Hiob Ludolf: Ein Beitrag zur Geschichte der Orientalischen Philologie 9781463215927

As a scholar of the languages of early Christianity, including Ethiopic and Syriac, Johannes Flemming felt a debt to the

163 49 8MB

German Pages 98 Year 2011

Report DMCA / Copyright

DOWNLOAD FILE

Polecaj historie

Hiob Ludolf: Ein Beitrag zur Geschichte der Orientalischen Philologie
 9781463215927

Citation preview

Hiob Ludolf: Ein Beitrag zur Geschichte der Orientalischen Philologie

Analecta Gorgiana

95 Series Editor George Anton Kiraz

Analecta Gorgiana is a collection of long essays and short monographs which are consistently cited by modern scholars but previously difficult to find because of their original appearance in obscure publications. Carefully selected by a team of scholars based on their relevance to modern scholarship, these essays can now be fully utilized by scholars and proudly owned by libraries.

Hiob Ludolf: Ein Beitrag zur Geschichte der Orientalischen Philologie

J. Flemming

%

gorgias press 2011

Gorgias Press IXC, 954 River Road, Piscataway, NJ, 08854, USA www.gorgiaspress.com Copyright© 2011 by Gorgias Press IXC

All rights reserved under International and Pan-American Copyright Conventions. No part of this publication may be reproduced, stored in a retrieval system or transmitted in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopying, recording, scanning or otherwise without the prior written permission of Gorgias Press LLC. 2011

ISBN 978-1-60724-016-7

Printed in the United States of America

ISSN 1935-6854

Hiob Ludolf! Ein Beitrag zur Geschichte der orientalischen Philologie von

J. Flemming. Die folgenden Zeilen haben den Zweck, das Andenken eines Mannes zu erneuern, der seiner Zeit, vor nunmehr 200 Jahren, auf dem Gebiete der orientalischen Wissenschaften Grossartiges und Bewunderungswürdiges geleistet hat: ich meine den Begründer der äthiopischen Philologie, HIOB LUDOLF. Unzertrennlich ist mit seinem Namen der seines abessinischen Freundes und treuen Helfers bei seinem Lebenswerke, des Abba GREGORIUS verbunden; und so wird auch dieses Mannes hier gedacht werden. Ich habe meine Arbeit so eingerichtet, dass der erste Theil den äusseren Lebensgang HIOB LUDOLF'S schildert, der zweite enthält dann die Besprechung und Würdigung seiner äthiop. Arbeiten, und im dritten lege ich eine Auswahl der Briefe GREGOR'S an LUDOLF mit Übersetzung vor, von den übrigen gebe ich nur den Inhalt kurz an. Die H a u p t q u e l l e für das L e b e n

HIOB LUDOLF's ist CHRISTIAN

JUNCKER's Vita Jobi Ludolfi, Lipsiae 1710. Dieselbe ist die lateinische Wiedergabe eines von L. selbst nicht lange vor seinem Tode deutsch abgefassten Lebenslaufes mit einigen Zuthaten des Übersetzers (vgl. C A. HEUMANN, Vita G. M. de Ludolf,\ Gottingae 1740, p. 61). In zweiter Linie kommen die Vorreden der Werke L.'s in Betracht, insbesondere das Prooemium des Commentarius ad Historiam Aethiopicam. An dritter Stelle sind dann Briefe und Aktenstücke zu nennen, die meist nur handschriftlich vorhanden sind. Die herzogliche Bibliothek zu Gotha bewahrt die Briefe L.'s an J. E. GERHARD (f 1668), Professor der Theologie zu Jena {Cod. Chart. A 133 u. 142 fol.), und an W. E. TENZEL, damals Lehrer am Gymnasium zu Gotha [Cod. Chart. B 202), die Akten über WANSLEBENS Reise nach Abessinien {Cod. Chart. A 101 fol.), und ein Collectaneum L.'s, wel-

538

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

ches zehn äthiop. Briefe, von L. und dem Abessinier GREGORius herrührend, enthält [Cod. Chart. B 152). Auf der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M. befinden sich die Briefe, die L. seinerseits während seines Frankfurter Aufenthaltes von den verschiedensten Gelehrten erhalten hat. Nach Göttingen hat ein wunderbarer Zufall die Briefe des GREGORIUS zusammen mit einigen anderen äthiop. Handschriften, die seiner Zeit Eigenthum L.'s waren, verschlagen, und die königliche Universitäts-Bibliothek zu Halle besitzt von diesen abessin. Briefen eine das Göttinger Exemplar mehrfach ergänzende Abschrift (vgl. weiter unten). Indessen bieten diese Briefe nur wenig, was zur Characterisirung des Mannes und zur Schilderung seines Lebens dienen könnte; sie sind meistens literarisch-geschäftlichen Inhalts, und nur einer so grossen Persönlichkeit wie LEIBNIZ gegenüber schliesst sich L. bisweilen auf und verstattet uns einen Einblick in sein Inneres. — Die Verwaltungen der genannten Bibliotheken haben mir die Handschriften gütigst zur Benutzung überlassen, ich spreche ihnen hierfür meinen ergebensten Dank aus. In gleicher Weise danke ich auch dem Meister der äthiop. Philologie, Herrn Professor DILLMANN in Berlin für die grosse Liebenswürdigkeit, mit der er den Anfänger in einer Reihe von Fällen auf den rechten Weg gewiesen hat. I. Hiob Ludolfs Leben.

HLOB LUDOLF ist am 24. Juni 1624 zu Erfurt geboren. Die Familie, der er entstammte, gehörte zu den angesehensten der Stadt, der- Vater bekleidete das Amt eines „Obristen Vierherrn", welches neben dem des „Obristen Rathsmeisters" das vornehmste war, und ebenso hatten Grossvater und Urgrossvater im Rathe der Stadt gesessen.* Schon früh, kaum fünf Jahre alt, wurde er der sogenannten Predigerschule übergeben, die aber, was Unterricht und Disciplin betraf, sich in dem Zustande vollständiger Verwahrlosung befand, woran die Kriegsnöthe, die damals über Erfurt hereingebrochen waren, hauptsächlich schuld gewesen sein mögen. Im Jahre 1635 trat er in das Gymnasium ein, wo die Verhältnisse in keiner Weise besser waren; dazu erwies sich auch sein Privatlehrer N. KARNRAD, der ihn zu Hause unterrichtete, als ein unwissender und unbrauch* Der ursprüngliche Name der Familie war LEUTHOLF. Für das Jahr 1521 ist als der Erste ein NICOLAUS LEUTHOLF in Erfurt nachweisbar, „massen aber Ltut auf Thüringisch Lüt und pro LEUTHOLFF Lütolff {Ludolf) pronuncieret worden", hat sich der Name allmählich in LUDOLF umgewandelt. F. RUDOLPH!, Gotha Diplomatica, Frankfurt 1717 T. Ili p. 292.

Flemming, Hiob Ludolf.

539

barer Mensch. D o c h sein verständiger Sinn und sein frommes G e müth halfen ihm glücklich über alle diese Ubelstände hinweg und führten ihn sicher durch alle sittlichen Gefahren jener verwilderten Zeit hindurch. V i e r J a h r e später (1639) bezog er die Universität seiner V a t e r stadt. E r hörte medicinische und naturwissenschaftliche Vorlesungen bei REHEFELD und SENNERT, ohne besonderes Interesse dafür zu bekunden, dagegen regten Dissertationen und gelehrte Abhandlungen, die ihm seine in L e i d e n studirenden B r ü d e r von da aus zuschickten, seinen Forschungstrieb und seinen Ehrgeiz mächtig an. Merkwürdigerweise zeigte er auch eine ganz eigenthümliche V o r l i e b e für die L e e t ü r e ascetischer und mystischer Schriften. Allein sein irregeleiteter religiöser E i f e r , der sich in H a n g zur Einsamkeit, F a s t e n und selbstquälerischen Grübeleien äusserte, zog ihm eine schwere K r a n k heit zu. A l s er wieder genesen war, widmete er sich, um nicht abermals in ähnliche Sonderbarkeiten zu verfallen, einem ihm mehr zusagenden Studium, nämlich dem der Sprachen und der Musik. E r lernte Griechisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Holländisch und fand zu seiner F r e u d e in den damaligen Kriegszeiten auch sehr bald Gelegenheit, die erworbenen Kenntnisse praktisch zu verwerthen. V o n den Vorlesungen besuchte er jetzt juristische bei JOHANNES MÜLLER; da ihm auch diese nicht gefielen, und er noch keine festen Pläne für die Zukunft und das Endziel seiner Studien hatte, so gab er sie bald wieder auf, und warf sich auf Betrieb BARTHOLOMAEUS ELSNER'S, des Professors der T h e o l o g i e und des Hebräischen, mit allem E i f e r auf die orientalischen Sprachen. JOHANN MICHAEL DHXHERR'S Arbeiten führten ihn in das Hebräische, Chaldäische, Samaritanische und Syrische ein, ERPENIUS' Grammatik in das Arabische und des AMBROSIUS THESEUS Bücher in das Armenische. Binnen Jahresfrist war er, soweit dies damals möglich war, Herr dieser Sprachen. N o c h fehlte von den semitischen Dialecten allein das Äthiopische, welches zu jener Zeit in Deutschland nur sehr wenig bekannt war, und zu dessen Erlernung die Hülfsmittel fast gänzlich fehlten. Mit POTKEN's Psalter und einer von seinem ehemaligen L e h r e r KARNRAD nach demselben angefertigten Grammatik nebst Wörterbuch begann er seine Studien. D o c h die KARNRAD'sche A r b e i t erwies sich als so fehlerhaft und unzuverlässig, dass L., wollte er vorwärts k o m m e n , sich gezwungen sah, Grammatik und L e x i k o n sich selbst zusammen zu stellen. S o legte er mit eisernem Fleisse den Grund zu seiner eingehenden Kenntnis der äthiop. S p r a c h e und Literatur, und wenn er auch, mit grossem Sprachtalent begabt, im L a u f e seines langen L e b e n s noch mehr a\s

540

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

zwanzig Idiome sich angeeignet hat — erfreuten sich doch sogar Zigeuner und Hottentotten seiner Aufmerksamkeit — so hat er doch in keinem derselben Gleiches geleistet; sie waren ihm vielmehr nur Mittel zum Zweck: alles herbei zu schaffen, was für das Verständnis abessinischen Volks- und Schriftthums förderlich sein konnte. Noch ehe er irgendwie schriftstellerisch aufgetreten war, ward er schon allgemein als erster Kenner des Äthiopischen genannt, und die bedeutendsten Gelehrten, wie HOTTINGER und BOCHART, holten sich von ihm Auskunft und Belehrung; seine späterhin erschienenen grossen Werke aber sind eine Quelle des Wissens geblieben bis fast auf unsere Tage. Allmählich wurde es jedoch Zeit, an einen bestimmten Beruf für das spätere Leben zu denken, und so kehrte L., und diesmal mit mehr Eifer, zur Jurisprudenz zurück, disputirte am Ii. April 1645 über das Thema De fictione juris und beschloss mit diesem feierlichen Acte seine Studien auf der heimathlichen Universität. Es war damals in Deutschland Sitte, dass der junge Gelehrte nach Beendigung seiner Studien die Heimath verliess, um für einige Zeit noch die Universitäten des Auslandes zu besuchen, ja dem 17. Jahrhundert galt diese pct egrinatio académica geradezu als ein nothwendiger Bestandtheil der academischen Bildung. Abgesehen von dem Gewinne, der dem gelehrten Wissen daraus erwachsen musste, diente das Reisen im fremden Lande und unter fremden Leuten vor allem zur Erweiterung des Gesichtskreises, es bewahrte vor einseitiger Selbstüberschätzung und beförderte nicht zum wenigsten in einer zu religiösen Streitigkeiten sehr geneigten Zeit die Duldsamkeit und Milde gegen Andersgläubige. Als Ziel der Reise stand Holland obenan, und in Holland war es wieder die berühmte Universität Leiden, welche die meisten anzog; erst in zweiter Linie kamen dann Frankreich, England und Italien in Betracht. So beschloss denn auch L., dem Zuge der Zeit und dem Beispiele seiner älteren Brüder folgend, nach Holland zu gehn. Über Bremen, Franeker, Leeuwarden, Amsterdam führte ihn sein Weg, und am 10. Juni 1645 langte er in Leiden an. Er wurde zwar als studiosus juris immatriculirt,* doch seinen alten Neigungen getreu waren es auch hier wieder die Sprachen, denen er sich hauptsächlich widmete; er trieb mit dort anwesenden Griechen Griechisch, mit Schweden Schwedisch, mit Engländern Englisch. CONSTANTIN L'EMPEREUR, im talmudischen und rabbini* Johts Ludolphus, Erfuriinus Thuringms, Studiosus Juris Ann. 21, habitans apud Corneliam. van der Voort prope Templum Petri, lautet der Immatriculationsvermerk. Ärchief voor kerk, Geschiedenis IX 386.

Flemming, Hiob Ludolf.

541

sehen Schriftthum wohlbewandert, wurde sein Lehrer im Hebräischen, und der berühmte JACOB GOLIUS im Arabischen, auch mit dem Persischen machte er sich bekannt an der Hand der Rudimento, des LUDOVICUS DE DLEU. Für das Studium des Äthiopischen waren ihm die aus SCALIGER'S Nachlasse stammenden Manuscripte der Leidener B i b l i o t h e k , d i e i h m d e r B i b l i o t h e k a r DANIEL HEINSIUS a u f L'EMPE-

REUR's Fürsprache hin zur Verfügung stellte: Psalter, Computus und eine Gebetsammlung (5VA*"f"' C i ' t 1 ) v o n hohem Nutzen, und er bemerkte mit Freuden, dass das 1638 zu Rom gedruckte äthiop. Lexicon des Antwerpener Carmeliters JACOB WEMMERS seine eigenen bisherigen Arbeiten nicht übertreffe, geschweige denn überflüssig mache. Daneben wurde die eigentliche Fachwissenschaft, die Jurisprudenz, nicht vernachlässigt, deren Hauptvertreter in Leiden damals CLAUDIUS SALMASIUS war, von dem seine Freunde rühmten, er habe alles gelesen, wisse alles und lehre alles. Durch Vermittelung I.'EMPKREUR'S, an den er sich überhaupt näher angeschlossen zu haben scheint, erhielt L. im Sommer 1646 die Stelle eines Reisebegleiters und Mentors bei einem jungen holländischen Edelmanne JOHANNES DE THIJS, und so eröffnete sich ihm die Möglichkeit, sich noch weiter in der Welt umzuschauen, ohne die väterliche Kasse fernerhin zu belasten. Im October verliessen die beiden Leiden und reisten über Dieppe und Rouen, zunächst nach Caen, dem Wohnsitze SAMUEL BOCHART's. L. wohnte bei BOCHART und erfreute sich täglich des Umgangs mit diesem ausgezeichneten Manne, konnte er doch aus der Fülle seiner ungeheuren Gelehrsamkeit Belehrung auf fast allen Gebieten der orientalischen Wissenschaften schöpfen. Denn selbstverständlich war L. bei diesem Verkehr als der Jüngere mehr der Empfangende als der Gebende, doch nahm BOCHART seine Hülfe, wo er sie brauchen konnte, gern in Anspruch und der fünfzigjährige Mann Hess sich von dem zwanzigjährigen Jünglinge noch im Äthiopischen unterrichten. Im April 1647 nahm L. Abschied von Caen und begab sich mit seinem Reisegenossen nach Paris. Von seinem Aufenthalte daselbst ist wenig zu sagen, er war mehr der Besichtigung der Hauptstadt und ihrer Herrlichkeiten, als dem Verkehre mit Gelehrten gewidmet. Von Paris ging es dann weiter nach Frankreich hinein, nach Saumur, wo L. CAPELLUS besuchte, Anjou, Nantes, Bordeaux, Toulouse, Marseille, Lyon, Orléans und wieder zurück nach Paris. Bei diesem seinem zweiten Aufenthalte in der französischen Hauptstadt traf er unvermuthet mit seinem älteren Bruder GEORG HEINRICH, damals schwedischem Legationssecretär, zusammen, der ihn dem Pfalzgrafen A D O L F JOHANN, B r u d e r CARL GUSTAV'S, n a c h m a l i g e n

Königs von

Schweden, vorstellte. Auch jetzt war seines Bleibens in Paris nicht

542

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

lange, denn THIJS wollte noch während des Frühjahrs 1648 England bereisen. Bei der Hast, mit der dies geschah, war es L . leider nicht möglich, seinen orientalischen Studien besonders in der Bodleiana in O x f o r d nach Gefallen nachzugehen. V o n England kehrten sie wieder nach Holland zurück. W ä h rend eines Aufenthaltes in Spaa traf L . die K u n d e von dem T o d e CONSTANTIN L'EMPEREUR'S , er eilte nach Leiden und bewies der W i t t w e und T o c h t e r seines ehemaligen Gönners seine Dankbarbeit gegen den Verstorbenen dadurch, dass er den Katalog seiner Bibliothek für die übliche Versteigerung anfertigte. — In diese Zeit fällt auch ein Besuch, den er dem bekannten reformirten T h e o l o g e n GISBERT VOETIUS in Utrecht und seiner berühmten Schülerin ANNA U m die heilige Schrift' im UrMARIA VON SCHÜRMANN abstattete. texte zu verstehn, hatte die SCHÜRMANN nicht nur Hebräisch, sondern auch die verwandten Dialecte, Arabisch, Syrisch, Chaldäisch und sogar Äthiopisch gelernt. Letzteres wird wohl das Hauptthema der gelehrten Unterhaltung gebildet haben, wenigstens gab ihr L. einen Einblick in seine Arbeiten auf diesem Gebiete. Indessen die F r e u d e an dem Zusammensein wurde jählings unterbrochen durch ein hitziges Fieber, welches L . plötzlich befiel, doch gelang es der geistreichen und gelehrten Jungfrau „exquisitis cibi potusque deliciis" die Heftigkeit der Krankheit zu mildern. Beim A b s c h i e d e verehrte sie ihm ihr Bild, das sie selbst, nicht allein Meisterin in Sprachen und Wissenschaften, sondern auch Künstlerin mit Palette, Grabstichel und Meissel, in K u p f e r gestochen hatte. N o c h im L a u f e dieses Jahres berief ihn sein Bruder GEORG HEINRICH wieder nach Paris als Erzieher des Sohnes des schwedischen Gesandten Baron VON ROSENHAHN. E r löste daher sein V e r hältnis zu THIJS und begab sich über Caen, wo er BOCHART abermals aufsuchte, nach seinem Bestimmungsorte. Allein schon nach kurzer Zeit sollte das Reiseleben wieder beginnen. Die Königin CHRISTINE von Schweden hatte nämlich ihren Gesandten in Paris beauftragt, wichtige (seiner Zeit von dem Bischof JOHANNES MAGNUS von Upsala aus Schweden nach R o m verschleppte) Documente, Urkunden und Briefschaften durch eine geeignete Persönlichkeit wieder aufsuchen zu lassen. ROSENHAHN gelang es leicht, L . zur Übernahme dieser Commission zu bewegen, und so ging er im Frühjahr 1649 mit zwei Reisebegleitern aus Preussen, von denen er unterwegs noch Polnisch lernte, via Genua nach Rom. Seine Nachforschungen nach den Documenten waren indess vergeblich; doch etwas anderes fand er, was für ihn und die orientalische Wissenschaft von ausserordentlicher Bedeutung werden sollte: nämlich den Abessinier Abba Gregorius. Seit etwa einem Jahrhundert

Flemming, Hiob Ludolf.

543

besassen die Abessinier durch die Liberalität der Päpste ein Hospitium in R o m in der Nähe der Peterskirche und des Vatikans, w o sie zusammen lebten, den Gottesdienst nach ihrer Weise ausübten, und, wenn sie dazu befähigt waren, den Int ;ressen des Papstthums dienten. Dieses Hospitium suchte L . , der von der zufälligen A n wesenheit einiger Abessinier K u n d e erhalten hatte, auf. D o c h hören wir ihn selbst (Comment. ad Hist. Aetfi. p. 30): „Endlich traf ich die Abessinier — es lebten damals vier in R o m — in ihrer Herberge. Habta Märjäm und Tensea Krestos waren einfache und ungebildete Leute, der dritte, ANTONIUS D'ANDRADE, der Sohn eines Portugiesen und einer Abessinierin, war zwar in T i g r e erzogen, aber schon früh nach Indien gekommen, so dass er von Äthiopisch und äthiop. Dingen nicht mehr viel wusste. Da er Italienisch verstand, so diente er als Dolmetscher. Ich trug nun mein Anliegen vor, nämlich von ihnen Äthiopisch zu lernen. Darüber waren sie sehr erstaunt und erklärten, das sei ausserordentlich schwer und zeitraubend und könne nur in Äthiopien selbst geschehen. GREGORIUS — der vierte — , ein sehr gescheuter Mann, würde vielleicht im Stande sein, es zu lehren, doch verstehe er weder Italienisch noch Lateinisch. Ich drang weiter in sie und sagte, dass ich schon Kenntnisse im Ä t h i o pischen besässe. G. wird also herbeigerufen, und mein W u n s c h ihm mitgetheilt. Er legte mir einen äthiop. C o d e x vor, und forderte mich auf zu lesen. A l s ich geendigt hatte, stimmten alle vier ein Gelächter an, und G. rief: „er liest wie der Pater ATHANASIUS" (nämlich ÄTHAN. KIRCHER), als es aber an das Ubersetzen ging, verwandelte sich ihr L a c h e n in Staunen, und G. musste gestehn, dass er nicht geglaubt habe, jemand könne diese Sprache, die den Jesuiten in Abessinien so schwer gefallen sei, ohne Lehrmeister lernen." Täglich besuchte nun L . seinen neuen Bekannten, anfangs musste ANTONIUS D'ANDRADE die Unterhaltung vermitteln, dann aber kam man überein, Äthiopisch zu sprechen, was auch für G. zunächst ein ungewohntes Ding war, denn er bediente sich für gewöhnlich des Amharischen. L . hätte wohl kaum einen besseren Lehrer finden können als diesen Abessinier, der, einem vornehmen amharischen Geschlecht entsprossen, unzweifelhaft zu den Gebildetsten seiner Nation gehörte, und in F o l g e seiner ehemaligen Verbindung mit dem Hofe und dem römischen Patriarchen ALFONS MENDEZ eine eingehende Kenntniss der abessinischen Verhältnisse und des während der letzten Jahre in seinem Vaterlande Vorgefallenen besass. E r hatte sich den Jesuiten angeschlossen, welche während der R e gierung des SUSNEUS (1607—32) D o g m a und Einrichtungen der römischen K i r c h e in Abessinien einzuführen suchten, und war, als der Unwille des V o l k e s und die Ungnade des Königs sich gegen sie

544

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

kehrte, mit ihnen nach Indien entflohen. N a c h mannigfachen Schicksalen (Com. p. 2g) gelang es ihm, wieder in die Heimath zu kommen und die Verzeihung des K ö n i g s zu erlangen, doch kurz darauf musste er vor den Verfolgungen der abessinischen Mönche, die den einstigen F r e u n d der Jesuiten noch immer hassten, zum zweiten M a l e fliehen. E r entkam nach Ä g y p t e n und von da nach R o m , w o L . seine Bekanntschaft machte. Nach einem Aufenthalte von einigen Monaten kehrte letzterer dann wieder nach Paris zurück. Im Herbst 164g verliess der Baron ROSENI-IAHN Frankreich und b e g a b sich auf seine Güter nach Schweden. L . reiste mit den K i n d e r n voraus und als er in Gotenburg zuerst den schwedischen Boden betrat, glaubte er, in eine neue Welt versetzt zu sein, so fremd und ungewohnt kam ihm alles vor. Die Müsse, die ihm der Winteraufenthalt in dem einsamen T y s t a d — so hiess das Gut des Gesandten — brachte, benutzte er zur Vervollständigung seines äthiop. L e x i c o n s , indem er hauptsächlich die durch den U m g a n g mit BOCHART und A b b a G. gewonnenen Kenntnisse dafür zu verwenden suchte, auch übersetzte er eine äthiop. Handschrift, die er aus Paris erhalten hatte. Daneben wurde das Studium der schwedischen S p r a c h e und Geschichte eifrig betrieben, j a er trug sich sogar mit dem Plane einer Bearbeitung der Chronik des ERICH JÖRENSON, welche die Zeit GÜSTAV's I. behandelt, doch nahm er später davon Abstand. W i e er in Frankreich durch die Vermittelung des Gesandten mit dem H o f e und den französischen Grossen in Berührung gekommen war, so auch hier in Schweden. E r besuchte den K a n z l e r A X E L OXENSTIERNA auf seinem L a n d g u t e T y d ö n a , und erhielt in Stockholm Zutritt zu dem Kreise, den die Königin um sich zu versammeln pflegte, denn der R u h m der geistreichen Fürstin als einer Beschützerin der Wissenschaften hatte viele fremde Gelehrte nach Stockholm geführt. E s war ihm hier vergönnt, eine R e i h e neuer Bekanntschaften anzuknüpfen, ich will nur NICOLAUS HEINSIUS und ISAAC VOSSIUS erwähnen, und seiner L u s t am Erlernen fremder Sprachen — er trieb noch Portugiesisch, Russisch und Finnisch — G e n ü g e zu thun. Indessen mahnte mehreres jetzt zur Heimkehr, vor allem der W u n s c h des G . , ihn in Deutschland zu besuchen, und das eigene V e r l a n g e n , dieses zweite sich ihm bietende Zusammentreffen mit dem Abessinier für seine äthiop. Studien nach Möglichkeit auszunutzen. S o nahm er denn A b s c h i e d v o n Schweden und kehrte über K o p e n h a g e n und Hamburg nach seiner Vaterstadt zurück (13. März 1651). Sechs J a h r e war er fortgewesen, hatte fast alle Kulturländer E u r o p a s durchwandert und reiche Schätze gelehrten Wissens und

Flemming, Hiob Ludolf.

545

weltmännischer Erfahrung gesammelt, es war eine peregrinatio académica grössten Stiles gewesen. Einen Monat nach seiner Rückkehr starb sein Vater. Bei Gelegenheit einer Reise, die er zur Ordnung von Familienangelegenheiten nach Nürnberg zu machen hatte, wurde er in Gotha dem Herzog ERNST vorgestellt, und bald darauf erhielt er, wohl auf Betrieb seines Freundes VEIT LUDWIG VON SECKENDORF, der in gothaischen Diensten stand, von dem Fürsten den Auftrag, die Gebeine des Herzogs BERNHARD von Weimar von Breisach nach Weimar überzuführen. L., der um diese Zeit den G. erwartete, bat, ihm diesen Auftrag wieder abzunehmen, und theilte dem Herzog den bevorstehenden Besuch des Abessiniers mit. Dieser war begierig, über den Zustand des Reiches des Priesters JOHANNES und über das Christenthum in Abessinien aus dem Munde eines Eingeborenen eingehende Nachrichten zu erhalten und beauftragte L., den G. nicht nach Erfurt in das Haus seiner Mutter, sondern nach Gotha an den Hof einzuladen. Zugleich erbot er sich, alle Kosten zu tragen. L. ging gern darauf ein und reiste G. bis Nürnberg entgegen. Das Wiedersehen war ein freudig bewegtes, G. hing am Halse seines Freundes und weinte wie ein Kind. Herzog ERNST hatte angeordnet, dass sein Gast erst nach Schloss Heldburg in Franken und von da nach Tenneberg bei Waltershausen gebracht werden sollte, er wollte, bevor er selbst ihm gegenübertrat, erst Bericht über sein Wesen und seinen Charakter haben. L. und der Schlosshauptmann von Heldburg Dr. H E H E R hatten nur Gutes zu melden. H E H E R schreibt (BECK, Ernst d. F. p. 564): „Der Abessinier ist ein gar feiner Mann, und wegen stattlicher Nachrichtung, die er von seinem Vaterlande zu geben weiss, wie auch in anderem Wege würdig, dass mit ihm gute Conversation gepflogen wird, wiewol solches etwas beschwerlich fallt, indem er der lateinischen Sprache gar nicht, der italienischen und portugiesischen Sprachen etwas kundig, aber der harten Pronunciaren halber schwerlich zu vernehmen ist."

Und L. lässt sich folgendermassen über ihn aus: „Indem diese Person wegen ihrer guten Natur und ziemlich reifen Verstandes mit vielfältigen freien Discursen und denkwürdigen Erzählungen Jedermann Ursache giebt, auf dieselbe etwas zu halten. Es bequemt sich gedachter Freund nach allerhand Gelegenheit, ist vergnügsam und zufrieden, wie man's mit ihm macht; daher ihm denn in Deutschland von vielen unbekannten Leuten viel zu. gute gethan worden, dass er also unser Land, Sitten, Gebräuche und Leute trefflich rühmt. Allerlei Speisen isst er gern und unser Bier trinkt er mit Wollust, sagend, dass ihn das erst wieder recht zu Kräften bringen werde."

Daraufhin beschied der Herzog den Abessinier nach Schloss Friedenstein und ertheilte ihm am 10. Juni 1652 die erste Audienz. Der Kanzler und mehrere geistliche und weltliche Räthe waren zugegen, L. machte den Dolmetscher, G. gab seiner Freude Ausdruck, Beiträge zur semit. Sprachwissenschaft. I .

,c

546

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

so hoch im Norden einen christlichen Fürsten von weitgerühmter Frömmigkeit und Weisheit begrüssen zu dürfen; der Herzog antwortete dem entsprechend, dass er nicht minder erfreut sei, einen Christen aus so entlegenen Gegenden bei sich zu sehen, und dass man Gottes Vorsehung preisen müsse, die mitten unter Heiden und Muhammedanern eine christliche Kirche so lange in Äthiopien erhalten habe. L . wollte diese Entgegnung seines Herrn italienisch wiedergeben, damit es auch die Anwesenden verstehen könnten, aber (Äthiopisch, Äthiopisch!), G. rief sofort: „Mashafena, Mashafena!" denn er wollte nicht, dass auch nur ein Wort des Fürsten von ihm unverstanden bliebe. Der Herzog hatte angeordnet, dass aus älteren Werken über Ä t h i o p i e n v o n ALVAREZ, SAGA-ZA-AB, DRESSER u n d BREREWOOD —

die neuesten Berichte der Jesuiten waren noch nicht zur Hand — Auszüge gemacht werden sollten, welche dann bei den Unterredungen als Grundlage dienten, indem G. erklärte, verbesserte oder auch widerlegte*. Dieser zeigte wiederum seinerseits das grösste Interesse, für alles, was er sah und was um ihn her vorging, er erkundigte sich nach den Einrichtungen des Staates, den Hoheitsrechten des Fürsten, den Sitten und Gewohnheiten des Hofes, und fand im Vergleich zu den Zuständen seines Vaterlandes alles bewundernswerth und gut. Nur eins erregte seine entschiedenste Missbilligung: nämlich die ausserordentliche Verbreitung von Unwahrheiten aller Art und nicht zum wenigsten über Abessinien selbst, durch den Druck. Er habe vielmehr, sagte er, als er zum ersten Male in der Bibliothek des Patriarchen ALFONS MENDEZ gedruckte Bücher gesehen und bemerkt habe, dass sie durch königliche Privilegien geschützt seien, die Buchdruckerkunst für eine heilige Erfindung gehalten, welche zu aller Wohle nur dem Wahren und Guten diene, und zu den Regalien der Fürsten gehöre. Seinem Freunde L . war G. bei der Weiterführung seines äthiop. Lexicons und bei der Ausarbeitung seiner Werke über das Amharische behülflich. Da er das Italienische und Portugiesische mehr stammelte als redete, dazu von grammatischer Methode keine * Die Quintessenz jener Besprechungen, so weit es sich um theologische Sachen handelt: um den Glauben an Gott, um Taufe, Beichte, Abendmahl, Priesterthum, Ehe usw., giebt L . in einer kleinen Schrift, betitelt: Theologia Aethioptca, hoc est religio et mores Habessinorum religionis Ch-ristianae do gm ala praecipua duodecim capitibus comprehendens. Quondam Emesti Saxoniae dycis jussu ex variis a-utoribus excerpta et Abba Gregorio Aethiopi proposita, cujus responsiones yobus Ludolfus latinitate donavit. Dieses Werk ist als Manuscript mehrfach auf der Göttinger Bibliothek vertreten, die lateinische Übersetzung ohne den von L . hergerichteten äthiop. Text der Antworten G.'s findet sich bei J o . ALE. FAERICIÜS, Salutaris Lux Evangelii, Hamburg! 1731, p. 716.

Flemming, Hiob Ludolf.

547

Ahnung hatte und nur mit grosser Mühe zum Verständnis der lermini technici sich durcharbeitete — er verstand z. B. die Bezeichnung Wurzel zunächst buchstäblich — so hatte L. oft einen schweren Stand, und war besonders bei der ganz fremdartigen und schwierigen amharischen Sprache — lingua perdifficilis und lingua peregrinissima nennt er sie — mehr wie einmal nahe daran, die Sache ganz aufzugeben. Doch der Wunsch, seinen Landsleuten zu nützen, wenn sie mit den Abessiniern in Handelsverkehr und in ein freundschaftliches Verhältnis treten wollten, liess seinen Eifer nicht erlahmen*. Nicht mindere Schwierigkeiten waren auf der anderen Seite zu überwinden, als es galt, G. in die Geheimnisse des Lateinischen einzuweihen, denn diese Sprache zu verstehen war sein höchstes Verlangen. Als der-Winter nahte, schien es dem Herzoge gerathen zu sein, den Fremdling, der, an ein warmes Klima gewöhnt, bei seinem Alter die Beschwerden der kalten Jahreszeit wohl kaum ertragen haben würde, wieder nach Italien zu entlassen. G. verliess am 6. Söpt. 1652 Gotha und gelangte, von L. bis an die italienische Grenze begleitet, glücklich nach Venedig. Den Winter über blieb er noch in Italien, im Frühjahr (1653) trat er seine längst geplante Reise nach Jerusalem an. Ein holländisches Schiff brachte ihn von Livorno nach Iskanderün, und von da ging er nach Aleppo, wo er im Hause des französischen Consuls drei Monate verweilte, da die Pest in Jerusalem wüthete. Als keine Gefahr mehr zu fürchten war, brach er nach der heiligen Stadt auf, fand aber von seinen Landsleuten keinen einzigen mehr am Leben. Im Frühjahr 1654 erfolgte die Weiterreise nach Abessinien. In Cairo erfuhr er, dass es unmöglich sei, dahin zu kommen, weil in Folge einer Reihe von Gewaltthätigkeiten, die auf der Grenze zwischen Türken und Abessiniern stattgefunden hatten, vorläufig jeder Verkehr unterbrochen war. Er ging noch bis Oberägypten und fand daselbst einen Leidensgefährten, einen Verwandten des Negus. Beide kamen überein, bis zum nächsten Jahre zu warten, vielleicht würden sich dann die Verhältnisse geändert haben. G. sollte unterdessen nach Europa gehn und seine dortigen Gönner abermals um Reisegeld bitten, denn das seinige sowohl wie das seines Gefährten war aufgebraucht; und so finden wir ihn den von 1655 bis Ende 1657 wieder in Italien. Das Anerbieten des Herzogs, ihm seinen Lebensunterhalt zu sichern, wenn er nach Deutschland kommen wollte, schlug er aus, denn die Sehnsucht zog ihn mächtig nach seinem Vaterlande; 1658 schiffte er sich zum zweiten Male ein, litt aber vor dem Hafen von Iskan-

* Si forte Deus annueret votis nostris, ut amica Christianae hujus nationis commercia cum nostratibus instituerentur.

Com. p. 209.

35*

Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft.

548

derün Schiffbruch und fand in den Wellen seinen Tod. Der französische Consul in Aleppo, dessen Gastfreundschaft er vor Jahren genossen hatte, liess seinen Leichnam aufsuchen und bestatten. Sein Briefwechsel mit L. ist uns gewissermassen als sein Denkmal erhalten geblieben. Er erscheint uns in demselben wie auch nach seinem sonstigen Verhalten als ein frommes und kindliches Gemüth, als ein Mann mit dankbarem und der Freundschaft offenem Herzen, und (wenn schon seine bibelanklingende Redeweise uns bisweilen etwas überschwänglich vorkommen mag) als ein Mann ernsten und wahrheitsliebenden Sinnes, auch L., der ihn wohl am besten kennen und schätzen gelernt hat, bezeugt ihm (Com. p. 35) seine animi integritas atque sinceritas. Durch den Tod G.'s war die Absicht des Herzogs und der sehnliche Wunsch L.'s, mit Äthiopien in freundschaftliche Verbindung zu treten und Näheres über jenes Land zu erfahren, vereitelt worden. Doch bald fand sich Gelegenheit, den Plan wieder aufzunehmen. L. war mit einem jungen Manne: JOHANN MICHAEL WANSLEBEN, dem Sohne eines Predigers aus Erfurt, bekannt geworden. Dieser hatte sich schon frühzeitig mit den orientalischen Sprachen beschäftigt und auf der Universität Königsberg seine Studien fortgesetzt. L. unterrichtete ihn im Äthiopischen und schickte ihn dann nach London, wo er die Herausgabe der äthiop. Grammatik und des Lexicons seines Meisters in nicht gerade mustergültiger Weise besorgte. Seinen Unterhalt erwarb er sich dadurch, dass er EDMUND CASTLE bei der Anfertigung seines grossen Lexicon heptaglotton behülflich war, und dieser rühmt auch L. gegenüber seinen Eifer: „Hoc tarnen in gratiam dicam Wanslebii cum in multas noctes invigilasse summoque mane provinciae sibi demandatae incubtiiss