Geschichte der Kriegskunst, seit der ersten Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch bis an das Ende des achtzehnten Jahrhunderts [1]

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Geschichte der Kriegskunst, seit der ersten Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch bis an das Ende des achtzehnten Jahrhunderts [1]

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Gedidite

der

Krieg

f

unft

ſeit der erſten Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch

bis

zehnten

an das Ende des acht: Jahrhunderts.

Bon

gohann Gottfried Hoyer.

Erſter

Band .

Göttingen , bey

Johann

Georg I 79. 7.

Roſenbuſch .

Ged i dyte der

Künſte

Wiſſenſchaften

und

ſeit der Wiederherſtellung derſelben bis an das Ende des achtzehnten Jahrhunderts.

Don

einer

Geſellſchaft

gelehrter

Månner

ausgearbeitet.

Siebente Abtheilung. Mathematik.

der

Geſchichte

II. Geſchichte

der

Kriegskunſt

bon gohann

Gottfried Houer.

Erſter

Band.

Göttingen , bey

Johann

Georg

1 79 7.

Roſenbüſch .

1

Vorrede.

Die GeſchichtederKriegskunſt låßt ſich un . ter zwei verſchiedenen Geſichtspunkten be: trachten : Einmal als fortlaufende pragmatiſche Geſchichte der Kriegsbegebenheiten , der Treffen , Belagerungen u.ſ.w. aus

den

dann die Erfin

dungen und Veränderungen in den verſchiedenen Zweigen der Kriegskunſt gehdrig entwickelt wer den ; oder aber Zweitens,

als bloße Darſtels

lung jener Veränderungen , wie ſie von Epoke zu Epoke aus mancherlei Urſachen entſprangen , mit Bemerkung der Begebenheiten , wo ſie wirk: lich zuerſt angewendet wurden . Ich glaubte die lektere Bearbeitungsart wählen zu müſjen : theils weil die Erſtere mich zu weit vom Ziele entfernt haben würde ,

und zu weitläuftig geworden was

re ; vorzüglich aber weil mir die lettere der Sas che ſelbſt mehr angemeſſen ſchien ; dod ſo , daß wie es mir die eigentliche Kriegsgeſchidyte auch nicht anders ſein kann diente.

zum Leitfaden

Durch die größeren Kriege , die, weil ſie ſich faſt über ganz Europa verbreiteten , und weil ims mer die am meiſten gebildeten Kriegsheere daran Antheil hatten, den merklichſten Einfluß aufKriegs verfaſſung und Kriegskunſt äuſſerten ; bieten ſich uns 3

VI

V o

. r rede

uns von felbſt Sieben Haupt - Epoken von der oder vielmehr Erfindung des Schießpulvers , von der Erſten Anwendung deſſelben bis zum En de des Achtzehnten Jahrhunderts dar : 1. Von der Erſten Anwendung des Feuer geſchüßes bis zu Karls des Achten von Frank reich Kriegszuge nach Italien , oder vom An fange des Vierzehnten bis

gegen das Ende des

Funfzehnten Jahrhunderts . In dieſen Zeitraum , wo die Kriegskunſt ſich aus dem Zuſtande von Barbarei, in den ſie geſunken war , wieder em = por zu arbeiten anfieng,

und wo ihre folgenden

Fortſchritte gleichſam vorbereitet wurden , fallen

14

die Kriege der Spanier gegen die Mohren. Hier ſahe man höchſt wahrſcheinlich zum Erſtenmale Kriegswerkzeuge , die durch Körper, von einer entzündeten Materie mit , bis jekt unerhörter , Kraft fortgeſchleudert, den Feind in der Ferne beſchädigten . Er begreift ferner die Kriege der Engelländer und Franzoſen, und endlich der Jtas lieniſchen Freiſtaaten unter einander , in den bei den man von der Erſten Anwendung des Feuer geſchüßes zu einem håufigern Gebrauch deſſelben

1

ůbergieng ; ja ſich deſſelben , kleiner und bewegli cher eingerichtet , auch als Handgewehr zu bedie nen anfieng .

W

11. Von Karis des Achten Kriegsjuge nach Italien bis zum Anfange des Niederländi Tchen Krieges , oder vom Ende des Funfzehnten bis in die Mitte des Sechzehnten Jahrhunderts. Dieſer Zeitraum begreift die Kriege der Franzo=

ſen

4

VII

Vor rede.

fen, Spanier und Deutſchen in Italiett, to leka teres bald in die Hände des einen , dern Theiles fiel.

Die

bald des an

Erleichterung des gro

ben Geſchüßes — zuerſt durch Karl den Äch ten bewirkte, daß es nunmehr auch den Ars meen auf ihren Mårſchen folgen konnte , anſtatt es vorher wegen ſeiner Größe , und wegen ſeiner unbehúlflichen Gerüfte blos im

Feſtungs- und

Seekriege anwendbar war ; der Gebrauch der Reitenden Artillerie und der Schwimmenden Batterien , zipeier in den neuern Zeiten ſo wich tig gewordener Erfindungen , die durchaus regel måßigere Einrichtung des Kriegsweſens uber haupt und der ſtehenden Truppen insbeſondere; die Verſtärkung der Feſtungen anfangs durch Run : dele, bald aber auch durch dreieckige Bollwerke, das heißt:

die Erſcheinung

einer

Befeſtigungsart ,

die ſich unter dem Nahmen der Italieniſchen Manier noch lange in der

Folge erhielt ; end

lich verſchiedene Erfindungen , die Eroberung be : lagerter Stådte zu beſchleunigen : wie der Bom: ben , der Minen r . machten dieſen Zeitraum be: ſonders merkwürdig . ill . Von der Mitte des Sechzehnten

Jahr

hunderts bis in den Anfang des Siebengehiiten, den großen Niederländiſchen Krieg hindurch.

Da hier auf der Einen Seite Truppen auftraten , die

durch mehr als funfzigjährige Kriege unter Karls des Fünften und Philipps des Zweiten Re: gierung , mit ihrem Sandwerk vertraut, anwandten ,

was ihnen nur Kunji und 4

alles Erfah rung

VIII

V or rede.

rung darbot ; mußte nothwendig auch das Stres Ben der Niederländer auf der andern Seite um ſo großer ſein ,

ihnen die Gleichwage zu halten.

Kriegsverfaſſung und Stellungskunſt litten nur wenig Veränderungen ; deſto inehr und größere aber Befeſtigungskunſt und Seetaktik. zen fiengen

Die Lans

bei der Reuterei nach und nach zu

verſchwinden an ,

die

Schußwaffen hingegen

wurden deſto ſchwerer, und an die Stelle der bis der Hand herigen tragbaren Feuergewehre s rohre , halben Haken oder Ärkebuſen - tra ten die ungleich ( dywereren Musketen , die nur auf einer Gabel abgeſchoſſen werden konnten , und nach und nach das allgemeine Gewehr der Schüßen zu Fuß wurden ; die ganze Infanterie den Namen

der

erhielt dadurch

in der Folge

Mušketiere.

Die hohen ſteinernen Wålle der

Italieniſchen Manier wurden durch die ,

der

Beſchaffenheit des Landes angemeſſeneren niedris gen , und mit Fauſſebrayen verſehenen der Nie derländiſchen Manier verdrångt; vorliegende Auſſenwerke

die durch

dem Belagerer noch

mehrere Hinderniſſe in den Weg legte ,

und ihn

die Laufgråben in groſſerer Entfernung zu eröff nen und vorſichtiger zu führen zwang. Für die Minirkunſt konnte in einem Lande nur wenig ges than werden ,

das wegen ſeiner niedrigen Lage

überhaupt den Gebrauch der Minen nicht ver: ftattete.

Mehr Sorgfalt warð auf die Vervoll

kommnung der Geſchüßwiſſenſchaft gewendet , die man

nach Möglichkeit

bearbeiteter

und

deren Stu:

.

.

2 7 3

!.

IX

Vorrede.

Studium in Italien vorzüglich durch die Anle gung praktiſcher Schulen befördert ward.

Auch

das Seeweſen fieng ſich an mehr und mehr zu hes ben.

Die Niederländer,

von der Natur ſelbſt

zu einer Seemacht beſtimmt, ſuchten durch eine zweckmäßigere Bauart ihrer Schiffe u . f. w .

die

Oberhand über ihre Unterdrücker zu bekommen ; und es getang ihnen auch vollkommen. IV . Der Dreißigjährige Krieg von dem Ans fange des Siebenzehnten Jahrhunderts bis in die Hälfte deſſelben zeichnete ſich vorzüglich durch ſeis nen

Einfluß auf die Bewaffnung der Truppen

und auf die Stellungskunſt aus.

Beide zuſam

men verſchafften Guſtav Adolphen, einem eben ſo hellen Kopf als tapfern Soldaten ,

den Sieg

über die geübteſten Heere ſeiner Zeit.

Er ſchaffs

te nicht allein ,

von der Üeberlegenheit des klei:

nen Gewehrfeuers überzeugt, die immer unnü: ßer werdenden Piquen des Fußvolks ab ;

fon =

dern erleichterte auch

die Musketen deſſelben , daß die Gabeln wieder entbehrlich wurden , und hierdurch ſo wie durch die von ihm eingeführten papiernen Patronen das Laden mit größerer Ges ſchwindigkeit von ſtatten gieng.

An die Stelle

der ehemaligen unbehůlflichen viereckigen Schlacht: haufen

regte er eine

zweckmäßigere

Stellung,

und lehrte ſeine Musketiere nicht mehr einzeln , ſondern Abtheilungsweiſe in drei Gliedern feuern, um ſo eine größere Wirkung zu erhalten .

Seine

Reuterei hielt fich nicht, wie der allgemeinen Sitte nachy, die Kaiſerlichen, durd, Abfeuern der Karabi: 11cm 5 ,

Vorred è

ner und Piſtolen auf ,

ſondern gieng

mit dein

Degen in der Fauſt im Galopp auf den Feind . los , wenn dieſer durch das Feuern der zwiſchen die Schwadronen geſtellten leichten Kanonen und Musketier : Detaſchementer ſchon halb in Un ordnung gebracht worden war. nige der beſten

Zwar kamen ei

Einrichtungen des großen Könis

ges nach ſeinem Tode bei dem Schwediſchen Hees re , aus Unachtſamkeit oder Eigenſinn der Be fehlshaber faſt ganz wieder in Vergeſſenheit; doch nur , um bald darauf bei den Franzoſen , die ihs re Truppen nach dem

Muſter der Deutſchen uin:

formten , wieder aufzuleben und zum Theil für neue Erfindungen ausgegeben zu werden .

V. Begreift

die Franzöſiſch - Niederländi=

ſchen Kriege von der Hälfte des Siebenzehnten bis

zur Mitte des Achtzehnten Jahrhunderts ;

reich an kriegeriſchen Erfindungen jeder Art, und reich an Einrichtungen , die dadurch , daß ſie ſich faſt unverändert bis auf unſere Zeiten erhielten , ihren dauernden

Werth bewieſen.

Die

Erfin =

dung eines kurzen Dolches, deſſen Handgriff auf den Lauf der Muskete paßte

des Bajonet:

tes - ward zuerſt bei den Franzoſen , dann auch bei den andern Völkern der Grund zur völligent Abſchaffung

der Piquen ,

deren Beibehaltung

Puyſegůr blos dem Unverſtande feiner Zeitge noſſen zurechnet, während ſpåtere Theoretiker eis nen ſo hohen Werth auf dieſes Handgewehr ſeks ten , daß ſie es bei den Armeen wieder eingeführt haben

wollten .

Durch die

Verbeſſerung des Feuer

;

XI

Vost e dë.

Feuerſchloſſes ,

das jekt nicht mehr jenes lang

weiligen Aufziehens mit dem Büchſenſpanner be durfte , und

durch die hohle Dille ,

welche am

Bajonet angebracht ward , ſahe ſich der Infante ſtets ununterbro

riſt in den Stand gefekt ;

ein

chenes Feuer zu machen .

Dennoch dauerte es

lange , ehe man ſich entſchlieſſen konnte, die Pi que aus ihren verjährten Rechten zu vertreiben ; die Kaiſerlichen fiengen zuerſt an ,

in den Túra

kenkriegen ihre Unbrauchbarkeit einzuſehen , und die Franzoſen folgten nach zehn Jahren ihrem Beiſpiel.

Dieſe Veränderung des Gewehres

mußte nothwendig auch eine ånliche Veränderung der Stellungsart bewirken .

Da man jeßt weni .

ger auf den Chok und auf das Handgefecht rech nete , die beide in den früheren Zeiten die tiefe Stellung nothwendig machten , ſuchte man ſeine Schlachtordnung immer mehr auszudehnen, und den

Feind dadurch zu überflügeln .

Die

Infan

terie ward zu dem Ende in Sechs und die Kaval Weil es nicht lerie in Vier Glieder geſtellet. leicht war , eine ſo lange Linie gehörig zu richten ; beinahe unmöglich aber : ſie aus Einer Kolonne aufmarſchiren zu laffen ; machten die geſchickte ften Taktiker beides zu dem Gegenſtande ihrer Unterſuchungen .

Sie bemüheten ſich zu zeigen :

wie man ein Heer in verſchiedenen Kolonnen ſo wohl vor- als rückwärts bewegen und dann in Eine oder zwei Linien zum Treffen formiren kon Dieſe Manðuvres erforderten eine bisher

ne.

ungewöhnliche Beweglichkeit der Truppen ,

die mot

V

or rede .

man dadurch zu erreichen ſuchte , daß man ihnen die Schußwaffen nahm , ren

der Bruſtharniſch

und blos den Kůraſſie und eine leichte eiſerne

Kopfbedeckung lies . Die Artillerie ward, vorzúg lich bei den Franzoſen ,

ſehr weſentlich verbeſſert,

und nicht nur ein beſonderes Artillerie -Regiment, ſondern auch ein Bombardier - Regiment,

und

cine Mineur- Kompagnie errichtet, auch wurden Fünf Artillerieſchulen

angelegt,

woſelbft man

beim Unterrichte die Theorie mit der Ausübung verband .

Nachſt den ſchon ſeit langer Zeit ge

wöhnlichen hölzernen Brückenſchiffen , die man , ihrer Schwere und Unbehúlftidykeit ohngeachtet, bei den Armeen im Felde mitführte;

wurden die

War

ungleich leichteren Pontons von Eiſen- und Kup ferblech erfundci .

Nicht

geringere

Verände:

rungen erlitt der Feſtungskrieg durch den Wett eifer zweier gleich großer Månner , eines Ko

'N 26

horn

und Vauban . Der leßtere zeichnete ſich

vorzüglich durch die Erfindungen aus , womit er die Belagerungskunſt bereicherte , ſo daß man von nun an

die Dauer der Belagerungen nach

Tagen zu berechnen anfieng , wie man ſie vorher nach Monathen zählte.

2

Auch die Marine blieb

in dieſem Zeitraum nicht zurück. Neben den Holländern ſtrebten durch Richelieu's Bemühun :

#

gen jekt auch die Franzoſen ,

HA

eine gleich thätige Weiſe ,

und mit ihnen auf

ja fait mit noch gross

Yerem Erfolg die Engellander empor ;

ſo daß die

$

lekteren fid; bald zu dem Kange der Erſten See: macht Europens crhoben.

Sie haben ſich auch bis 1

1

XIII

Vorrede.

bis jezt als ſolche behauptet , obſchon im folgen : den Zeitraume die Franzoſen einmal die gleiche Stuffe zu erſteigen droheten . VI . Begreift die drei Schleſiſchen Kriege , oder einen Raum von zwar nur Funfzehn Jah- : ren ; während deſſen aber die Kriegskunſt wieder große und wichtige Reformen erlitt. ter der vorigen

Schon uns

Epoke hatte ſich im nördlichen

Deutſchland unter den Beherrſchern eines neu ents ſtandenen Königreiches ein Heer gebildet - die

1

Preußen

das, weil es ihm an wirklicher Ue

bung im Großen fehlte, eine Zeitlang ſeine ganze Aufmerkſamkeit blos auf das Detail des kleinen Dienſtes ,

des Anzuges und der Handgriffe zu

beſchränken ſchien. Allein, eben dieſer ſorgfältigen Beobachtung der unbedeutendſten Nebendinge , dieſer faſt übertriebenen Pünktlichkeit, verdankte es in der Folge ſeine Größe.

Leopold von DefTau

hatte die Genauigkeit im Dienſt und Exerziren aufs höchſte getrieben ; hatte überdieſes zu größe: rer Geſchwindigkeit des Feuerns der Infanterie ei ſerne Ladeſtöcke gegeben und ſie in Drei Glieder geordnet.

Friedrich

dem

Zweiten aber war

es vorbehalten , gleichſam der Schöpfer einer neuen Taktik zu ſein, und ſein Heer zu dem Vorbilde aller anderen zu machen . Leopold ſchen

hatten

Truppen

Friedrich Wilhelm und

ihm vorgearbeitet ,

die Preuſſi

durch unausgeſeßte Uebung ge:

ſchickt gemacht , alle von Friedrich dem ten entworfene Bewegungen im und leicht auszuführen . "

Zwei

Großen ſchnell

Kolonnen ,

die ihrer Natur

XIV

Vor rede.

Natur nad eben ſo ſchwer und unbehůlflich ſchie: nen , wie die viereckigen Schlachthaufen der vor hergehenden Jahrhunderte ,

rahe man ſich mit

einer Geſchwindigkeit entwickeln und Linien for miren , die den Feind erſtaunen machte; während ein gut unterhaltenes Feuer des zahlreichen Feld und Bataillon -Geſchůkes ihm das ganze Mandu ver verbarg .

Von dieſem

Zeitpunkte an

ver :

mehrten alle Mächte ihr Geſchüß ſo ſehr ſie konn: ten , und in jedem neuen Feldzuge ſtieg die ans zahl deſſelben faſt um das Doppelte. Die Ka vallerie-Artillerie ; deren ſich ſchon die Franzo . ſen unter Franz dem Erſten bedient hatten , Die war ganz aus dem Gebrauch gekommen . Ruſſen , die es vielleicht den Schweden abgelernt

! hatten , führten nur noch leichtes Geſchůk - Ka bei ihrer Reuterei ; nonen und Haubigen Friedrid , aber gab dieſen Kanonen nicht nur ei ne ſtårkere Beſpannung , ſondern rekte auch die zu ihrer Bedienung beſtimmten Artilleriſten zu Pferde, damit ſie der Kavallerie bei ihren ſchnell ſten

Bewegungen ,

konnten .

ohne

zu

Die Kavallerie ,

ermúden ,

folgen

die immer noch zu

der ſchwer gerüſteten ſehr an ihrem Urbilde , des Mittelalters hieng , und eben dadurch jest wenig Nußen ſchaffte, lernte durch Seidligens Beiſpiel von der wichtigſten Eigenſchaft des Pferdes, von der Schnelligkeit, Vortheil ziehen, und mit der! unwiderſtehlichen Gewalt eines reiss ſenden Stromes die feindlichen Bataillone durch brechen.

Gribauval und Le Febůre Bekrieg ten

: XV

V or rede.

ten einander in unterirdiſchen Gången, und lehr ten den

Minirer

ſeinem Feinde

jeden Schritt

ftreitig machen und ſeine Gallerien durch auſier: ordentlich ſtark geladene Kammern in großen Ent: fernungen zuſammen drücken Zwar fallen in die Zwiſchenzeit vom Dritten bis zum Siebenten Zeitraume noch einige an : dere Kriege; allein , ſie hatten lange nicht den Einfluß , wie die eben angeführten ;

theils weil

fie nicht ſo allgemein waren , und daher nur auf Ein Heer ins beſondere wirkten :

wie die inner

lichen Kriege in Frankreich mit den Hugenotten , die bürgerlichen Kriege Engellands , der Nord amerikaniſche linabhängigkeitskrieg und der lekte: re Bayeriſche Erbfolgekrieg .

Theils aber wurden

ſie auch gegen weniger kultivirte Völker geführet, und gaben daher keinen Anlaß zu neuen Vorſdrit: ten , wie die Kriege der Schweden , Ruſſen und Türken Die lekteré Belagerung von Gibral tar im Nordamerikaniſchen Kriege trug jedoch piel zur Ausbildung der Geſchůzkunft bei , wie die ſchwimmenden Batterien , und der erweiterte Gebrauch der glühenden Kugeln und des Mör ſers beweiſen.

Mittlerweile war nicht nur das Theoretiſche der Kriegskunſt durch eine Menge verdienſtvoller Offiziere,

die Talente und Wiſſenſd aften mit

gar ſehr bearbeitet wor Erfahrung vereinten , Müller Lindenau hatten gelehret , fes und den. ſte Stellungen in Gebirgen zu nehmen ,

um

die

ruhigen Winterquartiere einer Armee zu ſichern . Virs

XVI

Vorrede . i

Virgin und Montalembert hatten ſich bemů: het ;

ein Befeſtigungsſyſtem zu

erfinden ,

das

dem ſo ſehr verſtårkten Angriffe mehr angemeſſen ware , und bei dem die darnach erbauten Feſtun gen långer den Kanonen des Belagerers wider ſtehen könnten .

Bei den

Truppen war die Er

V

HIN

findung der Trichterförmigen Zündlöcher und der Zylindriſchen Ladeſtocke, welche die Geſchwindiga keit des Ladens ſo auſſerordentlich beförderte , Man hatte faſt allgemein eingeführet worden . in eben dem Maaße das Feldgeſchůz vermehret, und die ganze Kriegskunſt ſchränkte ſich auf ſchnell und gut ausgeführte Bewegungen der Armeen gegen einander ein , als mit Ausbruch des Neu : Frånkiſchen Krieges eine neue Epoke begann. 1. VII . Mit Muth , und was mehr noch iſt: mit einer neuen rt von Schwärmerei begeiſtert, traten die Neu - Franken den Kampf gegen Euro pens beſte Heere an , und machten durch ihre un beſiegbare Verwegenheit , und durch ihre zahllo ſe Menge beinahe die Taktiſchen Künſte derſel: ben zu ſchandent. ten ſich mit

Ungeordnete Schaaren ſtürz

zügelloſer Wuth' auf die Batterien

und auf die Bataillone der Deutſchen ,

und ers

ſchütterten ſie nicht ſelten durch das Ungewohn liche.

Interdeſſen waren auch die beſten Kopfe

Frankreichs nicht müſſig ,

zum Beſten des Vas

terlandes zu arbeiten . Sie brachten ein Sdießa pulver hervor , das an Kraft alle , ſelbſt die ſtårk ſten bisher bekannten Pulverarten übertraf. Die Aeronautik, die faſt ganz in Vergeſſenheit zu kom= men

4 M

V

XVII

or rede .

men anfing , ward zum Kriegsgebrauch anger wendet. Man ſchien ein gleiches mit der Si gnalkunſt thun zu wollen – durch die Telegra phen

beide Mittel entſprachen wegen ihres

Aufwandes und der weitläuftigen Vorbereitun : gen vielleicht nicht ganz der Erwartung, und wür : den daher aud nicht ſo allgemein angewendet , als es anfangs ſchien.

Bei den Deutſchen Hee

ren wird in dieſem Zeitraume die

Geſchůzkunſt gethan ,

ebenfalls viel für

worunter beſonders

der håufige Gebrauch der Wurfgeſchůze merk würdig iſt ,

deren

eben ſoviel als

es jekt bei allen Armeen faſt

Kanonen giebt , und deren

zahl gewiß noch mehr

An

ſteigen würde , wenn es

nicht die Koſtbarkeit der Munizion und andere mit ihnen

verbundene

Unbequemlichkeiten

ver

hinderten .

Dies iſt eine allgemeine Ueberſicht des gegen wärtigen Werkes , das ſich nicht blos auf eine Geſchichte der militäriſchen Litteratur einſchrán = ken durfte, weil auch die Kriegskunſt keine blos ſpekulative, ſondern eine mehr praktiſche Wiffen ſchaft iſt ,

wo viele Dinge ſchon längſt erfunden

und angewandt waren , ehe man ihrer in Schrif ten gedachte.

Es kommt daher auch viel wenis

ger darauf an , zu wiſſen : Zeit zu Zeit erſchienen

welche Syſteme von

ſind ;

als vielmehr was

von den gemachten Erfindungen und Vorſchla gen wirklich zur Ausübung gebracht worden iſt. Aus dieſem Grunde habe ich vorzüglich die Ges ſchichtſchreiber zu Rathe gezogen ,

und wo es mog

1

XVIII

Vorrede.

möglich war ,

immer die Erſten Quellen benukt ;

um

richtigen

den

Zeitpunkt

Erfindung

einer

oder ihrer Anwendung zu beſtimmen . dem

Umfange

ſolchen

Wer mit

und den Schwierigkeiten

Unternehmens bekannt iſt,

eines

wird um

ro

leichter mit etwanigen Auslaſſungen Nachſicht ha ben ,

die bei

der åuſſerſten

Sorgfalt und Ges

nauigkeit dennoch öfters unvermeidlich ſind, und die ich , wenn ich ſie entdecke , noch in den Zu fåßen des lekten Bandes berichtigen werde. Die Litteratur jedes Zweiges der Kriegswiſſenſchaften werde ich überal da einſchalten , wo ſie die Ge: ſchichtserzählung am wenigſten unterbricht, und ſie

3 nicht den wahren Geſichtspunkt einer ſolchen Ge: ſchichte aus den Augen růckt. Um die Ueberſicht der Fortſchritte in jedem einzelnen

Theile der

Kriegskunſt zu

erleichtern ,

und den Zeitpunkt jeder kriegeriſchen Erfindung gleich auffinden zu können ,

ſoll ein allgemeines

Regiſter das Ganze beſchließen und das Nach ſchlagen erleichtern . In der Neujahrmeſſe 1797 ,

J. G. Hoyer.

Geſchichte

Geſchichte

der

Neuerer

Kriegs kunſt Zeiten

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunft vor dem Zeitpunkte , wo der Gebfauch des Schießpulders in Europa bekannt wurde.

S. Is das Römiſche Reich unter den Erſten Kanſern A in ſeinem ſchönſten Flohre ſtand , unterhielt es auch ein ſtebendes Heer muthiger und geübter Krieger, das in großern oder kleinern Haufen theils wirklich offenſiv gebraucht wurde, theils auch in den 'eroberten { åndern zur Beſakung lag. Die großern Truppenabtheilungen bießen Legionen und beſtanden aus 5000 bis 6000 Mann , in zehn Cohorten, von denen nach dem Vegez die Erſte 11os Mann zu Fuß und 132 Reuter , die übrigen aber nur 555 Infanteriſten und 66 Reuter enthielten . Die Co: þorte ward in drey Manipulen , und jeder von dieſen in 2 oder mehr Centurien eingetheilt, welches jedoch in verſchiedenen Zeiten einige Abåndetung erlitt. Die Reus teren beſtand aus Turmen und Decurien ,

erſtere von

30 und legtere von 10 Pferden.

2 Goyer's Heueré Kriegst, I. Th.

Ben

2

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

Bei der beträchtlichen Unzahl Legionen guſt hatte derſelben 25 ; Vespaſian aber 36

Uus

fuchs te man ſie gleich den Regimentern der neuern Zeiten, durch verſchiedne eigenthümliche Namen zu unterfchei: Den, da ſie bald nach Låndern und Provinzen , z . B. die Mazedoniſche, Pontiſche, Bataviſo e , bald nach Gottheiten oder gewiſſen Ereigniſſen , wie Mars

tia , Jovia , Victrix , Pia , Fidelis , Ful: minatrix , bald nach den Namen ihrer Tribunen oder Oberſten benannt wurden, wie Baffiana , lú : ciana , Valeriana u . r. f. Defters fügte man zu dieſen Namen noch die Zahl , wie Duarta Scythi: ca u. p.w., oder bezeichnete die Legion auch wohl durch die Zahl allein . Dieſes ordentlich befoldete ſtehende Heer , von dem ein Gemeiner täglich etwa 5 Groſchen , ein Reuter oder Pråtorianer aber doppelt ſo viel erhielt * ), ward täglich einzeln und , nach Auguſts Verordnung, alle Monathe Jeder Legionenſol: im Ganzen in den Waffen geübt. dat erhielt zugleich nach 20 Dienſtjahren, wo er Emes ritus ward , ohngefähr 600 Rthlr. als eine Beloh: nung ſeiner Dienſte oder als eine Art Invalidengehalt. Nothwendig mußte das Heer durch ſolch eine Einrich tung, verbunden mit der ſchårfſten kriegeriſchen Manns: zucht, zu einem hohen Grade von Vortreflichkeit erhos ben , es mußte nicht blos furchtbar ſondern beinage unüberwindlich werden. Doch nicht lange blieb es auf dieſer Stuffe der Volls kommenheit ſtehen. Zwar ward unter den erſten Kays fern die Disziplin immer von Zeit zu Zeit wieder her: geſtellt,

* ) Ein gemeiner Fuffnecht erhielt außerdem noch monathlich 60 Pfund Weißen , und 3 Reuter auf ihre Pferde 630 Pfund Gerſte.

"

dor Erfindung des Schießpulvers.

3

geſtellt , wenn ſie auch durch Jurus , der allgemein zu Herſchen anfieng, und durch die , ays mancherlei Urſa: chen entſpringende Indulgenz der Obern geſunken war ; allein , unter den Untoninen und ſpåterhin erſchlaff: ten vollens alle Triebfedern des Kriegriſchen Geiſtes, und Roms Heere hårten auf, ihren barbariſchen Nachs baren überlegen zu ſeyn. Man darf hierben eine Urſas che nicht vergeſſen , die wenigſtens mittelbar zu dem Verfall des Römiſchen Kriegsweſens wirkte : die Peſt, welche des Lucius Verus Truppen mit aus den Morgenländern brachten, und die faſt alle in den Pros vinzen befindliche Legionen aufrieb , ſo daß Antonin den Krieg gegen die Markomanen großentheils mit neu ges worbenen Soldaten beginnen mußte “).

S.

3.

Nicht allein aber die Peſt, ſondern nachſt ihr auch Weichlichkeit und Sittenverderbniß brachten des luz cius Verus Soldaten (im Jahr E. 166. ) aus Ana tiochien mit nach ihrem Vaterlande , zurück , und alle Müße ſpåterer Kanſex und Feldherrn , die immer mehr in Abnahme kommende Kriegszucht wieder her zu ſtellen , war vergebens . Niemand wollte mehr unter den ſchwer: bewaffneten Legionen dienen ; alle reißte der Dienſt der leichten Reuterei , die man nach dem Beiſpiel der Go: then , Alanen und Hunnen einzurichten anfing. Die täglichen Waffenübungen kamen aus dem Brauch , der Soldat ward der ſchweren Rüſtung entwohnt , und dieſe ihm dadurch låſtig b ) . Der Feldherr mußte ibn (nach Gratians Regierung ) erſt den Harniſch ables a ) raufe Geſchichte des heutigen Europa. Kalle 1789. 8. I. Bd . Seite 305. b ) Veget, de re militari Lib. I. cap. 20. 21 2

4

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

ablegen und denn auch den Helm gegen die weichere Pans noniſche Pelzmüze vertauſchen laſſen. Unbedacht erlag

10

nun der Römer den Pfeilen des Gothen , und die ro oft fiegreichen Legionen kehrten ibren Feinden den Rücken . Der Römiſche Bürger fing an die ruhigen Civilſtellen vorzuziehn, die ihm jeßt nicht nur ein bequemeres , fons dern in gewiſſem Betracht ſogar ein ehrenvolleres Leben ſicherten , als der gefahrdolle Kriegsdienſt. Den lekten Stoß gab den Armeen gleichſam des Gallienus Bes fehl : daß kein Senator im Heere irgend eine Officier: ſtelle ḥaben ſollte. Dieſe wurden von der Zeit an faſt allein mit Barbaren beſegt, Roms verſchwand.

9.

und der Geiſt des alten

4.

Um dieſem tåglich mehr um ſich greifenden Uebel wenigſtens einigermaßen abzuhelfen , und die Grenzen des Reiches gegen die immer måchtiger werdenden Nors , diſchen Völkerſchaften zu vertheidigen, nahmen die Kan: ſer auslåndiſche- vorzüglich deutſche - Štåmme in ih: re Kriegsdienſte und in Sold ) . In der Folge råumte man iğnen an den Grenzen ſteuerfreie Läudereien ein, und verſicherte ſich ihrer Treue theils durch angelegte befeſtigte Poſten , theils durch Römiſche Anführer , die Dieſe Grenztruppen fießen Laeti man über ſie regte. ( leute ) laeticae.

und die ihnen gegebenen Beſikungen terrae

$.

S.

Jedoch auch dieſe Grenztruppen waren endlich theis zu ſchwach , theils - weil ſie nicht bezahlt wurden nicht geneigt, fremden einbrechenden Volkern zu wider : 1 ſtehn ; c ) So gaben die Sarmaten bey Beendigung des martomanie 1 ſchen Krieges 8000 Sildner zu Pferde und die Quaden 13000 zu Fuß . Krauſe 4. A. O. Seite 48 des 2 Bds .

v

vor Erfindung des Schießpulvers.

S

ſteßn ; fie vereinigten ſich im Gegentheil mit ihnen und halfen ſo die Niederlagen der , ohnehin leicht beſiegba: ren, Römiſchen Heere beſchleunigen . Die Einrichtung der lektern hatte ſich gegen den Anfang des vierten Jahrhunderts ganz veråndert ; zu Conſtantins Zeis ten (im J. Chr. 308 und ſpåterhin ) ſtanden unter den magiftris militiae die Praefecti oder Praepofiti der Trup: pen ; und unter dem Magiſter Officiorum die Generale Un Infanterie oder Statthalter , Comites et Duces. waren im Übend- und Morgenlande zuſaminen 134 les gionen , jede zu höchſtens 1000 Mann, die in Palatinos, Comitatenſes und Pſeudo - comitatenſes unterſchieden wurden . 116 Auxilia , zu joo und eine veränderliche Anzahl Cohorten zu soo Mann machten gleichſam die Die Reuterei enthielt 83 leichten Truppen zu Fuß. Vexillationes zu 200 und 66 Alae ju roo Mann. Die in der Reſidenz befindlichen Truppen waren in Schu : len oder Kamm en getheilt, jede von 400 Kopfen , von denen die beiden Erſten Scholae domeſticorum oder pro . tectorum bießen, jede anter einem beſondern Comes ſtan: den und die eigentliche Leibwache zu Fuß und zu Pferde Schulen - 9 im Morgenlande dieſe Schulen Alle dieſe ausmachten . Ule C und s im Abendlande enthielten zuſammen 5600 Mann und ſtanden unter dem Magiſter Officiorum , der zugleich die Aufſicht über die 34 im Reiche befind: lichen Zeughåuſer batte.

S.

6 .

Zwar gelang es Conſtantin dem Großen und ſeinen Nachfolgern, ihre auswärtigen Feinde mehrmals zu beſiegen ; endlich aber ſtürzten die großen Völkerwan : derungen das Reich in eine ſolche Verwirrung, daß faſt an keine Kriegskunſt mehr zu denken war. · Die barbaris ſchen Nationen, deren Herrſcher im Abendlande an die Stelle 3

6

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunft

E Stelle der ramiſchen Kayſer traten , führten mit ihren Sitten auch ihreUrt, Krieg zu führen, ein, die wieder einer andern Plak machte, ſo wie ein zweites Volf das erſtere verdrångte. S. ny Durch ſeine lage mehr gegen auswärtige Feinde ge fichert , blieb das morgenländiſche Kanſerthum bei dies ſein allgemeinen Umſturz Europens nicht nur ungleich långer in Rube, ſondern feine Regenten ſuchten es for gar noch zu erweitern . Es fålt in die Augen : daß fie dies nur durch ein geübtes tapferes Heer konnten, denn noch war hier ein Theil der ehemaligen Römiſchen Kriegs. zucht übrig , und Beliſar , ein Dacier von Geburt , eroberte als Oberfeldberr Juſtinians mit sooo Pfer. den und 19000 Infanteriſten das Vandaliſche Reich in Afrika , durch deſſen Unterthanen er die Armeen ſei: nes Herrn vermeørte. Doch auch hier kam durch weicha liche Regenten , die ihren Eunuchen die Zügel des Staats , oft genug auch den Befehl des Heeres anvera Die Truppen traueten , die Kriegskunſt in Verfall. beſtanden aus fremden Söldnern , und der Hof pielt die Einfälle der friegeriſchen Nordlånder mehr durch Geſchenke und durch förinliche Tribute als durch die Gewalt der Waffen zurück, Anſtatt die Heere zu verſtårken und in gute Verfaſſung zu ſehen , beſchäftigte der Hof ſich mit Theologiſchen Streitigkeiten . Die Seemacht war um nichts beſſer, und es ward den Ara: bern leicht, nicht nur mehrere Eroberungen auf dem Mitlándiſchen Meere zu machen , ſondern ſogar im Jahr 668 Konſtantinopel zu belagern , wo ſie je doch mit Hülfe des

eben erfundnen

Griechiſchen

Feuers mit beträchtlichem Verluſt zurück geſchlagen wurden. Ein Grieche, Kallinikus aus Heliopo: lis ,

1

ging nemlich von dem Kbalifen zu den Griechen ůber,

1

vor Erfindung des Schießpulvers.

7

über , und brachte eine Miſchung mit , durch deren unerhörte Wirkungen der Feind in Furcht und Erſtaus nen geſegt ward. , Bald ward es vermittelft mit Flachs umwundener Pfeile und Wurfſpieße auf feindliche Fea ſtungswerke und Gebåude abgeſchoffen, um fie in Brand zu ſtecken ; bald trieb man durch daſſelbe aus eiſernen oder metallenen Röhren ſteinerne Kugeln gegen den Feind , und zerſtöhrte ſeineSchiffe ta d. gl.

S.

8. )

So wichtig dieſe Erfindung aber auch war ,

ro

großen Gewinn fie den Beherrſchern des morgenlandi :. fchen Karſertbums in dem Kriege gegen ibre Feinde, die Araber , und nachher auch gegen die Kreußfaþrer brachte ; findet man doch in keinem gleichzeitigen Gez ſchichtſchreiber eine beſtimmte Angabe ſeiner Beſtand: sþeile, ſondern man iſt in Abſicht derſelben auf bloße Zwar foll nach einigen Vermuthungen beſchrånkt. Naphta mit Schwefel und Harz vermiſcht worden ſeyn ; beide aber waren weder für ſich allein , noch auch in ihrer Zuſammenfeßung im Stande die angegebenen Wirkungen şervor zu bringen ; es ſcheint vielmehr die Miſchung Salpeter enthalten zu haben , weil fie bei dem Verbrennen alles zerſchmetterte und um ſich her warf, welche Eigenſchaft unter allen bekannten brenna baren Subſtanzen nur allein der Salpeter beſitzt. Auch låßt ſich nur durch dieſen die horizontale Richtung des Feuers als möglich gedenfen , wenn es aus inetallenen Röhren gegen den Feind geſchoſſen ward .

Was dieſer

Vermuthung: daß das fo lange für verlohren gehaltene Griechiſche Feuer nichts anders als eine dein Schießa pulver ånliche Miſchung geweſen , noch mehr Gewicht giebt , iſt ein Buch des Markus Gracchus , der im neunten Jahrhunderte lebte, 24

und worinn nach D. Sebbs

8

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

Febbs Verſicherung d ) eine Miſchung zu Feuerwers fen angegeben wird, die aus 2 Pfund Kohlen, 1 Pfund Schwefel und 6 Pfund Salpeter beſtehet. Dieſes mit dem verglichen : daß nach Elmacinus im 690 Hagia gåus bei der

Belagerung von

Jahr Mekka

durch Naphta Kugeln auf das Dach der Caba gewors fen , und daſſelbe damit zerſchmettert und angezündet bat , macht es ſehr wahrſcheinlich , daß die Griechen wenigſtens und Araber ſchon in den früheſten Zeiten, unter gewiſſen. Einſchränkungen den Gebrauch des Schießpulvers kannten .

Sie belegten dieſe Miſchung

mit dem Namen Raphta ; entweder weil fie Schwes fel enthielt , oder weil ſie in ihren Wirkungen dem heftig brennenden Naphta einigermaßen åbnlich war. Id wende mich jedoch wieder zu der Ueberſicht des Zu: ftandes der Kriegskunſt in jenen Zeiten.

$.

9.

Während der Kriegsſtaat im Morgenlande zwar gute Vorſchriften und Reglementer — 3. B. Kayſer teo's Strategie und Taktif aber deſto ſchlechtere Solda : ten hatte ; bildete ſich im Abendlande unter den Deut: fchen eine neue Kriegsverfaſſung , das Lebnsſyſtem und das damit ſo nabe verwandte Ritterweſen. Schon der Name (Leben von leihen ) zeugt von dem deutſchen Urſprunge dieſes Brauches , von dem ſich ſchon in den fråøeſten Zeiten Spuhren finden. In der Folge era ftreckte ſich das Leben auf beynaße alle Dinge, die nur einigen Werth hatten , und ganze Lånder, oder auch wohl die bloſſe Hoheit über dieſelben , Herrſchaften , Rittergåter , einzelne Grundſtücke, ſogar bloße iſoliete Gea d ) Roger Bacon : Opus majus ex edit. D. Sam . Jebb . Lond. 1733 fol. in der Porrede. Gehters phyſic. Wörterb. , Art. Schießpulver.

0

vor Erfindung des Schießpulvers. Gerechtigkeiten wurden zum Leben gegeben , welches ſich jedoch anfangs immer nur auf Lebenszeit erſtreckte, und nach dem Tode des Empfängers - Vaſallen , lehnmannes von dem leben berren einem andern gegeben ward. Die Bedingungen daben waren Treue und Gehorſam ; oft auch gewiſſe Dienſtleiſtun : gen des Lehnmannes. . Dhne mich nun bier mit den, auſſer meinein Zwecke liegenden verſchiedenen Arten des lebens zu beſchäftigen, bleibe ich blos ben dem ſtehen , das unmittelbare Beziehung auf das Kriegsweſen þatte. Hier verſprach der ädel und die begüterten Freien C denn nur dieſe fonnten , als unabhångig , ein ſolches Verſprechen leiſten , - des Lehnsherren Leben , Gut und Ehre aus allen Kräften zu vertheidigen , und ihm aufBegehren gegen ſeine Feinde beyzuſtehn. Jeder freie Mann, war nebſt andern , beſonders beſtimmten Dien : ften faſt innmer auch Kriegsdienſte zu leiſten verbunden . Sie waren in jenen Zeiten die Kochſte und ſchönſte Beſtima mung des Mannes ; der Marſchal , der Schenke, der Hof: junker u . f. w. war immer auch zugleich Krieger. So fand eine wechſelſeitige Verbindung des Kriegsſtandes mit dem bürgerlichen Stande ſtatt, die erſt nachher durch die Einführung der blos um Sold dienenden Kriego leute verdrångt ward , wie es der Soldaten jeßt in Abſicht des allgemeinen Aufgebots der Waffens fähigen Leute durch die Lehnsverfaſſung geſchehen war . Dieſes Aufgebot

der Heer bann

lichſte und urſprüngliche Art ,

iſt die natür:

ein Heer aufzubringen.

Man findet es daber ben allen noch ungebildeten Vol: fern im rohen Naturzuſtande wieder , wo die Krieger Rich verſammlen , wann der Heerführer an ſein Schild fchlagen läßt – wie bey den alten nordiſchen und celti: ſchen Völferſtåmmen , - oder wann ben ſeiner Hütte ein gewiſſes Horn geblaſen oder eine Trommel gerübrt wird . US S. JO.

5

ΤΟ

Einleitung . Zuſtand der Kriegskunſt S.

IO. -

Das Lehnſyſtem regte die Fürſten in den Stand , ohne allgemeines Aufgebot der Nation Krieg zu führen , denn jeßt erſchienen blos ihre Vafallen , auf Erfordern, jeder mit ſeinen Lehnsleuten , zum Kriege gerüſtet. Außer den Lehnsleuten gab es aber noch eine andere Art von Kriegern , die theils um ihren Unterhalt zu finden , theils auch ohnentgeltlich, blos um des Schut: zes und weiterer Empfehlung willen , ſich unter dem Namen der Getreuen zu Kriegsdienſten gebrauchen Von Römiſcher Kriegszucht war übrigens jede Spuhr verſchwunden ; doch ſtritt Reuterei und Fuß faſt allein der volk in abgeſonderten Haufen , jene ließen ).

Udel – ganz gerüſtet mit Helm, vollem Harniſch und Urm-und Beinſchienen ; dieſe mit bloßem Bruſtſtück und eiſernen Sturmhauben , oder wohl auch beide im Panzerhemde (cotte de mailles) von ſtarkem in einans Man focht in der Ferne mit der geflochtenem Drathe. Bogen und Pfeilen und vorzüglich mit Wurfſpieſſen, in der Nähe aber mit der Lange , dem Schwerte , dem Dolche, dem Kolben und der Streitart ; die lektern dren waren vorzüglich das lieblingsgewehr der Völker deutſchen und nordiſchen Stammes. $.

II .

Mit der Lehnsverfaſſung und durch dieſelbe erhielt auch gegen die Zeiten des Mittelalters hin das Ritterme: ſen fein Daſenn. Schon bey den alten Deutſchen war es Sitte : dem jungen Krieger ſeine erſten Waffen mit ges wiſſen Feierlichkeiten zu ůberreichen ; und dieſe Ger wohnþeit erhielt ſich noch in der Folge , denn Start der Große übergab nicht nur feinem Sohne Lude , wig das Schwert und die übrigen Stücke der Ků: ſtung e ) Krauſe A. 4. D. II. Bd .

vor Erfindung des Schießpulvers.

II

ſtung mit gewiſſen Feierlichkeiten ; ſondern es finden ſich ähnliche Beiſpiele faſt bis in das vierzehnte Jahrhun: dert. Die großern Vafallen und machtigen Reichsba: ronen wollten nicht zu Fuße fechten , ſondern þielten blos den Dienſt zu Pferde ihrem Stande angemeſſen, dieſein Beiſpiele folgte bald auch der niedere Udel, und fo bildete ſich unvermerkt eine ausgezeichnete Truppen : art , die unter dein Namen der Ritter mit iþrem Ges folge während eines langen Zeitraumes ) die einzige Reuterei der Heere ausmachte. Weil ſich nun der Adel dieſen Vorzug ausſchlieſſend zueignete , war er auch mit dem Ritterſtande gleichſam Eins, und einen zum Ritter machen hieß in der Folge eben ſo viel , als ihn adeln , So ? erblich ,

doch nur in dem Maaße ,

daß der Jüngling

bei irgendeinem andern machtigen und angeſehenen Nit: ter gleichſam die Lehrjahre des gefahrvollen Standes ausſtehen mußte,

Jemehr

$. 12 . der Geiſt des Ritterweſens fich bis ins

funfzehnte, ja ſelbſt noch bis zum Fechzehnten Jahrhuns derte erhielt , um ſo mehr wird auch eine kurze Dars ſtellung der Urt , wie ſich der junge Adel Europens zu ſeiner künftigen Beſtimmung vorbereitete , hier einen ſchicklichen Plak finden . Jeder angeſehene Vaſau fuchte es durch Pracht und durch eine große Hofſtatt ſeinem Lehnsherrn , dem Landesfürſten , gleich zu thun . Hier war es , wo die Kinder anderer Ritger ihre frühere: Uusbildung erhielten , wo ſie erſt als Edelfnaben oder P agen , dann aber als Knappen oder Schild: knappen ( Ecuyers) dienten , und ſich ſowohl mit dem Gez f) Gleichzeitige Schriftſteller benennen daher die Reuterei nach Lanzen , das heißt : vacy Rittern, ihr Gefolge an

Knappen und Knechten nicht mit gerechnet.

12

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunft

Gebrauch der Rüſtungen und des Gewebres , als mit den übrigen Verrichtungen des Ritters bekannt mach : ten . Der Uebergang von dem Edelfnaben zum Schild: knappen war eben ſo, wie die Verwandlung des leßtern in einen Ritter, mit gewiſſen Feierlichkeiten verbunden, unter denen von einem Prieſter der vorhin eingeſeegnete Degen dem Kandidaten umgegůrtet ward . Ben dem neuen Ritter geſchahe dieſes vorzüglich mit den goldenen Sporn , dem wichtigſten Zeichen der Ritterwürde.

Je

nachdem nun der Ritter, in deſſen Hauſe ſich die Knaps pen befanden , viele derſelben hielt , war auch ihre Bea ſchäftigung verſchieden. Einige warteten ihrem Herren in ruhigen Zeiten nåchſt den Edelknaben ben Tiſche auf; andere hielten ſeine Rüſtung in gutem Stande ; und noch andere verſorgten ſeine Pferde ) .' Zog hingegen der Ritter in den Streit oder zu einem Thurniere aus , hatten die Knappen die verſchiedenen Stüde feinet Rüſtung, als Helm , Schild , Blechhandſchuh u . ſ. w. - den Panzer oder Harniſch legte jedoch der Rit: ter niemals ab – in Verwahrung , und einer von ihnen führte das Streitroß ſeines Herrn an der Hand. Fochten meørere Ritter gemeinſchaftlich ; ro ſtellten ſie ſich neben einander , und ihre Knappen machten das zwente Glied aus , um ihre Herren zu unterſtüken ; ihnen neue Waffen und andere Pferde zu bringen , wenn dieſe unbrauchbar oder getödtet wurden ; ihre Wunden zu verbinden , und die gemachten Gefangenen in Vers waþrung zu nehmen . $.

zu

13 .

Nächſt. Dieſer Vorbereitung der Sinappen , um ſie Rittern zu bilden , dienten leztern in der Ruhe des

Friedens die Thurniere zur Uebung.

Hier kåmpfte der Ritter

8 ) Man ſehe Gobens von Berlich ingen Lebensbes ſchreibung 6. 19 . 1

vor Erfindung des Schießpulvers. Ritter zum Preis feiner Dame , eben allezeit ſeine Geliebte war ,

13

die Darum nicht mit ſtumpfen Ges

wehren , indem zugleich die ſchnelle Dazwiſchenfunft anderer dazu verordneter Ritter und Knappen , der Grieswårtel und Proyalknechte, die Ritter bins derte , das ſuſtgefecht in einen ernſtlichen Kampf auf Leben und Tod zu verwandeln , Doch waren beide Mittel nicht immer im Stande zu verhüten : daß die Fechtenden fen es durch Zufall oder aus Erbitte: tung

einander tiefe und gefågrliche Wunden ſichlus

1

gen , oder wohl gar tödteten , wie mehrere Beiſpiele aus dem Mittelalter zur Genüge beweiſen " ). Daher jener Muth , der nie die Zaḥl der Feinde ſondern nur die eigne Streitluſt berechnete ; daher jener Gleichmuth in den größten , drohendſten Gefahren ; jene Unempfinds lichkeit gegen alles , was nur irgend körperliches Leiden þeißen konnte;

daßer alle jene kriegeriſche Tugenden ,

von denen man in der Geſchichte der Kreußzüge To Håu : fige Spubren findet.

S.

14.

Die Kreuzzüge, welche gegen das Ende des eilften Jahrhunderts ( 1096 ) ihren Anfang nahmen , und fos wohl dem noch beſtehenden Jobanniter als dem nun erlos ſchenen Tempelherren Orden das Darenn gaben, ſcheinen þaupt: h ) Die ſtumpfen Lanzen und Schwerter tonnten unter mans cherley Umſtänden tödtliche Verlegungen machen , daß man hauptſächlich deswegen die Thurniere in der Folge ganz abſchafte. Denn König Heinrich II. von Frankreich ward 1559 auf einem Thurniere zu Paris durch eine lans zenſplitter am Auge verwundet, und ſtarb 5 Tage darauf In dem Thurniere bey Muy s ohnweit Roun am Rhein blieben im Jahr 1240 ſechzig Ritter und Knappen auf dem Plake , und zu Chalons glich 1274 das Thurnier zwiſchen den Engelländern und Burgundern mehr einem Treffen als einem bloßen Kampfſpiele.

1

14

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunft

hauptſächlich die große und allgemeine Revolution der Kriegskunſt vorbereitet zu haben, die dreihundert Jahre darauf erfolgte. Denn hier lernten Hochſt wahrſcheing lich die Deutſchen bey den Griechen und Arabern jene algewaltige Miſchung kennen , die tódtende Geſchoſſe auf ungeheuere Weiten ſchleudert , und deren verhees renden Wirkungen -- wenn ſie mit andern , das Feuer unterhaltenden Subſtanzen vereiniget wird nichts zu widerſtehn vermag .

Doch wußte die Indolenz des Rittergeiſtes , der minder in Ausbildung kriegeriſcher Talente als im Handgemenge thårig war, keinen Ges brauch davon zu machen . Den ſpåtern Nachkommen war die eigentliche Anwendung des Schießpulvers , die Erfindung der Feuergeſchüße und der Minen vorbehals ten . Bey den häufigen Belagerungen , welche der

Krieg gegen die Eroberer der heiligen Derter erforderte, wurden die Kriegsmaſchinen der Alten, deren Gebrauch ziemlich ſelten geworden war , wieder håufiger angewens det , auch wohl hie und da einige Verbeſſerungen das ben angebracht. Es gab nach Verſchiedenheit ihrer Beſtimmung vorzüglich drenerley Arten ſolcher Maſchis nen : die entweder den Zugang der Belagerer an die Mauern décken , oder zum Angriff und zum Sturm felbft dienen , oder aus der Ferne Steine und Pfeile auf den Feind ſchleudern ſollten.

!

$.

3.

! Gegen die feindlichen Schüſſe gedeckt, nåßerte matt fich der Mauer , vermittelft der Sturmdå cher, und Jene , die Vineae , waren der Wandelt hürme. aus leichtem Holzwerf erbauete Hütten mit geflochtnett Håuten und Fellen bedeckt , daß man unter ihnen den Fuß der Mauer untergraben konnte ; ſie waren öfterer and unter dein Nahmen caufiae bekannt. Hinter dem Plu .

vor Erfindung des Schießpulvers.

15

Pluteus, einem Schirm oder einer Wand, von Weiden geflochten und mit Thierhåuten überzogen , die ſich vers mittelſt dreier Råder von einem Orte zum andern bewer gen lies , ſtanden die Schüßen , und ſuchten die Bez lagerten mit Schleudern und Pfeilen von den Stadt: mayern zu vertreiben .

Die in den ' neuern Zeiten aufs

gekommenen beweglichen Blendungen von ſtarken Dielen find eine bloße Abart von ihnen. Kleinere Sturm : dåcher endlich , die Musculi , ſtanden ebenfalls auf Rådern , und dienten tbeils zur Deckung der Arbeiter, welche beim Sturm den Graben ausfüllen ſollten ; theils auch um die Wandelthürme vermittelft ihrer gegen die Mauern hin zu ziehen , indem man die dazu beſtimmten Pferde oder Efel unter ihnen gehn lies. Die Wandeltvůrme waren oft von ungeheuerer Größe , kielten dreißig bis vierzig Fuß ins Gevierte; und übertrafen an Höhe nicht allein die Stadtmauern , Sie wurden von ſondern ſelbſt die Thürme derſelben . ftarken Balken und Dielen erbauet , die man åuſſerlich mit Fellen oder wohl durch einen Ueberzug von Eiſens Zu oberſt blech gegen das Unzünden zu ſichern ſuchte. auf dieſen Thürmen ſtanden die Schüßen und Schleus derer, welche die Mauer ohnaufhörlich beſchoffen , damit

1

man deſto ungehinderter mit lekterer in gleicher Höhe eine Fallbrücke herunter laſſen , und ſie ſtůrinen konnte . Ganz zu unterſt befand ſich zugleich gewößnlich ein Wids der, oder ein ſchwebend aufgegangener Balken , mit dem man die Stadtmauer in ihren Grundfeſten zu erſchüttern Die Kreuzfahrer hatten im und ſeinzuſtofiſen ſuchte. Jahr 1189 ben der Belagerung von Ptoloma is dren ſolche Wandeltbůrme , die durch in Eſſig geweichte Thierhåute gegen das Unzünden geſichert, und jeder soo Als dieſe Tþůrs Mann zu faſſen imn Stande waren '). me i) Bohadino Dentipärdigkeiten aus dem Leben Salas

1

16

Einleitung . Zuſtand der Kriegskunſt

medennoch durch einen Kupferſchmid aus Damastus verbrannt worden waren , errichteten die Kreußfahrer andere, deren einen ſie wegen ſeiner Große, die ihn nur langſam fortzubewegen verſtattete , Debbaba ( den Dieſer war mit einem Mauerbres Kriecher) nannten . cher ausgerüſtet, deſſen Widderkopf von gegoſſenem Eiſen 10000 Syriſche Pfunde gewogen Haben ſol k). Allein dieſer Thurin that eben ſo wenig die gehoffte Wirkung ; auch er ward von den Belagerten angezúns det . Ja , ein in der Folge erbaueter Wandelthurm þatte daſſelbe Schickſal , ob er gleich einen dreifachen Ueberzug von Blei, Eiſen und Metall batre ' ). Weil die Belagerten , wenn ſie die Wandelthürme gegen die Stadt heran bewegen Fahen , durch ein , in der Eil aufgeführtes Mauerwerk, die Stadtmauern zu erhöhen ſuchten , und wohl bisweilen dadurch den Wan : delthurm unnuß machten ; ſuchte man dieſem Nachtheil dadurch abzuhelfen , daß man diefe Thürme zum auf: winden einrichtete, wodurch er anfangs nur eine mäßige Höhe zu baben ſchien , durch die angebrachten Winden und Flaſchenzüge aber ein Stockwert nach dem andern von innen heraufwärts geſchoben ward.

$.

16.

Es iſt vorber geſagt worden : daß die Wandel: thürme unten einen Mauerbrecher oder Sturin: bock hatten ; dieſer war jedoch auch oft für ſich beſons ders zwiſchen drey oder vier ,oben mit ihren Spigen zuſams , men verbundenen Balken aufgehangen. Wardas andere Ende des Holzes, das eigentlich den Mauerbrecher aus: inachte, dins 63 Kap. in Schillers Hiftor. Memoir 1 Abth. 3 BD . S. 91 .

k ) Ebendaſ. S. 113 . 1) Ebendaſ. S. 129.

vor Erfindung des Schießpulvers.

17

machte, mit einem gegoſſenen cifernen oder metalnem Kopfe verreben , der bald eine zugeſpißte Forin , bald die Geſtalt eines Widderfopfes Katte , bied die ganze Maſchine ein Widder oder Sturmboo

( Aries ) ;

war hingegen die Spiße Hakenförmig gekrümmt,

und

fcharf, um die Steine damit aus der Mauer zu reiſſen , und das ſchon einmal gemachte loch zu erweitern , ward falx. Ob ſchon in es der Sturm baten genannt

der Folge das Geſchůk erfunden ward, war es doch im Anfange noch zu unbehålflich , als daß man ſich ſeiner Man findet bei Ueberfällen håtte bedienen können .

daþer ſelbſt in den neuern Zeiten Beiſpiele: daß beim Angriff verſchiedener Stådte der Sturmbock angewens det worden iſt. $.

18.

Sowohl zum Angriff , als beſonders zur Verthei : digung gegen die Wandelthurme durchgrub man die Man unterſtükte Erde, um Minengånge anzulegen . fie mit trocknem Holzwert , das man zum Ueberfluß mit Harz und Pech beſtrich und mit důrren Reiſern umlegte . Sobald nun dieſes angezündet ward , wich der Grund unter der Stadtmauer oder dein Wandelthurme kinweg, und jene fiel zuſammen , oder dieſer verſank in die Erde. Man roll ſich dieſes Verfabrens , das dem auch wohl ſonſt in Bergwerken gewohnlichen Feuerſe Ben ånlich ) , um einen iſt, zuerſt in Rhodus bedienet haben Wandelthurm unbrauchbar zu machen , den die Bela: gerer gegen die Stadtmauern beran ( choben , und der alle Thůrme der leßtern an Höhe übertraf. Auch die Araber waren mit dieſer Vrt Minen bekannt, und Sa: laðin, jener große Beberrſcher Egyptens , ſtürzte durch fic

m ) Vegetius de re militari. L. IV . cap . 30 . 3 foyer's Heuers Briegst, 1. th.

)

18

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

fie die Mauern von Jaffa ein. Den Minen des Feindes ging man mit ånlichen unterirdiſchen Gången entgegen , und es entſtand öfters ein blutiges Gefecht, wo Mann gegen Mann , in dem ſo engen Raumc nuc Kühnheit und Leibesſtårke entſcheiden konnte. Beiz fpiele davon finden ſich unter andern bei der Velage: rung von Tortona durch Kaiſer Friedrich den Erften , und bei der Belagerung von Dyrrhachium durch den Frånkiſchen Grafen Bobamund und die Kreuzfahrer. Als hier die Befakung mit ihren Ge: genminen auf die Minen der Belagerer ſtieß ; fchoſſen die Griechen lektern angezündetes Harz mit Schwefel vermiſcht, aus Blaſeröhren entgegen , und zwangen ſie dadurch zum weichen " ).

$.

19.

Dieſes ſowohl als die Erfindung des Griechiſchen Feuers - das aus oben angeführten Gründen (S. 7,8.) hochſt wahrſcheinlich eine dem Schießpulver ånliche Mi: Thung , zuweilen mit Harz , Pech und Del zuſammen : zeiget zur Genüge , wie geſchickt geſchmolzen , war ůberhaupt die Griechen und Araber des Mittelalters in Der Kupferſchmid aus der Kunſtfeuerwerkerei waren . Damaskus , welcher die Wandelthürme der Kreuzfah: rer vor Ptolemais verbrannte ) , Fochte die Mi: ſchung init Naphta in ebernen Topfen , bis ſie völlig glühete , und ſchleuderte ſie dann auf die feindlichen Auf dieſelbe Art wurden auch die Thürme hinaus. zuin Angriff des Hafens beſtimmten Schiffe der Chri: In der nemlichen Belagerung ſten in Brand geſteckt. zündeten die Urabiſchen

Feuerwerker ein andermal die Krieger

n) Alerius der Anna Comnena 13 Buch in S chili lers hiſtoriſchen Memoir. I 26th. 2 Bd. S. 30 . 0) Bohadins Denkw. a. A. Orte. Kap. 63.

-

vor Erfindung des Schießpulvers.

19

Kriegsmaſchinen der Chriſten durch brennende Ster: ne an , unter welcher Benennung der Verf. dieſer Gea ſchichte - der Araber Bobadin wahrſcheinlich eine Art Brandkugeln oder Feuerballen verſtebet, die bei der Nacht geworfen , das Unſehen flammender Stærne hatten. Man bediente ſich dieſer brennenden Miſchung - die unſerm geſchmelzten Zeuge ſehr ånlich iſt nicht blos gegen leblore Maſchinen und Werkzeuge; ſondern auch gegen die Truppen ſelbſt, uns ter die man damit angefüllte irdene Flaſchen und Strůs ge warf. Dies war um ſo leichter möglich, weil man in jenem Zeitalter weniger aus der Ferne focht, wie Þeut zu Lage, ſondern vielmehr ſeşr bald zu den Spieſe ſen und kurzen Wehren griff. Man findet jedoch keine Spuhren : daß die Deuts ſchen den Gebrauch dieſer Kunſtfeuer gleich in dem erſten oder zweiten Kreuzfuge gelernt hätten , ſie ſcheinen nur nach und nach damit bekannt geworden zu ſein , und fie wohl erſt gegen das Ende des zwölften Jahrhunderts felbſt angewendet zu haben . Bis dahin begnügte mair fich Pfeile oder Bolzen mit Werg zu umwickeln , das man mit Harz, Schwefel und andern brennbaren Dins gen beſtrich , und die Pfeile ſo angezündet auf die feindlic chen Gebåude oder Belagerungsınaſchinen ſchoß. Großes re Wurfſpieſſe , auf ånliche Weiſe zubereitet, wurden von Baliſten getrieben ,

und brachten den feindlichen

Gebåuden um ſo gewiſſer Verderben , je tiefer fie mit ſtårkerer Kraft fortgeſchleudert - eindrängen . Man pflegte auch wohl nur Sperlinge , Tauben , Elſtern und andere vogel einzufangen , die gerne an den Haus fern ſich aufhalten , um ihnen brennende Dinge an die Schwånze zu binden ,

und ſie ſo nach der feindlichen

Stadt zu jagen ; ein Mittel, das jedoch nur durch ein Dingefår gelingen konnte. $. 20 .

1

20

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt S.

20.

War entweder durch den Mauerbrecher , oder durch das unterirdiſche Feuerſeßen eine Lücke in den Ring mauern - die nebſt den darauf ſtehenden Løúrmen die einzigen Befeſtigungswerte der Stådte ausmachten entſtanden , wurde mit Leitern und Sturmbrücken Sambuten -

geſtürmt,

während

es an andern

Drten aus den Wandelthürmen heraus auf den oben von ibnen şerab gehenden Zug : oder Falbrücken Exoftris - geſchabe. Vielleicht war auch zu der Zeit noch ein altes Kriegswerkzeug im Gebrauch, das aus einem in die Erde befeſtigten Gohen Baume beſtand, ar dem vermittelſt eines Querbalkens ein Kaſten oder Korb mit bewaffneten Kriegern bis auf die Höhe der Stadt: mauern gehoben ward. Vegez beſchreibt daſſelbe un: ter dem Namen Tolleno.

S.

21 .

Um dem Feinde bey Belagerungen ſo wie im Felde auch aus der Ferne Ubbruch thun zu können , wurden

w bis zur Erfindung der Feuergeſchüße allgemein die Jene, Schieß- und Schleudermaſchinen angewendet. die Baliſte ?) , war eine Art von großem Urinbruſt oder Bogen , der lange und ſtarke - faſt Balkenån : liche Pfeile auf ſebr beträchtliche Entfernungen Er ſtand bald auf einem Wagen , um dem ſchoß. Heere ins Feld folgen zu können , bald auf einem feften Gerüſte , und ward in dem einen wie in dem andern Falle-vermittelſt einer Winde aufgezogen , daß die ſtarke Sebne

13 p). Ich folge hier dem Begez als einem Augenzeugen jes ner Kriegsmaſchinen Lib. IV . cap. 22. der mir hier mehr Glauben zu verdienen ſcheint , als andere neuere , welche die Baliſte zur Wurfmaſchine machen wollen , und bes haupten : das die erwehnten großen Pfeile mit der Kas tapulte geſchoſſen worden .

vor Erfindung des Schießpulvers.

Sehne mit der größten Geralt

losſchnellte.

21

Der

Drager , oder wie ihn Biſchoff Otto von Freiſins, gen in ſeinem Leben Kaiſer Friedrichs des Erften nennt, die Marga 9 ) warf Steine von ungebeuerer Größe , denn ſie beſtand aus einem Ioffel oder Kaſten mit einem langen Stiele, der unten in einer Welle befe: ftiget war , und durch Sehnen und ein Räderwerf vor: wärts gedrückt ward , wenn er vermittelſt einer Winde růckwärts nieder gezogen und mit der gehörigen { adung verſehen worden war . Auch nach Erfindung der Feuer: geſchůße blieben beide lektere Arten Belagerungsmas Gebrauch , fei es nun , daß es bisweilen an einer hinreichenden Menge Kanonen und

ſchinen noch lange im

Mórfer fehlte ; oder daß ſie aus Mangel einer zweck: måßigen Behandlung nicht die Wirkung jener Maſchi: men leiſteten , mit den man beſſer bekannt war ') . S.

22 .

Es läßt ſich nicht mit Gewißheit beſtimmen : 06 man im Mittelalter, ſo wie bei den Römern , tragbare Baliſten und Wurfinaſchinen batte , um ſich igrer itt Schlachten und Treffen als ein leichtes Feldgeſchüß zu bedienen , und auch hier die Annäherung des Feindes erſchweren zu

können

)?

Wahrſcheinlicher iſt es in 216

9 ) Otto Frifing. de geft. Frider . I. auch Fronsbergers Kriegsbuch 3 Theil fol. 173 . 1 ) Es fällt jedoch in die Augen : daß man ſehr Unrecht thun würde , nach folards Beiſpiel dieſen Kriegsmaſchinen den Vorzug vor den Feuergeſchüßen zu geben. $) ,, DieAttrömiſche Legion", ſagt Begez. Kap. 25 im ziveis ten Buch , war nicht minder wegen threr Kriegswerts bodeuge als wegen der Zahl ihrer Soldaten furchtbar. „Jede threr fünf und funfzig Centurien hatte eine beſons dere Barrenbalife, die von Maulthieren gezogen , B 3 wund

1

22

Einleitung . Zuſtand der Kriegskunſt

Abſicht der Heere der Morgenländiſchen Kaiſer, die über : kaupt mehr auf ihr Maſchinenweſen als auf die per : fönliche Tapferkeit ihrer Streiter rechnen mußten.

14+

S.

23

Die Bewaffnung ſowohl der Reuterei als des Fuß : volkes war in jenem Zeitalter nach Verſchiedenheit der Volkerſtåmme auch ſehr verſchieden . Die Reuterei der Morgenländer war leicht gerüſtet , mit Bogen , Pfeia len, Wurfſpießen und langen im bloßen Bruſtbarniſch , und Pickelhaube , bald von Eiſen bald auch nur von hartem Leder . Das Fußvolk hingegen wurde in leich tes und ſchweres getheilt , von denen das lektere nebſt Panzer und Sturmhaube auch mit Urin : und Beins ( chienen verſehen war . Bei den Deutſchen führten die Schußen nebſt einem kurzen zweiſchneidigen Seitenges wehr , Urmbrůſte , die nur von der nervigen Fauſt des Deutſchen geſpannt werden konnten , und den Bolzen ſelbſt durch einen måßig ſtarken Harniſch fchoſſen . Die Griechen ſcheinen dies Gewehr im Mittelalter erſt durch die Kreuzzüge kennen gelernt zu haben , denn die Anna Som ,, und von 11 Mann bedienet , Pfeile ſchoß , den fein „ Panzer , tein Schild zu widerſtehen vermodite. Auſſer ,,dieſen Karrenbaliſten , die im Treffen allezeit hins „ ter den Gliedern der Schwerbewafneten ſtanden ; bes ,, fanden ſich bei jeder Legion zehn Onagri , jeder auf ſeinem Gerüſte von zwei Ochſen getragen , um die Las „ gerverſchanzung nicht nur mit Pfeilen ſondern auch mit ,,Steinen gegen den Feind vertheidigen zu tönnen . Die „ legion war über dieſes mit aus Baumſtämmen ausges ,, hatten Rähnen verſehen , die man Monorilo $ nennt, „ nebſt den zugehdrigen Seilen, Ketten , eiſernen Ankern , glind Bootshaten, an lange Stangen befeſtiget ; um eine ,, Vrůcke verfertigen und Reuterei und Fufvolt ohne Ges ,,fahr über unwadbare Flüſſe gehen laſſen zu können . Es „fehite ferner nicht an Schanzzeug , an Zimmerwerks jeug u. f. iv .

Hid

vor Erfindung des Schießpulvers.

23

Comnena beſchreibt es in dem Leben des Alerius als eine vorher unbekannte Sache unter dem Namen Izagra , mit der Bemerkung : " es ftrecke den Mens „ ſchen ſo plößlich zu Boden , daß er nicht einmal den „Schuß fühle” ). . Von der Frånkiſchen Reuterei ſagt diefelbe Verfaſſerin : ſie ſei nachſt dem Helme mit einem Panzerhemde , aus ſtåhlernen Ringen , gerüſtet , das keinen ſythiſchen oder perſiſchen Pfeil durchlaſſe; und trage einen breiten unten ſpiſ zugehenden Schild , mit polirtem Eifen überzogen ). Lanze , Schwert und Kolbe — ein eiſerner Hammer, der an dem einen Ende wieein gewöhnlicherHaminer geſtaltet war,an demandern aber eine etwas gekrümmte Spiße batte waren die Waffen des Ritters, deſſen ſchweres Schlachtroß eben : falls durch einen Harniſch von Eiſenblech gegen die feindlichen Streiche geſchüßt, ward. Die Knappen oder Edelknechte ritten leichtere Pferde , und waren blos mit Schwert und Kolben oder Streitart bewafnet. S. 24.

t) Schillers hiftor. Memoir. I Abth . I 38. Seite 237. Obſchon man unter dem arcubalifta und fundibalo des Veget. gewohnlich den Armbruſt verſtehet, laßt fich doch aus der hier angeführten Stelle beinahe das Gegentheil behaupten , denn es iſt tein Grund vorhanden , waruin die Griechen den Gebrauch des Armbruſtes , der doch ſo in die Augen fallende Vorzüge gegen den bloßen Bogen hatte , gånzitch verlaſſen haben sollten , wenn er in den frühern Zeiten ſchon bekannt geweſen wäre, als das Abends ländiſche und das Morgenländiſche Raiſerthum noch Eins waren. 1 ) Auch die alten Spanier waren auf die nemliche Weiſe bewaffnet , denn als Alfons VII. im Jahr 1145 ein Keer zuſammenzog , führte die Neuterei Panzer , große Schilde, Lanze und Schwert, die Infanterie aber : Arms bruſt , Schleuder, Piquen , kleine Schilder (oder Tarts ſchen ) und ſcharfe Schwerter. Prudent. Sandoval hiſto ria de los reynos de Espagna p. 181. B 4

24

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

24. Zum Gefecht ſchloß das Fußvolt ſich in tiefen Haus fen dicht zuſammen , und drang ſo mit vorgehaltenen Spieſſen in den Feind , nachdem die vor der Fronte vers theilten Schüßen und Schleuderer das Treffen angefana So bald aber das eigentliche Gefecht an gen hatten. ging , zogen ſich die leichtbewaffneten þinter die erſte Linie, und ſchoſſen und ſchleuderten von da iþre Pfeile und Steine über die vordern Glieder hinweg . Eben ro 14

verhielt ſichs auch mit der Reuterei , die geſchloſſen mit igren anzen auf einander losſtürzte; doch artete Biec wie bei dem Fußvolke immer fehr bald das Treffen in ein Handgemenge von Mann gegen Mann aus. Nicht felten forderte wohl auch einer oder mehrere, in irgend einer Aufbrauſung des Rittergeiſtes, die Krie: ger der Gegenparthei zum Zweikampf auf. Die beiz den Heere ließen denn ihre Waffen ruben, und warteten den Uusgangdes Gefechts ab, wo denn der Sieger von den Seinen mit lautem Freudengeſchrei empfangen wurde.

S.

25.

Von der Marſchordnung in jenen Zeiten kann man fich aus dem Zuge Saiſer Friedrich I. gegen Mais land einen Begriff machen. Das, etwa 100000 Mann ſtarke Heer war in fieben Brigaden getheilet , jede mit ihren Befebishabern - die aus den Fürſten genommen Fähnrichen und andern Officieren , welche waren über die Beobachtung der Ordnung wachen mußten . Den Vortrab machten die Schanzbauern und Dyars Bet tierineiſter , welche die Wege beſſerten u. f . w . den Kriegszeichen gingen die Pfeifer und Spielleute ; auf das Gepäck folgten die Belagerungsmaſchinen und andere Kriegswerkzeuge; den Beſchluß machten endlich die Marfetender und Kaufleute ; doch litt der Kaiſer keine

vor Erfindung des Schießpulvers. feine Weiber und Mädchen bei dem Zuge ,

25

denn er

fagte, fie gåben nur zu Ausſchweifungen Anlaß und ver: důrben die Sitten der Soldaten . S.

26 .

Sowohl um den unbezähmten Fehdegeiſt ſeiner Krieger zu båndigen , als um überhaupt Zucht und Drdnung im

Heere zu bandhaben , fekte Friedrich I.

bei ſeinem Zuge nach Italien beſondere Kriegsgefege feft , die im Weſentlichſten Folgendes enthielten . 1. Weder Ritter noch Knecht roll einen Streit an : fangen , auch ſoll niemand mit einem Gewehr þerbei kommen , um ihn zu ſchlichten , ſondern die Herzueilen .. den ſollen blos , nebſt Harniſch und Schild, einen Knits tel in der Hand fübren. Wer durch Ausruffen des Kriegsgefchreies zu Händeln Anlaß giebt, wird mit Berluft ſeiner Rüſtung aus dem Heere geſtoſſen ; ein Knecht hingegen wird beſchoren , geſchlagen und auf die Wange gebrandtmarkt , wenn ihn nicht ſein Herr mit feinem ganzen Harniſch Idſet. 2. Wird einer durch zwei glaubwürdige Zeugen überführt: einen andern verwundet zu haben, nachdem er vorher die That abgeleugnet þatte; rou ihm die Hand abgehauen werden.

Wenn es an Zeugen fehlet, kann

der Beflagte ſich durch einen Eid reinigen , es ſei denn, daß der Klåger ihn zum Zweikampf ausforderte und es auf die Entſcheidung des Schwerts ankommen ließe.

3. Wer einen Mord begehet ,

þat ebenfalls das

Jeben verwürft , wenn er durch zwei Zeugen der That Im entgegengeſegten Falle muß er überführt wird. fich durch einen Eid reinigen oder mit einem Freunde des Erſchlagenen einen Zweifampf eingeben , 4. Kommt ein fremder Ritter ohne Schild und Gewebr auf einem Klepper ins Lager geritten, darf ihn BS nies

26

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt

niemand antaſten , bei Strafe: als ein Friedensſtohrer: behandelt zu werden. Sißt der Fremde hingegen auf einem Streitroß , mit Schild und lange bewaffnet ; darf ihn jeder angreifen , ohne den Frieden zu brechen . si Beraubt ein Ritter einen Kaufmann , muß er

den Raub zweifach erfeken ; thut es ein Knecht , wird

1

er beſchoren und gebrandtmarkt, das Geraubte für ihn erſtatten .

oder fein Herr muß

6. Wer eine Kirche oder ein Waarenlager plündern fiebet , ſoll es zu verhindern ſuchen , oder den Schuldis gen beinn Gericht angeben. 7. Wer eine Dirne in ſeinem Quartier hat , dein wird ſein Harniſch genommen , und er fortgejagt; der Dirne aber wird die Naſe abgeſchnitten .

8. Niemand darf einen Ort angreifen, wo Reichs. truppen zur Beſakung liegen. 9. Ein Knecht , den man über einem Diebſtahl er : greift, wird geſchlagen , beſchoren und auf die Wange gebrannt, oder ſein Herr muß ihn mit einem vollen Harniſch löſen .' Hat hingegen der Knecht ſchon vorher einmal geſtohlen , wird er gehangen. 10. Ein Knecht, der blos des Diebſtahls beſchuldi: get wird , kann ſich durch die Probe des glühenden Eis

} ſens reinigen oder ſein Herr muß für ihn ſchwören . Il . Wer eines andern Pferd findet , ſoll es nicht unkenntlich machen ,

ſondern es dein Marſchall anzeia

gen ; er darf es dann mit ſeinem Gepåck beladen , und wenn der Eigenthümer kommt, muß diefer warten, bis das Pferd nach beendigtem Marſch im Duartier abge laden iſt. 3 2. Steckt jemand wird er geſchoren , brannt.

ein Landgut oder. Haus an,

geſchlagen und auf die Backen ge

13. Sein

vor Erfindung des Schießpulvers.

27

13. Kein Schmid fou Bei eben erwähnter Strafe landhauſe Kohlen brennen , ſondern das

auf einem

Holz nach ſeiner Wohnung tragen und dafelbſt ver : brennen . 14. Wer einen andern verroundet , þat nur als: denn den Frieden gebrochen , wenn der Beſchädigte durch zwei Zeugen erweiſt, daß er den Frieden be: ſchworen hat. 15. Nimmt jemand einen Herrenloſen Knecht an , muß er doppelt erſeken , was dieſer etwà geſtohlen hat. 16. Wer einen Schak findet, kann ſich deſſen uns gehindert bedienen. 17. Bringt ein deutſcher Kaufmann aufgekaufte Waaren zur Armee , und fekt den Preis derſelben zu hoch ans fou ihm der Kåmmerer fein ganzes Waarens lager nehmen, ihn ſchlagen , beſcheeren und auf die Wans. ge brennen laſſen.

18. Kein Deutſcher roll einen lateiniſchen Knappen haben , der nicht Deutſch tann , bei Verluſt aller feiner Haabe. 19. Wenn ein Ritter den andern ſchimpft, kann er es abſchwören , oder er muß ihm zehn Pfund gang bare Münze geben . 20. Wer ein Gefäß mit Wein findet, darf es nicht zerbrechen , oder die Reifen daran zerſchneiden . 21. Mit Gewalt eroberte Stådte fónnen geplün : dert, dürfen aber nicht angezündet werden , nicht der Marſchall felbſt thut.

wann es

22. Wer mit Jagdhunden ein Wild erleget , daſſelbe auch behalten.

kann

23. Jagt einer mit Windhunden ein Stück Wild auf, es wird aber von einem andern geſchoſſen , To ge: håret es dem lekteren .

1 24. Er:

28.

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunft

24. Erlegt jemand mit lange , Schwert, Schleus der oder Bogen ein Wild, es wird iým aber von einem andern genommen, ehe er die Hand darauf legen kann ; roll es dennoch dem erſtecen gehören , und nicht dem , der ſich deſſelben bemachtiget ohne es gefchofſen zu haben. Auf alles dieſes leiſteten nebſt den Heerführern auch die Biſchöfe und Hebte den Handſchlag, und verſpra chen den Uebertreter des Friedens durch den Bann zu ſtrafen.

S.

27.

Die Befeſtigungskunſt þatte ſeit mehrern Jahrhuns derten keine beträchtliche Fortſchritte gemacht. Hohe Mauern , ſtark genug , den Stoßen der Mauerbrecher und den von den Wurfmaſchinen gegen ſie geſchleuderten Balfen und ungeheuern &Steinen zu widerſteben - die gewohnlich mehrere hundert Pfunde wogen - umgaben die Städte , und waren zu beſſerer Verteidigung der lektern bisweilen wohl drei ſolcher Mauern hinter eins ander aufgeführet. In beſtimmter Entfernung von eins C ander gewöhnlich in der Weite eines Bogen : oder Armbruſtſchuſſes ſtanden Thürme auf der Mauer, die man in den früheren Zeiten rund machte, damit ſie der Gewalt der Sturmböcke beſſer widerſtehen ſollten. Weil jedoch die runden Thürme keine ſo gute Seiten: vertheidigung der Mauer gewahrten , als die viereckigen , wurden ſie theils ganz gegen die lekteren vertauſcht, theils wurden auch nur zwiſchen den runden Thürmen ein oder zwei viereckige angebracht, und etwas weiter hinaus gerückt, um die Mauer der Långe nach beſtreis chen zu können. Man ſiehet feicht, daß dieſe Vertheir digungsart um ſo wichtiger war , da man kein anderes Mittel tannte , eine Breſche in die Mauer zu legen , als die Sturmböcke; mit den man immer eine geraume Zeit am Fuß der Mauer verweilen mußte, und daſelbſt den

1

vor Erfindung des Schießpulvers.

29

den Schüſſen der Baliſten und Wurfinſtrumente von den Thürmen ausgefekt war. Bei den damals ſo gewöhnlichen Leitererſteigungen

gewährten die Thürme noch einen zweiten Vortheil: daß inan von ihnen herab die Stürmenden beſchieſſen und von der Mauer wieder berab treiben konnte. Sos wohl in dieſer Abſicht, als zu einer beſſeren Gemein : ſchaft gingen aus den Thürmen zu beiden Seiten Pfor: Beide Urſachen machten ten auf die Mauer heraus. den Gebrauch dieſer Thürme nach Einführung der Puls vergeſchüße noch vortheilhaft , bis in der Folge die Rundele und zuleßt die Bollwerke an igre Stelle traten . .'

28.

Die Feldbefeſtigung ſchränkte ſich vorzüglich auf Verſchanzung des Lagers ein , die nach altrömiſchele Gebrauch immer eine viereckige oder runde Form er: hielt. In der Mitte ſtand das Zelt des Feldherren , und um daſſelbe die Zelte der übrigen Oberſten und Befehlshaber nach ihrem Range. Die gemeinen Sols daten lagen mehrentheils in Hütten von Stroh und Reißþolz; nur die wohlhabenden Ritter pflegten ordents liche Zelte mit ſich zu führen ; denn die Sitte, bei einem Heere alles zu dem Aufſchlagen des { agers nöthige ju . haben , ſchreibt ſich erſt aus den ſpåteren Zeiten ber , wo der Landesherr die Anſchaffung der Rüſtungsſtücke und der Kriegsbedürfniſſe über fich nahun. Die Mars tetender und Kaufleute, welche ſich bei dem Heere be: fanden , umſchloſſen mit ihren Zelten und Hütten das Lager; ſo daß fie bald innerhalb , bald auſſerhalb der Verſchanzungen ſich befanden. Bei der Vertheidigung von Furtýen , Brüden , u . d. gl. wurden ebenfalls kleine Feldſchanzen angeleget von viereckiger oder von runder Geſtalt.

Dieſe ſowohl als

30

Einleitung.

Zuſtand der Kriegskunſt

als die Lagerverſchanzungen ſuchte man auf mancherlei Weiſe gegen den feindlichen Ungriff ficher zu ſtellen . Man umgab den Wall oder die Bruſtwehr mit 2 und anehr Gråben ; legte zugeſpißte Pfåhle in den Wall

#

Sturmpfåhle - die mit ihren vorderen Spiken ſich etwas aus der horizontalen Lage abwärts renkten . Man grub auch wohl anſtatt dieſeć. Pfåble Bäume, mit abgeſtumpften und oben zugeſpißten Peſten in die Bruſtwehr, oder aufrecht ſtehend, vor dem Graben in das Feld , und umſchloß den Raum , den ſie einnahmen , mit einem zweiten Graben . Auch mit Anlegung der Wolfsgruben war man bekannt ,

pflegte ſie aber in

jenen Zeiten mit kleinen Zweigen , Strauchwerk und lofer Erde zu verdecken , um

die Angreifenden unver:

warnt bineinfallen zu machen , und ihre Reihen deſto gewiſſer in Unordnung zu bringen.

S. 29 . Die Scereiſen und der ausgebreitete nordiſche Hans del des Mittelalters machen es böchſt wahrſcheinlich : daß die Schiffbaukunſt der Alten nicht nur nicht geſuns ken , ſondern vielmehr ihrer Vollkommenheit noch um eine Stuffe nåþer gebracht worden war. Die Schiffe der Kreuzfahrenden mußten nothwendig mit einem oder inehrern Verdecken verſehen , mußten von betråchtlicher Große ſein , um eine ſo große Menge Menſchen «faſſen zu können , denn Raimund Graf von der Proz vence ſeegelte mit 80 Pferden und isoo Soldaten auf einem großen dreimaſtigen Schiffe , das 200 Ru : derknechte führte, nach Paläſtina. Man lieferte See: treffen ;

dazu wurden nothwendig Wurfmaſchinen er :

fordert, mit den man Pfeile , Steine , und mancherlei Arten brennender Körper auf die feindlichen Fahrzeuge ſchleuderte. Die Schiffe waren deswegen hinten betracht: i lich

2

vor Erfindung des Schießpulvers.

31

lich köher , und wurden dadurch den Thürmen der Stadtmauern ånlich. Dies gewährte eine Art von Uebergewicht gegen niedrigere Fahrzeuge , weil man von þier, wie von einem Schloſſe berab , den Feind bekämpfen konnte, wenn man ſeine Schiffe entertė , das þeißt : ſich mit eiſernen Haken und Ketten an dieſelben þieng , um ſie , vermittelſt übergeworfener Brücken , mit dem Degen in der Fauſt zu ſtürmen . Wie zu lande der Belagerungswerkzeuge der Mauerbode , Sturmdache u . d. gl. – bediente man r ſich zur See, auſſer den Baliſten und Wurfmaſchine , n vorzüglich der Sturmſtan ge - Afler - eines lan : ges Schafts , an beiden Seiten mit eiſernen Spißen verſehen , der gleich einer Raa oder Seegelſtange am Maſtbaum hieng . So wie ſich nun rechts oder links ein feindliches Schiff näherte , ſtieß man mit jener Sturmſtange heftig auf daſſelbe los , um nicht nur die feindlichen Soldaten zu tódten ; ſondern öfters auch den Bord des Fahrzeuges zu durchbohren . Zugleich ſuchte

man die Seile , welche den Maſt und die Seegelſtange ' des Feindes hielten , durch ſcharfe Sicheln , an lange Stangen befeſtiget, zu zerſchneiden , daß lektere şerab fiel, oder jener über Bord ſtürzte, wodurch das Schiff, entweder ſelbſt init zerſchmettert, oder dem Winde Preis gegeben , um ſo leichter zu erobern ward. Bisweilen hieng wohl auch an der Sturmſtan: ge , oder an einer Seegelſtange ein zwei Fuß langer , unten , mit einein ſpißen Eiſen beſchlagener fchwerer Klok , den man im Gefecht gerade über das feindliche Schiff drehete , und denn in daſſelbe herab fallen lies, Die Venezianer ver: um den Boden zu durchbohren. ſenkten aufdieſe Weiſe im Jahr 1981 , in dein Sees treffen bei Dyrrachium , Bobamunds Schiff, und

!

32 und

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt über

Robert

Noch ein anderes , reßr füßnes Mittel,

die feinos

errungen

dadurch

den

Sieg

Guiscards Flotte » ).

lichen Fahrzeuge unbrauchbar zu machen , beſtand dar: inn : daß einige entſchloſſene Bootsleute und Solda : ten in einem kleinen Boote während des Treffens un: bemerkt an das Hintertheil zu kommen ſuchten , um das felbſt das Steuerruder abzubauen. Man ſiehet jedoch leicht : daß dies Mittel böchſt gefährlich , und eben deswegen ſehr unſicher war.

3. Hier iſt es auch ,

30.

wo ſich die

erſten ſcheinbaren

Spubren von der Unwendung einer Urt Feuergeſchüße Uuf einigen Schiffen des Griechiſchen Kaiſers finden . Ulerius befanden ſich nemlich vorne eberne oder eiſer: .ne und vergoldete Köpfe von Löwen und andern wit: den Thieren , welche den Rachen fürchterlich aufſperr: ten und aus demſelben Feuer geraus bliefen *). Dieſe neue Erſcheinung , daß das Feuer ganz gegen ſeine natürliche Beſchaffenheit, ſich in horizontaler Richtung fortbewegen lies, und die feindlichen Schiffe beſchädigte , perſchaffte den Griechen in der Schlacht mit den Piſanern , den Sieg , obgleich ſie nicht in der gehörigen Ordnung fochten , ſondern der Befehlshaber eines jeden Schiffes blog ſeinem Eigenſinne folgte,

1 ohne auf die Befehle des Admirals zu hören. w Alerius IV Buch in Schillers Hiftor. Memoir. a. a. D. 1 Abth. I Bd. S. 84. Man findet den Gebrauch dieſes Kriegsinſtrumentes übrigens ſchon im Karthagtnienfiſchen Kriege, wo ihm die Römer zum Theil ihren Sieg über die Karthager zu verdanken hatten . :) Ehendaſ. S. 278.

$. 31.

1 vor Erfindung des Schießpulvers.

$.

33

31 .

Die Schlachtordnung war gewdýnlich in einein halben Kreiſe geordnet , deſſen vordere , gegen den Feind gekehrte . Spißen , immer die ſtårkſten und am beſten bemannten Fahrzeuge ausmachten , während die klei: nern ſich in der Mitte des eingebenden Bogens befan : den. Zuweilen wurden auch dabei die Schiffe init Ketten zuſammengehangen , damit der Feind nicht zwi: fchen dieſelben eindringen und ſie entern konnte . Sowohl dieſe Schlachtordnung zu trennen , als auch feindliche Häfen in Brand zu ſtecken , hatte man ſchon damals Brander oder Feuerſchiffe, die man mit důrrem Holzwerk , Harz und anderen brennbaren Din: gen anfüllte , und ſodann anzündete. Einer ſolchen Feuermaſchine bedienten ſich die Kreuzfahrer in der Be: lagerung von Ptolema i s . Sie hatten nemlich auf einem Fahrzeuge einen yölzernen Thurm erbauet, der allerlei brennende Materialien enthielt, um damit den Hafen anzugreifen .

Ein ungünſtiger Wind machte jes

doch dieſes Feuerſchiff unwirkſam , weil es durch die von dem Winde verſtårkte Heftigkeit des Feuers zu früh verbrannte.

S.

32 .

Dies wåre im Augemeinen die Kriegsverfaſſung zu in einein Zeitpunkte , wo wahr man höchſt ſcheinlich ſchon die Miſchung des Schießpulvers , ihre Zuſaminenſekung und Eine igrer Wirkungen : ein heftiges Feuer bervorzubringen , kanns te; aber dagegen noch nichts davon wußte : daß ſie in Anfange des Mittelalters ,

Stande ſei , ſchwere Körper auf große Entfernungen fort zu ſchleudern . Uls man dieſen Erfolg kennen lernte , ſcheint es wohl anfangs blos dazu angewendet worden zu ſein , brennende Körper gegen den Feind zu ſchieſſen, um ſeine E Werke, Boyer's neuere Rriegsk. 1. th.

34 Einleit. Kriegsk. vor Erfind. des Pulvers. Werke , Gebäude sc. anzuzünden , ſo daß man erſt ſpå : ter darauf fiel , ſteinerne und bald auch eiſerne Kugeln, anſtatt der blos ' aus Pech , Schwefel und anderem Mit dieſen erſten Brennſtoff geformten , zu nehmen . Spuhren der wirklichen Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch wollen wir uns daher in der Folge beſchäftigen , und daraus den Einfluß entwickeln, den der allgemeinere Gebrauch der Feuergeſchüße und Schießge: webre auf die Kriegskunſt þatte , und nothwendig þa: ben mußte.

11

Erſter

Zeitraum .

Erſter

Bon der Erften Anwendung des Schiefpulvers zum Kriege gebrauch bis zur weitern Verbreitung derſelben, oder bis zu Karls VIII Kriegszuge nach Italien.

Erſter Abſchnitt. Erfindung der Feuergeſchůße , und früheſte Anwendung derſelben .

S.

1.

chon oben iſt in der Einleitung geſagt worden, SO daß die Miſchung aus Salpeter, Schwefel und Kohlen, die wir gegenwärtig , wegen ihrer Anwendung bei den Feuergeſchůken , Schießpulver nennen , höchſt wahrſcheinlich lange vor dem Vierzehnten Jahrhunderte bekannt geweſen , und daß fie , mit einem Zuſaß von Pech und Harz, das ſogenannte Griechiſche Feuer ausgemacht gabe.

Wirklich giebt Marcus

Grac:

dhus, ein Griechiſcher Schriftſteller des Neunten Jahrhunderts, in ſeinem Buchevon Feuerwerfen das ſich bandſchriftlich auf der Bibliothek zu Drford befinden ſoll – eine Miſchung aus 6 Pfund Salpeter , 2 Pfund Schwefel und 1 Pfund Kohlenan, welche genau mit der Zuſammenfeßung unſeres Schießpulvers übers Diejenigen Schriftſteller irren daher ſehr, einſtimmt. welche das Griechiſche Feuer für eine flüſſige Materie þalten , deren vornehmſtes Beſtandtheil Naphta Schwefet, Pech, und Harz – oder Bergol geweſen. C2 viel:

36

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

vielleicht auch Salpeter - waren dies ; ſie wurden mit Bergei oder mit andern Delen zuſammengeſchmolzen , und entweder in irdene Gefäße verſchloſſen oder Kugeln daraus geforint, um ſie angezündet mit den Werfzeugen fortſchleudern zu können . Saſiri führt eine Stelle eines Arabiſchen Geſchichtſchreibers an * ) , durch die es einigerinaßen wahrſcheinlich wird , daß die erſte Kenntniß und Anwendung des Schießpulvers wohl bei den Perſern und Urabern ' zu ſuchen ſein dürfte. Die Stelle ſcheint jedoch nicht eigentlich auf den wirkli: chen Gebrauch der Geſchübe hinzudeuten , ſondern vielmehr blos von Wagenbaliſten oder großen Armbrů : ften und Werfzeugen die Rede zu ſein , mit den aus Schießpulver und andern brennbaren Materien zuſams. mengeſekte Kugeln fortgeſchleudert wurden , die denn beim Zerſpringen einen Donnerånlichen Knall hervor: brachten , und alles zerſchlugen oder durch das berum : geſtreuete Feuer verbrannten . S.

2.

Roger Bacon , der zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts in Engeland lebte; kannte ebenfalls die Er er : große Gewalt und Wirkung des Salpeters. wähnt iþrer nicht nur in ſeinem Opus majus S. 474 (ex a ) Cafiri Bibliothec. Arabic. Hiſp . Eſcurialeuf. II. BO. Der Arabiſche Coder heißt Notitia et inethodus regia, in 7 Thetlen, von dem Aegypter Shelgab 210in Abis Labafi Ahmadi Ben Fach ! Alla verfaßt , der im Jahr 1249 des Königs von egypten imaleck Aiſas leh Geheimſchreiber war. " " Šerpunt , heißt es daſelbſt, „ ſuſurrantque ſcorpiones circumligati ac pulvere nitrato ,, incenfi , unde explofi fulgurant ac incendumt. Jam „ videre erat Manganum excufſum veluti nubem per aëra „ extendi ac tonitrûs inſtar horrendum edere fragorem , „ ignemque undequaque vomens , omnia dirumpere , in scendere, in cineres redigere” .

ti

1. Erfindung der Feuergeſchüge.

37

( ex. edit. Sam . Jebb . London 1733. Fol. ) ſondern auch in ſeinen Briefen de ſecretis operibus Artis et Na . turae. • Kap. VI. Er ſagt. hier : aus Salpeter und andern

Dingen låßt ſich in jeder Entfernung ein Feuer

„ entzünden . So auch aus Bergól, oder aus Harz ,,!. d. gl. Ja es låßt ſich fogar ein Donnern und Blis „ßen in der Luft erregen , das noch

ſchrecklicher iſt ,

„als das durch die Natur bervorgebrachte ſelbſt. Dies afe Erſcheinung åuſſert ſich , wenn inan Salpeter in „ eine, Daumengroße, Patrone von Pergament vers „ ſchließt , und ſodann anzündet , wie es als ein Kna : „ benſpiel an mehreren Orten der Welt getrieben wird ” ..

S:

3:

Obrahon nun hieraus deutlich erhellet,

daß man

eine dem Schießpulver völlig ånliche Miſchung kannte, verhålt ſich es doch nicht eben ſo : in Abſicht der Feuerges Zwar ſagt Johann ſchůke und des Schießgewehres. Matthäus von Luna in ſeinem Buche de rerum ein beut : inventoribus : & lbert der Großen ſcher Predigermönch , aus dem ſchwäbiſchen Geſchlechte derer von Bolſtadt, der iin dreizehnten Jahrbuns dert lebte – Habe zuerſt die Feuerbüchſen und Hand : röhre ( bombardam , bombardulam et ſelopum ma. nualem ) erfunden , allein es finden ſich keine nåberern Im Gegentheil giebt und ſicherern Spuhren davon . de rerum inventoribus et Polydor Vergilius de prodigiis Lib. II . cap. II . - einen anderen Deutſchen , den bekannten Berthold Schwarz , - den man mit Unrecht lange für den Erfinder des Schießpulvers ausge: geben hat -- als den erſten Erfinder der Feuergeſchüke an . Ihm folgt äventin.b ) und ſagt , daß Berthold , ein b) Aventini Annales Bojoruin , Lipfiae 1710. fol. Lib. VII. cap. 21. pag. 763

38

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum.

ein Deutſcher Franziskaner, der ſich auf die Philoſophie und Naturwiſſenſchaften legte , die ehrnen Geſchůze erfunden habe , aus den man eiſerne und ſteinerne Kur geln ſchießt, um mit Bliß und Donner Menſchen , Vieh , Mauern und Wålle , wie gleichſam durch einen Wetterſtrahl aus der Ferne nieder zu ſtürzen. Er ſetzt jedoch dieſe Erfindung erſt in die Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, während andere, obſchon mit geringerer Wahrſcheinlichkeit, behaupten: daß ſelbſt zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts ſchon Kanonen im Gebrauch geweſen.

S.

4.

Joinvile ragt zwar in ſeiner Geſchichte ( ud: wigs des Heiligen : daß bei der Vermåhlung Theo : balds , Königs von Navarra, mit Iſabellen von Frankreich die Heimführung der Königlichen Braut unter Begleitung vieler Kanonen geſchepen ſei. Da ſich aber in dieſer ganzen Geſchichte weiter keine Spuhren von dein Gebrauch der Pulvergeſchůke -- Steinbüchſen oder Bombarden finden , läßt ſich auch feineswe: ges als ausgemacht annehmen , daß ſie bier wirklich durch das Wort Canon gemeint find ;' um ro mehr, weil dieſe Stelle einer andern des Du Haillan in ſeiner Hiſtoire generale des Rois de France TomeI. p.931 . widerſpricht, wo es heißt 1415 Salisbery aſſiégea Mans et la battit - avec des piecesd'artillerie

de la quelle les

françois n'uſoient pas encore beaucoup. Soerzählt auch Joinvillevorher “) bei ludwigs Feldzugenach Vegyp: ten : daß die Sarazenen in der Belagerung von Damiata 1250 vermittelſt eines Werfzeuges - perrière genannt Griechiſches Feuer auf die Befeſtigungswerke der Chris ſten warfen , das die Größe eiger Eſſigtonne batte, und

c) Schillers Hiſtoriſche Memoiren Seite 227.

Ifte 26th . Ater Bd.

1

1. Erfindung der Feuergeſchůge.

39

und mit einem dem Donner ånlichen Geräuſche daber flog ; erwähnt aber dabei der eigentlichen Feuergeſchüße, der Kanonen oder Mörſer, gar nicht d) ; ſo daß iþr Ge: brauch damals ſelbſt bei den Sarazenen noch nicht be: kannt geweſen zu ſein ſcheint. S. 5. Peter Meria fiihret in ſeinem Selva de Varia Lec cion Lib .I. cap.8 . aus des Biſchofs Peter von leon Chronik König Alphons , des

Eroberers von

Toledo, an : “ daß in einem Seetreffen zwiſchen den „ Sunetanern und den Seviliſchen Mauren , den U 1: mphon 8 beiſtand, die Schiffe des Königs von Tunis „mit gewiſſen

Geſchüßen

( tormentis)

oder Büchſen

:( bombardis) verſehen geweſen , aus den ſie feurigen „ Donner geſchoſſen ". Da nun Toledo 1085 im Mai erobert wurde ) , und ſich nicht füglich gedenken låßt, daß jene Kriegsmaſchinen wirkliche Pulverge: ſchůße geweſen , könnte man ſie wohl für eine Art Werfzeug ( Mange, Mangonneau) annehmen , ver: mitelſt deren fogenanntes Griechiſches Feuer aus metallenen Röhren geworfen wurde.

Dem ſtehet jedoch

der Ausdruck ( tonitrua) entgegen , weil es gegen die Art des aus Schwefel , Pech , Harz und brennbaren Delen beſtehenden Griechiſchen Feuers war, einen Dons nerånlichen Knall von ſich zu geben ,

es ſei denn ,

daß

ſich ſoviel Salpeter darunter befand , als nathig war, die verſchloſſenen Gefäße , in den es geworfen ward, zu zerſprengen.

Der håufige Gebrauch ſolcher Ma:

ſchinen bei den Árabern und Sarazenen erhellet aus mehreren åltern Geſchichtſchreibern : dem Joinville :) den

d) Ebendaſ. Seite 66. s) Henrique Florez Eſpanna ſagrada Tom. 2 p. 212. und Tom. 14. p..405 . f ) Joinville hift, de St Louis , p. 39.

1

40.

Geſchichte der Kriegskunſt.. I. Zeitraum .

den ſcriptoribus de geſtis Dei per Francos 6) , dem Vincentius Bellovacenſis; vorzüglich aber aus der Bes ſchreibung der Belagerung von Ptolema is in Syrien durch den Aegyptiſchen Sultan Melech S.es rapk'iin Jahr 1290 , wo er ein zahlloſes Heer und dreihundert Kriegsınaſchinen bei ſich hatte , die ohn: aufborlich Griechiſches Feuer warfen ") . Sei es nun durch Zufall oder auf andere Weiſe; genug die Ara: ber , die in jenem Zeitalter faſt ausſchlieſſend iin Be: fik der Künſte und Wiſſenſchaften waren , konnten durch dieſe Feuermaſchinen und durch die Beſtandtheile des Griechiſchen Feuers aus dem blos die Harze und Dele weggelaſſen werden durften , um es in wah: res Schießpulver zu verwandelen - Tehr leicht auf die Erfindung unſerer jetzigen Pulvergeſchüße geleitet wer : den , und ſie waren vielleicht lange vor den Europåern im Beſitz derſelben , was auch ein Temier und ande: re verdienſtvolle Månner dagegen ſagen mogen.

Daß hingegen in Europa der Gebrauch der Kanonen und Steinbüchſen erſt gegen die Mitte des vierzehnten

Jahrhunderts, oder doch wenigſtens nicht viel eher aufgekommen , låßt ſich mit vieler Wahrſcheinlichkeit be haupten, weil ſich in keinem der gleichzeitigen Geſchicht: fchreiber Spuhren davon findent. Es wird um ſo ſchwerer , die lekteren aufzuſuchen, da Unfangs für eine neu erfundene Kriegsınaſchine,

die mit den vorher üblichen nur das gemein hatte, daß fie gleich ihnen ſteinerne Kugeln auf den Feind ſchleus derte , kein befonderer Namen vorhanden war . Man bezeichneté ſie deshalb mit dein allgemeinen Namen ål: terer g) Tom . I. p. 24. 69. 125. und an vielen andern Orten . h ) Anonymi Leobienfis Chron. Lib . 2. cap. 865. Tom . I. Der Ungenannte ſcript. rer. Auftriac. P. Hieron . Pez. endigte ſeine Chronik im Jahr 1343.

11

1. Erfindung der Feuergeſchůze. terer Kriegsgeråthe :

41

Tormenta oder balelta à trueno

u.ſ.w.; während andere , ſpåtere Geſchichtſchreiber wieder die Werfzeuge nicht ſelten nach den nun bekann . ten Feuergeſchüßen , Bombarden u . 7. w . nannten . So bieſſen die Portugieſen das Schießgewehr nach ei: nem alten Werfzeuge: eſpingarde und Grabaldus ſekt die Bombardé mit unter die Anzahl der übrigen Maſchinen , womit große Steine und Pfeile fortges ſchleudert wurden :) , nerket aber dabei an ; daß jekt die Pulvergeſchüße ſo bieſſen .

$. Nimmt man an :

6.

daß die Anwendung des Schieß:

pulvers zu den Feuergeſchůzen ſchon vorher bei den Arabern im Gebrauch geweſen , ſpåter aber erſt zu den Europåiſchen Völkern gekommen fei ;. laſſen ſich da : durch auch die einander ro febr widerſprechenden Meis nungen der Geſchichtſchreiber vereinigen , die bald den Atabern - und mit Recht bald einem Deutſchen Mönch die Erfindung der noch jeßt üblichen Geſchüße beilegen und ſie bald in das dreizehnte, bald in die Mitte, bald aber gar zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts ſetzen . Konnte nicht Berthold Schwarz oder Conſtan: tin Unklik, jener zu Kölln oder dieſer zu Freiburg, ir: gend einige geſchriebene Nachrichten von den bei den Mauren in Spanien üblichen Geſchüßen zu

Geſicht bekom:

i) Franç . Marc. Grabaldus in Lexic. de partibus * aedium Nunc vero tormenta aenea , Lib. 2. cap . 10. p. 253 . faxa rotunda immenfi ponderis , vi pulveris factitii et ignis emittentia cum fovitu, non ineleganter Bombardas appellamus. Und nachher : Tormentum generale vocabu tum eft omnium inachinarum , faxa, tela et id genus va. ria jaculantium , veluti eft baliſta, bombarda, ſpingardae, quibus fpicula er catapulta , ſcorpiones , arcubaliftae veruta emittuntur.

1

42

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

bekommen und benußt baben , um ſeine Landsleute mit dieſer für ſie ſo wichtigen Erfindung bekannt zu ma: chen ? Daß dies nicht von den chriſtlichen Spaniern geſchaße, darf uns nicht befremden , Unwiſſenheit und Es war vielleicht Aberglauben hielten ſie davon ab. in jenem finſtern Zeitalter eine Sünde : Erfindungen i der Unglåubigen , die noch dazu auf das Verderben der Chriſten

abzweckten , ſich zuzueignen .

Berthold

Schwarz , ein Naturforſcher und Chymiker, prüfte wahrſcheinlich die Angaben des ålteren Schriftſtellers von den Beſtandtheilen und Wirkungen des Schießpuls vers , und zwar , weil es ihm an einer andern dazu ſchicklichen Maſchine fehlte, in einem Mörſer, worin: nen er ſeine Materialien zu ſtampfen pflegte.

Als er

nun die Miſchung durch einen dazu gebrauchten Feuer: funken entzündete, warf ſie den Stein , worunter er ſie bedeckt hatte , oder auch wohl den Deckel des Mörſers in die Höhe , und veranlaßie dadurch Schwarzen , dieſe Erſcheinung bekannt zu machen , die er dabei vielleicht ſelbſt für eigne Erfindung ausgab , oder die weil man man wenigſtens durchgehends dafür hielt , damals teine anderen und nåßeren Nachrichten davon Weit entfernt jedoch , dieſe Hypotheſe für eine þiſtoriſche Wahrheit auszugeben , da es ihr überall an zureichender Beſtåtigung fehlet; unterwerfe ich ſie blos

hatte.

dem Urtheil meiner Leſer als einen Uusweg , um die ſo unerklärlichen Widerſprüche in Abſicht des Zeitpunk: Er: doch ſehr wichtigen tes und des Ortes dieſer findung zu heben ,

wo dann nur noch auszumachen wå:

um welche Zeit wohl Schwarz ſeinen Verſuch gemacht hat ? Hier finden ſich jedoch abermals die groß : ten Widerſprüche; ein großer Theil behauptet , die Er: findung der Geſchüße ſei um das Jabr 1380 geſches ben.

Flavius Blondus forolivienſis ſagt in Decade

1. Erfindung der Feuergeſchüße.

43

Decade III. Lib . I. Hiſtoriarum : das Geſchuß ſei zu (er ſtarb 1463 ) zuerſt in dem Krieg von Chiozja von den Venetianern (Germanis miniſtran

ſeiner Zeit

tibus) gegen die Genueſer angewendet worden . Daſſelbe wiederholt Aeneas Sylvius in ſeinem Epitomes Blondi Lib. 1o. Baptiſta Saccus oder Platina ſpricht: in dem Kriege wegen Chi0zza 1380 ſei von einem Deutſchen die Bombarde erfunden , und von ihrem Knalle ſo genannt worden ; welches er in ſeiner hiſtoria Mantuana wiederholet. Anton Sabellicus erzähs let faſt das nehmliche, ſo wie Polydorus Vergis lius , der ſowohl in Lib. 2. de rerum inventoribus Cap. 11. in ſeiner Engliſchen Geſchichte Lib . 23. das F.1380 angiebt. Daſſelbe bekräftigen auch Raphael Bolaterranus ( in Comment. urbanis Lib. 30), Joh. Baptiſta Egnatius (Exemplor. Lib . 8 . C. 11.) ; Johann Candidus (in Commentar. Aqui . . Marcus Grabaldus (Lexic. leienſibus) Franc de partibus aedium Lib. 2. c . 10.) ; Machiavel (in hiſtoria Florentina Lib. 5. p . 5.); Coel . Calcagni : nus (de re nautica ); Joh. Camp a nus (in oratione Auguftinus Julianus ( in hiſto ria Genuenſ.) ubertus Folieta (Hiſtoria Genuenſ.);

Ratisbonenſi)

Guicciardini(Hiſtoria Italica Lib . p.24 .) Guido Pancirollusk) (de rebus memorabilibus five deperdi tis et novis inventis ; edit. Salmuth Tit. XVIII. p.283.) und andere mehr. Ihnen ſtimmen mehrere Deutſche bei , wie Franziscus Jrenicus ( Exegefeos Ger manicae Lib. IV . cap. 19.)

Münſter , ja

faſt die meiſten ;

k) Pancirollus ſagt : Petrus Ramus Lib. 2. Schol. Ma. thematice , Polidor, Vergil . de inventoribus et Stephau. Forcalatus Lib. 4. de Iniper. et Philof. Gallorum dict. Berth . Schwarz vel Constant. Ancklitzen pulverem py. rium et bombardas invenifle conſentit.

44

Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum .

meiſten ; wenn man es jedoch nåþer unterſucht , blos aus dem Grunde, weil ſie dem Polydor Vergilius zuviel getrauet , und alsdann einander ausgeſchrieben haben .

Andere, welche ſelbſt unterſuchten , wie Ga 8 :

ſer und aventin, regten die Zeit der Erfindung der Pulvergeſchüße um das Jahr 1354. Ich werde un: ten Gelegenheit haben , noch einmal hiervon zu reden, wenn ich vorher die erſte init klaren Worten bemerkte Unwendung der Pulvergeſchüße erwåbnet gabe. S.

zum Kriegsgebrauch

7.

Bei aller Wahrſcheinlichkeit der früheren Bekannts ſchaft der Araber mit der Zuſammenſezung , und viel: leicht auch Anwendung des Schießpulvers låßt ſich die lektere doch nicht früher, als im Jahr 1342 bei der Be : lagerung von Algeciras in Spanien erweiſen. Hier erzählt Mariana nach des Juan Nunnez de Vil:

! laſan, Hofrichters und Oberpolizeimeiſters König Heine richs 11. von Kaſtilien , Chronica del Rey Don Alon. fo el onzeno de Caſtilla et Leon , daß die Mauren aus der Stadt mit Feuergeſchüßen auf die Spanier und igre Kriegsınaſchinen geſchoſſen , und dieſe da: durch zu Grunde gerichtet. Der König hatte nemlich über zwanzig . Schießmaſchinen (engennos) errichten laſſen , die durch ibr richtiges Treffen der Stadt viel Schaden zufügten . Die Mauren pflanzten ebenfalls Kriegsmaſchinen dagegen auf, womit ſie die Bógen der chriſtlichen Maſchinen zerſchmetterten , ſobald man ſie erhob , un damit zu ſchieſſen. Der König ließ des: wegen zwei von den Genueſern zu Sevilien verfer : tigte Werfzeuge (trebuchets ), jedes aus einer Wurf: ſtange mit zwei Kåſten beſtehend , aufſtellen ,

die ſehr

ſtark warfen , um damit die Maſchinen der Belagerten

1. Erfindung der Feuergeſchüte.

45

zu vernichten , denn aber die übrigen Kriegsniaſchinen und Werfzeuge beranzubringen. Die Belagerten aber machten einen Ausfall,

und warfen von der Vor:

mauer mit Thurm : Balliſten und mit krachenden Bal: liſten , beſonders mit lekteren, viel eiferne Kugeln . Un einem andern Orte ſagt Villaſan ausdrücklich : “ daß „ die eiſernen Kugeln ſolch eine Heftigkeit gehabt , daß „ ſie die Glieder der Menſchen hinweggeriſſen ; als wås s.ren ſie mit einem Meſſer abgeſchnitten worden , und „ daß ſie durch einen völlig geharniſchten Mann fuhren . , Das Pulver aber , womit ſie geſchoſſen worden , „ſei von der Beſchaffenheit geweſen , daß die Verwuna „deten allezeit ſogleich ſterben , müſſen ”. Endlich ers zählt er, daß fünf, mit Mehl , Honig , Butter , ' und Schießpulver (mit Pulver, womit ſie aus der Don: nermaſchine (choſſen ) beladene Fahrzeuge in der Stadt angekommen . Obſchon nun Herr Prof. Teinler in feiner Abhandlung von dem Alter der Erfin : dung des Pulvers !) verſchiedene Einwendungen macht, und hier weder das Daſein der Kanonen noch des Schießpulvers eingeſtehen will , um ſeinen Sak : daß der Gebrauch unſerer jebigen

Pulver :

geſchů Be nicht vierzig Fabr vor 1380'z u erweiſen ſei , zu begründen ; balte ich mnich soch für berechtiget, Villafans Stellen buchſtäblich zu verſtehen , und daher als erwieſen anzunehmen , daß fich die Mauren in algeziras der Feuergeſchüße bez dienet . Daß Villafan weder canon noch bombar da , ſondern immer trueno ſagt , beweiſt nichts ; un : bekannt vielleicht mit der Einrichtung der Geſchüße, belegte erf ſie mit einem Namen , welcher der Art , wie fidh

1.) Hiſtoriſche Abhandlungen der Geſellſch . der Wiſſenſchaften zu Koppenhagen aus dem Däniſchen von Heinze. i Band Seite 231.

46

Geſchichte der Kriegskunſt.

1. Zeitraum.

ſich ihre Wirkung duſſerte, entſprach. Da ſie, wie die Balliſte ihre Pfeile , die Kugeln in einem flachen Bos gen forttrieben ,

war es. ſehr natürlich ,

fie donnern:

41+

de Balliſten ( ballelta à trueno) zu nennen ; ja er braucht ſogar öfterer nur das Wort trueno , der Dona nerer , das ja eben ſoviel ſagt , als das lateiniſche bombarda.

Villaſan

war nicht ſelbſt Augenzeuge

8

ber Belagerung, das iſt klar ; die, aus deren Munde er ſeine Nachrichten erhielt , konnten eben durch ihre Unbekanntſchaft mit der Beſchaffenheit der Bombar : den leicht auf die irrigen Gedanken verfallen : daß die Belagerten mit ihr- der balleſta de trueno - ohne Una terſchied Kugeln und große Pfeile ( faetas) abgeſchoſſen , um ſo mehr , da es nichts ungewöhnliches war , mit einer dazu eingerichteten Schleudermaſchine - balleſta glühend gemachte eiſerne Kugeln zu werfen m ). Daß der Geſchichtſchreiber noch beſonders der fonderos oder Schleuderer von Granata erwähnt, darf niemand bez fremden , da ſich bekanntlich die erſte Anwendung des Schießpulvers nur auf grobes Geſchüß einfchrånfte, und man erſt ſpåter auf die Verfertigung leichter Hand : rohre fiel. Um ůberzeugendſten iſt jedoch die beſchrie: bene Wirkung der abgeſchoſſenen Kugeln , den keine Balliſte oder kein anderes Werfzeug eine ſolche Ges ſchwindigkeit inittheilen kann , daß fie im Stande wå : ren ,

die Glieder der Soldaten ,

gleich einem Meſſer

. abzuſchneiden. Dieſes ſtimmt zu ſehr mit dem über: ein , was wir täglich in Schlachten reben , als daß uns. þier noch ein Zweifel übrig bleiben könnte. Es fält zugleich

m ) Aegidius Colunna ' Romanus fagt ( De regi. mine principum P. 3. L. 3. c . 22 ) : Magnum ferrum bene igniatur , quod bene ignitum ponatur fuper fun dam ex ferro textam , et projiciatur ; und an einem ans dern Orte : per fundas, ex" ferro textas jacientes ignita ferra ; endlich Contra caftra multum valent ignita ferra .

>

1. Erfindung der Feuergeſchůke.

47

zugleich in die Uugen , daß in jenem Zeitalter , wo die Wundarzeneikunft noch in iþrer Kindheit war , und wo es bei den Heeren weder Feldårzte noch Hoſpitåler gab ,

die durch Stücklugeln verwundeten nothwendig

ſterben muſten “). Es bedarf keines Giftpulvers , um die Kugeln beim Abſchieſſen damit zu beſtreuen oder es unter das Naphta zu miſchen ; felbſt noch jeßt muß H 9: gea alle Kräfte aufbieten , die durch Stückkugeln ver : wundeten beim Leben zu erhalten . Auch D. Diego Ortiz de Zuniga erzählt in ſeinen Annales de Se villa L. 5. p. 199. von der Belagerung von Alge: ziras : “ Die Belagerten ſchoſſen (wie die Chronik ſa: „get) aus den Donnermaſchinen eiſerne Kugeln , fo „ groß als Zepfel”. Da nun im Villaſan hiervon nichts ſtebet, muß nothwendig von einer andern Chro: nik die Rede ſein , welche daſſelbe ſagt , und dadurch die Wahrheit noch mehr beſtåtiget : daß die belagerten Mohren in Ulgeziras þabt.

wirklich Pulvergeſchüke ge:

.

8.

Ja ſchon zehn Jahre früher findet man der Pul: vergeſchůße in Spanien erwähnt, denn als der Mau: riſche König von Granada 1331 Alicante belagern wollte , verurſachte eine neue Maſchine, die er nebſt andern Kriegswerkzeugen zu dem Beſchieſſen Dieſe der Mauern bei fich hatte , großes Schrecken. Maſchine ſchleuderte eiſerne Kugeln ,

die durch Feuer

fortgetrieben wurden ") , und iſt offenbar nichts anders , als eine Kanone der ſpåteren Zeiten.

Aus Manget bes

D ) Hiftor. Abhand. der Geſellſch. der Wiſſenſchaften zu Kops penhagen S. 235. I Bd . der Deutſchen Ueberſegung. ) Zurita Annales de la Corona de Aragon , 2. Tom. Lib . VII, cap . 15.

48

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

beweglicher Gerüſte zu den Feuergeſchüßen ſowohl, als weil ſie an ſich ſelbſt zu groß und unbehůlflich waren ; konnten ſich die Mohren im Feldkriege einer Erfindung nicht bedienen , die ihnen gewiß allezeit den Sieg vera ſchaft þaben würde. Hier fochten ſie nach der allgemei: nen Sitte blos mit Pfeilen und Handgewehr, und ſo wurden im Jahr 1340 am Salado : Fluſſe obnweit Tariffa die gegen 60000 zu Pferdeund 400000 zu Fuß ſtarken Heere der vereinten Mobriſchen Könige von Marokko , Benamarien und Granada durch ein nicht völlig balb ſo ſtarkes Heer von Caſtilianern und Portugieſen geſchlagen und gånzlich zerſtreuet " ).

8.

9.

Von dem Belagerungskriege gieng der Gebrauch der Feuergeſchütze zuerſt auf die Flotten über , doch fin : den ſich auch hier noch wie dort nur einzelne Spuh : ren in den Geſchichtſchreibečn ,' entweder weil die Schwierigkeit der Verfertigung der Geſchůke und der dazu nöthigen Geſchoffe ihrem Håufigeren Gebrauche im Wege ſtand ; oder vielleicht auch , weil die Schrift: ſteller jenes Zeitalters nicht darauf achteten , und einer Sache nicht weiter erwähnen zu dürfen glaubten , die ſie ſchon

einmal als eine neue Erfindung aufgeführet batten . Sicher iſt es : daß von den Mohren der Ge: : brauch dieſes merkwürdigen Kriegswerkzeuges zuerſt ju

den – bald mit ihnen verbündeten , bald wieder ges Spaniern übergieng P). gen ſie im Krieg begriffenen Denn als im Jahr 1359 der König von Aragonien ,' D. Pedro der Vierte, von dem König von Caſti: lien in Barcelona angegriffen ward , lies er nicht nur am Ufer vier große doppelte Werfzeuge ( brigolas de dos -o) Zurita a. a. O. Lib. VII. cap. 53. P) Ebendaf. Lib . IX . cap . 23.

1.

Erfindung der Feuergeſchüße.

49

dos caxas ) aufſtellen , um die Schiffe durch ſie zu ver : theidigen ; ſondern þatte auch auf einem ſeiner größten Schiffe eine Bombarde, die durch Feuer mit künſt: lichem Pulver abgeſchoſſen ward, und mit zwei Schůs: ſen die beiden Caſtelle eines Caſtiliſchen Schiffes nebſt: dem Maſtbaum deſſelben zerſchmetterte, und viele Leu: te verwundete. Dorchon nun weiter keiner Bombarden erwähntwird , ſondern die Caftiliſchen Schiffe auf ih: ren Hintertþeilen blos damals übliche Maſchinen zum Steinwerfen þatten , feßt doch der Geſchichtſchreiber hinzu: jene hölliſche Erfindung ſcheine damals ſchon ziemlich gebråuchlich geweſen zu ſein) . S.

10.

Bei dem faſt gånzlichen Stillſchweigen der gleich : zeitigen Geſchichtſchreiber låßtes ſich nicht wohl beſtim : men , wie und wann eigentlich der Gebrauch der Feuers geſchüße ſich auch bis zu den übrigen Heeren Europens verbreitet hat . Einige Franzöſiſche Geſchichtſchreiber ſagen : daß die Engelländer ſie zuerſt gegen die Frans joſen , 9) Zurita a. a. 0. Lib. IX. cap. 23. Las naos genueſos del Rey de Caſtilla trayen en popa ciertos trabucos y maquinas , con que lançavan piedras, pero hazian tan poco effeto , que ſegun el Rey eſcrive en ſu hiftoria , los de tierra hazian gran burla y eſcarnio de ver que todas davan in vazio . Tambien es coſa de notar lo que en la misma hiſtoria eſcrive , que una Lombarda , que eſtava en la nao grande del Rey de Aragon , que enton. çes llamavan bombarda , y era tiro de fuego , con pol. vora artificial, hizo tanto danno en una nao de las del Rey de Caſtilla , que le llevo los caſtillos y el arbol , y hirio mucha gente de dos tiros , que diſparo . Por que , quanto conjeturo , es- eſte lo que en la hiſtoria de Caſtilla llaman truenos ; y parece ſer ya muy refada en eſtos tiempos aquella invencion infernal. 3

Boyer's Heuere Kriegsk. I. Th.

50

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum.

zoſen ;

und zwar vorzüglich bei Belagerungen anges

wendet , obſchon Hr. Temler (Hiſtoriſche Abhandl. der Königl. Geſellſch. der Wiſſenſch. zu Kopenbagen Ir Bo . Š . 163 ) behauptet: es werden auch bei ihnen durch die Worte canon und bombarde keine Feuerge: ſchüße, ſondern bloß gewöhnliche Kriegsmaſchinen des Mittelalters verſtanden , init denen man Steine fort: ſchleuderté.

Ulein ,

Froiffart bedient ſich keines:

weges beider Wörter ohne Unterſchied , fondern bezeichs net die eigentlichen Werfzeuge jedesmal durch

engins,

und ſagt im 1. Theil ſeiner hiſtoire und Chronique an keinem Orte , daß die Franzoſen ſich der Feuergeſchüße bedient ) , ſondern ſchreibt den Gebrauch derſelben al: lezeit den Engelländern zu °). Man kann daher auch füglich mit Herrn Temler annehmen : in des Du Drach Rechnungen von der Belagerung von Puy -Guillaume müſſe anſtatt poudres gefekt werden pouctres , wo es dann Balken zu den Gerüſten der Werfzeuge bedeutet, weil ſich doch ſonſt nirgends einige Spuhr von der Un: wendung

Man ſehe Froilfart a . ai 0. Tom . I. cap. 66. 82. 88. 107. wo der Graf von lallin , des Königs von Frants reich Statthaler in Gaſcogne, Luteroché belagerte und aus Toulouſe 4 große Werfzeuge ( engins) bringen lieb, womit ſie das Schloß 6 Tage lang Tag und Nacht bes ſchoſſen , daß die Beſakung fich in das Erdgeſchoß und die Gewalber flüchten mußte . s)

Der Graf von der Normandie fam im Jahr 1340 bis an die Barrieren von Quesnoy , und ſtellte ſich , als wollte er és belagern ; es war aber mit Kriegsleuten und Geſchůg ( grande artillerie ) wohl verſehen . 218 daher die Franzoſen vor dem Graben ſcharmuzirten , trieb file die Beſakung durch Kanonen und Bombarden zurück , die große Steine ſchoſſen (denn quarreau wurde nicht allein für Quaderſteine , ſondern auch für große Pfeile und für Donnerkeile gebraucht) Froilfart cap.48.

1. Erfindung der Feuergeſchůze. wendung des Feuergeſchüßes um den Franzoſen findet. del S. II .

SL

das Jahr 1338 bei

Es iſt faſt eben ſo allgemein widerſtritten als bes þauptet worden, daß die Engelländer in der bekannten Schlacht bei Crecn den 26. Auguſt 1346 Kanonen bei ihrem Heere geħabt, weil nicht alle Geſchichtſchrei: ber bei der Beſchreibung dieſer Schlacht darinn úber: einſtimmen ,

denn weder Baker ) ,

noch

inng :

thon “) noch das Leben der Könige von England) , und ſelbſt Froiſſart ) erwähnen etwas davon . Nach ihneu ward es den ausgeruþeten Engelländern leicht, die durch einen langen Marſch ermüdeten Frans joſen zu ſchlagen. Philipp , König von Frankreich , wollte zwar ebenfalls ſeine Truppen die Nacht hindurch ausruhen laſſen , er befahl daher den vordern Haufen zu halten , und die hinteren heran kommen zu laſſen . Dieſe aber , nichts davon wiſſend , abnden hier ein zaghaftes Zaudern und jagen bei den vorderen vorbei, die jeßt ihrerſeits fich nicht den Vortritt abgewinnen laſſen wollten , ſondern ebenfalls raſch vorwärts ritten. Die einen wie die andern kamen dadurch aus ihren

Glies t) Richard Baker Chronicle of the Kings of England unto the death of James I ; whereunto is added the reign of Charles I et II. London 1696. fol. S. 120. u ) Henr. de Knygthon , Canonic. Leyceſtrenf. de Eventi. bus Angliae in den Scriptoribus antiq. Hift. anglica . nae. Seite 2588 . v ) Compl . hiſtory of England with the lives of all the Kings. fol. 1

w ) hiſtoire et Chronique de Melire Jehan de Froilart fol. Part . I, S. 150 .

52

Geſchichte der Kriegskunſt.

I. Zeitraum .

Gliedern , man zog den Degen , und ſtürzte unter ftes tem - Ruffen à la mort , in voller Unordnung auf die Vergebens waren alle Vorſtellungen Engelländer los. der Genueſiſchen Armbruſtſchüßen , die - Isooo an der Zahl – dieſen Tag völlig geþarniſcht und mit ihren ſchwe: ren Armbruſten 6 Stunden Weges marſchiret waren ; ſie follten und mußten das Treffen anfangen , obgleich zum Ueberfluß ein þeftiger Gewitterregen fiel, und die Seh : nen der Urmbrůſte erſchlaffte. Dreimal erhoben ſie ein fürchterliches Geſchrei und ſchoſſen dann ihre Bolzen die bis zur Annabe: ab , während die Engelländer n ſen geordnet , Sturma Reihe ihre in rung der Franzo der Erde geſes : , auf liegend ſich vor þaube und Bogen eten. Sobald aber fen þatten s dies ruhig erwart die Genueſer abgeſchoſſen hatten, rückten die Engliſchen Schüben Einen Schritt vor , und überſchütteten jene mit einem dichten Pfeilhagel. Als die Genueſer dieſes auf Kopf und Schultern fühlten , ſchnitten die meiſten die Sehnen ihrer Armbruſte los , ja viele warfen die lektern von ſich , und fingen an zurück zu weichen . Der Graf von Alençon ,

der

dies rah ,

ſtürzte init der

Reuterei über ſie her , und þieb ſie nieder , wåhrend die Engliſchen Schüßen ohnaufhörlich auf dieſe verwirrten Haufen ſchoſſen , und dadurch den Sieg vorbereiteten, den die Engliſche Reuterei gemeinſchaftlich mit den, mit gros : fen Dolchen bewafneten Waliſern und Kornwalliſern Zwar þatten die Grafen von Alençon vollendeten. und Flandern mit ihrer Reuterei die Engellander wůthend angegriffen , und würden vielleicht den Sieg 1 noch auf die Seite der Franzoſen gewendet haben, wenn ihnen nicht die Engliſchen Schüßen gleich einer feſten Denn obgleich dieſe die Mauer widerſtanden håtten. Flucht der Genueſer und der von ihnen mit fortgeriffe: nen Franzöſiſchen Reuterei ſaben , wich doch keiner aus

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M

1.

Erfindung der Feuergeſchůke.

53

aus feinen Reihen , um zu tödten oder Gefangene zu machen. Erſt des folgenden Tages ſchichte der König von Engelland obngefår soo Lanzen ( oder geþarniſchte Reuter) und 2000 Schüßen aus , um zu ſehen , ob ſich noch etwas von den Franzoſen geſammelt båtte , und es aus einander zu treiben . Sie trafen noch ver: ſchiedene Partheien an , die nichts von der vorgefalle: nen Schlacht wußten , ſondern noch daran Tþeil neh : men wollten , aber einzeln von den Engelländern ange: griffen und aufgerieben wurden .

Zwei Ritter und drei

Herolde , welche die.Todten und ihre Wappen unters fuchten , fanden von beiden Seiten 11 Fürſten , 80 Bannerøerren , 1200 Ritter und etwa 30000 gemeine Soldaten auf dem Plake ; denn die Engelländer batten ſich untereinander verbunden , keine Gefangene zu ma: chen , ſondern alles zu tódten , was in ihre Hände fiele. Aus dieſer Beſchreibung jener merkwürdigen Schlacht ergelet : entweder , daß wirklich noch keine Feuerges ſchüße dabei gebraucht wurden ; oder daß ſie nur eineganz unbedeutende Wirkung thaten , daßer ſie von den ſpå: teren Geſchichtſchreibern keiner Erwähnung gewürdiget wurden *).

$. 12 ,

x ) In den Grandes Chroniques de France , vulgairement de St. Depis. fol. Paris, iſt die Schlacht bei Crecy ebens fals beſchrieben . Nachdem hier der Geſchichtſchreiber ers jåhlt hat , daß man dem König von Frantreich gerathen : die Engellander nicht anzugreifen, fährt er fort : - mais s'en alla à toute la gent affembles aur anglois. Les quels Gene getterent trois Canons . Dont il advint , que les tour. , front prem au ier vois arbaleſtriers, qui eſtoient nerent le dos, et laiſſerent le traire ; li ne ſçet - on ce fut Toutefois l'on di par trahiſon , mais Dieu le ſçait. ſoit communement que la pluie , qui cheoit avoit fi mouillé les cordes de leurs arbalêtres , que nullement ils

54

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

B.

I 2.

Das lektere wird dadurch einigermaßen wahrſchein : lich , weil der König von Engelland unmittelbar nach der Schlacht bei Eresy die Stadt Calais belager: té , und hier , um ſie von der Seeſeite einzuſchlieſſen ; einen aus ſtarken Balken geziminerten Thurin gégen die Stadt aufrichten lies. Dieſer Thurm ward mit Werfzeugen , Bombarden ' , Bogen und andern Ge: wehren ausgerüſtet , und mit 40 Geharniſchten und 200 Schüken befekt ”). Als hierauf Philipp von Valo i $ zum Entfak Herbei eilte , ſchickte ihan Der König von Engelland -alle ſeine Schiffe entges gen , die reichlich mit Bombarden , Balliſten , Schůs ken und Werfzeugen verſehen waren , ſo daß die Frans zoſen nicht durchzudringen in Standé waren.

S. 13 . Obwohl ſich nun als wahr annimmt

wenn man dieſe Zeugniſſe 2 ) der Gebrauch der Feuergeſchüße in

ils ne pouvoient traire ne tendre, si s'en.commence ' reut les Genevois à fuir et moult d'autres nobles et non .nobles li tôt comme ils virent le roi en peril fi le lais Volum , fecond fol. 215 et 216. ſerent là et ſe fouirent. y. Le Roi d'Angleterre , qui ne pouvoit conquefter la ville de Calais fors par fainine , fit charpenter , pour four clotre le pas de la mer , un chaſtel, gränd et haut , de longs mesreins , tant fort, et fi bien breteché, qu'on ne l'euft pu grevér; et fit ce chaſtel aſſeoir droit ſur la ville du cofté de la mer , et le fit bien pourvoir, de Eſpringalles , de bombardes , d'arcs et d'autres inftru 1 ments . Froiſſart a. a. Q. cap. 144. z) Froiſſart cap . 158. 193. 268. u .1. iv . wo die Engellander bei der Belagerung von Roches für : yon Kanonen und Werfzeuge (eſpringalles) aufſtellten , die ſich bei ihs rem Heere befanden , und die ſie ſchon lange mitzufühs ren gewohnt waren (qu'ils avoient de pourveance dans leuroft et de longtems 'uſage de les inener).

A

1. Erfindung der Feuergeſchüße bei den Engeli. 55

in der Mitte des vierzehnten Fahrhunderts nicht ohne Grund vermuthen låßt, waren ſie doch theils noch ſehr felten, theils mochte wohl die Verfertigung des Schieß: pulvers vorzüglich große und nicht leicht zu überſteigen: de Hinderniſſe in den Weg legen , zu einer Zeit , wo der Salpeter noch lange nicht in der Menge erzeugët oder vielmehr bereitetward, als in den folgenden Jahr: þunderten. Es darf uns daher nicht befreunden , wenn wir bei den Franzöſiſchen Heeren der Kanonen und Bombarden erſt ſpåt erwähnt finden und wenn ſelbſt die Engeländer ſich iører nicht in Schlachten und Tref: fen bedienten . Sie waren überhaupt durch ihre Größe und durch die Gerüſte, auf denen ſie lagen , um ſo we: niger dazu geſchickt ; weil man immer gleich Handges mein ward , wo der beſiegte Theil nothwendig allezeit ſein Geſchůk verlopren baben würde. Ueberhaupt was ren die Treffen jenes Zeitalters faſt nichts als Reuters gefechte, zu deren Ausſchlag die Armbruſtſchußen nach Verſchiedenheit der Umſtånde mehr oder weniger beis trugen . Bei Poictieres hatten ſich die Engelláns der hinter Hecken und Zäune geſtellt , wo die Franzos fiſche Reuterei nicht in fie einbrechen konnte , ſondern durch ihre langen gefiederten Pfeile in Unordnung ges bracht wurde. Denn die verwundeten Pferde wollten nicht fort, ſondern båuinten und ſtürzten mit ihren Herren zu Boden , die dann in ihrer ſchweren Rüſtung nicht wieder aufſtehen konnten , daß die hervorbrechens de Engliſche Reuterei ſehr leichtes Spiel hatte * ). S.

14 .

So ſchwer es iſt , den Erſten Gebrauch der Feuers geſchüße bei den Engelländern und Franzoſen zu beſtim: men a ) Die Schlacht fiel den 15ten September 1356 vor. D4

!

56

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

men , die doch die meiſte . Gemeinſchaft mit den Spa: niern hatten ; eben ſo unſicher und widerſprechend find auch die Nachrichten von det früheſten Anwen: dung dieſer Kriegswerkzeuge bei den Deutſchen und bei andern noch mehr entfernten Nationen. Daß ſie nicht vor der Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts ftatt fin : den konnte , fließt ſchon für ſich ſelbſt aus der Natur der Sache, ſtimmt auch mit den Behauptungen derjes nigen Deutſchen Geſchichtſchreiber überein , die nicht von der Meinung angeſteckt waren : daß die Feuerges fchůke erſt um das Jabr 1389 erfunden und gebraucht worden wåren.

S.

15 .

Nach des Herri von Stetten Verſicherung 6) foll fich'in déin Umberger Zeugbauſe ein altes Geſchů mit der Jahrzahl 1303 befinden , welches allerdings ein übeězeugender Beweis von dem frühen Alter dieſer Er: Ulein, inan findet in findung in Deutſchland wåre. keinem Deutſchen Geſchichtſchreiber Spuhren von der Anwendung der Feuergeſchůße in der erſten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Es läßt ſich daher nicht oh: ne Wahrſcheinlichkeit vermuthen : daß der Verfertiger des Geſchůkes in der Jahrzahl ein C zu wenig geſekt , und MCCCCIII ſchreiben wollen ; welche Meinung auch ſchon Gram (in ſeiner Abhandlung von dem Alter Des der Erfindung des Pulvers ) duſſert. Geſchüßes und Pulvers in Deutſchland wird zuerft in den Nürnbergiſchen Ausgabe: Rechnungen vom Jahr 1356

Erläuterung b ) Paul von Stettent des junger ber in Kupfer geſtochenen Vorſtellungen der Reichsſtadt Augsburg , 1765. Seite 65. auch Burch Handbuch der Erfindungen zr Th. S. 68 .

11 3

1. Erfindung der Feuergeſchüße.

57

1356. erwähnt ) ; und in den Niederlanden kauften in demfelben Jahre die Einwohner von låven zwölf Bom: barden ) , deren ſie ſich Ein Jahr darauf in dem Tref: fen zwiſchen den Brabantern und Flåmingern bedien : ten.

Es iſt ſehr waßrſcheinlich , daß die Geſchüſe und das Schießpulver aus den übendländiſchen Gegenden Europens durch die Kaufleute oder auch durch die , in jenen Zeiten dem Kriege nachziehenden Kriegsleute auch in den mehr gegen Morgen und Mitternacht liegenden Ländern bekannt wurden , und endlich ſich durch den Handel über ganz Europa vorbreiteten.

Die großen Handelsſtådte, Nürnberg , Augsburg , Lübeck , Ulm u . . w. waren durch ihren Reichthum im Stan: de, ſich dieſe neuen Kriegsmaſchinen in großerer Mens ge, als ſelbſt die Deutſchen Fürſten , anzuſchaffen , und bald zog der Handel , d. 5. die durch ihn eröffnete Ausſicht zum vortheilhaften Åbſaß ihrer Fabrikate Wirklich Geſchüßgieſſer und Pulvermacher dahin . brannte im Jahr 1360 das Rathhaus zu Lübeck durch die . Unachtſamkeit der Pulvermacher ab , wie Her : mann Corner aus der Lübeckiſchen Chronik erzå5 let ). S. 16.

e) Kleine Chronik Nürnberg$ 1790. 6. 20. Merkwürdigs a teiten der Stadt Nürnberg. S. 675. Buſch a. a . O. *6r Th . S. 152. d) Petrus Divåus de rebus Brabantiae lib . 15. p. 170. nach Grams Citat. in den Hiſtoriſchen Abhands lungen der K. Dån . Geſellſchaft der Wiſſenſch. zu Kops penhagen ir Ch. 8.81 der Deutſchen Ueberſegung. e ) Hiftor . Dan . p . 1102. Confiftorium urbis Lubecenfis in eenſum eft et combuftum per negligentiam illorum , qui pulveres pro bombardis five petrariis parabant, fecun Cum enim praedictos dum Chronicam Lubecenſem . 1 prae.

1

58

Geſchichte der Kriegskuuſt. 1. Zeitraum .

S.

16 .

Von dieſer Zeit an , hatten die Fürſten Deutſch lands auch hie und da Donnerbůchſen oder Bom : barden , wenn ſie feſte Stådte und Schlöſſer belager: ten ; oder ſie verſaben die leßtern beiden dainit zur Ver : theidigung gegen feindlichen Ungriff. Als daher Mark : graf Friedrich von Meiffen im Jahr 1365 Eins beck belagerte , und Werfjeugé und Sturinbocke da : vor aufrichten ließ , hatte Herzog Ulbert von Braun : fchweig eine Büchre auf dem Schloſſe , womit er des Herzog Markgrafen Kriegsmaſchinen zerſchoß ' ). eig chw 0 e us unſ allerlei 137 hatt von Bra Magn Werfzeuge und Donnerbüchſen bei feinem Heere 8 ). Die Feuergeſchůke wurden nun håufiger, und im Jahr 1372 ſchoſſen die Augsburger aus 20 metallenen Stein : büchren auf Herzog Johanns von Bayern Heer , das ſie belagerte ). Sie hatten dieſe Geſchüke erſt in demſelben Jahre gieſſen laſſen, und funfzig groſſe Pfund Seldes

praeparaffent, locabant eos in quodam loco Confiftorii non caute cuftoditos ab igne. Pulveres ergo per inců. riain voete accenfi , domum ipfam fuccenderunt, et an tequam extingui poffent , eam in cineres redegerunt. Hiſtor. Abhandlungen d . R. Dån . Geſellſch. der Wiſſens ſchaften im I. Bde. Grams Abhandl . von dem Alter der Erfindung des Schießpulvers p . 68 .

f) Rothe erzählt in ſeiner Thüringiſchen Chronik: " Der Marggraf lieſs ein werg inachin , die man zu dem Slos ſe tribin ſolde , unde do hatte her (Herzog Albrecht) eyne Blibuchſin off dem Sloffe , und ſchoz darmede yn das Werg. Diz war dy 'erſte Buchſe , dy in delin, Lan din vornomine ward. Gram a .a . D. g) Putters Handbuch der Deutſchen Reichshiſtorie. Osts tingen 1762. 6.392. Buſch Handb. der Erfindungen 3. Th . S. 69. und 6. Th . S. 153. b ) Paul von Stetten 4. A. O. S.65.

1. Erfindung der Feuergeſchüße.

59

Auch zu Speier fand let : Geldes dafür bezahlt ' ). mann beim Jahr 1372 in den Stadtrechnungen an : geführet: “ 2 Pfund 33 Schilling 4 Pfennige gab man dem neuen Meiſter , der mit den Büchſen ſchieſſen kund, und ward viel auf Büchſen und Armbruſt gewendet”.

S.

17 .

Von Deutſchland aus verbreitete ſich der Gebrauch der Pulvergeſchüße nach und uach weiter in die Mitter: nåchtlicheren Lånder Europens. In Dånneinarl ſchei: nen ſie um das Jahr 1372 ſcholi ziemlich gemein ges weſen zu ſein , denn es wurde einem Bürger aus Ris pen , Namens Niklas van Rüne der Kopf abge: fchlagen , weil er dem Feinde auf dem Schloſſe Gram zwei Fåßgen mit Schwefel und Schießpulver k) zuge : führer hatte , wie eine in neueren Zeiten aufgefundene Urkunde zur Genůge beweiſt. Die Erſte Spur von der Unwendung des Feuergeſchükes in dieſen Gegenden findet ſich in der Seeſchlacht zwiſchen den Dånen und den Hanſeeſtådten 1361, wo Herzog Chriſtoph , König i ) A chilles Gasſer ſagt in ſeinen Augsburgiſchen Annas 1 len col. 1507.: Viginti aenea tormenta , quae vulgo pi. xides vocant , precio quinquaginta maiorum librarum nummi , priino omnium , pro Reipubl. uſu , fibi fundi curarunt. 2013reitter erwähnt ihrer auch in ſeinen Annal. Boicae gentis , P. II. Lib. 5. 6.34 und ſagt davon : ad explodendos faxorum globos , rudi adhuc iaculandi arte , et in deftinandis ictibus longe minus quam hodie ingenioſa. S. auch Cruſe Annal. Suev. Lib. 5. P. 3 . p. 283.

k ) duas lagunculas plenas ſulfure , di & a Swauel , et ſal. Die ganze Urkunde ſtehet im peter dicta Byſs - Krwd. 1. Bd. der biſtoriſchen Abhandlungen der Geſellſch . der Wiſſenſchaften zu Koppenhagen Seite 73. der Deutſchen Heberſebung.

60

Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum .

König Waldemars III von Dånnemark Sobn von ? einer Bombarde verwundet ward ' ). In Schweden foll das Pulver ain Ende des Jahres 1400 bekannt worden ſein , doch finden ſich weder im Jobannes Magnus noch im Kranz deutliche Beweiſe (Stok: bolmer Magazin 1756. 3. Th. S.186 .). Ariſtoteles von Bologna lehrte um das Jahr 1475 den Ruſſen das Gieſſen der Feuergeſchüße , und ſie rollen ſich derſelben bei der Belagerung von Fellin 1482 zuerſt bedient haben m ). Etwas früher wurden fie vielleicht in Poblen bekannt ; doch läßt ſich auch hier nichts mit Gewißheit behaupten ; denn Dlugoffus , einer ihrer vorzüglichſten Geſchichtſchreiber erwähnt der Bombarden ſchon bei der Belagerung des Schloſſes uſcie durch Wiadislaus den Großen im Jahr I 226 , und beweiſt dadurch : daß er die Werfzeuge der Vorzeit unrichtig mit dem Nainen der ihm bekannten Feuergeſchüße Beleget, deren er in der Folge bei den Jah: ren 1256 , 1307 , 1330, 1362 u . f. f. immer wieder er: wähnt , wo man denn nicht entſcheiden kann , ob ålte: re Kriegsmaſchinen oder wirkliche Feuergeſchůße zu ver: ſtehen ſind ? 17 S. ..

Da die beiden Freiſtaaten Italiens ,

Venedig

und Genua in beſtåndiger Verbindung mit den gros: ſeren Abendländiſchen Reichen :

Spanien ; Frankreich und Engelland, ſtanden , mußten ſie nothwendig auch

bald mit dem Gebrauch der Feuergeſchůke bekannt wer: den.

1) 1bert Kran ; Vandalia Lib. 8. c. 38. m ) Buſch Handbuch der Erfindung . 3. Th . S. 70. WOS ſelbſt Bacineiſter Eſſai ſur la bibliotheque et le Cabinet des Curioſités de l'Academie des Scienc . à St. Petersbourg 1776 angeführt wird , doch ohne náhere Beſtimmung der Stelle.

"1

1.

den.

Erfindung der Feuergeſchüße. ;

Petrarka ſchreibt im Jahr 1366 :

61

" die Feux

ergeſchůke feien kürzlich noch ſelten geweſen , jezt aber ſo gemein ,wie jede andere Art von Waffen ” ). In einem

Briefe hingegen ,

den er drei Jahre früher an

den Erzbiſchof Guido Septimus zu Genua ſchrieb , um ihm den Zuſtand Frankreichs zu ſchildern , wohin ep im Jahr 1360 von einigen Jtalieniſchen Für: ften geſchickt worden war , ſagt eć kein Wort von den Pulvergeſchüken , obgleich er der andern Kriegsgeråthe erwähnt. Dies ſtimmt auch mit der Bemerkung über: ein: daß nach Froiffarts Zeugniß. (a . a . D. Fieße oben ) die Franzoſen ſich erſt gegen das Jahr 1370 der Fruergeſchüße bedienten , die ſie vielleicht von den' mit ihnen verbündeten Spaniern erhalten , oder den mit iğnen beſtåndig im Kriege begriffenen Italienern abge : lernt þatten. Die Italieniſchen Geſchichtſchreiber er: måbnen der Feuergeſchüke im Jahre 1372 , wo ſich der Fürſt Galea; derſetben bei der Belagerung von afti bediente , während die Genueſiſche Befakung der Stadt ſich ebenfalls mit Werfzeugen (Manganis) und Bombarden vertheidigte.

Uuch hatten die Paduaner inn

n) Petrarta ſagt niemlich in ſeinem Buche de remediis utriusque fortunae, das er dem Fürſten von Parma , azo de Corregio zueignete : Habeo machinas, in . gentia faxa torquentes. Saxa torquere furiofum eft. Habeo machinas 'et baliſtas innumeras. Mirum , niſi et glandes,aeneas , quae fiammis inie&tis horriſono to: nitru iaciuntur. Non erat fatis de coelo tồnalitis ira Dei immortalis, honjuncio ? O , Crudelitas iuncta fuper biae ! De terra etiam conuiffet : Nou imitabile fulnien , út Maro ait , humana rabies imitata eft , et quod e nu . bibus mitti ſolet , ligneo quidem , fed tartarco mittitur inſtrumento . Weil nemlich die Erſten Feuerbüchfen aus eiſernen Ståben zuſammen gefeßt , und in einen holzer's nen Block verſchloſſen waren , ſo daß fie blos aus Holz gemacht zu fein ſchienen .

.

62

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

im Jahr 1374 nehrere Bombarden , womit ſie das las ger der Venezianer befchofſen :9). Ein gleiches findet man bei der Belagerung von Feltri und St. Lorena 30 , wo ſich Belagerer und Belagerte der Bombarden bedienten P). Da wir jedoch uns hier dem Zeitpunkte nåbern ,

wo man das Feuergeſchüß häufiger und

in

größerer Menge findet und wo felbſt kleinere Feuergez wehre vorkommen , werden wir uns im Zweiten A6 ſchnitt mit dieſem Gegenſtande beſchåftigen , und dann beim Schluſſe dieſes Zeitraumes eine allgemeine Uebers, ficht der Kriegskunſt in demſelben geben.

Zweiter ! Abſchnitt. Die Feuergeſchüße werden häufiger gebraucht und auch als Handgewehr angewendet.

S.

1.

Die Epoke des wegen Chioja zwiſchen den Venes gianern und Genuefern geführten Krieges jeigt uns eine faſt ununterbrochene Unwendung der Feuergeſchůze Zwar ſollen ſchon und noch dazu oft in großer Menge . die Engelländer im Jahr 1378 bei der Belagerung von St. o) Galeazo Gatari Hiſtoria Paduana : Meffer Sinon Lavo inando à Padoua per bombarde infinite , le quali venne ro di preſente , e Vutte quelle , dove erano di neceffità , furono diſcaricate , e ora nel campo de Veneziane gitta te : per la qual coſa con gravi lor danni, e con molti tudine di morti e feriti in quantità , convenne loro ri tirarſi in diſparte. E fue li ferito Mr. Federico Tode ſco lor Marſcalco di una bombarda , per modo che poco co paſſato gli convenne morive.

p ) Siehe Dan . Chinazzo Chronaca della guerra di Chioza tra li Veneziani e Genoveſi in Muratori Scriptor. Italic, fol. Mediolan, 1729. Tom . XV. pag. 709 und 714. 2

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchüge

63

St. Malo 400 Kanonen aufgepflanzt haben , womit ſie die Stadt Tag und Nacht beſchoſſen ; und in dem Treffen 1381 zwiſchen den Bürgzen von Gent , und den mit dem Grafen von Flandern vereinigten Einwohnern von Brügge rođen jene auf Einmal 300 Kanonen abgefeuert þaben "). Ulein , ich bezweifle nicht obne Grund die Wahrheit der Anwendung einer , für jene Zeiten ungeheuern Menge Geſchüßes , die ſich nur ſo als inéglich denken , låßt , wenn man annehmen wil : daß die einen wie die andern, alle ihre Geſchüße, die ſie nur befefſen ,hier zuſammen gebracht. Gewiß iſt es jedoch , daß rowohl die Genueſer als die Venezianer ſich in dem Kriege wegen Ejioza bei allen Gelegen : Þeiten vieler Feuergeſchüße bedienten . Franz Cara : ra , Herr von Padu a beſchoß ein Schloß der Vene: zianer 1378 mit Bombarden ; die Venezianer im Ges gencþeil, die wegen eines feindlichen Angriffs auf ihre Stadt beſorgt waren , befeſtigten ihren Hafen mit zwei großen kölzernen Thürmen ,

die mit Urmbruſtſchußen

und Bombarden in großer Menge befekt waren * ). In dem Seetreffen 1379.thaten die Venezianiſchen Bar: fen , deren jede eine Bombarde auf dem Vordertheile führte , den Genueſern großen Schaden , indem ſie die Seitenwände ihrer Galeeren damit einſchoſſen. Nicht minder wurden im Gefecht bei Brondolo von beiden Seiten viele Bombarden abgefeuert, und die Venezianer behaupteten nur dadurch die Oberband , daß ſie mehr Feuergeſchüße als die Genueſer hatten .

Endlich 2 ) Les Anglois , qui devant fe tenoient , avoient bien 400 Canons, qui gettoient nuit et jour devant et dedans la fortereffe. Froilart 4. a . 0. Part. II. cap . 19. r ) Froiſſart a. a. D. Part. II. cap: 97: s ) Siehe Chinazzo Chronaca della guerra di Chioza in Mu. ratori feriptoribns Ital. T.XV.

64

Geſchichte der Kriegskunft.

I. Zeitraum .

Endlich fehlte es lekteren , als ſie von den Venezianern in Chioja eingeſchloſſen waren ,

þauptſächlich

an

Stůckpulver ) , wodurch ſie denn nebſt dein Manget an Proviant genothiget wurden, ſich zu ergeben . Das durch endigte ſich ein Krieg ,

in welchem zwei mächtige

und reiche Freiſtaaten um die Oberhand rangen , und Wo Venedig durch einige Siege der Genueſer ſeiner gånzlichen Unterjochung nahe war, Trunken von iha rem Gtücke , jauderten jedoch die lekteren , gerade auf Venedig los zu geben , denn ſie wollten vorher ihren Bundesgenoſſen ,

den

Herrn von Padua durch die

kleine Inſel Skinza belohnen, durch deren Eroberung Mittlerweile boten Venedigs fie ſich aufhielten. Bürger , voll patriotiſchen Eifers ,

alle Kråfte auf ,

ihr Vaterland zu retten ; Deutſche Truppen und Deuts ſches Geſchůß wurden zur Unterſtüßung über die Ges

1

birge Herbei geführet, und ſo gelang es ihnen endlich , nach mehreren erfochrenen Vortheilen , die Genueſer ganz in Chioza einzuſchlieſſen. Vergebens waren alle Perſuche eines Entſakes , vergebens das Beſtreben : die Deutſchen , um Sold geworbenen Kriegsleute zum Aufruhr zu verleiten . Die Genueſer mußten fich, aus Mangel an allen Nothwendigkeiten, mit iþrer ganzen Flotte zu Gefangenen ergeben. Um nur fich einiger maßen zu entſchuldigen , gaben ſie vor : die Venezianer

3 feien ihnen weit an Geſchüß überlegen geweſen ; wel: ches in der Folge den irrigen Bahn entſtehen machte : daß in dieſem Kriege wegen Chioja oder Chioggia die Feuergeſchüße überhaupt zuerſt gebraucht worden ſeien.

. 2. t) ebendaſ. Era già a' Genoveli , che erano aſſediati in Chioza , mancata la vittuaria, fuori che il pane , che poco anco era per durare , né haveuano più polvere da . bombarda,

1

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchůße. S.

65

2.

In Deutſchland ſcheinen die Feuergeſchüße damals noch nicht in ſo großer Anzahl geweſen zu ſein , wors an theils wohl die beträchtlichen Koſten der Unfchafs fung, theils auch die Schwierigkeit : das erforderliche Pulver zu erhalten deſſen man bei der faſt unges þeueren Große der Geſchüße immer ſehr viel haben mußte — Schuld waren . So ſagt Hermann Kors ner " ) , daß die Stadt Lübeck dem Kaiſer Kart 1378 vor das Schloß Danneborg nur zwei Bliden oder Wurfmaſchinen gebracht, weil die Donnerbůchs ſen noch nicht ro gemein geweſen . Hier ſcheint es , daß die Lübecker ihre Feuergeſchüße nicht haben berges ben wollen , aus Furcht, ſie zu verlieren oder wenigs ſtens in ſchlechtem Zuſtande wieder zu erhalten , weil ſich Spuren in der Geſchichte finden , daß die Lübecker ſchon vom Jahr 1360 an ſich in ihren Kriegen ſowohl zu lande als zur See der Bombarden oder Dons terbüchſen bedient haben .

$.

3.

Faſt mit der Einführung der großen Steinbüchfent zugleich fiel man auf die Erfindung einer leichteren Art Feuergeſchůße, die beweglich genug wären , um ſich ihrer Im J. als eines Handgewebres bedienen zu können . 1364 iieß die Stadt Perugia fünf þundert Büchſen , einer Spanne lang , verfertigen , die man in der Hand führte, und die dennoch ſo ſtark waren , daß ſie durch jeden Harniſch ſchoſſen * ). . Sie ſcheinen jedoch nicht die . u) Chronic. in Leibnitz. Scriptor. rer . Brunfvicenf. fol. Hannover 1711. pag . 199 .

x ) Pompeo Pellini Hiſtoria di Perugia p. 1007 . Boyer'o euere Kriegsk. I. Th.

-

66

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

1 die erwartete Wirkun

geleiſtet zu haben , weil man ik:

res Gebrauches nicht weiter in Treffen erwähnt findet. Daß dieſe kurzen Handrohre in der Folge Gelegenheit zu Einführung der jeßigen Piſtolen gegeben þaben, fålt in die Augen ; und es iſt wahrſcheinlich , daß man ſie nach einiger Zeit zu Piſtoja in Italien mit einigen Verbeſſerungen wieder verfertigte , und daß man ihnen deshalb ihren gegenwärtigen Namen beilegte.

$. - 4. Anſtatt der nur Einer Spanne langen Fauſtrohre machte man , unter den Namen der Buchſen oder Handró þre, eine Art Feuergewehre, die zwar långer, jedoch auch noch leicht genug waren, uin ſie führen und bewegen zu

können .

Solcher

Büchſenſchüßen

ſtellte

ſchon im Jahr 1381 der Rath zu Augsburg 30 in dem Stådtekriege gegen den Frånkiſchen, Schwäbiſchen und Bayeriſchen Adel » ). Schon zwei Jahre zuvor (den 16. Auguſt 1379) hatten die Genueſer bei Chioggia zwei , vorher von den Venezianern eroberte Saleeren, auf denen ſich viele Bombarden befanden ) .

Da nun

nach damaliger Art nur Ein grobes Geſchůß, d. . eine große Steinbüchſe auf dem Vordertheil der Ga: leeren Raum hatte , läßt ſich nichts anders vermuthen , als daß hier nebſt den großen auch kleinere Feuergeſchů: Auch beim Be oder Handróhre verſtanden wurden .

Jahr 1386 kommen in dem Treffen zwiſchen den Pa: duanern und dem Herrn von Scala - das am 2sten Junius vorfiel einige kleine Büchſen ( bombardelle) wor ;

y ) Buſch Handbuch der Erfindungen I. Th. Seite 174 , der Burt. 3ent Chronik von Augsburg anführet. z ) Andrea Gattaro iſtoria Padovana in Murátori Scriptor. Italic , Tom . 17. S. 296.

2. Häufigere Anwendung der Feueřgeſchüßé. 67 vor " ) ; und im Jahr 1404 erſchienen bei der Muſte: rung die Paduaner , einige mit Rontartſchen oder klei: nen runden Schilden und Wurfſpießen , andere init Armbruſten , mit Bogen und mit Feuerbüchſen ( bom . bardelle ) , andere endlich mit langen Tanzen b ) . Fahres darauf war die Stadtmauer von Pàdua ges gen den Angriff der Venezianer mit vielen Handrohr: ſchüßen befekt). Ueberhaupt verbreitete ſich der Ger brauch der kleineren Feuerrohre viel ſchneller , ſobald man ſie einmal zu verfertigen wußte ;

denn ihre An:

ſchaffung koſtete weniger , und man bedurfte nicht ſo: viel Pulver zur Ladung , während ſie doch den großen für jene Zeiten höchſt wichtigen Vortheil gewähr: ten : daß kein Harniſch , keine Rüſtung , wie ſie auch immer beſchaffen ſein mochte, ihnen zu widerſteben im Stande war . Als daher Herzog Wilhelin von Sachſen im Jahr 1447 bei Erfurt vorbei zog , eilten die Bürger mit vielen Hand bůch ſen zur Vertheidi: gung auf ihre Mauern d ). Man ſiehet hieraus : daß diejenigen irren, welche glauben , daß die Muſketen , oder das Feuergewehr erſt im J. 1430 zu Augsburg erfunden worden ſei. Zwar ſagt Aeneas Sylvius : Sclopetum in Germania primum hac noſtra aetate repertum e) und eine alte Deutſche Ehronik ſagt nach Hrn . Temler '): " deſſelben Jah: res a ) Ebenbar. Seite 574 b) Ebendaſ. Seite 896. c) Gattaro a. a. O. p. 929. d ) Menkenii Scriptor. rer. germanicar ., praecipue Saxo nicar, fol. Lipfiae 1730. Tom . 3. S. 1195 . e ) Commentar. lib. 4. S. 104. f) Temler von dem Alter der Erfind. dcß Pulvers in Erſten Bande der hiſtoriſchen Abhandlungen der Königl. Geſellſch. der Wiſſenſch . zu Koppenhagen überſekt von einge Seite 213.

68

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

res fing man mit den Büchſen an zu ſchieſſen zu Augs. purg” . Duein des Sylvius Ausdruck iſt zu unbes ſtimmt, als daß er etwas beweiſen könnte ; und dievon Herrn Demler angeführte Stelle gebet aufdas Schiess fen zur Uebung nach einer Scheibe; denn es fålt in die Augen : daß hier nicht erft die Büchſen erfunden wors den ſein können , wenn die Augsburger ſchon im Jahr 1380 Büchſenſchüben ins Feld ſtellten .

S.

5.

4

A

Mtan þat die Benennung dieſer Handbüchſen oder Röhre zwar von der des Sperbers: muchetus , herleis ten wollen , weil anfangs die Feuergeſchüße gewohn: lich mit dem Namen verſchiedener fliegender und fries chender Thiere belegt wurden . Es iſt jedoch wahrſcheins licher : daß ſie dieſe Benennung von der Mochetta , einer Meierei obnweit Feltri 'in Italien erhielten , weil ſie vielleicht bei dieſem Paſſe nach Feltri zuerſt Dies wird dadurch wahrſchein: gebraucht wurden 8 ). lich : daß kein lateiniſcher Geſchichtſchreiber die Hands robre anders benennt , als ſclopetum , welcher Name fich offenbar auf den Knau des Feuergewehres beziehet, wie dies mit dem Namen des groben Geſchüßes, bom barda , auch der Fall iſt.

be Durch die vielen Kriege , die gegen das Ende des Vierzehnten und im Funfzehnten Jahrþundert ganz Europa g ) Chinazzo erzählt in ſeiner Chronit des Krieges von Chioggia : daß die Einwoyner von Feltri und Ciyin dal gegen die von Guero herkommenden Venezianer zwet Bombarden aufführen lieben , die eine auf dem Bers ge Corveta , und die andere auf der Straße bei einem alten Meierhofe, die Morchetta genannt. Muratori A. a . D. Tom . 17. pagi 709.

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchůge.

69

Europa zertheilten , wurden nebſt den großen Feuerges ſchüßen auch die Muſketen in mebreren Låndern bekannt. In dem Huſſitenkriege waren 1423 unter den Hülfes truppen des Biſchofe von Dümüş Kaiſerliche Muſées tierer b ) , durch welche die Bohmen imit diefer Art Ge: webr bekannt wurden . Es ſcheint jedoch nicht , als båtten ſich die Hufſiten deſſelben bedient ; fei es nun : daß ſie nicht von ihren einmal gewohnten Gewehren , den Pfeilen , der Kolbe und der Streitart, abgeben woll: ten ; oder daß ſie die Theurung und Seltenheit des Puls vers an der Anſchaffung deſſelben ýinderte . Die Bous miſchen Großen hingegen hatten ihre Schlöſſer reich : lich mit Feuergeſchůß verſehen , und ſchlugen öfters das durch die Stürme der Huſſiten ab ; vorzüglich fou fich Boczko Podiebrad dadurch ausgezeichnet haben, daß er die beſten Schüßen und die vorzüglidſlen Feuera róhre auf ſeinem Schloſſe Hatte.

S.

7.

Mit dem Käufigeren Gebrauch der Feuergeſchüße fieng man auch an , auf ihre Verbeſſerung zu denken, und ſie auf zweckmäßigere Gerüſte zu legen ,

die eine

Bewegung diefer vorber unbehulflichen Maſchinen vers ſtatteten. Die erſten und dlteſten Geſchůke fekte man anfangs aus eifernen Ståben zuſammen , die durch farke Reifen von demfelben Metall zuſammen gebal: ten wurden , bald aber fieng man an , fie aus Glockens ſpeiſe über

einen Kern

zu gieſſen ,

damit die innes

b ) Novorum armorum genere , non ita pridem in Ger mania invento , ferreis nempe fiftulis , quas a fonitu Bombardas et śclopos vocamus, inftru & i.' Lenfants Gefchichte des Kufitentrieges. 8. 2. Ch. Sette 74 der Deutſchen Heberſegung.

E 3

1

go

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

re Auskoklung gleich ihre wahre Geſtalt bekam .

Sie

beſtanden anfangs aus zwei Stücken , von denen das hintere kleinere ( die Kammer ) das Pulver enthielt ; in die vordere weitere Rohre aber die ſteinerne Kugel Beide Theile waren in der hineingeſchoben ward.

/

Mitte zuſammengeſekt, und zuweilen ganz mit Holz ůberzogen , zuweilen auch blos mit ſtarken Seiten , und eiſernen Bändern auf einen großen Block befeſtiget , der hinten eiire Wand von Dielen hatte , damit der Fenermerker nicht durch das aus dem Zündloche heraus: Man be: fahrende Feuer beſchädigt werden könnte :) , diente ſich dabei zu dem Geſchoß am gewöhnlichſten ſtei: nerner , doch zuweilen auch eiſerner Kugeln , je nachdem es der von den einen oder den anderen zu habende Vors Weil zugleich bei dem Guſſe über den rath erlaubte . Kern die Seele der Kanonen uneben und rauh blieb , fieng man an , fie durch Husbohren zu vollenden . Dies geſchahe mit horizontalen Bohrern , die anfangs blos durch Tretråder beweget wurden . In der Folge legte man jedoch ordentliche Bohrmühlen an , von den ſich ſchon im Sechzehnten Jahrhunderte eine in Ulm bez fand. Um die Geſchütze etwas beweglicher zu machen, legte man ſie auf andere Gerüſte , wo ſie zwiſchen vier, in die Höhe ſtehenden Säulen ruheten , und durch ein:

AP

geſteckte eiſerne Bolzen ſowohl hinten als vorne erhöhet oder erniedriget werden

konnten .

Die dritte Verbeſſe:

rung der taffeten oder Schießgerüſte beſtand endlich dars innen : daß man ihnen vorne Råder anſeßte , und blog hinten zwei Hörner anbrachte, um das Geſchüß vers mittelſt derſelben niedrig richten zu können , Undere machten das Gerüſt hinten enger als vorne , ſo daß die Kanone durch eine Hinten angebrachte Winde beweglich war ,

i ) Siehe hinten den 3uſaß zu dieſem Paragraph,

1" M

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchüße. 71 war , das Gerüſt ſelbſt aber ruhete auf vier niedrigen Rådern . Gegen das Ende des funfzehnten Jahrhunderts fieng man endlich an , die noch jekt üblichen Taffeten einzu : führen, wodurch man in den Stand geſeßt ward, auch das grobe Geſchüß überall im Felde mit ſich herumju: führen. Die Franzoſen ſollen die erſten geweſen ſein , welche auf dieſe Erleichterung und Verbeſſerung der Feldgeſchüße verfielen , die ſie bei Karlo VIII Kriegs: juge nach Italien zuerſt mit dahin brachten k). Ihnen verdankten ſie vorzüglich ihre lo ſchnellen Fortſchritte daſelbſt. Denn während man ſich in Italien noch un: bepúlflicher Steinbüchſen bediente , die beſchwerlich zu laden und abzufeuern waren , und die nur fehr lang fam durch Ochren von einem Orte nach dem andern gebracht wurden ; wurden

die

erleichterten Kanonen

der Franzofen , die blos eiſerne Kugeln ſchoſſen ' ) , durch Pferde ſchnell fort beweget , ſo daß ſie mit den Truppen faſt gleichen Schritt hielten . Seub: te Urtilleriſten bedienten ſie mit gleicher Pråciſion , und kaum erſchien Karls Heer vor den Mauern einer Stadt, ſo waren auch ſchon die Kanonen aufgeführt und fiengen an , die Wälle mit ſolcher debhaftigkeit zu beſchieſſen , daß oft Feſtungen in wenigen Stunden fie: ten , deren Eroberung vorher Monathe gekoſtet hatte. Dies ,

k ) Guicciardini hiftoriae ſui temporis in latin ſerm . con . verf. Carlio Secundo Curione. fol . Bafileae 1566. Lib.I. S. 31. 32 . 1 ) Guicciardini a. a . 0. Lib . I. S.32. Vanuccio Biringoc cio Pyrotechnia ſagt ebenfalls im 7. Buch : daß in Italien nicht eher ciſerne Geſchüßkugeln geſehen worden , bis Karl , König von Frankreich , ſie auf ſeinem Kriegss juge gegen den Röntg Ferdinand von Neapel im Jahr 1495 dahin gebracht; worinn er mit der angeführs ten Stelle des Guicciardini übereinſtimmt. E 4

1

72

Geſchichte der Kriegskunft. 1. Zeitraum .

Dies , vereint mit dem Håufigen Gebrauch der Kanos nen als Feldgeſchüß machte bald die Franzoſen in

Itas

lien furchtbar , und verſchaffte iğnen überall die Obers þand, wie wir weiter unten reben werden.

S.

8.

Früher , als die Franzoſen in Italien , führten jedoch die Heere der Deutſchen in iþren Kriegen gegen die Bohmen und nachher gegen die Schweizer , große Zåge ſchweren Geſchůßes , mit Pferden beſpannt, bei fich. Denn in der Schlacht bei Rieſenberg , im Jaßr 1431 ,

einem Schloſſe in Böhmen ,

eroberten

die Huſſiten von dein vereinigten Heere der Deutſchen Fürſten 15o Kanonen " ) ; und Karl der Sübne , Herzog von Burgund , þatte im Treffen bei Murs

1

ten

1477 viel Geſchüß bei ſich , das er vorzüglich ges gen ' die Reuterei der Schweizer richten lies , und das durch eine große Niederlage unter derſelben anrichtete, bis das zweite Treffen des Schweizeriſchen Fußvolkes fich der Batterieen durch einen raſchen Anlauf bemach: tigte " ). Durch dieſen Krieg ſcheint überhaupt das Feuergewehr erſt in der Schweiz bekannt geworden zu ſein , denn man findet bei den Helvetiſchen Geſchichts ſchreibern früher nichts von dem Gebrauch deſſelben er: wähnt; bei Murten hingegen wurden die flüchtigen Burgunder , die ſich auf die Båume gerettet þatten , von den Schweizern , gleich den Vogeln , mit Feuers röhren oder Büchſen (pixidibus) perunter geſchoſſen °). $. 9. m ) Lenfants Geſchichte des Sulfitentrieges II. Th. 18 Buch S. 424 der Deutſchen Ueberſebung. n) Bilibaldi Pirckheimeri Bellum helvetic. Lib. I. pag . Io . in den Scriptoribus de rebus helvetiorum , oder dem The. ſauro hiftor. Helveticae. Tiguri 1735. fol, o ) Pirckheimer A, a. D.

1

2. Såufigere Anwendung der Feuergeſchüße.

$.

73

9.

Düngefår in dieſe Epoke - die Mitte des fünfzehns ten Jabrhunderts — fällt auch die Erfindung der Mörs ſer und der Bomben , die wir dem Sigis mund Pandulpb Malateſta , Fürſten von Rimini verdanken P). Schon ſeit den früheſten Zeiten hatte man ſich nachſt den Feuerpfeilen verſchiedener Urs

1

ten von Feuerkugeln bedienet, die aus Schwefel, Hary, Pech und anderen brennbaren Materien zuſammenges feßt, bald mit den gewöönlichen Wurfmaſchinen den Binden und Mangen — bald nur mit Handſchleus dern von eiſernem Drath , gegen den Feind geworfen Weil der Brandzeug, jedoch wegen ſeiner wurden . Stichtigkeit eine allzugeringe Wurfweite gewährte , ver: Schloß man ihn entweder in runde irdene Gefäße , oder formte ihn über ſteinerne, und in der Folge über eiſers ne Kugeln , daß die Brandkugeln dadurch eine gros: ſere Schwere erhielten. Man bediente ſich wohl auch anſtatt derſelben blos größerer eiſerner Kugeln , die man glühend machte , und ſo fortſchleuderte, un feind: liche Gebåude zc. damit in Brand zu ſtecken (Man rehe oben I. Abſchnitt 8.7 . ). Fene Feuerkugeln kamen ohns gefår im Siebenten Jahrhundert auf,woſie Hagia gå us bei der Belagerung von Meffa zuečſt angewendet pas ben roll.

Don Jayme, König von Arragonien hat:

te bei der Belagerung von Valenzia im Jahr 1238 ebenfalls dergleichen große Feuerkugeln , aus 4 Pergas menthäuten zuſammengefekt,

und mit feuerfangenden Mas

p ) Inventum eft quoque machinae huiusce tuum , Sigis munde Pandulphe, qua pilac acncae tormentarii pulve ris plenae , cum fungi aridi fomite urentis emittuntur ; ſagt Robert Valturius de Rc Militari Lib. 10. cap. 4 . p. 267.

2

14

Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum.

Materien angefüllt , die da ,

wo ſie niederfielen ,

zer :

ſprangen 4). Man fiel endlich nach Erfindung des Schießpulvers darauf , hohle eiſerne Kugeln zu verfer: tigen , die aus 2 Halbkugeln beſtanden , und durch ei: ne Urt Ketteln zuſammen gehalten wurden . Um ſo: wohl dieſe als auch die gewöhnlichen ſteinernen Kugeln mit den Feuerbüchſen nicht nur in horizontaler , for: dern auch in beinabe fenfrechter Richtung fortſchleudern zu können , regte Pandulp b Malateſta zwei eiſerne Röhren vermittelſt eines dazu beſonders eingerichteten Blockes , auf dem ſie durch eiſerne Bånder feſt gebala ten wurden , unter einem rechten oder anderen beliebis gen Winkel zuſammen. Wurde nun das in der horizons talen Röhre enthaltene Pulver hinten angezündet, ſchleu: derte es die , in die aufrecht ſteøende Robre pinunterge: ſchobene Bombe , oder Feuerkugel doch offenbar mit nicht geringer Erſchütterung der ganzen Maſchine + einpor. Man mußte nothwendig fehr bald das Nachtheilige dieſer Einrichtung wahrneşmen ; daßer regte man blos eine gewöhnliche Bombarde in ein bes ſonderes Gerüſte, das ſie in einer aufrechten lage eć: hielt , und das zugleich ſtark genug war , die durch ib: re Erploſion verurſachte Erſchütterung zu ertragen . Vielleicht war es eine ånliche Vorrichtung , vermit: telft der man im Jahr 1435 bei der Belagerung von Neapel ſteinerne Kugeln aus Feuerbüchſen warf .

Ues

berzeugt von dem Vortheil : auf dieſe Weiſe die Feuer: kugeln und Bomben durch die Kraft des Schießpul vers auf viel größere Weiten treiben zu können , als es mit den gewöhnlichen Werfzeugen oder Blyden geſche: þen konnte; fieng man ſchon gegen das Ende des vier: zehnten

q ) Elmacinus Hift. Saracen. ad annum Egirianum 71. Lib. I. und Båſch Sandbuch der Erfindungen , Artit .: Bomb. I. $5 . 6. 15.

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchůße.

zehnten Jahrhunderts an ,

75

beſondere Feuerbüchſen

und Boller zu gieſſen , die blos dazu beſtimmt, auf zweckmäßigen Gerüſten lagen und mit den man bald Feuerkugeln - aus zwillichnen Säcken beſtehend , mit Brandzeug angefüllt und mit Fingers dicken Schnuren ůberbunden über überſtrickt bald Bomben , bald auch blos ſteinerne Kugeln warf; weil die gewöhnlichen Kanonen jekt håufiger mit eiſernen Kugeln geladen wur: den , und man in der Meinung ſtand , daß ſie wegen der Långe ihres Rohres das Werfen der Feuerkugeln nicht geſtatteten.

S. 1

1

10 .

Aus dem bisher Geſagten ergiebt ſich : daß der Gebrauch der Feuergeſchüße ohngefähr 150 Jahr nå: thig hatte , um ſich allgeinein zu verbreiten ; und daß, wie bei jeder neuen Erfindung , in dieſem Erſten Zeits raume noch wenig Verbeſſerungen bei den Geſchüßen So waren auch die Handrohre angebracht wurden. von erſtaunender Dicke und Schwere ; um ſie daher ges brauchen zu können , machte man ſie nur kurz , ſo daß Sie wur: fie keine beståchtliche Schußweite Hatten. den , gleich dein groben Geſchüß , mit einer' (unte ab: gebrannt , womit man das auf die Pfanne geſchüttete Weil dies jedoch ſehr unbequem , Pulver anzündete. und dem Zielen hinderlich war , brachte man einen Hahn oder Drachen ( Serpentin ) auf der recha ten Seite des Feuerrobres an , in deſſen obere Deff: nung die brennende { unte geſchraubt , und vermittelſt eines Abzuges auf die Pfanne geleitet ward. S.

II .

Ihrer anfänglichen Beſtimmung nach : mit ſteiner : nen Kugeln blos dice Mauern und feſte Schlöſſer eins zuſtür:

76

Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraumt.

zuſtürzen ; mußten die Feuergeſchüße bis zu Einführnng der eiſernen Kugeln auch von auſſerordentlicher Große ſein , um dieſen Endzweck deſto ſicherer zu erreichen . So ließ der Rath zu Augsburg im Jahr 1378 drei große metalene Stücke gieſſen , deren großtes eine Kugel von 127 Pfund, das andre eine von 60 , und das dritte eine von so

2

Pfund ipoo Schritt weit ſchoß ' ).

Im Jahr 1381

10

führten die Genter bei der Belagerung von Oudenarde eine Steinbüchſe auf, die - wahrſcheinlich init Eins ſchluß des eben 10 unbehůlflichen Gerüſtes so Fuß lang war , und deren Knall man in der Stille der Nacht bis auf zehn Stunden weit körte s). Die Türs ten batten bei der Belagerung von Konſtantinopel Bombarden , die soo Pfund fchoſſen , allein fie ſprans

+

gen mehrentheils beim zweiten oder dritten Schuſſe ; / auch ließ Ludwig der Zwölfte zu Tours Geſchůs ke gieſſen 20 Fuß lang , 6. Fuß in der Mitte ſtart , die 100 Pfunde Stein richoſſen . D. Juan de Cas ftro nahm ihm Eins' davon ab , das ſich noch jeßt in dem Schloß da Barra bei liſſabon befinden rol . Aenliche Beiſpiele von ungeheueren Geſchůßen finden fich håufig in der Geſchichte , deren Anfüþrung jedoch nur unnúße Weitläuftigkeit verurſachen würde. Ş. 12 .

1 ) Crufe Annal. Surev . Lib . 5. P. 3. nach Gram . $ ) Froiſſart Chroniq. Vol. 2. cap . 102. Er ſagt : ſie habe beim Abfeuern folch einen Lerm verurſacht , qu'il ſem bloit, que tous les Diables de l'Enfer füflent au chemin . Zwar halt ør. Temler mit dem P. Dantet dies für eine gewöhnliche Wurfmaſchine, und nicht für ein Feuers geſchůk. Wenn man jedoch die Beſchaffenheit der damas ligen Schießgeruſte ertåget , wie ſie uns Kob. Valtus rius vorſtellet , bleibt tein Zweifel übrig , daß eine ſols dhe alte Steinbüchſe mit ihrem Gerüfte wohl 50 Fus lang geweſen ſein könne.

2

!

2. Häufigere Anwendung der Feuergeſchüße. 77

$.

12.

Bei der frühen Bekanntſchaft der

meiſten vil:

fer mit der Bearbeitung des Eiſens låßt ſich nicht ohne Grund vermuthen : ' daß die Kunſt , eiſerne Kus geln zu verfertigen ,

nicht nur eben ſo alt,

als

die

Feuergeſchüße , ſondern ſogar noch ålter als die Er: findung derſelben ſei. Dies beweiſen die Zeugniſſe der alten ſpaniſchen Geſchichtſchreiber , die bei Erwåbnung der Feuergeſchüße iminer zugleich mit von eiſernen Ku: In Italien þingegen , wo das Eiſen fels bediente man ſich bei den Feuergeſchůken noch lange , und bis zum Sechzehnten Jahrhunderte ,

geln reden. tener war ,

der ſteinernen Geſchüßkugeln . Endlich gieng man je doch , durch das Beiſpiel der Franzoſen belehret, eben: fals wegen der größeren Kraft der eiſernen zu dieſen über, und wandte die ſteinernen Kugeln nur noch bei den BÓL lern und Steinbüchſen an , wenn man blos die Dächer der Gebäude und Schlöſſer zerſchmettern wollte.

$.

13 .

In den erſten Zeiten begnügte man ſich auch , die Subſtanzen , aus den das Schießpulver zuſammenges feßt ward , auf gewöhnlichen Maßlmůblen zu zermal men , und hierauf zuſammen zu miſchen. Allein , die damit verbundene

Gefahr des Entzündens durch das

Reiben zwiſchen den Mühlſteinen fübrte bald auf die Erfindung der Stampfmühlen , wo die Materien mit Stempeln , die ihre Bewegung durch eine Welle erhals ten, klar geſtoßen und durch einander gemiſcht werden “). Eine Pulvermühle dieſer Urt hatte Harfcher im Jahr 1435 vor der Stadt Nürnberg “), und es wurden

ihrer t ) Biringoccio pyrotechnia im to . Buch . u ) Buro Handbuch der Erfindungen 6. sh. Seite 155.

78

Geſchichte der Kriegskunſt.

1. Zeitraum .

ihrer in der zweiten Hälfte des Funfzehnten Jahrhun : derts faſt in allen Europäiſchen Ländern angeleget , ro wie nach und nach der Gebrauch der Feuergeſchüße all: gemeiner und der Pulver :Aufwand großer ward.

$.

14 .

Weil das Pulver , wenn es ſo fein als Mehl war , wie es zu ſeiner beſſeren Vermiſchung nothwendig ſein mußte , theils ſich überall anhieng , welches feinen Ges brauch höchſt unbequein machte ; theils auch die Feuch : tigkeit ſehr anzog , daß Klumpen entſtanden , und ein großer Theil der eigenthümlichen Kraft verlohren gieng ; fieng man zuerſt in Frankreich an , es zu fórnen . Man rieb es es nemlich zu dem Ende vor dem Trocknen durch Siebe , daß es in Geſtalt kleinerer oder größerer Kors ner herunter fiel. Dadurch entſtand denn ein Unter : ſchied des Schießpulvers nach der Größe ſeiner Körner , wo das grobſte Schlangen pulver , das darauf fols gende Hakenpulver , und endlich das feinſte Hand : robrpulver genannt wurde . Ingekörnt , wurde es unter dem Namen des Zündpulvers angewendet , auch 1 zu den Feuerwerkskörp ern Werkpulver , gemacht . S.

eine ſchlechtere Art ,

das

1S.

So weit war es mit der Geſchüßkunſt gedießen , 1

als gegen das Ende des Funfzehnten Fahrhunderts die Kriege in Italien begannen , und Franzoſen , Spanier und Deutſche nach einander dies (and überſchwemmten. Jeſt begann

x ) Die Bereitung des Schießpulvers findetman in Beds manns Anleitung zur Technologie 29. Abſchnitt ; in Sprengels Handwerke und Künſte X. S. 236. und in Hallens Wertſtåten der künfte V, S.333 .

1

1

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum.

79

begann eine neue Epoke in der Kriegskunſt; durch das nun augeinein gewordene Feuergewehr veränderte ſich die Stellung und Einrichtung der Truppen mit jedem Tage mehr und mehr. Stehende Armeen entſtanden , und wurden in gleich große Haufen von Reuterei und Fußvolk vertheilet ; mit einem Worte: das Kriegswes ſen bekam von nun an eine neue und feſte Geſtalt , die allen folgenden Veränderungen , durch die man es zu verbeſſern wähnte, oder wirklich verbeſſerte, zur Grund: lage diente. Ebe wir uns jedoch zu einer nåheren Qus einanderſekung dieſer Einrichtung und ihrer Folgen im Zweiten Zeitraume wenden ,

wollen wir vorher

ſehen , was ſich in Abſicht der Kriegsverfaſſung über : þaupt ſchon bis zu dieſem Zeitpunkte abgeåndert satte.

Dritter

Abſchnitt.

Kriegsverfaſſung während des Erſten Zeitraumes , und Einfluß , den die Erfindung der Feuergeſchůbe darauf duſſerte. S.

J.

Nach der Beſchaffenheit der Feuergeſchůze folgt in der natürlichen Ordnung zunächſt die übrige Rüſtung Sie unterſchied ſich der Krieger in der erſten Epoke. eben ſo , wie die verſchiedenen Truppenarten ſich unter : ſchieden ; denn es fällt in die Augen : daß der fchwer be: wafnete Ritter anders gerüſtet ſein mußte , als der leicht te Reuter ,

ſo auch der Fußknecht und der Schuige.

Nicht minder waren die Waffen nach Verſchiedenheit Bei den der Nationen ebenfalls gar ſehr verſchieden . Franzoſen waren die ſchweren Reuter, oder die Rit: terſchaft unter dem Namen der langen oder Gewafs neten

1

80. Geſchichte der Kriegskunſt . 1. Zeitraum .

neten

faſt ganz in Eiſen und Stahl gekleidet . Sie trugen einen Helm , einen Bruſtharniſd mit Arm- und Beinſchienen, einen Blechſchurz (taſſettes), eiſerne Hands ſchuhe und einen Panzerrock . Der Schild war meh: rentheils von Holz und mit gebranntem leder oder wohl auch mit Metall überzogen , und mit dem Wappen des Ritters oder mit irgend einem willkürlichen Sinnbilde bemalt. Die Pferde waren theils durch Behänge von geſtricktem Eiſen oder Panzerwerk ; theils durch Bruſt: ſtůcke von Blech und durch Seitendecken von gebrann : tem

leder gegen die feindlichen Schüſſe und Hiebe gez

deckt ?).

Das Kopfſtück war immer von Blech , und

nicht ſelten

aus Gold oder Silber geſchiniedet , und

mit edlen Steinen befekt. In der Belagerung von Harfleur batte der Graf von St. Pol eine ſolche Kopfbedeckung auf ſeinem Streitroß , die 30000 Thas ter koſtete; der Graf von St. Foir aber eine , mit foſtbaren Steinen beſekt ") , Isooo Thaler am Wertą. Daſſelbe fand in Abſicht der Helmzierrathen, der Schil: de , mit einem Worte : der ganzen Rüſtung des Ritters ſtatt , die nach Verhältniß des Vermögens iþres Bes fikers y ) Armures de fer. Froiſſart a. a . O. Vol. I. cap. 47. auch cap. 240 , wo König Heinrich von Kaſtilien ſagt : er has be ſept mille hommes - d' Arines , montés chacun ſur un bon courſier ou deftrier , et tous couverts de fer , bien qu'ils ne craindront traict n'Archer . En après j'ai bien vingt - mille d'autres gens , montés ſur genets et armés de pié en cap . Du ſurplus j'ai bien quarante mille hommes de Communauté, à lances , & dards et à pa vois . z ) König Johann von Frankreich befahl 1353 den Eins wohnern verſchiedener Städte : ihm ſoviel Krieger als möglich und Pferde , couverts de maille, nach Coms piegne gegen den König von Engelland zu Hülfe zu ſchicken . Froiſſart Vol. 3. cap. 13.–

a) P. Daniel hiſtoire de la Milice françoiſe 9.405.

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum.

81

fißers mehr oder weniger prachtig und auf verſchiedene Uebrigens hatten die Weiſe ausgeſchmückt waren. Ritter , die ſchwere Reuterei jener Zeiten - faſt bei allen europäiſchen Völfern einerlei Rüſtung , fie nåber: ten ſich dadurch , ſo wie durch die ihrem Stande eigen: thümlichen Gebräuche, einander , und bildeten gleich: ſam ein beſonderes volt b ).

$.

2.

Das Gewehr der Ritterſchaft beſtand aus einer Lange , die måßig lang , aber ſtark genug und vorn mit Sie war bis zur einer eiſernen Spige verſehen war. Mitte des rechszehnten Jahrhunderts , nächſt dem De: gen, das vornehmſie Gewehr des Ritters , und die Ge ſhichtſchreiber benennen häufig die ſchweren Reuterhaus fen mit dem Namen der I anzen. Den Degen trugen ſie nebſt einem Dolch ) am Gürtel. Am Sattel aber hieng auf ter einen Seite das fünf Fuß lange Schlachtſchwert ( glaive), und auf der andern der Kolben oder eine Streit: art. Unſtatt des Kolbens oder der Seule (maſſue) füộrten einige, vorzüglich die Engelländer öfters Streit: håmmer , die ziemlich ſchwer waren , und bis auf fünf und zwanzig Pfund wogen ,

wie zum Beiſpiel der Hama

b ) Man ſehe hierüber Slůbers Ritterweſen des Mittels alters nach ſeiner politiſchen und militäriſchen Verfass fung , 8.

c ) Der Dolch erhielt den Namen : Miſericorde ; denn wenn im Zweifampf ein Ritter unterlag , Entete der Sieger auf ihn , und zog den Dolch , um ihn damit, dem einges führten Braud nach , zu tódten, wenn der Beſiegte nicht ſogleich Miſericorde! rief, und ſich dadurch ſeinem Uebers winder zum Gefangenen ergab. P. Daniel a. a. O. 6. B. 4. Kap. S. 417. Boger's Heuere Briegek. I. Th.

F

82

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

Hammer des Ritters Billefort, im Gefecht der Dreis : fig, wo mehrere Ritter durch Hammerſchlåge verwundet wurden.

$.

3.

Zu Unterſtüßung dieſer ſchwer bewafneten Reuterei waren die Schüßen zu Pferde ( Archers) beftimmt,die erſt Bogen und Pfeile, dann Urmbrüſte führten, bis ſie endlich dieſelben gegen die allgemeiner werdenden Feuer : gewebre vertauſchten . Bei den Franzoſen pieſſen dieſe Schüßen zu Pferde anfangs Crennequins ; dann aber , als ſie im Funfzehnten Jahrhunderte 2 Fuß lange Feuer: gewebre, - Arkebuſen oder Haken - erhielten : A r . goulets. Sieritten keineſo großen und koſtbaren Pfer: de , wie die ſchwere Reuterei , waren auch leichter bes Anſtatt des Ritterhelmes trugen wafnet als dieſe d ). fie blos einen eiſernen Hut und einen Panzer , unter dieſem aber ein Wamms von Wildshaut mit fånfund: zwanzig: bis dreißigfacher Leinwand gefüttert, weil ihnen auſſerdem jeder , auf den aus Drath geſtrickten Panzer geführte Streich die heftigſten Querſchungen verurſacht haben würde.

8.

4:

Bei den Deutſchen und Schweizern findet ſich dieſe leichte Reuterei ebenfalls unter dem Namen der Rina ger : d) Wegen des hohen Preiſes der ſtarken Streitrofſe wurde ders ſelbe in Frankreich , ſobald jener über 200 bis 300 livres ſhteg, auf den Hinterbacken desPerdes eingebrannt; denn der RDS nig vergütete alle im Treffen getödtete oder ſonſt unbrauchs bar gewordene nach ihrem Anſchaffungspreiſe , obſchon die Ritter übrigens auf eigne Koſten zu Felde ziehen mußs Uus demſelben Grunde wurde auch ein Regiſter ten . über dieſe Pferde gehalten , worinn ſie nach allen ihren Merkmalen genau verzeichnet waren . P. Daniel hift, de la Milice franç. B.3. S. 86.

+

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

83

gerpferde , d. . der leichten Pferde. Sie führte faſt die nemliche Rüſtung als die Archers der Fran: zoſen , und war gleich iğnen beſtimint : auf Kundſchaft zu geben , Patrouillen und Vorwachten zu thun , die Ritter oder Lanzen die anfangs im eigentlicheren Verſtande ihre Herrn waren - zu unterſtůken , oder den geſchlagenen Feind zu verfolgen.

In Ungarn biess

Denn, nach einer , in der Mitte ſen ſie Huſaren. des funfzehnten Jahrhunderts gegebenen Verordnung mußte daſelbſt allezeit der zwanzigſte Mann ins Feld geſtellt werden ; ſie wurden daber von Huſz , welches auf Ungariſch die Zahl Zwanzig ausdrückt , Namen der Hußaren beleget “ ).

mit dem

Sowohl die ſchwere als leichte Reuterei ward in den früheſten Zeiten in Frankreich , und långer noch in Deutſchland und in andern Låndern blos durch die lehnsfolge aufgebracht , war ,

ſich mit

weil jeder Ritter verbunden

einer beſtimmten Menge Reuters :

Knechte und Schüken auf das geſchehene Aufgebot Waren nun die Vaſalen des Lehnsherren zu ſtellen . por: nicht hinreichend , wurden noch fremde Krieger züglich Fußvolk - in Sold genommen , und dadurch Weil jedoch in den Kreuzzügen das Heer verſtårket. die Vafallen überhaupt nicht gezwungen waren , iþrem lehnsherren nach dem gelobten Lande zu folgen, mußten Ein dieſe Ritter und Fußvolk in Sold nehmen '). gleiches

e) Buſch Handbuch der Erfindungen er Theil Seite 287. Vorher hießen die Ungarn die Kriegoleute allgemein Heis duden , ohne Unterſchied , ob ſie zu Pferde oder zu Fuſſe dienten ; in der Folge aber warð bei der Reuteret dieſer Name durd, den der Huſaren verdrängt . f) Joinville

Denkwürdigkeiten $ 2

Ludwigs des Beiligen

84

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

gleiches geſchaße in der Folge mit den Schüßen , die man ibrer Geſchicklichkeit wegen oft aus andern ( åndern kommen lies und ſie in Sold nahm , wie dies beſonders mit den Genuefiſchen und Venezianiſchen Armbruſtſchußen im Vierzehnten und Funfzehnten Jahrhundert faſt im : mer geſchahe. In den Kriegen Philipp des Sechs. ten und Johann des Erften mit den Engellåndern waren beſtåndig einige Tauſende Genuefiſche Ärmbruſt:

1

ſchůßen im Franzöſiſchen Solde 8 ). Uebrigens hatten bis zu' Jobanns.des Erſten Gefangennehmung bei Poictieres , 1356 , wo Frankreich wåþrend ſeiner Abweſenheit in die größte Verwirrung gerieth , die Banden der Ritterſchaft, die durch ibre Lehnsverbind: lichkeit gezwungen waren , bei ausbrechendem Kriege init ihren Vafallen - die ſie theils als Schüken , theils als Knappen u. d. gl. begleiteten auf eigne Koſten zu Felde zu ziehen , wie in Deutſchland , die einzige Reus terei der Franzoſen ausgemacht . In dieſem Zeitpunkte aber, wo die Ubweſenheit des Königes theils die Fort: ſchritte der Engelländer begünſtigte , theils dem Par: theigeiſte freies Spiel gab ; giengen die beſoldeten Trup: pen aus einander, weil ſie nicht bezahlet wurden , und ſuch: ten ſich durch Räubereien auf dem platten lande für ihren růckſtändigen Sold fchadlos zu halten . Die Landleute ihrerſeits , den die fremden Söldner das Jhrige genoms men batten , rotteten ſich zuſammen , und plünderten die Stådte , wie die Schlöſſer des Adels. Lekterer mußte ſich deswegen in wehrhaften Stand regen ,, uund konnte in Schillers Hiſtoriſchen Memoiren I. 26theil. 4. Band S. 168. auch P. Daniel hiſtoire de la Milice françoiſe III. Buch S. 140. und Zurita Anales de la Corona de Aragon . fol. Saragoça 1668. 2. Tom. 6. Buch. 10. cap.

$) Les Grandes Chroniques de France. Vol. 2. fol. 215. Froiſſart a. A. O. Vol. I. Seite 150 .

:

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum.

85

konnte eben ſo wenig ſeine Parallen als die Städte ihre Bürger zu dem Heere des Dauphins ſchicken , ſo daß dieſer nur ſehr wenig Truppen zuſammen brachte , um den immer weiter vordringenden Engelländern Wider: Sobald er daher 1364 unter dem ſtand zu leiſten. Namen Karis des Fünften die Regierung antrat, wandte er alles an , die Ordnung bei dein Heere wieder þerzuſtellen , indem er den Adel durch Ehrenſtellen und Penſionen in ſeine Dienſte zog ; die råuberiſchen Hora den aber , die keiner Kriegszucht und Beſſerung mehr fåþig waren , unter Bertrand dů Guesklins an führung dem König von Kaſtilien zu Hülfe fandte , wo ſie theils aufgerieben wurden , theils fich ſonſt ver : liefen. Karl der Sechſte gieng auf dieſer Babn fort, und errichtete auſſer den Gemeinheiten (Com munes) oder dem Fußvolk der Städte und den adeli: chen Banden der Vafallen einige Kompagnien von 100 Mann , die zum Unterſchied von jenen Compagnies d'Ordonnance genannt wurden ") , ſo daß ſein Heet aus den Kommunen - deren man unten wieder erwähnt finden wird – den Vafallen und den Söldnern zu Pfera ' de und zu Fuß beſtand .

Seine unglückliche Gemüths:

Jerrüttung weckte jedoch die Zwiſtigkeiten der Herzoge von Berry , von Anjou und von Bourgogne von Neuem ; die Kriegszucht kam in Verfall, und die Engelander eroberten das land bis an die Ufer der Loi: re.

Schon hatten ſie im Jahr 1429 Orleans aufs

Xuſſerſte gebracht, und glaubten die Stadt ſchon in iþren Hånden ; als Jeanne d'Arc , das bekannte Mád : chen von Orleans erſchien , den Hang jenes Zeitalters zu fanatiſchen Schwärmereien benußte,

und ſich als

die vom Himmel geſandte Befreierin Frankreichs ankůn: digte. h ) P. Daniel A. a . 0. 3. Duch. $. 144 .

F

3

86

Geſchichte der Kriegskunſt.

I. Zeitraum .

digte. Karl der VII, der ſeines Vaters Dhron beſtie: gen hatte , unterſtüßte den frommen Betrug , und es gelang ihm , nicht allein Orleans zu entfeßen , ſons dern ſelbſt die Engelländer zu einem 34 ° zwingen .

Waffenſtilſtande

Er benugte die dadurch erlangte Ruhe , um ſeinem Kriegsweſen eine neue Geſtalt zu geben , und errichtete im Jahr 1445 Funfzehn Compagnies d'Ordonnance,

6 als die erſten ſtehenden Truppen, die auſſer der Leibwa: che die ſtårker oder ſchwåcher ſchon ſeit mehreren Jahrhunderten von allen Europäiſchen Fürſten erhalten ward

– auch in Friedenszeiten beſoldet wurden :). Je

de dieſer Kompagnien beſtand aus Einem Hauptmann , Einem Lieutenant, Einem Fübrer (Guidon ) , einein Fähnrich und Hundert. (anzen oder Glaiven . Dieſe machten eigentlich SechshundertMann ; denn jederRitter (homme d'armes ) hatte 3 Schüßen ( Archers),

1 Knapa

pen (Coutilleur genannt , nach einem kurzen und brei: ten Seitengewehr , das er am Gürtel trug) und 1 Pas gen oder Diener ( Valet) bei fich ; die zuſainmen unter dem Namen einer vollen lange (Lance fournie) be: griffen wurden . Der Ritter (Gendarme) batte vier Pferde : Ein Packpferd, Eins für den Bedienten , Ein Dienſtpferd oder Streitroß - das er nebſt der Rü: ftung in der Beſakung zurück lies , wenn er auf Ur: laub gieng und einen Klepper zu den Mårſchen und Reiſen . Dem Schůßen hingegen wurden nur zwei Pferde: zum Reiten und ſein Gepäck zu tragen, erlaubt, die alle ſowohl auf den Mårſchen als in den Quartie ren auf Koſten des Staats unterhalten wurden .

Ip

Friedenszeiten waren ſie zu 20 , bis 30 in die Städte ver : i ) p . Daniel a . a . 0. Seite 210 f.

3

3.

Kriegsderfaſſung im

erſten Zeitraum.

87

vertheilet , und wurden jährlich viermal durch beſondea re Kommiſſarien gemuſtert, ob ihre Pferde und Rů: ftung in gutem Stande waren ? Sie mußten zu dem Ende zweimal in voller Rüſtung, die beiden übrigen mas le aber blos in der livree ihres Hauptmanns erſcheinen , denn alle zu einer Kompagnie gehörige Ritter und Schüs Ken trugen Waffenröcke von einerlei Farbe über ihre Harniſche. Durch die Errichtung dieſer ſtehenden Kavatterie fiel das Aufgebot des dels von ſelbſt weg , und die lehnsfolge fand in Frankreich nur noch zuweifen bei eis nigen auſſerordentlichen Fällen ſtatt.

.

7.

Nicht ſo verhielt fichs aber in Deutſchland , wo die Ritterſchaft mit ihren Vafallen noch lange die ein : zige Reuterei der Heere ausmachte. Uebrigens unter : Ichied ſie ſich in Abſicht ihrer Rüſtung faſt gar nicht von der Franzöſiſchen ; wie dieſe, gieng ſie völlig gebars niſcht, und führte Lanzen, Schwerter , Streitårte und Hämmer oder Kolben .

Daſſelbe fand in Abſicht der

Rüſtung mit einiger Verſchiedenheit bei allen übrigen Europäiſchen Völkern ſtatt; wo ſich denn die Dånen und Schweden vorzüglich durch die Große und Stårte igrer langen auszeichneten . Auch hier Batten die Pfer: de lederne Panzer , mit Eiſenblech oder mit Strickwerk von Drath überzogen, daß man nicht durchbauen , und überhaupt das Pferd nicht von oben berab beſchadigen konnte. Die nördlichen Völker: Schweden , Dånen , Norweger u . d.gl. richteten überdieſes ihre Pferde ab, durch Beißen und Schlagen tbåtigen Antheil am Gefecht zu nehmen. Es wurden zu dein Ende öfters Pferdekåinpfe ange : F. 4 .

88

Geſchichte der Kriegskunſt, I. Zeitraum:

15 angeſtellt, wo der Herr des ſiegenden Pferdeß einen bes ſondern Preis erhielt * ). Die Italiener , den es mehr an niederm Adel mana

4

gelte, als den Deutſchen und Franzoſen ,

hatten aus dieſem Grunde, ſo wie wegen des eigenthümlichen Chas rakters der Nazion, immer nur eine ſchlechte Reuterei ; die von ihren Unführern aus dem Bürger- und Bauerns ſtande geworben , größtentheils aus Vagabunden bez Minder durch friegeriſchen Ruhm als von ſtand.

+

$ 1

Beuteluſt und Hunger ins Treffen geführt, beraubten dieſe nur zu oft den friedlichen Sandbewohner , und überließen dagegen im Treffen dem Feinde das Feld. Auch ihre Häupter , gewöhnlich die jüngeren , Vermd: genslofen Söhne adelicher Geſchlechter , waren ſelten Vafallen des Fürſten , dem ſie dienten , und init dem fie blos um einen gewiſſen Sold einig geworden waren. Von Ehrſucht, Geiß, und anderen , ihrem Himmels: ſtriche eignen Leidenſchaften

þerumgetrieben ,

dachten

fie beſtåndig nur darauf, den ihnen zugeſtandenen Sold auf jede - gleichviel ob erlaubte oder unerlaubte Weiſe zu vergrößern , waren nie beſtåndig , und wurden ſelbſt mitten im Treffen treulos , ſobald ſich ihnen nur

1

irgend ein Schein von Vorteil zeigte, wenn ſie ihrer Parthei den Rüden kehrten ). Vorzugsweiſe unter: fchieden ſich daher die blos aus Udel beſtehenden Italies niſchen Reuter :Geſchwader durch den Namen der Lan ceas ſpezzatas. Zwar nicht adelich von Geburt , aber edel von Sitten und Denkart zeigten ſich igre Nachbarn , die k ) Olaus Magnus de Gentium Septentrion. variis condi tionibus ftatibusve. fol. Baſileae 1567. Lib . 8. c. 6. und Viga - Glums Saga e Mfptis Legati Magnacani 4. Haf niae 1786. cap. 13. v. 11 – 17.

! ) Guicciardini hiſt, f. tempor, Lib. I. S. 31.

4

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

89

die Schweizer , in den langwierigen und blutigen Kriea gen , die ſie gegen die Herzoge von Burgund und Deſter: reich für ihre Freiheit fochten. Sie hatten nur wenig Reuterei , denn ſie konnte ihnen bei der Beſchaffenheit ibres Landes theils wenig nuken , theils fehlte es an Leuten , die im Stande waren , ſich Streitrolle von der erforderlichen Große anzuſchaffen und zu unterhals ten ;

ibre vorzüglichſte Stårke beſtand im

Fußvolk ,

das ſich durch Muth und Kriegszucht bald in ganz Eus Prachtiger und zahlreicher, und ropa bekanntmachte. nicht minder tapfer war Spaniens Reutereim ) ,

wie

fie es bei der großen Menge Adel in dieſem lande auch ſein mußte. Sie war bis zur Mitte des Vierzehnten Jaþrhunderts nach Mauriſcher Urt nur leicht bewaf: net., und füþrte blos Bruſtſtücke

und Pickelbauben

(capellinas) nebſt Schwert und lanze. Allein durch die von D. Pedro , König von Aragonien in Sold ' ges nommenen Franzoſen und Engelånder kam auch die Rüſtung derſelben in Spanien auf " ) , und von dem Jahre 1366 an trug auch hier die Reuterei Helm und Panzer, oder Harniſche mit Urm : und Beinſtücken , Schlachtſchwerter , Dolche und Panzerſtecher ( Eſtoqs).

S.

7.

So lange die Reuterei größtentheils und faſt einzig aus dem Adel beſtand, war die Infanterie - die Schus Ben ausgenommen gleichſam nur ein unbedeutender Theil des Heeres , und wurde mehr in Befakungen als in offenen Feldſchlachten gebraucht. Sie war gewdýns lich m) Der König von Kaſtilien belagerte 1362 Calatayud mit 12000 zu Pferde und 30000 zu Fuß . Zurita Anal, 9.B. 41. cap.

D ) Zurita 4. A. O. 9. B. 62. cap .. F 5

90

Geſchichte deř Kriegskunſt. I. Zeitraum.

lich bei einem entſtehenden Kriege angeworben, oder von den Städten geſtellt worden ; und es fållt in die Augen , daß in dem einen wie in dem anderen Falle die beſſeren und geübteren Krieger lieber als Schüßen dienten , wo fie koberen Sold bekamen.

Bei Stürmen, oder wenn

wichtige Poſten zu bereken waren ; mit einem Worte: in allen den Fällen , wo eine gute und tapfere Infan : terie erfordert wurde , faßen daher die Ritter zumn Theil oder ganz ab , und fochten zu Fuſſe , wie die Beiſpiele der Schlacht bei Ererry , bei Poictieres u . a. zeia gen ) . Auch die Städte und Schlöſſer befekte man mit Rittern , und der Graf von der Normandie bela:

. gerte 1340 Quesnoi nur darum nicht, weil es ſo gut mit Rittern (gens d'armes ) und mit grobem Geſchük verſehen war , daß er nichts auszurichten glaubte P).

S.

8.

Da das Fußvolk in jenen Zeiten , gleich der Reus terei , ſich ſelbſt ausrüſten mußte ; ſo waren auch bis

)

zu Einführung der Piquen und des Feuergewehres ſeine Waffen febr verſchieden , ſo wie es der Eigenfinn oder die Vermogensumſtånde eines jeden mit ſich brachten . Um gewöhnlichſten trugen ſie einen eiſernen Hut ( Sala do) , einen Leibrock von Wilds- oder Büffelshaut, mit 25. oder 30facher Leinwand gefüttert, oder mit Baum : wolle durchnåbet , und über dieſen Leibrock einen leich : ten Blech :Harniſch ( Brigandine ) oder einen Panzer von Drath. Jør Gewehr waren Bogen und Pfeile ; ſtåh: lerne Armbruſte - mit den die Mailänder noch zu En : de 1

o Grande Chroniq. de France a . ' a. D. Froiſſart Vol . I. S. 150. Rich . Baker Chronicle of the Kings of Eng. land $ . 120. Henr, de Knygthon Lib. 4. in Script, antiq. hiftor . Anglican. S. 2588 . p ) Froiſſart Vol. I. cap. 48.

UL

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

91

de des Vierzehnten Jahrhunderts vergiftetePfeile ſchos: fen 9) - bald långere , bald kürzere Seitengeweþre ; Janzen , Spieſſe und Streitårtc ; auch batten ſie zu : weilen noch Rontartſchen , oder kleine runde Schilde. Die lekteren kamen jedoch nach Einführung der Pi: quen und des Feuergewehres , gegen welche beide ſie nicht zu ſchüßen vermochten , bei den Schweizern, Deutſchen und bei den Franzoſen ab; blos die Italies Ner und Spanier bebielten ſie noch einige Zeit bei.

$.

9.

Der Venezianiſchen und Genueſiſchen Schüßen iſt ſchon oben erwähnt worden : daß ſie wegen iþrer vor : züglichen Geſchicklichkeit berühmt waren "), und bald da , Ueberhaupt bildeten die bald dort um Sold dienten. Schußen bei allen Heeren ein eignes Korps, das unter ſeis nen eignen Anführern ſtand, und im Treffen ſeinen beſons Faſt bis zu Ende des Vierzehnten dern Poſten hatte. Jahrhunderts führten die meiſten noch keine Armbruſte, ſondern blos gewöhnliche Bogen, daher ſie auch ſtets Bet von den Armbruſtſchüßen unterſchieden werden. den Engelländern ſcheinen ſie auſſer ihrem Bogen kein ander Gewehr gehabt zu baben , denn weil im Treffen bei Aulroi 1364 ihre Pfeile den völlig geþarniſch ten Franzoſen wenig Schaden zufügten , warfen ſie ihre Bogen über die Schultern , giengen gemeinſchafts lich mit der Reuterei auf den Feind los, und riſſen im Ges menge den Franzöſiſchen Rittern die Streitårte von der Seite , womit ſie ſich alsdenn tapfer herumſchlugen *). Die 9 ) Andrea Gattaro iftoria Padovana , in Muratori fcri ptoribus Italic . Tom , 17. S. 833 r ) 'Barth. Facii Rerum geftarum Alphonfi I reg. Neapolit, 5. 48 . $) Froiſſart A. A. O. Vol. I. cap. 227 .

92

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum . Die Spanier bedienten ſich noch båufig der Schleu:

dern , in Frankreich hingegen wurden ſie nur noch von den Hirten und Landvolke geführt und bald ganz durch die ungleich vortheilhafteren Armbruſte verdrångt.

S.

10.

7

In Frankreich hatte fchon Philipp Auguſt die Einrichtung gemacht: daß die Reuterei blos von der (

Ritterſchaft , das Fußvolk aber von den Städten gege ben werden ſollte. Es ward zugleich in den Befreiungs: briefen der lekteren genau beſtimmt , wieviel jede Fuß:

-

knechte (Sergents de pied) ſtellen follte ? 3. B. taon 300 , Bruyeres joo , Soiſſons 200 , St. Quentin 300 u.ſ. w . ). Man findet dieſer ſtådtie ſchen Fußknechte unter dem Namen der Communen noch im Vierzehnten , ja bis gegen die Hälfte des Funf: zehnten Jahrhunderts erwähnt . Sie waren nur bis auf eine gewiſſe Weite auf eigne Koſten oder vielmekr auf Koſten der Stadt, für die ſie giengen , zu marſchis ren gezwungen . Bei einigen war diefe Entfernung nur ſehr geringe , denn die Gemeinde von Rouen mußte je: derzeit übends wieder in ihren Wohnungen ſein . Noth: wendig konnte dies Fußvolk nicht anders als ſchlecht ſein, denn die Bürger mietheten allerlei Brodloſes Volf,

4

1

das an ihrer Stelle ins Feld zog , und dann mehr bes dacht war : ſich durch Plünderungen und Räubereien zu bereichern , als zu fechten. Karl der Siebente ſabe die Mängel einer ſolchen Infanterie ein , und ſucha te ſie , gleich der Reuterei , auf einen beſtåndigen Fuß zu ſeßen . Ér befaßl daher im Jaþr 1448 : daß jedes Kircoſpiel Einen guten und verſuchten Mann ausſuchen folle , der mit Bogen und Pfeilen ausgerüſtet , auf den Erſten Wink als Schüße zu Felde geben könne. Die + ) P. Daniel 3. Buch Seite 93.

}

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

93

Die Befreiung dieſer Leute von faſt allen Abgaben, ges meinſchaftlich mit mehreren anderen , ihnen zugeſtandes. nen Vorzügen , machte: daß jedermann ſich drångte unter dieſe Frei : Schüken francs - Archers oder francs - Taupins nannte ſie die Königliche Ver: ordnung - aufgenommen zu werden . Sie waren in Vier Klaſſen getheilet , von den die Erſte eine Sturms þaube mit einem Viſir , Blechhandſchuh , kurze ſtarke Knebelſpieße , und anſtatt des Degens einen großen Dolch führte. Die zweite war der Erſten völlig ån. lich ; nur daß ſie anſtatt des Spieſſes eine lange ,

und

anſtatt des Dolches einen ſtarken und ſcharfen Degen hatte. Die Dritte Klaſſe trug bloße Pickelhauben ohne Viſir nebſt einem kleinen Schilde; Bogen und Pfeilen ,

ihr Gewehr beſtand in

einem guten Degen und einem

Dolche. Die Armbruſtſchüßen endlich machten die Vierte Klaſſe aus , und mußten allezeit wenigſtens 18 Bolzen im Kocher haben. Die Schüßen mußten iþr Gewehr gut zu gebrauchen wiſſen , und ſich deshalb alle Sonn- und Feiertage im Schieſſen üben .

Ihre

Zahl war zu 16000 angeſegt, die unter 4 Oberſten und 28 Hauptleuten ſtanden , deren jeder auf dieſe Weiſe Soo Mann anführte.

§.

il .

Luſſer dieſer regulären Infanterie exiſtirte in Frant: reich unter dem Namen der Brigands und in der Folge , der Avantůriers eine Art Freiparthei , die von einigen , ohne beſondere Patente des Königes , auf eigne Koſten angeworben , und ohne beſtimmten Sold Frankreichs durch Räubereien unterhalten wurden . Könige waren , von allen Seiten gedrångt , oft geno: thiget , dieſen zügelloſen Horden eine Stelle in ihrem Heere einzuräumen ,

doch ſuchten ſie ſich ihrer immer bald

94

Geſchichte der Kriegskunft.

I. Zeitraum .

bald wieder zu entledigen , ja Franz der Erſte bes fahl ſogar im Jahr 1543: daß die Gerichtsobrigkei : ten dieſe Ķerumſchweifenden Banden überal aufſuchens und ohne Gnade niederbauen laſſen ſollten.

S.

12 .

In Deutſchland þatte ſich mittlerweile eine Gat: tung Krieger gebildet , die Landsknechte oder beſſer lanzenknechte , die ſich durch ſtrenge Kriegszucht und unerſchütterte Kühnheit auszeichneten , und deren Name im Sechzehnten Jahrhunderte von den Ufern der Garonne bis zu der Tiber mit ehrfurchtsvollem Schaus der genannt wurde.

1

Weil die Lehnsverfaſſung oft nicht

zureichte , den kleineren Fürſten und Grafen Deutſch: lands genug Fußvolk zu ihren Kriegen zu liefern ; fien: gen fühne Männer , die zu arm waren , ſich die Rů: ty ſtung eines Reuters anzuſchaffen , an , als Fußknechte - mit einer langen (anze oder Pique und einem Sei : 14 tengewebr , bisweilen auch mit Piſtolen und Dolch be: dienen.. wafnet - um Sold zu dienen Weil jedoch iþr Dienſt auch allezeit mit dein Kriege ein Ende hatte ; zogen ſie dann weiter , und ſuchten neue Fehden und für ſie neuen Verdienſt; ſo entſtand unvermerkt eine ſteøende Trup: penart , die , ob ſie gleich aus einem lande in das ans dere zogy bald in Haufen , bald auch nur einzeln ; den: noch ihre Deutſche Sitten und ihre Kriegszucht beibes hielt, und in den meiſten Europäiſchen Ländern unter dem Namen der Deutſchen Lanzknechte - Lansque Ein ſolcher nets långere oder kürzere Zeit exiſtirte. Haufen war die ſogenannte Große Garde - Magna Gardia — auch die Schwarzen Haufen genannt, deren Stårke ſich auf 4000 bis 6000 Mann belief. Dieſer Kriegskaufen beſtand , unter Deutſchen Ans führern , zwar anfangs faſt ganz aus Deutſchen , ers pielt

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .' 95 þielt aber in der Folge bei ſeinen Wanderungen eine mannichfachere Zuſammenſeßung , daß man zalekt Schwaben , Baiern , Franken , Sachſen , Brabans ter , Geldrer , Lombarden , Schweizer, Franzoſen , Schottlander Spanier, und ſogar Mohren darunter fand. Er ſtand im Jahr 1464 in König Matthia von Ungarn Sold ;

durchſtreifte nach ſeiner Übdans

kung unter Anführung eines von Tettow Schleſien , zog ſich von da nach Sachſen und diente Herzog Uls brechten, dann dem Römiſchen Könige in Geldern, hierauf dem Herzoge von Geldern gegen die Jüli: cher und Clever , und half endlich dem Könige Jos þann von Dånnemarf , Schweden crobern. Nach einigen “ unglücklichen Kriegsverrichtungen gegen die Dithmarſen , gieng die Große Garde zu Anfang des Sechzehnten Jahrhunderts aus einander. Doch bald vereinigten ſich die zerſtreueten Glieder derſelben wieder unter dem Burggrafen von Leißnig , ſtanden Herzog Georgen von Sachſen gegen die Frießländer bei , und giengen dann in Geldriſche Dienſte. Hier warb ein Theil im Jahr 1917 aufgerieben , der andere aber trat init der weißen Garde – einem 'verabfchiedeten Haufen engliſcher lanzknechte -- in Franzöſiſchen Sold , und zog unter Karl dem Achten nach Italien “).

8.

13 .

Durch das mühevolle. Erringen ihrer , iğnen ro ſchwer gemachten Freiheit war in den Ålpen ein Krie: gervolk,

die Schweizer , entſtanden ; rauh , wie die Gebirge, die ſie bewohnten , vol Kühnheit, und durch

ſtete Siege über mächtige und tapfere Heere zu einem und u) Menken fcriptor. rer , germanicar, fol. Lipſiae 1730 . 3. Ch . Sette 811. auch rauſe Geſchichte des heutigen Europa. 8. Salle 1792. Bd . 5. Kap.4. S. 153 .

96

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

unerſchütterten Selbſtvertrauen erhoben. Sie trugen , je nachdem es ihr Vermogen erlaubte, bald Harniſche aus geſchmiedetem Eiſen ; bald Panzer; bald Koller von Büffels

oder Uuerochſen : Leder , oder aus vielfa:

cher Leinewand ; ja die årmeren auch blos eine Pickel: Haube *). Ihr Gewehr war entweder ein Feuerrobr; ein langer Spieß Pique - oder eine Hellebarte ; viele führten auch große Schlachtſchwerter auf der Schulter , die ſie im Treffen mit beiden Händen regiers ten , alle aber Schwert und Dolch am Gürtel. Feder

1

Ort hatte ſein befonderes Panier , unter dem er zog. Trommeln und Pfeifen waren ihre Feldmuſit; die Füßs rer aber riefen das Volt mit der Trompete zuſammen , den von Uri und Unterwalden , der das Horn eis nes Uuerochſen - den Stier von Uri - und den

16 von Luzern ausgenommen ,

der ein ehernes

Horn

führte. Schilde şatten ſie nicht; ſie würden ihnen nur 8 bei dem Gebrauch ihres Gewehres hinderlich geweſen ſein, das faſt durchgehends mit beiden Händen geführet werden mußte. In dieſer Sitte folgten ihnen wegen der Wenlichkeit der Rüſtung die Deutſchen Lanzknechte, bald auch die Reuterei; doch ſpåter die Franzoſen , Itas liener und Spanier , als ſie einſahen , daß der Schild weder gegen die Pique , noch weniger aber gegen die Schüſſe des immer gåufiger werdenden Feuergeweþres' Sicherheit gewåþrte.

.

14

Sowohl die Pique als die Hellebarte kam von den Deutſchen und Schweizern zu den Franzoſen , denn man findet ihrer nichtvor dem Jahr 1461 in der Fran: zöſiſchen Geſchichte erwähnt, da ſie bei den Niederlåns. dern x ) Suiceri Chronolog . helvetic, 6.6 , in Thefauro hiſtor. Helveticae, fol, Tiguri 1735 .

3.

Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

97

1 dern doch ſchon zu Anfang des Vierzehnten Jahrhuns derts üblich war. Ludwig XI lies 1475 zu Angers eine Neue Art Gewehr machen ,

die Hellebar :

ten genannt wurden', wahrſcheinlich um die in Sold genommenen 6000 Schweizer damit auszurůſten , die er an die Stelle der aufgehobenen Francs Archers feßte , und dadurch ein ſtehendes Heer errichtete. Sein Nachfolger , Karf der Achtë nahm ſowohl mehr Schweizer als auch Deutſche lanzknechte an, aus den und aus den in Frankreich geworbenen Truppen auf ſeinem Zuge nach Italien die Armee beſtand. Jene beiden die Schweizer und die Deutſchen Inachten den Kern der Franzöſiſchen Infanterie aus , denn die Franzöſis fichen Nazionalen waren mehrentheils zuſammen gelaufe: ne und der Gerechtigkeit entſprungene Leute , Diebe ; Räuber u . d. gl. die, ſchneller zum Plündern als zum Fechten , nur mit Mühe im Zaume gehalten und an die eingeführte Mannszucht werden konnten » ).

$.

der Schweizer gewohnt

15 .

Weil gegen das Ende des Funfzehnten Jaßrhun: derts das Feuergewehr ziemlich allgemein ward , und ſogar Bogen und Armbruſt zu verdrången anfieng ; fanden ſich auch bald Musketiere unter den lanzknech : ten , welche die Stelle der ehemaligen Schüßen vertra : ten.

y) Brantome ſchildert das Franzfiſche Fufvolt Qar16 des adoten als de bons hommes, mais la plupart geas de fac et de corde , inèchans garnimens échappez de la juſtice, et ſur tout force marquez de la ' fleur de lys. ſur l'epaule, eſorillez (mit abgeſchnittenen Ohren ), et qui cachoient les oreilles, à dire vrai , par longs cheveux barbes horribles , tant pour cette raiſon , que pour ſe montrer effroyables à leurs ennemis. Boyer's Feuere Krieget. I. Th.

98

Geſchichte der Kriegskunſt.

I. Zeitraum .

Bei Murten hatten die Schweizer gegen Karl ten. den Kühnen 11000 mit Piquen , 10000 mit Hels lebarten ,

und 10000 mit Feuerrohren oder Mustes

ten bewafnete Krieger ; folglich machten legtere ein Drita Es läßt ſich nicht theil des ganzen Fußvolkes aus ? ). mit Zuverläſſigkeit beſtimmen ,

ob dies nur ein Wert

des Zufals geweſen ; gewiß, iſt es aber : daß Sechzig Jabr ſpåter bei den Deutſchen Truppen jedes Fågnlein, oder jede Kompagnie Fußknechte auf 400 Mann gefeßt ward , von den 200 Musketen- oder vielmehr Ha: Doch finden ken , wie ſie damals þieſſen - führten. ſich wohl auch Beiſpiele, daß die Feuergewehre hie und da ininder båufig im Gebrauch waren . Denn noch im Jahr 1523 führte Montluc blos Armbruſtſchů: in Arquebuſes ken an , weil die Hakenrohre Gastogne noch nicht gemein waren

).

19 $.

16 .

So lange die Treffen ſich blos auf das Gefecht Mann gegen Mann einſchrånften , zweckten auch alle Kriegsübungen dahin ab , die Krieger dazu geſchickt zu Man ſchoß öfters nach einem Ziele , wo die, machen. welche am beſten trafen , von den übrigen einen Preis Dies geſchaße mit Bogen und Armbruſten erhielten . ſchon in den früheſten Zeiten , und Boleslaus, Herzog von Schweidnit roll im Jahr 1286 das Als Vogelſchieſſen in Deutſchland eingeführet baben. Folge das Feuergewehr erfunden ward , fuchte man auch mit dieſein eine Fertigkeit im Schieſſen zu erlangen. So entſtanden die Scheibenſchieſſen , wos von das Erſte im Jahr 1429 zu Nürnberg und das

in der

2 ) Comines 1. 5. cap . 3. a ) P. Daniel a. a. D.

3. Kriegsverfaſſnng im erſten Zeitraum.

99

das Zweite 1430 zu äugsburg gehalten ward 6). Zufrieden , eine geſchickte Gendarmerie, oder Ritters ſchaft zu haben , die den Kern der Heere ausmachre , þatte man ſich lange wenig um die Evolutianen der Schüßen und der leichten Reuterei bekümmert , die das mals nur gerſtreut fochten .

Karl der Kühne , jener

kriegeriſche Herzog von Burgund, war der Erſte der keine Truppenart ſeiner beſondern Sorgfalt unwerth pielt.

Er

befahl in

einer Verordnung

vom Jabr

1473 ) : daß die Gendarmerie von ihren Befehlsha: beru bald blos mit Helm und Bruſtſtück , bald völlig gerüſtet

geübt werden

rolle ,

Yowohl geſchloſſen und

raſch mit der {anze auf den Feind los zu gehen ,

als

fich zu zerſtreuen und zur wechſelſeitigen Unterſtůkung wieder zu ſammeln. Die Schüken Archers rolls

ten gelehret werden : ſchnell auf und ab zu fiken , und ibre Pferde zu koppeln , ſo daß allezeit drei Schükens pferde an das Pferd des zugehörenden Knechtes gehans Die Schüken ſtellten ſich dann vor ihre gen wurden . Pferde ; vor ſie aber die Piquenirer , die auf ein ,bes. ſtimmtes Zeichen ſich auf ein Knie nieder ließen , und ihre Pique gegen die Bruſt der feindlichen Pferde fåll: ten , damit die Archers über ſie hinweg ſchieſſen konn: Endlich ſollten die Piquenirer angewieſen werden, ten . ein viereckiges oder rundes Quarré' zu formiren , die Schüßen hinter ſich , und die Pferde derſelben nebſt den Knech :

b ) Merkwürdigkeiten der Stadt Nürnberg Seite 76t und Stettens Erläuter. Der in Rupf. geſtochenen Vorſtelluns gen a. d. Geſchichte der Reichsſtadt Augsb. Seite 65 . c ) Der P. Daniel fand ſie auf der Königl. Bibliothek zu Paris Nummer 9846. hiſtoire de la Milice françoiſe. 5. Buch 7. Sap. S. 377.

100

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

Knechten in der Mitten , um ſo einer ſtårkeren feindli: chen Reuterei zu widerſtehen.

. to

$. 17 . Frankreichs Könige folgten dieſem Beiſpiele , und führten bei ihren Ordonanz:Kompagnien ſowohl , als bei den Freiſchůken ånliche Uebungen ein . ludwig XI errichtete endlich von der Reuterei, den in Sold genom : menen 6000 Schweizern und den in Frankreich anges worbenen 10000 Infanteriſten , nebſt 2500 Schanz: gråbern , die zuſammen ein ſtehendes Heer bildeten bei Pont de l'Arche, ohnweit Rouen ein Ue: bungslager , in welchem unter Beobachtung der ſtreng:

+3 ſten Kriegszucht alle damals gewöhnliche Kriegsübung In Deutſchland finden ſich gen gemacht wurden 4). ebenfalls Spuhren ſolcher Uebungslåger. Die Burger von Erfurt ſchlugen ſchon im Jahr 1447 eins unter ihrem Schirmvogt, Grafen Heinrich en zu Glets chen mit einer Wagenburg , die von der Reuterei an: gegriffen , von dem Fußvolke aber vertheidiget ward. Der Rath wollte ſich dadurch gegen einen zu beſorgens den Angriff Herzog Wilhelms zu Sachſen gez ſchickt machen ). $. 18.

d) P. Dániel a. a. O. 4.B. 5. R. Seite 252.

.

e ) – Die von Erffurthe beſtaltin , das ör Landvolg mit iren harnaſche und were, und mit iren wainen ufden Sun tag noſt noch des heiligen Lichnamstage in ire Stadt Erf. furthe quomen , und brachten ouch in der Stadt uff ihre Burger mit iren Harnaſche , Armbroſten und büchſen zu wain , und Grafen Hinrichen zu Glichen , iren Houptmann mit den Dinern und ruftigen Burgern wol geczuget mit einer groſsen Zal zu Pferde zu der Stadt us uff die welin und ſchlugen alda ein Waninburgk doruf; fo rante der Houbtmann mit dem reiſigen Geczu . ge,

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum. S.

ior

18 .

Bis gegen das Funfzehnte

Jahr underé þin ſtand

die ſchwere Reuterei – die Lanzen oder Glaiven zum Treffen in Einem Gliede — En haye – und for: mirte blos zum Marſch Schwadronen oder tiefe Hau: Sie war dann gewośnlich ro dicht geſchloſſen , fen . daß man keinen Apfel werfen konnte, der nicht auf ei: nen Helin oder auf eine lange gefallen wäre € ). Wenn die Beſchaffenheit des Bodens nicht die Entwicelung der ſtarken Geſchwader in Ein Glied erlaubte ; geſchahe dies in mehreren hinter einander , die vierzig Schritt aus einander ſtanden 8 ) , damit ſie ſich beim Angriff nicht hinderten , und dennoch einander nöthigen Falls unterſtüken konnten , Die Deutſchen giengen zuerſt von dieſer Stellungs: art ab, fie und bald darauf auch die Spanier und Bur: gunder formirten beimn Angriff tiefe Schwadronen , die en maſſe angriffen . Spåter folgten ihnen darinnen die Franzoſen , und zwar bei der leichten Reuterei zuerſt, denn noch unter Heinrich dem zweiten wurden beſtändig die in Ein Glied geſtellten Franzöſiſchen G en: darmen durch die von Karl dem Fünften einges führten tiefen Reutergeſchwader geworfen. Die ſchwer re Reuterei nahm die tiefe Stellung erſt in den burger: lichen Kriegen an ,

und erndtete in der Schlacht bei

Montcontour 1569 die Früchte davon ein .

$ . 19 , ge , ſo werden fich die Weppener in der Wainburgk und hetten alſo zwene ſuberliche Stoffe , doch nit mit dem Ernſte, ſondern daſs ſich die Lute ubetin , unde fich deſto baſs zu der Sache wuſten zu ſchicken. Hars tung Kammermeiſter $ Erfurtiſche Annalen in Men, ken ſcriptor. Seite 1195. f ) Froiſſart Vol. I. Rap . 227 . 8) Montgommeri l'ordre de la cavallerie S. 133 G 3

102 Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum.

19.

S.

Alles , was uns aus jenem Zeitalter über die Stel: lung des Fußvolkes bekannt iſt , enthält die oben ( $. ! 16. ) angeführte Verordnung Sarls von Burgund. Der übrige Theil der Infanterie focht mehrentheils zer: ſtreuet , als leichte Truppen , und fieng auch ſo gewöhn: Ja , es giengen faſt allezeit Rit: lich das Treffen an . ter vor , die unter den feindlichen Truppen einen Gega ner aufforderten , um durch ſeine Beſiegung noch vor Anfang der Schlacht einen Beweis iþres Muthes zu Zuweilen vereinten ſich auch mehrere zu dem: geven . ſelben Zweck , wovon uns die Geſchichte bis gegen das Siebengegnte Jahrhundert hin viele Beiſpiele aufſtellt. Mun nannte dieſe zum ſcharmuziren beſtimmten Trup : pen die verlohrnen Haufen - Enfans perdûs 1562 und es wird in der Schlacht bei Dreur vorherges ohne" angemerkt: ſie Seltenheit daß als eine hende Scharmükel begann. S.

20.

Zu einer Zeit , wo die reguläre Kriegsverfaſſung noch im Werden war , gab es auch nur wenig Kriegos Nach dem Feldherrn tamen einige Oberſten , bedienten. unter denen die Hauptleute mit ihren lieutenanten ſtans Der Kriegs : Baumeiſter bei den Deutſchen , den . Grand Maitre des' und der Ober :Ruſtmeiſter Arbalêtriers - bei den Franzoſen , hatten alles unter fich , was zu dem Geſchüß und Maſchinenweſen gehör: te. Uls in der Folge das Feuergeſchüß aufkam , ver : ånderte fich dieſe Würde in die des Feldzeug mei : fters und warb zugleich von der des Kriegs:Bauingis ſters abgeſondert, weil von dieſem Zeitpunkte an das Fach eines jeden immer

weitläuftiger zu werden an : fieng

$

3.

Kriegsverfaſſung im

fieng " ).

Die

erſten Zeitraum .

Sonnet abel von

mehr eine Hofcharge,

103

Frankreich waren

ſo wie die Marſchålle,

die anfangs blos zu Regulirung der Königlichen Hofſtatt bei dem Heere beſtimmt waren , und ſich erſt nach und

nach in friegeriſche Würden umbildeten.

$.

21 .

Das Fahrhundert , welchem die Feuergeſchüke ihr Daſein verdanken , war zugleich fruchtbar an anderen kriegeriſchen Erfindungen. Eduard der andere von Engelland führte auf feinem Zuge nach Frank: reich zuerſt Handmühlen , Feldbacköfen und Feldſchmie: ten auf Wagen bei fich , deren er 6000 vierſpånnige mit aus Engelland gebracht hatte :). Auch waren kleine leichte Fahrzeuge von gebranntem Leder, die ebens falls bei dem Heere mitgeführet wurden , zum Fiſchen und Ueberſeken der Truppen beſtimmt, und waren viel: leicht der Anfang zu den jeßt gewobnlichen Ponton : Trains. Man findet endlich zuerſt unter Karl dem Sechſten die noch jekt üblichen fliegenden Brücken ; denn als einige Franzöſiſche Ritter unterbalb Commis nes über die Ins regen wollten , bewegten ſie die Bars ken vermittelft eines Seiles über den Fluß. $.

22.

Die Feldverfchanzungen waren - wie im Mittels alter ånſferſt einfach . Oft beſtanden ſie blos aus

einer h ) Von der Benennung der damals üblichen Kriegsmaſchis nen und Werfzeuge, Span. engeños und Stalien, ingeg. nos, erhielten die Künſtler, welche ſie zu verfertigen und damit zu werfen wußten, den Namen ingegneros oder Ingentere. Sie waren in jenen Zeiten auch zugleich Kriegsbaumeiſter, und ſo blieb in der Folge dieſer Name den legterer , 065 gleich er eigentlicher den Artilleriſten zukáme. i ) Froffart Vol. I. Sap. 210 G 4

!

104

Geſchichte der Kriegskunſt. L Zeitraum .

einer Wagenburg, worein die Pferde und das Gepäck der Truppen gebracht wurden , und wo die Schüken und die mit Spieſſen beweþrten Infanteriſten zur Vertheidigung hinter den Wagen ſtanden . Dic häufigſten und merk: würdigſten

Beiſpiele dieſer Verſchanzungsart geben uns die Huſſiten , die ausdrücklich deshalb immer eine große Menge Wagen bei fich führten k) . Dieſe Wa: gen wurden dergeſtalt zuſainmen gefahren , daß ſie die Truppen nicht blos umſchloſſen , ſondern zugleich zwi: fchen ihnen ſtanden , und gleichſam Gaſſen bildeten , in die ſich die ſchon darauf abgerichtete Reuterei zurück zog , wenn ſie von dem Feinde zu hart gedrångt ward , wo ſie denn bei dem auf die Wagen geſtelltem Fußvolke Schuß und Vertheidigung fand '). Ziską, jener bekannte Heerführer der Huſſiten hatte ſie dieſe Art zu fechten gelehret , und ſie überhaupt aus einem Haufen regelloſer Bauern in ein ordentliches Truppenkorps um : geſchaffen m ). In der Schlacht bei Toplik , wo die Böhmen das vereinte Heer des Kaiſers und der Deut: ſchen Fürſten ſchlugen , ſtanden ſie hinter einer ſolchen Wagenburg von soo Wagen , die mit Ketten doppelt zuſammen gehangen waren , und auſſer den die Infan: terie noch durch große und breite Schilde gedeckt ward, die vermittelft eines ſtarken Stachels in die Erde befeſti: get

k ) Bet einem 1431 im Pilsner Kreiſe gehaltenen Muſtes rung beſtand das Heer der Böhmen aus 50000 Infantes riſten , 7000 Reutern und 3600 Wagen . Lenfants Geſchichte des Huſſitentrieges II. Seite 393 der deutſchen Heberreßung, 1 ) Balbiui Epitome Rer. Bohemic. Seite 456 . m) loh , Cochlaei hift. hullit . Lib. V. S. 216. Er gab ihs nen ſchriftliche Kriegsgeſege , worinnen ſowohl das Vers halten der Soldaten im Lager und in Quartieren , als in Treffen , die Formirung der Wagenburg u . dgl . m . enthals ten waren . Balbin 4..4. Seite 463 .

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum . get wurden .

105

Sobald die Böhmen durch ihre Werfzeu :

ge die Deutſche Reuterei in Unordnung gebracht hatten, ſtürzten ſie aus der Wagenburg auf ſie , und auf das durch die reiſen ,

Bemühung :

die Wagen von

ermüdete Deutſche Fußvolt los ,

einander zu und ſchlus

gen beide nach einem harten Kampfe gånzlich in die Flucht " ).

S.

23 .

Wenn es nicht an Zeit fehlte, ward die Wagens burg bisweilen noch mit einem , mehr oder weniger tiefen , Graben und mit einer Bruſtwehr verſehen , pinter der die Schüßen gegen die feindlichen Schüſſe um ro mehr Die Bruſtwehr wurde bald in einer geſichert ſtanden. geraden , bald in einer krummen linie , ja zuweilen auch ſchlangenförmig herumgeführet, je nachdem es die {age des Ortes und die Beſchaffenheit der Umſtände erforderten . Nur felten , und etwa bei verſchanzten Poſten oder Belagerungen wurden Palliſaden in oder vor den Graben gefekt; dagegen führten die Engeltan : der beſtåndig lange Pfåhle bei ſich , an beiden Enden mit eiſernen Spigen verſehen ; ſobald ſie nun von einer feindlichen Uebermacht angegriffen wurden , ſteckten fie dieſe Pfáble - Pinnen oder Schweinsfedern -- in die Erde , daß ſie ihnen ſtatt einer Verſchanzung dienten , þinter der ſie mit Bogen und Armbruſten auf den Feind ſchoſſen ).

S.

24

So lange die Feuergeſchüße nur noch blos zur Ver: theidigung dienţen , oder wenigſtens nur einzeln im Fels de mitgeführet wurden ; blieb auch ſowohl die Einrich: tung , n ) Balbin Seite 468.

o ) P. Daniel 4.a. 0. 7. Buch . 2. Kap. GS

106

Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum.

tung , als der Angriff und die Vertheidigung der Fes

.

Eine ſtarke Mauer , die ſtungen wie im Mittelalter. mo öfters noch eine zweite und dritte vor ſich hatte der Raum zwiſchen ihnen der Zwinger hieß - mit darauf gefekten , jeßt mehrentheils runden Thürmen , vor den und höchſtens ein kleines Werf -- baille Thoren , machten die ganzen Feſtungswerte aus.

Ge:

trieben von dem Rittergeiſte jenesheroiſchen Zeitalters fieng man gemeiniglich die Belagecung damit an , daß man Schüßen an den Rand des Grabens ſtellte , um durch einen Pfeilregen die Vertheidiger von der Mauer vertreiben ,

den Graben durch eingeworfene Faſchinen

Um füllen , und ohne weiteres ſtürmen zu können P). hierbei die unbedeckt ſtegenden Schüßen gegen die von der Mauer Herab kommenden Pfeile zu ſichern, wurden Pavelieux ihnen durch beſondere Schildtråger große Schilde , die man Tartſchen oder Paveſen nannte , vorgetragen , und verinittelſt einer unten ans gebrachten Spiße in die Erde geſteckt. Jedem Schůs ken war ein ſolcher Schildtråger zugegeben ; ſie werden daher bei der oben erwähnten Muſterung der Kriegs: volker von Padua beſonders aufgeführet. Auch hatte der Graf von Foix 1451 bei der Belagerung von Bayonne 2000 Schüken mit ihren Schildtrå: gern bei ſich , und die Böhmen bedienten ſich dieſer Paveſen oder Sektartſchen noch gegen die Mitte des Sechzeßnten Jahrhunderts. Schlug, wie es gewöhnlich geſchaße , dieſer Erſte Angriff durch die Tapferkeit der Befaßung fehl; lo brachte man wågrend der Nacht die Werfzeuge B19

P ) Froiffart Vol. I. cap . 48. 109. 150. woſelbſt die Bes lagerungen von Quesnoy im Jahr 1340 , von Las Ros ches Milon 1355 , und Romorentin 1356, beſchriebers werden .

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum . 107

Binden und Mangen - heran . die man durch ei: ne Bruſtwehr von Erde deckte, und mit den man die Befeſtigungswerke und die Häuſer der belagerten Stadt beſchoß 6). Man fuchte zugleich die Stadtmauern, von Sturmdächern geſchůkt, zu untergraben oder durch den Sturmbock einzuſtoßen. Oft wurden zu dieſer Abſicht hölzerne Wandelthürme erbauet , und Katten die Ens gelländer' in der Belagerung von Riolle im J. 1344 zwei ſolche Thürme befrois - von drei Stockwer: ken , deren jedes Too Schüken enthielt ).

S. Obſchon

in

24 .

der zweiten Hälfte des Vierzehnten

Jahrhunderts die Feucrgeſchüße, beſonders in den Jtas lieniſchen Kriegen båufiger wurden ; blieben doch die bölzernen Thürine nebſt den übrigen Kriegsmaſchinen lange im Gebrauch.

Sowohl Feltri als das Schloß

St. lorenzo wurden mit Feuergeſchůken und Werfs zeugen zugleich beſchoſſen ') ; pelbſt im Jahr 1405 fins den ſich noch häufige Spuren von der Anwendung der lekteren in Italien ), ja ſpåter , unter und nach Kart VI, König von Frankreich , wird der Steinblyden Engins à verge - erwåbnet, deren man ſich bediente , theils große unregelmäßige Steinblocke, theils und vor: züglich aber Kunſtfeuer in die belagerten Plåge zu ſchleu: dern.

Bei langwierigen Belagerungen ſuchte inan auch

nicht ſelten die Beſakung dadurch zur Uebergabe zu zwin: gen , 9 ) Froiſſart Vol. I. cap. 50. 6b. 82. 88. 107. 121. 191. 193. 256. 262. u. 1.1 . Ad. Urfini Chron, Thuring , in Menken . Script. 3. Th . 8.1317 . r ) Froiſſart Vol.I. c . 110 ,

s) Muratori Script. rer . Italic, 15. Bd. S. 709 4. 714. t) ib . 17. Bd. Seite 9166

1.

108

Geſchichte der Kriegskunſt.

I. Zeitraum .

gen , daß man mit dieſen Kriegsmaſchinen t . e Körper von Menſchen und Thieren in die Stadt warf , um durch den Geruch die Luft zu verderben und anſteckende Seuchen zu erregen. Dies tħaten die Huſſiten bei der Belagerung von Karlſtein ; in welcheStadt ſie 2000 Fåſſer mit Koth und todten Körpern warfen .

Ueber :

þaupt bedienten ſie ſich bei Belagerung der Städte und Schlöſſer in Böhmen und Sachfen nur allein ſolcher Werfzeuge , weil ſie noch keine Feuergeſchüke hatten. Sa fie führten ſie in der Schlacht bei Toplik ſogar im Felde init ſich "). Von der Anwendung der Wandelt búr me findet man ebenfalls das ganze Funfzehnte Jahrhundert gin: durch Beweiſe. Sie wurden nicht nur bei der Bela: gerung von Konſtantinopel 1453 gebraucht;

ſon:

dern ſogar Alphons der Erſte lies vor Gaeta ei: nen ſolchen Thurin errichten , der die Mauern an Hd be übertraf ).

An die Stelle der Mauerbocke, welche

eħemals das untere Stockwerk der Thürine einnahmen, trat gemeiniglich eine große Steinbüchre, welche den Fuß der Mauer beſchoß.

Man fieng jedoch endlich an

einzuſehen : daß dieſe Thürme nur wenig Nuken ſchaf: ten , weil ſie gewöhnlich durch das Geſchüß der Bela : gerten zerſchmettert und zu Boden geſtürzt wurden , ehe man ſie an die Mauer heran zu bringen im Stande war. Sie verſchwanden daher , gleich den Sturms bocken 9

bald gånzlich aus dem Belagerungskriege ; man

u ) Lenfant a. a . 0. Th.2. S. 191. Theobald S. 120 . x) Barth. Facius de reb . geft. Alphonfi I. Regis Neapoli tani, P. 44: y) Dieſer wird zulegt in der Belagerung von 3ara durch die Venezianer im Jahr 1345 erwähnt hift. Oblid . Ja. drenſis L. 2. c. 6. doch bediente man ſich ihrer noch ſpås terhin bis in die neuečen Zeiten , wenn man eine Mauer ohne Geräuſch niederwerfen wollte.

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

109

man legte in der Folge durch das Geſchüß die Mauer nebſt den daran ſtoßenden Thürmen nieder , und kam auf dieſe Weiſe leichter und ſicherer zum Zweck , als vorher bei Anwendung der Wandelthürme.

S.

25 .

Die Kunſtfeuer , um ſowohl Stådte und Schlöſſer anzuzünden , als ſie gegen feindlichen Angriff zu vertbeis digen , beſtanden vorzüglich in Sturmtopfen oder irde: nen Häfen , mit geſchmolzenem Brandzeuge angefåűt; in Feuerrohren und Feuerlanzen . Man gebrauchte nicht minder während dieſes Zeitraumes ſehr häufig Feuer : pfeile, um bei einem raſchen Angriff oder in Erinanges lung anderer Kunſtfeuer eine Stadt oder Schloß anzu : zünden. · Uuch der Raketen finðet man ſchon im Kriege von Chi033a erwähnt, wo der Thurm Dels le Bebbe damit in Brand geſteckt wurde ?) ; allein fie waren , ihrer Beſchaffenheit und Verfertigung nach , einigermaßen von den jegt blos zu Luſtfeuerwerken und zu Signalen üblichen verſchieden. Auch im Jahr $447 júndete der Graf von Dünois durch Raketen Pont Audemer in der Normandie an , das von den Engelländern ſehr hartnåckig vertheidiget ward. Höchſt wahrſcheinlich mangelte es dem Kaiſerlichen Heere , welches die Huſſiten in Saaß belagerte , an Kunſt: 2) E queſto vedendo un Vicenzo , Ingegniere della Signo . ria fece fare un fortiffimo Gatto di legname, col quale andarono i ſoldati fino ful foſſo con baleſtre e bombar de affai , que avevano nel detto Gatto , con le quali fo ravano e rompevano la detta torre ; e molti di quelli di dentro ferivano ; e tiravano loro più forte di fuochi, che non preſtezza biſognava che i detti dentro s'ingegnas fero di ſmorzare. Pure una rochetta fu tirata nel tetto della torre de fi fatto modo , que il tetto s'acceſe. Mu rator. Script. Ital. Tom. 17. p. 397 .

110 Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum. Kunſtfeuern ;

denn man fieng

Tauben und

Sperlinge

ein , band ihnen brennende Dinge an die Schwänze Allein dieſe und jagte ſie alsdenn nach der Stadt.

Kriegsliſt þatte einen ſchlechten Erfolg ;

das eigene la:

ger der Kaiſerlichen , das größtentheils aus Stroh : hütten beſtand , gerieth dadurch in Brand , und ſie wurden genothiget , die Belagerung aufzuheben . S.

H11

26 .

Um ſich der belagerten Feſtung bedeckt zu nähern , fannte man lange kein anderes Mittel, als die oben er: wähnten Paveſen oder großen Schilde, welche die Stelle der Upprochen und Laufgråben vertraten . Nur die Werf: zeuge, und in der Folge die Belagerungsgeſchůke wurden durch einen Uufwurf von Erde gegen die feindlichen Schüſſe gedeckt “). Unter Karl dein Siebenten von Frankreich ſcheinen jedoch eine Art von Lauf:

14

Man findet nemlich bei gråben aufgekommen zu ſein. der Belagerung von Harfleur, im Jahre 1449 : gemacht Tranchées . daß große und tiefe Gråben worden , um ſicherer hin und her gehen zu können . In dieſen Gråben , vermittelft deren man bis an die Mauern der Stadt kommen konnte , war der König beſtåndig

*

in vollem Harniſch zu finden , um die Wirkung der fechześn gegen dieStaðt aufgefüßrten Feuergeſchůzezu be: obachten ). Jobann und Kaſpar Bůrea u, zwei Brüder, von den der Eine Zahlmeiſter, der Andere aber

*

Zeugmeiſter Karls des Siebenten war ,

leiteten

die Belagerungsarbeiten der Franzoſen wåfrend dieſes Krie

a ) Villafan Chronica del Rey D. Alonſo XI. de Caſtilla y de Leon cap. 280 .

b) Hiſtoire Chronologique de Charles VII . par le Heraut de Berry . S. 188. -

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

Krieges gegen die Engelländer, Feſtungen Reduten , Approſchen, nen anlegen -).

$.

III

und ließen vor allen Jaufgråben und Mis

27 .

Dbgleich das Schießpulver nun ſchon Ein Jahr: þundert lang zum Kriegsgebrauch angewendet ward ; hatte man doch noch nicht gelernt , es in unterirdiſche Hölen zu verſchlieſſen , und Mauern und Thürme da: mit nieder zu fållen , die der größten Kraft ungeheuerer

4 1

Steinbüchſen und Kanonen widerſtanden. Die Mi: nirkunſt ſchränkte ſich blos darauf ein , unterirdiſche Gånge bis unter die Mauern zu führen , dieſe durch ſtarkes Holzwerk zu unterſtüßen , und durch Anzünden deſſelben die Mauern einſtürzen zu machen . Den Italies niſchen Kriegen, die ſo vielen kriegeriſchen Erfindungen das Daſein gaben, war es vorbehalten, einen neuen Abgrund unter den Füſſen des Kriegers zu öffnen , der ihn mit den Schrecken des Erdbebens überraſchte. Zuweilen wurden die unterirdiſchen Gånge wohl auch unter der Mauer hindurch geführt, um dann in der Nacht eine Schaar Kriegsleute durch ſie eindringen zu laſſen , während das Belagerungskorps die Mauern von allen Seiten beſtürmte, und dadurch die Befakung verhinderte ,

auf das Acht zu geben ,

was in ihrem Innern

c) Nad einer andern Geſchichte dieſes Königes , die Alain Chartier zugeſchrieben wird . Ausgabe von 1528. fol. 68 verf. D'icelle Artillerie furent gouverneurs et conducteurs, Maitre Jeau Bureau , Treſorier de France et Jaspart Bureau , ſon frere , Maitre de la dite Artillerie , les quels , durant la dite Guerre, y eurent de grans peines

et travaulx , car c'etoit merveilleuſes choſes à voir les boulevers , les approchemens , les follez , tranchées et mines , que les ſusdits faiſoient et trouvoient la ma niere de faire devant tous les chateaux durant icelle con queſte.

112

Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum .

Innern vorgieng.

Nicht ſelten entdeckten jedoch die

Belagerten dieſe unterirdiſchen Arbeiten des Feindes , und giengen ihnen mit ånlichen Gallerien entgegen. Es entſtunden nun Gefechte , zu den fich Ritter und Knap: pen herbeidrångten ,

weil dieſe Zweikämpfe,

in den

Minengången bei Fackelſchein gehalten , als ein vorzúg: licher Beweis von kriegeriſchein Muth und Entſchlos: Man focht hier mit kurzen fenheit angeſehen wurden . Degeri , mit Dolchen und mit Streitårten, deren Stiel man öfters verkürzen mußte , um ſie in den engen und niedrigen Galerien führen zu können . Die Knappen, welche ſich dabei auszeichneten , wurden öfters auf der Stelle zu Rittern erhoben , und Trompetenſchall bes. feuerte die Kämpfer zum Streit ').

$.

28 .

Die belagerten Stådte wurden gewöhnlich mit Eir: cum : und Contravallationslinien umſchloſſen , un das Belagerungskorps ſowohl gegen die Ausfälle der Bes lagerten ; als gegen ein zum Entſak herbei eilendes Heer zu decken . Dieſe Linien beſtanden entweder aus einer zuſammengångenden Verſchanzung , oder , wenn die Belagerer nicht ſtark genug waren , ſie hinreichend zu beſegen , aus einzelnen hölzernen Forts und Thürmen - baſtides ). Die zuſammenhångenden Verſchanzuns in einem ununterbrochenen Kreiſe um gen liefen die Stadt her , und waren auſſer dem Graben noch in der vordern Flå : mit Palliſaden , Sturmpfahlen che der Bruſtwehr abwårts liegenden Pollifaden - oder mit d ) Klubers Ritterweſen des Mittelalters, Nürnb. 1786. 8. I. Theil. Seite 87 . e) Man findet derſelben unter andern bei der Belagerung von Ventadour durch den Herzog von Berry erwahat. Froiſſart 3, 101 .

n

+

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum.

113

mit eingegrabenen Bäumen verſehen, ſo daß fich öfters nicht einmal ein Spion hindurchſchleichen konnte , wie 3. B. bei der Belagerung von Melun im Jahr 1420 durch die Engelländer und Burgunder *). Ja Fer: dinand der Katholiſche begnügte ſich 1491 bei der Belagerung von Granada nicht, fein dager blog mit Verſchanzungen einzuſchlieſſen , ſondern er erbauete dicht bei der belagerten Stadt eine ordentliche Feſtung, mit ſteinernen Mauern , Thürmen uhd Gråben , die er Santa Fé bieß , und die den Belagerten alle åuſſere Gemeinſchaft abſchnitt.

Er ndthigte dadurch die Mob:

ren , nach einer ſiebenmonathlichen Belagerung Stadt mit Akkord zu übergeben 8). Näperte ſich der Feind zum Entſak;

die

ro erwartete

man gewöhnlich ſeinen Angriff in den Verſchanzungen. Ward er zurückgetrieben , verfolgte ihn die Reuterei aus dem verſchanzten lager und vollendete den Sieg . Erſt um die zweite Hälfte des Sechzehnten Jabrbune derts fieng man an, das Nachtheilige einer Gewohns Þeit einzuſehen , bei der man immer dem doppelten Uns griff des Entſakes und der Belagerten ausgeſegt war. Man gieng daber in der Folge dem annähernden Feins de entgegen , und lies nur ein kleines Korps zu Beobs achrung der belagerten Feſtung zurücf. Das Geſchük,

ſowohl die

Feuerbüchſen als die

Werfzeuge und anderen Belagerungsgeråthe , mit eis nem Worte : alles was nach heutiger Urt zum Urtilles rie: Park geboret , befand ſich in dem { ager an einem beſonderen Drte , der mit einem Graben eingefaßt und dadurch von dem

Lager des Heeres ſelbſt abgeſondere war .

f ) P. Daniel a . a . O. B. 7. Kap. 2. 8) Zurica Annales de la Corona de Aragon, Vol. 4. lib. 20. cap. 87. 5 Goyer's Heuere Kriegek, I. Tb.

114 Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum.

war. In der Belagerung von Ebatillon 1454 Hatte Karl der Siebente 800 Handwerker , die zur Ar: tilerie gehörten ,

und

die auf Veranſtaltung ſeines

Feldzeugmeiſters , Kaſpar Bureaus, dieſe Arbeit verrichten mußten . Schon früher , ja bis in die Kreugs züge zurück , finden ſich - obgleich minder deutliche Spuren dieſes Gebrauches , der in der Natur der Sache gegründet iſt ,

und ſich deshalb auch bis auf

unſere Zeiten erhalten jat.

N.

29 .

Die Vertbeidigung der Feſtungen in jener Epoke war dem Angriff angemeſſen . Man ſuchte die Kriegsmas ſchinen der Belagerer durch ånliche Maſchinen und Ges? ſchüße zu vernichten , wo in der erſten Hälfte des Funfzehn: ten Jahrhunderts denn die Wandelthurme vorzüglich den Steinbüchſen zum Ziel dienten , und eben dadurch,

weil ſie zu leicht von ihnen zerſchmettert wurden , aus : dein Gebrauch kamen. Daſſelbe fand auch in Abſicht 5 Die Biyden, Man: der andern Kriegsmaſchinen ſtatt. gen , Kaken u. f.w. boten dem Feuergeſchůß durch die großen Gerüſte, welche ſie erforderten , einen

leicht zu

treffenden Gegenſtand dar ; ſie verſchwanden dager nach und nach aus dem Belagerungskriege , und gegen das Ende des Funfzehnten Jaþrhunderts wird ihrer nur noch ſelten erwåbnt. Die Boller oder Feuermór: rer , mit den man ſteinerne Kugeln und Kunſtfeuer in einem hohen Bogen warf, traten an die Stelle der Werfzeuge, die Fronsperger blos beizubehalten råth , um die tobten Körper damit aus einer belager: Gez

ten Feſtung in das feindliche Jager zu werfen b ).

gen h) Leonhard Fronspergers Kriegsbuch 3. Theil. von Schanzen und Befeſtungen . Frantf. am Mayn 1573 fol. S. 173

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

115

gen die Stürmenden wurden theils große Steinblocke und Balken , die ſchon auf der Mauer bereit lagen , theils auch Sturmcepfe und andere Kunſtfeuer herabs geworfen , oder ſie init þeiffem Waſſer und flüſſig ges machtem Pech beguſjen , wobei denn oft die Weiber det Belagérten thårige Hülfe leiſteten , während die Mån : ner mit dein Schwert fochten und der Kühnheit der Stürmenden gleiche Tapferkeit entgegen regten , ſo daß die Belagerer immer nach mehreren Stürmen erſt zum Daher denn aber jene barte Zweck - kommen konnten . Behandlung eroberter Stådte ;

daber jenes Wůtben

der Sieger ſelbſt gegen dieWehrloſen, daß nicht ſelten mit den Kriegern auch Weib und Kind unter dem Schwerte des Stürmenden fiel. Für ein vorzüglich wirkſames Mittel zur Vertbeidigung der Mauern ward der ungelöſchte Kalch gehalten , den man auf die Stüre menden berab ſchüttete'), um ſie zu blenden , und an dem Sie verwahrten Erſteigen der Leitern zu verhindern . fich durch eine beſondere Art Pickelhauben dagegen , mit einem breiten Rande, wie die Regenbütbe, der die Aus gen der Soldaten bedeckte ).

$.

30.

Die Belagerten machten häufige Ausfälle , um ſich entweder Lebensmittel zu verſchaffen , oder aber die Arbeiten und Geſchüße der Belagerer zu zerſtöğren . Bei einer ſolchen Gelegenheit ſoll denn Kaſpar Vimers falus , ein Bremer , gegen das Ende des Vierzehn : ten Jahrhunderts zuerſt darauf gefallen ſein : das Des ſchüß des Sigismund Malateſta durch einen , in i) Froiffart an mehreren Orten ; Barthol. Facius de rebus geftis Alphonfi I. S. 117, Olaus Magnus Lib . 9. cap . 30.

/

116 Geſchichte der Kriegskunſt. 1. Zeitraum . in das Zündloch getriebenen Nagel unbrauchbar zu ma: chen. Sei es nun , daß dieſe Erfindung aus Italien nach Frankreich gebracht , oder daß ſie an zwei verſchie. denen Orten zugleich gemacht ward ; genug , die Ein : wohner von Compiegne , welche gegen kart den Sechſten , der ſie belagerte , ausfielen , drangen bis zu den Batterien vor und vernagelten das größte Ge: ſchük , die Bourgeoife genannt '). Man fand je: doch Mittel , das Zündloch der Kanone wieder zu off nen , daß ſie in der Folge noch gebraucht werden konnte.

S.

'31.

In der erſten Hälfte dieſes Zeitraums hatte ſich die Seetaktik wenig abgeåndert ; die Feuergeſchůke wurden auf den Schiffen nur einzeln gefunden , und konnten daher keinen merklichen Einfluß haben . Ueberhaupt beſtanden die Flotten jenes Zeitalters gewöhnlich blos aus Transportſchiffen , die nur zufällig und durch die Umſtånde dazu gezwungen , ſich in ein Seetreffen ein : ließen . Die Spanier , und dann die Genueſer und Venezianer , ſcheinen zuerſt dein früheren Beiſpiele der Nordiſchen Völker gefolget, und eigentliche Kriegsflot: ten ausgerüſtet zu haben , die aus verſchiedenen Gat: tungen von Schiffen beſtanden ; - unter den die Galec: ren oder langen Ruderfahrzeuge immer den Erſten Rang behaupteten , und vorzugsweiſe gegen die übrigen zum Gefecht beſtimmt waren . Sie führten deswegen auch gewöhn: 1 ) ils paſlerent outre , jusques au lieu , où on avoit affis les Canons , et au plus gros Canon , nommé Bourgeoi ſe , mirent au trou , par où on boutoit le feu , un cloud , tellement que devant la ditte Ville oncques ne peut jet ter ; et fi firent tant, qu'ils entrainerent trois Vulgaires (eineandere Art Kanonen) et les mirent dans la ville. Ju . venal des Urlins Seite 276 .

1

3. Kriegsverfaſſung im

erſten Zeitraum .

117

gewöhnlich Kriegsmaſchinen und Feuergeſchüße, dereit unbehülfliche Gerüſte kein Hinderniß waren, ſie im Seekriege anzuwenden m ). Ihre Beſakung machten die Ruderer und die Armbruſtſchüßen aus , die oft auch noch durch Ritter oder Gewapnete angeführt und verſtårkt wurden . So befanden ſich 1351 in dem Kriege zwiſchen den Spaniern und Genueſern auf den Galeeren der lekteren 150 Rnderer und 30 Armbruſt: ſchůken

).

Im dem Kriege wegen Chiozza aber

1378 , waren die ein und zwanzig Venezianiſchen Ga: leeren auſſer den Ruderern mit 475 geharniſchtex Sold: nern befekt º ) , wo folglich auf jede 22 kamen, die Eins wohner von Pola – einer Stadt in Iſtrien unge: regner , die ebenfalls auf der Flotte als gemeine Kries ger dienten .

$.

32 .

Auſſer den Galecren gab es jedoch mebrere Arten Fahrzeuge , von langer oder runder Form , die theils durch Rader , theils blos durch Seegel beweget , und im Nothfa !le zum Kriege ausgerüſtet wurden. beſtand im Jahr 1326 die Genueſiſche Seemacht aus 28 Galeeren , 6 Uferen , s Sartien , 1 Nave und vies Auch findet man unter den len Barken und Topen. Königen von Frankreich bis zu Karl VIII verſchiedes ne Ucten Kriegsfahrzeuge: Galeaſſen , Gallionen , Ea: ravels

m ) Zurita a . 4. 0. 9. B. 23. Sap. Italicar. 15. Tom . S. 719.

Muratori ſcriptor. rer .

a ) Zurita im Sten Buche. 0 ) viris armigeris ad ftipendium , ultra galearum comi tivam ſuetam , ultra quam erant etiam multi de Pola . Georg. Stellae Annales Genuenſ, in Muratori ſcript. Ital. Tom: 17. S. 1109. H 3

118

Geſchichte der Kriegskunft. I. Zeitraum .

ravellen , Balinger , Brigantinen , Caraquen , Rams bergen u.ſ.w. erwähnt , und in dem Kriege wegen Chis ozza gebrauchten die Genueſer ſowohl als die Venezias ner beſtändig armirte Fabrzeuge , die Coechas pießen ,

S.

33,

Die nördlichen Völfer , deren Schiffahrt auf der ſtürmiſchen Oſtfee und dem Ozean , Fahrzeuge mit Bås berein Bord erforderte , als die Galeeren ; bedienten ſich båufiger runder Schiffe, die mebrentheils durch Seegel allein , doch bisweilen auch durch Seegel und Ueberhaupt waren dieſe Ruder fortgetrieben wurden .

.

Nagionen , mit dem rauhen Elemente vertraut , das fie unſchloß , zum Seekriege vorzüglich geſchickt ; und die Kaperet verdankt hauptſächlich dieſen Gegenden ib:

ai

Schon in den früheſten Zeiten , wo

1.

re Entſtepung.

Verfaſſung und Herkommen die Befehdungen jeder Art begünſtigte, und wo jeder Einzelne ſeinen oder des Staató Feind zu (ande und zu Waſſer angreifen durfs te , trieben die Norweger , die Jüten u . a . ſelbſt bis in die entfernteſten Meere Seeräuberei. Bei ausbrechen : dem Kriege wurden ſie ſogar von der Regierung dazu aufgefordert, und ſchon im Zwölften Jahrhunderte fin : den fich Spuren , daß Privatgeſellſchaften zuſammen : traten , uin mehrere Schiffe auf Kaperei auslaufen zu taffen , ohne daß ſie weiter einer beſondern Erlaubniß Weil jedoch vielerlei Unordnungen dazu bedurften, aus dieſem Gebrauch entſtanden , denn die Kaper fuhren auch nach geſchloſſenem Frieden fort , ihr Handwerk zu treiben , ja griffen öfters Freund und Feind ohne Un. terſchied an ; ward im Dreizehuren und Vierzehnten Jahrhundert faſt allgemein durch beſondere Völkervers tråge feſtgeſekt : daß ohne Erlaubniß der Souverains durch ſogenannte Markbriefe, keine ſolche Ausrüs ſtungen

1

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3. Kri

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. 119

it n ann ager gen ur ee tatlticihnkdeen ollten d k . enMa ſ ſein f S z ſtun ms h h c r ſ e e r t n er ß gegen das n a n e d : a t mit voll Wah nd hn ſt ie nter rhu rze e u d zuer Jah fenden End dcehser Vie t å t i u r i l a r e t l o n p in der See Ka aus Aut öffe en hien . erſc $. 34.

Wie in den früheren Zeiten verfahe man noch jekt das Vorder- und Hintertbeil der Kriegsſchiffe mit bes ſonders darauf gefekten Thürmen , auf den fich gewohns Ein kleines Kaſtel auf dem lich Schüßen befanden . Gipfel des niedrigen Maſtbaumes enthielt ebenfalls Schůken und Gebarniſchte. Ja, zuweilen war in der Mitte des Maſtbaumes ein zweites , dem obern ånli: ches Kaſtel angebracht; oder das hobe Vorder- und Hintertheil ward durch einen Fußboden verbunden , auf dem alsdenn die Soldaten zum Gefecht geordnet ſtan : den P. Gegen die feindlichen Schüſſe deckte ſie ent: weder eine beſondere Brüſtung mit Schießlochérn 9) ; oder dies geſchahe durch große Schilde - Paveſen die von beſonderen Schildtrågern gehalten wurden 9. Auf dem Verdeck befanden ſich die Feuergeſchüße und die Steinbinden , mit den man einander beſchoßn , ebe . te . Es konn die Schiffe ſo nabe kamen , daßhe iſt jedoch nicht wohl möglich ,

daß die Schiffe jenes

Zeitalters viel großes Geſchük, von ſtarkem Kaliber, gea führer þaben ; es ſtand zu hoch, und die Schiffe giengen ju p ) Barth . Facius de rebus geſtis Alphouf. I, reg . Neapoli tan. pag. 47. 9 ) Guillaume Guyart ſagt unter dem Jahr 1304 : La ne furent mie nacelles, Mais vingt - huit nefs , grands et belles Et de tous cotez crénelées,

r ) Froiſſart vol. 4. cap. 13 . H4

!

1

120 Geſchichte der Kriegskunſt. I. Zeitraum .

zu wenig tief im Waſſer , als daß ſie nicht davon gåt: ten umgeſtürzt werden müſſen . Wahrſcheinlich beſtand das Geſchüß anfangs nur aus Einer großen Steins größeren oder kleis bůch ſe oder Kanone und aus einer neren Anzahl Falkonetten, Doppelhaken und Dreh . baſſen , von den die größten nicht über zwei Pfund Eis Von dieſem Verdeck , das robe Håute fen ſchoſſen . gegen das Unzünden ſicherten, wurden auch die Sturms töpfe ,

Feuerlangen und andere

Kunſtfeuer auf das

feindliche Schiff geſchleudert ).

$.

35

Zum Gefecht ſtanden die Schiffe bald in Haufen , bald in mehreren Treffen hinter einander , und waren entweder mit Schüßen und Geharniſchten zugleich , oder einige blos mit Schüßen und die anderen mit Gehar: niſchten befekt. Dies war der Fall im Seetreffen bei Sluns 1340, wo der König von Engelland zur wechſelſeitigen Unterſtüßung immer ein Schiff mit Ges þarniſchten zwiſchen zwei Fahrzeuge mit Schüßen , und noch überdieſes einen Haufen Schüßen : Fahrzeuge auf jeden Flügel ſeines Treffens ordnete ). In der Schlacht hingegen , die zwei und dreiſſig Jahre ſpåter auf der Rhede von la Rochelle vorfiel , hatten die, mit den Franzoſen alliirten Spanier große Schiffe, mit Gehar: niſchten und Schüken befekt, die Urmbruſte und Feuers rohre - canons führten , woraus , ſo wie aus den Werfzeugen , ſie die Flotte der Engelländer mit großen Steis . ) Et aveva l'armata due galerc groſſe , e le avevano in veſtite di grattici e cuoi con molte bombarde ſopra , e fuochi artificiali , e galèe poftizze agli arbori e d'ogni altra coſa neceſſaria . Muratori ſcriptor. Ital. 17. BO. Seite 296. auch Froiſſart I, 302. Froiſſart Vol. I. cap. 51. .

3. Kriegsverfaſſung im erſten Zeitraum .

121

Steinen und mit eiſernen und bleiernen Kugeln beſchos: fen "). Wie in den Schlachten zu Lande , hielt man ſich jedoch nicht lange dabei auf, aus der Ferne zu ſtreiten ; die Flotten nåherten ſich , und die Schiffe enterten eins Sobald ſie nun Bord an Bord , mit Ketten ander. und Enterhaken zuſammengehangen , lagen , wurden dazu beſtimmte Brücken über die Zwiſchenråume ges worfen , und ein mörderiſches Gefecht mit Hellebarten , Schlachtſchwertern , gann.

Streitårten ,

Kolben u . dgl. bes theuer Jeder ſuchte ſein Leben ſo als möglich zu

serkaufen , und die Beſiegten waren immer die Getódteten.

S.

36 .

Lag die feindliche Flotte vor Anker, oder waren ſonſt die Umſtände günſtig ; wurden Feuerſchiffe abgeſchickt , um ſie zu verbrennen . 1 Zwei ſolche Fahrzeuge, mit Schwefel, Harz , Pech , důrren Reiſern und anderen brennbaren Dingen angefüllt , rüſteten die Flanderer 1304 in dem Seetreffen bei Ziritſee in Seeland ge ger die Flotte Philipps des Schönen aus. Durch ein ånliches Feuerſchiff verbrannten die Genueſer die Brücke von Chiojja, und Olaus Magnus füb: ret die Brander als eine bei den nordlichen Völkern rebr gemeine Sache an * ).

S. Uuch

37

das Barrifadiren eines Hafens oder einer

Flotte, vermittelſt des noch jeßt gewöhnlichen ſchwims menden Baumes , kannte man ſchon damals . In dem

u ) Froiſſart Vol. I, cap . 302 . 1) Olaus Magnus de gentium feptentrion. variis condition nibus. Lib . 10. cap. 12. $ 5

T

122 Geſchichte der Kriegskunft. I. Zeitraum . dem mehrmals erwåpnten Kriege der beiden mächtigſten Freiſtaaten Italiens hatten die Venezianer ihren Hafen durch große ſchwimmende Baumſtämme verſchloſſen , die durch drei Ketten zuſammen hiengen , und über dem Waſſer große emporſtehende eiſerne Spißen hatten. Sie wurden durch zwei groſſe mit Feuergewehr und Arinbruſts ſchügen befekte Schiffe vertheidiget y ).

S.

38 .

Theils die geringe Bekanntſchaft mit der Buchdrut: Perkunft im Funfzehnten Jahrhunderte, vorzüglich aber die blos praktiſche Behandlung der Kriegskunſt und als les deſſen , was dahin einſchlug, war Urſache, daß ſich noch keine Schriftſteller fanden. Nur allein die Verordnungen oder Kriegs - Reglements Karls des Kühnen von Burgúnd , ludwigs des Sieben : ten und des bekannten Zista find aus jenem Zeitals ter bekannt. Erſt gegen das Ende dieſes Zeitraums ſchrieb Valturius oder Walther ſein Buch de re militari, worinnen er uns Abbildungen der damals übs lichen Kriegsmaſchinen , ſo wie der erſten Feuergeſchůs ke , und der Gerüſte, auf den ſie abgebrannt wurden , hinterlaſſen hat. Den folgenden Zeiten war es vorbes halten , dem Kriegsweſen eine wiſſenſchaftliche Geſtalt zu geben , und ſowohl die Geſchůkkunſt als die Fe: ſtungsbaukunſt, ja endlich auch ſogar die Stellung und Bewegung der Truppen aus mathematiſchen Grundrás Ben þerzuleiten. y) Dan , Chinazzo Chron. della guerra di Chioggia in Mu rator. feriptor. 15. Bd. 9.722.

Zweiter

3

Beitraum.

3 weiter

Kriege der Franzoſen , Spanier und Deutſchen in Italien ; von Karls des Achten Kriegsjuge dahin bis zum Ausbrus che des Niederländiſchen Krieges.

Erfter

Abſchnitt.

Beränderungen , welche die allgemein gewordene Anwens dung des Echießpulvers in der Geſchäfkunſt hervor, brachte.

3. :

39

* s iſt ſchon oben geſagt worden , daß durch die Ers leichterung des Geſchüßes unter Karl dem Achten die ganze Kriegskurſt ein neues Anfeßen bes Jedes feſte kam , auch nothwendig bekommen mußte. Haus , oder. Caffine , ' wie ſie in Italien bießen , fonnte jeßt mit einer oder zweien Kanonen angegriffen werden , deren eiſernen Kugeln auch die ſtåckſten Mau: ern nicht lange Widerſtand zu leiſten vermochten ; denn an die Stelle der ehemaligen Donnerbüchſen der Cerbataines und Chaſſe - Corneilles , wie ſie P. Da : niel nennt, - waren die, zum Feld- und Belagerungs: kriege ungleich nůklicheren Kanonen getreten , die man nach ihrem Kugelgewichte zin unterſcheiden , und nach iþrer Verſchiedenheit auch mit beſondern Namen zu bes legen anfieng. Doch waren ſie immer noch ſehr ſtart von Metall, wie folgende Ueberſicht der zu Anfang des Sech:

124 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . Sechzeönten Jahrhunderts gewohnlichen Geſchůke be: weift

):

Die Doppels Kanone ſchoß eine eiſerne Kugel von 100 bis 120 Pfund , war 9 bis 10 Fuß Venezianiſches Maas lang und wog 8800 bis 12459 leichte Italieniſche Pfunde. Die Colubrine fchoß 120 Pfund , war 15 Fuß lang und wog 13000 Pfund. Die & anone fchoß 50 Pfund , war 8 Fuß lang und wog 4000 Pfund. 1 Die Colubrine, welche 50 Pfund ſchoß , war 12 Fuß lang und wog 6600 Pfund. Eine Kanone, fo go bis 36 Pfund ſchoß , hieß Batarde. Die halbe Kanone ſchoß 20 Pfund , war 7 bis 8 Fuß lang, und wog 2200 bis 2500 Pfund. Die Éolubrine von co Pfund Kugelgewicht war 10 Fuß lang und wog 4300 Pfund. Eine andere Colubrine von 16 Pfunden war 8 Fuß lang und hatte 1750 Pfund am Sewicht. Eine dritte von 14 Pfunden war über 8 Fuß lang und tog 2233 Pfund. Der parlevolante ſchof 16 Pfund , hatte eine Länge von 12 Fuß und wog 2740 Pfund. Der Sacer von 12 Pfunden , war 9 Fuß lang und wog 2150 Pfund. 2 Ein anderer Sacer von 12 Pfunden war 8 Fuß lang und hatte 1400 Pfund am Gewicht.

Der Sacer von 10 Pfunden war 8 Fuß lang und wog 1300 Pfund. - Der uſpide ſchoß 12. Pfund , war 5 Fuß lang und hatte mit dem Sacer einerlei Gewicht. Der Falcone choß eine Kugel von 6 Pfunden , war 7 Fuß lang und wog 890 Pfund. Der Falconett fchof eine bleierne Kugel von 3 Pfunden , war 5 Fuß lang , und wog 400 Pfund. Uuſſer dieſen Geſchüßen Hatte man Bombarden oder Steinbüchſen, von den die größeren eine ſteinerne Kugel von 250 Pfunden ſchoſſen , 10 Fuß lang waren , und 8900 Pfund Metall enthielten . Eine a) Nicolo Tartaglia Queſiti e Invenzioni lib. I. Quielit. II.

+

!

1. Geſchú kkunft.

125

Eine zweite Art ſchoß 150 Pfund , war ro Fuß lang und wog 6146 - Pfund. Eine dritte ſchoB 100 Pfund , war ebenfalls to Fuß lang und wog 500 Pfund. Die vierte Tchoß auch 100 Pfund , war nur 8 fut lang und enthielt 4500 Pfund Metall. Die B siler (contaldi) ſcholen endlich 30 bis 45 Pfund Stein , waren 7 Fuß lang, und wogen 1600 bis 3740 Pfund.

g.

40 .

Die Deutſchen Büchſenmeiſter unterſchieden ebens falls ihr Geſchůz nach dem Gewicht der daraus geſchos : ſenen Kugeln . Zu den Mauerbrechern , oder dem Belagerungsgeſchüß gehörten : Die Scharffmese , ſchon eine eiſerne Kugel von 100 Pfund. Der Baſilist ſchoß 70 Pfund Eiſen. Die Nachtigall ſchoB 50 Pfund Eiſen . Die Singerin ſchoß 20 Pfund. Die große Quartanſchlange ſchob 16 Pfund Eiſen. Das Feldgeſchüß beſtand aus : Der Nothſchlange, die eine etſerne Kugel von 16 Pfunk. den fthot . Der halben Nothschlange, ſchob 7 Pfund Eiſen ; lie ward auch die Ordináre Schlange genannt. Die Falt hann oder halbe Schlange ſchoß 5 Pfund Eiſen . Das Falkonet ſchob 2 Pfund Eiſen oder Blei. Das ſcharffe Tindlein war endlich ein ganz kleines Ges ſchůß , das nur

Pfund Blei ſchoß.

Alle dieſe Geſchükarten wurden auch unter dem allgemeinen Namen der Kartbaunen begriffen , die zu den Steinkugeln und Kunſtfeuern beſtimmten aber bießen Stein : oder Feuerbůchſen, auch Hauffs nits , woraus in der Folge Haubik entſtand. Sie ſchoſſen ſteinerne Kugeln von 25 bis zu 200 Pfunden , þatten aber nur eine Långe von 4 bis 5 Fuß, und lagen auf Kanonen :Jaffeten.

Weil ſie auch zu dem Schieſſen des

1

126 Geſchichte der Kriegskunſt .II. Zeitraum . des Hagels, d. K. ' einzelner Kiefelſteine , eiſerner Ket: tenglieder , alter Någel u . dgl. dienten , belegte man ſie zuweilen init dem Namen der Streubů chren . Die Mörſer oder Meert bier wurfen , wie noch heut zu Tage , von 25 bis zu 200 Pfund Stein ; kleiner wurden ſie Boller genannt.

S.

41 .

.

1 Auſſer dieſen allgemeinen Geſchlechtsnamen , welche die Große und Beſchaffenheit des Geſchůkes bezeichnes ten , wurde jedes beſonders noch mit einein eigenthůmlis chen beleget , durch den es von einem andern gleichar: tigen zu unterſcheiden war. So hießen im Jahr 1504 bei der Belagerung von Ultdorf die drei großen Steinbüchſen der Nürnberger : die Eule , fchoß 220 Pfund ; der Falte und die Fiſcherin aber ſchoſſen jedes 100 Pfund Stein ). Dieſer Gebrauch , die Geſchüße mit eignen Na: men zu bezeichnen , hat ſich bei einigen Artillerien bis auf unſere Zeiten erhalten. Die Unterſcheidung der Ge: ſchüße geſchieber jedoch gewöhnlicher nach dem Kaliber und der auf dem Bodenſtück eingegrabenen Nummer.

$.

42

Es fått in die Augen , daß eines To regelmåßigen Einrichtung der Geſchüße eine beſſere Verfaſſung der 1

Stückgieſſerei vorhergehen mußte. Wirklich geſchahe ſchon ſeit der Mitte des Funfzeậnten Jaþrhunderts das Formen und Gieſſen des Geſchüßes wie jeßt, über ei: nen Kern , wo alsdenn die Seele von verſchiedenen Stud :

b ) Geſchichte des Bateriſchen Erbfolgefrfeges nach Abſtero ben Herzog Georg des Reichen , aus Måliners unges druckten Annalen von Nürnberg , 1792. 8. Seite 49.

PM

1. Geſchůzkunft.

127

Stückgieſſern noch mit Kronenbohrern ausgebohret und Elias Flider aus Augs : eben gemacht wurde. burg roll zuerſt bei der Stückgieſſerei ein beſſeres Vers faþren angewendet und deshalb von verſchiedenen Für: ſten anſehnliche Summen Geldes erbalten haben ). Das Ausbobren der Kanonenrohre geſchape anfangs blos durch Tretråder d) , weil dies aber zu befchwerlich war , und einen großen Aufwand von Kraft erforderte, wnrden eigentliche Bobrwerke angelegt, deren Råder vom Waſſer

getrieben wurden ,

Sechszehnten

Jahrhunderte eins zu uim befande).

S.

und wovon ſich im

43 .

Seit der erſten Erfindung der Feuergeſchüße hatte fich der Geſchmack jenes Zeitalters : alles durch Gothis fiche Schnörkeleien zu verzieren oder vielmebr zu veruns Die aus zwei beſons zieren , auch auf ſie verbreitet. deren Stücken : der Kammer und dem Fluge , zuſamns oder Donnerbüchſen þatten verſchiedene Reife und der Långe nach laufende Hohlkehlen , ſo daß ſie einer fanelirten Säule ånlich waren . Als man in der Folge anfieng , die Kanonen und men geſekten Bombarden

Steinbüchſen zu erleichtern , lieſſen ſich an den ſchwächeren Nóbren keineHohlkeblen mebranbringen ; man behielt tas :

Her bios die Reifen ( oder ſogenannten Verſtå bungen ) an den Abtheilungen des Geſchikrohres bei. Um lekteres bequemer fortbringen , und vermittelft eines Flaſchenju: ges von dem Gerüſte auf einen Blockwagen geben zu können , brachte man ſowohl hinten am Stoß als auf der Oberfläche des Rohres Handbaben an , die man nach c ) Curidſe Kunſt und Wertſchule I. Ch. I. Bd . 55. Kap . d) Biringoccio Pyrotechnia lib . 7. e ) Büſch Handbuch der Erfindungen Th.I. S. 114.

129 Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum .

nach der Geſtalt verſchiedener Thiere; (dwen , Wolfe, Sphinre u . ſ. w. , am dfterſten der Fiſche formte , das her ſie den Nainen der Delfinen erbielten. Um jes doch bei der ſo ungeheuer wachſenden Menge des Feldges ſchakes den Aufwand ſeiner Verfertigung zu verringern, und am Verſchneider:loon etwas zu erſparen ; lies man bei mehreren Urtillerien alle überflüſſige Verzierungen weg , und die Delfinen verwandelten ſich in bloße Henkel. Hinten aber ward zur leichteren und bequeme: ren Behandlung des Rohres beim Richten anſtatt des Delfins ein Knopf angebracht , der von den Deutſchen Geſchůzkünſtlern wegen ſeiner Form den Namen der Traube erhielt. Gleiche, und auch eben ſo unwe: ſentliche Verzierungen batte man in den erſten Zeiten an den Schießgerüſten angebracht ; allein , ſie ver: ſchwanden hier noch früher , als bei den Geſchůßrób: ren ſelbſt , und ſchon zu Anfange des Sechzehnten Jahrhunderts waren die Saffeten faſt durchgebends nur einfach ..

. Wichtiger ,

und von ungleich

größerem

Einfluß

war der wirkliche Gebrauch des groben Geſchüßes , mit dem man immer mehr und mehr bekannt wurde , während man zugleich die Geſchoſſe zu vervielfältigen und auf mancherlei Weiſe wirkſamer zu machen ſuchte. Zu Anfang des Sechzehnten Jahrhunderts Hatte ſchon Vanucci Biringoccio die Bereitung verſchiedener Kunſtfeuer und die Verfertigung des Geſchüßes und des Schießpulvers in einem gedruckten Werke gelehret ; Nikolaus Tartaglia aber wandte zuerſt inathes matiſche Grundfäße auf die Geſchüßkunſt die bis : her blos handwerksináßig getrieben worden war -- an , und bewies ; daß die Bahn der Geſchütkugeln feine gerade

CV

1. Geſchůzkunſt.

129

gerade ſondern eine krumme linie ſei ) , und daß ein Erhöhungswinkel von 45 Graden die größte Schußs Selbſt nicht Artilleriſt , ward er im weite gebe 5). Jahr 1534 zu Verona , wo er ſich als ein Mathe: matiker aufhielt, durch einen ſeiner Freunde , einen Bombardierer , veranlaßt, über die Schußweiten der Geſchüße nach zu denken , und im folgenden Jahre eis nige Verſuche anzuſtellen . Zu lekteren bewog ibn vors züglich der Einwurf eines andern Artilleriſten : daß nicht 45. Grade, ſondern ein , Erhöhungs : winkel von 30 Graden die größte Schuß : weite gebe . Es ward daher eine Wette angeſtellt , und mit einer zwanzigpfündigen Schlange bei St. ( u : cia unter den erwähnten Erhobungswinkeln geſchoſſen ; wo denn der von 45 Graden die Kugel 1972 ſechsfüs: fige Ruthen trieb , da ſie im Gegentheil mit 30 Gras den nur 1872 Ruthen – Veroneſer Daaß - erreichte. Hierdurch ward denn Tartaglia bewogen , die Grün : de aus einander zu reken ,

auf den überhaupt die Bes

wegung ſchwerer Körper beruhet. Sie erſchienen zuerſt 1537 gedruckr unter dem Titel Della Nova Scienzia , und , obſchon ſie nicht überall richtig ſind , ſondern bie und da auf falſchen Vorausſekungen und Schlüſſen bes ruhen , warð doch durch ſie gleichſam die Bahn zu ei: ner wiſſenſchaftlichen Bearbeitung der Geſchůkkunſt ges brochen , auf der andere in der Folge weiter gehen , und dieſe Wiſſenſchaft bis zu ihrer gegenwärtigen Voll: tommenheit bringen konnten.

$ . 45 .

fy Nicolo Tartaglia Quefiti et Invenzioni, Lib. I. Queſit. 3. 8) Ebendar. Quefit. I. 3 Soyer's newere Briegek. I. Th.

1

130 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

S.

45 .

Bis hierher war das Geſchůß nur wie durchs Dýn: gefähr gerichtet worden ; es gab wenige , die damit Ein Auguſtinermonch , welcher in umzugeben wußten . der von dem Kurfürſten von Brandenburg 1469 bela: gerten Stadt U ckermůnde das Geſchüß bediente , und faſt niemals fehlte, ward durch dieſe damals uner : hörte Geſchicklichkeit algemein berühmth).

Sobald

jedoch Biringoccio und Tartaglia in Italien , und Jakob Preuß in Deutſchland die Geſchüßkunft mehr bearbeiteten , wurden auch verſchiedene Werkzeu : ge erfunden , vermittelſt deren man die Kanonen , die Steinbüchſen und die Böller ſowohl in Abſicht der li : nie als des Erhöhungswinkels genauer richten konnte. Das älteſte dieſer Inſtrumente ſcheint das ſogenannte Grundbret geweſen zu ſein : ein Viertheilskreis , der in zwölf gleiche Theile

getheilet ,

mit dem einen

Schenkel an dieinnere Fläche des Robres gelegt wurs de, und zu Beſtimmung der Etevazion deſſelben diente. Wegen der mit dein Gebrauch dieſes Inſtruments ver : bundenen Unbequemlichkeiten , fekte man febr bald den kleineren Quadranten oder Gradbogen von Meſſing an die Stelle deſſelben , der zugleich vermittelſt feines Fus: fes und des daran befindlichen Viſirloches zu Beſtim : mung der Mittellinie auf dem Geſchüß und zu einer ges naueren Direkzion deſſelben. diente ).

In der Folge hat

h) Kranz ſagt von ihm Vandal. : Inerat arci bombarda rum magifter , habitu religiofus, de quo mira ferebant , quod certus eſſet feriri, quicquid peteret. Hoc comper . tum eft , magno ſaepe danno illum affeciffe oblidentes. i In Leonhard Fronspergers Kriegsbuch 2. Th . fol. Frantf. 1573. fol. 134 feq. ſind die im Sechzehnten Fahrhundert üblichen Richt: Inſtrumente abgebildet und beſchrieben zu finden .

L 1. Geſchůzkunſt.

131

þat man zwar dieſes Inſtrument auf mancherlei Weiſe verändert, und verſchiedene Verbeſſerungen dabei anzu : bringen geſucht; allein , unter jeder Geſtalt ſind doch das Bleiloth , uin die Mittellinie " zu beſtimmen , und eine in gleiche Theile - mehrentheils nach Zoumaaß abgetheilte Skala, oder bei den Mörſern ein Quadrant, die vornehmſten Stücke deſſelben .

§.

46.

Da inan nunmehr anfieng ,

verſchiedene Gefchofie

von Eiſen , Blei , Stein ac. aus dem groben Geſchük zu ſchieſſen ; mußte dies nothwendig auch Einfluß auf die Ladungen , und auf die von ihnen abhängenden Dis menſionen der Geſchüßrohre haben , die inan jekt ſchon nach einem gewiſſen , allgemein angenommenen Ver: Man gab'ihren nemlich allgeinein þåltniß einrichtete. þinten am Stoß den Ganzen , vorn an der Mündung aber den Halben Durchmeſſer der Kugel zur Metall: Um nun die Durchmeſſer gegebener Kugeln ſtårke. nach Verſchiedenheit ihrer Materie zu finden, weil die Berechnung durch das kubiſche Verhältniß , wie ſie Tartaglia lebret ) , für die Artilleriſten und für die Stůckgieſſer jener Zeiten zu viel Schwierigkeit hatte , gab dieſer um die Geſchukkunſt -verdiente Gelehrte die Durchmeſſer von Eins bis zu Zweihundert Pfunden an , wie er ſie durch ein geometriſches Verhältniß ge: Beinabe um dieſelbe Zeit verfertigte mann , ein Mechaniker zu Nürnberg , Georg Hart aus dem Bambergiſchen gebürtig , zuerſt den ſogenann : ten Kaliberſtab , der die Durchmeſſer der ſteinernen ,

funden hatte.

eiſernen k ) Queſiti ct Invenzioni de Nic. Tartaglia Lib . 2. Que. fit . 19 . 92

132

Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum .

eiſernen und bleiernen Kugeln nach Nürnberger Maaß und Gewicht enthielt ') . Es låßt ſich daher Hart mannen keinesweges die Ehre der Erfindung des Ka: liberſtabes abſprechen , weil er ihn um das Jahr 1540 bekannt gemacht hat , des Tartaglia Queſiti aber zum Erſteninale 1546 in Venedig gedruckt erſchienen ), To daß er ſie auf keine Weiſe benukt haben kann. Sei es nun : daß andere Mechaniker zu bequem oder zu un: wiffend waren ; genug , alle Kaliberſtåbe wurden in der Folge unverändert nach dem Muſter der von Hart: mann verfertigten gemacht , und dadurch bei allen Deutſchen Urtillerien unvermerkt das Nürnberger Maaß und Gewicht eingeführet. Minder allgemein ſcheint dies Werkzeug in Frankreich und England geworden zu ſein ;

man bediente ſich in beiden Låndern immer des

Zollmaßes zu Bezeichnung der Kaliber, und die Schrift: ſteller über die Geſchůkkunſt geben dazu dienende Tabels len " ).

In den neueren Zeiten folgte man auch bei den

Deutſchen Urtillerien dieſem Brauch , und berechnete Tafeln , welche die Kaliber der Geſchüße und der Ku:

.

geln angeben ) ; denn theils ſind durch die Nachläſſig . keit der Künſtler die Kaliberſtåbe oft nicht genau unt richtig genug getheilet , theils kann man ſie nicht ſo bes quem überall bei fich fåþren als die angeführten Tafeln , die folglich in dieſer Rückſicht für beſſer und allgemein anwendbarer gebalten werden können .

$ .47.

Beiträge zur Geſchichte der Erfindungen 1 ) Beckmann 2r Bd. Seite 462 : m ) Bohm $ Magazin für Ingen. und Artilleriſten Ir Bo . S. 293 .

n) St. Remy Memoires d'Artill. Tom . I. Part. I. Tit. I. o ) Handbuch der praktiſchen Artilleries Wiſſenſchaft. 8. Dress den . 3. Abſchn. $.89 .

. 4

1 , Geſchůzkunft.

S.

133

47.

Zu der von nun an tåglich ſteigenden Ausbildung der Geſchüßkunft gehörte nothwendig auch die Vermen: rung der Geſchoſſe. Aus den Kanonen wurden gewohns lich eiferne Kugeln , aus den Stein- und Feuerbüchſen mehrentheils aber ſteinerne Kugeln , und Kartetfchen von gehadtem Eiſen und Blei , oder von Steinen — nicht ſelten auch Ketten geſchoſſen . Sie dienten , nebſt den Mörſern zugleich : durch Kunftfeuer feindliche Pos Weil jedoch die Mörſer we: ften in Brand zu ſtecken . nig Zuverläſſigkeit der Würfe gewährten , achtete man ſie eine getaume Zeit wenig , und bediente ſich ihrer nur um große ſteinerne Kugeln auf die Häuſer Erſt in der der angegriffenen Städte zu ſchleudern. Folge, als man ibre Schemmel zweckmäßiger einrich: ten lernte, und als die aus Eiſen bohl gegoſſenen Bom : ſelten P) ,

ben durch igre fürchterliche Wirkung den Nugen dieſer Geſchüße zeigten ; fieng man an , ſie wieder häufiger zu gebrauchen . Der Kunſtfeuer waren zweierlei Arten :

folche, die

aus dem Geſchüß geworfen wurden , und folche, die Zu den leßteren, die blos zum Handgebrauch dienten. man zum Theil ſchon vor Erfindung der Pufvergefchů: Feuerlanzen , ke gebrauchte , gehörten Feuerpfeile , Sturmhäfen oder irdene Krüge mit Brandzeuge anges füllt , und Sturmkrånze oder Pechringe. Die Feuer: pfeile kamen jedoch mit den Bogen und Armbruſten in Abnahme ; 'nur einzeln wurden ſie noch hie und da von einem Ritter geführet, um bei ſeinen Fehden irgend ei: ne feindliche Burg in Brand zu ſtecken , wenn es ihm an grobem Geſchüß und an Pulver fehlte , fie förmlich zu beſchieſſen , oder die Mauern durch angelegte Minen in 4

P ) Biringoccio Pyrotechnia . B.6. Sap. 3. . 3 3

1

134 Geſchichte der Kriegskunſt. in die Luft zu ſprengen.

II. Zeitraum .

Die Türken ,

bei den fich

ůberhaupt der Gebrauch der Bogen und Pfeile bis auf die neueſten Zeiten erhalten hat , , bedienten ſich jedoch der Feuerpfeile långer , und ſchoſſen bei der erſten Bes lagerung von Wien , im Jahr 15 29 eine große Men : Mit Sturmbåfen ge derſelben in die Stadt 9). und Feuerlangen ſuchte man vorzüglich im Hands. Die Feuer: gefecht die Stürmenden zu beſchadigen . lanzen waren Röhren von Eiſen oder Karton , mit ei: ner Art von Rafetenzeug geladen , oft auch mit Mord: Vier Zoll langen , ſchwachen' eiſernen ſchlagen Róhren , mit Pulver und einer Bleikugel geladen verſehen , die man an einer Stange befeſtigte. · Als der Blik 1521 in den Hauptıburm des Schloſſes zu Mais ( and flug , und den darinnen befindlichen Pulver: vorrath von 250000 Pfunden Pulver zündete ; waren

1 411

Ay

600 ſolcher Feuerlanzen und 1200 Sturmhåfen das bei "). Die Sturmkrånze unterſchieden ſich von den ſchon damals und noch jeßt üblichen Pechkrånzen die von Reißholz zuſammen gebunden , in heißes Pech getaucht und init Pulver beſtreuet werden - dadurch , daß ſie aus einem mit Brandzeug angefüllten langen Sack beſtanden ,

der eine beträchtliche Menge Mord:

ſchläge enthielt, und auf einen hölzernen oder eiſernen Reif gebunden , beim Sturm unter die Feinde geſchleu: dert ward . Aus den Mörſern und Feuerbüchſen warf man am þåufigſten Feuerballen , das heißt runde oder ovale Brandkugeln von ſtarkein leinenen Tuch , mit zuſam : >

mengeſchmolzenem Pech , Harz , Schwefel , Salpeter und Schießpulver angefüllt , und mit Fingersſtarken Schnürer

q) hiftor. Obfidion . Vienn , in Schardii ſcriptoribus rer. germanicar. Tom. 2. Seite 441. r ) Memoir, de Mell, Martin de Bellay, Liv . I. l'an . 1521.

$

135

1. Geſchůgkunft.

Schnüren umſtridt, damit ſie nicht durch die Dunft der Geſchüßladung zerriſſen werden konnten . Um den Feind vom Loſchen dieſer Brandkugeln abzuhalten , wurden in die Zwiſchenräume der Schnüre Löcher gebob ret , und Mordfchläge hineingetrieben , die ganze Kugel aber zuleßt mit heißem Pech überzogen oder getauft. Man machte wohl auch Kugeln von zåbem Holz auf dieſelbe Urt , oder man ſekte auf die Hälfte einer , in der Mitten entzwei geſchlagenen ſteinernen Kugel oben ein Gerippe von eiſernen Ståben , die kugelförmig zu: ſammen gebogen und mit ſtarkem Drathe ausgeftochten waren ,

wo der

innere Raum ebenfalls Brandzeug

enthielt. Alle dieſe Kugeln waren jedoch mit keinen Brandröhren verſehen, ſondern die Maſſe ſelbſt, oder viel: meør der in das Zündloch geſchlagene Brånderfaß , ent: zündete ſich bei dem Losbrennen des Geſchüßes. Zwar þatte inan fchon im vorigen Jahrhunderte eine Art Bomben von Kupferblech , die mit Schießpulver an: gefüllt waren , und durch eine beraushångende Zünd: ſchnure - Stoppine angezündet wurden ; allein man findet keine Spuren von der ferneren Anwendung dieſer Erfindung.

Die hohlen kupfernen Kugeln , welche die

Türken 1522 in der Belagerung von Rbodus auf die Stadt

warfen ,

waren mit Mordſchlagen ,

mit

Pech , Schwefel und Harz angefüllt , und auswendig mit Schnuren überſtrickt, woran ſcharfe eiſerne Någel þiengen . Man kann ſie daber feinesweges für Bom: ben , ſondern vielmehr blos für eine Art Brandkugeln þalten ; denn ſie zerſprangen nicht allezeit beim Nieders fallen , und -thaten alsdenn keinen Schaden , weil ihre Ladung dies nicht bewirken konnte , ſondern ſich in dies ſem Falle Wirkungslos verzehrte ).

Man goß auch wohl

3) Jac. Fontanus de bello Rhodio in Schardii feriptor. rer. germanicar. T. 2. S. 103 . S4

>

136 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

wohl hohle Kugeln von Eiſen , dieſe füllte man , wenn fie groß waren , mit Brandjeug; oder man legte die kleinen , mit Schießpulver geladen ,

zu unterſt in die

Brandkugeln , damit ſie zerſprangen , wenn die lektes ren zu Ende giengen. Defterer bediente man ſich jedoch zu lekterem Gebrauch viereckig geſchmiedeter Sch låge oder Pleiner Kåſtgen von Eiſen , die um und um zu wa: ren , und blos ein Zündloch fatten . Große , bobl ges goſſene eiſerne Kugeln , mit Stůckpulver geladen , und mit einer eiſernen Brandrobre verſehen , - die Boma ben und Grenaden der neueren

Zeiten -

kannte man

auch unter dein Namen der ſprengenden Kugeln " ). Sie wurden nicht allein gegen belagerte Feſtungen , ſon : dern auch gegen die Stůrinenden angewendet ,

und im

Jahr 1962 ward farl von Rochefaucault bei der Belagerung von Rouen durch eine ſolche zer: ſpringende Grenade erſchlagen : 4 ). Im Felde be: diente man ſich iþrer jedoch nicht,

die Steinbüchſen ,

oder die Haubigen waren zu unbehålflich , und das Laden derſelben gieng viel zu langſam , als daß man ſie mit Vortheil im Treffen Håtte gebrauchen können .

$.

48 .

Wegen dieſer mit dem Gebrauch der Feuerbüchſen verbundenen Beſchwerlichkeiten , da man das Pulver und den Hagel noch nicht in papierne oder tuchene Hül: ſen - Patronen oder Kari'ufen einzuſchließen , und dadurch das Laden zu beſchleunigen wußte , fiel man darauf , mehrere Feuerrohre von kleinerem Kali: ber mit einander auf Einem Gerüſte zu vereinigen , um durch t ) fronſperger Kriegsbuch 2r Theil von Wagenburg und Feldlagern. Franff . am Mayn 1573. fol. 100 . u) Memoires de Chaſtelnau -Mauvisſieres Liv. 3. cap. 53.

*

1. Geſchůzkunſt.

137

durch iḥr gemeinſchaftliches Losbrennen eine Art von Kartetſchenſchuß zu erpalten , deſſen Nüßlichkeit man vollkommen kannte. Die Röhre lagen bald in gleicher, bald in ungleicher Anzahl in zwei bis vier Reiben über einander , und waren unter dem Namen der Igel oder der Orgelgeſchů ke bei allen Europäiſchen Hees ren im Gebrauch * ) , wo man ſie im Treffen vor und zwiſchen das Fußvoleſtellte, wozu ſie wegen ihrer Leichs tigkeit und Beweglichkeit ſehr geſchickt waren . Sie þatten jedoch den Nachtheil : daß die vielen Gewebe: låufe beträchtliche Zeit erforderten , ſie zu laden , ſo daß ſie gewöhnlich gerade in dem Augenblicke unwirks ſam waren, wo ſie am nůklichſten geweſen ſein würden .

S.

49 .

Nächſt dieſem Geſchůk , deſſen Gebrauch allgemein war, führten die Schweden noch beſonders große zwei : ſchneidige Schwerter im Felde mit ſich , die an einen bölzernen Griff befeſtiget , auf einem Gerüſte mit zwei hohen Rådern lagen , und ſo gegen den Feind beweget wurden y , wo ſie bei dem Handgemenge dem Fußvola ke allerdings ſehr furchtbar waren , bis es einigen ents fchloſſenen Kriegern gelang , die Råder zu zerhauen , und dadurch das Kriegswerkzeug unbrauchbar zu machen . Ungewöhnlicher noch war der Anblick der långſt vergeſſenen Streitwagen der Alten in der Schlacht bei Ravenna , 1511 . Peter Navarro, einer der ges ſchickteſten Offiziere und finnreichſten Köpfe ſeiner Zeit, lies nemlich dreißig Wagen von ſtarken eichenen Dielen ,an den Achſen mit Senſen verſehen, und überall mit ſcharfen eiſer: 1 ) Olaus Magnus de gentibus feptentrion, Lib . 9. cap. IL y) ibid . lib . 9. cap . I. $ 5

138 Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum . eiſernen Spigen bereßt, verfertigen, auf den ſich Soldaten mit Hakenbüchſen und langen Spieſſen befanden . Dies ſe Wagen tbaten jedoch nicht die erwartete Wirkung, und wurden daher in der Folge nicht wieder angewendet, wozu vielleicht auch das mit beitrug , daß ihr Erfinder Pes

1 ter Navarro von den Franzoſen gefangen ward.

f.

5o .

Bei der großen Schwere des Geſchůkes jener Zeis ten , das man mit Halb und Kugelſchwere , ja wohl mit noch mehr Pulver zu laden pflegté , und daher volli gütig gieſſen mußte , wenn es nicht gerſpringen ſollte "), konnte ſeine Bewegung mit der gewöhnlichen Beſpans nung nicht anders als nur langſam geſchehen . Dies ſcheint die Erſte Veranlaſſung zu Errichtung einer leich: ten Geſchůkabtheilung gegeben zu haben , der flies genden oder der reitenden Artillerie oder der Kavallerie : Artillerie welche der , gewohn: lich meiſt aus Reutetei beſtehenden Avantgarde , oder ir : gens gen folgen und ſeine Unternehmungen begünſtigen könns te. Schon bei Vinzenza ſchichte der Venezianiſche Oberbefehlshaber Bartolom å us Alviani die leich : te Reuterei mit drei Falkonen - oder vierpfündigen Ka: nonen voraus , un die Urrieregarde der Kaiſerlichen anzirgreifen ; doch iſt es ungewiß , ob dieß Geſchuk mit einer gewöhnlichen oder einer ſtårkeren Beſpannung verſehen war. Zuverläſſig iſt es aber , daß 1544 in der y ) Guicciardini hiftor. ſui temporis Lib. 10. pag. 373. z) Dies geſchahe in der von Alphons I, König von Neas pel, belagerten Stadt Piombino , wo faſt das ganze grobe Geſchüß durch die Nachläſſigkeit der Büchſenmeis fter ſprang , ſo daß die Belagerten bloß mit Colubrinett aus den Schießlichern ſchieſſen konnten . Bars. Facies de reb. geft. Alphonfi I, pag . 118 .

?

1,

Geſchůg kunſt.

139

der Schlacht bei Ceriſolles , der Herzog von Ens ghien , als er mit der leichten Reuterei und mit 1qoo Arkebuſirern zu Pferde vorgieng , eine Anhöhe zu beſes ken , drei vierpfündige Kanonen mit doppelter Beſpan: nung bei ſich batte , die eben ſo ſchnell als die Kavalles rie marſchirten " ). Sie ſtanden während des Gefechts in den Intervallen der Reuterei und beſchoſſen von dą das feindliche Fußvolk.

Obgleich ſich nun feine be:

ſtimmte Zeugniſſe von einem fortgeſekten ånlichen Ges brauch des Geſchüßes angeben laſſen , gieng er doch wahrſcheinlich nicht ganz verlohren . Man findet ihn juerſt bei Guſtav Adolphs Heeren wieder , . und Friedrich, der große König,machte ihn in den neueren Zeiten allgemein

S.

SI .

Ich kann hier einie andere, obgleich minder wichtige, Erfindung nicht ganz mit Stillſchweigen übergeben , deren Hauptzweck : Erleichterung des Geſchůk : Trans. portes war , und die in der Folge von der Franzöſiſchen und einigen andern Artillerieen angenommen worden iſt. Es iſt dieſes das ſogenannte Marſchlager für die Sáildzapfen der ſchweren Kanonen , das in einiger Entfernung hinter dem gewöhnlichen Zapfenlager einges ſchnitten iſt , uin dadurch die laſt des Rohres mehr nach der Mitte zu rücken , und gleichförmiger auf die Råder der taffete und des Prokwagens zu vertheilen . Franz von Pappendorf , Rom . Kaiſerl. Rath , Ober - Zeugmeiſter und Ober: Ingenieur führte diefes Marfchlager zuerſt bei dem ſchweren Geſchüß der Kaiſerlichen ein , wobei das Robe zugleich vorn auf eis nem über dem Stirnriegel angebrachten, hinten aber auf einem andern beweglichen Sattel rubete, der herausge: nommen a) Trois moyennes à double equipage , pour diligenter auffi tôt que la Cavalleric. Mem , de Bellay , Liv . X. p . 566.

140 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . nommen werden konnte , wenn die Kanone abgeprokt und zum Gebrauch fertig gemacht wart 6 ). Er vers kürzte durch dieſe Einrichtung die Wagenkolonne des Geſchükjuges und bewirkte eine beträchtliche Erſparniß an Pferden und Fourage , weil nunmehr die großeren Stücke auf ihren zugehörigen Caffeten , und nicht auf beſonderen Wagen geführet wurden. '

$.

52 .

So lange die Geſchůkkunſt gleichſam zunftmäßig getrieben ward , daß ſie jeder auf ſeine Hand lernen mußte , und die Regenten noch keine ſtehenden Urtillerie: Korps und Regimenter hielten ; zogen die Artilleriſten von einem Orte zum andern , um bei den Krieg führens Weil es jedoch dann den Mächten Dienſte zu nehmen . oft an genugſam unterrichteten Leuten gebrach , fiel man bald darauf , nebſt dem Zeugmeiſter – das von je her eine bleibende Stelle war , und gleichſam init unter die Kronbedienten gezählt ward - auch in Friedenszei: ten eine gewiſſe Anzahl Büchſenmeiſter zu unterhalten , die nach dem Mcaß ihrer Kenntniſſe bezahlet und un : Diejenigen nemlich , welche mit terbatten wurden . Mörſern und Böllern

umzugehen

wußten ,

und in

Verfertigung der Kunſtfeuer geſchickt waren , hießen Feuerwerfer und erhielten vierfachen Sold , oder Eben ſo viel bekamen monarhlich Sechzehn Gulden . auch die , welche mit Mauerbrechern fchoſſen , unter Die im Gegen: dem Namen der Buch renmeiſter. theil , welche blos mit dein Gebrauch der Schlangen bießen und kleineren Feldgeſchůke bekannt waren , Schlangen- und Feldich úßen und bekamen dops pelten oder böchſtens dreifachen Sold , das Heißt Acht bis

b ) fronſpergers Kriegsbuch. 2. Theil. fol. 12,

1.

bis Zwolf Gulden .

Geſchůzkunft.

; 141

Um lekteren nid )t zu verſchwen:

den , ſondern geſchickte Leute zum Gebranch zu haben , mußten die Büchſenmeiſter ſchriftliche Päſſe und Zeug: niſſe vorweiſen , worinnen angegeben war : wo ſie vor: þer gedienet , bei welchen Schlachten und Belageruns gen u. ſ. w. ſie ſich befunden , und wie ſie ſich jederzeit dabei gehalten hatten ? Oft ward ihnen auch von dem Zeugmeiſter , nach vorher gegangener mündlicher Prů : fung , ein Geſchůz gegeben , das ſie auf verſchiedene Weiſe richten und einige Schüſſe damit thun mußten , um Zu ein die

zu ſehen : ob ſie wirklich damit umzugeben wußten ? ihrem Beiſtande befand ſich bei dem Artillerie: Parf Fåbnlein , oder eine Kompagnie Pionniere Guastadoren oder Schanzbauern - unter

Einem Hauptmann , Leutnant und Fåhndrich , die auſſer ihrer eigentlichen Beſtimmung : der Ausbeſſerung der Wege und der Verfertigung der Verſchanzungen , in Treffeu und bei Belagerungen zu dem Geſchůt ge: theilet wurden , um Handlanger · Dienſte zu verricha Ihre Anzahl durfte daher nie unter 400 ſein ; ten ). Karl der Fünfte aber nahın ihrer zu Anfang des Schmalkaldiſchen Krieges 4000 an. Die Eintheilung der Büchſenmeiſter und Gehülfen geſchahe nach Beſchaf: fenheit der Große der Geſchůze etwa folgendergeſtalt: Die Karthaunen ſchoſſen 40 Pfund, erhielten 2 Büchſenmeis ſter , 16 Gehülfen . Die Singerinnen ſchoſſen 25 Pfund, erhielten 2 Büchſens 4 meiſter, 10 Gehülfen. Die Schlangen ſchoſſen 15 Pfund , erhielten 2 Güchſenmeis ſter , 10 Gehülfen . Die Falfaunen ſchoſſen 6 Pfund , erhielten 1 Büchſenmeis ſter , 6 Gehålfen . Die Falkonetten ſchoſſen 3 Pfund , erhielten 1 Büchſenmeis 1 ſter , 2 Gehülfen . Die Mörſer ſchoſſen 20 Pfund Stein , erhielten i Büch: ſenmeiſter , 2 Gehålfen . Auss c) Kriegsbuch 'Ir Chell. fol. 85 verf, und an mehreren Orten .

2

142 Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum .

Uuſſer dem erhöheten Solbe bekamen die Buchſen: meiſter bei der Eroberung einer belagerten Stadt alle wirklich in dem Geſchůke befindliche Munizion ſowohl, als die angebrochenen Pulverfaſſer , nach dem gangba: ren Werthe bezahlt.

Sie erhielten überdieſes noch bes :

ſonders Einen monathlichen Sold , und die größte Glocke in der Stadt , deren Auslöſungs : Summe ſie ſelbſt beſtimmen konnten .

S.

53 .

Da die Artillerie : Bedienten keine ordentlichen Korps bedurften ſie auch keiner denn jeder Büchſenmeiſter war gleichſam

oder Regimenter formirten , Offiziere ;

ſelbſt als ein ſolcher anzuſehen , ward fo bezahlt, und ſtand unter dem unmittelbaren Befehl des Dennoch aber gab es mehrere Un: Zeugmeiſters. terbedienten bei der Artillerie , welche die Uufſicht. theils über das Geſchůş , theils über das Fußrweſen hatten . Zu den erſteren gehörten : des Zeug meiſters Leutnant , der zahlmeiſter , der Zeug w år : ter ,

die Zeugdiener, die Pulverhúthere Tag und Nacht bei dem Pulver aufhalten und die Schneller , den vorzüglich

die ſich mußten

Die Ge: die Beſorgung des Hebezeuges oblag. Train gefeßt.. fchirrmeiſter waren über den Der Sch a nz in ë i ſt e r , oder Feldingenieur , der alles unter fich hatte , was das Fortifikazionsweſen be: M Er ſtand traf , gehörte nicht eigentlich zur Artillerie. jedoch ebenfalls unter den Befehlen des Oberzeugmei: ſters , und erhielt die Beſoldung eines Hauptmanns von der Infanterie. S.

54.

Der Zeugmeiſter, von deſſen Oberbefehl die eben erwähnten Artilleriebedienten , nebſt alem , was nur irgend

1.

Gefchúrkunſt.

143

irgend zum Geſchüß gehörte, abhiengen , war – wie noch jekt der Chef der Artillerie eine der höchſten Kriegsbedienungen.

Er bekam daher nicht nur eine

anſehnliche Beſoldung, und 6 Reitpferde gehalten ; fondern es wurden noch beſonders ein Küchen : und ein Rammerwagen , Sechs Trabanten, Ein Kaplan, Ein Dolmetſcher, Ein Knecht, Ein Tambour , Ein Ober: und Ein Unter : Zeugfchreiber, für ihn bezahlet.

Alle

Geſchüße , Gewehre, Harniſche , Munizion u . ſ. 10., die in einer eroberten Feſtung gefunden wurden , gehör: ten ihm , und mußten ihm von dem Fürſten mit ih : res Werthes vergåtet werden .

S.

55 . .. 22.

Schon in den frůbeſten Zeiten hatte man tragbare Káhne zu Brücken bei den Heeren im Felde mitges führet , allein , dieſer Brauch batte ſich in den Fehdes pollen Zeiten des Mittelalters, wo immer nur kleine Haufen adelicher Räuber mit iþren lehnsleuten gegen einander zu Felde zogen , größtentheils verlohren. Bei Den größeren Heeren der folgenden Jahrhunderte ward es jedoch wieder gewöhnlich , dreißig und inehr beſons oder Pontons , wie ſie in dere Brücken : Kåbne C zu haben , die jeder mit den zuge: der Folge hießen górigen Balken und Bretern auf ſeinem eigenen Was Sie ſtanden , nebſt den gen mitgeführet wurden ) . dazu geordneten Zimmerleuten , Bootsknechten und Handlangern unter dem Befehl des Brüdenmeis. sters , der bei dem Uebergange über Flüſſe das Schla: gen der Kriegsbrücken zu beſorgen hatte. $.

56.

Weil in jenen Zeiten alle Treffen ſich durch das Hand: gemenge entſchieden , fiel das Feldgeſchüß allezeit in die Hån: d) Sriegsbuch Ir Theil. fol. 78.

144 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . Hånde des Siegers, ſobald es nicht eine ſtarke Bedéckung hatte, die bei den , Spaniern aus der ſchwer bewafneten Reuterei , bei andern Heeren aber gewöhnlich aus lange knechten beſtand, bis bei dem Franzöſiſchen die Schweizer dies Vorrecht erlangten . Karl der Ach tewußte nem : lich bei ſeinem Rückmarſche aus Italien nicht: wie er ſein Geſchüß über die unwegſamen Apenninen bringen ſollte. Schon hatte man faſt jedes Mittel vergebens verſucht, als die Schweizer , die als Sóloner bei dem Franzöſis fchen Heere dienten , ſich erbothen : das Geſchüß über obſchon mit die Gebirge zu bringen , und es auch glücklich ausführten. Sie erwar: ben ſich dadurch das Recht : das Geſchüß bei allen Ges legenheiten, in Schlachten und Belagerungen, zu bewa: unſäglicher Mühe -

chen ; ein in jenen Zeiten ſehr hoch geachteter Vorzug ! Zwar wurden in der Folge, als die Schweizer mit den Franzoſen gebrochen hatten , und ſich ihrem Zuge nach Italien

widerſekten , die Deutſchen Zanzknechte zur

3

NE

is

Bedeckung des Geſchůßes beſtimmt; allein , dieſe ver: lohren es bei Novara ; und würden ſich es auch ha: ben bei Marignano nehmen laſſen , båtte fich nicht Franz I felbſt , mit einer Pique in der Hand , zu Fuß an ihre Spike geſtellt, und ihnen dadurch neuen Muth gemacht. Dieß war denn die wahrſcheinliche Ur: fache, daß man , bei erneuerten Bündniſſen mit den Schweizern , ihrem Begehren um ſo leichter nachgab , und ihnen wieder die Bewachung des Geſchüßes aus: ſchlieſſend überlies , bis unter ludwig dem Vier : zehnten,

im Jahr 1671 , ein beſonderes

Infanterie

Regiment zu dieſer Abſicht errichtet ward.

Zweiter

2.0

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie.

3 weiter

145

Abſchnitt.

Einrichtung und Bewaffnung der Infanterie im zweiten Zeitraume.

S.

57 .

Sobald die Heere anfiengen ,

ſteßend zu werden ,

mußten ſie auch eine feſtere Einrichtung bekommen . Un die Stelle der Lehnsherrn , die vorher ihre Vafallen in den Krieg führten , traten die Offiziere , die der tan : desherr theils unmittelbar , theils mittelbar durch die Oberbefehlshaber wählte , und gleich den Gemeinen befoldete. Die langen Kriege machten die Truppen rob und zu Ausſchweifunge

geneigt, den ſie ſich dann n in der , obgleich immer nur kurzen , Mublie des Fries dens ergaben . Dieſen mußte durch beſondere , auf den Zuſtand der Krieger paſſende Geſeke Einhalt gethan werden ; während man zugleich den Truppen in Fries denszeiten durch verſchiedene Uebungen mit ifrem Ges wehr , und durch Bewegungen , ſowohl einzeln , als in bald größeren bald kleineren Haufen Beſchäftigung zu geben ſuchte. So bildete ſich im Sechzehnten Jahr: þunderte nach und nach in den meiſten Låndern eine Kriegsverfaſſung, die ſich mit den , in der Folge durch mancherlei veränderte Umſtånde herbeigeführten Modis fikazionen bis auf unſere Zeiten erhalten hat . ,

S.

58 .

Der oberſte Befehlshaber des Heeres war entweder der Landesherr ſelbſt, wie Karl der Achte und Franz der Erſte von Frankreich , oder wie Kaiſer Karl der Fünfte ; oder er rekte an ſeine Stelle eis Feldbauptmann oder General :

nen Oberſten

Oberſten , der bei den Deutſchen ebenfalls gewohn: Goyer's Feuere Kriegek, I. Th. lich

146

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

lich aus fürſtlichen Stande war , und bei den Fran: zoſen oft den Titul eines Connetable's führte. Un : ter dieſes Befehl ſtand alles , was nur auf irgend eine Weiſe zu dein Heere gehörte. Der nåchſte -nach ihin war der Feldmarſchalt, oder nach jekiger Art , der General der Kia valle: rie.

Unter ſeinen Befehlgehörtedie Reuterei, ſchwe:

re und leichte , und nåchſtdein alles , was Beziehung auf die Rechtspflege und Polizei des lagers hatte. Er 2 oder Stellvertreter, aus den Oberſten , der ihn bei Ver: waltung ſeines Amtes unterſtüßte, tödtet oder verwundet ward , Die übrigen Perſonen , gleichſam

den

reinen

und wenn er ge: Poſten einnahm .

welche in jenem Zeitraume

Generalſtab

ausmachten ,

waren die

Kommiffarien , den die Verſorgung , Muſterung und Bezahlung der Truppen oblag; der Krieg szable meiſter ; der General:Profob ; der Ober: Pro viantmeiſter ;

der Herold ;

einige

Geheim:

Schreiber, der Quartiermeiſter und der Felds arzt. Die Beſtimmung dieſer Offiziere iſt bekannt, und ihre Benennung nod) gegenwårtig im Gebrauch ; minder bekannt iſt die Stelle des Brandmeiſters, dem die Ausſchreibung und Herbeibringung der Brand: ſchakungen, oder nach Beſchaffenheit der Umſtände, das Anzünden der Wohnorter in feindlichen Låndern zufam. Er hatte immer leichte Reuter und Schüßen zu Fuß bei fich , die unter ſeinem Befehl ſtanden , und ihn bei Ausführung ſeiner Aufträge unterſtüßten “ ).

S.

59 .

Das Fußvolk der Deutſchen war Anfangs noch nicht in Regimenter getheilet; ſondern es beſtand aus eints e) Kriegsbuch Ir Theil fol. 68. verſ,

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie. 147

einzelnen Fahnen oder Haufen von drey. bis ſechshun : dert Mann , unter Einem Hauptmann , der ſie warb und bezahlte. Ein Oberſter Hauptmann Gatte den Bez fehl über die ganze Infanterie. Kaiſer Marimilian der Erſte roll angefangen þaben , ſie in Regimenter zu theis len ;auch ſoll unter ihm zuerſtderNameder langenechte aufgekommen ſein . Jedes Regiment hatte eine beſtimm : te Unzahl Fahnen , die zuſammen unter dem Ober : ſten , als dem Inhaber des Regimentes ſtanden. Der Beſtand ,

ſo wie die Beſoldung eines ſolchen Infan:

terie-Regimentes unter Kaiſer Karl dem waren ohngefår folgende:

Fünften

Der Oberfte erhielt Monathlich Der Oberſtleutnant Der Feldprediger

100 Solde 25 3 S

Des Oberſten Schreiber Der Wachtmeiſter, der Quartiermeiſter , der Oberfeldſcheer , und der Feldarzt , jeder Des Oberſten Tambour und Pfeifer , jeder Des Oberſten Dolmetſcher und Koch , jeder Die Acht Trabanten des Oberſten Der Huren : Waibel , unter dem die Soldás. tenweiber und der Eroß des Regimentes ſtand

4 I 10

Liitti

2

1ο

4

11

Zu dem Regiments -Gerichte gehörten : Der Schultheis Der Gerichtsſchreiber Ein Gerichts:Waibel : 3w8lf Richter , jeder Ein Junge Ein Profoß Ein Feld Kaplan Ein Wagenmeiſter Sechs Trabanten , jeder Der Stocmeiſter Vier Steckenknechte , jeder Der Nacyrichter

10 2

Bei

148

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

Bei jeder Fahne oder Kompagnie, deren gewohn: lich zehen ein Regiment ausmachten , befanden ſich : 10 Solde Ein Hauptmann , bekam monathlich 5 Ein Leutnant 5 Ein Fahndrich Ein Kaplan Ein Feldwebel I Ein Furier I Ein Führer Zwei Gemeine Debel , jeder Zwei Tamboure , 3wet Pfeifer , Zwei Trabanten zu des Hauptmanns Schuß , Ein Dolmetſcher , Ein Junge für den Hauptmann und Ein Junge für den Fahndrich , Ein Roch und Ein berittener Knecht für den Haupts mann , ſo alle einfachen Sold - den Sold durchaus zu Vier Kaiſergulden gerechnet betamen . Unter jedemn Fähnlein waren vierhundert bis fünf: Hundert gemeine Soldaten , nemlich hundert mit Har: niſchen verſehene Piquenire, und zwei Hundert Schů: Ken mit Feuerrohren . Von den übrigen führten funf.: zig Hellebarten , Schlachtſchwerter u. d. gl.; funfzig aber hatten bloße Spieſſe ohne Harniſch und Pickel: haube. Der Sold dieſer gemeinen Soldaten war ſehr verſchieden , denn ſie bekamen bei den Deutſchen von vier bis zu zehen Gulden monathlich , je nachdem ſie mehr oder minder gut gerüſtet waren , ja die Spanier gaben unter Ferdinand dem Katholiſchen bis zu vier Dufaten. Am meiſten bekamen die mit Helle: barten und Schlachtſchwertern bewehrten , die öfters Udeliche waren , und mehrentheils ganze Harniſche tru : gen , ſo wie die Doppelýakenſchüßen , deren jede Fah: ne zu Saris des Fünften Zeiten geben hatte. Ale dieſe, welche mehr als vier Gulden des Monaths er : hielten , wurden unter dem Namen der Doppelföldner begriffen , obſchon wirklich doppelten Sold nur diejeni: gen betamen , die einen vollen Harniſch trugen. Das

1

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie. 149

Das Fåbnlein oder die Kompagnie ward in Rot: 'ten getheilet , die aus zehn Schüken oder Piquenirern , oder aus ſechs Doppelföldnern beſtanden. Jede Rotte wählte ſich dann ihren Rottmeiſter aus iører Mitte , der ſeine Rotte zur Wacht, zum Brodausgeben u. ſ.w. verſammelte. Er that jedoch nicht eigentlich die Diens ſte des Korporals , ſondern dieſe wurden durch die Ges meinen : Webel verrichtet; doch ḥatte weder der Erſte noch die Lekteren einiges Recht, die Gemeinen zu bes ſtrafen , dies kam nur allein den Offizieren zu.

Die

Befekung der verſchiedenen Stellen geſchahe dergeſtalt: daß der Oberſte die Hauptleute erwählte , und ihnen Auftrag gab , ihre Kompagnien anzuwerben , bei den ſie alsdenn ihre Leutnante und Feldwebel anſtellten . Der Fåbndrich ward mehrentheils von dein Oberſten ernennet ; der Führer, Fourier , Gemeine Webel, und die Amboſaten welche gleichſam die Sprecher vorſtellten , und bei Meutereien die Beſchwerden der Soldaten den Befehlshabern vortrugen , und die Mittler zwiſchen beiden machten , hingegen wurden von den Soldaten ſelbſt gewablet , und alle Monatge verändert , wenn die Soldaten nicht ausdrücklich die vurigen zu behalten verlangten.

S.

60.

Der Sold , wegen des man mit den Kriegsleuten bei iþrer Anwerbung überein gekommen war ' ) , ward ibnen

f ) Der oben angegebene Sold ſcheint åberhaupt in Deutſch land allgemein eingeführt geweſen zu ſein , denn als die Stadt Nürnberg im Jahr 1504 ein Heer zuſammens brachte , führte ihr Jany Stieber , ein schmiſcher Edelmann , 200 Fufknechte zu , unter den ſich 20 Pavess ner , 30 Liechtſchügen und 2 Fahndriche befanden , die * 3

150 Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum. ihnen gewöhnlich von drei zu drei Monathen bezahlet. Wenn ſie jedoch eine Stadt oder ein Sdloß mit ſo wie nach einer gewonnenen eroberten , Sturm Schlacht, erhielten ſie unter dem Namen des Sturm : und Schlachtfoldes eine Belohnung.

Der laufende

Monath ward nemlich als 'beendiget angeſehen , ihnen die Beſoldung darauf ausgezahlet und in der Rechnung eint neuer Monath angefangen. ' Diere Sitte war au:

4

> gemein , und die Soldaten hielten ſo ſehr darüber, daß fie gewöhnlich ſich emporten , wenn die Befehlshaber ihnen aus Mangel des dazu erforderlichen Geldes, oder ſonſt aus anderen Urſachen dieſe Belohnung verweiger: Ein ſolcher Auflauf håtte 1552 dem Kurfür: ten 5 ). ſten Moriß von Sachſen , nach Eroberung der Eks renberger Klauſe , beinahe das Leben gekoſtet; denn weil ſich die Soldaten weiter zu ziehen weigerten, wenn ihnen kein Sturmſold bezahlt wurde , befahl der Kurfürſt , den vornehmſten Aufwiegler in Verhaft zu nehmen ; allein die übrigen drangen mit Spieſſen auf den Kurfürſten los , und ſchoſſen mit ihrem Feuerge: wehr nach ihm , daß er ſich nur mit genauer Müße retten konnte 6 ). Ueberhaupt war beſonders das Fußvole in jenen Zeiten febr zum Aufruhr geneigt ;

man findet gåufige

Beiſpiele davon , beſonders in den Italieniſchen Krie: gen

monathlich 8 Fl. , die gemeinen Knechte aber 4 Fl. Solo ' erhielten. Zugleich betam jeder bei der Erſten Muſterung e Fl . Rüftgeld , und 2 Ellen rothes Tuch , daraus Rock lein gemacht wurden , auf den Ermeln mit roth 'und weißen Sparren . Geſchichte des Baieriſchen Erbfolges trieges aus Müllners ungedruckten Annalen von Nürns berg 8. Seite 11 . $ ) Geſchichte des Baieriſchen Erbfolge:Krieges 1504. Seite 41 und 99.

h ) Schardii fcriptor, rer . Germanicar . Tom . 2. p. 547.

1

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie.

151

gen bei dem kaiſerlichen Hecre , das durch eine unbe: greifliche Nachläſſigkeit Karis des Fünften faſt beſtåndig ohne Sold gelaſſen ward ; auch öfters kein Brod befam , wenn der Feird alles aufgezehret hatte, weil man keine Magazine anzulegen pflegte. Die Uns führer der kaiſerlichen Truppen ſuchten zwar wohl durch Brandſchakung der feindlichen Länder Geld zu erhal: ten ) oder ſchoſſen aus ihrem eignen Vermogen große Summen dar " ). Allein , dies war nicht immer hins reichend , und die Befehlshaber liefen oft Gefahr, von den Knechten getödtet , oder wenigſtens mißhandelt zu werden , denn ſelbſt gegen den , von den {anzkuechten ſo fehr geliebten Frundsberg kehrten ſie oft die Spieſle , und droheten, ihn zu durchbohren. Andere, minder ges ſchakte Anführer mußten ſich dann durch die Flucht retten , wenn ſich nicht etwa irgend ein Mittel fand , die Soldaten durch Eroberung und Plünderung einer Stadt oder eines Schloſſes zufrieden zu ſtellen. Um die Befehlshaber bei ſolchen Aufläufen einigermaßen zu ſichern , wurden ihnen vom Heerführer bis zum Haupt: manne einegewiſſe Anzahl Trabanten oder Leibwach: ter gehalten , - dem erſteren acht und dem lekteren zweie die ſie beſtändig begleiteten, und ſie nach Mög : lichkeit gegen perſönliche Angriffe ſchůkten.

S.

61 .

In Frankreich Hatte ſchon Ludwig der 3w off: te den Banden der

Infanterie dadurch eine beſſere Ges ftalt

i ) Georg und afpars von frundsberg Kriegsthas ten . Frantf. am Mayn 1568. fol. 68. verf.

k ) So hatte Ritter Georg von Frundsberg über 38000 fl . vorgeſchoſſen . Hiſtorie feiner Kriegsthaten . fol. 97. verf, SE4

152 Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum . ſtalt gegeben , daß er Edelleute als Kapitåne

welche

Benennung erſt von dieſer Zeit an in Frankreich ges wöhnlich ward - als lieutenante und als Fåhndriche Dieſe Banden , deren Stärke rich bis dabei anſtellte. auf 2000 Mann belief , verkleinerte Franz der Er : ſte bis auf soo Mann ' ) , wobei er zugleich den mos nathlichen Sold des Gemeinen auf Sechs livres Tours Jin Jahr 1534 lies Franz nicht nur nois feſtſeşte. 20 Fahnen lanzknechte in Deutſchland anwerben , ſon: dern errichtete auch, weil er ſich zu gleicher Zeit von dem Deutſchen Kaiſer und von den Engelländern bedros Þet ſabe, eine Art Miliz in Sieben Legionen , jede zu 6000 Mann , die nach den Provinzen , aus den die Sie Soldaten genommen waren , benannt wurden . waren theils mit

Piquen ,

theils mit

Hellebarten ,

12000 aber mit Feuergewehr bewafnet ). Eine ſols che legion war in 6 Banden von 1000 Mana getheis let ; bei deren jeder ſich Ein Kapitain , Zwei Lieutes nante — deren einer die Schüken , der andere aber die Piquenirer und Hellebartierer befehligte – zwei Fähn: zehn Centeniers, vier Furiere, ſechs Ser:

driche ,

geanten , vierzig Caps d'Eskadre - die in Heinrichs des Zweiten Verordnungen zuerſt Caporale genannt Dies 4 Tamboure und 2 Pfeifer befanden. werden fe Miliz war von der Kopfſteuer frei , ſobald ſie nicht über 20 Sous betrug, denn im entgegen gefeßten Falle mußte der Ueberſchuß bezahlet werden ; und waren ſie pers

1 ) Memoires de Meff. Martin de Bellay fol. Paris 1582. Seite 15. Im Jahr 1522 30g Franz I. mit 12000 Deutſchen Lanztnechten , 16000 Schweizern, 10000 Jtas lieniſchen und Stanzöſiſchen Infanteriſten , 10000 Schüßen zu Pferde und 2000 Süraſſirern nach Stalien . Georg von frundsberg Kriegsthaten fol. 38. verſ. m) Bellay a . a. 0. Liv. 4. p. 234.

1

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie.

153

verwundet worden , gebrauchte man ſie mit halbem Sof: de zu Garniſon :Dienſten . zeichnete,

Wer ſich vorzüglich aus:

erhielt einen goldenen Ring , wie im Lager

bei Chivas ein Legion :Soldat , weil er ,

ohngeachtet

des feindlichen Gewehrfeuers, über den Fluß geſchwoina men war , un ein am jenſeitigen Ufer befindliches Faþr: zeug þerüber zu holen ) . Dbſchon nun Anfangs die Stårke der Banden zu 1000 Mann feſtgeſeßt war L blieb es doch nicht dabei, denn im Jabr 1536 katte er in dem Piemonteſiſchen Kriege 12000 Franzöſiſche le: gionen : Soldaten in Banden zu 2000 Mann ; 6000 lanzenknechte unter dem Grafen von Fürſtenberg, 2000 Franzöſiſche Infanteriſten , die nicht zu den Legionen gehörten , 3000 Italiener und viel Geſchůß, bei dem 3 Kommiſſåre, 2 Rechnungsführer , 40 Kanoniere , JI Handwerker , 60 Arbeiter und 800 Schanzbauern angeſtellt waren . Weil die Bande des Hauptmann Arzai , von der Legion Dauphiné , im Jahr 1937 , einige ihrer Sols daten , die wegen fünf geraubter Schaafe zu Arles auf das Stadthaus gefangen gefekt worden waren, mit Gewalt befreiet batte; wollte der Befehlshaber Bon: neval , nachdem er mit Hülfe der Gensdarmen zwei der vornehmſten Aufrührer hatte aufgången laſſen , die Bande in das Jager zu dem Connetable Montmo : renci ſchicken. Allein , die Bande zerſtreuete fich uns terweges , und die ganze Legion ward aufgehoben ). Wabrſcheinlich war die ſchlechte Mannszucht bei dies

:

ſen Legionen Schuld , daß Franz I ſich ihrer nur im Nothfal bediente , und lieber die kleinern und leichter in Ordnung zu erhaltenden alten Banden - vieilles bandes n) Bellay a. a. O. p. 251. 6 ) Ebendaſ. Liv. 7. p. 403.

154

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

bandes

nebſt den in ſeinem Sold ſtebenden Schweiz

zern und Deutſchen Lanzknechten init ins Feld führte. Er ſchaffte ſie jedoch nie ganz ab , ſondern ſchickte im Jahr 1944 noch eine ſtarke Unzahl legionarien ge: gen die Kaiſerlichen , die in Franfreich eingefallen was ren P). Weil in der Schlacht bei St. Quentin die Truppen ſehr geſchmolzen waren , formirte Heinrich der zweite im Jahr 1558 wieder Sieben { egio: nen , jede von 6000 Mann in is Fahnen von 400 Mann getheilet. Man findet unter eben dieſeni Jab: re zuerſt den Namen der Regimenter 9) , die immer als von den Legionen verſchieden ' angeführet werden , und nebſt den in Deutſchland geworbenen lanzknechten und den Schweizern das eigentliche ſtehende Heer aus: machten .

$.

62.

Die Schweizer waren , feit Ludwig XI. im Jahr 1475 einen Subſidien :Traktat init den Kantonen ges ſchloſſen , und gegen jährlich 20000 Franken Subſi: dien für immer 6000 Schweizer in Sold genommen hatte , durch ihre Treue " ) , durch ihren Muth und durch

9

p) Bellay a. a . O. p . 578 . 9 ) Commentair. de Montluc. Liv. 4. Im Jahr 1567 war Eſtavaye nach den vom P. Daniel (hift. dela Milice fran

çoiſe ) angeführten Extraordinaires des guerres 1567. vol . 1o. Oberſter der Legion Pikardie , Philipp Strozzi aber Oberſter des Regiments Pikardie , und im Treffen bet Dormans befanden ſich die Regimenter : Sarde , Piemont, und Champagne , ein Theil des Res giments Lothringen und dic Legion von Rançes, das heißt Champagne , denn bet dieſer Legion war Rans çes Oberſter. r ) Als ſich der Graf von Montpenfier hatte zu Atels I a im Neapolitaniſchen von Ferdinanden von Arras sonien

2.

Einrichtung und Waffen der Infanterie. 155

durch ihre vortrefliche Kriegszucht bei den Franzöſiſchen Heeren in großein Unſehen , und hatten ſogar ſeit Karls des Uchten Zuge nach Italien die ausge: zeichnete Ehre erworben , das Geſchuß unter ihrer be: ſtåndigen Obhut zu haben .

Zwar entſtunden ſchon un:

ter Ludwig XII Zwiſtigkeiten init den Schweizer Kan: tonen, die unter Franz dem Erſten in einen förinfi: Allein die Niederlage der chen Krieg ausbrachen . Schweizer bei Marignano , und die darauf folgende Eroberung des Herzogthums Mailand brachten ſie auf andere Gedanken ; es wurden neue Traktaten ges Pchloſſen s) , die Subfidien erhobet, und von dieſer Zeit an blieb beſtåndig eine beträchtliche Anzahl Schweizer in Franzöſiſchein Solde , die ſich kurz vor dem R98 widiſchen Frieden bis auf 30000 Mann ,

in

Regimentern belief ).

S.

163 .

So wie die Feuergewehre immer håufiger fiengen auch die Armbruſte nach und nach an , zu verſchwinden , und nian findet ihrer nur einzelnen Gelegenheiten erwähnt , wo ſie die

wurden , gånzlich noch bei irregula :

ren Fußvolker oder die Schüßen zu Pferde führten . So wurden noch im Jahr 1500 bei der Belagerung von

gonien , und Gonſalvo yon Cordova einſchlieſſen laſſen , giengen die Deutſchen Lanzknechte nebſt den Jtas lienern zu dem Feinde über. Nur die Schweizer allein blieben ihm treu , und verachteten alle vortheilhafte Ans erbiethungen Ferdinand $ ; ob fie gleich von 1300 bis auf 300 Mann zuſammengeſchmolzen waren. 8) P. Daniel hift, de la Milice Françoiſe. Subſidien zu geben , war damals überhaupt keine unger. wöhnliche Sache ; Karl der Achte erhielt vom Gross herzog zu Florenz 120000 Goldgulden Subſidien zu dem Neapolitaniſchen Kriege. Guicciardini p.41.

156 Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum . Belagerung des g ur ſes eb Schloſ Pein Pfeile und Bolzen geſchoſſen "). ſen Bei den Franzo und Spaniern ſcheint ſich der Ge: brauch der Urmbruſte im allgemeinen långer erhalten zu haben ; denn in Spanien ward das Fußvole erſt 1497 nach dem Muſter der Franzoſen auf einen regua låren Fuß geſegt , und in Quadrillen von so Mann getheilet , von den Ein Drittheil Feuerrohre und Arms brůſte hatte , die ro ſtart waren , daß ſie mit einer vier : fachen Winde geſpannt werden mußten * ). Ja , nach Montlucs Verſicherung rou das Feuergewehr noch jwanzig Jahr ſpåter nicht båufig in Frankreich gewes ſen ſein , und 1972 machte ſich die Königin Eliſas beth von England verbindlich , Karl dem Neung ten 6000 Mann zu ſtellen , halb mit Feuergewehr und halb mit Bogen und Pfeilen bewafriet. Auch im Nors den wurden in dieſem Zeitraume die Feuergewehre mehr üblich , denn die Ruſſen belagerten im Jahr 1558 Dorpat mit 30000 Reutern und 12000 Hakenſchůs ken ; ſo verhielt ſich's auch bei den Türken , wo 15.30 die Fanizaren blos Bogen und Pfeile und einen Såbel geführt hatten , 1560 aber durchgehends mit Feuerge: wehren bewafnet waren ). Die Rüſtung des Fußvolkes war übrigens ſowohl bei den Deutſchen , als bei den andern Nazionen nach Beſchaffenheit des Gewehres , welches ſie führten , vers Die Hakenſchůben oder Urkebuſirer ſchieden. trugen eine eiſerne Pickelhaube, und bei den Spaniern und Franzoſen lange Stoßdegen ,

bei den Deutſchen aber

u) Leibnitzii ſcriptor. Brunfuicenf. T. 2. p. 345. X) Zurita hiſtoria del Rey Hernando el Catholico, Lib . 3. eap . 6.

y ) Augerii Gislenii Busbequii Legationis Turcicae Epifto lae quatuor. Epift. 3.

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2. Einrichtung und Waffen der Infanterie.

157

aber kurze zweiſchneidige Seitengewehre ) . Die Feu : errohre hatten gewöhnlich (untenſchlöſſer, wo die bren: nende Junte zwiſchen die lippen des Habnes geſchraubt, und von dieſem vermittelſt des Abzuges unú einer Fes der auf die Zündpfanne geleitet ward. Dieſe Gewehre Ķießen bei den Deutſchen Handbüchſen oder balbe Has ten und ſchoſſen eine Kugel von Zwei ( oth Blei . Zwar waren um das Jahr 15 17 die Radſchloffer – noch gegenwärtig unter dem Namen der Deutſchen Schlöſſer bekannt - in Nürnberg erfunden worden *) ; wo das durch die Federn in Bewegung gefekte ſtåhlerne Rad aus einem in den Hahn geſchraubten Steine Funken riß ,

:

und dadurch das auf die Pfanne geſchüttete Pulver ans zündete; allein, die Kiefe - Pyriten - derén man fich dazu bediente , wurden ſehr bald ſtumpf und ſchlugen alsdenn kein Feuer , daher zogen die Kriegsleute jenes Zeitalters die Tuntenſchlöſſer vor, obſchon ſie den Nach : tþeil hatten , daß man ſie bei Regenwetter nicht gut ge gen die Nåſſe verwahren konnte , und daß fie bei nachts lichen Unternehmungen leicht zu Verråthern wurden. Man finder noch im Sechzehnten , ja bis über die Hälf: te des Siebenzehnten Jahrhunderts blos an den Piſto: len und dem Feuergewebre der Reuterei Radſchlöſſer.

S.

64

Faſt mit den Handrobren zu gleicher Zeit þatte man ſchon im vorigen Jahrhunderte noch einige andere Ur: ten Feuergewehr zum Handgebrauch : die Doppelhas ken, die Streubůchſen und die Ziel : oder Pirſchs büchſen erfunden , deren man ſich jedoch nicht im Fels be,

2) Ritter Georg von Frundsberg Kriegsthaten . fol. 15. verſ. :) Bedmanns Beiträge zur Geſchichte der Erfindungen 1.00 . S. 364

158 Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum ,

de, ſondern nur bei der Bertheidigung belagerter Ståd: te und Schlöſſer" bediente 6) . Die Doppelhaken ſchoſſen Acht loth Blei , waren 4 , Fuß lang, und wurs den auf einem beſonderen Gerüſte init drei Füſſen dem Bocke abgefeuert. Die Streubůchſen waren nur | Fuß lang, hatten ein faſt 2 Zoll weites Rohr, und hinten einen Pulverfack. Sie wurden mit 12 bis 15 Laufkugeln geladen , und vorzüglich auf den Flanken oder Streichwehren gebraucht. Die gezogenen Ziel: oder Pirfch bůch ſen mit Radſchlöſſern wurden nur ſelten zum Kriegsgebrauch angewendet.

Ihr Erfinder

iſt unbekannt; man ſoll ſich ihrer zuerſt im Jahr 1498 in Leipzig bei dem Scheibenſchieſſen bedienet haben . Wolf Danner ; ein Nürnberger , machte ſich zu Anfang des Sechzehnten Jahrþunderts vorzüglich um das Ausſchmieden und Bohren der Büchſenläufe ver:

25

dient , und Auguſtin Kutter , ebenfalls ein Buch: ſenmacher zu Nürnberg der 1630 ſtarb fou die ſogenannten Stern: und Rorenzüge erfunden haben ). S.

65 .

Wichtiger war die Einführung der kleineren Dop:

1

pelhaken oder der Muſketen , die in der Folge das allgemeine Feuergewehr der Infanterie wurden . iſt héchſt wahrſcheinlich , daß die feit Erfindung der Feuergewehre imnier ſtårker werdenden Bruſtharniſche der ſchweren Reuter und der Piquenire dem bekannten Herzog von Alba die erſte Veranlaſſung zu Einfüh: rung

b ) Kriegsbuch Ir Thl. fol. 72. verſ. c) Um dieſelbe Zeit hatten auch zwei andere Nürnberger Büchſenmacher : Georg Kühfuß ſtarb im Jahr und Spaſpar Recknagel ſtarb 1632 1600 verſchiedene weſentliche Verbeſſerungen bei dem Deutſchen Soloſie angebracht.

19

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie.

159

rung der Musketen bei der Spaniſchen Infanterie gas ben , weil die größeren Kugeln derſelben, mit mehr Pulver aus einem långeren Rohre geſchoſſen , durch Man ſoll ſich iþrer bei dem jeden Harniſch drangen . Deutſchen Heere Karls des Fünften um das Jahr 1521 zuerſt bedienet kaben ") , wo ſie Hauptſächlich von den Spaniſchen Schüken geführet wurden , und bei Pavia 1525 nicht wenig zum Gewinn der Schlacht beis trugen , weil ihre Schüſſe auf einmal mehrere Leute und Dieſe Musketen Pferde tödteten oder verwundetene). konnten wegen ihrer Schwere nicht aus freier Hand abs geſchoſſen werden , ſondern es mußte auf einem Stod init einer Gabel geſchehen - dem Bodt oder der Four : die der Musketierer auf dem Marſch in der quete Unter Karl dem Fünften rechten Hand führte . waren bei jeder Fahne { anzkuechte zehn folcher Musketiere , die zehn Gulden monathlich Beſoldung betamen , und immer an der Spiße der Kolonnen inar: fchieten .

Man vermehrte ihre Zahl in der Folge bei

den Spaniſchen Truppen bis auf Funfzehn

) , die uns

ter die andern Handrohrſchüßen gemiſcht wurden 8 ). Die

d) Mem de Bellay, Liv. XI. pag. 55. e ) Frundsbergs Kriegsthaten Seite 49. " Es war eine „blutige Schlacht, denn die geſchwinden Hiſpanier ums „ gaben fie , und haben allenthalben bleierne Kugeln unter 9,fie geworfen und tddtlich verwundet. Sie hatten nicht „gemeine Handrohr , wie vor der Brauch , ſondern fange „ Rohr , die man Haken nennet , haben in Einem Sdjub „etlich Mann und Roß erſchoſſen " . f) Famian. Strada de bello belgico. Dec. I. p. 295. g ) Brantome, Vies des grands Capitaines Etrangers . Diſc, 4. p . 89. ſagt , die Spanier hatten bei dem Entſak von Maltha noch keine Musketiere gehabt ; allein , dies wir detlegt ſich durch die oben angeführten Stellen, ſo daß

vielleicht

160 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

Die einen wie die andern trugen einen ledernen Rieh : men über die linke Schulter , an welchem rings berum zwölf kleine hölzerne Büchſen hiengen , deren jede Eine Pulveriadung enthielt. Die Kugeln befanden ſich in eis nem

hinten an den Riehmen befeſtigten Beutel , unger

welchem eine Pulverflaſche mit dem Zündpulver fieng.

$.

66 .

Die Piquenirar - von den das ganze Deutſche Fußvolf den Namen der ( anzknechte erhielt trus

1

gen einen vollen Harniſch mit Pickelhaube, ſchußfreiem Bruſtſtück , Blechſchurz , Kragen , und ganzen Arm: ſchienen oder Panzecermeln . Ihr Gewebr war der 16 bis 18 Fuß lange Spieß die Pique ein Seitengewehr ,

und ein auch zwei Piſtolen mit dem So gerüſtet, erhielten ſie dops pelten Sold , weil ſie die Rüſtung ſich auf eigne ko:

Radſchloß im

Gürtel.

ſten anſchaffen mußten . Unſtatt der Pique führte ein Theil des Fåhnleins große Schlachtſchwerter, die Ober: und Unterbefehlshaber aber eine Hellebarte oder Parti: fane.

Bei den Deutſchen trugen nur die Oberbefehls : Haber zuweilen kleine Schilde oder Tartfchen h ). Bei den Spaniern , Franzoſen und Italienern binge gen hatten die Piquenirer durchgehends runde Schilde Rondellen - und die Offiziere bedienten ſich ih: rer bis gegen das Ende des Sechzehnten Jahrhuns derts :). Doch pflegten bier die Gemeinen nicht, wie bei den Deutſchen , Piſtolen zu führen .

9. 67. vielleicht nur teine Mustettre mit zum Entſatz von Naltha marſchirten , ob ſie gleich ſchon vorher bei dem Spaniſche Deutſchen Heere gewohnlich waren , und in den Stalienis ſchen Kriegen gegen die Franzoſen ſelbſt angewendet wurs den. b ) Georg von Frundsbergs Kriegsthaten. fol. 165. i ) Ebendaſ. auch Memoir , de Bellay Liv . 7. p. 398.

,

2. Einrichtung und Waffen der Infanterie. 161

67. . Schon ſeit dem Mittelalter war es Sitte geweſen , die Trabanten und Leibwachen , vorzüglich bei feierlis chen Gelegenheiten auf eine einförmige Weiſe zu beklei: Dieſer Gebrauch katte ſich nicht nur erhalten , den. ſondern man trug in der Folge allgemein bei dem gan. jen Heere Echarpen oder Feldbinden von einerlei Farbe; j. B. bei den Franzoſen weiß , bei den Kaiſerlichen roth Unter Ludwig dem Zwolften þatte jeder u. P. f. Hauptmann der Gendarmerie ſeine beſondere Leibfarbe und Deviſe, welche alle Schüken , Pagen und Knechte Unter der Ritter ſeiner Bande tragen mußten * ). Jahr 1533 wie: Franz dem Erſten ward dies im der dahin abgeåndert, daß die Schüßen blos Einen Ermel von der Farbe ibres Hauptmanns tragen muß: ten ; allein , Ludwig XIII ſchaffte die Wappenrocke ganz wieder ab , weil ihm die vergoldes hoquetons ten und polirten Rüſtungen , wenn ſie in den Sonnen : ſtralen glänzten , einen fürchterlich ſchonern Anblick zu So hatten auch die Bürger zu unt: machen ſchienen. werpen im Jahr 1949, bei Philippe des 3 weis ten , nachherigen Königs von Spanien , Einzuge 879 Bürger zu Pferde in Violett: und Carmoiſin : Sammt , In und 4000 zu Fuß, alle gleichförmig gekleidet '). der Schlacht bei St. Quentin 1557 waren ebenfalls 7000 Engelländer , durchgehends blau montiret m) , welches denn auſſer allem Zweifel in der Folge zu Eins füßrung der Uniformen die Veranlaſſung gab; weil be: ſons

k ) P. Daniel hiſtoire de la milice françoiſe. Liv . 4. p. 220 . 1) Meteren Beſchreibung des Miederländiſchen Krieges. I. Th. 1. BD, Seite 21 der Deutſchen Ueberſekung. m ) ebendaſ. S. 30 . Boyer's Heuere Brieget. I. Th.

1

162 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

ſonders die Schüßen zu Fuß keine Harniſche trugen , daher um ſo eher eine übereinſtimmende Kleidung bei iş: nen ſtatt finden konnte.

Dritter

Abſchnitt.

! Formirung und Rüſtung der Kavallerie. $.

68 .

Zu Anfange dieſes Zeitraumes machte zwar die Reuterei noch einen wichtigen Theil der Heere aus ; allein , ihre Zahl und ſelbſt iør Anſehen verringerte ſich, ſo wie man den Nußen einer guten Infanterie immer meộr und mehr einzuſeßen anfieng , und daber die lange knechte von Zeit zu Zeit vermehrte.

Weil jedoch die

ſchwere Reuterei faſt durchgebends aus dem Adel be: ſtand , ja ſelbſt viele von dem höheren Adel darunter dienten , hatte ſie noch immer weſentliche Vorrechte. gegen das Fußvoll , ſtand auch wegen der koſtbareren Husrüſtung beträchtlich höher im Solde. Ihre Ober: befehlshaber waren der Feldmarſchall und ſein Leut: nant ; nicht weniger hatte ſie ihre beſondere Gerichts: barkeit , und war der des Fußvolks gar nicht unterwor: fen .

Sie theilte ſich in die ſchwere - die Kůraſſiere, homines d'armes - die völlig geharniſcht, auf ver: deckten Streithengſten ritten ; und in die leichte, die mit verſchiedenen Namen der Schüken, der Arkebuſirer zu Pferde , der Albaneſiſchen Reuter u .ff. - auch un : ter mannichfachen Formen und Geſtalten erſchienen. $.

69.

Die Reuterei formirte keine eigentlichen Regimens ter ,

ſondern war blos in Kornetten oder Kompas gnien

3. Formirung und Rüſtung der Kavallerie. 163

gnien getþeilet , die ' unter dem Feldmarſchall, als dem Oberbefehlshaber der Kavallerie ſtanden. War jedoch das Heer ſtart, ſo daß auch eine anſehnliche Mens ge Reuterei erfordert ward ; gab der Feldherr öfters meh: reren zugleich Uuftrag, Taufend oder mehrReuter anzuwer: ben, die ſie dann -- in Kompagnien vertheilet - als Reu : ter: Oberſten anführten, und die Beſoldung auf ſie erhiels Jede Kompagnie beſtano gewöhnlich aus 200 ten . bis 250 Pferden , unter den fich anfangs Küraſſiere, oder ganz Gebarniſchte; Schúken ; und Knechte, blos mit balben Harniſchen und Pickelhauben befanden ; als lein dies ward in Deutſchland unter Karl dem Fünfs ten dağin abgeåndert , daß die Schüßen ihre beſondes ren Fahnen erhielten , und unter eignen Hauptleuten , obgleich unter dem Oberbefehl des Reuter:Oberſten ſtans den. Man behielt unterdeſſen noch lange die Gewohns heit bei ,

blos nach den rower Gerüſteten zu zåblen ,

ſo daß die Zahl der Schüßen durch die der erſteren bes ftimmtward , und rechnete man auf jeden Kuraſſier 4 bis 9 Schußen , die gewöhnlich auch von jenem geſtellt und ausgerüſtet wurden ). Der Beſtand und die Beſoldung der Reuterei war : Der Oberſte über Tauſend Pferde bekam mos nathlich 400 Gulben Thm wurden 8 Trabanten gehalten und jeber mit 8 Gulden bezahlet. Der Oberſtleutnant erhielt monathlich 100 Shm wurden , gleich jedem Rittmeiſter 2 Tras banten mit 8 Gulden beroldet, Der Wachtmeiſter , der Proviantnieiſter, und der Quartiermeiſter erhielten jeder 40 Des Oberſten Schreiber 94 Bri 7 n ) Kriegebad 21 Ceil fol. 21.

164 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . Bei jeder Reuterfahne war Ein Rittmeiſter , dieſer betam für jedes unter thm ſtehende Pferd Einen halben Reichsgulo den , ſo daß ſeine Beſoldung nach Beſchaffens heit der Starte ſeiner Kompagnie ſtieg. 40 Guiden Der Leutnant 30 Der Fåhndrich 16 Ein Kaplan und ein Fourier , jeder Zwei Trompeter und Ein Paufer befamen eben

S.

25

12 24

l'

ſoviel. Auf jede 50 Pferde Ein Rottmeiſter Auf 100 Pferde ein Hufſchmied und ein Buchs ſenmacher, jeder Jeder geharniſchte Reuter erhielt mit Eins Schluß ſeines Pferdes , das er ſich ſelbſt hals ten mußte Shm ward ein Spiebjunge oder Knechtges halten und mit 8 Gulden bezahlet, auf das Pferd deſſelben aber 6 Gulden vergütet. Die Schüßen hingegen betamen mit Einſchluß ihres Pferdes nur 12 Gulden. Auch ward auf jede zehn bis ztoolf Pferde ein vierſpåns niger Wagen gut gethan º).

70.

Bei den Franzoſen litt dies durch die ſchon ſeit Karls des Siebenten Zeiten errichteten Ordon : Da dieſe nanz :Kompagnien einige Abånderung. eine beſtandig ſtehende Reuterei bildeten , fand die oben erwähnte Uebereinkunft des Feldherrn oder Sou: verains mit einem andern zu Stellung einer gewiſſen Anzahl Reuter nicht ſtatt; es hieng auch nicht von dem Oberſten ab , wen er annehmen oder nicht annehmen Die Gebarnifchten , durchgehends Franzöſi: wollte. ſche Edelleute', wurden nicht nur gut bezahlt , und dadurch in den Stand gefekt ,

rich gute Pferde und Waffen anzuſchaffen ; ſondern ſie gatten auſſer der Bez för: o ) Sriegsbuch Ir Theil fol. 36. IIr Theil fol. 21.

3. Formirung und Rüſtung der Kavallerie.

165

förderung zu den Unführerſtellen auch noch beſondere Belohnungen zu hoffen , die ſie anfeuerten , ſich durch Muth und Entſchloſſenheit auszuzeichnen . Unter I uds wig XII wurden Sieben Mann , unter Franz dem Erſten aber Achte zu einer vollen lange - Lance four nie gerechnet ; dieſe Vermehrung des Beſtandes kam vermuthlich daber , weil man jeßt , auſſer den Armbruſtſchůßen auch mit Feuergewehr bewaffnete Reus ter einzuführen anfieng. Man formirte jedoch fowohl die einen wie die andern in beſondere Kompagnien , die pon ihren eignen Hauptleuten angeführet , den Dienſt der leichten Kavallerie verrichteten. Eine Kompagnie ſolcher Armbruſtſchußen zu Pferde ', von 200 Mann , that in der Schlacht bei Marignano vortrefliche Dienſte, und Franz I. befahl im Jahr 1530 , daß alle Archers , oder Schüßen , ſich leicht beritten ma: chen ſollten , denn man ward, von den Vorzügen und der allgemeineren Brauchbarkeit der leichten Reuterei immer mebr überzeugt . Die Stärke der Banden oder Kompagnien war übrigens unbeſtimmt , denn 1536 batte Franz der Erſte in dem Piemonteſiſchen Krie: ge 810 Janzen in Banden von so , von 60 und von 100 Mann getbeilet, und zehn Banden leichte Reuter, jede 100 Köpfe ſtark. In Spanien erhielt die Reuterei erſt unter Ferdi: nand dem ? ken,

Er befabl 1497 : daß. Ein Fünftheit derſelben

Ärmbruſtſchüken , blos mit einer Pickelhaube , Bruſts þarniſch und Panzerhemde gerüſtet , ſein ſollten . Wie bei den Franzoſen und Deutſchen war über jede so Ků: raſſiere ein Befehlshaber geſeßt, der Quadrillero kieß "). Es p ) Zurita bift. del Rey Hernando el Catholico . Lib . 3. c. 6.

13

166 Geſchichte der Kriegskunft. II. Zeitraum.

Es iſt nicht völlig ausgemacht, bei welchem Heere ſich zuerſt Hakenſchůzen - Arkebuſiere zu Pferde -- fans den ; böchſt wahrſcheinlich verdanken fie ihre Entſtes þung den Italieniſchen Kriegen,

und wurden daſelbſt

von Karldem Achten oder Ludwig dein 3 wolfs ten unter dem Namen der Argoulets bei dem Frans zöſiſchen Heere eingeführt, nachdem ſich vielleicht ſchon lange vorher einzelne Schüken mit Luntenröhren bei der leichten Keuterei befunden hatten .' Sobald jedoch die Deutſchen Schlöſſer aufkamien', warf man bei der Reus terei durchgehends die unbequemen Tuntenſchlöſſer weg , und alles Reutergewehr ward init Radſchlöſſern verſes ben , wo auch bei unruhigen Pferden das {aden und Abfeuern mit geringer Schwierigkeit geſchabe. Der Schügen , die ein kurzes , 21 Fuß langes Feuerrohr führten , wird in dem Zeitraume von Karl dem Uchs ten bis zu Karl dem Neunten mebrere male bald unter dem Namen der Argoulets ) , bald der Artes buſierer zu Pferde erwähnt; von lekteren hatte z. B. in dem Jahre 1943 ein Herr von ach é 200 unter feis nem Befehle ") . Melzo ſagt zwar : fie feien von den Franzoſen im Piemonteſiſchen Kriege erfunden , und Dragoner genennet worden ; allein, dies kann nichts anders als ein Jeethum ſein ,

denn der lektere Name

kam erſt ſpäter auf , und bezeichnete eigentlich reitende Infanteriſten mit langen Feuerrobren , die blos dess balb beritten waren , damit ſie ſich ſchneller von einem Dete zum andern bewegen konnten , übrigens aber ifrer urſprünglichen Einrichtung nach , wie in der früßeren Epoke die Urchers , blos zu Fuſſe gebraucht wurden. um

9) Mem. de Montluc. T. 2. liv. 7. auch Popeliniere fole 344 . 1 ) Mem , de Bellay Liv. X. p. 541 und 554.

3. Formirung und Rüſtung der Kavallerie. 167 Um die nemfiche Zeit betrat noch eine neue Art leichte Reuter unter den Fahnen der Venezianer im Treffen bei Fournoue zuerſt den Kriegsſchauplak , und machten den Franzoſen anfangs viel zu ſchaffen ' ). Dies waren die Stradioten , oder die albani'er, Unterthanen der Republik Venedig aus der Gegend von Napoli di Romania , die leichte Türkiſche Pferde ritten ,

Türkiſch gekleidet giengen , und eine Art Pite

oder vielmehr einen gehen bis zwölf Fuß langen Spring: ſtock , an beiden Enden mit ſpißen Eiſen beſchlagen , füßrten , den ſie ſehr gut zu gebrauchen wußten . Lud : wig der zwölfte nahm 2000 derſelben in feine Dienſte, als er gegen die Genueſer zu Felde zog ;

und

Franz der Erſte vermehrte ſiewåfrend der Italie: niſchen Kriege “) , doch murden ſie nie ſtehend , fons dern zogen allezeit nach beendigtem Kriege wieder heimn .

Si

71 .

Die ſchwere Reuterei der Deutſchen die tanzen oder Spieffer - waeen vom Kopf bis zum Fuß ge: þarniſcht; fie trugen geſchloſſene Helme - mit Federn und vergoldeten Zierrathen ſtarle Ringtragen , Schußfreie Bruſtbarniſche; Rückſtücken , Blechſchůr: je, Arm: und Beinſchienen , oder anſtatt jener , Pans jerermel mit ſtåhlernen Buckeln , und lange Blechhands fchuh. Ihr Gewehr beſtand in der Lanze , einem gus ten Degen , zwei Piſtolen mit Radſchlöſſern und einem Kolben oder Streithammer;

auch mußte jeder einen

farken und gut verdeckten Turnierbengſt reiten “). Die Geno 8 ) Philippe de Comines. p. 338. t ) Mem , de Bellay p. 47 und 308 . u ) Kriegsbuch Ir Theil fol. 36. Ilr Theil fol. 31. and IIIr Theilfol. 709 .

/

168 Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum . Gens d'Armes der Franzoſen und übrigen Nazionen þatten faſt ganz dieſelbe Rüſtung, doch führten ſie mehs rentheils Fabngen an ihren Lanzer und

ein breites ,

Zweiſchneidiges Schlachtſchwert am Sattel; Spanier ,

auch die

Franzoſen und Fraliener bis zu Ausgang

des Sechszehnten Jahrbunderts Schilde. Die Schüßen oder Ringer: Pferde

hatten

ebenfalls Schußfreie Harniſche mit ſtåhlernem Kragen, Rückſtück und Panzer:Ermeln , Blechhandſchuhen und eine offene Pickelhaube. Äuſſer dein Feuerrohr fübra ten ſie zwei Piſtolen und ein nicht allzulanges Seiten : gewehr. Die Argoulets oder Arkebuſiere zu Pfer: de trugen unter dem Namen des Petrinals etwas kürzere Handråbre als die gewöhnlichen Arkebufen der Infanterie , aber von ſtårkerem Kaliber und mit einem Radſchloſſe. Dies Gewehr eine Art Karabiner hieng an einem Riemen über die Schulter , und ward bei dem Abfeuern vor die Bruſt geſtemmet. Weil es jedoch keine ſo große Schußweite batte , als die Ha: ken des Fußvolkes ,

führten die Spanier ,

wie bei

dem Fußvolle die Musketiere, bei der Reuterei die as rabiniere ein , die einen auf der rechten Schulter ausgeſchnittenen Harniſch trugen , und ein 31 Fuß lans ges Feuerrohrführten * ). Es befand ſich immer eine ge: wiſſe Anzahl dieſer Karabiniere bei jeder Kompagnie leichter Reuter , wo ſie bald zerſtreut, bald in Gliedern vor der Fronte hielten und auf den Feind ſchoſſen. Das Gewehr aller dieſer Schüßen zu Pferde waren, auſſer dem eben erwähnten Hafen , Karabiner oder Pes trinál, ein oder zwei Piſtolen , und ein Seitenge: wehr. Die Pulverflaſche und ein lederner Beutel zu den Kugeln giengen am Sürtel.

Ihre Pferde waren leich

* ) Montgommeri Traité de la milice françoiſe p . 140 .

3. Formirung und Rüſtung der Kavalerie.

169

leichter , als die der Küraſſiere , auch mit keinen Harnis ſchen verſehen . Die Stradioten oder die Albanier ſowohl als die Urhebuſiere zu Pferde trugen bei den Franzoſen bloße Panzer , Blechhandſchuh und eine leichte eiſerne Pis Beide Hatten zu ihrem Gewehr einen breis delhaube. ten Palaſch an der Seite, am Sattel einen Streits tolberi , und die erſteren den eben erwähnten Spring: ſtock - die Zagan'e - ; die anderen aber ein Feuer; rohr % ).

Vierter

Abſchnitt.

Stellung und Bewegung der Truppen zum Gefechte

S.

72 .

Unbekannt mit dem , was man in den neueren Zei: ten Ererziren und Evoluzionen nennt , verſtand der Kriegsmann im Sechzehnten Jahrhunderte blos zu fechten ; das heißt : ſeinen Feind zu tódten , oder ſich von ihm tódten zu laſſen. Ohne Uebung , und durch ihre ſchwere Rüſtung noch unbebülflicher gemacht, mußten die Fußknechte durch den Feldwebel in Glieder geſtellt , und ſo ein Glied hinter das andere eingefüh: ret werden , um das zu formiren , was man einen Schlachthaufen oder Bataillon bei den Spaniern Bataglia nannte , der geſchloſſenen Kolonne der neu: ern Kriegskunſt ſehr ånlich . Sie konnten ſich in dies ſem Zuſtande nur ſehr langſain beroegen , und wenn ſie einmal mit dem Feinde zuſammen kamen , endigte ſich das Gefecht unvermeidlich mit der Niederlage und der gånzlichen Unordnung des einen Theiles . Es war das þer der höchſte Beweiß von Kriegszucht , wenn bei ſo ungüns y) Montgommeri Traité de la milice françoiſe p . 133

170 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . ungünſtigen Umſtänden Tråppen fich dennoch in voller Drdnung zurück zogen ,

daß keiner aus ſeinen Reihen

wich , wie die Spanier aus der Schlacht bei Ravens na , und die Schweizer nach dem unglücklichen Uns griffe des Franzöſiſchen Lagers bei Marignano

$.

).

73 .

Um gewöhnlichſten war die Schlachtordnung des Ein Fußvolks viereckig , d. ß. eben ſo breit als tief. Regiment lanzknechte, das in zehn Fahnen oder Kom:

2

2

pagnien 4000 Mann entfielt, worunter ſich etwa 1500 Hakenſchüken befanden , ſtand folglich in 59 Gliedern jedes zu si Mann Piqueniere und mit Hellebarten und Schlachtſchwertern bewehrte Sol: daten , denn es war allgemein angenommen : die Glies der ſtets aus einer ungeraden Zahl beſtehen zu laſſen . Die Soldaten wurden in den Gliedern ſelbſt dergeſtalt eins getheilet , daß bei der angenommenen Stärke eines Res

þinter einander ,

gimentes von 4000 Mann , zuerſt drei Glieder Pique: niere , dann Ein Glieb mit Hellebarten , hierauf zehn bis dreizehn Glieder Piquenire , hinter dieſen aber drei Fahnen , mit Unteroffizieren und einfachen Knechten die keine Harniſche trugen , im Schlachtfchwerter oder Knebelſpieſſe Katten bedeckt ſtanden . Nun kamen lauter 2) Acies vertunt , et femper ordinibus conſervatis , lento greffu , tantaque cum Gallorum admiratione , ut ex to. to exercitu nullus equitum peditumve eos perfequi fit auſus , Mediolanum verſus contenderunt. Binae tantum illorum cohortes , quae in villam quandam confuge. rant , Venetorum expcditis Equitibus Flaminis in eo loco exſtinctae fuerunt ; reliquus exercitus , ordinibus fuis integris , eandemque in vultu et oculis ferocitatem ſpirans , Mediolanum rediit ; ſagt Guicciardini von legs teren Lib. 1o. p . 446. Man vergleiche guc frun04 Bergs Kriegsthaten fol. 23 .

.

2

4. Stellung und Angriff der Truppen.

171

lauter Piquenire bis zur Mitte des Haufens, wo ſich wieder vier Fahnen unter der vorigen Bedeckung bes fanden.

Den Schluß machten die übrigen Piqueni:

re , ſo daß ohngefähr im zwölften oder dreizehnten Glies de, von pinten nach vorne zu, die drei legten Fahnen ib: Von den Hakenſchůken wurde ren Plak bekamen . zuweilen vor oder binter das erſte Glied und legte der Piqueniere Ein Glied geſtellt , ſo wie ſich auch durch . die ganze Tiefe des Bataillons auf den Flügeln eines jeden Gliedes zwei oder vier Schüßen befanden. Aus den übrigen wurden Vier Flügel oder beſondere Haus fen formiret , deren jeder 37 Glieder zu Sieben Mann enthielta). Sie ſtanden auf den Ecken der Schlacht: ordnung mit geöfneten Reihen , ſo daß diejenigen , wels dhe işr Gewehr abgeſchoſſen hatten , durch dieſe Zwi: ſchenråume zurückgiengen , um þinten wieder zu laden. Bei der Schwierigkeit , die das Laden der Feuergewehre mit luntenſchlöſſern þatte , bei den mancherlei Vorbes reitungen, die es erforderte ; fonnte es nicht anders als langſam von ſtatten geben , und es war nothwendig, ihnen auf die bier erwähnte Weiſe Zeit zu verſchaffen daß ſie ſich wieder zum Feuern fertig machen konnten . Aus demſelben Grunde verbot auch Nikolaus Ma: merany der ſich auf Karlo V Kriegszuge nach 4 1: gier 1541 von einem Haufen Mohren bedroht rahe , feinen Sechzig Schüßen , nicht ohne die dringendſte Noth zu feuern ). Jeder Schüßenflügel ward von zwei Leut: nanten zu Pferde angeführet. Von den Hauptleuten waren Fünfe in das Erſte Glied , und eben ſo viel in Der Oberſte hielt mit das vinterſte Glied eingetheilet. feinen Trabanten an der Spiße der Kolonne , und ſein Leutnant ſchloß dieſelbe. $ . 74 . a) Kriegsbuch Ir Theil 6 Buch fol. 104. IIIr Theil fol. 132. b) Schardü ſcript. rer. germanicar . Tom. 2. p. 604 .

172 Geſchichte der Kriegskunft. II. Zeitraum .

$.

4

74.

Glaubte man, mit einem kühnen und Hartnäckigen Feinde zu thun zu haben , wurden alle Hauprleute und Befehlshaber in die vorderſten Glieder geſtellet, weil man dieſen den meiſten Muth zutrauete , und i es zugleich für billig hielt , daß fie , die den ſtårkſten Sold erhielten , ſich auch der größten Gefahr ausſek: ten . Beiſpiele davon geben die Schlacht bei Raven : na , wo dieſe Einrichtung faſt allen Hauptfeuten beider Theile das Leben koſtete , und das Treffen bei Bico : que ) , wie nicht minder die Eroberung Roms durch die kaiſerlichen Truppen im Jahr 1527 , bei welchem ebenfalls die Hauptleute an der Spiße der ſtürmenden Kolonnen fochten , und mehrere von ihnen getödtet oder gefährlich verwundet wurden d).

$.

75.

Es falle in die Hugen : daß die

Truppen , bei dies

ſer Art , ſie in Schlachtordnung zu ſtellen , nothwens dig ſehr viel von dem Geſchüß leiden mußten ; jede Ku: gel , fie' mochte nun von vorn oder von der Seite in ſolch einen dichten , Haufen ſchlagen ,

tódtete und ver :

wundete allezeit eine beträchtliche Anzahl Menſchen. Peter Navarro , der in der Schlacht bei Ravens na die Spaniſche Infanterie anführte , lies , mit der Wirkung des Geſchükes bekannt , ſeine Leute fich platt auf die Erde legen , daß die Kugeln über ſie hinweg Es giengen , und ihnen nicht ſoviel Schaden thaten. dauerte

c) Kriegsbuch Ir Th . fol. 52. auch frundsberg & Kriegde thaten fol. 14. verſ. und 35 . d) Ebendaſ. fol. 108. Guicciardini 4.4.

Brantome Tom . 4. pag . 255. folg.

19

4. Stellung und Angriff der Truppen.

173

dauerte jedoch lange, ehe man dieſen Nachtheil der tie: fen Stellung einſabe, der immer wuchs , ſo wie man die Artillerie von Zeit zu Zeit vermehrte, und beſſer gebrauchen lernte. Man fürchtete ſich vielleicht auch , dieſe Stellungsart zu verlaſſen , ſo lange es gewöhnlich war , die Treffen durch das ſcharfe Gewehr zu entſchei: den ; weil ſie hier allerdings den doppelten Vortheil ge: währte, daß ihr Stoß mehr Nachdruck erhielt, und daß immer neue Krieger an die Stelle derer traten , die getódtet oder verwundet zu Boden fielen , der Feind þåtte eindringen können ,

S.

durch deren Lücken

76.

Um das Treffen anzufangen , im Marfch den Vor: trab zu machen , mit einem Worte , allen den Dienſt zu verrichten , zu dein gegenwärtig theils eine beſonders re Truppenart unter dem Namen der Freikompas gnien oder Freikorps , theils die bei der Infanterie befindlichen Schůßen oder Tirailleurs beſtimmt find ; zog man aus jeder Rotte der Hakenſchüßen Einen Tåufer heraus , der ſich entweder freiwillig angab , oder unter den zehn Mann der Rotte durch das loos beſtimmt ward.

Uls in der Folge zu jeder Fahne eine

gewiſſe Anzahl Musketiere gelegt wurden , nahm man immer dieſe mit dazu , weil ſie mit ihren Muskes ten weiter ſchieſſen und beſſer treffen konnten , als die gewöhnlichen Hakenſchußen.

Der Marcheſe Peſcari ,

der in der Schlacht von Pavia die Spaniſchen Trup: pen kommandirte , lehrte dieſen Idufern zuerſt be: ſondere Evoluzionen , daß ſie ſich , ſobald ſie von der feindlichen Reuterei angegriffen wurden , plößlich zer: ſtreueten , und eine Menge kleiner Pelotons formir: ten ,

die dann den feindlichen Schwadronen in die

Flanke ſchoſſen ,

und in der erwähnten Schlacht ei: ne

1 174 Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum .

ne Haupturſache des Sieges der Kaiſerlichen waren € ). Dieſes Manduvre, das ſich in den jekigen Zeiten bei der, faſt bis auf den äuſſerſten Grad erhobeten Beweglichkeit der leichten Kavallerie ohnfehlbar mit der gånzlichen Nies derlage der Schüßen endigen würde ; war damals ſehr zweckmäßig ,

weil die ſchwere Reuterei mit iþren ge

panzerten Streithengſten nur gerade aus jagen konnte , und weil ſelbſt die Wendungen und Bewegungen der leichten Reuterei – der Urkebuſiere zu Pferde - ſchwer: fållig und langſam von ſtatten giengen.

S.

77 .

Bei den Deutſchen , Spaniern , Burgundern und Stalienern hatte die Reuterei ſchon långſt zum Treffen in tiefen Geſchwadern geſtanden ; wårend die Küraſſiere der Franzoſen immer noch einzelne Glieder machten , die 40 und meør Schritte von einander entfernt was ren , denn das Treffen bei Moncontour im Jahr 1569 ſcheint der Zeitpunkt zu ſein , wo endlich auch bei der Franzöſiſchen ſchweren Reuterei die tiefe Stels lung eingeführet ward. Die Deutſchen ſtellten ihre Geſchwader anfangs keilförmig , daß das lekte Glied , des Haufens zwei Drittheil oder beinahe noch einmal ro breit war , als das Erſte "). Man verlies jedoch dieſe , mehr der Unordnung ausgefekte Stellungsart nach und nach , und gieng zu der viereckigten über, wie bei dem Fußvolk , ſo daß die Ritter , welche ( an : 2 zen und einen vollen Harniſch batten , in den Erſten Gliedern und auf den Flanten der Marre ſtanden , hinter ſich aber die Einſpånnigen Knechte,

oder die

c ) Frundsbergs Kriegsthaten fol. 47. verf. Brantome IV , p. 345 .

f) Kriegsbuch Ir Theil fol. 92. IIr Theil fol. 93.

i

4. Stellung und Angriff der Truppen .

175

die nur mit Halber Rüſtung verſebenen Reuter und die Schützen zu Pferde hatten . Die Glieder waren 19 bis 21 Mann breit , und das Geſchwader þatte auch ohns gefår dieſelbe Tiefe. Vorne ſtanden öfters auch Ein oder mehr Glieder Arkebuſiere zu Pferde , die einzeln auf den Feind ſchoſſen und ſich danu hinter ibre Schwa: dronen zurückzogen . Die Schüßen zu Pferde waren ebenfalls Gliedere weiſe hinter einander, und mehrentheils noch tiefer als die andere Kavallerie geſtellt , damit ſie , wenn ſie vorne ihr Gewehr abgefeuert þatten , Zeit gewannen , Dabei fete ſich der ganze hinten wieder zu laden. Erupp in Galopp ,

und ritt bis auf einen gewiſſen

Punkt vor , wo jedes Glied fein Gewehr und Piſtolen abſchoß , und hierauf rechts oder links abſchwenkte. Die Schüßen wurden nåchſtdem auch zu dem kleinen Kriege, zu Rekognoſzirungen und zu den Lagerwachten gebraucht , wie man weiter unten ſehen wird. Die Befehlshaber waren faſt auf dieſelbe Art wie bei der Infanterie eingetheilet , und die Stantarten oder Reus terfahnen batten mehrentheils iþren Plak in der Mitte der Schwadron.

$.

77 .

Waren nun die Haufen der Reuterei und des Fuß: volfes auf die in dieſem Abſchnitte angegebene Weiſe geſtellet , wurden ſie zum Treffen gewohnlich unter eins ander gemiſcht , . daß ſie einander gegenſeitig unterſtůs ken und alle zugleich den Angriff tþun konnten . Die Reuterei ſtand aus dieſem Grunde mit ihrem Erſten Gliede nicht dem Erſten Gliede der Infanterie gleich , ſondern gegen die Mitte der lekteren , weil ſie in ders felben Zeit einen kürzeren Weg zurücklegte , damit bei: de in einem und demſelben Augenblicke mit dem Feinde juſam :

176 Geſchichte der Kriegskunſt. 11. Zeitraum . zuſammentrafen. rolles

So war in dem Treffen bei Eeris 1544 die kaiſerliche Infanterie in drei große

Bataillone, die Reuterei aber in die Zwiſchenråume und auf die Flügel derſelben geordnet. Bei den Franzoſen þatte der Herzog von Engbien auf den rechten Flügel die leichten Reuter, auf den linken aber alle Guidons und archers der Gendarmerie geſtellet. Die Infan : terie ſtand , wie bei den Kaiferlichen , in drei großen Schlachthaufen : Rechts die alten Franzöſiſchen Ban : den , in der Mitte die Schweizer, und links die Gastonier und Italiener. Vor der Fronte waren 800 Hakenſchů : ken zu Fuß – als Enfans perdûs - unter Montluc's Anführung vertheilet. Jedes Bataillon fatte Acht Feldſtücke vor fich , und die Franzoſen katten hinter das Erſte Glied ihrer Piquenire ein Glied Hafenſchů: Ben geſtellt , bei den Deutſchen hingegen waren die Pi: quenire in den vordern Gliedern mit Piſtolen bewafnet. Weil ſich die Schlachtordnung der Deutſchen meßr ausdehnte, als die linie der Franzoſen ; zog der Haupts mann Ville Franche, der den rechten Flügel der lektern befehligte , die beiden þinterſten Glieder feiner Piquenire heraus , um eine großere Fronte zu bekom : men , und die Kaiſerlichen ſelbſt zu überflügeln 5 ).

S.

78.

Dbſchon man die hier als Beiſpiel angeführte Stela lungsart für die beſte bielt, und ſich iþrer am båufigſten bediente ; war ſie doch keinesweges die Einzig angenommes ne, ſondern wurde nach Beſchaffenheit der Umſtände und des Schlachtfeldes öfters auch gegen eine andere vertauſcht. Der alteré Herzog von Alba ordnete iin Jahr 1503 bei Salzas die ſchwer Gerüſteten in drei Treffen hin: ter einander ;

ihnen Rechts ſtand die Infanterie und das 8) Memoires de Bellay p . 568.

4. Stellung und Angriff der Truppen.

177

das Feldgeſchüß , zu äuſſerſt auf beiden Flügeln aber die leichte Reuterei ") ; bei Doua i hingegen im Jahr 1521. batten die Franzoſen ihre Gendarmerie in die Mitten und das Fußvolt auf die Flügel geſtellt. Bei der einen wie bei der andern Stellungsart batte man ges wöhnlich hinten eine Reſerve von ſchweren Reutern, und zuweilen auch von Fußvolt , um entweder die am meis ſten bedrängten Stellen der Schlachtordnung zu unters 1 füßen, oder wohl auch dem Feinde in die Flanke zu fals len , wenn ſich eine Gelegenheit dazu darbot . Zuweilen pflegte man auch Hakenſchüßen zwiſchen die ſchwere Reuterei zu ſtellen ; um die feindlichen Küs raſſiere durch das Feuer derſelben vorber in Unordnung zu bringen , damit ſie von der Reuterei um ſo leichter Im Treffen bei Pavia geworfen werden konnten. þatten die Kaiſerlichen auf dieſe Art zwei bis drei tauſend Dies Hakenſchůken zwiſchen ihre Reuterei geordiiet k) . fe Stellung machten die immer ſtårfer werdenden Har: niſche nothwendig , wo ſchon die Kugeln der kürzeren Feuergewebre der Urkebuſiere zu Pferde nicht mehr durchs ſchlugen , dies war auch höchſt wahrſcheinlich einer der wichtigſten Beweggründe : in der Folge die Dragoner zu errichten '). Bei Gravelingen ſtand die Kavals lerie

h) Zurita hift. del Rey Hernando el Cathol . 5. cap. 52. i) Bellay I. pag . 47 . k ) Bellay pag. 118. 1 ) Es iſt ſchon oben geſagt worden : daß Melzo (Regole mi. litari ſopra il governo della Cavaleria ) die Arkebuſies te zu Pferde mit den Dragonern verwechſelt , da doch erſtere wirkliche leichte Reuter, die letern aber nichts anders als berittene Infanteriſten waren , die im Unfans ge faſt niemals zu Pferde fochten , und deren Entſtehung eigentlich erſt im folgenden Zeitraume zu ſuchen iſt. Soyer's euere Ariegsk. I. Th.

2

178

Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum .

lerie

der Franzoſen zwiſchen dem Geſchüß ſechs Nothſchlangen und drei Falkonetten und hatte die Hafenſchußen auf den Flügeln ; hinter ſich aber die

Doppeljöldner oder Piquenice . Sowohl , um das einzelne Feuern der Schüßen zu Pferde und zu Fuß zu begünſtigen , als auch vorzüg: lich wegen des Handgefechtes, mit dem ſich alle Schlach: ten und kleine Treffen endigten ; war es für die Trup: pen von Wichtigkeit: Sonne und Wind im Rücken zu haben .

Wurden die Arkebuſiere durch die ihnen ins

Geſicht ſcheinende Sonne gehindert , richtig zu zielen , mußten ſie bei der langſamkeit ihres Feuers nothwen: dig veſlohren ſein , weil ihnen der Feind auf den Leib kam, ehe ſie in Stande waren, wieder zu laden . Das: ſelbe fand faſt noch in einem höheren Grade beim Hand ! gefechte ſtatt, wo der Soldat , von der Sonne und der glänzenden Rüſtung des Feindes geblendet , weder ſeine Stóſie gut anbringen , noch auch den feindlichen Strei: chen ausweichen konnte. ten und Siebenzehnten

co

Alle Taktiker des Sechzegns

Jahrhunderts ſeken daher als nſt feſt: man + eine der Erſten Regeln der Stellungsku Tolle dem Feinde nie den Vortheil des Windes und der Sonne laſſen , ſondern ihn ſolchen durch eine zweckmås: fige Schwenkung abzugewinnen , oder ihn wenigſtens zu theilen ſuchen; das heißt: fich ro ſtellen , daß die Sonne zwiſchen beiden Heeren hindurch ſchien , oder ihnen zur rechten oder zur linken Hand ſtand. Als man jes doch in den ſpåteren Zeiten anfieng, theils das Geſchůk zu vermehren , tþeils die Infanterie an ein raſcheres Feuer zu gewöhnen , und durch beide gemeinſchaftlich , ohne Hülfe des ſcharfen Gewebres , die Treffen zu ent: ficheiden ; ward es auch völlig gleichgültig , welchem der beiden Theile die Sonne ins Geſicht ſchien oder der Wind entgegen webete. Schnelle Bewegungen , mit der

#

1

4. Stellung und Angriff der Truppen .

179

der höchſten Präziſio'i ausgeführet, wurden nun die Angel , um die ſich das Syſtem der neueren Taktik dres þete.

Der Feldherr durfte nun nicht mehr auf Song

ne und Wind achters ;

die Bewegungen

und Manous

vres feines Feindes waren es , die er keinen Augenblick aus den Augen verliebren durfte.

$.

79 .

Wenn die beiden feindlichen Heere fich nåßerten , und ebe noch das wirkliche Treffen begann ; fcharmus - zitten – wie noch jest - die leichte Reuterei und die vorgeſchickten täufer oder Schůzen zu Fuß mit einans der. Unter dem Schuk dieſer und des Kanonenfeuer s entwickelten ſich dann jene unbehůlflichen Schlachthau : fen oder Bataillone , und ordneten ſich zum Gefecht. 1 Sobald die Schlachtordnunge n formiret waren , tras ten die ( dufer -- Enfans perdûs bei den Franzoſen wieder in ihre Glieder , und fochten mit den übrigen ge: meinſchaftlich " ). Es iſt ſchon oben geſagt worden : daß der Marcheſe Pestari fich durch die Ubrich tung dieſer Schůken ein beſonderes Verdienſt erwarb , denn er lehrte ſie , die Kavallerie zerſtreut angreifen , und bald eine Menge kleiner Pelotons formiren , bald aus einander laufen , und alsdenn ſich wieder in Einent Haufen vereinigen . Die Spanier waren durch ihre Gewandtheit zu dieſemn Manduvre , das ſie den Mob : ren abgelernt hatten , ganz vorzüglich geſchickt , keine andere Nazion , ſelbſt die Franzoſen nicht ausgenoin : men, mar im Stande, es zu ſolch einer Vollkommens þeit zu bringen " ). สินะ:

m ) Brantome IV. pag. 349. n) Die Erſcheinung der Spaniſchen Schügen in der Schlacht M2 bat

1

180

Geſchichte der Kriegskunſt. Il. Zeitraum . Zuweilen trat während jener Scharmükel der Frei:

willigen auch ein Ritter oder Befehlshaber vor , und forderte aus dem Feindlichen Heere einen zum Zweikampf auf. So focht in der Schlacht bei Eeriſolles der Oberſte Ulisbrand Mand ouzzo mit dem Haupts mann de la Mole , ehe das eigentliche Treffen ans gieng.

Der lektere ward durch einen Piquenſtich über

dem Huge getödtet , erſterer aber durch die Wange ges. ſtochen , und nachher wieder gebeilet. Uenliche Bei: F ſpielen ein Ueberreſt des Rittergeiſtes der Vorzeit , fin; den ſich håufig in Schlachten und Belagerungen, denn dieſer Gebrauch ſcheint erſt in den Niederlåndiſchen Kriegen abgekommen zu ſein.

$.

80.

Die Zug:Ordnung einzelner Kompagnien und Re: gimenter war nur wenig von der Schlachtordnung vers ſchieden ; man marſchirte in großen Maſſen , doch ro , daß man nach Beſchaffenheit des Weges die Fronte mehr oder weniger breit machte . Gewohnlich brach die Bataglia , oder der große viereckigte Haufen in Drei Sekzionen ab , die hinter einander marſchirten , und ſich dann rechts oder links wieder herauszogen , um die Schlachtordnung zu formiren . Die Schüßen, ſowohl zu Pferde als zuFuß, waren ſtets in zwei Haufen getheilet, de : ren einer an der Spige, der andere an der Queue der Ko: lonne marſchirte, die übrigens faſt nie aus Einer Trup: penart bei Pavia , wo ſie die Franzöſische Reuterei faſt gånzs lich zu Grunde richteten , machte ſolche Senſazion in Frankreich , daß die Rönigin den Städten und Gemeins heiten befehlen lies : fich mit guten Feuergewehren zu Dies geſchahe zwar , allein man bediente ſich verſehen. ihrer dem ohngeachtet noch lange nicht, weil man zu ſehr an dem Gebrauche der Armbruſte hieng. Brantome IV. pag. 352.

-4. Stellung und Angriff der

Truppen . , 181

penart allein , fondern immer aus Kavallerie und Ins fanterie zuſaminen beſtand. Das Feldgeſchüß fuhr vor und hinter den Truppen . Marſchirte ein betracht: liches Korps in mehreren Kolonnen ; ſo befand ſich das Geſchüß vor und zwiſchen denſelben , das Gepäck aber immer auf der vom Feinde abwårts gekehrten Seite ; es ſei denn : daß man wegen Ueberlegenheit des Feins des, vorzüglich an Kavallerie , in einer Wagenburg marſchirte , denn in dieſem Falle waren die Truppen überall von den Wagen umſchloſſen , die auf den Flan: ten eine ununterbrochene Reihe bildeten , hinten und vorn aber das Geſchüß hatten. Dieſer Marſchordnung bedienten ſich vorzüglich die Kaiſerlichen unter Mari milian dem Erſten und Karl dem Fünftet gegen die Türken , um ſich gegen die eben ſo ſchnellen als wüthenden Angriffe derſelben zu decken . Die feich: te Reuterei und die Freiwilligen oder die Låufer machten den Vortrab , den Nachzug und die Seitenpatrouillen . Hatte man es mit einem regulären Feinde zu thun , mit dem man ſich nicht ſcheuete anzubinden , und war man vorzüglich an lanzknechten ſtark genug ; ward auch zuweilen von dieſen eine Art långliches Quarree formiret, in deſſen Mitte das Gepäck marſchirte, und das von den Arkebuſieren und von der Reuterei umgeben war. ſcheint jedoch nicht , als babe man ſich dieſer Zugord: nung oft bedienet , man jog vielmehr die vorerwähnte Art : in einer Wagenburg zu marſchiren , vor , weil ſie den ſo wichtigen Vortheit gewährte , überall ſogleich ein verſchanztes lager zu haben .

M 3

Fünfter

1

182

Geſchichte der Kriegskunſt. Il . Zeitraum .

Fünfter

Abſchnitt.

Kriegszucht im zweiten Zeitraume.

$.

81 .

Zu der Kriegszucht im weitläuftigeren Vers ſtande laſſen ſich ſehr füglich auch das Verhalten der Soldaten auf Wachten u . ſ.ro., die den Befehlshabern gebührenden Ehrenbezeigungen , und der Gehorſam , welchen ihnen ihre Untergebenen zu leiſten ſchuldig find ; wie nicht minder die dem Soldatenſtande ausſchlieſſend eigenen Belohnungen und Strafen rechnen. Alles dies wird in den neueren Zeiten gewöhnlich unter den Wor: ten Dienſt , Subordinazion und Disziplin begriffen , Im eingeſchránkteren Sinne des Wortes hingegen drückt lekteres die eigentliche Krieg sj'ucht allein oder beſſer : Die Mannszucht aus. Wir wollen uns jedoch bier an den erſteren Begriff halten , und daher uns zuvörderſt init dem Dienſt beſchäftigen, dann aber zu der Sub: ordinazion und der Disziplin übergeben.

S.

81 .

Da es in jenen Zeiten noch keine Paraden gab, da man nicht nur weder Evoluzionen und Ma : nouvre's noch fogar auch Handgriffe mit dem Gewehr , D. b . ein beſonderes gleichförmiges Verfah: ren , das Feuergewehr und die Pique in abgemeſſenen eine vorgeſchriebene Weiſe zu bewegen , Zeitråumen auf hatte; ſchränkte ſich auch der ganze Dienſt der Trupa pen blog darauf ein : was ſie auf Wachten und bei ver: ſchiedenen Kriegserpedizionen zu thun hatten. Die Wachten wurden ſowohl bei der Reuterei als bei dem Fußvolke Rottenweiſe unter der Anführung der Rottmeiſter und Gemeinen Webel verrichtet. Rur

ī

5.

Kriegszucht.

183

Nur felten tamen Offiziere dazu , weil ihrer überhaupt im Verhältniß zu den Gemeinen ſehr wenig waren , und ein Haufen lanzknechte wenigſtens þundert Mann ſtark ſein ' mußte , wenn er von einem Leutnant befehliget werden ſollte. Die Hauptleute und Leutnante führten daher, ſowohl in lågern als Befakungen, blos die Auf: fiche über die ausgeſtellten Wachten, und überzeugten fich durch öfteres Viſitiéen derſelben , beſonders zur Nacht: zeit , von der Aufmerkſamkeit und Wachſamkeit derſels ben . Zu demſelben Zweck dienten auch die Runden, d. ß . die Umgånge der Ober: und Unterbefehlshaber : der Fåhndriche , Wachtmeiſter , Feldwebei und Ges freiten, von beweprten Soldaten beg'eitet , um zu rea þen : ob die ausgeſtellten Schildwachten ihre Pricht beobachteten , und ob ſie das Loſungswort das int der Folge das Feldgefchrei genannt wurde – nicht vergeſſen oder anrichtig verſtanden håtten ? Das Feld : gefchrei ſelbſt war in den früheren Zeiten ein beſon deres Wort, das die Krieger, wenn die Schlacht begann, einander zuriefen , theils um ihre Feinde einigermaßen in Furcht zu regen , theils auch einander in der Hike des Gefechtes daran zu erkernen , weil beim Mangel, dee Uniformen oder anderer beſtimmter Kennzeichen , denn ſelbſt die Schårpen oder Leibbinden wurden von den leichten Reutern und dem Fußvolke nicht durchge: þends getragen - Mißgriffe ſehr leicht möglich waren. Die Spanier riefen daber bald St. Jago , bald auch Eſpanna , die Franzoſen Montjone St. Denis, die Engelländer St. George u . f.w. Bei den Deut: ſchen und Schweigern ſcheint es minder gewöhnlich gewe: fen zu ſein , weil dieſe immer mit ſtillem Ernſt dem Feinde entgegen rückten , und ſelbſt gegen ſeine beftig: ſten Angriffe gleichſam eine eherne Mauer bildeten, die er nur duſſerſt ſelten zu durchbrechen vermochte. M4

Das

184

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

loſungswort unterſchied ſich von dem Feldgeſchrei Dadurch ; daß es nicht beſtåndig war , ' wie dieſes, fons Dern tåglich verändert ward , und blos für die Wachten biente , damit ſie daran erkennen konnten , was Freund oder Feind war.

. S.

82.

Im Felde wurden die Låger gewöhnlich von einer dreifachen Poſtenkette umgeben . Die åuſſerſte und wei: teſte bildeten die leichten Reuter und die Arkebuſiere zu Pferde ; weiter hereinwårts ſtanden die Schüßen zu Fuß , und dichte am lager oder in dieſem ſelbſt die Pi: quenire . Lektere, die gleichſam die Grenadiere der ſpå : teren Zeiten vorſtellten , verrichteten auch die General: wachten ; doch hatten Fürſten und regierende Herrn , wenn ſie iþre Heere ſelbſten anführten , allezeit ihre bes ſondere Leibwacht zu Pferde und zu Fuß , die nicht uns ter dem General : Wachtmeiſter ,

ſondern, unter dein

Marſchall ſtand. In Feſtungen geſchahen die Wachten auf die nem : liche Weiſe , nur mit dem Unterſchiede: daß auf den Wallen blos Hakenſchußen ſtanden , die igre Feuers röhre nebſt der brennenden Lunte vor ſich auf der Bruſts

6 wehr liegen hatten. Ueberhaupt war es den Schildwach : ten nicht erlaubt , von ihrem Poſten zu gehen , ſondern jeder mußte auf der Stelle ſteben bleiben , die ihm durch den Wachtmeiſter angewieſen worden war. Kein Vole war in Beobachtung aller Vorſichtsregeln zur Sichers heit ſtrenger als die Deutſchen , ſo daß es 1537 als ein ſeltenes Beiſpiel angeführet wird: daß die kaiſerlichen {anzknechte nur ſchwache Wachten vor dein lager aus: gefekt batten ) , und deswegen leicht von den Franzo: fen angegriffen werden konnten. 3. 83 . o ) Memoir . de Bellay Liv. 6. p. 325.

5. " Kriegszucht. S.

185

83."

Die Subordinazion , d. 5. der unbedingte Ges þorfam der Untergebenen gegen ihre Obern , wodurch ſich in den neueren Zeiten der ſtehende Soldat haupts ſächlich von den eßemals durchs Lufgebot zufammen 1 gebrachten Kriegern auszeichnet, war damals ungleich Bei der Reuterei , weniger groß , als gegenwårtig . die faſt blos durch Ehrgefühl geleitet ward , und wo die Gemeinen gleich ihren Befehlshabern aus dem Adel beſtanden , waren beide, Treffen und Scharmükel auss genommen , faſt gar nicht von einander unterſchieden. Selbſt bei dem Fußvolke ,

wo ſchon ein größerer ub:

ſtand von dem Hauptmann bis zum Lanzknechte war , wurden die legteren , beſonders die älteren und verſuch : teren unter ihnen ſehr geachtet, ja ſogar init in dem Kriegs. Rathe zugelaſſen , und ihre Meinungen geboret. Schlås ge mit dem Seitengewehr oder mit dem Stocke waren nicht gewöhnlich , es finden ſich blos einzelne Beiſpiele, daß die Befehlshaber bei Stürmen und Gefechten die zurückweichenden Soldaten

durch

Stockſchläge oder

Fuchtel wieder vorwårts gegen den Feind zu treiben Gelindere Vergebungen wurden mit Ar: ſuchten P ). reſt oder militäriſchem

Gefängniß , größere aber faſt als

lezeit mit dem Tode beſtraft. Es iſt wahrſcheinlich : daß auch ſchon damals die Schildwachten , wenn Befehlshaber vorbei giengen , auf ihre Poſten craten , um ihnen gleichſam dadurch

ihre Ehrfurcht zu bezeigen ; denn in der zweiten Hälfte des Sechzehnten Jahrhunderts finden ſich ſchon Vors ſchriften in Ubſicht der Stellung, mit der dieſes geſche: Gewiß iſt es , daß die Oberbefehlshaber pen route. von den Offizieren durch Senkung ihrer Piquen oder Pak p) Frundsbergs Kriegsthaten fol. 74. MS :

)

186 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . Partiſanen und der Fahnen begrüßt wurden .9).

Auch

war es gewöhnlich , bei feierlichen Gelegenheiten Sale pen aus den Feuergewehren zu geben , wie man aus

:

der Erzählung des Beſuches ſiehet, den Karl ' der Fünfte in Begleitung von 4000 Spaniſchen Infan: teriſten , 3000 Deutſchen Lanzknechten ,

1000 Gebar:

niſchten von den alten Burgandiſchen Schwadronen , 1500 leichten Reutern und 18 großen Kanonen , bei dem

Pabſte ablegte,

um ſich krónen zu laſſen ,

16 **3

wobei

die Truppen und das Geſchůß wiederholte Salven ga: ben "). Dies geſchahe ſogar eine Zeitlang bei dem Aufziehen der Wachten , wo der Wachtmeiſter die neue Wacht einen Kreis formiren lies , und bieraufdie Sol: daten zur Wachſamkeit und Ordnung ermahnte ; fie ant: worteten ihm mit einer lauten Verſicherung williger Ge: genwebr , und feuerten zulegt ihre Gewehre ab.

S.

A

84 .

Ein gleiches geſchahe bei den Begråbniſſen der Be: fehlshaber, die von den ihnen untergeordneten Kriegern zum Grabe begleitet , und durch meþrmalige Abfeue: rung des Gewehres geehret wurden . Um gegen den vers ſtorbenen Anführer auch im Tode noch Uchtung und Neigung zu beweiſen , kleiðeten ſich öfters die Offiziere, und ſelbſt die gemeinen Soldaten in Trauer , und die Kompagnien führten eine Zeitlang ſchwarze Fahnen , wie dies bei dem Marcheſe Peskari geſchabe , als derſelbe zu Mailand ſtarb s). Uuch alte verſuchte Krieger wurden von einer gewiſſen Anzahl beweþrter Soldaten zum Grabe begleitet , und die Gewehre ab : gefeuert;

q) Brantome 4. Part. p. 297. r) ebendaſ. P: 30 . sebendaſ. p . 181.

til

*

5.

Kriegojucht.

187

gefeuert ; welche Sitte ſich denn auf unſere Zeiten er : balten hat. $.

85 .

Obſchon bei jedem Fåpnlein {anzłnechte und bei jedem Reutergeſchwader ſich gewöhnlich ein Kaplan odec Feldpater befand , der tåglich Einmal Gottesdienſt hats ten mußte ; fieng doch der Kriegsmann ungleich weni: ger an ſeinem Seelſorger , als der ſtille friedliche Bür: Dazu trug auch bei , die ſich ger jenes Zeitalters. immer mehr und mehr verbreitende Reformazion , und die Gewohnheit , ſtehende Haufen freiwillig angewor: Die Proteſtanten theil : bener { anzknechte zu halten . ten dann ihren katholiſchen Kameraden ihre freieren Re: ligionsbegriffe mit , und alle achteten iþres Feldpaters wenig , dep nebenbei das Geſchåfte eines Hausbofineis ſters bei dem Hauptmann trieb , und den Einkaufer deſſelben machte ). Der Marcheſe Peskari antwortete daber auch dem påbſtlichen degaten , der ſich über die Auss ſchweifungen der Deutſchen und Spaniſchen Kriegsleute beklagte: " Es iſt nichts ſchwerer zu vereinbaren , als der Kriegsdienft mit dem Kirchendienſte, denn bei der „jeßigen Verderbniß des Militárs ſcheint der Kriego: „gebrauch der Gerechtigkeit und Religion gerade entge: „ gengeſeßt zu fein" u) . Noch charakteriſtiſcher ſind die Spottereien , welche ſich die kaiſerlichen Soldaten nach t ) Fronsperger ſagt : "jeder Hauptmann ſollte ſich bes fleißigen , einen gelehrten , chriſtlichen , ehrbaren und ges ſchickten Mann zum Kaplan zu haben , dieſelben tommen aber ſelten daher , ſondern gemeiniglid, wie die Pfarrs kinder , alſo auch der Pfarrherr , und iſt der Orts gemets niglich das Vieh wie der Stall , die Schaf wie der Hirt, denn ſelten bei den Waffen Läminer auferzogen werden " . Kriegsbuch Ir Theil. u ) Brantome'4. p. 153 .

/

188

Geſchichte der Kriegskunſt. II.Zeitraum .

nach der Eroberung Roms gegen den Pabſt und die Kardinåle erlaubten , wo ſie ſich mit den Infuln und Chorkleidern derſelben behiengen, und damit auf Eſeln in der Stadt ferum ritte :?; mit einem Worte: dem Pabſt die tiefſte Verachtung empfinden ließen * ).

S.

86. ,

Ich ḥabe ſchon oben geſagt , daß die meiſten Ber: gehungen der Soldaten mit dem

Tode beſtraft wurden , welches denn bei der Reuterei und den Befehlshabern mit dem Schwerte geſchahe ; gemeine Lanzknechte wair: den bisweilen durch die Spieſſe gejaget, Räuber und Plünderer hingegen gewohnlich gehangen. Geringere Strafen waren Geldbuße, Urreſt , mehrentheils ge: fchloſſen ; Degradation durch Beraubung eines Theiles der Rüſtung oder des Harniſches ; und Fortjagen , das oft mit ſchimpflichen Cerimonien begleitet war , wo: durch der Schuldige ebrlos und zu allen ferneren Kriegs: dienſten unfähig ward.

Dieſe lektere Strafe erfolgte .

hauptſächlich, roenn Soldaten im Treffen dem Feinde den Rücken kehrten , und ſich durch eine ſchåndliche Flucht zu retten ſuchten , ehe ihnen eine allgemeine Niederlage des Hecres gleichſam die Erlaubniß dazu gab. Gewohn: lich wurden dem Mifſethåter dabei die zwei vorderſten Finger der rechten Hand abgehauen , und ihm bei Ber: luſt ſeines Lebens verbothen : fich nie wieder in Kriegs: dienſten betreten zu laſſen ).

5. 87

3) Man ſehe hierüber Brantome Tom. 4. pag. 261. feq. Ritter Georg yon frundsbergs Kriegsthaten 6 . Buch ; Serauſe Geſchichte der wichtigſten Begebenhets ten des heutigen Europa 5. Band S. 415. y) Sriegebuch It Theil, fol. 13.

1

5. Kriegszucht.

§.

189

87.

Bei der Reuterei fanden ungleich weniger Strafen ſtatt; denn da fie größtentheils aus der Ritterſchaft bez ſtand , ſuchte fie fich auch durch eine beſſere Mannse Bon dein zucht vor dem Fußvolke auszuzeichnen . Erupp fortgeſchickt zu werden , war bier ſchon eine ents ehrende Strafe, die demjenigen , der damit belegt ward, Jeder ſuchte ſich daber vielfachen Nachtheil brachte. nach Möglichkeit vor Vergeþungen zu guten , und alle wetteiferten mit einander darinn , die bei ſich haben : Den Reutersknechte - aus den in der Folge die ſoge: nannten Deutſchen Reuter entſtanden - ſo viel als möglich in Ordnung zu halten , daß auch dieſe Vorzüglich zeichneten ſich die nicht ſtraffällig wurden. Ritterorden durch ihre ſtrenge Kriegszucht aus , und giengen immer darinn den übrigen Individuen des Heeres mit ifrem Beiſpiel vor ?).

$.

88 .

Faſt zu einerlei Zeit gaben Ferdinand der Sa: tholiſche

in Spanien ,

Franz

der

Erſte und

Heinrich der zweite in Frankreich und Karl der Fünfte in Deutſchland den Heeren ordentliche Kriegs; geſeke, und fekten dadurch die Kriegszucht auf einen feſten Fuß. Alle dieſe Gereke trugen , dem Bedürf: niſſe des Zeitalters und einer nur erſt zur Hälfte ausge: bildeten Kriegsverfaſſung gemäß , das Gepräge einer Bei den Franzoſen faſt grauſamen Schärfe an ſich . wurden Raub und Plünderung ſelbſt an Gens d'År: mes

2) Jac. Fontanus ſagt von den Rhodiſern : Diſciplinam mi. licarem , mea opinionc, nusquam feverius obſervatam aut exactam reperies. De bello Rhodio Lib. 2. in Schardio , 2 Tom . p. 102.

190. Geſchichte der Kriegskunſt. H. Zeitraum . mes mit dem Strange beſtraft ,

und die Hauptleute

oder Rittmeiſter mußten den Schaden erſeken). Die Paffevolanten , d. b. nur auf Einen Tag von dem Hauprènann gemiethete Söldner , um bei der Müſte: rung dem Kommiſſar die fehlenden Plåke zu verbergen, und den Sold für die vollzählige Kompagnie zu erhale ten , wurden ebenfalls gehangen , der Hauptmann aber erlos vom Regimente gejagt.

Dieſe Betrügerei der

Hauptleute ſcheint ſehr gemein geweſen zu ſein ; denn es finden ſich bei allen Heeren die ſchårfſten Verordnun : gen dagegen , die ſogar im Siebenzehnten Jahrhunderte mebrere male erneuert wurden . Sowohl in den andern, als in den von Karl dem

.

Fünften bekannt gemachten Kriegsgeſeken wird all: gemein Fluchen und Schwören verboten , und Uch : tung gegen die Religion empfohlen. Die wichtigſten Punkte darinn ſind übrigens Ehrfurcht und Gebor: fam gegen die Hauptleute ; Enthaltung von aller Meus

a

in M

terei und Aufruhr und Vermeidung der Räubereien ; Verſchonung þúlfloſer Perſonen, z. B. alter Leute, Wei: ber, a ) Wie häufig dennoch , dieſer Gefeßc ungeachtet, dergleis then Ausſchweifungen bei dem Franzöſiſchen Hecre waren , beweist eine Anetbote des Brantome von Heinrich des zweiten Kriegszuge. nach Deutſchland : L'on voyoit, ſagt er : ſur les chemins plus de Soldats pen dûs aux branches des arbres , que d'oiſeaux. Der Uds 1 miral Coligni ſowohl als der Connetable Shaftilton , als Colonel General, brachten durch ihre unerbittliche Strens ge , womit fie über die Befolgung der Kriegsgeſeke wachs ten , das ziemlich ausgeartete Franzöſiſche Fußvolt ziems: lich in Ordnung . Der lektere pflegte gewohnlich wahs rend ſeines FrühsGebeths, der erſtere aber, während er fich die Zahne puſte , den Rapport der Hauptleute ans zuhören , und Befehl zur Vollziehung der Todesſtrafe zu geben ; daher entſtand das Sprichwort unter den Soldas ten : Dieu nous garde du cure.dcat de l'Amiral et de la pate - 13ôtre du Connetable !

14

-

5.

Kriegszucht.

ber, Kinder , Prieſter u . d.gl.

191

Jeder , der in Treffen

und Scharmükeln ſich zur Flucht wandte , konnte von den zunächſt ſtehenden getödtet werden . Ule Zuſamn : menkünfte ohne Vorwiſſen des Oberſten waren bei le: bensſtrafe verbotben . Wenn Zwiſt unter den Solda: ten entſtand, durften die andern nicht Parthei nehmen, fondern mußte . zu dreien malen Frieden gebiethen ; wer den geborgenen Frieden nicht fielt, oder wer bei befekter Wacht - das heißt : nach Sonnen :Untergang, wenn die Nachtwachen aufgeführet waren - den Degen zog , þatte als ein Ruheſtóbrer das Leben verwirkt, und konnte von jedem ungeſtraft auf derStelle getódtet werden. Nur Vormittags und mit Genehmigung des Feldwebels war es erlaubt, durch einen Zweikampf den entſtandenen Zwiſt zu entſcheiden ; keiner aber durfte den andern ftes chen , das Seitengewehr nach ihin werfen ,

oder einen

zur Erde gefallenen verwunden ; er wurde auſſerdem als ein Meuchelmorder angeſehen und beſtraft. Jeder muß : te bei dem kaiſerlichen Heere ein roth Kreuz auf ſeine Kleider genåbet haben , oder eine rothe Binde über dem Harniſch tragen. Keiner durfte ſich endlich weigern , Schanzarbeit zu verrichten , ſobald es an Schanzbau : ern fehlte, und es war ausdrücklich feſtgeſekt : daß auch die Adelichen hiervon nicht ausgenommen ſein rouls ten b) . Bei der Reuterei war noch beſonders verord: net : die Salvegarden zu ebren ; die gemachten Gefans genen aber bebielt jeder für ſich, und konnte das Idregeld derſelben nach Willkür feſtſeßen , je nachdem er es ſeinem Bez

b ) Kriegsbuch IIr Theil. Wahrſcheinlich ſaben die Soldas ten die Schanzarbett als eine entehrende Sache an , denn als Montluc einige Soinpagnien bei der Blokade von Bologna an einer Schanze arbeiten lies , wurden ſie bei ihrer Zurůctunft in das Lager von den andern zum Spott Gaitadours genannt. P. Daniel hift, de la milice franç. p. 570 .

192

Geſchichte der Kriegskunſt, II. Zeitraum .

Bedürfniß und dem Range oder den Vermögensum : ſtånden des Gefangenen angemeſſen hielt. Martin Bellay , der als Hauptmann der Franzöſiſchen leich: ten Reuter gefangen worden war , ward zehn Tage auf fein Ehrenwort entlaſſen , um binnen dieſer Zeit die ihin auferlegten 3000 Thlr. Ranzion herbei zu ſchaffen , oder ſich nach Verlauf derſelben wieder als Gefangener Der Admiral Coligni hingegen , der bei zu ſtellen . St Quentin gefangen worden war , Kronen

mußte 50000

Löſegeld bezahlen “). 1

S.

89 .

Obwohl die Fehden einzelner Ritter init Unters ſtůkung ihrer Lehnsleute gegen einander , in Deutſch , land durch den Sandfrieden - den Kaiſer Mari: milian I. im Jahr 1498 errichtete über den die Kreishauptleute und

nachher die Kreisoberſten was und in andern (åndern durch die wach : ſende Macht der Souveraine , ſo wie durch die Kriege, welche den unruhigen Köpfen auswärts Beſchåftigung

chen mußten ,

verſchaften , in dieſem Zeitraume ganz verſchwunden waren ; blieb doch die Gewohnheit : Privatſtreitigkei: ten durch das Schwert zu entſcheiden , bei allen Kriegs. leuten , adelichen und unadelichen , in ihrer vollen Kraft. Sie ward nicht nur durch die Geſeke zugelaſſen , wie man im vorhergehenden S. geſehen hat ; fondern ſelbſt die Regenten authorifirten ſie dadurch , daß ſie ihnen beiwohnten , und den Sieger mit iþrem Beifal beehrs ten . Franz der Erſte befahl ſogar im J. 153 & einen Zweikampf zwiſchen den Herren von Vernieres und Sarza y, weil ſie den de la Tour ( andry beſchuldig : ten : Memoir. de Bellay VIII , p. 453. Meteren Hatſtorts ſche Beſchreibung des Niederländiſchen Krieges. I. B. Seite 32

1

5.

ten :

Kriegszucht.

193

er habe in der Schlacht bei Pavia die Flucht

ergriffen , welches Sarzan behauptete , von Ver: nieres gebort zu haben , der lektere aber låugnete !). Die beiden Kämpfer trugen einen leichten Bruſthar: niſch mit

breitem Schurz; Pangerermel und Blech :

þandſchuh ; ihr Gewehr war ein-zum Hiebe eingerichs Nachdem ſie einige Zeit teter Degen und ein Dolch. mit einander gefochten hatten , fiengen ſie an zu ringen

0

und Vernieres- zog den Dolch.

Allein ,

der Ko:

nig endigte das Gefecht , indem er erklärte : daß de la Tour in der Schlacht neben ihm geweſen , und ſich als ein braver Mann betragen þabe.

90 .

S:

ti

Ward in folchen Zweikämpfen Einer getddtet , fand der andere eine ſichere Zuflucht bei dem Geſchüß , ro bald nur der Gerodrete nicht des Thåters Oberſter oder Hauptmann war . Hier war er in voller Sicher: þeit , und durfte bei Lebensſtrafe von niemanden an: doch mußte er ſich ſowohl in Sager getaſtet werden ; als auf dem Marſch nie über 24 Schritte weit von dem

Geſchůß

aufbalten ,

bis ſeine Sache von , dem Schultþeis unterſuchet , und er von dem Feldberen losgeſprochen worden war . S.

91.

Das Kriegs :Recht ward allezeit,

bei einer ordents lich befekten Gerichtsbank, von dem Schultheis oder Auditeur, und den Zwölf Gerichtsleuten, geßalten , wobei ſich drei bis vier Hauptleute nebſt den Fåøndrichen und Feldwebeln des Regiments befanden , wenn über Leben und d ) Bellay p . 475 . Goyer's Heuere Kriegot, I. Th.

N

194 Geſchichte der Kriegskunſt. II.Zeitraum .

1 und Tod geſprochen werden ſollte; bei minder bedeutens den Prozeſſen þingegen ſaßen blos die Gerichtsleute mit dem Schultheis. Das Spieß Recht unterſchied ſich von jenem dadurch : daß der Verbrecher auf der Stelle von den Gemeinen gerichtet und beſtraft ward. Die Lanzknechte formirten zu dem Ende einen Kreis, in weichem der Profoß erſchien , und nach vorheriger Vors, leſung der Kriegsgeſeße das begangene Verbrechen ans zeigte , das in dieſem Falle allezeit die Todesſtrafe uers diente . Der Arreſtant verantwortete ſich durch einen ihm zugeſtandenen Fürſprecher.

War nun beides zu

dreienmalen geſchehen , rollten die Fåbndriche die Fah: nen zuſammen , und ſteckten ſie mit den Spigen in die Erde , indem ſie ſagten : daß die Fagne nicht eher wie

1

der fliegen dürfe, bis dies Verbrechen durch Urtheil und Recht vom Regimente abgewaſchen ſei. Der Felda webel berief jekt Vierzig Mann aus dem Kreiſe, mit den er bei Seite gieng , und wegen des zu fållender Urtheils rathſchlagte,

ob der

Verbrecher des Todes

ſchuldig rei, oder nicht ? Dies geſchahe zu dreienmalen, immer mit anderen Vierzig, worauf die drei verſchiedenen Urtheile demn Regimente kund gemacht , und durch Auf: hebung der Hånde die Stimmen der Soldaten geſamma Sobald durch dieſe allgeineine Zuſtim : let wurden . mung das Urtheil gefällt und von dem Feldherrn bes ſtåtiget worden war; bedankten ſich die Fahndriche bei den Gemeinen für Haltung guter Ordnung , hoben die Fabnen fliegend in die Höhe , und zogen gegen Son: nen : Wufgang , wohin ihnen das Regiment nach Deff: nung des Kreiſes folgte , ſo daß die Piquénierie eine Gaſſe formirten, an deren unterein Ende die Fahnen , oben aber die Schüßen ſtanden. Nachdem der Vers brecher gebeichtet hatte, und in der Gaſſe auf: und ab: geführet worden war , um von ſeinen Kameraden 26: ſchico

1

EN

-

-

OK

y

5. Kriegszucht

195

ſchied zu neşmen , lieſſen die Piquenire die Spieſſe nie: der, und der Profoß ſtieß den Verurtheilten in die Gaſſe, wo er bald zu Anfange derſelben niedergeſtochen ward * ). Dieſe Strafe war jedoch nicht allgemein , ſondern wur : de nur in einzelnen Fällen angewendet , wenn die Ina ſubordinazion oder die Ausſchweifungen gegen die land : leute zu ſebr überhand nahmen , um alsdenn einen leb: þafteren Eindruck auf die gemeinen Soldaten zu mas Sie verſchwand endlich durch Abſchaffung der chen . Piquen ganz,

und das Arkebuſieren oder Erſchieſſen

trat an ibre Stelle.

S.

92 .

Das Deſertiren ſcheint nicht ſehr gewohnlich gewe: fen zu ſein , weil ſich nur allein bei den Franzoſen bes ſtimmte Gefeße gegen die Ausreiſſer finden , wo unter Heinrich dem Undern ( 1550 ) die Todesſtrafe darauf ſtand. Doch werden diejenigen , welche ſich an : werben ließen undHandgeld empfiengen , aber ſich nicht zur beſtimmten Zeit bei der Muſterung einfanden , in Karls V Kriegs : Ordazung für yogelfrei erklåret , und ſtehet es jedem frei, ſie ohne Urtheil und Recht zu tódten . Waren ſie nicht anzutreffen , wurden ſie öffentlich zum Schelmen gemacht,

Gonſalvo von Cors e ) Kriegsbuch Ir Theil fol, 17. dova lies 1504 in Italien mehrere Soldaten auf dieſe Weiſe wegen verübter Räubereien und Erpreſſungen hins richten . Zurita hiſt, del Rey D. Hernando el Catholico Lib . 5. cap. 73. Wahrſcheinlich entſtand hieraus in der Folge das Spießruthenlaufen , denn bis zu Ende des Sechzehnten Jahrhunderts wurden blog die Tüderlichen Weibsperſonen bei dem Seere , und die Soldatenjungen mit Ruthen geſtåupt ; ja noch gegenwärtig werden die pießruthen bei einigen Armeen als eineentehrende Stras fe angeſehen , und der damit belegte Verbrecher wird nicht tánger bei dem Regimente geduldet.

N 2

196 Geſchichte der Kriegskunft. II. Zeitraum . gemacht ,

und ihre Namen an den Galgen gebeftet.

Bei der durchgebends freiwilligen Unwerbung und dem guten Solde des Deutſchen Soldaten fand allerdings keine Veranlaſſung zum Ausreiſſen ſtatt. Nur dann , wenn durch die Nachläſſigkeit des Kriegsberrn der Sold oft mehrere Monatbe auſſen blieb , giengen zuweilen ei: nige , um nicht Hungers zu ſterben , zum Feinde über, wie die unter dem Grafen von Montpenſier ju Utella eingeſchloſſenen lanztrechte. Bei deu ſchlecht beſoldeten Italienern hingegen , die Mannszucht und Ebrgefühl faum dem Namen nach fannten ,

geſchahe

es bäufig, daß nicht nur Einzelne, ſondern ſelbſt ganze Trupps zum Feinde übergiengen , weil ſie vielleicht ets was ſtårferen Sold zu bekommen boften . Pabſt Kle: mens VII Marſhall fagte : " Wer wollte weit reiten , „da man nicht ſo viel Beſoldung giebt , daß einer eis „ nem Roß ein Futter geben , oder ſich des Hungers er: „ webren inochte” ? Dies war die Reuterei ; nun vol: lends das Fußvolt ! Immer ſtanden deswegen auch , nächſt den Schweizern , die Deutſchen Lanzknechte we gen ihrer Mannszucht und Tapferkeit in großem Anſe hen. Bei jedem Heere , wo ſie dienten - denn wur : den ſie nach geſchloſſenen Frieden verabſchiedet , zogen ſie weiter , um ſich an einem andern Drte durch Kriego: dienſte Brod und Ehre zu erwerben - beobachteten fie die Kriegszucht mit gleicher Strenge. Ein Beweis davon iſt der Streit im Jahr 1536 zwiſchen ihnen und den Nazional- Truppen bei dem Franzöſiſchen Heere , der mehreren von beiden Seiten das Leben koſtete ; denn ſobald nur der Graf von Fürſtenberg , der die (anzłnechte anführte , erſchien ; wagte es keiner weiter , einen Fuß aus dem Gliede zu feken ). Auch bei der Eroberung von Rom durch die kaiſerlichen Kriegsvol: ter f) Mem . de Bellay . Liv. 5. p . 255 . 1

31

5. Kriegszucht.

197

ker 1527 zeichneten ſich die Lanzinechte dadurch vor den Spaniern und Italienern qus , daß fie långer in Reih und Gliedern blieben , als dieſe, und daß ſie auch beim Plündern ſelbſt ſich eher befriedigen ließen , wåbrend die Spanier kein Ulter , feinen Stand , nichts vers ſuonten ,

ſondern die unerhörteſten Uusſchweifungen

jeder Art , und die größten Grauſamkeiten verübten

S.

).

93.

Da die Franzoſen die Erſten waren , welche eir wirklich ſtebendes Heer unterbielten , dachten auch ihre Regenten darauf : den durch Wunden und Alter un: brauchbar gewordenen Soldaten eine Verſorgung an : Schon Philipp Auguft wollte ein eig : zuweiſen. nes Inſtitut dazu errichten , und ſchrieb deshalb an Pabſt Innozen ; den Dritten : daß diefes Invas lidenhaus nicht unter der Gerichtsbarkeit des Biſchofs ſtehen ſollte. Allein es unterblieb , und die folgenden Könige begnügten ſich , in jedem Mönchsklofter einen alten Soldaten unterzubringen , der die Verpflegung eines Mönchs genoß , und dafür unter dem Namen eis die Dienſte eines nes layen : Bruders – Moine Lay Franz der Erſte machte dema Küſters verrichtete. nåchſt bei den Legionen die Einrichtung : daß die zum Felddienſt unbrauchbar

gewordenen Soldaten für ihre

übrige Lebenszeit Halben Sold erhielten und unter dem Namen der Morte - payes in die feſten Schlöſſer zur Befagung geleget wurden . ) Ritter Frundsbergs Kriegsthaten fol. 112 . darts lins Lebensbeſchreibung. Guicciardini'und Srau. fe ( Gefchichte Neuerer Zeiten ) beſtátigen dat hier geſags te. Brantome erzählt ( Tom . 4. Difc. 20.) eine Menge Anetboten nach Spantſchen Geſchichtſchreibern und munds iichen Nachrichten von dieſer Pländerung, Noms.

073

Sechster

198

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

Sechster

Abſchnitt.

fé10 versch anzungs

$.

u n ft.

94 .

Die Käufigere Anwendung der Geſchüße im Sechs zehnten Jahrhunderte åuſſerte ihren Einfluß vorzüglich auf die Feldverſchanzungen , die jeßt ſtårker und feſter aufgeführet werden mußten als ehedem , damit ſie nicht ſogleich von den Kanonenkugeln durchdrungen und nie: dergeſchoſſen werden konnten . Un die Stelle der ehe: maligen Blockhåuſer von einfachen Balken , oder einer Wagenburg , in den die Schüßen blos durch Pave: ſen oder Sektartſchen gegen die Pfeilſchüſſe der Angreifenden gedeckt waren ; traten nun ordentliche Verſchanzungen und Reduten , jene zur Sicherheit gans Zer Låger , und dieſe zur Beſchükung einzelner Poſten. Die Hauptformn der größeren Verſchanzungen war bald rund bald viereckig , doch immer ſo eingerichtet, daß fie entweðer durch ihre eigenen Biegungen oder durch vor : gelegte Rundele , auf den das Geſchüß erhobet ſtand , beſtrichen werden konnten. Die vornehmſten Arten der gebråuchlichen Lager: Verſchanzungen waren 1 ) die Schlangenſch anze , wo rich die Bruſtwehr mit dem vor ihr liegenden Graben in einer gewundenen li: nie um das Lager berumn zog , und ſich ſelbſt flankirte, ohne eigentliche Bollwerke nöthig zu haben .

Jedoch

wurden immer die Krümmungen in den Eden großer gemacht, auch nicht ſelten etwas erhobet , und alsdenn Kaken oder Bollwerke genannt, die man vorzüglich ſtart mit Geſchüß befekte, um im Fall eines Angriffs damit weiter binaus in das Feld reichen zu können . Es ſcheint dieſes die roeſen zu

älteſte ſein ,

Form

der Feldverſchanzungen

ges

und man findet ihrer in den Italieni: ſchen

6. Feldverſchanzung.

ſchen Kriegen

199

zu Anfang des Funfzehnten Jahrbun:

derts mehrere male erwähnt.

2) Für ſtårfer als die

vorhergehende ward die viereckige Verſchanzung gehalten , an- jeder Ecke mit einem erbdgeten Rundel oder Bolls werke , welches die langen Seiten beſtrich . Man mach : te dieſe Verſchanzungen nach Verſchiebenbeit des Ter : rains nicht eben allezeit viers, ſondern zuweilen auch dreis oder fünfs und mehr :edig ; doch wurde ebenfalls an jeden vorſpringenden Winkel ein Bollwerk gelegt . 3 ) Am ſtårfſten war jedoch obnſtreitig die Fågenförmige, deren Geſtalt fich wegen ihrer Vorzüge bis auf die neus eren Zeiten erhalten hat , und beſonders in Monta: lembert's Fortifitazions . Syſteme wieder auflebet. Mau beregte diefe Verſchanzung ringsuin mit Geſchüß, und machte zu dem Ende die geraden Seiten ſo lang , Die daß zwei bis drei Stúde daran ſtehen konnten. Höhe der Bruſtwehr, ſowie die Tiefe des Grabens kieng von den Umftånden ab , und war dager verſchieben . C Die Feldwachten zu Fuß welches allezeit Hafens Tchüßen waren — wurden entweder durch beſonders für ſie aufgeworfene kleine Schulterwehren gedeckt, die mehrentheils eine balbrunde Form hatten , oder fie ftans den in dem Hauptgraben der Verſchanzung ). Von dieſer bis zu dem Lager ward immer ein binlänglicher Raum gelaſſen , auf den ſich die Truppen in Schlacht: ordnung ſtellen konnten , um den am meiſten vom Feins de bedrängten Orten zu Hülfe zu eilen.

g.

95.

Nur wenn es entweder die Zeit nicht erlaubte , das eine Verfchanzung einzuſchlieſſen , oder wenn

Lager durch

b) Striegsbuch Ir Theil. fol. 124 . N 4

#

200 Geſchichte der Kriegskunft. II . Zeitraum .

wenn man es für unnut kielt ,

weil man ſtart genug

war , dem Feinde entgegen zu geben und ihm ſelbſt das " Treffen anzubieten ; begnügte man ſich eine Wagens burg zu machen ,

bald von viereckiger ,

bald von runs

der Form , deren fronte das ſämmtliche Geſchüß mach : te. Man pflegte auch wohl , befonders in den Kriegen gegen die Türken , deren ſtarke leichte Reuterei man fürchtete , mit einer Wagenburg umſchloſſen , zu mar . Tchiren.

In dieſem Falle wurden zu äuſſerſt neben den

Wagenreiben die Orgelgeſchůze, Karrenbüchſen , und anderes leichtes Feldgeſchük geführet , zwiſchen das ein beträchtlicher Theil der Hakenſchůken eingetheilet war , um bei einem unvermutħeten raſchen Ungriff ſogleich Halt ! machen und den Feind zurückweiſen zu können. Wollte man dager ſchlagen , wurden geflochtene Zäune und Bretwände um die Wagen errichtet, vor dieſen ein Graben gezogen , und die Erde einwärts geworfen , da : mit die Wagen nicht ſo leicht von den feindlichen Kanos nen beſchädiget werden konnten ').

S.

96 .

Um einzelne Poſten von so bis 300 Mann zu de: den , wurden kleinere Feldſchanzen angelegt, deren Form bald rund , bald drei:, viers und mehr-eckig war. Wie die großen Hauptverſchanzungen , beſtanden ſie aus Bruſtwehr und Graben ; in lekteren wurden alsdenn entweder Fußangeln geſtreuet, oder Palliſaden geregt , oder Bäume eingegraben , mit den zugeſpikten Veſten auswårts gekebret , um den Angriff und vorzüglich die Auch einzel Erſteigung der Bruſtwehr zu erſchweren . ne Häuſer und Gebåude wurden bisweilen mit Hafen: Tchüken befekt ; allein , man wußte kein anderes Vers theis i ) Kriegsbuch II . Theil fol, 60 .

A

6. Feldverſch anzung.

201

eþeidigungsmittel bei ibnen anzubringen , als etwa die Thüre mit Erde und Miſt zu verrammeln.

$.

97 .

Weil mit der Verſchanzungskunft der Låger die Ver: proviantirung derſelben in einiger Verbindung ſtehet ; wird es hier am ſchicklichſten rein , Etwas über die Eins richtung dieſes Gegenſtandes im Zweiten Zeitraume zu ſagen. Man führte zwar ſchon lange vorber Handmühlen und Feldbackofen bei den Heeren mit , wie wir oben geſehen haben ; allein , man vertrauete allezeit auf den Porrath, den man in den feindlichen Ländern zu finden pofte, und war nie bedacht , eigentliche. Magazine an: zulegen , oder im Voraus Getreide und Mehl zum Un: terhalt der

Truppen zuſammen zu bringen.

Oft ka:

men durch dieſe Nachläſſigkeit – die bei kleinern Korps von einigen Tauſend Mann ohne Folgen war – die jeßt immer ſtårfer werdenden Heere in die größte Moth ; mußten oft in der Mitte eines vortheilhaft angefanges: nen Unternehinens ſtehen bleiben , ja ſich noch glücklich preiſen , wenn ſie nicht zweimal ſo viel durch einen übereilten Rückzug verlohren , als ſie vorher mit blutis ger Múbe erkämpft Batten. Dies war das Schickſal der Urmeen Ferdinands des Karboliſchen und Karls des Fünften in Italien. Krankheiten und Empórung der Soldaten waren die Folgen des beſtån: digen Geld und Brodmangels , und die Heere ſchmol: zen in kurzer Zeit gewöhnlich über die Hälfte zuſammen ; ſo daß nach der Eroberung Roms Zwolftauſend danys knechte , die George von Frundsberg auf eigene Koſten zuſammengebracht und nach Italien geführt hats te , um ſeinem von den Verbündeten des Pabſtes in NS Mag :

202 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum.

Manland gedrängten Sohne beizuſteßen k ) in etwa Jah, resfriſt bis auf Fünftauſend ſich verringert þatten. Ja Karl V blieben von 50000 Mann , mit den er im Jabr 1537 aus Nizza marſchirte, nur 30000 übrig. Schrecklich iſt das Gemålde , das uns Bella y von dem Rückmarſche des Kaiſers aus Italien macht. Meh: rere Befehlshaber ſtarben , und viele blieben unterwe: ges licgen , wo ſie von dem Landvolk erſchlagen wurden , weil ſie für Krankheit und Mattigkeit nicht weiter ' fort konnten. Von Uir bis Frejus war die Straße mit Todten und Kranken , mit Harniſchen , Lanzen , Pis quen , Feuerrohren und anderem Gewehr, und mit ſters benden Pferden bedeckt ! ). Durch ſoviel Unfälle be: lehret , wollte Start ſich nicht noch einmal einein ånlis chen Schickſale ausreken , ſondern lies zu dem bevorſte:

1 henden Schmalkaldiſchen Kriege 1546 in Regens : purg die Erſten Magazine von allen Arten Getreide nnd Fütterung anlegen. Die Becker mußten Tag und Nacht Schiffzwieback verfertigen , und die Beckerpur: fche , die der ſteten Arbeit überdrüſſig , ſich hatten uns ter die Soldaten anwerben laſſen , wurden qurch die hårteſten Strafen gezwungen , wieder zu ihren Meiſtern zurück zu fehren . Zugleich ward die Einrichtung ges macht: daß ſich beſtåndig 300 Feldbåcker mit den er: forderlichen Handmühlen und Backofen nebſt 9000 Så den

k) . “ 218 ihm weder Kaiſer noch König Geld auf dieſen Zug „ mocht geben , hat er bei den Kaufleuten auf ſein eigen ,, Treu und Glauben Geld um Binſen entlehnet, und all' „ſeine Herrſchaften und Güter , auch ſeiner Gemahlin , „Frauen Annen , geboren Gråfin von Lodron , Silbers , geſchirr , Ketten , Ringe , Seſchmeide und Kleinodien „verſekt und verſchrieben, darauf iſt gegangen 38000 Güls „den , die Hauptleut und Knecht aufzutreiben " heißt es in Frundsbergs Leben . fol. 79.

1 ) Bellay Liv. VIII. p.415 .

7. Feſtungsbaukunft.

den Getreide bei der Armee befanden m).

203

Karl der

fünfte legte dadurch den Grund zu einer Einrichtung, durch die allein es in der Folge ſelbſt ungeßeuern Urs meen möglich ward, im feindlichen (ande vorzudringen ; lehrte er die Feldherrn : daß iþre größte und wichtigſte Sorge dahin gehen müſſe , den Truppen die nöthige Subſiſtenz zu verſchaffen . Zwar ward die An : legung der Magazine nicht gleich allgemein ; doch findet ſie ſich von nun an immer bei den beſſer eingerichteten zugleich

Armeen wieder , die dadurch ihre Fortſchritte zu ſichern fuchten. 1 Die gewöhnliche Brod: Portion auf jeden Mann war zwei Pfund, die jedoch zuweilen, wenn es an ans deren Lebensmitteln fehlte, bis auf Vier Pfund erhobet Fleiſch bekam jeder tåglich Ein Pfund , ohne ward. Rückſicht auf die Art des Viebes , das jedoch ebenfalls bei verſchiedenen Gelegenheiten ſeine Ausnahmen und Abånderungen erlitt.

Siebenter

Abſchnitt.

Weſentlicher Einfluß , den der häufigere Gebrauch der Ges chüße auf die Einrichtung der Feſtungen hatte ; und Fortſchritte , welche die Kriegsbaukunft in dieſem Zeitraume machte.

.

98 .

Schon da , als man nur noch Zwei oder Drei Dons nerbüchſen gegen die belagerten Städte aufſtellen konns te, fieng man an einzuſehen , daß die Stadtmauern der Vorzeit nicht ſtark genug waren , işren Schüſſen , obwohl ſie nur mit ſteinernen Kugeln geſchaben , - ju widers m) Lamb. Hortenſ. Montfortii de bello germanico Lib, 2 . in Schardio Tom . 2. p. 458 fq .

í

204 Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum .

widerſtehen.

Auffallender aber ward dieſe Schwa: che der bisherigen Befeſtigungsweiſe, als man jekt mehrere Batterien ſchwerer Kanonen gegen die Maus ern der belagerten Feſtung aufſtellte ") , und ſie aus dieſen mit eiſernen Kugeln beſchoß , welche auch die ſtårtſten Quaderſteine zerſchmetterten , und alle jene ungebeuern Thürme nieder ſtürzten , die eben durch ihre Hobe um.ſo nachtheiliger wurden , weil die Menge dec von ihnen entſtehenden Trümmer den Graben ausfüllte und dadurch das Stürmen begünſtigte. Man ſuchte

1

eine Zeitlang diefem Nachtheil durch Verſtärkung des Mauerwerks abzuhelfen ) , ſo daß der Jakob 8 : Thurm in der Erſten Belagerung Magdeburgs durch die Kaiſerlichen 1550 gegen 1500 Schüſſe ausa pielt P) , ohne daß er dadurch rebr beſchädiget ward ; ja , in der Belagerung von Uphrodiſio litt ein åns licher n) Auf Paris des fünften Kriegszuge nach afrita ſekte ſein Oberingenieur Vega eine Breſchbatterie von 22 Kanonen bis auf 200 Schritt an die Mauer. Schar dii ſcript. rer. germanic. II, p. 378. Cremona ward 1527 von den Stalienern mit 100 ſchweren Kanonen bes ſchoſſen ; frundsbergs Kriegøthaten . Und gegen das Kaſtel von Kal ais hatten die Franzoſen 33 Stúden Ges { chåg aufgeführet.

0

Die Mauern von Tabor , die Zista in der Mitte des Funfzehnten Jahrhunderts erbauet hatte, waren von auss ſerordentlicher Stárte. Aeneae Silvii hiſt. Bohem . Cap. 40. Das von alphons dem Erften erbauete Schloß zu Neapel beſtand aus 5 Thürmen , deren Einer in der Mitten , die andern viere aber auf den Eden des Gebåus des ftanden , das Manern von unerhörter Dicke hatte. Die Edthürme waren unten durchgehends von Quadera ſteinen maſſiv erbauet , damit ſie nicht eingeſchoſſen wers den konnten , und ein breiter Graben umgab das ganze prachtige Gebäude, in das man durch einen Triumphbogen von weißem Marmor gieng. Barth Facius, Lib . I. p. 118.

p ) Schardii ſcript, germ . Tom . 2. p.378.

3

1

t 1

7. Feftungsbaukunſt.

205

licher Thurm durch ein eilftügiges ununterbrochenies Ka: nonenfeuer feinen betråchtlichen Schaden 9 ). Zu ineh: rerer Stårke wurden dabei die

Thürme rund und nie

driger gebauet, wodurch denn die ſogenannten Rundes le ihr Daſein erhielten , denn weil nåchſt der Kur : tine , wo man immer Breſche ſchoß , die auf beiden Seiten zunächſt liegenden Thürme den feindlichen Ka: nonen zum Ziel dienten , um nach ihrer Zerſtobrung des fto ungehinderter ſtürmen zu fönnen , führte man den in: nern Raum derſelben maſſiv von Steinen auf, und lies Anfangs keine Gewölber darinnen.

S.

99.

Obfchon der Vorzug dieſer Bauart gegen die ältere feiner Äuseinanderſeßung bedarf , þatte ſie doch den doppelten Nachtheil: daß die Kurtine , oder die Mauer , durch welche die Thürme zuſammen hiengen , immer noch zu ſchwach war , und daß die Rundele keine genugſame Seitenvertheidigung der Zwiſchenmau : er gewåþrten , weil ihr enger Raum nicht erlaubte , Ueber: fie mit mehr als Einem Geſchůt zu befeßen .

$

dieſes fieng man bei dem Angriff an , die Kanonen auf erhobete Batterien zu reken , theils um ſo deſto beſſer über die Mauern hineinſehen , theils auch die obere

4

Bruſtwehr - dieZinnen – deſto leichter herunterſchies : fen zu können. Alles zuſammen genommen , brachte die Kriegsbaumeiſter auf den Einfall: hinten an

die Zwis

rcheninauern Erde zu ſchütten , und den innern Raum der großer und geräumiger gemachten Rundele eben : fals mit Erde auszufüllen.

9 ) Beffelmeieri Deſcript. Obfidion . Magdeburg. in Schar dio I. c. p. 530 .

206 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum.

Es läßt ſich nicht wohl beſtimmen , wer zuerſt auf Der Ritter Folard ſagt dieſe Verbeſſerung fiel. zwar : daß die Türken ' ſchon im Jahr 1480 derglei: chen Rundele oder runde Bolwerke bei Otranto angeleget ; allein , aus der angeführten Stelle iſt kei: nesweges erwieſen : daß die dort erwähnte Befeſtigung in runden Bollwerken beſtanden babe. Gewiß iſt es jedoch : daß 41brecht Dürer , der Erſte Schrift: ſteller von der Kriegsbaukunft ') , runde Solwerke ans giebt , die drei Hundert Fuß im Durchmeſſer, von ſtar: Fem Mauerwerk erbauet werden ſollen , und wirklich wurden auch mehrere Städte nach dieſer Art befeſtiget. Man hielt ſich jedoch nicht genau an Dürers Vor: ſchrift, ſondern machte die Bollwerke viel kleiner und enger , wodurch man denn hauptſächlich an der Sei: tenvertheidigung verlohr.

Wien , Padua und viele

andere Derter wurden auf dieſe Weiſe befeſtiget.

S.

100 .

Die Italiener wichen zuerſt von der Form der alten Rundele ab , und legten dreieckige Bouwerke an die Ecken ihrer Polygone , deren Façen oder Geſichtsli: nien unter einem ſehr ſtumpfen Winkel zuſammenſties: fen ,

und deren Flanken , ohne alle Zurückziebung,

ſenkrecht auf der Kurtine ſtanden . Die Feſtungs: werke von Verona wurden in den Jahren 1823 bis 1529 durch den Kriegsbaumeiſter Mich a eli mit fol: chen Baſtionen von erſtaunenswürdiger Große erbauet, wie die noch an den Mauern befindlichen Jahrzahlen bes weiſen ) .

Weil jedoch die Stådte größtentheils nach der

c ) Sein Trattat : Underricht von Befeſtigung der Stett, Schloß und Flecken erſchien 1527 zu Nürnberg gedruckt. $) Burch

Sandbuch der Erfindungen I. TH. 3.60 und Tara

7. Feſtungsbaukunſt.

207

der alten Art , d . h . mit Mauern 'und Thürmen befeſti: get waren , wurden im Anfange blos , die lekteren ab: gebrochen , vor oder pinter der erſten Mauer aber eine zweite aufgeführet, und der Raum zwiſchen beiden ents weder mit Erde ausgeſchüttet ) , oder aber leer gelaſſen , auch wohl oben zugewölbet , und mit Erde beſchüttet um Kaſeinatten zu erhalten , wie zu Verona, St. Sebaſtian , Fuentarabia und Turin . Un leks terem Orte ward der Raum zwiſchen dieſen beiden Maus ern , der an zwei Seiten 360 Schritt lang , an den andern beiden Seiten aber etwas fürzer war , durch zwei Stück Geſchüß von jeder Seite der an den vier Ecken befindlichen Bollwerfe ſowohl , als der in der Mitte der Kurtine angebrachten Schütten oder Ka : valiere vertþeidiget. Der Graben fatte 4 Schritt Tiefe , 'unten 14 oben aber 16 Schritt Breite , und die Futtermauern zu beiden Seiten waren nur mit einer geringen Böſchung aufgeführet , anſtatt der Widerlas gen oder Strebepfeiler - Contreforts þatte die

Mauer inwendig einen oder mehr Abfäße, und war ib: rer Dicke nach etwas eingezogen “). S. IOI . Tartaglia ſagt: er habe in ſeiner Jugend einige dies ſer Bollwerke theils angefangen , theils halb, theils gang vollendet geſehen. Queſiti. Lib. 6. Quef. 1 . t Das Schloß Emmery beſtand aus einem vierſeitiger Gebäude mit 4 großen Thürmen an den Ecken und einem tiefen Waſſergraben. 50 Toiſen auswärts lief eine ſtars te Mauer rings um die Inſel, auf der das Sdiloß lag, ebenfalls mit Thürmen an ihren vier Ecken . Weil man dieſes Schloß dennoch nicht für ſtart genug gegen dasGeſchůß hielt, lies franz der Erfte durch den Kriegsbaumeiſter Hieronymus Marino von Bologna hinter jedem Thurme einer großen Kavalier anlegen , ote 4 Kavaliere aber durch einen Erdwall und Graben zuſammenhängen. Bellay I. c. X, p. 535. u ) Tartaglia Quefiti lib. 6. auch Mylius trefliche Abhands lungen :

i

208 Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum .

S... jor . Sowohl , um mehr gegen die Leitererſteigungen ges fichert zu ſein , die man damals þauptſächlich fürchtete ; als auch, um weit in das Feld hinaus ſchieſſen zu können, gab man den Kurtinen und Baſtionen eine be: trächtliche Höhe. Allein man verlohr dadurch die Gra: benvertheidigung ganz , wo die niedrigen ſteinernen Bruſtwehren durchgegends zum über Bank ſchieſſen mit dem Geſchüß eingerichtet , nur ein ſchlechtes Hůlfs: mittel waren , und noch den Nachtheil batten , daß fie der Befaßung faſt gar keinen Schuß gegen das feindli: che Feuer gewährten, den man ſich noch erſt durch Blena dungen und Schanzkörbe oder durch hinten angebrachte Vertiefungen zu verſchaffen ſuchen mußte *): Weil nun dieſe hohe Mauer leicht von dem Feinde felbſt aus einer beträchtlichen Entfernung berunter geſchoſſen wer: den konnte, ſchüttete man einen Theil der aus dem Gra : ben gehobenen Erde auf den äuſſeren Rand deſſelben , doch in einiger Entfernung davon , und ſo entſtand der bedeckte Weg , den man zuerſt von Tartaglia in dieſer Form angegeben findet ).

In den früheren Zei:

ten lief der åuſſere Rand ohne einigen Abrak rings um den Feſtungsgraben berum ; allein , bei der Belagerung von Wien

im

Jahr 1929 wurden bei einem Ausfall der

lungen : Ueber die Profile. und Verſuch einer Geſchichte der Kriegsbaukunft in Bohm & Magazin 5r Bo. S. 327. und 6. Bd. Š . 147 .

1

2 ) Spedle tadelt dieſe niedrigen Bruſtwehren ſehr , und mit Recht ; weil man die Vertheidiger ganz darhinter ſes hen könne . Antwerpen hatte eine etwas hehere Bruſts blos wehr , fie war aber mit 3 Auftritten - banquets für Infanterie , -und nicht für :.- Geſchür eingerichtet. Speckle Architektura von Feſtungen fol. 18. Tartaglia 1, s .

7.

Feſtungsbaukunſt.

209

der Beragung einige Kompagnien dergeſtalt von den Tür: ken gedrångt, daß ein Theil derſelben , weil ſie nicht geſchwind genug durch das Thor hinein kommen konns ten, in den Graben ſprang , wobei viele durch den Fall beſchadiget wurden , und andere gar in die Spieſſe ißs rer Kameraden fielen. Weil man hieraus die Noths wendigkeit eines bedeckten Ganges auſſerġalb des Gras bens einſaße , ward ein ſolcher Gang zuerſt bei dem Schloſſe von Mailand angebracht, der 7 bis 8 Fuß boch, und ſo breit war , daß 2 Reuter einander aus: weichen konnten. Die Franzoſen ahmten dies bei Mori:

1 no, und der Herzog von Bayern in der Folge bei Ingols ſtadt nach ?) , denn viele , zu Anfange des Sechzebn: ten Jahrhunderts erbauete Feſtungen ſind nicht gleich Anfangs , ſondern erſt ſpåter bin mit einem beded ten Wege verfeben worden. S.

102 .

Die Thore , welche allezeit in der Kurtine lagen , wurden Anfangs durch einen Thurm , und bierauf, als man die Wirkungen des Geſchůkes mehr zu fürch : ten anfieng , durch einen halbmondenförmigen Aufwurf gedeckt, der jedoch nicht für Kanonen eingerichtet, ſons Die Ums dern blos mit Hafenſchůken befekt warð . ſchaffung der alten Rundele in dreieckigte , vorn zuges ſpißte Hollwerke verwandelte auch dieſen Halben Monden in das Ravelin der neueren Zeiten . Uns dere Auſſenwerke kannten die Stalieniſchen Baumeiſter nicht; denn , obwohl einige in ihren Schriften Anlei: tung zu Auſſenwerken geben ; legte man doch keine bei dem

2) J. Mart. Stellae Deſcript, urb . Viennae in Schardio Tom. 2. pag. 439 .

Boger's Seuere Briegsk . I. Tb.

D

1 210 Geſchichte der Kriegskunſt. Il . Zeitraum .

dein wirklichen Bau der Feſtungen an , wahrſcheinlich, weil man befürchtete: daß ſie den Sturm auf den Haupts wall begünſtigen könnten , wie in der Belagerung von Famaguſta durch die Türken 1571 geſchabe * ).

$.

103 .

Faſt zu gleicher Zeit mit der erſten Einführung der Baſtionen oder wenigſtens unmittelbar darauf fuchte man theils gegen den Sturm , vorzüglich aber gegen das ſehr gewöhnlich werdendė Miniren durch niedrigere Flanken , die unter der hohen Flanke des Bollwerks lagen , eine ſtårkere Seitenvertheidigung zu erhalten . Weil aber der Feind dieſe Streichwehren leicht hinwegs ſobald er ſeine Batterien an den Rand des Grabens ſekte, jog man die Kehle der Bollwerke ein , daß die Flanken , hohe und niedere , hinter den

ſchieſſen konnte ,

vorſtehenden – anfangs eckigen , in der Folge aber 14 Flügeln des Bollwerks gedeckt lagen. abgerundeten Allein , es entſprang hieraus ein neuer Nachtheit: man tonnte von den zurück gezogenen Flanken nicht mehr ſo gut den Raum vor den Façen des Bollwerks beſchiess fen , und das Anfeßen des Minirers an der Spiße debi Man fiel daher auf verſchiedene ſelben verhindern . Mittel, und brach die ungebeuer langen Kurtinen in der Mitten , daß ſie einen einwärts gehenden Winkel machten , wie es Tartaglia vorſchlågt b ), oder man legte ein kleineres Wert unter dem Namen der Piattafor ma in die Mitte der Kurtine und vor dieſelbe ,

oder

man vereinigte beides mit einander, und glaubte dadurch die Feſtung unüberwindlich zu machen. $. 104.

a) Specle Architectura von Feſtungen. fol. 29. b) l. c. lib. 6.

7.

Feſtungsbaukunft.

$.

2II

104.

Um die hohen Baſtionen beſſer beſchieſſen zu köns hen, welches von dem gewöhnlichen Horizont vor der Feftung nicht wohl möglich war ; erhobeten die Bela: gerer iþre Batterien immer mehr und mehr . Die Fe: ſtungsbaumeiſter dagegen , nicht zufrieden , ihre Bou : werke beinabe boben Bergen ånlich zu machen , fekten noch eben ſo hohe Kavaliere auf die Mitte derſelben , daß ſie nun nicht mehr überhöhet werden konnten ) . In Marſeille waren dieſe Kavaliere, die man mit zwei bis drei Kanonen befekte , ſchon durch die gebirgige la-, ge des Bodens Hervorgebracht , in Ferrara und Or: leans aber zuerſt durch die Kunſt aufgefübret worden . $.

105 .

So wie mit dem Anfange des Sechzehnten Jaßr: hunderts die Minen nach dem neuern Sinne des Wortes mit einer größeren oder kleineren Menge Pulver gefüllt, um damit die feindlichen Werke in die Luft zu ſprengen in Gebrnuch kamen ; faben ſich auch die Belagerten genöthiget , ihnen mit Gegenminen zu bes gegnen . Dies war auch ſchon vorher geſchehen, als die Minen nur noch blos zu einem heimlichen Eingange in die belagerte Stadt , oder dazu beſtimmt waren : die Fundamente der Mauern durch Feuerſeken zu fållen d), Zwar erleichterten ſchon die bei der Italieniſchen Befe: ſtigungsweiſe angebrachten Kaſematten die Anlegang der Gegenminen ; doch waren ſie ſelbſt es eigentlich nicht, 6) Mylius Anmerk. über die Profile in Bohms Magas zin 5.BD. 333 .

d) Man ſehe oben im vorhergehenden Zeitraume, wo der in den Minen gehaltenen Gefechte erwähnt wird .

1

212 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum.

nicht, obwohl fie öfters zu dieſer Abſicht angewendet wurden , wenn man ſie mit Pulver anfüllte, um die Breſche mit den Stürmenden in die Luft zu ſprengen. Peter Navarro , dem die Ehre , wenn auch nicht der erſten Erfindung , doch der Vervoukommung und weiteren Verbreitung des Gebrauches der Minen gebo: ret , ſcheint ſich auch das Verdienſt der erſten Anlegung wirklicher Gegenminen erworben zu haben. Denn als ta unter ſeiner Aufſicht das 1503 von den Spaniern ero: berte Kaſtel Nuovo bei Neapel wieder aufgebauet ward , lies er dicht über dem Waſſerborizonte Haupts und Neben:Gallerien anlegen , um durch ſie die feindli: chen Minen in Zukunft fruchtlos zu machen. Ein glei: ches gefchabe von ihm bei dem Schloſſe Salzas in Rouſſillon , und von den Venezianern, als ſie die 1 Stadt Padua im Jahr 1909 befeſtigten.

$.

106 .

1

Die Befeſtigungsmeiſe mit dreieckigen Baſtionen ward nicht nur bei der mehreſten Italieniſchen Ståd: ten , ſondern bald darauf auch in Frankreich Deutſch: Franz der land und den Niederlanden angewendet . Erſte lies dort , Karl der Fünfte aber in den bei: lekteren Ländern mehrere Stådte und Schloſſer nach der eben erſt aufgekommenen Urt befeſtigen , die gewöhnlich die Italieniſche genannt wird , theils weil ſie in Italien zuerſt eingeführet ward , theils auch weil die mehrſten und vornehmſten Kriegsbaumeiſter je den

ner Zeiten Italiener waren , die man für vorzüglich ges Tchidt in der Befeſtigungskunſt þielt , und deswegen þåufig in das Ausland berufte ). So ward das Schloß Emmero

e) Daß die Staltener doch auch fehlen konnten , beweiſt das Fort, das Franz I durch einen Italiener , den Hauptmann Anton

7. Feſtungsbaukunſt.

213

Emmery durch Hieronymus Marino. von Bo: logna befeſtiget; und die Werke von Spandau 1555 durch Giromela , ebenfalls einen Italiener, erbauet. Von ( andrecy und dein Schloſſe zu Pignerol, die bei: de Fran ; I - und zwar lekteres 1539 – mit Baſtio: nen befeſtigen lies , ſind die Baumeiſter nicht bekannt ; doch kann man mit Grund vermuthen , daß es auch Italiener waren . Zu Anlegung der Citadelle von Ants werpen brachte der bekannte Herzog von 16a 1567 den Ritter Paccioto von Urbtno'mit ſich aus Italien , der für einen der vorzüglichſten Kriegsbau : meiſter feiner Zeit gehalten ward. So inachten ſich durch ihre hinterlaſſenen Werke , nåchſt Tartaglia , Galarro Uighiſi da Carpi ') , Daniel Bårs baro,

Jacomo de

lanter i von Breszia 6.) ,

Pietro Eata neob) , Earlo

18 !

!

Tetti ,

der Kaiſer Maris

Dies Anton Mellon bei Boulogne erbauen lies . ſer machte es fünfſeitig , und gab dem Graben 40 Fuß Breite und 18 Fui Tiefe. Weil er aber blos die untere , Grabenbreite in Anſchlag gebracht, auf die Böſchung hins gegen keine Rückſicht genommen hatte , ward der Wal ſo fchmal , daß man feine Kanonen darauf ſtellen konnte , und der innere Raum ro enge , das er nicht für 500 Mann zureichte. Man mußte daher den Graben wieder ausfüllen , und durch eingerammte Eichen dem Grunde Feſtigkeit zu verſchaffen ſuchen , wozu denn faſt der ganze Wald von Kardelot aufgteng , und die Arbeit eines gans zen Monathes , ſo wie die darauf verwendeten anſehnli. chen Summen verlohren giengen . Bellay liv, 10. p. 604 . f ) Delle Fortificationi 1570. fol. Libr, tre. b) Due dialoghi del modo di disegnare le piante delle forte ze ſecondo Euclide 4. 1557. und Duo libri di fare le fortificationi di terra intorna alla citta etc. 4. 1559

h ) L'Archite & ura . fol. 1567. D

3

214

Geſchichte der Kriegskunſt. Il. Zeitraum.

Marimilians II Baumeiſter war , mehr, bekannt.

nebſt andera

Man darf jedoch nicht etwa wåhnen : als ſeien nur allein die Staliener im Stande geweſen , Stådte und Schldſſer zu befeſtigen . Die Feſtungswerke der Nies derländiſchen und Ungariſchen Stådte, die Karl der Fünfte anlegen lies , wurden - obgleich nach der gangbaren Italieniſchen Manier - größtentheils von Deutſchen erbauet. Die Werke von Antwerpen ers bauete ein Meiſter Franz ; ein gewiſſer Meiſter Jobann befeſtigte Jülich und Düſſeldorf . Man weiß jedoch von beiden nur ihre Namen und das We: nige, was Speckle von ihnen ſagt. (Architectura von Feſtungen fol. 16. und 18).

$.

107 .

Dies war der Zuſtand der Befeſtigungskunft vom Unfange des Sechzehnten Jahrþunderts bis über die Hälfte deſſelben , wo die Niederländer im Kampf mit einem

der kriegeriſchten Völker feiner Zeit ,: arin an Mitteln , aber reich an Muth und Erfindungsgeiſt, ihre Freiheit errangen , und nothgedrungen die bisher üblis che Befeſtigungsweiſe verlaſſen mußten , um zu einer andern über zu gehen , deren große und wichtige Vors theile man erſt in der Folge einſehen lernte . Wir fouten und zwar jekt zu der Einrichtung der Fleis nern Feſtungen , oder ſogenannten Bergſchldſſer wen: den. Allein , theils hatte auf dieſe , iþrer lage nach , die Wirkung des Geſchükes lange nicht den Einfluß , wie auf die im flachen lande liegenden Feſtungen, theils iſt auch ſchon oben (in den Anmerk. zu S. 98 und ioo.) genug davon geſagt worden ,

daß wir füglich zu dem

Angriff und der Vertheidigung der Feſtungen übergeben Connen .

Achter

8. Angriff und Vertheidig . der Feſtungen.

Achter

215

Abſchnitt.

Angriff und Bertheidigung der Feſtünger. S.

11

108 .

06 fchon durch die Einführung der Rundele und Bollwerke die Feftungen eine größere Stårke erhiel: ten , und dies nothwendig auf den Ungriffskrieg Eins fluß haben mußte , gab es doch noch viele Srådte , die blos nach der alten Art mit Mauern und runden oder Bei dieſen bats viereckigen Thürmen befeſtiget waren.

in

7

te der Angriff wenig Schwierigkeit; ' man fchoß das Thor ein , oder legte eine Breſche in die Mauer und ſtürmte dann ohne weitere Umſtånde ; oder man fuchte ſich ihrer durch Verråtherei und Ueberfall zu bemeis Leßteres ward ſelbſt bei den Feſtungen vom Ers ſtern . ſten Range , das heißt: bei ſolchen , die ſchon nach der neuen Urt mit Bouwerken befeſtiget waren , durch den gånzlichen Mangel der Auſſenwerke, ja öfters ſelbſt des Man findet das bedeckten Weges gar febr erleichtert. þer håufige Beiſpiele von Unternehmungen diefer Urt in der Geſchichte des Sechzehnten Jahrhunderts , un: ter den ſich vorzüglich die teitererſteigungvon Rom durch die Deutſchen und Spaniſchen Kriegsvotter Karls V auszeichnet. Man ſuchte ſich auch ſehr oft durch ges þeime Verſtåndniſſe und durch einen Hinterhalt am het: ten Tage der Feſtungen zu bemachtigen ; ein Beweis : daß man in jenem Zeitraume weniger Sorgfalt auf die Unterſuchung der Ankommenden wandte, als gegenwår: tig , wo ſolche Unternehmen ungleich ſchwieriger find , und daher auch faſt gar nicht mehr angewendet wer: den.

S. 109 .

216 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

S.

109 .

War einer Feſtung ſo nicht beizufommen , ward fie berennet , d. 5. von leichten Truppen eingeſchloſſen , und alsdenn förmlich belagert. Da man es wegen der auf den hohen Kaßen und Bouwerken ſtehenden Kanonen nicht mehr wagen durfte , ſich dem Wale unbedeckt zu nähern , wie im Dreiześnten und vierzehnten Jahr : hunderte ; eröfnete man in einer ſchicklichen Entfernung die Laufgråben , und gieng damit in Schlangenlinien auf die Feſtung zu . Die Leitung dieſer Arbeiten über : nahm gewöhnlich der Feldherr ſelbſt, wie man aus dem Beiſpiele des Admirals Bonnivet vor Fuentara bia ) , und des Proſper Colonna in der Belas gerung des Mayländiſchen Schloſſes fiehet , wofelbſt lekterer doppelte Tranſcheen mit Piataformen an den nöthigen Dertern anlegen lies ). Unter dieſem Worte wurden jedoch damals nicht, wie jekt , Stůcks bettungen verſtanden ; ſondern es waren kleine Redu: ten und

Sternſchanzen , mit leichten Kanonen und Schüßen befekt, zu Wertheidigung der Tranſcheen . Bis zur Hälfte des Sechzehnten Fahrhunderts waren

die lekteren gewöhnlich rebr ſchmal und enge , ſo daß ſie wohl zu einer ſicheren Gemeinſchaft dienten , zur Bers theidigung gegen die Uusfälle der Belagerten aber nur wenig geſchickt waren . Montluc, ciner der geſchick: teſten Offiziere ſeiner Zeit , erweiterte daßer in der Ber lagerung von Thionville die zu engen Laufgråben , und verſabe ſie von zwanzig zu zwanzig Schritt mit eis nem Hafen – arriere - coing der 12 bis 15 Sols daten mit Hellebarten und Feuergewehren faſſen tonn : te ' ) .

Der Herzog von Guire billigte dieſe Einrichs tung i ) Bellay Lib . I. p. 7.

k) ebendaſ. lib. 2. p. 64. 1 ) P. Daniel hiſt, de la milice françoiſe p. 570.

8. Angriff und Bertheidig. der Feſtungen. 217

tung ſehr, die wegen ihres in die Augen fallenden Nus Bens in der Folge beſtåndig beibehalten ward. IIO. Alle Feurgewehre jenes Zeitalters hatten wegen ihrer Große und länge eine ſehr beträchtliche Schußweite ; überdieſes hatte man auch immer auf den Wällen eine Menge kleinerer Geſchůke, womit man die Spige der Upprorchen beſchoß , und die Arbeiter tódtete. Dieſe ficherten ſich durch verſchiedene Arten Blendungen von ſtarkem Holzwerk oder von Wolfåcken dagegen , die auf Rådern oder Rollen beweglich waren, und immer weister gegen die Feſtung geſchoben werden konnten , ſo wie man mit den laufgråben weiter vorrückte. S.

JJI .

Um die Bruſtwehren berunter zu ſchieſſen und das Geſchüß zu demontiren , legte man , wie ſchon vorher geſagt, erhöhete Batterien an , die man nach Einfüh: rung der Kavalier e immer höher zu machen fuchte , ſo daß iþre Höhe nicht ſelten bis auf 24 Fuß über dem Faſt mit dieſen Batterien zugleich Horizont ſtieg m). wurden auch ſchon die Breſchbatterien erbauet , die man entweder in das Glacis des bedeckten Weges einſchnitt , oder aber blos auf daſſelbe fekte , und ih: nen , wie den erhöheten Batterien , eine Bruſtwebr Der lekteren Art ſcheint man von Schanzkörben gab. ſich damais allgemein bedient zu baben , denn inan fin : det bei allen Belagerungen: daß Schanzkörbe für die Geſchükſtånde verfertiget und aufgefekt worden . S. 112

m ) Spedle fol. 44. DS

218 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

S.

112 .

4 Um die Arbeiten der Belagerer zu hindern ,

macha de PA

te die Befakung ein lebhaftes Artilleriefeuer, und warf des Nachts auf der angegriffenen Fronte Leuchtkugeln , damit ſie die Punkte reben und beſchieſſen konnte , wo der Feind ſeine Laufgråben forttrieb , Batterien an: legte u.ſ. w. ").

Weil es noch keine eigentlichen Uus.

fenwerke gab , auch der bedeckte Weg nicht eigents lich beſtimmt war , vertgeidiget zu werden ; wurden of ters kleiné detaſchirte Werke von den Belagerten vor den Graben hinaus geleget , die theils in kleinen halb runden Aufwürfen , theils in Blockhåuſern von ſtar: Fem Holzwerk , theils auch in ſogenannten Kavalie: ren oder Kaken beſtanden , die theils mit Schüßen , Zuweilen theils auch mit Kanonen befekt waren ). machte die Befakung Ausfälle, um das feindliche Ger ſchüß zu vernageln , und die aufgeworfenen Werke zu zerſtöhren. Dies thaten die Deutſchen und Spanier in ; Verona P ) ſowohl in der erſten als zweiten Belage rung und zwangen beſonders in jener die Venezianer dadurch, die Belagerung aufzubeben.

S.

113 .

In Karls des Fünften Afrikaniſchem Feldzuge kam eine Erfindung zu Stande , die - wie die reiten : erſt in den neueſten Zeiten anfieng, für de Artillerie nüßlich gehalten zu werden, und deswegen gåufiger anz gewendet n ) Kriegsbuch zr Theil fol. 194. o) So machte es der Herzog von Guiſe 1552 bei der Bes lagerung von Me$ , in welcher Stadt er Commandant war. Militäriſche Monathsſchrift 1786 58 Stück, auch hiſtoire du ſiege de Metz en 1552 par Salignac. 4. p ) Guicciardini Lib. 9. p. 313.

1

8. Angriff und Bertheidig. der Feſtungen .

gewendet ward.

219

Der Oberſte Vega , der die Belage:

rung der Stadt Afrika leitete , hielt es für nothwen : dig , fie von der Seefeite zu beſchieſſen , und dennoch waren die Galeeren dazu nicht brauchbar , weit ſie ſich wegen der Untiefen dem Ufer nicht genug nähern konns Garzias von Toledo ) , ein febr geſchick: ten. ter Offizier , fiel daher auf ein Mittel , deſſen Ausführ: barkeit er ſchon vorher in einem bri Meſſina gebaltes Er lies nemlich zwet nen See:Manduvre erprobt hatte. flache Ruderfabrzeuge nach hinweggenommenen Maften und Riemen mit ihren Seiten neben einander ſtellen , und mit einem ſtarken Fußboden verſehen , daß Ucht Dieſe Mas Belagerungsſtücken darauf Raum hatten. ſchine ward ringsherum mit einer Bruſtweør von Fa : ſchinen und Schanzkörben gedeckt , damit die Artilleri: ſten ohngebindert feuern konnten , während die Maſchi ne durch Schiffer an den beſtimmten Ort gebracht, und daſelbſt mit Vier Anfern an den Ecken gegen die Die Belagerten machten Seeſtrome befeſtiget ward. jedoch ein fo beftiges Feuer auf dieſe ſchwimmende Batterie, daß fie Vier Kanonen aufderſelben demontir: ten, einige Schiffer todteten , und die übrigen von der Be: dienung des Geſchůkes abſchreckten.

Ja, dieſe würden

die Batterie ganz verlaſſen haben , wäre ihnen nicht Drifola Valentin mit so Hafenſchüßen zu Hülfe geſchickt worden , die ißnen wieder einigen Muth eins floßten , und es doch dahin brachten , daß am folgenden Morgen aus Fünf Kanonen gefeuert werden konnte S. 114

frundsbergs Kriegsthaten fol. 1O. 25. r ) Qua in re , ut in caeteris, quae in expugnatione Aphro difii acciderunt, incredibili celeritate ufus demonftravit, quantum dexteritate et animi magnitudine atque rei bel. licae fcientia polleret , ſagt Joh. Chriſtoph . Calvetus Stella von ihm in ſeinem Commentar. de Aphrodiſio Expugnato . Schardii fcript. T. 2. p. 378.

220 Geſchichte der Striegskunſt. II . Zeitraum .

8.

114

Sobald man die Batterien fertig und das Geſchüß darauf gebracht hatte, ſuchte man durch ein Heftiges Feuer die Kanonen der Feſtung zum Schweigen zu brin : gen , und zugleich eine binlängliche Breſche zu legen Wie raſch um ohne Zeitverluſt ſtürmen zu können .

fa

dieſes Feuer von den , der Feſtung ziemlich nahe geleg . ten Batterien ) gegangen rei, låßt fich theils aris der Zahl der bei verſchiedenen Belagerungen gebrauchten Kanonen , theils aus der Menge der geſchehenen Schůs : ſe leicht beurtheilen. Als die Venezianer im Jabr ISIS Verona belagerten , thaten ſie in 20000 Kanonenſchüſſe ). In der rung von Rhodus 1523 warfen die Mörfern achtzollige ſteinerne und þohle

11 Tagen über zweiten Befage: Türfen aus zwölf kupferne Brands

kugeln in die Stadt , und thaten manchen Tag aus Eis nem

Geſchüße 130 Schuß " ). Auf Mezieres , das 1921 - von dem Grafen won Nafrau und dem Herrn von Sickingen belagert ward , rollen in Vier Tagent sooo Kanonenſchüſſe geſcheben ſein * ) ; und in

w

der Belagerung von Peronne 1537 feuerten die Kais ſerlichen Lagenweiſe', gleich , daß in Einem

immer mit funfzehn Kanonen zus Tage 1800 Schüſſe geſchahen ").

Endlich ward das Kaſtel St. Elmo auf der Inſel Maltba s ) Bei der im vorigen 5. angeführten Belagerung der Stadt Afrita legte Vega die Erſten Batterien 400 Schritt von der Feſtung an . Zum Breſcheſchieſſen wurden 22 Ranonen bis auf 200 Schritt herangerůdt. Calvet. Stella 1.c. t) Fruno'sberg'fol. 25. u) Jac. Fontanius de bello Rhodio in Schardii fcript, T. 2. pag. 103 . x) Militäriſche Monathsſchrift November 1786. y) Bellay Liv. 8. p. 419.

í

ME

11

8. Angriff und Vertheidig, der Feſtungen .

221

Maltka von den Türken allein mit 32 Kanonen bes ſchoffen. Dennoch war ein ro fürchterliches Feuer nicht im Stande , die Belagerten zur Uebergabe zu bringen , ſie verbaueten immer während der Nacht mit Wolfås den , Faſchinen und Schanzkörben wieder , was den Tag über eingeſchoſſen worden war , und ſuchten ſich durch Abſchnitte u . f. w . auf den bevorſtehenden Sturm gefaßt zu machen.

S.

155 .

Zur Sicherheit gegen die Schüſſe der

Musteten

deren Schüken immer ihr beſonderes Augenmerk auf die Artilleriſten richteten , katte man Blendladen von eichenen Bohlen , die nach dem Abfeuern allezeit vor die Schießſcharte gefeßt wurden ?) . In der Belagerung von Malta 1565 wollten die Türken ſich ſogar der Sturmbåcher wieder bedienen , am ſich in den laufgråben damit zu decken ,

allein fie

wurden mehrere male von den Chriſten angezündet. Sie überzogen zwar eins mit naſſen Håuten , und verbins derten dadurch das Verbrennen deſſelben ;

die Belager: ten aber giengen mit Gegen :Upprochen aus dem Gras ben vor , und beregten ſie mit zwei Kanonen . Dieſe

beſchoſſen das Sturmbach von der Seite, und zerſchmete terten es durch die erſten Schüſſe 4 ). $.

116.

Schon ſeit den früheſten Zeiten hatte man ſich uns terirdiſcher Gånge Bedienet , um entweder durch ſie in die Stadt zu dringen, oder die Mauern durch Verbrens nung der untergeſekten Stüßen nieder zu fållen. Noch nies

2 ) Fontanius l.c. p. 104. a) Hier. Alexandri Obfidio Melitenſ, in Schardio T. 4. pag , 20.

1

222 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . niemand aber þatte es verſucht, dieſe unterirdiſchen Ho: len mit -- dem ſeit långer als 1 30 Jahren erfundenen Schießpulver anzufüllen , und ſo die fürchterlichen Wirkungen des Erdbebens bervorzubringen. Man fchreibt die Ehre dieſer Erfindung allgemein dem Fran: cesco di Giorgio von Siena ,

einem Genueſi:

ſchen Ingenieur zu , der ſich iğrer zuerſt gegen das Schloß Serezanella bedient und von dem Peter Navarro es gelernt baben fol . Uus gleichzeitigen Schriftſtellern b) ſcheint jedoch zu erhellen : daß Peter Navarro es wohl ſelbſt geweſen ſein mag , der durch das ſchon lange vorher in den Bergwerken übliche Boh: ren und Sprengen des Geſteines auf dieſe Idee geleitet, die Mauer von Serezanella zu ſprengen ſuchte , welches jedoch mißlang, weil er, unbekannt mit den da: hin abzweckenden geometriſchen Kenntniſſen , nicht bis unter den Grund der Mauer gekommen war 4.

Mit

mehrerem Glück wendete Navarro die neu erfundene Kunſt bei St. Georgio auf der Inſel Eefalonia im

Jahr 1soo an ,

welcher

Plaß von Gonſalvo

von Cordova und Benedict Piſauro, dem Gene: ral derVenezianer,belagert ward. Er minirte bier den Fel: ſen, auf welchem das Schloß ſtand, und ſprengte ein Stück deſſelben mit der Mauer ab ) . Um wirkſamſten waren die bon

ú

b) Eftevan de Garibay , Prudent, Sandoval , und Paul Jo vius , der ein vertrauter Freund des P. Navarro war. Ich folge hier der Angabe des Thom. de Morla : Tra. tado de Artilleria Tom . 2. pag . 560.

c) Guicciardini Lib . 6. p . 198. ich habe des Pietro di Na. yarra Hift. de la Ligue de Cambray nicht zur Hand , welche vielleicht über dieſen Gegenſtand das meiſte Licht verbreiten könnte. d ) Dieſer Pedro Navarro war ein Spanier von Ges. burt , und diente anfangs den Genueſern und Florentis nern

8. Angriff und Vertheidig. der Feſtungen . 223

! von ihm bei der Belagerung der Neapolitaniſchen Schldo: ſer im Jahr 1903 angelegten Minen , die faſt allein die Eroberung derſelben bewirkten. Der St. Vinzento Thurm machte den Anfang , in welchem 40 Mann zur Berakung lagen.

Daßin feßte Navarro mit 30

Soldaten auf einem Faþrzeuge über,

und zwang die Bez

unter dem General Pedro Montano nern als gemeiner Soldat, wo er wegen ſeiner militariſchen Kennts niſſe doppelten Sold bekam . Nachdem er einige Zeit wies der ſeine urſprüngliche Beſchäftigung : den Seedienſt, ges trieben hatte , erhielt er wegen ſeiner Tapferkeit und Tas lente unter des Gonſalvo von Cordova Heere den Poſten eines Hauptmanns bei dem Fußvolke , und ward von Ferdinand dem Katholiſchen in den Grafens ſtand erhoben , wahrſcheinlich darum, weil er durch die von ihm bewirkte Eroberung der Neapolitaniſchen Schldfiet dem Könige den Beſik des Königreiches verſicherte. Et ward hierauf ſelbſt Heerführer , kommandirte gegen die Mohren , und war in der Schlacht bet Ravenna Bes fehlshaber des Spaniſcher Fußvolkes, ward aber von den Franzoſen gefangen , und ſein Esregeld auf 20000 Dutas ten gefeßt. Weil die andern Befehlshaber ihm , der fick abweſend nicht vertheidigen konnte , faſt allein den Bers luſt der Schlacht Schuld gaben , verſagte ihm Ferdis nand das Ldregeld. Franz der Erfte gab ihm die Freiheit, nahm ihn in ſeine Dienſte , und machte ihn zum Befehlshaber der Gastogniſchen Banden . Hier ward er 1522 in Genua von den Kaiſerlichen gefangen , wos felbft er mit 5000 Mann in Garniſon lag ; doch lies thn Der Ratſer gegen eidliche Angelobung : nie wieder gegen das Kaiſerliche Haus zu dienen, wieder los . Allein , ſein raftloſer Geiſt, vielleicht auch Mangel an Unterhalt gab ihm wieder die Waffen in die Hand . Er führte bei dem unglücklichen Rückzuge des Franzdfiſchen Heeres aus Neapel 1928 die Arriergarbe , ward zu verſa wies der von den Deutſchen gefangen und nach Neapel zurücks gebracht. Hier ſollte er auf Befehl des Raiſers als ein Neineidiger enthauptet werden ; man fand thn aber an dem Morgen , wo dies geſchehen ſollte , in ſeinem Bette tod .

224 Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum.

Befakungdurch eine Mine zur Uebergabe. Während nun von dieſern Thurme die beiden Kaſtelle der Stadt unaufbórlich beſchoſſen wurden , trieb man einen Mi: nengang bis unter den Donjon des Kaſtel Nuovo, ohne daß die im Schloſſe es bemerkten. Nachdem hiers auf alles zum Sturm in Bereitſchaft gefekt worden war , nåberten ſich die Spanier dein Donjon , und mach : ten dadurch die Franzoſen glaubend: daß ſie das Schloß Allein , fie zogen ſich auf mit Leitern erſteigen wollten. ein verabredetes Zeichen zurůck ;

die Mine ſpielt ,

ein

Stůck von den Zinnen des Hauptthurmes fliegt in die Luft ,

und die Pulverkammer

nebſt einem beträchtli:

SE chen Theile der Befakung ſtürzt Herunter. Sogleich eiten zwei Fahnen Spaniſchen Fußvolkes , mit Na : varro an ihrer Spiße herbei ,

und greifen die Frans

zoſen fo wüthend an , daß ſie dieſe gegen die Brücke Navarro nebſt des Hauptthores zurück treiben . einigen Spaniſchen Offizieren und Soldaten drängt ſich mit den Flüchtigen zugleich in das äuſſere Thor ; fie hauen die Kette der Zugbrücke entzwei und bemeiſtern fich dadurch, des Vorþofes mit dem Donjon und al: len neuerlich angelegten Werken und Thúrmen. 'Unter: deſſen waren mehrere Spåniſche Truppen herbei gekom : men , mit den Navarro das Haupt Thor angriff und es aufzubauen ſuchte; während andere durch die Kanzelei und die Schakkammer ſich einen Weg bahn: ten ; noch andere aber vermittelſt ihrer Piquen nach den von dem

Geſchüß gemachten Löchern hinauf, und

durch dieſe hinein kletterten . Obſchon die Franzoſen alles anwandten , durch herabgeworfene Steine, durch Kunſtfeuer , ungelöſcheen Kalg und durch ſiedendes Del die Stürmenden zurück zu treiben , auch über so Spa : nier an dem Hauptthore verbrannten ; drangen dieſe doch nach einem beftigen Gefecht von einer Stunde ein, und . machten

8. Angriff und

Vertheidig . der Feſtungen.

225

machten die noch 800 Mann ſtarke Befáßung zu Kriegss gefangenen ).

$.

117 .

Auf die nemliche Weiſe bemachtigte fich Navarro auch des, in der See liegenden Kaſtels del Dvo , dem er ſich auf beſonders dazu erbaueten bedeckten Schiffen nåberte . Die Erſte Mine that hier zwar nur geringe Wirkung ; allein die zweite riß ein großes Stück des Felfen und der Mauer los , daß es mit den darauf ſtes benden Soldaten in die See ſtürzte ). Von dieſer Zeit an bediente man ſich zwar oft bei Belagerungen der Minen , um die Breſche damit zu eröffnen , oder, wenn dies ſchon durch das Geſchüß ge: ſchehen war, ſie zu erweitern und gangbarer zu machen ; allein, wie es ſcheint, eine Zeit lang, mit geringem Ers Wahrſcheinlich , weil man mit dem beſſeren folge. Verfahren des Navarro unbekannt war , der in der Belagerung des Schloſſes zu Mayland durch Franz den Erften eine Kaſematte neben dem Eingange in die Luft ſprengte , nachdem er das Waſſer im Feſtungs. graben abgezapfet hatte , und dadurch das Schloß zur Bei der Belagerung von Man: Uebergabe zwang 6). land im Jahr 1523. durch die Franzoſen , unter dem wo Navarro Admiral Bonnivet, hingegen wahrſcheinlich noch in kaiſerlicher Kriegsgefangenſchaft -war - mochte die unter der Mauer angelegte Mine viels leicht zu ſchwach geladen ſein , genug , die Stücke fielen wieder auf denſelben Plak , und es entſtand keine er: ſteigbare

) Zurita hift. del Rey D. Hernando lib . 5. c. 34. f) Guicciardini Lib . 6. p. 198. Zurita l.ç. cap. 37. 8 ) Bellay Liv . I. p. 19. Soyer's Heuere Ariegok. I. Th.

(

P

i

226

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

ſteigbare Breſche h). Sie kehrten daßer bei Verona zu der alten Ärt zurück : die Mauern blos zu untergras ben , und alsdenn die untergeſekten bölzernen Stüken anzuzünden :). Ja, vierzehn Jabre ſpåter fälten noch die Kaiſerlichen in der Belagerung von St. Paul die Spiße eines Bollwerkes auf dieſe Weiſe * ). Nach und nach ward man jedoch mit der beſſeren Urt Navar : ro's vertrauter ; lernte die Gallerien allezeit nach dem verlangten Punkte fin leiten und zur beſtimmten Zeit zünden. Man fieng daber an , ſie båufiger zu gebrau: chen ; vorzüglich ſcheinen die Türken - und ſelbſt noch eher als die Chriſten - darinnen geübt geweſen zu ſein ; ſie griffen bei Rbodus - im Jahr 1523 - faſt alle Bouwerke durch Minen an ' ). Ein gleiches thateni fie in den Belagerungen von Wieni ) - 1529 und Malta - 1565 - " ).

$.

118 .

Es fällt in die Augen :

daß man darauf denken

mußte , dieſer neuen Art des Ungriffs eine ånliche Vers theidigung entgegen zu ſeken . Man gieng dem Mis nirer des Feindes durch ånliche Gallerien entgegen, um entweder ihn zu vertreiben , und das Pulver aus ſeinen Kammern zu nehmen ; oder , wenn man ihn nicht ans traf, bis unter die feindlichen Batterien vorzudringen , und ſie in die Luft zu ſprengen. nahe :

Ja es ſcheint ſogar bei:

als babe man nach dem erſten fehlgeſchlagenen die Minen früßer zur Wees

Verſuche bei Serezanella

h ) Bellay , Liv . 2. p . 98. i frundsbergs Kriegsthaten . k ) Bellay VIII, 449. 1 ) Schardius. Tom . 2. p. 103 4. A. m) ebendaſ. p. 241. n ) ebendaſ. Tom . 4. p . 38 ſeq.

8. Angriff und Vertheidig. der Feſtungėn .

227

Vertheidigung der Feſtungen als zum Angriff derſelben angewendet. Es ſoll dieſes , nach dem Zeugniß nors diſcher Geſchichtſchreiber , von Knut Porron , Kominanbanten in Wiborg, gegen die Ruſſen geſches hen ſein , welche diefe Feſtung im Jahre . gerten . Letztere wurde nemlich durch eine genau beſtimmte Sache vorzüglich gerettet , gebeueres Krachen bewirkte , und die inan

1495 belas nicht völlig die ein uns ſowohl we:

gen des in der Feſtung befindlichen anſehnlichen Puls vervorratges als wegen der angegebenen Beſchaffenheit der Feſtungswerke für eine Urt von Kontraminen zu hal: ten bewogen wird °). Auch die Franzoſen hatten im Kaſtel del Duo eis ne Höhte mit Schießpulver angefüífet, um ſie zu zůn den , wenn die Spanier beim Sturm die Mauern era ſtiegen haben würden. ' Sie bekam aber zu zeitig Feuer, und that eine ſo fürchterliche Wirkung , daß der großes Theil der Befakung verbrannt wurde , und nur zwan: zig am Leben blieben , die ſich auf Gnade und Ungnade ergeben mußten P). Beſſer wußten die Rbodiſer mit den Gegenminen um zu geben ,' fie ſuchten die Galles rien der Türken auf , und vernichteten ſie , nachdem ſie die darinnen befindlichen Türken durch hinein geworfes ne Grenaden und Pulverfaſſer vertrieben hatten 4). Eben ſo machten es die Beſakungen der von den Türken belas gerten o ) Aus Mangel anderer Zeugen folge ich hier dem Genes ral von Rouſſenfeld , der auch Dalins Svea Rikes Magaz. Bohm Hiſtoria. 2. Del . p.823 . anführet. für Ingen . 10. Gb. p. 246 . p) Zurita lic. Vol. V. lib. 5. cap. 37. Guicciardini Lib. 6 . pag. 198 .

9 ) Geſchichte des Maltheſecordens von M. N. nach Bers tot. 2. Bd. S. 235. P

a

228

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

gerten Städte Wien ") und Malthas). Un lektes rem Orte wurde auch eine Minen :Kaininer mit Ucht Fås: fern Pulver geladen , in die Türken bei dem bevorſte: þenden Sturme in die Luftzu ſprengen ; allein , die Tiir: ken ofneten dieſe Mine, und nagmen das Pulver beraus. S.

119 .

Sobald die Mine eine hinreichende Deffnung in die Mauer oder in den Wall gemacht batte, rückten die Belagerer zum Sturm an , und es entſtand ein mor: deriſches Gefecht auf der Breſche. Während die Stics menden, von der lockenden Unſicht der bei der Plünde: tung zu foffenden Beute gereizt , alles thaten , was nur immer Kühnheit vermochte; ſparten auch die Bez lagerten ihrerſeits nichts , die Stürmenden zurück zul treiben , und die Breſche zu behaupten . Schon im Voraus waren zu dem Ende binter dieſer Abſchnitte ges macht, Gråben gezogen und neue Wälle aufgeworfen worden , die – mit Geſchüß und Hafenſchußen beſett, tu

für den Feind ſo gut als eine zweite Feſtung was ren . Der Zugang zu dieſen Abſchnitten war mit Fuß: angeln und mit Eggen beſået , auch wohl bei einem tro: Kenen Graben Traverſen queer über denſelben gezogen, hinter den ebenfalls Hafenſchußen und Streubůchſen , ð . H. Mörſer auf Kanonenlaffeten , oder Haubigen von großem Kaliber ſtanden , die bis an die Mündung mit Kieſelſteinen oder mit Stücken gebauenen Eiſens , als ten Någeln u , ſ. w . angefüllt waren , womit ſie die Stürmenden wie mit einem Hagel überſchütteten. Hins ter den Kavalieren der zunächſt liegenden Bouwerke was ren Mörſer aufgepflanzt , aus den theils Bomben, vor: züglich aber Körbe oder auch Såde , mit Steinen an : gefüllt r ) Schardius l. c. T. 2. p . 241.

s) ibid. T.4. p. 19. 20 .

8. Angriff und Vertheidig. der Feſtungen .

229

gefüllt ) die man noch jeßt unter dem Namen des Korbba gels fennt geworfen wurden . Uebers dieſes ſchleuderten die Belagerten nicht nur mancherlet Kunſtfeuer , Töpfe init ungelöſchtem Kalg u . f. w. ſons dern auch zandgrenaden herab , die ſchon ſeit dem Jahr 1924 bekannt , und wenn auch noch nicht allge: mein eingefübret , doch sie und da bei Vertheidigung der Italieniſchen Feſtungen angewendet wurden waren “). Zuweilen war es noch nicht einmal genug, daß die Stür: menden jeden Schritt theuer mit Blut erkaufen muß: ten ; auch unter der Erde drohete ihnen der Tod, wenn die Belagerten Fladderminent - blinde Graben, wie man ſie damals nannte – angelegt, das beißt : Ka: ſten , mit Pulver angefült,

vergraben Katten ,

die ſie

dann bei der Unnåßerung des Feindes anzündeten .

S.

I 20.

Um dieſe Zeit kamen auch die Dareffen oder Kreukba ſpeln - die Spaniſchen Reuter der ſpåteren Epoke -- auf. Sie waren vorzüglich beſtimmt, wenn er bis in den Graben gekommeu den Feind , war , an dem weiteren Vordringen zu verhindern , and Die wenigſtens gegen den erſten Anlauf zu dienen *). Palliſaden , die man gegenwärtig zu denſelben Endzweck im Graben und im bedeckten Wege anbringt , ſcheinen damals bei den Feſtungen noch nicht gebräuchlich gewes ſen zu ſein , man findet wenigſtens auf den Riſſen von Feſtuns t ) Spriegsbuch ar Th. p . 178 . u ) Baptiſta della Valle lehret ſie ſowohl gieſſen und füllen, als auch werfen , ( per far bale di brouzo etc. ) in ſets nem Buche Vallo , continente appertinentie a Capitanii, ritenere e fortificare una citta con baſtioni ( Aber nicht mit Bollwerken , ſondern mit einer Art hölzerner Capos nieren oder Blodhäuſer ) Venezia 1524 . I ) Kriegsbuch 3. Th . fol. 171 verſ, P 3

1

9

230

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

Feſtungen aus dieſem Zeitraumė nichts davon . Je - doch wurden gegen die Leitererſteigung an den Mauern und Wållen hölzerne , oder wohl auch eiſerne Sturms pfäble, Einer Ellen lang , unter den Zinnen eingeſchlas gen )

941 S.

121 .

War entweder die Stadt durch Mangel an allen Nothwendigkeiten auf das äuſſerſte gebracht; oder war die Breſche von der Beſchaffenheit , daß eine fernere Pertheidigung unmöglich ward ; kapitulirte die Beſa: kung , und ergab ſich entweder zu Kriegsgefangenen, auch noch jekt üblichen - Efren: oder zog mit den Zeichen aus. Die Kompagnieen marſchieten dabei mit Riegenden Fahnen und klingendem Spiel in Reiben und Gliedern , mit aufgerichteten Piquen und die Feuerge:

14 +

4

10 WA

Gieng hingegen die wehre auf der Schulter ? ) . Stadt mit Sturm über , ward der größere Theil der

+

Beſaßung getödtet , die übrigen aber zu Gefangenen gemacht, ja wohl noch wegen ihrer tapferen Vertheidi : gung beſtrafet. So hiengen die Spanier nach der Er: oberung des Schloſſes Rondella im Jahr 1927

19

alle, die ſich darinnen gewehret Katten , über die Maus ern hinaus. Nothwendig mußte dies die Belagerten auf das äuſſerſte bringen , und zu der unerſchrocken: ften Gegenwehr anreißen . Es wurden daher auch im. mer die tapferſten Leute zum Sturm ausgeſucht , und nicht ſelten ſaßen die Gendarinen ab , und traten den Sturm an , nachdem ſie ihre ſchwere Rüſtung abgele:

get y) Barth . Facii Geft. Alphonfi I. p. 44 2) Bagues fauves , Enſeignes deployées , armet en tête et la lance ſur la cuiffe , et les gens à pied marchans en bataille enſeignes deployées et tambour ſonnant; fage Bellay von der aus Terouanne 1504 stehender Berapung. Liv . I. p . 7.

2. Angriff und Vertheidig. der Feſtungen.. 231

get batten, wie bei Novara, das die Franzoſen 1522 unter dem Herrn von Montmorencn belagerten . Dies geſchahe jedoch ſelten oder nie bei den Deutſchen , die. in iğren { anjknechten ein vortrefliches Fußvolt bat: ten . Die Ausländer hingegen waren öfterer dazu ges nöthiget , weil ihre Infanterie nicht ſo gut war , und

IN

D

114

en.

daber die Hinderniſſe beim Sturm nicht beſiegt baben würde; denn die Schweizer bei dem Franzöſiſchen Hees re , die einzigen , die an Muth und Mannszucht der Deutſchen (anzknechten gleich kamen , waren durch ihre Traktaten gehalten , blos im freien Felde zu dienen , und konnten nur dann zum Sturme gebraucht werden, wenn ſie aus liebe zu dem Oberbefeblshaber oder we: gen der zu hoffenden Beute ſich freiwillig dazu verſte: ben wollten . Ich kann hier nicht unerwåpnt laſſen ,' daß man ſchon bei der mehrmals erwähnten Belagerung der Stadt Afrika eine Art der fieiwilligen Bataillone der ſpäteren Zeit findet; denn der Oberſte Vega lies bei einem Ueberfall auf den Zwinger drei Kompagnien ibre Fahnen ablegen , und im lager zurück laſſen , das mit ſie in dem zu erwartenden Hißigen Gefecht nicht vers lohren gehen ſollten * ).

S.

122 .

Bei feſten Schlöſſern , die gewöhnlich auf Boben Bergen und Felſen lagen , war die beſchriebene Art des Angriffes nicht anwendbar , weil die Kunſt , Bomben ,

102

zu werfen , noch ganz im Dunklen lag, durch die allein man unter ſolchen Umſtånden etwas auszurichten bof: fen kann. Es blieb daher nichts weiter übrig , als daß man ſie durch einen Ueberfall zu erobern

a) Schardii fcriptor. II. p. 376. P4

ſuchte. Weil

232

Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum .

Weil man nun gewöhnlich nicht im Stande war , die ſtarken eiſernen Thüren mit Werten aufzubauen , auch ſich mit Kanonen wegen der Lage des Ortes öfters nichts dagegen ausrichten lies; erfand Leonhard Danner, ein Mechanikus aus Nürnberg, im Jahr 1550 die Breſch ſchraube, die einer Wagenwinde nicht unåns

.

lichwar, und mit der er im Fränkiſchen Kriege nicht als lein die ſtårkſten Thore offnete, ſondern auch in Lands: berg, Blaffenburg und anderen Schlöſſern Mau: ern von Sechzehn Fuß Dicke nieder ſtürzte.

S.

123 .

Damit bei ſolchen nächtlichen Ueberfållen und ans dern ånlichen Erpedizionen die Soldaten im Dunklen eins .

ander erkennen konnten , weil in Ermangelung der Unis form , die damals gewöhnlichen Unterſcheidungszeiche der n Truppen : Feldbinden oder auf die Kleidung genåþete Kreuke , nicht genug in die Augen fielen , pflegte man weiße Hemden über die Kleider zu ziehen . Als Bei: ſpiele von dieſer Sitte wil ich nur den Ueberfall des Franzöſiſchen Lagers vor Pavia , ſo wie die Schlacht bei Pavia felbſt b ) , einen nächtlichen Ungriff der Schweizer zu Carrara ) , und ein Unternehmen der Kaiſerlichen gegen die Schmalkaldiſchen Bundesgenoss fen zu la up beim , obnweit Ulm anführend). Dieſe Sitte erhielt ſich bis gegen die Mitte des Siebenzehnten Jahrhunderts , denn noch in der Belagerung von Monts pellier unter Ludwig dem Vierzehnten zogen die zum Angriff der Uuſſenwerke kommandirten Trup: pen die Hemden über die Kleidere ). $. 124 b) c) d) e)

Ritter Frundsbergs Kriegsthaten fol. 44 und 46. ebendaſ. fol. 136 . Schardii fcript. Tom. 2. p. 482. Memoires de M. de Puyſegur T. I p. 29.

. VE

:

11

!!

8. Angriff und Vertheidig. der Feſtungen.

S.

233

124.

Schon vorher iſt der vornehmſten , in dieſe Epoke fallenden Schriftſteller über die Artillerie und Befeſti: gungskunft gedacht worden , ſo daß nur noch einige nachs juholen find , die zugleich mit Bezug auf den Angriff und die Vertheidigung der Feſtungen haben . Jin Jabe 1547 erſchien zu Nürnberg in fol. Gualtheri Rivië Baukunft , deren 28 Buch die Geometriſche Büchſens meiſterei ausmacht , und nichts anders als eine Uebers feßung der Nova Scientia und der Queſiti des Tarta: Im Jahr 1559 gab Reinhard der å ls glia ift. tere , Graf zu Solms und Herr zu Münzen: berg, ein großes Wert beraus , welches die Kriegs: Es beſtebet aus kunſt ſeines Zeitalters in ſich begreift. Sieben Theilen , jeder mit einein beſonderen Titul. 1 ) 2 ) Die vier und zwan . Die Kriegsrechte und Gefeße. 3 ) Von der Ausrüſtung eines Zeug: zig Kriegsåmter. 5 ) Vom Untergraben 4) Vom Geſchük. þauſes. gen gen . 6 ) Von der Muſter der Feſtun und Spren s riſche Kartenſpiel; wobei ſich 7 ) Ein militä rung. noch ein kurzer Bericht befindet , wie man Stådte und Schlöſſer mit Kriegsvolt befeket) .

Zwei Jahre frů :

þer fatte Leonhard Fronsperger , Bürger zu ülm , einen Traktat von Gerchůtz und Feuer: wert drucken laſſen , den er nachher im Zweiten Theile Waþrſcheinlich iſt der ſeines Kriegsbuches aufnaþm . Inşalt deſſelben aus Preuſſens Artilleriebuche gezo: gen , denn es ſcheint nicht , als habe der Verf. ſelbſt fich mit der Geſchüßkunſt abgegeben , ſondern vielmeật dieſes , ſo wie überhaupt fein ganzes Kriegsbuch aus ans dern Schriftſtellern zuſammen getragen . Der erſte Theil dieſes f) Bohms Magazin für Ingen. und Artileriſten . 10 BO. S. 330 . PS

234 Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum .

M

1

dieſes Kriegsbuch es war ſchon 1555 zu Frankf. am Main in fol. gedruckt worden , hatte aber nur aus Fünf Büchern beſtanden , die übrigen Fünfe nebſt det geiſtlichen Kriegs:Ordnung fekte der Verf. 1565. hinzu , um den Erſten Teil ſeines Kriegsbuch es dar: aus zu bilden , der jedoch erſt 1575 heraus kam (Man Tebe þinten in den Erlåuterungen) .

.

Mitlerweile hatte Dan. Santbech Problema. tum aſtronomic, et geometricor. Lectiones VII zu Ba : fel Herausgegeben , deren Sechſter Abſchnitt de ab. ſoluto artificio eiaculandi ſphaeras tormentarias gan: delt , welches in der Folge Xivault für ſeine Arbeit ausgegeben hat. Endlich ſchrieb

1565 Hieronimus Ruscello ſeine + MU

precetti della militia moderna tanto per mare, quan . to per terra. Venet. 4. und man ſiehet daraus : daß die Deutfchen und Italiener die Erſten waren , welche die Kriegskunſt auf eine wiſſenſchaftliche Weiſe bearbei: teten , ihnen folgten – vorzüglich durch die im Drit: ten Zeitraume , während des großen Niederländiſchen Krieges , gemachten Erfahrungen geleitet – die Spas nier , und bald darauf die Engelländer - 1587 ; die Franzoſen - 1598 ; - und die übrigen Nazionen.

Neunter

Abſchnitt.

Einrichtung des Seeweſens in dieſem Zeitraume.

$.

125 .

Gegen das Ende des Funfzehnten , noch mehr aber im Laufe des Sechzehnten Jahrhunderts hatte das Stei: gen des Handels und die in allen Ländern gleich ſtar: ke Vermehrung der Feuergeſchüße eine ſehr merkliche Revo:

9. Seeweſen .

235

Revoluzion in dem Seeweſen Hervorgebracht. Nächſt den nordlichern Walkern – Dånnemart , Schweden , und vorzüglich den Hanſee: Stådten - batten Venes dig und Genua, dieſe beiden damals ſo mnächtigen Freis ſtaaten den Grund dazu geleget , und zu Bedeckung ihres Handels Kriegsſchiffe von verſchiedener Größe erbauet ; bald folgten die anderen , am Meere liegenden Staas ten dieſem Beiſpiele, und erhoben ſich nach und nach Dies ſcheint zuerſt der Fall mit Pors tugall geweſen zu ſein , das theils wegen ſeiner Beſis zu Seemachten .

kungen an der Weſtküſte von Afrika genothiget ward , große Schiffe zu gebrauchen , weil die offenen Galees ren wohl auf dem mittlåndiſchen Meere, nicht aber auf dem Ozean anwendbar waren ; theils aber auch fich eben durch dieſe reichen Beſikungen in den Stand' ges ſeſt rahe , große Kriegsſchiffe in beträchtlicherer Anzahl auszurüſten und zu unterhalten.

$.

1 26 .

Ein gleiches that Spanien , Engelland und Frank: reich , wie die mannichfachen Entdeckungsreiſen bezeus gen , die beſonders aus den erſteren beiden Låndern zu Anfange des Sechzeźnten Jahrhunderts faſt nach allen Welttheilen angeſtellt wurden . Eine ſo große Ausbreis tung der Schiffahrt machte vielerlei Arten von Schif: fen nothwendig , die nach Verſchiedenbeit ihrer Große und Beſtimmung mit mehr oder weniger grobein Ge: fchüß befekt wurden . Doch kam die Zahl deſſelben der Menge noch lange nicht gleich , welche die Kriegsſchiffe der neueren Zeiten gewöhnlich führen. Zwar werden in der Geſchichte Schiffe genannt , die ſelbſt mehr Ka: nonen batten , als jekt gewöhnlich iſt; dies waren aber größtentheils nur Geſchüße der kleinſten Art ;

auch

pflegten nur die Haupt- und Admiral : Schiffe ſo ſtart auss

236 Geſchichte der Kriegskunſt. II. Zeitraum . So war unter ( udwig dem ausgerüſtet zu werden. C Zwolften die Charente mit 1200 Soldaten ohne die Bootsleute – und mit 200 Kanonen beſeßt; jedoch nur 40 waren von ſtarkem Kaliber 8 ). “. Nicht

414

minder führte Franz des Erſten Schiff: der Eas racon 100 metallene Kanonen ; allein , es hatte nur 800 Tonnen laſtigkeit; folglich muß ſein Geſchüß groß: tentheils ſehr klein geweſen ſein , weil eine Engliſche Fregatte, die 20.Achtzehnpfünder in der unterſten las

1

ge führet ,

ſchon über 800 Tonnen laſtigkeit beſikt.

WBirklich ſtimmt dieſe Vermuthung mit der Erzählung des Belcarius , Biſchofs zu Mek , überein : daß nur ein Theil des Geſchüßes groß , gen klein geweſen ſei " ).

S.

der übrige binge:

127.

Das Geſchüß ward auf den großen Schiffen ders geſtalt vertheilet , daß vorn und hinten zwei Karthaus nen kamen , um vor: und hinterwärts ſchieſſen zu kön: nen. Uuf jeder langen Seite ſtanden ebenfalls in der großten Breite des Schiffes zwei Karthaunen und eben ſoviel Nothſchlangen , ſo daß die größte Zahl des gros Ben Geſchüßes faſt nie über 12 bis 18 ſtieg , denn das übrige waren Falkonetten u . d. gl. Die Galeeren hatten , wie noch jekt , nur ein gros Bes Hauptgeſchüß vorn , und einige kleinere zu beiden Seiten deſſelben . Hinten war es - wenigſtens bei

den Franzoſen – nicht gewöhnlich , Kanonen anzubrin, gen , g ) d'Auton hift. cap. 45. h ) hiſtor. Lib . 24. n . 10. Es ldßt fich wenig Beſtimmtes in Abſicht dieſes Punttes ſagen , da es hier überhaupt an Schriftſtellern über das Seeweſen fehlet, und ich bet aller Mühe nichts weiter aus dieſem Zeitraume habe aufs finden können , als was'in des P , Daniel hift, de la mia lice franç. befindlich iſt.

N

237

9. Seeweſen.

gen,

denn als die Franzöſiſche Flotte 1545 von der

Engliſchen verfolgt wurde , thaten ihr vorzüglich die Rambergen - eine Art ſchnell ſeegelnder Engliſcher Schiffe - Schaden , weil ſie immer dicht binter ihr waren , und die Franzöſiſchen Galeeren hinten keine Kanonen hatten , um ſie zurück zu balten.

S.

128 .

Man katte ſchon ſehr vielerlei Arten von Schiffen ; Fronsperger h) führt ſie unter folgenden Namen auf : 1 ) Mit Seegeln allein :

Galionen ,

Carmuſelis

nen , Machunen , Karaquen , Streitſchiffe , Furtune, Coſſerva , Holken , Crocken , Benrer ; 2 ) Mit Seegeln und Rudern aber :

Galeeren , Galeotten , Gripten , Sedten , Fuſten , Brigantinen , fregatten , Fregattinen , Baſtarden , Rennſchiffe, Jachten , Naſaden u.ſ.w. Von dieſen fochten jedoch nur die großern in der

.

linie , die andern wurden blos zum Transport von Waaren und Truppen gebraucht. So lief im Jahr 1500 unter dem Gonſalvo von Cordova aus Mas laga eine Flotte von 26 Kriegsſchiffent, 25 Karavels len nebſt verſchiedenen Galeeren und Fuſten , worauf fich 4000 Infanteriften und 1300 Ritter befanden :).

S.

129 .

Die Schlachtordnung war am gewohnlichſten halb: mondenförmig ; doch ſtellten die Flotten ſich auch zuweis len in mehreren Linien vinter einander. Weil übrigens noch immer die größte Stårke der Seemåchte in Galee: ren beſtand, die nur auf dem Vordertbeile Geſchüß führten ; fonnten auch die fechtenden Flotten nicht ans ders h ) Kriegsbuch 3. Theil. fol. 161. verf. i ) Zurita hiſt, del Rey D. Hernando, Lib . 4. C. II.

+

238 Geſchichte der Kriegskunſt. II . Zeitraum . ders als gerade auf einander los geben , von vorn beſchieſſen.

und einander

Dies geſchabe fogar auch von

den großen Kriegsſchiffen , felbſt wenn ſie in mehreren Linien formiret waren ; denn ihrer Seiten : Kanonen be : dienten ſie ſich nur , wenn ſie durch Zufal im Gefecht Bord gegen Bord zu liegen kamen . Man findet zwar in den åltern Schriftſtellern vers ſchiedene andere Arten von Schlachtordnungen angeges ben ; ſie ſcheinen jedoch vielmehr ein Spiel der Phans taſie geweſen , als wirklich angewendet worden zu ſein . Tbeils würden auſſerordentlich zahlreiche Flotten erfor: dert, ſie zu formiren, die man faſt niemals Katte ; tbeils ſagt aber auch Fournier ausdrücklich " ): Ein miral důrfe nicht ſehr wegen der Schlachtordnung vers legen ſein , weil man ſich gewöhnlich faſt keiner andern , als der halbmondenförmigen bediene. Erſt ſpåter , als man mit den Manouvres vertrauter ward , fieng man an , in parallelen Linien zu fechten , wie es noch jekt gewöhnlich iſt.

S.

130.

Bei der Ausdehnung , welche auch eine kleine Una jahl Schiffe zur See erfordert, waren von je ßer Sis gnale oder gewiſſe Zeichen unentbehrlich , wodurch der Befehlshaber vermittelſt vielfarbiger Flaggen den andern Schiffen ſeine Meinung bekannt machte. Zwar erforderten die weniger vervielfältigten Bewegungen der Flotten auch eine geringere Menge von Signalen ; doch waren ſie ſchon von ebenderſelben Beſchaffenheit wie ges genwärtig , To daß jedes Signal vorher durch einige Kanonenſchüſſe angedeutet , und hierauf durch einige Fahnen , oder - zur Nachrzeit - durch aufgeſteckte Later: nen bezeichnet ward.

Die Befehlshaber der einzelnen Schiffe

1) Fournier hydrographie L. 3. p. 120.

239

9. Seeweſen.

Schiffe erhielten deshalb eine beſondere ſchriftliche Ans weifung , was- jedes Signal bedeute , und was ſie auf daſſelbe mit ihrem Schiffe zu thun fåtten. 8.

1

I31 .

Wenn in den früßeren Zeiten die Schiffe einander ſogleich zu entern ſuchten , weil die Schlachten zur See wie zu tande nur allein durch das Handgefecht entſchie: den wurden ; fieng, dies jeßt an , theils durch die vers ånderte Bauart der Schiffe; theils auch wegen der gros ßeren Menge groben Geſchůzes ,

welche ſie führten

minder gewöhnlich zu werden. Man ſuchte die feindlis chen Schiffe durch Kanonenſchüſſe in den Grund zu bohren , ' und die übrigen dadurch zum

Rückzuge' zu no:

thigen. Schon zu Anfange des Sechzehnten þunderts wurden die Kettenfugeln þalbe oder ganze Stückkugeln

durch eine ,

Jahr: zwei 3 bis 4

Fuß lange Kette zuſammen verbunden , die beide auf einmal in die Kanone geladen werden zu dieſem Endzweck erfunden , um mit ihnen die feindlichen

Schiffe deſto leichter Maſt: und Seegellos zu ſchieſſen , welches dem Däniſchen Admiral Brockbauſen von den Schweden widerfuþr ' ) . Fronsperger giebt uns leitung zu Verfertigung einer Art ſolcher Kettenkugeln "), wo jedoch anſtatt der Kugeln blos zwei eiſerne Scheis ben , nach dein Kaliber des Stückes eingerichtet, durch eine ſtarke Kette zuſammen gången . Uuch durch Brander oder Feuerſchiffe ſuchte man die feindliche Flotte in Unordnung zu bringen , und ens terte nicht eber , bis man ſich des gegenſeitigen Fabrs zeuges zu bemachtigen hoffte.

Dann wurden alle,, ſchon

1 ) Wilhelm Dilichit Kriegsſchule ar Theil fol. 329. 2) Kriegsbuch zr Theil fol. 166 verf.

i

240. Geſchichte der Kriegskunſt.

II. Zeitraum .

ſchon im vorigen Zeitraume übliche Kunſtfeuer ange: wendet , und die auf dem Verdeck ſowohl, als auf den Kaſtellen

i

befindlichen Doppelhaken und Hagels oder

Kammergeſchůke fleißig gebrauchet.

$.

132.

Während Italiener und Deutſche wetteiferten , durch ihre Schriften dem Kriege zu Sande eine beſſere und wiſſenſchaftlichere Geſtalt zu geben ; brachen die Spanier in Abſicht des Seekrieges die Bahn , und bil: deten erſt die Schiffahrtskunſt, dann aber auch die Seetaktik aus. Im Jabr 1484 erſchien des Alqoſo Sancho de Guelva Andaluz. Compendio del Arte de Navegar ; 1902 aber zuerſt das bekannte Conſulado del mar in fataloniſcher Sprache unter dem Titul Leys e Dieſe Ordinacions de Actes maritims mercantivals . Sammlung von , ſchon ſeit dem Zwölften Jahrhunders te als gültig anerkannten Geſeken und Gebråuchen ; ward nicht nur kurz hinter einander zu mehreren malen aufgelegt , ſondern auch in die Sprachen aller Seefaßs Jhin zur Seite ſtehet das renden Nazionen überſekt. Wisbyrche Seerecht, das isos in altdeutſcher Sprache gedruckt , und ebenfalls in alle Sprachen über: 1535 gab Ferdinand liveyra ſeine rekt ward. Arte de hacer la guerra por mar in 4. heraus , das Erſte Werk , welches man von der Stellungskunſt und dein Treffen zur See hat, und das auch lange das Eins zige blieb , bis wåhrend des Niederländiſchen Kries ges 1594 Reuters Kriegsordnung zu Waſſer und zu lande in 4. und 1596 D. Bernardino de Mendoza Theorica y Practica de guerra in 8. erſchienen .

Die

übrigen in dieſem Zeitraum fallenden Schriften beſchaf: tigen ſich blos mit der eigentlichen Schiffahrtskunde , dem

9.

Seeweſen .

241

dem Gebrauch des Sompaſſes , der Seefarten , des Jakobs : Srabes u. 1.w. und gehören alſo nicht þierber. In Abſicht derſelben verweiſe ich auf Rödings allges meines Wörterbuch der Marine , wo ſich vor dem Er: ften Theile eine ſehr vollſtändige litteratur der Seewiss ſenſchaften findet , der ich auch in Abſicht der oben angeführten Werfe gefolger bin , weil es mir an Geles genheit feblte , fie ſelbſt zu Geſicht zu bekommen .

1

Soyer's neuere Kriegs . I. Th .

t

Gerd id te der

P

r

iegß

f

unft

ſeit der erſten Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch

bis

an das Ende des acht:

zehnten Jahrhunderts

Johann

Gottfried

Erſten Bandes

Hoger.

Zweite Hälfte.

Göttingen , bei Johann

Georg

179 7 .

Roſenbuſch .

{



Tabellariſcher

Inhalt

des

Erſten

Bandes.

Einleitung. Zuſtand der Kriegskunſt vor der Einführung der Puls vergeſchüße. a) Beſchaffenheit der Truppen. I ) Stärke der Römiſchen Legionen $ . I. Beſoldung derſelben 2. Verfall der Abendländiſchen Kriegsverfaſſung 8.3.4. Einrichtung Konſtantins des Groſſen 5. 6. 2 ) Kriegsverfaſſung im Morgenlande 7 Erfindung des Griechiſchen Feuers 8. 3) Lehnsſyſtem in den Europäiſchen Ländern 9. 16 Ritterweſen entſpringt aus demſelben II . Vorbereitung zum Ritterſtande 12. Turniere 13 . Einfluß der Kreuzzüge 14.

b ) Angriff und Vertheidigung der feftungen . Sturmdächer und Wandelthurme 15 . Sturmbock und Haten 16 . Minen 18. Kunſtfeuer 19. Maſchinen zum Sturm 20 . Baliſten und Katapulten 21. 22.

IV

In Ka I t.

s ) Bewaffnung der Truppen 23. Stårte des Armbruſtes der Deutſchen . Rüſtung der Ritter und Knappen. d) Stellung und Gefecht 24. e ) Zugordnung Kaiſer Friedrich $ I.

25.

f) Kriegsgefese 26. 8) Befeſtigungskunft « der Stadte 27. B ) Feldbefeſtigung 28.

h) Befaffenheit des Seewefen $ Erſte dunkle Spuhren son Feuergeſchaken Schlachtordnung 31 .

12 29. 30.

1 A.

Erſter

Zeitraum .

4 NE

Von der Erſten Anwendung des Schießpulvers zum Kriegsgebrauch bis zu Karls dés Achten Kriegszüge nach Italien .

a . Erſter

Abſchnitt.

Früheſte Anwendung der Feuergeſchüße Das Griechiſche Feuer beſtand aus Schießpulver $. I. Erſte Nachrichten davon 2 - 5 Unterſuchungen über den Zeitpunkt, wo das Schießpulver und die Feuergeſchüße zuerſt in Europa befannt wurden 8. 6 . Erſte fichere Spuhren von der Anwendung derſelben 7.8.9. Aus Spanien gieng der Gebrauch der Feuergeſchüge nach Ens geland úber 9. 10. Sie werden in der Schlacht bei Crecy blog von dem Monch von St. Denis erwähnt II . Fernere Nachrichten von der Verbreitung des Gebrauches der Feuergeſchüße 9. 12. 17.

b. Zwei

In

6 a 1 t.

b . Zweifer

Abſchnitt.

Häufigere Anwendung der Feuergeſchüße und Einfüb: rung des Gewebres .

Der Krieg zwiſchen den Genueſern und Venezianern iſt der Zeitpunkt, wo die Feuergeſchüße in groſſerer Menge anges wendet wurden ' $. 1 . Erſte Feuergewehre - Piſtolen S. 3 Fandrohre oder Hafenbüchſen tommen in Gebtauch 4 . Urſprung des Namens : Muskete 5 . Weitere Verbreitung des Feuergewehres 6. Berbeſſerung des Geſchüßes 7. 8 . Erfindung der Mörſer und Brandkugeln 9. Ungeheuere Groſie der Steinbüchſen 11 . Eiſerne Kanonenkugeln 19. Pulverinůhlen 13 Verſchiedenheit des damals üblichen Pulvers 14 .

c.

Dritter

Abſchnitt

Einfluß der Erfindung der Feuergeſchüße auf die Kriegs verfaſſung. 1. Formtrung und Rüſtung der Truppen . a ) Der Ravallerie . Şarniſch der Ritterſchaft. Prachtige Rüſtung der Pferde B. I. Gewehr der Schwerbewaffneten 2. Schüßen zu Pferde S. 3 . Huſaren 4: Urſprung der Ssidner in den neuern Zeiten 5. Errichtung der Compagnies d'Ordonnance in Frant's reich , als der erſten ſtehenden Truppen 6 . Reuterei in Deutſchland , in Italien , Spanten und in den nordlichen Ländern 7. B ) Der Infanterie. Das Fußvolt war nur von geringem Werth Bewaffnung deſſelben S. 8. Raftung der Schüßen 9 . 3

$ 7.

Eins

»

a

I t.

Francs - Archers Einführung der Freiſchů s en in Frankreich anſtatt der Communen 10. Brigande und Avantůriers 11. Landsknechte der Deutſchen 12 . Geſchichte der Schwarzen Saufen . - Dieſes Sapfes re Korps Ward 1525 in der Schlacht bei Pavia vot: lig aufgerieben , Die Schwetzer warfen zuerſt die Schilde weg 13. Einführung der Helebarten bei den Franzoſen. 14 . Verhältniß der mit Feuergewehren gerüſteten zu den Piquenirern 15 . Waffenübungen S. 16 . I ) Scheibenſchteffen 2 ) Uebung der Gendarmerie 3 ) desgl. der Schüßen Hebungsläger 17 . 2. Stellung und Bewegung. * ) Der Ravallerie 18 . Die leichten Reuter der Deutſchen nehmen zuerſt die Stellungsart in tiefen Geſchwadern an . B ) Der Infanterie 9. 19. Befehlshaber 20 Sandi? Feldback8fen w Train . Feldſchmieden mühlen 21. Pontons und fliegende Brücken . 3) Feldverſchanzungen . Wagenburg der Huſſiten 32. Pinnen , oder tragbare Palliſaden der Engeånder 23 . 4) Angriff und Vertheidigung der Feſtungen . Angriff mit offenbarer Gewalt am gewohnlichſten 24 a. Neben dem Feuergeſchüß wurden immer noch die Mans delthürme und die alten Werfzeuge angewendet 24b. Kunſtfeuer. Raketen 25 . Approſchen oder Laufgråben 26. Minen waren blos unterirdiſche Gänge ohne Pulver 27. Verſchanzungen der Belagerer 28 . Berthetdigung der Feſtungen 29. Vernageln der Kanonen 30. 3) Seekrieg . Beſabung der Saleern $ . 31. Andere Arten von Schiffent 32.

Urſprung der Kaper

33 Einrichis

VII S T 6 4 / t.

Einrichtung der Schiffe zum Gefecht 33 Schlachtordnung zur See 35. Feuerſchiffe oder Brander 36. Sdmbianmender Baum , um die Seehafen zu ſperren 37. 6 ) Litteratur dieſes Zeitraumes & 38.

B

Zweiter

Kriege der Franzoſen ,

Zeitraum . Spanier und Deutſchen

in Italien von Karls Vill . Kriegszuge bis

zum Niederländiſchen Kriege.

a . Erſter

Abſchnitt.

Gerch úklunft. 1) Einrichtung und Beſchaffenheit der Geſchůße 39 . Namen, Kaliber und Gewicht 39. 40. Urſprung der Benennung : Haubigen 40. Bohren der Geſchübe 42. Berzierungen 43. Theoretiſche Fortſchritte in der Geſchukkunſt 44. 45 Erfindung des Kaliberſtabes : 46. 2 ) Neue Geſchoffe und Kunſtfeuer 47. a) Sturmhafen B) Feuerlangful w) Feuerballen dj Orgelgeſchübe 48. 3 ) Bedienung des Geſchůßes. Streitwagen 49. Fliegende oder Reitende Artillerie 50 . Erfindung des Marſchlagers in den Laffeten 51. Erfarderliche Artileriſten bei dem Geſchůz 52 Andere Artilleriebedienten 53. 54 . 4 ) Einrichtung des Trains. Pontons 55 . Bedeckung des Geſchůbes 56. b . 3 uſtand der Infanterie 52.

1 ) Stårte und Beſchaffenheit. Befehlshaber 58 .

VIIY I nba. It.

Beſoldung und Beſtand . . 59 . Neigung der Soldaten zum Aufruhr 60 . Franzoſiſche Banden . Legionen Frans des Erften 61. Schweizer 62. 2) Rüſtung und Gewehr. Die Armbruſte kommen a6 63. Hakenſchüben ib . Ändere Arten Feuergewehr : Doppelhafen , Streubüch. ſen 2c . 64 . Erſte Einführung der Musketen 65. Piquenire 66 . Uniformen 67.

c . Dritter Abſchnitt. Zuſtand der Kavallerie. I) Stårke und Beſchaffenheit 68 . Beſoldung , 69, Ordonan , Kompagnien der franzoſen Hatenſchůben zu Pferde ib. Stratioten ib . 2 ) Rüſtung und Gewehr 71 . 6 ) Der Lanziere . B) Der Schüßen zu Pferde. y ) Der Stratioten .

70 .

1

d . Vierter Abſchnitt. Stellung und Bewegung der Truppen . I ) Der Infanterie . Bataillone 72. 73 , Plabe der Befehlshaber 74 . Nachtheil dieſer Stellungsart 75 . Läufer oder Schüken 76 . 2) Der Kavallerie . 77. 3 ) Schlachtordnung ganzer Scere 77 b. 78 . 4 ) Anfang des Treffens 79 . a ) Durch Scharmuziren der Leichten Eruppen . B. Durch Zweikämpfe der Befehlshaber. 5) Marſchordnung 80 . 2 Fünf

Sinhalt

e : fünfter 1 Abſchnitt. Krieg $ f ucht S. 81 . 1 ) Dienft. Beſtellung der Wachten 81 b. Runden . Loſungswort und Feldgeſchret ib. Wachten in Lågern und in Feſtungen 82. 2) Subordination. Ehrenbezeigungen gegen die Befehlshaber 83 . Begräbniſſe 84. 3) Mannszucht 85 . Beſtrafung der Soldaten 86. 87. Kriegsgeſebe . 88 . zweitämpfe warenſehr gewöhnlich und erlaubt Freiheit bei dem Geſchütz 99. Kriegs : Recht und Spieß Recht 91 . Deſerzion 92. 4 ) Berſorgung alter Soldaten 93.

f. Sechſter

89 .

Abſchnitt.

Feldverſch anzung e ft. 1 ) Berſchanzungen ganzer Låger 94. 95 . 2) Befeſtigung einzelner Poſten 69 . 3) Neue Einrichtungen Karls des fünften iu 26richt der Subſiſtenz 97.

g . Siebenter Abſchnitt. 1 Feſtungsbaukunſt.

? 1) Verbeſſerung der alten Bauart 98 . Rundele 99 . Beſchůrten der Mauern mit Erde, 2) Erſte Anwendung der Baſtione 100 . 3 ) Urſprung des Gedeckten Weges 101 . 4 ) Ravelin vor den Thoren 102. 5) Berbeſſerungen an den Baſtionen c ) Niedere Flanten 103 . B ) Kavaliere oder Bollwertstaben 104 . 6 ) Gegenminen 105 . 7) Litteratur der Befeſtigungstümt 106. 5

Achter

X

Fins

h . Achter

a 1 e.

Abſchnitt.

Angriff und Verteidigung der Feſtungen.

-

1) Angriff durch raſchen Anlauf $. 108. a ) Leitererſteigungen . B ) Angriff mit lift, 2 ) Förmliche Belagerung A) Laufgråben. Geſtalt und Verbeſſerung derſelben 109. 110 . B) Batterien. Große Hdhe derſelben III, Detaſchirte Werke der Belagerten vor dem Graben 112. Schwimmende Batterien 113. Beſchtelun der Feſtungen 114. Sappen 115 . Minen . Erſter Gebrauch derſelben 116. Man wendet ſie häufiger an 117. Gegenminen 118. E) Sturm . Vertheidigung der Breſche 119. 120 . c ) Durch GeſchůB . Korbhagel. B ) Handgrenaden . y) Pulverkaſten . d ) Spaniſche Reuter . F) Eroberung 121. Brechſchrauben 122 . Camiſaden 123 3) Litteratur des Angriffs und der Vertheidigung 124.

i.

Neunter

Abſchnitt.

Seeweſen im Zweiten Zeitraume. 1) Entſtehung einiger neuen Seemachte 125 . 2) Beſchaffenheit und Ausrüſtung der Schiffe. 126 . Zahl des Geſchůbes Pertheilung deſſelben 127. Berſchiedene Arten von Schiffen 128 . 3) Starte der Flotten ib . 4) Stellung nnd Gefecht. Schlachtordnung 129.

1

XY

Inga I t. Signale 130 . Wahrſcheinliche Einführung der Kettenkugeln 5) Litteratur des Seeweſens 132 .

C.

Dritter

Unabhängigkeitskrieg

13r.

Zeitraum .

der Niederländer

gegen

die Spanier von 1568 bis zum Waffen

ſtilleſtande 1609 .

a . Erſter

Abſchnitt.

Geſchůbkunft. • 1) Einrichtung und Beſchaffenheit der Geſchůße. Ungeheuere Långe einiger Schlangen 134 Abånderungen in Abſicht der Verhältniſſe der Geſchůze 135. Verhältniffe und Schubweiten der Rechten Schlangen 136. 137. Verhältniſſe und Schußweiten der Unachten gen 138. Desgleichen der Extraordinairen 139 .

Schlans

Verhältniſſe und Schußweiten der Karthaunen 140. Einrichtung der Kammergeſchůße 141. 142 . Franzöſiſches Geſchůb 143. Silly Verdienſte um das Franzoſiſche Geſchüßweſen 144. Einſeken neuer Zündischer an die Stelle der ausgebranns ten 145 . 2) Neue Erfindungen in Abſicht der Geſchoſſe und Kunſts feuer. Hagel und Kartetſchen 146. Stůckpatronen 147 Zuwendung der glühenden Kugeln 148 . Brandkugeln und Bomben 149. Kanonen : Granaten 150 . Kohle Kugeln zur Correſpondenz 151.. Leuchtkugeln 152 . Feuerpfeile werden wieder angewendet 153 . 3 ) Bedienung des Geſchüßes. Unwiſſenheit der damaligen Artilleriſten 154. Artillerieſchulen 155 . Artilles

In baie Artillerfegehalfen und Befehlshaber . 156. Transport des Geſcubes durch Men den 157. 4 ) Etnrichtung des Trains. Beſchaffenheit der Pontons 158. Leichte Brücken 159. Marſchordnung der Artillerie 160. Bezahlung und Transport durch Entreprenneurs 161.

1

b . Zweiter Abſchnitt. Einrichtung der Infanterie. 1 ) Stårtè der Regimenter und Beſoldung. Armee , welche der Herzog von álba nach den Nieders landen führte 162 . Franzöſiſche Regimenter . Armee des Prinzen von Pars ma 163. Niederländiſche Truppen 164. 165. Anſtellung der Musketiere bei den Regimentern 166. 167. 2) Befehlshaber 168 . 3 ) Rüſtung und Gewehr der Infanterie. Bewaffnung der Musketiere und Schüßen 169. 176 . Rüſtung der Piquenire 171 . Desgl. der Offiziere 172 . Die Piquenire mußten bisweilen ihre Spieffe fürzer mas chen 173 . 4) Gebrauch des Gewehres. Unterricht der Schüßen und Piquenire in den Beweguns gen ihres Gewehres 174 .

c. Dritter Abſchnitt. Verfaſſung und Zuſtand der Kavallerie. I ) Stårke und Beſchaffenheit. Entſtehung der Deutſchen Renter 175. Ordonanz Kompagnien . 176 . 2 ) Befehlshaber und Beſoldung 176. 177. 3 ) Rüſtung und Gewehr. Der Růraſſiere 178 . Der Albaniſchen Speerreuter 179. Der Karabiniere 180. 181. Urſprung

1

1

/ X111

n g alt.

Urſprung und Name der Dragoner . 8. 182. 183. Veranlaſſung zu Abſchaffung der Lanzen 184 . Sie werden auch bei den Franzoſen abgeſchafft 185 . Remonte Kaffe -186 . 4) Gebrauch des Gewehres. Unterricht der Speerreuter , Karabintere und Dragoner 187. 188. 189. Uebung der Reuterei in Trupps 190 . Bildung des jungen 2dels zu Offizieren 191. , Erſte Militair Schule 192.

d. Vierter

Abſchnitt.

Stellung und Bewegung der Truppen . 1 ) Stellung der Infanterie 193. Bewegung derſelben 194 . 2) Stellung der Kavallerie und Bewegung derſelben 3) Schlachtordnung ganzer Heerhaufen 196 . 4) Wirkliches Gefecht. Maſſenſchwenkung der Küraſſiere 197 . Anfang des Treffens 198. 5) Marſchordnung 199.

e . Fünfter

195.

Abſchnitt.

Zuſtand der Kriegszucht. 200. U Dienſt. Vorpoſten und Entſtehung der Bereitſchaft 201. 202. Ehrenwachen der Befehlshaber 203. Honneurs , welche die Offiziere erhielten 204. 2) Subordinazion 205 . 3) Mannszucht. Gefeße wegen des Zweifampfes 206. Merion der Franzoſen 207 . Betragen der Spanier gegen die Bürger in den Steders låndiſchen Städten 208 . Häufige Empdrungen gegen die Befehlshaber 209 . Mittel, den Aufruhr zu dämpfen 210. Sittengeſeke bei den Deutſchen und Kriegszucht der Niederländer 211.

4 ) Ben

XIV

In ha ! t.

4 ) Behandlung der Kriegsgefangenen und Kanzjon derſels ben S. 212 . 5) Belohnung verdienter Soldaten 213 . 6) Verſorgung alter Kriegsleute 214. f. Sechſter Abſchnitt. Verſch anzu'ng s kunſt

215.

1) Verſchanzungen mit einzelnen Forts 216 . Brückenſchanzen kommen auf 217, 3 ) Einrichtung und Befeſtigung der Låger 218 . 4) Vertheidigung einzelner Häuſer und ganzer 219..220 . 221. Anwendung der Verhace

Dorfer

h g. Siebenter Abſchnitt. Verbeſſerungen in der Kriegsbaukunft. 1) Einrichtung des Hauptwallek. Nach der Alten Italieniſchen Manier wurden noch viele Feſtungen gebauet 222. Einführung der Erdwälle und der Fauſlebray 223 . 2) Anwendung des Bedeckten Weges zur Vertheidigung 224. 3) Anlegung der Auſſenwerke. March ( iſt der Erſte Erfinder derſelben 225. Sie werden bei Steenwick und vielen anderen Feſtuns gen angewendet 226 . Contre : Approſchen und einzelne Forts. 227. 4 ) Erfindungen , um die Stadt noch nach erobertem Haupts walle vertheidigen zu können 228.

h . Achter Abſchnitt. Angriff und Vertheidigung der Feſtungen 230 . 1 ) Angriff durch Ueberfall Mittel, die Thore feſter Oerter zu offnen Anwendung der Petarden. 232. Einnahme mit Liſt 233. 2) Fdrmliche Belagerung.

0.

231.

f Urſachen

Inga I t. Urſachen ' threr langen Dauer in dieſem Zeitraume A. £ aufgrå ben.

234 .

Geſtalt der Laufgråben oder approchen 235 . Sappe couverte 236 . Abſtand der Eröffnung der Laufgraben von der Feftung 237 . Gemeinſchafts : Brücken 238. 239. B , Batterien . Faſchinen :Dåmmein der Belagerung von Oſtende 240.241. Erhdhete Batterien und Gebrauch derſelben 242. 243. Korizontale und Verſenkte Batterien 244 . Schwimmende Reduten 245 .. Geſchwindigkeit des Geſchütfeuers bei Belagerungen 246. Mörſerbatterien 247. Cappen. Sappe volante angewendet 248. Erſte Erfindung der Blinden und Chandeliers ib . Tranſchee : Reuter und hohe Gerůfte 249. Blendungen mit Sanoſaden und Anwendung der Erds walje 250. Bezahlung der Schanzarbeit bet Belagerungen an die Soldaten 251 . 3) Bertheidigung der Feſtungen gegen den förmlichen Ans griff. Gegen Upproſchen und Zonnelaten 252 . Häufige Ausfälle 253. Unternehmungen der Antwerper gegen die Brücke der Spanier 254. Erſter Durchlas bei Schiffbrücken ib. ' Freiwillige Bataillone 255 . Erſte Anlegung der Traverſen auf dem Waugange 256 . 26ſchnitte in den Bollwerten und Erſter Gebrauch der hölzernen Kaponieren 257. Vertheidigung des Grabens durch Schleuſen 258. D. Minen 259 . E. Sturm . Uebergang über den Graben. Erfindung der @ambus ten 260. Wertheidigung der Breſche 261. 262. Dispoſitionen zum Sturm 263. F. Uebergabe 264 i. Meuns (

XVI

9n b , a lit.

i. Neunter Abſchnitt. Ausbildung des. Seeweſens wåprend des Niederländis rchen Krieges. 1) Seeweſen der Niederländer ſchrántte rich blog auf Kar l. 265. perei ein 2 ) Bauart und Ausrüſtung der Schiffe. Sallionen der Spanier 266 . Andere Arten Schiffe . 267 . Galeaſen 268 . 3 ) Stårke der Flotten 269. 4 ) Einrichtung der Seezucht 270. 271. 5 ) 'Bewegung der Flotten und Sefedit. Erſter Gebrauch der Kettenkugeln 272. 273. Signale 274.

! k. Ueberſicht der Litteratur der Kriegskunſt in

I) 2) 3) 4)

dieſem Zeitraume. Geſchüstunſt 775 . Sriegsbautunſt 276. Taktit 277 Seekrieg 278.

D. Vierter

Zeitraum.

Dreiſſigjähriger Krieg in Deutſchland und den Niederlanden von 1618 bis zum Jahr 1648 .

a . Erfter Abfchnitt. Gerchůklunft. I ) Einrichtung und Beſchaffenheit der Geſchise. Erfte Verſuche , die Geſchüße zu erleichtern und abzus kürzen 280. Franz fiches Geſchüb 281 . Einführung der Mörſer bei den Franzoſen Regimentskanonen 283.

282.

Die

1

Jn ba l t.

XVII

Die ledernen Kanonen werden erfundent . 284. Guſtav 2 -dolf ſchafft ſie wieder ab , und führet atta dere leichte Kanonen anſtatt ihrer ein 285. Menge des Geſchüßes bet den Armeen. Des Marts grafen von Baaden bewegliche Spaniſche Reuter 286. Erfindung der Richtmaſchinen 287 . ubans Schießgerüſte 288 . ... St. 2 ) Erfindungen in Abſicht der Geſchorſe und Kunſtfeuer. Bomben 289 . Kanonengrenaden 290. Andere Kunſtfeuer 291, 292.

3) Bedienung des Geſchüßes . Unterricht der Artilleriſten 293. Gebrauch des Mörſers 294. Laden deſſelben und Erfindung der Zündischer 295. Allgemeiner Gebrauch der Kartetſchen im Feldtrtege 296. Artileriſten 297. 4 ) Einrichtung des Trains 298.

b.

Zweiter Abſchnitt.

Einrichtung der Infanterie. 1) Stårte und Beſchaffenheit. Unterſchied in Musketiere und Piquenire 299 . Stårte der Regimenter bei den Deutſchen und Schwes den 300 . Anwerbung : 301. 302. a) Kantonverfaſſung bei den Schweden . B ) Freie Anwerbung 303. Beſtand der Kompagnien 304.

. Beſoldung der Truppen 2 ) Befehlshaber 307 .

306.

x ) Generalſtaab. B ) Avancement bet dem Militatr. 3) Raftung des Infanteriften . Musketen allgemein eingeführet 508. Luntenverberger ib . Piquenire -309. Bloße Musketier Regimentér 310. Abidhaffung der Mustetengabeln 211,

@dweinds

XVIII

3 x 5 4

t.

Schweinsfebern ib. Einführung des Radſchloſſes bei der Infanterie 312. Laden des Gewehres mit Patronen und abſchaffung der Bandouliere 313. Erfindung des Bajonets and der Flinte 314. Beſondere Art Infanterie 315 . a ) Guſtav Adolfs Leichtes Fußvolt mit Schness 1 Fchuhen . B) Grenadiere. y ) Jágerkompagnien . Rüftung der Offiziere - 316. Gleichförmige Kleidung des Soldaten 317. 4 ) Gebrauch des Gewehres. Langſamkeit des Feuers 318. Ererziren und Manduvres 319.

c. Dritter Abſchnitt. Verfaſſung der Kavallerie. I ) Otårte und Beſchaffenheit. Verſchiedene Arten 320. Stårke der Regimenter 321. Aufbringung derſelben 322. 2 ) Befehlshaber 323 . 3 ) Rüſtung der Reuterei. Küraſſiere 324. Leichte Reuter der Franzoſen . Musquetairs 325 . Karabiniere , Dragoner und Huſaren 326. Füfiliere zu Pferde 327. 4 ) Gebrauch des Gewehres. Uenderungen des Königs von Schweden darinn 328.

d. Vierter Abſchnitt. Stellung und

Bewegung der Truppen.

I) Der Infanterie. Stellung der Regimenter bei den Kaiſerlichen 329, Verſchiedene Stellung der Kompagnien bei den Kafferlis chen und Schweden 330. 331. 1 Eins

In

XIX

Einführung des Pelotonfeuers 332 . Stellung der Piqueniere 333 . Batatlone der Kaiſerlichen und Franzo fent 334. Brigaden der Schweden 335 - 337 . 0 Musketiere zwiſchen der Reuterei 338. Kommandierte Musketiere in beſondere Brigaden fort miret 339 .. 340. 2 ) Der Kavalierie c) Stellung. B Chargtrung 3 ) Schlachtordnung ganzer Armeen 341. Regimenter nach dem Dienſtalter der Oberftet einges ſtellet 342 . Eintheilung der Franzofiſchen Armee in Brigaden 343. Stellung des Geſchůges . Masquirte Batterien 344. Erfindung des achteckigen Quarrecs ib . Neue Manduvres 345. a) Zuráchalten eines Flugets. B) Durchziehen der Infanterie : Treffent. g) Tourntren des Feindes. 4 ) Marſchordnung , Uebergang über Flüſſe mit offenbarer Gewalt 346. 347 . Marſch der Armeen aus der Flanke und in Kolonnen 348. Subſiſtenz 349. 350. 1 Operations Plane 351. Entwurf zu den Treffen 352.

e. Fünfter Abſchnitt. Kriegszucht. 1 ) Dienſt 353. 2 ) Subordinazion 354 355 . 3 ) Mannszucht. Strafe der Soldaten. Einführung der Spißruthen 356. Gouverneure der Feſtungen werden wegen Uebergabe der: ſelben beſtraft 357 Verbote des plünderns und Marodirens 358. Schwediſche Kriegsgeſebe 359. Verfall der Seriegszucht bei den Schweden 360. Strafe der Ausreiſler . Generalpardon 361.

Geſeke

/

XX

In 6

1 t.

Gereke gegen den Zweitampf 362. 363. Kriegskollegium Guſtav Adolfs 364. Soldatenſchulen 365. 4 ) Behandlung und Ranzioniren der Kriegsgefangenen 366. 5) Belohnungen 367.

f. Sechſter Abſchnitt. låger und Feldverſchanzungen. 1) Einzelne Poſten Reduten und Feldſchanzen 368. a ) Profil derſelben 369. B ) Erbauung und Verſtärkung 370, 2) Lagerverſchanzungen. Geſchleppter Verhau und Fladderminen 371. Verſchanzung mit einzelen Reduten ' 372. Zurammenhangende Linien 373 . 3) Einrichtung der Låger. Abſchaffung der Zelte 374 . Lager eines Regimentes Fußvolt von Tauſend Manu 375. Lager einer Reuter : Kompagnie 376 . Lager eines ganzen Heeres 377. Kampiren in Linien 378.. Gepäck und Trob der Armeen 379 .

g . Siebenter Abſchnýtt. Feſtung s6 au kun ft. / 1) Einrichtung der Hauptwalles 380. Hauptmaaſſe deſſelben 381, 2) Auſſenwerke. Auſſenwerke von Breda 382. Erfindung der Pfaffenmůben 383. Palliſaden 384. Befeſtigung der Deutſchen Städte 385. 3) Verbeſſerung der Niederländiſchen Manter. a ) Durch den Grafen von Pagar 386. B Durch Werthmålern 387, 4 ) Stårfe der Beſakung 388 a. Achter

3.754 It.

XXI

h. Achter Abſchnitt. Angriff und Verskeidigung der Feſtungent: 389. 1) Einſchlieſſungoder Berennung. Circums uno Contravallationslinien

.390 . 391. Damm , zu Sperrung des Rafens von Rochelle 2) Batterien . Beſchaffenheit und Maaffe der Batterien 393. Menge des Geſchůzes 394. Abkürzung der Belagerungsarbeit 395. Steinförbe 396 . Erdwurf 397. Kebeſpiegelgrenaden 398. Bricolſchüre 399 3) Sappen , Arten derſelben 400 . Gerade Sappe 401 ... Bedeckte Sappe . 402 . Parallelen 403 Andere Form der Laufgråben 404. 4 ) Minen . iwi Anwendung derſelben 405. Groſſe der Gallerien 406. Gallerie über die Gråben 407. 5) Vertheidigung. Gegenapproſchen 408. Bedeckte Weg 409 , Bertheidigung der Breſche 410, Schleuſen 4116 Proviantweſen 412. 6) Uebergabe der Feſtungen 413. 414.

392.

.i. Neunter Abſchnitt. Seefrieg . 1 ) Beemachte 415. 416. a) Bauart der Schiffe 417, Carraquen 418 . Kriegsſchiffe 419 . Andere Fahrzeuge 420,

Haupts

XXII Hauptmaalle der Schiffe 421. ? . Bedeckung der Schiffe gegen die Seewürmer 422. . Maaſſe des Franzöſiſchen Schiffes : die Krone:1423 . 3) Bemannung der Schiffe Equipage der Krone 424. Beſoldung der Seeleute 425. Erſte ſtehende Mariniers 426.48 mis CH455 Stårte der Flotten 42? 1 3) 4 ) Seezucht " :428 429: Schlachtordnung und Gefecht. " +A Marſchordnung 431. Käufiger Gebrauch der Brander 432. Landung im Angeſicht des Feindes. 433 . k. Ueberſicht der Litteratur der Kriegsfunft im Viers ten 1) 2) 3) 4

Zeitraume.

Geſchüßkunſt 434. Kriegsbaukunft 435 Taktik 436. Seeweſen 437.

Geſchichte

1

1.

1

1

| 1



1

을 1 .

1

Dritter

Zeitraum

.

Begreift den groſſen Unabhängigkeitskrieg der Nieder: lånder gegen die Spanier von 1568 bis zu dem allgemeinen Waffenſtilleſtand im I. 1699 * ).,

Erſter

Abſchnitt.

Ausbildung der Geſchůztunft während dieſes Krieges.

$.

133 .

wei Volfer traten in dieſem Kriege gegen einander 3 auf, die beide in früheren Zeiten gleichen Kriegs: ruộm genoſſen hatten , aber jeßt , als ſie den Kampf begannen , bei weitem nicht auf Einer Stuffe der Kriegs kunſt ſtanden .

Wåfrend die Spanier durch Ein Jahrs þundert

* ) Obſchon dieſer Krieg fich im eigentlichſtett inne des Wortes nicht eher als mit dem Weſtphäliſchen Frieden endigte , weil hier die Niederländiſchen Provinzen erſt von den Spaniern für unabhängig erklärt wurden ; fann man ſeine Dauer doch nicht wohl bis dahin ſegen , denn er wurde durch einen zehnjährigen Baffenſtilleſtand unters brochen , ſo daß er 1609 füglich als beendiget anzuſehen iſt, tõell beſonders von 1620 an der ausbrechende dreiſſigs jährige Krieg mit eingreift , und ſich über ganz Europa Soyer's Wenere Briegek, I. 6. R

III . - Zeitraum .

244

hundert lang faſt ununterbrochen fortdauernde Kriege in Deutſchland , in Italien , und ſelbſt in Afrika ihren Mutý geſtåhlt , ihre Kriegszuche befeſtiget , ihre Tas tente geübt hatten ; lebten die Niederländer , die Lieb: lingsföhne Karls des Fünften vor allen Unter: thanen ſeiner weitlåuftigen Monarchie, blos für den Handel und die Künſte des Friedens. ' lies ihnen auch zuweilen ihr Souverain die ſchwere Hand des Despoten fühlen ,

ſchien er doch immer die ihnen ertheilten Pri:

vilegien und Borrechte zu ehren , und gern trugen ſie die ihnen auferlegten laſten , weil ihr geliebter und vers ehrter Fürft ſie nicht mit Unwillen forderte, ſondern So batten ſie, mit Herablaſſung und Milde erbat. wenigſtens der gröſſere Theil der Nazion , unter Karls Regierung faſt den Namen des Krieges vergeſſen , als ſie Pbilipps des Zweiten Hårte , oder vielmehr die Bedrückungen ſeiner Stellvertreter aus dieſer glück lichen Ruhe heraus riſſen , und ſie auf einer ihnen ganz neuen Bahn zu wandeln zwangen . Der Landmann mußte ſeine Peder, der Kaufmann ſeine Geſchäfte vers laſſen , um das Schwert in die ungewohnte Hand zu nehmen , und , ein Krieger ohne Uebung und Manns. zucht , Unführern folgen., deren Befehle er nicht aus: zurichten wußte.

Er ſchien dem Spanier ein verächt:

licher Feind , der von abgehärteten ſieggewohnten Trup: pen leicht zu überwinden ſein würde. Alleiu eben dies , dann das ſtete Uuſſenbleiben des Soldes der Spanis fchen Truppen und die beiden gemeinſchaftliche Uner: fabrenheit in der Belagerungskunſt,

kam den Nieder: lån:

erſtreckte. Frankreich und Engeland, die Bundsgenoſſen der Niederlander , nahmen thåtigen Antheil an den Vors fållen in Deutſchland , und die Verbeſſerungen , die bei Einem Heere gemacht wurden , giengen immer bald auch zu dem mit ihm Krieg führenden Heere über.

1. Ausbildung der

tåndern zu ſtarten.

Geſchüßkunſt.

245

Haß gegen ibre Unterdrücker und

ſchwärmeriſcher Freiheitsſinn, machte dieſe erfinderiſch und erſchwerte den Spaniern die Eroberung minder bedeutender Städte und Sd ;löſſer. Der Krieg fing an, ſich in die linge zu ziehen , und die Spanier er: fuhren das , was ſich auch in unſeren Tagen mehrere male beſtåtiget gefunden hat : daß ſelbſt der ungeübteſte Feind durch die lange Dauer des Krieges im Kampf gegen die beſten Truppen ſeiner Zeit ſich zum Soldaten bildet, während bei den anderen Tapferkeit und Manns. zucht immer mehr und meør erſchlafft. Empórte Unters tħanen wandelten ſich in furchtbare Feinde um , die von gleich tapferen und klugen Feldberrn angeführet, auch felbſt beſieget , nicht unterlagen , ſondern nur zu weis chen ſchienen, um mit erneueten Kråften den Kainpfplak zu betreten. So ward die Kriegskunſt im Laufe dieſes , von beiden Seiten init beiſpielloſer Erbitterung geführs ten Krieges nicht nur mit mancher neuen Erfindung bes reichert , ſondern bekam eine faſt ganz neue Geſtalt. Die Artillerie erhob ſich durch das Ludwig

Collado ,

uffano ,

Beſtreben eines Dams Busca ,

bach, Buble u . a. zu dem Rangeeiner Wiſſenſchaft; während Speckle, Tenſini, Torino u . a . die Befeſtigungskunſt vervollkommten und dem verånderten Angriff anpaßten . Bei den Truppen war es wegen des ſtarken und þåufigen Abganges nicht möglich , allezeit Leute zu bes kommen , die ſchon gedient batten , man mußte daber ungeübte Leute anwerben , die iør Gewebr nicht ger þérig zu gebrauchen wußten.

Dies war beſonders der

Fall bei den Niederländern , und veranlaßte den Prins jen von Oranien , ein Art Ererzier: Reglement abzus faffen , und gleichförmige Bewegungen des Gewebres einzuführen. Es wurden neue Truppenarten für irgend R 2 ein

III. 3 eitra u m.,

246

ein gewiſſes individuelles Bedürfniß gebildet, und dann wegen ihrer anerkannten Nüglichkeit beibehalten. Mit der ſchon beſtehenden Kriegskunſt wurden verſchiedene, zum Theil nicht unbeträchtliche Verånderungen vorge: nommen.. Der Angriff und die Vertbeidigung der Fes ſtungen ward durch die vielen Belagerungen mit man : der neuen Erfindung bereichert, und das Seeweſen der kriegführenden Nazionen kam gleichſam erſt von dies ſem Zeitpunkte an auf einen feſten Fuß. Mit einem Worte : Fortſchritte in den verſchiedenen Zweigen der Kriegskunſt , zu den es unter andern Umſtånden wahr: ſcheinlich

Jabrhunderte bedurft þåtte , wurden jegt

in Funfzig oder Sechzig Jahren gemacht.

$.

134 .

Schon in der Erſten Hälfte des Sechzehnten Fahr: Hunderts war das Geſchůgweſen auf einen meør regels Man hatte die uns måſſigen Fuß eingerichtet worden . gebeuern Donnerbüchſen in die Zeughåuſer verwieſen, wo ſie als Denkmahle der Vorzeit aufbewahret wurden ; und man hatte anſtatt ibrer dreizrlei Arten grobes Ges Coulevrines ; ſchüß eingeführet : Die Schlarigen und endlich die Kami Cangns die Karthaunen mergeſchüße, unter welchet Flaſſe die Mörſer und Haubit: zen begriffen wurden . Die Schlangengeſchůke pflegte man gewöhnlich rehr lang zu machen , um deſto weiter mit ihnen ſchieſſen zu können . So war die bekannte Schlange von Nanon , die Herzog Karl der Dritte von Lothringen 1998 gieſſen ließ, und die 18 Pfund ſchoß, 21 Fuß 11 Zou lang , welches ohngefär 53 Kaliber In Neapel ſtand eine zu Genua gegoſſene beträgt. Ganze Schlange, die 48 Pfund ſchoß und 47 Kas Man fieng jes liber - etwa 27 Fuß — lang war. doch an einzuſehen : daß die Schußweiten der Geſchüße nicht

W

14

1. Ausbildung der Geſchůgkunſt.

247

Långe zunehmen , daßer Rath von der eben bes Collado wurden auf ( uns merkten Schlange zu Genua erſt 8, dann noch 7 Kaliber abgeſchnitten , und ſie ſchoß nun bei der Hochs nicht im Verhältniß ihrer

ften Elevation 15oo Schritt weiter als vorher. Daſſel be geſchahe auch mit einer zwölfpfündigen Halben Schlange zu Gomera in Afrika , welche 45 Kalis ber fang war, und auf Befehl der Artillerie Offiziere Undreas Sepulveda und Jobann de Molik um 12 Kaliber verkürzt ward.

S.

135 .

Karl der Fünfte hatte ſebr viel für die Ges ſchüßkunſt gethan , und nicht nur an mehrern Orten in ſeinen Staaten , zu Burgos , St. Sebaſtian, Malaga und Barcelona in Spanien , zu Mali : nes und Utrecht in den Niederlanden , zu Crema, zu Mayland , Neapel , und Merlina in Italien , Stücfgieſſereien angelegt ) ; ſondern auch die Kaliber, die Länge , und die Metallſtärke der zu gieſſenden Kas nonen nach einer gewiſſen Norm feſtgeſeßt. Er þatte dabei die Kaliber durchgehends etwas gröſſer angenoms men , als ſie feine Feinde, die Franzoſen batten , in der Abſicht: damit er ihre Kugeln brauchen könnte , ſeine Zwar giengen Stückkugeln aber ihnen unnuß wåren . unter der Regierung ſeines Sohnes verſchiedene Obers Zeugmeiſter von dieſen Proportionen ab , und D. Juan Manriquez de lara lies in den Niederlan : den fürzere und ſchwächere Karthaunen gieſſen , von den die Ganze ( Canſa ) nur is , die Salbe 16 , und die Viertels : Kartfaune ( berraco ) 17 Kaliber lang war ; ein a) Diego Uffano Trattato della Artilleria y uſo d'ella . Bruxellas, fol. 1613. Tratt. I, cap. 7. R 3 !

1

248

III.

Zeitr a um .

ein gleiches that auch der Feldzeugmeiſter de la Mot: ta ; allein , theils glaubte man : fie hätten nicht Kraft genug , theils verbrannten ſie die Backen der Schieß: ſcharten und die Schanzkörbe wegen ihres kürzern Man goß ſie daber.größtentheils wie: Robres zu ſehr. der um , und des La Motta Nachfolger D. Luys de Velasco führte die ehemaligen Proporzionen -wies ber ein

S. ' 136 . Dieſe waren faſt allgemein angenommen, und nach bes Diego uffano , Spaniſchen Artillerie : Haupt: manns in der Citadelle zu Antwerpen , Angabe bei den Schlangengeſchüßen folgende: b ) Der Drache, oder die Doppel: Colubrine ſchoß 40 Pfund Eiſen mit 24 Pfund feinem Pulver, war 31 Kaliber lang, wog 1 20 Centner und ſchoß im Kern:

ſchuß oder die Seele wagerecht gerichtet 682 Schritt ; im Viſirſchuß , oder über die höchſten Frieſen gerichtete 1364 , und endlich mit der größten Elevation , welche die Beſchaffenheit der Saffete verſtattete (etwa 15 Grad) PA 8167 Schritt. Die Gemeine Schlange ſchoß 20 Pfund Ei: ren mit 12 Pfund feinein Pulver , war 32 Kaliber lang , wog 70 fer und ſchoß im Kernſchuß 600 , im Viſirſchuß 1200 , und mit der höchſten Elevation 7140 Schritt. Die Halbe Schlange ſchoß 10 Pfund Eiſen mit 8 Pfund feinem Pulver ; war 33 Kaliber lang ; wog 41 fe., und ſchoß im Kernſchuß 450 ; im Viſit: fchus b ) Es iſt ſchon vorher geſagt worden , daß man , ſobald die Geſchůkkunſt ſich mehr auszubilden anfieng, die Geſchüße in 1 ) Schlangen , 2) Karthaugen und 3 ) Kammerges ſchůze unterſchied .

.

I

1. Ausbildung der Geſchüßkunſt.

249

Elevation

5373

ſchuß gco ;

und mit der Hochſten

Schritt. Die Viertels : Schlange

Sacre

-

ſchoß

Etwas über 5 Pfund Eiſen mit eben foviel feinem Puls ver , war 34. Kaliber lang , wog 25 fe. und trug im Kernſchuß 350 ; im Viſirſchuß 700 ; und mit der bicha ſten Elevation 4139 Schritt. Der Falfe oder die Uchteld . Schlange ſchoß 2 Pf. Eifen mit eben ſo viel feinem Pulver ; war 35 Kalis

ber lang ; wog 13. und trug im Kernſchuß 279 ; im Viſirſchuß 568 , und mit der Höchſten Elevation 3318 Schritt. Der kleine Falfe — Ribadoquin - fchoß 11 Pf. Eiſen oder 1 Pfund Blei mit 1 Pfund Pulver ; 'war 36 Kaliber lang ; wog 7 le . und trug im Siecnſchuß 206 ; im Viſirſchuß 411 , und mit der höchſten Eleva: tion 2459 Schritt. Der Sperber ( esmerillon ) fchoß + Pfund Eiſen mit eben ſoviel Pulver ; war 37 Kaliber lang , wog 4. Se ; und trieb ihre Kugel im Kernſchuß 158 ; im Vifirichuß. 315 ; und mit der höchſten Elevation 1873 Schritt. Der Doppelhaken ( Musquetton ) fchoß s Unzen Eiſen oder 7. Ungen Blei mit eben ſoviel feinem Pulver ; war 38 Saliber lang, wog zle . und trug im Kern: ſchuß 121 ; im Viſirſchuß 292; und mit der höchſten Elevation 1440 Schritt. Der einfache Haken , oder die gemeine Muskete ß ſcho 2Į Unze Eiſen eder 31 Unge Blei mit eben ſoviel feinein Pulver ; wog I &. 30 h.; war 39 Kaliber

lang , und trug im Sternſchuß 90, im Viſirſchuß 1854 . und mit der höchſten Elevation 1.100 Schritt. Der halbe Halen oder die Arquebuſe, das kleinſte 1 metalne Schlangengeſchůs, ſchoß si Unze Eiſen oder 2. Un R 4

250 III.

Zeitra u m.

21 Unze Blei mit eben ſoviel feinem Pulver , war 40 Kaliber lang ; wog 81 Pfund ; und trug im Kernſchuß 75 ; im Viſirſchuß 142 ; und mit der Hochſten Elevas tion 845 Schritt. Man darf jedoch dieſe drei lekteren Arten nicht mit dem Handgewehr verwechſeln , das in der Långe und Einrichtung gar ſehr von ihnen verſchieden war, obſchon Denn dies waren kleine es dieſelben Namen führte. metaline Geſchůke , die auf ordentlichen Luffeten lagen , und nach jeßiger Art als Bataillon : Stücke dienten.

S,

137,

Eben angeführte Schlangengeſchüße biefſen Uechs te - legitimes - weil ſie die feſtgeſepte Långe batten ; und, theilten fich iþrer Metauftårke nach in drei Uns ter : Arten ; 1 ) Die Gemeinen, die an dem Roß oder hinten Kalis 1 Kaliber , in der Mitte bei den Schildjapfen ber und vorn an der Mündung , Kaliber ſtart waren. Ihre { adungen , Gewicht und Schußweiten enthålt der vorhergehende S. . 2 ) Die Verſtårkten , die hinten i į Kaliber, in der Mitte i Kaliber , und vorn is zur Metalſtärke batten, 3 ) Die Gerch wachten endlich waren ſ Kalis ber hinten , i an den Schildzapfen und ' an der Mündung ſtart. Hieraus entſtand denn auch nothwendig eine Vers ſchiedenheit des Gewichtes , der Ladungen und der Schußweiten , wovon ich ſogleich eine Ueberſicht ges ben will.

Bem

11

1. Ausbildung der Geſchüßkunſt. Perſtårfte Kalibet.

Pulverlad.

40 t. 20

27 13

10

8

Schlangen:

Gewicht. Keruſduk. Viſirſduk. 140 le . 811

85

46

s

264

251

714 · 1429 630 1260

470 367

Hodete Élevat. 8504

7497

940

5593

733

4363

Geſchw & chte Schlangen. 40. 20 — IO

21. 104

110 63

le .

650 570

1299 I 140

7729 6783

S11 ? 860 434 314 20 667 3669 334 S 19 Bei den fleinern Arten waren die Pulverladungen nicht verſchieden , daber konnten auch keine bedeutenden Vers ſchiedenheiten in den Schußweiten entſteßen .

138 . . Wurden die Geſchüße fürzer als gewöhnlich ges macht, bieffen ſie unschte baſtardes - und im umgekeørten Falle a ufferordentliche extraordic Die erſteren pflegten dabei immer auch von naires ſtårkerem Kaliber zu ſein , ſo ſchoß Der Bafiliste oder die Doppel: Schlange 48 Pfund Eiſen mit zo Pfund feinem Dufver , war 26 Kaliber lang , wog 122 Centner , und trug 638, 1276 und 7593 Schritt unter den oben angeführten Erhöhungen. Die Serpentine oder gemeine Baſtart: Schlange ſchoß 24 Pfund Eiſen mit 194 Pfund feinem Pulver , wog 75 le . , war 27 Kaliber lang , und trug 560, 5110 und 6664 Schritt. Die Natter ſchoß 12 Pfund Eiſen mit eben ſo: viel feinem Pulver, war 28 Kaliber lang ; wog 4016e., und trug 420,840 und 4998 Schritt. RS

Der

1

III.

252

Zeitra u m.

Der Pelikan ſchoß 6 Pfund Eiſen mit eben ſo: viel feinem Pulver, war 29 Kaliber lang ; wog 24 fer und trug 327,653 und 3881 Schritt. Der Falke ſchoß 3 Pfund Eiſen mit eben ſoviel Pulver , war 30 Kaliber lang , wog trug 249,498 und 2963 Schritt.

137

.;

und

Der kleine Falke – Ribadoquin – ſchoß 15 Pfund Eiſen , mit eben ſoviet feinem Pulver , war 31 Kaliber lang , wog 7 fe . , und trug 174 , 348 und 1752 Schritt.

S.

139 .

SIL E

Die Ertraordinair Schlangen zeichneten ſich durch ihre übermåſſige långe aus ; ſie waren Der Fliegende Drache war 39 Kaliber lang ; ſchoß 32 Pfund Eiſen mit 224 Pfund feinem Pulver ; Seine Schußweiten waren 638, 1276

wog 122 fe.

und . 7593 Schritt. Die Sångerin .

Sirene - war 40 Kaliber

lang ; wog 42 e.; ſchoß 56 Pfund Eiſen niit i 2 * Pf. Pulver.

Ihre Schußweiten waren 50o , I 120 und

6665 Schritt. Der Parrepolant

1

ſchoß

8 Pfund Eiſen mit

74 Pfund Pulver; war 41 Kaliber lang ; wog 41 le Seine Schußweiten waren 420,840 und 4998 Schritt. Der Sacre ſchoß 4 Pfund Eiſen mit 41 Pfund

Si

Seine Pulver ; ' war 42 Kaliber lang , wog 231Le. Schußweiten waren 317.633 und 3881 Schritt. Der Falke ſchoß 2 Pfund Eiſen mit eben ſoviel Pulver , war 43 Kaliber lang ,

1

wog 13

le .

Seine

Schußweiten waren 249, 498 und 2963 Schritt. Gleich den åchten Schlangengeſchůken wurden auch dieſe und die vorhergehenden Urten wieder in drei Uns tergattungen : die Gemeinen , 3

die Verſtårften , und

i

I. Ausbildung der Geſchüßkunft.

253

und die Geſch wachten getheilet, die ſich in Abſicht ihrer Metalſtårfen u. ſ. w. faſt wie die erſten verhiel: ſo daß jede weitere Auseinanderſebung nur ermů : den würde.

$.

140 .

Die Zweite Hauptart der allgemein üblichen Ges ſchůße waren die Karthaunen - Canons - die ents weder eine gleich ausgehende Seele hatten , wie die Eo: lubrinen , oder nach Art der Kammergeſchůke entweder encamerados oder eine kleinere Kammer hatten hinten kegelförmig zu

liefen

encampanados ;

doch

waren die beiden lekteren nicht ſo häufig im Gebrauch , als die gleich ausgebenden , weil das Laden mit der la: Deſchaufel hier mancherlei Schwierigkeiten hatte ) . Ihre gewöhnlichſten Kaliber waren Die Ganze Karthaune ſchoß 48 Pf. Eiſen mit 21 Pfund feinem Pulver ; war 18 Kaliber lang, wog 72 &e ., und trug soo , 1000 und 5968 Schritt unter den meşr erwähnten Erhöhungswinkeln. Die Halbe Kartbaune ſchoß 24 Pfund Eiſen mit 12 Pfund Pulver , war 19 bis 20 Kaliber lang ; wog 436., und trug 425,850 und 5070 Schritt. Die Viertfeils : Startbaune ſchoß 12 Pfund Eiſert mit 8 Pfund Pulver , war 24 Kaliber lang, wog 27.6. , und trug 375,750 und 4480 Schritt. Man blieb jedoch nicht bei dieſen Verhåleniſſen ,

ſondern ånderte bald am Kaliber , bald an der Metall: ſtårke ab ; bis endlich der Erzherzog Albert von Des ſterreich auf des Feldzeugmeiſters Grafen von Bus quon Antrag folgende Proportionen für die Kartbau: nen feftfekte ; Die c) Luys Collado Platica Manual de Artilleria Tratt. 2. cap . 38 .

1

254

III.

Zeitraum.

Die Ganze Karthaune ſollte 40 Pfund Eiſen ſchieſſen , 20 Pfund Pulverladung bekommen , 18.Ka: liber lang ſei, und hinten

an den Schildzapfen

vorn an der Mündung aber Kaliber Metalſtårke er: balten . Das Gewicht ward zu 64 te. beſtimmt. Die Kalbe Kartbaune fchoß 24 Pfund Eiſen mit 12 Pfund Pulver ; Hatte 19 Kaliber Långe ; und Ihre Metalſtårten waren, wie überhaupt wog 42 lei bei dem ganzen Karthaunen: Geſchlechte , die bei der Ganzen Karthaune angeführten. Die Viertheits : Karthaune ſchoß 10 Pfund Eifen mit 6 Pfund Pulver ; war 24 Kaliber lang, und wog 23 . Die achte18 Karthaune diente mehr als ein Feldgeſchůk. Ste ſchoß s Pfund Eiſen mit eben ſo

1

viel Pulver, war 29 Kaliber lang , und wog 19 te. Anſtatt iþrer ward jedoch käufiger die Viertelsi Schlange angewendet , die bei gleichem

Kaliber und

bei gleicher Pulverladung långer war, und wegen ihrer gröſſeren Metalſtårke auch meør tabung vertrug.

9 *

$.

141 . 441

Die Kammergeſchüße waren meiſtentheils zu ſteis nernen Kugeln eingerichtet , wie die Steinfarthaunen, die Feuerbüchſen und Böller , doch wurden gewöhnlich Brandkugeln und Kunſtfeuer verſchiedener Urt , oder aber Hagel und Kartetſchen von Kieſelſteinen , altem Eiſenwerk , oder Stücken von Ketten daraus geſchoſſen. Eine zweite Urt waren diejenigen Kammerſtücke, welche die Spanier piecas de camera , die Portugieſen aber pieças de braga nennen , und die mit einer beſondern, : kinten ein zu rekenden Kammer geladen werden . Sie waren ziemlich aus

dem Gebrauch gekommen ,

und

man fand ſie nur noch auf den Schiffen und in einigen alten

11

1. Ausbildung der Geſchütkunſt.

house

255

alten Schlöſſern ). Weil ſie immer mit den Schild: zapfen in einer eiſernen Gabel bingen , die auf dem Bord des Schiffes befeſtiger war ; þatten ſie binten an: ftatt der Traube einen langen Griff, den der Urtilleriſt nach genommener Nichtung mit der linken Hand auf der Schulter feſt hielt , während er das Geſchuk mit der rechten Hand loszůndete. Bei dem Laden ward die Kugel, in ein wenig Heu gefüttert , von pinten in das Robr geſchoben , und bierauf die Kammer mit Pulver:

fur

ladung und einem hölzečnen feſt eingetriebenen Pfropf oder Spiegel eingefekt, und mit einem durchgeſteckten Keile befeſtiget. Gewohnlich waren für jedes Stück 30 bis 40 geladene Kammern vorräthig , auch bedien :

ni

te man ſich bei feſtlichen Gelegenheiten der lekteren , auch zuweilen für ſich allein ; um ſie anſtatt der Kanonen

96

abzufeuern , weil ſie einen eben ſo ſtarken Knall von ſich

iher

gaben. Dieſe Spammerſtücken hatten jedoch den Natha theil , daß fie niemals hinten feſt ſchloſſen , und daher zu viel von der aus dem Pulver entwickelten elaſtiſchen Materie austieſſen ; man fiel daher aufverſchiedene Vers beſſerungen decrelben , und bediente fidh anſtatt der Kammern bloſſer aus Kannefaß verfertigter Patronen , wo alsdenn die Hintere Deffnung des Rohres die

nila

jekt nicht mehr an der Seite war – mit einem Spunde und einem durchgehenden Keile verſchloſſen ward. Bo: najuto Torino ſchlägt einige Verbeſſerungen dieſer Einrichtung vor ) ,

doch

findet man keine Beweiſe,

daß ſie wirklich angenommen worden ſind. Ueberbaupt ward der Vortheil dieſer Geſchůze, daß man ſie wegen

6

IETA

der dabei eingeführten Patronen ſchneller zu laden im Stande war , ſebr durch ifre Kleinbeit verringert. Denn

d) Uffano Tratt. I, cap . 5. und 7. Collado 3 , 20 . e ) Von Veſtung Bauen . Aus dem Italieniſchen durch Da: vid Wormſer fol. 1607. Lib. 2, cap . 8 et 9 .

m

256

rau III. Zeit

.

Denn bei Geſchüßen von gröſſerem Kaliber würde der þintere Spund Masculo ja ſelbſt der ibn im Robre feſthaltende Keil zu groß und unbeweglich ge: worden ſein , daber alle dieſe Kainmergeſchüße felten i oder nie über 6 Pfund fchoffen. Die andere Art der Kammergeſchüße, dieMór: fer und Steinkarthaunen oder Feuerbüchſen erhielten ſich noch in iører erſten Forin , und waren jene gewöhnlich 6 bis 8 und dieſe 10 bis 12 Kaliber lang , die man nach Steingewicht zu berechnen fortfuhr , obgleich man ſchon ſeit einiger Zeit aufgehöret þatte , ſteinerne Kus Man bediente fich lieber der geln daraus zu werfen . Feuer : oder Brandkugeln , deren faſt jeder Artilleriſte unter verſchiedenen Namen einige neue erfand , um da: durch ſeine Geſchicklichkeit in der Kunſtfeuerwerkerei zu beweiſen .

8.

142.

Auſſer dieſen gewöhnlichen Geſchüßen , zu den man auch die ſchon im vorigen Zeitraume üblichen Orgels geſchůke rechnen kann ; wurden zwar hie und da jus weilen ſehr abentheuerliche Arten verfertiget , doch nie: mals allgemein eingeführet, fondern entweder ganz ver : geſſen , oder in den Zeugþåuſern als eine Seltenheit aufbewahret. So ſtand zu des uffano Zeiten -- -0.5. gegen die Mitte des Siebenzehnten Jahrhunderts C in Xom am Eingang der Engelsburg ein Geſchůş; der Triquetraque genannt , das 5 Mündungeni, jede auf 3 Pfund Eiſen eingerichtet , hatte, ſo daß die eine in der Mitten ſtand , und 4 um ſie berum lagen. Es war 31 Kaliber lang , und die Metalſtårke betrug fo: wohl auſſen feruin als zwiſchen den gebohrten Seelen Wahrſcheinlich aus Moth batten Einen Kaliber ). 1996 f ) Uffano Artill. Tratt. I. cap. 6 .

1. Ausbildung der Geſchůzkunft .

257

1596 die in Hulſt belagerten Niederländer hölzerne, mit eiſernen Reifen umlegte Feuerbüchſen , aus den ſie Brandkugeln auf die Spanier ſchoſſen 8). Dieſe Ge: ſchüße konnten jedoch nur leichte årten Brandkugelui werfen , wo ſie ſchwächere Ladungen erþielten , her wohl einige Zeit ausdauerten.

$.

und das

143 .

Uuch in Frankreich batte Karl der Neunte 1572 durch ein Edict das Geſchüß auf einen beſtimme ten Fuß gerekt , und folgende Arten deſſelben anges nommen : Die Doppel :Karthaune , le double Ca. pon ſchoß 42 Pfund Eiſen , war 11 bis 12 Fuß , oder gegen 21 Kaliber lang , und wog 9000 Pfund. Die Kartbaune - le Canon - ſchoß. 33 Pfund Eiſen , war 18 Kaliber oder 9.Fuß lang , und wog 6000 Pfund. Die grorre Schlange ſchoß 16 Pfund , war 29 bis 31 Kaliber lang , und wog 4000 Pfund.

Die Baſtarte ſchoß 74 Pfund Eiſen ,

war 27

bis 30 Kaliber lang, und wog 1500 bis 1600 Pfund , Das Falkon net ſchoß 2 Pfund Eiſen , war 29. bis 33 Kaliber lang , und wog 1000 bis 1200 Pfund. Man ſiehet: daß dieſe Geſchüße in Ubſicht iører Långe beträchtlich von den Deutſchen und Spaniſchen abweichen , deren Verhältniſſe faſt allen übrigen Euros

. päiſchen Staaten zum Muſter dienten .

Es konnte auch

nicht anders ſein , weil die Deutſchen Stückgieſſer überaử wegen ihrer Geſchicklichkeit und Genauigkeit bekannt waren , und daber in den meiſten Ländern die Aufſicht über die Gieſſereien hatten .

Sie goſſen in Formen , die

8 ) Meteeren Niederland. Siftor. B. 18. Seite 768.

1

258

III .

Zeitra u m.

die ſie Fabre lang an der Luft und Sonne trocknen lieſſen , wodurch der Guß nothwendig ſchöner ausfallen mußte, als wenn die Formen zu zeitig gebraucht wur: ben , da man das jeßt übliche Ausbrennen derſelben noch nicht kannte.

Das Deutſche Geſchůk ward Dess

halb für das beſte gefalten .

Nach ihm

kam das Ver

nezianiſche , das Maylåndiſche und Neapolitaniſche, das ebenfalls ſehr gut war , in Ubſicht der Schönheit aber bei weitem dem nächſtand, das D. Juan Mans riquez de Lara, als Feldzeugmeiſter des Königs von Spanien gegen das Ende des Sechzehnten Jahrhun: derts zu Malaga gieſſen lies. Von ibm unterſchied ſich das Franzöſiſche blos durch ſeine Kürze ; am ſchlechs teſten war das Genueſiſche, das als bloſſes Handels: güt betrachtet und zum Verkauf verfertiget mard. Weil hier die Gieſſer nicht die gebårige Sorgfalt anwandten, ſtand die Seele faſt nie in der Mitte des Robres , oder war ſchråge gebohret,

ſo daß alle Artilleriſten jener

Zeit ſich vor dem Gebrauche dieſer Geſchüße ſcheueten ").

S.

144.

RA Db ſchon nun ſowohl unter Heinrich dem a ne dern – wo der Feldzeugmeiſter d'Eſtrées die Gieſ: fereien verbeſſerte, - als unter Karl dem Neunten in Frankreich viel für das Geſchůkweſen gethan worden war ; kam es doch durch die innerlichen Unruhen unter Heinrich dem Dritten faſt ganz wieder in Ber: So blieb es , bis Heinrich der Groffe den

fal.

bekannten Herzog von Sülly im Jahr 1599 mit der 1 Dieſer dankte nicht Feldzeugmeiſterſtelle bekleidete. nur auf einmal gegen soo Urtillerie: Offiziere ab, weil es ihnen an den notbigen Kenntniſſen fehlte; ſondern ſorgte auch für die Anſchaffung von Pulver , Kugeln, Bom : b) Collado Platica Manual. 2 , cap . 2 .

1. Ausbildung der Geſchůkkunſt. Bomben ,' und vorzüglich neuen Geſchükes ,

259

an deffent

Verfertigung er mit der größten Thåtigkeit arbeiten lies. Als daher im folgenden Jahre der Herzog von Savonen nach Paris kam , und das Zeughaus beſucha te, konnte er ibin 20 neue ſchon vollig beendigte Kas nonen , eben ſo viel geformte, die man zu gieſſen im Begrif war , und vierzig neue Jaffeten zeigen.

1450

$.

Nächſt der Verbeſſerung der Gieſſereien fieng man auch an, bei dem Geſchůk verſchiedene zweckmäſſige Er: findungen in Ausübung zu bringen . Wegen der durch gehends eingeführten ſtarken Ladungen , die nicht ſelten mehr noch als das Kugelgewicht betrugen , mußten nothwendig die Zündlocher der Kanonen ſehr bald auss brennen , und lektere dadurch unbrauchbar werden . Um nun nicht genöthiget zu ſein , ſie umgieſſen zu las: fen; dachte man auf Mittel, ſie zu verengen , und Collado ' ) redet von dem Einſeken neuer Zündlocher als von einer fehr bekannten Sache. Schon damals geſchahe es auf zweierlei Weiſe : entweder daß man nach Erweiterung des Zündloches ein Stück mit Schraus bengången verſehenes Kupfer oder Stückmetall eins ſchraubte und ein neues Zündloch hindurch bobrte , oder man ſchnitt in die vergröſſerte Deffnung zu mehrerer Dauer Schraubengånge ein , und goß ſie alsdenn mit geſchmolzenem Metall aus. S.

146 .

Wegen der håufigen Belagerungen in dieſem Kries ge, ward vorzüglich das für den Angrif ſowohl als für die Vertheidigung 1o åuſſerſt wichtige Fach der Kunſte feuters i) Platica manual de Art. 3. cap. 44 . Soyer's neuere riegok. Itb.

260

III.

Zeitraum .

feuerwerkerei febr bearbeitet.

Es wurden theils neue

theils auch die ſchon früßer ges machten , aber bisher noch nicht angewandten, wirklich Erfindungen gemacht ,

Den gewöhnlichen Hagel, in Ausübung gebracht. der aus Kieſelſteinen , Kettengliedern und anderem alten

1

1 Eiſen beſtand , regte man jeßt nicht mehr eingeln mit Leimen in die Mörſer und Haubigen, ſonderen faßte ihn in ein Neß von Eiſendrath , in ein Faß, oder auch in

;

geflochtene Körbe , wodurch' man den Vortheil erlangte, mehrere male nach einander auf dieſe Art feuern zu Ja die Niederlånder fchoſſen 1602 in der können "). ro merkwürdigen Belagerung von Dftende aus den Kanonen , deren kleinerer Kaliber keine ſolche Gattung von Hagel zuließ , Kartetſchen von Musketentus geln , in Såde von ſtarkem Seegeltuch gefaßt ; gegen die Laufgråben der Spanier '). Man bediente fich dieſer Kartetfchen vorzüglich bei den Orgelgeſchüßen , die damals die Stelle der kleinen Feldkanonen vertra ten , und gab ihnen eine Schwere von 1 bis 2 Pfuns dert , weil der Kaliber der Orgelrohre gewöhnlich Eins pfündig war m ).

$.

147

Zu diefen Kartetſchen ſcheint man in dem Landkries ge wohl zuerſt die Patronen oder Cartuſen gee braucht zu haben , d . 6. papierne oder leinwandne Hül fen, welche die Pulverladung enthielten. Auf der See þatte man ſie ſchon längſt eingefübrt , ſowohl wegen der gröſſern Gefahr auf den Schiffen bei dem Gebrauch der ladeſchaufel , als vorzüglich wohl deswegen , weil die

k ) Collado . 3 , cap. 32 et 33. 1 ) Carnero hiftor , de las guer. de flandel, lib . 16. cap. II. m ) Uffano Tratt. 3 , cap. 16.

AN

1. Ausbildung der Geſchüßkunft.

261

" die hier allgemein üblichen Kammergeſchike - piecas de braga nicht anders geladen werden konnten "). Anfangs war bei dieſen Patronen die Kugel oder Kars terſche nicht mit dem Pulver verbunden , ſondern wurde für ſich beſonders eingeſeßt , allein , Bonajuto ( 0: rino [ chläge zuerſt vor , die Kugel oder Kartetſche mit dem Pulver in einen und ebendenſelben Sack zu thun , weil die Geſchwindigkeit der ladung dadurch gar ſebr befördert werde ).

$.

148 .

lange ſchon kannte man zwar das Verfahren : durch glühend gemachte Stüeftugeln Gebåude anzuzünden ; ja ſie waren ſogar noch vor Erfindung der Pulverges ſchüße im Gebrauch , wie aus mebreren Stellen frůbes rer Geſchichtſchreiber erbellet. Adein, nur ſelten wurs den ſie angewendet, entweder wegen der Schwierigkeit, die Kugeln glühend zu machen , oder wegen der Ges fabr: daß die Pulverladung Feuer fieng , und den vor der Mündung beſchäftigten Artilleriſten, tódtete. In dieſem Kriege bediente man ſich ifrer verſchiedene male ; denn als 1580 Renneberg die Stadt Steens wick belagerte , wurden 70 Håuſer durch glübende Kugeln in Brand geſteckt P ). Auch 1997 in der Belagerung der Stadt Rheinberg durch die Spas nier , zündete eine glübende Kugel den Pulvervorrath der Belagerten an , und zwang fie dadurch zur Hes bergabe 9 ). a ) Collado Tratt. 3. cap. 19. o) Bon Feſtungsbauen . ůbecſ. durch Dav. wormbfer . Frantf. 1607. im 2. Buch . cap . 8. P ) Meteeren to B. S. 395 . 9 ) Cardero hiftoria etc. 1 $ , cap . s .

$ . 149 1

262

Ć

III. Zeitraum .

$ . ' 149 .

Häufiger als der glühenden Kugeln bebiente man ſich jedoch der Brandkugeln und der Bomben . Jene

VE

waren , wie noch jekt, von geſchmolzenem Zeuge, d.g. einer Miſchung aus Harz , Pech , Schwefel, Salpeter und Schießpulver verfertiget, das zuſammen geſchmol: zen und noch warm in einen Sack von grober ſeins wand gedrückt wird . ' Um dieſem Sacke kinreichende Feſtigkeit zu geben , damit er nicht von dem Feuer des Mörſers oder der Haubike zerbrochen wird , umſtricket man ihn mit ſchwachen Seilen , und tauchet ihn in zer: laſſenes Pech . Die Bomben waren mehrentheilt aus Erz oder Stückmetall gegoſſen , und nur zum Theil mit Schießpulver , der übrige Theil aber mit Brands zeuge angefüllt. Man kannte ſie fchon längſt untec dem Namen der fprengenden Kugeln , und beleg : te blos die Brandröhren mit dem Namen der Bom : ben ), nach und nach ging aber der Name eines Tþei: les auf das Ganze úber , und hohl gegoſſene Kugeln, mit Schießpulver angefüllt , und mit einer Brandrohre verſehen , hieſſen Bomben . Es iſt daber irrig, wenn

1

1

Strada -vorgiebt: die lekteren ſeien von einem Bür: ger zu Venlo erfunden und 1588 zuerſt von dem Gras fen von Mansfield gegen die Stadt Wachtendont gebraucht worden "). Die Erfindung kann höchſtens in dert Ubånderung und Verbeſſerung irgend eines zus fålligen Umſtandes beſtanden haben , die Sache ſelbſt war ſchon ſeit beinahe Hundert Jahren bekannt ). S. 150. r) Uffano Tratt. 3, cap. 18. s) Fam . Strada de bello belgico Decas If , lib . 10 . t) Der beſſer unterrichtete Meteerien ſagt daher auch B. 15. S. 630. " Graf Mansfeld (choć auch mit viel Feuers oder brennenden Kugeln das Feuer in die Stadt, wo

+

1. Ausbildung der Geſchůşkunft.

$.

263

150.

Reu hingegen war ein Verſuch mit den Granar ten , die man bis hieher blos aus der Hand geworfen, und ſie daher, gleich den Sturmtopfen, aus Töpfer: Ein Kommandant des Schloſ: Thon verfertiget batte. fes zu Genappe fiel nemlich darauf : dieſe Granaten in gehöriger Groſſe von Eiſen zu ġieſſen , mit hölzers nen Brandröhren zu verſeken und aus Kanonen zu Allein , als der Verſuch in Gegenwart des ichieſſen. Feldzeugmeiſters D. Louis Velasco gemacht ward, 1 zerſprang die Erſte Granate , deren Brandrohre gegen die ladung zugekehret war , vor der Mündung des Ges ſchüßes, und die andere kam nicht bis ans Ziel. Einige 1 Zeit darauf ward auf der Citadelle zu Antwerpen ein zweiter Verſuch mit einem Sechzigpfündigen Ges fchůk angeſtellet , wo denn die beiden Erſten Granaten wieder unterweges jerſprangen, die Dritte aber zwar das 150 Schritt entfernte Ziel erreichte , die Stücken aber bis auf den Geſchüſſtand zurückwarf , Gouverneur D. Auguſt de Meria weſende Offiziere kaum noch hinter den Cavalier St. Peter cetten konnten daßer

bei

ſo daß fich der und andere an: nahe liegenden Es blieb u ).

dieſem Verſuche, und die Sache ward

für unanwendbar gehalten ; obſchon es für den är: tilleriſten feines Beweiſes bedarf : daß dei Grund des Mißlingens týeils in der ſchlechten Berfertigung und

wo er tonnte, alſo daß ſich die Bürger mußten in den Kellern halten . Dieſe Feuerkugeln waren zu Benlo zus gerüſtet worden , allda , als man ein Prob auf einem Bantet , das für den jungen Fürften von Cleve gehala ten warb , thun wollte , beinahe die halbe Stadt abgea brannt iſt.

u ) Ufano 3, cap . 19.

264

III.

Zeitr å u m .

und Befeſtigung der Brandrobre , tþeils auch in der Art , die Granaten in das Geſchůt zu laden , lag.

S.

IST .

Wahrſcheinlich gab die kleine Wurfweite der Mörs Per jener Zeit zu dieſen Verſuchen Anlaß , denn Mars tin Schenk warf 1585 init einem Mörſer viele Brands kugeln nach Nym wegen , weil er aber auf der ans dern Seite des Fluſſes ſtand ,

NE

fonnte er wegen der

Breite des Waſſers die Stadt nicht erreichen ). Hier: an war offenbar nichts anders Schuld , als die zu ges ringe Schwere der Brandkugeln im Verbåltniß der Da nun die Bomben oder hohl ges Pulverladung . goſſenen eiſernen Kugeln immer allgemeiner wurden, und eine beträchtlich gröſſere Wurfweite gewährten , begnüg: te man ſich damit , bis man in der Folge anfing , die Granaten durchgebends aus Eiſen gieſſen zu laſſen, und aus Haubitzen in einem ſebr flachen Bogen auf den Feind zu ſchleudern . Ich kann hier eine Erfindung nicht unerwähnt lass fen , die zwar nicht eigentlich in die Geſchütkunſt ges kört, aber doch wegen der dabei angeroandten Geſchüße dahin gerechnet werden kann. Jahres. 1580 die Spanier

Als gegen das Ende des Steenwick belagerten,

Norriß aber mit einem Entſaß in der Nähe ſtand; lig lekterer , um mit den Belagerten zu korreſpondis

1

1

*

ren, bleierne zwei Pfund ſchwere Kugeln gieſſen , deren

1

jede zwei beſondere Deffnungen Batte. Die Eine derſels ben enthielt den Brief, und war mit einem bfeiernen Pfropf verſchloſſen , die andere aber war mit Brands zeug und einer Zündſchnure angefüllt, um dadurch den Det zu bezeichnen , wo die Kugel nieder fiel , und die lektere als eine Abgeſandtin der Freunde anzukündis gen . ♡ ) Metçeren B. 13. S. 519.

1

1. Ausbildung der Geſchůzkunft. gen.

265

Durch eben diefes Mittel unterhielten 1640 in

der Belagerung von Turin der Prinz Thomas von Savonen und der Gouverneur loganes lange einen Briefwechſel mit einander in

$.

1522

Nächſt den Granaten , Bomben und Brands kugeln bediente man ſich im Belagerungskriege vorzüg: lich auch der Leuchtkugeln , die aus einem heller brena nenden Zeuge beſtanden und des Nachts aus Mörſern und Haubigen gegen die taufgråben der Belageret oder auch gegen die Contra : Approchen der Belagerten ges worfert wurden, um ſie zu beleuchten und beſſer mit . dem Gefchüß treffen zu können. Weit jedoch dieſe Seuchtkugeln durch darauf geworfene feuchte Erde, oder übergedeckte naſſe Haute leicht erſtickt werden konntent , fielen die Niederländer in der Belagerung von Dſtens de 1602 zuerſt darauf, fie durch eine bineingelegte eis ferne Granate für die furchtbar zu machen , die ſich ihnen nåbern würden . Sie tódteten auf diefe Weiſe viele der Belagerer , bis die Spanier nåper damit bes faunt wurden und die Erfindung ſelbſt nachahmten * ).

S.

153 .

In der eben erwähnten Belagerung von Oftende, wo beide Theile alle Kräfte aufboten , die einen ſich der Stadt zu någern ; und die andern , jener Arbeiten zu zerſtóbren und fruchtlos zu machen , bedienten fich die Ntederländer auch der ſchon beinaße ganz aus dem Gebrauidi, gekommenen Feuerpfeite , um die Faſchinen: dåmme w) . Meteer en B. 10. 5. 399. 2 ) Uffano Tratt. & cap. 20 . 4

Strada L, lib.4 p . 174.

III. 3.eite a u m.

266

dåmme und Bruſtwehren der Spanier in Brand zu ſtecken ). Dies gelang ihnen mehrentheils , und die Belagerer ſaben oft Werke in wenig Stunden , ja Uu : genblicken vernichtet, deren Erbauung fie mit einem uns erhörten Aufwand von Mühe Monathen beendigen konnten .

1

und Koſten kaum in

#1

Eine ſchon damals übliche Urt Kunftfeuer, die ſich wahrſcheinlich wegen ifrer höchſt einfachen Zuſammens (tkung bis auf unſere Zeiten erhalten hat , ſind die Pulverråcke, die i bis 2 Pfund Schießpulver fas: fen , in Pech getaucht und mit einer Brandrobre vers feben werden, um ſie gleich den Handgranaten unter die Feinde zu werfen . Die Türken bedienten ſich ihrer nach des Collado Zeugniß ?) käufig zur See ,

um

ſie in die feindlichen Schiffe .zu werfen , und dieſe da : mit anzuzünden.

$.

154.

So wie ſich jeßt die Geſchůße mehrten , ward auch eine gröſſere Menge Urtilleriſten zu ihrer Bedienung er: fordert. Dieſe waren mehrentheils Deutſche , die dem Kriege nachzogen und jedem dienten , der ſię bezahlen konnte.

Allein , Collado ragt: ſie ſeien in den theo: retiſchen Kenntniſſen eines Artilleriſten ſehr unerfabren geweſen , und båtten gewöhnlich von der Verfertigung

der Ladeſchaufeln nach dem Kaliber der Geſchůbe,

das

þeißt: von der Beſtimmung der Pulverladungen , von dem Uuffinden des Spielraumes , und von dem Ges brauch der Richtinſtrumente nichts verſtanden , auch wåren ſie gewohnlich dem Trunt, febr ergeben geweſen.

1

Ein von ihm ſelbſt erzählter Fall beweiſt jedoch : daß jener Vorwurf der Unwiſſenbeit nicht die Deutſchen allein , y ) Uffano Tratt . 3 , cap. 23. 2) Platica inanual Tratt. 5. fol. III.

2

1

1. Ausbildung der Geſchüßkunſt.

allein , fondern ůbèrbaupt traf.

267

die gemeinen Artilleriſten jener Zeit Denn 2 Korporale und 20 Spaniſche

und Italieniſche Artilleriſten , die in dem Fort der Ins fel Puerto del Brindez in Beraßung lagen, ſtrit ten mit ihm über die größten Schußweiten , und wuß : ten nicht: daß dieſe durch eine Geſchůke auch vergröſſert wird.

gröſſere Elevation der

Je feltner nun desgalb gut angebrachte Schüſſe rein mußten wie ſchon aus der ſorgfältigen Anführung jedes derſelben von den Artillerieſchriftſtellern und ſelbſt von den gleichzeitigen Geſchichtſchreibern erhevet , um ſo reichlicher wurden ſie auch immer von dem Ober: befehlshaber belohnet.

Als daher in der Belagerung

von Siena ein Deutſcher Büchſenmeiſter jo glücklich war , auf den Erſten Schuß ein von den. Belagerten auf den Thurin der Hauptkirche geſtelltes Geſchů womit ſie an Einem Morgen über 60 Mann getödtet und verwundet hatten nebſt dem Artilleriſten , der es bediente , zu treffen , daß man dieſen ſtückweiſe bers abfallen ſabe; nahm der Marquis von Marignano eine ſehr reiche goldne Kette von ſeinem Halſe , und bieng fie dem Büchſenmeiſter um ). Auf die nemlis che Weiſe belohnte auch, nebſt dem þinzugefügten Ver: ſprechen weiterer Beförderung, der Marquis Spinos la in der Belagerung von Oſtende einen Artilleris ſten , der mit dem Zweiten Schuffe das Anker : Tau eines von

ſeiner Mannſchaft

verlaſſenen

feindlicher

Schiffes entzwei ſchoß , daß es von dein Winde øer: über an das üfer getrieben werden konnte , nachdem ſchon mehrere beherzte Spanier verſucht hatten , fins über zu ſchwimmen und das Tau abzuſchneiden, wo fie aber alle ibren Tod theils in den Wellen, theils durch dic a) Collado 3, cap . 27. SS

I

268

III. Zeitra u m .

die Musketenſchüſſe der Niederländer ten ).

$.

gefunden hat:

155 .

Um nun brauchbare Artileriſten zu Silden , und ſie fowohl in der Theorie als in dem Praktiſchen der Ge: hatten ſchon zu An: fange des Sechzehnten Jahrhunderts die Venezianer Urtillerieſchule angeleget , die auch in der Folge n Man lehrte noch für die beſten gehalten wurden ) . hier den jungen Büchſenmeiſtern die Rechenkunſt und

ſchůzwiſſenſchaft zu unterrichten ;

geometriſcher Figuren ſo: wohl , als der Geſchüße und der Befeſtigungswerke ; das Nivelliren ; die Leitung und Anlegung der Minen ; die Verfertigung der Ladeſchaufeln ; das Vergleichen der Geſchůke ; den Gebrauch des Quadranten und anderer

Meßkunft ;" das Aufreiſſen

Richtinſtrumente ; das Probien neugegoſſenen Geſchüts zes ; die Verfertigung der verſchiedenen Arten Kunſt: i

Feuer ; die Anlegung der Batterien , und endlich die Die Hauptſache Husrüſtung der Artillerie : Trains. beſtand jedoch und mit Recht , in dem Schieſſen mit verſchiedenen Arten Geſchüß nach einem Ziel , wo dem Lehrlinge die Beurtheilung des zu neýmenden Ers böhungswinkels und der Ladung überlaſſen ward. Nach dem Muſter dieſer Artillerie : Schulen fatte auch Karl der Fünfte zu

Burgos und in

Sizilien dergleichen errichtet, deren Gefeße vielleicht dem tefer bier um ſo willkommener ſein werden, je mehr fie das Gepråge des Jahrhunderts an ſich tragen , in welchem ſie abgefaßt wurden . I. Niemand roll in der Schule den Namen Gottes éder ſeiner Heiligen låftern , bei Strafe dreier Schläge mit einem Stück Schifftatt. II, Bei b) Uffano 3, cap . 15.

c ) Collado 5. qu Ende.

1. Ausbildung der Geſchüßkunſt.

269

II. Bei derſelben Strafe darf feiner den Degen ober Dolch ziehen , oder einen andern ausfordern oder ſchimpfen. IDI. Ungeborſam gegen den Hauptmann oder Vors

ſteher der Schule wird auf dieſelbe Urt beſtraft. IV. Reiner darf ſich um das Vorrecht des Erſten Schuſſes ſtreiten , ſondern das Schieſſen geſchiebet in der Ordnung, wie die Lehrlinge in die Schule kommen . V. Dhne vorhergehende Erlaubniß des Vorſtehers (Capitan) darf keiner ſein Geſchůk laden oder abreuern. VI. Sobald die Lehrlinge in die Schule tommen , legen die , welche feuern ſollen , Mantel und Degen ab, nachdem ſie den Vorſteher höflich begrüßt Kaben. VII. Niemanden , als legterem iſt es erlaubt, zwi: fichen dem aufgefaþrnen Geſchůk herum zu geben . VIII. Niemand darf, ohne beſondere und ausdrücks liche Erlaubniß des

Vorſtehers , demjenigen, der das

Geſchüß richtet, belfen , ißm etwas ſagen oder die Richtung nachſehen *) . ix , Sobald der Artilleriſt dem Vorſteßer gemeldet

þat, daß ſein Geſchüß gerichtet ſei , darf weder er , noch irgend ein anderer mebr eine Hand daran legen. ' x . Wenn die Kugel in das Stück eingeführet wird , foll man das Zeichen des Kreukes über die Mündung machen ,

und die Hülfe der Heil. Barbara anruf:

fen ** ). XI. Nies * ) Zu dem Unterrichte der Schüler wurden gewohnlich Zwets und Dreipfündige Schlangen angewendet ; erſt dann, wenn ſie im Richten des Geſchůkes geübt genug waren , wurden ihnen nach und nach gröſſere Geſchůbe, Karthaunen und Mörſer gegeben . ** ) Die Heil. Barbara war die Schus Patronin des Geſchüßes und der Artttteriſten. Man fand ihr Bildniß an allen Zeughauſern , Pulvermagazinen , in den Artilles * ries

270

III.

3 eitra u m .

XI . Niemand darf ohne Vorwiſſen des Vorſtebers an der Ladung etwas zuſoken oder abnehmen . XII. Die von dem Vorſteher zu dem Aufzeichnen der Schüſſe beſtimmten ſollen dies" treu und unpar: tþeiiſch verrichten . XIII. Alle Lehrlinge inüſſen ſich auf Befehl des Vorſtehers bei dem Schieſſen einfinden , oder der Con : fraternitåt der Heil. Barbara zwei Pfund Wachs verehren . XIV . Bei derſelben Strafe follen Alle dem theores tiſchen Unterrichte beiwohnen , wovon nur diejenigen ausgenommen ſind , die wegen ſchon erlangter Geſchick: lichkeit davon frei geſprochen werden. XV. Kein Lehrling wird eher zu dem Schieſſen gez laſſen , bis er mit der Verfertigung der ladeſchaufeln und den übrigen Lebren der Geſchůkwiſſenſchaft be: tannt iſt, 01 : XVI. Jeder Schüler findet ſich zur gerekten Unter : richtsſtunde mit einigen Bogen Papier und den nöthis gen Artillerie: Inſtrumenten ein . XVII, Der Vorſteber ( Capitan) der Schule giebt felbſt Unterricht, um ſich deſto beſſer von dem Fleiſle der Schüler zu überzeugen und die Nachläſſigen und uns gelehrigen fortzuſchicken.

$.

156 .

Dbfchon man in jenen Zetten lange nicht po groſſe Zúge Geſchüß im Felde mit zu führen pflegte, als gez genwärtig ; waren doch die Artilleriſten niemals þinreis chend zur Bedienung der Feld : und Belagerungskanos nen .

In den ſehr regelmäſſig eingerichteten Deutſchen und rieſchulen und an den Pulverkammern der Schiffe aufges ftedt ; die lekteren werden daher noch jekt von den Frans joſen la Sainte Barbe genannt.

1.

Ausbildung der Geſchüßkunſt.

271

und Spaniſchen Heeren , wo ſich immer mehrere Tau: ſende Pionniere oder Schanzbauern befanden , muß: ten dieſe Handfanger : Dienſte bei der Artillerie verrich: ten.

Die Niederländer hingegen , den es mehr an leu:

ten fehlte , wandten gewöhnlich die Matroſen dazu an, die wegen des Seedienſtes ſchon darauf eingerichtet waren ). Dies geſchabe überhaupt immer , wie noch jekt, da , wo Florten beim Treffen mit Einfluß batten , oder ſich wenigſtens in der Näße des Schlachtfeldes befanden.

1

Von der geringen Unzahl des Geſchüßes ,

das man im Felde mitzuführen pflegte, zeugen übrigens alle våbrend dieſes Krieges vorgefallene Schlachten und Treffen. So hatten die Niederländer bei Torne bout Zwei Karthaunen und eben ſo viel Feldſtücken bei ſich . Bei Nieuwpoort katte jeder Theil Sechs Stůcken Geſchůß, und uffano, einer der geſchickteſten Månner ſeiner Zeit , rechnet auf eine Armee von 34000 zu Fuß und 6000 Pferden nicht mehr als 24 ſchwere Kanonen und 6 Feldſtücke ) ; doch brachten andere Taks tiker , die ihre Truppen reichlicher verſeben wollten , auf jede Tauſend Mann Ein Stück Geſchüß in Anſchlag. Alles, was zu dem Urtillerieweſen gehörte , ftand unter dem Oberbefehl des Feldzeugmeiſters , dec ſeinen Leutnant Katte. Wenn in den vorigen Zeiten die Büchſenmeiſter ſelbſt Offiziere vorſtellten , und kein anderes Überbaupt batten , als den Feldjeugmete fter oder General der Urtillerie ; waren ſie jekt, gleich den übrigen Truppen ,

in Kompagnien ges

theilet , die einen Hauptmann nebſt den gehörigen Gewöhnlich ward Ober- und Unteroffizieren hatten. auffer der Artillerie immer auch noch ein beträchtlicher Theil des Heeres oder wohl ein beſonders detaſchirtes Korps d ) Meteeren Niederl. Såndel B. 21. S. 957. e ) Tratt. I. Dial. 3

1

272

IH. Zeitraum .

Korps dem Befehl des Feldzeugmeiſters übertras gen ") , wie man dies von dem Grafen Karl von Mansfeld , Herrn von La Motte , den Grafen von Borfů, von Barras, D. Luys de Velasco und dem Grafen von Buqoi bei den Spaniern findet, ohne noch des bekannten Herzogs von Sülly zu ges denken , der durch die auſſerordentliche Gunſt Heinz richs des Groſſen eine Menge der wichtigſten Eu: renſtellen in ſich vereinigte.

S.

157 .

Nicht ſowohl aus Mangel an Pferden , als viets mehr weil ſie überhaupt gewohnt waren, ſich iþrer Sklaven als der Laſttbiere zu bedienen; fiengen die Tür: ken zuerſt an , iør Geſchüt durch fie fortbringen zu laſſen.

Iþrem Beiſpiele folgten Pizarro und Fer:

dinand Cortez, die ebenfalls ihre Kanonen durch Menſchen nach Merito ziehen lieſſen. Uuch im Nies derländiſchen Kriege ward dieſe Art, das Geſcúk fort zu bringen , öfters angewendet, wenn es die Beſchaffens heit des Terrains nicht füglich geſtattete, ſich der Pferde dazu zu bedienen . Es geſchahe jedoch nicht ro wie jeßt, abgeprokt und zum Schuß fertig ; ſondern die Ka. nonen waren aufgeprokt , und der Unterſchied beſtand blos darinnen , daß anſtatt der Pferde , Menſchen an den Vorderwagen geſpannt waren . S.

158 .

Man batte ſich nun ſchon ſeit langer Zeit der Brücken von Pontons oder tragbaren bölzernen Fahr: Dieſe Pontons waren 25 Fuß lang, zeugen bedienet. 2 Fuß tief, in der Mitten 6 , binten und vorn aber 2 Fuß breit, und auf jedem Bord mit s Einſsnitten, 2 Zoll f ) Utano I. Dial. 2.

16

1. Ausbildung der Geſchüßkunſt.

273

2 Zoll tief, verſehen , worein die 5 Balten bei dem Brückenſchlagen gelegt wurden, die 6 Zoll ins Gevierte bielten, und 20 Fuß lang waren. Die Pontons wurs den nebſt dem übrigen Brückengerätße auf Wagen ges fahren , die 24 Fuß ßoße Leitern þatten. Zu dieſen Brücken lehret ſchon úffano die Bedürfniſſe nach ge meſſener Waſſerbreite auf die bekannte Weiſe berechnen , und giebt die Breite der Fahrzeuge zum Maaß ifres Abſtandes im lichten an .

$.

159

Weil dieſe Tragbaren Brüdenkåbne von beträchts licher Schwere waren , und daßer leichten , zu ſchnellen Erpeditionen beſtimmten Korps nicht gut folgen fonns ten , erfand D. Iuns de Velasco eine andere Art Brücken zu dieſem Endzweck , die auf Befehl des ads miranren von Ürragonien im Jabr.1597 zu Bruſſel verfertiget wurden.

Sie beſtanden aus ſchwachen und ſehr leichten , flachen Kähnen , die bequem mit iþrem Wagen von drei Pferden gezogen werden konnten . Eine

Decke von doppeltem Hånfner :Tuch , das auf einein Nekwert von Seilen rubete , und durch an den Seiten befindliche Stangen ausgeſpannt ward , bildete den Fuß: boden , über den Drei Infanteriſten neben einander ger þen konnten .

Dieſe Art leichter Brücken ward bei ver:

fchiedenen Gelegenheiten gebrauchet, wahrſcheinlich aber wegen ihrer geringen Dauerhaftigkeit bald wieder abs 1 geſchaft. $.

160 .

Da man aus dem Geſchůk und was dazu geborte, einen beſonderen Park formirte, der für ſich allein macs ſchirte und im lager ebenfalls einen abgeſonderten Plas einnahm ;

war auch bei den Spaniſchen und andern nach

274

Ill.

Beitra u n .

nach ihnen gebildeten Armeen eine beſondere Macích: ordnung für das Geſchůß eingeführet. Den Anfang der Kolonne machte allezeit eine kleine Avantgarde von leichten Pferden, die Patrouillen vorwärts ſchickte, und für die Sicherheit des Trains forgte, der überdieſes immer noch eine Bedeckung von einigen Kompagnien Infanterie , ja zuweilen auch von ganzen Regimentern hatte. Auf die Avantgarde folgten die Pionniere in Vier Abtheilungen : Die Erſte mit derten und Sågen ; die Zweite mit Werkzeugen zu Verfertigung der Fas ſchinen ; die Dritte mit Schlågeln , eiſernen Keilen und Spighauen ; endlich die Vierte " mit Erdhauen und Schaufeln. Dann kamen Wagen mit Hebezeugen, Winden , Handſpeichen oder Hebebäumen u .f.w .; auf dieſe das leichte Geſchük ; das ſchwere und Belager rungsgeſchůt ; die Munitionswagen ; die Pontons mit den dazu gehörenden Leuten ;

die übrigen Handwerker

mit ihren Wagen , und zulegt das Gepäck.

Man ſiehet bieraus: daß in Abſicht der allgemeinen Einrichtung des Geſchůkes ſchon ſehr viel getban war, und für die folgendeu Jahrhunderte wenig zu thun übrig blieb. Ulle neuern Erfindungen können daher nur aus Zwei Geſichtspunkten betrachtet werden : in fo .ferne, als ſie auf die Erleichterung der Geſchüße abzwecken, um daſſelbe bequemer im Felde mitführen und ſich ſeis ner mit mehrerem Vortheil überall bedienen zu können;

À leichtere

Bedienung und der zweckmåſſigeren Gebrauch deſſelben in Hinſicht auf die Veränderungen in der Stellungs: kunſt und dem Angriff anlangt. Dies waren die beis den Hauptmomente , aus den man bei allen Veråndes rungen mit dem Geſchüß ausgieng ,

und in den man

nach Maaßgabe der Zeitumſtånde bald vorwårts rückte, bald

Ć o- s

und dann Zweitens , was die ſchnellere und

(

1.

Ausbildung der Geſchůzkunſt.

273

bald auch wohl einen Schritt zurück that, wie wir weiter unten leben werden . S.

.

7

161 .

Zum Schluß dieſes Abſchnittes tann ich einer Eins richtung bei den Franzöſiſchen Heeren nicht unerwähnt laſſen , die ſich bis auf unſere Zeiten erhalten bat . Et ward neinlich die Verpflegung der Armee ſowohl als der Transport des Geſchüßes an Unternehmer überlaſſen , ro daß der Königliche Schak blos für die Ausjaþlung des Geldes zu ſorgen hatte , wegen deſſen man mit den Unternehmern überein gekommen war. Súlty hat uns in ſeinen Memoiren mehrere Beiſpiele ook dieſer Einrichtung hinterlaſſen , und ſcheint beinabe der Urs þeber derſelben zu ſein.

1 1

Zweiter

Abſchnitt.

7 Einrichtung und Rüſtung der Infanterie während ptefes Zeitraumes .

$ S.

1626 .

Allgemeinen fange dieſes Krieges noch ganz dieſelbe, wie unter Karis des Fünften Regierung , nur waren die Kompagnien – Fåbnlein '– ſei den ſtehend geblies benen Spaniſchen Regimentern nicht inebe ſo ſtark, wie ebedem , ſondern nur so bis 220 Mann , ſo daß wenige Regimenter ſtårker als 2000 Mann waren. Man ſiebet dies regr deutlich aus der Berechnung der Truppen , die der bekannte Herzog von 21ba im Jahr Soyer's Bouers Ariegok. I. 16.

1967

um

ra

276

III.

t ei

Z

nden e t an erla 7 ach en d 6 e n hrt , wo fieek Inf 5 i N d n 1 ter fü nged n n e e d n e m n e m m e h a i r: e wah zuſ n teri aus folg nRieſgc lita n nze 0 o n u m e p 3 a a e 2 e n n i N M 3 1 ) D ni Ne s o n a tr ho r pag lleo , der Maeſ del unte Ulp Kom iUſch n o a o i i r l p l e i t m t s o z u a n a R s J u ien " iv ; 2 ) da Si C gn a n o n p 0 n t m h 2 as ) da 3 ſ Ko in Ze 14he Ma me .de ; d diſc ent o n z r m r a i n e b g t o , t Sanien , un Re Lom h n 0 n Kompag en , und endlic h c ignnieZneh Man 220 iſ re es hs eo din n mpa d und Vie 4 ) Sec ſchK esdes Sar men t n i e r gn 8 ns im te am 172 unte Go s Reg amon zuſ Biſo n i vo e racc her Regimeia ).n Dre ſolc d B ſal h l c g e i ta fen ewöbhanulfen uſamm , um eine Bat z gcht ter ſtief r e a g a h l i r c w : Art eine jeß 'na et ode Sch s n e n e d r e a r u i d e g 'j von dent dab , ſie wur form Bri rn s zia enannt nie r a e p g . T S

S.

163 .

Von ohngefår gleicher Stärke waren auch die Nie: derländiſchen und Franzöſiſchen Regimenter , deren Die Kompagnien iso bis 200 Mann enthielten !). Deutſchen hatten zwar keine Regimenter mehr von Vier: bis Fünftauſend Mann , wie ebedem , doch beſtanden deren gewöhnlich Zehen ein Regi: ihre Kompagnien immer noch ſelten aus weniger als ment ausmachten Zweihundert , öfters aus Dreihundert Mann. Diefe beſonders Stårke der Regimenter ſowohl, als auch Italienern und Niederländern en ſo feſt be die Zahl deč Kompagnien war keines ng weges chu i n e ſtatt gefu : 8 map

bei den Spaniern ,

den gåtten , je nachdem es wåbrend des Krieges die Menige der zu bekommenden Leute oder der gröſſere oder Zum Beweis will ich geringere Abgang erbeiſchte. hier 8) Meteeren S. 104. Strada Des. I, Lib . 6 . h) Dentwård . D. Herz. von Sady . 27 Budy.

2. Einrichtung u . Rüftung 8. Infanterie.

277

bier ein Verzeichniß der Truppen anführen , die der Prinz ulerander von Parma im Jahr 1982 get gen die Niederlånder auf den Beinen þatte :) : Infanterie Kompagn . Mann. Spa / Chriſtoph Mondrayone Regiment 24 2816 nier . Piedro de Paz 17 I 820

8. 2377

Italie: Maria Cardone ner. Eamillo de Monte

8

2300

4

1700

IS

2253 1985 2244

Burgunder: Marquis von Varraboni

4

"Herr von Montigni Graf von Egmond

Gabriel de licques Nieder: Okräviuis Graf von Mannsfeld lånder. Philipp de ficques Herr von Bours

16 JO

10 12 10

ISOO 1 800

TO

1287 1287

10

1466

(Robert von Gumbenberg

JO

2800

Graf von Uremberg

9 JO

Baron von Hubigny : Herr von Manny

Graf von Barlamonte : Graf Karl von Mansfeld D. Juan de Manriquez Herr von Floyon

Zu feinem Regimente gehörend

Noch lagen in den gewöhnlichen Befakuns gen zu lüßelburg, Thionville, Montine: dy , Danvillers und Ehenay

jo JO

2600 3 44 3144

4

3144 600

21

3793

617 I!

i) Dies Verzeichniß war von einem Befehlshaber Piedro di Colonia unterſchrieben und iſt daher für avthentiſo ju halten. Meteeren I. Bud Seite 436.

2

m

278

III. Zeitrau

.

Kompagn. MANN, In den Feſtungen Kerpen, Xanten , Ebars lemont , Marienburg, Duesnoy , Uves:

1187

nes und Landrecy In Kempen das Regim . von Hautepenne

IO

ISOO

Zu Gravelingen das Regim . la Motte

10

1500

12

3000

10

1500

12

3000

In Frießland

unter von

Billy ,

Ulte

Deutſche ebendaſ. unter dem

Oberſten Verdugo

In Ober : Yffel unter dem Bar . von Has nault , Alte Deutſche

600

In Groningen zur Befakung

Zuſammen . 304 56550 Stavalierie Leichte Pferde und Schüßen (Urkebuſixer) 113 Spanier und Italiener

37

2187

Speerreuter und Schüßen ,

I2

1000

In Frieſland :

Niederländer

( leichte Pferde Schüßen Zuſammen

TE

3! 11 53

550

le 3537

Dieſes Heer , bei dem ſich noch eine beträchtliche Menge Freiwilliger aus den größten Jtalieniſchen Håu: fern befanden , koſtete dem König von Spanien monatý: lich 642356 Fl. ohne den Aufwand für das Haupt: quartier u. f. w . ſo ſich monathlich auf 12000 Fl. belief , und für das Geſchůß mit ſeinen zugehörigen Leuten zu rechnen.

$. 164.

2. Einrichtung u. Rüſtung d. Infanterie.

279

164.

$.

Gleich allen empórten Staaten vermochten die Nies berländer anfangs den Spaniern nichts als eine Hand : voll zuſammengeraffter Leute entgegen zu ſehen , die ohne Uebung und Kriegszucht weder ihr Gewehr gehörig zu noch die Taftiſchen Bewegungen jener gebrauchen , Krieggewohnten Truppen durch ånliche Bewegungen zu vereiteln wußten. Was ihnen allenfalls dabei zu ſtatten kam : war die ſchon längſt beſteßende Einrichtung der Schükengilden oder Bürgerkompagnien , durch die fie beim allgemeinen Ausbruch der Empórung doch wenig: ſtens einen Stamm zu ihrem fünftigen Heere er ielten . Zwar batteu Brederode und Tholouſe einige Kome pagnien Soldaten angeworben ; allein , ſie wurden von den gegen ſie anrückenden Spaniern leicht zerſtreuet, und die Staaten würden ohne Beiſtand der Deutſchen proteftautiſchen Fürften nie im Stande geweſen ſein , Denn eine ordentliche Urinee zuſammen zu bringen . die Truppen , welche Willhelm von Oranien im Jahr 1968 aus Deutſchland brachte , beſtanden große Dieſen hatten tentheils aus Deutſchen Sanzénechten . der Ehurfürſt von der Pfalz , der Herzog von Zweig brůcken und die Stadt Straßburg einen viermo: Ein reicher nathlichen Sold zu zablen verſprochen. fich zu : batte Spaniſcher Kaufmann in Antwerpen Tauſend Drei gleich anheifchig gemacht , alle Monathe baler für das Franzöſiſche und Niederländiſche Fußs die Unterhaltung der Reuterei endlich Hatten zum Theil der Prinz. von Oranien und ſein Bruder , zum Theil aber die Befehlshaber : der Prinz

voll zu geben ;

Kaſimir , der Graf von Schwarzburg zwei Hers joge von Sachſen , der Graf von Hochſtraaten, und 3

3

280

III. 3 eitra u m.

und Willhelm von {umey Graf von der Mart übernommen's).

.

1 4

165 .

So wie von Tage zu Tage die Staaten mächtiger wurden , tam auch ihre,Kriegsmacht auf einen immer feſteren Fuß , obſchon wegen der durch den langen Krieg , wo Handel und Gewerbe faſt ganz darnieder lagen , erſchöpften Kräfte die Truppen oft mehrere Mos náthe ohne Sold bleiben mußten , wodurch ſie zu Uus. ſchweifungen verleitet wurden . Endlich dankten im Jabr 1588 die Staaten viele Regimenter ab , deren Unterhaltungskoſten ſie nicht beſtreiten konnten ; die be: ſtebenden Truppen aber wurden auf die Provinzen nach Beſchaffenheit der Gröſſe derſelben vertbeilet , ſo daß jedes Regiment wußte , wo es ſeine Beſoldung zu erhe: ben hatte. Die lektere ward den Monath zu 48 Tagen in Anſchlag gebracht, die Hohen - Aemter welche bis auf die Oberſten giengen ausgenommen , die den Monath zu 32 Tagen behielten . Zugleich traf man mit den Oberſten und Hauptleuten , der beibebaltenen Regimenter ein Abkommen wegen der nicht bezahlten Rückſtånde '). Noch ſchlechter, als bei den Niederländern, war es bei den Spaniern um den Sold beſtellt, die vorzüglich unter dem bekannten Herzog von Alba bis Acht und Wie Zwanzig Monathe ohne Geld bleiben mußten. Fehr dies der Kriegszucht nachtheilig war , die dadurch beinahe ganz in ein Nichts zerfidh, werden wir weiter unten ſehen .

/

Auch bei der Franzöſiſchen Armee ſcheint dieſe, das mals allgemein über Europa verbreitete Nachlåſſigkeit in Ubficht k) Strada. Dec. I. Lib. 7 . 1 ) Meteeren B. 15. S.635.

2. Einrichtung u . Rüſtung d. Infanterie.

281

Abſicht der Bezahlung der Truppen ſehr gemein gewes ſen zu reyn ; denn Sülly erwarb ſich 1596 die Zu: neigung aller Oberſten , weil er für die richtige Uuszaha lung des Soldes ſorgte, an die ſie bisher nicht gewohnt geweſen waren m). Bei den Staaten ward im Jahr 1998 eine allge meine Verminderung der Truppen in Vorſchlag ge bracht, und eine Kompagnie zu Fuß in Ubſicht der nos nathlichen Beſoldung folgendergeſtalt angeſchlagen : 331 FL. 13 Befehlshaber 40 Doppelſåldner , Piquenire und,

Kurze Webren ,jeden 12. Fl. nebſt den Edelleuten 30 Musketiere, jeden 12 FL. 34 Hafenſchůken, jeden 8 Fi. 3 Jungen

: 360. 284 C 24

1504 Fl.

120 Köpfe

Allein , dieſe Reduction fam nur allein in der Pros vinj Holland zu Stande ; denn die übrigen Provinzen behielten den alten Beſtand der Kompagnien von iso Mann bei , weil Prinz Moriß von Oranien rebr gegen dieſe Verringerung der Armee eiferte ). $. , 166, Im vorigen Zeitraume waren die Musketierer, des ren Feuergewehre Vier (oth Blei ſchoſſen , und wegen Furs iþrer Schwere beim Abfeyern auf eine Gabel gelegt wurden , ais ein beſonderes Korps ,wie quete etwa in unſeren Zeiten die Jäger, gebraucht worden, weil isie Gewebre der gewöhnlichen Hakenſchußen nichts gegen m) Denkwürdigkeiten des Sperz. von .Sålly 9. Buch n ) Meteeren B. 19, S. 822. 4

282

.

III. Zeitra um .

gegen die ſtarfen Harniſche der Kůraffiere ausrichteten. 2.1ba war der Erſte, der auf feineiti Kriegsjuge nach Den Niederlanden 1600 Musketen unter ſein Fußvolt austheilen lies , und zu jeder Kompagnie Funfzehn Musketiere regte. Von lekteren bekam einer monatą: lich Vier Dukaten Beſoldung und hatte einen Jungen , Der ihm auf dem Marſch die Muskete nachtrug ' ). Dieſe Musketiere ſtanden bei den übrigen Truppen in einer ordentlichen Art von Achtung , und wenn ſie zu Anfang eines Ereffens hervorgeruffen wurden , machte ihnen jeder voll Ehrfurcht Plak. Bald ſaben auch die Niederländer den Nußen der Musketen ein , und bewafneten einen Theil ihres Fußs volles damit. Nach und nach wuchs die Zahl dieſer Musketiere bei den Spanjern ſowohl als bei den Nies dertåndern , daß ihrer immer ſo viel waren als Hakens ſchüken ; ſie wurden auch bei andern Armeen eingefüh: ret, und die Muskete verdrängte zulegt das bisherige Feuergewehr der Infanterie den Haten oder die Urquebuſe . ganz ſo, daß ſchon zu Anfang des Sies benzehnten Jabrþunderts ihr Gebrauch faſt allgemein war , und man bei dem Fußvolke aller Europäiſchen Mächte nur Musketiere und Piquenire fatte.

S.

167.

Die Zahl der Einen wie der Andern bei Einer Kompagnie ånderte fich gar ſehr'ab , je nachdem man iin Stande war , mehrere Schützen oder Spies Anfangs machte jede dieſer beiden ſer aufgutreiben. Waffen die Hälfte einer Kompagnie aus , in der Folge aber vermehrte man die Zahl der Schüßen , ſo daß fie iin : 1 o ) Ant. Carnero hiſt. de las guerr. de fland. Lib. I, cap.7 . Strada Dec. I. Lib. 6 und 7. Brantome Capit. Etrang. 4 , p. 9o .

M W!

MI 11 11

2. Einrichtung u. Rüftung.d. Infanterie.

283

immer beinahe Zwei Drittheile der Kompagnie betrug. Nach Montgommer i p . 1 rollen die Schüken.Kom : pagnien aus 50 Helebartierern , 50 Musterterern und 200 Yrkebuſierern oder leichten Schüßen beſtehen , die Piquenir : Kompagnien aber aus 100 Piquenirern , so :: Musketierern und so Hatenſchußen. f.

168.

Die Oberz und Unteroffiziere der Infanterie Gatten ſeit dem vorigen Zeitraume keine Veränderung erlitten , blos in der Zahl weichen ſie bei den verſchiedenen Ar: Nach Montgommern hatten die Frans meen ab . zoliſchen Schüßentompagnien Einen Hauptmann , Eis nen lieutenant , Einen Fåhndrich , Zwei Sergeanten , Drei Korporale, einige { anspeſſaden oder Gefreiten , und Einen Tambour und Pfeifer. Die Piqueniret Þingegen þatten nur Einen Sergeantenund zwei Kors porale. Bei den Deutſchen und Spaniern war der Beſtand ohngefår derfelbe, nur daß die lekteren keinen Lieutenant bei der Infanterie batten , ſondern der Fåbndrich vers richtete die Obliegenheiten deſſelben mit. Bei den Franzoſen blieb iminec dieſelbe Zahl von Ober: und Unteroffizieren , die Kompagnie mochte auch noch ſo ſchwach ſein ; daß oft beinahe die Hälfte derſelben aus Befehlshabern beſtand 9) ; bei den Deutſchen þingegen konnte dieſer Fal wegen ihrer ſtarken Kompagnien nie ſtatt finden , denn ward eine oder die andere durch vie: len Abgang zu ſehr geſchwächt, und konnte nicht wie der ſogleich durch Werbung vollzählig gemacht werden , ward

p ) Wallhauſen Militia Gallica p . 22. oder Traité de la milice Françoiſe I. Part. cap. 7 . 9 ) ib . cap . 6 . Sie

1

284

tra

II !.

Bei

u m . .

ward fie reduziret , und man gertheilte die Leute zu ans dern- Kompagnien oder Regimenteru ....

8.

169 .

Es iſt ſchon vorher geſagt worden : daß die Infans tečie ſich in Schüßen und Piquenire zertheilte , von den die erſteren , ihrer Beſtimmung nach , beweglicher und daber auch leichter bewaffnet ſein mußren , als die leki teren . Die Rüſtung ånderte ſich jedoch nach Ver : ſchiedenheit der Najionen und der Umſtände gar lebr ab , weil jeder Soldat bei ſeiner Unwerbung fich ſelbſt bewaffnen mußte , und daher nicht immer ſich ſo aus : růſten konnte , wie es Sitte oder vorgeſchrieben war. Die Musketierer , die von den Spaniern zuerſt bei der Infanterie allgemein eingeführt wurden , und nicht mehr wie in den Italieniſchen Kriegen Karls

a

des Fünften ein beſonderes Korps bildeten , trugen eine eiſerne Picelhaube, und ein Bruſtſtück oder ein Jminer zeichnete ſich dieſe Nazion , ro Pauzerhemde. wie die Franzoſen , durch die Pracht und Schönbeit ih: rer Rüſtungen aus; nicht ſo die Deutſcheri, bei den die Schußen nur ſelten einen ſchmachen Kúraß oder Pan zer, öfterer blos einen eiſernen Sturmbuth trugen, oder wohl ganz ohne que Schußwaffen waren. Legtes res fand beſonders bei den Niederländeen ſtatt , deren Hakenſchüßen faſt durchgehends , gleich den Deutſchen , einen bloſſen Huth zu ihrer Kopfbedeckung batten ). Als daßer im Jahr 1598 Prinz Moriz das Kriegos weſen der Staaten auf einen regelmäſſ te , reigern Fuß fek uſere etie als Urkeb Ole Musk eiſerne Sturmhůthe tragen ſollten. Anfangs hatten die Musketen eine auſſerordentliche Griffe , und ichoſſen Vier loth Blei, da die Kugeln der

r) Strada Dec. I. Lib, Z

1

U 1

2. Einrichtung u. Rüftung d . Infanterie.

285

der gewöhnlichen Feuergewehre oder Hafen nur zwei Joth wogen . Weil man jedoch einfabe , daß ſie bei dieſem Kaliber , zu ſchwer Fourqu'ete oder Gabel waren , verringerte man nach der Einrichtung von

, und ſelbſt mit Hülfe der böchſt unbequem zu regieren den Kaliber beider , ſo daß 1599 bei den Niederländern

Zeben Musketenfugeln oder Zwanzig Hafenkugeln auf Ein Pfund Blei giengen . Bei den Franzoſen verklei: nerte man in der Folge die Feuergewehre noch mehr, ſo daß die Musketenkugel Zwei loth , und die Hakenkugel Ein loth wog " ). Nach und nach führten auch die Deutſchen , die Dånen ", die Schweden , und die Ens gelländer Musketen ein , die nicht viel über Zwei Loth Blei ſchoſſen ). ſchluß der oben die Urlebuſe

Eine ſolche Muskete wog mit Ein : hingegen wog nur 0 Pfund .

, Uebri:

gens batte alles Feuergewehr der Infanterie ( unten : ſchlöſſer , wodurch nicht nur öfters , wenn die Lunten nicht gehörig verwahrt wurden, Unglück, ſondern auch die Unbequemlichkeit entſtand , daß die Schußen bei Regenwetter nichts als das Seitengewehr ju igrer Pers theidigung batten.

S.

170.

An Munition führte jeder Musketier. Ein Pfund Pulver, Sechs Klaftern ( unten und Funfzehen bleierne Kugeln , der gemeine Schůke oder Arkebuſierer aber , nebſt derſelben Menge Pulver und {unten dreiſſig Kus geln bei ſich . Die Pulverladungen waren in hölzerne Büchſen vertheilet, die an den Bandulier: Riehmen von der linken zur Rechten Schulter becabhiengen . Um dies 5) Montgommeri Cap. I. Meteeren im 20 Buch. t ) J. Turner Military Ecayes on the Art of War, fol. Lond. B. 3. cap . 5.

286

III.

Z eitra u m .

dieſen Riehmen war auch die Lunte geſchlungen und zu unterſt deſſelben befand ſich eine Pulverflaſche mit dem Zündpulver , und ein lederner Beutel zu den Kugeln. Die Farbe ihrer Kleidung war oft willkürlich , zu: weilen aber auch bei ganzen Regimentern gleichförmig; po batte im Treffen bei Newport im Jahr 1600 die Ben Niederlåndern zu Hülfe geſchickte Engliſche Infans terie gelbe Rocke " ),

S.

171 .

Die Piqueniere , oder wie ſie bei den Deutſchen bieſſen , die langen Spieſſer ( lanzenknechte) waren mebr beſtimmt , ſtehend zu fechten und den Einbruch der Reuterei zurück zu halten ' '). Um ſie daher gegen das Feuer der Hakenſchůken zu ſichern , gab man iğnen eine volle Rüſtung , die aus einem Sturmbuth , Bruſt: und Rückſtück beftand , nebſt einem Seitengewehr und einer Achtzehn Fuß langen Pique. ' Höchſt wahrſchein :

21

4

lich zu Anſchaffung und Erhaltung dieſer Schußwaffen bekamen die Piquenire durchgehends doppelten Sold, ‘ und es war feſtgeſekt: daß der Vierte Theil dieſer Dop: pelföldner , welche noch eine Zulage erhielten , aus: ſer der eben angeführten Rüſtung auch noch Armſchienen und einen breiten Blechſchurz tragen rollten. Dieſe, welche gleichſam den Kern der Truppen bildeten , führ: ten keine Piquen , ſondern Hellebarten oder Schlacht: Tchwerter , und mébrentheils Rondartſchen

oder kleine

runde Schilde, die vermittelſt eines Riehmen am Halſe bien :

u ) Meteeren 21 Sud) S. 959. v ) Die von den Niederländern 1580 verlohrne Schlacht bei Hardenberg ward blos ihrem Mangel an Lanzknechten beigemeſſen , weil ſie deshalb von Odents 2018aniſchen Speerreutern leicht geworfen wurden. Meteeren Io Buc.

V.

2. Einrichtung u. Rüſtung d. Infanterie.

287

hiengen , damit der Soldat ſie zurücfwerfen , und nach Beſchaffenheit der Umſtände beide. Hånde frei gebraus chen konnte. Sie ſtanden bei Treffen und Stürmen in den vorderſten Gliedern ,

und aus ihnen wurden

auch gewöhnlich die Befehlshaberſtellen befekta Jeder Soldat nun , ſowohl Piquenier als Schüße, mußte bei der . Muſterung ,. wo er immer auch

ſeinen

Dreimonathlichen Sold erhielt, und woʻmit ihm ab : gerechnet ward , alle zu ſeiner Rüſtung gehörenden Stücken vorzeigen , oder es ward ihm bei den Nieders låndern zur Strafe eine gewiſſe beſtimmte Summe von ſeinem Solde abgezogen w ). Bei Spanjern und Frans zogen bingegen , wo die Soldaten ihre Waffen gelies fert erhielten , wurden ihnen körperliche Strafen auf: erlegt , oder ſie auch wohl nach Ermeſſen des Muſtera þerrn vor das Kriegesgericht geſtellt.

$.

, 172 .

Die Offiziere und Unteroffiziere führten gewöhnlich dieſelbe Rüſtung, wie die deute , welche unter ihren Bes fehlen ſtanden . Sie hatten daher bei den Piquenitern lange Spieſſe , und bei den Schüßen Feuergewebre; den Feldwebel ausgenommen , der bei den einen wie bei den andern eine Hellebarte -trug ). Die lekteré ward jedoch nicht ſelten ebenfalls von den Offizieren der lanzknechte vorzüglich bei den Deutſchen und Spas niern geführet , wåþrend die Befehlshaber der Schüßen ſich blos des Degens bedienten .

Auch findet man

w ) auf den fehlenden Sturmhuth und die Furquete waren 10 Stůver , auf Bruſt- und Rückſtück fo wie auf Rape pier ( oder Seitengewehr) und Spie 20 Stüver , und auf eine Muskete oder auch ein einfaches Schubenroos 2 Sl . geſegt. Meteeren B. 20.

2 ) Montgommeri Traité de la milice franc, Part, I.

288

9.

III. Zeitra u m .

man, daß die Offiziere bei Stürmen und Belagerungen faſt durchgebends Rondartſchen hatten .

S.

173 .

Wie geſagt , waren die Piquenire wegen ihrer ſchweren Rüſtung fowohl,als wegen der långe iþres Ges wehres nur zum Treffen, nicht aber zu Unternehmungen geſchickt , die Leichtigkeit und Geſchwindigkeit erforder: ten . Selbſt zum Sturm wurden mehrentbeils blos Musketiere und Schüler genommen , oder machten wenigſtens immer die Spike der dazu beſtimmten Kos lonuent , und die Piquenire dienten ihnen blos zur Uns terſtübung. Zu einein Unternehmen auf Maſtricht be fahl daher Prinz Moriz von Dafia u den , nebſt Dreihundert . Schüßen , fommandirten Dreihundert Piquenirern : die Scyåfte ihrer Spieſſe bis auf Man neslänge abzubauen. Dies war aber gerade Urſache, daß der Anſchlag entdeckt ward ; denn weil die Solda:

.

ten beſorgten, utiterweges von feindlicher Reuterei ange: griffen zu werden , kürzten ſie ihre Spielle nicht eber, bis ſie am

Abend zu : Schiffe ftiegen , wo denn deč

Strom die abgehauenen Stücken noch vor ihnen den Spaniern zuführte , und dieſe dadurch benachrichtigte: daß Niederländiſche Truppen in der Nåbe waren Y ) .

S.

174 .

Bisher war es von jedem Soldaten , der fich ans werben ließ , gefordert worden , daß er den Gebrauch feines Gewehres verſtand , oder aber ſich auf ſeine Kos ften yon ſeinen Kameraden darinnen unterrichten -ließ. Dies konnte aber in dem langen und init ſo viel Erbits terung geführten : Niederländiſchen Kriege nicht ſtatt finden , man war nur frob , immer noch Soldaten zu fins 2 y) Meteeren B. 17. 6. 721.

3. Einrichtung u . Rüſtung d. Infanterie.

289

finden , unbekümmert : ob ſie auch ſchon vorher irgend

U

wo gedient þatten , und ob ſie mit ihrem Gewehr üm : zugehen wußten . Die auffallenden Nachtheile, welche hieraus entſprungen , bewogen zuerſt Prinz Moriz e'n von Oranien für die Niederlåndiſchen Truppen eine Vorſchrift zu den Bewegungen und Handgriffen- des det Mustete und Pique - bekannt zu Gewehres machen , die bald von den übrigen Volfern ebenfalls ans genommen und auf dieſe Weiſe eingefübrét wurden ? ). Von nun an wurden die Soldaten von ihren Befehlss Þabern gelehret, ſowohl ihr Gewehr im Marſch und auf Poſten auf eine gut in die Augen fallende Weife zu trá: gen, als ſich deſſelben mit Vortheil gegen den Feind zu bedienen. Schon damals ward ein abgemeſſener gleicher Schritt des Soldateit,

wobei man ' allezeit mit dem

linken Fuſſe antrat, für nothwendig gehalten , und die Franzoſen ſcheinen die Erſten geweſen zu ſein , welche bald darauf den cadenzirten Marſch nach dem Trom : melſchlag einführten. Die Spanier ſpotteten anfangs darüber und nannten ihn den Franzöſiſchen Braut: tanz , weil ſie ihn für unkriegeriſch hielten. Die Ent: fernung der Reifen und Glieder war im Marſch durch : gebends 6 Fuß , zur Chargirung aber nur halb ſo viel. Im Parademarſch ſtůbte zugleich der Musketierer die Rechte , der Piquenirer aber die linke Hand auf den Gurt ſeines Wehrgebenkes, und marſchirte ſo mit aus: wårt & 2 ) Péter Iffelburg machte dieſe Vorſchrift zu Nürns berg durch den Druck bekannt, unter dem Titul : " Sunfis liche Waffenhandlung der Musketen und Piquen oder langen Spieifen ; aliermaſſen die von dem Durchl und hochgebohrnen Fürſten und hochlöblidhen Kriegshelden , Prinzen zu Uranien , Grafen zu Herrn Moritzen , Naſſau 24. Gubernatoren uno Kriegsgeneralen der vers einigten Niederlanden, manniglich zu Gutem an den Tag gegeben ". in 4. mit eingedruckten Kupfern .

290

wärts Libe.

III. Zeitra y m .

gekehrter

Fußſpike

und

aufrecht

gerichtetem

Die Bewegungen des Gewehres waren zweierlei: Zu erſterer Abſicht jur Parade, und zum Gefecht. batte der Musketier ſein Gewehr entweder auf der Schuls ter oder aber in der Rechten Hand auf die Furquete, oder Gabel geſtüßt, die er mit der linken hielt. Alle Beş wegungen , um das Gewehr aus der einen in die ander re Stellung zu bringen , zu laden oder abzufeuern , was ren in gewiſſe Zeitråumeoder Tempos getheilet, wabe rend den ſie nach ibrer Folge von den Kriegsleuren zus gleich verpichtet wurden , wo jedoch die Ladung und das Abfeuern

des Gewebres wegen des Gebrauches der

Junte und des Mangels an fertigen Patronen nicht an: Die ders als ſehr langſam pon ſtatten geben konnte. Pfanne mußte nemlich nach aufgeſchütterein Zůndpuls vel wegen zu .,befürchtender Gefahr verſchiedene Male abgeblaſen werden , alsdenn ladte der Soldat das Puls ver aus der hölzernen Büchſe , auf dieſes aber die Kus gel in das Rohr , brachte die Muskete wieder in die Höhe , und paßte die Lunte in den Hahn , damit ſie bei dem Übdrücken gerade auf die Pfanne traf und nicht neben ſie ſchlug , wodurch ihm der Schuß verfagt bas ben würde. Einfacher waren die Bewegungen der Pique, die von dem Piquenirer im Marſch auf der rechten Schuls ter getragen , auf Wachten und Poften aber neben den Es kam übri: rechten Fuß auf die Erde geſtellt ward. gens blos darauf an , ſie bei dem Zugé durch Thore und niedrige Pforten zu ſenken oder wohl gar þinter ſich ber zu ſchleifen ; und ſie auf verſchiedene Art gegen

A

: den Feind zu fållen . Unmittelbar mit dieſen Bewe gungen des Feuer: Gewebres und der langen Spieſſe biengen die verſchiedenen Wendungen , welche die Kriegs

2. Einrichtung u. Rüſtung d . Infanterie.

291

0

Kriegsleute, in Reihen und Glieder geordnet , machen

19

mußten, zuſammen . Das Deffnen und Schlieſſen , und das Dupliren behaupteten unter dieſen Evolutionen die Moriz von Oranien lebete zugleich Erſte Stelle. die mit Rondellen oder kleinen Schilden verfebenen Sols daten, die anſtatt der Piquen Hellebarten führten , ſich ifres Gewehres vortheilhaft gegen die feindlichen Pis quenire bedienen , und ihnen die Piquen pamit zerbres Er war ſehr für chen oder aus den Händen reiſſen. einge nomme Geweh dieſe Art n , und bielt ſich übers r zeugt : daß Hundert Rondartſchirer allezeit Zweihuns dert Piquenire ſchlagen müßten ' ).

Dritter

Åbſchnitt.

Berfaſſung der Reuterei und Bewaffnung derſelben im Niederländiſcheit Kriege.

$.

1750

enn die Infanterie in dieſem Zeitraume verſchles W dene Veränderungen erlitt , giengen bei der Kas vallerie durch die völlige und allgemeine Abſchaffung der *

Janzen , und durch die Einführung der ſogenannten Deutſchen Reuter ſelbſt von den Franzoſen Reitres genannt - noch ungleich gróffere und wichtis

gere vor . Die Kavallerie der Spaniſchen und Franzo: fiſchen Heere beſtand , wie in den vorigen Zeiten , faſt blos aus dem Udel ; allein , die Niederlånder , wo der Udel theils aus Furcht: ſeine Güter zu verliebren , theils

Jik

aus a) Montgommeri P. 2. Boyer's neuere Rriegok. I. Th.

292

III.

Zeitra u m .

aus andern Urſachen anfangs der Empórung nur in Gebeim die Hand bot , waren nicht im Stande, eine hinreichende Menge Lanzierer in vollem Harniſch ins Sie waren daber genéthiget , in Feid zu ſtellen . Deutſchland Keuter anzuwerben , die jedoch keinen vol: ten Harniſch batten ; denn wären ſie auch damit verſe: þen geweſen , fehlte es ihnen doch an den dazu unents bebrlichen Streitroffen , die von Tage zu Lage ſeliner wurden , auch hatten ſie keine Gelegenheit , ſich gleich dem . Turnierfähigen Udel im Gebrauch der { anze und des Kolben zu üben . So entſtand ein Mittelding zwi: ſchen dem Ganz geharniſchten Speerreuter und demi Schůtzen zu Pferde unter dem Niemen des Deut: rden Reuters.

$.. 176 . Nach dem Beiſpiele der Franzoſen waren in den die angrenzenden Låndern die Udelichen Banden , Banden von der Ordinans ,

Compagnies d'Or.

donnance genannt - eingeführet, aus den in Kriegs: zeiten nebſt den angeworbenen Kompagnien leichter Pferde und reitender Urkebuſiere die Kavallerie be: Die Stärke der einen wie der andern war ver: ſtand. chieden ; ſie betrug bald Funfzig , bald Hundert, ja zuweilen bis Zweihundert Mann. Weil nun aber dieſe Drðinanf : Kompagnien jekt bei einem ausbre: chenden Kriege nicht zureichten , da viele Udeliche tþeils als Offiziere unter der Infanterie dienten ,

theils auch

ſich die erforderliche Rüſtung nicht anſchaffen konnten, oder wohl gar in den bürgerlichen Unruhen auf dieSei: te der Gegenparthei traten ; mußte man ſeine Zuflucht zu den auslåndiſchen Werbungen nehmen , wie ſie in Deutſchland ſchon längſt gewöhnlich geweſen waren. So lies Pbilipp der Zweite 1566 zuin Kriege gegen die Niederlander in Burgund Dreihundert lan: jen

3. Verfaſſung u : Bewaffnung d . Reuterei.

293

zen und Hundert Arkebuſiere zu Pferde anwerben , auch die Kompagnien der leichten Neuterei von Funfzig bis auf Hundert Mann verſtårken . Zu dieſen ſtiefſen der Spaniſche und ein Theil des Niederländiſchen Udels , der dem Könige treu geblieben, aber blos leicht bewaffnec war. Als daber 1567 der Herzog von Aiba nach den Niederlanden 399., batte er ! o Kornetten leichter Reuterei , Spanier , Italiener- und Albaneſer , nebſt Zwei Kornetten Spaniſche Arkebuſiere bei ſich , die zus ſammen 1200 Pferde ausmachten. In den Kriegen mit den Proteſtanten unter Kart dem Neunten und Heinrich dem Dritten muß: te jeder Schwer Gerüſtete von den Ordinanz : Kom : pagnien drei oder vier Pferde und jeder Schüße oder leichte Reutee " zweie haben ; erſterer bekam dafür 48 lid. franz. und legterer 30 liv . monarhlich zur Beſoldung. -

Der Rittmeiſter erhielt bei allen den Fünffachen , der Leutnant den Vierfachen , der Kornet den Dreifachen , 1

der Wachtmeiſter und der Quartiermeiſter aber den dops pelten Sold des Gemeinen. Bei den Deutſchen Truppen beſtand unter Mari: milians des Zweiten Regierung

noch die voris

ge Einrichtung: Daß die Oberſten und unter ihnen die Rittmeiſter eine gewiſſe Unzahl Reuter warben ,

die

durchaus von Adel ſein mußten , und die ſchwere Reits terei – ein Teil mit {anzen , der andere aber blog mit Degen und Piſtolen "bewaffnet - ausmachten . Ihre Knechte , deren jedem Reuter Einer gehalten wur: de , führten blos þalbe Harniſche und ein langes Feuer: rohr mit einem Radſchloß , wie ſchon oben im Zwei ten Zeitraume geſagt worden , und eben dieſe Knechte waren urſprünglich die ſogenannten Deuts rohen Reuter. Die Befehlshaber einer ſolchen Kompagnie zu Pferde waren der Rittmeiſter, U 2

fein fieus tenant,

III.

294

tenant , der Kornet,

Zeitra u m . Ein Wachtmeiſter , Zwei Korpo:

rale , und ein Quartiermeiſter ;

überdieſes batte jede

Einen Feldſcheerer, Einen Schmied, Einen Sattler, Eis Bald nen Plattner und Zwei oder Drei Trompeter. ſahe man jedoch das Unbequeme dieſer Vermiſchung der Kavalleriearten ein , und formirte jede derſelben in be fondere Kompagnien , die Küraſſiere zu Hundert, die andern aber zu Funfzig oder Sechzig Mann , die von einer gleichen Anzahl Offiziere angefüfeet wurden .

S.

177 .

Die Beſoldung war im Augemetnen bei der Reute ſtår rei ter als bei der Infanterie ; ſie betrug im Nies derlåndiſchen Kriege bei den Spaniern monarblich : Der General

soo Kronen

oder Saubthaler , und als Befehlsba: ber einer Kompagnie Der Generallieutenant

200

und für die Kompagnie

86

86

Bei den Kůraſſieren Der Rittmeiſter

80

ferner für einen Jungen Der Lieutenant

6/ 25

für einen Jungen Der Sornett für einen Jungen

64 IS 67

Die Speerreuter oder Küraſſiere Zugleich erhielt jeder bei der Anwerbung 6 Kronen auf die Hand.

und für einen Jungen

70 6

il Der

Bei den Reuterſchüßen Der Rittmeiſter

ME

3. Verfaſſung u. Bewaffnung d. Reuterei. 295

Der Lieutenant Reuterei.

und Kornet

wie

bei der

ſchweren

Die Gemeinen erhielten 6 Kronen . Die Rationen , welche die Kavallerie erhielt, wur: den ohngefår zu 1. Krone angeſchlagen , wovon der Sols dat die Hälfte in Geld, die andere Hälfte aber in Füts terung erhielt an 16 Pfund Heu , 3 Maßgen Hafer und 2 Gebund Strok , kiervon bekam Der General 40 Rationen und als Rittuneiſter 10 Der Generallieutenant 20 und als Rittmeiſter JO Der Rittmeiſter IO Der Lieutenant Der Kornet

4 Der reformirten Offiziere erhielten ihren vollen Solo fort, aber nur 14 Ration ; verdiente Gemeine aber bekamen eine Zulage an Gelde 178 So wie das Schießgewebe auch bei der Reuterei päufiger ward , führte man anſtatt der, eine Zeit lang gewöhnlichen , leichten wieder fchwerere Harniſche von gefchmiedetem Eifen ein ,

die geprüft und im Stande

waren, den Piſtolenſchuß , ja oft ſelbſt einen Haten : ſchuß auszubalten. Es fällt in die Augen : daß ſie bei einer ſolchen Xdftung duſſerſt ſchwer und unbehilflich fein mußten , wodurch denn eben der Erfte Grund zur allgemeinen Erleichterung der Kavallerie geleget ward ). Uebris b) De la Nowe fagt (Discours politiq. et militaires Disc. XV) La pluspart fem chargé d'enclumes , au lieu de fc couvrir d'armures. En après toute la beauté de l'hom mc à chacval s'eft convertic cu difformité , und weitet 13 gin ,

III.

* 296

Zeitra u m .

Uebrigens trugen Die Küraſſiere und Speerreuter bei allen Heeren ganze Harniſche mit Urm : und Bein: ſchienen ,

geſchloſſenen Helm , und Blechſchurz Gaſſettes, – jedoch fam lekterer bei den Franzoſen un: ter Heinrich dem Vierten ab. Auſſer der 16 bis 18 Fuß langen Lanze führten ſie einen guten Dégen zum Hieb und Stich , und Ein oder Zwei Piſtolen.

S.

179 .

Zu der leichten Reuterei wurden nebit den Schüßen oder Arkebuſierern zu Pferde auch die Alba: nefifchen Reuter gerechnet ,

die Spieſſe , Streitkolben

und trumme türkiſche Degen führten , und anſtatt des Man fand ſie Harniſches blos einen Panzer trugen . ſchen l Franzöſiſchen der bei als ſowoh bei der Spani ien und zu den Verrichtungen mit Armee, wo ſie zu Parthe Mendoza s cht wurdeň . gebrau Kriege des kleinen

hatte noch im Jahr 1598 Sechs Kornetten ſolcher At: baneſer ' in den Niederlanden bei ſich , und man findet sic ifrer auch in den bürgerlichen Kriegen in Frankreich the þåufig erwähnt ) $.

180.

Weil die Reuterei überhaupt leichte Feuergewehre führte ; fiel man darauf, einen Theil derſelben nach dem Muſter der Musketiere mit långeren Röhren zu berfehen , um ſie als eine Art Scharfſchüßen oder Jás ger zu Pferde zu gebrauchen . So entſtanden die Karas biniere , die eigentlich ihren Urſprung von den Spas niern

hin , nachdem er die leichtere Rüſtung zu Heinrich des Zweiten Betten gelobt hat : celles d'aujourd'hui font fi grieffes , qu'un Gentil - homme à trente et cinq :) ans eſt tout eſtropié des cpaules d'un tel fardeau. c ) Meteeren B. 19.

3. Verfaſſung u . Bewaffnung d: Reuterei.

297

niern haben , und nichts anders find , als die ehemalis gen Arkebuſiere zu Pferde, deren ſchon im vorigen Zeit: raume erwåbutworden iſt, und die jeßt nur den Namen verånderten .

Sie

trugen

gewöhnlich

einen

auf der Rechten

Schulter ausgeſchnittenen Kůraß , damit ſie beſſer an: ſchlagen konnten , þatten an der Linken Hand einen biş an den Ellenbogen gebenden Blechbandſchuß und eine Ihr Gewehr war nebſt dem Degen ein, Pickelhaube. Drei und Einen halben bis Vier Fuß langes Feuer: rohr , das ſie an einem Riehmen über die linke Schul: ter trugen ,

und Ein , zuweilen auch Zwei Piſtolen .

Beide Feuergewehre waren init Deutſchen Radſchlöſſern verſehen , und wurden der Geſchwindigkeit und Bes queinlichkeit wegen mit Patronen geladen , die der Ka:

M rabinier in zwei ledernen Patrontaſchen bei fich führte. Fede dieſer Patrontaſchen enthielt Zwolf Patronen , und war die eine an der rechren Hüfte des Mannes, die an: dere vorn auf dem Sattel befeſtiget. Der Herzog von U1ba brachte 1567 einige Kompagnien dieſer Schüken mit ſich nach den Niederlanden , aus den in der Folge die Dragoner entſtanden ) . $.

181,

Bei den Spaniern und Stalienern waren die Kara: biniere , gleich der übrigen Reuterei, in Kornetten oder Kompagnien eingerbeilet ; bei den Franzoſen bin. gegen befanden ſich unter Heinrichs des Dritten und Vierten Regierung in jeder Kompagnie leichter Neuter so Karabiniere unter der Anführung eines lieu: tenants ,

d) Montgommeri p. 140. P. Daniel hift. de la milico frang. IV, 234. Melzo regles militair. lib. 2, cap. 1. 14

298

III.

Zeitra u m .

tenants, Quartiermeiſters und Zweier Korporale. Sie ſtanden auf beiden Flügeln ibrer Kompagnie , und fiengen das Feinde an .

Gefecht durch Scharmuziren mit dem

S.

182.

Aus ihnen und durch das Bedürfniß : Infanteris ften richneller an einen Ort zu bringen , als es bei der natürlichen Geſchwindigkeit des Fußgångers möglich iſt , entſtanden in der Folge die Dragoner. Die Urfebuſiere zu Pferde mußten nebſt den anderen Leich: ten Reutern zu geſchwinden Erpeditionen öfters Infans teriſten hinter ſich auf die Pferde nehmen , die an den beſtimmten Orte herunter ſprangen , um einen Poſten zu bereken , oder anzugreifen u . d. gl. Ein Beiſpiel das von iſt des Grafen Ludwig von Naſſau Anſchlag auf Bergen in Hennegau , dazu soo Reuter abgeſchickt wurden , deren jeder einen Infanteriſten þinter ſich auf dem Pferde batte. Weil dies manche Unbequemlichteis ten hatte , lies der Prinz Alexander von Parma ,

1 als er 1582 den Herzog von Alençon angreifen woll: te , einige Kompagnien Piquenire und Musquetire auf Packpferde feben , und mit ihnen und der ganzen Reus terei die Arriergarde des ſich zurück ziebenden Feindes angreifen ).

In der Folge, als man es ſehr vortheils

þaft fand , auf eine Po Tonelle Weiſe Infanteriſten an jeden verlangten Ort bringen zu können , machte man fie, gleich den Kavalleriſten , beritten , ließ ignen aber ihr Gewehr : die Muskete und Pique , und ihre urs ſprüngliche Beſtimmung , ſtets nur zu Fufie zu fechs ten !).

Bald fieng man jedoch an , fie auch, wie die Karas

e ) Strada de bello belgico. Dec. 2. lib . 3. p . 240 . f ) Wallhauſen Kriegskunſt zu Pferde 2. B. $. 4.

1 AL

3. Verfaſſung u. Bewaffnung d . Reuterei.

299

Rarabiniere , zu Pferde fechten zu laſſen , weil ſie bei den verſchiedenen Vorfällen des kleinen Krieges öfters in der Lage waren , entweder nicht abfißen oder aber zu

1 . Pferde dem Feinde mehr Schaden zufügen zu können . Man gab ihnen den Namen der Dragoner , ſei es : daß man zwiſchen ihnen und den eingebildeten Unge:

16

beuern dieſes Namens einige Zenlichkeit zu finden glaubte , wenn ſie ſo mit brennender lunce daher jag: ten ; oder damit anzudenten , daß fie dein Feinde eben ſo fürchterlich wåren ,

iu WWAM

als Drachen ;

oder endlich um

auf igre Schnelligkeit damit anzuſpielen .

8.

183 .

Ihr Gewehr beſtand in einer Mustete mit einem luntenſchloß, die ſie nicht, wie die andern Reuter ihr Feuerrohr an einem Bandolier trugen , ſondern queer über den Rücken gången Katten . Zuweilen führten ſie nebſt dem Seitengewehr wohl auch einen langen Spieß, IM AL

doch keine Piſtolen . Sie waren meþrentheils ganz ohne Schußwaffen , nur ſelten fand man einen Küraß und eine Pickelbaube bei ihnen ) . Stiefel und Sporn trugen ſie ebenfalls nicht , weil beide , nach damaliger

w Art eingerichtet, ihnen nur beim Gefecht zu Fuß hinz derlich geweſen ſein würden. Bei den Spaniern waren ſie anfangs mit den Artes buſierern zu Pferde einerlei.

Man findet ſie unter ihs

rem wahren Namen zuerſt bei den Franzoſen erwähnt,

! wo Heinrich der Vierte , als König von Das $ arra, mit 400 leichten Reutern und soo Dragonern eine Rekognoszirung machte , und durch die lektern die am Wege liegenden Hecken und Gebüſche befeßen ließ,

8) Melzo regoles militar. lib. 2. cap. I. Us

1

300

III.

Zeitra - u m .

um mit iþrem Feuer den ſehr überlegenen Feind zurück zu balten b).

S.

art :

184.

Wenn ſchon die Erſcheinung dieſer neuen Truppene Reitender Jnfanterie im eigentlichfien

Sinne des Worts , merkwürdig war , iſt es eine Ver: ånderung noch mehr , die ſelbſt einen gröſſeren Einfluß auf das Ganze hatte . Die lanzen oder Speere wurden abgeſchaft, die man bisher für das wid,ti ite Gewebe der Reuterei gehalten hatte, und auf deren richtigen Gebrauch die ganze Bildung des jungen Adels abzweckte. Ich habe schon vorhin geſagt : daß die Niederländiſche Kavallerie größtentheils nur aus Deutz fchen Reutern beſtand , die keine Speere, ſondern blos Degen und Piſtolen hatten. Der Niederlåndiſche Adel formirte zwar einige wenige Kompagnien Speerreuter, von den z. B. Norris Zweie bei ſich þatte, als er im Jahr 1580 der von den Spaniern belagerten Stadt Steenwick zu Hülfe eilte ' ) . Allein es war ſehr ſchwierig ,

im Laufe dieſes langen Krieges die Kom : pagnien vollzählig zu erhalten , als es beſonders am Gelde,zu mangeln anfieng, und man daher den Speer: reutern nicht einmal jhren Sold gehörig bezahlen , viels weniger ihnen die verlohrnen Pferde und Rüſtung vers gåten konnte, ſo daß fie oft arm und mit Wunden be: dect

h ) Denkwürdigt. d . Herz. v . Sully) 4. Buch in Schils lers Hiſtoriſchen Memoiren 2. Abtheil. I. Bd. € . 228. Victor Caïet ſagt ( Chronologie novennaire T. 2. ) Le roi , qui fe vit fi près de ſon ennemi avec forces du tout inegales , ſans aucune Infanterie , fans canons, fit mettre pied à terre à 200 Arquebuſiers à cheval , que l'on apelloit en ce tems là Dragons. i ) Wallhaufen Kriegskunſt zu Pferde. 2. B. K.2 .

.

A

Italia

3. Verfaſſung 'u. Bewaffnung d. Reuterei.

301

deckt nach ihrem våterlichen Hauſe zurück kehrten , aus dem ſie gut gerüſtet und beritten gekommen waren . Das durch wurden denn die anderen abgeſchrect, Dienſte Auch konnten die wirklich vorhandenen zu nehmen.

Speerreuter keine Pferde von der erforderlichen Bes ſchaffenheit bekommen , um ſich der {anze mit Erfolg bedienen zu können , wozu fehr gewandte und gut ab : gerichtete Pferde erfordert wurden . Um nun nicht ganz unthårig zu ſein , 'vertauſchten ſie die Lanze gegen das Piſtol, und dienten nun als Kůraſſiere , wo ihnen ſchwere Pferde brauchbar waren , weil ſie ihre Bewe: gungen blos im Schritt und Trabe verrichteten. Weil eš nun in der Folge faſt unmöglich ward , den fteten Abgang bei den Speerreutern zu erſeken , wandelte man nach Moritzens von Oranien Beiſpiel ſie alle in Kuraſſiere um , wo es weder einer ſo groſſen Ues bung noch ſo treflicher Pferde bedurfte . Schon im Treffen bei Tornhout 1596 Katte Graf Morit: fens Reuterei durchgehends feine Lanzen , ſondern groſſe Piſtolen , und die Spaniſchen Lanzierer konnten gegen ſie nicht Stand galten ") , weil ſie ihnen die Pferde niederſchoſſen , ehe ſie wirklich einbrechen konnten . Im folgenden Jahre ånderte Moriß daber die Růs ſtung ſeiner ganzen Reuterei ab ,

und ſekre feft:

daß

die Küraſſiere einen Helm , Ring : und Halskragen , Bruſt: und Rückſtück , mit Armſchienen und eiſernen Ihr Gewehr war ein Pi: Handſchuen führen fouten . ſtol , deſſen Lauf 2 Fuß Långe batte und ein Reuters ſchwert zum Hauen und Stechen .

Bei jeder Kom :

pagnie befanden ſich einige, die böheren Sold hatten, und über die obiges Stücke mit einem Schurz, Culott, und k ) Meteeren 18 B. $ . 780 und 782. Hugo Grotius hiftor, de Bello Belgico. Lib . 6. p. 277. Man rehe auch Bafta Governo della Cavalleria lib . 4. cap. 7.

1 302

III.

Zeitr a u mt.

und Knieſtücken gebarniſcht waren , auch Zwei Piſtoler führten.

S.

185 .

HO Die Karabiniert oder Schüßen zu Pferde fatten ein Karabiner , deſſen lauf Drei Fuß lang war , und Ihre Rüſtung war eine Pickels ein Reuterſchwert. haube , die hinten mit Vier Platten herunterbieng, auch vorn zu Beſchůkung des Geſichtes gegen den Hieb ein Eiſen hatte , ein Ringkragen , ein Bruſt : und ein Rückſtůd . Die Pferde mußten alle is groſſe Manns : hånde hoch ſein , und die Leute Kaſaken oder Waffens rócke über den Harniſch tragen . In Frantreich ſchaffs te Heinrich der Vierte aus denſelben Urſachen, wie der Prinz von Oranien, die lanzen ebenfalls ab '). Die Spanier hatten zwar auch ſchon Kuraſſier : Kom . pagnien bei ifrer Reutereiz allein , dies waren mehren: theils Niederländer und Deutſche, denn die Spanier bes þielten die lange ungleich långer bei ; vielleicht weil ſie iſt einen vorzüglichen Werth beilegten, und ſie für febr vor: theilhaft hielten , in den Feind einzubrechen ; vielleicht auch blos aus Gravitåt , wie der Herzog von Roban in ſeinem Traité de la guerre fagt, den er ludwig dem Dreizehnten zugeeignet þat ) , Gewiß iſt es , daß die erſte Abſchaffung der Lanzen mehr aus Noth als wegen anerkannter Nachtheile dieſes Gewebs Denn obſchon Baſta die Sangen tadelt, res geſchabe. und ihnen die Kůraſſiere vorziebet, waren doch Walle hauſen und andere ganz entgegengeſekter Meinung, und nannten die lange die Königin der Waffen.

1) P. Daniel 'hift. de la milice franç. p. 431. - ) P, Daniel hiſtoire de la milice françoiſe p. 432.

$ . 186 .

3. Verfaſſung u. Bewaffnung d. Reuterei.

S.

303

186 .

Weil der Reuter ſich ſelbſt mit Rüſtung und Pfera den verleben mußte, batten die Spanier bei jeder Koms pagnie eine Art von Kafle eingeführet, die ſie la Plas ta nannten , und zu deren Errichtung jedem Solda : ten anfangs Eine Krone - nemlich Vier Realen als Ein Drittheil der Beſoldung und Uchte von den Fous abgezogen wurden . ragegeldern Eines Monatbes Aus dieſer Kafle , ju der alsdenn jeder ohngefår die 1

Hälfte des Erſten Beitrages monatólich zabite , wur: den den Reutern igre Pferde vergütet , wenn ſie fielen oder vor dem Feinde blieben ; vorausgeſeßt: daß der Soldat ſelbſt keine Schuld an dieſem Unfalle batte. ude Pferde wurden zu dieſer Abſicht durch eine beſon ders angeordnete Kommiſſion von Vieren , welche die Gotdaten unter ſich fchmied genau unterſuchet und tariret , über die Tare aber ward ein genaues Protokoll gebalten , um ſogleich wiſſen zu können , wie viel für das eine oder das andes re Pferd gegeben werden ſollte.

Damit jedoch die Reus

ter auch ifre Pferdegehörig in Ucht nahmen und fütters ten , oder aber zur Strafe gezogen werden konnten ; mußte der Hufſchmied mit den Vier Deputirten wo: Nach vorgefallener chentlich die Pferde viſitiren. Scharmükeln und Treffen aber , wo die Anzahl der gebliebenen Pferde zu groß war , als daß die Brüder: ſchaftskaſſe gåtte für den Schaden ſtehen können ; that gewöhnlich die Hauptkriegskaſſe einen Vorſchuß , der alsdenn entweder nach und nach wieder zurückgezahlet , oder dfterer noch den Soldaten als eine Belohnung der Uebrigens bewieſenen Bravour geſchenkt ward ). r Dienſts er ein , leichte und mußte jeder Reuter , ſchwer und ein Handpferd zum Marſch und zum Fouragieren ba: a ) Melzo reg , militair. lib . 5. cap . 7.

II ) : Zeitraum

304

haben , damit das Dienſtpferd geſchonet warb , und blos, zu Wachten und im Treffen gebraucht werden Dies war vorzüglich bei den Speerreùtern durfte. und Küraſſieren wegen der ſchweren Rüſtung des Reu ters nothwendig , wo ein Einziger Marſch im Stande war , die Dienſtpferde völlig untüchtig zu machen. S.

187.

So lange die Lanziere ſich bei den Armeen fanden , waren ſie es faſt allein , den man die größte Aufmerk: famkeit widmete, um ſie zu dem Gebrauch dieſes Ge Die Speerreuter , oder webres geſchickt zu machen . vielmehr die zu dieſer Truppenart beſtimmten jungen Edelleute , ' wenn ſie nur gelernt hatten , iþr Pferd gęs þörig zu regieren, übten ſich daher : mit der Lange jeden Gegenſtand im Schritt, im Trabe und in voller Care Es wurden iğnen zu dem Ende Ziele boch , horizontal und tief an der Erde geſteckt , nach Sie ſuchten nicht minder den feinds den ſie rannten. riere zu treffen.

lichen Stoß mit ihrer Lanze abzuweiſen , oder ſich , wenn ſie gebrochen war , des Piſtols und des Degens zu be: Mit lekteren beiden Arten von Gewebr mach: dienen . te ſich auch der Kůraſſier – Corazon Kieſſen ſie, als bekannt , nur mit dem Unter: ſie zuerſt auftamen C ſchiede ,

daß ſeine ſchnellſten Bewegungen im

Trabe

und äuſſerſt ſelten im Galop geſchapen º). S. Der Karabinier "

188 . oder

Urkebuſierer zu

Pferde lernte vorzüglich mit ſeinem Karabiner umges ben, ihn im vollen Jagen laden und nach allen Seiten abſchieſſen.

Fehlte es ihm an Zeit , wieder zu laden,

þediente er ſich der Piſtolen und im Nothfalle auch des De

6 ) Wallhauſen , Kriegst, 34 Pferde I. Th.

3

761

3

1

3. Verfaſſung u . Bewaffnung d. Reuterei.

Degens.

Zu ſchnellen Bewegungen beſtimmt,

305

mußte

er ſicher ſein , ſelbſt in der ſtårkſten Carriere ſein Ziel nicht zu verfeblen , denn der Karabiner war ſein Hauptgewebr , das er vor allem zu gebrauchen wiss ſeni- mußte.

uit

S.

189:

Die Dragoner endlich würden ganz wie Infan : teriften ererziret," und lernten überdieſes mit der großs ten Schnelligkeit auf und abſiken , ihre Pferde top: peln , und ſichſogleich in Reißen und Gliederzum Ans griff formiren . Bei den Spaniern ſcheinen die Ai f'e buſierer zu Pferbe den Infanteriedienſt mit dem Kavalleriedienſte verbunden zu Kaben ,ſo daß fie- bald als Schüßen zu Pferde bald als Musketiere gebrauche wurden . S.

190 .

Wenn der Kavalleriſt einzeln mit dem Gebrauch ſeiner Waffen bekannt war , übte man ihn in den zum Gefecht erforderlichen Wendungen und Bewegungen : Dieſer waren bis zu dem Niederländiſchen Kriege nur ſehr wenige, weil man immer blos den lanzierern ſeine Yufmerkſamkeit gewidmet , die Leichte Reuterei aber faſt ganz vernachläffiget hatte. Den Spaniern , oder eigentlicher dem bekannten Herzog von Alba gebühret das Verdienſt , die Leichte Reuterei dabin gebracht zu kaben : daß er ſich ihrer die vorher blos zu Schars mükeln und zu dem kleinen Kriege taugte, - gleich den Gensdarmen , in Geſchwader geordnety im Treffen bedies. nen tonnte. Jør Gebrauch ward dadurch ausgebreis teter und kann dem nåber , den man gegenwärtig von der Kavallerie macht ; doch lernte ſie nicht eher ſich auf eine zweckmäſſige Art bewegen, bis Morik.von Dra: nien das Erſte Beiſpiel dazu gab , und durch die Ue: berle.

306

III. Zeitra u m.

:

berlegenheit ſeiner Evolutionen bei Tornbout , auf den Feldern von Tiel u. f. w. ſiegte. Er war es, der zuerſt die Reuterei lebete die Reißen und Glieder dus pliren , die einen und die andern ſchlieſſen und öffnen , fich Rotten : oder Gliederweiſe Rechts und Links wen : den , und endlich Schwenkungen ſowohl Gliederweiſe Den Schußen ward anges als En Masse machen. wieſen ,

init Rotten und Gliedern auf den Feind zu

chargiren und alsdann in voller Carriere zurück zu ges ben , um þinter iþrem Trupp wieder zu laden ; des Seitengewehres bediente man ſich nur im Nothfalle bei

- dem Handgemenge , das bei allen Reutergefechten auf folget, nie aber um , wie in den den neueen Zeiten , den Feind geſchloſſen mit dem Degen in

1

der Fauſt anzugreifen P ).

$.

191.

So wie der Dienſt zu Pferde aufborte , ein auss ſchlieſſendes Vorrecht des dels zu ſein , und über : þaupt das Kriegsweſen eine mehr wiſſenſchaftliche Ges ftalt bekam ; fiengen die Söhne groſſer Familien auch an , ſich auf ifre fünftige Beſtimmung als Offiziere und Oberbefehlshaber vorzubereiten ." Nächſt den ges wóbnlichen Ritterübungen lernten ſie in dieſer Abſicht die Unfangsgründe der Meßkunſt und der Befeſtigungss kunſt , und fuchten ſich gewöhnlich auch einige Kennts niß der Geſchůkwiſſenſchaf zu verſchaffen. Bei dem t þöheren Adel waren dieſe Kenntniſſe öfters mit einer nicht geringen Merige ſcholaſtiſcher Gelebrſamfeit durchs webt , von den ſich jedoch der junge Kriegsmann ims mer ſehr bald los,zu machen ſuchte. Er zog nun , der reichere als Volontair , und der arme im Gefolge eines Dberbefehlshabers zu Felde , um ſich daſelbſt auf die eine P ) Wallhausen Kriegst. zu Pferde 2. th. 4. Kap.

21

1 3. Verfaſſung u . Bewaffnung d. Reuterei.

eine oder die andere Weiſe auszuzeichnen , eine Offizierſtelle zu erwerben 9).

307

und ſich

S. - 192. Von dem Nugen einer wiſſenſchaftlichen Erzier bung des künftig zu Offizieren beſtimmten Ädels über: zeugt , legten in dieſem Zeitraume verſchiedene Fürſten Ritterakademien an , deren Zöglinge in der Kriegs: wiſſenſchaft und in den ſogenannten Ritterlichen Ues 1 Eine der Erſten dieſer bungen unterrichtet wurden . Ritterakademien war ohnſtreitig,die von Johann Ueltern Grafen zu Narrau im Jahr

dem

1616 zu Siegen geſtiftete , wo die jungen Edels leute unter Wallhauſen's Aufſicht und Anleitung latein , Italiåniſch , und Franzöſiſch , Zeichnen , Bes feſtigungskunſt , Reiten , Voltigiren , Fechten , Turs nieren zu Pferde und zu Fuß , Ballonſchlagen u. ſ.wo. im Jahr 1623 lernten ). Kurze Zeit darnach errichtete Cbriftian der Vierte von Dånnemark 34 9 ) Reiner unter den 38gfingen des Mars ward wohl von der Kriegsluſt ro irre geleitet , wie der Prinz A 1 ers ander von Parma. Oft zog er des Nachts ohne einigen Gefährten die Straßen durch , und forderte jes den, der ihm aufſtieß , zum Zweikampf auf. Er wähite dabei vorzüglich diejenigen , die wegen threr Bravour und wegen ihrer Geſchicklichkeit im Fechten in einigem Rufe ftanden ; bei dieſen ließ er ſich keine Mühe verdrieſſen , bis es ihm gelang , ſie anzutreffen , und ſich mit ihnen im nachtlidyen Kampf zu meſſen . Er that dies mit vies lem Glück ſo lange , bis ihn einſe der Graf Adrian von Taurel beim Sdiein einer zufällig vorübergehens den Fadel erkannte, und knieend ihm feinen Degen übers reichte. Die nächtlichen Wanderungen des Prinzen wurs den dadurch bekannt , und jeder wid), ihm in der Folge aus . Strada . Dec. I. lib . 9 . r) Ballhauſen Militia Gallica in der Vorrede. X Soyer's neuere Kriegsk. I. Th.

308

III.

Zeitra u m.

zu Sorée , auf der Inſel Seeland, eine ånliche Rit: terakademie , die gewöhnlich für das Erſte Inſtitut Schon früßeć gab es dieſer Urt gehalten wird s). zwar in Jtalien, Engelland und Frankreich ſogenannte Ritteratademien , dieſe waren aber nichts anders als Reitſchulen , in den man dem jungen Adel die Reit: kunſt und den Gebrauch der {anze lehrte. Das Va: terland dieſer Reitſchulen war Neapel , wo Gris fani und Pignatelli im Kunſtmåßigen Reiten Uns terricht gaben .

Die Schüler des erſteren brachten um

die Mitte des Sechzehnten Jahrhunderts die Reitkunſt nach Engelland , und die Zöglinge des Pignatelli machten ſie in Frankreich bekannt , woſelbſt Plyvis nel - zuerſt eine Reitſchule anlegte € ).

Es iſt wahr:

ſcheinlich , daß eben dieſe Reitſchulen zu Bildung der Lanziere die Veranlaſſung zu Errichtung der wirklichen Ritterakademien gaben , deren Zöglinge zu jeder Art von Kriegsdienſten überhaupt vorbereitet wurden , um als Befehlshaber ohne Unterſchied brauchbar zu ſein.

5) Buſch Bandbuch der Erfindungen . 8º. 5 TH. 6.416. t) ebendar. Seite 399.

10 Vierter

309

Pierter

Abſchnitt.

Stellung und Bewegung der Truppen in dieſem Zeitraume.

$.

193 .

der Stellung des Fußvolfes war ſeit dem vorigen ཙ; Zeitraume wenig abgeändert worden . Noch immer formirte

man große Bataillone von dreitauſend und mehr Mann , die aus { anzknechten beſtanden , und Schüken rings um ſich ber batten ; auch von beſons deren Pelotons oder , wie man ſie nannte : Flügeln , Musketiere flanquiret wurden . Nur die Schweißer þatten dieſe Stellungsart noch nicht angenommen , und führten ſie erſt zu Anfange des Siebenzehnten Jahrhunderts ein ") . Aus den Musketiren wurden beſondere Detaſchementer berausgezogen , welche den Dienſt der Tirailleurs verrichteten , und einzeln mit dem Feinde ſcharmuzierend, das Treffen anfiengen. Die übrigen , die in der Schlachtordnung wirklich eins getþeilt waren , feuerten gewöhnlich Gliederweiſe, und liefen alsdenn mit Rechtsum oder linksum ab , um þinter der Fronte wieder zu laden . Siam der Feind nåber , ro fallten die lanzknechte ihre Spieſſe, und føråhften ſie dergeſtalt über einander , daß ſie gleichs ſam eine undurchdringliche Mauer bildeten. Wegen der ſchweren Rüſtung der Sanzknechte , vorzüglich aber wegen der Långe ibrer . Spieſſe bedurfte es hierzu ims mer einiger Zeit , ebe ſie im Stande waren , den Feind nachdrücklich zu empfangen.

Gieng dieſer nun mit ſeis ner u ) Oeuv, de Brantome T.4. pag. 349

310

III.

3 eitra u m .

neč Reuterei ihnen raſch auf den Leib ,

wie

Pring

Moriz den Spaniern bei Tornhout 1596 , nach: dem ſich ihre Reuterei zu voreilig zurückgezogen hatte, mußte es ihm nothwendig allezeit gelingen, ſie zu ſchla: gen , wie es in dem oben angeführten Treffen der Fall war. Der ſchnelle Angriff der Niederländiſchen Reu : terei brachte hier das Neapolitaniſche Fußvolk dahin : daß es zu hitig auf einmal abfeuerte , die Niederlån: der hatten ſich daher nur noch vor den Piqueniren zu ſcheuen. Ehe dieſe aber ein Quarree formiren konn: ten, wurden ſie auch ſchon durch den beftigen Choc der Niederlander geworfen , die ihnen wahrſcheinlich in die Flanke gekommen waren w).

$.

194 .

Zum Treffen geordnet , ſtand die Jufanterie in Acht bis Zehn Gliedern hintereinander ; dieſe ſowohl als die Reihen waren zum Ererziren Sechs Fuß ges öffnet. Zum Gefecht ſtanden die Glieder und Rotten der Musketire Drei Fuß aus einander , damit die Leute, 3

wenn ſie abgefeuert hatten , hinter die Fronte durch Bei den Pi: gehen und daſelbſt wieder laden konnten . quenirern hingegen waren gegen den Einbruch Reihen Erlaubte die Stårke des De und Glieder geſchloſſen . taſchements keine ſo groſſe Tiefe , oder wünſchte inan eine breitere Fronte ; verringerte man die Tiefe bis auf Fünf Glieder , doch nie darunter , weil die Schüßen gerade ſoviel Zeit brauchten , um hinten wieder zu las den , als das Chargiren mit Fünf Gliedern dauerte *). Aus dieſer Stellungsart folgten auch die Bewes gungen , deren ſchon vorhin erwähnt worden iſt , daß nåmlich bald die Glieder ,

bald die Reihen dupliret wur:

w ) Meteeren 18. Buch . S. 780. folg. x) Turner Eſſays on the Art of War B. 3. cap. II.

1

LAV

4. Stellung und Bewegung.

311

wurden ; daß man Glieder : oder Rottenweiſe feuerte, und entweder zwiſchen den Rotten hindurch gieng, oder aber abſchwenkte , um auſſerhalb des Trupps zurück : zugehen . Jm Marſch hatten die Schüßen und Musketiere eine Fünf Mann und die Piquenire eine Sieben Mann

breite Fronte , mit Einem Schritt Zwiſchenraum in Dabei waren die Glieder Drei bis den Reihen Y ). Vier Schritt geöffnet.

$. · 195 . Wenn die Kavallerie En Parade ſtand oder mar: formirte ſie mehrentheils viereckige Schwa: dronen , die eben ſo viel Breite als Tiefe hatten , und ſchirte ,

im Marſch mit halben Gliedern abbrachen . In Schlachtordnung ſtand ſie entweder geöffnet oder geſchloſſen , und zwar geſchahe erſteres mit Rot: ten und Gliedern zugleich , ſo daß jeder Mann nach Beſchaffenheit der Umſtände Vier , Acht oder Zwolf Schritt ſowohl auf beiden Seiten als hinten und vorn Das Schlieſſen von feinen Kameraden entfernt war. geſchabe entweder mit den Gliedern oder mit den Kot: ten allein oder auch mit Rotten und Gliedern zugleich . Das Schwenken und Dupliren war wie bei der In: fanterie ; erſteres bald Gliederweiſe, bald auch En Maſſe ? ). Dieſe Bewegungen waren allen Arten der Reuterei gemein ; nicht ſo aber der eigentliche Angriff , der bei der verſchiedenen Bewaffnung der Speer: reuter , Kúraffiere und Carabiniere noth : wendig auch verſchieden ſein mußte.

Die erſteren ſtan ,: den

y) Montgommeri II . cap . 2 . 2) Wallhauſen 4. Kap .

Kriegskunſt

zu

2 3

Pferde 2ter Theil , 1

312

III.

Ze itt a u m .

ben in kleinen Abtheilungen zu Dreiffig bis Vierzig Pferden , und in Ein oder höchſtens Zwei Glieder ges ordnet , weil genau nur ſo viel im Treffen wirkſam Eine gröſſere Unzahl Glieder hinter ſein konnten . einander würde bei dem raſchen Angriff , wie ihn die mehr nachtheilig als Die Tanzen des Zweiten vortbeilhaft geweſen ſein . Gliedes reichten oknebin kauin durch das Erfte bervor, Speerreuter machen mußten ,

und jede groſſere Tiefe konnte blos dazu dienen , die Bewegungen und den Angriff des Trupps beſchwerli: Man ſtellte die Speerreuter deshalb cher zu machen. gewöhnlich in mehreren Gliedern init Dreiflig bis Veirzig Schritt Zwiſchenraum hinter einander , da: mit jedes Glied , wenn es ſeine langen gebrochen hatte, mit Rechts : oder Linksum ſeitwärts abreiten , und ſich Weil hinter der Fronte wieder ſammlen konnte * ). A

jedoch dieſe Stellungsart den Nachtheil hatte , daß beim Angriff gegen Arkebuſiere oder Kůraffiere dieſe Zeit hatten , wieder zu laden , ehe das Zweite Glied Heran kam ; vielleicht auch weil man die Ueberlegen : heit der mit Schießgewehr verſehenen Reuterei in der tiefen Stellung derſelben zu finden glaubte ; fieng man an , die ( anziere noch vor iþrer Abſchaffung in kleine Die Schwadronen von Fünf Mann Tiefe zu ſtellen . Spanier, Burgunder , Italianer imo Deutſchen thas ten dies zuerſt ; und die Franzoſen folgten ihnen wah: rend dieſes Zeitraumes darinnen nach , weil ſie geſehen batten , daß die En Hage geſtellten Königlichen Speerreuter bei St. Quentin und Gravelines von den in Schwadronen geordneten feindlichen Gens: d'Armes geworfen worden waren " ), Nicht

a) Wallhauſen Striegskunſt zu Pferde 3. TH. Kap. I und 2. b) P. Daniel hift. de la Milice franç.

4.

Stellung und Bewegung.

Nicht ſowohl zum Angriff,

313

als zur Vertheidis

digung und zu unterſtüßung, der immer zahlreicher werdenden leichten Reuterei der Arkebuſiere zu Pferde oder der Karabiniere und der Dragoner

il

beſtimmt; wurden die Kürnſſiere gewöhnlich, in tiefe Geſchwader geordnet , die oft nach allen Seiten Front machten, wenn ſie von feindlicher leichter Reuterei ans gegriffen wurden . Gegen Infanterie attaquirten ſie im Trott ; von der Reuterei aber erwarteten fie deit Ungriff , und ſuchten vorzüglich die feindlichen Pferde zu treffen. Beſtanden beide Partheien aus Kůraſſieren ; giengen ſie mebrentheils in kleinen Abtheilungen auf einander los und das ganze Treffen verwandelte ſich in einzelne Scharmüßet oder kleine Reutergefechte ). Die Karabiniere waren allezeit mit geöffneten Glie: dern geſtellt , um gleich den Schüßen zu Fuß nach dein Abfeuern ihres Gewehres ohne Unordnung hinter der Fronte wieder laden zu können. Die Dragoner end:

40 lich fochten bei den Deutſchen und Franzoſen nie zu Pferde , ſondern ſaſſen allezeit ab, und agirten als In: fanterie , nachdem ſie ibre Pferde gekuppelt und den dazu beſtimmten Wächtern überlaſſen Gatten ,

-"

$.

196 .

Ganze Korps und Armeen wurden mehrentbrils dergeſtalt geordnet , daß die Reuterei auf die Flügel und das Fußvolk in die Mitte kam , doch machten (o: Im Treffen auf kal : Umſtände zuweilen Uusnahmen . der Monker Heide 1574 ſtand bei den Niederländern erſten Treffen , die 1800 Pferde ſtarke Reuterei im und 25 Fahnen Fußvoit , mehrentheils Schüßen , machten das Zweite Treffen , Zehn andere Kompagnient Schů: c ) Walhauſen Sr.

. zu Pferde 3. Th. Sap. 4. 24

314

HII.

Zeitra um .

Schüßen hatten eine vor der Fconte aufgeworfene Verſchanzung beſezt '). Auch in der Schlacht bet Niewport 1600 ſtanden die Spanier in Drei Treffen , und hatten den größten Theil ihrer Kavalle: rie auf dem Rechten Flügel des Erſten ) . Man pflegte die Schlachtordnungen in Vier Gats tungen einzutheilen : En Kolonne, wo ein Kriegs. þaufen hinter dem andern ſtand ; En ligne , wenn das ganze Heer in Einem Treffen neben einander auf: marſchirte ; die Dritte Art war das , was wir jezt En Echequier nennen , die Truppen ſtanden in mehreren Treffen hinter einander, ſo daß die Geſchwas der des ģinteren Treffens auf die Intervallen des vor: deren trafen ; endlich die halbmondenförmige Schlachts wo beide Flügel vorgeſchoben , die Mitte

ordnung ,

hingegen zurück gehalten ward f). Die Karabiniere nahmen dabei gewöhnlich den Rechten Flügel der Speerreuter , oder in der Folge , der Kuraſſiere ein. Einzelne Trupps von Karabinieren zerſtreueten ſich zus gleich , und ſuchten dem Feinde in die Flante oder in den Rücken zu kommen . Uuf dieſe Weiſe war die Spaniſche Reuterei im Treffen auf der Monker Heide geordnet, wo Drei groſſe Esquadronen , aus den ſie beſtand , einen Halben Mond formirten , vor ben die Urlebuſiere zu Pferde in Drei Abtheilun: gen neben einander aufmarſchiret waren , und durch Schenkens Regiinent Küraffiere auf der linken Flans Pe gedeckt wurden . Die Infanterie ſtand in Vier gross: ſen Battaillonen hinter einander , blieb aber faſt ganz untha

d ) Carnero lib. 3. cap. 3. Strada Dec , I , lib.8 . p. 383. 1 e) Meteeren 21. Buch 8.957 . + f ) Bafta Governo della Cavaller. lib 4. cap. I. . hauſen Kriegst. zu Pferde 4. Th. Kap . I.

Balls

4. Stellung und Bewegung .

315

unthätig , weil die Schlacht größtentheils durch die in kleine Trupps formirten Speerreuter entſchieden wurs de 5). 197 . S.

Um lezteren beſſer widerſtehen zu können , war bes ſonders für die Küraſſiere die Maſſenſchwenkung wahrſcheinlich von dem groſſen Prinzen von Oranien erfunden worden .

Wenn nun die feindlichen Speer : reuter in vollem Jagen auf das dicht geſchloſſene Ger ſchwader der Küraſſiere los ſtürzten ; warfen dieſe ſich

plóklich links oder Rechts , oder nach beiden Seiten zugleich , indem ſie ſich in der Mitte öffneten , und fielen dann dem Feinde in die Flanke. Die ( anziere, die iþrer Pferde nicht ſo mächtig waren , wie etwa die Kavallerie beut zu Tage, kamen ſchon durch den mißlun: genen Chock , noch mehr aber durch das Feuer der Kuraſſiere in Unordnung , ſo daß fie faſt immer ge: ſchlagen wurden . S.

198 .

Kleine Detaſchementer von Fünf und Zwanzig bis Dreiſig Karabinieren oder Urkebuſieren zu Pferde fiengen gewöhnlich das Treffen an , während ſich die groſſen viereckigten Battaillone des Fußvolks -und die Reuter : Geſchwader langſam in Schlachtordnung ftella ten .

Zuweilen forderten wohl auch einzelne Offiziere

und Soldaten , oder ganze Trupps ' einander zum Kampf auf , wobei ihnen die Heere rubig zuſaben , und ſie erſt ihr Gefecht beendigen lieſſen , ehe das wirkliche Treffen begann . Jenes mochte jedoch ausfallen , wie en wollte , fatte es weiter keinen Einfluß , ſondern die Schlacht g ) Carnero hift, d . 1. guerr. civil.

de fland. lib . 3 , 3 .

Chappui p. 172. Strada 1 , 8. pag. 384 . DES

316

III.

Zeitraum .

Schlacht gieng ihren gewöhnlichen Gang.

Ein Beis

ſpiel von auſſerordentlidhem Muth und Entſchloſſen : heit wird hier inn ſo mehr an ſeinem Orte ſtehen , weil es bei einem dieſer kleinen Gefechte vorfiel , die den Anfang der Schlacht verkündigtelio , Anton Perot: to Sentinati katte mit 25 Speerreutern einen Haufen niederländiſche Küraſſiere angegriffen , und wollte jegt nach gebrochner tanze zum Degen greifen , als er wahrnahın , ' Daß ihm das

Gefäß deſſelben weg

geſchoſſen worden ſei. Ohne ſich zu beſinnen , ums ſchlingt er den nåchſten feindlichen Reuter mit dem linken Arm , reißt ihm das Seitengewehr aus der Hand , und Schwerte b) .

rödtet ihn zuerſt

$

ſeinem

eignen

199 .

Die Marſchordnung Schlachtordnung ab ,

mit

wich

in

ſofern

von

der

daß die Truppen En Kolonne þinter

h ) Faſt eben ſo machte es Peter Ciaccone , als die Spanier 1574 die Belagerung vor Leiden aufhoben . Der Rückzug geſchahe in einer ſtürmiſchen Nacht auf den Dämmen , weil alles überſchwemmt war , und die abziehenden Spanier wurden zu beiden Seiten von den Niederländern gedrängt, die ſich in Fahrzeugen den Dáms meu näherten , und die feindlichen Soldaten mit Boots haken herunter zogen. Dies widerfuhr auch dem Ciacs cone, der als des Borgia Leutenant eine Brücke vers theidigte , und mit vier Haten herab in einen Kahn ges riſſen ward, in dem ſich Šechs oder Sieben Niederländer befanden . Er war verwundet , und die Feinde , andere Spanier aufzufiſchen beſchäftiget, bekümmerten ſich wes Weil thn jedoch die Haten blos bei den nig um ihn . Kleidern angefaßt , hatte er noch Kraft genug , ſich aufs zuraffen , und mit einem zufällig da liegenden Beile dreie zu Boden zu ſtrecken , ſo daß die übrigen , durch dies ſes Wiederaufleben eines für halb tod gehaltenen ers ſchreckt, aus veni Kahne in das Waffer ſprangen und CIA 5

317

4. Stellung und Bewegung.

þinter einander folgten . Bei der Infanterie mars ſchirten allezeit die Musketiere vor den Piquenieren ; bei der Reuterei hingegen waren die Speerreuter an der Spiße und hinter ihnen die Karabiniere oder ſos genannten Reuterſchüßen. Seztere machten zugleich die kleine Uvant : und Arrieregarde, ſo wie die Seitenpa: trouillen . Wallhauren giebt folgende Marſch : ordnung für ein

Korps Kavallerie an :

pagnien Speerreuter ,

Drei Kom :

hinter deren jeder Eine Kom.

pagnie Arkebuſiere zu Pferde folgt. Auf dieſe fomn : men die Musketiere von Drei Kompagnieen Drago: ner in Trupps zu Funfzig Mann vertbeilet ,

dann die

Piqueniere Einer Dragoner Kompagnie , und hinter ihnen eine Kompagnie Küraſiere. Nach den Küraſſie: ren marſchieret die Erſte und

Zweite Hälfte der Pi:

quenire der Zweiten Dragoner Kompagnie ,

jede von

Einer Kompagnie Küraſſiere gefolgt. Die Piquenire der Dritten Dragonerkompagnie machten den Beſchluß :). Von der Marſchordnung eines ganzen Heeres lie: fert uns Erzberzog U1beros von Deſterreich Zug zum Entſaß von Amiens im Jahr 1597 ein Beis ſpiel.

Den Vortrab machten Sechs Kompagnien Kas

rallinjere mit Sechs Drgelgeſchüken , hinter den Sechs Halbe Karthaunen fußren . fanterie , in Vier groſſe

Auf dieſe folgte die In: Battaillone von 4000

Mann vertheilet, und zu beiden Seiten durch die Pack: wagen , die Brodwagen und durch die Pontons ges deckt, welche Wagen von 500 zwiſchen ifnen ver: theilten Hafenſchüßen und Musketieren verteidiget wurden .

Auſſerhalb und ſeitwårts

der Wagen mar: ſchirten

Ciaccone Meiſter des Rahnes blieb. Strada. Dec. I. lib . 8. p. 392

i) Wallhauſen Kr . &. zu Pferde 4. TH. 3. Kap.

318

.' Zeitraum . III.

ſchirten die Kůraſſiere und vor ihnen die leichte Reus terei * ).

1

Schon damals ſchickte die Avantgarde von Ren : terſchußen einen kleinen Trupp gewöhnlich Einen Korporal mit Funfzehn Pferden , voraus , wovon Zwei Mann die Spige , und auf jeder Seite Zwei andere , die Seitenpatrouillen machten ). Zu Un: terhaltung der Gemeinſchaft zwiſchen dieſem Trupp und der Avantgarde hatte der Befehlshaber von legs terer noch Vier Mann vor ſich , die ihm ſogleich mela deten wenn die Spike ein Zeichen von der Annåhe: rung des Feindes gab.

Das Gepåck gieng nach Beſchaffenheit der Ums entweder voraus , oder folgte den Kolonnen.

ſtånde

Es war übrigens genau beſtimmt, wieviel Pferde und Wagen die Befehlshaber mit ſich führen durften . Bei den Spaniſchen und Deutſchen Truppen mußte jeder Gemeine Soldat ſein Gepåde ſelbſt tragen ; bei den Franzoſen hatten Vier

Infanteriſten

allezeit Ein

Packpferd und Zwei Packjungen. Jeder Upointe ' oder Gefreite hatte Ein Pferd und Einen Jungen, die Ober : Offiziere Ein Reitpferd und einen Einſpånni: gen Karren , der Hauptmann und der Major endlich Der Troß jeder Zwei Reitpferde und Einen Wagen. eines jeden Regimentes -ſtand unter dem Profoß ; die Soldatenweiber und Beiſchläferinnen aber noch bes fonders unter der Aufſicht des Huren w ebels', der ſie auf dem Marſch in Ordnung hielt." Ein feltnes Beiſpiel in dieſer Art giebt des Herzogs von Alba Heer auf dem

Zuge nach den

Niederlanden .

Jhm

folgten Vierbundert Juſtmådchen zu Pferde und über

Uchts. k) Carnero lib . 12. cap . 19. 1) Melzo regol , militar. 2 , 8 ..

1 4. Stellung und Gefecht.

319

Achthundert zu Fuß in Kompagnien getþeilet, und þinter ihren beſonderen Fahnen in Reihen und Glie: der geordnet . Jeder war nach Verhältniß ibrer Schönbeit und ihres Anſtandes der Rang ihrer liebs þaber beſtimmt, und keine Schranken überſchreiten m ).

Få nfter

durfte bei Strafe dieſe

Abrchnitt.

19 Zuſtand der Striegszucht bei den kriegführenden Armeen .

S.

200.

wie durch die ununterbrochnen fortdaurenden Kriege die Heere fich unverinerkt zu ſtehenden bildeten , bekam auch die Dienſteinrichtung und die Kriegszucht eine immer feſtere Form . Die Stärke

S

und Beſchaffenheit ſowohl der Sicherheitswachen als der Ehrenwachen ward beſtimmt, und ihnen vorge: ſchrieben ,

was ſie zu thun hatten ?

Verordnungen

fezten feſt, wie weit ſich das Anſehen eines jeden Bes fehlshabers

über ſeine Untergebenen erſtrecken rolle,

und in wie ferne fie von ihm beſtraft werden konnten . Mit einem Worte : das Kriegsweſen fieng nach gerade an , diejenige Form anzunehmen , die es bis auf die neueſten Zeiten behalten hat. m) De plus il y avoit 400 Courtiſanes à Cheval , bel. les ei braves comme des Princeſſes, et 800 à pied , bien à point auſſi. Oeuv. de Brantome T. IV. Diſc. 4 P: 93. Meteeren S. 104.

S. 201 .

320

III.

3 eitra u m. S.

201 .

Die Sicherheitswachen beſtanden entweder in fol: chen , die blos auf Erhaltung der Ruhe und Drds nung im { ager oder in den Quartieren abzweckten ; und in ſolchen , die man ausſezte , um zeitig genug von der Annäherung feindlicher Truppen Nachricht zu Jenes waren die ſchon lange gewöhnlichen erhalten. Nachtwachen ; zu dem lezteten Entzweck aber dienten die Feldwachen , die auf die vornehmſten Zugånge ge ſtellt wurden ,

uud ihre Vedetten vor ſich hinaus fez:

ten , während Patrouillen von leichter Reuterei obna Hinter aufhörlich die ganze Gegend durchſtreiften. bildeten Feldwachen Fuß: Kavallerie: den Vedetten und

A

poſten und Piquets von Musketieren eine Zweite Kret: Ie , ſo daß bei Tag und Nacht ſich dem {ager oder den Beil Quartieren nichts unbemerkt nåbern konnte. c $ jedoch unmöglich war , in Quartieren , wo nur einzelne Detaſchementer Reuterei befanden ,

ſich die

1

Poſten ſo dicht auszuſeken , daß nichts unbemerkt her: an konnte , fiel der Reuter Oberſte Baſta zuerſt dars auf : Dreihundert Schritte vorpårts eine Poſtenkette zu machen , die ohnaufhörlich rechts und links zu eins

.

ander ritten , daß der Raum zwiſchen ihnen niemals leer war , und ſich nichts durchrchleichen konnte " ). Ueberdieſes wurden noch Dreihundert Schritte weiter

a

vorwärts Schleichpatrouillen ausgeſendet , die des Nachts öfters ſtille halten , und lauſchen mußten , ob ſie nichts vom Feinde entdeckten .

.

Eine andere Gattung zur Sicherheit des Sagers oder der Quartiere dienender Wache þat ebenfalls iß: ren n ) Georg Baſta Governo della Cavalleria Lib . 2 , cap. Io. Bafta war im Niederländiſchen Krtege in Bierzig Jah, ren voin Gemeinen Neuter bis zum General : Koms miſſair der Kavallerie geſtiegen .

5.

Krieg $ ; u cht.

321

ren Urſprung im Niederländiſchen Kriege. Dies ſind die groſſen Piquets oder Reſerven ,, mehrentheils von ſchwerer Kavallerie , die man in den neueren Zeiten unter dem Namen der Bereitſchaften kennt, und die im Fall eines feindlidhen Angriffes ſogleich aufſi: ken mußten , um dem bedrängten Orte zu Hülfe zu eilen und den Feind zurück zu treiben ) .

S.

202. ,

Die Vorpoſten wurden durch den Lieutenant und einen

Korporal

aufgeführet

und

wieder

abgelöſet.

Die Fouriere und Quartiermeiſter verrichteten die Ron: den ; doch geſchabe lezteres auch durch die übrigen Oberoffiziere. Man pflegte anfangs allen Auſſenpo: ſten das loſungswort zu geben ; der Prinz von Par: ma aber ånderte dies ab, und es durfte niemand mehr in die Vorpoſtenkette gelaſſen werden ,

den nicht vorber

der Offizier der nächſten Feldwacht genau eraminieret þatte. Die Urſache dazu war : daß die Riederlånder den Prinzen von Parma überfielen , als er Dor: Sie hoben nemlich eine Schildwache nid belagerte. auf, um das loſungswort zu erfabren , und wurden alodenn von den Vorpoſten für die Ablöſung der Feld: wachten gehalten , und ungehindert durchgelaſſen, weil die Niederländiſchen Reuter in Spaniſchen Dienſten 1 vom Oktober : Monatý an des Nachts einmal abzulo: ſen pflegten P ).

8.

203 .

Uuſſer dieſen Wachen wurden den Befehlshabern Ehrenwachen gegeben , die nach ifrem Range genau be: o) ebendaſ. p) Melzo reg , milit. 3,6. Strada Dec, i , lib. 4. p. 208 .

Zeitraum .

III .

322

In des Generalleutnants Duar: beſtimmt waren . tiere lag allezeit eine Kompagnie Speerreuter , von der er Sechs {anzen zur General : Wache und Vier Ordo: nanzen batte. Eben ſoviel Ordonanzen erhielt auch jeder andere Befehlshaber , ſobald mebrere Duartiere unter ſeinem Befehl ſtanden. Wenn Infanterie mit in den Quartieren lag , jog bei dem Oberbefehlshaber eine verhåltnißınå ſige Wache auf . Der General er: hielt in dieſem Falle Eine Kompagnie zu Fuß ;

der

Generalleutnant Einen Feldwebel mit 25 Mann ; ein General Commiſſair Einen Korporal mit 10 Mann ;

Ein Rittmeiſter oder Hauptmann 6 Mann .

Lag hingegen die Reuterei allein , befehlshaber

blos

Fußpoſten

bekamen die Ober:

von Arkebuſierern zu

Pferde.9 ).

$.

204 .

Alle Schildwachten traten auf ihre Poſten , wenn Offiziere vorbeigiengen ; vor Hauptleuten und höheren Befehlshabern aber ergriffen die Wachen das Gewehr. Die Offiziere ſalutirten mit dem Degen oder mit der Helebarte , und die Fahnen der Infanterie wurden vor Bei Revúen wurden auch Generalsperſonen geſenkt. Die Lanzen der Speerreuter und die Standarten der Kavallerie vor dem Feldherrn geſenkt ; der Prinz von Parma aber erlaubte zuerſt , daß die Lanzen auch * vor demn Marquis von Roubaix , als Generalleut nant der Kavallerie , geſenkt wurden , um ihn durch dieſen Vorzug auszuzeichnen. Nach und nach giengen die Offiziere des Generalſtaabes weiter , und verlang: ten auch das Salutiren mit den Standarten , doch ge ſchabe dies nie mit der Leibfahne, die gewöhnlich das Bild eines Heiligen enthielt ).

a) Melzo . 3 , cap . 2. r) Melzo . 3 , cap. 13.

Vor den Gene: ralen

5.

Krieg 63 uch t.

323

1 ralen blieren und ſchlugen die Wachen Marſch ! und wenn Kavallerie durch ein General:Quartier zog , muß: ten die Reuter ihre Hilme aufſeßen und das Gewebe aufnehinen s).

Die Schüken feuerten den Colonellen

zu Ehren oder wenn in Garniſonen die Wachen aufzo: gen , ibr Gewehr ab ; denn Meteeren erzählt ') : daß die Kompagnie des Hauptmanns Coffy rich in Gröningen dies zu thun geweigert babe , mit dent Zuſak : man rolle iğnen erſt Geld geben , damit ſie Pulver kaufen könnten . Es ſcheint hieraus auch , als ob die Soldaten das Pulver zu ihren Musketen ſelbſt anſchaffen müſſen ,

den Verbrauch in Schlachten und

Treffen etwa ausgenommen , weil ſie auſſerdem wegen des auſſen gebliebenen Soldes dennoch keine ſolche Unt: wort geben können .

S... 205 . Die Subordinazion war in jenem Zeitalter wenig : ſtens ſchon eben ſo groß als beut zu Tage , und wenn auch auſſer Dienſt der Soldat ziemlich frei mit ſeinen Befehlshabern reden durfte , war ihm doch dies un: Im Gegenteil term Gewehr feinesweges verſtattet . þatten die Vorgeſeßten faſt durchgebends thåtige Auto : Der Oberſte ſchlug dies ritåt über ihre Untergebenen . mit dem le - die Unteroffiziere und Gemeinen Degen , der Major bediente fich dazu eines 37 bio 4 Fuß langen Stabes , den er führte , um die Entfernun: gen der Bataillone und die Lagerplåße damit auszus Es war dem Major ſogar vergönnt, mit dies meſſen . ſem Stocke die Subaltern : Offiziere zu ſchlagen ; jedoch mußte er unmittelbar darauf den Stock wegwerfen und den +) ib . 2 , cap. 8. t) 6 Buch, Seite 250. Boyer's neuere Kriegsk. I. Th .

Ý

324

III.

Zeitra u m .

den Degen zichen , ſie würden ſich auſſerdem für ent: Die anderen Offiziere fchlus ehrt gehalten baben “ ). gen mit dem Degen Deutſchen nannten ;

oder Rappier , wie ihn die den Fähnrich ausgenommen ,

dem es nur in Abweſenheit des Hauptmanns vergönnt war. Die Feldwebel oder Sergeanten ſchlugen unterm Gewehr mit dem Schafte ihrer Helebarte, und die oder Fourques Korporale mit der Musketengabel Bei der Reuterei , wo leztere ſowohl als die te. Helebarte nicht ſtatt fand , wurden die Soldaten alle: Alle dieſe Stra: zeit mit dem Seitengewebr beſtrafet. fen waren jedoch nur bei augenblicklichen Vergehen der Soldaten gewöhnlich , wo in dringenden Fällen – wie bei Empórungen und Meutereien oder wenn die Sol: daten im Gefecht den Rücken wandten – ſie ſogar von den Befehlshabern auf der Stelle getödtet werden konn: Die eigentlichen Strafen der Soldaten aber bes ten. ſtanden in Arreſt , öfters geſchloſſen ; in Reiten auf

1

Dem hölzernen Eſel oder im Gewehr : und Piquen: Kapital : Verbrechen wurden immer mit dem Tragen. Tode beſtraft , und die Schüßen erſchoſſen , die Pis queniere aber durch die Spieſſe gejagt ; als aber in der Folge bei der Infanterie das Feuergewehr immer gåu: figer ward , wurden auch alle ohne Unterſchied erſchos: ren und die grauſaine Strafe des Jagens durch die Spieſſe verſchwand nach und nach.

S.

206 ,

Schon im vorigen Jahrhunderte waren bei den meiſten Heeren Europas ordentliche Kriegsgeſeke gege: ben worden , wie wir oben geſehen baben ; man durfte fie daher blos erneuern , und einige Artikel þinzufügen, welche die veränderten Zeitumſtåuide nothig machten. SO " u) Montgommeri Part. 2. cap. 2 .

5.

325

Kriegszucht .

Soward in Marimilians des Zweiten Kriegs: ordnung das Balgen in den Kaiſerlichen Feldlågern verbothen , und die Streitigkeiten mußten auſſerhalb des Lagerbezirks mit dem Seitengewehr in den Frühſtun : Eben wegen der håufigent den ausgeinacht werden. Zweikämpfe ward auch der tägliche Gebrauch der Fauft: gånzlich unterſagt, und büchſen - oder Piſtolen die Neuter ſollten ſich ihrer nur gegen den Feind bedies nen . Ueberhaupt durfte man ſich weder des Schieß: gewehres noch auch der Spieſſe und Helebarten im Zweikampf bedienen , mit dem Seitengewehr aber war jedem zu bauen und zu ſtechen vergönnt '). Dieſer offenbaren Geſekmåßigkeit der Zweikämpfe bei den Deutſchen ohngeachtet waren ſie dennoch nicht allgemein zugelaſſen , ſondern vielmehr bei den Spani: fchen , Franzöſiſchen und anderen Heeren ſtrenge Verbos then. Bei erſterem wurde der Hauptmann Kabel: jau ; ein Flandriſcher Edelmann , feiner Stelle ents fejt, weil er den Hauptmann Templeure im Zweis kampf erſtochen hatte w). Schärfer noch waren zwar bei den Franzoſen die Gefeße gegen den Zweikampf, und Heinrich der Vierte erneuerte ſie zu verſchiedenen malen ; allein , er ſcheint nicht ſtrenge genug, gegen die Uebertreter ges weſen zu ſein , um dieſen Gefeßen Anſehen und Ehr: furcht zu verſchaffen , wahrſcheinlich aus dem Grunde, weil es nicht immer angieng : die Todesſtrafe an den Uebertretern vollziehen zu laſſen , wenn ſie den Erſten Familien des Reiches angehörten . Die Zweikämpfe waren daher unter Heinrichs des Vierten Re: gierung ſehr påufig , und die Sucht, jede ,

oft einge: bildete

v) Fronspergers Kriegsbuch 3 Th. fol. 20. folg. w ) Meteeren % 1 Buch S. 960. § 2

326

III.

3 eitra u m .

bildete Beleidigung mit Blut abzuwaſchen , hatte ſich der maßen über alle Stånde verbreitet , daß nach ( o: menie's Berechnung von Heinrichs des Vierten Thronbeſteigung

bis

zum Jahr 1607 in Frankreich

nicht weniger als 4000 im Zweikampf geblieben ſind *). 2 Oft geſchahen dieſe Zweikämpfe nicht einzeln , und Mann gegen Mann , ſondern in Trupps , und dieſe Art kleiner Gefechte fand vorzüglich öfters ſtart, wenn feindliche Heere einander gegen über lagen . So ward der Franzöſiſche Hauptmann Briauté von des Nie: derländiſchen Hauptmann Groben dunks Leutnant, Abraham

Gerhards mit 20 Streitgenoſſen ge: fordert. Beide Theile erſchienen gebarniſcht, und mit Zwei Piſtolen und Schwert bewafnet, auf der Füchti: fchen Heide **). Auf Franzöſiſcher Seite wurden der Hauptmann Briaute mit Vierzehen ſeiner Gefähr: ten , von den Niederländern aber der Leutnant Ger: þards , fein Bruder und noch Drei andere getödtet.

S.

207 .

Unter die gelinderen Strafen der Soldaten ( Sie: he oben S. 205 ) gehörte auch bei den Franzoſen der Morion , wovon ſich bei den Deutſchen und Nieder: låndern kein Beiſpiel findet. Dieſe Strafe war für diejenigen beſtimmt, die bei dem Uufziehen der Wache fehlten ; die nåber als eine Piquenlånge von der Wache den Degen zogen ; die ihr Feuergewehr ohne Erlaub: niß iþres Korporals abſchoſſen ; oder die auf der Wache keine Munizion bei ſich hatten.

Der Schuldige wähl: te

2) Memoir. hiſtoriq. de France . auch Schillers Hiſtos riſche Memoiren 2. Abth . 6. Bd . S. 445 nicht mins der ebendaf. BD. 4. S. 58. Bo.5 , S. 40 und 320 . XX ) ebendaſ. 21 Budy. S.939.

Carnero lib. 14.cap. 5.

5. Krieg sif u cht.

327

te ſich unter ſeiner Korporalſchaft einen Pathen, der ihn entwafnete und ihm eine Helebarte in die Hand gab , auf die fein Huth gefekt ward. Der Pathe nahm nun eine Muskete in die Hand , deren Kolbe er mit dein Zeichen des Kreukes bezeichnete, und damit den Schul: digen , nachdem er ſowohl als lekterer ſie geküßt þatte, unter folgenden Worten Zehn : und mehrere male vor den Hinteren ſtieß : Honneur à Dieu , ſervice au Roi, falut aux armes ; paffe Morion , Morion paſſerai. Man ſiehet wohl , daß dies mehr eine Art von Spott, als eine dem ernſten Charakter der Deutſchen und Spa : nier angemeſſene Strafe war. Uebrigens war durch die bürgerliche Unruhen unter Heinrich dem Drit: ten und Vierten die Kriegszucht fehr in Verfall gekommen . Für das Fußvolk, das nicht wie die Reus terei aus dem Kern der Nazion beſtand , wurden die Leute mit Gewalt geworben , und durch Prügel ges zwungen , Dienſte zu neşmen . mit Widerwillen und ſchlecht ;

Sie verrichteten dieſe ſie wurden

daber mit

den Gårteſten Strafen belegt, und ihnen faſt ohne Huf: hören mit dem Galgen gedrohet.

Dies verleitete ſie zur

Deſertion , ſo daß der Profoß ſie gleichrain ſtets bela: gert þalten mußte. Dazu kam noch , daß ſie ſchlecht und unrichtig bezahlt, gleichſam zu Räubereien ge: zwungen waren . Heinrich der Vierte that viel, eine beſſere Ordnung einzuführen , allein der Tod raffre ihn zu ſchnell hinweg .

$.

208 .

Um ſtrengſten ward überal Meuterei und Empo: rung beſtraft ; und dennoch war ſie ſehr häufig ,

wo :

von die Urſache theils in dem faſt immerwährenden Mangel an Sold , ja oft auch an allen andern Noth: wendigkeiten des Lebens , theils auch in der Idylechten Beband: Y 3

-

328

III.

Zeitraum . >

Behandlung des Soldaten durch die Hauptleute lag. Wenn die Soldaten faſt Jahre lang ohne Sold blei: ben mußten, und nichts hatten , als was ſie von den Einwohnern erpreßten ;

konnte man ſie wohl tadeln,

daß ſie oft mit Gewalt und im Sturm forderten , was ihnen mit Recht gebührte, weil ſie nur auf dieſem Wege Etwas erhalten konnten ? ) War daher des Herzogs von 41ba Heer auf dem Zuge nach den Nies derlanden ein Muſter der ſtrengſten Mannszucht ') ; ſchienen es nach ihrer Ankunft in den Niederlanden gar nicht mehr dieſelben Krieger zu ſein , denn von die: fem Augenblicke an zeichneten ſie ſich durch unerhörte Grauſamkeiten und Bedrůckungen der Einwohner aus. Beſtåndig fiengen

ſie wegen auſſenbleibenden Soldes

Empörungen an , liefen mit bloßen Seitengewebren unter ſtetem Espagna ! Rufen durch die Straßen und tödteten ,

wer ihnen in den Weg kam .

Auf dieſe

Urt verlohren zu Grol Siebenzig , und zu . Y pern Zwei und Zwanzig friedliche Bürger das Leben. Ja, ** zu Ryfel hatten Drei Bürger einen Spaniſchen Soldaten verhindert, eine Frau zu fchånden , ſeine Kameraden führten daher jene vor den Rath, und zwangen ihn - durch die Bedrogung : die Stadt in Brand y ) Bet Herzog Caſimirs Armee hatten die Soldaten in Sechs Monathen nur Einen Nonath Sold erhalten. Meteeren 8. B. S. 322 , und bei des Herzogs von Alba Hcere dauerte es oft ungleich långer . 2) Auf dem ganzen Marſche aus Italien bis nach den Nies derlanden ward auch nicht die geringſte Uusſchweifung verůbt , und als drei Spaniſche Sarabiniere Drei Schafe geraubt hatten , wurden lektere zurück gegeben , und die Werbrecher auf der Stelle zum Galgen verurtheilet; nur auf vieles Vorsitten erhielten noch Zweie das Leben ges ſchenkt, der Dritte aber , den das unglückliche Loos traf pard ges Pie mußten auf einer Trommel würfeln hangen. Strada i , lib . 6 .

5.

Krieg 83 u cht.

329

Brand zu ſtecken , ſie als Aufruhrer zu ſtrafen . Zweie wurden daher gebenkt und der Dritte mit Ruthen ge: Am fürchterlichſten wütheten die rebelliren : peitſcht * ).

t

den Soldaten 1976 zu Antwerpen , das ſie plun: derten , um ſich für den nicht bezahlten Sold ſchad: In dieſer durch ihren ausgebreiteten los zu halten. Seehandel reichen und blühenden Stadt rollen ſie über Zwei Millionen Goldfronen an baarem Gelde bekoma men haben , ſo daß die Soldaten nicht wußten , was Mehrere Tage ſie mit dem Gelde anfangen ſollten .

M

lang ſtiegen die Uusſchweifungen aufs köchſte ; auf der Borſe wurden Spieltiſche errichtet, und mancher Ge: meine Krieger verſpielte in Einem Tage Zehn Tauſend Andere , um doch etwas von dieſer Beute Kronen . mit nach Hauſe zu bringen , ließen ſich Degengefaße ; Sturmhůthe ; ja ſogar ganze Harniſche von Gold ma: chen und ſchwarz anlaufen , wo denn freilich die Golds ſchmiede fich wegen ihres Schadens bei der Plünderung zu erholen ſuchten , und mancher Spanier einen fupfer: nen Harniſch anſtatt eines goldnen nach Hauſe trug ").

S.

209 .

Nicht allein aber gegen die Einwohner des Landes , ſondern auch gegen ihre Unführer und Befehlshaber wütheten die empórten Soldaten , wenn ſie ihnen die oft verſprochene Bezahlung nicht verſchaffen konnten . Schon im Jahr 1570 , Drei Jahr nach der Ankunft des

a ) Meteeren 4. Bitch S. 190 . b ) Meteeren B. 6. S. 244. Strada Dec. I. lib.8. p. 419 . feq . In qua , ſagt lekterer : quidquid ira atque avari .. tia ſumma armorum licentia perſuadent , id inimica ac praedivite in urbe per caedes ac rapinas agitarnnt,

Y 4

330

III.

Zeitraum .”,

des Spaniſchen Heeres in den Niederlanden ward der Graf von Lodron wegen auſſengebliebenen Soldes ei: ne Zeitlang von ſeinein Regimente gefangen gefekt, und der Herzog von 21ba lies deswegen Vier und Vierzig Soldaten dieſes Regimentes theils erhenten, theils ents þaupten ) . Als ſich aber 1573 nach der Eroberung von Harlem die Spanier emporten ,weil man ihnen die vers ſprochenen Vier Monath Sold nicht ausgezahlet hatte , und Don Federico, des Herzogs von Alba Sohn, dem Regiment von der ligue

befahl, Vierhundert

Aufrührer anzugreifen , die ſich des Geſchüßes bemach : tigen wollten , gieng dieſes Regiment nicht von der Stelle. Das Wallonen : Regiment, das denſelben Bes fehl erhielt , ladte ſeine Musketen mit Sand und löſch : te die Junten aus , zum Zeichen , daß ſie nicht gegen ihre Kameraden fechten wollten ,

Don Federico

war daher gezwungen , ſich mit den Aufrührern zu ver : gleichen , und ſie zufrieden zu ſtellen "). Von dieſim Augenblicke an ſchien der Empórungsgeiſt immer mer Stårke zu bekommen ,

denn 1574 , nach dem Treffen

auf der Monker Heide, emporte fich des Sancho d'Avila ganzes Korps , wo die Soldaten in Drei Jahren keinen Sold erhalten hatten , den ſie jegt nach erfochtenem Siege mit Ungeſtüm forderten. Weil nun Sancho

ihr Begehren nicht erfüllen konnte ,

jagten

ſie ihn und die Hauptleute fort , riſſen die Fahnen von den Stangen , und ohngefår Drei Tauſend wählten ſich ein Oberhaupt aus ihrer Mitte - Eletto , wie lie ihn nannten

unter deſſen Anführung ſie nach Anta

c) Meteeren S. 129. d ) Carnero lib. 2. cap. 12. e) Meteeren. B. 5. S. 155. Carnero Strada Dec. 1 , lib. 8. p. 385.

lib. 3. cap. 5.

5.

Kriegsju cht .

331

Antwerpen marſchieten . Hier ſchworen ſie vor dem Stadthauſe feierlich iþrem Eletto unbedingten Ges þorſam , und errichteten einen Galgen , um jeden dar: an zu benken , der ſich einfallen laſſen würde , zu rau . ben oder zu plündern , welches auch wirklich mit Zwei Soldaten geſchaße , die ſich dieſes Vergebens ſchuldig Mittlerweile wandte Requefen , gemacht hatten . als Statthalter des Königs von Spanien, gemeinſchafts lich mit dem Ratbe der Stadt alles an , das nöthige Geld herbeizuſchaffen ; das an der ganzen Summe noch feblende ward in Tüchern und verſchiedenen andern Waa: ren von den Kaufleuten zugeleget , und ſo wurden die ?

Aufrührer nach Sieben und Vierzig Tagen zufrieden geſtellet. Sogleich trat auch die vorige Ordnung wie: der ein ; die Soldaten marſchirten auf Requeſens

i

Befehl zu der Belagerung von Leyden ab , nachdem ſie vorher die Urmen und die Klöſter in Antwerpen von dem erhaltenen Gelde reichlich beſchenkt hatten ).

1

Sei es nun , daß die Beſchwerden dieſes langwierigen Krieges und der faſt ununterbrochen fortdauernde Gelds mangel die Soldaten verdrüßlich und mehr zu Empor rungen geneigt machte ; oder daß ſie der eben angeführte gute Erfolg bewog,

in der Folge mehrere male auf die:

ſem Wege Hülfe zu ſuchen ; genug , ſie fiengen beſtån: dig Uufruhr an , und zwangen ihre Befehlshaber den ſchuldigen und jezt geforderten Sold auf die eine oder die andere Weiſe berbeizuſchaffen 8 ).

Doch auch dies

fes, f) Die Franziskaner allein erhielten 4000 Gulden von ihnen. Strada Dec. 1. lib. 8. p.388.

g) Die Spanier enpörten ſich 1574 auch in der Belagerung von Lüttich wegen auſſengebliebenen Soldes Strada 1. lib. 8. ſelbſt die Reuterei that es im Jahr 1576 , weil ſie keine Bezahlung betam und ſich nicht mehr ſo erhals tent 9 5

332

III .

Beitra u m .

fes , wenn es geſchahe , war eine neue Urſache zum Mißvergnügen und Uufruhr; deny es langte gewohn: lich nicht zu , und die Soldaten bekamen nur etwas in Abſchlag , womit ſie nicht zufrieden ſeyn wollten , oder die Regimenter bekamen Eins mehr als das andere, woraus die , welche weniger erhielten , Gelegenheit nahmen , Meutereien zu machen , und Uusſchweifun. gen zu begehen "). Nothwendig mußten dieſe Empo: rungen die nachtheiligſten Folgen haben , und oftward ein ſehr gut angefangenes Unternehmen dadurch verei: telt , oder dem Feinde Gelegenþcit gegeben , ſich Vor: theile zu verſchaffen , denken dürfen . Empórung der

an die er auſſerdein nicht håtte Bei Gemmingen 1 $ 66 trug die Deutſchen wegen ihres růckſtåndigen

Soldes ſehr viel zur Niederlage ludwigs von Naſſau bei , und war þauptſächlich Sduld, daß die Spanier das Niederländiſche Geſchig eroberten hh).

fi

Noch ſchlimmer machten es die Spaniſch : Deutſchen Truppen, die unter dem Oberſten Fronsberg in Bres

AL

da zur Befakung lagen ; denn ſie empórten ſich nicht nur gegen ihn , ſondern ſie banden ihn, und übergaben ihn nebſt der Stadt in die Hände der Niederländer :).

be

Auch im Jahr 1979 , wo das Heer ſchon , aller Be: mühungen des Prinzen von Parma ohngeachtet, eine

ten konnte . ib . p . 407. Die Bezahlung und Berabs ſchiedung des Deutſchen Regimentes Áut empfie war für die Spanier , die Nichts erhielten , eine neue Verans lanung zur Empörung. ib. p . 409 . h) Dies war der Fall 1576 bei den Deutſchen Regiments tern unter des Alexander von Parma Armee ; in nicht wenige r 1582 und 1585. Strad, Dec.2. lib. 5. und lib . : 7

hh) Strada Dec. I. lib. 7. p. 333. i ) Strada 1 , lib. 9. p . 462 .

NE

C de

le

v 5.

Kriegszucht.

333

eine geraume Zeit ohne Sold geweſen war, und an den nothwendigſten Dingen Mangel litt , weigerten fich die Soldaten geradezu , ibren Offizieren zu geþordien , giengen auf den Wachen von ihren Poſten und vorzüg : lich die Deutſchen erklärten laut; ſie wirden ſich nicht gegen den Feind wehren , wenn man ſie nicht bezahl:

1

5

te "). Ja, 1603 trennte ſich ein anſehnlicher Theil der Empórten von dem Spaniſchen Heere und verband fidh mit den Niederländern , weil der Erzherzog Albert Drei Tauſend Reuter und Sieben Tauſend Fußknechte gegen ſie abſchickte , um ſie alle niederhauen zu laſſen. Der Prinz von Oranien naum ſie mit offnen Armen auf , und räumte ihnen die eben eroberte Stadt Gra : ve ein , unter der Bedingung : daß ſie den Staaten gegen die Spanier beiſtehen , im Fall einer Wiederaus: ſöhnung mit lezteren aber, es jenen gehörig vorher auf : kündigen und Vier Monaty lang nicht gegen ſie die: nen ſollten ). Der Vertrag ward von beiden Seiten auf das gewiſſenhafteſte erfület ; die Aufrührer balfen unter der Anführung ihres Eletto den Niederlån . dern Herzogenbuſch belagern , und thaten ihren

andes

leuten ſo viel Abbruch , daß der Erzherzog im fol: genden Jahre ihnen volle Amneſtie zugeſtand und in: nen die Bezahlung ihres růckſtändigen Soldes durch Geiſeln zuſicherte. Sie gaben daher den Niederlån: dern die Stadt Grave zurück, und traten wieder in : ter den Befehl ihrep Offiziere.

S.

210.

Dbſchon nun durch das ſtete Machgeben der Befehlega: ber die Soldaten in iþrem Hange zur Meuterei gar ſehr be :

k) ib. 2 , lib. 2. p. Ioo. 1) Meteeren Buch 24. Chappuys liv.71 ; No. 108 , 109 . liv . 12 ; No. 9.

III.

334

Zeitra u m .. u m

beſtårkt wurden ; gelang es jenen doch einige male, durch zu rechter Zeit angebracht: Strenge den Aufruhr im

. Entſteßen zu erſticken .

Vorzüglich glücklich waren

darinnen Johann von Deſterreich und der Prinz von Parma ,

beide in gleichem

Maaße

von

den

Kriegsleuten geliebt und gefürchtet . Als im Jahr 1578 einige Kompagnien des Deutſchen Regiments Megen durchaus die Plünderung von Nivelle ver: langten , weil ſie Zwei oder Drei Monath Sold zu 1 fordern batten ; detaſchiete Jobann von Defter: reich die übrigen , vom Empórungsgeiſte noch nicht angeſteckten Kompagnien gegen Antwerpen , die Schuldigen aber lies er unvermuthet von dem Heere umringen und gebot ihnen die Aufwiegler auszuliefern. Von Zwölfen , die er auf dieſe Weiſe erhielt, wurden erſt Viere und dann Zweie durch das loos beſtimmt, die das Leben verliehren ſollten ;

endlich traf jedoch dies

Schicfal nur Einen , weil der andere ſich auf ſeine lan: gen

treuen

Dienſte und auf

ſeine Wunden berief,

auch übrigens allgemein das Zeugniß eines rechtſchaffe: nen und guten Soldaten für ſich batte ). Kühner noch war des Prinzen von Parma Ent: ſchluß 1582 , da ein Deutſches Regiment mit dem ihm ausgezahlten Solde ſich nicht begnügen wollte , fon: dern mit Ungeſtüm den doppelten forderte , den man iþm ſchuldig war ") . Der Prinz von Parma eilte ſogleich mit dem Feldmarſchal Rubaſi auf das in Schlachtordnung ſtehende Regiment zu, deſſen Erſte Glieder unter Drohungen und Schimpfen die Spieſſe gegen ihn fåüten , während Zwei Soldaten deim Fåhn:

be rich die Fahne aus der Hand riſſen und mit der Spike in

m) Strada Dec. I. lib. 9 ; p. 475. n) ib. Dec. 3. lib. 5 ; p. 230 .

Krieg 8 % ucht.

5.

335

1 in die Erde ſtießen .

In dieſem Augenblick ſpornt der

Prinz ſein Pferd , ſchlägt mit dem Degen die vordern Spieſſe auf die Seite und dringt ro durch die erſtaun. ten Soldaten bis zur Fahne , wo er den nächſten Ges meinen bei der Halskrauſe faßt, und mit ſich heraus vor die Fronte ſchleppt, um ihn henken zu laſſen. Weil er ihn jedoch unſchuldig fand ; lies er ihn wieder gehen, und befahl dem Oberſten : ihm aus jeder Kompagnie Zweie der Schuldigſten vorzuſchicken , während Ru: baſi die Reuterei herbei bolte , und mit ihr einen Die weiten drohenden Kreis um das Regiment ſchloß. Zwanzig Unrubeſtifter wurden auf der Stelle im An : geſicht der übrigen gehenket, von den feiner auch nur einen laut von ſich zu geben wagte , ſondern die jezt ruhig , gleich den andern Regimentern , den ihnen be: Im Jaße ſtimmten abſchläglichen Sold empfiengen. 1589 rebellirte des leva Regiment im Bommeler Wertb , weil die Soldaten durch lurus und Schwels gerei in das äuſſerſte Elend gebracht worden waren. Weil jedoch kein anderes Regiment an der Empórung Theil nahm ; fam ſie nicht zum Ausbruch , und das ganze Regiment ward auf Hleranders Befehl res Die Fahnjunker mußten duziret und untergeſteckt. zu dem Ende die Fahnen von den Stangen reißen und leztere zerbrechen ; dann gieng jeder dahin , wohin ibn ſeine freie Wahl oder die Beſtimmung des Feldherrn führte. S.

211 .

Nicht allein aber die Strafen der mancherlei Ver: brechen bei den Heeren waren beſtimmt ; ſondern auch in Abſicht der Polizei , des {urus u. f. w. hatte man verſchiedene Geſeke.

So findet man , um den damals Tafel einzuſchränken ,

ſo gewöhnlichen Aufwand der

in

336

III.

Zeitra u m .

in Kaiſer Marimilians des Zweiten Krieg 8. ordnung die Zahl der Speiſen vorgeſchrieben , wel: che ſich die Befehlshaber zu Einer Mahlzeit auftragen lafen durften . Sie war bei Fürfilichen Perſonen und Oberſten , die freie Tafel Halten mußten , auf Zwölf; bei Oberſten über Tauſend Pferde oder Knechte auf Udt ; bei Rittmeiſtern und Hauptleuten auf Sechs ; und bei geringern Offizieren oder Edelleuten auf Drei Auch war der öffentliche bis Vier Speiſen feſtgeſezt. Verkauf des Branteweins in Feſtungen und lågern Um ſtrengſten war die Kriege: durchaus verbothen. Schon Erz: zucht bei den Niederlåndiſchen Truppen. berzog Matthias hatte ſie mit neuen Kriegsgeſeken verſehen ; Moriß von Oranien aber erneuete und ſchärfte ſie , ſo daß die Hauptleute das von den Sol: daten ihrer Kompagnien Geraubte erſtatten mußten. Vuch bei den Spaniern that Spinola ſehr viel zu Wiederherſtellung der Kriegszucht. Beſonders ſchránkte er den Troß ſehr ein , und befahl zu Schonung der immer ſeltner werdenden Lebensmittel im Jahr 1606 , daß als le Soldatenweiber von der Armee in die Garniſonen zurück gehen und blos Zweie zum

Waſchen des Gerå:

thes bei jeder Kompagnie bleiben ſollten.

S. 212 . Da die Spanier , beſonders zu Anfange dieſes Krie: ges die Niederländer nicht ſowohl als Feinde , fons dern vielmehr als Rebellen gegen ihren König bei · trachteten ; behandelten ſie dieſetben auch nicht wie Kriegsgefangene , wenn ſie ihnen in die Hände fielen , ſondern hiengen fie gewcönlich an den nächſten Baum . Nothwendig fuchten ſich die dadurch aufgebrachten Nie derländer bei der Erſten Gelegenheit dafür zu råchen , und der Sirieg ward dadurch zu einer faſt ununterbro

chenen

5.

Kriegszucht .

337

chenen Reiųe der abſcheulichſten Grauſankeiten ). ' Vorzüglich zeichnete ſich die Belagerung von Harlem dadurch aus ,

wo die Spahier zuerſt die Köpfe zweier

von den Belagerten geſchätzter Männer gegen der Stadt über aufſtellten , und ihre Namen mit großen Buchſta : ben darunter ſchrieben. Die Bürger von Harlem ſchlugen darauf Zwolf gefangenen Spaniern die Kopfe herunter , und warfen ſie , Belagerern zu ,

in ein

Faß gepadt ,

mit einein Schreiben :

den

" Sie wollten

„ dadurch dem Herzog von Alba nicht nur den gebnis ,,ten, ſondern ſogar den Zwölften bezahlen .” Nun er : richteten die Spanier einen Galgen auf der Contre: ſcarpe, woran ſie verſchiedene gefangene Niederländer þiengen , die ihrerſeits Zwei eheinalige katholiſche Bür: germeiſter ,

einen andern Bürger von der Spaniſchen

Parthei mit ſeiner Tochter , einen Spaniſchen Haupt: mann mit Fünf Soldaten und Zwei Geiſtlice auf : biengen P ).

Ein äuliches Schickſal hatten die Kriegs:

gefangenen beider Theile öfters , die man bald hieng, bald enthauptete; ja , die Beſaßung von Maſtricht kieng ſogar den gefangenen Spaniern Steine an den Hals, und erſäufte ſie in der Maas 9) .

Auch der Spas

niſche Oberſte Mondragone , als er 1979 das Schloß Kerpen mit Sturm eroberte, lies von der Fünf und Vierzig Mann ſtarken Niederländiſchen Beſagung Nieun

0 ) A16a gab bei ſeinem Eintritt in die Niederlande die Erfte Veranlaſſung dazu durch die Errichtung ſeines Blutrathes , und durch die harte Behandlung der Eins wohner , die ſoweit gieng , dat man ſelbſt die Ehen der Reformirten trennte , und die ſchönen und reichen Nies derländiſchen Weiber wider ihren Willen an Spaniſche Soldaten verheirathete. p ) Strada Dec, I ; lib: 7 ; p. 371. Chappuy liv. 3. p.143. 1) Meteeren S. 141 , Strada Dec, 2 ; lib. 2 ; p. 69 .

338

III.

Zeitra u m .

Neun und Dreißig an die Bäume umber, die übrigen nebſt dem Hauptmann Beil aber über das Schloß Thor aufbenken "). Sie ḥatten jedoch dieſe Behand: Inng durch ihre verübten Råubereien einigermaßen ver: dienet, denn während der Statthalterſchaft Jobanns von Deſterreich und des Prinzen von Parma fiengen die bisherigen Grauſamkeiten an , etwas felt: ner zu werden . Der Krieg gewann von nun an eine mehr regelmäßige Geſtalt, die Hülfs- und die Sold: Truppen auf der Niederländiſchen Seite wußten , was Kriegsgebrauch war , und bebandelten die Gefangenen ordentlich , um eine gute Ranzion von ihnen zu erhal: ten . Dieſe war gewöhnlich nicht klein , und wenn ein Soldat ſo glücklich war , einen hohen Befehlshaber gefangen zu nehmen, konnte er ſich leicht für ſeine gan: ze Lebenszeit ein bequemes Auskommen ſichern. So mußte De la Noue den Spaniern 100000 Kro: nen Löſegeld geben , und verſprechen : nie wieder ges gen den König von Spanien zu dienen in

).

Die 1597

Brafort

gefangenen Spanier bezahlten : der Hauptmann Brock bauſen für ſich und ſeine Toch: ter soo Gulden Holland . , für ſeine 323 Soldaten aber ' 2300 Gulden ; die 77 Soldaten des , Haupt: manns Gardat

hingegen

2600 Gulden ).

Lezte:

res waren böchſt wahrſcheinlich Offiziere oder Doppels földner , weil ſie mehr geben mußten , als die andern, obſchon der leztern Viermal mehr waren. Ueberþaupt gab es keine Normn in Abſicht der Ranzion , ſie hieng nachft dem Range von den Vermögensumſtånden des Gefangenen und von der Habſucht oder Großmuth des Sie 1 ) Ebenderf. Buch 9 ; S. 333 . s) Ebenderſ. Buch 13 ; S. 517. 1) Ebenderſ. Buch 18 ; S. 809.

1

1

5.

Krieg 6.j u ch t .

339

Siegers ab. In der Folge ward jedoch durch eine ſtille Uebereinkunft feſtgeſezt , daß das Löſegeld der Soldaten ,

die weniger als Oberſten waren ,

ibren

Monachlichen Sold nicht überſteigen ſollte.

$. - 213 . Ich kann dieſen Abſchnitt nicht ſchlieſſen ,' ohne ein Wort von den Belohnungen und von der Verſors gung verdienſtvoller Soldaten zu ſagen. Erſtere geſchas ben, wie auch ſchon früher , am gewöhnlichſten durch Geſchenke von Goldnen Ketten , oder Geld ; zuweilen auch durch Beförderung zu hößern Stellen . So er :

pielt der Fähnrich Camillo Manelli , wegent feis ner vorzüglichen Tapferkeit in der Belagerung von Ma 8. tricht erſt eine goldne Kette , und bald darauf auch eine Kompagnie Wallonen von dem Prinzen von Par: ; * ma “). - In derſelben Abſicht ſchickte lezterer ein an : dermal Uchtzehn verdiente Fähnriche mit einem Emp: fehlungsſchreiben nach Spanien , daß ſie daſelbſt von Philipp dem Zweiten zu Hauptleuten ernannt wurden ").

S. 1214 für die im Dienſte des Staató verſtümmelten Kries ger ſcheinen die Könige von Frankreich wohl zuerſt ges ſorgt zu haben . - Was ſchon Philipp Auguſt und ſeine Nachfolger tbaten , iſt oben geſagt worden . Zu Hein .

1 u ) Strada Dec. 2 ;

lib . 3 ; p. 117. Weil nemlich die Spanter teine v) ib. lib. 9. p. 538. Leutnante hatten , wurden die Fähnriche gleich Haupts leute , auch findet man oft : daß reformirte , oder auf hals ben Sold geſezte Hauptleute bei ihnen Fähnrichsdienſte thaten . 3 Boger's neuere Briegek, I. Th .

340

III .

Zeitraum .

Heinrichs des Vierten Zeiten bewachten die noch zu einigen Garniſon : Dienſten brauchbaren Soldas ten unter dem Namen der Morte - payes

die feſten

Schlöſſer. Den anderen , ganz unbrauchbar gewor: denen Offizieren und Soldaten råumte Heinrich der Vierte das von Heinrich dem Dritten zu dieſem Ende erbauete Spital De la Charité chretienne zu Paris durch ein Edikt vom 7 Jul. 1606 ein ; zu Ers þaltung deſſelben wies er zugleich den Ueberſchuß von den Rechnungen der Spitåler , Siechenbåuſer , Almoſens pfleger und von den Penſionen der Laienbrüder an. Connetable Katte die Oberaufſicht darüber, ſo wie über das Zwei Jahr ſpåter erbauete Spital St. Louis, zu deſen Unterhaltung Zehn Sous von je: dem Scheffel Salz in der Generalitåt von Paris auf Funfzehn Jahre, und Fünf Sous für immer verwilli: Der

get wurden w ). Frankreich erhielt dadurch einen Vor: zug , deſſen andere ånder noch lange entbegren muß: ten ; obſchon man den Grund davon nicht ſowobl in der Indolenz der Regierungen , als vielmehr darinn ſuchen muß : daß ſie keine ſtekende National : Armee beſoldeten , wie die Könige von Frankreich , ſondern daß ihre Truppen nur auf gewiffe Zeit geworbene Frems de waren , die nach geendigtem Kriege weiter zogen , und denen daber der Regent keine weitere Verbindlich: keit ſchuldig zu ſein glaubte. w) Schiller $ Siſtoriſche Memotr. 5. BD. S. 379.

Sechſter

to

u 34

1

Sechſter

Abſchnitt.

Ausbildung der Verſchanzungskunſt während dieſes Zeitraumes.

AM

$.

215 .

o wie man anfieng , bei den Feſtungen den Erds bau nachſt dem Steinbau anzuwenden , trug man auch die Grundfäße der Feſtungsbaukunſt auf den

Feldkrieg über. Einzelne Korps , zu dem Angrif vers ſchanzter Poſten beſtimmt, führten jezt ſchon einiges Feld: geſchůk bei ſich ; man mußte daber den Verſchanzungen mehr Stårke geben, als bisher, wenn ſie den erwarteten Widerſtand leiſten ſollten. Dieſen Zweck glaubte man aber nicht anders erreichen zu können , als indem man ſelbſt die kleineren

Feldſchanzen nicht nur mit einem ſtårteren

Profil anlegte ; ſondern ſie auch , gleich den Feſtungen , mit Bollwerken und Ravelinen , ja , in der Folge fogar mit den eben erſt aufgekommenen Auſſenwerken verſahe. $.

216 .

Jo einem ſo ſehr durchſchnittenen lande , wie die Niederlande waren , wo die Truppen ſich an mehres ren Orten in Abſicht ihrer Bewegungen blos auf die Deiche oder Dåmme eingeſchränkt ſahen , weil die von den Einwohnern veranſtalteten Ueberſchwemmungen den größten Theil des Landes bedeckten , konnte man nuc felten ununterbrochne Verſchänzungen aufführen. Man mußte ſich begnügen : einzelne , bald größere, bald Pleis Here 3 2

342

III .

Zeitraum .

nere Forts anzulegen, um die Zugånge zu den Städten oder die Flüſſe zu beherrſchen .

Weil man nun rahe,

daß dieſe iſolirten Schanzen ihrer Abſicht Kinreichend entſprachen ; bediente man ſich ihrer auch ſehr båufig, und es entſtanden eine Menge kleiner Feſtungen in dies fem Kriege , die theils in der Folge wieder zerſtöhret wurden , tþeils aber auch , wie die Schenkenfch a na je *) und mehrere andere , ſich über Ein Jahrhundert Man wandte dieſe Forts , die mens erhalten haben. rentheils ſternförmig und mit Vier oder Sechs Bolls

1

werken erbauet waren , ja zuweilen ſogar Raveline hat: ten , nicht allein zu befeſtigten Poſten ; ſondern auch bei Belagerungen zu den Circum : und Contravallations linien an. So ward Bonn 1589 von den Spa: niern mit Zwolf einzelnen Schanzen eingeſchloſſen "); und Prinz Moriz von Oranien batte 1597 vor

MU

Rheinberg fein Lager auswärts durch Siebenzehn Forts , oder Reduten mit Bollwerken , befeſtiget, die jedes mit Einer Kompagnie Infanterie und Zwei Kar nonen berezt waren , und durch einen Wall und Gras ben zuſammenhiengen .

in

Ueberhaupt folgte man gewöhns

lich bei den Belagerungen dem åldern Beiſpiel der RS mer, und ſchloß die Städte durch eine doppelte Reiße zuſammenhångender Verſchanzungen ein ?).

S.

217

Nicht minder merkwürdig iſt es

daß man in dies

kell

fem Kriege zuerſt anfieng , die Kriegsbrücken durch and ihren Enden aufgeworfene Verſchanzungen gegen feind: 4 . liche * ) Dieſes Fort warb 1586 von Martin Sch enten ans gelegt. Meteeren 13. Buch 6.527

. y) Chappuy Liv . 7 , No. 27. 932 ) Strada Dec, 2., Lib . I , p . 7. und Lib . 2 , p. 82.

6. Verſchanzungskunſt.

343

fiche Anfälle ficher zu ſtellen , und auf diefe Weiſe den Uebergang oder den Rückzug der Truppen zu decken . Schon im Jahr 1179 ſicherte der Prinz von Parma

Tot 3

den Bau einer Brücke über die Maas dadurch , daß er einige ihr gegenüber am ' andern Ufer liegende Haus Die ſer mit einer Kompagnie Musketiere berezte a ). zur Belagerung von Antwerpen über die Schelde geſchlagene Brücke ſowohl , als die vor Grave uber die Maas erbaucte , wurden von ihm an ihren beiden

Enden mit feſten Schanzen verſehen , die jedem feindlis machen Ungriffe zu widerſtehen vermochten b). Noch mehr als dieſe zeichneten ſich jedoch die Brückenſchans zen aus , die der große Prinz von Parma bei Nim :

wegen und bei Caudebeg anlegen lies , als er ſich beidemale im Ungeſicht eines inachtigen feindlichen Hees res über die Waal und über die Seine zurückzog . Bei Nimwegen katte er långſt des Waal: Dammes eine *

Bruſtwebr aufwerfen laſſen , von der eine gerade vor der Brücke liegende und mit Tauſend Mann nebſt ei: nigen Feldſtücken berezte Schanze flanfiret ward . Nachdem nun vorher das Gepäck und Geſchüß über den Fluß gegangen war; folgte die Reuterei und bier: auf auch das Fußvolk , das nach und nach ſich aus den Bruſtwehren heraus zog . Die Befagung der Brů: Ungleich ſchwie: chenſchanzen machte den Beſchluß ). riger war der Rückzug über die Seine mit einer Armee, die durch beſchwerliche Mårſche abgemattet und von ei: nem ſo thátigen Feinde , wie der König von Navar : war, nachher Heinrich der Vierte ra unauf a ) Strada Dec. 2. p. 22. b) ib . Dec. 2. p. 314. ſeq. et 411. ® ) Chappuy Liv. 8 , pag. 432. Uffano I. Dial. 27, 3 3

1

344

III. Zeitra u m.

unaufhörlich beunruhiget ward. Beide Heere lagen einander im Geſichte, und dennoch war es dem Prins zen von Parma gelungen , ſich in Einer Nacht uns Bemerkt bis an das Ufer der Seine zurückzuziehen . Als lein , hier fanden ſich Tauſend Hinderniſſe , deren jedes einzeln ſchon im Stande war, den Uebergang unmög: Die Seine þat bei ihrem Ausfluſſe lich zu machen. ins Meer nicht nur eine faſt ungeheuere Breite , fons dern wird auch durch die Ebbe und Fluth , und durch den Wind dermaßen beweget, daß ſie den Meereswo: Es war daher durchaus gen ånliche Wellen macht. unmöglich eine Brücke zu ſchlagen , um die Armee mit Acht und Dreißig ſchweren Kanonen und mit ihren Gepäck übergehen zu laſſen ; auch fehlte es gånzlich ait Fahrzeugen jeder Art, denn die Schiffer zu Rouen weigerten fich , eins ohne Bezahlung berzugeben, die Kriegskaſſe aber war völlig erſchöpft und nicht im Stans De ein Einziges , vielweniger die erforderliche Menge ju bezahlen . Endlich inußte inani jeden Augenblick eis nen Angriff von dem naben Feinde oder von der vor der Mündung der Seine Freuzenden Holländiſchen Flot: í Doch alle dieſe Hinderniſſe überwand te befürchten . der große Geiſt Alexanders. von Parma. Ucht Kompagnien Walloniſche Infanterie unter dem Obers ſten Barlotte mußten zuerſt auf jedem Ufér der Seine eine Sechseckige Sternſchanze aufwerfen , mit Vier Kanonen beſezt ; deren Eine beſtimmt war , die feindlichen Truppen zurückzutreiben und den Uebergang der Spanier zu decken ; die andere aber den Fluß felbft rein zil Halten. Mitlerweile verkaufte der Prinz von Parma alles , was er von Koſtbarkeiten und Silber: zeug bei ſich hatte , und forderte die Soldaten auf, ihm zum Wohl der Armee alles Geld und Geldes: werth als ein Darlehen zu

liefern .

Dadurch war er denn

6. Verſchanzungskunſt. denn im Stande , die Schiffer in

345

Rouen zu bezah:

len , daß er die nöthigen Fahrzeuge erbielt ; von den die kleinen zum Ueberſeken des Fußvolkes. angewendet, die größeren aber Dreie oder Viere zuſammen verbuna den und oben mit einem ſtarken Fußboden verſehen wurs den , um das Geſchüß und die Reuterei darauf hinüber: Alle dieſe Veranſtaltungen waren getrofs zubringen . fen, ohne daß der König von Navarra Etwas wahr nahm ; er erhielt nicht eher Nachricht davon , bis ichon ein anſebnlicher Tbeil des verbündeten Spaniſch : Frans gdfiſchen Heeres hinüber, und es zu ſpåt war, den Ues Er griff zwar ſogleich die noch am bergang zu bindern. jenſeitigen üfer befindlichen Truppen mit feiner Reute: rei an , und befahl: einiges Geſchüß auf eine Unhöhe zu bringen , um den Fluß zu beſireichen und die hin und ber gehenden Fahrzeuge in Grund zu ſchieſſen . Jene ward jedoch durch die Kanonen der Sternſchanze verhindert , heranzukommen , und ebe das Geſchüß auf die Unhohe gebracht werden konnte , war der größte Theil der Truppen binüber ; die übrigen aber entzogen ſich den feindlichen Sanonenſchüſſen dadurch , daß fie den Fluß binunter ruderten und weiter abwårts auf Dies ſind die der andern Seite ans (and ſtiegen ). erſten Uebergånge eines Heeres, durch angelegte Vers ſchanzungen und durch Geſchiße beginſtiget, welche uns die Kriegsgeſchichte darbietet, und der große Pring von Parma bat das Verdienſt, der Nachwelt ge: lebret zu haben , wie ein fo fübnes Unternehmen aus: zuführen iſt. 2 ) Gulielmi Dondini hiſtoria de rebus in Gallia geftis ale Alex, Farneſio . lib . 3. p. 610. leg.

$. 218.

34

346

III. Zeitraum . S.

218 .

Die Låger wurden auf eine ſehr regelmäßige Weiſe abgeſteckt und geſchlagen . Man rechnete auf jeden Kü: raſſier Sieben , auf Einen leichten Reuter aber Vier /

Quartiere von Zehn Fuß Långe und Halb ſo viel Brei: Dem Infanteriſten aber nebſt Einem Jungen gab te. Nach man einen Raum von Acht Fuß ins Gevierte. dieeem Verhältniß geſchabe denn die Berechnung und Der Artillerie: Park, das Abſtecken des lagerplakes. ſo wie das Quartier des Ober : Generals ward allezeit, nicht ſelten auch wohl das ganze lager durch eine her: um laufende Verſchanzung befeſtiget. Das lektere war vorzüglich der Fall bei Belagerungen , wo immer jedes beſondere Korps oder Quartier in einer geſchloſſenen Verſchanzung lag , die dann gegen das Feld zu durch Als einen berum laufenden Wall zuſaimen hiengen. Graf Moriß von Naſſau Sanft Gertru: denberg im Jahr 1593 belagerte; war fein Sager mit hohen Willen und tiefen Gråben umſchloſſen , die von vier Feldſchanzen beſtrichen wurden , jede mit Zwei Kationen und einer hinreichenden Anzahl Musquetire befezt.

Rings um dieſe Zwei Meilen langen

ſchanzungen wareii

Vers .

auſſerhalb des Grabens hölzerne

Pfåhle dichte neben einander in die Erde geſchlagen ; jeder Pfahl aber hatte oben eine ſchräge ſtehende eiſerne Spize oder Pinne,Einen Fuß lang, die man Türkiſche amboſaten nannte. Die Wege, oder vielmehr Dáms me , welche durch das niedrige , fumpfige land nach dem Lager führten , waren durchſchnitten , und mit Wolfsgruben, mit Fußangelir,und mit Fladder : minen befeſtiget ). Um den Fluß für die feindlichen Schiffe

e ) Mit Springenden Inſtrumenten von Sachs ſenpulver lagt Meteeren im 17. Buch 8.703. 218

1

347

6. Verſchanzungskunſt. Schiffe unzugänglich zu machen ,

oder vielmehr die

Unnåberung derſelben an das Ufer zu wehren ;

-2

batte

man , ſoweit es die Tiefe erlaubte , geflochtene Zäune in einiger Entfernung binter einander in das Waſſer ges macht.

ng

1

$.

219 .

3

In einem lande , wo'es ſoviel einzeln ſtehende Ger bånde pon feſter Bauart gab , wie in den Niederlanden ; mußte man nothwendig darauf fallen , ſich derfelben zur Vertheidigung gegen einen ſtårkeren Feind zu bedie : nen . Wirklich ſcheint dieſer Krieg die Erſte Verans laſſung zu einer Unwendung einzelner ( andhåuſer und Kidſter gegeben zu haben , die man in den folgenden Kriegen , beſonders in Italien , öfters wieder findet, 1

und die blos jezt durch den häufigen Gebrauch des leich : ten Feldgeſchükes beinahe ganz unmöglich gemacht wird. In jenein Zeitraume hingegen , wo das Geſchůz ge: wöhnlich entweder zu ſchwer war , um es kleineren Des taſchementern mitzugeben , oder aber zu klein , als daß £ 8 gegen ſteinerne Mauern þåtte Wirkung thun können , war es einigen entſchloſſenen Jeugen leicht, ſich gegen eine beträchtliche Anzahl Feinde lange genug zu halten, den nichts übrig blieb , als die Mauer dermittelſt eines Sturmbockes einzuſtoßen , oder aber das Gebåude auf irgend eine Weiſe in Brand zu ſtecken. Dies that

1

Martin Schenk, als er das unter dem Hauptmann Pedro Corvera mit Hundert Spaniern befekte Kloſter Veterwerde 1586 angriff , und dreimal mit Sechshundert Niedertåndiſchen Fußknechten ver: gebens A18 die Niederländer gendthiget wurden , einen ſolchen Abſchnitt zu verlaſſen , zündeten ſie die Mine an ; fic that jedoch nur wenig Wirkung. Chappuy liv. 8. p.441. 35

1

348

III.

Beitr å u m .

gebens geſtürmt batte. Obſchon aber das Kloſter ak Bier Orten zugleich brannte , ergaben ſich dennoch die braven Spanier nicht. Sie machten im Gegentheil einen wüthenden

Uusfall,

und würden ſich durchge:

ſchlagen baben , wären ſie nicht von Dreipundert Reus tern in der Flanke angegriffen worden , die Schen ! noch auſſer ſeinen Sechshundert Fußknechten bei ſich batte. Jezt mußten ſie der Menge unterliegen , denn von dem ganzen Detaſchement waren nur Sechs Schwer Perwundete auſſer dem Hauptmann übrig , der eben: fals drei Schüſſe uud einen Piquenſtich hatte. Dies

!

und der Verluſt der Niederländer , der nicht weniger als Zweihundert und Funfzig Mann betrug , beweift: wie gut die Spanier das Kloſter vertheidiget batten "). Wie ſich bei einer anderen Gelegenbeit der Prinz vou Parma einiger Håuſer als einer Brückenſchanzé bei diente , iſt ſchon oben geſagt worden,

S.

220.

Nicht allein aber einzelne Håuſer ,

ſondern auch

ganze Dörfer und offure Flecken fieng man an zu befeſtis gen und ſie wenigſtens zu einem Widerſtande von einis Da der Krieg fich gen Stunden geſchickt zu machen . ſo ſehr in die länge zog , fonnten bei dem immer, mehr und mehr überhand nehmenden Mangel aller Lebens: mittel die Truppen , beſonders die Reuterei , nicht bes fråndig im Lager oder in großen Stådten zuſammen gebalten werden, ſondern man mußte ſie in die Dörfer, oft febr nahe an dem Feinde , und in ziemlich kleinen Abtheilungen verlegen . Man verſperrte daher in die Fein Falle die Zugånge mit queer vorgeſchobenen Was gen , oder mit Palliſaden , und verſchloß mit lezteren die nicht mit einer Mauer oder mit einem Zaune äuſſer: lich f ) Strada. Dec. 2. pag . 410.

6.

-

Verſchanzungskunſt.

349 *

lich umfangenen Stellen . Melzo ſowohl als Ba: fta geben in ihren Vorſchriften über den Dienſt der wie dieſe Befeſtigung der Kavallerie Anleitung : Quartiere geſchiehet , und was über dieſes in Abſicht dée leriplages und der auszuſtellenden Wachen für Si: cherheitsmaaßregeln zu nehmen ſind. S.

221 .

Um dem Feinde den Zugang zu verſchanzten Pos ſten , lågern u . T. w . ſchwierig zu machen ; bediente

2 man ſich verſchiedene Male der Verhace ,

wenn nabe

Beis Wålder dazu Gelegenheit an die Hand gaben . ſpiele davon findet man unter andern in den Belage: rungen von Mon 8 1572 und von Brüfiel 1585 , wo die Straßen durch gefalte Bäuine verſperrt waren , Zugleich was den Anmarſch des Feindes zu bindern 6 ). ren dieſe Verbacke gewöhnlich mit Büchſenſchußen oder Musquetieren berezt, weil ſie auſſerdem nur ein ſehr geringes Hinderniß abgegeben hätten. Auf dem Kriegs: zuge des Prinzen von Parma nach Frankreich hatte er einen in ſeiner Flanke liegenden verhauenen Wald mit Drei Tauſend Mann berezt, und ihn durch eine fortlaufende Verſchanzung mit ſeinem Lager zuſanımen gehangen , das dadurch eine beträchtliche Verſtårkung erhielt " ). Wir wollen uns jedoch nunmehr zu der Feſtunge: baukunſt ſelbſt wenden , die ebenfalls in dieſem Kriege theils ſchon große und wichtige Verånderungen litt, theils auch darauf vorbereitet ward ,

daß fie kurz dar:

auf zu Stande kommen konnten . g ) Chapp , liv. 3. No. 112. p . 132. Meteer en B.12 . $ .494 . h) Memair, de Sully liv, 2. Sieben

350

III.

Zeitraum .

Siebenter

A 6 r сhnitt.

der Feſtungen während des Niederländiſchen Verbeſſerungen , die man babet anbrachte. und Krieges,

Beſchaffenheit

S.

222 .

u Anfang dieſes Krieges war die' alte Italieniſche Befeſtigungsmanier noch durchgehende im Ge: brauch. Hobe ſteinerne Walle mit noch höheren Ka: valieren auf den Baſtionen gewährten ein fürchterliches Unſehen, aber gegen das Geſchüß, das man immer bess ſer bedienen lernte, einen deſto ſchwächeren Widerſtand. Die Bollwerke , die an die Stelle der Thürme getreten waren , ſollten auch noch dieſelben Dienſte leiſten , das þeißt : die zwiſchen ihnen liegende Kurtine vertheidigen , die daber nicht mit Kanonen beſézt , ſondern blos zur Vertheidigung mit dem Handgewehr eingerichtet warð. Zwar fiengen ſchon einige Kriegsbaumeiſter an, die Nachtheile davon einzuſehen , und Meiſter Frang, durch den Kaiſer Karl der Fünfte die Feſtunge: werke von Antwerpen im Jahr 1540 erbauen lies, wollte ſchon die Kurtinen zu Geſchůk einrichten , der Kaiſer aber , oder vielmehr die aus Offizieren beſtehens de Bau : Kommiffion gab es nicht zu , ſondern die Bruſtwebren auf den Kurtinen wurden durchgehend mit drei : bis pierfachen Auftritten oder Fußbänken Banquets

für die Schüken verreben . Auch der Kriegsbaumeiſter Pacciotto , der eben den Bau der Cittadelle zu Turin beendiget batte , und den der Hers

30g von Alba im Jahr 1967 ,

wo er als Starthals

7. Beſchaffenheit der Feſtungen .

351

ter aus Stalien nach den Niederlanden tam , mit das þin brachte, erbauete das Schloß zu Untwerpen mit fünf Bollwerken ganz nach Italieniſcher Art mit zus růckgezognen Flanken ohne alle

Uuſſenwerke ').. Un

dieſem Schloſſe mußten tåglich Zwei Tauſend Mann arbeiten , und 400000 Gulden von der Stadt zu den Baufoften gegeben werden ").

Es ward in jenen Zei :

ten als ein Meiſterſtück angeſehen , und die meiſten ans deren Schlöſſer wurden nach dem Muſter, deſſelben er : bauet, obſchon Kenner die niedrigen ſteinernen Wate, die bei -Zwanzig Zou .Hobe den Soldaten nicht übers . Knie giengen , mit Recht daran tadelten '). Paceis otto tegte in der Folge noch verſchiedene Feſtungen nach der nemlichen Befeſtigungs: Manier an , bis er 1572 zu Flieſſingen nebſt noch einigen anderen Spanis fchen Offizieren und Soldaten von den Bürgern geban: gen wurde.

S.

223

Sowohl die Unzulänglichkeit der ſteinernen Bruſts webren gegen das Kanonenfeuer , als auch vorzüglich der Mangel an þinreichenden Steinen in den Nieder: landen war Urſache, daß man anfieng die Bruſtweb : ren von Erde, oft ohne alle Mauerbekleidung aufzus Breda ſcheint der erſte Ort geweſen zu ſein , führen. wo dies 1533 ſchon durch Graf Heinrich en von Die Nothwendigkeit , worinn Naſſau geſchahe. ſich während des großen Niederländiſchen Krieges beide Theile öfters befanden : in kurzer Zeit Stådte zu befe: ftigen , die entweder ganz offen , oder deren alte Mau : errt i) Specle Architectura von Feſtungen iſter Theil, 10 . Rap. k) Meteeren S. 108. Strada Dec. I. p . 309, b pedle 4. A. O.

352

III,

Zeitra u m . 11

ern und Thürme nicht im Stande waren , ſich gegen den veränderten Ungriff zu halten , veranlaßte haupt fächlich die ro påufige Anwendung des Erdbaues , der die beiden Vortbeile der Feſtigkeit und der Geſchwin: So bildete ſich eine neue, von digkeit in ſich vereinte. der alten Jtalieniſchen Manier gar ſebr verſchiedene Befeſtigungsweiſe , die man wegen des Landes , wo ſie ihr Daſein erhielt , die Niederlandiſche nannte, Bei dieſer fielen die zurückgezogenen Flanken von fich ſelbſten weg , und man ſuchte das doppelte Feuer theils durch die Kavaliere oder kaken , die man fo: woblauf den Bouwerken als in der Mitte der Kurtinen die aufführte , theils auch durch den niedern Wall Fauſſebrane oder falſa braga, wie ſie anfangs bies

C zu erhalten.

Zwar batte inan ſchon früber ,

nem :

lich ſelbſt bei der alten Befeſtigungsart mit Mauern und Thürmen vor dem Hauptwalle ein niedrigeres Werk gehabt , den Zwinger , von den Franzoſen, Italienern und Spaniern Barbacane genannt; dies beſtand aber nur in einer bloßen Mauer mit Schießlo: chern , die rings um die Feſtung berum lief. Die Fauſſebrane der Niederländer bingegen war ein vor dem boben Walle liegender niederer Erdwall , beſchoß den Graben und den Bedeckten Weg , und wurde, nebſt dem kleinen Gewehr , ſebr bald mit leichtem Feld: Die Meinung: geſchüß und mit Haubiken beſezt. daß die

Fauſſebraye

im

Niederländiſchen Kriege

aufgekommen ſei , iſt daber nicht ganz ungegründet ; obſchon man allerdings mit Gewißheit annehmen kann, daß ſie aus dem ſchon vorber üblichen Zwinger ent: ſprungen iſt. Ja man findet ſogar bei dem Bona: juto

torino

einen niedern Wall

in dem Graben zu Vers

oder eine Art Fauſſe brane, die jedoch blos theidigung der Eunette dienen

roll, und daber ſo nich

1

7.

Beſchaffenheit der Feſtungen .

353

niedrig iſt , daß ſie nicht einmal auf die Contreſcar: Sie iſt auch nicht Kanonenſchußfrei, pe reben kann. ſondern blos gegen das kleine Gewebe geſichert.

4

95 B

-UP

ny M

4

-

S.

224.

Der Bedeckte Weg war ſchon ſeit einiger Zeit im Gebrauch , und ward von den Kriegsbaumeiſtern der Lauf genannt . Er diente jedoch mehr zu Begün: ſtigung der Uusfälle als zur Vertheidigung ſelbſt ; die Epoke dieſer lezteren Anwendung ſcheint in den Nieders låndiſchen Krieg zu fallen , denn man findet : daß er von dieſer Zeit an immer mit einigen Auftritten verſes ben ward , damit die Schüken über das Glaçis hin: weg feuern konnten "). Sobald man nun den Bedeck: ten Weg mit Truppen beſezte , die ſich in demſelben vertheidigen ſollten ;

war man auch darauf bedacht: mehr Feſtigkeit zu verſchaffen , als eine bloße in das Terrain eingeſchnittene Bruſtwebr gewähren konns ihm

Ein Vorgraben , des Bedeckten Weges

der die äuſſere Abdachung das Glacis umſchloß,

war das Erſte , wodurch man jene Abſicht zu erreichen glaubte. Bald fügte man ihm eine oder mehr Reiben Palliſaden bei, um den Feind von der Krone des Glaçis abzubalten. Man bediente ſich zu dieſem Ent: fweck m) Bet nur einiger Bekanntſchaft mit den altern Schrifts ſtellern über den Feſtungsbau fiehet man letcht, daß der P. Daniel (hift. de la milice françoiſe Vol. 1. liv. 8 . c. 1. ) Unrecht hat, die Erfindung und Einführung des Bededten Weges in den gegenwärtigen Zeitraum zu Tegen . Dieſer Fehler , worein auch der Berf. des Artis tele. Chemin Couvert in der Franzdfiſchen Encyclopådie verfalt , rührt aus einem Mißverſtändnis her, wenn die Quellen , Hugo Grot. und andere von den damals aufges tommenen Aufen werken reden , und die Franzoſen es von dem Bededten Bege verſtehen .

354

III,

Zeitra u m .

zweck fehr båufig der ſchon oben ( S. 218. ) erwähnten Ürt von Palliſaden , oder ſogenannten Türkiſchen 4 ms bofaten " ), die bis gegen die Mitte des Siebenzebn: ten Jahrhunderts beſtåndig und faſt nur allein im Ses brauch waren. Weil man jedoch wahr nahm : daß die Palliſaden oben auf dem Glaçis dem feindlichen Ges ſchüß zu rebr ausgeſezt waren ; legten einige Kriegsbau : meiſter vor dem Fuß des Bedeckten Weges ein Zweis tes Glacis , hinter das ſie ihre Palliſaden anbrachten, und dadurch den doppelten Entzweck erfüllten : ſie ge! gen das feindliche Stückfeuer zu ſichern, und dem Feins de den Anlauf auf den Bedeckten Weg zu erſchweren. Jobann

Errand de Barleduc

hat das Ver:

dienſt , die Erſte Idee eines doppelten Bedeckten We: ges und der eben erwähnten Anbringung der Palliſaden gehabt zu haben ) , obſchon der Peter I330P) , mit Unrecht den Floriani dafür ausgiebt , der um das Jaße 1630 geſchrieben bat. Bonajuto ( orint bat zwar auf der Vierzehnten Kupfertafel No.3 . ebens

n) Die Erſte Abbildung dieſer Pallifaden giebt alerans der von Groote in ſeiner Neovallia . Monaco 1617 fol. 189. Ausführlich beſchreibt ſie Freytag in ſeiner Architect, milic, nova et aucta. Uuffer der oben erwähns ten eiſernen Spiße auf dem gerade abgeſägten Kopfe des Pfahles waren 3 Zou herunterwärts zwei andere gros ße und ſtarke eiſerne Någel dergeſtalt etwas aufwärts hins burch geſchlagen , daß fie gegen den Feind zu 8 3o lang hervorragten , und einen Winkel von 30 bis 40 Graden init einander machten. Von dieſen Pfåhlen rezte man dret und mehr Reihen dichte neben und hinter einander in die Erde, daß immer die folgende etwa Sechs Zoll über die vorhergehende empor ftand . Bohms Magaz . für Ing, 8. Bo. S. 130.

0 ) Fortification demontrée Liv. I. Chap. 9. die Erſte Auss gabe iſt vom Jahr 1600 . P) Elementi de l'archit. milit. Part. I. Cap . 6. $. 74. Not.

7. Beſchaffenheit der

Feſtungen .

ebenfalls am Fuße des Glaçis eine , dem

355

Sedeckten

Wege ånliche Vertiefung in das Terrain eingeſchnit: ten ; doch keinesweges um Palliſaden hinein zu ſetzen , ſondern um die Erde zu den Glaçis daraus zu erbat: ten , wenn man im Hauptgraben wegen des Waſſers nicht tief genug geben kann 9).

§.

22 $ .

Ueberzeugt von dem Vortheile : den Feind ſo lange fiel als möglich von dem Hauptwerke abzubalten ; franz. Marchi aus Bologna ) unſtreitig zuerſt darauf, auſſer dem Bedeckten Wege und den ſchon durch die man ges långſt bekannten Ravelinen wöhnlich die in der Kurtine befindlichen Thore deckte noch mehrere andere Auſſen werke vor den Haupt: wall zu legen. Bei ihm findet man ſchon obwohl unter anderen Namen - die Contregarden , die Hal: ben Monden ,

die Grabenſcheeren u . f. w. der . Neue

ern , wodurch dieſe ihre Befeſtigungs: Syſteine zu ver: ſtårken ſuchten ,

und für deren Erfinder ſie gehalten

wurden , weil des Marchi Werk und folglich der Keiner von des wahre Urheber nicht bekannt war. March i Entwürfen iſt ganz ohne Auſſenwerke, die er faſt alle mit dem allgemeinen Namen Pontoni belegt und aus vieler Rückſicht fehr empfiehlet ,

auch ſie ſo:

wohl als den Bedeckten Weg mit Geſchüß bereken will,

4) Bonajuto Lorini vom Feſtungsbauen . 1. Buch 48 Bages wert des Diaconi. fol. 83. der Worınbſеrſchen Ueberſes kung . r) Man ſehe unten – in den Erlåuterungen und Zus ſåsen – die Nachrichten von dieſem merkwürdigen Manne und ſeinem ſehr ſelten gewordenen Werte. Soyer's neuere Kriegek. I. Th.

356 will ).

+ III .

Zeitra u m .

Unter dem Namen der alloni Pezt er Brits

len vor die Bollwerksfaçen ) , deren -Krone fo hoch iſt, als das Mauerband des Bollwerkes , und für decen Erfinder er ſich ſelbſt angiebt.

Er deckt auch die

Bollwerke durch ſehr weit vorſpringende Contregars den , die vor der Kurtine große und ftumpfwink: liche Raveline vor ſich haben " ). Er legt bei einem andern Entwurfe ) vor die Půnten der kleinen Bollwer: te andere größere Bollwerke, oder Halbe Monden , die von jenen durch einen nicht allzubreiten Graben abs Endlich giebt er ein Barbacano vor geſondert werden . der Kurtine an mit zwei kurzen Flanken und Fa: çen , ganz wie die Tenaillen oder Grabenshee ren der Neuern ) . $. +

226 .

Faſt alle dieſe von Marchi angegebenen Huſſei werte nun wurden während des Niederländiſchen Krieges nach und nach bei den ſchon früßer erbaueten Feſtungen angebracht, wozu er entweder ſelbſt die Ent: würfe gemacht Batte, oder andere Ingenieure ḥatten fie auf irgend eine Weiſe von ihm erhalten , als er mit der Herzogin Margaretba von Deſterreich, der Statebalterin der Niederlande, im Jahr 1559 nach Brüffel fam . Der Erſte wirkliche Gebrauch von den Zuſſenmer: ken ſcheint bei Steenwick gemacht worden zu ſein , als dieſe

) Della Architettura militare del Capit. Franceſco de Marchi, Bologneſe, Gentil'huomo Romano, Libri tre. fol, Breſcia 1599 Lib . 2. Cap. 17. c ) ib. Cap. 15 . u) ib. Lib . 3. XXI . Rupfer : Eaf. v ) ib . auf der XCI. Tafel. w) ib . auf der CXI. Tafel.

7. Beſchaffenheit der Feſtungen.

357

biefe Stadt im Jahr 1592 vom Prinzen Moris von Oranien belagert ward. Wegen ihres unbes trächtlichen Pulvervorrathes ließ nemlich der Commans dant Anton Coquel im Graben pinter den Pallis faden verſchiedene Werke anlegen ,

die von den Belas

gerern erſt eingeſchoſſen werden mußten , ehe ſie den Hauptwall ſelbſt angreifen konnten * ). Es ſcheint zwar , aus der Erzählung des Hugo Grotiusº); als ob die Erſten Auſſenwerke bei der Belagerung von Bom mel im Jahr 1999 angeleget

worden ; allein man findet bei genauerer Unterſuchung der angeführten Stels le, daß der Verf. blos von der Einführung der Auſſens werke überhaupt redet . Er ſaget vielmehr: in dem bes merkten Jahre 1599 ſeien zu den ſchon vorhandenen Auſſenwerten noch mehrere neue hinzugefüget, und auch dieſe mit dem Waſſergraben und bedeckten Wege eingeſchloſſen worden . Dies ſtimmt auch damit über: ein : daß die von dem Grafen Heinrich von N ass ſau im Jahr 1533 um Breda angelegten Erdwålle wåþrend dieſes Krieges noch durch Neun Raveline, und vor jeder Pforte durch einen Halben Mond verſtärkt worden ?).

Faſt am ſtårkſten unter allen Nie: Rheinbergen mit Auſſenwerken verſehen worden zu ſein. Es hatte nächſt ſeinen Vier alten Bollwerken mit Waſſergråben rchon verſchiedene von den Holländern und Spaniern angeleg: derländiſchen

Stådten ſcheint

te Auſſenwerke,

als im Jahr

1606 Prinz Mori

von Dranien noch Funfzehen Raveline und Halbe Monden mit einem Waſſergraben und pallis fadirten 2 ) Meteeren Buch 16. S. 694. y) Hiftor. de rebus belgicis Lib . 8. p . 366. 2 ) Meteeren B. 19.

$ . 415. 24 2

!

358

III.

Zeitraum .

fadirten Bedeckten Weg weiter auswärts Vier Denaillen und Vier Reduten , und endlich auf der andern Seite der Yffel ein Fort mit Vier Bollwer: ten und Drei Halben Monden anlegen lies ? ).

S.

227.

Von dieſen Aufſenwerken unterſcheiden fich die die von den Belagerten immer erſt erbauet wurden , wenn ſie eine Belagerung befürchteten , um

Forts ,

irgend einen Zugang zu der Stadt zu ſichern ; oder ſonſt einen für ſie vortheilhaften Poſten zu behaupten , Sie lagen nie mit in dem eigentlichen Bezirk der Fe das heißt : innerhalb des Bedeckten Weges; ſtung ; nach Beſchaffenheit der Umſtände batd mehr bald weniger feſt, und hingen oft durch einen beſon: deren Laufgraben mit der Feſtung ſelbſt zuſammen. waren

Da jedoch die eigentlichen Auſſenwerke damals öfters während der Belagerung angeleget wurden ; iſt es Tchwer: die Grenzlinie, zwiſchen iğnen und den ſoge: nannten Contre : approchen genau anzugeben, die ebenfalls dieſem Kriege ihr Daſein verdanken. Wahrſcheinlich wurden ſie zuerſt in der Belagerung von Oſtende 1601 angewendet , wo der Holländiſche Kommandant Karl von der Noot durch ſie Ter: rain ,zu gewinnen uno dié Spanier långer von der Fe: ſtung abzuhalten ſuchte b ). Man bediente ſich in der Folge allezeit dieſes Mittels ,

1

wenn es die Stärke der

Berakung erlaubte , und oft nicht ohne Erfolg, um dem Feinde die Führung der Laufgråben zu erſchweren und die Belagerung in die Långe zu ziehen .

a) Carnero lib. 17 ; cap. 12 . b) ib, lib, 15. cap. 1. Chappuy Liv. 12. No. 7.

S. 228.

7. Beſchaffenheit der Feſtungen .

S.

359

228

Auſſer den Werken , durch die man den Feind voit dem Hauptwalle zurückzuhalten fuchte; hatte dieſer Zeitraum auch noch einige andere Erfindungen aufzu : weiſen , die jedoch damals nicht wirklich ausgeführet, und eben desweger in der Folge für eine Erfindung ſpå: térér Zeiten gehalten wurden . Schon Marchi, hatte den Einfall , in der åuſſeren Feſtung eine Innere- äna julegen , in der ſich die Befatzung niach dem Verluſte jener nod; gegen den Feind. balton fonnte C ). Eine Zweite Befeſtigungsart durch einzelne runde Thürme; die einander von allen Seiten beſtreichen , rührt von demſelben Kriegsbaumeiſter her , obgleich fie immer für eine ſpåtere Erfindung des Grafen von Sachſen gehalten wird ) . So hat ihn auch landsberg bea nuzt ) , und die detaſchieten Reduten von ihm , die einander beſtreichen und ſowohl zur Vertheidigung ei: nes Hafens , als der Feſtungsgråben dienen , Nicht ininder findet man fchon bei im die Gallerie unter der Contreſcarpe, unt mit kleinem Gewehr den in den Graà ben gedrungenen Feind im Rücken zu beſchiefſen ) ; die in den neuern Zeiten von Blondel, d'Uzin , Zu Erlangung Có born und andern angegeben wird . innere Defenſ giebt Marc der n ion h ö die Erſte Anleis tung und ſchlägt nicht weniger als Sieben Mittel daa zu vor : 1 ) Zwei Mauern , die so Fuß von einander, para allel mitten durch die Feſtung laufen , und davon jede ihren c) Mar chi a a. 9. auf der. VIIL , Taf. d ) ebendaſ. LI. und LII. Lafa c) In dem Nouveau projet d'une citadelle , confrontée contre celle de Lille . f ) Marchi a . a . 9. Saf. CL.VIII. 2a 3

360

III .

Zeitra u m.

iþren beſondern Graben hat , und die man von Zwei an ihren Enden auf den Kurtinen ſteßenden Kavalies ren vertheidigen kann. Uus jeder dieſer Mauern nun fann man ſich noch gegen den auf der andern Seite eine gedrungenen Feind wehren. 2) Einen

beſonderen

Wal , der die Stadt ums

giebt , mit ſeinem eignen Graben verſehen iſt, und das ber eine innere Feſtung bildet. 3 ) Runde Kavaliere ,

die entweder zwiſchen

den Façen der Bollwerke , oder in den Kebten derſels ben oder auch darbinter liegen. 4) Einwårts verlängerte Flanken und eine große Retirade. 5 ) Beſondere nach Jenem gelehrte Werfe ; d. . große viereckige Tøůrme ,

die von anliegenden Kafes matten vertbeidiget ſind. 6 ) Detaſchirte und eben ſowohl gegen innen als auſſen gefehrte Bollwerke. Mit dem Nußen der Waffenübungen betaant; ſchlågt endlich March i vor ) : in der Feſtung weite auf Säulen rubende Gänge zu erbauen ,

um bei übler

Witterung bedeckt darunter ererziren zu können. Ein Gedanke , der in den ſpåtern Zeiten durch die Erers zier : Håuſer realiſiret ward,

S.

229 .

Dies wåren dann die wichtigſten Ubånderungen und Erfindungen , die in dieſem Zeitraume in Abſicht der Kriegsbaukunſt gemacht worden ſind. Wir fom men nun zu dem. Feſtungskriege, der darinnen eben ſo fruchtbar war, als die übrigen Zweige der Kriegskunſt. g ) In der Erklärung der 49 Kupfer : Safel a. a. D.

Achter PU

+

361

. aordhnitt

A chter

Angriff und Vertheidigung der Feſtungen im Dritter Zeitraume.

S.

230.

u einem Kriege, der an beiden Seiten mit faft bels ſpielloſer Wuth und Erbitterung geführt ward, konnte der Fall sticht ſelten fein: daß die Belagerten in einer Feſtung fich, im eigentlichſten Sinne des Wortes , bis auf den lezten Mann wehrten .

Nothwendig muß.

ten die Belagerer nun auch ihrerſeits alles aufbieten, um den Widecftand des Feindes zu befiegen ;

fo ent:

ſtand denn ein gegenſeitiges Streben , dem manche neue Erfindung ihr Daſein verdankt, die ſich bis auf unſes re Zeiten erhalten þat. Zwei Dinge batten bierbei wichtigen Einfluß : Einmal die veränderte Befeſti: gungskunft , wo der Angreifende in den Huſlenwerken eine Menge neuer , bisher ungewöhnlicher Hinderniſſe zu belåmpfen Batte, ehe er nur bis an den Hauptwall ſelbſt gelangte ; und denn Zweitens der Zuſammenfluß der verſuchteſten Offiziere und der geſchickteſten Kriegs: baumeiſter jener Zeit , die mit eingnder wetteiferten , entweder neue Mittel zum Angriff zu erfinden ,

oder

die von dem Feinde angewandten unwirkſam zu machen.

.

231 .

So lange ein beträchtlicher Theil der Niederländis fchen Städte noch keine Wufſenwerke, ja die minder be: deutenden und die Schlöſſer nicht einmal einen bedeck's Ua 4 ten

362

III .

Z eitra u m .

en Weg hatten ; warm die Ueberfälle und nächtlichen Unternehmungen noch eben ſo gewöhulich , als in den vorigen Zeiten : und man ſuchte die Pforte des ange: griffenen Ortés bald auf die eine's, bald auf die andere Weije zu offiren . Es wurden mancherlei Arten von Brechſchrauben und Sturmbrůcéen erfunden , ja in Frankreich ſtürzte man die Mauern eines mit Soldaten berezten Hauſes auf folgende ſonderbare Weiſe ein : i man ſtieß Zwei 25 Fuß lange ziemlich ſtarke Balken welche man mit ihren vordern Enden in Löcher , in die Miguer , bis auf Zwei Drittheil ibrer. Stårke, binein gearbeitet hatte. Die bintern Enden der Bala ken , die durch untergeſtellte Stügen in die Häbe gehal: ten wurden , beſchwerte man mit einem großen Kaſten voll Steine, und ſchlug denn auf einmal die Stüßen hinweg , daß deč siaſten die. Enden der Balken plota lich berab drückte und die Mauer zugleich mit þeftigem Krachen einſtürzte ).

S.

232 .

Die um dieſe Zeit erfundenen Petarden waren bei dergleichen Unternehmungen von ſehr weſentlichem Nus ken , und wurden daher håufig angewendet . Ihr wah: Zwar ſagt Strada ): rer Erfinder iſt unbekannt. ſie feien zuerſt 1587 durch Martin Schenken bei Bonn angewendet worden , wo

dieſer unternehmende

Mann eine Petarde an die Rheinpforte ſchrauben lies und dadurch die Stadt einnahm ; allein , niach dº Uus bigné' rollman ſich ihrer ſchon im Jahr 1974 bei ei: neni

b ) Joh. Boillot Artifices de feu et diversIuftram , de guerre fol. Fig . 64 .

i) De Bello belgico Dec. 2;. lib . 10 , p. 586. Man vers gleiche Meteeren $ .14 ; 9.597.

8. Angriff und Vertheidigung.

363

nem Schloſſe in Rovergue bedient gaben , und Sül 11 erzäblt in feinen Denkwürdigkeiten : daß im Jahr 15.79, Saint : Emilion vermittelſt einer , zwiſchen Zwei Fenſter eines Thurmes angeſchraubten Petarde éros bere ward, die eine ſolche Deffnung“ machte , daß Zwei Männer neben einander durch dieſelbe hinein konnten k)! Es ſcheint Demnach : als müſſe man den Franzofen die Ehre der Erfindung dieſes Kriegesinſtrumentes 'zuges ſtehen, das in der Folge währetid des Niederländiſchen Um den Gebraudy Sirieges beſtåudig gebraucht ward . deſſelben zu erleichtern ', wurden beſondere Brücken und Werkzeuge erfunden ", vermittelft deren inan über den Stadtgraben kommen oder die Aufziehbrücken herab reiffen konnte. Wie gut man mit den Petard en uin zu gehen wußte , beweißt der Ueberfall der Spas nier auf Bergen op Zoom im Jahr 160 $ , wo: felbft Vier Thore und Eine Aufziehbrücke durch Petars den geöffnet wurden , obgleich die Niederländer viel Granaten von dem Walle herab warfen !).

* B ... 233 . Andere Derter , den man wegen iører { age nicht gut mit Petarden beikommen kounte, ſuchte man durch. lift wegzunehmen , indem

ſich Soldaten unter manchér : lei

k ) . Denkwürdigkeiten Marim . von Bethune Her z. von Suity in Schilters Hiftor. Memoir. 2. Abth . 1. Bd. S. 53: : h) Carnero a. a . D. lib.'17 . cap. 5. Das Unternehmen ſchlug fehl, weil die Spanier noch eine Palliſadirung vor fich fanden , und dieſe nicht offnen konnten , denn alle Pes tardiere waren getödtet oder verwundet , ſo daß fie ſich teiner Petarde mehr bedienen tonnten , um ſid) einen Weg zu bahnen. as

1

364

III.

Zeitraum .

lei Verkleidungen in die Stadt ſchlichen , und durch Ucberfal ſich eines Tbores zu bemeiſtern fuchten , um die in der Nähe verſteckt liegenden Truppen hereinzu: laſſen , wovon ſich Tauſend Beiſpiele in der Geſchichte des Niederländiſchen Krieges finden. Id will fier nur das Schloß [ oeveſtein und Monts anführen , von den das erſtere im Jahr 1970 , die leztere Stadt aber 1972 auf dieſe Weiſe erobert ward. Am merk:

:

würdigſten unter allen iſt wohl die Wegnahme des von den Franzoſen befekten Schloſſes Ham, die von ſo wes nig Menſchen unternommen , und ohne alle fremde Hülfe gtůcklich ausgefübret ward » ). In dieſem Schloſſe lag 1595 der Spaniſche Hauptmann Chico de Saegre mit drei Soldaten und Zwei Bedienten gefangen , weil die Franzoſen ſich des Schloſſes bemeis ſtert batten. Ein Hofjunfer des rechtmäßigen Beſis kers, des Herrn von Gomeron , Namens Friedrich Retundo, ein Neapolitaner von Geburt, faßte daber den Entſchlußi feinen Heren und die Spanier wieder in den Beſik des Schloſſes zu feßen. Nachdem er zu dem Ende die Gefangenen beimlich mit Degen und Pis ſtolen verſehen , 30g er Zwei Soldaten von der Befas kung mit in ſeinen Anſchlag, indein er jedem von ihnen ein Pferd und Hundert Thaler verſprach. Um nun einen Theil der Vierzig Mann ſtarfen Wache los zu werden , erzählte er ihnen : unten in der Stadt wür: den Sechs Soldaten verbrannt , weil ſie ſich an einem Bilde der Mutter Gottes vergriffen. Viele giengen Daber aus Neugier hinunter , andere giengen zum Ess fen , und einige legten ſich ſchlafen , weil die Brücke aufgezogen war , und ſie ſich völlig ſicher dünften. In diefem Augenblicke griff Retundo mit dem einen Soldaten die

Wache an ,

m) ib . lib. II , cap. 6.

mährend der andere die Schild:

-

8.

Angriff und Bertheidigung.

365

Schildwache vor dem Gefangenhauſe durch einen Pis ſtolenſchuß tödtete und die Spanier heraus lies . Dieſe trieben die Beragung in Zwei Týůrme , nahmen der Franzöſiſchen Hauptmann als Geiſel mit und zogen ſich bei einbrechender Nacht nach la Fere , denn von der in den Thurm getriebenen Wache auf der einen Seite, auf der andern aber von der in der Stadt liegenden

Befaßung bedrobet,

obne Hoffnung einigen Entſaß zu

erhalten , waren die Spanier nicht im Schloß zu behaupten .

S.

Stande, das

234 .

War man durch die Umſtände zu einer förmlichent Belagerung gendthiget , unterſchied fich dieſe von den in der Erſten Hälfte des Sechzehnten Jahrhunderts dadurch , daß man größere Batterien ſchweres Ges ſchüß gegen die Wälle aufſtellte , und daß man es in der Minirkunſt um ein Beträchtliches weiter gebracht hatte. Demohngeachtet zeichnen . fich die in dieſemn Kriege vorgefallenen Belagerungen durch iøre lange Dauer aus ") , und faſt nie ergab ſich eine Stadt eher, als bis die Befaßung durch den gånzlichen Mangel an lebensmitteln und Kriegsbedürfniſſen aufs duſſerſte gebracht war. Mehrere Urſachen trafen fier zuſains men ,

um eine ſo ausgezeichnete Vertheidigung zu bes wirken : die Einſicht und die Thätigkeit der Befeble : Haber ; die Erbitterung der kriegenden Partheien , und der einander gleiche Zuſtand des Ungriffes und der Vers theidigung. Mit dem richtigen Gebrauch des Geſchůs Bes nicht genug vertraut , fehlte es demi Belagerer an Mitteln ,

die Batterien der Belagerten früßzeitig ges nug

a ) Karlem hielt ſich 1572 Acht, amiens 1597 Secht, Antwerpen 1584 Dreizehn Monats und Datende über Drei Jahre.

366

Ilt.

Zeitra u m .

nug zum Schweigen , gu bringen .

Es blieb ihm oft

nichts übrig , als die Breſche durch den langſamen Weg der Minen , zu öffnen . Der Belagerte gewann nun ebenfalls Zeit: fic ill dem angegriffenen Bollwer: ke ſelbſt zu verſchanzen oder es wohl durch einen Haupts abſchnitt von dem übrigen Theile der Feſtung zu trens nen , wenn es ihm auch nicht gelang : den feindlichen Minirer zu begegnen und feine Galerien zu zerſtören . Dazu, tam noch der auſſerordentliche Muth der Befaa kungen , die oft mehrere wüchende Stürme abſchlugen, und lieber mit dem Degen in der Fauſt auf den zerſtör: ten Wålen ſterben als durch Uebergabe der Feſtung ibr Die Belagerer wurden dadurch teben vetten wollten . gezwungen , auf iminer neue Mittel zu denken : um ei : nen Sturm auf den Hauptwall unternehmen zu können , Die Befas ohne den nie eine Stadt übergeben ward . kung würde fich dadurch im åuſſerſten Grade entchrt haben , und der Kommandant' würde zur größten Vers antwortung gezogen worden ſein ).

S.

235

Sobald der Ort eingeſchloſſen war , eröffnete man Tau die fgräben , die man jejť nicht mehr ſchlangen : förmig , Yondern in geraden Linien führte , ſo daß die Flügel allezeit bei den nächſten Feſtungswerken vorbei raben , und die Tranſchee nicht der Långe uach beſtri: chen werden konnte. " Zwar waren die gegenwärtig übs lichen

5

o ) Der Kommandant von Grave ; Bennert , wård auf Befehl des Grafen von Leiceſter nebit Ziet Haupts leuten enthauptet , weil ſie die Stadt übergeben hatten, ohne einen Sturrn abzuwarten , da doch die zum Ents rak herbei eileriden Truppen ihnen vor den Augen ftans den . Meteçren 13. Buch S. 526. Strada Dec. 2. P. 418 .

8. Angriff und Vertheidigung.

dichen Parallelen

367

noch nicht eingeführt; allein man

ſuchte diefelbe . Ubficht: die Sicherung der Tranſchet: Wache, dadurch zu erreichen , daß man von Entfer: nung zu Entfernung kurze Schulterwehren aufwarf, hinter den die zur Beſchüßung der Laufgråben beſtimına ten Truppen gedeckt ſtehen konnten . Lorini

Ja Bonajuto

hat auf der XI Kupfertafel des Erſten Bus

ches P.) eine Tranſchee , die ſehr viel Uenliches mit den Parallelen der Neuern kat.

236

S.

Weil die gewohnlichen Approchen wegen ihrer Biegungen viel Zeit erforderten , gab der Spaniſche Ingenieur Bartholom åus Eampi in der Bela: gerung von Harlem 1573 eine neue Art derſelben an, die zu Abkürzung des Weges in gerader Richtung auf das angegriffene Werk zu liefen . Gegen das feindli: dhe Musketenfeuer waren ſie oben mit ſtarken Dielen und Sandfäcken bedeckt, die auf hölzernen Ståndern rubeten , und unter den die Soldaten ficher bin und þer gehen konnten: 9).

Man ſiehet, daß dies nichts anders war , als die Sappe couverte der Franzöſiſchen Ingenieure. S. 237 . Ehe die Feſtungen eine Fauffebrane und Âus : fenwerke erhielten , von den man das Feld mit nie: drigen - oder raſirenden - Schüſſen beſtreichen konnte; wurden die Laufgråben ziemlich nahe eröffnet, und noch 1595 geſchabe dies vor Hulſt in der Weite eines Musketenſchufes ").

Man konnte es um ſo mehr ohne

P) Vom Feſtungsbau. deutſch 1607

Fol. durch Dav .

9) Chappui a , a . D. I. Th. S. 142. r ) Carnero 4. A. O. lib. 12. cap. II.

W

o r mbrer

368

Ill.

Zeitraum .

ohne Bedenken thun , weil man hier von dem Geſchül des boben Walles nicht getroffen ward , und blos das kleine Gewebefeuer der Raveline und des bedeckten We ges zu fürchten hatte.

Als man aber anfieng, niedrige

Werte vor die Feſtungen zu legen und ſie mit Geſchük zu bereken , war es auch nicht mehr möglich , unges deckt ſich der Feftung ſo weit zu måbern. Man war im Gegentheil genöthiget : fich in der Entfernung eines Kanonenſchuſſes einzugraben , und mit der Sappe nur nach und nach vorzurücken . Dies geſchahe daßer bei allen Belagerungen , die in die Zweite Hälfte dieſes Zeitraumes , das beißt um den Anfang des Sieben: zehnten Jahrbunderes fallen, wie 1602 vor Grave, bei allen drei Attaquen ") , und 1605 vor Wachten: dont , wo die Entfernung 700 Schritt von der Fes ſtung betrug 4. Vor erſterem Orte waren die Saufgras ben Mannstief, und ſo breit, daß ein Wagen darinn fah: ren konnte , auch an den Biegungen mit Reduten für die Tranſchecwache verſehen . Die Šircumvallations : linie beſtand ebenfalls aus Reduten , mit Geſchük befekt, die durch einen fortlaufenden Wal mit einein Vier und Zwanzig Fuß tiefen Graben zuſammen giengen.

S.

238.

Um ſowohl die Gemeinſchaft zwiſchen den Quar: tieren der Belagerungsarmee zu unterhalten , als auch die an großen Flüſſen liegenden Feſtungen deſto enger einzuſchlieſſen ; ſchlug man oberhalb und unterhalb der: felben Brücken und verſahe ſie an beiden Enden mit Die Brücke ſelbſt ge Schanzen und Batterien " ). gen 8 ) Meteeren Bud 23 ; S. 1026 . t) Chappui . 2. Th.

S. 136.

u ) Wenn es an Girreichenden Fahrzeugen zu dieſen Brüden fehlter

8. Angriff und Vertheidigung.

369

gen die mit dem Strom Kerabtreibenden feindlichen Fahrzeuge zu ſichern , erdachte 15 7s in der Belagerung von Schoonhoven ein Spanier folgendes Mittel : Er befeſtigte ſtarte Seegelſtangen mit dem einen Ende an das Vordertbeil der Fahrzeuge ,

aus den die Brücke

beſtand; die anderen Enden der Seegelſtangen aber ver : band er Zwei und Zwei mit einander , daß ſie gegen den Strom vorſtebende Ecken bildeten , tigkeit zu brechen .

um ſeine Hefs.

Dieſer Befeſtigung obngeach:

tet bahnten ſich drei Fahrzeuge mit Geſchüß und Sol. daten einen Weg durch die Brücke und famen glück: lid in die Stadt.

S.

239.

Stårker und von ungleich fübnerer Bauart war die Brücke, durch welche der Prinz von Parma die von ihm belagerte Stadt Antwerpen 1584 ein : Dieſe Brücke war eigentlich das Werk der ( chloß " ). Kriegsbaumeiſter Plato und Barocci , und mach: te ihnen um ſo mehr Ebre, je größere Hinderniſſe ihnen eine Waſſerbreite von 2400 Fuß und eine Liefe von mehr als 60 Fuß, verbunden mit der in dieſer Nähe des

fehlte, bedienteman ſich auch der F186en, wovon ſich wahs rend dieſes Krieges mehrere Spuhren finden . Sie wur. den vielletcht von dem Prinzen von Parma im Jahr 1579 bei dem Uebergange über die Maas , oder von dem Prinzen Moriz von Oranien in der Bes lagerung von St. Gertrudenberg zuerſt angetvendet . Mit den Brücken aus leeren Fäſſern oder Tonnen ges ſhahe died bei der Bel ; erung von Poitieres im Jahr 1569. v ) Chappuys a. a. O. Liv . 4. p. 193. w) Strada beſchreibt dieſe Brüde ausführlich Dec. 2. lib . 6 . P. 313 feq. conf. Carnero Lib. 7. cap. 1. auch mein Band 6. Der PontonsWiſſenſo . I. Band S.9.

370

III . zeitra u m.

des Meeres heftig ſtrómenden Ebbe und Fluth, in den Dennoch gelang es ihnen , auf einem Wog legten . Pfahlwerke, das von der Brabantiſchen Seite fich 900 Fuß , von der Flandriſchen aber 200 Fuß lang in den Fluß erſtreckte , eine Brücke zu gründen , über die Acht Main En Front marfchiren konnten , und die auf bes den Seiten mit einer Musketenſchußfreien Blendung, Fünf Fuß hoch , von Eichnen Dielen gedeckt war. Das Pfahlwerk endete fich auf jeder Seite mit eis nem Waffenplaß , 40 Fuß breit und 54 Fuß lang, gleich der Brücke von Holz erbauet und auf ſtarken in Der den Grund eingerammten Pfahlen ruhend. Raum zwiſchen

dieſen

beiden Waffenplågen endlich

die man word mit 32 großen Schiffen ausgefüllet, gleich dem Pfahlwerk überbrückte, und mit einer Blen: dung von Holzwerk verfabe ,

ſo daß die ganze Brücke

mehr das Unſeben einer ſchwimmenden Verſchanzung Jedes Schiff erhielt Vier Schiffer, Dreißig hatte. Soldaten und Zwei Stück Geſchük; die Menge des leztern auf der ganzen Brücke, der beiden Brücken : Schanzen ,

aber , mit Einbegriff betrug 97 Stück vou

Gegen den Ungriff der Bela: verſchiedenem Kaliber. gerten war in der Weite eines Musketenſchuſſes vor der Brücke ein ſchwimmendes Werk von des Barocci Erfindung geleget , das aus 33. Fahrzeugen und einer Menge (cerer Faffer beſtand, durch queer berübergelegie Maſtbäume und ſtarke Balken verblinden, die auf dem Fluffe eine Breitevon 1252 Fuß einnahmen , und dem Feinde eine dichte Reine langer Sturmpfähle mit ei: Dieſe Brücke war das fernen Spigen éntgegen boten . Uebergabe zu brin: zur Siast vornehmſte Mittel , die gen , weil alle Verſuche der Belagerten , ſie zu zerſtöß ren , ihren Zweck verfehlten .

$. 240.

do

8. Angriff und Vertheidigung.

S.

371

240.

In derſelben Abſicht führten die Spanier bei det Belagerung von Oſtende 1601 Arbeiten aus , die man Die Stadt erhielt nenis vorber noch nie gefehen batte . Se Zu eleite ger , die man nicht lich ſtets fuhre von der hi du anders ndern konnte, als rch Batterien und Schans au zen ſſerhalb der Dünen auf dem flachen Ufer , das von der tåglichen Fluth beſpublet ward . Um dieſen Batterien und Schanzen nur einen trocknen Grund zu verſchaffen , der die Bruſtwehr und das Gefchůk trug , erfand Udrian Hermanſen , der bei des Grafen Barlamont Regiment Profos war, in Verbindung mit Abragam Melin , einem Zimmermeiſter , bes ſondere Waſſerfaſchinen , Vier und Zwanzig Fuß lang 1 und in der Mitte durch eingebundene Steine beſchweret. Weil jedoch der Erfinder getödtet ward , blieb die Ar: beit liegen, bis ſich ſein Sohn Unton Udrianfen Kaum hatten aber dazu aufwarf , und ſie fortſekte. fer Sp al St tig , die s ſie entweder von anier ein ück ger hi od vo er iſſen nweg der Fluth mit n den Belagerten durch Kunſtfeuer in Brand geſteckt ward * ). $.

241 .

Weil dieſe Arbeit den tobenden Meereswellen am Eingange des Kanales nicht zu widerſtehen im Stande war , wo man ſich vorgeſekt hatte, - durch einen Damm die Mündung des Kanales felbſt zu verſchliess fen ; erfand Chriſtop \ Propergenius die S a uz siſſen , die nur durch die Verfertigung von den Ga: bions Farçis ſich unterſchieden. Sie beſtanden nemlich aus ſtarken und dicken Heſten , 1 2 ) Carnero a. .A. 0. lib . 15 , Bch . 22 ; S. 1006. Soyer's feuere Kriegsk, I. Th.

cap . 9 .

3.6

die durch drei Reis Meteerett

372

III.

Zeitrau m .

Reißen Faßreifen zuſammen gehalten wurden und ein Gebund von 46 Fuß Långe und 15 Fuß Dicke bildes ten . Weil ſie jedoch bei diefer Gröſſe zu unbeweglich waren , gab man ihnen in der Folge, nur 23 Fuß Långe und 12

Fuß Stärkey) . Verinittelſt in den Sand geſchlagener Pfåhle und Schiffsanker , woran man Seile init Scheiben befeſtigte, bewegte man dieſe groſſen Walzen vorwärts gegen den Kanal, legte fie alsdann bis zu der gehörigen Höhe über einander und erbaute dann von gewöhnlichen Faſchinen die Karl08. Schanze darauf, die einen Fußboden von Dielen für das Geſchůk, þatte .

Von dieſer Schanze ward.

ein Damm mit ånlichen Sauciffen nach dem Meere zu geführet, die durch 15 Fuß bohe . Kölzerne , einem T ånliche Gerüſte auf dem Grunde feſtgehalten wur : den , an die ſie mit Weiden feſt gebunden waren . Zu oberſt war der Damm durch darauf geſchütteten Kies 1 und Sand beſchweret , und gegen die Stadt mit einer 30 Fuß dicken Bruſtwehr verſehen ,

die in gehöriger

Entfernung Schießſcharten für das Geſchůk þatte ?). Um den Damm zu verlängern ., auf deſſen Spike die Belagerten Sieben Kanonen gerichtet hatten , ſo daß ſich faſt niemand daſelbſt ſehen laſſen durfte , er: fand Pompeo Targone , ein Römer und geſchick: ter Kriegsbaumeiſter folgendes Mittel : Er lies hinter dem Bucqoiſchen Damme groſſe Floſſen bon den Spaniern Flottas genannt - aus Holz und Was: ſerfaſchinen verfertigen , die 30 Fuß breit , und so bis 60 Fuß lang waren . Nachdem man an den Seiten und unter ihnen leere Tonnen befeſtiget batte;

ward

der Sand darunter größtentheils hinweg geråumet, ſo daß y ).Diego Uffano Artiller. Trat. 2 ; 2. Carnero lib. 15. cap. 2 et 3. 2 ) Chappuys a. a. O. Liv . XII, No. 37 .

E

8. Angriff und Vertheidigung.

373

daß ſie von der Teigenden Fluth gehoben und an die beſtimmte Stelle geführet wurden , woſelbſt man die Tonnen wieder los machte , daß die Flöſſe , die ein Stück Damm ausmachte , auf dem Grunde feft fiken blieb. Sie ward nun erhöhet ,“ und gleich dem ſchon fercigen Damme mit einer Bruſtweør verſehen .

Ueber

den glücklichen Erfolg der Erſten Flotte erfreuet, rüſteten die Spanier ſogleich noch Sechs andere zu ; allein die Belagerten fanden Mittel , während der Ebs bezeit durch eine gut gerichtete Batterie die Verbinduns gen des Holzwerkes und der Faſchinen zu zerſchieſſen. Als daher die Fluth wieder kam , gieng das ganze Werk aus einander und die Wellen führten jede Spuhr deſſelben mit ſich hinweg ") . Eine ånliche Maſchine, die Targone alsdenn vetfertigte , ward von den Bes fagerten angezündet, eine andere aber durch den Sturm zerſtöhret, ſo daß die Spanier auf dieſe Weiſe nicht. im Stande waren, ihren Entzweck zu erreichen .

S.

242 .

Sobald man mit den Laufgråben ſich der Feſtung genugſam genähert hatte , wurden die Batterien oder Geſchükſtånde errichtet, die zweierlei Beſtimmung þatten : Die Flanken und Wålle berunter zu ſchieſſen , und dann in den Hauptwall ſelbſt Breſche zu legen . Gewóbulich war daber ihre Richtung ,þalbmondenfor: mig , ſo daß die Flügel die Flanken der Bouwerke þerabſtürzten , während die mittlere Batterie die Kurs tine zum Sturm beſchoß b ). Als jedoch die Auſſen : werte håufiger wurden , norhigten dieſe die Belagerer : den Angriff gegen die Spiße oder vielmehr gegen eine Face a ) Carnero a. a . 0. lib . 15. cap. 9 . b ) Hier, Cataneo del Arte militare Cap. 6. fig. 18 et 19.

Bb 2

1

1 III.

374

Zeitraum .

Façe eines Ravelins, oder Bollwerkes zu richten , wo man nur Eine Deckung gegen die Streichwebren der Feſtung nöthig hatte, und deshalb einen Theil des Ges ſchüßes zu einein zweiten Angriffe brauchen

konnte.

Man rechnete fierbei vorzüglich auf die erhobeten Bat: terien und ſpahrte weder Zeit noch Geld , um durch ſie den Hauptwal ſelbſt zu überhöhen und ihn mit plon: So war die girenden oder Senkſchuſſen zu treffen. erhobete Batterie, welche Morif . von Qranien 1592 in der Belagerung von Steenwick erbauete, 19 Fuß hoch und für 3 Kanonen eingerichtet. noch merkwürdigeres Beiſpiel von der Groſſe dieſer Batterien oder Katzen

ma

Ein

ungebeuern Piatta for.

giebt uns die, welche der Prinz von Parma

1579'in der Belagerung von Maſtricht anlegen lies. Sie war iis Fuß ins Gevierte groß , und bis 135 Fuß hoch, von eingerammten Pfåblen, Faſchinen und Flechtwerk verfertiget, mit einer Bruſtwebr von Flecht: werk und Erde verſehen und mit drei Kanonen berezt ").

S.

243 .

Eine andere Anwendung der erhöheten Batterien war : vermittelſt ihrer die Kurtine der Långe nach zu enfiliren . ) , und Aleſſandro Capo Bianco nach c ) Strada. Dec. 2. p . 114. Alexander Farnere, Herzog von Parma und Piacenza gehörte ohnſtreis tig zu den geſchickteſten und thåtigſten Feldherren jenes an Nádhſt den groſſen Generalen ſo reichen Zeitalters. Bortheil : die beſten Ingenieure und Artilleriſten in ſei: nen Dienſten zu haben , verband er ſelbſt tiefe Kenntniſſe in die fortifikazion und die mechaniſchen Künſte. Einer ſeiner vertrauteſten Günſtlinge war der Hauptmann Rhosne , dem man damals größtentheils den glücklis chen Erfolg der Unternehmungen des Prinzen zuſchrieb. d ) Corona dell'artigliria Venet. 1598. fol. 57. p .

1

.

8. Angriff und Vertheidigung.

375

nach ihm Hieronimo Cataneo halten dieſe Schüſſe für ſehr wirkſam , die Belagerten von dem Wallgange zu vertreiben und ihr Geſchüß zu ruiniren . Die Spas nier bedienten ſich ihrer ſchon in der Belagerung von Harlem 1572 , indem ſie eine Batterie auf dem von ihnen eroberten Ravelin errichteten und mit ihr die Bollwerts: Façen beſtrichen , auch erhellet aus der Geſchichte mehrerer Belagerungen , daß ſie in der Fols ge öfterer auf dieſe Weiſe gebraucht worden ſind.

S.

244 .

Zu dem Breſcheſchieſſen wurden entweder horizon : tale Batterien errichtet , deren Bruſtwehr mehrentheils aus Schanzkörben beſtand , die oft Zehn Fuß hoch waren ; oder ſie wurden in das Glaçis des Bedeckten Weges verſenkt. Die lezteren wurden beſonders in Frankreich wåþrend der bürgerlichen Kriege von Heins rich dem Vierten öfters gebraucht , in den Nieder: landen aber , wo ihnen das Terrain nur an wenig Orten günſtig war , zuerſt von D. { uis Velasco bei der Belagerung von Rheinbergen angelegt '). S.

245 .

Sowohl zum Angriff als zur Vertheidigung be: į diente man ſich in dieſem Kriege reør oft der ſeit etwa funfzig Jahren aufgekommenen ſchwimmenden Battes rien und Reduten . Im Jaþr 1574 verſaben die Nic: derlånder, um die von den Spaniern belagerte Stadt Senden zu entſeken , groſſe Kornfchuyten mit Blendun : gen von doppelten dicken Planten , zwiſchen die man alte naßgemachte Neße geſtopft hatte, um ſie Kanonen . ſchußfrei zu machen .

Dieſe Schuyten ſowohl

e) Diego Uffano Artiller. I , Dial. 16.

Bb 3

als eine

376

a

III .

Zeitr

eine groſſe ſchwimmende

u m .

Batterie ,

die arche yon

1

Delft genannt, waren mit Geſchůk beſezt, und legtere, die auf Zwei mit einander verbundenen Schiffen ruhte, þatte das Eigenthümliche : daß ſie nicht mit Seegel und Rudern , ſondern durch Råder, von Zwolf Mann ge: drebet , beweger ward ' ). Auch bei der Belagerung von Venlo eroberte der Prinz von Parma das mitten im Waſſer liegende Fort durch drei ſchwimmen : de Batterien oder Reduten , die eine Bruſtwebr von Wolfåcken hatten , und mit einigen Feldſtůcken berezt waren. Von minder glücklichem Erfolg war die un: gebeuere Maſchine

der Antwerper ,

fin de la guerra

genannt , über die fie Sieben Monath gearbeitet und an die ſie Hundert Tauſend Gulden verwendet hatten. Sie beſtand aus einer groſſen Floſie, wechsſelsweiſe yon ſtarken Stämmen und leeren Tonnen zuſammen geſezt und mit einem Verdeck verſehen , auf dem fich Tauſend Musketiere befanden , da der untere Raum auf jeder Seite Sechs Kanonen enthielt.

Eine Zwolf

Fuß dicke Bruſtwehr von Kaſten , mit feſtgeſtampfter Schafwolle und Schifftauen angefüllt, ficherte die Be: fakung Pelbſt gegen feindliche Kanonenſchüſſe, und Zwei Maſten mit dem nöthigen Tackelwerk ſollten dies ſes Schwimmende Blockhaus fortbewegen . Ulein , als es gebraucht werden ſollte , blieb es am Ufer auf dem Grunde ſitzen , ſo daß es durch alle Bemibung der Schiffleute nid)t: wieder flott gemacht werden konnte, ſondern von der Berakung verlaſſen werden mußte, und nachher in die Hände der Spanier fiel 5) , Dine Zweifel würde eine ånliche Schwimmende Batte: rie,

von dem vorher erwähnten Pompeo Targone in

f) Meteeren 5 B. S. 205. 5 ) Strada Dec. 2. p . 352. Meteeren 12 Buch S. 485. Carnero lib . 7 ; cap. 6 .

1

u

377

8. Angriff und Vertheidigung.

in der Belagerung von Oftende aus Faſchinenwerk auf Fahrzeugen erbauet, daſſelbe Schickſal gehabt haben ; allein, ſie ward nicht gebraucht , weil ſie wegen ihrer Laſt von

der ſteigenden

konnte , und

Fluth nicht

weil man fürchten

gehoben werden

mußte ,

ſie werde

entweder von den Belagerten in Brand geſtecket ,

oder

von einem etwa entſtehenden Sturme umgeſtürzt und -zerriſſen werden .

S.

246 .

Wenn die Batterien fertig uund mit Geſchüt vers feßen waren , machte man von ihnen ein beftiges Feuer auf die Werte der Stadt , um das Geſchüß der Belas gerten zu deniontiren und ihre Bruſtwebren ab zu uffano " ) rechnet hier Acht Schuß in kammen. Einer Stunde für das Höchſte, was man thun kann, welches auch wirklich mit mehreren damals gemachten Erfahrungen übereinſtimint, In der Belagerung von Harlem ( im Dezember 1972) wurden mit Vierzehen ſchweren Kanonen einmal 680 und das andere mal 750 in Einem

Tage gethan :).

Daſſelbe Verhältniß

findet ſich auch bei der Belagerang von Sluys 15871 woſelbſt mit 30 Karthaunen

und 8 Kolubrinen von

Drei Uhr Morgens bis um Fünf Uộr Nachmittags 4000 Schüſſe geſchaben. Es läßt ſich auch wirklich teine gröſſere Geſchwindigkeit gedenken , wenn man die damalige langweilige Bedienung des Geſchüßes erwås get, das mit der Ladeſchaufel geladen wurde, und bei dem die Richtung wegen der Gröſſe und Schwere des Roh, res ebenfalls nur ſehr langſain von ftatten gieng.

h ) Artilleria Dial. 2 ; Tratt. I. i ) Carnero a . a. 0. lib . 2 ; cap. 8. 10360 Schúffe auf die Stadt.

36.4

Es geſchahen in Adem

$. 247

378

INI. Zeitraum .

B.

247 .

Auſſer den Kanonen wurden auch die Mörſer rehr Håufig bei Belagerungen gebraucht. In der Belage: rung von Gröningen 1594 findet man ein förmliches Bombardement. Um Tage ward niemlich die Stadt mit Kanonen beſchoſſen ; des Nachts aber durch Kunſtfeuer geånſtiget , die man aus eiſernen Mörſern , in die Stadt warf ). S.

248 .

Während dem Feuer dieſer Batterien giengen die Belagerungsarbeiten ununterbrochen fort. Man růck : te mit der Sappe immer weiter vorwårts , und ſuchte durch ein gut vertheiltes Musketenfeuer' das Geſchüß zu unterſtüßen und die Vertheidiger von den Willen zu treiben, um ſie an der Ausbeſſerung des durch die Ra: nonenkugeln verurſachten Schadens zu hindern und

7

Den Sturm zu erleichtern. Wegen der Nähe der feinds lichen Werke mußte man hier nothwendig darauf be: dacht ſein , ſich ſo ſchnell als möglich gegen das Muste: tenfeuer zu decken ; und wahrſcheinlich brachte bier Pom : peo Juftinian , dem Spinola bei der Einnahme von Oſtende ſehr viel zu danken hatte, zuerſt die Al úch : Sappe volante - auf, indem er des tige Sappe Nachts btos die Schanzkörbe in der Linie der Saufgrå: ben reken , und fie alsdenn am folgenden Tage mit Erde füllen und die Sappe jut iører Vollkommenheit Sringen lies, zu derſelben Abſicht bediente man ſich auch der Blinden , indem man Säulen in die Erde grub , fie durch Queerſtangen verband , und an dieſe Råhmen aufrecht ſteßende lange Faſchinen von ſtarken , Blåtter: loren, Aeſten befeſtigte. Nicht minder wurden bei die: ſer Gelegenşeit die Chandeliers erfunden , die aus einem

b) Chappuy Liv. 9 ; No. II,

1

8.

Angriff und Vertheidigung.

379

einem Sohlbalfen mit zwei aufrecht ſtehenden Säulen fufammen geſezt wurden , zwiſchen die man alsdenn Faſchinen legte , um dadurch eine Bruſtwehr gegen die feindlichen Kugeln zu erhalten :). Solche, von Chan: deliers und Faſchinen verfertigte Bruſtwebren wur : den öfters auch durch unten angebrachte Tonnen ſchwimis. mend gemacht und während der Fluthzeit vorgebracht, woſelbſt man die Tonnen hinweg nahm , daß ſie feſt blieben und nach eingetretener Ebbe zur Deckung dienten.

S.

249 .

Um die noch üblichen ſehr hohen Hauptwalle und Stad :mauern beſſer überſehen zu können , führten die Spanier vor Harlem auf einem eroberten , aber hina ' . ten von den Belagerten abgeſchnittenem Bollwerke einen hohen Kavalier auf, auf dieſen Kavalier ſtellten ſie in

meg

i

noch Vier . Maſtbåume, an den ſie ein hölzernes , oben und hinten offnes Häuschen mit Seiten þinan fogen . Dieſes Håuschen war mit einigen Hafenſchůt: jen beſezt , welche die Straſſen in der Stadt ſehr un ſicher machten . Die Belagerten trafen jedoch mit

ifrem Geſchüß die Seile, an den das Häuschen hieng , daß es mit den darinnen befindlichen Soldaten þerabſtürzte. Man ſchraubte fierauf eine Art Maſt: korb vermittelſt einer Ucht Fuß hohen Schraube pins auf, wodurch man die Beſchaffenheit des gemachten Abſchnittes genau zu unterſuchen im Stande war "), Auch vor Steenwick bediente fich Prinz Morij von Oranien eines' viereckigen Hölzernen Thurmes, der Sieben Stockwerte, fedes zu 12 Fuß, hoch war, und i) Carnero a. a. D. lib . 15 ; cap. 1o.

k) Neteeren 4 B. 8. 169. Bbs

380

III.

Zeitraum .

und oben eine Bruſtwebr .von Sacktuch hatte. Von dieſem Thurme ſchoſſen die Niederländer nicht nur die Soldaten auf dem Walle , ſondern auch die Bürger in der Stadt todt, ſo daß fich niemand auf den Gaſſen fehen laſſen durfte . Die Belagerten füþrten aber Zwei Kanonen gegen den Thurin auf und ſchoſſen das obere Stockwerk herunter, wodurch die Maſchine un: brauchbar ward ').

$.

250.

Man hatte verſchiedene Mittel, über den Graben zu kommen , indem man ibn entweder mit Faſchinen füll: te ;

oder aber , welches das gewöhnlichere war , man bediente ſich der Sturmbrůcken , deren es eine zahlloſe Menge gab , und deren tåglich neue erfunden wurden. Sie hatten zweierlei Beſtimmung : entweder den Mis nirer über den Graben zu bringen , oder bei ſchnellen Unternehmungen oder auch beim Hauptſturm für die Truppen zum Uebergang zu dienen. Erſtere waren nur ſehr einfach , und rubeten auf kleinen Fabrzeugen oder leeren Fäſſern ; von den anderen aber werde ich weiter unten reden . In einen trocknen : Graben ſtieg man durch eine bedeckte Gallerie binab , paſfirte ihn vers mittelſt der Sappe, und þieng dann den Minirer an den Hauptwall. Hier in der Nähe der feindlichen Werke war dieſe Arbeit mit der größten Gefahr verbunden , beſonders wenn man wegen des niedrigen Horizontes

init der

Sappe nicht tief genug gehen konnte. Der Pring von Parma lies daher vor Stuns 1587 Hölzerne Kaſten machen , zwölf Fuß lang und drei Fuß breit, die an den Seiten Räder , in der Vorderwand aber Sdießlocher für die Musketen þatten und durch Sands fåcke !) Meteeren cap . 23 .

Buch 16 ;

8. 694,

Carnero lib. 9 ;

1:

8.

Angriff und Vertheidigung.

381

fäcke ſchußfrei gemacht wurden m) . Noch mehr Si: cherheit gewährte ohnſtreitig die von den neueren Kriegsbaumeiſtern ſo genannte Erdt alge , eine ur: ſprünglich Türkiſche Erfindung, die hier zuerſt in der Belagerung von Deventer 1978 von dem Nieder: ländiſchen Oberſten Sonnoy angewandt Man fieng nemlich in einiger Entfernung

wurde "). von dem

Hauptgraben und paralel mit demſelben eine Trans rohee an , und näherte ſich aus dieſer dem Graben, indem man die Erde Bergånlich vor ſich her trieb, bis man damit an den Rand des Grabens kanı , und ihn durch die auf einmal hineingeſtürzte Erde füllen konnte. Zwar kam dieſe Arbeit nicht völlig zu Stande, ſondern blieb liegen ; in der Folge aber ward ſie mehrmals wieder vorgenommen und die Niederländer drangen 1592 auf dieſe Weiſe in den Graben der von ihnen belagerten Stadt Steenwick.

S.

251 .

Qbſchon in den vorigen Zeiten bei den Heeren bez ſondere Pionniere , oder zur Schanzarbeit beſtimms te Leute ſich befanden , habe ich doch oben einige Beis ſpiele augeführt , daß auch die Soldaten bierzu ge: Weil dies nun aber ihnen nicht ei: braucht wurden . gentlich zułam , lies der Prinz von Oranien die mit dem Aufwerfen der Verſchanzungen beſchäftigten Soldaten übrigens Dienſtfrei , und bezahle jedem zehn Es iſt dies das bis zwölf Stůyer folland , täglich ) . Erſte mal, daß des Gebräuches erwähnt wird : die Schanzarbeit zu bezahlen , den man während dieſes Krieges in der Folge beſtändig wieder findet. Die in Hulſa m) Strada Dec. 2, p. 493. Carnero lib. 8. cap. 8 . n ) Meteeren Buch 8 , S. 299. 0) Ebendaſ. Buch 17, S. 703.

382

IN

Zeitraum .

Hulſt 1596 belagerten Niederländer bezahlten den Soldaten die Arbeit an den Abſchnitten hinter der Breſche, wo Zwolf Mann Täglich Eine Rheinl. Ru: the fertig machten und dafür 36 Fl. Holland. erhiel: ten P). Auch die Minenarbeit verdingte Prinz M 0: riz von Oranien , ſo daß vor Rheinberg eine Mine unter einem Baſtion in Vier Tagen zu beendi: gen “ mit 1200 Fl. bezahlt ward. Bei den Franzoſen führte Heinrich der Vierte 1997 in der Belages rung von Umiens zuerſt die Bezahlung der Schanzs arbeit an die Soldaten ein , weil die eigentlichen Pion: niere bei den Håufigen Ausfällen der Belagerten immer davon liefen . Auch der bekannte Sully lies als Heinrichs Feldzeugmeiſter bei dem Angriff des Schloſſes Charbonnieres im Jahr 1600 Sechs Kano: nen durch 200 Soldaten auf einen ſteilen Berg brins gen , und gab jedem Einen Thaler dafür. Der Vert dienſt der Getódteren ward hier wie dort gewöhnlich an die Lebenden vertbeilt,

S.

252.

Während aller dieſer Arbeiten der Belagerer was rien die Belagerten keinesweges untgåtig ; ja , es ſcheint beinahe , als fåtten ſie ſich damals der Vortheile bes: ſer zu bedienen gewußt , die ihnen die Feſtungswerke gegen den im Felde unbedeckten ångreifer gewährten , als es in den neuern Zeiten geſchießet, wo nach dem Berluſt des Bedeckten Weges gewöhnlich auch die Feſtung ſchon tapituliret. So lange ſie noch Zeit und Raum dazu þat: ten , ſuchten ſie den Belagerer durch erbayete Forts und Gegen :Approfchen , die ſich bald in form : liche Auſſenwerke verwandelten , von der Feſtung

durch

entfernt zu falten . Die in Sluys belagerten Nieder: lånder P ) Meteeren Buch 18 , S. 768.

1

8. Angriff und Vertheidigung.

383

lånder bedienten ſich zu dieſem Entzweck mit Erde an: gefüllter Fåſſer oder Tonnen , weil der wäſſeriche Bus den der gewöhnlichen Laufgraben : Urbeit nicht günſtig war ; und dieſe Art Verſchanzungen ward unter dem Namen der Tonnelaten in der Folge dfterer anges wendet.

S.

253 .

Die durfenwerke und Contra : Approrchen waren den gåufigen Ausfällen ſehr günſtig , durch die man in jenem Zeitraume die Arbeiten der Belagerer Allein , man aufzuhalten und zu zerſtöhren ſuchte. bediente ſich dieſes Mittels , das zu rechter Zeit ange: wendet, felten ſeiner Wirkung verfehlet , nur zu gåufig , als daß die dadurch verurſachte Schwächung der Bes fakung nicht oft þåtte die Uebergabe der Feſtung nach s

*

fich ziehen ſollen. Es war dem Genius der Zeit ſo an: gemeſſen : den Feind mit dem Degen in der Fauſt in feinen eignen laufgråben anzugreifen ; daß ein Gou : verneur ohngezweifelt ſich den Vorwurf der Feighers zigkeit zugezogen und ſich bei ſeinen Soldaten veråchta lich gemacht baben würde ,

der nicht gleich nach Ers

offnung der Laufgråben dem Feind durch öftere Ausfälle möglichſten Abbruch zu thun ſuchte. Die Belagerer waren daher genöthiget: ihre Laufgråben durch an den Biegungen angelegte Reduten zu decken, die man mit Musketierern und Feldkanonen beſezte, um durch fie die Ausfallenden zurück zu treiben.

S.

254 .

Eine Zweite Beſtimmung der Ausfälle war : die Linie des Belagerers zu durchbrechen und die Gemein: ſchaft mit einer andern nahe liegenden Feſtung oder mit Dies einem dieſſeitigen Truppenkprps zu unterhalten . war um ſo nothwendiger , weil bei der langen Dauer der

384

III.

Zeitraum .

der Belagerungen die Lebensmittel felten oder nie für die ganze Zeit hinreichten . Die Belagerten boten des:

ho

halb oft alles auf , um dieſen Entzweck zu erreichen , und nicht ſelten gelang es ihnen , wenn beſonders die {age der Feſtung ihre Unternehmungen begünſtigte, wie dies der Fall bei Oſtende war , das ſich nur allein da : durch ſo lange gegen die mit eben ſoviel Muth als Kunſt geführten Angriffe der Spanier erhielt. Min : der glücklich waren die Niederländer in Untwerpen gegen den Prinzen von Parma, welcher der Stadt durch die oben ( S. 239. ) beſchriebene Brücke alle Ge: meinſchaft mit der zum Entfak þerbei gekommenen nie: Um dieſe derländiſchen Flotte abgeſchnitten hatte. Brücke zu zerſprengen , verlangte der Kriegsbaumeiſter Jambelli 9) drei groſſe Schiffe von iso bis soo Tonnen und 60 Flußfahrzeuge mit platten Böden , die er durch Ketten, Seile und Maſtbåume zuſammen ver: bunden , in Form eines halben Monden , gegen die Brücke herab treiben laſſen wollte. Weil man jedoch einiges Mißtrauen in ſeine Kunſt ſezte , geſtand ihm der Gouverneur von Antwerpen , der Herr von St. Aldegonde , nur Zwei Schiffe von 70 bis 80 Ton: nen und 10 Flache Fahrzeuge zu "). Die erſteren vers ſabe Jambelli mit einem Kaſten von Ziegelſteinen , inwendig 3 Fuß breit und hoch, und 40 Fuß lang, oben 6 Fuß hoch, dachförmig mit leichenſteinen , Mühl: und andern groſſen Steinen übermauert, damit die Wir :

9) Dieſer Mann war eigentlich aus Mantua gebürtig, hatte ſich aber in 4 ntwerpen verheirathet , und ward van der Königin Eliſabeth ſehr geſchåzt , von der er auch einen Jahrgehalt genoß .

r ) Meteer en B. 12, S. 497. Strada ſagt Dec. 2. P. 336. es feien zum Erften male Bier grofie Schiffe und Dreizehn flache Fahrzeuge zugerüſtet worden .

ge de

8. Angriff und Vértheidigung.

385

Wirkung der Mine meşr ſeitwärts gehen ſollte. Dieſe war mit 6000 Pfund des feinſten Pulvers geladen , und unter dem Dache lagen eiſerne und ſteinerne Ku: geln , Ketten , Någeln , Klammern und andere fchåd liche Dinge. Der noch übrige Raum «zwiſchen dent Bord des Schiffes und den Seitenwånden der Mine ward mit Balken , durch eiſerne Bolzen verbunden , und mit einem Mauerwerk von Quaderſteinen ausges füllet ; alles aber ward mit ſtarken Balken und mit Dielen bedeckt, damit das Schiff durch die darauf an : gezündeten feuerfangenden Materien das Anfehen eines gewöhnlichen Branders erhielt. Um der Mine zur ge: þörigen Zeit Feuer zu geben , war ein Uhrwerk darin: nen angebracht , das genau nur die erforderliche Zeit lief , dann aber vermittelſt eines losſchlagenden Mus. ketenſchloſſes das Leitfeuer zündete. Mit dieſen Mis nenſchiffen giengen die anderen )

Schiffe, zu bloffen

Brandern eingerichtet , zugleich ab, doch mehr um die gefarvolle Kriegsliſt zu verbergen als um ſelbſt Scha: den zu thun , denn ſie wurden theils von dem Strome an das Ufer geworfen , theils waren ſie zu ſchwach , das Vorwert der Brücke zu durchbrechen *). Von

den Ueber das rúftete er noch 32 eteeren ſagt 1. c. groſſe Schuyten oder tleine Playten mit Feuerwert aus, deren je 8 mit Ketten an einander geheftet , ſollten des Strom brennend heruntertreiben ; auch hatte er noch ets liche Schiffe mit Pulver zc.” 1) Es war ein prachtvoller Anblick, ſagt Strada 1. c . p. 337. die brennenden Fahrzeuge den Strom herabſchwimmen zu ſehen , wie ſie das Ufer und die Brücke mit ihren Flamns men erleuchteten , daß die Rüſtung und das Gewehr der auf dem Ufer ſowohl als der Brücke in langen Reihen ges ordneten Schaaren in ihrem Widerſcheine glänzten. Sie zu ſehen erregte ein Grauenvolles Vergnügen , weil man ungewiß war , welches mohl thre Beſtimmung ſein könne , und ob ſie nicht verderben in ihrem Inneren trügen ? )

1

386

II. Ze i tr a u m .

den Vier Minenſchiffen ward das eine leck , und ver: fanf mitten im Strome ; Zwei andere wurden von dem Winde an das Ufer getrieben ; und nur das lezte traf auf die vor der Brücke gelegten Floßwerke , die es ohne groſſe Schwierigkeit durchbrach. Es kam jest bis an das Pfablwerk der Brücke , wo die Mine an: mittelbar darauf ſprang und eine ungebeuere Verwů: ſtung anrichtete " ). Drei Schiffe wurden verſenkt, viele andere beſchädiget. Die Anzahl der Todten er: ſtreckte ſich auf Achthundert , ohne die Verwundeten. Dennoch ward die Brücke durch die Thätigkeit des Prinzen von Parma in ſoweit wieder hergeſtellt, daß die Belagerten bei Unbruch des Tages den verurſachten Schaden nicht bemerken konnten , und den vorgebab: ten Ungriff auf die Brücke unterlieſſen . Um die Brücke in Zukunft gegen ånliche Unter: nehmungen zu ſichern , wurden theils die Schiffe fo eins gerichtet , daß man mitten im Strome einige heraus der Erſte Durchlaß bei Kriege: nehmen konnte brücken ,

deſſen in der Geſchichte erwähnt wird ;

theils mußten auch mehrere kleine Ruderfahrzeuge, nach der Angabe eines Engelländers mit Ankern und Hafen ausgerüſtet , des Nachts oberhalb der Brüde hin und her fahren , um feindliche Feuermaſchinen und Brander auf zu fangen , und mit den Ankern am Ufer Dadurch blieb auch wirklich ein Zweis zu befeſtigen. tes ånliches Unterne men der Belagerten fruchtlos, weit

u ) 218 die Mine mit einem fürchterlichen Krachen ſpielte, ſtreuete fie Balfen , und anderes Holzwert der Brücke, Geſchůk , Gewehr, Soldaten , und Schiffleute wie der Wind das důrre Laub umher ; ſagt Strada l . c . p. 339. Das Waſſer der Schelde trat aus ſeinen Ufern und ſtand in Fort St. Naria Einen Fuß hoch ; und die groſſen Grabſteine wurden bis auf 1000 Schritt weit vom fortgeſchleudert.

Flulle

8.

Angriff und Vertheidigung.

387

weil die Spanier die ankommenden Minenſchiffe fos gleich durch die Brücke geben lieſſen , daß ſie am Uus: Denn die fluß der Schelde ohne Schaden ſpielten. Niederländer lieſſen abermals Sechs Minenſchiffe und acht gewöhnliche Brander gegen die Brücke abgeben , vor den

Siebenzehn kleine

ſchwimmende Maſchinen

oder Floſſen bergiengen aus angebohrten Fahrzeugen und leeren Tonnen zuſammengeſezt , ſo daß fie nur Einen Fuß voch aus dem Waſſer hervorragten , dens Sie konnten auf dieſe noch aber ſinffret waren. Weiſe nicht von den vorſtehenden Spiken des vor deč Brücke liegenden Floßwerkes aufgefangen werden , ſons dern mußten dies um fo leichter durchbrechen . Um zugleich die Minenſchiffe beſſer in ihrer Richtung zu erhalten , daß ſie nicht wieder von dem Winde feitwårts an das Ufer getrieben würden ; *

erfand ein Arbeiter des

Jambelli, ein Deutſcher von Geburt , folgendes Mittel : Er brachte unter dem Vordertheile des Schifs fes im Waſſer ein groſſes Seegel an ,

das von dem

Strome ſelbſt angeſchwellet nicht allein dein Fahrzeuge eine gröſſere Geſchwindigkeit mittheilte , ſondern auch das Abtreiben Beffelben verhinderte. Die 1587 in Sluns belagerten Niederländer růſteten ein ånliches Minenſchiff zu ; es that jedoch keine Wirkung , weit die Brücke von den Spaniern ſchon im Voraus mit einem Durchlaß verſehen worden war. 3

S.

255.

Die Ausfälle oder überħaupt der Belagerungskrieg gab auch in dieſem Zeitraume einer Einrichtung ihr Daſein , die man wegen ihrer anerkannten Nüßlichkeit bis auf unſere Zeiten beibehalten hat. Weil die Auss fälle immer mit vieler Gefahr verbunden ſind , und das þer leute von erprobter Herzhaftigkeit erfordern , wars den Soyer's neuere Briegek. I. Th ..

388

III . 3 eitraum .

den in dem 1603 von den Niederländern belagerten Herzogenbuſch zu einem Ausfalle 3500 Mann aus allen Regimentern gezogen und in Kompagnjen formis

1 ret , die keine Fahnen führten , ſondern genau das wa; ren , was in den ſpäteren Epofen die Freiwilligen Batatllone find ) , Dieſelbe Einrichtung findet man bei Spinola wieder, als er 1607 zum Entfaß von Grol marſchirte. Er zog bier 1200 Mann aus dem gans jen Heere , worunter ſich auch die Volontaire Entretenidos und andere aus ſeiner Suite befanden, gab ihnen Zwei Kanonen mit , und lies ſie die Uvant: garde machen w ).

Es war zwar ſchon lange gewohn:

lich geweſen , ſich kleiner Detaſchementer Freiwilliger zu wichtigen Unternehmungen zu bedienen , ſie bei Stúr: men an die Spiße der angreifenden Kolonnen zu ſtellen u . P. w . allein man findet nirgends, daß ſie in ordent: liche Kompagnien und Regimenter formiret wurden , wie von dieſer Zeit an.

S.

1

256.

3

Gegen die enfilirenden Schüſſe der hohen Batte: rien ſuchte man ſich wahrſcheinlich zuerſt in Harlem 1572 durch angelegte Queerwålte oder Traverſen zu decken , und hier ſo wie überhaupt bei allen in einer belagerten Stadt vorfallenden Schanzarbeiten wirkten immer die Weiber ſebr thårig mit. Dies war beſona ders der Fal bei den Niederländern , wo die Bürger einen Theil der Berakung ausmachten , und daher bei der eigentlichen Vertheidigung ſelbſt unentbehrlich was ren . Vorzüglich zeichnete ſich hierinnen die Gemahlin des Gouverneurs zu Cambray , Baligni aus , die in der Belagerung dieſer Stadt 1595, Tag und Nacht auf v ). Meteeren Buch 24 ; S. 1069 . w ) Chappuys. Liv . 15 ; p. 170 .

1

W

8. Angriff und Vertheidigung.

389

auf dem Walle war, die Poſten viſitirte und die Uus: beſſerung der eingeſchoſſenen Stellen des Walles mit ihrem Frauenzinmier beſorgte * ).

S.

257.

Sobald man rahe, daß der Feind anfieng Breſche zu ſchieſſen ; war man auch darauf bedacht , hinter derſelben einen Abſdynitt an zu legen , der entweder þalbmondenförmig herum lief, oder wohl auch aus: ſpringende Winkel und das Anſehen einer neuen Polya gon batte , je nachdem der Angriff gegen die Kurtine oder gegen ein Bollwerk gerichtet war. In der Be lagerung von Maſtricht

1979 batten die Belagerten þinter der Breſche einen folchen Abſchnitt mit einem dreißig Ellen tiefen Graben gemacht '). Keine Belas gerung zeichnete ſich jedoch mehr durch den Widerſtand der Belagerten nach ſchon erobertem Hauptwalie aus, als Oſtende, wo die angegriffenen Bollwerfe mitten durch einen ſtarken Kanonenſchußfreien und gut plans quirten Abſchnitt batten , deſſen Graben durch hölzerne Kaponieren vertþeidiget ward ?). Man findet die: fer Kaponieren von ſtarkein , Musketenſchußfreien Holzwerk mit Schießlochern , vorber nicht erwähnt , ſondern ſie ſind wahrſcheinlich hier um das Jahr 1604 zuerſt eingeführet und gebraucht worden . Die Belas gerten bedienten ſich ibrer unter dem Namen Cofans überall, wo ſie gegen das Kanonenfeuer gedeckt waren : in den Reblen der Bollwerke, in der Mitte der Kurti : nen , in den trocknen Gråben u. ſ. w. wo ſie den Spa : niern x) Carnero a. a. 0. lib. II, cap. 16. y ) Strada Dec. 2; lib . 3. zu Anfange. 2) Chappuys a . a . D. Liv . 13 , pag. 100 feq. Ec 2

III,

390

Zeitra u m.

niern immer ſehr låſtig waren , und ſie oft nöthigten, einige Kanonen gegen ſie auf zu führen . Uls die Spanier fich endlich auch dieſes Abſchnit: tes bemeiſtert hatten , fanden ſie einen zweiten dahinter, eben ſo wie den erſten mit einem breiten Waſſergraben, Auſſenwerken und einem bedeckten Wege befeſtigten.

1

Während ſie aber ſich damit beſchäftigten , dieſen zwei: ten Abſchnitt zu erobern ; hatten die Belagerten hinter demſelben noch einen dritten angeleget. Sie entſchlos: ſen ſich jedoch die Stadt zu übergeben, weil der innere, ihnen noch übrige Raum immer enger und beſchrånkter ward , auch faſt von allen Seiten her von dem feindli: chen Geſchüß beſtrichen werden konnte.

S.

258 .

Um die trocknen Gråben ter Feſtungen zu vertþei: digen , fieng man auch an ſich der Schleuffen zu bedie nen , mit den man das Waſſer eines naße vorbeiflies: fenden Fluſſes anſchwellte und dadurch in den Graben trieb.

Der Spaniſche Gouverneur von Amiens, Hers

nandello bediente ſich dieſes Mittels , als im Jahr 1997 die Franzoſen die Stadt belagerten , und ſich im trocknen Graben feſtgeſezt , auch eine Kaſematte an der einer Petarde er:

Spiße des Ravelins vermittelſt

Das von ißm aufgeftauete Waſſer der obert hatten . Somme ſtürzte mit der größten Heftigkeit in den Gra: ben ,

riß alle Sappen und Logementer der Franzoſen

mit fich fort, und überſchwemmte ihre Minengallerien . Die in Oſtende belagerten Niederlånder wendeten die 41 Schleuſen ebenfalls zu ibrer Vertheidigung an ; ein Mittel, deſſen ſich überhaupt dieſe Nazion ſebr Håufig ſowohl damals als in der Folge bediente , und dem fie es zum Theil mit zu verdanken bat , daß ſie nicht von den Spaniern überwältiget ward. ; $. 259.

8. Angriff und Vertheidigung.

391

259.

S.

Wenn die Bruſtwehren und die Flanken der Fes ftung herunter geſchoſſen waren , ſchoß man mit dem Geſchüß vollends Breſche , oder man ſuchte dfterer Obſchon nun das noch es durch Minen zu bewirken . Verfahren ſchon bekannt war : die Galerien durch Kompaß und Winkelmaaß auf den verlangten Punkt zu führen , denn Fohann Baptiſta plato des Prinzen von Parma Kiregsbaumeiſter legte auf dieſe Art die vornehmſte -Mine vor Maſtricht an ; war es ſondern luis Collado hat das Verdienſt , die Minirwiſſenſchaft zuerſt auf eine wiffenſchaftliche Weiſe behandelt und die ſpåteren Kriegsbaumeiſter unterrichtet zu haben a ). Die Minen wurden daber auch fowohl von den Belagerern als von

doch keinesweges allgemein ,

den Belagerten ſehr gåufig gebraucht, und vor Mas : Giengen tricht 1579 allein 22 Minen gafprengt b ). nun die Belagerten dem Feinde durch Gegenminen ents gegen , entſtanden öfters ſehr blutige Gefechte in den Galerien . So bauerte bei der Belagerung von Sluns das Gefecht in den Minen fünf Stunden , und es blie : Man fuchte jedoch ben gegen 700 Mann darinnen ). dfterer einander durch Rauch , den man ſich mit gros . fen Schmiedebålgen zublies , oder auch durch Kunſtfeuer zu vertreiben ; ja die in Maſtricht ( 1579 ), belagerten Niederlånder bedienten ſich des fiedenden Waſſers zu . dieſer Abſicht , womit ſie die Spaniſchen Minirer aus Um die lezteren dennoch zu bes den Gallerien jagten . þaupten , verfabe der Prinz von Parma feine Minis rer a) In ſeinem Trattato de Artilleria lib . 4 ; cap. 1.14 . b ) Meteeren Budy 9 ; G. 344. c ) Ebendaſ. 14 Buch S. 576. Ec 3

392

III.

Beitra u m .

rer mit daumensdicken hölzernen Schilden , die unten einen Fuß und oben ein kleines Schießloch zu der Piſto: te Batten, womit der Minirer nun gedeckt auf den Nie. derlånder ſchoß und fich dadurch der Gallerie bemei: ſterte.

S.

260.

Sobald man auf die eine oder die andere Art eine Sturmlücke erhalten hatte , gieng man über den Gras ben und ſtürmte das angegriffene Werk. Da nun in den Niederlanden die meiſten Stådte Waſſergraben hatten , wurden verſchiedene Arten von Sturinbrücken erfunden und angewendet , weil die oben (S. 250.) er : 11

wähnte Erdwalze bei dieſen nicht anwendbar war, Pompeo Targone gab in der Belagerung von Oſtende eine ſolche Sturmbrůcke an .) ; allein , gleich bei dem Erſten Verſuch zerbrach verſchiedenes Holz : und Eiſenwerk daran , daß fie nicht gebraucht werden ſtarten Wagen mit konnte. Sie beſtand aus einem Vier metalnen Rådern , 24 Palmen hoch , und 4 breit. Auf der Mitte dieſes Wagens ſtand ein Maſtbaum , so Fuß hoch , an dem Ucht Brücken mit Tauen auf: gezogen wurden , qus ſtarken Seilen an Sparren übers Kreuß geflochten .

Die ganze Maſchine rollte durch

Vierzig Pferde fortbeweget werden. Beſſer und bequemer war die Brücke ,

die Ear:

9011e, in der Belagerung von Lingen 160s auf Ton: nen verfertigte, um darauf über den Graben zu gehen, nachdem ein Theil deſſelben mit Waſſerfaſchinen ange: füllet worden , war. In derſelben Belagerung lies Juſtinian , der ſchon oben erwähnte Kriegsbaumei: ſter an einer andern Stelle den Graben mit ſtarken Schanzkörben von grünen Zweigen anfüllen ,

die der Långe

d) Meteeren B. 24 ; S. 1093. Carnero lib. 16 ; 6, 10 .

They

e

8. Angriff und Vertheidigung .

393

Långe nach neben und auf einander gelegt wurden, daß das Waſſer bindurch flieſſen konnte. Oben darauf kamen alsdenin Faſchinen und Hurten , daß ein Weg

für die übergebenden Soldaten entſtand. Die Sambufen endlich, oder auf Schiffen ru : benden Sturmbrücken , die vermittelft eines Galgen: förmigen Gerüſtes aufgezogen und niedergelaſſen wer: den fönnen , ſind eine Erfindung des Spaniſchen Feld: jeugmeiſters De La Motte , der ſie auf dem Kriegs: juge des Prinzen von Parma nach Frankreich zuerſt anwandte ). ' Der Seztere lies bei dieſer Gelegenheit nach ſeiner Angabe durch den Kriegsbaumeiſter Pros pertius Baroccio noch eine andere Maſchine ver: fertigen , die vorzüglich ſehr viel zu der Eroberung von Eorbei ! beitrug. Sie beſtand aus einem vierecki: gen Hauſe von ſtarken Balken ,

mit einem runden

Dache, über und über mit Leimen gegen das Feuer be deckt, und auf allen Seiten mit Schießlöchern für die darinnen befindlichen achtzig Musketiere verſeßen . Dies ſes Haus ruhete auf drei mit Ketten zuſammen verbun: denen Schiffen , ſo daß es über die Seine und über den Waſſergraben bis an den ſchwächſten Ort der Stadt gebracht werden konnte.') ; wo die Befakung derſelben durch ihr heftiges Feuer die feindlichen Pertheidiger von dem Walle trieb , und den Sturm erleichterte, der þier in Zwei Kolonnen über eben ſoviel Sambuken geſchake, während eine dritte Kolonne die Stadt von der Seine: Brücke ber angriff.

e ) Uffano Tratt, de Artill . lib . 1. Dial. 23 . f) Dondinus de reb, 'in Gallia geftis Alex. Farneſii fol. P • 347;

EC4

$. 261 .

394

HI. Zeitr a um. $.

?

261 ..

Bei dieſem , wie bei allen Stürmen ward immer mit dem größten Muthe gefochten , und nur nach lans gem Widerſtande wichen die Belagerten der überlegenen Macht, wenn ſie alles angewendet hatten ,

die Stür:

Die Breſche ward durch menden zurück zu treiben 8). durch die von Boillot erfundenen Fußangeln , Sturmeggen "), und durch hingeworfene Pulverſäcke unzugånglich gemacht, wåhrend die oben ſtebende Bes fakung ſie mit Spieſſen , Helebarten , und Morgenſters nen gegen die Ungreifenden vertheidigte ; oder die lezte: ren mit Kartetſchen und in das Geſchůk geladenen Ket: ten aus den hinter der Breſche gemachten Abſchnitten empfieng. Man führte zu dem Ende hobe Katzen oder Kavaliere hinter der Breſche auf, die man mit Geſchůz beſezte ; auch der benachbarten Häuſer bediens te man ſich zu dieſer Abſicht , und füllte ſie .Deshalb mit Erde aus.

S.

262.

Defters ftanden auch nicht nur die Bürger der ſondern ſelbſt die Weiber den Kriegsleuten bei , wenn ſie die Breſche vertheidigten. Sie begoſſen die Stürmenden mit heiſſem Waſſer oder Del ; ja in Harlem hatten ſie ſich in einen regelmäßigen Kriegshaus Stadt ,

fen formiret , und verrichteten gemeinſchaftlich mit den Männern die Dienſte der Büchſenſchůken '). Bei ei: neir 8) Hermann Reuter wehrte ſich im Schloſſe lewens ſtein 1571 mit drei Mann gegen Drei Hundert Spanier, und ſchüttete die Federn aus den Betten , die er dagegen mit Pulver anfülte und unter die Feinde warf. Er ers gab ſich nicht, ſondern ward endlich erſchlagen . Metees ren p. 132. h) Jof. Boillot Artific . de feu , fig. 40 .

i ) Strada a. a. D. Dec. I. p. 372.

i .

1

8. Angriff und Vertheidignng.

395

nem ro allgemeinen Beſtreben : dem Feinde zu wider: ſteßen , mußten nothwendig immer mehrere Stürme

·

abgeſchlagen werden , ehe es dem lezteren gelang, ſich des angegriffenen Werkes oder der Stadt ſelbſt zu be: meiſtern. In der Belagerung von Slurs ward die 290 Schritte breite Sturmlůcke Siebenmal vergebens geſtürmt, und die Befakung ergab ſich nicht eher , als bis ſie von 1600 bis auf 700 Mann geſchmolzen war, von 20 Kanonen nur noch 4 brauchbare

übrig und

beinage gar kein Pulver mehr hatte ). Sie erhielt dann freien Abzug mit fliegenden Fahnen , voller Rů: ſtung , brennender Lunde, und geladenem Gewehr Kugel im M unde nach dein gewöhnlichen Aus . druck der Kapitulazionen , der urſprünglich ſoviel ſagen will: Daß jeder Mann drei Musketenſchüſſe vorråthig bei ſich hat , weil die Musketiere vor Einführung der Patronen zu dem kleinen Gewehr immer einige Muss ketenkugeln während des Gefechts im Munde hatten .

S.

263 .

161 Die Dispoſitionen zum Sturm waren wenig von den in den neueren Zeiten gewöhnlichen unterſchieden . Als ein

Beiſpiel wil ich iþrer nur Zweie anführen :

2. die des Grafen von Fuentes 1995 zum Sturm auf Cambray und die Des Grafen von Bucquon zum

Sturm aufWachtendonk im Jahr 1606 , barum merk: würdig, weil ſich hier die Erſte Spuhr von der Unwens dung der Handgrenaden beim Sturm , und die Veran : laſſung zu der nachherigen Einführung der Grena: dier findet. Bei Cambray machten fünf Hauptleute den Anfang: Zwei Spanier , Ein Burgundiſcher, Ein Wallone und Ein Deutſcher , jeder mit 25 Piques nis

k) Meteeren Buch 14 ; S. 576 . Ecs

1

m

IH . Zeitrau

396

nirern und eben ſoviel Musketierern aber Urlebufies rern. Fünen folgten 25 Seeleute, leicht gerüſtet, mit Kunſtfeuern ; dann 2 Fähnriche, jeder mit so Mann mit Schaufeln und Hacken ; hierauf 100 Mann mit Bretern , Sandfäcken und Faſchinen. Nun kamen 5 Hauptleute , deren jeder 80 Mann unter ſich batte; nach ihnen 56.Mann mit Kunftfeuern und endlich 5 Hauptleute mit 600 Mann. 2000 Mann ſollten waprend des Sturmes ein obnaufbórliches Feuer auf den Wal machen , die übrige Urmee aber in Schlachts ordnung bereit ſtehen. Sobald die Truppen eingedrun: gen ſein würden , ſollten ſie ſogleich zwei groſſe Esquas dronen formiren , während ein dritter.Haufen die Citas delle beobachtete. Es war den Soldaten bei Lebens ftrafe unterſagt:

aus ihren Reißen zu geben , und zu

plündern ; die reformitten Hauptleute ſollten deshalb zu Vieren auf den Straffen hin und her gehen, um es zu kindern ). Es kam jedoch zu keinem Sturm , fons dern die Stadt ward von den Bürgern übergeben. Vor Wachtendonk' machte Bucquoy folgende Unordnung , als die im Bouwerk angelegte Mine zu ſpielen bereit warm ) : Zwei Sergeanten hatten die Spiße mit 25 Mann , die Handgrenaden trugen . Ihnen folgten Drei Abtheilungen , jede von so Mann unter Unführung Eines Hauptmanns ; dann kamen Zwei Hauptleute mit 200 Mann , zulegt aber ein Oberſter, mit der Gendarmerie. - Die übrige Mannſchaft ſtand im lager in Schlachtordnung und die Tranſchee:Wache war durch rooo Mann verſtärker worden.

: !)

Carnero lib. II , cap: 168

w ) Chappuys Liv . 14 ; No. 91.13 1

S. 264

1 8. Angriff und Vertheidigung.

G.

397

264.

Weil die Stadt gewöhnlich faſt

ganz zerſtöhret

ward , wenn ſie mit Sturm übergieng , ſuchte man ſie und die Befakung dadurch zu erhalten , daß man mit Dies geſchahe jedoch felten dem Feinde kapitulirte . eher , als bis jede Hoffnung und Ausſicht zur Rettung verſchwunden war , beſonders zu Anfange dieſes Zeit: raumes , wo es nicht Krieg zweier Partheien , ſondern des Oberherrn gegen rebelliſche Unterthanen war. Hier glaubte man ſich nicht verbunden , die geſchloſſenen Kapitulazionen zu halten , ſondern die Kriegsgefange: nen wurden auf die grauſamſte Weiſe fingerichtet. Nach und nach fieng man jedoch an , einzuſehen : daß inan dadurch nichts gewann , ſondern nur den Gegen: theil zur Rache und zu einem þartnäckigeren Wider:

* $ I

ftande reizte. Man ſchloß daher ordentliche Kapitula: gionen , und in der Folge wurden die meiſten Städte ſo übergeben , daß die Befakung mit allen Ehrenzeichen ausjog ; ja, zuweilen ſogar Ein oder Zwei leichte Feld:

. geſchüße mit ſich hinweg führte. Dies waren die Verånderungen ,

welche ſich in

der Kriegskunſt zu lande während dieſes Zeitraumes ereigneten ; aber auch in Abſicht des Seekrieges war dieſer nicht minder fruchtbar.

So wie ſich mit dem

Unfange des Sechzehnten Jahrhunderts die Schiffahrt immer mehr erweiterte , und der Handel bis in die entfernteſten Welttheile auszubreiten anfieng ; fiengen auch die am Meere liegenden gröſſeren Staaten an, Flotten zum Kriege auszurüſten und ſich in wirkliche Seemåchte umzuwandeln, wie man im folgenden 26: fchnitte ſeben wird.

Neun

398

III.

Z eitra u m.

Neunter

Abrch nitt.

Ausbildung des Seeweſens während des Niederländiſchen Krieges .

§.

265 .

urch ißre Lage begunſtiget hatten die Einwohner der Niederlåndiſchen Provinzen ſchon ſeit gerau; mer Zeit nach allen bekannten Europäiſchen und Auſſer: Europäiſchen Handelsſtådten einen anſehnlichen Handel getrieben und ſich dadurch faſt bis auf die höchſte Stuffe von Reichthum und Wohlſtand erhoben n ). Zwar hatten ſie , ſo lange ſie keine ſelbſtåndige Macht dar: ſtellten , eben ſo wenig Kriegsſchiffe als Truppen , denn ſie wurden von ihrem Souverain vertheidiget und be: durften iører nicht; allein , es fehlte ihnen keinesweges an Mitteln, ſich die einen und die andern zu verſchaffen, nur

11) Im Jahr 1968 hatte Brügge in Flandern faſt den ganzen Europäiſchen Sandel in ſeinen Hånden , und c8 liefen auf Einmal hundert und funfzig Handelås ſchiffe in den Hafen von Sluys ein . Uis Brugge durch eigne Smuld zu ſingen anfieng, 30g fich der ganze Handel nach Antwerpert , und auf den Meſſen dieſer Stadt fand man alle Reichthümer und alle Erzeugniſſe der alten und der neuen Welt. Tåglich giengen über fånfhundert Fahrzeuge verſchiedener Gröſſe in ſeinem Safen aus und ein ; jeden Tag fuhren mehr als zweihuns dert Kutſchen durch ſeine Thore; und die Zahl der was chentlich aus Deutſchland und Frankreich anlangenden Frachtwagen ſtieg auf zwei Tauſend , ohne die Getraides und Bauerwagen, deren gewöhnlich zehn Tauſend waren, Schillers Geſchichte ö. Abf. der Vereinigt. Ntedsri. Ir BD. IS Bd .

1

9.

Ausbildung des Seeweſens.

399

nur mit dem Unterſchiede: daß es zu einer Zeit , wo die Schiffbaukunſt noch gar ſebr in ihrer Kindheit lag , nicht ſo leicht war eine Flotte her zu ſtellen , als eine Armee zu organiſiren . Die Niederländer ſchránkten ſich daher auch anfangs blos auf die Kaperei ein , und machten durch ihre Schiffe die See ſo unſicher , daß ſich kein Fahrzeug ohne Påſſe von dem Prinzen von Dranien oder den Staaten reben laſſen durfte. Sie bedienten ſich dazu der Flieboote von Vierzig bis Hundert Tonnen , die ſie mit Acht, Zehn bis Zwanzig eiſernen Kanonen und mit ſoviel Seeleuten berezten , als das Schiff Tonnen hatte , doch wurden zuweilen auch zwei Mann auf Eine Tonne gerechnet. Dieſe Flieboote hatten einen niedrigen Oberlauf und einen Musketenſchußfreien Maſtkorb für die Schüßen , die zugleich Matroſen und Soldaten waren ) . Durch die lange Dauer dieſes Krieges ward überhaupt die Eing richtung der Kaper immer beſſer und geſetzmäßiger. Ihre Wichtigkeit für die kriegführenden Mächte war zu einleuchtend , als daß man håtte unterlaſſen ſollen , das Verfahren der Niederländer nach zu abmen .' Die Kaper mußten nemlich ibre gemachten Priſen bei der Admiralitåt anzeigen , damit dieſe über die Rechtmäßig: keit der Hinwegnahme entſcheiden konnte, wenn es wirklich feindliche Schiffe oder feindliche Güter, befon : ders Kriegsbedürfniſſe auf neutralen Schiffen waren, denn in dieſem Falle wurden blos die Güter weggenom : men , die Fahrzeuge aber wieder frei gegeben. S.

266 .

Spanien hatte ſchon zu, ja noch vor Karis des Fünften Zeiten Eroberungen zur See gemacht und Kriege mit den Sarazenen und Zürken geführet. Das

durch 0 ) Meteeren 4 Buch S. 178.

400

III .

Zeitraum .

durch waren auch mehrere Arten von Kriegs : Schiffen entſtanden , die nach Beſchaffenheit iþrer Gröſſe und Bauart bald ſtårker bald ſchwächer bemannt waren. Die gröffeſten waren die Galeonen oder Gallios nen , die einen ſehr hohen Bord und ein noch höheres Hinter : und Vor : Kaſtel hatten , daß ſie ſchwimmen: den Schlöſſern glichen . Ihre Beplaatung war Vier bis Fünf Fuß dick , daher giengen nur ſebr nahe dar: auf geſchoſſene Kanonenkugeln durch , und ſelbſt ihre oberen Bruſtwebren waren Musketenſchußfrei. Unter des Herzogs von alba Flotte führte die größte Gals lion , die Inquiſition , 32 metalne Kanonen, und auffer den Matroſen noch 200 Soldaten P ) ; allein, man fieng ſehr bald ani, fie gröſſer zu machen , obſchon ſie dadurch nur unbehålflicher und eben deshalb von den leichteren Niederländiſchen und Engliſchen Schifs fen leicht überwunden wurden. Im Jahr 1592 war die Gallion St. Philippine isoo Tonnen - jede zu 2000 Pfunden - groß und führte Drei lagen Ger ſchůk über einander , jede zu 11 Stücken , über dieſes vorne 8 Kanonen und hinten ebenfalls einige 9 ). Noch gröſſer war die Gallion : Madre de Dios ; ihre Tråchtigkeit betrug 1600 Tonnen ; ihre Långe von vorn bis an die laterne 175 Fuß ; die Långe des Kiels 100 Fuß und ihre Breite auf dem mittelſten Balken 48 Fuß. Sie gieng 31 Fuß tief und hatte Sieben Verdecke. Der groſſe Maſt war 121 Fuß lang , und hielt 10 Fuß 7 Zoll im Umkreis ' ). Es låßt ſich hier: aus leicht die Gröſſe dieſes Schiffes beurtheilen , auch kommen im Jabr 1596 und ſpåter håufig Spaniſche Gali

) Meteeren S. 185. 9 ) Ebendaſ. Buch 16 ; S. 685. r ) Ebendaſ. 8. 687 .

9. Ausbildung des Seeweſens.

401

Gallionen vor , die Vierzig bis Funfzig Metalne kas nonen

führten .

S.

267.

Die kleinern damals gewöhnlichen Schiffe waren Levantisfen , Urfen , Barten , Pataſien , Polacres , Tartanen , und Caramutzellen , doch wurden die drei lezteren Urten mehrentheils nur auf dem Mittel : Meere gebraucht; beſonders bedienten fich die Türfen der Cara mutjellen zu Raperſchif: 1 fen. Die Barkonen und Afrabren endlich was

ren mehr armirte Transport : als eigentliche Kriegs: -1 ſchiffe.

!!

S. ' 268 . Alles bieſes waren Fahrzeuge , die durch Seegel beweget wurden ; neben ihnen bediente man ſich auch der Galeeren , vorzüglich auf dem Mittelmeere und an einigen minder ſtürmiſchen Stellen des Weltmeeres. Weil ſie, eine ſchon långſt gewöhnliche Art Fahrzeuge, nicht viel Geſchůk führten , baueten die Venezianec unter dem Namen der Galeaſſen eine groſſere Art derſelben , die man zuerſt in dem Seetreffen bei Lepanto fabe, wo ſie das meiſte zu dem Siege über die Türken Sie hatten nicht nur hinten und vorn beitrugen . Zwolf , ſondern auch auf jeder Seite zwiſchen den Ruderbånken Sechzehn, zuſammen 56 metailne Kano: Die Spanier bats nen , und eine ſtarke Bemannung . ten dieſe Art Fahrzeuge von den Italienern bei ihrer groſſen Flotte , die zu der bekannten Erpedition gegen Engelland ausgerüſtet ward ; lieſſen aber in der Folge felbſt dergleichen erbauen , weil ſie allgemein für rebre vortheilhaft gehalten wurden .

S. 269 .

!

402

III.

Zeitra u m .

S.

269.

Einen Begriff von der damaligen Stärke der Flót: ten giebt uns die Vereinte chriſtliche unter des D. Juan d'Auſtria Oberbefehl, von der die Türken in dem Seetreffen bei der Meerenge von Lepanto 1571 überwunden wurden. Sie beſtand aus 6 Galeaſen , 280 Galeeren , 25 groſſen Schiffen und 40 Jagden , die zuſammen 26000 Soldaten am Bord hatten . Die Türten ( atten in allem 300 Galeeren und Schiffe ' ). 1 Faſt von derſelben Stårke war die ſo genannte Groſſe Flotte Pbilipps des Zweiten gegen En: Sie enthielt 64. Sallionen ; gelland im Jahr 1588. 23 Hulken ; Aſſabren und Pataſſen 33 ; Galeaſſen 4 ; eben ſo viel Galeeren und 20 Caravellen , in Allem ge gen 130 Seegel ).

S.

270.

Da man noch keine ordentlichen Mariniers oder Seeſoldaten hatte , gab man immer (and : Truppen auf s ) Neteeren S. 132.. t ) Die Angaben von der Starke' der Bemannung dieſer Flotte ſind ſehr verſchieden . Carnero lib. 8. cap. 13. giebt nach einer von dem Admiral , dem Marq. von Sankta Cruz an den König von Spanien geſchickten Lifte folgende Zahlen an : 28000 Infanteriften , 1200 Reuter , 4200 Artilleriſten , 3000 Seeleute und 2000 Wolontaire , die aber bis zu der wirklichen Einſchiffung durch Tod und Deſertion bis auf 21000 zuſammen ges ſchmolzen wären . Strada Dec. 2 ; lib. 9. pag. 548. ſezt die Zahl der Soldaten auf 18857 , dázu noch 7449 Matroſen , 574 Volontaire mit 624 Bedienten und 669 Geiſtliche , nach einer kurz vor dem Seetreffen im Kanal an den Prinzen von Parma geſchickten Liſte. Metees ren ſagt Buch 15 ; S. 615. es ſeien 2469 Kanonen von Metal auf der Flotte, und die Mannſchaft 29000 ſtart geweſen .

-

9. Ausbildung des Seeweſens.

403

auf die Schiffe, die von ihren zugehörenden Offizieren kommandirt wurden . Die Matroſen wurden nachſt den Schiffsmanouvres " zu der Bedienung des Ges ſchüßes gebraucht. Daß übrigens das Seeweſen ſchon ziemlich eingerichtet geweſen , erbellèt theils daraus : daß man in der Geſchichte der Seekriege jener Zeiten faſt alle jezt gewöhnliche Befehlshaberſtellen auf den Schiffen findet ; theils auch aus der Errichtung der Fünf Admicalitåts - Rollegien im Jahr 1589 zu Ums ſterdain , Rotterdam, Enkhuyſen , Mittelburg , und Harlingen oder Docukt , die alle unter dem Prinzen Moriz pon Oranien , als Ober : Udmiral, ſtänden. In Italien waren ohnſtreitig die Genueſer und Venes zianer die Eriten geweſen , die ihrer Marine eine regels måßige Geſtalt gaben , ihnen folgten die Spanier, Portugieſen und Franzoſen , dann die Engelländer und endlich die Niederländer und die Dånen .

271 . $. Die Kriegszucht war auf den Flotten eben fo ftrens ge und ſtrenger noch als zu lande. Die Matróſen wurden gehangen , zu Tode geprügelt oder erſäuft ; bei geringern Verbrechen wurden ſie vermittelſt eines Taues unter dem Kiel des Schiffes hindurch gezogen – ges kielbolet ~ ; oder man ließ ſie auch blos von der Naa laufen , indem man fie an ein Tau befeſtiget bis an den Seegelbaum þinauf zog, und von da ein oder mehrere male berab ins Waſſer fallen lies. Unbe: deutende Verſehen wurden durch Sdílåge mit einem Stück Tau beſtrafet. Frauenzimmer wurden überhaupt gewöhnlich nie auf den Kriegsſchiffen geduldet , auf der groſſen Spa: niſchen Flotte befonders war ihnen der Eintritt bei lebensſtrafe unterſagt. Die Weiber der Soldaten und Soyer's neuere Briege . I. Th.

die

404

III.

Beitra u m .

die Luſtmåbchen folgten daher der Flotte auf eigenen , von ihnen gemietheten Schiffen , wo ſie alsbann von ibren Männern oder liebhabern beſucht wurden .

S.

272 .

Wegen iþrer Stårke ſowohl, als auch wegen der Groſſe der Schiffe waren die Flotten jener Zeit nur wenig Evolutionen zu machen im Stande. Sie wur: den mehrentheils þalbmondenförmig , oder auch in meņ: rern linien hinter einander , Bord an Bord geſtellet. In dieſer Ordnung giengen ſie auf den Feind los , den ſie aus den auf dem Vordertheil ſtehenden Kanonen bes [ choſſen und bierauf enterten . Die Türken ſtanden in dem oben erwåbnten Treffen bei Corfu fo ; nicht mine der die Spanjer in der Schlacht im Kanal , wo die Schiffe ſich ſo enge zuſammen ſchloſſen , daß des Vals des Gallione ihren groſſen Maſt darüber zerbrach und Tages darauf in die Hände der Engelånder fiel, weil ſie der übrigen Flotte nicht folgen konnte. Die Engelländer , deren mehr rund gebauete klei: nere Schiffe fich leichter wenden und bewegen lieſſen, als die ſchwerfälligen Spaniſchen Gallionen ; deren Flotten überdieſes – ſo wie die Niederländiſchen gewöönlich nicht ſo ſtark waren , ſcheinen , wohl um dieſe Zeit zuerſt von der tiefen Stellung zur See abges gangen zu ſein , die dem vortheilhaften Gebrauch des Geſchůkes ſo ſehr zuwider iſt . Sie näherten ſich in dem eben erwähnten Treffen den Spaniern bis auf einen Musketenſchuß und thaten ihnen durch ein , für jene Zeit ungewöhnlich raſches Feuer groſſen Abbruch. Weil ihnen aber am folgenden Tage bei einem zweiten Gefechte die Spaniſchen Ruderfabrzeuge wegen der eingefallenen Windſtille einigermaſſen, überlegen waren ; bedienten

ſie ſich, wie es ſcheint, zum Erſtenmale, der

9. Ausbildung des Seeweſens.

405

* Kettenkugeln , womit ſie die Riemen oder Ruder, und das Tauwerk des Feindes zerſchoſſen , und dieſen dadurch zum Rückzuge nöthigten ).

S.

273.

Auch die Brander oder Feuerſchiffe wurden von ihnen bei dieſer Gelegenheit wendet; denn als die Spaniſche Flotte nach dem Tref: fen fid) auf die Rheede von Kalais zurückgezogen hats a te, und daſelbſt von den Engelländern bloquiret wur:

*

de;

12

richteten dieſe Acht alte Schiffe zu Brandern

eitt, und lieſſen ſie mit der - ſteigenden Fluth auf die Spanier los fahren . Die lezteren kamen dadurch ſo

ſept in Unordnung , daß ſie die Untertaue Fappten; : und ſo ſchnell ſie konnten , die weite.See fuchten ) Eine Galeaſſe , die ſich mit ihren Riemen in das Ant kertäu eines Schiffes verwickelte, kam auf eine Sande bank zu ſitzen und fiel mit allem , was ſich darauf bes fand, in die Hände der Engelander. 9.

274 .

Um die Flotten bei der unter jeden Umſtänden gross fen Ausdehnung ibrer Schlachta und Marſchordnung gebdrig leiten zu können , waren ſchon damals die Signale durch Känonenſchüſſe und an den Maften ausgeſteckte Fahnen im Gebrauch. Freilich waren ſie noch nicht ſo zuſammengeſezt , es gab noch keine Signalbücher, oder wenigſtens waren der darinnen an: geführten Fälle nur wenige; dafür waren aber auch die Bewegungen der Flotten noch ſehr einfach ,

denn erſt

im Laufe des Siebenzehnten Jabrhunderts erhob ſich das

u ) Met eeren Bch. 15. S. 623 . v ib . ib .

406

das

7. III,

Beitra u m .

Seeweſen zu einer Stufe von Pollommenheit,

auf der alle weitere Fortſchritte immer leichter und leichter wurden.

-27 $

S.

3m Allgemeinen zeichnete fich dieſer Zeitraum vor: züglich dadurch ays : daß man faſt alle Zweige der Kriegskunſt theoretiſch zu bearbeiten anfieng. Die meiſten Schriftſteller traten in der Geſchüßkunſt und in und bandelten theils ein: der Befeſtigungskunſt auf geln von dieſen Wiſſenſchaften , theils nahmen ſie beide zuſammen , . Unter den Urçilleciſten zeichneten ſich vor: füglich luis Collado. ), Spaniſcher Kriegsbau: meiſter in der lombardei , Gabriel Busca *) , und

.

Diego uffano.») , Urtillerie : Hauptmann in der Citadelle zu Antwerpen , aus, ſowohl durch die unter: richtenden Rachrichten von der Beſchaffenheit der da: maligen Geſchüke, als durch ihre zweckmäßige Bemer: kungen über den Gebrauch derſelben . Auch unter den Deutſchen erſchienen verſchiedene Schriften über die Geſchukkunſt , Mann von Danzig 2) , Kaspar Bürger ") , Jakobi , Cbriftop b Clavius ), Leonhard 3ůbler * ) , und Ebriſtop k Dam bach W Platica Manual de Artilleria fol. Venet. 1586. man ſehe hinten in den Zuſäßen . :) x ) Dell Espugnatione et difeſa delle fortezze und Kinftruz. zione del Bombardieri 4. Turin 1584 und 1598 . y) Trattato della Artilleria y uſo de ella. Bruxellas fol. 1613 . z ) Von Büchſenmeiſterei und Feuerwerkerei 1578. a ) Unterricht , wie man auf Wållen und im Felde grob Geſchuk laden , richten und gewiß daraus ſchieſſen follo Straßburg 4. 1591 .

b) Kunſtlich Feuerwerk und Maſchinen . Straßburg 1603. c ) Neue geometriſche Büchſenmeiſteret. Zürich 4. 1608.

>

9.

Ausbildung des

Seeweſens. .

407

bach - ) , vorzüglich aber Job. Schmidlap von Schorndorf ) und Franz Joachim Brechs tel ") tehrten die Urtilleriſten ſich ihrer Geſchůke zu bedienen und dem Feinde durch mancherlei Arten von Kunſtfeuern ſchaden , ſowohl als durch unſchädliche Arten der lezteren in Friedenszeiten und bei feſtlichen prachtvolle Schauſpiele darzuſtellen. Gelegenheiten Um ſich jedoch durch immer neue Erfindungen auszu:

3

3

Arten die feit zeichnen , gaben ſie verſchiedene e ſonderbare Zufammenfeßung haben , rade unbrauchbar werden.

Kunſtfeuer zum

durch

die ſie ges

Einige Ausländer in dies

ſem Zeitraume kandeln blos im Vorbeigeben von der Artillerie , und machen die Befeſtigungskunſt zu iþrem Hauptgegenſtande, wie Boillots), Capo Bianco "), und Franz March i ); oder ſie beſchäftigen ſich mit unnůßen Erfindungen und mit dem Ausſchreiben alter und neuer Schriftſteller , wie Rivault de Fleus rancek ) und Daniel Davelourt '). $. 276 . d) Büchſenmeiſteret. Frankf. 4. 1609 . c) Künſtliche und Rechtſchaffene Feuerwerk zum Schimpf. Nürnberg 8. 1590. wurde mehrere male wieder aufo gelegt. f ) Büchſenmeiſteret und Feuerwert. Nürnberg 8. 1591. eclebte ebenfalls verſchiedene Auflagen , g ) Modelles d'artifices de feu et divers inſtruments de guerre avec les moyens de l'en prevaloir par J. Boillot , Gar . de - Magazin de Langres. 4. Chaumont 1598 . h) Corona e Palma militare fol. Venet. 1598. i ) Della Architettura militare lib. 3. con un breve e util trattato , nel quale fi dimonftraro li modi di fabricar artilleria. Brescia fol. 1599 .

k) Les Elemens de l'artillerie concernant tant la Theorie que la pra &tique du Canon . Paris 8. 1605. Ward 1608 DO 3 neu

408

2.

III. Zeitraum . S.

276. mi

Die Kriegsbaukunft ſcheint ihre meiſten und wich: tigſten Erfindungen den Italienern zu verdanken zu haben, denn die Vorſchläge der neueren Franzöſiſchen Ingenieure , eines Vaubans , Belidors u. a. findet man zum Theil ſchon , öfters genau in derſelben Form und unter denſelben Umſtånden bei Italieniſchen Schriftſtellern aus dem Ende des Sechzehnten Jahr: Sie waren es , die der neueren Befeſti: þunderts. gungskunſt eine Form gaben , die

ſie in gewiſſem Be

tracht bis auf unſere Zeiten behalten hat. Mehrere von ihnen , die vielleicht nicht zu den unwichtigſten ges þörten , fennen wir kaum dem Namen nach aus neue ren Schriften ihrer {andsleute , wie ſchon oben im zweiten Zeitraume geſagt worden iſt, und ' wie es wenigſtens der Marcheſe Maffei behauptet " ). Gewiß iſt es , daß Giov. Battiſta Bellici "), Carlo Tetti:o) und Tenfini P) unverkennbare Vers dienſte um die Kriegsbaukunſt haben. Gröſſer find je doch die des Francesco De Marchi, Pabſt Paul des Dritten Baumeiſters; denn feiner ift fo ſehr von neu aufgelegt , mit einer neuen Erfindung von Winds und Waſſergeſchüß und einer neuen Art aus Gold bereis teten Schießpulvers vermehret. 1 ) L'Arſenal et Magazin de l'Artillerie. Où ſont conte nûs pluſieurs beaux discours et notables conſiderations et queſtions ſur le fait de l'Artillerie ; extraits en partie des Aut. Latins, Franc. Italiens &c. tant anciens que modernes &c. Paris 8. 1600 .

m) Verona illuſtrata P. 3. c. 5 . n) Nuova Invenzione di fabricar Fortezze di varie forme. Venet. fol. 1558 .

o) Discorſi della Fortific. Espuguat, et Difeſa della Citta. Venet. fol. 1589.

p ) De Arcium Expugnatione. 1624.

1

9. Ausbildung des Seeweſens.

409

von der Bergebrachten Befeſtigungsweife abgewichen , und hat ſo viel wirklich neue und brauchbare Erfin: dungen aufgeſtellt , als dieſer Mann 9). Neben ignen traten Daniel Speckle ) und Simon Ste: vin ) auf ; und beide, der eine ein Deutſcher, der ans dere ein Niederlånder, waren in ihrer Art gleich merk: würdig ,

denn ihnen hat man vorzüglich die Erſten

Nachrichten von der ſogenannten Jtalieniſchen Befeſtis gungsmanier zu verdanken .

S.

277 .

Uermer war die Stellungs : und Bewegungskunft der Truppen ; man hatte nur eben erſt angefangen , die Behandlung des Feuergewebres und der Pique in eine Art von Syſtem zu bringen , zufrieden damit , dachte man kaum daran , die unförmlichen Bataillone des Fußvolks auf eine zweckmäßige Weiſe zu bewegen . Die Reuterei war ſchon glücklicher ; ihr tehrten Georg Baſta ') und Melzo 4) nicht allein den Gebrauch ihrer Waffen , fondern auch die verſchiedenen Evolutio : neu , und das Feldverhalten auf Poſtirungen , wachen , bei Fouragirungen 4. f. w. S.

Felda

278 .

Obſchon in der Zweiten Hälfte des Sechzehnten Jahrhunderts kein Jahr vergieng , wo nicht meør oder mina 9) Della Architettura Militar. Lib. 3. Brescia fol. 1599. ein höchſt feltnes Werk, das ſelbſt in Italien um einen Tehr hohen Preis nicht zu haben tft. Architectura von Feſtungen. Straßburg fol. 1589. ) Legermeting beſchreven door Stevin 4. Rotterdam 1616. und Nieuwe maniere van Sterkebouw ebendas, in dem nemlichen Jahre. t ) Governo della Cavalleria ligera. fol. u) Regoles militares , fol. DO 4

410

III .

Zeitra u m .

i .

minder bedeutende Werke über den Schiffbau und die Schiffahrtskunſt heraus tamen ; war es doch nicht alſo in Ubſicht der See : Taktik , übeç die in jenen Zei: Bernard Men ten nur wenig geſchrieben ward. doza ) iſt noch einer der beſten Schriftſteller über Crescentius Romanus " ) dieſen Gegenſtand. begreift zu viel Dinge , und man ſiebet wohl , wie ſehr weit mau damals noch zurück war. Der ſchon oben angeführte Stevin handelt in feiner Caftrametatiog auch von der Ausrüſtung der Holländiſchen Kriegsſchif: fe , und im Jahr 1610 gab Junghans eine Kriegsordnung : zu Waſſer und zu Lande þeraus , die jedoch in Abſichtdes Seekrieges fo gut als Niches leiſtet. Mit Einem Worte : der Seekrieg ward blos praktiſch behandelt und man beſchäftigte ſich im : mer noch nur mit der Ausbildung der Schiffahrts: kunſt , die feit der Entdeckung beider Indien und den erſten Reifen der Engellånder um die Welt von Tage zu Tage wichtiger zu werden anfieng.

D) Theorica y Practica deguerra . Anvers 8. 1596. w ) Nautica mediterranca. Nella quale fi moftra la fabrica delle Galee , Galeazze , e Galeoni con tutti i lor arma. menti , ufficij et ordini et il modo di far vogar una Ga. lea con ſolo vinti remieri. &c. & c. Roma 1607.

Geſchichte

Geldichte

der

Kriegskunſt

3 Neuerer

Zeiten . 1

Vierter

Zeitraum

Entpålt den dreißigjährigen Krieg in Deutſchland und den Niederlanden von 1618 bis zum Jabr 1648 . A Er ft er

U

Abſchnitt.

Fortſchritte welche die Geſchůzkunft in dieſem Zeitraume machte.

S.

279 .

er groſſe Niederländiſche Krieg , der ein Halbes Fabrhundert lang , die Ufer des Rþeines verwůs

ſtete , war durch einen zwölfjährigen Stilſtand unter: brochen , nicht geendet ; als in Deutſchland ein neuer Beide ma: entſtand , der auch jenen wieder anfachte. chen daber gleichſain nur Einen Krieg , der in ſeinem Fortgange wichtigen Einfluß auf die Kriegskunſt åuſſer: te , und ihr eine faſt ganz neue Geſtalt gab. Schon Moriz von Dranien auf der einen und Spino: la auf der andern Seite batten viel gethan : fie batten den Soidaten vorzüglich mit dem Gebrauch ſeines Ge: wehres bekannt gemacht , und die Kunſt Feſtungen an DOS zu

412

IV .

Zeitraum .

zu greifen und zu vertheidigen, zu einem hohen Grade Guſtav Adolf , der

von Vollendung erhoben.

große König von Schweden , that noch mehr : er ver: volkommte die Stellungs. und Bewegungskunſt, und brachte ſie der Form nabe , die ſie noch gegenwärtig Er benujte nicht minder die ſchon früher in der þat. Geſchůzkunft gemachten Erfahrungen , fuchte ſie durch neue Verſuche zu beſtårigen und zu erweitern , und bes gründete auch hier ein Syſtem , das wohl noch bie und da einige Verbeſſerungen litt , ohne Nachtheil aber durchaus feiner gånzlichen Umformungen fåhig war.

S.

280.

Schon gegen das Ende des Sechzehnten Jahrhuns derts fiengen einzelne Artilleriſten die Nachtheile der Långe und Schwere des bisher gewöhnlichen Geſchüßes ein zu reben an ; Rivius a ) und Luis Collado waren der Meinung : daß die übermäßige Långe des Robres die Schußweite der Kanonen verkleinere , an : ſtatt ſie zu vergröſſern, und ein Herr von linar batte 1572 durch ein, nach ſeiner Angabe , wirklich gegoſſe nes Geſchüß von Zwölf Fuß Långebewieſen : daß es mit einem andern Dreizehn bis Siebenzehn Fuß lans gem gleiche Schußweite bielt.

Guſtav Udolf wie:

derholte jene Verſuche, und ließ dann neues Feldge: ſchůk gieſſen , deſſen Robr um ein Betrachtliches für: zer war, als man bisher bei allen Europäiſchen Hee: ren zu führen pflegte. Dieſe Erfindung brachte Graf Philipp von Mansfeld im Jahr 1624 mit nach den Niederlanden , wo Spinola eben Breda bela:

a ) Deffen Bautunft 1547 zum Erſten male zu Nürnberg in Folio gedruckt erſchien .

14

$

1. Fortſchritte der : Geſchůzkunſt.

413

belagerte b). Legterer ſaße den Nugen einer fotchen Einrichtung des Geſchüßes zu gut ein, als daß er ſie nicht båtte einführen ſollen. Es wurden daher unter Graf Pbilipps Aufſicht zu Brüffel Vierzig metall: ne Kanonen

und drei und

zwanzig Mörſer gegoſſen,

die ſowohl in Abſicht ihrer Iânge als Metallſtärke gang von den bisher gewöhnlichen Proporzionen abwichen ; denn ſie waren nur 14 Kaliber am Stoß , und 76 an der Mündung ſtark. "- Dreißig

der Erſteren Tchoſſen

Sechspfündige Kugeln , und wurden ſehr bequem von Zwei Pferden fortgebracht. Die übrigen Zehen waren Fünf und Zwanzigpfünder, und erforderten Vier Pferde zur Beſpannung ;

wåhrend bei

den

bisher üblichen

Kanonen deſſelben Kalibers'vier mal ſo viel Pferde no: thig waren ſie von der Stelle zu bewegen ). Durch die b ) Dieſer Graf Philipp von Mansfeld war in Schwediſchen Dienſten geweſen , und hatte als Oberſter der Leibwache der Belagerung von Riga betgewohnet. Chappuys liv . 19 , p. 598 .

c) Hermann Hugo , Obfid. Bredana fol. Antwerp. p. 61. ſagt: die Sechspfüüder hätten nur 180 und die Fünf und zwanzigpfänder 750 Pfund gewogen ; allein , man Riehet leicht ein : daß dieſe Ungabe nicht richtig ſein kann, denn eine Scchspfündige metalne Kanone von 180 Pfuns den gehört eben ſowohl unter die unmdglichen Dinge, als eine Fünf und Zwanzigpfündige von 750 Pfunden. Der Sechspfünder håtte nur im am Stoß und is an der Dúndung Metallſtårte haben tönnen ; welches aber nicht mit der von Chapp Uys (Bch. 19, 8.598 ) angegebenen übereinſtimmt. Es muß ein Mißverſtand ſein , der ſich nur allenfalls aus den Memoiren eines gleichzeitigen Spaniſchen Artilleriſten auftlåren lieſſe. Hermann Hugo giebt zwar die Urſache davon an : Id compen dium Mansfeldicus arte faciebat; nam liquefactum me tallum ita igne excoquere noverat, ut minori aeris craflitudini parem duritiem atque aliis tormentis maxi. mis praeftaret, unde levitas tanto maior exiſtebat.

414

IV .

Zeitraum .

die beſondere Einrichtung der Kaimer

.

die vielleicht

eine birnenförmige oder andere ånliche Geſtalt batte, und bei der das Zündloch von hinten ſchräge einge: bobręt war ,

daß es auf den Endpunkt der Seelen :

Ure traf , - erhielten ſie mit Kugelſchwere Pulverla: dung eine eben ſo groſſe Schußweite , als das andere Geſchüß bei einer { adung, die dem vollen Kugelgewichs te gleich war. So verhielt ſichs auch mit den Mörſern ,

die eine

þundertpfändige Bombe um 700 Schritt weiter war; fen, als ein gewöhnlicher Mörfer von gleicher Gröſſe, mit dem man nicht einmal die von den Spaniſchen Bats terien 600 Schritt entfernten Auſſenwerke der Stadt erreichen konnte. Zugleich zeichneten beide , ſowohl Kanonen als Mörſer, fich durch die vortrefliche Legi: rung oder verhältnißmåßige Zuſammenfeßung des Stückmetalles aus , die ihnen eine vorzügliche Dauerhaftigkeit verſchaffte", und ſie daber ſchwacher im Metall zu machen verſtattete , als anderes Gefchút von demſelben Kaliber.

S.

281.

Die Beſchaffenheit des übrigen Batterie : und Feld: gefchüßes þatte ſeit dem vorigen Zeitraume eben feine bedeutenden Veränderungen erlitten ; doch ſuchte man di: Einrichtung deſſelben immer mehr und meậr auf einfache Grundfäße zurück zu führen. Die Deutſchen unterſchieden alles Geſchüß noch immer in Karthaunen, in Schlangen und in Kammerſtücken ; doch wichen ſie in den Verhältniſſen der Långe , und der Metalſtårke nach Beſchaffenheit der Lånder gar- fehr von einander ab ). Bei den Franzoſen befolgte man Karls Des Neun: d ) zum Beweld wil ich hier nur die Geſchůßverhältniſſe sweter Artilleriſten : des Herzogs Sylvius von Wars tems

*

1. Fortſchritte der Geſchüßkunſt.

415

Deunten im Jahr 1972 zu Blois gegebenes Edift in Abſicht der darinnen feſtgeregten Sechs Kaliber (S. 143.) Canon von " 33 Pf., lang 10 F., wog 6200 Pfund. Coulevrine oder Da demi Canon 16 I'I 4100 Batarde 71 1950 Moyenne 1. Faucon Fauconneau

2 !} bis

7 71

1300 800 200 bis 400

Um das Jahr 1620 aber wurden zwei neue Kaliber eingeführet; die Vier und Zwanzig : und die Zwolf: Jene- bieſſen Demi Canon d'Espagne, waren pfünder. 10 Fuß vo Zou lang, und wogen 5 100 Pfund ; die an: deren wurden Quart de Canon d'Espagne genannt, waren 10 Fuß 9 Zoll - beide mit Einſchluß der Traus be temberg Dels und Schreibers, Zeugwärters in Brig , anführen , die beide während des Dreißigjährigen Krieges lebten : DED Schreiber Sylvius Kaliber Pf. Långe des Gew. in Långe des Genu, Rohres in Centner Rohres in in C. Kalibern Kaliber Ganze Schlange 30 32 86 Salbe Schlange 15 32 45 28 30 Quartier : Schlange 8 32 32 24 Faltonette 10 1ο 36 2 36 Gange Karthaune 48 -64 20 60 18 Halbe Karthaune 24 24 25 20 40 28 24 Wiertels : Karthaune 12 28 6 27 19 Feldſtiden 12 30 3 13 Weite det 81 Långe der 20 Rammerſtüden 16 Rammer Kammer ober Saubiken 12 45 Kaltb . 4 Kalib. 8

416

*

IV .

Zeitra u m .

II g

be lang und wogen 3400 Pfund ) . Sie waren beide bald die einzigen Batterie : Stücken , die man im Felde mitführte, denn die Ganzen Kartbaunen; deren eiſerne Kugelucht und Vierzig Pfund wog, wurden nach und nach immer feltner und nur auf der See noch am häufigſten gebraucht.

S.

282 .

So lange auch die Mörfer und Bomben ſchon bei den Deutſchen und anderen Heeren bekannt waren ; ſo þåufig ſie auch immer von den Spaniern und Nieder: ländern angewandt wurden ; bedienten ſich die Franzos ſen dennoch ihrer nicht eger , als 1634 bei der Bela: gerung von La Motte in Lothringen .

Maltbu's, ein

Engellånder , den Ludwig der Dreizehnte als General: Kommiſſar der Artillerie und Befehlshaber der Minirer in ſeine Dienſte genommen hatte", machte in der eben erwåßnten Belagerung den Erſten Gebrauch davon f ) .

Die Haubißen aber blieben in Frankreich

noch lange unbekannt, und felbft der bei den Deutſchen ſehr gewöhnlichen Brand : und Leuchtkugeln , Karkaſſen u. . w . die man nåchſt den Bomben aus Mörſern zu werfen pflegt, findet man weder im Hanzelet, deſſen Werk 1620 erſchien 8 ) , noch auch in des Malthus Traktat von Kunſtfeuern , der 1631 zum Erſten male gedruckt ward, erwähnt. Die wiederholten Ausgaben des ,

gegen die Deutſchen Artilleriſten fo- dürftigen Mal

e ) Malthus Pratique de la guerre. cap. 4.

Paris 8.

Traité 1,

f) Ebendaſ. Traité 2 ; cap . 1 . g) Recueil de pluſieurs machines militaires et feux artifi ciels pour la guerre et recreation . Par Franc, Thy. bourel, Maitre en Chirurg. et Jean Appier dit Hanzelet. Pont à Mouſſon 4.

1 1

1.

Fortſchritte der Geſchůzkunſt.

417

Malthus beweiſen hinlänglich : wie weit man übers haupt in dieſem Fache in Frankreich noch zurück war, wo

die Franzöſiſche Ueberſegung

wicz

des

Simienos

) wahrſcheinlich zu erſt ein Licht aufſteckte.

$.

283.

Mit der Erleichterung der Batterieſtücken -hieng die des Feldgeſchüßes genau zuſammen ;' um ſo mehr , da man ſchon früber bei den gröfſeren Heeren anfieng , jes der Truppen : Abtheilung Kanonen mit zu geben , denn als Spinola 1607 zum Entfaß von Grol marſchir: Dieſe te , batte : jedes Bataillon Zwei Kanonen ). waren Sechs- und Dreipfündig. Jene wogen 19 E.; Kali waren 27 Kaliber lang ; hatten am Stoß ! ber Metallſtärke, und wurden von 8 Pferden gezogen. Die Dreipfünder wogen 12 E., batten 30 Kugeldurch : meſſer zur Långe und wurden von 6 Pferden gezogen . Auch die Schweden fübrten ſchon im Kriege gegen die Pohlen bei jedem Regimenge Zwei leichte Kanonen, die nicht eigentlich zu dem Urtillerie : Train gehörten , ſong dern ſtets mit ihren Regimentern marſchieten .

incidindo 1

rog.! -284,

Weil dies Geſchüß immer noch ziemlich ſchwer war , und beſonders in den gegen die Poblen geführten Kriegen der Reuterei nicht ſchnell genug folgen konnte , um ſie gegen die wütbenden Angriffe der Poblen und Koſafen zu unterſtüken ; erfand der Baron Melchior von Wurmbrand , ein gebohrner Deſterreicher , der vorher in Kaiſerlichen Dienſten geweſen war , damals Schwediſchen Fußvolke als Oberſter ſtand , um das Jahr 1626 die unter dem Namen der ter

aber bei dem

h ) Durch Noiffet Amſterd. fol. 1651. i ) Chappuys A. 4. D. Liv. 15 : No. 227.

1

418

:

IV :

Zeitraum .

Ledernen Kanonen bekannten Feldſtücken

). Dieſe

beſtanden aus einein kupfernen Robre, das Zi des Ein : bis Vierpfündigen - Kalibers ſtark , durch eis ſerne . Ringe verſtårkt, und mit abwechſelnden fagen von Seilen und Maſtir überzogen war , daß es am Stoß Einen Kugeldurchmeſſer, am Kopfe aber

des:

Die eiſernen Schildzapfen felben zur Dicke bekam . waren an einen etwas ſtårkeren eiſernen Ring befeſti: get , und die Frieſen durch mehrmals umwickelte Seile þervorgebracht; der Boden mit der Traube aber war in das fupferne Rohr eingeſchraubet.

Das fertige Rohr

þatte endlich einen Ueberzug yon gebranntem ledec, war is Kaliber lang , und wog mit Einſchluß der Caffete nur ogngefågt 90 Pfund , so daß es bequem von Zwei Oblichon dieſe Ka: Mann fortgezogen werden konnte. nonen nur mit

bis į Kugelſchwer Pulver und alle:

hatten ſie doch zeit mit Kartetſchen geladen wurden ; den Nachtheil : daß ſie ſich zu geſchwind erpizten , und immer nach zehn oder zwölf Schüffen wieder abgekühlet Man bediente fich daher iører nur werden mußten. drei Jahre lang bei dein Schwediſchen Heere , und Guſtav udolf ſchafte ſie nach beendigtem Pohlnis ſchen Kriege gånzlich ab ? ) . k) Schildknecht harmonia in fortalitiis conftruendis , de fendendis et oppugnandis. Sh. 3 ; Kap. 14, P. 787 .

1) Dieſe Art Sanonen tward in Antwerpen 1630 von einem Geiſtlichen wieder zum Borfchein gebracht, nur mit dem Unterſchiede, daß das tupferne Rohr durchaus mit Eiſens platten beleget , und alsdenn mit Hanf umwunden war. Ihre Långe betrug 24 Kugeldurchineſſer , und ſie ſchoſſen Ein Pfund Elſen . S dretbers Büchſenmeiſter's Dis: turs. fol. Brieg.

$ . 285

.

1. Fortſchritte der Geſchukkunſt.

S.

419

2850

Anſtatt ihrer fübrte der große König von Schwei den leichte , eiſerne Kanonen ein , die eine Vierpfündi: ge Kugel ſchoſſen und Vier Fuß lang waren . Sie hati ten kegelförmige Kammern , die ſich mit į Kaliber ſchloſſen , und die 1: Pulver betragende Ladung war in .

LI

eine ſehr dünne gedrebete hölzerne Büchſe eingeſchloss fen , woran die Kugel mit Drath befeſtiget war. Die ganze Kanone wog nicht mehr , als 625 Pfund , und man fonnte dreimal damit feuern , ehe ein Musketier Mart: im Stande war , einmal wieder zu laden *). graf Hamilton , der Guſtav Adolfen die Englis. ſchen Hůlfs : Truppen zuführte, erfand oder verbeſſerte dieſe leichten Feldſtücke; der König wies ihm daber eine Menge Eiſen und einige Gieſſereien an , um Kas nonen nach ſeiner Ungabe gieffen zu laſſen “). Solcher Regimentsſtücken , die wegen ihrer Leichtigkeit nur von Ein oder Zwei Pferden gezogen würden , führte jedes Regiment bei den Schweden Zweie, und der König nahm ihrer 1631 eine beträchtliche Anzahl aus Schwes den mit nach Deutſchland , die neu errichtecen Regis menter damit zu verſehen. Auch die Deutſchen Gatten dieſen Gebrauch angenommen , und im Jahr 1634 hatte bei des Königs von Ungarn, Ferdiná v d $ , 7 Armee , jedes Regiment Zwei Kanonen , die nicht mit jur Artillerie gehörten , ſondern blos unter dem Be feble des Regiments · Oberſten ſtanden , der auch für

ißre Fortſchaffung und für die erforderliche Munition ſorgen mußte ) . m) Schildtne dt 3 th. 14 Rap . $. 190 . n ) Chemnit Geſchichte des Schwediſch

Deutſchen Series

ges 1 Th. 5 Buch 26. Seite 192. o ) Ebendaſ. 2 Th. 2 Buch S. 390. Soyer's Heuere Kriegsk. I. Th.

6. 286.

1

420 ,

7, 19

:3eitraum . S.

I

286 .

5 : Es fält in die Uugen : daß durch dieſe Einrichtung die Zahl des Geſchükes bei den Heeren ſehr vermehrer werdey mußte , obſchon ſie noch lange nicht zu der uns gebeuern Hobe ſtieg , auf die man fie in den neueſten Zeiten gebracht hat.

Vor Frankfurth an

der

Oder

hatte Guſtav Adolf Zweißundert Stůcken Geſchüß vou verſchiedenem Sialiber ; bei dem Uebergange über den Lech waren 72 ſchwere Kanonen zu beiden Seiten der , Brücke aufgefahren , aus den die Schweden ein unauf: hörliches Feuer gegen die Verſchanzungen der Kaiſerlis chen machten. Noch bekam Guſtav Adolfs. Urs, tillerie durch die in dem Münchner Zeugbaufe unter dem Fußboden verborgenen 140 Metalinen Kanonen und Mörſer , unter den ſich so Doppelte , Ganze und Halbe Karthaunen befanden , einen beträchtlichen Zus wachs P). Nicht ſchwächer war der Artillerie : Train , den der König oon Ungarn 1634 mit ſich führte: er beſtand aus 116 Stücken Metalnes Geſchük ,

unter

den 4 Ganze , 16 Halbe Karthaunen und 12 Mörfer waren.

Die dazu gehörige Munition ward auf 300

Pulverwagen geführet, mit ſchwarzem leder überzogen und mit einem rotben F und mit der Nummer bezeich: net '). Auch die Schwediſche Armee bei Erfurt 1636 hatte 120 Kanonen bei ſich. Nicht alſo war es bei den Ephemeriſchen Heeren , die während dieſes langen Kriegés bald da , bald dort in

Deutſchland ,auß : verabſchiedeten Truppen der von dem p ) Die Bayern hatten zwar das Geſchüß verborgen , die Laffeten aber nicht weg bringen können, ſondern im Zeugs hauſe ſtehen laſſen; dies gab wahrſcheinlich die erſte Beranlaſſung zur Entdeckung . Chemnik i Th . 4 Bch. S. 323 .

9 ) Chemnik 2 Th. 2 Bd . S. 390.

1. Fortſchritte der Geſchüßkunſt.

421

dem Kaiſer unterjochten kleinen Fürſten ſich formitten , und eben ſo ſchnell wieder vergiengen , als ſie entſtan : Dieſe mußten ſich mit einigen Kanonen den waren . begnügen , die ihnen der

Zufall verſchaffte. , Drgelge:

ſchüße erſezten bei ihnen gewöhnlich die Stelle der Re: gimentsſtücken , um doch der feindlichen Reuterei einis germaſſen die Spiſe biethen zu können. Georg Friea drich , Markgraf von Baden : Durlach , bes diente ſich zu demſelben Entzweck 2 Ruthen langer Bäume ") , die auf Vier Rädern ruheten und durch die lange eiſerne Spißen geſchlagen waren .

Auf jeder

Uchſe lag eine Art Haubiſe , in der Mündung Acht Zol weit , der Flug Zwei Kaliber und die Kammer ] Kaliber lang, der mit Kartetſchen von Musketenkugeln geladen ward. Zugleich war der Baum 2 Fuß über

1

die Uchſen erhoben , damit man ihn ſchnell wenden und Der der Långe nach vor das Fußvolk ſtellen konnte. Markgraf fielt durch dieſe Erfindung 1622 die wieders holten Angriffe der Reutecei des Spinola aus , und würde das Treffen ohne Zweifel gewonnen baben, wenn nicht fünf neben einander ſtehende Pulverwagen in die luft geflogen wåren , und dadurch Unordnung und eine groſſe Lücke in der Linie verurſacht håtten . Sei es nun , daß die Wirkung des Düngefährs bier der Maſchine beigerneſſen ward , odeč daß man überhaupt dieſe bei weglichen Spaniſchen Reuter zu unbequem fand ; ges nug , man findet nicht: daß fie in der Folge weiter an gewendet wurden.

S.

287.

In dieſen Zeitraum falten zwei Erfindungen in der Geſchüßkunſt, die man in der Folge wegen ibres Nut: zens

r) Schilotnecht 3 Th. 14 Kap . 6.188 . Ee 2011

422

IV.

Zeitra u m .

jens wieder Hervor ſuchte.

Das erſte find die Richtma:

ſchinen : Ein Jeſuit gab nemlich Warſchau eine Art Geſchů an , Abſicht ſeiner ganzen Struktur von · lichen abwich ; ſondern fich auch durch auszeichnete :

im Jahr 16So zu das nicht allein in dem bisher gewohns noch beſonders das

daß es nicht auf die gewöhnliche

Art mit Keilen , ſondern vermittelſt einer hinten unter dem Bodenſtůck angebrachten Schraube gerichtet Das Rohr batte an den Schildzapfen dop: ward ). pelte Stoßſcheiben oder Unråke , damit es in einer lafs fete mit parallelen Wänden defto feſter. lag , und ſich Die Seele endigte nach keiner Seite bewegen konnte. Kammer , die geſchloſſenen kugelförmig ſich mit einer mit einem bölzernen Spiegel auf das Pulver , gleich Von dieſem Geſchüße den Mörſern geladen ward ). wurden in der Folge ſowohl zu Neiſſe als Wien einige gegoſſen und gebraucht. S.

288 .

Die Zweite Erfindung ſind die von St. Huban wieder beroor geſuchten Schießgerüſte , um mit den Kanonen von den Feſtungswållen über Bank zu feuern , wo das Rohr auf Zwei Walzen geleget wird , die auf Balken ruhen , damit es ſich hin und her bewegen tann . Mangel an Laffeten war die Erſte Grundur: fache, daß Schildknecht ſich dieſer Vorrichtung bediente , um das Geſchüß noch ferner zur Vertheidis gung der Feſtung gebrauchen zu können "); ſie batte dann das Schickſal mehrerer anderen nůßlichen Erfins dungen : eine Zeit lang vergeſſen , und endlich von eis nem

:) Schreibers Büchſenmeiſteret: Diskurs fol. Brieg 1656 . t) Ebendaſ.

Pom - Pröporzionals Zirkul.

u) Schildknechts harmonia 2 Th. Kap. 1o . S. 53.

1. Fortſchritte der Geſchůßkunſt.

423

nem andern wieder aus dem Dunfel gezogen und für fein Wert ausgegeben zu werden .

S.

289.

In Abſicht der Kunſtfeuer waren die Deutſchen am weiteſten gekommen ; ſie hatten, ſowohl zum ernſts lichen Gebrauch als zur luſt , mehr und verſchiedene Doch blieben die anderen Arten derſelben erfunden . Nazionen in der Luftfeuerwerkerei gegen fie lange nicht ſo weit zurück. Die Kunſtfeuer zum Kriegsgebrauch beſtanden theils in ſolchen , die aus Mörfern geworfen wurden ; theils auch in folchen , zu deren Anwendung man kein Geſchüß nöthig batte. Unter den erſteren ſtanden die Bomben oben an, wie ſie ſchon im vorigen Zeitraume gewöhnlich geweſen waren , Sie wurden damals durchgångig von einerlei Eiſenſtårke gemacht, doch ſagt Maltbus ") : man könne ihnen eineri dicke: ren Boden geben , um das Brandloch allezeit oben fallen zu machen . Die Brandröbren waren, wie noch jezt, von Holz, oben mit einem Anfaş verfehen , und wur: 4.

-X

den mit Hanf umwickelt und mit Leimen beſtrichen , wenn man ſie in die Bombe einſehen wollte. Anfangs lies man den Kopf febr weit , ja bis auf einen þalben Ka: liber heraus ſteben ; weil man jedoch jabe: daß fie theils noch im Mörſer ſelbſt bei dem Herausfliegen der Bombe , theils auch beim Aufſchlagen der legteren am Erdboden abgeſtoſſen wurden , ſo daß die Ladang kein Feuer bekam , ſondern die Bombe wirkungslos blieb , machte man in der Folge die Köpfe fürzer W). v) Pratique de la guerre 2 Traité, Chap: 3 . w ) Sylvius , Herz. zu Würtemberg . O ¢ 18 in: terſchiedene neue Arten von fünftlichem Feuerwerk i Th . Kap. II . Ee 3

$ . 290.

424

IV .

Beifr á um .

S.

290 .

Uuf die Bomben folgten die Grenaden , die mant theils aus Steinkarthaunen , theils auch aus gewohn : lichen Kanonen ſchoß. Sie unterſchieden ſich von den Bomben nächſt ihrem kleineren Kaliber auch dadurch : daß fie feine Henkel oder Dehre und blos papierne Züns der hatren , die , mit dem Kopfe unterwårts , in die Man hatte Zweierlei Arten , Grenade geſezt wurden. ſie in das Geſchüß zu laden : die eine beftand darinnen , daß man ſie in eine hölzerne Kapſel einſchloß , und mit dem Zündloche zuerſt , auf das loſe Pulver in das Ges ſchüß ladte , oben auf aber einen Vorſchlag von alten Die andere und beſſere Tauen , Heu u . d. gl. fezte. Art , bei der man das Zerſpringen der Grenade nicht ſo leicht befürchten durfte , war : ' auf die į Kugel: ſchwere Pulverladung einen hölzernen Spiegel zu ſetz zen , durch den Fünf oder inehr Löcher gebohret waren. Man befeſtigte nun Zwei Stopinen oder {udelfaden ( Baumwolle mit Brandtwein und Mehlpulver beſtri: chen ) mit Eiſendrath auf den Stopf der Brandrobre, und führte die Grenade , mit lezterer auswårts , in die Daß man ſich übrigens der gewöhnlichen Kanone ein . Handgrenaden ſchon ſeit langer Zeit ſehr häufig bedien : Weil man dieſe Grena : te , iſt oben geſagt worden . den, wegen der Gefahr für diejenigen , welche ſie wer: fen ſollten , nicht mit zu kurzen Brändern verſeßen durfte ; fiel man darauf, ſie zui Knall und Fall ein zu richten , indem man zwei Löcher cinander gegen über anbrachte , durch die ein bölzerner Stab geſtecket und an denſelben eine brennende {unte befeſtiget war. Wenn nün die Grenade niederfiel, ward der Stab mit der Junte hinein geſtoſſen , und die Ladung gezündet. Man befeſtigte auch wohl einen Schwefelfies an einen eiſer: nen Stab , ſo daß er durch den Fall der Grenade zwis fфео

1. Fortfchritte der Geflügkunft.

425

fchen zwei ausgerippte ſtählerne Zungen hineingeſtoſſen ward , und mitten im Pulver Funken gab. Es finden fich jeboʻch Fette- Beftimmte Nachrichten ,

daß dieſe Art

Grenaden wirklich gebrauchet worden.

. .

291 .

Die übrigen Kunftfeuer waren : Feuerballen , Das heißt mit geſchmelzteix Zeug angefüllte Såcké von

1

51

2016

grobem Sacktuch , mie Leinen" umſtrickt, wie ſie noch gegenwårtig unter dem Namen der Brands und Leuchtkugeln verfertiget werden ; und brennende Steine, lezteres waren gewöhnlidie feinerne Kus geln , doch von kleinerem Kaliber, als der Mörfer, dus dem ſie geworfen werden ſollten , damit man ſie mit abwechſelnden { agen von Brandjeug und Hanf oder Flachs überziehen, in Pech tauchen und in Meblpulvet wålzen konnte

$. · 292 . Zu Bertheidigung der Breſchen und zum Angriff feindlicher Verſchanzungen wurden mancherlei Urten von Kunſtfeueru erfunden . Die Pechkrånze, aus alten Schifftauen in flieſſendes Pech getauchet, dienten bloß zum Unzünden der Schanzkörbe und Faſchinenwerke. Die Sturmfrånze thaten, daſſelbe, und vertrieben durch die los gebenden Grenaden und Mordfchlåge die zum Löſchen herbei eileuden feindlichen Soldaten . Sie bes ſtanden aus einem langen Beutel von Sacktuch

mit

Brandjeug und einigen Handgrenaden gefüllt, deu man auf einen eiſernen Reifen befeſtigte ; wit Morbichlåger verſaße und zulezt mit Pech taufte . Die Sturmfårfer waren groſſe Fåffer von Ei: chenbolz , gut mit Reifen verwahret, und mit Stücken alten Eiſens , Kettengliedern 26. und mit ungelöſchtem Stall EE 4

426

IV ,

j 3 eitraumo

Kalt angefüllet .

In der Mitten des groſſen Safies, be anderes kleineres , mit , eifernen Reifen , das 7 bis 8 Pfund Pulver zu faſſen sermochte und ju dem ein Bombenbrand durch das große Faß gieng, fand ſich ein

den man anzündete , wenn man das Breſche berab rollen ließ.

Faß über die

Die Sturmtópfe waren irdene Gefarfe mit Mehl: pulver und Einer Grenade angefüllet , die keinen Brånder hatte, , an die Henkel wurden brennende lun; ten gebunden und der Topf ſo unter die Feinde ge: ſchleudert. Man hatte endlich auch Sturmſpieſſe , die vorn an der eiſernen Spiße einen Knopf von Brandjeug mit vielen eingeſchlagenen Mordfchlägen hatten , und eben:

/

falls zu Vectbeidigung wurden * ), .

S.

der Sturmlůcken gebraucht

293 ,

In dem Gebrauch und in der Bedienung des Ges fchüßes wurden während dieſes Zeitraumes wichtige Fortſchritte gemacht. Obſchon man in Deutſchland teine Artillerie : Schuten batte, wie in Spanien und Italien , ward doch die Geſchüßkunſt darum nicht min: der eifrig betrieben und angebenden Büchſenmeiſtern ors Der Lehrling bezahlte dentlich zunftmäßig gelebret. einen Zweimonathlichen ſeinem Feuerwerfémeiſter Sold ') , und lernte dafür die Verfertigung der Kunft: feuer ; den Gebrauch des Geſchüßes aller Art ; und Der ausgelern : öfters auch die Anlegung der Minen. te Büchſenmeiſter mußte einige Probeſchüſſe aus einer Feldſchlange und Karthaung thun , albdenn erhielt er feinen *) Man ſehe Simienowici , Schreiber u. a . m . y) Schreiber & Berrede.

Büchſenmeiſtereis Discurso

In der

1.

Fortſchritte der Geſchůzkunſt.

427

ſeinen Lehrbrief ; Hatte er aber bei allen Probeſchaffen die Scheiben gefeblet , ward er für unwiſſend gehalten und mußte noch långere Zeit lernen . Die Probeſchů ſe geſchahen nach drei verſchiedenen Scheiben , von den er die erſte soo Schritt entfernte im Kernſchuß , die zwei te 1000 Schritt weite im Bogen, und die dritte 1500 Schritt von dem Geſchük: ftehende aber, mit drei Auf fchlagen treffen mußte.

S.

294 ;

Mit der Unwendung der Mörſer ward man bei den Deutſchen ebenfalls tåglich beſſer bekannt, und ges brauchte ſie nicht allein um die Häufer, der belagerten Stådte in Brand zu ftecken ; ſondern auch das Geſchük auf den Wållen damit zu demontiren , und die Beſata zung von den davon finden 1620 das bardiret ward

Beiſpiele Auſſenwerken zu vertreiben . ſich in den Belagerungen von Riga jedoch im eigentlichſten Verſtande boms - ?) Breda , Grol, Bolduc , Eoſtnik,

auf das in fünf Wochen 1500 Soms ben geworfen wurden. - u . ſ. w . Zu dieſer Abſicht nun war eine genaue Richtung des Mörſers unentbehr: lich , die man ihm durch den Quadranten , wie noch

Nördlingen

gegenwärtig , gab. Man beſtimmte nemlich durch den Erſten Wurf; ob man zu weit oder zu kurz getroffen þatte, und ob man daber mehr oder weniger Grade Elevation nehmen müſſe ? in der Vorausſeßung: daß unter einem Erhöhungswinkel von 45 Graden die groß: Bei den Franzoſen übte te Wurfweite erreichet werde . dies Maltbus blos praktiſch aus ; rühmt ſich aber dennoch : in der Belagerung von Damvillers meb: tere Bomben auf die Breſche geworfen zu gaben , die blos 1 ) Loçcenii hift , Şues , lib. 8. p. 537,

428

IV . Zeitraum .

blos um die Breite des . Grabens yon feiner Batterie entfernt war. Auch vor Ealioure wil er folche ges naue Würfe gethan haben ; obſchon ihm die Praktit theuer genug zu ſtehen kam , denn in der Belagerung pon landrecy flogen die Bomben über die Stadt gins aus , und tödteten auf der anderu . Seite die Belage ter ). Er war der Erſte, der den Franzoſen die Kunſt: Bomben zu werfen lehrte , und ſie in der Belagerung von la Motte in lothringen anwandte. In Deutſch: land und den Niederlanden hingegen war inan långſt damit bekannt, und die Feuerwerker berechneten ſchon die Würfe nach einer Wurftafel durch das geometris fche Verhältniß b).

Sie ſuchten hierauf die Mitte det

Mündung des Mörſers , um ihn in die Direction richten und ihm endlich vermittelft des Duadranten den berechneten Erhöhungswinkel geben zu können.

$.

295 .

Weil man die Bomben durchgeßends mit Ztvei Feuern zu werfen pflegte, in dem Wahne: daß ſie aus der Dunſt gerdorfen -blind giengen ; trieb man allezeit einen genau in die Kammer paſſenden Spiegel auf die ein : geſchüttete Pulverladung, die der zu erreichenden Wurf: weite angemeſſen ſein mußte. Einige fezten auf dieſen Spiegel eine runde Scheibe Raſen , andere einen blos: ſen Kranz von Stroß oder altem Tauwerk , um der Bombe ein feſtes Lager zu verſchaffen ; ja bei den Deuts fchen Artilleriſten ließ man den Spiegel zuweilen gang weg , und legte blos einen von Stroh geflochterien Vor: ſchlag unter die Bombe auf das Pulver.. Oben ward die Bombe verfeilet , 6. k . durch neben ihr eingeſteckte flaine

a) Blondel Kunſt Bomben zu werfen 1 Th. I B. 2 Sap. ylvius Herz . zu Würtemberg: 0 r18 Artils b) lerie 2 Th. I Kap. $ . 55 .

1.

Fortſchritte der Geſchüßkunſt.

429

kleine hölzerne Keile befeſtiget, und ringsgerum

mit

Hanf , altem Seilwerk, grobem Sacktuch oder auch mit Erde verdåmmt, und dann bei dein Losbrennent

zuerſt der Brandröhre, bierauf aber dem Mörſer Feuer Um dabei ſicherer zu geben , erfand Ral : gegeben. - thus die Bråndchen oder Zündlichter -) , welche die Stårke eines Federkicles hatten , und zwar ſchon .långſt bei der Luftfeuerwerkerei, noch nie aber zu dem Losbrens Ein nen des Geſchüßes angewendet worden waren . Zoll langes Stück dieſes Brändchens ward in das Zündloch des Mörſers geſteckt, und mit einem anderen långern Stück ward ſowohl die Brandrohre der Bois 1.*: be als auch der Mörſer gezündet. ! :: Brand : und Leuchtkugeln hingegen pflegte man

e nur mit Einein Feuer zu werfen , fezte aber altezeit das Brandloch auf die Pulverladung des Mörſers, und verfehlte gerade dadurch die Abſicht, die man erreichen wollte; denn die Entzündung des Körpers ward faſt immer durch die Heftigkeit des Pulverdunſtes verhin : Wahrſcheinlich war dies die vernehmſte Urſache,

dert.

daß in der Belagerung von Regenspurg 1634 ſehr vie: le der von den Kaiſerlichen in groſſer Menge in die $ Stabt geworfenen Feuerkugeln blind giengen "). S.

296 .

Eine der merkwürdigſten Erſcheinungen in Abſicht der Geſchůzkunſt iſt der Gebrauch der Kartetſchen im Bisher batte man ſich ihrer blos in den Feldkriege. Streichwehren der Feſtungen gegen die Stürmenden , und zur See bedienet : um die Feinde vom Verdeck eis nes geenterten Schiffes zu vertreiben ; jezt führte man

$

1

fie aber mit den Regimentsſtücken zugleich ein . Die Feld : c) Pratique de la guerre 2 Traité. Chap. 18. p. 151. d) Chemnik 4. a. D. 2 TH. 2 Buch S. 467.

430

IV.

3 eitra u m .

Feldhaubiken des Markgrafen von Baaden und Guſtav Adolfs lederne Kanonen waren ganz allein zú Kartetſchen beſtimmt;

auch das übrige leichte Felda

geſchůt ward öfterer mit Kartetſchen als mit Kugel: Die Kartetfchen ſelbſt beſtanden tþeils in Hagel von Stücken aften Eifens , zerbrochenen Nås geln u. d. gl.; båufiger aber in Musketenkugeln , die bald in hölzerne oder blecherne Büchſen, bald in Beu:

ſchuß geladen.

|

tel von grober Leinwand gefaßt, und zuweilen noch mit Dies gab Weiden : Ruthen überflochten wurden * ).

denn auch die Erſte Veranlaſſung: fich der Patronen beim Geſchüß zu bedienen , um gegen die Kavallerie geſchwinder mit dem Laden der Kartetſchen fertig zu werden . Weil man aber in der Folge das Vortheil: þafte davon einfabe, nicht allein in Abſicht der gróffern Geſchwindigkeit , ſondern auch der meşrern Sicherheit gegen das Laden mit lorem Pulver , das im Treffen als lezeit febr gefährlich war ; bediente man ſich der Patres nen auch zu den Kugelſchüſſen der Feldgeſchüße.

$. Leztere wurden noch ,

297 wie feit

dem Anfange des

Sechzehnten Jahrhunderts, durch Büchſenmeiſter und Handlanger bedienet; die beide aber nicht meør , wie ehedem , bloß unter dem Feldzeugmeiſter ſtanden , ſons dern in ordentliche Kompagnien formiret waren. Die leichten Regimentsſtücken bei den Schweden ſcheinen je; doch blos von kommandirten Musketieren Bedient wor; den zu ſein , welches auch ſehr leicht angieng, weil dieſe Art Geſchůk faſt nur allein Kartetſchen ſchoß , und das ber keine beſonders künſtliche Richtung erforderte. Die Bedeckung des Geſchůßes im Treffen beſtand bei den Schweden gewöhnlich aus kommandirgen Musketieren; bei e) Sylvius Artillerie 1 Th. Kap. II . Q. 46.

1. Fortſchritte der Geſchüßkunſt.

431

bei den Kaiſerlichen hingegen aus Reuterei, wie im Treffen bei Wimpfen 1622 , wo das Kalbe Kavalerie: Regiment von Herberſtein Tilly's Geſchüß bes wahrte ). ? 298 . S.

Da man jezt mehr Geſchüß bei ſich führte, als in den früheren Zeiten, ward auch ein betråchtlicher Train dazu erfordert; obſchon bei den Schweden die Truppen felbſt ungleich weniger Gepåck katten , als bei den Kais

ſerlichen , wie man weiter unten ( $. 370. ) ſeben wird. Um das Fuhrweſen für die Kaiſerliche Erekutions : Ar: - mee unter dem Marquis Spinola 1620 Kerzuſtellen , das aus 1500 Wagen beſtand , mußten tåglich 4000 - Mann arbeiten 5 ). Der ſchon im vorigen Zeitraume

erwåpnte Kriegsbaumeiſted

Pompeo Targone er:

fand für dieſes Heer beſondere Feldmühlen ,

die mit

den Rädern eingegraben und alsdann von Pferden oder Menſchen getrieben wurden. Uuſſer dieſen Feldmůb: len befanden ſich auch Backofen und tragbare oder Pontonbrücken bei dem Heere ,

deren Pontons theils.

aus Holf, theils aus einem hölzernen Gerippe, mit les Guſtav der oder Wachstuch überzogen , waren. Adolf führte ebenfalls Pontonbrücken bei fich , batte aber nicht, wie die Kaiſerlichen , die Spanier und Franzoſen , beſondere Pontonnierkompagnien , ſondern die Finnlånder , die vorzüglich alle mit der Zimmerars beit umzugeben wußteni , hatten den Brückenbau und andere ånliche Arbeiten über ſich .

f) Lottichii Res germanic. Lib . XI, cap. 5. 8) Chappuys a . 8. D. Tom. 2. p. 392..

Zweiter

432

IV .

Zeitraum .

Z weiter Abrchnitt. Veränderungen in der Formirung und Bewaffnung der Infanterię.

S.

299 .

ie Infanterie aller Heere beſtand inimer noch aus Musketierern und Piqueniren , welche lez: tere jezt nicht mehr lanzknechte , ſondern Spieſſer genannt wurden. Sie erhielten doppelten Sold , und Dennoch ward es ſchon ſeit dem Ende des Sechzehnten Fabrhunderts immer ſchwer genug Piquenire zu finden , ſo daß inan ihre Zahl von Zwei Drittheil bis auf die Hålfte der Kompagnien Herabſeken mußte ,

und auch

dieſe nicht einmal voljåklig haben konnte. Die Urſa: che davon iſt jedoch nicht ſowohl in der gröſſeren Ge: faht , oder in dem lebhafteren Gefühl derſelben zu ſu: chen , wie der verſtorbene Mauvillion glaubte );

als vielmehr darinnen :

daß der Soldat völlig gerüſtet.

auf dem Muſterplage erſcheinen mußte , wo es denn natürlich leichter war , fich eine Muskete als den vol: Ten Harniſch des Piquenirers anzuſchaffen ; vorzüglich aber , daß der doppelte Sold des Piquenirers lange nicht ſoviel austrug , hatte ,

als der Musketierer Gelegenheit

ſich bei Partheien und anderen -Verrichtungen

des kleinen Krieges zu erwerben , wo nur er ausſchlies: fend gebraucht ward. Waþrſcheinlich gab jedoch die Unzulånglichkeit des Harniſches gegen das Feuergewehr, vers b) Eſſai ſur l'Influence de la poudre à Canon dans l'art de la guerre p. 63 .

2. Formir. Ha Bewaffn. der Infanterie.

433

verbunden mit der eben aus dieſer Rüſtung entſpringens den Unbeweglichkeit der Piquenire, in der Folge baupts fächlich zu Abfchaffung derſelben Anlaß.

S.

300 .

In Abſicht der Stårke waren die Regimenter bei Bei den Kaiſerlichen , ro den Armeen ſehr verſchieden . wie bei den übrigen deutſchen Truppen , enthielt ein Res giment feit Marimilians des Zweiten und Rudolfs des Ändern Regierung Zehn Kompag nien oder Fåbnlein zu 300 Mann , halb Piqueniere balb Musketiere ') ; ſo ſtark werden ſie auch in der von Wallenſtein bekannt gemachten Beſtandliſte im laf Bei den Franzoſen was ger bei Nürnberg angegeben . ren die Regimenter ebenfalls Zehn bis zwölf Kompags nien , jede zu 200 Mann , ſtark. Die Schwediſchen Nazional: Regimenter rezte Guſtav Adolf auf Ucht Kompagnien , jede zu 144 Mann : nemlich 54 Piques . Ueber dieſe that er den nire und 72 Musketiere. Hauptleuten noch : Uchtześn Paſſevolanten gut , die ſie zwar voll bezahlt erhielten , ihnen aber nur Sie thaten dafür feinen Lobnung geben durften . Dienſt , ſondern wurden nur im Nothfall einrangiret, und waren daber als Uebercomplette anzuſehen k ) Die |

Deutſchen und Engliſchen Regimenter bei ſeinem Heere im Gegentheil waren ſtårker ; ſie beſtanden mebrentþeils aus Zeben bis Zwolf Kompagnien , jede zu 150 Mann. Dies war der feſtgeſezte Beſtand der Truppen ; allein, er veränderte ſich im Laufe eines ſo blutigen Krieges beſtåndig.

Die Kaiſerlichen Regimenter waren 1631 in

i) Chemnit II Th. Bch. 2. S. 390. auch hauſen Kriegskunſt zu Fuß. p. 27 und 569.

allene.

k ) Schuldtnecht 3 Ch . Kap . 14. auch Walter Sars the Leben $. 2 .

434

IV .

Zeitraum : .........

in der Schlacht bei Leipzig kaum 1500;

und im

fole

!

genden Jahre größtentbeils nur g20 Mann ſtark. Ja , die Schwediſchen Kompagnien waren im Jahr 1633 durch die eingeriſſenen Krankheiten und durch anderen Abgang bis auf Vierzig Mann geſchmolzen ).

S.

301.

Man hatte zwei Wege , dieſe Truppen zu errichten und vollzählig zu inachen : die Stellung der Eingebohr: nen , ein Ueberreſt des ehemaligen Uufgebothes ") ; und die freie Anwerbung.

Von der erſteren finden fich während dieſes Zeitraumes in Deutſchland einige Spuþren , vorzüglich in Sachſen , wo 1613 die De fenſioner auf dieſe Art errichtet wurden. Sie bei ftanden aus Zwei Regimentern Infanterie , jedes zu Acht Kompagnien von 520 Mann , und Zwei Komi pagnien Ritterpferden von 930 und 690 , und machten nebſt der 1344 Mann ſtarken Dresdner Berapung das ftebende Heer des Kurfürſten aus , das jedoch blos zur inneren Vertheidigung des Landes beſtimmt war , weil man bei ausbrechendem Kriege noch beſondere Truppen ano 1 ) Chemnik II Ch . Buch 1. S. 215 . m) Seitdem man angefangen hatte, die Armeen auf einen regelmäßigen Fuß zu ſeken , war auch das nun unnük. gewordene Aufgeboth der Vaſallen , beſonders des Fußvols tes von ſich ſelbſt verſchwunden ; denn die allgemeine Bes waffnung der Niederländer im vorhergehenden Zeitraume war fein Aufgeboth , ſondern vielmehr ein Aufſtand der Mazion En maſſe . Ein Beiſpiel von jenem ſtellt uns in dieſem Zeitraume der Kurfürſt von Brandenburg auf, Der 1623 durch das Aufgeboth Zehn Schwadronen Reuter und fünf und zwanzig Kompagnien Fußvolt zuſammen brachte .' Noch ſpåter findet man es in Frankreich unter Ludwig dem Wterzehnten 1672 ; allein , die aufs ** gebothenen Kriegsleute liefen beim Erften Anbliet des Feindes davon.

5

2. Formir. u. Bewaffn. der Infanterie.

435

! anwarb , die 1635 mit Einſchluß der Leibwachen 19755 ſchwere Reuter , 2058 Dragoner und 30416 Infanteriſten nebſt einer beſonderen Artilleriekompagnie ausinachten ") . Die Ungariſche Reuterei bei den Kai: ferlichen , ſo wie die eigentlichen Schwediſchen Trup: pen , die Guſtav Adolf mit nach Deutſchland brachte, waren ebenfalls durchgehends aus Nazionalen zuſammengeſektº).

Sie machten den Kern des Heeres

aus , und dienten den übrigen Regimentern , die der König nach ſeiner Ankunft in Deutſchland formirte, zum Vorbilde. Der Abgang ward bei lezteren durch eine Art Konſcriptionen erſezt, die groſſe Aehnlichkeit mit der jebigen Preußiſchen

Kantonverfaſſung hatte.

Der Befehlshaber eines jeden Regimentes wußte da: durch genau , wo er ſeine Rekruten þolen foute', deren Ublieferung durch die Unterrichter an die Hauptleute in ſeiner und des Statthalters der Proðinz Gegenwart geſchahe..

$.

302.

Mit ihnen kieng in Abſicht der Einrichtung die von Guſtav Adolfen 1625 eingeführte Miliz genau zuſammen , die ebenfalls von dem lande geſtellt , und gleich den anderen Nazional : Regimentern durch jähr: Sie lich gelieferte Refruten vollzåblig erhalten ward. beſtand aus Acht Regimentern zu Pferde und Zwanzig Regimentern zu Fuß, die auf die Provinzen des Reichs vertheilet waren , in den ſie ihr Standquartier hatten , pe und woſelbſt ſie verpfleget und rekrutiret wurden. Sold und n ) Pragmatiſche Geſchichte der Sächſiſchen Truppen. Leipz. 1792. 12. S. 12. 0) Es waren Zwei Regimenter Weſtgothen und Smaláns der , und Vier Regimenter zu Fuß. Puffendorf in 2 Buch S. 27.

Soyer's neuere Kriegsk. I. Th.

1

Ff

436

IV .

Zeitra u m .

und Kleidung aber erhielten ſie vom König. Jener war in Friedenszeiten nur geringe , denn der Haupts mann einer wenigſtens soo Mann ſtarken Kompagnie bekam'ionatýlich 36 Rthlr. , und der Musketier nicht mehr als Einen . Die Beſoldung der Reuterei betrug Ein Drittheil mehr. Sie waren dafür von allen 26: gaben befreiet und genoſſen noch ſonſt verſchiedene an: dere Vorrechte.

S.

303

Die andere Art Soldaten auf zu bringen : nemlich die freie Unwerbung war übrigens das gewöhnlichere Mittel , der Abgang der Truppen zu erſeßen . Man ſuchte damals ſchon die Kriegsleute durch den Reiz ei: nes ſehr beträchtlichen Handgeldes an zu locken ; denn als Wallenſtein nach Tilly's bekannter Nieder : lage bei Leipzig ein neues Heer für den Kaiſer errichte: te , gab man dem bloſſen Infanteriſten bis fünf und zwanzig Thaler Handgeld p). Hier findet ſich zugleich wahrſcheinlich das Erſte Beiſpiel von gewaltſamer An: werbung ') ; den Wallenſteins Werber giengen in den Oeſterreichiſchen Provinzen in die Bürgerhäuſer, und legten Handgeld und einen Strick auf den Tiſch, ſo daß man keine andere Wahl hatt : als Soldat zu werden oder ſich Henken zu laſſen. Guſtav Adolfo Heer beſtand ebenfalls größtentheils in Uuslåndern, die er theils von dem Könige von Engelland in Sold hatte, theils in Deutſchland und den Niederlanden ans werben lies . Was alsdenn durch Deſertion oder Krank: heiten abgieng ; mußte der Hauptmann für den Sold der Paſſe : volanten erreken ;

was hingegen im Tref:

p ) Hiftoire des dernienes Campagnes et Negotiations de Guſtave Adolphe en Allemagne. Bellin 4. p . 249 .

9 ) Schildknecht & Feſtungsbau 3 Buch S. 197.

2 2.

Formir. u . Bewaffn . der Infanterie.

437

Treffen blieb , an ſeinen Wunden ſtarb , oder gefangen ward , bezahlte der König . Im Jahr 1633 gab der Reichs : Kanzler Drenſtirn bei der neuen Formirung auf eine Infanterie: Kompagnie Hundert, auf eine Kas vallerie : Kompagnie aber Dreihundert Thaler Anwer: begeld.

S.

304 .

Jede Infanterie Kompagnie beſtand bei den Schwe: den aus Einem Hauptmann , Einem Leutnant, Einem Fähnrich , Einem Feldwebel, Einem Sergeanten, Ei: :

nem Rüftmeiſter , Einem Fourier, Einem Führer, Einem Muſterſchreiber, Sechs Korporalen , Achtzehen

Rottmeiſtern , Drei Tambouren und 144 Gemeinen "). Zu dem Regimentsſtaab gehörten der Oberſte , der Oberſtleutenant , der Major , der Regimentsquartier: meiſter , der Feldprediger , Vier Wundärzte , der Res giments : Tambour , der Profos mit ſeinem Knechte und Acht Marketender. Der Major kommandirte ſeis ne Kompagnie ſelbſt, der Oberſte und Oberſtleutnant aber hatten jeder einen Capitain: Leutnant; folglich war der Etat des Regiments bei Acht Kompagnien nur Fünf wirkliche Hauptleute , Zwei Capitain : Leutnants , und Sechs Leutnants. Bei den Kaiſerlichen war die Kriegsverfaſſung ſchon unter Siart dem Fünften und Maximilian dem zweiten auf einen feſten Fuß geſekt worden ') ; ſeitdem hatte ſie ſich wenig oder gar nicht veråndert. Das Franzöſiſche und Engliſche Kriegsweſen aber war dem Schwediſchen ånlich. r) Schildknecht 3 Th . Kap. 13 ; S. 140. $) Man ſehe oben 5.59 . und Fronspergers Kriegsbudy.

Ff 2

$ . 305 .

438

IV.

Zeitra u m .

$.

305.

Durch die Einrichtung der Brigaden ånderte ſich die Formirung der Schwediſchen Infanterie in der Dieſe Brigaden waren an : Folge einigermaſſen ab. fangs nichts anders , als eine neue Stellungsart an : ſtatt der bisher gewohnlichen tiefen Bataillone , von der ich weiter unten (S. 335. ) nähere Nachricht geben Weil jedoch die Regimenter ſehr zuſammen werde. Tchmolzen , und Guſtav Adolf die Schwediſchen Nazionalen nicht mit Ausländern rekrutiren wollte; ſtieß er im Lager bei Schwedt 1631 zwei Regimenter zuſammen , und formirte daraus Brigaden , die jezt nur Regimenter vorſtellten , und nach der Farbe ihrer Oberröcke die blaus , die weiſſe , die grüne , die 1

Ein rot be und die ſchwarze genannt wurden “). gleiches that er auch mit den Engliſchen Truppen , aus den allen er die Gardebrigade formirte ; die überzähli: gen Offiziere aber verſezte er nach und nach zu den wah: rend des Krieges neu errichteten Korps. Denn obſchon die Deutſchen Regimenter bei ſeinem Heere zum Treffen ebenfalls Brigaden formirten , blieben ſie doch auſſer: dem abgeſondert in ihrer vorigen Verfaſſung. 6.

306 .

In Ubſicht des Soldes der Truppen , war Gu: ſt av 2001f der Erſte , der den bisher gewöhnlichen faſt um die Hälfte verringerte. Unter Ferdinand dem Zweiten betrug die Beſoldung eines Kaiſerli: dhen Oberſten monathlich 835 FI. eines Hauptmanns 180 Leutnants so

Fåbnrichs

45 eines

t) His Expeditions with the worthy Scots, Mackeyes, re. giment by the Colonel Robert Monro Tom . 2 ; p.25

439

JI FI. IO

eines Feldwebels

Korporals Piquenirers oder Doppel: Söldners Musketierers

9 6

Bei den Schweden þingegen erhielt der C Oberſte monathlich 184 Rthlr. Oberſtleutnant 80 61 Oberſtwachtmeiſter $ 30 Quartiermeiſter

i

-

2. Formir. u. Bewaffn . der Infanterie.

III

Die Kompagnie der Hauptmann C Leutnant

61

30 30 Fähnrich 9 Sergeant Führer , Furier , Muſters 7 ſchreiber und Rüſtmeiſter Tambour 4 6 Korporal

C

Rottmeiſter Unter : Rottmeiſter Musketier oder Piquenier

5 4 3Ž

Paſſevolant oder Knecht

18 . 30 I2

Auditeur C

Wundarzt

richte Profos

18 12

Steckenknecht

3

Nachrichter

7

Ff

3

IIII

beim Kriegsge: 111

Schreiber

I

Civil : Etat des Regiments der Feldprediger

Der

440

IV .

Zeitra u mt.

Der Unterſchied iſt auffallend ; allein , wenn die Kai: ferlichen Jahre lang ohne Sold blieben und blos von Er: preſſungen leben mußten, erhielten die Schweden , ſo lan: ge der König lebre, allezeit den sten, uten und 2 iten

.

jedes Monatýs ibre Beſoldung richtig , ſehr oft auch bei bevorſtependen Mårſchen u . d . gl. auf Zehn Tage voraus . Der König hielt ro unverbrüchlich über dieſe Einrichtung , daß er in dem Pohlniſchen Kriege , weil es der Kaiſe an Gelde fehlte , die Beſoldung theils in Minze ; theils aber in Zobelfellen auszahlen lies, um ſie den Soldaten ſtets ohne Abzug geben zu können "). Noch ſchlechter als bei den Kaiſerlichen war es bei den übrigen Deutſchen Truppen mit der Bezahlung bes ſchaffen ; daycr die vielen Ausſchweifungen , die dieſen Krieg zu einer fortlaufenden Reihe der verabſcheuens: würdigſten Handlungen machten. Man erſtaunt, wenn man båret : daß die Stånde des Kurfürſtenthums Brandenburg im Jahr 1620 den Soldaten Erlaub: niß gaben , im ganzen Sande Almoſen zu fammlen, und zugleich den Sandleuten befahlen , jedem Krieger, der ſie anſprechen würde, Einen Heller zu geben ").

S.

307.

Es gab übrigens zu Anfang dieſes Krieges nur we: nig Hobe Befehlshaber bei der Armee ; Generale kom : inandirten die Korps und Oberſten die Regimenter . Um jedoch die koberen Offiziers, wenn ſie ſich auszeich: neten , belohnen zu können , wurden theils neue Ehren: ſtellen geſchaffen , theils die ſchon eriſtirenden vermneſs ret. 11) J. Widekindi hift. belli Sueco - Moſcovitici decenualis Lib. 3 ; cap. 6.

v) Mauvillons Geſchichte des Preuſſiſchen Soldaten : weſens , überſezt vom Hptm . von Blankenburg. Leipzig 1796. 8. Seite 80. der Einleitung.

1

.

1

T

2. Formir. u . Bewaffn. Der Infanterie.

441

Guſtab adolf hatte daher ſchon vor ſeinein ret. Tode die mehreſten Regiments : Inhaber zu Generalen befördert , und in der Folge wurden alle Schwediſche Bei dem Korps von Feldmarſchållen angeführet. Kaiſerlichen Heere war noch von Karis des Fünf : ien Zeiten her der Generalſtaab zahlreicher, urid ward es noch mehr durch die Volontaire, die dem Feldherrn folgten und den Troß ſo wie die Schwierigkeit der Beinahe jeder Offis Subſiſtenz vergröſſern balfen. zier, bis auf den Leutnant herab, hattte unter dem Na : men ſeines Kamerade'n oder Waffenbruders einen ſolchen Volontair bei ſich , der ſtets an ſeiner Seite focht. Der König von Schweden , der dieſen mehr ſchåd: lichen als nůžlichen Gebrauch nicht abſchaffen konnte , ſuchte wenigſtens einigen Vortheil daraus zu ziehen , in: dem er die Volontaire in ſeine Suite nahın , und ſie als Flügeladjutanten gebrauchte , auch oft die abgehenden Alle Beförderungen bei den Offiziere durch fie erſezte. Deutſchen und Schwediſchen Heeren geſchahen entwe: der nach der Dienſtzeit oder nach dem Ermeſſen des Feldherrn , wann Offiziere ſich beſonders hervorgethan Guſtav Adolf erhielt auch dadurch eine þatten neue Gelegenheit : verdiente Offiziere zu belohnen, daß er die Oberſten , wenn ſie über Sechzig Jahr alt wur : den , entweder als Kommandanten in den Feſtungen anſtellte , oder ihnen ( andchargen gab , um ſie von den Beſchwerlichkeiten des Dienftes zu befreien und blos muntere und thårige Unführer bei der Armee zu haberi . Bei den Franzoſen verkaufte der Abgebende ſeine Stelle an einen anderen um eiuen verhältnißmåſtigen Preis ; doch mußte der Käufer ſchon einige Zeit vorher gedient haben . Der ältere Puy ſegur kaufte auf dieſe Art als Fähnrich bei den Musketairs den Majors : Plas im Regiment Piemont für 15000 livres, und eine Sioma Ff 4

1

442

IV.

Zeitra u m .

Kompagnie in demſelben Regimente für 12000 livres w ). Wenn ſich jedoch ein Offizier ſchlecht aufführte , kaffic: te ihn der König und vergab ſeine Stelle , ſo wie die Stellen der im Treffen Gebliebenen , an diejenigen , die er belohnen wollte.

$.

308 .

Mit den Waffen der Infanterie giengen in dieſem Zeitraume, vorzüglich bei den Franzoſen und Schwe: den , wichtige Verånderungen vor. Die Muskete bat: te zu Anfang des Siebenzehnten Jahrhunderts faſt durchgehends den einfachen Haken - die Urhebuſe verdrångt , und nicht ohne ſcheinbaren Grund, weil ſie weiter ſchoß , und ihre Kugel wegen der ſtårkeren las dung leichter durch den Harniſch des Reuters und des Piquenirers ſchlug.

Die Schußweite dieſes unbehülf:

lichen Feuergewehres war Dreihundert Schritte oder fechzig Rheinländiſche Ruthen . Es ward , wie fchon oben geſagt worden iſt, die Furquete

zum Abfeuern auf eine Gabel gelegt , und vermittelſt eines

Juntenſchloſſes losgebrannt.

Um die { unte bei üblem

Wetter trocken zu erhalten , führte man ſie in einem ( untenverberger von gelbem oder weiſſem Blech , Die der ſeine Entſtehung den Holländern verdankt. Muskete nun , nebſt einem etwa drei Fuß langen Så: bel , machte das Gewebr des Musketierers aus ,

der

nächſtdem gewöhnlich eine eiſerne Pickelbaube auf dem Kopfe trug.

S.

309 .

Dię Piquenire aller Armeen Katten zu Anfange dies fes Zeitraumes ein Bruſtſtück , mit Armſchienen , Blechichurz Taffetten und eine Pickelhaube. Jør w ) Memoires de Puyſegur. Amſterdam 1690. 12. p. 110 .

2. Formir. u. Bewaffn. der

Infanterie. ' 443

Ihr Gewehr war die 16 bis 18 Fuß lange Pique und Schon dieſe , noch mehr ein ziemlich langer Degen. aber die ſchwere Růſtung machte den Piquenirer zu als len geſchwinden Wendungen und Beweguugen unge: ſchickt.

Wirklich wurden ſie, des höheren Soldes ohn:

geachtet , weniger gebrauchet, als die Musketiere, die den größten Theil der Wachen ' nebſt allen Verrichtung gen des kleinen Krieges über ſich nehmeu mußten . Hauptſächlich

aus dieſen Gründen Tezce Guſtav udolf die Zahl der Piquenire bei ſeinem * Fußvolte von der Hälfte auf ein Drittheil þerab, den er zugleich anſtatt der durch ihre Långe unbequemen Pique eine nur u

Fuß lange Partiſane gab, deren Zwei Fuß lans

ges Eiſen unten 41 Zou breit und auf beiden Seiten ſchneidend war *). Früher waren die Schweizer ihm darinnen vorgegangen , und hatten faſt durchgehends an die Stelle der Pique die Hellebarte und Partiſanie

:

geregt, auch ſagt Turner , der in der Zweiten Hålfite

&

des Siebenzehnten Jahrhunderts lebte : viele Piquenire verkürzten ungeheiſſen die Långe ibrer Pique »).

S.

310.

Man begnügte ſich jedoch nicht damit , ſondern bei Mårſchen und andern Unternehmungen des Königs von Schweden , die Geſchwindigkeit erforderten , fand man die ganze Rüſtung des Piquenirers zu unbequem , man warf ſie weg , und erſezte die abgebenden Solda; ten immer blos durch Musketiere . Guſtav Adolf errichtete daher ſchon im Jahr 1631 ganze Muske: tier : Regimenter , die gar keine Piquenire enthielten , wie ») W. Barthe Leben Guſtav Adolfs . I Th . S. 631 , y) Pallas armata , or Military Eſſayes, London 1683 fol. p. 176.

Ffs

444

IV .

wie das Regiment

Zeitra um .

des Feldmarſchalls

Banner in

der Schlacht bei Leipzig , und das des jungen Grafen von Thurn 2) . Ihm folgte zuerſt, der König von Dånnemark , der 1657 fünf Regimenter Auslån: der errichten lies , und ſie ausdrücklich blos mit Mus: keten zu bewaffnen befahl) Es traten ſogar Schrift: ſteller auf, welche die Pique verwarfen , und die Ins fanterie nur allein aus Musketieren beſtehend baben wollten. Brancalio , cin Italiener , war der Er: ſte: der die Pique für unbrauchbar erklårte ,

und ge:

gen die Reuterei eine beſondere Art von Fußangeln ems pfahl. Nach ihm zeigte ( upton , ein Engelländer, im Jahr 1642 in einer beſondern Abhandlung die Mångel der Pique , und rieth anſtatt ihrer das Fuß: volk mit einer Muskete und dem fo eben in Frankreich erfundenen Bajonet zu bewaffnen .

.

311 .

Weil der große König von Schweden vorzüglich Leichtigkeit und Beweglichkeit der Truppen zu ſeinem Haupt: Zugenmerk machte; katte er noch während des Pohlniſchen Krieges gegen das Fahr 1626 die Muss keten erleichtert, und die dadurch entbehrlich gewordes Die Musketiere nen Musketengabeln abgeſchafft.

1 führten anſtatt ibrer neben der Muskete , jeder eine Schweinsfeder , die ſo lang und ſtark war , als der Schaft eines Knebelſpieſſes , und vorne eine Zwei Spannen lange eiſerneSpiſe, hinten aber einen Sta: Dieſe Pinne oder Schweinsfeder chel Hatte 6) . ward gegen den raſchen Einbruch der Pohlniſchen Reu: terei ſchräge in die Erde geſtoſſen ,

ſo daß

ſie mit der Spike

2) Chemnik I Th.:3 Buch S. 210 , a ) Turner's Pallas armata. p . 177 . b) S dyild knechts harmonia 3 Th. 14, S. 189.

3

2. Formir . u. Bewaffn. der Infanterie.

445

Spike gegen die Bruſt des Pferdes ſtand und der Mus? fetier , einige Schritte dahinter ſtehend , über ſie hin: Wegen der Beſchwerde , welche weg feuern konnte. Pinnipalliſaden dem Infanteriſten verurfachten , viel: leicht auch , weil Guſtav Adolf fie gegen die mins der bewegliche Deutſche Reuterei nicht für ſo nothwen: dig hielt , wurden ſie jedoch wieder abgeſchafft, und blos nur noch dem Heere nachgefahren , um ſie bei Vers ſchanzungen in der Geſchwindigkeit , anzuwenden ) . Funfzehnten Jahrhuns Daß die Engelländer ſchon im derte ånliche Pinnpalliſaden mit ſich zu führen pflegten , iſt fchon oben — I. Zeitraum , Dritter 46: geſagt worden . ſchnitt S. 23.

S.

312.

Bei aller Unbequemlichkeit des (untenſchloſſes , und ohngeachtet des weſentlichen Nachtheiles : daß es im Regen durchaus unbrauchbar war , wo, zum Beiſpiel die Schlacht bei Twer deshalb beinahe verlohren ges . gangen wäre , weil die Schweden nicht mit ihren (un : tenröhren feuern konnten , während die Naſſe auf die Pfeile und kurzen Spieſe der Ruſſen und.Pohlen keis nen Einfluß hatte d) ; bediente fich dennoch das Fußs volt deſſelben allgemein bei ſeinem Feuergewehre ) . Sei es nun : daß man durch die Seltenheit des Schwes felkieſes abgehalten ward , die ſchon ſeit Einem Jahr: hunderte bei der Reuterei gewöhnlichen Deutſchen oder Radſchlöſſer auch bei den Musketen einzuführen ; oder daß man das Verſagen dieſer Schlöſſer fürchtete, wenn die ſtumpf gewordenen Steine nicht immer durch neue ers c) Chemniß I Th. Buch 2 ; S, 486 d ) Widekivdi hift. belli Sueco - Moscor. lib . 3 ; Có 12. Loccenii hiſt. Suecan. lib. 8 ; p . 480. e ) Chappuys Liv. 17 ; No. 5 .

1

)

446

IV.

3 eitra u m .

erfezt werden konnten . Guſtav Adolf gieng auch hier von dem alten Brauche ab , und gab dem Regi: mente des Grafen von Thurn , oder wenigſtens einigen Kompagnien deſſelben , Musketen mit Rads ſchlöſſern ' ) . Es ſcheint jedoch nicht , als Gabe man es bei den übrigen Armeen nachgeahmet ; ja, ſelbſt bei den Schweden findet man im Laufe des dreißigjährigen Krieges noch beſtåndig der Musketen mit luntenſchlos: ſern erwähnt.

S.

313

Unmittelbar mit dieſer Einrichtung fieng eine an: dere nicht weniger nůßliche zuſammen : Die Einführung der papiernen Patronen für die Infanterie, die in einer Taſche von gebranntem leder von dem Soldaten auf dem Rücken getragen wurden . Man bediente ſich überall in Deutſchland , Frankreich , Spanien , den Nieders landen und in Dånnemark noch der Bandouliere, an den zwölf hölzerne oder blecherne Büchſen hiengen , welche eben ſo viel ladungen für die Muskete enthielten . Nur die Leichte Kavallerie hatte bisher Patron : Taſchen geführet , als ſie bei den Schweden auch das Fußvolk etwa gegen das erhielt , von ben ſie in der Folge den Franzoſen ůbergiengen , wo ſie jedoch nicht gleich allgemein , ſon: dern

Jahr 1644 – zu ihren Verbündeten ,

f) " Der Fähnrich Braun von dieſem Regimente úberfiel ,,mit Funfzehen Feuerrohren ein Kroaten : Quartier, wwo er den Befehlshaber tódtete und eine Fahne eroberte. ,, Guſtav Adolf verehrte ihm daher eine goldne Kette , „ und machte ihn zum Hauptmann über eine Kompagnie „ ſolcher Feuerrohre." Man ſiehet deutlich , daß Chemnik , der als des Königs Geheimſchreiber Augens zeuge war , hier abſichtlich dieſe Feuerrohre von den Musketierern unterſcheidet, die er ſonſt überall bei ihrem Namen nennt .

1

2. Formir, u. Bewaffn. der Infanterie.

447

dern anfangs blos von den auf Parthei ausgeſchickten Soldaten getragen wurden 8 ) , denn die Musketiere batten noch im Jahr 1651 blos Bandouliere , ob:

MI

6.V

gleich faſt alle Kriegsſchriftſteller über die Unzweck: måßigkeit derſelben, und über die Vortheile der Patron: taſchen einverſtanden waren h).

S.

314 .

Faſt zu derſelben Zeit , als der König von Schwe: den ſich das Gewehr feiner Truppen auf die angeführte Weife zu verbeſſern bemůbete , oder wenigſtens bald nach ſeinem Tode ward in Frankreich das Bajonet und das jezt gewöhnliche Flintenſchloß erfunden, denn im Jahr 1640 bekam ſchon das Erſte Reuters , Regiment mit lezterem verſehene Feuergeweøre ,

und

ward nach denſelben Füſiliere genannt. Uuch gab e $ 1645 unter dem Fußvolk Fuſiliere, die bei den Kompagnien vertheilet waren ). Die Bajonette erbielten wahrſcheinlich dieſen Namen von dem Orte, wo ſie zuerſt verfertiget wurden.

Ihre Klinge roar

zweiſchneidig , Einen Fuß lang und Einen Zoll breit ; der hölzerne Stiel , womit man ſie auf den Lauf der Muskete oder Flinte ſteckte , war Ucht bis Neun Zoll lang.

Sie wurden gegen das Jahr 1647 in den Nie:

derlanden gebraucht", woſelbſt man ſie den Infanteri: ſten mitgab , die auf Parthei geſchickt wurden und in Flandern öfters über die Kanåle ſchwimmen mußtenk). Da g ) Memoires de Puyſegur, Inftrudions milit. P. 479. h) Memoires de Puyfegur p. 344 .

cap . 8,

i ) Memoires pour l'hift. du Cardia . Richelieu T. I ; p . 556 . k) de Gaya Traité des armes etc. liv. I ; chap . I ; $. 3 . Puyſegur. Inſtruct. militair. Chap. 8 ; p. 479.

448

IV.

Zeitra um.

Da ſie übrigens keine Degen, und anſtatt der Muskete Flinten führten , bildeten ſie eine Art leichter Infanterie, deren ſich die Franzoſen bei ihren Feldzügen in Flan: dern und Brabant mit vielen Vortheil bedienten.

S.

315 .

Schon lange hatte inan bei den Armeen Feine bei fondere leichte Infanterie gehabt ; die Musketiere was ren bei ihrer Einführung durch den Marcheſe Pescari eine Art derſelben , und wurden auch in der Folge zu: den ( au: gleich mit den kommandirten Arkebuſierern fern (S. 76. ) – zu den Vorpoſten und Partheien ge: In dem Feldzuge gegen die Pohlen 1610 nommen . hatte Guſtav Udolf 4000 Mann Fußvoll aus Nordbothnien , die Fünf Fuß lange und Einen Fuß breite Schneeſchuhe trugen und den Poblen viel Abbruch thaten , weil dieſe wegen des tiefen Schnees weder zu Fuſſe noch zu Pferde fort konnten ). Die Grenadiere ,

das heißt beſondere zu dein

Grenadenwerfen beſtimmte Soldaten verdanken in ges wiſſem Betracht den Schweden ihre Entſtehung , ob gleich fie von den Franzoſen zuerſt eingeführet wurden, wie man im folgenden Zeitraume ſehen wird. . Der Schwediſche General : Major ars : Kagge gab nems lich im Jahr 1634, als Gouverneur von Regensburg, in der Belagerung dieſer Stadt , denjenigen , die ſich zu dem Grenadenwerfen gebrauchen lieſſen , eine Zu: lage zu ihrer Beſoldung. Im Laufe dieſes Krieges finden ſich auch die Erſten Nachrichten von einem kleinen Jägerkorps. Wik gelm, landgraf zu Heſſen , batte 1631 ſchon drei Roms pagnien Jäger unter ſeinen Truppen ; und der Chur: firſt k) Widekindi hift. b. Sueco - Moscov, lib . 3 ; cap. 25.,

2. Formir. u . Bewaffn . der Infanterie.

449

fürſt von Baiern errichtete im Jahr 1645 drei Re: gimenter fåger , die vorzüglich zu Vorpoſten und zu den Verrichtungen des kleinen Krieges gebraucht wur: den . ( Theat. Europ. 5 Th. S. 570.)

.

316 .

1

Die Offiziere waren übrigens noch wie im vorher: genden Zeitraume bewaffnet , und führten bei den Pi: queniren, Piquen , beiden Musketierern aber Partiſanen . Bei den Schweden hingegen war es ſehr gewöhnlich, daß die Offiziere bei dem Fußvolke eben ſo , wie bei der In den Reuterei , mit dem Degen kommandirten . Franzöſiſchen und Spaniſchen Heeren was ren die Offiziere , wie die Piquenire mit einem leichten er wog 34 bis 35 Pfund , Harniſch verſehen

Deutſchen ,

deſſen Ringfragen als ein Unterſcheidungszeichen gewöhnlich vergoldet war ; die Schwediſchen Offiziere aber trugen blos ein Bruſtſtück oder Küraß auf einem Obſchon Collet von Büffels · oder Elends : Leder. Guſtav Adolf wegen einer Musketenkugel , die

.

ihm in der Schulter ſtecken geblieben war, keinen Har: verbot er doch ſeinen Offizieren

niſch leiden konnte ') ; ausdrücklich ,

!

die Kiraſie abzulegen ,

wenn ſie es

aus Bequemlichkeit oder aus Nachahmungsſucht thun wollten , wie z. B. bei dem Sturm auf Frankfurt an der Obec. Die übrigen Unterſcheidungszeichen der Offiziere waren goldne Ketten , Federn auf den Hüthen , und Feldbinden , die man gewöhnlich über die Schulter trug. Ihre Farbe war allezeit bei der ganzen Ärmee übereinſtimmend :

bei den Schweden grün ;

bei den

Kaiſerlichen und Spaniern roth ; hei den Franzoſen weiß ; bei den Niederländern bellblau u . f. w. 1 ) Soldat Suedois, 8. Rouen 1642. p . 472 .

$. 317 .

raum

450

IV .

Zeit

S.

.

317.

Es fieng jezt an ziemlich allgemein zu werden , daß die Soldaten Regimenterweiſe gleichförmige Kleidung Bei den Franzoſen war oder Regenröcke erhielten . dies zwar nur in Abſicht der Garden der Fall,

denn

die übrigen Truppen hatten noch 1656 keine Uniform , ſondern ſollen ſie erſt im Jahr 1672 erhalten haben "). Bei dem Spaniſchen Heere aber lies ſchon 1624 wåh: 1

rend der Belagerung von Breda die Statthalterin der Niederlande 600 mit Pelz gefütterte Regenröcke für die Schildwachen austheilen , und Kaſaquen Guſtav Adolf verſabe ſeine ganze Infanterie mit ſolchen Oberkleidern , die Brigadenweiſe einerlei Farbe þatten. Obſchon nun die Uniform bei dem Kaiſerli: chen Heere nicht gewöhnlich war ; mußte ſie es doch bei andern Deutſchen Fürſten ſein , denn die Schweden

1

fanden auſſer dem oben erwähnten Geſchůke noch 8000 fertige Montirungen im Münchner Zeughauſe ver : ſteckt "). Auch war das Preuſſiſche , etwa 4000 Mann ſtarke Fußvolt ſchon um das Jahr 1631 gleich: förmig blau gekleidet worden , jener Keim eines Heeres, das im Uchtzehnten Jahrhunderte ſich auf die böchſte Stuffe der Kriegskunſt empor bob , und den andern Heeren das ward ,

was ihnen Hundert Jahre früher erſt die Spanier , dann die Niederländer , bierauf die

Schweden und endlich die Franzoſen waren : Vorbild und Aufmunterung zum Streben nad) gleicher Volls kominenbeit. m ) P. Daniel hiſt. de la mil . franç. liv . XI ; p. 398. n) Chemnik Th. I ; S. 323 .

S. 318.

2. Formir. u. Bewaffn. Der Infanterie. S.

45.1

31.8.

Von dem Gebrauch des Gewebres bei der Infan : terie iſt ſchon im vorigen Zeitraume geredet worden ; daß es hier keiner Wiederholung bedarf. Von den Niederlåndern erfunden , war ès von den andern Na: gionen unverändert mit derſelben Ausführlichkeit und Weitläuftigkeit dieſem Gepråge ſeines Urſprunges angenommen und beibehalten worden , denn es wurs den eine unendliche Menge Griffe und Bewegungen era fordert , wann der Piquenirer ſein Gewehr gegen den Feind fållen , oder der Schüße ſeine Muskete abfeuern und wieder laden ſollte. Zwar fielen durch die neuen Einrichtungen des Königs von Schweden eine Menge

jener Bewegungen weg , die nun überflüſſig geworden - waren ; es ſcheint aber dennoch : als ſei die Geſchwins digkeit des Feuers dadurch nicht ſehr vergröſſert wor : den. Denn 1636 dauerte das Gefecht bei Kinzingen von Nachmittags bis in die Nacht , und dennoch wird es der Schwediſchen Infanterie ,

die ſich vorzüglich

gut hielt , als ein beſonderes Verdienſt angerechnet, daß auch der langſamſte Musketier wenigſtens Sieben: mal feuerte, weil die Truppen Dreimal zum Treffen famen 9). Hålt man dies mit unſerer jebigen Art zu feuern zuſammen , weiß man nicht:

roll,man mehr über

die auſſerordentliche Langſamkeit der Soldaten jener . Zeit oder über die dagegen um fo mehr abſtechende Ger Und dennoch ſchwindigkeit der Neuern erſtaunen. bielt man ſchon damals das Musketenfeuer für wirts famer ,

als den Gebrauch der Pique !

0) Soldat Suedois. 2 Part. p. 425.

Soyer's neuere Kriegek, I. Tb.

69

8.319.

452

IV .

Zeitra u m . S.

319 .

Seitdem man abgemeſſene Bewegungen des Ger wehres eingeführt hatte; übteman nicht allein dieNeus angeworbenen , ſondern auch die alten Soldaten dar: innen ; ja es wurden ſogar unter dem Namen der Trillmeiſter befondere Offiziere dazu beſtimmt. Dieſe Uebungen ſchránkten ſich jedoch mehr auf die ei: gentlich ſo genannten Handgriffe ein , und -erſtreckten ſich

wenig oder gar nicht auf die Bewegungen der

Truppen .

Die Manouvres jener Zeit beſtanden höchs

ſtens in einem Parademarſch , und ſcheinen überhaupt nur bei den Franzoſen noch am meiſten gewöhnlich ge Als dieſe im Jahr 1622 mit Zehn Ba: weſen zu ſein. taillonen und Sechzehn Schwadronen vor der Prin: zeſſin

von Piemont ererzirten ,

ſtand

das ganze

Korps in einer Linie , marſchirte hierauf erſt links ab, und ſchwenkte rechts ein , um eine General : Decharge zu geben ; alsdann marſchirte es rechts ab ,

ſchwenkte

wieder links ein , und defilicte nach einem abermaligen Abfeuern des Gewehres bei der Prinzeſſin vorbei. Tages darauf růckten blos Bier Bataillone aus , mirten ein Quaree, daß ſie Front gegen einander hatten , in deſſen Mitte ſich die Prinzeſſin von Pies mont mit ' ( udwig dem Dreizehnten befand, und machten ſo die Handgriffe nebſt den Dublitungen durch ,

womit ſich das Ererziren ſchloß " ).

Bei eis der Ges

nem andern Manduvre , das die Armee wegen, burth Ludwigs des Vierzehnten machte, for: mirte ſie nach einer dreimaligen Salve Zwei Linien, die einander attaquirten , worauf ſie von den Königlis chen Kommiſſarien gemuſtert und bezahlet ward 9). Db:

p) Memoires de Puyſegur p. 39.feq. q ) ib . pag. 165.

1

2. Formir. u . Bewaffn . der. Infanterie.

453

Dbſchon nun die ununterbrochne Fortdauer des Krieges Guſtav Adolfen keine Zeit zu kriegeriſchen Spielen übrig lies , wurden dennoch ſeine Truppen fleiſſig rowohl in den ſchon gewöhnlichen als in den von ihm angegebenen Bewegungen geübt ,

ſobald ihs

nen nur einige Muſſe übrig blieb. Er ließ daber nicht nur 1619 zu dem Kriege gegen die Poblen die errichtes ten Regimenter in ſeiner Gegenwart von geſchickten Offizieren ererziren ; ſondern dies geſchahe auch 1631 nach ſeiner Ankunft in Deutſchland in den lågern bei Werben und

Schwedt;

wie nicht minder 1632 bei

Nürnberg , wo beſonders verſchiedene neue Handgriffe und Bewegungen bei der Armee eingeführet wurden .

Dritter

Abſchnitt.

Einrichtung und Rüſtung der Reutcrei im Vierten Zeitraume.

$.

320 .

an hatte während des vorhergehenden Zeitraumes bei allen Völkern des Südlichen Europa’s die Lanzen der Reuterei abgeſchafft ; nur die Poblen, M

Schweden und Ruſſen führten ſie noch .

Die Kaiſerlis

chen hatten daher nunmehr Kůraſſire, Karabiniere , Dragoner. und Kroaten oder Huſaren , von welchen lestern Tilly in der Schlacht bei Leipzig Fünf Regi : menter bei ſeinem Heere fatte ),

Sie beſtanden aus dem

r ) Galeazzo Gualdo Priorato hiftor. delle Guerre di Fer din. II. et III. Imperatori contro Goſtavo Adolfo. 4. Bologna 1641. lib. 2, p . 41. Gg 2

1

454

IV.

Zeitra u m . n.

dem niedern Ungariſchen Adel , und hatten nicht allein das Pferdezeng , die Piſtolen und Sábel mit Silber beſchlagen , ſondern trugen auch Vilberne Knöpfe auf ifren Kamiſolern und ſilberne oder goldne Platten auf der Bruſt. Bei den Spaniern eriſtirten noch einige Kompagnien Speerreuter, jedoch nur zur Leibwache des Königs beſtimmt; denn übrigens war ihre Kriegsver: faſſung faſt ganz die der Kaiſerlichen , nur daß ſie, wie Bei den alle übrige Truppen , keine Huſaren hatten. Franzoſen beſtand die Schwere Reuterei aus den Or: donanz . Kompagnien, der man die lanzen genom : men , und ſie dadurch in Küraſſire verwandelt hatte. Die Leichte Reuterei war theils Nazional : die Chevauſ: Legers und Dragoner ;

theils Deutſche Reuter , deren

Iudwig der Dreizehnte mehrere Regimenter in ſeinen Dienſten Batte , und nach ihrem Beiſpiel auch die Franzöſiſche Reuterei 1635

in Regimeiſter formirs

te ; theils Ungarn oder Cravates, von den er Zweitaus ſend errichtete , und ihnen einen Küraß , eine Pickels þaube , einen Karabiner und ein Piſtol gabs). Bei den Schweden hatte Guſtav Adolf nicht allein die { anjen der Reuterei abgeſchaft , ſondern auch noch vor feiner Ueberfahrt nach Deutſchland die Irregulaire leichte Kavallerie, die Bogen und Pfeile führte ( im Jahr 1628 )

gånzlich aufgehoben , und anſtatt ibrer

die Dragoner eingeführet,

ſo daß ſeine ganze Reuterei

nur allein aus Kůraſſiereen und Dragonern beſtand. leztere waren daber bei ihm nicht, wie bei den Kaiſers lichen, blos reitende Infanteriſten ; ſie mußten im Ge gentheil , wie bei den Spaniern die Karabiniere, meşr Dienſt zu Pferde thun und blos im Nothfalle abfigen, um einen Poſten zu befeken , zu Unterſtützung der ans dern Kavalerie ein Verſteck zu machen u. d. gl. s) Mem. pour fery, à l'hift. du Card, Richelieu I ; p. 511. $ . 321 .

3. Zuſtand der Reuterei.

$.

455

321 .

Die Stärke der Reuterei war iin ( aufe dieſes Kries ges noch mehr verſchieden , als die der Infanterie , weil bei den Werbungen noch die Schwierigkeit der Remons te eintrat , ſo daß die Regimenter nur ſelten vollzählig In der Schlacht bei und nie völlig beritten waren . eipzig hatte Tilly Siebenzehn Regimenter Kavallerie zu 750 bis 800 Pferden , und bei Lúken beſtand die Reuterei der Kaiſerlichen aus 170 Schwadronen , jede zu Hundert Pferden ") .

Bei den Franzoſen waren die

Schwadronen oder Reuterkompagnien 50 Pferde , bei den Schweden aber 66 bis 72 Pferde ſtark , und hier machten Acht Kompagnien Ein Regiment " ). der neuen Formirung der Schwediſchen Armee

Bei nach

des Königs Tode 1633 ſezte der Reichs - Kanzler die Kavallerie: Kompagnien auf 125 Mann, auf welchem Etat ſie auch bis zum Münſteriſchen Frieden geblieben zu ſein ſcheinen , denn man findet nicht, daß er in der Wie febr jedoch die Folge abgeåndert worden wäre. Ståcke der Kavallerie durch den beſtåndigen Abgang ver: ringert ward, beweiſen unter vielen, vorzüglich zwei Bei: ſpiele :

einmal der Zuſtand der Kaiſerlichen im Elſaß

1636 , wo die Kompagnien nur zwölf bis funfzehen , ja eine gar nur fünf Pferde hatte ') ; und danu die Sachs fiſchen Truppen nach dem Treffen bei Witſtoch, bei den kein Einziges Kavallerie: Regiment über Vierzig Mann ſtart war w ). $. 322 .

i) Galeazzo Gualdo Priorato a . a. D. u) Chemniß I TH. 2 Buch 8.3. v) Ebendal. 2 Th . 4 Buch S. 965. w) Sieben Ravalerie . Regimenter behielten in Allem nur zwet Packwagen . Die Schweden machten 170 Offiziere und 146 Offizierðamen zu Gefangenen und erbeuteten 50 Kanonen , 2000 Wagen , die Kriegskaſie mit 150000 3 g 3 Rthlrn .

456

IV .

Zeitra um . $.

322 .

Weil die Vafallen nicht mehr felbſt zu Pferde er: ſchienen , ward die Reuterei wie das Fußvolt durch Unwerbung hergeſtellt, und vollzählig erhalten . Zwar hatten die Verbindlichkeiten des Lehnsſyſtems nicht aufgehöret ; allein , der Udel diente lieber als Offiziere bei der Infanterie , als daß er den Dienſt gemeiner Reuter verrichtete , und ſchickte an ſeine Stelle andere, die gleich ſchlecht gerüſtet und beritten waren . Es fins det ſich daher ein geſchårfter Befehl Guſtav Udolfs während des Krieges gegen die Dånen 1612 , daß der Schwediſche Adel fich in Perſon bei der Urmee einfin: den , oder ſeine Privilegien und Lehnsrechte verliehren ſollte *). Die Remonte geſchahe jezt faſt überall nur mit einheimiſchen Pferden , bei den Schweden ausge : nommen , die ihre Pferde für die ſchwere Reuteret aus Niederdeutſchland ziehen mußten , weil die Finniſchen und Schwediſchen Pferde zu klein waren »). S.

323 .

Die Offiziere bei den Schwediſchen und Deutſchen Kavallerie : Kompagnien waren der Rittmeiſter oder Hauptmann , Ein Lieutenant , 'und Ein Kornett . Die Unteroffiziere beſtanden aus Einem Wachtmeiſter, Eis nem Quartiermeiſter , einigen Korporalen , und zwei Bei den Franzoſen eriftirte ſeit 1632 Trompetern, noch ein Zweiter oder Souslieutenant in den Kavalle : rie : Kompagnien ?) ; der 1668 auch zu der Infanterie übergieng , aber bald darauf wieder abgeſchaft ward. In Rthlrn ., und das ganze Lager der Kaiſerlichen und Scchs fen , wo ein Schwediſcher Offizier allein 30000 Dukaten in einem Wagen fand. Soldat Suedois Part . 2 ; p . 350. 3) Loccen . hift. Suec. lib. 8 ; p. 511. y) Burgi Mars Sueco - Germanic. lib. I ; p . 13. 2 ) Le Normand disc, militair. p . 873

3. Zuſtand der Reuterei.

457

In Ubficht der Beſoldung der Reuterei tåßt ſich nichts Genaues beſtimmen , weil die Nachrichten der Geſchichtſchreiber hier nicht ſo detaillirt ſind , wie bei der Infanterie . Soviel iſt unterdeſſen gewiß : daß jes ne immer einen etwas ftårFeren Sold hatte , als dieſe.

S. 324 . Unter allen Armeen war die Rüſtung der Spanis fchen und Franzöſiſchen Reuterei am ſchwerſten. Die leztere trug 1641 einen Schußfreien Kůraß — à l'epreu . ve de l'Arquebuſe – mit Blechſchurz, Kragen, Arms ſchienen , Knieſtücken , Blechhandſchuhen und einer Pickelhaube, die ſich aufſchlagen ließ . ). Alein , ebeu dieſer ſchwere Harniſch bewog viele , ihn ganz abzule: gen und blos in ihren gewöhnlichen Kleidern zum Tref: fen zu gehen , daß ( udwig der Dreizehnte ſeiner

Reuterei bei Verluſt des Adels verbieten mußte , unges þarniſcht zu erſcheinen . Dieſelbe Rüſtung Hatten auch die Deutſchen Kus xaſſiere, das Bruſtſtück war ſchußfrei, das übrige aber yon ſtarkem Blech . Das Gewehr dieſer ſchweren Reus

terei beſtand in zwei langen Piſtolen mit dein Radſchloß und in einem , meþrentheils zweiſchneidigen Degen , Weil man allezeit den Pfanndeckel öffnen mußte , in den Hahn auf das Rad zu feßen , und ſich zum Schuß fertig zu machen , gieng viel Zeit dadurch verlohren ; man richtete daher das Schloß dergeſtalt ein , daß fich die Pfanne von ſich ſelbſt öffnete , wenn man den te. Hahn auffez Zugleich mit Abſchaffung der Lanzen þatte Guſtav #delf die Rüſtung ſeiner ſchweren Reuterei in einen bloss

a) Bellon Principes de l'art militaire I Part. p. 324 . Gg4

458

IV . Zeitra u m .

bloſſen Küraß und eine Pickelhaube verändert ; auch ihr kürzere und leichtere Karabiner ' gegeben , als die Schüßen zu Pferde gewohnlich zu führen pflegten. Neben dieſen beſtand ibr Gewehr in zwei Piſtolen und Sie erhielt dadurch einem etwas gekrümmten Såbel.

zuerſt ganz das Anleben der Kůraſſiere des Uchtzehnten Jahrhunderts , und war zu allen ſchnellen Bewegun: gen ungleich geſchickter , als die Kaiſerlichen , über die fie ſchon allein dadurch ein auffallendes Uebergewicht bebauptete.

325. S. Die leichte Reuterei der Franzoſen unterſchied ſich von den Gens d’arines dadurch : daß ſie gleich den Schwediſchen Kůraſſieren bloſſe Kůraſſe trug , ohne Růckſtück und Ringkragent . Ihr Gewehr war der Degen und kurze Piſtolen , nebſt den die Karabis niere noch einen Karabiner führten, der eine zweiló: Anfangs waren ſie bei allen thige Kugel ſchoß 6 ). Kompagnien der Chevaux ; legers vertheilet ; Ludwig der Dreizehnte aber formirte ſie in Regimenter, deren Anzahl ſich 1643 auf zwölfe belief. Sie wurden jedoch einige Zeit nach dem Pyrenäiſchen Frieden wieder aufgehoben . In dieſen Zeitraum fällt auch die Entſtehung der Mousquetairs , die ſich in den folgenden Kriegen der Franzoſen auf eine ſo rühmliche Art auszeichneten. ( udwig der Dreiześnte, der überhaupt. ſeine Leibwache durch die Gens d'armes und durch die Schweiz zergarde vermehrte , gab im Jahr 1622 ſeiner Leib : Karabinier : Kompagnie Musketen ); fie veränderten badurch ihren bisherigen Namen , ſo wie ihre innere Per. b) Bellon 1. c . part. I ; p. 325 . c ) Memoires de Puyſegur. p . 35 .

3. Zuſtand der Reuterei.

459

Verfaſſung : denn es wurden von nun an blos Edellente unter die Mousquetairs aufgenommen .

$ . : 326. Eben ſo waren auch die Karabiniere der Kais ſerlichen und Spanier – die ehemaligen Arkebuſiefe zu Pferde - gerüſtet. Sie trugen im Marſch den Kara: biner an einem Riehmen über die linke Schulter , und eine Patrontaſche , die zwolf fertige Ladungen enthielt. Sechs andere Patronen wahrſcheinlich zu den Pia ſtolen , wenn dieſe nicht mit dem Karabiner einerlei Kaliber batten , befanden ſich in einem am Sattel: knopfe angebrachten Behältniſſe.

:

Die Huſaren und Dragoner batten keine Schub: waffen ; die lezteren führten gewöhnliche Musketen mit ( untenſchlöſſern, wie die Infanterie, und keine Piſtolen , ſondern ein Beil am Sattel , weil ſie faſt nie andeis als zu Fuß fochten, wie ich ſchon im vorigen Zeitraume

e

X.

**

geſagt habe. Die Schwediſchen Dragoner , die eins zige leichte Reuterei Guſtav Adolfs , waren zwar wie die Karabiniere bei andern Armeen þauptſächlich zu den Verpoſten und Patrouillen beſtimmt; dennoch þatten ſie keine Piſtolen und nur ( untenſchlöſſer an ihren Musketen , zu den die (unte um einen an das Haupts geſtelle des Pferdes befeſtigten Stock gewickelt war . Als daher der General Steen : Bielke 1636 von den Kaiſerlichen angegriffen zu werden fürchtete, und weiter keine Reuterei hatte , gab er dem Dragonera Regimente Stuart Piſtolen und verwandelte ſie das durch in Reuter.

EN 1

ogs

$. 327 .

460

IV .

aum .

Zeitr S.

327.

Weil die Franzoſen keine eigentlichen Dragoner , das heißt: reitende Infanterie þatten ), und ihr Feuergewebr nicht die Schußweite der Muskete, noch auch die Kraft derſelben hatte ; warð um das Jahr

1

1635 ein Regiment Musketiere und bald darauf auch ein Regiment Fuſiliere zu Pferde errichtet, die Gewehre mit dem eben erſt aufgekommenen Flin: tenſchloſſe bekamen . Lezteres wird deshalb noch gegen : wärtig das Franzöſiſche Schloß

genannt; denn die Franzoſen waren die Erſten , die dieſes Schloß bei ihren Truppen einführten . $.

328 .

Georg Baſta und Melzo hatten die Reutes rei gelehrt, ſich ibres Gewebrès auf eine vortheilhafte Urt zu bedienen , und während des Dreiſſigjährigen Krieges , der gleichſam nur eine Fortſegung des Nies derlåndiſchen war , fanden keine Abånderungen im Ge brauch der Waffen ſtatt, wie man aus Wallen aus fens Unterricht ſiehet. Nur allein die Schwediſche Reuterei war leichter gerüſtet , als die Reuterei aller übrigen Mächte ; nothwendig waren ihre Bewegungen deshalb auch einfacher und ſchneller. Die Küraſſiere hatte der König ſelbſt gelehret, geſchloſſen mit dem De gen in der Fauſt auf den Feind los zu gehen , und ſich nicht durch vieles Feuern aufzuhalten .

Die Drago: per bebienten ſich ihrer Musketen fowohl zu Pferde als zu Fuß ; griffen im erſteren Fale auch , gleich der übrigen Reuterei , geſchloſſen und mit dem Degen an. Sie d) Es erhellet aus der Vergleichung der Franzöſiſchen Ges ſchichtſchreiber deutlich , dat hier die Dragoner blos Sdügen zu Pferde waren, die in den erſten Zeiten bald Argoulets , bald Arkebuſiere zu Pferde , bald Dragoner , bald wieder Sarabiniere hieſſen.

3. Zuſtand der Reuterei.

Sie waren angewieſen :

461

vorzüglich nach dem Kopfe

und Zügel der feindlichen Pferde zu hauen , weil die Kaiſerlichen Küraſſiere nicht im Stande waren , ju Fuſſe zu rechten , ſondern ſich gleich gefangen geben mußten , wenn ſie das Pferd verlohren þátten ).

Vierter

Abſchnitt.

Stellung und Bewegung der Truppen ſowohl in kleinen Haus fen als mit ganzen Heeren.

S.

329 .

an war im Augemeinen von der ebemaligen ges M vierten Stellungsart einigermaſſen abgegangen, weil man einzuſehen anfieng : daß jene ungeheuern Maſſen eben ſo unbeweglich als nachtheilig waren, wo der größte Theil der Streiter ihr Gewehr nicht brau: chen konnten , ſondern blos müſſige Zuſchauer des Treffens bleiben mußten , bis das Gefecht und die Uns ordnung allgemein ward.

Die Infanterie ward daber

zu Unfange dieſes Zeitraumes bei allen Armeen Zehn Mann tief geſtellet ) , obſchon der Verf. des Tableau militaire des Imperiaux et des Suedois 8) behauptet : Tilln habe ſein Fußvolt in der Schlacht bei Leipzig noch nach der alten Weiſe in groſſe viereckige Bataillos ne geordnet. Er ſcheint fier durch den Ausdruck des Grafen Galeazzo Gualdo Priorato verfüb : ret c) Chemniß I TH. 3. 206. f) Wallenhauſen Kriegstunſt zu Fuß Kupfertaf. VII, VIII. IX. X. und XVI. Turner's Pallas armata cap. II ; p . 215. Memoir, de Puyſegur. p. 49. g ) Befindet ſich bei der hiſtoire desdernieres Campagnes et Negociations de Guſtave Adolphe. Berlin 1772. 4.

462

IV .

Zeitra u m .

ret worden zu ſein :

“daß Tilly's Schlachtordnung „ aus den Terzias des Herzogs Savelli , des „Grafen Wallenſtein 2c. beſtanden habe ). ” Die: ſer Spaniſche Name bezeichnet jedoch nichts mehr und nichts weniger , als das Deutſche Wort Regi: ment : einen groſſen Haufen Kriegsvolk , aus einer gewiſſen Unzahl Kompagnien zuſammengeſezt, ohne Rückſicht auf die Stellung derſelben zum Gefecht. Bei den Musketieren ſtanden - die Reihen gewöhnlich ge ſchloſſen , die Glieder aber geöffnet; bei den Piquenieren þingegen waren Reißen und Glieder geſchloſſen. Es gab jedoch auch þåufige Fålle , wo die Musketiere mit offenen Reihen chargirten ; ſie hatten dann einen fårze: ren Weg zu durchlaufeu , und das Feuer ward dadurch deſto lebhafter.

330. $. Das Deffnen und Schlieſſen der Glieder und Rot: ten , ſo wie das Dupliren , waren immer noch die vor: nehmſten Bewegungen kleiner Truppen : Abtheilungen , und wurden auf mancherlei Weiſe vervielfältiget. Die gewöhnlichſte Art zu chargiren , war Gliederweiſe; wo jedes Glied , wenn es abgefeuert hatte , in der Mitten fich brach , und mit Rechts und Linksum hinter Sollte das die Fronte gieng , um wieder zu laden . Feuer geſchwinder gehen ; waren die Reihen geöffnet, und jeder Musketier lief durch die Intervalle ſeiner und der nåchſten Rotte ab. Kompagnien und kleine Truppen: Abtheilungen wurden immer ſo geordnet , daß die Pi: quenire in der Mitten , die Musketiere aber auf den Sie machten auf dieſe Weiſe drei Flügeln ſtanden . Diviſionen , von den bei den Deutſchen der Haupts mann die Musketiere auf dem Rechten Flügel , der Leut h) Galeazzo Gualdo hift . delle Guerre di Ferd . II, etc, lib . 2. p. 42 .

4. Stellung u . Bewegung d. Truppen.

463

Leutnant die auf dem linken Flügel , der Fähnrich aber die Piquenire anführte ; die Unteroffiziere ſchloſſen die Kompagnie. Bei den Schweden kommandirte der Hauptmann die Piquenire , der { eutnant den Rechten Flügel und der Feldwebel den linken Flügel der Mus: ketiere ; der Fähnrich ſtand mit der Fahne bei dent Hauptmann in der Mitten . Die Unteroffiziere führten þier theils die kleinen Pelotons von Vier und Zwanzig Mann an , in welche die gröſſeren Diviſionen getheilt waren , theils ſtanden ſie hinter der Kompagnie. Zum Marſch brachen die Diviſionen gewöhnlich in Pelotons ab, und Katten alsdenn eine Vier Mann breite Fron: te). Um aus der Flanke zu marfchiren , ward als : denn mit dieſen kleinen Sektionen gefchwenkt, denn die groſſe Liefe erlaubté nicht , linksum abzumarſchiren.

durch

Rechtsum oder Die Reihen der Muske:

tiere waren bisweilen zum Gefecht Einen Schritt geoff: net , die Glieder aber drei Schritt ; bei den Piquenis * ren im Gegentheil waren blos die Glieder geöffnet und die Reihen geſchloſſen . Durch dieſe Stellungsart muß: ten nothwendig die Schwenkungen der Infanterie ſehe erſchweret werden ' ) ; weil durch das dabei unentbehrlis che Dupliren der Glieder und durch das darauf folgende Schlieſſen und Wiederöffnen ſoviel Zeit vergieng , daß man es gar nicht wagen durfte , dieſe Bewegungen im Ungeſicht des Feindes zu machen .

$. Guſtav udolf,

331 .

der ſich nicht begnügte ,

blos

nach dem alten Schlendrian Krieg zu führen, faße das auffallend nachtheilige der Zehn Mann tiefen Stellung bald

i ) Wallenhauſen Kr. Kunſt zu Fuß . S. 42. Schilds trecht 3. Th . R. 14 ; S. 163 . k ) Turner 3 b ; cap . 10 ; p. 211.

464

IV.

Zeitra u m .

bald ein , bei der nicht allein die Truppenabtheilungen ſehr unbeþúlflich waren , ſondern auch viele Leute im Treffen müſſig blieben und die feindlichen Stückugeln ungleich gröſſere Wirkung thaten , als bei einer breite: ren Stellungsart. Er ſtellte daher zuerſt ſeine Infan: terie nur Sechs Mann tief, und lies die Musketiere zum Treffen die Glieder dupliren , daß ſie nicht mehr nöthig hatten , Gliederweiſe zu feuern , ſondern nun: mehr mit Pelotons chargiren konnten !). !

S.

332 .

Es ward Göchſt wahrſcheinlich dieſes Feuer von dem Könige im Lager bei Werben .1631 eingeführet : daß es auf die nemliche Weiſe geſchahe , wie noch gegens wärtig. Das Erſte Glied feuerte nemlich knieend, das Zweite und Dritte aber ſtehend ; alle ladten auf der Stelle wieder , ohne ihren Plaß zu verändern . Die Schottiſchen Regimenter unter dem Grafen Horn waren die Erſten , welche dieſe regelmåſlige Art zu Chargiren um die Zeit der Schlacht bei Leipzig gegen die Kaiſerlichen anwandten , und dieſe dadurch in kein geringes Erſtaunen lezten m ). Das Pelotonfeuer ward jedoch nicht ſo bald allgemein , ſei es nun : daß man es bei den andern Armeen für zu beſchwerlich hielt, die Soldaten darauf abzurichten ;

oder daß die Obers befehlshaber jener Zeit es überhaupt als eine unnuke Neuerung betrachteten , und dagegen eingenommen was ren. Selbſt die Schweden bedienten fich neben dem Pelotonfeuer noch des Gliederfeuers , doch ſo : daß bei dieſem die Soldaten ebenfalls auf der Stelle wieder lad: ten , ohne erſt kin und Her zu laufen .

Dieſes unnuke MA

1 ) Chemnik I th. 4 Buch ; S. 475. m ) Swediſh Intelligencer. 4. I T.; p. 124.

.. Bewegung d. Truppen. 4. Stellung u

465

Manouvre ward nur unter dem Namen des Defilees :

feuers noch beibehalten.

$.

333 .

Die Schwediſchen Piquenire blieben zum Gefecht Sechs Mann tief ſtehen , und duplirten nur ſelten die Glieder, um eine breitere Fronte zu erhalten , wenn ſie Fußvole gegen ſich hatten "). Zuweilen wurden ſie auch 1 zwiſch

en die Musketiere geſtellt , wenn man glaubte, daß diere allein nicht im Stande fein würden , den an: fall der feindlichen Reuterei zurückzuweiſen .

Nach und

nach fiengen auch die andern Mächte an, die Stellungs : art der Schweden nachzuahmen , und Dreiſſig Jahre ſtanden alle Trup: ſpåter - um das Jahr 1660 pen nur Sechs Mann tief ) .

$.

334.

In ganzen Korps ſtand die Infanterie Regimenter: weiſe eben ſo , daß alle Piquenire ſich in der Mitten , die Musketiere aber auf den Flügeln befanden ; oder die Regimenter waren Kompagnienweiſe geordnet, wo Abtheilungen der Musketiere und Piquenire mit einander abwechſelten . Jeder gröſſere Schlachthaufen , ohne beſondere Rückſicht auf ſeine Stårke , hieß bei

die

den Deutſchen , Spaniern , Franzoſen , Niederländern und Dånen eine Battaglia oder ein Bataillon . Bei den Deutſchen und Spaniern waren dieſe Bas taillone gewöhnlich ſehr groß , und beſtanden oft aus So ftanden in der Schlacht einigen Tauſend Mann. bei Leipzig Uchttauſend Kaiſerliche', in vier Bataillone geordnet , im Erſten Treffen ; und das Zweite enthielt Zehentauſend Mann in Sechs Bataillonen P). n) Schildknecht 3 Th. Kap. 14 ; S. 176 . ) Ebendaſ. 13 Kap . S. 142. P ) Galeazzo Gualdo, I, c. lib. 2 , p . 41.

Klei: ner

466

aum

IV .

Zeitr

.

ner waren die Bataillone der Franzoſen , die gewohn:: lich nicht über soo bis 600 Mann ſtiegen 4 ). Wenn daber die Regimenter ſtart waren , formirte jedes zwei Bataillone ; während zu einer andern Zeit wieder Zwei Ein Batailon ausmachten , wie in der

Regimenter

Belagerung von Speier 1635 ).

Sie waren auch

böchſt wahrſcheinlich die Erſten , welche die Truppen: zahl einer Urmee nach Bataillonen berechneten , weil die Stårke derſelben feſter als die der Regimenter beſtimmt war.

S.

335 .

Schwebens groſſer König , der ſich faſt in allen Stücken von dem alten Herkommen entfernte ; als er ſein Heer bildete ; ſchuf auch eine neue Stellungsart, die er unter dem Namen der Brigade an die Stelle der bei den andern Heeren gewöhnlichen Bataillone fez: te. Unfangs war dieſe Brigade blos für den Aus genblick des Gefechts beſtimmt, und Guſtav Adolf rol fich iører zum Erſtenmale im Jahr 1630 gegen den Herzog von Savelli bedient haben. Im Lager bei Schwedt 1631 aber ſtieß er zwei bis drei ſeiner feør. geſchwächten Nazional : Regimenter zuſammen , um daraus ſtebende Brigaden zu formiren , die einerlei Monturen trugen , und ſelbſt eine Art Regimenter vor: ſtelten , nur daß fie faſt dreifach mit Offizieren bes fezt waren ). 9 ) Memoir. de Puyfegur. p. 49 und 62. r) Ebendaſ. p. 115 . 5 ) Swediſh Intelligencer IT. p: 28. Monro's Expeditions. T. 2 ; p. 25.

S. 336.

?

4. Stellung u. Bewegung d. Truppen .

$. #

467

336.

Wir Fennen dreierlei verſchiedene Stellungsarten

Guſtav Adolfs unter dem Namen der Brigade , wie ſie der tord Rea , einer der in Schwediſchem Solde dienenden Engliſchen Oberſten , beſchreibt. Die Erſte oder die doppelte Brigade beſtand eigentlich aus Zwei volzähligen Regimentern , oder 2016 Mann , nemilich 864 Piqueniren und 1152 Musketieren . Sie war dergeſtalt geordnet , daß 216 Piquenire die Spige machten , und von den beiden Oberſten und Fünf Hauptleuten angeführet wurden . Hinter dieſer Dis viſion ſtanden 96 Musketiere , die nach Beſchaffenheit der Umſtånde ihre Glieder duplirten und zwiſchen die Piquenire eintraten . Sie wurden durch eine aus drei Abtheilungen Musketiere und zwei Abtheilungen Pi: quenire beſtehende Linie unterſtüzt; wo die Musketier: Diviſion in der Mitte 96 Mann , die beiden auf den Flügeln aber jede 192 Mann enthielten . Zur Reſerve ſtanden 288 Musketiere hinter ihnen ; und eine 26: theilung Piquenire ," mit 144 Musketieren auf jedem Flügel , machten den Beſchluß. Alle Piquenir : Ab: theilungen waren, wie die vorderſte , 216 Mann ſtarf. Es finden ſich keine beſtimmten Nachrichten , daß dieſe : Stellungsart wirklich bei dem Schwediſchen Heere in Deutſchland angewendet worden , wenn es nicht viel: leicht bei der Erſten Einführung derſelben 1630 ges weſen iſt.

S.

337

Entweder, der Kouig von Schweden hielt die groſſe Reſerve von 288 Musketieren mit den þinter ihr ſte: benden drei Abtheilungen für überflüſſig , oder er wollte nicht ſoviel an der Fronte verliebren ; genug , er lies ordnete aber übrigens die dieſe Abtheilungen weg , 56 Bris Soyer's euere Kriegok. I. Th.

IV .

468

Zeitra u m .

Brigaden auf die eben beſchriebene Weiſe. den ſie im

So ſtan:

Treffen bei Leipzig , wo jede Zwölf Kom :

pagnien , oder 1500 Mann enthielt ') , weil die Koms pagnien nicht vollzåblig waren ; denn auſſerdem gåtte jede Brigade aus 1728 Mann beſteßen müſſen. Die fe Formirung, fo wie die dritte, welche Lord Ren die Viertels : Brigade nennt ,

ward in dem Ver:

folg des Dreiſligjährigen Krieges ſtets von den Schwes diſchen Generalen beibehalten , und immer mit Vor: theil , denn ſie verdankten iþr die Siege ,

die ſie bei

Didendorp ( 1633 ) und Mittelweyher ( 1638 ) über die Kaiſerlichen erhielten . Bei dieſer Viertels Brigade findet man bloß eine Abtheilung Piquenire an der Spiße , und Vier Abtheilungen Musketiere zur Unterſtübung zwei und zwei neben einander þinter ihr.

Dbſchon die Schwediſchen Kolonnen in

der Schlacht bei Lüßen einige Zehnlichkeit mit dieſer Stellung þatten ; unterſchieden ſie ſich doch dadurch von ihr , daß jede derſelben aus eilf bis zwölf Koms pagnien oder einer vollen Brigade beſtand , und zur Unterſtüßung Ucht Kompagnien En ligne hinter ſich hatte .

Die Kolonnen waren daber auch weit genug

aus einander geſtellt, daß die hinteren Brigaden ohne Unordnung in die Intervallen einrücken konnten “). Es fält in die Uugen :

daß dieſe Stellung in Brigas

den ungleich beweglicher und dennoch viel zweckmåffis ger zum Einbruch in die feindliche Infanterie war, als die Zeận Mann tiefen Bataillone der Kaiſerlichen, oder die vollen Maſſen Wallenſteins in der Schlacht bei Lüßen.

t ) Galcazzo Gualdo lib . 3 ; p. 39. u) ib . lib . 4 ; p . 118 und 119.

$. 338.

4. Stellung u . Bewegung d. Trúppen.

1

i

S.

469

338 .

Mit dieſer Stellungsart zugleich ward noch eine andere eingeführet , die , obgleich nicht ganz neu , doch nur ſelten gebraucht worden war , und daher hier deſto groſſere Wirkung that. Schon in der Schlacht bei Pavia oder Mirabelle hatten die Kaiſerlichen kleine Ubrheilungen Hakenſchüßen unter iþre ſchwere Reute: rei gemenger , die durch ihr Feuer die Franzoſiſche Reus terei zuerſt in Unordnung brachten ) ; man war aber von dieſem Gebrauch wieder abgegangen , wahrſcheins lich , führte.

:

weil die ganze Fiavallerie nunmehr Feuergewehr Guſtav Adolf ſuchte dieſen Brauch wie :

der hervor, und ſtellte , als er gegen Frankfurt an der, Dder marſchirte, kleine Pelotons von Funfzig Muskes

. tierern zwiſchen die Schwadronen Dieſe Musketiere waren angewieſen , dhen Küraſſiere zu feuern ;

ſeiner Reuterei. auf die Kaiſerli:

eße ſie nahe genug kamen,

um ihre Piſtolen abſchieſſen zu können . Er behielt in der Folge beſtändig dieſe Stellungsart bei , von deren Nußen ihn die Erfahrung überzeugt batte ; nun mach : te er die Pelotons ſtårker , daß ſie in den Schlachten bei leipzig und lüten aus 80, 360 ja bis 400 Mann i

beſtanden ,

i

ſtůcken zu, weil bei Leipzig die Pelotons nach dem Zu: růcktreiben ihrer Reuterei zu viel von der Raiſerlichen gelitten batten . Nicht allein die Schwediſchen Ge:

:

auch gab er bei Lüßen ihnen Regiment:

nerale folgten þierinn während des dreißigjährigen Krieges ſeinem Beiſpiele ; ſondern auch Walleni ftein that es bei Lúßen und noch Túrenne in dem

Treffen bei Enſisheim . v) Man ſehe oben im S. 177 .

3 weiten Zeitraume &. 78.

w ) Sdildt necht 3 Th. Kap. 3 ; S. 186.

H62

S. 339.

470

IV.

Zeitraum .

8.

339 .

Sowohl um die eben erwähnten Pelotons zu fors miren , als auch überhaupt , wenn es darauf anfam : etwas wichtiges aus zu führen ; wurden unter dem Na: men der Kommandirten die beſten Musketiere aus den Regimentern gezogen , mit den gegórigen Stabs. und andern Offizieren verſehen , und in eigne Brigaden Sie bekamen jedoch keine Fahnen mit , fons formiret. dern bildeten eine Art Freiwillige oder Grenadier : Bas taillone , die zuſammen kampirten und öfters ziemlich lange beiſammen ſtepen blieben . Den Erſten Gebrauch von dieſen Kommandirten Musketierern mach: te Guſtav Adolf im Gefecht bei Burgſtal 1630, wo fie in Detaſchementer von soo Mann abgetheilet Man hat ſchon oben im Dritten Zeit : waren . raume etwas ånliches bei den Spaniern geſehen (s. 255.) . Nicht allein die Sachſen ſondern auch die Kaiſerlichen und Franzoſen ahmten dieſen Gebrauch nach , der bald bei den Urmeen allgemein ward , nur mit dem Unterſchiede: daß die Kommandirten hier nicht beiſammen ſtehen blieben , wie bei den Schweden, ſondern nach beendigtem Unternehmen ſogleich zu ihren Regimentern zurücklegrten.

$.

340 .

Die Reuterei ward vier bis acht Mann tief geſtellt, auch ſcheint es ; als ſei die Formirung der Küraſſiere Gus in volle Quarrée zuweilen noch üblich geweſen . fta v udolf verringerte mit der Liefe der Infanterie auch zugleich die der Reuterei, und fejte ſie einmal für Zwar fonnten nunmeşe allemal auf drei Glieder '). die lezteren nicht dupliret werden ; dafür aber ward die Kavallerie ungleich beweglicher.

Ueberbaupt kannte dies

2) Chemnitz I Th. 2 Buch S. 475.

4. Stellung u . Bewegung d. Truppen .

dieſer greffe Feldherr ,

471

der für ſein Land und für die

Kriegskunſt zu früh ftarb, das Uebergewicht fehr gut, das dem Reiter die Schnelligkeit ſeines Pferdes ges währet. Er hatte daher auch alle die vielfachen Wens dungen und Earacolen der Reuterei abgeſchaft, die Wallenhauſen fo ausführlich beſchreibt; blos das Erſte Glied durfte in einigen Fällen ganz nahe, ain Feinde Ein Piſtol abfeuern , find mußte damn ſogleich mit dem Degen in der Fauſt einbrechen. ( $. 328.) Die Kaiſerliche Reiterei , die noch auf die alte Weiſe focht (S. 187 feq .) mußte daher nothwendig allezeit von der Schwediſchen geworfen werden , obſchon fie größtentheils beſſer gerüſtet und beritten war, wie auch wirklich die Erfabrung in den Jahren 1631 und 1632 Feigte ; bis die Erſtere auch anfieng , beſſere Grundfåte zu befolgen, wo denn 1633 im. Treffen bei Pfaffenhos fen die Lotýringiſchen Küraffiere ebenfalls Pfalzgraf Chriſtians Reuterei gleich im Erſten Chod zerſtreues te ). Es findet ſich ſogar während des Dreißigjähris gen Krieges einige Spubr der in der zweiten Hälfte des

lite Achtzehnten

Jahrbunderts aufgekommenen Uttaque

En Muraille. formirte nemlich

Im Treffen bei Jankowiß 1645 der Schwediſche General:Major Dougklaß aus drei Esquadronen , Eine , und warf damit ein Kaiferliches Infanterie: Regiment dibern Haus fen ,

das lange den Ungriffen

ſtanden ,

und ſeiner

der Schweden wider: Sammlungs

Kavallerie zum

punkte gedient batte ?).

S.

341 .

Wir kommen nunmehr zu der Schlachtordnung ganzer Heere , wo man jezt ſchon allgemein das Fuß: vole y) Chemniß 2 Th . I Bud S. 203.orger!? 8 ) Theat. Europ. 5 Th. S. 543.63

Hb 3 ,

,

472

IV .

Zeitraum .

voll in die Mitte und die Reuterei auf die Flügel ſtellte. Nur-ſelten machte mnan Uusnahme, wie bei dem Entfak von Arras im Jahr 1654, wo die Franzöſiſche Armee fo ftand , daß die Schwadronen mit den Bataillonen Die Reuterei, des Fußvolks untermiſcht waren ? ). 'wenn ſie in inehrern Linien hinter einander ſtand , wie es faſt allezeit geſchake , war zugleich ro geordnet , daß die Intervallen der Schwadronen ihrer Fronte gleich waren , damit das zweite Treffen ohngebindert durch das Erſte vorgeben , oder dieſes ſich durch jenes zurück: Die Schwadronen ſelbſt waren reßr groß , uüd beſtanden oft aus ganzen Regimentern,

zieben konnte.

deren Kompagnien durch Vier Schritt groſſe Intervals Bei Leipzig len von einander abgeſondert wurden a) . enthieft jedes Reitergeſchwader der Kaiſerlichen zehn, und bei Lüßen bis auf ſechzehn Kompagnien ' ). Die Schweden ſtellten ihre Reuterei in eben ſolche Geſchwa: der von fünfhundert bis Tauſend Mann , und nicht allein die Kompagnien waren durch Intervallen unter: fchieden , ſondern jede beſonders in zwei Züge getheilet, um ibre Bewegungen noch mehr zu erleichtern.

$ . 342. Die Regimenter ſelbſt erhielten ihre Stelle in der Schlachtordnung nach dem Range und dem Dienſtalter Die Franzoſen waren þierinnen ihrer Befehlshaber. beſonders eiferſüchtig , ſo daß oft die Regimenter des: wegen ýin und her marſchiren und die im Angeſicht des Feindes ſo toſtbare Zeit verſäumen mußten .

Dies war

der Fall im Treffen bei Rþetel, wo die Franzöfiſche Armee ſich ſchon durch einen, Kontremarſch aufgebalten hatte

2) Memoir , de Puyfegar p. 388 . a ) Schildknecht 3 Th. S. 207. b ) Galeazzo Gualdo lib. 2 , p. 39 and lib . 4 ; p. 118 .

4. Stellung u. Bewegung d. Truppen.

473

das Erſte Beiſpiel dieſer Art Mandavre im 1. Hatte Groſſen ; - und wo jezt im Angeſicht des Feindes der à Befehlshaber der Garden , der Herr von Pradel darauf beſtand, den Rechten Flügel zu haben, der ihm Um dies zu bewirken , ohne die andern Res gehörte. gimenter zu beleidigen , mußte die Garde aus der Mit:

EM

té auf den Rechten Flügel , das hier ſtehende Regis ment Pikardie aber , als das nächſte nach der Gars de , nach dem linken Flügel hinunter marſchieren , und die Stelle des Regiments Piemont einnehmen , das nunmehr feinen Plak neben der Garde auf dem Rech: Der Feind, dem dieſes Hin: und ten Flügel bekam ) . Her marſchiren nicht entgieng , ſchickte ſogleich feine Reuterei ab , die Franzöſiſche Infanterie anzugreifen ; und nur der muthvolle Widerſtand von Sieben Schwa: dronen Kavallerie des Franzöſiſchen Rechten Flügels, ſo wie die Entſchloſſenheit der Franzöſiſchen Regimens ter , die ſogleich Front machten , und den Feind mit einer Musketenſalve empfiengen , retteten die Urmee von ihrem Untergange.

4

$.

343

Auſſer dem Range und dem Dienſtalter der Bes fehlshaber þatte bei den Franzoſen noch beſonders dies jenige Brigade den Rechten Flügel, deren Befehls: kaber gerade an dem Tage den Dienſt batte . Die ganze Armee , ſowohl Jnfanterie als Kavallerie und Artillerie, war nemlich unter ( udwig dem Drei : zehnten in Zwei Brigaden getheilet , deren jede unter einem Marechal de Camp ftand ). In der Folge verkleinerte man die Brigaden bis auf Vier, böch

c ) Memoir . de Puyfegur. p . 129 unb 329. d ) ib. p. 125 und 129. HK 4

1

474

IV .

Zeitra u m .

Höchſtens Sechs Batailloné und fünf oder zehn Schwa: dronen , von welcher Eintheilung ſich im Jahr 1663 bei der Belagerung von Marſal die erſten Spuhren finden .

S.

344 .

In den vorigen Zeiten pflegte man das Geſchük, deſſen man überhaupt nur wenig im Felde mitführte, Seitdem einzeln vor der Infanterie zu vertbeilen . man aber anfieng ; das Feldgeſchůt zu erleichtern und zu vermehren , ſo daß ſelbſt alle Regimenter ihre bez fonderen Kanonen bei ſich hatten ; glaubte man mit Recht eine gröſſere Wirkung,zu erhalten , wenn man es in Batterien vereinte , und gewiſſe dazu geſchickte Dieſer Punkte der Schlachtordnung damit beſezte . Gebrauch ward fehr ſchnell augemein , man findet ihu Weniger im Dreißigjährigen Kriege bei allen Heeren. war es die Anwendang masquirter Batterien , die ſich ebenfalls von Guſtav Adolfen herſchreibt, und die feinen Kenntniſſen vorzüglich Ebre macht. Im Treffen bei Leipzig waren die Sachſen ſchon vollig auf der Flucht , als der König von Schweden ihnen die Oberſten Hepburn und Hati mit zwei Abtheilun , gen Kavallerie ; die durch eine Infanterie : Brigade Eben wollten unterſtüzt wurden , zu Hülfe ſchickte. Irolanis Kroaten auf die anfommende Schwediſche Reuterei losſtürzen , als ſich dieſe öffnete , und jene mit einer Musketenſalve und mit einem heftigen Kar; tetſchenfeuer aus fünf Regimentsſtücken empfangen wurden ; welches ſie nöthigte : den Angrif der Schwe Faſt deſſelben Mittels bediente den auf zu geben ). fich Guſtav Adolf einige Zeit darauf, weil die Kroaten im Lager bei Nürnberg - 1632 ſeine Felds e ) Galeazzo Gualdo lib . 2 ; p. 43 .

4. Stellung u. Bewegung d.

Truppen .' 475

Feldwachen ohnaufhdrlich beunruhigten.

Er gab leg: tern nemlich Dragoner und Musketiere zu , und lies dieſe an ſchicklichen Orten Verſtécke machen , um dann die Feinde unvermuthet mit einem beftigen Musketers feuer zu begrüſſen. Sie wurden dadurch abgeſchreeft, fich den Schwediſchen Vorpoſten zu nähern , weil ſie immer wieder in einen ånlichen Hinterhalt zu falleir fürchteten ). Während die Schweden unter der Anführung ih: res Einſichtsvollen Anführers fich zu einer der Erſten Urmeen Europens bildeten ; ſcheinen aud) die Franzo : fen im Taktiſchen Fache nicht ganz unthårig geweſen zu ſein , obſchon ſie erſt gegen das Ende des Siebenzehn : ten Jahrhunderts fich durch die hervorſtechenden Vera beſſerungen ihres Kriegsſtaates bekannt machten . Puys fegur , der Deltere , erfand das achteckigeDuaree bataillon octogone dem der Marſchal Chatillout das Zeugniß

gab . daß es von keiner Kavallerie der Welt über den Haufen geworfen und nur allein durch Geſchüß angegriffen werden könne.

S.

345

Einer der würdigſten Schüler Guſtav Adolfs war ohnſtreitig der Feldmarſchal Banner , dem es durch ſeine Talente gelang, ſich mit einem ſeit dem Tode des Königes oft ſchwierigen und durch wechſelſeitiges Miß : trauen und Eiferſucht der Oberbefehlshaber getrenntem Heere Zehn Jahre lang in Deutſchland zu erhaiten . Einen überzeugenden Beweis ſeiner Kriegsgeſchicklichkei gab er t in der Schlacht bei Witſtock 1636 , wo er den 30000 M. ſtarken vereinten Sachſen und Kaiſerlichen nur 20000 Mann entgegen ſegen fonnte.

Er wandte hier ein Mas nous

f) Galeazzo Gualdo lib. 3 ; p. 88 .

Hb 5

476

IV.

3 eitra u . m .

deſſen Erfindung man gewöhnlich Frie drich dem Zweiten zuſchreibt , und das man alls gemein für ein Meiſterſtück der Taktiſchen Kunſt þålt.

nouvre an ,

!

Der Feldmarſchal hielt nemlich ſeinen linken Flügel zus rück , und zog ſich Rechts, ſo daß er mit ſeinem Rechs ten Flügel den Sachſen in die linke Flanke, kam , und Mittlerweile hat ſie ihre Fronte zu verändern zwang . té er die Generale Kingen und Stablýantich vom linken Flügel durch einen Umweg dem Feinde in den Rücken geſchickt , wodurch dieſer völlig in Unord: In demſelben Treffen findet nung gebracht wurde ). man ebenfalls zuerſt des Durchziehens der Infanterie durch die zweite Linie gedacht ; es ward von den Schweden angewendet , um die Regimenter aus dem Treffen zu bringen , die zu ſehr gelitten hatten 8). Et was ånliches dainit hatte die Stellung des Feldmars ſcha ! Torſtenſohns im Treffen bei Jankowik , wo er die Kaiſerliche Armee in ihrer linken Flanke tour: nirte , und kauptſächlich dadurch den Sieg erhielt,

1

weil der Feind gezwungen war ,

eine ungünſtige Stet

lung zu nehmen " ). S.

346.

Llerander von Parma war im

vorigen Zeit:

raume der Erſte, der ſich im Angeſicht eines zahlreis . chen Feindes úber einen breiten Fluß zurückzog; Gu: Rav Adolf aber wagte es in Gegenwart eines nicht minder ſtarken Feindes den Uebergang über einen , zwar nicht ſo breiten aber deſto ſchnelleren Fluß zu erzwingen. Tilly þatte am jenſeitigen Ufer des lechs ſich mitdem Stern

1 f)

dildtrecht 3 Th. kap. 14 ; S. 239.

g ) Soldat Suedois 2 Th. S. 349. h ) Theatr. Europae. 5 Th . S. 541. und die vom Obers ſten Mardefeldt daſelbſt gezeichneten Plane.

4.

Stellung u. Bewegung d . Truppen.

477

Kern der Bayeriſchen Truppen verſchanzt und ſtarke Batterien angeleget, um den Schweden den Uebergang zu verwehren , und ihre Brücken noch vor ihrer Voll: endung in Grund zu ſchieſſen . Allein , er þatte zum Unglück einen Ort ertåblet, wo der Fluß einen nach den Schweden auswärts gebenden Bogen machte , des: Sen Sehne durch die aufgeworfenen Linien der Kaiſers lichen und Bayern gebildet ward.

3

Schweden ,

dem

ein

Der König von

ſorgfältiges Rekognosziren die

Vortheile zeigte , welche ihm dieſes Terrain gewähren konnte , legte an den Schenkeln des Bogens drei ſtar ke Batterien an , die zwei und ſiebenzig Kanonen ent: pielten , und ein freuzendes Feuer auf die Linien des Feindes machten . Unter Begünſtigung dieſer Batte: rien , und eines dicken Rauches , den die Schweden durch angezündetes Reißholz erregten, gelang es ihnen : nicht nur über den Fluß zu feßen , und eine Schanze 4

zu Deckung der Brücke am jenſeitigen Ufer zu erbauen ; ſondern auch in zivei Tagen und eben ſoviel Nächten eine Bockbrücke zu Stande zu bringen , weil die hohen ufer des leche, verbunden mit ſeinem reiſſenden Strome, das Schlagen einer Pontonsbrücke nicht verſtatteten . Tilly und der Ehurfürſt von Bayern , anſtatt gleich an : fange durch einen raſchen Unfall die Schweden am Auf: werfen ihrer Verſchanzungen zu hindern, und ſie über den Fluß zurückzutreiben; begnügten ſich , eine vertheidigens de Rolle zu ſpielen , und mit Anlegung eines Verbacks die Zeit zu verlieren .

Auch bier kann man ſich der

Bemerkung nicht erwebren : daß man , ſo wie vor der Erfindung des Pulvers alles durch das Handgefecht ausgemacht wurde ; ſeit der allgemeinen Einführung des Schießgewehres , zu ſehr auf daſſelbe rechnete, ob: ne daß man doch durch die vergröſſerte lebøaftigkeit des Feuers die in dem Getümmel und in der Verwirrung des

1

478

IV.. Zeitr a um .

des Treffens unvermeidliche

Unzuverläſſigkeit deſſelben

zu erſeken ſuchte. Erſt, nachdem der größte Theil des Schwediſchen Heeres übergegangen war, und nachy dem der König nicht allein die Verſchanzung, fondern auch einen Damm , der ſie flanquirte , binlånglich mit Musketieren beſezt hatte ; tam Tilln , nur zu ſpår! aus ſeiner Verſchanzung hervor , den Uebergang zu hindern . Zwar entſtand jezt ein Gefecht, das in Ubs ſicht der Heftigkeit und des Mutges, oder vielmehr der Erbitterung, womit és geführet ward ,

den blutigſten

Schlachten an die Seite geſezt werden kann. Der er: folg aber war , wie er unter dieſen Umſtänden nicht anders ſein konnte: das Bayeriſche Heer zog ſich zurück und überließ den Schweden das jenſeitige Ufer des Leche.

$.

347

Man findet in der Folge mehrere Beiſpiele ånlicher Unternehmungen , die theils glückten, theils feßt ſchlus gen , je nachdein der eine oder der andere Theil meşr. oder weniger tøåtig und vorſichtig war. Merkwürdig wird der Uebergang des Fronzoſiſchen Heeres 1640 bei { ork über den Rhein dadurch , daß er blos auf kleinen Fahrzeugen geſchahe, die höchſtens einzelne Pferde und Keine Wagen foffen konnten. Die lezteren wurden dess kalb auseinander genommen , und am jenſeitigen Ufer wiedeč zuſammen geſezt. Mit der Reuterei aber machs të man den Verſud ): erſt Einen und hierauf DreiReus ter auf Eininal überzuſeken , die ihre Pferde anı Zügel hielten und ſie neben dem Fahrzeuge ber ſchwimmen lieſſen . ,

Weil man nun dies Mittel febr ausführbar

fand, ward die ganze Reuterei auf dieſelbe Art über den Fluß gebracht '). i ) Soldat Suedois 2 Part. p . 514 .

S. 348.

4. Stellung u . Bewegung d . Truppen.

S. Die Kunſt,

479

348 .

ganze Heere von einem Orte zum

ans

dern zu bewegen , unterſchied ſich auf mehr als eine Man Weiſe von der Marſchkunſt der ſpåteren Zeiten . marſchirte gewöhnlich in Einer , ſelten in Zwei und Die Schwädje der nie in mehr als Drei Kolonnen . Heere , die noch nicht zu einer ſo ungeheuern Unzahl Streiter angewachſen waren , wie gegenwärtig , und dann die Unfäßigkeit der Feldherren, oder vielmehr ihrer Stellvertreter, der Sergents de Bataille , die mit weiſer Hand den Gang dieſerMaſchineleiteten : aud meh: reren Kolonnen geſchwind genug eine linie zu formniren , war die Urſache davon . Jedes Treffen bildete daher feine beſondere Kolonne, damit es nur eine halbe Wen: dung machen oder einſdwenken durfte, um in Schlacht: Die Franzoſen ſcheinen ſich übri: ordnung zu ſtehen. gens der Flankenmårſche zuerſt und lange beinahe allein bedienet zu haben , wie aus mehreren Stellen der Denkwürdigkeiten des åltern Puy ſegür erhellet.

S.

349 .

Bei allen Bewegungen der Armeen jener Zeit ward auf die Subſiſtenz , dieſe wichtigſte Sorge neuerer Heerführer , im Voraus nur wenig Rückſicht genommen . Nur febr ſelten ward ſelbſt bei den Kais ſerlichen

Heeren , wo Karl der Fünfte im Schmalfaldiſchen Kriege doch ein ſo gutes Beiſpiel ges geben hatte , ein Magazin angeleget ; das beißt : ein Vorrath yon lebensmitteln für das Bedürfniß der Truppen angehäuft. Dieſe mußten immer von den Einwohnern des Landes unterhalten werden , und wenn alles in der Gegend aufgezehret war , gieng man weis ter.

Daher die traurigen Spuhren , die der dreiſſig: jährige Krieg noch lange in den Gegenden zurückließ, wo

1

480

IV .

Zeitra u m .

wo er gewüthet hatte; daher aber auch die Möglichkeit, mit einem Truppenforps augenblicks wohl þundert Meilen lange Mårſche machen zu können .

S.

350.

Um die Wirthe dabei nicht ganz der Wilfür des Soldaten zu überlaſſen , weil die Truppen faſt beſtån: dig fantonnirten und nur im Nothfalle lager ſchlugen , war feſtgeſezt : was der Soldat im Quartiere zu ſeis nem IInterhalte bekommen ſollte. Nach dem Vertrage des $zönigs von Schweden mit dem Landgrafen von Herfen : Karrel erhielt jeder Mann, ohne Unterſchied des Sitandes , zwei Rthlr. monathlich zu ſeiner Unters haltung ; auf jedes Pferd wurden monathlich 27 Scheffiel Habar , tåglich aber 10 Pfund Heu und Gebund Strob gegeben . In fågern bekamen die Sol: . daten iras Brod geliefert Zwei Pfund tåglich und mußten ſich in Abſicht iſrer übrigen Lebensmittel an die bei jeder Kompagnie befindlichen Marketender -Sudler , wie ſie damals hieſſen wenden , und es dieſen trach dem von dem Profoß feſtgeſezten Preiſe bez záblen .

S.

351 .

Der allgemeine Entwurf zu dem Feldzuge , oder der Dperations : Plan iſt zu genau mit der Sub: ſiſtenz verwebet, als daß ich ſeiner bier ganz unerwähnt laſſen könnte. Es ſcheint überhaupt nicht, als babe man damals ſchon einen feſten Operations : Pian gea kannt, ſondern ſich vielmeør blos durch den Zufal lei; ten laſſen , um als Sieger vorzudringen oder aber ſich zurückzuziehen, wenn man geſchlagen ward . Guſtao Udolf mag wohl der Erſte geweſen ſein , der in ſei: nen beiden Deutſchen Feldzügen planmäſſig zu Werke gieng,

1

4.

Stellung u. Bewegung d. Truppen.

481

gieng , und ſich " gleich anfangs , als er noch in der der Marf ſtand, den Zug nach den Rheinländern

5

Pfaffengaſſe , wie er ſie nannte - zum Zweck Zerreiſſung des proteſtantiſchen Für: gemacht hatte. ſtenbundes , Zerrůttung der Armee durch Mangel an Geld und Lebensmitteln u . f. w. hinderten jedoch den Reichskanzler Drenſtiern und die Generale : die gross ſen Entwürfe des Königs auszuführen , die man als



ihnen bekannt anneýmen kann, und die tþeils ſchon ges

i

trugen auch das iþre dazu bei;

machten Eroberungen zu behaupten.

Privatabſichten

fo that jezt Herzog

Bernhard von Weimar für Iud w ig den Dreizehnten und vierzehnten das , was er unter andern Umſtånden für den König von Schweden I

gethan haben würde.

Immer blieb es der allgemeine

Grundrak jener nomadiſchen Heere in Deutſchland : den Feind aufzuſuchen , ſobald man ſich ihm gewachſen dúnkte , oder ihn zu vermeiden , wenn man ihn für zu ſtark bielt ; unterdeſſen aber auf Koſten des Landmans nes zu leben , ſo gut man konnte.

$.

352.

Wenn man aber auch in dieſem Stücke empiriſch ver : fubr , werd doch ſchon jezt kein Treffen geliefert, ohne daß man vorger einen oder mehr ſchriftliche Entwürfe dazu machte , und dann aus ihnen denjenigen wåhlte, der auf das lokale und auf die eintretenden Umſtånde Guſtav Adolf, bes am beſten zu paſſen ſchien k). gnügte ſich nicht damit , ſondern lies bei jedem vorha : benden Unternehmen , Angriff , Treffen u . die ganze umliegende Gegend ſorgfältig durch Ingenieure aufneh: men ; uin auf dieſen Plan alsdenn ſeinen Entwurf grún : k ) Memoir, de Puyſeg. an mehrern Orten .

+

482

aum

IV .

Zeitr

gründen zu können ). Es ward zu dem Ende bei der Schwediſchen Armee eine Art General : Quartiermeis ſter : Staab errichtet , von deſſen Mitgliedern ſich ein beträchtlicher Theil der im Theat. Europ. befindlichen

1.

Plane von Schlachten und Belagerungen berſchreibt. Auch bei dem Kaiſerlichen Heere fand eine ånliche Ein: cichtung ſtatt , ſo daß hier wie dort jedes beſondere Korps immer auch ſeinen General Quartiermeiſter, oder General : Quartiermeiſter : lieutenant batte, wel: che die Låger ausſuchen und abſtecken , wie auch die las gerplåße aufnehmen mußten.

Fünfter

Abrchnitt.

Einrichtung der Kriegszucht im Bierten Zeitraume.

$.

353 .

n Abſicht des Dienſtes der Truppen , das beißt: S"des Verhaltens auf Wachen und Poſten war ſeit dem Zweiten und Dritten Zeitraume wenig oder nichts abgeändert , und in den Vorſchriften darüber waren nur etwa hie und da unbedeutende Zufäße gemacht wors Die Schweden , den ihr König überall ſelbſt

den.

zum Muſter diente , waren vorzüglich ſorgfältig in ul: lem, was zu Beobachtung des Dienſtes gehörte. Wes niger ſcheinen es die Kaiſerlichen und ihre Berbündeten geweſen zu ſein , weil ſie ſo oft in ihren Quartieren von Man kielt übrigens e ſehr darauf : daß keine Schildwach auf ibrem Poſter den Schweden überfallen wurden .

beleidiget werden durfte.

Als 1622 in der Belagerung yon

1 ) Schildtnecht 3 Ch . 14 Kap. 8. 20 % .

5. Krieg.8 % ucht. pon Montpellier der

Marſchal

Marillac

483 eine

Schildwache geſchlagen hatte , weil ſie ſeinem Pferde, das ſie auf den Fuß trat , einen Schlag mit der Muss tetengabel gegeben ; Dienſte ſuspendiret.

ward er auf Sechs Tage vom Der Soldat aber ward vor das

Kriegsrecht geſtellt , weil er den Marſchal nicht for gleich erſchoſſen hatte 1).

4

$.

354.

Es war ſchon ſeit dem Anfange des Siebenzekne ten

Jahrhunderts , ja noch früßer , bei den gegårig ocs ganiſirten Heeren : dem Spaniſcheri , Kaiſerlichen , Franzöſiſchen und Dåniſchen feſtgeſezt worden , was den Offizieren von ihren Untergeordneten für Ebreabe zeugungen gebührten . Zu dieſen gehörten auch die Bez gråbniſſe der

Befehlshaber , die immer von einer ges nau beſtimmten Anzahl Musketiere zu Grabe begleitet, und durch ein Dreimaliges Abfeuern des Gewebres ges ehret wurden . Die Schweden wichen hierinnen von allen übrigen Nazionen ab, daß bei ihren Begräbniſſen nur Zwei Salven aus dem Geſchüße und Gewehre ger geben wurden * ). 355 . $. Subordinazion iſt unſtreitig der größte und wicy tigſte Grundpfeiler jeder Militairverfaſſung ; ſie warð vorzüglich bei den Schweden auf das ſtrengſte beobach : tet , und dieſe übertrafen darinnen alle andere Truppen bei weitem.

Dies war auch eine der wichtigſten Urs fachen : daß der König faſt immer im Stande war , ſeine Abſichten und Entwürfe auszuführen , weil er nicht durch die Widerſpenſtigkeit und durch die zügelloſe 1 ) Memoires de Puyſegur p. 18. m ) Chemnik I th. 4 Buch S. 317. Goyer's Heuere Bringsk. 1. Tb.

1

484

IV.

Zeitraum

Lebensart ſeiner Soldaten gehemmt ward .

Erſt nach

ſeinem Tode , als es dem Kaiſerlichen Hauſe gelang, die bisherigen Bundesgenoſſen der Schweden größtens theils abwendig zu machen , und die Oberbefehlshaber dadurch oft in die größte Verlegenheit zu bringen , wenn es ignen an Geld und Unterhalt für die Truppen fehlte; tam die Kriegszucht bei den Schweden in Verfall. Nur die Einſicht und Entſchloſſenşeit der Unführer war dann im Stande , den alten Geiſt zu wecken , der einſt die Schwediſchen Krieger beſeelte,

und, ſo das

Heer zu retten “).

$.

356 .

Die Strafen der Soldaten waren noch wie im vos rigen Zeitraume , denn die entſtehenden Heere bildeten fich darinnen nach den älteren . Geringere Vergeþungen wurden mit Arreſt, mit Schlågen oder auch bei Obers und Unteroffizieren mit Degradation beſtraft. Auf Klas pitalverbrechen ſtand die Todesſtrafe , die an Befehlss habern mit dem Schwerdt, an den Soldaten aber durch artebuſieren oder Erſchieſſen vollzogen ward . Nur bei den Franzoſen ſollen noch Piquenire unter ludwig. des Dreizenten Regierung durch die Spieſſe gejagt worden ſein , wenn es anders nicht ein Mißverſtand iſt , weil in den Urtheilsformula ren der alte Ausdruck paſſer par les armes beibebalten worden war , der aber nur das Erſchieſſen des Verbrechers ans deutet . Denn bei allen übrigen Armeen war dieſe ſchreckliche Strafe ſchon ſeit einiger Zeit abgeſchaft. Weil die Schweden keine Musketengabeln mebr füßrs ten a ) Im Jahr 1634 mußten ſelbſt die Offiziere bei Herzog Bernhards von Weimar Armee ſich mit bloſſem Kommisbrod bebelfen , weil ſie kein Geld betamen und alle Lebensmittel auſſerordentlich theuer waren . Chems nik 2 TH. 2 Buch . 469.

3 1

WH

Jai

5. Krieg $

u ch t.

485

ten , womit bei andern Heeren die Unterbefehlshaber die Soldaten bei geringen Vergeşen zůchtigten , ges. ſchabe es hier allgemein mit dem der Fuchtel.

Seitengewebr oder

Um ſolche Verbrechen der Soldaten

zu beſtrafen , die zwar eine þarte Ahndung , jedoch nicht den Tod verdienten ; rol Guſtav Adolf zuerſt das Gaffenlaufen eingefübret baben , das offens bar eine Nachahmung des ehemaligen Jagens durch die Spieſſe iſt ).

Zwar hatte man ſchon vorher die

Knechte und Soldatenweiber wegen Diebſtahls u. 8.gl. von dem Steckenknecht durch das Sager peitſchen lass fen ; allein , dieſe Strafe war egrlos und würde einen Soldaten auf ewig beſchimpft haben. Nicht ſo aber, wenn eine ånliche Strafe durch die Kameraden des Verbrechers vollzogen ward ; der Soldat konnte dann noch ferner bei ſeinem

Regimente bleiben , und gieng

nicht ganz für den Dienſt verlobren .

$.

357

Um ſtrengſten , und zwar gewöhnlich mit dem Tor de, ward überall Mangel an Tapferkeit beſtraft. In den Niederlanden verlohr 1622 - der Gouverneur von Ried , Reinhard Titfurth , den Kopf,weil er den Drt ohne Widerſtand an die Spanier übergeben hatte P). Daſſelbe widerfuhr bei den Schweden dem Gouverneur von Rain , dem Oberſten Mitfchefal , weil er den Drt nicht lange genug vertheidiget hatte. Ja , dem Hauptmann Chapelles , der das Schloß Circle bei Thionville zwar anfangs gegen den Herzog von lothrins gen tapfer vertheidiget, nach aufgehobener Belagerung auf Zureden des Bürgermeiſters aber dennoch überges ben 0 ) Turner B. 3 ; cap. 27. p. 349. p) Chappuys 2 Part. p. 441 .

486

V I ..

aum

Zeitr

.

ben hatte, ward auf ausdrücklichen Befehl ( udwigs des Dreizehnten der Kopf abgeſchlagen , obgleich das Kriegsrecht ihm blos die Caſſation zuerkannt hat: te 9 ).

Eben ſo ward die Beſaßung von Pignerol be

handelt, als der Herzog von Savonen ſie zu ents feßen kam , und ſie iśm nach Uebergebung der Eitas delle begegnete ; denn er ließ fie obne Gnade durch die Reuterei niedergauen. - Der Gouverneur war zu ſeis nem Glück in der Feſtung zurück geblieben , und ents gieng dadurch der Strafe '). Auch das Kaiſerliche Reuter: Regiment Madloi , das im zweiten Treffen bei Leipzig 1642 durchgegangen war , þatte beinahe ein

+ ånliches Schickſal;

es ward dezimiret ,

die übrigen

aber ehrlos weggejagt , und der Oberſte enthauptet. 1

$.

358 .

Das Rauben und Plündern war zwar allgemein unterſagt ; allein , theils der Mangel an richtiger Bei zahlung , theils die Nachricht der Befehlshaber mach : ten alle Verordnungen unnůß , und die Truppen be giengen die unerhörteſten Grauſamkeiten an den Eins wohnern Felbſt freundſchaftlich geſinnter Provinzen . So ward 1630 in Pommern das Städtchen Penfun ungeachtet der ſchriftlichen Sauvegarden des Generals Torquato Conti von den Kaiſerlichen ausgeplüns dert ; Weiber und Mädchen wurden geſchåndet, und Kein beſſeres Schickſal hatte die Männer erſchlagen . Paſewalt und mehrere ' andere Derter ) . Guſtav udolf Fannte die Nachtheile einer vernachläſſigten Kriegszucht zu gut , als daß er nicht alles håtte anwens den ſollen , ſie bei ſeinem Heere in ihrem vollen Rechte zu 9) Memoir. de Puyſegur p. 124 . r) Ebendaſ. p . 69. • ) Chemnik I Th. 7 Buch S. 79.

5. Krieg $$uch t. ju erhalten .

487

Schon im Jahr 1621 Katte er bei der

Belagerung von Riga Kriegsgeſeke

abgefaßt , die in

der Folge von Zeit zu Zeit verbeſſert und vermebret wurden , und in den vorzüglich auf das Plündern und die Erpreſſungen Todesſtrafe geſezt war . Dies Verbot ward noch beſonders. Vier Tage nach ſeiner Ankunft. in Deutſchland unter Trommelſchal bekannt gemacht, und das in Pommern zurückbleibende Schwediſche Korps erhielt eine beſondere Vorſchrift in Abſicht ibres Betragens gegen die Einwohner , für deren Befolgung die Offiziere mit ihrem Kopfe Haften mußten , und die ich bier nach ihrem weſentlichen Inhalte anfübren will, weil ſie ſowohl die Denkart des groſſen Königes als auch den Zuſtand der Kriegszucht bei den Schweden genau bezeichnet ).

$.

359.

Rein Soldat durfte ſich unterſtehen , Kirchen , Spitåler u . d . gl. zu beunrubigen , oder die Geiſtlichen an ihren Amtsverrichtungen zu findern . Die Bequar: tirung der Truppen hieng ganz allein von den Stadt: obrigkeiten ab ; die Offiziere batten nichts damit zu Offiziere und Gemeine ſollten ſich mit dem bes thun . ftimmten Servis an einem

Bette , Heizung , licht,

Eſſig und Salz begnügen , uud auſſerdem nichts una Die Reformirten Offiziere entgeldlich verlangen. und die Bes deren Regimenter eingegangen waren C

3

dienten werden nicht von den Einwohnern , ſondern von Kein denjenigen unterhalten , die ſie bei ſich haben . Offizier darf ein Hülfsquartier haben , noch auch den Einwohnern Schukbriefe aufdringen . Die Eingelegs ter 1 ) Chemnik I th. 2 Be. 8. 6 und 13. Auch 3 Beach $. 123

Ji3

488

IV .

Zeitraum.

ten Salvegarden müſſen mit dem vorgeſchriebenen Sers vis zufrieden ſein , und alles unrechtmäßigerweiſe Er: · baltene rol auf der Stelle erſezt werden. Alle Wagen und Pferde , welche die Offiziers und Soldaten ogne ausdrücklichen Befehl des Königes oder ſeiner Genes rale von den Einwohnern erhalten , müſſen von ignen baar bezahlet werden . Jeder Soldat , der fich ohne Paß oder ſchriftlichen Erlaubnißſchein feines Befehlshabers von ſeiner Kompagnie entfernet , kann von dem Erſten , dem er begegnet , angehalten und an die nächſte Beſakung zur Beſtrafung abgeliefert wers den . Daſſelbe findet auch ftatt , wenn Kommandirte ihrer Paſſe zu Erpreſſungen mißbrauchen ; doch müſſen ihre bei fich gehabte Briefſchaften ihnen abgenommen le im und angehörigem Orte abgeliefert werden. Marſch begriffene Truppen oder einzelne Kommandirte

dürfen die ihnen gegebenen Fuhren nur bis ins nåchſte Quartier behalten , und geben den Einwohnern dabei unterweges Pferde verlohren , müſſen ſie ihnen ſogleich Fürſtliche Pallåſte und Udeliche Wohns erſezt werden . håuſer werden nicht ohne Noth mit Einquarcirung belegt; und die Kommiſſarien , die Amtleute , die Ads lichen und die Burgemeiſter der Städte , ſo wie übers Kaupt alle Einwohner dürfen weder von den Offizieren Reiſende noch von den Soldaten mißhandelt werden . follen weder aufgehalten , noch auch mit Abgaben belås ſtiget,

ſondern ihnen vielmehr auf alle nur mögliche

Weiſe gepolfen werden , S.

360 .

So fange der König tebte ,

wachte er ſorgfältig

über die Beobachtung dieſer Vorſchriften , und ſelbſt die Feinde gaben den Schweden bei ihrer Ankunft in Deutſchland das lob : daß ſie durchaus nichts von

ifren

5. Krieg 8f u cht.

489

ſondern mit dem zufrieden waren , was dieſe i nen freiwillig gaben ") . Jedes Vergehen von der Art ward auf der Stelle beſtraft, und zwei Schwediſche Soldaten wurden gehangen , weil

ihren Wirthen forderten ,

ſie auf dem Marſche heimlich in ein Haus gegangen waren , obſchon ſie nichts darinnen genommen hatten . Der Tod Guſtav Adolfs war jedoch der Zeitpunft, Ein gegenſeiti : wo die Kriegszucht zu finken anfieng. ges Mißtrauen zwiſchen den Sachſen und Schweden trat an die Stelle des bisherigen guten Vernehmens . und des gemeinſchaftlichen Strebens unter Einem Jeder wollte nur Oberhaupte,nach Einem Ziele " ). fich und ſeinem Eigeuſinne, keiner aber dem andern ges þorchen ; wåþrend zugleich der Mangel an den ünent: behrlichſten Lebensbedürfuiſſen den Krieger verdrüßlich machte und bald alle Bande der Mannszucht auf: Nach der Schlacht bei Nördlingen batte felbſt loſte. jeder gemeine Schwediſche Reuter drei und niebr Pferde bei ſich , die ihm die Einwohner ausfüttern, ihr Brods forn aber verkaufen mußten , um den Soldaten Geld und Wein zu ſchaffen , wofür ihnen auch Schläge und . Die Erbitterung Wunden zum Lohne wurden zwiſchen dem Soldaten und dem Landmanne ſtieg des durch von Tage zu Tage bóber. Der leztere fieng an ſich zu bewafnen , und jenem Rufzulauern , um ihn zu tedten . Der Krieges oft auf die qualvolſte Weiſe mann dagegen , der früh oder ſpåt , doch immer wieder die Oberband erhielt, råchte ſich durch eine noch ſchlech Man fiehet leicht, tere Behandlung der Einwohner. n des Krieges zu leztere Jahre daß auf dieſe Weiſe die eines u ) Burgi Mars Sueco - Germanic . lib . I ; p . 50. v) Chemois 2 Th . Buch I; S.112 W) Ebendaf. 2 Th. 2 Buch S. 573. Ji 4

1

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o ll er ie e e p nt r t ſ e u h t i n an eng be iſc Ke ţi en n bſtänd er ßt n eerrdu e l u e e e i m t ſ erl d rt , d twt d üh bi ie ef N Er er g e n , g e h n f t iſ lc ſo Me au zu we Ka . $.

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361 .

Ausreiſſer wurden zwar mehrentheils mit dem Strange ' beſtraft ; ja bei den Franzoſen ſollten ihnen nach den Kriegsgefeßen Naſen und Düren abgeſchnit: ten , ſie dann auf den Backen gebrandtmarkt und auf Man ließ jedoch ge die Galeeren geſchickt werden . wöhnlich von diefer Strenge nach , weil das Ausreiſſen dadurch nicht gemildert ward ; der Schwediſche Reichs: Kanzler Orenſtiern machte ſogar 1633 einen G és neral : Pardon für die Deſertęüre bekannt * ) , und bewog dadurch viele von den Deutſchen Regimentera Entwichene: fich wieder bei ihren Fahnen zu ſtellen, Bei den Schwediſchen Nazional : Regimentern Þinge: gen icheint die Deſertion wenig oder gar nicht ſtatt gei funden zu haben ; denn bei dem ſparſamen Wiedererfab, per wåþrend dieſes Krieges möglich war , und bei dein vielfachen Abgang durch Gefechte und Krankheiten , würde jene fie bald auf Nichts herabgeſezt baben .

$

362 ,

Verbotße gegen Ungeachtet atter ſtrengen den Sweikampf erhielt ſich dennoch dieſe Sitte des Mittel: alters ; ſei es nun : daß ſie zu tief eingewurzelt war ; e il an tt n g m , we ate . u ba immer durch mancherlei Verhältniſſe gehindert ward, buchſtäblich nach demſelben zu richten. In Frankreich war beſonders der Zweifampf ſo båufig geworden , daß ludwig der Dreizehnte ſich 1632 genöthiget faz ber *) Chemnit 2 Th. i Bud S. 628.

5. Krieg 8 j uch t.

491

bé , zwei Edelleute, den Baron Droet und den Herrn von Bouch avannes, die ſich mit einander

-

ſchlugen , und von den der erſtere auf der Stelle blieb , der andere aber zwöölf Stunden darauf an ſeinen Wuns den ſtarb , durch das Parlament richten zu laſſen ? Dieſes verurtheilte fie, Vier und Zwanzig Stunden lang bei den Füſſen aufgebangen zu werden ; und das Urtheil ward auch wirklich an einem auf dem Markte zu Thoulouſe dazu errichteten Galgen vollzogen » ).

§.

363 .

Auch Guſtav Adolf gab ſich alle Müße , die aus ſo mancherlei Nazios s Zweikämpfe bei ſeinem ,

į

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1

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neni zuſammengeſezten Heere zu verhindern . Er feste die Todesſtrafe darauf , und mußten alle geringere Streitigkeiten vor die Ober : Befehlshaber gebracht, die Ausforderungen aber an das Kriegsgericht verwie: Jeder Unteroffizier, der einem Gemeinen ſen werden . erlaubte : ſich zu ſchlagen , wie es bei den Deutſchen Truppen Sitte war , ward ſeiner Stelle entſezt , und mußte als Gemeiner dienen. Man findet wirklich nur wenig Beiſpiele: daß Schwediſche Offiziere fich ger ſchlagen haben , denn als der Graf von Souches den General Stalbantſch ausfordern wollte , ' legte er vorber ſeine Stelle nieder.

S.

364.

Das in dem vorigen $. erwåfnte Kriegsgericht iſt eine der muſterhafteſten Einrichtungen Guſtav Es hatte zwar in ſeiner inneren Einrich : Udolfs . tung einige Henlichkeit mit dem damals ſchon beſtehens den Hofkriegsrath in Wien , gieng aber dennoch in den y) Memoir . de Puyſegur p. 102.

Jis 1

IV .

492

Zeitra u m .

den meiſten Verhåltniſſen davon ab , ſo daß eine kurze Nachricht davon hier nicht überflüſſig ſein wird. Der Pråſident des Kriegskollegiums und zugleich des Kriegs: gerichtes war der Reichsmarſchal, dem Zwei Reiche: råthe zur Seite geſeze waren ,

die entweder noch in

cint tun |

Kriegsdienſten ſteben , oder doch vorher gedient haben mußten. Vier andere Ufeſſoren mußten ebenfalls das Kriegsrecht , und die Königlichen Militair : Verord: nungen inne baben , wåfrend eine beſtimmte Anzahl Sekretarien , Regiſtratoren und Kopiſten für die Fers tigung der Protokolle und anderer Schriften zu ſorgen hatten. Dieſem Kriegskollegio ward alles vorgelegt, was

die

Truppen überhaupt und ins beſondere,

Ausrüſtung ,

Werbung ,

die

das Zuſammenziehen , das

%

Muſtern und die Verſorgung dečfelben angieng. Tým mußten die Befehlshaber der Feſtungen, nach ihrer 26: löſung die unausgerezt alle drei Jahre den Erſten Junius erfolgte

Rechenſchaft von der Verwaltung

der

ihrer Stellen ablegen, und keiner durfte fich ohne els nem ausdrücklichen Befehl des Königs dieſer Redzens ſchaft entziehen . Wer nun ſeine Pflichten in ihrem ganzen Umfange erfüllt þatte , ward gelobt und von dem

Könige befördert; im entgegengeſeztem Falle ward

er von dem Reichsfiskal angeklaget , und nach den bes ſtehenden Kriegsgeſezen gerichtet. Alle Oberſten und Regiments : Kommandanten mußten jährlich die Bes ſtandtsliſten ifrer Regimenter , mit beſonderer Anfüß: rung der Beurlaubten ,

Geſtorbenen ,

Verabſehiedes

ten oder Entlaufenen , nebſt den Konſeriptionsliſten an das Kriegstollegium einreichen , auch iým von den eins

w

gegangenen und ausgegebenen Geldern

TE 2

nung ablegen .

gehörige Reche

Es ſtellte zugleich den Obergerichtshof

in Militairfachen dar , wo dieſe in der lezten Jnſtanz entſchieden wurden. $ . 365.

f

5.

Kriegsrecht .

493

S. 365. Ueberzeigt: daß die früße Ausbildung ſehr viel zu einem ordentlichen Leben und folglich auch zu Erhal: tung der Mannszucht beitrage, fuchte der König von Schweden auch die Kinder feiner Soldaten , die ſie nach damaliger Sitte während des langwierigen Kries gės in Pohlen und Deutſchland mit ſich Berum führs ten , eine zweckmäſſige Erziehung geben zu laſſen . Er errichtete zu dieſem Entzweck bei jedem Regimente eine Schule, der er ſeine beſondere Aufmerkſamkeit widmes te , und immer ſogleich einen ſicheren Ort dazu anwies , wenn die Verſchanzung des lagers beendiget war. Die Schule ward daher in allen Standtågern und bei allen Belagerungen ununterbrochen fort gehalten , und Hars the erzählet bei dieſer Gelegenheit ; daß einsmals eine Kanonenkugel durch den Ort gieng , wo die Schule ges Halten ward ,

und zwei bis drei dieſer Kinder códtete;

dennoch ſeien alle übrige ruhig ſiken geblieben , ohne nur einmal die Farbe zu ändern oder irgend ein Merts mal von Furcht oder Erſchrecken von ſich zu geben . Diefer Fall , wenn er nicht dichteriſche Ausſchmůckung iſt , beweiſt: wozu ſich auch Kinder durch die Gewohns beit bringen laſſen , und man findet in ihm einen Grund

EX zu der ſo ausdauernden Tapferkeit des Schwediſchen Kriegers in und nach dem dreiffigjährigen Kriege.

S. Da dieſer zwiſchen

366. regulirten

Armeen geführet

* ward , þatten auch die Kriegsgefangenen eine beſſere Behandlung zu erwarten , als zu Anfange des Nieder: Jedoch auch dort fiengen ſeit dem làndiſchen Krieges. Anfange des Siebenześnten Jahrhunderts die Oberbe fehlshaber an , mit den gefangenen Offizieren auf eine iþrem Range angemeſſene Weiſe umzugeben.

Vorzüg:

1

1 494

IV .

Beitra u m .

lich that dies der Marquis Spinola allezeit, und erwarb ſich dadurch algemeines Lob und Achtung % ), Uusgewechſelt wurden die Gefangenen übrigens felten, theils weil überhaupt der Rang der Befehlshaber bei den verſchiedenen Armeen gegen einander noch nicht ge Hörig beſtimmt war ; theils und vorzüglich aber, weil demjenigen, der den Gefangenen gemacht þatte, dadurch das loſegeld entzogen worden wäre. Wenn daher ja Gefangene ausgewechſelt werden ſollten ,

mußte der

Souverain an die Befißer derſelben das Idſegeld für fte bezahlen. Dies betrug bei einem Oberſten nie uns ter Fünf bis Sechstauſend Thaler , und bei den gering geren Offizieren nach Verhältniß. Der Prinz von Epinons , der 1620 von den Proteſtantiſchen Fürz ſten gefangen wurde, mußte Zwolftauſend Ebaler Rang zion geben "). Die gefangenen Gemeinen nahmen ges wohnlich Dienſte, oder wurden gegen ein geringes löfes geld , das der Landesherr vergütete , entlaſſen. Die Kaiſerlichen Huſaren hingegen - oder die kroaten wurden von den Schweden wegen ihrer Räubereien nicht als Soldaten betrachtet , ſondern nach Schweden geſchickt, um daſelbſt in den Bergwerken zu arbeiten,

.

367.

Soldaten , die ſich durch ihre Bravour auszeich: neten , wurden durch Beförderungen und durch Geld: geſchenke, oft auch durch beide zugleich belohnet. Spis nola machte einen Sergeanten zum

Fåbndrich , weil

er mit 20 Mann die wiederholten Angriffe des Feina Der Schwediſche Leutnant des abgeſchlagen hatte. Wagner , ber 1631 Frankfurt an der Oder zuerſt mit einigen Musketierern erſtieg ,

erhielt von ſeinem

7) Memoir. de Puyfegur p. 178. ) Chappuys Part. 2 ; liv. 17 ; po 406.

5.

Kriegsju cht.

495

Könige 1000 Thaler und eine Hauptmannsſtelle , und von einem Detaſchement,

das ſich in einem Gefecht

bei Nürnberg ſehr gut gehalten hatte , gab Guſtav Adolf den Offizieren groſſe und kleine Schaumünzen an golonen Ketten ,

und jedem

Infanteriſten Einen

Thaler. Drei Reuter, die Standarten erobert batten , bekamen zugleich jeder Kundert Thaler b) . Ludwig der Dreizehnte ſchenkte 1636 dem Oberſten Pun: ſegur, um ihn für ſeine als Sergent de Bataille im Treffen bei Uvein gebabte Mühe zu belobneri, das Lóregeld der in Maſtricht befindlichen Spaniſchen Gefangenen , das er ihm zu ſechstauſend Livres an : ſchlug , das aber nur viertauſend betrug , weil der Oberſte Don Gamara

Heimlich entwichen war

).

Die Sergents de Bataille rollten überhaupt in Frankreich nach jedem gewonnenen Treffen eine Vergů: tung von 12000 liv. erhalten ; es geſchahe jedoch fels ten und es finden ſich in Ålem nur zwei oder drei Beis ſpiele , daß dieſe Summe wirklich den iſt.

ausgezahlet wors

b) Chemnik 1 TH. 3 Bd. S. 130. und 4 Bch . S. 391. c ) Memoir . de Puyſegur p . 137.

Sechster

496

IV .

raum

Zeit

Sechster

Abrchnitt.

Beſchaffenheit der Låger und Feldverſchanzungen .

$.

W

368

enn blos einzelne Poſten verſchanzt und verthe diget werden ſollten , geſchabe dies entweder

durch viereckige Reduten ; oder durch Sternſchans fen ; doch bediente man ſich gewöhnlicher und kåufiger der erſteren , öfters durch ganze oder balbe Bolwerke verſtärkt. Die lezteren waren in dieſem Zeitraume in den Niederlanden eingeführet worden , weil ſie leichter zu verfertigen waren , als die ganzen Bollwerke , und doch den Kurtinen eine eben ſo gute Seitenvertheidis gung verſchaften . In der bekannten Belagerung von Breda durch den Marquis Spinola waren die vier: eckigen Reduten inwendig so Fuß auf jeder Seite lang; hatten 13 Fuß zur Hébe und 15 Fuß zur untern Dicke des Walles. Die Gråben waren 8 Fuß tief und 12 Fuß breit “ ) . Der Wallgang hatte 8 Fuß Hoße und 5 Fuß Breite , ſo daß die Bruſtwebr 5 Fuß boch blieb . Die Forts batten diefelben Maaſſe, und unters ſchieden ſich blos durch die an den Ecken befindlichen ganzen oder halben Bollwerke von den Reduten. Beide waren durch Sturmpfäble, einige auch durch Palliſaden verſtårkt, batten bölzerne Brücken , die man þinweg nehmen konnte , und Fleſchen vor den Eingåns gen. Uuſſer dieſen Reduten und Feldſchanzen waren an der Eircumvallationslinie einige dreieckige oder Halbe Re d ) Hest, Hugonis Obad. Bredan , fol, Antwerp. 1629. P - 30,

6. Låger und Feldverſchanzungen. Reduten

497

wie es ſcheint, ebenfalls als eine neue Ers

findung und einige fünfs und rechseckige Sternſchans ). angeleget zen

S.

369 .

Faſt dieſelben Verhåltniſſe hatten die Feldſchans zen in den Belagerungen von Groll und Herzogen: buſch , wie folgende Ueberſicht derſelben nach Rheinl. Fußmaaß zeiget ); Reduten vor Sriefirche Engliſche Scans Herzogen . Schanje Schanze zen vor Herzda buray. vor Grol . genburch Anlage des Walles 16 27 24 18 IS 2 3 3 ung re it . deſſelb Böſch Heuffe 6 3 2 Innere Böſchung 1 Höhe des Walles Dbere Breite deſſelb. Anlage der Bruſtwebr. Ueuſſere Böſchung derf. Innere Böſchung derſ.

Håbe derf . Breite der Bank Hobe Der Wallgang Berme Breite des Grabens Abdachung deffelben Tiefe des Grabens

3

1

4

6

6

14

14

14

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8 3 I 6

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3 6

8

7 3 3 24.30

3 6

6 6

Das legtere Profil Hatte vor Breda nur eine einzige Schanze : die Burgundiſche, deren Graben 12 Fuß tief und 22 Fuß breit war. Die Höhe igres Walles betrug is Fuß und die Dicke deſſelben 28 Fuß 5 ).

$. 370. e ) Freitags Neue vermehrte Fortification . 3 Buch Sap . 5 und 6. f ) Ebendaſ. 3 Buch Kap. 5 und 6. ) Herm . Hugon. Oblid , Bredan , p. 38 .

498

IV. Zeitraum .

$.

370 .

Alle dieſe Feldſchanzen wurden theils von bloſſer Erde und Raſen , öfterer mit Flechtwerk aufgeführet, theils auch mit fichtenen Dielen bekleidet , die in ein: gefalzte Såuien eingeſchoben wurden . Faſchinirung nach jeßiger Urt war nicht gewöhnlich , wohl aber baues te man die Bruſtwebr blos von Faſchinen , die durch eingegrabene Såulen gehalten wurden , wenn es an hinreichender Erde mangelte. Sturmpfåhl , die e drei Fuß tief im Walle lagen, und eben ſo weit heraus ſtanden , waren durchgehends gewöhnlich . Die Palli: ſaden waren es minder , wabrſcheinlich wegen der Mů denn he, welche das Einſeßen derſelben erforderte, man bediente fich noch der ſchon vorher beſchriebenen , die aus drei Reißen Hinter einander eingeſchlagener Prable , die oben nicht zugeſpißt waren , ſondern acht bis zwölf Zou lange eiſerne.Någel durch den Kopf gez Sie wurden nicht in den Graben, ſteckt hatten ). Eine an den duſſeren Rand deſſelben geſezt. : Palli ſchwichere Urt , die den noch jezt gewöhnlichen faden glichen , rezte man unter dem Namen der Sta: Keten an niedrigen Waſſern und Ueberſchwemmungen , ſondern

dem Feinde den Zugang zu verwehren. In den trock nen Graben der Feldverſchanzungen brachte man zu : weilen

Spaniſche oder Frieſiſche

Reuter

an , die ſchon ſeit dem Sechzehnten Jahrhunderte uns ter dem Namen der Igel , Darrerjen oder Sie ſollen iøren Kreuzbaspeln bekannt waren . jebigen Namen zuerſt in der Belagerung von Grönins gen erhalten haben , weil durch ſie die zum Entſak der Stadt Berbei eilende Reuterei abgehalten warb , ſich

1

den Verſchanzungen der Belagerer zu nåßern :). b) Freitag a . a. D. 3 Buch 17 Rap. S. 187. Ebendaſ.

$. 371 .

}

1 6. Låger und Feldverſchanzung

en .

S.

499

371 .

Seitdem Moriz von Oranien die Verſchans zungskunſt der låger in dem Niederländiſchen Unab. gångigkeitsfriege verbeſſert oder vielmehr ſie und die { a: gerkunſt neu geſchaffen hatte , war es auch faſt allge: meine Sitte : die Heere mit mehr oder weniger ſtarken Verſchanzungen einzuſchlieſſen . Graf Ernſt von Mansfeld bediente ſich 1621 zu dieſer Abſicht mit den Wipfeln auswärts in die Erde gegrabener Båume , deren Ueſte abgeſtuzt und zugeſpizt waren k).

Die ei gentlichen lager : Verſchanzungen waren gewöhnlich eine fortlaufende linie mit wechſelsweiſe auswårts und ein: wärts gehenden Winkeln ; an den ſchwächſten Orten durch Sturmpfähle , Palliſaden , Berbacke und Die lezteren beſtanden aus Fladderminen verſtårkt.

einem eingegrabenen Pulverkaſten , der oben mit Bre: tern bedeckt und mit fünf Fuß langen , zwölf bis vier : zehn Zoll dicken Hölzern beleget 'ward , auf die man Strauchwerk und Steine legte ' , zulezt aber die Hoh : lung mit Raſen dem Erdboden gleich machte. Das Leitfeuer ward , wie noch jezt , in einer Rinne gegen die

ta '

Målſe und gegen åuſſere Beſchädigungen verwahrer '). S.

372.

Weil die zuſammenhångenden Verfchanzungen mit Redans oder Bollwerken den Nachtheil fatten , daß fie

si

ganz verlohren waren , wenn es dem Feinde gelang, fie an einem einzigen Orte zu erſteigen ; legten die Nies derländer zuerſt von Entfernung zu Entfernung geſchloss fene Reduten und Feldſchanzen in die Linien . Ueber:

:

haupt bilte e ſich in den Niederlanden , wo beide Theis le

k ) Schildknecht 3 Th. 14 ; S. 188 . 1 ) Ebendaſ. 3 ; 2 , S. 10. Joyer's neuere Briegst, I. Th .

1

500

IV .

Zeitr å u m .

le ſo oft gezwungen waren, mit kleinen Heeren Stådte zu belagern ,

die ſie nicht einſchlieſſen konnten ,

die

Feldverſchanzungskunſt am ſchnellſten und vortheilhaf: teſten aus. Um einem berbeikommenden Entſak ſo wie der zahlreichen Befakung die Spiße bieten zu kön: nen , ſchloſſen die Belagerer ſich in feſte Linien und Verſchanzungen ein , an deren Verbeſſerung und Ver: ſtårkung ſie von dem Erſten bis zum lezten Tage der Belagerung okne Unterlaß arbeiteten , ſo daß fie ſelbſt zulezt einer zweiten Feſtung glich , dem Feinde von in : nen und auſſen gleich unzugånglich .

Guſtav Adolf

nahm dieſe Sitte ebenfalls an ; von ihm gieng fie zu den mit ihm Kriegführenden Heeren åber , und ward Die Linien der Schweden beſtanden bald allgemein . immer aus Reduten , die durch eine Bruſtwehr zuſams men hiengen m) ; in dem Lager bei Nürnberg aber war ein Stück der Verſchanzung vor dem Spittelthore gar nicht geſchloſſen , ſondern Guſtav Adolf þarte einzelue Reduten in gewiſſer Entfernung von einander erbauen lasſen , die ſich wechſelſeitig vertheidigten. Dieſe Verſchanzungsart war ebenfalls in den Nieder: landen aufgekommen , wo ſich wiederholte Beiſpiele davon finden , wie fchon im Dritten Zeitraume geſagt worden iſt. Auch nach Erneuerung des Nic: derländiſchen Krieges war 1624 in der Belagerung von Breda der Schwarze

Damm auf dieſe

Weiſe

befeſtiget.

$.

373 .

Bei allen vielfachen Vortheilen dieſer Verſchans zungsart kehrte man dennoch immer wieder in der åltern zurück ; po groß war die Macht der Gewohnheit! Denn nach des Königs Tode wählten die Schweden.beſtåndig zu? m) Soldat Suedois . p. 547

n

nge

nzu

er

6. Låg

ha rſc

dve

l und Fe

.

500

zuſammenhångende Linien , um ihre låger zu befeſtigen , wie im Jahr 1647 bei Eger , wo beide Armeen einan: der im Angeſicht lagen , und die Schweden ſich mit Bolwerken verſchanzt batten " ). Die Befeſtigung der Standlåger mußte übrigens bei den Schweden zur Gewohnheit geworden feil ,

denn Guſtav Adolf

unterließ es ſeit ſeinem Erſten Eintritt in Pommern nie , ſobald er nur mehr als Eine Nacht an einem Orte blieb . Alles mußte dann Hand anlegen , ſo daß immer die Einſchlieſſung des Sagers in febr wenig Zeit beendi: .

get war. Der König munterte dabei theils die Sol: daten durch ſeine Gegenwart auf, theils wußte er ihnen durch kleine unbedeutende Ergoßlichkeiten Luſt zur Ars beit zu machen , wie bei Greifswalde , wo die Armee nichts als Brod und Waſſer þatte , und jeder , der zwanzig Körbe vol Erde berbei getragen hatte , fich einmal ſatt Bier trinken durfte ° ).

S.

374 .

n Man þatte ſich zwar ſchon in vorhergeg ageenden Zeis ſtw den Res pel Rü gimentern nachfahren laſſen ; allein , die Unbequein : lichkeit: daß ſie den Soldaten nicht genugſam gegen Regen und Kålte ficherten , gab Anlaß , ſie abzuſchafs fen , und anſtatt ihrer die Hütren ein zu führen . Nur die Offiziere katten noch Zelte bei fich ; doch nicht, um ſelbſt darunter zu liegen , ſondern ſie anſtatt der Pfera deftålle zu gebrauchen . Die Hütten ſowohl für die Dffiziere als für die Gemeinen beſtanden a :18 zuſammen gebundenen Stangen und aus Stroh, das von den nabe gelegenen Ortſchaften geliefert werden mußte. n) Theat. Europ. 5 Th, S. 1083 . 0 ) Burgi Mars Sueco - German. lib. I, p. 49.

KE 2

$. 375

502

IV .

Zeitra u m .

S.

.375 .

In Abſicht der Form der låger war bei den Nie: Berländern angenommen : daß jede Kompagnie von Hun : dert Mann 300 Fuß Tiefe und 24 Fuß Breite erhielt . Von der Tiefe wurden dem Hauptmann 40 Fuß gege: ben , und zwiſchen ſeiner Wohnung und den Hütten der Soldaten blieb eine 20 Fuß breite Gaſſe. Auf jede Hütte wurden 8 Fuß Långe und 4 Fuß Breite gerech : net , oder wenn zwei Mann zuſammen lagen , bekamen fie 6 bis 7 Fuß Breite . Die Kompagniegaſſen wur: den auf dieſe Weiſe 8 Fuß breit . 20 Fuß von den Hüt: ten der Soldaten ward den Marketendern ein 1o Fuß tiefer Plak angewieſen , und 10 Fuß hinter deinfelben der Ort für die Küchen abgeſteckt. War die Kompag : nie ſtårker als hundert Mann ; ro Gatte ſie drei , ja zu: weilen vier Reihen Hütten , doch blieb die Tiefe immer unverändert . Zwiſchen allen dieſen Hütten , fo wie zwi. ſchen den Kompagnien eines Regiments waren die Gaſſen 8 Fuß breit. Das ganze Regiment , war in zwei Theile getbeilet , die durch einen 68 Fuß breiten Raum von einander abgeſondert wurden .

Hier lag der Oberſte zwiſchen den Hütten der Hauptleute ; binter ihm aber zwiſchen den Hütten der Soldaten der Oberſt: leutnant mit den übrigen zum Staabe gehörigen Per: fonen . Die Leutnante und Fåbnriche lagen an den Hütten der Soldaten , doch nicht wie dieſe in die Galle, ſondern auswärts nach den Hauptleuten zu gekehret. Man ſiebet : daß auf dieſe Weiſe die Fronte der Regis menter nach Beſchaffenheit der Zahl der Kompagnien Sie betrug verſchieden war, aus den fie beſtanden. z. B. bei einem Regimente von zeben Kompagnien 388

Fuß . Vor jeder der lezteren endlich befanden ſich Ger růſte , un die Piquen und die Musketen der Soldaten daran lehnen zu können P) S. 376. •

6. Låger , und Feldverſchanzungen .'

. Die

.

503

376 .

Reuter : Kompagnien erhielten zwar nur die

nemliche Tiefe , wegen der Pferde aber eine Fronte von Von dieſen nahmen auf jeder Seite die Hüt: ten so Fuß ein ; dann kam eine s Fuß breite Gaſſe, und hierauf die Pferdeſtånde , auf die ebenfalls 10 Fuß ge: rechnet wurden , ſo daß zwiſchen ihnen noch ein 20 Fuß Jedes Pferd bekam zu feinein breiter Raum blieb .

70 Fuß .

. X

Die Kom : Lager 1o Fuß Långe und 4 Fuß Breite. s rie nte n en ale ime es nie durch 20 war Kav Reg ein pag n iede s che rſch ſen ite ein Re: für wel , unte Gaſ Fuß bre n nie ite pag Fuß 340 von ent Bre eine von 4 Kom gim gab 9). S.

377

Der Feldherr Hatte im { ager einen Plaß von 600 Fuß Breite und 300 Fuß Tiefe ; der Feldzeugmeiſter Das aber nur 480 Fuß Breite bei derſelben Tiefe. ganze lager ward nun nach Niederländiſcher nnd Deut: ſcher Art dergeſtalt in ein Viereck geordnet , daß die Regimenter init so Fuß breiten Zwiſchenräumen neben Zwiſchen dem und hinter einander zu liegen kamen . Viereck des lagers und der Verſchanzung ward endlich ein 200 bis 250 Fuß breiter Lermplak gelaſſen , der fich rings um das ganze lager berum erſtreckte. S.

378.

Guſtav Adolf ſcheint zuerſt von dieſer alten Niederländiſchen oder Deutſchen Art zu fampiren ab: gegangen zu fein ; denn er lies bei Nürnberg feine Ur: mee in Einer , und bei Fürth in Zwei Jinien kampiren. Er p) Freitags Fortific. 3 Buch 3 Kap , 9 ) Ebendaſ. SE 3

504

IV.

Zeitraum .

Er gab überdieſes ſeinen Regimentern eine gröſſere Fronte, denn Schildknecht rechnet auf ein Schwe: diſches Regiment von 8 Kompagnien 3000 Fuß Breite ' ).

zu 144 Mann

In der Folge naśmen nicht als

lein die Schwediſchen Befehlshaber , ſondern auch die Spanier und Niederländer ſelbſt dieſen Gebrauch an ; jene lagerten 1643 vor Tortona in Einem Treffen , dieſe aber 1645 in der Belagerung von Hulſt långft der Cir: cumvallationslinien in zwei Treffen hinter einander, ohne die Truppen in kleine abgeſonderte Quartiere zu vertheilen , wie es noch zu Anfange dieſes Zeitraumes bei Belagerungen gewöhnlich war.,

S. Bei dieſer Art zu Gepåck hinter ſich , Plaß dafür beſtimmt ten Lager : Ordnung.

379 .

lagern hatte jedes Regiment fein und durfte nicht ein beſonderer werden , wie bei der alten geviers Es war dies ſowohl durch den

{ urus der Befehlshaber , als wegen der allgemeinen Sitte der Soldaten : die Weiber und Kinder im Fel: de init fich herum zu führen , keinesweges ein unbedeu: tender Gegenſtand. . äm meiſten waren die Raiſerlichen mit Gepåck belåftiget , jeder Reuter batte ein Pack: pferd und einen Jungen , der es führte. Bei der Juis fanterie wurden auf jede Kompagnie Vier Wagen zum Gepåck und Ein Brodwagen gut gethan "). Schon dies war genug ; durch die Prachtliebe der Oberbefehlss Þaber ward jedoch die Zabl der Wagen noch betracht: "lich vermehrt . In dem Lager bei Nürnberg 1631 hat: te Wallenſtein isooo Soldaten : Weiber , ohnge : får eben ſo viel Bedienten und 30000 Packpferde bei ſeis r) I. c. 3 Th. S. 143 und 145.' $ ) Wallenhauſen ' St. Kunſt zu Fuß. 6. 28. cuculi , S. 59 .

Monto .

6. Låger und Feldverſchanzungen .

ſeinem Heere ) ;

zu ſeinem

505

eignen Gebrauche ſtanden

ſtets funfzig Sechsſpånnige Kutſchen bereit , und wenn er ausritt , begleiteten ibn funfzig Knechte mit geſattels ten Handpferden .

Bei deu Schweden , wo der König

ſelbſt den (urus jeder Art baßte ,

mußten auch die Offi:

jiere fich nach ſeinem Beiſpiele einſchränten . Er er: laubte jeder Kompagnie zu Pferde überhaupt Zehn, und jeder Kompagnie zu Fuß Zwei Wagen , ohne die Marketender , deren ebenfalls Einer bei jeder Kompag: nie war. Ueberdieſes wurden dem Regimentsſtaabe noch beſonders Acht Wagen geſtattet.

Die Franzoſen ,

die

zu Heinrichs des Vierten Zeiten einen unge: beuern Troß mit ſich berum fchleppten , bei den vier Gensdarmen einen Pacwagen , zwei Leichte Reuter aber Ein Saumroß batten ; waren in einem Zeitrau: me von funfzig Jabren ſehr von dieſem Mißbrauche zu : růck gekommen , denn Turner ſagt: die Franzöſi: ſchen Infanteriſten können alle ihr Gepåck in einem Schnupftuche fortbringen " ). t) Loccen . hiſt. Suec. 8 ; p. 601. u) Pallas armata. B. 3 ; cap. 18. p. 275.

E

KE 4

Sieben

1

506

Zeitra u m .

IV.

Siebenter

Abſchnitt.

Buſtand der Kriegsbaukunft im Dreiſſigjährigen Kriege.

S.

380.

nden Niederlanden gleichſam wiedergebogren , ward Sno die Kriegsbaukunſt auch dort mit mütterlicher

Sorgfalt gepfleget und auferzogen. Da man die Fes ftungen in der Eil , oft faſt ohne Baumaterialien , und wenn der Feind ſchon in der Nåbe ſtand, anlegen muß: te ; war auch alles das eben ſo koſtbare als langſam auf: zuführende Mauerwerk der Italieniſchen Manier ganz und gar verſchwunden. Anſtatt der hohen Wadewurden hier die Feſtungen durch ihre Waſſergråben und durch die der chakteriſtiſchen Eigenheit der Nies Fauſſebrane ſo wie durch die vorliegenden derländiſchen Bauart Husſenwerke gegen Leitererſteigungen geſichert,

S.

381,

Unverkennbar trug dieſe Bauart das Gepräge des Alle Regelrechten Niederländiſchen Geiſtes an ſich. Linien ſo wie alle Maaſſe des Profils waren genau be: ſtimmt, und nahmen mit der Zahl der Seiten der Feſtung zu ,

obgleich dieſe Methode den auffallenden

Nachtheil hatre, auf der einen Seite zu viel , auf der andern aber zu wenig zu geben .

Eine Ueberſicht

der Hauptmaaſſe, wie ſie Freitag, angiebt ") , wird dies deutlicher machen : Der Erſte Grundraß ift: die Stårke, der Feſtungen wächſt nach der Zahl iþrer Bolla werke, v) Neue vermehrte Fortification fol. Leyden 1631.

>

7.

Feſtungen.

werke , folglich iſt das Sechseck ſtårker als das Fünf: eck u. ſ . w. Dieſem zu folge war nun Ed .

VI. VII. VIII , Der

IX , X. XI .

XII.

Bouwerfs:

Punkt ( oder der Winkel, den die

Façen eines Bas Eftions gegen ein: ander machen ) 80

2

507

90G.

84

871

90

90 90

75

78

823

85

87 881 90 G.

Die Långe der !: 8 Flanken die alle

9

IO

II 12 12

12 R.

II

12

12

12R .

oder

Aus dieſem

Win :

kel ergeben ſich be: tañtlich alle übris ge der Polygon .

zeit ſenkrecht auf die Kurtine ges

ſezt waren

10

12

12

Die Långe der Kurtine ward babei allezeit zu Sechs und Dreißig , die Långe der Façen aber zu Vier und Zwanzig Ruthen angenommen . Man unterſchied zu: gleich alle Feſtungen in groß Ronal , deren Defens: linie dem Kernſchuß der Muskete , rechzig Ruthen , gleich war ; in klein Royal , wo die åuſſerſte Po: Ingon Sechzig Ruthen betrug ; und in Mittel : Ro: pat , deſſen Maaſſe zwiſchen dieſe beiden fielen . In Abſicht der Profile waren die gewöhnlichſten Maaſje w) : Eck. w) Freitag. S. 36.

KES

IV .

508

Zeitraum . Ed.

IV .

V.

VI. VII . VIII. IX. u.ſ.w. 84 Fuß.

Unlage des Walles 54 60 66

72

78

7 14

7 15

8 16

9 18

9 18

12 14

15

16

18

18

12 14

15 : 18

20

24

21 22

25

27

28

30

12 15

15

17

21

21

12 14 wehr Breite des Grabens 72 84

IS 96

18

20

24

Abdachung deſſelben 10 10 IO JO Tiefe Breite des Bedects

10 JO

12 IS

15

6 12

Heuſſere Abdachung Innere Höhe des Walles

Anlage der Bruſt: wehr Breite des

Wall :

ganges Breite der Fauſſes braye Unlage iører Bruſts

17

21

TI

ten Weges

108 120 132 12 I2 12 12 12 I2

21

Anlage der Bruſt:

79 74 70 69 69 69 webr deſſelben Die Neuſſere Böſchung der Bruſtwehr allgemein 2 Fuß I Die Innere Böſchung derſelben Die Neuſſere Höhe der Bruſtwehr

4 6

Die Innere Höhe 1 Fuß Breite der Bant : 3 Fuß ; Höhe derſelben Breite der Berme : 6 Fuß ; Höhe des Bedeckten We

ges : 6 Fuß. Vor den Bedeckten Weg kam gewöhnlich noch ein zweiter Graben ,

24 Fuß breit und 8 Fuß tief, deffen

äuſſerer Rand mit Palliſaden beſezt ward.

9. 382.

7.

509

Feft u agen.

S.

382.

Nächſt dem Niedern Wall oder der Fauffe: braye , welche die Niederländer für ſo unentbehrlich zur Graben : Vertþeidigung hielten , daß fie fogar bei Feldſchanzen von einiger Wichtigkeit nicht fehlen durfs te ; wurden auch alle in dem vorigen , ſo wie in dem Vierten

Zeitraume

erbauete

Feſtungen

mit

Uuſſen werken verſehen. Selbſt bei jeder neuen Belagerung fügte man zu den ſchon vorhandenen Uus. ſenwerken noch andere neue hinzu , ſo daß ſie oft dreis und vierfach vor einander lagen. Einen auffallenden ! Beweis giebt uns die Belagerung von Breda im Jabr 1624. Dieſe Stadt war von Moriz von Drá : nien Zwei Jahr vorher nach der neuen ärt befeſtiget : I

worden , und ward von ihm ſelbſt zuin Beiſpiel einer guten Feſtung aufgeſtellet. Sie hatte funfzehen Boll:

:

werke und drei Halbe Monden im Umfange ihres Wal: les , der durchaus von Raſen aufgefübret und auf den Bruſtwehren mit lebendigen Hecken berezt war. Por ihm lagen als Auſſenwerke: funfzeben Raveline und fünf Hornwerke, deren größtes 240 Schritt lang und 200 Schritt breit war, wåhrend die übrigen nur 210 1. Fuß zur Långe und 150 Fuß zur Breite hatten. Der Graben war an den ſchmålſten Stellen 70 , an den breiteren aber iso, und vor den Hornwerfen 30 Schritt

breit. Zu dieſen Uuſſenwerken ließ der Gouverneur, Graf Juſtin von Naſſau , ſobald die Stadt von dem Marquis Spinola mit einer Belagerung bedrohet ward , noch fünf Kronwerke vor die ſchon vorhandenen Hornwerke, und vier andere kleinere Horns werke an den ſchicklichſten Stellen anlegen * ). x) Herm . Hugonis Obfid. Bredan. p. 4 und 25.

8. 383 .

510

IV .

Zeitr a u m.

$.

383 :

Bei einer ånlichen Gelegenşeit waren früher die bonnèt à prêtre - zuerſt in Pfaffen m ůtzen Denn als Bergen op Zoom angeleget worden . dieſe Stadt 1622 mit einer Belagerung bedrohte , wurden acht Ingenieure aus Holland dahin

Spinola

geſchickt , nach deren Angabe dieſe Pfaffenmützen nebſt einigen neuen Hornwerken erbguet wurden ). Sie unterſcheiden ſich von den doppelten Scheeren oder Tenaillen bekanntlich dadurch : daß ihre Flügel nicht parallel laufen , ſondern hinten enger , zuſammen Freitag erwähnt ihrer gezogen ſind , als vorn . nicht, ſagt auch an einem andern Drte ; das Zuſam : menziehen der Flügel bei den Hornwerken tauge nichts, und rei der Defenſion nachtbeilig ? ).

S.

384.

Um die Erſteigung des Wales und die Unnåße: rung des Feindes zu hindern , verſaße man die Auſſena werke gewöhnlich mit Sturmpfählen ; ja , man brachte

11

fie zuweilen auch in dem Hauptwalle an , deſſen Fuß man zugleich mit Palliſaden beſezte. Dies geſchahe jedoch håufiger bei naſſen als bei trocknen Gråben , denn inan hielt hier die vor den Bedeckten Weg geſezten Pal: liſaden mit eiſernen Någeln für beſſer. Weil man die Auſſenwerke faſt immer erſt wåþrend der Belagerung anlegte ; bekamen ſie auch nur ein ſchwaches Profil, die Raveline und halben Monden ausgenommen , die ets was ſtårker erbauet wurden .

Sie hatten nun den Fehler : daß ſie dem Geſchüß nur wenig Widerſtand leiſten konnten , man bemerkte es aber nicht , weil man die langwierige Vertheidigung der Güre der Werke bei:

y ) Schildknecht 2 Th . 8 kap. S. 38 . z) Freitag 2 Buch ; 6 Kap. S. 97 .

1

7.

Feft unge n.

511

beimaß , da ſie doch allein håtte auf die Rechnung der enthuſiaſtiſchen Tapferkeit der Befagungen und der Uns vollkommenheit der Angrifsmethode kommen ſollen.

$.

385 .

Die Mode , dieſe in Wiſſenſchaften und Meinung gen wie in allen übrigen Dingen mit unwiderſtehlicher Gewalt berrſchende Göttin , machte bald die Niederlån : Man hielt ſie durchgängig diſche Manier allgemein . für die beſte und einzig anwendbare ; obne zu erwägen : daß fie eigentlich nur auf den Niederlåndiſchen Horis Zum Glück erlaubte die Schnelligkeit, font paßte . womit der Dreiſſigjährige Krieg fich über Deutſchland und die angrenzenden tånder verbreitete , nicht: nelle Man mußte ſich überall begnü: Feſtungen anzulegen . gen : die mit bloſſen Mauern umſchloſſenen oder nach der alten Italieniſchen Art befeſtigten Städte durch Auſſenwerke zu verſtärken . Auch hier fanden ſich man: cherlei Schwierigkeiten : bald erlaubte es der ſteinigte Boden nicht , bald fehlte es an Geld und daher an Urbeitern ; bald kam wieder der Feind foſchael herbei,daß man kaum Zeit hatte , die Thore zu verſchlieſſen. Dennoch hielten ſich dieſe gegen den Angriff der Artillerie ſo ſchlecht befeſtigten Derter gewöhnlich långer ,

$

als

es möglich geweſen ſein würde, wenn die Belagerer ihr Handwerk gepörig verſtanden båtten . $.

386.

In der Folge fiengen einige Ingenieure an , bei Anwendung der Holländiſchen Befeſtigungsart auf Deutſchen Boden einige Verbeſſerungen anzubringen ; obſchon ſie ſich im Hauptpunkte immer noch nicht weit Um eine bes: von ihrem Urbilde zu entfernen wagten . : açen zu erhalten , ſere Vertheidigung der Bollwerks F

.

SI2

IV .

Beitra u m .

verlängerten ſie die Flanken mit Beibehaltung der Se: cond : Flanke , und rezten jene nicht mehr auf die Kurs tine,ſondern auf die Streichlinie ſenkrecht. Der Graf von Pagan, der ſeine Befeſtigungsmanier im Jahr 1645 zuerſt bekannt machte, that daſſelbe, und lies überdies noch die Second : Flanken weg ; legte aber anſtatt derfel: ben drei Flanken hinter einander , die durch ein Den Hauptwal crhöhete

Drillon gedeckt wurden.

er achtzehn Fuß über den Horizont , und gab ihm 42 Fuß zur Anlage , wovon achtzehn auf die Stärke der Bruſtwehr gerechnet waren .

Obſchon Pagan in Ub:

ficht der ſchwachen Bruſtwehr und des zu ſchmalen Walganges von vier und zwanzig Fuß noch zu fklas viſch an den Vorurtheilen der Niederländer fieng, ents fernte er ſich doch dadurch vorzüglich von ihnen , daß

1 er keine Fauſrebrane haben will, ſondern zwei Boll: werke in einander legt , deren Wålle durchaus einerlei Höbe haben , und daß er die Kurrine durch ein Rave lin , das Bolwerk aber - nach Specle's Beiz ſpiele – durch eine Contregarde deckte , die beide zwolf Fuß úber den Horizont erhaben waren a ). 1

S.

387 .

Werdmüller , unſtreitig einer der geſchicktefter Ingenieure ſeiner Zeit, bemůbete ſich ebenfalls die Nies derländiſche Befeſtigungsart zu verbeſſern . Er behielt die Fauſſebrane zwar bei, gab iþr aber funfzig bis ſech: zig Fuß zur Anlage 6 ). Das Ungereimte der. Nieder: ländiſchen Urt : die Stärke der Bruſtwehren nach der Zahl der Seiten zu beſtimmen , beweiſt er auf eine überzeigende Weiſe , und will keine ſchwächere Bruſt wehr als von 25 Fuß geſtatten . Die Auſſenwerke ſollen a ) Neuer Feſtungsbau . b ) Apolog. Fortific, Tom. I ; S. 51 folg.

1

7.

513

Feftungen .

rollen inmer mit dem Hauptwall gleiche Höhe haben , Obſchon um ihn gegen die Feldbatterien zu deden. das Syſtem dieſes verdienſtvollen Mannes nicht in dem Maaſſe Epoche machte , wie das feines Vorgångers *

Pagan ,

te

benugten

oder eines Vaubans , doch

die

ſpåteren

Benidors ac.;

Kriegsbaumeiſter

ſeine

Ideen auf eine ſehr vortheilhafte Weiſe.

S.

" 388 .

Die Stärke der Berakung einer Feſtung ward von den Ingenieuren bald durch die Groſſe des Umfanges wo auf jede Zwei Fuß , deſſelben Ein Mann gerechnet ward 9) -- bald durch die Zahl der Bollwerke beſtimmt, für deren jedes fie 800 bis 1000 Mann verlangten. In Abſicht des Geſchůkes war nichts feſt geſezt ; dies hieng theils von der Lage der Feſtung, theils auch von der Beſchaffenheit der Umſtände ab. Bei der Ero: berung von Breda 1625 fanden die Spanier in dieſer Stadt 43 Kanonen , 450 Musketen , 300 Haken. Breiſach aber ward 1638 mit 460 Stücken Geſchük von verſchiedenem Kaliber an Herzog Bernhardten von Weimar übergeben ).

6 ) Ⓡp edle Architectura von Feſtungen I th. 28 Rap , fol. 56.

d ) Soldat Suedois Part. 2 ; p. 459.

Achter

IV . Zeitr å u m .

S14

Achter

Abſchnitt.

Angriff und Vertheidigung der Feſtungen.

Ś. 8 war in dem

389.

vorigen Zeitraume ſoviel in dieſem

Zweige der Kriegskunſt gethan worden ,

daß für

den jekigen nur wenig zu thun übrig blieb, ſo lange nicht die Befeſtigungskunſt eineabermalige Reform erlitt, der ren Einfluß auf den Angriff und die Vertheidigung nothwendig allezeit ſehr groß iſt. Ja , es ſcheint ſo: gar : als ſei man während des dreiſſigjährigen Krieges in lezterer eher zurück gekommen , als vorgerůcht; denn die unbedeutendſten Derter, nach der alten Urt blos mit Mauern und Thúrmen befeſtiget, hielten ſich oft lång ger als gegenwärtig eine nach allen Regeln erbauete Feſtung. Der Grund lag zum Theil zwar wohl im Man: gel zweckmäſſiger Angriffsmittel, um eine Belagerung gehörig führen zu können. Dft aber war auch nur al lein die fehlerhafte Dispoſition der Attaque fchuld , daß die Uebergabe einer Stadt ſo lange verzögert ward. So belagerte der SchwediſcheFeldmarſchal Torſten rohn im Jahr 1643 Freiberg, und hatte einen Ars tillerie: Train von 104 Kanonen und s Mörfern bei fich ; dennoch konnte er die Stadt in Sieben Wochen nicht erobern ,

obgleich 5399 Kanonenſchüſſe geſche:

þen, u12 Brandkugeln geworfen und vierzehn Minen geſprengt worden waren'e).

e) Theatr. Europ. 5 Bd ; S. 23 .

$ . 390.

at

8. Belagerungskrieg.

S.

515

390.:

Schon die Einſchlieſſung der Feſtungen war mit vieler Weitläuftigkeit verbunden ; denn man befolgte faſt algemein noch die alte Niederlåndiſche Gewohn: beit : die Zeit durch Aufwecſung weitläuftiger Circums und Contravallations : linien zu verſchwenden , die nicht felten einen Umfang von einigen Meilen batten . Die Linien beſtanden aus Forts und Reduten , die durch eis nen - Wal und Graben zuſammenhiengen , und die im . mer eine Art Feſtung mit mancheriei Arten von Außens werken bildeten . In der ſchon angeführten Belages rung von Breda 1624 batte der Marquis Spinola fein lager mit einer Verſchanzung duiſerlich umſchlos: fen ", - deren ganzer Umfang 52600 Schritte betrug , Zugleich ließ er eine Contravallationslinie anfangen , deren unvollendeter Umkreis 16000 Schritte ausmach: te. Ueberal war der Wal dieſer Verſchanzungen zehn Fuß hoch und funfzehn Fuß dick , wovon nach Abzug zweier Uuftritte får die Schüken noch zehn Fuß zur unteren Stärke und fünf Fuß zur Höhe der Bruſtwehr übrig blieben. Der Graben war ſieben Fuß tief und funfzehn Fuß breit. Beide linien wurden durch ſechs und neunzig Reduten , ſieben und dreiſlig Forts und fünf und vierzig andere Werke verſchiedener Art : Bats terien u. d. gl. verſtärkt , ohne noch die Befeſtigung der umliegenden Dörfer und Meierhofe zu rechnen ). Ues ber die überſchwemmten Ufer des Merfefluſſes war ein befeſtigter Faſchinendamm ,

zwei Tauſend fünfhundert Fuß lang , gezogen , den zwei Reiben eingerammter Prable gegen die unternehmungen der Niederländer ſchůkten ; er war unten fünf und zwanzis , oben aber nur f ) Herm Hagonis Obfid. Bredan. p . 77. Soyer's Wevere Briegak. I. Th.

1

$ 16

IV

Zeitra um .

nur zwanzig Fuß breit, feche Fuß hoch , und hatte auf der einen Seite nach der Stadt zu eine Bruſtwehr. Die Schiffbrücke über den Fluß hatte eine ſchußfreie Bruſtwebr, und war nicht nur durch eine doppelte Pfaht reibe , ſondern auch durch zwei vor der ſelben ſchwims mende Maſtbåume geſichert , die mit iþren Spißen zus fammen verbunden waren , und einen auswärts gehen : den Winkel bildeten . Zugleich ſtanden mehrere ſchon

1 angebohrte Fahrzeuge zum Verſenken und ein Bran:

1

$

der zum Gebrauch gegen die feindlichen Schiffe be reit 5). Spinola wandte alles an , dieſe ſo unge Er war þeuere Arbeit möglichſt ſchnell zu beendigen. überall ſelbſt zugegen ,

legte oft felbft Hand an , und

bewog dadurch die Fürſten und Edlen , die ſich als Vo: lontaire in ſeinem Lager aufhielten , ein Gleiches zu thun.

Vorzüglich nüglich war ihm dabei ſowohl durch

ſeine Kenntniſſe als durch ſeine raſtloſe Tjätigkeit der Marcheſe von St. Ungelo , ein reformirter Oberſter, nach deſſen Entwurf und unter deſſen Aufſicht alle Veri ſchanzungen und Batterien aufgeführet wurden.

8.

39.1 .

War man auch nicht willens , die Feſtung blos aus: zuþungern , wie bier Breda ; unterließ man doch ſelten das Belagerungskorps durch eine Eircumvallation zu decken . Dies geſchahe ſowohl von Guſtav Adols fen vor Riga , als auch von den Franzoſen ,

Kaiſers

lichen , Bayeriſchen und Spaniſchen Truppen por Philippsburg , Freiburg in Breisgau ,Tortona ů . ſ.w .; vorzüglich aber in den Niederlanden , 'wo die Eircum : vallationslinien ſich immer noch durch ihren Umfang und durch die Soliditåt ihrer Werke auszeichneten . Thionville

ward im Jahr 1643 von den Franzoſen mit

8 ) Herm. Hugonis Obſid . Bredan. p. 663

8. Belagerungskrieg.

517

mit einer linie eingeſchloſſen , die drei Meilen im Um : fange hielt; und vor Sas van Gent-waren die linien durch eine Menge Bouwerke und Hornwerke, wie nicht minder durch einen Vorgraben verſtärkt.

.

392 .

Die Blokade von Rochelle 1628 hatte das Eigene, daß man keine Circum :, ſondern blos eine Contravalla : tionslinie aufwarf , weil man blos die Ausfälle der Belagerten hindern wolte und nichts von auſſen zu bez Um die Stadt von der Seeſeite einzu: fürchten hatte. eſſen , hatte der durch die Belagerung von Oſtende ſchli bekannte Kriegsbaumeiſter Targone verſchiedene ma: le verſucht , den Eingang des Hafens durch einen Fa: ſchinendamm zu ſperren ; allein , die Fluth und die Stürme hatten dieſe Arbeiten immer ſchneller wieder vernichtet , als ſie erbauet worden waren . Der Kar: dinal Richelieu lies daher einen 740 Toiſen langen Damm von Steinen , mit dazwiſchen geſchüttetem Cement, erbauen , der im Fuße Zwolf, oben aber nur Vier Toiſen breit war , und durch zu beiden Seiten eingerammte Pfåhle gehalten ward, die oben durch In der Mitte ſtarke Querbalken zuſammenhiengen . blieb eine Deffnung von 150 Schritten , um die ab Dieſe Deff: und zu ſtröbmende Fluth durch zu laſſen . nung ward durch verſenkte Schiffe verſchloſſen , deren Zahl ſich mit den , welche man zu mehrerer Verſtår: kung des Dammes vor demſelben eingeſenkt þatte, über Zwei und Sechzig belief b) . h) le Clerc Vic du Cardin . Richelicu Amſterd , 8. 1714 . T. I ; liv, 2 ; p. 294.

112

$ . 393

1

518

IV :

Zeitr a um .

S. 393 . Sobald die Feſtung umſchloſſen war , fieng man den Batteriebau an , wo man am gewöhnlichſten durch zwei enfilirende Batterien die Belagerten aus dem Bedeckten Wege zu vertreiben ſuchte , und als: denn erſt drei andere Batterien zum Demontiren und Breicheſchieſſen anlegte ). Die Entfernung der erſten Batterien von der Feſtung war ohngefår 300 Schritt; die Breſchbatterien fingegen wurden immer auf die Kontreſcarpe geleget, wie es noch heut zu Tage geſchies het. Um die Gröſſe der Batterien zu beftimmen , rechis net Freitag ( 3 Bch. S. 156. ) auf jedes Ge ſchüß zwölf Fuß zur Breite und dreiſſig Fuß zur Långe, den Rücklauf mit ein begriffen . Den Schiefſcharten giebt er innerlich Zwei Fuß und åuſſerlich Vier Fuß zur Weite . Malthus macht ſeine Batterien , mit Recht, geråumiger, und giebt jedem Geſchüß 221 Fuß Breite bei Dreiſſig Fuß långe. inwendig weit. ihm 2

Die Schießſcharten find bei Die Bettungen ſollen vorn

an der Bruſtweør acht Fuß , kinten aber fechzehn Fuß und achtzehn bis zwanzig Fuß lang ſein . Die Magazine , oder den Ort , wo die Munition zu dem Geſchüß aufbewahret wird , ordnet_Freitag ( 1. c. )

breit ,

hinter die Batterie in einen zehn Fuß breiten und drei bis vier Fuß tiefen Graben , Malthus aber zu bei: den Seiten der Batterie hinter die Flanquendeckungen .

S.

394 .

In Abſicht der Menge und des Kalibers der Ge: ſchüße auf jeder Attaque war nichts beſtimint , beide þiengen von der Beſchaffenßeit der Umſtände ab. Frankenthal ward 1622 von den Spaniern mit vier /

ſchweren Kanonen , gehen Mörſern und zwölf Feldſtüt: fen i ) Schildknecht 3 Th. Kap. 3 ; S. 41.

!

8. Belagerungskrieg. ken beſchoſſen

).

519

Vor Thionville hatten die Frangos

41

.

fen 1643 ihre Hauptbatterie mit 21 Kanonen befezt.

$.

395 .

Gegen das Ende des Dreiſligjåfrigen Krieges fieng man auch ſchon an , ich nicht durch Circumvallatio nsa linien aufzuhalten , ſondern gleich Batterien anzulegen und mit Apfroſchen auf die Feſtung loszugehen . Bei: ſpiele davon finden ſich bei den Städten Freiberg , Zit: tau , Erems , Hörter, Eger, Brunn u. 7.w. und ſchei: nen die Schweden die Erſten geweſen zu ſein , die auf dieſe Art die Belagerungsarbeite abzukürzen (uchten, n Wahrſcheinlich wurden ſie größtentheils durch die fehlechte Beſchaffenweit der Deutſchen Stådte dazu bes wogen , die blos mit Mauern und Thürmen , felten mit einigen Erdwerken vor der Thoren befeſtiget , Reis nen groſſen Widerſtand verſprachen . Bald, folgten ißs nen auch die Kaiſerlicheu darinnen nach, und ſo kamen mit der Zeit jene eben ſo beſchwerlichen als unnügen Derſchanzungen ganz aus dem Braucho . .

396 .

Auſſer den Kugeln und Bomben warf man auch mit den Mörfern häufige Steine in die Stådte. faßte zu dein Ende dieStein

Man

zu verfertigte und in den Mörfer paſſende Körbe ') ; oder man ſezte blos einen hölzernen Spiegel auf die Pulverladung , der den lofe in den Mörſer gelegten Steinen zur Grundlage diente, und ſie bei dem Ubfeuern fordſchleuderte. k) Chappuys liv, 18 ; p . 446. 1 ) S dyreibers Büchſenm . Discurs S, 107. 113

$. 397.

IV.- Zeitraum .

520

$.

397

Um eine gröſſere Menge Steine auf einmal in die Werke der Belagerten werfen zu können , als die ges wöhnliche Gröſſe eines Mörſers verſtattete , erfand man den Erdwurf , von dem ſich in der Belagerung von Koſtniß 1633 durch die Schweden die Erſten Spuñ: Es ward nemlich ein Loch in der Rich: tung des gehörigen Elevations : Winkels , unter daſſel: be aber eine Petarde anſtatt der Kammer in die Erde ren finden.n ).

Füllte man gegraben , und leztere mit Pulver geladen . nin das lóch mit Kieſelſteinen an ; wurden dieſe , wenn man die Ladung vermittelſt eines Leitfeuers zündete, mit der größten Heftigkeit geraus getrieben , und überſchüt: teten den Feind mit einem Steinregen . S. Man findet auch :

398 . daß die Schweden ,

als ſie

Freiberg beſchoſſen , ſich der jezt gewöhnlichen Hebés ſpiegelgrenaden bedienet , das heißt : Handgre: naden aus Mörſern geworfen Baben " ). Waþrſchein: lich waren dieſe Grenaden jedoch in Tranſcheekugeln

1

oder hölzerne Zylinder verſchloſſen , wodurch man ik: nen eine beſſere Direction zu geben glaubte , als wenn fie blos auf den hölzernen Spiegel eingeſezt würden.

S. 399 . Noch einer Erfindung in Abſicht des Gebrauches der Batterien bei Belagerungen kann ich hier nicht un: erwähnt laſſen , die in der Folge bei der Franzoſiſchen Artillerie groſſes Aufſehen gemacht hat, obſchon ſie nur wenig gebraucht worden , auch überhaupt nur fels ten anwendbar iſt. Dies ſind die Bricol: Schůs: ren m ) Soldat Suedois Part . 2 ; p. 160 . n ) Theatr. Europ. 5 th . 6. 20 .

8. Belagerungskrieg.

521

ſe , beren man ſich in der Belagerung von Gravelines im Faþr 1644 zuerſt bediente. Auf der niedern Flans que eines Baſtions ftand șier eine Kanone , die den Belagerern viel Schaden that, weil ſie den Damm über den Hauptgraben beſtrich , und doch durch einen Drils lon ſo gut gedeckt war, daß man ihr nirgends bei koms men konnte. Man hatte eine Batterie von zwei Kaz nonen errichtet, und megr als hundert Schüſſe auf den Orillon gethan , ohne die Flanque nur Einmal treffen zu können ; als der Oberſte Puy ſegur , der den Feldzeugmeiſter Meillera ne auf die Batterie begleitete , den Einfall þatte: ob man hier nicht, wie auf dem Billiard bricoliren könne ? Dolé, der Bes fehlshaber der Batterie, hatte zwar anfangs keine Ohren dazu ; mußte aber auf Befehl des Feldzeugmeiſters den Verſuch machen , ſo daß er ſein Geſchůt ſchräge gegen die Bekleidungsmauer des Walles richtete, damit die Kugeln ſchråge abprellten und in die Flanque ſchlugen . Dies gelang vollkommen und die feindliche Kanone war in kurzer Zeit demontiret ).

S. 400 . So lange man mit den Approſchen noch nicht nahe an der Feſtung war , wurden ſie mit der offnen oder

V allenfalls init der Kalben Sappe verfertiget; wenn man aber das Glaçis bald erreicht hatte , warb die Sie ward wie noch in un: ganze Sappe angewendet. fern Zeiten von drei Sappirern gemacht, von den der Erſte einen drei . Fuß breiten und eben ro tiefen Graben auswarf, den der Zweite noch um drei Fuß erweiterte und vertiefte, worauf ihm endlich der Dritte ſeine voll: kom 0 ) Memoires de Puyſegur p. 246. 114

!

522

IV.

Beitra u m .

Pommene Breite gab P ). Die Bruſtwehr der Laufgrå ben beſtand übrigens gewöhnlich blos aus Erde , auf die man oben zu Deckung der Schüßen kleine Schanz: körbe ſtellte.

Schanzkörbe, wie in den folgenden Zei:

ten , wurden nur alsdann angewendet , wenn der Grund moraſtig oder ſteinig war , daß inan ſich nicht einſchneiden konnte; oder wenn er ſo randig war , daß man ibm eine Stüke geben mußte.

.

401.

Die gewöhnlichſte Geſtalt der { aufgråben war die ſchräge, ' noch jezt gewöhnliche, ſo daß ihre Richtung allezeit bei den vorſpringenden Winkeln der Auſſenwerke vorbei lief, und daher nicht enfiliret werden konnte. In moraſtigem Boden aber , wo man durch die Dáms me genothiget war , in gerader Richtung auf die anges griffene Fronte los zu gehen , fübrte man die Laufgrås ben ſehr tief , gab ihnen zu beiden Seiten Bruſtweậ: ren , und deckte fie oben von Entfernung zu Entfernung mit Faſchinen zu, die in Chandeliers lagen . ( S. 248) Geſtattete die Beſchaffenheit des Bodens dieſes Ein: ſchneiden nicht, beſtanden die Sappen aus zwei Reiben großer und mit Erde gefüllter Schanzkörbe , zwiſchen den abwechſelnd von einer Seite nach der andern Tras Kerſen berüber giengen .

Es ſcheint, als ſei dieſe Art in der Belagerung von Herzogenbuſch zum erſten male angewendet worden , wo inan ſie als eine neue Erfin: dung mit dem Namen der grorien Gallerie be: legte ).

S.

402.

Bei dem Angriff ſolcher Feſtungen, die auf Bergen lagen , oder ſehr hohe Werke batten, bedienten ſich die Schwe p) Freitag 3 Bc. II Sap. S. 173. 4 ) Ebendaſ. S. 175.

8

523

Belagerungskrieg.

Schweden noch einer andern Art Sappe ,

die ihnen

vielleicht allein eigen war, weil man anderwåres keine Spuþr davon findet: Sie beſtanden aus ganz in die Erde gegrabenen Gången , gleich den Minengallerien durch Råhmen unterſtüzt , und mit Hotzwerk ,

Faſchis

' nen und Erde bedeckt , an den Seiten mit Schießlo: chern und inwendig mit ſtarken Thüren verreben ' ). Bei dem Angriff des Schloſſes Spielberg, 1645 waren beträchtliche Strecken ſolcher gedeckter Upprofchen ver : fertiget worden .

S.

403

Obwohl dem Marſchal

Vauban allgemein die

Erfindung derjenigen Richtung der Laufgråben zuges ſchrieben wird, die wir unter dein Namen der Paral: Telen kennen ;

wußte man doch ſchon während des

Dreißigjährigen Krieges : daß nichts geſchickter ſei, den Ausfallen der Belagerten aus dem Bedeckten Wege zu widerſtehen , als eine mit dem Umkreis deſſelben gleich laufende Verſchanzung , hinter der die Musketiere ge: gen die Schüſſe der Feſtung gedeckt, ein ununterbroch : nes Feuer inachen konnten. Bei dem Ungriff der Stadt Hörter in Weſtpgalen hatten die Schweden (aufgråben gezogen , die inan ihrer Richtung nach , für nichts ans bers, als eine Parallele anſehen kann. Noch deuts licher aber erkennt man dieſe in den Belagerungsarbei: ten des Franzöſiſchen Ingenieurs Beaulieu vor Dünkirchen 1646. Hier lag in der Erſten Parallete eine groſſe Batterie , die erhöhet genug war , um über die in einer kleinen Vertiefung fort laufende Zweite Parallele hinweg ſchieſſen zu können "). r ) Plan der Belagerung von Brünn im Theat. Europ. 5 Th . S. 648 .

s ) Theatr. Europ. Th. 5 ; S. 931 folg . US

S. 404

524

IV .

Zeitraum

S.

404 .

Gewöhnlicher gieng man jedochmit bald ſångern bald fårzeën Bojeaur bis ans Glaçis vor , und breitete ſich hier zu beiden Seiten aus . War die Belagerungsara mee in mehrere einzelne Quartiere vertheilet ; approchies te man oft auch aus zweien derſelben ſchråge auf die attaquirte Fronte los , daß die Tranſchee ſich in der Mitte durchkreuzte und zwei Polygone umſchloß , aber aus feinem vorliegenden Werke enfiliret werden konn: te ). Wurden blos mit Mauern befeſtigte Stådte an: gegriffen ; bedurfte es keiner ſolchen Weitläuftigkeiten , man nåberte ſich unter dem Schuße der Hauſer der Vorſtadt oder mit einigen Sicſac's dem Orte , und legs te in der Nacht ſogleich die Breſchebatterien an.

S.

405.

Wegen des fehlerhaften Verfahrens , das man da: mals allgemein beobachtete: die Breſche von oben ber: abwärts zu legen , und nicht zuerſt den Grund des Walles oder der Mauer zu beſchieſſen , war man nur ſehr ſelten im Stande , ſie gehörig durch das Geſchüß Man mußte immer ſeine Zuflucht allein zu bewirken . zu den Minen nehmen , das denn auch dfters nicht mit dem glücklichſten Erfolg geſchahe , weil ſich die Minir kunſt blos auf das praktiſche einſchränkte , und daber die Minen öfters nicht die geßörige Wirkung thaten. Jahr 1643 angriffen,

Dis die Schweden Freiberg im

war dies der Fall, bald gieng eine Mine durch die Gallerien der Belagerten aus ; bald lag ſie nicht auf dem geçorigen Punkte , um dieſen zu ſprengen , ſo daß nur Zeit und Pulver ohne Nuken verlohren war. t ) Schildknecht 3 Th. 3 Kap. So 40 .

S. 406. +

I

525

8. Belagerungskrieg.

29. 1

406.4

Die Gallerien wurden

gewöhnlich

3 -bis 4 Fuß

hoch und 24 bis 3 Fuß breit gemacht , und wie noch gegenwårrig ausgetrampelt. Zur Handarbeit bei dem Minenbau bediente man ſich allezeit der Bergleute, die beſondere Minirkompagnien formirten , die Schweden ausgenommen , deren Dalekarlier durchgehends Berg leute waren , daher es keiner eignen Kompagnien dazu bedurfte. Das Verdåmmen der Minen geſchahe mit Erde, und groſſen Steinen ; mit Sandſäcken , oder auch mit Mauerwert, indem man Bögen ausmauerte. Um das Ausgeben der Mine zu bindern , ward der Rameaue-mit einem , oft auch mit zwei Schlågen an: Die Pulverladung war verſchieden , und bis : gelegt. Sie war entweder weilen bis auf 3000 Pfund ſtark. blos in die mit Bretern ausgetafelte Kammer geſchůt:

Miſt ,

tet , oder auch in Faſſern in dieſelbe gefezt ,

weil ſie in

ferichtem Boden auſſerdem zu ſchnell von der Nåffe ane Zu dem Zunden der Minen bebiente gegriffen ward . man ſich einer Pulverwurſt , die in einer hölzernen Rinne lag und vorne einen Bombenbränder eingebun:

den hatte. $. , 407 . Um über den Graben kommen und den Minirer



anſeken zu können , bediente man ſich am gewöhnlich : ften der Binſen : Brücken , die aus in getheertes See: geltuch gefaßten Büſcheln Meerbinſen beſtanden , wel: che auf dem Waſſer ſchwammen , und über die man vermittelft gieng ").

aus Weidenrutgen geflochtener

Hurten

Man hatte auch Brücken auf Fåffern oder auf

u ) Freitag 3 Bch. 13 Kap. S. 178. 3 Th. 10 Kap.

Schildknecht 7

526

UL.

Zeitra u m .

auf kleinen Fahrzeugen von Leber oder Wachstuch zu pemſelben Entzweck ; doch wurden die Binſen Brücken immer am häufigſten angewendet. In der Belagerung von Riga 1620 batte Guſtav Adolf eine Faß: brücke über den Graben verfertigen laſſen , ſieWard aber von den Belagerten entzwei geſchoſſen ; er ließ das Her eine andere feftere Brüde mit einer Gallerie oben barauf machen , die ſo breit war , daß fünf Mann En Front barüber gehen konnten ).

8.

408 .

Gegen alle dieſe Angriffsmittel der Belagerer tras fen die Belagerten dieſelben Anſtalten , die ſchon im vorhergehenden Zeitraume (S. 252.f.) angeführet worden ſind . Das vornehmſte und gewöhnlichſte Vertheidi: gunge : Mittel waren die Gegenapprorchen , oder vielmehr leichte Aufſenwerke , die man bei der Ankunft des Feindes vor den Bedeckten Weg legte, um vermits telſt iþrer die feindlichen (aufgråben zu enfiliren . Man findet ihrer jedoch båufigerin den Niederländiſchen und Franzöſiſchen als in den Deutſchen Belagerungen ers wähnt, wo man ſich oft kaum Zeit nahun , aus den Bats terien einige ſchlechte Communicationen nach dem lager zu ziehen ,

und wo daher den Belagerten auch keine

Zeit übrig blieb , neue Uuſſenwerke zu erbauen.

$.

409

Während dieſes ganzen Krieges findet ſich faſt kein Beiſpiel: daß der Bedeckte Weg den Belagerern ſtreis tig gemacht worden wäre. Man betrachtete ibu blos als eine Art Gemeinſchaftsweg zu Begünſtigung der Uusfälle ; ohne den weſentlichen Nußen zu. ahnden, den in den ſpåteren Zeiten die Befakung einer belager: ten v ) Loccen . hift. Suec, lib. 8 ; p . 540.

8. Belagerungskrieg.

ten Stadt von ihm hatte.

527

Tbeils war jedoch auch die

:

Beſchaffenheit des Bedeckten Weges der Deutſchen Stådte ro , daß er keiner groſſen Vertheidigung fåbig war . In den Niederlanden , dieſer Schule der Belas

i

gerungskunſt, fieng man zuerſt an , den Bedeckten Weg långer zu vertheidigen , und iħn nicht eßer zu verlaſſen ,

bis ihn die Belagerer mit dem Degen in der Fauſt ero: bert hatten . Dies ward der Befakung durch den klei: foſſé perdu nen Waſſergraben febr erleichtert, der gewöhnlich den Bedeckten Weg der Niederlåndis fchen Feſtungen umgab , und über den zu geben , die Franzoſen 1644.vor Gravelines fünf Tage Zeit no: thig batten. Vorzüglich gut war die Vertheidigung des Bedeckten Weges und der vor ihm liegenden Werke durch die Spaniſche Beragung in Dünkirchen 1646. Sie machten den Franzoſen jeden Schrittbreit (andes ſtreitig , und hatten Rechts und Links Abſchnitte, aus den ſie unaufhörlich hervorkamen , und die Belagerer wieder aus ihren gemachten logementern vertrieben w ) .

.

410 .

Hatten die Belagerer ſich der Contreſcarpe bemach: tiget und entweder mit dem Geſchüß , oder durch Minen , eine Breſche, in den Hauptwall gelegt ; ſuch : ten die Belagerten die Erſteigung deſſelben auf alle nur mögliche Weiſe zu þindern . Der Zugang der Breſche ward mit Sturmeggen oder mit Spaniſchen Reutern verſperrt, während man eine Menge Kunſtfeuer auf die Stürmenden berab warf, die in Handgrenader , Pulverfäcken , Sturmfrånzen und Sturmtopfen beſtans den *).

Man hatte auch wohl das angegriffene Werk. miniret , und zündete die Minen , wenn die Beſagung fich w) Theatr. Europ. 5 Th . S. 939 folg. x) Memoir . de Puyſegur p. 172.

528

Zeitra y m .

IV .

fich hinter den Abſchnitt zurück gezogen Katte. Ein Beiſpiel davon findet man in der Belagerung von Ri: ga durch die Schweden , wo die Belagerten einen vor: liegenden Halben Monden verlieſſen , und ihn dann mit den eingedrungenen Schweden in die Luft ſprengten.

N.

411 .

Bei den Niederländiſchen Feſtungen war die Vertheidigung derſelben durch die Schleuſen von groſſer Wichtigkeit. Simon Stevin bat ſie, wenn auch nicht erfunden ,

doch zuerſt befchrieben und zum Kriegsgebrauch angewendet. Ihr eigentlicher Erfin: dar aber rol Viterbe ; ein Italiener , ſein , der ſie zu Brenta bei Padua ſchon im Jahr 1481 anwander.

In Deutſchland waren nur wenig Stådte ſo gelegen, daß man ihren Graben mit Waſſer füllen konnte, wenn man es nicht machen wollte , wie die Beſakung von Hameln , die ſechs Schleuſen angelegt hatte , womit fie unausgeſezt Waſſer aus der Beſer in den Stadt graben pumpte ,

und dadurch den Schweden den Ue:

bergang erſchwerte

).

$.

412 .

Die lange Dauer der Belagerungen machte fo: wohl in der eingeſchloſſenen Feſtung als in dem Jager vor derſelben beſondere Rückſicht auf die Lebensmittel nothwendig .

Man findet daher in der ſchon oben ers

wåhnten Blokade von Breda im Jabr 1624 :

1

daß der

Kommandant dieſer Stadt , gemeinſchaftlich mit dem Magiſtrat , ein Marimum feftrezte , über das der Preis der erſten Lebensbedürfniſſe nicht ſteigen durfte ). Durch y ). Chemniß 2 Th. I Bch . S. 132. z) Der Niederländiſche Scheffel Wetzen war zu 8 Fl. anges ſegt ; Roggen 5 fl.; Türkiſch Korn 4 fl.; Gerſte und Kafer

8. Belagerungskrieg.

529

Durch dieſe weiſe Einrichtung, indem zugleich die Hü: the der Brandweinblaſen hinweg genommen wurden , und jeder Einwohner und Soldat tåglich nur Zwei Pfund Brod erhielt , brachte man es wirklich dahin , daß die Belagerten die ganze Zeit über ( vom Septbr. 1624 bis zum Junius 1625 ) keinen Mangel litten, ja nicht ſelten mehr hatten , als die Spanier vor der Stadt, obgleich Spinola ebenfalls keine Mühe ſpars te , das Jager mit allen Nothwendigkeiten zu verſehen. Er batte gleich anfangs nichts als die Kavallerie : Pfers de im Lager zurück behalten , alle übrige Pferde aber fortgeſchickt. In dier war das Hauptmagazin , aus welchem die Zufuhren unter Bedeckung des größten Theils der Reuterei herbei gebracht wurden. Der Graf von

Berg ,

der Befehlshaber, der Bedeckung ,

unterließ dabei nichts , was nur irgend zur Sicherheit des Konvois dienen konnte. Die Wagenkolonne war

į

vorn und hinten durch Reuterei und Fußvolk bewahret, das zugleich das nöthige Geſchüß bei ſich hatte , um die Feinde deſto nachdrücklicher zurückzuweiſen. Klei: nere Kavallerie : Abtheilungen Deckten die Seiten der Kolonne ,

und ſchickten nach allen Seiten Patrouils

len aus;

damit ſich der Feind nirgends unvermuthet

nåbern konnte, während der Graf von Berg zugleich von allen Bewegungen deſſelben durch gute Kundſchaf: Sobald der Tag fich neigte, ter unterrichtet ward . machte die KonvoiHalt ! damit die Wachen noch vor eins i

brechender Dämmerung gehörig ausgeſezt werden konn: ten , die der Oberbefehlshaber ſelbſt öfters viſitirte, um deſto mehr von ihrer Wachſamkeit verſichert zu ſein “ ). Kafer 37 Fl.; der Sack Salz_4 Fl.; Ein Pfund Stoda fiſch , Kaſe oder Rindfleiſch 3 Sous. Herm . Hugo Obfid . Bredan . p . 52. a ) Herm . Hugo p. 47. Chappuys liv. 19 ; P. 587.

S. 413 .

530

IV . 3eitt a um .

S. Sobald man

413.

eine hinreichende Breſche

gemacht

hatte , und der Damm über den Graben fertig war, trat man gewöhnlich den Sturm an ; bei deſſen glück: lidhem Erfolg die Stadt , wie gewohnlich , der Plůn: derung der Sieger ausgeſezt war. Es finden ſich je doch in dieſem Kriege båufige Beiſpiele , daß ſelbſt in den ſchlecht befeſtigten Deutſchen Stådten die Belager : ten megrere Stürme abſchlugen , ehe es den Angreifens Dies den glückte, ſich auf der Breſche feſt zu reben . tam vorzüglich daher , weil die Breſche entweder nicht breit oder nicht zugänglich genug war , wodurch die Oder man unterließ Berakung leichtes Spiel hatte , neb der Fla die auch wohl , enliegenden Bollwerke nken einzuſchieſſen , die alsdann durch ihr Feuer den Damm über den Graben einſtürzten , oder die Stürmenden in Hatten die Unordnung brachten und zurück trieben . Belagerer hingegen die Vorſicht gebraucht: durch gut angelegte Batterien die Flanquen der Feſtung unbraucha bar zu machen ; wartete auch ſchon jezt die Befaßung nicht mehr das äuſſerſte ab, ſondern ergab ſich gewöhns lich auf Bedingungen , ſobald ſie durch die in den Hauptwall gelegte Breſche gezwungen war , ſich hinter den Abſchnitt zurück zu ziehen.

S.

414

Die Bedingungen waren

gewöhnlich

ſehr

gut ;

theils verdiente ſie immer die Beſakung durch ihre gus te Vertheidigung ; theils wußten die Belagerer fchon : daß jene eber alles aufgeopfert und lieber mit dem Des gen in der Hand auf den Trümmern der Feſtung ges ſtorben ſein , als ſich zu Kriegsgefangenen ergeben bas ben würde . So zog die Befakung von Breda mit flie: genden Fahnen , klingendem Spiel , vier Kanonen und

531

8. Belagerungskrieg.

und zwei Mörſern aus ; jedes Geſchüß Katte feche Schuß bei ſich , und jeder Soldat fein Bandoulier

3 das zwölf {adungen enthielt ,

gefüllt.

Der Gars

niſon von Bolduc geſtand der Prinz von Oranien bei ihrem Abzuge ſechs Kanonen und zwei Mörſer mit zwölf Schuß zu . Selbſt die Ueberlåufer wurden nicht einmal ausgeliefert, man glaubte dies den freiwillig angeworbenen Soldaten nachreben zu müſſen , weil ſie öfters keinen Sold erhielten , und ſich dadurch von ib: Erſt gegen das rer Verbindlichkeit befreiet glaubten. Ende des Dreiſſigjährigen Krieges ,

wo es auf beiden

Seiten ſebr an deuten fehlte , fieng man an , diejenigen Soldaten , ſo vorher ehemals bei den Belagerețn ges dienet hatten ,

zurück

zu behalten .

Dies geſchabe

von den Kaiſerlichen bei der Einnaşme von Zittau, wo von dez ausziehenden Schwediſchen Beragung alles ausgeboben und untergeſteckt ward, was vorber bei den Kaiſerlichen und Sachſen gedienet þatte. Ja , als

f

die Schweden im Jahr 1647 Schweinfurth mit Uk: ford eroberten , kung abziehen ;

§

14

durften blos die Offiziere der Beras alle Unteroffiziere und Gemeine aber

mußten Dienſte nehmen ."). Ueberhaupt finden fich nun ſchon hie und da Beiſpiele , daß, ein Ort ſich auf Diskretion ergab , wo dann die darinnen liegenden Truppen allezeit untergeſteckt wurden. Auf dieſe Art näherte ſich die Kriegskunſt immer mehr und mehr ih: rem gegenwårtigen Zuſtande ,

ſo daß ihr nur ein klei:

ner Schritt übrig blieb , um das zu werden , was ſie jezt iſt. Abein , es bedurfte eines ganzen Jahrhuns derts , und mehrerer Kriege , ebe dieſer Schritt gethan wur : 1 b ) Die Beſagung beſtand in Einem Regimente zu Fuß und vierzehn Kompagnien zu Pferde, Theat, Europ. 5 Th. S. 1040 Mm Soyer's preuere Briegsk, s. Th.

1

532

wurde.

IV .

Zeitra u m .

Unſtatt auf der von ihrem groſſen Guſtav

udolf vorgezeichneten Bahn fortzugehen , verfanken die Schweden nach dem zu frühen Tode Karl Gus ft a vs in eine Art von Unthätigkeit, ſo daß ſie, wenn ſie auch nicht zurücktamen , ſich doch der Voltommens heit um keinen Schritt nåberten . Den Franzoſen war es vorbehalten , die Erfindungen und Einrichtungen , die wåprend des Sechzehnten und Siebenzehnten Fahr: hunderts in der Kriegskynſt gemacht worden waren , zu erweitern und zu verbeſſern , während ſich neben ihnen ſtill und unbemerkt ein Heer aus dem Nichts em : por arbeitete , das von dem Schickſale beſtimmt war, dem Achtzehnten Jahrhunderte Kriegskunft zu dienen.

zum

Vorbilde

der

Neunter

533

Abfchnitt.

Neunter

th Fortſchritte, welche das Seeweſen in dieſem Zeitraume machte .

415 .

S.

S

eit der Entdeckung von Amerika und der erſten Umſchiffung des Vorgebirges der guten Hoffnung

wuchs der Handel und die Betriebſamkeit zur See mit jedem Tage. Es wurden Flotten nach beiden Indien ausgerüſtet, und die Portugieſen waren die Erften , die in fernen Gewäſſern Krieg führten , und Seetreffen lieferten .

Die Reichthümer , die Spanien und Por:

tugál aus ihren Beſißungen zogen , rekten ſie in den Stand , ſich diejenigen Bedürfniſſe für baares Geld anzuſchaffen , die andere Länder , Engelland , Schwe: Det den , Dannemark auf eignein Boden erzogen . Handel und Karls des Fünften Vorliebe zu den Niederlanden , machte hier eine Seemacht entſtehen , die , als ſie ſich auf einmal von des grauſamen P bis lipps Herrſchaft doch bald in ehrwürdiger Gröſſe da ſtand, und den An: griffen jedes Feindes trozte.
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