat. Einswerden mit Gott. Um dies zu erreichen, forderte er nicht nur Beherrschung, sondern Ausrottung der Affekte. Die religiös-myst. Wendung ist auch im Neuplatonismus feststellbar. Nach Plotin besteht die Glückseligkeit im vollkommenen Leben, dieses aber im Denken. Die Verbindung der Seele mit dem Leib ist der Grund allen Übels, ihre Reinigung (Katharsis) vom Sinnlichen folglich Voraussetzung zum Glück und selbst tugendhaft. Porphyrios entwickelte diese Thesen weiter und forderte asket. Übungen, Ehelosigkeit, Zurückziehung von den Schauspielen usw., um die Loslösung und Reinigung der Seele vom Sinnlichen zu erreichen. Von hier aus wurde die christl. E. wesentlich beeinflußt, die auf Offenbarung und Glauben beruht und deren Bezugspunkt weder Gesellschaft noch Individuum, sondern Gott ist. Gu Ethnographie [griech., beschreibende „Völkerkunde", aber erst moderner Terminus]. Die griech. E. war schon in den Homer. Epen angelegt, in denen oft unterscheidende Eptitheta den Völkernamen hinzugefügt und die Sitten fremder Völker mit denen der Griechen verglichen werden. Die eigtl. E. der Griechen ist dann aus der Historié („Erforschung") der mit vielen Völkern durch Handel in Beziehung stehenden lonier hervorgegangen; sie wird bei Hekataios von Milet erstmalig greifbar. Bei jedem Volk werden die Lebensweise, d. h. Kleidung, Haartracht, Wohnweise, Ernährung, Sitten und Gebräuche, sonstige Eigenarten sowie die Natur des betreffenden Landes beschrieben. Das griech. Volk ist dabei noch nicht Gegenstand der E., sondern nur Vergleichsnorm. In dieser ion. Tradition steht z. B. Herodot, der wie andere Historiker nach ihm in sein Geschichtswerk zahlreiche Exkurse über fremde Völker (Skythen, Thraker, Libyer, Ägypter, Perser, Lyder) einschaltete. An eine krit. Sichtung des gesammelten ethnograph. Materials gingen schon im 5. Jh. v. u. Z. die Sophisten, denen es darauf ankam, die-gegebenen moral. Normen als relativ zu erweisen und somit in Frage zu stellen. Als erster scheint sich Ende des 5. Jh. v. u. Z. Kritias in seinen Beschreibungen der Verfassungen der Athener, Thessaler und Spartaner der volkskundl. Erforschung der griech. Stämme zugewandt zu haben; umfangreiches Material dieser Art hat dann Aristoteles in den heute fast völlig verlorenen 158 „Verfassungen"

Ethos gesammelt. Die Unterschiede in der Lebensweise usw. der verschiedenen Völker und deren körperl, wie geistigcharakterl. Besonderheiten suchte bes. die im Corpus Hippocraticum überlieferte Schrift „Über Lüfte, Gewässer und Örtlichkeiten" aus den klimat.-geograph. Gegebenheiten des betreffenden Landes zu erklären. Seit der heilenist. Zeit blüht bes. das Interesse am SeltsamParadoxen, dabei regte die Berührung mit Indien zu phantast. Schilderungen seiner Bewohner und von deren Lebensweise an. In Verbindung hiermit sowie unter dem Einfluß der Ethik kam es zur Idealisierung bestimmter Völker, auch von Stämmen des eigenen Volkes : Schon Xenophon idealisierte Spartaner und Perser, später wurden Ägypter, Arkader, Inder (Gymnosophisten, Brahmanen) und Skythen idealisiert; letztere eigneten sich als Nordvolk wie die sagenhaften Hyperboreer am Rande der bewohnten Erde ganz bes. dazu. Ein großer Teil dieser Werke liegt nur noch in Fragmenten vor, bes. in Strabons „Geographika". Die bekannteste, in der hellenist. Tradition stehende ethnograph. Monographie in lat. Sprache ist die für die dt. Frühgeschichte wertvolle „Germania" des Tacitus. Die Theorie vom Zusammenhang zwischen klimat.-geograph. Gegebenheiten und dem Volkscharakter nahm Poseidonios wieder auf, der alles auf das große Lebensgesetz des Kosmos bezog und auch den Gestirnen Einfluß auf die verschiedenen Völker und ihre Eigenarten zuschrieb. Diese astrolog. E. hatte große Nachwirkung. Interessante ethnograph. Nachrichten verdanken wir außer den Exkursen in Geschichtswerken auch den zu prakt. Zwecken geschriebenen militärwissenschaftl. (takt. oder strateg.) Schriften. D Ethos [griech., „Sitte", ..Gesinnung", „Haltung", „Charakter"]: Begriff von ausgeprägter Bedeutungsdifferenziertheit. I. allg. verstand man in der griech. Antike unter E. die durch natürl. Anlage oder Übung entstandenen Gepflogenheiten und Sitten, den Charaker einer Person. Die Abhängigkeit der Wirkung musikal. und rhetor. Werke vom E. der Hörer führte in Griechenland zur Herausbildung einer umfangreichen und differenzierten E.lehre. Diese untersucht für die Musik deren Charakter, ihre Wirkung auf die Psyche des Hörers sowje ihre Möglichkeit, als Teil der staatsgelenkten Erziehung auf Bewußtseins- und Willensbildung der Jugend Einfluß zu nehmen. In der Rhetorik befaßt sich die E.lehre hauptsächlich mit der Psychologie des Hörers sowie dem Einfluß, den das Prestige des Redners auf sein Publikum ausstrahlt. Ki Etrurien. lat. Etryria oder Tyscia: Landschaft Mittelitaliens zwischen Tiber und den Gebirgen nördlich des Arno, also räumlich nicht völlig identisch mit der heutigen Toscana. Vom 5./4. Jh. bis zum Anfang des 3. Jh. v. u. Z. kämpften die Römer um den Besitz E.s, das seit Augustus die 7. Region Italiens und nach der Neuordnung Diocletianus' zusammen mit Umbrien eine Provinz bildete. D Etrusker, griech. Tyrrhenoj, Tyrsenoi, lat. Etrysci, Tysci: mittelital., hauptsächlich in Etrurien ansässig gewesenes Volk nichteuropäischer Herkunft, das möglicherweise aus Kleinasien stammte. Auf der Basis ihrer hochentwickelten Bronze- und Eisenkultur und landwirtschaftl. Technik vollzog sich bei den E.n rasch der Übergang zur Latifundienwirtschaft, zur Herausbildung des herrschenden Krieger- und Priesteradels (Lucumonen) und zu einem losen Sklavenhalterstädtebund. Seit dem 6. Jh. v. u. Z. dehnten sich die E. nach N in dic. Po-Ebene (Spina), nach W nach Korsika und nach S bis Capua aus, wodurch die Römer unter die Königsherrschaft der etrusk. Tarquinier gerieten. Die Griechen Süditaliens drängten jedoch die E. nach N zurück (524 und 474 Niederlagen bei Kyme). Die E. verloren Rom (510) und Capua (421). Sie wurden um

162 400 von den Galliern aus Oberitalien verdrängt und bis 282 v. u. Z. nach und nach von den Römern unterworfen. Ein letzter Auf stands versuch gegen die röm. Herrschaft führte zur starken Dezimierung der E. durch Sulla und in der Folgezeit zur endgültigen Romanisierung der restl. Bevölkerung; Hd Etryskisch: Sprache der Etrusker, von der mehr als 8000, allerdings meist äußerst kurze Inschriften, die bis ins 7. Jh. v. u. 2. zurückreichen, erhalten sind - wobei die „Agramer Mumienbinden** mit über 1500 Wörtern eine Sonderstellung einnehmen. Trotz dieses reichhaltigen Materials (innerhalb dessen die wenigen ganz kurzen lat.etrusk. Bilinguen jedoch unergiebig sind) und der Tatsache, daß die Schrift (abgeleitet aus einem westgriech. Alphabet) lesbar ist, besteht noch immer Unklarheit, ob man die Deutung dieser Sprache - abgesehen von wenigen Wortgleichungen - als gelungen ansehen kann oder nicht. Ebenfalls ungeklärt sind - trotz der verschiedensten Theorien - die Verwandtschaftsverhältnisse zu anderen Sprachen. HG T: Corpus Inscripiionum Etruscarum, Leipzig 1893ff. etruskische Kunst: Gesamtheit der aus etrusk. Werkstätten vom 8. bis 1. Jh. v.u.Z. von etrusk. und (eingewanderten) griech. Meistern stammenden Schöpfungen der bildenden, bauenden und angewandten Kunst. Die an die Terramare- und Villanovakulturen anknüpfende sowie aus eigenen Impulsen schöpfende etrusk. Mischkultur, breitete sich im 7.-5. Jh. v. u. Z. im Zuge der militär. und administrativen Expansion der Etrusker südwärts über Latium (Rom, Praeneste) bis nach Kampanien (Capua), im 6.-4. Jh. v. u. Z. nach N bis in die PoEbene (sog. Emilia mit Spina u. a. Städten) aus. - Der etrusk. Haus- und Tempelbau läßt sich aus Grundrissen und Modellen (Urnen dieser Form), auch aus Schriftquellen (Vitruv) rekonstruieren; er hat die röm. Architektur maßgeblich beeinflußt. Auch an die axial koordinierten Stadtanlagen knüpften die Römer, bes. beim Bau militär. Lager, an. Unter den Grabbauten nehmen die TumulusGräber (Taf. 36) neben vielen anderen Formen (z. B. Aedikula-, Würfelgrab) an Größe und Ausstattung einen unbestrittenen Rang ein. Plast. Werke schufen die Etrusker im Klein-, seit dem Ende des 7. Jh. im Großformat aus Stein, vor allem aus gebranntem Ton und Metall ; der Apollon von Veji (Terrakotta, 6. Jh.), der Mars von Todi (Bronze, 4. Jh.), L'Arringatore (Bronze, l .Jh.), der sog. Brutuskopf (Bronze, um 300) sind markante Vertreter der etrusk. Plastik (Taf. 37). Reliefs verschiedenen Formates wurden in Stein (Cippen, Sarkophage), Metall (Bronze, Silber, Gold), Terrakotta (Sarkophage, Taf. 36; Giebelplastik) gearbeitet. Die Wandmalerei, in den Grabkammern (bes. Tarquinia) vorzüglich erhalten (Taf. 4), steht, ähnlich der schwarz- und rotfigurigen Vasenmalerei (z. B. falisk. Vasen) stark unter griech. Einfluß. Eigenwüchsiger sind die Impasto- und Buccheroschöpfungen der Etrusker (Bucchero sottile, pesante ; Taf. 48). Eine hervorragende Rolle spielten die Goldschmiede- u. a. kunsthandwerkl. Arbeiten (Lampe von Cortona, praenestin. Cisten, Spiegel u. a.). Gegenüber der griech. läßt die e. K. den Sinn für Kompositen und Proportion, Ausgewogenheit von Masse bzw. Ruhe und Bewegung, Vertiefung des Aussagegehaltes vermissen ; sie zeichnet sich dafür durch die Hervorhebung des Details, der Einzelfigur, die Betonung des IndividuellEinmaligen und Vergänglichen aus. Damit befindet sie sich in eigenartiger Übereinstimmung mit der polit, und sozialen Struktur des etrusk. Gemeinwesens, das die Separatist. Bestrebungen der einzelnen Städte, die nur zeitweilig ein Bündnis eingingen, nie überwunden hat und und somit den Römern politisch und militärisch auf die Dauer nicht gewachsen war. Sl

163 Etymologie [griech. gtymon, „die wahre Bedeutung eines Wortes hinsichtlich seiner Herkunft"]: von den Griechen begründete Lehre von der Herkunft, Ableitung und Grundbedeutung der Wörter. Während die Dichter schon seit Homer sich an E.n versuchten, die letzten Endes nichts anderes als Volks-E.n (= Deutungen nichtverstandener Wörter durch lautl. Angleichung an bekannte) waren, beschäftigte bereits die Philosophen des 5. Jh. v. u. Z. die Frage nach der Richtigkeit des Namens sowie die Möglichkeiten seines Entstehens; von etymolog. Erkenntnissen versprach man sich später tiefe Einsichten in die objektive Beschaffenheit der Welt (Anfänge der f Sprachphilosophie). Die moderne Sprachwissenschaft - die davon ausgeht, daß die Sprache lediglich Aufschluß über das Verhältnis des Sprechenden zu den Dingen geben kann - versteht unter E. die Rückführung eines Wortes auf seine frühest greifbare Form und Bedeutung (wobei beides in Einklang stehen muß) bzw. auf eine mehreren Sprachen gemeinsame Wurzel, z. B. in der erschlossenen indoeuropäischen Grundsprache. HG Euboia, Eubga: vor allem von loniern bewohnte große, langgestreckte und gebirgige Insel vor der Ostküste Mittelgriechenlands, bei Chalkis von diesem nur durch einen 15m breiten Sund, den Euripos, getrennt. Die wichtigsten Städte Chalkis und Eretria waren im 8. und 7. Jh. v. u. Z. bedeutende Handelszentren und gründeten auf Sizilien, in Italien und auf der Chalkidike Kolonien. Um 700 bis 650 kam es zwischen beiden Städten zu einem erbitterten Krieg um das Lelant. Feld (1. gemeingriech. Koalitionskrieg). 506 wurde Chalkis von Athen erobert. Eretria wurde 490 von den Persern zerstört. Zum 1. Att. Seebund gehörten etwa 12 euboiische Orte; der Versuch eines Abfalls wurde 446 von Perikles unterdrückt. Seit 411 waren Chalkis und Eretria wieder selbständig. In hellenist. Zeit war Chalkis eine starke Festung. Z Eubulos, athen. Finanzpolitiker, seit 354 v. u. Z. Verwalter des Theorikon, d. h. der,.Schaugelder", die der Staat armen Bürgern für den Besuch von Theatern zur Verfügung stellte. Unter seiner Amtsführung, die sich bald auf die gesamten Staatsfinanzen erstreckte, wurden Heer und Flotte ausgebaut. 348 wurde E. zurti Initiator einer antimakedon. Koalition. SF Eucharistie [griech., „dankbare Gesinnung", „Danksagung", „Dankgebet*'] : im Spätjudentum und Urchristentum das Lobgebet nach festen Formeln (hebr. berakoth), wird seit dem 1. Jh. im Christentum als Bezeichnung für die Abendmahlsfeier, das Abendmahlsgebet, bes. aber für die Abendmahlselemente (Brot und Wein) verwendet. Wi Eudämonismus [griech., „Glückseligkeitslehre"]: von Sokrates begründete und von Demokrit weitergeführte eth. Lehre, die besagt, daß das Ziel der menschl. Existenz die Glückseligkeit sei. Während nach Soïcrates dies nur durch Einsicht und Erkenntnis möglich ist, die allein ein tugendhaftes Leben ermöglichen können, lehrte die kyrenaische Schule (Aristippos), daß Glückseligkeit durch geistige und sinnl. Lust zu erreichen sei (Hedonismus). Der E. bleibt trotz verschiedener Abwandlungen bis zum Ende der Stoa Grundzug der antiken Ethik. Kl Eudemos, um 300 v. u. Z., griech. Philosoph· und Wissenschaftshistoriker, einer der angesehensten Schüler des Aristoteles. In seiner sog. Eudemischen Ethik näherte er die aristotel. Ethik an Gedanken Platons an. E. suchte die aristotel. Logik durch Untersuchungen über das hypothet. und disjunktive Urteil zu ergänzen. Er verfaßte auch histor. Abrisse der mathemat. und astronom. Lehren. Kl T: Spengel: Eudemi Rhodii peripatetici fragmenta quae supersuntll 1970; Susemihl: Magna moralia 1883.

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Eukleides Eudoxos von Knidos, um 408 bis um 355 v. u. Z. Knidos; griech. Mathematiker, Astronom, Geograph und Arzt, Schüler des Archytas, mit Platon in engem wissenschaftl. Kontakt. Seine Hauptleistungen bestehen im Aufbau einer auch irrationale Zahlen umfassenden Größenlehre sowie in einer strengen, durch indirekten Beweis erbrachten Herleitung der Sätze über Rauminhaltsbestimmungen nicht ebenflächig begrenzter Körper. Diese Ergebnisse sind eingegangen in die Bücher V und XII der „Elemente" des Euklid. Als Astronom versuchte E., die Bewegung der Himmelskörper durch ein System von rotierenden Sphären darzustellen. Als Geograph soll er u. a. den Umfang der kugelförmig gedachten Erde angenähert berechnet haben. Wu Euergçtes [griech.]: „Wohltäter", von griech. Staaten verliehener Ehrentitel, in heilenist. Zeit verbreitet; Beiname der Könige Ptolemaios III. und VIII. KT Euggnius Flavius, röm. Kaiser (Usurpator) 22.8. 392 bis 6. 9. 394; Rhetorikprofessor in Rom und Hof beamter, Freund des Symmachus. Durch den Feldherrn Arbogast wurde er nach Valentinianus' H. Tod zum Kaiser des westl. Reichsteils erhoben, von Theodosius I. aber nicht anerkannt. Obwohl selbst Christ, förderte er die letzte Restauration des Heidentums. In der Schlacht am Frigidus (Wippach) wurde er besiegt und ermordet. Jo Eugippius, gest. nach 532, Abt des Severinsklosters Lucullanum bei Neapel, jahrelang Gefährte des christl. Asketen Severinus in der Provinz Noricum (Österreich). E.' Biographie dieses Heiligen (...Commemoratorium de vita Sancti Severini") ist durch ihre schlichte, anschaul. Darstellung eine einzigartige Quelle für die Geschichte jener Provinz in der Zeit der Völkerwanderung sowie für die sinkende röm. Kultur jenes Grenzlandes. Tr TU: R. Noll, Berlin 1963. Euhgmeros von Messcne, um 300 v. u. Z., griech. Philosoph, lebte vermutlich am Hofe des makedon. Königs Kassandros. E. vertrat ähnl. Auffassungen wie die Kyrenaiker. In seinem romanhaften Werk „Heilige Aufzeichnung", das Ennius ins Lateinische übersetzte, aus dem aber nur Fragmente bekannt sind, legte er dar, daß die Götter nur ausgezeichnete Menschen der Vorzeit sind, die dann vergöttert wurden (Euhemerismus). Diese Vorstellung hat die Rationalisten des 18. Jh. beeinflußt. Gu T: FGrHist 63; G. Vollauri, 1956. Euklejdes, lat. Euklid, um 365 bis um 300 v. u. Z., griech. Mathematiker; wirkte in Alexandreia. Sein Hauptwerk sind die „Elemente" (wahrscheinlich um 325 entstanden), die einen bestimmenden Einfluß auf den Fortgang der mathemat. Entwicklung noch bis ins 19. Jh. ausgeübt haben. In ihren 13 Büchern sind die wesentl. Bestandteile der bis zu E.' Lebenszeiten entwickelten Mathematik zusammengefaßt und, auf Axiomen, Postulaten und Definitionen aufbauend, systematisch zusammengestellt. Allerdings fehlen die Verfahren der prakt. Mathematik fast vollständig. Die Bücher I bis IV enthalten die Geometrie und gehen inhaltlich auf die pythagoreische Schule zurück. Buch V behandelt die Verhältnislehre und schließt sich an Eudoxos von Knidos an. Die Bücher VII bis IX stellen die Lehre von den Zahlen dar und sind inhaltlich weitgehend pythagoreischen Ursprungs. Die Bücher X bis XIII enthalten Inhaltsbestimmungen in der Ebene und im Raum (Stereometrie) und, insbes. in Buch X, die Lehre von denirrationalitäten und in Buch XIII die Untersuchungen über regelmäßige Körper, welche auf Theaitetos zurückgehen. E.' „Elemente" sind von arab. und später von europ. Gelehrten gründlich studiert worden; Erstdruck des Urtextes Basel 1533. Von E, stammen noch weitere, z. T. erhaltene, z. T. rekonstruierte mathemat. Abhandlungen sowie Schriften über Optik und eine

Euklidischer Algorithmus systemat. Darlegung der pythagoreischen Musiktheorie. Wu T: J. L. Heiberg und H.Menge, BT 1883-1916 (8 Bde.); J. L. Heiberg und E. S. Stamatis, BT 1969-1972 (vol. 1-3); K. von Jan, Musici scriptores Graeci, Leipzig 1895, 113ff. Elemente: Ü: C. Thaer, Leipzig 1933137. Euklidischer Algorithmus: ein bereits von Euklid gegebenes und nach endlich vielen Schritten zum Ziele führendes Verfahren, für zwei gegebene ganze rationale Zahlen den größten gemeinsamen Teiler zu bestimmen. Wu Eule [griech. glayx, lat. ylula]. Der Nachtraubvogel E. war in Griechenland der Göttin Athene geweiht, die den Beinamen die E.näugige (glaukQpis) trug. Wegen ihres Aufenthaltes in stillen Gemäuern und ihres nächtl. Umherschweifens galt die E. als Symbol des Studiums und der Weisheit. Athen war reich an E.n. Man prägte ihr Bild vielfach auf Münzen. Geldstücke dieser Art hießen im Volksmund auch „E.n". „E.n nach Athen tragen*' heißt etwas Überflüssiges tun, und zwar in dem Sinne, daß man in Athen keine weiteren E.n mehr benötigte und daß es in Athen auch genug Münzen gab. In der christl. Kunst der Spätantike wurde die £. zum Sinnbild ird. Torheit. Ein Kreuz auf ihrem Kopf bedeutete daher den Sieg des Christentums über seine Feinde. Di Eumaios, lat. Eumagus, in der Odyssee der treue Schweinehirt des Odysseus, von einer phönik. Sklavin seinem königl. Vater entführt und an Laertes, den Vater des Odysseus, verkauft. Er half dem heimkehrenden Odysseus im Kampf gegen die Freier der Pénélope. Be Eumenes, lat. Eumenes: 1. E. von Kardia, 362-316 v. u. Z., Privatsekretär und Diplomat Alexanders d. Gr., trat nach dessen Tod für die Erhaltung der Reichseinheit ein, erhielt 321 v. u. Z." das Amt eines Strategen in Kleinasien und betrieb im Heer einen Alexanderkult. 2. E. II., ältester Sohn Attalos' L, 197-159 v. u. Z. König von Pergamon, der siegreich die Galater abwehren konnte, sein Reich bis an den Taurus ausdehnte und durch das Bündnis mit Rom die Vormachtstellung in Anatolien erreichte. E. ließ die Stadt Pergamon prächtig ausgestalten (Bau des Pergamonaltars); als Hellenist. Mäzen wurde er an vielen Orten sehr gefeiert. S F Eumeniden [griech., die „wohlmeinenden" Göttinnen]: beschönigende Bezeichnung für die Erinyen, die aus Rachegottheiten zu Segensgottheiten wurden, Unglück abwehrten und Fruchtbarkeit schenkten. Sie genossen bes. am Areopag in Athen einen Kult. - Drama von Aischylos. Be Eumolpos, lat. Eumglpus, Sohn des Gottes Poseidon, unterlag mit den Eleusiniern im Kampf gegen f Erechtheus. Er galt als Stifter der Eleusin. Mysterien. Seine Nachkommen, die Eumolpiden, waren die Priester der Demeter in Eleusis. Be Eunomia [griech., „gesetzt. Ordnung"], eine der drei f Hören. Be Eunuchen [griech., ,,Betthüter"]: Verschnittene, bei polygamen Völkern des Vorderen Orients, früher auch Indiens und Chinas, Haremswächter. Unter oriental. Einfluß fand die Institution der E. auch in die antike Welt Eingang, bes. seit der röm. Kaiserzeit. Die röm.-byz. Gesetzgebung wandte sich seit Kaiser Domitianus (81-96) gegen die Verstümmlungen, bes. streng Justinian I. im 6. Jh. Die Verbote betrafen aber nicht den ständig steigenden Import von E. Wie an den oriental. Höfen gewannen die E. auch in Rom, bes. seit Diocletianus, und in Byzanz - wohl auch im Hinblick auf ihre Ungefährlichkeit für den Thron - bedeutenden polit. Einfluß. Kp Eunus, syr. Sklave auf Sizilien, Anführer im 1. sizilian. Sklavenaufstand (138/32 v.u.Z.), unter dem Namen Antiochos zum König eines Sklavenstaates ausgerufen.

164 E. vereinigte seine Streitkräfte mit denen des Sklavenführers Kleon im SW der Insel, schlug mehrere röm. Truppenkontingente, seine Aktionen fanden Widerhall im ganzen Mittelmeerraum; sein Heer wurde schließlich von dem des Konsuls P. Rupilius geschlagen. E. starb in der Gefangenschaft in Rom. Seh Eupatrjden [griech., „Söhne edler Väter"]: Angehörige des att. Geburtsadels, die bis zur Reform des Kleisthenes den bevorrechteten Stand in Athen darstellten. Gü Euphemismus [griech.]: sprach!. Kunstgriff, Ersatz der konkreten Bezeichnung des Bedrohlichen oder Anstößigen durch einen beschönigenden, abmildernden Ausdruck. In der Sprache des Kults und Aberglaubens beheimatet (Eumeniden für Erinyen) begegnet der E. vor allem literarisch als verhüllende Redeweise für den Bereich der Ausscheidung und Sexualität. Gl Euphorion, lat. EuphQrion, 1. der geflügelte Sohn des Achilleus und der Hélène auf den Inseln der Seligen; verschmähte die Liebe des Zeus und wurde deshalb von diesem mit dem Blitz getötet. - In Goethes „Faust" II ist E. der Sohn Fausts und der Hélène. - 2. heilenist. Dichter aus Chalkis (Euboia), 276/75 - etwa 200 v. u. Z., später Leiter der Bibliothek in Antiocheia (Orontes). Von seinen gelehrten kulturhistor. Werken ist nichts erhalten, von seinen Dichtungen haben neue Papyrusfunde Fragmente gebracht, die sich durch entlegene Gelehrsamkeit und Eigenwilligkeit auszeichnen. E., der bes. den röm. Neoterikern Vorbild war, ist ein wichtiger Vertreter des im Hellenismus gepflegten Epyllions. Be T: D. Page, Greek Literary Papyri, LCL 1950. Euphranor vom Isthmus, Maler und Bildhauer des 4. Jh. v. u. Z. Er schuf u. a. Bilder für die Stoa Eleutherios in Athen, darunter ein Schlachtengemälde von Mantineia (362). Unter den plast. Werken erfreute sich sein Paris bes. Beliebtheit, der in der Bronzestatue von Antikythera wiedererkannt worden ist. Sl Euphrat, griech. Euphrates [aus akkad. puratu, „breit"]. E. und Tigris hatten urspr. getrennte Einmündungen in den Pers. Golf, doch schon im Altertum einen gemeinsamen Unterlauf. Von großer Bedeutung als Wasserstraße und in militär. Hinsicht bildete der E. in seinem Oberlauf lange die Grenze zwischen dem Röm. Reich und dem Reich der Parther und später dem der Perser. D Euphronios, bahnbrechender Meister der att.-rotfigurigen Vasenmalerei des ausgehenden 6. Jh. v. u. Z., Vertreter der Pioniergruppe, deren Neuerungen mit den Erfindungen des Kimon von Kleonai in Zusammenhang gebracht worden sind. Sl Euphrosyne, lat. Euphrosyne [griech., „Frohsinn"], eine der drei f Chariten (Grazien). Be Eupolis, 446 bis nach 412 v. u. Z. (gefallen?), griech. Komödiendichter aus Athen, Freund, später Rivale des Aristophanes; seire Komödien, wohl 14, wurden zwischen 429 und 412 aufgeführt. Die erhaltenen Fragmente zeigen E. als einen geistvollen, phantasiereichen, treffsicheren Spötter, der brennende polit. Probleme aufgriff. Berühmt waren seine „Demoi" (Gemeinden), in denen er Solon, Miltiades, Aristeides und Perikles aus der Unterwelt kommen ließ, damit sie Athen Ratschläge zur Besserung der polit. Verhältnisse gäben. Be TU (engl.): FAttCom I, S. 310-447. Eurich, König der Westgoten 466-484. Unter seiner Herrschaft lösten die Westgoten das Föderatenverhältnis mit dem weström. Staat. E. erreichte 475 die volle polit. Anerkennung durch diesen. Das westgot. Recht wurde im Codex Euricianus um 475 kodifiziert. Gü £uripides, lat. Euripides, geb. 485/84 oder 480 v. u. Z. auf Salamis, gest. 406 Pella; jüngster der drei klass. griech. Tragödiendichter, aus wohlhabender Familie stammend,

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Europe

ging 408 an den Hof des Archelaos in Pella (Makedonien). Von E. wurden 22 Tetralogien aufgeführt, darin siegte er nur viermal (zuerst 455). Erhalten sind 17 Tragödien und das Satyrspiel „Kyklops"; die Echtheit des „Rhesos" ist umstritten. Nach Aristoteles ist E. der „tragischste der Dichter"; er gestaltete mit dem Stoff der alten Mythen Dramen, die geistige und soziale Probleme seiner krisenreichen Zeit widerspiegeln. Die Modifizierung der Sagen, die Fragwürdigkeit mancher seiner Göttergestalten, sein Rationalismus und Skeptizismus, sein bohrendes Forschen und die Infragestellung von unantastbar erachtetem Herkommen standen einem gerechten Urteil über seine Größe bei seinen Zeitgenossen im Wege. Die

Euripidesherme (Neapel)

psychologisch meisterhaft gezeichneten Gestalten (Frauen, einfache Menschen, Sklaven) des E. verhalten sich trotz ihrer Gebundenheit an den Mythos (Einwirken der Götter; Deus ex machina) wie lebensechte Menschen, die in Grenzsituationen ihr Schicksal aus ihrem Charakter heraus voll verantwortlich selbst gestalten. Teilweise wird an dem Geschick der Personen die krit. Haltung des von Philosophie und Sophistik beeinflußten Dichters allem Überkommenen gegenüber erkannt, der alles am Maßstab des Verstandes maß. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander und die daraus erwachsende Tragik gestaltete E. als erster in „Alkestis" (438; Opfertod der Frau für den dem Tode bestimmten Mann Admetos), „Medeia" (431; Rache der verratenen Frau), „Hippolytos" (428; Liebe der Stiefmutter Phaidra zu ihrem Stiefsohn Hippolytos). Das Leid des Krieges und der Gefangenschaft und das durch Krieg zerstörte Leben stellt E. in der „Hekabe", der „Andromache" und in den „Troerinnen" (415) dar, bei denen Sorge um Athen wegen drohender Kriegsgefahr im Hintergrund steht. In den nach seinem Tode aufgeführten „Bakchai" zeigt E. die Wirkungen des orgiast. Dionysoskultes. In seinem „Herakles", der im Wahnsinn Frau und Kinder tötet, brachte E. Pathologisches auf die Bühne. Bei der Gestaltung der Atridensage („Elektra", „Orestes*' 408, „Iphigeneia in Aulis", nach seinem Tode aufgeführt, und „Iphigeneia in Tauris") verknüpft E. den Mythos mit seinen Zweifeln an den herkömmlichen Götter Vorstellungen. Weitere Dramen sind „Ion", „Herakliden", „Hiketiden" (Schutzflehende), „Phoinikerinnen", „Helene" (412). Die Sprache des E. steht der gesprochenen Umgangssprache nahe; reiche sprachl. Nuancierungen, Freude am Streitgespräch (Einfluß der zeitgenöss. Rhetorik), meisterhafte Botenberichte und Monologe als Ausdruck seel. Kampfes zeichnen seine Dramen aus. Der Chor hat z. T. nur noch wenig Bezug zur Handlung. Den Werken des E. war ein reiches Nachleben beschieden: die Neue att. Komödie nahm sie zum Vorbild (Menandros; Motive der Aussetzung, Wiedererkennung, Intrigen), das röm. Drama, bes. Seneca, ist ohne E. nicht denkbar; von

der Renaissance an hat E. das moderne Drama stark beeinflußt (z. T. über Seneca), u. a. Sartre. Be T: G. A. Murray, BÖ 1902-1909; (Frg) TGF, S. 363-716 und S. 1027-1044; (Hélène) K. Alt, BT 1964; (Troerinnen) W.Biehl,BT 1970; (Orestes) W. Biehl, BT 1975; (Herakliden) A. Garzya, BT 1972; (Hekabe) S. G. Daitz, BT 1973. TU:

(Medeia) D. Ebener, SQAW 1972; (Alkestis, Hekabe, Hippolytos, Andromache) D. Ebener, SQAW 1975 (Herakles, Hera-

kliden, Hiketiden) D. Ebener, SQAW 1976. Ü: D. Ebener, B A 1966.

Eurgpa, griech. Eurgpe. Die Etymologie des Namens ist umstritten (von dem semit. Wort für „Abend"?). Die natürl. Abgrenzung der Landmassen durch die Ägäis führte schon früh zur Unterscheidung E.s von Asien, aber E. war zunächst nur das griech. und thrak. Festland. Vom 8. Jh. v. u. Z. an traten durch Seefahrten und Kolonisation die Südküsten E.s von der Straße von Gibraltar bis zum Kaukasus in das Bewußtsein der Griechen, und seit dem 6. Jh. dehnten die lonier die Bezeichnung E. auf alle Länder nördlich des Mittelmeeres aus. Schon bald wurde nicht mehr der Phasis (Rioni in Transkaukasien), sondern der Tanaïs (Don) als Grenze zwischen E. und Asien angesehen ; später nahm man Anstoß an der Trennung der Kontinente durch Flüsse und postulierte daher teils die kürzeste Verbindung zwischen Schwarzem und Kasp. Meer, teils die zwischen dem Asowschem Meer und dem nördl. Ozean als Grenze zwischen E. und Asien. Die Erforschung E.s hängt mit den Handelsreisen und der Kolonisation der Phöniker und Griechen sowie später mit der Ausbreitung der Römerherrschaft zusammen. Von ihren Pflanzstätten im Skythenland an der Nordküste des Schwarzen Meeres aus erweiterten die Griechen ihre Kenntnisse über Ost-Ε. (Aristeas von Prokonnesos). Nachdem durch Phöniker und Griechen die Küsten des gesamten westl. Mittelmeeres bekannt geworden waren, wurden durch die Fahrten der Phöniker und speziell der Karthager (Himilko) nach den „Zinninseln" (Britannien?) und dann durch die Nordlandreise des Pytheas von Massilia zur Zeit Alexanders d. Gr. die Kenntnisse der Antike über West-Ε, erweitert, aber erst durch die Eroberungen der Römer in Spanien, Gallien, Britannien, Germanien, den Alpen-, Donau- und Karpatenländern wurde man mit diesen Gebieten näher bekannt. Indes war das Wissen über Skandinavien und seine äußere Gestalt sowie über das spätere Rußland auch in der röm. Kaiserzeit höchst lückenhaft. D EurQpe, lat. Eurgpa, in der griech. Sage Tochter des

Entführung der Europe (nach pompejan. Wandgemälde, Neapel)

Euros phönik. Königs -Agenor und der Telephassa. Zeus verwandelte sich in einen zahmen weißen Stier und entführte die am Ufer spielende E. über das Meer nach Kreta. Dort gebar sie ihm Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Die Entführung der E. war in der Antike eine beliebte Darstellung .auf Vasen und Wandgemälden (Abb.); in der Neuzeit wurde sie besonders gern auf Gemälden dargestellt (Tintoretto, Veronese, Tizian, Rembrandt, Tiepolo). Be Euros, lat. Eijrus oder Voltyrnus: der Südostwind. Be EurQtas: Hauptfluß Lakoniens, an dem Sparta lag. D Eurydike, lat. Eurydica, dt. Eurj^dike, in der griech. Sage die Frau des f Orpheus. Be Eurykleia, die Amme des Odysseus, verwaltete während seiner Abwesenheit treu und umsichtig sein Hauswesen und erzog Telemachos, erkannte zuerst den unerkannt heimkehrenden Odysseus. Be Eurymedon, griech. Eurymgdon: Fluß im kleinasiat. Pamphylien, heute Köprüsu, der durch die Schlacht berühmt wurde, in der 465 v. u. Z. Miltiades' Sohn Kimon die Perser zu Wasser und zu Lande besiegte. D Eurysthgus, lat. Eurystheus, myth. König von Mykene; die eifersüchtige Hera ließ an dem Tag, an dem nach Zeus' Spruch ein Herrscher geboren werden sollte, die Geburt des E. vor der des f Herakles stattfinden. Auf Grund eines delph. Orakels mußte Herakles im Dienst des feigen, schwächlichen E. zwölf schwere Arbeiten verrichten. Be Eusebios, geb. um 260 in Palästina, gest. 339, Schüler (urspr. Sklave?) des gelehrten Märtyrers Pamphilos in Caesarea. Um 313 wunje er Bischof von Caesarea. Wegen seiner Gelehrsamkeit und seiner vermittelnden theolog. Haltung erwarb er sich bei Konstantin I. eine Vertrauensstellung. In theolog. Hinsicht vertrat er wie Origenes die origenist. Subordinationslehre (Christus ist Gott untergeordnet), lehnte jedoch die These des Arius (Christus ist ein Geschöpf Gottes) ab. E. hat auf die folgenden Jahrhunderte stark eingewirkt. Er schrieb eine Weltchronik, die von Hieronymus ins Lateinische übersetzt und erweitert wurde, und das erste Kirchengeschichtswerk, das die Zeit von der Gründung der Kirche-bis 324 umfaßt, viele Urkunden und Auszüge aus verlorener Literatur enthält und ihm den Beinamen „Vater der Kirchengeschichtsschreibung'* eintrug. Außerdem wirkte er durch seine Sammlertätigkeit - bes. die Praeparatio und die Demonstratio evangelica enthalten viele Auszüge aus verlorenen Schriften der antiken Literatur - und durch seine Konstantinschriften (u. a. die panegyr. Schrift „Über das Leben Konstantins"). Seine polit.-theolog. Anschauungen (Konstantin und sein Reich als das Abbild der Herrschaft Gottes) haben die byz. Kaiser- und Reichsidee entscheidend beeinflußt. Wi T: Migne PG 19-24; mehrere Bde. in GCS. Ü: BKV 9, 1913; II /, 1937. Eustathios, gest. 1194, seit 1175 Erzbischof von Thessalonike. Vor 1175 lehrte er in Konstantinopel Rhetorik und verfaßte u. a. Kommentare zu Ilias und Odyssee, in denen er alle erreichbaren Homerscholien zusammenstellte. So bewahrte er reiches, sonst verlorenes Material antiker Gelehrsamkeit. Ein wichtiges Zeitdokument ist seine Schrift über die normann. Eroberung von ThessaIonikell85. Kp T: (Homerkommentar) G. Stallbaum, 8 Bde., Leipzig 1825 bis 1830; (Eroberung von Thessalonike) L Bekker, Bonn 1842, in: Leonis Grammatici Chronographia 363-512. Eutcrpe [griech., „die Ergötzende"], eine der neun f Musen. Be Euthymides. Vasenmaler des att.-rotfigurigen Stils im späten 6. Jh. v. u. Z., vermutlich Lehrer des Kleophrades-

166 Malers. Sein Name ist auf sieben von ihm bemalten Gefäßen bezeugt, einmal mit dem ausdrückl. Hinweis, daß er besser male als Euphronios. Sl Euthyne [griech.]: in Athen die gesetzlich vorgeschriebene Rechenschaftsablegung des abtretenden Beamten. Das Verfahren begann vor den Logisten zur Prüfung der verwendeten Staatsgelder und konnte zur Entlastung oder zu einem Prozeß wegen Mißbrauch, Unterschlagung oder Bestechung vor dem Geschworenengericht führen, das ein Strafmaß bis zum Zehnfachen der ermittelten Schadenssumme verfügen konnte. Ein außerhalb der finanziellen Belange angezeigtes Unrecht wurde von dem Euthynos der Phyle geprüft und zur Ahndung an die zuständigen Gerichtsbehörden überwiesen. Mü Euthynteric [griech.]: Richtschicht, ausgleichende obere Abschlußschicht der Fundamentierung von Bauwerken, deren Stufenunterbau auf die E. aufsetzt. Sl Eutropius, röm. Geschichtsschreiber, der als Beamter des Kaisers Valens (364-78 u. Z.) einen kurzen Abriß der röm. Geschichte („Breviarium ab urbe condita") von der Gründung Roms bis zum Jahre 364 u. Z. verfaßte. Das Werk fand wegen seiner übersichtl. Kürze schon in der Antike weite Verbreitung und wurde mehrmals ins Griechische übersetzt. Jo T: H. Droysen, MGH, Bd. 2, Berlin 1878; R. Rühl, BT 1887. Ü: A. Farbiger, Berlin 1900. Eutychjdes von Sikygn, griech. Bildhauer, Erzgießer und Maler der Wende vom 4. zum 3. Jh. v. u. Z., Schüler des Lysippos. Von seinen Werken ist die Tyche von Antiocheia (Orontes) in zahlreichen Repliken wiedererkannt worden. Sl Evangelium [griech., „gute Botschaft"]: im christl. Sprachgebrauch sowohl die Jesus f Christus zugeschriebene Botschaft als auch eine besondere, dem Gemeindeleben und der Mission des Urchristentums dienende Literaturgattung, in der in erzählender Weise Leben und Lehre des Jesus Christus dargestellt sind. In den Gemeinden des frühen Christentums waren verschiedene Evangelien in Umlauf (u. a. Hebräer-E., Ägypter-Ε, und PetrusE.), bis sich vier, die den Interessen der werdenden Kirche entsprachen, durchgesetzt hatten und in den neutestamentl. Kanon aufgenommen wurden: die drei synoptischen (nach ihren angenommenen Verfassern Matthäus, Markus und Lukas, den Synoptikern, so bezeichnet) sowie das Johannes-Ε. Einige der übrigen sind als „apokryphe" (..verborgene"), d.h. aus dem offiziellen kirchl. Leben ausgeschlossene, überliefert. Ro Evans, Sir Arthur, 1851-1941, engl. Archäologe, Initiator der Ausgrabungen des Palastes von Knossos (Kreta), deren wissenschaftl. Ergebnis für die Erforschung der minoischen Kultur Kretas von außerordentl. Bedeutung war. Von E. vorgenommene Rekonstruktionen werden heute z. T. angefochten. Sl Evokation [lat., „Herausrufen"]: Ritus, durch den die Römer bei der Belagerung einer Stadt deren Schutzgottheit herausriefen und dieser eine Kultstätte in Rom gelobten. Sie glaubten, damit die Belagerten des göttl. Schutzes zu berauben und sich dieses Schutzes zu versichern. Be Exedra [griech., „Außensitz"]: 1. im Freien stehende, meist halbrunde Sitzbank. - 2. Raum, der sich mit einer Seite auf eine Säulenhalle oder ins Freie öffnet (häufig in Palästren und Wohnhäusern). He Exegese [griecH., „Auslegung"]: Erklärung nicht von allein verständl. Texte; entwickelte sich früh aus der Beschäftigung mit der Dichtung, z. B. Homer, wurde aber bald auch auf die Prosa angewandt. Von Herodot, den Sophisten, Platon, Aristoteles u. a. bereits methodisch gehandhabt, fand sie seit der alexandrin. Zeit ihre spezif.

167 literar. Form im Kommentar zu ganzen Schriften oder Einzelpartien (vor allem auch der Fachwissenschaft: Medizin, röm. Recht, Bibel). Du Exegetes [griech.]: in Athen ein amtl. „Ausleger" des Sakralrechtes. Aus den altatt. Adelsgeschlechtern wurde auf Lebenszeit je ein E. von der Volksversammlung gewählt, ein anderer vom delph. Orakel bestimmt. Mü Exekias, hervorragender Töpfer und Maler des att.schwarzfigurigen Stils im 3. Viertel des 6. Jh. v.u.Z., dessen Name auf elf Vasen inschriftlich bezeugt ist. Er bemalte Gefäße wie die Vatikan. Amphora mit den brettspielenden Helden Achilleus und Aias (Taf. 46) und der Heimkehr der Dioskuren, die Münchener Schale mit der Meerfahrt des Dionysos, sowie Pinakes, von denen beachtl. Reste erhalten sind (Berlin, Athen). E. zählt zu den führenden Attikern seiner Zeit. Sl E: W. Technau, Leipzig 1936. Exhaustionsmethode, Exhaustionsrechnung [lat. exhaurire, „ausschöpfen·"]: im 17. Jh. geprägte Bezeichnung für die Bestimmung des Rauminhaltes eines (nicht durch Ebenen begrenzten) Körpers als Grenzwert einer konvergenten Folge von Rauminhalten von Teilkörpern; gedanklich für Ebene und Raum bereits bei Archimedes in dessen Methodenlehre vorbereitet, welcher damit echte Methoden der modernen Infinitesimalrechnung verwendete. Wu Exodos [griech., „Auszug"]: 1. im antiken Drama das Auszugslied des Chores am Schluß des Stückes. 2. Name des 2. Buches Mose, das den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten beinhaltet. Ki Experiment. Gezieltes, systemat. Experimentieren gab es in der Antike nicht. Ansätze zeigen sich jedoch bei Archimedes, der das E. zur Bestimmung der Dichte heranzog und sich bei der Ermittlung des Inhaltes von Flächen und Körpern des Gedanken-E.s bediente. Ptolemaios bestimmte experimentell die Brechungsindizes von Luft gegen Wasser, Luft gegen Glas und Wasser gegen Glas mit hoher Genauigkeit, ohne zur mathemat. Formulierung des Brechungsgesetzes vorzudringen. WS Exposjtio totius m und i et gentium [lat., „Beschreibung der ganzen Welt und der Völker"] : anonym überlieferte, am Anfang verstümmelte lat. Fassung eines griech. Originals der späten Kaiserzeit (4. Jh. u. Z.). Das Werk ist kulturgeographisch, ethnographisch und handelsgeschichtlich interessant. Eine jüngere Rezension desselben lat. Textes tilgte Heidnisches und fügte Christliches hinzu. D

Fabel [lat., „Erzählung"]: kurze Erzählung in Prosa oder Versen, die eine allgemeingültige Wahrheit sinnfällig macht mit dem Ziel, zu überreden oder zu belehren. In ihr treten Götter, Menschen, vor allem aber mit menschl. Zügen ausgestattete Tiere handelnd auf. Die F. stammt aus dem Orient. Bei den Griechen gehörte sie jahrhundertelang zu dem vorwiegend mündlich tradierten volkstüml. Gut und besaß urspr. wohl ausgeprägte sozialkrit. Züge. Als Begründer der F. galt der F.dichter und -erzähler Aisopos (lat. Aesopus) ; nach ihm wird die F. seit dem 5. Jh. v. u. Z. „äsop. F." genannt. Bis zum 4. Jh. treten F.n. in der Literatur nur sporadisch auf (Hesiod, Archilo-

Fabrik chos, Sophokles, Platon). Im Hellenismus stellte Demetrios von Phaleron eine Slg. äsop. (Prosa-) F.n zusammen; das Beispiel einer solchen Slg. ist in der Collectio Augustana („Augsburger Slg.") aus dem l./2.Jh. u.Z. erhalten. Auch in der röm. Literatur erscheint die F. zunächst nur vereinzelt (Ennius, Lucilius, Horaz); zur selbständigen literar. Gattung erhob sie Phaedrus (l, Jh. u. Z.). Nach ihm schrieb Babrios (2. Jh.) griech. Fabeln, von denen ein Teil überliefert ist. In ihrer Tradition stehen die lat. F.n des Avienus (4. Jh.). Auch im Mittelalter rege gepflegt, erreichte die F.dichtung künstler. Höhepunkte im 17. bis 19. Jh. durch La Fontaine, Geliert, Lessing und Krylow, die mehr oder weniger alle von Aisopos und Phaedrus beeinflußt sind. Ki Fabius: altröm. patriz. Geschlechtername. - 1. Q. F. Maximus Verrucösus, gest. 203 v. u. Z., 233 Konsul, nach der röm. Niederlage am Trasimen. See 217 v. u. Z. Diktator; führte gegen Hannibals Heer einen hinhaltenden Kleinkrieg (daher Beiname Cunctator, der „Zauderer"), wurde am Ende des 2. Pun. Krieges zum Gegner der Offensivstrategie Scipios. Ennius charakterisiert ihn: Unus homo nobis cunctando restituit rem („Ein einziger Mann hat durch sein Zaudern den Staat wiederhergestellt'*). - 2. Q. F. Pictor, röm. Geschichtsschreiber, führte 216 v. u. Z. eine röm. Gesandtschaft zum Apollonheiligtum in Delphi ; verfaßte eine erste röm. Geschichtsdarstellung von Aeneas bis zum 2. Pun. Krieg, nach Jahresabschnitten gegliedert, in griech. Sprache (Annalen). Seh T: HRR I 5-39; 122f. Fabrik [lat. fabrica, (Waffen-) „Schmiedewerkstatt"]. Die Rezeption des Wortes erfolgte im 17. Jh. ohne Rücksicht auf die sozialökonom. Struktur der Antike aus der Einsicht in gewisse Parallelen zur damaligen manufakturellen Arbeitsteilung im Großbetrieb. - Die Entwicklung der seit dem Hellenismus differenzierten und in monopolisierten Großbetrieben produzierenden Gewerbe ging nie über die Manufaktur hinaus, weil bei gesteigerten Ansprüchen an Qualität und Quantität zwar eine erhöhte Arbeitsteilung erforderlich war, das nötige Produktionsvolumen aber ohne Mechanisierung der Antriebskraft erreichbar blieb. Die Sklavenarbeit und die daneben durch staatl. Berufszwang erzielte Leistungspflicht der Handwerkerkorporationen genügte bis auf ganz wenige Ausnahmen. So erzielten Ptolemaier und Seleukiden in ihren königl. Regiebetrieben ein exportfähiges Warenangebot: Papyrus, öl, Wein, Glas, Leinen, Farbenkonzentrate, Keramik. In der röm. Kaiserzeit faßte die mit jeweils spezif. Heereslieferungen beschäftigte, zunächst (bis Julianus) noch private Fabrica bis etwa 1000 Manufakturarbeiter zusammen. Dennoch fehlten alle Merkmale des F.wesens mit seiner rationellen Mechanisierung der Arbeitsvorgänge durch Einführung von Maschinen als Antriebskraft. Die Beibehaltung des Menschen als Antriebskraft und Energiequelle schloß die techn. Entwicklung und damit die Voraussetzung für die F. aus; als Sklavenarbeit (einerseits aus Sklavenmangel, andererseits aus Rentabilitätsgründen) rückläufig wurde, ist nicht die zur F. führende Maschine, sondern der zur

Fabrik. Tempelartig wirkendes Gebäude der ölfabrik in Bir Sgaoun (Afrika). Industriebau der Provinzarchitektur aus dem 2. Jh. u. Z.

Fabrikmarke Hörigkeit führende erbl. Zwangsberuf entwickelt worden. Nur gelegentlich nutzte die röm. Kaiserzeit die Wasserkraft zum Antrieb von Mahlwerken (t Abb.), Steinsägen oder Schöpfrädern. Auch die kaiserl. Werkstätten zur Massenanfertigung einheitl. Bedarfsgüter (Waffen, Stoffe) und die Privatunternehmen zur Erzeugung keram. Massenware - beide fabricae genannt - waren nur Arbeitsstätten (f Ergasterion) und keine F.en. Wf Fabrikmarke. Der Ersatz der Künstlersignatur durch einen Stempel auf Lampen u. a. keram. Erzeugnissen seit dem 3. Jh. v. u. Z. ist als „Gütezeichen" mit der Nebenabsicht der Reklame anzusehen; das galt auch für die weit älteren Aufschriften auf Wein- und ölamphoren zur Angabe von „Wachstum und Jahrgang". Wf Fackeln. Stab- oder Span-F. aus harzigem Holz oder Bündel-F. aus Laubholz, mit Pech (Talg, Wachs, öl) getränkt, dienten in Griechenland wie im röm. Imperium

Fackel. Siegreiche Staffel, geführt von zwei Festordnern, mit acht Fackelläufern vor der thrak. Göttin Bendis, die unter Perikles im Piräus Tempel und Kult erhielt. (Marmorrelief des 4. Jh. v. u. Z., London, Brit. Museum)

zur festl. Beleuchtung. Unentbehrlich waren F. für den nächtl. Kult, auch bei häusl. Feiern wie Hochzeit und Tod. Zu Ehren von Göttern, die mit Feuer zu tun hatten, fanden mit F. Prozessionen und Läufe, auch als sportl. Wettbewerbe, statt. Man trug die F. mit einem Handschutz; es gab auch aufstellbare, dekorative Halter für F. aller Größen aus Metall und Keramik. Aus diesen entwickelte sich die sog. ,Gefäßfackel' - ein Stiel mit Halter für wachsgetränktes Werg (Rebenbast). Mit F.signalisierte man im Krieg und benutzte Brand-F. als Kampfmittel. f Abb. Signale. Wf Fahnen f Feldzeichen. Falcrner: die beste italien. Weinsorte aus dem N Kampaniens, so genannt nach dem dortigen Weinbaugebiet, dem Falernus ager. Der F. wird heute noch in Kampanien angebaut. Gü Faljsker: Stamm in Südetrurien, vermutlich ital. Ursprungs, von den Etruskern unterworfen. Ihr kleines Gebiet mit den Städten Falerii und Fescennium war fruchtbar. Die F. betrieben Viehzucht; sie sprachen einen eigenen, durch Inschriften bezeugten ital. Dialekt. Seh Fallmerayer, Jakob Philipp, 1790-1861; Historiker, bes. der byz. Geschichte. Ergebnis wissenschaftl. Studien sowie mehrfacher Reisen in den Vorderen Orient war eine Reihe von stilistisch geschliffenen, gelehrten histor.kulturhistor. Werken. Seine - jetzt weitgehend widerlegte - Behauptung, die Griechen seien im Mittelalter fast gänzlich ausgerottet und die Neugriechen großenteils slaw. Abstammung, hat die Zeitgenossen, Philhellenen wie bes. die Griechen selbst, schockiert, die Forschung jedoch angeregt und vor Einseitigkeit bewahrt. Kp Fälschung. F.en von Antiken sind seit der Renaissance feststellbar, jedoch von den nicht als F. beabsichtigten

168 Nachbildungen, vor allem des 16.-18. Jh. u. Z., nicht immer leicht zu trennen. Zu den berüchtigsten F.en zählen die des A. Dossena (z. B. Athena in Kampfstellung, etrusk. Diana), zu den jüngst entdeckten F.en der Apollonkopf in Frankfurt. Auch kleinere Kunstgegenstände wurden gefälscht, z. B. griech. Vasen, Terrakotten, Bucchero. Das Erkennen der F.en ist durch ehem. und physikal. Untersuchungen des Materials und der Technik sowie durch Stilanalyse in vielen Fällen möglich, nicht immer jedoch zwingend (z. B. die Zweifel an der Echtheit der Berliner stehenden Göttin). Sl E: E. Paul, Die falsche Göttin. Leipzig 1962. Fgma [lat., „Gerücht, Ruf, Sage"]: bei den Römern seit Vergil das personifizierte Gerücht. Be Farnes [lat., „Hunger'*]: bei den Römern die Personifikation des Hungers. Be Familie [lat.]. Sowohl in Griechenland als auch in Rom bildete das in der Hand des Hausvaters (griech. Kyrios, lat. Pater familias) konzentrierte Privateigentum an Produktionsmitteln die Grundlage seiner Macht innerhalb der F., die zugleich eine Kultgemeinschaft (gemeinsame Hausgötter) darstellte und zu der alle der Gewalt des Hausvaters unterworfenen Personen (Ehefrau, Kinder, Sklaven) gehörten. Wa Famulus: altröm. patriarchal. Haussklave, zum engeren Hauswesen gehörend. Die Bezeichnung kam in der Spätantike wieder auf im Zusammenhang mit archaisierenden Bestrebungen nichtchristl. Schriftsteller. - Heute veraltet für Helfer eines Hochschullehrers, etwa einem Hilfsassistenten entsprechend (Wagner in Goethes Faust). Gü Fanatici [lat., ..Verzückte", ..Rasende'4]: von einer Gottheit Besessne, vor allem das Tempelpersonal der MaBellona, Magna Mater und Isis. Seit dem 17. Jh. in der dt. Sprache „religiöse Schwärmer", dann allgemein: streitbare Vertreter strenger Grundsätze, „Fanatiker". KR Farben. Die Bezeichnung war pharmakon, worunter sowohl F. für die Woll-, Glas- und Emailfärberei als auch Malerfarben und Schminke verstanden wurden. Ihre Kenntnis wurde bes. seit der Gründung von Alexandreia aus Ägypten nach Griechenland und Rom vermittelt. Zu Beginn unserer Zeitrechnung wurde die Färberei mit echtem Purpur ausgebildet, die unter den röm. Kaisern monopolisiert war. Früh schon wurde Purpur durch billigere, pflanzl. und tier. Farben ersetzt bzw. imitiert. Als „Pseudopurpur" wurden Krapp, Orseilleund Lackmusflechte. Safflor, Hennah und Sandyx sowie der Saft der Kermesschildläuse öder Kokken verwendet. In hellenist. Zeit lernte man auch eine sehr große Zahl anderer pflanzl. und minéral. Farben kennen, u. a. reinste, sorgfältig aufbereitete Arten von Zinnober, künstl. Lasursteinen, Smalte, Bleiweiß u. a. Ferner verwendete man Waid bzw. Indigo, Schöllkraut, Maul- und Heidelbeersaft. Zur Herstellung von Schminken dienten bes. Bleiweiß, Stimmi, Bleiglanz, Antimonsulfid und Malachit. Se Farbenlehre. Demokrit unterschied vier Grundfarben: weiß, schwarz, rot, grün, die durch verschiedene Atomformen hervorgebracht sein sollten; Lukrez erweiterte diese Vorstellung dadurch, daß auch Atomanordnung und -bewegung die Farberzeugung beeinflußten. Nach Platon, dessen Lichttheorie im Mittelalter eine große Rolle spielte, entstehen die Farben aus der Wechselwirkung der Sehstrahlenteilchen mit den aus dem Körper strömenden. Bei Aristoteles werden die Körper durch ihre Farben sichtbar, die das „Durchsichtige" erregen. Die Farben setzen sich bei ihm aus den Grundfarben Schwarz und Weiß zusammen. Den Regenbogen erklärte

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Faunus

er als eine Vielzahl unvollkommener Abbildungen der Sonne an den Wolken, wobei die Farben durch Reflexion unter verschiedenen Winkeln entstehen. S. a. Optik. WS Färberei. Griechen und Römer nutzten die Überlieferungen älterer Kulturen und entwickelten keine neuen Methoden in der F. - Textilfasern wurden allgemein als Garne, selten im ganzen Stück, durch Eintränken und Einkochen gefärbt. Die Farbaufnahme erleichterte eine Beizung mit Alaun oder Weinsteinsäure bzw. Seifenkraut. Die dazu erforderl. Fertigkeit macht verständlich, daß die F. früh Gewerbe wurde; leider ist über Korporationen so gut wie nichts bekannt, während F.-Rezepte in zieml. Umfang überliefert sind. Als auffällige Sonderleistung der ägypt. F.n wird in der röm. Kaiserzeit ein Verfahren erwähnt, durch Auftrag verschiedener Beizen eine dauerhafte bunte Musterung der Stoffe zu erzielen, die man sonst nur zeitweilig durch (die uns ungewöhnl.) „Bemalung" erreichte. Textilfasern wurden mit Pflanzenfarbstoffen gefärbt, nur echten Scharlach und echten Purpur gewann man aus Kermesläusen und Purpurschnecken, doch verwendete man auch billige Ersatzstoffe. Manche F.en bearbeiteten auch anderes Material: Leder, Elfenbein, Holz, Stein und sogar Marmor färbte man durch wiederholten Farbauftrag (nicht nur durch Bemalung) ein; dazu wurden meist Metalloxide benutzt. Durch die alchimist. „F.-technik" des ,Weißmachens* oder .Gelbmachens* glaubte man Silber oder Gold erzeugen zu können. Wf Farbsymbolik. In der griech. und röm. Antike spielt der Symbolwert der Farben im Vergleich zu anderen Kulturen des Altertums (Ägypten) nur eine geringe Rolle. In der Kunst herrschen reine Farben vor; seit der griech. Klassik ist eine zunehmende Orientierung am Naturvorbild zu beobachten. Symbol. Bedeutung, als Zeichen der Göttlichkeit oder der Heroisierung Sterblicher, hatten wohl - vor allem in röm. Zeit - die goldene und die rote Farbe. DR Farnesischer Stier: Marmorwerk, einst im Palazzo Farnese, jetzt in Neapel aufbewahrt (Taf. 33); röm. Kopie nach einem griech. Original des 2./l. Jh. v. u. Z. Die Gruppe stellt die Rache des Amphion und Zethos an Dirke dar, die die beiden an einen Stier binden. Parallelen der Darstellung finden sich in der Wandmalerei und Mosaikkunst (Aquincum). SI F§sces [lat.]: mit Lederriemen umschnürte Rutenbündel, Abzeichen der Amts- und Strafgewalt der höchsten röm. Magistrate. Sie wurden mit einem Beil von den Liktoren (Amtsdienern) den röm. Beamten, so 6 einem Prätor, 12 einem Konsul, in der Öffentlichkeit vorangetragen.

Liktor mit Fasces Innerhalb Roms wurde das Beil herausgenommen, da hier das Volk für Todesurteile die höchste Instanz war (Abb.). - In der neueren Heraldik sind die F. oft verwendet worden, im italien. Faschismus wurden sie mit Beil zum Symbol der reaktionären Staatsgewalt (daher auch der Name). Sl Faß. Böttcherarbeit blieb der Antike lange fremd; die Bindung der Dauben erfolgte vorwiegend durch Weidenflechtung oder mit Bast, Metallreifen wurden dazu nicht

verwendet. Allgemein wurden Tonwaren bevorzugt. Erst in der Kaiserzeit kam das F. aus Gallien allgemein in Gebrauch. Wf Fasten [lat. dies fasti, „Tage der Rechtsprechung"]: von den röm. Oberpriestern getroffene Einteilung der Tage des Jahres in Tage mit und Tage ohne Rechtsprechung, damit eine der Grundlagen für den röm. Kalender. F. wurden dichterisch gestaltet von Ovid. - Der Begriff F. wurde übertragen auf die Jahreslisten der röm. Beamten, die unter den Zeugnissen für die Anfänge der Geschichte Roms entscheidenden, wenn auch oft nicht verbürgten Wert haben. In der prosopograph. Forschung versteht man unter F. die listenmäßige Zusammenstellung führender röm. Beamter nach räuml. oder zeitl. Gesichtspunkten zur Aufdeckung wichtiger histor. Zusammenhänge. Gr T: Inscriptiones Italiae XIII l (1947), ed. A. Dégrossi. Fatalismus [lat. fatum, „Schicksal"]. Der Glaube an die allbeherrschende Macht des Schicksals läuft bei den Griechen parallel zum Nachlassen des Götterglaubens und findet seinen Ausdruck in der Gestalt der f Tyche. In Verbindung mit der Astrologie und der Stoa ist der F. vor allem im Hellenismus und der Spätantike die Ideologie weiter Kreise der Oberschicht; die -f Heimarmene (= fatum) regiert den ird. Weltlauf, der man durch Magie, Astrologie und Erlösungsglauben (Christentum, Mysterien, Gnosis) zu entrinnen suchte. KR Fatum [lat., „Spruch"]: der Schicksalsspruch, das von den Göttern festgelegte, unabwendbare Schicksal, das Verhängnis, auch im Plural (f§ta) erscheinend. Personifiziert sind die Fata auch die Schicksalsgottheiten, die Parzen. Be Fgyna: 1. in der röm. Religion die weibl. Entsprechung zu f Faunus, die als seine Gattin, Schwester oder Tochter bezeichnet wurde. - 2. Tierwelt eines Gebietes. Die F. des Mittelmeerraumes gehört zur Subregion des paläarkt. Faunengebietes. In Griechenland war zur Zeit der Antike der Reichtum an Säugern groß. Im Gebirge lebten Wolf, Fuchs, Schakal, Wildschwein, Edelhirsch und Reh. Auf den Inseln fand man viele wildlebende Ziegen- und Schafherden ; heute kommt der Steinbock noch vor. Die Spartaner jagten mit Vorliebe Bären und Löwen als Übung zum Krieg. Die Vogelwçlt bestand aus endem. Arten (Eulen, Falken und Geier), ferner aus Zug- und Strichvögeln. Im Winter waren schon immer die quartiersuchenden Vögel und die sogenannten Irrgäste eine gesuchte Beute. Mit Vorliebe wurden Auerwild, Steinhuhn und Trappe gejagt. In Griechenland lebten auch zahlreiche Kriechtiere und Lurche. Der Fischreichtum der Meere ist seit der Antike fast unerschöpflich. Die F. des größeren Teiles von Italien gehört ebenfalls der mittelländ. Subregion der paläarkt. Region an. Im N Italiens waren von den Säugern bes. der Alpensteinbock und das Hermelin beheimatet. Die kurzschwänzige Erdmaus richtete alljährlich große Schäden an. Der Siebenschläfer war außerordentlich verbreitet und wurde sogar als Haustier gehalten. Später erst kamen Büffel und Dammwild neu hinzu. Die Vogelwelt war schon immer reich, vor allem durch die „Passa", die Durchzugsgebiete der Zugvögel. Wachteln und Lerchen galten als beliebte Fangobjekte. Von den Reptilien ist seit der Spätantike die Aspisviper gefürchtet. An den Küsten des Festlandes und der Inseln blühten von jeher Fischfang und Austernernte. Im wirtschaftl. Leben dieser mittelländ. Völker spielte die F. eine bedeutende Rolle. Di Faunus, alter ital. Gott der Furchtbarkeit, Schützer von Viehzucht und Ackerbau, mit dem griech. Pan gleichgesetzt. F. galt als der Sohn des Picus, einer Erscheinungsform des Mars, und Vater des Latinus. Als F. Fatuus

Faustina erteilte er Weissagungen. Sein Fest waren die f Luperkalien. F. kam auch in der Mehrzahl vor (Fauni: Waldgeister). Von der Lüsternheit des F. ist das Adjektiv faunisch = lüstern abgeleitet. - Plastik von Rodin, Kleinplastiken von Picasso, Gemälde von Rubens, Palma Vecchio, Böcklin; symphon. Dichtung von C. Debussy. - Taf. 32. Be Faustina £nnia Galcria: 1. F. d. Ä., um 100-141, röm. Kaiserin seit 138. Sie stammte aus span. Familie, war die Gattin des Antoninus Pius, Tante des Marcus Aurelius und Mutter der F. (2.). Ihr zu Ehren wurde eine Alimentarstiftung für Mädchen geschaffen. - Porträt im Albertinum Dresden. - 2. F. d. J., um 130-176, röm. Kaiserin seit 161, Tochter des Antoninus Pius und F. (1.), seit 145 Gattin des Marcus Aurelius, Mutter des Commodus. Als erste Kaiserin erhielt sie den Titel Mater castrorum („Mutter des Heerlagers"). - Porträtstatue im Albertinum Dresden. Jo Faustkampf: Kampfsportart, schon in homer. Zeit eine hochentwickelte Disziplin, 688 v. u. Z. in das olymp. Programm aufgenommen. Bis zum 5. Jh. v. u. Z. wurden die Fäuste mit einem Lederriemen umwickelt; danach wurde diese „weiche" Bandage von einem geflochtenen Lederhandschuh abgelöst, der die Fingerspitzen frei ließ ; z. Z. des Berufssports erhöhte ein dicker, scharfkantiger Lederschlagring die Härte des Handschuhs, der auch schwerere Verletzungen hervorrufen konnte. Aufgesetzte Metallbuckel sind nur bei röm. Schriftstellern überliefert, ganzmetallene Handschuhe erst in der Kaiserzeit bei Gladiatorenkämpfen nachweisbar. Es gab weder Gewichtsklassendifferenzierung (nur Einteilung in Altersklassen) noch zejtl. Begrenzung der Kämpfe. Kampfunfähigkeit durch einen Treffer mit K.-o.-Wirkung oder freiwilliges Aufgeben des Unterlegenen beendete den

Faustkämpferpaar mit Kampfrichter (nach einer Trinkschale, etwa 480 v. u. Z.)

Kampf, bei dem alle Schläge (gerader Stoß, Haken, Schwinger) der Kopfpartie galten und Körpertreffer verboten waren. Faustbewaffnung und Kampfregeln bestimmten den Stil: schneller Kampf mit guter Fußarbeit in der weiten Distanz; Vermeidung von Treffern durch Ausweichbewegungen war ebenso wichtig wie die Treffer selbst. Trainiert wurde durch Übungen am schweren Sandsack und an der leichteren Boxbirne, Partnerübungskämpfe und durch das sog. Schattenboxen. WR Faustulus, in der röm. Sage Hirte, der die am Tiber ausgesetzten Zwillinge Romulus und Remus fand und sie gemeinsam mit seiner Frau Acca Larentia aufzog. Be Faustus von Byzanz schrieb in griech. Sprache eine Geschichte Armeniens, die mindestens die Jahre 317 bis 385 umfaßte uud nur in armen. Übersetzung erhalten ist. Sie ist eine wichtige Quelle für das Verhältnis Roms zu Persien und Armenien. Sey Favorjnus, Anf. des 2. Jh., griech. Rhetor und Polyhistor

170 aus Arelate (Südfrankreich). Schüler des Dion Chrysostomos, lebte eine Zeit auf Chios im Exil. Seine in griech. Sprache abgefaßten Schriften vermittelten Bildungsgut in unterhaltender und popularisierender Form („Buntschriftstellerei"); von seiner Pantodape historia" (Bunte Geschichte), den „Apomnemoneumata" (Erinnerungen) und der Schrift „Péri phyges" (Über die Verbannung) sind Fragmente erhalten. Be T: E. Mensching, Berlin 1963. Faycnce [nach der ital. Stadt Faenza], auch Majolika [nach span. Mallorca]: Tonwaren, die nach dem ersten Brand des grundierten Scherbens mit Zinnglasur als Malgrund für die Scharffeuerfarben versehen, mit denselben bemalt und einem zweiten Brand ausgesetzt werden. Bei den F.n der Antike handelt es sich um Gefäße und Gegenstände, die mit einer Silikatgrund.erung gedeckt wurden, auf die bunte Glasuren aufgetragen werden konnten. Sl Feige [griech. sykon, lat. ficus]. Die F. gehörte neben der Olive und dem Wein zu den wichtigsten Früchten. Der F.nbaum trägt bei genügender Pflege zweimal im Jahre Früchte (Früh- und Spät-F.n). In der homer. Zeit wird er noch nicht erwähnt, erst Archilochos (7. Jh. v, u. Z.) auf der Insel Paros kannte ihn. Der F.nbaum kam von Indien nach Griechenland. Nach mytholog. Vorstellungen ließ Demeter für die von Phytolos erwiesene Gastfreundschaft F.n in Attika wachsen. Diese Früchte wurden auch als Heilmittel gegen Geschwüre und zum Brauen von F.nbier verwendet. Der F.nbaum und der Weinstock wurden in Griechenland zum allgemeinen Lebensbedürfnis. Der Athener galt als ausgesprochener F.nfreund. Die Griechen brachten den F.nbaum nach Italien, wo er zur röm. Kaiserzeit in vielen Spielarten gezüchtet wurde. Im Mittelmeerraum ist die F. noch heute eine wichtige Volksnahrung. Di Feile. Für feinere Arbeiten, auch bei Chirurg. Operationen, war die F. oder die Raspel unerläßlich, doch gibt es wenig archäol. Belege. Im gleichen Sinne wie wir benutzten Griechen und Römer das Wortbild „gefeilte Darstellung". Wf Feldbefestigung. Die F. wurde vor allem seit der Zeit Caesars im röm. Heer weiterentwickelt und war ein wesentl. Faktor im Feldkrieg mit Schutz der Flanken durch Gräben sowie Sicherung der eigenen Position durch Brückenköpfe und Schanzen. H Feldvermesser [lat. agrimensor; auch gromgticus, nach dem Vermessungsinstrument, der grQma]: Angehöriger einer unter röm. Verhältnissen entwickelten Berufsgattung. Die F. zogen im Troß der Heere mit, vermaßen das eroberte Gebiet und legten militär. Lager und Straßen an. Die F. vermaßen auch die Ländereien, die den röm. Veteranen nach ihrer Dienstzeit zuteil wurden. Die rechner. Hilfsmittel waren i. allg. vergleichsweise dürftig, d. h. im Verhältnis etwa zu Euklid und Archimedes. Seit Ende des l.Jh. wurden mathemat. und Jurist. Fragen dieser Berufsgattung literarisch behandelt. Von diesen Schriften sind einige erhalten und stellen eine wertvolle Quelle für die Kenntnis der gesellschaftl. Verhältnisse ihrer Zeit dar. Das erhaltene Corpus gromaticorum, die Sammlung dieser Schriften, wurde nach 450 geschaffen, im 6. Jh. erweitert, mit z. T. sehr aufschlußreichen Abbildungen versehen und neu redigiert. Wu T: F. Blume, K. Lehmann, A. F. Rudorff, Berlin 1848152. Feldzeichen [lat. signum]. Über die Verwendung von F. bei den Griechen ist wenig bekannt. Den Römern waren die F. heilig, ihr Verlust galt als Schande. In der Frühzeit des röm. Heeres wurden einfache, auf Lanzen aufgesteckte Heubüschel und metallene Zeichen benutzt, später dienten Tierbilder, wie Wolf, Minotaurus, Pferd, Eber

Feuchtwanger

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und Adler, als F. Marius führte den Adler (aquila; Adlerträger = aquilifer) als alleiniges F. der Legion ein. Er bestand in der Zeit der Republik aus Silber, in der Kaiserzeit aus Gold. Daneben gab es als F. der Reitertruppen und anderer kleinerer Truppenteile des Fußvolkes das vexillum, eine Feldstandarte, vom vexillarius oder signifer getragen. Sie bestand aus einem viereckigen Stück Tuch und war am Querhoiz einer Stange befestigt. Die aus purpurrotem Tuch hergestellte Kommandostandarte des Feldherrn wurde vor dem Abmarsch aus dem Lager auf dem Prätorium gehißt, im Seekrieg auf dem

Feldzeichen. Signifer der Cohors V Asturum

Mast des Admiralsschiffes. Um 100 u. Z. wurden unter Trajan F. in Form eines farbigen Stoffdrachens (lat. drâco, Träger derselben = draconarius) nach parth. oder dak. Vorbild eingeführt. Eine besondere Bedeutung hatte die nur dem Kaiser zukommende purpurne Drachenfahne, die ihm sowohl in der Schlacht als auch bei feierl. Aufzügen vorangetragen wurde (Abb.). H Fenster [Lehnwort im Deutschen von lat. fengstra]. F. lassen sich seit der griech. und Ual. Vor- und Frühzeit an Hausmodellen (Votiven, Urnen), später auch an Bauresten und Abbildungen (z. B. in der Malerei) nachweisen; sie gewannen in der hellenist.-röm. Architektur, auch als wand- und fassadengliederndes Element, an Bedeutung. Im röm. Bereich gab es Verglasungen der F. mit Marienglas, in der Kaiserzeit auch F.Scheiben aus Glas in Bleifassung. Sl Ferien [lat. fgriae, „Festtage"]. In der griech. Schule gab es zwar zahlreiche religiöse und staatl. Festtage, an denen der Unterricht ausfiel, aber keine zusammenhängenden F. Da jede Stadt ihren eigenen Festkalender hatte, waren die Zahl und der Zeitpunkt solcher Festtage ganz unterschiedlich. Gelegentlich entstand dadurch, daß sich viele Festtage in einem Monat häuften, eine Art F. - In Rom war die heißeste Jahreszeit unterrichtsfrei, d. h. von Ende Juli bis Mitte Oktober waren Sommer-F. Außerdem fiel auch hier an den religiösen und staatl. Festtagen (fgriae pyblicae), an denen auch alle geschäftl. Angelegenheiten zu ruhen hatten, der Unterricht aus. Kü FerQnia, alte ital. Göttin vermutlich etrusk. oder sabin. Herkunft, Getreide- und Heilgöttin, besaß auf dem Marsfeld in Rom einen Tempel ; in ihrem Tempel bei Tarracina wurden Sklaven freigelassen. Be Fescennjnen [lat., wohl nach der südetrur. Stadt Fescçnnium]: volkstüml. ital. Spottlieder, die, wohl im Wechselgesang vorgetragen, auf Hochzeits- und Erntefesten die Ausgelassenheit steigerten ; auch Spottverse bei Triumphzügen. Seit der augusteischen Zeit diente der Begriff F. vereinzelt auch als allgemeine Bezeichnung der Spottgedichte. Ki

Fest [lat. dies fcstus, „Festtag" >fgsia/feria, „Ferien**]. F.e gehören zum Kulturbestand frühester Gemeinschaften (Jagd-F.). Der Feiertag war eine Leistung für den Gott, dem der Festtag gewidmet war. Die Arbeit ruhte, man veranstaltete Spiele, Wettkämpfe. Umzüge, Opfer. Das F. konnte individuell, in der Familie oder von Staats wegen gefeiert werden. Bemerkenswert sind Einzelstaaten verbindende panhellen. F.e. (alle 4 Jahre Olympiaden [für Poseidon], Pythien [für Zeus], alle 2 Jahre Isthmien [für Apollon], Nemeen [für Zeus]). Im athen. Bereich kamen hinzu die großen Panathenäen (für Athena; alle 4 Jahre), ebenso Dionysien und Lenäen (beide für Dionysos) und (jährl.) nationale Siegesfeiern (Marathon, Plataiai, Salamis). Auch prägte sich in Athen stärker als im röm. Kalender das F. der Sozialgruppen (Bauer/Bäuerin - Winzer - Handwerker - Seeleute) aus. Für 45 röm. Staats-F.e gab es fixe Daten, einige F.e waren beweglich und wurden von Beamten jährlich ausgerufen, ebenso außerordentl. F.e aus besonderem Anlaß. Die bedeutendsten F.e in Rom waren die Röm. und die Plebej. Spiele (beide für lupiter), die Apollinar. Spiele (für Apollo), die Fgriae Latinae (latin. Bundesfest; für lupiter) und Saturnalien (für Saturn; auch für Sklaven offenes Volksfest). Ovid überliefert in den ,Fasti' eine poet. Erläuterung der hauptsächl. F.e in der ersten Jahreshälfte. Das christl. Sonntags-F. besteht seit 321. Wf Festung: durch Wehranlagen (Mauern, Türme) stark befestigter Platz oder Siedlung. Wohnstätten im ägäischen Raum wurden seit subneolith. Zeit (2. Hälfte des 3. Jährt. v.u.Z.) stärker befestigt (z.B. Magula bei Dimini); dabei handelt es sich oft um Fluchtburgen für die umwohnenden Siedler. Imposante Reste monumentaler F.sbauten sind aus myken. Zeit erhalten (z. B. Mykene, Tiryns); die F.smauern bis zu 6 m Breite bestehen aus festgefügten Steinlagen (kyklop. Mauerwerk) an den Außenseiten, dazwischen aufgeschüttetes Füllwerk aus Erde und Geröll. Das Mauerwerk wurde in der Folgezeit verfeinert und stabilisiert; bei den Griechen spielte vor allem der Hausteinbau, bei den Römern der Backsteinbau, auch der kombinierte Hau- und Backsteinbau (z. B. Hissar in Bulgarien) eine Rolle. In den Randkulturen findet sich beim F.sbau oft umfangreiches Holzwerk über Erdaufwallung oder Steinmauer werk (z. B. dak. F. en im Oräctie-Gebirge). Von den berühmtesten F.swerken klass. Zeit (z. B. themistokleische Mauer zwischen Athen und Piräus), hellenist. (Pergamon, Syrakus, Herakleia am Latmos u. a.) und röm. Zeit (z. B. Rom, Aureliansmauer; Jerusalem; Pompeji) sind beachtl. Reste erhalten. Das System der röm. Grenzbefestigungen (Limes, Saalburg) erlangte in der späteren Kaiserzeit (3. Jh. u. Z.) wachsende Bedeutung. Berühmt waren die F.smauern von Konstantinopel, die erst durch den Türkensturm 1453 zerstört wurden. Sl Fgstus, Sex. Pompcius, röm. Grammatiker und Antiquar des 3. Jh. u. Z. Er exzerpierte das Werk des Verrius Flaccus „De verborum significatu", ein Lexikon röm. Altertümer mit Worterklärungen aus augusteischer Zeit. Teile des Auszugs sind erhalten, das meiste jedoch in einem nochmaligen Auszug des Paulus Diaconus vom Ende des 8. Jh. Jo T: W.M.Lindsay, BT 1913, Nachdruck Hildesheim 1965. Fetiales [lat.]: aus 20 Mitgliedern bestehendes Priesterkollegium in Rom, das für die genaue Beachtung völkerrechtl. Grundsätze (z. B. bei Kriegserklärungen, Vertragsabschlüssen, Auslieferung von Personen) sorgte. Wa Feuchtwanger, Lion, 1884-1958, antifaschist. bürgert. Schriftsteller, gestaltete mit gründl. Quellenkenntnis in

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Feudalismus spannenden Romanhandlungen aktuelle Probleme seiner Zeit: Aufstieg und Fall eines .Führers' in „Der falsche Nero" (1938), Weilbürgertum und Patriotismus, Vernunft und Gewalt, Betrachten und Handeln am Lebensweg des losephus in der Trilogie „Der jüd. Krieg" (1932), „Die Söhne" (1935), „Der Tag wird kommen4* (engl. 1942, dt. 1945); weitere Werke mit antiken Sujets: „Die Perser" des Aischylos (1916), „Friede*4 nach Aristophanes (1917); Nachdichtungen: „Odysseus und die Schweine" (Erzählung, 1949). PW Feudalismus [german.]: Gesellschaftsformation, die sich aus der zerfallenden antiken oder aus der altoriental. Klassengesellschaft, aus späturgesellschaftl. Verhältnissen bzw. aus deren Synthese entwickelte (traditionell: Mittelalter). Grundlage der Produktionsverhältnisse des F. ist das - z. T. durch den Staat eingeschränkte - Privateigentum der weltl. und geistl. Feudalherren am Boden und deren beschränkte Verfügungsgewalt über den abhängigen Bauern, der seinerseits eine kleine individuelle Wirtschaft besitzen und mit eigenen Arbeitsmitteln für sich selbst bearbeiten konnte. Er schuldete seinem Feudalherrn die Feudalrente (Fronarbeit, Natural- oder Geldabgaben). Mit der Entwicklung der Arbeitsteilung im Verlauf der Feudalepoche verlor das Dorf seine beherrschende Stellung an die Stadt, in der sich Handwerk und Handel entwickelten. Entwicklung von Warenproduktion und Geldwirtschaft bereiteten schließlich die Überwindung des F. und die Herausbildung des Kapitalismus vor. - Auf dem Boden der ökonomisch wie politisch zerfallenden antiken Klassengesellschaft des Weström. Reiches etablierten sich seit dem 5. Jh. Barbarenreiche, die sich zu feudalen Staaten herausbildeten. Das Byz. Reich überstand die Krise des 4./5. Jh. und wandelte sich allmählicher, etwa seit dem 7. Jh., in einen Feudalstaat. Der Begriff F., seit dem 17. Jh., zunächst im Französischen, für das Lehnswesen verwandt („feudal" = ,das Lehen betreffend'), wurde von Marx auf die ganze Gesellschaftsformation bezogen. In der bürgerl. Forschung wird der Begriff in diesem Sinne häufig als nur für Westeuropa zutreffend verwandt. Indes haben die Sowjet. Forschungen die Berechtigung seiner umfassenderen Verwendung ebenso wie den universalhistor. Charakter des F. erwiesen. Kp Feuerbach, Anselm, 1829-1880, Maler, Sohn des gleichnamigen Archäologen, des Verfassers einer bedeutenden Schrift übet den Apollon von Belvédère. F. wurde in Paris von der effektvollen Historienmalerei des Th. Couture („Die Römer der Verfallszeit") beeinflußt, weilte dann 1856-73 und von 1876 bis zu seinem Tode in Italien, wo ihn das Erlebnis von Landschaft, Mensch und Kunst entscheidend prägte. In starkem individuellem Sendungsbewußtsein erstrebte F. eine Erneuerung griech. Schönheit durch monumentalen Stil und dekorative Komposition. Seine großformatigen Darstellungen antiker Themen (z. B. Medea, Nürnberg; Amazonenschlacht, München; Iphigenie, Darmstadt; Gastmahl des Platon, Karlsruhe und Berlin) sind formal und inhaltlich von der Renaissance abhängig; sie hatten auf das Antikebild der Jahrhundertwende beträchtl. Einfluß. He Feuerwehr. Über F.en in Griechenland ist nichts überliefert; für Rom richtete nach Auflösung privater F.gruppen Kaiser Augustus eine F. von 600 Sklaven ein, die sich so nützlich zeigte, daß er sie nach 30 Jahren auf 7000 Freigelassene erweiterte. Die F.leute (vigiles: „Wächter") waren in F.kasernen einquartiert und bildeten unter ihrem Präfekten zugleich eine Polizeitruppe für den Nachtdienst. Eimer, Äxte, Leitern, nasse Filzdecken dienten als Ausrüstung, die von Ktesibios erfundene Feuerspritze (Abb.) gehörte in Großstädten dazu. In

Feuerwehrspritze des Ktesibios (nach Vitruv). 7 und 2 Zweistiefelpumpe, 3 Windkessel, 4 Steigrohr. Herabgehender Kolben (in 7) schließt Bodenventil und druckt durch Kesselventil (5) Luft in 3. Aufsteigender Kolben (in 2) saugt Wasser durch das offene Bodenventil (6) an

kleineren Orten wurde die F. von Handwerkerkollegien gebildet, bes. von Filzmachern, so daß centonarius („Filzmacher") die Bedeutung F.mann bekam; wo Filzmacher fehlten, fiel den Schmieden die F. zu, deren Collegium insgesamt dienstpflichtig war. Wf Fibel [lat. fibula]: Spange zum Zusammenhalten von Gewändern, aus Nadel und Bügel bestehend, durch federnde Spirale kontinuierlich oder durch Scharnier verbufiden. Vor allem der Bügel fand schmuckreiche Ausgestaltung (z. B. Schlangen-, Raupen-, Spiralform). Typus und Entwicklung der F.n bieten in der Abfolge der bronze- und eisenzeitl. Kulturen wertvolle archäolog. Anhaltspunkte. Sie sind in mannigfaltiger Ausprägung bes. im provinzialröm. Kunsthandwerk der röm. Kaiserzeit vertreten. Abb. Sl

bronzene Emailfibel (Fundort Limeskastell, 2. Jh.)

Fibula Praenestjna: eine heute in Rom aufbewahrte Gewandnadel aus Praeneste, enthält die älteste latin. Inschrift, wohl Ende des 7. Jh. v. u. Z. : Manios med f hefhaked Numasioi, „Manius hat mich für Numerius angefertigt". Gr Ficorgnische Ciste [nach dem Antiquar F. Ficorgni]: ein zylindr. Bronzebehältnis, wohl zur Aufbewahrung von Schmuck- und Toilettengegenständen, verziert mit der Ritzzeichnung des Amykos-Abenteuers der Argonauten. Das in Rom gefertigte, mit Stifter- und Künstlerinschrift versehene Gefäß, eines der bedeutendsten seiner Gattung, wird nicht nach der Mitte des 3. Jh. v. u. Z. entstanden sein. Sl Fieber. Da in der antiken Medizin häufig einzelne Krankheitssymptome für eigenständige Krankheiten gehalten wurden, galten auch verschiedene F.formen, die z. B. Malaria charakterisieren, als selbständige Krankheiten. Die Häufigkeit der F.erkrankungen hatte eine stark ausgebildete F.lehre zur Folge. Man unterschied z. B. zwischen intermittierenden F.n (Eintage-t7., Drei-

173 tage-F., Viertage-F.) und andauernden F.n (HalbdreitageF., Brenn-F., mit Wahnvorstellungen auftretendes F.), die größtenteils verschiedene Formen der Malaria sind. Ko FIEC (Fédération Internationale des Associations d'Études Classiques): 1948 gegr., unter dem Patronat der UNESCO stehende internationale Dachorganisation zur Förderung der klass. Altertumswissenschaft mit dem Sitz in Paris. FrJo Fiktion. In der antiken Literaturtheorie galt die F. als anerkanntes Mittel des Dichters. Sie lockert die f Nachahmung auf, soll sich jedoch im Rahmen des f Passenden und Wahrscheinlichen halten ; sie kann auch das Wunderbare einbeziehen. Nach Überbewertung der F. durch die Sophisten und sehr krit. Beurteilung durch Platon gestand Aristoteles der F. eine relative Berechtigung zu. Gerade die F. bereitet f Vergnügen. Später gewann die F. in dem Maße an Bedeutung, in dem die Bildungsfunktion der Dichtung zurücktrat. Kr Filzmacher. Griech. Autoren beschreiben deren Arbeit nicht, erwähnen aber gefärbte Filzprodukte: Hut, Socken, Decken, Schild- und Helmeirilagen, sowie eine F.lauge, unter deren Bestandteilen in röm. Zeit Essig war; damit erzeugten die röm. F. [lat. centongrii] die gleichen Produkte wie die Griechen aus Lumpen, Wollresten und Haaren. Feuchte Filzdecken dienten zum Feuerlöschen, so daß die Feuerwehrleute „centonarii" genannt wurden. Wf Finsternisse. Sonnen- und Mondfinsternisse zählen seit je zu den eindrucksvollsten Himmelserscheinungen. Sie haben deshalb bei allen Völkern die myth. Phantasie angeregt, die Sonne und Mond verschlingende Ungeheuer oder Zauberer wie die thessal. Weiber erfand, welche die Gestirne vom Himmel herabzögen. Naturgemäß spielen F. vor allem in der Astrologie als einer Spielart myth. Wirklichkeitserfassung eine Rolle; als böse Omina zeigen sie den Tod eines großen Mannes, Pest, Krieg u. a. an. In Babylon dürfte auf Grund langjähriger Beobachtungen zuerst eine Periodizität der Mond-F. festgestellt worden sein. Die Notiz von einer „Mondfinsternis, die ausfällt", vom 4. 7. 567 v. u. Z. scheint auf Voraussage hinzuweisen, die auf einem für Mondbewegungen auch sonst verwendeten, aber noch ungenauen 18jährigen Zyklus basieren könnte. Umgekehrt gab es zu dieser Zeit auch in Babylon noch keinen Zyklus für Sonnen-F., die nur für sehr begrenzte Erdzonen sichtbar sind. Deshalb scheint die Voraussage des Thaies vom 28. 5. 585 v. u. Z. ins Reich der Legende zu gehören. Erst die hellenist. Astronomie lieferte die Voraussetzungen für exakte Voraussagen. Rationale Erklärungen der F. bahnen sich in der frühgriech. Philosophie an. Entsprechend der kosmolog. Vorstellung nahm Anaximandros Verstopfung der Feuerlöcher am Gestirnreifen an, Anaximenes schon Bedeckung durch erdartige Körper. Doch erst die namentlich Anaxagoras zugeschriebene Erkenntnis, daß der Mond sein Licht von der Sonne erhält und daß bei entsprechender Position die Erde den Mond verfinstern und der Mond die Sonne bedecken kann, ist entscheidend. Die ominöse Vorstellung lebte trotzdem fort. So verschob der griech. Feldherr Nikias die Abfahrt der Flotte aus Syrakus wegen einer Mond-F. und verschuldete nicht zuletzt dadurch den Untergang des Heeres. - Die häufige Erwähnung von F. bei den Chronisten ist für die Geschichte bedeutsam. Durch Fixierung einer überlieferten Finsternis kann eine bis dahin relative Chronologie zur absoluten gemacht werden. J Firmicus Matgrnus lynior, lylius, gest. nicht vor 348, Rhetor aus Syrakus (Sizilien). Vor seinem Übertritt zum Christentum ließ er spätestens 337 eine neuplatonisch

Flamen orientierte Darstellung der Astrologie erscheinen: Matheseos libri VIII („Acht Bücher über Astrologie"). Von religionsgeschichtl. Bedeutung ist seine Kampfschrift „De errore profanarum religionum" (Über den Irrtum der heidn. Religion, vollendet etwa 346-348), die ihn als Christen ausweist. Du T: Math. : W. Kroll - F. Skutsch - K. Ziegler, 2 Bde. BT 1897 und 1912; De errore: K. Ziegler BT 1907. Ü: De errore: A. Müller BKV 14, 21913, S. 205-288. Firnis. Heller Leinöl-Harz-F. galt als bester F. für Holz und Metall; für Malereien ist Wachs-F. nachweisbar. Dagegen ist Keramik nie gefirnißt, sondern nur (mit Glanzton) geschlickert. Wf Fisch [griech. ichthys, lat. piscis]. Der F. diente dem Menschen schon in der Urgesellschaft als Nahrung. Das Zeichen des F.es war schon seit ältester Zeit als Sternbild bekannt. Die Priester aßen den F., der göttlich verehrt wurde, nicht, und auch die Pythagoreer enthielten sich dieser Speise. Plinius d. Ä. sah im Aal ein geschlechtsloses Tier und wußte, daß F.e durch Geräusche zum Füttern angelockt werden können. Die F.galle galt als heilkräftig. In der frühchristl. Zeit wurde der F. als Anagramm Christi zum Symbol. Di Fischer. Nur bis zur Poliskrise ist F. in Griechenland ein freier Beruf gewesen; im Hellenismus wurden F., die nicht bloß mit Angel oder Dreizack fischten, abgabepflichtig, mitunter an Tempel. Mit dem Ausgriff Roms nach O bildete sich ein Rechtsanspruch heraus, den einige F.-Genossenschaften erfolgreich abwehren konnten, sonst mußte der F. dem Steuerpächter Abgaben zahlen - sogar auf Seen und Flüssen, wo Kleinpächter die Gewerbesteuer einzogen. In röm. Zeit erscheint auch die Spezialisierung der F. auf Fangobjekte mit entsprechend differenzierten Fanggeräten, z. B. die Thunfischergenossenschaft in Varna (Odessos). Korporationen dieser Art besaßen bei Rom an der Küste große Frischhaltebecken. Die Ausstattung der F.kommunen war z. T. sehr aufwendig, wie die Riesenschleppnetze bezeugen. - Abb. Wf

Fischer mit Dreizack (nach einem Grabmal in Metz) Fiskus [lat.]: kaiserl. Kasse und kaiserl. Finanzverwaltung im Gegensatz zum Aerarium, der Senatskasse. Die Kassenverwaltung leitete ein kaiserl. Freigelassener mit dem Titel a ratignibus (von ratio, „Rechnung"), seit Hadrian ein Prokurator a rationibus, meist aus dem Ritterstand. Die wichtigsten Einnahmen des F. bestanden in den Provinzabgaben, Importzöllen, Erbschaftssteuern, Kriegsbeute und testamentar. Vermögensübereignungen an den Kaiser. Gü FIgmen: röm. Sonderpriester eines bestimmten Gottes.

Flamininus

174

Das Amt soll in der Frühzeit Roms eingesetzt worden sein (Numa). Die drei großen Flamines, die immer Patrizier waren, waren der F. des lupiter (F. Diglis), der F. des Mars (F. Martialis) und der F. des Quirinus (F. Quirinalis); von den zwölf kleinen Flamines kannte man später nicht einmal mehr die zugehörigen Gottheiten. In der Kaiserzeit erhielten die vergöttlichten Kaiser gleichfalls Flamines. Be Flamininus T. Quinctius, um 227-174 v.u.Z., röm. Feldherr und Politiker, 198 Konsul, besiegte 197 bei Kynoskephalai (Thessalien) Philippos V. von Makedonien; bei den Isthm. Spielen 196 verkündete er die Freiheit aller griech. Poleis; er schlug 195 den letzten Spartanerkönig Nabis und eroberte Sparta. Seh Flamjnius C., röm. Staatsmann aus plebej. Geschlecht, trat als Volkstribun (232 v. u. Z.) und als Konsul (223; 217) gegen Nobilität und Senat auf; setzte Landzuweisungen an die Plebejer durch; fiel 217 v . u . Z . in der Schlacht am Trasimen. See gegen Hannibal. - Der Circus F. und die Via Flaminia (Straße von Rom nach Ariminum) gehen auf F. zurück. Seh Flaschenzug. Der F. kam um 700 v. u. Z. im östl. Mittel-

Flaschenzug. Einfache Rolle zur Versorgung der Kämpfer auf den Türmen als Vorstufe zum Flaschenzug (assyr. Relief, um 880 v. u. Z.)

meergebiet auf. Ein Seil führte über feste obere und ebenso viele lose untere Rollen, an denen die Last hing (Abb.). Wf Flavius: röm. plebej. Gentilname, der schon in republikan. Zeit in Italien verbreitet war und in der Kaiserzeit durch zwei Kaiserfamilien bes. häufig wurde. Die erste flav. Dynastie (Vespasianus, Titus und Domitianus) regierte 69-96, die zweite (Constantius I. bis lulianus) 293-363. Auch die ihr folgende valentinian.-theodosian. Dynastie (364-455) führte den Namen F. Jo Flechtband: aus dem oriental. Kulturbereich stammendes Ornament, das seit dem 7. Jh. v. u. Z. in der antiken Gefäß- und Sarkophagmalerei. Architektur, Mosaikbildnerei, Wandmalerei und Reliefkeramik bis in die röm. Kaiserzeit hinein sehr beliebt war und auch in der frühmittelalterl. Kunst oft verwendet wurde (Abb.). Sl

Flechtband Flechten. Zum aus frühgeschichtl. Kulturen übernommenen F. der Körbe, Fischreusen, Netze, Matten, Seile, Taue und Siebe bediente man sich der Flechtnadeln; einziges mechan. Hilfsmittel war seit dem Ausgang des 5. Jh. v. u. Z. das Seilerrad. Als Material dienten außer Lein und Hanf vor allem Spartum, Binsen, Schilf, seltener Baumbast (Linde, Palme), Stroh, vielfach Ruten (Weide, Rebe, Birke, Haselnuß) sowie Papyrus. Hinzu kam das F. der zum gesellschaftl. Leben gehörenden Kränze (Abb.). Wf

Flechten. Stuhl aus Geflecht (Relief aus hadrian. Zeit. Trier, Provinzialmuseum)

Fleischerei. Darstellungen (um 500-480 v. u. Z.) belegen die F. als selbständiges Handwerk; Texte und Inschriften erwähnen dagegen den mit dem Aufkommen der Polis Flaschenzug. Vierfache Rolle als Flaschenzug im Baukranoberteil (nach dem Relief vom Grabmal der Haterier in Rom, Anfang des 2. Jh. u. Z.). 1-4 Rollen, l und 3: feste Rollen in 0, 2 und 4: bewegl. Rollen in U, O obere, fest verankerte,,Flasche" mit zwei Rollen, U untere ,,Flasche" mit zwei Rollen, die nach oben gezogen wird, K Zugseil zum Hochziehen, L Last

Ladenschild einer Fleischerei, l Fleischer am Hackblock mit Fleischbeil, 2 Kundin im Sessel, 3 Schnellwaage mit Laufgewicht (nach Original Dresden, Albertinum)

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Fleischerei. Spezialhändlerin für Wildbret und Geflügel (Marmorrelief, 1. Jh. u. Z., Rom, Museo Torlonia) voraussetzbaren Beruf kaum, doch zeugen sie von Übergriffen übler Kunden in F.en. In Sparta fehlten F.en, hier amtierte ein „Fleischverteiler". Auf städt. Ordnung haltende Gemeinden unterhielten ein mit Wasseranschluß und Kanalisation versehenes Schlachthaus, das gleichzeitig Fleischmarkt mit Einzelläden war. Die Ladenausstattung rechnete mit Kunden höherer Stände und verfügte über Sessel für den Käufer, Warenauslage, Schnellwaage und Hackstock sowie Handwerkszeug, das in 700 Jahren kaum verändert wurde (Abb.). Wf Flora: 1. röm. Göttin der Blumen, Blüten und Jugend. Der gräzisierende Mythos setzte sie der Nymphe Chloris gleich. An ihrem Fest (Floralia) schmückten sich die Menschen. Nach dem ersten Pun. Krieg kamen im Zirkus die „Lydi florales" (28.4.-3. 5.) hinzu, wobei nicht Bestien, sondern niederes Wild gejagt wurde. In der Kunst wurde F. vielfach als griech. Frühlingshore dargestellt. - 2. Danach die Pflanzenwelt eines Gebietes. In der mediterranen immergrünen Region Griechenlands galt das Feigenland Attika als ein Zentrum des Gartenbaues. Zu den fruchtbarsten Gebieten zählten seit dem Altertum Lakonien, Euboia, Boiotien, Thessalien, ferner Thrakien und Makedonien. Hier war der Schwerpunkt des Getreideanbaues. Der Wein gedieh vornehmlich auf den Inseln. Heute-^spielen in diesem Raum die später importierten Kulturpflanzen wie Baumwolle, Reis und Tabak eine große Rolle in der Vegetation des Landes. Im N Griechenlands waren niedere Sträucher (Phrygana) und die Macchien (Lorbeer, Pistazie, Oleander u. a.) die führenden Elemente. Die Hartlaubgewächse überstanden am besten die Trockenzeit. Die Region des Bergwaldes war in der griech. Antike stärker verbreitet. Durch Abholzen wurde auch hier die F. sehr verändert, so daß heute Gebiete verkarstet sind. Die Landschaft Argolis nannte man bereits im Altertum „durstig"; sie mußte bewässert werden. Heute reicht der Wald in der Peloponnes bis 650 m und in Thessalien bis 300 m. Auf die Waldregion folgte die alpine mit endem. Arten. Im N befanden sich vorwiegend Weidebetriebe. Im damaligen Griechenland nahm das Weideland drei Viertel des Areals ein. In Italien war die F. auf Grund der klimat. Bedingungen des Mittelmeerraumes ähnlich. Für die eigentl. Halbinsel war und ist die mediterrane Region typisch. In Unteritalien und auf Sizilien herrschen heute Macchien vor; die Ursprung!. Eichenwälder sind durch Abholzen verdrängt worden. Neben den damaligen Kulturpflanzen finden wir heute auch Mais und bei künstl. Bewässerung Reis. Der ölbaum ist seit der Antike charakteristisch. Di Florilegien [lat., „Blütenlesen*']: entsprechend der griech. f Anthologie im Mittelalter beliebte Zusammenstellungen von Auszügen aus antiken und mittelalterl. Autoren, meist Dichtern, aber auch aus Spruchliteratur und Prosaikern, bes. zur Verwendung bei Unterricht und Schrift-

Flugblatt stellerei. In der Regel wurden aus einer Anzahl von Dichtern der Reihe nach die dem Exzerptor zusagenden Verse herausgeschrieben; oft wurden die exzerpierten Stücke mit vielfachen textl. Veränderungen alphabetisch oder sachlich geordnet. Die F. geben über Vorhandensein und Beliebtheit von Autoren Aufschluß. Andererseits wird durch F.benutzung bei wenig belesenen Schriftstellern größere Literaturkenntnis vorgetäuscht. Häufige Abschriften mit Verkürzungen, Veränderungen, Zusätzen usw. erschweren die philolpg. Forschung. Tr Florus, P. ^nnius, röm. Geschichtsschreiber unter Kaiser Hadrian, schrieb in Anlehnung an Livius, Sallust und Seneca d. Ä. eine kurze röm. Geschichte („Epitome") von der Gründung Roms bis Augustus. Das rhetor. Werk ist weniger Geschichte als eine Verherrlichung der Größe Roms. Wahrscheinlich ist F. mit dem gleichnamigen Verfasser einer rhetor. Studie über Vergil identisch. Jo Γ: O. Roßbach, BT 1896; F. Peeters-M. Schoenfeld-Michel, Anvers 1965. Floß. Aus älteren Kulturen als Verkehrsmittel flußabwärts bekannt, diente das F. Griechen, Etruskern und Römern auch auf nicht schiffbaren Wasserläufen. Bei Homer wird es als Rettungsmittel für Odysseus sogar seegängig gedacht. Darstellungen fehlen. Wf Flöte. In älteren Übersetzungen wird die griech. Aulgs (röm. Tibia) fälschlich mit Flöte wiedergegeben, jedoch kannte man in der Spätantike bereits den der Querflöte entsprechenden PlagiaulQs mit seitl. Anblasevorrichtung. Eine gereihte Längsflöte war die archaische f Syrinx oder Panflöte. LRi Flotte. Die Kriegs-F. bildete die Grundlage der militär. Macht vieler griech. Staaten. Athen hatte in dieser Hinsicht gegenüber Sparta die Führung und unterhielt seit 500 v. u. Z. eine stehende F. Sie bewährte sich während der Perserkriege hervorragend und garantierte Athen unter Perikles unbestritten die Hegemonie. - Im Gegensatz zu den früher gebauten langen, niedrigen Schiffen mit nur einer Ruderreihe (Triakonteres, Pentekonteres = Dreißig-, Fünfzigruderer) bildete sich in der klass. Zeit die Triere heraus. Von diesem Schiffstyp besaß Athen zu Beginn des Peloponnes. Krieges (431 v. u. Z.) etwa 400. - Auch in den heilenist. Staaten, bes. in Ägypten, spielte - ebenso wie bei den Phönikern und in Karthago die F. eine große Rolle. In Rom entwickelte sich erst während des ersten Pun. Krieges (264-241 v. u. Z.) eine Kriegs-F., die aber später nie größere Bedeutung erlangte und meist nur gegen Seeräuber oder zur Getreidezufuhr eingesetzt wurde. Die röm. Kriegsschiffe waren meist griech. Typen nachgebaut und häufig Fünfdecker mit etwa 300 Ruderern. Die wichtigsten röm. F.n der Kaiserzeit waren die Mittelmeer-, Schwarzmeer-, die britann., die Rhein-, Donau- und Euphrat-F., die Hauptkriegshäfen im Mittelmeer Forum lulii, Misenum und Ravenna. H Fluch: Verwünschung, durch die man im Glauben an die mag., unheilwirkende Kraft des Wortes entweder auf den Übeltäter die (verdiente) Strafe herabbeschwor oder im Falle der Nichteinhaltung von Verträgen u. ä. die Götter als Rächer anrief (Selbstverfluchung). Das letzte war in der Antike auch von Staats wegen geübte Praxis. Meist handelte es sich jedoch um Schadenzauber im privaten Bereich. Vom 5. Jh. v. u. Z. ab in steigendem Maße wurden nicht nur vom einfachen Volk die Flüche, meist unter Anrufung unterird. Gottheiten, auf Bleitafeln (F.täfelchen) geschrieben und, z. T. mit Buchstabenmagie verbunden, für die Unterweltsgottheiten vergraben, wobei die Vorstellung des ,3m

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Plan des Forum Romanum. / Tabularium, 2 Tempel der Concordia, 3 Tempel des Vespasianus, 4 Tempel des Saturnus, 5 Septimius-Severus-Bogen, 6 Lapis niger, 7 Rostra, 8 Ehrensäule des Phokas, 9 Via sacra, 10 Basilica lulia, 11 Basilica Aemilia, 12 Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, 13 Tempel des Caesar, 14 Vestatempel, 15 Kastor-und-PoJlux-Tempel, 16 Haus der Vestalinnen, 17 Maxentiusbasilika, 18 Titusbogen

der inhaltl. Konzeption (Achilleus- und Theseuszyklus) sowie nach der kompositor. Bewältigung, aber auch in der Gestaltung der Einzelfiguren zu den unbestrittenen Meisterwerken der griech. Vasenmalerei (Abb.). Sl Franken [german., „Freie"]: Sammelname rechtsrhein. Germanenstämme, der zuerst im 3. Jh. u. Z. bezeugt ist. Tacitus kennt jedoch bereits die Chamaven, die zu dieser Stammesvereinigung gehörten. Auch die f Bataver gingen in den F. auf. Deren Hauptstämme waren die Ripuarier und die Salier. Um die Mitte des 4. Jh. drangen die sal. Franken über den Rhein vor, besetzten das heutige Brabant und eroberten Köln (355). lulianus Apostata siedelte die F. zwischen Maas und Scheide an. Voir und nach dieser Zeit stellten die F. den Römern tüchtige Soldaten und Offiziere. Chlodwig, Sohn des Childerich aus dem Geschlecht der Merowinger, seit 481 König, begründete die Vormachtstellung des F.reichs. Sein Übertritt zum Katholizismus (494) sicherte dem sich mächtig entwickelnden F.reich die Unterstützung der rom. Kirche und erleichterte die Verschmelzung des alten röm. Hochadels mit dem frank. Adel, bewahrte andererseits die F. vor den Gefahren, die der Arianismus den übrigen german. Nachfolgestaaten auf röm. Gebiet infolge seines Gegensatzes zu Rom gebracht hatte. Die Verbindung von röm. Tradition und kathol. Kirche mit dem frank. Volkstum wurde die Grundlage für das feudale Mittelalter. Die Dynastie der Merowinger wurde von den Karolingern abgelöst. Der bedeutendste Geschichtsschreiber der F. ist der Bischof Gregor von Tours. Der Name F. wird auch mit ihrer Nationalwaffe, der zweischneidigen Streitaxt francga, in Verbindung gebracht. Der Name „Salier*' hängt wahrscheinlich mit sal = Meer (Wasser) zusammen. Ihre Heimat lag am rechten Ufer der unteren Yssel. Diese Landschaft heißt noch heute „Salland". Den Namen „Ripuarier" deutet man als „Uferbewohner" (lat. ripa). Sey Französische Revolution. Die F. R. ist nach den klass. Formulierungen von Marx in der Kette der frühbürgerl. Revolutionen die letzte antifeudale Umwälzung, die aus geschichtl. Notwendigkeit der weltgeschichtl. Rückerinnerung in der Form heroischer Illusionen bedurfte, um die Bedingungen für die Freisetzung der ihrer Natur nach unheroischen bürgerl. Gesellschaft zu schaffen. In 12

Antike

ihren verschiedenen Phasen von 1789-1814 sich abwechselnd als röm. Republik und als röm. Kaisertum drapierend, fand sie in den klassisch strengen Überlieferungen dieser Epochen die Ideale, Kunstformen und Selbsttäuschungen, die ihren Akteuren durch die Illusion der unmittelbaren Teilhabe an diesen herausragenden Phasen der röm. Geschichte den geeignetsten ideolog. Antrieb für die reale Bewältigung dieser welthistor. Aufgabe gab. Der Traditionsbezug der F. R. zur Antike verdeutlicht auch ihren von Engels hervorgehobenen geschichtl. Reifegrad im Vergleich zu den vorangegangenen frühbürgerl. Revolutionen, deren ideolog. Motivierung noch unter christl.-religiösem Vorzeichen stand. Die marxist. gesellschaftswissenschaftl. Forschung hat für die revolutionär-demokrat. und plebej. Kräfte der französ. Revolutionszeit auch auf den real-ökonom. Kern ihres Traditionsbezuges zu den demokrat. Lebensformen antiker Gemeinwesen mit den auf eine relative Vermögensgleichheit und die Nivellierung des Landbesitzes auf der Grundlage des bäuerl. Parzelleneigentums hinauslaufenden sozialpolit. Vorstellungen und Maßnahmen hingewiesen. Hierbei übersahen die französ. Revolutionäre ebenso die Sklaverei als die Grundlage der antiken Ökonomie wie auch das real geschichtl. Endprodukt der F. R.: die bürgerl. Gesellschaft. HKo Frau. In einigen vorgriech. Mittelmeerkulturen, so in Ägypten und in der kret.-minoischen Kultur, nahm die F. einen hervorragenden Platz ein. Reste dieser Erscheinung sind in späterer Zeit noch in Karien und Lykien erhalten. Auch in Griechenland hatte die F. in der archaischen Zeit noch eine verhältnismäßig selbständige Stellung inné, wie man aus den Schilderungen in den Homer. Epen, vor allem in der Odyssee, entnehmen kann. In der klass. Zeit der Polis zeigt sich dagegen eine weniger günstige Situation; jedoch sind hier erhebl. Unterschiede zwischen den einzelnen Poleis festzustellen. In Athen beschränkte sich das Leben des jungen Mädchens wie der verheirateten F. fast völlig auf das Haus. Sie hatte nur wenig Zugang zur Bildung und zum gesellschaftl. Leben. Geistige Anregung und Unterhaltung boten den Männern dagegen die Hetären, die meist über einen gewissen Bildungsstand verfügten. So kam es zu einer Geringschätzung der Ehe und verächtl. Äußerungen über die

Freigelassener F.en selbst bei hervorragenden Dichtern und Philosophen. Auch rechtlich war-die F. weit ungünstiger gestellt als der Mann; sie konnte z. B. nicht über ihr eigenes Vermögen verfügen. Im religiösen Leben, vor allem in den Mysterienkulten, genossen die F.en eine gewisse Gleichberechtigung; sie konnten als Priesterinnen wirken. In Sparta dagegen war die Lage der F. eine wesentlich freiere als in Athen. Die Erziehung der Mädchen ähnelte der der Jungen; so wurde vor allem auch die sportl. Ausbildung der Mädchen gefördert. Die verheiratete F. nahm in ihrem Hause als Herrin (Kyria) eine angesehene Stellung ein. Sie hatte auch das Verfügungsrecht über ihr eigenes Vermögen. In der hejlenist. Zeit zeigte sich eine Entwicklung zu größerer Selbständigkeit der F. Dazu trugen die aufgeklärten Ansichten einiger philosoph.* Richtungen, vor allem der Stoa, bei, die die Gleichberechtigung der Geschlechter verkündeten. Insbes. ergaben sich in dieser Zeit für die F.en bessere Bildungsmöglichkeiten. Auch ökonomisch waren die F.en vielfach selbständig. Sie übten die verschiedensten Berufe aus. So gab es Schauspielerinnen, Sängerinnen, Dichterinnen, Ärztinnen und Sportlerinnen. Die F.en des Mittelstandes arbeiteten oft zusammen mit ihren Männern in deren Beruf. Lohnarbeit wurde offensichtlich nur ^on Sklavinnen geleistet. Als hervorragende F.engestaltèn des griech. Altertums, zugleich aber auch als Ausnahmeerscheinungen, sind vor allem die Dichterin Sappho und Aspasia, die Gemahlin des Perikles, zu erwähnen. - In Rom hatte die F. schon in der republikan. Zeit eine geachtetere Stellung inné aïs in Griechenland. Sie besaß als Hausherrin (Dc>mina) eine verhältnismäßig große Selbständigkeit, wenn sie sich auch rechtlich zeitlebens in der Abhängigkeit von einem Mann, erst dem Vater, dann dem Ehemann, befand. Die Teilnahme am gesellschaftl. Leben war für die röm. F. eine Selbstverständlichkeit. Auch ihre Bildungsmöglichkeiten waren besser als in Griechenland, sie erhielt zumindest meist eine Elementarausbildung. Hervorragend war die Rolle der F. im Staatskult: die Vestalinnen genossen in der röm. Gesellschaft ein hohes Ansehen. Im Laufe der Entwicklung wurde auch die rechtl. Stellung der F. allmählich günstiger. In der Kaiserzeit war sie privatrechtlich dem Mann fast gleichgestellt und hatte die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen. Damit ergab sich für die F.en aus besitzenden Schichten auch die Möglichkeit, Einfluß auf das polit. Leben zu nehmen (z. B. Octavia, Livia). Auch konnten die F.en jetzt selbständig eine Ehe schließen. Damit verbunden war aber auch eine niedrigere Einschätzung der Ehe, eine Lockerung der Sitten und die Zunahme der Ehescheidungen. F.en aus niederen Schichten konnten durch das Konkubinat mit einem höhergestellten Mann sozial aufsteigen. In der Kaiserzeit ist auch ein starkes Interesse der F.en, bes. der Oberschicht, für Literatur und Kunst, ja sogar für das Studium von Geschichte und Philosophie zu bemerken. - In der Spätantike verschlechterte sich mit der Verbreitung des Christentums die Lage der F.en jedoch wieder, obwohl gerade sie erheblich zu dieser beigetragen hatten. Während im Urchristentum die F.en noch verhältnismäßig gleichberechtigt am Gottesdienst teilnehmen durften, wurde später unter jüd. Einfluß ihre Beteiligung stark eingeschränkt. Eine F. konnte nicht Priesterin werden. Ihre Wirksamkeit in der Gemeinde beschränkte sich auf karitative Tätigkeit; vor allem als Diakonissin genoß sie Ansehen. Eine gewisse Unabhängigkeit von der Vormundschaft des Mannes-brach te der F. die asket. Bewegung: als Eremitin, Nonne, ja sogar Äbtissin erschloß sich ihr ein neuer Wirkungskreis, Der Tätigkeitsbereich der verheirateten F. war jedoch der Haushalt. Ihre Bewegungsfreiheit in der Öffentlichkeit wurde im

178 Vergleich zur röm. Zeit stark gemindert, obwohl sich ihre rechtl. Stellung bis in die justinian. Zeit kaum änderte. Unter dem Einfluß der allgemeinen Orientalisierung setzte sich aber allmählich die Ansicht von der Minderwertigkeit der F. durch, was sowohl in der Gesetzgebung Cfc. B. im Scheidungsrecht) als auch in der Öflfentl. Meinung zum Ausdruck kam. Die Ehe wurde wieder von den Eltern der Braut vereinbart. Einfluß auf die Politik konnten nur wenige F.en in hervorragender Stellung nehmen, so z. B. Pulcheria, die Schwester, und Athenaïs-Eudokia, die Gemahlin des Kaisers Theodosios' IL, und vor allem Theodora, die Gemahlin Kaiser Justinians* L Der Bildungsstand der F.en war, abgesehen von der Oberschicht, recht niedrig, doch gibt es Beispiele von Gelehrsamkeit, wie die Philosophin Hypatia und die erwähnte Athenaïs-Eudokia. Rw Freigelassener [lat. libertus, libertinüs] : durch den Akt der f Freilassung aus dem bisherigen Status der Knechtschaft entlassener Sklave. Trotz der Freilassung blieben die bürgerl. Rechte der F. beschränkt, sie selbst in vielen Fällen durch persönl. Dienstverpflichtungen in gewissem Ausmaß an den bisherigen Herrn, ihren Patron, gebunden. In Griechenland war auch die kult. Freilassung d. h., der Sklave wurde einer Gottheit geweiht und damit frei - verbreitet, jedoch entsprach das nicht der vollen Gleichberechtigung als Bürger. Die Stellung der griech. F. kam der der Metöken in Athen nahe. Außer der Freilassung durch den Herrn gab es für Sklaven - bes. in späterer Zeit - Gelegenheit, sich aus ihren Ersparnissen freizukaufen. Unter Umständen stiegen F. zu hohen Stellen im Staat (in der kaiserl. Verwaltung und im Hofdienst, bes. unter Claudius) auf, und Söhne F. konnten in der Kaiserzeit auch Ritter werden; größtenteils gehörten sie zur Klasse der Kleinproduzenten und waren Ver- · trauenspersonen ihrer Patrone in geschäftl. und polit. Angelegenheiten. Viele F. waren als Bankiers, Ärzte, Lehrer usw. tätig. Gü Freilassung [lat. manumissio, „Entlassung aus der HandGewalt**]: im german. wie im röm. Recht die Entlassung eines Unfreien oder Halbfreien aus der Knechtschaft. Das röm. Recht bildete verschiedene feste Formen aus, nach denen die F. erfolgen konnte (vor dem Prätor, durch Eintragung in die Bürgerliste [s. a. Zensus] oder durch Testament). In späterer Zeit traten neben die alten Formen des bürgerl. und des prätor. Rechts einfachere Formen der F., so die inter amicos - „in Gegenwart von Freunden". Konstantin L erweiterte die Möglichkeiten der mehr formlosen F. durch die Einführung der F. in der Kirche in Gegenwart des Bischofs und der Gemeinde. Die Freigelassenen führten Praenomen und Gentile ihres Patrons, als Beinamen ihren alten Sklavennamen, In spätrepublikan. Zeit wuchs die Zahl der F.en, und Augustus (Lex Furia Caninia, 2 v . u . Z . ; Lex Aelia Sentia, 4 u. Z.) und spätere Kaiser versuchten, diesen Zug der Zeit einzuschränken. Trotzdem wurde die Bedeutung der F. für die Erhaltung und stetige Erneuerung der röm. Gesellschaft stets anerkannt, wie entsprechende Äußerungen röm. Schriftsteller erkennen lassen. Gü Fresko: Maltechnik, bei der die Farben auf den frischen (italien, fresco) Wandbewurf aufgetragen werden, im Gegensatz zur Seccomalerei, bei der die Farben auf die trockene (italien, secco) Wand aufgemalt werden. Die F.technik wurde in der Antike angewandt. Sl Freundschaft wurde in der Antike als hohes Gut geschätzt. Bekannt sind Freundespaare wie AchilleusPatroklos, Orestes-Pylades, Maximen wie „Den Freunden ist alles gemein", „Der Freund ist ein zweites Ich". Die idealisierende Wertung in Literatur und Philosophie (Pythagoreer, Schillers „Bürgschaft"; Epikureer) sollte

179 den urspr. ausschließl., auch später nie verdeckten prakt. Zweck von F. nicht übersehen lassen. Philos (Wortbedeu-, tung „eigen") ist zunächst der Verwandte und Stammesangehörige. Gast-F. tritt in der Poliswelt für die fehlenden diplomat. Vertretungen ein (Proxenie). Rom. Amicitia umschließt innenpolit. Frajctionsbildung wie außenpolit. Bündnisse. Eine Synthese zwischen griech. Denken und röm. Tradition bringt Ciceros „Laelius oder Über die F.". Konflikte zwischen F. u. a. Bindungen wurden theoretisch nicht anerkannt, in der Praxis führte etwa polit. Entfremdung auch zum persönl. Bruch. Die antike F. ist Männer-F., bes. in der Frühzeit auch mit homoerot. Komponente. Kehrseite der Hochschätzung der F. ist die emotionale Unterentwicklung der antiken Ehe. Während im Christentum die F. zugunsten der weniger persönl. Nächstenliebe zurücktritt, wenden sich Renaissance und dt. Klassik einem antikisierenden F.sbegriff zu, der in einem unantiken, weil sentimentalen F.skult gipfelt. KT Friedhof: gartenartig angelegtes Ensemble von Begräbnisstätten, das sich aus dem Bestattungsfeld entwickelte; war in der griech. Frühzeit weitgehend unbekannt. Bekanntestes Beispiel eines F.es: der F. am Eridanos bei Athen. Vgl. Nekropole. Sl Friedrich II. von Hohenstaufen, 1194-1250, König von Sizilien, dt. Kaiser. Durch Übernahme röm. Formen im Staats-, Rechts- und Kriegswesen erstrebte F., der kraft seiner überragenden Person und Machtfülle von Zeitgenossen als neuer Caesar gesehen wurde, eine Wiedererweckung des röm. Imperiums. Gelehrte und Dichter seines Hofes pflegten antike Traditionen, in seinen Schlössern ließ er antike Statuen aufstellen. Unter seinem Einfluß entstand eine von antiken Vorbildern geprägte Kunst („stauf. Renaissance*'; vor allem Plastik und Glyptik). He Fries: Teil der ion. f Gebälkordnung, zwischen Architrav und Geison bzw. Zahnschnitt eingefügt, oft von Zierleisten eingefaßt. Sl Frigidarium [lat.] : Anlage (des in Wannen zu nehmenden) Kaltwasserbades in den f Thermen, zu unterscheiden von dem Schwimmbecken (Natatio). Sl Proben, Basler Druckerfamilie (bis 1603). Johann F., gest. 1527, der 1491 das Unternehmen begründete, gab zahlreiche Werke antiker und Humanist. Autoren heraus, darunter auch die Werke des Erasmus von Rotterdam. Wt Frontinus, Sex. lylius, dt. Frontin, um 40 bis um 103, röm. Statthalter in Britannien, 97 u. Z. Oberaufseher der Wasserversorgung Roms. F. schrieb über Feldmessung („Gromatici"), über die Wasserleitungen Roms („De aquis urbis Romae") und eine interessante Slg. Kriegslisten („Strategemata"). H TU: Strategemata: Bendz, SQAW 1963. De aquis (französ.) : P. Grimai, G B 1944. Fronto, M. Cornelius, röm. Redner und Anwalt des 2. Jh. aus Cirta (Numidien), Erzieher der späteren Kaiser Ma^rcus Aurelius und Lucius Verus, Konsul 143. Von seinen Reden, auf die sich sein Ruhm gründete, ist nichts erhalten; durch einen 1815 gefundenen Palimpsest sind unvollständige Sammlungen seiner Briefe bekannt geworden, in denen rhetor.-sprachl. und Stilfragen eine wesentl. Rolle spielen. F. war Mittelpunkt eines Kreises, der sich in seinen archaist. Tendenzen die alte vorciceronian. lat. Literatur zum Vorbild wählte. F. betrachtete das Dasein als Rhetor als erstrebenswerte Lebensform und lehnte die Philosophie ab. Be T: M. P. J. van den Hout, Leiden 1954. TU: C. R. Haines, LCL2J955I57. frühchristliche Kunst f altchristliche Kunst. Füllhorn [lat. CQrnu cgpiae]: eigtl. das Hörn der Amal-

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Gabel theia, das, abgebrochen, mit Früchten gefüllt und mit Blumen bekränzt, zum Symbol der Fruchtbarkeit und Fülle wurde. Auf antiken Münzen wurde es als Symbol der segensreichen Regierung des Münzherrn verwendet und war in der bildenden Kunst das Attribut der segenspendenden Gottheiten, bes. der Tyche/Fortuna. Be Fulvius, altröm. plebej. Geschlechtername. - 1. M. F. Fliccus Nobilior, kämpfte 195 v. u. Z. als Praetor in Spanien und besiegte als Konsul 189 den griech. Bund der Aitolier. Seine Achtung vor griech. Bildung und Kunst (er brachte Ennius nach Rom) hinderte ihn nicht, griech. Kunstwerke zu rauben und in Rom aufzustellen. - 2. M. F. Fl§ccus, 125 v.u.Z. Konsul; Bundesgenosse der Gracchen, deren Agrargesetze er unterstützte. Er plante ein Gesetz zur Verleihung des Bürgerrechts an die ital. Bundesgenossen Roms; fiel 121 v. u. Z. mit C. Gracchus. Seh Fünfkampf [griech. pentathlon]. Der F. wurde 708 v. u. Z. in das olymp. Programm aufgenommen. Aufeinander folgten Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen, Laufen und Ringkampf. In homer. Zeit wurden alle im F. vereinigten Disziplinen nur als Einzelwettbewerbe betrieben. Die Verbindung von drei leichtathlet.-techn. Übungen, einem Lauf und einer Schwerathlet. Disziplin zu einem Mehrkampf war eine sporthistor. Tat ersten Ranges. An die antiken Fünfkämpfer wurden hinsichtlich Vielseitigkeit und Höchstleistungen etwa ähnl. Anforderungen gestellt wie an die heutigen Zehnkämpfer der Leichtathletik. Wahrscheinlich wurde der Gesamtsieger durch ein progressives Ausscheidungsverfahren festgestellt. WR Furcht [griech. phQbos] und Mitleid [griech. eleos] oder, nach anderer Übersetzung, Schaudern und Jammern sind gemäß Aristoteles die wichtigsten Affekte, die bei der trag, f Katharsis entweder gemäßigt oder überhaupt beseitigt werden. Mitleid erweckt die trag. Person, die unβ verdient ins Unglück gerät; F. empfindet der Zuschauer, sofern der Betroffene ihm gleich oder ähnlich ist, so daß dessen Unglück auch ihm zustoßen könnte. Als trag. Affekte sind F. und M. ästhet. Natur und daher mit f Vergnügen verbunden. Kr Furien: die den griech. f Erinyen entsprechenden röm. Rachegöttinnen. Be Furtwängler, Adolf, 1853-1907, dt. Archäologe, Vater des Dirigenten Wilhelm F., Schüler Heinrich Brunns, Ausgräber von Olympia und Ägina (Aphaiatempel). Aus umfassender Denkmälerkenntnis schuf er ein tragbares chronolog. Gerüst, bes. für die griech. Kunst der Vor- und Frühzeit, und vertiefte die Kenntnis der Meisterwerke des 5. und 4. Jh. v. u. Z. Hauptwerke: „Myken. Vasen", 1886 (mit G. Loeschcke); „Meisterwerke der griech. Plastik'*, 1893; „Die antiken Gemmen. Geschichte der Steinschneidekünst im Altertum", 1900; „ Die griech. Vasenmalerei", I. 1904, II. 1905; „Ägina. Das Heiligtum der Aphaia", 1906. Sl

G Gabel: in der Antike übl. Arbeitsinstrument, das in der Landwirtschaft, im Haushalt zum Kochen, Braten und Servieren des Fleisches, nicht aber als Eßwerkzeug verwendet wurde. Der Dreizack als Fanggerät zum Harpunieren war in der Fischereiwirtschaft unentbehrlich. Sl

Gades Gades, phönik. Gadir, aus griech. Gadeira, heute span. Càdiz: alte, vielleicht schon um 1100 v. u. Z. gegr. tyr. Kolonie, auf einer heute landfest gewordenen Insel unweit der Straße von Gibraltar im Atlant. Ozean gelegen; auf einer anderen Insel lag das röm. G. Die für den allant. Schiffsverkehr und die Silbergewinnung in Tartessos wichtige Basis G. war bis zur röm. Herrschaft (2. Pun. Krieg) von Karthago abhängig. In der Spätantike verödet, gewann G. erst im 8. Jh. unter den Arabern wieder an Bedeutung. - Heimat des röm. Schriftstellers Columella. D Gaia oder Ge, lat. Gaea, griech. Göttin der lebenerzeugenden und lebentragenden „Erde", als Hervorbringerin und Trägerin aller Lebewesen Allmutter und Urgottheit, in der sich vorgriech. und archaische griech. Vorstellungen vereinigten; sie brachte aus sich Uranos (Himmel), Pontos (Meer) und die Gebirge hervor. Als Gemahlin des Uranos gebar sie die Titanen, Kyklopen und die Hekatoncheiren. Ihren Sohn Kronos veranlaßte sie, Uranos zu entmannen; aus dessen Blutstropfen brachte sie die Erinyen und Giganten hervor. G. wurde kultisch verehrt. Vermutlich war sie die erste Inhaberin des Orakels in Delphi. Ihre Entsprechung im Lateinischen ist die Terra Mater bzw. Tellus. - Gemälde von Feuerbach. Be Gaius, röm. Jurist der zweiten Hälfte des 2. Jh. u. Z., über dessen Leben und Person nichts Näheres bekannt ist. Neben Zitaten in den Digesten sind seine Institutionen, ein Jurist. 2Lehrbuch in vier Büchern, erhalten. Wa T: FIRA II S. 3-257. TU: F. De Zulueta, Oxford I 1946, U 1953 (engl. mit Kommentar). Galateia, lat Galatga, schöne Nereide, Tochter des Nereus und der Doris. Sie liebte den ungeschlachten Kyklopen Polyphemos; nach einer anderen Sagen version verschmähte sie seine Liebe und wandte ihre Gunst dem jungen Akis zu. Polyphemos tötete diesen aus Eifersucht mit einem Felsblock. - Gemälde von RafFael, Lorrain, Tiepolo; Roman von Cervantes; Oper von Händel. Lully und Haydn. Be Galatien: nach den in der 1. Hälfte des 3. Jh. v. u. Z. eingewanderten kelt. Galatern (Galliern) genannte Landschaft im steppenartigen zentralen Hochland Kleinasiens um Ankyra. Die in die drei Stämme der Trokmer, Tolistoagier (-bogier) und Tektosagen gegliederten Galater beunruhigten lange als Söldner und durch Raubzüge ihre Umgebung. Siege der Fürsten von Pergamon über sie verherrlichen Plastiken wie der „Sterbende Gallier"; auch der Zeusaltar in den Staatl. Museen in Berlin ist Symbol eines solchen Sieges. Trotz Hellenisierung und später Romanisierung (25 v. u. Z. G. röm. Provinz) hielten die Galater noch lange an kelt. Rechtsbräuchen fest. Zur röm. Provinz G. gehörten noch weitere Gebiete; daher ist schwer zu entscheiden, ob die Adressaten von Paulus' Brief die Bewohner der ganzen Provinz oder nur die Galater im eigentl. Kernland sind. D Galba Ser. Sulpicius, 24.12.3 v. u. Z.-15. 1. 69 u.Z., röm. Kaiser seit 8. 6. 68. Er stammte aus einem alten Patriziergeschlecht, war 33 Konsul und Statthalter mehrerer Provinzen. Am Rhein errang er 41 einen Sieg über die Chatten. Seit 60 Statthalter der Provinz Hispania Tarraconensis, beteiligte er sich, gestützt auf die Span. Legionen, im Frühjahr 68 an der Aufstandsbewegung gegen Nero und wurde nach dessen Sturz als Kaiser anerkannt. Mit Strenge und Sparsamkeit trat er der vorangegangenen Mißwirtschaft entgegen und verweigerte den Soldaten das Donativum. Der bei der Nachfolgeregelung übergangene Otho entfesselte einen Aufstand der unzufriedenen Prätorianergarde, in dem G. auf dem Forum in Rom ermordet wurde. - Biographien von Plutarch und Suetonius. Jo Galenos, dt. Galgn, geb. 129 Pergamon, gest. 199 u. Z.

180 Rom(?); griech. Arzt, Sohn eines Mathematikers und Architekten, 157-161 Gladiatorenarzt in Pergamon, praktizierte anschließend mit kurzen Unterbrechungen in Rom und war seit 169 Leibarzt am röm. Kaiserhof. G. war der letzte große Repräsentant der wissenschaftl. Medizin in der Antike. Er vertrat medizinisch und philosophisch einen eklekt. Standpunkt, erkannte jedoch unter seinen Vorgängern nur Hippokrates uneingeschränkt als ärztl. Autorität an, während er sich in philosoph. Hinsicht hauptsächlich an Aristoteles anschloß. In seinen zahlreichen medizin. Schriften, die zum großen Teil erhalten sind, faßte G. das gesamte bisher angesammelte medizin. Wissen zusammen und bereicherte es hauptsächlich in der Anatomie, Physiologie, Pathologie und Pharmakologie durch eigene Forschungen. Er verfaßte Kommentare zu allen von ihm für echt gehaltenen Hippokratesschriften, in denen er sich um eine Synthese zwischen der hippokrat. Medizin und der seiner Zeit bemühte. Das von G. idealisierte Hippokratesbild wurde für den Hippokratismus in der ausgehenden Antike und im Mittelater bestimmend. In seinen philosoph. und log. Schriften, die zum größten Teil verlorengegangen sind, betont G. die Notwendigkeit der wechselseitigen Durchdringung von Philosophie und Medizin. Die Schriften G.' erfreuten sich bereits im 4. Jh. einer außerordentl. Wertschätzung und dienten auch in byz. Zeit als Hauptquelle für medizin. Handbücher. Die galen. Medizin, z. T. auf dem Umweg über die Araber überliefert, behauptete sich bis in die Renaissance hinein als maßgebende Lehre. Ko T: C.G. Kühn, 20 Bde., Leipzig 1821-1833; CMC (soweit bisher erschienen); Scripta minora, 3 Bde., Leipzig 1884-1893. Über den Nutzen der Körperteile: G. Helmreich, 2 Bde., Leipzig 1907109. Ü: E. Beintker-W. Kahlenberg, Werke des Galenos, 5 Bde., Stuttgart 1939-1954; M. Simon, Sieben Bücher Anatomie des Galen (arab.-deutsch), 2 Bde., Leipzig 1906.

Galgrius, C. G. Valgrius Maximianus, um 250-Mai 311, röm. Kaiser seit 1. 5. 305. Er war einfacher Herkunft aus der Gegend um Serdica (Sofia), Offizier unter Diocletianus, der ihn 1.3. 293 adoptierte, zum Caesar ernannte und mit seiner Tochter Valeria vermählte. Als Mitregent residierte er in Sirmium an der Save und war bes. für den Donaugrenzschutz und die Verwaltung der Balkanprovinzen verantwortlich. 293-96 führte er Krieg gegen Sarmaten und Goten an der Donau, 296-98 gegen die Perser in Armenien, Syrien und Mesopotamien. G. beteiligte sich führend an der von Diocletianus angeordneten Christenverfolgung, die er in seinem Machtbereich erst kurz vor seinem Tode beendete. Als ranghöchster Augustus seit 306 versuchte er vergeblich, an der diokletian. Nachfolgeregelung festzuhalten. G. starb in Nikomedeia an Krebs. In Thessalonike ließ er einen Triumphbogen und einen Palast errichten. Jo Galiläa [hebr., „Kreis der Heiden"]: der nördl. Teil Palästinas. G. wurde nach der israelit., Landnahme nicht völlig israelisiert (daher der Name G.), erst später stärkere Judaisierung. Noch z. B. bei Kaiser lulianus hat „Galiläer" eine abschätzige Bedeutung als Bezeichnung für den aus G. stammenden Jesus Christus und die Christen. D Gallien, lat. GäHia: das Land der Gallier, i. wesentl. das heutige Frankreich, die Westschweiz und Belgien, darüber hinaus Ggllia cisalpina, der westl. Teil der Poebene. Im S des heutigen Frankreich gründeten Griechen um 600 v. u. Z. Massilia (Marseille). Ende des 2. Jh. v. u. Z. eroberten die Römer das heutige Südfrankreich und gründeten die Provinz G. Narbonensis mit Narbo als Hauptstadt. 58-51 v. u. Z. führte Caesar den gall. Krieg (darüber sein Werk „De bello Gallico") und machte G. bis an den Rhein zur röm. Provinz. 27. v. u. Z. ordnete

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Augustus endgültig die Verwaltung des Landes, das sich in drei Teile gliederte: Aquitanien, Lugdunensis mit Lugdunum (Lyon) als Hauptstadt und Belgica. Diese Teile nannte man Gallia comata nach dem langen Haar der Bewohner im Gegensatz zur alten röm. Provinz, der Narbonensis. Die Romanisierung des Landes ging rasch vonstatten, stieß aber mehrfach auf Widerstand: Aufstände des Sacrovir (21) und Vindex (68/69). Soziale Widersprüche und nationale Bestrebungen führten Mitte des 3. Jh. auf kurze Zeit zur Bildung eines gall. Sonderreichs, im 5. Jh. zum Reich des f Syagrius, der als letzter röm. Feldherr in G. zwischen Loire und Somme eine Sonderherrschaft errichtete (476), die jedoch 486 durch den Sieg f Chlodwigs bei Soissons ihr Ende fand. Handel, Gewerbe und Wissenschaften, bes. die Rhetorik, erlebten in G. eine hohe Blüte. Etwa seit Mitte des 2. Jh. begannen Kämpfe der Volksmassen gegen die Römerherrschaft und setzten sich später im Bunde mit den eindringenden Germanen fort (Bagaudenkämpfe). Der Name der röm. Provinz in Süd-G. lebt in der heutigen Bezeichnung der Provence fort. Die Gebiete am Rhein wurden unter Augustus zu zwei Militärbezirken, unter Domitianus zu selbständigen Provinzen umgestaltet: Ober- und Niedergermanien (Germania superior und G. inferior). Sey Gallienus, P. Licinius Egnatius, 218-Frühjahr 268, röm. Kaiser seit September 253, Sohn Valerianus' und bis 259 dessen Mitregent. Er übernahm 254/59 den Schutz der Rhein-Donau-Grenze gegen Franken, Alamannen, Markomannen, Goten u. a., deren Einbrüche in das Röm. Reich er nur teilweise verhindern konnte. 259 besiegte G. die bis Mailand vorgedrungenen Alamannen. Durch die Gefangennahme seines Vaters wurde er Alleinherrscher, doch war seine ganze Regierungszeit von Kämpfen gegen zahlreiche von ihren Truppen in den Provinzen erhobene Gegenkaiser, die meist von der dortigen Aristokratie unterstützt wurden, erfüllt. Im W des Imperiums entstand 259 das gall. Teilreich unter Postumus, im O das Reich von Palmyra, während die kleineren Usurpationen von dem tatkräftigen G. niedergeworfen werden konnten. Durch Barbareneinfälle gingen Dakien um 255, die Decumates agri 259 und vorübergehend auch Rätien verloren. Die innen- und außenpolit. Krise des 3. Jh. erreichte unter diesem Kaiser ihren Höhepunkt. - Innenpolitisch hat sich G. offenbar als letzter auf die Munizipalaristokratie gestützt. 262/63 schloß er durch eine Heeresreform die Senatoren zugunsten der Ritter vom Militärdienst aus und schuf gleichzeitig eine Kavalleriearmee bes. aus illyr. Truppen. Die von seinem Vater angeordnete Christenverfolgung beendete er. Als gebildeter Philhellene und Freund Plotins förderte G. den Neuplatonismus. Durch eine Verschwörung illyr. Heerführer wurde er bei Mailand ermordet. - Biographie in der Historia Augusta, Porträt im Pergamon-Museum. - Taf. 41 Jo Gallier: die zu den Kelten oder Galatern gehörenden Einwohner Galliens, ein Volk der indoeurop. Sprachfamilie, das $ich aus mehreren durch Dialekt, Sitten und Lebensbedingungen untereinander verschiedenen Stämmen zusammensetzte. Im W wurden sie um 600 v. u. Z. den Griechen über Massilia bekannt. Von O her drangen sie um 500 v. u. Z. in Gallien ein und verdrängten die hier sitzenden iber. Stämme. Sich bis Spanien ausbreitend, vermischten sie sich dort mit den Iberern (daher: Keltiberer). Andere G. stießen nach S und O vor, nach Böhmen, in die Ostalpen und in die Donaulandschaften. Nach der brit. Südküste kamen G. verhältnismäßig spät, nach Oberitalien zogen sie von N her und verdrängten hier die Veneter nach O, die Ligurer nach W. Gall. Ursprungs sind Städte wie Mediolanum (Mailand) und Comum

Ganges (Como). Die G. besiegten 387 die Römer an der Allia und eroberten Rom (Brennus). Die in Oberitalien ansässigen G. wurden von den Römern um 200 v. u. Z. unterworfen. Im O wurden Kelten zur Zeit Alexanders d. Gr. bekannt. Mehreren Diadochenkönigen dienten sie als Söldner und wurden von Antiochos L am Halys angesiedelt, wo die Römer 25 v. u. Z. die Provinz Galatien einrichteten. Hier bewahrten sie ihre Sprache und ihr Brauchtum bis über den Anfang des 5. Jh. hinaus. Die Verfassung der G. (Kelten) beruhte auf Gauen und Stämmen. Auch gab es Oppida, eine Art von Fluchtburgen, z. B. Bibracte im Gebiet der Häduer. Die Bevölkerung setzte sich aus Freien und Sklaven zusammen. Der Adel spielte eine bedeutende Rolle. Es gab Fürsten und Häuptlinge, bei einigen Stämmen auch Könige, bei anderen ein gewähltes Oberhaupt (Vergobretus). Der Adel widmete sich der Jagd und dem Training im Kriegshandwerk, das Volk trieb vor allem Ackerbau und Viehzucht, aber auch Handel, Handwerk und Erzgewinnung. Die G. galten als gottesfürchtig und abergläubisch. Unter den Priestern waren die f Druiden am angesehensten. Die Häuser der G. waren rund und bestanden aus Holz oder Flechtwerk, das mit Lehm beworfen wurde. Die Kleidung wurde aus Wolle hergestellt, charakteristisch waren die langen Hosen. Unter den Stämmen sind die Beiger, die Aquitanier und die Helvetier durch Caesar bekannt. Die G. waren die Träger der LaTene-Kultur. Zwei sprachl. Gruppen sind zu unterscheiden: Kymr- (oder p-) Kelten (heute in Wales und in der Bretagne), gäl. (oder q-) Kelten (in Westirland und Schottland). Seit Caesar gilt der Rhein als Volkstumsgrenze zwischen G.n und Germanen, doch fand an seinen Ufern weitgehende Vermischung statt. Sey Gallus: Priester und Diener der Kybele bzw. des Attis und der Atargatis (Dea Syria). Mit dem Ausbreiten der oriental. Kulte kamen die Galli auch nach Rom. Ihr fremdartiger, ekstat. Kult (aufreizende Musik, Tänze, Geißelung, Selbstverstümmelung) wurde verachtet und von den Behörden eingeschränkt. Oberpriester der Galli war der Archi-G. Be Gallus, C. Cornelius, geb. Ç9/68 Forum lulii (Gallien), gest. 26 v. u. Z. ; röm. Feldherr, Politiker und Dichter. Aus ärml. Verhältnissen stammend, wurde er als Freund des Octavianus bei der Landverteilung in Oberitalien eingesetzt und rettete Vergil, dessen Freund er wurde, das Besitztum. Nach der Eroberung Ägyptens erwarb er sich als dessen erster Präfekt große Verdienste. Durch Ruhm< redigkeit und Machtstreben Augustus verdächtig geworden, fiel er in Ungnade, wurde enteignet und verbannt und endete durch Selbstmord. Mit seinen 4 Büchern Elegien auf seine Geliebte Kytheris, die er Lycoris nannte, wurde G. der Schöpfer der literar. Gattung der subjektiven Liebeselegie bei den Römern (Anknüpfung an Hellenist. Vorbilder und Catull). Da nur ein Vers von G. erhalten ist (vielleicht als Folge seiner Damnatio mémoriae), sind Umfang und Inhalt seiner Dichtungen umstritten. Be T: FPL, S. 99. Gandharakunst : nach der Landschaft Gandhara (im heutigen Afghanistan) benannte hellenist.-ind. Mischkunst, die vom 2. Jh. v. u. Z. bis ins 5. Jh. u. Z. währte und deren Ausstrahlung bis nach China beobachtet wurde. Überliefert sind neben Architekturresten vor allem Rundplastiken (stehende und sitzende Buddhafiguren) und Reliefwerke meist kult. Gepräges, aber auch bedeutende Malereien. Die G. ist ein Produkt des seit dem Indienfeldzug Alexanders d. Gr. (327 v. u. Z.) eingeleiteten, durch hellenist. Fürsten geförderten Prozesses der Herausbildung einer gräko-buddhist. Mischkultur. Sl Ganges: zweitlängster Strom Indiens. Erste Kunde vom

Gans G. wurde den Griechen um 400 v. u. Z. durch Ktesias vermittelt. Näheres erfuhren sie erst in frühhellenist. Zeit (Megasthenes). Mêla und Ptolemaios beschrieben auch das G.-Delta mit „sieben" bzw. „fünf" Armen. In christl. Zeit avancierte der G., über den viele Fabeleien im Umlauf waren, zu einem der vier Flüsse des Paradieses (= Pheison). D Gans. Die Antike kannte von den wilden Arten insbes. die Grau- und die Saat-G. (mit Schlingen oder Netzen gefangen) und die (urspr. in Ägypten) gezähmte Haus-G. In Griechenland zunächst wohl nur um der Schönheit willen, bald aber auch des wohlfeilen Fleisches - in Athen gehörte sie zu den Opfertieren der Ärmeren - und der Daunen wegen gehalten, wurde die Haus-G. in Rom und den Provinzen in größerem Umfang auch gemästet (gestopft). Bes. die Leber galt als Delikatesse. In Rom rühmte man u. a. ihre Wachsamkeit und ihre Fruchtbarkeit. Sie begegnet daher als Attribut des Mars und der Aphrodite, des Eros und des Priapos, aber auch als Symbol des häusl. weibl. Lebensbereiches. Du Ganymedes, dt. Ganymed, in der griech. Sage Schönster der Sterblichen, Sohn des Königs Tros; von Zeus auf den Olymp entführt, damit er dort Mundschenk für die Götter sei. Nach späterer Version ließ Zeus ihn durch seinen Adler rauben (oder raubte ihn in Adlergestalt) und machte ihn zu seinem Geliebten (Motiv der Knabenliebe). Plastik von Leochares, Thorvaldsen; Gemälde von Correggio, Rubens, Rembrandt, v. Marées; Gedicht von Goethe. Be Garamanten: Stamm im Fezzan, Hauptort Garama (heute Djerma bei Mursuk) mit entwickelter Oasenkultur, den Griechen im 5. Jh. v. u. Z. bekannt, von Karthago unabhängig; die Römer erreichten erstmals (später noch oft) durch den Feldzug des Cornelius Baibus 19 v. u. Z. das Land der G., das im 3. Jh v. u. Z. ein Bewässerungssystem nach röm. Vorbild ausbaute. Wf Garde. Aus den Speerträgern der griech.-heilenist. Könige und Tyrannen entwickelte sich die G. der röm. Kaiser, zu denen die f Prätorianer, die Batavi (berittene german. Leibgarde), die Equités singulares imperatoris (Gardereiter) und der Numerus frumentariorum (Polizeitruppe seit Hadrian) gehörten. H Garn. Flachs verschiedener Leinarten, Wolle von Schaf, Ziege oder Kamel zu G. zu spinnen, ist alter Kulturbesitz. Dazu gehört auch die Vorbehandlung durch das noch heute übl. Darren und Rösten (Einweichen), Brechen (mit Hammer), Hecheln, die Wollwäsche (bei der nicht zu stark entfettet werden durfte) und das .Krempeln' (mit Kämmen). In der Antike wurde G. mit Spindel (Kunkel) sitzend, gehend oder stehend aus Vorgarn gesponnen. Zum Auszupfen von Vorgarn entwickelten die Griechen im 5. Jh. v. u. Z. das Epinetron und den dazugehörigen Fußschemel. In Thrakien wurde zur gleictien Zeit auch Hanf so fein gesponnen, daß Hanf-G. für Gewebe verwendbar war, während es sonst nur zu Seilen benutzt wurde. Im 4. Jh. v. u. Z. kam Baumwolle hinzu, die zusätzlich nötige Trennung der Samenhaare von den Samenkapseln war reine Handarbeit, ohne daß eine neue Technologie nötig wurde; zu dieser haben auch Karthager, Etrusker und Römer nichts hinzugefügt. Allgemein als häusl. Arbeit für Freie und Sklavinnen angesehen, stand das G.spinnen unter dem Schutz der Parzen (Moiren). Wf Garonne, lat. Garijmna: Strom Galliens, bildete die Grenze zwischen kelt. Galliern und iber. Aquitaniern. D Gartenbau. Gärten sind bereits in altkret. und frühgriech. Zeit bekannt, jedoch in unterschied!. Bedeutung. Während die Kreter die Blumenzucht bevorzugten, pflegten die Griechen und später die Römer bes. landwirtschaftl.

182 Nutzgärten (Obst-, Wein- und Gemüsegärten). Die antike Mythologie berichtet von Gärten, z. B. den Gärten der Hesperiden mit den goldenen Äpfeln. Größere Ziergärten, die durch Teiche, Wasserkünste und plast. Schmuck belebt wurden, kamen erst durch pers. Einfluß seit der 2. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z. in Griechenland auf, in Rom durch heilenist. Einfluß seit dem 1. Jh v. u. Z. Sie sind in Tempel bezirken, Gymnasien, später auch als Parks in den Residenzstädten der Herrscher, kleinere Gärten in den Peristylhöfen der Privathäuser nachweisbar; letztere wurden im röm. Wohnungsbau weiter ausgestaltet. Stadtröm. Gartenanlagen größeren Ausmaßes befanden sich auf dem Mons Pincius (Monte Pincio), wo sich die wohlhabenden Bürger Roms Villen mit Parks anlegten. Die Gartenkunst der Landhäuser außerhalb der Stadt Rom lehnte sich unter Ausnutzung der Topographie und Wasserverhältnisse weitgehend an die Landschaft an. Die Germanen kannten noch keinen G., sondern übernahmen erst viel später aus dem S die Zucht von Heil-, Küchenund Zierpflanzen in Klostergärten. Gü Gärung wurde als wilde G. bis zur Stufe des Alkohols bzw. Essigs durchgeführt, ohne daß man die reinen Gärungsprodukte zu isolieren lernte. Bier und Wein wurden in Babyionien und Ägypten im 3. Jährt, v. u. Z. hergestellt. Met war Griechen und Römern bekannt und bildete im 4. Jh. v. u. Z. das gewöhnl. Getränk der nord. Bevölkerung. Die Wirkung der Hefe, große Mengen Brotteig zur Gärung zu bringen, wurde in den Schriften über die Transmutation sinngemäß auf das Xerion übertragen. Se Gastfreund. Der rechtlose Fremde erhielt durch Aufnahme als G. bei einem Bürger Schutz für Person und Vermögenswerte. Das Gastrecht vererbte sich wechselseitig und wurde durch Erkennungszeichen (Symbola) überliefert. Ein G. brachte dem Gastgeber Ehre, die man nicht nur durch Gewährung von Unterkunft und Verpflegung, sondern durch mitunter recht kostbare Geschenke an den G. zu vergelten suchte. Griechen und Römer entwickelten ein Zeremoniell, mit dem der G. am Herd in die unter göttl. Schutz stehende G.schaft (hospitium) aufgenommen wurde. Wf Gaststätte, lat. taberna: Schankwirtschaft, vor allem für Wein, oder Speise-G., von der man auch zubereitetes Essen nach Hause holen konnte, weniger als komfortable Herberge eingerichtet, manchmal mit Bordellwirtschaft verbunden, wie sich in Pompeji nachweisen läßt. Die Gäste nahmen sitzend, auch liegend Getränke und Speisen ein und fanden sich, wie aus Wandgemälden hervorgeht, beim Würfelspiel zusammen. G.n gab es seit klass. Zeit als Schänken, Restaurants und Herbergen. In der Mehrzahl zogen Reisende die Unterkunft und Beköstigung bei Gastfreunden den öffentl. Herbergen vor. Besser ausgestattet als die privaten G.n waren staatl. Einrichtungen für röm. Beamte (z. B. Mansiones für die kaiserl. Post) und Offiziere, ebenso die wenigen, aber gepflegten G.n an Kurorten, Orakel- und Festspielstätten (z. B. Olympia). Erlasse der ersten röm. Kaiser suchten die Schwelgereien in G.n zu unterbinden. Sl Gaugamela: Stadt in der Tigrisebene. Alexander d. Gr. besiegte hier 331 v. u. Z. Dareios. S F Ge [griech., „Erde"]: andere Wortform für f Gaia. Be Gebälkordnung: Abfolge der Architekturteile am Gebälk von Bauwerken, d. h. jener Zone, an der die Wand oder Säulenstellung mit dem folgenden Geschoß oder Dach zusammenstoßen. In der dor. G. liegt über dem ungeteilten Architrav (Epistyl) das Triglyphon (Metopen-Triglyphen-Fries), bei der att.-ion. G. über dem dreigeteilten (Dreifaszien-) Architrav der Fries, bei der kleinasiat.-ion. G. der Zahnschnitt, bei der ion.-att. G. Fries und Zahn-

183

Gefängnis

Gebälkordnung, links att.-ion. Gebälk (l Akroter, 2 Wasserspeier), Mitte dor. Ordnung, rechts kleinasiat.-ion. Ordnung

schnitt. Zwischen die Glieder der ion. G.en wurden meist Zierleisten, bes. Eierstab und Astragal (Perlstab), eingeschoben. Sämtl. G.en schließen nach oben hin mit dem Horizontalgeison ab. In der hellenist.-röm. Architektur erfuhren die G.en eine zunehmend dekorative Bereicherung durch Vermischung, Hinzufügung weiterer Elemente (Konsolengesims) und Ausarbeitung (Soffitten). Abb. Sl Gebet. In der Antike erfolgte das Gebet entweder allein oder in Begleitung von Opfern und Spenden, wobei der Betende, der rituell rein sein mußte, die offenen Handflächen zum Himmel oder dem Kultbild der Gottheit erhob. Nach dem Anruf des jeweils für das G.sanliegen zuständigen Gottes und dem Preis seiner Macht folgte das Anliegen des Betenden, gelegentlich verbunden mit einem Gelübde im Falle der Erfüllung. Während die Griechen keine fest überlieferten G.sformeln kannten, waren die röm. G.e streng an einen festen Wortlaut gebunden. Die Römer riefen am Eingang jedes G.s lanus und lupiter an. Be Geburtenbuch. Ein G. scheint weder in den griech. Stadtstaaten noch in den heilenist. Reichen bekannt gewesen zu sein. In Rom soll einer der letzten Könige angeordnet haben, daß bei jeder Geburt eine bestimmte Summe an den Tempel der luno Lucina zu zahlen sei. Vielleicht entwickelte sich aus den entspr. Zahlungslisten ein wir kl. G. Spätestens die Ehegesetzgebung des Augustus machte eine genaue Beurkundung des Geburtsdatums notwendig. Die erste Nachricht über die Ausstellung von Geburtsurkunden und über ein Archiv zur Aufbewahrung entspr. Zweitschriften geht jedoch nur bis in die Zeit Kaiser Hadrians zurück. Ein Erlaß Kaiser Marcus Aurelius' machte es der Bevölkerung des gesamten Reiches zur Pflicht, Geburten binnen 30 Tagen bei den örtlich zuständigen Behörden zu melden. We Geburtsgöttinnen. Der Beistand der G. wurde angerufen, um glückl. Geburt zu gewähren, unheilvolle Mächte, denen Wöchnerin und Kind ausgesetzt waren, abzuwehren. Als G. galten Artemis Eileithyia, luno, Lucina sowie die Parzen. Be Geburtshilfe wurde in der Antike von Hebammen geleistet. Das gleiche gilt auch, mit Ausnahme bes. schwieriger Eingriffe, die von Ärzten vorgenommen wurden, für die operative G. Zu den geburtshilfl. Operationen gehörten Eingriffe zur Beseitigung von Lageanomalien der Leibesfrucht, ihre Zerstückelung und Extraktion, Kaiserschnitt an der toten Frau und manuelle Beseitigung der Nachgeburt. Das chirurg. Instrumentarium umfaßte u. a. Geburtshaken, Embryotome (Messer zum Zerschneiden

der Leibesfrucht) und Kranioklasten (Schädelzertrümmerer). Ko Geburtstag. Gefeiert wurden in der Antike die G.e von menschi. Gemeinschaften (z. B. Stadtgemeinden, Vereinen, Legionen) jährlich (z. B. der G. Roms am 21. April), von Privatpersonen, Wohltätern des Gemeinwesens, Herrschern (z. B. der G. des Augustus am 23. August; galt in den Ostprovinzen des Rom. Reiches als Jahresbeginn) und Göttern vielfach sogar monatlich. Die Feiern galten bei Personen (für die sie nach dem Tode fortgeführt werden konnten) in Griechenland dem Agathos [griech., „guten4'] daimon und zugleich dem Gotte, dessen G. auf den gleichen Tag fiel, bzw. direkt dem heilenist. Herrscher in seiner Eigenschaft als Gott, in Rom dem Genius des Mannes bzw. der luno der Frau, bei Gemeinschaften in Griechenland dem Schutzgott, dem Gründungs- oder eponymen Heros bzw. dem menschi. Stifter, in Rom dem Schutzgott oder dem Genius (z. B. dem Adler einer Legion). Entsprechend griech.-oriental. Sprachgebrauch galt der Tag des Regierungsantritts der röm. Kaiser, der spätestens seit Kaiser Caligula nach heilenist. Vorbild als Dies imperii [lat., „Tag der Herrschaft"] gefeiert wurde, wenigstens seit der Mitte des 4. Jh. u. Z. als Natalis imperii [lat., „G. der Herrschaft"]. Die privaten G.s-feiern waren mit Glückwünschen, Geschenken und Festschmaus, in Rom ferner mit Lichtern und unblutigen Opfern verbunden. Die öffentl. Feiern als öffentl. Kulthandlungen brachten neben Opfern, Reden und Hymnen Festzüge, an den G.en der röm. Kaiser auch Militärparaden, ferner sportl. und mus. Wettspiele, teilw. auch Theateraufführungen sowie - in Rom - Spiele in Zirkus und Amphitheater, vor allem aber Geschenke an das Volk. We Gedrosien: etwa das heutige Belutschistan mit einem 1000 m hohen Wüstenplateau im Innern. Der griech. Welt wurden G. und seine Küste durch Alexanders d. Gr. strapaziösen Rückmarsch bzw. den Bericht seines Admirais Nearchos über die Fahrt längs der unwirtl. Küste G.s bekannt. G. war größtenteils von Nomaden dravid. Herkunft (heute Brahui) bevölkert, die erst im Mittelalter von den iran. Balutschen unterworfen -und zurückgedrängt wurden. D Gefängnis. Ordentl. Haftstrafe im G. war in der Antike in der Regel unbekannt. Aufenthalt im G, war nur während der Voruntersuchung, bis zur Begleichung einer Schuld oder bis zur Exekution üblich. G.se bestanden allg. aus Einzelräumen, in denen sich die Gefangenen nach Geschlecht getrennt und meist gefesselt aufhielten. Athen verfügte wohl nur über ein G. unter der Aufsicht eines

geflügelte Worte Elfmännerkollegiums. Im republikan. Rom stand das Staats-G., der Carcer, unter der Aufsicht von drei Männern; im Innenraum, dem Tulliânum, richtete man die Staatsverbrecher hin: Vercingetorix, Catilina, Jugurtha, Petrus (daher heute dort die Kapelle S. Pietro in carcere). In der Kaiserzeit verfügte wohl jede Spruchbehörde über ein G. GP geflügelte Worte, griech. ptergenta gpea: bei Homer öfter vorkommende Formel zur Bezeichnung einer leicht von den Lippen fließenden Rede. 1864 gab Georg Büchmann seiner Zitatensammlung den Titel „G. W." und verstand darunter - wie seither weithin üblich - allgemein zitierte Aussprüche, Ausdrücke und Namen von nachweisbarem literar. oder histor. Ursprung. Ki Geiserich, König der Vandalen und Alanen 428-477, führte die unter seinem Halbbruder Gunderich bis Südspanien vorgedrungenen Stammesteile 429 nach Nordafrika. Zunächst röm. Foederat, begründete er nach der Einnahme Karthagos (439) ein souveränes Reich, das 442 von Westrom und 474 durch Friedensvertrag auch von Byzanz anerkannt wurde, 455 plünderte er Rom und eroberte die bis dahin noch röm. Teile Nordafrikas (und der westmediterranen Inseln). 468 wehrte er eine Offensive beider röm. Reiche ab. Der Aufbau der vandal. Seemacht und des nordafrikan. Reiches mit Zügen einer frühfeudalen Struktur war in erster Linie G.s Leistung. Die Geison [griech.]: Kranzgesims, obere Abschlußleiste der antiken Gebälkordnungen (Horizontal-G.), das an Gebäudefronten mit dem das Giebelfeld nach oben hin einfassenden Schräg-G. zusammentreffen kann, (f Abb. Gebälkordnung). Sl Gela: um 690 v. u. Z. gegr. dor. (rhod.-kret.) Kolonie an der Südküste Siziliens, seit 1928 wieder G., davor italien. Terranova. D Gelasius, Papst 492-496, Verteidiger des Primats der röm.-kathol. Kirche gegenüber den östl. Patriarchaten, setzte die Kirche über den Staat (Zweischwerter-Theorie) und bekämpfte heidn. Strömungen in der stadtröm. Aristokratie. Gü Geldwirtschaft. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Warenproduktion verbreitete sich in einigen griech. Handelszentren (z. B. Milet, Ägina/Korinth, Athen) seit dem Ende des 7. Jh. und im 6. Jh. v. u. Z. die G. mit gemünztem Geld als Maß der Werte und als Zirkulationsmittel. Vorher war bereits Vieh-, Schmuck-, Geräte- und Barrengeld im Gebrauch. Metall eignete sich wegen seiner natürl. Eigenschaften (beliebige Teilbarkeit, gleiche Qualität der einzelnen Teile, lange Haltbarkeit, hoher Wert bei relativ kleinem Volumen u. a.) am besten für den Austausch wie auch für die Schatzbildung. Mit der Entwicklung des Handels wurde zur Erleichterung der Zahlungsgeschäfte das Metall auf ein fixes und bequemes Maß gebracht, das man nicht mehr zu wiegen, sondern nur noch zu zählen brauchte, - die f Münze entstand. Das Geld der Griechen bestand i. wesentl. aus Silber. Goldprägungen sind erst im Hellenismus häufiger. Rom hatte urspr. nur Kupfermünzen, ging aber im 3. Jh. v. u.Z. zur Silber- und unter Augustus zur Goldprägung über. Im röm. Imperium erreichte die Entwicklung der WareGeld-Beziehungen seit dem 2. Jh. v. u. Z. den höchsten Stand im Altertum. Allerdings blieben der Entwicklung der G. im Altertum stets im Vergleich zum Kapitalismus enge Grenzen gesetzt. Auch in den Höhepunkten der Warenwirtschaft im Altertum konnte die Naturalwirtschaft niemals völlig von der G. verdrängt werden, bes. die Sklaverei blieb in erster Linie eine „naturale Aneignung fremder Arbeitskraft" (K. Marx). Seit dem 3. Jh. ging im Weström. Reich die Warenproduktion und damit die Bedeutung der G. rapide zurück. Gü

184 Gcllius, Aulus, geb. um 130, röm. Schriftsteller, in Rom lebend; verfaßte als Ergebnis fleißiger Arbeit in Athen ein 20 Bücher umfassendes Sammelwerk „Noctes Atticae" (Att. Nächte). Darin vereinigte er in loser Reihung der Unterhaltung und Belehrung dienenden Stoff aus den verschiedensten Wissensgebieten (Literatur-, Sprachgeschichte, Philosophie, Mythologie, Geschichte), um das zur Allgemeinbildung gehörende Wissensgut in angenehmer Form zu vermitteln. Das Werk ist wegen der zahlreichen Exzerpte und Zitate aus verlorenen Werken wertvoll. Be T: C. Hosius, BT (Stuttgart) 1967 (= BT 1903). Ü: F. Weiß, Leipzig 1875/76 (= Nachdruck Darmstadt 1965). Gglon, Reiterführer, der sich 491 v. u. Z. zum Tyrannen von Gela (Sizilien) machte. 488/87 war G. Sieger im Wagenrennen in Olympia. 485 baten ihn die aus Syrakus vertriebenen Aristokraten (Geomoren) um Hilfe; er eroberte Syrakus und errichtete auch hier eine Tyrannis. Die nach O vordringenden Karthager besiegte er 480 bei Himera. Er starb 478 als der mächtigste griech. Herrscher. Nachfolger wurde sein Bruder Hieron L Z Gemeinde. Im Gegensatz zu den altoriental. Staaten entstanden in Griechenland wie in Italien auf Grund der besonderen geograph. und histor. Gegebenheiten G.n freier Produzenten, in deren Eigentum sich der Boden als das Hauptproduktionsmittel der Antike befand. In den entwickelteren Gebieten verwandelten sich diese G.n mit zunehmender sozialer Differenzierung in Staaten vom Charakter einer Polis. Die polit. Autonomie erfuhr im Laufe der Geschichte dadurch Einschränkungen, daß ein derartiger „Stadtstaat" in die Abhängigkeit eines mächtigeren Gegners geriet. In den hellenist. Königreichen und im Rom. Reich existierten auch andersartige, den altoriental. bzw. gentilgesellschaftl. Eigentumsverhältnissen verbundene, ebenfalls von der Zentralgewalt abhängige ländl. und städt. G.n. Gemeinsam mit den griech. bzw. heilenist. Poleis und wie diese im Status einer peregrina civitas spielten sie neben den Munizipien und Kolonien im Rom. Reich eine besondere Rolle: Sie ergänzten auf der unteren Ebene den auf den ursprüngl. „Stadtstaat" Rom angelegten und daher für die Verwaltung eines Weltreiches nicht ausreichenden Staatsapparat bis zu dessen Umgestaltung durch Diocletianus und Konstantin. Ihre Existenz bzw. Neugründung wurde deshalb staatlich gefördert. We Geminos, stoischer Mathematiker der 2. Hälfte des 1. Jh. v. u» Z., gab eine Systematik der mathemat. Disziplinen heraus. Erhalten ist von dem von ihm selbst verfaßten Auszug aus seinem Kommentar zu Poseidonios' Schrift „Über Himmelserscheinungen" ein spätantikes Exzerpt: „Elementa astronomiae". Die Kapitel 15/16 dieses Kommentars behandeln u. a. Erdvermessung und Ausdehnung der bewohnten Erde nach Eratosthenes. J TU: C. Manitius, BT 1898. Gemme flat. ggmma, „Auge" (am Weinstock), ..Knospe"]: Edel- oder Halbedelstein mit vertieft eingeschnittener (Intaglio) oder erhaben herausgearbeiteter (Kamee) Darstellung, in deren Bildwelt überall Mythos und Alltag der Völker eingingen. In Griechenland schloß die Glyptik nicht an die in Speckstein u. a. weichen Material erreichten myken. Vorstufen an, sondern entwickelte sich im 5. Jh. v. u. Z. neu und erreichte Leistungen wie die des Dexamenos. Als die heilenist. Bürokratie das oriental. Urkundensiegel forderte, erlebte die G. eine ungemeine Verbreitung. Die Anzahl der Meister stieg stark an, fast 85 % verwendeten Chalzedon, seit dem 4. Jh. auch neue Edelsteinarten. Beryll, Chrysopras und viele andere. Die Etrusker importierten selten griech. G.n, sondern schufen eigene Formen in weichem Material. Dagegen

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Geographie

entwickelten die Römer seit dem 1. Jh. der Kaiserzeit die Glyptik zur höchsten Stufe in der Kamee aus Bergkristall und Achat. Bewundernswert ist die Verwendung von Smaragd und Saphir zu G.n, Rubine fehlen. Nachahmungen in billigem Preßglas sind zahlreich, aber fast ausnahmslos sorgfältig gearbeitet. Als Motive wurden um 200 auch christl. Embleme (Taube, Fisch, Anker, Kreuz) aufgegriffen. Die G. fand nicht nur als Siegelstein Verwendung, sondern ebenso häufig als Amulett, begünstigt durch den Glauben an mag. Kräfte der Edelsteine. In der Renaissance begann man mit der Sammlung der G.n, die nach Zehntausenden zählen. Die Humanisten verwendeten sie erneut in Siegelringen, und neue Meister schulten sich an den antiken Vorlagen. Noch zu Zeiten von Winckelmann und Goethe boten G.nsammlungen dasx am häufigsten benutzte Anschauungsmaterial für antike Kunst, wenigstens diesseits der Alpen. - Taf. 50. Wf Genava, heute Genf: Stadt im N des Gebiets der Allobroger, am Ausfluß des Lacus Lemanus (Genfer See) in den Rhodanus (Rhône). Sch Geneleos, griech. Bildhauer, der um die Mitte des 6. Jh. v. u. Z. auf Samos wirkte, Schöpfer der dort gefundenen G.gruppe, eines der Hera gewidmeten Weihgeschenkes von sechs Figuren auf gemeinsamer Basis ; erhalten sind die sitzende mit der Meisterinschrift, die liegende mit der Weihinschrift und zwei der stehenden Figuren, davon wird eine, durch Beischrift als Ornithe bezeichnet, in den Staatl. Museen zu Berlin aufbewahrt. Sl

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Geneleosgruppe (Rekonstruktion)

Genius (Plur. Genien): bei den Römern urspr. die göttl. Verkörperung der männl. Zeugungskraft, der Lebenskraft, dann Begleiter und Schutzgeist des Mannes, überhaupt jedes einzelnen Menschen (der Schutzgeist der Frau wurde gelegentlich luno genannt), des Hauses, der Familie, sonstiger menschl. Gemeinschaften und des Staates (G. populi Romani: G. des röm. Staates). Beim G. des Hausherrn wurde geschworen. Der G. des Kaisers (G. Augusti) spielte im Kult der Kaiserzeit eine große Rolle (Schwur beim G. des Kaisers). Auch Örtlichkeiten hatten ihren G. (G. loci; übertragen: „der an einem Ort waltende Geist"). Das Hauptfest des G. war der Geburtstag seines Schützlings, sein Symbol die Schlange. In der Kunst wurde er als jugendl. oder bärtiger Mann dargestellt. Aus dem lat. Begriff G. wurde „Genie". Be Genossenschaften. Die Verstädterung löste die ursprüngl. Markt- und Weide-G. auf, bewirkte aber - z. B. in Seefahrt und Fischfang - neue Formen, aber keine kooperativen G. Die Polis entwickelte freie Zusammenschlüsse: Kult-Genossenschaften, die in einer Vielzahl kleiner Gruppen weiteste Verbreitung und vielfach festen Zusammenschluß z. T. durch Geheimlehren erreichten, sowie polit. Genossenschaften (Hetairêiai), die durch gemeinsame polit.-ökonom. Ziele, aber auch durch persönl. Freundschaften und Familienbande bestimmt waren. Im röm. Imperium haben in einzelnen Branchen G. eine wichtige Rolle gespielt, z. B. die im Bergbau unter Hadrian geregelte Bildung, von G. zum Abbau einer

gepachteten Grube oder die Ofengemeinschaften der Töpfer, die Formen der Gemeinwirtschaft mit Gewinnteilung auch in den Provinzen praktizierten. Zwangs-G. sind Späterscheinungen sowohl im Ptolemaierreich wie 450 Jahre später in der röm. Kaiserzeit: Mitglieder beruft. Interessenverbände in versorgungswichtigen Gewerben (zuerst Bäcker) wurden zur Sicherung des städt. Bedarfs an ihren Beruf gebunden, wodurch die alten, vereinsähnl. Handwerker-Kollegien aus republikan. Zeit aufhörten. Da nur die wenigsten Berufe sich dieser Entwicklung zum erbl. Zwangsberuf entziehen konnten, wurde um 400 ein Zustand erreicht, der den Handwerker in die .Hörigkeit' brachte, aus der er sich dann erst wieder durch neuen Zusammenschluß in mittelalterl. genossenschaftl. Zünfte lösen konnte. Wf Gens [lat., „Geschlecht"]: „Geschlechtsverband ..., der sich gemeinsamer Abstammung ... rühmt und durch gewisse gesellschaftl. und religiöse Einrichtungen zu einer besonderen Gemeinschaft verknüpft ist" (Engels). Die ersten Gentes bildeten sich nach dem Zerfall der Urhorde, wahrscheinlich im Spätpaläolithikum. Urspr. waren sie mutterrechtlich organisiert; mit der gesellschaftl. Arbeitsteilung und der Entstehung des Privateigentums entwickelte sich das Vaterrecht (Patriarchat). Die G. regelte das Zusammenleben der Menschen, sie war exogam, hatte ein Oberhaupt, gemeinsamen Landbesitz, Kultstätte und Friedhof. Mit dem Übergang zur Klassengesellschaft wurde sie allmählich durch die Familie ersetzt. Viele ihrer Aufgaben übernahm nun der Staat. Bei den Griechen und Römern gab es noch viele Überreste der Gentilordnung. Die ganze Einteilung der Bevölkerung und damit auch des Militärs erfolgte in der Frühzeit nach gentiliz. Prinzipien. Das Bürgerrecht war nicht an die lokale Herkunft, sondern an die Zugehörigkeit zu gentiliz. Verbänden geknüpft. Die Athener gliederten sich in vier Phylen, jede in drei Phratrien, jede Phratrie in 30 Geschlechter, jedes Geschlecht zählte 30 Männer. Infolge der schlechten Quellenbasis bleiben viele Einzelfragen im Dunkel, zumal es für die einzelnen Stämme starke Abweichungen gibt (die Nordwestgriechen kannten keine Phylen). Für das klass. Athen werden die Angehörigen eines Geschlechtes i. allg. den Aristokraten gleichgesetzt. In Italien hielten sich die urgemeinschaftl. Verhältnisse länger, hier sind auch viele Reste von Totemismus nachweisbar. Die Gentes in Rom besaßen lange Zeit große polit. Bedeutung. Die starke Bindung des einzelnen an seine G. kam auch durch den Gentilnamen zum Ausdruck. Zehn Gentes bildeten eine Kurie, zehn Kurien eine Tribus, drei Tribus (Tities, Ramnes und Luceres) das röm. Volk. Die Größe einer G. war unterschiedlich, die Fabier sollen um 500 v. u. Z. 300 Männer, die Claudier 5000 Personen gezählt haben. Nach den nächsten Angehörigen hatte die G. das Erbrecht. Z Ggnua: alte ligur. Handelsstadt, 222 v. u. Z. von den Römern eingenommen, im 2. Pun. Krieg von den Karthagern unter Mago zerstört; nach dem Krieg von Rom als wichtige Stadt der Provinz Gallia Cisalpina wiedererrichtet. 539 u. Z. von Burgundern, 670 von Langobarden erobert. Sch Geographie [griech., „Erdbeschreibung", „Erdkunde"]. Schon lange bevor es eine wissenschaftl. G. gab, bemühten sich die Griechen in myth. Spekulation um die Grundfragen der G. Ebenso wie die Sumerer in Mesopotamien (babylon. Weltkarte aus dem 6. Jh. v. u. Z., die aber auf ein viel älteres Vorbild zurückgeht) stellten sich die homer. und nachhomer. Griechen die Erde als eine vom Ozean umflossene runde Scheibe vor. Der Horizont der Homer. Odyssee reichte bis Sizilien und Süditalien, in

Geographus Ravennas der Argonautensage haben sich die bis zum Schwarzen Meer reichenden Kenntnisse niedergeschlagen. Die Heraklessage (Atlas, Säulen des Herakles, Garten der Hesperiden) und das Arimaspenepos des Aristeas von Prokonnesos bezeugen schon die Entdeckung des Atlant. Ozeans bzw. der Gebiete im N und O des Schwarzen Meeres. - Die phönik. und griech. Kolonisation der Küsten des Mittelmeeres, Handels- und Entdeckungsfahrten beider Völker und später die Berührung der Griechen mit dem bis zum Indus reichenden Perserreich waren Voraussetzungen für die Weltkarte Anaximanders (um 550 v. u. Z.), des ersten Geographen, wie für die „Historié" seiner ion. Landsleute, vor allem des Hekataios von Milet (um 500), der seiner Karte eine „Erdbeschreibung** (ges périodes) beifügte, worin er besonderes Gewicht auf die Ethnographie legte. Im einzelnen hat Hekataios außer den Ergebnissen eigener Reisen wohl auch die Berichte des Skylax von Karyanda und des Gewährsmannes der „Ora maritima" des Avienus verwertet. Sein Nachfolger war Herodot (5. Jh.), der gleichfalls eigene Reisen unternahm (zahlreiche geograph. ethnograph. Exkurse in seinem Geschichtswerk). Ephoros stellte sich (um 350) in den beiden geograph. Büchern seines Geschichtswerkes nach Demokrits Vorbild die Ökumene (griech., „bewohnte Erde*") als Rechteck vor, dessen 4 Seiten Kelten, Skythen, Inder und Äthiopier einnehmen. - Einen Fortschritt bedeutete die auf Parmenides zurückgehende Zonenlehre des Eudoxos von Knidos (4. Jh.), der nach der „Neigung" der Sonnenstrahlen an verschiedenen Punkten der Erde mehrere „Klimata" unterschied, auch scheint er als erster den Erdumfang berechnet zu haben; ferner hat er, von der zuerst gleichfalls von Parmenides behaupteten Kugelgestalt der Erde ausgehend, wie die meisten Geographen die bewohnte Erde nördlich des Äquators angesetzt, sich aber doch Afrika als bis in die südl. Hemisphäre aus- . gedehnt vorgestellt. Neben der Frage der Lage der Ökumene auf der Erdkugel war ein zweites Problem im Zusammenhang mit der Kugelgestalt der Erde, ob die Kontinente den Ozean umschließen (so Aristoteles, der Spanien nur durch ein schmales Meer von Indien getrennt glaubte und hierdurch letztlich Kolumbus zur Entdeckung Amerikas inspirierte) oder von ihm umschlossen werden. Das alte durch die Wasserstraße Gibraltar - Mittelländ. und Schwarzes Meer - Rioni gebildete sog. Diaphragma ersetzte Dikaiarchos (um 300) durch eine Meere wie Länder durchschneidend gedachte Linie: Gibraltar - Sardinien - Sizilien - Peloponnes Rhodos - Taurus - Himalaya, ebenso bestimmte er den Meridian Don - Nil, auch soll er Berghöhen mathematisch berechnet haben. Eine neuerl. Bereicherung des geograph. Wissens brachten die Feldzüge Alexanders d. Gr. und die griech. Durchdringung des Orients sowie die Fahrt des Pytheas von Massilia in den europ. N und NW (4. Jh.): Der Horizont der Griechen erweiterte sich bis Irland im W und bis zum äußersten Indien im O. Eratosthenes (3. Jh.), der diese neuen Erkenntnisse verarbeitete, schuf wie den Terminus G. auch die eigtl. wissenschaftl. G., indem er die Herstellung von Karten, die f Kartographie, als Hauptaufgabe der G. bezeichnete und ihre rein literar. Behandlung ablehnte. Hierdurch wurde fortan die geograph. Literatur in zwei Stränge gespalten. Die literar. G. mit starker Betonung der Ethnographie wurde forgesetzt durch Polybios, Poseidonios und Strabon, und zwar innerhalb ihrer Geschichtswerke oder in einem Ergänzungswerk dazu. Von Polybios scheint der Terminus „Chorographie" (griech., ..Länderkunde") herzurühren, wie auch einige Römer ihre geograph. Werke nannten. Derselben Richtung

186 gehörten später Tacitus, Ammianus Marcellinus und Prokopios von Caesarea an. Noch über Eratosthenes hinaus ging andererseits Hipparchos von Nikaia (2. Jh.), der jenen kritisierte und eine Bestimmung aller Orte durch astronom. Daten forderte, ohne daß auf Entfernungsangaben zurückgegriffen würde. - Auf Eratosthenes' Angaben sowie auf denen röm. Itinerarien fußte die Weltkarte des Agrippa (gest. 12 v. u. Z.), der ebenso wie nach ihm Plinius d. Ä. (gest. 79 u. Z.) die inzwischen durch die röm. Eroberungen in West- und Mitteleuropa gewonnenen neuen Erkenntnisse verwertete. Anhänger der wissenschaftl. G. waren im 2. Jh. u. Z. Marinos von Tyros, der erstmalig Hipparchos' Lehre auf eine in zylindr. Projektion entworfene Erdkarte anwendete, und Klaudios Ptolemaios, der dieses Projektionssystem verwarf und - ein Vorläufer Mercators - eine kon. Projektion benutzte. Ptolemaios stellt den Höhepunkt der antiken G. dar, seine Erdkarte reichte in> W bis Irland, im N bis zu dem als Insel gedachten Skandinavien, im S bis zum Tschadsee, im O bis China. - Unmittelbar prakt. Wert hatten die völlig unliterar. Itinerarien, die Karten voraussetzen. Andere Genres der geograph. Literatur der Antike waren Küstenbeschreibungen (Periploi), Hafenaufzählungen - Vorläufer der mittelalterl. Portulane -, Reiseberichte (Peri(h)egêsen) sowie Spezialschriften über bestimmte geograph. Erscheinungen. Sonst nichts ihresgleichen hat die „Expositio totius mundi", eine antike Wirtschafts-G. (4. Jh.). - Nach Ptolemaios setzte der Verfall der antiken G. ein: Werke wie Strabons G. wurden nicht mehr aus-erster Hand zitiert, kompilierte Lexika traten an deren Stelle. Die meisten Kirchenväter bekämpften die Theorie von der Kugelgestalt der Erde, so ersetzte die „Christi. Topographie" des alexandrin. Kaufmanns Kosmas Indikopleustes (6. Jh.) das Weltbild des Ptolemaios durch das der Bibel. Große Verbreitung bis ins Mittelalter fand das dürftige Gedicht des Dionysios Peri(h)egetes (2. Jh.) und seine lat. Übersetzungen. - Aus byz. Zeit sind prakt. Zusammenstellungen zu Verwaltungszwecken erhalten, so zahlreiche Bistümerverzeichnisse und der noch von Konstantin VII. Porphyrogennetos (10. Jh.) benutzte „Synekdemos" (griech., „Reisebegleiter") des Hierokles (6. Jh.). Andererseits haben die Byzantiner das Verdienst, vom 9. Jh. an Abschriften von Strabon, Ptolemaios und eines Corpus kleinerer geograph. Werke der Antike angefertigt zu haben, die später im lat. W. eine geograph. Renaissance einleiteten. In Byzanz erneuerte nach Michael Psellos (11. Jh.) Nikephoros Blemmydes (13. Jh.) die Lehre von der Kugelgestalt der Erde. D Geographus Ravennas, Cosmographus Ravennas, anonymer Verfasser einer Kosmographie (um 700 oder 800) mit einem Verzeichnis von etwa 5 300 Namen. Das Werk beginnt mit der Einteilung der Erde, es folgen Beschreibungen Asiens, Afrikas und Europas, woran sich' ein Periplus des Mittelmeeres und der europäischen Atlantikund Nordseeküsten anschließt. Dem Werk lag eine Routenkarte in der Art der Peutingerschen Tafel zugrunde. D T: M. Finder - G. Parthey,'l860; J. Schnetz, Itineraria Romana //, 1940. Geologie. Die ion. Naturphilosophen entwickelten wissenschaftl. Vorstellungen vom Bau der Erde, zunächst schematisch wie Anaximenes, der bei fortgesetzter Abkühlung eine Verdichtung Luft - Wind - Wolke - Wasser Erde - Gestein annahm. Von den in der G. wirksamen Kräften wurden die Erosion durch Wasser und Wind, ferner Hebung und Senkung großer Landmassen und Meere erkannt, so daß schon Xenophanes von Kolophon um 530 v. u. Z. z. B. „Versteinerungen" richtig deutete.

187 Das 5. Jh. lehnte die ion. Thesen zu G. zugunsten der exakten ..Erdbeschreibung*' (Geographie) ab. Den Bau der Erde zog erst wieder Platon in Betracht, der eine geolog. Umgestaltung von Attika (mit unzureichenden Gründen, aber auf Grund richtiger Beobachtungen) annahm und eine Theorie der Gesteinsbildung mit Einschluß der Metaliogenese entwickelte. Diese hat Aristoteles modifiziert, aber nicht generell verändert. Von den Römern ist die G. nicht prinzipiell gefördert worden. Spätantike christl. Auffassungen von der Unveränderbarkeit der Weltschöpfung konnten die G. nicht mehr akzeptieren. Wf Geometrie [griech., ,.Erdmessung"] f Mathematik. geometrischer Stil: Gestaltungsweise frühgriech. Zeit vom 11. bis 8. Jh. v. u. Z. (11./10. Jh. protogeometrisch) uqd der Villanova-Kultur auf der ital. Halbinsel seit dem späten 2. Jährt, bis 8./7. Jh. v. u. Z., die sich bes. auf Tongefäßen, Metallgegenständen, in der Kleinplastik bei der Wiedergabe des Ornamentalen und Figürlichen auf Formen der geometr. Abstraktion beschränkt (Leitform: Mäander). Zahlreich und bedeutend in der Gestaltung sind die geometr. Vasen aus dem athen. Kerameikos, der antiken Begräbnisstätte dieser Jahrhunderte. Neben einer reichen Ornamentik tauchen die ersten Tier- und Menschenbilder auf; im 8. Jh. entfaltet sich eine reiche Thematik (Begräbnisszenen, Kampf bilder, Seefahrt, erste myth. Darstellungen, z. B. Schiff bruch des Odysseus). Sl Geomoren [griech., „Grundbesitzer"]: die alten grundbesitzenden Adelsfamilien in Syrakus und auf Samos im Unterschied zu dem minderberechtigten, besitzlosen Volk; in Attika die Schicht der Kleinbauern, die zusammen mit den Demiurgen die Klasse der Kleinproduzenten bildeten. Gü Geoponika: Titel einer Umarbeitung älterer landwirtschaftl. Werke um 950, hauptsächlich Exzerpte aus der verlorenen Enzyklopädie des Cassianus Bassus (um 550). Viel Wertloses, auch primitiver Volkszauber, neben beachtl. Nachrichten über Treibhäuser für, Zitronatfrüchte. Ölbaumkulturen, Weinbau in Bithynien (weniger über Ackerbau) und Tierzucht machen sichtbar, wie schwer sich die rationelle Landwirtschaft gegen heidn., christl.-myst., mag. Ackerbräuche durchsetzte. Wf T: BT Leipzig 1895 ed. H. Beck [mit Heranziehung der syr. und armen. Übersetzungen] George, Stefan, 1868-1933, bürgerl. dt. Dichter von aristokrat.-reaktionärer Haltung, gestaltete mehrfach antike Motive, die er auf eigenes Erleben und auf seine Zeit bezog (z. B. „Algabal", „Hirtengedichte", „Porta Nigra"), vermied jedoch bewußt antikisierende Versformen. He Georgien. Auf dem Gebiet der heutigen Georg, (oder Grusin.) SSR lagen im Altertum Kolchis (im W) und Iberien (im O). Das Land der Kolcher am Schwarzen Meer trat durch die miles. Kolonisation und verbunden damit durch die Argonautensage, das Goldene Vlies und als Heimat Medeias schon früh in das Bewußtsein der Griechen; mit dem binnenländ. Iberien dagegen kam die griech.-röm. Welt erst im Zusammenhang mit dem 3. Mithridat. Krieg und Pompeius' Feldzug bis nach Transkaukasien (66/65 v. u. Z.) in Berührung. Am Ende des Altertums gelangten die Lazen als Nachfolger der Kolcher und als Bewohner ihres Gebiets zu Bedeutung, so daß Kolchis nun griechisch Lazike genannt wurde. An die Stelle des pers. Einflusses auf G., bes. auf Iberien, trat im Mittelalter der Einfluß von Byzanz auf die christl. Iberer. D Gepjden: Ostgermanen, Verbündete der Goten, erreichten um 270 Norddakien. Nach Attilas Tod 453 fiel ihnen das Gebiet an Theiß-Kreisch-Muresch zu (charakterist.

Gerbung Gepidengräber), seit 473 auch Syrmien, bis sie 568 den A waren und Langobarden unterlagen. Wf Gerbert von Reims, 940/50-1003, mittellat. Gelehrter, seit 999 Papst als Silvester II. Die Brief-Slg. G.s gibt ein historisch und literarisch interessantes Bild seines Wirkens. G. verfaßte auch verschiedene mathemat. Schriften (erste Verwendung arab. Zahlen). Tr T: J. Havet, Lettres de Gerbert, Paris 1889; N. Bubnov, Opera mathematica, Berlin 1899.

Gerbung. Zum Abschaben von Geweberesten auf der Fleischseite und wohl auch zum Putzen (Rasieren) der Haarseite spannte man in Urin eingeweichte Felle auf den in der Komödie des 5. Jh. v. u. Z. vielgenannten „Gerberbaum*'. Die G. der Pelze für Hirten und Sklaven erfolgte wie die G. von Sämischleder durch ölbehandlung vermutlich nach Salzung und Trocknung im Rauch. Alaun-G. (vielleicht aus Ägypten übernommen) und LohG. mit Gerbrinden (Erle, Galläpfel, Granatäpfel, Eicheln, Summach-Blättern) waren den Griechen geläufig. Das Gewerbe - das im Großbetrieb Fellimport, Handel und Verarbeitung von Leder einschloß - galt als verächtlich und durfte wegen des Geruchs nur abseits der Stadt (am Wasser) betrieben werden, warf aber hohe Gewinne ab. Die Römer entwickelten das bei den Griechen nicht abgetrennte Handwerk der Kürschner für Luxuspelze (z. Zt. Diocletianus' 15 Pelztarife bis zu Robben, Leoparden, Löwen). Eine Gerberei in Pompeji (Abb.) gibt Aufschluß über die baul. Notwendigkeiten. Wf

Trcnrvchwellenmauertverk.

dachtragend hochgeführt

Gerbung. Gerberei in Pompeji, um 70 u. Z. Hauptraum, früher Atrium eines Privathauses, erbaut um 20 u. Z., mit 15 Gerbgruben, etwa 1,2 bis 1,6 m 0, etwa 1,5 m tief, drei Kastengruben. 0,3 χ 1,5 bis 2,1 m lang, 0,5 m tief, sieben Tongefäßen, etwa 15 cm 0, etwa 40 cm hoch, sechs Rohrleitungen (?), etwa 9 cm 0

Gerbung. Arbeitsraum der Gerberei, früher Porticus des Privathauses vor dem Einbau der Gewerbeeinrichtung: A Becken mit Auslaßöffnungen für die (Mischung der ?) Gerberbrühe. B runde Tongefäße von etwa 0,8 bis 1,1 m 0 am Ende von drei Querrinnen, C unklare Mauerteile

Gergovia Gergovia, heute Gergovie: Bergstadt der gall. Averner südlich dem beutigen Clermont-Ferrand, 52 v. u. Z. von Vercingetorix erfolgreich gegen Caesar verteidigt. Seh Germanen, lat. Germâni. Die G. gehören der indoeurop. Sprach- und Völkerfamilie an. Die Bezeichnung G. für die in Südskandinavien und in Mitteleuropa zwischen Rhein und Weichsel wohnenden Stämme ist den Römern durch die Gallier bekanntgeworden, die damit ihre östl. Nachbarn bezeichneten, wobei der Name von einem Einzelstamm auf die Gesamtheit übertragen wurde. Er erscheint zuerst bei Poseidonios (135-51 v. u. Z.), der auch als erster die G. von den Kelten unterschied, und ist bes. durch den ersten ausführl. Bericht in Caesars „Gall. Krieg'· in die Literatur eingeführt worden. Die G. selbst haben keine eigene für ihre Gesamtheit geltende Bezeichnung gehabt. - Die älteste bekannte Kultur der G. ist die Jastorf-Kultur an der Unterelbe und in Jütland im 7. Jh. v. u. Z. Von hier aus haben sich die G. nach Skandinavien, über Norddeutschland und dann seit dem 4. Jh· v. u. Z. jahrhundertelang ständig nach S hin ausgebreitet. Dabei sind sie mit Kelten in Berührung gekommen und haben bei ihnen Wanderbewegungen ausgelöst; mehrere german. Stämme wurden keltisiert. In den ersten Jahrhunderten u. Z. gibt es bei den G. drei große Gruppierungen: 1. Die Nord-G. sind die in Skandinavien verbliebenen Stämme, aus denen später die Dänen, Schweden, Norweger und Isländer hervorgegangen sind. 2. Die Ost-G. entstanden durch Übersiedlung von NordG. nach Mitteleuropa, zu ihnen gehören die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Rugier und Gepiden. 3. Die West-G.. zerfallen in nordseegerman. Stämme (Kultverband der Ingwäonen: Kimbern, Teutonen, Angeln, Warnen, Sachsen, Chauken, Ampsivarier, Friesen), rhein-wesergerman. Stämme (Kultverband der Istwäonen: Bataver, Brukterer, Chamaven, Chattuarier, Ubier, Usipeter, Tenkterer, Chatten, Cherusker) und elbgerman. Stämme (Kultverband der Herminonen: Langobarden, Sueben, Semnonen, Hermunduren, Markomannen, Quaden). Kämpfe der G. untereinander führten zu häufiger Auflösung und Neubildung von Stämmen und Stammesbünden. Im 3. und 4. Jh. u. Z. erfolgte die Integration zahlreicher Einzelstämme in die großen Stammesverbände der Alamannen, Franken, Sachsen, Thüringer und zuletzt der Bayern. Die Geschichte der meisten german. Stämme ist durch Auseinandersetzungen mit dem Rom. Reich gekennzeichnet. Durch die Züge der Kimbern und Teutonen 113-101 v. u. Z. stießen die G. erstmals mit den Römern zusammen. Ein Vorstoß sueb. Stämme unter Ariovist über den Rhein wurde von Caesar 58 v. u. Z. abgewehrt. Die Ausdehnung des Imperiums bis an Rhein und Donau beendete vorerst eine weitere Ausbreitung der G. nach W und S. Andererseits scheiterte auch die Unterwerfung der West-G. durch die Römer bis zur Eibgrenze mit der Schlacht im Teutoburger Wald 9 u. Z. Nur das linksrhein. Gebiet der Decumates agri wurde unter Domitianus erobert und mußte durch den Limes geschützt werden. Die Rhein-Donau-Grenze konnte von den Römern bis zur Mitte des 3. Jh. gegen die G. behauptet werden. Köln und Augsburg entwickelten sich zu Zentren röm.-german. Handelsbeziehungen. Die Markomannenkriege 166-180 bedeuteten den Auftakt zu neuen Auseinandersetzungen, die im 3. und 4. Jh. vor allem von den Stammesverbänden der Franken und Alamannen am Rhein und an der oberen Donau und von dpn Goten an der unteren Donau geführt wurden. Zahlreiche G. dienten als Söldner vor allem seit dem 3. Jh. im röm. Heer und ganze Stämme wurden als Föderalen im Reich angesiedelt. In der Völkerwanderungszeit des 4. und 5. Jh. haben West- und

188 Ost-G. entscheidenden Anteil an der Vernichtung des Weström. Reiches gehabt. Auf dessen Territorium entstanden im 5. Jh. die Reiche der Angelsachsen (Britannien), Franken (Rheinland und Nordgallien). Alamannen (Südwestdeutschland und Schweiz), Burgunder (Südostgallien), Westgoten (Südwestgallien und Spanien), Sueben (Nordwestspanien), Vandalen (Afrika) und Ostgoten (Pannonien und Italien). Die ostgerman. Staaten unterlagen dem Byz. Reich (Vandalen 534, Ostgoten 552) oder den Arabern (Westgoten 711). Das 568 in Italien gegründete Langobardenreich eroberten 774 die Franken, die von allen G. die größte Bedeutung für das frühmittelalterl. Europa erlangten. Sie unterwarfen ihrem Reich die Alamannen, Teile des Westgotenreiches, die Thüringer, Burgunder, Bayern und Sachsen. - Die Angelsachsen haben wesentl. Anteil an der Herausbildung des engl., die Franken und Burgunder an der des französ. Volkes gehabt. Aus Franken, Sachsen, Thüringern, Alamannen und Bayern entwickelte sich das dt. Volk. Die histor. Bedeutung der G., deren Urgesellschaft!. Gentilordnung sich in den ersten Jahrhunderten u. Z. im Stadium der Auflösung befand, besteht einmal in der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit gegenüber Rom sowie darin, daß sie in entscheidendem Maße an dem Untergang des Weström. Reiches beteiligt waren. Im Rahmen der von ihnen gegründeten Staaten konnte sich weiterhin die neue Feudalordnung in Europa entwickeln. Jo Germania: röm. Bezeichnung des von den verschiedenen Stämmen der Germanen bewohnten Gebietes zwischen Rhein, Weichsel, Donau und Skandinavien. Das erste schriftl. Zeugnis über G. stammt von Pytheas von Massilia aus dem 4. Jh. v. u. Z. Die ausführlichste antike Darstellung ist die Ende des 1. Jh. u. Z. entstandene „G." des Tacitus. - Seit Mitte des 1. Jh. v. u. Z. wurden auch die linksrhein. Gebiete des Röm. Reiches als G. bezeichnet, seit Domitianus bestanden hier die Provinzen G. superior am Oberrhein (u. a. Teile der Pfalz, Elsaß, BadenWürttemberg, W der Schweiz) mit dem Hauptort Mainz und G. inferior am Niederrhein (u. a. große Teile der Niederlande und Belgien) mit der Hauptstadt Köln. Die Grenze zwischen beiden Provinzen lag zwischen Andernach und Remagen. Nach Verlust der rechtsrhein. Gebiete im 3. Jh. bestanden die Provinzen unter der Bezeichnung G. I und G. II noch bis Mitte des 5. Jh. - Das Wort G. blieb lange als Name für den ostfränk. und den mittelalterl. dt. Staat erhalten und lebt noch in der italien., russ. und engl. Bezeichnung G. bzw. Germanija, Germany fort. Jo Germanicus, G. lylius Caesar, röm. Feldherr, 24.5. 15 v. u. Z.-10. 10. 19 u. Z., Sohn des Drusus, Neffe und Adoptivsohn des Tiberius, verheiratet mit Agrippina (l,)t Vater von Caligula und Agrippina (2.). G. erhielt 13 den Oberbefehl am Rhein, lehnte nach dem Tode des Augustus seine Erhebung zum Kaiser durch das Heer ab und unternahm 14-16 mehrere Feldzüge gegen die Germanen. Er stieß 16 bis zur Weser vor, besiegte Arminius bei Idistaviso und am Angrivarierwall, wurde aber von Tiberius abberufen und mit außerordentl. Befehlsgewalt 17 in die oriental. Provinzen geschickt. G. starb, angeblich im Auftrage des Kaisers vergiftet, in Antiocheia. Die „Phainomena" des Aratos dichtete er nach. - Porträt im Albertinum Dresden. Jo T: A. Breysig, 2Leipzig 1899. germanischer Kult und germanische Religion. Zu den wichtigsten Quellen zählen neben den Bodenfunden und den frühmittelalterl. Überlieferungen die Nachrichten der antiken Geschichtsschreiber. Zu denjenigen, die bes. hierzu berichten, gehört Tacitus (Germania), ferner Caesar, Cassius Dio, Ammianus Marcellinus u. a. Sie

189 versuchten dabei, die german. Gottheiten durch f Interpretatio Romana zu verstehen. Das starke bäuerl. Element fand eine Widerspiegelung im Végétations- bzw. Fruchtbarkeitskult. Im Mittelpunkt stand die ..Mutter Erde" bzw. der Ablauf „säen, wachsen, ernten". Tiere und Pflanzen und ihre Vervielfachung durch Befruchten und Wachsen waren nicht nur Hauptausgangspunkte für den Kult. Sie spielten selbst bei den Kulthandlungen in Form von Opfern bzw. durch Verehrung (sog. heilige Haine) eine besondere Rolle. Bekannt sind die Göttinnen Nerthus und Isis, deren Huldigung als Fruchtbarkeitsgöttinnen überliefert ist. Verehrt wurden weiterhin Sandrandiga im heutigen niederländ. Gebiet, Tamfana von den Stämmen zwischen Lippe und Ruhr und Hludana, der wohl ähnl. Verehrung als Fruchtbarkeitsgöttin zuteil geworden ist. Der Matronenkult außerhalb des freien Germanien stand im engen Zusammenhang mit der Verehrung der weibl. Fruchtbarkeitsgöttinnen. Männl. Götter sind im bäuerl. Fruchtbarkeitskult der Germanen weniger bekannt. Der Wechsel von Leben und Sterben fand auch im Totenkult seinen Niederschlag. Kultfeiern wurden sowohl in der kleinen Hausgemeinschaft als auch im Stammesbereich (Stammesheiligtümer) und in überstamml. Zusammenschlüssen (Kultverbände) abgehalten. Stammheiligtum der Narharnavalen war das Heiligtum der Alcis-Zwillinge, der Semnonen - das Heiligtum im Hain des Regnator omnium deus, der Marsen - das Heiligtum im Tempel der Tamfana, der Friesen - das Heiligtum im Hain der Göttin Baduhenna. Die Kultstätten lagen häufig am See bzw. in der Nähe eines Gewässers. Das Wasser - als lebenswichtiges Element - spielte auch beim Nerthusumzug (der Kultwagen wurde gewaschen) und bei der Isisverehrung (auf Booten bzw. einem Schiff) eine große Rolle. Die mit dem Kult verbundenen Opfer waren u. a. Gefäßopfer, Tierknochenopfer, Speiseopfer, Quellopfer - vereinzelt auch Menschenopfer wie im Nerthuskult. Zu den sog. Sachopfern gehörten Pflüge und Pflugteile, Sensen, Sicheln, Harken, Pflanz- und Dreschstöcke sowie Fischefeigeräte (Belege dafür in Thoorsberg Und Oberdorla, Kr. Mühlhausen). Die Kulthandlungen waren sehr wahrscheinlich jahreszeitlich bedingt: Herbst, ^Vinter und Spätfrühjahr/Frühsommer. Nach den bisherigen Kenntnissen haben z. B. die Nerthusfeiern im Spätfrühjahr stattgefunden. Mit dem Beginn der sozialökonom. Differenzierung und der Herausbildung einer german. Adelsschicht entstanden Jenseitsvorstellungen, die die Verherrlichung eines Herren- und Kriegerparadieses zum Ziele hatten (Wodankult). Odin (Wodan) war der oberste Gott, dem sich die anderen Götter gleich einem Gefolgsherren unterordneten. In seinem Palast Walhalla fanden die german. Krieger Aufnahme und führten hier ihre Kämpfe weiter. Älteste Hinweise auf den Wodankult bei den german. Stämmen sind vor Beginn u. Z. zu datieren. Eine direkte Wandlung vom Fruchtbarkeitskult zur Verherrlichung eines Herren- und Kriegerparadieses scheint sich nur im Bereich der nordgerman. Stämme vollzogen zu haben. Die Fruchtbarkeitsgöttin Freya (vermutlich eine Nachfolgegöttin der Nerthus) nahm nach den Kultvorstellungen auch Frauen und Krieger in ihr Totenreich auf. Das Christentum fand sowohl in Form des Arianismus und seit dem 5. Jh. u. Z. im frank. Gebiet auch in Form des Katholizismus vom röm. Reichsgebiet aus Eingang bei den german. Stämmen. BK Gerste [griech. krithc, lat. hQrdeum]. Im Orient wurde G. bereits um 5000 v. u. Z. angebaut und diente als Vieh-

Geschichtsphilosophie futter, aber auch zur Brotbereitung. Am längsten ist die sechszeilige G. bekannt, die von den Ägyptern, Indern, Juden und Griechen angebaut wurde. In Griechenland nutzte man auch die zwei- und dreizeilige G.; sie fand wie in Ägypten zur Bierherstellung Verwendung. Die Römer bauten vor allem die sechszeilige G. an, die am frühesten im bäuerl. Jahr geerntet wurde. Man genoß gern kleine G.graupen als Polenta. Di Gerusia [griech., „Gerontenschaft", d. h. der Rat der gerontes, der ,,Greise"]: hohes Staatsorgan in Sparta, bestand aus 30 (einschließlich der beiden Könige) aus begüterten Spartiaten auf Lebenszeit gewählten Männern, deren Mindestalter 60 Jahre war. Die G., die von den Ephoren einberufen wurde, hatte das Recht, die Volksbeschlüsse vorzubereiten, faßte Beschlüsse über wichtige Staatsangelegenheiten und Strafprozesse. Sch/Hd Geryoneus, Geryoneus, dreiköpfiger, ungeschlachter Riese, Sohn des Chrysaor und der Kallirrhoe, besaß auf der Insel Erytheia am Westende der Welt Rinderherden ; diese trieb ihm Herakles weg. Be Gesandtschaften. Die engräumigen griech. Verhältnisse intensivierten gegenüber dem Orient das Gesandtschaftswesen, zumal G. auch zu sakralen Festen ausgetauscht wurden. Vom Volke gewählt, waren die G. dem Demos Rechenschaft schuldig; Prozesse wegen Unterschlagung von Gesandtschaftsgeldern und Gesandtschaftsbestechungen waren nicht selten. Nachdem Rom Mittelpunkt des Imperiums geworden war, trafen unendlich viele G. aus den Anliegerländern, einzelne sogar aus Indien, Ceylon und Abessinien ein. Seit dem Beginn des 4. Jh. entwickelte die röm. Kirche ein Gesandtschaftswesen; ständig residierte ihr Vertreter in Byzanz von 450-726 und leitete damit das neuere Gesandtschaftswesen ein. Wf Gesang. Ursprünglichste Lebensäußerung und wichtigster Zweig der Musik war bei den Griechen der G. Im Wort Melos (urspr. „Glied", dann „Lied'*) waren „Klanglichkeit, Melodie" und „lyr. Gedicht" enthalten, später unterschied man Melos und Ode. Nach traditioneller Auffassung (Platon) besteht ein Melos aus Logos (Text), Harmonie (Tonart) und Rhythmus. Den Dichter und Komponisten bezeichnete man mit Melopoios, der Sänger hieß Aöde und Kitharode. Auf Bildzeugnissen wurde der Sänger bei öffentl. Auftreten stehend, bei geselligen Anlässen sitzend dargestellt, sich meist mit Saiteninstrumenten selbst begleitend. In den Dichtungen Homers ist häufiger von Einzel-G. als vom Gemeinschafts-G. die Rede, Berufssänger sangen an Fürstenhöfen zu Gelage und Tanz, gelegentlich auch adlige Helden, aber auch bei der Arbeit wurde gesungen. Die solist. und chor. Kunstlyrik bietet nur noch Textbelege metrisch festumrissener, ehemals zu Instrumentalbegleitung vorgetragener G.sweisen, während die Komödien des Aristophanes auf eine reiche Tradition volkstüml. Lieder schließen lassen. Auch bei den Römern sind zahlreiche an Lebenssituationen gebundene Arbeits- und Volkslieder bekannt, gegenüber dieser Umgangsmusik setzte das vom Hellenismus übernommene kammermusikalischkonzertant vorgetragene Kunstlied neue Maßstäbe. Literar. Belege der Antike preisen neben dem Wohlklang der menschl. Stimme, dem sich das Instrument nur unterordnen darf, auch den G. der Vögel, Nachtigall und Schwalbe, und einiger anderer Tiere wie Delphin und Schwan. LRi Geschichtsphilosophie. Erstes bedeutendes Zeugnis griech. Geschichtsdenkens (der Begriff G. ist eine neuzeitl. Prägung von Voltaire) ist die bei Hesiod unter oriental. Einfluß entwickelte Konzeption von den fünf „Weltaltern": Ablösung des Menschen aus den idealen

Geschichtsschreibung Bedingungen des ..goldenen Geschlechts" (Nähe zu den Göttern, Leben ohne Mühe in harmon. Gemeinschaft), die sich stufenweise, aber nicht mit linearer Konsequenz vollzieht. Dieser bestimmte soziale Erfahrungen (Hesiod als Sprecher kleinbäuerl. Schichten) reflektierenden Lehre vom Abstieg aus einer glückl. Urzeit wird in der Blütezeit der Polis eine Fortschrittskonzeption entgegengestellt : Aufstieg der Menschheit aus primitiven Anfängen zu* immer höheren Stufen der kulturellen Entwicklung. Bei Protagoras und Demokrit wird zum Maßstab des kulturellen Fortschritts die (im weiteren Sinn) techn. Entwicklung, die zugleich den Grad der Entfaltung der ménschl. Potenzen anzeigt. Die antiken Fortschrittskonzeptionen sind im Unterschied zu denen der Neuzeit vorwiegend an den in der Vergangenheit bereits erreichten Leistungen orientiert und richten sich weniger auf weitere Vervollkommnung in der Zukunft. Der erreichte Stand der Technologie und der Lebensweise wird (unter den Bedingungen einer vergleichsweise gering entfalteten Warenwirtschaft und der Sklaverei) i. allg. als ausreichend betrachtet. Einzelne Elemente des -sophist. und demokFi't. Geschichtsdenkens werden von Platon rezipiert, erfahren dabei aber eine starke Relativierung (Harmonisierung mit dem Mythos vom „goldenen Zeitalter"). Nach den Voraussetzungen der Ideenlehre, die nur die Nachahmung ewig existierender Urbilder kennt, ist das Schaffen von Neuem und damit wirkl. Fortschritt ausgeschlossen. Wie Platon vertritt auch Aristoteles die Konzeption eines ewigen Kreislaufs, nach der in bestimmten Abständen eintretende Naturkatastrophen die Menschheit wieder auf eine frühe Entwicklungsstufe zurückwerfen. Z. Z. des Hellenismus erfährt die (modifizierte) demokrit. Fortschrittstheorie eine Weiterbildung im Epikureismus. Lukrez bejaht die sich in der Entwicklung von Technik, Wissenschaft und Kunst manifestierende Schöpferkraft des menschl. Geistes, sieht aber im Streben nach steter Vervollkommnung der äußeren Lebensbedingungen eine Gefahr für das eth. Ideal der Ataraxia (Gemütsruhe). Eine gegenläufige Entwicklung von techn. Fortschritt und moral. Dekadenz konstatiert Poseidonios. Die christl. G., als deren bedeutendster Vertreter Augustinus hervorzuheben ist, betrachtet die Geschichte der Menschheit als Verwirklichung eines göttl. Heilsplanes und gelangt auf dieser Grundlage (in striktem Gegensatz zu Kreislauftheorien) zur Feststellung einer linearen Entwicklung mit Anfangs- und Endpunkt (Chiliasmus). - Wesentl. Elemente geschichtsphilosoph. Reflexion haben sich auch in der antiken Geschichtsschreibung herausgebildet. Früh erscheint die Frage nach den gestaltenden Kräften der histor. Entwicklung, die sich bald mit dem Versuch verbindet, bestimmte Gesetzmäßigkeiten im Geschichtsprozeß zu erkennen. Sind für Herodot alle geschichtl. Vorgänge von einer göttl. Macht gelenkt, die alle Völker und Individuen in ihrem Handeln bestimmt, so geht Thukydides von einer unverändert. Natur des Menschen aus, die als bleibende Grundlage der geschichtl. Entwicklung dazu führt, daß sich bestimmte Grundsituationen und -konstellationen stets wiederholen. Das daraus abgeleitete Ziel der Geschichtsschreibung, künftigen Generationen zur Belehrung zu dienen, wird auch von Polybios aufgenommen. Ansätze zu universalgeschichtl. Betrachtung finden sich u. a. bei Poseidonios, der Weltgeschichte teleologisch als einen Prozeß deutet, der sich zwar zunächst auf voneinander unabhängigen Schauplätzen, aber nach einem einheitl. Plan vollzieht. Wohl an Gedanken des Poseidonios über die Rolle der moral. Dekadenz im Geschichtsprozeß anknüpfend, versucht Sallust, aus dem Sitten verfall die Zersetzung der röm. Gesellschaft gegen Ende der republikan. Zeit zu erklären.

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Auch Tacitus sieht in sittl. Entscheidungen die bewegende Kraft der geschichtl. Entwicklung. Charakteristisch für die röm. Geschichtsdeutung ist die sog. Lebensaltertheorie, die den Geschichtsprozeß im Schema von Kindheit, Jugend, Mannesjahren und Greisenalter zu fassen sucht (bei Seneca d. J., bei Florus, in der Historia Augusta und bei Ammianus :Marcellinus). Geschichtsphilosoph. Konzeptionen., der Antike haben in der Neuzeit vielfach einen starken Einfluß ausgeübt, der im Hinblick auf die Lebensaltertheorie von Bacon bis Hegel zu verfolgen ist. Auch die Fortschrittstheorien der Aufklärung sind von der Antike (bes. von Lukrez) beeinflußt. Das Kreislaufdenken findet bei Macchiavelli und Vico, später unter veränderten Prämissen bei spätbürgerl. Theoretikern wie Spengler und Toynbee eine weitere Ausprägung. RMü Geschichtsschreibung, Historiographie. Die Anfänge der modernen G. liegen im alten Griechenland (Ionien). Während sich die Geschichtsüberlieferung im alten Orient vornehmlich repräsentativer und monumentaler oder eschatolôg. Ausdrucksformen (Bilder, Felsinschriften und -reliefs, Herrscherlisten, Tempelchroniken, bibl. Schilderungen) bediente, um über die Vergangenheit zu berichten, versuchten die griech. Geschichtsschreiber über die bloße Aufzeichnung histor. Fakten hinauszugelangen und irrationale Vorstellungen in der Berichterstattung weitgehend auszuschalten. Eine Vorstufe in der Entwicklung der griech. G. stellt das Homer. Epos dar, das die hellen. Frühzeit als Ganzes in bildhaft-poet. Gestaltung zu erfassen suchte, dabei aber noch auf Mythen und Sagen bei der Erklärung des histor. Geschehens zurückgriff. In dieser ep. Tradition standen im 6. Jh. v. u. Z. die Logographen, die in den wirtschaftlich und kulturell aufblühenden ion. Griechenstädten Kleinasiens zuerst in mündl. Vorträgen, dann durch schriftl. Aufzeichnungen die histor. Überlieferung bewahrten. Eine weitoffene Handelstätigkeit, weite Reisen sowie die Bekanntschaft mit fremden Ländern, Völkern und Kulturen regten die lonier zum Umschauen (theorein), Fragen, Erkunden und Erforschen (historein) unbekannter Dinge an. Obwohl bei den Logographen infolge der Fülle so gewonnener geschichtl. Nachrichten Historisches, Geographisches, Volkskundliches, Merkwürdiges und Legendäres noch nicht voneinander getrennt waren, führte das Bestreben, Gesehenes und Erfahrenes niederzuschreiben, um ein gesichertes Wissen über die Vergangenheit zu erhalten, in der Folgezeit zu analytischordnender Betrachtung und krit. Bewertung des Geschichtsablaufes und damit zu einer echten G. Das, was einmal war, interessierte die antiken Historiker nicht deshalb, weil es war, sondern weil es durch sein Fortwirken in der Gegenwart auch für die Zukunft zur besseren Orientierung lebendig bleiben sollte. Mit dieser histor. Auffassung war die antike G. in ihrem rationellen Kern bereits polit. Historiographie. Von der modernen unterscheidet sich die antike G. bes. dadurch, daß sie nicht so sehr zum Bereich der Wissenschaft als vielmehr zur Literatur gerechnet wurde, und zwar der künstlerisch gestalteten hohen Literatur, so daß die Geschichtswerke nicht nur nach der histor. Zuverlässigkeit, die vor allem infolge mangelhafter bzw. unkrit. Quellenbenutzung nicht selten zu wünschen übrig ließ, beurteilt wurden, sondern auch nach ihrem literar. Wert. Auf die formale Gestaltung wurde größte Sorgfalt verwendet: Bestimmte Stilrichtungen entwickelten sich; der Stoff wurde nach künstlerisch wirksamen Gesichtspunkten gegliedert; eine traditionelle Darstellungstechnik bildete sich heraus, zu der u. a. gehörten die Gestaltung der Einleitung nach feststehenden Gesichtspunkten (Proömientopik), die

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Auflockerung der Erzählung durch eingefügte Exkurse, die Einlage von -fingierten Reden (und Briefen), die direkte Charakteristik der Hauptpersonen, ferner die Sitte, an das Werk eines Vorgängers anzuknüpfen und es zeitlich fortzusetzen. Zu der künstler. Darstellungsform trat, jedenfalls bei den bedeutendsten Vertretern der antiken G., die Geschichtsdeutung im Dienst einer bestimmten, jeweils von den gesellschaftl. und politischideolog. Positionen des betreffenden Historikers abhängige Geschichtsauffassung. Man versuchte, die Vielfalt der Erscheinungen auf die bewegenden Ursachen zurückzuführen und histor. Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen. Schließlich hat die antike G. weitgehend didakt. Zwecke verfolgt. Sie wollte eine Lehrmeisterin für das Leben (magistra vitae) sein, irtdem sie gute und schlechte Verhaltensweisen beispielhaft den Lesern vor Augen stellte. Im Laufe der in heilenist. Zeit abgeschlossenen Entwicklung entstanden bestimmte Grundformen bzw. Gattungen der G. Die histor. Monographie wählte einen bedeutsamen Zeitabschnitt aus und stellte ihn als in sich geschlossene Einheit dar. Eine spezielle Form der histor. Monographie war die Zeitgeschichte, deren Gegenstand die vom Autor selbst erlebte Gegenwart bildete. Den gesamten historisch überschaubaren Zeitraum behandelte unter Einbeziehung auch der nichtgriech. Geschichte die Universalgeschichte. Aus der örtl. Überlieferung heraus entstand die Lokalgeschichte mit ihren betont lokalpatriot. und antiquar. Interessen. Die Notwendigkeit einer zeitl. Fixierung und chronolog. Einordnung der histor. Fakten führte zur Chronik, die gleichzeitig das Bedürfnis nach einer raschen Orientierung über die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit befriedigte. In heilenist. Zeit brachte die herausragende Herrscherpersönlichkeit die polit. Biographie hervor. Die rhetorisch ausgeschmückten Alexandergeschichten, in der die histor. Persönlichkeit Alexanders d. Gr. mit einem sagenhaften Nimbus umgeben wurde, näherten sich dem histor. Roman. Am Anfang der griech. G. steht Hekataios von Milet (Ende 6. Jh. v. u. Z.), der in seinen „Genealogien4* die sagenhafte ep. Tradition einer rationalen Kritik unterzog und damit den entscheidenden Schritt in der Entwicklung zu einem histor. Bewußtsein tat. Als „Vater der G." galt schon in der Antike mit Recht Herodot (um 484-425 v. u. Z.), der in seiner „Darlegung der Erkundung", dem ältesten vollständig erhaltenen Geschichtswerk, unter Beschränkung auf die histor. Zeit ein zentrales Thema der Zeitgeschichte, nämlich die Auseinandersetzung zwischen Griechenland und Asien mit den Perserkriegen als der Entscheidung, in erzählender Form dargestellt hat. Ihren Höhepunkt erreichte die griech. G. in Thukydides (um 460-396 v. u. Z.), der mit seiner „Geschichte des Peloponnes. Krieges" zum Begründer der pragmat. und polit. G. wurde. Unter Anwendung einer wissenschaftiich-krit. Methode suchte er die kausalen Zusammenhänge des histor. Geschehens aufzudecken und wollte durch seine G. polit. Erkenntnisse vermitteln. Die Bedeutung des Thukydides hat sein Nachfolger Xenophon (um 430-354 v. u. Z.) nicht erreicht, der mit seiner „Griech. Geschichte" das Werk des Thukydides bis zur Schlacht bei Mantineia (362 v. u. Z.) fortführte. Unter dem zunehmenden Einfluß der Rhetorik legtçn die Geschichtsschreiber der hellenist. Zeit besonderen Wert auf eine wirkungsvolle Ausdrucks- und Darstellungsweise; ihre Werke hatten nicht mehr in erster Linie die Ermittlung der Wahrheit oder den polit. Nutzen zum Ziel, sondern die Unterhaltung der Leser. Aus der großen Zahl der hellenist. Geschichtsschreiber hebt sich Polybios (201-120 v. u. Z.) heraus, der letzte griech. Historiker von selbständigem Rang, von dessen „Universalgeschichte** sich allein auch

Geschichtsschreibung umfangreichere Teile erhalten haben; in bewußtem Anschluß an die pragmat. G. des Thukydides will Polybios durch sein Geschichtswerk, in welchem er Roms Aufstieg zur Weltmacht durch die Unterwerfung der Völker des Mittelmeerraums schildert, polit, und moral. Einsichten vermitteln. Nach Polybios bildet den Gegenstand der griech. G. nicht mehr die griech. Geschichte, sondern die Weltgeschichte (Diodoros) und die Geschichte des röm. Weltreichs (Dionysios von Halikarnassos, Appianos, Cassius Dio). Eine Ausnahme ist die Alexandergeschichte („Der Feldzug Alexanders") des Arrianos (um 95-um 175 u. Z.), der, auf gute und zuverlässige Quellen gestützt, eine realist. Würdigung Alexanders d. Gr. gibt und damit dessen Persönlichkeitsbild von den romanhaften Ausschmückungen und legendären Zügen der hellenist. Alexandergeschichten (z. B. des Kleitarchos) befreit hat. Klassizist. Nachahmung beherrscht die griech. G. der folgenden Jahrhunderte bis zu Zosimos (2. Hälfte 5. Jh. u. Z.), dessen „Neue Geschichte" die Zeit von Augustus bis zur Einnahme Roms durch Alarich (410 u. Z.) behandelt. Sein Werk zeigt, daß die griech. G. die Kontinuität bis zum Beginn der byz. Epoche gewahrt hat. Die röm. G. weist trotz ihrer Abhängigkeit von der griech. einige Besonderheiten auf. Die G. genoß unter allen literar. Gattungen das höchste Ansehen. Ihre Vertreter gehörten der herrschenden Gesellschaftsschicht an und hatten als Politiker selbst handelnd in die Geschichte eingegriffen, ehe sie sich der G. widmeten (Ausnahme Livius), in der sie eine Möglichkeit sahen, die Politik mit anderen Mitteln fortzusetzen. Daher diente die röm. G. vor allem der polit. Propaganda nach außen oder der innenpolit. Auseinandersetzung und Rechtfertigung; demgegenüber trat das Bestreben, eine auf eigener krit. Forschung beruhende objektive und exakte Darstellung der histor. Ereignisse zu geben, als Ziel zurück, obwohl die Ermittlung der Wahrheit ein Grundpostulat auch der röm. G. blieb. Da die röm. Historiker bis in die Kaiserzeit Stadtrömer gewesen sind, ist der Gegenstand der G. die Geschichte der Stadt Rom, in der die Geschichte Italiens und der Provinzen wenig berücksichtigt wird. Das vom Stolz auf die ruhmvolle Vergangenheit und die Leistungen der Vorfahren geprägte Traditionsdenken in den rom. Adelsfamilien (gentes) bewirkte ein ungewöhnlich starkes Bewußtsein von der histor. Kontinuität. Infolgedessen wurde nach Möglichkeit die gesamte röm. Geschichte seit der Gründung Roms dargestellt oder zumindest der behandelte Zeitraum ausdrücklich in den Gesamtzusammenhang der röm. Geschichte eingeordnet. Gegenüber der griech. G. tritt der lehrhafte Zug und die moralisierend-erzieher. Tendenz stärker hervor (exemplar. Charakter der Geschichte). Schließlich haben die seit alter Zeit vom Pontifex Maximus aufgestellten Jahrestafeln (Annales) die röm. G. bes. in ihren Anfängen formal und inhaltlich stark beeinflußt, so daß die Annalistik zu einer Hauptform der röm. G. wurde. - Die frühesten röm. Geschichtswerke (sog. älteste Annalistik, 3./2..Jh. v.u.Z.) waren in griech. Sprache geschrieben, um die röm. Politik nach außen, d. h. in der griechisch sprechenden Welt, zu rechtfertigen ; außerdem gab es zu dieser Zeit noch keine lat. Prosa, die literar. Ansprüchen hätte genügen können. Etwa gleichzeitig stellten die Dichter Naevius und Ennius in ihren histor. Epen röm. Geschichte dar. Als erster hat M, Porcius Cato für sein Geschichtswerk „Origines" („Ursprünge") bewußt die lat. Sprache verwendet, um auf die Römer politisch und erzieherisch einwirken zu können und um gleichzeitig für die Folgezeit die griech. Sprache aus der national-röm. G. zu verbannen. Aus den letzten Jahrzehnten der Republik

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Geschirr stammen die ersten erhaltenen Geschichtswerke, die zugleich einen ersten Höhepunkt der röm. G. darstellen: die Berichte (commentarii) Caesars über seine Eroberung Galliens und über den Bürgerkrieg, die er zur Rechtfertigung seiner militär. und polit. Maßnahmen verfaßt hat, und die nach Caesars Ermordung geschriebenen Werke Sallusts, in denen eindrucksvoll der innenpolit. und moral. Verfall Roms geschildert wird. An der Grenze zwischen Republik und Kaiserzeit hat Livius noch einmal in der traditionellen Form der Annalistik die gesamte röm. Geschichte dargestellt. Den Wert eines histor. Dokuments besitzt der inschriftlich überlieferte Rechenschaftsbericht des Augustus, das sog. Monumentum Ancyranum. Im l . J h . der Kaiserzeit wurden die zahlreichen Werke der Senator. G. wegen ihrer oppositionellen Haltung gegenüber dem Prinzipat unmittelbar nach ihrem Erscheinen unterdrückt, so daß sich nur Weniges erhalten hat, und dies gehört meistens zu den Randgebieten der G. Erst nach der Ermordung Domitianus' (96 u. Z.) hat Tacitus seine Werke veröffentlicht. Nach SalluSt, dem Historiker der untergehenden Republik, und Livius, dem Historiker der von neuer Hoffnung erfüllten Augusteischen Zeit, ist Tacitus der repräsentative Historiker der frühen Kaiserzeit mit ihrer innenpolit. Problematik geworden. Nach ihm hat die röm. G. keine wirklich großen Leistungen mehr aufzuweisen. Die Biographie (Sueton, Historia Augusta) und der dürftige Geschichtsabriß (z. B. Eutropius) verdrängten die histor. Gesamtdarstellung. Ein letztes Mal ist röm. Geschichte von dem aus Antiocheia gebürtigen Griechen Ammianus Marcellinus (Ende 4. Jh. u. Z.) dargestellt worden, der nach dem Vorbild des Tacitus dessen »Historiae* bis zum Jahre 378 u. Z. fortsetzte. Die .Gotengeschichte' des Cassiodorus (6. Jh u. Z.) und die .Frankengeschichte4 des Gregor von Tours (6. Jh. u. Z.) kennzeichnen bereits den Beginn einer neuen Geschichtsepoche mit ihrer eigenen G. Kü T: Frg-Slg.: FGrHist; HRR. Geschirr. Antikes Küchen-G., Koch-, Brat-, Speichergefäße, Gieß- und Schöpfgeräte, Siebe u. ä. aus Bronze, aber auch aus anderem Material, sind vor allem aus Pompeji bekannt, aus einer Zeit, in der der Geräteaufwand in den reicheren röm. Haushalten, anknüpfend an heilenist. Standard, gegenüber der griech. und röm. Frühzeit wesentlich zugenommen hatte. Die Höhe des G.luxus bezeugen etl. Silberfunde der früheren röm. Kaiserzeit, die eine Vorstellung von der meisterhaften Ausführung anspruchsvollen röm. Tafel-G.s (Becher, Schalen, Krüge u. a. Gefäße, Geräte) geben, darunter der Schatz von f Boscoreale, der f Hildesheimer Silberfund sowie der aus dem Haus des Menandros in Pompeji (..Service für vier Personen in 117 Stücken"). Sl Geschlechtskrankheiten. Bei der antiken Gonorrhoe dürfte es sich um einen nicht ansteckenden, entzündl. Ausfluß gehandelt haben; Syphilis ist erst seit etwa 1500 in Europa bekannt. Ko Geschwulstkrankheiten. Zu den in der Antike bekannten G., die teils als gutartig, teils als bösartig galten, gehörten u. a. Abszesse, Fisteln, Krebsgeschwüre (nicht ohne weiteres mit den heutigen Krebskrankheiten gleichzusetzen, da sie in der Antike z. T. auch ohne operative Eingriffe als heilbar angesehen wurden), Brand, Wundrose, Warzen und Brüche. Ko Gesenk. Für die G.technik, die im 7. Jh. v. u. Z. ausschlaggebend für das Aufkommen der Münzprägung wurde, dienten Hohlformen vom Metallguß als Vorbild. Das in Bronze spiegelverkehrt eingeschnittene .Untergesenk' wurde in den Prägestock eingelassen, wobei die Oberseite als Rückseite der Münze die Hammerspur trug oder das .Quadratum incusum* („eingeschlagenes Vier-

eck") als Zeichen eines Aufsatzes zum Festhalten der erhitzten Edelmetallplatte. Dieser wurde dann zum ,Obergesenk' und erlaubte seit dem 6. Jh., Vorder- und Rückseite der Münze zu prägen. Zur Zentrierung von G.arbeiten wurden mitunter Kornspitzen angebracht oder vertiefte Stempelführung verwendet, auch Zangenführung kommt schon vor. Außerhalb der Münzprägung wurde das G., das höchste körperl. Anstrengung und ungemein manuelles Geschick voraussetzt, selten angewandt. - Abb. Wf Untergesenk

Obergesenk

Kornspitzenzentrierung

Prägezange

Gesenk zur Münzprägung und Metallformung

Gesetzgebung. Im 7. und 6. Jh. v. u. Z. wurde in Griechenland und Rom das herrschende Gewohnheitsrecht durch Einzelpersonen oder Gruppen (Drakon, Solon, Zwölftafelgesetze) modifiziert und aufgezeichnet. Mit der Herausbildung der Demokratie in Griechenland und der republikan. Verfassung in Rom konzentrierte sich die gesetzgeber. Gewalt in der Volksversammlung. In Rom hießen die auf Antrag eines Magistrats in der Volksversammlung beschlossenen Gesetze Leges rogatae, die vom Inhaber eines Imperiums beschlossenen Lgges dâtae. Seit 287 v. u. Z. (Lex Hortensia) war das f Plebiszit der t Lex gleichgestellt. Die Leges wurden in Erz oder Stein publiziert. In der röm. Kaiserzeit traten an die Stelle der Leges allmählich die Senatsbeschlüsse (Senatus consyltum) und Kaisererlasse (Constitutignes). Wa . Gesichtsmaske. Neben den Totenmasken, die den Bestatteten aufs Antlitz gelegt wurden, gab es in der röm. Antike Helmmasken, die offenbar zu Paradezweoken dienten. Zu den bedeutendsten Totenmasken zählen die aus Goldblech getriebenen G.n aus dem Schachtgräberring von Mykene aus der Mitte des 2. Jährt, v. u. Z., darunter die „Maske Agamemnons" (Athen). Die myken. Praxis der G.n für Tote hat sich in den Randkulturen,

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Gewürze

z. B. in Thrakien, bis in röm. Zeit gehalten (Goldfund von Vraca). Röm. Helmmasken sind von der frühen bis in die späte Kaiserzeit bezeugt; daneben gibt es weibl. Masken offenbar kult. Funktion, z. B. die G. von Visegrad (Budapest). Sl Ggsta Romanorum [lat., „Taten der Römer"]: Anfang des 14. Jh. entstandenes mittellat. Geschichtenbuch von über 300 Erzählungen, Novellen, Märchen und Legenden antiken, christl. und oriental. Ursprungs, meist willkürlich auf die röm. Geschichte bezogen, mit angehängten geistl.-allegor. Auslegungen. Verfasser bzw. Sammler sowie Entstehungsort sind unbekannt. Die G. R. waren als novellist. Volksbuch weit verbreitet und sehr beliebt, wie zahlreiche Übersetzungen in die Volkssprachen zeigen. Die weitgehend unhistor.-phantasievollen Stoffe der G. R. haben in der Weltliteratur weitergewirkt. Tr T: H. Oesterley, Berlin 1872. Ü: J. G. Th. Graesse, 1842 (hrsg. v. H. E. Rübesamen, München 1962; Auswahl hrsg. von H. Hesse, Leipzig l°1924); Auswahl hrsg. von I. und J. Schneider, Berlin 1968; neue Gesamtübersetzung von W. Trillitzsch, Leipzig 1973. Gestik [von lat. gcstus, „Haltung des Körpers"]. Da die Schauspieler in dramat. Aufführungen mit Ausnahme des Mimos Masken trugen, die mim. Spiel ausschlössen, waren i. allg. ihre einzigen Gestaltungsmittel Stimme und G. Die G. der trag. Schauspieler war, bedingt durch den Charakter der Stücke, vor allem aber durch die lang herabwallenden Kostüme und die zeitweise sehr hohen Kothurne, gemessen und beschränkte sich auf Hände und Arme. In den Komödien war die G. vielfältig und entfaltete sich bis zu drast. Lebhaftigkeit. Ki Geten. Der thrak. Stammesverband am Unterlauf der Donau wurde von Dareios auf seinem Skythenfeldzug 513 v. u. Z. besiegt. Die damals gewonnene Kunde von diesem Reitervolk, seinen Jenseitsvorstellungen und seiner Verehrung des Zamolxis beschäftigte die Griechen stark, desgleichen den in ihre Nachbarschaft verbannten Ovid. Die G. waren zeitweise von Skythen, Makedonen und Galatern unterworfen, gehörten im l.Jh. v.u.Z. zum Dakerreich Burebistas und südlich der Donau seit 46 u. Z., im N seit 107 zum Röm. Reich. Jo Getreide, griech. sitos, lat. frumgntum. In Landwirtschaft und Handel spielte das G. eine große Rolle. Der G.bau war ein Spiegel der Ökonom. Entwicklung. Auch im kult. Leben der Völker der Antike begegnen wir immer wieder dem G. In Griechenland galt Demeter als Göttin der Fruchtbarkeit; sie hatte zum Dank für die ihr erwiesene Gastfreundschaft die Menschen durch Triptolemos die Feldbestellung gelehrt. G.saat und G.ernte waren nicht nur mit kult. Festbrauch, sondern auch mit techn. Vorbereitungen verbunden. Das sorgfältig verlesene, vorgequollene und gegen Wurm- und Vogelfraß präparierte Saatkorn wurde durch die Egge oder den mit „Ohren" (Streichbrettern) versehenen Pflug unter die Erde gebracht. Die Unkrautbekämpfung erfolgte durch zweimaliges Jäten, der Schnitt mit der (oft gezähnten) Sichel, nicht mit der Sense, bei den Römern sogar auch mit der Mähmaschine. Die Ähren ließ man auf der gegen Sonne und Regen geschützten Lehmtenne nachtrocknen. Nach dem Dreschen wurde das G. in Gruben oder Hochspeichern gelagert und gegen Schädlinge geschützt. Von den G.arten war der Weizen das wichtigste Brot-G. In der Reihe der geschätzten G.qualitäten folgte dann die Gerste, darauf der widerstandsfähigere Roggen. Der in Europa heim. Hafer trat als Kulturpflanze später auf und war in der Antike nur in Gebirgsgegenden bekannt. Er diente in Notzeiten der Ernährung. Als die einfachste G.art galt der Spelt oder Dinkel, der aus Persien oder Ägypten stammt. Bei Hissarlik (Troja nach Schliemann) 13

Antike

fand man Früchte vom Einkorn. Die Römer sprachen von farina (Mehl), unabhängig davon, ob es aus dem Spelt oder einer anderen G.art gewonnen wurde. Caesar nannte den Heerestransport einfach Frumentum. Di Gewichte: Die griech. G. waren einer Vielzahl lokaler Besonderheiten unterworfen. Gestalt und Material waren unterschiedlich. Während Gewichtsstücke in Mesopotamien u. a. als Birnen, Enten und Löwen aus Stein oder Bronze hergestellt wurden, verwendeten die Griechen quadrat. oder rechteckige Plättchen, runde, kegelförmige, dreieckige oder polygonale Stücke aus Blei bzw. Bronze und die Römer u. a. Kugeln, Würfel, runde Scheiben oder Prismen aus Bronze, Stein oder Blei. - S. a. Maße. Hd griech. Gewichtsstücke

Obolos Drachme Mine Talent

äginäisch

att.-euboiisch (seit Solon)

1,04g 6,237 g 623,7g 37,142kg

0,73g 4,366 g 436,6 g 26,196kg

röm. Gewichtsstücke

libra (As) deunx dextans dodrans bes

septunx semis quincunx triens quadrans sextans sescuncia uncia semuncia binae sextulae sicilicus sextula drachma dimidia sextula scripulum obolus siliqua

_ = = = = = = = = = = =

1 2 unciae 11 unciae 10 unciae 9 unciae 8 unciae 7 unciae 6 unciae 5 unciae 4 unciae 3 unciae 2 unciae l*/2 unciae

= = = = = = = = =

*/2 uncia l /3 uncia J / 4 uncia Î I 6 uncia V s uncia 1 / uncia 1 12 / 24 uncia 1 /48 uncia 1

/144 UnCÎa

= = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =

327,45 g 300.16g 272,88 g 245,59 g 218,30g 191,02g 163,73g 136,44g 109,15g 81,86g 54,58 g 40,93 g 27,288 g 13,644g 9,096 g 6,822 g 4,548 g 3,411g 2,274 g 1,137g 0,568 g 0,189g

Gewölbe, im Hau- oder meist im Backsteinbau ausgeführt, sind in der griech. Baukunst nur vereinzelt nachweisbar (z. B. Auf gang von der unteren zur mittl. Gymnasionsterrasse in Pergamon). Der G.bau erfuhr in der viel mehr auf Raumwirkung hinarbeitenden röm. Architektur schrittweise Steigerung vom einfachen Tonnen-G. (Stabianer Thermen in Pompeji) zum KreuzG. (Caracallathermen, Maxentiusbasilika) und KuppelG. (Pantheon, Hagia Sophia). Sl Gewürze [griech. aroma, lat. argma]. Im Mittelmeerraum verwendete man frühzeitig zum Abschmecken der Speisen von den einheim. G.n den wildwachsenden Kümmel, Wacholderbeeren, Zwiebel, Knoblauch, Senf, Thymian und Silphon. Die Römer liebten in den verfeinerten Küchen zusätzlich die bodenständigen G.e wie Sellerie, Petersilie, Dill, Majoran und Fenchel. Weitere kamen aus dem Orient und Indien nach Griechenland und Italien, so der Pfeffer, Ingwer und Zimt; am Pfeffer schätzte man die verdauungsfordernde Wirkung. Ausland. G.e verwendete man auch zur Herstellung von Räucherwerk und Salben. Da Lorbeer als Zeichen des Sieges und Triumphes galt, gebrauchte man an seiner Stelle vielfach Myrtensaft. Den Luxus bei röm. Festlich-

Giebel keiten und die Verwendung seltener G.e schildert Petronius. Aus dem Mittelmeerraum kamen die G.e in das übrige Europa. Di Giebel. An Tempeln u. a. mit G.n bekrönten repräsentativen Bauwerken versah man das G.feld häufig mit plast. Schmuck aus Kalkstein, Marmor oder Terrakotta (bes. bei den Etruskern), die Giebelecken mit Akroteren. Aus archaischer, bes. klass. Zeit sind bedeutsame G.kompositionen erhalten, z. B. vom Aphaiatempel in Ägina, Zeustempel in Olympia, Parthenon). Das G.dreieck fand als Zierelement zur oberen Begrenzung von Türen, Fenstern, Ädikulen und Nischen in heilenist.-röm. Zeit zunehmend Verwendung; durch die Ausbildung des durchbrochenen G.s (erstmals am Felsengrab von Petra, 1. Jh. u. Z.) erzielte man opt. Bereicherung (z. B. voll ausgebildet am Markttor von Milet). Sl Gift. Die Kenntnis der G.bereitung war frühzeitig aus dem Orient nach Europa überliefert worden. G.e wurden vorwiegend aus Krautern und Pilzen gewonnen. An griech. und heilenist. Höfen soll es eine ausgeprägte G.und Vergiftungskunst gegeben haben; der letzte König von Pergamon, Attalos III., züchtete G.pflanzen im eigens dafür angelegten Garten, wie Bilsenkraut, Nieswurz, Schierling, Akonit und Dorycnium. Neben pflanzl. waren auch tier. und minéral. G.e bekannt: von Schlangen, Kröten und Salamandern; Grünspan, Bleiweiß, Arsen, Mennige, Quecksilber und Zinnober; als stärkstes galt „Gold-Kalk". Die G.e wurden mehrfach von medizin. Autoren beschrieben, z. B. von Dioskurides in der Schrift „Über die einfachen Heilmittel" und von Nikandros von Kolophon (Ende 3. Jh. v. u. Z.) in seinen „Alexipharmaka" (Mittel gegen Gifte). Um Vergiftungserscheinungen entgegenzuwirken, wurde neben einfachen Gegengiften (z. B. Quitten, Zitronen, Tausendgüldenkraut, Betonie) hauptsächlich der Theriak, ein aus bisweilen bis zu 100 Ingredienzien zusammengesetztes Gegenmittel, verabreicht, der von den röm. Kaisern aus prophylakt. Gründen sogar täglich genommen wurde. In der Justiz wurden G.e als „Gottesurteil" (G.ordal) verwendet. Erbrach der Beschuldigte den G.trunk, war er unschuldig. In Athen diente der giftige Saft des Schierlings zur Vollziehung der Todesstrafe, z. B. bei Sokrates. Se Giganten: furchterregende, gewaltige, oft schlangenfüßig dargestellte Riesen der griech. Sage, von Gaia aus den bei der Verstümmelung des Uranos auf sie gefallenen Blutstropfen hervorgebracht. Der Kampf gegen die Götter des Olymps und den mit ihnen verbündeten Herakles, dem dafür die Unsterblichkeit verliehen wurde, galt meist als von Gaia aus unterschiedl. Gründen verursacht. Diese Gigantomachie soll auf dem verschieden lokalisierten Feld von Phlegra stattgefunden haben. Die besiegten G. wurden von den Göttern unter die Erde geschleudert. Der Kampf der Götter gegen die Giganten wurzelt historisch offenbar in den kult. Auseinandersetzungen der frühen Besiedlungszeit Griechenlands; er wurde zum Modell der gesamten Kämpfe nach innen und außen. Darstellungen finden sich seit dem 6. Jh. v. u. Z., z. B. in der Giebelplastik (alter Athenatempel auf der Akropolis in Athen), auf Friesen (Siphnierschatzhaus in Delphi), Metopen (Parthenon), zahlreich in der Vasenmalerei (z. B. Brygosschale in Berlin). Das berühmteste der uns erhaltenen Denkmäler ist der große Fries (G.fries) des Pergamonaltars aus hochhellenist. Zeit (2. Jh. v. u. Z.). Epos von Claudianus, Oper von Gluck, Gemälde von Feuerbach. Be Gilly, Friedrich, 1772-1800, Architekt, Schüler Erdmannsdorffs und Langhans', Lehrer an der Berliner Bauakademie. G. bevorzugte kompakte, streng gegliederte Baukörper; von seinen ausgeführten Werken ist

194 nichts erhalten. Auf die Entwicklung des dl. Klassizismus, vor allem auf Schicke!, hatte er großen Einfluß. He Gips [griech.] fand seit dem 6. Jh. v. u. Z. in Griechenland zunehmend Verwendung für Stuckarbeiten : ModellG. benutzten die Metallarbeiter, um Formen zu schaffen, deren Abdruck in feuerfestem Ton (wiederholbaren) Guß erlaubte. Bei den Römern war die G.maske übl. Hilfsmittel zur Anfertigung der Ahnenbilder von Toten und Lebenden. Als Rostschutzmittel wurde ein Gemisch aus G., Bleiweiß und Pech aufgetragen. Hauptverwendung fand G. zu Mörtel; G. nahm man auch zum Bessern saurer Weine. Im l.Jh. v.u.Z. wurden große, klar durchsichtige Platten von kristallisiertem G. (sog. Marienglas) vielfach statt der Fensterscheiben eingezogen. Wf Girlande: Blätter- und Fruchtgewinde. Ornament der griech.-röm. Flächenkunst, das oft in Verbindung mit dem f Bukranion auf Architekturfriesen, Sarkophagen, Mosaiken, Wand- und Vasenbildern anzutreffen ist. Sl Giroverkehr. Überweisungen von Konto zu Konto ohne Realleistungen gab es in spätptolemaiischer Zeit auf den Getreidekonten der Privatleute in den Staatsspeichern. Ob G. auch auf Geldkonten zum Ersatz des Barverkehrs ausgedehnt wurde, steht noch nicht fest. Wf Gladiatoren [von lat. gladius, „Schwert"]: im alten Rom berufsmäßige Fechter. In Nachahmung einer Sitte der Etrusker, die G.kämpfe als Ersatz für frühere Menschenopfer bei Totenfeiern eingeführt hatten, wurden G.kämpfe erstmalig 264 v. u. Z. in Rom veranstaltet. Aus den Leichenspielen entwickelten sich, teils von Privatleuten, teils vom Staat veranstaltet, öffentl. Schaustellungen, mit denen oft um die Gunst des Volkes geworben wurde. Die Kämpfer (neben berufsmäßigen G. wurden Kriegsgefangene, Sklaven, verurteilte Verbrecher, später auch Christen zur Teilnahme gezwungen) kämpften in unterschiedl. Bewaffnung (Schwert und Schild, Netz und Dreizack) auf Leben und Tod gegeneinander oder gegen wilde Tiere. G. wurden in Fechterschulen (Ludi gladiatQrii) unter strenger Zucht ausgebildet und gehalten. Die blutig-grausamen G.kämpfe sind immer unsportlich geblieben und wurden von den Griechen verabscheut, von den Römern aber mit Begeisterung gepflegt. Der Bedeutung der G.kämpfe entspricht auch der Bau von großen Arenen (z.B. des Kolosseums). Unter christl. Einfluß gingen die antiken G.kämpfe im 5. Jh. u. Z. unter. Ein modifiziertes Fortleben kann man in den heutigen Stierkämpfen erblicken. WR Glas [germ. glass) lat. glaesum, „Bernstein"]. Vom 8. bis zum 2. Jh. v. u. Z. beschränkte sich im östl. Mittelmeer die Produktion auf das Sandkern-G. Ein das spätere Gefäßinnere bildender Kern, umwickelt mit Leinwand, wurde in flüssige G.masse getaucht, dann wurden die Außenflächen bearbeitet, z. T. mit Auflagen aus andersfarbigen Glasfäden verziert. Beliebt waren grüne, blaue, braune und weiße Farbgebung durch entsprechenden Zusatz von Metalloxiden ; gelbe, rote und schwarze Töne kommen gleichfalls vor. Die ägypt. Technik, einen erstarrten Glasblock - wie einen Steinblock durch Bohrung und Schliff - kalt zu bearbeiten und ihm Gefäßform zu geben, blieb erhalten. Dekorative Einlagen in Metallschmuck als Edelsteinersatz stellte man mitunter auch aus G.guß her, außerdem verwendete man zusammengeschmolzene G.fäden wie in der Mille-Fiori-Technik (Taf. 8). Seit dem 6. Jh. v. u. Z. lieferte Aquileia ein zweifarbig gestreiftes G. für Metalleinlagen, doch erlosch nach etwa 200 Jahren die Produktion - der Osten belieferte erneut im gesamten heilenist. Bereich Interessenten mit dieser Luxusware, die in Griechenland und Rom zunächst wenig Anklang fand.

195 Die in Syrien etwa um die Mitte des 1. Jh. v. u. Z. geglückte Erfindung, daß sich G. blasen läßt, führte eine völlige Umwälzung der Produktion herbei. Nunmehr wurde G. ein Massenartikel, da die Rohstoffe (Quarzsand. Soda oder Pottasche, Blei und färbende Metalloxide) überall auch in den Provinzen erreichbar waren. G. wurde mit dem Blasrohr zunächst in tönerne Formen geblasen, doch ist gleichfalls viel frei geblasene Ware hergestellt worden. In Unternehmungen, die neben einem Stammhaus in Syrien eine Niederlassung in Italien hatten, sind sehr bald die Fachkräfte ausgebildet worden, die den G.schnitt und die G.gravur entwickelten, ReliefG. durch Aufschmelzung von gepreßten Teilen produzierten, Blattgold mit gravierten Darstellungen einschmolzen, in mühsamster Technik f Diatretglas herstellten und einen Formenreichtum aus höchster Vollendung des materialgerechten Stilempfindens schufen. Die Verwendung von G. für Spiegel und Fensterscheiben trat dagegen ganz zurück und ist nur selten belegbar. Der G.ofen wird als dreiteilig beschrieben; die Mittelkammer war von zwei Seiten zugänglich, rechts und links befanden sich Abkühlkammern im Ofenkörper, der etwa l m hoch, breit und tief war. Die antiken Texte und Fragmente, die das G. behandeln, sind gesammelt. - Taf. 49, 54; Abb. Wf E: Mary L. Trowbridge, Ancient Glass, vol. 13 nr. 314, Urbana 1930.

Glas. Rekonstruktion eines röm. Glasschmelzofens nach Angaben des Heraclius aus dem 10. Jh. (punktierte Linien = unsichere Ergänzung), l Feuerraum. 2 Grobschmelzhafen im Heizraum, 3 Garschmelzhafen.. 4 Kühlofen für fertige Gläser Glasur: durch Aufschmelzen einer glasigen Substanz auf keram. Produkten hergestellter Überzug. Diese erst seit dem Mittelalter gebräuchlichere Technik ist nur vereinzelt im röm. Bereich nachweisbar. Sl Glauke, Tochter des myth. Königs Kreon von Korinth (auch Kreusa genannt). Als lason sich mit ihr vermählen wollte, schickte ihr die von ihm verlassene Medeia ein Zaubergewand, das G. und deren Vater verbrannte. G. stürzte sich vor Qual in eine später nach ihr genannte Quelle. Be Glaukos, lat. Glaucus, weissagender niederer Meeresgott, urspr. Fischer aus Anthedon in Boiotien, der sich nach dem Genuß eines Zauberkrautes ins Meer stürzte. Er wurde als Greis und mit Fischschwanz dargestellt. Be Gleichnis: breit ausgeführter Vergleich, dient der Veranschaulichung eines Sachverhalts, setzt neben die Sache (nicht, wie Metapher und Allegorie, an ihre Stelle) ein Bild aus dem Erfahrungsbereich des Erzählers (G. im engeren Sinn) oder eine von ihm erdichtete Geschichte (Parabel), gilt daher in besonderer Weise als sein Eigentum (wichtig z. B. für die Homerforschung). G.se sind eine natürl. Ausdrucksform des Religiösen (Buddhismus, Platon, Jesus) und gehören zum ältesten Rüstzeug des ep. Stils (182 in der Ilias, 39 in der Odyssee). Gl Gleisbahn. Als Wagengleis vertiefte Spurrinnen (wie bei der Straßenbahn) sind archäologisch in antiken Städten vielfach nachgewiesen. Die bedeutendste, schon im 6. Jh.

13*

Gluck v. u. Z. erbaute G. von 6 km Länge führte mit einer Spurbreite von 155 cm in einer 3,6-4,2 m breiten Pflasterung als »Diolkos 4 (Schleifbahn für Schiffe) über den Isthmus von Korinth. Sie ist 1960 auf 2 km beim heutigen Kanal aufgedeckt worden. - Für Theatermaschinen gab es gleichfalls eine G., die gestattete, aus der Tiefe der Bühne Kulissen herauszurollen; im Theater von Eretria ist diese Anlage (das Ekkyklema) am klarsten erkennbar. - Auch die Römer benutzten in ihren Städten die G.; ob diese eine (federnde, geräuschmindernde) Holzeinlage in den Spurrinnen aufwies, steht nicht fest. Wf Globus [lat., „Kugel"]. Der G. als Abbild des Nachthimmels entspricht Vorstellungen, die zuerst Anaxagoras entwickelte. Alle Astronomen bereicherten ihn, indem

Globus. Antinous mit dem Globus aus Lepcis Magna (Tripolis; 130 u. Z.). Unter Verwendung von Teilen einer weit älteren Apollonstatue mit Stutze (Dreifuß und Schlange) ergänzte Großfigur (2,24 m). Neu sind der Kopf mit Efeu und der Globus sie auf eine mit zwei Ringen (für Horizont und Meridian) versehene Kugel aus Holz, Stein, Metall die immer genauer vermessenen Sternbilder eintrugen. Der G. diente in der Schule zur Erklärung der Sternbilder, in der Astrologie zur „Sterndeutung". Im 4. Jh. v. u. Z. wurde der G. Attribut der Muse Urania, er erscheint auch auf Münzen neben Pythagoras und Anaxagoras, getragen wird er vom Atlas (Abb.). - Der Erd-G. diente selten prakt. Zwecken, sondern wurde Symbol des Herrschers; zuerst nahm es Demetrios Poliorketes auf, dann die röm. Kaiser; am Ausgang der Antike und im Mittelalter war der G. „Reichsapfel". Wf E: Leontios, Péri kataskeues Arateias sphairas ed. Maaß 1902. Glossar [griech.) lat.]: Lexikon mit Übersetzungen oder Erklärungen schwer verständl. Wörter (Glossen). Material aus antiken Glossaren ist nur in anderen Lexika und Scholia erhalten, bes. bei Hesychtos, Festus, Isidorus. Pe Slg.en anonymer Glossare aus dem Mittelalter: Corpus glossariorum Latinorum. ed. G. Goetz, vol. 1-7, Leipzig 1888 bis 1923; Glossaria Latina, ed. W. M. Lindsay u. a., vol. 1-5, Paris 1926-31 (Hildesheim 1965). Gluck, Christoph Willibald, 1714-1787; dramat. Komponist; erneuerte die Oper, damit sie in Wahrheit des Ausdrucks und schlichter Größe der griech. Tragödie an die Seite treten könne. Die in weiträumigen Szenen komponierte Musik dient der Poesie des Werkes und gliedert das Drama in monumentale Blöcke, als deren Fundament nach antikem Vorbild der Chor steht. Die myth. Figuren erheben sich heroisch in Trauer, Hingabe und Todbereitschaft („Orfeo ed Euridice", 1762; „Alceste", 1767) oder werden von Leid und Verzweiflung schicksalhaft getrieben („Iphigénie en Aulide", 1774; „Iphigénie en Tauride", 1779); doch wird ihnen endlich Befreiung

Glykoneus

196

gewährt. Für G. ist der antike Mythos die hohe Form, in der sich Seelengröße und sittl. Würde rein und unbedingt darstellen. JM Glykoncus: nach dem heilenist. Dichter Glykon, der ihn zuerst stichisch gebrauchte, benannter Vers der Form !^o .~ .v (z. B. Horaz c. 1,3,37: nil mörtälibüs ärdüi (e)st. Ki Glyptik [griech.] f Steinschneidekunst. Gngthia-Vasen: nach dem ersten Fundort an der apul. Küste (Süditalien) genannte heilenist. Vasengattung der 2. Hälfte des 4. und 1. Hälfte des 3. Jh. v. u. Z., die über den ital. Raum hinaus bis nach Spanien und Alexandre i a verbreitet war. Diese Gefäße zeichnen sich - offenbar in Anlehnung an metall. Vorbilder -durch auf äußeren Reiz bedachte Formgebung und Dekoration (weiß oder farbig auf schwarzem Grund) aus (Taf. 48). Sl Gnome [griech.], lat. sentçntia („Sinnspruch"). Prägnante Formulierungen allgemeingültiger Sätze begegnen in der griech. Literatur seit Homer allenthalben. Gern bedienten sich belehrende Autoren dieses Mittels zu einprägsamer Unterweisung: Hesiod, Phokylides, Theognis, Demokrit, Hippokrates. Aus den Werken der Dichter wurden ethisch wertvolle Aussprüche in Slg.en zusammengefaßt (Euripides, Epicharmos, Menandros); umfangreiche Slg.en dieser Art entstanden im Späthellenismus. Sie sind großenteils im Florilegium des Stobaios enthalten. Ki GnQmon [griech. „Anzeiger"]: l, ein bereits von den Babyloniern zu astronom. Zwecken verwendeter, senkrecht eingesetzter Stab, dessen unterschiedl. Schattenlänge zur Bestimmung der Sonnenwenden und der Tagundnachtgleichen diente. Sein auf eine Fläche projizierter Schatten gab zugleich als Sonnenuhr die Tagesstunden an. Durch Aufstellung des Stabes in der Mitte einer Halbkugelschale wurde der G. von Aristarchos von Samos verbessert. - 2. in der griech.-hellenist. Mathematik nach G. l benannte geometr. Figur, die entsteht, wenn man aus einem Parallelogramm ein ihm ähnliches und ähnlich gelegenes so ausschneidet, daß es eine Ecke mit dem urspr. Parallelogramm gemeinsam hat. Abb. J 6 C

Gnomon. Die schraffierte Fläche ABCGFE bildet ein Gnomon GnQsis [griech., „Wissen, Erkenntnis"]: religiöse Bewegung der Spätantike vorchristl. östl. (jüd.?) Ursprungs mit streng dualist. Charakter (Licht und Finsternis), radikaler Dämonisierung alles Irdischen (auch Gestirne sind böse Wesen, die Welt ist die Schöpfung eines bösen Gottes, der vielfach mit dem jüd. Gott gleichgesetzt ist), Abwertung aller bestehenden Verhältnisse und leidenschaftl. Erlösungsdrang, der im „Wissen" um die Zugehörigkeit des menschl. Selbst zur jenseitigen Lichtwelt besteht. Das Selbst (Seele, Geist) ist ein Teil des in der Urzeit in die Finsternis gelangten göttl. Lichtes, das nach dem Tode in seine Heimat zurückkehrt (Seelenaufstieg). Die Offenbarung dieser Kunde und damit die Heilserkenntnis erfolgt durch den „Erlöser", der von dem höchsten, unbekannten Gott gesandt wird und verschiedene Namen trägt (Seth, Sem, Hermes, Christus, Zostrianos), auch anonym als „Ruf" erscheint. Die Ethik ist entweder asketisch oder libertinistisch. - Die G., aus verschiedenen Elementen (jüd., iran., griech.) bestehend und in mannigfaltige Sekten zerfallend, durchsetzte Judentum, Christentum, Mysterien und erreichte

ihren Höhepunkt in den Systembildungen der christl. G. (2./3. Jh.) und im Manichäismus. Schon im Neuen Testament findet man eine Auseinandersetzung mit der G.; sie wurde von der Großkirche als äußerst gefährl. Angriff auf das Wesen des Christentums leidenschaftlich bekämpft. War die Forschung früher fast ausschließlich auf die oft entstellenden Berichte der Ketzerbekämpfer angewiesen, so änderte die Auffindung einer gnost. Bibliothek in f Nag Hammâdi die Lage grundlegend. Ein Überbleibsel der G. lebt heute noch im Südirak: die Taufsekte der Mandäer oder Nasoräer mit umfangreicher Literatur in eigener Schrift und Sprache (etwa 14000). KR T: Leipoldt-Grundmann, Umwelt des Urchristentums //, Berlin 1970, 350-418; R. Haardt, Die G., Salzburg 1967; W.Foerster (Hrsg.), Die G., 2 Bde., Zürich 1969/1971 (mit Register). Gnostizjsmus [griech.]: neuere Bezeichnung für die spätantike Religion der f „Gnosis" („Erkenntnis"), vor allem deren ausgebildete Hochform im 2. Jh. u. Z. KR Godas, got. Sklave Gelimers, spätestens wohl 532 Statthalter Sardiniens; nahm gleichzeitig mit dem Bekanntwerden der byz. Rüstungen den Königstitel an und erbat Hilfe von Justinian. G. wurde von Elitetruppen unter Gelimers Bruder Tata (Tzazo) vernichtend geschlagen. Die Goethe, Johann Wolfgang, 1749-1832, Klassiker. Der Mode folgend, schrieb G. während der Leipziger Studienzeit anakreont. Gedichte und kleine Dramen und wurde gleichzeitig mit Winckelmanns Gedanken bekannt. Herder machte ihn in Straßburg auf Homer und Sophokles aufmerksam. Ganz im Sinne des Sturm und Drang verwendete G. den antiken Stoff der Prometheussage im Dramenfragment und in der Ode (1793) dazu, den Kampf des Individuums um seine Freiheit und das Recht auf Entfaltung der schöpfer. Persönlichkeit darzustellen, während im „Ganymed", Gegenstück und Ergänzung, die freudige Hingabe an einen allumfassenden, pantheistisch verstandenen Weltenherrscher im Mittelpunkt steht. 1787 wurde die endgültige Fassung der „Iphigenie" vollendet. Während bei Euripides die Lösung des Konfliktes durch das Eingreifen der Göttin herbeigeführt wird, läßt G. Iphigeneias reine, menschl. Gesinnung über Haß und Vorurteile siegen. Auf der Italienreise 1786-88 beschäftigte er sich vor allem mit Werken der antiken Architektur und bildenden Kunst, aus denen er die Aufgabe der Kunst ableitete, das Notwendige, Wesentliche, die Wahrheit in der Natur zu erkennen und darzustellen. Die 1788 entstandenen „Rom. Elegien", in antikem Versmaß, sind ein Ausdruck reinen Naturerlebens und antiker Sinnenfreude. Die von Winckelmann geprägten, durch die Italienreise bereicherten Ansichten zur bildenden Kunst legte G. in den „Propyläen", 1798-1800, und in verschiedenen Aufsätzen nieder: „Winckelmann und sein Jahrhundert", 1805, „Über Laokoon", 1794, „Antik und Modern", 1818. G.s lebendiges Interesse an der bildenden Kunst der Antike manifestiert sich darüberhinaus in seinen umfangreichen Sammlungen, mit denen er sein Wohnhaus ausstattete. In der Form griech. Idyllen wird in „Alexis und Dora" und „Hermann und Dorothea", 1798, die Schönheit des Normalen und Gesunden gepriesen, der Liebe, die zu innerer und äußerer Harmonie führt. Das Tierepos „Reineke Fuchs", 1793, bietet einen niederdt. Stoff in homer. Hexametern. 1796 entstanden während der zweiten Italienreise die „Venezian. Epigramme", die sich formal an Martial anlehnen. Gemeinsam mit Schiller hielt G. 1797 in den in der pointierten Form des antiken Distichons abgefaßten „Xenien" humorvoll-strenges Gericht

197 über die zeitgenöss. Literatur. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Schiller entstanden 1797 mehrere Balladen nach antiken Stoffen. Das Epenfragment „Achilleis", 1798, war ein Versuch, Homers Stil und Sprache nachzuahmen, während in der ,.Pandora"-Allegorie von 1808 das Streben nach Geschlossenheit und Konzentration auf das Wesentliche sichtbar wird. Eine letzte umfassende Auseinandersetzung mit der Welt der Antike fand in „Faust" II statt. In der klass. Walpurgisnacht erscheint ein buntes Gewimmel griech. Naturgeister und niederer Götter, debattieren griech. Philosophen über die weltschöpfende Urkraft, während Faust rastlos Helena sucht, das Urbild der antiken Schönheitsidee. - In vielen Dichtungen und theoret. Schriften G.s wird der aus der Betrachtung der Natur gewonnene und an der Kunst der Antike geschulte klass. Humanitätsbegriff deutlich, der den Menschen als höchste Sufe der Natur in den Mittelpunkt stellt unter besonderer Betonung seines Verhältnisses zur Gesellschaft. Das Ideal von einem Leben, in dem sich Natur und Vernunft in Einklang befinden, sah G., wie die übrigen dt. Klassiker, in der Antike verwirklicht. Wr Gold, lat. aurum (daher Au). Die Herrensitze der myken. Kultur verfügten über nicht geringe Mengen G., so daß den Toten auch G.schmuck mitgegeben wurde. Dann folgten 4 bis 5 Jahrhunderte, in denen sich dieser Luxus gänzlich verbot. Im 7. und 6. Jh. v. u. Z. kamen die ion. Griechen wieder in Berührung mit G., das die Könige von Lydien, Karien, Phrygien durch die Abgaben ihrer Untertanen aus kleinasiat. G.seifen gewannen und nun nicht mehr allein zu Schmuck, sondern zur Münzprägung verwendeten. Allerdings hat erst die durch Dareios L um 516 v . u . Z . regulierte Doppelwährung des Perserreiches (l Dareikos [= 8,4 g Au] = 10 .schwere* oder 20 »leichte* Sigloi [= 112gAg]) die schon von Kroisos für das Lyderreich angestrebte Wertrelation G. : Silber = 13x/3 : l stabilisiert und damit die „Preise" der beiden Metalle von der individuellen Bewertung befreit. - Das griech. Vorkommen auf Thasos lieferte das weit schwerer zu gewinnende Quarz-G., das zuerst von Phönikern bergwerksmäßig erschlossen wurde; ein ähnl. Vorkommen auf Siphnos war schon um 450 v. u. Z. erschöpft. G. lieferte aber den Athenern auch das Pangeion-Gebirge (etwa seit 470 v. u. Z.). Die nördl. Nachbarn der Griechen, die aus der Seifenarbeit in thrak. Flüssen ebenfalls viel G. gewannen, ließen es in Athen vielfach verarbeiten und reimportierten die Erzeugnisse der griech. Goldschmiedekunst; manches Stück hat auch die skyth. Fürstentümer an der Schwarzmeerküste erreicht. Die thrak. Vorkommen vereinte Philippos II. von Makedonien mit seinen eigenen bei .Philippi* und gewann damit die absolute Münzhoheit im gesamten O - die „Philipper'4 ersetzten die „Dareiken". Die unterital. und sizil. Griechenstädte haben selten G. geprägt, nicht ganz so selten begegnen im 3. Jh. v. u. Z. etrusk. Prägungen. Die Etrusker bezogen vielleicht schon im 6. Jh. v. u. Z. G. aus Spanien, das ihre G.schmiede sehr geschickt zu granulieren wußten; dadurch zeichnen sich etrusk. G.arbeiten aus. Die Karthager scheinen ihrerseits in Spanien keine G.gewinnung organisiert zu haben, doch bezogen sie auf Handelsbasis alles G., das auf der Halbinsel verfügbar war, um es im Mittelmeergebiet feilzubieten. In Griechenland selbst ist zu allen Zeiten nur wenig G. verblieben. Die Hellenist. Stilrichtungen haben G. vielfach verarbeitet unter Verwendung orientalisierender Elemente, wobei bemerkbar wird, daß die Herrscher mehr und mehr ein Privileg auf dieses Metall beanspruchten. Der Untertan sollte nicht „königlich" prunken. Die Ptolemaierdynastie betrieb um 140 v. u. Z. mit rück-

Goldenes Vlies sichtsloser Versklavung polit, mißliebiger Elemente die G.bergwerke in der nub. Wüste weiter, die schon von den Pharaonen erschlossen worden waren. Das unmenschl. Elend dieser mit ihren Familien verurteilten Zwangsbergleute rief die Empörung der griech. Autoren hervor. In die hellenist. Münzprägungen wanderte viel G., auch in Kleinasien. Die seit dem 3. Jh. v. u. Z. fast ausschließlich schriftlose G .münzen (Regenbogenschüsselchen) prägenden Kelten deckten ihren Bedarf in Gallien, vielleicht auch in Irland. Am spätesten gelangten die Römer zu G., doch bezeugen schon die Zwölftafelgesetze dessen Verwendung zu Zahnprothesen und Plomben, die dem Toten belassen werden durften. Die oberital. G .vorkommen bei Vercellae und in der Dora Baltea gewannen die Römer nach Zurückdrängung der Kelten erst unter Marius um 100 v. u. Z. Für die dortigen Seifenbetriebe legte der Senat eine Maximalbelegschaft von 5 000 Sklaven fest, um die Kontrolle zu sichern, da sich Sklaven mit unterschlagenem G. leicht die Freiheit erkaufen konnten. In Hispanien organisierten die Römer nach der Erschöpfung der leicht gewinnbaren Vorkommen im 1. Jh. u. Z. den ,Arrugienbergbau', ein hydraul. Abbauverfahren, zu dem große Wasserreservoire angestaut werden mußten. Die Eroberung von Dakien unter Trajan im Jahre 106 u. Z. setzte die Römer in den Besitz sehr ergiebiger G.seifen und G.bergwerke, die mit allen Mitteln der damaligen Bergbautechnik aufgeschlossen wurden. Das gesamte siebenbürg. G.viereck wurde einer sorgsam organisierten Bergbehörde unterstellt und vielfach mit freien Bergleuten und Lohnarbeitern, von denen sich Arbeitsverträge aus den Jahren um 160 erhalten haben, betrieben. - G. mußte geläutert werden, z. T. chlorierte man den Silbergehalt durch Kochsalzzugabe, den Feingehalt prüfte man mit dem Probierstein, seit Archimedes nach dem spezif. Gewicht. Auch das Amalgamverfahren wurde angewandt. Das Berg-G. mußte man stampfen, mahlen, sieben, schlämmen, um Quarzteilchen vor dem Schmelzen auszusondern - diese mühsamen Prozesse sind nicht mechanisiert worden, nur zur Wasserhebung aus tiefen Gruben wurden Schöpfräder und archimed. Schrauben konstruiert. Wf Goldelfenbeintechnik: Fertigung eines Bildwerkes (meist Kultbildes) aus einem (nicht massiven) Holzkern, auf den die sichtbaren Körperteile in Elfenbein, dagegen Gewand-, Haar- u. a. Partien in Gold aufgearbeitet waren. Zu den berühmtesten G.schöpfungen der Antike zählten der Zeus des Pheidias im Zeustempel zu Olympia und die Athena Parthenos des gleichen Meisters im Parthenon auf der Akropolis zu Athen. Sl Goldener Schnitt, stetige Teilung: schon im -Altertum berühmtes, für Kunst und Ästhetik bedeutsames Problem, eine Strecke AB durch einen_Punkt P so zu teilen, daß sich der größere Abschnitt AP zum kleineren PB verhält wie die ganze Strecke AB zum größeren Abschnitt AP. Bei Einführung der Unbekannten χ = AP und der Bezeichnung der Strecke AB = a entspricht demnach der G. S. der Konstruktion der (positiven) Lösung der Gleichung a : χ = χ : (a — χ) bzw. χ2 + ax — a 2 = 0. Sie wurde für die griech. Mathematiker der pythagoreischen Schule im Zusammenhang mit der

A

X

PaXß

Goldener Schnitt

Konstruktion des f Pentagramms bes. wichtig. Die Bezeichnung G. S. stammt erst aus der Renaissance. Abb. Wu Goldenes Vlies: in der griech. Sage Fell eines goldenen

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Goldenes Zeitalter Widders. Nephele hatte ihn von Hermes erhalten und gab ihn ihren Kindern Phrixos und Helle. Auf ihm entkam Phrixos zum König Aietes nach Kolchis, opferte den Widder dem Zeus und hängte das Fell in einem Hain des Ares auf, wo es von einem Drachen bewacht wurde, lason und die Argonauten brachten es nach Griechenland zurück. - Trilogie „Das G. V." von Grillparzer. Be Goldenes Zeitalter: das erste der f Zeitalter. 3e Goldschmiedearbeit. Erforderlich war dazu die handwerkl. wie geistige Fähigkeit, figurenreiche Mythen, Sagen und ep. Szenen neben Ornamenten in die Möglichkeiten der Kleinkunst umzusetzen. Dies setzt volle Teilhabe des Meisters an der Poliskultur voraus. Eine Vervollkommnung der techn. Verfahren läßt sich historisch kaum fixieren, zumal die Mode auch hier zeitweilig beliebte Verfahren abstieß und ältere Techniken wieder zu Ansehen brachte. Die Griechen meisterten die aus älteren Kulturen übernommene G. technisch vollkommen und erreichten mit feinem Stilgefühl trotz einiger Konzessionen an Abnehmer in fremden Ländern Spitzenleistungen in allen drei Kategorien der G.: Schmuck - Tafelgeschirr - Münzprägung. Massivere Stücke (Ringe, Reifen, Kettchen) wurden auf winzigem Amboß geschmiedet (G. im engsten Sinne); Reliefs (Becher, Schalen, Schnallen) wurden mit dem Treibhammer kalt oder warm getrieben; G. war vielfach Feinstblecharbeit (Pektorale, Diademe, Beschläge), die das kalt getriebene Blech durch Ziselieren (mit Meißel und Feile), Gravieren (mit Stichel und Nadel), Kerben, Pressen, Schneiden (mit Scheren), Polieren und Mattieren verzierte, während das Punzen (Einschlagen von Hartmetallstempelchen mit spiegelbildl. gravierten Ornamenten) erst im 5. Jh. v. u. Z. im Anschluß an die Münzprägung häufiger zu beobachten ist, ebenso die zuerst in Persien nachweisbare Filigranarbeit (Flechten und Auflöten feinster, mit Zieheisen gewonnener Goldfäden). Um die gleiche Zeit nahmen die Etrusker das lange nicht geübte Granulieren (Auflöten feinster Metallkügelchen) auf. Das griech. Stilgefühl hat dem blinkenden Gold die künstler. Wirkung zwar nicht abgesprochen, aber es für Bildwerke nur in Verbindung mit Elfenbein, für Schmuck fast nur in Verbindung mit farbigem Edelstein oder im Wechsel mit Silber gelten lassen. Griech. G.en aus purem Gold sind nur bei den Barbaren des Nordens gefunden worden, in Griechenland selbst diente pures Gold allenfalls einem Symbol wie dem der .goldenen Ähren 4 . Beschränkung auf Feinblech oder gar auf bloße Blattgoldarbeit war geboten, weil sich auch die führenden Schichten in Griechenland den Luxus massiver Arbeit nicht leisten konnten - Auftraggeber war dafür i. wesentl. das Ausland. Griech. Meister erhielten daher nur selten Aufträge für reine G. und mußten - bei gleichen techn. Anforderungen - vorwiegend Silberschmiedearbeiten ausführen. Nach dem Alexanderzug hat die Münzprägung die erbeuteten, dem griech. Stilgefühl zuwiderlaufenden G.en absorbiert; in begrenztem Umfang sind neue G.en geschaffen worden. Im Hellenismus wurde das Tauschieren (Einlegen von Metallen ineinander) und die Nielloware beliebt. Außerhalb der Diadochenreiche brachten die kelt. Kulturen des 3. Jh. v. u. Z. das Emaillieren (Überzug mit Schmelzflüssen und Ausfüllung der Räume zwischen Metallstegen) in Mode. Das Zusammenfügen gegossener und geschmiedeter Teile blieb selten und auf Silberarbeiten beschränkt. Am spätesten kamen die Römer in die Lage, G.en in Auftrag geben zu können, aber sie vermochten dann in der Kaiserzeit Metallmengen einzusetzen, die zuvor kaum in den altoriental. theokrat. Despotien erreicht worden waren. Abb. Wf G on tard, Karl von, 1731-1791, Architekt, beeinflußte

die spätbarocke Baukunst Berlins und Potsdams im Sinne des französ. Klassizismus. In den Communs des Neuen Palais (1765-69) verband er noch prunkende Repräsentation mit palladian. Formen, mit dem Marmorpalais (1786-90) schuf er einen klassizist. Bau von bürgert. Schlichtheit. He Göpel. Aus älteren Kulturen übernommen, wurde der G. erstmalig von der Schule des Aristoteles theoretisch behandelt. Das volkssprachlich als „Esel" bezeichnete Antriebsmittel hat eine stehende Welle (Abb.), in die einer, zwei oder vier Querarme eingelassen sind, damit im Kreis gehende Esel oder Sklaven das meist mit einem Mahlwerk verbundene Gerät in Umlauf bringen können. Von den Römern, denen wir einige Abbildungen verdanken, übernahmen es die mittelalterl. Kulturen. Wf

Göpelantrieb einer Getreidemühle durch zwei Sklaven (nach unvollendetem Sarkophagrelief im Lateran aus dem 1. oder 2. Jh.) Gordianus: Beiname (Cognomen) dreier röm. Kaiser. 1. und 2. M. Antgnius G. L, um 159-238, röm. Kaiser April-Mai 238, entstammte der kleinasiat. Provinzaristokratie, war um 222 Konsul, 237/38 Prokonsul von Afrika und wurde als Exponent der afrikan. Großgrundbesitzer zum Gegenkaiser ausgerufen. Der Senat unterstützte ihn gegen Maximinus Thrax. G. erhob seinen gleichnamigen Sohn, G. II., 191/92-238, zum Mitregenten. Dieser fiel bei Karthago im Kampf gegen die numid. Legion, die Maximinus treu geblieben war. G. l. beging daraufhin Selbstmord. - 3. M. AntQnius G. III., 20. 1. 225-11.2.244, röm. Kaiser seit Juli/August 238, Enkel von G. 1. und Neffe von G. 2. Er wurde nach der Ermordung des Maximinus und der kurz regierenden Kaiser Pupienus und Balbinus von den Prätorianern zum Kaiser proklamiert. Nach Grenzkämpfen an der Donau leitete G. 242-44 einen Krieg gegen die Perser in Syrien und Mesopotamien, in dem er am Euphrat fiel. - Biographien in der Historia Augusta, Porträtbüste G.' III. im Pergamon-Museum. Jo Gordischer Knoten. Auf der Burg von Gordion (Hauptstadt Phrygiens) stand ein Streitwagen des legendären Königs Gordios, an dessen Deichsel das Joch mit einem Riemen und kompliziertem Knoten befestigt war. Die Sage verhieß demjenigen die Herrschaft über Asien, der den Knoten zu lösen verstehe. Alexander d. Gr. soll den G. K. im Winter 334/333 v. u. Z. mit einem Schwertstreich zerteilt haben. SF Gorgjas, lat. Ggrgias, aus Leontinoi in Sizilien, um 485 bis um 380 v. u. Z., neben Protagoras Hauptvertreter der griech. Sophistik. G. kam 427 als Gesandter seiner Heimatstadt nach Athen, wo er als Redner und Redelehrer begeisterten Anklang fand. G. hat entscheidend zur Entwicklung einer rhetor. Kunstprosa beigetragen, indem er, um die psycholog. Wirkung der Rede zu erhöhen auch für die Prosa in gewissen Grenzen eine poet. Ausdrucksweise forderte und die bewußte Anwendung bestimmter Stilist. Schmuckmittel („gorgian. Figuren") verlangte: inhaltlich und formal gleichgebaute, im Umfang einander genau entsprechende parallele Satzglieder (Isokolie), die

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Göttcrversammlung

nach Möglichkeit in gegensätzl. Beziehung zueinander stehen (Antithese) und den gleichen Lautausklang haben (Homoioteleuton; entspricht dem Reim in der modernen Dichtung), außerdem rhythmisch gestaltete Satzschlüsse (Klauseln) aufweisen. Neben Prunk- und Festreden (u. a. Leichenrede auf die im Peloponnes. Krieg gefallenen Athener) verfaßte G. zu Unterrichtszwecken Musterdeklamationen („Lob der Helena", „Palamedes"), deren spitzfindige Argumentation (.sophist. Beweisführung*) bemerkenswert ist. Der skeptizist. Standpunkt des G. zeigte sich in einem erkenntnistheoret. Werk über das „Nichtseiende" (nicht erhalten), in welchem G. den Satz zu beweisen suchte: „Es ist nichts. Wenn etwas wäre, wäre es nicht erkennbar; wäre es erkennbar, so wäre es nicht mitteilbar." Von den zahlreichen Schülern des G. ist bes. Isokrates zu erwähnen. Platon hat einen seiner Dialoge nach G. benannt. Kü TV Diels Π 271-301, Gorgoneion: Kopf der von Perseus getöteten Gorgo Medusa, den sich Athena als apotropäisches Abzeichen auf ihre Aigis heftete. Bedeutendste, auf klass. Vorbild gegründete G.Schöpfung ist die Medusa Rondanini (München, Glyptothek) Abb. Sl

Gorgoneion Gorgonen, griech. Gorgo [„die Schreckliche"]: Ungeheuer, Töchter des Phorkys und der Keto, Sthenno, Euryale und f Medusa, außer Medusa alterlos und unsterblich. Sie wohnten jenseits des Okeanos im äußersten W. Wer die G. anschaute, wurde durch ihren grauenvollen Blick versteinert. Fratzenhaft verzerrte Züge, Schlangen im Haar und furchtbares Brüllen zeichneten sie aus. Be GQrtyn: Stadt auf Kreta, etwa in der Mitte der Ebene Mesara. Gegr. in vordor. Zeit und bereits von Homer genannt, war G. in histor. Zeit von Dorern besiedelt. Das berühmte Stadtrecht von G., die einzige große griech.

Rechtskodifikation aus der Mitte des 5. Jh. v. u. Z., vereinigt in 12 Inschriftenkolumnen Bestimmungen des Personen-, Familien-, Erb-, Vermögens- und Schuldrechts. Mü Goten: größter Stamm der Ostgermanen. Die Annahme ihrer urspr. Sitze in Südskandinavien wird von einigen Forschern als gelehrte Konstruktion Cassiodorus' angesehen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung saßen die G. an der Weichselmündung und zogen um 150-200 nach der Nord- und Nordwestküste des Schwarzen Meeres. Die West-G. oder Terwingen ließen sich um 270 im Gebiet des heutigen Transsilvanien nieder, die Ost-G. oder Greutungen gründeten ein Reich an der Nordküste des Schwarzen Meeres. 370 überrannten die Hunnen dieses Reich unter seinem König Ermanarich und griffen auch die West-G. an. 376 gingen diese über die Donau und besiegten 378 den oström. Kaiser Valens bei Adrianopolis. Zunächst blieben sie als Verbündete des Reiches auf dem Balkan. Vorher hatten sie das arian. Christentum (Bibelübers. des Ulfilas) angenommen. 395-410 zogen sie unter König Alarich I. nach Griechenland und Italien und eroberten 410 Rom. Über Gallien nach Spanien gelangt, blieben sie dort wieder als Verbündete Roms, bis sich ihr König Eurich 475 von Rom lossagte und ganz Spanien und Südgallien eroberte. Unter seinem Sohn Alarich II. ging Gallien an die Franken verloren. 711 vernichteten die Araber das westgot. Reich. Die Ost-G. blieben z. T. unter hunn. Herrschaft in ihren Wohnsitzen, die Mehrzahl zog auf den Balkan und eroberte unter Theoderich d. Gr. Italien. Theoderichs Bemühen, got. und ital. Volkstum zu verschmelzen, scheiterte. Unter Justinian eroberte der byz. Feldherr Narses Italien zurück, nachdem die Könige Totila und Teja besiegt worden waren. Teja fiel 553 am Vesuv. Der sog. Codex Theoderici régis wurde nicht, wie früher angenommen, vom Ostgotenkönig Theoderich, sondern vom gleichnamigen Westgotenkönig Anfang des 5. Jh. herausgegeben. Der Westgotenkönig Alarich II. ließ eine Slg. röm. Gesetze herstellen, das „Breviarium Alarici régis". Sey Götterversammlung: von Zeus zu Rat, Mahl u. ä. Anlässen einberufene Versammlung aller - im Kollektiv als „Olympier" (Olympioi; Zwölf Götter) oder „Himmlische" (Uraniones) bezeichneten - Götter auf dem f Olymp. In der bildenden Kunst werden sie häufig mit

Götterversammlung. Herakles' Einzug in den Olymp (um 500 v. u. Z.; Berlin, Staatl. Museen)

Gottkönigtum myth. Ereignissen verbunden. Beliebte Themen der Vasenmalerei sind Herakles' Einführung in den Olymp und die Geburt der Athena. G.en in der Plastik: Siphnierschatzhaus in Delphi, Ostfries des Parthenon. - Abb. WRi Gottkönigtum: eine bes. Form des f Herrscherkultes, die den König entweder schon zu Lebzeiten oder postmortal als göttl. bzw. gottähnl. Person auffaßt und mit entsprechenden Ehrungen versieht; findet sich vor allem bei den Sumerern, Ägyptern, den hellenist. Herrschern und den röm. Kaisern. KR Grab. Neben der Verbrennung der Toten und der Beisetzung der Asche in Urnen, die bei den Griechen bes. in protogeometr. und geometr. Zeit (ll.-8. Jh. v.u.Z.), bei den Römern von der spätrepublikan. bis in die mittl. Kaiserzeit (1. Jh. v. u. Z.-2. Jh. u. Z.) üblich war, spielte die Bestattung der Toten in Schacht- und Kammergräbern, Sarkophagen usw. eine bedeutende Rolle. Hinter den Bestattungs- und G.formen stehen aufschlußreiche Vorstellungen von der Fortexistenz des Toten, zweifellos aber auch der gesellschaftlich bedeutsame Erinnerungswert bis hin zur polit. Propaganda, die bes. in Rom bei der öffentl. Lobrede (Laudatio funebris), aber auch schon in klass. und hellenist. Zeit eine Rolle spielte. - Zu den monumentalen G.bauten zählen die myken. Kuppelgräber (Rolle des Heroenkultes), die kleinasiat. G.tempel (Nereidenmonument. Mausoleum von Halikarnassos), die röm. Rundgräber (CaeciliaMetella-G.mal, Engelsburg) sowie die provinzialröm. G.türme (Igeler Säule). Die einfachen G.stellen wurden durch repräsentative G.gefäße (z. B. G.lekythen), -Stelen oder -statuen bezeichnet. Die röm. Aschenurnen wurden meist in Columbarien aufgestellt. Die Leichenbestattung erfolgte in Rom seit dem 2. Jh. u. Z. auch in unterird. Begräbnisstätten, den sog. f Katakomben. Die weit verbreiteten griech. und lat. G Anschriften wurden bald formelhaft, boten aber die Möglichkeit, persönliche Gefühle der Hinterbliebenen auszudrücken und von dem Toten ein Lebensbild zu umreißen; liter. Ansprüche stellte das G.gedicht. Sl Grabbe, Christian Dietrich, 1801-1836, Dramatiker. Intensive histor. Studien zur Antike fanden in seinen Dramen ihren Niederschlag. 1827 entstand das Fragment „Marius und Sulla" in begeisterter ShakespeareNachfolge. „Hannibal", 1835, zeigt den Untergang des Feldherrn an Krämergeist und Kleinlichkeit - Erscheinungen, die G. auch an seiner Zeit kritisierte. Wr Grabstgle: zur Bekrönung einer Grabstätte aufgerichteter, langrechteckiger Stein, der bemalt oder skulpiert, auch mit Inschrift versehen sein kann. Sl Gracchus: Beiname des plebej. Geschlechts der Sempronier; berühmteste Vertreter die beiden Söhne der Cornelia: l, Tib. SemprQnius G., 162-133 v.u.Z., beantragte 133 als Volkstribun, durch die Mißstände (Ruin der freien Bauern, wachsende Zahl besitzloser Bürger, emporschnellende Sklavenzahl auf Großgütern. Schwäche der röm. Heereskraft) getrieben, die Erneuerung eines älteren Ackergesetzes (als Teil der licin.-sextin. Gesetze aus dem 4. Jh. v. u. Z.?). Danach durfte kein Römer über eine bestimmte Fläche hinaus, 500 lugera, Anteil am Ager publicus haben. Um neue Bauernstellen zu gewinnen, sollte gegen Entschädigung der größere Anteil entzogen und an arme oder landlose Bürger gegen eine geringe Pacht (als Erbpacht geplant) aufgeteilt werden. G. stellte diesen Antrag im Einverständnis mit dem Tçil der Latifundienbesitzer, der für eine intensive Bewirtschaftung eintrat. Da aber die Mehrheit des Senats heftigen Widerstand leistete, ließ G. seinen Kollegen, der sein Veto gegen den Entwurf eingelegt hatte, durch die Volks-

200 versammlung - erstmals in der Geschichte Roms - absetzen. Nach Annahme des Antrages wurde eine Dreimännerkommission für die Landverteilung gebildet. Um seine weiteren Pläne zu erreichen (Verwendung des pergamen. Erbes für die neuen Siedler, Gerichtsreform. Herabsetzung der Militärzeit), bewarb sich G. nochmals um das Volkstribunat. Dagegen beschloß der Senat am Wahltag das Consultum ultimum („letzter Beschluß"), und G. wurde mit seinen Anhängern von Senatoren unter Führung des Pontifex Maximus T. Cornelius Scipio Nasica getötet. Zwar blieben die eingebrachten Gesetze in Kraft, wurden aber weitgehend behindert. - 2. C. SemprQnius G., der jüngere Bruder von G. l, 153-121 v. u. Z., 123 und 122 zum Volkstribun gewählt. Um das Reformwerk seines Bruders gegen den Senat fortsetzen zu können, erstrebte er die Unterstützung aller freien Bürger. Deshalb bezogen sich seine Anträge vorwiegend auf die Gerichte und die Siedlungspolitik (Planung von Koloniegründungen auch außerhalb Italiens). G. gab u. a. den Rittern die Besetzung der Geschworenenkollegien und damit die Kontrolle über die Senatoren, die Provinzen verwalteten, und sicherte ihnen größere Einflußnahme zu (Ausbeutung der reichen Provinz Asia). Durch gesetzl. Herabsetzung des Getreidepreises suchte er die städt. Plebs zu gewinnen. Sein Antrag auf Verleihung des röm. Bürgerrechts an Bundesgenossen entfremdete ihm jedoch einen Teil seiner Anhänger. Dazu kam die starke Opposition der Optimalen, die mit allen Mitteln, u. a. mit den demagog. Gesetzen des M. Livius Drusus 122, eine Wiederwahl des G. zum Volkstribunen 121 verhinderten. Im ausbrechenden Bürgerkrieg tötete sich G., der sich auf dem Aventin verschanzt hatte; 3000 seiner Anhänger wurden umgebracht. - Das Wirken der Gracchen war, obwohl ihre Orientierung auf die Bauernschaft unter den Bedingungen der aufsteigenden Sklavereigesellschaft scheitern mußte, die größte demokrat. Bewegung der röm. Geschichte. Es leitete trotz des nochmaligen Sieges der Nobilität ein Jahrhundert politisch-sozialer Kämpfe um die notwendig gewordenen Änderungen in der Gesellschaftsstruktur ein. Die Bedeutung der Gracchen wurde in der späten Republik und in der Kaiserzeit zunehmend anerkannt, bes. positiv in Plutarchs Parallelbiographien. Der Jakobiner F.N.Babeuf (1760-1797 [hingerichtet]) trat unter dem Namen C. G. in seinem „Le tribun du peuple" für eine radikale soziale Revolution ein. FrJo Graffiti [italien.], auch Sgraffiti: spontan eingekratzte oder eingeritzte Inschriften auf Wänden, an Felsen u. a. Stätten des Fremdenverkehrs, auf Gefäßen und Tonscherben (Ostraka), die über das Alltags- und Privatleben, aber auch über Wirtschaft und Politik Kenntnisse vermitteln. G. fanden sich vorzugsweise in Pompeji und Herculaneum. Gr T: CIL Bd. IV, Auswahl: W. Krenkel, Pompejan. ten (1963).

Wandinschrif-

Grajen [griech., „Greisinnen"], die 2 oder 3 Töchter des Phorkys (daher Phorkyaden in Goethes „Faust" II genannt) und der Keto, schönwangig, aber grauhaarig von Geburt an, besaßen gemeinsam nur ein Auge und einen Zahn. Diese raubte Perseus und gab sie ihnen nur nach Hilfeleistung im Kampf .gegen Medusa zurück. Be Grammatik [griech. grammatike techne, „Fertigkeit, mit Buchstaben (grammata) umzugehen"]: urspr. die Kunst des Lesens und Schreibens, in hellenist. und röm. Zeit Sprach- und Literaturwissenschaft; in der Spätantike wurde der Begriff eingeengt auf G. im heutigen Sinn (Laut- und Formenlehre, Syntax). Als wissenschaftl. Disziplin wurde die G. von den Sophisten (5./4. Jh. v. u. Z.) begründet, in deren Unterricht die Sprachfächer

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Gregorios

G. und Rhetorik einen bevorzugten Platz einnahmen, da thago, daher auch sein Name Malum Punicum. Die Sprach- und Redegewandtheit eine wichtige VoraussetGöttin Hera wurde mit dem G., dem Symbol der Ehe, zung für Erfolg im offentl.-polit. Leben waren. Im Mitteldargestellt. In der religiösen Ornamentik war er in der punkt des G.unterrichts der Sophisten stand die DichterAntike ein beliebtes Motiv (z. B. lakon. Schalen). Di erklärung, bei der die Behandlung sprachl.-grammat. Granikos: Fluß im NW Kleinasiens (Troas). Hier siegte Probleme eine wichtige Rolle spielte. Ihren Höhepunkt Alexander d. Gr. 334 v. u. Z. über die Perser. SF erreichte die antike G. in heilenist. Zeit, als die ältere, Graphe paranomon [griech.]: im att. Recht die Klage bereits als .klassisch* empfundene Literatur philologisch wegen Gesetzwidrigkeit. Die nach der Beseitigung der bearbeitet und in krit. Textausgaben (bes. Homer, Machtstellung des Areopags eingeführte Klage richtete Aischylos, Sophokles) vorgelegt wurde. Zentren der sich gegen jede Beschlußfassung in der Volksversammlung grammat. Studien waren das Museion von Alexandreia, vor oder nach der Abstimmung. Der Einspruch unter wo Aristophanes von Byzanz und Aristarchos von Eid bewirkte die Überweisung des angefochtenen AnSamothrake lehrten, die u. a. die Flexionslehre nach dem trags zur Entscheidung an das Geschworenengericht. Analogieprinzip systematisierten, und Pergamon, wo Mü Krates von Mallos wirkte, der im Gegensatz zu den Gratianus Flavius, 18.4. 359 Sirmium - 25. 8. 383, röm. alexandrin. Grammatikern und im Anschluß an stoische Kaiser seit 17. 1. 375; Sohn Valentinianus' L, bereits als Auffassungen das Prinzip der Anomalie (UnregelmäßigKind 367 zum Augustus und Mitregenten eingesetzt. keit) in der Wortbildung und Formenlehre vertrat. Die Nach dem Tode des Vaters übernahm er in Trier die ReStoiker haben das System und die Terminologie der G. gierung des westl. Reichsteils und die Vormundschaft für geschaffen, die durch Vermittlung der Römer i. wesentl. seinen Stiefbruder Valentinianus II. Unter dem Einfluß bis heute gültig geblieben sind. Im 2. Jh. v. u. Z. hat dann seines Erziehers und Ratgebers Ausonius bemühte sich der Aristarchosschüler Dionysios Thrax alle bisherigen G. um ein gutes Verhältnis zum Senat. 378-83 ließ er grammat. Forschungsergebnisse zu einer ersten griech. Alamannen, Sarmaten und Westgoten an Rhein und Donau bekämpfen. Nach der Niederlage und dem Tode G. (Techne grammatike) zusammengefaßt, die bis in die Renaissance als Lehrbuch diente. Bei den Römern wurde seines Onkels Valens bei Adrianopolis erhob er 379 die wissenschaftl. G. bes. durch Krates von Mallos ein- .Theodosius I. zum Augustus des O. Als eifriger Christ geführt, der 169 v.u.Z. mit einer pergamen. Gesandtging G. ab 379 unter dem Einfluß des Ambrosius gegen schaft nach Rom kam und hier Vorträge über grammat. Heiden, Arianer und Donatisten vor. Er legte das Amt des Probleme hielt. Der bedeutendste röm. Philologe und Pontifex Maximus nieder und hob die Duldung verschieAltertumsforscher, M. Terentius Varro, hat auch das dener Glaubensrichtungen auf. Als sich 383 in Britannien erste grundlegende grammat. Werk in lat. Sprache verder Usurpator Maximus erhob, wurde der Kaiser von seinen Truppen verlassen und auf der Flucht in Lyon faßt: „De lingua Latina" (Über die lat. Sprache). Von ermordet. Jo Remmius Palaemon (1. Hälfte des 1. Jh. u. Z.) stammte Grazien, lat. Gr^tiae, röm. Göttinnen der Anmut, den das erste Lehrbuch der lat. G. (verloren), auf dem alle griech. f Chariten entsprechend. Be späteren lat. G.en fußen, von denen bes. die (erhaltenen) Gregorianischer Gesang: einstimmige instrumentenfreie G.en des Donatus (4. Jh. u. Z.) und des Priscianus (um und nach den sog. Kirchentonarten ausgerichtete musikal. 500 u. Z.) hervorzuheben sind, die als vielbenutzte SchulEinkleidung der lateinisch-sprachigen Texte der kathol. bücher zu den meistgelesenen Werken des Mittelalters Liturgien, von der Tradition (wohl zu Unrecht) auf gehörten und deren Nachwirkung bis in die Gegenwart Papst Gregor I. als Sammler bzw. Ordner der röm. reicht (Aufbau der modernen Schul-G.en, Verwendung Kirchengesänge zurückgeführt, seit der Verbindung der der gleichen grammat. Terminologie). - Da die antike G. Karolinger mit dem Papsttum im Frankenreich eingeauch Literaturwissenschaft war, werden ihr nicht nur bürgert, nach England u. a. Ländern verbreitet, mit dem zum großen Teil die Erhaltung und Überlieferung der Aufkommen der Mehrstimmigkeit vielfach umgebildet, griech. und röm. Literatur, sondern auch viele Nachrichseit Ende des 19. Jh. restauriert, die früheste bis heute ten zu antiken Autoren sowie zahlreiche Zitate (Fraglebendig gebliebene Musikübung Westeuropas. LRi mente) aus verlorengegangenen Werken verdankt. Krit. Gregorios, dt. Grggor: 1. G. von Nazi'inz, geb. 329/30 Textausgaben wurden hergestellt, zu den wichtigsten und gest. um 390 Αππηζ bei Nazianz (Kappadokien), Werken Kommentare (f Scholion) geschrieben, seltene Sohn des Bischofs Gregor von Nazianz d. Ä., Schriftund unbekannte Ausdrücke gesammelt, erläutert und in steller und Asket, Freund Basileios d. Gr. 380/81 wurde Lexika zusammengestellt (f Glossar), Lebensbeschreier Patriarch von Konstantinopel, doch da er sich mit bungen (Vitae) der Autoren verfaßt. - Alä Unterrichtsseinen kirchenpolit. Vorstellungen auf dem 2. ökumen. gegenstand nahm die G. (als Sprach- und LiteratururiterKonzil nicht durchsetzen konnte, trat er zurück, zog richt) den wichtigsten Platz im höheren Unterricht der sich nach Nazianz zurück und führte später ein asket. Antike ein. Alle übrigen Fächer wurden meist im Rahmen Leben. Von seinen Werken seien bes. die 45 Reden, die dieses G.unterrichts mitgelehrt, mit Ausnahme der für Jahrhunderte als Stilist. Vorbilder gegolten haben, die Rhetorik, die entweder als zweite Stufe des höheren 245 Briefe und seine Gedichte, unter denen sich zwei in Unterrichts auf die G. folgte oder ein besonderes Studium akzentuierender Metrik befinden, erwähnt. darstellte. Kü T: Mlgne PG 35-38. Ü: BKV 59, 1928; II 3, 1939. Granatapfel [griech. rhQa]. Der G.bäum [lat. Py2. G. von Nyssa, geb. um 335 Caesarea (Kappadokien), nica granatum] ist ein vom östl. Mittelmeer bis nach gest. nach 394 Nyssa, griech. Kirchenvater; Bruder Vorderindien verbreitetes Gewächs (Punaceae), dessen Basileios' d. Gr. Seine Bedeutung liegt auf theolog.Füchte eßbar sind. Die gerbstoffreiche Stamm- und philosoph. Gebiet. Durch seine angestrebte Synthese von Wurzelrinde galt als Bandwurmmittel. Aus der Frucht Theologie und Neuplatonismus wirkte er auf Spätere. bereitete man auch Farbstoffe. In Griechenland wurde Unter seinen zahlreichen dogmat., antihäret., exeget. der G. wegen seiner duftenden feuerroten Blüten als (stark allegor.), asket. und Homilet. Schriften heben sich Symbol der Liebe, Ehe und Fruchtbarkeit verehrt. Hades die vier Werke gegen den Arianer Eunomius, der Dialog gewann Persophone dadurch, daß er ihr einen G. reichte, „De anima et resurrectione" (Über die Seele und die Aphrodite trug ihn als Göttin der Ehe vielfach als AttriAuferstehung), die Schrift „De vita Moysis" (Über das but. Zu den Römern kam er aus dem Orient über Kar-

Gregorius Magnus Leben des Mose) und die Vita seiner Schwester Macrina heraus. Seine Beredsamkeit war berühmt; so mußte er 386 die Trauerrede auf die Kaiserin Flacilla und ihre Tochter Pulcheria halten. Wi T: Migne PG 44-46; W. Jaeger - H. Langerbeck, 1921 ff., Ü: BKV 56, 1927.

GregQrius Magnus, Gregor d. Gr., geb. um 540 und gest. 12. 3. 604 Rom, stammte aus dem Senator. Hochadel, war 572/73 Stadtpräfekt in Rom, lebte ab 575 als Asket, war von 579-585 päpstl. Gesandter am byz. Kaiserhof und wurde 590 Papst. Er vermittelte die friedl. Übereinkunft mit den Langobarden, reorganisierte den Grundbesitz der röm. Kirche (Patrimonium Petri) und legte damit die wichtigste der Grundlagen für die weltl. Machtstellung des Papsttums in Italien; er schützte die Kolonen vor willkürl. Ausbeutung und trat als Anwalt der Belange der lat. Bevölkerung auf. Auf kirchl. Gebiet sind vor allem die Christianisierung der Angelsachsen (ab 596), die Verbindung der Westgoten mit der röm.-kathol. Kirche und die Verteidigung der päpstl. Suprematie gegen die Patriarchen von Konstantinopel zu erwähnen. G. nannte sich Servus servorum Dei (Diener der Diener Gottes). Sein „Liber regulae pastoralis" galt im Mittelalter als die Regel des Weltklerus. Seine 35 Bücher „Moralia", eine allegor.-moral.-myst. Auslegung des Buches Hiob, wurden später als Handbuch der Moral verwendet. Seine Dialoge über Leben und Wunder ital. Asketen haben auf die mittelalterl. Geisteshaltung eingewirkt und die Wundersucht gefördert. Seine 854 Briefe sind von zeitgeschichtl. Bedeutung. Der antiken weltl. Bildung stand er ablehnend gegenüber und versuchte, sie durch eine christl. zu ersetzen. Wi T: Migne PL 75-79; H. Hurier, 1872 (Régula). Ü: Moricca, 1924 (Dialogi); MGH Epp. 7/2, 1891199; BKV II 314, 1933 (Régula, Dialogi). : γ==:-ς-

•yΛ fall röhr 1

/-^ Kippvorrichtung ρχ.^^;Ξj_-_>ξ|

Heber, links Saug-(Überlauf-) heber: Nach erreichtem Höchstwasscrstand entleert der Luftdruck das aus dem Zulauf gefüllte Sammelbecken über die „Brücke" durch das aach unten offene Fallrohr /. Sammelt sich das Wasser erneut in einem mit Kippvorrichtung versehenen 2. Becken, kann es durch ein 2. Fallrohr erneut zur Wirkung gebracht werden. rechts Stechheber zur Entnahme von Flüssigkeiten aus Gefäßen

Hebevorrichtungen

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Hebevorrichtungen. Lastausgleich

Hebros, heute bulgar. Marie a: Hauptfluß Thrakiens, entspringt im heutigen Rilagebirge und mündet bei Ainos in die Agäis. Am H. lagen Adrianopolis (türk. Edirne) und Philippopolis (bulgar. Plovdiv), bis wohin der H. in der Antike für kleine Fahrzeuge schiffbar war. D Hebung [griech. Arsis]: rnetr. Terminus, der, urspr. zur Bezeichnung des schwachen Taktteiles gebraucht, heute den starken Taktteil bezeichnet, d.h. eine solche Stelle im Vers, an der immer oder vorwiegend eine Länge erscheint. (Gegenteil: Senkung). Ki

Hebevorrichtungen, links Flaschenzug (nach einer Ausagbe der ».Mechanik" des Aristoteles von 1594), rechts Hebeklaue (Rekonstruktion nach Heron)

Hebevorrichtungen. Von den H. ist nur die 4 „archimed. Schraube" eine griech. Erfindung; Hebel, @ schiefe Ebene, @ Winde (Haspel), @ Flaschenzug und @ Kran, @ Schöpfrad, Wippe wurden aus älteren Kulturen übernommen. Die einfachste Form, der Hebel, gab der Aristoteles-Schule Veranlassung, über theoret. Bedingungen und mathemat. Grundlagen (Kreis und Gerade) der Hebelwirkung nachzudenken, was zur Erfassung der Werkzeugwirkungen (Zange, Waage, Ruder, Steuer, Brechstange) als Hebelanwendungen und zur Verallgemeinerung der Begriffe führte. -„Die Praxis entwickelte als Hauptform den im theoret. Schrifttum erst von Vitruv behandelten Kran neben dem Schöpfrad. Die flaschenzuglose Wippe wurde zur Wasserhebung (Abb. @ Bewässerung) und als Hilfsmittel zum Warenumschlag im Hafen benutzt; ferner diente sie, mit Lastausgleich durch Gegengewicht, als Ziehbrunnen. Im 1. Jh. u.Z. ist eine weitere Hebevorrichtung mit Gegengewichtskonstruktion (Abb.) zur Präzisionsarbeit für das Aufeinanderpassen der Säulen entwickelt worden. Gleichfalls der Bautechnik diente die Hebeklaue (Abb.). Zum Heben schwerer Quadersteine schlug man eine nach unten erweiterte Vertiefung in den Stein, in die einige trapezförmige, oben durchbohrte Keile eingriffen. Füllte man den Zwischenraum zwischen den Keilen und der Vertiefung mit Sand, so konnte daran ein Kran den Quader heben. Wf Hebräisch: urspr. ein kanaanäischer Dialekt, den die in Palästina eingedrungenen israelit. Stämme zusammen mit der linksläufigen Konsonantenschrift übernahmen. In H. verfaßt sind das Alte Testament, ferner eine Bauinschrift im Siloahtunnel von Jerusalem um 700 v. u. Z., einige Ostraka, so die Militärkorrespondenz von Lachis um 600 v. u. Z., weiter die Sektenliteratur von Qumran. In heilenist, und röm. Zeit war das H. in Palästina durch das verwandte Aramäisch verdrängt, blieb jedoch auch in der Diaspora bis in die Neuzeit Sprache des Kultus und der gelehrten Bildung; im heutigen Staat Israel ist m. wieder als offizielle Landessprache eingeführt (Ivrit).

HS

Hebevorrichtungen. Einbaurnkran mit Tretantrieb, an Seilen schwenkbar, und Flaschenzug (nach Relief vom Grabmal der Haterier in Rom, Anfang des 2, Jh.)

Hecuba: lat. Namensform für @ Hekabe. Hedonisrnus [griech. hedone, „Lust", „Genuß", „Vergnügen"]: Richtung des @ Eudämonismus, derzufolge die Lust Motiv und Ziel des Handelns ist. Die Lust, die sowohl sinnlich als auch geistig verstanden werden kann, ist nach dieser eth. Lehre das höchste Gut. Begründet wurde der H. durch Aristippos. Guf Heer. Bei den Griechen bestand das Bürgeraufgebot (Miliz) vom 18. bis zum 60. Lebensjahr, der Militärdienst war im Rahmen der Autonomie und Autarkie der Polis Bürgerpflicht. Seit dem 5. Jh. v. u. Z. ging man in den griech. Poleis unter Alexander d. Gr. und später in den heilenist. Staaten zur Bildung von Söldner-H.en über. In Rom gab es das Bürgeraufgebot, das Miliz-H. Die röm. Bürger vom 17. bis 46. Lebensjahr, die luniores, wurden zum Dienst im Feld-Η., die 47 bis 60 Jahre alten Bürger, die Seniores,' speziell zu Besatzungsdiensten

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Heeresrolle

herangezogen. Die herrschende Klasse der Nobilität entzog sich nach und nach dem Kriegsdienst, der den unteren Schichten als Erwerbsquelle diente. Marius vollendete die Umwandlung des röm. H.es zum SöldnerH., zu dem auch Proletarii Zugang hatten. In der Kaiserzeit wurde ein stehendes H. aus Berufssoldaten gebildet, das sich nicht nur aus Italien, sondern vor allem aus den Provinzen und aus angeworbenen „Barbaren" rekrutierte und zu einem starken innerpolit. Machtfaktor wurde. H Heeresgliederung. I. allg. entsprach die H. bei den Griechen der Friedenseinteilung des Gesamtvolkes, wobei die reichsten Bürger als Berittene, die anderen als Schwer- und Leichtbewaffnete dienten. Die Kampfformation der Griechen, die Phalanx, wurde aus den schwerbewaffneten Hopliten gebildet. - Das röm. Heer bestand aus Legionen, die in Kohorten, Manipel und Zenturien unterteilt waren, wobei nach der Verfassung des Servais Tullius (2. Hälfte des 6. Jh. v.u.Z.) die

Einteilung der griechischen entsprach. Zu jeder Legion gehörte „Feldartillerie" (Katapulte). Der das Lagerzubehör u. a. Gerät mitführende Troß war recht umfangreich. - In der Kaiserzeit bestand das röm. Heer aus vier unterschied!. Teilen: kaiserl. Leibgarden und Sicherheitstruppen der Stadt Rom, Legionen, Hilfstruppen und Flotte. Die Sicherheitstruppen Roms bestanden aus den Cohortes urbanae (Stadtsoldaten) und den Cohortes vigilum (Nachtwachen). - Abb. H Heeresreform. Die bekannteste röm. H. ist die des Marius (105 v. u. Z.)· Er nahm Bürger ohne Besitzzensus (Proletarii) als Freiwillige gegen Soldzahlung in

leichtbewaffnetes xx Fußvolk

memmmmm Reichsgrenze

3 \Moro 1.02l* Hopliten l/l M

— — — Grenzen der Reichshälften _. _. _ Grenzen der Feldarmeekommandos • Einheit zu 2.ÜOO Reiter und 5.500Mann Fußvolk

\3\ \^Lochos

Heeresreform. Die Verteilung der röm. Feldtruppen seit Konstantin d. Gr.

256 Hopliten

/7N

φ

728 Hopliten ^2) Enomotie 6^ Hopliten

Heeresgliederung. Die Organisation der spartan. Armee in der klass. Zeit

Feldherr Praetorianerkohorte 'Cohors praetoria)

Reiterei

55 karrpbaliisten

W

Onagri und Katapulte

l/ Zenturien

Heeresgliederung. Die Organisation der röm. Armee in der Mitte des 1. Jh. v. u. Z.

das Heer auf, die nach 16 bis 20 Dienstjahren als Veteranen Versorgungsanspruch besaßen und in der Hand des Feldherrn in den Bürgerkriegen zu einem wichtigen innerpolit. Faktor wurden. Weitere H.en fanden unter Augustus (Umwandlung zu einem stehenden Heer), unter Gallienus (Schaffung einer selbständigen Schlachtenkavallerie als Gegengewicht zur schweren Reiterei der Perser), unter Diocletianus (Unterteilung in Limitanei und Comitatenses) sowie unter Konstantin (Differenzierung des Heeres in Feld- und Besatzungstruppen) statt. - Abb. H Heeresrolle. In allen griech. Stadtstaaten führten die obersten Militärbehörden als Grundlage für die Aushebungen ein Verzeichnis jener kriegsdienstpflichtigen Bürger, denen ihr Vermögen die Ausrüstung als Hoplit oder Reiter erlaubte. Es war nach Jahrgängen geordnet und wurde jährlich gemäß den Veränderungen des Bürgerverzeichnisses auf Zu- und Abgänge revidiert. Unbeantwortet bleiben muß die Frage, ob man die urspr. nur im Ernstfall als Leichtbewaffnete zum Dienst verpflichteten ärmeren Bürger und Metöken in Athen auch dann noch nicht in die H. aufnahm, als sie zur Bemannung der Flotte herangezogen wurden. Die zum Hoplitendienst verpflichteten wohlhabenden Metöken wurden in entspr. Listen verzeichnet. - Im Reich Alexanders d. Gr. und in den hellenist. Staaten dürften in den einzelnen Militärbezirken H.n geführt worden sein. In der röm. Republik wurde die H. auf der Grundlage der durch den f Zensus gewonnenen Angaben aufgestellt und war vielleicht als all g. Zensusliste mit der Steuerliste identisch. Sie umfaßte (bis zum Ende des- 2. Jh, v. u. Z., falls sie von der Steuerliste getrennt war, möglicherweise unter Ausschluß der Proletarii) alle dienstpflichtigen Bürger. Wichtig für die evtl. Zurückstellung bei einer Aushebung und bes. für den Zugang zu den Staatsämtern

Heeresstärke war der Vermerk (in älterer Zeit) der Zahl der abgeleist. Dienstjahre. Nach der Einführung des Söldnerheeres durch Marins diente die H. als Grundlage für die Soldatenwerbung in den einzelnen Gebieten des Reiches und ermöglichte zugleich in Notfällen das Zurückgreifen auf die Zwangsrekrutierung. Die Heeresreform Konstantins erschloß der Heeresergänzung völlig neue Quellen und beseitigte die H. We Heeresstärke. Die griech. Heere waren relativ klein. So kämpften bei Plataiai (479 v. u. Z.) etwa 8000, zu Beginn des Peloponnes. Krieges (431/04) ca. 13000 Athener (außer der Flotte). Nach sehr umstrittenen Bevölkerungszahlen besaß Attika zu dieser Zeit etwa 30000 wehrfähige Politen und 10000 wehrfähige Metöken. Philippos II. von Makedonien schuf ein stehendes Heer von etwa 30000 Mann Fußvolk und 3000 Reitern. Mit einem wohl gleich starken Heer eroberte sein Sohn Alexander d. Gr. das riesige Perserreich in 10 Jahren. Die H. der Armeen der Hellenist. Staaten war nicht viel größer; an den Schlachten nahmen durchschnittlich 20000 bis 30000 Mann Fußvolk und 2000 bis 5000 Reiter teil. - Die H. der Römer in der Zeit der frühen Republik bestand zunächst aus 2 Legionen und vergrößerte sich dann laufend. Bei Cannae (216 v. u. Z.) standen den 40000 Mann Fußtruppen und 10000 Reitern Hannibals etwa 80000 Mann röm. Fußvolk und 6000 Reiter gegenüber. Die Zensuszahl der waffenfähigen röm. Bürger betrug am Ende des 3. Jh. v. u. Z. 214000. Unter Augustus betrug die röm. H. 300000 bis 350000 Mann, unter Diocletianus mindestens 500000 Mann stehendes Heer, wobei unter Augustus fast 5 Mill. röm. männl. Bürger gezählt wurden, während für die Spätantike keine einigermaßen exakten Statist. Angaben überliefert sind. H Heerführer. In Sparta war der oberste H. einer der beiden Könige, in Athen nach cjer Entmachtung des Archon polemarchos der Vorsitzende des Rates der 10 Strategen. - In Makedonien und in den Hellenist. Staaten hatte der König oder ein von ihm beauftragter H. den Oberbefehl inné, wobei Alexander d. Gr. den H.n bes. große Aufmerksamkeit widmete und sie zur selbständigen takt. Entscheidung der ihnen in der Schlacht übertragenen Aufgaben erzog (z. B. Gaugamela). - In Rom befehligten die Konsuln bzw. von ihnen oder vom Senat ernannte H. die Legionen, während in der Kaiserzeit der jeweilige Herrscher den Oberbefehl über die Gesamtstreitkräfte besaß, die einzelnen Heeresteile aber durch vom Kaiser eingesetzte H. befehligt wurden. In der späten röm. Kaiserzeit gewannen einzelne H. überragende polit. Macht (z. B. Arbogast, Stilicho, Aetius). H Heermeister (lat. Magister militum): von Konstantin L geschaffenes Amt, das - zunächst gesondert für Infanterie und Kavallerie - höchste militär. Kommandogewalt in sich schloß, zunehmend aber auch entscheidende polit. Bedeutung gewann. Seit Ende des 4. Jh. wurde dieses Amt - nun oft in einer Hand vereinigt (Magister utriysque militiae) - überwiegend von Germanen bekleidet (z. B. Merobaudes, Stilicho, Aetius, Ricimer). Kp Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, 1770-1831, Philosoph. In der Tübinger Studienzeit stellte H. die (idealisierte) antike Demokratie den zeitgenöss. feudalen Zuständen kritisch gegenüber und hegte utop. Hoffnungen auf eine durch Wiederherstellung antiker gesellschaftl. Verhältnisse mögl. neue Blüte der Kunst. Im späteren Denken H.s verlor die Antike im ganzen den Charakter normativer Vorbildlichkeit und wurde als eine Phase histor. Entwicklung gewertet, die notwendig überwunden werden mußte („Phänomenologie des Geistes"). Lediglich die antike Kunst verabsolutierte H. als „das höchste Muster** (Lehre von den Stufen in der Entwicklung des absoluten

224 Geistes). Bes. für H.s Geschichtsphilosophie hatte die Antike fundamentale Bedeutung als Stufe des „Fortschritts im Bewußtsein der Freiheit". Viele seiner Schriften (z. B. die „Ästhetik") bieten hervorragende Analysen antiker Phänomene. Für die Erforschung der Philosophiegeschichte der Antike schuf H. wesentl. Grundlagen („Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie"). RMü HegemQn [griech., „Führer, Oberbefehlshaber, Herrscher"]: in Griechenland die im Rahmen einer f Hegemonie die Macht ausübende Persönlichkeit. H Hegemonie [griech., „Führung"]: noch heute gebrauch!. Ausdruck für Oberherrschaft, Vormachtstellung. In Griechenland wurde die H. einem Staat wegen seiner polit.-militär. Machtfülle innerhalb eines Bundes oder mehrerer Staaten eingeräumt, jedoch rechtlich nicht zugesichert (Prestigestellung). Die H. erstreckte sich auf das Ergreifen der polit.-militär. Initiative, z. B. Oberkommando im Kriege, Leitung der Friedensverhandlungen. - Danach Bezeichnung histor. Zeitabschnitte: Spartas H. 480-431 v.u.Z. (daneben Athens H. zur See) und 404-371; Thebens H. 371-362 (338); Makedoniens H. 338-323 v. u. Z. SF Hegesias, um 320-280 v. u. Z., griech. Philosoph, Kyrenaiker, trug den Beinamen Peisithânatos („Befürworter des Todes"), weil er das Leben in so düsteren Farben malte, daß sich manche seiner Zuhörer das Leben genommen haben sollen. Nach seiner Lehre ist dem Weisen das Leben gleichgültig, sein höchstes Ziel ist nicht positive Lusterfüllung, die wegen der Unberechenbarkeit des Schicksals nur selten gegeben ist, sondern die Abwehr des Kummers und die Empfindungslosigkeit nach dem Tode. Gu Ü: W. Nestle, Die Sokratiker, Jena 1922, S. 777/72. Heidenchristentum: Strömung im Urchristentum, die unter dem Einfluß des Hellenismus die jüd. Tradition weitgehend durchbrach. Sie hatte ihre Anhänger hauptsächlich unter den zum Christentum bekehrten Nichtjuden. Die Apostelgeschichte nennt als ihren Repräsentanten Paulus. Mit dem H. setzten sich die sich im Röm. Reich ausbreitenden synkretist. Tendenzen gegen das Judenchristentum durch, das am mosaischen Gesetz festhielt, und mündeten in die christl. Kirche. Ro Heiland: Wiedergabe des griech. f Sotgr durch Luther im Neuen Testament (Christus); Beiname griech. Götter (bes. im Heil- und Mysterienwesen), der vergöttlichten heilenist. Herrscher und des röm. Kaisers als Ausdruck des spätantiken Erlöserglaubens und der Hoffnung auf ein neues Zeitalter. KR Heilbäder. In der Antike war die Heilwirkung heißer und schwefel- oder eisenhaltiger Quellen bekannt. Es wurden Bäder angelegt, denen i. allg. Tempel angeschlossen waren. Berühmt waren z. B. die Schwefelquellen von Ajdepsos auf Euboia, Baiae, das eleganteste röm. Seeund zugleich Schwefelbad, ^quae Mattiacae (Wiesbaden) und Aquae Gra.nni (Aachen). Ko Heilgötter: Götter, bei denen die Menschen Hilfe in Krankheit oder bei körperl. Gebrechen suchten. Der bedeutendste Heilgott ist Asklepios, dessen Kult sich vom 5. Jh. v. u. Z. ab von Epidauros aus verbreitete. Im Hellenismus wurde der Heilfunktionsbereich auch auf andere Götter übertragen (z. B. Isis, Sarapis). Die Hilfe wurde durch f Inkubation erwartet. Wunderglauben, Psychotherapie und teilweise auch Behandlung durch medizinisch geschultes Tempelpersonal wirkten zusammen. Die propagandistisch verwerteten „Wunderheilungen'* spielten bei der Ausbreitung des Kultes eine Rolle. Votive an den „Gnadenorten" beweisen die Beliebtheit der H. Zu Asklepios tritt mitunter seine Tochter Hygieia. In

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Rom wurde von frühesten Zeiten an Apollon als Heilgott kultisch verehrt. Be heilig: zunächst religionswissenschaftlich die nach dem Empfinden des religiösen Menschen alles beherrschende und lenkende Kraft, wobei es gleichgültig ist, ob sie in einer festurnrissenen Gottesvorstellung (wie in den anthropomorphen Göttern der griech. und röm. oder dem Gott der jüd. und Christi. Religion) Gestalt gewonnen hat oder nicht (wie in primitiven religiösen Formen). Darüber hinaus wird alles das h. genannt, worin sich eben diese Kraft in der natürl. Welt, also Orten, Gegenständen, Personen (hier ist der Ansatzpunkt für die .in verschiedenen Religionen begegnende Heiligenverehrung) usw., manifestiert. Das in dieser Weise in Erscheinung getretene Heilige, das einerseits als faszinierende, andererseits aber auch als das gegenteilige Gefühl (Scheu, Schrecken o. ä.) hervorrufende Macht empfunden werden kann, ist somit prinzipiell vom Profanen abgesondert. Die Grenze zwischen beiden Bereichen bleibt im Laufe der Geschichte nicht konstant, sondern wird durch die jeweilige Stellung des Gläubigen zum Heiligen überhaupt bestimmt. Du Heiligenverehrung. Die christl. H. hat am antiken Heroenkult eine Anknüpfung. Bis zum Beginn des 4. Jh. wurden nur Märtyrer als Heilige verehrt (Festtag: Tag des Martyriums). Später rechneten auch Bekenner, ausgezeichnete Bischöfe und Asketen zu den Heiligen. Teils wurden sie nur lokal verehrt, teils aber auch gesamtkirchlich anerkannt. Ihr Kult entwickelte sich aus der antiken TotenVerehrung und war urspr. an das Grab des Heiligen gebunden, später wurden vor allem im W Reliquien, im O Bilder (Ikonen) verehrt. Heilige galten als Patrone für Kirchen, Städte und Berufsstände. Eine besondere Literaturgattung (@ Hagiographie) widmete sich der Darstellung von Leben, Taten, Leiden und Tod der Heiligen. Wi

Hekataios

Heizung. Holzkohlenbecken mît Warmwasserspender aus Pompeji : l Kohlenbecken, 2 Hohlwand als Heißwasserbehälter. 3 Warmwasserspeicher

Heiligenvjten @ Hagiographie. Heilmittel @ Medikament.

Heimarmçne [griech., ..zugeteiltes Los", lat. fatum, „Schicksal"]: seit Heraklit Ausdruck für die Gesetzmäßigkeit im Kosmos, in der Stoa seit Zenon aufgefaßt als unentrinnbares Schicksal, bereits von Epikur bestritten mit dem Hinweis, daß dann jede Selbstverantwortung und alle eth. Norm hinfällig sei. Die Schicksalsidee der Stoiker, die bei Chrysippos Götter und Menschen als gleich ohnmächtig gegen das Schicksal erscheinen läßt, modifizierte Karneades, der aus der H. eine Kausalitätsvorstellung in den Grenzen der Gesetze des Werdens und Naturgeschehens entwickelte, wobei er das menschl. Tun als willensfrei verstand. Eine „Brechung" der H. verhießen auf anderem Wege die Erlösungsreligionen; Christen und Juden, aber auch die Mithrasanhänger wußten sich frei vom Fatum vermöge ihres Glaubens. Die H. ist ein markantes Beispie! dafür, daß zunächst rein Philosoph. Begriffe nachhaltige Resonanz in breiten Schichten fanden, die ihrerseits die Vorstellungen von der H. weiterentwickelten. Wf Heizung. Den Griechen genügte das Herdfeuer der Kochsteile, nur anspruchsvolle vielräumige Wohnungen benötigten Kohlebecken, oft mit Heiß- und Warmwasserspender (Abb.). Beheizt wurden sie mit raucharmer, dichter Holzkohle. Auch die nordl. griech. Kolonien entwickelten die H. nicht, der Kamin blieb unbekannt. Die Römer haben nach Erfindung der @ Hypokausten die zentrale Beheizung der Wohnräume, vor allem in den eroberten transalpinen Gebieten, als Kanalheizung (Abb.) weitgehend eingeführt - im Mittelmeerbereich sind vorwiegend die offentl. Thermen damit ausgestattet worden, Tempel und Amtsräume dagegen nie. Wf

Kanalheizung, verbunden mit Hypokausten. / Feuerraum, 2 Heizkessel (davon abgezweigt Hypokausten), 3 Schornstein als Fortsetzung des Heizkanals. Zimmerseite mit Plattenbelag (Rekonstruktion: H. Wilsdorf nach Modell im Saalburgmuséum)

Hekgbe, lat. Hccuba, in der griech. Sage Gemahlin des Königs Prianios von Troja, Mutter von Rektor, Paris, Helenos, Kassandra u. a., erlebte bei der Zerstörung Trojas den Tod aller Angehörigen und wurde Sklavin des Odysseus. Sie blendete Polymestor, den Mörder ihres jüngsten Sohnes Polydoros, wurde zuletzt in einen Hund verwandelt. Man zeigte am Hellespont ihr Grab. - Drama von Euripides.. Be Hekatajos von Milet, griech. Logograph gegen Ende des 6. Jh. v. u. Z. Gute Beobachtungsgabe, solides Wissen, ausgedehnte Reisen sowie genaue Kenntnis fremder Völker und Sitten befähigten H. zur Abfassung histor. Werke und zu polit. Urteilsfähigkeit, bes. während des Ion. Aufstandes, an dem er führend teilnahm. Er verfaßte eine „Rundreise" (Länderbeschreibung von Europa und Asien) und vier Bücher „Genealogien" (Stammbäume adliger Geschlechter). In seiner Geschichtsauf-

Hekate fassung ist H. stark von Mythen, Sägen und Fabeln abhängig, die er z. T. umbildete und rationalisierte. Er beeinflußte stofflich und methodisch die .Geschichtsschreibung Herodots (Verbindung von Geographie, Ethnographie und Geschichte). H. schrieb in ion. Dialekt. SF Hekgte, lat. Hgcate, Tochter des Titanen Perses, aus Karien stammende Gottheit, deren Kult in Griechenland, bes. im Volk, verbreitet war; in Hesiods Théogonie eine hilfreiche Göttin von allumfassender Macht. Sie galt vorwiegend als Göttin des Zaubers und der Gespenster, die nachts in Begleitung von Hunden die Geister anführte und Schrecken verursachte. Sie war Mondgöttin, hielt sich an Begräbnisstätten und Kreuzwegen auf (daher griech. Trigditis, lat. Trivia „Göttin der Dreiwege"). H. wurde bes. mit Artemis und als chthon. Göttin mit Persephone gleichgesetzt. Man opferte ihr Speisen und Hunde ; ihre Attribute waren Fackel, Geißel und Schlangen. Be Hekatombe [von griech. hekatQn, ,,100"]: Opfer von 100 Rindern, auch anderes großes, feierl. Opfer. Be HekatQmpedon [griech., „hundert Fuß langes" Gebäude]. Die Bezeichnung trifft mit Sicherheit nur auf die Ostcella des Parthenon zu ; sie ist versuchsweise auch auf den alten, in den Perserkriegen zerstörten Athena-Tempel der Akropolis bezogen worden. Sl HekatQmpylos: von Seleukos I. Nikator neugegr. Stadt östlich von Teheran, später Hauptstadt des Partherreiches (Mitte des 3. Jh. v. u. Z.). D Hekatonchejren [griech., ,,Hunderthändige"], drei Söhne von Uranos und Gaia, Briareos, Gyes und Kottos, Riesen mit 100 Armen und 50 Köpfen, von ihrem Vater gefesselt unter die Erde verbannt, halfen sie Zeus im Kampf gegen die Titanen und bewachten diese nach Zeus* Sieg im Tartaros. Be Hektcmoroi [griech., ,,Sechstier4']: att. Bauern in der Zeit vor der Reform Solons (594 v. u. Z.), die den Grundeigentümern ein Sechstel des Ertrages als Pacht oder Zins abliefern mußten. Gü Hgktor, lat. Hçctor, in der griech. Sage der erstgeborene und bedeutendste Sohn des Königs Priamos von Troja und der Hekabe, vermählt mit Andromache, Vater des Astyanax. Im Trojan. Krieg war er der Anführer und tapferste Held der Trojaner, der die Griechen, ihr Lager und ihre Schiffe hart bedrängte. Er tötete Patroklos im Zweikampf und fiel von der Hand des Achilleus, des Freundes und Rächers des Patroklos. H.s Leichnam band Achileus an seinen Streitwagen und schleifte ihn zum Lager. H.s greiser Vater konnte den Leichnam durch einen Bittgang zu Achilleus auslösen. - Plastik von Canova, Thorwaldsen und Dannecker, Gedicht von Schiller (H.s Abschied). Be Helena Flgvia, eine Gastwirtin, die Constantius Chlorus zur Konkubine nahm, später aus polit. Gründen verstieß ; Mutter Konstantins L, der sie wieder an den Hof zurückberief. Sie wurde Christin und förderte das Christentum durch eine Wallfahrt ins Heilige Land. Nach ihrem Tode (etwa 326) wurde sie Patronin der Nagelschmiede und wird in der orthodoxen Kirche als Heilige verehrt. Sey Helcne, lat. Helena, in der griech. Sage die schönste und begehrteste Frau, Tochter des Zeus und der Leda, Schwester der Dioskuren und der Klytaimestra; Theseus und Peirithoos entführten sie nach Aphidnai in Attika, die Dioskuren holten sie von dort zurück. Auf den Rat des Odysseus, der gleichfalls um H. warb, schworen die zahlreichen Freier, daß sie H.s Wahl anerkennen und verteidigen würden. H. vermählte sich mit Menelaos, dem sie Hermione gebar. Im Streit der drei Göttinnen um den Apfel der f Eris wurde sie von Aphrodite dem

226 Paris versprochen und ließ sich von ihm nach Troja entführen. Ihrem Schwur getreu, zogen deshalb alle griech. Helden in den Trojan. Krieg, um H. zurückzubringen. H. wurde nach dem Tode des Paris die Frau des Deiphobos. Nach Trojas Fall nahm Menelaos. verführt von ihrer Schönheit, H. wieder ungestraft auf und führte sie nach Sparta heim. - H. genoß göttl. Verehrung, sie ist vermutlich als eine minoische Vegetationsgöttin aufzufassen. - Eine andere Version des H.-Stoffes gestaltete Stesichoros, der - ebenso wie später Euripides Paris ein Schattenbild nach Troja entführen läßt, während die wirkl. H. nach dem Untergang Trojas von Menelaos aus Ägypten nach Hause geführt wird. - Die Lobreden des Gorgias und des Isokrates auf H. zeugen von der Anziehungskraft der Sagengestalt, die immer wieder Maler (Tiepolo, Tintoretto, Tischbein d. Ä., H. v. Marées), Dichter (Wieland, Goethe, O. Wilde) und Musiker (Gluck, J. Offenbach, R. Strauss) anregte. Be Hglenos, Sohn des myth. Königs Priamos von Troja und der Hekabe, besaß die Gabe der Weissagung; Gefangener des Neoptolemos ; nach dessen Tod heiratete er f Andromache. Er gründete in Epirus seine Herrschaft und nahm Aeneas auf seiner Fahrt gastlich auf. Be Heliaden. Töchter des Sonnengottes Helios und der Klymene; wurden aus Trauer um den Tod des Bruders f Phaethon zu Pappeln, ihre Tränen zu Bernstein. Be Heliaja [griech., etwa „sonniger Versammlungsort"]: 1. in Athen das ,νοη Solon eingesetzte Volksgericht. Richter konnte jeder unbescholtene att., über 30 Jahre alte Bürger werden. Seit der Mitte des 5. Jh. v. u. Z. wurden aus der Bürgerschaft 6000 Heliasten, d. h. Volksrichter, gelost, die für ihre Tätigkeit einen Sold von 2, später 3 Obolen pro Tag erhielten. Je nach Wichtigkeit der Sache wurden den Gerichtsbeamten 201, 401 oder 501, in bes. wichtigen Strafprozessen 1001, 1501 oder 2001 Richter durch das Los zugeteilt. In Ausnahmefällen konnten alle 6000 Heliasten den Gerichtshof bilden. Vor der Verhandlung war der Heliasteneid zu leisten (Verpflichtung zu Gerechtigkeit und Wahrung der Gesetze). Nach Anhören der Parteien wurde das Urteil in geheimer Abstimmung ohne Debatte ermittelt. Die Volksgerichte galten in Athen als bes. Ausdruck der Demokratie. 2. Das Gerichtslokal des von den Thesmptheten geleiteten Volksgerichts. - 3. auf dor. Gebiet die Volksversammlung. Mü Helikon, lat. Helicon: Mittelgebirge im westl. Boiotien, bis 1748 m hoch, der Sitz der Musen, die deshalb auch Helikoniades genannt wurden. Auf ihm war durch den Hufschlag des Pegasos die Roßquelle (Hippokrene) entstanden, in der die Musen badeten. Hier wurden von Thespiai und dem Boiot. Bund Musenfeste (Museia) veranstaltet. Im Tal von Askra, dem „Musental", legteq Ausgrabungen seit 1882 einen ion. Tempel, Theater und Säulenhallen frei. Be HeliQdoros, lat. Heliodgrus, wohl 3. oder 4. Jh., griech. Romanschriftsteller aus Emesa (Syrien). Sein auf Grund der spannenden Handlung und des erbaul. Charakters im Altertum und in Byzanz vielgelesener Roman „Aithiopika" (Äthiop. Abenteuer) erzählt, wie die ausgesetzte und in Delphi aufgewachsene äthiop. Königstochter Charikleia mit ihrem Geliebten Theagenes nach Abenteuern und Gefahren den Weg in die Heimat und zu ihren Eltern findet, wo die beiden Liebenden die Ehe schließen. Das durch künstler. Komposition ausgezeichnete Werk übte auf den modernen Roman großen Einfluß aus(Tasso, Cervantes, Calderon, „Fräulein von Scudéry"). Be T: A. Colonna, Rom 1938. V: H. Gasse, Leipzig 31976t Stuttgart 1972.

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Heliogabalus [nach dem syr.-spätantiken Sonnengott]: lat. Nebenform von f Elagabalus, röm. Kaiser. FrJo Heliopolis: die alte Stadt f Baalbek am Libanon, in Hellenist. Zeit in H. umbenannt. Z Hglios [griech., „Sonne"], der. jugendl., strahlende, gewaltige Sonnengott der Griechen (lat. f Soi), Sohn der Titanen Hyperion und Theia, daher auch selbst als Titan oder auch als Hyperion („der in der Höhe Wohnende") bezeichnet. Seine Schwestern waren Eos und Selene, seine Kinder Aietes, Kirke und Pasiphae. Mit seinen feurigen Sonnenrossen (gewöhnlich vier) führte er den Sonnenwagen aus dem Okeanos über den Himmel. Nachts kehrte er im Sonnenbecher zum Ausgangspunkt zurück. Sein Sohn Phaethon kam bei der Lenkung des Wagens um. Die auf Trinakria weidenden Sonnenrinder des H. wurden von den Gefährten des Odysseus geschlachtet. H. wurde zum Schwurzeugen angerufen, da er alles sah und hörte. Er wurde häufig mit der Strahlenkrone dargestellt. Die Griechen der klass. Zeit empfanden den Sonnenkult als fremd. Die ßtoa sah in der Sonne den höchsten Lenker des Weltalls. Im Hellenismus öffneten sich die Griechen unter dem Einfluß östl. Astrologie dem Sonnenkult, nachdem H. schon vorher auf Rhodos kultisch verehrt wurde (Koloß von Rhodos). Sonnentheologie und Sonnenkult spielten in den antiken Gesellschaftsutopien eine bedeutende Rolle. Be helladische Kultur: moderne Bezeichnung der bronzezeitl. Kultur des griech. Festlandes von der Mitte des 3. Jährt, bis ins 12. Jh. v. u. Z. Träger dieser h. K. waren bes. in der mittleren Phase Einwanderer, die sich mit dem vorhandenen Völkersubstrat mischten und in der Spätphase unter minoischen Einfluß gerieten (Mykener). Sie betrieben vorwiegend Ackerbau und Viehzucht; in der myken. Zeit bildeten sich höher organisierte Produktionszentren (Palastkultur) und intensiver Handel sowie Akkumulation durch Beutekriege (z. B. Trojan. Krieg) heraus. Für die frühhellad. Phase, die sich bis ins 19. Jh. v. u. Z. erstreckt, ist die mit Linienmustern verzie.rte „Urfirnisware", für die mittelhellad. Periode,-die bis ins 16. Jh. v. u. Z. reicht und in der die Komplexsiedlungen verstärkt befestigt wurden, die grau- und gelbminysche (monochrome) Ware und Mattmalerei mit Linienmustern kennzeichnend. Die daran anschließende späthellad. (myken.) Kultur steht zunächst unter starkem kret. Einfluß (Schachtgräberfunde), setzt jedoch zunehmend ihre spez. Eigenart durch und wirkt auf Kreta zurück. Hervor ragen die Burganlagen (z. B. Tiryns, Mykene), Kuppelgräber (sog. Schatzhaus des Atreus) sowie eine repräsentative Wandmalerei und hochgezüchtete Palastkeramik. Kulturgeschichtlich bedeutsam sind die in den Schachtgräbern gefundenen Goldmasken (z. B. sog. Maske des Agamemnon; Taf. 11), aber auch die Tontäfelchen mit den Linear-B-Inschriften, deren Entzifferung noch ungewiß ist. Sl Hellanikos, Schriftsteller aus Mytilene, 5. Jh. v. u. Z., beschäftigte sich im engen Anschluß an Hekataios vornehmlich mit der Mythographie, der Slg. und Beschreibung griech. Sagen, die er genealogisch, ethnographisch und chronologisch ordnete, um die Gegenwart aus der Vergangenheit ätiologisch zu erklären. Wegen seiner mytholog. Geschichtsauffassung, seiner Kritiklosigkeit und mancher Irrtümer ist H. jedoch von späteren griech. Historikern getadelt worden. SF T: FGrHist 4. Hellas, griech. Hellas. Der griech. Gesamtname für das eigentl. Griechenland und die griech. Eigenbezeichnung Hellenen waren zunächst nach Ausweis von Homers Ilias auf ein Gebiet im S von Thessalien beschränkt. Wie diese nordgriech. Namen zu den allgemeinen Namen 15*

Hellenismus geworden sind, ist unbekannt. Einen Übergang zum Späteren Gesamtnamen stellt die Bezeichnung Panhellenen („Allgriechen") dar. D Helle, in der griech. Sage die Schwester des f Phrixos. Das Meer, in dem sie ertrank, trägt ihren Namen, Hellespont („Meer der Helle"). Be Hejleii, Stammvater der Hellenen, gewöhnlich Sohn des Deukalion und der Pyrrha; seine Söhne Doros, Aiolos und Xuthos (Vater des Ion und Achaios), galten als die Ahnen der griech. Stämme. Be Hellenen: urspr. Name eines nordgriech. Stammes, der bald zum Attribut aller Griechenstämme, seit dem 5. Jh. v. u. Z. verstärkt zur Abgrenzung gegen die nicht griechisch sprechenden Fremdvölker (Barbaren) verwendet wurde und im Hellenismus die Träger der innerhalb des Alexanderreiches und der Diadochenstaaten entstandenen griech. Mischkultur bezeichnete. Sl Hellenismus: urspr. Bezeichnung für den grammatisch richtigen Gebrauch der griech. Sprache (4. Jh. v. u. Z.), dann überhaupt für die Übernahme griech. Sitte, Bildung und Erziehung durch Nichtgriechen. Von J. G. Droysen wurde der Begriff H. 1836 in die histor. Wissenschaft eingeführt und seitdem als Terminus für die histor. Epoche (in Frankreich und England mehr für die Kulturepoche) beibehalten, die innerhalb der auf Sklaverei beruhenden antiken Gesellschaftsordnung mit den Eroberungen Alexanders d. Gr. begann und 31/30 v.u.Z. mit der Alleinherrschaft des Augustus bzw. der Eroberung Ägyptens, des letzten hellenist. Staates, durch Rom endete. Während das Zeitalter des Perikles die höchste „innere" Blüte von Hellas darstellt, bedeutet die hellenist. Epoche (nach Marx) - zumindest für eine gewisse Zeit die höchste „äußere" Blüte Griechenlands, die ihren histor. Ausdruck in besonderen Ökonom., gesellschaftl. und kulturellen Veränderungen fand, die nicht nur auf dem griech. Festland, in Italien und dem Orient (Ägypten, Nubien, Indien) wirksam wurden, sondern deren Einflüsse bis in das Schwarzmeergebiet und nach China reichten. Damit war der H. eine weltweite - bis in die byz. Zeit nachwirkende - Erscheinung, deren Erforschung sich bedeutende Historiker (u. a. Droysen, Wilcken, Rostowzew, Tarn, Bengtson, Ranowitsch) widmeten, die jedoch infolge der Verschiedenheit der Methoden und der Unterschiedlichkeit der Wissenschaftsauffassungen zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen kamen. Der universalgeschichtl. Charakter des H., der sich auf polit., sozialökonom. und kulturellem Gebiet infolge der griech.-makedon., aber auch der oriental. Einflüsse nicht überall gleichmäßig entwickelte, machte die Frage nach der Entstehung, dem Wesen und Verfall des H. zu einem Kernproblem der Forschung, das nicht ohne Berücksichtigung der histor. Grundgesetze gelöst werden kann, die sich in der antiken Klassengesellschaft und den oriental. Despotien durchsetzten. Der H. stellt eine neue Entwicklungsphase in der damaligen griech. und oriental. Gesellschaftsformation dar, in der die bisher krassen polit. Unterschiede zwischen der oriental. Despotie und der antiken Polis sich aufzulösen begannen und die antike Form der Sklaverei sich durchsetzte. Die Ursachen für die Entstehung des H. sind in einer Reihe von Widersprüchen zu suchen (ungleichmäßige polit. Entwicklung der griech. Stadtstaaten und der oriental. Staatengebilde sowie ihrer Gesellschaftsstruktur und Wirtschaftsformen, unterschiedl. Anwachsen der Produktivkräfte, machtpolit. Erweiterung des Handels und Marktes auf Grund stadtstaatl. bzw. ländl. Eingeengtheit, Machtkämpfe der Staatengebilde untereinander, Klassengegensätze, Trennung von geistiger und körperl. Arbeit, Zwangscharakter der Arbeit, Verarmung breiter

hellenistische Kunst Bevölkerungsteile, unterschiedl. kulturelle Entwicklung in Stadt und Land usw.), die ihrerseits das geschichtlich notwendige Ergebnis der vorangegangenen Entwicklung des alten Griechenlands, aber auch des alten Orients darstellen. Diese Widersprüche versuchten auf makedon. Seite einflußreiche Kreise unter Führung Alexanders d. Gr. zu überwinden, indem sie fremde Länder und Wirtschaftsgebiete eroberten, um der Sklaven Wirtschaft neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, die auch im Interesse maßgebender Handelskreise in den eroberten Staaten lagen. Doch der H. brachte nur einen relativen und begrenzten Aufstieg. Um die Sklavereigesellschaft durch eine progressive sozialökonom. Formation ablösen zu können, fehlte es an den notwendigen Voraussetzungen. So geriet der H. in eine Krise, aus der er durch die röm. Expansion und Unterjochung der heilenist. Staatengebilde zeitweise herausgeführt wurde. Die Gründe für die schnelle Unterwerfung der östl. Staaten durch Makedonien (und später Rom) liegen vornehmlich in deren polit. Uneinigkeit und relativer sozialökonom. Rückständigkeit sowie den gesellschaftl. Widersprüchen. Die Ursachen der schnellen Verbreitung und Konsolidierung des H. sind in den wirtschaftl., gesellschaftl.. polit, und kulturellen Fortschritten zu erblicken, die bald sichtbar wurden. Auf Ökonom. Gebiet bedeutete der H. die Durchsetzung der entwickelten antiken griech. (später röm.) Produktionsweise im Orient, wobei das Anwachsen der Ware-Geld-Beziehungen vielfältige Formen der Sklaverei hervorbrachte, so daß die Grenze zwischen Sklaven und abhängigen Freien immer mehr verwischt wurde. Der H. bewirkte bei vielen techn. Fortschritten vor allem eine Erweiterung des Handels und eine Steigerung der Agrarproduktion in einem einheitl. Wirtschaftsgebiet (Bau von Straßen, Anwachsen der Handelszentren [Rhodos, Alexandreia, Antiocheia, Seleukia], gesellschaftl. Arbeitsteilung, Zunahme der städt. Produktion, Warenzirkulation und Marktproduktion, Erweiterung des Sklavenhandels, Verschmelzung der griech. (-röm.) und oriental. Formen des Grundeigentums). Im gesellschaftl. Bereich wurde seit dem Ende des 4. Jh. v. u. Z. ein Prozeß der Annäherung zwischen den oriental, und den griech. Verhältnissen eingeleitet, der die Menschen, Stämme und Völker aneinanderrückte (Umsiedlungen, Eheschließungen). Allerdings wurden hierdurch die bestehenden sozialen Widersprüche nicht gelöst. In polit. Hinsicht entstanden zahlreiche Monarchien (Djadochenreiche) mit mehr oder weniger autonomen Städten, die ein Gegengewicht zu den Zentralgewalten darstellten und Mittelpunkte des wirtschaftl., gesellschaftl. und kulturellen Lebens wurden. Nach Eroberung des „Weltreiches" und der Entwicklung einer „Weltwirtschaft" entfaltete sich in den eroberten Gebieten eine hellenist. „Weltkultur", deren griech. (-röm.) und oriental. Elemente sich zu einer Mischkultur vereinigten, ohne ihre Eigenständigkeit ganz aufzugeben. Von nachhaltigem Einfluß auf das damalige wissenschaftl. und philosoph. Denken aber waren auch hellenisierte Orientalen (z. B. Zenon von Zypern, Poseidonios u. a.). Sie hatten Anteil an dem Aufschwung, den damals vor allem die Naturwissenschaften und die Literaturwissenschaft (Philologie, Lexikographie) erlebten, die bes. in den Zentren der Wissenschaft Alexandreia, Antiocheia und Pergamon gepflegt wurden (Aristarchos von Samos: Astronomie; Epikur: Materialismus; Euklid, Archimedes: Mathematik; Heron: Mechanik/Physik; Herophilos: Medizin; Eratosthenes: Geographie; Aristophanes von Byzanz, Aristarchos von Samothrake, Dionysios Thrax, Krates von Mallos : Literaturwissenschaft ; Polybios, Strabon, Diodoros: Geschichtsschreibung; lambulos: Utopien;

228 Kyniker und Stoiker [Diogenes, Panaitios, Poseidonios] : Philosophie; Theokrit, Menandros, Kallimachos: Dichtung; Hegesias: Rhetorik; Lysippos, Skopas, Chares von Lindos: Kunst). I. allg. zeigten sich auf kulturellem Gebiet folgende Tendenzen: Trennung der Naturwissenschaften von der Philosophie, Lösung der Fachwissenschaften aus dem klass. Bildungskreis (Enzyklopädie), Verlagerung der Wissenschaftszentren nach dem O, Herausbildung einer gemeinsamen griech. „Weltsprache" (Koine), Aufgabe der Volkstümlichkeit der Dichtung, Entstehung eines neuen religiösen Bewußtseins (Monotheismus) durch Verschmelzung von griech., oriental., jüd. und röm. Elementen, rationalist. Göttererklärung (Euhemeros), Zurücktreten polit. Stoffe in der Dichtung, Kunst und Philosophie; gelehrter Manierismus. - Die Wirkung der heilenist. Kultur auf die östl. und westl. Völker war zeitweise sehr groß, aber doch unterschiedlich. SF hellenistische Kunst: Stilphase der griech. Kunst des 3. bis l .Jh. v.u.Z., die durch den Vorhellenismus (2. Hälfte des 4. Jh.) eingeleitet wird und auf der Spätstufe (seit der Mitte des 2. Jh.) neben der republikan.-röm. Kunst, diese nachhaltig beeinflussend, teilweise selbst von ihr beeinflußt (z. B. Porträtkunst), bis in die Anfänge der röm. Kaiserzeit hineinreicht (bes. im röm. okkupierten heilenist. O), z. T. in dieser fortwirkt (neuatt. Schule). Hauptmerkmal des heilenist. Stils ist die bildund baukünstler. Auseinandersetzung der plast. und architekton. Körper und Ensembles mit dem umgebenden Raum: Ausdruck der gesellschaftl. Wandlungen vom Stadtstaat zum geographisch weiträumigeren Gebilde (Staatenbund, Bundesstaat. Reich als Sammelbecken der verschiedensten Stämme und Nationen, Sprachen, Religionen, Rechtsnormen usw.). Innen- und Außengestaltung differenzieren sich zunehmend; starke Annäherungen an das Erscheinungsbild spiegeln den rational geschärften Sinn für die Vorgänge in Natur und Gesellschaft. Dennoch hielt man an myth. Sujets fest, z. B. Pergamonaltar (Taf. 15). Sl hellenistische Literatur: die nachklass. Phase der griech. Literatur, die mit dem Verfall der Polisordnung und der Herausbildung des viele Völker umfassenden Großflächenstaates griech. Prägung beginnt und in der griech. Literatur des Römerreiches ihre Fortsetzung findet. Die eingetretenen gesellschaftl. und polit. Veränderungen bestimmen den Charakter der h. L.: neben dem griech. hatten andere Völker an ihr teil; als vornehml. Pflegstätte löste der Monarchenhof die demokrat. Polis ab und bestimmte entsprechend die Inhalte. Das Bewußtsein, von einer überlegenen Vergangenheit abzuhängen, führte zu Imitatio (Nachahmung), sprachl. Klassizismus und zur Gestalt des Poeta doctus („gelehrter Dichter"). Neue literar. Bedürfnisse, z. B. auf dem Gebiete der Fachwissenschaften, ließen neue literar. Formen entstehen. I Hellespontos, lat. Hellespgntus, dt. Hellespgnt: langer, schmaler Sund (Dardanellen) zwischen Kleinasien und der Thrak. Chersonesos (Marmarameer - Ägäis), galt den Athenern seit der Schlacht von Aigos Potamoi als Unglücksort. - Die Sagen von Phrixos und Helle sowie von Hero und Leander nehmen auf den H. Bezug. S F Helm: Kopfbedeckung beim Kampf, aus Leder oder Metall, seit myken. Zeit durch Funde und Abbildungen bezeugt. Repräsentativen Charakter hatten die MaskenH.e röm. Zeit, z. T. mit reichem Relief schmuck. Auch Gladiatoren-H.e wurden gelegentlich prachtvoll ausgestaltet. Sl Heloten [griech. hgilotes, „Zusammengedrängte", „Gefangene"]: die älteren achaiischen Bewohner Lakoniens,

229 die von den dor. Eroberern unterworfen worden waren. Als eine Art Staatssklaven waren sie an die Scholle gebunden und mußten den Spartiaten und den übrigen Lakedaimoniern, den Periöken, die Hälfte des Ertrages als Grundzins liefern. Im Heer hatten sie als Leichtbewaffnete zu dienen. Persönlich völlig rechtlos und immer mehr, auch durch grausame Behandlung, verelendend, unternahmen die H. wiederholt verzweifelte Aufstände, die die spartan. Macht ernstlich bedrohten (Mitte 7. Jh. v. u. Z. und 464 v. u. Z.). Verkauf und Freilassung der H. war nur durch den spartan. Staat möglich. Gü Helvgtier: kelt. Volk, urspr. zwischen Main, Neckar und Alpen, das mit den Tigurinern z. Z. des Kimbernzuges nach Gallien vordrang, 107 v. u. Z. an der Garonne die Römer unter L. Cassius Longinus schlug und dann zwischen Genfer und Bodensee seßhaft wurde. 58 v. u. Z. stießen die H. zur allgemeinen Bestürzung in Rom nach Südgallien vor. Caesar zwang sie, in ihr Land zurückzukehren. Seitdem entwickelte sich das Gebiet der H. zur Grenzbastion gegen die Germanen (Anlage der Kolonie Neviodunum, heute Nyon, und der Stadt Aventicum, heute Avenches/Schweiz). Z. Z. der Flavier wurden die H., deren Name seit dem 2. Jh. u. Z. nicht mehr genannt wird, romanisiert. 259 verwüsteten die Alamannen das Land ; von Diocletianus erneut befestigt, fiel um 455 der N den Alamannen, der S und W den Burgundern zu (diese Grenze zwischen beiden Stämmen bestimmt bis zur Gegenwart die Sprachgrenze zwischen der französ. und der dt. Schweiz). Heute noch ist Helvetia die lat. Bezeichnung für die Schweiz. Sch/Hd Hemiepes [griech., „halber ep. Vers"]: erster Teil eines daktyl. Hexameters bis zur Zäsur im dritten Versfuß: _CTO_ lat., „Elfsilbler"], auch Phalaekçus [nach dem heilenist. Dichter Phalaikps, der ihn stichisch verwendete] : aus einem f Glykoneus mit nachfolgendem f Bakcheus gebildeter elfsilbiger Vers: ~c,_™_~ ~ (z.B. Catull 1,1: Cüi dönö lëpïdum növüm libellüm?). Der H. findet sich schon bei Sappho; er wurde von den Neoterikern in die röm. Dichtung eingeführt und lebte dort bis in die Spätzeit (Prudentius u. a.) fort. Ki Hephaistjon von Alexgndreia. griech. Grammatiker; schrieb im 2. Jh. u.Z. ein Werk über griech. Metrik (48 Bücher) ; eine vom Verfasser selbst stammende Kurzfassung davon („Handbüchlein der Metrik") ist das einzige vollständig erhaltene Werk über die Metrik der Alexandriner. Ki T: M. Consbruch, Leipzig 1906. Hephaistos, lat. Hephaestus, dt. Hephäst, griech. Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Patron der Schmiede und Handwerker; urspr. nichtgriech., aus Kleinasien (Karien, Lykien) stammender Gott; dort und bes. auf Lemnos galten ihm bei Erdfeuern Kulte. Er war der Sohn des Zeus und der Hera (oder Heras allein). Seine Füße waren verkrüppelt, entweder weil 2eus ihn, als er in einem Streit seiner Mutter gegen Zeus beistand, aus dem Olymp schleuderte und er auf Lemnos herunterstürzte, oder weil Hera ihn nach der Geburt, da er ein Krüppel war, aus dem Olymp warf. Als Meister der Schmiedekunst - er wird als der einzige antike Gott Griechenlands arbeitend in seiner Werkstatt dargestellt verfertigte er mit seinen Gesellen, den Kyklopen, den Göttern Waffen und Schmuck, er bildete die f Pandora. Als der kunstreichste Gott war H. mit Aphrodite vermählt, die ihn mit Ares betrog. In Athen verehrten die Handwerker neben Athena auch H. als ihren Schutz-

Herakleiden patron. Das sog. Theseion war wohl sein Tempel. In Rom wurde H. mit Volcanus gleichgesetzt. - H. in seiner Werkstatt war ein beliebter Gegenstand der Malerei : Gemälde von Rubens, Velasquez, A. van Dyck, Tiepolo. - Abb. Be

Hephaistos bei der Geburt Athenas (n. rotfigurigem Vasenbild) Hephthemjmeres [griech., „aus sieben Halbteilen bestehend'*]: Zäsur nach dem siebenten Halbfuß, d.h. im vierten Versfuß; z. B. im Hexameter: _«ro_c7^_w_/ ^_^_~ (Catull 64, 180: An pätris âûxïlïum spërëm?/ quêmn(e) ipsä rëlïquï). Ki Hgra, oberste griech. Göttin, Himmelskönigin (lat. lyno), Tochter des Kronos und der Rhea, Schwester von Demeter, Hades, Hestia, Poseidon und Zeus, Gemahlin des Zeus. Beider Kinder waren Ares, Hebe, Hephaistos und Eileithyia, teils galt Typhon als H.s Sohn. Sie verfolgte in Eifersucht und Haß ihre Nebenbuhlerinnen (z. B. Ιο, Kallisto, Leto, Semele) und deren Kinder grausam (Herakles). In dem von dem Trojaner Paris zugunsten Aphrodites entschiedenen Streit um den Preis der Schönheit, den der Apfel der Eris erregt hatte, unterlag sie mit Athena und wurde deshalb die Feindin aller Trojaner, z. B. des Aeneas. Ixion, der Hera verführen wollte, wurde zur Strafe auf ein sich ewig drehendes Rad gebunden. H. schützte als Göttin der Frauen die Ehe, als Eileithyia stand sie den Gebärenden bei. Ihr war die Kuh heilig, sie selbst wurde als „kuhäugig" bezeichnet; ihr Attribut war der Pfau. H. war urspr. wohl eine argiv. Göttin, Hauptkultstätten waren bes. Argos (mit dem verlorenen Goldelfenbeinbild des Polykleitos) und die Insel Samos (als H. gedeutete Statue mit der Weihinschrift des Cheramyes). Zu den berühmtesten Werken, die als H.darstellungen galten, zählt die luno Ludovisi, ein Kolossalkopfaus Marmor, im 18./19. Jh. hoch geschätzt (Goethe), neuerdings als Porträt aus der frühen Kaiserzeit angesehen. - Correggio, Rubens, Tiepolo, Poussin haben H. in Gemälden dargestellt. Be Heraion: Tempel der Hera, bes. der in Olympia (7./6. Jh. v. u. Z.) und der auf Samos (6. Jh. v. u. Z.); eine bedeutende Rolle spielte auch das H. in der Argolis (zwischen Argos und Mykene), mit dem der Mythos von Kleobis und Biton verknüpft ist. Sl Herakle|den, dt. Herakliden: in der griech. Sage die Nachkommen des Herakles. Ihr in den Mythen erzähltes Eindringen in die Peloponnes spiegelt die sog. Dor. Wanderung wider. Eurystheus hatte nach dem Tode des Herakles die H. verfolgt. Diese hatten in Attika Zuflucht gefunden (Drama von Euripides) und im Bunde mit Theseus im Kampfe gegen Eurystheus gesiegt. Nach einem mißglückten Rückgewinnungsversuch durch den Heraklessohn Hyllos gelang es erst dem dritten Ge-

Herakleides Pontikos schlecht nach Hyllos, die Peloponnes als ihr Heimatland zurückzugewinnen, wie es ein Orakelspruch verkündet hatte. Insbes. viele dor. Geschlechter führten ihren Stammbaum auf die H. zurück. Be Heraklcjdes PQntikos aus Herakleia am Pontos Euxeinos, um 350 v. u. Z., griech. Philosoph, Physiker, Astronom und Grammatiker, Schüler Platons, gründete um 339 v. u. Z. eine eigene Philosophenschule. H. suchte die späte Philosophie Platons durch Elemente des idealist. Pythagoreismus weiterzubilden. Neben bedeutenden wissenschaftl. Einsichten, wie der Hypothese von der Struktur des Sonnensystems, die mit Annahme der tägl. Umdrehung der Erde eine Vorstufe der Erkenntnisse Aristarchos' von Samos und Kopernikus' darstellte, stehen bei H. myst.-astrolog. Spekulationen im Sinne des Pythagoreismus. Von seiner damals viel verwendeten Musikschrift sind nur Fragmente erhalten. Kl TU: F. Wehrli, Die Schule des Aristoteles. VII, Basel 1953. Herakleitos aus Ephesos, dt. Heraklit, um 544 bis um 483 v. u. Z., griech. Philosoph aus adligem Priestergeschlecht, lebte in Ephesos. Wegen seiner tiefen Gedanken, die er oft in dunklen Worten und Bildern ausdrückte, erhielt er den Beinamen „der Dunkle". Die Deutung vieler H.fragmente ist auch heute noch umstritten. Im öffentl. Leben war H. Gegner der Volksmassen und der demokrat. Partei; er zwang den adelsfeindl. Tyrannen Melankomas zum Rücktritt und trat gegen den von den Demokraten betriebenen antipers. Ion. Aufstand auf. Seine philosoph. Auffassungen waren gegen die überkommene Volksreligion gerichtet und von aristokrat. Selbstbewußtsein getragen. Von seiner Schrift „Über die Natur" sind nur Fragmente erhalten. H. sah als wesentl. Charakteristikum der Welt die ständige Bewegtheit, den Fluß der Dinge, den Wechsel, wahrscheinlich von Späteren in dem Satz „panta rhei" (alles fließt) zusammengefaßt. Im Gegensatz zu den ersten Naturphilosophen, die nach einem bleibenden Urstoff suchten, erkannte H. nur den Wechsel an sich an. Das Feuer war für ihn kein ruhender Urstoff, sondern die Inkarnation der Verwandlung selbst. Seine ständige Bewegtheit war ihm sinnfälliger Ausdruck der Weltbewegtheit überhaupt. Aus dem Feuer hatten sich das Wasser und dann Erde und Luft entwickelt, den gleichen Weg gingen die „Elemente4* zum Feuer zurück, ewig wechselnd, aber nach den ewigen Gesetzen des „Logos", des Weltgesetzes. Logos und Urfeuer identifiziert H. häufig; seine Logoslehre ist materialistisch und nicht idealistisch aufzufassen. Alles Geschehen erfolge infolge des Gegensatzes („Der Krieg ist der Vater aller Dinge"). Gleichzeitig seien die verschiedenen und gegensätzl. Dinge und Erscheinungen durch die Harmonie zusammengefaßt. Die Harmonie entstehe nicht aus gleichartigen, sondern aus entgegengesetzten Erscheinungen so, wie die Harmonie der Musik nicht aus gleichen, sondern aus verschiedenen Tönen. H. lehrte die Ewigkeit der Welt. Es finden sich bei ihm auch erkenntnistheoret. Reflexionen. Auf die Aussage der Sinnesorgane sei wenig Verlaß, obwohl auf sie nicht verzichtet werden dürfe. Die Tiefe und Prägnanz seiner dialekt. und materialist. Gedanken waren die Ursache dafür, daß die Nachwelt (u. a. die Stoa, Hegel, Marx, Engels, Lassalle und Lenin) sich immer wieder mit seiner Lehre und Person beschäftigte. Gu TU: Dielsl, 22; Tusc. (übers, von Snell), 1960. Ü: Capelle, S. 126-157.

Heraklcs, lat. Hercules, beliebtester griech. Heros, Sohn des Zeus und der Alkmene, der Frau des Amphitryon. Sein Zwillingsbruder, der Sohn des Amphitryon, war Iphikles. Hera verzögerte aus Eifersucht die Geburt

230 des H. und beschleunigte die des f Eurystheus, so daß H. um die ihm von Zeus zugedachte Herrschaft kam. Als Hera den Säugling H. durch zwei Schlangen töten lassen wollte, erwürgte er sie (Darstellung des schlangenwürgenden H.: Marmorstatue in Florenz, Uffizien). Einen seiner Lehrer, Linos, erschlug er (Darstellung auf der Duris-Schale, München). Der siegreiche Kampf gegen Erginos befreite seine Vaterstadt Theben von der Tributzahlung, worauf König Kreon von Theben ihm seine Tochter Megara zur Frau gab. In einem von Hera gesandten Wahnsinnsanfall tötete H. Megara und die Kinder, die sie ihm geboren hatte (Euripides-Tragödie „Herakles"). Deshalb oder durch Heras List bei der Geburt des H. mußte dieser im Dienst des Eurystheus zwölf schwere, gefährl. Arbeiten (griech. Dodekathlos) verrichten; dafür wurde ihm die Unsterblichkeit verheißen: 1. erwürgte er den unverwundbaren Löwen von Nemea (Argolis) (Exekias-Amphora, Berlin); seitdem trug er dessen Fell; 2. tötete er die Hydra; 3. fing er die schnelle Hirschkuh von Keryneia (neuatt. Relief in Dresden); 4. erlegte er die menschenfressenden Vögel vom Sumpf in Stymphalos in Arkadien; 5. fing er den erymanth. Eber und brachte ihn dem sich in einen Pithos verkriechenden Eurystheus lebendig; 6. reinigte er die Ställe des Augias; 7. bändigte er den feuerschnaubenden Stier von Kreta; 8. zähmte er die menschenfressenden Rosse des Thrakers Diomedes; 9. gewann er den Gürtel der Hippolyte; 10. holte er die Rinder des Geryoneus (chalkid. Amphora im Cabinet Méd. Paris); auf dem Zuge dorthin errichtete er die Säulen des H.; 11. holte er mit Hilfe des Atlas die Äpfel der Hesperiden (Taf. 25, 47). Die 12. Aufgabe war die schwerste: H. stieg in die Unterwelt, bezwang den Höllenhund Kerberos und führte ihn lebendig auf die Oberwelt (Andokides-Amphora, Paris). H. bestand noch andere Abenteuer: bezwang Antaios (Krater des Euphronios im Louvre) und Busiris (Athener Pelike des Pan-Malers), rang Admetos' Frau Alkestis dem Tode ab (Euripides-Tragödie „Alkestis") und tötete den Adler, der Prometheus die Leber abfraß. Auf der Fahrt nach Kolchis verlor er seinen Geliebten Hylas und versäumte die Weiterfahrt der Argonauten. Er befreite Hesione, tötete Kyknos, kämpfte mit den Kentauren und beteiligte sich am Gigantenkampf. Sein treuer Wagenlenker und Helfer war Iolaos. H.' zweite Frau war Deianeira, die H. dem Acheloos im Kampf abgewann. Nach dem Mord an Iphitos wurde H. von schwerer Krankheit heimgesucht. In Delphi, wo er mit Gewalt einen Rat zur Sühnung der Blutschuld zu erhalten suchte und den Dreifuß raubte (Giebeldarstellung des Siphnier-Schatzhauses in Delphi), wurde ihm bestimmt, zur Strafe als Sklave in den Dienst der Omphale verkauft zu werden. Aus dem siegreichen Feldzug gegen Eurytos von Oichalia (Eurytos-Krater, Louvre) brachte H. dessen schöne Tochter lole als Gefangene mit nach Hause. Deianeira schickte ihm aus Eifersucht ein mit dem vergifteten TBlut des Nessos getränktes Gewand. H. zog es an und ließ sich, von furchtbaren Qualen gepeinigt, auf dem Berg Oite auf einem Scheiterhaufen verbrennen; dabei wurde er als Gott in den Olymp entrückt (H. unter den Olympiern auf der Exekias-Amphora in Orvieto). Dort erhielt er Hebe zur Frau. - H. galt in der Antike als Verkörperung von Kraft, Mut und Tapferkeit, als der siegreiche Helfer, der durch Arbeit und ausdauernden Mut die Menschen von Leiden befreit, als Milderer der Sitten, als Nothelfer und Retter. In dieser Funktion identifizierten sich röm. Kaiser mit H. (z. B. Commodus). Die Philosophen betrachteten ihn als Vorbild, der sich die Unsterblichkeit durch seine Leistungen und durch seine Entscheidung zu einem Leben voll Mühe verdient

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Hermann

habe. Der Sophist Prodikos von Keos hat in den Erzählungen von H. am Scheidewege symbolisch die Entscheidung gegen den leichten Weg der Lust und für den müheund entsagungsvollen der Tugend gestaltet. H. galt als Kulturbringer. als Heilgott und Schützer der Athletik, als Schirmherr der Palästra (Ringschule). In ganz Griechenland besaß er Heiligtümer, ihm zu Ehren wurden zahlreiche Feste und Spiele veranstaltet. Andere Seiten seines Wesens, wildes Temperament, Freßlust und Liebeskraft, waren bes. Gegenstand der Komödie, klingen aber auch in der Tragödie (z. B. „Alkestis" des Euripides) an. H. wurde als Hercules anfänglich im Privatkult, früh auch schon im Staatskult der Römer verehrt. Er galt bes. auch als der Gott des Handels und kauf mann. Gewinns, des Erfolgs und als Übelabwehrer. Sein Altar stand auf dem Rindermarkt in Rom. Neben häufigen Einzeldarstellungen, bes. auf Vasenbildern (Taf. 2, 46,47) und in der Kleinkunst, war der Dodekathlos beliebt, u. a. auf den Metopen vom Schatzhaus der Athener in Delphi, vom Zeustempel in Olympia und von der Ostseite des sog. Theseions (Hephaisteions) in Athen. Als Typ mit Löwenfell und Keule, bärtig und nackt, früh festgelegt, wirkte H. in der nachantiken Malerei (Dürer, Tintoretto, Rubens, Tiepolo), in der Dramatik (Wieland, Wedekind, Dürrenmatt, Hacks) und Musik (Kantate von J. S. Bach; Oratorium von Händel) z.T. bis heute nach. Sl Hgrakles Farngse: aus der Slg. Farnese stammende, in Neapel aufbewahrte Marmorstatue des sich ausruhenden Herakles, Kopie des Glykon von Athen nach einem Werk des Lysippos. - Abb. Sl

Herakles Farnese (Neapel)

Heraklft: eingedeutschte Form von griech. f Herakleitos. Herculgneum: Stadt in Campanien, 79 u. Z. vom Vesuvausbruch verschüttet. Flüchtigen Fundgrabungen (Fund der Herkulanerinnen, Taf. 32) folgten bald umfangreiche, durch hohe Lavaschichten erschwerte Forschungen (1738/65, 1828/35, 1869/75, seit 1927), die eine Fülle hervorragender Skulpturen, Malereien (Taf. 42, 43) und Geräte zutage förderten (jetzt meist im Nationalmuseum zu Neapel aufbewahrt). Obwohl nur ein Teil der Stadt erschlossen ist, läßt sich der Plan im ganzen erkennen. Neben gut erhaltenen vornehmen Wohnhäusern fand man u, a. mehrere Tempel, zwei Thermen, die sog. Basilika (eine Säulenhalle mit kostbaren Wandbildern) und ein Theater. Die jetzt wieder verschüttete „Villa suburbana dei papiri" barg eine große Zahl von Bronzebildwerken und eine ganze Bibliothek von Papyrusrollen, die erst teilweise konserviert und entziffert sind (u. a. Schriften des epikureischen Philosophen Philodemos). He Hgrcules, dt. Hgrkules: lat. Form für f Herakles. Herd: Zentrum des Hauses und damit auch Ort häusl. Kulthandlungen von Familie, Stamm und polit. Gemein-

de (Staats-H.). Besitznahme des H.es durch die Braut, Einführung des neuen Sklaven durch Platznahme am H., Sicherheit für Schutzflehende im H.bereich unter dem Schutz der H.göttin Hestia/Vesta. - Der Platz des H.es im Grundriß variierte (Zentrum, Seiten wand; Rund-H., Rechteck-Η.); für den Sommer gab es oft einen H. im Freien. Wf Herder, Johann Gottfried, 1744-1803, Geschichts- und Religionsphilosoph, Schriftsteller des Sturm und Drang und der Klassik. In seinen frühen theoret. Schriften, den Fragmenten „Über die neuere dt. Literatur**, 1767, und „Kritische Wälder", 1769, setzte er sich, angeregt von Lessing und Winckelmann, mit dem französ. Klassizismus auseinander und empfahl, von den Griechen zu lernen, wertvolle fremde Einflüsse organisch in eine eigene hohe Kultur zu übernehmen. Im ShakespeareAufsatz von 1773 hob ^H. die verwandten und die unterschied!. Züge bei Shakespeare und den griech. Dichtern hervor und versuchte, jeden aus seiner Zeit und Gesellschaft heraus zu erklären. In mehreren theoret. Schriften wies er darauf hin, daß die blinde Nachahmung der antiken Dichter keine wahre Kunst hervorbringt, vielmehr die modernen Dichter vor allem die Traditionen des eigenen Volkes weiterführen und dabei auch von anderen Völkern und Epochen lernen sollten. Die Italienreise 1788/89 vermittelte H. tiefe Eindrücke von der antiken bildenden Kunst, deren Hochschätzung dann in den Humanitätsbriefen ausgesprochen wird: ihre Göttergestalten seien ideale, typ. Gestalten der Menschheit. In den allegor. Versdramen „Aon und Äonis" und „Der entfesselte Prometheus" faßte H., in antiken Stoff gekleidet, die Grundgedanken seiner Humanist. Weltanschauung zusammen. Wr Herkulanerinnen: zwei Typen weibl. Gewandstatuen, die große und die kleine H., in einer Vielzahl röm. Kopien nach griech. Vorbildern aus dem letzten Viertel des 4. Jh. v. u. Z. überliefert, die sich bereits in der Antike großer Beliebtheit, bes. als Porträtstatuen, erfreuten. Benannt sind sie nach den in Herculaneum gefundenen Repliken. Auf sie geht das von J. J. Winckelmann geprägte Wort von der „edlen Einfalt und stillen Größe" zurück. Vorzügl. Repliken, bes. der kleinen H., befinden sich iir Dresden (Taf. 32). Sl Hermagoras. lat. Hermagoras, von Tcmnos, Mitte des 2. Jh. v. u. Z., griech. Rhetör und Schriftsteller. Sein rhetor. System, das er in einem 6 Bücher umfassenden Werk (Technai rhetorikai) niedergelegt hat, ist für die Geschichte der Rhetorik wichtig geworden durch die sog. Stasislehre, die das Kernstück dieses Systems bildete. Dabei handelt es sich um die der Beweisführung zugrunde liegend.; Jurist. Fragestellung. Das Verdienst des H. bestand vor allem darin, daß er um eine logisch-jurist. Aufhellung der einzelnen Streitfälle bemüht war und daß er bereits vorhandene Lehren in feste Schulregeln gebracht und zu einem geschlossenen System zusammengefaßt hat. Sein System ist sehr bald den rhetor. Lehrbüchern und damit zugleich dem rhetor. Unterricht zugrunde gelegt worden und hat dadurch die weitere Entwicklung der Rhetorik maßgebend beeinflußt. Kü T: Frg-Slg. von D. Matthes, BT 1962. Hermann, Gottfried, 1772-1848, seit 1798 Professor in Leipzig; bedeutendster Vertreter der traditionellen ästhet.formalen Auffassung von Philologie im 19. Jh. Besorgt um die Überschaubarkeit des Faches, wandte er sich gegen dessen Ausweitung zur Altertumswissenschaft. Von genialer Divinationsgabe, hat er Verdienste um die Tragiker, um den Aufbau der Grammatik sowie um die antike Metrik. Le

Hermaphrodites Hermaphrodites, lat. Hermaphroditus, in der griech. Sage der schöne Sohn des Gottes Hermes und der Aphrodite. Als die Nymphe der Quelle Salmakis bei Halikarnassos bei ihm keine Gegenliebe fand, wurde sie, als H. in ihrer Quelle badete, auf ihren Wunsch mit ihm zu einem zweigeschlechtl. Wesen vereinigt; daher die Bezeichnung H. für Zwitter. Zweigeschlecht. Wesen standen griech. Vorstellungen wahrscheinlich ferner als Geschlechtsverwandlungen. Das Aufkommen androgyner Vorstellungen erfolgte vermutlich nicht unbeeinflußt vorn Orient. Bilder des H. wurden im 4. Jh. v. u. Z. im Hause verehrt, im att. Alopeke befand sich ein Heiligtum des H. Be Hcrrnas. verfaßte zwischen 140 und 150 in Rom den „Hirten" (als solcher erscheint in einem großen Teil des Textes dem Verfasser ein offenbarender Engel), eine unter Verwendung traditionellen, insbes. spätjüd., aber auch hellenist. Materials den jüd. Apokalypsen nachgebildete, von starker Naherwartung bestimmte BußSchrift. Neben dem sicher histor. H. waren an dem für die Geschichte der Askese und des Bußwesens aufschlußreichen Buch offensichtlich noch andere Verfasser beteiligt. Du 2

T: Molly Whittaker, GCS 48, 1967. Ü: H. Weinel in: E. Hennecke, Neutesiamentliche Apokryphen, Tübingen 21924, 327 bis 384.

Herme: urspr. Symbol des Gottes Hermes, ein aus dem Rundstamm pfeilerförmig gearbeiteter Schaft mit bald sorgfältig, bald grob ausgearbeitetem Kopf, stark betonten Geschlechtsgliedern, der ältere Typ mit erregtem Phallos und meist nur angedeuteten Armen; der jüngere Typ war bartlos. Von Hipparchos an den Wegen von Athen zu den Demen mit Distanzangaben und populären Mahnsprüchen, aber auch von vielen Privatleuten an ihren Häusern aufgestellt, genoß die H. vielfache Verehrung. - Seit Praxiteles wurde die H. zum „Hüftbild" (Abb.) und stellte nicht mehr den Gott dar.

232 Herings, lat. Hgrmes, Sohn des Zeus und der Maia, auf der Kyllene in Arkadien geboren (daher sein Beiname Kyllenios), der Gott im Steinhaufen, in dem sich ein aufgerichteter Stein oder eine Herme befand; einer der ältesten und vielseitigsten Götter. Als Gott der Herden förderte er das Wachstum der Tiere, er wurde deshalb oft mit einem Widder auf den Schultern dargestellt (Kriophoros, zum Symbol des Guten Hirten geworden). Da die Steinhaufen zur Wegmarkierung verwendet wurden, war H. auch Gott der Wege, Schutzherr der Wanderer, und wurde selbst mit Reisehut und Flügelschuhen dargestellt. Als Gott des Handels und Marktes schützte er die Kaufleute, ihm als dem Gott des Glückes schrieb man den nach ihm genannten Glücksfund (Hermaion) zu. Er war der schnelle, junge Götterbote, geleitete die Götter und erledigte deren Botendienste; als Herold trug er einen Heroldstab. Dieser Stab (f Caduceus), eigtl. ein Zauberstab, diente ihm auch zum Einschläfern (z. B. bei Argos), daher galt H. als Gott des Schlafes und der Träume. Er war auch der schlaue Gott der Diebe und Betrüger, der seinen Sohn Autolykos das Stehlen lehrte. Er selbst hatte als Säugling mit List Apollons Rinder entführt und Apollon dafür die von ihm aus einem Schildkrötenpanzer gefertigte Lyra überlassen (dargestellt im Homer. H.hymnus und in dem Satyrspiel „Die Spürhunde" des Sophokles). Als immer einen Ausweg Findender war er der Gott der Redekunst und des Denkens und als solcher Schutzgott der Schulen und der Palaistra. Als H. Psychopompos (Seelengeleiter) führte er die Verstorbenen in die Unterwelt. H. war Vater des Pan und des Hermaphrodites. Ihm entsprach der röm. Mercurius. - Unterschiedslos in der Namensform H. oder Mercurius wurde der Gott von der Antike an häufig in der Plastik (Praxiteles [Taf. 31], Thorvaldsen, R. Begas) und in der Malerei dargestellt (Wanddekoration im Haus der Livia ; Taf. 43 ; Gemälde von Correggio, Tintoretto, Veronese, Rubens, Lorrain); Schwank von H. Sachs. Be Hermgs Trismcgistos [griech.. „der dreimalgroße Hermes"]. Durch Gleichsetzung mit dem ägypt. Schreiber.und Weisheitsgott Thot wurde der griech. Hermes zum Offenbarungsträger (Logos und Nus) griech .-ägypt. Mysterienweisheiten in den f Hermetica. KR Hermçtica, Hermgtik: Slg. von theosoph.-okkulten Schriften des 2. und 3. Jh. in Dialogform, die als Offenbarung des Hermes Trismegietos gelten. Ihr Inhalt setzt sich aus griech., gnost., jüd. und ägypt. Elementen zusammen und ist vorwiegend erbaulich-homiletisch. Im Zentrum steht die Welterschaffung durch den Geist, der Fall der Seele und ihre Erlösung, wobei z. T. auf Platon zurückgegriffen wird. KR TU (französ.): A. D. Nock - A. J. Festugière, Corpus hermeticum, Paris J945154 (4 Bde.).

Hermenschnitzer. An der Wand eine langgestielte, feine, zweispitzige, damals sehr gebräuchl. Haue (rotfiguriges Vasenbild, um 480 v. u. Z.), rechts Spätform der Herme: Porträtkopf mit Unterschrift

sondern erhielt porträthafte oder wenigstens individualisierte Züge. Beliebt waren auch Doppel-H.n großer Dichter und Denker in Villen und Bibliotheken. Wf Hermeneutik [griech., „die Auslegekunst"]: bereits in der Antike bekannte Bezeichnung der systemat. Lehre von der Auslegung von Schriften, Dokumenten, KunstWerken, bes. ausgebildet im Bereich von Rechtswesen, Theologie, Philologie und schließlich auch in der Kunstwissenschaft. Im 18. Jh. versuchte man zu einer allgemeinen Ausdruckslehre zu kommen. Le

Hermione, lat. Hermione. Tochter des Menelaos von Sparta und der Hélène, Verlobte des Orestes. Ihr Vater versprach sie im Trojan. Krieg dem Neoptolemos, den sie heiraten mußte. Als Neoptolemos durch die Hand des Orestes den Tod gefunden hatte, wurde sie doch noch dessen Frau. Be Hermogenes: 1. griech. Architekt des 2. Jh. v. u. Z., über dessen Wirken vor allem Vitruv Näheres berichtet. H. schuf das Artemision in Magnesia am Maiandros und den Dionysostempel von Teos, beides Pseudodipteroi eustyler („wohlsäuliger", d. h. mit dem Verhältnis von Säule zu Zwischenraum l : 21/4) Form, ein Bautyp; der als eine Schöpfung des H. betrachtet wurde. Schriften des H. liegen offenbar der Beschreibung des ion. Stils, als dessen Verfechter er galt, bei Vitruv zugrunde. 2. Vertreter der Gnosis um 180 in Karthago; lehrte die

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Ewigkeit der Materie, aus der Gott den Kosmos schuf. Tertullianus verfaßte eine Gegenschrift. Sl Hermokopjdenprozeß. Die Verstümmelung der Hermen in Athen kurz vor dem Auslaufen der Flotte nach Sizilien 415 v. u. Z. wurde von den Oligarchen propagandistisch gegen das Seeunternehmen ausgenutzt. Auch der Leiter der Flottenexpedition. Alkibiades, wurde der Mittäterschaft bezichtigt und später seine Rückberufung verlangt. Im H. wurden viele Athener als Hermenfrevler und damit Gotteslästerer zum Tode verurteilt und ihr Eigentum eingezogen. Z Hermunduren: german. Stamm, der zur Gruppe der Sueben gehörte. Die Stammesbildung erfolgte wohl im 1. Jh. v. u, Z. Das von den H. bewohnte Gebiet reichte von der mittleren Elbe bis an die obere Donau. Vorübergehend gehörten sie zu Beginn u. Z. dem Markomannenreich Marbods an. Unter König Vibilius (um 20 bis 51) erreichte der Stamm den Höhepunkt seiner Macht. Im Jahre 58 besiegten die H. die Chatten im Kampf um die Salzquellen an der Werra (bei Bad Salzungen). Die südl. Gruppe des Stammes trieb mit den Römern Handel über die Donau. Aus ihnen scheint seit dem 3. Jh. ein Teil der Alamannen hervorgegangen zu sein. Die mitteldt. H. bildeten seit dem 4. Jh. einen wesentl. Teil der Thüringer, deren Reich 531 dem Frankenreich eingegliedert wurde. Jo Hero, lat. Hero, in der griech. Sage eine schöne, junge Priesterin der Aphrodite in Sestos. Ihr Geliebter Leandros aus Abydos am gegenüberliegenden Ufer des Hellespontos schwamm allnächtlich durchs Meer und ertrank, als die von H. als Wegweiser aufgestellte Lampe im Sturm erlosch. H. stürzte sich darauf vom Turm. - Beliebter Stoff seit dem Hellenismus; bes. bekannt die Darstellung bei Ovid und Musaios. Gemälde von Rubens; Drama von Grillparzer („Des Meeres und der Liebe Wellen"); Gedicht von Schiller. Be Herodes I. d. Gr., um 73-4 v. u. Z., Idumäer, Sohn des Antipatros, Prokurators über Judäa (47). Vom röm. Senat 40 als König von Judäa eingesetzt, seit 37 im Besitz der Herrschaft, baute er Jerusalem zu einer glanzvollen Residenz aus. Gl Herodes Atticus, L. Vibyllius Hipparchus Tib. Claudius H. A., geb. 101 und gest. 177 Marathon, bedeutendster griech. Redner der 2. Sophistik, Vertreter des Attizismus, unterrichtete die späteren Kaiser Lucius Verus und Marcus Aurelius, bekleidete 143 das Konsulat in Rom. Seinen ungeheuren Reichtum verwendete er für bedeutende Bauunternehmungen (das Odeion in Athen, Umbau des Stadions in Marmor, Wasserleitung in Olympia u. a.). Von seinen Schriften (Briefen, Diatriben u. a.) sind nur Fragmente „Péri politeias" (Über die Staatsverfassung) erhalten. Be T: E. Drerup, Paderborn 1908.

Herodia nos, lat. Herodiânus: 1. Ailios, griech. Grammatiker aus Alexandreia, lebte in Rom; er widmete dem Kaiser Marcus Aurelius sein Hauptwerk „Katholika prosodia" (Allgemeine Akzent- und Quantitätslehre), das teilweise erhalten ist, ferner ist ein Werk über anomale Wortformen erhalten. T: A. Lentz, Leipzig 1867-1870. 2. griech. Historiker des 3. Jh., vielleicht aus Syrien; sein Geschichtswerk „Tes meta Marken basileias historia" stellt die röm. Geschichte vom Tode des Marcus Aurelius bis Gordianus III. (180-238) dar. Das Werk ist relativ anspruchslos und nicht immer zuverlässig. Be T: K. Stavenhagen, ET 1922 (BT Stuttgart 1967). Ü: C.N. Osiander, OS 1830; E. C. Echols, Berkeley/Los Angeles 1961. Herodotos, dt. HerodQt, aus Halikarnassos, um 484-425 v. u. Z., griech. Historiker, vermutlich kar. Abstammung,

Heroen floh während polit. Wirren, aus seiner Heimatstadt verbannt, zeitweise nach Samos. H. unternahm ausgedehnte Reisen (zwischen 455 und 444) und kannte gut das kleinasiat. Küstengebiet mit den vorgelagerten Inseln, Teile von Vorderasien, Ägypten, Kyrene, die syr.-phönik. Küste mit Zypern, den Pontos (u. a. Krim) und Hellespontos, Thrakien und Makedonien. Von Bedeutung für seinen Bildungsgang blieb sein Aufenthalt in Athen (Mitte der vierziger Jahre; Freundschaft mit Perikles und Sophokles, Anregung durch die Sophistik und Naturwissenschaft; Reisen im griech. Mutterland). 444/43 war H. an der auf Perikles' Veranlassung durchgeführten Kolonisation von Thurioi (Unteritalien) beteiligt; hier verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens. H. hinterließ die in ion. Dialekt geschriebene „Darlegung der Erkundung" (Historiés Apodeixis), die von den Alexandrinern in neun Bücher eingeteilt und im 2. Jh. u. Z. nach den neun Musen benannt wurde. H. verfolgte die Auseinandersetzungen zwischen den altoriental. Despotien (Asien) und den griech. Sklavenhalterstaaten (Europa), die in den Perserkriegen ihren Höhepunkt fanden, vom Beginn der histor. Zeit an; Ereignisse der myth. Zeit sind ausgeklammert. Im ersten Teil wird gleichsam als Einleitung über die Geschichte der Lyder, Perser, Babylonier, Ägypter, Skythen, Libyer und Griechen berichtet. H. hat zwar die Werke seiner Vorgänger (Logographen, vor allem Hekataios) benutzt, sich aber mit diesen kritisch auseinandergesetzt. Im zweiten Teil des Werkes wird nach Darstellung des Ion. Aufstandes und des Dareios-Zuges die Offensive des Xerxes gegen Griechenland behandelt. Das Werk endet mit der Schilderung der Einnahme von Sestos (478) durch die Athener (umstritten ist die Frage, ob das Geschichtswerk unvollendet blieb). H. wurde im Altertum von Plutarch angegriffen und von Dionysios von Halikarnassos gelobt. Cicero würdigte ihn als Pater historiae (Vater der Geschichtsschreibung). Die moderne Forschung sieht in H. innerhalb der Entwicklung der griech. Geschichtsschreibung den Übergang von den Logographen zu Thukydides und damit den eigentl. Anfang der griech. HistoriQgraphie (referierende Darstellung), weil er sich einem zentralen, politisch bedeutsamen, selbst erlebten Ereignis der Zeitgeschichte zuwandte, nach der geschichtl. Wahrheit forschte und sich bemühte, die histor. Ereignisse im Zusammenhang zu sehen (Ansätze einer pragmat. Kausalität; daneben aber auch noch Glaube an ein Wirken religiös-eth. Kräfte in der Geschichte). - Im 15. Jh. machte L. Valla H.s Geschichtswerk durch eine lat. Übersetzung bekannt. SF T: C. Hude, Oxford 31927. Ü: A. Horneffer, hrsg. und erläutert von H. W. Haussig, eingeleitet von W. F. Otto, Stuttgart 21959; Th. Braun, überarbeitet von H. Barth, mit Einleitung von H.-J.Diesner und Anmerkungen von H. Barth, Berlin-Weimar 1967. Heroen, Sg. Heros: im Griechischen Helden, bes. der Vorzeit, Sagenhelden, die nicht selbst Götter waren oder nur von einem göttl. Elternteil abstammten (Achilleus, Herakles), myth. Tote, halbgöttl. Wesen auf einer Zwischenstufe zwischen Mensch und Gott. Als H. galten auch Menschen, die nach ihrem Tode helfend oder schadend weiterwirkten, Stadtgründer (Miltiades auf der Thrak. Chersonesos), verdiente Gesetzgeber (Solon), große Wohltäter, Ahnherren von Geschlechtern und Gemeinden (der Heros eponymos gab der Gemeinde den Namen), im Kriege Gefallene (Marathonkämpfer), Gründer von philosoph. Schulen, bedeutende Dichter. Einstige Götter konnten auch zu H. absinken (Hyakinthos), da die Grenzen zwischen Göttern und H. mitunter fließend waren. Die H. halfen bei allen staatl. und pri-

Herold

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vaten Ereignissen, bei Krankheit und Unglück, forderten das Wachstum und schützten Stadt und Haus, in Schlachten leisteten sie Hilfe. Sie konnten auch als Rächer auftreten und Unheil bringen. Der H.glaube spielte im griech. Volk eine große Rolle, da man sich öfter an die lokal gebundenen H. wandte als an die großen Götter; er ist mit dem Heiligenkult des Christentums vergleichbar. Der H.kult hat sich aus dem Toten- und Grabkult für die Aristokraten der myken. Zeit entwickelt. Die Macht des Heros war an sein Grab gebunden, deshalb befanden sich H.gräber oft auf dem Marktplatz oder unter dem Stadttor. Die Gebeine der H. wurden z.T. aus der Fremde heimgeholt, damit man sich ihres Segens versichere; daran knüpfte der christl. Reliquienkult an. Mitunter befand sich am Grab eine Kapelle, das Heröon. Arn Grab wurden Opfer gebracht; man opferte abends oder nachts schwarze Tiere, deren Fleisch verbrannt wurde. Arn Grab der H. wurden auch Mahlzeiten zu ihren Ehren und Totenklagen veranstaltet. - Taf. 34. Be Herold. Der zum Feinde gesandte, durch einen auffälligen H.sstab weithin sichtbar ausgewiesene Unterhändler

maschinen führten, da auf Grund der Sklavenarbeit hierfür kein gesellschaftl. Bedürfnis bestand. Wf TU: W.Schmidt, L.Nix, H.Schöne, J. H. Heiberg; Leipzig 1899-1914 (5 Bde.); Diels-Schramm (Reprint) Leipzig 1971.

Herondas, auch Herodas, griech. Dichter um 250 v. u. Z., wahrscheinl. von der Insel Kos; schrieb kulturhistorisch aufschlußreiche Mimjamben (Mimen in der Form des Hinkjambus), kleine, in naturalisé Schärfe gestaltete Szenen aus dem Alltagsleben („Kupplerin", „Bordellwirt", „Schullehrer", „Die dem Asklepios opfernden Frauen", „Die Eifersüchtige", „Die zwei Freundinnen", „Schuster", „Traum" und Bruchstücke). Die Mimjamben sind in dem damals schon nicht mehr gesprochenen ion. Dialekt geschrieben, ca. 800 Verse wurden 1891 durch einen Papyrusfund bekannt. Be T: J. C. Cunningham, BÖ 1971. TU: O. Crusius - R. Herzog, Leipzig21926.

Hçronsball: von Heron beschriebenes wassergefülltes Gefäß, aus dem Luftüberdruck das Wasser treibt (Abb.).

Heroldsstab (Kerykeion^

mußte gegebenenfalls beider Sprachen mächtig sein und mit lauter Stimme seine Sendung kundtun. Die Verzierung des H.sstabes (t Caduceus) mit dem Schlangensymbol und seine Gleichsetzung mit dem , Merkurstab 4 ist zwar nicht eindeutig erklärbar, hat aber im Gesamtbereich der Antike als Symbol für Frieden, friedl. Handel, (gute) Nachricht und Unverletzlichkeit Eingang gefunden. Wf Heron, mit dem Beinamen „der Mechaniker", wirkte in Alexandreia z. Z. Caesars oder Neros als Ingenieur, Mathematiker und Vermessungstechniker. Er verband Wissenschaft und Praxis, wie er in seinen z. T. nur arabisch überlieferten Werken - dem bedeutendsten Rest des techn. Schrifttums der Antike - betont. Das für den Ingenieur nötige Rüstzeug faßte er lehrbuchartig mit (erhaltenen) Illustrationen und Rechenbeispielen zusammen und gab zugleich Anleitungen für den Apparatebau. Er beschrieb „Hebezeuge und Krankonstruktionen", „Schraubenpressen und Quetschwerke4', „Zahnradgetriebe", die auch in den Wegmesser eingebaut waren, ebenso „Geschütze" und „Luftdruckmaschinen" sowie „Automaten". Sein Buch „Metrika" (Meßkunde) enthält die bekannte Heronische Dreiecksformel sowie abgekürzte praxisbezogene Methoden zur Berechnung von Quadrat- und Kubikwurzel. Die Konstruktionen, zu denen H. anleitet, dienten dem Vergnügen an mechan. Spielzeug, weshalb sie im Barock viel Beachtung fanden, nur wenige wurden praktisch verwendet wie etwa der „Warmwasserofen". Selbst die Arbeit über Spiegel und Hohlspiegel bietet trotz Philosoph. Erklärung opt. Gesetze fast nur Darlegungen über unterhaltsame Zerrspiegel. Der Praxis diente die Schrift über die Dioptra, das Visierinstrument der Vermesser, das auch dem Ingenieuroffizier zur Bestimmung der Mauerhöhe bei Belagerungen unentbehrlich war. An H. wird deutlich, daß techn. Leistungen, die dem Kriegswesen dienten, entwickelt wurden, nicht aber solche, die zur Konstruktion von Arbefts-

Heronsball. links eingeblasene Luft treibt das Wasser aus dem Gefäß, rechts prakt. Verwendung als Spritzflasche

Erwärmt die Sonne Luft in einer Kupferflasche, so tropft Wasser aus dem „Tropfenspender". Die Erwärmung des Reservebehälters über der Öllampe läßt Öl in den Brennbehälter nachtropfen („immerwährende" Lampe; vgl. Abb. Beleuchtung). - Der H. ließ sich leicht zur Spritzflasche („Siphon") weiterentwickeln. Wf Heröon: Kapelle, Kultstätte von Heroen an deren Grab, teilweise in der Form des Rundbaus, der @ Tholos. Be Hergphilos aus Kalchedon (Kleinasien), um 300 v. u. Z., griecn. Arzt, betrieb in Alexandreia als erster Arzt der Antike anatom. Forschung an menschl. Leichen. Er befaßte sich bes. mit dem Gehirn, den Nerven, Gefäßen, Eingeweiden und Augen und machte eine Reihe wichtiger Entdeckungen, z. B. unterschied er zwischen motor. und sensiblen Nerven und erkannte, daß die Chylusgefäße mit dem Verdauungsapparat zusammenhängen. H. sah auch die Abhängigkeit der Gefäßpulsation von der Herzbewegung und wurde somit zum eigentl. Begründer der Pulslehre. Ko Heros: Singularform zum Plural @ Heroen. Herostratos, dt. Herostrat, ruhmsüchtiger Einwohner aus Ephesos, setzte 356 v. u. Z., nach der Überlieferung am Tag der Geburt Alexanders d. Gr., den dortigen Artemistempel in Brand. Durch diese frevelhafte Tat sollte sein Name in die Geschichte eingehen; heute sprichwörtlich: herostrat. Tat. SF Herrscherkult, Konigskult. Zu unterscheiden ist die sakrale, oft priesterartige Stellung eines Herrschers als herausgehobener oder gottähnl. Mensch (meist verbunden mit einer Göttergenealogie) von der eigentl., mit kult. Verehrung verbundenen Vergöttlichung (Apotheose).

235 Die erste Art (sakrales Königstum) ist in vielfältiger Form fast überall in den alten und neueren Monarchien anzutreffen (z. B. Babyionien, Iran, frühgriech. und altröm. Königtum). Die zweite Art (Gottkönigtum) findet sich in zwei Formen im Bereich der vorderoriental. und griech.-röm. Antike: als postmortale Vergöttlichung bei den Sumerern (z. B. Gilgamesch), Hethitern, sizil. Tyrannen (5. Jh. v. u. Z.), im griech: Heroenkult, ptolemaiischen und seleukid. Königtum (bereits Alexander d. Gr.) und röm. Kaiserkult (seit Caesar) und als Vergöttlichung des lebenden Herrschers in Akkad und Sumer (auch als Repräsentation des Stadtgottes im Ritus der Heiligen Hochzeit), in Ägypten (Inkarnation des Horus, dann bei zunehmendem Auseinandertreten von König und Gott Sohn des Re von Geburt an), in Griechenland (zuerst Lysandros 404 v. u.Z., Dion in Syrakus, dann Philippos II. von Makedonien, Alexander d. Gr. und seine Nachfolger, die als „Retter" [Soter] und sichtbare Götter in Syrien [Antigonos L] und Ägypten [zuerst Ptolemeios II. und Arsinoe um 270 v. u. Z.] galten). Zahlreiche griech. Städte verehrten die Diadochenkönige als göttl. bzw. gottmenschl. Stadtgründer mit eigenem Kult. Die Vorstufen des röm. H.s in der Republik sind umstritten (Ehrungen der röm. Beamten in den östl. Provinzen z. B. des Flaminius 196 v. u. Z. in Griechenland; Anspruch, von den Göttern durch Weisungen u. ä. bevorzugt zu werden, z. B. Scipio Africanus, Sulla). Ausgangspunkt des späteren H.s wurden die Caesar in Rom schon zu Lebzeiten verliehenen Ehren. Nach seiner Ermordung wurde Caesar 42 v. u. Z. als Divus lulius („göttl. lulius") unter die Götter erhoben (Divinisation) und erhielt Priester und Tempel. Sein Adoptivsohn Octavianus verwendete seine Kindschaft als „Divi filius" („Sohn des Vergöttlichten") für eigenes Machtstreben. Im Jahre 27 v. u. Z. wurde er zum „Augustus" („Erhabenen") erhoben und differenzierte die Formen des H.s. Im O in der Nachfolge der heilenist. Herrscher stehend, wurde er als ,,Soter" verehrt oder als Gott zusammen mit der Göttin Roma, im W verband er den Kult seines Genius mit dem der Laren. Caligula u. a. Kaiser haben sich später als Götter oder als Erscheinungsform eines Gottes aufgeführt. Spezifisch für die röm. Kaiser ist die Konsekration oder Apotheose („Vergöttlichung" des verstorbenen Kaisers). Sie erfolgte auf Senatsbeschluß und beruhte auf der Vorstellung einer Entrückung. Die Apotheose der röm. Kaiser ist seit 100 u. Z. φβ Regel. Der Unterschied zu einem Gott („Deus") wurde in der Bezeichnung „Divus" (,, Vergöttlich ter'*) ausgedrückt. Der Kaiserkult wurde zu einem Akt der Loyalität gegenüber dem Regenten und Ursache zu Auseinandersetzungen mit den Christen und Juden, die den H. ablehnten. Hörten auch die Kaiseropfer seit Konstantin (313) auf, so setzten sich doch zahlreiche Formen des H., sei es in der Terminologie und Symbolik oder im prunkvoll ausgestalteten Hofzeremoniell bei den christl. Kaisern fort, vor allem in Byzanz, wo der Basileus eine sakrale Person blieb; aber auch im W wurde auf diese Weise die Grundlage für das „Gottesgnadentum" der Herrscher und die enge Bindung von „Thron und Altar" gelegt. KR Hgrse [griech., „Tau"], Tochter des myth. Kekrops, sie und ihre Schwestern f Aglauros und Pandrosos hießen die Tauschwestern. - Ihre Verbindung zu Hermes wurde häufig in der Malerei dargestellt (Gemälde von Veronese, A. Elsheimer). Be Hcruler: ostgerman. Stamm, wurde Mitte des 3. Jh. u. Z. von den Dänen aus Skandinavien vertrieben. Die West-Η, wanderten nach dem Niederrhein aus und unternahmen bis in das 5. Jh. Raubzüge, auch zur See, nach

Hesione Gallien und Spanien. Im 6. Jh. wurden sie von den Franken unterworfen. Die bedeutenderen Ost-Η, zogen an das Schwarze und Asowsche Meer und bedrängten seit 267 u. Z. mit den Goten zur See das Röm. Reich. Im 4./5. Jh. einige Zeit unter ostgot. und dann unter hunn. Herrschaft, bildeten sie in der 2. Hälfte des 5. Jh. ein großes Reich an der Donau, das Anfang des 6. Jh. von den Langobarden zerstört wurde. - Beide Teile der H. stellten vom 3.-6. Jh. den Römern zahlreiche Hilfstruppen. Auf H. stützte sich Odoaker bei der Zerschlagung des Weström. Reiches 476 und später auch Justinian bei seinen Rückeroberungen. Jo Herzynischer Wald, lat. Herc^nia silva: Waldgebirge in Germanien, das sich vom Rhein bis zu den Karpaten, nach röm. Darstellung 60 Tagereisen lang, hinzog; vom 2. Jh. u. Z. an insbes. auf Thüringer Wald und Erzgebirge beschränkt. Der Name ist vermutlich kelt. Ursprungs. Seh Hesjodos, dt. Hesigd, um 700 v. u. Z., der erste historisch faßbare griech. bzw. europ. Dichter; sein Vater stammte aus Kyme (Kleinasien) und siedelte nach Askra (Boiotien) über. Dort lebte H. als Hirt und freier Bauer in bescheidenen Verhältnissen. Ungunst der Natur und der Druck des übermächtigen Adels beeinflußten sein Leben, sein Bruder Perses betrog ihn um sein Erbe. H. wirkte als Rhapsode und hatte einen Preis in Chalkis (Euboia) errungen. Für seine Dichtung übernahm er Form (ep. Hexameter) und Sprache des homer. Heldenepos. Die „Theogonia" (Götterabstammung) deutet die Welt durch den Mythos. Im Proömium spricht H., wiederum erstmalig, von seiner Sendung und legitimiert sein Dichtertum in der Schilderung seiner Dichterweihe durch die Musen auf dem Helikon. Das Werk berichtet von der Weltentstehung aus dem Chaos, gibt Göttergenealogien und stellt die Abfolge von drei Götterdynastien dar (Sukzessionsmythos), deren letzte durch die sinnvolle Ordnung des Zeus vertreten ist. Umstritten ist der Umfang, in dem H. von oriental, (hethit.) Mythen beeinflußt wurde, ebenso sein Anteil an der Systematisierung der Götter weit. In dem später verfaßten Lehrgedicht „Werke und Tage" führte H. die subjektive Aussage in die ep. Dichtung ein. Er wendet sich an seinen Bruder Perses und an die ungerechten Richter und rühmt den Wert ehrl. bäuerl. Arbeit. Seinem aus den gesellschaftl. Gegensätzen seiner Zeit erwachsenen Pessimismus, der in der Lehre von der Verschlechterung der Welt in den fünf Zeitaltern und in der ersten Fabel der Antike vom Habicht und der Nachtigall deutlich wird, steht der Glaube an die Verwirklichung des Rechts gegenüber. PersÖnl. Ratschläge, allgemeine Lebensregeln und -Weisheiten, ein Bauernkalender und mytholog. Einlagen sind in archaischer Buntheit assoziativ miteinander verbunden. Weitere H. zugeschriebene Werke sind nur in Fragmenten erhalten oder gehören einer späteren Zeit an, z. B. die „Aspis" („Schild" des Herakles), die sog. „Ehoien", ein Katalog von Frauen, die Stammütter von Adelsgeschlechtern wurden. In der nach H. entstandenen Legende vom Wettkampf zwischen Homer und H. erhält H. als der Sänger der Arbeit vor Homer den Kampfpreis zugesprochen (von Brecht aufgegriffen). H. als der Begründer der Gattung des Lehrgedichtes wirkte als Vorbild und Muster der späteren didakt. Dichtung. Be T: A.Rzach, BT 31913, Nachdruck BT (Stuttgart) 1967; F. Solmsen, R. Merkelbach, M. L, West, BÖ 1970. Ü: Th. v. Scheffer l E. G. Schmidt, Leipzig 21965. Hesione, lat. Hesione, Tochter des Königs Laomedon von Troja, auf Grund eines Orakels einem Meeresungeheuer preisgegeben und von Herakles befreit. Als ihm der für die Befreiung ausgesetzte Lohn, die Rosse,

Hesperiden die Tros von Zeus für f Ganymedes erhalten hatte, vorenthalten wurde, zerstörte Herakles die Stadt; H. wurde Telamoft übergeben und gebar Teukros. Mit ihrem Schleier kaufte sie ihren Bruder Podarkes (= Priâmes) frei. Be Hesperiden, in der griech. Sage die hellsingenden Töchter der Nyx oder des Atlas; jenseits des Okeanös im äußersten W bewachten .sie im Garten der Götter mit dem Drachen Ladon die goldenen Äpfel, die Gaia der Hera zur Vermählung mit Zeus geschenkt hatte. Herakles tötete den Drachen und bemächtigte sich der Äpfel. Gemälde von Raffael und H. von Marées. - Taf. 47. Be Hcsperos, lat. Hgsperus: der Abendstern. Be Hcssus, Hçlius Eobanus, eigtl. Koch, 1488-1540, hess. Bauernsohn, bedeutendster Dichter des Erfurter Humanistenkreises, 'pflegte die Gelegenheitsdichtüng nach antiken Vorbildern in mannigfachen Formen; seine Epicedien und Elegien bedichten zeitgenöss. Persönlichkeiten und Ereignisse mit polit. Engagement (Anhänger Luthers). H. trat auch durch Übertragungen griech..Literatur ins Lateinische hervor (Theokritos, Kolluthos, Ilias). Sein Vorbild hat die spätere neulat. Dichtung mitgeprägt. Tr T: Operumfarraginesduae, 1539 (21564). Hestia, lat. Hçstia, Tochter des Kronos und der Rhea, jungfräul. griech. Göttin des Herdfeuers und des Familienherdes, der zugleich der Kultplatz der Familie war. Ihr opferte man am Herd etwas von der Mahlzeit. Sie war zugleich die Göttin des Staatsherdes. Ihr entspricht die röm. Vesta. Be Hesychios aus Alexandreia, 5. Jh., Verfasser eines alphabetisch geordneten griech. Lexikons, in dem selten vorkommende Wörter erklärt werden, bes. wertvoll wegen der von ihm erfaßten Wörter aus den griech. Dialekten. Be T: M. Schmidt, Jena 1858-1868; K. Latte, Kopenhagen 1953 (Buchstaben A-D), 1966 (Buchstaben E-O).

Hetajroi [griech., „Gefährten*']: bei Homer die nächsten Freunde und Gefolgsleute des Königs; bei den Makedonen sowohl die Ratgeber und Begleiter des Königs als auch die gesamte im Heere dienende makedon. Ritterschaft. Zusammen mit den Pezhetairoi, den zu Fuß in der Phalanx dienenden Makedonen, bildeten sie die Heeresversammlung als polit. Volksvertretung. H Hetäre [griech., „Gefährtin"]: Freudenmädchen sehr verschiedenen sozialen Ranges und Anspruches. Die besser gestellten H.n verfügten in der Regel über eine hohe Bildung in Musik, Literatur, Philosophie u. ä., sie spielten in der höheren Gesellschaft eine hervorragende Rolle. Zu den berühmtesten H.n zählen Aspasia, die Freundin und spätere Frau des Perikles, Phryne, das Lieblingsmodell des Praxiteles, Glykera, die Geliebte des Menandros. Neben freiplast. (z. B. „Aspasia") und Reliefwerken („Alkibiades unter den H.n*') sind die H.ndarstellungen in der Wandmalerei und Relief keramik (mit Bordellszenen), vor allem aber die Vasenbilder des späteren 6. und des 5. Jh. v. u. Z. zu nennen, die das Treiben der freien Liebe in naturnaher, ungebundener Form vors Auge des Betrachters rücken. Die literarisch faßbaren H.nbilder der neuatt. oder röm. Komödie, der „H.ngespräche" Lukians, der „H.nbriefe" Alkiphrons sind gesellschaftlich differenzierter, in ihrem Bildungsanspruch feiner abgestuft dargestellt. Ihre ..Ehrbarkeit" ist je nach der gültigen Moral beurteilt worden. Sl Hetärjen: Gemeinschaften gleichgesinnter Männer, insbes. die gegen die Demokraten gerichteten polit. Vereinigungen der Oligarchen, die einen großen Einfluß auf die Vorbereitung des oligarch. Staatsstreiches vom Jahre 411 v.u.Z. in Athen hatten. Als organisierte polit.

236 Kampfgruppen sind die H. entfernt mit den heutigen polit. Parteien vergleichbar. - Bei der Vorbereitung des griech. Volksaufstandes von 1821 spielte die 1814 in Odessa gegründete geheime Hetärie eine bedeutende Rolle. Z Hethiter: dem Alten Testament (Übersetzung Luthers) entnommene Bezeichnung für eine Bevölkerung in Syrien und im südöstl. Kleinasien im 1. Jährt. v.u.Z.; jetzt für die indoeurop. Träger des Haiti-Reiches im 2. Jährt. v . u . Z . verwendet, das um 1700 in Zentralanatolien entstand und sich dann über fast ganz Kleinasien sowie Syrien erstreckte. Hauptstadt war HattuSa (heute Boghazköy, 150 km südöstlich von Ankara); in ihrer Nähe befand sich ein reliefgeschmücktes Heiligtum (Yazilikaya). Auf dem Gebiet von Religion und Literatur tritt vor allem ein hurrit. Einfluß hervor, andererseits lassen sich Ausstrahlungen über Syrien und Kilikien bis zur Ägäis feststellen (Homer, Hesiod). - Aus verschiedenen hethit. Fürstentümern bildete sich im Halysbogen ein Staat, der zunächst noch starke gentile Züge trug, sich aber zur absoluten Monarchie entwickelte. Die Expansion begann im 17. Jh. v.u.Z. (HattuSili L, MurSili I.) und richtete sich vor allem über den Taurus nach Nordsyrien. Nach einem durch innere Kämpfe bedingten zeitweiligen Machtrückgang setzte erneut eine Expansion ein; es entstand für fast 150 Jahre ein Großreich, das in Auseinandersetzung mit Mitanni und Ägypten auch Syrien bis zum Libanon einbeziehen konnte. Um 1200 v. u. Z. ging das Reich der H. im Zusammenhang mit dem Einbruch der ,.Seevölker" zugrunde. Kg Hethjtisch: Sprache des yatti-Reiches, deren umfangreiche Zeugnisse seit 1906 bei Grabungen in Boghazköy (KLeinasien) gefunden wurden. Das H. wurde auf Tontafeln in babylon. - im Gegensatz zur hethit. Hieroglyphenschrift - Keilschrift geschrieben und ist die bisher älteste, aus sicher datierbaren Urkunden bekannte indoeurop. Sprache. HG heureka [griech., „ich habe (es) gefunden"]: angebl. Ausruf des Archimedes, als er im Bad das Gesetz des hydrostat. Auftriebs gefunden hatte; daher: Ausruf der Freude über die Lösung eines schwierigen Problems. Wf Hexameter [griech.:] aus ..sechs Metren" bestehender Vers; i. allg. der daktyl. H.; in ihm können statt der einzelnen Daktylen Spondeen stehen (selten im fünften Fuß); der letzte Fuß ist entweder ein Trochäus oder Spondeus: _ο^_=τ griech., „der Ferne*'], HQFUS [lat.]; ägypt. falkengestaltiger Himmels- und Sonnengott, urspr. mit dem König identisch (Gottkönig); im Osirismythos Sohn von Isis und Osiris, der als Nachfolger seines Vaters dessen Tod an Seth (griech. Typhon) rächte; Bekämpfer des Bösen (symbolisiert durch Krokodile). Von den Griechen mit Apollon gleichgesetzt, gewann er seit Alexander d. Gr. zunehmend an Interesse. Seine Verehrung wuchs vor allem im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Isismysterien. Dargestellt wurde er als Knabe (Harpokrates), als Kind auf den Armen der Isis (Madonnatyp) oder als Krieger mit Sperberkopf. KR Horoskop [griech., ,,Stundenschauer"]: urspr. im Orient der den aufgehenden Stundenstern anschauende Priester, später der Stern oder Ekliptikpunkt (Aszendent), der aufgehend den Beginn eines Ereignisses anschaut und so magisch beeinflußt. Seit dem Mittelalter ist H. jene die gesamte Konstellation enthaltende Figur, die im Altertum griech. thgma, lat. constellatio (stglla, ,?Stern") hieß oder nativitas, wenn, wie meist, das beginnende Ereignis der Mensch war. Im H. wurden die zwölf Tierkreiszeichen mit den zwölf Orten des Himmelshäuserkreises kombiniert, die nicht wie erstere am Himmelsumschwung teilnehmen und Lebensumstände, Reichtum, Gesundheit usw. bedeuten. Aus den auf Zeichen und Häuser bezogenen Planeten und deren Stellungen zueinander (Opposition, Triagonalschein) wurde prophezeit. Die H.-Astrologie beginnt erst im hellenist. Griechenland und hat ihren Höhepunkt in der röm. Kaiserzeit. Ältestes keilinschriftl. H. datiert von 409 v. u. Z. J ΗΟΓΓΟΓ vgcui [lat., „Furcht vor der Leere, vor dem Vakuum*']: aus der Auffassung des Aristoteles, der die Möglichkeit eines Vakuums im Makro- und Mikrokosmos bestritt, entspringende Vorstellung, daß die Natur kein Vakuum zulasse und es demnach keines geben könne. Philon von Byzanz und Heron von Alexandreia suchten durch pneumat. Erscheinungen (z. B. Heber, Pipette) den H. v. zu beweisen. In der Scholastik spielte der H. v. zur Erklärung aller pneumat. Effekte eine überragende Rolle. Erst im 16. und 17. Jh. wurden die Effekte als Wirkung des Luftdruckes erkannt. WS Hortçnsius: altröm. plebej. Geschlechtername. - 1. Q. H., Staatsmann; 287 v. u. Z. Diktator, veranlaßte er die auf den Hügel laniculum ausgezogene Plebs zur Rückkehr in die Stadt, er bewirkte durch ein Gesetz („Lex Hortensia"), daß die Beschlüsse der Tributkomitien (Plebiszite) denen des Senats (Leges) gleichgestellt wurden, wodurch die Volkstribunen Gesetzesinitiative erhielten. Damit war die innenpolit. Entwicklung der frühen Republik (Ständekampf) zu Ende. - 2. Q. H. Hgrtalus, 114-50 v. u. Z., 69 Konsul; Redner und Jurist. Bereits sehr jung vor Gericht aufgetreten, war H. im Prozeß gegen Verres der Gegenanwalt Ciceros und wandte sich auch 67/66 v. u. Z. gegen die Übertragung des Oberbefehls an Pompeius. Nach seiner Aussöhnung mit Cicero übernahm er gemeinsam mit Cicero Prozeßverteidigungen. Cicero charakterisierte den Stil des H. als Asianismus; er läßt ihn in seinem „H." den Standpunkt der Rhetorik gegenüber der Philosophie vertreten. Seh T: E. Malcovati, Oratorum Romanorum fragmenta liber ae r ei publicae, Torino 21955, S. 310-330.

244 Hosen: für Griechen und Römer Kleidungsstück der Barbaren, bes. von Reitervölkern; in der Kunst wurden u. a. Trojaner, Phryger, Daker, Skythen, auch Germanen und Kelten sowie Amazonen mit H. dargestellt. - Abb. t Kleidung. FrJo Hospital [lat., „Herberge"] wird in der Bedeutung „Krankenhaus" erst seit dem Mittelalter gebraucht. Ko Hostie [lat., „Opfer", „Sühnopfer"]: urspr. Bezeichnung sä mtl. im christl. Gottesdienst zum Altar gebrachten Gaben, in der Zeit vom 9. bis 11. Jh. auf das in der Eucharistiefeier als Opfer dargebrachte und konsekrierte Brot eingeengt. Du Hrabgnus Maurus, um 780-856, frank. Gelehrter und Pädagoge, Schüler Alkuins in Tours, durch dessen Anregungen er zum wesentlichsten Vermittler antiker Bildung an seine Zeitgenossen wurde. H.' vorwiegend didakt. Zwecke verfolgende Schriften (am bedeutendsten „De institutione clericorum" [Unterweisung der Geistlichen]) sind wenig eigenschöpferisch und im wesentlichen Exzerpte aus alten Autoren (vorwiegend spätantike profane und christl., von Lucrez über die Kirchenväter bis Isidorus und Beda). Daneben verfaßte H. Predigten, Briefe und gekünstelte Gedichte. H.' Bedeutung liegt in seiner weitwirkenden Lehrtätigkeit im ostfränk. Gebiet („Praeceptor Germaniae"). Tr T: Migne PL 107-112 (l 851 ff.); E. Dümmler, MGH Poetae II (1884) und Epist. V (1899); De institutione clericorum: A. Knöpf 1er, München 1900.

Hrgtsvith, Roswitha von Cjandersheim, Nonne und erste dt. Dichterin, um 935 bis nach 973 ; schrieb acht Heiligenlegenden in leonin. Hexametern oder Distichen, sechs Dramen in rhythmisierter oder Reimprosa, um den heid. Terentius als Klerikerlektüre durch christl. Stoffe zu verdrängen, und zwei geschieht!. Epen (in leonin. Hexametern) über die Taten Ottos d. Gr. („Gesta Oddonis") und die frühe Geschichte ihres Klosters („Primordia coenobii Gandeshemensis"). H .s Sprache ist bes. durch antike Dichter geformt (bewußte Terentiusimitation, ferner Vergil und Prudentius, Sedulius, Boethius, daneben Alkuin und Waltharius), ihre Stoffe entnahm sie den neutestamentl. Apokryphen, spätantiken Märtyrerakten und Heiligenlegenden. H.s Lesedramen, die bedeutendste Nachwirkung antiker Komödien im Mittelalter, waren bald vergessen; erst Conrad Celtis entdeckte 1493 in St. Emmeram (Regensburg) eine Handschrift und veranstaltete 1501 die Editio princeps. Tr T: K. Strecker, Leipzig 21930. Ü: H. Homeyer, Paderborn 1936. Huhn. Die Stammform des Haus-H.s [lat. gallus domgsticus, griech. alektoris] ist das ind. Rote Dschungel-H., dessen Domestikation vor dem 2. Jährt, v. u. Z. erfqlgt sein mag. In China wurde das H. bereits 2800 v. u. Z. erwähnt. Im Alten Testament und bei Homer war das H. noch nicht bekannt. Nördlich der Alpen tauchte es seit der Bronzezeit als Haustier auf. Im Mittelmeerraum erschien die Darstellung eines Hahnes erstmalig in der zweiten Hälfte des 8. Jh. v. u. Z. Im 6. Jh. v. u. Z. verbreitete sich das H. hauptsächlich in Kleinasien. Mit der Perserherrschaft kam es nach Griechenland und war hier dem Gott Asklepios geweiht. Die Insel Delos war berühmt durch die Zucht von edlen Hähnen. Auf vielen Münzen (z. B. Himera in Sizilien) wurde der Hahn abgebildet. Selbst der ärmste Athener besaß ein H. Der Hahn -war allgemein als Wetterprophet beliebt. Der Fleischansatz wurde durch Kastration erreicht. Die Römer lernten das H. in Gallien kennen (daher gallus = Hahn). Sie verwendeten den Hahn als Kampftier und für Auspizien. In Italien züchtete man verschiedene Geflügelrassen. Di

245 Humanismus im Sinne von lat. f Humgnitas steht hinter dem Begriff des Sozialist. Humanismus, der auf dem von Marx angestrebten realen Humanismus eines besseren Lebens für alle basiert und Ziel der Sozialist. Gesellschaftsentwicklung ist. Mit „Humanitas" kennzeichnete Cicero das griech. Bildungsideal humaner Gesinnung und menschenwürdigen Lebens, das sich jedoch im begrenzten Rahmen der antiken Sklavereigesellschaft von vornherein nur für den ins Auge gefaßten oberen Teil der Gesellschaftspyramide verwirklichen konnte. Bald schon lief es Gefahr, von einem die Gesamtheit des Lebens umfassenden Begriff auf eine Frage der Schulbildung reduziert zu werden. Die von den Römern auch in dieser Hinsicht geübte geistige Auseinandersetzung mit griech. Vorstellungen trat im Mittelalter hinter dem kirchl. Ideal zurück, doch blieben weltl. Bildungsgüter (Humaniora) daneben bestehen. Sie wurden im 13. Jh. von dem zu eigenem National- und Selbstbewußtsein erstarkten Bürgertum der Städte in steigendem Maße als Mittel geistiger Auseinandersetzung gegen die Vorherrschaft des Adels und der Kirche benutzt und gepflegt, was sich fördernd auch auf die meisten Fachwissenschaften auswirkte. Die hier begonnene auf klarer. Bewegung trug entscheidend bei zu der unter der Bezeichnung Renaissance zusammengefaßten Ökonom., gesellschaftl., kulturellen und techn. Entwicklung und geistigen Selbstbefreiung des Individuums von Scholastik und kirchlich gebundener Lebensauffassung. Der Mensch rückte immer mehr in den Mittelpunkt der Dinge. Das wahre Menschenbild sah man im antiken Bildungsideal verkörpert, das man literarisch, politisch, sozial nachzuahmen trachtete. Dabei wählten die führenden Geister am Beginn der Renaissance in Italien, wie Dante, Petrarca, Boccaccio, Pico della Mirandola, zunächst die bekannteren Römer zum Vorbild, begannen jedoch auf die Griechen hinzuweisen. Seit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453) förderten in zunehmendem Maße von dort nach Italien flüchtende Gelehrte die Kenntnis des Griechischen. Von allen diesen Anregungen brachten die Kirchenkonzilien des 14. Jh. und in Italien Studierende vor allem das Interesse für antike Texte als Quellen der neuen Lebensauffassung über die Alpen. In allen Klöstern suchte man nach antiken Handschriften, deren Texte der aufkommende Buchdruck nach 1464 allmählich verbreitete. Ihre Pflege und ihre als Weg zu dem çeuen Menschenbild betrachtete Rezeption und Nachahmung bezeichnete man jetzt als H., alle hierum und um ihre Ausstrahlung auf die anderen Wissenschaften Bemühten als Humanisten. Auch in Italien führten veränderte gesellschaftl. Verhältnisse zu einer ähnl. Verengung des H.begriffs. Eine besondere Entwicklung nahm der Renaissance-H. in Frankreich, England und in den Niederlanden. In Deutschland sah man im H. bald bes. ein pädagog. Ziel der Erziehung zum Redner, Dichter, Philosophen (Orator, Poeta, Philosophus), das vor allem dank der durch die Reformation bewirkten Bildungsreform durch Schulen und Kirchen (Reuchlin; Melanchthon) Verbreitung fand, ih der Folgezeit jedoch zu leerem Formalismus erstarrte. Der H. der Renaissance war auf eine kleine Schicht Gebildeter beschränkt und erreichte nicht die breiten Massen des Volkes. Auf dieser Grundlage, aber unter ganz anderen Voraussetzungen und Intentionen, bauten der Neu-H. und der sog. f Dritte H. auf. Im Gegensatz zu der dabei postulierten Bindung des H. an Kenntnis und Beschäftigung mit der formalst off]. Seite der Antike als einer Grundvoraussetzung fordert der Sozialist. H. das u. a. auf das griech. Ideal zurückgreifende, beständige Streben des Menschen nach vermehrtem Wissen und allseitiger Bildung. Dieser So-

Hund zialist. H. stellt eine neue Qualität in der Geschichte der Humanist. Ideen und Bestrebungen dar, weil er, untrennbar mit der Schaffung einer von Ausbeutung und Unterdrückung freien Sozialist. Gesellschaft verbunden, die humanist. Ideale nicht nur proklamiert, sondern die realen Bedingungen zu ihrer Verwirklichung schafft. Le Humanitas [lat., „Menschentum, Menschlichkeit'*]: von Cicero propagiertes Bildungsideal des vornehmen Römers, das vor allem ein durch (griech.) Bildung kultiviertes Menschentum zum Inhalt hatte. Das Wort H, wird von Cicero sehr häufig in der Bedeutung „höhere Bildung", „geistige Kultur" verwendet, wobei auch stets der gesellschaftl. Aspekt (,,vornehm-verbindl. Lebensart") eine Rolle spielt. In der Kaiserzeit bekommt, bes. durch den Einfluß der Stoa, H. mehr und mehr die Bedeutung „Menschlichkeit" (menschlich verständnisvolles Verhalten gegenüber den Mitmenschen, unabhängig vom Bildungsgrad). Daher ist die freilich vereinfachende Gleichsetzung bei Gellius: H. in republikan. Zeit = griech. paidgia, H. in der Kaiserzeit = griech. philanthropia („Menschenfreundlichkeit") i. wesentl. zutreffend. Kü Humann, Carl, 1839-1896, dt. Ingenieur und Archäologe, entdeckte beim Straßenbau in Kleinasien den Zeusaltar von Pergamon. Auf die Reliefplatten dieses Bauwerks stieß er bereits in den 60er Jahren. 1878 wurde ihiri die Leitung der Ausgrabungen in Pergamon übertragen, die er bis 1886 innehatte. In den 90er Jahren wandte er sich den Ausgrabungen in Magnesia am Maiandros zu. H, war Mitherausgeber der „Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon" I-III, 1880-88. Sl Humboldt, Wilhelm von, 1767-1835, Sprachwissenschaftler, Kunsttheoretiker, Dichter und liberaler Staatsmann. Nach gründl. Ausbildung in den alten Sprachen folgte ein Studium der Altertumskunde, das H. ein von Winckelmann geprägtes Griechenbild vermittelte. In dem Aufsatz „Über das Studium des Altertums und des griechischen insbesondere", 1793, und in den „Ästhetischen Versuchen", 1799, betonte H. den Vorbildcharakter der griech. Kunst, wobei er bereits erkannte, daß eine ihrer wichtigsten Grundlagen die Sklaverei war. Er regte Schiller zu Übersetzungen aus dem Griechischen (Euripides) an. Seine umfassenden Kenntnisse der griech. Sprache und Metrik zeigen sich in seinen eigenen Übersetzungen (Pindar 1792, Aischylos 1816) und ermöglichten ihm Hinweise zu Werken Schillers und Goethes. Nachdem H. 1809 preuß. Unterrichtsminister geworden war, erwarb er sich Verdienste durch die Gründung der Berliner Universität und die Neuorganisierung des humanist. Gymnasiums, wobei er die Realisierung des klass. Bildungsideals anstrebte. Wr Humor im modernen Sinne des Wortes war dem klass. Altertum keineswegs fremd. In der Dichtung entfaltete er sich vor allem in Komödie, Parodie, Jambus, Satire und Epigramm, hatte aber auch große Wirkungsmöglichkeiten in der Rhetorik. Kr Hund. Der H. [griech. kyon, lat. canis] trat bereits im Neolithikum (um 8000 v. u. Z.) als Haustier auf. Seitdem wurden viele Rassen gezüchtet. Aus der Antike sind uns 183 verschiedene H.namen überliefert. Die Griechen schätzten den H. als Blindenführer und als Kampfgenossen in der Schlacht. Die Spartaner opferten ihn dem Kriegsgott. Die Kriegs-H.e der Schlacht von Marathon wurden auf einem Gemälde in der Stoa poikile festgehalten. Unter den Jagd-H.en nahmen die lakon. den Vorrang ein, dann folgten die moloss. Doggen, die auch in der Kunst öfter dargestellt wurden. Bei den Römern war der H. den Faunen und Laren geweiht. Vor

Hunnen altröm. Häusern wurde die Inschrift „Cave canem!" (Hüte dich vor dem Hund!) meist mit dem Bild eines H.es in Mosaik angebracht (Pompeji). Man kannte auch die Tollwut als gefährl. und übertragbare Krankheit sowie die Folgen des Bisses eines tollwütigen H.es. Zur Prophylaxe verabreichte man Veratrum (Nießwurz), das man dem H.e-Futter beimischte. Im Christentum wurde der H. zum Symbol der Treue sowie der Wachsamkeit gegen Ketzerei. Man findet ihn daher häufig auf Grabdenkmälern unter den Füßen der dargestellten Person. Bei den Germanen stand er in hohem Ansehen, obwohl er keine religiöse Verehrung erhielt. Di Hunnen: Nomaden- und Reitervolk aus Innerasien, seit um 300 v. u. Z. in der chines. Literatur bezeugt. Als sich die Chinesen den dauernden Raub- und Plünderungszügen der H. widersetzen konnten, kam es zum Zerfall des ohnehin lockeren hunn. Großreiches in Horden. Der eine Teil der H. wurde seit dem 1. Jh. v. u. Z. nach dem W abgedrängt, zerstörte um 375 u. Z. das Ostgotenreich am Don (Signal zur Völkerwanderung) und bedrohte das Rom. Reich. Am bedeutendsten war König @ Attila. FrJo Hütten, Ulrich von, 1488-1523, Reichsritter, größter nationaler Dichter des dt. Humanismus. H. führte ein bewegtes kämpfer. Wanderleben, das ihn mit den bedeutendsten humanist. Zentren in Berührung brachte; 1517 wurde er von Maximilian L zum Dichter gekrönt. Im Kampf gegen Rom war er von unerbittl. Schärfe und Kompromißlosigkeit (z. B. Herausgabe der Schrift Vallas „De donatione Constantini", die die sog. Konstantin. Schenkung als Fälschung nachwies). Unter seinen zahlreichen satir. Streitschriften, Reden, Dialogen, Gedichten und Briefen sind bes. die Dialoge nach dem antiken Vorbild von Lukians „Totengesprächen" gestaltet und von H. selbst lat. und dt. verfaßt: „Phalarismus", 1517, „Fortuna", 1519, „Febris" (Das Fieber), 1519, „Vadiscus sive Trias Romana" (Vadiscus oder die Rom. Dreifaltigkeit), 1520, u. a.; die Arminiusgestalt aus Tacitus' Annalen wurde durch H.s „Arminius", 1519/20, zum Ausgangspunkt einer entsprechenden Literatur. H. gilt außerdem als Verfasser eines Teiles der „Dunkelmännerbriefe". Tr

246 Reste zerstört sind. Weite, Höhe, Gebläseeinbau, Holzkohlenstückelung wechselten stark, doch ergibt sich der Eindruck, daß keine histor. Entwicklung vorliegt, sondern daß man sich nach den lokalen Erzen und ihrem Metallgehalt richtete. Das H. war in Laureion nicht ins Bergwesen integriert, die Werksanlage - Ergasterion genannt - war im Gegensatz zur Pachtgrube reines Privateigentum, aber nur von geringem Beleihungswert, während im H. erfahrene Sklaven hoch taxierte Pfandobjekte

Hüttenwesen. Flugstaubkammer im Hüttenwerk nach Dioskurides (Rekonstruktion von H. Wilsdorf)

T: Oper a > hrsg. υ. E.Böcking, 7 Bde., Leipzig 1859-70 (Neudruck Aalen 1963JOsnabrück 1966).

Hüttenwesen. Das H. war das schwächste Glied im antiken Montanbereich und stand in seiner techn. Entwicklung weit hinter Bergwerken und Aufbereitungsanlagen zurück. Doch erreichten schon im 6. Jh. v. u. Z. korinth. Kupferschmelzöfen je nach dem vielteiligen metallurg. Prozeß 1,3 bis 2,8m Höhe. Für die spätere Zeit kann der jeweils den Erzen angepaßte Ofentyp meist nur nach Schlackenbefunden rekonstruiert werden, da fast alle Anlagen bis auf mehrdeutig interpretierbare

Reste einer Ofenanlage im Gebiet von Laureion

Hüttenwesen. Gießtopf mit Schlackenauffang nach Dioskurides (Rekonstruktion von H. Wilsdorf)

darstellten: Erfahrung und Geschick bedeuteten im H. weit mehr als in allen anderen Erwerbszweigen. Um Zinkoxid für die Messingherstellung zu gewinnen, baute man um die Zeitenwende Schmelzöfen mit Flugstaubkammern (Abb.) und erreichte dann wohl 4 bis 6 m Höhe - die größte lichte Weite erreichten Bleiöfen aus dem 2. Jh. u. Z. in der Eifel. Die Gebläse waren nicht mechanisiert, die Gebläsekammer war zum Schutz der schwer arbeitenden Sklaven vom Ofenraum durch eine Wand getrennt; vielfach suchte man, vor allem in den Alpenrevieren, ganz ohne Blasebalg mit bloßen Windöfen auszukommen und nahm lieber hohe Erzverluste in Kauf. Daher wurden die riesigen Schlackenhalden im 19. Jh. erneut durchgeschmolzen, was mancherlei Aufschluß über das antike H. brachte. - Pharmazeutisch wurden Hüttenprodukte in erstaunlich großer Zahl genutzt, daher liefern beim Verlust aller Fachüberlieferungen die medizin. Schriften des Dioskurides und Galen die besten Berichte über das H. Wf

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Hymettos

Hyaden [von griech. hyein, „regnen'*], in der griech. Sage Nymphen, Töchter des Atlas, die sich voll Trauer um ihren getöteten Bruder Hyas den Tod gaben und in Sterne verwandelt wurden. Ihr Auf gang im Oktober verkündete Regen, daher wurden sie als Regensterne erklärt, ihr Untergang (November) mahnte zum Pflügen. Ihre Zahl schwankte zwischen zwei· und sieben. Be Hyakinthos, lat. Hyacinthus, schöner Jüngling der griech. Sage aus Amyklai bei Sparta, Liebling Apollons; von einem Diskos Apollons, den der eifersüchtige Zephyros (Westwind) abgetrieben hatte, getötet. Apollon ließ aus dem Blut des H. die „Hyazinthe" sprießen. H. war ein vorgriech. Vegetationsgott, der, als Gott von Apollon verdrängt, zum Heros absank. Sein Kultort war Amyklai; das größte spartan. Fest, die Hyakinthia, ging auf Apollon über. - Gemälde von Tiepolo, Oper von Mozart. Be Hybris [griech., „Übermut**], nach griech. Vorstellung anmaßender, frevelhafter Übermut des Menschen, der sich über die von der Gottheit gesetzten Schranken in Verblendung (f Ate) hinwegsetzt und deshalb von Nemesis bestraft wird. Die H. spielte in den griech. Sagen (z. B. Tantalos) und Tragödien und in den Anschauungen bes. bis zum 5. Jh. eine bedeutende Rolle (rascher Wechsel von Glück und Sturz der Tyrannen). Auch das übergroße Gefühl, immer vom Glück begünstigt zu sein, galt der Antike als H. (Schiller, Der Ring des Polykrates). Be Hydaspes: westlichster Fluß des „FünfStromlandes** (Pandschab), heute Dschilam, mündet in den Akesines (heute Tschinab). Der H. wurde der griech. Welt durch den Zug Alexanders d. Gr. bekannt (Entscheidungsschlacht gegen Porös). D Hydra [griech., „Wasserschlange"]: sagenhaftes Ungeheuer an einer Quelle bei Lerna in Argos (Lernäische Schlange), Sproß des Typhon und der Echidna, gewöhnlich mit neun Köpfen. Ihr Giftatem vernichtete alles. Da die ihr von Herakles abgeschlagenen Köpfe doppelt nachwuchsen, brannte er mit Hilfe des Iolaos die Halsstümpfe aus (2. Arbeit). Galle oder Blut der H. verwendete Herakles als tödl. Pfeilgift '(z. B. gegen f Nessos). Be Hydria [griech.]: „Wassergefäß" aus Metall, meist aus gebranntem Ton, mit zwei waagerechten und einem senkrechten Henkel zwischen Lippe und kantig abgesetzter

Hydria

Schulter, die bei der Sonderform der Kalpis vermittelnder zwischen Rumpf und Hals überleitet und gelegentl. als einziger Bildträger dient, z. B. bei der berühmten Vivenzio-Vase in Neapel. Demgegenüber zeichnet sich die ältere kantige Form neben dem kleineren Schulterbild durch eine geräumigere Darstellung auf dem Gefäßrumpf aus. - Taf. 46, 47, 48. Sl Hydrostatik [griech.]: Lehre von den ruhenden Flüssig-

keiten. Archimedes formulierte in seinem Werk „Über schwimmende Körper" das Auftriebsgesetz (Archimed. Prinzip) und behandelte die Gleichgewichtslagen verschiedener schwimmender Körper. WS Hygieia, lat. Hygia [griech., „Gesundheit"], griech. Göttin der Gesundheit, Tochter des Asklepios, seit dem 5. Jh. v. u. Z. in Athen verehrt. Be Hygiene [griech., „Lehre von der gesunden Lebensführung"]. Die H., im privaten und öffentl. Leben der Griechen und Römer von großer Bedeutung, wurde als prophylakt. Teil der Diätetik schon früh zu einem Bestandteil der Medizin. Die hygien. Maßnahmen der Ärzte betrafen z. B. die tägl. Körperpflege, Schlafdauer, körperl. Belastung und Entspannung und in der öffentl. ..Gesundheitsfürsorge die Überwachung des Lebensmittelverkaufs, die Wasserversorgung, Kanalisationsanlagen, Leichenbestattüng u. ä. Ko Hyginus, C. lylius, gest. nach 10 u. Z., lat. Gelehrter und Schriftsteller, Freigelassener des Kaisers Augustus, wohl aus Spanien stammend, von Augustus zum Leiter der Palatin. Bibliothek ernannt. H., ein fleißiger Buchgelehrter, verfaßte nach dem Vorbild Varros Schriften über die Landwirtschaft, Philologie, Geographie, Altertumskunde und Religion. Von seinen Werken ist nichts erhalten. Unter seinem Namen sind aus dem 2. Jh. überliefert ein Werk über Sternsagen und „Fabulae", ein mytholog. Handbuch, das als Schulbuch verwendet wurde. Be T: B. Bunte, Hygini Astvonomica, Leipzig 1875; H. I. Rose, Fabulae, Leiden 21963. Ü: L. Mader, Griech. Sagen, BAW 1963, S. 241-364. Hylas, in der griech. Sage Liebling des Herakles, der ihn auf die Fahrt der Argonauten mitnahm. Als H. bei einem Halt in Kios in Bithynien Wasser holen ging, raubten ihn die Quellnymphen. Herakles versäumte über dem Suchen die Weiterfahrt der Argonauten. - H. war vermutlich urspr. Vegetationsgott. Be Hyle [griech., „Holz", „Wald"]: bei den Hylozoisten im Philosoph. Sinne Stoff, Materie; bei Aristoteles der zwar der Möglichkeit nach formbare, aber noch nicht geformte Urstoff. Gu Hylozoismus [griech. hyle „Holz"; „Stoff", zog „Leben"]: Lehre der ion. Naturphilosophen (Hylozoisten), die in einem materialistisch-pantheistisch gefaßten, belebten Urstoff Hie Substanz der Welt sahen. Anklänge an den H. finden sich auch in der Stoa, später bei Giordano Bruno, Diderot und verschiedenen Pantheisten. Das Wort H. ist eine Prägung des 17. Jh. Gu Hymeniios, Hymen: 1. griech. Gott der Hochzeit, Sohn des Dionysos und der Aphrodite oder des Apollon und einer Muse, als schöner Jüngling mit Fackel und Kranz dargestellt. - 2. „Hochzeitsgesang", wie er nach uraltem Volksbrauch während der einzelnen Teile des Hochzeitsfestes von Chören gesungen wurde, so z. B. bei der Heimführung der Braut oder in der Hochzeitsnacht vor dem Brautgemach. Der H. ist meist in Hexametern abgefaßt; etwa seit dem l.Jh. v.u.Z. führt er nur noch literar. Leben. Wohl im Hellenismus entstand die Form Epithalâmion, lat. Epithalamium als spezielle Bezeichnung für das „vor dem Brautgemach gesungene Lied'*; seit dem Späthellenismus wird Epithalâmion öfter gleichbedeutend mit dem eigentl. Oberbegriff H. verwendet. Hochzeitslieder sind von Sappho, Theokritos, Catull, Statius, Claudianus, Apollinaris Sidonius, Dracontius u. a. überliefert. Ki Hymettos, griech. Hymettgs: die Ebene von Athen im SO abschließender Gebirgszug (höchste Erhebung, über 1000 m) ; im Altertum bewaldet und wegen seines Honigs berühmt; Marmorbrüche (weißer und blauer Marmor), D

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Hymnus Hymnus [unbekannte Etymologie]: Gesang zum Lob einer Gottheit. In griech. Frühzeit läßt sich beim H. ähnlich wie beim Nomos schwer entscheiden, ob der Begriff ein Kultlied i. allg. oder eine besondere Liedgestalt meint, später dient H. als Oberbegriff für verschiedene Gattungen wie Paian (H. auf Apollon), Dithyrambes (H. auf Dionysos), Prosodion (Prozessionslied), Proömium (Vorgesang). Vorformen waren Zaubersprüche an Geister; aus ihnen entwickelten sich namentliche Anrufungen von Göttern mit nachfolgender Bitte, zwischen die ep. Darstellungen traten. Solche ep. Hymnen außerhalb des kult. Zusammenhangs sind die homer. Hymnen in daktyl. Hexametern. Die kult. Hymnen würden von Sängern mit Kitharabegleitung vorgetragen, wobei die Zuhörer refrainartig den Schluß mitsangen, auch chor. Hymnen waren bekannt, wie der angeblich älteste H. der Frauen von Elea. Von den griech. Hymnen der archaischen Epoche blieben fast nur Fragmente erhalten, so von Terpandros, Alkaios, Pindar. Gelegentlich finden sich Hymnen als Einlagen im att. Drama der klass. Zeit. Reicher fließt die Überlieferung in heilenist, und kaiserzeitl. Dichtung (Kallimachos, sog. orph. Hymnen, Horaz' Carmen saeculare), aus der erstmals Hymnen mit Musiknoten überkommen sind (Delph. Hymnen, Hymnen des Mesomedes). Auch im frühen Christentunvwurde der H. als Gesang zum Lobe Gottes, später auch der Heiligen, gepflegt. Bei häusl. Andachten sang man wahrscheinlich mit der Kithara begleitete Loblieder, zu denen wohl das erste erhaltene christl. Tondenkmal, der H. von Oxyrhynchos, zu rechnen ist. Schöpfer des christl. H. ist Ambrosius, der eigene metr. Hymnen in stroph. Form (vierzeilige jamb. Dimeter) in die Gottesdienstordnung Mailands einführte und damit zum ,,Vater des Kirchengesanges'* wurde. Im Mittelalter erhielt der H. rhythm., gereimte Form und bildete eine reiche, fast unübersehbare Gattung der religiösen Lyrik. Als bedeutendste Hymnendichter neben Ambrosius gelten für die Spätantike Prudentius und Sedulius sowie Venantius Fortunatus, für das frühe Mittelalter Hrabanus Maurus. Inhaltlich und formal mit dem mittelalterl. H. verwandt ist die Sequenz. In der Kirche des byz. Reiches (wie auch in den oriental. Nationalkirchen) gajten die Hymnen als Echo der von den Engeln gesungenen himml. Gesänge. Die Texte gaben freie Paraphrasen der Bibel, ihre Versbildung erfolgte nach dem Prinzip der Silbenzählung, wobei Versakzent und Wortakzent zusammenfielen. Die Hymnen wurden einstimmig unbegleitet, aber häufig im antiphonalen Wechsel von zwei Halbchören gesungen. Tr T: G. M. Dreves/C. Blume, Anale et a hymnica, 55 Bde., Leipzig 1886-1922. TU: K. Langosch, Hymnen und Vagantenlieder t Berlin 1958 (Auswahl). Hypaspisten: mittleres Fußvolk im Heere Alexanders d. Gr., diente als Bindeglied zwischen der Phalanx der Schwerbewaffneten und dem angreifenden Flügel der Reiterei. - Außerdem gab es im Alexanderheer königi. H., junge Pagen aus adligen makedon. Familien, eine Art Gardeeinheit. H Hypäthraltempel [griech., „unter freiem Himmel"]: Tempelbauten, die wegen ihrer Größe in der Mitte nicht überdacht wurden, deren Cella also einen offenen Hof bildete (z. B. Didyma). Sl Hypatja, etwa 370-415, griech. Mathematikerin und Philosophin. Tochter des Mathematikers Theon von Alexandreia, Vorsteherin des Museions, trug wahrscheinlich die neuplaton. Lehre im Sinne des lamblichos vor; schrieb (verschollene) Kommentare zu Apollonios von Perge und Diophantos. Mit ihrer Ermordung durch christl. Fanatiker erlosch die M a thematiker schule in Alexandreia. Wu

Hypcrbolos, demokrat. Politiker in Athen während des Peloponnes. Krieges, seit Kleons Tod 422 v. u. Z. Führer des Demos und als solcher Hauptzielscheibe der Komödie. 417 v. u. Z. durch den letztmalig angewandten Ostrakismos verbannt, wurde er 411 auf Samos von Oligarchen ermordet. Z Hyperborger [griech., vielleicht die „jenseits des Nordwindes (= Boreas) Wohnenden'*]: im äußersten N wohnendes sagenhaftes Volk, das in ewiger Glückseligkeit lebte. Nach griech. Glauben hielt sich Apollon von Delphi im Wipter bei ihnen auf; in sein Heiligtum auf Delos brachten die H. ihre Opfergaben. Be Hypereides, lat. Hyperides, 390-322 v. u. Z., Redner aus Athen, Schüler von Isokrates und vielleicht von Platon, neben Demosthenes führender Vertreter der antimakedon. Partei, deshalb von Antipatros hingerichtet. Von seinen Reden (privaten und polit. Prozeßreden; Grabrede für die im Lam. Krieg Gefallenen) sind sechs durch Papyri bekannt geworden; seiner Ausdruckskraft wegen galt H. nach Demosthenes als der bedeutendste Redner. Be T: C. Jensen, BT 1917 (Nachdruck BT Stuttgart 1963). TU: G. Colin, GB 1946. Hyperjon, dt. Hypcrion, Titan, Sohn des Uranos und der Gaia; seine Kinder von Theia sind Helios, Selene und Eos; auch Name oder Beiwort für dessen Sohn Helios. Name der Titelgestalt eines Briefromans von Hölderlin. Be Hypermçstra, eine der 50 f Danaiden, der Töchter des Danaos, ermordete als einzige unter ihren Schwestern wider das Gebot des Vaters nicht ihren Gatten Lynkeus, den Stammvater des späteren argiv. Königshauses, sondern verhalf ihm zur Flucht. Be Hypnos [griech., „Schlaf"], griech. Gott des Schlafes, Sohn der Nyx (Nacht), Zwillingsbruder des Thanatos (Tod); als geflügelter Jüngling dargestellt. Be Hypokausten [griech., „Unterfeuerung"]: eine Form der Zentralheizung, bei der die an der zentralen Feuerstelle erzeugten Heizgase durch ein Kanalsystem unter den Wandhetzkanal Außenwand

Innenwand Fußboden^

Spulrinne zur Aschebeseitigung Hypokaustenheizung für Fußboden und Wand Fußböden oder hinter den Wänden der Wohnräume, vor allem aber in Thermen abzogen. Nachweisbar sind H. seit dem 1. Jh. v. u. Z.;'in die vorher nur durch Kohlenbecken beheizten Stabianer Thermen in Pompeji wurden sie nachträglich eingebaut. Als Erfinder gilt Sergius Orata um 80 v. u. Z., der H. für Fischzuchtanlagen benutzte. - Abb. Wf HypQrchema [griech.]: Tanzlied für Chor mit Begleitung des Gesanges durch Saitenspiel, urspr. Kriegstanz der Kreter, von Thaletas von Gortyn (nach 665 v. u. Z.) nach

lapetos

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Ι Hypokausten unter einem Badezimmer mit Fußboden aus gestoßenen Scherben und Mörtel. Provinzialröm. Anlage (Rumänien) des 2. Jh. u. Z.

Sparta gebracht, Textfragmente bei Pindar und Bakchylides. LRi Hypothek [griech., „Unterlage", „Unterpfand**]: in Athen Fahrnispfand und H. Die H. konnte bei Gelddarlehen als Sicherung für den Gläubiger auf ein Grundstück des Schuldners bestellt werden. Der Schuldner wurde dadurch gehindert, über den belasteten Besitz frei zu verfügen. Bei Verfall besaß der Gläubiger kein sofortiges Zugriffsrecht, sondern konnte sich erst durch ein besonderes Verfahren in den Besitz der Sache setzen. In Rom bedeutete H. das dem Gläubiger zur Sicherheit seiner Forderung gegebene besitzlose Pfand. In der Neuzeit besteht dieses Pfand i. allg. aus Immobilien (Grundbesitz, Häuser), wobei nach Bedeutungswandel die Forderung als H. bezeichnet wird. Mü HypQthesis [griech., „Unterstellung"]: zugrunde liegende Fabel, etwa den heutigen Programmheften entsprechend ; Angaben, die den Texten einiger griech. Dramen sowie einiger Demosthenesreden vorangehen. Sie geben neben einem kurzen Handlungsabriß Aufschluß über Ort und Zeit der Handlung, die Personen, die Schauspieler und den Chor, über Absicht, Gehalt und Wert des Stückes sowie über das Schaffen des Autors. Verfaßt wurden sie zuerst von alexandrin. Gelehrten, später wohl von Abschreibern oder Interpretatoren. Der griech. H. entspricht das lat. Argumentum zu den röm. Komikern. Der moderne Begriff Hypothese in der Bedeutung „Grundlage** (für wissenschaftl. Weiterarbeit) scheint auf Newton zurückzugehen. Kr Hypsipyje, lat. Hypsipyle, in der griech. Sage Tochter des Königs Thoas von Lemnos. Als die Frauen dieser Insel auf Verabredung alle Männer töteten, rettete H. ihren Vater. Als Königin des Frauenstaates verband sie sich bei der Ankunft der f Argonauten mit lason, dem sie einen Sohn oder Zwillinge gebar. Nach der Weiterfahrt der Argonauten wurde die Rettung des Thoas bekannt, H. kam als Sklavin zu Lykurgos von Nemea, wurde Amme von dessen Sohn Opheltes. - Drama von Euripides, Opern von Gluck und Scarlatti. Be Hyrkanien [iran. Varkina, „Wolfsland"]: fruchtbare Landschaft im SO des Kasp. („Hyrkan.") Meeres, im S durch das hohe Elbrusgebirge mit dem Paß „Portae Caspiae" (Kasp. Pforte) vom übrigen Iran getrennt. D Hystaspes [iran. > griech.], alt i ran. König, später Magier, dem um die Zeitenwende eine apokalypt. Schrift zugeschrieben wurde (H.orakel), die den Untergang Roms, der Welt und die Herrschaft des O weissagte. KR TU: H. Windisch, Die Orakel des Hystaspes, Amsterdam 1929; J. Bidez - F. Cumont, Les Mages hellénisés, Paris 1938, Bd. l, 215ff.; 2, 359ff.

lakchos, lat. Igcchus, griech. Gott, der neben Demeter und Persephone bei den Mysterien in Eleusis gefeiert wurde. Er galt als Gemahl oder Sohn der Demeter oder als Sohn der Persephone; als solcher wurde er Zagreus gleichgesetzt. L wurde auch mit Dionysos identifiziert. Sein Name ist wohl aus dem Jubelruf „lakche" beim eleusin. Festzug entstanden. Be lamblichos: 1. griech. Schriftsteller aus Syrien aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. u. Z. ; stellte in seinem Roman „Babyloniaka" (Babylon. Geschichten) die abenteuert. Schicksale des babylon. Paares Rhodanes und Sinonis dar. Der Roman ist in seiner Form locker gefügt, er ist nur in einem Auszug des Photios erhalten. T: E. Habrich. BT 1960. 2. I. von Chalkis (Syrien), um 283 bis um 330, heilenist. Philosoph und Mathematiker, einer der einflußreichsten Vertreter des Idealist. Neuplatonismus. Urspr. Schüler des Porphyrios, wandelte I. die neuplaton. Lehren in eine myst., stark von oriental. Zügen geprägte Offenbarungsreligion um. Er hielt zwar an der grundsätzl. Unterschiedlichkeit eines göttl. Urwesens gegenüber der Welt fest, zerlegte jedoch Plotins Nus in eine intelligible und eine intellektuelle Welt. Aus diesen überweltl. Gottheiten folgen nach I. in triad. Ordnung 360 innerweltl. Götter, sodann Engel, Dämonen, Heroen und Naturgötter. Er suchte so Mantik, Theurgie und jede Art Volksreligion zu rechtfertigen, die nach I. Stufen zur myst. Versenkung des Menschen in die Gottheit darstellen. Die damit vollzogene Überordnung der Religion über die Philosophie übte, obwohl L selbst ein Gegner des Christentums war, auf die Entwicklung der mittelalterl. Philosophie einen großen Einfluß aus. In seinem Werk „Über die (ägypt.) Mysterien" bekannte sich I. als Anhänger der rituellen Magie und wirkte damit bis in den modernen Okkultismus nach. L* Mathematik hat starken zahlenmyst. Einschlag (mit der im Buch I der „Slg. der pythagoreischen Lehren*' mehr oder weniger erfundenen Biographie wurde wohl erst der Pythagorasmythos begründet). Kl T: L. Deubner (Pythagoras-Vita), 1937. Ü: Th. Hopfner, 1922. lanjculum: wahrscheinlich nach einer alten Kultstätte des lanus genannter Hügel am rechten Tiberufer, schon in republikan. Zeit durch Brücken (die älteste der Pons sublicius) mit Rom verbunden ; heute Monte Gianicolo in Trastevere („jenseits des Tibers")· Be lanus, alter röm. Gott der Torbögen, der Ein- und Ausgänge, doppelköpfig (nach vor- und rückwärts blickend) dargestellt („lanuskopf")· Nach ihm als dem Gott des Beginns wurde der Januar genannt, Monats- und Tagesanfänge waren ihm heilig, im Gebet wurde er zuerst angerufen, sein Kopf war auf der kleinsten röm. Kupfermünze, dem As, dargestellt. Sein Torbogen in Rom wurde nur in Friedenszeiten geschlossen (vor Augustus zweimal, unter Augustus dreimal). Er galt als ältester ital. König und soll Saturnus aufgenommen haben. Be lapetos, lat. Igpetus, Sohn des Uranos und der Gaia, Titan der griech. Sage; seine Söhne sind Atlas, Menoitios, Prometheus und Epimetheus. Be

larbas larbas oder Hi'ârbas, myth. König nordafrikan. Völkerschaften, bes. der Gätuler, Sohn des lupiter Ammon und einer garamant. -Nymphe, überließ f Dido Land zur Gründung von Karthago; drohte mit Krieg, als sie sein Werben abschlug. Be lason, in der griech. Sage Sohn des Aison aus lolkos. Dessen Bruder Pelias hatte sich der Herrschaft Aisons bemächtigt. Deshalb wurde I. zum Kentauren Cheiron in Sicherheit gebracht. Um den zurückkehrenden I. zu beseitigen, sandte ihn Pelias aus, in Kolchis das Goldene Vlies zu holen. I. führte die Argonauten dorthin und löste die von Aietes, dem König von Kolchis, gestellten Aufgaben (mit feuerschnaubenden Stieren zu pflügen und Drachenzähne zu säen und mit den daraus aufwachsenden Männern zu kämpfen). Mit Hilfe von Medeia, Aietes' Tochter, entwendete er heimlich das Vlies und kehrte mit ihr in die Heimat zurück. Von dort vertrieben, siedelten sie nach Korinth über. Dort verstieß I. Medeia, um sich mit Glauke zu vermählen. - Plastik von Thorwaldsen. - Taf. 47. Be latrus: an der Jantramündung bei dem Dorf Krivina gelegenes spätröm.-byz. Kastell, das zu den Festungsanlagen des röm. Donaulimes in Nordbulgarien gehört. Anfang 4. Jh. gegr., erlebte I. mehrere Bauperioden; um 425 wurde es im Zusammenhang mit den Hunneneinfällen zerstört und unter Justin.an als Festung restauriert. Im letzten Viertel des 6. Jh. von Slawen und Awaren zerstört, dauerte die frühmittelalterl. slaw. Besiedlung des Ortes während des 1. bulgar. Reiches bis Ende des 10. Jh. - Seit 1958 wurden durch gemeinsame Ausgrabungen der Akademien der Wissenschaften der DDR und Bulgariens die Festungsmauer mit halbrunden und rechteckigen Türmen, zwei Basiliken (4. und 6. Jh. u. Z.), militär. und zivile Bauten, röm., german., frühbyz., slaw. sowie mittelalterlich-bulgar. Keramik des 12. Jh. und Kleinfunde freigelegt. Go laxartes, heute Syr-Darja. Der I. mündet wie der Oxus (heute Amu-Darja) in den bis zur Spätantike unbekannten Aralsee in Mittelasien. Alexander d. Gr., der am I. „Alexandreia eschate" (das äußerste Alexandreia) anlegte, hielt den I. für identisch mit dem Oberlauf des Dons und nannte ihn deshalb Tanais. D Ibgrer: nicht-indoeurop. Bevölkerung der Pyrenäenhalbinsel, ist im Neolithikum wahrscheinlich aus Nordafrika eingewandert. Die I. zerfielen in zahlreiche Stämme. Sie besiedelten vor allem den S und O Spaniens, zeitweise war das Gebiet um den Iberus (Ebro) ihr Zentrum. Mit den 800-500 v. u. Z. eingewanderten Kelten vermischten sie sich (Kelt-I.) und wurden nach der röm. Eroberung der Iber. Halbinsel stark romanisiert. I. wohnten auch in Aquitanien, Sardinien und Korsika. Vermutet wird die Abstammung der Basken von ihnen. Jo Iberus, Hibgrus: span. Flüsse; neben dem Rio Tinto in Südwestspanien vor allem der Ebro (vor dem 2. Pun. Krieg Grenze zwischen dem röm. und karthag. Einflußgebiet in Spanien). D Ihn Roschd, arab. Philosoph, latinisiert f Averroes. Ihn Sina, tadshik. Gelehrter, latinisiert f Avicenna. Ibykos, lat. Ibycus, 2. Hälfte des 6. Jh. v. u. Z., griech. Lyriker aus Rhegion in Unteritalien, wohl vornehmer Abkunft; wirkte in den Städten Unteritaliens und lebte eine Zeitlang auch am Hofe des Polykrates von Samos. Er dichtete zuerst nach dem Vorbild des Stesichoros dor. Chorlyrik, indem er Themen aus dem Mythos und später die Macht der Liebe besang. Von seinem Werk sind nur Fragmente erhalten. Seine in Schillers Ballade „Die Kraniche des I." dargestellte Ermordung und ihre Entdekkung ist eine auf einem Wandermotiv beruhende heilenist. Erfindung. Be

250 T: D. Page, PMelGr, S. 144-169. Ü: E. Geibel, Klass. Liederbuch, Leipzig 1959, S. 37-38 (Auswahl). TU; H. Rüdiger, Tusc. *1972, S. 56- 59. Ichthyophagen [griech., ,.Fischesser"]: Sammelname ethnographisch verschiedener, aber in ihrer Lebensweise übereinstimmender primitiver Völker in entlegenen Gegenden : an der Westküste des heutigen Roten Meeres sowie an den Südküsten Asiens. D ïda: 1. heute Psiloritis, zentrales Gebirgsmassiv auf Kreta (2498 m) mit zahlreichen Höhlenbildungen, vor allem der idäischen Grotte (myth. Geburtsort des Zeus; alte Kültstätte mit Opferaltar) am Nordabhang und der Grotte bei Kamares am Südabhang, nach deren Fundstücken die Gattung der Kamares-Vasen mittelminoischer Zeit benannt ist. - 2. Gebirgszug im nordwestl. Küstengebiet Kleinasiens (südlich von Troja), heute Kaz dag, dessen Gipfel Gargaron im Mythos Ort der Vermählung des Zeus mit Hera (heilige Hochzeit) war. Dieses Gebiet war außerdem ein Mittelpunkt des Kybelekultes. Auf dem I. soll Paris sein berühmtes Urteil gefällt haben. D Was, in der griech. Sage der starke Sohn des Aphareus, Zwillingsbruder des Lynkeus ; beide wurden die Apharetiden genannt. Sie nahmen am Zug der Argonauten und an der Kalydon. Jagd teil und kämpften gegen die Dioskuren. I. tötete Kastor und wurde von Zeus mit einem Blitz erschlagen. Be Idealismus [griech.-lat.]. In der Antike waren erste Vertreter des objektiven I. die Pythagoreer mit ihrer Zahlenmystik (Zahlen als Weltprinzip). Platon schuf das erste durchgebildete System des L, dessen philosoph. Kern die Ideenlehre ist und das er bewußt den materialist. Theorien - bes. des Demokritos - gegenüberstellte. Er gilt als Stammvater des I. überhaupt. Im Neupythagoreismus und Neuplatonismus, bes. bei Plotin, fand der I. seine späte antike Fortbildung. Der subjektive I. erfuhr in der Antike keine systemat. Ausprägung. Mehr oder weniger starke Idealist. Momente sind bei Sokrates, Aristoteles, den Peripatetikern und der Stoa festzustellen. Einige Auffassungen der Eleaten, der Relativismus der Sophistik und die verschiedenen skeptizist. Theorien förderten ebenfalls Idealist. Anschauungen. Gu Ideenlehre: Kernstück des objektiven Idealismus Platons. Urspr. erkenntnistheoretisch entworfen, hat die I. auch die platon. Ethik, Politik, Ästhetik und Kosmologie geprägt. Unter Verwendung sokrat. Gedanken hypostasierte Platon den Begriffsinhalt zur Substanz und schrieb dieser ein ursprüngl. und wahres Sein vor allen materiellen Dingen der wirkl. Welt zu. Die Ideen sind nicht nur die ruhenden Urbilder der Dinge, sondern sie werden in der späteren Philosophie Platons auch zur Ursache und zum Zweck aller Dinge. Die Ideen sind daher der eigentl. Gegenstand der Wissenschaft. Sie sind in eth. und ästhet. Beziehung das Vollkommene, hinter dem die Wirklichkeit zurückbleibt. Zwischen dem hypostasierten Begriffsinhalt und der wirkl. Einzelheit entfaltete sich die platon. Dialektik. Die Teilnahme der Einzelheit an der Idee sowie die zeitweilige Anwesenheit der Idee in der Einzelheit bezeichnen die widersprüchl. Einheit von Einzelheit und Allgemeinheit. Der platon. Eros beinhaltet das Streben des Menschen, die Ideen zu erkennen, um Wahrheit und Glückseligkeit zu erlangen. Das Erkennen der Ideen erfolgt durch Wiedererinnerung (Anamnesis). Diesem Prinzip liegt der im „Phaidros" entwickelte Seelenwanderungsmythos zugrunde, wonach der Mensch vor seiner Geburt Teilnehmer am Ideenreichtum war und sich im Erkennen der dort geschauten Ideen erinnert. Die höchste Idee ist die des Guten, die Platon mit der Gottheit identifizierte. In seiner Spätphilosophie versuchte Platon eine Reduktion der Ideen auf Zahlen. Die I. Platons bildet die

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Iktinos

Grundlage jedes objektiven Idealismus der folgenden Philosophen. Sie war die Basis des Universalienstreites in der Scholastik sowie der Ausgangspunkt der hochscholast. Systeme des Albertus Magnus und des Thomas von Aquino. Ihre Nachwirkungen sind über den transzendentalen Idealismus von Schelling und Hegel bis in die prokapitalist. Systeme der neukantian. Philosophen (Natorp) zu erkennen. Auch in der sog. Phänomenologie (Husserl, Merleau-Ponty) sind ihre Nachwirkungen aufweisbar. Kl Iden, lat. (dus [Name wahrscheinlich etrusk. Herkunft]: Monatsmitte. Die I. bezeichneten im altröm. Kalender den Eintritt des Vollmondes und fielen auf den 13. bzw. im März, Mai, Juli und Oktober auf den 15. Tag des Monats. - Berühmt geworden sind die L des März 44 v. u. Z., an denen Caesar ermordet wurde. FrJo Ideogramm [griech. gidos, ..Gestalt", „Begriff" und gramma, „Buchstabe", „Schrift"]: bildl. Darstellung eines Einzelbegriffes oder Gedankenkomplexes in der Bilderschrift. So bestehen z. B. die Keilschrift und die Hieroglyphen i. wesentl. aus I.en. Das I. lebt in der Gegenwart z. B. in Verkehrszeichen fort. Wt Idistaviso: Ebene („Wiese") östl. der Weser von im einzelnen unbekannter Lage, wo 16 u.Z. Germanicus die Germanen unter Arminius besiegte. D Idfil [griech. gidolon, „Bild"]: mehr oder weniger bearbeiteter, nicht immer vollfigürlich ausgeformter Gegenstand tier- oder menschenbildl. Prägung aus Stein, Knochen, Holz, Ton u. a. Material, Größenordnung bis ca. 20 cm, zu trennen vom Fetisch als der magisch gebundenen Vorform. Das I. galt als Träger schützender Kraft ,der als solcher kultisch verehrt wurde; als früheste Vergegenständlichung magisch-religiöser Verehrung sind Le seit der späteren Altsteinzeit nachgewiesen. Aus der Masse der zahlreich überlieferten I.e heben sich die eigenwillig stilisierten Marmor-I.e der Kykladenkultur des 3./2. Jährt, v. u. Z. als feste Denkmälerklasse hervor. I.Charakter bewahrten die Kultstatuen, z. B. myken. Zeit. Durch zähes Festhalten am Althergebrachten zeichnen sich die boiot. Brett-I.e des 7./6. Jh. v. u. Z. aus; sie verdeutlichen Elemente einer zweiten Kultur, in die vormalige Gebrauchs- und Stilformen absinken. I.plastik hat es auch in den Jahrhunderten der entwickelten griech. und röm. Gesellschaft als Ausdruck Volkskünstler. Schaffens von Gegenständen des tägl. Gebrauchs gegeben. - Abb. Sl

Idolino

spätmyken. Idol 4

Idolino [italien., „kleiner Gott' ]: Kosename für die bronzene Knabenstatue aus Pesaro (1530 ausgegraben), aufbewahrt in Florenz, Museo Archeologico, als Lychnophoros (Leuchter) umfunktionierte röm. Kopie nach

einem griech. Vorbild der polyklet. Schule aus dem späten 5. Jh. v. u. Z. - Abb. Sl Idomençys, lat. Idgmeneus. in der griech. Sage Herrscher von Kreta, Enkel des Minos, Führer der Kreter auf der Seite der Griechen im Trojan. Krieg. Oper „Idomeneo" von Mozart. Be Idylle [griech. eidyllion, „Bildchen"]: kürzeres Gedicht. Zunächst als Bezeichnung der bukol. Gedichte Theokrits gebraucht, erweiterte sich der Begriff in der Spätantike allmählich zur allgemeinen Bezeichnung für eine verklärend-preisende Darstellung ländl.-bescheidenen Lebens (Idyll). Ki

Igeler Säule (rekonstruiert), etwa 23 m hoch

Igeler Säule: röm. Grabmal in Igel bei Trier aus dem 3. Jh. u. Z., viergeschossiger, pyramidal abgeschlossener Grabturm, in den einzelnen Zonen mit Reliefs verziert, die Szenen aus dem Mythos und dem Alltag zeigen, auf der Vorderseite die Familie der Secundarier, der das Grabmaf geweiht ist. - Abb. Sl Ikgrios, lat. Icarius, in der griech. Sage Athener z. Zt. Königs Pandions; nahm Dionysos gastfreundlich auf und erhielt dafür als Gabe Wein und die Unterweisung im Weinbau. Die att. Bauern, die vom Wein gekostet hatten und betrunken wurden, glaubten sich vergiftet und töteten I. Er wurde als Bootes unter die Sterne versetzt. Seine Tochter ist f Erigone. Be Ikaros, lat. Jcarus, Sohn des myth. Daidalos; als er mit seinem Vater auf der Flucht von Kreta der Sonne zu nahe kam, schmolz das Wachs der von Daidalos künstlich verfertigten Flügel, und I. stürzte ins, Meer, das nach I. den Namen Ikarisches Meer erhielt. - Der Sturz des I. war häufig Gegenstand der Malerei (Wandgemälde von Pompeji; Gemälde von Tintoretto, P. Brueghel d. Ä., van Dyck). Be Iktinos, griech. Architekt des 5. Jh. v. u. Z., erbaute (zusammen mit Kallikrates) den Parthenon (Taf. 15) sowie den Apollontempel von Bassai-Phigalia (Taf. 13), war offenbar auch Mitgestalter des Telesterions in Eleusis. Typisch für I. ist die Verschmelzung dor. und

Iktus ion. Bauelemente sowie die erste bezeugte Anwendung des korinth. Kapitells (im Innenbau). Sl Iktus [lat, „Schlag"]: Betonung einer Versstelle durch Exspirationsakzent. Den Griechen, vielleicht auch den Römern, war der I. fremd. Ki IldefQnso-Gruppe [nach dem ehemaligen Auf bewahrungsort Schloß Ildefonso in Spanien]: Plastik röm. Zeit, die eine Gruppe von zwei an einem Altar stehenden Jünglingen darstellt ; jetzt in Madrid. Dieses in Anlehnung an Schöpfungen des Polykleitos und Praxiteles (Sauroktonos) geschaffene und mit röm. Zutaten (Antinooskopf) versehene Werk ist eine typisch eklekt. Schöpfung der Spätzeit. Sl Ile [griech.]: Reiterabteilung im makedon. Heer, wohl 300 Reiter, später in Hipparchie umbenannt. H Ilias: Epos Homers, das den Kampf um Troja schildert. Be Ilion: anderer Name für f Troja. Ilis(s)os, griech. IÜS(S)QS: Flüßchen in Attika, entspringt im Hymettos, fließt südlich am antiken Athen vorbei, mündet in den Kephis(s)os (im Altertum vielleicht direkt in die Bucht von Phaleron). Am I. stand die Platane aus Platons „Phaidros". D Iliupcrsis [griech.]: die Zerstörung Trojas (liions), Inhalt ep. und künstler. Darstellung, in Anknüpfung an die sagenhafte Überlieferung vom Trojan. Krieg, der sich im 13. Jh. v. u. Z. abgespielt haben dürfte. Bes. markante Szenen, wie die Tötung des Priâmes und Astyanax, die Schändung Kassandras, die Flucht des Aeneas, wurden zyklisch dargestellt z. B. auf der Vivenzio-Vase in Neapel oder auf der I.-Schale des Brygos-Malers. - Abb. Sl

Iliupersis (Schale des Brygos-Malers, 5. Jh. v. u. Z.; Paris)

Illuminierung [von lat. illumingre. „erhellen, schmücken"] : Ausstattung von Handschriften und frühen Drucken durch Federzeichnungen oder Malereien. Schon im alten Ägypten wurden Papyrusrollen mit Tuschzeichnungen versehen, wie z. B. die Totenbücher und Jenseitsführer im Neuen Reich (2. Jährt, v. u. Z.). In der Antike enthielten die Buchrollen Autorenbildnisse und wissenschaftl.techn. Zeichnungen. Griech. illuminierte Papyrusrollen sind aus dem 2. Jh. u. Z. erhalten. Mit dem Aufkommen des Kodex im 4. Jh. nahm die I. großen Aufschwung. Die sog. Quedlinburger Itala-Fragmente (Deutsche Staatsbibliothek Berlin) enthalten die ältesten I.en christl. Inhalts. Stilistisch gehören dazu die Ilias Ambrosiana in Mailand und die Vatikan. Handschrift des Vergil (alle 4./5. Jh.). Berühmt sind auch der Wiener DioskuridesKodex (6. Jh.) mit 600 farbigen Pflanzenbildern und die illuminierte Handschrift der Komödien des Terenz (9. Jh.) in Paris. Wt Illyrer: eine Gruppe indoeurop. Stämme, die sich während des 2. Jährt, v. u. Z. von der L'ausitz bis in den NW der Balkanhalbinsel ausbreiteten und die um 1200 v. u. Z. in Illyrien einwanderten, unter ihnen z. B. die Dalmater, Terulantier und Ditionen. I. sind auch die Messapier und

252 wahrscheinlich die Japyger und Veneter in Italien. Der Sammelname I. war spätestens zur Zeit Herodots in Gebrauch. Ihre Gesellschaftsform war anscheinend patriarchalisch. Die Dalmater bildeten eine lose Eidgenossenschaft und wurden nach der Unterwerfung durch die Römer schnell romanisiert. Die I. stellten dem Reich ausgezeichnete Soldaten. Sey IHjTien, lat. Illyricum: urspr. Bezeichnung für den Mittelteil der adriat. Küste um Shkodër (Nordalbanien), dann umfassend für den gesamten NW der Balkanhalbinsel von der Adriaküste bis zur Morava und von Epirus bis zur mittleren Donau gebraucht. Die illyr. Stämme des Küstenlandes gerieten seit 228 v. u. Z. unter röm. Einfluß. Seit 168 v. u. Z. bestand die röm. Provinz L, doch wurde das Binnenland erst unter Augustus unterworfen. Nach der Unterdrückung des Illyr. Aufstandes 6-9 u. Z. erfolgte die Teilung in die Provincia Illyricum inferior (Pannonien) und die Provincia Illyricum supçrior (Dalmatien). In der Zollverwaltung schloß aber die Bezeichnung L auch Rätien, Noricum, Mösien und Dakien mit ein. Seit Konstantin I. war I. eine der vier großen Präfekturen des Rom., später Ostrom. Reiches und reichte von der unteren Donau bis nach Griechenland. Jo Illyrisch: bald nach der .Zeitenwende ausgestorbene Sprache der Illyrer. Erhalten sind lediglich einige Glossen sowie Orts- und Personennamen, deren Untersuchung ergab, daß gleiche oder ähnl. Stämme sowie Wortbildungselemente in Namen aus fast ganz Europa vorkommen. Die daraus gezogene Folgerung, I. sei die Sprache der Träger der Urnenfelderkultur, ist jedoch nicht haltbar, da die sprachl. Elemente zu wenig charakteristisch für derartige Schlüsse sind. Inzwischen ist nicht nur fraglich geworden, ob das Messapische und Venetische noch dem I. zugeordnet werden dürfen, sondern man bezweifelt auch, daß diese Sprache im vorröm. Illyrien überhaupt einheitlich war. - Das heutige Albanische ist eine Tochtersprache des I.en. HG Ilos, lat. Jlus, Sohn des myth. Tros und der Kallirrhoe, Vater des Laomedon ; galt als Gründer liions. Be Imagines [lat.]: f Ahnenbilder im-alten Rom. Imbros, heute türk. Îmroz: der Thrak. Chersonesos (Halbinsel von Gallipoli) westlich vorgelagerte Insel der Nördl. Sporaden (Nordägäis), wurde um 500 v. u. Z. athenisch. D Imitatio [lat.. ..Nachahmung"]: kunsttheoret. Terminus zur Bezeichnung Stoff 1. oder sprachl. Nachahmung älterer literar. Muster. Diese galt, sofern sie sich nicht in sklav. Nachbeterei erschöpfte, sondern Talent, Leistungswillen und umfangreiche Kenntnisse verriet, als eigenständige künstler. Leistung. Die L wurde zu allen Zeiten praktiziert, insbes. jedoch von den Römern, deren Literatur sich in enger Anlehnung an die griech. herausbildete. Ki Imperium [lat., „Befehlsgewalt"]: Amtsgewalt der höchsten röm. Magistrate und Promagistrate. Äußeres Zeichen waren die Fasces. Die Übertragung des I. erfolgte in der Volksversammlung durch die Lex curiata de imperio. Hauptinhalt des I. waren militär. Gewalt und Rechtsprechung. Später bezeichnete L auch das Gebiet, in dem der Beamte die Amtsgewalt ausübte, so daß schließlich das röm. Weltreich in der Kaiserzeit, /. Romqnum genannt wurde. Mit der tatsächl. bzw. fiktiven Fortsetzung der röm. Tradition durch den byz. Staat sowie das Reich Karls d. Gr. und seiner Nachfolger (bereits vor 800 als ChrisÜQnum Imperium bezeichnet) wurde I. zur Bezeichnung eines Weltreiches (engl. und franz. Empire) im Mittelalter und in der Neuzeit; davon abgeleitet: Imperialismus. Wa Impetus [lat.]: Anstoß, Schwung. - Die L-theorie ist eine Modifizierung der aristotel. Bewegungstheorie, die. in

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Ingenieur

Ansätzen auf Hipparchos und bes. Johannes Philoponos zurückgeht, die in der Spätscholastik (Johann Buridan) vollendet wird und die die wissenschaftl. Erklärung der Bewegungen vorbereitet. In ihr wird der zur Aufrechterhaltung der Bewegung der Himmelskörper notwendige immaterielle Beweger (Gott) durch einen L, einen ersten, einmaligen Anstoß, ersetzt, der bei den Himmelskörpern erhalten bleibt, beim freien Fall jedoch zunimmt, und der sich bei anderen, ird. Bewegungen (Stoß, Wurf) aufbraucht, so daß die Bewegung aufhört. WS Impluvium [lat.]: der im Inneren des röm. Hauses befindl. freie Hofraum, der sich unter dem Compluvium des Daches befindet; in ihm sammelte sich das Schmelz- und Regenwasser. Meist war das I. von Säulenhallen umgeben. Sl

Impluvium

Inachos, lat. Inachus, Flußgott, Sohn des Okeanos und der Tethys, galt als alter König von Argos und Stammvater des dort herrschenden Fürsteogeschlechts. Eines seiner Kinder ist Io. Be Incipit [ lat.] : Glaube an einen einzigen Gott; in der antiken Welt des f Polytheismus streng genommen nur vom Juden- und Christentum vertreten; daneben gab es mannigfache monotheist. oder monist. Tendenzen, wie in der griech. Philosophie (Platon, Xenophanes, Kleanthes, Plotin u. a.) oder der spätantiken Religion (oriental. Gottheiten wie Isis und Sol invictus; Allgott Pantheos bzw. Panthea; Aion). Im Orient ist an Zarathustra, den babylon. Mardukkult und die Atonverehrung des Pharao Aiianjati (Echnaton) zu denken. KR MQHS sacer [lat., „heiliger Berg"]: durch die angeblich 494 (Entstehung des Volkstribunats) und 449 v. u. Z. erfolgten Sezessionen der röm. Plebejer berühmter Hügel unweit Roms an der Via Nomentana unmittelbar nördlich des Anio. D Montaigne, Michel de, 1533-1592, französ. Philosoph; Anhänger antiker Skepsis, bekämpfte er als ein wesentl. Vertreter des Humanismus in Frankreich Scholastik, religiöse Intoleranz und feudale wie kirchl. Abhängigkeiten. In seinen ,,Essays" (1580) schilderte M. in unsystemat. Selbstdarstellung seine Ansichten von Welt und Menschheit und schuf die neue literar. Form dieses Namens. Le Montanjsmus: um die Mitte des 2. Jh. in Kleinasien von Montanus (gest. um 180), der sich für die Verkörperung der abschließenden Offenbarung hielt, gegr. christl. Sekte, die das nahe Weltende und das 1000jährige Reich erwartete und dementspr. eine rigorist. Ethik vertrat. Letztere blieb im 3. Jh. der entscheidende Gegensatz zur Großkirche, während die Naherwartung verblaßte. Der M. war ein radikales Märtyrerchristentum. Wi Mgnte Cassjno: durch seine reichen Handschriftenbestände berühmtes, 529 u. Z. von Benedikt von Nursia selbst gegr. Benediktinerkloster auf einem Berg an der Via Latina im ehemaligen Volskerland (heute Kampanien), im 2. Weltkrieg durch die Verbrecher. Kriegführung der Naziwehrmacht völlig zerstört. Die unterhalb des Klosters gelegene Stadt Cassino wurde in der Neuzeit nach antik Casinum zurückbenannt, ihr mittelalterl. Name war San Germano. D Monteverdi, Claudio, 1567-1643, italien. Komponist; führte die Oper, die um 1600 in Florenz vermeintl. Erneuerung des antiken Dramas entsprungen war, auf die Höhe der Meisterschaft. Die musikal. Mittel seiner frühen Opern („LOrfeo" 1607, „Arianna" 1608) sind ganz auf den szen. Raum und Affekt eingestellt. Reicher noch an Formen sind die Spätwerke („II ritorno d'Ulisse" 1641, „L'incoronazione di Poppea" 1642). Mythos, Kaisergeschichte und Allegorie bilden in den Werken M.s einen erhabenen théâtral. Raum, inmitten dessen sowohl große Leidenschaften aufeinanderprallen und sich ausströmen als auch humorist. Genreszenen Platz finden. JM Montfaucon, Bernard de, 1655-1741, französ. Benediktiner; Kirchenhistoriker und Philologe, Begründer der griech. Epigraphik. M. publizierte 1719 in 10 Foliobänden „L'Antiquité expliquée et représentée en figures" (Die Antike, erläutert und in Bildern dargestellt). Das grandiose Werk sollte in etwa 40000 Abbildungen die gesamte monumentale Überlieferung der Antike zusammenfassen. He Ü: (gekürzte di. Ausgabe) Nürnberg 1757. Monumgnta Germ a nia e Historica (M GH): umfassende Slg. mittelalterl., vorwiegend in lat. Sprache abgefaßter

364 Quellen zur dt. Geschichte; durch die 1819 von Freiherr vom Stein gegr. „Gesellschaft für ältere dt. Geschichtskunde", ab 1873 von den Akademien Berlin, München und Wien hrsg. Die M GH umfassen die Abteilungen: Scriptgres (erzählende Quellen), Lçges (Rechtsquellen), Diplgmata (Urkunden), Epistolae (Briefe), Antiquitgtes (Dichter, Nekrologien) mit zahlreichen Unterabteilungen, von denen z. B. die „Auctgres antiquissimi" die Editionen zahlreicher spätantiker Schriftsteller enthalten (Venantius Fortunatus, Jordanes, Symmachus, Apollinaris Sidonius, Claudianus, Cassiodorus u. a.). Tr Monumcntum Ancyrgnum: Sammelname für den von Augustus selbst verfaßten Rechenschaftsbericht (Res gestae), der vor allem die zivilen Leistungen herausstellt, benannt nach der 1555 in Ankara entdeckten lat. und griech. Kopie. Nach diesen und Resten weiterer Kopien in Kleinasien ist der Wortlaut herzustellen, das Original (vom Augustus-Mausoleum in Rom) ist verloren. 2 T T: CIL III S. 769ff., danach H. Volkmann, Berlin 1957, 1964. Mgpsos, lat. Mgpsus, berühmter Seher der griech. Sage, Enkel des Teiresias, besiegte Kalchas im Seherwettstreit, gründete mit Amphilochos in Mallos (Kilikien) eine Orakelstätte. Be MQra [griech.]: Abteilung schwerbewaffneter Hopliten der spartan. Phalanx, 1024 Krieger umfassend. H Moral [lat. mgres, „Sitten"; moralis, „sittlich"]: die Gesittung in ihrer Gesamtheit, sie besitzt deskriptiven und normativen Charakter; diesen Zusammenhang erkannte bereits Aristoteles. M. der Griechen und Römer ist vom jeweiligen Zustand der Gesellschaft abhängig (Sklaverei!) und variiert mit diesem. Theoret. Reflexion der M. (Moraltheorie, f Ethik) durchzieht die gesamte antike Philosophie und ist schon in (Jen Sprüchen der sieben Weisen überliefert (ohne theoret. Begründung). MSn MonnQ, weibl. Schreck- und Spukgestalt im griech. Volksglauben, die Kinder raubte. Be Morphç [griech., „Form", „Gestalt*']: Begriff aus der Philosophie des Aristoteles, bei dem die M. das verwirklichende und gestaltende Prinzip ist, das zum Stoff (Matçria prima) hinzutreten muß, um überhaupt erst Entwicklung zu bewirken. Stoff ist dabei die Möglichkeit (Dynamis) dessen, was in dem fertigen Ding vermöge der M. wirklich geworden ist. Die Verwirklichung ist dabei zweckgerichtet (Entelechie). Indem Aristoteles die M. mit dem Stoff notwendig verband (Materia secynda) und von dorther jede Entwicklung herleitete, polemisierte er zugleich gegen die idealist. Ideenlehre Platons. Kl Morphcus, lat. Mgrpheus, griech. Gott des Traumes, Sohn des Schlafgottes Hypnos, der den Menschen in verschiedenen „Gestalten" (griech. morphai) erschien. Er wurde meist geflügelt dargestellt. - Das Morphin ist nach M. genannt. Be Mörser. Ältere Kulturen überlieferten Griechen und Römern den M.; Funde sind nicht häufig, auch Abbildungen selten. Kleine M. und kleine Stößel fertigte man aus Metall, große aus Stein. M.keulen waren wohl meist aus Holz (Abb.) und nur bei der Erzaufbereitung im Bergbau aus Eisen. Wf Mörtel. Für Quaderbau war M. ebenso entbehrlich wie für ungebrannte Lehmziegel. Zuerst brauchten Bildhauer M. als Steinkitt, wozu sie zerstoßenen Marmor mit Leim vermischten. Gips-M. ist aus älteren Kulturen übernommen, aber nicht häufig, jedoch bei techn. Bauten (Zisternenabdichtung, Erzaufbereitungsanlagen) meisterhaft angewendet worden. Bau mit unbehauenen Steinen forderte jedoch Kalk-M., der erstmalig 460 v. u. Z. bei der beschleunigten Errichtung der .Langen Mauern* zum Piräus erprobt wurde. Vor Einführung der gebrannten

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Mucius

Ziegel in Griechenland um 330 v. u. Z. war kein M. erforderlich. Noch Theophrastos, der M.bau als phönik. Bauweise kannte, entwickelte irrige Vorstellungen, da er Gips und Kalk nicht auseinanderhielt. Erst beim röm. Ziegelbau setzte sich die M .-Verwendung durch. Cato und Vitruv empfahlen, auf scharf körnigen Sand zu achten, färbende Humusbeimengen zu meiden, sterilen Sand aus Tiefgruben zu bevorzugen - sie warnten vor Meersand, da dessen Salzgehalt leicht feuchtes Mauerwerk hervorrief. Gern verwendete man vulkan. Sande, zumal für Unterwasser- und Hafenbau, die damals wie heute ohne Rücksicht auf ihre Herkunft aus Puteoli .Puzzolansande' hießen. Wf

Frauenarbeit am Mörser. Stampfen von Getreide oder · Pulverisierung von Erzmineralien sowie Arzneimitteln (nach att. rotfigurigem Vasenbild, um 480 v. u. Z.)

Gesteinsmörser mit Deckel aus Laureion (um 350 v. u. Z., nach einem Fund von Ardaillon 1897; Trachyt von der Insel Melos)

Morus, Thomas, 1478-1535, Staatsphilosoph und bedeutendster engl. Humanist; Freund des Erasmus von Rotterdam; übersetzte mit diesem Lukianos ins Lateinische. M.' Hauptwerk ist die Staatsphilosoph. Schrift „Utopia" (De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia [„Über die beste Staatsverfassung und die neue Insel U."] 1516), die mit dem Thema über die beste Staatsform in einer langen Tradition steht (Platon, Cicero u. a.); neu geschaffen wurde der Begriff der Utopie (griech.) lat., ..Nirgendland"). M. veranschaulichte satirisch die Mißstände der bestehenden Staatsformen Englands und Frankreichs und stellte ihnen seinen Vernunftstaat auf der Insel Utopia gegenüber, wo das Privateigentum beseitigt und jeder zur Arbeit verpflichtet ist. Mit der „Utopia" begründete M. den modernen Staatsroman. Ferner schrieb M, lat. Epigramme. Tr T: (Opera) Basel 1563; (Utopia) V. Michels - Th. Ziegler, Berlin 1895; (The Latin Epigrams) hrsg. von L. Bradner Ch. A. Lynch, Chicago 1953. Ü: G.Ritter, Berlin 1922; J. Krehayn, Berlin 1955; A. Hartmann, Basel21957; C. Woyte, R* 1974.

Mosajk: dekorativer Flächenbelag, besteht aus verschiedenfarbigen Stein- oder Glaskörperchen, die auf eine gestaffelte Bindeschicht, meist aus Mörtel, aufgetragen und nach dem Versetzen geschliffen werden. M.en als Fußbodenbelag sind, offenbar von oriental. Vorbildern angeregt, in Griechenland seit klass. Zeit (zuerst KieselM.en) nachweisbar. Im Laufe des Hellenismus wurden sie kunstvoll ausgebildet (Alexander-M., M. des Hephaistion von Pergamon, Tigerreiter-M. voii Delos, M .en des Dioskurides). Auf ital. Boden erfreute sich die M.technik wachsenden Zuspruchs, wie die pompejan., auch die praenestin. M.en (Nillandschaft) bezeugen. Sie fand im ganzen Imperium rasche Verbreitung (Gallien, Germanien, Pannonien, Nordafrika, Syrien). Einen unbestrittenen Höhepunkt erlangte die M.kunst in frühchristl. und frühbyz. Zeit (M.en in Ravenna), nun auch als Wandund Gewölbe-M.en. - Taf. 45. Seit der Renaissance lebte das M. vereinzelt wieder auf (San Marco in Venedig). Sl Moschos, um 150 v.u.Z., griech. Grammatiker und bukol. Dichter aus Syrakus (Sizilien), verfaßte das in Hexametern geschriebene Epyllion „Europe", in dem der Raub der Europe durch Zeus anmutig und geschickt dargestellt wird. Aus seinen „Bukolika" (Hirtengedichten) sind drei Stücke überliefert. Im hexametr. „Entlaufenen Eros" sucht Aphrodite ihren flüchtig gewordenen Sohn. Be T: U. v. Wilamowitz-Moellendorff, Bucolici Graeci, Oxford 1905, 2 /970. TU (Europe): W. Bühler, Hermes Einzelschrift 3 13, 1960. Ü: F. Notier, LB 1913.

Mosella: lat. Name der Mosel, die innerhalb des röm. Galliens (vor allem in der Provinz Belgica) floß. Einen poet. Hymnus auf die M. verfaßte Ausonius im 4. Jh. Im Gebiet der M. sind zahlreiche archäolog. Reste aus der Rönnerzeit zu finden, z. B. in Trier. D Mgsien. Nachdem die Römer bereits in der l. Hälfte des 1. Jh. v. u. Z. Feldzüge bis an die untere Donau unternommen hatten, wurden unter Augustus zwei Legionen in dieses Gebiet gelegt, das zu Beginn der Regierung des Tiberius (14-37 u. Z.) in eine röm. Provinz verwandelt wurde. Unter Domitianus (etwa 85) wurde die Provinz in Mffsia supcrior (Obermösien; etwa das heutige Serbien) und Mcgsia inferior (Unter-, Niedermösien; das Gebiet zwischen Donau und Balkan-Gebirge) geteilt. Unter Trajan gehörten zeitweise auch Gebiete nördlich der Donau zu M. Nach der Aufgabe der Provinz Dacia unter Aurelianus (270-275) wurden aus Teilen der mös. Provinzen und Thrakiens die Provinzen DQCIÜ riptnsis (Hauptstadt Ratiaria bei Vidin) und DQC'IÜ mediterranea (Hauptstadt Serdica/Scfia) gebildet. Seit der Reform unter Diocletianus (284-305) gehört Moesia prima (= superior) zur Diözese Dacia, Moesia secynda und Scythia (= inferior) zur Diözese Thracia. Durch die Teilung des Reiches 395 kamen die Gebiete zum Ostreich und blieben unter byz. Herrschaft bis zur Gründung des 1. Bulgar. Staates 681. Seit der Mitte des 3. Jh. war das Gebiet M.s allerdings fast ohne Unterbrechungen Einfallen zunächst german., später slaw. (bes. bulgar.) Stämme ausgesetzt, so daß die Provinzen nur noch kurze kulturelle und wirtschaftl. Blütezeiten erfuhren. Wa Mozart, Wolfgang Amadeus, 1756-1791, Komponist; vertonte (nach einigen frühen Opern) in zwei großen Werken der Opera séria Texte nach der Antike : „Idomeneo" (1781), ein der Konvention gemäßes düster-pathet. Stück, aber mit glückl. Ausgang, sowie das Intrigenstück „La clemenza diTito" (1791). JM Mycius: altröm. plebej. Geschlechtername. - 1. C. M. Scaevola („Linkshand"), legendärer Held der röm. Frühzeit, der nach der fehlgeschlagenen Ermordung des

Mühle etrusk. Königs Porsenna, von diesem gefangengenommen, seine Hand im Feuer verbrannt habe, um seinen Mut zu beweisen, so daß er ihn freigelassen und die Belagerung Roms aufgegeben habe. - 2. P. M. Scaevola, Konsul 133 v. u. Z., unterstützte die Agrarreformen des Tiberius Gracchus, schrieb ein zehnbändiges Jurist. Werk, das über Cicero und spätere Juristen teilweise überliefert ist. - 3. Q. M., Sohn des M. 2, 140-82 v. u. Z.. 95 Konsul, zog sich durch gerechte Verwaltung der röm, Provinz Asia die Feindschaft der Ritter zu, wurde deshalb ermordet. Er schrieb 18 Bücher der Praxis der Zivilgerichtsbarkeit, von denen Auszüge in den Digesten überliefert sind bzw. inhaltlich auf ihnen fußen. Er war Lehrer Ciceros. Hd Mühle. Zur Erzeugung von Mehl, Schrot, Graupen aus Getreide und Hülsenfrüchten gaben die Griechen den im Neolithikum entwickelten Reibstein auf und konstruierten spätestens im 5. Jh. v. u. Z. die Schwenk-M. Ihr etwa halbkreisförmiger Unterstein erhielt ein Loch im Zentrum, in dem ein Zapfen saß. Am Zapfen im Zentriwinkel drehbar hing die hölzerne Führung des sektorförmigen Obersteins. Die Bewegung rechts-links (statt bisher hin-her) erleichterte die (Sklaven-) Arbeit (Abb.). Die volle Kreisbewegung nutzte die nächste Erfin-

boiot. Schwenkmühle, Ansicht und Grundriß, l Unterstein, 2 Drehzapfen, 3 Schwenkgriff, 4 Oberstein mit trapezförmigem Einschnitt, 5 Schlitz zum Durchlaß der Getreidekörner, 6 ...Schärfungen" (gerichtete Hauschläge) im Unterstein (nach gepreßtem Napf aus Boiotien. um 350 v. u. Z.)

sanduhrförmige Getreidemühle, Ansicht und Schnittbild. Pferdeantrieb bei Lampenlicht - das Tier (mit Scheuklappen) wird am Holzgestell, das den Läuferstein umkleidet, angeschirrt. Das Mehl tritt unter dem Läuferstein aus; die Schärfungen am Bodenstein sind erkennbar. Schnitt: l Bodenstein, 2 ,.Schärfungen", 3 sanduhrförmiger Läufer in Ringform, 4 Achse, im Bodenstein verankert, 5 Eisenscheibe als Träger des Läufersteins mit Durchbohrungen für den Drehzapfen und vier Fallöchern für das Getreide, 6 Balkengerüstumkleidung des Läufersteins zur Anschirrung des Zugtieres (nach einem Relief der frühen röm. Kaiserzeit; Museo Chiaramonti, Vatikanstadt)

366 dung im M.nbau, die Göpel-M., die vielleicht gleichzeitig aufkam. Nun konnten auch Tiere eingespannt werden. Völlig neu wurden dazu die zwei Mühlsteine geformt: Der Unterstein wurde als Kegel ausgebildet, dessen Spitze in eine starre eiserne Achse auslief. Verbindungsglied zum Oberstein war eine starke eiserne Scheibe,

Gesteinsmühle (nach Resten in Laureion aus Trachyt. von Melos; um 350 v. u. Z.): 7 Bodenstein, im Untergrund fest verankert, 2 Läuferstein, bikonkav, 3 Mittelachse, im Bodenstein gelagert, 4 horizontale Querachse mit Stützen (5), 6 Balkengerüst, das den Läuferstein trägt und mit der Mittelachse verbindet, 7 Löcher im Läuferstein zum Einsetzen der Dreharme, die, von Sklaven im Kreisgang geführt, den Antrieb der Gesteinsmühle bilden, 8 Mehlaustritt für die zermahlenen, vorher zerstampften kleinen Gesteinsbrocken

Wasserströmung

Wasserradmühle nach Vitruv. J unterschlächtiges Wasserrad. 2 Horizontalachse. 3 darauf aufsitzendes Kammrad (Zahnrad). 4 Stockgetriebe aus Stäben auf oberer und unterer Scheibe (Zahnrad), 5 Vertikalachse, 6 Oberstein (Läufer) an der Vertikalachse hängend, 7 Bodenstein fest verankert, 8 Mehlaustrag

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Münze

deren Zentrum auf der Achse des Untersteins aufsaß: sie trug den eigenartig als bikonkaven Ring ausgebildeten Oberstein; dessen offener oberer Teil nahm den Getreidevorrat auf, der nach und nach durch vier Löcher in der eisernen Verbindungsscheibe in den engen Spalt zwischen Oberstein und Unterstein fiel. Diese sanduhrförmige Bauart (Abb.) ist vielfach überliefert; ähnlich sind auch Gesteinsmühlen (Abb.) konstruiert. Noch vor Beginn unserer Zeitrechnung entstand unter Mithridates von Pontos die Wasser-M.; sie forderte abermals eine Umgestaltung der Mühlsteine, die dann die uns geläufigen Formen annahmen. Dazu war außerdem die Übersetzung der Kraft von der horizontalen Wasserradwelle über .Zahnrad und Stockgetriebe' (Abb.) auf die Vertikalachse des Obersteins nötig. Handdreh-M. sind aus den röm. Provinzen vielfach bekannt, dabei ergeben sich lokale Unterschiede in der Bauart. Wf Mühlsteine aus dem heute gebrauch!. Quarzsandstein in Scheibenform sind selten. In den f Mahlwerken der Antike wurden vulkan. Gesteine, Traß oder körnige Basalte und eine konische, für den Oberstein (Läufer) konkave, für den Unterstein konvexe Ineinanderpassung bevorzugt. Wf Müller: 1. Heiner, geb. 1929, Schriftsteller in Berlin (DDR), widmete sich neben Gegenwartsstücken und Bühnenbearbeitungen auch der aktualisierenden Adaptation antiker Werke (Sophokles: „Philoktet"; „ödipus Tyrann") und der Dramatisierung antiker Sujets (Satyrspiel „Herakles 5"; „Der Horatier"). - 2. Wilhelm, 1794-1827, als Dichter volkstüml. Lieder noch heute geschätzter Dessauer Lehrer und Bibliothekar; ging durch seine vcm zeitgenöss. griech. Freiheitskampf gegen die Türken inspirierten, zugleich aber auch eigene nationale Hoffnungen ausdrückenden ,, Lieder der Griechen** (1821-1826) als „Griechen-Müller" in die Geschichte des Philhellenismus ein. Du Mulvische Brücke, Pons Mylvius, heute Ponte Molle: alte Brücke der Via Flaminia über den Tiber nördlich von Rom, z. B. im Zusammenhang mit der Catilinar. Verschwörung erwähnt. Ende Oktober 312 zog Konstantin d. Gr. nach seinem Sieg über Maxenthis bei den Saxa rubra („Rote Felsen") weiter nördlich jenseits des Tibers über die M. B. in Rom ein. D

Mumie

Mumie: der von den alten Ägyptern als Folge oder Begleiterscheinung ihres Jenseitsglaubens konservierte Leichnam. Bis in die Pyramidenzeit war Mumifizierung nicht allgemein üblich, sondern blieb auf den König und seine nächsten Angehörigen beschränkt. Jedoch wurde im Laufe einer fortschreitenden Säkularisierung urspr.

dem König vorbehaltener Rechte das Privileg zum Brauch für alle. Herodot unterscheidet drei Klassen von Mumifizierung. Allen gemeinsam ist das Bestreben, dem ehem. Auflösungsprozeß des Körpers durch Entfernen des Gehirns und der Eingeweide (mit Ausnahme des Herzens) und anschließender Behandlung mit festem Natron zu begegnen. Nach der rituellen Zeitspanne von 70 Tagen wurde der Leichnam aus dem Natron genommen und je nach dem Grad finanzieller Aufwendigkeit geölt und mit harzgetränkten Leinenkissen oder auch Sägemehl ausgefüllt. Anschließend wurden Leinenstreifen bandagenartig um den Körper gewickelt, wobei bes. im Alten Reich Gesicht und Glieder in Leinen nachgebildet wurden. In der Folgezeit bekam lediglich der Kopf durch Auflegen einer M.nmaske (später Porträt) Züge des Lebenden. Die Eingeweide wurden ebenfalls behandelt und beigesetzt. Amulette zwischen den Bindenlagen, am Kopf und den Füßen dienten zur mag. Sicherung des Toten. - Abb. Kz Mumienporträt: das dem nach ägypt. Brauch mumifizierten Toten aufs Antlitz gelegte, in den Verband der Mumie einbezogene Porträt dieses Toten, das auf Holz, auch Leinwand enkaustisch oder in Temperatechnik aufgemalt wurde. Die meisten M.s stammen aus dem ägypt. Fajum, die frühesten scheinen der augusteischen Zeit, die spätesten dem 4. Jh. anzugehören. Diese Denkmälerklasse gibt in ihren besten Exemplaren eine ausgezeichnete Vorstellung von den Leistungen der röm. Porträtmalerei. Sl Mynda: Stadt in der röm. Provinz Hispania Baetica, nahe Cordoba, wo Cn. Scipio 214 v. u. Z. die Karthager besiegte und Caesar 45 v. u. Z. die unter dem Kommando des Labienus stehende Armee der Söhne des Cn. Pompeius vernichtend schlug. Seh Munera [lat., Sg. mynus, „Dienst", „Amt", Verrichtung"] : Leistungen oder Verpflichtungen, die dem röm. Staat oder röm. Gemeinden von Bürgern entgegengebracht wurden. Sie bestanden in der Übernahme von Ämtern, von Zahlungen u. a. Leistungen (z. B. Stellen von Zugtieren, Liefern von Getreide, Instandhaltung von Straßen und Brücken); sie waren teils befristet, teils unbefristet. Die M. wurden im Verlauf der röm. Kaiserzeit eine äußerst drückende Last. - Im griech. Bereich entsprachen den M. die f Liturgien. Gü Municipium [lat.], Munizipium. Im Gegensatz zu den Kolonien, die von Inhabern des röm. Bürgerrechts gegründet und besiedelt wurden, waren die Munizipien einheim. Gemeinden mit Selbstverwaltung, deren Bewohnern ein beschränktes röm. Bürgerrecht (cives sine suffrâgio, „Bürger ohne Stimmrecht") verliehen wurde (sog. Halbbürgergemeinden). Beide Arten der Verbreitung des röm. Bürgerrechts werden bereits im 4. Jh. v. u. Z. praktiziert. Große Ausmaße nahm die Bürgerrechtsverleihung seit Caesar und Augustus in den röm. Provinzen an, bis Caracalla durch die Constitutio Antoniniana 212 u. Z. allen freien Reichsbewohnern das röm. Bürgerrecht verlieh. Wa Münze [griech. nQmisma, lat. moneta]. Entstanden um 625 v. u. Z. an der kleinasiat. Küste (Lydien?), breitete sich die M. mit der Entwicklung des Handels über Ägina nach Griechenland aus. Analog zur polit. Zersplitterung Griechenlands in einzelne, unabhängige Poleis zerfällt auch die griech. Münzprägung in zahlreiche, voneinander unabhängige Stadtprägungen mit eigenem Währungssystem (Münzfuß) und eigenem Münzbild. Von den Währungen war die attische die verbreitetste. Bei der Wahl des Münzbildes bezog man sich meist auf die Fauna und Flora sowie auf die Religion der betreffenden Stadt. So tragen z. B. die M.n Athens auf der Vorderseite den Kopf der Stadtgöttin Athena und auf der Rück-

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Münzprägung

seile die ihr heilige Eule; daher hießen diese M.n im scher beschuldigten Leute kamen unter Aurelianus 7000 Volksmund Glaukophgroi, Eulenträger. Das Sprichwort Menschen um. Die radikale Verminderung des Feinge„Eulen nach Athen tragen" geht auf diese M.n zurück. halts führte im 2. Jh. u. Z. dazu, daß nur noch versilberte Im Hellenismus begann sich allmählich das HerrscherKupfermünzen in Umlauf kamen, denen das - als geporträt durchzusetzen (anfangs noch als Götterkopf mit dankl. wie als techn. Leistung gleich beachtlich - ..Weißindividuellen Zügen). Diese Entwicklung erreichte ihren sieden" in kochender Silberzyanidlösung (AgCH) einen Höhepunkt in der röm. Kaiserzeit. In der röm. Republik hauchdünnen Überzug gab. Gegen diese „falschen" bestand das Münzbild zunächst aus den Köpfen der Hauptprovinzialröm. Münzgötter, später aus Bildnissen von Ahnen der jeweiligen prägung um 260 aus Münzmeister und aus Familiensymbolen. Wertangaben Ulpia Pautalia (Küstenfehlen - mit Ausnahme der frühesten röm. M.n - auf den dil) mit personifizierter antiken M.n gänzlich. Üblich ist die Angabe des PrägeFlußgöttin (Struma) ortes oder des Prägeherrn. In der röm. Kaiserzeit wurden und vier Kindern. neben dem Kaisernamen Titel, Ämter und Siegesbeil der auf dem Berg vom namen notiert, wodurch oft eine auf Monate genaue Weinstock Reben lesende Botrys, 2 der ..SilberDatierung möglich ist. - Taf. 50. SG bub", aus einem Stollen Münzprägung. Die M. ist technisch ein | Gesenkschmiekommend, 3 der Geden; zum Münzwerkzeug gehörten Münzhammer, Münztreide erntende Stachys, zange (nur beim Heißprägen zum Fassen des erhitzten 4 der ..Goldjunge", Schrötlings), Ober- und Untergesenk als ..Prägestempel", Gold aus dem Bachsand die Bild und Schrift für Vorder- und Rückseite (Avers und seifend (Berlin, Staatl. Museen, Revers) trugen, Münzmeißel, Münzstock/Amboß (Abb.). Münzkabinett)

Münzprägung. Münzwerkzeug, links Hammer, rechts Zange, Mitte Untergesenk und Obergesenk (nach einem Grabstein, 1. Jh. u. Z,; London, ßrit. Museum) Erhaltene Prägestempel sind durchweg aus Bronze, die oberen nutzten sich schneller ab als die unteren. Mitunter schnitt man darum in Eisen ein positives Bild, das man einige Male in Bronze abschlagen konnte, um das gleiche Münzbild beizubehalten. Aus der raschen Abnutzung ergibt sich die große Zahl der Emissionen (etwa 190000 für Griechenland, Rom und die antiken Randkulturen). Durch die reine Handarbeit erklären sich die häufigen Abweichungen vom Normgewicht, auch bei Benutzung von tönernen Schrötlingsfofmen mit 3 x 4 oder 4 x 5 Fächern gelang es kaum, gleichmäßig dicke Stücke zu gießen, sie mit dem Meißel exakt zu runden und dabei ihr Gewicht einzuhalten. Geprägt wurde meist kalt, mit möglichst wenigen, aber wuchtigen Schlägen; besondere Stücke wurden nachziseliert. Münzmetalle waren anfangs in Kleinasien Gold und Weißgold (Elektron), in Griechenland Silber, in Rom Kupfer. Die silbernen Normstücke (Drachme und Denar) sind z. T. unterteilt (bis zu Ve Obolos und */4 Denar), teils als mehrfache Werte (zu 2, 4, 10 Drachmen) ausgeprägt worden. Der Nennwert ist so gut wie nie aufgeprägt, die wechselnde Kaufkraft war immer entscheidend und bei der Seltenheit der Edelmetalle ungleich höher als heute. Neben dem Kaufwert stand der Kunstwert: Münzen wurden vielfach von bedeutenden Meistern geschaffen, die auf dem Münzstempel selbstbewußt ihr Signum anbrachten. Außerdem illustrieren die Münzbilder viele Seiten der antiken Kultur: Lokalprägung bildeten Besonderheiten ab - Zeus des Pheidias von Olympia, Leuchtturm von Alexandreia, Silphionpflanze von Kyrene. Die M. gibt dadurch vielfältige Einblicke in Kulte, Handelsartikel, Bauten und Symbole. - In Rom bezeugt das „Dreimännerkollegium zum Gießen und Schlagen von Gold, Silber und Kupfer4*, daß anfangs gegossene, später geprägte Münzen benutzt wurden. Im kaiserzeitl. Rom wurde dieM. zur ausschließlich handgefertigten Massenfabrikation mit vielen Tausenden von Münzarbeitern - im Aufstand gegen diese als Fäl-

Münzen wehrten sich die Randkulturen und erzwangen die „Zähnung" am Münzrand, die, mit dem Münzmeißel handgearbeitet, das .Innere' zeigt. Da Kaiser Augustus dem Senat wie den großen Provinzorten Recht und Pflicht zur M. für Kupferscheidemünzen übertrug, liegt eine so hohe Anzahl Kupferprägungen vor, daß immer noch nicht alle erfaßt-sind. Aussagereiche und künstlerisch hervorragende Stücke gibt es auch unter der provinziellen M. (Abb.). Unter Konstantin nahm die Reichs-M. in der Münzlegende stark Propagandist. Charakter an durch ihre Parolen: ..Wiederherstellung gliickl. Zeiten" (fei. temp. reparatio), ..Dauernder Friede" (pax perp.), ,,Öffentl. Freiheit" (lib. publ.), „Einigkeit der Armeen" (concord. mil.). - Die antike M. wirkte auf alle Nachbarkulturen (Thraker, Kelten, Illyrer, Iberer, Daker, bis nach Baktrien und Indien) ein, die im Übergang von der Gentilordnung einen Status erreicht hatten, der wenigstens für Teilbereiche des Güteraustauschs Zahlung mit Münzen notwendig machte. Vorbild wurde meist der makedon. ,Philipper'; den pers. Stater rezipierten die Phöniker, den röm. Denar (selten) Gallier und Germanen. Die röm. Goldprägung floß hauptsächlich ins Ausland ab, sie behielt im byz. Reich ihre Bedeutung, wenn auch nicht ihren Umfang. Wf Musagetes, Musaget [griech., „Musenführer"]: in der griech. Sage Beiname des Apollon als Führer der Musen. Be Musajos, Musacus: 1. griech. Sänger aus der myth. Vorzeit, Dichterheros der Athener, als dessen Mutter z. T. Selene genannt wurde. Er galt als Schüler des Orpheus und soll noch vor Homer gelebt haben; später schrieb man ihm manche Dichtungen zu (Orakelsprüche, religiöse Lieder). TU: Diels, Band I, S. 20-27. Ü: Capelle, S. 43-46. 2. spätgriech. Epiker unbekannter Herkunft, 5.-6. Jh. u. Z.; er verfaßte in der Nachfolge des Nonnos ein Epyllion „Hero und Leander" in 340 Hexametern, in denen er die mit dem Tode endende Geschichte der beiden Liebenden gestaltete. - Das Werk regte zu zahlreichen Nachgestaltungen an, u. a. Marlowe, Schiller und Grillparzer. Be TU: W. Färber, Tusc. 1961.

Muse|on [griech., „Musensitz"]: allgemein jedes Musenheiligtum, bes. das im 3. Jh. v. u. Z. in Alexandreia von den Ptolemaiern gegründete und geförderte, unter den Schutz der Musen gestellte Forschungsinstitut, in dem

Muttergottheiten

369 neben philolog. auch astronom., mathemat., botan. und zoolog. Studien unter einem für diese Zeit modernsten Aufwand betrieben wurden. Berühmt war die umfangreiche Bibliothek. Das M. fiel im 3. Jh. u. Z. der Zerstörung anheim, geforscht wurde im Serapeion bis ins 4. Jh. u. Z. Sl Musen, griech. Mysai, lat. Mysae: in der Antike die Schutzgöttinnen der Künste (Gesang, Musik, Tanz, Dichtung) und später der Wissenschaften, überhaupt aller geistigen Tätigkeiten. Mnemosyne gebar sie dem Zeus in Piericn am Olymp. Ihre Zahl wurde u. a. mit drei, sehr früh schon mit neun angegeben. Die Neunzahl setzte sich durch. Hesiod nannte zuerst ihre Namen. Ihre Kultorte waren Pierien, der Helikon mit der Quelle Hippokrene und Delphi mit der Quelle Kastalia. Ihren Gesang führte Apollon als Musagetes (Musenführer). Die M. inspirierten die Dichter zum Schaffen, standen ihnen belehrend und hilfreich zur Seite; deshalb wurden sie in den Proömien der Werke angerufen. Erst in spätröm. Zeit wurden ihnen bestimmte Bereiche zugeteilt: Erato, lat. Erato: Lyrik, erot. Poesie; Euterpe: Flötenspiel; Kalliope, lat. Calliope: ep. Dichtung; Kleio, lat. Clio: Geschichtsschreibung, ep. Dichtung; Melpomene, lat. MelpQmene: Tragödie; Polyh^mnia, Polymnia: Tanz, Musik; Terpsichore, lat. Terpsichore: Lyra, Tanz; Thaleia, lat. Thalia: Lustspiel; Urania, lat. Urania: Sternkunde. - Die Musen wurden, teils insgesamt, teils in Gruppen oder einzeln, von der Kunst gern dargestellt; z.B. Musenrelief von Mantineia, Polyhymnia von Canova; die Malerei stellte häufig die M. dar (Mantegna, Raffael, Botticelli, Tintoretto, Schiavone, Poussin, Lorrain), oft auch zusammen mit Apollon. Oper (..Terpsichore" von Händel) und Dichtung (Hölderlin „Mnemosyne"; P.Claudel) griffen nur gelegentlich zu diesem Stoff. Be Museum [lat. > griech.]. Museen im modernen Sinne gab es in der Antike nicht, obgleich Heiligtümer wie z. B. das der Hera in Olympia oder das des Apollon in Delphi eine große Ansammlung von - freilich funktionsgebundenen - Kunstwerken boten. Die „Pinakothek" auf der Akropolis in Athen und die röm. Antikensammlungen im kaiserl. oder Privatbesitz (Asinius Pollio, luba) kommen dem heutigen Museumsbegriff schon näher. Sl Musik f griechische und f römische Musik. Musikinstrumente. Über Bau- und Spiel weise der griech. Klangwerkzeuge unterrichten zahlreiche Bilddarstellungen (bes. der Vasenmalerei), daneben literar. Nachrichten. Bei den Saiteninstrumenten wurde der Ton mittels Anschlagens oder Anreißens erzeugt, nach der Art der Verbindung von Klangkörper und Saiten lassen sich bei den Griechen Leiern, Harfen und Lauten unterscheiden. Wichtigste Typen sind die viersaitige Phorminx der Homer. Epen, die seit der archaischen Zeit dargestellte siebensaitige Kithara als Vortragsinstrument des Berufssängers, die leichtere und handlichere Lyra für Geselligkeit und Musikerziehung samt Abarten wie Wiegenkith§ra, Chelys und B§rbitos. Die griech. Harfen waren (im Unterschied zu den ägypt. Bogen- oder Schwebeharfen) Winkelharfen, bei denen Klangkörper und Saitenhalter zumeist in spitzem Winkel zueinander standen; nicht ganz eindeutig lassen sich diesen vielsaitigen Instrumenten die überlieferten Namen wie Pektis, Sambyke oder Trigonon zuordnen. Beispiele der Pandura genannten langhalsigen Laute sind erst spät belegt. Unter den Blasinstrumenten hatte den Vorrang der Aulos, keine Flöte wie der Plagiaulos der Spätzeit, sondern ein der Schalmei verwandtes Doppelrohrblattinstrument, zumeist als Doppelaulgs und im Dionysoskult gespielt. Seltener abgebildet wurden Syrinx, aus einer Folge verschieden langer Pfeifen für den Gebrauch der Hirten (Panpfeife) entstan24

Antike

den, sowie die Sâlpinx genannte Kriegstrompete. Die Schlaginstrumente, Krotalon oder Handklapper, Kymbalon oder Becken, Tympanon oder Rahmentrommel, standen außerhalb der eigentl. Musenkunst und dienten vor allem orgiast. Kulten. In heilenist. Zeit wurden die archaischen und klass. Klangwerkzeuge weiter differenziert und mit dem Ziel einer virtuosen Spielweise technisch vervollkommnet. - Das Instrumentarium der Etrusker ist dem griech. verwandt mit auffälliger Bevorzugung der Blasinstrumente: Trompeten wurden zu Lituus und

Musikinstrumente. Musen und Musaios mit Saiteninstrumenten und Doppelaulos (nach einer att. Strickhenkelamphora, um 440 v, u. Z.) Cornu weitergebildet, Doppelauloi, Syrinx und Querflöten rezipiert. - Die Römer griffen etrusk., griech. und oriental. Impulse auf. Sie vermehrten die Saitenzahl an Lyra und Kithara und schätzten sehr Harfen, Lauten und ihre Varianten. Die Auloi (lat. Tibia) wurden mittels eines Transpositionssystems von Stimmringen vervollkommnet. Die von dem alexandrin. Ingenieur Ktesibioerfundene Wasserorgel fand in Rom vielfältige Verwens düng. Die Blasinstrumente etrusk. Herkunft, Tyba, Lituus und Cornu hatten ihren Platz in der Militärmusik. Rahmentrommeln und Becken, mit den Hellenist. Mysterienreligionen nach Rom gelangt, wurden dort auch für Bühnen- und Unterhaltungsmusik herangezogen. Aus Klappern und Becken kombinierte man Gabelbecken zum Tanz, während Fußklappern Tanz, Bühnen- und Kultmusik untermalten; dem Dionysoskult dienten Schellen, dem Isiskult das Sistrum. Man pflegte die einzelnen Instrumente nicht nur solistisch zu verwenden, sondern auch in kammermusikal. Ensembles zu vereinigen und in der späten Bühnenmusik bis zu Monstrebesetzungen zu steigern. LRi Muße [griech. schole, lat. otium] galt Griechen und Römern als unerläßl. Vorbedingung wissenschaftl. f Arbeit und des Künstgenusses. Das Glück der M. besteht nicht in Untätigkeit, sondern im Freisein von Erwerbstätigkeit. M. kann deshalb nur dem Freien zuteil werden. Kr Muthul, heute arab.-franz. Oued Mellègue: Fluß in Nordafrika, entspringt in Numidien (heute Algerien) und mündet in der röm. Provinz Africa (heute Tunesien) in den Bagrades (heute arab.-franz. Medjerda). Am M. fand 109 v. u. Z. die Entscheidungsschlacht zwischen dem Numiderkönig Jugurtha und dem röm. Konsul Q. Caecilius Metellus statt. D Mutina: Stadt der Bojer in der Po-Ebene (heute Modena), seit 184 v. u. Z. röm. Kolonie. Brutus wurde hier nach Caesars Ermordung belagert. M. war später bekannt durch ihren Reichtum, Weinanbau, ihre Wollverarbeitung und Keramikerzeugnisse. Seh Muttergottheiten gelten vielfach im Unterschied zu den männl. Himmelsgottheiten als Verkörperung und Personifikation der fruchtbaren Erde (Terra mater). Sie

Mutterrecht tragen verschiedene Aspekte (Liebe, Jungfrau, Krieg) und spielten in der vorindoeurop. Mittelmeerwelt und im Orient eine große Rolle, wie archäolog. Funde lehren (Widerspiegelung eines Matriarchats?). Davon zeugt auch eine Reihe griech. und röm. Gottheiten: Aphrodite, Artemis, Demeter, Gaia, Persephone, Rhea; Tellus, Mater Matuta, Dea Dia; oriental. M. waren Kybele, Astarte (Ischtar), Isis, Ma. Nachklänge finden sich im kathol. Marienkult (f Madonna). KR Mutterrecht. Wird die Abstammung der Blutsverwandten nur in weibl. Linie gerechnet, so spricht man von M. (eigtl. besser Mutterfolge). Bei Völkern auf urgemeinschaftl. Entwicklungsstufe erlangte die Frau vor der Entstehung des Privateigentums an Produktionsmitteln eine dominierende Stellung im Sippen- und Stammesleben, da ihre Arbeit (Sammeln von Pflanzen, Hackbau) entscheidend für die Ernährung war. Dieses Ökonom. Übergewicht der Frau führte zu ihrer vorrangigen sozialen Stellung, sie wurde auch das Familienoberhaupt. Mit dem Übergang zu höheren Formen des Ackerbaues und der Viehzucht entwickelte sich das Privateigentum an Produktionsmitteln, die Arbeit des Mannes garantierte die Ernährung, somit verdrängte er die Frau von ihrer Stellung in der Gens. Das Vaterrecht schließlich, das Patriarchat, löste das M. ab. Die sozialökonom. Grundlagen der Entstehung des M. untersuchte F. Engels, ..Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates", wobei er sich auf J. J. Bachofens Werk „Das M." (1861), das den geschichtl. und religiösen Überlieferungen nachgeht, stützen konnte. Mutterrechtl. Züge sind in der kret. Kultur nachweisbar, in deren Kunstdarstellungen Frauen häufig und selbständig auftreten, wie überhaupt im Mittelpunkt des öffentl. Lebens der Insel die Frau stand. Ähnliches gilt sicher auch in histor. Zeit bei den Karern der Westküste Kleinasiens. Nachwirkungen existieren noch in der Antike, z. B. Charakterisierung Heras bei Homer, Sage von Meleager. M. ist noch heute bei abgeschiedenen Völkern (Indonesien, Südamerika, Australien) zu finden. GP Mutulus [lat., „Sparrenkopf"]: Architekturglied im dor. Gebälk, schmale Leiste unterhalb der Triglyphen, wie die Regulae mit steinernen Tropfen verziert, Reminiszenz der Holzarchitektur. Sl Mygdonia, griech. Mygdonia: makedon. Landschaft zwischen Axios (Vardar) und Strymon (Struma), einst von den thrak. Mygdonen bewohnt; andere Mygdonen siedelten in Kleinasien (Phrygien, Bithynien usw.). D Mykale, heute Samsun-Da|ï: Vorgebirge im N der Bucht von Milet, an der Mündung des Maiandros. Hier befand sich das Panionion, das dem Poseidon geweihte Heiligtum aller lonier. Bei M. erstürmten 479 v. u. Z. griech. Landungstruppen unter dem Spartanerkönig Leotychidas II. den pers. Flottenstützpunkt und errangen einen Doppelsieg zu Wasser und zu Lande. SF Mykene: Burg und Stadt in der nördl. Argolis (Peloponnes), in der 2. Hälfte des 2. Jährt, v. u. Z., eines der Zentren der nach ihr benannten myken. Kultur, im 12. Jh. v. u. Z. infolge der Dor. Wanderung zerstört. Erhalten sind die Reste eines Palastes auf der Burg (mit Megaron) und ihre Befestigungsanlage (Abb.) mit dem Löwentor (Taf. 9) aus dem 13. Jh. v. u. Z., die älteren Schachtgräberanlagen innerhalb und außerhalb des Mauerringes, im Vorgelände der Burg weiterhin eine Reihe von Kuppel(sog. Schatzhaus des Atreus; Taf. 9) und Kammergräbern, Wohnhäusern und Werkstätten. - Die ersten Ausgrabungen erfolgten 1876 durch Schliemann, der damit das „goldreiche" M., vor allem durch die Schachtgräberfunde, aufdeckte. Seit 1950 wurden weitere Gräber und Häuser gefunden, bes. wichtig sind die 1952 entdeckten Tonta-

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feln mit Schriftzeichen in Linear B. - Die Bedeutung M.s spiegelt sich in vielfältiger Weise in der griech. Mythologie. Vom Beginn der literar. Überlieferung ab (Homer) sind viele Sagen mit der Landschaft Argolis oder M. verbunden (Akrisios - Perseus - Eurystheus; Atreus - Agamemnon). - Taf. 11. WRi

Mykene, Plan der Burg. / Löwentor, 2 Gräberrund, 3 Rampe, 4 Palast, 5 ,,Säulenhaus", 6 Nebentor

Mykenisch: Sprache der in f Linear B geschriebenen Tontafeln und Siegelabdrücke von Kreta und dem griech. Festland (15. bis 13. Jh. v. u. Z.). HG mykenische Kultur: ägäische Kultur des griech. Festlands zur hohen Bronzezeit (2. Hälfte des 2. Jährt. v.u.Z.), Spätphase der hellad. Kultur, nach dem Zentrum Mykene auf der Peloponnes benannt. Neben den Produktions- und Repräsentationszentren (Mykene, Tiryns, Pylos u. a.) gab es ländl. Siedlungen, die den Völkersturm im späten 2. Jährt, offenbar überlebten und sich den Neusiedlern fügten. Sl Mykonos: Kykladeninsel etwa 2,5km nordöstlich von Delos. Die Bewohner von M. wurden in der Antike wegen ihrer Kleinlichkeit, Unbildung, ihres bäur. Wesens und Geizes oft verspottet. D Mylae: um 715 v . u . Z . von Messana aus gegr. griech. Kolonie Nordsiziliens, in deren Nähe zwei Seeschlachten ausgetragen wurden: 260 v. u. Z. siegte Duilius im 1. Pun. Krieg über Karthago, 36 v . u . Z . M. Agrippa über S. Pompeius. Seh Myrmidonen: in der Sage thessal. Volksstamm, mit dem Achilleus in den Trojan. Krieg zog. Be MjTon: griech. Bildhauer und Erzgießer des 5. Jh. v. u. Z.. aus Eleutherai (Attika), Meister in der Darstellung gesteigerter Körperbewegungen; arbeitete u.a. für Athen, Olympia und Delphi in den Jahrzehnten um die Mitte des 5. Jh. Sicher auf ihn zurückführen läßt sich der im Wurf begriffene Diskobol (Taf. 30) und die Athena-MarsyasGruppe, die nach Skulpturresten und Münzbildern rekonstruiert werden konnte. Gerühmt wird die Naturnähe seiner Werke, bes. das in 30 Epigrammen der Anthologia Palatina besungene Bildwerk einer Kuh. Sl Myrrha oder Smyrna, Tochter des myth. Königs Kinyras, teilte aus leidenschaftl. Liebe unerkannt das Lager ihres Vaters. Als dieser sie danach töten wollte, wurde M. in den nach ihr genanntem Baum verwandelt. Der Myrrhenstrauch gebar den Knaben Adonis. Be Myrrhe: Harz des M.nstrauches, der bes. in Südarabien beheimatet ist. Bereits seit dem 2. Jährt, v. u. Z. wurde M. in Ägypten und im Orient für kult. und profane Räucherzwecke sowie zur Parfümierung von Ölen und Salben verwendet; von hier übernahmen sie Griechen und Römer. Se Myrtilos, Myrsilos, myth. Wagenlenker des Königs Oinomaos von Pisa; verursachte, von Pelops, dem Freier von Oinomaos' Tochter Hippodameia, bestochen, den Tod seines Herrn, indem er wächserne Stifte an dessen Renn-

371 wagen einfügte. Später von Pelops ins Meer gestürzt, wurde er als Sternbild Fuhrmann (Auriga) an den Himmel versetzt. Be Myrtoisches Meer, griech. MyrtQon pçlagos, lat. MyrtQum märe: Teil der Ägäis zwischen der Peioponnes und den Kykladen. D Mysien: durch Verkehr wenig erschlossene Landschaft im NW Kleinasiens, im S von Aiolern besiedelt; Schauplatz der Sage von Telephos, der sich seitens der Attaliden (seit 283 v. u. Z.) hoher Verehrung erfreute; 133 römisch und 129 v. u. Z. Teil der röm. Provinz Asia. Nach Ansicht einiger Forscher sollen die Etrusker aus M. staim* men. - Auch Mösien wurde vielfach, bes. von griech. Autoren, M. genannt. D Mysterien [griech. > lat.]: geheime, nur Eingeweihten (Mysten) zugängl. Götterkulte, denen verschiedenartige Erlösungsvorstellungen zugrunde lagen (Gottesschicksal = Menschenschicksal; Entsühnung und Wiedergeburt; Sicherung eines glückseligen Lebens nach dem Tode). Von den Kulthandlungen (Dromena) und den Einweihungsgraden ist meist nicht viel überliefert, weil Schweigepflicht (Arkandisziplin) bestand. Zu unterscheiden sind die nationalgriech. M. der Demeter und Köre in Eleusis (ein uralter Agrarkult), des» Dionysos-Bakchos (aus Thrakien), des Orpheus (stark lehrhaft), der Kabiren auf Samothrake und die oriental.-heilenist. M. des Mithras, der Isis (mit Osiris), des Anis (mit Kybele) und Adonis (mit Magna Mater, Aphrodite), des Sabazios und auch des Christentums. Die M. gelangten trotz urspr. Widerstandes (186 v . u . Z . Verbot der Bacchanalia in Rom) mehr und mehr zu Bedeutung durch den Zustrom aus allen Volksschichten, bes. in der röm. Kaiserzeit. Das Christentum überlieferte manche ihrer Formen und Bräuche bis heute (bes. in der kathol. Kirche). - Taf. 7; 44. KR Mysterium [lat., „Geheimnis"], „großes M.": von Zosimos zur allegor. Beschreibung der Umwandlung unedler Metalle in edle in der Alchimie eingeführter Begriff. Da diese Kunst allein den ägypt. Priestern vorbehalten sein sollte, nannte er sie auch „M. des Mithras". KR Mythendeutung. Antike M. versuchte das Auseinanderstreben sich wandelnder gesellschaftl. Ansprüche und Vorstellungen mit den in Dichtung und Religion überlieferten Mythen zu verhindern. Vom 6. Jh. v. u. Z. ab gibt es allegor. Erklärungen der Dichter Homer und Hesiod. Neben physikal.-kosmolog. M. (ab Hekataios) entwickelte sich die eth. M. (ab Anaxagoras). Stoa und Neuplatonismus machten regen Gebrauch von der M. Erhalten sind aus dem l . J h . u.Z. die M.en des Heraklit („Homer. Allegorien") und des L. Annaeus Cornutus („Kurzgefaßte griech. Theologie"); rationalist. Mythenkritik des Euhemeros um 300 v. u. Z. Die hellenist.-jüd. sowie die altchristl. Literatur, die breite Anwendung der allegor. Interpretation religiöser Texte beherrschte (z. B. Philon, Origenes), bedienten sich zur Aneignung bzw. Ablehnung heidn. Mythen der M. wie der Mythenkritik. Wissenschaftl. Erforschung des reichen Materials unter Einbeziehung der«archäolog. Zeugnisse (Vasenmalerei, Sepulkralkunst, Stuckdecken der Basilika an der Porta Maggiore, Rom) sind Aufgaben der Wissenschaft. Bd Mythologie [von griech. mythos, „Wort", „Erzählung"]: 1. wissenschaftl. Beschäftigung mit den überlieferten Erzählungen (Frage nach den Quellen, dem sozialen Hintergrund, der Bedeutung usw.). - 2. der gesamte Komplex der Erzählungen selbst. Er umfaßt mehrere Arten wie echten, ursprüngl. Mythos, Sage, Märchen, Legende u. a., die schwer gegeneinander abzugrenzen sind und meist völlig miteinander vermischt und vielfach modifiziert vorliegen. Märchen kann wohl als eine bewußt phantast. Er24*

Mythos zählung verstanden werden, in der Logik, Naturgesetz und ein spezif. histor. Milieu unwesentlich sind. Insofern will Märchen auf keinen Sachverhalt in Natur oder Gesellschaft hindeuten. Die Odyssee ist eine Komposition von Schiffermärchen, deren Motive, wie die einäugigen Riesen, die Berge schleudern, wie Kirke und das Zauberkraut Moly und die Sirenen, auch bei anderen Völkern anzutreffen sind. Gleiches gilt etwa vorn Goldenen Vlies und der Zauberin Medea. Odysseus selbst gehört zugleich der Sage an, der meist ein histor. Ereignis zugrunde liegt wie Krieg, Persönlichkeit (Heldensage) u. a. Die Odyssee wurde zunehmend mit Märchenmotiven ausgeschmückt und hat ihren hauptsächl, Ursprung wohl in der myken. Zeit, deren Fürsten Herakles, Theseus, Agamemnon, Menelaos zu Helden verklärt wurden, wie Dietrich von Bern (Theoderich d. Gr.) und Siegfried (Arminius?). Echter Mythos weist auf Wirklichkeit hin, will bedeuten und stellt die Gegebenheiten in Natur, Gesellschaft und Individuum in bildhaft-symbol. Formen dar, die den Dichtern und auch Denkern als Motive für zahlreiche Variationen und Weiterbildungen gedient und ihre oft erhebl. Aussagekraft z. T. bis in die Neuzeit bewahrt haben (Prometheus). Wo Mythos nichts mehr bedeutet, wird er zum Märchen. Daß also der Unterschied zwischen den Erzählungen nicht in diesen selbst, sondern im Verhältnis der Menschen zu ihnen liegt, macht die Definition so schwierig. Märchen ist bedeutungslos gewordener Mythos, der seine Funktion als Ausdruck des gesellschaftl. Bewußtseins verloren hat; Mythos ist noch lebendiges. Realität widerspiegelndes Märchen. Versuche, den Mythos für ein schon weiter entwickeltes Bewußtsein zu retten, sind die allegor. Interpretationen. Ihnen liegt der Irrtum zugrunde, Mythen würden zwar etwas anderes sagen (allegorein), dabei aber doch die eigene oder eine noch tiefere Weisheit meinen. Vom Bemühen, den Geist der eigenen Zeit in den myth. Erzählungen wiederzufinden, wurden bes. Homer und die Bibel betroffen. J Mythos [griech.]: allgemeine Form des gesellschaftl. Bewußtseins, die auf einer relativ unentwickelten Stufe sozialer Praxis entsteht und jene vorwiegend bildhaften Vorstellungen enthält, welche die Sachverhalte in Natur, Gesellschaft und Individuum auf phantast. Weise widerspiegeln. Auch der M. gehört in die Geschichte der menschl. Erkenntnis. Diese „Erkenntnisse" enthalten zugleich Anleitungen zum Handeln. Die Fruchtbarkeitszaubereien bei der Feldbestellung (Heilige Hochzeit, Thesmophorien usw.), die Tanz- und Opferriten bei der Jagd werden durch die myth. Theorie der Produktionsweise abgesichert. Die dem Menschen mögl. Handlungstypen leiten sich von den im M. fixierten Prototypen ab, wie der griech. Opferritus vom urzeitl. Opfer des Prometheus und wie die beim babylon. Neujahrsfest durch den König praktizierte Neuschöpfung der kosm. und gesellschaftl. Ordnung von der Urschöpfung Marduks. M. erweist sich unter den Bedingungen seiner Epoche als legitime Form theoret. und prakt. Daseinsbewältigung, denn er „überwindet un,d beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung" (Marx). Diese Einbildung arbeitet mit einer spezif. Verfahrensweise, welche die objektive Umwelt zu einer erweiterten Eigenwelt umprägt und dadurch subjektiviert. Natur und Gesellschaft sind ungeschieden, weil auf alle Gegebenheiten der Realität menschl. Denken, Fühlen und Wollen projiziert wird. Das „Unmenschlich-Unheimliche** wird im Bilde des Menschlichen - wenn auch Übermächtigen und damit Göttlichen - verstchbar und beherrschbar. Im Ergebnis entsteht eine umfassende Animation und Deifizierung. Daß der Himmel die Erde mit dem Regen befruchtet, wird in Analogie zum Geschlechtsverkehr be-

Mytilene griffen und erscheint durch mag. Einwirkung auf den Himmelsgott beherrschbar. Der den Naturdingen eigene menschl. Charakter löst sich später vom Objekt und nimmt Menschengestalt an. So entsteht Zeus, der anthropomorphe Gott Himmel, der noch als goldener Regen zu Danae kommt, und Demeter, eine der vielen Erscheinungsformen der Göttin Erde. Auch daß Himmel und Erde überhaupt durch einen Zwischenraum gesondert sind, der die Existenz von Wesen erst ermöglicht, ist ein myth. Problem, das durch die Theorie der gewaltsamen Trennung beider urspr. ungeschiedener Elemente erklärt wird. Uranos läßt seine Kinder nicht aus der Gaia heraus, weil er mit ihr in Liebe vereint ist, bis der jüngste Sohn Kronos Raum schafft, indem er seinem Vater das Glied abschneidet. Soziale Erscheinungen (Trennung des endogamen Clans in zwei exogame Phratrien) können hier wie auch sonst Pate gestanden haben. Daß solcher M. bei den verschiedensten Völkern vorkommt, macht deutlich, wie Gesellschaften auf ähnl. Entwicklungsstufe dieselben Sachverhalte ähnlich widerspiegeln können. Sofern die meisten M. Ursprünge aufweisen wollen, nehmen sie mit dieser aitiolog. Funktion das wissenschaftl. Kausalitätsprinzip vorweg. Homer nennt Okeanos den Vater aller Dinge, Thaies das Wasser; das erste ist myth., das zweite rationale Wirklichkeitserfassung. - Eine zweite Eigentümlichkeit myth. Denkform ist die Objektivierung psych. Eigenschaften. Dieses Subjektive tritt dem Menschen als ein ihm Fremdes gegenüber. Sein Denken, Fühlen, Wollen erscheint als Willenskundgabe dieses Fremden, das wieder zum Übermächtig-Göttlichen wird. Es ist „das Selbstbewußtsein und Selbstgefühl des Menschen, der sich ... noch nicht erworben ... hat" (Marx). Mit der Hypothese seiner religiösen Projektionen kann der Schöpfer des M. sich selbst begreifen. Das Gefühl der Liebe wird zu Aphrodite, wie auch Hélène in ihrer Liebe zu Paris sich von dieser Göttin beherrscht glaubt, weil sie sich in solcher AfFektsituation nicht mehr als Herrin ihrer selbst fühlt. Der Wandel zum rationalen Verständnis wird bei Euripides deutlich, wenn er unter dem Einfluß der Sophistik psychologisiert: „Dein eigner Sinn ist's, der zur Liebesgöttin war bei Paris' Anblick". Hier ist die Göttin als objektivierter Affekt erkannt und der Psyche reintegriert. Andere Emotionen wie Ne.kos (Zank), Phobos (Furcht) usw. sind gleichfalls personifiziert. Die Psyche des Menschen gilt als Tabula rasa, auf der sich göttl. Geschehen abspielt. Was immer er leistet, ist „Begabung" ; begabt von Mnemosyne, erinnert er sich; begabt von den Musen, vollbringt erkünstler. Leistungen. - Insofern die Entstehung des Göttlichen im Prozeß der myth. Wirklichkeitserfassung selbst begründet ist, bilden M., Religion und Kultus urspr. eine untrennbare Einheit, denn diese Denkform prägt die Sachverhalte der Realität zu Göttern um, indem sie zugleich eine Theorie dieser Sachverhalte (Mythos) aufstellt, aus der sich ihre selbstverständl. Berücksichtigung (Religio) durch eine an spezif. Verfahrensweise (Ritus) gebundene Pflege (Cultus) ableiten läßt. Der Streit um die Priorität von Kultus und Mythos scheint müßig; sie entwickeln sich mit- und aneinander wie Theorie und Praxis. Bei den Römern dominiert der Kultus, während die Griechen in der Ausbildung von M. eine gleiche Fruchtbarkeit entfaltet haben wie später auf der Stufe eines entwickelteren gesellschaftl. Bewußtseins im Entwerfen philosoph. Denkmöglichkeiten. J Mytilene: Hauptstadt der Insel Lesbos. Als 428 v. u. Z. Lesbos vom Att. Seebund abfiel, schlössen die Athener M. ein und richteten l 000 Bürger hin. Auf geistigem Gebiet (Alkaios, Sappho) nahm M. eine führende Stellung unter den Griechenstädten ein. SF

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N Nabatäer: nordarab. Volk (Inschriften aber aramäisch); trat seit dem Ende des 4. Jh. v. u. Z. durch seine Kämpfe mit den Diadochen in den Gesichtskreis der griech. Welt. Um 300 vertrieben die N. die Edomiter aus ihren alten Sitzen. Petra („Peträisches Arabien"), die Haupstadt des N.reiches, war ein wichtiges Zentrum des Karawanenhandels (noch heute zahlreiche Ruinen). Der Staat der N. erreichte seit 100 v. u. Z. seine größte Blüte (zeitweise bis Syrien, Okkupation von Aila am Golf von Akaba und der Sinai-Halbinsel sowie der Ostküste des Roten Meeres bis Egra), seit der Mitte des 1. Jh. v. u. Z. war er von Rom abhängig, 106 u. Z. wurde der N röm. Provinz Arabia mit Bostra als Hauptstadt. Inschriften in Puteoli und Rom zeugen von den ausgedehnten Handelsbeziehungen der N. D Nabel der Erde: spätantike Vorstellung vom Mittelpunkt der Erde, sekundäre Deutung eines Steinmals (f Omphalos) offenbar aus vorgriech. Zeit, das als Kult- und Opfermal vermutlich von Erdgottheiten galt. Der Nabelvorstellung liegt die -anthropomorphe Götterauffassung zugrunde. Sl Nabis, 207-192 v. u. Z., Tyrann von Sparta; setzte das von Agis IV. und Kleomenes III. begonnene sozialpolit. Reformwerk fort und verlieh Periöken und Heloten das Bürgerrecht. Eine von Rom organisierte Koalition (u. a. Achaier) besiegte ihn, der 192 von Aitolern ermordet wurde (Ende der sozialen Bewegung in Sparta, Verlust der spartan. Selbständigkeit, Eintritt in den Achaiischen Bund). SF Nachahmung [griech. mimesis, lat. imitatio]. N. der Natur (d. h. der Wirklichkeit) bestimmt nach antiker Auffassung das Verhältnis der Kunst zur Wirklichkeit. Durch die N. unterscheidet sich die Kunst im engeren Sinne von anderen menschl. Fertigkeiten. Die N.sichre, bes. von Platon und Aristoteles entwickelt, aber schon früher entstanden, besagt, daß das Kunstwerk eine Widerspiegelung, ein Abbild der Wirklichkeit sein soll. N. verpflichtet also den Künstler zur Wahrheitstreue und ermöglicht der Kunst, ihre Bildungsfunktion wahrzunehmen. Die N. soll jedoch keine naturalisé Kopie der Wirklichkeit darstellen, sondern eine künstlerisch verdichtete und mit künstler. Mitteln gestaltende Wiedergabe. In die N. kann nicht nur das, was ist, sondern auch das, was sein soll, eingehen. N. schließt ferner-die künstler. f Fiktion nicht aus. Das Erkennen des Urbilds im Abbild sowie die Qualität der N. bereiten Vergnügen. Während Aristoteles' N.slehre eine Tendenz zum Realismus aufweist, fordern Spätere (Plutarch u. a.) eine mehr idealisierende N. Bis gegen Ende des 18. Jh. spielte die N. in der europ. Literaturtheorie eine dominierende Rolle. - Im engeren Sinne werden in der Antike mitunter nur die Dramatik und die Dialogpartien des Epos als N. bezeichnet (im Gegensatz zu den Partien des Epos, in denen der Dichter selbst berichtet). Seit der hellenist.-röm. Zeit wird auch von N. im Sinne einer Stilist. Orientierung auf die klass. Muster in Dichtung und Beredsamkeit gesprochen. Kr Nachleben der Antike. Das Nachleben der klass. Antike beginnt im Altertum selbst, sobald man die Werke ver-

373 gangener Generationen als Vorbild ansah, das erhalten bleiben sollte; so zuerst in der heilenist. Zeit. In den Kriegszügen Alexanders d. Gr. sind die Griechen weit in den Orient vorgedrungen, und viele haben sich in den Diadochenstaaten Kleinasiens und Ägyptens angesiedelt. Damit begann die Rückerinnerung an die eigene Art, die Vergangenheit und ihre Werke. Zeugnis dafür ist die Gründung großer öffentl. Bibliotheken in Alexandreia (um 280 v. u. Z.), Pergamon (um 180 v. u. Z.), in Antiocheia und Seleukia. Die Bibliothekare waren Gelehrte, die sich um die Reinheit der alten Werke bemühten. Gelehrsamkeit sprach auch aus den Dichtungen der Zeit, so bei Kallimachos, Eratosthenes, Theokritos und Aratos. In der Kunst kam der Archaismus auf, die Nachahmung archaischer Werke. Griech. und heilenist. Philosophie, Wissenschaft und Kunst wurden in Rom von der Mitte des 2. Jh. u. Z. an als klassisch angesehen und oft unter Zurückstellung eigener Kulturformen übernommen. Erhalten blieben das röm. Recht und die röm. Religion, ihre Satzungen und Kultbräuche; die großen Götter wurden den griech. angeglichen. Von den griech. Philosophenschulen kam die Stoa dem röm. Wesen bes. nahe, aber auch Epikurs Lehre fand Anhänger. Die nach Vorbildern der mittleren Komödie, bes. Menandros', verfaßten Lustspiele des Plautus und Terentius, die Lyrik von Catull, Tibull und Properz, die Werke von Horaz und Ovid, die Epen des Vergil, Statius und Lucanus, die Tragödien Senecas, satir. Schriften des Petronius, Persius und luvenalis, die Reden und philosoph. Werke Ciceros, Geschichtswerke von Livius, Caesar, Sallust, Suetonius und Tacitus wurden klass. Vorbilder für die Folgezeit. Als klassisch galt die griech. Kunst, so wurden griech. Bronzestatuen in großer Zahl in Marmor kopiert. Die röm.-kampan. Wandgemälde gehen vielfach auf griech. Vorbilder zurück. Abschluß einer langen Entwicklung sind die Zusammenfassung wissenschaftl. Resultate, so im 2. Jh. für die Medizin von Galen, für Geographie, Astronomie und Astrologie von Klaudios Ptolemaios, im 3. Jh. für die Philosophen und ihre Werke von Diogenes Laertios. Das Christentum, das Ende des l. und Anfang des 2. Jh. hervorzutreten begann, bedeutete keinen vollkommenenBruch mit dem Bestehenden. Sind schon die drei synopt. Evangelien griechisch, nicht aramäisch geschrieben, so sucht das Johannesevangelium die Verbindung mit der heilenist., von Philon bes. ausgestalteten Logoslehre herzustellen. Die Kirchenväter standen zunächst der heidn. Literatur meist feindlich gegenüber. Doch kamen ihnen die Stoa, bes. Poseidonios, vor allem aber Platon in der durch die Neuplatoniker des 3. Jh., Ammonios Sakkas und Plotin, gegebenen Gestalt entgegen. Augustinus nahm vieles davon in seine Lehre auf, denn ihre Systematik war wichtig für die Ordnung der Kirche, der Zug zur Mystik für die Religiosität des einzelnen. Auch die Rhetorik war zu berücksichtigen. Folgenreich war die Gründung des Klosters Monte Cassino 529 durch Benedikt von Nursia, dessen Regel die Mönche zu prakt. Arbeit, aber auch zum Abschreiben von Büchern verpflichtete, zunächst wohl kirchl. Schriften, dann aber, vielleicht unter dem Einfluß von Cassiodorus' Vivarium, auch klass. Werke. Weitere Klöster nach der Benediktinerregel entstanden schon in den beiden nächsten Jahrhunderten in Frankreich, Irland, Schottland, Deutschland. In den wenig erschlossenen Gebieten mußten die Mönche Schriften zu Tierzucht, Ackerbau, Arzneikunde und Medizin weiter überliefern zur Belehrung und Hilfe für die Bevölkerung. In den Klosterschulen wurden im elementaren Unterricht verwendet: die Grammatik des Donatus, dem in den sieben freien Künsten antike Enzyklopädien, so die des Marcianus Capella (um 450 verfaßt), „Die Hochzeit der

Nachleben der Antike Philologia und des Mercurius", oder Werke wie „Über die Natur der Dinge" Isidorus' von Sevilla oder Bedas, dazu für die Logik Aristoteles* „Kategorien" und „Hermeneutik" in lat. Übersetzung mit der Einführung des Porphyrios und neuplaton. Kommentaren, bes. des Boethius. dann Platons Timaios in der Übersetzung des Chalcidius und von Boethius, dessen letztes Werk „Über den Trost der Philosophie" ihn als Christen erscheinen ließ, die Schriften zur Mathematik, Musik und Astronomie, für die, da sie zur Berechnung der bewegl. Feste unerläßlich war, auch Arats Phainomena und Hyginus' Schrift „Über Astronomie" herangezogen wurden. Kirche und Klöster erhielten das geistige Leben, das sonst in den Stürmen der Völkerwanderung völlig zum Erliegen kam. Erst unter Karl d. Gr. begann ein Wiederaufleben, die sog. Karoling. Renaissance, gefördert u. a. durch Alkuins Wirken für die Palastschule. Wesentlich war die Schriftreform, die an die Stelle der in Nationalschriften zerfallenen Buchstabenformen die sog. karoling. Minuskel setzte, die, im 15. Jh. von den Humanisten fälschlich für die Schrift der röm. Zeit gehalten, für ihre Handschriften und Drucke übernommen wurde und als „Antiqua" bis jetzt in Gebrauch ist. - Im 10. Jh. verfaßte Hrotsvith von Gandersheim lat. Legendendramen, um die Lektüre des Terentius, den also die Nonnen im Kloster lasen, zu ersetzen. In den westl. Ländern zeigte sich im 10. Jh. auch der erste Einfluß der arab. Wissenschaft von Spanien her. Dorthin hatten die Araber auf ihren Kriegszügen zur Ausbreitung des Islams viele aus griech. Quellen übersetzte und weiter ausgebaute Werke der Naturwissenschaften, Mathematik, Astronomie, Astrologie und Medizin mitgebracht. Dort war Gerbert ausgebildet, der als Papst Sylvester II. (gest. 1003) dieses Wissen weiterpflegte. Durch rege Übersetzungstätigkeit im 11. und 12. Jh. wurde das ganze aristotel. Corpus mit den Kommentaren in lat. Sprache benutzbar. Grundlegend war die lat. Übersetzung eines auf griech. Quellen beruhenden arab. Standardwerkes der Medizin durch Constantinus Africanus (gest. ca. 1080). Die ersten Universitäten wurden gegr.: im 11. Jh. Salerno für Medizin, 1119 Bologna für Jurisprudenz, 1201 Oxford und bald darauf Paris. Der Einfluß der klass. Antike begann auch in der Dichtung: Chrétien de Troyes, Benoit de Sainte More, Heinrich von Veldeke. Der trojan. und theban. Sagenkreis wurden behandelt; die Troubadoure kannten Ovids Liebesgedichte. Im 12./l3. Jh. brachten die Kreuzzüge die Begegnung des W mit Byzanz und den Arabern in Kleinasien und Palästina. Nach allen Kämpfen bahnte sich ein Ausgleich zwischen O und W an, wie ihn Friedrich II. versuchte, der an seinen Hof in Palermo auch arab. Gelehrte zog: Ihr Einfluß ist deutlich bei Michael Scotus. Albertus Magnus und Thomas von Aquin ordneten die Logik des Aristoteles Latinus in die kirchl. Lehre ein, aber gegen die Überbetonung des Intellekts in der Scholastik suchte Duns Scotus wieder Annäherung an die platofi.-augustin. Lehre, so auch die Mystiker Meister Eckhart, Tauler und Seuse. Thomas' Lehre bildet einen Grundzug in Dantes Divina Commedia, sein Führer durch die Unterwelt mit Gestalten auch aus der griech.röm. Sage, Odysseus, Dido und Aeneas, ist Vergil. Irn Gedanken an die Augusteische Zeit wünschte Dante eine Erneuerung Roms, in dem Kaiser und Papst mit gleichem Recht die Macht ausüben. Wie lebendig der Romgedanke war, bewies Cola di Rienzi, der als Volkstribun Roms alte Größe erneuern wollte. Mehr der Lehre Augustinus' neigte Petrarca zu; in seine Gedichte führte er histor. und mytholog. Gestalten der Antike ein. Boccaccio ist Dantes erster Kommentator; sein Decamerone, in dem er auch antike Motive heranzog, war eine Fundgrube für viele Dichter. Im 14. Jh. kamen einzelne (Manuel Chrysoloras),

Nachrichtenverkehr im 15. Jh. dagegen im Zusammenhang mit dem Konzil von Ferrara und Florenz 1438/39 sehr viele griech. Gelehrte aus Byzanz nach Italien. Sie brachten Texte mit und wirkten als Lehrer der griech. Sprache, die nun auch in den westl. Ländern verbreitet wurde. In Byzanz war weder durch das Christentum noch durch die Reichstrennung ein Bruch mit der Überlieferung eingetreten, erst als unter dem Ansturm der Araber in Kleinasien die Städte mit ihren Bibliotheken zugrunde gingen und im Inland die Bilderstürmer wüteten, erlag auch dort für fast 200 Jahre (um 650-850) das geistige Leben. Im 9./10. Jh. bemühten sich bes. Photios und Arethas um die Rettung des noch Vorhandenen und leiteten rege Abschreibetätigkeit ein. So sind diese Handschriften direkt oder indirekt meist die Grundlagen der heutigen krit. Textausgaben. Viele der wissenschaftl. Werke sind dann unter den Paläologen im 13./14.JH. überarbeitet worden, als das Bekanntwerden mit arab., auf griech. Quellen beruhenden Schriften die Rückkehr zu den griech. Originalen veranlaßte und man sogar verlorene Werke aus dem Arabischen ins Griechische zurückübersetzte. Die klass. Werke, soweit sie noch vorhanden waren, sind bis zur Jetztzeit erhalten. Sie wurden aber im 15. Jh. der westl. Welt erst in lat. Übersetzungzugänglich. Neu übersetzt wurde Platon, den Michael Psellos mit hermet. und chaldaischen Schriften und nun Gemistos Plethon auch mit Orpheus und den Pythagoreern in Verbindung brachte, wiederum in neuplaton. Sinn. Plethon hat vielleicht die Gründung der Platon. Akademie in Florenz angeregt, der Marsilio Ficino (1433-1499), der Übersetzer Platons und Plotins, und Pico della Mirandola (1466-1494), der auch die Kabbala behandelte, angehörten. Dieser neue Platonismus war mit dem Christentum wohl vereinbar, und die Humanisten wendeten ihre textkrit. Arbeit auch den frühen Kirchenvätern zu, die nun als Klassiker angesehen wurden. Wichtig ist die erste krit. Ausgabe des Neuen Testaments, die Erasmus von Rotterdam im Druck erscheinen ließ. Nach dem 2. Druck (1519) hat Luther seine dt. Übersetzung verfaßt. War Luther, ein Gegner der Scholastik, eher der augustin. Lehre geneigt, so blieb durch Melanchthons Einfluß die Philosophie des Aristoteles an den Universitäten erhalten. Aber die Scholastik mußte allmählich den neuen Erkenntnissen von Kosmos und Natur weichen. Nikolaus Kopernicus entwickelte die Lehre des heliozentr. Systems. Er nennt als Vorgänger den Pythagoreer Philolaos. Klarer hatte diese Lehre Aristarchos von Samos ausgesprochen, und Seleukos von Seleukeia war für ihre Alleinberechtigung eingetreten. Aber den Beweis dafür, den auch die richtige Erklärung der Planetenbewegung durch Kepler nicht gab, konnte erst durch die Beobachtung mit dem Fernrohr Galilei erbringen. In der Kunst zeigten Architekten, Maler und Bildhauer eine Rückbesinnung auf das Altertum, das so eine Renaissance erlebte. So begann nun eine neue Zeit. Die Nationalstaaten und -sprachen traten immer stärker ihre eigene Entwicklung an. Das klass. Erbe, wie es im Lauf der Geschichte die Eigenart jeder Epoche widerspiegelte, erscheint nun in noch reicherer Vielfalt und beweist in jeder Um- und Anverwand.ung seine unzerstörbare Lebenskraft. Erst seit den letzten Jahrzehnten wird das N. d. A. systematischer erforscht, bes. auch durch das Warburg-Institut der Universität London. Br Nachrichtenverkehr. Seeverbindungen erleichterten in Griechenland den allgemeinen N. ; eine planmäßige Übermittlung im geheimen, öffentl. und privaten N. gab es jedoch kaum, auch nicht mit Brieftauben - der militär. N, gehörte zur f Kriegstechnik oder zum Signalsystem. Dem mündl. N. dienten Boten, dem schriftl. N., der nicht auf Gelegenheitsverkehr warten konnte, ebenfalls, weshalb

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man oft Geheimschrift vereinbarte und dazu auch techn. Hilfsmittel entwickelte, wie die Skytale (griech., ..BriefStab") der spartan. Ephoren. Der auf den Briefstab gewundene Lederriemen wurde parallel zur Stabachse beschrieben und war auf dem abgewickelten Streifen „unlesbär" - nur auf einem gleich dicken Stab in gleicher Windung ließ sich die amtl. Mitteilung lesen. Zu den techn. Hilfsmitteln für Chiffrierung und Dechiffrierung gehörte auch das ,Rad des Aineias* (Abb.). In der rö.m. Kaiserzeit übernahm den Dienst-N. die Post. Wf

,11,15

Nachrichtenverkehr. Rad des Aineias: Eine Scheibe mit 24 Rundlöchern (0) und zwei bis drei Mittel löchern (X XX XXX) wird zur Übermittlung verschlüsselter Nachrichten benutzt, indem ein Faden von ..Buchstaben" zu Buchstaben gezogen wird - bei jedem Gebrauch werden die Buchstabenwerte neu durcheinandergebracht (hier gegenüberstehend Α-B, N-O, E-Z usw.). Die Mittellöcher sucht der Faden auf, um das Wortende (9) oder das Zusammenstoßen gleicher Buchstaben (14) zu markieren. Wickelt der Kundige den Faden ab, muß er „rückwärts" gelesene Worte erhalten, die den Inhalt der Botschaft bilden Nachtwachen f Vigilien. Nacktheit war im griech. Tagesdasein nicht die Regel. Sportl. Wettkämpfe der homer. Zeit wurden nicht unbekleidet durchgeführt. In Olympia soll der Langstreckenläufer Akanthos (720 v. u. Z.) als erster offiziell nackt gelaufen sein, nachdem zuvor im Kurzstreckenlauf Orsip-

Jüngling und Mädchen in der Palästra (Kelchkrater aus Lokroi Epizephyrioi)

375 pos (absichtlich?) seinen Schurz verloren hatte. Für die anderen Disziplinen muß sich die Schurztracht bis ins 5. Jh. v.u.Z. gehalten haben. Dann setzte sich die N. (für Männer) im Sport durch. N. auf Darstellung des geometr. Stils hat eher künstler. als sachl. Gründe. Erot. Darstellungen unterliegen anderen Gesetzen. Bei den Spartanern trieben beide Geschlechter gemeinsam nackt Sport (die Mädchen gelegentlich mit einem kurzen Höschen bekleidet). Den Römern blieb die N. anstößig. WR Nadel und Fingerhut. Die Formen der griech. und röm. Nadeln sind weit gröber als die der seit etwa 1800 maschinell erzeugten Stahlnadeln; dagegen entsprechen die Fingerhüte (Abb.) den heutigen Formen. Antike Nadeln haben noch kein (erst um 1520 in Spanien entwickeltes) zentrales Öhr, sondern nur ein seitl. Fadenloch, vielfach auch nur eine Fadenkerbe (Abb.). Die Spitze wurde mit

Fingerhüte aus röm. Grabbeigaben, 2./3. Jh.; Mitte Silber, sonst Bronze

Nähnadel, a mit seitl. Fadenloch, b Nadel mit Fadenkerbe

dem Meißel vorgeformt, mit Schmirgel nachgeschliffen, gleichviel ob Bronze, Silber, Eisen, Elfenbein oder Knochen und Gräte als Material dienten. Sie eigneten sich nicht gut zur Herstellung feiner Nähte, allenfalls zum Aufheften gewebter Streifen oder Besätze, wohl aber zum Sticken. - Eine weitere Form war die Graviernadel der Goldschmiede, Gemmenschneider und Münzmeister. Wf Nadelarbeit war Frauenarbeit und zugleich künstler. Betätigung der Frau. N. erstreckte sich auf das Nähen von Gewändern; vor allem das Aufheften gewebter Streifen auf Gewänder sowie die Applikation von Leder war N. Hauptgebiet war das Sticken auf Gewänder, Tücher, Dekken ; dazu benutzte man wie heute Stickrahmen für Plattund Kreuzstich. Mit diesen Erzeugnissen wurde in „Spezialgeschäften für N." (Abb.) lebhaft Handel getrieben. N. war ferner zum Ausbessern von Kleidungsstücken,

Nadelarbeit. Ladenfront mit Käufer und Käuferin auf einer Bank, an einer Querstange feine Nadelarbeiten, die der Ladeninhaber mit Gehilfen vorführt

Naissus Segeltuch und Schuhwerk nötig. - Hosen forderten viel N., gehörten aber nur zur Kleidung fremder Völker. Wf Naevius, Cn., gest. um 201 v. u. Z. Utica (Nordafrika), lat. Dichter aus Kampanien, verfaßte Tragödien (mit Stoffen bes. aus dem trcjan. Sagenkreis) und Komödien. Seiner in den Komödien enthaltenen mutigen Angriffe auf Mitglieder der röm. Aristokratie (z. B. auf die Meteller) wegen wurde er 206 gefangengesetzt und verbannt. N. schuf die Fabula praetexta (Drama mit nationalröm. Stoffen), so „Romulus" und „Clastidium" (Sieg des Marcellus über den Gallier Virdumarus 222). Den 1. Pun. Krieg, an dem er selbst teilgenommen hatte, besang N. im Alter in einem in Saturniern abgefaßten Epos „Bellum Punicum" (Pun. Krieg). Das 7 Bücher umfassende Werk enthielt auch die röm. Urgeschichte und projizierte die Feindschaft Rom-Karthago in die myth. Vorzeit zurück (Schicksal des Aeneas). Mit der Wahl von Stoffen aus der röm. Sage und Geschichte bekundete N. als erster röm. Schriftsteller Selbstbewußtsein und Nationalstolz seines Volkes; er wirkte darin bes. auf Vergil. Be Γ: TRF S. 6-14 (Tragödien), 277-278 (Praetextae), CRF S. 5-31. W. Strzelecki, BT 1964 (Bellum Punicum). TU (engL): E.H. Warmington, Remains of Old Latin U, LCL 1936, S. 46-155. Nag Hamm|di: Ort in Oberägypten, in dessen Nähe 1945/46 eine Bibliothek von 13 Papyruskodizes gefunden wurde. Sie enthält 53 gnost. Schriften und Fragmente in kopt. Sprache, von denen bisher nur der kleinere Teil bekannt war. Eine Faksimile-Edition, die in Verbindung mit der ägypt. Altertümerverwaltung von einem UNESCO-Komitee veranstaltet wird, ist nach mehreren Unterbrechungen 1972 in Gang gekommen. Zu den bereits veröffentlichten Texten gehören u. a. das ..Evangelium der Wahrheit", das Thomas-Evangelium, das Philippus-Evangelium, die drei Versionen der ..Geheimlehre des Johannes", die ..Offenbarung des Adam**, das „Wesen der Archonten", zwei „Offenbarungen des Jakobus", eine ..Exegese über die Seele", ein „Thomasbuch'*, die „Geschichten des Petrus und der 12 Apostel", die „Authent. Lehre", einige hermet. Traktate. Für die Erforschung der Gnosis haben diese Originalquellen epochemachende Bedeutung. KR T: The Facsimile Edition of the Nag Hammadi Codices, Leiden s. 1972 (Cod. VI). U: H. M. Schenke in: Leipoldt-Grundmann, Umwelt des Urchristentums, Bd. 2, Berlin 1970, 350ff. (Auswahl); M.Krause in: W.Foerster, Die Gnosis, 2. Bd., Zürich 1971 ; 7-170 (Auswahl).

Nahrung. Im Altertum war die Nahrung i. allg. einfach. Seit ältesten Zeiten bestand sie bei den Griechen hauptsächlich aus Hirse- oder Gerstenbrei und Brot, das aus Gerstenmehl mit Wasser und Salzzusatz geknetet und in Formen getrocknet oder aus Weizenmehl mit Sauerteig vermengt, in Formen modelliert und im Ofen gebacken wurde. Als Zukost aß man mit Olivenöl zubereitete Gemüse, Früchte, Käse und gepökelten Fisch (u. a. Makrele und Stör). Als Delikatessen galten Rotbarbe, Maifisch und Aal. Fleisch war als Anteil am Opfertier selten. Die Römer dagegen aßen weit mehr Fleisch und bevorzugten Schweinefleisch u. a. von jungen, z. T. sogar noch ungeborenen Tieren. Als Getränke wurden meist Wasser, Milch oder verdünnter Wein zum Mahl genossen. Die modernen Vorstellungen von antiken Schlemmergelagen sind weit übertrieben, wenn auch schon griech., später bes. röm. Kochbücher eine zunehmende Verfeinerung der Kochkunst anzeigen. BB Naîssus, heute Ni§ in Jugoslawien: röm. Munizipium, Garnison und Bischofssitz in Mösien, bekannt durch den Sieg Claudius' II. über die Goten 269 und als Geburtsort Konstantins I. N. wurde 441 von den Hunnen zerstört. Jo

Najaden Najgden, griech. Naïades: griech. Nymphen, die in Quellen, Teichen und Seen wohnten. Be Namatignus, Rutilius Claudius N., I.Hälfte des 5. Jh., aus Gallien stammender lat. Schriftsteller aus reichem, vornehmem Haus, Stadtpräfekt von Rom. In einem vielleicht „De reditu suo" (Über seine Heimkehr) genannten Gedicht beschreibt er seine Heimreise von Rom in seine Heimat (Herbst 416). Das unvollständig überlieferte Werk zeigt N. als einen überzeugten Heiden und Verehrer Roms (Preis Roms im Gebet an die Dea Roma). Be T: R.Helm, Heidelberg 1933. TU (italien.): E. Castorino, Firenze 1967; E. Doblhofer, Heidelberg 1972. Namengebung. Bei den Griechen erfolgte die N. am 10. Tage nach der Geburt. Sie besaßen nur den Individualnamen, doch fügte man zur besseren Unterscheidung den Namen des Vaters im Genitiv oder mehr poetisch auch mit Ableitungen auf -ides oder -ios bei, z. B. Themistokles Neokleus (Sohn des Neokles) oder bei Homer Diomedes Tydeides (Sohn des Tydeus). Die Namen waren meist zweistämmig (Mega-kles, „der großen Ruhm hat"), doch wurden davon oft einstämmige Kurz- oder Koseformen gebildet (Kleon, Nikias). Sie brachten meist die urspr. Ideale der Aristokratie, wie Kampf, Ruhm, Stärke, zum Ausdruck. Widmungsnamen, mit den Namen oder Beinamen von Göttern gebildet, waren ebenfalls beliebt (Herodot, Apollodoros). Neben den zweistämmigen Bildungen gab es jedoch auch solche, die von Anfang an einstämmig waren und oft eine spottende Bedeutung für den Träger beinhalteten (Simon, „der Stumpfnasige 4 *); i- allg. bemühte man sich, die Namen oder einzelne Teile davon zu vererben. So erhielt ein Enkel in der Regel den Namen des Großvaters (Perikles war Sohn und Vater eines Xanthippos). In der heilenist. Zeit trug ein Sohn oft den gleichen Namen wie der Vater, vereinzelt auch schon vorher, z. B. bei Demosthenes. Zur weiteren Kennzeichnung von Personen wurden noch Ethnika, die von dem Namen der Stadt, in der der Betreffende das Bürgerrecht besaß, abgeleitet waren, oder in Athen seit Kleisthenes Demotika dem Namen hinzugefügt (z. B. Paianieus, „aus dem Demos Paiania"). Auch bei den Frauennamen gab es zweistämmige (Kleobule) und einstämmige (Philiste). Der Name des Vaters bzw. des Ehemannes trat im Genitiv dazu. Sklaven besaßen nur einen Namen, der meist schon durch seinen Wortinhalt Rückschlüsse auf den unfreien Status und die Herkunft gestattete. Die Römer hatten die in den ältesten Inschriften noch vorhandene indoeurop. Einnamigkeit unter etrusk. Einfluß aufgegeben. Jeder Römer besaß nun zunächst zwei, später meist drei Namen (Gaius Sempronius Gracchus), nämlich den Vornamen (Praengmen), den Namen des Geschlechts (Ngmen gentile) und seit etwa 300 v. u. Z. auch noch einen erbl. Beinamen (Cognomen). Dieser war oft von einer körperl. bzw. geistigen Eigenschaft oder der Herkunft des ersten Trägers gebildet und vererbte sich dann in der betreifenden Familie, z. B. Flaccus, „mit Schlappohren", Afer, „aus Afrika". Manche besaßen kein CognQmen, z. B. Marius, Antonius. Die Vornamen waren sehr nüchtern drei waren bloße Zahlwörter - und wurden immer abgekürzt geschrieben. Es gab nur 19: Aulus: A., Appius: App., Gaius: C., Gnaeus: Cn., Decimus: D., Flavius: F., Kaeso: K., Lucius: L., Marcus: M., Manius: M'., Mamercus: Mam., Numerius: N., Publius: P., Quintus: Q., Sextus: Sex., Servius: Ser., Spurius: Sp., Titus: T., Tiberius: Ti(b). Zu den drei röm. Namen trat manchmal noch ein individueller Name (Barbatus, „der Bärtige"), ebenso wurden durch Adoption Namen übernommen. In amtl. Schriften mußte noch der Vorname des Vaters im Genitiv mit dem Buchstaben f. (filius, „Sohn des") auf-

376 geführt werden; manchmal auch noch die Tribus. Die Töchter trugen den Gentilnamen (Tullia), der durch Maior, Minor, Tertia usw. genauer definiert werden konnte. Weibl. Vornamen kamen aber auch vor. In der Kaiserzeit führten sie Gentilnamen und Cognomen des Vaters (Caecilia Metella). Die Freigelassenen übernahmen den Vor- und Gentilnamen ihres Freilassers, ihr Sklavenname trat an die Stelle des Cognomens. In der Kaiserzeit waren bes. in vornehmen Familien sehr viele Namen im Gebrauch; da sie unübersichtlich waren, führte das dazu, daß man sich besondere Rufnamen (supernomina, signa) beilegte. Die röm. N. mit Vor- und erbl. Geschlechts- bzw. Familiennamen ist in der Neuzeit von den meisten Völkern übernommen worden. Ein Römer wird heute meist nach seinem Cognomen benannt (Caesar), seltener ist der Gentilname eingebürgert (Vergil). Z Naos [griech., „Schiff"]: Inneres des Tempels (Cella usw.), im Gegensatz zum Außenbau, z. B. des Peripteros; enthielt meist das Kultbild der im Tempel verehrten Gottheit. Sl Narbo, heute Narbonne: blühender Handelsplatz (Zinn) der Tektosagen, 118 v.u.Z. röm. Kolonie, Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis. Seh Narkissos, lat. Narcissus, dt. Narziß, in der griech. Sage schöner Jüngling, Sohn des Flußgottes Kephissos; verschmähte die Liebe der Nymphe Echo und wurde deshalb damit bestraft, daß er sich in sein im Wasser geschautes Spiegelbild verliebte. Er wurde schließlich, von unstillbarer Liebe verzehrt, in die nach ihm genannte Blume (Narzisse) verwandelt. - Drama von Calderon und Rousseau; Opern von Scarlatti, Gluck, Massenet; Gemälde von Tintoretto, Caravaggio, Poussin. Be Narses, hoher Beamter und Feldherr Justinians, armen. Herkunft, Eunuch, siegte über die Vandalen sowie über die Ostgoten unter Totila und Teja in Italien (552-555); 555-567 erster Statthalter (Exarch) in Italien. Kp Narthex [griech.]: viereckiger Vorraum frühchristl. Kirchenbauten, zwischen Hauptbau und Atrium gelegen, diente als Aufenthaltsraum für die Büßer, f Abb. Hagia Sophia. Sl Nation [lat.]. Unter dem lat. Begriff natio verstand man in der Antike in erster Linie das Geschlecht, die Sippe, den Stamm (etwa im Sinne von Gens) oder eine Menschengruppe, nicht aber die moderne Nation, die sich erst beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus entwickelte. Gü Nativität [lat., „Geburt"]: das einen Menschen betreffende Horoskop. Das älteste überlieferte stammt aus Babylon vom Jahre 409 v. u. Z. J Naturalwirtschaft: weitverbreitete Wirtschaftsform in allen antiken Ländern, die selbst in Blütezeiten der antiken Warenproduktion mit entwickelten Ware-GeldBeziehungen niemals völlig verdrängt wurde. In der N. wird die Produktion i. wesentl. wieder durch die Erzeuger und auf einem schwach entwickelten Binnenmarkt verbraucht; Warenaustausch ist in der N. nicht die Regel. In Griechenland war die N. bes. von der sog. Dor. Wanderung bis zur großen griech. Kolonisation verbreitet, hielt sich jedoch in einigen Teilen des Landes (z. B. Sparta, West- und NordWestgriechenland) bis in die Hellenist. Zeit. In Rom blieb die N. etwa bis in das 3. Jh. v. u. Z. bes. stark erhalten. Doch wurden auch in der weiteren wirtschaftl. Entwicklung durch die Versklavung von Kriegsgefangenen und durch den Menschenraub Elemente der N. bis zum Ausgang des Altertums übertragen („naturale Aneignung fremder Arbeitskraft" [Marx]). Gü Naturanlage, griech. physis, lat. natura âtque ingçnium.

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Als unerläßl. Voraussetzungen künstler. SchaiTens pflegen griech. und röm. Autoren, einer peripatet. Tradition folgend, 1. N., 2. Studium, 3. prakt. Übung zu nennen. Studium und Übung sollen dazu dienen, die vorhandene N. zu entwickeln und die Anwendung des Erlernten zu erproben. Lernen und Studium, von Pindar verächtlich abgetan, wurden seit der Sophistik als notwendig anerkannt. Seither standen die (erwerbbaren) intellektuellen Fähigkeiten und techn. Fertigkeiten des Künstlers im Vordergrund, nicht so sehr die (nicht erwerbbare, aber entwicklungsfähige) N. Mit zur N. gehören f Enthusiasmus, Einfühlungsvermögen und - in der nacharistotel. Ästhetik - auch f Phantasie. Die besondere Bedeutung, die die sinnl. Wahrnehmung (griech. aisthesis) für den Künstler hat, hat erst die heilenist. Kunst- und Literaturtheorie hervorgehoben. Kr Naturphilosophie, lat. philosgphia natur§lis: zuerst bei Seneca Sammelbezeichnung für philosoph. Strömungen der antiken griech. Philosophie vor Sokrates und vor der Sophistik. Hauptgegenstand ihrer Forschung war die Natur; Fragen der Erkenntnistheorie, der Gesellschaft, der Ethik wurden weniger ausgiebig behandelt. Die Vertreter der Naturphilosophie waren mehr oder weniger konsequente Materialisten. Mit Demokrit, der ein umfassendes materialist. System schuf, und den Sophisten, die sich bes. gesellschaftl. und anthropolog. Problemen zuwandten, wurde die vorwiegend naturphilosoph. Orientierung der antiken Philosophie überwunden. Gu Naturrecht. Bereits Heraklit meinte, daß sich alle menschl. Gesetze von dem einen göttl. Gesetz nähren, und schon bei Parmenides findet sich die Entgegensetzung von Physis und Nomos. In der Sophistik wird sie zu einem tragenden Prinzip. Das N. (physei) wurde dem histor., vom Menschen gegebenen, historisch und territorial unterschied!, und auch widernatürl. Recht, der Satzung (nomos), entgegengesetzt. Aus dieser Lehre wurden völlig konträre Schlußfolgerungen gezogen, sowohl demokratische (alle Menschen sind von Natur aus gleich: Männer und Frauen, Freie und Sklaven, Griechen und Barbaren, und nur der menschl. Satzung nach sind sie verschieden) als auch aristokratische (von Natur sind alle Menschen verschieden, und nur das gleiche Menschenrecht verdeckt diese Unterschiede; der Starke soll sich deshalb nicht an die Satzung halten). Platon brachte das natürl. Recht mit seiner Ideenlehre in Verbindung, während das menschl. Recht der Erscheinungswelt angehört und immer zum göttl. natürl. Recht strebt und an diesem teilhat, ohne es jemals selbst werden zu können. Nach Aristoteles verflechten sich in den einzelnen Rechtssystemen sowohl das ewige, natürl. als auch das einmalige, geschichtl. Recht miteinander. Epikur leugnete ausdrücklich die Existenz eines N.s und behauptete mit Archelaos, daß das Rechtliche und auch das Schändliche nicht von der Natur, sondern nur von der menschl. Satzung komme. In der Stoa spielt die Lehre vom ungeschriebenen Recht, das die göttl. Vernunft den Menschen als natürl., angeborenes Sittengesetz eingegeben hat und von dem sich jede historisch entstandene Gesetzgebung als dem überzeitlich geltenden Maßstab letztlich zu leiten haben lasse, eine große Rolle. Über Cicero ging dieser Gedanke ins röm. Recht als „ius naturâle, quod natura omnia animâlia docuit" - das natürl. Recht, das die Natur alle Lebewesen gelehrt hat - ein. Die N.slehre wirkte bis in die Neuzeit und erfuhr sowohl konservative (Thomas von Aquin und Neuthomismus) als auch fortschrittl., ja revolutionäre (Grotius, Thomasius, Rousseau. Kant, Fichte) Ausprägungen. Gu Naturwissenschaft. Die Entwicklung der griech. N. vollzog sich in einer rapiden Entwicklung von der ion. Natur-

Nauplia philosophie bis zum Hellenismus. Danach setzte eine Stagnation ein, die bis zur Renaissance andauerte. Die Anfänge bestanden in Spekulationen über die Entstehung und die Urstoffe der Welt, wobei mytholog. Erklärungen ebenso zurückgedrängt wurden wie naive Übertragungen gesellschaftl. Verhältnisse auf die Natpr. Eine erste wichtige Errungenschaft war die krit. Beurteilung der Leistungsfähigkeit der menschl. Sinnesorgane. Einige unsichere Ansätze zum Experiment bei Anaxagoras, Demokrit und in den hippokrat. Schriften fanden in der Folgezeit wenig Nachahmung. Die Richtigkeit wissenschaftl. Voraussagen konnte nur dort überprüft werden, wo die Natur selber die Bestätigung lieferte, so in der medizin. Prognostik und in astronom. Berechnungen. Es fehlte auch jede direkte Beziehung zum technolog. Fortschritt, die antike N. blieb eine rein theoret. Bewältigung der Natur, wie die übrigen Wissenschaften war sie Erkenntnis um ihrer selbst willen als eine standesgemäße Beschäftigung des freien Mannes. So führte etwa die Erkenntnis der Dampfkraft zur Konstruktion von Spielereien, sog. Automaten, nicht zur produktiven Anwendung. Die Einzelwissenschaften Mathematik, Physik und Astronomie, die sich vor allem im Hellenismus entfalteten, blieben meist unter dem Einfluß der einzelnen Philosoph. Richtungen; das gilt auch für die Ärzteschulen, trotz anfängl. Tendenzen zur Befreiung von jeder Philosoph. Spekulation in der hippokrat. Medizin. In der Zoologie und Botanik erwiesen sich die log. Ordnungsprinzipien des Aristoteles als brauchbares Mittel zur Klassifizierung der Tier- und Pflanzenwelt. Eine stärkere Verbindung zur Praxis gab es nur in der Medizin und der Mechanik, wo die Kriegstechnik ihre besonderen Anforderungen stellte, daneben bezeichnenderweise in den Pseudowissenschaften Astrologie, Traumdeutung, Geoponik und Alchimie; von der letzteren gingen in der Folgezeit wichtige Impulse zur modernen Naturbeherrschung aus. Sm Nauarch [griech.]: in Sparta seit dem Peloponnes. Krieg (431/04 v. u. Z.) Flottenkommandant, der einen Epistoleus als Stellvertreter hatte. - In Athen im 5. Jh. v. u. Z. Kapitän eines der Staatsschiffe „Salaminia", „Paralos" und „Ammonis". Der Kommandant eines athen. Kriegsschiffes hieß dagegen Trierarch (auch bei Schiffen anderer Größenklassen). - In der Flotte Alexanders d. Gr. Befehlshaber der einzelnen Schiffe. H Naukraria [griech.]: urspr. wohl in Athen Bezeichnung für eine Organisation vielleicht schon vorsolon. Zeit, um die Bürgerschaft zum Bau von Kriegsschiffen und zum Schutz der Küste gegen Seeräuber heranzuziehen. Jede der vier att. Phylen war in zwölf Naukrarien aufgeteilt, die schließlich zu Verwaltungsbezirken allgemeiner Natur wurden, deren Vorsteher gelegentlich eine polit. Rolle übernehmen konnten. Gü Naukratis: griech. Handelskolonie, von Milet um 650 v. u. Z. im Nildelta gegr., seit dem Ende des 7. Jh. Hauptstapelplatz für den griech.-ägypt. Handelsverkehr. Der ägypt. König Amasis (570 bis 526) erteilte N. ein Monopol für den Griechenlandhandel. Unter pers. Herrschaft und nach Gründung von Alexandreia (331 v. u. Z.) verlor N. seine wirtschaftl. Bedeutung. - Von einigen ion. Tempeln, u. a. von dem des Apollon, sind Reste erhalten. SF Naumachie [griech., „Seekampf"]: Gladiatorenkampf, der in Form einer Seeschlacht in einem speziell zu diesem Zweck angelegten riesigen Bassin oder in der überfluteten Arena eines Amphitheaters stattfand. Bes. aufwendige N.n veranstalteten Caesar, Augustus, Nero, Titus und Domitianus. Ki Nauplia: Hafenstadt von Argos, schon in myken. Zeit

Nauplios besiedelt; später Mitglied der Amphiktyonie von Kalaureia. Im Mittelalter starke venezian. Festung, 1824/34 griech. Regierungssitz. Z Nauplios, lat. Nauplius, Sohn des Gottes Poseidon und der Amymone, König von Euboia; rächte sich, als ihm für die Steinigung seines Sohnes Palamedes keine Genugtuung ward, indem er die von Troja heimkehrenden Schiffe der Griechen durch Feuerzeichen irreführte und ihren Schiffbruch verursachte. Be Nausikaa, lat. Nausicaa, dt. Nausikaa, in der griech. Sage die schöne, junge Tochter des Phaiakenkönigs Alkinoos und der Arete. Als sie mit ihren Mägden an der Flußmündung Wäsche gewaschen hatte und danach mit ihnen spielte, fand sie den schiffbrüchigen Odysseus und brachte ihn in den Palast ihres Vaters. - In der gleichnamigen (verlorenen) Tragödie des Sophokles soll der Dichter selbst in der Rolle der N. aufgetreten sein. Spätantike Tradition läßt N. mit Odysseus' Sohn Telemachos eine Ehe eingehen. Die nachantike Literatur eröffnet über das Liebesmotiv die Möglichkeiten für trag. Konflikte (Fragment von Goethe), teils mit dem Freitod der N. Gemälde von Rubens, Tischbein d. J. Be Nautik [griech. > lat.]. Es gibt keinen Anhalt dafür, daß die Griechen das wichtigste naut. Hilfsmittel der Antike, das Segelhandbuch (meist periplus, ,.Umfahrung", genannt) von Phönikern oder Karthagern entlehnt hätten. Vielmehr entwickelte im Dienste des Perserkönigs Dareios I. Skylax von Karyanda die systemat. Verzeichnung von markanten Landmarken an fremden Küsten. Hochseefahrten blieben allezeit reine Erfahrungssache; es gab zwar seit dem 3. Jh. v.u.Z. naut. Instrumente wie den Thalassohodometer (ein Flügelrad unter Wasser sollte durch die Fahrgeschwindigkeit gedreht werden und ein Zählwerk die Umdrehungen als zurückgelegte Strecke ausweisen), doch bestehen Zweifel an der prakt. Verwertbarkeit dieser Erfindung, zumal an Bord schon Wasseruhren schlecht funktionierten. Darum blieb die Kunst des Steuermanns im wesentlichen stets beschränkt auf die richtige Beobachtung von Wind und Strömung, Sonnenstand und Sternenhimmel, wenn Land nicht in Sicht war. Wf E: Müller, Geographi Graeci minores I 15-96 (Paris 1855). Naxos: 1. größte Insel der Kykladen, von loniern bewohnt; kämpfte in der Mitte des 7. Jh. v.u.Z. gegen Paros (dabei fiel Archilochos). Um 540 bis 524 herrschte der Tyrann Lygdamis, der mit Unterstützung des Peisistratos zur Macht gekommen war. Um 500 riefen aus N. vertriebene Aristokraten Aristagoras aus Milet zur Hilfe herbei. Sein Zug gegen N. scheiterte und gab das Signal für den Aufstand der Ionien 490 eroberten die Perser die Insel und verwüsteten sie. Aus dem Att. Seebund versuchte sich N. 469 v. u. Z. zu lösen, doch führte dies nur zu größerer Abhängigkeit von Athen. Ein wichtiger Ausfuhrartikel war der Marmor. - 2. älteste griech. Kolonie Siziliens, an der Nordostküste gelegen, 415 v.u.Z. mit Athen bei der Sizil. Expedition verbündet, 403 v. u. Z. von Dionysios I. zerstört. Z Neapel: die urspr. griech. Kolonie Parthenope, später Nga PQÜS [griech., „Neustadt"] genannt, geriet 326 v. u. Z. in die Gewalt der Römer. In der Antike blieb N. hinter den benachbarten Siedlungen, Kyme im Hinterland und Dikaiarcheia - von den Römern nach Hannibals Niederlage Puteoli genannt - zurück. Nach dem Untergang benachbarter Orte beim Vesuvausbruch des Jahres 79 u. Z. entwickelte sich N.; im 2. Jh. entstanden bedeutende jüd. und christl. Katakomben. - Das Museo Nazionale di Napoli besitzt die nahezu größte Antikensammlung, die durch die Funde von Pompeji und Herculaneum den röm. Alltag widerspiegelt. Wf

378 Nearchos, um 360 bis nach 314 v.u.Z., Jugendfreund Alexanders d. Gr. N. begleitete Alexander auf dessen ind. Feldzug und wurde 326 zum Kommandanten der Gesamtflotte ernannt, die den Hydaspes, Akesines und Indus abwärts bis zum Delta fuhr, dann Admirai der kleinen Flotte, die mit Onesikritos als Obersteuermann den Seeweg von der Indus- zur Euphratmündung erkundete (325/24). 323 sollte N. eine weitere Flottenexpedition an den arab. Küsten unternehmen, aus der aber wegen Alexanders Tod nichts wurde. In den anschließenden Diadochenkämpfen spielte N. nur eine untergeordnete Rolle. N.' Schrift über seine Schiffsexpedition ist z.T. in Arrians „Indike" eingegangen (auch von Strabon benutzt). D T(Frg): FGrHist 133. Nebukadnezar II., 604-562 v. u. Z. König von Babylon; verdrängte die Ägypter aus Vorderasien. Während der Kämpfe um Syrien und Palästina zerstörte er 587 Jerusalem und nahm die jüd. Oberschicht gefangen (sog. Babylon. Gefangenschaft). Sein gewaltiges Ansehen und seine Bauten wirkten nach bei Juden (Bibel, Talmud) und Griechen (Herodot). - Titelgestalt in Verdis Oper „Nabucco". Z Nechepso-Petosjris, der König und der Priester: die fingierten Verfassernamen eines um 150 v.u.Z. im hellenist. Ägypten entstandenen Lehrbuches der Astrologie, das auf die astrolog. Praxis und Schriftstellerei von größtem Einfluß war. J T: (Frg): E. Riess, Phihlogus, Suppl. 6, 1893. Nekropole [griech., „Totenstadt"]: kollektive Begräbnisstätten der Antike, die nur in einigen Fällen, z. B. in Etrurien, siedlungsmäßige Züge (Grabhäuser, -kammern, Straßen, Gänge) aufWeisen. Das gilt auch für die unterird. N.n, die Katakomben. Der Gartencharakter der Friedhöfe hat sich erst später herausgebildet. Bedeutende Fundstätten sind die N.n myken. und frühgriech. Zeit im Kerameikos (Töpferviertel) in Athen, vor allem aber die N.n Etruriens, die der Nachwelt eine Fülle von Material (Wandgemälde, griech. Vasen) bewahrt haben. Sl Nektar: in der griech. Sage gewöhnlich der den Unsterblichen angemessene Trank, gelegentlich auch als Speise aufgefaßt. Be Neleus, lat. Neleus, Sohn des Gottes Poseidon und der f Tyro, König von Pylos (Messenien). Er verweigerte Herakles die Entsühnung vom Mord an Iphitos, worauf dieser in einem Kriegszug gegen Pylos N. und seine Söhne außer Nestor tötete. Be Nemeischer Löwe: in der Gegend von Nemea (Argolis) hausender Löwe, den Herakles erwürgte und dessen Fell er danach trug. Be Nemeische Spiele: seit dem 6. Jh. v. u. Z. (wahrscheinlich seit 573) im Tal von Nemea wahrscheinlich jeweils im 2. und 4. Jahr einer Olympiade zu Ehren des Zeus gefeierte Spiele. Sie dienten vorwiegend athlet. Wettbewerben und Pferderennen, später hinzugekommene mus. Wettkämpfe hatten weniger Bedeutung. WR Nemesianus, Mgrcus Aurelius Olvmpios, Ende des 3. Jh., lat. Dichter aus Karthago; von seinen Werken sind vier Eklogen erhalten, Hirtengedichte, mit denen er in der Nachfolge von Vergil und Calpurnius Siculus steht, sowie ein Teil eines Lehrgedichtes „Cynegetica" (Über die Jagd). Be TU (engl.): J. W. Duff\A. M. Duff, 1935, S. 456-515.

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Minor Latin Poets, LCL

Nemesis [griech., „Zuteilung"], griech. Göttin, bei Hesiod Tochter der Nacht, die den Menschen das ihnen zukommende Maß an Vergeltung für begangenes Unrecht und für Übermut zuteilt. Nach den Kypria ist sie durch Zeus Mutter der Hélène. N. genoß in Rhamnus in

Nero

379 Attika Kult, sie wurde daher auch Rhamnusia genannt. In der röm. Kaiserzeit wurde sie auch von Gladiatoren und Soldaten verehrt. - Kupferstich von Dürer (Das große Glück). Be Nemi-See, lat. Lacus Nemorensis oder Spéculum Di^nae, italien. Lago di Nemi: Kratersee im Albanergebirge bei Aricia (Latium) mit berühmtem, altem Dianaheiligtum und heiligem Hain (Nemus Dianae) an seinen Ufern. Seine Entwässerung war wie die des benachbarten Albaner Sees schon in der Antike durch ein Emissär geregelt. Auf dem Grunde des N.s lagen zwei antike Schiffe aus der röm. Kaiserzeit (Caligula?), die 1930/31 durch Ableitung des Wassers geborgen, aber im 2. Weltkrieg 1944 zerstört wurden. D Ngnie: primitives röm. Lob- und Klagelied für Verstorbene, das urspr. von den Angehörigen, dann von bezahlten Klageweibern vor dem Trauerhause und beim Leichenbegängnis zur Flöte gesungen wurde. Die N. geriet später als geschmacklos in Verruf. Ki NeoptQlemos oder Pyrrhos, Sohn des Achilleus, von Odysseus zum Kampf nach Troja geholt, da nach einem Orakel Troja nicht ohne ihn erobert werden könne. Er erschlug den greisen Priamos und erhielt Andromache als Sklavin. Am Grabe seines Vaters tötete er die Priamostochter Polyxene. Durch den früheren Verlobten seiner Frau Hermione, Orestes, fand er in Delphi den Tod. Be Neotgriker [griech. negteroi, „Neuere"]: Kreis von röm. Dichtern aus den herrschenden Schichten, die um die Mitte des l . J h . v.u.Z. in bewußter Opposition zu Epikern und Dramatikern die kleinere literar. Form (Epigramm, Elegie, Epyllion) pflegten und ihre künstler. Vorbilder in den griech. Lyrikern, namentlich den hellenist., sahen. Neben Gelegenheitsgedichten schufen sie durch das Streben nach Gelehrsamkeit und künstler. Vollendung gekennzeichnete Werke. Ihre Bedeutung für die Entwicklung der röm. Literatur besteht darin, daß sie als erste Römer die Literatur als Kunst verstanden und pflegten, subjektiver Leidenschaft dichter. Ausdruck verliehen und durch ihre meisterhafte Beherrschung von Sprache und Metrik Maßstäbe setzten. Zu ihrem Kreis gehörten u. a. P. Valerius Cato, C. Licinius Calvus, C. Helvius Cinna und als prominentester C. Valerius Catullus. Ki Nephele, lat. Nçphele [griech., „Wolke"], Frau des myth. Königs Athamas von Theben, gab ihren Kindern Phrixos und Helle, die von ihrer Stiefmutter Ino verfolgt wurden, einen goldenen Widder, auf dem sie entflohen. Be Nepos, Cornelius (Vorname unbekannt), geb. um 100 v. u. Z. Oberitalien (vielleicht Ticinum, heute Pavia), gest. nach 32 v.u.Z.; röm. Schriftsteller unbekannter sozialer Herkunft, Freund Catulls, Ciceros und Atticus'; genoß Ansehen in den führenden Kreisen Roms. Sein Hauptwerk „De illustribus viris" (Über berühmte Männer) in mindestens 16 Büchern war eine Sammlung von Biographien, geordnet in acht Gruppen, in denen jeweils auf ein Buch über Nichtrömer, bes. Griechen, eines über Römer folgte. Davon erhalten ist das Buch „De excellentibus ducibus exterarum gentium" (Über hervorragende Heerführer fremder Völker) mit 22 Biographien (u. a. von Miltiades, Themistokles, Alkibiades, Hannibal); aus dem Buch „De Latinis historicis" (Über röm. Historiker) sind die Biographie des älteren Cato und des Atticus (die bedeutendsten seiner Biographien) überliefert. N.' histor. Angaben sind mitunter ungenau oder falsch, seine anspruchslose - darum früh im Lateinunterricht verwendete - Darstellung und einfache Sprache wenden sich an einen größeren Leserkreis. Verloren sind von seinen

Werken die „Chronica" (Chronik) und eine Anekdotenslg. „Exempla" (Beispiele). Be TU: H. Färber, Tusc. 1952. Neptunus, dt. Neptyn, röm. Gott des Meeres und der Ströme, dem griech. Gott Poseidon gleichgesetzt und dadurch vollkommen in seinem eigentl. Wesen überdeckt. Sein Fest, die Neptunalia, feierte man am 23. Juli mit Laubhütten. - Nach der Antike wurde in der Kunst die Namensform N. oder Poseidon unterschiedslos verwendet. Be Nereiden: in der griech. Sage Meeresnymphen, die 50 Töchter des Meeresgottes Nereus und der Doris, bes. von Seeleuten verehrt. Die bedeutendsten unter ihnen sind Amphitrite, die Gemahlin Poseidons, Galatea und Thetis, die Mutter des Achilleus. - Zu den namhaftesten

Nereidenmonument in Xanthos (Wiederherstellung)

N.darstellungen griech. Zeit zählen neben einer Fülle von Vasenbildern die Statuen des N.monumentes in Xanthos (Südkleinasien), eines lyk. Grabbaues aus dem späteren 5. Jh. v. u. Z. Die anspruchsvoll gearbeiteten Figuren, die sich im Brit. Museum befinden, standen einst zwischen den Säulen des auf einem Podium sitzenden Oberbaues. Sl Nereus, lat. Nereus, griech. sanfter, greiser Meeresgott. Sohn des Pontos und der Gaia. Seine Gemahlin Doris gebar ihm die 50 Nereiden. N. besaß die Gabe der Weissagung. Be Nerp, Claudius Drysus Germânicus Caesar, 15. 12. 37 bis 9. 6. 68, röm. Kaiser seit 13. 10. 54. Als Sohn des Senators Cn. Domitius Ahenobarbus und der Agrippina (2.) hieß er urspr. L. Domitius Ahenobarbus, wurde 50 von seinem Stiefvater Claudius adoptiert und 53 mit dessen Tochter Octavia verheiratet. Nach der Vergiftung des Claudius durch Agrippina konnte N. mit Hilfe der Prätorianer den Thron besteigen. Es sind zwei Phasen seiner Regierung zu unterscheiden. Bis 62 ließ sich der junge Kaiser von dem Prätorianerpräfekten Sex. Afranius Burrus und seinem ehemaligen Lehrer Seneca (2.) im senatsfreundl. Sinne beeinflussen, Finanzwesen und Rechtsprechung wurden reformiert, Koloniegründungen intensiviert. Dem Machtkampf innerhalb der kaiserl. Familie fielen 55 N.s Stiefbruder Britannicus und 59 seine ehrgeizige Mutter Agrippina zum Opfer. Nach dem Tode des Burrus zog sich Seneca von der Staatsführung zurück. Mit dem neuen Gardepräfekten Ofonius Tigellinus begann 62 die despot. Willkürherrschaft. Um Poppaea Sabina heiraten zu können, ließ N. Octavia verbannen und ermorden. Zugleich begannen wieder Prozesse wegen

Nerva Majestätsbeleidigung, um den Besitz reicher Senatoren konfiszieren zu können. Bauten und Spiele verschlangen riesige Summen. Die 65 aufgedeckte Pison. Verschwörung war der Ausdruck der Opposition vor allem Senator. Kreise gegen das hellenist. Herrschertum. Seneca, Lucanus, Petronius u. a. wurden zum Selbstmord gezwungen. In den Sommer 64 fällt der große Brand Roms, der 10 von 14 Stadtdistrikten vernichtete. Um den gegen ihn erhobenen, doch wohl unbegründeten Verdacht der Brandstiftung von sich abzulenken, beschuldigte N. Juden und Christen dieser Tat (.1. Christenverfolgung). Bei dem großzügigen Wiederaufbau der Stadt ließ der Kaiser mit ungeheurem Aufwand die Palastanlage Goldenes Haus errichten. Seit 64 trat er öffentlich als Wagenlenker. Sänger und Schauspieler auf. Den Höhepunkt erlebte sein künstler. Dilettantismus auf der Reise nach Griechenland 66-68, wo er sich als Sieger an den Festspielorten feiern ließ. - Der Partherkrieg des Cn. Domitius Corbulo 58-63 bestätigte die röm. Oberherrschaft über Armenien, dessen König 66 von N. in Rom gekrönt wurde. Die Erhebung der Boudicca in Britannien wurde 61 unterdrückt, doch der 66 ausgebrochene Aufstand in Judäa dauerte über des Kaisers Tod hinaus. Die weitverbreitete Unzufriedenheit führte 68 zum Aufstand des C, Julius Vindex in Gallien und zur Erhebung des Galba in Spanien. Nach dem .Abfall der Prätorianergarde und der Ächtung durch den Senat beging N. in einer Villa bei Rom Selbstmord. Mit ihm endete die iul.-claud. Dynastie. - Die Senator. Tradition verurteilte N. als Tyrannen und schmückte seine Grausamkeiten legendär aus (Tacitus, Suetonius, Cassius Dio). Dagegen muß er in breiten Kreisen auch beliebt gewesen sein, dreimal trat ein falscher N. auf. Die Christen sahen in ihm den ersten Verfolger, z. T. auch den Antichristen überhaupt (Lactantius). - Biographie des Suetonius, mehrere N.-Dramen im 19. Jh., Opern u.a. von Monteverdi 1642, Händel 1709 und Rubinstein 1879. - Taf. 40. Jo Nerva, M. Cocceius, 8. 11. 30-27. 1. 98, röm. Kaiser seit 18.9.96. Er stammte aus einer Senatorenfamilie aus Umbrien, war 71 und 90 Konsul und wurde nach der Ermordung des Domitianus zum Kaiser proklamiert. N. regierte im Einvernehmen mit dem Senat, dessen Rechte er wiederherstellte. Die Staatsfinanzen wurden durch Sparsamkeit geordnet, eine Landverteilung zugunsten armer Bürger durchgeführt und der sog. Alimentarfonds zur Erziehung bedürftiger Kinder gestiftet. Vom Militär bedrängt, adoptierte N. 97 Trajan als Mitregenten und Nachfolger. Jo Nervier: german. krieger. Volksstamm zwischen Sabis (Sambre) und Scaldis (Scheide), den Caesar 57 v. u. Z. bekämpfte und 54/53 fast völlig vernichtete. Seh Nesiotes: griech. Bildhauer der l. Hälfte des 5. Jh. v. u. Z., schuf zusammen mit Kritios die jüngere Tyrannenmörder-Gruppe für Athen; diese sollte die ältere, von Antenor geschaffene, von den Persern geraubte Gruppe in den 70er Jahren ersetzen. Sl Nessgbar: bekanntes bulgar. Schwarzmeerbad mit vielen mittelalterl. Bauten, an Stelle des antiken f Mesambria auf einer Halbinsel erbaut. Z Nessos, lat. Nessus, Kentaur, der sich an Herakles' Frau Deianeira vergehen wollte; deshalb von diesem mit einem durch das Blut der f Hydra vergifteten Pfeil getötet, riet er sterbend Deianeira, sein mit dem vergifteten Blute getränktes Gewand (N.gewand) als Liebeszaubermittel aufzubewahren. Damit verursachte Deianeira später Herakles' Tod. - Taf. 46. Be Nestor, in der griech. Sage Sohn des Neleus; da er in Gerenia erzogen wurde, überlebte er als einziger der Neleus-Söhne den Kampf des Herakles gegen seinen

380 Vater. Er war der älteste der griech. Helden vor Troja, berühmt durch seine Beredsamkeit und seinen aus langer, reicher Lebenserfahrung stammenden klugen Rat. N. kehrte nach der Eroberung Trojas heil nach Pylos zurück. Heute ist N. ehrender Beiname für den ältesten Gelehrten eines Fachs. Be Nestorbecher: doppelt gehenkelter Goldbecher (Kantharos), Fundstück aus dem mittleren 2. Jährt, v. u. Z., entstammt dem Schachtgräberring von Mykene, wurde von H. Schliemann als der in der Ilias beschriebene N. angesprochen. Sl

Nestorbecher Nestorios, nach 381 bis nach 451 Oasis (Ägypten), Sohn pers. Eltern, wurde 428 zum Patriarchen von Konstantinopel berufen, doch schon 431 auf Betreiben seines kirchenpolit. Gegners Kyrillos von Alexandreia abgesetzt und 439 nach Oasis verbannt. Seine Bezeichnung der Maria als Christusgebärerin, nicht aber Gottesgebärerin, sah er selbst für orthodox an. Von seinen Schriften sind, da er als einer der größten Ketzer galt, nur Fragmente erhalten. Seine Anhänger wanderten nach Persien aus und trennten sich 484 von der Großkirche. Die Sekte der Nestorianer besteht noch heute. Wi T: F.Loofs, Nestoriana, 1905; P. Bedjan, Über Heraclidis, 1910. Neuattizjsmus : eklekt. Kunstströmung archaist., klassizist., weniger heilenist. Prägung, die in der Mitte des 2. Jh. v. u. Z. einsetzte und bis in die mittlere röm. Kaiserzeit (2. Jh. u. Z.) währte, vertreten urspr. durch att. Werkstätten, die eine hohe Kunstfertigkeit des Kopierens und Kompilierens entwickelten und mit ihren Werken einem stark ästhetisierenden, vor allem am klass. Erbe orientierten Kunstgeschmack entsprachen, der schon in der spätrepublikan., bes. aber in der Kaiserzeit bei den Römern eine große Rolle spielte. Seit den 80er Jahren des l .Jh. v. u. Z. hat die Übersiedlung neuatt. Künstler nach Italien verstärkt eingesetzt. Sl Neues Testament: Zusammenstellung von religiösen Schriften, die das werdende Christentum hervorbrachte und die von der christl. Kirche offiziell anerkannt wurden. Sie umfaßt die Erzählungsbücher (die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie die Apostelgeschichte), die Briefliteratur und die JohannesApokalypse. Diese Zusammenstellung war das Ergebnis innerchristl. Auseinandersetzungen. Die werdende Kirche schied die für sie brauchbaren Schriften als „kanonisch", d. h. für die Christen allein verbindlich, von den übrigen. Nach 200 wurden die Evangelien, deren göttl. Herkunft schon Eirenaios betont hatte, von Origenes und Eusebios als ..unwidersprochen in der Kirche unter dem Himmel" bezeichnet, bis der ägypt. Priester und Kirchenschriftsteller Athanasios einen fest umrissenen Kanon des Alten und Neuen Testament herstellte. Nach seiner Auffassung besitzen allein die 27 Bücher des Neuen Testaments kanon. Geltung. Daneben sind „apokryphe", d. h. ..verborgene", dem kirchl. Leben entzogene Schriften überliefert. Die kanonisierten wie die apokryphen Schriften sind historisch interessante Zeugnisse der Vorstel-

381 lungs- und Gedankenwelt urchristl. Gemeinden. Die ältesten Papyrusfragmente solcher Schriften sind aus der ersten Hälfte des 2. Jh. u. Z. überliefert, Papyrushandschriften, die einen zusammenhängenden Text bringen, gibt es aus dem 3. Jh., und die frühesten überkommenen Pergamenthandschriften sind im 4. Jh. entstanden. Die Kirche mußte deshalb darauf verzichten, einen Urtext des N. T. aufzufinden, und rekonstruierte aus den griech. Handschriften, aus alten Übersetzungen sowie aus Zitaten bei Kirchenvätern den um 380 u. Z. gebräuchl. Text. Durch die Verwendung der ungefähr 2500 dafür zur Verfügung stehenden Handschriften entstehen etwa 100000 Varianten (d. h. Abweichungen im Text). R o T: E. Nestle: Novum Testamentum Graece; E. Hennecke: Neutestamentl. Apokryphen in dt. Übersetzung, Bd. /, //. Neugriechisch: die moderne Entwicklungsstufe der griech. Sprache, wie sie sich aus dem heilenist. Griechisch (Koine) über das Mittelgriechische herausgebildet hat. Einige wichtige Kennzeichen gegenüber dem Altgriechischen: Zusammenfall verschiedener Mono- und Diqhtonge zu i bzw. e; Reduzierung der Deklinationsformen und Konjugationstypen; Zurücktreten der obliquen Kasus hinter präpositionalen Wendungen; Rückgang der Vielfalt der Modi; starke lexikal. Anreicherung mit Wörtern aus dem Italienischen, Türkischen und aus den slaw. Sprachen. Bereits aus den letzten byz. Jahrhunderten sind Literaturwerke in frühneugriech. Sprache bekannt. In ihnen zeigt sich auch eine erneute dialektale Differenzierung. Auf Kreta fand die neugriech. Volksliteratur ihre erste große Entfaltung (16./17. Jh.). Die spätere Entwicklung der neugriech. Volkssprache wurde gehemmt durch die im Zuge der nationalen Befreiungsbewegung Griechenlands Anfang des 19. Jh. von vornehmlich konservativen Kräften zur Unterstützung der „Großen Idee" (von der Wiederherstellung des byz. Kaisertums) aus der archaisierenden mittelgriech. Kanzleisprache künstlich entwickelte Katharevusa („reine" Sprache). Wenn auch die von den progressiven Kräften geförderte Dimotiki (,,Volks"-Sprache) in der Literatur bereits seit einigen Jahrzehnten das Feld behauptet, so herrscht doch im Rechtswesen, in der konservativen Presse und polit. Arena ebenso wie in der wissenschaftl. Literatur noch immer die Katharevusa. Die endgültige Abkehr von dieser bereits in heilenist. Zeit zurückreichenden Diglossie (Zweisprachigkeit) könnte nur eine durchgreifende Bildungsreform bringen. Kp neugriechische Literatur. Die n. L. ist teils in der am Altgriechischen orientierten sog. Reinsprache (Katharevusa), teils in der gesprochenen (Dimotiki = Volks-) Sprache abgefaßt; diese Diglossie (Zweisprachigkeit) ist heute in der Literatur zugunsten der Volkssprache überwunden. Eine solche stark volkssprachlich geprägte neugriech. Literatur entwickelte sich bereits in den letzten byz. Jahrhunderten: histor. und persönl. Klagegesänge, Heldenepen, satir. Tierepen, westlich beeinflußte Ritterromane (byz. Literatur). Unter dem Feudaljoch der Türken, die auch das geistige Leben unterdrückten, wurde in Konstantinopel das Patriarchat, der griech. Verwaltungsmittelpunkt, zum heiml. Zentrum der patriot. Kräfte des griech. Volkes. Weltoffene Zentren auch der griech. Kultur wurden die von den frühbürgerl. italien. Stadtstaaten besetzten Inseln. Im 16./17. Jh. blühten auf dem venezianisch besetzten Kreta (bis 1669) das Versepos und das von der italien. Komödie beeinflußte kret. Theater. Die Volkslieder, die u. a. - bes. im 18. Jh. - die Klephten (Partisanen gegen die Türken) besangen, halfen ebenso wie die unter dem Einfluß der Französ. Revolution stehende neugriech. Aufklärung (D. Solomos, 1797-1857, Schöpfer der griech. Nationalhymne), die

Neulatein Befreiung Griechenlands vom türk. Joch 1821 geistig vorzubereiten. Nach einem kurzen Rückschlag des patriot. Aufschwungs leiteten Ende des 19. Jh. J. Psicharis' (1854-1929) gelehrte und beiletrist, volkssprachl. Arbeiten und K. Palamas' (1859-1943) volkssprachl. Dichtwerk eine neue progressive Literaturepoche ein. In der Prosa herrschte die krit.-realist. Schilderung vom Leben des arbeitenden Volkes vor (A. Papadiamantis, 1851-1911). Der erste Sozialist. Schriftsteller in Griechenland war K. Theotokis (1872-1923). Nach dem ersten Weltkrieg verschärften sich die Klassengegensätze auch in der Literatur: einerseits offen reaktionäre, andererseits ausgeprägt Sozialist-revolutionäre Literatur, wie die von K. Varnalis (1884-1974; Lenin-Friedenspreisträger 1958); weitere namhafte marxist. Autoren unserer Tage sind G. Kazantzaki (1886-1962), S. Mavroidi Papadaki (geb. 1905), J. Ritsos (geb. 1909), (beide Poesie). Bekannte bürgerl. Schriftsteller mit mehr oder minder progressiven Elementen in ihrem Werk: N. Kazantzakis (1883-1957), S. Mirivilis (1892-1969; Prosa), K. Politis (geb. 1897), I. Venezis (geb. 1904), A. Sikelianos (1884-1951), J. Sepheris (190C-1971; Poesie; Nobelpreis für Literatur). Kp Neuhumanismus: fortschrittl. pädagog. Bewegung im 18. und 19. Jh. in Deutschland, die es sich im Zuge der Emanzipation des Bürgertums zur Aufgabe machte, auf der bildungstheoret. Grundlage des griech. Erziehungsideals (harmon. und allseitige Entwicklung der Persönlichkeit) und eines stark idealisierten polit. Gleichheitsdenkens (Vorbild antike Demokratie) eine Reform des höheren Schulwesens durchzuführen, um in der absolutist. Gesellschaft zur Verwirklichung wahren Menschentums in Freiheit und Selbstbestimmung beizutragen. Um dieses Ziel zu erreichen, stellten die Neuhumanisten nicht die Fachbildung (Berufsbildung), sondern die allg. Menschenbildung (Charakterbildung) in den Mittelpunkt ihrer elitären Erziehung. Während die älteren Neuhumanisten (Gesner, Ernesti, Heyne) das Denken und die Urteilskraft mit Hilfe der alten Sprachen, der Realien und der Muttersprache schulten, sahen die jüngeren Neuhumanisten (Wolf, Humboldt) im altsprachl. Unterricht und in der Beschäftigung mit der antiken Literatur nicht nur das beste und umfassendste Bildungsmittel, sondern auch einen idealen Selbstzweck und ausschließl. Bildungsbeweis, wodurch die naturwissenschaftl. Fächer in ihrem Bildungswert unterschätzt wurden. - Im literar.-künstler. Bereich bewirkte der N. ein schöpfer. Nachschaffen antiker Vorbilder, im wissenschaftl. Bereich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Geschichtswissenschaft die Entstehung der Altertumswissenschaft als Disziplin. SF Neulatein. Als N. bezeichnet man die lat. Sprachentwicklurfg vom Renaissance-Humanismus des 14./15. Jh. bis zur Gegenwart; damit schließt das N. zeitlich unmittelbar an das Mittellatein an, dessen Eigenentwicklung durch den Rückgriff der Humanisten auf die klass. Sprachform zum Erliegen gekommen war. In Renaissance und Humanismus entstand eine reiche und vielfältige f neulat. Literatur; auch danach blieb die îat. Sprache bis zum 18. Jh. in weitem Maße Ausdrucksmittel für Dichtung, Philosophie und W