Indogermanische Sprachwissenschaft [9th, revised and supplemented edition] 9783110251449, 9783110251432

The introductory textbook ‚Indogermanische Sprachwissenschaft‘ covers the issues and problems of Indo-Germanic philology

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Indogermanische  Sprachwissenschaft [9th, revised and supplemented edition]
 9783110251449, 9783110251432

Table of contents :
Frontmatter
Inhalt
Terminologie, Symbole, Abkürzungen
Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln
I. Zur Einleitung
II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen
III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen
IV. Zur Syntax des Urindogermanischen
V. Zum Wortschatz des Urindogermanischen
Backmatter

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De Gruyter Studium Meier-Brügger Indogermanische Sprachwissenschaft

Michael Meier-Brügger

Indogermanische Sprachwissenschaft 9., durchgesehene und ergänzte Auflage Unter Mitarbeit von Matthias Fritz und Manfred Mayrhofer

De Gruyter

Dr. Michael Meier-Brügger ist ordentlicher Professor für Vergleichende und Indogermanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Dr. Matthias Fritz ist Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft und hat den Lehrstuhl für Germanistik an der Staatlichen Linguistischen Universität in Eriwan inne. Dr. Manfred Mayrhofer ist emeritierter ordentlicher Professor für Allgemeine und Indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität Wien.

ISBN 978-3-11-025143-2 e-ISBN 978-3-11-025144-9 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2010 Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/New York Gesamtherstellung: Hubert & Co. GmbH & Co. KG, Göttingen ∞ Gedruckt auf säurefreiem Papier Printed in Germany www.degruyter.com

Vorwort zur 9. Auflage Die 8. Auflage trägt die Jahreszahl 2002, sie ist aber bereits im November 2001 auf den Markt gekommen. Die Aufnahme in der Fachwelt und bei den Benutzern war wohlwollend bis begeisternd. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat ein Kollege aus Spanien. Er schrieb mir in bestem, auf Spanisch gedachtem Deutsch: „Vielen Dank fürs schöne Buch, das ich schon gefressen habe! Ich bin ja ein unersättlicher Leser geworden. In vollem Ernst, das Buch wird mir von großem Nutzen sein“. Zu verdanken sind viele ermutigende Zuschriften, oft mit Hinweisen auf Korrigenda. Ein besonderer Dank gebührt A. Bal (Amsterdam). Er hat mir wieder minutiös alle Versehen aufgelistet. An Rezensionen sind u.a. zu nennen: Ch. de Lamberterie in BSL 97/2 2002 p. 103-114; K.-H. Mottausch in Kratylos 49 2004 p. 44-49; J. S. Klein in Diachronica 23:2 2006 p. 381-416 (speziell zur englischen Übersetzung 2003, aber auch zur 8. Auflage). Wo immer es möglich war und sinnvoll schien, habe ich die Hinweise in den Zuschriften und Rezensionen berücksichtigt. Bei ausführlichen Kommentaren nehme gelegentlich mit den Kürzeln Mottausch Rez. 2004, Lamberterie Rez. 2002 oder Klein Rez. 2006 darauf Bezug. Der Verlag hat inzwischen 3000 Exemplare verkauft, der Vorrat ist erschöpft und man ruft nach einer 9. Auflage. Herr Mayrhofer, Herr Fritz und ich freuen uns über diesen großartigen Erfolg. Wie soll die 9. Auflage aussehen? Eine komplette Überarbeitung ist mir für den Moment zeitlich nicht möglich und so wird der Text der 8. Auflage als Basis für die 9. Auflage übernommen. Ich habe neu beim ersten Block die römischen Zahlen durch die entsprechenden arabischen ersetzt und führe danach die begonnene Zählung fort. Wegen der vielen internen Verweise muß die Bibliographie dagegen vorne bleiben, auch wenn der Umfang abschrecken mag und man die Liste aus didaktischen Gründen gern zuhinterst verstecken möchte. Aber man kann drehen wie man will, die Indogermanistik ist eine Wissenschaft, die einer großen, gut sortierten Bibliothek bedarf. Wer davor scheut, ist fehl am Platz. Tippfehler und kleine Versehen sind selbstverständlich stillschweigend korrigiert. Klaus-Jürgen Grundner hat mir dafür wie schon bei den früheren Auflagen Korrektur

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gelesen. Wo aber Eingriffe vorzunehmen waren, u.a. bei veralteten Daten in der Einleitung, in der Bibliographie und im laufenden Text (es gibt einige Punkte, die seit 2001 klarer geworden sind), wird dies mit dem Zeichen Ÿ markiert. Die Eingriffe machen deutlich, daß das indogermanistische „Hauptgebäude“ gesichert steht, daß aber die Forschung allenthalben an Einzelheiten weiterfeilt und sie noch adäquater zu erfassen versucht. In den letzten Jahren hat sich die indogermanistische Forschung hervorragend weiterentwickelt, mit beeindruckenden Resultaten für alle altindogermanischen Sprachen und für die Einsichten in die urindogermanische Grundsprache. Herr Tomoki Kitazumi, Magisterstudent der Indogermanistik und Altorientalistik an der FU, hat in einem Anhang zur Bibliographie alle wichtigen Titel aus dem Zeitraum 2001 bis 2010 zusammengetragen. Ihm sei dafür ganz herzlich gedankt. Alle dort verzeichneten Titel bringen neue Erkenntnisse, die in den entsprechenden Paragraphen zu verzeichnen und einzuarbeiten wären. In Einzelfällen habe ich dies getan, für eine ausführliche Verzettelung fehlte mir aber die Zeit. Einschneidende Veränderungen haben sich seit 2001 im Bereich der Lehre ergeben. Die Umstellung der europäischen Studiengänge vom Magister auf Bachelor und Master und die gleichzeitig laufenden finanziellen Umstrukturierungen der öffentlichen Hände war für alle sogenannten Kleinen Fächer eine harte Klippe. Glücklicherweise ist es vielen Seminaren gelungen, das Fach aus der Magister- in die Bachelor- und Masterwelt hinüberzuretten. Einige Hochschulleitungen haben aber kurzsichtig zugelangt und das Fach aus dem Fächerkanon genommen, so leider auch meine Universität, die exzellent sich nennende und gebende FU Berlin. Man wartet dort mit dem letalen Finale nur noch, bis ich in den Ruhestand gehe. Das „de Gruyter Studienbuch“ war bei seinem ersten Erscheinen 1999 in vieler Hinsicht Pionier für eine Einführung in die heutige Indogermanistik und hatte sich speziell mit Szemerényis bekannter Einführung zu messen. 2001 kam Tichys Grundwissen dazu. Inzwischen sind weitere Einführungen dazugekommen. M. Mayrhofer berichtet darüber unter dem Titel „Indogermanistik: Über Darstellungen und Einführungen von den Anfängen bis in die Gegenwart“ (SbÖAW 787. Band 2009). Die gewichtigste Neuerscheinung zum Thema Einführung ist sicher die von B. W. Fortson IV „Indo-European Language and Culture, An Introduction“, Verlag Wiley-Blackwell, 2. Aufl. Chichester 2009 (2010). Die Konzeptionen von uns und von Fortson sind aber nicht deckungsgleich. Wir zielen speziell auf

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Interessierte, die vom Latein und Altgriechischen herkommen. J. S. Klein bringt die Unterschiede in Diachronica 23:2 2006 p. 381-416, hier p. 415, auf den Punkt: „Nevertheless, neophytes would be well advised to read both books, beginning with F(ortson) and followed by M(eier-)B(rügger). The former will set them on the path to becoming cultured IndoEuropeanists, the latter will advance them toward an understanding of some of the more technical points of the discipline, while opening their eyes to its international status” (Klein bespricht neben Fortsons Introduction auch die englische Übersetzung unseres Studienbuches von 2003; ich muß Klein im nachhinein recht geben, daß der Übersetzer punkto linguistischer Terminologie seiner Sache nicht immer gewachsen war: p. 415 “was not up to the task of translation”). Möge diese 9., durchgesehene und ergänzte Auflage weiterhin im Verein mit anderen Handbüchern und Aufsätzen unser wunderschönes Fach begleiten und fördern, allen Widerständen zum Trotz. Meine Adressen: E-Mail: ; Homepage: http://www.fu-berlin.de/indogermanistik/; Post: FU, Indogermanistik, Habelschwerdter Alle 45, 14195 DE Deutschland.

Berlin-Dahlem, am 15. September 2010 Michael Meier-Brügger

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Vorwort zur 8. Auflage Unerwartet schnell hat sich die Möglichkeit für eine 8. Auflage ergeben. Diese liegt hier vor. Ich bin für das vielfach geäußerte Wohlwollen und die gute Aufnahme des im März 2000 erstmals erschienenen Studienbuches dankbar und weiß mich mit M. Fritz und M. Mayrhofer darin einig. Wir freuen uns, daß das Studienbuch seinen Platz als aktuelle Einführung in den heutigen Stand der Indogermanistik gefunden hat. Ermutigend ist, daß sich das Studienbuch und E. Tichys Darstellung des indogermanistischen Grundwissens (Bremen 2001) bestens ergänzen. E. Tichy zeichnet ein plakatives Bild der Hauptcharakteristika, das Studienbuch führt sie vertiefend weiter. Ich kann mir gut vorstellen, daß der Benutzer zuerst Tichys Darstellung konsultiert und dann an Hand der am Ort gegebenen Seitenhinweise zu unserem Studienbuch greift. Das erbetene Feedback wurde erfreulich intensiv genutzt. Gescheitert ist dagegen meine ins Auge gefaßte Internet-Rubrik „Addenda und Corrigenda“. Grund sind einmal juristische Probleme, die es verhindern, die im Seminar angefertigten Sonderzeichen einfach so ins Netz stellen zu können. Grund sind zum andern die immer stärker werdende Belastung mit Aufgaben in Lehre und Verwaltung: Der durch die leeren Kassen der öffentlichen Hand veranlaßte konstante Ab- und Umbau der universitären Strukturen bindet den Großteil der Kräfte. Ich freue mich am Positiven und bedanke mich herzlich für die Zusendung ganzer Listen von Anmerkungen und Nachfragen, von Hinweisen auf Tippfehler und Unklarheiten. Die Listen haben sich wunderbar ergänzt: Jeder sieht anderes, keiner sieht alles. Ungereimtheiten und damit der Ruf nach Korrektur fanden sich meist da, wo auch die Communis opinio nicht spielt, so bei der Beurteilung der Vertretung von Laryngal h3 im Hethitischen (s.u. L 334 Abs. 1), so bei der Bewertung der Diathese Stativ und ihrer Verbindung mit Perfekt und Medium (s.u. F 211), so bei den Genera, wo vermutlich damit ernst gemacht werden muß zu folgern, daß die Bildung der Dreiheit Mask.-Fem.-Ntr. erst nach Abspaltung des Anatolischen, also nachgrundsprachlich, erfolgt ist (s.u. F 303). Nicht aufrechtzuerhalten war die früher übliche Beurteilung von uridg. *gýo¾- ‘Rind’ als

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hysterodynamisch flektiertes Nomen. Entgegen der Darstellung muß es als primär akrostatisch eingestuft werden mit starkem Stamm *gýó¾- und schwachem Stamm *gýé¾-. Die Anpassung an amphidynamisch flektierte Wurzelnomina wie uridg. *- ‘Himmel, Himmelsgott, Tag’ mit starkem Stamm *dé¾- und schwachem Stamm *di¾-´ ist sekundär. Der starke Nom.Sg. *gýó¾-s bleibt, der schwache Gen.Sg. *gýé¾-s wird durch den neuen schwachen Gen.Sg. *gýo¾-és ersetzt (s.u. F 318 Abs. 6). Die 8. Auflage bringt in solchen Fällen inhaltlich modifizierte Texte. Die Numerierung der Paragraphen der 7. Auflage wurde aber wenn möglich immer beibehalten. Was ich in der 8. Auflage noch nicht leisten konnte, das waren die Anfertigung eines Wortindexes und die Erweiterung der doch sehr knappen Ausführungen zum Wortschatz. Insgesamt sind möglichst viele Tippfehler und Versehen der 7. Auflage korrigiert. Ungereimtheiten sind beseitigt oder dann zumindest deutlich als solche markiert. Als Resultat solcher Arbeit ist eine 8. Auflage entstanden, zu der ich mit gutem Gewissen stehen kann. Alle verbleibenden Fehler gehen zu meinen Lasten. M. Fritz hat freundlicherweise die Korrektur und damit auch die Verantwortung für den Teil zur Syntax übernommen. Mein besonderer Dank für Kritik geht an Augustinus Bal (Amsterdam), Irene Balles (Jena), Wolfgang Beck (Würzburg), Joachim Becker (Göttingen), Martin Braun (Wien), Emilio Crespo (Madrid), Roberto Gusmani (Udine), Heinrich Hettrich (Würzburg), Katharina Kupfer (Freiburg), Christoph Landolt (Zürich), Gyula Mayer (Budapest), H. Craig Melchert (Chapell Hill), Peter-Arnold Mumm (München), Sergio Neri (Salzburg), Oswald Panagl (Salzburg), Bernfried Schlerath (Berlin), Diether Schürr (Gründau) und Stefan Schumacher (Halle und Freiburg). Klaus-Jürgen Grundner hat wie schon bei der 7. Auflage Korrektur gelesen. Frau Susanne Rade hat mich vom Verlag aus immer freundlich unterstützt, so daß die 8. Auflage zum Wintersemester 2001 / 2002 erscheinen kann. Kritik ist weiter erwünscht. Die Adressen sind die gleichen wie p. XI.

Berlin-Dahlem, am 15. September 2001 Michael Meier-Brügger

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Vorwort zur 7. Auflage

Das Studienfach Indogermanische Sprachwissenschaft (Kürzel: Indogermanistik) ist seit langem in der Sammlung Göschen (= SG, zuerst Leipzig, dann Berlin) vertreten. Der erste Verfasser eines Bandes „Indogermanische Sprachwissenschaft“ war Rudolf Meringer, zur Zeit der 1. Auflage k.k.ao. Professor an der Universität Wien, z.Z. der 3. Auflage k.k.o.ö. Professor an der Universität Graz: 1. Aufl. 1897 (= SG Nr. 59) 136 S. (I. Hauptstück. Die Lehre von der Sprache und ihren Veränderungen; II. Hauptstück. Die indogermanischen Sprachen; III. Hauptstück. Die indogermanische Grundsprache [mit Betonung, Lautlehre und Formenlehre]; IV. Kultur und Urheimat der Indogermanen; p. 1-66 noch in Fraktur gesetzt); 2., durchgesehene Aufl. 1899 (= SG Nr. 59) 136 S.; 3., durchges. Aufl. 1903 (= SG Nr. 59) 151 S. (im II. Hauptstück kommt der Abschnitt n. [Auslautgesetze] dazu; Kapitel IV. gilt jetzt ebenfalls als Hauptstück; neu ist ferner am Werkende die Erklärung der Abkürzungen). Kurz nach dem 2. Weltkrieg konnte Hans Krahe als neuer Autor gewonnen werden, z.Z. der 1. Auflage a.o. Professor an der Universität Würzburg, z.Z. der 2. Aufl. o.ö. Professor an der Universität Heidelberg, seit der 3. Auflage o.ö. Professor an der Universität Tübingen: 1. Aufl. 1943 (= SG 59) 134 S. (I. Teil: Der indogermanische Sprachstamm; II. Teil: Lautlehre; III. Teil: Formenlehre); 2. Aufl. 1948 (= SG 59) 134 S. (keine Veränderungen); 3. Aufl. neu in zwei Bänden bearbeitet: I. Einleitung und Lautlehre 1958 (= SG 59) 106 S. (I. Teil: Allgemeines; II. Teil: Lautlehre) und II. Formenlehre 1959 (= SG 64) 100 S.; 4. Aufl. überarbeitet (I) bzw. neu bearbeitet (II): I. Einleitung und Lautlehre 1962 (= SG 59) 110 S. und II. Formenlehre 1963 (= SG 64) 100 S.; 5. Aufl. I 1966 (= SG 59) (keine Veränderungen) und II 1969 (= SG 64) (keine Veränderungen); 6. Aufl. unverändert 1985 (die Bände I und II sind unter der neuen Nummer SG 2227 in einem Band vereinigt). Der Band von Krahe ist über fünfzig Jahre alt. Die 6. Auflage zeigt sich zwar äußerlich im neuen Gewand der Sammlung Göschen, innerlich ist sie aber im wesentlichen ein Kind der 3. Auflage aus den sechziger Jahren geblieben. Kennzeichnend für die damalige Forschungslage ist die Bemerkung zur „Laryngaltheorie“ p. 101: „Die in jüngster Zeit von einer Reihe von Indogermanisten vertretene sog. „Laryngaltheorie“, nach welcher der

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idg. Grundsprache außer den hier ... verzeichneten Lauten noch gewisse Laryngale (Kehlkopflaute) bzw. weitere Murmelvokale zugeschrieben werden, ist in dem vorliegenden Büchlein unberücksichtigt geblieben. Der Verf. ist der Ansicht, daß in einer Darstellung, welche in erster Linie für Studierende und zur Einführung in ein Fachgebiet bestimmt ist, nur möglichst gesicherte Forschungsergebnisse dargeboten werden sollten. Die „Laryngaltheorie“ kann aber weder in ihrer Substanz noch in ihrer Methodik als gesichert gelten.“ Dem letzten Satz ist entschieden zu widersprechen: Der in der Indogermanistik gebräuchliche Ausdruck „Laryngaltheorie“ ist historisch bedingt, er ist aber irreführend und darf nicht der Idee Raum geben, die Laryngale seien graue Theorie. Die Laryngale gehören heute zum gesicherten Lautbestand des Urindogermanischen, s.u. L 314 ff. Auf Schritt und Tritt finden sich im Text von Krahe Angaben oder Rekonstrukte, über die wir heute mehr wissen oder für die wir inzwischen adäquatere Einsichten gewonnen haben. Mitte der achtziger Jahre konnte der Verlag Heiner Eichner und Manfred Mayrhofer dafür gewinnen, für die Reihe Göschen eine neue „Indogermanische Sprachwissenschaft“ zu schreiben. M. Mayrhofer verfaßte dafür bereits 1985 den Teil Lautlehre, H. Eichner wollte sich um Einleitung und Formenlehre kümmern. 1988 wurde der Band öffentlich angekündigt. Eine Publikation ist aber nie erfolgt. Schwierigkeiten türmten sich nämlich auf der Seite von H. Eichner auf. Sein Manuskript war zwar inzwischen recht gut gediehen, die zeitlichen Vorgaben, die räumliche Enge der ihm insgesamt zur Verfügung stehenden rund zweihundert kleinen Göschenseiten und die jedem Autor bekannte Schwierigkeit, den eigenen Namen für etwas nicht wirklich Vollkommenes zu verwenden, hinderten ihn schließlich daran, zu einem Abschluß zu kommen. Im Dezember 1993 erreichte mich auf Vorschlag von M. Mayrhofer vom Verlag die Anfrage, ob ich den Part von H. Eichner übernehmen würde. Nach Rücksprache mit allen Beteiligten kam 1994 ein Verlagsvertrag zustande. Als Abgabetermin wurde Februar 1996 vereinbart. Meine im Jahr 1995 sich anbahnende Berufung an die Freie Universität Berlin machte die kühnen Zeitpläne alsbald zunichte. Der Wechsel von Hamburg nach Berlin brachte alles andere mit sich, nur nicht die erforderliche Muße für ein Manuskript. Ich bin Brigitte Schöning dankbar, daß sie von der Verlagsseite aus das notwendige Verständnis für meine Zwänge fast nie verlor und mir schließlich den jetzigen Termin abgerungen hat. Ich hätte am Text gern weitergewoben, ich muß ihn aber jetzt aus der Hand legen, damit ich den Verleger nicht verliere.

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Während ich vom Inhalt her im Herbst 1998 erst die Hälfte des Themas bewältigt hatte, kam eine Umfangsberechnung des bereits vorliegenden Textes im Verlag zum Schluß, daß damit der in einem Göschenband zur Verfügung stehende Raum schon weit überschritten war. Als neu aufnehmende Reihe empfahlen sich daher die „de Gruyter Studienbücher“. Sie bieten größere räumliche Freiheit. Ferner verlangen sie keinen bestimmten Satz. Deshalb kann die mit Hilfe von Microsoft Word 7.0 for Windows 95 geschriebene Textvorlage direkt für die Publikation verwendet werden. Fahnenkorrekturen entfallen. Ingeborg Klak hat von der Verlagsseite aus dafür gesorgt, daß die Typographie nicht so altväterisch daherkommt. Während M. Mayrhofer und H. Eichner in der Nachfolge von H. Krahe nur die Laut- und die Formenlehre darzustellen beabsichtigten, erhalten jetzt zusätzlich auch Syntax und Wortschatz eine eigene Würdigung. Die Ausführungen zum lautlichen Teil stützen sich auf den Text, den M. Mayrhofer 1985 angefertigt hat. M. Mayrhofer hat mir aber alle Freiheit in der Gestaltung und Formulierung der definitiven Version zugestanden. Für die vorgelegte Version der Lautlehre übernehme ich die alleinige Verantwortung. Matthias Fritz konnte ich erfreulicherweise dafür gewinnen, den syntaktischen Teil zu verfassen. Er hat ferner innerhalb der Einleitung den Abschnitt über die Geschichte der indogermanischen Sprachwissenschaft und die Übersicht über die indogermanischen Sprachen und ihre Quellen mitgestaltet. M. Fritz, M. Mayrhofer, Elisabeth Rieken, Bernfried Schlerath und Antje Schwinger haben einzelne Abschnitte mit kritischem Auge gelesen und mir ihre Kritik mitgeteilt. Veronika Rittner und Thorsteinn Hjaltason haben einzelne Texte elektronisch erfaßt. Th. Hjaltason und A. Schwinger haben mir bei manchen EDV-Problemen geholfen, Th. Hjaltason speziell bei der Erstellung von Sonderzeichen, A. Schwinger beim Layout. Ihnen allen mein herzliches Dankeschön! Wie es sich für einen Band in der Sammlung Göschen und für ein „de Gruyter Studienbuch“ gehört, soll das Studienbuch eine Einführung in die indogermanische Sprachwissenschaft bringen. Das Studienbuch soll verständlich und informativ über die Probleme und Themenbereiche aus heutiger Sicht referieren. Im Einleitungsteil erlaube ich mir bei den Informationen zum Fach und zum Studium eine Art „Knigge-Stil“. Bei der Darstellung der Fachthematik geht es dagegen objektiv darum, die fragliche Materie in brauchbarer Art und Weise zu präsentieren und zu organisieren und Anreger und Wegweiser für eine Vertiefung zu sein. Die Darstellung

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erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen. Vollständigkeit im Material ist wissenschaftliches Ideal, in einer Einführung hat aber die treffende Wahl von Musterbeispielen und die Beschränkung auf die wichtigste Sekundärliteratur Priorität. Um dies immer wieder deutlich vor Augen zu halten, beginnen die Kapitelüberschriften meist mit einem „zu“. Der Großteil der Beispiele in der Formenlehre, in der Syntax und im Wortschatzteil stammt aus dem Lateinischen, Altgriechischen und Altindischen. Bei der Lautlehre sind die Beispiele dagegen bewußt zahlreicher und stammen aus der gesamten Indogermania, neben der genannten Trias besonders aus dem Hethitischen, Germanischen und Slavischen. Das am Schluß beigefügte Sachregister soll den Benützer unterstützen und ihm zusätzliche Informationen an die Hand geben. Der im Text vertretene Wissensstand ist der von September 1999. Letzte Zusätze werden nach dem Stichtag kurz vor dem definitiven Layout im Dezember eingefügt. Das hier vorgelegte Studienbuch ist nicht ohne Konkurrenz. Sehr gut ist nach wie vor Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 (zu den Kurztiteln s.u. die Bibliographie): Vom Griechischen ausgehend ergeben sich treffende Informationen zu allen Belangen der urindogermanischen Laut- und Formenlehre. Die Darstellung wird aber ohne Bezug auf die Fachdiskussion geführt. Aus neuerer und neuester Zeit sind zu nennen: Szemerényi Einführung 4. Auflage 1990, Beekes Introduction 1995, Schmitt-Brandt Indogermanistik 1998 und in gewissem Sinne auch Meiser Hist. Laut- und Formenlehre d. lat. Sprache 1998 (vgl. p. 27-46 das Kapitel „Grundzüge der urindogermanischen Grammatik“). Alle vier Titel haben Vorzüge und Schwächen, und auch bei meinem wird es wohl nicht anders sein. Bei Szemerényi sind die umfassenden Literaturhinweise eine Fundgrube, die Skepsis den Laryngalen gegenüber ist aber störend. Das Buch von Beekes ist illustrativ und gut lesbar, im Bereich von Laut- und Formenlehre stützt er sich aber zu sehr auf nur von ihm selbst und F. Kortlandt vertretene Ansichten. Schmitt-Brandt richtet sich in löblicher Weise an die Anfänger und bemüht sich speziell im lautlichen Bereich um eine breite, die Kreatitivät fördernde Argumentation. Sein Buch kann aber nicht empfohlen werden, weil er den Leser immer wieder in nicht immer deutlich als solche signalisierte Idiosynkrasien führt, die von der Communis opinio abweichen. Meiser behandelt wie Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 nur die Laut- und Formenlehre. Er nimmt in kompetenter, aber notgedrungen knapper (zu knapper) Form Bezug auf die Gegebenheiten der Grundsprache. Von den nicht so seltenen Tippfehlern darf ich aber nicht reden. Wer selbst in einem Glashaus sitzt, ist gut beraten, keine Steine zu werfen.

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Ich bin für jedes Feedback dankbar und erbitte es an das Seminar für Vergleichende und Indogermanische Sprachwissenschaft der Freien Universität Berlin (FU), Fabeckstraße 7, D-14195 Berlin-Dahlem. Tel.: 030838-55028; Fax.: 030-838-54207; E-mail: [email protected]; Homepage Internet: http://www.fu-berlin.de/indogermanistik/. Ich wage den Versuch und richte auf unserer Homepage extra eine Rubrik ‘De Gruyter Studienbuch Indogermanische Sprachwissenschaft: Addenda und Corrigenda’ ein. Ich nehme mir vor, ab Erscheinen des Buches immer zum 1. Werktag eines neuen Monats die Rubrik mit Addenda und Corrigenda zu ergänzen.

Berlin-Dahlem, am 15. September 1999 Michael Meier-Brügger

Inhalt

Vorwort zur 9. Auflage ........................................................................... 5 Vorwort zur 8. Auflage ........................................................................... 8 Vorwort zur 7. Auflage ......................................................................... 10 Inhalt..................................................................................................... 15 Terminologie, Symbole, Abkürzungen ................................................... 18 1. Terminologie .............................................................................. 18 2. Symbole, Schreibweisen, Zitierweisen......................................... 19 3. Abkürzungen.............................................................................. 23 Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln........................................ 27 Ÿ Bibliographische Nachträge für den Zeitraum 2001-2010 von Tomoki Kitazumi ....................................................................... 102 I. Zur Einleitung .................................................................................. 122 A. Zum Fach und zu seinem Studium .............................................. 122 B. Die Indogermanistik mit PC und Internet .................................... 132 C. Zur Geschichte der Indogermanistik ........................................... 133 D. Übersicht über die idg. Sprachen und ihre Quellen...................... 141 1. Allgemeines .............................................................................. 141 2. Die einzelnen idg. Sprachzweige und ihre Quellen..................... 142 E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache ................................. 172 1. Rekonstruktionsbeispiele .......................................................... 172 2. Grundsätzliches zur Rekonstruktion.......................................... 187 3. Zu Zeit, Ort und Kultur der uridg. Sprachgemeinschaft ............. 194 II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen ........................................... 202 1. Allgemeines ................................................................................ 202 B. Zu den Vokalsystemen ............................................................... 206 1. Die Vokale ............................................................................... 206 2. Die Halbvokale......................................................................... 215 3. Diphthonge............................................................................... 221 C. Zu den Konsonantensystemen..................................................... 226 1. Die Liquiden und Nasale........................................................... 226 2. Die Dauerlaute s (und þ?) ......................................................... 232 3. Die Laryngale ........................................................................... 236 4. Die Okklusive........................................................................... 255 5. Die Dentale .............................................................................. 258

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Inhalt

6. Die Labiale ............................................................................... 259 7. Die Tektale............................................................................... 260 8. Assimilationen und Dissimilationen ........................................... 267 D. Zu den größeren lautlichen Einheiten.......................................... 271 1. Wort, Satz, Text ....................................................................... 271 2. Wortakzent; Wortauslaut, -anlaut; Satzsandhiphänomene.......... 272 3. Die Silbe(n) .............................................................................. 273 4. Der Ablaut................................................................................ 275 5. Der Akzent ............................................................................... 283 III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen ..................................... 291 A. Allgemeines................................................................................ 291 B. Zum Verbum.............................................................................. 295 1. Allgemeines .............................................................................. 295 2. Zur Bildung der Verbalstämme ................................................. 297 3. Zu den verbalen Endungssätzen ................................................ 311 4. Zum Augment .......................................................................... 315 5. Zum Verbalakzent .................................................................... 316 6. Zu den infiniten Verbalformen................................................... 317 7. Periphrastische Konstruktionen................................................. 320 C. Zum Nomen und zum Adjektiv................................................... 321 1. Allgemeines .............................................................................. 321 2. Zur Bildung der Nominalstämme .............................................. 327 3. Zu den nominalen Endungssätzen ............................................. 329 4. Zu den Flexionsparadigmen und ihren Ablautklassen................. 336 5. Zu den formalen Besonderheiten der Adjektive ......................... 353 D. Zum Pronomen .......................................................................... 360 1. Allgemeines .............................................................................. 360 2. Zu den Personalpronomina und Possessiva................................ 361 3. Zu den Fragepronomina (Interrogativa) und Indefinita .............. 364 4. Zu den Relativa, Demonstrativa und Pronominaladjektiva ......... 365 5. Zu den korrelativen Reihen ....................................................... 367 E. Zum Zahlwort ............................................................................ 368 1. Allgemeines .............................................................................. 368 2. Zu den Kardinalzahlen .............................................................. 369 3. Zu den Ordinalzahlen................................................................ 372 4. Zu den Zahladverbien ............................................................... 373 IV. Zur Syntax des Urindogermanischen.............................................. 374 A. Allgemeines................................................................................ 374 B. Zur Satzsyntax ........................................................................... 378 1. Allgemeines .............................................................................. 378

Inhalt

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2. Zu Parataxe und Hypotaxe........................................................ 380 3. Zu Verbal- und Nominalsatz ..................................................... 383 C. Zur Morphosyntax des Verbums................................................. 387 1. Allgemeines .............................................................................. 387 2. Die Dimensionen Person und Numerus ..................................... 387 3. Die Dimensionen Tempus-Aspekt und Modus........................... 388 4. Die Dimension Diathese............................................................ 395 D. Zur nominalen Morphosyntax..................................................... 397 1. Die nominalen Dimensionen...................................................... 397 2. Kasus (S 401 - S 414)............................................................... 398 3. Numerus................................................................................... 411 4. Genus....................................................................................... 412 V. Zum Wortschatz des Urindogermanischen ...................................... 413 A. Allgemeines................................................................................ 413 B. Zur Wortbildung ........................................................................ 416 1. Allgemeines .............................................................................. 416 2. Wortbildung mit Suffixen; Suffixsysteme .................................. 417 3. Wortbildung durch Komposition............................................... 427 C. Zum Namensschatz .................................................................... 430 1. Allgemeines .............................................................................. 430 2. Zu den Personen- und Götternamen.......................................... 431 3. Zur Bildung der Ortsnamen....................................................... 435 Sachregister Ÿ mit kleinem Wortregister............................................. 437

Terminologie, Symbole, Abkürzungen 1. Terminologie Die im Studienbuch verwendete Terminologie ist ohne Extravaganzen. Sie ist die der üblichen indogermanistischen Handbücher. In Einzelfällen wird a.O. dazu Genaueres gesagt, so bei den Termini für die Ablaut- und Flexionsmuster der Nomina (s.u. F 315 Abs. 3-4). Eine zusätzliche Orientierung bietet das am Ende des Studienbuches beigefügte Sachregister. Es verweist auf die relevanten Paragraphen oder bringt weiterführende Literatur. Bleibt eine Frage offen, etwa im Bereich der hier nicht weiter behandelten Allgemeinen Sprachwissenschaft, dann stehen kompetente und gut informierende Lexika und Wörterbücher mit weiteren Hinweisen zur Verfügung: % Bussmann Lexikon d. Sprachw. 2. Aufl. 1990; Lewandowski Linguist. Wörterbuch 1-3 1994; Metzler Lexikon Sprache 2000. Bei speziellen terminologischen Einzelheiten in der idg. Lautlehre: % Sachregister bei Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 182-185. Bei terminologischen Einzelheiten in der Formenlehre des uridg. Verbums: % Vorwort im LIV 1998 = Lexikon der indogermanischen Verben 1998 p. 1ff. Bei Fragen bezüglich der Nominalbildung, des Wortschatzes und seiner Probleme: % Einführung in die Terminologie bei Kluge / Seebold 1995 p. XIVff. Sehr nützlich ist ferner das Register der Zeitschrift für Vergleichende Sprachforschung, s.u. in der Bibliographie s.v. HS = Historische Sprachforschung. Letzter Hinweis: % Duden Grammatik 1995 p. 828 ff. (Verzeichnis der Fachausdrücke). Die Terminologie stammt im wesentlichen von den Griechen. Sprachtheoretische Erörterungen sind spätestens seit dem 5. Jh. v. Chr. nachzuweisen. Einen guten Einblick in den grammatischen Wissensstand der hellenistischen Zeit bietet Dionysios Thrax: % Dionysios Thrax Grammatik. Im Laufe des 2. Jh. v. Chr. werden die gr. Termini von den römischen Gelehrten übernommen und mehr oder weniger latinisiert: % Wackernagel Vorlesungen I 1926 p. 13ff. Die Benennungsmotive für die Termini sind für uns Moderne oft auf den ersten Blick nicht mehr einsichtig, vgl. unter vielen den t.t. gr. SWZ VL,

Terminologie, Symbole, Abkürzungen

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der als lat. câsus und als dt. Fall bis heute gebräuchlich ist. Ausgangspunkt für diesen Fachausdruck (t.t. = Terminus technikus) ist vermutlich die Vorstellung, daß sich jedes Nomen in der nominativischen Zitierform einem Stift vergleichbar in senkrechter, gerader Position (= casus rectus) befindet. Die Verwendungen als Akkusativ, als Genetiv usw. weichen von der geraden Lage ab, sind also ungerade (= casus obliquus) und können im verwendeten Bild mit verschieden tiefem Herabsinken (SWZ VL) des Stiftes beschrieben werden: % Wackernagel Vorlesungen I 1926 p. 15. Statt eines Stiftes liegt nach einer anderen Tradition das Bild des Falls eines Würfels („Knöchels“) zugrunde: % F. Murru in MSS 39 1980 p. 73ff. — Als weiteres Beispiel vgl. den t.t. gr. RXMGHYWHURQ, lat. neutrum, dt. sächliches Geschlecht. Dahinter steckt nicht primär die Idee des „Weder-Noch“ („keines der beiden Genera maskulin und feminin“), sondern vermutlich die Idee eines neben maskulin und feminin eigenständigen weiteren natürlichen „Mannweibergenus“: % K. Strunk Neutrum: zum antiken Benennungsmotiv eines grammatischen Terminus in FS Untermann Innsbruck 1993 p. 455ff. Die Geschichte der einzelnen sprachwissenschaftlichen Fachwörter und Fachausdrücke ist immer im Auge zu behalten. Alle neueren sprachwissenschaftlichen Ansätze fußen i.d.R. auf der sog. traditionellen Grammatik. Ihre erste Systematik hat sie in Auseinandersetzung mit dem klass. Latein erhalten. Die Anwendung auf andere Sprachen als Latein ist aber nicht unproblematisch: % Bussmann Lexikon d. Sprachw. 2. Aufl. 1990 p. 798f. Ferner darf man nicht übersehen, daß gerade in der modernen Allgemeinen Sprachwissenschaft ein und derselbe Terminus je nach Theorie verschieden verwendet werden kann, vgl. Lewandowski Linguist. Wörterbuch 3 1994 s.v. Terminus.

2. Symbole, Schreibweisen, Zitierweisen a. Symbole In der Regel sprechen die verwendeten Symbole und Zeichen für sich. Nicht von vornherein selbstverständlich sind die sog. Cover-Symbole: —— H = beliebiger Laryngal (h1, h2 oder h3 stehen dagegen für die eigentlichen Laryngale), s.u. L 314 K = beliebiger Konsonant (d, d£, t usw. stehen dagegen für die eigentlichen Konsonanten)

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Terminologie, Symbole, Abkürzungen

R = beliebiger Sonant (l, r usw. stehen dagegen für die eigentlichen Sonanten) T = beliebiger stimmloser Konsonant V = beliebiger Vokal (e, o usw. stehen dagegen für die eigentlichen Vokale) À = langer oder kurzer Vokal a usw. ƒÈ = geschlossener langer oder kurzer Vokal e ‚È = offener langer oder kurzer Vokal e —— # = Wortanfang oder Wortende ## = Satzanfang oder Satzende —— *mon-¾o-, *kýi- usw. = - markiert die morphologische Segmentierung *mon.¾o-, *ra.í- usw. = . markiert die syllabische Segmentierung —— ø oder z = Null(zéro)-Stufe, - Suffix, -Endung ° = Schwachvokal, s.u. L 203 W = Wurzel S = Suffix E = Endung W(e) = -e-Vollstufe der Wurzel W(ê) = -ê-Dehnstufe der Wurzel W(o) = -o-Vollstufe der Wurzel W(ô) = -ô-Dehnstufe der Wurzel W(ø) = Schwundstufe der Wurzel W(°) = Reduktionsstufe d. Wurzel mit Schwachvokal, s.u. L 203 entsprechend: S(e) = -e-Vollstufe des Suffixes, usw. E(e) = -e-Vollstufe der Endung, usw. —— * = nur rekonstruierte, nicht belegte Form (wenn bekannt, wird die vermutete Zeit der rekonstruierten Form mit urgr., uridg., voruridg. usw. angegeben) —— < = lautgesetzlich entstanden aus > = entwickelt sich lautgesetzlich zu = = entspricht, s.u. E 507 Abs. 5 > / < = ersetzt durch / aus (je nach Darstellung) + z.B. Hom.+ = Homer und später

Terminologie, Symbole, Abkürzungen

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% der Pfeil verweist auf weiterführende Literatur außerhalb des Studienbuches (interne Querverweise werden mit s.o. oder s.u. angegeben) —— /a/ die Schrägstriche verweisen auf den entsprechenden phonologischen Wert [¯] die eckigen Klammern verweisen auf den entsprechenden phonetischen Wert die spitzen Klammern markieren Grapheme (Schriftzeichen) —— Ÿ Nachträge in der 9. Auflage als Ergänzung zur 8. Auflage —— b. Schreibweisen 1) Die vor ein paar Jahren eingeführte sog. neue deutsche Rechtschreibung wird nicht berücksichtigt. Ÿ Ich bleibe auch 2010 bei dieser Haltung. 2) Zur Notation des Urindogermanischen s.u. L 100f. 3) Bei den idg. Einzelsprachen werden die in den Handbüchern üblichen Schreibweisen verwendet. Auf ein paar Einzelheiten mache ich extra aufmerksam: Im Lateinischen ist immer als /k/ zu verstehen, dagegen als /ký/, ungeachtet dessen, ob es ein altes /k¾/ darstellt oder aus einem /ký/ entstanden ist, s.u. E 506 Abs. 3. Zu beachten ist ferner, daß ein Wort wie als /maus/ und ein als /kon-iki/ zu lesen ist: % Leumann LLFL 1977 p. 127f. Bei den Beispielen aus dem mykenischen Gr. folgt in der Regel der Beleg zuerst so, wie ihn die myk. Linear-B-Schrift festhält (die Lautwerte der Silbenzeichen werden in lat. Schrift wiedergegeben). Danach wird die vermutliche phonologische Interpretation ebenfalls in lat. (nicht in gr. !) Schrift beigefügt (graphemisch ausgedrückte phonetische Übergangslaute werden ebenfalls berücksichtigt, ferner erfolgt oft gleich eine moderne morphologische Segmentierung), vgl. (die Symbole < > und / / werden der Einfachheit halber i.d.R. nicht geschrieben) i-je-ro-wo-ko i.e.  -¾orgos ‘Priester’. — Wo eine Aspiration zu vermuten ist, wird sie durch h markiert (ein Beispiel soeben). — Je nach der etymologischen Herkunft wird bei der Interpretation der z-Reihe ein kz, ein gz , ein tz oder ein dz eingesetzt, vgl. to-pe-za i.e. torpedza ‘Tisch’ < *(ký)tμ- -a ‘*Vierfüßler’. — Die Belegstellen der zitierten Formen sind nicht beigefügt, sie lassen sich aber leicht bei Aura Jorro DMic. I 1985 II 1993 ausfindig machen. — Beispiele aus gr. Dialektinschriften werden ohne Akzent geschrieben. —

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Terminologie, Symbole, Abkürzungen

ŸUm Längen bei D,L undXmarkieren zu können, auch wenn bereits Akzente den Platz versperren, verwende ich ein paarmal die Symbolik D:, L: undX: (aus technischen Gründen kann ich nämlich das darüber befindliche Längezeichen bei bereits vorhandenen Akzenten nicht immer generieren). Beim Altindischen (Vedischen) ist Mayrhofer EWAia Vorbild. Wie in den meisten sprachwissenschaftlichen Darstellungen üblich, werden hier die ved. und ai. Nominalformen i.d.R. als Stamm ohne Endung zitiert (also z.B. als ved. ávi- ‘Schaf’). Ältere Handbücher setzen dafür gern den Nom.Sg. in der absoluten Auslautform (Pausa) mit -¡ (sog. Visarga), vgl. einen Verweis wie lat. ovis ‘Schaf’ = ved. ávi¡. Weiteres s.u. L 309 Abs. 3. — Bei ved. und ai. Verbalformen ist die 3.Pers.Sg. die Zitierform (vgl. ved. bhárati ‘trägt’), z.T. auch die vollstufige Verbalwurzel (vgl. ved. bhar- ‘tragen’). Akzente werden bei finiten Verbalformen nur gesetzt, wenn sie textlich belegbar sind. Beim Avestischen folge ich % Hoffmann / Forssman Avestische Lautund Flexionslehre 1996. Beim Anatolischen (Hethitischen) sollte Ÿ sowohl bei der Umschrift aus der Keilschrift als auch der phonologischen Interpretation geschrieben werden, beim ¸ nur in der Umschrift, nicht aber bei der Interpretation, vgl. z.B. pa-aŸ-Ÿu--na-a¸ i.e.

 . Das in der Umschrift eingebürgerte z wird als ts wiedergegeben. Ferner, angeblich betonte Silbenzeichen wie ták in ták-na-a-a¸ weisen damit nicht auf den Sitz des Akzents. Mit dem markierten á wird nach den Gepflogenheiten der Altorientalistik lediglich angedeutet, daß neben der üblichen Form tak (= tak Nr. eins) eine zweite Zeichenform (= tak Nr. zwei) in Verwendung ist. Zum Gotischen: % Binnig Gotisch 1999. c. Zitierweisen Es ist zu beachten, daß die Zitierpraxis nicht bei allen altidg. Sprachen gleich gehandhabt wird, vgl. bei den Verbalformen das lat. und das gr. System, wo die 1.Sg. Nennform ist; im Ved. aber wird traditionell die 3.Sg. zitiert, s.o. Abs. b. Bei Mayrhofer KEWA werden die Verbalformen unter der 3.Sg. aufgelistet, bei Mayrhofer EWAia stehen sie aber unter der vollstufigen Verbalwurzel verzeichnet, vgl. zu ersterem p. III 562f. den Eintrag svárati ‘gibt einen Ton von sich, tönt, erschallt, singt, besingt’, zu letzterem II p. 792f. den entsprechenden Eintrag unter SVAR ‘einen Ton von sich geben, tönen, schnauben, erschallen, singen’. Auch bei den Nomina ändert sich die Zitierweise des EWAia gegenüber der des KEWA, vgl. im KEWA svargá¡, dagegen im EWAia svargá-.

Terminologie, Symbole, Abkürzungen

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3. Abkürzungen Wo allein der Ausgang -isch gekürzt ist, wird auf die Auflistung der Abkürzung verzichtet. In der Regel sind die Abkürzungen längst eingebürgert oder von sich aus im entsprechenden Kontext verständlich. N.B.: Abkürzungen von Zeitschriften finden sich in der Bibliographie.

a.a.O. am angegebenen Ort aav. altavestisch Abl. Ablativ Abs. Absatz Abstr. Abstraktum Adj. Adjektiv Adv. Adverb aengl. altenglisch aheth. althethitisch ahd. althochdeutsch ai. altindisch air. altirisch Akk. Akkusativ aksl. altkirchenslavisch akt. aktiv Akt. Aktiv alb. albanisch an. altnordisch Anm. Anmerkung a.O. am Ort Aor. Aorist Aor.St. Aoristst. ap. altpersisch ark. arkadisch arm. armenisch as. Altsächsisch ass. assimiliert Ass. Assimilation athem. athematisch av. avestisch

AV

Atharvaveda

Bd. Band bzw. beziehungsweise c.

(Genus) commune

D dass. Dat. dens. Desid. d.h. dial. Diath. dies. diss. Diss. dt. Du. dur.

Dehnstufe dasselbe Dativ denselben Desiderativ das heißt dialektal Diathese dieselbe dissimiliert Dissimilation deutsch Dual durativ

E Endung enkl. enklitisch ev. eventuell f. ff. FS Fut.

(genus) femininum und folgende Festschrift Futurum

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Terminologie, Symbole, Abkürzungen

FW Fremdwort Gen. Genetiv germ. germanisch GN Göttername gr. griechisch gramm. grammat. GS Gedenkschrift GW Gegenwart H hell. Hes. heth. HG hom. Hom. hrsg. HS

Laryngal, weiteres s.u. L 314 hellenistisch Hesiod hethitisch Hinterglied homerisch Homer herausgegeben Hauptsatz

id. idg. i.d.R. i.e. iir. Iir. Ind. Inf. Inj. inkl. Instr. intr. Ipf. Ipt. i.S.v.

idem indogermanisch in der Regel d.h. indoiranisch Indoiranisch Indikativ Infinitiv Injunktiv inklusiv Instrumental intransitiv Imperfekt Imperativ im Sinn von

jav. Jh. jheth. Jt.

jungavestisch Jahrhundert junghethitisch Jahrtausend

K Kaus. kluw. KN Koll. Konj. kons. Kons. KP KS

beliebiger Konsonant Kausativ keilschrift-luwisch Knossos Kollektiv Konjunktiv konsonantisch Konsonant Kompositum Kleine Schriften

lat. lit. Lit. Lok. lt. LW

lateinisch litauisch Literatur Lokativ laut Lehnwort

m. m.E. med. Med. mhd. mir. mp. MY myk.

(genus) masculinum meines Erachtens medial Medium mittelhochdeutsch mittelirisch mittelpersisch Mykene mykenisch

n. (genus) neutrum nb. neben N.B. nota bene! N.F. Neue Folge nhd. neuhochdeutsch Nom. Nominativ Nom.act. Nomen actionis Nom.ag. Nomen agentis NS Nebensatz N.S. Neue Serie Ntr. Neutrum Num. Numerus

Terminologie, Symbole, Abkürzungen

o.ä. ON Opt.

oder ähnlich Ortsname Optativ

p. Seite (pagina) P. Person pal. palaisch Pass. Passiv Perf. Perfekt Perf.St. Perfektstamm Pers. Person PK Possessivkompositum Pl. Plural Plt. Plautus Plpf. Plusquamperfekt PN Personenname poss. possessiv PPA Partizip Perfekt Aktiv PPP Partizip Perfekt Passiv Präs. Präsens Präs.St. Präsensstamm prim. primär Pron. Pronomen Ptz. Partizip PY Pylos R beliebiger Sonant redupl. redupliziert Redupl. Reduplikation refl. reflexiv Refl.Pron. Reflexivpronomen rel. relativ Rez. Rezension RS Relativsatz RV Rgveda s. S SA ¹B

siehe Suffix Satzanfang ¹atapatha Brahmana

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sc. schw. SE sek. Sek. sem. Sg. s.o. sog. Sp. st.St. St. sth. stl. s.u. Subst. südgr. Suff. s.v.

scilicet schwach Satzende sekundär Sekundärsemitisch Singular siehe oben sogenannt Spalte starker Stamm Stamm stimmhaft stimmlos siehe unten Substantiv südgriechisch Suffix sub voce

T TB TH them. thess. toch. TS tr. t.t.

beliebiger stl. Konsonant Taittiriya Brahmana Theben thematisch thessalisch tocharisch Taittiriya Samhita transitiv Terminus technicus

u.a. und andere(s) u.a.m. und andere(s) mehr u.a.O. und andere Orte urgerm. urgermanisch urgr. urgriechisch uridg. urindogermanisch usw. und so weiter V V

beliebiger Vokal Vollstufe

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Terminologie, Symbole, Abkürzungen

VA Versanfang VE Versende VG Vergangenheit VG (bei KP) Vorderglied vgl. vergleiche VN Völkername vs. versus WA WE Wn.

Wortanfang Wortende Wurzelnomen

Wz. Wurzel Wz.Aor. Wurzelaorist Wz.Präs. Wurzelpräsens Y

Yasna

z.B. z.St. z.T. z.Z.

zum Beispiel zur Stelle zum Teil zur Zeit

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln Die hier 2001 vorgelegte Bibliographie will mehr sein als nur eine Liste der verwendeten Literatur und ihrer Kurztitel. Sie soll dem Benutzer eine repräsentative Übersicht über die Mitte 2001 aktuelle indogermanistische Fachliteratur vermitteln. Es sind darunter auch Titel verzeichnet, auf die sonst nicht weiter verwiesen wird. Vollständigkeit ist in keinem Bereich angestrebt. Nicht alle Publikationen sind gleich gut. Aber es ist keine so schlecht, als daß man nicht etwas daraus lernen kann und sei es nur die Erkenntnis des „so nicht“. Ÿ Nachträge zu bereits bestehenden Titeln sind am Ort in der bibliographischen Liste von 2001 eingetragen. Ÿ Am Schluß der Bibliographie finden sich bibliographische Nachträge für den Zeitraum 2001 - 2010 von Tomoki Kitazumi. Verwende ich daraus Titel in Abkürzung, so sind diese Kurztitel zur einfacheren Handhabung in der bibliographischen Hauptliste von 2001 eingearbeitet. Eine spezielle „Literaturgattung“ stellen die Rezensionen / Besprechungen von Büchern dar. Einzelne werden hie und da genannt, um immer wieder auf diesen wichtigen Informationszweig aufmerksam zu machen. Wer sich in ein bestimmtes Arbeitsgebiet einarbeitet oder die neuesten Stellungnahmen zu einem bestimmten Problem sucht, dem sei wärmstens empfohlen, eben auch die Meinungen, Korrekturen oder Ergänzungen der entsprechenden Rezensenten einzusehen. Es wurde aber nie beabsichtigt, bei jedem Werk alle dazugehörigen Rezensionen zu nennen. Den Leser verweise ich speziell auf das von der Indogermanischen Gesellschaft herausgegebene Berichts- und Rezensionsorgan Kratylos. Gelegentlich wird auch auf eine Notiz oder eine Bemerkung in der Idg. Chr. (s.u. s.v.) aufmerksam gemacht. Grundlage für die Siglen der Zeitschriften sind die Vorgaben der Bibliographie Linguistique / Linguistic Bibliography. Ein paar für die Indogermanistik besonders einschlägige Titel erscheinen extra in der Liste. Für eine regelmäßige Lektüre und Konsultation empfehlen sich (genannt in alphabetischer Reihenfolge) u.a.: Diachronica, Glotta, HS (ältere Siglen ZVS bzw. KZ), IF, JIES, MSS und Sprache.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Die folgenden bibliographischen Angaben sind nicht immer ganz einheitlich gestaltet. In der Regel folgen am Schluß bei neueren Werken Hinweise, wenn sie in einer bestimmten Reihe erschienen sind (sei es nun ein Ergänzungsheft zu ZVS / HS, ein IBS-Band oder eine Akademieschrift). Bei Publikationen, die seit längerem bekannt sind, wird aber oft aus Gründen der Einfachheit nur Erscheinungsort und Erscheinungsjahr genannt und auch sonst auf bibliographische Zusatzdaten verzichtet. Bei der Nennung von Rezensionen ist Vollständigkeit nicht angestrebt. Ÿ Heute sind die bibliographischen Recherchen im Zeitalter des Internets sehr viel einfacher und bequemer geworden. Verlage, Bibliotheken, Seminare und einzelne Forscher unterstützen den Benutzer und Suchenden in vielfacher Weise. Ich empfehle jedem dringend, davon Gebrauch machen.

AAWL = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Adams Dictionary 1999 = D. Q. Adams A Dictionary of Tocharian B. Amsterdam / Atlanta GA 1999 (= Leiden Studies in IE 10). Adams Tocharian 1988 = D. Q. Adams Tocharian Historical Phonology and Morphology. New Haven 1988 (= American Oriental Series 71). Adiego Studia Carica 1993 = I.-J. Adiego Lajara Studia Carica, Investigaciones sobre la escritura y lengua carias. Barcelona 1993. Ÿ Zum Karischen s. auch dens. in den bibliographischen Nachträgen 6, ferner Frank Rumscheid am gleichen Ort. Adrados Manual s.u. Manual de lingüistica indoeuropea Aitzetmüller Abulg. Gramm. 1991 = R. Aitzetmüller Altbulgarische Grammatik als Einführung in die slavische Sprachwissenschaft. 2., verbesserte und erweiterte Auflage Freiburg 1991 (= Monumenta Linguae Slavicae Nr. 30). Akten 13. Österreich. Linguistentagung 1988 = Akten der 13. Österreichischen Linguistentagung 1985 in Graz mit den Beiträgen der Tagung 1983 in Salzburg, hrsg. von Chr. Zinko. Graz 1988. Allen Vox Graeca 1987 = W. S. Allen Vox Graeca, A Guide to the Pronunciation of Classical Greek. 3. Aufl. Cambridge 1987. Althochdeutsch I / II 1987 = Althochdeutsch, hrsg. von R. Bergmann, H. Tiefenbach und L. Voetz. Heidelberg 1987: Band I (Grammatik. Glossen und Texte); Band II (Wörter und Namen. Forschungsgeschichte).

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Ambrosini Linguistica Indo-Europea I / II 1996 = R. Ambrosini Introduzione alla linguistica indo-europea. I (La ricostruzione dell' indoeuropeo), II (Le lingue indo-europee orientali e centrali). Lucca 1996. Ammann Untersuchungen I 1922 = H. Ammann Untersuchungen zur homerischen Wortfolge und Satzstruktur. 1 allgemeiner Teil. Leipzig 1922; ders. 2. Teil: Die Stellung des Verbums, im einzelnen untersucht in IF 42 1924 p. 149-171 und 300-322. Ancient IE Dialects 1963 [1966] = Ancient Indo-European Dialects, Proceedings of the Conference on Indo-European Linguistics 1963 in Los Angeles, hrsg. von H. Birnbaum und J. Puhvel. Berkeley / Los Angeles 1966. Andersen (H.) Prehistorical Dialects 1996 = H. Andersen Reconstructing Prehistorical Dialects, Initial Vowels in Slavic and Baltic. Berlin 1996. Rez.: Chr. Koch in Kratylos 45 2000 p. 146-154. Andersen (P. K.) Word Order Typology 1983 = P. K. Andersen Word Order Typology and Comparative Constructions. Amsterdam / Philadelphia 1983. Rez.: Ch. Lehmann in Kratylos 29 1984 [1985] p. 25-30. Anttila PIE Schwebeablaut 1969 = R. Anttila Proto-Indo-European Schwebeablaut Berkeley / Los Angeles 1969. Rez.: J. Schindler in Kratylos 15 1970 [1972] p. 146-152. AÖAW = Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse. ŸArbeitstagung Germanistik Jena 2002 [2004] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Maria Kozianka). Arbeitstagung (Indoarisch, Iranisch) Erlangen 1997 [2000] = Indoarisch, Iranisch und die Indogermanistik, Arbeitstagung der Idg. Gesellschaft 1997 in Erlangen, hrsg. von B. Forssman und R. Plath. Wiesbaden 2000. Rez.: B. Schlerath in OLZ 96 2000 p. 306-316. ŸArbeitstagung Langue poétique Paris 2003 [2006] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Georges-Jean Pinault und Daniel Petit). ŸArbeitstagung Nomen Freiburg 2001 [2003] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Eva Tichy). Arbeitstagung (Osk.-Umbr.) Freiburg 1991 [1993] = Oskisch-Umbrisch, Texte und Grammatik, Arbeitstagung der Idg. Gesellschaft und der Società Italiana di Glottologia 1991 in Freiburg, hrsg. von H. Rix. Wiesbaden 1993. ŸArbeitstagung Pragmatische Kategorien Marburg 2007 [2009] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Elisabeth Rieken und Paul Widmer).

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Arbeitstagung (100 Jahre Tocharologie) Saarbrücken 1995 [1997] = Arbeitstagung 100 Jahre Tocharologie, Kolloquium der Idg. Gesellschaft 1995 in Saarbrücken, publiziert als TIES 7 1997. Arens Sprachwissenschaft I + II 1969 = H. Arens Sprachwissenschaft, Der Gang ihrer Entwicklung von d. Antike bis zur Gegenwart. Frankfurt a. M. 1969, I (Von der Antike bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts), II (Das 20. Jahrhundert). Arlotto Introduction 1972 = A. Arlotto Introduction to Historical Linguistics. Boston 1972. Arumaa Urslav. Grammatik I 1964 II 1976 III 1985 = P. Arumaa Urslavische Grammatik. Heidelberg: Band I (Einleitung, Lautlehre mit Vokalismus und Betonung) 1964; Band II (Konsonantismus) 1976; Band III (Formenlehre) 1985. ASNP = Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa: lettere, storia e filosofia. Aspects of Latin 1993 [1996] = Aspects of Latin, Papers from the Seventh International Colloquium on Latin Linguistics Jerusalem 1993, hrsg. von H. Rosén. Innsbruck 1996 (= IBS 86); s.u. s.v. IKLL (ICLL / CILL) VII 1993 [1996]. Aspekte baltist. Forschung 2000 = Aspekte Baltistischer Forschung, hrsg. von J. Range. Essen 2000 (= Schriften des Instituts für Baltistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald 1). Assmann Kulturelles Gedächtnis 1997 = J. Assmann Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 1997 (und Neuauflagen). Aufrecht Hymnen des RV 1877 = Th. Aufrecht Die Hymnen des Rigveda. 2 Bände. 2. Aufl. 1877 (und Nachdrucke). Aura Jorro DMic. I 1985 II 1993 = F. Aura Jorro Diccionario micénico. Madrid, Bd. I (a-n) 1985, Bd. II (o-z) 1993. Autobiographische Berichte 1991 = Wege in der Sprachwissenschaft, Vierundvierzig autobiographische Berichte, Festschrift für M. Wandruszka, hrsg. von H.-M. Gauger und W. Pöckl. Tübingen 1991 (= Tübinger Beiträge zur Linguistik Band 362). Bach Deutsche Personennamen 1943 = A. Bach Die deutschen Personennamen. Berlin 1943. Baltische Sprachen 1994 = Die baltischen Sprachen, Eine Einführung, von R. Eckert, Elvira-Julia Bukevi’iût_, F. Hinze. Leipzig / Berlin u.a.O. 1994. Rez.: F. Scholz in Kratylos 42 1997 p. 126-130. ŸBaldi Latin 1999 s.u. bibl. Nachträge 10.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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ŸBalles Cvi 2006 s.u. bibl. Nachträge 17 Nr. 4. Baltistik 1998 = Baltistik, Aufgaben und Methoden, hrsg. von A. Bammesberger. Heidelberg 1998 (= Indogermanische Bibliothek, Reihe 3, Band 19). Rez.: R. Matasovi‘ und W. P. Schmid in IF 105 2000 p. 342-351; F. Heidermanns in Kratylos 45 2000 p. 154-162. Bammesberger Abstraktbildungen 1973 = A. Bammesberger Abstraktbildungen in den baltischen Sprachen. Göttingen 1973. Bammesberger Germ. Verbalsystem 1986 = A. Bammesberger Der Aufbau des germanischen Verbalsystems. Heidelberg 1986 (= Untersuchungen zur vergleichenden Grammatik der germanischen Sprachen, Band 1). Bammesberger Laryngaltheorie 1984 = A. Bammesberger Studien zur Laryngaltheorie. Göttingen 1984 (= Ergänzungsheft zur ZVS 33). Rez.: R. S. P. Beekes in Kratylos 31 1986 p. 70-75; F. O. Lindeman in IF 91 1986 p. 349-351. S. auch unten Laryngaltheorie 1988. Bammesberger Pforzen und Bergakker 1999 = Pforzen und Bergakker, Neue Untersuchungen zu Runeninschriften, hrsg. von A. Bammesberger. Göttingen 1999 (= HS, Ergänzungsheft 41). Bammesberger Urgerm. Nomen 1990 = A. Bammesberger Die Morphologie des urgermanischen Nomens. Heidelberg 1990 (= Untersuchungen zur vergleichenden Grammatik der germ. Sprachen Nr. 2). Bartholomae Air(an). Wörterbuch 1904 = C. Bartholomae Altiranisches Wörterbuch. Straßburg 1904. Der 2. photomechanische Nachdruck von 1979 enthält sowohl die Nachträge und Verbesserungen (Sp. 18811900), als auch die Nacharbeiten und Vorarbeiten von 1906. Berlin 1979. Bartschat Methoden der Sprachwissenschaft 1996 = B. Bartschat Methoden der Sprachwissenschaft. Von Hermann Paul bis Noam Chomsky. Berlin 1996. BCH = Bulletin de Correspondence Hellénique. Bechtel Gr. Dialekte 1921-1924 = F. Bechtel Die griechischen Dialekte, 3 Bde. Berlin 1921-1924. Bechtel Hauptprobleme 1892 = Fr. Bechtel Die Hauptprobleme der indogermanischen Lautlehre seit Schleicher. Göttingen 1892. ŸBeekes EDG 2010 s.u. bibl. Nachträge 18 Nr. 10. Beekes Gatha-Avestan 1988 = R. S. P. Beekes A Grammar of GathaAvestan. Leiden 1988. Rez.: J. E. Rasmussen in Kratylos 36 1991 p. 109-116. Vgl. ferner dens. Historical Phonology of Iranian in JIES 25 1997 p. 1-26.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Beekes IE Nominal Inflection 1985 = R.S.P. Beekes, The Origins of the Indo-European Nominal Inflection. Innsbruck 1985 (= IBS Nr. 46). Rez.: J. Schindler in Idg. Chr. 31a 1985 Nr.85. Beekes Introduction 1995 = R. S. P. Beekes Comparative Indo-European Linguistics, An Introduction. Amsterdam 1995. Rez.: A. Bammesberger in HS 109 1996 p. 310-316; M. Kümmel in PFU 2-3 1996 / 1997 p. 113-125; Ch. de Lamberterie in BSL 92 / 2 1997 p. 143-149; St. Zimmer in PBB 119 / 2 1997 p. 276-282. Beekes Laryngeals 1969 = R. S. P. Beekes The Development of the ProtoIndo-European Laryngeals in Greek. The Hague / Paris 1969. Rez.: C. J. Ruijgh in Lingua 26 1970 / 1971 p. 181-198 (= Scripta Minora I 1991 p. 330-347); H. Rix in Kratylos 14 1969 [1972] p. 176-187. Vgl. jetzt auch R. S. P. Beekes Laryngeal Developments: A survey in Laryngaltheorie 1988 p. 59-105. Benedetti Composti radicali 1988 = M. Benedetti I composti radicali latini: Esame storico e comparativo. Pisa 1988. Benfey Geschichte der Sprachwissenschaft 1869 = Th. Benfey Geschichte der Sprachwissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland seit dem Anfange des 19. Jahrhunderts mit einem Rückblick auf die früheren Zeiten. München 1869 (Nachdruck 1965). Benveniste Hittite et indo-européen 1962 = E. Benveniste Hittite et indoeuropéen, Études comparatives. Paris 1962. Benveniste Institutions I + II 1969 = E. Benveniste Le vocabulaire des institutions indo-européennes. 2 Bände Paris 1969. Engl. Übersetzung unter dem Titel „Indo-European Language and Society“, London 1973. Dt. Übersetzung unter dem Titel „Indoeuropäische Institutionen“ von W. Bayer, D. Hornig, K. Menke, hrsg. mit einem Nachwort von St. Zimmer. Frankfurt / New York 1993. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 39 1994 p. 183f. Benveniste Noms d’agent 1948 = E. Benveniste Noms d’agent et noms d’action en indo-européen. Paris 1948. Benveniste Origines 1935 = E. Benveniste Origines de la formation des noms en indo-européen. Paris 1935. Benveniste Problèmes I 1966 II 1974 = E. Benveniste Problèmes de linguistique générale. Paris Band I 1966, Band II 1974. Benveniste s. auch unter Colloque E. Benveniste. Berlinische Lebensbilder - Geisteswissenschaftler 1989 = Berlinische Lebensbilder, hrsg. von W. Ribbe: Band 4 Geisteswissenschaftler, hrsg. von M. Erbe. Berlin 1989.

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Bibliographie d. Hethitologie 1-3 1996 (1998) = Systematische Bibliographie der Hethitologie 1915-1995, 3 Teilbände, zusammengestellt von V. Sou’ek und J. Siegelová. Prag 1996. Bile Crétois 1988 = M. Bile Le dialecte crétois ancien, Étude de la langue des inscriptions, Recueil des inscriptions postérieures aux IC (= Inscriptiones Creticae). Paris 1988. Binnig Gotisches Elementarbuch 1999 = W. Binnig Gotisches Elementarbuch. Berlin 1999 (Dies de Gruyter Studienbuch ersetzt H. Hempel Gotisches Elementarbuch, Grammatik, Texte mit Übersetzungen und Erläuterungen, Berlin 1966, Sammlung Göschen Band 79/79a). BiOr = Bibliotheca Orientalis. Birkhan Kelten 1997 = H. Birkhan Kelten. Wien 1997. Rez.: J. Uhlich in CMCS 39 2000 p. 65-73; Ÿ H. L. C. Tristram in ZCP 52 2001 p. 277-. Bittel Hattusha 1970 = K. Bittel Hattusha, The Capital of the Hittites. Oxford 1970. S. auch unten Neve Hattu¸a 1996. Bittel Hethiter 1976 = K. Bittel Die Hethiter: Die Kunst Anatoliens vom Ende d. 3. bis zum Anfang d. 1. Jahrtausends v. Christus. München 1976. Biville Emprunts I 1990 II 1995 = F. Biville Les emprunts du latin au grec. Approche phonétique. Louvain und Paris: Band I (Introduction et consonantisme) 1990; Band II (Vocalisme et conclusion) 1995. BL = Bibliographie linguistique / Linguistic Bibliography. Boston / London. Blaÿek Numerals 1999 = V. Blaÿek Numerals: Comparative-Etymological Analysis of Numerals Systems and their Implications. Brno 1999. Rez: M. de Vaan in Sprache 39 / 2 1997 [2000] p. 239-245; V. Bubenik in JIES 28 2000 p. 450-454. Bloch Suppletive Verba 1940 = A. Bloch Zur Geschichte einiger suppletiver Verba im Griechischen. Basel 1940. Blümel Aiol. Dialekte 1982 = W. Blümel Die aiolischen Dialekte, Phonologie und Morphologie der inschriftlichen Texte aus generativer Sicht. Göttingen 1982 (= Ergänzungsheft ZVS Nr. 30). Blümel Untersuchungen 1972 = W. Blümel Untersuchungen zu Lautsystem und Morphologie des vorklassischen Lateins. München 1972 (= MSS, Beiheft, Neue Folge 8). BNF = Beiträge zur Namenforschung. Bohl Besitzverhältnis 1980 = S. Bohl Ausdrucksmittel für ein Besitzverhältnis im Vedischen und Griechischen. Louvain-la-Neuve 1980.

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Boisacq DELG 1950 = Boisacq Dictionnaire étymologique de la langue grecque étudiée dans ses rapports avec les autres langues indoeuropéennes. 4. éd. augm. d'un index par Helmut Rix. Heidelberg 1950. Boley Hittite hark-construction 1984 = J. Boley The Hittite harkconstruction. Innsbruck 1984 (= IBS 44). Boley Sentence Particles 1989 = J. Boley The Sentence Particles and the Place words in Old and Middle Hittite. Innsbruck 1989 (= IBS 60). Vgl. dies. The Hittite Particle -z / -za. Innsbruck 1993 (= IBS 79). Bopp Albanesisch 1855 = F. Bopp Über das Albanesische in seinen verwandtschaftlichen Beziehungen. Berlin 1855 (= Abhandl. d. Preuß. Akad. d. Wiss., Phil-hist. Kl.). Bopp Conjugationssystem 1816 = F. Bopp Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache. Neben Episoden des Ramajan und Mahabharat in genauen metrischen Übersetzungen aus dem Originaltext und einigen Abschnitten aus den Veda’s. Frankfurt 1816. Bopp-Symposium 1992 [1994] = Bopp-Symposium 1992 der HumboldtUniversität zu Berlin, Akten der Konferenz von 1992 aus Anlaß von Franz Bopps zweihundertjährigem Geburtstag am 14. 9. 1991, hrsg. von R. Sternemann. Heidelberg 1994. Boretzky Historische Linguistik 1977 = N. Boretzky Einführung in die historische Linguistik. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 1977. Bornemann / Risch Gr. Gr. 1978 = E. Bornemann und E. Risch Griechische Grammatik. 2. Aufl. Frankfurt 1978. Dazu vgl. W. Kastner Sprachgeschichtliche Erläuterungen zur Griechischen Grammatik. Frankfurt 1988. Bräuer Slav. Sprachw. I 1961 II 1969 III 1969 = H. Bräuer Slavische Sprachwissenschaft. 3 Bände. Berlin 1961-1969: I (Einleitung, Lautlehre) 1961, II (Formenlehre, 1. Teil) 1969, III (Formenlehre, 2. Teil) 1969 (= Sammlung Göschen Nr. 1191, 1192 und 1236). Brandenstein / Mayrhofer Altpersisch 1964 = W. Brandenstein und M. Mayrhofer Handbuch des Altpersischen. Wiesbaden 1964. Dazu s.u. Mayrhofer Supplement 1978. Braunmüller Skandinav. Sprachen 1991 = K. Braunmüller Die skandinavischen Sprachen im Überblick. Tübingen 1991 (= UTB 1635). Rez.: J. A. Har“arson in PFU 4 1998 p. 85-96. Braune / Ebbinghaus Got. Gr. 1981= W. Braune Gotische Grammatik. 19. Aufl., neu bearbeitet von E. A. Ebbinghaus. Tübingen 1981. Ÿ Neue Auflage: Wilhelm Braune: Gotische Grammatik, neu bearbeitet von

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Frank Heidermanns. 20. Auflage. Max Niemeyer, Tübingen 2004. Rez.: M. J. Kümmel in PFU 11-12 (2005/2006) [2010] 101-103. Brixhe Grec anatolien 1987 = C. Brixhe Essai sur le grec anatolien au début de notre ère. Nouvelle édition revue et augmentée. Nancy 1987. Brixhe Koiné I 1993 = La Koiné grecque antique I: Une langue introuvable, hrsg. von C. Brixhe. Nancy 1993. Brixhe Pamphylie 1976 = C. Brixhe Le dialecte grec de Pamphylie, Documents et grammaire. Paris 1976. Brixhe Phonétique et phonologie 1996 = C. Brixhe Phonétique et phonologie du grec ancien I, Quelques grandes questions. Paris 1996 (= Bibliothèque des Cahiers de l' Institut de Linguistique de Louvain Nr. 82). Brixhe / Lejeune Paléo-phrygien 1984 = C. Brixhe Corpus des inscriptions paléo-phrygiennes. 2 Bände Paris 1984. Brugmann Einfacher Satz 1925 = K. Brugmann Die Syntax des einfachen Satzes im Indogermanischen. Berlin / Leipzig 1925. Brugmann Grundriß I 1897 II-1 1906 II-2 1911 II-3 1916 = K. Brugmann [und B. Delbrück] Grundriß der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Zweite Bearbeitung. Straßburg: Band I 1897 (Einleitung, Lautlehre: die erste Hälfte p. 1-622; die zweite Hälfte p. 623-1098; unveränderter Neudruck der beiden Hälften 1930); Band II mit drei Teilen, nämlich II-1 1906 (Allgemeines, Zusammensetzung [Komposita], Nominalstämme: p. 1-688), II-2 1911 (Zahlwörter, Genera, Kasus- und Numerusbildung, Pronomina, Adjektiv, Adverbia, Präpositionen: p. 1-997) und II-3 1916 (Verbum finitum und infinitum, Partikeln im einfachen Satz: die erste Hälfte p. 1-496, die zweite Hälfte p. 497-1052). Nachdruck Berlin / New York 1967. Zu den Bänden III V s.u. Delbrück Vgl. Syntax. Brugmann Kurze vgl. Gramm. 1902-1904 = K. Brugmann Kurze vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen. Straßburg: 1. Lieferung (Einleitung und Lautlehre: p. 1-280) 1902, 2. Lieferung (Lehre von den Wortformen und ihrem Gebrauch: p. 281-622) 1903, 3. Lieferung (Lehre von den Satzgebilden und Sach- und Wörterverzeichnis: p. 623-677) 1904. Unveränderter Neudruck Leipzig 1933, Nachdruck 1970. Brugmann / Thumb Gr. Gr. 1913 = K. Brugmann Griechische Grammatik. 4. Aufl. von A. Thumb. München 1913. Brunner Aengl. Gr. 1965 = K. Brunner Altenglische Grammatik nach der angelsächsischen Grammatik von Eduard Sievers. 3. Aufl. Tübingen 1965.

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Bryce Lycians 1986 = T. R. Bryce The Lycians in Literary and Epigraphic Sources. Kopenhagen 1986 (= Band I des Werkes von T. R. Bryce und J. Zahle The Lycians, A Study of Lycian History and Civilisation to the Conquest of Alexander the Great). Bryce Kingdom 1998 = T. Bryce The Kingdom of the Hittites. Oxford 1998. Ÿ Neue Auflage: Bryce, Trevor: The Kingdom of the Hittites – New Edition. Oxford University Press, Oxford 2005. — Vgl. ferner dens.: Life and Society in the Hittite World. Oxford Univ. Press, Oxford 2002 (Paperback 2004). BSL = Bulletin de la société de linguistique. Paris. Buchholz / Fiedler Alban. Gramm. 1987 = O. Buchholz und W. Fiedler Albanische Grammatik. Leipzig 1987. Buck Comparative Grammar 1963 = C. D. Buck Comparative Grammar of Greek and Latin. 9. Aufl. Chicago / London 1963. Buck Dict. of select. Syn. 1949 = C. D. Buck A Dictionary of Selected Synonyms in the principal Indo-European Languages. Chicago 1949. Buck Greek Dialects 1955 = C. D. Buck The Greek Dialects, Grammar, Selected Inscriptions, Glossary. 2. Aufl. Chicago / London 1955 (und Nachdruck). Bühler Sprachtheorie 1934 = K. Bühler Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena 1934. Burkert Griechische Religion 1977 = W. Burkert Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche. Stuttgart 1977. Engl. Übersetzung: Greek Religion. Cambridge / Mass. 1985. Burkert Orientalisierende Epoche 1984 = W. Burkert Die orientalisierende Epoche in der griechischen Religion und Literatur, vorgetragen am 8. Mai 1982, Heidelberg 1984 (= SbHAW 1984 / 1). Engl. Über-setzung: The Orientalizing Revolution, Near Eastern Influence on Greek Culture in the Early Archaic Age. Cambridge / Mass. 1992. Bussmann Lexikon d. Sprachw. 2. Aufl. 1990 = H. Bussmann Lexikon der Sprachwissenschaft. 2., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart1990. Ÿ Neueste Auflage 2008. Bynon Hist. Linguistics 1977 bzw. Hist. Linguistik 1981 = Th. Bynon Historical Linguistics. Cambridge 1977 [und Nachdrucke]) = Historische Linguistik, Eine Einführung. München 1981 (= überarbeitete und erweiterte Ausgabe des engl. Originals). Rez. der dt. Ausgabe: J. Udolph in IF 96 1991 p. 258-262. Campanile Ricostruzione 1990 = E. Campanile La ricostruzione della cultura indoeuropea. Pisa 1990.

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Cas et prépositions en grec ancien 1994 = Cas et prépositions en grec ancien, Actes du colloque international de Saint-Étienne 1993, hrsg. von B. Jacquinod. Saint-Étienne 1994. Cardona Them. Aorists 1960 = G. Cardona The Indo-European Thematic Aorists. Ann Arbor 1960. Cario 1993 [1994] = La decifrazione del cario, Atti del 1° Simposio Internazionale 1993 in Rom, hrsg. von M. E. Giannotta, R. Gusmani, L. Innocente, D. Marcozzi, M. Salvini, M. Sinatra, P. Vannicelli. Rom 1994 (= Consiglio Nazionale delle Ricerche, Monografie Scientifiche). Carling Lokale Kasus im Toch. 2000 = G. Carling Die Funktionen der lokalen Kasus im Tocharischen. Berlin / New York 2000. Carruba Palaisch 1970 = O. Carruba Das Palaische: Texte, Grammatik, Lexikon. Wiesbaden 1970 (= StBoT 10). Causatives and Transitivity 1993 = Causatives and Transitivity, hrsg. von B. Comrie and M. Polinsky. Amsterdam / Philadelphia 1993 (= Studies in Language Companion Series 23). CEG = Chronique d'étymologie grecque, s.u. bei Chantraine DELG. Celtic Languages 1992 = The Celtic Languages, hrsg. von D. Macaulay. Cambridge 1992 (in der Reihe Cambridge Language Surveys). Celtic Languages 1993 = The Celtic Languages, hrsg. von M. J. Ball zusammen mit J. Fife. London / New York 1993 (Routledge). CFS = Cahiers Ferdinand de Saussure Chadwick Documents 1973 = J. Chadwick Documents in Mycenaean Greek. 2. Aufl. Cambridge 1973. Chantraine DELG 1968-1980 = P. Chantraine Dictionnaire étymologique de la langue grecque, Histoire des mots. Paris I 1968, II 1970, III 1974, IV / 1 1977, IV / 2 1980. Chantraine DELG ist seit 1999 als einbändiger Nachdruck in leicht verkleinertem Format mit einem Supplément (= CEG 1-3, s.u.) erhältlich. Reichhaltige Addenda und Corrigenda finden sich u.a. bei Ruijgh Scripta Minora I 1991 p. 571-632 und bei Szemerényi Scripta Minora III 1987 p. 1559-1607. Hinzuzuziehen ist jetzt auch die laufende Chronique d'étymologie grecque (= CEG), hrsg. von A. Blanc, Ch. de Lamberterie und J. L. Perpillou: CEG 1 in RPh 70 1996 [1997] p. 103-138; CEG 2 in RPh 71 1997 [1998] p. 147-179; CEG 3 1998 [1999] in RPh 72 1998 [1999] p. 119-148; CEG 4 1999 [2000] in RPh 73 1999 [2000] p. 79-108; Ÿ CEG 5. RPh 2000 3e sér 74 (1-2), 257-286; CEG 6. RPh 2001 3e sér 75 (1) 131-162; CEG 7. RPh 2002 3e sér 76 (1) 113-142; CEG 8. RPh 2003 3e sér 77 (1) 110140; CEG 9. RPh 2004 3e sér 78 (1) 155-179; CEG 10. RPh 2005 3e sér 79 (1) 159-193; CEG 11. RPh 2006 3e sér 80 (2) 339-369.

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Chantraine Formation des noms 1933 = P. Chantraine La formation des noms en grec ancien. Paris 1933 (und Nachdrucke). Chantraine Gramm. hom. I 1958 II 1953 = P. Chantraine Grammaire homérique. 2 Bände Paris: I (Phonétique et Morphologie) 3. Aufl. 1958, II (Syntaxe) 1. Aufl. 1953. Chantraine Morphologie 2. Aufl. 1961 = P. Chantraine Morphologie historique du grec. 2. Aufl. Paris 1961 (und Nachdrucke). CHD = The Hittite Dictionary of the Oriental Institute of the University of Chicago, hrsg. von H. G. Güterbock und H. A. Hoffner. Heute verfügbar sind: L-N 1989; P-1 (pa - parâ) 1994; P-2 (parâ (UZU)pattar A) 1995; P-3 ((UZU)pattar A - putkiya-) 1997; Ÿ Š-1 (šƗ - šaptamenzu) 2002; Š-2 (šapuhita - -ši-) 2005. ŸChristides Ancient Greek 2006 s.u. bibl. Nachträge 9. CILL s.u. IKLL. Clackson Armenian and Greek 1994 = J. Clackson The Linguistic Relationship between Armenian and Greek. Oxford / Cambridge 1994. Rez.: Ch. de Lamberterie in Kratylos 42 1997 p. 71-78. ŸClackson / Horrocks Latin Language 2008 s.u. bibl. Nachträge 10. CMCS = Cambrian Medieval Celtic Studies. Collinge Laws 1985 = N. E. Collinge The laws of Indo-European. Amsterdam / Philadelphia 1985. Eine Bestandsaufnahme bis 1998 von dems. in JIES 27 1999 p. 355-377. Ÿ Vgl. dazu jetzt M. Mayrhofer: Zu Collinges „Laws of Indo-European“: Ergänzendes und Kritisches. Die Sprache 45/1-2 (2005) [2007] p. 110-133. Coll. Myc. 1975 [1979] = Colloquium Mycenaeum, Actes du sixième Colloque International 1975 in Chaumont, hrsg. von E. Risch und H. Mühlestein. Neuchâtel / Genf 1979. Colloque E. Benveniste I / II 1983 [1984] = E. Benveniste aujourd'hui, Actes du colloque Tours 1983, hrsg. von G. Serbat. 2 Bände Paris 1984. Colloque P. Chantraine 1989 [1992] = La langue et les textes en grec ancien, Actes du colloque P. Chantraine Grenoble 1989, hrsg. von F. Létoublon. Amsterdam 1992. Colloquium Caricum 1997 [1998] = Colloquium Caricum, Akten der Internationalen Tagung über die karisch-griechische Bilingue von Kaunos 1997 in Feusisberg bei Zürich, publiziert als Kadmos 37 1998. Coll. Raur. 2 1991 = Colloquium Rauricum, Band 2, Zweihundert Jahre Homer-Forschung, Rückblick und Ausblick, hrsg. von J. Latacz. Stuttgart / Leipzig 1991. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 38 1993 p. 73-79.

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Compendium Ling. Iran. 1989 = Compendium Linguarum Iranicarum, hrsg. von R. Schmitt. Wiesbaden 1989. Complétives 1998 [1999] = Les complétives en grec ancien, Colloque Saint-Étienne 1998, hrsg. von B. Jacquinod. Saint-Étienne 1999. Convegno Udine (Restsprachen) 1981 [1983] = Le lingue indoeuropee di frammentaria attestazione, Die indogermanischen Restsprachen, Atti del Convegno della Società Italiana di Glottologia e della Idg. Gesell. 1981 in Udine, hrsg. von E. Vineis. Pisa 1983. Coseriu Synchronie, Diachronie 1974 = E. Coseriu Synchronie, Diachronie und Geschichte, Das Problem des Sprachwandels. München 1974. Cotticelli-Kurras Heth. ‘sein’ 1991 = P. Cotticelli-Kurras Das hethitische Verbum ‘sein’. Heidelberg 1991 (= Texte der Hethiter 18). Cowgill Einleitung 1986 = W. Cowgill Einleitung, ins Deutsche übersetzt und bibliographisch bearbeitet von A. Bammesberger und M. Peters = 1. Halbband von Band I der Idg. Gr. (s.u.). Heidelberg 1986. CR = Classical Review. CRAI = Comptes rendus de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. Crystal Enzyklopädie 1995 = D. Crystal Die Cambridge-Enzyklopädie der Sprache. Frankfurt / New York 1995 (= Dt. Übersetzung des engl. Originals The Cambridge Encyclopedia of Language. Cambridge / New York / Melbourne 1987). Darms Vμddhi 1978 = G. Darms Schwäher und Schwager, Hahn und Huhn. Die Vμddhi-Ableitung im Germanischen. München 1978 (= MSS Beiheft 9, Neue Folge). De Boel Goal accusative 1988 = G. De Boel Goal accusative and object accusative in Homer. A contribution to the theory of transitivity. Brüssel 1988. Debrunner Gr. Wortbildung 1917 = A. Debrunner Griechische Wortbildungslehre. Heidelberg 1917. Debrunner s. auch unter Schwyzer / Debrunner und Wackernagel / Debrunner. Degrassi Inscriptiones I-II 1965-1972 = A. Degrassi Inscriptiones Latinae Liberae Rei Publicae. 2. Aufl. Florenz: I (mit Nr. 1-503) 1965 (und Nachdrucke); II (mit Nr. 504-1277 und Indizes) 1972. Dazu ders. Imagines. Berlin 1965. Delaunois Syntaxe 1988 = M. Delaunois Essai de syntaxe grecque classique, Réflexions et recherches. Leuven / Bruxelles 1988. Delbrück Ablativ Localis Instrumentalis 1867 = B. Delbrück Ablativ Localis Instrumentalis. Berlin 1867.

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Delbrück Ai. Syntax 1888 = B. Delbrück Altindische Syntax. Halle a. d. S. 1888 (Nachdruck Darmstadt 1968). Delbrück Conj. und Opt. 1871 = B. Delbrück Der Gebrauch des Conjunktivs und Optativs im Sanskrit und Griechischen. Halle 1871. Delbrück Einleitung 1904 = B. Delbrück Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. 4. Aufl. Leipzig 1904. Delbrück Gr. Syntax 1879 = B. Delbrück Die Grundlagen der griechischen Syntax. Halle a.d.S. 1879. Delbrück Synkretismus 1907 = B. Delbrück Synkretismus. Ein Beitrag zur germanischen Kasuslehre. Straßburg 1907. Delbrück Vgl. Syntax I 1893 II 1897 III 1900 = B. Delbrück Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen. 3 Teile, Straßburg: I 1893, II 1897, III 1900. In Brugmanns Grundriß werden die 3 Teile als Bände III - V dazugezählt. Sie sind 1967 zusammen mit Brugmanns Grundriß wieder abgedruckt worden. DELG s.o. Chantraine DELG. DELL s.u. Ernout / Meillet DELL. Demiraj (B.) Alban. Etymologien 1997 = B. Demiraj Albanische Etymologien, Untersuchungen zum albanischen Erbwortschatz. Amsterdam / Atlanta 1997. Rez.: G. Bonnet in BSL 93 / 2 1998 p. 256-262. Demiraj (S.) Albanisch 1993 = S. Demiraj Historische Grammatik der albanischen Sprache. Wien 1993. Denniston Greek Particles 1954 = J. D. Denniston The Greek Particles. 2. Aufl., korrigiert von K. J. Dover. Oxford 1954. Der Neue Pauly = DNP = Enzyklopädie der Antike, hrsg. von H. Cancik u. H. Schneider. Stuttgart: Mir vorliegend Band 1 (A - Ari) 1996; Band 2 (Ark - Ci) 1997; Band 3 (Cl - Epi) 1997; Band 4 (Epo - Gro) 1998; Band 5 (Gru - Iug) 1998; Band 6 (Iul - Lee) 1999; Band 7 (Lef - Men) 1999; Band 8 (Mer - Op) 2000; Band 9 (Or - Poi) 2000; Band 10 (Pol Sal) 2001. Ferner bereits erschienen Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte mit Band 13 (A-Fo) 1999 und Band 14 (Fr - Ky) 2000. Ÿ Der Neue Pauly ist inzwischen fertig und ist auch in einer englichen Version (im Verlag Brill) erhältlich. Deutschsprachige Keltologen 1992 [1993] = Akten des Ersten Symposiums deutschsprachiger Keltologen 1992 Gosen bei Berlin, hrsg. von M. Rockel und St. Zimmer. Tübingen 1993. Ferner s.u. KeltologenSymposium II 1997 [1999]. Ÿde Vaan EDL 2008 s.u. bibl. Nachträge 18 Nr. 7. Devoto Lingua di Roma 1940 = G. Devoto Storia della lingua di Roma. Bologna 1940 (Nachdruck 1944, ferner 1983 mit Premessa von A. L.

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Prosdocimi; deutsche Übersetzung von I. Opelt unter dem Titel „Geschichte der Sprache Roms“. Heidelberg 1968). DGE = Diccionario griego-espa„nol. Madrid, unter der Leitung von F. R. Adrados. Band I (DDMOODY) 1980. Inzwischen steht das Werk mit Band IV 1997 bei GLZYQXFRAnejo I / II s.o. Aura Jorro DMic; Anejo,,, Repertorio bibliográfico de la lexicografía griega 1998. Weitere Bände sind geplant. Diachrony within Synchrony 1990 [1992] = Diachrony within Synchrony: Language History and Cognition, Papers from the International Symposium 1990 in Duisburg, hrsg. von G. Kellermann und M. D. Morrissey. Frankfurt usw. 1992 (= Duisburger Arbeiten zur Sprach- und Kulturwissenschaft 14). Dialectes indo-aryennes 1986 [1989] = Dialectes dans les littératures indoaryennes, hrsg. von C. Caillat. Paris 1989. Dialectologica Graeca 1991 [1993] = Dialectologica Graeca, Actas del II Coloquio Internacional de Dialectología Griega Madrid 1991, hrsg. von E. Crespo, J. L. García Ramón, A. Striano. Madrid 1993. Zum III. Kolloquium vgl. unten Katà diálekton 1996 [1999]. Die Akten des I. Kolloquiums (Rencontre internationale) von Nancy / Pont-à-Mousson sind in Verbum 10 1987 publiziert. Dialektologie 1 1982 2 1983 = Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung, hrsg. von W. Besch, U. Knoop, W. Putschke, H. E. Wiegand. Berlin / New York. 2 Halbbände: 1 1982; 2 1983 (= HSK 1.1 und 1.2). Diehl Altlat. Inschriften 1965 = E. Diehl Altlateinische Inschriften, mit Indizes. 5. Aufl. Berlin 1964 (= Kleine Texte, begründet von H. Lietzmann, Nr.38 / 40). Di Giovine s.u. Giovine. Dionysios Thrax (2. Jh. v. Chr.) Grammatik = La grammaire de Denys le Thrace, traduite et annotée par Jean Lallot. 2. Auflage Paris 1998. Disterheft Infinitive 1977 = D. Disterheft The Syntax of the Infinitive in Indo-European: Evidence from Indo-Iranian, Celtic, and Hittite. Ph.-D. Diss. University of California, Los Angeles 1977 (Mikrofilm Ann Arbor 1979). DNP = s.o. Der Neue Pauly. Dobias-Lalou Cyrène 2000 = C. Dobias-Lalou Le dialecte des inscriptions grecques de Cyrène. Paris 2000. Dressler Verb. Pluralität 1968 = W. Dressler Studien zur verbalen Pluralität, Iterativum, Distributivum, Intensivum in der allgemeinen Grammatik, im Lateinischen und Hethitischen. Wien 1968.

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dtv-Atlas Dt. Sprache 1998 = dtv-Atlas Deutsche Sprache 1998. München 1. Aufl. 1978, 12. Aufl. 1998. Dubois Arcadien 1986 = L. Dubois Recherches sur le dialecte arcadien. Louvain-La-Neuve 1986: I (Grammaire), II (Corpus dialectal), III (Notes, Index, Bibliographie). Duden Grammatik 1995 = Der Duden in 12 Bänden, Bd. 4. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 5., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, hrsg. und bearbeitet von G. Drosdowski in Zusammenarbeit mit P. Eisenberg, H. Gelhaus, H. Henne, H. Sitta und H. Wellmann. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 1995. Egetmeyer Wörterbuch 1992 = M. Egetmeyer Wörterbuch zu den Inschriften im kyprischen Syllabar. Berlin 1992. Ÿ Vgl. jetzt dens. Le dialecte grec ancien de Chypre (Tome I: Grammaire; Tome II: Répertoire des inscriptions en syllabaire chypro-grec). Berlin 2010. Egli Gelenkheteroklisie 1954 = J. Egli Heteroklisie im Griechischen mit besonderer Berücksichtigung der Fälle von Gelenkheteroklisie. Zürich 1954. Eichner Numeralia 1982 = H. Eichner Studien zu den indogermanischen Numeralia (2-5). (Ungedruckte) Habilitationsschrift Regensburg 1982. Einhauser Junggrammatiker 1989 = E. Einhauser Die Junggrammatiker, Ein Problem für die Sprachwissenschaftsgeschichtsforschung. Trier 1989. Ernout Recueil 1947 = A. Ernout Recueil de textes latins archaïques, Textes épigraphiques et littéraires. 2. Aufl. Paris 1947 (und Nach-drucke). Ernout / Meillet DELL 1959 = A. Ernout und A. Meillet Dictionnaire étymologique de la langue latine. Histoire des mots. 4. éd., rev., corr. et augm. d’un index. Paris 1959. Ÿ Addenda in CEL (= Chronique d’Étymologie Latine), publiée par Alain Blanc, Charles de Lamberterie, Jean-Louis Perpillou : 1. RPh 2003 3e sér 77 (2) 313-340; 2. RPh 2004 3e sér 78 (2) 315-341; 3. RPh 2005 3e sér 79 (2) 329-347. Ethnogenese 1985 = Studien zur Ethnogenese, Abhandlungen der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften Band 72. Opladen 1985. Etruschi e Roma 1979 [1981] = Gli Etruschi e Roma, Atti dell' incontro di studio in onore di Massimo Pallottino Rom 1979, hrsg. von G. Colonna. Rom 1981. Rez.: D. Steinbauer in GGA 235 1983 p. 210-232. Etrusker 1985 = Die Etrusker, hrsg. von M. Christofani. Stuttgart / Zürich 1985.

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Etter Fragesätze 1985 = A. Etter Die Fragesätze im ¯gveda. Berlin / New York 1985. Rez.: J. S. Klein in Kratylos 33 1988 p. 79-83. Etymologisches Wörterbuch 1983 = Das etymologische Wörterbuch, Fragen der Konzeption und Gestaltung, hrsg. von A. Bammesberger. Regensburg 1983 (= Eichstätter Beiträge 8). Euler Gemeinsamkeiten 1979 = W. Euler Indoiranisch-griechische Gemeinsamkeiten der Nominalbildung und deren indogermanische Grundlagen. Innsbruck 1979 (= IBS Nr. 30). Evidence for Laryngeals 1965 = Evidence for Laryngeals, hrsg. von W. Winter. London / The Hague / Paris 1965. EWAhd = Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Göttingen / Zürich. I (-a - bezzisto) 1988 von A. L. Lloyd und O. Springer; II (bî ezzo) 1998 von A. L. Lloyd, R. Lühr und O. Springer. Zu Band I gehört ferner als eigenes Heft ein Wörterverzeichnis. EWAia s.u. Mayrhofer EWAia. Explanation in Historical Linguistics 1992 = Explanation in Historical Linguistics, hrsg. von G. W. Davis und G. K. Iverson. Amsterdam / Philadelphia 1992 (= Amsterdam Studies in the Theory and History of Linguistic Science, IV Current Issues in Linguistic Theory 84). Fachtagung Berlin 1983 [1985] = Grammatische Kategorien, Funktion und Geschichte, Akten der VII. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1983 in Berlin, hrsg. von B. Schlerath. Wiesbaden 1985. Fachtagung Bern 1969 [1973] = Indogermanische und allgemeine Sprachwissenschaft, Akten der IV. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1969 in Bern, hrsg. von G. Redard. Wiesbaden 1973. ŸFachtagung Halle 2000 [2005] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Gerhard Meiser und Olav Hackstein). Fachtagung Innsbruck 1961 [1962] = Akten der II. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1961 in Innsbruck. Innsbruck 1962. Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] = Sprache und Kultur der Indogermanen, Akten der X. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1996 in Innsbruck. Innsbruck 1998 (= IBS Nr. 93). ŸFachtagung Krakau 2004 [2009], s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Rosemarie Lühr und Sabine Ziegler). Fachtagung Leiden 1987 [1992] = Relative Chronologie, Akten der VIII. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1987 in Leiden, hrsg. von R. S. P. Beekes. Innsbruck 1992. Rez.: B. Forssman in Kratylos 39 1994 p. 4855 (p. 53-55 verdienstvolles Wortverzeichnis als kleiner Ersatz für das fehlende Register).

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Fachtagung Regensburg 1973 [1975] = Flexion und Wortbildung, Akten der V. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1973 in Regensburg, hrsg. von H. Rix. Wiesbaden 1975. Fachtagung Tocharisch Berlin 1990 [1994] = Tocharisch, Akten der Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1990 in Berlin, hrsg. von B. Schle-rath. Reykjavík 1994 (= TIES, Suppl. Ser. 4). Fachtagung Wien 1978 [1980] = Lautgeschichte und Etymologie, Akten der VI. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1978 in Wien, hrsg. von M. Mayrhofer, M. Peters, O. E. Pfeiffer. Wiesbaden 1980. Fachtagung Zürich 1992 [1994] = Früh-, Mittel-, Spätindogermanisch, Akten der IX. Fachtagung der Idg. Gesellschaft 1992 in Zürich, hrsg. von G. E. Dunkel, G. Meyer, S. Scarlata, Chr. Seidl. Wiesbaden 1994. Rez.: J. S. Klein in Kratylos 42 1997 p. 24-32. Feist Got. Wörterbuch 1939 = S. Feist Vergleichendes Wörterbuch der gotischen Sprache. 3., neubearb. u. verm. Aufl. Leiden 1939. S. auch Lehmann Gothic Etymological Dictionary1986. Feist Indogermanen 1913 = S. Feist Kultur, Ausbreitung und Herkunft der Indogermanen. Berlin 1913. Floreant Studia Mycenaea 1995 [1999] = Floreant Studia Mycenaea, Akten des X. Internationalen Mykenologischen Colloquiums Salzburg 1995, hrsg. von S. Deger-Jalkotzy, S. Hiller und O. Panagl. 2 Bände, Wien 1999 (= Denkschriften 274, Österr. Ak. der Wissenschaften). FoL = Folia Linguistica. Formazione dell’ Europa linguistica 1993 = La formazione dell’ Europa linguistica, Le lingue d’Europa tra la fine del I e del II millennio, hrsg. von E. Banfi. Florenz 1993. Darin u.a. Le lingue germaniche von M. Meli; Le lingue slave von A. Cantarini; Le lingue baltiche von P. U. Dini; Le lingue celtiche von P. Cuzzolin; La lingua greca von E. Banfi; La lingua albanese von S. Demiraj. Forssman (Bernhard) Pindar 1966 = B. Forssman Untersuchungen zur Sprache Pindars. Wiesbaden 1966. Forssman s.auch unten Hoffmann / Forssman. ŸFortson Introduction 2010 s. bibl. Nachträge 1. Fraenkel Lit. etym. Wörterbuch 1962-1965 = E. Fraenkel Litauisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1962-1965. Fraenkel Syntax der lit. Kasus 1928 = E. Fraenkel Syntax der litauischen Kasus. Kaunas 1928. Fraenkel Syntax der lit. Postpositionen und Präpositionen 1929 = E. Fraenkel Syntax der litauischen Postpositionen und Präpositionen. Heidelberg 1929.

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Friedrich (J.) Elementarbuch I 1960 = J. Friedrich Hethitisches Elementarbuch. I (Kurzgefaßte Grammatik). 2. Auflage 1960. Friedrich (J.) Kleinas. Sprachdenkmäler 1932 = J. Friedrich Kleinasiatische Sprachdenkmäler. Berlin 1932. Friedrich (J.) / Kammenhuber HW = J. Friedrich Hethitisches Wörterbuch. 2., völlig neubearbeitete Auflage von A. Kammenhuber auf der Grundlage der edierten hethitischen Texte. Heidelberg. Lief. 1 1974. Stand Ende 1998: Lief. 13 (t) 1998. Ÿ Inzwischen liegen auch die Lieferungen 14-19 vor. Friedrich (P.) Syntax 1975 = P. Friedrich Proto-Indo-European Syntax: The Order of Meaningful Elements. Washington 1975 (= JIES, Monograph 1). Frigi e Frigio 1995 [1997] = Frigi e Frigio, Atti del 1° Simposio Internazionale Rom 1995, hrsg. von R. Gusmani, M. Salvini, P. Vannicelli. Rom 1997 (= Consiglio Nazionale delle Ricerche, Monografie Scientifiche). Frisian Runes 1994 [1996] = Frisian Runes and Neighbouring Traditions, Proceedings of the First International Symposium on Frisian Runes at the Fries Museum 1994 in Leeuwarden, hrsg. von T. Looijenga und A. Quak. Amsterdam 1996 (= Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik, Band 45). Frisk GEW 1960-1972 = H. Frisk Griechisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 3 Bände 1960-1972: I ($.R) 1960, II (.U:) 1972, III (Nachträge, Wortregister, Corrigenda, Nachwort) 1972. Dazu Nachdrucke. Fritz Lokalpartikel 1997 = M. Fritz Die syntaktischen und semantischen Relationen der Lokalpartikeln mit drei Kasus bei Homer. Berlin (= Diss. FU) 1997. Ÿ Jetzt publiziert unter dem Titel Die trikasuellen Lokalpartikeln bei Homer. Göttingen 2004. FS = Festschrift: Zur Vereinfachung wird nur der Name des Geehrten und das Erscheinungsdatum der Schrift genannt. Eine größere Liste von Festschriften findet sich bei Mayrhofer EWAia I p. XXV - XXX und II p. XIII - XV. Einige Festschriften neueren Datums werden hier extra verzeichnet. FS Beekes 1997 = Sound Law and Analogy, Papers in Honor of R. S. P. Beekes, hrsg. von A. Lubotsky. Amsterdam / Atlanta 1997. FS Belardi I 1994 = Miscellanea di studi linguistici in onore di Walter Belardi, hrsg. von P. Cipriano, P. di Giovine, M. Mancini. Rom Band I (Linguistica indoeuropea e non indoeuropea) 1994.

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FS Dihle 1993 = Philanthropia kai Eusebeia, Festschrift für Albrecht Dihle zum 70. Geburtstag, hrsg. von G. W. Most, H. Petersmann und A. M. Ritter. Göttingen 1993. FS Forssman 1999 = gering und doch von Herzen, 25 indogermanistische Beiträge B. Forssman zum 65. Geburtstag, hrsg. von J. Habisreitinger, R. Plath, S. Ziegler. Wiesbaden 1999. FS Hamp 1990 = Celtic Language, Celtic Culture: A Festschrift for Eric P. Hamp, hrsg. von A. T. E. Matonis und D. F. Melia. Van Nuys, California 1990. FS Hamp I / II 1997 = Festschrift for Eric P. Hamp. Washington 1997 (= JIES Monographs 23 und 25). FS Hoenigswald 1987 = Festschrift for Henry M. Hoenigswald, hrsg. von G. Cardona und N. H. Zide. Tübingen 1987. FS Humbach 1986 = Studia grammatica Iranica, hrsg. von R. Schmitt. München 1986. FS Knobloch 1985 = Sprachwissenschaftliche Forschungen, Festschrift für J. Knobloch, hrsg. von H. M. Ölberg, G. Schmidt. Innsbruck 1985 (= IBS 23). FS Kuiper 1968 = Pratidânam, Indian, Iranian and Indo-European Studies Presented to Franciscus Bernardus Jacobus Kuiper on his sixtieth birthday, hrsg. von J. C. Heesterman, G. H. Schokker, V. I. Subramoniam. Den Haag / Paris 1968. FS Lejeune 1978 = Etrennes de septantaine, Travaux de linguistique et de grammaire comparée offerts à Michel Lejeune, hrsg. von einer Gruppe seiner Schüler. Paris 1978 (= Études et Commentaires 91). FS Meid *60 1989 = Indogermanica Europea, Festschrift für W. Meid zum 60. Geburtstag, hrsg. von K. Heller, O. Panagl, J. Tischler. Graz 1989. FS Meid *70 1999 = Studia Celtica et Indogermanica, Festschrift für W. Meid zum 70. Geburtstag, hrsg. von P. Anreiter, E. Jerem. Budapest 1999. Ÿ Rez.: K. H. Schmidt in ZCP 52 2001 p. 229-237. FS Narten 2000 = Anusantatyai, Festschrift J. Narten, hrsg. von A. Hintze, E. Tichy. Dettelbach 2000 (= MSS, Beiheft 19. N.F.). FS Neumann *60 1982 = Serta Indogermanica, Festschrift für Günter Neumann zum 60. Geburtstag, hrsg. von J. Tischler. Innsbruck 1982. ŸFS Neumann *80 2002 = Novalis Indogermanica, Festschrift für Günter Neumann zum 80. Geburtstag, hrsg. von M. Fritz und S. Zeilfelder. Graz 2002. FS Otten 1973 = Festschrift Heinrich Otten, hrsg. von E. Neu und Chr. Rüster. Wiesbaden 1973.

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FS Otten 1988 = Documentum Asiae Minoris Antiquae. Festschrift für Heinrich Otten zum 75. Geburtstag, hrsg. von E. Neu und Chr. Rüster. Wiesbaden 1988. FS Palmer 1976 = Studies in Greek, Italic, and Indo-European Linguistics offered to Leonard R. Palmer, hrsg. von A. Morpurgo Davies und W. Meid. Innsbruck 1976. FS Puhvel I 1997 = Studies in Honor of J. Puhvel. I: Ancient Languages and Philology, hrsg. von D. Disterheft, M. Huld and J. Greppin. Washington 1997 (= JIES Monograph 20). FS Ramat 1998 = Ars Linguistica, Studi offerti a Paolo Ramat, hrsg. von G. Bernini, P. Cuzzolin, P. Molinelli. Rom 1998. FS Risch 1986 = o-o-pe-ro-si, Festschrift für Ernst Risch zum 75. Geburtstag, hrsg. von A. Etter. Berlin / New York 1986. FS Rix 1993 = Indogermanica et Italica, Festschrift für Helmut Rix zum 65. Geburtstag, hrsg. von G. Meiser. Innsbruck 1993. FS Schlerath 1992 [1994] = Die Indogermanen und das Pferd, Akten des Internationalen interdisziplinären Kolloquiums an der Freien Universität Berlin, 2.-3. Juli 1992 [= Festschrift für Bernfried Schlerath], hrsg. von B. Hänsel und St. Zimmer. Budapest 1994. Kurzbericht: St. Zimmer in Ethnographisch-archäologische Zeitschrift 33 1992 [1993] p. 297-301. FS Schmeja 1998 = Wort - Text - Sprache und Kultur, Festschrift für Hans Schmeja zum 65. Geburtstag, hrsg. von P. Anreiter und H. M. Ölberg. Innsbruck 1998 (= IBK 103). Ÿ Rez.: P. Widmer in ZCP 52 2001 p. 249-252. FS Schmid 1999 = Florilegium Linguisticum, Festschrift für Wolfgang P. Schmid, hrsg. von E. Eggers, J. Becker, J. Udolph, D. Weber. Bern, Frankfurt a.M. u.a.O. 1999. FS (K. H.) Schmidt 1994 = Indogermanica et Caucasica, Festschrift für Karl Horst Schmidt zum 65. Geburtstag, hrsg. von R. Bielmeier und R. Stempel. Berlin / New York 1994. FS Seebold 1999 = Grippe, Kamm und Eulenspiegel, Festschrift für Elmar Seebold zum 65. Geburtstag, hrsg. von W. Schindler und J. Untermann. Berlin 1999. FS Stimm 1982 = Fakten und Theorien, Beiträge zur romanischen und allgemeinen Sprachwissenschaft, Festschrift für Helmut Stimm zum 65. Geburtstag, hrsg. von S. Heinz und U. Wandruszka. Tübingen 1982 (= TBL 191). FS Strunk 1995 = Verba et structurae, Festschrift für Klaus Strunk zum 65. Geburtstag, hrsg. von H. Hettrich, W. Hock, P.-A. Mumm und N.

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Oettinger. Innsbruck 1995. Rez.: R. S. P. Beekes in Kratylos 42 1997 p. 36-39. FS Szemerényi *65 I / II 1979 = Studies in Diachronic, Synchronic, and Typological Linguistics, Festschrift for Oswald Szemerényi, hrsg. von B. Brogyanyi. 2 Bände Amsterdam 1979. FS Szemerényi *75 I / II 1992, III 1993 = Prehistory, History and Historiography of Language, Speech and Linguistic Theory, Papers in Honor of Oswald Szemerényi I, hrsg. von B. Brogyanyi; Historical Philology: Greek, Latin, and Romance, Papers in Honor of Oswald Szemerényi II, hrsg. von B. Brogyanyi und R. Lipp; Comparative-Historical Linguistics: Indo-European and Finno-Ugric, Papers in Honor of Oswald Szemerényi III, hrsg. von B. Brogyanyi und R. Lipp. 3 Bände Amsterdam / Philadelphia 1992-1993 (= Current Issues in Linguistic Theory, Nr. 64, 87 und 97). Rez.: M. Egetmeyer in PFU 1 1994 [1995] p. 47-53 und p. 55-61; 4 1998 p. 69-76. FS Thomas 1988 = Studia Indogermanica et Slavica. Festgabe für Werner Thomas zum 65. Geburtstag, hrsg. von P. Kosta. München 1988. FS Untermann 1993 = Sprachen und Schriften des antiken Mittelmeerraumes, Festschrift für Jürgen Untermann, hrsg. von F. Heidermanns, H. Rix und E. Seebold. Innsbruck 1993 (= IBS 78). FS Watkins 1998 = Mír Curad, Studies in Honor of Calvert Watkins, hrsg. von J. Jasanoff, H. Craig Melchert, L. Oliver. Innsbruck 1998 (= IBS 92). Ÿ Rez.: H. Kurzová in ZCP 52 2001 p. 237-246. FS Zaic 1989 = Phonophilia, Untersuchungen zu Phonetik und Phonologie, F. Zaic zum 60. Geburtstag, hrsg. von W. Grosser. Salzburg 1989. Fulk Quantitative Ablaut 1986 = R. D. Fulk The Origins of Indo-European Quantitative Ablaut. Innsbruck 1986 (= IBS 49). Rez.: G. Schmidt in Kratylos 32 1987 p. 37-46. Gaedicke Accusativ im Veda 1880 = C. Gaedicke Der Accusativ im Veda. Breslau 1880. Gamkrelidze / Ivanov IE and IEs 1995 = T. V. Gamkrelidze und V. V. Ivanov Indo-European and the Indo-Europeans. A Reconstruction and Historical Analysis of a Proto-Language and a Proto-Culture. 2 Bände Berlin / New York 1995. Das Werk ist die engl. Übersetzung des bereits 1984 in Tbilissi auf Russisch publizierten Werkes Indoevropejskij jazyk i indoevropejcy. Die Übersetzung von 1995 steht auf dem Stand von 1984. Rez.: M. Mayrhofer in Kratylos 42 1997 p. 21-24; J. Gippert in BNF 33 1998 p. 39-54. Ÿ T. V. Gamkrelidze, Selected writings, s.u. bibl. Nachträge 22.

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Gâters Lettische Syntax 1993 = A. Gâters Lettische Syntax, Die Dainas, posthum hrsg. von H. Radtke. Frankfurt a.M. u.a.O. 1993. Geiger Pâli 1916 = W. Geiger Pâli, Literatur und Sprache. Straßburg 1916. Geldner RV Übersetzung 1951-1957 = Der Rig-Veda, Aus dem Sanskrit ins Deutsche übersetzt und mit einem laufenden Kommentar versehen von K. F. Geldner. 4 Bde. Leipzig 1951-1957. Die Übersetzung lag bereits 1923 vor, widrige Umstände haben sie aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erscheinen lassen, s. das Vorwort von J. Nobel zu Band IV p. V-VII. Germanenprobleme in heutiger Sicht 1986 = Germanenprobleme in heutiger Sicht, hrsg. von H. Beck. Berlin / New York 1986. GGA = Göttingische Gelehrte Anzeigen. Giacomelli Lingua falisca 1963 = G. Giacomelli La lingua falisca. Florenz 1963. Giacomelli Lingua latina 1993 = R. Giacomelli Storia della lingua latina. Rom 1993 (in der Reihe Guide allo studio della Civiltà romana IV. 1) Giannakis Reduplicated Presents 1997 = G. K. Giannakis Studies in the Syntax and Semantics of the Reduplicated Presents of Homeric Greek and Indo-European. Innsbruck 1997 (= IBS 90). Rez.: E. F. Tucker in Kratylos 45 2000 p. 111-116. Ÿ K. Stüber in Sprache 41 1999 78-80. Giovine Perfetto I 1990 II / III 1996 = P. Di Giovine Studio sul Perfetto Indoeuropeo. Rom: Parte I 1990 (La funzione originaria del perfetto studiata nella documentazione delle lingue storiche); Parte II 1996 (La posizione del perfetto all' interno del sistema verbale indoeuropeo); Parte III 1996 (Indici); ferner dazu ders., Le lingue anatoliche e il perfetto indoeuropeo: Una „petitio principii“ ? in FS W. Belardi I. Rom 1994 p. 113-130. Rez.: J. A. Har“arson in Kratylos 46 2001 p. 36-44. Gippert Infinitive 1978 = J. Gippert Zur Syntax der infinitivischen Bildungen in den indogermanischen Sprachen. Frankfurt / Bern / Las Vegas 1978. Gippert Iranica 1993 = J. Gippert Iranica Armeno-Iberica, Studien zu den iranischen Lehnwörtern im Armenischen und Georgischen. 2 Bände Wien 1993 (= SbÖAW Nr. 606). Glotta = Glotta. Zeitschrift für griechische und lateinische Sprache. Göttingen. Gmür Mémoire 1986 = R. Gmür Das Schicksal von F. de Saussures "Mémoire". Eine Rezeptionsgeschichte. Bern 1986. Rez.: M. Mayrhofer in Kratylos 33 1988 p.1-15 = Kleine Schriften II 1996 p. 271-285.

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Godel Classical Armenian 1975 = R. Godel An Introduction to the Study of Classical Armenian. Wiesbaden 1975. Gonda Indo-European Moods 1956 = J. Gonda The Character of the Indo-European Moods. Wiesbaden 1956. Rez.: E. Risch in Gnomon 33 1961 p. 174-178; J. Kuryªowicz und Hj. Seiler in Kratylos 1 1956 p. 123-135. GORILA I - V 1976-1985 = L. Godart, J.-P. Olivier Recueil des inscriptions en linéaire A. Paris: I (Tablettes éditées avant 1970) 1976; II (Nodules, Scellés et rondelles éditées avant 1970) 1979; III (Tablettes, nodules et rondelles éditées en 1975 et 1976) 1976; IV (Autres documents) 1982; V (Addenda, Corrigenda, Concordances, Index et planches des signes) 1985 (= École Française d'Athènes, Études Crétoises Nr. 21, 1-5). Gotô I. Präsensklasse 1987 = T. Gotô Die "I. Präsensklasse" im Vedischen. Untersuchung der vollstufigen thematischen Wurzelpräsentia. Wien 1987. Die 2. Aufl. 1996 bringt Verbesserungen und Nachträge. Rez. der 2. Aufl.: St. W. Jamison in Kratylos 34 1989 p. 59-65. Gotô Materialien Nr. 1-3 1990 Nr. 4-7 1991 Nr. 8-15 1993 Nr. 16-29 1997 = T. Gotô, Materialien zu einer Liste altindischer Verbalformen. Bulletin of the National Museum of Ethnology, Osaka (Japan): Nr. 1-3 (1. ami, 2. ay/i, 3. as/s) in Vol. 15 / 4 1990 p. 987-1012; Nr. 4-7 (4. dogh/dugh/doh/duh, 5. sav/su, 6. 1savi/sû, 7. 2(savi/)sû in Vol. 16 / 3 1991 p. 681-707; Nr. 8-15 (8. ard/μd, 9. îº, 10. ukº, 11. eº/iº, 12. eºi/iºi, 13. ok/oc/uc, 14. ka°, 15. vakº/ukº) in Vol.18 / 1 1993 p. 119-141; Nr. 16-29 (16. chad, 17. chand/chad, 18. chard/chμd, 19. dagh/dhag, 20. dveº/dviº, 21. bandh/badh, 22. 1man, 23. 2man, 24. mnâ, 25. 1yav/yu, 26. 2yav/yu, 27. sani, 28. star/, 29.  i/stμ) in Vol. 22 / 4 1997 [1998] p.1001-1059. Grammatica ittita 1992 = Per una grammatica ittita, Towards a Hittite Grammar, hrsg. von O. Carruba. Pavia 1992 (= Studia Mediterranea 7). Grassmann Wörterbuch 1873 = H. Grassmann Wörterbuch zum Rig-Veda. Leipzig 1873 (und Nachdrucke). 6., überarbeitete und ergänzte Aufl. von M. Kozianka 1996. Rez. zur 6. Aufl.: Th. Zehnder in PFU 4 1998 p. 77-84. Graz (125 Jahre Idg.) 2000 = 125 Jahre Indogermanistik in Graz, Festband anläßlich des 125jährigen Bestehens der Forschungseinrichtung „Indogermanistik“ an der Karl-Franzens-Universität Graz, hrsg. von M. Ofitsch und Chr. Zinko. Graz 2000.

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Greek Language in Cyprus 1988 = The History of the Greek Language in Cyprus, Proceedings of an International Symposium Larnaca 1986, hrsg. von J. Karageorghis / O. Masson. Nicosia 1988. Greek Particles 1996 [1997] = New Approaches to Greek Particles, Proceedings of the Colloquium Amsterdam 1996, hrsg. von A. Rijksbaron. Amsterdam 1997. Greek Personal Names I 1987 II 1994 III A 1997 = A Lexicon of Greek Personal Names, hrsg. von P. M. Fraser, E. Matthews. Oxford. Band I (The Aegean Islands, Cyprus, Cyrenaica) 1987; Band II (Attica, hrsg. von M. J. Osborne, S. G. Byrne) 1994; Band III A (The Peloponnese, Western Greece and Magna Graecia) 1997. Größere altkelt. Sprachdenkmäler 1993 [1996] = Die größeren altkeltischen Sprachdenkmäler, Akten des Kolloquiums 1993 in Innsbruck, hrsg. von W. Meid und P. Anreiter. Innsbruck 1996 (= IBK, Sonderheft 95). Rez.: J. Uhlich in Kratylos 44 1999 p. 144-154. Gr. Philologie 1997 = Einleitung in die griechische Philologie, hrsg. von H.-G. Nesselrath. Stuttgart / Leipzig 1997. GS = Gedenkschrift; ein Verzeichnis bietet Mayrhofer EWAia I p. XXXIIf., II p. XVII. GS Brandenstein 1968 = Studien zur Sprachwissenschaft und Kulturkunde, Gedenkschrift für W. Brandenstein, hrsg. von M. Mayrhofer. Innsbruck 1968 (= IBK Nr. 14). GS Cowgill 1987 = Studies in Memory of Warren Cowgill (1929-1985), Papers from the Fourth East Coast Indo-European Conference 1985, hrsg. von C. Watkins. Berlin / New York 1987 (= Untersuchungen zur Indogermanischen Sprach- und Kulturwissenschaft, N.F. 3). GS Katz 2001 = Fremd und Eigen, Untersuchungen zu Grammatik und Wortschatz des Uralischen und Indogermanischen, in memoriam Hartmut Katz, hrsg. von H. Eichner, P.-A. Mumm, O. Panagl, E. Winkler. Wien 2001. GS Kronasser 1982 = Investigationes Philologicae et Comparativae. Gedenkschrift für Heinz Kronasser. Wiesbaden 1982. GS Kuryªowicz I / II 1995 = Kuryªowicz Memorial Volume, Band I, hrsg. von W. Smoczynski. Krakau 1995. Band II ist erschienen als Band 4 1995 von Linguistica Baltica. Rez. von I: A. Christol in BSL 92 / 2 1997 p. 131-135. GS Schindler 1999 = Compositiones indogermanicae in memoriam Jochem Schindler, hrsg. von H. Eichner und H. Chr. Luschützky. Prag 1999.

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GS van Windekens 1991 = Studia etymologica indoeuropea, Memoriae A. J. van Windekens (1915-1989) dicata, hrsg. von L. Isebaert. Leuven 1991. Guiraud Phrase nominale 1962 = Ch. Guiraud La phrase nominale en grec. Paris 1962. Gusmani Lyd. Wörterbuch 1964 = R. Gusmani Lydisches Wörterbuch. Heidelberg 1964. Gusmani Lyd. Wb. Erg. 1986 = R. Gusmani Lydisches Wörterbuch. Ergänzungsband. Heidelberg 1986. Haas Heth. Religion 1994 = V. Haas Geschichte der hethitischen Religion. Leiden / New York / Köln 1994. ŸHackstein Sprachform der hom. Epen 2002 s.u. bibl. Nachträge 9. Hackstein Sigmat. Präsensstammbildungen 1995 = O. Hackstein Untersuchungen zu den sigmatischen Präsensstammbildungen des Tocharischen. Göttingen 1995 (= HS, Ergänzungsheft Nr. 38). Rez.: J. H. W. Penney in Kratylos 43 1998 p. 92-96; H. Craig Melchert in TIES 9 2000 p. 145f.; G.-J. Pinault in BSL 95 / 2 2000 p. 157-163. Hahn Naming-Constructions 1969 = E. A. Hahn Naming-Constructions in some Indo-European Languages. Ann Arbor 1969. Hahn Subjunctive and Optative 1953 = E. A. Hahn Subjunctive and Optative, Their origin as futures. New York 1953. Hajnal Lyk. Vokalismus 1995 = I. Hajnal Der lykische Vokalismus: Methode und Erkenntnisse der vergleichenden anatolischen Sprachwissenschaft, angewandt auf das Vokalsystem einer Kleincorpussprache. Graz 1995. Rez.: G. Neumann in HS 111 1998 p.372-376. Hajnal Myk. Kasussystem 1995 = I. Hajnal Studien zum mykenischen Kasussystem. Berlin / New York 1995. Rez.: N. Guilleux (-Maurice) in BSL 92 / 2 1997 p. 200-216. Hajnal Myk. u. hom. Lexikon 1998 = I. Hajnal Mykenisches und homerisches Lexikon, Übereinstimmungen, Divergenzen und der Versuch einer Typologie. Innsbruck 1998 (= IBS, Vorträge und kl. Schriften 69). Hajnal Sprachschichten 1997 = I. Hajnal Sprachschichten des Mykenischen Griechisch. Salamanca 1997 (= Minos Supl. 14). Hamm Sappho und Alkaios 1957 = E.-M. Hamm Grammatik zu Sappho und Alkaios. Berlin 1957. Handbuch der Onomastik 1 1995 = Namenforschung, Name Studies, Les noms propres, Ein internationales Handbuch zur Onomastik, hrsg. von E. Eichler, G. Hilty, H. Löffler, H. Steger, L. Zgusta. 1. Teilband. Berlin / New York 1995.

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Happ Grundfragen 1976 = H. Happ Grundfragen einer Dependenzgrammatik des Lateinischen. Göttingen 1976. Har“arson Wurzelaorist 1993 = J. A. Har“arson Studien zum indogermanischen Wurzelaorist und dessen Vertretung im Indoiranischen und Griechischen. Innsbruck 1993. Rez.: K. Strunk in Kratylos 39 1994 p. 55-68; M. Peters in Idg. Chr. 35 Nr. A 789. Haudry Cas en védique 1977 = J. Haudry L'emploi des cas en védique. Introduction à l'étude des cas en indo-européen. Lyon 1977. Rez.: G. Cardona in Kratylos 23 1978 [1979] p. 71-82. Haudry Les indo-européens 1985 = J. Haudry Les indo-européens. Paris 1. Aufl. 1981, 2. Aufl. 1985 (= Collection Que sais-je ? Nr. 1965). Haudry L'indo-européen 1979 = J. Haudry L'indo-européen. Paris 1979 (= Collection Que sais-je ? Nr. 1798). Hauri -ena 1963 = Ch. Hauri Zur Vorgeschichte des Ausgangs -ena des Instr. Sing. der a-Stämme des Altindischen. Göttingen 1963 (= ZVS, Ergänzungsheft Nr. 17). Hauri Futur 1975 = H. W. Hauri Kontrahiertes und sigmatisches Futur. Einflüsse von Lautstruktur und Aktionsart auf die Bildung des griechischen Futurs. Göttingen 1975 (= ZVS, Ergänzungsheft Nr. 24). Rez.: C. J. Ruijgh in Kratylos 20 1975 [1977] p. 82-91 (= Scripta Minora I 1991 p. 368-377); F. M. J. Waanders in Mnemosyne 33 1980 p. 369374. Hauschild s.u. Thumb / Hauschild. Haverling sco-Verbs 2000 = G. Haverling On sco-Verbs, Prefixes and Semantic Functions. Göteborg 2000. Havers Erklärende Syntax 1931 = W. Havers Handbuch der erklärenden Syntax, Ein Versuch zur Erforschung der Bedingungen und Triebkräfte in Syntax und Stilistik. Heidelberg 1931. Havers Kasussyntax 1911 = W. Havers Untersuchungen zur Kasussyntax der indogermanischen Sprachen. Straßburg 1911. Havers Sprachtabu 1946 = W. Havers Neuere Literatur zum Sprachtabu. Wien 1946. Hawkins Corpus 1 2000 / 2 1999 = D. Hawkins Corpus of Hieroglyphic Luwian inscriptions. Berlin / New York. Band 1 (in 3 Teilen: Inscriptions from the Iron Age) von D. Hawkins 2000; Band 2 (KaratepeAslantas: the inscriptions; facsimile edition) von H. Çambel 1999. Ÿ Vgl. dazu Rez.: D. Schwemer in ZA 92 (2002) 306-314; E. Rieken in BSOAS 66 (2003) 236-238 HED s.u. Puhvel HED. HEG s.u. Tischler HEG.

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Hehn Cultivated Plants and Domesticated Animals (1885) 1976 = V. Hehn Cultivated Plants and Domesticated Animals in their Migration from Asia to Europe, Historico-linguistic studies, New edition prepared with a bio-bibliographical account of Hehn and a survey of the research in Indo-European prehistory, hrsg. von J. P. Mallory. Amsterdam 1976. Heidermanns Germ. Primäradjektive 1993 = F. Heidermanns Etymologisches Wörterbuch der germanischen Primäradjektive. Berlin / New York 1993. Hethitisch und Indogermanisch 1979 = Hethitisch und Indogermanisch, Vergleichende Studien zur historischen Grammatik und zur dialektgeographischen Stellung der indogermanischen Sprachgruppe Altkleinasiens, hrsg. von E. Neu und W. Meid. Innsbruck 1979 (= IBS Nr. 25). ŸHethitologie IV 2001 s.u. bibl. Nachträge 6 (Akten des IV. Internationalen Kongresses, hrsg. von G. Wilhelm). Hettrich Agens 1990 = H. Hettrich Der Agens in passivischen Sätzen altindogermanischer Sprachen. Göttingen 1990 (= NAWG 1990 / 2). Hettrich Hypotaxe 1988 = H. Hettrich Untersuchungen zur Hypotaxe im Vedischen. Berlin / New York 1988. Rez.: S. W. Jamison in JAOS 110 1990 p. 535f. Hettrich Kontext und Aspekt 1976 = H. Hettrich Kontext und Aspekt in der altgriechischen Prosa Herodots. Göttingen 1976. Rez.: C. J. Ruijgh in Gnomon 51 1979 p. 217-227 (= Scripta Minora I 1991 p. 764-774). Heubeck Kleine Schriften 1984 = A. Heubeck Kleine Schriften zur griechischen Sprache und Literatur. Erlangen 1984. Für Ergänzungen vgl. B. Forssman und R. Plath in HS 103 1990 p. 249-260. Heubeck Schrift 1979 = A. Heubeck Schrift. Göttingen 1979 (= Archaeologia Homerica Band III, Kapitel X). Hiersche Grundzüge 1970 = R. Hiersche Grundzüge der griechischen Sprachgeschichte bis zur klassischen Zeit. Wiesbaden 1970. Hiersche Tenues aspiratae 1964 = R. Hiersche Untersuchungen zur Frage der Tenues aspiratae im Indogermanischen. Wiesbaden 1964. Rez.: Mayrhofer Kleine Schriften II 1996 p. 298 Anm. 17. Hiller / Panagl Frühgr. Texte aus myk. Zeit 1976 = S. Hiller und O. Panagl Die frühgriechischen Texte aus mykenischer Zeit. Darmstadt 1976. 2., durchges. Aufl. 1986. Rez. der 2. Aufl.: C. J. Ruijgh in Mnemosyne 31 1978 p. 294-298. Hilmarsson Nasal Prefixes in Tocharian 1991 = J. Hilmarsson The Nasal Prefixes in Tocharian, A Study in Word Formation. Reykjavík 1991 (= TIES, Suppl. Ser. 3).

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Hilmarsson Tocharian Dictionary 1996 = J. Hilmarsson Materials for a Tocharian Historical and Etymological Dictionary. Reykjavík 1996 (= TIES, Suppl. Ser. 5). Hintze Zamyâd Ya¸t 1994 = A. Hintze Zamyâd Ya¸t, Avestan Text, English Translation, Glossary. Wiesbaden 1994 (= Beiträge zur Iranistik 7). Vgl. zum selben Text auch H. Humbach und Pallan R. Ichaporia Zamyâd Yasht, Yasht 19 of the Younger Avesta, Text, Translation, Commentary. Wiesbaden 1998. Hinüber Älteres Mittelindisch 1986 = O. von Hinüber Das ältere Mittelindisch im Überblick. Wien 1986 (= SbÖAW, 467. Band). Hirt Gr. Laut- und Formenlehre 1912 = H. Hirt Handbuch der griechischen Laut- und Formenlehre. 2., umgearb. Aufl. Heidelberg 1912. Hirt Hauptprobleme 1939 = H. Hirt Die Hauptprobleme der indogermanischen Sprachwissenschaft, hrsg. von H. Arntz. Halle 1939. Hirt Idg. Gramm. I - VII 1927-1937 = H. Hirt Indogermanische Grammatik. 7 Teile Heidelberg: I (Einleitung, Etymologie, Konsonantismus) 1927; II (Vokalismus) 1921; III (Nomen) 1927; IV (Doppelung, Zusammensetzung, Verbum) 1928; V (Akzent) 1929; VI (Syntax I, Syntaktische Verwendung der Kasus und der Verbalformen) 1934; VII (Syntax II, Die Lehre vom einfachen und zusammengesetzten Satz) posthum 1937. Hirt Indogermanen I 1905 II 1907 = H. Hirt Die Indogermanen, Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur. 2 Bände Straßburg 1905-1907. Hirt Urgerm. I-III 1931-1934 = H. Hirt Handbuch des Urgermanischen. Heidelberg 1931-1934. Historical Linguistics Papers 1985 [1987] = Historical Linguistics, Papers from the 7th International Conference on Historical Linguistics Pavia 1985, hrsg. von A. G. Ramat, O. Carruba und G. Bernini. Amsterdam / Philadelphia 1987 (= Current Issues in Linguistic Theory 48). Historical Linguistics Papers 1989 [1993] = Historical Linguistics, Papers from the 9th International Conference on Historical Linguistics Rutgers University 1989, hrsg. von H. Aertsen und R. J. Jeffers. Amsterdam / Philadelphia 1993 (= Current Issues in Linguistic Theory 106). Historical Linguistics Problems 1993 = Historical Linguistics: Problems and Perspectives, hrsg. von Ch. Jones. London / New York 1993 (= Longman Linguistics Library). Historical Morphology 1980 = Historical Morphology, hrsg. von J. Fisiak. The Hague / Paris / New York 1980 (= Trends in Linguistics, Studies and Monographs 17).

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Historical Syntax 1984 = Historical Syntax, hrsg. von J. Fisiak. Berlin u.a.O. 1984 (= Trends in Linguistics, Studies and Monographs 23). HL = Historiographia linguistica. Hock Historical Linguistics 1986 = H. H. Hock Principles of Historical Linguistics. Berlin usw. 1986. Hock Language History 1996 = H. H. Hock Language History, Language Change and Language Relationship: An Introduction to Historical and Comparative Linguistics. Berlin / New York 1996. Rez.: Th. Krisch in Kratylos 44 1999 p. 174-176. Hodot Éolien 1990 = R. Hodot Le dialecte éolien d'Asie. La langue des inscriptions, VIIe s. a. C. - IVe s. p. C. Paris 1990. Hoenigswald Historical linguistics 1973 = H. M. Hoenigswald Studies in Formal Historical Linguistics. Dordrecht / Boston 1973. Hoenigswald Language Change 1960 = H. M. Hoenigswald Language Change and Linguistic Reconstruction. Chicago 1960. Hoffmann Aufsätze I 1975 II 1976 III 1992 = K. Hoffmann Aufsätze zur Indoiranistik. Wiesbaden 1975-1992. Hoffmann Gedenkfeier 1996 [1997] = Akademische Gedenkfeier für Professor Dr. Karl Hoffmann am 11. Juli 1996. Erlangen 1997 (= Akademische Reden und Kolloquien, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Bd. 12). Hoffmann Injunktiv 1967 = K. Hoffmann Der Injunktiv im Veda. Eine synchronische Funktionsuntersuchung. Heidelberg 1967. Hoffmann / Forssman Av. Laut- und Flexionslehre 1996 = K. Hoffmann und B. Forssman Avestische Laut- und Flexionslehre. Innsbruck 1992 (= IBS Nr. 84). Rez.: X. Tremblay in BSL 92 / 2 1997 p. 180-184; R. S. P. Beekes in Kratylos 44 1999 p. 62-71. Ÿ 2., durchgesehene und erweiterte Aufl. 2004. Weitere Rez. s.u. in bibl. Nachträge 8. Hoffmann / Narten Sasanid. Archetypus 1989 = K. Hoffmann und J. Narten Der Sasanidische Archetypus, Untersuchungen zu Schreibung und Lautgestalt des Avestischen. Wiesbaden 1989. ŸHoffner / Melchert Hittite Grammar 2008 s.u. bibl. Nachträge 6. Hofmann Lat. Umgangssprache 1936 = J. B. Hofmann Lateinische Umgangssprache. Heidelberg 2. Aufl. 1936, 4. Aufl. mit Index 1978. Hofmann s. auch s.v. Hofmann / Szantyr Syntax bzw. Leumann / Hofmann / Szantyr Lat. Gr. bzw. Walde / Hofmann LEW. Hofmann / Szantyr Syntax 1965 = J. B. Hofmann Lateinische Syntax und Stilistik, neubearbeitet von A. Szantyr. München 1965 (= 2. Band von Leumann / Hofmann / Szantyr Lat. Gr. im Handbuch der Altertumswissenschaft).

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Homeric Questions 1995 = Homeric Questions, Essays in Philology, Ancient History and Archaeology, hrsg. von J. P. Crielaard. Amsterdam 1995. Homers Ilias Gesamtkommentar (auch Basler Kommentar = BK genannt) hrsg. von J. Latacz und A. Bierl. Ÿ zuerst Verlag Saur, heute de Gruyter 2000ff. Es liegen mir 2010 neben den Prolegomena (s. gesondert) die Bearbeitung der Bücher 1, 2, 3, 6, 19 und 24 vor (jeweils mit einem Faszikel Text / Übersetzung und einem Faszikel Kommentar). Weiteres ist in Arbeit und Planung. Homers Ilias Prolegomena 2000 = Eigenständiger Band innerhalb Homers Ilias, Gesamtkommentar, hrsg. von J. Latacz. Prolegomena Autoren sind F. Graf, I. de Jong, J. Latacz, R. Nünlist, M. Stoevesandt, R. Wachter, M. L. West. München / Leipzig 2000. Ÿ 3. Aufl. 2009. Hooker Linear B 1980 = J. T. Hooker Linear B, An Introduction. Bristol 1980. Hooker Scripta Minora 1996 = J. T. Hooker Scripta Minora, Selected essays on Minoan, Mycenaean, Homeric and Classical Greek subjects, hrsg. von F. Amory, P. Considine, S. Hooker. Amsterdam 1996. Horrocks Greek 1997 = G. C. Horrocks Greek, A History of the Language and its Speakers. London 1997. Horrocks Space and Time 1981 = G. C. Horrocks Space and Time in Homer. Prepositional and Adverbial Particles in the Greek Epic. New York 1981. Houwink ten Cate Luwian Population Groups 1965 = Ph. H. J. Houwink ten Cate The Luwian Population Groups of Lycia and Cilicia Aspera during the Hellenistic Period. Leiden 1965. HS = Historische Sprachforschung, Göttingen; vor Band 100 lautete die Bezeichnung ZVS = Zeitschrift für Vergleichende Sprachforschung; zunächst üblich aber war das Kürzel KZ i.e. Kuhns Zeitschrift. Für die Bände 1-100 steht jetzt ein Register (Sachindex) zur Verfügung, hrsg. von A. Bammesberger, bearbeitet von I. Hajnal, Chr. Schaefer, G. Schaufelberger und S. Ziegler. Göttingen 1997. Auf der aktuellen Homepage der Englischen und Vergleichenden Sprachwissenschaft der Katholischen Universität Eichstätt stellt A. Bammesberger zusätzlich ein Wortregister für die hundert Bände zur Verfügung. HSK = Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft: Berlin / New York. Band 1.1 und 1.2 s.o. Dialektologie 1-2 1982-1983; Band 2.1 und 2.2 s.u. Sprachgeschichte 1-2 1998-1985; Band 5.1 und 5.2 s.u. Wörterbücher 1-3 1989-1991; Band 9.1 und 9.2 s.u. Syntax 1-2 1993-

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1995; Band 10.1 und 10.2 s.u. Schrift und Schriftlichkeit 1-2 19941996; Band 11.1 und 11.2 s.u. Namenforschung 1-2 1995-1996. Hübschmann Casuslehre 1875 = H. Hübschmann Zur Casuslehre. München 1875. Hübschmann Kleine Schriften 1976 = H. Hübschmann Kleine Schriften zum Armenischen, hrsg. von R. Schmitt. Hildesheim / New York 1976. Vgl. ferner R. Schmitt Schriftenverzeichnis Heinrich Hübschmann in HS 111 1998 p. 185-190. IBK = Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. IBS = Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft. ICLL s.u. IKLL. Idg. Chr. = Indogermanische Chronik in Sprache, seit Band 13 1967 mit Zählung 13a. Zuletzt mir vorliegend Idg. Chr. 35 / II in Sprache 37 / 3 1995. Idg. Gr. I / 1 1986 I / 2 1986 II 1968 III / 1 1969 = Indogermanische Grammatik, begründet von J. Kuryªowicz, hrsg. von M. Mayrhofer. Heidelberg: I / 1 (Einleitung) 1986 s.o. Cowgill Einleitung 1986; I / 2 (Lautlehre) 1986 s.u. Mayrhofer Lautlehre 1986; II (Akzent . Ablaut) 1968 s.u. Kuryªowicz Akzent . Ablaut 1968; III (Formenlehre) / 1 (Geschichte der indogermanischen Verbalflexion) 1969 s.u. Watkins Verbalflexion 1969.. IE and IEs 1970 = Indo-European and Indo-Europeans, hrsg. von G. Cardona, H. M. Hoenigswald, A. Senn. Philadelphia 1970. IE Subgrouping 1999 = Special Session on Indo-European Subgrouping and Internal Relations, hrsg. von B. K. Bergen, M. C. Plauché, A. C. Bailey. Berkely 1998 (= Berkely Linguistic Society, Proceedings of the Twenty-Fourth Annual Meeting). ŸIE word formation 2004 s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. J. Clackson und B. A. Olsen). IEW s.u. Pokorny IEW. IF = Indogermanische Forschungen. IIJ = Indo-Iranian Journal. IKLL (ICLL / CILL) I 1981 (1983); IV 1987 [1991]; V 1989; VII 1993 [1996]; VIII 1995 [1996]= Internationales Kolloquium zur lateinischen Linguistik [IKLL] (International Colloquium on Latin Linguistics [ICLL]/ Colloque international de linguistique latine [CILL]): — I 1981 [1983] Latin Linguistics and Linguistic Theory, Proceedings of the 1st ICLL Amsterdam 1981, hrsg. von H. Pinkster. Amsterdam / Philadelphia 1983. — IV 1987 [1991]: New Studies in Latin Linguistics, Se-

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lected papers from the 4th ICLL Cambridge 1987, hrsg. von R. Coleman. Amsterdam / Philadelphia 1991. — V 1989: Actes du Ve CILL Louvain-la-Neuve / Borzée 1989, hrsg. von M. Lavency und D. Longré. Louvain-la-Neuve 1989. — VII 1993 [1996] s.o. Aspects of Latin 1996. — VIII 1995 [1996]: Akten des VIII. IKLL Eichstätt 1995, hrsg. von A. Bammesberger und F. Heberlein. Heidelberg 1996. Iliad I-VI 1985-1993 = The Iliad, A Commentary, hrsg. von G. S. Kirk. Cambridge: I (Books 1-4) und II (Books 5-8) von G. S. Kirk; III (Books 9-12) von B. Hainsworth; IV (Books 13-16) von R. Janko; V (Books 17-20) von M. W. Edwards; VI (Books 21-24) von N. Richardson. Illi’-Svity’ Nominal Accentuation 1979 = V. M. Illi’-Svity’ Nominal Accentuation in Baltic and Slavic, übersetzt aus dem Russ. von R. L. Leed und R. F. Feldstein. Cambridge / Mass. 1979. Indo-European Languages 1998 = The Indo-European Languages, hrsg. von A. G. Ramat und P. Ramat. London 1998. Zum italienischen Original s. unter Lingue indoeuropee 1994. Indo-Europeanization of Northern Europe 1996 = The Indo-Europeanization of Northern Europe, Papers Presented at the International Conference in Vilnius 1994, hrsg. von K. Jones-Bley und M. E. Huld. Washington 1996 (= JIES, Monograph 17). Rez.: B. Hänsel und B. Schlerath in Kratylos 46 2001 p. 55-62. Indogermanische Dichtersprache 1968 = Indogermanische Dichtersprache, hrsg. von R. Schmitt. Darmstadt 1968 (= Wege der Forschung CLXV). ŸIndogermanische Syntax 2002 s.u. bibl. Nachträge 5 (Hrsg. H. Hettrich). Indologie 1979 = Einführung in die Indologie, Stand, Methoden, Aufgaben, hrsg. von H. Bechert und G. von Simson. 1. Aufl. 1979, 2. Aufl. 1993. InL = Incontri Linguistici. Insler Gâthâs 1975 = S. Insler The Gâthâs of Zarathustra. Teheran / Lüttich / Leiden 1975 (= Acta Iranica 8). Rez.: H.-P. Schmidt in IIJ 21 1979 p. 83-115. ŸInternal reconstruction 2009 s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Jens E. Rasmussen). Iranisches Personennamenbuch = Iranisches Personennamenbuch, hrsg. von M. Mayrhofer und R. Schmitt. Wien. Band I 1979: M. Mayrhofer Die altiranischen Namen (darin die av. und ap. Namen: vgl. ders. Zum Namengut des Avesta. Wien 1977 [= SbÖAW Band 308, Abhandlung 5]). Das Iranische Personennamenbuch ist eine großangelegte Unter-

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nehmung mit insgesamt 10 Bänden. Neben Band I sind weitere Faszikel und Bände bereits erschienen, vgl. u.a. Band II Faszikel 2 1986 Ph. Gignoux Noms propres sassanides en moyen-perse épigraphique; Band V Faszikel 4 1982 R. Schmitt Iranische Namen in den indogermanischen Sprachen Kleinasiens (Lykisch, Lydisch, Phrygisch); Band V Faszikel 6a 1990 Ph. Huyse Iranische Namen in den griechischen Dokumenten Ägyptens. Ÿ Philippe Gignoux: Noms propres sassanides en moyen-perse épigraphique, Supplément [1986 - 2001]. Mitteliranische Personennamen, Fasz. 3. 2003. — Vgl. dazu auch die Reihe Iranische Onomastik, herausgegeben von Bert G. Fragner und Velizar Sadovski: Band 1 mit Rüdiger Schmitt, Das Iranische Personennamenbuch: Rückschau, Vorschau, Rundschau (mit einer Bibliographie zur Iranischen Personennamenkunde) 2006; Band 2 mit Sonja Fritz, Die ossetischen Personennamen. Iranisches Personennamenbuch, Band 3, Faszikel 3, 2006; Band 3 mit Ulla Remmer, Frauennamen im Rigveda und im Avesta. 2006; Band 4 mit Ran Zadok, Iranische Personennamen in der neu- und spätbabylonischen Neberüberlieferung. Iranisches Personennamenbuch Band 7, Iranische Namen in semitischer Nebenüberlieferung. Faszikel 1B, 2009; Band 5 mit Philippe Gignoux – Christelle Julien – Florence Julien, Noms Propres Syriaques d'Origine Iraniennes. Iranisches Personennamenbuch Band 7, Iranische Namen in semitischer Nebenüberlieferungen, Faszikel 5, 2009; Band 6 mit Rüdiger Schmitt, Iranische Personennamen in der neuassyrischen Nebenüberlieferung. Iranisches Personennamenbuch Band 7, Iranische Namen in semitischen Nebenüberlieferungen. Faszikel 1A, 2009. Italia alumna 1990 = Italia omnium terrarum alumna, La civiltà dei Veneti, Reti, Liguri, Celti, Piceni, Umbri, Latini, Campani e Iapigi. Mailand: 1. Aufl. 1988, 2. Aufl. 1990 (= Credito Italiano, Antica Madre, Collana di studi sull' Italia antica Band 11, Direttore G. P. Carratelli). Italia parens 1991 = Italia omnium terrarum parens, La civiltà degli Enotri, Choni, Ausoni, Sanniti, Lucani, Brettii, Sicani, Siculi, Elimi. Mailand: 1. Aufl. 1989, 2. Aufl. 1991 (= Credito Italiano, Antica Madre, Collana di studi sull' Italia antica Band 12, Direttore G. P. Carratelli). Jackson Early Britain 1953 = K. Jackson Language and History in Early Britain, A Chronological Survey of the Brittonic Languages First to Twelfth Century a. D. Edinburgh 1953. Jacquinod Double accusatif en grec 1989 = B. Jacquinod Le double accusatif en grec d’Homère à la fin du Ve siècle avant J.-C. Louvain-LaNeuve 1989

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Jamison -áya- 1983 = S. W. Jamison Function and Form in the -áya- Formations of the Rig Veda and Atharva Veda. Göttingen 1983 (= ZVS, Ergänzungsheft Nr. 31). Rez.: G. Pinault in Kratylos 29 1984 [1985] p. 47-51; M. Peters in Idg. Chr. 30a Nr. 242. Janda Stock und Stein 1997 = M. Janda Über „Stock und Stein“, Die indogermanischen Variationen eines universalen Phraseologismus. Diss. Wien 1995 = MSS, Beiheft 18, N.F. 1997. Janda Eleusis 2000 = M. Janda Eleusis, Das indogermanische Erbe der Mysterien. Innsbruck 2000 (= IBS 96). Ÿ Rez.: R. Schmitt in Kratylos 47 (2002) 70-77. Jankuhn Passive Bedeutung 1969 = H. Jankuhn Die passive Bedeutung medialer Formen untersucht an der Sprache Homers. Göttingen 1969 (= Ergänzungshefte zur ZVS 21). Jasanoff Stative and Middle 1978 = J. H. Jasanoff Stative and Middle in Indo-European. Innsbruck 1978. ŸJasanoff Verb 2003 s.u. bibl. Nachträge 4. JAOS = Journal of the American Oriental Society. Jensen Altarm. Gr. 1959 = H. Jensen Altarmenische Grammatik. Heidelberg 1959. JIES = Journal of Indo-European Studies. Zuletzt Washington (D. C.). Joachim Mehrfachpräsentien 1978 = U. Joachim Mehrfachpräsentien im ¯gveda. Frankfurt a.M. / Bern / Las Vegas 1978 (= Europäische Hochschulschriften Reihe XXI Band 4). Joki Uralier und Indogermanen 1973 = A. J. Joki Uralier und Indogermanen. Die älteren Berührungen zwischen den uralischen und indogermanischen Sprachen. Helsinki 1973. Jokl Albanisch = N. Jokl Linguistisch-kulturhistorische Untersuchungen aus dem Bereiche des Albanischen. Berlin / Leipzig 1923. Kadmos = Kadmos. Zeitschrift für vor- und frühgriechische Epigraphik. Berlin. Kammenhuber Arier 1968 = A. Kammenhuber Die Arier im Vorderen Orient. Heidelberg 1968. Kammenhuber Kleine Schriften 1993 = A. Kammenhuber Kleine Schriften zum Altanatolischen und Indogermanischen (1. Teilband 1955-1968, 2. Teilband 1969-1990) Heidelberg 1993. Rez. mit zahlreichen Ergänzungen und Hinweisen: J. Catsanicos in BSL 92 / 2 1997 p. 156-179. Kastner Adjektive 1967 = W. Kastner Die griechischen Adjektive zweier Endungen auf -26. Heidelberg 1967. Rez.: E. Neu in IF 74 1969 p. 235-242.

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Katà diálekton 1996 [1999] = Katà diálekton, Atti del III Colloquio Internationale di Dialectologia Greca Neapel / Fiaiano d’Ischia 1996, hrsg. von A. C. Cassio, Neapel 1999 (= Annali dell’ Istituto Universitario Orientale di Napoli, Sezione Filologico-Letteraria, 19 [1997]). Vgl. oben Dialectologica Graeca 1991 [1993]. Kati’i‘ Languages of the Balkans 1976 = R. Kati’i‘ Ancient Languages of the Balkans I. The Hague / Paris 1976. Rez.: C. de Simone in Kratylos 22 1977 [1978] p. 113-119. Katz (H.) Lehnwörter 1985 = H. Katz Studien zu den älteren indoiranischen Lehnwörtern in den uralischen Sprachen. Habilitationsschrift München 1985. Ÿ Aus dem Nachlaß herausgegeben von P. Widmer. Heidelberg 2003. Vgl. auch H. Katz Kleine Schriften. Bremen 2007. Katz (J.) Personal Pronouns 1998 = J. T. Katz Topics in Indo-European Personal Pronouns. Diss. Harvard 1998. Ders. in Rez. von Schrijver Celtic Pronouns and Particles 1997 in Kratylos 46 2001 p. 1-23. Kellens Noms racines 1974 = J. Kellens Les noms-racines de l'Avesta. Wiesbaden 1974 (= Beiträge zur Iranistik Band 7). Rez.: R. Schmitt in Kratylos 19 1974 [1975] p. 56-60; J. Schindler in Sprache 25 1979 p. 57-60. Kellens Verbe avestique 1984 + 1995 = J. Kellens Le verbe avestique. Wiesbaden 1984; ders. Liste du verbe avestique. Wiesbaden 1995. Kellens / Pirart Textes vieil-avestiques I 1988 II 1990 III 1991 = J. Kellens, E. Pirart Les textes vieil-avestiques. Wiesbaden: Band I (Introduction, texte et traduction) 1988; Band II (Répertoires grammaticaux et lexique) 1990; Band III (Commentaire) 1991. Rez. zu I 1988: P. O. Skjærvõ in JAOS 111 1991 p. 659-662; S. W. Jamison in IIJ 36 1993 p. 244-251. Rez. zu I-III: N. Oettinger in Kratylos 38 1993 p. 43-49. Keller (M.) Verbes latins à infectum en -sc- 1992 = M. Keller Les verbes latins à infectum en -sc-, Étude morphologique à partir des informations attestées dès l’époque préclassique. Bruxelles 1992 (= Collection Latomus 216). Keller (R.) Sprachwandel 1994 = R. Keller Sprachwandel, Von der unsichtbaren Hand in der Sprache. 2. Aufl. Tübingen und Basel 1994 (= UTB Nr. 1567). Keltologen-Symposium II 1997 [1999] = Akten des Zweiten Deutschen Keltologen-Symposiums in Bonn 1997, hrsg. von St. Zimmer, R. Ködderitzsch, A. Wigger. Tübingen 1999. Vgl. oben Deutschsprachige Keltologen 1992 [1993]. KEWA s.u. Mayrhofer KEWA.

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Keydana Absol. Konstr. 1997 = G. Keydana Absolute Konstruktionen in altindogermanischen Sprachen. Göttingen 1997 (= Ergänzungsheft HS Nr. 40). Kieckers Gr. Gr. III-IV 1926 = E. Kieckers Historische Grammatik des Griechischen. 4 Teile. Berlin / Leipzig (Sammlung Göschen: Bände 117, 118, 924, 925) 1925-1926: I (Lautlehre) 1925; II (Formenlehre) 1926; III (Syntax, erster Teil) 1926; IV (Syntax, zweiter Teil) 1926. Kieckers Stellung des Verbs 1911 = E. Kieckers Die Stellung des Verbs im Griechischen und in den verwandten Sprachen, Erster Teil: Die Stellung des Verbs im einfachen Hauptsatze und im Nachsatze nach den griechischen Inschriften und der älteren griechischen Prosa, verglichen mit den verwandten Sprachen. Straßburg 1911. Kienle Histor. LFL d. Dt. 1965 = R. von Kienle Historische Laut- und Formenlehre des Deutschen. 2. Aufl. Tübingen 1965. Kilian Indogermanen 1983 = L. Kilian Zum Ursprung der Indogermanen, Forschungen aus Linguistik, Prähistorie und Anthropologie. Bonn 1983. Rez.: F. Lochner von Hüttenbach in Kratylos 29 1984 [1985] p. 160-163. Kimball Hittite Historical Phonology 1999 = S. E. Kimball Hittite Historical Phonology. Innsbruck 1999 (= IBS 95). Ÿ Rez.: E. Rieken in Kratylos 47 (2002) 96-103; N. Oettinger in IF 108 (2003) 339-341. Klaproth Asia polyglotta 1823 = J. Klaproth Asia polyglotta. Paris 1823. Die Tragweite dieses Pionierwerkes darf nicht unterschätzt werden, vgl. G. Bolognesi in FS Belardi I 1994 p. 334ff. Klein Discourse Grammar 1985 = J. S. Klein Toward a Discourse Grammar of the Rigveda. 2 Teile. Heidelberg 1985. Rez.: H. Hettrich in Kratylos 33 1988 p. 72-79. Klein Particle u 1978 = J. S. Klein The Particle u in the Rigveda, A Synchronic and Diachronic Study. Göttingen 1978 (= ZVS, Ergänzungsheft 27). Klein Personal Deixis 1996 = J. S. Klein On Personal Deixis in Classical Armenian, A Study of the Syntax and Semantics of the n-, s- and dDemonstratives in Manuscripts E and M of the Old Armenian Gospels. MSS, Beiheft 17, N.F. 1996. ŸKlein Rez. 2006 s.o. Vorwort zur 9. Aufl. Klein Verbal Accentuation 1992 = J. S. Klein On Verbal Accentuation in the Rigveda. New Haven 1992. Rez.: S. Migron in Kratylos 40 1995 p. 190-192.

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Klingenschmitt Altarm. Verbum 1982 = G. Klingenschmitt Das Altarmenische Verbum. Wiesbaden 1982. Rez.: G. R. Solta in Kratylos 29 1984 [1985] p. 59-74. Kl. Pauly = Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike. 5 Bände Stuttgart / München 1964-1975 (= dtv 1979 Nr. 5963). S. auch oben unter DNP. Kluge Stammbildungslehre 1926 = F. Kluge Nominale Stammbildungslehre der altgermanischen Dialekte. 3. Aufl. Halle 1926. Kluge Urgermanisch 1913 = F. Kluge Urgermanisch, Vorgeschichte der altgermanischen Dialekte. Straßburg 1913. Kluge / Seebold 1995 = F. Kluge Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache. Bearb. von E. Seebold. 23., erweiterte Auflage Berlin / New York 1995. Koch Aksl. Verbum I / II 1990 = Ch. Koch Das morphologische System des altkirchenslavischen Verbums. München 1990: Band I (Text); Band II (Anmerkungen). Ÿ Vgl. ferner Ch. Koch: Kommentiertes Wort- und Formenverzeichnis des altkirchenslavischen Codex Assemanianus. erstellt von Christoph Koch. Weiher, Freiburg in Breisgau 2000. Kölver Sekundäre Kasus 1965 = B. Kölver Der Gebrauch der sekundären Kasus im Tocharischen. Diss. Frankfurt 1965. Koerner Practicing Linguistic Historiography 1989 = K. Koerner Practicing Linguistic Historiography, Selected Essays. Amsterdam / Philadelphia 1989 (= Amsterdam Studies in the Theory and History of Linguistic Science 50). Kohrt Problemgeschichte 1985 = M. Kohrt Problemgeschichte des Graphembegriffs und des frühen Phonembegriffs. Tübingen 1985 (= Reihe germanistische Linguistik Nr. 61). Koiné I 1993 II 1996 III 1998 = La koiné grecque antique, sous la direction de Cl. Brixhe. Nancy (= Études anciennes 10, 14, 17). Band I 1993 (une langue introuvable ?); II 1996 (La concurrence); III 1998 (Les contacts). Koivulehto Uralische Evidenz für die Laryngaltheorie 1991 = J. Koivulehto Uralische Evidenz für die Laryngaltheorie. Wien 1991 (= SbÖAW, 566. Band). Rez.: T. Hofstra und O. Nikkilä in Kratylos 38 1993 p. 36-39; R. P. Ritter in PFU 1 1994 / 1995 p. 3-8. Kolb Rom 1995 = F. Kolb Rom, Die Geschichte der Stadt in der Antike. München 1995. ŸKolloquium Anatolisch Pavia 1998 [2001] s.u. bibl. Nachträge 20 (Hrsg. Onofrio Carruba). Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] = Berthold Delbrück y la sintaxis indoeuropea hoy, Actas del Coloquio de la Idg. Gesellschaft

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1994 in Madrid, hrsg. von E. Crespo und J.-L. García-Ramón. Wiesbaden 1997. Ÿ Rez.: K. H. Schmidt in ZCP 52 2001 p. 252-257. Kolloquium Germanisch Freiburg 1981 [1984] = Das Germanische und die Rekonstruktion der indogermanischen Grundsprache, Akten des Freiburger Kolloquiums der Idg. Gesellschaft 1981 in Freiburg, hrsg. von J. Untermann und B. Brogyanyi. Amsterdam / Philadelphia 1984. Kolloquium Idg., Slaw. u. Balt. Jena 1989 [1992] = Indogermanisch, Slawisch und Baltisch, Materialien des Kolloquiums Jena 1989, hrsg. von B. Barschel, M. Kozianka, K. Weber. München 1992. Kolloquium Keltisch Bonn 1976 [1977] = Indogermanisch und Keltisch, Kolloquium der Idg. Gesellschaft 1976 in Bonn, hrsg. von K. H. Schmidt. Wiesbaden 1977. Kolloquium Kühner Amsterdam 1986 [1988] = In the Footsteps of R. Kühner, Proceedings of the International Coll. in Commemoration of the 150th Anniversary of the Publication of R. Kühner's Ausführliche Grammatik II: Syntax 1986 in Amsterdam, hrsg. von A. Rijksbaron, H. A. Mulder, G. C. Wakker. Amsterdam 1988. Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] = Latein und Indogermanisch, Akten des Kolloquiums der Idg. Gesellschaft 1986 in Salzburg, hrsg. von O. Panagl und Th. Krisch. Innsbruck 1992. Kolloquium Pedersen Kopenhagen 1993 [1994] = In honorem Holger Pedersen, Kolloquium der Idg. Gesellschaft 1993 in Kopenhagen, hrsg. von J. E. Rasmussen. Wiesbaden 1994. Kolloquium Syntax Pavia 1979 [1980] = Linguistic Reconstruction and Indo-European Syntax, Proceedings of the Colloquium of the „Indogermanische Gesellschaft“ 1979 in Pavia, hrsg. von P. Ramat. Amsterdam 1980. Kolloquium Wackernagel Basel 1988 [1990] = Sprachwissenschaft und Philologie, Jacob Wackernagel und die Indogermanistik heute, Kolloquium der Idg. Gesellschaft 1988 in Basel, hrsg. von H. Eichner und H. Rix. Wiesbaden 1990. Kortlandt Slavic Accentuation 1975 = F. H. H. Kortlandt Slavic Accentuation, A Study in Relative Chronology. Lisse / Holland 1975. Krahe Idg. Sprachw. I 1966 II 1969 = H. Krahe Indogermanische Sprachwissenschaft. Berlin: Band I (Einleitung und Lautlehre) 5. Aufl. 1969 (= Sammlung Göschen Nr. 59); Band II (Formenlehre) 5. Aufl. 1969 (= Sammlung Göschen Nr. 64). 6., unveränderte Aufl. in einem Band 1985 (= Sammlung Göschen Nr. 2227). Über die älteren Auflagen und über das vorangehende Werk von R. Meringer orientiert das Vorwort oben p. VII.

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Krahe Illyrier I 1955 II 1964 = H. Krahe Die Sprache der Illyrier. Wiesbaden: Band I (Die Quellen) 1955; Band II 1964 (enthält Die messapischen Inschriften von C. de Simone und Die messapischen Personennamen von J. Untermann). Krahe Vergl. Syntax 1972 = H. Krahe Grundzüge der vergleichenden Syntax der indogermanischen Sprachen, hrsg. von W. Meid und H. Schmeja. Innsbruck 1972 (= IBS 8). Krahe / Meid Germ. Sprachw. I 1969 II 1969 III 1967 = H. Krahe und W. Meid Germanische Sprachwissenschaft. 3 Bände Berlin: I (Einleitung und Lautlehre) 4. Aufl. 1969; II (Formenlehre) 4. Aufl. 1969; III (Wortbildungslehre) 1. Aufl. 1967 (= Sammlung Göschen Nr. 238, 780, 1218). Kratylos = Kratylos. Kritisches Berichts- und Rezensionsorgan für indogermanische und allgemeine Sprachwissenschaft. Wiesbaden. Krause Handb. d. Got. 1968 = W. Krause Handbuch des Gotischen. 3. Auflage München 1968. Krause / Thomas Toch. Elementarbuch I 1960 II 1964 = W. Krause und W. Thomas Tocharisches Elementarbuch. Heidelberg: Band I 1960; Band II (von W. Thomas) 1964. Kretschmer Einleitung 1896 = P. Kretschmer Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache. Göttingen 1896. Krisch Konditionalsätze 1986 = Th. Krisch Überlegungen zur Herkunft und Entwicklung der irrealen Konditionalsätze des Altgriechischen. Innsbruck 1986 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 38). Krisch Konstruktionsmuster 1984 = Th. Krisch Konstruktionsmuster und Bedeutungswandel indogermanischer Verben. Anwendungsversuche von Valenztheorie und Kasusgrammatik auf Diachronie und Rekonstruktion. Frankfurt a.M. u.a.O. 1984. Rez.: Chr. Koch in Anzeiger für Slavische Philologie 17 1986 p. 187-198. Krisch Perfekta mit langem Reduplikationsvokal 1996 = Th. Krisch Zur Genese und Funktion der altindischen Perfekta mit langem Reduplikationsvokal, Mit kommentierter Materialsammlung. Innsbruck 1996 (= IBS 87). Rez.: G.-J. Pinault in BSL 93 / 2 1998 p. 139-143; St. W. Jamison in Kratylos 44 1999 p. 59-62. Krogh Stellung des Altsächsischen 1996 = S. Krogh Die Stellung des Altsächsischen im Rahmen der germanischen Sprachen. Göttingen 1996 (= Studien zum Althochdeutschen 29). KS = Kleine Schriften. Kühner / Blass Ausführliche Gramm. d. gr. Sprache I / 1 1890 I / 2 1892 = R. Kühner Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache. Hanno-

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ver: Erster Teil (Elementar- und Formenlehre) neu bearbeitet von F. Blass, 3. Aufl. in 2 Bänden 1890 und 1892. Kühner / Gerth Ausführliche Gramm. d. gr. Sprache II / 1 1898 II / 2 1904 = R. Kühner Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache. Hannover / Leipzig: Zweiter Teil (Satzlehre) neu bearbeitet von B. Gerth, 3. Aufl. in 2 Bänden 1898 und 1904. Kühner / Holzweissig Ausführliche Gramm. d. lat. Sprache I 1912 = R. Kühner Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache. Erster Band (Elementar-, Formen- und Lautlehre) neu bearbeitet von F. Holzweissig. Kühner / Stegmann Ausführliche Gramm. d. lat. Sprache II / 1 und II / 2 1955 = R. Kühner Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache, Satzlehre, neu bearbeitet von C. Stegmann, 2 Teile. 3. Aufl. durchgesehen von A. Thierfelder. Leverkusen 1955. ŸKümmel Konsonantenwandel 2007, s.u. bibl. Nachträge 4. Kümmel Perfekt 2000 = M. Kümmel Das Perfekt im Indoiranischen, Eine Untersuchung der Form und Funktion einer ererbten Kategorie des Verbums und ihrer Weiterbildung in den altindoeuropäischen Sprachen. Wiesbaden 2000. Ÿ Rez.: J. L. García Ramón in Kratylos 49 (2004) 63-75. Kümmel Stativ und Passivaorist 1996 = M. Kümmel Stativ und Passivaorist im Indoiranischen. Göttingen 1996 (= HS Ergänzungsheft 39). Rez.: I. Hajnal in Kratylos 44 1999 p. 50-54. Kuhn Letztes Indogermanisch 1978 = H. Kuhn Das letzte Indogermanisch. Mainz 1978 (= AAWL 1978 Nr. 4). Kritische Rez.: B. Schlerath in Kratylos 23 1978 [1979] p. 44-57. Kuiper Nasalpräsentia 1937 = F. B. J. Kuiper Die indogermanischen Nasalpräsentia. Ein Versuch zu einer morphologischen Analyse. Amsterdam 1937 (zuerst 1934 in einer kürzeren Version als Diss. erschienen). Kuiper Selected Writings 1997 = F. B. J. Kuiper Selected Writings on Indian Linguistics and Philology, hrsg. von A. Lubotsky, M. S. Oort, M. Witzel. Amsterdam 1997. Kuiper Ved. Noun-Inflexion 1942 = F. B. J. Kuiper Notes on Vedic NounInflexion. Amsterdam 1942 (wieder abgedruckt in Selected Writings 1997 p. 437-530); s.u. F 314 Abs. 5. Kuryªowicz Accentuation 1952 = J. Kuryªowicz L'accentuation des langues indo-européennes. Kraków 1952, 2.Aufl. 1956. Kuryªowicz Akzent . Ablaut 1968 = J. Kuryªowicz Akzent . Ablaut = Band II der Idg. Gr. (s.o.). Heidelberg 1968.

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Kuryªowicz Apophonie 1956 = J. Kuryªowicz L'apophonie en indoeuropéen. Wrocªaw 1956. Kuryªowicz Esquisses I 1973 II 1975 = J. Kuryªowicz Esquisses linguistiques. 2 Bände München: I 1. Aufl. 1960, 2. Aufl. 1973; II 1975. Kuryªowicz Études I 1935 = J. Kuryªowicz Études indo-européennes I. Krakau 1935. Kuryªowicz Inflectional Categories 1964 = J. Kuryªowicz The Inflectional Categories of Indo-European. Heidelberg 1964. Kuryªowicz s. auch oben GS Kuryªowicz 1995. KZ = Zeitschrift für Vergleichende Sprachforschung. Begründet von A. Kuhn. Zuletzt Göttingen, s.o. HS. LALIES = Actes des sessions de linguistique et de littérature d’Aussois. Paris (École Normale Supérieure, rue d’Ulm). Lambert Langue gauloise 1994 = P.-Y. Lambert La langue gauloise. Paris 1994. Lamberterie Adj. en -X 1990 = Ch. de Lamberterie Les adjectifs grecs en -X. 2 Bände Louvain-la-Neuve 1990. Rez.: J. L. Perpillou in RPh 64 1990 [1992] p. 197-200; F. Bader und L. Dubois in BSL 86 / 2 1991 p. 145-149; M. Peters in Idg. Chr. 34 Nr. G 601; F. Mawet in REArm 24 1993 p. 301-305. Lamberterie Arménien classique 1992 = Ch. de Lamberterie Introduction à l'arménien classique in LALIES 10 1992 p. 234-289. ŸLamberterie Rez. 2002, s.o. Vorwort zur 9. Aufl. Language Typology 1988 [1991] = Language Typology 1988, Typological Models in the Service of Reconstruction, hrsg. von W. P. Lehmann und H. J. Hewitt. Amsterdam / Philadelphia 1991 (= Amsterdam Studies in the Theory and History of Linguistic Science, Series IV: Current Issues in Linguistic Theory 81). ŸLanguages in Prehistoric Europe 2003 (Hrsg. Alfred Bammesberger und Theo Vennemann, Verlag Winter Heidelberg). langues indo-européennes 1994 = langues indo-européennes, hrsg. von F. Bader. Paris 1994. Neudruck (mit Ergänzungen) 1997. Rez.: A. Blanc in BSL 92 / 2 1997 p. 141-143. Lanszweert Balt. Grundwortschatz 1984 = R. Lanszweert Die Rekonstruktion des baltischen Grundwortschatzes. Frankfurt a.M. 1984. La Roche Accusativ 1861 = J. La Roche Homerische Studien, Der Accusativ im Homer. Wien 1861

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Laroche Hiéroglyphes hittites I 1960 = E. Laroche Les hiéroglyphes hittites I (L'écriture). Paris 1960. Laroche Hourrite 1980 = E. Laroche Glossaire de la langue hourrite. Paris 1980. Laroche Louvite 1959 = E. Laroche Dictionnaire de la langue louvite. Paris 1959. Laryngales 1990 = La reconstruction des laryngales, hrsg. v. J. Kellens. Liège 1990. Rez.: G.-J. Pinault in BSL 86 / 2 1991 [1992] p. 116-118; F. O. Lindeman in Kratylos 37 1992 p. 58-62. Laryngaltheorie 1988 = Die Laryngaltheorie und die Rekonstruktion des indogermanischen Laut- und Formensystems, hrsg. v. A. Bammesberger. Heidelberg 1988. Register von S. Ziegler 1990. Rez.: M. Peters in Idg. Chr. 33 Nr. G 231; F. O. Lindeman in HS 102 1989 p. 268-297; R. S. P. Beekes in Amsterdamer Beiträge zur Älteren Germanistik 33 1991 p. 237-245. Latacz Homer 1989 = J. Latacz Homer, Der erste Dichter des Abendlandes. 2. Aufl. München / Zürich 1989. Latacz Troia und Homer 2001 = J. Latacz Troia und Homer, Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. München / Berlin 2001. Ÿ 5. Aufl. 2005, brochiert 2010. Lat. Philologie 1996 = Einleitung in die lateinische Philologie, hrsg. von F. Graf. Stuttgart / Leipzig 1996. Rez.: W. Pfaffel in Kratylos 44 1999 p. 94-98. LAW 1965 = Lexikon der Alten Welt. Zürich / Stuttgart 1965. LDIA 1978 = Lingue e dialetti dell' Italia antica, hrsg. von A. L. Prosdocimi. Rom 1978. Aggiornamento e indici von A. Marinetti. Padua 1982. Lehmann (Chr.) Relativsatz 1984 = Chr. Lehmann Der Relativsatz, Typologie seiner Strukturen, Theorie seiner Funktionen, Kompendium seiner Grammatik. Tübingen 1984 (= Language Universals Series 3). Lehmann (W. P.) Gothic Etymological Dictionary 1986 = W. P. Lehmann, A Gothic Etymological Dictionary, based on the third edition of Feist Got. Wörterbuch. Leiden 1986. Lehmann (W. P.) Idg. Forschung 1992 = W. P. Lehmann Die gegenwärtige Richtung der indogermanischen Forschung. Budapest 1992. Rez.: M. Kümmel in PFU 4 1998 p. 51-59. Lehmann (W. P.) PIE Syntax 1974 = W. P. Lehmann Proto-IndoEuropean Syntax. Austin 1974. Leisi Sprach-Knigge 1992 = I. und E. Leisi Sprach-Knigge oder Wie und was soll ich reden ? 1. Aufl. Tübingen 1992 (3. Aufl. 1993).

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Leisi Streiflichter 1995 = E. Leisi Streiflichter: unzeitgemäße Essays zu Kultur, Sprache und Literatur. Tübingen 1995. Leisi Wortinhalt 1974 = E. Leisi Der Wortinhalt. 4. Aufl. Heidelberg 1974. Lejeune Lepontica 1971 = M. Lejeune Lepontica. Paris 1971 (= Monographies Linguistiques 1). Lejeune Mémoires I 1958 II 1971 III 1972 IV 1997 = M. Lejeune Mémoires de philologie mycénienne. 4 Serien. Paris: I (1955-1957) 1958; Rom: II (1958-1963) 1971; III (1964-1968) 1972; IV (1969-1996) 1997. Lejeune Notice 1993 = M. Lejeune Notice biographique et bibliographique, suivie de l'exposé "D'Alcoy à Espanca: Réflexions sur les écritures paléo-hispaniques". Leuven 1993. Lejeune Phonétique 1972 = M. Lejeune Phonétique historique du mycénien et du grec ancien. 2. Aufl. Paris 1972. Lejeune Vénète 1974 = M. Lejeune Manuel de la langue vénète. Heidelberg 1974. Leskien Handb. d. abulg. (aksl.) Sprache 1962 = A. Leskien Handbuch der altbulgarischen Sprache. Heidelberg 1962. Lesky Gr. Lit. 1957-1958 = A. Lesky Geschichte der griechischen Literatur. 1. Aufl. Bern 1957-1958, 3. Aufl. Bern und München 1971. Leukart Frühgr. Nomina 1994 = A. Leukart Die frühgriechischen Nomina auf -tâs und -âs, Untersuchungen zu ihrer Herkunft und Ausbreitung (unter Vergleich mit den Nomina auf -eús). Wien 1994 (= SbÖAW 558). Rez.: J.-L. Perpillou in Kratylos 42 1997 p. 81-86. Leumann Homerische Wörter 1950 = M. Leumann Homerische Wörter. Basel 1950 (und Nachdruck). Leumann Kleine Schriften 1959 = M. Leumann Kleine Schriften, hrsg. von H. Haffter, E. Risch und W. Rüegg. Zürich 1959. Leumann LLFL 1977 = M. Leumann Lateinische Laut- und Formenlehre. Neuausgabe München 1977 (= Erster Band von Leumann / Hofmann / Szantyr Lat. Gr.). Die Neuausgabe ersetzt eine erste Version aus der Feder von M. Leumann aus den Jahren 1926-1928. Die Version von 1926-1928 zählt als 5. Aufl. der Lateinischen Laut- und Formenlehre im Rahmen des Handbuchs der Altertumswissenschaft und war als gründliche Erneuerung der 4. Aufl. von F. Stolz abgefaßt worden. Sie ist in ihrer Kürze und Prägnanz unübertroffen. Leumann Neuerungen 1952 = M. Leumann Morphologische Neuerungen im altindischen Verbalsystem. Amsterdam 1952. Leumann / Hofmann / Szantyr Allg. Teil 1965 = M. Leumann, J. B. Hofmann und A. Szantyr Allgemeiner Teil. Dieser bietet die allgemeinen

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Bemerkungen zu Leumann / Hofmann / Szantyr Lat. Gr. und befindet sich als Anhang in Hofmann / Szantyr Lat. Syntax 1965. Leumann / Hofmann / Szantyr Lat. Gr. = M. Leumann, J. B. Hofmann und A. Szantyr Lateinische Grammatik. München 1977 und 1965 (im Rahmen des Handbuch der Altertumswissenschaft). Der erste Band ist hier als Leumann LLFL 1977 verzeichnet, der zweite Band als Hofmann / Szantyr Lat. Syntax 1965. Der zu beiden Bänden gehörige allgemeine Teil steht hier als Leumann / Hofmann / Szantyr Allg. Teil 1965. LEW = A. Walde Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3., neubearb. Aufl. von J. B. Hofmann. 3 Bände Heidelberg 1938-1956. Lewandowski Linguist. Wörterbuch 1-3 1994 = Th. Lewandowski Linguistisches Wörterbuch. 6. Aufl. Heidelberg / Wiesbaden 1994 (= UTB 1518): 1 (A-H), 2 (I-R), 3 (S-Z). Lex(icon) Gramm(aticorum) 1996 = Lexicon Grammaticorum, Who's Who in the History of World Linguistics, General Editor H. Stammerjohann. Tübingen 1996. LfgrE = Lexikon des frühgriechischen Epos, hrsg. vom Thesaurus Linguae Graecae in Hamburg. Begründet von B. Snell. Göttingen: Lieferung 1 (DMDMHLNKY 1955. Die Lieferungen 1-9 sind als Band I (A) 1979 zusammengefaßt, die Lieferungen 10-14 als Band II (%/) 1991. Ÿ Lieferungen 15-19 bilden Band III (M-3) 2004, Lieferungen 20-25 Band IV (5:) 2010. Das Werk ist abgeschlossen. Lindeman Laryngeal Theory 1997 = F. O. Lindeman Introduction to the "Laryngeal Theory". Rev. and augm. Edition der Ausgabe Oslo 1987. Innsbruck 1997 (= IBS Nr. 91). Rez.: B. Forssman in Kratylos 45 2000 p. 68-75. Rez. der Ausgabe von 1987: H. Rix in IF 96 1991 p. 269-274; M. Mayrhofer in Kratylos 36 1991 p. 92-95. Vgl. ferner F. O. Lindeman in HS 102 1989 p. 268-297 (Rez. von Laryngaltheorie 1988). Lingue e dialetti 1978, s.o. LDIA 1978. Lingue indoeuropee 1994 = Le lingue indoeuropee, hrsg. von A. Giacalone Ramat und P. Ramat. Bologna 1994. Rez.: B. Schirmer in Kratylos 42 1997 p. 39-43. Zur englischen Übersetzung s.o. unter IndoEuropean Languages 1998. Linguistic Change and Reconstruction Methodology 1990 = Linguistic Change and Reconstruction Methodology, hrsg. von Ph. Baldi. Berlin / New York 1990 (= Trends in Linguistics, Studies and Monographs 45). Lipp Palatale 2009 = zuerst als R. Lipp Die indogermanischen Palatale im Indoiranischen. Diss. Freiburg 1994. Ÿ jetzt publiziert in 2 Bänden unter dem Titel Die indogermanischen und einzelsprachlichen Palatale im Indoiranischen. Heidelberg 2009.

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LIV 1998 = Lexikon der indogermanischen Verben, Die Wurzeln und ihre Primärstammbildungen, unter Leitung von H. Rix bearbeitet von M. Kümmel, Th. Zehnder, R. Lipp, B. Schirmer. Wiesbaden 1998; Neuauflage s.u. LIV 2001. Rez. von LIV 1998: E. Seebold in IF 104 1999 p. 287-299; Ch. de Lamberterie in BSL 95 / 2 2000 p. 139-145; Ÿ K. H. Schmidt in ZCP 52 2001 p. 274-277. Ÿ Die zahlreichen Zitate aus LIV 1998 konnten leider nicht alle auf LIV 2001 umgestellt werden. LIV 2001 = Lexikon der indogermanischen Verben. Neuauflage bearbeitet von H. Rix und M. Kümmel. Wiesbaden 2001, s.u. F 203. Lockwood Idg. Sprachw. 1982 = W. B. Lockwood Indogermanische Sprachwissenschaft. Tübingen 1982. Das englische Original: IndoEuropean Philology. London 1969. Lockwood Überblick 1979 = W. B. Lockwood Überblick über die indogermanischen Sprachen. Tübingen 1979. Das engl. Original: A Panorama of Indo-European languages. London 1972. Lohmann Genus und Sexus 1932 = J. Lohmann Genus und Sexus, Eine morphologische Studie zum Ursprung der indogermanischen nominalen Genus-Unterscheidung. Göttingen 1932. Lommel Kleine Schriften 1978 = H. Lommel Kleine Schriften. Wiesbaden 1978. Lubotsky Nominal Accentuation 1988 = A. M. Lubotsky The System of Nominal Accentuation in Sanskrit and Proto-Indo-European. Leiden 1988. Rez.: S. W. Jamison in JAOS 111 1991 p. 419-422. Lubotsky RV Word Concordance 1997 = A. Lubotsky A ·gvedic Word Concordance. 2 Teile New Haven 1997 (= American Oriental Series 82-83). Lühr Egill 2000 = R. Lühr Die Gedichte des Skalden Egill. Dettelbach 2000 (= Jenaer Indogermanistische Textbearbeitung 1). Lühr Expressivität 1988 = R. Lühr Expressivität und Lautgesetz im Germanischen. Heidelberg 1988. Lühr Hildebrandlied I / II 1982 = R. Lühr Studien zur Sprache des Hildebrandliedes. Frankfurt a. M. 1982: Teil I (Herkunft und Sprache); Teil II (Kommentar). Lühr Neuhochdeutsch 1986 = R. Lühr Neuhochdeutsch, Eine Einführung in die Sprachwissenschaft. 4. Aufl. München 1986. Luraghi Casi e preposizioni 1996 = S. Luraghi Studi su casi e preposizioni nel greco antico. Pavia 1996. Luraghi Hittite 1997 = S. Luraghi Hittite. München / New Castle 1997 (= Languages of the World, Materials 114).

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Luraghi Old Hittite Sentence Structure 1990 = S. Luraghi Old Hittite Sentence Structure. London / New York 1990. MacDonell Vedic Grammar 1910 = A. A. MacDonell A Vedic Grammar. Straßburg 1910 (davon indische Nachdrucke). Macqueen Hittites 1986 = J. G. Macqueen The Hittites and their Contemporaries in Asia Minor. 2. Aufl. London 1986. Als Paperback 1996. ŸMalzahn Toch. Verb 2010 s.u. bibl. Nachträge 19 Nr. 3. Mallory In Search of the Indo-Europeans 1989 = J. P. Mallory In Search of the Indo-Europeans, Language, Archaeology and Myth. London 1989. Kritische Rez.: B. Schlerath in Praehistorische Zeitschrift 67 1992 p. 132-137. Mallory / Adams Encyclopedia 1997 = J. P. Mallory and D. Q. Adams Encyclopedia of Indo-European Culture. London und Chicago 1997. Rez.: St. Zimmer in JIES 27 1999 p. 105-163 und in Kratylos 45 2000 p. 46-52; A. Häusler in IF 105 2000 p. 314-318. Mann IE Comparative Dictionary 1984 / 1987 = S. E. Mann An IndoEuropean Comparative Dictionary. Hamburg 1984 / 1987. Kritische Rez.: M. Mayrhofer in Kratylos 34 1989 p. 41-45 (p. 45: „ein so schlechtes Buch“). Manual de lingüistica indoeuropea I-III 1995-1998 = F. R. Adrados, A. Bernabé, J. Mendoza Manual de lingüistica indoeuropea. Madrid: I (Prólogo, introducción fonética) 1995; II (Morfología nominal y verbal) 1996; III (Morfología: pronombres, adverbios, particulas y numerales; Syntaxis; Differenciación dialectal) 1998. Ÿ Band I engl. Leuven 2010. Marazzi Geroglifico 1990 = M. Marazzi Il geroglifico anatolico: Problemi di analisi e prospettive di ricerca. Rom 1990. Marinetti Iscriz. sudpicene 1985 = A. Marinetti Le iscrizioni sudpicene, I: Testi. Florenz 1985 (= Lingue e Iscrizioni dell’ Italia Antica 5). Rez.: G. Meiser in Kratylos 32 1987 p. 110-118. Marouzeau Latin littéraire 1949 = J. Marouzeau Quelques aspects de la formation du latin littéraire. Paris 1949. Martínez García Nombres en -X= F. J. Martínez García Los nombres en -Xdel griego. Frankfurt a. M. 1994 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe XXI, Band 166). Masson (E.) Immortalité 1991 = E. Masson Le combat pour l’immortalité, Héritage indo-européen dans la mythologie anatolienne. Paris 1991. Masson (O.) Anatolian Languages 1994 = O. Masson Anatolian Languages in Cambridge Ancient History, Band III / 2. 2. Aufl. Cambridge

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1991. Zum Phrygischen p. 666-669, zum Lydischen p. 669-671, zum Lykischen p. 671-674, zum Karischen p. 674-676. Masson (O.) ICS 1961 + Add. 1983 = O. Masson Les inscriptions chypriotes syllabiques, Recueil critique et commenté. Paris 1961. Nachdruck mit Addenda nova 1983. Rez. der ersten Aufl. 1961: E. Risch in Kratylos 10 1965 p. 88-94. Ÿ0DWDVRYLü*HQGHUs.u. bibl. Nachträge 4. Matthews Syntax 1981 = P. H. Matthews Syntax. Cambridge u.a.O. 1981. ŸMatzinger Altarm. Nomen 2005, s.u. bibl. Nachträge 13. Maurach Lat. Dichtersprache 1983 = G. Maurach Enchiridion Poeticum, Hilfsbuch zur lat. Dichtersprache. Darmstadt 1983. 2. Aufl. 1989. Mayrhofer Altiranische Namen 1979 = M. Mayrhofer Die altiranischen Namen. Wien 1979. Das Werk ist Teil des Iranischen Personennamenbuches, s.o. s.v. Mayrhofer EWAia = M. Mayrhofer Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen. Heidelberg 1986ff. mit 3 Bänden. Für alle unsere Belange sind Band I (A-DH) 1991 und Band II (N-H) 1996 von entscheidender Bedeutung. ŸMayrhofer Hauptprobleme 2004 s.u. bibl. Nachträge 2. Mayrhofer Indo-Arier 1966 = M. Mayrhofer Die Indo-Arier im Alten Vorderasien. Mit einer analytischen Bibliographie. Wiesbaden 1966. Dazu vgl. ferner ders. Die Arier im Vorderen Orient - ein Mythos ? Wien 1974 (= SbÖAW, 294. Band, 3. Abhandlung). Ÿ Vgl. jetzt auch Manfred Mayrhofer: Eine Nachlese zu den Indo-arischen Sprachresten des Mittanni-Bereiches. In: Anzeiger der philosophisch-historischen Klasse 141.2 (2006). ÖAW, Wien 2006, 83-101. Mayrhofer KEWA = M. Mayrhofer Kurzgefaßtes etymologisches Wörterbuch des Altindischen. 4 Bde. Heidelberg 1956-1980. Mayrhofer Kleine Schriften I 1979 II 1996 = M. Mayrhofer Ausgewählte Kleine Schriften. Wiesbaden: I 1979 hrsg. von S. Deger-Jalkotzy und R. Schmitt; II 1996 hrsg. von R. Schmitt. Mayrhofer Lautlehre 1986 = M. Mayrhofer Indogermanische Grammatik, Band I, 2. Halbband, Lautlehre. Heidelberg 1986. Rez.: B. Forssman in Kratylos 33 1988 p. 56-63. Mayrhofer Pâli 1951 = M. Mayrhofer Handbuch des Pâli. I. Teil: Grammatik; II. Teil: Texte und Glossar. Heidelberg 1951. Mayrhofer Sanskrit-Gramm. 1978 = M. Mayrhofer Sanskrit-Grammatik mit sprachvergleichenden Erläuterungen. 3. Aufl. Berlin / New York 1978 (= Sammlung Göschen Nr. 2207).

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Mayrhofer Sanskrit und die Sprachen Alteuropas 1983 = M. Mayrhofer Sanskrit und die Sprachen Alteuropas, Zwei Jahrhunderte des Widerspiels von Entdeckungen und Irrtümern. Göttingen 1983 (= NAWG, Jahrgang 1983, Nr. 5). Mayrhofer Supplement 1978 = M. Mayrhofer Supplement zur Sammlung der altpersischen Inschriften. Wien 1978 (= SbÖAW, 338. Band). Mayrhofer s. auch oben Brandenstein / Mayrhofer. McCone Old Irish Nasal Presents 1991 = K. McCone The Indo-European Origins of the Old Irish Nasal Presents, Subjunctives and Futures. Innsbruck 1992. McCone Relative Chronology 1996 = K. McCone Towards a Relative Chronology of Ancient and Medieval Celtic Sound Change. Maynooth 1996 (= Maynooth Studies in Celtic Linguistics I). McCone / Simms Progress in Medieval Irish Studies 1996 = K. McCone und K. Simms Progress in Medieval Irish Studies. Maynooth 1996. Meid Archäologie und Sprachwissenschaft 1989 = W. Meid Archäologie und Sprachwissenschaft, Kritisches zu neueren Hypothesen der Ausbreitung der Indogermanen. Innsbruck 1989 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 43). Kritische Rez.: B. Schlerath in Praehistorische Zeitschrift 67 1992 p. 137-139. Meid /b/ 1989 = W. Meid Das Problem von indogermanisch /b/. Innsbruck 1989 (= IBS, Vorträge und kleinere Schriften 44). Meid Botorrita 1993 = W. Meid Die erste Botorrita-Inschrift: Interpretation eines keltiberischen Sprachdenkmals. Innsbruck 1993 (= IBS Nr. 76). Vgl. ders. Celtiberian Inscriptions. Budapest 1994 und Kleinere keltiberische Sprachdenkmäler. Innsbruck 1996 (= IBS, Vorträge und kleinere Schriften 64). Meid Gaulish inscriptions 1992 = W. Meid Gaulish Inscriptions: Their Interpretation in the Light of Archaeological Evidence and their Value as a Source of Linguistic and Sociological Information. Budapest 1992 (2., rev. Ed. 1994). Meid s. auch oben unter Krahe / Meid. Meier-Brügger Gr. Sprachw. I / II 1992 = M. Meier-Brügger Griechische Sprachwissenschaft. 2 Bände Berlin / New York 1992 (= Sammlung Göschen Nr. 2241 und Nr. 2242): I (Bibliographie, Einleitung, Syntax); II (Wortschatz, Formenlehre, Lautlehre, Indizes). Meillet Aperçu 1975 = A. Meillet Aperçu d'une histoire de la langue grecque. Paris 1913. Dazu verschiedene Nachdrucke. 8. Aufl. 1975 mit einer Bibliographie von O. Masson. Zur Bewertung dieses epochema-

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und Books i-iv) und J. B. Hainsworth (mit The Epic Dialect und Books v-viii); II von A. Heubeck (mit Books ix-xii) und A. Hoekstra (mit Books xiii-xvi) 1989; III von J. Russo (mit Books xvii-xx), M. Fernández-Galiano (mit Books xxi-xxii) und A. Heubeck (mit Books xxiii-xxiv) 1992. Der Oxforder Kommentar ist eine "Revised version, without text and translation, of the six-volume edition commissioned by the Fondazione Lorenzo Valla and published by Mondadori Milano 1981-1986". Oertel Dativi finales 1941 = H. Oertel Die Dativi finales abstrakter Nomina und andere Beispiele nominaler Satzfügung in der vedischen Prosa. München 1942. Oettinger Verbum 1979 = N. Oettinger Die Stammbildung des hethitischen Verbums. Nürnberg 1979. Eine Ergänzung bietet ders. Die hethitischen Verbalstämme in Grammatica Ittita 1992 p. 214-252. Ÿ Ein Nachdruck mit einer kurzen Revision der hethitischen Verbalklassen ist in der Reihe Dresdner Beiträge zur Hethitologie (= DBH) asl Band 7 erschienen. Ohlstadt 1994 [1996] = Tagungsband „Hellenische Mythologie / Vorgeschichte" (Titel auch neugr.) 1994 in Ohlstadt / Oberbayern, hrsg. von N. Dimoudis und A. Kyriatsoulis. Altenburg 1996 (Veranstalter: Verein zur Förderung der Aufarbeitung der hellenischen Geschichte Weilheim in Oberbayern und Club Griechischer Akademiker München). Ohlstadt 1996 [1998] = Tagung „Die Geschichte der hellenischen Sprache und Schrift" (Titel auch neugr. und engl.) 1996 in Ohlstadt / Oberbayern, hrsg. von N. Dimoudis und A. Kyriatsoulis. Altenburg 1998 (Veranstalter: Verein zur Förderung der Aufarbeitung der hellenischen Geschichte Weilheim in Oberbayern). OLD = Oxford Latin Dictionary. Oxford 1968-1982. Oldenberg Kleine Schriften 1967 = H. Oldenberg Kleine Schriften, hrsg. von K. L. Janert. 2 Teile. Wiesbaden 1967. Oldenberg Noten 1909-1912 = H. Oldenberg ¯gveda, Textkritische und exegetische Noten. I - VI Berlin 1909, VII - X Berlin 1912. Old English Runes 1991 = Old English Runes and their Continental Background, hrsg. von A. Bammesberger. Heidelberg 1991. Olsen Instrument Noun Suffix 1988 = B. A. Olsen The Proto-IndoEuropean Instrument Noun Suffix *-tlom and its variants. Copenhagen 1988. Olsen Noun 1999 = B. A. Olsen The Noun in Biblical Armenian, Origin and Word-Formation - with special emphasis on the Indo-European heritage. Berlin 1999 (= Trends in Linguistics, Studies and Monographs 119). Rez.: S. Zeilfelder in Sprache 40 1998 [2000] p. 105-109; R.

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Schlerath Indogermanen 1973 = B. Schlerath Die Indogermanen. Das Problem der Expansion eines Volkes im Lichte seiner Sozialstruktur. Innsbruck 1973 (= IBS, Vorträge 8). Rez.: K. Strunk in BNF N.F. 9 1974 p. 388-390. Schlerath Kleine Schriften 2000 = B. Schlerath Kleine Schriften. 2 Bände. Dettelbach 2000. Schmid Schriften 1994 = W. P. Schmid Linguisticae scientiae collectanea, Ausgewählte Schriften, hrsg. von J. Becker. Berlin / New York 1994. Schmid Studien 1963 = W. P. Schmid Studien zum baltischen und indogermanischen Verbum. Wiesbaden 1963. Schmidt (G.) Personalpronomina 1978 = G. Schmidt Stammbildung und Flexion der indogermanischen Personalpronomina. Wiesbaden 1978. Schmidt (J.) Neutra 1889 = J. Schmidt Die Pluralbildungen der indogermanischen Neutra. Weimar 1889. Schmidt (J.) Verwantschaftsverhältnisse 1872 = J. Schmidt Die Verwantschaftsverhältnisse (sic !) der indogermanischen Sprachen. Weimar 1872. Schmidt (J.) Vocalismus I 1871 II 1875 = J. Schmidt Zur Geschichte des indogermanischen Vocalismus. Weimar: I 1871, II 1875. Schmidt (K. H.) Celtic 1996 = K. H. Schmidt Celtic: A Western IndoEuropean Language ? Innsbruck 1996 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 66). Schmidt (K. T.) Medium im Toch. = K. T. Schmidt Die Gebrauchsweisen des Mediums im Tocharischen. Göttingen 1974 (= Phil. Diss. Göttingen 1969). Schmitt Ap. Inschriften 1999 = R. Schmitt Beiträge zu altpersischen Inschriften. Wiesbaden 1999. Schmitt Bisitun Inscriptions 1991 = The Bisitun Inscriptions of Darius the Great, Old Persian Text, hrsg. von R. Schmitt. London 1991 (= School of Oriental and African Studies, Corpus Inscriptionum Iranicarum, Pt. I (Inscriptions of Ancient Iran), Vol. I (The Old Persian Inscriptions, Texts I). Rez.: Ch. H. Werba in Sprache 35 (1991-1993) p. 140-145; S. W. Jamison in IIJ 37 (1994) p. 168-171. Ferner ders. Epigraphischexegetische Noten zu Dareios' Bîsitûn-Inschriften. Wien 1990 (= SbÖAW, 561. Band); ders. Ap. Inschriften 1999. Schmitt Dichtersprache 1967 = R. Schmitt Dichtung und Dichtersprache in indogermanischer Zeit. Wiesbaden 1967. Schmitt Gr. Dialekte 1977 = R. Schmitt Einführung in die griechischen Dialekte. Darmstadt 1977.

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Schmitt Ir. Sprachen 2000 = R. Schmitt Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart. Wiesbaden 2000. Schmitt Klass. Arm. 1981 = R. Schmitt Grammatik des KlassischArmenischen mit sprachvergleichenden Erläuterungen. Innsbruck 1982 (= IBS Nr. 32). Ÿ 2. durchgesehene Auflage 2007. Schmitt-Brandt Einführung 1998 = R. Schmitt-Brandt Einführung in die Indogermanistik. Tübingen / Basel 1998 (= UTB Nr. 1506). Rez.: G. Keydana in IF 104 1999 p. 281-286; K. Stelter in Kratylos 46 2001 p. 200-202; ŸThomas Zender in PFU 7-8 2001/2002 p. 77-83. Vgl. ferner oben den Kommentar in der Einleitung zur 7. Auflage. Schneider Lautgesetz 1973 = G. Schneider Zum Begriff des Lautgesetzes in der Sprachwissenschaft seit den Junggrammatikern. Tübingen 1993 (= TBL 46). Schön Neutrum und Kollektivum 1971 = I. Schön Neutrum und Kollektivum, Das Morphem -a im Lateinischen und Romanischen. Innsbruck 1971 (= IBS Nr. 6). Rez.: A. Morpurgo Davies in CR 25 1975 p. 248f. Schrift und Schriftlichkeit 1 1994 2 1996 = Schrift und Schriftlichkeit / Writing and its Use, Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung, hrsg. von H. Günther, O. Ludwig. Berlin / New York. 2 Halbbände: 1 1994; 2 1996 (= HSK 10.1 und 10.2). Schrijver British Celtic Phonology 1995 = P. Schrijver Studies in British Celtic Historical Phonology. Amsterdam / Atlanta 1995. Schrijver Celtic Pronouns and Particles 1997 = P. Schrijver Studies in the History of Celtic Pronouns and Particles. Maynooth 1997. Rez.: J. T. Katz in Kratylos 46 2001 p. 1-23. Schrijver Laryngeals in Latin 1991 = P. Schrijver The Reflexes of the Proto-Indo-European Laryngeals in Latin. Amsterdam / Atlanta 1991. Rez.: H. Rix in Kratylos 41 1996 p. 153-163. Schulze Kleine Schriften + Nachtr. 2.Aufl. 1966 = W. Schulze Kleine Schriften, hrsg. vom Idg. Seminar der Universität Berlin. 2. Aufl. mit Nachträgen, hrsg. von W. Wissmann. Göttingen 1966. Schulze-Thulin o-stufige Kausativa / Iterativa und Nasalpräsentien 2001 = B. Schulze-Thulin Studien zu den urindogermanischen o-stufigen Kausativa / Iterativa und Nasalpräsentien im Kymrischen. Innsbruck 2001 (= IBS 99). Schwerdt 2. LV 2000 = J. Schwerdt Die 2. Lautverschiebung. Heidelberg 2000. Schwyzer Kleine Schriften 1983 = E. Schwyzer Kleine Schriften, hrsg. von R. Schmitt. Innsbruck 1983 (= IBS 45).

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Schwyzer Gr. Gr. I 1939 = E. Schwyzer Griechische Grammatik, Bd. I (Allgemeiner Teil, Lautlehre, Wortbildung, Flexion). München 1939. Schwyzer / Debrunner Gr. Gr. II 1950 = E. Schwyzer und A. Debrunner Griechische Grammatik, Bd. II (Syntax und syntaktische Stilistik), vervollständigt und hrsg. von A. Debrunner. München 1950. Seebold Etymologie 1981= E. Seebold Etymologie. Eine Einführung am Beispiel der deutschen Sprache. München 1981. Seebold Germ. starke Verben 1970 = E. Seebold Vergleichendes und etymologisches Wörterbuch der germanischen starken Verben. Den Haag / Paris 1970. Seebold Halbvokale 1972 = E. Seebold Das System der indogermanischen Halbvokale. Untersuchungen zum sog. "Sieversschen Gesetz" und zu den halbvokalhaltigen Suffixen in den indogermanischen Sprachen, bes. im Vedischen. Heidelberg 1972. Rez.: J. Schindler in Sprache 23 1977 p. 56-65. Seebold Personalpronomina 1984 = E. Seebold Das System der Personalpronomina in den frühgermanischen Sprachen. Göttingen 1984 (= ZVS, Ergänzungsheft 34). Seebold s. auch oben unter Kluge / Seebold. SEG = Supplementum Epigraphicum Graecum. Seiler Relativsatz 1960 = Hj. Seiler Relativsatz, Attribut und Apposition. Wiesbaden 1960. Seiler Sprache und Sprachen 1977 = Hj. Seiler Sprache und Sprachen, Gesammelte Aufsätze. München 1977 (= Structura 11). Seiler Steigerungsformen 1950 = Hj. Seiler Die primären griechischen Steigerungsformen. Hamburg 1950. Senn Handb. d. lit. Sprache 1966 = A. Senn Handbuch der litauischen Sprache. 2 Bde. Heidelberg: I (Grammatik) 1966; II (Lesebuch und Glossar) 1957. Serbat Cas et fonctions 1981 = G. Serbat Cas et fonctions, Etude des principales doctrines casuelles du Moyen Age à nos jours. Paris 1981. Rez.: R. Amacker in Kratylos 27 1982 p. 5-8. Sergent Indo-Européens 1995 = B. Sergent Les indo-européens, Histoire, langues, mythes. Paris 1995. Sihler New Comparative Grammar 1995 = A. L. Sihler New Comparative Grammar of Greek and Latin. New York / London 1995. SMEA = Studi Micenei ed Egeo-Anatolici. SMID I 1968, II 1986, 1979, 1980-1981= Studies in Mycenaean Inscriptions and Dialect. Das Werk bietet eine umfassende Bibliographie mit Wort- und Sachregistern. — SMID I (1953-1964) zusammengestellt

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von L. Baumbach aus den SMID-Bänden I-X (erster Verleger: The Institute of Classical Studies of the University of London). Rom 1968. — SMID II (1965-1978), zusammengestellt von L. Baumbach aus den SMID-Bänden XI-XXIII (erster Verleger: wie I, bei den letzten Heften The British Association of Mycenaean Studies, Cambridge). Rom 1986. — SMID 1979, hrsg. von E. Sikkenga. University of Texas at Austin, Department of Classics, Program in Aegean Scripts and Prehistory. 1995. — SMID 1980-1981, dito, 1997. Smyth Greek Grammar 1956 = H. W. Smyth A Greek Grammar (for Colleges), revised by G. M. Messing. Cambridge / Ma. 1956 (und Nachdrucke). Solmsen Eigennamen 1922 = F. Solmsen Indogermanische Eigennamen als Spiegel der Kulturgeschichte, hrsg. von E. Fraenkel. Heidelberg 1922. Solmsen Untersuchungen 1901 = F. Solmsen Untersuchungen zur griechischen Laut- und Verslehre. Straßburg 1901. Solta Balkanlinguistik 1980 = G. R. Solta Einführung in die Balkanlinguistik mit besonderer Berücksichtigung des Substrats und des Balkanlateinischen. Darmstadt 1980. Solta Stellung der lat. Sprache 1974 = G. R. Solta Zur Stellung der lateinischen Sprache. Wien 1974 (= SbÖAW 291. Band, 4. Abhandlung). Solta Stellung des Arm. 1960 = G. R. Solta Die Stellung des Armenischen im Kreise der indogermanischen Sprachen. Eine Untersuchung der indogermanischen Bestandteile des armenischen Wortschatzes. Wien 1960. Sommer Handbuch 1948 = F. Sommer Handbuch der lateinischen Lautund Formenlehre. Eine Einführung in das sprachwissenschaftliche Studium des Lateins. Heidelberg 1948. Vgl. unten Sommer / Pfister. Sommer Heth. 1947 = F. Sommer Hethiter und Hethitisch. Stuttgart 1947. Sommer Nachlaß 1977 = F. Sommer Schriften aus dem Nachlaß. München 1977 (= MSS Beiheft 1, Neue Folge). Sommer Nominalkomposita 1948 = F. Sommer Zur Geschichte der griechischen Nominalkomposita. München 1948. Sommer Vergl. Syntax 1931 = F. Sommer Vergleichende Syntax der Schulsprachen. 3. Aufl. Stuttgart 1931 (= 4., unveränderter Nachdruck Darmstadt 1959). Sommer / Pfister Lautlehre 1977 = F. Sommer Handbuch der lateinischen Laut- und Formenlehre. Heidelberg 1948. 4., neub. Auflage: Band I (Einleitung und Lautlehre) von R. Pfister. Heidelberg 1977. Der damals geplante Band II ist nie erschienen.

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Sonderegger Althochdeutsch 1987 = S. Sonderegger Althochdeutsche Sprache und Literatur. Eine Einführung in das älteste Deutsch. Darstellung und Grammatik. 2., durchges. und erw. Auflage Berlin / New York 1987. Sonderegger Deutsche Sprachgeschichte I 1979 = S. Sonderegger Grundzüge deutscher Sprachgeschichte. Diachronie des Sprachsystems. Band I (Einführung, Genealogie, Konstanten). Berlin / New York 1979. Speyer Syntax 1896 = J. S. Speyer Ved. u. Skrt-Syntax. Straßburg 1896. Sprache = Die Sprache. Zeitschrift für Sprachwissenschaft. Wiesbaden / Wien. Darin wichtig Idg. Chr., s.o. s.v. Sprache Fünf Vorträge 1991 = Sprache, Fünf Vorträge von H. Kößler, I. Richter, B. Forssman, M. v. Engelhardt und R. Slenczka. Erlangen 1991 (= Erlanger Forschungen, Reihe A Geisteswissenschaften 54). Sprachen im röm. Reich 1980 = Die Sprachen im römischen Reich der Kaiserzeit, Kolloquium 1974, hrsg. von G. Neumann und J. Untermann. Köln / Bonn 1980. Sprachgeschichte 1 1998 2 1985 = Sprachgeschichte, Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, hrsg. von W. Besch, A. Betten, O. Reichmann, S. Sonderegger. Berlin / New York. 2 Halbbände: 1 (2., vollständig neubearbeitete Aufl.) 1998; 2 1985 (= HSK 2.1 und 2.2). Stair na Gaeilge 1994 = Stair na Gaeilge in ómós do Pádraig Ó Fiannachta, hrsg. von K. McCone u.a. Maigh Nuad 1994. Darin von K. McCone p. 61-219 eine aktuelle Standortbestimmung der altirischen Laut- und Formenlehre. Stang Opuscula 1970 = Ch. S. Stang Opuscula linguistica, Ausgewählte Aufsätze und Abhandlungen. Oslo / Bergen / Tromsø 1970. Stang Vgl. Gramm. 1966 Ergänzungsband 1975 = Ch. S. Stang Vergleichende Grammatik der baltischen Sprachen. Oslo / Bergen / Tromsø: Vgl. Gramm. 1966; Ergänzungsband, Register, Addenda und Corrigenda zur Vgl. Gramm. 1975. Starke Kasus und Adv. im Aheth. 1977 = F. Starke Die Funktionen der dimensionalen Kasus und Adverbien im Althethitischen. Wiesbaden 1977 (= StBoT 23). Starke Keilschr.-luw. Nomen 1990 = F. Starke Untersuchungen zur Stammbildung des keilschrift-luwischen Nomens. Wiesbaden 1990 (= StBoT 31). Starke Keilschrift-luw. Texte 1985 = F. Starke Die keilschrift-luwischen Texte in Umschrift. Wiesbaden 1985 (= StBoT 30).

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Starke Kikkuli 1995 = F. Starke Ausbildung und Training von Streitwagenpferden: Eine hippologisch orientierte Interpretation des KikkuliTextes. Wiesbaden 1995 (= StBoT 41). StBoT = Studien zu den Bojazköy-Texten. Steinbauer Denominativa 1989 = D. H. Steinbauer Etymologische Untersuchungen zu den bei Plautus belegten Verben der lateinischen ersten Konjugation. Unter besonderer Berücksichtigung der Denominative. Altendorf bei Bamberg 1989. Stempel Diathese 1996 = R. Stempel Die Diathese im Indogermanischen, Formen und Funktionen des Mediums und ihre sprachhistorischen Grundlagen. Innsbruck 1996 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 67). Storia d'Europa II 1994 = Storia d'Europa, Band II (Preistoria e antichità), hrsg. von J. Guilaine und S. Settis. Turin 1994. Streitberg Got. Bibel 1971 = Die gotische Bibel, hrsg. von W. Streitberg. 2. Aufl. I. Teil (Der gotische Text und seine griechische Vorlage) Heidelberg 1919; 2. Aufl. II. Teil (Gotisch-griechisch-deutsches Wörterbuch) Heidelberg 1928. 6. Aufl. Heidelberg 1971. Ÿ 7. Aufl. 2000. Streitberg Urgerm. Gr. 1896 = W. Streitberg Urgermanische Grammatik, Einführung in das vergleichende Studium der altgermanischen Dialekte. Heidelberg 1896 (Nachdruck 1943). Strunk Lachmanns Regel 1976 = K. Strunk Lachmanns Regel für das Lateinische. Göttingen 1976 (= ZVS Ergänzungsheft Nr. 26). Rez.: A. Morpurgo Davies in CR 29 1979 p. 259f. Strunk Nasalpräsentien und Aoriste 1967 = K. Strunk Nasalpräsentien und Aoriste. Heidelberg 1967. Strunk ‘Vorhersagbarer’ Sprachwandel 1991 = K. Strunk Zum Postulat ‘vorhersagbaren’ Sprachwandels bei unregelmäßigen oder komplexen Flexionsparadigmen. München 1991 (= SbBAW 1991, Heft 6). Studi di linguistica greca 1993 [1995] = Studi di linguistica greca, Materiali linguistici, Akten eines Treffens in Pavia 1993, hrsg. von P. Cuzzolin. Mailand 1995. Rez.: R. Hodot in BSL 93 / 2 1998 p. 165-168. Stud. z. idg. Wortschatz 1987 = Studien zum indogermanischen Wortschatz, hrsg. von W. Meid. Innsbruck 1987. Rez.: J. Untermann in Kratylos 34 1989 p. 45-54. Stumpf Westtocharisch 1990 = P. Stumpf Die Erscheinungsformen des Westtocharischen. Reykjavík 1990 (= TIES, Suppl. Ser. 2). Svennung Anredeformen 1958 = J. Svennung Anredeformen, Vergleichende Forschungen zur indirekten Anrede in der dritten Person und zum Nominativ für den Vokativ. Uppsala / Wiesbaden 1958.

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Syntax 1 1993 2 1995 = Syntax, Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, hrsg. von J. Jacobs, A. v. Stechow, W. Sternefeld, Th. Vennemann. Berlin / New York. 2 Halbbände: 1 1993; 2 1995 (= HSK 9.1 und 9.2). Syntaxe des langues indo-iraniennes anciennes 1993 [1997] = Syntaxe des langues indo-iraniennes anciennes, Colloque international Sitges 1993, hrsg. von E. Pirart. Barcelona 1997. Szantyr s.o. Hofmann / Szantyr und Leumann / Hofmann / Szantyr. Szemerényi Einführung 4. Aufl. 1990 = O. Szemerényi Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft. 4., durchges. Aufl. Darmstadt 1990. Die Einführung ist in 1. Aufl. 1970 erschienen, 2. Aufl. 1980, 3. Aufl. 1989. — In ital. Übersetzung „Introduzione alla linguistica indoeuropea“, hrsg. von G. Boccali, V. Brugnatelli und M. Negri. Milano 1985. — Englische Version unter dem Titel „Introduction to IndoEuropean Linguistics“. Oxford 1996. — Die Anzahl der Rez. ist groß: — Rez. der 1. Aufl. 1970: u.a. W. Meid in Kratylos 16 1971 [1973] p. 41-49; B. Forssman in Anglia 94 1976 p. 441-450. — Rez. der 3. Aufl. 1989: u.a. R. Schmitt in Gnomon 62 1990 p. 365-367; W. Meid in Kratylos 36 1991 p. 87-91; E. Eggers in IF 96 1991 p. 261-266 (in Anm. 1 die in der BL notierten Rez. der 1. und 2. Aufl. bis 1986). — Rez. der 4. Aufl. 1990: u.a. I. Hajnal in PFU 1 1994-1995 p. 39-46. Szemerényi Lat. Wortschatz 1989 = O. Szemerényi An den Quellen des lateinischen Wortschatzes. Innsbruck 1989. Rez.: M. Peters in Idg. Chr. 34 Nr. H 659. Szemerényi Numerals 1960 = O. Szemerényi Studies in the Indo-European System of Numerals. Heidelberg 1960. Szemerényi Richtungen d. mod. Sprachw. I 1971 II 1982 = O. Szemerényi Richtungen der modernen Sprachwissenschaft. Heidelberg: I (Von Saussure bis Bloomfield, 1916-1950) 1971; II (Die fünfziger Jahre, 1950-1960) 1982. Rez.: M. Mayrhofer in Sprache 29 1983 p. 182-186. Szemerényi Scripta Minora I 1987 II 1987 III 1987 IV 1991 Suppl. 1992 = O. Szemerényi Scripta Minora. Selected Essays in Indo-European, Greek, and Latin, hrsg. von P. Considine und J. T. Hooker. Teile I-III Innsbruck 1987 (= IBS 53 mit 3 Teilen): I (Indo-European) p. 1-588; II (Latin) p. 589-1076; III (Greek) p. 1077-1643; Teil IV (Indo-European Languages other than Latin and Greek) Innsbruck 1991 (= IBS 63). Als Suppl. Word Index 1992. Ders. Summing up a Life, Autobiographie und Schriftenverzeichnis. hrsg. von B. Brogyanyi. Freiburg 1991. Vgl. zu Szemerényi auch oben FS O. Szemerényi *65 1979 und *75 1992. Vgl. ferner HS 110 1997 p. 1-3 mit Nachträgen zu O. Szemerényis

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Veröffentlichungen. Zuletzt B. Brogyanyi Schriftenverzeichnis: O. Szemerényi (1913-1996) in PFU 2-3 1996-1997 p. 53-80. Szemerényi Syncope 1964 = O. Szemerényi Syncope in Greek and IndoEuropean and the Nature of Indo-European Accent. Neapel 1964. Rez.: G. Cardona in Language 43 1967 p. 757-773. Tavola di Agnone 1994 [1996] = La Tavola di Agnone nel contesto italico, Convegno di Studio 1994 in Agnone, hrsg. von L. del Tutto Palma. Florenz 1996 (= Lingue e Iscrizioni dell’ Italia Antica 7). Rez.: E. Nieto Ballester in Kratylos 44 1999 p. 98-106. TBL = Tübinger Beiträge zur Linguistik. Tense and Aspect in IE 1997 = Tense and Aspect in Indo-European: Theory, Typology, Diachrony, hrsg. von J. Hewson and V. Bubenik. Amsterdam / Philadelphia 1997. Rez.: E. C. Polomé in JIES 25 1997 p. 482. Ternes Phonologie 1987 und 1999 = E. Ternes Einführung in die Phonologie. 1. Aufl. Darmstadt 1987; 2., verbesserte und erweiterte Aufl. 1999. Tesnière Syntaxe structurale 1959 = L. Tesnière Eléments de syntaxe structurale. Paris 1959. Textdatierung 1979 = S. Heinhold-Krahmer, I. Hoffmann, A. Kammenhuber, G. Mauer Probleme der Textdatierung in der Hethitologie. Heidelberg 1979 (= Texte der Hethiter 9). Thieme Heimat 1954 = P. Thieme Die Heimat der indogermanischen Gemeinsprache. Wiesbaden 1954. Thieme Kleine Schriften I 1971 II 1995 = P. Thieme Kleine Schriften. Wiesbaden: I. Band 1972; II. Band 1995. Thieme Studien 1952 = P. Thieme Studien zur indogermanischen Wortkunde und Religionsgeschichte. Berlin 1952. Thomas Der tocharische Obliquus 1983 = W. Thomas Der tocharische Obliquus im Sinne eines Akkusativs der Richtung. Wiesbaden 1983. Thomas Erforschung des Toch. 1985 = W. Thomas Die Erforschung des Tocharischen (1960-1984). Stuttgart 1985. Thomas Vergangenheitstempora 1957 = W. Thomas Der Gebrauch der Vergangenheitstempora im Tocharischen. Wiesbaden 1957. Thomas s. auch oben unter Krause / Thomas. Threatte Attic I 1980 II 1996 = L. Threatte The Grammar of Attic Inscriptions. Berlin: I (Phonology) 1980; II (Morphology) 1996. Thumb s.o. unter Brugmann / Thumb.

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Thumb / Hauschild Handb. d. Skr. I / 1 1958 I / 2 (+3) 1959 = A. Thumb Handbuch des Sanskrit. Eine Einführung in das sprachwissenschaftliche Studium des Altindischen. 3. Aufl. von R. Hauschild. Heidelberg: I / 1 (Einleitung und Lautlehre) 1958; I / 2 (+3) (Formenlehre, Compositum und Satzbau) 1959. Thumb / Kieckers Gr. Dial. I 1932 = A. Thumb Handbuch der griechischen Dialekte. Heidelberg. 2. Aufl.: Band I 1932 von E. Kieckers. Thumb / Scherer Gr. Dial. II 1959 = A. Thumb Handbuch der griechischen Dialekte. Heidelberg. 2. Aufl.: Band II 1959 von A. Scherer. Thurneysen Old Irish 1946 = R. Thurneysen A Grammar of Old Irish. Dublin 1946. Tichy Grundwissen 2001 = E. Tichy Indogermanistisches Grundwissen für Studierende sprachwissenschaftlicher Disziplinen. Bremen 2001. Ÿ 3., vollständig überarbeitete Auflage 2009; zur englischen Verson s.o. bibl. Nachträge 1. Tichy Nom. ag. auf -tar- 1995 = E. Tichy Die Nomina agentis auf -tar- im Vedischen. Heidelberg 1995. Rez.: H. Hettrich in Kratylos 43 1998 p. 84-91. Tichy Onomatop. Verbalbildungen 1983 = E. Tichy Onomatopoetische Verbalbildungen des Griechischen. Wien 1983 (= SbÖAW, 409. Bd.). TIES = Tocharian and Indo-European Studies. Von Band 1 1987 - Band 6 1993 Reykjavík; ab Band 7 1997 Kopenhagen. Band 7 1997 beinhaltet die Papiere der Arbeitstagung 100 Jahre Tocharologie Saarbrücken 1995 [1997]. Die Supplementary Series enthält als Band 2 Stumpf Westtocharisch 1990, als Band 3 Hilmarsson Nasal Prefixes in Tocharian 1991, als Band 4 Fachtagung Tocharisch Berlin 1990 [1994], als Band 5 Hilmarsson Tocharian Dictionary 1996. Ÿ Band 8 (1999), 9 (2000), 10 (2003), 11 (2009). Tischler HEG = J. Tischler Hethitisches etymologisches Glossar. Innsbruck (= IBS Nr. 20): Teil I (A-K) 1983; Teil II mit Lieferungen 56 (L-M) 1990 und Lieferung 7 (N) 1991; Teil III mit Lieferung 8 (T, D / 1) 1991, Lieferung 9 (T, D / 2) 1993 und Lieferung 10 (T, D / 3) 1994. Ÿ Lieferung mit S/1 - S/2, 2004/2006. Tischler Kleinasiatische Hydronymie 1977 = J. Tischler Kleinasiatische Hydronymie, Semantische und morphologische Analyse der griechischen Gewässernamen. Wiesbaden 1977. TPhS = Transactions of the Philological Society. Oxford. Tract. Myc. 1985 [1987] = Tractata Mycenaea, Proceedings of the Eighth International Colloquium on Mycenaean Studies Ohrid 1985, hrsg. von P. H. Ilievski und L. Crepajac. Skopje 1987.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Tucker Early Greek Verbs 1990 = E. F. Tucker The Creation of Morphological Regularity: Early Greek Verbs in -éô, -áô, -óô, -úô and -íô. Göttingen 1990 (= HS, Ergänzungsheft 35). Rez.: R. Schmitt in HS 103 1990 p. 301-304; M. Peters in Idg. Chr. 34 Nr. G 615. UCLA IE Conference 1999 [2000] = Proceedings of the Eleventh Annual UCLA IE Conference 1999, hrsg. von K. Jones-Bley, M. E. Huld, A. Della Volpe. Washington 2000. UCLA IE Studies = University of California Los Angeles Program in IE Studies, hrsg. von V. V. Ivanov und B. Vine. Vol. 1 1999. Uhlich Komponierte Personennamen des Air. 1993 = J. Uhlich Die Morphologie der komponierten Personennamen des Altirischen. Witterschlick / Bonn 1993. Untermann Monumenta (Linguarum Hispanicarum) = J. Untermann Monumenta Linguarum Hispanicarum. Wiesbaden. Band I (Die Münzlegenden: 1. Text, 2. Tafeln) 1975; Band II (Die Inschriften in iberischer Schrift aus Südfrankreich) 1980; Band III (Die iberischen Inschriften aus Spanien: 1. Literaturverzeichnis, Einleitung, Indices, 2. Die Inschriften) 1990; Band IV (Die tartessischen, keltiberischen und lusitanischen Inschriften) 1997. Rez. von Monumenta IV: F. Villar und C. Jordan in Kratylos 46 2001 p. 166-181. Untermann Wb. Osk.-Umbr. 2000 = J. Untermann Wörterbuch des Oskisch-Umbrischen. Heidelberg 2000. Ÿ Rez.: P. Flobert in BSL 96/2 (2001) 160-163; G. Meiser in Kratylos 48 (2003) 128-134. Urheimat 1968 = Die Urheimat der Indogermanen, hrsg. von A. Scherer. Darmstadt 1968 (= Wege der Forschung 116). UTB = UTB für Wissenschaft, Uni-Taschenbücher. Väänänen Latin vulgaire 1981 = V. Väänänen Introduction au latin vulgaire. 2. Aufl. Paris 1967; 3. Aufl. Paris 1981. Vaillant Vieux slave 1948 = A. Vaillant Manuel du vieux slave. Paris 1948. Vasmer REW 1953-1958 = M. Vasmer Russisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände Heidelberg 1953-1958. Ve’erka Aksl. Syntax I 1989 II 1993 III 1996 = R. Ve’erka Altkirchenslavische (altbulgarische) Syntax, unter Mitarbeit von F. Keller und E.Weiher. Freiburg (Monumenta Linguae Slavicae Dialecti Veteris): I (Die lineare Satzorganisation) 1989 (= MLS 17); II (Die innere Satzstruktur) 1993 (= MLS 34); III (Die Satztypen) 1996 (= MLS 36).

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Vetter Handb. d. ital. Dialekte I 1953 = E. Vetter Handbuch der italischen Dialekte. I (Texte mit Erklärung, Glossen, Wörterverzeichnis). Heidelberg 1953. Als Ergänzung ist hinzuzunehmen P. Poccetti Nuovi Documenti Italici, a complemento del Manuale di E. Vetter. Pisa 1979. H. Rix bereitet seit längerem eine Neuauflage von Vetter vor; ferner s.o. Untermann Wb. Osk.-Umbr. 2000. Ÿ s. jetzt H. Rix in den Bibliographischen Nachträgen 10. Villar Celtiberian Grammar 1995 = F. Villar A New Interpretation of Celtiberian Grammar. Innsbruck 1995 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 62). Vine Archaic Latin 1993 = B. Vine Studies in Archaic Inscriptions. Innsbruck 1993 (= IBS Nr. 75). Rez.: R. Gerschner in Sprache 38 / 2 1996 [1999] p. 231-237. Vine Deverbative *-etó- 1998 = B. Vine AeolicR>USHWRQ and Deverbative *-etó- in Greek and Indo-European. Innsbruck 1998 (= IBS, Vorträge und Kleinere Schriften 71). Volkart Brugmanns Gesetz 1994 = M. Volkart Zu Brugmanns Gesetz im Altindischen. Bern 1994 (= Universität Bern, Institut für Sprachwissenschaft, Arbeitspapiere 33). Rez.: Th. Zehnder in CFS 48 1994 [1995] p. 177-184; R. Lubotsky in Kratylos 42 1997 p. 55-59. von Hinüber s.o. Hinüber. Vottéro Béotien I 1998 = G. Vottéro Le dialecte béotien (7e s. - 2e s. av. J.-C.). Nancy. Band I (L’écologie du dialecte) 1998. Ÿ Die Bände II und III sind inzwischen erschienen. Vries AnordEW 1962 = J. de Vries Altnordisches etymologisches Wörterbuch. 2., verbesserte Aufl. Leiden 1962 (= 3. Aufl. 1977). Waanders Local Case Relations 1997 = F. M. J. Waanders Studies in Local Case Relations in Mycenaean Greek. Amsterdam 1997. Wachter Altlat. Inschriften 1987 = R. Wachter Altlateinische Inschriften. Sprachliche und epigraphische Untersuchungen zu den Dokumenten bis etwa 150 v. Chr. Bern 1987. Rez.: M. Peters in Idg. Chr. 32b Nr. 1045; M. Lejeune in REL 65 1987 [1989] p. 285-287. Wackernagel Kleine Schriften I / II 1969 III 1979 = J. Wackernagel Kleine Schriften, 3 Bände, hrsg. von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. I - II (p. 1-1426, hrsg. von K. Latte) 1. Aufl. Göttingen 1953, 2. Aufl. 1969; III (p. 1427-1905, hrsg. von B. Forssman) Göttingen 1979. Wackernagel Untersuchungen 1916 = J. Wackernagel Sprachliche Untersuchungen zu Homer. Göttingen 1916.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Wackernagel Vorlesungen I 1926 II 1928 = J. Wackernagel Vorlesungen über Syntax, 2 Reihen. 2. Aufl. Basel 1926-1928 (1. Aufl. 1920-1924). Wackernagel s. auch oben unter Kolloquium Wackernagel. Wackernagel s.auch unten unter Wackernagel / Debrunner. Wackernagel / Debrunner Ai. Grammatik I + II / 1 1957 II / 2 1954 III 1930 = J. Wackernagel Altindische Grammatik. Göttingen: Band I (Lautlehre), Wiederabdruck der 2. Aufl. von 1896 mit einer Einleitung von L. Renou und Nachträgen von A. Debrunner 1957; Band II / 1 (Einleitung zur Wortlehre. Nominalkomposition), Wiederabdruck des Textes von 1905 mit Nachträgen von A. Debrunner 1957; Band II / 2 (Die Nominalsuffixe) von A. Debrunner 1954; Band III (Nominalflexion, Zahlwort, Pronomen) von A. Debrunner und J. Wackernagel 1930 (von J. Wackernagel stammen die Abschnitte zum Zahlwort und zu den Pronomina, ferner die §§ 83-101 und §159). Das Register zu den Bänden I - III hat R. Hauschild 1964 veröffentlicht. Band IV (Verbum und Adverbium) steht immer noch aus. Walde Vgl. Wb. 1927-1932 = A. Walde Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen, hrsg. von J. Pokorny. Berlin 1927-1932 = Nachdruck 1973. Walde / Hofmann LEW = A. Walde Lateinisches etymologisches Wörterbuch, neu bearbeitet ab der 3. Aufl. von J. B. Hofmann. 4. Aufl. Heidelberg 1965 (und Nachdrucke). Warmington Remains of Old Latin I-IV 1935-1940 = E. H. Warmington Remains of Old Latin, newly edited and translated. 4 Bände Cambridge / Mass.: I (Ennius and Caecilius) 1935 (Nachdruck 1956); II (Livius Andronicus, Naevius, Pacuvius and Accius) 1936 (Nachdruck 1957); III (Lucilius, The Twelve Tables) 1938 (Nachdruck 1957); IV (Archaic Inscriptions) 1940 (Nachdrucke seit 1953). Wathelet Traits éoliens 1970 = P. Wathelet Les traits éoliens dans la langue de l'épopée grecque. Rom 1970. Watkins How to kill a dragon 1995 = C. Watkins How to kill a dragon, Aspects of IE Poetics. New York / Oxford 1995. Rez.: G. E. Dunkel in The Classical Journal 92 1997 p. 417-422; F. Bader in BSL 93 / 2 1998 p. 116-130; B. Schlerath in Kratylos 45 2000 p. 36-46. Watkins Selected Writings 1994 = C. Watkins Selected Writings, hrsg. von L. Oliver. 2 Bände Innsbruck 1994 (= IBS 80). Watkins Verbalflexion 1969 = C. Watkins Geschichte der indogermanischen Verbalflexion = Band III 1 der Idg. Gr. (s.o.). Heidelberg 1969. Zu Watkins s. auch oben FS Watkins.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Wegner Hurritisch 2000 = I. Wegner Einführung in die hurritische Sprache. Wiesbaden 2000. Ÿ 2. überarbeitete Auflage. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2007. Weinrich Linguistik der Lüge 1974 = H. Weinrich Linguistik der Lüge, Kann Sprache die Gedanken verbergen? 5. Aufl. Heidelberg 1974. Weinrich Textgrammatik 1993 = H. Weinrich Textgrammatik der deutschen Sprache. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 1993. Weiss Italic Nominal Morphology 1993 = M. Weiss Studies in Italic Nominal Morphology. Ph.D.-Diss. Cornell University 1993. ŸWeiss Outline Latin 2009 s.u. bibl. Nachträge 10. Weitenberg Heth. u-Stämme 1984 = J. J. S. Weitenberg Die hethitischen u-Stämme. Amsterdam 1984. Rez.: H. C. Melchert in Kratylos 29 1984 [1985] p. 79-82. Werba Verba IndoArica (VIA) I 1997 = C. Werba Verba IndoArica: Die primären und sekundären Wurzeln der Sanskrit-Sprache. Teil I (Radices primariae). Wien 1997. Rez.: B. Schlerath in HS 111 1998 p. 369-371. West Ilias I 1998 = M. L. West Homerus, Ilias, I. Teil: Rhapsodiae I-XII. Stuttgart / Leipzig 1998. Ÿ Teil II ist ebenfalls erschienen. West Theogony 1966 = M. L. West Hesiod, Theogony, edited with Prolegomena and Commentary. Oxford 1966. West Works & Days 1978 = M. L. West Hesiod, Works & Days, edited with Prolegomena and Commentary. Oxford 1978. Wheeler Nominalaccent 1885 = B. I. Wheeler Der griechische Nominalaccent. Straßburg 1885. ŸWidmer Weites Feld (Derivation) 2004 s.u. bibl. Nachträge 4. Windisch Sanskritphilologie I 1917 II 1920 = E. Windisch Geschichte der Sanskritphilologie. 2 Teile: I Straßburg 1917; II Berlin / Leipzig 1920. Winkler Germanische Casussyntax I 1896 = H. Winkler Germanische Casussyntax, I. Der Dativ, Instrumental, örtliche und halbörtliche Verhältnisse. Berlin 1896. Wissenschaft vom Altertum am Ende des 2. Jt. n. Chr. 1995 = Die Wissenschaft vom Altertum am Ende des 2. Jahrtausends n. Chr., hrsg. von E.R. Schwinge. Stuttgart und Leipzig 1995. Wörterbücher 1 1989 2 1990 3 1991 = Wörterbücher / Dictionaries / Dictionnaires, Ein internationales Handbuch zur Lexikographie, hrsg. von F. J. Hausmann, O. Reichmann, H. E. Wiegand, L. Zgusta. Berlin / New York. 3 Halbbände: 1 1989; 2 1990; 3 1991 (= HSK 5.1, 5.2, 5.3).

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Yoshida (D.) Aheth. Gen. 1987 = D. Yoshida Die Syntax des althethitischen substantivischen Genitivs. Heidelberg 1987 (= Texte der Hethiter 13). Yoshida (K.) Endings in -ri 1990 = K. Yoshida The Hittite Mediopassive Endings in -ri. Berlin / New York 1990 (= Untersuchungen zur idg. Sprach- und Kulturwissenschaft, N.F. 5). Rez.: G. Pinault in BSL 86 / 2 1991 p. 134-141. ZCP = Zeitschrift für celtische Philologie. ZDL = Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. ZDMG = Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Zehnder AVP 2 1999 = Th. Zehnder, Atharvaveda-Paippalâda, Buch 2, Text, Übersetzung, Kommentar, Eine Sammlung altindischer Zaubersprüche vom Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Idstein 1999. Zgusta Kleinasiatische Ortsnamen 1984 = L. Zgusta Kleinasiatische Ortsnamen. Heidelberg 1984 (= BNF N.F. Beiheft 21). Zgusta Kleinasiatische Personennamen 1964 = L. Zgusta Kleinasiatische Personennamen. Prag 1964. Ziegler Ogam-Inschriften 1994 = S. Ziegler Die Sprache der altirischen Ogam-Inschriften. Göttingen 1994 (= HS Ergänzungsheft Nr. 36). Zimmer Satzstellung 1976 = St. Zimmer Die Satzstellung des finiten Verbs im Tocharischen. The Hague / Paris 1976. Zimmer Ursprache 1990 = St. Zimmer Ursprache, Urvolk und Indogermanisierung. Zur Methode der Indogermanischen Altertumskunde. Innsbruck 1990 (= IBS, Vorträge u. kleinere Schriften Nr. 46). Rez.: J. Untermann in Kratylos 39 1994 p. 68-70. Zinsmeister Gr. Gr. I 1954 = H. Zinsmeister Griechische Grammatik I, Laut- und Formenlehre. München 1954. Neuaufl. Heidelberg 1990. ZVS s.o. unter HS. Zweihundert Jahre Homer-Forschung 1991 = Zweihundert Jahre HomerForschung. Rückblick und Ausblick, hrsg. von J. Latacz. Stuttgart / Leipzig 1991. Zwolanek Anrufungsformen 1970 = R. Zwolanek „vÄyav índra¹ca“, Studien zu Anrufungsformen im Vedischen, Avestischen und Griechischen. München 1970 (= MSS, Beiheft 5, N. F.).

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Ÿ Bibliographische Nachträge für den Zeitraum 2001-2010 von Tomoki Kitazumi Nachtrag 1. Einführungen Brian D. Joseph (Ed.): The handbook of historical linguistics. Blackwell, Malden, MA u.a. 2003. Rez.: A. Bergs in JIES 32.3/4 (2004), 367376. James P. Mallory and Douglas Q. Adams: The Oxford introduction to Proto-Indo-European and the Proto-Indo-European world. Oxford Univ. Press, Oxford et al., 2006. Rez.: St. Zimmer in Kratylos 53 (2008), 21-24; D. Stifter in Die Sprache 47/1 (2007), 125–133. Eva Tichy: A survey of proto-indo-european. Hempen Verlag, Bremen 2006. Das kleine Werk ist die englische Version von Tichy Grundwissen 2001. James Clackson: Indo-European linguistics: an introduction. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2007. Rez.: A. Blanc in BSL 103/2 (2008), 132-134. Mark Robert Hale: Historical linguistics: theory and method. Blackwell, Malden et al. 2007. Rez.: H. C. Melchert in Language 85/1 (2009), 203-206. Benjamin W. Fortson: Indo-European language and culture: an introduction. Wiley-Blackwell, Chichester, West Sussex 2010 [2009]. Vgl. dazu oben im Vorwort zur 9. Auflage. vgl. ferner in Kap. 2 Manfred Mayrhofer: Indogermanistik. Wien 2009.

Nachtrag 2. Zur Forschungsgeschichte Manfred Mayrhofer: Die Hauptprobleme der indogermanischen Lautlehre seit Bechtel. Verl. der Österr. Akad. der Wiss., Wien 2004. Rez.: K. Strunk in Kratylos 51 (2006), 75-81; Ch. de Lamberterie in BSL 101/2 (2006), 185-191. Gabriel Bergounioux (éd.): Meillet aujourd'hui. Peeters, Leuven – Paris 2006. Rez.: Cl. Le Feuvre in BSL 102/2 (2007), 18-22. Manfred Mayrhofer: Indogermanistik: über Darstellungen und Einführungen von den Anfängen bis in die Gegenwart. Verl. der Österr. Akad. der Wiss., Wien 2009.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Nachtrag 3. Zur Archäologie und Kultur Stefan Zimmer: Tendenzen der Indogermanischen Altertumskunde 19652000, I. Teil: Sachkultur. Kratylos 47 (2002), 1-22; II. Teil: Geistige Kultur. Kratylos 48 (2003), 1-25. Rahul Peter Das und Gerhard Meiser (Hrsgg.): Geregeltes Ungestüm. Bruderschaften und Jugendbünde bei indogermanischen Völkern. Hempen Verlag, Bremen 2002. Rez.: St. Zimmer in JIES 32/1-2 (2004), 207-216; M. Janda in Kratylos 51 (2006), 184-186. Michael Janda: Elysion: Entstehung und Entwicklung der griechischen Religion (= IBS 119), Innsbruck 2005. Rez.: P. Jackson in Kratylos 54 (2009) [2010], 93-97. Michael Janda: Die Musik nach dem Chaos. Der Schöpfungsmythos der europäischen Vorzeit (= IBK N.F. 1). Innsbruck 2010. Roger D. Woodard: Indo-European sacred space: Vedic and Roman cult. University of Illinois Press, Urbana et al. 2006. Roger D. Woodard (ed.): To fetch some golden apples: readings in IndoEuropean myth, religion and society. Kendall Hunt Publishing, Dubuque, Iowa 2006. David W. Anthony: The horse, the wheel, and language: how Bronze-Age riders from the Eurasian steppes shaped the modern world. Princeton Univ. Press, Princeton, N.J. et al. 2007. Rez.: L. S. Klejn in JIES 36.3/4 (2008), 464-480. Martin L. West: Indo-European poetry and myth. Oxford Univ. Press, Oxford et al. 2007. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 53 (2008), 62-71.

Nachtrag 4. Zur idg. Phonologie und Morphologie Karin Stüber: Die primären s-Stämme des Indogermanischen. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2002. Rez.: A. Blanc in BSL 100/2 (2005), 137139; M. de Vaan in Kratylos 50 (2005), 60-65. Jay H. Jasanoff: Hittite and the Indo-European verb. Oxford Univ. Press, Oxford et al. 2003 (Paperback 2005). Rez.: R. Kim in Diachronica 22.1 (2005), 191-200; J. L. García Ramón in Kratylos 51 (2006), 2534; N. Oettinger in ibid., 34-45. Xavier Tremblay: La déclinaison des noms de parenté indo-européens en -ter- (= IBS 106). Innsbruck 2003. Rez.: Ch. de Lamberterie in BSL 100/2 (2005), 139-144; G.-J. Pinault in Kratylos 54 (2009) [2010], 24-.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

5DQNR 0DWDVRYLü Gender in Indo-European. Carl Winter, Heidelberg 2004. Rez.: D. Petit in BSL 100/2 (2005), 126- ; Ch. Zinko in Kratylos 53 (2008), 79-84. Paul Widmer: Das Korn des weiten Feldes: interne Derivation, Derivationskette und Flexionsklassenhierarchie; Aspekte der nominalen Wortbildung im Urindogermanischen (= IBS 111). Innsbruck 2004. Rez.: St. Müller in JIES 34.3/4 (2006), 451-457; S. Nikolaev in Acta linguistica petropolitana IV/1 (2009), 541-570. Coulter George (ed.): Greek and Latin from an Indo-European perspective. Cambridge Philological Society, Cambridge 2007. Martin Joachim Kümmel: Konsonantenwandel: Bausteine zu einer Typologie des Lautwandels und ihre Konsequenzen für die vergleichende Rekonstruktion. Reichert, Wiesbaden 2007. Sergio Neri: Cadere e abbattere in indoeuropeo: sull' etimologia di tedesco "fallen", latino "aboleo" e greco "apollymi" (= IBS 124). Innsbruck 2007. Rez.: D. Petit in BSL 103/2 (2008), 147-150; E. Hill in Kratylos 54 (2009) [2010], 169-172; M. V. Svensson in Baltistica 44-2 (2009), 393-397. Rosemarie Lühr (Hrsg.): Nominale Wortbildung des Indogermanischen in Grundzügen: die Wortbildungsmuster ausgewählter indogermanischer (LQ]HOVSUDFKHQ'U.RYDþ9HUODJ+DPEXUJ%G/DWHLQ$Otgriechisch. Bearb. von Irene Balles; Bd. 2. Hethitisch, Altindisch, Altarmenisch. Bearb. von Joachim Matzinger. Dagmar S. Wodtko, Britta Irslinger, Carolin Schneider: Nomina im Indogermanischen Lexikon. Carl Winter, Heidelberg 2008. Rez.: A. Blanc in BSL 104/2 (2009), 137-143. Abkürzung: NIL 2008. Jeremy Rau: Indo-European nominal morphology: the decads and the caland system (= IBS 132). Innsbruck 2009. $XUHOLMXV 9LMnjQDV 7KH Indo-European primary t-stems (= IBS 133). Innsbruck 2009. Vgl. ferner E. Hill in Nachtrag 17 Nr. 1; E. Tichy (Hrsg.) in Nachtrag 20; Indogermanische Frauennamen 2009 in W 302 (4).

Nachtrag 5. Zur Syntax Indogermanische Syntax. Fragen und Perspektiven. Hrsg. von Heinrich Hettrich unter Mitarbeit von Jeong-Soo Kim. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2002. Rez.: J. Haudry in BSL 99/2 (2004), 117-123; J. H. W. Penney in Kratylos 51 (2006), 92-97.

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Jacob Wackernagel: Lectures on Syntax with special reference to Greek, Latin, and Germanic. Edited with notes and bibliography by David Langslow. Oxford Univ. Press, Oxford 2009. Olav Hackstein: Apposition and Nominal Classification in Indo-European and Beyond (= Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse 798). Verl. der österr. Akad. der Wiss., Wien 2010.

Nachtrag 6. Zum Anatolischen Akten des IV. Internationalen Kongresses für Hethitologie (Würzburg 4.8. Okt. 1999), hrsg. von G. Wilhelm. Wiesbaden 2001. Die Hethiter und ihr Reich. Das Volk der 1000 Götter. Ausstellung Bonn 18. Januar-28. April 2002, Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik, Ausstellungskatalog, Theiss, Darmstadt 2002. Norbert Oettinger: Die Stammbildung des hethitischen Verbums - Nachdruck mit einer kurzen Revision der hethitischen Verbalklassen (= DBH 7). Verlag der TU, Dresden 2002. Mauro Giorgieri (Hrsg.): Licia e Lidia prima dell'ellenizzazione: atti del convegno internazionale, Roma, 11 - 12 ottobre 1999. Consiglio Nazionale delle Ricerche, Roma 2003. Rez.: A. Rizza in Athenaeum 93 (2005), 243-251. Ivo Hajnal: Troia aus sprachwissenschaftlicher Sicht: die Struktur einer Argumentation (= IBS 109). Innsbruck 2003. Rez.: L. Dubois in Kratylos 51 (2006), 197-198. H. Craig Melchert (ed.): The Luwians. Brill, Leiden et al. 2003. (s. auch die Addenda et Corrigenda auf seiner Web-Site). Rez.: E. Rieken in Kratylos 50 (2005), 100-104; I. Singer in BiOr 62 (2005), 430-451; I. Hajnal in ZA 96 (2006), 288-292; I. Yakubovich JNES 66 (2007), 140144. H. Craig Melchert: A dictionary of the Lycian language. Beech Stave Press, Ann Arbor, NY 2004. Rez.: M. J. Kümmel in Informationsmittel (IFB): digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft 15/2, No. 07-2-283. Günter Neumann: Das Lykische und seine Verwandten (= Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, I. Philologisch-Historische Klasse; 2004,7). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004. Raphaël Gérard: Phonétique et morphologie de la langue lydienne. Peeters, Louvain-La-Neuve 2005. (ferner cf. dens.: Un bref aperçu de la langue lydienne. Res Antiquae 6 (2009), 327-336). Rez.: R. Gusmani in Res

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Antiquae 3 (2006), 69-72; E. Rieken in OLZ 101 (2006) 449-451; Cl. Brixhe in BSL 101/2 (2006), 206-209; I. Yakubovich in JNES 68.1 (2009), 43-45. Santiago Pérez Orozco: La Lengua Sidética – Ensayo de síntesis. Kadmos 46 (2007), 125-142. Ignacio-Javier Adiego Lajara: The Carian language: with an appendix by Koray Konuk. Brill, Leiden et al 2007. Günter Neumann: Glossar des Lykischen. Überarbeitet und zum Druck gebracht von Johann Tischler. Harrassowitz, Wiesbaden 2007. Rez.: M. Janda in OLZ 104 (2009), 452-455; H. C. Melchert in Kratylos 54 (2009) [2010], 127-130. Norbert Oettinger: Gab es einen Trojanischen Krieg?: zur griechischen und anatolischen Überlieferung; vorgetragen in der Sitzung vom 4. Mai 2007 (= Sitzungsberichte / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse; 2007,4). Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaft, München 2007. Harry A. Hoffner, Jr. and H. Craig Melchert: A grammar of the Hittite language. Eisenbrauns, Winona Lake 2008. (Corrigenda auf der WebSite von Eisenbrauns). Rez.: R. Francia in Or N.S. 78 (2009), 222227. Maciej Popko: Völker und Sprachen Altanatoliens: aus dem Polnischen übersetzt von Cyril Brosch. Harrassowitz, Wiesbaden 2008. Rez.: H. C. Melchert in JAOS 128 (2008), 763-764. Johann Tischler: Hethitisches Handwörterbuch: mit dem Wortschatz der Nachbarsprachen. 2. vermehrte und verbesserte Auflage (= IBS 128). Innsbruck 2008. Incontri Linguistici 32 (2009): L’ittitologia cent’anni dopo. Annick Payne: Hieroglyphic Luwian: An Introduction with Original Texts. A comprehensive and concise introduction to Hieroglyphic Luwian, an early Indo-European language used c. 14th-8th century BC in Ancient Anatolia. Harrassowitz, Wiesbaden 22009. Frank Rumscheid: Die Karer und die Anderen: internationales Kolloquium an der Freien Universität Berlin, 13. bis 15. Oktober 2005. Habelt, Bonn 2009. Christian Marek: Geschichte Kleinasiens in der Antike. C. H. Beck, München 2010. Vgl. ferner Nachtrag 18 Nr. 5; Nachtrag 19 Nr. 2; O. Carruba (Hrsg.) in Nachtrag 20.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

107

Nachtrag 7. Zum Tocharischen Haruyuki Saito: Das Partizipium Präteriti im Tocharischen. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006. Rez.: G.-J. Pinault in OLZ 104.4-5 (2009), 398-410; R. Kim in JAOS 128.1 (2008), 139-42. Melanie Malzahn (Hrsg.): Instrumenta Tocharica. Carl Winter, Heidelberg 2007. Rez.: R. Kim in JAOS 128.4 (2008), 784-788. Michaël Peyrot: Variation and Change in Tocharian B (LSIE 15). Rodopi, Amsterdam – New York 2008. Rez.: R. Kim in Language 85.3 (2009), 736-740; M. Malzahn in OLZ 105/2 (2010), 249-252. Georges-Jean Pinault: Chrestomathie tokharienne: textes et grammaire. Peeters, Leuven – Paris 2008. Gerd Carling: Dictionary and thesaurus of Tocharian A: A – J. Harrassowitz, Wiesbaden 2009. Vgl. ferner Melanie Malzahn in Nachtrag 19 Nr. 3.

Nachtrag 8. Zum Indo-Iranischen K. Kupfer: Die Demonstrativpronomina im Rigveda. Frankfurt 2002. Hartmut Katz: Studien zu den älteren indoiranischen Lehnwörtern in den uralischen Sprachen. Aus dem Nachlaß hrsg. von Paul Widmer. Carl Winter, Heidelberg 2003. Rez.: R. Anttila in JIES 34.1/2 (2006), 231236; G.-J. Pinault in BSL 102/2 (2007), 249-253. Michiel de Vaan: The Avestan Vowels. Rodopi, Amsterdam – New York 2003. Rez.: I. Yakubovich in JIES 32.3/4 (2004), 387-395; X. Tremblay in BSL 100/2 (2005), 145-173; M. Janda in Kratylos 51 (2006), 102-115; M. J. Kümmel in IIJ 50/3 (2007), 273-283. Masato Kobayashi: Historical phonology of Old Indo-Aryan consonants. Research Inst. for Languages and Cultures of Asia and Africa, Tokyo Univ. of Foreign Studies, Tôkyô 2004. Rez.: P. Widmer in Kratylos 52 (2007), 50-56. Karl Hoffmann, Bernhard Forssman: Avestische Laut- und Flexionslehre. 2. durchges. und erw. Aufl. (= IBS 115), Innsbruck 2004. Rez.: M. de Vaan in Kratylos 51 (2006), 188-189; X. Tremblay in BSL 102/2 (2007), 242-245. Manfred Mayrhofer: Die Fortsetzung der indogermanischen Laryngale im Indo-Iranischen. Verlag der Österr. Akad. der Wiss., Wien 2005. Rez.: Ch. de Lamberterie in BSL 101/2 (2006), 185-191; M. de Vaan in OLZ 102 (2007) 222-; M. Meier-Brügger in Kratylos 53 (2008), 192-.

108

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

François Heenen: Le désidératif en Vedique. Rodopi, Amsterdam - New York 2006. Rez.: G.-J. Pinault in BSL 102/2 (2007), 226-233; M. J. Kümmel in IIJ 53 (2010), 179-184. Manfred Mayrhofer: Einiges zu den Skythen, ihrer Sprache, ihrem Nachleben. Verl. der Österr. Akad. der Wiss., Wien 2006. Rez.: A. Christol in BSL 103/2 (2008), 158-159. cf. auch Peter Raulwing in Die Sprache 47 (2007/2008) [2009/2010], 48-76 Eva Tichy: Der Konjunktiv und seine Nachbarkategorien: Studien zum indogermanischen Verbum, ausgehend von der älteren vedischen Prosa. Hempen Verlag, Bremen 2006. Rez.: G.-J. Pinault in BSL 102/2 (2007), 233-241; P.-A. Mumm in Kratylos 53 (2008), 71-78. Bertil Tikkanen und Heinrich Hettrich (Hrsgg.): Themes and tasks in Old and Middle Indo-Aryan linguistics. Motilal Banarsidass, Delhi et al. 2006. Rez.: D. Kölligan in Kratylos 54 (2009) [2010], 138-141. 0LFKDHO:LW]HOXQG7RVKLIXPL*RWǀ5LJ-Veda: das heilige Wissen; erster und zweiter Liederkreis. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main et al. 2007. Rez.: M. Mayrhofer in HS 121 (2008), 300-305. Reiner Lipp: Die indogermanischen einzelsprachlichen Palatale im Indoiranischen. Carl Winter, Heidelberg 2009. Rüdiger Schmitt: Die altpersichen Inschriften der Achaimeniden: editio minor mit deutscher Übersetzung. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2009. Helmut Humbach and Klaus Faiss (edd.): Zarathushtra and his Antagonists. A Sociolinguistic Study with English and German Translation of His Gathas (SZ). Ludwig Reichert, Wiesbaden 2010. Thomas Krisch: RIVELEX. Rigveda-Lexikon / A Rigvedic Lexicon. Band 1 Wörter beginnend mit „a“. Unter Mitarbeit von Christina Katsikadeli, Stefan Niederreiter und Thomas Kaltenbacher. Leykam, Graz 2006. Rez.: G.-J. Pinault in BSL 102/2 (2007), 218-225; M. Albino in PFU 11-12 (2005/2006) [2010], 81-92. J. Martínez & M. de Vaan: Introducción al Avéstico. Éd. Clásicas, Madrid 2001. Rez.: X. Tremblay in BSL 100/2 (2005), 144-145. Vgl. ferner in Nachtrag 17 die Nummern 4, 7, 9 und 10; in Nachtrag 18 die Nummern 2, 3 und 12; in Nachtrag 19 Nr. 5.

Nachtrag 9. Zum Griechischen Olav Hackstein: Die Sprachform der homerischen Epen. Faktoren morphologischer Variabilität in literarischen Frühformen: Tradition, Sprachwandel, Sprachliche Anachronismen. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2002. Rez.: B. Vine in Kratylos 51 (2006), 144-149.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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$QWRQtQ %DUWRQČN +DQGEXFK GHV P\NHQLVFKHQ *ULHFKLVFK &DUO :LQWHU Heidelberg 2003. Rez.: N. Guilleux in BSL 100/2 (2005), 186-193; R. Plath in Kratylos 53 (2008), 209-211. Manfred Brust: Die indischen und iranischen Lehnwörter im Griechischen (= IBS 118). Innsbruck 2005. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 52 (2007), 76-86. A. Bernabé & E. R. Luján: Introduccíon al griego micénico: gramática, selección de textos y glosario. Dep. de Ciencias de la Antigüedad, 2006. Rez.: N. Guilleux in BSL 104/2 (2009), 172-179. Anastasios-3KRLERV&KULVWLGƝV HG $KLVWRU\RIDQFLHQW*UHHNIURPWKH beginnings to late antiquity. Cambridge Univ. Press, Cambridge et al. 2006. Rez.: J. Matzinger in Kratylos 54 (2009) [2010], 191-196. InL 29 (2006). [Die Hälfte des Bands ist für das Gr. gewidmet]. Yves Duhoux and Anna Morpurgo Davies (edd.): A Companion to Linear B: Mycenaean Greek Texts and Their World, Volume 1. Peeters, Louvain-la-Neuve – Dudley, MA 2008. Stephen Colvin: A historical Greek reader: Mycenaean to the Koiné. Oxford Univ. Press, Oxford et al. 2009. Rez.: M. Beckwith in JIES 37.1/2 (2009), 268-272. Markus Egetmeyer: Le Dialecte Grec Ancien de Chypre, Tome I: Grammaire; Tome II: Répertoire des inscriptions en syllabaire chypro-grec. Walter de Gruyter, Berlin – New York (erscheint August 2010). Robert Fischer: Die AŸŸijawa-Frage, Mit einer kommentierten Bibliographie. Wiesbaden 2010. Vgl. ferner N. Oettinger in Nachtrag 6; Nr. 6 in Nachtrag 17; Nr. 10 in Nachtrag 18; I. Hajnal (Hrsg.) in Nachtrag 20.

Nachtrag 10. Zum Italischen Philip Baldi: The foundations of Latin. Berlin und New York 1999. Thomas Lindner: Lateinische Komposita: morphologische, historische und lexikalische Studien (= IBS 105). Innsbruck 2002. Rez.: R. Müller in Kratylos 50 (2005), 137-141. Helmut Rix: Sabellische Texte: die Texte des Oskischen, Umbrischen und Südpikenischen. Carl Winter Verlag, Heidelberg 2002. Rez.: P. Flobert in BSL 98/2 (2003), 268-271; R. Wallace in Kratylos 50 (2005), 117-122.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Gerhard Meiser: Veni vidi vici: die Vorgeschichte des lateinischen Perfektsystems. Beck, München 2003. Rez.: R. Garnier in BSL 99/2 (2004), 168-177; P. Schrijver in Kratylos 51 (2006), 46-64. Gerhard Meiser: Historische Laut- und Formenlehre der lateinischen Sprache. Wissenschaftlich Buchgesellschaft, Darmstadt 22006 (3. Auflage im Oktober 2010 vorgesehen). Rex E. Wallace: The Sabellic languages of ancient Italy. LINCOM EUROPA, München 2007 Bettina Bock: Die einfach thematischen Präsentien in der dritten Konjugation des Lateinischen. Leykam, Graz 2008. James Clackson and Geoffrey Horrocks: The Blackwell history of the Latin language. Blackwell, Malden 2008. Mariona Vernet i Pons: La Segona Conjugació Verbal Llatina: Estudi Etimològic i Comparatiu sobre l’Origen Protoindoeuropeu de la Formació dels seus Temes Verbals (= Col.Lecció, cum laude, 1). Món Juïc Institut d’Estudis, Barcelona 2008. Rez.: R. Garnier in BSL 104/2 (2009), 192-202. Michael Weiss: Outline of the Historical and Comparative Grammar of Latin. Beech Stave Press, Ann Arbor 2009 (up-date unter: http://ohcgl.blogspot.com). P. Kruschwitz: Römische Inschriften und Wackernagels Gesetz. Carl Winter, Heidelberg 2004. Rez.: E. Dupraz in BSL 101/2 (2006), 219-222. Vgl. ferner Messapisch in Nachtrag 16; Nr. 3 in Nachtrag 17; Nr. 7 in Nachtrag 18; Nr. 1 in Nachtrag 19.

Nachtrag 11. Zum Keltischen Patrick Sims-Williams: The Celtic Inscriptions of Britain. Phonology and Chronology, c. 400 – 1200. Blackwell Publishing, Oxford – Boston 2003. Rez.: A. Blanc in Kratylos 52 (2007), 220-222. Stefan Schumacher: Die keltischen Primärverben: ein vergleichendes, etymologisches und morphologisches Lexikon (= IBS 110). Innsbruck 2004. Rez.: D. S. Wodtko in Kratylos 54 (2009) [2010], 66-69. Kim McCone: A first Old Irish grammar and reader: including an introduction to Middle Irish. National University of Ireland, Department of Old and Middle Irish, Maynooth 2005. Rez.: D. S. Wodtko in Kratylos 53 (2008), 229. John T. Koch (Ed.): Celtic Culture: A Historical Encyclopedia (5 Bds.). ABC-CLIO, Santa Barbara 2006. Rez.: D. S. Wodtko in Kratylos 54

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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(2009) [2010], 162-165; D. Stifter in Keltische Forschungen 3 (2008), 267–291. Kim McCone: The origins and development of the insular Celtic verbal complex. National University of Ireland, Department of Old Irish, Maynooth 2006. Patrick Sims-Williams: Ancient Celtic place-names in Europe and Asia Minor.: Blackwell Publishing, Oxford – Boston 2006. David Stifter: Sengoídelc. Old Irish for Beginners. Syracuse University Press, Syracuse NY 2006. Rez.: G. Isaac in Journal of Celtic Linguistics 12 (2008), 139–160. Graham R. Isaac: Studies in Celtic sound changes and their chronology (= IBS 127). Innsbruck 2007. Raimund Karl and David Stifter (edd.): The Celtic World: critical concepts in historical studies. Routledge, London et al. 2007. Frederik H. H. Kortlandt: Italo-Celtic origins and prehistoric development of the Irish language. Rodopi, Amsterdam – New York 2007. Rez.: M. Kalíková in JIES 37.3/4 (2009), 536-540; D. S. Wodtko in Kratylos 54 (2009) [2010], 159-162. Pierre-Yves Lambert et G.-J. Pinault (édd.): Gaulois et celtique continental. Droz, Genève 2007. Alexandre I. Falileyev: Le Vieux-Galloise. Universitätsverlag Potsdam, 2008 Henry Lewis: Die kymrische Sprache: Grundzüge ihrer geschichtlichen Entwicklung. Dt. Bearb. von Wolfgang Meid. - 2., rev. Aufl.. - (= IBS 57). Innsbruck 22008. Stefan Zimmer (Hrsg.): Die Kelten: Mythos und Wirklichkeit. Theiss, Stuttgart 22009. Peter Busse: Cynddelw Brydydd Mawr – Archaismus und Innovation: Sprache und Metrik eines kymrischen Hofdichters des 12. Jahrhunderts. Nodus Publications, Münster 2002. Vgl. ferner Nr. 8 in Nachtrag 17; Nr. 9 in Nachtrag 18. Nachtrag 12. Zum Germanischen Klaus Düwel: Runenkunde. 3. Aufl. 2001. Stefan Schaffner: Das Vernersche Gesetz und der innerparadigmatische grammatische Wechsel des Urgermanischen im Nominalbereich (= IBS 103). Innsbruck 2001. Rez.: F. Heidermanns in Kratylos 50 (2005), 146-153.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Ernst A. Ebbinghaus: Gotica: kleine Schriften zur gotischen Philologie. Hrsgg. von Piergiuseppe Scardigli und Wolfgang Meid (= IBS 107). Innsbruck 2003. Rez.: N. Wagner in Kratylos 50 (2005), 219-220. Sergio Neri: I sostantivi in "-u" del gotico: morfologia e preistoria (= IBS 108), Innsbruck 2003. Rez.: K. Stüber in Kratylos 50 (2005), 224227. Berthold Forssman: Studien zu einer runenschwedischen Grammatik. Hamburg 2002. Antje Casaretto: Nominale Wortbildung der gotischen Sprache: die Derivation der Substantive. Carl Winter Verlag, Heidelberg 2004. Rez.: J. A. Harÿarson in Kratylos 54 (2009) [2010], 13-24. Oskar Bandle (edd.): The Nordic Languages: Ana International Handbook of the History of the North Germanic Languages. De Gruyter, Berlin – New York 2005. Alfred Bammesberger (Hrsg.): Das Fuþark und seine einzelsprachlichen Weiterentwicklungen: Akten der Tagung in Eichstätt vom 20. bis 24. Juli 2003 (= RGA, Erg.-Bd. 51). De Gruyter, Berlin – New York 2006. Robert Nedoma: Kleine Grammatik des Altisländischen. Carl Winter, Heidelberg 22006. Don Ringe: A History of English. Volume 1. From Proto-Indo-European to Proto-Germanic Oxford University Press, Oxford 2006. Rez.: M. Schulte in JIES 35.1/2 (2007), 399-410; S. Neri in Kratylos 54 (2009) [2010], 1-13. Stefan Müller: Zum Germanischen aus laryngaltheoretischer Sicht: mit einer Einführung in die Grundlagen. Walter de Gruyter, Berlin u.a. 2007. Rez.: P. Widmer in Zeitschrift für deutsche Philologie 128/3 (2009), 445-447. Günter Neumann: Namenstudien zum Altgermanischen (= RGA Erg.-Bd. 59). Hrsg. von Heinrich Hettrich. De Gruyter, Berlin – New York 2008. Vgl. ferner N.1 und Nr. 11 in Nachtrag 18; die Hrsg. H. Eichner, M. Kozianka und M. A. Fritz in Nachtrag 20. Nachtrag 13. Zum Armenischen Frederik H. H. Kortlandt: Armeniaca: comparative notes. With an appendix on the historical phonology of classical Armenian by Robert S. P. Beekes. Caravan Books, Ann Arbor 2003. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 50 (2005), 207-209.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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Joachim Matzinger: Untersuchungen zum altarmenischen Nomen: die Flexion des Substantivs. Röll, Dettelbach 2005. Rez.: B. A. Olsen in Kratylos 54 (2009) [2010], 121-127. Rüdiger Schmitt: Grammatik des Klassisch-Armenischen mit sprachvergleichenden Erläuterungen (= IBS 123). Innsbruck 22007. Vgl. ferner Nr. 8 in Nachtrag 18. Nachtrag 14. Zum Albanischen Guillaume Bonnet: II. Albanais. In: LALIES 24 (2004), 109-146. Wilfried Fiedler: Das albanische Verbalsystem in der Sprache des Gjon Buzuku (1555). Prishtinë 2004. Rez.: St. Schumacher in SüdostForschungen 63/64 (2004/2005) [2007], 740–746. Joachim Matzinger: Der altalbanische Text Mbsuame e kreshtere (Dottrina cristiana) des Leke Matrenga von 1592: eine Einführung in die albanische Sprachwissenschaft. Röll, Dettelbach 2006. Rez.: B. Demiraj in Kratylos 54 (2009) [2010], 197-200; D. Petit in BSL 104/2 (2009), 162-164. Bardhyl Demiraj (Hrsg.): Nach 450 Jahren Buzukus »Missale« und seine Rezeption in unserer Zeit 2. Deutsch-Albanische kulturwissenschaftliche Tagung in München vom 14. bis 15. Oktober 2005. Harrassowitz, Wiesbaden 2007. Rez.: M. de Vaan in Kratylos 54 (2009) [2010], 200-202. Vgl. ferner J. Matzinger in Nachtrag 16.

Nachtrag 15. Zum Baltoslavischen Berthold Forssman: Lettische Grammatik. Dettelbach 2001. Berthold Forssman: Das baltische Adverb. Heidelberg 2003. Wolfgang Hock: Baltoslav. Forschungsberichte. in Kratylos 49-51 (20042006). Daniel Petit: Apophonie et catégories grammaticales dans les langues baltiques. Peeters, Leuven – Paris 2004. Rez.: Cl. Le Feuvre in BSL 100/2 (2005), 321-325; J. H. Larsson in Kratylos 53 (2008), 147-156. :RMFLHFK 6PRF]\ĔVNL /H[LNRQ GHU DOWSUHX‰Lschen Verben (= IBS 117). Innsbruck 2005. Rez.: Cl. Le Feuvre in BSL 101/2 (2006), 202-205; D. Petit in Kratylos 52 (2007), 119-128. Claire le Feuvre: I. Vieux Russe. LALIES 27 (2007), 5-112. Thomas Olander: Balto-Slavic Accentual Mobility. Mouton de Gruyter, Berlin – New York 2009.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

Frederik H. H. Kortlandt: Baltica & Balto-Slavica (LSIE 16). Rodopi, Amsterdam – New York 2009. Vgl. ferner Nr. 4 in Nachtrag 18 (R. Derksen) und Nr. 4 in Nachtrag 19 (D. Petit Untersuchungen zu den baltischen Sprachen 2010).

Nachtrag 16. Zu den Trümmersprachen Heiner Eichner: Illyrisch – die unbekannte Sprache. In: Die Illyrer. Archäologische Funde des 1. Vorchristlichen Jahrtausends aus Albanien. Museum für Urgeschichte Asparn a.d. Zaya, 2004, 92-117. Joachim Matzinger: Messapisch und Albanisch. IJDL (zur Abkürzung s. Nachtrag 24) 2 (2005), 29-54. Monumenta Linguae Messapicae Vol. 1 and Vol. 2.: Hrsgg. von Carlo de Simone und S. Marchesini. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2002. Rez.: Cl. Brixhe in BSL 99/2 (2004), 177-180; R. Wallace in Kratylos 50 (2005), 141-146. Claude Brixhe: Prolégomènes au corpus néo-phrygien. BSL 94.1 (1999), 285-316. - ders.: Corpus des inscriptions paléo-phrygiennes. — Supplément I. In: Kadmos 41 (2002), 1-102. — ders.: Corpus des inscriptions paléo-phrygiennes — Supplément II. In: Kadmos 43 (2004), 1130. — ders.: Nouvelle chronologie anatolienne et date d’élaboration des alphabets grec et phrygien. In: CRAI 2004 Janvier-Mars, Paris 2004, 271-289. Claude Brixhe: Zôné et Samothrace: Lueurs sur la Langue Thrace et Nouveau Chapitre de la Grammaire Comparée? In: CRAI 2006 JanvierMars, Paris 2006, 121-146 Wojciech Sowa : Studien zum Phrygischen. Cuvillier Verlag, Göttingen 2008. Rez.: D. Petit in BSL 104/2 (2009), 147-148.

Nachtrag 17. Münchner Forschungen zur historischen Sprachwissenschaft (= MFhS) (im Hempen Verlag in Bremen) 1. Eugen Hill: Untersuchungen zum inneren Sandhi des Indogermanischen: der Zusammenstoß von Dentalplosiven im Indoiranischen, Germanischen, Italischen und Keltischen. 2003. Rez.: A. Bammesberger in HS 116 (2003), 314-317; J. Matzinger in Kratylos 51 (2006), 97-102. 2. Peter Schrijver und Peter-Arnold Mumm (Hrsgg.): Sprachtod und Sprachgeburt. 2004.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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3. Markus Hartmann: Die frühlateinischen Inschriften und ihre Datierung: eine linguistisch-archäologisch-paläographische Untersuchung. 2005. Rez.: E. Dupraz in BSL 102/2 (2007), 273-275; R. E. Wallace in Kratylos 54 (2009) [2010], 74-79. 4. Irene Balles: Die altindische Cvi-Konstruktion: Form, Funktion, Ursprung. 2006. 5. Hartmut Katz: Kleine Schriften. Unter Mitarbeit von V. Mock herausgegeben von P.-A. Mumm, G. Klumpp und D. Strehle. 2007. Rez.: A. Widmer in Kratylos 54 (2009) [2010], 214-216. 6. Daniel Kölligan: Suppletion und Defektivität im griechischen Verbum. 2007. 7. Eugen Hill: Die Aorist-Präsentien des Indoiranischen: Untersuchungen zur Morphologie und Semantik einer Präsensklasse. 2007. 8. Karin Stüber: Der altirische do-Infinitiv – eine verkannte Kategorie. 2009. 9. Kyoko Amano: Maitrayani Samhita I-II: Übersetzung der Prosapartien mit Kommentar zur Lexik und Syntax der älteren vedischen Prosa. 2009. 10. Jeong-Soo Kim: Untersuchungen zu altindischen Abstrakta und Adjektiven im Rigveda und Atharvaveda: Die primären a-Stämme und die ana-Stämme. 2010.

Nachtrag 18. Leiden Indo-European Etymological Dictionary (im Brill Verlag, Leiden et al.) 1. Old Frisian Etymological Dictionary (2005) by Dirk Boutkan and Sjoerd Michiel Siebinga. 2. Etymological Dictionary of the Iranian Verb (2007) by Johnny Cheung. Rez.: R. Schmitt in HS 120 (2007), 311-316. 3. The Origin of the Indo-Iranians (2007) by Elena E. Kuz'mina. Edited by J.P. Mallory. Rez.: R. Schmitt in Kratylos 54 (2009) [2010], 153-157. 4. Etymological Dictionary of the Slavic Inherited Lexicon (2008) by Rick Derksen. Rez.: C. Le Feuvre in BSL 104/2 (2009), 148-150 ; R. Fecht in PFU 11-12 (2005/2006) [2010], 105-110. 5. Etymological Dictionary of the Hittite Inherited Lexicon (2008) by Alwin Kloekhorst 6. Reconstructing Proto-Nostratic (2008) by Allan R. Bomhard. 7. Etymological Dictionary of Latin (2008) by Michiel de Vaan. Rez.: J.P. Brachet in BSL 104/2 (2009), 187-192.

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Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

8. Etymological Dictionary of the Armenian Inherited Lexicon (2010) by Hrach K. Martirosyan. 9. Etymological Dictionary of Proto-&HOWLF  E\5DQNR0DWDVRYLü 10. Etymological Dictionary of Greek (2010) by Robert Beekes with the assistance of Lucien van Beek. 11. Etymological Dictionary of Proto-Germanic (in Vorbereitung) by Guus Kroonen. 12. Etymological Dictionary of Persian (in Vorbereitung) by Garnik Asatrian.

Nachtrag 19. Brill's Studies in Indo-European Languages & Linguistics (Hrsgg. von H. C. Melchert & O. Hackstein. Brill, Leiden et al.) 1. Language and Ritual in Sabellic Italy (2010) by Michael Weiss. 2. Sociolinguistics of the Luvian Language (2010) by Ilya Yakubovich. 3. The Tocharian Verbal System (2010) by Melanie Malzahn. 4. Untersuchungen zu den baltischen Sprachen (2010) von Daniel Petit. 5. Time, Tense and Aspect in Early Vedic Grammar (2010) by Eystein Dahl.

Nachtrag 20. Tagungs- und Kongressbände Heiner Eichner und Robert Nedoma (Hrsgg.): insprinc haptbandun. Referate des Kolloquiums zu den Merseburger Zaubersprüche auf der XI. Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft in Halle (Saale) (17.-23. September 2000). in: Die Sprache 41.2 (1999) [2002], 87-228. Teil II, in: Die Sprache 42.1-2 (2001/02) [2003]. Rez.: J. A. Harÿarson in Kratylos 53 (2008), 156-167. Onofrio Carruba (Hrsg.): Anatolisch und indogermanisch: Akten des Kolloqiums der Indogermanischen Gesellschaft, Pavia, 22. - 25. September 1998 = Anatolico e indoeuropeo (= IBS 100). Innsbruck 2001. Rez.: J. Tischler in Kratylos 49 (2004), 97-101; X. Tremblay in BSL 99 (2004), 124-141. Eva Tichy (Hrsg.): Indogermanisches Nomen: Derivation, Flexion und Ablaut; Akten der Arbeitstagung der Indogermanischen Gesellschaft, Freiburg, 19. bis 22. September 2001. Hempen, Bremen 2003. Rez.: L. Kulikov in Kratylos 51 (2006), 89-92.

Bibliographie mit den verwendeten Kurztiteln

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170

I. Zur Einleitung

me, der vom Männernamen $QGURYPDFR im Sinn von 'einer, der mit Männern kämpft' aus gebildet ist. Mehr ist nicht. (7) Beim zweiten Beispiel geht es um den Erstsilbenakzent, der in Abweichung vom üblichen freien Akzent das Italische, das Keltische und das Germanische charakterisiert. "Die drei indogermanischen Initialakzentsprachen waren in vorgeschichtlicher Zeit Nachbarsprachen ... Dies legt es nahe, ein areales Phänomen zu vermuten, also eine Sprachkontakterscheinung, ein Sprachbundphänomen." (528ff.) Vennemann steht in diesem Fall in der Forschung nicht allein. Es wird aber vergessen, daß auch hier die Sachlage komplexer ist. Ich gehe nur auf das Italische ein. Im Lateinischen ist die sogenannte Vokalschwächung in Mittelsilben die unmittelbare Konsequenz des Initialakzentes. Die ältesten lateinischen Inschriften sind davon aber noch nicht betroffen und so wird das Aufkommen der Vokalschwäche ins 6. bzw. 5. Jh. v. Chr. datiert. Das benachbarte Etruskische und das benachbarte Sabellische zeigen ähnliche Phänomene. Es ist unstrittig, daß hier areale Phänomene vorliegen. Es läßt sich die Existenz einer mittelitalischen Koine nachweisen, die in Bereichen wie Alphabet, Zahlzeichen, Gentilnamensystem und religiösen Gebräuchen und Namen stammübergreifend gewirkt hat. Diese Koine ist aber nicht so alt, daß man sie dem Einfluß des Vaskonischen anlasten kann. Kurz, die postulierte Wirkungsmacht des Vaskonischen ist hier alles andere als gesichert. (8) Greift man zum Versuch eines Szenarios der sprachlichen Vorgeschichte Europas, so bleibt notgedrungen nur der Griff zu Spekulationen. Nach Vennemann durchlief Old Europe nördlich der Alpen die folgenden sprachrelevanten Phasen: I) "Nach der letzten Eiszeit vor ca. zehntausend Jahren ist das menschenleere Europa nördlich der Gebirge von seiner südlichsten Region aus in Besitz genommen worden. Dies war Südfrankreich, und Südfrankreich war vaskonisch" (846). Vennemann definiert vaskonische Sprachen als "frühe, noch in vor- oder frühgeschichtlicher Zeit ausgestorbene Verwandte des heutigen Baskisch" (454). Die meisten west- und mitteleuropäischen Gewässernamen gingen auf deren Kosten. Von daher das Schlagwort "Europa Vasconica". II) Das frühe Vorhandensein von Sprechern des Afro-Asiatischen (Atlantischen) (206), "frühe, ebenfalls noch in vor- oder frühgeschichtlicher Zeit ausgestorbene Verwandte der geschichtlichen und der heutigen hamito-semitischen Sprachen" (454). So sollen in Nordwesteuropa

D. Übersicht über die idg. Sprachen und ihre Quellen

171

Atlantiker die inselkeltischen Sprachen beeinflußt haben. Von daher das Schlagwort "Europa Semitica". III) Die "Erste" Ausbreitung der Indogermanen, die agrarische Expansion "nach Europa hinein" (848). Das Urgermanische soll unter Einfluß des vaskonischen Substrats und des atlantischen Superstrats entstanden sein. IV) "Die spätere "Zweite" Ausbreitung der Indogermanen, die militärische Expansion "aus Europa heraus" (848). (9) Vennemanns Szenario ist eine interessante Hypothese (Theorie), die weder verifiziert noch falsifiziert werden kann. Wenn I mit II und III mit IV zusammengelegt werden und im ersten Fall statt von Vaskonisch und Altlantisch vorsichtiger von einem noch genauer zu bestimmenden Vorurindogermanisch gesprochen wird, im zweiten Fall von der Ankunft und Ausdehnung der Indogermanen, dann könnte man sicher zustimmen. Die von Vennemann vorgenommene Differenzierung ist aber diskutabel. Bei I ist das Vaskonische Kind seiner Forschungen. Bei II spielen unindogermanisch anmutende keltische Besonderheiten eine wichtige Rolle, die auch andere Forscher beobachtet und beschrieben haben. III bezieht sich auf Forschungen, die einen Zusammenhang zwischen dem Vordringen des Ackerbaus und der Ausbreitung indogermanischer Sprachen für schlüssig halten. Vennemann betont mit Nachdruck deren Friedfertigkeit (so 22f.). Bei IV handelt es sich um die bekannten Einwanderungen von Indogermanen, wie sie in Italien oder in Griechenland zu verzeichnen sind. Hier soll die Phase unter militärischen Vorzeichen gestanden haben, vgl. "Militärischer Druck" (24), "Militarisierung Europas" (31, Anm. 2), "indem die Indogermanen später ... sich dort militärisch zu einer Oberschicht aufwarfen" (456). Meist beginnt das Referat mit linguistischen Aussagen, dann wird die Argumentation in nichtlinguistische Bereiche weitergeführt. Vennemann zeichnet sein Szenario mit weitem Horizont. Man möchte ihm oft gern folgen. Leider geben aber die uns zur Verfügung stehenden Materialien und Informationen die Bestätigung nicht her. Wir historischvergleichenden Sprachwissenschaftler bauen alle an der Erhellung der sprachlichen Vorgeschichte Europas. Ziel ist es, alle Daten zu sammeln, verfügbar zu machen und adäquat dem tatsächlichen historischen Ablauf entsprechen zu deuten und zu verstehen. Jede beteiligte Disziplin erbringt im Rahmen ihrer Grenzen einzelne Erkenntnisse, ein Gesamtbild gelingt aber – wenn überhaupt – nur im Dialog von Sprachwissenschaft, Archäologie, Historie, Genetik u.a.m. Und die Wissenschaft muß notfalls auch dazu stehen, daß interessierende Fragen mit dem uns zur Verfügung stehenden sprachlichen und archäologischen Material nicht oder nur an-

172

I. Zur Einleitung

satzweise beantwortbar sind. Vennemanns Arbeiten reiten nach dem Echo zu schließen auf der Welle eines größeren Publikumsinteresses. Sie beruhen aber, wenn man genauer hinschaut und sich auf die Einzelheiten einläßt, zu stark auf idiosynkratischen Pfaden. (10) Ein Verdienst bleibt. Vennemann fordert die Indogermanistik heraus und rüttelt sie auf. Er hat dies 1996 an der Fachtagung der indogermanischen Gesellschaft in Innsbruck direkt formuliert (463-465). Das Gemeinsame der indogermanischen Sprachen stehe zurecht im Blick. Es fehle aber ein ausgeprägtes Interesse auch für die Verschiedenheiten. "Diese ... zu erklären gehört ebenfalls in den Aufgabenbereich der Indogermanistik; es ist ihre andere Hälfte" (464). "Gerade bei den west-indogermanischen Sprachen ... kann von einer ernsthaften Bemühung der Indogermanistik um eine Erschließung der vor-indogermanischen Substrate und weiterer vorindogermanischen Kontaktsprachen kaum die Rede sein" (464f.) Die Materie ist aber zugegeben schwierig und schwer zu handhaben. Und deshalb die Zurückhaltung der Indogermanistik. Wo wegen der Materiallage nicht viel gesagt werden kann, kann eben nicht viel gesagt werden, auch wenn wir alle, die Presse und das interessierte Publikum das noch so gerne hätten. Die eigenen, offen als Spekulationen bezeichneten Szenarien dennoch publikumswirksam und populärwissenschaftlich zu vermarkten, ist eine Versuchung, der man nicht erliegen sollte. Man leistet so schlußendlich den ernsthaften Versuchen, die sprachliche Vorgeschichte Europas zu erhellen, nur einen Bärendienst.

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache 1. Rekonstruktionsbeispiele E 500. Um die verschiedenen Probleme der Rekonstruktion deutlich werden zu lassen, beginne ich mit drei Beispielen, einem aus dem Gebiet der Lautlehre (E 501), einem aus dem Gebiet der Formenlehre des Verbums (E 502-505) und einem aus dem Gebiet des Wortschatzes (E 506).

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

173

E 501. Das erste Beispiel zielt auf die Lautlehre und wird gern im akademischen Unterricht verwendet: % M. Mayrhofer in AÖAW 117 1980 p. 364. 1) ŸDie lat. Verbalwurzel für ‘schneien’ ist im Ausgang nicht einheitlich, vgl. einerseits nigu- im verbalen ni-n-gu-it ‘es schneit’ (der Präsensstamm stellt ein sogenanntens -n-Infix-Präsens dar, s.u. F 203 (1) LIV-Typ 1k), andererseits nik- und niv- im verbalen Abstraktum (nik- im Nom.Sg. nix mit i.e. ks; niv- dagegen im Gen.Sg. nivis). Der Vergleich der drei Formen läßt hier exemplarisch für viele andere Beispiele eine Erkenntnismethode einbringen, die schon der altindischen und der byzantinischen Grammatik bekannt war: die interne Rekonstruktion (d.h. das Schließen aus den Gegebenheiten einer einzigen Sprache). Sie geht von der Überzeugung aus, daß die drei Formen nigu-, nik- und niv- auf eine einheitliche Wurzel zurückgehen müssen. Nimmt man in einem ersten Versuch nik- als Ausgangsform an, so ist dann nicht einsichtig, warum ihr nicht strukturgerechte lateinische Formen wie Gen.Sg.*nik-is * und *nin-k-it * entsprechen. Zweiter Versuch: Ist niv- primär, so ist als Nominativ *nips und als Verbum *ninvit zu erwarten. Dritter Versuch: Die Rechnung geht dann auf, wenn der im Präs.St. ni-n-gu-it vorliegende Stamm *nigý- als primär angesehen wird. Man muß dann annehmen, daß beim Nom.Sg. *nigý-s das vor -s stehende -gý- in phonetisch plausibler Weise zuerst das labiale Element ý und dann den Stimmton verloren hat. Ebenso ist die Veränderung von *nigýis zu nivis glaubhaft. Aus dem Lat. wird also in interner Rekonstruktion zunächst für die fragliche Wurzel die Ausgangsform *nigý- erschlossen. 2) Die vergleichende sog. externe Rekonstruktion, welche die Aussagen aller verwandten Sprachen mit einbringt, bestätigt das intern gewonnene Resultat, indem sie es ergänzt. Aus gr. Akk.Sg. QLYI-D (1x Hesiod) ‘fallender Schnee’ geht hervor, daß der Labiovelar behaucht war, also statt *nigý- genauer ein *nigý£- anzunehmen ist (zum Lautwandel von gr. p£ < gý£ s.u. L 345 Abs. 1). Aus lit. snigas, aksl. sn–gš ‘Schnee’, dt. Schnee u.a. wird erkennbar, daß im Lat. und Griech. das anlautende n- auf *sn- zurückgehen. Die gleiche Botschaft vermittelt indirekt gr.-episch DMJDY-QQLIR ‘viel Schnee habend’, wo die Geminata -nn- auf -sn- zurückführbar ist. Die vergleichende Rekonstruktion ergänzt den Ansatz also schlußendlich zu uridg. *snigý£(vollstufig uridg. *-). 3) Eine inhaltliche Präzisierung für den uridg. Ansatz kann schließlich eventuell noch ved. snih- ‘klebrig sein’ erzwingen und neben ‘Schnee’, ‘schneien’ die Annahme einer weiteren Bedeutungskomponente ‘klebrig sein’ nötig machen: % Hoffmann Aufsätze II 1976 (in einem Aufsatz von 1965) p. 453f.

174

I. Zur Einleitung

(„der ‘Schnee’ ist das, was an Pflanzen, Lebewesen usw. ‘kleben bleibt’ bzw. auf der Erde ‘liegen’ bleibt“); Mayrhofer EWAia II p. 772; LIV 1998 p. 521f. Ÿ vgl. dazu jetzt A. H. Feulner in Fachtagung Krakau 2004 [2009] p. 119ff. E 502. Das zweite Rekonstruktionsbeispiel stammt aus dem Bereich der Verbalmorphologie und beschäftigt sich mit dem Paradigma von uridg. *h 1 - ‘existieren, da sein’. Ich beginne in einem ersten Schritt mit dem vedischen Sprachmaterial und versuche im sprachinternen Vergleich erste sprachhistorische Einsichten zu bekommen. 1) Die relevanten Teile des Paradigmas des Ind. Präs. Akt. des ved. Präs.St. as- ‘sein’ lassen sich in tabellarischer Form gut überblicken (eine Zusammenstellung aller ved. Formen von as-: % Gotô Materialien Nr. 3 1990): Formen

Analyse

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

ásmi ási ásti

ás-m-i á-s-i ás-t-i

1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

smás sthá sánti

s-más s-thá s-ánt-i

2) Die Verbalformen bestehen wie alle Verben und Nomina aus dem lexikalisch aussagekräftigen Stamm (dem sog. Lexem) und der syntaktisch aussagekräftigen Endung (dem sog. Morphem). Der Verbalstamm as- (zum a- der 2.Sg. s.u. Abs. 3) kann nicht weiter untergliedert werden, sondern besteht allein aus der Verbalwurzel. Die Verbalwurzel zeigt zwischen Sg. und Pl. einen Wechsel von as- : s- (den sog. Ablaut): Im Sg. ist die Wurzel vollstufig und akzentuiert (= ás-), im Pl. schwundstufig und unakzentuiert (= s-). Der Ablaut as- : s- läßt sich als direkte Konsequenz des Akzents verstehen: Im Sg. ist die Verbalwurzel betont und daher vollstufig, im Pl. ist die Verbalwurzel unbetont und daher schwundstufig. 3) Ein Wort zur 2.Sg. ási: Sie fällt gegenüber den übrigen Präs.-Formen aus dem Rahmen. Man erwartet ohne Zweifel als Ausgangspunkt ein *ás-si und muß dann das einfache -s- im Wortinnern als vermutlich schon sehr früh (wohl bereits in uridg. Zeit) vollzogene Vereinfachung eines älteren -s.s- verstehen, s.u. L 312.

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

175

4) Der hier beschriebene Aufbau des Paradigmas von as- ist nicht singulär, sondern ein Charakteristikum der gut belegten Gruppe der sog. athematischen Wurzelpräsentien (s.u. F 203 Typ 1a): Diese zeigen den charakteristischen Aufbau mit einer ablautenden Verbalwurzel, an die athematisch, d.h. ohne Einschub des sog. Themavokals -e/o- (wie er in uridg. *bhér-e-ti ‘er trägt’ deutlich erkennbar ist), unmittelbar die Endung angefügt wird. 5) Ein durchsichtiges Parallelbeispiel zu ved. as- ist ved. ay- ‘gehen’ (zu den Formen: % Gotô Materialien Nr. 2 1990). Die Rekonstruktionen in der zweiten Spalte werden mit * markiert. Die e-Formen des Sg. sind auf *a- zurückführbar, s. Abs. 6. Formen

Rekonstruktion

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

émi éºi éti

*á-m-i *á-s-i *á-t-i

1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

imás ithá yánti

*i-más *i-thá *-ánt-i

6) Im Sg. liegt vollstufiges, akzentuiertes é- vor. Dieses monophthongische e- entstammt nachweislich einem diphthongischen a- (es wird genauso wie das aus a¾ entstandene o traditionellerweise ohne Längezeichen wiedergegeben): Seit ved. Zeit ist es nämlich üblich, daß die Diphthonge a und a¾ vor folgendem Vokal zwar als und erhalten bleiben, aber vor folgendem Konsonanten zu ê und ô monophthongieren, vgl. für den ersten Fall die vollstufigen ved. Konjunktivformen 2.Sg. áy-as und 3.Sg. áy-at, für den zweiten Fall 3.Sg. é-ti, s.u. L 220 Abs. 3. Ein weiterer Hinweis auf ursprüngliches a liefert die 2.Sg. éºi. Im Ved. wird nämlich s nach r, μ, u, k oder i zu cerebralem º (sog. ruki-Regel), s.u. L 309 Abs. 3. Das cerebrale º in der 2. Sg. wird dann verständlich, wenn wir annehmen, daß éºi zu einem Zeitpunkt von der ruki-Regel erfaßt worden ist, als es noch *si gelautet hat. 7) Die Verbalwurzel é- < *ay- zeigt im Pl. unbetontes, schwundstufiges i-. Vor der vokalisch anlautenden Endung der 3.Pl. erscheint statt i- konsonantisches - < y->. 8) Beobachtungen zu den Endungen im Paradigma von as- und ay-: Die 1.Sg. -m-i, die 2.Sg. -s-i, die 3.Sg. -t-i und die 3.Pl. -ánt-i enden auf -i im Gegensatz zur 1.Pl. -más und zur 2.Pl. -thá, wo kein -i vorhanden ist. Es ist

176

I. Zur Einleitung

aber hinzuzufügen, daß das Ved. die 1.Pl. -mas-i als wohl jüngere Nebenform kennt. Diese Endungen bezeichnen die GW und tragen den Terminus technicus Primärendungen, s.u. Abs. 11. 9) Die gegenwartsbezogenen sog. Primärendungen -mi, -si, -ti, -más, -thá, -ánti stehen in Opposition zu den nicht gegenwartsbezogenen sog. Sekundärendungen -(a)m, -s, -t, -ma, -ta, -an. 10) Ein gutes Beispiel für diese Opposition liefert das ved. Verbum bhara- ‘tragen’ mit den Paradigmen von Ind. Präs. Akt. vs. Ind. Ipf. Akt.: Ind.Präs.Akt.

Ind.Ipf.Akt.

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

bhár-â-m-i bhár-a-s-i bhár-a-t-i

á-bhar-a-m á-bhar-a-s á-bhar-a-t

1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

bhár-â-mas(-i) bhár-a-tha bhár-a-nt-i

á-bhar-â-ma á-bhar-a-ta á-bhar-a-n

Die 12 Formen von bhar- sind zwar nicht alle ved. belegt, sie sind aber mit Sicherheit erschließbar: % Macdonell Vedic Grammar 1910 p. 319 ff.; zum Verbum: % Gotô I. Präsensklasse 1987 p. 225 ff.; zum sog. Themavokal -a- / -â- (< uridg. *-e- / *-o-) s.u. F 101 Abs. 4. 11) Die Opposition von GW und Nicht-GW wird mit zwei verschiedenen formalen Mitteln markiert: zum einen durch das sog. Augment, das dem Verbalstamm im VG-Tempus univerbierend vorangestellt wird (weiteres s.u. F 213), zum andern durch zwei Reihen von Endungen, einer sog. primären für die GW und einer sog. sekundären für die Nicht-GW. Bei der 1.Sg., 2.Sg., 3.Sg. und 3.Pl. leistet das Vorhandensein oder Fehlen von -i die Unterscheidung zwischen den beiden Reihen, in der 1. und 2.Pl. übernehmen die formal leicht voneinander abweichenden Endungen -mas(-i) vs. -ma und -tha vs. -ta(na) die entsprechende Aufgabe. In der 3.Pl. findet sich statt -nt-i : *-nt jüngeres -nti: -n (mit Vereinfachung von -nt zu -n im Wortauslaut). 12) Die ved. Ipf.-Formen von as- (zur Beleglage: % Gotô Materialien Nr. 3 1990 s.v.; die ved. Verbalformen werden nur dann akzentuiert, wenn sie auch so belegt sind; das Verbum des Hauptsatzes trägt bekanntlich im Normalfall keinen Ton. Weiteres zu dieser Problematik s.u. F 214):

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

177

belegt

eigentlich erwartet

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

Äsam  , Äsît

*á-as-¬ *á-as-s *á-as-t

3.Pl.

Äsan

*á-s-ant

13) Der Ansatz der eigentlich erwarteten Formen von Abs. 12 stützt sich auf die Analyse von Abs. 1 in Kombination mit dem Aufbau von á-bhar-a-m in Abs. 10. Problemlos verständlich ist der Anlaut in der 1.Sg., wo das Augment a- mit dem vollstufigen a der Wurzelsilbe a durch Kontraktion direkt ergibt. Ein Zusatz zur Form der Endung -am: Von der Form der them. 1.Sg. -a-m ausgehend erwartet man bei der athem. Endung nach dem konsonantisch auslautenden Verbalstamm lautgesetzlich ein *-¬ bzw. ein daraus entstandenes *-a. Das statt dessen belegte -am ist deshalb als analogisch verdeutlichte Form einzustufen. 14) Die 2.Sg. *a-as-s und die 3.Sg. *a-as-t führen beide auf ein *âs mit kontrahiertem â und auslautendem -s, weil die auslautenden Konsonantengruppen *-ss und *-st beide lautgesetzlich vereinfacht werden und in einfachem -s resultieren. Die selten belegte 3.Sg. âs ist also alt. Ob sie aber noch der zeitgenössischen Sprache angehört hat, ist fraglich. Die eingetretene formale Homonymie zwischen 2.Sg. und 3.Sg. muß nämlich langfristig nicht praktikabel gewesen sein und muß zu einer neuen Differenzierung geführt haben. — Die neuen Formen mit 2.Sg. âsî-s und 3.Sg. Äsî-t tauchen bereits im RV auf. Sie haben ihr Vorbild offensichtlich in Verben wie bravi- ‘sprechen, sagen, reden’ (< uridg. *-e¾H-: Weiteres zu den sog. se»-Wurzeln s.u. L 315 Abs. 1). Dort lautet z.B. die Form des Konj. Präs. Akt. 3.Sg. bráv-a-t < uridg. *-é¾H-e-t, die Form des Ind. Präs. Akt. 3.Sg. dagegen brávî-ti < uridg. *-e¾H-ti und die Form des Ind. Ipf. Akt. 3.Sg. á-bravî-t < uridg. *-e¾H-t. Bei den beiden letzten Formen steht der Laryngal zwischen Kononanten und ist damit durch Ì vertreten, s.u. L 325 - L 327. In Parallele zu bráv-at und abravît (es ist aus ábravî-t reanalysiert) konnte zum scheinbar gleich gebildeten Konj. Präs. Akt. 3.Sg. ás-at neu ein Ipf. Akt. 3.Sg. Äs-ît gebildet werden. Zum unerwarteten â- der 3.Pl. Äsan s. u. E 504 Abs. 10. E 503. In einem zweiten, jetzt sprachexternen Schritt werden zur weiteren Erhellung die entsprechenden Formen des klass.-lat. Paradigmas zum Vergleich beigezogen.

178

I. Zur Einleitung

1) Ich wähle für die relevanten Formen wieder die tabellarische Form (zu den Einzelheiten: % Leumann LLFL 1977 § 400 A):

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg. 1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

Formen sum inschr. esom es est

Rekonstruktion < *es-mi

sumus estis sunt inschr. sont

< *s-mos < *s-te-s < *s-onti

< *esi < *es-si < *es-ti

2) Die Rekonstruktion basiert auf der Analyse, wie sie sich aufgrund des ved. Paradigmas ergibt. Statt des iir. a-Vokalismus ist aber der lat. e-Vokalismus das Alte, s.u. L 206. Bei den Endungssätzen (% Leumann LLFL 1977 p. 512ff.) führt -mus auf *-mos, -ti-s auf *-te-s und -unt über -ont auf -onti (erhalten vielleicht im von Festus zitierten tremonti: % Leumann a.a.O. p. 92). Gegenüber gr. -énti ist -onti sekundär, s.u. Abs. 11. 3) Das klass.-lat. Paradigma läßt sich am besten von der 3.Sg. est und der 3.Pl. sunt aus verständlich machen. Die Verbalwurzel zeigt bei diesen beiden Formen den vom Ved. her erwarteten Ablautwechsel von vollstufigem, singularischem es- zu schwundstufigem, pluralischem s-. 4) Im Gegensatz zum ved. Endungssatz mit 3.Sg. -t-i und 3.Pl. -ánt-i fehlen bei der lat. 3.Sg. -t und der 3.Pl. -ont die auslautenden kurzen unbetonten i-Vokale. Während das Ved. diese bewahrt, sind sie im Lat. beseitigt worden: % Leumann LLFL 1977 p. 92 und s.u. L 423 Abs. 1. Nebenbei: Der Abfall des -i ist chronologisch viel älter als der sog. Rhotazismus, der ein im 4. Jh. v. Chr. noch vorhandenes *esi zu *eri hätte werden lassen müssen, s.u. L 309 Abs. 1. — Gleiches wie für 3.Sg. und 3.Pl. gilt für die 2.Sg. es gegenüber postuliertem urital. *esi. 5) Im Singularparadigma fällt im Hinblick auf den erwarteten Ablaut sum aus dem Rahmen. Vom Ved. aus ist zunächst ein urital. *esmi oder zumindest ein *esum zu erwarten. Das neulich entdeckte südpikenische esom (% Marinetti Iscriz. sudpicene 1985 p. 214) bestätigt dieses Postulat. Vor kurzem ist sogar ein inschr. latin. esom aufgetaucht: % M. Cristofani in Quaderni di Archeologia Etrusco-Italica 25 1996 p. 21. Man darf daher mit gutem Recht annehmen, daß ein ursprünglich im Urital. vorhandes *és-mi nach Beseitigung

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

179

des auslautenden -i von *es-m aus dank des Einschubs eines Schwachvokals über *es°m zu esom verdeutlicht worden ist: % H. Rix in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 230. Der spätere Ersatz von esom durch sum ist durch die Analogie zur 1.Pl. sumus erwachsen. Dort liegt reguläres schwundstufiges *s-mos zugrunde (dabei im Wortanlaut *sm- > *s°m- > sum-). 6) Im Pluralparadigma fällt der vollstufige Anlaut es- der 2.Pl. estis aus dem Rahmen. Er kann nur in Analogie zur 3.Sg. est verstanden werden. 7) Die neuen analogischen Beziehungen zwischen 1.Sg. und 1.Pl. (Abs. 5) und zwischen 3.Sg. und 2.Pl. (Abs. 6) zeigen, daß der Ablautwechsel zwischen singularischem es- und pluralischem s- zum Zeitpunkt des Ersatzes von lat. esom durch sum und *ste- durch estis nicht mehr als lebendiges Bildemittel in Gebrauch gewesen ist. 8) Verdunkelungen älterer Ablautstrukturen sind auch beim klass.-lat. Paradigma von i- ‘gehen’ zu beobachten ( % Leumann LLFL 1977 § 399): Formen

Rekonstruktion

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

eô îs it

< *e-ô < *e-si < *-

1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

îmus îtis eunt

< *i-mos < *i-te-s < *-enti

9) Vom Ved. ausgehend (s.o. E 502 Abs. 5) lassen sich für das Urital. die rechts stehenden Formen postulieren. Unter Berücksichtung der typ. lat. Monophthongierung von e > î (s.u. L 220 Abs. 1) und unter Einbezug der bereits beobachteten Veränderung im Bereich der Endungen bei sum (s.o. Abs. 4) wird die 2.Sg. îs < *es < * problemlos verständlich. Dasselbe gilt für die 3.Sg. it < *ît < * < *eti, zumal wenn man berücksichtigt, daß lange Vokale vor t im Auslaut um 200 v. Chr. gekürzt worden sind: % Leumann LLFL 1977 § 123. 10) Im Pl. sind Hinweise auf die erwartete schwundstufige Wurzelform inicht mehr nachweisbar. Der langvokalische Anlaut der 1. und 2.Pl. kann dann verständlich werden, wenn wir einen starken analogischen Druck vom vollstufigen Sg. aus annehmen. Singularisches ei- hätte dann wohl bereits vor dem 4. Jh. v. Chr. auch in den Pl. Einzug gehalten (mit späterer Entwicklung des neu

180

I. Zur Einleitung

eingeführten - > î-). Den Ausgangspunkt für den vollstufigen Plural kann aber auch die 3.Pl. eunt abgegeben haben, s.u. Abs. 11. 11) Ein Problem für sich bilden die 1.Sg.  und die 3.Pl. . — Grundsätzlich: Der Wechsel zwischen 1.Sg. -ô, 3.Sg. -t und 3.Pl. -unt erinnert an die sog. halbthematischen -e-/-i-Präsentien vom Typ facere mit them. 1.Sg. faciô, athem. 3.Sg. facit und them. 3.Pl. faciunt. Gaben sie das Vorbild für eô, it und eunt ab? Das parallele Verhältnis von athem. es-t : them. s-unt ist wohl ebenfalls hier anzusiedeln. Zu den halbthem. -e-/-i-Präsentien: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 195f.; H. Rix in GS Schindler 1999 p. 524. Anders zu den them. Formen G. E. Dunkel On the ‘Thematisation’ of latin sum, volo, eo, and edo and the System of Endings in the IE Subjunctive Active in FS Watkins 1998 p. 83ff. — Speziell zur 1.Sg.: Bei  < *-ô (zum Schwund des innervokal.  s.u. L 215) fällt auf, daß statt der von sum her empfohlenen Endung *-mi (s.o. Abs. 5) das sonst überall gebräuchliche (ursprünglich them.) -ô eingeführt ist. Grund kann neben dem Vorbild der halbthematischen Flexion der Umstand sein, daß reguläres *mi über * zu morphologisch unklarem *îm bzw. über ein mit Schwachvokal ausgestattetem *°m zu morphologisch unklarem *eum hätte führen müssen. — Speziell zur 3.Pl.: Ging der Ersatz von erwartetem *-énti durch *-onti über das Vorbild der halbthematischen -e-/i-Präsentien? Also von 3.Sg. *-ti direkt zu *-onti? Oder war die 1.Sg. *é-ô Vorbild ? E 504. Drittens kommt der Vergleich mit dem klass.-att. gr. Paradigma dazu. 1) Wie immer zuerst die tabellarische Form (zur Beleglage in den Dialekten: % Kühner / Blass Ausführliche Gramm. d. gr. Sprache I / 2 1892 p. 220 ff.; Schwyzer Gr. Gr. I 1939 p. 676ff. Nr. 4; Chantraine Morphologie 1967 § 235 ff; Chantraine DELG s.v.). Das Verbum substantivum ist im Gr. unter Ausnahme der 2.Sg. enklitisch: Es steht in Akzenteinheit mit dem vorangehenden Wort und ist akzentlos, s.u. F 214 Abs. 2. Der Akut auf der letzten Silbe der allein stehenden Form ist reine Konvention der Grammatik): Formen

Rekonstruktion

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg.

HLMPLY HL? HMVWLY Q 

< *és-mi < *ési < * és-si < *és-ti

1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

HMVPHYQ HMVWHY HLMVLY Q 

< *s-mén < *s-té < *s-énti

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

181

2) Der auf Grund des ved. und lat. Materials erwartete Ablautunterschied zwischen singularischem es- und pluralischem s- ist im Gr. nicht sichtbar. Die gr. Formen führen überraschenderweise alle auf einheitliches es-: 1.Sg. HLMPLY i.e. /+êmi/ < *ez-mi < *és-mi, 1.Pl. HMVPHYQ < *es-mé-, s.u. Abs. 9. Im folgenden argumentiere ich deshalb zunächst überall mit es-. Die bei beiden Formen auftretende Lautfolge -sm- wird unterschiedlich realisiert. In der 1.Pl. bleibt sie aus Analogie zur 3.Sg. und 2.Pl. mit dort lautgesetzlichem bewahrtem s vor t. In der 1.Sg. liegt dagegen das lautgesetzliche Resultat -+êm- < -ezm- vor: % Chantraine Morphologie 1961 p. 205 (unten). 3) Die 2.Sg. HL?läßt sich über *éhi auf *ési zurückführen. Die dialektal. ep.ion. Form HLM basiert auf diesem HL? mit einem (die 2. Pers. verdeutlichenden) -s. Sie ist im Gegensatz zu HL?enklitisch. Das äol.-ep. HMVVL ist dagegen am besten als Neubildung in Analogie zur 3.Sg. es-ti zu beurteilen. — Ÿ vgl. jetzt Hackstein Sprachform hom. Epen 2002 p. 103-106 zu HLM und HL? (denkt an them. Umbildungen). 4) Die 3.Pl. HLMVLY Q) i.e. /+êsi/ läßt sich über *ênsi < *e.ensi (N.B.: der Punkt markiert die Silbengrenze) < ehensi (so myk. in e-e-si) bis auf *es-énsi (mit südgr. ion.-att. -si statt nordgr.-dor. -ti; N.B.: der Strich markiert die morphologische Segmentierung) zurückführen. Die dem att. HLMVLY entsprechende dor. Form ist HMQWLY: enti < *ênti < *e.enti < *ehenti < *es-énti: % E. Risch in FS Neumann 1982 p. 324 mit Anm. 10. — Als 3.Pl. Ipf. ist nach Ausweis des primären *es-énti ein ursprünglich sekundäres *é es-ent (mit betontem Augment und der dazu im Akzent abhängigen Verbalform) zu postulieren. Die lautgesetzlich daraus resultierende Form ist K?HQÜberraschenderweise ist sie bereits frühgr. als 3.Sg. im Gebrauch. Die Umdeutung vom Pl. zum Sg. muß im Kontext der Kollektiva entstanden sein, s.u. F 304 Abs. 2. Als neue 3.Pl. Ipf. ist K?VDQ im Gebrauch, s. Abs. 5. 5) In der 3.Pl. findet sich neben ion.-att. HLMVLY und dor. HMQWLY ferner hom. ion. H>/DVL Diese geht über *éh-ansi auf *éh-anti bzw. *és-anti zurück. Geht man noch weiter zurück, steht *ésanti statt *és-ati < *és-ti. Man muß dann annehmen, daß die Sprecher -ati aus Gründen der deutlicheren Markierung durch -anti ersetzt haben. Diesen Ersatz zeigt ebenfalls die parallel gebildete 3.Pl. Ipf. K?VDQ < *é-es-ant (augmentierte sekundäre Form mit verdeutlichter Form -ant) < *é-es-t: % E. Risch in FS Neumann 1982 p. 331. — Nebenbei: Die Endungen *-énti und *-ti der 3.Pl. stammen letztlich von zwei verschiedenen Flexionsparadigmen, *-énti aus einem amphidynamischen vom Typ *é-mi / *i-més -énti oder vom Typ *stistéh2 -mi / *stisth2-énti, *-ti dagegen aus einem akrodynamischen vom Typ *st˾-mi / *sté¾-ti oder vom Typ *d£éd£oh1 -mi / *d£éd£h1 -ti, s.u. F 203 Abs. 1 (LIV-Typen 1a, 1b und 1g).

182

I. Zur Einleitung

6) Die im Pl. bereits beobachtete Präsenz von es- statt schwundstufigem szeigt sich bei HLMPLY auch sonst. Im Partizip und Optativ müßte man unter allen Umständen die Schwundstufe der Verbalwurzel erwarten, vgl. beim Ptz. ved. sant-, lat. (ab)sent- und beim Opt. ved. 2.Sg. syâs, altlat. siês. Das Griech. zeigt aber auch in diesem Fall (und dies bereits myk.) überall es-: zum Ptz. vgl. myk. Sg. e-o i.e. ehôn, Pl. -e-o-te i.e. -ehontes usw., ion. HMZQY , dor. ebenfalls HMZQY bzw. dann LMZYQ (att. Z>QR>QWRist sekundär: % M. Meier-Brügger in Katà diálekton 1996 [1999] p. 518), alle Formen < *es-ont-; zum Opt. vgl. 2.Sg. HL>K < *e!-s < *es-1 -s und HL?PHQ < *ehîmen < *es-î-men < *es-ih1-men. 7) Daß beim durchgehenden es- von HLMPLYetwas Besonderes vorliegen muß, macht das parallel gebaute Verbum HL?PL ‘gehen’ (Bed. gern mit Zukunftsbezug) mit seinem regulären Ablaut e- : i- deutlich:

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg. 1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

Formen

Rekonstruktion

HL?PL HL? HL?VL(Q) L>PHQ L>WH L>/DVL

= * < * < * = *i-men = *i-te = *i-anti /DVLvon Abs. 5 zu vergleichen. 9) Die fragliche gr. Eigentümlichkeit mit konstantem es- für Voll- und Schwundstufe läßt sich am einfachsten unter der Annahme erklären, daß das grundsprachliche Verbum substantivum ursprünglich im Anlaut laryngalhaltig gewesen ist, also *h1 - gelautet hat, aber sonst ganz regulär amphidynamisch flektiert worden ist. — Vollstufiges *h1- und schwundstufiges *h1 - erbringen im Gr. tatsächlich beide lautgesetzlich es-, s.u. L 322 Abs. 1 und L 328 Abs. 1. Vollstufiges gr. *h1- lebt nach dem Schwund des Laryngals vor Vokal als es- weiter, die Anfangskonsonanz des schwundstufigen gr. *h1 - wird dagegen mit Hilfe eines Schwachvokals über *h1 °s- > *h1- > es- entwickelt. — Anders im Ved. und Ital., wo vollstufiges es- einem deutlich sichtbaren schwundstufigen s- gegenübersteht: Das vollstufige *h1 - ergibt zwar parallel zum Gr. ved. as- (über Zwischenstufe *es-, s.u. L 322 Abs. 1) und lat. es-, das schwundstufige *h1 - führt dagegen durch Vereinfachung der Doppelkonsonanz von *h1- im Ved. und Lat. zu s-. Das singuläre Ä- der ved. partizipialen

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

183

Negativbildung Äsat- (mit langem Anfangsvokal RV IV 5,14 und VII 104,8; daneben mehrmals mit kurzem Anfangsvokal ásat-) ‘nicht seiend’ erweist indirekt, daß zum Zeitpunkt dieser Bildung die anlautende Doppelkonsonanz auch im Ved. noch vorhanden gewesen sein muß, denn diese allein erklärt die gedehnte Nebenform im Anlaut: uridg. *-h1s-t- > uriir. *a-Hsat- > ved. Äsat-. Das kurzvokalische ásat- versteht sich dagegen als jüngere Analogiebildung zu partizipialem sat- mit dem üblichen negierenden VG a- < *-. 10) Der Ansatz von uridg. *h1 - führt zu einem adäquaten Verständnis des ved. Imperfekts und bestätigt dadurch dessen Richtigkeit genauso wie Äsant- von Abs. 9. Es war nämlich schon immer aufgefallen, daß im Ved. die augmentierten Formen im Sg. und Pl. gleichermaßen gelängtes âs- zeigen, obwohl der sprachinterne Vergleich dies zunächst nicht erwarten läßt und im Pl. eigentlich zu einem kurzen Anfangsvokal führen sollte, s.o. die Tabelle in E 502 Abs.12 mit der Analyse der 1.Sg. Äsam < *á-as-¬ und der 3.Pl. Äsan uriir. *á-Has- (N.B.: Weil die Qualität des iir. Laryngals im Gegensatz zum Uridg. nicht mehr erkennbar ist, notiere ich ihn regelmäßig mit H) > *á.as- > âs- und Pl. *e-h1- > uriir. *a-H- > âs-. 11) Im Gegensatz zur heute herrschenden Lehre mit laryngalhaltigem *h1 es- hatte die ältere Forschung mit der Annahme von einfachem laryngallosen *es- /*s- erhebliche argumentative Schwierigkeiten. Stellvertretend für die damalige Communis opinio nenne ich Thumb / Hauschild Handb. d. Sanskrit I / 2 1959 § 488 (und verweise auch auf Leumann LLFL 1977 p. 522 § 400.A.1b). Thumb / Hauschild parallelisieren direkt ved. sánti mit griech.-dor. HMQWLY und führen es über *henti auf *sénti zurück. In Analogie zum Singular sei die erwartete Aspiration beseitigt worden. Entsprechend gehe gr.ion.-att. HLMVLYauf *hensi bzw. *sensi (mit südgr. -si statt -ti) zurück. Bei der 1.Pl. *smén und bei der 2.Pl. *ste sei der Anlaut e- analogisch eingeführt worden. Die Ausdehnung des analogischen e- auf den Stamm des Optativs und des Partizips ist aber nicht zu motivieren. Ferner: Das seit 1952 bekannte myk. -e-o-te i.e. -ehontes erzwingt eine Vorverlegung der fraglichen Analogie ins 2. Jahrtausend v. Chr. Vollends hilflos steht man mit dieser Communis opinio vor dem myk. e- der 3.Pl. e-e-si i.e. ehensi, zumal wenn man bei den klass. Formen ion.-att HLMVLY und dor. HMQWLYnoch mit einem *senti auszukommen glaubte.

184

I. Zur Einleitung

Aber trotz aller Evidenz: Auch heute noch gibt es Forscher, die weiterhin fröhlich von *es- / *s- ausgehen und darauf ihre eigenen Hypothesen bauen: % K. Shields On the Origin of Dialectal Ablaut Patterns of the Present Active Indicative of IE *es ‘To Be’ in HS 110 1997 p. 176-180. E 505. Als Resultat der ersten drei Schritte von E 502-504 lassen sich mit guter Sicherheit die beiden folgenden Paradigmen als grundsprachlich festhalten: uridg. *h1- ‘existieren’

uridg. *h1- ‘gehen’

*h1-mi *h1 < * h1-si *h1-ti

*h1-mi *h1- *h1-

*h1-mé*h1-té*h1-énti

*h1i-mé*h1i-té*h1-énti

1) Beim Bedeutungsansatz uridg. *h1 - ‘existieren, da sein’ ist anzufügen, daß dieses Verbum in uridg. Zeit noch diese kräftige Bedeutung besessen haben muß. Nominalsätze vom Typ ‘der Boden ist trocken’ wurden nämlich nicht, wie wir es vom Dt. aus erwarten würden, mit dem zum Hilfsverb entwickelten ist gebildet, sondern es genügte beispielhalber für die Aussage „die Erde ist trocken“ die einfache Reihung von uridg. *d£éœ£ôm ‚Erde‘ mit *tμstéh2 - ‚trocken‘, s.u. S 206 zum Nominalsatz. Uridg. *h1es- fand sich gern präzisiert mit Lokalpartikeln, vgl. z.B. mit ap(b)- lat. ab-sent-, gr. myk. a-peo-te i.e. ap-ehontes ‘ab-wesend’. 2) Eine weitere Bemerkung zu *e-: Hier darf nicht verschwiegen werden, daß der Anlaut ursprünglich laryngalhaltig, also *h1-, gewesen ist: % LIV 1999 p. 207. Die überraschende Tatsache, daß wie bei as- im Ipf. sowohl Sg. als auch Pl. trotz Ablaut *e- : *i- gleichermaßen mit langem Vokal anlauten (vgl. 1.Sg. Äyam und 3.Pl. Äyan), kann dadurch plausibel gemacht werden: 1.Sg. Äyam < *á-Ha-am < *é-h1 -¬, 3.Pl. Äyan < *á-H-ant < *é-h1-ent. 3) Hinweise zu anderen altidg. Sprachen: — Zum Hethitischen: % Tischler HEG I p. 109f.; Friedrich / Kammenhuber HW II (E) p. 93ff.; ferner s.u. L 414. — Zum Germanischen: % A. Bammesberger in Graz 2000 p. 11-19. — Zum Tocharischen: % Pinault Tokharien 1989 p. 132ff.; Chr. Batke in TIES 8 1999 p. 1ff.

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

185

E 506. Das dritte und letzte Rekonstruktionsbeispiel gilt uridg. *(h 1 ) m. und f. ‘Pferd, Roß, Stute’. 1) Ich beginne diesmal direkt mit der Entsprechungsgleichung (s.u. E 507 Abs. 5): uridg. *(h1) - = ved. á¹va- m., á¹vâ- f. = aav. und jav.  - f., jav. aspa- m. = ap. asa- m. = gr.L^SSR (bereits myk. i-qo i.e. ikýkýos ) m. f. = lat. equus = altengl. eoh = altnord. jór = lit. (nur Bretke) e¸va ‘Stute’ (das übliches Wort für ‘Pferd’ lautet arklÎs!) = air. ech = toch. B yakwe, A yuk. Die Liste ist nicht vollständig, kann aber leicht ergänzt werden: % Mayrhofer EWAia I p. 139f.; Chantraine DELG I p. 467f.; Vries AnordEW 1962 p. 293; Buck Dict. of select. Syn. 1949 p. 167f; de Lamberterie in BSL 73 / 1 1978 p. 262ff. (zur etymologischen Zugehörigkeit von arm. ê¸ [Gen.Sg. i¸oy] ‘Esel’). 2) Ved. á¹va- läßt sich problemlos auf ein *áa- zurückführen (zum satemsprachl. Lautwandel  > ¹ s.u. L 339 Abs. 3); im Ir. resultiert aus  ein ¹¾ > sp: % Hoffmann / Forssman Av. Laut- und Flexionslehre 1996 p. 86. Wird der iir. Vokalzusammenfall von a, e und o zu a (s.u. L 206) rückgängig gemacht, kommt man in Anlehnung an lat. equus von *áa- auf * - oder *(h1 ) -. Und dies führt problemlos zu den Formen der germ. Sprachen und zu denen des Lit., Air. und Toch. 3) Eines Kommentars bedarf der Labiovelar des lat. equus. — Im Lat. fällt bekanntlich der Labiovelar ký mit der Lautgruppe k¾ zusammen. Umstritten ist, ob das mit qu notierte Resultat einwertiges ký oder zweiwertiges k¾ darstellt: % Sommer / Pfister Lautlehre 1977 p. 143 („fürs Lat. zunächst Guttural + ¾“); Meiser Laut- u. Formenlehre 1998 p. 52 (qu einwertig, weil es keine Position bildet). Für equus bedeutet dies, daß vom Lat. aus nicht zu entscheiden ist, ob in diesem Fall -qu- auf *-ký- oder *-- zurückgeht. Das Iir. macht in unserem Fall die Entscheidung für *-- aber leicht. — Auf dem Weg vom Altlat. zum klass. Latein erwartet man lautgesetzlich vor Endungen, die mit -ound -u- beginnen, statt equ- den veränderten Stamm *ec- mit Schwund des labialen Elementes, dagegen vor solchen, die mit e, i oder a beginnen, den unveränderten Stamm equ-. Das erwartete ecus ist zwar belegt, unter dem analogischen Druck der Kasusformen mit erhaltenem equ- hat sich aber equauch vor o und u als Normalform durchgesetzt, s.u. L 106 und L 217 Abs. 2 (zu novus). 4) Am problematischsten ist gr. L^SSR. — Zum Vokalismus: Der iVokalismus versteht sich am besten als Erbe aus myk. Zeit. Damals muß e in bestimmter lautl. Umgebung geschlossener gesprochen worden sein, vgl. di-pa i.e. dipas n. ‘Humpen’ vs. späteres GHYSD (seit Homer): % Risch Kleine Schriften 1981 p. 455 und p. 536 mit Anm. 16; O. Panagl in FS Zaic 1989 p.

186

I. Zur Einleitung

129-135. Die gesamtgr. Verbreitung der i-Form erklärt sich daraus, daß sich das Wort als zentraler Terminus der myk. Herrschaft in der gesamten Gräzität des 2. Jt. v. Chr. verbreitet und die sicher einmal vorhanden gewesene e-Form komplett verdrängt hat. Ÿ Zu möglicherweise erhaltenemHMS S in der Onomastik s. Lamberterie Rez. 2002 p. 108 zu Pp. 55-6. — Zum -pp-: Die ursprüngliche Doppelkonsonanz -k¾- ist vermutlich bereits vormyk. durch -kýký- ersetzt worden (daraus dann nach Beseitigung der Labiovelare neu ein -pp-, s.u. L 343 Abs. 4). Hinweise auf ein altes -kýký- geben die bereits myk. Schreibung als i-qo (ein mögliches *i-ko-wo kommt nicht vor) und die im alphabetischen Gr. notierte Doppelkonsonanz. Einzelheiten bei R. Plath in einem Vortrag 2000 vor den Mykenologen in Austin (Ÿ die Kongressakten sind bis heute nicht erschienen). — Rätselhaft bleibt die Aspiration des Wortes im Wortanlaut. C. J. Ruijgh denkt vielleicht zu Recht an eine Übernahme im Ausdruck D^UPDNDLL^SSRX ‘Wagen und Pferd’: % Coll. Myc. 1975 [1979] p. 207 und p. 220. — Ÿ Vgl. anders G. Klingenschmitt in Gene, Sprachen und ihre Evolution (hrsg. von Günter Hauska. Regensburg 2005) p. 130 Anm. 41 (leitet die gr. Form aus *sík¾o- ab). 5) Ein Wort zur Bildung des Fem. ‘Stute’: — Möglich ist in altidg. Sprachen einmal die Wahl von zwei ursprungsverschiedenen Wörtern (Typ Vater vs. Mutter). — Häufiger ist die sog. Motion, die Veränderung oder Erweiterung des Ausgangs des Mask. mittels Suffixen, vgl. ved. á¹vâ- f. = aav. und jav.  - f. — Eine weitere Möglichkeit zeigen die sog. Com-munia. „So nennt man ... solche Substantive, welche belebte, sexuell charakterisierte Wesen bezeichnen, und bei welchen sowohl das männliche als das weibliche Exemplar in der Weise bezeichnet werden kann, dass sich die Form des Substantivs nicht ändert, aber je nach dem Sexus das kongruierende Pronomen [oder Adjektiv] männliche oder weibliche Form hat“ (vgl. neben R-bzw. K-L^SSRu.a. altlat. lupus fêmina ‘Wölfin’): % Wackernagel Vorlesungen II 1926 p. 23f., ferner p. 10 und p. 315. In der Regel erweisen sich die Communia als älter als die entsprechenden Motionsfeminina. Es empfiehlt sich daher, für ‘Stute’ das Commune *ék¾o- m. f. dem Uridg. zuzuweisen und die Ausbildung von fem. "#2- = ved. á¹vâ- den altidg. Einzelsprachen. — Vgl. unten L 421 Abs. 2 zu uridg. *snusó- f. ‘Schwiegertochter’. 6) Die weitere Analyse von *(h1 )éo- ist unsicher. Es wird gern mit der Wortfamilie von uridg. *h1- ‘schnell’ zusammengestellt (vgl. gr. ZMNXY und ved. â¹ú-, lat. acu-, ôcior ‘schnell(er)’, dabei *- aus uridg. *h1 oh1 -?) und dann als uridg. *h1 -o- ‘mit *h1 - (‘Schnelligkeit’) versehen’ analysiert: % Mayrhofer EWAia I p. 140 und p. 179f.; Rix Termini der Unfreiheit 1994

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

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p. 10 und ders. in Kratylos 41 1996 p. 156 (zu lat. acu-); I. Balles in HS 110 1997 p. 220 Anm. 8. Ein strenger Beweis ist aber nicht zu führen. 7) Zu den Realien (ist zunächst das in den Wäldern lebende Wildpferd gemeint? ferner zu Pferd und Streitwagen) s.u. E 512 Abs. 4b.

2. Grundsätzliches zur Rekonstruktion E 507. Ausgangspunkt der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft sind die idg. Einzelsprachen. Alle dazugehörigen Sprachen zeigen in großer Zahl Entsprechungen in allen möglichen Teilbereichen. Die Entsprechungen sind oft sehr weitreichend: Einzelne Lexeme und Morpheme der Einzelsprachen weisen i.d.R. nicht nur ähnliche oder gar gleiche Formen auf, sondern, der damit ausgedrückte Inhalt ist ebenso ähnlich oder gar identisch, vgl. ved. ás-t-i, gr. HMVWLYund lat. es-t (oben E 502ff.), wo nicht nur die äußere Gestalt und ihr Aufbau unübersehbar ähnlich ist, sondern wo auch die Bedeutung (‘sein’) und die Position der Formen im Paradigma (Präs.St. 3.Sg. Akt.) gleich ist. Ved. ásti, gr. HMVWLYund lat. est sind nur ein Beispiel unter unzähligen anderen. Die Entsprechungen lassen sich mit Hilfe der Lautgesetze nachweisen, sogar da, wo die zu vergleichenden einzelsprachlichen Wörter äußerlich ganz verschieden aussehen, vgl. etwa ved. ¹rómata ‘Erhörung, guter Ruf’ mit ahd. hliumunt ‘Ruf, Gerücht, Leumund’, wo beide nachweislich lautgesetzlich aus uridg. *lé¾mt- hervorgegangen sind: % Mayrhofer EWAia II p. 667 1) Das Vorhandensein von zahlreichen fest verzahnten Übereinstimmungen innerhalb der idg. Einzelsprachen erklärt sich keinesfalls dadurch, daß man sie als Universalia menschlichen Sprechens versteht. Es gibt zwar mit Sicherheit universelle Grundgegebenheiten, so z. B. die in die Zukunft gerichtete Linearität des Sprechens: Man kann auf der Zeitachse nur vorwärtsgerichtet sprechen, nicht aber zurück in die Vergangenheit. Die sprachlichen Zeichen sind aber i.d.R. gerade nicht universell, sondern sie sind, durch Konventionen geregelt, innerhalb einer Sprachgemeinschaft willkürlich (arbiträr) zustande gekommen. Beim Verbum ‘sein’ lautet das Verbum existentiae in den semit. Sprachen ganz anders, vgl. hebr.  ‘geschehen, werden, sein’ usw. 2) Für eine Erklärung untauglich ist ferner die Annahme von Zufall. Es gibt selbstverständlich Erstaunliches, so der immer wieder beobachtete Gleichklang von klass.-lat. deus ‘Gott’ mit gr. THRY‘Gott’. Eine kurze Prüfung der älteren und ältesten Belege der beiden Wörter (vgl. altlat. deivos und myk. t£ehós)

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I. Zur Einleitung

zeigt aber klar, daß die beiden Nomina von ihrer Genese her verschieden sind: deivos ist eine Ableitung von uridg. *de¾- ‘(Tages)Himmel(sgott)’ i.S.v. ‘himmlisch(es Wesen)’; t£ehós < *d£h1 s-ó- ist nach allgemeiner Auffassung eine Ableitung von uridg. *d1 - ‘Gott, göttlich’: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 107 (Ÿ ich deute *d£h1 s-ó- dagegen heute als -ó-Ableitung zum schwundstufigen -es-Neutrum *1-es- ‘das Tun = das Opfern’ i.S.v. ‘Wesen, das durch Opfern charakterisiert ist’, s. InL 29 2006 p. 119-125). Der Gleichklang eines ved. ás-t-i, gr. HMVWLYund lat. es-t schließt dagegen jede Zufälligkeit aus. Im Gegenteil, je älter hier die Beispiele, desto ähnlicher Ausdruck und Inhalt. 3) Für eine Erklärung nicht tragfähig ist schließlich die Annahme von Entlehnung. Es gibt diese selbstverständlich, ganz üblich im Bereich des Wortschatzes, vgl. lat. mâchina und gr.-dor. P/DFDQDYoder dt. Kaiser und lat. Caesar. In beiden Fällen sind die Entlehnungswege bekannt, im ersten Fall von den dor. Griechen Unteritaliens zu den Römern (ein ursprüngliches *mâcana wird in den lat. Wortschatz integriert, später durch die typisch lat. Vokalschwächung zu *mâcina verändert und schließlich mit der das Gr. genauer imitierenden Bezeichnung der Aspiration durch h als mâchina etabliert), im zweiten Fall um 37 bis 41 n. Chr. vom röm. Alleinherrscher Caligula (er hieß offiziell C. Caesar) zu den Germanen, die damals seine Leibwache stellten (% H. Rix Latein - wie wurde es ausgesprochen? in Beiträge zur mündlichen Kultur der Römer, hrsg. von G. Vogt-Spira, Tübingen 1993 p. 14). 4) Als Erklärung für die zahlreichen Entsprechungen im Bereich von Lautlehre, Formenlehre und Semantik taugt einzig und allein die Hypothese von der Abstammung der fraglichen Sprachzweige aus einer gemeinsamen Vorstufe. Mit andern Worten: Ved. ás-t-i, gr. HMVWLYund lat. es-t sind miteinander verwandt und basieren auf der rekonstruierbaren gemeinsamen Vorstufe uridg. *h1  (s.o. E 505). Diese Vorstufe wurde von der uridg. Sprachgemeinschaft gesprochen. Eine Schrift war dieser damals unbekannt. Von uridg. *h1 aus führt je ein eigener einzelsprachlicher Weg durch ein Traditionskontinuum über Generationen von Sprechern zur lat., zur gr. und zur ved. Form: uridg. *h 1 ésti ved. ásti

gr. HMVWLY

lat. est

5) Zur Vereinfachung der Darstellung werden i.d.R. keine Stammbäume gezeichnet, sondern es wird als eine Art Kurzformel eine schlichte Entsprechungsgleichung an deren Stelle gesetzt: uridg. *h1  = ved. ás-t-i = gr.

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

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HMVWLY= lat. es-t. Man darf sich aber ja nicht täuschen lassen und daraus etwa den Schluß ziehen wollen, daß ved. ásti aus dem gr. HMVWLYabgeleitet ist oder daß das lat. est aus dem Gr. stammt. E 508. Seit Bopps Zeiten (s.o. E 302) ist die Indogermanistik eine methodisch abgesicherte und funktionsfähige Wissenschaft. Hauptmethode sind der interne und externe Vergleich innerhalb der und zwischen den idg. Einzelsprachen und der immer wieder vorzunehmende Bezug von den Einzelsprachen auf die Grundsprache und von der Grundsprache auf die Einzelsprachen. 1) Das Fachwissen über alle Fragen der idg. Einzelsprachen und über die Rekonstruktion der durch den Vergleich gewonnenen Aussagen zur uridg. Grundsprache ist inzwischen sehr umfangreich und stammt aus der Arbeit mehrerer Generationen von Indogermanisten. Es ist durch den Dialog in der internationalen Forschergemeinschaft einem dauernden Kontrollprozeß unterworfen. Neufunde und neue Ideen machen immer wieder deutlich, daß wir mit unserem Fachwissen auf dem richtigen Weg sind. Immer wieder können kleinere und größere Steinchen an der richtigen Stelle des der Indogermanistik gestellten Puzzles eingefügt werden. Es spricht für die Richtigkeit, wenn sich uns eine bis dahin unklare Form auf der Basis der bisherigen Daten plötzlich problemlos verstehen läßt. Ein kleines Beispiel aus meiner Forschung: Die ep.-hom. Verbalform HMDYITK inDMVSLHMDYITKN 543 und ;419) ist seit der Antike unklar und war Anlaß von unhaltbaren Spekulationen (% Chantraine DELG s.v.: „rien de clair“). In ganz anderem Zusammenhang fragte ich mich eines Tages, wie denn die formal genaue Entsprechung von dt. singen im Gr. lauten müßte. Bekannt war mir aus den Handbüchern das damit zu verbindende Nom.act. RMPIKY ep.-poet. seit Homer) ‘(göttliche) Stimme’ (< *songý£Ä). Das zugrunde liegende Verbum gilt im Gr. als verschollen (% Frisk GEW s.v.: „das zugrundeliegende primäre Verb ist nur im Germ. erhalten“). Ein Gedankenblitz traf mich: HMDYITK gehört doch als Aorist zu diesem verlorenen Verbum (< *e-sgý£-d£ê). Die Bedeutung (es sind zwei Kampfszenen) paßt ausgezeichnet: Ÿ„(auf ihm) wurde der Schild zum Singen / Klingen gebracht“. Für die fragliche Verbalform heißt dies, daß sie von den hom. Aoidoi noch im korrekten Kontext tradiert worden ist, aber wohl schon früh nicht mehr verstanden wurde. Zu den Einzelheiten der Erklärung s.u. L 345 Abs. 1. 2) Dank der zahlreichen Entsprechungsgleichungen sind wir über die Probleme der Lautlehre am besten und genauesten unterrichtet. So ist die Gestalt

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I. Zur Einleitung

der uridg. Wurzel *snegý£- mit Sicherheit richtig bestimmt, s.o. E 501. Die Bestimmung der Bedeutung als ‘schneien’ ist dagegen zwar wohl fest gesichert, die Frage aber, wie die ved. Bedeutung ‘klebrig sein’ dazu-zustellen ist, kann nicht sicher beantwortet werden. Der Sicherheitsgrad der Aussagen variiert genauso wie bei semantischen Fragen auch bei der Formenlehre und noch stärker bei der Syntax, s.u. S 101. Jeder Fall muß einzeln geprüft werden, vgl. uridg. *h1 - (s.o. E 505), wo bei der 3.Sg. *h1  die rekonstruierte Form die der Ursprache sein dürfte, während bei der 1.Pl. *h1-mé- die Bestimmung der genauen Form der Endung des Präs. offen-bleiben muß. E 509. An der Realität des sprachlichen Traditionskontinuums von der postulierten uridg. Grundsprache zu den uns bekannten idg. Einzelsprachen der historischen Zeit ist nicht zu zweifeln. Wieweit sprachliche Verwandtschaft auch familiäre Bande und damit genetische Zusammengehörigkeit der sich trennenden Sprechergruppen impliziert, ist zu fragen. Über allfällige Hinweise auf Ort, Zeit und Kultur dieser Grundsprache und den Vorstellungen über das Wie der Entstehung der Einzelsprachen s.u. E 511ff. 1) Unsere Rekonstruktion hat aber ihre ganz klaren Grenzen. Wir sind entscheidend von der Überlieferungslage der Einzelsprachen abhängig. Diese ist sehr ungleich, s.o. E 400. Man stelle sich einmal vor, wir besäßen nur Texte des heutigen Griechisch mit ersten mittelgriech.-byzantin. Denkmälern nach dem Fall von Konstantinopel um 1453 n. Chr. Dann wüßten wir z.B. nichts von den mykenischen oder homerischen Sprachformen. Das so dokumentierte Gr. besäße eine dem Alban. vergleichbare Randstellung innerhalb der Indogermanistik, es hätte keinesfalls das Gewicht, das ihm seit langem wegen der einzigartigen Dokumentation zukommt. 2) Unsere Rekonstruktionen sind nicht für alle Zeiten fest. Je nach der Argumentation können Beurteilungen von Forscher zu Forscher differieren. Ferner: Neue Erkenntnisse und Neufunde können durchaus Korrekturen erzwingen. Korrekturen beider Art bedeuten aber nicht, daß sich dadurch die Grundsprache geändert hat, sondern nur, daß wir unsere heutigen Kenntnisse dem neuesten Wissensstand angepaßt haben. 3) Unsere Rekonstruktionen führen uns von den fraglichen einzelsprachlichen Abkömmlingen zwar direkt zurück zu demjenigen Sprachstadium, das ihnen als letztes einheitlich zugrunde gelegen hat. Der Weg vom letzten einheitlichen Stand bis zu den Einzelsprachen war aber nicht so gradlinig, wie uns dies die erhaltenen Formen zwangsläufig suggerieren, die im sprachlichen Evaluationsprozeß erfolgreich geblieben sind. „(Man kann) sagen, daß die Ver-

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

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gleichende Rekonstruktion die Durchschnittsmenge und nicht die Vereinigungsmenge ... der betreffenden Sprachphänomene ermittelt, also nur einen Ausschnitt der Realität erfaßt“: % H. Eichner in Akten 13. Österreich. Linguistentagung 1988 p. 15. „We must not delude ourselves into believing that our retrogressive method of reconstruction matches, step by step, the real progression of linguistic history“: % E. Pulgram Proto-Indo-European Reality and Reconstruction in Language 35 1959 p. 423. Es muß z.B. immer wieder Formen gegeben haben, die einmal Bestandteil des Lexikons oder der Grammatik waren, dann aber im Laufe der Zeit ungebräuchlich wurden und ausschieden. Nur im günstigsten Fall haben wir noch von ihnen Kenntnis, etwa dann, wenn sie in lexikalisierter Form weitertradiert worden sind. Wir können z.B. rekonstruieren, daß es ein uridg. Wn. *h2- ‘Stirn(seite)’ gegeben hat. Während es im Heth. noch lebendig ist, zeigen andere idg. Einzelsprachen wie das Gr. nur noch lexikalisierte Formen wie DMQWLY‘angesichts, gegenüber’ (das als Präverb und Präposition verwendete Wort findet sich auch als VG von Komposita und ist formal als erstarrter Lok.Sg. des ehemaligen Wn. zu bestimmen): % Friedrich / Kammenhuber HW III p.158ff. Weiteres zu DMQWLY in L 322 Abs. 2. Weitere Literatur zur Rekonstruktionsarbeit: % M. Mayrhofer Über sprachliche Rekonstruktionsmethoden in AÖAW 117 1980 [1981] p. 357366; D. M. Job Zur Bewertung von Rekonstrukten in GS Kronasser 1982 p. 46-71; Akten 13. Österreich. Linguistentagung 1988 (p. 7ff. Diskussionsbeiträge zur Podiumsdiskussion „Sprachwandel und Rekonstruktion“, darunter besonders ergiebig H. Eichner p. 10-40); Language Typology 1988 [1991] (darin u.a. H. M. Hoenigswald Morphemic Change, Typology, and Uniformitarianism: A study in reconstruction p. 17-26; E. P. Hamp On Reconstructing Morphology and Syntax p. 105-110). Weiteres s.u. Ende von Abs. 4. 4) Man muß sich klar darüber sein, daß Sprachwandel nicht ein geplanter Prozeß ist, nach dem im Laufe der Zeit eine Sprache planmäßig aufgebaut wird. „Eine Sprache wie Deutsch, Suaheli oder Italienisch ist eine spontane Ordnung. Sie ist das nicht-intendierte Resultat menschlicher Handlungen“: % R. Keller Sprachwandel, ein Zerrspiegel des Kulturwandels? in Kulturwandel im Spiegel des Sprachwandels, Achtes Partnerschaftskolloquium 1991 in Düsseldorf, hrsg. von K.-E. Lönne. Tübingen / Basel 1995 (= Kultur und Erkenntnis 11) p. 213; ders. Zur Erklärungskraft der Natürlichkeitstheorie in Sprachwandel und Sprachgeschichte. Festschrift für H. Lüdtke, hrsg. von J. SchmidtRadefeldt und A. Harder, Tübingen 1993, p. 109-116; vgl. auch ders. Sprachwandel 1994 (Untertitel: Von der unsichtbaren Hand in der Sprache).

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I. Zur Einleitung

Weitere Literatur zu Sprachwandel und Rekonstruktion: % H. Eichner (Titel s.o. am Schluß von Abs. 3); Linguistic Change and Reconstruction Methodology 1990 (darin u.a. H. M. Hoenigswald Is the ‘comparative’ method general or family-specific? p. 375-383; Diachrony within Synchrony 1990 [1992] (darin u.a. A. Bammesberger Phonology, analogy, and how languages change: Notes on the development of some grammatical categories in English p. 359-375; H. M. Hoenigswald Semantic change and ‘regularity’: A legacy of the past p. 85-105); Explanation in Historical Linguistics 1992 (darin u.a. R. Anttila Historical explanation and historical linguistics p. 17-39; B. D. Joseph Diachronic explanation: Putting speakers back into the picture p. 123-144); Historical Linguistics 1993 (darin u.a. J. Anderson Parameters of syntactic change: a notional view p. 1ff.; B. Comrie Typology and reconstruction p. 74ff.); R. Gusmani, Ursprache, Rekonstrukt, hermeneutische Modelle in FS Meid *60 1989 p. 69-77 (weitere Lit. in Anm. 1). E 510. Die mit Hilfe der Rekonstruktion ins Auge gefaßte uridg. Muttersprache, das sog. Urindogermanische, darf man sich nicht als eine ‘primitive’ Ursprache vorstellen. Es war vielmehr eine ‘ganz normale’ Sprache mit einer eigenen langen Vorgeschichte und wurde von einer, soweit bekannt, schriftlosen Sprachgemeinschaft gesprochen. Ÿ Chronologisch steht das „klassische“ Urindogermanische in der Mitte zwischen den Vorstufen (Vorurindogermanisch, Frühurindogermanisch) und den nachfolgenden altindogermanischen Einzelsprachen. 1) Die resultierenden Rekonstrukte des klassischen Uridg. liegen auf einer einheitlichen Linie und können notgedrungen nur ein einseitiges Bild ohne räumliche und zeitliche Perspektive liefern (s.o. E 509 Abs. 3). „Es ist das Wesen jeder Rekonstruktion, daß in ihr notwendigerweise alle diachronischen oder dialektischen oder sonst irgendwie bedingten Unterschiede aufgehoben sind“: % B. Schlerath in ZVS 95 1981 p. 180. Natürlich war das konkrete Uridg. eine lebendige Sprache mit Dialekten und einer komplexen Ausgliederung, das uns allein erreichbare rekonstruierte Uridg. kann dazu aber keine Angaben liefern. Es ist deshalb methodisch verfehlt, das rekonstruierte Uridg. mit dem konkreten Uridg. gleichzusetzen und in ein Raum/Zeit-Modell einzupassen. Ich ziele mit diesem negativen Schluß auf die Diskussion, die sich rund um das ‘Raum/Zeit-Modell’ von W. Meid entwickelt hat und will nicht verschweigen, daß mich die Gegenargumente von B. Schlerath überzeugt haben: % W. Meid Probleme der räumlichen und zeitlichen Gliederung des Indogermanischen in Fachtagung Regensburg 1973 [1975] p. 204-219; B. Schlerath Ist ein Raum/Zeit-Modell für eine rekonstruierte Sprache möglich? in ZVS 95

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

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1981 p. 175-202; ders. Sprachvergleich und Rekonstruktion: Methoden und Möglichkeiten in InL 8 1982-1983 p. 53-69; InL 9 1984 enthält p. 63ff. eine Debatte über die von B. Schlerath in Band 8 umrissene Thematik (Autoren sind E. Campanile, F. Crevatin, M. Doria, R. Gusmani, R. Lazzeroni, E. Neu, P. Ramat, K. H. Schmidt und K. Strunk); InL 10 1985 bringt p. 11-18 das Schlußwort von B. Schlerath Probleme der Rekonstruktion: Schlußwort und Ausblick; J. Tischler Bemerkungen zum "Raum-Zeit-Modell" in FS Meid *60 1989 p. 407-429; W. P. Lehmann Earlier stages of Proto-Indo-European in FS Meid *60 1989 p. 109-131; F. R. Adrados The new Image of Indo-European in IF 97 1992 p. 1-28; E. Seebold in RGA 15 2000 s.v. Indogermanische Sprache und Sprachfamilien. 2) Das konkrete (klassische) Uridg. muß selbst das Produkt einer langen Vorgeschichte sein. Aus dem sprachinternen Vergleich des rekonstruierbaren einheitlichen Uridg. lassen sich einige Aussagen über Vorstufen des Uridg. (Voruridg. , Frühuridg.) gewinnen. „Während die vergleichende Rekonstruktion von einer Gruppe von ähnlichen Formen in einer Mehrzahl von Sprachen ausgeht, nimmt die innere Rekonstruktion ihren Ausgang von Unregelmäßigkeiten oder Inhomogenitäten im System ein- und derselben Sprache. ... Die Grundannahme der inneren Rekonstruktion ist es nun, daß eine solche Unregelmäßigkeit oder Inhomogenität in der Grammatik einer Sprache das Ergebnis eines diachronen Prozesses ist, in dem eine ältere Regularität oder Homogenität von später eingeführten Regeln überlagert, aber nicht vollständig verdrängt worden ist. ... Es besteht nun kein Anlaß, darauf zu verzichten, das an Informanten- und Korpussprachen entwickelte Verfahren der inneren Rekonstruktion auch auf das erst durch vergleichende Rekonstruktion gewonnene Urindogermanische anzuwenden; ‘glotto-gonische Spekulation’, als welche man sie gelegentlich diffamiert, ist die innere Rekonstruktion auch beim Urindogermanischen mit Sicherheit nicht, weil sie zur Entstehung menschlicher Sprache vordringen weder kann noch will“: % H. Rix Modussystem 1986 p. 6f. Rix geht von der späturidg. Phase B (= rekonstruierbares Uridg.) auf daraus ableitbare Informationen über eine frühuridg. Phase A zurück und sammelt in seiner Arbeit diesbezügliche Aussagen über das uridg. Verbalsystem. Die Veranstalter der Fachtagung Zürich 1992 [1994] hatten vor, den Weg vom Uridg. zum Voruridg. (Frühuridg.) weiter zu erforschen, das Rahmenthema wurde aber nicht in der erhofften Weise behandelt: % G. E. Dunkel a.a.O. p. VIIIf.; ders. Early, Middle, Late Indo-European: Doing it my Way in InL 20 1997 p. 29-44. Ÿ In dieser Einleitung wird immer wieder auf voruridg. (frühuridg. Zustände) hingewiesen: Vgl. u.a. L 303 (zu voruridg. *dié¾m u.a.m.), L 312 (zu voruridg. *h1essi), L 323 Abs. 2 (zu voruridg. *eh2), L 323 Abs. 3 (zu

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I. Zur Einleitung

voruridg. *eh3), L 331 Abs. 1 (zu voruridg. *h2e neben voruridg. *h2ê u.a.m.), L 418 Abs. 2 (zum uridg. bereits versteinerten Spiel von Akzent und Ablaut vom Typ *h1ésmi vs. *h1smé-), F 104 (zu Akk.Pl. *-ns < voruridg. *-m + pluralisierendem s), F 203 Abs. 1 (beim LIV-Typ 1p hat die Wurzel *p - / *p- bereits uridg. ein vereinfachtes *pμ-- < voruridg. *pμ-se-), F 206 Abs. 1 und 3 (voruridg. nur Aktionsarten), F 310 Abs. 3 (zum Nom.Sg. uridg. -År < voruridg. *-Ærs u.a.m.), F 310 Abs. 5 (zu Dat.Sg. uridg. *-e vs. Lok.Sg. uridg. *-i), F 311 Abs. 2 (Kontraktion von Themavokal und Endung sicher voruridg.), F 323 (uridg. Adjektive aus voruridg. Eigenschaftkonzepten hervorgegangen), F 401 Abs. 2 (Dissimilation im Dat.Sg. von voruridg. *me-b£e zu uridg. *me-$), F 404 (Vorstufen der Relativsätze).

3. Zu Zeit, Ort und Kultur der uridg. Sprachgemeinschaft E 511. Die Zeit der uridg. Sprachgemeinschaft kann nicht genau angegeben werden. Man kann nur soviel sagen, daß alle altidg. Sprachen, die wir bereits aus dem 2. Jt. v. Chr. kennen, seit ihren frühesten Zeugnissen typische Charakteristika ihrer jeweiligen Sprachgruppe zeigen und damit jeweils eine längere einzelsprachliche Vorgeschichte voraussetzen. Ein Beispiel unter vielen: Vgl. aus dem myk. Gr. das dort bereits übliche te-o i.e. t£ehós ‘Gott’ (s.o. E 507 Abs.2). Auf Grund der indoir. und ital. Befunde muß man folgern, daß *de¾ó- eine der uridg. Bezeichnungen für ‘Gottheit’ darstellt (s.u. W 202 Abs. 2), daß es im Gr. aber vorhistorisch (noch im Balkan) von *dhh 1 s-ó- (woraus später t£ehós und THRY) abgelöst worden ist. Die Griechen sind vermutlich um 2500 v.Chr. in Griechenland angekommen und so muß die Balkanzeit bis gegen 3000 v.Chr. zurückdatiert werden. Die uridg. Zeit liegt notgedrungen noch weiter zurück. An möglichen Daten für die grundsprachliche Zeit werden 5'000 v. Chr. bis 3'000 v. Chr. genannt. E 512. Eine eigene Problematik bieten die Versuche, die Region und die Kultur der uridg. Sprachgemeinschaft zu bestimmen. Ein entscheidendes Gewicht kommt bei beiden Fragestellungen den Aussagen der Ur- und Frühgeschichte zu. Weitere Hinweise können aus dem rekonstruierbaren uridg. Wortschatz kommen, ferner aus eventuell möglichen Rückschlüssen aus der späteren geographischen Lage der Sprachgemeinschaften der idg. Einzelsprachen: % J. Untermann Ursprache und historische Realität in Ethnogenese 1985 p. 133-164 (darin die Kapitel: „Die theoretischen

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Grundlagen der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft und das Stammbaummodell“; „Indogermanistik und Vorgeschichtsforschung“; „Innersprachliche Evidenz für vorgeschichtliche Ereignisse“ mit den Untertiteln „Die Kritik am Stammbaummodell“, „Wortinhalte als Gegenstand der Sprachvergleichung“ und „Ethnische Strukturen im Wortschatz der indogermanischen Grundsprache?“); ders. in Kratylos 34 1989 p. 48ff. („Forderungen und Bedenken, die meines Erachtens bei der Erschließung der ‘indogermanischen’ Kultur, Geisteswelt oder Gesellschaft zu beachten sind“ im Rahmen der Rez. von Stud. z. idg. Wortschatz 1987). Zu Grundsätzlichem ferner: % A. Scherer Hauptprobleme der indogermanischen Altertumskunde (seit 1940) in Kratylos 1 1956 p. 3-21; ders. Indogermanische Altertumskunde (seit 1956) a.a.O. 10 1965 p. 1-24; W. Dressler Methodische Vorfragen bei der Bestimmung der ‘Urheimat’ in Sprache 11 1965 p. 25-60; Zimmer Ursprache 1990. Ÿ s.o. St. Zimmer in den bibl. Nachträgen 3. Vgl. ferner St. Zimmer „Indogermanisch und Indogermanen, Sprachwissenschaft und Archäologie“ in Die Kunde N.F. 57 2006 p. 183-200. 1) Die ur- und frühgeschichtlichen Befunde sind i.d.R. mit den sprachlichen Fakten nicht deckungsgleich: % B. Hänsel in FS Schlerath 1992 [1994] p. 26f.: „Sprachentwicklung wird in logisch nachvollziehbaren, aber eben nicht ausgrabbaren Schritten ohne Zeitskala beschrieben. Der Archäologe verfolgt bestimmte Bereiche von Kulturentwicklungen, deren vielleicht vorhandene Logik ihm in der Regel verborgen bleibt oder nur in wenigen Aspekten der komplexen Kausalitäten zugänglich ist. Er verfügt dagegen über konkrete Zeitvorstellungen, so vage diese auch sein mögen, und arbeitet mit einem Kulturbegriff, der dem Indogermanisten letztlich fremd bleiben muß.“ Für den Archäologen ist Kultur im Sinne einer soziologischen Definition zu verstehen, wie sie W. E. Mühlmann formuliert hat (% Wörterbuch der Soziologie, hrsg. von W. Bernsdorf. Stuttgart 1969. p. 598f.): „die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie tragenden Geistesverfassung, insbesondere der Wert-Einstellung, wobei die typischen Lebensformen ... auch die technischen Grundlagen des Daseins samt ihren materiellen Substraten wie Kleidung, Obdach, Werkzeuge und Gerätschaften usw. umfassen“. Er hat zu den letztgenannten Bereichen direkten, zu den am Anfang des Zitates genannten indirekten Zugang. Die Definition unseres archäologischen Kulturbegriffs ist viel zu offen und in den Grenzen zu unscharf, um eine Gleichsetzung von archäologischer Kultur mit Volk oder geschlossener Sprachgemeinschaft im Sinne einer politisch gleichgerichtet handelnden Gruppe zu erlauben. Ihre Kongruenz ist bestenfalls als Idealfall denkbar, aber a priori unwahrscheinlich. — Wir Archäologen wissen von der Insta-

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I. Zur Einleitung

bilität und Kurzlebigkeit früher Gesellschaften, wir wissen von den verschiedensten Faktoren sozialer Kohärenz, unter denen die Sprache nur einer ist sicher ein wichtiger - aber doch nur einer aus dem Bereich der Kommunikations-ebene. Wir Archäologen verfolgen stets nur Teilbereiche kultureller Entwicklungen innerhalb offener, sich wandelnder Gemeinschaften ohne klare Grenzen. — Kulturzusammenhänge, wie sie sich zum Beispiel in Heiratsgemeinschaften bestimmter Oberschichten oder im Spiegel von Bestattungssitten erfassen lassen, verfügen über ganz andere Grenzen als etwa zeitgleiche Siedlungstypen in ihrer landschaftlichen Gebundenheit. Welche dieser beiden Kulturaspekte und welche anderen sind nun für Sprachzusammenhänge relevant? Mit dem uns zur Verfügung stehenden Methodenapparat werden wir es nie herausbekommen. — Der archäologische Kulturbegriff setzt sich aus so vielen Strängen zusammen, daß er von Natur aus in den Konturen unscharf sein muß. Ganz anders ist es bei den Sprachen. Selbstverständlich gibt es Zusammenhänge, niemand kann sich kulturelle Verbindungen ganz ohne sprachliche Verständigungsmöglichkeiten vorstellen. Archäologen sind aber nahezu überfordert, wenn sie Gleichsetzungen zwischen ihrem offenen, verschiedene Bezugsebenen zusammenfassenden Kulturbegriff und der einen Ebene der Sprachgemeinschaft wagen. Denk- und Erkenntnisbereiche von Sprachforschern und Archäologen sind so grundsätzlich verschieden, daß allenfalls Berührungspunkte oder -partien erwartet werden können, nie aber Parallelismen oder Deckungsgleichheit. Der Vorteil der Sprachforschung ist die Trennschärfe zwischen Einzelsprachen und die Gesetzlichkeit von Entwicklungsverläufen. Die Stärke der Archäologie liegt in der Genauigkeit von Zeitansätzen. Was der eine kann, fehlt dem anderen. Sie könnten sich wunderschön ergänzen, wenn es nur ausreichend Berührungsflächen gäbe.“ 2) Zur Lokalisierung der uridg. Sprachgemeinschaft kann nichts Genaueres gesagt werden. Aus der Lage von späteren Sprachen wie Griechisch, Anatolisch und Indo-Iranisch wird gern ein Landstrich nördlich des Schwarzen Meeres in Südrußland als Heimat abstrahiert: % Urheimat 1968 (Stellungnahmen von verschiedenen Autoren aus den Jahren 1892-1963). Für die Region südlich des Kaukasus: % Gamkrelidze / Ivanov IE and IEs I 1995 p. 850f.; Th. V. Gamkrelidze, Neueres zum Problem der indogermanischen Ursprache und der indogermanischen Urheimat in ZVS 100 1987 p. 366-377. 3) Der rekonstruierbare Wortschatz läßt einige Aussagen zur Kultur der uridg. Sprachgemeinschaft zu. Die uridg. Sprecher betrieben Viehzucht und Viehhaltung (vgl. uridg. *gýó¾- ‘Rind’, uridg. *h2ó¾i- ‘Schaf’, uridg. * 2 ‘hüten, auf die Weide führen’ und *poh2 i-mén- [Einzelheiten zum Ansatz: %

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

197

Hackstein Sigmat. Präsensstammbildungen 1995 p. 176f.] ‘Hirt’, uridg. *%u)¾ón- ‘Hund’ u.a.m.). Eine Zusammenfassung versucht B. Forssman: % Sprache - Fünf Vorträge 1991 p. 63f. (die eckigen Klammern im zitierten Text stammen von mir; dort wird auf entsprechende uridg. Formen hingewiesen): „Aus der Rinderhaltung ergaben sich Milch [vgl. gr. J DY OD N W und lat. lact-] und Melken [vgl. uridg. *d£e¾g£-: % LIV 1998 p. 129], aus der Schafhaltung Wolle [uridg. *h2¾©h1-2-: % M. Peters in Sprache 33 1987 p. 114f.] und Wollverarbeitung [vgl. uridg. *pe- ‘(Wolle oder Haare) rupfen’ und uridg. *kes- ‘Wolle kämmen’: % N. Oettinger in MSS 53 1992 p. 149f.]... Wie andere Viehzüchtergesellschaften, lebten auch die Sprecher des Urindogermanischen in Großfamilien [vgl. uridg. *dem- ‘Haus(clan, gemeinschaft)’ und uridg. *¾i- ‘Ansiedlung(s-clan, -gemeinschaft)’: % Mayrhofer EWAia I p. 697 und II p. 561; vgl. auch L 217 Abs. 1]. An der Spitze der Großfamilie stand der Hausherr [uridg. *déms póti-: % Mayrhofer EWAia I p. 699; vgl. auch F 320 Abs. 1 und W 211]; die verheirateten Söhne [uridg. *suH-u- bzw. *suH-nu-: % Mayrhofer EWAia II p. 741] gehörten auch zur Großfamilie und waren mit ihren Angehörigen dem Hausherrn untergeordnet. ... Aber eine reine Männerherrschaft galt in den Familien sicher nicht; schon daß die Hausfrau als ‘Herrin’ [uridg. *potnih2-: % Mayrhofer EWAia II p. 74f.; vgl. auch L 211 Abs. 4] bezeichnet wurde, deutet auf ihre geachtete Stellung. ... Man verehrte mehrere Götter, es war eine polytheistische Religion. Unter den Göttern waren Naturmächte wie der Vater Himmel [uridg. Vok. *d(i)é¾ ph2ter: % Mayrhofer EWAia I p. 751; vgl. auch F 318 Abs. 6a] ..., die Mutter Erde [uridg. *d£éœ£om-, s.u. F 321 Abs. 1], die Morgenröte [uridg. *h2é¾s-os-: % Mayrhofer EWAia I p. 236; vgl. auch L 310, F 321 Abs. 2, W 303]. ... Der Mensch betrachtete sich ... als Gegenstück der Götter; er nannte seinesgleichen „den Irdischen“ [vgl. uridg. *d£œ£óm-io-: % Meid Gaulish inscriptions 1992 p. 22; vgl. auch gr. D>QTUZSR“Mensch“ < *dhro-h3kw-ó„unten befindlich“: % Verweis auf G. Klingenschmitt bei I. Balles in GS Schindler 1999 p. 9 Anm. 16] und „den Sterblichen“ [uridg. *mμ-tó-: % Mayrhofer EWAia II p. 327]. Aber der Tod [uridg. *mμ-ti-, s.u. F 317 Abs. 7] konnte durch unzerstörbaren Ruhm ... überwunden werden ... so glaubten offenbar unsere fernen sprachlichen Vorfahren. Der urindogermanische Ausdruck *lé¾os d£gý£itom ‘unzerstörbarer Ruhm’ läßt sich nämlich rekonstruieren. Darin bedeutet *lé¾os eigentlich die ‘gehörte Kunde’ ... In einer Gesellschaft ganz ohne Schrift ... verbreitete sich der Ruhm vor allem durch mündliches Weitergeben von seiten des dichtenden Sängers und durch hörendes Aufnehmen von seiten der anderen Men-

198

I. Zur Einleitung

schen, etwa bei einem Götterfest. Worin bestand der Menschen Ruhm, von dem damals die Dichter ... sangen und sprachen? Sicher weitgehend in großen Kampfestaten der Männer [vgl. uridg. *¾iH- &-: % Mayrhofer EWAia II 569f.]. Die urindogermanische Sprechergemeinschaft bekannte sich zum Heldentum und damit grundsätzlich auch zur Unterjochung des Schwächeren. Völker indogermanischer Sprachen haben im Laufe der Zeit große Teile der Welt erobert.“ 4) Kleine Literaturauswahl zu einzelnen der genannten Themenbereiche. — a) Zu mehreren Bereichen: % Buck Dict. of select. Syn. 1949; Hehn Cultivated Plants and Domesticated Animals (1885) 1976; Stud. z. idg. Wortschatz 1987; Scardigli Weg zur deutschen Sprache 1994 p. 43ff.; Gamkrelidze / Ivanov IE and IEs I 1995 p. 377ff. (Part Two: Semantic Dictionary of the Proto-Indo-European Language and Reconstruction of the Indo-European Proto-Culture); Mallory / Adams Encyclopedia 1997; A. Häusler in RGA 15 2000 s.v. Indogermanische Altertumskunde; Ÿ ders. Urkultur der Indogermanen und Bestattungsriten in Languages in Prehistoric Europe 2003 p. 49ff. — b) Speziell zu den Problemen rund um das Pferd: % FS Schlerath 1992 [1994]; P. Raulwing, Pferd, Wagen und Indogermanen: Grundlagen, Probleme und Methoden der Streitwagenforschung in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 523ff.; ders. Horses 2000; ders. in DNP 9 2000 s.v. Pferd. — c) Zur Sozialstruktur: % Benveniste Institutions I + II 1969; B. Schlerath, Können wir die urindogermanische Sozialstruktur rekonstruieren? Methodologische Erwägungen in Stud. z. idg. Wortschatz 1987 p. 249-264; S. Zimmer, Linguistische Rekonstruktion und Geschichte in Bopp-Symposium 1992 [1994] p. 302-313. — d) Zur Religion: % G. E. Dunkel, Vater Himmels Gattin in Sprache 34 19881990 [1992] p. 1-26 und Sprache 35 1991-1993 p. 1; B. Schlerath, Religion der Indogermanen in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 87ff. — e) Zur Dichtersprache: % Schmitt Dichtersprache 1967; Indogermanische Dichtersprache 1968; Watkins How to kill a dragon 1995. Ÿ Arbeitstagung Langue poétique Paris 2003 (2006). E 513. Die idg. Einzelsprachen haben sich mit Sicherheit von einer älteren Einheit aus auseinanderentwickelt, s.o. E 435 Abs. 5. Fraglich ist aber das konkrete Wie der Ausgliederung aus der Ursprache. Es sind dazu verschiedene Hypothesen formuliert worden. 1) Das adäquateste Modell für das Verständnis unserer Rekonstrukte bleibt weiterhin der von A. Schleicher zuerst vorgeschlagene Stammbaum: % Schleicher Compendium 1866 p. 9. Alle andern Modelle (auch die gleich zu

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

199

nennenden von J. Schmidt und O. Höfler) kranken daran, daß sie zwar beobachtbaren Sprachentwicklungen gut Rechnung tragen, daß sie aber nicht im Rahmen der einheitlichen Rekonstrukte anwendbar und überprüfbar sind, wie wir sie notwendigerweise bei unserer Arbeit erhalten, s.o. E 507 Abs. 4, ferner H. Rix a.O. in E 426 Abs. 1. — J. Schmidt hat dem Stammbaum das Bild der Welle entgegengesetzt, „welche sich in concentrischen mit der entfernung vom mittelpunkte immer schwächer werdenden ringen ausbreitet“: % Schmidt (J.) Verwandtschaftsverhältnisse 1872 p. 27f. — Über J. Schmidt hinaus führt O. Höfler Stammbaumtheorie, Wellentheorie, Entfaltungstheorie in PBB 77 1955 p. 30ff. Zum Gesamtkomplex im Lichte numerisch-taxonomischer Klassifikationsverfahren: % H. Goebl ‘Stammbaum’ und ‘Welle’ in Zeitschrift für Sprachwissenschaft 2 1983 p. 3-44. 2) Genausowenig wie über die Lokalisierung der Urheimat und über die Bestimmung der Zeit des Urindogermanischen Sicherheit zu gewinnen ist (s.o. E 511 und E 512 Abs. 2), kann Genaues darüber erschlossen werden, wie sich die uridg. Sprachgemeinschaft in nachgrundsprachlicher Zeit aufgelöst und verändert hat. Mehrere Modelle sind denkbar: so die Neulandgewinnung von einer Stammregion aus durch Eroberungszüge oder Ausdehnung des Sprachgebietes im Gefolge einer durchaus friedlichen Ausbreitung der Landwirtschaft. Das erstere, die Eroberungszüge, haben m.E. einiges für sich (s.o. E 512 Abs. 3 am Ende zum Heldentum). „Mir scheinen die kriegerischen Operationen für die Ausbreitung der Indogermanen ungleich wichtiger als die Völkerverschiebungen der ackerbautreibenden Bevölkerungen, die sich unter ihrem Schirm bzw. in ihrer Nachfolge vollzogen. So gewinne ich nämlich unmittelbaren Anschluß an das, was wir von der indogermanischen Eroberung Kleinasiens, Irans und Griechenlands annehmen müssen, und ich kann die keltische Wanderung und die germanische Völkerwanderung als unmittelbare Fortsetzer unter ganz gleichartigen Bedingungen betrachten“: % B. Schlerath in ZVS 95 1981 p. 199. Ein ungelöstes Problem: Warum sind die Eroberungszüge i.d.R. archäologisch nicht faßbar? 3) Wir haben uns hier ganz klar für das ‘divergierende StammbaumModell’ (einheitliche urindogermanische Grundsprache mit späterer Aufspaltung in Tochtersprachen) ausgesprochen, s. o. E 435 Abs. 5. Es ist aber nicht zu verschweigen, daß ihm ein ‘konvergierendes SprachbundModell’ (in räumlichem und zeitlichem Kontakt stehende Sprachen [sie müssen nicht unbedingt miteinander verwandt sein], die sprachliche Elemente und Regeln miteinander austauschen, gemeinsam erwerben und entwickeln) entgegengesetzt worden ist. Zu den prominenten Befürwortern gehört N. S. Trubetzkoy (% Text von 1939 abgedruckt in Urheimat

200

I. Zur Einleitung

1968 p. 214f.: „Ganz unmöglich ist die Vermutung einer indogermanischen Ursprache nicht. Sie ist aber auch gar nicht notwendig, und man kann sehr gut auch ohne sie auskommen. Der Begriff ‚Sprachfamilie‘ setzt gar nicht die gemeinsame Abstammung einer Anzahl von Sprachen vor einer einzigen Ursprache voraus. Als Sprachfamilie bezeichnen wir eine Gruppe von Sprachen, in denen eine beträchtliche Anzahl von lexikalischen und morphologischen Elementen gesetzmäßige Entsprechungen zeigt. Um die Gesetzmäßigkeit der Lautentsprechungen zu erklären, braucht man aber die Vermutung der gemeinsamen Abstammung nicht, da eine solche Gesetzmäßigkeit auch beim Lehnverkehr zwischen benachbarten unverwandten Sprachen entsteht (die sogenannten ‚Fremdlautgesetze‘). Und Übereinstimmung in rudimentären Elementen des Wortschatzes und der Formenlehre ist auch kein Beweis für gemeinsame Abstammung, da alle Elemente der menschlichen Sprache entlehnbar sind. … Es gibt also eigentlich gar keinen zwingenden Grund zur Annahme einer einheitlichen indogermanischen Ursprache, von der die einzelnen indogermanischen Sprachzweige abstammen würden. Ebenso gut denkbar ist, daß die Vorfahren der indogermanischen Sprachzweige ursprünglich einander unähnlich waren, sich aber durch ständigen Kontakt, gegenseitige Beeinflussung und Lehnverkehr allmählich einander bedeutend genähert haben, ohne jedoch jemals miteinander ganz identisch zu werden.“ Vgl. ferner A. Häusler Archäologie, das Indogermanenproblem und der Ursprung der Hellenen in Ohlstadt 1996 [1998] p. 79-123. Der These eines ‘konvergierenden Sprachbunds’ ist aber gleich zu widersprechen. Allen indogermanischen Sprachen liegt nämlich die gleiche uridg. Flexionsmorphologie zu Grunde. Wie H. Rix deutlich macht, ist es gerade diese morphologische Gleichheit, die gegen das SprachbundModell und für das Stammbaum-Modell spricht (% InL 17 1994 1994 18f.; ähnlich argumentiert übrigens auch G. Neumann in Ohlstadt 1996 [1998] 262f.): „Sprachliche Elemente und Regeln werden nicht ad libitum ausgetauscht, jedenfalls nicht in der langue. Für die Übernahme aus einer anderen Sprache gibt es stets ein Motiv, in der Phonetik die Imitation eines Idioms mit höherem Prestige oder mit exotischem Reiz, in der Lexik die Benennung einer übernommenen Sache oder wieder die aus einer prestigehöheren Sprache, in der Syntax eine als bequem oder vorbildlich empfundenen Regel etc.; dieses Motiv gilt es zu ermitteln. … Entlehnungen und Übernahmen sind bei offenen Subsystemen der Sprache verständlicherweise leichter als bei geschlossenen, in denen ein neues Element schwerer einzubauen ist. Offene Subsysteme sind Lautstand und Lexikon, in geringerem Umfang auch die Syntax. Andererseits ist die Flexionsmorphologie

E. Zur Rekonstruktion der idg. Grundsprache

201

das geschlossene Subsystem par excellence. Wer also die Frage nach einem ‚Uritalischen‘ stellt, muß diese bei Sprachen von der typologischen Struktur der altindogermanischen aus der Flexionsmorphologie beantworten. Auch die Verwandtschaft der indogermanischen Sprachen ist ja nicht über Phonetik, Lexikon oder Syntax entdeckt worden, sondern über das Konjugationssystem.“ (4) Seit Hans Krahe gibt es Versuche, über die sprachliche Analyse der alteuropäischen Hydronymie Aussagen über die (wohl uridg.) Sprache ihrer Schöpfer zu erhalten: % W. P. Schmid Alteuropäische Gewässernamen in Onomastik 1995 p. 756-762; ders. Schriften 1994 passim. Das Material ist aber sehr problematisch. Die umstrittene These eines ‘konvergierenden Sprachbunds’ spielt auch hier eine zentrale Rolle. Kritisches dazu: % Th. Andersson Zur Geschichte der Theorie einer alteuropäischen Hydronymie in Probleme der Namenbildung 1986 [1988] p. 59-90. Ferner s.u. W 305 Abs. 3. — Ÿ Neuere Stellungnahme von G. Klingenschmitt im Sammelband „Gene, Sprachen und ihre Evolution“ (Hrsg. G. Hauska, Regensburg 2005) p. 130-132 (plädiert doch für idg. Herkunft der alteuropäischen Hydronomie).

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

1. Allgemeines L 100. Im Vorgriff auf die einzelnen Abschnitte läßt sich der folgende phonologisch relevante uridg. Lautbestand rekonstruieren: Vokale (s.u. L 200ff.):

*i *î

*e *ê

*a *â

Halbvokale (s.u. L 212ff.):

"



Diphthonge (s.u. L 219ff.):

*e *a *o *e¾ *a¾ *o¾

Liquiden, Nasale (s.u. L 300ff.):

*l [*©] *m [*¬]

Dauerlaute (s.u. L 308ff.):

*s

Laryngale (s.u. L 314ff.):

*h1

*h2

*h3

Dentale (s.u. L 336):

*t

*d

*d£

Labiale (s.u. L 337f.):

*p

*b

*b£

Palatale (s.u. L 339ff.): Velare (s.u. L 339ff.): Labiovelare (s.u. L 343ff.):

* *œ *œ£ *k *g *g£ *ký *gý *gý

*o *ô

*r [*μ] *n [*]

*u *û

A. Allgemeines

203

L 101. Die in L 100 verwendete Schreibweise (u.a. mit Hochstellung des £ zur Markierung der Einphonemigkeit der aspirierten Okklusive) folgt den Empfehlungen, die B. Forssman in Kratylos 33 1988 p. 61 mit Anm. 30 anläßlich der Rezension von Mayrhofer Lautlehre 1986 abgibt. Sie wird im ganzen Studienbuch eingehalten. L 102. Das hier gezeichnete Bild des uridg. Lautbestandes der Rekonstrukte ist bewußt phonologisch und nicht phonetisch gehalten. Die Priorität für die Phoneme erhöht zwar deren Durchsichtigkeit, geht aber selbstverständlich auf Kosten ihrer vermutlich konkreten phonetischen Realisierung. — Beispiele: Man schreibt uridg. *ni-sd-ó- ‘Nest’, aber nicht [*nizdó-] (mit sicher damals gesprochenem stimmhaftem z vor dem stimmhaften d); man schreibt z.B. uridg. *steh 2 - ‘wohin treten, sich hinstellen’, aber nicht [*stah 2 -] (vermutlich war die Assimilation der Vokalqualität an den folgenden Laryngal bereits uridg. vollzogen, s.u. L 322f.) usw.; man schreibt uridg. *d£h 1 tó-, aber nicht [*d£h 1 °tó-] (mit Schwachvokal, s.u. L 103); man schreibt uridg. *dems-poti-, aber nicht [*dens-poti-] (s.u. W 211). Beim uridg. Akk.Pl. verfährt man aber inkonsequent und notiert statt *-ms gerade das bereits assimilierte [*-ns] (s.u. F 104). L 103. Der in der älteren Forschung gern rekonstruierte uridg. Dauerlaut ‘Thorn’ mit stl.*þ bzw. sth. *' wird hier mit J. Schindler als sekundäres Produkt betrachtet, das sich in ursprünglichen Lautgruppen wie "# und *d£œ£ in tautosyllabischer Position einzelsprachlich herausgebildet hat, s.u. L 313. Ich schreibe also z.B. uridg. *d£œ£em- ‘Erde’ und nicht *$'-, ferner uridg. *- ‘wohnen, siedlen’ und nicht uridg. *kþe-. Die Laryngale werden hier als Konsonanten (Engelaute) gesehen. Ihre postulierten uridg. vokalischen Allophone haben nach dieser Ansicht ihre Ursache in der Entwicklung eines phonologisch zunächst irrelevanten Schwachvokals zwischen Laryngal und Konsonant: Der Laryngal kommt durch den nach ihm entstehenden Schwachvokal ° in eine antevokalische Position und schwindet lautgesetzlich, vgl. z.B. uridg. *d£h1-tó- ‘hingestellt’ mit gesprochenem, aber hier nicht weiter notiertem [*d£h1°tó-] und einzelsprachlichen Fortsetzern wie lat. *datus (in conditus < *con-datus, im Simplex dafür factus), gr. THWRYund ved. hitá-. Was nach dem Schwund des Laryngals bleibt, ist der Schwachvokal. Im Gr. trägt er die Qualität des Laryngals (also e, a oder o), anderswo erhält er eine einzige Färbung unabhängig von der Qualität (lat. a, ved. i usw., s.u. L 325). Die Okklusivreihen werden ausdrücklich nicht in glottalisierter Form geschrieben, s.u. L 335 Abs. 3.

204

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

L 104. Man sollte sich immer im klaren darüber sein, daß wir unsere Kenntnis der altindogermanischen Sprachdenkmäler einzig und allein den schriftlichen Aufzeichnungen verdanken. Der Schritt vom Graphem (vom Buchstaben oder Schriftzeichen) auf das durch das Graphem in der Regel dargestellte Phonem (den Laut) ist zu beachten. Angaben wie uridg. *- > gr. ]sind schief, weil der angedeutete Lautwandel zuerst auf der Ebene des Phonems beschrieben und dann auf der Ebene des Graphems ]zu Ende geführt wird. In diesem Fall sachlich richtig ist allein die Angabe uridg. *- > gr. dz- bzw. dz-. Weiteres dazu in L 213 Abs. 1. — Zur Problematik der Phonetik (diese interessiert sich für die Laute in bezug auf ihre Artikulation) und der Phonologie (diese stellt die Sprache auf der Ebene ihrer relevanten Laute dar): ĺ M. Leumann Phonologie der toten Sprachen in Kleine Schriften 1959 p. 398-407. Zur Entstehungsgeschichte des Graphem- und Phonembegriffs (auch zur Verwechslung von Lauten und Buchstaben und zum Unterschied von geschriebener und gesprochener Sprache): ĺ Kohrt Problemgeschichte 1985 p. 4ff. L 105. Auf Nennung von allgemeinen Beobachtungen und Gründen zum diachronen Lautwandel (er betrifft in unterschiedlichem Maße ja alle Bereiche der Sprache) wird hier nur kurz eingegangen. Sprache ist einem stetigen Wandel unterworfen, vgl. als ein Beispiel altlat. deivos ‘Gottheit’ > klass. lat. deus, s.u. L 217 Abs. 3. Seit den Junggrammatikern (s.o. E 306) steht fest, daß der Lautwandel nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten abläuft. Dank genauerer empirischer Untersuchungen (berühmt sind z.B. die Untersuchungen im Raum Frankfurt Köln, im sog. Rheinischen Fächer) kann man heute die Ausbreitung und Durchführung von lautlichen Neuerungen präziser beschreiben und verstehen: Veränderte und unveränderte Formen stehen zunächst nebeneinander; die Variante ist anfangs auf wenige Wörter beschränkt; während des Prozesses der Ausbreitung der Neuerung gibt es ein hohes Maß an Unregelmäßigkeit und Variabilität; gibt es keinen sozialen Druck, der der Ausbreitung entgegensteht, so kann die Neuerung auf den gesamten Wortschatz und auf die gesamte Sprachgemeinschaft übergreifen. Zu weiteren Einzelheiten: ĺ Bynon Hist. Linguistics 1977 p. 173ff. Weitere Literatur: % Boretzky Historische Linguistik 1977 p. 79ff.; Szemerényi Einführung 1990 p. 14ff. (Sprache im Wandel); Hock Language History 1996 p. 126ff. (‘Some types of sound change’), p. 143ff. (‘Why sound change?’) und p. 541f. (‘Chapter notes and suggested readings’). S. ferner oben E 509 Abs. 4.

A. Allgemeines

205

L 106. Die lautgesetzliche Entwicklung kann von sog. Analogien durchkreuzt werden. Sie läuft dann nicht nach dem vorgegebenen Muster ab, sondern nimmt ein anderes in der Sprache bereits bestehendes Muster zum Vorbild. Zur Zeit der Junggrammatiker galt deshalb das Schlagwort ‘Lautgesetz und Analogie’. — Als Beispiel vgl. lat. equos / equus ‘Pferd’: Lautgesetzlich zu erwarten ist im Nom.Sg. *ecus < *ecos < *equos. Das klass. lat. Normalparadigma lautet nun aber nicht Nom.Sg. *ecus vs. Gen.Sg. equî (die Form equ- ist hier lautgesetzlich), sondern equus vs. equî: Der analogische Druck der lautgesetzlich erhaltenen equ-Formen war offenbar so stark, daß auch der Nom.Sg. als equos bzw. klass. equus erhalten blieb, obwohl eigentlich ¾ in nichtanlautender Position vor o/u i.d.R. im 3. Jh. v. Chr. hätte beseitigt werden sollen, s.o. E 506 Abs. 3. Lit. zur Analogie: % Szemerényi Einführung 1990 p. 29f. L 107. Die Datierung von lautlichen (und überhaupt von allen sprachlichen) Veränderungen ist nur in seltenen Fällen in absoluter Form möglich. Ungefähre Datenangaben sind die Regel, vgl. beispielhalber die Formulierung von M. Leumann in Leumann LLFL 1977 p. 62 zur Datierung des lat. Lautwandels von ei > î: „Das î des klassischen Lateins erscheint im Altlatein der Inschriften teils als i teils als ei geschrieben, und zwar wird bis etwa 150 v. Chr. der auf einen der i-Diphthonge zurückgehende Laut durch ei oder allenfalls durch e bezeichnet, das alte monophthongische î nur durch i; nachher treten in der Schreibung Verwechslungen von ei und i auf, bis schließlich einzig die Schreibung i übrigbleibt. Also um 150 v. Chr. erfolgte ein lautlicher Zusammenfall der älteren ei und î in î.“ Meist fehlen uns aber die notwendigen Informationen für eine genaue Datierung. Immerhin sehen wir uns ab und zu in der Lage, eine fragliche Veränderung A mit einer bestimmten Veränderung B in eine chronologische Relation zu setzen und dann A zeitlich vor B oder B zeitlich vor A einordnen zu können. Als Beispiele für eine relative Chronologie s.u. die Anmerkungen zum Palatalgesetz in L 206 Abs. 2 und die Bemerkungen zum germ. Akzent in L 421 Abs. 4. Lit.: % R. Gusmani, Marginalien zum Problem der relativen Chronologie in FS Szemerényi *75 I 1992 p. 143-152. L 108. In der folgenden Beschreibung ist zwischen ungestörter (kontextfreier bzw. selbständiger) und gestörter (kontextsensitiver od. stellungsbedingter) Entwicklung zu unterscheiden. Erstere stellt die von der lautlichen Umgebung unbehelligte Normalvertretung dar, bei letzterer führen die

206

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

umgebenden Laute oder ein Akzent in kleinerem oder größerem Maß zu Abweichungen von der Norm. Ein Beispiel aus dem Lat.: Ungestört fortgesetzt ist z.B. uridg. *e in lat. est ‘ist’. Stellungsbedingt verändert erscheint dagegen im Lat. ein uridg. *e vor *¾ als o, vgl. lat. novo- ‘neu’ gegenüber dem im Gr. ungestört belassenen * - (myk. ne-wo i.S.v. ‘vom laufenden Jahr’). Vor *ng dagegen wird das uridg. *e zu lat. i, vgl. lat. tingô ‘benetzen’ gegenüber ungestört belassenem gr. WHYJJZ ‘dass.’. Komplexer ist der Sachverhalt bei lat. in ‘in, hinein’ gegenüber gr. HMQ‘dass.’: Nach Auskunft des Gr. lautete die uridg. Form der Lokalpartikel *en. Wir nehmen daher an, daß eine Vorstufe des Lat. je nach dem Anlaut des folgenden Wortes sowohl unverändertes en als auch ein durch die lautliche Umgebung verändertes in besessen hat und daß in der Folgezeit diese satzphonetisch bedingte Doppelvertretung en / in zugunsten von alleinigem in entschieden worden ist (hier teilt übrigens das e des negierenden *en- < uridg. *- das gleiche Schicksal: Die ursprünglich zu fordernde lat. Doppelvertretung *en-/in- wird zugunsten von alleinigem in- vereinfacht). Bei lat. sedeô ‘sitzen’ gegenüber obsideô ‘belagern’ ist sed- kontextfrei, -sid- dagegen in ursprünglicher Nebentonstelle aus -sed- abgeschwächt (sog. Vokalschwächung in kurzen Mittelsilben, s.u. L 204). Zu den oben aufgeführten lat. Beispielen: ĺ Leumann LLFL 1977 p. 45ff.; Sommer / Pfister Lautlehre 1977 p. 53ff. L 109. Um die einzelsprachlichen Fortsetzer der uridg. Phoneme breit zu dokumentieren, werden hier in der Lautlehre neben den Verhältnissen im Lateinischen, im Griechischen und im Vedischen in der Regel auch die des Hethitischen, die der altgermanischen Sprachen und die des Litauischen und Altkirchenslavischen beigezogen. — Ÿ Als wichtige Publikation für alle Belange der Lautlehre, speziell des Konsonantensystems, ist Kümmel Konsonantenwandel 2007 beizuziehen.

B. Zu den Vokalsystemen 1. Die Vokale L 200. Der methodische Vergleich der idg. Einzelsprachen ergibt für die idg. Grundsprache ein System von fünf Kurzvokalen und fünf Langvokalen:

B. Zu den Vokalsystemen

207

*i

*u *e

*o *a



*û *ê

*ô *â

L 201. In diesem Kapitel werden im allgemeinen nur solche uridg. *a, *o, *â und *ô behandelt, die ohne die Wirkung von Laryngalen zustande gekommen sind. Produkte wie *a < uridg. *h2 a < voruridg. *h2 e, *o < uridg. *h3 o < voruridg. *h3 e, *â < uridg. *ah2 < voruridg. *eh2 und *ô < uridg. *oh3 < voruridg. *eh3 werden im Zusammenhang mit den Laryngalen besprochen. Desgleichen muß hier *ê < uridg. *1 fehlen, s.u. L 323 Abs. 1a. — Nicht unproblematisch sind auch die Langvokale *î und *û. Ein Teil der Belege läßt sich ebenfalls auf i+H oder u+H zurückführen, s.u. L 211 Abs. 7. In L 202-210 folgen kurze Kommentare zu den einzelsprachlichen Vertretungen, in L 211 folgen die Beispiele. L 202. Schwachvokale (man findet auch die Bezeichnungen Murmelvokale, anaptyktische Vokale oder Sproßvokale) besaßen nach der hier vertretenen Ansicht im Urindogermanischen keinen phonologisch relevanten Wert. — In älteren indogermanistischen Darstellungen taucht ein Schwachvokal (meist als Ω dargestellt) dort auf, wo wir heute hinter den einzelsprachlichen Realisierungen einen Laryngal ansetzen, vgl. lat. pater, gr. SDWKYU, ved. pitÄ mit dem älteren Ansatz uridg. *pΩt( und modernerem *ph 2 tËr. Zu Einzelheiten s.o. L 103. Weil diesem Ω damals der Status eines Phonems zugesprochen wurde, bekam es die Bezeichnung Schwa indogermanicum oder Schwa primum: % Brugmann Grundriß I 1897 § 193; Thumb / Hauschild Handb. d. Skr. I / 1 1958 § 69; Schmitt-Brandt Indogermanistik 1998 p. 119f. Zur Forschungsgeschichte s.u. L 318, weiteres zu ‘Vater’ s.u. L 324 Abs. 3. L 203. Uridg. phonologisch irrelevante Schwachvokale (sie werden hier mit ° markiert) können ferner bei schwundstufigen Ablautformen beobachtet werden. Zur Unterscheidung von der Schwundstufe spricht man dann von Reduktionsstufe. Diese Vokale tragen aus historischen Gründen (sie wurden nach dem Schwa indogermanicum an zweiter Stelle klassiert) die Bezeichnung Schwa secundum. — Zu vollstufigem uridg. *kýet- ‘vier’ (vgl. gr. dor. WHYWRUH, ved. ) + , aksl. ’etyre) findet sich im Ablaut neben schwundstufigem *kýt- (vgl. jav. â-xt-,  ‘viermal’) auch reduktionsstufiges *ký°t-. Dieser Schwachvokal erscheint im Griech. als -i-, im Lat. als -a-, im Slav. als *-š-. Vgl. hom. äol. SLYVXUH, lat. quattuor, ’ech.

208

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

’ty³i < *’štyr-. — Ein ähnliches Verhältnis findet sich zwischen vollstufigem uridg. *pet- (vgl. gr. SHWDYQQXPL) und reduktionsstufigem uridg. *p°t(vgl. gr. SLYWQKPL ‘breite aus’, lat. pat-êre ‘offen stehen’) und zwischen vollstufigem uridg. *$ 2 - ‘groß’ (vgl. gr. PHYJD) und reduktionsstufigem uridg. *m°œh 2 - (vgl. lat. mag-no-). Das in diesem Fall eigentlich zu erwartende *¬œh 2 - wird aus paradigmatischen Gründen gemieden, läßt sich aber vermutlich in lat. ingêns ‘gewaltig’ nachweisen (falls ing- < *eng- < *$- < *¬œ-), ebenso im gr. VG DMJD. Vgl. ferner gr. QDLYZ ‘bewohnen’, falls < *n°s-e-: % G.-L. García-Ramón in FS Narten 2000 p. 67 Anm. 13. Es wäre dann anzunehmen, daß QDLYZ ein -e-Präsens zu uridg. *nes- ‘davonkommen, unbeschadet heimkehren’ darstellt. Die Reduktionsstufe *n°s-e- stünde statt unklar gewordenem *as-e- < *s-e-. — Für Weiteres: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 175ff.; B. Vine, Greek U-L]Y D and ‘Schwa secundum’ in UCLA IE Studies I 1999 p. 5-30. L 204. Die Systeme der uridg. Kurzvokale und Langvokale sind im Lateinischen bei ungestörter Entwicklung ohne Veränderung bewahrt: % Leumann LLFL 1977 p. 44. Zu den Problemen der Kurzvokale in Binnensilben (sie werden um 450 v. Chr. von Synkope und Vokalschwächung betroffen, vgl. zur Synkope das Beispiel opifex ‘Handwerker’ vs. officîna [mit off- < opif-] ‘Werkstatt’ und zur Vokalschwächung das Beispiel f-acere ‘tun, machen’ vs. conf-i-cere [-i- als Resultat in offener Silbe] ‘zu Ende bringen’ vs. dêf-e-ctiô [-e- als Resultat in geschlossener Silbe] ‘Ausgehen, Abfall’): % H. Rix Die lateinische Synkope als historisches und phonologisches Problem in Kratylos 11 1966 p. 156-165 (= Probleme der lat. Grammatik, hrsg. von K. Strunk. Darmstadt 1973. p. 90-102). Das Lat. ist eine ‚a-haltige‘ Sprache. Auffällig ist nämlich das gehäufte Auftreten von a statt e oder o, vgl. quattuor ‘vier’ (mit -a- statt -e-, vgl. uridg. *kýet-¾or-) und canis ‘Hund’ (mit -a- statt -o-, vgl. uridg. *on-). Die Gründe dafür sind z.T. lautlicher Natur und kontextbedingt: % Leumann LLFL 1977 § 48; Schrijver Laryngeals 1991 p. 420ff.; H. Rix in Kratylos 41 1996 p. 162. L 205. Auch das älteste Griechisch besaß noch die unveränderten uridg. Werte. Die Dialekte weichen z.T. aber davon ab. Der ion.-att. Dialekt zeigt in zwei Fällen Weiterentwicklungen: — Für uridg. *â erscheint im Ion. in allen Positionen seit dem 8. Jh. v. Chr. ê . Im Att. ist davon die Stellung nach e, i, r ausgenommen: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 L 400 Abs. 1. — Für uridg. *u/û erscheint seit klass. Zeit ion.-att. ü/ö. Graphemisch ist dieser Wandel in der Regel nicht erkennbar.

B. Zu den Vokalsystemen

209

Schreiber von böot. Texten haben aber seit dem 4. Jh. v. Chr. den Unterschied von einheimischem u/û gegenüber ion.-att. ü/ö festgehalten, vgl. böot. [tuk£â] gegenüber att. [tük£ê]: % Lejeune Phonétique 1972 § 252. L 206. Das Vedische zeigt dagegen eine bereits in iir. Zeit erfolgte Umstrukturierung. Uridg. *e, *o, *a bzw. *ê, *ô, *â werden zu einem einzigen iir. *a bzw. *â dephonologisiert. Diese Erkenntnis verdanken wir F. de Saussure: % Saussure Mémoire 1879 (vorher betrachtete man nämlich den iir. Einheitsvokalismus gerade als ursprüngl. uridg. und ließ z.B. den gr. und lat. Vokalismus e, o, a sekundär daraus hervorgehen). Zum Spezialfall uridg. *o > ved. â s.u. L 412. Dem uridg. Fünfersystem entspricht damit im Indoiranischen ein weitmaschiges Dreiersystem: *i

*u *a

*î bzw.

*û *â

1) Während die Diphthonge *a und *a¾ in antevokalischer Position als ay bzw. av erhalten bleiben, werden sie in antekonsonantischer Position zu ê (in der sprachwiss. Transkription traditionell als kurzes e geschrieben) bzw. zu ô (traditionell als kurzes o geschrieben), s.u. L 220 Abs. 3. Das Langvokalsystem wird dadurch wieder aufgefüllt. Erst mittelind. entstehen auch neue e und o durch Kürzung von ê und ô vor Mehrkonsonanz: % Geiger Pâli 1916 p. 43 § 6. 2) Die uridg. Vokalvielfalt *e/ê, *o/ô und *a/â als Vorstufe von iir. a/â ist aber durch das sog. Palatalgesetz gesichert. Der Unterschied im Anlaut von ved. kád ‘was’ und ca ‘und’ gegenüber lat. quod ‘was’ und que ‘und’ erfordert, daß die Entlabialisierung der iir. Labiovelare (hier von *kýód zu *kód und von *kýe zu *ke) und die Palatalisierung vor Vorderzungenvokal (*kód bleibt, *ke wird dagegen zu *’e) dem Zusammenfall der Qualität von o, e und a zu a (mit Resultat kád bzw. ca) vorausgegangen sein müssen:

210

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

I

uridg.

II

iir. A

III iir. B IV ved.

*kýód p a) *kód *kód p c) kád

*kýe p a) *ke p b) *’e p c) ca

Legende: a) = Entlabialisierung; b) = Palatalisierung; c) = Zusammenfall der Vokalqualität 3) Der Nachweis dieses Vorgangs ist in den Jahren 1875 bis 1877 sechs Gelehrten unabhängig voneinander gelungen: % Wackernagel / Debrunner Ai. Grammatik I 1957 § 124; Mayrhofer Sanskrit und die Sprachen Alteuropas 1983 p. 132ff. (p. 137ff. ein Exkurs: Das Palatalgesetz und seine Entdecker; dazu auch J. Gippert in MSS 54 1993 [1994] p. 69ff.); Collinge Laws 1985 p. 133 ff. L 207. Die für das Hethitische verwendete Keilschrift ist phonetisch und phonologisch weit weniger durchsichtig als die phonemgerechten Alphabetschriften, wie sie in Italien, Griechenland oder Indien eingeführt worden sind: % H. Eichner Phonetik und Lautgesetz des Hethitischen - ein Weg zu ihrer Entschlüsselung in Fachtagung Wien 1978 [1980] p. 120-165; Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 12ff. — Die keilschriftlichen Wiedergaben lassen erkennen, daß die uridg. Kurzvokale *i, *u und *e im Heth. ungestört bewahrt sind. Uridg. *o ist zu heth. a geworden (dabei mit a < uridg. *a und in Ÿa und aŸ mit a < uridg. *h 2 e und uridg. *eh 2 zusammenfallend): % Melchert Anatol. Historical Phonology 1994 p. 105. — Bei den Langvokalen ist Analoges anzunehmen. Zudem sind im Zusammenhang mit den Akzentverhältnissen die Vokalquantitäten neu geregelt worden, indem in offenen Silben die Vokale unter Akzent stets gelängt, in unbetonter Stellung aber gekürzt werden. Die Verhältnisse in geschlossenen Silben sind komplexer: % Melchert a.O. p. 107f. L 208. Im Germanischen sind die uridg. Kurzvokale *o und *a in urgerm. *a zusammengefallen. Uridg. *i, *u und *e bleiben in ungestörter Position bewahrt. Mit z.T. verschiedenen Ergebnissen in den einzelnen altgerm. Dialekten begegnen kontextsensitive Entwicklungen, so von i > e (got. vor unmittelbar folgenden h, ¢ und r [sog. Brechung], graphemisch mit festgehalten; nord- und westgerm. u.a. vor a in der Folgesilbe [sog. a-

B. Zu den Vokalsystemen

211

Umlaut]) und unter analogen Bedingungen von u zu o (got. ), außerdem von e > i (so got. unter Ausnahme der Brechungsposition, nord- und westgerm. vor nK oder i,  und teilweise auch vor u der Folgesilbe). — Bei den Langvokalen fallen uridg. *ô und *â in urgerm. *ô zusammen (ahd. in Stammsilben weiter zu uo, nhd. zu û). Im Nordgerm. und in einem Großteil des Westgerm. wird uridg. *ê relativ spät zu â: % Krahe / Meid Germ. Sprachw. I 1969 pp. 42, 51, 57ff. L 209. Das Litauische (dem im Kurzvokalismus die anderen balt. Sprachen entsprechen) zeigt wie das Heth., Germ. und Slav. eine Dephonologisierung von uridg. *a und *o in a, dagegen Erhalt von uridg. *e, *i und *u. — Die Langvokale uridg. *î (lit. ) und uridg. *û sind im Lit. bewahrt, desgleichen uridg. *ê (lit. ). Unterschiedlich ist die Entwicklung von uridg. *ô (lit. > uo) gegenüber derjenigen von uridg. *â (lit. > ô, aber altpreuß. als â erhalten): % Stang Vgl. Gramm. d. balt. Spr. 1966 p. 22ff. L 210. Im Altkirchenslavischen werden uridg. *i und uridg. *u durch ™ bzw. š fortgesetzt, uridg. *e bleibt e, uridg. *o und uridg. *a werden in o dephonologisiert. — Die Fortsetzung von uridg. *î ist aksl. i, die von uridg. *û ist aksl. y; uridg. *ê wurde aksl. É, uridg. *ô und uridg. *â ergaben beide aksl. a. Die Diskussion darüber, wieweit den belegten aksl. Werten ältere urslav. Vorstufen vorausgehen, ist nicht abgeschlossen. Es hat viel für sich anzunehmen, daß vor dem Zusammenfall von uridg. *o und uridg. *a in o und von uridg. *ô und *â in a eine urslav. Zwischenstufe mit *a und *â anzunehmen ist: uridg. urslav. aksl.

*o \ / *a  p o

*a





\ / *â  p a

Zeugen für diese urslav. Zwischenstufe könnten frühe slav. Entlehnungen ins Finnische sein, vgl. u.a. finn. akkuna gegenüber aksl. okšno ‘Fenster’ < uridg. ‘o-haltigem’ *h 3 ký- : % Aitzetmüller Altbulg. Gr. 1991 p. 8ff., p. 19ff.; J. Udolph in IF 87 1982 [1983] p. 366f.; M. Trummer in Die slawischen Sprachen 7 1984 p. 117ff.; ders. Aus der älteren slavischen und balkanischen Sprachgeschichte I. Fragen des urslavischen Vokalismus. Graz 1985 (non vidi: Kurzer Verweis in Idg.Chr. 32a Nr.1084).

212

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

L 211. Es folgt eine Aufzählung von Gleichungen für die einzelnen Vokalphoneme. 1) Uridg. *i: — Uridg. *kýi-s ‘wer?’, uridg. *kýi-d ‘was?’ = lat. quis, quid, gr. WLY, WLY, heth. ku-iš, ku-it i.e. k¾is, k¾it; vgl. dazu ferner ved. cit ‘sogar, selbst’; got. ¢i-leiks, aengl. hwi-lc (engl. ‘which’) ‘welcher?’; aksl. ’™-to ‘was?’. — Uridg. *ni-sd-ó- m. oder n. ‘Nest’ (zur Problematik der phonetischen Realisation s.o. L 102) = lat. nîdus und ved. nî”á- (mit -î- als Ersatzdehnung aus vorlat. *-iz- bzw. vorved. *-iÿ-), aengl., ahd. nest (urgerm. *nistan.). — Uridg. *di- (schwundstufig zu uridg. *de-) ‘anzeigen, verkünden’ = lat. dic-âre ‘feierlich verkünden’, gr. kret. SUR-GLYN-QXWL (2. Jh.v.Chr. in einem Epigramm: % Bile Crétois 1988 Anm. 297 b) ‘zeigt’, ved. di¹- ‘zeigt, legt dar’, got. ga-taih-un ‘sie zeigten an’ (mit Brechung, s.o. L 208), ahd. bi-zih-t f. ‘Beschuldigung’. — Uridg. *h2ó¾i- m. f. ‘Schaf’ = lat. ovis, gr. R>Ldial. RÕL, ved. ávi-, luw. Ÿa-a-ú-i-iš i.e. Ÿâ¾îs < *Ÿá¾i-, lit. avìs; vgl. dazu ferner aksl. ov™-ca f. ‘Schaf’; ahd. awi-st m. ‘Schafstall’. 2) Uridg. *u: — Uridg. *ugó- n. ‘Joch’ (zum Anlaut im Uridg. und Gr. s.u. L 213 Abs. 1) = lat. iugum, gr. ]XJRYQ, ved. yugám, heth. i-ú-kán i.S.v ugan, urgerm. *uka- (vgl. got. juk, ahd. joh). — Uridg. *d2  - f. ‘Tochter’ = gr. TXJDWHYU-D Akk.Sg., ved. duhitár-, got. dauhtar (zum o s.o. L 208), lit. dukt˜, aksl. dššti. Weiteres zu diesem Wort: % Mayrhofer EWAia I p. 737f. — Uridg. *h1 ró- ‘rot, blutfarben’ = lat. ruber < urital. *ruþro-; gr. HMUX-URY; ved. rudh-irá- (% Mayrhofer EWAia II p. 453f.); vgl. ferner lit. rùdas ‘rötlich, rotbraun’; aengl. rudian ‘rot sein’. 3) Uridg. *e: — Uridg. *néb/2 - f. und *néb£-es- n. ‘Wolke, Gewölk’ = lat. nebula f., gr. QHIHYOK f., QHYIR n., ved. nábhas- n., heth. ne-pí-ši i.e. nepis-i Lok. Sg. ‘im Himmel’ (< * ‘im Gewölk’), aksl. nebo n. ‘Himmel’; vgl. auch ahd. nebul m. ‘Nebel’, lit. debes-es Nom.Pl. ‘Wolken’. Weiteres zu dieser Wortfamilie: % Mayrhofer EWAia II p. 13. — Uridg. *b£er- ‘tragen’ = lat. fer-ô, gr. IHYUZ, ved. bhárati, got. bairan, ahd. beran (nhd. ge-bären i.S.v. ‘austragen’). — Uridg. *- ‘schlagen, töten’ = gr. -HQ-Z Fut. (zum Anlaut s.u. L 345 Abs. 1), ved. hán-ti, heth. ku-en-zi i.e. #-tsi ‘erschlägt, tötet’, lit. gen-ù ‘jage, treibe’, aksl. ÿen-‚o ‘treibe, verfolge’. 4) Uridg. *o: — Uridg. *póti- m. ‘Herr, Gatte’, uridg. * &2- f. ‘Herrin, Gattin’ = gr. SRYVL (mit südgr. -si- < -ti-), SRYWQLD; ved. páti-, pátnî-; got. brûþ-faþs ‘Bräutigam’; lit. patìs ‘Gatte’, vieš-patni ‘Frau’; lat. potis ‘vermögend, mächtig’. — Uridg. *¾oséonti ‘sie bekleiden, bedecken jem.’ (Kaus. zu uridg. *¾es- ‘anhaben, bekleidet sein’, vgl. zur Wz. auch lat. ves-ti- ‘Gewand’) = heth. ¾a-aš-ša-an-zi i.e. ¾assantsi (zu Einzelheiten: % Melchert Hittite Hi-

B. Zu den Vokalsystemen

213

storical Phonology 1984 p. 31f.); vgl. dazu got. wasjan ‘bekleiden’ und s.u. L 310. — Uridg. *g£osti- m. ‘Fremdling’ = lat. hostis m. [und f.] ‘Fremdling’ (dann auch ‘Kriegsfeind’), got. gasts m. ‘Fremder’, ahd. gast m. ‘Fremdling, Gast’, aksl. gost™ m. ‘Gastfreund’. Zum Anlaut s.u. L 342 Abs. 2. Ÿ H. Eichner in FS Neumann *80 2002. 5) Uridg. *a: Dieser Kurzvokal ist vorwiegend in Kontaktstellung mit uridg. *h2 nachweisbar, s.u. L 322 Abs. 2. Doch führt die Rekonstruktion auch auf Fälle von uridg. *a hin, die nicht der Einwirkung des zweiten Laryngals zuschreibbar sind. Sie sind freilich viel weniger häufig als uridg. *e und uridg. *o und scheinen auf bestimmte lautliche Umgebungen beschränkt zu sein. Die Forschung ist sich uneins und tendiert dazu, die grundsprachliche Existenz von a zu bestreiten. Für ein uridg. a % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 169f.; H. Eichner in Laryngaltheorie 1988 p. 133. Kritisch: % A. Lubotsky Against a Proto-Indo-European Phoneme *a in New Sound of Indo-European 1989 p. 53-66. — Die folgenden Beispiele (s. ferner unten zu a L 221 Abs. 3 und zu a¾ L 223 Abs. 3) können vielleicht uridg. Alter beanspruchen: — *as‘grau’, dazu *as-ó-, *as-en- ‘Hase’ (< *‘Grau[pelz]’), vgl. lat. ) ‘grau, altersgrau’ < vorlat. *kas-no-, lat. cascus ‘alt’, ved. ¹a¹á- m. ‘Hase’ < *¹asá- = khotansak. saha-, ahd. hasan ‘grau’, haso ‘Hase’, apreuß. sasins. — *œ£ans‘Gans’ = lat. ânser < *hans-, gr. myk. TH ka-si i.e. k£ansi Dat.Lok.Pl., ion.att. FK QH Nom.Pl. -er: % Leumann LLFL 1977 § 106), altnord. hafr; gr. NDYSUR ‘Eber’. Ÿ Lamberterie Rez. 2002 p. 108 zu P. 82 tritt statt *kap- für den Ansatz von *keh2 p- / *kh2p- ein. — Zu uridg. *g£lad£- s.u. L 342 Abs. 2. 6) Ein Beispiel für uridg. *î gibt uridg. *¾îs- ‘Gift’. Es stellt die gelängte Form des Nom.Sg. vom uridg. Wn. *¾is- dar, vgl. jav. vîš. Auf kurzvokalischem *¾is-o- baut ved. viºá- n. ‘Gift’ auf % Mayrhofer EWAia II p. 563f., auf langvokalischem *¾îs-o- dagegen gr. L²MRYm., lat. vîrus n. (das Genus ist wohl alt und muß in einer Zeit festgelegt worden sein, als die Sprecher noch die freie Entscheidung besaßen, ein Nomen der Sach- oder Personenklasse zuzuteilen, s.u. F 303 Abs. 2). — Häufiger sind (wie bei uridg. *û) aber die Fälle für ein *î, das aus uridg. *iH hervorgegangen ist, vgl. uridg. *3-¾ó‘lebendig’ = lat. vîvus, ved. jîvá-, lit. gývas, aksl. ÿivš (zur uridg. Wz. *g3 ‘leben’: % LIV 1998 p. 192f.).

214

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

7) Uridg. *û liegt in uridg. *nû(n) ‘nun, jetzt’ vor, vgl. gr. QX Q, ved. nÜ (daneben uridg. *nu = gr. QX, ved. nú; uridg. *né¾o- ist davon abgeleitet % Darms V°ddhi 1978 p. 392ff.). — Ein weiteres Beispiel ist wohl uridg. *mûs‘Maus’ = lat. mûs, gr. PX (ev. bereits myk. im PN mu-ka-ra i.e. mûkárâ(s) ‘Mauskopf’: % Meier-Brügger in Glotta 67 1989 p. 45), ved. mܺ-, ahd. mûs, aksl. myš™. Ein û < *uH ist aber nicht ausgeschlossen. Analog zu uridg. *î gehen nämlich die meisten einzelsprachlichen û nachweislich auf uridg. *uH zurück. — Im Fall von uridg. *uh2 belegt das Heth. sogar noch uŸ, vgl. uridg. *d£uh2- ‘hauchen, dampfen’ und uridg. *d£uh2 mó- ‘Rauch’ in heth. túŸ-Ÿaan-da-at i.e. 

  ‘sie keuchten, hatten Atemnot’ und in tuŸ-Ÿu-¾a-i- i.e. 

u¾ai- ‘Rauch’; dagegen mit û < *uh2 lat. fûmus m. ‘Dampf, Rauch, Qualm’, ved. dhûmá- m., lit. dÜmai m.Pl., aksl. dymš m. ‘Rauch’, gr. -X²PRY ‘vitale Energie’ (% Meier-Brügger in MH 46 1989 p. 243ff.; S. Zeilfelder in Graz 2000 p. 497-508). 8) Uridg. *ê ist von ê aus *eh 1 zu trennen, s.u. L 323 Abs. 1a. Der Langvokal liegt vor allem in Dehnstufen von e-haltigen Morphemen vor, s.u. L 409ff. — Beispiele: — Nom.Sg. auf uridg. -Ër (< voruridg. *-ers, s.u. F 310 Abs. 3), vgl.‘Vater’ mit uridg. *ph 2 tËr = gr. SDWKYU, ved. pitÄ (neben Vollstufe im Akk.Sg. gr. SDWHYU-D = ved. pitár-am) und ‘Stern’ mit uridg. *h 2 ( = gr. DMVWKYU usw. — Uridg. *(H)(kýμ- ‘Leber’ = gr. K_SDU, jav. yâkarΩ (neben Vollstufe im Gen.Sg. uridg. *Hekýn-és = ved. yaknás, vgl. lat. iecinoris und s.u. F 314 Abs. 6; zum Anlaut s.u. L 213). — Altes uridg. *ê vermutet man auch in der Gleichung für ‘König’ mit lat. rêx, rêg-is = ved. rÄj-. Ein Exkurs: Hier ist auf das typisch kelt. Lautgesetz ê > î hinzuweisen. Es erklärt die gallischen Namen auf -rîx (Vercingetorix usw.; vgl. air.  ‘des Königs’) als genuin und erweist die im Germanischen üblichen Wörter wie nhd. reich, Reich und (Fried-)rich, got. (mit für î) reiks m. ‘Herrscher’, reiki n. ‘Reich’, ahd. rîhhi ‘mächtig’, rîhhi n. ‘Reich’ auf Grund dieses lautgeschichtlichen Merkmals als Entlehnungen aus dem Keltischen: % W. Meid in Althochdeutsch I 1987 p. 10f. und unten L 335 Abs. 3. — Zu heth.-luw. Ÿe und eŸ aus uridg. *h2ê und *êh2, in denen sich ê ohne Umfärbung erhalten hat, s.u. L 331. 9) Uridg. *ô erscheint wie uridg. *ê (s.o. Abs. 8) vorwiegend in dehnstufigen Bildungen. In den Resultaten der Einzelsprachen fällt es mit uridg. *eh 3 zusammen (s.u. L 323 Abs. 3). — Beispiele: — Uridg. *¾édôr n. ‘Gewässer’ = heth. ú-i-da-a-ar i.e.  , gr. X^GZU (zur Flexion s.u. F 314 Abs. 6). — Das uridg. Wn. *dom- / dem- ‘Haus’ besaß den Akk.Sg. uridg. *dôm (s.u. F 320 Abs. 1a), vgl. armen. town ‘Haus’ und gr. GZ PD n.

B. Zu den Vokalsystemen

215

‘Haus, Wohnung, Tempel’: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 172 und Anm. 312. 10) Uridg. primäres *â ist wie uridg. *a selten. Es wird aber voreinzelsprachlich in mehreren idg. Sprachen durch neu entstehendes â aus uridg. *ah 2 (älter voruridg. *eh 2 ) aufgefüllt. Primäres uridg. *â hatte vielleicht das in den meisten idg. Sprachen fortgesetzte Wort für ‘Mutter’: lat.  -; gr. myk. ma-te i.e. mâtêr, dor. PD²ÆWKU, ion.-att. PKYWKU ved.  -; an. mô“er, aengl. môdor; aksl. mati (Gen.Sg. mater-e); lit. mót_ ‘Ehefrau’ (Gen.Sg. móter-s). Neben der Frage nach dem ursprünglichen Vokalismus der ersten Silbe (-â- = uridg. -â- oder doch < *- 2 -?) sind übrigens auch die einzelsprachlichen Hinweise zur Flexion und Akzentuierung des Wortes für ‘Mutter’ nicht eindeutig entscheidbar, s.u. F 318 Abs. 3.

2. Die Halbvokale L 212. Die Rekonstruktion führt auf nichtsilbische Entsprechungen der beiden hohen Vokale uridg. *i und *u, also auf uridg. * und *¾ hin. Der erste Eindruck läßt uridg. *i und * und uridg. *u und *¾ als Allophone jeweils eines Phonems annehmen (mit komplementärer Verteilung uridg. *i vor Konsonant, uridg. * vor Vokal, vgl. ved. i-más ‘wir gehen’ gegenüber y-ánti ‘sie gehen’), s.u. L 218. Ob aber der Eindruck trügt und uridg. *i und * und uridg. *u und *¾ doch je einen eigenen phonemischen Status besitzen, steht zur Debatte: % bejahend Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 160f.; kritisch B. Forssman in Kratylos 33 1988 p. 63. Unabhängig von diesen phonologischen Erwägungen sind aber die Ansätze uridg. * und *¾ für die sprachvergleichende Praxis wichtig. Auch finden sich uridg. * und *¾ als zweite Bestandteile der Diphthonge, s.u. L 221 und L 223. L 213. Uridg. * ist i.d.R. in den hier herangezogenen Sprachen in kontextfreier Entwicklung erhalten. Graphemisch erscheint es lat. als , im Ved. als , germ., lit. und aksl. als . Die heth. Keilschrift bietet die Notation a vor a, sonst i. — In den folgenden Absätzen 1 - 5 wird allein die Problematik des Griech. abgehandelt. 1) Das Griech. zeigt im Anlaut seit dem 8. Jh. v. Chr. statt - i.d.R. h- (vgl. R^ gegenüber ved. yá-), in einer kleinen Wortgruppe aber statt des erwarteten h- ein dz- (älter dz) , vgl. Sg. n. ]HX JR ‘Gespann, Paar’ gegenüber lat. Pl. n. iûgera ‘ein Morgen Land’ < ‘was sich mit Hilfe von einem Ochsenpaar in einer bestimmten Zeit pflügen läßt’ oder gr. poetisch ]HLYGZUR

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

(Hom.+) ‘Getreide spendend’ (mit VG ]HL< *djé¾e-) gegenüber ved. yávam. ‘Getreide’. — Das um 1400 v. Chr. - 1200 v. Chr. bezeugte Myk. kennt bei der i.d.R. vorherrschenden h-Gruppe Notationen mit anlautendem - und solche ohne, vgl. satzeinleitendes neben . Die kleine dz-Gruppe ist ebenfalls bereits etabliert, vgl. ze-u-ke-si i.e. dzé¾gesi Dat.Pl. ‘Ochsengespann’. — Die Ursachen für das Entstehen dieser zwei unterschiedlichen innergr. Gruppen sind nicht völlig geklärt. Einiges scheint dafür zu sprechen, daß sich in der gr. h-Gruppe Fortsetzer von uridg. *H- finden, vielleicht aber auch nur von uridg. *h1- oder *h2 -. Gr. dz- bzw. dz- wäre dann im Gegenzug Fortsetzer von uridg. *- (allenfalls zusätzlich von uridg *h3-). 2) Auf die Genese von gr. h- < uridg. *H- (= These 1) könnte X-VPLYQK f. ‘Schlacht, Treffen’ (mit husmin- < *hut£smin- < *ud£-smin-) hinweisen. Die dem Nomen zugrundeliegende Verbalwurzel *- ist nämlich nach Ausweis des Indoiranischen im Anlaut vermutlich laryngalhaltig gewesen und damit als uridg. *H- ‘in Bewegung geraten’ anzusetzen, vgl. ved. yúdh- f. ‘Kampf’ mit dem durch langen Fugenvokal charakterisierten Kompositum amitrâyúdh‘Feinde bekämpfend’ < *amitra-Hud£-: % LIV 1998 p. 201f. mit Anm. 1. — Ein weiteres Beispiel könnte uridg. *Heh1 - ‘werfen’ mit gr. att. L²^KPL ‘werfe’ abgeben: % LIV 1998 p. 201. — Vgl. ferner X-JLKY< *h2u-, s.u. L 344. 3) Die Lage ist aber widersprüchlich. Man kann nämlich auch gegenteilig argumentieren (= These 2), sich bei uridg. *- auf gr. ]XJRYQ und ]HX JR(s.o. Abs. 1) berufen, die verwandte ved. Ipf.-Form âyunak ‘schirrte an’ mit ihrem unerwartet gelängten Augmentvokal â auf angebliches *a-Hugzurückführen und daraus folgern, daß gerade gr. dz- (älter dz) < uridg. *Hdas Richtige treffe. 4) Literatur für These 1: % Peters Laryngale 1980 p. 321; Hinweis auf den Vortrag von J. Schindler 1987 in Leiden bei Mayrhofer EWAia II p. 406 (Ÿ M. Mayrhofer versucht in Sprache 45 2005 [2007]p. 125 die Argumentation wieder herzustellen, die Schindler wegen seines frühen und unerwarteten Todes nicht publiziert hat); J. L. García-Ramón in GS Schindler 1999 p. 93f. — Literatur für These 2: % B. Forssman in FS Hoenigswald 1987 p. 118. — Ohne Zuhilfenahme von Laryngalen mit soziolinguistischer Erklärung für die kleine aus dem landwirtschaftlichen Bereich stammende dz-Gruppe: % C. Brixhe in BSL 74 / 1 1979 p. 249ff.; ders. Phonétique et phonologie 1996 p. 18ff. Ohne eine definitive Entscheidung fällen zu wollen, wird im folgenden der Frage nach uridg. *H- / *- nicht mehr weiter nachgegangen und der Einfachheit halber wenn nötig bei Vorliegen von gr. h- ein uridg. *H- vorausgesetzt, bei Vorliegen von gr. dz- bzw. dz- dagegen ein uridg. *-.

B. Zu den Vokalsystemen

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L 214. Gleichungen für uridg. *H- / *- (s.o. L 213) im Anlaut: — Uridg. *es- ‘sieden’ = myk. ze-so-me-no i.e. dzesomén Ptz.Fut. Dat.Sg., gr. ]HYZ ‘sieden’, ved. yásyati ‘siedet, wird heiß’, ahd. jesan ‘gären’. — Uridg. *,s- (oder statt *û hier besser *uH?, s.o. L 211 Abs. 7 das Beispiel von uridg. *d£uh 2 -) ‘Brühe’ = lat. iûs n. ‘Brühe’, gr. ]X²YPK (mit -û-m- < *-ûs-m-) ‘Sauerteig’, ved. yܺ- n. ‘Suppe, Brühe’, lit. jܸ_ ‘Fischsuppe’, aksl. jucha ‘Brühe, Suppe’ (mit -ch- < -s-, s.u. L 309 Abs. 6). — Uridg. *He/oh 1 -r- ‘Jahr, Jahreszeit’ = gr. Z^U/D ‘Jahreszeit, Tageszeit, Stunde’, jav. yâr n. ‘Jahr’, got. jer, nhd. Jahr, russ.-ksl. jara ‘Frühling’. — Zu uridg. *ugó- und *He¾d£- s.o. L 213. L 215. Die wichtigsten Lautgesetze der Einzelsprachen betreffen den Schwund von uridg. * zwischen Vokalen (so im Lat., Gr. und Heth., unter gewissen Bedingungen auch im Germ.) und Assimilationen von uridg. * an vorangehende Konsonanten (so im Gr.: % Lejeune Phonétique 1972 §§ 68f., 93ff). 1) Beispiele von uridg. * zwischen Vokalen: — Uridg. *tré-es ‘drei’ mit erhaltenem  in ved. tráyas, aksl. tr™je, dagegen mit geschwundenem  in lat. *tre.es (N.B.: Der Punkt markiert die Silbengrenze!) > três, gr. kret. WUHH lesb. WUK, ion.-att.WUHL , an. þrír < urgerm. *þriiz: % H. Eichner in Althochdeutsch I 1987 p. 190ff. — Uridg. *áes- (bzw. *h2 ees- mit daraus entwickeltem *h2aes-) n. ‘Metall’ mit erhaltenem  in ved. áyas- n. ‘Nutzmetall, Kupfer, Eisen’, aber mit beseitigtem  in lat. aer-is Gen.Sg. n. < *áes-es (der Nom.Sg. aes ist analogisch aus dem Gen. neu gebildet statt erwartetem *a.us < *aos: % Leumann LLFL 1977 p. 378) und in lat. aênus ‘ehern, aus Bronze’ < *a.ez-no- < *aes-no-. 2) Beispiele von Assimilationen von uridg. * an vorangehende Konsonanten: — Uridg. *álo- (bzw. *h2 elo- mit daraus entwickeltem *h2alo-) ‘anderer’ = gr. ion.-att. D>OOR mit l > ll (vgl. auch kypr. a-i-lo- i.e. alo- < *alo-). Im Lat. dagegen alius i.e. [alio-] mit sekundär vokalisch realisiertem i + Übergangslaut . Die davor liegende konsonantische Stufe ist lat. noch nachweisbar, vgl. + < *gýen < *gýem- < *gý¬- (die Assimilation von -mzu -n- ist nur vor  erklärlich, ein -mi- wäre erhalten geblieben), s.u. W 202 Abs. 1. — Uridg. *médo- ‘mittlerer’ = urgr. *méto- > att. PHYVR, dor. lesb. PHYVVR, böot. kret. PHYWWR mit t > s(s) / t(t), aber lat. medius i.e. [o-] mit sekundär vokalisch realisiertem i + Übergangslaut  (zu inlautendem d < uridg. *d£ s.u. L 336 Abs. 3). — Uridg. *pédo- ‘zum Fuß gehörig’ = ved. pádya- (der gern angenommene Bezug auf gr. SH]RY ‘zu Fuß’ [mit -dz- < -d-] ist wegen des Endakzentes aber problematisch; vielleicht gehört das gr. Wort

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

aber gar nicht direkt dazu, sondern basiert auf dem alten verbalen Rektionskompositum *ped-(h1)-ó- ‘zu Fuß gehend’: % Schwyzer Gr. Gr. I 1939 p. 472). Nach I. Balles in Sprache 39 1997 p. 162 SH]RY < *pedi-ó- ‘auf dem Fuß befindlich’ (im Gegensatz zum Reiter). L 216. Uridg. ¾ ist unverändert in den hier herangezogenen Sprachen fortgesetzt. Die Grapheme sind verschiedenartig: lat. , ved. , germ. usw. Heth. finden sich analog zu  Notationen mit ¾a bzw. u, ú (selten ¾i 5 ). Auch im ältesten Griechisch ist ¾ erhalten: myk. in der Graphie w-haltiger Silben erkenntlich, in mehreren nachmyk. Dialekten mit dem Zeichen (dem sog. Digamma) notiert. Doch ist ¾ im Ion.-Att. bereits vor der Einführung des Alphabets und vor der Endfassung der hom. Epen geschwunden. Das ion.-att. Alphabet kennt zwar wie alle gr. Alphabete an 6. Stelle das Digamma, es wird aber nur noch für den Zahlwert 6 verwendet. Viele hom. Vokabeln und Formulierungen setzen aber ¾ voraus und müssen bereits zu einem Zeitpunkt der epischen Sprache angehört haben, als ¾ noch Bestandteil des ep. Lautsystems war, vgl. unter vielen Beispielen (ein weiteres unten in L 217 Abs. 1) den regelmäßigen Hiat vor D>QD[‘Herr’. Dieser wird nur dann verständlich, wenn er durch Schwund des einmal vorhanden gewesenen anlautenden ¾ verursacht ist. Und tatsächlich: Myk. lautet die Vokabel noch wa-na-ka i.e. ¾anaks ‘König’ (zur nachmyk. Bedeutungsentwicklung: % LfgrE II s.v. EDVLOHXY; P. Carlier La royauté en Grèce avant Alexandre. Straßburg 1984). Zum Digamma bei Homer: % B. Forssman in Coll. Raur. II 1992 p. 283f. § 73. L 217. Gleichungen für uridg. ¾: 1) Im Anlaut: — Uridg. *¾óo- m. ‘Siedlung, Wohnung’ = lat. vîcus ‘Dorf, Siedlung’, gr. myk. wo-(i-)ko-de i.e. ¾okon-de, arkad. thessal. ÕRLNR, ion.-att. RL?NR (vgl. Hom. Ilias A 606 mit dem formelhaften H>EDQRL?NRYQGH, metrisch mit positionslangem -DQ vor RL?NRQ, was dann erklärlich ist, wenn wir annehmen, daß die ep. Sänger zwar nicht mehr ein muttersprachliches ¾ kannten, in ihrer Schultradition aber gelernt hatten, RL?NR mit anlautendem Vokaleinsatz! [< ¾-] positionsbildend zu verwenden, s.o. L 216); vgl. auch got. weihs n., aksl. v™s™ f. ‘Dorf’. — Uridg. *¾ed- ‘sehen’, dazu *¾ód-e Perf. (‘er hat gesehen’ >) ‘weiß’, vgl. lat. vid-êre, lit. veizd—ti, aksl. vid–ti ‘sehen; gr. (Õ)RL?GH, ved. véda, got. wait ‘er weiß’. — Uridg. *¾ét-es- n. ‘Jahr’ = gr. H>WR, ÕHWR, myk. Akk.Sg. we-to i.e. ¾étos; ved. tri-vat-s-á- ‘dreijährig’ (es ist als Ableitungskompositum mit possessivischem -á- suffigiert: VG tri-, HG vat-smit schwundst. -s- des Suffixes -as-); vgl. ferner dazu lat. vetus ‘alt’ (zur Ge-

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nese des Adjektivs auf der Grundlage des alten Ntr. über die Ableitung vetustât- ‘Alter’: % M. Leumann in CFS 31 1977 p.127-130), lit. v^tu¸as, aksl. vetšxš ‘alt’. Das nb. dem Ntr. *¾ét-es- bestehende Wn. *¾et- ist im Heth. noch nachzuweisen, vgl. ú-it-ti i.e. ¾iti ‘dem Jahr’. 2) Zwischen Vokalen: — Uridg. *né¾o- ‘neu’ = gr. dial. QHÕR (myk. newo ‘vom laufenden Jahr’), ved. náva- ‘neu’, heth. né¾a- ‘frisch’ (vgl. Instr.Sg. ne-e-u-it ‘mit frischem’), aksl. novš; lat. novus mit bereits urital. *-o¾- < *-e¾-, s.u. L 222 Abs. 2. — Die lat. Sachlage ist bei dieser Vokabel aber insofern noch komplexer, als die Form novus selbst mit ihrem innervokalischen -vnicht lautgesetzlich ist. Erwartet wird eigentlich im Laufe des 3.-2. Jh. v. Chr. der Schwund von ¾ in nichtanlautender Position vor o/u. Das -v- konnte sich aber in Analogie zu den Formen mit erhaltenem -v- vor e/i/a (vgl. Gen.Sg. novî) im ganzen Paradigma etablieren: % Leumann LLFL 1977 p. 137f.; ferner s.o. E 506 Abs. 3 zu equus. 3) Exkurs zu lat. deus / dîvus: Nom.Sg. a) altlat. deivos b) 3.Jh.v. >*dƒêvos c)3./2.Jh.v. *dƒê.os > dÉ.us

Gen.Sg. und und aber

*deivî >*dƒêvî dîvî

Kommentar: — Die in Abs. 2 genannten lat. Lautverhältnisse haben in Einzelfällen sogar zum Auseinanderfall von Paradigmen geführt, so bei deus ‘Gott(heit)’ vs. dîvus ‘als Gottheit, vergöttlicht’ (einige der angesetzten Formen der Tabelle sind nicht belegt; sie werden zwar mit * markiert, ihr Ansatz ist aber völlig unbestritten). — Stufe a zeigt ein einheitliches altlat. Paradigma vom Stamm o- ‘Gottheit’ < ‘Himmlischer’ (weiteres zu diesem Wort s.u. W 202 Abs. 2). — Stufe b bringt die erste Stufe der Monophthongierung von  > ƒê > î, s.u. L 220 Abs. 1. — In Stufe c Eintritt der fraglichen divergierenden Entwicklung: im Nom.Sg. Schwund von ¾ vor o/u, im Gen.Sg. Erhalt vor e/i/a. Bei *dƒê.os kommt sofort die Kürzung des Langvokals vor Vokal dazu, bei *dƒêvî kommt der Abschluß der Monophthongierung zum Zug. — Vom letzten Stand c aus dann Neuaufbau von zwei selbständigen Paradigmen, einerseits deus mit neuem Gen.Sg. deî ‘Gott’, andererseits dîvî mit neuem Nom.Sg. dîvus ‘als Gottheit; vergöttlicht’. — Vgl. genauso die klass.-lat. Wörter oleum ‘Olivenöl’ vs. olîva ‘Olive, Olivenbaum’: Ausgangsformen sind *elaom (woraus in einem ersten Schritt durch Vokalschwächung in Mittelsilben * /om, in weite-

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

ren dann -ƒê¾om > -e.om > -eum) und *ela (woraus in einem ersten Schritt *ole, in weiteren dann *-ƒê¾a > -î¾a). 4) Auch postkonsonantisch ist ¾ zumeist erhalten. Doch haben einige Lautgesetze des Lateinischen wichtige Gleichungen verdunkelt, vgl. die folgenden Beispiele mit *s¾e- > suo- > so- (% Leumann LLFL 1977 p. 47): — Uridg. *s¾ésor- f. ‘Schwester’ (vgl. ved. svásar-, got. swistar) = lat. soror (zum -r- < -s- s.u. L 309 Abs.1). — Uridg. *s¾ep-n- ‘Schlaf’ (% Mayrhofer EWAia II p. 791f., vgl. ved. svápna-, an. svefn) = lat. somnus. — Uridg. *s¾éru-h2 - (wohl selbst < *s¾é-h2- [s.u. L 304 Abs. 3] zu *s¾éur-o- m. ‘Schwiegervater’ gebildet) f. ‘Schwiegermutter’ (vgl. ved. ¹va¹ 6- < *sva¹ 6-, ahd. swigar, aksl. svekry; weiteres % Mayrhofer EWAia II p. 675f.) = lat. socrus. — Uridg. *s¾ódo- ‘Schweiß’ (vgl. ved. svéda-, nhd. Schweiß) = lat. sûdor (% H. Rix in FS Knobloch 1985 p. 339ff.). L 218. In Abhängigkeit von der Silbenstruktur wechseln die Halbvokale uridg. * und *¾ allophonisch mit den ihnen entsprechenden Vollvokalen uridg. *i und *u, s.o. L 212. Diese Allophonie teilen uridg. * und *¾ mit uridg. *r, *l, *n und *m, s.u. L 304 mit Weiterem. Die Allophone *i und *u werden mit Folgevokalen durch homorgane Glides zu *i und *u¾ verbunden. 1) Wechselformen mit --V-/-i-V- zeigen in größerem Umfang die Ableitungssuffixe mit --haltigen Elementen, vgl. die -o-Adjektive, die -es-Komparative und die -e-Präs.Stämme. — Erste Hinweise auf die Verteilung der Wechselformen gibt die Beobachtung am germanischen Material: Einer leichten Sequenz KV.K (N.B.: der Punkt markiert die Silbengrenze) folgt --, vgl. urgerm. *Far-a- = got. harjis ‘des Heeres’, urgerm. *lag-e- = got. us-lagjiþ ‘legt’. Einer schweren Sequenz KVK.K oder KÅ.K folgt aber -i-, vgl. urgerm. *Ferð-ia- = got. hairdeis ‘Hirte’, urgerm. *stô“-ie- = got. anastodeiþ ‘hebt an’. — Dieses Phänomen ist mit gewissen Einschränkungen (i nicht vor KVTT.) als uridg. anzuerkennen und unter dem Namen von E. Sievers (Regel von Sievers) bekannt. — Lit. zum Uridg. allgemein und speziell zum Ved.: % Seebold Halbvokale 1972 (ferner ders. in Kratylos 46 2001 p. 138-151); J. Schindler in Sprache 23 1977 p. 56ff.; Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 164ff.; Collinge Laws 1985 p. 159ff.; Rubio Orecilla Sufijo de derivación nominal 1995; s.u. W 202 Abs. 1. — Zum Lat.: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 89f. — Zum Gr.: C. J. Ruijgh in Fachtagung Leiden 1987 [1992] p. 75-99 (wiederabgedruckt in Ruijgh Scripta Minora II 1996 p. 353-377). — Zum Kelt.: % J. Uhlich Die Reflexe der keltischen Suffixvarianten *-o- vs. *-io- im Altirischen in Deutschsprachige Keltologen 1992 [1993] p. 353-370.

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— Zum Toch.: % D. Ringe, Laryngeals and Sievers’ law in Tocharian in MSS 52 1991 p. 137-168. 2) Wechselformen von diesem Typ gibt es auch bei Einsilblern, vgl. uridg. * ‘Hund’ (= ved. ¹vÄ) mit der unter bestimmten Bedingungen auftretenden Nebenform uridg. *u¾ô (= ved. ¹uvÄ, gr. NXYZQ) und vgl. uridg. *de¾- neben *die¾- (s.u. F 318 Abs. 6a). Zu dieser sog. Regel von Lindeman: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 166f. Wie J. Schindler in Sprache 23 1977 p. 56ff. so eindrücklich zeigt, ist letztlich die Regel von Lindeman nur die SandhiVariante von Sievers Regel, s.u. L 405. 3) Über die Assimilation von -¾- an den folgenden Nasal vom Typ voruridg. *dé¾m > uridg. *d(m s.u. L 303.

3. Diphthonge L 219. Die drei Vokale uridg. *e, *o und *a verbinden sich mit den Halbvokalen uridg. * und *¾ zu sog. fallenden (oder eigentlichen) Diphthongen wie uridg. *a und *a¾, vgl. als Beispiel nhd. Baum. Sog. steigende (oder uneigentliche) Diphthonge wie in franz. roi [r¾á] ‘König’ sind für das Uridg. nicht anzunehmen. Die zu erwartenden und in Gleichungen reich zu belegenden Diphthonge sind: *e *o *e¾ *o¾ *a

*a¾

Ÿ Letztlich sind auch die Verbindungen von e, a und o mit r, l, m und n als Diphthonge zu bewerten, s. Lamberterie Rez. 2002 p. 108 zu P. 91 (unter Hinweis auf die Verhältnisse im Baltischen und auf das Gesetz von Osthoff). Unter Sonderbedingungen sind vereinzelt Langdiphthonge wie uridg. * oder *ê¾ anzusetzen, s.u. L 224. L 220. Ein paar Informationen zum Schicksal der --Diphthonge in den idg. Einzelsprachen: 1) Die drei --Kurzdiphthonge sind im vorklass. Latein noch als , und erhalten. — Auf dem Weg zum klass. Latein wird im 2. Jh. v. Chr. e über ê zu î monophthongiert. — Von der lautlichen Umgebung unbehelligt

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

wird o zu û, doch ist diphthongisches o in der leicht veränderten Form o*e in gewissen Positionen archaisierend bewahrt, vgl. poena ‘Strafe’ vs. pûnîre ‘bestrafen’ und Poenus ‘Punier’ vs. Pûnicus ‘punisch’. Wichtige Gleichungen wie lat. vîcus (= gr. myk. und dial.  # -) zeigen den durch die lautliche Umgebung (hier durch ¾-) beeinflußten Lautwandel ¾o- > ¾e- > ¾î-. — Für a findet sich seit dem 2. Jh. v. Chr. , womit weiterhin ein Diphthong bezeichnet wird (wie oben bei oe). Beleg dafür ist Caesar. Wie das Lehnwort Kaiser zeigt, war die Aussprache zur Zeit der Entlehnung [Kaë ], vgl. oben E 507 Abs. 3. Die monophthongische Aussprache des ae ist eine nachklass. Entwicklung. Zu allen Problemen der Monophthongierung im Lat.: % Leumann LLFL 1977 p. 60ff.; Wachter Altlat. Inschriften 1987 p. 477ff.; H. Rix Latein - wie wurde es ausgesprochen? in Beiträge zur mündlichen Kultur der Römer, hrsg. von G. Vogt-Spira. Tübingen 1993 p. 11ff.; Meiser Lautu. Formenlehre 1998 p. 57ff. 2) Das klassische Griechische setzt zunächst die uridg. --Kurzdiphthonge als HL, DL, RL unverändert fort. Die Tendenzen zur Monophthongierung setzen erst nachklass. ein, s. Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 § L 400. 3) Im Indoiranischen, das uridg. *e, *o und *a in einheitlichem a zusammenfallen ließ (s.o. L 206), ist für die drei uridg. --Kurzdiphthonge (und analog dazu für die uridg. -¾-Kurzdiphthonge, s.u. L 222 Abs. 3) nur eine Fortsetzung a zu erwarten. Diese ist in den altiranischen Sprachen noch erhalten und muß auch für die vorvedische Zeit angesetzt werden. Im überlieferten Altindoarischen ist es antekonsonantisch zu ê monophthongiert, wofür die übliche indologische Transkription schreibt, da es im Altindoarischen kein gibt (% Wackernagel / Debrunner Ai. Gramm. I 1957 p. 35ff.; Thumb / Hauschild Handb. d. Skr. I/1 1958 p. 228f.; s. auch oben E 502 Abs. 6), vgl. antevokalisches áy-âni ‘ich will gehen’, aber antekonsonantisches é-mi ‘ich gehe’. Ved. ê geht andererseits auch auf indoiran. az zurück, vgl. ved. néd-iº»ha- ‘der nächste’ gegenüber aav. jav. nazd-išta-; vgl. auch ved. e-dhi ‘sei!’ < *as-dhi [azd£i] gegenüber ás-ti ‘ist’: % Wackernagel / Debrunner Ai. Grammatik I / 1 1957 p. 37ff. 4) Im Hethitischen ist eine Tendenz zur Monophthongierung erkennbar, wobei ursprünglich uridg. *o und *a in ein offenes ‚ê überging, uridg. *e dagegen in ein geschlossenes ƒê. Das letztere konnte nach Velar zu î werden. Wo offenes ‚ê und geschlossenes ƒê erhalten sind, erscheinen sie, jedenfalls in der Graphie, gemeinsam als e fortgesetzt: % H. Eichner in MSS 31

B. Zu den Vokalsystemen

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1972 p. 76ff.; Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 148f.; S. E. Kimball in Sprache 36 1994 p. 1ff. 5) Im Germanischen sind uridg. *o und *a in *a zusammengefallen (wie uridg. *o und *a in *a, s.o. L 208). Für uridg. *e erscheint in allen altgermanischen Korpussprachen î (got. , aengl. ahd. usw. ). Belege in außergermanischen Quellen, in denen noch germ. *e < uridg. *e enthalten sein soll, sind nicht beweiskräftig genug. 6) Im Litauischen erscheinen ai aus uridg. *o und *a; ei dagegen setzt uridg. *e fort; daneben findet sich unter bestimmten Bedingungen für alle drei --Kurzdiphthonge auch lit. ie: % Stang Vgl. Gramm. 1966 p. 52ff. — Im Altkirchenslavischen fallen uridg. *o und *a in – zusammen, uridg. *e ergibt i. L 221. Es folgt eine Aufzählung von Gleichungen für die einzelnen Diphthonge: 1) Gleichungen für uridg. *e: — Uridg. *deó- ‘himmlisch, Himmlischer’ = altlat. deivos (> klass. deus / dîvus, s.o. L 217 Abs. 3), ved. devá- m., lit. di^vas m. ‘Gott’, an. tív-ar Nom.Pl. ‘Götter’. Weiteres dazu s.u. W 202 Abs. 2. — Uridg. *de- ‘zeigen, weisen’ (Beispiele von schwund-stufigem uridg. *di- bereits oben L 211 Abs. 1) = lat. dîcere ‘verkünden, festsetzen, sprechen’ (altlat. noch ex-deic-endum), gr. GHLYNQX²PL ‘zeige’, ved. de¹á- m. ‘Gegend’ (< *’Richtung’), got. ga-teihan ‘anzeigen, verkündigen’, ahd. zîhan = nhd. zeihen. — Uridg. *œ£e-m- ‘Winter’ = gr. FHL PD n. ‘Winter(sturm)’, ved. hé-man Lok.Sg. ‘im Winter’, heth. gimmant- (% Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 102, p. 145), lit. ÿie-mà f., aksl. zi-ma f. ‘Winter’. 2) Gleichungen für uridg. *o: — Uridg. *(H)ó-no- ‘ein’ = altlat. oino(m) m. ‘den einen’ (klass. ûnus), gr. RL>QK f. ‘Würfel-Eins’ (% Chantraine DELG s.v.), got. ains ‘ein’, apreuß. ains ‘allein, einzig’, s.u. F 502 Abs. 1. — Uridg. *loký-o- ‘zurückbleibend, Rest’ (mit -o-Ablaut zu uridg. *leký-, gr. OHLYSZ usw.) = gr. ORLSRY ‘übrig’, lit. ãt-laikas, aksl. otš-l–kš ‘Überbleibsel’, vgl. ved. rék-°as- n. ‘Erbe, Eigentum’, urgerm. *laFý-na- > ahd. lêhan ‘Lehen’. – Vgl. auch uridg. *¾óo- und *¾óde in L 217 Abs. 1. 3) Gleichungen für uridg. *a: — Uridg. *lao- ‘link’ = gr. ODLRY, lat. laevus, aksl. /–vš ‘link’. — Uridg. *kako- ‘(auf einem Auge) blind’ = lat. caecus ‘blind’, got. haihs ‘einäugig’. — Zur Problematik von uridg. a s.o. L 211 Abs. 5.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

L 222. Einzelsprachliches zu den -¾-Kurzdiphthongen: 1) Die den uridg. --Kurzdiphthongen analogen -¾-Kurzdiphthonge, uridg. *e¾, *o¾ und *a¾, werden im Griechischen als HX, RX und DX fortgesetzt. 2) Im Lateinischen ist bis in die klassische Zeit bewahrt; uridg. *e¾ und *o¾ sind dagegen bereits urital. unter *o¾ vereinigt; altlat. noch , vereinzelte Belege für angeblich erhaltenes e¾ (vgl. das in einem Salier-Lied belegte Leucesie) werden kontrovers beurteilt: % Leumann LLFL 1977 p. 71; Meiser Laut- u. Formenlehre 1998 p. 59 § 47 Abs. 5. Altlat. ou wird auf dem Weg zum klass. Latein zu û monophthongiert. In der Position zwischen wortanlautendem l und Labial erscheint latinofalisk. o¾ dagegen zunächst als o (woraus dann lautgesetzlich e und î, s.u. L 223 Abs. 1 bei uridg. *h1 lé¾d£ero-). 3) Analog zum Zusammenfall aller uridg. --Kurzdiphthonge im Vedischen zu ê (, s.o. L 220 Abs. 3), sind die uridg. -¾-Kurzdiphthonge vor Konsonant zu ved. ô () geworden, vgl. -hav- vor Vokal in ju-hav-âma ‘wir wollen gießen’ vs. -ho- vor Konsonant in ju-ho-mi ‘ich gieße’. Daneben resultiert ved. ô aus aÕ, az, vgl. ved. ºó-”a¹a ‘sechzehn, ºo-”hÄ ‘sechsfach’ vs. ºáº ‘sechs’; vgl. ferner dveºo-yút- ‘Feindschaft (dvéºas-) abwendend’. 4) Im Hethischen ist, jedenfalls für uridg. *e¾, Monophthongierung zu u erkennbar. Ähnliches gilt für uridg. o¾ und a¾: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 56 Abs.8, p. 148f.; S. E. Kimball in Sprache 36 1994 p. 1ff. 5) Im Urgermanischen fallen uridg. *o¾ und *a¾ in *a¾ zusammen (= got. , ahd. ou bzw. [vor Dentalen und germ. F] o). Uridg. *e¾ blieb im Urgerm. bewahrt (= got. iu, ahd. eo / io / iu). Zum got. (noch Diphthong): % K. Dietz Die gotischen Lehnwörter mit au im Altprovenzalischen und die Rekonstruktion des gotischen Lautsystems in Sprachwissenschaft 24 1999 p. 129-156. 6) Uridg. *o¾ und *a¾ erscheinen im Litauischen als au, für uridg. *e¾ finden sich iu und au. — Analog dazu im Altkirchenslavischen uridg. *o¾ und *a¾ > aksl. u, uridg. *e¾ > ju. Ÿ Zu uridg. *e¾ im Balt. verweist Lamberterie Rez. 2002 p. 108 zu P. 94 jetzt auf D. Petit in BSL 95/1, 2000 p. 119-146. L 223. Es folgt eine Aufzählung von Gleichungen für die einzelnen Diphthonge: 1) Gleichungen für uridg. *e¾: — Uridg. *le¾k- ‘leuchten’ = lat. lûc- Wn. (Nom.Sg. lûx) ‘Licht’, gr. OHXNRY ‘licht, weiß’, ved. rocá- ‘leuchtend’ (zum r

B. Zu den Vokalsystemen

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s.u. L 301 Abs. 1), got liuhaþ n. ‘Licht’. ŸDer lat. PN Lûcius (altlat. Loucios) ist von seiner Herkunft her mehrdeutig: entweder gr. -HX- im Paradigma der -ê¾Ableitungen vom Typ Gen.Sg. EDVLOHYZ< -ê¾-os [so bereits myk.] vs. Nom.Sg. EDVLOHXY). Beispiele: — Vgl. uridg. them. Dat.Sg. -, entstanden durch Kontraktion aus stammschließendem -o- + Dat.Sg.-Endung -e = gr. -Z, lat. -ô, aav. -âi; s.u. F 311 Abs. 1. — Ein uridg. *-ê¾- ist vermutlich im Nom.Sg. *d(s m. ‘Himmel, Himmelsgott, Tag’ anzunehmen, vgl. ved. dyáus und (wenn wie oben gekürzt) gr. =HXY. Weiteres zu diesem Wort s.u. F 318 Abs. 6a. Weiteres zur Langdiphthongproblematik: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 173ff. Zu sek. QKX s.u. F 318 Abs. 6c.

C. Zu den Konsonantensystemen 1. Die Liquiden und Nasale L 300. Die Liquiden uridg. *r und *l und die Nasale uridg. *m und *n sind den Halbvokalen uridg. * und *¾ ähnlich, in ihren uridg. silbischen Allophonen *[μ], *[©], *[¬] und *[] sogar den Vollvokalen. In ihrer nichtsilbischen Normaleigenschaft sind sie in den meisten idg. Sprachen unverändert bewahrt. L 301. Einzelsprachliches: 1) Das Indoiranische zeigt bei uridg. *r und *l das Phänomen von Dialekten, die beide Werte in r zusammenfallen ließen (vgl. ved. rih-, av. riz- ‘lecken’ gegenüber aksl. lizati; ved. rocá- gegenüber gr. OHXNRY, s.o. L 223 Abs. 1), ferner von solchen, die uridg. *l bewahren (vgl. jungved. lih-, neupers. /8  ‘lecken’; ved. loká- [s.o. L 223 Abs. 2]) und schließlich auch von solchen, die uridg. *r und uridg. *l in l zusammenfallen lassen (vgl. ved. lup- ‘zerbrechen’ neben ursprünglichem ved. rup- ‘zerreißen’, lat. rumpere ‘brechen’; mittelind. [A¹oka] lâja ‘König’ gegenüber ved. rÄjâ, lat. rêx ‘König’). Vgl. genauso unten L 306 Abs. 3 mit uridg. *© als ved. °. 2) Die myk. Linear B-Schrift unterscheidet nicht zwischen l und r. Diese Indifferenz stammt von den nichtgr. sprechenden Schöpfern der Linearschrift: Die myk. Griechen haben diese Eigenheit bei der Aneignung der Schrift übernommen, obwohl bei ihnen selbst der Unterschied zwischen l und r fest phonologisch verankert war: % A. Heubeck in Res Mycenaeae 1983 p. 163 f.

C. Zu den Konsonantensystemen

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3) Im Auslaut wird uridg. *-m im Griech., Heth. und Germ. zu -n. Gleiches gilt auch für das Arm. (vgl. otn ‚Fuß‘ NPZQ ‘Amboß’ gegenüber lit. akmuõ ‘Stein’. L 302. Gleichungen: 1) Uridg. *r: — Uridg. *dóru- n. ‘Holz’ (zur Flexion s.u. F 317 Abs. 8) = gr. GRYUX, ved. dÄru, heth. ta-ru-u-i i.e. tar¾i Dat.Lok.Sg.; vgl. got. triu, aksl. dr–vo ‘Baum’. — Uridg. *trées ‘drei’ (lat. três usw., s.o. L 215 Abs. 1). 2) Uridg. *l: — Uridg. *melit- ‘Honig’ = lat. mel, gr. PHYOLWR Gen.Sg., heth. mi-li-it i.e. milit, got. miliþ. — Uridg. *le¾k- ‘leuchten’ (lat. lûx usw., s.o. L 223 Abs. 1). 3) Uridg. *m: — Uridg. *melH- ‘zerreiben, mahlen’ (% LIV 1998 p. 388f.; H. Rix in GS Schindler 1999 p. 517) = lat. molere, heth. malla-, got. malan, aksl. ml–ti ‘mahlen’, vgl. ved. (»B) m°°ántas ‘mahlende’. — Uridg. *melit-, s.o. Abs. 2. — Uridg. *méh2ter- (oder *mÄter) ‘Mutter’ = lat. mâter usw., s.o. L 211 Abs. 10. — Auslautend: uridg. *tó-m Akk.Sg. ‘diesen’ = lat. istum, gr. WRYQ, ved. tám, got. þan-a; uridg. *kýi-m Akk.Sg. ‘welchen’ = heth. k¾in; uridg. -o-stämmiger Akk.Sg. *-o-m = lat. -om / -um, gr. -RQ, ved. -am, heth. -an, apreuß. -an, lit. -4 usw. 4) Uridg. *n: — Uridg. *sen- ‘alt’ = lat. senex mit Gen.Sg. senis, gr. H^QR, ved. sána-, got. sin-ista ‘Ältester’, lit. s^nas ‘alt’. — Uridg. *né¾o- ‘neu’ = lat. novus usw., s.o. L 217 Abs. 2. L 303. In einigen morphologisch wichtigen Fällen werden Halbvokale und Laryngale an das folgende -m(-) assimiliert. Die sich ergebende Doppelkonsonanz wird dann bereits uridg. vereinfacht (ein vorangehender Kurzvokal wird dafür gedehnt). Das Phänomen ist bekannt unter Stangs Gesetz oder Lex Stang: % Szemerényi Scripta Minora II 1987 (in einem Aufsatz von 1956) p. 801ff; Chr. S. Stang in FS Kuryªowicz 1965 p. 292ff. = Stang Opuscula 1970 p. 40ff; Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 163f. Musterbeispiele: — Voruridg. *d(i) Akk.Sg. ‘Himmel, Himmelsgott, Tag’ > voruridg. *d(i)émm > uridg. *d(i)(m = ved. dyÄm, gr. episch =K Q (mit sekundärer Interpretation als =K Q i.S.v. =K QD), lat. diem (zur

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

Kürzung des Langvokals: % Leumann LLFL 1977 p. 225). Weiteres zu diesem Wort s.u. F 318 Abs. 6a. — Voruridg. *gýó¾-m Akk.Sg. ‘Rind’ > voruridg. *gýómm > uridg. *gýÖm = ved. gÄm, gr. ep. EZ Q i.S.v. ‘Schild aus Rindsleder’ (der übliche Akk.Sg. ERX Q ist analogisch neu aufgebaut). — Der Akk.Sg. fem. der -eh2-Stämme führt über voruridg. *-ah2m (s.u. L 323 Abs. 2) > voruridg. *-amm > uridg. *-âm (gr. -D²Q/-KQ; lat. -am [wie bei diem mit Kürzung des Langvokals vor m]). — Ein weiteres Problem: Im Akk.Pl. der -2-Stämme führt das aus *-eh2-m-s (mit Umfärbung von 2 > ah2 und Assimilation von -ms > -ns) entstandene voruridg. *-ah2 über voruridg. *-anns > voruridg. *-âns und von da (% J. Schindler in GS Kronasser 1982 p. 194 Anm.42; zunächst als Sandhivariante?) > uridg. *-âs, vgl. ved. -âs, got. -ôs. Der Akk.Pl. von voruridg. *gýo¾-m-s führt entsprechend über voruridg. *gýo¾ns > voruridg. *gýonns > voruridg. *gýôns und von da wie soeben > uridg. *gýôs, vgl. ved. gÄs, gr. dor. EZ  Weiteres zu uridg. *gýo¾- s.u. F 318 Abs. 6b. — Zu uridg. Akk.Sg. *dôm ‘Haus’ < *dom-¬ s.u. F 320 Abs. 1a. L 304. In vielen Positionen, speziell zwischen Konsonanten (KRK) und im Auslaut nach Konsonant (-KR#) werden die sog. Sonoranten uridg. *r, *l, *m oder *n als silbische Allophone *[μ], *[©], *[¬] oder *[] realisiert, vgl. uridg. *: - ‘tragen’: das Verbaladjektiv auf -tó- erfordert die Schwundstufe der Wurzel, also erscheint dies phonetisch als uridg. *b£μ-tó-. Wie *r, *l, *m oder *n verhalten sich auch uridg. * und *¾ mit allophonischem *i und *u, s.o. L 212. 1) Die Grundregel für die Erzeugung der silbischen Allophone wirkt iterativ (unsilbisch - silbisch - unsilbisch usw.), ferner wird in der Position KRRK der zweite Sonant zuerst bedient. — Vgl. für die Iterativität uridg. *n-és Gen.Sg. ‘Hund’ => *un-és (die Endung -és steht fest, -n- ist davor unsilbisch und zieht silbisches u nach sich) = ved. ¹únas. — Vgl. für „rechts vor links“ uridg. *n-b£- mit -b£-Kasus => *-b£- (und nicht *un-b£-) = ved. ¹vábhis. Ÿ Klein Rez. 2006 p. 407 zu p.98 bezweifelt die genannte Grundregel („the vocalisation of *KRRK is in fact unpredictable“). 2) Mehrere Ausnahmen zu Abs. 1 sind bekannt, vgl. etwa im Wortanlaut uridg. *mn-2 - ‘denken an’ (und nicht das regelhaft zu erwartende *¬n-eh2 -), vgl. beim -n-Präs. uridg. *ung- ‘anschirren’ (und nicht das regelhaft zu erwartende *g-), vgl. im Paradigma von uridg. *tré-es ‘drei’ den Gen.Pl. *trim mit silbischem i + Übergangslaut  (s.o. L 218; regelhaft wäre *tm mit silbischem μ und unsilbischem ). Für weitere Informationen: % J. Schindler in Sprache 23 1977 p. 56f. Ferner s.o. L 203 zu *m°œ-.

C. Zu den Konsonantensystemen

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3) Ein interessanter Sonderfall ist die Metathese von uridg. *¾μ vor K/# > *ru. — Vgl. das schöne Beispiel von gr. L-GUXYZ ‘sitzen machen, einen Kult einrichten < *einen Sitz für eine Gottheit machen’ < urgr. *s;d¾μ-e- (zu diesem Schwachvokal , dem sog. Schwa secundum, s.o. L 203, zu s- > h- s.u. L 309 Abs. 2): das Verbum stellt ein faktitives -e-Präsens zu *séd-¾μ n. ‘Sitz’ dar; vgl. parallel gebautes att. EOLYWWZ ‘Honig gewinnen, zeideln’ < *mlit-e- zu *melit- ‘Honig’ (wozu oben L 302 Abs. 2). Von wem ich das Beispiel L-GUXYZ zuerst gehört habe, kann ich nicht mehr sagen (kam es im Unterricht bei J. Schindler im Fall Term 1980 in Harvard zur Sprache?). Wie trefflich die fragliche Analyse von L-GUXYZist, zeigen zweifelhafte Versuche wie „offenbar Ableitung von einem *L-GUX “ (% Peters Laryngale 1980 p. 98). Der Lösung nahekommend, aber ohne Kenntnis der Metathese: % C. J. Ruijgh in GS Kuryªowicz I 1995 p. 353 Anm. 34 mit der Bemerkung „dérivé de *séd-ru-?“ — Weitere Beispiele: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 161f.; zu uridg. *s¾é-h2 - s. auch oben L 217 Abs. 4; zu uridg. *kýtru-K- < *kýt¾μ-K- ‘vier’ s. auch unten F 501; Ableitung von ‘vier’ mit Metathese ev. ferner heth. kutruen- ‘Zeuge’: % Rieken Nom. Stammbildung 1999 p. 289 Anm. 1385. Vielleicht erklärt sich auch das Nebeneinander von uridg. *¾©kýo- (= ved. v¶ka- usw., s.u. L 307 Abs. 2) vs. *lukýo- durch den gleichen Vorgang. Zu *lukýo- vgl. lat. lupus und gr. OXYNR. Im Lat. ist lupus vermutlich ein Lehnwort aus dem Oskischen. Die Entwicklung von -p- < -ký- ist nicht lat. Im Gr. ist *lukýo- zu luko- dissimiliert. L 305. Im Gegensatz zur offensichtlichen Sachlage bei den Liquiden konnten erst durch die scharfsinnige Kombination interner und externer Vergleiche auch die silbischen Nasale *[¬] und *[] als Allophone von *m und *n der Grundsprache zugeordnet werden. Da dem Verhältnis von ved. bhar- : bh°tá- das von ved. man- ‘denken’ : matá- ‘gedacht’ völlig entsprach, ließ sich nach der Relation bhar- : bh°- = man- : x für x (= ved. ma-) ein *m°- postulieren. Die Sprachvergleichung zeigte nun an, daß dem -a- von ved. ma-(tá-) [bzw. ma-tí- f. ‘Denken’] nur im Griech. ein -a- entsprach (vgl. das seit Hom. belegte Kompositum DXMWRYPDWR Hom. ‘selbst strebend, aus eigenem Antrieb’), im Lat. jedoch -en- (vgl. menti- ‘Denkkraft, Denkart, Gedanke’ mit Nom.Sg. mêns, Gen.Sg. mentis: % ReichlerBéguelin Typ mêns 1986 p. 19ff.), im Germ. -un- (got. ga-munds ‘Andenken’), im Lit. -in- (mintìs ‘Gedanken’), im Aksl. -WLPR ‚ohne Ehre‘ usw.) konserviert den ersten Schritt. Die bleibende Erkenntnis der Nasalis sonans geht auf Karl Brugmann Nasalis sonans in der indogermanischen Grundsprache in Studien zur griechischen und lateinischen Grammatik (hrsg. von G. Curtius, ab Band 9 gemeinsam mit K. Brugman[n]) 9 1876 p. 285ff. zurück. Brugmann hatte Vorgänger, darunter auch den fünfzehnjährigen Schüler F. de Saussure (1857-1913). Dieser erschloß nach seiner eigenen Erzählung gr. -D- < *-- in folgender Weise: „Nous lûmes ... un texte d’Hérodote ... [qui] contenait la forme WHWDYFDWDL. La forme WHWDYFDWDL était pour moi complètement nouvelle ... A l’instant où je vis la forme WHWDYFDWDL, mon attention, extrêmement distraite en général ... fut subitement attirée d’une manière extraordinaire, car je venais de faire ce raisonnement, qui est encore présent à mon esprit à l’heure qu’il est: OHJRYPHTD : OHYJRQWDL, par conséquent WHWDYJPHTD : WHWDYF1WDL, et par conséquent 1 = D“: % C. Watkins Remarques sur la méthode de Ferdinand de Saussure comparatiste in CFS 32 1978 [1979] p. 61 (= Watkins Selected Writings I 1994 p. 266); Kohrt Problemgeschichte 1985 p. 112ff. L 306. Die aus den Allophonen uridg. *[μ], *[©], *[¬] und *[] hervorgehenden Resultate variieren in fast allen Einzelsprachen. Einzig im Altindoarischen ist das Verhältnis von bhar- zu bhμtá- noch klar durchsichtig. Die altindischen Grammatiker konnten deshalb ein ingeniöses Ablautsystem entwickeln, s.u. L 413 Abs. 1. Dem ved. [°] entspricht aber z.B. im Lat. ein -or- (vgl. fors, for-ti- ‘Zufall’ < *b£μ-ti-), im Germ. ein -ur- (vgl. nhd. Ge-bur-t) usw. 1) Das Lateinische setzt die uridg. silbischen Liquiden *[μ] und *[©] als or und ol fort, die uridg. silbischen Nasale *[¬] und *[] als em und en (z.T. sekundär als in, s.o. L 108). 2) Im Griechischen sind uridg. *[μ] und *[©] zu UD/DU und OD/DO geworden, in Dialekten auch zu UR/RU, OR/RO. Zu Einzelheiten: % Lejeune Phonétique 1972 § 201; Risch Kl. Schr. 1981 (in einem Aufsatz von 1966) p. 266ff. Uridg. *[¬] und *[] ergaben D, in Dialekten auch R: % Risch l.c. Vor Vokal, Halbvokal und Laryngal + Vokal stellen DP und DQ die Normalvertretung dar. Über *·H im Gr. s.u. L 332. 3) Im Altindoarischen (überhaupt im Indoiranischen) ist uridg. *[μ] und *[©] als silbische Liquida, ved. als μ (= av. ΩrΩ), bewahrt. Die einzige ved. Wurzel mit -©- in der Schwundstufe, kalp- / k©p- ‘fügen, rüsten’, hat keine sichere

C. Zu den Konsonantensystemen

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Deutung (vielleicht uridg. *kýerp-, wenn zu ved. kμp- ‘Gestalt’ und lat. corpus: % Mayrhofer EWAia I p. 324). Die silbischen Nasale uridg. *[¬] und *[] erscheinen als a, vor Vokal und Halbvokal als am, an. 4) Im Hethitischen sind uridg. *[μ] und *[©] zu ar und al entwickelt. Die uridg. silbischen Nasale sind wohl durch an vertreten: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 125f. mit weiteren Einzelheiten. 5) Die restlichen drei hier behandelten Sprachfamilien haben gemeinsam, daß in ihnen aus uridg. *[μ], *[©], *[¬] bzw. *[] Gruppen aus dem jeweils gleichen Vokal und unsilbischen r, l, m bzw. n entstanden sind, vgl. im Germanischen die Sequenz ur, ul, um bzw. un (mit einzelsprachlichen Weiterentwicklungen), im Litauischen ir, il, im bzw. in (zur Intonation s.u. L 332 Abs. 4d) und im Urslavischen *™r, *™l, *™m bzw. *™n (= aksl. [r™/rš], [l™/lš] bzw. PEURWR‘unsterblich = nicht sterblich’ [< uridg. *-mμ-to-] gewonnen: % Seiler Sprache und Sprachen 1977 [in einem Aufsatz von 1952] p. 81 Anm. 8), ved. mμtá- (av. mΩrΩta-) ‘tot’ (das ebenfalls hierhergezogene ahd. mord ‘Mord’ < *murþa- ist vermutlich innergerm. aus einem *murþra- abstrahiert, vgl. ahd. murdr-eo ‘Mörder’: % Bammesberger Urgerm. Nomen 1990 p. 85f. und p. 182). Vgl. ferner das dazugehörige Nom.act. *mμ-tí- ‘Tod’ = lat. mors (Stamm morti-), lit. mirtìs, aksl. sš-mr™t™ ‘Tod’, s.u. F 317 Abs. 7. — Uridg. *stμ-tó- ‘hingestreckt’ = gr. VWUDWRY (lesb. und böot. VWURWRY) ‘Heer’ (zur Semantik: % Strunk Nasalpräsentien und Aoriste 1967 p. 111 mit Anm.109), ved. á-st°ta- (av. a-Ω Ωta-) ‘unüberwindlich’. 2) für uridg. *[©]: — Uridg. *m©dú- mit fem. *m©d¾-íh2- ‘weich’ = lat. mollis < *mold¾i- (die Rückführung von -ol- < *-©- ist aber nicht zwingend; denkbar ist genauso die -e-stufige Form [mit sekundärem -eld- zu -old-], wie sie auch bei anderen lat. Adjektiven nachweisbar ist, vgl. brevis ‘kurz’ < *mreœ£¾i- ‘kurz’: % H. Fischer in MSS 52 1991 p. 7), gr. EODGXY ‘schlaff’, ved. m°dú- f. m°dvÏ- ‘weich’. — Uridg. *¾©kýo- m. ‘Wolf’ = ved. v®ka-,

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

urgerm. *¾ulfa- (= got. wulfs; f /p dabei aus kw? Ÿ s. Klein Rez. 2006 p. 395 zu p.302, §15.6.), lit. viƒkas, aksl. vl™kš (zu *lúkýos > gr. OXYNR s.o. L 304 Abs. 3). — Uridg. *p©h2 -i- ‘breit’ = heth. palŸi-; mit anderem Suffix uridg. *p©h2-nó- = lat. plânus, s.u. L 332 Abs. 4e. 3) für uridg. *[¬]: — Uridg. *d=-tó- bzw. *h1=-tó- (zum Anlaut s.u. F 502 Abs. 13) ‘hundert’ = lat. centum, gr. H-NDWRYQ (arkad. H-NRWRYQ), ved. ¹atám (av. satm), got. hund- ‘hundert’, lit. šita-s ‘hundert’; uridg. *dé=-to- ‘der zehnte’ = gr. GHYNDWR (arkad. lesb. GHYNRWR), got. taihunda, lit. dešitas, aksl. desQXGUR ‘ohne Wasser’, ved. a-pútra- ‘ohne Sohn’, an-udrá- ‘ohne Wasser’, nhd. un-schön usw. — Uridg. *b$ú- ‘reichlich’ = gr. SDFXY ‘wohlgenährt’, ved. bahú- (~ Vollstufe im Superlativ bá«h-iº»ha- ‘dichtest’), dazu wohl heth. pangu- ‘Gesamtheit’, ahd. bungo ‘Knolle’. — Uridg. *s‘uns’ (vgl. lat. dehnstufiges nôs) = nhd. uns, heth. an-za-a-aš i.e. ants-âs ‘uns’ (zum ts statt s s.u. L 309 Abs. 4); vgl. ferner erweitertes *s-mé in ved. asmÄn ‘uns’; im Gr. *s-mé > *asmé > *ammé = äol. hom. D>PPH mit äol. Barytonese), im Dor. statt *ammé mit Beseitigung der Doppelkonsonanz durch Ersatzdehnung DM:PHY, im Ion.-Att. ersatzgedehntes *âmé > K-PHY+D (mit sekundärer Aspiration , zusätzlicher Akk.Pl.-Endung -s und Lautwandel â > ,ê). Weiteres zu diesem Pronomen s.u. F 401 Abs. 2.

2. Die Dauerlaute s (und þ?) L 308. Die idg. Grundsprache hatte einen stimmlosen dental-alveolaren Reibelaut *s. Diesem stand kein Phonem *z gegenüber. Wohl aber dürfte *s in der Position vor stimmhaften Verschlußlauten als Allophon *[z] realisiert worden sein. Obwohl die Richtigkeit des Allophons z faktisch feststeht, wird aus praktischen Gründen i.d.R. auf eine phonetisch korrekte Notation verzichtet und einer phonemischen Schreibweise der Vorzug gegeben, vgl. uridg. *h 2 ó-sd-o- ‘Ast’ statt *[h 2 ó-zd-o-], s.o. L 102 und s.u. L 310.

C. Zu den Konsonantensystemen

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L 309. Einzelsprachliche Informationen: 1) Im ältesten Latein war uridg. *s noch in allen Positionen bewahrt. Eine einschneidende Veränderung, der sog. Rhotazismus, mit der Entwicklung von VsV zu VrV, vollzieht sich im Verlauf der belegbaren Geschichte des Lateins (wohl um 350 v. Chr.). Inschriftlichem altlat. ESED entspricht klass. erit. Den Gentilnamen Papîsius schreibt L. Papirius Crassus (Prätor 340 v. Chr.) als erster Namensträger nicht mehr mit -s-. Der Rhotazismus erklärt den häufigen s/r-Wechsel innerhalb von Paradigmen und Wortfamilien, vgl. es-se ‘sein’ mit es-t und es-set gegenüber er-at und er-it, vgl. ges-tus (PPP) gegenüber ger-ô < *ges-ô (Präs.St.) ‘tragen, führen’, vgl. flôs Nom.Sg. ‘Blume, Blüte’ gegenüber Gen.Sg. flôr-is, vgl. hones-tus ‘geehrt, ehrenhaft’,   ‘Ehre’ (alter Nom.Sg., archaisierend und poetisch noch verwendet) gegenüber honor (aus dem Gen.Sg. honôr-is neu gewonnener Nom.Sg.): % Leumann LLFL 1977 § 180. 2) Im Griechischen ist uridg. *s vor oder nach Verschlußlauten und im Auslaut erhalten. Anlautend vor Vokal wird es zu h- (sog. Spiritus asper, ). Es unterliegt dem sog. Grassmannschen Gesetz, s.u. L 348 Abs. 2. Im Äol. und in Teilen des Ion. wird der anlautende Hauchlaut beseitigt (sog. Psilose). Diese Gewohnheit ist u.a. dafür verantwortlich, daß wir heute Indien und nicht *Hindien sagen: Wir verdanken das aspirationslose Wort den ion. Griechen, die die Landschaftsbezeichnung ihrerseits zunächst als Hindu- [< ind. Sindhu- ‘Indusgebiet’] von den Persern kennengelernt haben. — Inlautend wird -s- zwischen Vokalen zu -ø-, vgl. THRY‘Gott’ < *dhh1 -ó- (s.o. E 507 Abs. 2). — Weiteres zur gesamten Problematik: % Lejeune Phonétique 1972 § 82ff.; Brixhe Phonétique et phonologie 1996 p. 43. 3) Im Vedischen ist uridg. *s gemeinhin erhalten. — Nach r [μ], u, k, i (auch nach ursprünglichem a und a¾, zum Resultat e und o s.o. L 220 Abs. 3) wird es zu º (sog. ruki-Regel), s.o. E 502 Abs. 6 zu éºi. Lit.: % M. Hale Postlexical RUKI and the tisrá-Rule in FS Watkins 1998 p. 213ff. — Auslautendes -s (und -r) erscheinen in den ai. Texten nur in gewissen satzphonetischen Positionen als solche; in der absolut verwendeten sog. Pausaform steht dafür ¡ (Visarga). Bei Zitaten einzelner Formen wird in der heutigen Indogermanistik die dafür eigentlich geforderte Pausaform gemieden und zur Klarheit der reine Stamm eingesetzt, vgl. ávi- ‘Schaf’ und nicht ávi¡ (s.o. p. 23). Wird die volle Form benötigt, so notiert man die Form ohne Sandhi mit dem zugrunde liegenden etymologischen -s oder -r, vgl. Vok.Sg. bhrÄtar und nicht bhrÄta¡).

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

4) Im Hethitischen scheint uridg. *s im allgemeinen bewahrt. Unter Sonderbedingungen findet sich dafür ts, vgl. uridg. *s- mit heth. ants-, s.o. L 307 Abs. 4: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 121. 5) Im Germanischen ist uridg. *s erhalten. Doch unterliegt es zusammen mit den germ. stimmlosen Reibelauten dem sog. Vernerschen Gesetz, wird also unter dessen Bedingungen zu z (= got. z, an. ahd. r), s.u. L 421 Abs. 2. 6) Im Baltischen und Slavischen ist uridg. *s in den meisten Positionen bewahrt. Ein der ved. (= indoiran.) ruki-Regel von Abs. 3 vergleichbarer Prozeß hat im Slav. uridg. *s (vor Vokal) nach i, u, r, k (wohl über *š) zu aksl. x werden lassen. Ein vergleichbarer Wandel s > š im Litauischen umfaßt nur einen Teil der in Frage kommenden Fälle: % Stang Vgl. Gramm. 1966 p. 94ff. L 310. Gleichungen für uridg. *s: — Uridg. *seœ£- (schwundstufig *sœ£-) ‘überwältigen’ = ved. sáhate, ahd. sigu m. ‘Sieg’, gr. schwundstufiger them. Aor. H>VFRQ zu vollstufigem them. Präs. H>FZ ‘habe im Griff, besitze’ (H>FZ durch Hauchdissim. [s.u. L 348 Abs. 2] < *hek£- < *seœ£- [mit typisch gr. Wandel der sog. Mediae aspiratae zu Tenues aspiratae, s.u. L 336 Abs. 2]) und Fut. H^[Z (hier heks- ohne Hauchdissim. < *hek£s-: Die Konsonantengruppe -khs- wurde offenbar so früh als ks realisiert, daß sie zur Zeit der Wirksamkeit des Grassmannschen Gesetzes keine dissim. Rolle mehr spielen konnte: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. I 1992 p. 59 § E 211.4; vgl. genauso ved. bandh- vs. Fut. bhantsyati, s.u. L 348 Abs. 3). — Uridg. *h 2 s- ‘Ohr’ = lat. auris ( ~ aus-cultô ‘lausche’), got. auso, ahd. ôra n. ‘Ohr’ = lit. ausìs f., aksl. uxo n. ‘Ohr’. — Uridg. *h 1 -ti ‘er ist’ und uridg. *h 1 é ‘du bist’ (zur bereits voruridg. Vereinfachung von ursprünglichem *h 1 é-si s.u. L 312) = lat. est, es, gr. HMVWLY HL?, ved. ásti, ási, heth. ês-tsi, êsi (zur Dehnung betonter Vokale im Heth. s.o. L 207), got. ist, is, lit. ^sti, esì. — Uridg. *h 2 ó-sd-o- m. ‘Ast’ (zur phonetischen Aussprache *[ózdo-] s.o. L 102; zum Anlaut: % H. C. Melchert in HS 101 1988 p. 223 Anm.16. mit dem schon von E. H. Sturtevant gezogenen Vergleich mit heth. Ÿasd¾er ‘Fallholz, Reisig’) = gr. R>]R (mit = [zd]), got. asts. — Uridg. *œénh 1 -os Nom.Sg. ‘Geschlecht’ mit Gen.Sg. *œénh 1 es-os ‘Geschlecht’ = lat. genus, generis (mit -eri- < *-ese-), gr. ion.-ep. JHYQR, JHYQHX (mit -e¾- < -e.o- < -eho- < *-eso-). — Uridg. *¾es- ‘anhaben, bekleidet sein’ = ved. vás-te, heth. ú-e-eš-ta i.e. ¾ês-ta ‘hat an’, vgl. gr. H^QQXPL (Präs.St. *¾es-nu- neben Aor. H^VVDL) ‘bekleide mich’, lat. vesti-s ‘Gewand’, got. wasjan ‘kleiden’ und s.o. L 211 Abs. 4. — Uridg. *pis-tó- ‘zerstampft, zermalmt’ = lat. pistus, ved. piº»á-, vgl. aksl. p™xati ‘stoßen’. — Uridg. * 2 - (bzw. *stah 2 -, s.u. L 323 Abs. 2) ‘stehen’ =

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lat. stâre (geht nicht [wie die Communis opinio es darstellt] direkt auf einen Wurzelaorist zurück, sondern ist aus * 2 -e- kontrahiert: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 187), gr. dor. L^VWD²PL ( *a¾¾ôs > lesb.-äol DX>Z, ion. KMZY und att. H^Z zu den lautlichen Entwicklungen im Gr. mit *a¾.¾ôs vs. *a¾¾.ôs > *â¾ôs: % Ruipérez Opuscula 1989 p. 237 und p. 247), ved. uº-ás- f., lit. auš-rà f. ‘Morgenröte’. — Vgl. noch nhd. uns, heth. ants-, s.o. L 307 Abs. 4. L 311. In unbezweifelbaren Fällen wechselt s- in altidg. Sprachen mit ø-, oft in derselben Sprache, vgl. gr. VWHYJR n. (Trag., auch hell. und späte Prosa) neben WHYJR (seit Od., nicht Trag.) ‘Dach’; ved. spa¹- (< *spe- = lat. speciô, nhd. spähen) neben pa¹- ‘sehen’: % Mayrhofer EWAia II p. 107f.; nhd. schlecken (< mhd. sl-) neben lecken. Man spricht hier vom Phänomen des beweglichen s (= s-mobile). — Es ist zu überlegen, ob nicht auch *s 2 - mit einem s-mobile gebildet war: % M. V. Southern in MSS 60 2000 p. 100ff. (argumentiert für Zugehörigkeit von lat. tabula). — Zur Deutung dieser Erscheinung und zur Literatur über sie: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 119f.; Szemerényi Einführung 1990 p. 98f. und s.u. L 405. L 312. Die uridg. Regel der Geminaten-Vereinfachung betrifft in der Praxis vor allem uridg. *s. — So ergab die Verbindung der Wurzel uridg. *h 1 es‘existieren, dasein’ mit dem Morphem der 2. Person Sing. voruridg. über *h 1 és-si ein bereits uridg. *h 1 ési ‘du bist’ (= gr. HL?; in Formen wie ep.hom. HMVVLY ist die durchsichtigere Form sekundär wieder hergestellt worden). Weiteres zur Flexion bei diesem Verbum s.o. E 502-505. — Genauso muß die Vereinfachung von -s.s- im Dat.Lok.Pl. von *$- bereits voruridg. erfolgt sein. Zu den Dat.Pl.-Formen vom Typ gr. JHYQHVL: % A. Morpurgo Davies in FS Palmer 1976 p. 188. L 313. In vielen Darstellungen wird ein weiterer uridg. Reibelaut, *þ (mit einem stimmhaft-behauchten Allophon *[ð]), gelehrt. Dieses sog. Thorn soll einige unstreitige Gleichungen erklären, in denen einige idg. Sprachen -t-Fortsetzer, andere -s-Fortsetzer zeigen. 1) Musterbeispiele: — ‘Bär’ mit gr. D>UNWR gegenüber ved. ®k-º-a-, lat. ur-s-us (weitere Einzelheiten zu dieser Gleichung: % Mayrhofer EWAia I p. 247f.; s. ferner unten L 333 Abs. 2). — ‘Erde’ mit gr. FTZYQ gegenüber ved.

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k-º-ám- (weitere Einzelheiten: % Mayrhofer EWAia I p. 424f.; zur Flexion s.u. F 321 Abs. 1). — ‘wohnen’ mit gr. myk. ki-ti-je-si i.e. ktiensi ‘sie wohnen’ gegenüber ved. kºiyánti, lat. situs ‘gelegen’ (weitere Einzelheiten: % Mayrhofer EWAia I p. 427; zur gleichen Wurzel wie si-tus auch lat. pônô < *po-si-nô: % H. Rix in Kratylos 38 1993 p. 87). 2) Die erst im 20. Jahrhundert erschlossenen idg. Sprachen Hethitisch (s.o. E 410) und Tocharisch (s.o. E 408) bringen eine zusätzliche wichtige Aussage zu Beispielen dieser Art: Der Abfolge k(£)-t(£), wie sie im Gr. bezeugt ist, entspricht dort eine umgekehrte Folge t(£)-k(£). Im Heth. erscheint ‘Erde’ im Nom.-Akk.Sg.n. als te-e-kán i.e. têgan (weitere Belege bei Tischler HEG III p. 292ff.), in Toch. A als tka«. Der heth. Nom.Sg. -tág-ga-aš, wohl i.S.v. Ÿartkas, scheint die Bedeutung ‘Bär’ zu haben (weitere Belege und Lit.: % Puhvel HED III p. 201f.). 3) Für ‘Erde’ bietet sich somit statt eines uridg. *g'm- der Ansatz eines mit herkömmlichen Konsonanten gebildeten Paradigmas: heth. mit vollstufigem Nom.Sg. têkan < uridg. *d£éœ£ôm und ablautenden Kasus wie Gen.Sg. takn- < uranat. *d£;- < uridg. *d£œ£m-. Während das Anatolische die Lautgruppe dank des Sproßvokals innerparadigmatisch hat halten können, wurde uridg. *d£œ£m- andernorts zu *œ£°m- vereinfacht, vgl. griech. FDPDLY ‘auf der Erde’, lat. humî ‘auf dem Boden’ (daraus sekundär humus f. ‘Boden’: % Wackernagel Vorlesungen II 1928 p. 32), lit. ÿ^m_, aksl. zemlja ‘Erde’. In einem Fall wie Lok.Sg. uridg. *d£œ£ém wurde schließlich das tautosyllabisch stehende *d£œ£- durch Umstellung zu einem *œ£d£-, woraus sich sowohl ein gr. k£t£ als auch ein ved. kº begreifen läßt. Weiteres zur Problematik des Paradigmas s.u. F 321 Abs. 1. 4) Die mustergültige Darstellung der gesamten Problematik stammt von J. Schindler, A Thorny Problem in Sprache 23 1977 p. 25-35. Vgl. ferner: % Mayrhofer Kleine Schriften II 1996 p. 255-270 (in einem Bericht von 1982); Lipp Palatale 1994.

3. Die Laryngale L 314. Die Bezeichnung Laryngale für den Ansatz dreier Konsonanten (Engelaute) der idg. Grundsprache ist wissenschaftsgeschichtlich bedingt, s.u. L 315 Abs. 1. Für diese ist eine algebraistische Notierung als uridg. *h 1 , *h 2 bzw. *h 3 üblich geworden. Wo sich nur der h-Charakter, nicht aber die Zuordnung zu einem der drei Werte rekonstruieren läßt, wird das

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Cover-Symbol H verwendet. — Das Symbol H verwende ich ferner manchmal bei Beispielen im einzelsprachlichen Bereich, wo die Qualität des Laryngals nicht entscheidend ist, vgl. u.a. die Beispiele in L 323 Abs. 1b oder in L 334 Abs. 2. 1) Der primär konsonantische Charakter dieser uridg. Phoneme steht außer Frage, s.u. L 329. Die Annahme eines phonetisch unmarkierten Hauchlautes [h] für uridg. *h1 , eines markierten, spirantischen ach-Lautes [F] für uridg. *h2 und eines stimmhaften velaren (oder labiovelaren) Reibelautes [J], [Jý] für uridg. *h3 dürfte von den Gegebenheiten der idg. Grundsprache nicht weit entfernt sein: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 121 Anm.101, p. 122 Anm.103f.; H. Rix in HS 104 1991 p. 191 mit Anm. 27; ders. in IF 96 1991 p. 271f.; J. Gippert in Kolloquium Pedersen Kopenhagen 1993 [1994] p. 464f.; ferner s.u. L 329 Abs. 1 (zu *th < *t+h2 ) und Abs. 2 (zu *b ved. pavi- gegenüber uridg. *puX- > ved. pû-; uridg. *œenX- > ved. jani- gegenüber uridg. *$X- (= in älterer Notation *œ–-) > ved. jâ-; uridg. *terX- > ved. tarÌgegenüber uridg. *tμX- (= in älterer Transkription tμ-) > ved.  -. Wo aber

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dieses Element vokalisch fortgesetzt erschien (ved. -Ì-), entsprach es in den nicht-iir. Sprachen zumeist einem -a-. So vergleicht sich der Typ der Verben der ai. neunten Klasse mit schwundstufigen -nî- in pu-nî-té ‘wird gereinigt’ und vollstufigem -nâ- in pu-nÄ-ti ‘reinigt’ (s.o. L 315 Abs. 2) mit dem schwundstufigen gr. QDin GDYPQDWDL ‘wird bewältigt’ bzw. dem vollstufigen ion.-att. QK(< -nâ-) in GDYPQKVL ‘bewältigt’. — Die Gleichsetzung von ved. sthitá- mit gr. VWDWRY ‘gestellt’ zeigt weiter an, daß auch die Schwundstufe zu langvokalischen Wurzeln wie ved. sthâund gr. (nicht-ion.-att.) stâ- (in ion.-att. L^VWKPL < *si-stâ-) ‘stehen’ jenes X enthielt, was den Schluß nahelegt, daß die Wurzeln des Typus sthâ- in Wahrheit auf -a-X- endigten, s.u. L 417 Abs. 2. Zu ved. bhar- : bh°-táwäre dann *sthaX- (= ved. sthâ-) : *sthX-tá- (= ved. sthitá-) in Parallele zu setzen. Die lautliche Entsprechung ved. -i- = gr. D wiederholt sich außerdem in so eindeutigen Wortgleichungen wie ved. pitár- = gr. SDWKYU ‘Vater’: auch dieser wohnt also das Element X inne. L 317. F. de Saussure hat nicht nur das Element, was wir bis jetzt allgemein X genannt haben, erkannt, sondern bereits zwei solcher Werte angenommen, die von weiteren Gelehrten bald um einen dritten Wert vermehrt wurden, vgl. die heutige Auffassung dreier verschiedener Laryngale in den Vorstufen von gr. t£ê-, stâ- und dô-: gr. t£ê- ‘stellen, legen, setzen’ (vgl. WLYTKPL) < uridg. *d 1 -; nicht-ion.-att. stâ- (vgl. ion.-att.L^VWKPLmit ê < â) < uridg. * 2 -; dô- ‘geben’ (vgl. GLYGZPL) < uridg. * 3 -. De Saussure hatte in diesen Werten noch vokalartige Elemente (coefficients sonantiques) gesehen. L 318. Die damalige klassische Indogermanistik ist ihm in sehr vielem, aber nicht in allem, gefolgt. Sie hat für das X einen einzigen Murmelvokal Ω als sog. Schwa indogermanicum angesetzt (gegenüber zwei bzw. drei Werten bei de Saussure und seinen laryngalistischen Nachfolgern). Sie hat ferner seine Erkenntnis übernommen, daß die se»-Wurzeln in die Grundsprache zurückreichten. Ein Beispiel wie ved. jani- wurde (mit der damals üblichen Notation) auf uridg. *œenΩ- zurückgeführt. Bei der dazugehörigen Schwundstufe in jâ-tá- wurde jâ- auf ein (damals so notiertes) schweres uridg. *œ–- zurückgeführt. Zur Geschichte der Rezeption von de Saussures Frühwerk durch die klassische Indogermanistik: % M. Mayrhofer, Nach hundert Jahren in SbHAW 1981 Bericht 8 p. 26ff. (Rez.: O. Szemerényi in Kratylos 28 1983 [1984] p. 54-59 = Scripta Minora I 1987 p. 557-562).

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L 319. Eine wichtige Korrektur an der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert allgemein angenommenen Erkenntnis, daß die Schwundstufe zu -n- und -r-haltigen se»-Wurzeln ein -–- bzw. ein -μ- sei, hat Albert Cuny 1912 angebracht: % A. Cuny, Indo-européen et sémitique in Revue de phonétique 2 1912 p. 101ff. 1) Seine Argumentation: Wenn die Vollstufe von se»-Wurzeln tatsächlich auf vokalisches uridg. *-Ω ausginge, wie der damals übliche Ansatz von uridg. vollstufigem *œenΩ- < ved. jani- (s.o. L 318) suggeriert, dann wäre als Schwundstufe uridg. *œnΩ- zu erwarten, mit vokalischem -Ω- nach konsonantischem -n-. Das hätte sich als ved. *jñi- fortsetzen müssen. Diese Form gibt es aber nicht. Vielmehr finden wir ved. jâ(-tá-), was über die vorhistorische Zwischenstufe *jaX-tá- auf uridg. *$X-tó- zurückgeführt werden kann. 2) Aus der Darlegung von Cuny ergibt sich der Hinweis auf die konsonantische Natur von X, wie dies für de Saussures ‘coefficients’ schon früher (1879 / 1880) durch Hermann Möller angenommen worden war. Möller dachte an Laryngale, wie sie ähnlich aus den semitischen Sprachen bekannt sind: % H. Möller Semitisch und Indogermanisch, Teil I (Konsonanten), Kopenhagen 1906, p.VI: „Als Ferdinand de Saussure seine glänzende Entdeckung der von ihm sogenannten ‘phonèmes’ A und ‚o machte (Mémoire ...), sprach ich alsbald (1879) die Vermutung aus, dass diese wurzelhaften Elemente, denen ich ein drittes hinzufügte, konsonantische und zwar Kehlkopflaute gewesen seien ... und behauptete 1880 ... ‘Es waren ... wahrscheinlich Gutturale von der Art der semitischen’.“ L 320. Die heutigen Ansichten zu den Laryngalen beschränken diesen Terminus auf eine in der Geschichte der Indogermanistik gewachsene Bezeichnung ohne phonetische Festlegung. Wesentlich bleibt, daß von drei konsonantischen Werten ausgegangen wird und daß der Großteil der Laryngal-Wirkungen, wie sie in dieser Einführung gelehrt werden, schon in Cunys Aufsatz von 1912 erscheint. Zu dieser Zeit war das Hethitische mit seinem Phonem Ÿ noch nicht erschlossen. Das wesentliche Lehrgebäude der sog. Laryngaltheorie, jener Fortführung von de Saussures Erkenntnissen, war schon 1912 fertig und beruhte auf der vergleichenden Analyse der Wurzelstruktur und des Ablauts, vornehmlich im Vedischen und Griechischen. Zur Frühgeschichte der Laryngaltheorie mit den entsprechenden Angaben zu Cuny, Möller und weiteren Forschern: % die packende Darstellung von O. Szemerényi La théorie des laryngales de Saussure à Kuryªowicz et à Benveniste in BSL 68 / 1 1973 p. 1ff. (= ders. Scripta Minora I 1987 p. 191ff.).

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Daß heth. Ÿ 1927 durch Jerzy Kuryªowicz mit dem zweiten Laryngal Cunys gleichgesetzt wurde, war insofern folgenreich, als die zunächst häretische, konsonantische Auffassung der de Saussureschen coefficients durch Möller und Cuny dadurch mehrheitsfähig geworden ist. Gewiß ist es von Wichtigkeit, daß die am frühesten bezeugte idg. Sprachgruppe den konsonantischen Charakter der Laryngale bestätigt. Gleichwohl bleibt zu wiederholen, daß die Schlüsse aus dem Material der nicht-anatolischen Sprachen, die durch de Saussure und Cuny gezogen worden sind, durch die ihnen innewohnende Stringenz wohl auch dann Anerkennung gefunden hätten, wenn die anatolischen Texte niemals aus dem Boden gekommen wären: % Mayrhofer Kleine Schriften II 1996 (in einem Aufsatz von 1987) p. 416. L 321. Die folgenden Auswirkungen von uridg. *h 1 , *h 2 und *h 3 sind für die wesentlichen idg. Sprachen und ihre Vorstufen festzuhalten. Die übliche uridg. Wurzelstruktur, wie sie etwa aus lat. und gr. Formen wie leg-ô, fer-ô, cap-iô, clep-ô, OHLYSZ NHL PDL abzulesen ist, besteht im Eingang aus einem oder mehreren unsilbischen Phonem(en), z. B. l-, kl-, k-, einem mittlerem -e- (selten -a-) und schließend aus einem oder mehreren unsilbischen Phonem(en), z. B. -g, -, -ký. — Uridg. Wurzeln, deren Anlaut (s.u. L 322 zu *He-) oder Auslaut (s.u. L 323 zu *-eH-) auf ein *h1, *h2 oder *h3 zurückgeführt werden muß, fügen sich dank ihrer unsilbischen Natur problemlos in diesen Wurzeltyp ein. Weiteres zur uridg. Wurzelstruktur: % Szemerényi Einführung 4. Aufl. 1990 p. 102-104; LIV 1998 p. 5ff. (zu den Verbalwurzeln). L 322. Wurzeln vom Typ *He- mit anlautendem Laryngal: 1) Ein Beispiel für uridg. *h1 -: — Uridg. *h1- ‘existieren, da sein’ = lat. es-t usw. Der Anlaut *h1 - ist aus Formen mit der Schwundstufe *h1 s- noch erweisbar, s.o. E 504 Abs. 9. In der Vollstufe uridg. *h1 es- scheint *h1 in allen bisher bekannten idg. Sprachen geschwunden zu sein, *h1e wird also wie uridg. *e fortgesetzt. 2) Beispiele für uridg. *h2 -: — Uridg. *h2 - ‘Angesicht’. Noch in der voruridg. Periode führte *h2 zur Umfärbung von uridg. *h2 e zu *h2a, das Lexem wurde also zu *h2 ant-. Aus Gründen der Klarheit wird in der Rekonstruktion die Umfärbung i.d.R. aber nicht vorgenommen, s.o. L 102 . Die Ursprünglichkeit von uridg. *h2 e geht aber noch aus der Dehnstufe uridg. *h2 ê hervor, wo die Qualität des ê trotz des davor stehenden *h2 bewahrt bleibt, s.u. L 331. Der gleiche Schluß kann aus dem Vorhandensein von Formen mit

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Ablaut *-oh2- gezogen werden (vgl. unten R>JPR): diese werden dann am besten verständlich, wenn sie auf eine Zeit zurückgehen, als noch *-2 - mit seinem e die Ausgangsbasis für den Ablaut -e- : -o- und -e- : -ê- abgegeben hat. Der H-Anlaut von *h2 a ist im Anatol. bewahrt, vgl. heth. Ÿant-s ‘Gesicht, Vorderseite’. Die anderen Sprachen setzen unmittelbar *ant- fort, vgl. uridg. Lok.Sing. *h2 ént-i = lat. ant-e (s.u. L 423 Abs. 1) ‘vor’, gr. DMQWLY(der Akzent ist aus dem i.d.R. vor dem davon abhängenden Gen. proklitisch unbetont verwendeten DMQWLabstrahiert, ursprüngliches *D>QWL ist nicht belegt) ‘angesichts’, ved. ánt-i ‘davor’. — Uridg. *h2$- (> *h2 aœ-; neben ablautendem uridg. *h2oœ-) ‘treiben, führen’ = lat. ag-ere, gr. D>JHLQ(vgl. daneben das -o-stufige Nomen R>JPR ‘Reihe abgemähten Grases’), ved. ájati ‘treibt’. 3) Beispiel für uridg. *h3 -: — Uridg. *h3 #- ‘sehen’, u.a. mit der primär -e-stufigen -m-Bildung *h3éký-m (vom Typus wie gr. VSHYUPDGHYUPD) ‘Auge’: hier führt voruridg. *h3 e schon uridg. zu *h3o, was in allen sicheren Beispielen mit uridg. *o zusammenfällt, vgl. den zur fraglichen Wurzel gehörenden Wortanfang von gr. R>PPD ‘Auge’, lat. oculus, ved. ákºi- ‘Auge’. — Zum Anatol. s.u. L 334. L 323. Wurzeln vom Typ *-eH- mit schließendem Laryngal vor Konsonant (KVH.K) oder Vokal (KV.HV): 1) Beispiele für uridg. *-1 -: Bei *-eh1 - bewirkt h1 keine Umfärbung von e, ebensowenig wie in uridg. *h1e- (s.o. L 322 Abs. 1). 1a) Steht *-eh1- tautosyllabisch vor Konsonant, so bewirkt h1 Ersatzdehnung zu -ê-. Der Langvokal fällt in dieser Position i.d.R. mit uridg.*-êzusammen. — Vgl. zu uridg. *d£eh1- ‘setzen, errichten, machen’ gr. WLYTKPL, lat. fê-cî, ved. á-dhât, lit. d—-ti ‘legen’. — Vgl. zu uridg. *h21- ‘wehen’ gr. D>KVL, ved. vÄ-ti, aksl. v–-jati. — Vgl. zu uridg. *reh1- ‘gewähren, geben’ ved. rÄ-si ‘du gibst, verleihst’. 1b) Steht aber *-1- heterosyllabisch vor Vokal oder silbischem Sonoranten, behält e vor *h1 seine Qualität und wird wie uridg. *e behandelt, *h1 schwindet später einzelsprachlich und hinterläßt einen Hiat. — Vgl. uridg. *h2¾éh1-t-o- ‘Wind’ > iir. *H¾áHata- > *¾á.ata- > aav. jav. vâta- m. ‘Wind’ (ev. aav. Y 44,4 noch dreisilbig als vaData- gemessen) = ved. vÄ- -, lat. (mit *-eh1nt- > -ent-) ventus (vgl. auch heth.  ‘Wind’ iir. " @A- > * BA- (vgl. ved. rayí-m Akk.Sg. mit Übergangslaut -y- und ved. re-vánt- ‘reich’ < *ra-¾ánt- < *raB-¾ánt- < *raHi-¾ánt-); dagegen im gleichen Paradigma (nach konsonantischem ) uridg. * 1--és Gen.Sg. ‘des Eigentums’ > iir. *r @-ás > ved. râyás. Weitere Informationen zu

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den beiden Beispielen: % Mayrhofer EWAia II p. 438 (zu rayí-) und p. 542 (zu v -); zu v - ferner: % B. Vine Rig-Vedic VÁATA- and the Analysis of Metrical Distractions in IIJ 33 1990 p. 267-275. 2) Beispiele für uridg. *- 2 - tautosyllabisch vor Konsonant:*h 2 bewirkte in * 2 (ebenso wie in *h 2 e) bereits voruridg. Umfärbung von e zu a. Die Ursprünglichkeit von *eh 2 geht wie bei *eh 1 (s.o. Abs. 1) aus den darauf fußenden Dehnstufen mit *êh 2 hervor (s.u. L 331 Abs. 1), ferner aus Beispielen mit ablautendem *oh 2 (vgl. unten gr. IZQKY). Noch in voruridg. Zeit wurde *eh 2 also zu *ah 2 (s.o. L 303 zum Akk.Sg. voruridg. *-eh 2 m > *-ah 2 m > *-amm > uridg. *-âm, wo die Umfärbung vor der ebenfalls in voruridg. Zeit vollzogenen Assimilation anzusetzen ist). Die Stufe *ah 2 ist in den anatolischen Sprachen erhalten. Außeranatolisch fiel *ah 2 vor Konsonant mit uridg. *â zusammen. In der Rekonstruktion wird die Umfärbung aus Gründen der Klarheit nicht vorgenommen. — Vgl. zu uridg. * 2 - (eigentlich *  2 -) ‘wohin treten, sich hinstellen’ gr. ion-att. (mit â > ê) L^VWK-PL, ved. á-sthâ-t, ahd. stân ‘stehen’, aksl. sta-j‚o ‘stelle mich’. — Vgl. zu uridg. *  2 - (eigentlich *pah 2 -) ‘hüten, weiden’ (zur Problematik dieser Wurzel: % LIV 1998 p. 415) heth. paŸ-s- (zur Graphie und zur Form: % Oettinger Verbum 1979 p. 210) ‘schützen’, lat. pâ-scô. — Vgl. zu uridg. *b 2 - (eigentlich *b£ah 2 -) ‘sprechen, sagen’ gr. ion.att. (mit â > ê) IKPLY, lat. fâ-rî ‘sprechen’, russ.-ksl. ba-jati ‘erzählen’. Im Ablaut zu uridg. *b 2 - steht *b£oh 2 - mit bewahrtem -o- vor -h 2 -, vgl. gr. IZQKY ‘Stimme’. 3) Beispiele für uridg. *- 3 - tautosyllabisch vor Konsonant: Schon Voruridg. bewirkte *h 3 Umfärbung von *eh 3 zu *oh 3 . Vor Konsonant ist *-oh 3 - dann mit *-ô- zusammengefallen. — Vgl. zu uridg. * 3 - ‘geben’ gr. GLYGZPL, lat. dôs dô-t- ‘Gabe, Mitgift’, ved. á-dâ-t ‘gab’, lit. dúo-mi ‘gebe’, aksl. da-m™ ‘werde geben’. Im lat. Präs.St. 2.Sg. dâs vs. 1.Pl. damus (< *dh 3 -mo-) ersetzt vollstufiges dâs ein älteres *dôs (< * 3 -s-), die Vokalqualität â statt ô ist aus dem Pl. analogisch übernommen: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 188. — Vgl. zu uridg. *  3 - gr. SZ PD ‘Trank’, lat. pô-tus ‘betrunken’, ved. pâ-hí ‘trinke!’, heth. pâ-s‘schlucken’. L 324. Die Schwundstufe zu vollstufigem uridg. *h 1 e oder * 1 ist uridg. *h 1 , zu uridg. *h 2 /* 2 ein uridg. *h 2 , zu uridg. *h 3 /* 3 ein uridg.*h 3 . 1) In der Position zwischen Konsonanten (KHK) setzen sich uridg. *h1, *h2 und *h3 meist durch einen Vokal fort (Resultat KVK), gelegentlich wird aber die Dreierkonsonanz unter Verdrängung des H zu KK vereinfacht. Phonetisch

C. Zu den Konsonantensystemen

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ist die vokalische Variante so erklärbar, daß sich zwischen H und dem folgenden Konsonanten ein Schwachvokal (Sproßvokal) entwickelt hat. Der in der Folge *KH°K neu vor einem Sproßvokal stehende H schwindet lautgesetzlich. Als Spur des H bleibt dann nur das wegen der Sprechbarkeit der Dreierkonsonanz eingetretene vokalische  (lat. einheitlich als a realisiert, altind. ved. einheitlich als i, gr. als Reflex der Laryngalqualität als e, a oder o), s.o. L 103. 2) Die soeben beschriebene Herkunft der vokalischen Realisierung der Laryngale zwischen Konsonanten ist nicht auf den ersten Blick verständlich. Sie ist der Grund dafür, daß die klassische Indogermanistik der Jahrhundertwende fälschlich auf ein spezielles Phonem Ω (Schwa indogermanicum oder primum) geschlossen hat, s.o. in L 319 die Widerlegung dieses Ansatzes durch A. Cuny. 3) Das Resultat KK < KHK ist nicht so häufig zu beobachten. — Vgl. den Wortanfang von uridg. *ph2 ér- ‘Vater’, wo sich in der Indogermania beide Resultate belegen lassen: Fortsetzer wie gr. SDWKYU und ved. pitÄ zeigen durchgehende Vokalisierung und gehen auf uridg. *ph2°t- zurück. Einen komplexeren Zustand belegt das Av., vgl. Nom.Sg. aav. ptâ, tâ, jav. ptâ, pita und Dat.Sg. aav. f ΩZrôi, piTrê, jav. piTre. Der Dat. f ΩZrôi i.e. fTrá führt auf *pt- < uridg. *ph2- zurück. Zu den Fragen der Vokalisierung (wann *ph2 °t- und wann *ph2 -): % Kuiper Ved. Noun-Inflexion 1942 p. 20ff.; E. Tichy in MSS 45 1985 p. 229ff. (die Autorin argumentiert einleuchtend dafür, daß die Vokalisierung bereits grundsprachlich bei der anfangsbetonten Vok.Sg.-Form *ph2 °ter eingetreten ist; der neu entstandene Vokal hätte sich dann einzelsprachlich im Paradigma ausgebreitet); Mayrhofer EWAia II p. 128f. (mit Lit.). Anders (mit laryngallosem Ansatz *patér-) H. Schmeja in FS Meid *70 1999 p. 413-423. Weiteres zum Paradigma von ‘Vater’ s.u. F 318 Abs. 3. L 325. Das Resultat KH°K ist gegenüber KK normal. — Uridg. *h 1 ergibt in der Position *Kh 1 K im Gr. e, im Ved. (Indoiran.) Ì, in den übrigen Sprachen, soweit beobachtbar, a oder dessen Fortsetzung. Im klass. Lat. ist wegen der sog. Vokalschwächung in kurzen Mittelsilben (s.o. L 204) meist ein e oder i an die Stelle von a getreten, vgl. die beiden Nomina agentis gene-trîx und geni-tor, wo beide Wortanfänge auf *ena- bzw. *œ 1 zurückzuführen sind (s.u. F 101 Abs. 2). Beispiele: — Zu uridg. *d1- ‘stellen, legen, setzen’ vgl. uridg. *d£h1-tó- Ptz.Perf.Pass. ‘gesetzt’, einzelsprachlich fortgesetzt in gr. THWRY ‘gesetzt’, ved. hitá- (< *dhi-tá-), lat. ab-ditus (< *ab-dato-) ‘fortgetan, versteckt’, ferner vgl. uridg. *é-d£h1-to Aor. ‘er hat gesetzt’ mit gr. H>THWR = ved. a-dhi-ta (mit ø aber uridg. *-d£h1-més in ved. da-dh-más ‘wir stellen’). — Vgl. uridg. *$1-tor- ‘Erzeuger’ = gr. JHQHYWZU, ved.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

jani-tár-, lat. geni-tor (mit Vokalschwächung QHPR ‘Wind’, osk. anamúm ‘animam’ (lat. animus mit Vokalschwächung < *anamo-), ved. áni-ti ‘atmet’. — Uridg. *1= gr. HMPHYZ ‘speie aus’, lat. vomit ‘erbricht sich’ (< *¾éma-ti [ein -o-stufiges *¾óm- ist aber als lat. Ausgangspunkt auch nicht ausgeschlossen]. Das zunächst erwartete *¾émati ist vermutlich bereits urital. zu *¾émeti thematisiert worden: % H. Rix in GS Schindler 1999 p. 516f.), ved. vámi-ti ‘speit aus’, lit. vém-ti ‘Erbrechen haben’ (mit Vereinfachung von -émK- < *-emHK-). L 326. Uridg. *h 2 ergibt in der Position *Kh 2 K im Gr. a, im Ved. (überhaupt im Indoiran.) Ì (wieder neben vereinzeltem KK), sonst *a wie im Falle von uridg. *h 1 ). — Vgl. oben L 324 mit uridg. *ph 2  - = gr. SDWKYU (lat. pater, got. fadar), ved. pitár- (aber *ptr- in aav. f ΩZrôi). — Uridg. * 2 -tó- ‘gestellt’ (zu uridg. * 2 - bzw. *  2 - ‘stehen’ s.o. L 323 Abs. 2) = gr. VWDWRY ‘stehend’, lat. status ‘gestellt’, ved. sthitá- ‘stehend’, vgl. ahd. stat f. ‘Stätte’. — Uridg. * 2 - ‘gewinnen’ = ved. se»-Wurzel (s.o. L 315 Abs. 1) mit Nom.ag. sani-tár-, heth. sanŸ- ‘suchen, beabsichtigen’ (mit noch erhaltenem Ÿ < uridg. *h 2 ). L 327. Uridg. *h 3 ergibt in der Position Kh 3 K griech. o. In den anderen Sprachen wird es wie uridg. *h 1 und *h 2 fortgesetzt: ved. i.d.R. Ì (selten ø), lat. a usw. — Vgl. uridg. *é-dh 3 -to ‘gab’, *dh 3 -tó- ‘gegeben’ (zur Wurzel uridg. * 3 - ‘geben’ mit bereits uridg. Entwicklung > *doh 3 -, s.o. L 323 Abs. 3) = gr. H>GRWR, ved. a-di-ta bzw. gr. GRWRY, lat. datus, aber (mit ø) ved. (devá-)tta- ‘(von den Göttern) gegeben’ (zum frühen Ersatz von -tta- durch -d - und dâtá-: % Mayrhofer EWAia I p. 715). — Uridg. *ph 3 -tó- ‘getrunken’ (Wurzel uridg. *  3 - bzw. *poh 3 -; z.T. erscheint *  3 - um ein aus dem Pr.St. stammendes -- erweitert, vgl. gr. H>SLRQ< *é-pih 3 -ont mit *pih 3 - < *ph 3 -i- durch Metathese in Sonderkontexten) = gr. SRWRYQ n. ‘Trank’. — Uridg. *h 2   3 - ‘pflügen’ in gr. D>URWURQ n. ‘Pflug’ = lit. ár-klas ‘Pflug’ (mit Vereinfachung von árK- < arHK-). L 328. Erscheinen uridg. *h 1 , *h 2 oder *h 3 im Anlaut vor Konsonant (= #HK), so werden sie in den meisten altidg. Sprachen ausgedrängt und beseitigt (= #K). — Im Griechischen erscheint aber im Normalfall uridg. *h 1 durch die Entwicklung eines Sproßvokals #H°K als e, entsprechend uridg. *h 2 - als aund uridg. *h 3 - als o. Die gleiche Entwicklung zeigen auch Armen. und Altphryg. Alle drei standen einander in vorhistorischer Zeit im

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Balkan nahe, s.o. E 435 Abs. 1. — Im Heth. findet sich an Stelle des antekons. *h 1 - ein a, *h 2 - ist z.T. als Ÿ- erhalten. Die Sachlage ist aber komplexer als hier dargestellt: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 66ff. — Das Indoiranische läßt ursprüngliches #HK- noch an Dehnungen erkennen, die in der Komposition dann auftreten, wenn ein vok. auslautendes Vorderglied vor einem Hinterglied mit ursprünglichem *H-Anlaut steht, vgl. dazu sogleich in Abs. 1 ved.  - und in Abs. 2 ved. +?+ -. 1) Beispiele für uridg. *h1 K-: — Uridg. *h1 -énti ‘sie sind’ (Präs.Akt.3.Pl. mit Schwundstufe in der Wurzel zu uridg. *h1 - ‘existieren, dasein’, s.o. L 322 Abs. 1) = ved. s-ánti, got. s-ind, myk. e-e-si i.e. eh-ensi = ion.-att HLMVLY, heth. as-antsi. — Uridg. *h1 -ont-/-t- Ptz. ‘seiend’ = gr. myk. ap-eh-ontes, ion. HMZYQu.a.m.; ved. dagegen = sánt-/sat-. Der ursprüngliche Anlaut *h1 - ist aber noch konserviert im negierten Ptz. ved. Äsat- ‘nicht seiend’ mit langvok. âsat- < *a-Hst- < uridg. *-h1t-. Üblich ist bei den normalen Negationsbildungen kurzvok. a-K- < uridg. *-K-, s.o. E 504 Abs. 9. 2) Beispiele für uridg. *h2 K-: — Uridg. *h2  - ‘Mann’ ergibt einerseits gr. DMQKYU, arm. ayr (< *anîr), phryg. DQDU, andererseits ved. nár- ‘Mann’, umbr. ner-um Gen.Pl. ‘der Männer’. Im Indoiran. ist ursprüngliches *h2  - aber noch indirekt nachweisbar, vgl. ved. +?+ - ‘alle Manneskraft habend’ und aav. kamnâ.nar- ‘wenige Mannen habend’, beide mit -ânar- < *-a-Hnar-. — Uridg. *h2  - ‘Stern’ = gr. DMVWKYU, arm. astª; heth. Ÿaster-; ved. stár-, nhd. Stern. — Uridg. *h2 1- ‘wehen’ = gr. D>KVL; heth.  -; lat. ventus, s.o. L 323 Abs. 1b. 3) Beispiel für uridg. *h3 K-: — Uridg. *h3d- ‘schmähen, tadeln’ ergibt einerseits gr. R>QHLGR ‘Tadel’, arm. anicanem ‘fluche’, andererseits ved. nidâná- ‘getadelt’, got. naiteins f. ‘Lästerung’. L 329. Die konsonantische Natur dieser uridg. Werte, wie sie oben L 314 kurz definiert worden sind, läßt sich ferner in Stellungen vom Typ KHV nachweisen: 1) Aus uridg. *(s)tí-2 -e-ti (Wz. *2 - bzw. * 2 -, s.o. L 323 Abs. 2) > ved. tí-º»h-a-ti geht hervor, daß uridg. *t durch den Einfluß des danach folgenden *h2 im Ved. zur Tenuis aspirata th geworden ist (so bereits F. de Saussure: % Saussure Recueil 1922 p. 603 in einer Notiz von 1891). Durch Analogie ist dieses th ved. auch in die anderen Formen gelangt. Statt normal zu erwartendem *stâ- < uridg. *2 - findet sich überall verallgemeinertes sthâ-. — Daß uridg. *h2 auf Grund seiner spirantischen Natur in der Position nach

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

Verschlußlaut und vor Vokal den Verschlußlaut behauchen konnte, läßt sich noch an weiteren Beispielen demonstrieren: — Tritt bei uridg. * /2 - ‘breit werden’ das auslautende *-2 - antevok. vor *-u-, so entsteht aus uridg. * C2 ú- im Ved. D- ‘weit, breit’ (nebenbei: in antekons. Position erscheint dieses *-2 - im Gr. als -WD-, vgl. SODWDPZYQ ‘platter Stein’). — Erscheint im Paradigma von uridg. *pént-oh2 -s Nom.Sg. ‘Pfad’ ablautbedingt h2 direkt nach t (vgl. den Gen.Sg. *pt-h2 -és), so ist als indoiranisches Resultat Nom.Sg. *pántâs, aber Gen.Sg. *pathás zu erwarten: Av. EF, paTô setzt dies getreulich fort, im Ved. ist dagegen von pathás aus panth- verallgemeinert worden und findet sich auch im Nom.Sg. pánthâs. Zur Flexion von ‘Pfad’ s.u. F 321 (2). — Von uridg. *  2 - ‘Rad’ (= lat. rota) existiert eine bereits uridg. Ableitung *rot-h2-o- ‘*Rädriger > Wagen’ = ved. rátha-. — Vgl. auch das Suffix ved. -tha- < uridg. *-2 -o-, s.u. F 503. — Von solchen und weiteren durchsichtigen Beispielen aus ist die Annahme berechtigt, daß der Ursprung einiger Tenues aspiratae des Indoiranischen i.d.R. in der Folge th2 zu suchen ist. — Zum Material: % Hiersche Tenues Aspiratae 1964; zur Interpretation: % Mayrhofer Kleine Schriften II 1996 (in einem Aufsatz von 1981) p. 298 mit Anm.17. Auch einige indoiranische Mediae aspiratae sind aus der Position von Media + *h2 + Vokal erklärbar. — Vgl. das ablautende Paradigma von uridg. *méœ-oh2 - / *méœ-h2 ‘groß’ mit Formen wie Gen.Sg. *¬œ-h2-és = ved. mahás (mah- dabei < *majh-; zu mah- statt *ah- s.o. L 203 zu lat. mag-). Die Kontaktstellung von œ mit h2 kann die zunächst merkwürdige ved. Aspiration erklären. In einer Form wie *méœ-oh2- würde man dagegen nichtaspiriertes *maj- erwarten. Die Analogie hat aber *maj- durchgängig durch mah- ersetzt. Weiteres zur Problematik: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 135ff. 2) Das Präsens der Wurzel uridg. * 3- (woraus *poh3 -) ‘trinken’ (s.o. L 323 Abs. 3) muß als *pí-ph3-e-ti angesetzt werden. Ved. píbati, altir. ibid < *pibeti und lat. bibit führen in einer ersten Stufe auf ein *píbeti. Die beiden Formen *píbeti und * A 3  lassen sich zur Deckung bringen, wenn wir annehmen, daß uridg. *h3 hier antevok. dem vorangehenden stimmlosen Verschlußlaut das Merkmal [+stimmhaft] verliehen hat und bereits uridg. *ph3 zu *b geworden ist. — Bei uridg. *h2 ép- ‘Wasser’ (= ved. áp- RV+ ‘Wasser’ mit apás apÄ ádbhis u.a.m; gr. verbaut in HX>ULSR hymn. Hom.+ ‘Meeresarm’, wohl bereits myk. als e-wi-ri-po i.e. e¾rîpo- < *e¾rûpo- < *h1¾ru-h2 p-o-: % B. Forssman Mykenisch e-wi-ri-po und HX>ULSR in MSS 49 1988 p. 5-12) findet sich die Nebenform *h2 :-, vgl. heth. Ÿa-ap-pa, Ÿa-pa-a i.e. Ÿab-â ‘zum / am Fluß’ (% Friedrich / Kammenhuber HW III Lief. 13 1998 p. 197ff.) und kymr. afon ‘Fluß’ (lat. amnis ‘Fluß’ ist mehrdeutig: < *ap-n- oder < *ab-n-). Nach E. P. Hamp ist hier ein zu *h2 - mit dem sog. Hoffmannschen Suffix

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(% K. Hoffmann, Ein grundsprachliches Possessivsuffix in MSS 6 1955 p. 3540 = Hoffmann Aufsätze II 1976 p. 378-383) hinzugebildetes uridg. *h2 éph3on- ‘(Fluß) mit fließendem Wasser’ über die Zwischenstufe *ab-on-/*ab-enals Ursache für die stimmhafte Variante *h2 :- auszumachen: % E. P. Hamp Palaic ha-a-ap-na-a¸ ‘river’ in MSS 30 1972 p. 35-37. Wenn richtig, würden diese Fakten es erlauben, das von Hoffmann noch mit unbestimmtem Laryngal angesetzte Suffix als *-h3 on- zu etablieren. Nach M. Mayrhofer schlägt die Argumentation aber nicht durch, weil es auch außerhalb des Suffixes Belege für stimmhaftes *h2 :- gibt: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 144. Das Nebeneinander von *h2  - und *h2 :- kann deshalb aus dem Paradigma abstrahiert sein: Ein Dat.Pl. *h2:-b£i mit seinem vor -b£- assimilierten -b- kann der Anlaß gewesen sein, *h2:- auch vor Vokal einzuführen (so im Gen.Sg. statt *h2 p-és neu *h2 b-és). Wenn dem tatsächlich so ist, muß das soeben genannte Suffix nicht zwingend *-h3 on- gewesen sein, ein *-h1on- ist dann ebenso denkbar. Weiteres zum Hoffmannschen Suffix s.u. W 204 Abs. 4. L 330. Sonderfälle: — Ein bereits von F. de Saussure beschriebener Sonderfall läßt den Laryngal in den Positionen KoRHK und #HRo schwinden, — Vgl. gr. WRYOPK (nebenbei: das fem. Musterbeispiel WRYOPK flektiert ion.att. nach dem Schema Nom.Sg. WRYOPDAkk.Sg. WRYOPDQ, Gen.Sg. WRYOPKusw., der Nom.Sg. WRYOPK ist ganz selten ‘Wagemut’ < *&/ 2  2 - zu uridg. */ 2 - ‘aufheben, auf sich nehmen’: % Saussure Recueil 1922 (in einem Beitrag von 1905) p. 582 Anm. 2; A. J. Nussbaum The ‘Saussure Effect’ in Latin and Italic in FS Beekes 1997 p. 181-203; vgl. ferner R. Lipp in LIV 1998 p. 98 Anm. 1 (schlägt vor, uridg. *dom-s ‘Haus’ aus *domh 2 - herzuleiten). — Ÿ Lamberterie Rez. 2002 p. 108 f. zu P.119 bringt für die Position #HRo das Beispiel RMPHLYFZ ‚urinieren, pissen‘ vs. PRLFRY ‚Pisser‘ (bösartiges Schimpfwort i.S.v. ‚Verführer einer verheirateten Frau‘). Weiteres Material bei Lamberterie a.O. — Ein weiterer Sonderfall läßt sich an Hand von uridg. *h 2 énh 1 - - ‘Nase’ demonstrieren. Es stellt nach M. Fritz einen fem. -s-Stamm vom Typ uridg. *h 2 é¾s-ôs ‘Morgenröte [s.u. F 321 Abs. 2] dar und ist von uridg. *h 2  1 ‘atmen’ abgeleitet. Die Flexion ist holodynamisch (s.u. F 321) mit Nom.Sg. *h 2 énh 1 , Gen.Sg. *h 2  1 s-és usw.: % M. Fritz, Das urindogermanische Wort für ‘Nase’ und das grundsprachliche Lautgesetz *·HV > *RV in HS 109 1996 p. 1-20. Nach Fritz p. 17 „gerät der wurzelauslautende Laryngal in den starken Kasus in antevokalische Position nach offener Silbe ... und schwindet lautgesetzlich“. — Zur gleichen Problematik gehören Fälle wie der uridg. them. Präs.St. *œí-œ 1 -e-ti (zur Wz. *$ 1 -/*$ 1 - ‘erzeugen’) mit lat. gignit ‘erzeugt’: % H. Rix in GS

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Kuryªowicz I 1995 p. 407 („Schwund von h 1 zwischen Resonant und Vokal in der reduplizierten Wurzel“). — Vgl. hierzu ferner Komposita vom Typ gr. QHRJQRY(hom. Hymnen+) ‘neugeboren’ mit HG -gnó- < *-$ 1 ó-. Lit.: % Fritz a.O. p. 7; I. Balles in Sprache 39 1997 [2000] p. 160 (-·HV> -·RV- und -±HV- > -±NV-, in der langen Wortform der Komposita Tilgung des silbischen Resonanten vor dem homorganen Gleitlaut). L 331. Vollstufiger -o-Ablaut und Dehnstufen auf -ê- sind auch bei Wurzeln zu erwarten, deren Grundvokal e vor oder nach Laryngal stand. Schon sehr früh haben uridg. *h 2 und h 3 den Kurzvokal -e- in der Kontaktstellung umgefärbt, s.o. L 323 mit Abs. 2 und 3. 1) Daß es aber in diesen Fällen vor der Umfärbung eine Zeit mit noch bestehendem -e-Vokal gegeben haben muß, zeigen die zu -e- dazugebildeten Dehnstufen auf -ê-, die im Gegensatz zum Kurzvokal der Umfärbung durch uridg. *h2 und *h3 entgangen sind. Die erste ausführliche Behandlung dieses Problems stammt von H. Eichner Die Etymologie von heth. mêhur in MSS 31 1972 p. 53-107 (die p. 72 folgendermaßen formulierte Erscheinung „Erhaltung des Timbre von dehnstufigem ê in Nachbarschaft von H2“ wird unter der Bezeichnung Lex Eichner zitiert). 2) Diachron lassen sich zwei Schichten auseinanderhalten: Stufe I (voruridg. vor Umfärbung): a) *h2- : *h2ound *-2- : *-oh2*h3- : *h3o*-3- : *-oh3b) *h2- : *h2êund *-2- : *-êh2*h3- : *h3ê*-3- : *-êh3Stufe II (uridg. nach Umfärbung): a) *h2a- : *h2ound *-ah2- : *-oh2*h3o- : *h3o*-oh3- : *-oh3b) *h2a- : *h2êund *-ah2- : *-êh2*h3o- : *h3ê*-oh3- : *-êh33) Beispiele: — Zu heth. mËŸur ‘passende, rechte Zeit’ < uridg. *mËh2  : % Eichner in Abs.1. — Zu uridg. *h2 - (bzw. *h2 -) ‘spitz’ und ablautendem *h2 - gehören gr. D>NUR ‘an der Spitze befindlich’ bzw. R>NUL ‘Spitze, scharfe Kante’, ferner heth. Ÿé-kur i.e. Ÿêk-ur ‘Felsgipfel’ (diese von H. Eichner in MSS 31 1973 p. 71 vorgeschlagene Interpretation ist aber nicht unumstritten: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 144; Rieken

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Nom. Stammbildung 1999 p. 287-289). — Neben uridg. *2 ¾el- bzw. * 2 ¾el- ‘Sonne’ (> urgr. *hâ¾el- - = kret. [Hesych] DMEHYOLR, ep.-ion. KMHYOLR, att. K^OLR) kann eventuell hinter luw. si(Ÿ) / ‘Lampe’ eine V°ddhiAbleitung *!2 ¾ol-ó- (mit luw. ê > i und Schwund des Ÿ vor ¾) festgemacht werden: % Starke Keilschr.-luw. Nomen 1990 p. 342f. — Neben uridg. *$3 - (bzw. *œnoh3 -) ‘erkennen’ (vgl. mit schwundstufigem *$3 - lat. [g]nô-scô, aksl. zna-ti) scheint in heth. gnê-s- ‘erkennt’ ein dehnstufiges *œnêh3 - vorzuliegen: % J. Jasanoff in Laryngaltheorie 1988 p. 227ff. — Bisher unverständliche Ablautverhältnisse wie das zwischen lat. aqua ‘Wasser’ und an. ægir ‘Meer’ < uridg. *êký- erklären sich jetzt als einfacher Quantitätsablaut mit vollstufigem *h2#- (bzw. *h2 aký-) und dehnstufigem *h2êký-. Weitere Beispiele und Lit.: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 132ff., p. 141f.; Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 68; s.u. L 417 Abs. 1 L 332. Zu se»-Wurzeln wie uridg. *$ 1 - ‘erzeugen’ = ved. jani- und uridg. *  2 - ‘überqueren’ = ved. tari- sind Schwundstufen mit *- 1 bzw. *-μh 2 - (in älterer Notation *-–-, *μ-) zu erwarten, s.o. L 315 Abs. 3. Auf die Bedeutung dieser Schwundstufen für den konsonantischen Charakter von *-H- wurde oben in L 319 Abs. 1 hingewiesen. Sie erweisen die Richtigkeit dreier Ansätze uridg. *h 1 , *h 2 und *h 3 : 1) Im Griechischen wird uridg. *1 vor Konsonant zu QK, uridg. *2 aber zu QD², uridg. *3 zu QZ, dementsprechend uridg. *μh1-3 vor Konsonant > gr. UK/UD²/ UZ usw. 2) Daneben gibt es eine Anzahl zweisilbiger gr. Beispiele vom Typ TDYQDWR ‘Tod’ neben regulärem TQKWRY ‘sterblich’. Die Erklärung für das zweisilbige Auftreten ist umstritten. Ein möglicher Grund könnte der Akzent sein: denkbar wäre demnach etwa die Entwicklung von uridg. *-h2 - > *-°nh2- > *-anausw. (mit Assimilation des Schwachvokal der aus  entstehenden Folge °n an die Qualität des folgenden Laryngals): % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 73; Vine Deverbative *-etó- 1998 p. 12ff. (mit Hinweis auf einen anderen Lösungsvorschlag); C. Rico in IF 105 2000 p. 161-200; H. Rix in Kratylos 41 1996 p. 158 (zum Lat.). 3) Weitere hier nicht behandelte Sprachen wie Arm. und Toch. zeigen je nach der Natur des Laryngals verschiedene Entwicklungen, so beim Material von uridg.*μh1 vs. uridg.*μh2 und *μh3 . Lit.: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 128.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

4) Gleichungen für uridg. *H, uridg. *¬H, uridg. *©H und *μH vor Konsonant: 4a) Uridg. *1 ergibt gr. nê. In den anderen hier vorzugsweise herangezogenen Sprachen hat uridg. *H jeweils nur ein Resultat: lat. nâ < *H, ved. â < *aH < *H (zu *¬H: % M. Mayrhofer in Quaderni dell’Istituto di Glottologia 6 1994 [1995] p. 197ff.), germ. un < *H in der Position *°nHK mit intrakons. Schwund des Laryngals (zum Lit. und Slav. s.u. 4d). — Vgl. uridg. *$1-tó- ‘gezeugt, geboren’ = gr. NDVLYJQKWR ‘Bruder’, lat. (g)nâtus, ved. jâtá-, got. (airþa-)kunds ‘von irdischer Abstammung’ (s.u. L 334 Abs. 4). — Vgl. auch ved. Äsat- < uridg. *-h1-toben E 504 Abs. 9. 4b) Uridg. *2 ergibt gr. nâ(ion.-att. >nê sonstige Resultate wie in 4a (ved. â, lat. nâ, germ. un usw.) — Vgl. gr. ion. TQKWRY (mit ê < â) ‘sterblich’. Ÿ Zwei uridg. Herleitungen stehen zu Debatte: I. < uridg. *dhh2-tó- zu *dhenh2- „sich in Lauf setzen, sich davonmachen“ (euphemistisch „sterben“; so u.a. LIV 1998 p. 125; so auch Klein Rez. 2006 p. 408 zu p.121); II. < uridg. *d2-tó- zu *dh¾enH- „qualmen“ (älter *‘ausgehaucht’, *‘tot’; die Bedeutung ‘sterblich’ ist sekundär aus DMTDYQDWR ‘unsterblich’ [< *‘keinen Tod habend’] herausgeholt, vgl. die semantischen Parallelen bei EURWRY oben in L 307 Abs. 1). Diese schon seit langem vertretene Etymologie II ist aber lautlich nicht unproblematisch. Alte Spuren von ¾ sind nämlich beim hom. TDYQDWR (man erwartet in diesem Fall Reflexe eines *ánato-) nicht nachzuweisen: % J.-L. Perpillou in RPh 50 1976 p. 50ff. 4c) Uridg. *3 = gr. nô; sonst wie in 4a (ved. â, lat. nâ, germ. un usw.). — Vgl. uridg. schwundstufiges *$3- (zu uridg. *$3- ‘erkennen’) = lat. gnâ-rus ‘kundig’ (dazu auch narrâre < *gnârâre nach der sog. littera-Regel vom Typ Iuppiter < G,  : % H. Rix in FS Watkins 1998 p. 625f.), ahd. kun-d ‘bekannt’, lit. pa-ÿìntinas ‘kennenswert’; dazu wohl lautgesetzlich auch gr. JQZWRY ‘bekannt’ (% Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 144 mit Lit.). — Vgl. auch negierendes uridg. *- + uridg. *h3b£el- (vgl. gr. R>IHOR n. ‘Nutzen’): uridg. *-h3p£- > gr. nôp£- noch in myk. no-pere-ha i.e. nôp£ele£a Akk.Pl.n. ‘nutzlos’ (das gleiche Wort später mit verdeutlichter Negation als DMQZIHOKY). 4d) Uridg. *©h1, *μh1 = gr. lê/ rê, lat. lâ / râ, ved. îr (in labialer Umgebung ûr), germ. ul / ur; in den balt. und slav. Sprachen unterscheidet sich *il / *ir / *im / *in aus *©H / *μH / *¬H / *H durch die Intonation (z. B. lit. ìl) von il / ir / im / in aus laryngallosen *© / *μ / *¬ / * (lit. iƒ usw.): % Schrijver Laryngeals in Latin 1991 p. 5ff. — Uridg. schwundstufiges *p©h1- (zur Vollstufe * /1- ‘füllen’ vgl. gr. SLYPSOKPL; die Vollstufe

C. Zu den Konsonantensystemen

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* /1- ist nur in ved. párî-°as- n. ‘Fülle’ und in gr. SROXY < * /1u- vertreten: % LIV 1998 p. 434 Anm. 1; Weiteres zu gr. SROXY % Nussbaum Two Studies 1998 p. 149 und unten W 206 Abs. 4, weiteres zu den beiden Vollstufen s.u. L 417 Abs. 3) = gr. SOKTXY f. ‘Fülle’, ved. pûr-°á- ‘voll’, germ. *ful-na- (got. fulls), lit. pìlnas (gegenüber lit. viƒkas Wolf’ < *¾©kýo- = ved. v¶ka-). 4e) Uridg. *μh2 / *©h2 = gr. râ/ lâ, sonstige Resultate wie bei *h1 in 4d: — Uridg. *2-tó- ‘gemischt’ (Wz. uridg. * 2- mit gr. Aorist NHUDYVVžDL) = gr. D>NUD²WR ‘ungemischt’, ved. Ä-¹îrta- ‘gemischt’. — Uridg. *t©h2- (Wurzel uridg. */2- ‘[er]tragen’ in gr. WHODPZYQ ‘Tragriemen’) = gr. dor. WOD²WRY (> att. WOKWRY) ‘erträglich’, lat. lâtus < *tlâtos ‘getragen’; uridg. *p©h2-nó- ‘flach, eben’ = lat. plânus (neben uridg. *p©h2-i- = heth. palŸi- ‘breit’), s.o. L 307 Abs. 2. 4f) Uridg. *μh3 = gr. rô; sonst analoge Resultate wie mit *h1 in 4d: — Uridg. *3-tó-/*stμh3-nó- ‘hingebreitet’ (zu vollstufigem uridg. * 3vgl. ved. stárî-man- ‘Ausbreitung’) = gr. VWUZWRY, lat. strâtus, ved.  E-, vgl. auch lit. stìrta ‘(Heu-)Haufen’. L 333. Die Dreiheit der Laryngale zeigt sich auch an der verschiedenen Fortsetzung von uridg. *#H· vor Konsonant im Griechischen. Der Locus classicus für diese Problematik: % H. Rix Anlautender Laryngal vor Liquida oder Nasalis sonans im Griechischen in MSS 27 1970 p. 79-110. Nach der sog. Lex Rix wird z.B. uridg. *#h 1 μ- vor Konsonant (= ved. °-) im Griech. zu HMU, uridg. #h 2 μ- (= ved. °-) zu DMU, uridg. *#h 3 μ- (= ved. °[bzw. av. r-]) zu RMU. Zu den Verhältnissen im Lat. s.u. Abs. 2. 1) Belege: — Uridg. *h1 μse- ‘kommen, gelangen’ = gr. H>UFHWDL, ved. μccháti ‘erreicht’, heth. arski-tsi ‘kommt an’. — Uridg. *h2 $-(r)ó- (neben -i-stämmigem [ursprünglich substantivischem]*h2 μœ-i-) ‘glänzend, blitzend, weiß’ = gr. DMUJRY neben DMUJLYSRX, ved. °jrá- neben PN ·jí-¹van- (wer den Namen ins Gr. übersetzen will, findet die hom. Wendung NXYQHDMUJRLY: % W. Schulze Kleine Schriften 1966 p. 124); heth. Ÿarki- ‘weiß’. Weiteres zum Nebeneinander der Suffixe -ro- / -i- s.u. W 206. — Uridg. *h2 μK- wohl auch in gr. D>UNWR = ved. ®kºa- ‘Bär’. Beweis ist eventuell heth. Ÿartka-, s.o. L 313 Abs. 2. Zu lat. ursus s. in Abs. 2. — Weitere Einzelheiten (auch mit Beispielen für andere Vertretungen wie uridg. *h2μ-, *h2 ©-, *h3μ- usw.): % H. Rix oben a.a.O. 2) Ob das Lat. etwas Vergleichbares wie das Gr. gekannt hat, wird diskutiert. Die Vertretung scheint wie im Gr. verlaufen zu sein. — Vgl. uridg. *#h2 K- mit Beispiel amb(i)- ‘um, herum’ < *h2 :-. — Vgl. uridg. *#h3 K-

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

mit den Beispielen umbilîcus ‘Nabel’ < *h3b£el- und unguis ‘Nagel’ < *h3 gý£-: % Diskussion bei Rix Termini der Unfreiheit 1994 p. 14ff.; ders. in Kratylos 41 1996 p. 155 mit Anm.3. — Ÿ Ein Gegenbeispiel ist lat. ursus < uridg. *h2 &-. Man würde konsequenterweise ein *arso- erwarten, s. Lamberterie Rez. 2002 p. 109 zu P. 123. Meine Frage dazu: Ist urso- gar nicht die lat. Form und stammt wie andere nichtstädtische Begriffe (vgl. oben lupoin L 304 Abs. 3) als Lehnwort aus der sabellischen (oskischsprachigen) Landschaft? — Wohl nicht zu dieser Problematik zu stellen ist ênsis ‘Schwert’ < *‘Messer’; es gehört mit ved. así- ‘Schlachtmesser’ zusammen und führt auf *s-i- ‘Messer’; pal. Ÿasira- ‘Dolch’ ist natürlich dann davon zu trennen; zur inhaltlichen Problematik: % B. Schlerath Metallgegenstände in vedischer Zeit in &URYQR, Beiträge zur prähistorischen Archäologie zwischen Nord- und Südosteuropa, Festschrift für B. Hänsel, hrsg. von C. Becker u.a. Espelkamp 1997, p. 823ff. Zur Vertretung im Toch.: O. Hackstein in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 220ff. L 334. Die Laryngale sind i.d.R. erst einzelsprachlich beseitigt worden. 1) Das Anatolische hält mit seinem Ÿ direkte Spuren von uridg. *h2 fest, vgl. u.a. Ÿant- ‘Gesicht’ oben in L 322 Abs. 2 und Ÿaster- ‘Stern’ oben in L 328 Abs. 2. Wieweit auch h3 durch Ÿ vertreten ist, wird diskutiert: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 72-74. 2) Bekannt sind ferner noch direkt faßbare Spuren im Indoiranischen: — Die zunächst auffällige metrische Messung von devÏ in der ved. Wortfolge RV I 40,3 devyètu i.e. deví # etu als  ‰ wird dann am leichtesten verständlich, wenn wir annehmen, daß devÏ ‘Göttin’ zum Zeitpunkt der Formulierung des betreffenden Verses noch die laryngalhafte Form *A@ besaß (mit *-íH < *-ih2 ). Beim Lautstand *-íH # V-war die Möglichkeit gegeben, daß der Laryngal im Sandhi vor Vokal (hier vor e- *-í.V-. Die parallel gebauten Stämmen auf *-aH (< *-2 ) zeigen dagegen im Ved. keine sicheren Hinweise auf eine Sandhivariante mit -Á aus *-Á.V- < *-a.HV- < *-aH#V-, s. Abs. 2. — Das soeben dargestellte Material stammt von F. B. J. Kuiper: % Sprache 7 1961 p. 14ff. (= Kuiper Selected Writings 1997 p. 359ff.). Ÿ Erhellend mit weiterem Material ist J. Gippert in FS Beekes 1997 p. 63-79, s. Lamberterie Rez. 2002 p. 109 zu P. 124. Vgl. ferner L 412 zu Perf. 1.Sg. -a (zur Zeit der Wirksamkeit des Brugmannschen Gesetzes hatte die Endung noch die laryngalhaltige Form *Ha ) und F 318 Abs. 6c zu ved. Nom.Sg. náuº (-áu- ist kein Langdiphthong, sondern lange Zeit konserviertes zweisilbiges -aü- < *-aHu-).

C. Zu den Konsonantensystemen

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3) Die uridg. Stämme auf *-ah2 - ( -â (vgl. gr. QXYPIK ‘junge Frau’ und aksl. ÿena ‘Frau’) im Gr. und Aksl. Vok.Sg.-Formen auf -Á (vgl. gr. QXYPID und aksl. ÿeno). — Eine Möglichkeit ist, die Differenzierung zwischen Nom. und Vok.Sg. auf sandhibedingte Doppelformen zurückzuführen. Man müßte dann annehmen, daß diese zu einem Zeitpunkt gängig waren, als die Stämme noch aus laryngalhaltigem *-ah2 bestanden und die Kontraktion *-ah2 - > *-â- noch nicht eingetreten war. Das in der Position -VH#K- stehende *-ah2 mit später lautgesetzlichem *-ah2 BJ- > -BJ- wäre dann nominativische Normalform geworden, das in der Position -VH#V- entstandene -Á mit regelrechtem *-Á.V< *-a.h2 V- Vokativ. ŸDie Existenz von solchen Sandhivarianten wird zweifelsfrei durch lat. vîgintî vs. gr. HL>NRVL erwiesen, s. Lamberterie Rez. 2002 p. 101 zu P. 124. Ein uridg. Ablaut mit vollstufigem *-2 - und schwundstufigem *-h2 - ist bei den *-eh2-Stämmen aber auch nicht ausgeschlossen:% I. Hajnal in Floreant Studia Mycenaea I 1995 [1999] p. 265-276 (zu eventuellen myk. Hinweisen). 4) Ein weiteres Beispiel für einzelsprachliche Individualität mit noch vorhandenem Laryngal liefert ein PPP wie uridg. *$1 -tó- ‘gezeugt, geboren’ (s.o. L 332 Abs. 4a), wo die einzelsprachlichen Realisierungen von uridg. * zuerst eintreten und erst danach uridg. *h1 beseitigt wird: Im Ved. bleibt der Laryngal bis zum Abschluß der kompletten Vokalisierung von * > Á erhalten und längt danach den entstandenen Kurzvokal zum Endresultat jâtá-. Im Fall des Gr. wird die gleiche Grundform über ein *gn°h1 -tó- > *gnêtó- (vgl. NDVLYJQKWR), im Lat. über dieselbe Zwischenstufe > (g)nâtus. Genauso kommt im Germ. über ein *œ°nh1 &- ein *kunHda- zustande, daraus mit Vereinfachung der Konsonantengruppe *-nHd- ein *nd-, vgl. got. airþa-kunds ‘von irdischer Abstammung’.

4. Die Okklusive L 335. Die vedische Sprache zeigt ein Viererbündel von Verschlußlauten (Okklusiven). Beispielsweise kennt sie im Bereich der Dentale die Phoneme t, th, d und dh. Die Umschrift einfacher Zeichen der indischen Schrift durch die Digraphe th, dh (u. dgl.) ist in der Indologie eingebürgert. Es handelt sich aber um einphonemige Werte, die sich von t, d nur durch das Merkmal [+ behaucht] unterscheiden. Umschriften wie t£, d£ oder t‘, d‘ wären also sachgemäßer.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

1) Dieses vedische Viererbündel war in der Gründerzeit der Indogermanistik das Modell für die uridg. Ansätze. Man rekonstruierte als uridg. Vorstufen der ved. Phoneme (hier ist der Einfachheit halber zunächst nur von den Dentalen die Rede) unveränderte *t, *t£, *d, *d£. 2) Für die Tenuis aspirata *t£ entfallen freilich mehrere Ansätze nach Annahme der laryngalistischen Erkenntnis, daß ved. th aus dem Kontakt von uridg. *t + *h2 entstanden sein kann, s.o. L 329 Abs. 1. — Hinweise auf echte uridg. Tenuis aspirata sind selten, vgl. eventuell uridg. *#1- mit gr. DMVNKTKY ‘unversehrt’ und got. skaþis n. ‘Schaden’, ferner uridg. * # - mit gr. NRYJFR und ved. ¹a®khá- m. ‘Muschel’. Die Existenz von uridg. Tenues aspiratae (wie *t£, *k£) ist nach wie vor umstritten und so wird in der weiteren Darstellung aus Gründen der Einfachheit nur noch von der Trias Tenuis, Media und Media aspirata ausgegangen. Ÿ Zu diesen nach vor unklaren Tenues aspiratae s. u.a. auch J. E. Rasmussen in New Sound of Indo-European 1989 p. 153ff. und vgl. Mottausch Rez. 2004 p. 47 mit Punkt 3. 3) Wegen des (weitgehenden) Ausfalls von Gleichungen für die Tenues aspiratae und aus anderen typologischen Gründen (u.a. wegen der Seltenheit von Gleichungen für uridg. *b: % W. Meid Das Problem von idg. /b/. Innsbruck 1989) sind Ersatzsysteme für die uridg. Okklusiv-Reihen vorgeschlagen worden, vgl. u.a. die von Th.V. Gamkrelidze und V.V. Ivanov in Gamkrelidze / Ivanov IE and IEs 1995 vertretene Glottaltheorie, die anstelle der traditionellen Trias mit Media (b, d, g), Media aspirata (b£, d£, g£) und Tenuis (p, t, k) eine solche mit glottalized (p’, t’, k’), voiced (bh/b, dh/d, gh/g) und voiceless (ph/p, th/t, kh/k) ansetzt. Neuere Stellungnahme aus der Feder von Th. V. Gamkrelidze: % A Relative Chronology of the Shifts of the Three Stop Series in Indo-European in FS Hamp I 1997 p. 67-82; ders. Neue Wege in der Indogermanistik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Graz 2000 p. 153-158. Die Reaktion der Fachwelt auf die Glottaltheorie ist geteilt: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 92 ff.; W. Cowgill in Kratylos 29 1984 [1985] p. 4-6 (berichtet über Beiträge von P. J. Hopper, G. Dunkel und Th. V. Gamkrelidze: „it looks to me as if a pre-IE system *t(h), *t’, *d(h) shifted ... to a highly unstable PIE system *t, *d, *dh, which everywhere was replaced before our earliest written documents by a more stable configuration“); Szemerényi Scripta Minora I 1987 (in einem Aufsatz von 1985) p. 400-410 und Szemerényi Einführung 1990 p. 159-162 (p. 160: „Die neue Interpretation hat schon ... eine beträchtliche Anhängerschaft gefunden ..., während die Ablehnung sich vorerst ziemlich kleinlaut gibt“; p. 160f.: „es wird vielleicht nützlich sein, auf einige bedenkliche Momente aufmerksam

C. Zu den Konsonantensystemen

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zu machen“); W. Meid Germanische oder indogermanische Lautverschiebung? in Althochdeutsch I 1987 p. 3-11, hier p. 11: „Die Erklärung eines Lehnwortes wie germ. *rîk- im Rahmen der ‘neuen’ Theorie stößt sich an so vielen Problemen, daß die Angemessenheit der Theorie dadurch ernsthaft in Frage gestellt wird“ (weiteres zu * rîk- s.o. in L 211 Abs. 8); New Sound of Indo-European 1989 (das gesamte Spektrum der Glottaltheorie wird in diesem Band p. 83ff. von verschiedenen Forschern breit diskutiert); J. Gippert Die Glottaltheorie und die Frage urindogermanisch-kaukasischer Sprachkontakte in Kolloquium Pedersen Kopenhagen 1993 [1994] p. 107-123; ders. in BNF 33 1998 p. 41-45 (p. 43 „schwere Bedenken“, p. 45 „derartige argumentatorische Schwächen“); M. Job Did Proto-IndoEuropean have Glottalized Stops? in Diachronica 12 1995 p. 237ff.; Lamberterie Arménien classique 1992 p. 251-255 (p. 255: „Le traitement du groupe *dw- (> arm. erk-) ... oblige en outre à partir d’une sonore *d, non d’une sourde glottalisée *t’“); Ch. de Lamberterie Latin pignus et la théorie glottalique in Aspects of Latin 1993 [1996] p. 135-151; F. Kammerzell in IF 104 1999 p. 234ff. Ÿ Kümmel Konsonantenwandel 2007 p. 299ff. Die Zweifel an der Berechtigung des Ansatzes von Glottalen für das Uridg. sind nicht ausgeräumt. Es wird deshalb in diesem Studienbuch auf eine weitere Berücksichtigung der Glottaltheorie in der Rekonstruktion verzichtet. 4) Neben den soeben vorgestellten Dentalen gibt es ferner Labiale (s.u. L 337f.) und Tektale (s.u. L 339ff.). Letztere bestehen aus den Reihen der Palatale, Velare und Labiovelare. Das uridg. Phoneminventar der Okklusive läßt sich mit H. Eichner in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1992 p. 65 folgendermaßen darstellen: b | d | œ | / g

p | t |  | / k / ký

/ gý

b£ | d£ | œ£ | / g£ / gý£

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

5. Die Dentale L 336. Einzelsprachliche Informationen: 1) Die uridg. Ansätze Tenuis *t, Media *d und Media aspirata *d£ sind ihrer Artikulationsart nach im Ved. nicht verändert. Im Falle der Dentale bleibt auch die Artikulationsstelle gleich (im Gegensatz zu uridg. * > ved. ¹ und uridg. *ký > ved. k, s.u. L 339 Abs. 2): — Vgl. uridg. *  ‘drei’ = ved. tráyas; uridg. *dé= ‘zehn’ = ved. dá¹a-; uridg. *d£uh2mó- ‘Rauch’ = ved. dhûmá-, uridg. * - ‘mittlerer’ = ved. mádhya-, uridg. *h1 - &- ‘rot’ ~ ved. rudh-irá-. 2) Im Griech. ändert sich nur die Artikulationsart der uridg. Mediae aspiratae. Sie verlieren bereits vormyk. das Merkmal [+ stimmhaft]. Für uridg. *d£ tritt also gr. t£ ein. Vgl. zu den Beispielen in Abs. 1 WUHL  und GHYND, aber TXPRY und HMUXTURY (bereits myk. als e-ru-ta-ra i.e.   ). Vgl. auch uridg. *médo- mit gr. PHYV(V)R, s.o. L 215 Abs. 2. 3) Für das Lat. läßt sich nur die Erhaltung von Tenuis und Media generell feststellen (vgl. três, decem). Die Fortsetzungen der Media aspirata müssen in jedem Fall gesondert genannt werden. So wird uridg. *d£ anlautend zu f- (vgl. fûmus), inlautend zu -d- (vgl. medius), unter Sonderbedingungen zu -b- (vgl. ruber und /î: ), u.a. nach -u- und in der Umgebung von -r-, was beides für *h1  &- zutrifft: % Leumann LLFL 1977 p. 163ff. Weiteres zu /î: oben in L 223 Abs. 1. 4) Für das Germ. läßt sich eine prinzipielle Regel aufstellen. Sie betrifft die Änderung jeder Artikulationsart (sog. Erste Lautverschiebung oder Grimmsches Gesetz): Die Tenuis wird zum stimmlosen Reibelaut (vgl. uridg. *  ‘drei’ vs. an. þrír ‘drei’), die Media zur Tenuis (vgl. uridg. *dé= ‘zehn’ vs. got. taihun ‘zehn’), die Media aspirata zum stimmhaften Reibelaut (vgl. uridg. *h1  &- ‘rot’ vs. an. rauðr ‘rot’). Ÿ Kümmel Konsonantenwandel 2007 p. 294ff. — Die durch diesen Vorgang entstandenen stimmlosen Reibelaute blieben jedoch, ebenso wie uridg. *s (s.o. L 308ff.) inlautend in stimmhafter Umgebung nur erhalten, wenn ihnen der uridg. Akzent unmittelbar vorausging, andernfalls wurden sie zu stimmhaften Reibelauten weiterentwickelt (sog. Vernersches Gesetz), s.u. L 421 Abs. 1 mit dem Weiteren. — Ÿ Zu den späteren Entwicklungen, speziell zur sog. Zweiten Lautverschiebung: % V. Harm in ZDL 2002 p. 58-68 und O. W. Robinson in Kratylos 48 2003 p. 223-227. Beide sichten kritisch die Monographie von Schwerdt 2. LV 2000.

C. Zu den Konsonantensystemen

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5) Im Heth. war die Opposition Tenuis : Media (Media und Media aspirata fallen zusammen) in der Sprache wohl erhalten, doch läßt die Schreibung durch Keilschriftzeichen mit Tenuis und Media nur in wenigen Fällen diesen Unterschied erkennen. Im vorliegenden Fall liegen also die gleichen t/d-Zeichen für uridg. *t (vgl. e-eš-du neben ved. ás-tu ‘er soll sein’), *d (vgl. e-it-mi ‘ich esse’, e-du-un ‘ich aß’ neben lat. edere) und uridg. *d£ vor (s.o. L 211 Abs. 7 zu túŸ-Ÿu-¾a-i-und ved. dhûmá-; ferner s.o. L 313 Abs. 3 zu uridg. *$om- = heth. te-e-kán, Lok.Sg. da-ga-an ‘Erde’). — Doch besteht eine Schreibregel (sog. Sturtevantsche Regel), die Tenuis vor allem zwischen Vokalen durch Doppelschreibung von der Media zu unterscheiden, vgl. ú-it-ti = lat. vet-us, s.o. L 217 Abs. 1. — Zu beachten sind ferner Lenitionsregeln: % H. Eichner in MSS 31 1973 p. 79-83 und p. 100 Anm. 56; Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 60f. (Tenuis wird nach akzentuiertem Langvokal bereits uranatol. leniert, vgl. uridg. *d£éh1  ‘stellt’ > uranatol. *dËdi = lyk. tadi). — Wichtig ist schließlich die sog. Assibilierung von t > ts (übliche Notation als z) vor i (vgl. 3.Sg. e-e¸-zi i.e. êstsi = ved. ásti ‘er ist’). Bei *2 (= ved. th) unterbleibt die Assibilierung vor i. Über heth. tst < uridg. *tt s.u. L 347 Abs. 1. 6) Im Balt. und Slav. ist die Tenuis bewahrt (also uridg. *t als t), Media und Media aspirata sind dagegen in der Media zusammengefallen (uridg. *d und uridg. *d£ > d). Vgl. lit. trÎs, aksl.  LM ‘drei’; lit. dešimtìs, aksl.  logudoresisch [Sardinien] kentu, aber italien. cento, franz. cent usw.), unterliegen satemsprachliche k-Phoneme sekundären Palatalisationen vor Vorderzungenvokalen. Zu beachten ist, daß auch im Indoiranischen ursprüngliches *È die Palatalisierung ihm vorangehender k-Phoneme bewirkt hat. Uridg. *È ist erst nach diesem Prozeß zu À geworden, s.o. L 206 Abs. 2. Parallel zum Stichwort centum wirkt hier jav. satm ‘hundert’ namengebend (meist vereinfachend satem geschrieben). 4) Die Beurteilung der idg. Sprachen als Kentum- oder Satemsprachen wurde in der älteren Forschung zu stark betont. Die Ausgestaltung als Kentum- oder Satemsprache kann aber bei der Frage der Ausgliederung der idg. Sprachen keine entscheidende Rolle gespielt haben, vgl. das kentumsprachliche Gr. und das satemsprachliche Arm.: Beide müssen trotz dieser Differenz als einander sehr nahestehend betrachtet werden, s.o. E 435 Abs. 1. Forschungsüberblick: % J. Tischler Hundert Jahre kentum-satem Theorie in IF 95 1990 p. 63-98. Vgl. speziell p. 94: „Die Kentum-Satem Isoglosse ist nicht mit einer Spaltung der Indogermania gleichzusetzen, sondern stellt nur eine Isoglosse unter vielen dar ... Formen für ‘kentumhaftes Verhalten’ in Satemsprachen bzw. für ‘satemhaftes Verhalten’ in Kentumsprachen können als Relikte des ursprünglich dreireihigen Verschlußlautsystems gewertet werden, das ansonst überall auf zwei Reihen reduziert wurde.“ Vgl. ferner G. van Driem und S. R. Sharmâ, In Search of Kentum Indo-Europeans in the Himalayas in IF 101 1996 p. 107-146. Ÿ ausführlich jetzt zu allen Problemen Lipp Palatale 2009.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

L 340. Gleichungen: 1) für uridg. *: — Uridg. *erd- / *d- ‘Herz’, uridg. *-n- ‘Horn’, uridg. *(d)=tó- ‘hundert’, uridg. *de=to- ‘der zehnte’, s.o. L 307 Abs. 1 und 3. — Uridg. *le¾- ‘hören’ mit Ptz. uridg. *lu-tó- ‘berühmt’ = lat. inclutus, gr. NOXWRY ‘berühmt’, urgerm. *Ì/N - (vgl. den fränk. Königsnamen Chlodo-meris u.a.) gegenüber ved. ¹rutá- ‘gehört, genannt, berühmt’, lit. šlóvinti ‘preisen, rühmen’, aksl. sluti ‘heißen’. — Uridg. *on- / *un‘Hund’ = gr. NXYZQ, Gen.Sg. NXQRY, got. hun-d-s ‘Hund’ gegenüber ved. ¹vÄ, Gen.Sg. ¹únas, lit. šuõ, Gen.Sg. šuñs (alt šunès) ‘Hund’ (zu diesem Wort s. auch oben L 218 Abs. 2). — Zu uridg. *e- ‘liegen’ (dazu gehört auch uridg. *é-¾o- ‘lieb, vertraut’, substantiviert ‘Heimstätte’) vgl. lat. cîvis (altlat. ceivis ‘Bürger’: der -i-Stamm ist auffällig; vielleicht ist er aus einem KP wie vorlat. *kon-kei- ‘der die gleiche Heimat hat’ erwachsen, vgl. den Typ biennis ‘zweijährig’ < *d¾i-anni- mit -anni- für -anno-: % Rix Termini der Unfreiheit 1994 p. 78 mit Anm. 89), gr. NHL PDL ‘liege’, heth. ki-it-ta(-ri) ‘liegt’, got. heiwa-frauja ‘Hausherr’ gegenüber ved. ¹áye ‘liegt’, ¹éva- ‘lieb, vertraut’, ¹ivá- ‘gütig, freundlich’ (vgl. auch den Götternamen »iva), vgl. lit. šeimà ‘Familie’, russ. LM ‘Familie’. 2) für uridg. *k: — Zu uridg. *# 2 - / *# 2- ‘roh, blutig, rohes Fleisch’ vgl. lat. cruor m. ‘rohes Blut’, gr. NUXHURY ‘grausig’, NUHYD n. ‘Fleisch’, ahd. hrô ‘roh’, ved. kravíº- n. ‘rohes Fleisch’, krûrá- ‘blutig, roh’, lit. # ujas m. ‘Blut’, aksl. # 9+L f. ‘Blut’ (vgl. zu dieser Sippe auch unten W 206 Abs. 5). — Uridg. */#- ‘leuchten’ mit uridg. */ ¾k-ó- ‘Lichtung’ (s.o. L 223 Abs. 2), vgl. ved. lok-á-; mit sekundärer Palatalisierung ved. róc-ate ‘leuchtet’ (< */#-e-), rúci- f. ‘Licht’, russ. lu’™ m. ‘Strahl’. L 341. Die palatale und die velare Media uridg. *œ und *g sind gemäß L 339 Abs. 2 in den sog. Kentumsprachen zusammengefallen: lat., gr., heth. g, germ. k. Die sog. Satemsprachen entwickeln uridg. *œ zu ved. j (= av. z), lit. ÿ, aksl. z. Uridg. g bleibt g. Es unterliegt allenfalls sekundären Palatalisierungen. 1) Gleichungen für uridg. *œ: — Uridg. *$3 - /*$3- ‘erkennen’ mit Ptz. uridg. *$3 -tó- (s.o. L 332 Abs. 4c), vgl. lat. (g)nô-scô, gr. JL-JQZY-VNZ, ahd. kun-d ‘bekannt’; satemsprachlich ved. (*°ta-)jñÄ- ‘das ¯ta kennend’, lit. ÿén-klas m. ‘Zeichen’ (mit -én- < *-3 -), aksl. zna-ti ‘erkennen’. — Uridg. *œónu- / *œénu- / *œnu- ‘Knie’, vgl. lat. genû-, gr. JRYQX, heth. ge-e-nu, got. kniu ‘Knie’ gegenüber ved. jÄnu n. ‘Knie’, jav. zânu(-drâjah-) ‘Knie(länge herzeigend)’. Weiteres zu diesem Wort: % Mayrhofer EWAia I p. 584f.

C. Zu den Konsonantensystemen

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2) Gleichungen für uridg. *g: — Uridg. *h2 - bzw. *h2 - / *h2 ‘vermehren, wachsen’, vgl. lat. augêre (% LIV 1998 p. 245 mit Anm. 3). Das in Satemsprachen erhaltene -g- (vgl. u.a. ved. ug-rá- ‘kräftig’) unterliegt vor folgendem (ursprünglichem) Vorderzungenvokal sekundären Palatalisierungen. Gut sichtbar ist dies im Wechsel von (velarem) -g- und (palatalisiertem) -j- als Widerspiegelung des qualitativen Ablauts (s.u. L 412) in aav. Akk.Sg. aogô ‘die Kraft’ (< uridg. *h2  ) gegenüber Instr.Sg. aoja¯h-â ‘durch Kraft’ (< uridg. *h2 -). In ved. ójas- n. ‘Kraft’ ist die palatalisierte Form (sie entspricht aav. aoja¯h-) analogisch durchgeführt worden. Uridg. velares *g mit sekundärer Palatalisation (= ved. und av. j) ist von uridg. palatalem *œ (= ved. j, aber av. z) vom Ir. aus deutlich unterscheidbar. — Uridg. *ugó- n. ‘Joch’ (s.o. L 213 Abs. 1) mit verbalem *- ‘anschirren’, vgl. lat. iungere ‘verbinden’, gr. ]HXYJQX²PL‘schirre an’ neben ved. yóga- m. ‘Anschirrung’ (mit palatalisiertem -j- dagegen yój-ana- n. ‘Gespann’ und aav. yaoj-â ‘ich will anschirren’), lit. jùngiu ‘ich spanne ins Joch’, aksl. igo n. ‘Joch’. L 342. Die palatale und die velare Media aspirata uridg. *œ£ und *g£ lassen in den Kentumsprachen wieder nur einen Fortsetzer erwarten. Dieser ist im Griech. die Tenuis aspirata k£ , im Heth. g (Notation als k oder g), im Germ. *g. Das Lat. setzt *g£ intervokalisch und im Anlaut vor Vokal als h, vor und nach Konsonant als g fort: % Sommer / Pfister Lautlehre 1977 p. 141 (unten). — Satemsprachlich: Im Ved. wird uridg. *œ£ durch h (av. z) fortgesetzt, uridg. *g£ als gh (sekundär palatalisiert h [av. j]). Im Balt. und Slav. sind die Resultate von uridg. *œ£ und uridg. *g£ mit denen von uridg. *œ und uridg. *g identisch: lit. ÿ, aksl. z bzw. lit., aksl. g. 1) Gleichungen für uridg. *œ£: — Uridg. *$- / *œ£im- (z.T. *$-) ‘Winter’, vgl. lat. hiems f., gr. FHLPZYQ m. ‘Winter’, heth. gi-im-ma-an-t- i.e. gemmant- ‘Winterzeit’, satemsprachlich ved. himá- m. ‘Kälte’ (av. ziiam‘Winter’; vgl. den ai. Gebirgsnamen Himâlaya-), lit. ÿiemà, aksl. zima f. ‘Winter’. — Uridg. *h2$- bzw. *h2 anœ£- ‘zuschnüren, einengen’ (älter *h2 $-: % LIV 1998 p. 236 mit Anm. 1), vgl. lat. angor (älter *angôs) m. ‘Beklemmung’, angustus ‘eng’, gr. D>JFZ ‘erdroßle’, nhd. eng; satemsprachlich ved. á«has- n. ‘Angst’ (av. 4zah- n. ‘Bedrängnis’), aksl. ‚ozškš ‘eng’. 2) Gleichungen für uridg. *g£: — Uridg. *- ‘schreiten’, vgl. gr. VWHLYFZ ‘schreite’, got. steigan ‘steigen’; satemsprachlich ved. pra-stigh-nuyât ‘er möge emporsteigen’, lit.  ‘sich beeilen’, aksl. po-stig-n‚o ‘ich erreiche, treffe’. — Uridg. *g£osti- ‘Fremder’ = lat. hostis m.f. ‘Fremdling’ (später ‘Kriegsfeind’), got. gasts m. ‘Fremder’, ahd. gast m. ‘Fremdling, Gast’; aksl. gost™ m. ‘Gastfreund’. Vgl. dazu oben L 211 Abs. 4. — Uridg. *g£lad£-

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

‘glatt’, vgl. lat. glaber ‘glatt, unbehaart’, nhd. glatt; lit. glodnùs, glodùs, glõdnas ‘glatt anliegend’, aksl. / 9#9 ‘glatt, eben’. Zum Problem von uridg. a s.o. L 211 Abs. 5. — Uridg. *(h3)- ‘Wolke, Nebel’, vgl. gr. RMPLYFOK f. ‘Nebel’, ved. meghá- m. ‘Wolke’, míh- f. ‘Nebel, Dunst’, lit. miglà, aksl. L/ f. ‘Nebel’. Davon zu trennen ist vermutlich verbales *h3$- ‘harnen’ (mit palatalem *œ£): % Mayrhofer EWAia II p. 381; LIV 1998 p. 268. Zu dazu gehörigem gr. RMPHLYFZ vs. PRLFRY s.o. L 330. L 343. Labiovelare haben gegenüber den Velaren das zusätzliche Merkmal der Lippenrundung. Sie sind einphonemige Werte. Labiovelare kommen in vielen Sprachen der Erde vor. Die in der Indogermanistik übliche Notation ist k¾ (seltener q¾, ký oder qý), g¾ usw. Hier wird ký, gý usw. bevorzugt, weil bei der Schreibung von k¾ die Gefahr der Verwechslung mit k¾ besteht: % B. Forssman in Kratylos 33 1988 p. 61 Anm. 30. In diesem Paragraphen werden aus Gründen der Vereinfachung i.d.R. nur Beispiele für die labiovelaren Tenues genannt. Die labiovelaren Media und Media aspirata kommen gesondert zur Sprache, s.u. L 344ff. 1) Die idg. Folgesprachen gestatten es, die Labiovelare mit Sicherheit für die idg. Grundsprache zu rekonstruieren. Im Zahlwort für ‘vier’ zeigt z.B. das Lat. direkt , vgl. quattuor. Im Griechischen wechselt bei ‘vier’ der Anlaut innerhalb der Dialekte: ion. WHYVVDUH, att. WHYWWDUH, aber lesb. (bei der Dichterin Balbilla und bei Hesych) SHYV V XUH, böot. SHYWWDUH ‘vier’ u.a. Daraus hat man bereits früh den Schluß gezogen, daß der Wechsel W- : S- auf einem älteren, dem Lat. vergleichbaren *ký- basieren muß (mit sekundärer Entwicklung von ký vor dunklem Vokal zum Labialen und vor hellem Vokal zum Dentalen, s.u. Abs. 4). Nun zeigt das Myk. durch qe-to-ro- i.e. kýetro- ‘vier’, daß dieser ältere Lautstand damals tatsächlich gegolten hat und daß die Beseitigung von ký erst nachmyk. eingetreten ist. — Eine andere Gleichung mit lat. qu- ist der Interrogativstamm quo-d ‘was?’, gr. SRY-ÁHQ ‘woher?’. — Das Germ. zeigt die labiovelare Tenuis regelgerecht zum entsprechenden stimmlosen Reibelaut verschoben, vgl. got. ¢a-s ‘wer?’ mit i.e. hý. Ÿ Zu urgerm. *¾ulfa- s.o. L 307 Abs. 2. — Vgl. ferner lat. qui-s, gr. WLY, heth. k¾i- , got. ¢i- (s.o L 211 Abs. 1). S. auch oben E 506 mit Abs. 3 und 4 zu uridg. *(h1 )éo-. 2) Während die Kentumsprachen die Labiovelare (lat. , myk. kw, heth. k¾, got. usw.) oder deren Fortsetzung (gr. p/ t, umbr. p [petur- ‘vier’] u.a.m.) zeigen, ist es ein weiteres Charakteristikum der sog. Satemsprachen (neben der Sonderentwicklung der Palatale zu Sibilanten, s.o. L 339 Abs. 3), daß sie das labiale Merkmal der Labiovelare tilgen. Dadurch sind die

C. Zu den Konsonantensystemen

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satemsprachlichen Labiovelare i.d.R. mit den Velaren zusammengefallen. Dem uridg. *ký-Anlaut von *kýet - ‘vier’, *kýo- ‘wer?’ entsprechen k-Anlaute (lit. keturì ‘vier’, kàs ‘wer?’, ved. kás, aksl. #9 ‘wer?’) oder deren einzelsprachlich palatalisierte Entsprechungen (ved. ) +  ‘vier’ [ *kt- in jav. â-xt-ûirîm ‘viermal’], aksl. ’etyre ‘vier’). 3) In wenigen Fällen scheint der satemsprachlich geforderte Zusammenfall von Velaren und Labiovelaren nicht stattgefunden zu haben. Dies ist insofern von Bedeutung, als damit die gleichzeitige Existenz der drei Tektalreihen bewiesen ist, s.o. L 339 Abs. 1 zum Luwischen. Andere Beispiele sind aber umstritten. So soll die verschiedenartige Vokalisierung von uridg. *-μH(V)- im Ved. noch darauf hinweisen, daß das g- in gir-ás ‘des Preisliedes’ auf velares uridg. *gμH-és (vgl. gr. JK UX ‘Stimme’) zurückgeht, das g- in ved. gur-ú- ‘schwer’ aber auf uridg. labiovelares *gýμH-ú- (vgl. gr. EDUXY). Diese verschiedenartige Vokalisierung ist aber nicht als Beweis der lautlichen Verschiedenheit deutbar: Auch die Wurzel gir- besaß wohl doch einen Labiovelar und muß uridg. als * @- (vgl. lat. grâ-t- in Nom.Pl. grâtês, osk. brâ-t- in Gen.Sg. brateis) angesetzt werden: % Mayrhofer EWAia I p. 469 (mit Korrektur zu Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 104f.); H. Rix in FS Narten 2000 p. 216ff. 4) In den meisten Dialekten des Gr. wird uridg. *ký vor Ò, vor À und vor Konsonanten als Labial durch p, vor È und vor Ì als Dental durch t vertreten, neben Ù und neben ¾ durch Verlust des labialen Merkmals als Tektal k. Im Äol. findet sich p auch vor Vorderzungenvokalen. Beispiele: — Vgl. uridg. *pénk¾ ‘fünf’ mit ion.-att. SHYQ-W-H, aber SHYP-S-WR, SHP-S-DY, äol. SHYP-S-H. — Uridg. */D# - ‘Wolf’ (neben uridg. *¾©kýo- mit ved. v¶ka-, s.o. L 304 Abs. 3) > gr. OXYNR mit k < ký). — Uridg. *-# /1ó- ‘Hirt’ (Wurzel uridg. *#/1- ‘eine Drehung machen, sich umdrehen, sich um-, zuwenden’: % LIV 1998 p. 345-347) in DLMSRYOR (*a.kýólo- < *a.kýoló- [zum hier typisch gr. Rückzug des Akzents s.u. L 420 Abs. 3] < *a.kkýoló- < * #-kýoló- < *ag-kýoló-: % K. Strunk in FS Szemerényi *75 II 1992 p. 77-83) ‘(Ziegen-)Hirt’ (nach Vorderglied * - ‘Rind’ bereits myk. qo-u-ko-ro i.e. gýo¾kolos ‘Rinderhirt’ mit Dissimilation von -¾k- < -¾ký-). — Ausführlicher zu den gr. Labiovelaren: % Lejeune Phonétique 1972 § 26. L 344. Vielfach analog zur Entwicklung von uridg. *ký (s.o. L 343) verlief die von uridg. *gý: myk. gý , gr. , , ; heth. gý (notiert als ku), urgerm. *ký (got. q). Im Lat. ist *gý- () nur nach Nasal be-

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

wahrt, in anderen Positionen ist es zu ¾ geworden. Die Satemsprachen zeigen entlabialisiertes g oder dessen Fortsetzer. Beispiele: — Uridg. *negý- / *nogý- ‘nackt’ mit heth. ne-ku-ma-an-za, got. naqaþs, ved. nagná-, lit. núogas, aksl. nagš ‘nackt’. — Uridg. *gý-en‘Geschwulst’ mit lat. inguen n. ‘Geschwulst in der Schamgegend, Schamteile’, gr. DMGKYQ f. m. ‘Drüse’. — Uridg. *3-¾ó- ‘lebendig’ = lat. vîvus, got. qiwans Akk.Pl. ‘die Lebendigen’, lit. gývas ‘lebendig’; ferner ved. jîvá-, altpers. jîva- und aksl. ÿivš ‘lebendig’ (alle drei mit Palatalisierung von *g- < *gý- vor -Ì-). — Komplexer ist gr. ELYR m. ‘Leben’, wo eigentlich vor hellem Vokal ein *díos zu erwarten ist: % Lejeune Phonétique 1972 § 37. — Bei X--JLKY ‘gesund, unversehrt’ zeigt sich die Dissimilation *-u-gýi- > -u-gi- < uridg. *h2u-3-Ës i.S.v. ‘kräftiges, langes Leben habend’. Statt des traditionell imVG vermuteten *h1- ‘gut’ ist *h2u- (weiteres zum nominalen *h2óu/ *h2u- / *h2u- ‘Lebenskraft, Lebensdauer’ s.u. F 317 Abs. 8) im Vorderglied der bessere Vorschlag: % M. Weiss in MSS 55 1994 p. 150f. (der Autor behandelt die gesamte Problematik und zeigt, daß bereits de Saussure diese Lösung als eine von drei Möglichkeiten erwogen hat). L 345. Auch die Fortsetzung der labiovelaren Media aspirata uridg. * läßt sich vielfach voraussagen. Während myk. noch ký£ zu postulieren ist, erwarten wir dafür in späterer Zeit Tenuis aspirata mit positionsbedingter Verteilung: (vor È), (vor Ò, À und vor Konsonant), (neben Ù). Im Hethitischen ist gý (), im Germ. *gý zu erwarten. Das Lat. bietet -gý- nach Nasal, anlautend f-, sonst ¾ . Das Ved. zeigt entlabialisiertes gh (oder dessen Palatalisierung zu h = av. j). Balt. und Slav. haben g, mit Verlust der Labialisierung und der Aspiration. 1) Gleichungen für uridg. *gý£: — Uridg. *gý£en- ‘schlagen’ (% LIV 1998 p. 194f.) mit den Ablautstufen * - und *- in gr. ÁHLYQZ ‘schlage’, Futurum ÁHQ-Z , Nom.act. IRYQR m. ‘Totschlag’, Aorist SH-IQ-HL Q, Perf.Pass. SHY-ID-WDL; heth. ku-en-zi i.e. #-tsi ‘tötet’; ved. hánti ‘schlägt, tötet’ (= av. jaiE) < *j£án-ti < *j£én-ti < *g£én-ti < uridg. *gý£én-ti, dagegen ghn-ánti ‘sie schlagen’ direkt SL-EG-D f. i.S.v. ‘dem Fest (* auf dem Fuß) folgender Tag’. Der gr. Terminus ist ev. aber nur vordergründig eine direkte Bildung mit -bd- und basiert genaugenommen auf dem -a- Femininum *epi-bd-O. Anzunehmen wäre dann eine lautliche Sonderentwicklung von *-bd- > -bd-: % Schwyzer Gr. Gr. I 1939 p. 475 und Frisk GEW s.v. — Die schwundstufige Wurzelform uridg. *nigý- ‘waschen’ (ved. nir-°ij-âná- ‘der reingewaschen wird’, gr. QLY]Z ‘wasche [mich]’ < *nigý-, altir. nigim ‘wasche’) tritt mit dem Suffix *-tó- zu *niký-tó- ‘gewaschen’ zusammen: ved. niktá- ‘gewaschen’, gr. D>QLSWR ‘ungewaschen’, altir. necht ‘rein’.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

L 347. Sonderregelungen: 1) Die erste betrifft die (z.T. als Folge der Assimilationsregel zustandegekommene) Abfolge von Dentalen, uridg. *-t-t- bzw. uridg. *-d-d(£)-. Sie ist wichtig angesichts mehrerer dentalanlautender Bildungsmorpheme (wie *-to-, *-ti-, *-tor-) und Endungen (wie der Primärendung der 3.Sg. *-ti, der Ipt.-Endungen *-d£i, *-tu). In die Folge *-t-t-, *-d-d(£)- wurde schon in uridg. Zeit durch kurzzeitige Öffnung des Verschlusses ein *-s- eingeschoben. — Beispiel: — Uridg. *sed- ‘sitzen’, uridg. *h1 - ‘essen’ ergaben mit -t-Morphemen *s(e)t-s-t- und *h1 (e)t-s-t-. Im Heth. ist *-tst- noch erhalten, vgl. e-ez-du i.e. etstu ‘er soll essen’. Die Lautfolge -tst- wurde im Gr., Balt., Slav. und Iran. zu -st-, im Lat. , Germ. und Kelt. zu -ss- vereinfacht, vgl. lit. s—sti, aksl. – ‘sitzen’, av. aiE i-šasta ‘aufzusitzen’, lat. sessiô f. ‘Sitzen’, an. sess m. ‘Sitz, Ruderbank’, lit. —sti ‘fressen’. — Im Indoar. ist -s- in *-tstwieder ausgestoßen worden, auch im Falle von altem *s, vgl. ud- + sthâ- > *utsthâ-> ut-thâ- ‘aufstehen’). Daher gilt uridg. * d-2  ‘du weißt’ > * 2 a = gr. RL?VÁD aav. vôistâ, aber ved. vét-tha. — Vgl. auch aus *-d-d£- entstandenes *-dsd£- (phonet. *[-dzd£-]) im iir. Ipt. *da-d-dhí ‘gib!’ > *dadzdhí > jav. dazdi. Entsprechend dem ved. véttha würde man von *dadzdhi aus ein ved. *daddhi erwarten. Statt dessen findet sich *dazdhi (mit Resultat dehí ‘gib!’; zu -e- drugdhá- ‘betrügerisch, schädigend’. Dieses 1882 von Christian Bartholomae dargelegte Gesetz ist mit Sicherheit indoiranisch, da es im Aav. noch widergespiegelt wird (vgl. * - ‘sagen’ + Endung der 3.Sg.Medium -ta > *  , aav.  ‘sagte’); aber schon im Jav. ist Bartholomaes Gesetz unter Ausnahme von einigen Erbstücken (vgl. jav. ubdaêna- ‘aus Gewebtem bestehend’: *ubda< *ubd£a- < *ub£-tá- zu uridg. *¾eb£- ‘weben’) durch analogische Wiederherstellung der Morpheme getilgt (vgl. jav. aux-ta ‘sagte’ gegenüber obigem aav. ; vgl. jav. -druxta-, altpers. duruxta- ‘erlogen’

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gegenüber ved. drugdhá-). — Wieweit dem Gesetz bereits uridg. Alter zukommt, ist schwer abzuschätzen. Zeugnisse außerhalb des Iir. sind selten, sie können aber doch als positiv gelten. So kann das uridg. Nebeneinander von Suffixen wie z.B. *-tlo- (in ahd. sta-dal ‘Stadel’ < urgerm. *sta-þla-) und *-d£lo- (vgl. lat. sta-bulum ‘Standort, Stall’ mit -bul- < -bl< *-d£l- oder gr. FXYWORQ ‘Gießgefäß’, dissimiliert aus älterem *k£u-t£lobzw. vorurgr. *g£u-d£lo-) dadurch erklärt werden, daß Suffixe der letzteren Art aus sog. Bartholomae-Kontexten erwachsen sind, dabei lautlich *-d£lo- < *-dd£lo- (zur Vereinfachung von *-B/- > *-B/- s.u. L 407) < *-d£-tlo-: mit anderen Worten kann *-d£lo- als ein Suffix erklärt werden, das zunächst als -tlo-Ableitung zu Wurzeln mit auslautendem d£ entstanden ist und dann auch anderweitig Verwendung gefunden hat. Lit. und Diskussion: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 115ff.; H. Scharfe Bartholomae’s Law Revisited or how the ·gveda is dialectally divided in Studien zur Indologie und Iranistik 20 1996 p. 351-377. L 348. Eine Dissimilationsregel, die mit dem Namen des Mathematikers, Veda-Forschers und Sprachwissenschaftlers Hermann Grassmann (1809 1877) verbunden wird, gilt für das Vedische und Griechische. Sie ist in diesen beiden Sprachen unabhängig voneinander durchgeführt worden, als ein Dissimilationsprozeß, wie er ähnlich auch außerhalb der idg. Sprachfamilie nachgewiesen werden kann. Die Versuche, einen ererbten Zusammenhang zwischen der ved. und der gr. Ausprägung von Grassmanns Gesetz herzustellen, überzeugen nicht: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 113ff. 1) Zum ved. Material: Das sog. Grassmannsche Gesetz besagt, daß bei einer mittelbaren Aufeinanderfolge zweier aspirierter Verschlußlaute (bzw. -h-) der erste die Behauchung verliert. — Nach dem Muster von ved. dá-dâ-mi ‘ich gebe’ (Wurzel dâ- ‘geben’) ist zu ved. dhâ- ‘setzen, hinstellen’ zunächst ein Präs.St. *dhá-dhâ-mi zu erwarten. Das Resultat ist jedoch ved. dádhâmi ‘ich setze’. Daß *dha-dh- die Eingabe war, zeigt die 2.Sg. Medium dhátse: hier hat -dh- vor -s- Aspiration und Stimmton verloren (*-dhs- > -ts-); das anlautende dh- konnte die Behauchung behalten, da ihm keine Aspirata mittelbar nachfolgte. — Vgl. das aus der Wurzel *dhrugh- ‘trügen, schädigen’ gebildete Wurzelnomen mit Nom.Sg. dhrúk ‘schädigend’ (mit auslautendem *-g£s > -k[º]), aber Gen.Sg. druh-ás (< *drugh-ás bzw. *dhrugh-ás). — Vgl. ferner reguläres ved. budh- ‘erwachen’ (< *bhudh-), aber Aor.1.Sg. ábhut-s-i.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

2) Eine gleichartige Regel betrifft das Griechische. Sie wirkt dort bei den erst innergr. aus den Mediae aspiratae entstandenen Tenues aspiratae (s.o. L 336 Abs. 2), was einen ursächlichen Zusammenhang mit den ved. Prozessen ausschließt. So ist nach dem Muster von GLY-GZ-PL ‘ich gebe’ bei uridg. *d1 ein *d£íd1 mi zu erwarten. Das gr. WLYTKPLzeigt, das das grundsprachliche *d£íd1 mi in einem ersten Schritt unbehelligt zu *t£it£êmi geworden ist und erst danach der Hauchdissimilation unterlag. Ein voreinzelsprachlich dissimiliertes *did£êmi hätte im Gr. ein *dit£êmi ergeben müssen. — Uridg. *:$ú‘reichlich’ > ved. *: D- und gr. *p£ak£ú-, danach mit einzelsprachlicher Dissimilationsregel ved. *baghú- bzw. bahú- und gr. pakhú- (SDFXY). — ‘Haar’ hatte den gr. Stamm *t£rik£-. Im Nom.Sg. *t£rík£-s verlor -k£- vor -s die Behauchung, das auf diese Weise entstandene  A#-s (ÁULY[) behielt t£-. Im Gen.Sg. *t£rik£-ós entstand dagegen trik£ós (WULFRY) wegen des mittelbar folgenden -k£- . — Grassmanns Gesetz betrifft auch die mittelbare Folge von gr. h- (meist < uridg. *s-) und Aspirata, vgl. den Präs.St.*hék£ô (< uridg. *seœ£-) > ek£ô FZ> gegenüber Fut. héksô , s.o. L 310. 3) Nur Grassmanns Gesetz läßt die Anlautverschiedenheit von lat. fingere ‘kneten, bilden’ vs. got. daigs vs. nhd. Teig vs. gr. WHL FR n. ‘Mauer’ vs. ved. dehÏ- f. ‘Damm, Wall’ verstehen. Ausgangspunkt ist uridg. *$- (mit nasalinfigierendem Präs.St. *d£inœ£-e-): lat. ohne Grassmann(s Gesetz) *d£inœ£-e- > *þinÌe- > finge-, urgr. zunächst ohne Grassmann *d£eg£- > *#-, darauf aber mit Grassmann > tek£; ved. mit Grassmann * M- > * M- > deh-. Grassmanns Nachweis aus dem Jahre 1862 half seinerzeit, eine scheinbare Unstimmigkeit der Germanischen Lautverschiebung zu beseitigen: % Szemerényi Einführung 1990 p. 20. Ein gutes Beispiel liefert uridg. *b£end£- ‘binden’: Daß dem ved. bandh- ‘binden’ ein got. bindan und nicht ein *pindan entspricht, erklärt sich daraus, daß die uridg. Grundform das noch nicht dissimilierte *b£end£- ist und nicht (wie man zunächst dachte) ein dissimiliertes *:-. Von uridg. *b£end£- aus ist urgerm. *benddirekt verständlich. — Im Ved. aber ergibt *bhandh- ein dissimiliertes bandh-. Der Anlaut des Fut. bhantsyati blieb dagegen unberührt, weil die Lautgruppe *-dh-sya- der Ausgangsform *bhandh-sya- durch Assimilation von *-dhsya- > *-thsya- und durch Ausdrängung der Aspiration in der Gruppe *-ths- sofort in aspirationslosem -ts- resultierte. — Im Gr. läuft die Entwicklung von *b£end£- über *p- zu -, vgl. SHQÁ-HURY ‘Schwiegervater’ (diese Verwandtschaftsbezeichnung gehört über das Bild der verwandtschaftlichen ‘Anbindung’ zu ‘binden’, vgl. genauso ved. bándhu- ‘Verwandter’).

D. Zu den größeren lautlichen Einheiten

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D. Zu den größeren lautlichen Einheiten 1. Wort, Satz, Text L 400. Zum Wort: Das Wort ist zwar das wichtigste Element einer Sprache, s.u. W 100. Es steht selbst aber im größeren Zusammenhang von Satz und Text und bekommt erst von dort her seine Legitimation und Definition. „Es muß die Einheit ‘Wort’ geben, damit sich an ihr die Signale der Satzhierarchie oder Satzperspektive ... realisieren“: % Hj. Seiler in Seiler Sprache und Sprachen 1977 (in einem Beitrag von 1962) p. 39; vgl. ders. On defining the word a.a.O. (in einem Beitrag von 1964) p. 70-73. Die Definitionen dessen, was Wörter eigentlich sind, sind aber noch vielschichtiger: % Bussmann Lexikon d. Sprachw. 1990 p. 849f. s.v. ‘Wort’. Interessant sind in diesem Zusammenhang ferner die folgenden Beiträge: % A. Morpurgo Davies Folk-linguistics and the Greek word in FS Hoenigswald 1987 p. 263-280 (u.a. zu den Worttrennern im Myk. [„mainly determined by accentual criteria“] und zu den literarischen und grammatischen Stellungnahmen); LALIES 10 1992 mit verschiedenen Beiträgen zum Thema ‘Le mot’ (vgl. unter anderem J. Lallot Le mot dans la tradition prégrammaticale et grammaticale en Grèce; M.-J. ReichlerBéguelin Perception du mot graphique dans quelques systèmes syllabiques et alphabétiques; G.-J. Pinault Le mot et l’analyse morphologique selon la grammaire indienne). L 401. Zum Satz: Hier sind nur ein paar Verweise zu machen: Zur Ebene des Satzes und zu den Rekonstruktionsmöglichkeiten der Syntax s.u. S 102; zum Satzakzent und zur Satzanfangsstellung s.u. S 209; ferner s.u. F 214. L 402. Zum Text: Zur Ebene des Textes und zu seiner Syntax s.u. S 200. Über den Text hinaus weist R. Barthes. Er betont mit Recht, daß neben der zentralen Satzsyntax die Ebene des discours ihre eigene Syntax hat: „le discours lui-même (comme ensemble de phrases) est organisé ... le discours a ses unités, ses règles, sa ‘grammaire’ ... Cette linguistique du discours, elle a eu pendant très longtemps un nom glorieux: la Rhétorique“: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. I 1992 p. 97f.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

2. Wortakzent; Wortauslaut, -anlaut; Satzsandhiphänomene L 403. Der Wortakzent ist ein zentrales Charakteristikum des Wortes. In diesem Fall sind Aussagen zum Uridg. möglich, s.u. L 419. Ferner: Die idg. Einzelsprachen zeigen mehr oder weniger starke Restriktionen und Vereinfachungen im Wortauslaut: — Zum Lat.: Die Konsonantengruppen sind meist vereinfacht, vgl. Nom.Sg. n. cor ‘Herz’ < *cord (dies noch sichtbar in Formen wie Gen.Sg. cord-is, wo rd als Konsonantengruppe im Wortinnern durchaus möglich ist): % Leumann LLFL 1977 p. 219ff. (mit weiteren Informationen). — Zum Gr.: Im klass. Gr. werden bei den Konsonanten im Auslaut nur -s, -n und -r toleriert, ein -t z.B. ist aber nicht möglich: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 102f. — Wieweit bereits das Uridg. im Wortauslaut Vereinfachungen und Veränderungen vorgenommen hat, ist nicht leicht zu erhellen. Gegenüber dem Wortauslaut ist die Freiheit im Wortanlaut größer. Aber auch da muß in jeder Sprache mit gewissen Einschränkungen gerechnet werden. Vgl. beispielhalber das klass. Gr., wo im Auslaut nur die Konsoanten -s, -n und -r toleriert werden, s. Meier-Brügger Gr. Sprachwiss. II 1999 in L 200. Im Wortanlaut sind die Möglichkeiten viel größer, ein ts- ist aber z.B. ausgeschlossen. L 404. Die gegenseitige Beeinflussung von Aus- und Anlauten aufeinanderfolgender Wörter ist in der mündlichen Rede in jeder Sprache alltäglich. Wieweit dies Phänomen des sog. Sandhi (den Terminus ‘Vereinigung, Zusammensetzung’ verdanken wir den alten Indern) auch in die schriftlichen Version Eingang findet oder ob in der Schrift die absolut stehende sog. Pausaform zur klaren Markierung des Einzelwortes den Vorrang hat, ist eine Frage für sich. Die idg. Einzelsprachen und ihre Schriften zeigen unterschiedliche Gewichtungen. Zum Gr.: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 103f. — Zum ved. Sandhi: J. Wackernagel in Wackernagel / Debrunner Ai. Gramm. I 1903 p. 306ff. — Zum av. Sandhi: % Hoffmann / Forssman Av. Laut- u. Flexionslehre 1996 p. 110-112. L 405. Die Sandhiphänomene sind so geläufige Merkmale jeder gesprochenen Sprache, daß man auch dem Uridg. den Sandhi zubilligen muß. Und tatsächlich lassen sich ein paar lautliche Phänomene durch die Annahme von bereits uridg. Sandhi verständlich machen. Erstes Beispiel ist die sog. Regel von Lindeman, die ihre Erklärung als Sandhiversion von Sievers’ Regel findet. Nach der Regel von Sievers ist

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die Formvariante uridg. *di˾ vs. uridg. *d˾ vom Ausgang des vorangehenden Wortes bestimmt: es heißt zwar einerseits ##...Å#*di˾## und ##...VR#*(##, andererseits aber ##...T#*d˾ ##, s.o. L 218. Ein weiteres mögliches Beispiel ist das sog. s-mobile vom Typ uridg. *(s)te- ‘decken, bedecken’ (% LIV 1998 p. 535), vgl. lat. tegô vs. gr. VWHYJZ: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 120 („in anderen Fällen kann im Sandhi -s# #K- % -sK- geführt haben“) und s.o. L 311. Auch bei Phänomenen der idg. Einzelsprachen kann gelegentlich die Annahme von vorhistor. Sandhi hilfreich sein, vgl. den divergierenden Anlaut beim gr. Pronomen PLQ vs. QLQ (s.u. F 406), wo J. Wackernagel in Wackernagel Kleine Schriften I 1969 (in einem Beitrag von 1892) p. 10 vermerkt: „Mir scheint es ... am einfachsten, P undQ aus dem Sandhi herzuleiten.“ — Beim Problem von anlautendem gr. p(t)- (vgl. SRYOL/ SWRYOL‘Stadt’, wo nach Ausweis des mit ‘Stadt’ gebildeten PN po-to-ri-jo i.e. Ptolin die Erscheinung bereits myk. ist) bemüht O. Szemerényi ebenfalls vorhistor. Sandhi (er denkt an Mustersätze wie *Ëlut£et#pólin ‘er kam in die Stadt’ [mit noch erhaltenem -t im gr. Auslaut] und Regruppierung zu (/ #*tpolin, daraus dann mit Umstellung der Konsonanten ptólin): % Szemerényi Scripta Minora III 1987 (in einem Beitrag von 1975 [1979]) p. 1491f. Ob in diesem speziellen Fall die Annahme aber richtig ist, ist zu fragen. Zu weiteren Sandhiphänomenen s.o. L 334 Abs. 2-3.

3. Die Silbe(n) L 406. Zwischen der oberen Ebene des ganzen Wortes und der untersten Ebene der einzelnen Laute stehen die Silben. Zum Allgemeinen: % Bussmann Lexikon d. Sprachw. 1990 p. 684f. Bei Ternes Phonologie 1987 p. 170-172 wird festgestellt: „Eine Silbe besteht aus einem obligatorischen Silbenkern und einem (meist fakultativen) Silbenrand. ... Der Silbenrand besteht in der Regel aus einem oder mehreren Konsonanten, die dem Silbenkern vorausgehen und / oder ihm folgen. Er ist insofern fakultativ, als ein Wort auch aus einem vokalischen Kern allein bestehen kann. ... Die Beschreibung der Silbenstruktur einer Sprache ist kaum weniger wichtig als die Ermittlung des Phonemsystems.“ Die Silbengrenzen und die Silbenteilung werden je nach Blickpunkt (Orthographie, Aussprache, Metrik oder Theorie) verschieden gehandhabt.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

Silben gelten als offen, wenn die Silbengrenze gleich nach dem vokalischen Silbenkern zu setzen ist. Je nach kurzem oder langem vokalischem Silbenkern werden diese Silben metrisch kurz oder lang (naturlang) gemessen. Silben gelten im Wortinnern als geschlossen, wenn die Silbengrenze nach dem oder den (den Silbenrand abschließenden) Konsonanten zu setzen ist. Der vokalische Silbenkern kann wiederum lang oder kurz sein, für die Metrik zählt aber jede geschlossene Silbe als lang (positionslang). Die Konsonantengruppe Muta (= Okklusiv) cum Liquida spielt eine besondere Rolle. Man kann zeigen, daß im Uridg. und in vorhistor. Zeit die Silbengrenze zwischen Muta und Liquida lag, daß sie dann aber im Lat. und Gr. auch davor stehen konnte und somit keine Position mehr bildete (sog. Correptio Attica), vgl. den lat. Nom.Pl. integrî ‘unversehrt’, wo in der Dichtung sowohl die Silbierung in.te.grî als auch die Silbierung in.teg.rî zu belegen ist. Das Wort integrî geht auf *in.tag.ro- / *in-tag-rozurück. Die Vokalschwächung von -tag- zu -teg- zeigt, daß zum Zeitpunkt ihres Wirkens .tag. als geschlossene Silbe zählte: wäre die Silbe damals offen gewesen, so hätte nämlich ein .ta. zu .ti. und damit zu *intigrî führen müssen. Spuren davon sind aber nicht vorhanden. Lit.: — Zum Lat.: % Leumann LLFL 1977 p. 21f. — Zum Gr.: Verlagerungen von Silbengrenzen sind möglich, vgl. wiederum die Gruppe Muta cum Liquida, wo neben SDWURY auch SDWURYbelegt ist. Vgl. ferner den them. Gen.Sg. auf -oo < *-oso, wo vermutlich sowohl -o.o (= myk. -o-jo und äol. -RLR) als auch -o.o / -o.o nachzuweisen ist (letzteres nach Schwund des  att.-ion. kontrahiert RXdor. -Z). Die Fakten sind aber nicht unumstritten. Lit.: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 105f. und p. 79f. L 407. Hinweise auf uridg. Silbenstrukturen lassen sich indirekt finden. So kann gr. PHYWURQ(Hom. +) ‘Maß’ dann als -tro-Ableitung von uridg. *med- ‘messen’ (% LIV 1998 p. 380f.) verstanden werden, wenn uridg. *med-tro- bzw. assimiliert *met-tro- i.e. *mett.ro- (mit Vereinfachung von *mett. zu *met.) gegolten hat (skeptisch B. Forssman: % Kratylos 33 1988 p. 63). Ähnlich wird gern (% Gotô I. Präsensklasse 1987 p. 218 Anm. 454) der ved. Ipt. bodhi (RV) aus uridg. *b£e¾d-d£i i.e. *b£e¾.d£d£i hergeleitet und eine Vereinfachung von .d£d£ zu .d£i angenommen. Die Fakten sind in diesem Fall aber trügerisch. Die fragliche Form bodhi läßt sich besser innerved. aus bháva (> bho) +dhi entstanden erklären: % St. W. Jamison Syntactic Constraints on Morphological Change: The Vedic Imperatives bodhí, dehí, and dhehí in Syntaxe des langues indo-iraniennes

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anciennes 1993 [1997] p. 63-80; vgl. ferner J. Jasanoff in FS Puhvel I 1997 p. 177 Anm. 11.; Ÿ ders. "The Vedic imperatives yódhi 'fight' and bodhi 'heed'," in J. Brereton and S. Jamison, eds., Indic and Iranian Studies in Honor of Stanley Insler on his Sixty-fifth Birthday (= Journal of the American Oriental Society, 122.2, 2002), p. 290-295. Wenn die Erklärung beim Typ *mett.ro- richtig ist, dann können die Silbengrenzen vom Typ VKK.RV und VR.KKV bereits uridg. Alter beanspruchen: % Saussure Recueil 1922 (in einem Aufsatz von 1889) p. 420ff. (mit weiteren Beispielen); Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 111f. Weitere Informationen zu den uridg. Silbierungen lassen sich aus dem Verhalten der Wechselformen mit --V- und --V- ableiten. J. Schindler macht dies deutlich (% Sprache 23 1977 p. 56-65 anläßlich der Rez. von Seebold Halbvokale 1972; s.o. L 218). Die Regel von Sievers galt nämlich in den folgenden Kontexten: R > ·R / #...ÅBK_VKo# und #...VR.K_VKo#. Andersgeartete Kontexte zeigen konstant den konsonantischen Sonanten, vgl. ved. mát.sya- (RV +) ‘Fisch’ und ûr.dhvá- (RV +) ‘aufrecht’ (< *¾μH.dh¾ó-). Weitere Lit.: % Szemerényi Einführung 1990 p. 110ff. Auch die von J. Schindler breit diskutierte Problematik um den angeblichen uridg. Reibelaut *½ (s.o. L 313) bringt nebenbei weitere Aussagen zu den uridg. Silbenstrukturen: % A Thorny Problem in Sprache 23 1977 p.33f. (u.a. mit Diskussion von uridg. *h2 .to- vs. *h2μt.ó- ‘Bär’).

4. Der Ablaut L 408. Alle archaischen idg. Sprachen lassen in zusammengehörigen Formen, z.B. in den verschiedenen Kasus eines Nomens oder in den Ableitungen aus einer gemeinsamen Wurzel, oftmals einen Vokalwechsel in qualitativer und quantitativer Hinsicht erkennen. Ein Beispiel: Das suffixale Element -WHU- im gr. Wort für ‘Vater’ erscheint mit -e- im Akk.Sg. SD-WHYU-D, aber abgewandelt mit -o- im Kompositum Akk.Sg. DM-SDY-WRU-D ‘jemanden, der keinen Vater hat’. Der Vokal ist abwesend im Dat.Sg. SD-WU-LY. Der Dat.Pl. SD-WUDY-VL ‘den Vorfahren’ enthält die Fortsetzung von -tμ- (vgl. ved. pit¶-ºu ‘bei den Ahnen’), das vor konsonantisch anlautendem -VL zu erwartende silbische Allophon von *-tr-. Eine quantitative ‘Vermehrung’ von -e- zum entsprechenden Langvokal zeigt der Nom.Sg. SD-WKYU und mit der entsprechenden -o-Form der Nom.Sg. DM-SDY-WZU. Dieser Wechsel ist offenkundig nicht erst im Griechischen entstanden, sondern erweist sich durch eine Fülle von Übereinstimmungen mit anderen

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

idg. Sprachen als uridg. Erbe, vgl. mit SDWHYU-D, SDWULY, SDWKYU ved. Akk.Sg. pi-tár-am ‘Vater’, Dat.Sg. pi-tr-é, Nom.Sg. pi-tÄ (mit -tÄ < *- , s.o. L 301 Abs. 3). L 409. Wesentlich an diesem Wechsel sind also zwei Tatsachen: Er stammt bereits aus dem Uridg., und er ist auf wenige formale Möglichkeiten beschränkt, die in der Morphologie genutzt werden. Im oben genannten Fall von SDWKYU DMSDYWZU finden sich nur der qualitative Wechsel e / o und die drei Quantitäten e / o, ê / ô und õ. In einer Sprache, die im Bereich der Vokal-Qualitäten und VokalQuantitäten so wenig verändert hat wie das Griechische, läßt sich diese Regelhaftigkeit weitgehend mit nur wenigen lautgeschichtlichen Hinweisen demonstrieren. Dieser regelhafte Wechsel der vokalischen Qualitäten und Quantitäten, als Ablaut bezeichnet, ist in einer doppelten Weise zu untergliedern: qualitativ als e/o-Wechsel; quantitativ als sog. Voll- oder Normalstufe, Dehnstufe und Schwund- oder Nullstufe. Vgl. die folgende schematische Darstellung: V(ollstufe)

D(ehnstufe)

S(chwundstufe)

e

SD-WHYU-D

SD-WKYU

o

DMSDY-WRU-D

DMSDY-WZU

SD-WU-LY SD-WUDY-VL

L 410. Der Tabelle von L 409 sind fünf Stufen zu entnehmen, die nur in günstigen Fällen in einer einzigen Wortfamilie (wie bei SDWHYU- / DMSDYWRU-) allesamt vertreten sind: V(e) = Vollstufe mit -e-; V(o) = Vollstufe mit -o-Abtönung; D(ê) = Dehnstufe mit -ê-; D(ô) = Dehnstufe mit -ô-; S(õ) = Schwundstufe. Beispiele: — Vgl. aus dem Griechischen z.B. noch den Nachweis von vier Stufen in SHYW-RPDL ‘fliege’ = V(e), SRW-HYRPDL ‘fliege, flattere’ = V(o), SZW-KYHL ‘flatternd’ = D(ô) und SW-HYVTDL ‘auffliegen’ = S(õ); die fünfte formale Möglichkeit D(ê) = *SKW- ist in keiner der uns bekannten Formen genutzt worden. Dieser Wechsel e/o, ê/ô und õ ist in vielen weiteren Wurzeln mit innerem -e- zu demonstrieren, auch an solchen, die dem -e- z.B. ein -- oder ein -n- folgen lassen oder wo dem -e- ein -r- vorangeht. — Beispiele: — Vgl. gr. OHLYS-Z ‘lasse zurück’ = V(e), ORLS-RY ‘zurückbleibend’ = V(o), (H>)-OLS-H ‘verließ’ = S(õ). — Vgl. WHQ-Z ‘werde spannen’ = V(e); WRYQR m. ‘Spannung, Saite, Ton’ = V(o); WDY-VL f. ‘Spannung, Dehnung’ mit ta< *t- = S(õ) (zum  s.o. L 305). — Vgl. WUHYS-Z ‘wende, kehre’ = V(e); WURYSR m. ‘Wendung’ = V(o); WUZS-DYZ ‘drehe, wende, verändere’ =

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D(ô); HXM-WUDYS-HOR ‘sich (leicht) drehend, beweglich’ mit -tra- < *-tμ- = S(õ). L 411. Auch in den anderen idg. Sprachen ist der Wechsel e / o / ê / ô / õ sichtbar. Doch muß in ihnen mit stärkeren lautgesetzlichen Veränderungen gerechnet werden als im Griechischen. Beispiele aus dem Lateinischen, wo die lautlichen Veränderungen im Bereich der Vokale und Diphthonge die ursprünglichen Ablautverhältnisse verdunkeln: — Idealfälle mit unveränderten uridg. Werten sind etwa lat. teg-ô ‘decke, verberge’ = V(e), têg-ula f. ‘Dachziegel’ = D(ê) und tog-a f. ‘Kleidungsstück, Toga’ = V(o). Hingegen ist neben foedus n. ‘Bündnis’ (vgl. altlat. foideratei ‘Verbündete’) = V(o) und fÍdês f. ‘Treue’ = S(õ) ein *feid- = V(e) nur noch in alter Sprache (vgl. inschriftliches di[f]feidens) zufällig nachweisbar: die normale Entwicklung hat aber um 150 v. Chr. von e über ƒê zu î und damit hier zu fîdô ‘vertraue’ geführt. Ein fîdô ist synchron nicht mehr als V(e) erkennbar. — Vgl. als weiteres Beispiel lat. fer-ô ‘trage’ = V(e), fors, for-ti- f. ‘Zufall, *Zutragung’ = S(õ) mit -or- < *-μ- (rein synchron scheint ein Ablautwechsel fer- / for- vorzuliegen; die -ti-Ableitungen haben aber traditionell schwundstufige Wurzeln, vgl. ved. bhμ-tí- f. ‘Unterhalt’ und nhd. Ge-bur-t, und so spricht alles dafür, daß hier ein altes *-μ- vorliegt). Auch beim dazugehörigen Wn. Q, m. ‘Dieb’ ist die D(ô) nicht mehr erkennbar, weil im lautgesetzlich erwarteten *fôr = gr. IZYU ‘Dieb, *Wegträger’ ô durch û ersetzt worden ist. Nicht von vornherein durchsichtig ist auch lat. me-min-î ‘bin eingedenk’: Zwar belegt mon-eô ‘ermahne’ die V(o) in der Erstsilbe. Die in der Mittelsilbe stehende V(o) von *me-mon- (vgl. gr. PHYPRQD ‘gedenke’) ist aber durch Vokalschwächung (s.o. L 204) zu -min- verändert. — Nicht mehr erkennbar ist ferner der Ablautwechsel von *-en- : *--, weil jedes *-- zu -en- geworden ist: vgl. das -ti-Abstraktum men-ti- (mêns) f. ‘Gedanke’, wo nicht mehr zu entscheiden ist, ob der Stamm wie erwartet auf *m-ti- mit S(õ) zurückgeht oder ob hier nicht doch ein *men-ti mit V(e) zugrunde liegt, s.u. F 317 Abs. 7. L 412. Im Ved. und seiner indoiranischen Vorstufe ist nur der quantitative Ablaut klar erkennbar, da der Unterschied von uridg. *e und *o sowie von uridg. *ê und *ô weitgehend aufgehoben wurde, s.o. L 206. Die Sprachvergleichung kann freilich an gewissen Auswirkungen auch das Spiel des qualitativen Ablauts uridg. *È zu uridg. *Ò nachweisen, etwa im Wirken des Palatalgesetzes, s.o. L 206 Abs. 2. So wird der Ablaut uridg. *-ge- : *-go- noch in aav. -ja- : -ga- widergespiegelt, s.o. L 341

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

Abs. 2. Der Typus der Perfekta wie ved. 3.Sg. ca-kâr-a ‘hat getan’ weist mit seinem ca- auf *-e- in der Reduplikationssilbe, mit seinem -kâr- dagegen auf *-o- in der Wurzelsilbe, wie es gr. Perfekta wie OHY-ORLS-H oder GHY-GRUN-H empfehlen. Weiteres zu ved. -kâr-: Hier ist offenbar uridg. *-o- zu indoiran. -âgeworden und stellt sich damit in Gegensatz zu uridg. *-e- > iir. -a-. Dieses sog. Brugmannsche Gesetz erklärt den Unterschied von ved. Akk.Sg. dâ-tÄr-am ‘Spender’ und Akk.Sg. pi-tár-am ‘Vater’ als Reflex des uridg. Qualitätsunterschieds *-tor- vs. *-ter-, vgl. gr. GZY-WRU-D gegenüber SD-WHYU-D. Die Einzelheiten sind aber komplexer. Betroffen waren nämlich i.d.R. offene Silben. Beweis ist u.a. die 1.Sg. cakára desselben Perfekts, wo der ursprüngliche Vokal der Mittelsilbe ebenfalls nur -o- gewesen sein kann. Die Endung -a der 1.Sg. geht aber im Gegensatz zur 3.Sg. (mit uridg. *-e) auf ein *-Ha < uridg. *-h2 zurück. Zur Zeit der Wirksamkeit des Brugmannschen Gesetzes bildete die 1.Sg. mit ihrem *-Ha eine geschlossene Mittelsilbe, also *-kar.Ha. Während in der 3.Sg. ein *-ka.ra zu -kâ-ra verändert wurde, blieb *-kar.Ha intakt und wurde auch nicht mehr verändert, als der Laryngal H schwand. Weitere Lit.: % Mayrhofer Lautlehre 1986 p. 146 ff; Collinge Laws 1985 p. 13ff.; Volkart Brugmanns Gesetz 1994; I. Hajnal Das Brugmannsche Gesetz in diachroner Sicht und seine Gültigkeit innerhalb der arischen a-Stämme in HS 107 1994 p. 194-221. L 413. Die genialen indischen Grammatiker haben den für sie allein sichtbaren quantitativen Ablaut in ein System gebracht, wobei sie von der Schwundstufe (wie bhμ- ‘tragen’, z.B. in bh°-tá- ‘getragen’) als Basis ausgingen. 1) Diese schwundstufigen Grundformen erscheinen um -a- vermehrt in der ersten Steigerungsstufe Komparativ, im Altind. Gu°a genannt (wohl i.S.v. ‘hoher Grad’), vgl. bhár-a°a- n. ‘Last’. Die höchste Steigerungsstufe, im Altind. V°ddhi genannt (i.S.v. ‘Vermehrung, Zuwachs’), fügt der Wurzel -âhinzu, vgl. bhâr-yà- i.e. bhâr-ía- ‘zu tragen, zu pflegen’. — Weiteres Musterbeispiel: — Zu ji- ‘siegen’ (vgl. ved. ji-tá- ‘erobert’) vgl. mit Gu°a *ja- (ved. vorvokalisch jay-, vorkonsonantisch dagegen je- [s.o. L 220 Abs. 3], vgl. jayúº- ‘siegreich’, je-tár- m. ‘Sieger’) und V°ddhi j- (ved. vorvokalisch jây-, vorkonsonantisch jai-, vgl. jây-ú- ‘siegreich’, jái-tra- ‘siegverleihend’). — Entsprechend ¹ru- ‘hören’ (ved. ¹rutá-) mit Gu°a *¹ra¾- (ved. vorvokalisch ¹rav-, vorkonsonantisch ¹ro-, vgl. ¹ráv-as- n. ‘Ruhm’, ¹ró-tar- ‘Hörer’) und ‘V°ddhi’ *¹râ¾- (ved. vorvokalisch ¹râv-, vorkonsonantisch ¹rau-, vgl. ¹râváyati ‘macht hörbar’, á-¹rau-ºîº Aor. ‘du hörtest’).

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2) Diese so scharfsinnige Beobachtung des indischen Steigerungssystems konnte mit der Auffassung der Schwundstufe als primärer Wurzelform nicht immer aufgehen. In Ansätzen wie man- ‘denken’ oder pat- ‘fliegen’ mußten die Inder Vollstufen als Wurzeln ansetzen, da ihnen die Schwundstufen in Fällen wie *m- > ma- (s.o. L 306 Abs. 3) oder pt- (im Aorist a-pa-pt-at) nicht erkennbar waren. Ähnliches gilt für svap- ‘schlafen’ (mit sváp-na- m. ‘Schlaf’), wo eine auf schwundstufigem sup- (sup-tá- ‘geschlafen’, gr. X^S-QR usw.) aufbauende Steigerung in die Irre geführt hätte. Die Indogermanistik hat das indische System dahingehend korrigiert, daß sie von primären Vollstufen (wie uridg. *le¾-, uridg. *s¾ep-) ausgeht, deren Schwächung (= minus -e-) > uridg. *lu- bzw. uridg. *sup- keine Probleme erbringt. L 414. Im Heth. ist das Regelwerk des quantitativen Ablauts gut sichtbar, so der Wechsel e vs. õ in Verbalparadigmen, vgl. 3.Sg. ku-en-zi i.e. k¾entsi ‘er tötet’ vs. 3.Pl. ku-na-an-zi i.e. kun-antsi ‘sie töten’ (= ved. hán-ti vs. ghn-ánti, s.o. L 345 Abs. 1). — Dabei spielen Auswirkungen von Laryngalen (s.o. L 314ff.) eine Rolle: Vgl. zu uridg. *h 1 -ti ‘er ist’ (= lat. est usw., heth. e-eš-zi i.e. ês-tsi < *és-tsi; die Pleneschreibung erklärt sich als Dehnung unter dem Akzent) den schwundstufigen Plural *h 1 -énti = a-šaan-zi i.e. as-antsi ‘sie sind’ = myk. e-e-si i.e. ehénsi, dagegen ved. sánti, nhd. sind, s.o. E 504 Abs. 11 und u. L 419 Abs. 3. — Über die wichtige Aussage des Heth. (Anatol.) zu dehnstufigen uridg. *h 2 ê und *êh 2 s.o. L 331. L 415. Als ein zentrales Ausdrucksmittel im Bereich der Morphologie ist der Ablaut im Germanischen bewahrt und ausgebaut worden. Ohne ablautende (sog. starke) Verben ist keine altgermanische Sprache vorstellbar, und in neugermanischen Sprachen wie dem heutigen Englischen sind in manchen Formreihen (vgl. etwa sing : sang : sung : song ‚Gesang‘) die Auswirkungen des Ablauts das einzige formale Unterscheidungsmittel zwischen diesen Vokabeln geblieben. Neben dem Bekanntwerden der indischen Steigerungslehre (s.o. L 413) war es die Beschäftigung mit dem Germanischen, die in der frühen Indogermanistik den Anstoß zum Verständnis des Ablautsystems gegeben hat. Das einheitliche uridg. Ablautschema ist im Germanischen durch die zahlreichen lautgesetzlichen Veränderungen umgestaltet worden, die im Bereich der Vokale, Diphthonge sowie von μ, ©, ¬,  vorgefallen sind. So geht nhd. binden : band : ge-bunden auf uridg. *b£end£- : *b£ond£- : *bd£- zurück, und das sind nach L 410 die Stufen V(e), V(o) und S(õ).

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

Weitere Beispiele: — Got. niman ‘nehmen, aufnehmen’ < uridg. *nem= V(e), got. nam ‘nahm’ < *nom- = V(o), got. nemun ‘sie nahmen’ mit für ê = D(ê), got. in-numan ‘hergenommenes’ < *n¬- = S(õ). — Got. wairþan ‘werden’ < uridg. *¾ert- = V(e), warþ ‘ward’ < *¾ort- = V(o), waurþun ‘sie wurden’ < *¾μt- = S(õ) (zu got. -or- < urgerm. *-ur-, s.o. L 208). — Got. tiuhan ‘ziehen, führen’ < uridg. *de¾k- = V(e), ga-tauhans ‘gezogen’ < *duk- = S(õ) (zu got. -oh- < germ. *-uh-, s.o. L 208). Die verschiedenartige germanische Fortsetzung einheitlicher uridg. Ablauttypen wie *er *or *μ oder *e¾ *o¾ *u ist der Hauptgrund für die Differenzen zwischen den ersten fünf Reihen der sog. starken Verba in den altgermanischen Sprachen. L 416. Auch in den balt. und slav. Sprachen sind viele Fälle von ererbtem Ablaut nachweisbar. Beispiele: — Vgl. lit. tekù, aksl. tek‚o ‘laufe, fließe’ = V(e); lit. tãkas m. ‘Kanal, Röhre, Tonne’, aksl. tokš ‘Lauf, Strömung, Tenne’ V(o); lit. t_k˜ ‘tiefe Stelle im Fluß’, aksl. t–xš ‘lief’ < *têk[-s-] = D(ê); russ.-ksl. takati ‘antreiben’ = D(ô). — Vgl. lit. mer—ti ‘verhungern’, aksl. mr–ti ‘sterben’ < uridg. *mer- = V(e); lit. mãras ‘Seuche’, aksl. morš ‘Pest’ = V(o); lit. mirtìs, aksl. sš- LL f. ‘Tod’ < *mμ- = S(õ). — Den Glücksfall aller fünf möglichen Ablautstufen (s.o. L 410) zeigt das Slav. in aksl. greb-‚o ‘grabe, scharre’ = V(e), grobš m. ‘Grab’ = V(o),  –9 ‘grub’ < *gr–b-s- = D(ê), grabiti ‘rauben’ = D(ô), ’ech. po-h³biti ‘begraben’ < urslav. *L :- = S(õ); dazu lit.  —b-ti ‘gewaltsam ergreifen’ ~ grób-ti ‘an sich reißen’. Der Ablaut hat im Balt. und Slav. nach vorgegebenen Mustern produktiv weitergewirkt: % Stang Vgl. Gramm. 1966 p. 121ff.; Arumaa Urslav. Grammatik I 1964 p. 172ff. L 417. Im Lichte der Laryngaltheorie (s.o. L 314ff.) fügen sich weitere Ablautreihen in das Schema e o ê ô õ ein, die in den meisten älteren Darstellungen noch als eine Extragruppe behandelt werden. 1) So erklärt sich der scheinbare ‘a/o-Ablaut’ durch die Beobachtung, daß anlautendes a- der meisten Einzelsprachen aus uridg. *h2 - bzw. * h2 a- (heth. als Ÿa- erhalten) entstanden ist, s.o. L 322 Abs. 2. — Ablautverhältnisse wie gr. D>JZ ‘treibe, ziehe’ (lat. agô u.a.) gegenüber gr. R>JPR m. ‘Reihe abgemähten Grases, Streifen Land’ (vgl. R>JPRQ D>JHLQ bei Theokrit) lassen sich mit dem Ansatz uridg. *h2 $- (bzw. *h2 aœ-) vs. *h2 oœ- dem normalen Typus wie in gr. SHW- vs. SRW- = V(e) vs. V(o) zuordnen. Zu uridg. *h2 $- (gr. D>JZ usw.) gehört ferner ved. Ïjate ‘treibt’, wenn es auf den reduplizierten Präs.St. *h2 ih2œ-e- zurückgeführt wird: % K. Strunk a.O. bei Mayrhofer EWAia I p. 51. — In gr. D>NUL f. ‘Berggipfel’ neben R>NUL m. ‘Spitze, Ecke’ (lat. ocris m.

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‘steiniger Berg’) und heth. Ÿêkur ‘Felsgipfel’ (s.o. L 331 Abs. 3) setzen sich uridg. *h2 - (bzw. *h2 -), *h2 - und *h2 !- und damit die Stufen V(e), V(o) und D(ê) fort. — Vgl. noch gr. DMJNDYOK f. ‘gekrümmter Arm’ neben R>JNR m. ‘Haken’ und heth. Ÿênk- ‘sich beugen’ (Ÿi-in-g-) < uridg. *h2#vs. *h2onk- vs. *h2 ênk-. Ÿ Nach Lamberterie Rez. 2002 p. 111 zu P. 150 gehört dazu auch gr. H>JNDWD‘Eingeweide‘ < *h2ênk- (im Gr. mit Vokalkürzung nach dem Osthoffschen Gesetz). 2) Durch die oben L 323 gelehrte Auffassung von Wurzeln wie gr. (WLY)TK -PL , (L^)VWD² -PL und (GLY)GZ -PL als uridg. *d1 -, *2 - und *3- entfällt auch der Ansatz eines eigenen Ablauttypus mit primären langvokalisch auslautenden Wurzeln, deren Schwundstufe -Ω- sein soll, vgl. L^VWD²PL: VWDWRY(= ved. sthi-tá-). Es liegt vielmehr auch hier der e / o / ê / ô / õ -Ablaut vor. — Beispiele: — Uridg. *d1- > gr. -TK = V(e), uridg. *d£oh1- > gr. TZKYf. ‘Strafe, *Festsetzung’ = V(o) und uridg. *d£h1 - > gr. H>THWR‘hat gesetzt’, ved. a-dhi-ta = S(õ) (zum Vokalismus s.o. L 325). — Uridg. *b2 - ‘sprechen’ (bzw. uridg. *b£ah2 -) = gr. myk. 3.Sg. pa-si i.e. pi ‘behauptet’= V(e); uridg. *b£oh2 - = gr. IZQKY‘Stimme’ = V(o); uridg. *b£h2- = gr. D>IDWR‘unerwähnt’ (vgl. lat. fat! U = S(WUB — Uridg. *$3 ‘erkennen’: uridg. *$3 - = gr. (JL JQZYVNZ S(õ); uridg. *œnêh3- = heth. ga-ne-eš- i.e. gn!- = D(ê), s.o. L 331 Abs. 3. 3) Eine besondere Form von Ablaut zeigt eine Wurzel wie uridg. * /1 ‘füllen’ (vgl. ved. párî-°as- n. ‘Fülle’). Zu ihr gehört nicht nur eine als „minus -e-“ zu definierende Schwundstufe *p©h1 - (vgl. ved. pûr-°á- = lit. pìl-nas), sondern auch eine zweite Vollstufe uridg. * /1 - (vgl. gr. SLYP-SOK-PL). Dieses Schwanken von *-e- mit uridg. *p-e-/1 - vs. *pl-e-h1- wird als Schwebeablaut bezeichnet. Die wahrscheinlichste Erklärung des Phänomens geht von einem voruridg. Gebilde mit zwei vollstufenfähigen Vokalen aus, hier also * /1-. In der voruridg. Periode der Tilgung von *-e- in nebentoniger Stellung gab es drei Möglichkeiten: a) voruridg. * /1 - > uridg. * /1 - (= Vollstufe I); b) voruridg. * /1 - > uridg. * /1- (= Vollstufe II); c) voruridg. * /1 (beide Silben unbetont) > uridg. *p©h1 -. Vollstufe I ist altidg. häufig, Vollstufe II seltener und daher dort, wo sie auftritt, vielleicht gerade alt. Wenn also * /h1- ursprünglich ist, dann wird verständlich, daß die Sprecher über die Schwundstufe *p©h1- die normale Vollstufe * /h1 - gebildet haben. — Auch die Vollstufe *$3 - = lat. [g]nô-vî fügt sich in diesen Rahmen = Vollstufe II ein. Sie läßt eine normalisierte Vollstufe I *$3 - erwarten und zeigt sie auch in lit. ÿén-klas m. ‘Kennzeichen, Merkmal’ (mit Vereinfachung der Konsonantengruppe -énK- < *-3 K-). Die Schwundstufe *$3- zeigt sich in ahd.

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

kund usw., s.o. L 332 Abs. 4c. Lit.: % Anttila PIE Schwebeablaut 1969; Ÿ Klein Rez. 2006 p. 408f. zu p. 150. L 418. Der Ablaut ist bereits in der uridg. Grundsprache ein wichtiges Mittel der Morphologie. Der Ursprung der Ablautvarianten liegt aber sicherlich, so umstritten dies im einzelnen auch sein mag, auf der phonologischen Ebene, s.o. E 502 Abs. 2. Man weist darum den Ablaut mit Recht einem Gebiet zwischen Phonologie und Morphologie, der sog. Morphonologie, zu. Die Verwendung der im phonologischen Bereich entstandenen Ablautstufen in morphologischen Kategorien ist u.a. der nhd. Regel vergleichbar, wonach das Komparativmorphem -er i.d.R. sog. Umlaut bewirkt, vgl. läng-er zu lang. Das Phänomen (eigentlich eine Assimilation) ist kein genereller lautlicher Prozeß mehr (-a- vor -er bleibt in langer Weg erhalten), sondern eine auf die morphologische Erscheinung ‘Komparativ’ beschränkte Regel, die jedoch lautlichen Ursprung hat, vgl. ahd. lengiro ‘länger’ < *lang-iro vs. lang. Nhd. Gäste vs. Gast hat ebenso eine lautgeschichtliche Ursache, vgl. ahd. gesti vs. gast. Der gewiß nicht in diese alte Periode zurückreichende Plural Generäle vs. General ist nur noch die analogische Anwendung einer Regel der Morphologie. 1) Unter den phonologischen Ursachen des Ablauts ist die Entstehung der Schwundstufe durch Verlust von *-e- in unbetonter Silbe am wahrscheinlichsten: — Vgl. gr. SDWU-LY gegenüber SDWHYU-D. — Vgl. ved. ghn-ánti ‘sie töten’ und heth. kun-antsi < uridg.*gý£n-énti gegenüber ved. hán-ti ‘er tötet’ und heth. k¾en-tsi < uridg. *gý£én-ti. — Vgl. ved. i-más ‘wir gehen’ < uridg. *h1 imés gegenüber é-mi ‘ich gehe’ < *uridg. h1-mi oben in E 502 Abs. 5 und E 504 Abs. 7; vgl. auch ved. ás-mi gegenüber s-más oben in E 502 Abs. 2. 2) Das in Abs. 1 klar erkennbare Zusammenspiel von Akzent und Ablaut war wohl voruridg. lebendig. Im Uridg. ist es nur noch ein Archaismus. — Denn schon in der Grundsprache ist die Kombination von Schwundstufe und Unbetontheit nicht immer mehr gegeben. Ansätze wie uridg. *¾„ký-o- m. ‘Wolf’ (mit *-„-!) sind unbezweifelbar. Auch in gr. SDWUDYVL = ved. pit¶ºu (s.o. L 408) sind Schwundstufe (*-μ-) und Akzentstelle zwei einander nicht mehr ausschließbare Charakteristika einer Kasusform geworden. Sekundäre morphologische Prozesse können die Ursache solcher Irregularitäten sein, so bei *¾„kýo- vielleicht die Nominalisierung eines ursprünglichen Adjektivs *¾©kýó-. Weiteres zu ved. pit¶ºu und gr. SDWUDYVL: % M. Meier-Brügger in Fachtagung Leiden 1987 [1992] p. 288. — Andererseits finden sich ererbte Kombinationen von Normalstufe und Unbetontheit, vgl. gr. OHXNRY ‘licht, weiß’ (s.o. L

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223 Abs. 1) oder vgl. uridg. *deó- (s.u. W 202 Abs. 2). Vgl. ferner unten in F 310 Abs. 5 das auch unbetont feste -e im Dat. Sg. 3) Über die Entstehung der übrigen Ablautstufen gibt es nur Vermutungen. Die Dehnstufe kann, wenigstens in gewissen Fällen, durch Ersatzdehnung entstanden sein. So ist uridg. *ph2  - ‘Vater’ + Nom.Sg. -s > *ph2  > *ph2  > *ph2(r (= gr. SDWKYYU) denkbar, s.u. F 310 Abs. 3. Vgl. ferner weitere Ersatzdehnungen in L 303. Ÿ Der qualitative Ablaut von *-e- zu *-o- findet sich in der Stammbildung des Verbums (vgl. Perfekt *mémon- oben in L 411), bei den Nominalendungen (vgl. Gen. Sg. -os neben -és, unten in F 310 Abs. 4) und in den Ablautparadigmen (vgl. die akrodynamische Klasse in F 320 mit Typ *dóm- /*démund die holodynamische Klasse in F 321 Abs. 1 vom Typ *hé¾sos-). Dies -owird normalerweise als Abtönung von -e- zu -o- verstanden. Ihre Ursache ist nicht ganz klar: „Sie scheint auf einer sekundären Enttonung eines e zu beruhen“, s. Leumann LLFL 1977 p. 38 (Absatz d); „Minderbetonung bei sekundärer Wiedereinführung des Vokals“, s. K.-H. Mottausch „Die thematischen Nomina im Indogermanischen“ in HS 114 2001 p. 2-14, besonders 11; vgl. dens. „Die Vorgeschichte des indogermanischen Vokalsystems. Ein Versuch“ in IF 105 2000 p. 68-100, besonders 83ff., 94f.; dens. „Die idg. athmatische Nominalflexion und die -o-Stufe“ in HS 113 2000 p. 29-52, besonders 36ff., 44ff.; dens. „Das thematische Verb im Indogermanischen und seine Verwandten“ in HS 116 2003 p. 1-34; Mottausch Rez. 2004 p. 47 (7); Klein Rez. 2006 p. 409 zu p. 152. Zur Forschungsgeschichte des -o-Ablauts vgl. Szemerényi Einführung 1990 p. 124-127. Davon zu trennen ist das Spiel des Themavokals bei thematischen Verben, vgl. gr. IHYU-R-PHQaber IHYU-H-WH). Hier hat man den Eindruck, als wäre nachtoniges -e- kontextabhängig vor r (und l m n) zu -o- geworden, s.u. F 101 Abs. 4.

5. Der Akzent L 419. ŸJedes Nomen trägt einen Akzent, vgl. gr. D>QTUZSR und R-GRY. Einzelne Pronomina können aber in proklitischer oder enklitischer Position in einem Syntagma (in einer Sinneinheit) den Akzent verlieren und sich dem Akzent des Nomens dieser Einheit unterwerfen, vgl. R-D>QTUZSR (Rist proklitisch) oder NOX TLY PRL (PRL ist enklitisch). ŸJede Verbalform hat ebenfalls einen Wortakzent, vgl. uridg. *h 1 ésti vs. *h 1 smén. Im Satz wird es aber als zentrales Informationsmittel dem

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

übergeordneten Satzakzent unterworfen. Wie Hettrich Hypotaxe 1988 p. 779 einleuchtend zeigt, überwog die Reihenfolge Relativsatz - Hauptsatz. Das Relativsatz-Verb stand unmittelbar vor dem Hauptsatz, also an einer Haupttonstelle der Periode, während auf dem Hauptsatzverb am Schluß der Periode die Satzintonation abfiel. Als Konsequenz war das Verbum im Relativsatz betont, das Verbum im Hauptsatz unbetont. Das ved. Verbum zeigt genau diesen Stand. Ebenso das altgr. Verbum. Es bekam dann aber bei der Einschränkung des Spielraums des gr. Akzentes auf die letzten drei Silben einen neuen Satzakzent, der im Rahmen des Gesetzes möglichst weit vom Wortende weg Richtung Wortanfang zurücklag, vgl. gr. SDLGHXYRPDL oder GXYQDPDL. Beim gr. Verbum hat sich dann dieser neue Satzakzent als Normalakzent etabliert. Weiteres zum Akzent des Verbums s.u. F 214, zum Satzakzent s. auch unten S 209. — Zu den nominalen Akzentklassen s.u. F 314ff. N.B.: Partizipien und Infinitive gehören zwar in den Umkreis der Verben, sind aber nominaler Herkunft und tragen demgemäß einen vom Satz unabhängigen Wortakzent, vgl. gr. ODEZYQ oder SHSDLGHXNHYQDL. 1) Die unter den idg. Sprachen, deren schriftliche Überlieferungen den Sitz des Wortakzents überhaupt bekanntgeben, zeigen eine freie, d.h. von der Struktur des Wortkörpers unabhängige Betonung. Ein gr. Wortkörper wie IRUR kann den Wortakzent auf der ersten (vgl. IRYUR i.S.v. ‘Tribut, Abgabe’) wie auf der letzten Silbe tragen (vgl. IRURY i.S.v. ‘förderlich, einträglich’). Im Vedischen kommt die Gen.Sg.-Form brahma°as mit Betonung der ersten (vgl. bráhma°as i.S.v. ‘der Gebetsformel’) und der zweiten Silbe vor (vgl. brahmá°as i.S.v. ‘des Beters, des Priesters’). Die genannten Beispiele zeigen zudem, daß das in ihnen über den phonemischen Segmenten stehende, suprasegmentale Phänomen der Betonung das einzige Unterscheidungsmittel bei solchen Oppositionspaaren ist. 2) Für die historisch-vergleichende Betrachtung des Wortakzents ist wichtig, daß diese freien Tonstellen in mehreren Sprachen übereinstimmen. was nur als Erbe aus der gemeinsamen Vorstufe erklärt werden kann. Die Übereinstimmungen mit den von der Wortstruktur offenbar unabhängigen Tonstellen des Vedischen werden im Griechischen freilich durch einzelsprachliche Gesetze verdunkelt. Das Germanische ist durch die von Karl Verner erkannte Auswirkung der uridg. Akzentstellen auf das germanische Reibelautsystem ein weiterer wesentlicher Zeuge für den ursprünglichen Akzent, s.u. L 421. Die freien Akzentsysteme der baltischen und mehrerer slavischer Sprachen führen auf Weiterentwicklungen des ererbten Zustands zurück, s.u. L 422. Unter den

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Sprachen, die den uridg. Akzent gegen eindeutig sekundäre Akzentuierungsweisen eingetauscht haben, ist das Lateinische die wichtigste, s.u. L 423. 3) Zu den Versuchen, die uridg. Akzente aus lautgeschichtlichen Resultaten in den idg. Sprachen nachzuweisen, die keine gesicherte graphische Darstellung der Akzentstellen kennen, müssen ein paar Hinweise genügen. — Zum Heth. s.o. L 207. Vgl. ferner oben L 414, wo im Beispiel e-e¸-zi i.e. ês-tsi die Pleneschreibung im Singular als Resultat des unter dem Akzent stehenden *h1 - verstanden werden kann; vgl. oben L 336 Abs. 5, wo die Lenitionsregel einen davorstehenden akzentuierten Langvokal voraussetzt. Lit.: % Melchert Anatolian Historical Phonology 1994 p. 106f. — Zu Rückschlüssen aus dem Av. und aus dem Paš»ô: % M. Mayrhofer in Compendium Ling. Iran. 1989 p. 12f. L 420. Viele gr.-ved. Vergleichspaare zeigen volle Übereinstimmung der Wortakzentstellen. 1) Vgl. (jeweils im Akk.Sg.) die Verwandtschaftswörter gr. SDWHYU-D = ved. pitár-am ‘Vater’, IUD²YWHU-D = ved. bhrÄtar-am ‘Bruder’, TXJDWHYU-D = ved. duhitár-am ‘Tochter’, PKWHYU-D = ved. mâtár-am ‘Mutter; gr. QHYIR n. = ved. nábhas- n. ‘Wolke’; gr. TX²PRY m. ‘Aufwallung, Mut, Zorn’= ved. dhûmá- m. ‘Rauch’; gr. (dor.) IHYURQWL ‘sie tragen’ = ved. bháranti, gr. H>IHURQ ‘sie trugen’ = ved. ábharan. 2) Im Griechischen wird die ererbte Freiheit des Akzentsitzes jedoch durch das sog. Dreisilbengesetz eingeengt. In seiner Folge wurde der Akzent in Wörtern, bei denen er auf der viertletzten Silbe oder noch weiter zurück stand, auf die drittletzte Silbe verschoben. Zusätzlich wurde festgelegt, daß ein Akzent nur dann auf der drittletzten Silbe bleiben kann, wenn die letzte Silbe kurzvokalisch ist. Unbetont stehende Verbalformen im Hauptsatz wurden der neuen Akzentuierung ebenfalls unterworfen, wenn sie drei oder mehr Silben aufwiesen. Diese Verbalformen bekamen neu einen Akzent auf der drittletzten (wenn letzte Silbe kurzvokalisch) oder zweitletzten Silbe (wenn letzte Silbe nicht kurzvokalisch). Während als Entsprechung von ved. ábharan das gr. H>IHURQ (@ Y@ @ ) möglich bleibt, können den vedischen Verbalformen á-bharâma ‘wir trugen’ und ábharatâm ‘die beiden trugen’ als Resultate dieses Gesetzes im Gr. nur HMIHYURPHQ (= @ @ Y@ @ ) und HMIHUHYWKQ (= @@ @ YA ) entsprechen. Weiteres s.u. F 214 Abs. 1. 3) Als eine weitere Veränderung des ererbten Akzentsitzes im Griechischen ist die sog. Daktylosregel zu nennen (nach B. I. Wheelers klassi-

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scher Beschreibung in seinem Buch „Nominalaccent“ von 1885 kursiert sie auch als Wheelers Gesetz): Sie besagt, daß alle endbetonten Formen bei daktylischer Struktur der drei letzten Silben den Akzentsitz innergr. auf die vorletzte Silbe verlagern. Dies läßt sich sowohl innerhalb des Griechischen selbst demonstrieren (in der Gruppe der traditionell endbetonten verbalen Rektionskomposita vom Typ Þ\X²FR-SRPSRY ‘die Totenseelen führend’ sind die mit einem Daktylos endenden Beispiele auf der vorletzten Silbe betont, vgl. SDWURNWRYQR ‘den Vater mordend’) als auch im externen Vergleich (ein dem vedischen pe¹alá- ‘schön, verziert’ bildungsnahes *pokiló- ‘bunt’ lautet im Anschluß an die Daktylosregel SRLNLYOR . Lit.: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 39. 4) Weiteres zum griechischen Akzent und seinen Besonderheiten: % Risch Kl. Schr. 1981 (in einem Aufsatz von 1975) p. 187ff.; M. MeierBrügger in Fachtagung Leiden 1987 [1992] p. 283ff. L 421. Nach Karl Verners 1876 veröffentlichtem Gesetz beweist die Bewahrung eines inlautenden stimmlosen Reibelautes im Germanischen, daß, in einer dem Ved. und Gr. gleichen Betonung, die das älteste Germanisch noch hatte, der Tonsitz unmittelbar vor diesen Reibelauten lag: % K. Verner Eine ausnahme der ersten lautverschiebung in KZ 23 1876 p. 97130. Nach einer Mitteilung von O. Jespersen (% Portraits I 1966 p. 539) hat K. Verner seine Entdeckung vor einem Nickerchen gefunden, als er kurz noch in der Comparative Grammar von F. Bopp blätterte. Sein Blick soll auf pitár- vs. bhrÄtar- gefallen sein: „ It struck me that it was strange that the one word had a t in the Germanic languages and the other a th ... and then I noticed the accent-marks on the Sanscrit words“. Weitere Lit.: % A. Calabrese und M. Halle, Grimm’s and Verner’s Laws: A New Perspective in FS Watkins 1998 p. 47-62; K.-H. Mottausch in IF 104 1999 p. 46ff.; Ÿ Schaffner Vernersches Gesetz 2001. 1) Urgerm. f, þ, F, Fw, s < uridg. p, t, k, ký, s bleiben nämlich nur erhalten, wenn ihnen der Akzent inlautend in stimmhafter Umgebung unmittelbar voranging, s.o. L 336 Abs. 4. In allen anderen Fällen wurden sie zu stimmhaften Reibelauten (7, “, Y, Yý, z). Erhaltenes germ. -þ- in got. broþar ‘Bruder’ erweist also urgerm. *7 Zþer-, dessen Tonsitz mit dem von ved. bhrÄtar-, gr. IUDYWHU- übereinstimmt. Hingegen sind got. fadar , an. móðer ‘Mutter’ aus urgerm. *faþér-, *môþér-, entstanden, deren Tonsitz denen von ved. pitár- = gr. SDWHYU- bzw. ved. mâtár- = gr. PKWHYU- entspricht. Weiteres zu ‘Mutter’ s.o. L 211 Abs. 10. — Erhaltenes germ. *-F- nach unmittelbar vorangehendem Akzent zeigt sich im Wort für ‘Schwiegervater’: Es wurde nach Ausweis von

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ved. ¹vá¹ura- als uridg. *s¾éuro- betont, daher urgerm. *s¾éFura- = ahd. swehur, nhd. Schwäher. Demgegenüber zeigt das Wort für ‘Schwiegermutter’ uridg. *s¾erúh2- (s.o. L 304 Abs. 3) nach Ausweis von ved. ¹va¹rÜ- den Tonsitz nach dem Tektal: urgerm. *s¾eFrÜ- wird somit zu *eY 6- weiterentwickelt = ahd. swigur, nhd. Schwieger(mutter). 2) Daß sich *-s- im Germ. nur unmittelbar nach der Tonstelle erhielt, sonst aber zu *-z- wurde, zeigen nicht nur Einzelwortpaare wie ved. áyas- ‘Edelmetall’ = urgerm. *áes- > *aez- (got. aiz, ahd. êr ‘Erz’) oder ved. snuºÄ- = gr. QXRY ‘Schwiegertochter’ (them. *snusó- f. ist übrigens älter als durch Motion eindeutig als Fem. charakterisiertes *snusÄ-, s.o. E 506 Abs. 5) = urgerm. *snuzÖ (ahd. snora, snur, frühnhd. Schnur ‘Schwieger-tochter’). Es läßt sich auch an einer Folgeerscheinung von Verners Gesetz demonstrieren, wonach ein in der vedischen Grammatik üblicher Akzent-(und Ablaut-)Unterschied zwischen Singular und Plural(-Dual) des Perfekts durch den Wechsel zwischen *-s- (< *-s-) und *-z- (< *-s-) widergespiegelt erscheint. Diese Auswirkung des uridg. Akzentwechsels in der germanischen grammatischen Morphologie wird als Grammatischer Wechsel bezeichnet. Wie im Veda singularisches ju-jóº-a ‘er hat genossen’ pluralischem ju-juº-úr ‘sie haben genossen’ gegenübersteht, so zeigt das urgermanische *ká¾s-e (= ved. -jóº-a) mit erhaltenem -s- in ahd. kôs ‘er wählte’, aber *kuz- (= ved. -juº-úr) in ahd. kur-un ‘sie wählten’. Ebenso bei ursprünglichen uridg. Tenues: ahd. ward ‘er ward’ < urgerm. *wárþ-e (= ved. [va-]várt-a ‘hat sich gewendet’), aber wurtun ‘sie wurden’ < urgerm. *wur“- (= ved. 3.Pl. [va-]vμt-úr). 3) Obgleich das überlieferte Germanisch den uridg. Akzent zugunsten der Anfangsbetonung selbständiger Wörter aufgegeben hat, verlangen also die von K. Verner erkannten Resultate noch für ausgeprägt germanische Wörter Tonstellen, mit denen sie ved. (und griech.) Entsprechungen gleichen: also urgerm. *7rÖþer- = ved. bhrÄtar-, urgerm. *faþér- = ved. pitár-, urgerm. *môþér- = ved. mâtár-, urgerm. *snuzÖ = ved. snuºÄ-, urgerm. *sweFrÜ- = ved. ¹va¹rÜ-, urgerm. *#- / *kus-´ = ved. -jóºa -juºúr usw. Das Germanische ist durch diese Auswirkungen von ‘Verners Gesetz’ der drittwichtigste Zeuge des uridg. Wortakzents nach dem Vedischen und Griechischen. Verners Entdekkung, welche Hunderte von Ausnahmen der Germanischen Lautverschiebung durch die Annahme der Existenz noch urindogermanischer Tonstellen im bereits verschobenen Germanisch erklärte und damit den Weg zu einer exakteren Anwendung der Lautgesetze bahnte, war von paradigmatischer Bedeutung für die Entwicklung der diachron-vergleichenden Sprachwissenschaft. 4) Es läßt sich abschließend für das Germ. die folgende relative Chronologie festhalten: a) Die uridg. Akzentverhältnisse sind zunächst in Kraft; b) Ein-

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II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

tritt der Germanischen Lautverschiebung; c) Wirksamkeit von Verners Gesetz; d) Veränderung des Akzentverhaltens und Eintritt der typisch germanischen Erstbetonung. L 422. Die baltischen und mehrere slavische Sprachen zeigen bewegliche (also innerhalb von Paradigmen den Standort wechselnde) und freie Akzente. „Diese Beweglichkeit und relative Freiheit sind es“, schreibt Kuryªowicz Akzent . Ablaut 1968 p. III, „die den Komparatisten bewegen, nach einem geschichtlichen Zusammenhang [zwischen den balt.-slav. und den ved.-gr. (-germ.) Akzentstellen] zu fahnden.“ Der uridg. Zustand hat aber etliche Umänderungen in den balt. und slav. Sprachen erfahren, über deren Ausmaß noch keine Einigkeit erreicht ist. So wird bestritten, daß die bewegliche Betonung in lit. dukt˜ ‘Tochter’, Gen.Sg. (alt) dukterès, Akk.Sg. dùkter‚i eine Widerspiegelung der uridg. (ved.) Tonstellen sei: mit -t˜ vgl. ved. duhitÄ ‘Tochter’, mit -terès (für *duktr-ès) vgl. die schwachen Kasus des Typs ved. Dat.Sg. duhitr-é und gr. Gen.Pl. TXJDWU-Z Q, mit dùkter‚i (mit regelmäßiger Tonversetzung aus *dukt^r‚i) vgl. ved. duhitár-am und gr. TXJDWHYU-D. Jedenfalls sind in den meisten Fällen Weiterentwicklungen zu erwarten, die im Prinzip auf uridg. Ausgangsformen beziehbar sind. Dabei gelten gleichgebliebene Tonstellen wie in russ. nébo, serbokroat. nèbo ‘Himmel’= uridg. *:  (gr. QHYIR, ved. nábhas- ‘Wolke’, s.o. L 338) eher als kuriose Zufälle. Man glaubt Regeln formulieren zu können wie die, daß eine laryngalhaltige Silbe, der im Uridg. eine betonte Silbe folgte, im Balt. und Slav. den Ton auf sich zog: z.B. uridg. *d£uh2-mó- (ved. dhûmá-, gr. TX²PRY, s.o. L 211 Abs. 7) = balt. und slav. dÜm-, lit. dÜmai, russ. dym (Gen.Sg. dým-a), serbokroat. dìm ‘Rauch’; uridg. *gýriH-¾éh2- (ved. grîvÄ- f. ‘Nacken’) lett. grwva ‘Flußmündung’, russ. gríva, serbokroat. grìva ‘Mähne’. Wenn ein solches Resultat mit der Fortsetzung bereits uridg. Betonung der laryngalhaltigen Silbe zusammenfiel (vgl. uridg. *¾„H-nah2- ‘Wolle’ [ved. Ür°â-] > lett. viƒna, russ. vólna, serbokroat. vùna ‘Wolle’), so relativiert dies den Wert der balt. und slav. Aussagen für die Erschließung der uridg. Akzentstellen. Die beweglichen und freien Akzente in balt. und slav. Sprachen gehen zwar von den uridg. Tonstellen aus; sie können aber höchstens die aus ved.-gr.-germ. Evidenz hervorgegangenen Ergebnisse fallweise bestätigen. Weiteres: % Kuryªowicz Akzent . Ablaut 1968 p. 111f., p. 123; Stang Vgl. Gramm. 1966 p. 134f.; Kortlandt Slavic Accentuation 1975; Illi’Svity’ Nominal Accentuation 1979; Collinge Laws 1985; I. Hajnal in HS 109 1996 p. 314-316 (Rez. von R. Derksen Metatony in Baltic Amsterdam / Atlanta 1996). Ÿ vgl. jetzt auch Jay Jasanoff "Balto-Slavic mobility

D. Zu den größeren lautlichen Einheiten

289

as an Indo-European problem," to appear in the Proceedings of the Fifth International Workshop on Balto-Slavic Accentology (IWoBA V). L 423. Im Lateinischen sind keine offensichtlichen Spuren der uridg. (= ved. und gr.) Tonstellen erhalten, höchstens indirekte, s. Abs. 1. Der einmal vorhandene uridg. Zustand ist in einem ersten Schritt von einem Anfangsakzent abgelöst worden, s. Abs. 3. Das klass. Lat. ist davon wieder weggekommen, s. Abs. 2. 1) Einen verdeckten Hinweis auf die ursprüngliche Existenz der uridg. Betonung kann das Schicksal von -i im Auslaut abgeben: Es geht in unbetonten Fällen wie est < uridg. *h1  verloren (s.o. E 503 Abs. 4), kann sich aber in Fällen wie dem endbetonten Lok.Sg. pede < uridg. *ped-í halten: % H. Rix in Kratylos 41 1996 p. 158 Anm. 7 (von Fällen wie *ped-í aus wird lok. -e verallgemeinert, auch da, wo es wie bei ante < *h2-i [s.o. L 322 Abs. 2] im Paradigma ursprünglich nicht akzentuiert war). 2) Das klassische Latein unterliegt einer von der Gestalt des Wortkörpers abhängigen Regel, wonach zweisilbige betonte Wörter den Ton auf der vorletzten Silbe (Paenultima) tragen, während ihn Wörter mit mehr als zwei Silben auf der Paenultima tragen, wenn diese natur- oder positionslang ist, sonst auf der drittletzten Silbe (Antepaenultima): régit, régunt; regËbat, regúntur; régitur. 3) Dieser klass.lat. Betonungsweise muß aber ein älterer Wortakzent vorausgegangen sein, der ebenfalls nicht frei, sondern auf der Anfangssilbe der Wörter fixiert war. Das älteste Latein betonte also *fáciô, *cón-faciô, *cónfactom. Die beiden letzteren Formen ergaben, weil nebentoniges *-a- vor Einfachkonsonanz zu -i-, vor Doppelkonsonanz zu -e- gehoben wurde, lat. conficiô und confectum. Vgl. als weitere Beispiele agô : ex-igô (< *éx-agô), sedeô : ob-sideô (*ób-sed-, s.o. L 108), talentum (< *tálantom, Lehnwort aus gr. WDYODQWRQ), schließlich igitur ‘also, denn’ (losgelöst aus einer Frageformel wie quid igitur < quíd agitur ‘worum geht es, was also?’). — Für die Sprachvergleichung ist die Kenntnis dieses vorhistorischen (und in die Zeit der Überlieferung des Lateins hineinreichenden) Anfangsakzents sowie seiner Auswirkung wichtig, da die kontextfrei zu erwartenden Resultate durch ihn oft verändert werden: aus uridg. *$1  - (s.u. F 101 Abs. 2) ursprünglich entstandenes lat. *génator wird infolge des Wirkens dieses Akzentes zu genitor (wie *éxagô > exigô); daß nebentoniges lat. *-a- vor Doppelkonsonanz nur zu -egehoben wurde (s.o.), erklärt die Feminin-Form genetrîx < *génatrîk- (= ved. jánitrî- f. ‘Gebärerin’). Dem gr. THWRY entsprechendes lat. *(áb-), *(cón)datos (< uridg. *d£h1 &-, s.o. L 325) erscheint dementsprechend als ab-ditus,

290

II. Zur Lautlehre des Urindogermanischen

con-ditus. — Überlieferte alliterierende Formeln aus religiösen und juristischen Texten sind letzte Hinweise aus klassischer Zeit auf diese ältere Epoche mit Anfangsakzent, vgl. das Catonische Pastores pecuaque salva servassis duisque duonam (später bonam) salutem „(Vater Mars, dich bitte ich, daß du) Hirten und Herden heilhaltest und gutes Heil gebest“ in De Agricultura 141,2). 4) Der erste Schritt vom Uridg. weg zum Anfangsakzent ist nicht ohne den Einfluß der mittelitalischen sprachübergreifenden Koine zu denken, der neben dem Lateinischen das Sabellische und das Etruskische angehört haben. Weitere Literatur: % H. Rix Die lateinische Synkope als historisches und phonologisches Problem in Kratylos 11 1966 p. 156-165; Leumann LLFL 1977 p. 235-254; Meiser Laut- u. Formenlehre 1998 p.53.

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

A. Allgemeines F 100. Zwischen der Lautlehre (s.o. Teil II) und der Syntax (s.u. Teil IV) steht in der traditionellen Grammatik die Formenlehre (= Morphologie) im weitesten Sinn. 1) Eine Verbalform wie lat. Präs. Ind. 3.Sg.Akt. gignit ‘zeugt, bringt hervor’ setzt sich aus dem Wortstamm (genauer: aus dem Verbalstamm oder noch genauer: aus dem Ind.Präs.St.) gignV- und der 3.Sg.Akt.-Endung -t zusammen. Eine Nominalform wie lat. Nom.Sg. genetrîx (*‘Zeugerin’ >) ‘Mutter’ basiert auf dem Wortstamm (genauer: auf dem Nominalstamm)  )und der Nom.Sg.-Endung -s (das Schriftzeichen x steht für die Doppelkonsonanz c+s, das Schriftzeichen c für ein stimmloses k). Der vordere, feste Teil der beiden Formen, der Wortstamm, trägt die Wortbedeutung (= Lexem). Der hintere Teil, die Endung, gehört jeweils zu einem größeren, austauschbaren Set oder Paradigma (vgl. bei gignV- u.a. Präs. Ind. Akt. -ô -is -it -imus -itis -unt, vgl. bei genetrîc- u.a. Sg. -s -is -î -em -e). Die Endungen bezeichnen die grammatischen Kategorien der fraglichen Wortform (= Morphem). 2) Entsprechend der Analyse von Abs. 1 ergeben sich die verschiedenen Aufgaben der Formenlehre oder Morphologie. Mit den Wortstämmen, deren Bildung und Bedeutung beschäftigen sich die Teilgebiete Wortbildung(slehre), Etymologie und Semantik. Sie werden hier unter dem Stichwort Wortschatz (s.u. Teil V) abgehandelt. Die hier unter III dargestellte Formenlehre im engeren Sinn (Flexionslehre, Morphologie im engeren Sinn; = franz. morphologie, engl. morphology) beschäftigt sich mit den Paradigmen und deren Endungen. Da das Verbum in seinem Aufbau verschiedene Tempusstämme miteinander kombiniert (vgl. oben Präs.St. gi-gn-V-, aber Perf.St. *gena-¾- mit klass. Lat. 1.Sg. genuî usw.), muß auch davon die Rede sein.

292

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

3) Zur Definition von Flexion und Morphologie: % Bussmann Lexikon der Sprachwissenschaft 1990 p. 244f. und p. 504f.; Lewandowski Linguist. Wörterbuch 2 1994 p. 306 und p. 729f. F 101. Sieht man von reinen Wurzelstämmen ab, dann läßt sich jeder verbale oder nominale Wortstamm in der Regel weiter untergliedern. 1) Ein erstes Beispiel: Die gr. Verbalform HMUKWXYVDVNH(Hom., poet.) ‘hemmte’ enthält neben der Endung -õ (< *-t; sie steht hier für die 3.Sg. Aor.) die Elemente HMUKWX+VD+VNH-: Basis ist das -tu-Abstraktum HMUKWX. An ihn sind die beiden in der Verbalflexion beheimateten Suffixe -sa- (bezeichnet den Aor.St.) und -ske- (bezeichnet die iterative oder wiederholte Aktionsart) angefügt. Der Nominalstamm selbst ist weiter aufteilbar in die Verbalwurzel HMU(< uridg. *¾er- ‘hemmen’, vgl. ved. vár-tave ‘aufzu-halten’, vár-tra- ‘Schutzwall’) und in das komplexe Nominalsuffix -KWX- (es gehört zur Gruppe der gr. Verbalabstrakta auf -tu-; die sekundäre Form mit zusätzlichem -ê- bzw. -â- ist mit den bekannten Nomina vom Typ DMJRUKWXY- [Hom. Od.] ‘Rede’ zu vergleichen; für die von mir hier vorgeschlagene Analyse spricht das parallel gebaute hom. Nomen HMGKWXY’Essen’, das klärlich auf dem Verbalstamm HMG‘essen’ < uridg. *h1 - beruht). 2) Ein zweites Beispiel: Die zwei lat. Nominalstämme gene-tr-î-c- f. ‘Mutter’ (älter [vor der Vokalschwächung in kurzen Mittelsilben: % Leumann LLFL 1977 p. 82f.] *gena-tr-î-c-) und  - m. ‘Vater’ (älter *gena-tôr-) bestehen beide aus der vollstufigen Verbalwurzel *gena- (< uridg. *$1 -) und dem Suffix -t(V)r- (bezeichnet Nomina agentis, s.u. W 205 Abs. 1). Beim Mask. ist die Suffixform ein dehnstufiges -tôr-, beim Fem. ein schwundstufiges -tr- mit daran angeschlossenem Suffix -î- bzw. -î-c- (d.h. -î-k-) zur deutlichen Markierung des Fem., dabei -î- < *-ih2-, s.u. W 204 Abs. 1. 3) Neben den unzähligen Wortstämmen, die sich in die Wurzel (dem nach Abtrennung aller Suffixe verbleibenden Wortkern) und in die an sie angefügten Suffixe gliedern lassen, gibt es auch solche, die allein aus der Wurzel bestehen, vgl. aus dem verbalen Bereich die sog. Wurzelpräsentien vom Typ ved. ás-mi (< uridg. *h1 -mi, s.o. E 502 Abs. 4) und Wurzelaoriste vom Typ gr.H>IXQ (< uridg. *é-b£uh1-m), vgl. aus dem nominalen Bereich die sog. Wurzelnomina vom Typ lat. vôc- ‘Stimme’ (< uridg. *¾ôký- / *¾oký- zu verbalem uridg. *¾eký- ‘sagen’). 4) Innerhalb der Wortstämme steht der Gruppe der sog. athematischen die Gruppe der sog. thematischen gegenüber. Entscheidungsgrundlage für diese Einteilung ist das Vorhandensein bzw. Fehlen des sog. Themavokals -e- im

A. Allgemeines

293

Stammauslaut vor der Endung. Er steht im Ablaut (z. T. im Wechsel) mit -o-. Beim Nomen herrscht -o- vor; -e-Ablaut findet sich aber im Vok.Sg. (er lautet m. und n. auf -e) und in einem Teil der Lok.Sg.- und Instr.Sg.-Formen (neben -o und -oh1 gibt es Hinweise auf -e- und -1 -Formen), s.u. F 311 Abs. 1. Beim Verbum wechselt -e- mit -o-. Die lautliche Umgebung scheint hier eine Rolle zu spielen. Der -o-Vokal findet sich nämlich ausschließlich vor den Endungen, die mit -m-, -nt- , -h2- oder -ih1- beginnen, s.u. F 209 und s.o. L 418 Abs. 4. Zum Gesamtproblem: % Rasmussen Morphophonemik 1989 p. 136ff. Zur Vereinfachung der Rekonstrukte werden thematische Nominalformen i.d.R. mit einem -o- versehen, thematische Verbalformen dagegen mit einem -e-. Ein Nominalstamm wie uridg. *¾érœ-o- ‘Werk’ ist also genauso als thematisch zu bestimmen wie der Verbalstamm uridg. *b£ér-e-. Athematisch sind dagegen ein Nominalstamm wie uridg. *(u)¾on- ‘Hund’ oder ein Verbalstamm wie uridg. *h1es- ‘existieren, da sein’. Die Anzahl der thematisch gebildeten „einfachen“ Nomina und Verben nimmt im Laufe der einzelsprachlichen Entwicklung zu, die „komplexeren“ athematischen Nomina und Verba sind auf dem Rückzug. Die Endungssätze der thematischen Verbal- und Nominalstämme sind z.T. von denen der athematischen Bildungen verschieden, s.u. F 209 zum Verbum und F 311 zum Nomen. F 102. Die Verbalflexion (= Konjugation) und die Nominalflexion (= Deklination) werden getrennt besprochen, das Verbum unten F 200ff., das Nomen unten F 300ff. Ein paar Charakteristika sind aber beiden Flexionen gemeinsam. 1) In Konjugation und Deklination lassen sich Paradigmen konstituieren, so etwa ein Paradigma für die lat. Präsensstämme vom Typ gignV- (nämlich lat. Ind. Präs. Akt 1.Sg -ô, 2.Sg -is, 3.Sg -it usw.), so etwa ein maskulines Singularparadigma für die gr. -o-Stämme (Nom.Sg -R, Akk.Sg -oQ, Lok.Sg -oL usw.). Die aus den Schulbüchern und Schulgrammatiken jedem bekannten Paradigmen sind nicht nur eine Erfindung der Schulmeister, sie basieren auch auf sprachimmanenten Kriterien: % Hj. Seiler Das Paradigma in alter und neuer Sicht in Kratylos 11 1966 p. 190-205. 2) Man ist schnell geneigt, Paradigmen als starre Größen zu betrachten, die vollständig ausgestattet sein sollten. Dies entspricht aber nicht dem sprachlichen Alltag. Es müssen nämlich nicht immer alle Positionen mit Formen besetzt gewesen sein. So gibt es Nomina, die nur im Singular verwendet werden (= Singularia tantum), und solche, die nur im Plural Verwendung finden (= Pluralia tantum). Ferner: Die nominalen Paradigmen von Sg. und Pl. zeigen strukturelle Unterschiede, s.u. F 310. Unterschiedliche Bedürfnisse zeigen sich

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III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

zwangsläufig bei der Verwendung von Ortsnamen, Personennamen und Sachen: Ortsnamen verlangen u.a. den Lokativ, Personennamen den Vokativ, Sachen den Instrumental usw.: % Risch Kleine Schriften 1981 p. 736; zum Anatolischen E. Neu in HS 102 1989 p. 13f. („Vieles spricht dafür, daß sich der Auf- und Ausbau der Kasusflexion für Nomina der Personen- und Sachklasse nicht einheitlich und gleichzeitig vollzog“). Weiteres zu Veränderungen im Nominalparadigma s.u. F 302. F 103 In der Regel bildet eine einzige Wurzel die Basis für die gesamte Formenvielfalt eines Wortes, vgl. einerseits den lat. Präs.St. laud-â-eneben dem dazu leicht variierten Perf.St. laudâ-¾-, vgl. andererseits lat. dominus m. ‘Hausherr, Besitzer’ (= Nominalstamm dom-ino-), domina f. ‘Herrin, Ehefrau’ (= Nominalstamm dom-inâ-), dominâre ‘Herr sein’ (= Verbalstamm *domin-â-e-), dominâtiô f. ‘Herrschaft’ (= Nominalstamm dominâ-ti-ôn-) u.a.m. In einigen alten Beispielen ergänzen sich aber auch zwei genetisch verschiedene Stämme suppletiv, vgl. als Gegensatz zu den soeben genannten Beispielen den lat. Präs.St. esse (sum) ‘sein’, der mit dem Perf.St. fuî zusammengeht (ein Perf.St. *eruî o.ä. ist nicht bekannt); oder vgl. gr. DMQKYU m. ‘Mann’, wo das entsprechende Femininum JXQKY f. ‘Frau’ lautet (es gibt kein *DMQGULYD). Zum Problem der sog. Suppletion: % K. Strunk, Überlegungen zu Defektivität und Suppletion im Griechischen und Indogermanischen in Glotta 55 1977 p. 2-34. F 104. Die Endungen der Nomina vermitteln Informationen zu den paradigmatischen Kategorien Kasus, Numerus und Genus, die der Verben solche zu Numerus, Person, Diathese, Aspekt, Modus und Tempus. Die Beschreibung der inhaltlichen Seiten dieser Kategorien wird Sache der Syntax, s.u. Teil IV mit C. Zur Morphosyntax des Verbums und D. Zur nominalen Morphosyntax. Wo es das Verständnis der formalen Seite aber erfordert, werden sie hier in die Diskussion einbezogen. Es ist für die indogermanischen Sprachen charakteristisch, daß nicht für jede grammatische Kategorie in analytischer (agglutinierender) Weise ein eigenes Formans zur Verfügung steht, sondern daß die einzelnen Endungen in der Regel in synthetischer (kumulativer) Weise zwei, drei oder gar mehr inhaltliche Aussagen im gleichen Formans bündeln, vgl. aus dem verbalen Bereich die lat. Endung -tur (in einem Beispiel wie laudâtur ‘er/man wird gelobt’), wo 3.Person + Sg. + GW + Pass. zusammen bezeichnet sind, vgl. ferner aus dem verbalen Bereich die Endung uridg. *-ént-i (in einem Beispiel wie uridg. *h1-énti ‘sie existieren’, s.o. E 505) mit dem

A. Allgemeines

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Informationspaket 3.Person + Pl. + Akt.+ GW, vgl. aus dem nominalen Bereich lat. -us (im Beispiel dominus) mit dem Informationspaket Nom. + Sg. + m. Einen Hinweis darauf, daß im Voruridg. auch das analytische Verfahren bekannt war, bietet der Akk.Pl. *-ns: Wenn der Vergleich mit dem uridg. Akk. Sg. *-m nicht täuscht, ist der Akk. Pl. *-ns aus *-m (= Akk.) +(e)s (= Pl.) zusammengesetzt.

B. Zum Verbum 1. Allgemeines F 200. Das Verbum steht im Zentrum des Verbalsatzes. Es ist an Formen und Inhalt weitaus reichhaltiger als das Nomen. Zum Syntaktischen s.u. S 300ff. Es wird gelegentlich der Vorwurf erhoben, die grundlegende Rekonstruktion des uridg. Verbalsystems basiere einseitig auf den Fakten des Gr. und Indoir. Die Kritiker des sog. graeco-arischen Rekonstruktionsmodells verweisen gern auf die Andersartigkeit des Anatolischen, Tocharischen oder Keltischen. Alternative Modelle konnten aber nie geliefert werden. Wo genaue Daten zur Verfügung stehen, wird im Gegenteil immer wieder deutlich, daß die Andersartigkeit als sekundäre Abweichung vom Modell, wie es das Graeco-Arische bietet, verstanden werden kann. Und so scheint die Vorzugsstellung des Gr. und Iir. nicht in der Vorliebe der Forschung begründet zu sein, sondern in der Geschichte des Gr. und Iir. zu liegen: % H. Rix Das keltische Verbalsystem auf dem Hintergrund des indo-iranisch-griechischen Rekonstruktionsmodells in Kolloquium Keltisch Bonn 1976 [1977] p. 132-158. Ÿ Im Folgenden werden die Probleme der Verbalbildungen aufgeteilt. Die Bildung der Verbalstämme (von Präsens, Aorist und Perfekt) kommt in F 202 - 207 zur Sprache. Die modalen Erweiterungen werden gleich zu Beginn mit behandelt. Die Endungen werden in F 208 - 212 besprochen, das Augment in F 213, der Verbalakzent in F 214. Am Schluß in F 215218 folgen die infiniten Verbalformen (Partizip, Infinitiv) und ein Hinweis auf periphrastische Konstruktionen.

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III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

F 201. Die Lit. zum Verbum ist immens. Ich kann hier nur ein paar Hinweise geben: a) zum Verbum allgemein: % Bussmann Lexikon d. Sprachw. 1990 p. 828f. s.v. ‘Verb’; Metzler Lexikon Sprache 1993 p. 675 s.v. ‘Verb’; Lewandowski Linguist. Wörterbuch 3 1994 p. 1221f. s.v. ‘Verb’; R. Stempel Aspekt und Aktionsart, Tempus und Modus: Zur Strukturierung von Verbalsystemen in IF 104 1999 p. 23ff. b) zum uridg. Verbum: % LIV 2001 (Ÿ Einzelverweise tragen z.T. weiterhin die Paginierung von LIV 1998); Brugmann Grundriß II-3 1916; Krahe Idg. Sprachw. II 1969 p. 50-89; Watkins Verbalflexion 1969; Jasanoff Stative and Middle 1978; Szemerényi Einführung 1990 p. 244370 (Einleitendes über das idg. Verbalsystem; Personalendungen, Themavokal, Diathesen; Modusbildungen; Tempusstämme; Synthese: Paradigmen mit Anmerkungen; Verbum infinitum; Vorgeschichte); J. H. Jasanoff Aspects of the Internal History of the PIE Verbal System in Fachtagung Zürich 1992 [1994] p. 149-168. Ÿ Jasanoff Verb 2003. c) zum lat. Verbum: % Leumann LLFL 1977 p. 505-624 (Das Verbalsystem und seine Formen; Praesenssystem mit Praesensstämmen und Flexionsformen; Perfektsystem mit Perfektstämmen und Flexionsformen); Meiser Perfekt 1991; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 178-228 (Flexion des Verbums; Aufbau des Paradigmas; Die Bildung des Präsensstamms; Tempora und Modi des Präsensstamms; Der Perfektstamm; Die Endungen; Unregelmäßige Paradigmen; Infinite Verbalformen). Ÿ Vgl. ferner oben in den bibl. Nachträgen 10 die Titel von G. Meiser, Bettina Bock und Mariona Vernet i Pons. d) zum gr. Verbum: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 46-63; Hauri Futur 1975; Tucker Early Greek Verbs 1990; Rijksbaron Verb in Class. Greek 1994. Ÿ Vgl. ferner oben in den bibl. Nachträgen 17 Nr. 6 Daniel Kölligan. e) zum ved. und indoir. Verbum: % Gotô Materialien Nr. 1-29 19901997; Werba Verba IndoArica I 1997; Kellens Verbe avestique 1984 + 1994; ferner: % Hoffmann Aufsätze I-III 1975-1992 und Narten Kleine Schriften I 1994 mit zahlreichen auch methodisch vorbildlichen Arbeiten zum indoir. und idg. Verbalsystem; Narten Sigmatische Aoriste 1964; Schaefer Intensivum 1994; Kümmel Stativ und Passivaorist 1996. Ÿ Vgl. ferner oben in den bibl. Nachträgen 17 Nr. 7 Eugen Hill, in 18 Nr. 2 J. Cheung, in 19 Nr. 5 E. Dahl. f) zum heth. und anatol. Verbum: % Oettinger Verbum 1979. g) zum germ. Verbum: % Seebold Germ. starke Verben 1970; Bammesberger Germ. Verbalsystem 1986; R. Lühr Reste der athemati-

B. Zum Verbum

297

schen Konjugation in den germanischen Sprachen in Kolloquium Germanisch Freiburg 1981 [1984] p. 25-90. Ÿ Hier sei ferner auf die Forschungen von Josef Jarosch verwiesen, vgl. seine Homepage http://www.josef-jjarosch.de/. Seine Ansichten zum indogermanischen und germanischen Verbum, aber auch zur Rekonstruktion sind ausführlich dargelegt in seinem Rekonstruierenden und etymonomischen Wörterbuch der germanischen starken Verben, Verlag Schuch, Weiden 1995ff. (erschienen in einzelnen Lieferungen). Der Autor spricht sehr persönlich vom Umgang mit der Diachronie. Seine Ausführungen kreisen u.a. um die Vorstufen des im Germ. als Präsens etablierten Verbums *kwema- (vgl. got. qiman) bzw. *kuma- VPHQ Die Reduplikation fehlt aber (War sie nie vorhanden? Ist die Form also ein Archaismus, der in das Voruridg. zurückreicht? Wurde die Reduplikation früh beseitigt?). — Lit.: LIV 2001 p. 666f. mit Anm. 9; Jasanoff Verb 2003 p. 228-233. F 204. Neben den Stammbildungen des Präs., Aor. und Perf. sind auch grundsprachliche Stammbildungen von Aktionsarten nachzuweisen. Die Übersicht über die Stammbildungen der Aktionsarten Kausativ-Iterativ, Desiderativ, Intensiv, Fientiv und Essiv orientiert sich wieder an LIV 2001 p. 22ff. mit den LIV-Nummern 4-8. Die Termini Fientiv und Essiv sind nicht allgemein etabliert, die Diskussion über die Beurteilung der Fientiva und Essiva ist nicht abgeschlossen. Im LIV 2001 finden sich Angaben zu jedem Typ. Ich beschränke mich auf ein paar Auszüge, nenne Beispiele und eventuell zusätzliche Literatur. Die Nummerierung von LIV 2001 wird übernommen. 4) Die Stammbildungen der Aktionsart Kausativ-Iterativs mit der Bedeutung „Veranlassung, einen Sachverhalt zu realisieren oder wiederholte Realisierung eines Sachverhaltes“ (LIV 2001 p. 22f.).

306

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

4a) LIV-Typ 4a = Kausativ-Iterativ mit -o-stufiger Wurzel und them. Suffix -ée-, im LIV 2001 bei 440 Wurzeln angesetzt (237 Fälle sicher). — Die Doppelbedeutung des Bildungstyps erklärt sich am besten, wenn wir für die Bildung denominalen Ursprung postulieren, vgl. uridg. *men- ‘einen Gedanken fassen’ (% LIV 2001 p. 435f.) mit dem Abstraktum *móno- ‘das Fassen von Gedanken’. Zu *móno- wäre dann mit denominativem -e- die Form *moné-e-ti gebildet ‘besorgt das Fassen von Gedanken’ i.S.v. ‘macht daran denken’ = lat. moneô = ved. mânáyati ‘ehrt, schätzt’. — Lit.: % Jamison -áya- 1983 (die Autorin kommt zum Schluß, daß im Iir. zwei verschiedene Bildungen vorliegen: ein in der Wurzel -o-stufiges -ée-Kausativ mit transitiver Bedeutung und ein in der Wurzel schwundstufiges mit intransitiver). 4b) LIV-Typ 4b = Kausativ-Iterativ mit betontem, dehnstufigem ô in der Wurzel und them. Suffix -e-, im LIV 2001 bei 24 Wurzeln angesetzt (12 Fälle sicher). — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *s¾ep- ‘schlafen’ (% LIV 2001 p. 612f.) mit Akt. 3.Sg. *s¾Öp-e-ti ‘einschläfern’ = lat. sôpiô. — Lit.: % G. Klingenschmitt, Zum Ablaut des indogermanischen Kausativs in ZVS 92 1978 p. 1-13. 5) Die Stammbildungen der Aktionsart Desiderativ mit der Bedeutung „Wunsch des Subjekts, einen Sachverhalt zu realisieren“ (% LIV 2001 p. 23f.). — Das Desiderativ-Suffix beginnt bei Wurzeln auf Liquida und Nasal regelmäßig mit einem Laryngal. Ausgangspunkt sind laryngalhaltige Wurzeln wie uridg. *#/ 1 - ‘eine Drehung machen, sich umdrehen, sich (um-, zu)wenden’, *  2 - ‘durchkommen, überqueren’, * 2 - ‘müde werden, sich abmühen’ oder * 2 - ‘erlangen, erwischen’. Nach der Reanalyse von KVRH-s- und KVNH-s- als KVR-Hs- und KVN-Hs- muß das komplexe Suffix -Hs- bereits früh auch bei den laryngallosen Stämmen auf schließendes -l-, -r-, -m- und -n- Eingang gefunden haben. 5a) LIV-Typ 5a = Desiderativ mit Suffix -(H)s-, im LIV 2001 bei 77 Wurzeln angesetzt (27 Fälle sicher): — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *¾ed- ‘erblicken’ (% LIV 2001 p. 606-608) mit *¾ed-s- ‘zu sehen wünschen’ = lat. vîsere ‘besuchen’. 5b) LIV-Typ 5b = redupliziertes Desiderativ mit them. Suffix -(H)sé- , im LIV bei 36 Wurzeln angesetzt (9 Fälle sicher): — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *¾en- ‘überwältigen, gewinnen’ (% LIV 2001 p. 680) mit *¾i--Hsé- = ved. vívâsati ‘möchte gewinnen’. 6) Die Stammbildungen der Aktionsart Intensiv mit der Bedeutung „wiederholte Realisierung eines Sachverhaltes“ (% LIV 2001 p. 24f.).

B. Zum Verbum

307

6a) LIV-Typ 6a = redupliziertes athem. Intensivum, im LIV 2001 bei 14 Wurzeln angesetzt (5 Fälle sicher). — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *kýer- ‘(ab)schneiden, schnitzen’ (% LIV p. 391f.) mit *kýérkýr- = ved. Ptz. kári-kr-at- ‘immer wieder machend’. — Lit.: % Schaefer Intensivum 1994; M. Fritz Keine Spuren von Laryngalen im Vedischen: Die Laryngalkürzung beim Intensivum in FS Narten 2000 p. 55-61. 7) Die Stammbildungen der Aktionsart Fientiv mit der Bedeutung „Eintritt des Subjekts in einen neuen Zustand“ (% LIV 2001 p. 25). 7a) LIV-Typ 7a = Fientiv mit Suffix -éh1-/-h1-, im LIV bei 58 Wurzeln angesetzt (19 Fälle sicher): — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *men- ‘einen Gedanken fassen’ (% LIV 2001 p. 435f.) mit *mn-1- = gr. HMPDYQKQ ‘wurde rasend’. — Lit.: % J. A. Har“arson in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 323ff. 8) Die Stammbildungen der Aktionsart Essiv mit der Bedeutung „Zustand des Subjekts ... ohne Betonung des Eintretens in den Zustand“ (LIV p. 25). 8a) LIV-Typ 8a = Essiv mit them. Suffix -h1é-, im LIV 2001 bei 99 Wurzeln angesetzt (42 Fälle sicher). Das komplexe Suffix -h1é- basiert als -é-Ableitung auf den Fientiven auf -1-/-h1-. — Als Musterbeispiel vgl. uridg. *ten- ‘sich spannen, sich dehnen’ (% LIV 2001 p. 626f.) mit *th1é- = lat. tenêre ‘halten’. — Lit:. wie bei Typ 7a. F 205. Die Mehrzahl der in F 203 und F 204 genannten Stammbildungen sind vom Aspekt her Präsensstämme. Will der Sprecher aber vom Präsens in den Aorist oder in das Perfekt wechseln oder vom Aorist ins Präsens oder Perfekt oder vom Perfekt in den Aorist oder ins Präsens, muß er zu den fraglichen Präs.-, Aor.- oder Perf.-Bildungen den neu gewünschten Aspektstamm extra bilden. Der Sprecher bedient sich zu diesem Zweck entweder einer sog. regelmäßigen Stammformenreihe vom Typ gr. SDLGHXYZSDLGHXYHLQ = Präs.St.) ‘erziehen’ vs. HMSDLYGHXVDSDLGHX VDL = Aor.St.) vs. SHSDLYGHXND SHSDLGHXNHYQDL (= Perf.St.) oder (in selteneren Fällen) einer sog. suppletiven Stammformenreihe vom Typ gr. H>UFRPDLH>UFHVTDL(= Präs.St.) ‘im Begriff sein zu gehen / zu fahren, dahinziehen, gerade unterwegs sein’ vs. K?OTRQHMOTHL Q(= Aor.St.) ‘zu jem. kommen, ans Ziel kommen’ vs.HMOKYOXTDHMOKOXTHYQDL(= Perf.St.) ‘gekommen sein’, wo zwei oder drei verschiedene Stämme ähnlicher Bedeutung miteinander kombiniert sind (die hier angegebenen Bedeutungen sind hom.: % LfgrE II Sp. 535f. und Sp. 726f.). Die verbalen Stammformenreihen sind nicht mit der Sicherheit

308

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

vorhersagbar, wie es bei den verbalen und nominalen Endungsparadigmen der Fall ist. Daß z.B. gr. H>UFRPDL mit K?OTRQ aspektuell gekoppelt ist, muß der Sprecher einfach wissen oder aus der Verwendung im Kontext ableiten. Die einzelsprachlichen Stammformenreihen lassen sich gut beschreiben, und es läßt sich vermuten, daß das Uridg. bereits beide Arten von Stammreihen gekannt und eingesetzt hat, vgl. einerseits uridg. *gýem- ‘kommen’ (% LIV 2001 p. 209f.) mit Präsensstämmen *gý¬-sé- und *gý¬-é- vs. Aoriststamm gýém- vs. Perfektstamm *gýe-gýóm-, andererseits uridg. *h1- ‘dasein, sein’ mit Präsensstamm *h1- vs. Aoriststamm *b£uH- (gr. H>IXQ . Wieweit aber die konkreten Fälle bereits uridg. Datums sind, hängt von der Beurteilung des Einzelfalls ab: % Bloch Suppletive Verba 1940; K. Strunk Überlegungen zu Defektivität und Suppletion im Griechischen und Indogermanischen in Glotta 55 1977 p. 2-34; ders. ‘Vorhersagbarer’ Sprachwandel 1991 p. 34ff. F 206. Bei der Durchsicht der Stammbildungen von F 203 fällt auf, daß die Aorist- und Perfektstammbildungen nur 4 Typen stellen, die Präsensstämme aber im Extremfall 21 (% LIV p. 14-20). Nimmt man ferner die Stammbildungen der Aktionsarten dazu (sie sind alle präsentisch!), so ist es wohl nicht falsch, wenn man vermutet, daß das uridg. Verbalsystem zunächst aus einem reichlich ausgebauten Aktionsartensystem bestand. Die Aorist- und Perfektstammbildungen waren ursprünglich ebenfalls Aktionsarten. Erst sekundär wurden sie zu Aspektstämmen und ermöglichten damit ein Aspektsystem, bei dem einem bestimmten Präsensstamm ein darauf bezogener Aorist- oder Perfektstamm gegenüber gestellt werden konnte. H. Rix stellt Modussystem 1986 p. 11ff das folgende Entwicklungsmodell vor und bezieht Konjunktiv und Optativ ebenfalls mit ein: 1) In voruridg. Zeit (Sprachstadium A) gab es nur Stammbildungen für Aktionsarten. Auch die Stämme des Konjunktivs und Optativs gehörten dazu. Deren Bedeutung war dieselbe wie später: Konjunktiv i.S.v. Voluntativ-Prospektiv, Optativ i.S.v. Kupitiv-Potential. 2) Auf dem Weg vom voruridg. Sprachstadium A zum uridg. Sprachstadium B haben zwei entscheidende Neuerungen Einzug gehalten, a) die Einführung und Durchführung der Aspektopposition Präsens- vs. Aoriststamm (s. Abs. 3) und b) die Umpolung der Konjunktive und Optative zu Bildungen, die nun alle Präsens- und Aoriststämme modal präzisieren konnten (s.u. F 207). 3) Der erste Anstoß zur Bildung der Aspektopposition ging von den aktionsartneutralen Wurzelpräsentien aus, die je nach Bedeutung durativ oder

B. Zum Verbum

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punktuell waren, vgl. duratives uridg. *h1- ‘existieren, dasein’ vs. punktuelles uridg. *gýem- ‘(wohin) gehen, kommen’. Die Durativität ließ sowohl Primär- als auch Sekundärendungen zu, die Punktualität nur die Sekundärendungen. Der entscheidende Durchbruch zum Aspektsystem kam mit der Ausweitung der Möglichkeit, zu jedem beliebigen Präs.-St. auch einen punktuellen -s-Stamm bilden zu können. — Lit. zur Genese der Aspektopposition: % K. Strunk Relative Chronology and Indo-European Verb-System: The Case of Present- and Aorist-Stems in JIES 22 1994 p. 417-434 (eine Zusammenfassung p. 417: „Some evidence will be discussed in favour of the preliminary conclusion that ‘Aktionsarten’ expressed by different types of present-stems [occurring both in Hittite and other IE languages] already existed in early PIE, whereas the category of aspects expressed by contrastive present- and aoriststems [lacking in Hittite] did not develop before a later period of the PIE verbsystem“.) 4) Die meisten altidg. Einzelsprachen sind von einem Aspekt-System zu einem auf Zeitrelationen begründeten Tempus-System übergegangen: % R. Stempel, Zur Vorgeschichte und Entwicklung des lateinischen Tempus- und Modussystems in HS 111 1998 p. 270-285; E. Tichy Vom indogermanischen Tempus/Aspekt-System zum vedischen Zeitstufensystem in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 589-609; H. C. Melchert Traces of a PIE Aspectual Contrast in Anatolian? in InL 20 1997 p. 83-92. F 207. Zur Umwandlung der Aktionsartstämme Konjunktiv und Optativ in Tempus-Modus-Stämmen (s.o. F 206): 1) Das Konjunktivsuffix lautet uridg. *-e-. Bei den athematischen Verbalstämmen lautet die Regel -K+õ- = Indikativstamm, -K+e- = Konjunktivstamm; bei den thematischen entsprechend -e+õ- = Indikativ, -e+e- = Konjunktivstamm, s.o. F 202 Abs. 3. Die formale Identität des athem. Konjunktivstammes (vgl. uridg. *h1e-) mit dem thematischen Indikativstamm (vgl. den Typ uridg. *b£ér-evon F 203 Abs. 1n) ist kein Zufall. Sie läßt sich verstehen, wenn wir annehmen, daß der Konjunktiv auf -e- zunächst eine Aktionsart war. Die Bedeutung „voluntativ-prospektiv“ wurde bei Verwendungen der (die GW und damit die Gegenwartsaktualität der Verwirklichungserwartung betonenden) Primärendungen neutralisiert und konnte den Anstoß zur Bildung von indikativischen -e-Stämmen geben. Andernorts hielt sich dagegen der -e-stämmige Voluntativ-Prospektiv sehr gut und konnte sich im Verein mit den Optativen als Modus etablieren, der bei allen Stämmen einsetzbar wurde, zuletzt sogar bei den indikativischen -e-Stämmen.

310

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Einzelheiten zur hier gewählten Darstellung: % Rix Modussystem 1986 p. 14f. mit Anm. 20. — Weitere Lit. zur Problematik: % E. Risch Zum Problem der thematischen Konjugation in Risch Kleine Schriften 1981 (in einem Beitrag von 1965) p. 702-709; B. Barschel Zu GHYUNRPDL und einigen anderen thematischen Wurzelpräsentien des Griechischen in Beiträge zur historischen und vergleichenden Sprachwissenschaft Jena 1990 p. 4-8 (die gr. Form als ursprünglicher Konj. des Aor.); K. Strunk Zur diachronischen Morphosyntax des Konjunktivs in Kolloquium Kühner Amsterdam 1986 [1988] p. 291-312. 2) Eine vergleichbare Herkunft wie für die Konjunktive läßt sich auch für die Optative vermuten. — Zum Formalen: Das Suffix lautet bei athem. Bildungen uridg. vollstufig *- 1 -, schwundstufig *-ih 1 -. Vgl. von ‚sein‘ die Formen *h 1 s-éh 1 - im Sg. aktiv, *h 1 s-ih 1 -mé im Plural aktiv, s. oben in E 504 Abs. 6. Daneben gab es auch nicht-ablautende Formen vom Typ *¾élH-ih 1 -, vgl. lat. velim velîs. — Bei den thematischen Stämmen muß von einheitlichem uridg. *-o-ih 1 - bzw. *-o- 1 - ausgegangen werden. Nach K. Hoffmann (% Aufsätze II 1976 p. 615 Anm. 12) führt eine 3.Sg. *-o-ih 1 -t bei Schwund des Laryngals über *-o-ît > *-oït bzw. *-ot, eine 1.Sg. *-o-ih 1 -¬ über *-oïa > *-o[a > *-oa. H. Rix (% Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 233) geht dagegen von *-o- 1 - aus. Ich plädiere mit Hoffmann für *-o-ih 1 - und nehme an, daß ähnlich wie bei gr. THL PHQ< *t£é-î-men < *d 1 -ih 1 -me- (% Risch Kleine Schriften 1981 [in einem Aufsatz von 1975] p. 193) zwischen -o- und -ih 1 - ursprünglich eine Morphemgrenze lag. — Lit.: % J. H. Jasanoff The Ablaut of the Root Aorist Optative in Proto-Indo-European in MSS 52 1991 p. 101-122; H. Eichner in Bopp-Symposium 1992 [1994] p. 80ff. (erwägt nach F. Bopp, den Opt. als periphrastische Bildung zu verstehen, vgl. lat. edim < voruridg. *h 1 + 1 -m ‘ich bitte um Speise’ i.S.v. ‘ich möchte essen’). 3) Konj. und Opt. fehlen dem Heth. und dem Anatolischen allgemein. Es hat den Anschein, als ob das Anatolische vor der Umwandlung der Aktionsarten Voluntativ-Prospektiv (= Konjunktiv) und Kupitiv-Potential (= Optativ) zu Modi aus dem Verband der uridg. Sprachgemeinschaft ausgeschieden ist. Spuren der Aktionsart Kupitiv-Potential (= Optativ) sind keine zu finden, vielleicht aber solche der Aktionsart VoluntativProspektiv (= Konjunktiv: % Rix Modussystem 1986 p. 20f.). Weitere Lit. zum Problem: % K. Strunk Probleme der Sprachrekonstruktion und das Fehlen zweier Modi im Hethitischen in InL 9 1984 [1985] p. 135-153; J. A. Har“arson Der Verlust der Moduskategorie Op-

B. Zum Verbum

311

tativ in HS 107 1994 p. 31f. (plädiert für den Verlust des Opt. nicht im Status Aktionsart, sondern als bereits etablierter Modus).

3. Zu den verbalen Endungssätzen F 208. Die folgenden Ausführungen sind bewußt kurz gehalten. Diese nennen die sicheren uridg. Fakten und begnügen sich bei den einzelsprachlichen Einzelheiten mit der Nennung von weiterführender Lit. Lit. zu den Endungen allgemein: % E. Neu Zum Verhältnis der grammatischen Kategorien Person und Modus im Indogermanischen in FS Polomé 1988 p. 461-473; Szemerényi Einführung 1990 p. 247ff. Zur Unterscheidung der sog. Primär- und Sekundärendungen s.o. E 502 Abs. 11 und F 202 Abs. 4. — Die Formen des Duals kommen hier nicht zur Sprache, s.u. F 304 Abs. 1. F 209. Die Akt.-Endungen des Präs.-Aor.-Systems:

1.Sg. 2.Sg. 3.Sg. 1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

Sekundärendungen a) athem. b) them. *-m *-o-m *-s *-e-s *-t *-e-t *-me *-o-me *-te *-e-te *-t / -o-nt *-ént

Primärendungen a) athem. *-m-i *-s-i *-t-i *-mes / -mos *-te *-t-i / -ént-i

b) them. *-o-h2 od. *-ô *-e-s-i *-e-t-i *-o-me*-e-te *-o-nt-i

Kommentar zur Tabelle: — Die hier genannten Endungen sind in athem. und them. untergliedert. Der bekannte Unterschied besteht im Fehlen oder Vorhandensein des Themavokals. Zur Gestalt des Themavokals: — Bei den them. Stämmen des Ind. und bei den damit formal (und genetisch, s.o. F 207 Abs. 1) identischen (von athematischen Stämmen gebildeten) Konjunktiven wechselt der Themavokal -e- mit -o- (vor *-m-, *-nt- und *-h2; bei den them. Stämmen gilt -oauch vor dem optativischen *-ih1-). Zu den Endungen: — ŸBei der 1.Sg. lautet die Sekundärendung (wie vom athem. *-m aus vermutet) *-o-m. Die Primärendung ist aber überraschenderweise nicht *-o-m-i, sondern *-o-h2 (man diskutiert auch *-ô: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 250; K. Strunk in Kolloquium Kühner

312

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Amsterdam 1986 [1988] p. 304f.). Das verstärkende Suffix des Personalpronomens der 1.Sg. *eœ-oh2 ist damit identisch, s.u. F 401 Abs. 1. Vgl. zur gesamten Problematik ferner G. E. Dunkel in Indogermanische Syntax 2002 p. 89ff. (plädiert für Ansatz *-o-h1). — Ÿ Bei der 2. Sg. lautet die athem. Sekundärendung *-s, die 3. Sg. *-t, bei den Primärendungen *-si und *-ti. Die them. Sekundärendungen lauten entsprechend *-e-s und *-et. Das Lat. und Indoir. bieten dazu parallel gebildetes primäres *-e-si und *-e-ti. — Ÿ Immer noch rätselhaft sind aber das Gr. und Balt., wo die them. Primärendungen HL und HL bzw. -i und -a lauten, vgl. Lamberterie Rez. 2002 p. 111 zu Pp. 179-80. Hackstein Sprachform hom. Epen 2002 p.107-110 plädiert im Anschluß an P. Kiparsky für Schwund des t in *-eti. Einen interessanten Vorschlag zum Gr. macht G. Klingenschmitt in der Vortragsreihe „Gene, Sprachen und ihre Evolution“, hrsg. von G. Hauska, Regensburg 2005, p. 125 Anm. 30. Er vermutet, daß es neben dem sekundärem them. *-e-t ein endunsgloses *-e-ø bei Witterungsimpersonalia gegeben hat, so z.B. mit Sekundärendung *é-bher-e-t ‚er trug‘ vs. *é-snegwhe ‚es schneite‘, dagegen mit Primärendung *bhér-e-ti vs. *snégwhe. Nach dem frühgr. Schwund von auslautendem *-t und dem dadurch bedingten Zusammenfall von sekundärem *-et und *-e hätten die Sprecher dann das Model mit primärem *-e und sekundärem *-e auf alle Verbalformen übertragen. Vermutungen bietet auch H. M. Hoenigswald in FS Hamp I 1997 p. 93ff. Diese Liste der Vorschläge ist aber nicht vollständig. — Bei der 1. und 2.Pl. sind die einzelsprachlichen Zeugnisse nicht einstimmig genug, um sagen zu können, wie die Differenzierung von Primärendung vs. Sekundärendung im Uridg. formal geleistet worden ist (1.Pl. primär wohl -mes, sek. -me oder -men?). Lit. (kleine Aswahl): — a) allgemein zum Uridg.: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 239ff. (zu den Endungen) und p. 206 (zum Themavokal); Szemerényi Einführung 1990 p. 247-252 (zu den Endungen) und p. 266268 (zum Themavokal); Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 40f.; M. Kümmel in PFU 2-3 1996-1997 p. 120-122. — b) Speziell zum Lat.: % Leumann LLFL 1977 p. 512ff.; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 216f. — c) Speziell zum Gr.: Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 53f.; E. Risch Ein Problem des griechischen Verbalparadigmas: Die verschiedenen Formen der 3. Person Plural in FS Neumann 1982 p. 321-334; F. Kortlandt The Greek 3rd pl. endings in MSS 49 1988 p. 63-69. — d) Speziell zum Ved. und Indoir.: Hoffmann / Forssman Av. Laut- und Flexionslehre 1996 p. 179f. (gute tabellarische Übersicht über die Aktivendungen) und p. 190ff. (Aktivparadigma). — e) Speziell zum Keltischen: F. Kortlandt Absolute and Conjunct Again in MSS 1994 p. 61-68.

B. Zum Verbum

313

F 210. Die Med.-Endungen des Präs.-Aor.-Systems: Sekundärendungen a) b)

Primärendungen a) b)

1.Sg.

?

2.Sg. 3.Sg. 1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

*-so nb. *-2*-to nb. *-o *-med£h2 *-d£¾e *-nto

*-ma nb. *-so- *-to- *-mesd£h2 *-(s)d£¾e *-nto-

*-h2

*-h2- ? *-o-

*-re/-ro

Kommentar zur Tabelle: — Die uridg. Endungen der Diathese Medium (z.T. sekundär passivisch) sind die der Spalten a). Sie sind wohl in voruridg. Zeit von den Endungen des Aktivs her aufgebaut worden, vgl. bei den Sekundärendungen 2.Sg. -s-o, 3.Sg. -t-o und 3.Pl. -nt-o. Eine kühne Vermutung: H. Rix schlägt vor, im -o letztlich ein anaphorisches Pronomen zu sehen: % The Proto-Indo-European Middle: Content, Forms and Origin in MSS 49 1988 p. 101-119 mit allen Einzelheiten. In einigen altidg. Sprachen (so im Ital., Kelt., Heth., Toch. und Phryg.) sind die Med.-Pass.-Endungen durch ein spezielles -r(i) markiert. — Die Endungen der Spalte b) (ebenso die -r-Formen) sind dem Medium angeschlossene Relikte der ehemaligen Diathese Stativ (das Perfekt gehört in diesen Umkreis), s.u. F 211. Lit.: — a) allgemein: Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 246-249; Jasanoff Stative and Middle 1978; Szemerényi Einführung 1990 p. 257259. Ÿ G. Meiser „Zur Typologie des urindogermanischen Mediums“ in Fachtagung Krakau 2004 [2009] p. 318ff. — b) Speziell zum Lat. und Ital.: Leumann LLFL 1977 p. 515ff. (zu den -r-Formen); H. Rix Zur Entstehung des lateinischen Perfekt-paradigmas in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 221-240; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 218f.; G. Meiser Die sabellischen Medialendungen der 3. Person in Fachtagung Leiden 1987 [1992] p. 291-305; J. H. Jasanoff An Italic-Celtic Isogloss: The 3 Pl. Mediopassive in *-ntro in FS Hamp I 1997 p. 146-161. — c) Speziell zum Gr.: Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 54. Beim Verbum NHL PDL ‘liegen’ ist die Ersetzung des älteren medialen Endungssatzes -mai -toi (so kypr.: % Egetmeyer Wörterbuch 1992 p. 66) durch den jüngeren mit -mai -tai (so Homer) direkt belegbar. ŸWeiteres zur Semantik des altgr. Mediums bei R. J. Allan „The Middle Voice in

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III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Ancient Greek“ Amsterdam 2003. — d) Speziell zum Ved. und Iir.: Hoffmann / Forssman Av. Laut- und Flexionslehre 1996 p. 180f. (tabellarische Übersicht über die Medialendungen) und p. 194ff. (Medialparadigma). — e) Heth.: Neu Mediopassiv 1968 und Neu Interpret. Mediopassiv 1968; Yoshida Endings in -ri 1990, G.-J. Pinault (anläßlich der Rez. von Yoshida) in BSL 86 / 2 1991 p. 134-141. F 211. Die Endungen des Perfektsystems: 1.Sg. 2.Sg. 3.Sg. 1.Pl. 2.Pl. 3.Pl.

-h2 -2 -e -me ? -r

Kommentar zur Tabelle: — Die Endungen des Perfekts stellen ein eigenes System dar. Differenzierungen wie athem. vs. them., Primärendung vs. Sekundärendung und Akt. vs. Med. fehlen. Das Med. des Präs.-Aor.Systems zeigt aber einzelne mit dem Perfekt identische Nebenformen, s.o. F 210 Spalte b. — Die folgende These (Ÿ sie ist nicht die einzig mögliche, vgl. Mottausch Rez. 2004 p. 48 in Punkt 3) kann helfen, diese merkwürdigen Verhältnisse zu verstehen: Es gab im Uridg. neben den Diathesen Aktiv und Medium noch die Diathese Stativ. Die Verbalstämme des Perfekts wurden mit den Endungen *-h2, *-2 usw. dieser damals noch lebendigen Diathese flektiert, s.u. S 314 Abs. 3 zum Inhaltlichen. Die Diathese Stativ fand aber im Gegensatz zum Aktiv-Medium wenig Verwendung und wurde im Lauf der Zeit aufgegeben. Das Paradigma des Perfekts wurde neu als Aktiv empfunden, die vom üblichen Akt.-Endungssatz abweichenden Perfektendungen sind aber geblieben und geben so den letzten Hinweis auf die ausgeschiedene Diathese. Einzelne Stativbildungen sind ferner beim Medium eingereiht worden und sind dafür verantwortlich, daß das Paradigma des Mediums ebenfalls formale Spuren des ehemaligen Stativs aufweist, s.o. F 210 Spalte b. Ein Spezialproblem für sich stellt das historische Verständnis der Endungen der heth. -Ÿi-Konjugation dar: % Szemerényi Einführung 1990 p. 260-262. Ÿ Jasanoff Verb 2003. Lit. zum Perfekt und zum Stativ (eine Communis opinio ist nicht in Sicht!): — a) uridg.: Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 255-257 (zum Perfekt); Szemerényi Einführung 1990 p. 259f. (zum Perfekt); LIV 1998 p. 22 (zum Stativ). — b) Speziell zum lat. Perfekt: % Leumann LLFL 1977 p.

B. Zum Verbum

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606ff.; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 217f. — c) Speziell zum gr. Perfekt: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 54f.. — d) Speziell zum Ved. und Iir.: % Hoffmann / Forssman Av. Laut- und Flexionslehre 1996 p. 179f. und p. 236ff.; T. Gotô Überlegungen zum urindogermanischen ‘Stativ’ in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 165-192; J. H. Jasanoff Gathic Avestan cikôitԥrԥ¸ in FS Beekes 1997 p. 119-130. Zur 1. Sg. mit -a < *-Ha < *-h2e s.o. L 412. F 212. Zum Ipt.: Ausgangspunkt der uridg. Ipt.-Bildung ist der reine Verbalstamm, der bei der 2.Sg. Verwendung findet, vgl. uridg. them. *b£ér-e ‘trage’, aber athem. mit einer den Ipt. charakterisierenden Partikel uridg. *h 1 -d£í ‘sei’. Uridg. ist ferner eine 3.Sg. wie them. *b£ér-e-tôd ‘er soll tragen’. Der Ausbau weiterer Formen ist aber einzelsprachlich. Zum Syntaktischen s.u. S 312. Lit.: % B. Forssman Der Imperativ im urindogermanischen Verbalsystem in Fachtagung Berlin 1983 [1985] p. 181-197; E. Neu Betrachtungen zum indogermanischen Imperativ in FS Schmeja 1998 p. 119-127. Zu Einzelheiten: % K. Strunk in FS Dihle 1993 p. 486-472 (zu gr. THY, H^ und GRY); B. Forssman a.a.O. p. 185 Anm. 12 (Hinweis auf Th. Benfey, der als erster den Vorschlag gemacht hat, den ved. Ipt.-Typus neºi ‘führe’ auf Konj. Aor. 2.Sg. neºasi zurückzuführen).

4. Zum Augment F 213. Das Gr., das Phryg., das Arm. und das Iir. kennen als Vergangenheitsmarkierung das sog. Augment *(h 1 )é, vgl. uridg. *h 1 é-b£eret = gr. H>IHUH= ved. á-bharat. Das sog. Augment *h 1 é war vermutlich ein Adv. i.S.v. ‘damals’ und konnte in der Grundsprache fakultativ dort eingesetzt werden, wo Ind.-Formen von Präs.- und Aor.St. mit den Sekundärendungen dazu dienen sollten, eine klare Aussage zur VG zu erbringen, s.o. F 202 Abs. 5. Die Etablierung als Norm im Ind. Aor., Ind. Ipf. und Ind. Plpf. in den genannten Sprachen ist einzelsprachlich. Die anderen idg. Sprachen wie das Lat. oder Germ. haben eigene suffixale Möglichkeiten zur Charakterisierung der Vergangenheitsformen entwickelt, vgl. lat. Präs. 3.Sg. es-t ‘ist’, aber Ipf. 3.Sg. er-a-t (< *es-â-t) ‘war’: % Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 197. Seit K. Brugmann werden die augmentlosen ved. Ind.-Formen mit Sekundärendungen als sog. Injunktive bezeichnet. Das Ved. hat den Injunktiv als eigenen Modus i.S. eines Memorativ etabliert.

316

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Lit.: % K. Strunk Der Ursprung des verbalen Augmentes - Ein Problem Franz Bopps aus heutiger Sicht in Bopp-Symposium 1992 [1994] p. 270284. — Zur Problematik im Ved. (zum sog. Memorativ): % Hoffmann Injunktiv 1967. — Zur Problematik im Gr. (Augment im Myk. und in der Dichtersprache fakultativ, im klass. Gr. dagegen i.d.R. fest): % I. Hajnal in MSS 51 1990 p. 50-55; Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 50-52; E. J. Bakker Pointing to the Past: Verbal Augment and Temporal Deixis in Homer in Euphrosyne, FS Dimitris N. Maronitis, Stuttgart 1999, p. 50-65. — Im Arm. findet sich das Augment nur noch als funktionsloses Element bei einsilbigen Verbalformen, das es erlaubt, deren lautlichen Umfang zu stärken, vgl. Aor. Ind. Akt. 1.Sg. beri ‘ich trug’, aber 3.Sg. e-ber: % J. Wackernagel in Wackernagel Kleine Schriften I 1969 (in einem Beitrag von 1906) p. 148-155 (Wackernagel verweist u.a. auf das Phänomen von hom. H>VFRQ ‘hatten’, wo ein *VFRYQ fehlt). — Vgl. ferner die Gepflogenheiten des ngr. Verbums vom Typ 3.Sg. HYGHVH‘er hat gebunden’ vs. 1.Pl. GHYVDPH ‘wir haben gebunden’, wo das Augment dort erhalten bleibt, wo es betont war.

5. Zum Verbalakzent F 214. Im Uridg. stand das finite Verbum im Hauptsatz normalerweise nach Subjekt und Objekt in der Position am Satzende, wo der Satzakzent üblicherweise sinkt. Wurde das Verbum aber im Nebensatz oder in betonter Position am Satzanfang verwendet, so trug es seinen herkömmlichen Wortakzent. Vgl. zum allgemeinen oben L 419. 1) Die Forschung ist sich einig, daß das Ved. die grundsprachlichen Verhältnisse im wesentlichen weiterführt und deshalb das finite Verbum im Hauptsatz i.d.R. tonlos dasteht: % Wackernagel / Debrunner Ai. Grammatik I 1957 p. 290; Klein Verbal Accentuation 1992 p. 90; Hettrich Hypotaxe 1988 p. 779. 2) Ÿ Es läßt sich nachweisen, daß die genannte uridg. Regelung auch für das Gr. einmal gegolten hat. Die gr. Verhältnisse lassen sich nämlich am besten dann verstehen, wenn wir davon ausgehen, daß die finiten Verbalformen wie uridg. üblich den herkömmlichen Wortakzent besaßen, im Hauptsatz aber tonlos am Satzende standen, s.o. L 419. — Statt dauernd zwischen Wort- und Satzbetonung zu wechseln, wurde dann aber im Gr. die unbetonte Verwendung des finiten Verbums als Norm etabliert. — Eine Veränderung brachte die Einführung der typisch gr. Limitierung aller verbalen und nominalen Wortak-

B. Zum Verbum

317

zente auf die drei letzten Silben. Sie erzwang, alle unbetonten finiten Verbalformen (sie waren i.d.R. drei- und mehrsilbig) neu nach dem Schema [Ê x @ ] bzw. [x Ê A ] zu akzentuieren, s.o. L 420 Abs. 2. Der Neuakzentuierung sind einzig die zweisilbigen sog. enklitischen Wurzelpräsentia HLMPLY und IKPLY entgangen. Sie konnten nicht zuletzt wegen ihrer Kürze enklitisch stehen bleiben. — Die gr. Neuregelungen erklären u.a., warum eine gr. Verbalform wie EDLYQRPHQ‘wir gehen’ den Akzent auf der ersten Silbe trägt, obwohl die Herkunft aus uridg. *gý¬-ó-mes den verbalen Wortakzent *EDLQRYPHQ erwarten läßt. Weitere Einzelheiten: o Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 48-50. 3) Ob die in den modernen germ. Sprachen wie dem Deutschen übliche Zweitstellung des finiten Verbums im Hauptsatz von der ererbten Enklisenstellung ausgegangen oder erst sekundär zustande gekommen ist, ist umstritten: % J. Wackernagel in Wackernagel Kleine Schriften 1 1969 (in einem Aufsatz von 1892) p. 95 („das deutsche Stellungsgesetz hat schon in der Grundsprache gegolten“); Th. Eythórsson Zur Historisch-vergleichenden Syntax des Verbums im Germanischen in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 407 Anm. 16: („Hypothese ... durch den Befund nicht unterstützt“).

6. Zu den infiniten Verbalformen F 215. Neben den sog. finiten oder konjugierten Verbalformen, die dank ihrer Endungen markiert (die antiken Grammatiker sprechen von ‘begrenzt’) sind und ihre Position bei den verbalen Kategorien AspektAktionsart, Tempus-Modus, Person-Numerus und Diathese klarstellen, gibt es ferner sog. infinite Verbalformen, die nicht konjugiert und gegenüber den finiten Formen weniger stark markiert sind (die antiken Grammatiker sprechen von ‘unbegrenzt’). Bei den infiniten Verbalformen werden z.B. keine Aussagen zur Kategorie Person gemacht. Zu den infiniten Verbalformen zählen insbesondere die sog. Infinitive und die sog. Partizipien. F 216.Ÿ Die sog. Infinitive sind verbale Nominalformen. Sie basieren auf verallgemeinerten Kasusformen von Verbalabstrakta. Die altidg. Einzelsprachen wählen dafür unterschiedliche Suffixe: der lat. passivisch bewertete Typ agî ‚geführt werden‘ ist aus Wurzelnomina abstrahiert; aktivisches lat. agere und gr. D>JHLQ -î. 2) Veränderungen können aber auch durch gegenseitige Beeinflussung von Formen innerhalb eines Paradigmas oder zwischen zwei Paradigmen hervorgerufen werden, vgl. den bereits vormyk. erfolgten typisch gr. Ersatz von Lok.Pl. uridg. *-su durch -si. Auslöser dieser innerparadigmatischen Begradigung ist die seit alters -i-haltige Endung des Lok.Sg. auf -i im Verein mit der ebenfalls -i-haltigen Instr.Pl.-Endung -p£i. 3) Formale Änderungen können ferner vor dem Hintergrund inhaltlicher Verschiebungen verstanden werden. So ist es möglich, daß ursprünglich klar geschiedene paradigmatische Kategorien zu einer einzigen vereinigt werden. Dieser sog. Kasussynkretismus führt in der Regel zuerst zu einem Überangebot von Flexionsformen, weil zur Zeit der Differenzierung für jede Kategorie eine eigene Form im Gebrauch war. Die fraglichen Formen werden in einer ersten Phase zu Allomorphen. In einer zweiten Phase setzt sich dann in der Regel eines der Allomorphe als Norm durch, das andere kommt außer Gebrauch. Es veraltet und wird schließlich von den Sprechern vergessen. — Zum Problem des Kasussynkretismus s.u. S 404. Ferner: % H. Rix Morphologische Konsequenzen des Synkretismus in Proceedings of the Fourteenth International Congress of Linguists II, hrsg. von W. Bahner, J. Schildt und D. Viehweger, Berlin 1990, p. 1437-1441; ders. Hist. Gramm. d. Gr. 1976 §121f. Grundsätzliches bietet auch Wackernagel Vorlesungen I 1926 p. 302f. Zum t.t. Synkretismus (er stammt aus dem Gr. i.S.v. ‘Zusammenmischung’): % Kl. Pauly 5 Sp. 1648ff.

2. Zur Bildung der Nominalstämme F 306. Der Aufbau der Nominalstämme, ferner die Geschichte der dabei verwendeten Suffixe und Suffixgruppen ist Gegenstand der Wortbildung, s.u. W 200ff. Für das Verständnis der Nominalflexion der altidg. Einzelsprachen sind der Stammauslaut und die Gliederung in athem. und them. Stämme (s.o. F 101 Abs. 4) wichtig.

328

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Von Belang für das Verständnis der uridg. Flexion ist dagegen etwas ganz anderes, nämlich die Zuordnung eines Nominalstammes zu einer Akzent- bzw. Ablautklasse. F 307. Bei der Organisation und Darstellung der Nominalstämme bedienen sich die Handbücher zu den altidg. Einzelsprachen in der Regel des Stammklassenprinzips. Die Zuteilung erfolgt nach Stammauslaut, z.T. zusätzlich differenziert nach einzelnen Unterschieden im Endungssatz oder im Genus. 1) Für das klass. Lat. werden in den Handbüchern traditionellerweise 5 Deklinationen angesetzt: 1. Deklination mit Typ capra f. ‘Ziege’ (= -â-Stämme), 2. Deklination mit Typ lupus m. ‘Wolf’ und iugum n. ‘Joch’ (= -o-Stämme), 3. Deklination mit Typ 3A rêx m. ‘König’ und nômen n. ‘Name’ (= Stämme auf Konsonant) und Typ 3B ignis m. ‘Feuer’ und mare n. ‘Meer’ (= -i-Stämme), 4. Deklination mit Typ manus f. ‘Hand, Schar’ und genu n. ‘Knie’ (= -u-Stämme), 5. Deklination mit Typ diês m. ‘Tag(eslicht)’ (= -êStämme). Die 5. Deklination ist nach dem Vorbild von diês diem einzelsprachlich neu aufgebaut worden. Beim Typ 3B der 3. Deklination sind sekundär verschiedene ererbte Konsonantstämme eingereiht worden, vgl. u.a. lat. cani-s m. f. ‘Hund’ < uridg. *on-, vgl. lat. iuveni-s m.f. ‘jung; junger Mann, junge Frau’ < uridg. *h2 é¾-h3 on- (% Mayrhofer EWAia II p. 413f.; H. Rix in Etrusci e Roma 1981 p. 108; zum Suffix s.u. W 204 Abs. 4), vgl. lat. nâvi-s f. ‘Schiff’ < uridg. *néh2u- (s.u. F 318 Abs. 6c). — Zu Weiterem: % Leumann LLFL 1977 § 347; E. Risch Das System der lateinischen Deklinationen (Publikation von 1977) in Kleine Schriften 1981 p. 599ff.; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 129ff. 2) Für das klass. Gr. sind zu nennen: 1. Deklination mit Typ$WLPKYWLPK f. ‘Ehre’und Typ 1B WUDYSH]D WUDSHY]K f. ‘Tisch’, 2. Deklination mit Typ L^SSRm. ‘Pferd’ und]XJRYQn. ‘Joch’, 3. Deklination mit dem großen Rest. Ihre Untergruppen sind nicht einheitlich. Nach dem Stammauslaut ergeben sich unter anderem solche auf Okklusiv vom Typ DLMJ f. ‘Ziege’, solche auf -r- vom Typ SDWKYUSDWU-m. ‘Vater’, solche auf Nasal vom Typ SRLPKYQm. ‘Hirt’, solche auf -i- und -u- vom Typ SRYOLf. ‘Stadt’ und K-GXYAdj. ‘süß’, solche auf -ê¾- vom Typ EDVLOHXYEDVLOHYZ(-HYZ ion.-att mit Metathese für älteres -K R [so Homer]myk. und kypr. noch -ê¾-os)m. ‘König’, solche auf -s- vom Typ JHYQRn. ‘Geschlecht’ u.a.m. — Zu Weiterem: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 127ff.; Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 p. 72ff.

C. Zum Nomen und Adjektiv

329

3) Thumb / Hauschild Handb. d. Skr. I / 2 1959 p. 30ff. kennt für das altindische Korpus die Deklinationen der -a- und -â-Stamme, -i-, -u- und Diphthongstämme, -r- und -n-Stämme, ferner Stämme auf Verschluß- und Zischlaut und als besondere Gruppe die sog. Heteroklitika. 4) Zum Anatolischen: % Rieken Nom. Stammbildung 1999. — Zum Germanischen (mit Stämmen auf -a-, -ô-, -i-, -u-, -n-, mit Wurzelnomina und weiteren Konsonantstämmen): % Bammesberger Urgerm. Nomen 1990 p. 13ff. — Zu den aksl. Stammklassen: % Aitzetmüller Abulg. Gramm. 1991 p. 68ff. F 308. In der Regel werden die Verhältnisse im Uridg. mit dem in den altidg. Einzelsprachen üblichen Stammklassenprinzip zu beschreiben versucht: % Szemerényi Einführung 1990 p. 173ff. (mit Verschlußlautstämmen, Nasal- und Liquidastämmen, s-Stämmen, i-, u- und DiphthongStämmen, thematischen Stämmen). Heute setzt sich aber immer stärker die Ansicht durch, daß vielmehr Akzent und Ablaut die beiden relevanten klassenbildenden Phänomene des Uridg. gewesen sind: % H. Eichner in Sprache 20 1974 p. 27f. mit Anm. 1-2. In dieser Darstellung werden zuerst die allen Nomina gemeinsamen Endungssätze aufgelistet (s.u. F 309ff.), danach folgen die Informationen zu den uridg. Akzent- und Ablautklassen (s.u. F 314ff.).

3. Zu den nominalen Endungssätzen F 309. Die Nomina bestehen i.d.R. aus dem Nominalstamm und der Endung, s.o. F 101. Die Differenzierung zwischen them. und athem. Stämmen ist ein Problem für sich, s.o. F 101 Abs. 4. Es läßt sich zeigen, daß der Endungssatz für alle Nomina zunächst einheitlich war, auch für die them. Nominalstämme auf -o-, vgl. uridg. athem. Dat.Sg. *ph2tr-é ‘dem Vater’ vs. uridg. them. Dat.Sg. *¾ér$ ‘dem Werk’. Letzteres ist am besten als Kontraktionsprodukt eines voruridg. *¾érœo-e zu verstehen. Im Gegensatz zu den vokalischen -i- und -u-Stämmen, wo das -i- und -u- allophonisch zwischen silbischer und nichtsilbischer Natur wechseln konnte (s.o. L 212), wurde bei den them. Stämmen der Themavokal vor vokalisch anlautenden Endungen kontrahiert. Ferner: Ein Teil der -o-Stämme bildete qualifizierende Adjektive und stellte sich damit in die Nähe der Pronomina. Unter deren

330

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Einfluß hat sich das Paradigma der -o-Stämme zu einer eigenständigen Flexion entwickelt, s.u. F 311. Jedes altidg. Nomen gehört obligatorisch einer Genuskategorie an, sei es nun Mask., Fem. oder Neutr. Genetisch gehören die Mask. und Fem. zusammen, s.o. F 303 Abs. 2. Die Neutra sind davon zu trennen, s.u. F 313. Ÿ Hier ist für das Folgende festzuhalten, daß der Vokativ für sich steht, ferner daß Nom. und Akk. (beide in der Verwendung als grammatische Kasus) ein eigenes System (Subjekt vs. Objekt) bilden. Eigenständig dazu sind die übrigen mehr konkreten Kasus. Von diesen stehen der Gen. und der Lok. wieder etwas für sich. Weiteres zur nominalen Morphosyntax und zu den Kasuskategorien s.u. S 401ff. F 310. Die uridg. athem. Nominalendungen der Nicht-Neutra ergeben das folgende tabellarische Bild: Vok. Nom. Akk. Gen. Abl. Dat. Instr. Lok.

Sg. -ø -s / -ø -m / -¬ º -és / -os / -s ¼ -e -éh1 / -h1 -ø / -i

Pl. Du. wie Nom ? -es -h1 -ns / -s < -m+s ? -om ? º -m? ¼ ? ¼ -b£? -su

1) Der hier vorliegende Endungssatz ist die Norm bei Nomina mit wurzelschließendem Konsonanten. Die Nomina können vom Genus her maskulin oder feminin sein. Eine spezielle formale Markierung für diese Differenzierung ist nicht zwingend, vgl. uridg. maskulines *ph2 t - ‘Vater’ vs. uridg. feminines *méh2  - ‘Mutter’, s.o. F 303 Abs. 4. Die beste Möglichkeit, das Genus eines Nomens zu bestimmen, bieten Adjektive oder Pronomina dreier Endungen, die in Kongruenz zum betreffenden Nomen gestellt sind, s.o. F 301. 2) Die im Vok., Nom. und Lok. gleichermaßen auftretende Endung -ø macht deutlich, daß sie nicht allein die Differenzierung zwischen den fraglichen Kasus getragen haben kann. Unterschiede in Akzent und Ablaut müssen hier die entscheidenden Kriterien geboten haben. 3) Während Stämme auf Vokal oder Verschlußlaut im Nom.Sg. mit der Endung -s charakterisiert sind, ist die Endung -ø mit Langvokal gekoppelt und gerade bei Stämmen auf Nasal, Liquida oder -s- regelhaft, vgl. uridg. *ph2 tËr

C. Zum Nomen und Adjektiv

331

‘Vater’ oder uridg. *(u)¾Ön ‘Hund’. Diese auffällige Verteilung wird am besten dann verständlich, wenn wir annehmen, daß zunächst überall die -s-Endung im Nom.Sg. im Gebrauch war, daß sie dann aber unter bestimmten Umständen beseitigt worden ist, vgl. bei den -r-Stämmen den vermutlich voruridg. Ausgangspunkt *-Ærs, der über die Zwischenstufe *-^ zu uridg. *-År vereinfacht worden ist: % Szemerényi Einführung 1990 p. 121f.; E. P. Hamp in Baltistica 31 / 2 1996 (1998) p. 139f. 4) Die verschiedenen Endungen im Gen.Sg. und Instr.Sg. erklären sich durch das Wirken von Akzent und Ablaut, vgl. im Gen.Sg. betontes vollstufiges *-és in uridg. *ph2 -és ‘des Vaters’, dagegen unbetontes schwundstufiges *-s in uridg. *mt-é-s ‘des Denkens’. Ÿ Neben -és steht ferner abgedunkeltes, nicht betontes *-os. Das Gr. hat -os verallgemeinert, das Lat. -es. In beiden Sprachen lassen sich aber Reste der je anderen Endung nachweisen, vgl. gr. DLMHY (Gen. temporis) ‚für immer‘ und altlat. inschr. Gen. Sg. nominus. 5) Bei einem oberflächlichen Vergleich von Dat.Sg. auf uridg. -e und Lok.Sg. auf uridg. -i ist man versucht, wie bei Abs. 4 an eine alte Ablautdifferenz zu denken. Vollstufiges dativisches -e und schwundstufiges lokativisches -i sind aber nach allen Hinweisen bereits im Uridg. unverrückbare Größen. Vollstufiges -e konnte daher durchaus vor ein betontes vollstufiges Suffix gesetzt werden, vgl. uridg. Dat.Sg. *mt-é-e ‘dem Denken’. — Zum myk. Nebeneinander von -e und -i: % Hajnal Sprachschichten 1997 p. 21ff. (p. 60ff. auch zum Typ ved. divédive ‘Tag für Tag’). — Der Lok. hatte bei den Akzent- und Ablauttypen einen eigenen Status, s.u. F 318 Abs. 6a und F 321 Abs. 1. 6) Der Akk.Sg mit uridg. *-m / -¬ und der Akk. Pl. mit uridg. *-ns / -s zeigen Endungsvarianten, die vom vokalischen oder konsonantischen Auslaut des Nominalstamms diktiert werden: *-V-m und *-V-ns vs. *-K-¬ und *-K-s. In einem Teil der Indogermania wird auslautendes *-m zu *-n, s.o. L 301 Abs. 3. Zu den Realisierungen von ¬ und  s.o. L 306. Zur Genese des Akk.Pl. s.o. am Schluß von F 104. Zum Problem der einzelsprachlichen Realisierungen des Akk.Pl. (vgl. u.a. uridg. -u-stämmiges *-u-ns und seine drei einzelsprachlichen Resultate *-uns bzw. *-ûns bzw. *-ûs): % H. Rix in FS Risch 1986 p. 586-590. 7) Während im Sg. die beiden Kasus Gen. und Abl. formal nicht differenziert sind und bei beiden Verwendungen unterschiedslos die Endung -es/-os/-s zeigen, ist im Pl. der Gen. vom Abl. formal getrennt. Er zeigt die eigenständige Endung *-om. Der Abl. ist dagegen mit dem Dat. verbunden:

332

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Abl. Dat. Instr.

Lat. -bus -bus

Gr.

Indoir. *-bhas *-bhas

-p£i

Urgerm *-m*-m*-m-

Baltoslav. *-mos *-mos *-mi(s)

8) Der Instr.Pl. ist nach Ausweis der Einzelsprachen formal mit dem Dat.Abl.Pl. verquickt. Es spricht einiges dafür, daß der Abl.Dat.Pl. ursprünglich durch *-mos, der Instr.Pl. durch *-b£i markiert war: % J. Katz Personal Pronouns 1998 p. 248f. Von da aus hätte sich dann im Ital. und Indoir. -b£- als alleiniger Anfangskonsonant durchgesetzt und -m- verdrängt. Umgekehrt hätte sich im Baltoslav. und Germ. -m- durchgesetzt. Das indoiran. *-bas kann dann als Kreuzung aus Instr. *-b£i und Dat.Abl. *-mos betrachtet werden. — Zum Problem, ob und wieweit das gr. -p£i (< *b£i) singularische Züge kennt (vgl. hom. L?IL‘mit Kraft’ [bereits myk. als wi-pi- im VG von zwei PN]): % Meier-Brügger Gr. Sprachw. II 1992 F 302 Abs. 2. — Neuere Lit.: % J. Matzinger Die „mKasus“ des Balto-Slawischen und Germanischen in GS Hartmut Katz 2001 p. 183-208. (9) ŸWeiterführende Literatur: H. Craig Melchert und Norbert Oettinger „Ablativ und Instrumental im Hehtitischen und Indogermanischen, Ein Beitrag zur relativen Chronologie“ in InL 32 2009 p. 53ff.; Jay Jasanoff "*-bhi, *-bhis, *-ôis: following the trail of the PIE instrumental plural," in Jens Elmegård Rasmussen and Thomas Olander, eds., Internal Reconstruction in Indo-European: Methods, Results, and Problems (= Copenhagen Studies in Indo-European 3) Copenhagen 2009, p. 137-149. F 311. Die sog. thematischen oder -o-Stämme bilden gegenüber allen anderen Nomina eine Gruppe für sich, s.o. F 309. 1) Auf Grund der einzelsprachlichen Endungen läßt sich das folgende grundsprachliche Schema rekonstruieren: Vok. Nom. Akk. Gen. Abl. Dat. Instr. Lok.

Sg. *-e *-o-s *-o-m *-o-so / Adj. *-ôt < voruridg. *-o-et *- < voruridg. *-o-e *-o-h1 / *-e-h1 *-o-i / *-e-i

Pl. wie Nom. *-ôs < voruridg. *-o-es / *-o *-o-ns < voruridg. *-o-m-s *-ôm < voruridg. *-o-om *-o-mos / *-o-b£()os wie Abl. *-s < voruridg. *-o-os *-o-su < voruridg. *-os-su?

C. Zum Nomen und Adjektiv

333

2) Es ist evident, daß die thematischen Nomina i.d.R. die athem. Endungssätze verwenden und diese mit dem davor stehen Themavokal -okontrahiert sind. Die Kontraktionen sind vermutlich bereits in einem voruridg. Sprachstadium erfolgt, s.o. F 309. 3) Der Formenbestand zeigt enge Verbindungen zu den Pronomina. Bereits als grundsprachlich zu datierende Einflüsse zeigen sich im Gen.Sg. (pronominales *-o-so statt erwartetes *-o-s bzw. *-o-es; z.T. findet sich an Stelle des Gen. ein Adj. der Zugehörigkeit), im Abl.Sg. (Differenzierung von Gen. und Abl. durch Beizug von pronominalem ablativischem -et), im Nom.Pl. (z.T. Ersatz von *-ôs durch pronominales *-o), im Abl.Pl. (Einsatz von pronominalem *-os) und im Lok.Pl. (pronominales -o[]- statt einfachem -o-). Weiteres dazu s.u. F 405. 4) Zum Gen.Sg.: — Zu *-oso: Die Lit. zum them. Gen.Sg. zahlreich. Aus neuerer Zeit: % H. Rix in MSS 49 1988 p. 107 (plädiert nach früheren Forschern dafür, daß *-o-s die erwartete Form des Gen.Sg. ist und daß *-os-o bzw. *-os-o in voruridg. Zeit aus nominalen Syntagmen wie *póds h 1  -o bzw. h 1  -o ‘the foot, that of the horse’ entstanden ist: -(H)o bzw. -o wäre damit als Relativpronomen bzw. anaphorisches Demonstrativpronomen anzusprechen, das in voruridg. Zeit enklitisch dem zu bestimmenden Nomen beigefügt werden konnte; zu den nominalen Relativsätzen s.u. Chr. Koch in S 205 am Schluß von Abs. 2); L. A. Prosdocimi in Studi Etruschi 57 1991 p. 152ff. (zu lepont. Fosiosio); A. Nikolaev PIE Ergativity and the Genetive in *-osyo in UCLA IE Conference 1999 [2000] p. 293-309. Zum Gr. s. oben L 406 am Ende. — Statt *-oso findet sich einzelsprachlich z.T. eine Endung *-î. Im Kelt. herrscht sie allein vor. Im Latino-Falisk. sind zwar ein paar -oso-Formen belegt, vgl. Popliosio Valesiosio suodales ‘die Genossen des Publius Valerius’ auf einer Inschrift aus Satricum um 500 v.Chr., ab dem 5.Jh. v.Chr. sind aber die -î-Genetive die Norm (im Osk.-Umbr. findet sich statt dessen die Endung -eis). Zum uridg. Verständnis von *-î: % G. Klingenschmitt in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 98-104. Der Autor plädiert für eine Zugehörigkeitsbezeichnung auf uridg. *-iH-, die ihre primäre Verwendung bei der Bezeichnung der verwandtschaftlichen Beziehungen gehabt hätte. Von da aus erkläre sich die z.T. einzelsprachlich zu beobachtende Konkurrenz von *-î mit dem genetivischen *-os()o. — Statt des Gen. kann ein Adjektiv zum Ausdruck der Zugehörigkeit verwendet werden. Grundlegende Darstellung: % J. Wackernagel Genetiv und Adjektiv in Kleine Schriften II 1969 (Aufsatz von 1908) p. 1346-1373. Weitere Lit.: % F. Bader Les génitifs-adjectifs déterminés et le problème de l’article:

334

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

comparaison typologique entre l’étrusque et les langues indo-européennes in FS Rix 1993 p. 12-45; I. Hajnal Der adjektivische Genetivausdruck der luwischen Sprachen in Graz 2000 p. 159-184. 5) Weiteres zu den einzelsprachlichen -o-stämmigen Paradigmen (auch zu den Formen des Pl.): % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 135ff. (2. Deklination); G. Klingenschmitt in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 93ff.; Sihler New Comparative Grammar 1995 p. 256ff. — Zu ved. -ena: % Hauri -ena 1963. F 312. Die femininen *-e-h 2 -Stämme sind ihrer Genese nach konsonantstämmig. Das komplexe Suffix *-e-h 2 - ist als -h 2 -Ableitung von thematischen Stämmen zu verstehen, s.u. W 204 Abs. 1. Weiteres zum Verständnis von *-h 2 - und *-e-h 2 - s.o. F 303 Abs. 4. Es gehörte ursprünglich der in F 303 Abs. 2 beschriebenen uridg. Klasse B an. Dies erklärt, warum im Nom.Sg. die für die Markierung von handelnden Subjekten verwendete Endung -s fehlt, s.u. F 313. Unter dem Druck der -o-stämmigen Adjektive, die zur Markierung der Genus-Kongruenz auch feminines -e-h2- in ihren Reihen hatten, ist das eigentlich athem. Paradigma von *-e-h2- einzelsprachlich i.d.R. an das thematische Paradigma der mask. -o-Stämme angeglichen worden, zumal -eh2- i.d.R. ohne Ablaut flektierte und vor vokalisch anlautenden Endungen nach Schwund des intervokalischen -h2- kontrahierte und damit auch äußerlich in die Nähe der bereits Kontraktion aufweisenden -o-Stämme geriet. Zur Nähe der einzelsprachlichen -â- und -o-Stämme vgl. etwa die lat. -â-Stämme der sog. 1. Deklination, die in der traditionellen Grammatik mit den -o-Stämmen der sog. 2. Deklination zusammengesehen und von der 3. Deklination getrennt werden. Vgl. ferner etwa im Nom.Pl. zwar erhaltenes uridg. *-âs (< *-e-h2-es) im Ved. (vgl. sénâs) und Got. (vgl. gibôs), aber in Anlehnung an them. pronominales *-o geneuertes fem. -a im Lat. (vgl. terrae) und im Gr. (vgl. WLPDLY). Weitere Hinweise: Zum Vok.Sg. s.o. L 334 Abs. 3, zum Akk.Sg. und Akk.Pl. s.o. L 303. Lit.: Zu den einzelsprachlichen Problemen der -eh2-Stämme: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 129ff.; G. Klingenschmitt in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 89ff.; Sihler New Comparative Grammar 1995 p. 266ff.; I. Hajnal Die lykischen a-Stämme: Zum Werdegang einer Nominalklasse in Kolloquium Pedersen Kopenhagen 1993 [1994] p. 135171; ders. oben in L 334 Abs. 3. Ÿ Vgl. zu den germanischen -ô-Stämmen Schaffner Vernersches Gesetz 2007 p. 365ff.

C. Zum Nomen und Adjektiv

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F 313. ŸDie Neutra tragen im Bereich der konkreten Kasus (Gen., Abl., Dat., Instr., Lok.) sowohl im Sg. als auch im Pl. die gleichen Endungen wie die Maskulina. Sie verhalten sich aber im Nom.-Akk. Sg. und Pl. anders als die Maskulina. Im grammatischen Subsystem von Nom. und Akk. weichen die Neutra von der maskulinen Opposition Sg. *-s vs. *-m bzw. Pl. *-es vs. *-ns ab: — Im Sg. zeigen Nom. und Akk. bei den athem. Nomina *-ø , bei den them. Nomina im Nom. und Akk. *-o-m. — Im Pl. zeigen Nom. und Akk. bei den athem. Nomina *-h2-ø, bei den them. im Nom. und Akk. *-e-h2-ø. — Ein Beispiel: uridg. athem. Nom. und Akk.Sg. *spér-ø ‘das Ausgesäte’, Nom. und Akk.Pl. *spérmn-h2-ø; uridg. them. Nom. und Akk.Sg. *¾érœo-m ‘das Werk’, Nom. und Akk.Pl. *¾érœe-h2-ø. Die Nichtdifferenzierung von Nom. und Akk. Sg. bei den Neutra läßt sich aus dem Umstand erklären, daß es das Hauptcharakteristikum der uridg. Neutra und der hinter ihnen stehenden voruridg. Klasse B war, Dinge zu gruppieren, die nicht als Träger einer Verbalhandlung vorstellbar waren, s.o. F 303 Abs. 2. Die Anwendung des maskulinen Subsystems mit *-s für ein handelndes Subjekt kam daher in der allerältesten Sprachschicht aus semantischen Gründen nicht in Frage. Zur Pluralität im grammatischen Kasussubsystem bei den Neutra: — Grundsätzlich besaß die Grundsprache die Möglichkeit zur Bildung einer distributiven und einer kollektiven Pluralität, s.o. F 304 Abs. 2. — Erstere gehörte zur Gruppe A (belebt, handlungsfähig). Ihr standen bei den athem. Nomina die normalen Endungen Nom. *-es und Akk. *- zur Verfügung. — Lag dagegen ein kollektives Plural-Verständnis vor, so wurde der fragliche Nominalstamm mit Hilfe des Suffixes *-h2- in ein KollektivAbstraktum verwandelt und als Sg. weiterverwendet. Kollektiva gehören zur oben genannten Klasse B (unbelebt, nicht handlungsfähig) und differenzieren daher wieder nicht zwischen Nom. und Akk.Sg. Übrigens: Das kollektive *-h2-Suffix kann nicht vom Suffix *-h2- getrennt werden, das Feminina bildet, s. o. F 303 Abs. 4. Bei der Wahl der Pluralität bestand nun bei neutralen Nomina (Klasse B) keine andere Wahl als die Kollektivität. Denn nur diese war klassenkonform. — Aus dem Verständnis als Kollektiv erklärt sich die in altidg. Sprachen vereinzelt zu beobachtende Besonderheit der Verknüpfung des neutralen Plurals mit dem Singular des Verbums: % J. A. Har“arson in MSS 48 1987 p. 81ff. mit den Hinweisen auf die Praxis im att. Gr. (Mustersatz SDYQWDU-HL ‘alles fließt’: % Meier-Brügger Gr. Sprachw. I 1992 p. 157), im Vedischen (im RV finden sich nur drei einzelne Belege, die aber nicht unbedingt auf Altem zu beruhen brauchen), Altav. (hier regelmäßig) und

336

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

im Hethitischen (hier ausschließlich). — Weitere Lit.: % H. Craig Melchert in TIES 9 2000 p. 53-75 (p. 61ff. Collective vs. Count Plural in PIE and in Anatolian).

4. Zu den Flexionsparadigmen und ihren Ablautklassen F 314. Wie ein kurzer Blick in die Forschungsgeschichte zeigt, hat sich erst allmählich die Erkenntnis durchgesetzt, daß die Grundorganisation der uridg. Nominalflexion vermutlich in den Akzent- bzw. in den dadurch gesteuerten Ablautklassen bestanden hat. — Die folgende Darstellung orientiert sich an der Forschungsgeschichte und bringt dem Leser erst in F 319 die heute übliche Systematik. Die Forschung ist in diesem Bereich stark im Fluß. 1) Das athem. Nominalparadigma zeigt bekanntlich ablautend einen Wechsel zwischen dem sog. starken und dem sog. schwachen Stamm, s.o. L 408. Der schwache Stamm läßt sich vom starken durch ein davon verschiedenes Akzentverhalten unterscheiden, vgl. aus dem Paradigma von ‘Vater’ uridg. stark *ph2 -tér- (das Suffix ist vollstufig) vs. uridg. schwach *ph2-tr-´ (das Suffix ist schwundstufig). Im Gr. entsprechend Nom.Sg. stark SD-WKYUGen.Sg. schwach SD-WU-RYim Ved. Nom.Sg. stark pi-tÄ (< *pi-tÄr), Dat.Sg. schwach pi-tr-é. Wie das Beispiel zeigt und wie es sich laufend bestätigen läßt, wandert der Akzent beim Wechsel vom starken zum schwachen Stamm eine Silbe weiter Richtung Wortende. — Vgl. ferner aus dem Paradigma von ved. ‘Sohn’ Nom.Sg. stark sûn-ú-s (das Suffix ist schwundstufig, der Akzent lag ursprünglich auf der Wurzel, ist aber sekundär auf das Suffix verlegt worden, s.u. Abs. 4), Gen.Sg. schwach sûn-ó-s < *sûn-á¾-s (das Suffix ist vollstufig). — Die Unterscheidung stark vs. schwach hat bereits die indische Grammatik getroffen: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 121. Die Termini stark vs. schwach dürfen nicht mit der Differenzierung von Casus rectus (= Nom.) vs. Casus obliquus (= alle übrigen Kasus unter Ausnahme des Nom.) verwechselt werden, s.o. p. XVII. 2) Zu den Kasusformen mit starkem Stamm zählen mit Sicherheit im Sg. der Vok., der Nom., der Akk. und z.T. auch der Lok., im Du. der Vok., der Nom. und der Akk., im Pl. der Nom., z.T. auch der Akk. Alle übrigen Kasusformen werden vom schwachen Stamm aus gebildet. 3) Einen Markstein in der Erforschung der Nominalstämme stellt das Werk von Pedersen Cinquième déclinaison 1926 dar. Er entdeckt zwei verschiedene

C. Zum Nomen und Adjektiv

337

nominale Ablauttypen. — Wie der Autor feststellt, sind die Schlüsselbeispiele ved. Dat.Sg. schwach pi-tr-é und ved. Gen.Sg. schwach *sûn-á¾-s ablautmäßig unterschieden. Bei ersterem ist das Suffix im schwachen Stamm schwundstufig und die Endung vollstufig, bei letzterem ist das Suffix im schwachen Stamm vollstufig und die Endung schwundstufig. Pedersen schreibt dazu p. 24 Anm. 1: „‘Flexion forte’ et ‘flexion faible’ de F. de Saussure“ (% Saussure Mémoire 1879 = Recueil 1922 p. 187, 194ff., 205ff.). „Mais ces termes prêtent à la confusion avec les expressions ‘stark’ et ‘schwach’ de la grammaire des langues germaniques, et en soi ils expriment pas la vraie nature du contraste entre les deux types. En adoptant le mot GXYQDPL au sens de ‘degré vocalique fort’ on pourrait peut-être forger les termes ‘flexion hystérodyname’ (= Typ SDWKYUbzw. pitÄ) et ‘flexion protérodyname’ (= Typ sûnú-s)“. — Mit anderen Worten, Pedersen unterscheidet einerseits einen sog. hysterodynamischen Flexionstyp mit einem starken Stamm vom Schema schwundstufig unbetonte Wurzel, vollstufig betontes Suffix und schwundstufig unbetonte Endung und einem schwachen Stamm vom Schema schwundstufig unbetonte Wurzel, schwundstufig unbetontes Suffix und vollstufig betonte Endung, andererseits einen sog. proterodynamischen Flexionstyp mit einem starkem Stamm vom Schema vollstufig betonte Wurzel, schwundstufig unbetontes Suffix und schwundstufig unbetonte Endung und einem schwachen Stamm vom Schema schwundstufig unbetonte Wurzel, vollstufig betontes Suffix und schwundstufig unbetonte Endung. 4) Pedersen macht deutlich, daß die in den Paradigmen als ursprünglich zu fordernden Kombinationen von betonter Vollstufe vs. unbetonter Schwundstufe (vgl. die schwundstufig unbetonte Wurzel, das vollstufig betonte Suffix und die schwundstufig unbetonte Endung im Beispiel *sûn-á¾-s und die schwundstufig unbetonte Wurzel, das schwundstufig unbetonte Suffix und die vollstufig betonte Endung im Beispiel SD-WURY einzelsprachlich nur im Glücksfall so erhalten sind. D.h. i.d.R. sind bei den uns vorliegenden einzelsprachlichen Paradigmen eine ganze Reihe von Analogien und Neuerungen durchgeführt worden. Beim Beispiel sûnú- stimmt im Nom.Sg. im Hinblick auf die postulierte proterodynamische Ausgangsform weder der schwundstufige Stamm noch das betonte schwundstufige Suffix. Bei der ved. Gen.Sg.-Form pi-tur (mit -tur *d£éœ£ôm (-Öm?) schwach Gen.Sg. *d£œ£m-és >*d£°œ£m-és >*œ£¬-és od. *œ£m-és Lok.Sg. *d£œ£ém > *$'ém

einzelspr. Fortsetzer heth. te-e-kán; gr. FTZYQ ved. kºÄm

heth. ták-na-a-a¸ vgl. gr. FDPDLY ved. jmás ved. kºámi; gr. Anlaut FT

2) Weitere Beispiele für diese holodynamische Klasse liefern die geschlechtigen (belebten) Simplizia vom Typ uridg. fem. *h 2 é¾s-os- ‘Morgenröte’ mit uridg. starkem Nom.Sg. *h 2 é¾s-ôs (vgl. gr. hom. KMZY f.s.o. L 310 und schwachem Gen.Sg. *h 2 us-s-és (vgl. ved. uc) ‘Morgenröte’, ferner ebensolche -r/n- und -men-Stämme, vgl. zu ved. á¹man- m. ‘Stein, Schleuderstein’ < uridg. *h 2 é-mon- den archaischen schwachen Gen.Abl. Sg. á¹-n-as ‘Stein’ < uridg.*h 2 -mn-és (sekundär mit Vereinfachung der dreifachen Konsonanz im Wortinnern und mit stabilem Akzent auf der Anfangssilbe; Einzelheiten: % Mayrhofer EWAia I p. 137f.). Zu den neutralen -r/n- und -men-Stämmen s.o. F 317 Abs. 10. — Zur holodynamischen Nominalklasse gehörten ferner neben dem neutralen Kollektiv-Paradigma (s.o. *¾édôr ‘Wasser’ in F 314 Abs. 6a) vermutlich auch die aktiven Präs.-Aor.-Partizipien auf -nt- (s.o. *¾ékont- vs. *ut-´ in F 217 Abs. 1). Weitere dazu gehörige Paradigmen: *péntoh 2 - und *méœoh 2 - in L 329 Abs. 1. Vgl. ferner *X-¾ont- (X mit -e-) in W 305 und die Komparative vom Typ *meœ-os- in F 325 Abs. 1c. 3) Amphidynamisch, d.h. ohne Suffix nur aus Wurzel und Endung bestehend, sind dagegen die Wurzelnomina mit vollstufig betonter Wurzel und schwundstufig unbetonter Endung im starken Stamm vs. schwundstufig unbetonter Wurzel und betont vollstufiger Endung im schwachen Stamm, s.o. *- vs. *di¾-´ in F 320 Abs. 3. F 322. Die in F 319 zusammengestellten vier uridg. Nominalklassen bedürfen weiterer intensiver Forschung.

C. Zum Nomen und Adjektiv

353

1) Ein mesostatisches Akzentparadigma bzw. mesodynamisches Ablautparadigma müßte das folgende Schema aufweisen:

stark schwach

W W W

S S S

E E E

Es ist möglich, daß die uridg. Fem. vom Typ *-é-h2- = gr. WLP-KY‘Ehre’ = ved. (AV) îº-Ä- ‘Herrschaft’ auf dieses Schema zurückgehen: % Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 123. Nicht ganz auszuschließen ist aber auch, daß diese Fem. im Suffix doch ablautend waren, s.o. I. Hajnal in L 334 Abs. 3. Weiteres zu diesen Feminina s.o. in F 312. Ÿ vgl. jetzt auch Schaffner Vernersches Gesetz 2001 p. 365ff. 2) Eine interessante Fragestellung betrifft den Stellenwert des Wechsel eines Nomens von einer Flexionsklasse zu einer anderen, s.o. oben zu ‘Wasser’ in F 314 Abs. 7. Der Wechsel dient offensichtlich der sog. internen Ableitung. Diese wird im Gegensatz zur sog. externen suffixalen Ableitung ohne Veränderung des Wortkörpers allein durch den Wechsel des Akzentsitzes geleistet, vgl. gr. Adj. JODXNRY‘hellblau, funkelnd’ vs. PN *ODX NR. — Eine interessante Gruppe stellen seit Schindler (% Wurzelnomen 1972 und vgl. dens. oben in F 315 Abs. 1) die Wurzelnomina mit den beiden uridg. Akzenttypen akrostatisch und amphikinetisch (s.o. F 320). Dazu zuletzt: % K.-H. Mottausch in HS 113 2000 p. 29-52. — Wichtig sind die Klassen ferner für das Verständnis des nach W. Caland benannten Suffixsystems, s.u. W 206.

5. Zu den formalen Besonderheiten der Adjektive F 323. Bei den altidg. Adjektiven ist die Dimension Genus mit dem Lexem nicht fest verbunden. Im Gegenteil: Die Adjektive besitzen die Fähigkeit, nebeneinander maskuline, feminine und neutrale Formen zur Markierung der Kongruenz bilden zu können, s.o. F 301. Die Adjektive sind i.d.R. mit allen drei Endungssätzen ausgestattet. Es finden sich aber einzelsprachlich auch Adjektive zweier Endungen, s.u. Abs. 3. Die Adjektive besitzen große syntaktische Freiheiten im Satz. ŸDiese formalen Besonderheiten der Adjektive erklären sich aus ihrer Genese: Die Adjektive sind nämlich erst im Lauf der voridg. Phase von appositiven Nomina („von unterspezifizierten Lexeme für Eigenschaftskonzepte“) zu dem geworden, wie wir sie aus den altidg. Einzelsprachen

354

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

kennen. Vgl. Irene Balles in Fachtagung Krakau 2004 [2009] p. 18: „Nun gibt es Hinweise darauf, daß ... der Unterschied zwischen den Wortarten Substantiv und Adjektiv kein lexikalischer, sondern bloß ein syntaktischer war“. Weiteres mit viel Material aus der gesamten Altindogermania bei der Autorin a.a.O. — Nebenbei: Daß die Adjektive erst spät ihren uns bekannten Status erhalten haben, zeigt sich auch in der Komposition, s.u. W 206 Abs. 6. 1) Die Großzahl der Adjektive (dazu zähle ich in diesem Zusammenhang auch Verbaladjektive und Komposita) ist -o-stämmig, vgl. uridg. *de-ó- ‘zum Himmel(sgott) gehörig, himmlisch’, vgl. uridg. *lu-tó‘gehört, nennen gehört, berühmt’, vgl. ved. an-udr-á- ‘wasserlos’. Die entsprechenden Femininbildungen lauten auf uridg. *-eh 2 - (bzw. einzelsprachlich auf -â-), s.o. F 312. 2) Adjektive (wieder einschließlich der Verbaladjektive und Komposita) gibt es aber auch unter den -i- und -u-Stämmen, ferner unter den Konsonantstämmen, vgl. lat. in-ermi-s ‚ohne Waffen‘, uridg. *s¾éh 2 du‘süß’ (= lat. svâvis < *s¾âd¾-i-; gr. K-GXY; ved. svâdú-) und uridg. *b£er-o-nt- ‘tragend’. — ŸEs ist auffällig, daß im Lat. die -u-stämmigen Adjektive mit einem -i-Stamm erweitert sind, s. soeben svâvi- oder tenu-i-. Irene Balles macht in Fachtagung Krakau 2004 [2009] 1ff. deutlich, daß hier tatsächlich -i-Stämme vorliegen und nicht, wie man gern vermutet, feminine Bildungen auf -ih 2 - den Ausgangspunkt bilden. Die Autorin zeigt, daß diese -i-Stämme in der Altindogermania verbreiteter gewesen sind und daß sie zunächst (als Vorstufen der späteren Adjektive) Lexeme für Eigenschaftkonzepte gebildet haben, s. oben zu Beginn des Paragraphen. ŸDie Feminina dieser Gruppe sind mit dem komplexen Suffix *-ih 2 (in den schwachen Kasus *-éh 2 -) gebildet. Kein Zufall: Das komplexe Suffix ist aus der -h 2 -Bildung zu den oben genannten -i-Stämmen verallgemeinert. — Der genaue Aufbau dieser Fem. ist nicht ganz klar, vgl. sich widersprechend gr. K-GHL D vs. ved. svâdvÏ. I) Entweder: Das zu gr. SLYZQ = ved. pÏvan- ‘fett’ gehörende isolierte Fem. gr. SLYHLUD = ved. pÏvarî- < *piH-¾ér-ih 2 - kann für ein hohes Alter der gr. -HLD-Form und damit für ein altes Fem. mit starkem Stamm *-é¾-ih 2 vs. schwachen Stamm *-u- 2 sprechen, Ÿ vgl. so u.a. Schaffner Vernersches Gesetz 2001 p. 354 mit Anm. 30. Die ved. starke Form -vÏ < *-¾-ih 2 wäre dann sekundär aus dem schwachen Stamm gewonnen. II) Oder: Wie Lamberterie Rez. 2002 p. 113 zu P. 221 plädiert, spricht ein Beispiel wie der archaisch gebildete gr. Ortsnamen3ODYWDLD< *p©th 2 ¾-ih 2 - für ein hohes Alter des Typs svâdveB Der Typ K-GHL Dmüßte dementsprechend jünger sein.

C. Zum Nomen und Adjektiv

355

3) Einzelne altidg. -o-stämmige Adjektive und Komposita meiden (als Archaismus) fem. *-e-h 2 - in auffälliger Weise, vgl. aus dem gr. Bereich die sog. Adjektive zweier Endungen. Für eine erste Übersicht der Beispiele (ich nenne hier stellvertretend nur SDYWULR ‘väterlich’, das i.d.R. drei Endungen kennt, z.T. aber auch zweiendig auftritt, vgl. Euripides Helena 222 mit femininem FTRYQDSDYWULRQ : % Kühner / Blass Ausführliche Gramm. d. gr. Sprache I / 1 1890 p. 535ff. Weiterführend Wackernagel Kl. Schr. I 1969 (in einer Arbeit von 1919) p. 488 und Kastner Adjektive 1967 (der Autor stellt die gesamte Problematik dar). F 324. Adjektive bilden die Basis für modale Adverbien: Die einzelsprachlichen modalen Adverbien sind i.d.R. Formen des Instr.Sg., z.T. auch adverbiell erstarrte Formen des Akk.Sg. oder Nom.Sg. Zum Lat.: — vgl. den Typ ben-e ‘gut’ < *d¾en-êd. Die weitere Vorgeschichte von *-êd ist aber nicht eindeutig auszumachen, weil im Urital. Abl. und Instr. synkretistisch zusammengefallen sind und die besser charakterisierte Abl.-Endung den Vorzug bekommen hat. Vom Inhaltlichen her empfiehlt sich aber für das adverbiale *-êd ein Verständnis als alten Instr. *-ê ( ê regelhaft geworden sein. Risch Wortbildung 1974 p. 89 sieht in der Längung einen Ersatz für die ursprünglich übliche Vollstufe der Wurzel. Vollstufig sind noch

358

III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

NUHYVVZQ < *krét-n: aber Superlativ NUDYW-LV-WR- < *kμt-is-to-) und RMOHLY]ZQ (inschr. att.: % Threatte Attic II 1996 p. 309) ‘kleiner an Zahl’ (< *-leg-n: aber Positiv RMOLYJ-R- . Die Form des myk. Komparativs ist rein -s-stämmig. Das s ist intervokalisch aber bereits zu -h- verhaucht (später daraus Hiat), vgl. Nom.Pl. m.f. me-zo-e i.e. meg-zoh-es ‘größere’. — Das alphabet. Gr. zeigt dagegen ein mit den -h/ø-Formen gemischtes -n-Paradigma, vgl. att. Nom.Sg.m.f. NDN-L²YZQGen.Sg.m.f. NDN-LYR ² Q-R, Dat.Sg.m.f. NDN-LYR ² Q-L, aber Akk.Sg. m.f. NDN-LY²Z< *-e -a; Nom.Akk.Pl. m.f. NDN-LYR ² X(wieder -s-stämmig: < *-e -es), Gen.Pl.m.f. NDNL²-RYQZQDat.Pl.m.f. NDNLYR ² VL. Diese -osi-Form ist sowohl als alter -s-Stamm (PPH;die att. Formen sind flexivisch erweitert, vgl.K-PHL  VIHL usw., myk. Lok.Pl. me-ta-qe pe-i i.e. meta-kýe sp£ehi ‘und mitten unter ihnen’. Weiteres zum gr. sp£-: % Katz Personal Pronouns 1998 p. 226ff. 4) Weitere Lit. speziell zum Personalpronomen (vgl. selbstverständlich auch die Lit. in F 400 Abs. 4): % G. Schmidt Personalpronomina 1978; Seebold Personalpronomina 1984; S. Howe The Personal Pronouns in the Germanic Languages, A study of personal pronoun morphology and change in the Germanic languages from the first records to the present day. Berlin / New York 1996 (= Studia Linguistica Germanica 43); J. T. Katz Archaische keltische Personalpronomina aus indogermanischer Sicht in Fachtagung Innsbruck 1996 [1998] p. 265-291 (Ÿ vgl. dazu E. Rieken in FS Neumann *80 2002 p. 407ff.); J. Matzinger Zum Lokativ Singular des Personalpronomens der ersten Person im Altarmenischen in MSS 57 1997 p. 65-80; dens. Zu armenisch mek‘ ‘wir’ in HS 110 1997 p. 83-92. F 402. Von den Personalpronomina aus konnten bereits im Uridg. -o-stämmige Adjektive i.S.v. sog. Possessiva (Possessivpronomina, t.t. dt. besitzanzeigende Fürwörter) gebildet werden. Im Gegensatz zum banalen Suffix *-o- stammt das Suffix -tero- aus der Komparation, s.o. F 325 Abs.2. Rekonstruierbar sind: — für die 1. Pers. Sg. uridg. *m-o- ‘mein’ (vgl. gr. mit dem aus dem Nom. geholten e- HM-PRY), vielleicht aber auch zusätzlich *me-o- (Ableitung vom Lok., vgl. lat. meus); — für die 2. Pers. Sg. uridg. *t¾-o- ‘dein’ (vgl. gr. ion. att. VRY) bzw. *te¾-o- (vgl. lat. tuus); — für die 1. Pers. Pl. uridg. *nos-tero- ‘unser’ (vgl. lat. noster) bzw. *s-mó(vgl. gr. hom. D-²PRY:% LfgrE I Sp. 640f.) bzw. *smé-tero- (vgl. gr. K-PHYWHUR); — für die 2. Pers. Pl. uridg. *¾os-tero- ‘euer’ (vgl. lat. vester mit ve- aus vo-) bzw. *us-mó- (vgl. gr. hom. X-P ² RY) bzw. *usmé-tero- (vgl. gr. X-P ² HYWHUR); — für die 3. Pers. Sg. reflexiv uridg. *s¾o- ‘sein’ (vgl. gr. R^^ ) bzw. *se¾-o- (vgl. lat. suus). Weitere Einzelheiten: % Leumann LLFL 1977 p. 465f.; Meiser Lautund Formenlehre 1998 p. 159; Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 181; J.

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III. Zur Formenlehre des Urindogermanischen

Wackernagel in Wackernagel / Debrunner Ai. Gramm. III 1930 p. 492494; Petit S¾e- 1999.

3. Zu den Fragepronomina (Interrogativa) und Indefinita F 403. Das Uridg. kannte als substantivisches Fragepronomen *kýi- (z.T. im Ablaut mit *kýe-). Für die adjektivischen Funktionen fand das -o-stämmige *kýo- (z.T. im Ablaut mit *kýe-) Verwendung. Zentral für das substantivische Pronomen war die Unterscheidung von ‘wer’ und ‘was’. Innerhalb von ‘wer’ fand aber keine weitere Differenzierung zwischen Mask. und Fem. statt. Diese Indifferenz ist alt und paßt zum Uridg., wo das Fem. vermutlich erst in nachuridg. Zeit nach Ausscheiden des Anatolischen fest etabliert worden ist, s.o. F 303 Abs. 2. Während die orthotonen Formen am Satzanfang Fragen i.S.v. ‘wer?’, ‘was?’, ‘von wem (abstammend)?’, ‘wessen (zugehörig)’ usw. markieren, konnten die in Enklise stehenden Formen zu Indefinita i.S.v. ‘wer auch immer’, ‘irgendwer’ usw. abgeschwächt werden. Die einzelsprachlichen Verhältnisse variieren. Der uridg. Verwendungsbereich von *kýi- vs. *kýo- ist nur schwer zu erfassen, zumal *kýi- und *kýo- auch bei den restriktiven Relativsätzen Verwendung gefunden haben und in Konkurrenz zum appositiven *Ho- getreten sind. Zum angeblichen Verhältnis von *kýo- zur Kopula *kýe s. G. Dunkel in FS Narten 2000 p. 9-29. Weiteres s.u. F 404. Die folgende Tabelle dient dazu, einige Punkte der Flexion des substantivischen Fragepronomens zu verdeutlichen. Die rekonstruierten Formen sind aus Rix Hist. Gramm. d. Gr. 1976 p. 187 übernommen. — Wieweit die von Rix postulierte Differenzierung von m.f. *kýo- (vgl. lat. cuius < *kýoso-) und n. *kýe- (vgl. av. cahiiâ mit ca- < *‘e- < *ke- b-) und uridg. *tri-s ‘dreimal’ (= gr. WULY). Für ‘einmal’ stand ein Kompositum mit VG *s¬- zur Verfügung (s.o. in F 501 die drei einzelsprachlichen Vertreter mit differierendem HG). Weiteres: % Leumann LLFL 1977 p. 494f.; Wackernagel / Debrunner Ai. Gramm. III 1930 p. 422f.

IV. Zur Syntax des Urindogermanischen — verfaßt von Matthias Fritz —

A. Allgemeines S 100. Seit nunmehr über hundert Jahren nicht durch ein gleichwertiges Werk ersetzt und zu seiner Zeit die erstmalige umfassende und grundlegende Darstellung ist die Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen von Berthold Delbrück: % Delbrück Vgl. Syntax I-III 18931900. Ihre herausragende Bedeutung wird auch hervorgehoben durch eine Tagung, die ihrem Verfasser anläßlich des hundertjährigen Jubiläums des Werkes gewidmet war: % Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] (zur wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung K. Strunk a.O. p. 571ff.). 1) Anders als es seit A. Schleicher (s.o. E 305) bei Phonologie und Morphologie üblich ist, wird eine Syntax der uridg. Grundsprache von B. Delbrück nicht rekonstruiert, sondern es werden die einzelsprachlichen Erscheinungen nur vergleichend nebeneinandergestellt. Ob dieser „vorschleichersche“ Zustand in der Erforschung der Syntax bei manchen syntaktischen Fragestellungen, die größere Satzeinheiten betreffen, an sich unüberwindlich ist, wird die Zukunft weisen. Rekonstruierbar sind nur solche Satzeinheiten, die in den Einzelsprachen auf der Ausdrucks- und Inhaltsseite Vergleichbares aufweisen. Doch ist bei manchen vergleichbaren syntaktischen Erscheinungen der Einzelsprachen schwer zu entscheiden, ob diese Erscheinungen schon grundsprachlich sind oder ob die Grundsprache nur die Voraussetzungen dafür bietet, daß in den Einzelsprachen ähnliche Entwicklungen stattfanden. 2) Nach B. Delbrück sind an umfassenden Darstellungen der Syntax die Werke von Karl Brugmann (% Brugmann Einfacher Satz 1925, ders. Kurze vgl. Gramm. 1902-1904; Grundriß II-3 1916 zu den Partikeln im einfachen Satz) und Hermann Hirt (% Hirt Idg. Gramm. VI 1934 und VII 1937) zu nennen. Eine zeitgenössische Entsprechung zu diesen syntaktischen Handbüchern fehlt bislang, ist aber im Rahmen der Indogermanischen Grammatik von

A. Allgemeines

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J. Kuryªowicz und M. Mayrhofer vorgesehen (% Idg. Gr.) und wird derzeit von zahlreichen Mitarbeitern unter der Leitung von José Luis García Ramón, Heinrich Hettrich und Oswald Panagl erarbeitet. Vom 29.9. - 3.10.1999 fand in diesem Rahmen eine Arbeitstagung der Idg. Gesellschaft zur indogermanischen Syntax in Würzburg statt. Ÿ jetzt erschienen als Indogermanische Syntax 2002, s.o. bibl. Nachträge 5 (Hrsg. H. Hettrich). 3) Handliche Darstellungen, die sich aber mehr anhand der Typologie mit der syntaktischen Teilfrage nach der Wortstellung beschäftigen und, allein schon durch den geringen Umfang bedingt, keine Gesamtdarstellung bieten können, gibt es von Winfred P. Lehmann (% Lehmann PIE Syntax 1974) und Paul Friedrich (% P. Friedrich Syntax 1975). Zur untergeordneten Bedeutung der Wortstellungsfrage für das Uridg. mit seinem Reichtum an Flexionsformen, die der Wortstellung beim Ausdruck syntaktischer Relationen eine zweitrangige Stellung zuweisen, äußert sich eingehend C. Watkins Towards ProtoIndo-European Syntax: problems and pseudo-problems in Watkins Selected Writings I 1994 (in einem Beitrag von 1976) p. 242-263. 4) Die Rekonstruktion der Syntax bezieht sich auf den idealisierten Zustand einer Standardsprache des Uridg. Die Stilistik, der sich vornehmlich O. Panagl widmet, erfordert ein besonders feines Gespür. Als eine eigene Sprachschicht ist die Dichtersprache aufgrund ihrer tradierten Formeln für die syntaktische Rekonstruktion von besonderer Bedeutung: o R. Schmitt Dichtersprache 1967. Die Umgangssprache ist durch die Sache bedingt (originäre Mündlichkeit – schriftliche Tradition) nur schwer zugänglich; als Quelle dafür kommen vor allem Texte in Frage, in denen Dialoge vorkommen (Dramendialoge, philosophische Dialoge, Dialoglieder): % Hofmann Lat. Umgangssprache 1978. 5) Basisliteratur zur indogermanischen Syntax und zur Syntax indogermanischer Sprachen: % Brugmann Grundriß II-2 1911 und II-3 1916; ders. Einfacher Satz 1925; Bühler Sprachtheorie 1934; Chantraine Gramm. hom. II 1953; Delbrück Vgl. Syntax I-III 1893-1900; ders. Gr. Syntax 1879; ders. Ai. Syntax 1888; Havers Erklärende Syntax 1931; Hirt Idg. Gramm. VI - VII 1934-1937; Hofmann / Szantyr Syntax 1965; Kieckers Gr. Gr. III-IV 1926; Krahe Vergl. Syntax 1972; Kühner / Gerth II 1898-1904; Kühner / Stegmann II 1955; Kuryªowicz Inflectional Categories 1964; Matthews Syntax 1981; Meier-Brügger Gr. Sprachw. I 1992; Miklosich Vergl. Syntax 1868-1874; Monro Homer. Dialect 1891; Pinkster Lateinische Syntax 1988; Scherer Lat. Syntax 1975; Schwyzer / Debrunner Gr. Gr. II 1950; Sommer Vergl. Syntax 1931; Speyer Syntax 1896; Wackernagel Vorlesungen I-II 1926-1928. ŸVgl. in den bibl. Nachträgen 5 jetzt speziell die englische Ausgabe von Wackernagels Vorlesungen von D. Langslow.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

S 101. Die Rekonstruktion von Syntax führt gegenüber derjenigen von Phonologie und Morphologie aufgrund der Beteiligung von Ausdrucksund Inhaltsseite ungleich stärker in den Bereich von Hypothesen und Wahrscheinlichkeiten. Die interne Rekonstruktion von Syntax geht sogar noch einen Schritt weiter, da die Feststellung der extern rekonstruierten Divergenzen bereits auf bestimmten Vorstellungen von einem syntaktischen System beruht und die „bereinigende“ Zielvorstellung durch den Vergleich mit historischen syntaktischen Systemen nur typologisch plausibel gemacht werden kann. Die Problematik der Rekonstruktion von Syntax ist mit derjenigen der Rekonstruktion von Semantik vergleichbar, insofern als syntaktische wie semantische Bedeutungen auf der Inhaltsseite des sprachlichen Zeichens angeordnet sind: So bestehen Morpheme wie Lexeme aus Ausdrucksseite (Significans) und Inhaltsseite (Bedeutungsebene; Significatum) und werden vom Sprecher zur Bezeichnung seiner begrifflichen Vorstellung (Begriffsebene; Designatum) von der außersprachlichen Wirklichkeit verwendet. Wie bei Lexemen lassen sich bei Morphemen Grundbedeutungen feststellen, die sich nicht in Abhängigkeit von dem jeweiligen Zusammenhang verändern; diese Grundbedeutungen umfassen verschiedene Funktionen, die vom Kontext abhängen: Je nach den im Satz vorkommenden Lexemen können also die Funktionen eines Morphems variieren. Die vom Sprecher verwendeten sprachlichen Zeichen weisen unmittelbar auf seine begriffliche Vorstellung. Welche begriffliche Vorstellung ein Sprecher von der außersprachlichen Wirklichkeit hat, hängt von seiner Interpretation der realen Situation ab, so daß verschiedene Sprecher auf dieselbe reale Situation mit unterschiedlichen sprachlichen Zeichen referieren können. Schema des sprachlichen Zeichens samt seiner Bezeichnungsbeziehung zu Begrifflichkeit und Wirklichkeit: Ausdrucksseite Inhaltsseite

Bedeutungsebene Begriffsebene außersprachliche Wirklichkeit

Significans Significatum Designatum

S 102. Die Syntax ist die wissenschaftliche Beschreibung von Sätzen. Hier stellt sich von vornherein die Frage, was überhaupt ein Satz ist, was alles als Satz betrachtet werden kann. Bei der Erforschung vorgeschichtlicher Sprachzustände kommt noch die Frage hinzu, wie Sätze rekonstruiert werden können.

A. Allgemeines

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Die Frage, was ein Satz ist, ist schon dann nicht leicht zu beantworten, wenn von Gegenwartssprachen ausgegangen wird. Sie ist ohnehin nur dann eindeutig und endgültig zu beantworten, wenn Sätze von sich aus die Voraussetzungen zu einer solchen Antwort bieten, wenn also Sätze von vornherein bestimmte Merkmale aufweisen, die sie zu dem machen, was sie sind, und ohne die sie nicht das wären, was sie sind. Wenn Sätze diese bestimmten Merkmale nicht aufweisen, dann ist die Frage nach dem Satz Definitionssache. Wenn dieses bestimmte Merkmal für einen Satz die Prädikation über ein Subjekt ist, so gibt es neben diesen Sätzen, die eine Prädikation über ein Subjekt enthalten (Die Katze hat einen Vogel gefangen), auch solche, die nichts dergleichen ausdrücken (Hilfe!). Letztere können natürlich so erklärt werden, daß auch hier durchaus eine Prädikation über ein Subjekt zustandekommt, was bei einer anderen Formulierung gewählt wird, die in demselben Zusammenhang geäußert werden kann (Hilf mir!); die Unterschiede bestehen somit lediglich auf der sprachlichen Seite. Es könnte vorgeschlagen werden, daß Sätze, um als solche gelten zu dürfen, vollständig und sinnvoll sein müssen. Nun sind unvollständige Sätze nicht von vornherein sinnlos und vollständige Sätze nicht von vornherein sinnvoll. Beispielssätze erwecken den Anschein, daß sie mehr oder weniger sinnvoll, also aus sich heraus verständlich sind. Doch sind Beispielsätze nicht die Sprachwirklichkeit. In der natürlichen Sprachwirklichkeit steht jede Äußerung in einem größeren Zusammenhang und dient der Verständigung. Fehlleistungen, also Mißverständnisse, sind bei dieser wie bei anderen menschlichen Tätigkeiten natürlich. Mißverständnisse können aber bei vollständigen wie bei unvollständigen Sätzen auftreten. Andererseits können unvollständige Sätze ihren Zweck in einem größeren Zusammenhang ebensogut erfüllen wie vollständige und sind beim gewöhnlichen Sprechen gang und gäbe. Entscheidend ist dabei nur die Verständlichkeit im Zusammenhang. Verständlichkeit oder Vollständigkeit eines Einzelsatzes können also auch nicht als grundlegende und unverzichtbare Eigenschaften eines Satzes angesehen werden. Was nun die Rekonstruktion von Syntax betrifft, so gilt als Gemeinplatz, daß sprachwirkliche Sätze nicht rekonstruiert werden können. Das ist nun aber kein Mangel der Rekonstruktion von Syntax. Denn, wie gerade gezeigt wurde, sind zusammenhanglose Einzelsätze ohnehin nicht die Sprachwirklichkeit, ebensowenig wie Einzelwörter oder Einzellaute. Was nicht rekonstruiert werden kann, ist die Sprachwirklichkeit. Was aber rekonstruiert werden kann, ist das System einer Sprache. Die Einzelbeispiele dienen in jedem Fall nur der Veranschaulichung des rekonstruierten Sy-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

stems. Eine ganz andere Frage ist, ob das System einer Sprache komplett rekonstruiert werden kann. Das hängt dann weniger von der Rekonstruktionsmethode als vielmehr vom Forschungsstand ab. Davon hängt auch ab, ob rekonstruierte Sätze formuliert werden können; denn die Formulierung eines rekonstruierten Satzes, der ja ohnehin nicht den Anspruch auf Sprachwirklichkeit hat, scheitert nicht etwa daran, daß Sätze nicht rekonstruiert werden könnten, sondern daran, daß nicht sichergestellt ist, ob die rekonstruierten Elemente, die den Satz konstituieren, ein und derselben Sprachstufe angehören. Wäre die historische Gleichzeitigkeit der für die Formulierung notwendigen Elemente gewährleistet, stünde der Formulierung nichts mehr im Wege. Damit wäre allerdings nicht die Gewähr verbunden, daß der formulierte Satz jemals in dieser Form existiert hätte; doch diese Einschränkung betrifft ja jede Rekonstruktion. Lit.: % C. Watkins Preliminaries to the reconstruction of IndoEuropean sentence structure in Proceedings of the 9th International Congress of Linguists Cambridge MA, hrsg. von H. G. Lunt. Den Haag 1964 p. 1035-1042; ders. Towards Proto-Indo-European Syntax: problems and pseudo-problems in Watkins Selected Writings I 1994 (in einem Beitrag von 1976) p. 242-263; W. Dressler Über die Rekonstruktion der indogermanischen Syntax in ZVS 85 1971 p. 5-22; W. Winter Reconstructional comparative linguistics and the reconstruction of the syntax of undocumented stages in the development of languages and language families in Historical Syntax 1984 p. 613-625; S. Jamison Determining the Synchronic Syntax of a Dead Language in Historical Linguistics 1989 p. 211-220.

B. Zur Satzsyntax 1. Allgemeines S 200. Nicht der einzelne Satz allein, sei er nun einfach oder zusammengesetzt, ist die größte Einheit innerhalb der Syntax, sondern dazu gehören auch noch seine syntaktischen und semantischen Relationen über die eigentlichen Satzgrenzen hinaus; in diesem Fall wird in der Forschung von Textsyntax gesprochen. Bei der Entstehung der Hypotaxe aus der Parataxe von Hauptsätzen und Nebensätzen wird die unmittelbare Verbindung von

B. Zur Satzsyntax

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Textsyntax und Satzsyntax deutlich, die durch die satzübergreifende Wirkung von Pronomina erfolgt. Im Lateinischen zeigt dies der relative Satzanschluß. S 201. Sätze lassen sich je nachdem, ob sie in andere Sätze eingefügt sind oder nicht, in hypotaktische und parataktische Sätze einteilen; je nachdem, ob sie inhaltlich selbständig sind oder nicht, in Haupt- und Nebensätze; je nach Sprecherabsicht in Aussage-, Frage- und Befehlssätze; je nachdem, ob sie ein finites Verbum enthalten oder nicht, in Verbalsätze und Nominalsätze. S 202. In den idg. Einzelsprachen gibt es Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen, die sich auf die Verwendung von Verbalnomina in bestimmten Kasus im Uridg. zurückführen lassen. Zu den Verbalnomina gehören im Uridg. solche Verbalsubstantive und Verbaladjektive, die einzelsprachlich als Infinitive und Partizipien in das Verbalparadigma aufgenommen sind. Ob für das Uridg. bestimmte Infinitiv- oder Partizipialkonstruktionen anzusetzen sind, ist noch nicht gesichert. Partizipien lassen sich jedenfalls schon für die Grundsprache ansetzen. Infinitivische Konstruktionen mit dem finalen Dativ, dem Richtungsakkusativ oder dem Ziellokativ von Verbalnomina sind anzunehmen. Während Infinitive sich gerade durch die Syntax definieren, lassen Partizipien umgekehrt durch ihr Vorhandensein darauf schließen, daß es auch Partizipialkonstruktionen gibt. Nach J. L. García Ramón Infinitive im Indogermanischen? Zur Typologie der Infinitivbildungen und zu ihrer Entwicklung in den älteren indogermanischen Sprachen in InL 20 1997 p. 45-69 „läßt sich die Möglichkeit eines echten idg. Infinitivs auf *-sén(i) rechtfertigen“ (p. 67), der auf eine Lokativform zurückgeht, die sich nach K. Stüber Zur Herkunft der altindischen Infinitive auf -sáni in MSS 60 2000 p. 135-167 bei s-stämmigen Abstrakta durch den mit *en gebildeten Lokativ ergibt. Auch für sogenannte absolute Konstruktionen ist im Uridg. die Möglichkeit gegeben, wobei für die Einbindung in den Satz verschiedene Kasus in Frage kommen; nach Keydana Absol. Konstr. 1997 p. 33 findet hierfür der Lokativ im Uridg. Verwendung. Zum Formalen s.o. F 216. Lit.: % Gippert Infinitive 1978; ders. Zum „prädikativen“ Infinitiv in ZVS 97 1984 p. 205-220; ders. Ein keltischer Beitrag zur indogermanischen Morphosyntax: Das altirische Verbalnomen in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 143-164; H. Hettrich Zur historischen Syntax der nomina actionis im ·gveda: Der ‘doppelte Dativ’ in MSS 43 1984 p. 55106; ders. Nochmals zu Gerundium und Gerundivum in FS Rix 1993 p.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

190-208; Risch Gerund. 1984; J. L. García Ramón Zur Konkurrenz von Dativ und Akkusativ von Nomina actionis und Abstrakta im Indogermanischen in GS Kuryªowicz 1995 [1996] p. 101-113; ders. Infinitive im Indogermanischen? Zur Typologie der Infinitivbildungen und zu ihrer Entwicklung in den älteren indogermanischen Sprachen in InL 20 1997 p. 45-69; Keydana Absol. Konstr. 1997; K. Stüber Zur Herkunft der altindischen Infinitive auf -sáni in MSS 60 2000 p. 135-167.

2. Zu Parataxe und Hypotaxe S 203. Unter Parataxe ist die Aneinanderreihung von Sätzen zu verstehen. Es kommen Aussagesätze, Fragesätze und Befehlssätze vor. Dabei können Aussage- und Fragesätze dieselben Bestandteile aufweisen und sich auch lediglich geringfügig durch unterschiedliche Wortstellung und Satzintonation voneinander unterscheiden, so daß sie leicht ineinander überführt werden können; Befehlssätze hingegen nehmen wie der Modus Imperativ selbst eine Sonderstellung ein. 1) In Aussagesätzen nimmt der Sprecher Stellung dazu, inwiefern er dem Inhalt seiner Äußerung Gültigkeit beimißt, ob er ihre Gültigkeit voraussetzt (Injunktiv), behauptet (Indikativ) oder ob er sie für möglich (Optativ) oder zukünftig (Konjunktiv) hält. Der Indikativ könnte bei Aussagen über die Zukunft nur in Verbindung mit dem perfektiven Aspekt verwendet werden, da der perfektive Aspekt keine Aussagen über die unmittelbare Gegenwart zuläßt. Allerdings wird im Uridg. der perfektive Aspekt im Indikativ Aorist in Verbindung mit Augment und Sekundärendung nur auf die Vergangenheit bezogen; ohne Augment und mit Primärendungen kommt der perfektive Aspekt nur im Konjunktiv Aorist vor, worin wohl der Ursprung der futurischen Bedeutung des Konjunktivs zu sehen ist. 2) In Fragesätzen bringt der Sprecher anders als in Aussagesätzen seine unvollständige oder unsichere Vorstellung zum Ausdruck. Dementsprechend ist bei Fragesätzen zwischen Wortfrage und Satzfrage zu unterscheiden. In Wortfragen werden die Positionen nominaler (einschließlich pronominaler) oder adverbialer Syntagmen durch Interrogativpronomina bzw. -pronominaladverbien ausgefüllt und das Fragewort thematisiert. In Satzfragen findet keine Ersetzung von Wortarten statt, sondern das gesamte Verbalgeschehen wird in Frage gestellt, was durch Abweichung von im Aussagesatz üblicher Wortstellung und Satzintonation zum Ausdruck kommen kann; eine Thematisierung

B. Zur Satzsyntax

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des finiten Verbums läßt sich mittels des einzelsprachlichen Befundes jedoch nicht feststellen. Zur uridg. Frageformel *kýís h1? ‘Wer bist du?’ *kýóso h1? ‘Wessen (sc. Sohn) bist du?’: o R. Schmitt Dichtersprache 1967 p. 136f. S 204. Neben der parataktischen Anordnung (Beiordnung) der Sätze gibt es im Uridg. die hypotaktische Anordnung (Unterordnung) von Sätzen. Darunter ist die Einfügung eines Satzes in einen anderen Satz zu verstehen. Die wesentliche Besonderheit der Hypotaxe ist dabei die Möglichkeit, einen Satz, der ein finites Verbum enthält, in einen anderen solchen Satz einzufügen, also die Integration eines Verbalsatzes in einen anderen Verbalsatz. Mit der Einfügung eines Satzes in einen anderen gehen beim Nebensatz Abweichungen von der Gestalt einher, die er als Hauptsatz hat: Gerade dadurch sind untergeordnete Nebensätze von beigeordneten Nebensätzen oder Hauptsätzen zu unterscheiden, daß sie in ihrer Ausdrucksseite von diesen abweichen und beigeordnete Sätze in dieser Form nicht vorkommen, wobei sich der formale Unterschied allerdings auch allein auf die suprasegmentale Phonologie beschränken kann. Inhaltlich kann auch zwischen selbständigen Sätzen in Parataxe ein Verhältnis wie zwischen Hauptund Nebensatz in Hypotaxe bestehen, indem der Nebensatz nur eine Ergänzung oder Angabe zum Hauptsatz darstellt. Jedoch erst, wenn dieses Verhältnis auch durch die formale Integration des Nebensatzes in den Hauptsatz nach Art von Adverbien, Attributen und Appositionen zum Ausdruck kommt, kann von Hypotaxe gesprochen werden. Die formalen Markierungen des Nebensatzes können einzelsprachlich ganz verschiedener Art sein. Für das Urindogermanische wird die Betonung des finiten Verbums als formale Markierung des Nebensatzes gegenüber dem Hauptsatz angenommen, in dem das finite Verbum unbetont ist, außer wenn es als Thema den Anfang des Satzes bildet. Eine Zusammenstellung von Kriterien zur Unterscheidung von Hauptund Nebensatz findet sich bei E. Hermann Gab es im Indogermanischen Nebensätze? in KZ 33 1895 p. 481-535. Delbrück Vgl. Syntax III 1900 vertritt die Ansicht, „dass ... ursprünglich alle Sätze beigeordnet neben einander standen.“ (p. 411) Weiter führt Delbrück aus: „Die geschichtliche Auffassung hat, wie jetzt wohl allgemein angenommen wird, von der Hypothese auszugehen, dass es einmal eine Zeit gab, in welcher nur Hauptsätze vorhanden waren.“ (p. 412) Ferner kann Delbrück für seine Zeit feststellen: „Der Satz, dass die Hypotaxis aus der Parataxis entstanden sei, ist Gemeingut der Wissenschaft geworden.“

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

(p. 413) Zur Systematisierung der Nebensätze stellt Delbrück 1900, p. 413f. die Einteilung nach dem „Gedankenverhältniss“ in priorische und posteriorische vor. S 205. Für das Uridg. lassen sich als Nebensätze solche mit Relativpronomen ansetzen, die neben der Funktion von Relativsätzen auch diejenige von Adverbialsätzen erfüllen. Eigene Konjunktionen zur Einleitung von Adverbialsätzen lassen sich aus dem Sprachvergleich für das Uridg. nicht gewinnen. Die mit Konjunktionen eingeleiteten Adverbialsätze haben ihren Ursprung in den Relativsätzen, indem Konjunktionen auf bestimmte Kasusformen von Relativpronomina zurückgehen (vgl. z. B. lat. cum < quom = Akk.Sg.m. des Relativpronomens *kýo-). Nach der so erfolgten Entstehung der Adverbialsätze können nach dem Vorbild der aus Relativpronomina hervorgegangenen Konjunktionen auch andere Wortarten zu Konjunktionen umgedeutet werden. Mit Relativpronomina eingeleitete untergeordnete Nebensätze können also die Funktion von Subjekt, Objekt, Adverbiale, Attribut und Apposition übernehmen. 1) Das Uridg. besitzt zwei Arten von Relativsätzen, den attributiven und den appositiven. Diese unterscheiden sich formal durch das satzeinleitende Pronomen; der attributive Relativsatz wird durch das Pronomen *kwi- / *kwoeingeleitet, der appositive durch das Pronomen *Ho-. Semantisch besteht zwischen den beiden Arten von Relativsätzen folgender Unterschied: Der attributive Relativsatz bezeichnet eine zusätzliche Eigenschaft, der appositive Relativsatz nennt dagegen eine bekannte Eigenschaft des durch das Bezugswort Bezeichneten. Der attributive Relativsatz kann daher auch ohne Bezugswort auftreten, im Gegensatz zum appositiven Relativsatz, der nur in Verbindung mit einem Bezugswort Verwendung finden kann. Nachgrundsprachlich ist diese formale Markierung der beiden Arten von Relativsätzen aufgegeben worden, und die Einzelsprachen verwenden jeweils nur eines der beiden Relativpronomina weiter. 2) Nach Ch. Lehmann Der indogermanische *kwi-/kwo-Relativsatz im typologischen Vergleich in Kolloquium Syntax Pavia 1979 [1980] p. 155-169 gibt es im Uridg. nur postnominale und vorangestellte Relativsätze, jedoch nicht pränominale und nachgestellte. Post- und pränominal bezeichnen dabei die Stellung des Relativsatzes zum Bezugswort, voran- und nachgestellt diejenige zum Hauptsatz. Der *Ho-Relativsatz kommt nach Lehmann nur postnominal vor und sei entweder aus einem mit *Ho- angeschlossenen Attribut oder aus einem mit *Ho- eingeleiteten, selbständigen Satz entstanden; *Hohabe dabei anaphorische Funktion besessen. Der vorangestellte kwi-/kwo-Satz

B. Zur Satzsyntax

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dient nach Lehmann dazu, ein Thema zu bezeichnen, auf das der nachfolgende Hauptsatz Bezug nimmt: „Der Nukleus eines restriktiven Relativsatz [sic] ist notwendig semantisch indefinit, das ihn determinierende (Relativ-)Pronomen muss also indefinit sein. So erklärt sich der Gebrauch eines dem Frage- und damit dem Indefinitpronomen nahestehenden Relativpronomens ...“ (p. 163). Nach Hettrich Hypotaxe 1988 p. 776-778 entwickeln sich im Urindogermanischen nach einer Sprachstufe mit Relativpartizipien die Relativsätze aus parataktisch nachgeordneten Sätzen mit anaphorischen Pronomina, und zwar entstehen aus Sätzen mit anaphorischem *Ho- appositiv-explikative Relativsätze und aus Sätzen mit anaphorischem *kwi-/*kwo- attributiv-restriktive Relativsätze. Zum Formalen s.o. F 404. Zur Terminologie appositiv vs. attributiv: o Seiler Relativsatz 1960; zu appositiv vs. restriktiv: o Lehmann Relativsatz 1984 und Hettrich Hypotaxe 1988. Nach Ch. Koch Zur Vorgeschichte des relativen Attributivkonnexes im Baltischen und Slavischen in Kolloquium Idg., Slaw. u. Balt. Jena 1989 [1992] p. 45-88 ist das Relativattribut nicht schon grundsprachlich, sondern entsteht erst einzelsprachlich auf der Grundlage nominaler Relativsätze.

3. Zu Verbal- und Nominalsatz S 206. In einem Verbalsatz sind die Aktanten bereits durch das finite Verbum vorgegeben. Diese Vorgabe ist durch Dependenzrelationen geregelt. Im Nominalsatz fehlt die Vorgabe der Aktanten durch das finite Verbum. Nominalsätze sind nicht einfach Verbalsätze ohne finites Verbum (mit sog. Ellipse der Kopula), sondern eine eigenständige Art von Sätzen; so ist das Prädikatsnomen in Nominalsätzen, anders als das verbale Prädikat in Verbalsätzen, auch stets betont. Die Bezeichnung Ellipse ist eigentlich nicht zutreffend, weil die Kopula nicht notwendig ist. Umgekehrt ist die Verwendung der Kopula eher als eine Anpassung an das übliche Muster von Verbalsätzen anzusehen, die immer eine finite Verbalform enthalten. Es handelt sich bei dieser Verwendung der Kopula um eine Art der explikativen Signifikation, indem der Inhalt der Kopula bereits durch die Verbindung der vorhandenen Satzteile mit ausgedrückt wird und diesem Inhalt durch die Kopula lediglich durch ein zur Verfügung stehendes eigenständiges sprachliches Zeichen vergleichbarer Bedeutung gesondert Ausdruck verliehen wird.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

S 207. Lit. zum parataktischen Satz: % Kieckers Stellung des Verbs 1911; Ammann Untersuchungen I 1922; ders. Untersuchungen zur homerischen Wortfolge und Satzstruktur. 2. Teil: Die Stellung des Verbums, im Einzelnen untersucht in IF 42 1924 p. 149-171 und 300-322; W. Dressler Eine textsyntaktische Regel der idg. Wortstellung in ZVS 83 1969 p. 1-25; R. Harweg Zum Verhältnis von Satz, Hauptsatz und Nebensatz in ZDL 38 1971 p. 16-46; C. Watkins Some Indo-European verb-phrases and their transformations in Selected Writings I 1994 (in einem Beitrag von 1975) p. 189-209; K. Heger Parataxe und Hypotaxe in Kwartalnik Neofilologiczny 24 1977 p. 279-286; A. Scherer Rekonstruktion grundsprachlicher Satzbaupläne in FS Szemerényi 1979 p. 755-762; Andersen Word Order Typology 1983; F. Bader Structure de l’énoncé indo-européen in Historical Linguistics 1987 p. 13-34; Luraghi Old Hittite Sentence Structure 1990; A. Hintze Parataxis and Hypotaxis in the Avesta in Syntaxe des langues indo-iraniennes anciennes 1993 [1997] p. 51-62. S 208. Lit. zum hypotaktischen Satz: % Seiler Relativsatz 1960; R. Sternemann Temporale und konditionale Nebensätze des Hethitischen in Mitteilungen des Instituts für Orientforschung 11 1965 p. 231-274 und 377415; R. Schmitt-Brandt Vergleich der indogermanischen Nebensatzkonstruktionen in Fachtagung Bern 1969 [1973] p. 125-141; G. Bossong Typologie der Hypotaxe in FoL 13 1979 p. 33-54; H. Rix Abstrakte Komplemente im Urindogermanischen in FS Szemerényi 1979 p. 725-747; H. Hettrich Zur Entwicklung der Finalsätze altindogermanischer Sprachen in ZVS 100 1987 p. 219-237; ders. Lateinische Konditionalsätze in sprachvergleichender Sicht in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 263-284; ders. Hypotaxe 1988; Lehmann Relativsatz 1984; Krisch Konditionalsätze 1986. S 209. Über den Satzakzent läßt sich aussagen, daß das den Satz eröffnende Wort betont ist. Die Satzanfangsstellung schließt auch die Funktion der Thematisierung mit ein: Wenn das Subjekt den Satz eröffnet, handelt es sich in einer Nominativsprache dabei um den unmarkierten Prototyp. Bei Fragesätzen wird der nominale Bestandteil, nach dem gefragt wird, thematisiert; so eröffnet bei Wortfragen das Interrogativpronomen den Satz. Ein Enklitikon wird als zweites Wort in den Satz eingefügt, ein weiteres Enklitikon als drittes Wort (sog. [Delbrück-]Wackernagelsches Gesetz): % J. Wackernagel Über ein Gesetz der indogermanischen Wortstellung in Wackernagel Kleine Schriften I 1969 (in einem Beitrag von 1892) p. 1104; Collinge Laws 1985 p. 217-219; T. Krisch B. Delbrücks Arbeiten zur

B. Zur Satzsyntax

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Wortstellung aus heutiger Sicht in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 283-309. S 210. Syntaktische Relationen In Dependenzrelationen gibt es eine übergeordnete Komponente und eine untergeordnete Komponente. Die übergeordnete Komponente eröffnet für die untergeordnete Komponente eine syntaktische Leerstelle. Die untergeordnete Komponente füllt die syntaktische Leerstelle der übergeordneten Komponente aus. Die übergeordnete Komponente wird als dominant bezeichnet, die untergeordnete als dependent. Solche Satzteile, die Leerstellen des finiten Verbums ausfüllen, sind Aktanten, solche Satzteile, die keine Leerstellen des finiten Verbums ausfüllen, sind Zirkumstanten. Lit.: % Tesnière Syntaxe structurale 1959; Happ Grundfragen 1976; Pinkster Lat. Syntax 1990; Haudry Cas en védique 1977. 1) Kongruenz und Rektion haben als Gemeinsamkeit, daß sie in Dependenzrelationen auftreten. Die an Kongruenz oder Rektion beteiligten Komponenten sind also schon allein deswegen nicht gleichwertig, sondern die eine ist abhängig und die andere ist übergeordnet. Zudem sind die Komponenten auch innerhalb der Kongruenz oder der Rektion nicht gleichwertig: % Matthews Syntax 1981 p. 249: „(...) that government and agreement are directional relations.“ Allerdings richten sich Kongruenz und Rektion nicht gleichermaßen nach der Dependenzrelation: % Matthews Syntax 1981 p. 249: „But the direction does not always match that of dependency.“ 2) Mit Kongruenz ist allgemein die Übereinstimmung einer flektierten Wortform in einer Kategorie mit einer anderen Wortform gemeint: % Matthews Syntax 1981 p. 246: „Agreement (or concord) is usually described as a relation between words that share a morphosyntactic feature.“ Doch kann die Kongruenz auch zwischen einer lexikalischen und einer grammatischen Kategorie stattfinden, was sich dann in syntaktischer Inkongruenz ausdrückt, wenn etwa eine Bezeichnung für eine Menge als Subjekt im Singular mit einem Prädikat im Plural verbunden wird. Beispiel: Caes. B.G. 2, 6, 3 cum tanta multitudo lapides ac tela conicerent „als eine so große Menge Steine und Geschosse schleuderte(n)“. Die syntaktische Inkongruenz ist also möglich, wenn statt der syntaktischen Kongruenz Kongruenz zwischen einer grammatischen und einer lexikalischen Kategorie eintritt. Ein ähnliches Verhältnis besteht auch zwischen den Personalpronomina und den Personalkategorien des Verbums. 3) Die Kongruenz ist nicht davon abhängig, daß morphologisch dasselbe sprachliche Zeichen zum Ausdruck der Kongruenzkategorie verwendet wird; wie Scherer Lat. Syntax 1975 p. 97 es ausdrückt, „(...) ist es für die Kon-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

gruenz in den alten idg. Sprachen charakteristisch, daß die Formelemente, die sich dabei entsprechen, im allgemeinen nicht lautgleich sind (...)“. Am übergeordneten Teil kann die Kongruenzkategorie auch gänzlich unausgedrückt bleiben. 4) Zwischen den verschiedenen Kongruenzkategorien lassen sich Abstufungen feststellen: % Ch. Lehmann Kongruenz in Syntax 1993 1 p. 725a: „Grundsätzlich gilt, daß eine Kategorie in einer Sprache desto wahrscheinlicher in der Kongruenz fungiert, je stärker sie grammatikalisiert ist (...) Genus und Nominalklasse kommen nur im Zusammenhang mit Kongruenz vor. Aber sie sind eben die stärker grammatikalisierten Varianten anderer Verfahren der nominalen Klassifikation wie etwa der Possessiv- oder Zahlklassifikation, die ihrerseits nicht an Kongruenz gebunden sind.“ Bei der internen Kongruenz (innerhalb des nominalen Syntagmas) haben beide Teile der Kongruenz denselben Referenten. Bei der externen Kongruenz kongruiert das Prädikat: % Matthews Syntax 1981 p. 250: „It appears that agreement follows the direction of dependency when the dependent is a modifier or a determiner (...) but is the opposite when it is a complement, or at least the complement of a predicator.“ 5) Zur Entstehung von Kongruenzaffixen stellt Ch. Lehmann Kongruenz in Syntax 1993 1 p. 729a fest: „Kongruenzaffixe entstehen diachron letztlich aus Pronomina (...) In der internen Kongruenz sind Demonstrativa, in der externen Personalpronomina die Basis (...) In diachroner Perspektive ist also Referenz die primäre Funktion von Kongruenz.“ 6) Rektion ist eine syntaktische Relation, in der die untergeordnete Komponente einer Dependenzrelation eine semantische Leerstelle der übergeordneten Komponente ausfüllt: % Matthews Syntax 1981 p. 250: „Government, which is traditionally recognized only in complement constructions, follows the direction of dependency throughout.“ Wenn dagegen die übergeordnete Komponente die semantische Leerstelle der untergeordneten Komponente ausfüllt, dann handelt es sich um eine Modifikationsrelation. Rektion und Modifikation können in Gegenüberstellung folgendermaßen exakt definiert werden: Wenn in einem Satz ein Satzteil r1 semantisch relational und syntaktisch dominant ist und ein anderer Satzteil r2 semantisch absolut und syntaktisch dependent ist und die von r1 eröffneten Leerstellen ausfüllt, so liegt Rektion vor, und r1 regiert r2 . Wenn in einem Satz ein Satzteil m1 semantisch relational und syntaktisch dependent ist und ein anderer Satzteil m2 semantisch absolut und syntaktisch dominant ist und beide jeweils die vom anderen eröffnete Leerstelle ausfüllen, so liegt Modifikation vor, und m1 modifiziert m2.

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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C. Zur Morphosyntax des Verbums 1. Allgemeines S 300. Das finite Verbum beinhaltet neben seiner lexikalischen Bedeutung grammatische Kategorien aus fünf Dimensionen, nämlich Person, Numerus, Modus, Tempus-Aspekt und Diathese. Zum Formalen s.o. F 200ff. 1) Die Kategorien im einzelnen sind die drei Numeri Singular, Dual und Plural, die fünf Modi Indikativ, Injunktiv, Imperativ, Konjunktiv und Optativ, die drei Tempora-Aspekte Präsens, Aorist und Perfekt und die drei Diathesen Aktiv, Medium und Stativ. Lit.: % K. Hoffmann Das Kategoriensystem des indogermanischen Verbums in Hoffmann Aufsätze II 1976 (in einem Beitrag von 1970) p. 523-540. 2) Transitivität wird an der Verbalform selbst nicht formal markiert, sondern kommt lediglich durch das Akkusativmorphem der beteiligten Ergänzung zum Ausdruck. G. Meiser Zur Funktion des Nasalpräsens im Urindogermanischen in FS Rix 1993 p. 280-313 versucht, das Nasalinfix der Nasalpräsentien als ursprünglichen Ausdruck von Transitivität zu erweisen.

2. Die Dimensionen Person und Numerus S 301. Das Uridg. kennt drei Kategorien innerhalb der Dimension Person, die gewöhnlich nach dem Vorbild der antiken Grammatik durchnumeriert werden, ohne daß dadurch etwas über den Inhalt dieser Kategorien ausgesagt wäre. Im Singular bezeichnet die 1. Person den Sprecher, die 2. Person den Angesprochenen und die 3. Person das, worüber gesprochen wird; zumindest die 1. Person ist damit in jedem Fall die Bezeichnung eines zumeist menschlichen Lebewesens oder eines als belebt gedachten Gegenstandes, die 2. Person bezeichnet im wesentlichen ein als hörend gedachtes Lebewesen oder einen entsprechend vorgestellten Gegenstand, die 3. Person hingegen ist von vornherein weder auf Lebewesen oder Gegenstände festgelegt und kann ebenso gut das eine wie das andere bezeichnen. Weiteres s.o. F 400.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

Der Plural der 1. Person und der 2. Person bringt nicht zwangsläufig zum Ausdruck, daß es mehrere Sprecher bzw. Angesprochene gibt, es kann sich beim Sprecher und beim Angesprochenen auch jeweils um den Stellvertreter einer Gruppe handeln. Die Unterscheidung zwischen inklusivem (wir = Sprecher und seine Gruppe mit Einbeziehung des Angesprochenen) und exklusivem Plural (wir = Sprecher und seine Gruppe ohne Einbezug des Angesprochenen) der 1. Person läßt sich für das Uridg. nicht rekonstruieren. Was den Dual in Verbindung mit der Dimension Person betrifft, so gilt dasselbe wie für den Plural; getrennte Subkategorien inklusiver Dual (wir beide = Sprecher mit Einbezug des Angesprochenen) und exklusiver Dual (wir beide = Sprecher mit Einbezug eines NichtAngesprochenen) bei der 1. Person sind bislang nicht festgestellt worden. S 302. An verbalen wie auch nominalen Numeruskategorien kennt das Uridg., wie angesprochen, den Singular, den Plural und den Dual. Der Numerus bezieht beim Verbum als Kongruenzdimension sich auf die Zahl der Lebewesen oder Dinge, die durch das Subjekt-Nomen bezeichnet werden. Die Numeruskategorie Plural bringt nicht zum Ausdruck, daß ein Verbalgeschehen wiederholt oder andauernd stattfindet; dies wird durch die Aktionsart des Verbums ausgedrückt: % Dressler Verb. Pluralität 1968. Beim Numerus handelt es sich um die Dimension, wo im allgemeinen Kongruenz zwischen verbaler und nominaler Flexion auftritt, nämlich die Kongruenz zwischen der finiten Verbalform des Prädikats und der Nominalform des Nominativ-Subjekts. Die Dimension Person beim Verbum ist unter dem Gesichtspunkt der Kongruenz etwas anders zu beurteilen, da Person außerhalb der Wortart Verbum nicht als grammatische Kategorie auftritt, sondern als lexikalische Kategorie, die mit den Personalpronomina fest verbunden ist.

3. Die Dimensionen Tempus-Aspekt und Modus S 303. Die Dimensionen Tempus-Aspekt und Modus treten funktional immer im Verbund auf, wobei Tempus- und Aspektkategorien innerhalb eines Morphems miteinander verbunden sind, also von vornherein inhaltlich miteinander verknüpft sind, wohingegen die Moduskategorien teilweise ohne eigenes Modusmorphem und nur durch unterschiedliche Endungen (Indikativ; Injunktiv; Imperativ) und teilweise durch ein eigenes Modusmorphem (Konjunktiv; Optativ) zum Ausdruck gebracht werden.

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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Lit.: % Mutzbauer Gr. Tempuslehre 1893-1909; Mutzbauer Konjunktiv und Optativ 1908; P. Kiparsky Tense and Mood in Indo-European Syntax in FoL 4, 30-57; Rix Modussystem 1986; K. Strunk A propos de quelques catégories marquées et non-marquées dans la grammaire du grec et de l’indo-européen in Colloque P. Chantraine 1989 [1992] p. 29-42. S 304. Mit den Kategorien der Dimension Aspekt setzt der Sprecher das Verbalgeschehen in ein relatives zeitliches Verhältnis, indem er durch den Aspekt zum Ausdruck bringt, ob er das Verbalgeschehen als abgeschlossen (perfektiver Aspekt) betrachtet oder als nicht abgeschlossen, also im Verlauf befindlich (imperfektiver Aspekt). Wenn die Grammatik einer Sprache diese Unterscheidung beim Verbum vorsieht, handelt es sich um eine Aspektsprache. Der Aspekt ist eine grammatische Dimension. H. Rix nimmt für eine frühere Sprachstufe des Uridg. eine größere Zahl der Kategorien innerhalb der Dimension Aspekt an, wobei er außerdem nicht mehr zwischen grammatikalisiertem Aspekt und lexikalisierter Aktionsart unterscheidet, sondern beide innerhalb einer Dimension AspektAktionsart vereinigt: % H. Rix in LIV 1998 p. 10: „Aorist, Präsens, Perfekt sowie in mehr oder weniger großer Abweichung von der communis opinio Kausativ-Iterativ, Desiderativ, Intensiv, Fientiv und Essiv.“ Weiteres s.o. F 206. Lit.: % Rix Modussystem 1986. S 305. Die Aktionsart ist anders als der Aspekt eine Eigenschaft der Verbalbedeutung, gehört also in den Bereich des Lexikons und ist somit eine lexikalische Dimension. Die Aktionsarten sind inhaltlich nicht einheitlich; zum Teil beziehen sie sich auf den Prozeß des Verbalgeschehens, zum Teil auf das Subjekt. Die prozeßbezogenen Aktionsarten lassen sich in telische und atelische einteilen; die telischen Aktionsarten sind solche, bei denen das Verbalgeschehen nur einen Augenblick dauert, die atelischen solche, deren Dauer einen größeren zeitlichen Umfang hat. Telische Aktionsart kann durch das Verbalgeschehen als Ganzes bedingt sein (momentativ) oder durch seinen Anfang (anfangsterminativ) oder sein Ende (endterminativ). Atelische Aktionsart hat ein Verbalgeschehen, das länger dauert (durativ), oder ein solches, das wiederholt wird (iterativ). Die subjektbezogenen Aktionsarten können den Wunsch des Subjekts (desiderativ) betreffen, das Bewirken eines Zustands (faktitiv) oder die Veranlassung eines Geschehens (kausativ). Die Aktionsarten haben teilweise inhaltliche Ähnlichkeit zu grammatischen Kategorien, etwa die desiderative Aktionsart zum Modus Optativ, die sich inhaltlich in der 1. Person überschneiden, wo Sprecher und Subjekt zusammenfallen, oder die faktitive und die kausative

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

Aktionsart zur Diathese Aktiv. Da sich auch Aktionsart und Aspekt inhaltlich teilweise ähnlich sind, kann das lexikalische Aktionsartsystem in das grammatische Aspektsystem übergehen und umgekehrt, wie es in der Entwicklung von der Grundsprache zu den Einzelsprachen auch zu beobachten ist. Der Übergang von Aktionsart- zu Aspektsystem ist noch an suppletiven Verbalparadigmen mit Stammformen von verschiedenen Verbalwurzeln zu erkennen (z. B. ‘tragen’, ‘bringen’: lat. Präs. ferô vs. Perf. tulî; gr. Präs. IHYUZ vs. Aor. K>QHJNRQ). S 306. Dem Uridg. stehen zum Ausdruck von Tempus und Aspekt drei Tempus-Aspekt-Stämme zur Verfügung, der Aoriststamm, der Präsensstamm und der Perfektstamm; das Imperfekt wird vom Präsensstamm aus gebildet. Durch die Indikative der Tempusstämme werden nur die Zeitstufen Gegenwart (Indikativ Präsens; Perfekt) und Vergangenheit (Indikativ Aorist; Imperfekt) bezeichnet; die Zeitstufe Zukunft wird durch den Modus Konjunktiv ausgedrückt. Nachgrundsprachlich gibt es außer den Fortsetzern des Konjunktivs verschiedene andere Ausdrucksweisen für die Zeitstufe Futur, vgl. das lat. -b-Futur (% Leumann LLFL 1977 p. 577-580; Meiser Laut- und Formenlehre 1998 p. 199f.), vgl. heth. u¾ami („kommen“) / paimi („gehen“) + Präsens (% E. Neu Futur im Hethitischen? in FS Strunk 1993 p. 195-202), vgl. ved. -tar- (Nomen agentis) + Kopula (% E. Tichy Wozu braucht das Altindische ein periphrastisches Futur? in ZDMG 142 1992 p. 334-342). S 307. Der Präsensstamm zeigt bei der Bezeichnung der Zeitstufe Nähe einerseits zum Perfektstamm und andererseits zum Aoriststamm. Denn wie der Indikativ Präsens nimmt das Perfekt Bezug auf die Zeitstufe der Gegenwart; dabei bezeichnet das Perfekt den nach einem vorausgegangenen Verbalgeschehen erreichten Zustand am Subjekt (die Ziege hat gefressen = „die Ziege ist satt“). Dagegen hat das Imperfekt, das vom Präsensstamm gebildet wird, mit dem Indikativ Aorist den Bezug auf die Vergangenheit gemein: Imperfekt und Indikativ Aorist unterscheiden sich allein durch die Stammbildung und sind ansonsten formal gleich. Der Aorist kann indikativisch nicht Bezug auf die Gegenwart nehmen, da das Aoristparadigma im Indikativ keine Primärendungen besitzt, die auf das Hier und Jetzt des Sprechvorgangs weisen; dies ist inhaltlich durch den perfektiven Aspekt bedingt, der im Indikativ den Bezug auf die Gegenwart ausschließt und vielmehr futurische Bedeutung hätte. Im Lateinischen sind die grundsprachlichen Kategorien Aorist und Perfekt im Perfekt zusammengefallen.

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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S 308. Beispiele: — a) Präsens: Plt. Trin. 400 aperiuntur aedes „es öffnet sich das Haus“; O100 QRYVWRQGLY]KDLPHOLKGHYD„du suchst die honigsüße Heimkehr“; RV 10, 107, 7 dákºi°Ä¹va« dákºi°â gÄ« dadâti „die Dakºi°â gibt ein Roß, die Dakºi°â gibt ein Rind“. — b) Imperfekt: Plt. Cas. 178 nam ego ibam ad te „denn ich ging zu dir“; 0152 PDYOD JDU NUDWHUZ  HMPDYFRQWR „denn sie kämpften sehr stark“. — c) Aorist: '459 WRYQ U- H>EDOH SUZ¸WR „den traf er als erster“; RV 10, 85, 41 rayí« ca putrÄm¹ câdâd „Reichtum und Söhne gab er“. — d) Perfekt: Plt. Capt. 575 servos es, liber fuisti „Sklave bist du, frei bist du gewesen“; W72 NDND GH FURLC HL^PDWD HL_PDL„schlechte Kleidung habe ich auf der Haut“; RV 4, 16, 6 apó rireca „er ließ die Wasser los“. S 309. Die Zeitstufen außer acht gelassen, bezeichnet der Aoriststamm den perfektiven Aspekt, der Präsensstamm den imperfektiven Aspekt und der Perfektstamm eine Art resultativen Aspekt, wobei Präsens und Aorist Opposition bilden, das Perfekt aber außerhalb dieser Opposition isoliert steht; die isolierte Stellung des Perfekts kommt auch darin zum Ausdruck, daß das Perfekt – im Gegensatz zu Aorist und Präsens – außer dem Indikativ keine Modi hat, wobei gerade in den Modi außer dem Indikativ die Aspektopposition zwischen Aorist und Präsens relevant ist. Ob also beim Perfekt gleichermaßen von Aspekt gesprochen werden kann, ist fraglich. Das Perfekt steht jedenfalls außerhalb der Aspekt-Opposition von Präsens und Aorist. H. Rix stellt in MSS 49 1988 p. 103 die Eigenschaften des Perfekts folgendermaßen dar: „Primary affixes, as reduplication, mark, among other things modes of action in Proto-I.-E., and differences of the endings distinguish, among other things, voices. The Proto-I.-E. perfect, therefore, is to be defined as a certain mode of action that appears in a certain voice only.“ Zum Formalen s.o. F 211. S 310. Im Indikativ stehen Aussagen, deren Inhalt der Sprecher Gültigkeit zumißt: Der Sprecher verleiht seiner Aussage durch Verwendung des Indikativs den Charakter einer wahren Aussage. Ob der Inhalt der Wirklichkeit tatsächlich entspricht oder nicht, ist damit natürlich nicht gesagt. Beispiele: '443 HMSLFTRQLEDLYQHL „auf der Erde läuft sie“; RV 1, 105, 1 candrámâ apsv àntár Ä supar°ó dhâvate diví „der Mond läuft in den Wassern schöngeflügelt am Himmel heran“.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

S 311. Der Injunktiv dient nach K. Hoffmann Injunktiv 1967 ursprünglich dazu, ein Geschehen zu erwähnen, ohne es zeitlich einzuordnen; nach P. A. Mumm Verbale Definitheit und der vedische Injunktiv in FS Strunk 1993 p. 169-193 drückt der Injunktiv im Vedischen verbale Definitheit aus (p. 190), also die vorausgesetzte Gültigkeit eines Geschehens (p. 177). In Verbotssätzen kommt dem Injunktiv im Vedischen noch eine besondere Funktion zu, indem durch ihn in Verbindung mit der Negation mÄ Verbote zum Ausdruck gebracht werden; mit dem Injunktiv des perfektiven Aoriststammes werden „präventive“ Verbote ausgedrückt, mit dem Injunktiv des imperfektiven Präsensstammes „inhibitive“ Verbote: Präventive Verbote sollen eine Handlung von vornherein verhindern, inhibitive sollen eine schon im Verlauf befindliche Handlung unterbinden. Der übliche Oberbegriff für diese Verbotssätze ist Prohibitiv; eine nützliche terminologische Differenzierung der beiden Verbotsarten wäre die Unterscheidung von prohibitiven und inhibitiven Verboten. Beispiele: a) Prohibitiv: RV 3, 53, 2 mÄ párâ gâ¡ „geh nicht weg“ — b) Inhibitiv: AV 10, 1, 26 mÄ tiº»ha¡ „bleib nicht (länger stehen)“. Lit.: % Hoffmann Injunktiv 1967; H. Ammann Die ältesten Formen des Prohibitivsatzes im Griechischen und Lateinischen in IF 45 1927 p. 328344. S 312. Der Imperativ, zumal der eigentliche – an den Angesprochenen gerichtete – Imperativ der 2. Person, nimmt, ähnlich wie der ebenfalls an den Angesprochenen gerichtete Vokativ im Nominalparadigma, eine Sonderstellung im Verbalparadigma ein; er hat mit ihm auch die formale Gemeinsamkeit, daß die Ausdrucksseite im Singular aus dem endungslosen Stamm besteht, einer reinen Nennform ohne Anzeichen einer Einbindung in einen Satz. Beispiele: — Plt. Most. 387 habe bonum animum „habe guten Mut“; %331 DMOOD>JHPLYPQHWHSDYQWH „wohlan, bleibt alle“; RV 1, 16, 6 tÄm indra sáhase piba „diese, o Indra, trink zur Stärkung“. Lit.: % B. Forssman Der Imperativ im urindogermanischen Verbalsystem in Fachtagung Berlin 1983 [1985] p. 181-197. Zum Formalen s.o. F 212. Neben dem eigentlichen Imperativ, der eine Anweisung oder Aufforderung zum Ausdruck bringt, die eine unmittelbare Ausführung des Verbalgeschehens verlangt, entwickelt sich aus der Verbindung dieser Imperativform mit dem Ablativ des Demonstrativpronomens, uridg. *tôd, in temporaler Funktion eine Ausdrucksweise für Anweisungen oder Aufforderungen, die zwar unmittelbar Gültigkeit besitzen, aber anders als der bloße

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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Imperativ nicht die unmittelbare Ausführung des Verbalgeschehens nach sich ziehen. Verbote, also negative Anweisungen oder Aufforderungen, werden anders als positive Anweisungen oder Aufforderungen nicht mit dem Imperativ ausgedrückt, sondern mit dem Injunktiv in Verbindung mit der Negation uridg. *1. Vergleichbar ist einzelsprachlich die Verwendung des Infinitivs zur Nennung des Verbalgeschehens im Verbot. S 313. Nach Delbrück Ai. Syntax 1888 p. 302, der Grundbegriffe festzustellen versucht, bringt der Konjunktiv den Willen zum Ausdruck, der Optativ demgegenüber den Wunsch. Dabei ist zu beachten, daß damit jeweils der Wille bzw. der Wunsch des Sprechers gemeint ist und nicht etwa des Subjekts, genauer gesagt desjenigen, der durch die Nominativform bezeichnet wird. Der Wunsch des Subjekts wird ursprünglich durch eine eigene derivationelle Verbalbildung zum Ausdruck gebracht, nämlich durch die des Desiderativs. Für Gonda Character of the Moods 1956 sind die kennzeichnenden Eigenschaften „visualization“ (p. 69ff.) für den Konjunktiv und „eventuality“ (p. 52) für den Optativ. Nach A. Scherer Die ursprüngliche Funktion des Konjunktivs in Fachtagung Bern 1969 [1973] p. 99-106 ist es so, „daß der Konjunktiv die Folgerung aus einer gegebenen Situation zieht.“ (p. 101) „Der Konjunktiv würde dann im Behauptungssatz einen Sachverhalt bezeichnen, der nach den Umständen als tatsächlich angenommen werden kann (aus den Umständen als tatsächlich gefolgert wird; also: was so sein muß), während der Indikativ berichtet, was der Sprecher als Tatsache weiß (bzw. zu wissen glaubt) oder als Tatsache hinstellt, und der Optativ den Sachverhalt als bloß gedacht kennzeichnet.“ (p. 101). Im Lateinischen sind die grundsprachlichen Kategorien Optativ und Konjunktiv im Konjunktiv zusammengefallen. Lit.: % Delbrück Conjunctiv und Optativ 1871; Hahn Subjunctive and Optative 1953; Gonda Indo-European Moods 1956; K. Strunk Zur diachronischen Morphosyntax des Konjunktivs in Kolloquium Kühner Amsterdam 1986 [1988] p. 291-312; E. Crespo Delbrück y la sintaxis de los modos in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 27-62. Zum Formalen s.o. F 206f. 1) Der Konjunktiv hat die Grundbedeutung „Zukunft“ und besitzt zwei Funktionen: Zum einen dient er zum Ausdruck der Zukunft (prospektiv), zum anderen bezeichnet er den Willen des Sprechers (voluntativ). Zum Ausdruck des Willens wird der Konjunktiv verwendet, wenn der Sprecher es als in seiner Macht stehend betrachtet, daß das Verbalgeschehen verwirklicht wird. Eine Willenserklärung im eigentlichen Sinn ist nur möglich, wo unmittelbarer Ein-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

fluß des Erklärenden darauf besteht, daß das Gewollte auch in die Tat umgesetzt wird; das heißt, nur in der 1. Person Singular als der Bezeichnung des Sprechers handelt es sich um eine reine Willensäußerung, in allen anderen Fällen ist es zugleich auch eine Aufforderung. Wenn der Konjunktiv in der 1. Person als eine Selbstaufforderung aufgefaßt wird, ist eine Verbindung zum Konjunktiv in der 2. und 3. Person möglich, wo der Sprecher keinen unmittelbaren Einfluß auf die Verwirklichung hat und so nur eine Aufforderung möglich ist. Eine weitere Verbindung läßt sich über die 1. Person Plural herstellen, wo der Sprecher seinen eigenen Willen kundtut und zugleich eine Aufforderung an andere richtet. 2) Beispiele: — a) 1. Person Singular: Plt. Bacch. 1049 quod perdundumst properem perdere „was zu verlieren ist, werde/will ich mich beeilen zu verlieren“; X296 D>OOD>JHRL-NDLHMJZGZ¸[HLYQLRQ „so werde/will ich denn auch ihm ein Gastgeschenk geben“; RV 10, 39, 5  E vâ« vîryã prá bravâ jáne „eure früheren Heldentaten werde/will ich vor allen Leuten verkünden“; RV 6, 59, 1 prá nú vocâ sutéºu vâm „ich werde/will nun bei den Pressungen euer beider Heldentaten verkünden“. — b) 1. Person Plural: :601 QX¸Q GH PQKVZYPHTDGRYUSRX „nun aber werden/wollen wir an das Mahl denken“; RV 5, 51, 12 svastáye vâyúm úpa bravâmahai „zum Heile werden/wollen wir Vâyu anrufen“. — c) 2. Person: Plt. Most. 388 taceas „du sollst schweigen“; RV 4, 31, 3 abhÏ ºú °a¡ sákhînâm avitÄ jaritμ°Äm ¹atám bhavâsi ûtíbhi¡ „du, o Helfer der Freunde der Sänger, wirst/sollst uns gut schützen mit hundert Hilfen“. — d) 3. Person: Plt. Capt. 115 sed uti adserventur magna diligentia „aber sie sollen mit großer Sorgfalt bewacht werden“; +197 RXMJDYU WLY PH ELYK JH H-NZQ DMHYNRQWD GLYKWDL„denn keiner wird/soll absichtlich mich gegen meinen Willen vertreiben“; +87 NDLYSRWHYWL HL>SKVL NDL RM\LJRYQZQ DMQTUZYSZQ „und einst wird auch einer der nachgeborenen Menschen sagen“; RV 8, 1, 22 sá sunvaté ca stuvaté ca râsate „der wird/soll sowohl dem Pressenden als auch dem Preisenden geben“; RV 10, 81, 7 sá no ví¹vâni hávanâni joºad „der wird/soll freundlich alle unsere Opfer in Empfang nehmen“. 3) Der Optativ hat die Grundbedeutung „Möglichkeit“ und besitzt zwei Funktionen: Einerseits drückt er den Wunsch des Sprechers aus (kupitiv), andererseits wird er als Bezeichnung der Möglichkeit verwendet (potential). Wenn der Optativ zum Ausdruck des Wunsches verwendet wird, bedeutet das, daß der Sprecher die Verwirklichung des Verbalgeschehens nicht unmittelbar herbeiführen zu können meint. Insgesamt erscheint der Optativ inhaltlich einheitlicher als der Konjunktiv, da es sich bei Vorliegen der kupitiven Funktion unabhängig von der Personenkategorie in jedem Fall um einen bloßen

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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Wunsch des Sprechers handelt, der nicht im einen Fall mehr und im anderen weniger Einfluß auf die Verwirklichung hat. Beispiele für potentiale Funktion: — Plt. Amph. 1060 nec me miserior femina est neque ulla videatur magis „eine elendere Frau als mich gibt es nicht und wird wohl auch keine mehr gesehen“; Ter. Eun. 511 roget quis „es könnte jemand fragen“; [122f. RX>WLNHL¸QRQ DMQKU DMODOKYPHQR HMOTZQ | DMJJHYOOZQSHLYVHLHJXQDL¸NDYWHNDLILYORQXL-RQY „nicht ein Mann, der umherreisend kommt mit Meldung von jenem, dürfte die Frau und seinen Sohn überreden“; RV 5, 50, 1 ví¹vo devásya netúr márto vurîta sakhyám „jeder Sterbliche wird wohl des führenden Gottes Freundschaft wünschen“. Beispiele für kupitive Funktion: — a) 1. Person: 6121 QX¸QGHNOHYRHMVTORQDMURLYPKQ „und nun möchte ich edlen Ruhm erringen“; RV 6, 13, 6 ví¹vâbhir gîrbhír abhí pûrtím a¹yâm „durch alle Lieder möchte ich Erfüllung erlangen“; RV 1, 4, 6 syÄméd índrasya ¹árma°i „wir möchten in Indras Schutz sein“. — b) 3. Person: Ter. Eun. 302 ut illum di deaeque senium perdant „jenen von den Alten mögen die Götter und Göttinnen verderben“; $18 X-PL¸QPHQTHRLGRL¸HQ„euch zwar mögen die Götter geben“; 5416f. DMOODXMWRX¸JDL¸DPHYODLQD|SD¸VLFDYQRL„allhier die schwarze Erde möge sich allen auftun“; RV 5, 21, 4 devá« vo devayajyáyâgnim î‚îta mártya¡ „euren Gott Agni soll der Sterbliche durch Götterverehrung preisen“. 4) Die inhaltliche Nähe von prospektiver Funktion des Konjunktivs und potentialer Funktion des Optativs kommt etwa im Vergleich von=459 NDLY SRWHY WLHL>SKVLQ„und einst wird einer sagen“ und = 479 NDLY SRWHY WL HL>SRL„und einst wird wohl einer sagen“ zum Ausdruck. 5) Die kaum zu sichernde Möglichkeit einer weiteren Moduskategorie, eines eigenen Prospektivs, erwägt J. E. Rasmussen: % Der Prospektiv – eine verkannte indogermanische Verbalkategorie in Fachtagung Berlin 1983 [1985] p. 384-399.

4. Die Dimension Diathese S 314. An Kategorien der Dimension Diathese lassen sich für das Urindogermanische zunächst drei rekonstruieren, das Aktiv, das Medium und der Stativ.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

1) Formal unterscheiden sich Aktiv und Medium durch verschiedene Endungen, s.o. F 209f. Inhaltlich sind die systematisch-logischen Zuordnungen Agentivität zu Aktiv und Patientivität zu Medium allerdings bei der direkten Rekonstruktion nicht durchzuhalten: Lexeme mit aktivischem Inhalt stehen also nicht unbedingt im Ativ, und Lexeme mit patientivischem Inhalt genausowenig notwendigerweise im Medium. Bei einigen Verben kommt nur jeweils eine Diathese vor, da ihre lexikalischen Bedeutungen nicht mit beiden Diathesen kombinierbar sind. 2) Das Medium hat ursprünglich reflexive Bedeutung, die auch die Funktion des Passivs mit einschließt. Das Medium kommt vor, wenn das Verbalgeschehen direkt oder indirekt auf das Subjekt zurückwirkt oder nicht über das Subjekt hinauswirkt. Bei einem Subjekt im Plural hat das Medium auch die Funktion, Reziprozität auszudrücken. 3) Neben Aktiv und Medium läßt sich noch eine dritte Diathesenkategorie unterscheiden, der Stativ, der Zustandsbedeutung hat. Zum Formalen s.o. F 211. Der Stativ drückt einen Zustand aus, in dem sich das als Subjekt Bezeichnete befindet. Der Stativ fällt grundsprachlich einerseits mit dem Medium zusammen, das neben seiner eigentlichen reflexiven Bedeutung zusätzlich die Zustandsbedeutung des Stativs übernimmt, andererseits bildet der Stativ die Grundlage für das Perfekt, das formal gegenüber dem Stativ durch Reduplikation gekennzeichnet ist. H. Rix The Proto-Indo-European Middle: Content, Forms and Origin in MSS 49 1988 p. 105 stellt die ältere Verteilung der Funktionen des späteren Mediums so dar: „It is quite obvious how to distribute the two functions of the more recent middle among these two older voices: the content of the middle was the reflexive along with the passive, and the content of the stative was the deponent.“ Rix betont, daß das Medium mehr mit dem Stativ zusammenhängt als mit dem Perfekt: „It is this voice ‘stative’ and not the mode of action ‘perfect’, that is the partner of the voice middle.“ (p. 104) Beispiele: — RV 4, 21, 4 râyó bμható yá Ϲe „der über großen Reichtum verfügt“; RV 7, 101, 2 yó ví¹vasya jágato devá Ϲe „welcher Gott über die ganze Welt verfügt“. Lit.: % Neu Mediopassiv 1968; C. Watkins in Selected Writings I 1994 (in einem Beitrag von 1971 [1973]) p. 146-188; N. Oettinger Der indogermanische Stativ in MSS 34 1976 p. 109-149; ders. Zur Funktion des indogermanischen Stativs in FS Rix 347-361; Jasanoff Stative and Middle 1976; K. Strunk Zum idg. Medium und konkurrierenden Kategorien in FS Seiler 1980 p. 321-337; H. Rix The Proto-Indo-European Middle: Content, Forms and Origin in MSS 49 1988 p. 101-119; Kümmel Stativ und Passivaorist 1996; T. Gotô Überlegungen zum urindogermanischen „Sta-

C. Zur Morphosyntax des Verbums

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tiv“ in Kolloquium Delbrück Madrid 1994 [1997] p. 165-192; R. Stempel Stativ, Perfekt und Medium: Eine vergleichende Analyse für das Indogermanische und Semitische in GS Kuryªowicz 1995 p. 517-528. 4) Die Kategorie Passiv, die in vielen altindogermanischen Einzelsprachen erscheint, ist in der uridg. Grundsprache als grammatische Kategorie nicht vorhanden, sondern wird durch das Medium mit ausgedrückt. Als Kategorie wird das Passiv in den indogermanischen Einzelsprachen unabhängig voneinander jeweils selbständig ausgebildet. Lit.: % E. Schwyzer Zum persönlichen Agens beim Passiv, besonders im Griechischen in Schwyzer Kleine Schriften 1983 (in einem Beitrag von 1943) p. 3-79; H. Jankuhn Passive Bedeutung 1969; Hettrich Agens 1990. 5) Nach I. Mel’’uk The inflectional category of voice: towards a more rigorous definition in Causatives and Transitivity 1993 p. 1-46 gibt es einen Unterschied zwischen „diathesis“ und „voice“. Um „diathesis“ handele es sich dann, wenn mit Formen desselben Verbums, die sich in der „diathesis“ unterscheiden, nicht auf dieselbe reale Situation Bezug genommen werden kann; in einem solchen Verhältnis stehen Medialformen zu entsprechenden Aktivformen. Die Möglichkeit, auf dieselbe reale Situation zu verweisen, besteht hingegen bei Passivformen im Verhältnis zu Aktivformen; in diesem Fall handele es sich um „voice“.

D. Zur nominalen Morphosyntax 1. Die nominalen Dimensionen S 400. Dem Verbum mit seinem Kategoriensystem stehen alle anderen flexivischen Wortarten mit einem gemeinsamen Kategoriensystem gegenüber. Daher ist von nominalen Kategorien die Rede, auch wenn damit außer dem Nomen, das Substantiv und Adjektiv umfaßt, auch das Pronomen gemeint ist. Die verbindenden Gemeinsamkeiten sind die Kasus- und die Numeruskategorien. Bei den Adjektiven und geschlechtigen Pronomina ist die Dimension Genus anders als beim Substantiv nicht fest mit dem Lexem verbunden, s.o. F 323.

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

Das Personalpronomen nimmt unter den Pronomina und den Nomina eine Sonderstellung ein, da es keine Genera unterscheidet, unter den Pronomina ferner deshalb, weil die Personalpronomina anders als andere Pronomina nicht an die Stelle von Nomina treten, weshalb statt von Personalpronomen besser von Personale zu sprechen ist; im Unterschied zum Verbum ist die Dimension Person beim Personalpronomen lexikalisch. Zum Formalen s.o. F 401.

2. Kasus (S 401 - S 414) S 401. Eine bestimmte Bedeutung läßt sich bei jedem Kasus immer erkennen. Natürlich kann die Bedeutung im einen oder anderen Fall von der Grundbedeutung abweichen; hier verhalten sich die Kasusbedeutungen eben nicht anders als lexikalische Bedeutungen auch, die je nach Kontext variieren. Zwei einander entgegengesetzte Bedeutungen können jedoch nicht unter einem sprachlichen Zeichen vereint sein. Insgesamt läßt sich festhalten, daß die Kasusbedeutung vom Kontext unabhängig ist, während die unterschiedlichen Funktionen durch den Kontext bedingt sind. Ein bestimmtes Verfahren zur Beschreibung von Bedeutung und Funktion der indogermanischen Kasuskategorien wird von H. Hettrich vorgestellt: % Zur funktionalen Variationsbreite altindogermanischer Kasus: Der Ablativ im ·gveda in FS Strunk 1993 p. 53-55. Im Gesamtzusammenhang eines Satzes ergeben sich bestimmte Rollen, die den verschiedenen Nominalformen, die im Satz vorkommen, zugewiesen werden können. Diese Rollen sind jedoch vom sprachlichen Zeichen unabhängig und betreffen die reale Situation, die vom Sprecher ganz unterschiedlich dargestellt werden kann. So kann dieselbe reale Situation durch einen Aktivsatz und einen Passivsatz bezeichnet werden: Die Katze frißt die Maus. – Die Maus wird von der Katze gefressen. Im einen Fall entspricht die Nominativform Katze der Rolle Agens, im anderen Fall entspricht die Nominativform Maus der Rolle Patiens. Agens und Patiens sind einander entgegengesetzte Rollen. Diese lassen sich nicht als Bedeutungen einem einzelnen sprachlichen Zeichen zuordnen und auch nicht als Funktionen einer einzelnen Bedeutung. Agens und Patiens sind als Rollen vom sprachlichen Zeichen des Nominativs getrennt; auch werden sie nicht durch den Nominativ bezeichnet. Der Nominativ bezeichnet hier vielmehr das, was im Vordergrund steht, also das Thema; ob es sich dabei um den Agens oder den Patiens der realen Situation handelt, spielt keine Rolle.

D. Zur nominalen Morphosyntax

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Lit.: % E. Tichy Transponierte Rollen und Ergänzungen beim vedischen Kausativ in FS Rix 1993 p. 436-459. S 402. Es wird gerne behauptet, daß die Kasusbedeutung bei Ergänzungen am schwächsten ausgeprägt ist und bei Angaben am stärksten: Nach W. U. Dressler Über die Rekonstruktion der indogermanischen Syntax in ZVS 85 1971 p. 10f.: „ (...) sind Kasusformen obligatorische Ergänzungen von Verba (...) Subjekte und Objekte sind automatische Folgen der Verwendung von Verba, die jeweils in ihren Dependenzschemata die entsprechenden Leerstellen aufweisen“, und p. 12: „(...) bleibt die Funktion von Kasus in fakultativen Satzerweiterungen übrig. Hier hat ein Kasus syntaktischen Eigenwert“; % Haudry Cas en védique 1977 p. 14: „On peut toutefois poser en règle générale que la rection tend à priver le cas de son contenu sémantique propre; un emploi régi se définit par une fonction. Un contenu sémantique positif ne peut se manifester que dans les emplois libres“; % Pinkster Lat. Syntax 1990 p. 47f.: „(...) the semantic relations within a sentence are revealed by the cases only to a very limited extent, because: – within the nuclear predication the predicate determines the possibility of lexemes to occur as arguments with the predicate; the number and nature of the semantic functions are fixed for each verb; – outside the nuclear predication the lexical meaning itself determines to a high degree whether a lexeme may be used with a given semantic function.“. Die genannte Behauptung läßt sich jedoch in so umfassender Gültigkeit nicht bestätigen: % H. Hettrich Rektionaler und autonomer Kasusgebrauch in Kolloquium Wackernagel Basel 1988 [1990] p. 82-99; ders. Semantische und syntaktische Betrachtungen zum doppelten Akkusativ in Fachtagung Zürich 1992 [1994] p. 111-134. Der Nominativ etwa kommt gar nicht als Angabe vor, so daß seine Bedeutung als Ergänzung überhaupt nicht mit derjenigen als Angabe abgewogen werden könnte. Der Lokativ dagegen kann immer die räumliche Einordnung bezeichnen, gleichgültig, ob er nun Ergänzung oder Angabe ist. Lit.: % Fraenkel Syntax der lit. Kasus 1928; E. Risch Betrachtungen zur indogermanischen Nominalflexion in Risch Kleine Schriften 1981 p. 730-738; S. Luraghi Der semantische und funktionelle Bau des althethitischen Kasussystems in ZVS 99 1986 p. 23-42. S 403. Die Kasus sind trotz teilweise stark voneinander abweichender Inhalte zu einem Paradigma zusammengeordnet: So ist etwa der Kasus Nominativ zur Bezeichnung des grammatischen Subjekts inhaltlich völlig ver-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

schieden vom Kasus Lokativ zur Bezeichnung der lokalen Einordnung des Verbalgeschehens. 1) Die Reihenfolge der Kasus richtet sich nach der Sanskritgrammatik, wo im Paradigma diejenigen Kasus, die formal gleich sind, in jedem der drei Numeri unmittelbar aufeinander folgen. Trotzdem handelt es sich bei diesem formalen Kriterium nicht einfach um ein rein äußeres Merkmal; denn die formale Gleichheit ist im allgemeinen auch inhaltlich vertretbar, so wie der partielle formale Zusammenfall verschiedener Kasusformen innerhalb eines Paradigmas als Vorstufe zum vollständigen Kasussynkretismus zu betrachten ist. 2) Die Kasus des Uridg. lassen sich nach inhaltlichen Gesichtspunkten zu Gruppen zusammenstellen: Es gibt Kasus mit eher abstrakter Bedeutung, die innerhalb des Sprachsystems Verweise vornehmen, und solche mit eher konkreter Bedeutung, die vornehmlich auf die außersprachliche Realität verweisen. Diese Unterscheidung ist nicht neu, darf aber auch nicht als absolute Klassifizierung mißverstanden werden, da sich einzelne Kasus genau in der Mitte zwischen beiden Polen befinden, also sowohl konkret als auch syntaktisch verwendet werden können. Besondere Bedeutung kommt den Kasus bei der räumlichen Einordnung des dargestellten Geschehens zu: Lokalkasus sind die Kasus Lokativ (‘wo?’), Akkusativ (‘wohin?’) und Ablativ (‘woher?’). In einem dieser Kasus steht das Nomen, das den Ort bezeichnet, auf den das Geschehen bezogen ist und in bezug auf den das durch das Subjekt Bezeichnete bei intransitivem Verbum oder das durch das Objekt Bezeichnete bei transitivem Verbum räumlich eingeordnet wird. Was räumlich eingeordnet wird, wird als Lokatum bezeichnet, was den Bezugsort bezeichnet, als Relatum. Lit.: % Fraenkel Syntax der lit. Postpositionen und Präpositionen 1929; Starke Kasus und Adv. im Aheth. 1977; Luraghi Casi e preposizioni 1996. S 404. Eine häufige Erscheinung in der Sprachentwicklung von der Grundsprache zu den Einzelsprachen ist der Kasussynkretismus, was bedeutet, daß Kasus, die zunächst getrennt voneinander mit eigenen Endungen bezeichnet wurden, schließlich unter ein und derselben Endung zusammengefaßt sind, womit das Bedeutungsspektrum dieses Kasus entsprechend erweitert wird. Dies wiederum macht die Feststellung einer bestimmten Grundbedeutung schwierig. Zum Formalen s.o. F 305 Abs. 3. Als eine Zwischenstufe zum völligen Zusammenfall zweier oder mehrerer Kasus kann der Sprachzustand betrachtet werden, wo je nach Numerus oder in Zusammenhang mit dem Genus oder der Stammbildung überhaupt die Anzahl der Endungen geringer ist als die der Kasus, wo also innerhalb

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desselben Paradigmas nicht in allen Numeri alle Kasus formal unterschieden werden und die Unterscheidung nicht mehr paradigmatisch, sondern nur noch syntagmatisch erfolgen kann. So lassen sich schon für das Uridg. nur im Singular der nicht-neutralen thematischen Nominalstämme alle acht Kasus auch formal unterscheiden, für den Plural und den Dual desselben Paradigmas lassen sich aber schon nicht mehr acht verschiedene Kasusendungen rekonstruieren. Im Lateinischen sind im Ablativ die drei Kasus Instrumental, Ablativ und Lokativ zusammengefallen. Im Griechischen (Ionisch-Attisch) sind im Dativ der Instrumental und der Lokativ und im Genitiv der Ablativ aufgegangen. Lit.: % Delbrück Synkretismus 1907; H. Hettrich Zum Kasussynkretismus im Mykenischen in MSS 46 1985 p. 111-122; M. Meier-Brügger Zum Verhältnis von Form und Funktion grammatischer Kategorien in Fachtagung Berlin 1983 [1985] p. 271-274. S 405. Nominativ Der Nominativ nimmt in den indogermanischen Sprachen innerhalb des nominalen Paradigmas eine Sonderstellung ein. Das zeigt sich unter anderem darin, daß er etwa im Altindischen – außer bei den Neutra – in allen drei Numeri jeweils vom starken Stamm gebildet wird und daß sich im Griechischen der kolumnale Nominalakzent nach dem Akzentsitz im Nominativ richtet. Auch innerhalb der Syntax hat der Nominativ traditionell eine Sonderstellung, indem er als Casus rectus den Casus obliqui des ganzen restlichen Paradigmas gegenübersteht. Der Nominativ bezeichnet das Thema des Satzes, das im nichtmarkierten Satz die Satzanfangsstellung einnimmt; andere Satzteile werden dadurch thematisiert, daß sie die im nichtmarkierten Satz dem Subjekt vorbehaltene Satzanfangsstellung besetzen. „Der Nominativ bezeichnet im Indogermanischen nicht das Subject der Handlung im logischen Sinne, sondern denjenigen, der für den Betrachtenden als Träger und Mittelpunkt des durch das Verbum ausgedrückten Vorganges erscheint.“ (% Delbrück Gr. Syntax 1879 p. 78). Das trifft jedoch nicht auf die Wortfrage zu, wo das durch das Interrogativpronomen Erfragte im Mittelpunkt steht, auch wenn es nicht die Subjektposition einnimmt und nicht den Träger des Verbalgeschehens bezeichnet. Der Begriff des Subjekts ist selbst nicht einfach zu fassen; für H.-J. Sasse Subjektprominenz in FS Stimm 1982 p. 270 ist es „(...) eine syntaktische Beziehung mit semantischen und pragmatischen Funktionen (...) das als Subjekt bezeichnete Satzglied hat eine doppelte Funktion, und zwar eine teils prag-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

matische (das Topic des Satzes zu kennzeichnen) und teils semantische (die Mitspielerrolle zu identifizieren); diese doppelte Funktion schlägt sich in seinem syntaktischen Verhalten nieder.“ Lit.: % G. Serbat Der Nominativ und seine Funktion als Subjektkasus im Lichte moderner Sprachtheorien in Glotta 59 1981 p. 119-136. S 406. Vokativ Der Vokativ ist die Nominalform, die bei der Anrede zur Anwendung kommt. Eine eigene Vokativform gibt es nur im Singular, und auch da besitzen nicht alle Nominalparadigmen eine eigene Vokativform; wo der Vokativ fehlt, wird seine Funktion vom Nominativ übernommen; dasselbe geschieht auch, wenn zwei Anreden miteinander verbunden werden, indem die erste Anrede zwar im Vokativ steht, die zweite aber im Nominativ. — Beispiele: *276f. =HX SDYWHU...+HYOLRYT’ „o Vater Zeus und Helios“; RV 3, 25, 4 ágna índra¹ ca „o Agni und Indra“ Lit.: % Svennung Anredeformen 1958; Zwolanek Anrufungsformen 1970. 1) Wenn der Vokativ in einen Satz eingefügt ist, so bleibt er unbetont. — Beispiel: RV 1, 184, 2 asmé û ºú vμºa°â mâdayethâm „Bei uns, ihr beiden Helden, erfreut euch gut.“ 2) Bildet der Vokativ einen eigenen Satz und steht somit am Satzanfang, so wird er betont, im Altindischen – unabhängig von seinem eigentlichen nominalen Akzent – auf der ersten Silbe, also auf der ersten Silbe des Satzes. Es handelt sich also auch hier nicht um den Wortakzent, sondern um den Satzakzent. — Beispiel: AV 19, 70, 1 dévâ jÏvata „Götter! Lebt!“ S 407. Akkusativ Der Akkusativ hat zwei scheinbar sehr unterschiedliche Funktionen als Kasus: Zum einen bezeichnet er das direkte Objekt bei transitiven Verben (Akkusativ des Objekts), zum anderen drückt er aus, daß sich das Verbalgeschehen in räumlichem Zusammenhang auf oder an etwas ausrichtet (Akkusativ der Richtung). Ferner wird der Akkusativ bei Bezeichnungen für die räumliche oder zeitliche Ausdehnung verwendet (Akkusativ der Ausdehnung). Daneben drückt er auch in nicht-räumlichem Sinn die Beziehung des Verbalgeschehens auf einen Bezugsgegenstand aus (Akkusativ der Beziehung). Schließlich wird er auch verwendet, wenn der Inhalt eines Verbums zusätzlich durch ein Nomen ausgedrückt werden soll, das dann in den Akkusativ tritt (Akkusativ des Inhalts): Beim Akkusativ des Inhalts stehen inhaltlich gleiche Substantive und Verben nebeneinander, zum Teil

D. Zur nominalen Morphosyntax

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sind sie sogar im Ausdruck verwandt, insofern als sie verschiedene Wortbildungen zur selben Wurzel darstellen (t.t. figura etymologica). Die Grundbedeutung des Akkusativs ist wahrscheinlich diejenige der Ausrichtung, der ursprünglich eine räumliche Vorstellung zugrunde liegt; von hier aus ergeben sich die Verwendungen des Akkusativs bei der Bezeichnung von Ausdehnung, Beziehung, Objekt und Inhalt. 1) Nach Hübschmann Casuslehre 1875 bezeichnet der Akkusativ die „Ergänzung oder nähere Bestimmung des Verbalbegriffs“ (p. 133), wobei Hübschmann einen notwendigen Akkusativ, den Akkusativ des Objekts und einen freiwilligen Akkusativ unterscheidet. Delbrück Gr. Syntax 1879 beschreibt die Verwendung des Akkusativs folgendermaßen: „Ursprünglich dient er weder zur Bezeichnung des Objectes, noch des Zieles, noch der Beziehung u.s.w., sondern lediglich zur Ergänzung des Verbums. In welchem Sinne diese Ergänzung zu verstehen sei, blieb dem Verständniss des Hörenden überlassen.“ (p. 29), wobei es nach Delbrück „schon in indogermanischer Zeit ... verschiedene Anwendungstypen“ gibt (p. 29). 2) Als Lokalkasus steht der Akkusativ dem Lokativ nahe, der die Erreichung des Zieles einschließt, auf das sich eine Bewegung ausrichtet. Demgegenüber schließt der Akkusativ das Erreichen des Zieles zwar nicht aus, ist aber im Hinblick darauf semantisch indifferent: o J. L. García Ramón Zum Akkusativ der Richtung im Vedischen und im Indogermanischen in FS Strunk 1995 p. 33-52. Bislang nicht entschieden ist die Streitfrage, ob die lokale oder die grammatische Bedeutung des Akkusativs die ursprüngliche ist. Nach G. De Boel The Homeric accusative of limit of motion revisited in Kolloquium Kühner Amsterdam 1986 [1988] p. 53-65 ist der Akkusativ der Richtung nicht ererbt, sondern neu entstanden: „With causative motion verbs, first of all, the accumulation of accusatives is clearly caused by the addition of a secondary goal accusative to an object accusative that was already present in the construction. Similarly the accusative with intransitive motion verbs cannot be shown to reflect original use. It is restricted to a lexical subclass, in which such a use of the accusative seems likely to develop spontaneously, as happened again in Modern Greek.“ (p. 64f.). Lit.: o De Boel Goal accusative 1988. 3) Nicht eindeutig ist, in welchem Verhältnis ein eigener Richtungskasus Direktiv, der im Anatolischen fortgesetzt ist, zum Akkusativ der Richtung im Uridg. steht. Nach G. Dunkel The IE Directive in Fachtagung Zürich 1992 [1994] p. 17-36 bezeichnet der Direktiv allein die Richtung: „It expressed only the aim or direction of a movement.“ (p. 34) Dem-

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

gegenüber haben Akkusativ und Lokativ zusätzliche Bedeutungen, der Akkusativ „attainment of the goal and entering it“ (p. 34) und der Lokativ „attainment of the goal ... and ... state of rest“ (p. 34). Lit.: % W. P. Schmid Sprachwissenschaftliche Bemerkungen zum hethitischen „Direktiv“ in FS Otten 1973 p. 291-301; Neu Lokativ 1980. 4) Im Lateinischen finden sich vom Akkusativ der Richtung in der Verwendung ohne Adposition nur einzelne Reste wie etwa domum „nach Hause“, rus „aufs Land“. Beispiele: — a) Akkusativ der Richtung: $322 ÞHU > FHVTRQ NOLVLYKQ „geht ihr beide zum Zelt“; .195 R^VRLNHNOKYDWR ERXOKYQ„die zur Beratung gerufen waren“; TS 6, 2, 11, 4 yadÄ múkha« gachaty, áthodára« gachati „wenn es zum Mund geht, dann geht es zum Bauch“. — b) Akkusativ der Ausdehnung: Plt. Truc. 278 noctem in stramentis pernoctare „eine Nacht lang in der Streu nächtigen“; OORLGDMPI D>OOKVLPDYFKQHMPDYFRQWRQHYHVVLQ „hier und dort kämpften sie den Kampf um die Schiffe“; RV 8, 7, 4 yád yÄma« yÄnti vâyúbhi¡ „wenn sie einen Gang gehen mit den Winden“. 5) Lit.: % La Roche Accusativ 1861; Gaedicke Accusativ im Veda 1880; Müller Nominativ und Akkusativ 1908; Jacquinod Double accusatif en grec 1989; H. Hettrich Semantische und syntaktische Betrachtungen zum doppelten Akkusativ in Fachtagung Zürich 1992 [1994] p. 111-134. S 408. Instrumental Der Instrumental bezeichnet das, was das Geschehen begleitet. Daraus ergeben sich die einzelnen Funktionen: So bezeichnet der Instrumental bei Gegenständen das Mittel, womit die Handlung ausgeführt wird, bei Personen, daß sie die Handlung mit ausführen, und bei Orten, daß dort die Fortbewegung stattfindet; weiter bezeichnet der Instrumental die Beschaffen-

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heit, die Begleitumstände, den Grund und im Vergleich das unterscheidende Merkmal. Die personenbezogene Funktion des Instrumentals als „Soziativ“ ist für das Späturindogermanische rekonstruierbar; vermutlich hat sich diese Funktion jedoch aus einer früheren rein sachbezogenen Verwendung abgespaltet: o K. Strunk Syntaktische Bemerkungen zum hethitischen und indogermanischen Instrumental in Istori’eskaja lingvistika i tipologija hrsg. von G. A. Klimov u.a. Moskau 1993 p. 81-91. Bei der Bezeichnung zeitlicher Umstände besteht eine gewisse Ähnlichkeit zum temporalen Lokativ. Im Lateinischen ist der Instrumental wie der Lokativ mit dem Ablativ zusammengefallen. Im Griechischen ist der Instrumental im Dativ aufgegangen, s.o. S 404. Beispiele: — a) Instrumental der Begleitung: Plt. Amph. 219 postquam utrimque exitum est maxuma copia „nachdem beiderseits aufmarschiert worden ist mit großer Menge“; O160f. HMQTDYG L-NDYQHL| QKLY WHNDL H-WDYURLVL „hierher gelangst du mit dem Schiff und den Gefährten“; RV 1, 1, 5 devó devébhir Ä gamat „der Gott soll mit den Göttern herkommen“; RV 5, 51, 1 ví¹vair Ümebhir Ä gahi „mit allen Helfern komme her“; RV 1, 92, 7 divá stave duhitÄ gótamebhi¡ „des Himmels Tochter wird gepriesen durch die Gotamas“. — b) Instrumental des Mittels: Plt. Truc. 526f. neque etiam queo | pedibus mea sponte ambulare „und ich kann noch nicht einmal mit meinen Füßen selbständig herumgehen“; Lucr. 4, 387 vehimur navi „wir fahren mit dem Schiff“; $527 NHIDOK¸ NDWDQHXYVZ „ich werde mit dem Haupt nicken“; 0207 SHYWHWR SQRLK¸ DMQHYPRLR„er flog mit dem Hauch des Windes“; RV 1, 128, 3 ¹atá« cákºâ°o akºábhi¡ „der mit hundert Augen schauende Gott“; RV 3, 32, 14 nâvéva yÄntam „wie den mit dem Schiff Fahrenden“. — c) Instrumental des Weges: Plt. Curc. 35 nemo ire quemquam publica prohibet via „niemand hindert einen, auf einer öffentlichen Straße zu gehen“; Plt. Poen. 1105 terra marique „auf Erde und Meer“; RV 1, 25, 7 antárikºe°a pátatâm „die in der Luft fliegen“; RV 3, 58, 5 éhá yâtam pathíbhir devayÄnai¡ „hierher kommt auf Götterpfaden“; RV 5, 64, 3 mitrásya yâyâm pathÄ „ich würde auf Mitras Pfad gehen“. — d) Instrumental der Beschaffenheit: Cato agr. 88, 1 amphoram defracto collo „eine Amphore mit abgebrochenem Hals“; PY Ta 641.1 ti-ri-po e-me po-de i.e. tripos hemê podê „ein Dreifuß mit einem Fuß; RV 4, 7, 3 dyÄm iva st¶bhi¡ „wie den Himmel mit den Sternen“. — e) Instrumental der Begleitumstände: /555 WHWLKRYWLTXPZ¸„mit bekümmertem Mut“; V199 ITRYJJZ HMSHUFRYPHQDL „mit Geräusch herankommend“; RV 4, 13, 1 út sÜryo jyótiºâ devá éti „auf geht die göttliche Sonne mit Licht“; RV 9, 97, 36 índram Ä vi¹a bμhatÄ ráve°a „zu Indra gehe mit großem Lärm“. — f) Instrumental des Grundes: Plt. Amph. 1118 nam mihi horror membra

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

misero percipit dictis tuis „denn Schreck ergreift mir Armem die Glieder wegen deiner Worte“; )390 JKTRVXYQK „vor Freude“; »B 1, 2, 3, 1 sá bhîºÄ ní lilye „der hat sich vor Furcht versteckt“. — g) Instrumental des Vergleichs: Plt. Cist. 205 qui omnes homines supero antideo cruciabilitatibus animi „der ich alle Menschen übertreffe, überhole an Quälereien des Herzens“; *194 HXMUXYWHURGZ>PRLVLQ„breiter aber hinsichtlich der Schultern“; Lit.: % W. Schulze Kleine Schriften (in einem Beitrag von 1896) p. 652. S 409. Dativ Der Dativ bringt bei Personenbezeichnungen zum Ausdruck, daß es sich dabei um den Empfänger (Geschehen; Dativ des [indirekten] Objektes) oder Besitzer (Zustand; Dativus possessivus) handelt; weiter bezeichnet der Dativ den zu seinem Vor- oder Nachteil Betroffenen (Dativus commodi/incommodi), wobei lediglich die Bezeichnung der Betroffenheit als Funktion dem Dativ zufällt, die positive oder negative Konnotation hingegen außerhalb des sprachlichen Zeichens Dativ liegt. In Verbindung mit Abstrakta drückt der Dativ aus, daß es sich dabei um den Zweck handelt (Dativus finalis); diese Funktion ist für die Bildung infinitivischer Konstruktionen wichtig. Beispiele: — a) Dativ der Betroffenheit: Plt. Stich. 260 nulla tibi lingua est? „hast du keine Zunge?“; Plt. Most. 293 tibi me exorno ut placeam „für dich schmücke ich mich, damit ich gefalle“; Plt. Rud. 229 quoianam vox mihi prope hic sonat? „welche Stimme tönt mir denn hier so nah?“; Plt. Rud. 274 nunc tibi amplectimur genua „jetzt umfassen wir dir die Knie“; Plt. Truc. 378 mihi quidem atque oculis meis „für mich und meine Augen allerdings“; +423 RL`GK>QWHRQDMOOKYORLVLQ„und die begegneten einander“; +101 WZG¸ HGHMJZQDXMWRTZUKY[RPDL„und für diesen werde ich mich selbst rüsten“; $4 DXMWRX GH H-OZYULD WHX¸FH NXYQHVVLQ„und sie machte er zur Beute für die Hunde“; E 249f. PKGHYPRLRX^WZTX¸QH„wüte mir nicht so“; %142 WRL¸VL GH TXPRQ HMQL VWKYTHVVLQR>ULQH„und denen rührte er das Gemüt in der Brust“; QGUD PDYFK HMUXYVDLR„könntest du nicht diesen Mann aus dem Kampf drängen?“; RV 7, 18, 10 îyúr gÄvo ná yávasâd ágopâ¡ „sie gingen wie Rinder von der Weide ohne Hirten“; RV 7, 5, 6 tvá« dásyûmr ókasa agna âja¡ „du, o Agni, triebst die Dasyus aus ihrer Heimat“. — b) Ablativ der Abstammung: Plt. Capt. 277 quo de genere natust „von welchem Geschlecht stammt er ab“; RV 1, 123, 9 ¹ukrÄ kμº°Äd ajaniº»a „die Glänzende wurde aus der Finsternis geboren“; RV 10, 72, 3 ásata¡ sád ajâyata „aus dem Nichtseienden entstand das Seiende“. — c) Ablativ der Trennung: ]192 RX>W RX?QHMVTK¸WRGHXKYVHDL„und nicht wirst du an Kleidung Mangel haben“; 6 PKGHYPH>UXNHPDYFK„halte mich nicht vom Kampf zurück“. — d) Ablativ des Vergleichs: Plt. Poen. 812 levior pluma est gratia „leichter als eine Feder ist der Dank“; '400 HL_RFHYUKDPDYFK„schlechter als er im Kampf“; 6109 SROXJOXNLYZQPHYOLWR „viel süßer als Honig“; RV 1, 114, 6 svâdó¡ svÄdîyo „süßer als Süßes“; RV 10, 176, 4 sáhasa¹ cid sáhîyân „stärker als der Starke sogar“. S 411. Genitiv In seiner Grundbedeutung als Partitiv drückt der Genitiv aus, daß es um einen Teilbereich des Begriffes geht, den das Nomen im Genitiv lexikalisch bezeichnet. Der Genitiv bezieht sich ursprünglich nur auf den Inhalt des Lexems, das als Nomen die Endung des Genitivs hat. Hieraus ergeben sich

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IV. Zur Syntax des Urindogermanischen

verschiedene Funktionen, die Bezeichnung von Beschaffenheit, Zugehörigkeit oder Beziehung. Nach G. Serbat Zum Ursprung des indogermanischen Genitivs und seiner lateinischen Verwendung in Kolloquium Lat. u. Idg. Salzburg 1986 [1992] p. 285-291 „(...) drängt sich uns der Sinn einer bestimmten, begrenzten Quantität auf, die kleineren Umfangs ist als der von dem Stamm bezeichnete Begriff (...) Um es anders auszudrücken, wirkt die Endung n u r auf den Stamm des Wortes. Ihre ‘Incidenz’, ihr Wirkungsbereich, ist ganz innerlich, auf den Umfang des Konzepts beschränkt. Dabei erfüllt die Endung k e i n e syntaktische Rolle.“ (p. 288) „Daraus folgt, daß diese partitive Form nicht in die syntaktisch bedeutenden Markierungen einzureihen ist, sondern in die Formen, die keinen syntaktischen Wert haben, in die quantitativen Formen (...) Singular (Einheit), Dual, Plural.“ (p. 289) Der Genitiv kann vielfach anstelle anderer Kasus eintreten, ohne daß er deren Bedeutung ausdrückte; der Genitiv gibt einfach das Teilverhältnis an zu dem Fall, daß dasselbe Nomen in dem durch den Satzinhalt erforderlichen Kasus stünde. Nach Scherer Lat. Syntax p. 50 lassen sich drei Anwendungsbereiche des Genitivs unterscheiden, nämlich bei der Bezeichnung der Zugehörigkeit, der Eigenschaft und des Bezugs. Der Genitiv findet auch bei Vergleichen Verwendung zur Bezeichnung dessen, womit verglichen wird. Zur Konkurrenz zwischen Genitiv und Adjektiv s.o. F 311 Abs. 4. Beispiele: — a) Partitiv: Plt. Cas. 538 modius ... salis „ein Scheffel Salz“; L102 OZWRL¸RIDJZYQ„vom Lotos essend“; 4470 KMRX¸„des Morgens“. — b) Genitiv der Beschaffenheit: Cato agr. 121 lauri folia „Blätter des Lorbeers“; I7 NZYSKGHMOHYIDQWRHMSK¸HQ„und ein Griff von Elfenbein war daran“. — c) Pertinentiv/Possessiv: Plt. Most. 980 patris amicus „der Freund des Vaters“; Soph. Ai. 172 'LR$UWHPL; )109 SDWURGHL>P DMJDTRL¸R „und ich bin der Sohn eines edlen Vaters“. — d) Genitiv der Beziehung: Ter. Phor. 954 monstri ... simile „einem Wunder ähnlich“; PPHL 307 (4) D>QTUZSRE 439 (6), E 512 (3), W 206 (4) DMQWLYE 509 (3), L 322 (2) EOLYWWZL 304 (3) ERX F 318 (6b) JODXNRY*ODX NRF 322 (2) JOZ VV WW DJODVVD W 204(1) GHVSRYWKF 320 (1a), W 211 HMDIY TK(  , L 345 (1)

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HL?PL(   HLMPLY( H>SLEGDL 346 HMUKWXYVDVNHF 101 (1) HX>UL:SRL 329 (2) H>FZL 310 H^ZKMZYL 310 ]L 104, L 213 K-PHL L  THRYE 507 (2), E 511 TQKWRYL 332 (4b) TULY[WULFRYL 348 (2) L-GUXY:ZL 304 (3) L^SSRE 506 (4) NDYOORF 325 (1a) OD:RYOD:RLYF 304 (2) ORX VVRQW 202 (1) OXYNRL 304 (3) PKURLYPK UDF 304 (2) QDLYZL 203 QDX F 318 (6c) QHRJQRYL 330 RL?NRL 217 (1), L 220 (1) RMQRPDLYQZF 317 (10) RXMF 317 (8) SDWKYUL 408, F 314 (1) 3DYWURNORNOK W302 (1) SH]RYL 215 (2) SLY:QZH>SLRQL 327 SRYOLSWRYOLL 405 SROXYL 332 (4d), W 206 (7) U-L]Y DL 203 X-JLKYL 344 X-VPLY:QKL 213 (2) c) Lateinisch vgl. Leumann LLFL 1977, Meiser Laut- und Formenlehre 1998, de Vaan EDL 2008.

Sach- und Wortregister

aes aeris aênus L 215 (1) amphora W 100 Caesar E 507 (3), L 220 (1) )+__L 340 (1) dare dô dâs damus L 323 (3) deus dîvus E 507 (2), L 217 (3) ênsis L 333 (2) eô îre E 503 (8) equus E 506 (3), L 106 esse sum Ǽ iecur iocineris F 314 (6) in in- L 108 integer L 406 interficere interîre F 218 îre eô E 503 (8) lupus L 304 (3) magnus L 203 mollis L 307 (2) mulier F 325 (3) narrâre L 332 (4c) nix nivis ninguit E 501 pônô L 313 (1) stabulum L 347 (2) sum esse E 503 tabula L 311 ursus L 333 (2) vêndere vênîre F 218 vîcus L 217 (1), L 220 (1) vîrus L 211 (6) d) Altindisch (Vedisch) vgl. Mayrhofer, EWAia. as- E 502 á¹va- E 506 (1) bodhi L 407 SĮYítra- pûnitá pûtá- L 315 (2) snih- sneh- E 501 (3) ,D- F 317 (3) ûrdhvá- L 407