Die beiden Zierscheiben des Thorsberger Moorfundes: Ein Beitrag zur frühgermanischen Kunst- und Religionsgeschichte

Im Museum vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel werden zwei kostbare silberne Zierscheiben aufbewahrt, die wegen ihrer B

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Die beiden Zierscheiben des Thorsberger Moorfundes: Ein Beitrag zur frühgermanischen Kunst- und Religionsgeschichte

Table of contents :
Vorwort
Tafel A. Scheibe I von Thorsberg. 3:2
I. Einleitung
II. Beschreibung der Scheiben
III. Der Werkstättenkreis um Saciro
IV. Die erste Thorsberger Scheibe und die kaiserzeitlichen Prunkscheibenfibeln
V. Die Gans auf den Denkmälern des Mars
VI. Der Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe und die seeländischen Silberkelche
Verzeichnis der Textabbildungen und Tafeln
Sach- und Personenverzeichnis
Ortsverzeichnis
Tafel 1 - Tafel 29

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RÖMISCH-GERMANISCHE KOMMISSION DES DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS ZU FRANKFURT A. M.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN -BAND16

DIE BEIDEN ZIERSCHEIBEN DES THORSBERGER MOORFUNDES EIN BEITRAG ZUR FRÜHGERMANISCHEN KUNST- UND RELIGIONSGESCHICHTE VON V

IOACHIM WERNER MIT i 6 TEXTABBILDUNGEN UND 30 TAFELN

BERLIN 1941

VERLAG VON WALTER DE GRUYTER 8c CO.

RÖMISCH-GERMANISCHE KOMMISSION DES DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS ZU FRANKFURT A. M.

RÖMISCH - GERMANISCHE FORSCHUNGEN - BAND 16

DIE BEIDEN ZIERSCHEIBEN DES THORSBERGER MOORFUNDES EIN BEITRAG ZUR FRÜHGERMANISCHEN KUNST- UND RELIGIONSGESCHICHTE VON

JOACHIM WERNER MIT 16 TEXTABBILDUNGEN UND 30 TAFELN

BERLIN 1941

VERLAG VON WALTER DE GRUYTER &CO. VORMALS G.J. GÖSCHEN’SCHE VERLAGSHANDLUNG / J. GUTTENTAG, VERLAGS-

BUCHHANDLUNG / GEORG REIMER * KARL J. TRÜBNER / VEIT & COMP.

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Archiv-Nr. 31 1841

Druck von Walter de Gruyter & Co., Berlin W 33 Printed in Germany

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VORWORT. Der Plan zu der vorliegenden Arbeit wurde bereits im Jabre 1930 gefaßt, konnte aber erst im Jabre 1937 verwirklicht werden. Im Frühjahr 1938 wurde das Manuskript der Philosophischen Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt a. M. als Habilitationsschrift eingereicht und von den Referenten Professor Dr. Hans Zeiß (München) und Professor Dr. Ernst Sprockhoff (Frankfurt a. M.) angenommen. Die Römisch-Germanische Kommission des Archäologischen Instituts ermöglichte mir im Sommer 1938 eine Studienreise nach Kopenhagen, gab mir während der Abfassung der Arbeit Gelegenheit zu ausgedehnter Benutzung ihrer umfangreichen Fachbibliothek und nahm die Untersuchung in die „Römisch-Germanischen Forschungen“ auf.

Herr Zeiß gewährte mir seit Jahren in freundschaftlicher Weise seinen Rat und seine Hilfe und förderte die Arbeit durch manchen wertvollen Hinweis. Er überwachte außerdem die Drucklegung. Ihm bin ich zu ganz besonderem Dank verpflichtet.

Allen Fachgenossen und Museen, die mir durch Auskünfte und Bildmaterial Unterstützung zu Teil werden ließen, danke ich an dieser Stelle. Besonderer Dank gilt Herrn Direktor H. Jankuhn vom Museum vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel, welcher das genaue Studium kostbarer Originale durch Übersendung nach Frankfurt a. M. ermöglichte, und Herrn Inspekteur P. V. Glob vom Nationalmuseum Kopenhagen, der mit mir Fundplätze auf Seeland besuchte und zu dieser Arbeit einen Beitrag über die Landschaft Stevns

beisteuerte. Wertvolle Abbildungsvorlagen überließ mir Herr N. Fettich vom Nationalmuseum Budapest.

J. Werner.

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INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung. 1

Seite

II. Beschreibung der Scheiben. 3 III. Der Werkstättenkreis um Saciro 10 IV. Die erste Thorsberger Scheibe und die kaiserzeitlichen Prunk-

scheibenfibeln. 23

V. Die Gans auf den Denkmälern des Mars. 35 VI. Der Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe und die seelän-

dischen Silberkelche. 44

Verzeichnis der Textabbildungen und Tafeln . 70 Sach- und Personenverzeichnis . 72 Ortsverzeichnis. 76

V

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Scheibe I von Thorsberg. 3 : 2

TAFEL A

I. Einleitung. Im Museum vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel werden zwei kostbare silberne Zierscheiben aufbewahrt, die wegen ihrer Bedeutung für die germanische Kunst- und Religionsgeschichte der ersten nachchristlichen Jahrhunderte und für die Kenntnis der römischgermanischen Kulturzusammenhänge eine eingehende Bekanntgabe verdienen. Sie stammen aus dem großen Moorfund von Thorsberg bei Süderbrarup in der Landschaft Angeln und sind in der auch heute noch mustergültigen Veröffentlichung dieses Fundes, die der dänische Archäologe Conrad Engelhardt bald nach den Ausgrabungen des Jahres 1863 besorgte, kurz besprochen.1) DerThorsbergerFund, zu dessen hervorragendsten Stücken diese Scheiben

zählen, gehört mit einer Reihe weiterer Moorfunde aus Nordschleswig, Dänemark und Schweden ganz eng zusammen und ist durch die Vielfältigkeit der Fundstücke einheimischer und fremder Herkunft, aus denen er sich zusammensetzt, für die Kulturgeschichte des germanischen Nordens in der römischen Kaiserzeit besonders aufschlußreich. Der reiche

Fundstoff, den er enthält, und die Art seiner Niederlegung in einem Moor sind allerdings bisher in vielem rätselhaft geblieben. Seit Sophus Müller, der sich in einem besonderen Kapitel seiner Nordischen Altertumskunde mit den Moorfunden und in Sonderheit mit dem Thorsberger Fund befaßte 2), nahm man allgemein an, daß die zahlreichen Gegenstände, meist Waffen und Rüstungszubehör, welche auf engem Raum beieinander liegend im Moor von Thorsberg gefunden wurden, das Siegesopfer nach einer Schlacht darstellten3). Diese Annahme, welche mit der einmaligen Niederlegung des gesamten Fundes rechnet, läßt sich, wie H. Jankuhn in einer kurzen Mitteilung gezeigt hat 4), nicht mehr aufrechterhalten, wenn man die einzelnen Fundstücke auf ihre Zeitstellung hin untersucht. Jankuhn konnte nachweisen, daß von der Zeit um Christi Geburt an bis ins 4. Jahrhundert hinein Weihgaben im Thorsberger Moor niedergelegt wurden und daß diese Weihgaben in der Frühzeit hauptsächlich aus Tongefäßen, vom 1. Jahrhundert ab überwiegend aus Schmucksachen, Waffen und Ausrüstungsgegenständen, und im 4. Jahrhundert aus einzelnen, fast immer zerschlagenen Goldringen bestanden. Damit ergab sich gegenüber der seit Sophus Müller geläufigen Erklärung eine völlig neue Beurteilung des Fundes: am Thorsberger Moor lag eine lange Zeit hindurch besuchte Kultstätte, die wegen der Menge und Bedeutung ihrer Opfergaben als der kultische Mittelpunkt einer ganzen Landschaft angesprochen werden darf. Selbst die Verbindung eines Marktes und Dingplatzes mit dieser Kultstätte ließ sich wahrscheinlich machen. Der benachbarte Ort Süderbrarup mit seinem großen Markt, der auf eine Wallfahrt zu einer heiligen Quelle zurückgehen soll, hat nach Jankuhn im Mittelalter die Tradition des im anglischen Siedlungsgebiet gelegenen heidnischen Thorsberg fortgesetzt. So gelangt

Jankuhn zu der bedeutsamen Feststellung, „daß wir an der Stelle unseres Fundes den 1) C. Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund (1863) 26ff. mit Taf. 6—7. 2) S. Müller, Nordische Altertumskunde 2 (1898) 122£f. 3) W. Schulz, Wiener Präliist. Zeitschr. 19, 1932, 168f. Zuletzt M. B. Mackeprang, Fra Nationalmuseets Arbejdsmark 8, 1935, 79 ff. 4) II. Jankuhn, Die religionsgeschichtliche Bedeutung dos Thorsberger Fundes. Forsch, u. Fortschr. 12, 1936, 365ff. UUm.-Germ. Fonschqneen 10.

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kultischen, politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des festländischen Angelnreiches oder eines größeren Verbandes aus der Zeit vor der Übersiedlung nach England sehen können.“ Zu den Weihgaben, die im Verlaufe des 3. nachchristlichen Jahrhunderts im Thorsberger Moor niedergelegt wurden, gehören die beiden runden Zierscheiben, welche Gegen-

stand dieser Untersuchung sind 5). Die eine von ihnen (Scheibe II; Taf. 2) fand sich zusammengebogen und stark zerstört in einem großen Tongefäß; sie war mit Teilen eines zerfetzten eisernen Ringpanzers umwickelt (Taf. 7, 1). Die andere, ausgezeichnet erhaltene,

lag frei im Moor (Scheibe I; Taf. 1). 5) Veröffentlichungen, welche dem Verfasser erst nach dem Ausbruch des Krieges bekannt geworden sind, konnten nicht mehr berücksichtigt werden.

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II. Beschreibung der Scheiben. Die Scheiben waren ursprünglich mit ihrer massiven bronzenen Grundplatte x) auf einer etwa 2 mm starken Unterlage aus Leder befestigt, wie drei auf ihrer Rückseite eingelassene bronzene Haubenniete zeigen (Taf. 5). Sie gleichen sich in ihren Ausmaßen (Dm. 13,2 cm)

vollkommen und sind, obwohl sie nicht zusammen gefunden wurden, als ursprünglich zusammengehörig und modellgleich zu betrachten. Beiden gemeinsam ist der Belag mit vergoldetem, stempelverziertem Silberblech und die Gliederung: eine breite Randzone schließt einen durchbrochen gearbeiteten Kranz von neun Medaillons mit einem scheibenförmigen Mittelbuckel ein. Verschieden ist nur der reich verzierte Blechbelag des Randes. Diese Verschiedenheit ist, wie wir sehen werden, von wesentlicher Bedeutung und wird bei der Frage nach der Herkunft beider Scheiben näher zu erörtern sein. Bei beiden Stücken ist die 33,5 mm breite Randzone durch reiche Verzierung ganz besonders hervorgehoben. Ihre Breite beträgt genau ein Viertel des Scheibendurchmessers. Sie ist von zwei auf der bronzenen Grundplatte aufgelöteten glatten massiven Silberborten begrenzt, welche die aufgelegten silbervergoldeten Zierbleche einfassen. Eine gleiche Silberborte umgibt das Zentrum beider Scheiben, einen mit eingestempelten Perlkreisen verzierten, schwach erhöhten Blechbuckel von 33 mm Durchmesser, ein Maß, das ebenfalls einem Viertel des Scheibendurchmessers entspricht. Die Basis dieses Buckels bildet ein Eiranz von 28 Silberstiften mit profilierten Köpfen; in seiner Mitte sitzt ein gleichartiger, etwas größerer Silberstift. Sämtliche Stifte führen durch das Silberblech hindurch und sind in kleine Perlkreise eingebettet. Bei beiden Scheiben sind einige Stifte verloren oder durch Druck zerstört. Bei Scheibe II ist das Blech des Buckels an zwei Stellen durch Einschnitte mit einem scharfen Gegenstand zerrissen. Um den Mittelbuckel legt sich, umfangen von dem breiten Rand der Scheibe, eine durch-

brochene Zone von 9 Medaillons mit erhabenen Medusenhäuptern. Die Bleche beider Scheiben sind mit dem gleichen Stempel verziert. Die Medusenhäupter sind frontal und recht schematisch wiedergegeben, lassen sich aber unschwer von Darstellungen wie Abb. 1 ableiten. Seitlich an den Schläfen quillt unter den Flügeln, welche die Stirn wie eine Helmkappe bedecken, waagerecht gestricheltes Haupthaar hervor. Die Augensterne sind nachträglich eingepunzt. Uber die buckelförmigen Flügelansätze legen sich zwei durch einen geschweiften Stiel verbundene herzförmige Blätter, den Scheitel des Hauptes betont ein erhabenes Dreieck (Taf. 6). Die Köpfe sind von einem doppelten Perlkreis umrahmt, das ganze Silberblech wird von einem Bronz^no^^von < er rundstabigen silbernen Kerbdraht eingefaßt. Während bei der Saalburgmuseum, l: i.

Scheibe I die Medusenhäupter in ihrer Blickrichtung auf das Zentrum der Scheibe bezogen sind, kehren sie sich bei der Scheibe II der äußeren Zone zu. *) Die Platten sind 1,5 mm stark und bestehen aus einer Legierung von Kupfer, Zinn, Zink, Antimon und Spuren von Wismut (spektralanalytische Untersuchung durch Prof. Dr. A. Thum, Materialprüfungsanstalt an der Technischen Hochschule in Darmstadt). Der Gehalt an Zink (Galmei) könnte auf Herstellung in der Nähe der Galmeivorkommen von Gressenich bei Aachen, dem Entstehungsgebiet der Messingeimer vom Hemmoorer Typ, hindeuten. 1®

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Die breite Randzone der Scheibe I war an ihrer Innenkante mit acht ursprünglich nicht zugehörigen aufgenieteten Blechen verziert, von denen noch vier an Ort und Stelle sitzen. Es handelt sich um Darstellungen von Vierfüßlern, Fischen und Vögeln, die mit ihrem Untergrund aus verschiedenen größeren vergoldeten Silberblechen ausgeschnitten und ohne

Rücksicht auf die eigentlichen Bildmotive der Scheibe später aufgesetzt wurden (Taf. 7, 2—8). Sie sind zu einem nach rechts umlaufenden Fries angeordnet. An einer Stelle (Feld a; Taf. 3,1) sind zwei derartige Tiere in neuerer Zeit entfernt worden, wie vier Durchbohrungen der Silberblechunterlage zeigen. Folgende Stempelbilder sind erhalten: 1.—2. Zwei von der Scheibe abgelöste Gänse (L. 19 mm u. 21 mm) auf punktiertem Untergrund (Taf. 7, 2—3). Das eine Blech, bei dem unter dem Fuß der Gans noch ein Kreisstempeleinschlag erhalten

ist, ist durch Druck beschädigt. Beide Bleche sind aus der gleichen Vorlage ausgeschnitten, wurden dann mit Blei ( ?) ausgegossen und waren mit zwei darin eingelassenen Bronzenieten in die Scheibe eingesetzt (Feld a; Taf. 3,1). — 3. Breit gedrückter Fisch (jetzige L. 24 mm) mit grober Schuppenzeichnung (Feld d; Taf. 7, 4). Ursprünglich stempelgleich mit Nr. 5. — 4. Kauerndes Tier (L. 20 mm) auf punktiertem Untergrund (Feld d; Taf. 7, 5). Aus der gleichen Vorlage ausgeschnitten wie Nr. 8 (Feld b; Taf. 7, 8). — 5. Von der Scheibe abgelöster und zusammengebogener Fisch (L. 22 mm) mit grober Schuppenzeichnung (Feld c; Taf. 7, 6). Ursprünglich stempelgleich mit Nr. 3. — 6. Gehörntes Seetier (L. 20 mm) auf kreisund punktverziertem Untergrund (Feld c; Taf. 7, 7). — 7. Reste eines Seetieres? (Feld b; Taf. 4,1). —

8. Kauerndes Tier (L. 19 mm) mit kronenartigem Gehörn und punktverziertem Untergrund (Feld b; Taf. 7, 8). Aus der gleichen Vorlage ausgeschnitten wie Nr. 4 (Feld d; Taf. 7, 5).

Die Randzone selbst wird durch vier runde flache Buckel in vier gleich große Felder zerlegt. Diese vier Buckel bilden die Endpunkte eines Kreuzes, dessen Mitte der ihnen sehr ähnliche Mittelbuckel der Scheibe darstellt. Wie dieser sind sie aus einer gesondert eingesetzten Auflage aus vergoldetem Silberblech verfertigt und werden von rundstabigen silbernen Kerbdrähten eingefaßt, die den Kerbdrähten der Medusenmedaillons genau entsprechen. An einen von Perlreihen umgebenen Wulstreif schließt sich nach innen ein Kranz von 17 Silberstiften an, die sich aus Perlkreiseinfassungen erheben; im Zentrum sitzt ein größerer Silberstift, der die Kuppe eines perlkreisverzierten Buckels bildet. Die Mittelstifte sämtlicher vier Buckel führen durch die bronzene Grundplatte hindurch und werden auf ihrer Rückseite sichtbar (Taf. 5, 1). Zwei Buckel sind durch Druck beschädigt.

Die vier Felder, welche zwischen den Buckeln liegen, sind mit vergoldetem Silberblech ausgelegt. In der Anordnung der Stempelverzierungen entsprechen sich jeweils zwei gegenüberliegende Flächen (a und c bzw. b und d auf Tafel 3 u. 4). — Es sind im ganzen 9 figürliche und 3 geometrische Stempel verwendet worden, die aus Bronze bestanden und von der Rückseite her in das dünne Blech eingeschlagen wurden. Die Mitte sämtlicher Felder nimmt die Darstellung eines sitzenden Kriegers mit Lanze, Schwert und Schild ein. Sie ist auf Feld a (Taf. 3, 1) besonders gut sichtbar. Die unten näher beschriebenen Stempel sind um diesen Hauptstempel folgendermaßen gruppiert: Feld a und c (Taf. 3): Als Einfassung dient eine durch Rädchen hergestellte und mit der Punze nachbehandelte Zickzacklinie, um die Buckel läuft eine eingestanzte Reihe von Punktkreisen. Gleiche Punktkreise dienen einzeln oder in Gruppen zu dreien als raumfüllende Ornamente. Am Außenrand wird die umlaufende Zickzacklinie wechselnd von nach links gerichteten Gänsen und nach rechts gewandten geflügelten Eroten begleitet. Unterhalb dieser Reihe sind linksläufig in weiten Abständen sechs kleine Delphine angeordnet, von denen zwei auch die äußersten Zwickel des Feldes füllen. Je ein Seepferdchen und ein bzw. zwei kleine Delphine füllen die inneren Zwickel. In dem Raum seitlich und unterhalb des sitzenden Kriegers sind drei große Delphine, seitlich der Lanzenspitze und des ausgestreckten Fußes je ein Paar S-förmig zusammengesetzter Schlangen dargestellt. Hinter dem Krieger finden sich verstreut noch vier lkeine Delphine und vor ihm in Schulterhöhe eine ihm zugewandte Gans, die in gleicher Stellung auf allen vier Feldern wiederkehrt. Feld c, dessen Blech teilweise zerrissen und flach gedrückt ist, weicht von Feld a insofern ab, als über dem Helm des Kriegers mittels eines Silberstiftes eine Gans eingenietet ist, welche mit den sonst auf der Scheibe vorkommenden Gänsen stempelgleich ist. Sie ist unsauber aus einem Blech ausgeschnitten, ist flach geschlagen und überdeckt einen kleinen Delphin.

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Feld 1) und d (Taf. 4): Als Begrenzung gegen den Rand der Scheibe dient eine von Zickzacklinien gerahmte Borte, welche mit rechtsläufig angeordneten Seepferdchen ausgefüllt ist. Die Seepferdchenstempel sind verschieden; es wechseln einfache glatte Pferdchen mit reicher ausgestalteten ab. Die Borte wird im Inneren des Feldes von einer Reihe eingestanzter Punktkreise begleitet, die auch gegenüber den Zierbuckeln den Abschluß bilden. Über dem Helm und seitlich des rechten Fußes des Kriegers sind je ein großer Delphin und ein geflügelter Eros eingestempelt. Hinter seiner erhobenen Rechten wird ein Schlangenpaar sichtbar, ebenso unterhalb seines Fußes. Den Abschluß des Feldes gegen das Scheiben-

innere bildet wiederum eine Zickzacklinie, während kleine Delphine und Punktkreise locker über die freigebliebene Fläche verstreut sind. Feld b ist zwischen dem Schwertstempel und der Außenborte, Feld d im rechten inneren Zwickel unter dem aufgesetzten kauernden Tier mit einem gepunzten Silberblech geflickt. Beide Felder weichen um ein Geringes dadurch voneinander ab, daß bei Feld d die Eroten in den Außenzwickeln von Punkteinschlägen und bei Feld b von Punktkreisen umgeben sind. Als zusammengehörige Gruppe sind die in allen vier Feldern wiederkehrenden Stempel des sitzenden Kriegers, des Schwertes und der davorgesetzten Gans zu betrachten. Diese Gruppe ist zugleich das zentrale Bildmotiv, um welches sich die übrigen Stempelbilder raumfüllend anordnen. Sie ist im Gegensatz zu den auf die Mitte der Scheibe bezogenen Medusenhäuptern immer nach außen gerichtet. Der nach rechts gerichtete sitzende Krieger stützt sich mit der Rechten auf eine Lanze mit rhombischer Spitze (rechts daneben zwei eingestempelte Punkte), die ausgestreckte Linke ruht auf dem Schild; beide Hände sind dreigeteilt. Er sitzt auf einem Thron, dessen Rückenlehne sich als schwache Erhebung zwischen Lanze und Gewand abzeichnet (vgl. Taf. 3,1; die zeichnerische Wiedergabe auf Taf. 8,1 ist in diesem Punkte ungenau), dessen übrige Einzelheiten aber nicht klar wiedergegeben sind. Das bärtige Haupt

mit Helm und Helmbusch ist in strenger Seitenansicht gegeben, die Augenpartie ist stark eingetieft, die Umrisse von Nase und Mund treten scharf hervor und geben dem Gesicht einen starren Ausdruck. Trotz der Kleinheit des Stempelbildes sind Ohr, Bart und Halsmuskulatur deutlich ausgeprägt. Der frontal dargestellte Oberkörper ist mit einem Muskelpanzer bekleidet, der den Formen des Körpers entsprechend fein gegliedert ist, die Brustwarzen kugelförmig hervorhebt und am Hals ringförmig abschließt. Gegen die Arme und nach unten fehlt an der Wiedergabe des Panzers jeder Abschluß. Über das vorgestreckte, in Seitenansicht wiedergegebene rechte Bein spannt sich in straffen Falten das Paludamentum, das seitlich des Panzers hinter dem Arm zur rechten Schulter emporgeführt ist, wo es einen kugelförmigen Bausch bildet oder mit einer Rundfibel zusammengerafft ist. Die dichten Falten auf dem

linken Oberschenkel sind besonders stark schematisiert. Es fällt auf, daß der linke Unterschenkel in seiner Richtung nicht auf das Knie trifft. Die Arme und der rechte Unterschenkel zeigen deutliche Mittelrippen, die mit den kugeligen Verdickungen an den angewinkelten Gelenken das für den Guß notwendige Gerüst des bronzenen Stempelmodels erkennen lassen. Der runde Schild, dessen geperlter Rand nach oben keinen Abschluß findet, trägt in seiner Mitte als Buckel3) eine in Seitenansicht dargestellte menschliche Maske. Der Buckel ist mit Rücksicht auf den Beschauer auf der Innenseite des Schildes dargestellt, was recht ungewöhnlich ist. — Der für die viermal sich wiederholende Darstellung verwandte Metallstempel besaß eine größte Länge von 40 mm (von der Lanzenspitze bis zum rechten Fuß) und ist eigens für die Verwendung an der Zierscheibe hergestellt worden, da Lanze und Thron nicht bis zur Standfläche herabgeführt sind, sondern auf die Rundung des Scheibenrandes Rücksicht nehmen.

Das Schwert mit rundem Knauf, kreisförmigem Ortband und gewundenem Gehänge bildet einen Stempel für sich (L. 14 mm). Es fällt an diesem Stempel auf, daß der untere Tragbandteil zu hoch ansetzt

und der Knauf etwas nach rechts versetzt ist. Die dem Krieger zugewandte Gans (L. 6 mm) ist sehr naturgetreu gebildet; ihre gefiederten Flügel sind deutlich vom Körper abgesetzt. Das punktförmige Auge ist jeweils nachträglich mit einer Punze eingeschlagen. Der Stempel hat in den Feldern a und c auch als Randverzierung Verwendung gefunden und ist in Feld c einmal ausgeschnitten und aufgenietet. Daß es sich um eine Gans handelt, hat schon Engelhardt erkannt3). An weiteren raumfüllenden Stempelbildern sind vorhanden: Geflügelte Eroten (L. 4,5 mm) in Seitenansicht, mit gewinkelten Beinen und Armen. Das Haupthaar und die Flügel sind geschuppt, das Gesicht trotz der Kleinheit des Stempels deutlich ausgeprägt. Diese Eroten kommen in allen vier Feldern vor. Ferner finden sich zwei verschiedene Arten Seepferdchen (L. 4,5 mm) in Feld b und d. Sie sind von den üblichen antiken Hippokampdarstellungen sehr verschieden, da sie offensichtlich eine bestimmte Art des Seepferdchens naturgetreu wiedergeben sollenä). An weiteren Seetieren sind große (L. 10 mm) und *) Zu bildlichen Schildverzierungen vgl. S. 19 Anm. 28 u. 30. s) Engelhardt a. a. O. 28. 4) Es handelt sich um den im Mittelmeer und vereinzelt im Atlantischen Ozean vorkommenden hippocampua antiquorum. Die Bestimmung wird dem Senckenberg-Museum in Frankfurt a. M. verdankt. Nach Lamer, RE. 8 (1913)

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kleine (L. 4 mm) Delphine zu nennen. Schlangenpaare (L. 11 mm), welche aus einem Stempel geschlagen sind und deren Körper außen von einfachen Punktreihen begleitet werden s), Punktkreise (Dm. 0,5 mm)

und in Rädchentechnik hergestellte Zickzacklinien (10 Windungen auf 10 mm) vervollständigen den Bestand an flächenfüllenden Ornamenten.

Alle diese Stempelbilder scheinen auf den ersten Blick wie in der Fläche verstreut, und dennoch fügen sie sich in eine wohldurchdachte Ordnung ein. Jene Ausgeglichenheit, die sich äußerlich in dem Maßverhältnis der Randzone zum Mittelteil der Scheibe und in der

Abb. 2. Rekonstruktion des Tierfrieses der zweiten Thorsberger Scheibe. 1:1.

Bezogenheit der vier Zierbuckel des Randes auf diese Mitte kundgibt, läßt sich auch in der Verteilung der Stempelbilder beobachten. Zu dem Kranz der nach innen gewandten Medusenhäupter mit der Scheibenmitte als Mittelpunkt darf man die viermal wiederholte Gruppe des nach außen gerichteten Kriegers mit der Gans als ein deutliches Gegengewicht auffassen.

Das Verhältnis der einzelnen Teile der Scheibe zueinander: die kreuzweise Anordnung der Zierbuckel, die Beziehung der Medusenhäupter auf die Mitte und die Orientierung der 1751 s. v. Hippokampos, gibt es unter den antiken Hippokampdarstellungen keine naturgetreuen Seepferdchen. Diese hätten lediglich zur Ausbildung fabelhafter Seewesen mit Pferdekopf angeregt. 5) Diese Punktreihen sind am spätesten eingestempelt, vgl. die Schlangenpaare in Feld c. Der gleiche Punktstempel fand neben dem Blatt der Lanzenspitze Verwendung.

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zwischen den vier Buckeln der Randzone liegenden Felder nach außen zeigt eine klare Gliederung des Aufbaues und eine wechselseitige kraftvolle Spannung seiner Elemente. Diese Spannung, die nicht zu einer harmonischen Auflösung drängt, sondern den Zustand der verschiedenartig gegeneinander wirkenden Kräfte bewahren will, ist für die Komposition dieser ersten Scheibe kennzeichnend. Die Verzierung des vergoldeten Silberbleches, mit welchem der Rand der Scheibe II ausgelegt ist (Taf. 2) unterscheidet sich von der reichen, fast teppichartigen Verzierung der ersten Scheibe grundlegend. Es ist zwar nur ein kleiner Teil des Bleches erhalten, der aber genügt, um diese wesentliche Verschiedenheit zu erkennen. Die Stempelgleichheit des ersten und des letzten erhaltenen Tieres gestattet, auf die Komposition dieser Randzone einen Rückschluß zu ziehen und die Darstellung unschwer zu ergänzen (Abb. 2)6). Während bei der Scheibe I die Randzone von vier Zierbuckeln in einzelne Flächen zerlegt ist, wird sie hier durch einen ganz umlaufenden Tierfries zu einer Einheit zusammengefaßt. Große, die ganze

Breite der Zone ausfüllende Tiere stürmen in heftiger Bewegung von links nach rechts, „als ob sie vor einem sich nähernden Feinde flüchteten“7). Sie heben sich in verhältnismäßig hohem Relief von dem über und über mit Doppelpunzeinschlägen bedeckten Grund ab; ihre scharfen Umrisse werden durch begleitende Punzeinschläge noch besonders betont. Der tiefe Einschlag der Tierstempel hat an drei Stellen (an dem Vorderschenkel des letzten

erhaltenen Tieres, bei einem kleinen Delphin und bei dem Schwanz des Seewesens) zu einer Zerreißung des Silberbleches geführt, die schon in alter Zeit eine Flickung notwendig machte. Auffällig ist die glatte, nirgends gegliederte Gestalt der Tierleiber, die sich mit flüchtiger Andeutung von Auge, Ohr und Schwanz begnügt. Sie tritt wegen der Verbeulung der erhaltenen Stempelbilder im heutigen Zustande der Scheibe freilich nicht klar genug in Erscheinung. Lediglich die Hufe sind vom Lauf durch eine Kerbe abgesetzt. Gegenüber einer Vielzahl kleiner Stempel bei der Scheibe I sind hier nur ein Delphinstempel und drei große Stempelbilder verwendet, welche zwei gehörnte Tiere mit voroder rückgewandtem Kopf und ein phantastisches Seewesen (Bock mit Fischschwanz, wohl Capricorn), alle in Seitenansicht, wiedergeben. Bei dem Seewesen ist von einer reinen Profilansicht insofern abgewichen, als durch die Angabe der beiden Vorderläufe der Charakter des Mischwesens verdeutlicht wird. Es folgen einander in dreimaliger Wiederholung ein vorwärtsgewandtes Tier (L. 35 mm), ein Seewesen (L. 35 mm) und ein rückblickendes Tier (L. 33 mm). Zwischen den Tieren sind in Höhe der Läufe jeweils Delphine (L. 10 mm) eingestempelt, deren Relief sehr viel flacher ist, als das der großen Bilder. Diese Gruppen von je drei Tieren sind durch drei etwa in der Mitte des Bleches zusammentreffende, in Rädchentechnik hergestellte Linien (9 Windungen auf 10 mm) getrennt. Die oberste Linie führt in einem Bogen zum Maul des letzten, rückwärtsgewandten Tieres, die unteren bilden mit einem Teil des äußeren Scheibenrandes ein Dreieck, das mit einem Delphin gefüllt ist. Unmittelbar am Rande der Scheibe läuft eine Reihe roh eingeschlagener Kreuze. Der dazu verwendete Kreuzstempel findet sich wieder hinter dem Horn des vorwärtsgewandten Tieres und des Seewesens. Den Abschluß der Randzone gegen das Scheibeninnere bildet ein aufgenieteter, anscheinend Kerbdraht nachahmender Silberblechstreifen. Ein Vergleich der Stempelbilder dieser Scheibe mit denen der Scheibe I zeigt, daß bis auf die unten zu erörternde Ausnahme des Delphinstempels zwischen ihnen kein Zusammenhang besteht. Die großen Tiere und das Seeungeheuer stellen sich stilistisch mit den Tierblechen zusammen, welche nachträglich auf den Innenrand der Scheibe I aufgenietet sind (Taf. 7, 2—8), und stehen im Gegensatz zu den flachen Stempelbildern auf den Feldern der Scheibe I mit ihren ins Einzelne gehenden Angaben der Details: dem Panzer des sitzenden e) Engelhardt a. a. O. 27 f. 7) Engelhardt a. a. O. 28.

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Kriegers, dem Gefieder der Gans oder den fein gezeichneten Seepferdchen und Eroten. Diese Unterschiede in der Gestaltung der Stempelbilder betreffen nicht Einzelheiten der Verzierung, sondern sind Unterschiede der Formgebung schlechthin. Die Wesensver-

schiedenheit der beiden Scheiben ist auch Engelhardt nicht entgangen, er hat aber dennoch den Schluß gezogen, daß beide aus derselben Werkstatt stammen müßten, und zwar aus einer Werkstatt, die im freien Germanien in enger Anlehnung an römische Vorbilder gearbeitet habe. Bei den gleichen Ausmaßen der Scheiben, der Stempelgleichheit der Medusenmedaillons und der vollkommenen Übereinstimmung des Mittelbuckels, der Grundplatte und der Silberdrahteinfassungen ist an der Herkunft beider Scheiben aus der gleichen Werkstatt nicht zu zweifeln. Die gestempelten Bleche der Bandzone können dagegen keinesfalls werkstattgleich sein, ebensowenig wie das Blech der Scheibe I und die nachträglich darauf befestigten Bleche mit Tierdarstellungen aus einer Werkstatt stammen. Engelhardt beobachtete nun, daß die Delphine auf der Scheibe II mit den großen Delphinen der Scheibe I identisch sind, und folgerte, daß, ähnlich wie bei den Medusenmedaillons, die gleichen Stempel verwendet wurden. Die Besonderheiten der Scheibe II erklärte er damit8), „daß entweder der Außenrand mit dem Tierfries eine spätere Zutat ist, oder daß man römische Stempel für den inneren Kreis (Medusenmedaillons) und für die Delphine benutzt hat, daß man hingegen mit eigener Hand ohne irgendwelche römischen Vorbilder diejenigen Stempel anfertigte, welche für die großen Tiere des Außenrandes verwendet wurden. Es läßt sich auch so erklären, daß das breite Blech, welches ursprünglich zu der Scheibe gehört hat, entfernt wurde, um durch das jetzt vorhandene Blech ersetzt zu werden, weil seine Stempelbilder den Vorstellungen eines späteren Besitzers über das Schöne und Erforderliche mehr entsprachen. Ähnlich wurde mit der anderen Platte (Scheibe I) verfahren, wenn diese auch in einem geringeren Maße verschönert wurde (aufgesetzte Tierbleche).“ Die Annahme Engelhardts, daß das Blech mit dem Tierfries als spätere Zutat ein ursprünglich vorhandenes, anders verziertes ersetzte, gibt eine Erklärung für den stilistischen Gegensatz, in welchem dieser Tierfries zu den Medusenmedaillons und der Scheibe I steht. Bei der sonst vollkommenen Übereinstimmung der beiden Scheiben wäre für die Randzone der Scheibe II ein Blechbelag zu erwarten, der im gleichen Stil wie der Blechbelag der Scheibe I verziert war, lediglich die aufgenieteten Tierbleche als spätere Zutaten ausgenommen. Aber auch der ursprüngliche Belag der Scheibe II dürfte sich in der Darstellung von demjenigen der Scheibe I unterschieden haben. Eine Aufteilung der Randzone durch Zierbuckel in der Art der Scheibe I fehlte, da im Gegensatz zu Scheibe I auf der Grundplatte der Scheibe II keine Nietlöcher für die Mittelstifte solcher Buckel vorhanden sind (Taf. 5, 2). Die Auswechselung des Randbelages der Scheibe II kann unmöglich in derselben Werkstatt erfolgt sein, welche die beiden Scheiben anfertigte; dies schließt schon der verschiedene Stil der Stempelbilder auf beiden Denkmälern aus. Andererseits muß der Künstler, welcher das Tierfriesblech verfertigte, das ursprünglich zur Scheibe II gehörige Blech oder die Scheibe I oder vielleicht auch beides während seiner Arbeit vor Augen gehabt haben, denn sonst ließe sich das Auftreten der gleichen Delphindarstellung auf beiden Scheiben nicht erklären. Da die Tiere des Tierfrieses nicht von derselben Hand stammen wie der

sitzende Krieger und die übrigen Stempelbilder der Scheibe I, können die auf beiden Scheiben identischen Delphindarstellungen nicht mit demselben Stempel eingeschlagen sein. Vielmehr muß man annehmen, daß der Meister des Tierfrieses den Delphin der Scheibe I

oder einen gleichen Delphin auf dem ursprünglichen Blech der Scheibe II abgeformt und als Stempel nachgegossen hat, ohne daß hierbei eine Verkleinerung des Bildes eingetreten ist. Mit diesem nachgegossenen Stempel hat er dann die freien Stellen zwischen den eins) Engelhardt a. a. O. 29.

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zelnen Tieren des Tierfriesbleches verziert. Nächst dem Stempelbild des sitzenden Kriegers war der Delphin der größte Stempel auf dem Randblech der Scheibe I und aus diesem Grunde einerseits besonders leicht abzuformen, andererseits aber auch für eine Zusammenstellung mit den großen Tieren des Frieses der Scheibe II besonders geeignet. Da das Blech der äußeren Randzone als eine spätere Zutat und als Ersatz eines anderen, ehemals dort vorhandenen anzusehen ist, kann man über die Komposition eines großen Teiles der Scheibe II zunächst nichts aussagen. Wenn man von dem Mittelteil der Scheibe,

der allein seinen ursprünglichen Zustand bewahrt hat, ausgeht, so fällt auf, daß die Medusenhäupter nicht wie bei Scheibe I der Scheibenmitte zugewandt, sondern nach außen gekehrt sind. Der Grund hierfür ist wohl in der ursprünglichen Verzierung der Randzone zu suchen. Sie dürfte eine fortlaufende Bilderreihe enthalten haben, da das Fehlen der

Nietlöcher in der Grundplatte eine Aufteilung durch Zierbuckel wie bei Scheibe I mit Sicherheit ausschließt. Dem Tierfries der späteren Einlage dient als Bodenlinie die Außen-

kante der Scheibe. Die Tatsache, daß die Blickrichtung der Medusenhäupter auf eine derartige Anordnung des Tierfrieses Rücksicht nimmt, läßt darauf schließen, daß auch die ursprüngliche Blechauflage mit einer friesartigen Darstellung, welche die Außenkante der Scheibe als Bodenlinie benutzte, verziert war. Dieser Fries dürfte aus kleineren Tieren, im Verhältnis etwa dem Krieger der Scheibe I entsprechend, bestanden haben. Von dem jetzt vorhandenen Fries unterschied er sich wohl ganz wesentlich, obwohl er ihn anscheinend in der Anordnung beeinflußte. Der spätere Tierfries ist durch die Formgebung der Tiere,

den freien, punktverzierten Untergrund und durch die Art, wie die sich dreimal wiederholende Tiergruppe, aus der er sich zusammensetzt, jeweils abgegrenzt ist, als durchaus eigenartige Leistung gekennzeichnet. Auch die gleichmäßige Wiederholung seiner Bilder, im Gegensatz zu dem Wechsel in der Wiederholung bei Scheibe I (Feld a und c gegen Feld b und d) ist für ihn bezeichnend. Daß der Meister dieses Tierfrieses und derjenige der Scheibe I verschiedenen Werkstättenkreisen in weit auseinander liegenden Gegenden angehören, wird im folgenden darzulegen sein. Erst durch die Heranziehung anderer Denkmäler, welche zu der einen oder der anderen Scheibe in einem engeren Verhältnis stehen, als diese selbst untereinander, kann das bis-

herige Ergebnis unserer vergleichenden Untersuchung, nämlich die Feststellung einer Wesen Verschiedenheit zwischen dem Tierfries der Scheibe II und den Darstellungen auf der Scheibe I, bestätigt und zur Gewißheit erhoben werden. Der Tierfries der Scheibe II, auf dessen Verwandtschaft mit den aufgesetzten Tierblechen der Scheibe I immer wieder hingewiesen wurde, stellt sich zu einer Gruppe von Tierfriesen auf Silberkelchen, die von der dänischen Insel Seeland stammen und die das Werk nordgermanischer Künstler sind. Diese für die frühgermanische Kunst bemerkenswerten Zusammenhänge sollen im Schlußabschnitt unserer Arbeit behandelt werden. Wenden wir uns nun zunächst der Scheibe I

wieder zu. Sie führt uns beim Aufsuchen verwandter Denkmäler in eine ganz andere Gegend, in die römische Provinz Niedergermanien.

Böm.-Genn. Forschungen 16.

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III. Der Werkstättenkreis um Saciro. Unter den Stempelbildern auf der ersten Thorsberger Scheibe ist das beherrschende Bildmotiv, die Darstellung des sitzenden Kriegers mit der Gans, zweifellos das merkwürdigste. Von der Deutung dieser Darstellung hängt die Beurteilung der Scheibe in wesentlichen Punkten ab: Zeitstellung und Herkunft des Denkmals können ohne sie nicht befriedigend geklärt werden. Engelhardt vermutete, daß der sitzende Krieger möglicherweise der Gott Mars sein könne 1), eine Annahme, die durchaus das Richtige trifft 2). Gewißheit bringt der Vergleich mit einem bronzenen Kästchenblech des Landesmuseums Bonn, dessen enge Verwandtschaft mit der Thorsberger Scheibe (Taf. 8, 1 u. 3) sogleich ins Auge fällt (Taf. 8, 2). Der sitzende Krieger ist der Gott Mars mit der ihm heiligen Gans, eine Verbindung, die sich auf einer Reihe provinzialrömischer Denkmäler findet, und deren Vorkommen und religions-

geschichtliche Bedeutung unten ausführlich gewürdigt werden soll. Besonders häufig findet sich die Gruppe auf einer Reihe bronzener römischer Kästchenbleche von der Art des Bonner Stückes, welche in Stil und Technik (Verzierung des dünnen Bleches durch Einschläge von Metallstempeln) eng mit der Thorsberger Scheibe Zusammenhängen. Sie gehören zu Schminkkästchen und Spiegelkapseln und sind einem provinzialrömischen Werkstättenkreis zuzuweisen, der für die Frage nach der Herkunft der beiden Thorsberger Scheiben von großer Wichtigkeit ist. An erster Stelle steht das erwähnte Blech Taf. 8, 2 des Landesmuseums Bonn. Es stammt aus dem römischen Gräberfeld vom Maarflachweg in Bonn und gelangte im Jahre 1904 zusammen mit Keramik des 1. und 2. Jahrhunderts durch Ankauf in das Landesmuseum 3). Ein zugehöriger Salbenreibstein zeigt, daß es den Bestandteil eines Schminkkästchens bildete. Es besteht aus einer rechteckigen Bronzeplatte mit abgerundeten Ecken an der einen Schmalseite, auf der ein dünnes, jetzt stark zerstörtes gestempeltes Bronzeblech

aufliegt. Auf dem Blech ist der sitzende Gott Mars mit der Gans in einer Aedicula dargestellt. Die Säulen der Aedicula sind im Gegensinne gedreht und besitzen geperlte Basen und pflanzliche Kapitelle, die in sehr vereinfachter Form die korinthische Ordnung erkennen lassen. Auf ihnen ruht ein dreieckiger, von einer Perlreihe umsäumter Giebel mit besonders hervorgehobenem Firstbalken, in dessen Feld die bärtige Maske einer Wassergottheit4) inmitten zweier Delphine wiedergegeben ist. Die Delphine ähneln den großen Delphinen auf den Thorsberger Scheiben, während der sitzende Mars in der Aedicula, der hier übrigens eine eigene Standlinie besitzt, auch in seinen Ausmaßen der entsprechenden Darstellung x) Engelhardt a. a. 0. 28. 2) Die Erklärung als „sitzende Roma“, die A. Alföldi (Acta Archaeologica 5, 1934, 116) und unbestimmter W. A. von Jenny (Die Kunst der Germanen im frühen Mittelalter [1940] 63) gaben, ist nicht zutreffend. Andere Deutungen sind

m. W. in der Literatur nicht versucht worden. 3) H. Lehner, Führer durch das Prov.-Mus. Bonn2 (1924) 105 mit Taf. 20, 5. — Ein Grabzusammenhang mit anderen Teilen des „Fundes“ ist nicht naehzuweisen. Inv. Nr. 16580f. 4) Vgl. bes. zwei Reliefs von Neumagen (Espdrandieu Nr. 5174 u. 5181), ferner Reliefs aus Bonn (Esperandieu Nr. 6258)

und Metz (Esperandieu Nr. 4304). Die Maske ist ursprünglich von der Okeanosmaske abzuleiten, vgl. A. Rumpf in G. Rodenwaldt, Die antiken Sarkophagreliefs 5, 1 (1939) 11 ff.

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der ersten Thorsberger Scheibe vollkommen gleicht. Wie bei dieser Scheibe ist der bärtige, behelmte Kopf in strenger Seitenansicht wiedergegeben, der Oberkörper ist gepanzert, über der rechten Schulter liegt ein runder Gewandbausch. Der linke Fuß ist gegen das Knie etwas nach rückwärts versetzt, das Kniegelenk und die Fußspitze sind kugelförmig verdickt, die Linie des Stempelgerüstes ist am rechten Bein unter dem Gewand deutlich angegeben, und der Schild mit seinem geperlten Rand trägt eine Maske als Schildbuckel. Das ebenfalls gesondert eingestempelte Schwert mit kreisförmigem Ortband und gewundenem Tragband entspricht dem Schwert auf der Thorsberger Scheibe. Wenn auch beide Darstellungen nicht stempelgleich sind und der Marsstempel der Scheibe besonders für diese angefertigt wurde, so ist doch an ihrer Herkunft aus einem gemein-

samen Werkstättenkreis nicht zu zweifeln. Die etwas starre und drahtige Ausführung in Thorsberg dürfte durch das stärkere Silberblech bedingt sein. Abweichend ist der Stempel der Gans, die auf dem Bonner Blech etwas größer wiedergegeben ist, sonst aber an der gleichen Stelle erscheint, wie auf der Thorsberger Scheibe. An das Bonner Blech reiht sich ein weiteres in einem Grabe zu Bonn gefundenes Kästchenblech des Bonner Landesmuseums an (Taf. 8, 8); dieses ist seit langem bekannt und bei

den Untersuchungen über die Darstellungen des Mars mit der Gans oft herangezogen worden 5). Hier ist auf einem viereckigen Blech, das auf einer stärkeren Bronzeunterlage befestigt ist, ein diesmal nach links schauender sitzender Mars mit der Gans dargestellt. Zwei gewundene Säulen, die denen des oben besprochenen Bleches sehr ähneln, tragen ein geschupptes Tempeldach, dessen Firstteil von einem Fries geflügelter Eroten ausgefüllt ist. Zu beiden Seiten des Firstes sind Reiterprotomen sichtbar, die am ehesten als Dioskuren anzusprechen sind. Offensichtlich wird, wie schon F. Wieseler vermutete6), die Seitenansicht

eines Tempels gegeben, in dem der sitzende Mars die Stelle des Kultbildes einnimmt. Hierbei hat das Aussehen eines gallorömischen Tempels eher die Vorstellung des Künstlers beeinflußt, als daß die Absicht, einen derartigen Tempel wirklich darzustellen, erkennbar

wäre. Die Wiedergabe eines Ziehbrunnens und einer Palme innerhalb der Säulen des Tempels läßt sich allerdings auch bei der Annahme, der Tempel sei in Seitenansicht dargestellt, perspektivisch nicht erklären. Auffällig bleibt die fehlerhafte Zeichnung des Ziehbrunnens, bei dem, um seine Tätigkeit zu verdeutlichen, beide Schöpfeimer sichtbar ge-

macht sind. Hier ist die gleiche Absicht zu beobachten, wesentliche sonst verborgen bleibende Einzelzüge dem Beschauer sichtbar zu machen, wie bei der Darstellung der Schildbuckel an den Marsbildern des ersten Bonner Bleches und der Thorsberger Scheibe.

Man erkennt an den Überschneidungen, daß die einzelnen Stempel in der Reihenfolge von rechts nach links eingeschlagen sind: Zuerst die linke Säule, dann der Ziehbrunnen und die unter ihm befindliche, nach rechts schreitende Gans, die Palme und schließlich das mit einer besonderen Standlinie versehene Stempelbild des Mars. Im Gegensatz zu den Marsdarstellungen des ersten Bonner Bleches und der Thorsberger Scheibe ist der Oberkörper des Gottes entblößt, der Panzer steht am Boden, so daß er den Thron verdeckt, der Schild lehnt an der Rückseite des Sessels und das Schwert mit seinem gewundenen

Tragband ist nicht für sich dargestellt, sondern wird von dem Gott im Arm gehalten. Das Blech ist mit dem Blech Taf. 8, 2 so eng verwandt, daß die Herstellung in derselben Werkstatt gesichert erscheint. Dem gleichen Werkstättenkreis sind zwei weitere Bleche (Taf. 8, 7 u. 9) zuzuweisen, welche in Remagen gefunden wurden und die uns den Namen des Inhabers einer dieser Werkstätten überliefern. Sie gehören zu einer quadratischen Spiegelkapsel mit schwach 5) Das Stück ist erstmalig veröffentlicht von F. Wieseler, Bonn. Jahrb. 3, 1843, 113ff. mit Taf. 4, 2 und dann ausführlich besprochen von F. Möller, Westd. Zeitschr. 5, 1886, 323f. mit Taf. 13, 5. Vgl. ferner H. Lehner, Führer 50 mit Taf. 20, 1. °) Bonn. Jahrb. 3, 1843, 116ff. 2*

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gewölbtem silbernen Spiegel und stammen aus dem Brandgrab 70 des römischen Gräber-

feldes von Remagen7). Ihre Beifunde, eine grüne viereckige Glasflasche, ein kleiner schwarz überzogener Tonbecher und eine einfache Firmalampe, sind in das 2. Jahrhundert

zu setzen, erlauben aber keine schärfere Datierung innerhalb dieses Zeitraumes. Doch dürfte das Grab nicht jünger als der Ausgang des 2. Jahrhunderts sein. Das eine, an der rechten oberen Ecke zerstörte Blech (Taf. 8, 9) scheint an der Oberkante beschnitten zu sein, da zu der Aedicula ein Giebelfeld zu ergänzen ist. Die beiden Säulen,

die diesen Giebel tragen sollen, besitzen einen zur Hälfte kannelierten und zur anderen Hälfte gedrehten Schaft mit korinthischen Kapitellen. Sie werden außen in ihrer ganzen Länge von Schlangen begleitet. Längs der rechten Säule sind Schriftreste (ORIIN) erkennbar. Im inneren Bildfeld ist wiederum Mars dargestellt, in ähnlicher Haltung wie auf dem Bonner Blech Taf. 8, 8. Die beiden Darstellungen weichen trotz allgemeiner Ähnlichkeit stark voneinander ab. Der Mars auf dem Remagener Blech ist zierlicher, der Muskel-

panzer grob gegliedert, der Schild trägt einen unverhältnismäßig großen runden Buckel und das Schwert ist gesondert vor der Figur eingestempelt. Der nach links blickende Mars sitzt vor einem Tropaion, hinter welchem Waffen, darunter Rund- und Langschilde, sichtbar werden. Das Tropaion selbst besteht aus einem Pfahl mit Panzer und Helm. Die Darstellung des sitzenden Mars vor dem Tropaion wird durch eine Leiste von einer Rankenzone abgetrennt, die sich zwischen den Basen der das Bild begrenzenden Säulen hinzieht.

Die andere Seite der Spiegelkapsel bildet ein ebenfalls quadratisches Blech, das in einer

medaillonartigen Perlkreisrahmung einen Krieger mit Pferd zeigt (Taf. 8, 7). Der nach rechts schreitende Krieger trägt Helm und Mantel und hält in der erhobenen Rechten eine nur in ihrem Oberteil angedeutete Lanze, während er mit der Linken ein reich gezäumtes Pferd am Zügel führt. Bei dem Zaumzeug sind die an Lederriemen hängenden halbmondförmigen Blechzierate deutlich zu erkennen. Der Dargestellte ist einer der Dioskuren, eine beliebte Darstellung auf römischen Kästchenblechen der Limeszeit8). Unter der Standfläche, welche das Stempelbild des Dioskuren abschließt, ist die Inschrift SACIROF eingestempelt. Ähnüch wie bei der Sigillata oder bei Bronzegeschirr ist also auch auf dieser Spiegelkapsel der Name des Handwerkers, der sie verfertigte, mitgeteilt. SACIRO ist ein in Gallien und den germanischen Provinzen häufiger keltischer Name9). So gibt es z. B. Hersteller von Sigillata und Reibschalen, welche SACIRO heißen10).

Durch die Spiegelkapsel von Remagen kennen wir also den Namen des Metallhandwerkers, um dessen Werkstatt sich die hier behandelten Kästchenbleche gruppieren. Ist diese Feststellung an sich schon von großem Wert, so wird sie dadurch noch folgenreicher, daß sich mit dem Namen des Saciro gewisse ihm eigene Zierelemente verbinden lassen, welche die sichere Zuweisung mehrerer der hier behandelten Kästchenbleche an seine

Werkstatt ermöglichen. Durch die pflanzlichen Säulenkapitelle und die ähnliche Darstellung des sitzenden Mars geben sich die beiden Bonner Bleche mit Mars mit der Gans (Taf. 8, 2 u. 8) als Erzeugnisse des Saciro zu erkennen. Als Hauptkennzeichen seiner Werkstatt ist aber der bezeichnende Eierstab des Remagener Dioskurenbleches anzusprechen. Er besteht aus kugelgefüllten Halbbögen mit pfeilartigem Mittelteil; er läßt sich an dem Blech Taf. 8, 7 wegen seiner flauen Ausführung allerdings nur mit Mühe erkennen (vgl. die Zeichnung Abb. 3, 3). Wie bei manchen Töpfern verzierter Sigillata ist der Eierstab 7) Mus. Remagen Inv. Nr. S56—5S8. Bonn. Jahrb. 116, 1907, 151 mit Taf. 2, 5 (E. Eunk). 8) Vgl. z. B. ein Blech aus dem Kastell Weißenburg, ORL 72 Taf. 6, 10. 9) Vgl. A. Holder, Altcelt. Sprachschatz 2 (1904) s. v. Sacero, Saciro, Sagiro. CIL XIII 2762 (Autun), 2763 (Autun), 586 (Bordeaux), 5560 (Dijon), 5836 (Langres). Besonders beachtenswert die kleine Bronzetafel aus dem Kastell Oster-

burken CIL XIII 6585 = ORL 40, 32 mit Abb. 10) CIL XIII 10006, 77 (Reibschalenfabrikant in Autun). CIL XIII 10006, 1691 f. (Sigillatatöpfer). 12

auch bei dem Metallhandwerker Saciro ein besonders sicheres Merkmal für die Zuweisung.

Der gleiche Eierstab (kugelgefüllte Halbbögen mit pfeilartigem Mittelteil) kehrt auf einer Reihe weiterer Kästchenbleche wieder (Abb. 3). So stammen auf Grund dieser Einzelheit zwei Bronzebleche unbekannten Fundortes im Landesmuseum Wiesbaden (Taf. 8, 4 u. 5) aus der Werkstatt des Saciro (Eierstab Abb. 3, 1 u. 5). Sie gehören wahrscheinlich zu einem Schminkkästchen und dürften in der Nähe Wiesbadens gefunden sein. Das rechteckige, stark zerstörte Blech Taf. 8, 5 zeigt an seiner linken oberen Ecke noch den Ansatz eines Giebels, der von zwei im Gegensinne gewundenen Säulen mit pflanzlichen Kapitellen getragen wird. Wie bei dem Marsblech aus Remagen (Taf. 8, 9) werden die Säulen außen von Schlangen begleitet. Zwischen den

Säulen ist eine Gruppe von drei nach links schreitenden nackten männlichen Gestalten wiedergegeben. Die mittlere ist durch ihre Größe vor den beiden anderen hervorgehoben. Es ist Bacchus, der von zwei Silenen gestützt

wird11). Die Szene wird durch eine geperlte Borte von dem als Abschluß dienenden bezeichnenden Eierstab getrennt.

Das zweite Wiesbadener Blech (Taf. 8, 4)

führt uns wiederum zu den Darstellungen des Mars mit der Gans zurück. Das runde Medaillon ist von einem Eierstab eingefaßt

Abb. 3. Eierstäbe von Kästchenblechen des Saciro-Kreises. 1:1. 1 Wiesbaden (Taf. 8, 4). 2 Faimingen (Taf. 8, 6). 3 Remagen (Taf. 8, 7). 4 Bonn (Taf. 9, 1). 5 Wiesbaden (Taf. 8, 5).

(Abb. 3, 1) und zeigt das nach rechts gewandte Kopfbild des behelmten bärtigen Mars, zu dem eine im Verhältnis viel zu kleine Gans zurückblickt. Der Helm mitsamt Busch gehört der gleichen Form an, wie die Helme der Marsdarstellungen auf der Thorsberger Scheibe und den Bonner Blechen. Im Vergleich zu den bisher behandelten Stempelbildern aus dem Werkstättenkreis um Saciro ist dieses Kopfbild von höherer Qualität. Die Gesichtszüge sind gut ausgearbeitet, selbst die Halsmuskulatur ist angegeben. Das Kopfbild geht offensichtlich auf Münz Vorbilder zurück und ist stilistisch in die zweite Hälfte des 2. oder in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts zu setzen12). Aus den Stempelüberschneidungen ist zu ersehen, daß zunächst die Eierstabrahmung und dann die das Kopfbild umgebenden Perlkreise eingepreßt wurden. Das Bruchstück eines Bleches aus dem Gräberfeld von Faimingen im Museum Dillingen a. d. D. (Taf. 8, 6)13) stellt eine Replik des Wiesbadener Bleches mit Mars und Gans dar.

Nur ist das Stempelbild flauer, und der Eierstab ist wesentlich flacher (Abb. 3,2); der verwendete Metallstempel war also stark abgenutzt. Leider erlauben auch bei diesem Blech die Beifunde keine nähere Datierung. Das Gräberfeld des Vicus Faimingen wurde während des ganzen 2. Jahrhunderts belegt und im Anfang des 3. Jahrhunderts aufgegeben14). Aus Bonn, das bereits die beiden Bleche mit Marsdarstellungen (Taf. 8, 2 u. 8) geliefert hat, stammt ein weiteres Blech der Saciro-Werkstatt (Taf. 9, 1). Es gehört zu einem länglich rechteckigen Schminkkästchen einer unten noch näher zu besprechenden Form und n) Vgl. hierzu St. Paulovics, Der dionysische Aufzug (Thiasos) auf ungarländischen römischen Denkmälern (Arch. krtesitö 48, 1935, 54ff.), der das Wiesbadener Stück auf S. 99 Abb. 81 abgebildet und in den entsprechenden Zusammenhang eingereiht hat. 12) Vgl. allgemein die Münzbilder der späten antoninischen und der severischen Dynastie. 13) ORL 66c (Faimingen) Taf. 8,21. Auf S. 38 irrtümlich als aus Silberblech gefertigt angegeben. Das Stück (Mus. Dillingen Inv. Nr. G 3902) stammt aus der Grabung des Jahres 1903, vgl. Jahrb. d. hist. Vereins Dillingen 16, 1903,141. 14) F. Drexel, ORL 66 c, 25,

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gelangte mit frührömischer Keramik, einer Firmalampe, einer bronzenen Tüllenaxt und anderen Fundstücken durch Ankauf in das Landesmuseum Bonn15). Seine Fundumstände sind unbekannt, man weiß nur, daß es in dem Gräberfeld bei der Rolefschen Ziegelei in Bonn, Reuterstraße, zutage kam. Erhalten ist der Oberteil eines Schminkkästchens mit halbkugelig ausgebauchtem Wasserbehälter. Neben dem Wasserbehälter ist ein quadratisches Bronzeblech aufgelegt, auf dem wiederum ein rundes verziertes Blech befestigt ist. In einer Rahmung, welche die Eierstabform des Saciro besonders deutlich zeigt (Abb. 3, 4),

ist Bellerophon mit der Chimaira dargestellt. Das Landesmuseum Bonn besitzt schließlich ein viertes Blech, welches, wenn nicht mit Sicherheit der Werkstatt des Saciro, so doch dem Kreis der Werkstätten, die mit Saciro eng Zusammenhängen, zugewiesen werden kann (Taf. 9, 2)16). Es dürfte aus Köln stammen, wo es im Jahre 1887 von dem Händler Braschon erworben wurde. Auch bei diesem Blech

kehrt die für sämtliche Kästchenbleche bezeichnende Form der Aedicula wieder. Der dreieckige, von einer Perllinie begrenzte Giebel mit dem knopfartig hervorgehobenen Firstbalken entspricht dem Giebel des ersten Bonner Bleches mit Marsdarstellung (Taf. 8, 2). Das Giebelfeld wird hier von einer sitzenden Gottheit, der sich zwei Schlangen zuwenden, ausgefüllt, während die Giebelschrägen von aufwärts strebenden Blättern begleitet werden. In der Aedicula, deren glatte Säulen mit Weinranken umwunden sind, steht nach rechts gewendet Bacchus, in der Linken den Thyrsosstab haltend. Wie alle figürlichen Stempel auf den Kästchenblechen besitzt auch dieser Bacchusstempel eine eigene Standlinie.

Ein weiteres Erzeugnis des Werkstättenkreises um Saciro befindet sich im Museum Namur (Taf. 9, 3) und stammt aus dem großen römischen Gräberfeld von Flavion (Grab 268) 17). Es ist der Oberteil eines rechteckigen Schminkkästchens mit halbkugeligem Wasser-

behälter und entspricht in der Form dem Bellerophonkästchen von Bonn (Taf. 9, 1). Mitgefunden wurde ein grünlicher Salbenreibstein, eine röhrenförmige Bronzehülse mit drei nadelförmigen Spachteln und drei Tongefäße. Die auf das Kästchen aufgelegte rechteckige Bronzeplatte mit dem Wasserbehälter trägt ein stempelverziertes Blech und weist alle Eigen-

tümlichkeiten der hier behandelten Gruppe auf. Zwei im Gegensinne gedrehte Säulen mit den üblichen pflanzlichen Kapitellen tragen einen dreieckigen Giebel mit knöpf artigem Firstbalken, der sich von dem Giebel des ersten Bonner Bleches mit Marsdarstellung (Taf.8, 2) kaum unterscheidet. Im Giebelfeld ist die römische Wölfin mit Romulus, in der Aedicula

eine nach links gerichtete, ein Tropaion bekränzende Victoria dargestellt. Der Panzer, der ganz sinnwidrig neben der Victoria steht, soll für den Beschauer einen nicht vorhandenen Thron verdecken und ist von Marsblechen wie Taf. 8, 8—9 übernommen. Die bisher behandelten zehn Kästchenbleche gehören auf Grund zahlreicher stilistischer

und ikonographischer Übereinstimmungen eng zusammen. Die Bleche aus Remagen (Taf. 8, 7 u. 9), Wiesbaden (Taf. 8, 4—5), Faimingen (Taf. 8, 6) und das Bellerophonbleclr aus Bonn (Taf. 9, 1) sind auf Grund des Eierstabes (Abb. 3) mit Bestimmtheit der Werkstatt des Saciro zuzuweisen. Die Marsbleche von Bonn (Taf. 8, 2 u. 8), die von einer Hand

stammen dürften, und die Bleche aus Köln (Taf. 9, 2) und Flavion (Taf. 9, 3) können ebenfalls in dieser Werkstatt hergestellt sein, ohne daß sich dies allerdings mit voller Sicherheit beweisen ließe. Unbeschadet des engen Zusammenhanges wird man daher vorziehen, sie einem „Werkstättenkreis um Saciro“ zuzuweisen. An diese Gruppe der Saciro-Bleche schließt sich ein Schminkkästchen aus Pannonien an (Taf. 10), das jedoch aus einer Saciro etwas ferner stehenden Werkstatt stammen dürfte.

Es wurde in dem Gräberfeld von Keszthely-Ujmajor am Plattensee gefunden — die Bei15) Landesmus. Bonn Inv. Nr. 9729. H. Lehner, Führer durch das Prov.-Mus. Bonn2 (1924) 101 u. Taf. 20, 1 ie) H. Lehner a. a. O. 50 u. Taf. 20, 1. — Landesmus. Bonn Inv. Nr. 5068. 17) Ann. Soc. Aroh. de Namur 7, 1861/62, 18f. mit Taf. 6, 1.

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funde sind nicht bekannt — und wird für uns dadurch besonders wertvoll, daß zu ihm ein gestempeltes Blech gehört, welches, wie ein Teil der Saciro-Bleche, mit der Darstellung des Mars mit der Gans verziert ist18). Der Typus der Darstellung ist der gleiche wie auf der Thorsberger Scheibe und dem Bonner Blech Taf. 8, 2. Mars, gepanzert und mit Paludamen-

tum, sitzt nach rechts gewandt auf einem Thron, die Gans befindet sich wiederum in Schulterhöhe vor ihm und wendet sich ihm zu. Das Schwert mit Tragband ist diesmal hinter dem Thron wiedergegeben. Alle drei Stempelbilder, der sitzende Mars, die Gans und das Schwert, weichen von den entsprechenden Bildern des Bonner Bleches und der Thorsberger Scheibe so stark ab, daß die Zusammengehörigkeit von Bonn und Thorsberg gegenüber dem pannonischen Blech klar in Erscheinung tritt. Bei der Marsdarstellung von Ujmajor fällt neben dem anders gestalteten Thron, dem Schild mit rundem Buckel und grobem Perlrand besonders die weichere Behandlung der Falten des Paludamentum auf, welche über das nur wenig ausgestreckte linke Bein fallen. Bei dem rechten Bein divergieren, ähnlich wie bei Thorsberg und Bonn, das Knie und der an der Fußwurzel sichtbar werdende Unterschenkel. Das Stempelbild der Gans ist besonders naturgetreu und unterscheidet sich auch in Einzelheiten von den Stempelbildern auf dem Bonner Blech und der Thorsberger Scheibe. Bei dem Schwert ist an Stelle eines runden ein rechteckiges Ortband getreten. Die quergerippten Säulen der Aedicula besitzen in der Gruppe der Saciro-Bleche keine Entsprechung, und selbst der Giebel scheint, soweit man bei dem zerstörten Zustand urteilen kann, anders gebildet gewesen zu sein. Trotz allen diesen Abweichungen hängt das Blech von Ujmajor mit den Blechen des Saciro-Kreises eng zusammen, wenn man es auch nicht schlechthin dieser Gruppe, deren Stil und Stempeltypen etwas anders geartet sind, zuweisen möchte. Das Blech zeigt die Eigentümlichkeiten eines anderen Handwerkers, der in engerem oder loserem Zusammenhang mit Saciro gearbeitet haben dürfte. Das Schminkkästchen von Ujmajor ist für uns noch in einer anderen Hinsicht von Bedeutung. Während bei den Blechen der Saciro-Werkstatt die zugehörigen Kästchen entweder ganz verloren oder nur teilweise auf uns gekommen sind, ist in Ujmajor ein derartiges Kästchen vollkommen erhalten geblieben. Es gibt zusammen mit den zahlreich gefundenen unverzierten Exemplaren19) über Aussehen und Verwendung der Schminkkästchen näheren Aufschluß, die neben den Spiegelkapseln vom Typ Kemagen (Taf. 8, 7 u. 9) in den Werkstätten um Saciro hergestellt wurden. Die Kästchen sind gewöhnlich etwa 10 cm lang und 6 cm breit und bestehen aus einem länglich-rechteckigen Bronzeblech, das auf der Vorderseite eine halbkugelige Ausbuchtung und die aufgesetzten Wände eines kleinen rechteckigen Kastens trägt. Die Längsseiten und eine Schmalseite des Bleches sind falzartig umgebogen, um einen meist aus Schiefer oder Serpentin bestehenden rechteckigen polierten Reibstein aufzunehmen. Der flache Reibstein kann zwischen den Falzleisten dank seinen abgeschrägten Kanten hin und her bewegt werden und schließt, wenn er ganz in das Kästchen hineingeschoben ist, den Hohlraum der im hinteren Teil des Bleches befindlichen Halbkugel. Der kleine Kasten, der auf der Vorderseite neben der Halbkugel sitzt, wird seinerseits durch einen rechteckigen Schiebedeckel (vgl. Taf. 10, 3) verschlossen. Diese Schiebedeckel pflegen mit den oben behandelten stempelverzierten Blechen ausgestattet zu sein. Zu den Kästchen gehören außerdem röhrenförmige Behälter für spachtelförmiges Bronzebesteck (vgl. Taf. 10, 1—2 und Flavion). Durch den Fund eines zwar nicht in die hier behandelte Gruppe gehörigen, aber doch dem gleichen Zwecke dienenden Käst18) B. Kuzsinszky, A Balaton környekenek archaeologi&ja (1920) 85f. mit Abb. 120—122. — Das Stück liegt im Mus. Keszthely am Plattensee. 19) Vgl. Stücke aus Novaesium (Bonn. Jahrb. 111/112, 1904, 401 mit Abb. 19), aus Köln (Westd. Zeitschr. 19, 1900, 416 mit Taf. 25, 6), aus Starigrad, Dalmatien (Österr. Jakresh. 12, 1909 Beibl. 109 mit Abb. 80), Stücke im Mus. Budapest (Arch. firtesito 32, 1912, 229 mit Abb. 7). — Ferner ein Stück im Mus. Wiesbaden.

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chens aus einem Skelettgrab des 3. Jahrhunderts von Frankfurt/Main-Praunheim 20) ist erwiesen, daß diese Kästchen, wie auch schon die ältere Literatur angibt 21), Schminkkästchen gewesen sind. Das Praunheimer Kästchen enthielt noch Reste von roten und gelblich-weißen Fettschminkstäben, außerdem gehörte zu ihm eine Reibplatte aus Schiefer. Die Schminkkästchen des Saciro-Kreises, deren Form durch das Exemplar von Ujmajor gesichert ist, sind im Vergleich zu dem Praunheimer Stück mit seinen doppelten Seitenwänden und einer mehrfachen Innenteilung sehr viel einfacher ausgeführt. Der kastenartige Aufbau auf der Vorderseite des Schminkkästchens, der durch den Schiebedeckel verschlossen wurde, enthielt die Schminkstäbchen. Wurde das Kästchen gebraucht, so zog man den Reibstein heraus, goß in die dann offenliegende Hohlkugel Öl oder Wasser und bereitete auf der sonst nicht sichtbaren Seite der Reibplatte mittels der Flüssigkeit und der Schminkstifte die Schminke zu. Von den stempelverzierten Blechen der Werkstätten um Saciro gehören die vier Exemplare des Landesmuseums Bonn (Taf. 8, 2. 8 u. 9, 1—2) und das Blech von Flavion (Taf. 9, 3) zu Schiebedeckeln derartiger Schminkkästchen. Bei dem Bellerophonblech und dem Blech

von Flavion hat sich der obere Teil des Kästchens bis auf den aufgelöteten Kasten, der zur Aufnahme der Schminkstifte diente, erhalten, während zusammen mit dem ersten Bonner Blech mit Marsdarstellung (Taf. 8, 2) ein Reibstein gefunden wurde. Bei den Blechen

von Wiesbaden und Faimingen bleibt es unsicher, ob sie zu Schminkkästchen oder zu Spiegelkapseln gehört haben. Die genaue Zeitstellung der Saciro-Bleche ist in Ermangelung von Beifunden nicht auf direktem Wege zu klären. Es sei daran erinnert, daß die Beifunde der Remagener Spiegel-

kapsel nur sehr allgemeine Anhaltspunkte für das 2. Jahrhundert ergaben und daß aus stilistischen Gründen das Marsblech von Wiesbaden (Taf. 8, 4) in die zweite Hälfte des 2. oder in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts zu setzen ist. Deshalb ist auch für die Datierung der Thorsberger Scheibe aus dieser eng mit ihr zusammenhängenden Gruppe provinzial-

römischer Kästchenbleche kein Anhalt zu gewinnen. Vielmehr dürfte, wenn es gelingt, die Thorsberger Scheibe auf anderem Wege zeitlich einzuordnen, die Datierung der Scheibe

für die Beurteilung der Saciro-Bleche maßgebend sein. Vorerst ist also die Tätigkeit des Saciro und der mit ihm verbundenen Handwerker nur ganz allgemein in das 2. oder in das frühe 3. Jahrhundert zu verlegen. Klarer als die Frage der Zeitbestimmung läßt sich dagegen die Frage der Ortszuweisung der

fraglichen Werkstätten beantworten. Spricht schon der in Gallien und den germanischen Provinzen recht häufige keltische Name Saciro (vgl. Anm. 9) für Herstellung der Bleche in einer dieser Provinzen, so wird diese Vermutung durch die Verbreitung der Bleche zur Gewißheit erhoben. Von zehn Funden stammen fünf, also die Hälfte, aus der Germania Inferior, einer davon wohl aus Köln, drei aus Bonn und einer aus Remagen. Das Vorkommen von Flavion in der Belgica an der Straße Köln—Bavai schließt sich hieran an. Die Stücke im Museum Wiesbaden und aus dem Vicus Faimingen am rätischen Limes zeigen, daß die

Erzeugnisse der Saciro-Gruppe einen recht weiten Absatzkreis hatten. Auf Grund der Verbreitung erscheint es sicher, daß die Werkstätten selbst in der Provinz Niedergermanien

zu suchen sind, am ehesten in Köln oder im weiteren Umkreis von Köln, einem Gebiet, das sich im 2. und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts durch die umfangreiche Herstellung von Glas (Köln) und Messingeimern (Gressenich bei Aachen) als ein Mittelpunkt kunstgewerblicher Erzeugung erweist22). Da die Verbindungen Kölns mit den Donauprovinzen durch Inschriften und durch reichliche Einfuhr Kölner Glases für das 2. Jahr20) Germania 15, 1931, 36 ff. 21) Vgl. oben Anm. 19. 22) Vgl. F. Fremersdorf, Römische Gläser aus Köln (1928) passim und J. Werner, Zur Herkunft und Zeitstellung der Hemmoorer Eimer und der Eimer mit gewellten Kanneluren. Bonn. Jahrb. 140/141, 1936, 395ff.

16

Mars mit

1

2 3

Thorsberger Scheibe

Taf. 8, 1 u. 3 . . . .

Bonn Taf. 8, 2. Bonn Taf. 8, 8.

4a

Remagen Taf. 8, 9 . . .

4b

Remagen Taf. 8, 7 . . .

Gans

Mars mit

Tropaion

Victoria mit

Tropaion

Bellerophon

Dioskuren

Wölfin mit

Romulus

Bacchus

X

Eroten

Schlange

X

X

X

Delphin

X

X

X

korinth. Säule

Dreieckgiebel

Pfeilchen-

eierstab

X X

X

Tordierte

X

X

X

X

X

X

X

6

Bonn Taf. 9, 1. Köln Taf. 9, 2.

7

Wiesbaden Taf. 8, 5. . .

8

Wiesbaden Taf. 8, 4. . .

X

X

9

Faimingen Taf. 8, 6 . . .

X

X

10

Flavion Taf. 9, 3 . . . .

(11)

Ujmajor Taf. 10, 3 . . .

5

X

X

X

X

X

X

X

X

X X

X

X

X

X

X X

Tabelle 1. Stempel des Werkstättenkreises um Saciro. hundert gut belegt sind 23), nimmt die enge Verwandtschaft des pannonischen Schminkkästchens von Ujmajor mit den niedergermanischen Kästchen nicht Wunder. Ob es sich bei diesem Kästchen nun um eine pannonische Arbeit nach niedergermanischen Vorlagen oder um ein Einfuhrstück aus dem Westen, etwa aus einer der mit Saciro zusammenhängenden Werkstätten, handelt, ist bei den an sich spärlichen Funden nicht zu entscheiden. Außer der Fundverbreitung bezeugt aber auch, wie unten erörtert werden soll, das viermalige Vorkommen des Mars mit der Gans, daß die Werkstätten um Saciro in Niedergermanien anzusetzen sind.

Die von dem Werkstättenkreis um Saciro zur Verzierung der Schminkkästchen gewählten Darstellungen, von denen die auf uns gekommenen Bleche sicher nur einen kleinen Aus-

schnitt überliefert haben, verdienen im Zusammenhang noch eine nähere Betrachtung, ehe wir sie zu den Bildern der Thorsberger Scheibe in Beziehung setzen (vgl. zum folgenden die Tabelle 1). Abgesehen von den äußeren Kennzeichen, welche als Eigentümlichkeiten des Werkstättenkreises anzusprechen sind, wie dem als Rahmung beliebten Pfeilcheneierstab (5 x) und der Aedicula mit gewundenen Säulen und dreieckigem Giebel mit knopfartigem Firstbalken (5 x), ist das offenkundige Vorherrschen von Darstellungen kriegerischen und dionysischen Inhalts bemerkenswert. Das eine Element wird verkörpert durch die Dar23) Vgl. Germania 15, 1931, 260ff. u. 16, 1932, 288ff. (L. Nagy). Neuerdings zusammenfassend F. Fremersdorf, Rheini-

scher Export nach dem Donauraum. Laureae Aquincenses 1 (1938) 168ff. Ferner A. Alföldia. a. 0. 323 mit Zit. Böm.-ßerm. Forschungen 16.

3

17

Stellungen des Mars mit der Gans (5 x ), des Mars mit Tropaion (lx) und der Victoria mit Tropaion (1 x), das andere durch die Darstellungen des Bacchus mit Thyrsosstab (1 x) und des von Silenen gestützten Bacchus (1 x). Neben diesen beiden Gruppen sind die Dioskuren (1 x als Hauptmotiv, 1 x als Giebelbekrönung), Bellerophon mit der Chimaira (1 x), Eroten (1 x als Giebelverzierung), die Wölfin mit Romulus (1 x als Giebelverzierung) und eine bärtige Flußgottheit (1 x als Giebelverzierung) vertreten. An Tieren kommen neben der Gans, dem Attribut des Mars, noch Schlangen und Delphine vor. Die Mischung von Darstellungen kriegerischen und dionysischen Inhalts und das Vorkommen der Dioskuren haben die Saciro-Bleche mit einer anderen kaiserzeitlichen Gruppe von Bronzegegenständen gemeinsam, den von F. Drexel zusammengestellten römischen

Paraderüstungen24). Zu dem althergebrachten Bilderschatz dionysischen Charakters, der auf dem gallisch-alexandrinischen Silbergeschirr eine beherrschende Stellung einnimmt und von dort aus den Formenkreis der Sigillatatöpfer beeinflußt hat, sind auf den Paraderüstungen wegen ihrer militärischen Bestimmung und bei den Schminkkästchen infolge ihrer

Herstellung und ihres hauptsächlichsten Absatzes in nächster Nähe der Militärgrenze Mars und Victoria und die im Heere verehrten Dioskuren hinzugetreten. Besonders augenfällig ist die Verwandtschaft beider Gruppen durch die häufige Darstellung des Mars mit der Gans. Die Wahl gerade dieses Motivs, welches man sonst nirgends auf römischen Kleinaltertümern antrifft, schließt die Saciro-Bleche eng an die römischen Paraderüstungen an, bei denen sich die sonst nur noch Weihreliefs eigene Verbindung des Kriegsgottes mit der Gans in drei Fällen beobachten läßt (vgl. unten S. 35 ff.). Die Übereinstimmung der beiden

Denkmälergruppen erstreckt sich allerdings nur auf den Motivschatz und nicht auf den Stil und auf ikonographische Einzelheiten. Für die auf den Schminkkästchen überlieferten Bildtypen kennen wir keine fremden Vorbilder; ihre Fassung ist die Schöpfung des Saciro und der mit ihm im engsten Zusammenhänge stehenden Handwerker. Es läßt sich lediglich beobachten, daß bei aller Selbständigkeit gewisse Darstellungen in Anlehnung an Münzbilder entstanden sind. Das gilt in erster

Linie von den drei verschiedenen Marsdarstellungen, die wir von Saciro besitzen. Das Kopfbild in strenger Seitenansicht, welches wir in Wiesbaden und Faimingen antreffen, verrät im Halsabschnitt eine gewisse Verwandtschaft mit Münzbildern der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts (vgl. S. 13). Die beiden Varianten des sitzenden Mars hängen ikonographisch mit dem auf Münzen sehr häufigen Typus der sitzenden Roma bzw. Minerva mit Helm, Schild und Panzer einerseits 25) und dem Typus des thronenden Jupiter 26) andererseits zusammen. Eine entsprechende Marsdarstellung gibt es weder auf Münzen noch auf anderen Denkmälern27). Es wäre also möglich, daß dieser nur von den Schminkkästchen bekannte Marstypus von Saciro durch eine Vermischung des Roma- und des Jupitertypus geschaffen wurde. Die Variante des nach links gewandten Mars mit Paludamentum und abgelegtem Panzer nähert sich den auf Münzen auftretenden Romadarstellungen stärker als die in Thorsberg und in Bonn (und in Ujmajor) vorliegende Darstellung des nach rechts schauenden gepanzerten Mars. u) E. Drexel, Römische Paraderüstung. Strena Buliciana (1924) 55 ff. 25) M. Bernhart, Handb. z. Münzk. d. röm. Kaiserz. (1926) Taf. 5, 11; 8, 9; 37, 9; 47, 5. 7—8. 10; 48, 1—2; J. M. G. Toynbee, The Hadrianic School (1934) Taf. 18, 22—23; Mattingly-Sydenham, The Roman Imperial Coinage 4, 2 (1938) Taf. 2, 2—3; 3,3; 4, 19. 26) Bernhart a. a. O. Taf. 10, 3 u. 35, 5. 9 u. Mattingly-Sydenham a. a. 0. 4, 1 (1936) Taf. 8, 6 (Aureus des Septimius Severus).

27) Eine gewisse Vergleichsmöglichkeit bietet ein Tonmedaillon von Kis-Ärpäs mit Darstellung der sitzenden Roma. Laureae Aquincenses 1 (1938) Taf. 57, 2 (A. Alföldi). Hier haben Münzbilder auf eine andere Denkmälergruppe ein-

gewirkt, vgl. Alföldi a. a. O. 323. 18

Der sitzende Mars auf der Thorsberger Scheibe und dem Bonner Blech (Taf. 8, 2) stützt

sich mit der Linken auf einen Rundschild mit maskenförmigem runden Schildbuckel. Die Ausstattung von Paradeschilden mit figürlich verzierten Schildbuckelnist, wie die Buckel mit Ganymeddarstellungen aus der Gruppe der römischen Paraderüstungen zeigen28), durchaus geläufig. Hier scheint aber kein Buckel mit dem Bilde des Ganymed oder etwa

mit einem Gorgoneion29) vorzuliegen. Wie man auf dem Stempelbild der Thorsberger Scheibe deutlich erkennt, handelt es sich vielmehr um eine einfache männliche Maske, die auf Grund eines Bronzemedaillons des Septimius Severus nur die Maske eines Barbaren

sein kann30). Wir sehen auf der Rückseite dieses Medaillons (Abb. 4) einen stehenden Mars mit Helm und Paludamentum, neben ihm einen Panzer; der Gott stützt sich mit der erhobenen Rechten auf die Lanze, während die Linke den Rand eines Rundschildes berührt, dessen Fläche mit der Maske eines Barbaren ausgefüllt ist. Die Maske ist zweifellos als Schildbuckel anzusprechen, welcher der Deutlichkeit wegen bei dem kleinen Münzbild so groß gegeben ist. Die Marsdarstellungen von Thorsberg und Bonn könnten also auch

in dieser Einzelheit auf Münzvorlagen zurückgehen. Auch die Victoria, welche ein Tro-

paion bekränzt (Flavion, Taf. 9, 3) und die Darstellung eines der Dioskuren (Remagen, Taf. 8,7) lassen die Einwirkung von Münzbildern erkennen 31). Eine starke Abwandlung des geläufigen Typus bedeutet jedoch, daß der Dioskur an Stelle des Pilos

einen Helm trägt. Man muß feststellen, daß alle An-

Abb. 4. Bronzemedaillon des Septimius Severus. Nach W. Froehner.

regungen, welche die Werkstätten um Saciro von den Münzbildern her empfangen haben, nie zu einfacher Nachahmung, sondern stets zu einer starken Umgestaltung und damit zu einem im ganzen gesehen selbstän-

digen Typenschatz geführt haben. Die Handwerker, deren Stempelbilder uns auf den Kästchenblechen erhalten sind, haben sicher nicht nur auf den ihnen zugänglichen Münzen,

sondern auch anderwärts Vorlagen gefunden, die sie für ihre eigenen Bilder verwenden konnten. Im übrigen wählten sie zur Verzierung der Schminkkästchen und Spiegelkapseln die bei den Abnehmern beliebtesten Götterdarstellungen, und es ist auffallend, zu beobachten, welche beherrschende Rolle hierbei dem Mars mit der Gans zukommt. Schon allein die hier behandelten Kästchhnbleche dürften darauf schließen lassen, daß sich zur Zeit ihrer Herstellung in Niedergermanien mit der Vergesellschaftung von Mars und der Gans eine verbreitete religiöse Vorstellung verband. Die Selbständigkeit der Erzeugnisse der fraglichen Werkstätten zeigt sich nicht nur in ihrem eigentümlichen Typenschatz, sondern auch in ihrer Unabhängigkeit von anderen Gruppen stempelverzierter Bleche32). Mit dem bedeutendsten kaiserzeitlichen Werk in 28) Vgl. Drexel a. a. 0. Abb. 6—8, Drexels Gruppe B (S. 58f.). Es handelt sich bei den runden Ganymedmedaillons um Schildbuckel, wie ein rechteckiger Schildbuckel mit Ganymedbüste von Nautschen b. Novozagora im Mus. Sofia zeigt. 29) Vgl. den Bronzeschildbuckel mit Medusenhaupt von Blerick (Blariacum) b. Venloo: R. Gaedechens, Das Medusenhaupt von Blariacum. Bonn. Winckelmannprogr. 1874. 30) W. Froehner, Les Medaillons de l’empire romain (1878) 156 mit Abb. (hiernach Abb. 4). -—- Zu bildlichen Schildverzierungen auf römischen Medaillons des 3. und 4. Jahrhunderts vgl. auch Österr. Jahresh. 6, 1903, 76f.

31) Zur Victoria vgl. Toynbee a. a. 0. Taf. 12, 3—5; zum Dioskuren Bernhart a. a. 0. Taf. 44, 6—7; MattinglySydenham 3 (1930) Taf. 10, 214 u. 4, 1 (1936) Taf. 14, 2. 32) Arbeiten aus gallischen oder belgischen Werkstätten, die nicht mit der Saciro-Werkstatt in Verbindung zu bringen sind: 1. Bronzeblech aus Trier, Jupiter in einer Aedicula darstellend. Westd. Zeitschr. 19, 1900, 411 u. Taf. 24, 12. — 2. Bronzeblech (mit Spuren von Versilberung) aus Chätelet b. St. Dizier (Hte. Marne), stehender Mars mit Lanze, daneben 3*

19

Stempelteclmik, der Thensa Capitolina 33), dem reich mit gestempelten Blechen beschlagenen Kasten eines zweirädrigen Wagens vom Ende des 2. Jahrhunderts aus Kampanien, verbindet die Saciro-Gruppe nur die Gleichheit der Technik und die Verteilung der Bilder auf Aediculae mit dreieckigem Giebel und gegenständig gewundenen korinthischen Säulen. Die Darstellungstypen der Thensa Capitolina (Lebensgeschichte des Achill, bacchischer Thiasos, Venusmedaillons, Bellerophon) sind stilistisch und ikonographisch anders ge-

artet. Auch zu einer Gruppe von in den Rheinlanden, in Moesien und Britannien vorkommenden silbernen Votivreliefs aus dem späten 2. und der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts mit eingestempelten Götterbildern lassen sich keine Beziehungen erkennen 34). Die zahlreichen stempelverzierten Kästchenbleche des 4. Jahrhunderts aus den Rheinlanden und Belgien und aus Pannonien 35) bilden ebenfalls eine Gruppe für sich, in der nichts mehr an den Typenschatz der Saciro-Bleche erinnert.

Wie bei der Besprechung der einzelnen in diesen Werkstätten verfertigten Kästchenbleche bereits deutlich wurde, steht die erste Thorsberger Scheibe mit den Erzeugnissen der Werkstätten um Saciro in sehr enger Beziehung. Außer den Saciro-Blechen gibt es in den römischen Provinzen nordwärts der Alpen keine Denkmäler, mit denen die Stempelbilder dieser Scheibe verglichen werden können. Selbst die Marsdarstellung auf dem Kästchenblech von Ujmajor (Taf. 10, 3), das von den Saciro-Blechen abhängig ist, steht bei aller ikonographischen Ähnlichkeit dem entsprechenden Bilde der Thorsberger Scheibe ferner als der sitzende Mars auf dem ersten Bonner Blech (Taf. 8, 2). Die Übereinstimmung dieser beiden Marsstempel geht, wie schon gesagt wurde, bis ins einzelne, obwohl nicht derselbe Stempel vorliegt. Das gleiche gilt von den in Bonn und Thorsberg vorliegenden Delphinstempeln. Die übrigen Bildstempel, die zur Verzierung der Scheibe verwendet wurden, sind zwar auf den bisher gefundenen Blechen des Saciro nicht vertreten, und die Stempel, welche eine Gans darstellen, sind in allen fünf Fällen, bei Thorsberg, Bonn, Ujmajor, Wiesbaden und Faimingen verschieden, aber in der Qualität dürften die Stempelbilder der Thorsberger Scheibe den Saciro-Blechen ebenbürtig sein. Man wird Stempel wie den Marskopf von Wiesbaden (Taf. 8, 4) und die Medusenhäupter auf den beiden Scheiben von Thorsberg (Taf. 6) nicht ohne eine gewisse Berechtigung dem gleichen Werkstättenkreise zuweisen können, besonders wenn man sie mit den stilistisch grundverschiedenen Stempeln des Tierfrieses der zweiten Thorsberger Scheibe vergleicht. Als weiteres Argument, daß die Thorsberger Scheibe in dem Werkstättenkreis um Saciro gefertigt wurde, läßt Panzer, in Aedicula. Mus. f. Vor- u. Frühgesch. Berlin. — 3. Bronzebeschlag eines Spiegelkastens von Stree b. Charleroy. A. van Bastelaer, Le Cimetiere belgo-romano-franc de Stree (Mons 1877) Taf. 9, 9. Aus Werkstätten des Saciro-Kreises stammen dagegen vielleicht zwei unveröffentlichte Bleche aus dem Gräberfeld in der Luxemburger Straße in Köln (Wallraf-Richartz Mus. Kölnlnv.Nr. 783 u. 784) mit kleinen Stempelbildernder Victoria, des Hercules (?) und der Bellona (?). Ferner ein Schminkkästchen mit Blechmedaillon, das zwischen zwei Köpfen (davon einer mit Strahlenkrone) eine Palme zeigt, Fundort wohl Andernach (Landesmus. Trier Inv. Nr. 06,56; Hinweis H. KoetheTrier).

33) F. Stähelin, Die Thensa Capitolina. Röm. Mitt. 21, 1906, 332ff. u. LI. Stuart Jones, Cat. of the Anc. Sculpt. of t-he Palazzo dei Conservatori (1926) 176ff. u. Taf. 68—73. 34) Es kommen folgende Gottheiten vor: stehender Mars, Victoria, Jupiter Dolichenus, Sol, Luna, Mithras, Vulcan, Apollo. —- Die Bleche stammen aus vier Sammelfunden: Heddernheim (Bonn. Jahrb. 107, 1901, 66ff. u. Taf. 6—7 u. H. B. Walters, Brit. Mus. Cat. of Silver Plate [1921] 55ff. Nr. 224—226); Bala-Hissar (Pessinus), Bulgarien (Walters

a. a. O. 58 Nr. 227); Barkway, Hertfordshire (Walters a. a. O. 59ff. Nr. 230—236); Stony Stratford, Buckinghamshire (Walters a. a. O. 62ff. Nr. 237—241). — Hinzu kommt das Mithrasrelief aus Kastell Stockstadt (ORL 33, 93 Abb. 9). Die flaue Ausführung des Stockstadter Reliefs erinnert an die Saciro-Bleche, ohne daß sich aber ein werkstattmäßiger Zusammenhang nachweisen läßt. 35) Vgl. die Zusammenstellungen in Röm. Mitt.23, 1908, 3491L (R. Engelmann) und bei W. Volbach, Kat.9 des Röm.Germ. Zentralmus. (1921) 21ff. mit Lit. Diese Bleche verdienten eine neue Bearbeitung, zumal sie für die Kenntnis der gallisch-pannonischen Beziehungen im 4. Jahrhundert wichtig sind.

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sich anführen, daß der viermal auf dem Rande der Scheibe wiederholten Darstellung des Mars mit der Gans ein häufiges Vorkommen dieses sonst so seltenen Motivs auf den Kästchen-

blechen entspricht. Soweit Stempelvergleiche überhaupt zu einer Lösung führen können, scheint sie hier gefunden: Die erste Thorsberger Scheibe und die zweite Scheibe mit Ausnahme des Tierfriesbleches sind in dem Werkstättenkreis um Saciro entstanden.

Es bleibt zu bedenken, daß Material und Gegenstand dem Kunsthandwerker für die Komposition und die Bildanordnung beider Scheiben andere Wege vorschrieben als bei den Kästchenblechen. Die Stempelverzierung der ersten Scheibe ist nicht nur dekorativ aufzufassen. Vielmehr kommt den hauptsächlichen Stempeln, welche die Aufmerksamkeit des Beschauers auf sich lenken, gewiß apotropäische Bedeutung zu: Mars mit der Gans sollte, was durch die vierfache Wiederholung besonders betont wird, den Träger der Scheibe schützen, und das neunmal auftretende Medusenhaupt sollte Gefahren von ihm abwehren36). Die dichte Füllung der Fläche mit Ornamenten, welche für die erste Scheibe kennzeichnend ist, läßt sich am ehesten mit der Stempelanordnung rheinischer und ostgallischer Sigillata vergleichen. Unter den Erzeugnissen später Töpfer von Rheinzabern (Anfang des 3. Jahrhunderts) findet sich Verwandtes (Taf. 9, 6—7), aber auch Stücke im Stil des Augustinus

und Comitialis (Rheinzabern, Ende 2. Jahrhundert; Taf. 9, 4—5) 37) und selbst solche von Blickweiler und La Madeleine wären hier heranzuziehen 38). Ein Töpfer wie Dexter in Trier verwendet z. B. einen Typenschatz an Tieren und besonders Seewesen, der ganz dem

Typenschatz der ersten Thorsberger Scheibe entspricht39). Alle diese Arbeiten zeigen, daß die Zierweise der Thorsberger Scheiben innerhalb des provinzialrömischen Kunsthandwerkes der Zeit um 200 n. Chr. manches Vergleichbare findet. Die Zuweisung der Scheiben an den Werkstättenkreis um Saciro schließt in sich ein, daß sie in der römischen Provinz Niedergermanien angefertigt wurden. Durch ihre Herkunft aus dem provinzialrömischen Kunstgewerbe rückt aber auch ihre praktische Verwendung in ein anderes Licht. Engelhardt hatte angenommen, daß die Scheiben als Brustschmuck zu Kettenpanzern gehörten, da Scheibe II von dem Panzer Taf. 7, 1 umwickelt gefunden wurde40). Die militärische Bestimmung beider Scheiben ist durch diesen Befund zweifellos erwiesen; nur scheint uns die Verwendung als einfacher Brustschmuck fraglich zu sein. Der Kettenpanzer von Thorsberg ist ein römisches Erzeugnis und ist den zahlreichen römischen Waffen und Ausrüstungsgegenständen anzureihen, die sonst noch im Thorsberger Moor gefunden wurden41). Dis Spangen, mit denen er an der Schulter befestigt werden konnte, dürften dagegen einheimischen Ursprungs sein. Die Scheiben waren nun nicht etwa auf den Ringen dieses Panzers befestigt, sondern saßen, wie eingangs

betont wurde, auf einer Lederunterlage und wurden über dem Panzer getragen. Zubehör eines Panzers waren sie also nicht. Dagegen fällt ihre Verwandtschaft mit den Phalerae der älteren Kaiserzeit ins Auge, welche Offizieren und Soldaten des römischen Heeres als 86) Vgl. hierzu einen Centurionengrabstein in Graz bei H. Hofmann, Rom. Militärgrabst. d. Donauländer (1905) 45 Abb. 29, ferner den Grabstein eines Legionstribunen in Nimes (Esperandieu Nr. 478). In beiden Fällen sind die Gorgoneia auf dem Bruststück eines Metallpanzers angebracht. 37) Für die Überlassung der Vorlagen zu Taf. 9, 4—7 und deren zeitliche Einordnung habe ich H. Ricken (Hanau) zu danken. 38) Vgl. z. B. Knorr-Sprater, Die westpfälz. Sigillatatöpfereien von Blickweiler u. Eschweiler Hof (1927) Taf. 12, 1 u. E. Fölzer, Die Bilderschüsseln der ostgall. Sigillata-Manufakturen (1913) Taf. 1, 19f. u. 2, 29 (La Madeleine). 39) Fölzer a. a. 0. 62. 40) Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund 27. 41) Es handelt sich um eine römische lorica hamata. Vgl. hierzu L. Lindensehmit, Tracht und Bewaffnung d. röm. Heeres (1882) 7. Ferner die Funde (3 kl. Bruchstücke) aus dem Waifenmagazin in Carnuntum, Röm. Limes in Österr. 2, 1901, 114, aus Mainz in Altert, uns. heidn. Vorzeit 1 H. 12 Taf. 4, 4 und aus Stanwix (Yorkshire) und Carlingwarlc Lorch in Proc. Soc. Antiqu. Scotland 66, 1932, 321 Abb. 25. Aus Skandinavien liegen derartige Kettenpanzer noch aus einem Grabfund von Öremölla in Schonen (Willers, Neue Unters. 50 Abb. 26) und aus dem Vimoor (J. Brondsted, Danmarks Oldtid 3 [1940] 210 Abb. 207) vor.

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Ordensauszeichnungen verliehen und welche ebenfalls auf einem Riemenwerk über dem Brustpanzer getragen wurden42). Die hervorragendsten Beispiele dieser Gattung, die Lauersforter Phalerae 42), erreichen mit 10,5 bis 11,0 cm Durchmesser beinahe die Größe der Thorsberger Scheiben. Da die Thorsberger Scheiben provinzialrömische Erzeugnisse sind und zur militärischen Ausrüstung gehören, könnte es sich demnach auch bei ihnen um militärische Dekorationen handeln, wie sie im römischen Heer bis zum Anfang des 3. Jahrhunderts gebräuchlich waren. Die Darstellung des Mars mit der Gans und die Beziehungen, welche zwischen den Saciro-Blechen und den römischen Paraderüstungen hinsichtlich des Motivschatzes bestehen, ferner die Verwendung des Gefahren abwendenden Gorgoneions, lassen vermuten, daß der Werkstättenkreis um Saciro, dessen Absatzgebiet das Rheinland

und die obergermanisch-rätische Militärzone war, auch Phalerae als militärische Auszeichnungen anfertigte. Anscheinend sind die Scheiben, wie das andere römische Gut des Thorsberger Moorfundes, durch germanische Krieger, welche nach Beendigung ihres Militärdienstes im römischen Heer in ihre Heimat zurückkehrten, nach dem Norden gelangt (vgl. unten S. 42). Die Zahl der aus dem freien Germanien stammenden Krieger, welche vom 2. Jahrhundert ab und besonders im 3. Jahrhundert in den Auxiliarformationen (zumeist wohl in den Numeri) des römischen Heeres dienten, muß sehr beträchtlich gewesen sein 43); wir werden bei der Bewertung der beiden Scheiben als Weihgaben im Thorsberger Moor auf diese Tatsache noch zurückzukommen haben. 42) F. Matz, Die Lauersforter Phalerae (92. Berl. Winckelmannprogr. 1932) 19. — Eine bronzene Phalera der Limeszeit (Virtus- oder Bellonabüste) stammt aus Kastell Munningen, ORL 68a Taf. 5, 58. 43) Vgl. besonders M. Bang, Die Germanen im römischen Dienst (1906) 60ff. Ferner E. Ritterling, RE. 12 (1925) 1335 zu Herodian 7, 8, 10; 8, 7, 8 (ccrrö repuccviocs avuiaaxoi unter Maximmus 238 n. Ohr. vor Aquileia). Hinweis H. Nesselhauf

(Berlin). Vgl. schließlich die neuesten Ausführungen von A. Alföldi in The Cambridge Ancient History 12 (1939) 162. 218f. u. ders. in Journ. Rom. Studies 29, 1939, 29. Alföldi nimmt die Einreihung von freien Germanen in die Auxiliarformationen als selbstverständlich an.

22

V. Die erste Thorsberger Scheibe und die kaiserzeitlichen Prunkscheibenfibeln. Unter den Fundstücken aus dem Thorsberger Moor und dem Vimoor auf Fünen gibt es

drei Zierbuckel, die nicht nur in der Verwendung von vergoldetem stempelverzierten Silberblechbelag, sondern auch in der Verzierung durch kleine profilierte Silberstifte mit dem Mittelbuckel und den vier Zierbuckeln der ersten Thorsberger Scheibe übereinstimmen. Während wir vergoldetem Silberblechbelag auf Schmucksachen im skandinavischen Norden und im übrigen freien Germanien recht häufig und während eines längeren Zeitraumes begegnen, stellen die kleinen Silberstifte ein sehr viel bezeichnenderes Ziermotiv dar, das für die Datierung der beiden Scheiben von Thorsberg von großer Wichtigkeit ist. Der runde Zierbeschlag aus dem Thorsberger Moor (Taf. 11,3) besteht aus einer konischen, I, 5 cm hohen Bronzeblechhaube von 3,8 cm Durchmesser, die mit vergoldetem Silberblech belegt ist (Taf. 11,3 b) und mittels eines Bronzestiftes mit Silberknopf (Taf. 11,3 c) auf der

bronzenen Grundplatte (Taf. 11, 3 a) aufsitzt1). Drei Reihen profilierter Silberstifte legen sich konzentrisch um den sehr viel größeren Mittelstift; sie ruhen in Perlkreiseinfassungen und sind durch Perlkreise voneinander getrennt. Auf dem Rand der Grundplatte liegt eine breite massive Silberfassung mit einer Borte aus gedrehtem Draht. Der Mittelstift führt durch die rückseitige Bronzeplatte hindurch und diente zur Befestigung auf einer Lederoder Stoffunterlage. Das Prinzip der Verzierung dieses Beschlages ist das gleiche wie bei den Mittelbuckeln der Thorsberger Scheiben: Tutulusform, massive Silberrahmung, Kränze von profilierten Silberstiften in Perlkreiseinfassungen und Betonung der Mitte durch einen größeren Stift. Das Vimoor auf Fünen hat ein Paar ganz ähnlicher, nur sehr viel größerer Zierbeschläge geliefert (Taf. 11,2), mit ebenfalls drei Reihen Silberstiften und einer durch eine Zickzacklinie verzierten vergoldeten Silberblechauflage (Dm. 7,4 cm)2). Auch hier besteht die Grundplatte aus Bronzeblech und ist von einem silbernen Kerbdraht eingefaßt. Beide Beschläge sind absichtlich zerschnitten und zerstört. Ein weiteres, noch reicher verziertes Exemplar ist in Norwegen gefunden worden (Taf. II, 1). Es stammt von Jernaker (Opland) 3), Beifunde sind nicht bekannt (Dm. 4,7 cm). Es ist mit Kreuz-, Rauten- und Schnurmustern zwischen den drei Stiftreihen verziert. Die Zierbuckel von Thorsberg, Vimoor und Jernaker — ihre praktische Verwendung ist ungeklärt — stellen sich zu einer gut gekennzeichneten, bisher wohl nur durch Zufall noch nicht in Skandinavien belegten Scheibenfibelgruppe, die besonders in westgermanischen Grabfunden des 3. Jahrhunderts verbreitet ist. Es handelt sich um konische Scheiben*) Mus. Kiel Inv. Nr. 3154. Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund Taf. 4, 7. Im Kieler Museum befindet sich eine weitere 4,8 cm im Durchmesser messende Bronzeblechhaube aus dem Thorsberger Moor, die zwei Reihen Durchbohrungen für Silberstifte aufweist und zu einem ähnlichen Zierbuckel gehört haben muß. Ein dritter Zierbuckel aus Thorsberg mit einer Reihe von 16 Stiften (Dm. 2,9 cm) liegt im Nat.Mus. Kopenhagen (Inv.Nr. 25190). 2) C. Engelhardt, Vimose Fundet (1869) Taf. 12, 29. — Nat.Mus. Kopenhagen Inv. Nr. 20400 u. C 3333. 3) S. Grieg, Hadelands eldste Bosetningshistorie (1926) 43 Abb. 29a links unten. — Gustafson, Norges Oldtid Abb. 339. — 0. Rygh, Norske Oldsager (1885) Abb. 215.

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Übeln unterschiedlicher Größe, von denen in den westgermanischen Brandgräberfeldern im allgemeinen nur die Bronzeblechhauben mit den typischen Durchbohrungen für die Silberstifte erhalten sind, während die Stifte selbst und die vergoldete Silberblechauflage durch Brand auf dem Scheiterhaufen zerstört wurden. Das Gräberfeld Dahlhausen I in der Prignitz hat sieben derartige Fibeln geliefert 4), aus der Altmark sind andere Exemplare bekannt 5), ferner liegen aus Thüringen6), der Provinz Sachsen und Hannover einzelne Vorkommen vor. Überall, wo Grabzusammenhänge beobachtet wurden, deuten sie in ihrer Zeitstellung auf das 3. Jahrhundert hin. Mit dieser Gruppe westgermanischer Scheibenübeln, von denen einige typische und einige besonders reich ausgestattete unten besprochen werden, hängen die aus Dänemark, Südschweden und Mecklenburg bekannten prunkvollen

Hakenkreuzübeln vom Typ Häven (Taf. 12) zusammen, welche nach ihren Beifunden in das spätere 3. und frühe 4. Jahrhundert gehören7). Weiterbildungen der Scheibenübeln treten vereinzelt auch im 4. Jahrhundert auf 8). Die Gruppe der Scheibenübeln des 3. Jahrhunderts, die uns hier allein beschäftigt, ist aber nicht nur im Westen des freien Germanien, sondern in fünf bisher bekannten Vorkommen auch aus dem römischen Reichsgebiet belegt. Der Zusammenhang der auf reichsrömischem und auf germanischem Boden gefundenen Stücke ist ein so enger, daß eine gemeinsame Behandlung der Gruppe angezeigt erscheint. Von den Fibeln aus dem freien Germanien ist als das prächtigste Beispiel dieses runden Scheibenfibeltyps das Fibelpaar von Dienstedt bei Remda in Thüringen anzusehen (Taf. 11, 4)9). Es stammt aus einem der reichsten Gräber der sogenannten thüringischen Skelettgräbergruppe der jüngeren Kaiserzeit und wurde zusammen mit einer silbernen Armbrustfibel vom Typ Almgren 175, einem silbernen Halsring mit birnenförmiger Öse, einem steilwandigen Bronzebecken und einem Hemmoorer Eimer gefunden. Das Grab gehört wahrscheinlich schon in die zweite Hälfte des Jahrhunderts, während die Fibeln wohl gegen die Jahrhundertmitte angefertigt wurden. Die Dienstedter Fibeln sind bei einem Durchmesser von 7,8 cm erheblich größer als die übrigen bekannten Exemplare der Gattung. Die eine

der beiden Fibeln wurde von G. Eichhorn auseinandergenommen, was wichtige Aufschlüsse über ihren Aufbau erbrachte (Abb. 5)10). Es ist in diesem Zusammenhänge be4) J. Matthes, Die Germanen in der Prignitz z. Zt. d. Völkerwanderung (Mannus-Bibl. 49, 1931) 72. Von M. irrtümlich als Siebe gedeutet. Es liegen Eibein vor aus Grab 27 (Taf. 6, 29); Grab 67 (Taf. 15, 87); Grab 123; Grab 48 (Taf. 11, 61); Grab 72 (Taf. 17, 100a); Grab 86; 1 Ex. Mus. Wittstock. 5) Vgl. E. Kuchenbuch, Die altmärk.-osthann. Schalenurnenfelder d. spätröm. Zeit. Sachs. Thür. Jahresschr. 27, 1938, 38f. mit Taf. 28, 6. — Die Liste 13 S. 19ff. läßt nicht deutlich erkennen, welche aufgeführten Stücke zu dem hier behandelten Typus gehören. 6) Wechmar b. Gotha. H. Elorschütz, Vorgesch. d. gothaischen Landes (1937) Abb. 40. 7) Vgl. 0. Almgren, Studien über nordeurop. Eibelformen2 (1923) Eorm 234 u. 235 (auf Taf. 10) 104f. mit Lit. 8) Z. B. Spielberg b. Erlbach, 7. Ber. Röm.-Germ. Komm. 1912 (1915) 69 Abb. 17, 1—2 u. Gbell, Bez. Prag-Ost, bei H. Preidel, Die germ. Kulturen in Böhmen 2 (1930) 101 Abb. 86. 9) Zeitschr. f. Ethnol. 40, 1908, 902 ff. 10) G. Eichhorn teilt hierüber Zeitschr. f. Ethn. 40, 1908, 904ff. folgendes mit: „Die Eibel hat die Konstruktion einer zweigliedrigen Armbrustfibel. Auf dem Bügel sitzt eine kunstvoll gearbeitete Dose, die sich, wie die Zerlegung derselben ergab, aus drei Hauptteilen auf baut: einem kegelförmigen Deckelstück, einem zylindrischen Mittelstück und dem Boden. Diese drei Teile hält eine zentrale Achse zusammen aus einem nach der Spitze zu allmählich anschwellenden, versilberten Kupferdraht von rundem Querschnitt. Das Deckelstück besteht seinerseits wieder aus einem stärkeren, kupfernen Blechkegel, der als Unterlage dient für den äußeren Mantel aus dünnem, gestanztem, vergoldetem Silberblech und mit diesem durch zwei Reihen silberner Nietnägel fest verbunden ist; zweitens aber noch aus einem isolierten Stück, das die Fortsetzung des kupfernen Blechkegels bildet. Dies Stück ist aus stärkerem Silberblech. Der obere Rand ladet nach außen aus und greift mit dieser Ausladung unter den ausgestanzten Rand des dünnen vergoldeten Silberblechmantels der Spitze. Das zylindrische Mittelstück hat ebenfalls eine Unterlage aus einem stärkeren Kupferblechstreifen. Durch eine umlaufende Reihe von Silbernietstiften ist um die Mitte der Außenfläche ein gestanztes, vergoldetes Silberblech bandförmig befestigt. Oben und unten liegen an dieser mittleren Goldblechauflage je ein schmaler Streifen aus stärkerem Silberblech an (über jedem dieser schmalen Streifen ein geperlter Drahtring von kreisrundem Querschnitt). Den Boden bildet eine kreisrunde Scheibe von dünnerem Silberblech, an der Außenfläche mit drei Paar konzentrischen, eingeritzten Kreisen geziert.

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merkenswert, daß alle Einzelheiten der Verzierung dieser Eibein sich an den Buckeln der ersten Thorsberger Scheibe wiederfinden: die Kränze aus profilierten Silberstiften, das perlreihen- und wulstreifverzierte Silber blech und als Fassung der rundstabige gekerbte

Abb. 5. Aufbau des Fibelpaares von Dienstedt (Ta,f. 11, 4), 1 :1. Nach G. Eichhorn, Zeitschr. f. Ethnol. 40, 1908, 904 Abb. 2. Auf diese Blechscheibe ist die eigentliche Fibel angelötet und durch die zentrale Achse angenietet. Seinerzeit war diese

für sich wieder als ein isoliertes Stück angefertigt worden.Länge der zentralen Achse: ö,7 cm, Höhe des Nadelhalters: 1,9cm, größte Breite der Dose: 7,8 cm.“ Eöm.-Germ. Forschungen 10.

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Silberdraht. Neu ist die Silberdrahtspirale, die sich um den großen Mittelstift legt, und das schnurartige Band, welches das Silberblech zwischen den beiden oberen Stiftreihen ziert.

Aus Mitteldeutschland seien noch zwei weitere Vertreter dieser Scheibenfibelgruppe besprochen. Von der einen Fibel, die in ihren Ausmaßen die Dienstedter Exemplare beinahe erreicht haben muß, ist nur mehr der Bronzekern vorhanden, an dem die Löcher für zwei

Kreise von Silberstiften und für einen großen Mittelstift sichtbar sind (Taf. 11, 5). Der Fundort dieser Fibel ist unbekannt11); sie kann in ihrem Erhaltungszustand als Beispiel für die oben Anm. 4 u. 5 erwähnten Fibeln aus der Altmark und der Prignitz dienen. Die andere, wesentlich kleinere Fibel stammt von Tunzenhausen, Prov. Sachsen (Taf. 11,6)12).

Sie ist ebenfalls stark zerstört, läßt aber die Eigentümlichkeiten der Gruppe deutlich erkennen. In der Mitte finden sich zwei Reihen profilierter Silberstifte, am Rand eine breite Silberborte mit Kerbdrahtfassung. Gleiches Aussehen hat eine bronzene Scheibenfibel aus dem Brandgräberfeld von Wechmar bei Gotha6). Schließlich ist aus Niedersachsen eine hierher gehörige Fibel anzuführen. Sie wurde in Ostbrook, Kr. Syke gefunden (Taf. 11, 7)13) und ist die kleinste der ganzen Gruppe. Die hohe konische Silberfibel besitzt eine hutförmige Kappe, unter der auf einem vergoldeten Silberblechstreifen ein Kranz von Silberstiften sitzt. Die Mittelzone der Fibel ist gekehlt,

die Basis mit einem gestempelten Silberblech verkleidet. Die Grundplatte der Fibel besteht aus Bronze. Auch bei dieser Fibel sind die Fundumstände unbekannt. Sicher datiert ist unter den konischen Scheibenfibeln aus dem freien Germanien nur das Fibelpaar von Dienstedt, welches besonders prächtig ist und wegen seiner Ausmaße am ehesten mit den Hakenkreuzfibeln vom Typ Häven, die ebenfalls eine beträchtliche Größe

erreichen, verglichen werden kann. Es erlaubt auch die übrigen Fibeln in das 3. Jahrhundert einzuordnen, ohne daß sich dieser Zeitansatz allerdings näher einengen ließe. Die Hakenkreuzfibeln vom Typ Häven sind germanische Arbeiten; sie beweisen zusammen mit einem einheimischen Schnallenbeschlag aus dem Nydamer Moorfund (Taf. 13, 1) u),

daß germanische Werkstätten des 3. und frühen 4. Jahrhunderts kleine Silberstifte als Verzierung auf vergoldetem Blechbelag ebenso verwendeten, wie es die an den provinzial-

römischen Handwerker Saciro anzuschließende Werkstatt bei der ersten Thorsberger Scheibe tat.

Unter den fünf bisher bekannt gewordenen Fibeln von provinzialrömischem Gebiet stammen allein vier aus dem Dekumatland und von diesen wiederum drei aus obergermanischen Kastellen. Für sie ist mit dem Fall des Limes (259/60) ein terminus ante quem gegeben. Bei den Grabungen im Kastell Zugmantel kamen eine kleine Scheibenfibel (Dm. 2,2 cm)

mit einem Kranz von zwölf Stiften und profiliertem Mittelstift (Taf. 13, 9) und eine stark zerstörte größere Scheibenfibel (Dm. 3,5 cm) mit Armbrustkonstruktion (16 Windungen) zutage (Taf. 13, 10)16). Trotz des schlechten Erhaltungszustandes lassen sich die für die Stifte bestimmten Löcher auf dem Silberblech der großen Fibel deutlich erkennen. Das Silberblech ist, wie bei dem Dienstedter Fibelpaar, mit einem umlaufenden gedrehten Band verziert. Als Rahmung der Fibel dient ein 0,3 cm breiter Bronzereif. Eine Abart unseres Typus vertritt eine kleine, mit perlverziertem Silberblech ausgelegte Scheibenfibel (Dm. 2,2 cm), die am Wehrgang des Kastells Saalburg gefunden wurde u) Landesanst. f. Volkheitskunde Halle Inv.Nr. 31:434, 4. 12) Landesanst. f. Volkheitskunde Halle Inv.Nr. 929. 13) Landesmus. Hannover Inv.Nr. 15537. B. Salin, Die altgermanische Tierornamentik (1904) 88 Abb. 207. 14) C. Engelhardt, Nydam Mosefund (1865) Taf. 5, 26. — Vgl. hierzu einen Beschlag von Laisacker, Germania 18, 1934, 120 Abb. 2 b. 16) Die kleine Fibel (Taf. 13, 9) ohne Inv. Nr. im Saalburgmus. Die größere Fibel (Taf. 13, 10), Zugmantel Inv. Nr. 126, ist von Barthel ORL 8 (Zugmantel) 98 erwähnt u. Taf. 10, 36 abgebildet.

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(Taf. 13, 11)16). Der silberne Mittelknopf ist profiliert und war wahrscheinlich von einer Drahtspirale (vgl. Dienstedt) umgeben. Die Fassung besteht aus gekerbtem Silberdraht ähnlich Dienstedt und den Medaillons der ersten Thorsberger Scheibe. Von einem unmittelbar am Limes gelegenen römischen Gutshof beim Stockbronner Hof, Gern. Neckarzimmern, Kr. Mosbach (Baden)17) stammt eine größere Scheibenfibel (Taf. 13,5),

die bereits W. Schulz 18) mit dem Fibelpaar von Dienstedt in Verbindung gebracht hat. Schulz nahm allerdings an, daß es sich hierbei um ein germanisches Schmuckstück handele, das auf die Niederlassung von Germanen im Dekumatland nach dem Fall des Limes zurück-

zuführen sei. Der Zusammenhang dieser Fibel mit dem Dienstedter Fibelpaar ist in der Tat ein sehr enger. Die leider stark zerstörte Scheibenfibel vom Stockbronner Hof (Dm. 4,3 cm) trägt an ihrem Rand, der von einer glatten Silberleiste gebildet wird, einen Kranz profilierter Silberstifte. Das flache Innenfeld ist mit vergoldetem, schnür- und perlkreisverziertem Silberblech ausgelegt und mit zwei konzentrisch um einen hohen Mittelstift angeordneten Stiftreihen besetzt, welche in eine feste, organische Füllmasse eingebettet sind. Zu dem Mittelstück sind kreuzweise nach dem Rand hin vier größere Stifte gestellt, die, ähnlich dem Mittelstift der Dienstedter Fibel, mit einer Drahtspirale umwunden sind. Eine gleiche Umwickelung des Mittelstifts ist bei der Stockbronner Fibel verloren. Als Unterlage der Fibel dient eine massive Bronzeplatte mit der daran befestigten Spiralnadel. Die äußere, am Rande umlaufende Stiftreihe, die beiden Stiftreihen der Mitte, die schnurverzierte Zone des Silberbleches und die Drahtspiralen der größeren Stifte sind den Fibeln

von Dienstedt und vom Stockbronner Hof gemeinsam. Bestände auf der anderen Seite nicht eine enge Verwandtschaft zu den Zierbuckeln der ersten Thorsberger Scheibe und zu zwei ebenfalls provinzialrömischen Denkmälern, der gleich zu besprechenden Scheibenfibel von Thienen in Belgien (Taf. 13, 3) und der großen Bonner Zierscheibe (Taf. 15, 1), so könnte man sich versucht sehen, der Annahme von W. Schulz zu folgen, daß die Fibel vom Stockbronner Hof ein Erzeugnis aus einer Werkstatt des freien Germanien sei. Denn selbst die Fibeln vom Zugmantel und von der Saalburg brauchen keine römischen Arbeiten zu sein, wenn man bedenkt, wie häufig etwa germanische Tonware in diesen beiden Kastellen

ist. So aber gelten gegen eine Zuweisung der Stockbronner Fibel an eine germanische Werkstatt die gleichen Einwände, welche W. Barthel gegen die Einordnung gewisser Armbrustspiralfibeln und Scheibenfibeln des Zugmantels durch 0. Ahngren vorbrachte19). Von großer Bedeutung für die Herkunft unseres im freien Germanien und im römischen Dekumatland auftretenden Scheibenfibeltyps ist nun eine Scheibenfibel aus dem belgorömischen Tumulus von Thienen (Tirlemont) östlich Löwen (Taf. 13, 3). Die Fibel (Dm. 5,1 cm) zeigt, wie die Dienstedter Fibeln und die Fibel vom Stockbronner Hof, an ihrem aus einer Silberleiste gebildeten Rand einen umlaufenden Kranz kleiner Silberstifte. Das flache Mittelfeld ist mit vergoldetem Silberblech ausgelegt, das mit eingepreßten Schnurund Perlzonen verziert ist und aus dem sich in Perlkreisbettungen drei konzentrische, um einen kleinen Mittelstift angeordnete Stiftreihen erheben. Als Rückplatte dient ein Silberblech, welches eine eiserne Spiralnadel und einen hohen Nadelhalter (ähnlich Dienstedt) trägt. Diese Fibel stammt aus einem großen kaiserzeitlichen Grabhügel mit Brandbestattung, der mit zwei weiteren Grabhügeln an der römischen Straße Thienen -Tongern liegt und im Jahre 1892 von A. de Loe untersucht wurde 20). Das Inventar dieser Tumuli unterscheidet 16) Saalburgmus., gef. 1909.

17) K. Schumacher, Westd. Zeitschr. 15, 1896, 1 ff.; E. Wagner, Funde und Fundstätten im Großherzogtum Baden 2 (1911) 397f. mit Abb. 2; Germania Romana1 (1922) Taf. 82, 14. 18) Schumacherfestschr. (1930) 319.

19) ORL 8 (Zugmantel) 79f. 20) Ann. Soc. Arch. de Bruxelles 9, 1895, 419 ff. (A. de Loe). 4*

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sich, in nichts von demjenigen der anderen großen Grabhügel, welche im späteren 1. und im

2. Jahrhundert n. Chr. von den einheimischen Großgrundbesitzern der Belgica errichtet wurden 21). Der 8 m hohe Tumulus I von Thienen war über einer quadratischen, in den gewachsenen Boden eingetieften Grabkammer von 3 x 3 m Ausmaß aufgeschüttet. Die Beigaben, welche sich außer der genannten Scheibenfibel in dieser Grabkammer fanden, sind überaus reich und erlauben eine Datierung in das späte 2. Jahrhundert. Unter ihnen sind als wichtigste hervorzuheben: ein sehr viel älterer Kameo mit der Büste des Augustus (Taf. 14, 1), ein durchbrochen gearbeiteter goldener Fingerring mit der Inschrift CONCORDI COMMVN (Taf. 14, 2), 8 Spielsteine aus Glas. Diese Objekte fanden sich zusammen mit

der Scheibenfibel (Taf. 13,3) in einem Holzkästchen. Ferner: mehrere Gläser und zahlreiche Keramik des 2. Jahrhunderts, der Fuß eines Bronzetisches, eine niedrige bronzene Weinkanne mit Mänadenattasche und eine Patera mit geriefeltem Griff, der in einem bärtigen Ammonskopf ausläuft (Taf. 14, 3), schließlich eine kleine zylindrische Pyxis aus Silber und Reste eines bronzenen Pferdegeschirrs. Für die Datierung des Grabes gibt das Bronzegeschirr und der goldene Fingerring den Ausschlag, denn wenn man von dem Augustus-Kameo absieht, sind Bronzekanne und Patera die ältesten und der Fingerring das jüngste Fundstück des Grabes. Kannen mit figürlichen Attaschen und Bronzepfannen mit Widderkopfgriff bilden ein in römischen Grabfunden des 1. Jahrhunderts sehr häufiges Service 22) und gehören zu den beliebtesten Exportartikeln der kampanischen Bronzeindustrie. Die Pateren- und Kannenformen des 2. Jahrhunderts, die wir gerade an den reichen belgischen Grabhügelfunden gut kennenlernen können23), zeigen gegenüber den sicher in das 1. Jahrhundert datierten Formen eine gewisse Abwandlung. Die Kannen werden teils gedrungener (vgl. Taf. 14, 3), teils höher mit im Verhältnis zum Gefäßkörper sehr viel kleinerer Mündung24), und die Griffe der Pateren durch menschliche Köpfe ausgestaltet25). Zu diesen Spätformen, welche sich von dem kampanischen Geschirr des 1. Jahrhunderts merklich entfernen, gehören die Kannen und Pateren der Tumuli von Penteville bei Namur (das Grab ist durch Münzen in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts datiert) 23), Herstal und Thienen. Es hat den Anschein, daß dieses vielleicht noch vor der Mitte des 2. Jahrhunderts verfertigte Geschirr nicht mehr kampanischer, sondern bereits gallischer Herkunft ist26). Seine Datierung in die Mitte des 2. Jahrhunderts wird außer durch die Münzreihe des Tumulus von Penteville (Titus bis Hadrian) noch durch einen Sammelfund im Vicus von Faimingen in Raetien wahrscheinlich gemacht, zu dem ein Pateragriff gehört, welcher bis in alle Einzelheiten demjenigen von Thienen gleicht 27). Der Tumulus von Herstal, welcher u. a. ein großes bronzenes Reliefgefäß einheimischer Arbeit, eine bronzene Laterne, eine schlecht erhaltene Großbronze des Domitian und zahlreiche Gläser enthielt, gehört schließlich auf Grand einer glatten Sigillataschale Drag. 32 21) Zu den belgischen Tumuli vgl. Antiquity 10, 1936, 37 ff. und bes. F. Cumont, Comment la Belgique fut romanisee (1914) passim mit Lit. Ferner Ann. Soc. Arch. de Namur 41, 1934, 19S. (F. Courtoy). Jetzt zusammenfassend R. de Maeyer, De Romeinsche Villa’s in Belgie (1937).

22) Vgl. z. B. den Tumulus von Vervoz in Belgien, Bull. Inst. Arch. Liegeois 36, 1906, 95ff. und den Grabfund von Köln-Lindenthal, Germania 17, 1933, 266fi. Ferner die vom Verf. gegebenen Nachweise im Anuarul Institutului de Studii Classice (Cluj-Klausenburg) 2, 1933/35, 167 Anm. 10.

23) Z. B. Tumulus von Herstal, Bull. Inst. Arch. Liegeois 29, 1900, 167 ff. und Tumulus von Penteville bei Namur, Ann. Soc. Arch. de Namur 41, 1934, 2ff. Auch der Tumulus von Bartlow Hills in England, aus dem das bekannte Emailgefäß stammt, enthält ein derartiges spätes Service, Archaeologia 26, 1836 Taf. 33, 1. 24) Vgl. Penteville, Ann. Soc. Arch. de Namur 41, 1934 Taf. 2. 25) Vgl, außer Thienen Penteville, a. a. O. Taf. 2. 26) Vgl. zum Aufkommen der belgischen und gallischen Werkstätten um die Mitte des 2. Jahrhunderts die Ausführungen des Verf. in Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 401. S7) ORL 66 c (Faimingen) 39 Abb. 3.

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des ostgallischen Töpfers Disetus 28), der in Lavoye belegt ist29), ebenfalls sicher in die Mitte bis zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts. Man wird also nicht fehlgehen, wenn man die Anfertigung des Bronzeservices von Thienen in die Mitte des 2. Jahrhunderts verlegt. Den zweiten Anhaltspunkt zur Datierung dieses für unsere Scheibenfibelgruppe so wichtigen Grabfundes gibt der goldene Fingerring mit peltenförmigem Durchbruchmuster (Taf. 14, 2). Er gehört zu einer Gruppe kostbarer Fingerringe mit feingearbeiteter Durchbruchsverzierung und oben ansetzendem Schilde 30), welche R. Zahn als rheinisch-gallisch angesprochen hat31) und für welche die Peltenverzierung des Durchbruchmusters bezeichnend ist. F. Henkel nahm für diese Ringe das Ende des 2. Jahrhunderts als den frühesten möglichen Zeitpunkt der Entstehung an 32), wobei er allerdings der irrigen Annahme J. Poppelreuthers 33), daß sich in einem der Turnuli von Thienen eine Münze des Marc Aurel

gefunden habe, folgte. Von sämtlichen gefundenen Ringen ist allein der Ring aus dem Sarkophag von Simpelveld 30) in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts datiert. Die Zeitstellung aller übrigen Ringe läßt sich durch Beifunde nicht festlegen34). Die von Poppelreuther zusammengestellten Arbeiten mit Durchbruchmuster gehören, soweit sie sich zeitlich einordnen lassen, bereits dem 3. Jahrhundert an 35). In die Zeit kurz nach 200 n. Chr. ist schließlich auch eines der hervorragendsten Beispiele für die bei den Fingerringen auftretende enggemusterte Durchbruchtechnik, das Pferdegeschirr aus der Tombe de Saives bei Celles-les-Waremmes (Hennegau) zu setzen (Taf. 15, 2) 36). Dieser Tumulus mit Brandbestattung gehört auf Grund der mitgefundenen Fadengläser und Scherben von geschliffenen

Gläsern bereits in das frühe 3. Jahrhundert37). Es ergibt sich hiermit, daß der Fingerring von Thienen frühestens in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts zu datieren ist. Für die Zeitstellung des Tumulus von Thienen läßt sich nach Bronzegeschirr und Fingerring also am ehesten das späte 2. Jahrhundert annehmen.

Die Scheibenfibel Taf. 13, 3 dürfte demnach noch im 2. Jahrhundert hergestellt sein. Sie ist das älteste datierte Stück unter allen hier behandelten Scheibenfibeln, welche mit den Zierbuckeln der Thorsberger Scheiben Zusammenhängen. 0. Almgren, der die Fibel von Thienen kurz erwähnt 38), vertrat die Meinung, daß die vorliegende Fibelform eigentlich ins germanische Gebiet gehöre und dort sicher erst im 3. Jahrhundert (oder frühestens um 200 n. Chr.) auftrete. Für die Fibeln vom Zugmantel, der Saalburg und vom Stockbronner Hof gilt als terminus ante quem ihrer Herstellung der Fall des Limes (259/60). Sie können in das späte 2. oder in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts gehören. Von den Fibeln aus dem freien Germanien ist, wie oben bemerkt, nur für das Paar von Dienstedt die Zeit der Verfertigung annähernd anzugeben (Mitte des 2S) Bull. Inst. Arch. Liegeois 29, 1900 Taf. G, 2. 29) W. Barthel, Röm.-Germ. Korrespondenzbl. 2, 1909, 91. Zu Lavoye vgl. G. Chenet in Germania 14, 1930, 68. 30) Diese Gruppe ist zusammengestellt von F. Henkel, Die römischen Fingerringe der Bheinlande (1913) 243f. -— Zu den von Henkel genannten Stücken kommen hinzu: ein Stück aus Corstopitum (mit Peltenverzierung und der Inschrift: TTOAEMIOY IATPON, aber ohne seitliche Ansatzplatte), Archaeologia Aeliana 4. Ser. 13, 1936, 310ff. (J. D. Cowen). — Ein Stück von Corbridge (mit Peltenverzierung und der Inschrift: .AEMI.LIA.ZESES, aber ohne seitliche Ansatzplatte),- Archaeologia Aeliana a. a. O. 312. —• Ein Stück unbekannten Fundorts im Britischen Museum, Brit. Mus. Guide to the Early Christian and Byzantine Antiquities2 (1921) 54 Abb. 30. Das Stück trägt die Inschrift MVLTIS ANNIS/ ACCIPE DVLCIS. Die Ansatzplatte mit kreuzförmigem Durchbruchmuster scheint eine spätere Zutat. — Ein Stück aus dem Sarkophag von Simpelveld, Prov. Limburg, Holland, Oudheidk. Mededeel. NF 12,1931, 35f. Abb.26d

u. 27. Inschrift: IYNONI MEAE. 31) Amtl. Berichte aus den Kgl. Preuß. Kunstsamml. 38, 1916/17, 36. 32) Henkel a. a. O. 244. 33) Bonn. Jahrb. 114/15, 1906, 366. 34) Abzulehnen ist die Datierung in das frühe 4. Jahrhundert, die J. D. Cowen, Archaeologia Aeliana 4. Ser. 13, 1936, 317f. vorschlägt. 35) Bonn. Jahrb. 114/15, 1906, 366f. Ein Teil der Stücke abgebildet in Germania Romana2 5 Taf. 12, 6. 36) Ann. Soc. Arch. de Bruxelles 17, 1903 Taf. 19. — Saalburg-Jahrb. 5, 1913 (1924) 61 Abb. 17.

37) Ann. Soc. Arch. de Bruxelles 17, 1903, lllff. mit Taf. 17 u. 18. 3S) O. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen2 (1923) lOlf. Anm. 1.

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3. Jahrhunderts). Die verwandten Hakenkreuzfibeln vom Typ Häven entfernen sich zeitlich von der Thienener Scheibenfibel noch stärker (zweite Hälfte des 3. und erste Hälfte des 4. Jahrhunderts). Zieht man ferner in Betracht, daß die beiden Thorsberger Scheiben in ihrer ursprünglichen Gestalt provinzialrömische Erzeugnisse sind, so scheint es doch geboten, die Annahme Almgrens von der germanischen Herkunft dieser Scheibenfibeln einer Prüfung zu unterziehen. Die Scheibenfibeln vom Typ Thienen-Stockbronner Hof stellen, wenn man sie in den Fibelschatz der römischen Rheinlande einordnen will, eine besonders reich ausgestattete Abart der Scheibenfibeln mit gestanzter Blechauflage dar (Taf. 13, 12—13). W. Barthel betonte bei der Behandlung der Scheibenfibeln des Kastells Zugmantel39) mit Recht gegen Almgren, daß man diese Gruppe nicht als germanisches Erzeugnis oder als römische Nachbildung einer germanischen Fibelform ansehen dürfe, und wies dabei auf die Menge der entsprechenden provinzialrömischen Fundstücke und auf die Verwandtschaft mit der römischen Emailscheibenfibel hin. Inzwischen sind vom Kastell Zugmantel allein 30 Exemplare mit Bronze- oder Silberblechbelag bekannt geworden40), ganz abgesehen von den zahlreichen Stücken aus anderen Limeskastellen41). Auch die Annahme von Almgren, daß in den römischen Provinzen die Verwendung von gestanzten Blechen nur wenig durchgedrungen sei42), läßt sich bei Berücksichtigung des umfangreichen von Barthel zusammengestellten Materials an Bügel- und Scheibenfibeln nicht mehr aufrechterhalten. Die Arbeiten

des im vorangehenden Abschnitt behandelten Werkstättenkreises um Saciro und die in der Technik verwandten silbernen Votivbleche (vgl. oben S. 20) u. a. zeigen vielmehr, daß diese Stempeltechnik selbst für figürliche Motive im Rheinland und in Gallien überaus beliebt war. Überwiegend läßt sich hierbei allerdings die Verwendung von Bronzeblech nachweisen. Der Gebrauch von vergoldetem Silberblech, der zweifellos im freien Germanien sehr viel häufiger zu beobachten ist, bleibt jedoch auf provinzialrömischem Gebiet keineswegs auf die Scheibenfibeln vom Typ Thienen-Stockbronner Hof und auf die Thorsberger

Scheiben beschränkt, sondern findet sich an zahlreichen einfachen Scheibenfibeln43), an Bügelfibeln des frühen 3. Jahrhunderts44) und an dem in die gleiche Zeit gehörenden oben erwähnten Pferdegeschirr der Tombe de Saives bei Celle-les-Waremmes (Taf. 15,2). Es ist auffällig, daß die Verwendung von gestanztem vergoldeten Silberblech in den westlichen römischen Provinzen und im freien Germanien etwa gleichzeitig gegen Ende des 2. Jahrhunderts aufkommt, also in derselben Zeit, in der sich die Fibel mit umgeschlagenem

Fuß von Südrußland her nach Norden und Westen ausbreitete. Es scheint nun verfehlt, aus der Menge der einschlägigen Funde im freien Germanien, die überdies in ihrer Mehrzahl

erst der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts angehören, zu schließen, daß das Ziermittel des gestanzten vergoldeten Silberbleches von Germanien her dem römischen Rheinland und Gallien vermittelt wurde. Die Annahme einer gemeinsamen Herkunft aus den Küstengebieten des Schwarzen Meeres dürfte, analog der Herkunft der Fibel mit umgeschlagenem Fuß in römischen und germanischen Zusammenhängen, weit eher das Richtige treffen. Den Kreis südrussischer Arbeiten, welche in gleicher Weise für die römischen Provinzen und für das freie Germanien den Anstoß zu eigener Weiterentwicklung gaben, müssen Vorstufen zu dem im Messaksudifund (Mitte des 3. Jahrhunderts) 45) vertretenen Formenschatz gebildet haben. In den römischen Donauprovinzen läßt sich das Eindringen des 39) ORL 8 (Zugmantel) 82. 40) Saalburg- Jahrb. 5, 1924, 63.

41) Vgl. z. B. die besonders reichen Exemplare von Miltenberg, ORL 38 (Miltenberg) Taf. 4, 14 und Pfünz, ORL 14 (Pfünz) Taf. 12, 47 mit eingelegten blauen und weißen Glaspasten. 42) Almgren a. a. O. 103.

43) Barthel, ORL 8 (Zugmantel) 82 m. 41) Barthel a. a. O. 75 Nr. 37—38. 44. 45) Monuments Piot 26, 1923, lOOff. (M. I. Rostovtzeff).

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neuen Ziermittels bisher kaum fassen. Daß aber dort seit langem enge Verbindungen zur Schwarzmeerküste bestanden haben müssen, zeigt z. B. die Abhängigkeit der oben im Zusammenhang mit dem Werkstättenkreis um Saciro kurz besprochenen römischen Paraderüstungen von südrussischen Funden, welche F. Drexel an Hand der Lyra von Panticapaeum nachgewiesen hat46).

Wie die Funde vom Zugmantel und die Fibelgruppe Tliienen-Stockbronner Hof zeigen, wird die Verwendung des stempelverzierten vergoldeten Silberbleches im Limesgebiet und den angrenzenden Provinzen auf die im römischen Westen im 2. Jahrhundert überaus verbreiteten Scheibenfibeln übertragen, so daß zu den einfachen gegossenen Bronzescheiben-

fibeln, den Emailscheibenfibeln und den Scheibenfibeln mit gestanztem Bronzeblechbelag nun als reichste Gruppe die silberblechverzierten Scheibenfibeln hinzukommen. Die Abhängigkeit von den besonders in Nordfrankreich und Belgien verbreiteten und wohl auch dort überwiegend erzeugten gegossenen Bronzescheibenfibeln des 2. Jahrhunderts (Taf. 13, 6—8) ist offenkundig. Die Tutulusform, die bei dem Fibelpaar von Dienstedt (Taf. 11, 4) ihre prunkvollste Fassung erfährt 47), ist bei diesen Bronzescheibenfibeln bereits deutlich ausgeprägt. Das gleiche gilt für die Betonung des reifenförmigen Randes, der bei den blechbelegten Fibeln unserer Gruppe von einer umlaufenden Bronze- oder Silberleiste gebildet wird. Bei der hauptsächlichen Verbreitung der tutulusförmigen Bronzescheibenfibeln in

Belgien, Nordfrankreich und den germanischen Provinzen nimmt diese Abhängigkeit nicht Wunder 48) und es dürfte kein Zufall sein, daß das älteste datierbare Exemplar der silbernen Prunkscheibenfibeln, die Fibel von Thienen, im eigentlichen Zentrum des Verbreitungsgebietes der Tutulusscheibenfibeln gefunden wurde49). In jener Gegend, die sich

schon durch ihre Emailwerkstätten als ein Mittelpunkt kunstgewerblicher Erzeugung ausweist, wird die Entstehung unseres reichverzierten Fibeltyps zu suchen sein. Wie eng die Zusammenhänge mit den Emailwerkstätten sind, geht daraus hervor, daß sich die Anwendung der Emailtechnik und der Verzierung mit gestanztem Silberblech in ein und derselben Werkstatt beobachten ließ 50). Das Zusammentreffen beider Techniken und die Ausgestaltung der Scheibenfibeln zu der reich verzierten Abart Thienen-Stockbronner Hof ist in die Zeit um 200 n. Chr. zu verlegen, wie sich an Hand einiger römischer Bügelfibeln nachweisen läßt. Eine silberne Scharnierfibel mit röhrenförmigem Fuß und gegabeltem Bügel aus dem Vicus Faimingen (Taf. 13, 2) 51) ist auf Bügel und Fuß mit gestanztem vergoldeten Silberblech und Reihen eingesetzter kleiner Silberstifte in der Art unserer Scheibenfibeln und der Thorsberger Scheiben verziert 52). Sie gehört zu der Fibelgruppe Zugmantel 3 h 53); ihre Verzierung ist auf einer anderen Scharnierfibel mit röhrenförmigem Fuß vom Zugmantel 54) in eine Emailpunktreihe umgesetzt. Die Gruppe der Scharnier4«) F. Drexel, Strena Buliciana (1924) 55ff. 47) Eine jüngere Weiterbildung dieser Form stellt die Scheibenfibel aus dem Fürstengrab von Haßleben dar, SchulzZahn, Das Fürstengrab von Haßleben (1933) Taf. 6, 12. 18) Der Typ in Gallien: Morin-Jean, Les fibules de la Gaule romaine, Congr. prehist. de Tours (1910) 805ff. — In Belgien: Vgl. z. B. das große Gräberfeld von Flavion-Berzee, Ann. Soo. Arch. de Namur 7, 1861/62. — In Rheinzabern: W. Ludowici, Rheinzabern 3 (1908) 197 Abb. 112 und 4 (1912) 160 Abb. 64. — Aus Carnuntum: Röm. Limes in Österr. 9 Abb. 18, 5. — Von der Saalburg: Jaeobi, Saalburg Taf. 51, 10. — Ein versprengtes Stück aus dem Kaukasus: Kumbulta, Mat. po Arch. Kawkas 8 Taf. 126. 49) Im gleichen Gebiet lebt die Form im 4. Jahrhundert in großen Prunkexemplaren weiter, vgl. die Stücke von Vermand (J. Pilloy, ßtudes sur d’aneiens lieux de sdpultures dans l’Aisne 2, 1895 Taf. 19, 1 u. 4) und von Cötil-Vert ä Fel, Ome (Bull. Soc. Ant. de France 1933 Taf. vor S. 133). 60) Barthel, ORL 8 (Zugmantel) 82 Anm. 1 u. Scheibenfibel aus Kastell Stockstadt ORL 33 (Stockstadt) Taf. 7, 22. 51) Altert, uns. heidn. Vorzeit 4 Taf. 45, 1. — ORL 66c (Faimingen) 38 u. Taf. 8, 11. 52) Eine verwandte einfache Scharnierfibel mit röhrenförmigem Fuß aus Aquineum trägt genau die gleiche Verzierung, vgl. B. Kuzsinszky, A Legujabb Aquincumi Asatasok 1887/88 (1889) 115 Abb. 40, 9. 53) Barthel, ORL 8 (Zugmantel) 76. — Vgl. auch ein Stück aus Niederbieber (erste Hälfte 3. Jahrhundert), Bonn. Jahrb. 120, 1912, 275 Abb. 3. 54) Barthel a. a. O. 77 Nr. 64 und S. 70 Abb. 6, 3.

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fibeln mit röhrenförmigem Fuß ist um 200 n. Chr. bereits verbreitet und reicht in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts hinein. Damit ist für das Auftreten eines anderen Zierdetails der mit Silberblech ausgelegten Scheibenübeln, für die kleinen Silberstifte, ein zeitlicher Anhalt und für die Ableitung dieses Scheibenßbeltyps aus einer provinzialrömischen Entwicklung ein weiteres Glied in der Kette der Beweise gewonnen. Der Herausbildung einer großen und reich verzierten Scheibenübelart aus den einfachen kleinen Tutulusfibeln, die sich in der Belgica und den angrenzenden germanischen Provinzen vollzog, entspricht ein gleicher, in dieselbe Zeit fallender Vorgang in der südlich benachbarten Alpenzone. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Scheibenfibeln vom Typ Thienen-StockbronnerHof mit einer Scheibenfibelgruppe des frühen 3. Jahrhunderts verwandt sind, welche durch die Schatzfunde von Wiggensbach im Allgäu und Hettingen in Hohenzollern 55) und durch ein Vorkommen im römischen Gräberfeld von Lovere am Lago d’Iseo (Taf. 13, 4) 56) bekannt geworden ist. Daß diese mit Rankenwerk in Filigranimitation verzierten silbernen

Fibeln nicht aus einer provinzialen Werkstatt des Rheingebietes oder gar aus dem freien Germanien stammen können, sondern als eine Sondergruppe im Alpengebiet (Raetien, Graubünden, Lombardei) hergestellt sein müssen, ließ sich aus ihrer Verbreitung folgern 56). Die im freien Germanien gefundenen Zierbeschläge und Prunkscheibenfibeln von Thors-

berg, Vimoor, Jernaker, Ostbrook und aus Mitteldeutschland bilden mit den im obergermanischen Limesgebiet und in Thienen belegten Fibeln eine untrennbare Einheit, die sich von der rätischen Gruppe klar absetzt. Die Scheibenfibel von Thienen, welche aus einem in das späte 2. Jahrhundert zu datierenden Tumulus stammt, zeigt eine Entwicklung an, welche in der belgisch-niedergermanischen Zone im engen Zusammenhang mit den provinzialen Werkstätten für Tutulusfibeln, Emailarbeiten und Scharnierfibeln mit röhrenförmigem Fuß ihren Ausgang nimmt, um in der Mitte des 3. Jahrhunderts in den Pracht-

fibeln von Dienstedt ihren Höhepunkt und in den germanischen Hakenkreuzfibeln der zweiten Hälfte des 3. und des 4. Jahrhunderts vom Typ Häven ihren Ausklang zu finden. Zweifellos hat die Einfuhr von Scheibenfibeln römischer Herstellung, welche mit dem zahlreichen Einfuhrgut an Bronzegeschirr, Glas und Sigillata im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert ins freie Germanien gelangten, das Auf greifen dieser den Germanen der Kaiserzeit an sich nicht geläufigen Fibelform durch germanische Werkstätten verursacht. Die Höhe des germanischen Kunstgewerbes in diesem Zeitraum und seine enge Verflechtung mit dem Kunstgewerbe des belgisch-rheinländischen Raumes und dessen nach Germanien ausgeführten Erzeugnissen — Zusammenhänge, die bei der Betrachtung des germanischen Kunstschaffens des 3. Jahrhunderts im Schlußabschnitt behandelt werden sollen — erlaubt nicht, unter den im freien Germanien gefundenen Prunkscheibenfibeln eine klare Scheidung

zwischen Einfuhrgut und einheimischer Arbeit vorzunehmen. Die Fibel von Ostbrook und das thüringische Stück unbekannten Fundorts Taf. 11,5 können sowohl germanische wie provinzialrömische Erzeugnisse sein. Die Fibeln von Dienstedt werden ihrer Größe

und prunkvollen Ausstattung wegen germanisch, diejenigen von Tunzenhausen und Wechmar können dagegen provinzialrömisch sein. Wie stark die hier behandelte Scheibenfibelgruppe und die an ihr beobachteten Techniken

und Ziermotive gerade in der belgisch-rheinländischen Zone verwurzelt sind, kann ihr Zusammenhang mit einem Denkmal zeigen, das seinerseits wieder eng mit den Thorsberger Scheiben verbunden ist: dem scheibenförmigen Anhänger aus dem Silberfund von Bonn (Taf. 15, 1) 57). Da die Geschlossenheit dieses Fundes, der neben anderem auch eine silberne 6ä) F. Drexel, Das Schwäbische Museum 1927, 33 ff. 56) Germania 19, 1935, 1591 (J. Werner). 57) H. Lehner, Führer durch das Prov.-Mus. Bonn2 (1924) 106 mit Taf. 19. — F. Drexel, Das Schwab. Mus. 1927, 40 mit Abb. 9. — G. Behrens, Mainzer Zeitschr. 22, 1927, 55 mit Abb. 7. — Germania Romana3 5 Taf. 12,1. — Das Stück ist bereits von P. Reinecke mit den nordischen Moorfunden in Beziehung gebracht worden.

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Kragenfibel des 1. Jahrhunderts enthält, stark in Zweifel gezogen werden muß58), ist der silberne Anhänger (Dm. 9,8 cm) mit zugehöriger Kette für sich zu betrachten. F. Drexel

hat ihn mit den Zierscheiben von Hettingen (Hohenzollern), Lunnern (Kanton Zürich) und Kulm (Kanton Aargau) in Verbindung gebracht, welche aus demselben alpinen Werkstättenkreis stammen, wie die oben herangezogenen Scheibenfibeln von Wiggensbach, Hettingen und Lovere (Taf. 13, 4) 59). Zu dieser rätischen Zierscheibengruppe gehören ferner zwei Exemplare aus dem Schatzfund von Rembrechts, Kr. Tettnang 60) und Stücke aus den Kastellen Cannstatt61) und Pfünz 62). Alle diese Zierscheiben sind in das beginnende 3. Jahrhundert zu setzen. Ihre Verwandtschaft mit dem Anhänger des Bonner Fundes ist unverkennbar. Abgesehen davon, daß sie wie dieser an einer in zwei Ösen ein-

gehängten Kette getragen wurden, besteht auch in der Art der Verzierung durch aufgesetzte Zierknöpfe, welche ins Große übersetzt den Silberstiften unserer Scheibenfibelgruppe und der Thorsberger Scheiben entsprechen, und durch Aufteilung des Innenfeldes

in radialverzierte Kreissegmente weitgehende Übereinstimmung. Es kann daher nicht zweifelhaft sein, daß der Bonner Anhänger ebenfalls in der Zeit um 200 n. Chr. verfertigt wurde. Er ist also etwa gleichzeitig mit den Scheibenfibeln von Thienen und Stockbronner Hof und steht zu den Anhängern der rätischen Gruppe in einem ähnlichen Verhältnis wie diese Scheibenfibeln zu ihren rätischen Verwandten vom Typ Wiggensbach-Lovere. Mit der Fibel vom Stockbronner Hof (Taf. 13, 5) verbindet ihn die exzentrische Anordnung großer, von einer Drahtspirale umgebener Silberstifte. Die Umwicklung mit Drahtspiralen, die sich innerhalb unserer Scheibenfibelgruppe noch an dem Fibelpaar von Dienstedt (Taf. 11,4) feststellen ließ, scheint nicht so zeitgebunden wie die Verwendung der kleinen profilierten Silberstifte. Im 3. und 4. Jahrhundert läßt sie sich an Nadeln häufig beobachten 63). Die Reihen kleiner Stifte, welche die Halbkreismuster an ihrem Innenrand begleiten,

und die Verwendung gekerbten und tordierten Silberdrahtes erinnern ebenfalls an die Scheibenfibeln, während die Durchbruchverzierung des scheibenförmigen Mittelmedaillons mit seinen aufgesetzten, mit grünem Glas gefüllten herzförmigen Zellen auf die gleichzeitige Durchbruchtechnik in der Art des Pferdegeschirrs von Celles-les-Waremmes (Taf. 15, 2) zurückgehen dürfte. Auch dieser in die Zeit um 200 n. Chr. gehörende Anhänger ist also das Erzeugnis einer provinzialrömischen, wohl im Rheinland zu lokalisierenden Werkstatt, die dem Werkstättenkreis der Scheibenfibeln vom Typ Thienen—Stockbronner Hof und den Werkstätten um Saciro nahesteht. Unsere Untersuchung ergab, daß alle diese Werkstätten, welche Prunkscheibenfibeln herstellten, in der Zeit um 200 n. Chr. in Belgien oder den angrenzenden germanischen Provinzen gearbeitet haben müssen, also in dem gleichen Gebiet, in welchem die Kästchenbleche der Saciro-Gruppe gefertigt und vertrieben wurden und in dem die beiden Thorsberger Scheiben entstanden sind. Die spärlichen und unsicheren Anhaltspunkte, die sich auf Grund der Kästchenbleche und ihrer Beifunde für die Wirkungszeit der Saciro-Werkstätten in der zweiten Hälfte des 2. oder in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts ergaben, lassen sich nun mit Hilfe der Scheibenfibeln vom Typ Thienen-Stockbronner Hof durch wesentlich bessere und gut gesicherte ersetzen. Damit ist auch für die Anfertigungszeit der Thorsberger “) Vgl. E. Beninger, Wiener Prähist. Zeitschr. 19, 1932, 225 Anm. 6. 69) Drexel a. a. O. 33£f. 90) Germania 18, 1934 Taf. 22, 1—2 (O. Paret). 61) Germania 18, 1934, 196 Abb. 1.

62) ORL 73 (Pfünz) Taf. 13, 9a. 63) Vgl. z. B. Haßleben, Schulz-Zahn, Das Fürstengrab von Haßleben (1933) Taf. 6, 6. — Mainz, Altert, uns. heidn. Vorzeit 3 H. 1 Taf. 4, 2. — Spielberg b. Erlbach, 7. Ber. Röm.-Germ. Komm. 1912 (1915) 69 Abb. 17 und Jahrb. d. Hist. Vereins Dillingen 24, 1911, 199f. und Prähist. Zeitschr. 3, 1911, 165 Anm. 2. — Zahna, Prov. Sachsen, Mitt. d. Prov.-Mus. Halle 2, 1900, 35. — Trebnitz, Schlesien, Altschlesien 4, 1932, 208 Abb. 7. — Zwei dänische Stücke bei S. Müller, Ordning Jernalderen (1888/95) Abb. 267f. Eöm.-Germ. Forschungen 10.

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Scheiben eine eindeutige und sichere Unterlage gewonnen. Die verhältnismäßig niedrigen Zierbuckel der ersten Thorsberger Scheibe müssen annähernd der gleichen Zeit angehören wie die Fibeln von Thienen, vom Stockbronner Hof und von der Saalburg, während die großen dosenförmigen Fibeln von Dienstedt jünger sind. Da die Fibel von Thienen aus

einem Tumulus vom Ausgang des 2. Jahrhunderts stammt und alle Beziehungen der Scheibenfibelgruppe auf provinzialrömischem Gebiet zu Denkmälern der Zeit um 200 n. Chr.

und des frühen 3. Jahrhunderts führen, werden wir nicht fehlgehen, wenn wir die Herstellung der Thorsberger Scheiben durch den in Niedergermanien arbeitenden Werkstättenkreis um Saciro in den gleichen Zeitraum verlegen. Die Thorsberger Scheiben geben sich somit als die hervorragendsten Denkmäler eines großen rheinländisch-belgischen Denkmälerkreises zu erkennen, dessen Einwirkung auf das Kunstgewerbe des freien Germanien

wir an dem Beispiel der Prunkscheibenfibeln kurz andeuten konnten. Die Auseinandersetzung der germanischen Künstler mit diesem Kreis, welche sich im Verlaufe des 3. Jahrhunderts vollzieht, soll im Schlußabschnitt dieser Arbeit behandelt werden.

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V. Die Gans auf den Denkmälern des Mars. Unter den Bildmotiven, die in dem Werkstättenkreis um Saciro Verwendung fanden, steht Mars mit der Gans an erster Stelle. Außer den Darstellungen des thronenden Mars auf der ersten Thorsberger Scheibe (Taf. 3 u. 4), den beiden Bonner Blechen (Taf. 8, 2 u. 8) und dem Kästchen von Ujmajor (Taf. 10, 3) fand sich das Kopfbild des Gottes mit der Gans auf den Blechen von Wiesbaden und Faimingen (Taf. 8, 4 u. 6). Das häufige Vorkommen des Motivs bei Saciro und seine vierfache Wiederholung auf der Randzone der ersten Thorsberger Scheibe beweisen, daß sich mit der als Mars dargestellten Gottheit und ihrem Attribut, der Gans, in der römischen Provinz Niedergermanien in der Zeit um 200 n. Chr. eine verbreitete religiöse Vorstellung verband. Es war schon bei der Behandlung der Werkstatt des Saciro darauf hingewiesen worden,

daß unter den provinzialrömischen Kleinaltertümern allein bei den niedergermanischen Kästchenblechen des Saciro-Kreises, bei den römischen Paraderüstungen und bei einer silbernen Schöpfkelle von Wettingen in der Schweiz die Darstellung des Mars mit der Gans angetrofien wird. In der von F. Drexel1) zusammengestellten Gruppe römischer Paraderüstungen und eng zugehöriger Denkmäler finden sich zwei Bleche von Szamos-Ujvar in Siebenbürgen und ein bronzenes Weihrelief von Traismauer in Niederdonau, beide mit dem Bilde des stehenden Mars mit der Gans. Im Alenlager von Szamos-Ujvar (rum. Gherla), nordöstlich Klausenburg, dem Standort der ala II Pannoniorum, wurden im Jahre 1835 zwei 63,5 cm hohe Bronzeb’leche mit dem Bilde des gerüsteten, stehenden, unbärtigen Mars gefunden (Taf. 16, 1) 2). Der jugendliche Gott ist mit Tunica, Panzer und Paludamentum bekleidet; er trägt einen buschigen Helm, Beinschienen und Lederschuhe. Um den Schaft seiner Lanze windet sich eine Schlange,

während rechts zu seinen Füßen eine Gans zu ihm aufblickt. Rechts neben dem Helm ist eine Victoria mit Kranz sichtbar. Ein unteres, abgeteiltes Feld ist mit einer Scylla ausgefüllt. Die Verwendung der beiden völlig übereinstimmenden Bleche, mit denen zwei mit Ganymedbüsten verzierte Bleche geschweifter Form zusammengefunden wurden3), ist unbestimmt; ihre Zeitstellung ist durch die Dauer der Besetzung Dakiens (frühes 2. Jahrhundert bis etwa 270 n. Chr.) nur annähernd festgelegt. Aus dem Kastell Traismauer, dem Standort einer ala I Augusta Thracum, stammt das dreieckige Bronzeblech Taf. 16, 24). Es handelt sich um ein Weihrelief, das mit seiner Rückseite an einem gleichgeformten Dolichenusblech befestigt war und wohl in einem Heiligtum des Lagers auf gestellt gewesen sein dürfte. Uber dem jugendlichen Mars mit Lanze und Schwert und der ihm zugewandten Gans befindet sich in einem besonders abgeteilten Feld die Büste der Luna über der Mondsichel. ') Strena Buliciana (1924) 55ff. 2) Arch. Zeitung 16, 1858, 149ff. u. Taf. 112 (P. Wieseler); Österr. Jahresh. 11, 1908, 232 Abb. 104 (R. Münsterberg); Strena Buliciana 61 u. Abb. 14 (P. Drexel). 3) Drexel a. a. O. 59 u. Abb. 9.

4) Westd. Zeitsehr. 14, 1895, 60 mit Taf. 4,2; Österr. Jahresh. 11, 1908, 229fi. Abb. 99f. u. Taf. 7; Strena Buliciana 60 mit Abb. 11—13. 5*

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Ebenfalls zu einer römischen Paraderüstung gehört ein in Kirkham in Lancashire gefundener bronzener Schildbuckel (Taf. 17) 5), der bereits von F. Möller in seiner Abhandlung über „Die Gans auf den Denkmälern des Mars“ 6) in diesem Zusammenhang herangezogen

wurde. Der stark zerstörte Schildbuckel (Dm. 8,3 cm) zeigt eingraviert den auf einem Thron sitzenden gepanzerten Mars mit Paludamentum, vor dem in gleicher Höhe wie bei der Thorsberger Scheibe, dem Bonner Blech (Taf. 8,2) und dem Blech von Ujmajor (Taf. 10,3) ein großer Vogel abgebildet ist. Die Frage, ob es sich hierbei um einen Schwan oder um eine Gans handelt, läßt sich beim Studium des jetzt gereinigten Originals im Britischen Museum eindeutig zugunsten der Gans entscheiden.

Zu den in den Donauländern und in Britannien gefundenen Bestandteilen römischer Paraderüstungen mit Darstellungen des Mars mit der Gans, welche sich übrigens alle nicht schärfer datieren lassen, gesellt sich schließlich eine silberne Schöpfkelle von Wettingen im Kanton Aargau, Schweiz (Taf. 18). Sie stammt aus einem im Jahre 1633 entdeckten

und später eingeschmolzenen Tempelschatz, zu dem auch ein Topf mit Silbermünzen gehörte, die mindestens bis zu Konstantin II. reichen7). Von dieser Schöpfkelle verwahrt das Archiv der Antiquarischen Gesellschaft Zürich eine Zeichnung, welche hier auf Taf. 18 wiedergegeben ist. Auf der Wandung der Kelle sind die sieben Wochengötter mit ihren Attributen dargestellt, unter ihnen der gepanzerte Mars mit Schild und Lanze, neben dem auf einem Postament eine Gans steht. Die Kelle dürfte im 2. oder im 3. Jahrhundert in einer gallischen Werkstatt hergestellt worden sein. Besäßen wir außer den fünf Kästchenblechen, der Thorsberger Scheibe, den drei Parade-

rüstungsstücken und der Wettinger Kelle keine weiteren Denkmäler, die als Attribut für Mars die Gans bezeugen, so würden wir aus ihnen wohl kaum weitere Schlüsse ziehen,

geschweige denn die Bedeutung dieser Verbindung klären können. Als sich Möller im Jahre 1886 als erster mit der Gans auf Denkmälern des Mars beschäftigte8), ging er folglich

auch nicht von diesen Kleinaltertümern aus, sondern von einem steinernen Weihrelief mit der gleichen Darstellung, das zusammen mit zwei dem Mars geweihten Altären in Borcovicium (Housesteads) am Hadrianswall gefunden wurde (Taf. 19, l)9). E. Hübner, der diesen Fund von epigraphischer Seite her näher auswertete und der deutschen Forschung

zugänglich machte9), nahm mit Recht an, daß es sich bei diesem bogenartigen Relief um

das Frontstück einer Aedicula handle. Im Mittelfeld des Reliefs ist der Gott mit Schild und Lanze dargestellt, neben ihm die Gans, in den beiden Seitenfeldern dürften, nach dem Erhaltenen zu urteilen, Victorien wiedergegeben sein. Die beiden mitgefundenen großen

Altäre (Taf. 19, 2—3) tragen Weihinschriften, die nicht nur für die Deutung des Reliefs aufschlußreich sind, sondern wegen ihrer Wichtigkeit für die germanische Religionsgeschichte immer wieder behandelt wurden 10):

Deo Deo Marti Marti et duabus

Thingso Alaisiagis et n(umini) Aug(usti) ") Arch.-Epigr. Mitt. aus Österr. 2, 1878, 111 ff. u. Westd. Zeitschr. 5, 1886, 322 u. Taf. 13, 4.—Die Vorlage zu Taf. 17 wird dem Brit. Museum verdankt. Die eingravierte Zeichnung des Mars ist für die Aufnahme weiß ausgefüllt worden. 6) Westd. Zeitschr. 5, 1886, 322. 7) Mitt. Antiqu. Ges. Zürich 15, 3 (1864) 13311. u. Taf. 13 (F. Keller); F. Stähelin, Die Schweiz in röm. Zeit2 (1931) 532f. u. Abb. 162. Zum Schatz vgl. F. Drexel, Bonn. Jahrb. 118, 1909, 203. — Die vielfach gegebene Deutung des Vogels als Schwan wird von F. Möller (Westd. Zeitschr. 5, 1886, 328) und von R. Münsterberg (Österr. Jahresh. 6, 1903, 75)

mit Recht abgelehnt. 8) Westd. Zeitschr. 5, 1886, 321 ff. — Der von M. herangezogene Votivaltar von Eisenberg in der Pfalz (S. 325) ist in diesem Zusammenhang zu streichen, da auf ihm keine Gans dargestellt ist. An Kleinaltertümern waren damals Möller bekannt: Das Bonner Kästchenblech Taf. 8, 8, die Rüstungsstücke von Szamos-Ujvär und die Wettinger Pfanne. 9) Archaeologia Aeliana 10, 1884, 148ff.; Westd. Zeitschr. 3, 1884, 120ff. (E. Hübner). 10) Die Inschriften sind in die Sammlungen von Dessau (Nr. 4760 u. 4761) und Riese (Nr. 2440 u. 1855) aufgenommen.

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et duabus Alaisiagis Bede at Fi mmilene et n(umini) Aug(usti) Ger m(ani) Cives Tu

ihanti

Ger(mani) cives Tuihanti cunei Frisiorum

Ver.. . Ser... Alexand riani votum solveru(nt) libent(es) (merito)

v. s. 1. m.

Beide Inschriften sind im Laufe der Zeit ausführlich erläutert worden11). Die Weihenden sind in dem einen Falle (Zeit nach 150 n. Chr.) die Cives Tuihanti, im zweiten Ger(mani) cives Tuihanti cunei Frisiorum (Zeit 222—235 n. Chr.), die Gottheiten Mars Thingsus und die beiden Alaisiagen. Bei den Cives Tuihanti handelt es sich um Germanen aus der holländischen Landschaft Twenthe, also aus dem an das freie Friesengebiet unmittelbar angrenzenden, noch zum Reich gehörenden friesischen Landstrich11 a), die am Hadrianswall in einer spezifisch germanischen Formation, einem ‘cuneus’, Dienst taten. Der germanische Gott Mars Thingsus ist, wie der letzte Bearbeiter dieses Gegenstandes,

S. Gutenbrunner, ausführt, der Gott der Gerichtsversammlung und Volksversammlung, und Thingsus ist als Beiname des Tiu (an. Tyr, ahd. Ziu) aufzufassen12). Gutenbrunner schreibt (S. 24 u. 28f.): „Mars Thingsus bietet den sonst nur im Tagnamen Dienstag, älter Dingsdag erhaltenen Götternamen... Der Tagname beweist, daß für den selbständigen Thingsus später die interpretatio Romana als Mars galt und daß die Formel Deo Marti Thingso also nur dann kein überflüssiges Wort enthält, wenn Thingsus

zur Zeit der Inschrift noch Beiname des Tyr war. Für diese Annahme spricht auch das Fehlen von inschriftlichen Belegen für die Namen der bedeutenden Götter, die Gegenstand der interpretatio Romana waren. Mars Thingsus und *Dingsdag vertreten zwei verschiedene Entwicklungsstufen, in dem der erste Beleg *pingsaz als Beinamen bezeugt, der zweite als selbständigen Namen des alten Himmelsgottes. Die interpretatio Romana als Mars ist in diesem Falle also sachlich gerechtfertigt *), so daß man sie nicht mit Singer, Anz. f. d. Alt. 26, 120, Anm. 1 auf ein zufällig übereinstimmendes Symbol zurückführen wird. Die älteren, angeseheneren Mitglieder der Landsmannschaft der Tuihanten, die den Text der Weiheformel bestimmten, waren also mit den Regeln der interpretatio Romana gut vertraut, da ihnen wohl die Einführung der Angeworbenen in den Brauch und die Lebensgewohnheiten des römischen Heeres zufiel. In diesen Kreisen dürfen wir vielleicht überhaupt die Schöpfer unserer heidnischen Wochentagsnamen suchen. Der Ausdruck germ. *fingsis-, * pingsin-dagaz ist in den fränkischen und sächsischen Mundarten verbreitet. Auf sächsischem Boden wird der Name dem niederdeutschen, nicht dem anglofriesischen Teil des Stammes angehört haben, da Tyr als Saxnöt, Seaxneat offenbar von den ursprünglichen anglofriesischen Saxones ausgeht. In der römischen Kaiserzeit müßte demnach Thingsus besonders

bei den Chauken, Cheruskern, Chamaven, Brukterern und anderen Stämmen bekannt gewesen sein. Mitten in diesem Gebiete sitzen die Tuihanti, so daß auch stammeskundlich alles zusammenstimmt.“ *) J. de Vries, Rcligionsgesehichte 1, 174 bemerkt mit Recht, daß für die Germanen Kriegsgott und Rechtsgott keine Gegensätze gewesen wären, weil auch der Kampf vielfach von Rechtsgrundsätzen geleitet war, wie z. B. in jenen Fällen, in denen Zeit und Ort des Kampfes vorher festgelegt wurden. M. Ohlsen, Christiania Videnskabs-Selskabs Forhandligar för 1905, 5, 25ff. macht darauf aufmerksam, daß die Dingstätte von Seeland Tislund „Hain des Tyr“ hieß, was ausgezeichnet zum Beinamen Thingsus im Sinne „Schutzherr des Dinges“ paßt. Auch G. Schütte, Zeitschr. f. d. Alt. 69, 129 nimmt diesen Zusammenhang an.

n) Vgl. die letzten zusammenfassenden Ausführungen über Mars Thingsus (mit der ges. Lit.) von S. Gutenbrunner, Die germ. Götternamen der antiken Inschriften (1936) 24ff. u. J. de Vries, Altgerm. Religionsgesch. 1 (1935) 171 ff. Nachzutragen ist E. Hübner, Die röm. Herrschaft in Westeuropa (1890) 57ff. lla) Über den Grenzverlauf im Gebiet der Friesen vgl. neuerdings H. Nesselhauf in Germania 22, 1938, 134. 12) Vgl. W. H. Vogt in seiner Besprechung der Arbeit von Gutenbrunner in der Deutsch. Lit. Zeitg. 57, 1936, 2175: „Wenn der Mars der Gott des cuneus im Gefecht war, so war er auch sein Gott im Kasernenleben, in allen rechtsund verwaltungsmäßigen Zusammenkünften.“

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Die zwei Begleiterinnen des Mars Thingsus, Beda und Fimmilena, scheinen nach Gutenbrunner13) ebenfalls mit dem Ding, der Gerichtsverhandlung, zusammenzuhängen. Die beiden Weihaltäre des Mars Thingsus und der Alaisiagen, zu denen sich noch ein

dritter unsicherer des Thingsus aus Brougham Castle am Hadrianswall und ein vierter den Alaisiagen geweihter von Borcovicium hinzugesellt14), gehören zusammen mit dem halbkreisförmigen Marsrelief Taf. 19, 1 zu einem Heiligtum, in welchem die germanische Truppe von Borcovicium ihren germanischen Gott Mars Thingsus und seine Begleiterinnen

Beda und Fimmilena verehrte. Wenn auch das Relief inschriftlich nicht eindeutig zugewiesen ist, so liegt es doch, wie schon Hübner ausführte15), nahe, in dem Gott auf dem Relief eine Darstellung des Mars Thingsus zu sehen, zumal in diesem Heiligtum gleich zwei dem Thingsus geweihte Altäre gefunden wurden, während Weihungen an Mars mit anderem oder ohne germanischen Beinamen nicht zum Vorschein kamen. Daß dieser ger-

manischen Gottheit dann als Attribut die Gans beigegeben wurde, kann nicht auf Zufall beruhen, Der Kult des Mars Thingsus war nach dem Zeugnis der erwähnten Altäre von Borcovicium im friesischen Stammesgebiet verbreitet, welches teils zum römischen Reich und teils zum freien Germanien gehörte und unmittelbar an die Provinz Niedergermanien angrenzte, also an diejenige römische Provinz, in der wir den Werkstättenkreis des Saciro mit seinen häufigen Darstellungen des Mars mit der Gans lokalisieren konnten. Es gibt für das Auftreten der Gans auf dem Relief von Borcovicium zwei Möglichkeiten der Erklärung: entweder wurde im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert (der Zeit der niedergermanischen Kästchenbleche des Saciro und der beiden Altäre vom Hadrianswall) in der Provinz Niedergermanien Mars Thingsus = Tiu genau so verehrt wie bei den Friesen und im benachbarten freien Germanien und die Gans ist als Attribut dieses germanischen Gottes zu betrachten. Oder das Tier ist als Attribut des römischen Gottes Mars gewissermaßen Bestandteil der interpretatio Romana und wurde als solches auf dem Relief von Borcovicium dem Mars beigefügt, ohne mit dem germanischen Thingsus etwas zu tun zu haben. Die Entscheidung, welcher von diesen beiden Möglichkeiten der Vorzug zu geben ist,

ist in erster Linie von dem örtlichen Vorkommen der Darstellung abhängig. Als R. Münsterberg bei der Behandlung des Bronzereliefs von Traismauer (Taf. 16, 2) auf die Frage nach der Verbreitung des Motivs „Mars mit der Gans“ im römischen Reich einging, schrieb er hierüber folgendes16): „Wir kennen die Gans als Vogel des Mars nunmehr schon aus einer Reihe von Denkmälern. (M. konnte lediglich die von Möller vorgelegten Vorkommen heranziehen, s. o.) Sie alle aber gehören den nördlichen Grenzgebieten des römischen Reiches an, und vergebens suchen wir in unseren Schriftquellen nach irgend einem Belege für diese oder sonst eine Verbindung des griechischen Ares oder des römischen Mars mit der Gans/Nur einmal erwähnt Martial (9,31) das Opfer einer Gans für Mars17): Cum com,es Arctois haereret Caesaris armis / Velius, lianc Marti pro duce vovit avem / ... et cecidit sanctis hostia parva focis. I Octo vides patulo pendere nomismata rostro / Alitis ? haec extis condita nuper erant. Aber in diesem Opfer hat es seine besondere Bewandtnis. Als hostia parva erscheint es dem Dichter für den vornehmen Velius Rufus, womit indirekt bestätigt wird, daß die Gänse sonst nur ärmeren Leuten als Ersatz wertvollerer Opfertiere dienten. Das Heer befindet sich eben im Feindesland, wahrscheinlich am Rhein oder an der Donau! Wir werden also wieder nach dem Norden gewiesen und dürfen demnach vielleicht einen allerdings noch 13) Götternamen 30 ff.

14) Göttemamen 25 mit Anm. 2. 15) Westd. Zeitschr. 3, 1884, 125. 16) Österr. Jahresh. 11, 1908, 231f.

17) Die Martialstelle (vgl. auch Möller a. a. O. 328f.) bezieht sich auf den Krieg Domitians gegen Markomannen, Quaden und Sarmaten (vgl. KE. 6, 2571).

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nicht genügend beachteten Grundsatz antiker Religionsübung zur Erklärung heranziehen, wonach den Göttern jeweilen ritu locorum geopfert wurde. So werden wir gerade die Martialstelle nicht für den römischen, sondern für den germanischen oder keltischen Mars in Anspruch nehmen dürfen.“ Die Feststellung Münsterbergs, daß alle Denkmäler mit Darstellungen des Mars mit der Gans „in den nördlichen Grenzgebieten des römischen Reiches“ gefunden wurden, wird durch die neueren Funde (drei Kästchenbleche des Sacirokreises, Blech von Ujmajor und Relief von Holzhausen, s. u.) bestätigt und ist für die Herkunft dieses Motivs von größter Bedeutung. Das Motiv ist demnach nicht mit der römischen Religion und dem römischen Kultus in Verbindung zu bringen18), sondern gehört in einen Bereich religiöser Vorstellungen, der nur nördlich der Alpen und an den nördlichen Grenzen des Imperiums anzutreffen ist. Das zeigen auch die beiden letzten hier noch nicht besprochenen Monumente mit Mars

und der Gans, die vor einem Eingehen auf die Herkunft dieses Motivs näher erörtert werden müssen.

Aus Britannien hat bereits Möller ein Relief herangezogen19), das von einer cohors IIII Gallorum equitata in Risingham den numinibus Augustorum geweiht wurde 20). Es stellt auf der linken Seite neben dem Inschriftfeld eine Victoria, auf der rechten einen gepanzerten Mars mit Lanze und Schild dar (Taf. 19, 5) 21). In den Feldern unter den beiden Figuren befindet sich je ein Vogel, unter der Victoria ein Storch, unter dem Mars eine Gans 22).

Schließlich wurde in dem obergermanischen Kastell Holzhausen, und zwar im Graben vor dem linken Tor der Porta Praetoria, die untere Hälfte eines Weihreliefs mit Mars mit der Gans Und einer Widmung der von etwa 213—222 n. Chr. in Holzhausen stationierten Trevererkohorte (cohors II Antoniniana Treverorum)23) gefunden (Taf. 19, 4)24). Die In-

schrift lautet: (In honorem) d(omus) d(ivinae) deo Marti c(ohors) Ant(oniniana[ ?]) Treverorum sig(num Ma)rtis de suo inst(ituer)unt l(ibentes) l(aeti) m(erito)

inst(ante) Ti ... c(enturione) ... Die bisher bekanntgewordenen Denkmäler mit Mars und der Gans verteilen sich also folgendermaßen: ia) Zu den Tieren, welche dem römischen Mars heilig sind, vgl. G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer2 (1912)

145 u. RE. s. v. Gans u. Mars. 19) Vgl. Möller a. a. O. 326 und Taf. 13, 3 (mit Lit.). CIL VII 1001. 20) Abgeb. Westd. Zeitschr. 14, 1895 Taf. 2, 4. Vgl. auch W. Schleiermacher, 23. Ber. Röm.-Germ. Komm. 1933 (1934) 118. 21) Die Verbindung des Mars mit der Victoria ist überaus häufig. Vgl. auch die Bronzereliefs von Szamos-Ujvär(Gherla)

Taf. 16, 1. Zu der Verbindung von Mars und Victoria an Inschrifttafeln vgl. W. Schleiermacher, 23. Ber. Röm.-Germ. Komm. 1933, 125 mit Lit. •— Zu beachten sind auf dem Relief auch die Heraklesknoten in den Feldern unter den Pelten, welche symbolische Bedeutung besitzen. 22) Es sei in diesem Zusammenhang noch ein Weihrelief an den Treverergott Mars Lenus vom Jahre 152 n. Chr. angeführt, das aus Venta Silurum (Caerwent in Wales) stammt und von F. Haverfield kurz veröffentlicht wurde (Westd. Zeitschr. Korr. Bl. 24,1905,42f., vgl.Dessau Nr. 9302). Das Relief ist sehr zerstört,außer dem Inschriftfeld sind die Füße des Gottes und eines Vogels erhalten. Haverfield nahm an, daß es sich hierbei um Mars mit der Gans handle. Diese Deutung ist indessen bei dem schlechten Erhaltungszustand des Reliefs gänzlich unsicher und wurde auch bereits von Heichelheim,

RE. 14, 2 (1930) 1957 in Zweifel gezogen. Auch eine Überprüfung des Originals, für die ich den Herren Nash-Williams und Grimes vom National Museum of Wales in Cardiff zu danken habe, brachte keine Gewißheit. Man wird also dieses Vorkommen aus der Reihe der sicheren Darstellungen des Mars mit der Gans streichen müssen. 2S) Zu der Kohorte vgl. E. Stein, Die kaiserl. Beamten und Truppenkörper im röm. Deutschland unter dem Prinzipat (1932) 219.

24) Limesblatt 25, 1897, 694f. u. ORL 6 (Holzhausen) 37 und Taf. 8, 7.

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1. Thorsberger Scheibe (Werkstättenkreis des Saciro, um 200 n. Chr.). 2. —5. Vier Kästchenbleche des Sacirokreises (um 200 n. Chr.), 2 aus Bonn, 1 aus Wies-

baden, 1 aus Faimingen. 6. Kästchenblech, von Saciro abhängig, aus Ujmajor in Ungarn (um 200 n. Chr.). 7. Zwei Paraderüstungsstücke von Szamos-Ujvär (Gherla) in Siebenbürgen (2. Jahrhundert bis 270 n. Chr.). 8. Bronzerelief von Traismauer in Niederösterreich.

9. Schildbuckel von Kirkham in England. 10. Schöpfkelle von Wettingen, Schweiz (2.—3. Jahrhundert). 11. Relief von Borcovicium (Mars Thingsus), zweite Hälfte des 2. bis erste Hälfte des 3. Jahrhunderts. 12. Relief von Risingham (Numina Augustorum). 13. Relief von Holzhausen (Mars) (213—222 n. Chr.). Von diesen Denkmälern gehören die Thorsberger Scheibe und die 4 Kästchenbleche des Sacirokreises, von denen das Blech von Ujmajor in Pannonien nicht zu trennen ist, nach Niedergermanien. Das Relief von Borcovicium (Nr. 11) hängt mit der Verehrung des Mars Thingsus in den germanischen Küstengebieten der Nordsee zusammen. Auch die Weihung an Mars aus dem Kastell Holzhausen (Nr. 13) ist nur mit den in Ober- und Niedergermanien

herrschenden Kulten in Verbindung zu bringen (eine Trevererkohorte als Stifterin). Die zur Gruppe der römischen Paraderüstungsstücke gehörenden Vorkommen von SzamosUjvar (Gherla), Traismauer und Kirkham (Nr. 7—9) lassen sich, was ihre Herstellung anlangt, örtlich nicht festlegen. Sie verdienen aber als Zeugnisse der Beliebtheit des mit der Gans verbundenen Gottes im römischen Heer Beachtung, wobei es nicht unwichtig ist, daß wir auch für die beiden Thorsberger Scheiben eine ursprüngliche Zweckbestimmung als militärische Auszeichnungen wahrscheinlich machen konnten. Die Verbindung mit dem römischen Heer, und zwar mit Formationen in Britannien, am germanischen Limes und aus dem friesischen Stammesgebiet zeigen die Reliefs von Risingham, Holzhausen und Borcovicium. Schließlich weist auch das Absatzgebiet des Sacirokreises in der germanisch-

rätischen Militärzone in die gleiche Richtung. Es läßt sich also feststellen, daß die Darstellung des Mars mit der Gans erstens in der Provinz Niedergermanien recht geläufig war (Werkstättenkreis des Saciro) und daß sie sich zweitens bei Truppenformationen in Britannien und an der Rhein- und Donaugrenze einer gewissen Beliebtheit erfreute. Am Hadrianswall in Britannien läßt sie sich einmal mit dem germanischen Gott Mars Thingsus (Nr. 11) in Verbindung bringen. Alle datierbaren Vorkommen gehören in die zweite Hälfte des 2. und in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts, und nur die von Möller und Münsterberg angezogene Martialstelle zeigt, daß die Gans als Opfertier des Mars auch schon für das Ende des 1. Jahrhunderts belegt ist, wobei sich allerdings Attribut und Opfertier in keiner Weise zu decken brauchen. Die Kästchenbleche des Sacirokreises aus Niedergermanien, denen sich das Relief von Holzhausen anreiht, machen es im Zusammenhang mit der Weihung der germanischen Soldaten aus Twenthe an Mars Thingsus wahrscheinlich, daß die Verbindung des Mars mit der Gans und die religiöse Vorstellung, die sich hinter dieser Gruppe verbirgt, auf eine germanische Wurzel zurückgehen. Gerade die Provinz Niedergermanien ist an Zeugnissen germanischer Kulte ganz besonders reich 25). Die einheimische Bevölkerung dieser Provinz setzte sich in römischer Zeit aus den Nachkommen der germanischen Stämme der Ubier, 25) Vgl. zu den germanischen Kulten in Niedergermanien die zusammenfassende Arbeit von S. Gutenbrunner, Götternamen, ferner P. Drexel, 14. Ber.Röm.-Germ. Komm. 1922, 39fl. und J. de Vries, Altgerm. Religionsgesch. 1 (1935) 166ff.

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Sunucer, Cugerner, Baetasier, Cannenefaten, Bataver und Tungrer zusammen, die, wie die inschriftlich bezeugten Personennamen und Kulte zeigen, während des 2. und 3. Jahrhunderts trotz aller Romanisierung an ihrer völkischen Eigenart festgehalten haben 26). Es bestehen also alle Voraussetzungen dafür, daß die wichtigsten germanischen Gottheiten, welche in den angrenzenden Landstrichen des freien Germanien verehrt wurden, auch bei der einheimischen Bevölkerung der römischen Provinz Niedergermanien von alters her ihre Kulte besaßen. Ferner ist nicht zu vergessen, daß die Verbindungen dieser einheimischen Bevölkerung zu den rechtsrheinischen germanischen Stämmen, nach dem zahlreichen römischen Einfuhrgut in den rechtsrheinischen Grabfeldern bei Köln, in Westfalen und Holland zu urteilen, während dieses Zeitraumes nie unterbrochen wurden. Abgesehen von der weitverbreiteten Matronenverehrung, von der wir allerdings bisher im freien Germanien keine Spuren nachweisen können 27), ist die Verehrung der Lokalgöttin Nehalennia und der großen germanischen Götter Wodan, Tiu und Donar in der Gestalt von Mercur, Mars und Hercules für das linksrheinische Gebiet am Niederrhein sicher nachgewiesen 28).

Besonders wichtig für die Kenntis germanischer Götterverehrung am Niederrhein ist ein von A. 0x6 herangezogener Altar aus Remagen, den Soldaten der legio XXX etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts dem Jupiter Optimus Maximus, dem Genius loci, der Trias Mars, Hercules, Mercur und den Ambiomarcae (Matronen) errichteten 29). Er bezeugt den Kult des germanischen Tiu zufällig sogar an dem Ort, der uns die Spiegelkapsel mit Marsdarstellung und Inschrift des Saciro (Taf. 8, 7 u. 9) geliefert hat. Es liegt also sehr nahe, die auf den Saciro-Blechen so beliebte und, wie wir sahen, ganz unrömische Verbindung des Mars mit der Gans auf den germanischen Tiu zu beziehen, wofür ja auch der Befund von

Borcovicium mit der Weihung an Mars Thingsus spricht. Die Einbeziehung der hinter dieser Verbindung stehenden religiösen Vorstellung in die germanische Religion würde aber nicht nur für die Vorkommen in der Provinz Niedergermanien, in Holzhausen und Borcovicium eine Erklärung geben, sondern auch für diejenigen Denkmäler, welche militärischen Charakter besitzen, also für die Bleche von Szamos-Ujvär (Gherla; Nr. 7), den Schildbuckel von Kirkham (Nr. 9), das aus einem Lager stammende Votivrelief von Traismauer (Nr. 8) und das Weihrelief von Risingham (Nr. 12). Da die germanischen Kulte im römischen Heere im gleichen Maße an Bedeutung gewannen, wie die Zahl der germanischen Auxiliarkohorten und Numeri zunahm, so daß A. v. Domaszewski direkt von einer bevorrechteten Stellung dieser Kulte im Heere sprechen konnte30), ist es nicht verwun-

derlich, daß diese Entwicklung nicht nur auf Weihreliefs, sondern auch in der Gruppe der römischen Paraderüstungen ihren Niederschlag gefunden hat. Zeugnisse sehr allgemein unter den Westgermanen verbreiteter Kulte sind durch niedergermanische und durch aus dem freien Germanien rekrutierte Truppenteile an die verschiedensten Plätze der nördlichen Militärzonen des Reiches gelangt31). Es scheint also alles dafür zu sprechen, daß die Verbindung des Mars mit der Gans, die besonders in Niedergermanien und — rückschließend — in den Küstengebieten der

Nordsee im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet war, der germanischen Götterverehrung zuzurechnen ist. Die Gans dürfte als Attribut allerdings nicht nur dem Mars Thingsus 26) Vgl. Drexel a. a. O. 6f.; Gutenbrunner 6f.; E. Sadee, Die Heimat (Krefeld) 11, 1935, 184ff. mit Lit. — Zu den Tungrem vgl. A. Oxe, Bonn. Jahrb. 135, 1930, 68ff. 27) Dagegen ist der germanische Charakter dieser Muttergottheiten durch Vergleich mit den späteren nordgermanischen

Quellen völlig gesichert, vgl. Gutenbrunner 116ff. 2S) Vgl. gegenüber den skeptischen Bemerkungen von F. Drexel, a. a. O. 15f., die Ausführungen von A. Oxe] in Die Heimat (Krefeld) 11, 1935, 180ff.

2e) CIL XIII 7789. Vgl. Oxe a. a. 0. 30) A. v. Domaszewski, Die Religion des röm. Heeres. Westd. Zeitschr. 14, 1894, 45 ff. 31) Vgl. die bei Gutenbrunner 20011. zusammengestellten Beispiele und ferner H. Lehner, Bonn. Jahrb. 135, 1930,5ff. Rflm.-Genn. Forschungen 16.

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zugehören. Sie scheint vielmehr ganz allgemein mit Tiu in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zusammenzuhängen 32), wie die Kelle von Wettingen (Nr. 10) mit dem Wochen-

gott Mars wahrscheinlich macht. Der Werkstättenkreis des Saciro, der in einem Gebiet anzusetzen ist, welches an gleichzeitigen Zeugnissen germanischer Kulte ganz besonders reich ist, dürfte uns also in Mars mit der Gans eine Darstellung germanischen Götterglaubens überliefert haben, und es liegt nahe, den Mars auf den Kästchenblechen und auf der ersten Thorsberger Scheibe als den germanischen Gott Tiu anzusprechen. Die beiden Thorsberger Scheiben sind, wenn diese Gedankengänge zu Recht bestehen, als militärische Auszeichnungen für römische Heeresangehörige germanischen Stammes aus

der Provinz Niedergermanien oder aus dem freien Germanien anzusprechen. Der Sinn der Darstellung des sitzenden Gottes auf der einen dieser Scheiben dürfte sicher nicht nur den Friesen aus der Landschaft Twenthe geläufig gewesen sein, sondern auch jenen germanischen Kriegern, die im späten 2. und im 3. Jahrhundert nach Ablauf ihrer Dienstzeit im römischen Heere in ihre nordische Heimat zurückkehrten und denen die beiden Zierscheiben und die zahlreichen römischen Waffen des Thorsberger Moorfundes zugewiesen werden müssen33). Der Nachweis von H. Jankuhn, daß am Thorsberger Moor eine Kultstätte

lag (s. o. S. 1 f.), mit der auch ein Dingplatz verbunden gewesen sein dürfte, läßt die Zugehörigkeit der Zierscheiben zum Thorsberger Fund in einem neuen Licht erscheinen. Wie die Weihung der Waffen an die in Thorsberg verehrten Götter sinnvoll war, so dürfte auch die Niederlegung der Scheibe mit dem Bilde des Tiu als Yotivgabe alles andere als zufällig zu sein. Die Landschaft Angeln, als deren kultischer Mittelpunkt Thorsberg anzusehen ist, hing seit der älteren Kaiserzeit mit den Küstengebieten Hollands und Nordwestdeutschlands, in denen als Beschützer des Dings der Gott Thingsus verehrt wurde, eng zusammen. Es liegt daher nahe, anzunehmen, daß die Darstellung des Tiu auf der Zierscheibe, die von der Hand eines in Niedergermanien tätigen römischen Handwerkers stammt, auch von den Weihenden an der Kultstätte von Thorsberg als Tiu aufgefaßt wurde. Wir sind uns darüber im klaren, daß diesen Deutungen nur ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit, nicht aber unbedingte Sicherheit zukommen kann. Dennoch dürften sie zeigen, wie eng die Verknüpfung zwischen der römischen Provinz Niedergermanien und den germanischen Gebieten Nordwestdeutschlands und der kimbrischen Halbinsel auch in religionsgeschichtlicher Hinsicht war, eine Verknüpfung, die wir auch für das Kunsthandwerk bei der Behandlung der Prunkscheibenfibeln des 3. Jahrhunderts feststellen konnten und der wir im Schlußabschnitt dieser Arbeit immer wieder begegnen werden. Bei der Frage nach der Bedeutung der Gans als Attribut des Tiu und nach dem Sinn, der sich hinter dieser Verbindung verbirgt, gelangen wir auf immer unsichereren Boden. Eine Erklärung läßt sich vorläufig für diese Erscheinung wie für so viele andere mit der germanischen Götterverehrung zusammenhängende Vorstellungen nicht geben und man möchte beinahe daran zweifeln, ob sie jemals gegeben werden kann. Immerhin ist be-

merkenswert, daß man von germanistischer Seite her versucht hat, die von Möller bekanntgemachten Darstellungen der Gans auf Denkmälern des Mars mit der „Martins32) Da die Gänsezucht im freien Germanien während der römischen Kaiserzeit sehr verbreitet war, wie schon die Einfuhr von Gänsen ins römische Reich lehrt (vgl. E. Hahn in Hoops Reallex. s. v. Gans), lag ihre Wahl zum heiligen Tier durchaus im Bereich der Möglichkeiten. 33) Vgl. die röm. Helmteile Engelhardt Taf. 5, 1—2, die Bronzeschildbuckel, z. T. mit punktierten lateinischen Inschriften, Taf. 8, 11 u. 13, die Schwertgriffe und Ortbänder Taf. 9, 1. 21—22, Taf. 10, 4 (mit Runeninschrift), die Zierstücke Taf. 11, 53—55. — Aus dem Vimoor (vgl. Engelhardt, Vimose Fundet) der Helmaufsatz Taf. 4, 1, die Schwerter Taf. 6, 7—9. 14—15. 22, die Schwerttragbügel Taf. 7, 35—37 u. Taf. 9, 78 81, die Ortbänder Taf. 10, 87—91. 99. 103. 108, das Lederzeug Taf. 11, 1, die Beschläge und Knöpfe Taf. 12, 26 u. 28. — Aus dem Nydamfund (Engelhardt, Nydam Mosefund) die Schwerter Taf. 7, 21—22, das Ortband Taf. 9, 44. — Vgl. auch die Kettenpanzer oben S. 21 mit Anm. 41. — Eine Neubearbeitung der nordischen Moorfunde würde hier wahrscheinlich noch mehr ergeben und die germanische und piovinzialrömische Komponente noch klarer hervortreten lassen.

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gans“ des deutschen Mittelalters in Verbindung zu bringen 34). Wäre es möglich, daß ein Attribut des heidnischen Tiu in christlicher Zeit auf den heiligen Martin überging und sich

so das ganze Mittelalter hindurch erhalten konnte? Es gibt zweifellos Anhaltspunkte, die für eine derartige Übertragung sprechen könnten. Der Brauch der Martinsgans ist in Deutschland sehr viel verbreiteter als in Frankreich 35), und der heilige Martin nimmt bei den Franken eine bedeutende Stellung als Schützer der Heere in der Schlacht ein36). Daß gerade auf ihn, der selbst ein Krieger war, das dem heidnischen Kriegsgott Tiu heilige

Tier übertragen werden konnte, liegt durchaus im Bereich der Möglichkeiten37). Das älteste Zeugnis einer Verbindung des Heiligen mit der Gans findet sich im 12. Jahrhundert gerade im niederdeutschen Gebiet38). Vom 14. Jahrhundert ab ist in den Martinsliedern die Gans als Festbraten am Martinstag überliefert. Warum aber die Gans an diesem Tage verspeist wurde, und warum sie gerade mit dem heiligen Martin oder in heidnischer Zeit

mit Tiu in Verbindung steht, ist bisher noch ungeklärt39). Es ist, abschließend gesagt, also nur eine ansprechende, sicheren Anhalts entbehrende Vermutung, daß jene Gans, die wir mit großer Wahrscheinlichkeit als ein heiliges Tier des Tiu erweisen konnten, im deutschen Mittelalter in der Martinsgans weiterlebt. 31) W. Jürgensen, Martinslieder. Wort und Brauch H. 6, 1910, 69ff. bes. S. 69: „Ich glaube, daß wir in der Martinsgans ursprünglich ein dem römischen Mars heiliges Tier zu erblicken haben.“ Hierzu ist zu bemerken, daß eine Verbindung

mit dem römischen Gott Mars, wie wir gezeigt haben, nicht möglich ist. Jürgensen zieht außer den von Möller und Münsterberg behandelten Denkmälern das Relief von Holzhausen (Taf. 19, 4) und das oben Anm. 22 ausgeschiedene Relief von Caerwent heran. 35) Jürgensen a. a. 0. 72.

36) Jürgensen a. a. 0. 70 (mit Lit.). 3T) J. de Vries, Altgerm. Religionsgescli. 1, 278 weist darauf hin, daß Vergleiche von Wodan mit dem heiligen Martin unstatthaft sind. 3S) Nach den Annales Corbeienses schenkte im Jahre 1171 Othelricus de Swalenberg der Abtei von Corvey zum Martins-

fest eine silberne Gans, vgl. Handwörterbuch d. deutsch. Abergl. 5 (1932/33) 1718 s. v. Martinsgans (Sartori). 39) Nach C. A. Bernoulli, Die Heiligen der Merowinger (1900) 208 ist das Martinsfest die Fortsetzung eines Opferschmauses. Das gleiche nimmt auch E. Hahn in Hoops Reallex. 2 (1913/15) 112 s. v. Gans an: „Es läßt sich annehmen, man habe einen Gott geehrt, indem man an seinem Festtage (etwa um den 10. November, den späteren Martinstag, herum) die Gans festlich verspeiste. Aber auf welch göttliches Wesen die Martinsgans zurückgeht, die in England Michael gehört, das wage ich nicht zu entscheiden.“ Ähnlich auch Hildebrand in J. u. W. Grimm, Deutsches Wörterbuch 4, 1 (1878) 1263 s. v. Gans. — Die rationalistische Erklärung, daß die Gans um den Martinstag herum am boten gedeihe und aus diesem Grunde das heilige Tier des St. Martin wurde, bleibt ganz an der Oberfläche (vgl. Bernoulli a. a. O. 208 und A. Spamer, Die Deutsche Volkskunde 1, 1934, 150). Ebenso unergiebig ist ihre Erklärung als „Vegetationsgeist, der getötet, verzehrt und dadurch nutzbar gemacht werden muß“ (Handwörterbuch d. d. Abergl. 5, 1718; die gleiche Auffassung vertritt C. Clemen in Zeitschr. d. Ver. f. Volkskunde 28, 1918, lfi.).Dagegen ist alsZeugnis für die Heiligkeit des Tieres in heidnischer Zeit von Bedeutung, daß verschiedenen Teilen der geopferten Martinsgans eine Heilkraft zugedacht (Handwörterbuch d. deutsch. Abergl. 5, 1718f.) und ihnen Weissagungen entnommen werden.

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VI. Der Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe und die seeländischen Silberkelche. Die erste Thorsberger Scheibe mit der Darstellung des Mars und der Gans gab sich als ein Erzeugnis einer niedergermanischen Werkstatt des Sacirokreises aus der Zeit um 200 n. Chr. zu erkennen. Auch die zweite Scheibe des Thorsberger Fundes stammt in ihrer ursprünglichen Form aus dieser provinzialrömischen Werkstatt. Das mit einem Tierfries verzierte Blech, welches jetzt die Randzone dieser Scheibe schmückt, erwies sich dagegen als eine spätere Zutat von der Hand eines völlig andersartigen Meisters, der seine Werke nicht in der römischen Provinz, sondern im freien Germanien schuf. Es bleibt nun zu untersuchen, in welcher Gegend, zu welcher Zeit und unter welchen Verhältnissen dieser ger-

manische Künstler arbeitete. Der Versuch, die Stellung zu klären, die seine Arbeit im Kunstgewerbe Germaniens einnimmt, führt zu einer Gruppe bisher nur wenig beachteter Kunstwerke, welche das Aufkommen einer eigenen germanischen figürlichen Verzierung erkennen und damit einen Vorgang von großer Tragweite in der Entwicklung der germanischen Kunst näher verfolgen lassen. Die reichen germanischen Grab- und Siedlungsfunde der ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte erlauben zwar, für die ältere Kaiserzeit das Vorhandensein einer hochstehenden Töpferei und eines entwickelten Waffenschmiede- und Metallhandwerks festzustellen. Sie erbringen aber keine Anhaltspunkte dafür, daß die germanischen Stämme dieser Zeit in ihrem Kunstgewerbe die Darstellung von Mensch und Tier als wesentliche Bestandteile für die Verzierung von Schmuck, Keramik und anderen Gegenständen des täglichen Lebens ansahen1). Vielmehr ist aus dem uns

überkommenen Fundstoff zu folgern, daß das germanische Kunstgewerbe der älteren Kaiserzeit figürliche Darstellungen ablehnte und, wie besonders die Keramik zeigt, bei der lineargeometrischen Ornamentik älterer Perioden verharrte. Da andererseits die germanische Kunst der Völkerwanderungszeit in hervorragendem Maße durch die Tierornamentik bestimmt wird, ist es von Wichtigkeit festzustellen, wann und wo im freien Germanien der Grundsatz der Bildlosigkeit in der Verzierung durchbrochen wurde und auf welche Einflüsse die Aufgabe dieses Grundsatzes zugunsten einer figürlichen Verzierung zurückzuführen ist. Die Bedeutung der zweiten Thorsberger Scheibe und der Kunstwerke, welche sich an sie anschließen lassen, scheint uns gerade darin zu liegen, daß ihre Betrachtung zur Aufhellung dieser Fragen erheblich beitragen kann. Auf die enge Zusammengehörigkeit des Tierfrieses dieser Scheibe mit den acht innen auf der Randzone der ersten Thorsberger Scheibe aufgesetzten Tieren war bereits hingewiesen worden (vgl. S. 7). Diese Tiere sind aus verschiedenen vergoldeten Silberblechen ausgeschnitten und wurden nachträglich auf die Scheibe aufgenietet. Sowohl die beiden Vierfüßler (Taf. 7, 5 u. 8) wie die beiden Vögel (Taf. 7, 2—3), die doch am ehesten Gänse J) Das Vorkommen vereinzelter Tierdarstellungen auf älterkaiserzeitlicher Keramik im freien Germanien (vgl. B. Gutjahr, Die Semnonen im Havelland zur frühen Kaiserzeit [1934] Taf. 4 u. R. v. Uslar, Westgerm. Bodenfunde [1938] 139 u. Taf. 14, 10) und das Auftreten von Tierkopfenden an Trinkhömem (O. Kunkel, IPEK 1931, 69 mit Taf. 1) blieb stets vereinzelt und wirkungslos.

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darstellen sollen, stammen, nach der Punktierung des Grundes zu urteilen, vom gleichen Blech. Das stark zerstörte Tier mit eingerolltem Schwanz (Taf.4, 1), wohl ein Hippokamp, gehört ebenfalls zu diesem Blech, während ein sehr ähnliches Gegenstück (Taf. 7, 7) wohl von der gleichen Hand, aber wegen der Kreisverzierung des Grundes nicht von demselben Blech stammen dürfte. Auch die beiden geschuppten Fische (Taf. 7, 4 u. 6) scheinen aus einer anderen Vorlage ausgeschnitten zu sein. Alle diese Tiere sind, gleich den Tieren des Frieses auf der zweiten Scheibe, mit Metallstempeln hergestellt. Sie sind rechtsläufig zu einem Tierfries zusammengesetzt, der die Innenkante des Scheibenrandes begleitet. Sie scheinen das Scheibeninnere zu umkreisen, wie die Tiere des Frieses der zweiten Scheibe, ohne allerdings deren lebendige Bewegtheit und Geschlossenheit auch nur entfernt zu erreichen. Dennoch ist ein Zusammenhang sowohl in der Komposition wie in der Ausgestaltung der einzelnen Tierbilder offensichtlich. Die Tierdarstellungen auf den beiden Scheiben des Thorsberger Fundes, die sich von provinzialrömischen Tierbildern grundlegend unterscheiden, stehen im germanischen Norden keineswegs vereinzelt da, sondern lassen sich an eine Reihe verwandter Tierdarstellungen auf Silberkelchen einheimischer Arbeit anschließen, die in reich ausgestatteten Skelettgräbern des 3. nachchristlichen Jahrhunderts auf der dänischen Insel Seeland zutage kamen. Es ist das Verdienst des dänischen Archäologen C. Engelhardt, dem wir die großen Moorfundveröffentlichungen verdanken, diese für die Kenntnis der frühgermanischen Kunst- und Kulturentwicklung höchst bedeutsamen seeländischen Skelettgräber ausführlich bekanntgegeben zu haben. Seine einschlägigen Arbeiten2) sind auch heute noch beachtenswert. Schon Engelhardt bemerkte, daß die fünf Silberkelche vonVallöby, A.Praestö 3), Nordrup, A. Sorö4) und Himlingöie, A.Praestö5) von den Blechen einheimischer Arbeit an den beiden

Thorsberger Scheiben nicht zu trennen sind (Taf. 20—22) 6). Alle fünf Becher stammen aus derselben Werkstatt, vielleicht sogar von der gleichen Hand. Die beiden Kelche von Vallöby (Taf. 20) und derjenige von Nordrup (Taf. 21) sind überdies durch Stempelgleichheit der Tierdarstellungen besonders eng miteinander verbunden7). Die Kelche bestehen aus getriebenem Silberblech und sind 12 cm (Vallöby), 13,5 cm (Nordrup) und 11,2 cm (Himlingöie) hoch, haben also die Größe von Trinkbechern. Der Fuß ist mit einem Nodus und aufgesetzten leierförmigen Ornamenten aus gekerbtem vergoldeten Silberblech verziert. Der zylindrische Halsteil ist zwischen der Wölbung des Bauches und dem wagerecht um gelegten Rand mit Stempel verzierten vergoldeten Silberblechleisten verkleidet. Die Vergoldung bildet aufgehämmertes Blattgold. Diese Silberblechborte (Br. 2,1 cm; L. abgerollt 27,5 cm) ist bei dem stark zerstörten Becherpaar von Vallöby (Taf. 20) mit einem eingestempelten Fries rückwärts gewandter Tiere verziert. Der Fries wird von zwei schnurartigen Leisten eingefaßt, die nach Herstellung der Stempeleinschläge in das Blech mit einer Punze eingeschlagen sind und an der Nietstelle (2 Niete) quergestellt den Fries unterbrechen. An der Paßstelle ist besonders 2) C. Engelhardt, Trouvailles danoises du commencement de l’äge dufer. Mem. Soo. Royale des Antiqu. du Nord (=Mem. Ant. Nord) 1866/71, 262ff.; ders., L’ancien age de fer en Selande et dans la partie orientale du Dänemark: Les sepultures

ä squelettes. Mem. Ant. Nord 1878/83, lff. — Skeletgrave paa Sjaeland og i det ostlige Danmark, en Skitse fra den aeldre Jemalder. Aarhöger 1877, 347ff. 3) Nat. Mus. Kopenhagen Inv.Nr. C 1372. — Aarböger 1880, 214 Abb. 10; S. Müller, Nord. Altertumsk. 2 (1896) 91 Abb. 67; Acta Arch. 1, 1930 Taf. 18,1—2. 4) Nat.Mus. Kopenhagen Inv. Nr. C 4829.—Nordiske Fortidsminder 1, 1 (1890) Taf. 2, 3; Müller, Ordning Jemalderen Abb. 313; Archaeologia 76, 1927 Abb. 27; Acta Arch. 1, 1930 Taf. 18, 3. 6) Nat.Mus. Kopenhagen Inv. Nr. MCMXXXVI. —Mem. Ant. Nord 1866/71, 262ff. Abb. 7 u.Taf. 1, 1; Acta Arch. I, 1930 Taf. 18,4. ') Mem. Ant. Nord 1866/71, 269. 7) Nordiske Fortidsminder 1, 1 (1890) 17.

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gut sichtbar, daß die Schnurborten die nicht ganz gleichmäßig eingestempelten Tierbilder beschädigen. Die zu einem rechtsläufigen Fries angeordneten fünfzehn stempelgleichen Tiere sind in größter Bewegung, im Galopp dahinsprengend dargestellt. Ihre Körper sind rund, plastisch und nicht gegliedert, darin den Tierleibern auf der zweiten Thorsberger Scheibe vergleichbar. Zwischen ihnen sind in Kopfhöhe als raumfüllende Ornamente lilienartige Muster eingestempelt. Durch die gleichförmige Wiederholung des gleichen Tiermotivs wirkt der ganze Fries zugleich straff und ausgeglichen. Vergleicht man ihn mit dem Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe, so zeigt sich bei aller Verwandtschaft dessen Verschiedenheit sowohl in der Komposition, die hier auf der sehr viel komplizierteren Wiederholung einer Dreiergruppe von Tieren beruht, wie in der wesentlich stärkeren Gelöstheit der einzelnen Tierbilder. Das Tierbild der Kelche von Vallöby (und Nordrup) steht stilistisch zwischen den Tieren der zweiten Thorsberger Scheibe und den aufgesetzten Tieren der ersten Scheibe.

Der Kelch von Nordrup (Taf. 21) ist vollständig erhalten. Der Gefäßkörper ist aus Silberblech getrieben, der gesondert gearbeitete Fuß mit 5 Silbernieten in den Gefäßboden

eingesetzt. Auf den Fuß, dessen wulstförmig verdickte Mitte mit drei umlaufenden gekerbten Silberdrähten verziert ist, sind oben und unten je fünf nebeneinander gesetzte Spiralornamente aus vergoldetem Silberblech aufgenietet. Das eigentliche Gefäß trägt auf der Schulter zwei umlaufende Wülste, unter denen ein linksläufiger Fries von 20 Delphinen (L. 1,5 cm) unmittelbar in die Wandung eingestempelt ist. Unter dem profilierten Mundsaum sitzt, mit zwei in Blechrosetten ruhenden Nieten befestigt, das mit dem Tierfries verzierte Silberblech (Br. 2,4 cm; L. abgerollt 32,5 cm). Die 19 rechtsläufig angeordneten Tiere sind stempelgleich mit denen des Kelchpaares von Vallöby. Abweichend ist das Füllmuster zwischen den Tierköpfen, eine Dreiergruppe einzeln eingestempelter Kreuze, die an einer Stelle durch zwei große, dünne liegende Kreuze (Besitzerzeichen ?) ersetzt ist. An der Paßstelle ist das linke Blechende 1,2 cm weit unter das rechte geschoben, und das

unmittelbar an dieser Stelle angebrachte Tierbild beschädigt das rechts folgende Tier. Links neben der Paßstelle wurde bereits bei der Herstellung des Kelches ein gerissenes Blechstück mit drei Silberstiften befestigt, die den beiden Silberstiften der Paßstelle gleichen.

Die Verzierung des Silberbleches an den beiden einander sehr ähnlichen Kelchen von Himlingöie (Taf. 22 u. Abb. 6) zeigt im Gegensatz zu den Tierfriesen der eben besprochenen Kelche eine aus mehreren Stempeln zusammengestellte sehr viel reichere Verzierung, die man als eine vom Verfertiger beabsichtigte Jagddarstellung deuten muß. Die Schnurborten als Begrenzung des Bleches finden sich auch hier wieder und bezeugen mit der übereinstimmenden Verzierung des Gefäßfußes die Herkunft aus der gleichen Werkstatt. Bei beiden Kelchen sind je zwei Blechstreifen verwendet, die an zwei Paßstellen mit je drei Nieten verbunden und am Gefäßkörper befestigt sind. Die Abfolge der Stempel auf den vier Streifen beider Kelche ist jeweils verschieden, wie die Umzeichnung in Abb. 6 zeigt. An figürlichen Stempeln sind vorhanden: ein in strenger Profilansicht gegebener kauernder Mann mit mützenartiger Kopfbedeckung und einem Schwert mit Ringknauf, ein Hippokamp mit dreigeteiltem Schwanz und ringförmigem Wulst unter dem Körper, zwei gegenständige kleine Vögel, ein großer Vogel mit zurückgewandtem Kopf (Gans ?), zwei gegenständige bärtige Masken (nur auf Blech 4 vorhanden), ein gehörntes galoppierendes Tier (Steinbock ?) und ein galoppierendes Pferd. Als Füllornamente dienen Rosetten, schräg gestellte Kreuze (nur auf Blech 4) und Punktreihen, die bei Kelch 1 die Schnurborten begleiten und bei Kelch 2 an den Umrissen der Figuren entlanggeführt sind. Die Anordnung der Stempelbilder ist rechtsläufig; es dürfte dabei kein Zufall sein, daß bei den beiden Blechen des Kelches 1 der kauernde Mann an den Anfang des Bildstreifens gesetzt ist. Hier wird das Bestreben offenkundig, einen Jäger wiederzugeben, der eine

1

4

Abb. 6. Abrollung der Jagdfriese von Himlingöie. 1:1. 1 u. 2 Bleche des Kelches 1. 3 u. 4 Bleche des Kelches 2.

Gruppe fliehender Tiere verfolgt. Die Bewegung, die sich in rechtsläufigem Sinne durch die

Bildstreifen zieht, wird durch die Schrägstellung der galoppierenden Tiere noch unterstrichen. Die Absicht des Künstlers, nicht nur einen dekorativen Tierfries sondern eine bestimmte Darstellung, eine Jagdszene, wiederzugeben, tritt bei den Bildstreifen des zweiten

Kelches nicht so klar in Erscheinung, weil hier die Darstellung der Jagd dem Gesetz der Symmetrie unterworfen wird. An beiden Enden der Streifen, von denen der längere überdies

in der Mitte durch zwei gegenständige bärtige Masken untergeteilt wird, schließt das Stempelbild des „Jägers“ die Bildfolge ab. Die Stempelbilder der beiden Kelche von Himlingöie gleichen stilistisch denen der anderen Kelche und der ersten Thorsberger Scheibe und sind viel plumper als diejenigen des Frieses auf der zweiten Scheibe. Bei den kleinen gegenständigen Vögeln ist die Verwandtschaft mit den Vögeln auf der ersten Scheibe (Taf. 7, 2—3) nicht zu verkennen. Die kugelförmige Verdickung der Hufe und die Kreisaugen kehren auch auf den Tierfriesen der drei anderen Kelche wieder und sind eine Werkstatteigentümlichkeit. Die fünf seeländischen Kelche stammen aus einer Werkstatt, die mit dem Meister der zweiten Thorsberger Scheibe und der Werkstatt, aus der die Tierbleche der ersten Scheibe hervorgingen, sehr eng zusammenhängt. Ihre nordische Herkunft ist nie bestritten worden. 47

Schon ihre Form geht auf einheimische Tongefäßformen zurück, wie Engelhardt im Hinblick auf einen Tonbecher von Thisted (Abb. 7) feststellen konnte8). Außer in den unten herangezogenen Fundveröffentlichungen von Engelhardt und Petersen wurden die Kelche bisher in der Literatur stets gesondert, ohne ihre Beifunde, besprochen. 0. Montelius hielt sie für skandinavische Arbeiten des dritten oder beginnenden vierten Jahrhunderts9). Erst in neuerer Zeit hat sich die Aufmerksamkeit der Forschung diesen Denkmälern wieder zugewandt und man hat versucht, sie mit der Herkunft der germanischen Tierornamentik zu verknüpfen. Seit durch die Werke von M. I. Rostovtzeff und E. H. Minns der reiche Fundstoff Südrußlands der europäischen Forschung in höherem Maße als zuvor zugänglich wurde, fehlte es nicht an Versuchen, den bereits von B. Salin erkannten „gotischen Kulturstrom“, d. h. den kulturellen Einfluß der südrussischen Goten auf die mitteleuropäischen und skandinavischen Germanenstämme während der jüngeren Kaiserzeit schärfer zu erfassen und ihn insbesondere mit der Entstehung der altgermanischen Tierornamentik in Verbindung zu bringen. Man glaubte, eine unmittelbare Verwandtschaft der germanischen mit der altskythischen Tierornamentik des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts zu erkennen und versuchte, den altgermanischen Stil I auf Elemente der skythischen Kunst zurückzuführen, die sich in Südrußland bei den Sarmaten bis in die Kaiserzeit gehalten hätten und durch Vermittlung der südrussischen Goten nach dem Norden gelangt wären. Die Annahme einer skythischen Wurzel der altgermanischen Tierornamentik fand seit den Hinweisen, die Rostovtzeff und Minns in ihren Arbeiten gaben u), allgemeine Anerkennung12),

wenn man sich auch vielfach den Schwierigkeiten, die eine derartige Ableitung bot, nicht ganz verschloß. So war die geringe Zahl sarmatischer Fundstücke mit

Tierornament aus nachchristlicher Zeit ebenso auffallend wie das völlige Fehlen von Tierornamentik bei den Goten in Südrußland, Ungarn und Italien. Abb. 7. Tonbecher von Thisted. Bei aller äußerlichen Ähnlichkeit gewisser skythischer Nach Mem. Ant. Nord 1872/77 Abb. 65. Tierbilder des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts mit germanischen Tierdarstellungen des 6. und 7. nachchristlichen Jahrhunderts13) konnte man an dem großen zeitlichen Abstand und an dem Fehlen sicher datierter Zwischen-

glieder nicht vorübergehen und begnügte sich daher oft mit der Feststellung formaler, genetisch noch nicht auswertbarer Übereinstimmungen. Wenn man von derartigen Feststellungen allgemeiner Natur absieht, wurde nur in zwei Arbeiten von H. Shetelig und N. Fettich wirklich ernsthaft der Versuch unternommen, die germanische Tierornamentik auf letztlich skythische oder sarmatische Anregungen zurückzuführen. In beiden Untersuchungen spielen die hier behandelten seeländischen Silberkelche eine entscheidende Rolle14). Shetelig setzte den Tierfries der Kelche von Vallöby und Nordrup 8) Mem. Ant. Nord 1872/77, 252 mit Abb. 65. Vgl. auch die Tonbecher bei S. Müller, Jernalderens Kunst (1933) 108f. Abb. 166—170. 9) Svenska Fornminnesföreningens Tidskr. 9, 1896, 254f.

10) Vgl. Anm. 3 und 4 (S. 45). u) M. I. Rostovtzeff, Iranians and Greeks in South Bussia (1922) 206ff. und E. H. Minns, Scythians and Greeks (1913) 259. 12) Vgl. die in Anm. 14 genannten Arbeiten von H. Shetelig und N. Fettich, ferner G. v. Merhart, Bronzezeit am Jenissei

(1926) 161; W. v. Jenny, Arch. Anz. 49, 1934, 296ff. und J. Brondsted, Congr. sec. Arch. Baltic. Riga (1930) 187ff. ls) G. v. Merhart a. a. O. 161. u) H. Shetelig, The Origin of the Scandinavian Style of Ornament during the Migration Period. Arehaeologia 76, 1927, 107 ff.; N. Fettich, Der Schildbuckel von Herpäly. Sein nordischer Kunstkreis und seine pontischen Beziehungen. Acta Arch. 1, 1930, 221 ff.

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mit einem sarmatischen Halsring aus Nowotsclierkask am Don in Beziehung, der einen Fries von Greifen trägt und wohl in das 2. oder in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. gehören dürfte15). Die einförmige Wiederholung eines identischen Tierbildes bei den nordischen Kelchen und in Nowotsclierkask schien ihm besonders bemerkenswert16):

„A composition of this kind seems not to be derived from the old Skythian art, but rather looks like a simplification of classical Greek friezes of animals or monsters, which were equally accesible to Sarmatians and Goths. The Goths may have taken them over from the Sarmatians, or they may have got them direct from some classical models of the kind we have seen from Thorsberg.“ Fettich schloß sich in seiner Arbeit über den Schildbuckel von Herpaly der Meinung Sheteligs über die nordischen Kelche im wesentlichen an und brachte sie ebenfalls mit der „pontisch-skythischen Metallindustrie“ Südrußlands in Verbindung17). Abgesehen von den Beziehungen zu Nowotsclierkask soll nach ihm auch die Darstellung des kauernden Mannes auf dem Jagdfries der Kelche von Himlingöie (Taf. 22 u. Abb. 6) auf skythische Vorbilder zurückgehen. In dem Schwert des „Jägers“ glaubt er das „skythisch-sarmatische“ Ringknaufschwert18) und in der mützenartigen Kopfbedeckung „nichts anderes als die unverstandene Wiedergabe des skythischen Baschlyk“ 19) zu. erkennen. Er schreibt : „Diese kleine Figur soll meines Erachtens eine Nachbildung der aus den spät-skythischen Fürstengräbern Südrußlands bekannten Skythendarstellungen sein 20).“ Aus den Tieren und der menschlichen Darstellung der Silberkelche soll sich dann nach Meinung von Shetclig und Fettich der Stil I der altgermanischen Tierornamentik entwickelt haben21). Die seeländischen Kelche nehmen also für die These einer östlichen Herkunft der Tierornamentik eine entscheidende Mittlerstellung ein. Einerseits läßt sich an ihnen nach Shetelig und Fettich die Übernahme „skythisch- bzw. sarmatisch-südrussischer“ Motive im germanischen Norden beobachten und andererseits sollen sie der Ausgangspunkt einer eigenen skandinavischen Entwicklung sein, die ohne Bruch bis zur Tierornamentik der Wikingerzeit führt. Sind nun die Voraussetzungen für derart weitgehende Folgerungen wirklich gesichert und erlauben die Argumente Sheteligs und Fettichs, die alte, von B. Sahn begründete These über die Herkunft des Stils I von den spätrömischen Kerbschnittbronzen 22) zugunsten weiträumiger südrussischer Zusammenhänge aufzugeben ? Die Beantwortung dieser für die Entstehung der germanischen Tierornamentik entscheidenden Frage hängt in der Hauptsache von der Einordnung der seeländischen Silberkelche in die germanische Kunstentwicklung ab. Es bleibt zu untersuchen, ob die Tierfriese und Jagdszenen dieser Kelche und damit auch der zweiten Thorsberger Scheibe und verwandter noch anzuführender Denkmäler auf südrussischen Einfluß zurückzuführen sind und ob sich aus ihnen lückenlos der Stil I der Tierornamentik entwickelt. Da nie bezweifelt worden ist, daß die Kelche einer skandinavischen Werkstatt entstammen, liegt es nahe, zunächst erst einmal ihre Stellung innerhalb des skandinavischen Fundstoffs zu klären, ehe man formale Ähnlichkeiten mit räumlich und (vielleicht mit Ausnahme von Nowotscherkask) auch zeitlich entlegenen Denkmälern genetisch ausdeutet. In den Arbeiten von Shetelig und Fettich sind die seeländischen Silberkelche nur als Einzelwerke herangezogen worden, ohne Berücksichtigung der reichen Beifunde, mit denen sie gehoben wurden. Es scheint 3i) Die Datierung des Fundes von Nowotscherkask ist umstritten, vgl. M. Ebert in Eberts Rcallcx. s. v. Novocerkask I{1) Shetelig a. a. 0. ”) A. a. O. 240ff. 18j A. a, O. 240f. n) A. a. O. 243. 20) A.a. 0.241. 21) A. a. O. 244; Shetelig a. a. 0. 22) B. Salin, Die alfcgerm. Tierornamentik (1904). Vgl. auch N. Äberg, Mannus 23, 1931, 222. Röm-Germ. Forschungen iß.

7

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nun, daß gerade von diesen Beifunden aus und von der ganzen seeländiselien Skelettgräbergruppe der jüngeren Kaiserzeit, zu welcher die Kelche gehören, die Erörterung über die kunstgeschichtliche Stellung der Tier- und Jagdfriese auf den Kelchen und der zweiten Thorsberger Scheibe ihren Ausgang nehmen muß. Der Kelch von Nordrup (Taf. 21) stammt aus Grab J des zehn Gräber zählenden Skelett-

gräberfeldes von Nordrup, A. Sorö, 1 km südöstlich von Bingsted. Das mit Steinen umstellte Grab enthielt folgende weitere Beigaben23): Eine Silberfibel Almgren 196, einen rundstabigen goldenen Spiralfingerring, eine große niedergermanische Bronzekelle mit Sieb der Form Willers NU Abb. 52 (vgl. Abb. 9, 3)24), ein großes steilwandiges Bronzebecken, einen Dreilagenkamm, bronzene Kästchenbeschläge, 40 Spielsteine (15 aus schwarzem, 25 aus weißem Glas), einen zylindrischen Becher aus klarem grünen Glas, eine Tonkanne und die Reste eines weiteren Tongefäßes. Der kleine Friedhof von Nordrup, dessen Gräber in der üblichen Nordsüdrichtung angelegt waren, dürfte, wie H. Petersen auf Grund der einheitlichen Grabbeigaben mit Recht bemerkt 25), kaum länger als einige Jahrzehnte belegt worden sein. Mit Grab J annähernd gleichzeitig ist das benachbarte Grab H, das unter einem großen Steinhaufen das Skelett eines Mannes barg. Es enthielt an Beigaben 23) eine Tonkanne, die von derselben Hand stammt wie die Kanne des Grabes J, ferner eine Silberfibel Almgren 196, zwei einfache goldene Fingerringe, einen rundstabigen goldenen Spiralfingerring, einen Denar des Antoninus Pius vom Jahre 160 (Coh. 374). einen unverzierten Messingeimer vom Hemmoorer Typus, einen Dreilagenkamm und zwei weitere Tongefäße. Unter den Beigaben der übrigen Gräber sind bemerkenswert: A. Einheimisches:

Fibel Almgren 196 aus Grab von 1873, Grab E, Grab G (zwei Stücke). Fibel Almgren 203 aus Grab A. Große Hakenkreuzfibel Almgren 235 aus Grab von 1873. Bronzene Eimerberlocke aus Grab von 1873, Grab E, Grab F. Goldener Spiralfingerring aus Grab A (vgl. unten Himlingöie). Dreilagenkamm aus Grab von 1873. B. Römischer Import: Eimer mit gewellten Kannelüren aus Grab von 1873. Hemmoorer Eimer aus Grab A. Kelle mit Sieb Willers NU Abb. 52 aus Grab von 1873. Kölner Schlangenfadengläser aus Grab von 1873 (zwei Stück). Glasbecher mit Tierfriesen aus Grab A (zwei Stück). Die Gräber B und D waren beigabenlos, während die Gräber C, F und G ärmlich ausgestattet waren. Nach den Fibeln 26) und dem römischen Import 27) gehören alle Gräber, einschließlich des Grabes J, welches den Silberkelch barg, in die Mitte oder in die zweite “) H. Petersen, Polyandre de Fanden äge de fer ä Nordrup en Selande (dän. u. franz.). Nordiske Fortidsminder 1, 1

(1890) lff. 21) H. Willers, Neue Untersuchungen über die röm. Bronzeindustrie von Capua und von Niedergermanien (1907). 2“) a. a. O. 17.

26) O. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen3 (1923) 98. 27) Zu dem Eimer mit gewellten Kannelüren aus dem Grab von 1873 und den beiden Hemmoorer Eimern aus den

Gräbern A u. H vgl. J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1930, 395ff. (Herstellung bis Mitte 3. Jahrhundert). — Zu den Kellen mit Sieb aus Grab J und 1873 vgl. H. Willers, Neue Unters. 84 mit Abb. 52. — Zu den Kölner Schlangenfadengläsem aus Grab von 1873 vgl. F. Fremersdorf, Böm. Gläser aus Köln (1928) Abb. 19—21 u. S. 7f. (Beginn der Herstellung 3. Jahrhundert) u. S. Loesehcke, Slg. Nießen 1 (1911) XIVf. (Herstellung hauptsächlich 3. Jahrhundert). Zu den bemalten Glasbechern aus Grab A vgl. unten S. 57 ff.

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Hälfte des 3. Jahrhunderts. Es ist bemerkenswert, daß das gesamte in Nordrup gefundene römische Einfuhrgut in der Zeit zwischen 200 und 250 n. Chr. in den Provinzen Niedergermanien und vielleicht auch Belgica hergestellt worden ist. Die beiden Kelche von Vallöby, A. Praestö (Taf. 20) gehören zu einem reichen Grabfund, den C. Engelhardt im Jahre 1872 bergen konnte28). Es handelt sich um ein nordsüdlich

Abb. 8. Grab von Vallöby. Nach Aarböger 1873.

gerichtetes Skelettgrab, das in der Mitte eines Hügels mit Steinkranz angelegt war. Die von Steinen umstellte Grabgrube war am Kopfende des Skeletts durch eine Steinreihe untergeteilt (Abb. 8). In dem abgetrennten Raum fanden sich folgende Beigaben: die 28) Aarböger 1873, 286ff. (C. Engelhardt) u. Mem. Ant. Nord 1872/77, 227ff. (C. Engelhardt).

7*

Öl

beiden Silberkelche (Taf. 20), eine Sigillatabilderschüssel Drag. 37 des Rheinzaberner Töpfers Comitialis (Taf. 23, 2), Reste zweier Bronzeeimer mit drei Füßen und Mänadenattaschen, zwei Paare niedergermanischer Kellen und Siebe der Form Willers NU Abb. 52, Bruchstücke zweier Kölner Schlangenfadengläser und Bruchstücke eines bronzenen Trinkhornbeschlages. Bei dem Skelett lagen: zwei Silberfibeln Almgren 196, drei gedoppelte goldene Fingerringe29), ein goldenes Spiralarmband30), 106 gläserne Spielsteine, zwei kleine Silberbuckel unbekannter Verwendung, zwei gewellte römische Bronzeeimer (davon

einer mit eingeritzter Inschrift RESTfitutus ?]) und zwei gewellte Becken31). Auch bei diesem Grab, das G. Kossinna 32) in die Mitte des 3. Jahrhunderts datiert — ein Zeitansatz bald nach der Jahrhundertmitte läßt sich ebenfalls vertreten— ist der Reichtum an römischem Einfuhrgut auffällig. Die Gläser, die Sigillataschüssel, die Kellen und Siebe stammen sicher aus den Provinzen Ober- und Niedergermanien, die Bronzeeimer, die beiden Eimer mit gewellten Kannelüren und die gewellten Becken entweder aus Niedergermanien oder aus der Belgica. Mit den Gräbern von Nordrup ist das Grab von Vallöby nicht nur durch die stempelgleichen Friese der Silberkelche, sondern auch durch das ge-

meinsame Vorkommen von Silberfibeln der Form Almgren 196, von Kölner Schlangenfadengläsern und von Eimern mit gewellten Kannelüren verbunden. Die beiden Kelche mit Jagdfries (Taf. 22) stammen aus einem leider nicht systematisch untersuchten Skelettgräberfeld auf dem Bavnehöi bei Ilimlingöie, A. Prästö 33). Sie wurden auf der Höhe des Hügels in einem römischen Bronzebecken mit Halbdeckel, einem niedergermanischen oder gallischen Fabrikat der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts, gefunden (Abb. 9, 4)31). Das innen verzinnte Becken enthielt außerdem eine niedergermanische Kelle mit Sieb der Form Willers NU Abb. 52 (Abb. 9, 3) und einen kleinen zylindrischen Glasbecher, der in der Form den bemalten Glasbechern von Vallöby und Thorslunde (vgl. unten S.57ff. u. Taf. 24) entspricht. Auch dieser Fundzusammenhang gehört in die Mitte oder in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts. Unter den übrigen Funden des Gräberfeldes ver-

dienen folgende noch besondere Erwähnung 35): 1 Hemmoorer Eimer mit Bildfries (Taf. 23, 3 u. Abb. 9,1), 1 Eimer mit gewellten Kannelüren, 1 konischer Bronzeeimer gallischer oder niedergermanischer Herstellung aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts (Abb. 9, 2)36), niedergermanische Kellen und Siebe, 1 gläsernes Trinkhorn mit Fadenverzierung, 1 großes

Kölner Fadenglas, 1 Hakenkreuzfibel Almgren 234 37), 1 Bronzefibel Almgren 207 und 1 dreifach gewundener goldener Fingerring, wie er in Nordrup Grab A und in Thorsberg 38)

vorkommt. Das Gräberfeld ist gleichzeitig mit Nordrup und gehört der Mitte und der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts an. Im Jahre 1894 untersuchte C. Neergaard in Ilimlingöie ein Grab, das wohl zu den spätesten dieser reichen Nekropole gehören dürfte39). Es enthielt einen Glasbecher mit aufgemaltem Tierfries (Abb. 11)10), wenige Reste eines zweiten ähnlichen Bechers, 1 Bronze28) Vgl. zu dieser Form G. Kossinna, Mannus 14, 1922, 1301. 30) Hierzu machte Engelhardt, Mem. Ant. Nord 1872/77, 238 Abb. 41 ein ähnliches Stück aus dem Thorsbergor Moor bekannt. Zu diesen Armringen vgl. Kossinna a. a. O. 131. 31) Zu den gewellten Eimern und Becken vgl. J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 4011. 32) A. a. O. 131.

33) Mem. Ant. Nord 1866/72, 262ff. (C. Engelhardt). 34) Vgl. zu diesem Typ J. Werner in Marburger Studien (1938) 259fl. Das häufige Vorkommen der im freien Germanien nur noch zweimal vorliegenden Form im Limesgebiet ist beachtenswert. Komische Fundkomplexe aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts fehlen. 35) Ob die Bügelfibeln bei Salin, Altgerm. Tierornamentik Abb. 95 u. 98, die ins 5. Jahrhundert gehören dürften, von der Fundstelle der älteren Skelettgräber stammen, ist ungewiß, vgl. C. Engelhardt, Mem. Ant. Nord 1866/71, 263f. 36) Zu dieser Gruppe vgl. J. Werner, Germania 20, 1936, 258ff. u. V. Toepfer, Germania 24, 1940, 29ff. 37) Aarböger 1892, 302. 38) C. Engelhardt, Mem. Ant. Nord 1S72/77, 238 Abb. 42 u. 43. ss) Es wurde von S. Müller, Aarböger 1897, 214ff. veröffentlicht. 40) Müller, Ordning Jemalderen Abb. 327.

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Nach Mem. Ant. Nord 1860/72.

Abb. 9. Himlingöie. 1 Hemmoorer Eimer. 2 Bronzeeimer. 3 Kelle mit Sieb. 4 Ausgußbecken mit Halbdeckel.

sieb, 1 steilwandiges Bronzebecken, 1 goldenen Armring mit verdickten Enden (vgl. Osztrö-

pataka, Abb. 14, 2), 1 goldenen Spiralfingerring mit Tierköpfen, 1 Schnalle, 1 Silberfibel ähnlich Almgren 196, 1 goldenen einfachen Spiralfingerring und 1 Dreilagenkamm. Für einen Ansatz des Grabes in das Ende des 3. Jahrhunderts spricht der Armring mit verdickten Enden. Wir können zusammenfassend feststellen, daß die Silberkelche von Nordrup, Vallöby und Himlingöie aus Fundzusammenhängen stammen, die um die Mitte oder in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts anzusetzen sind. Die zugehörigen Gräberfelder zeichnen sich durch außerordentlichen Reichtum an römischem Gut aus, das ausnahmslos aus den westlichen römischen Provinzen Gallien und Germanien eingeführt ist. Für südrussische Verbindungen ergeben sich dagegen aus dem Fundstoff dieser Gräberfelder keinerlei Anhaltspunkte 41).

Der Reichtum der seeländischen Skelettgräbergruppe des 3. Jahrhunderts an Beigaben einheimischen und fremden Ursprungs ist gegenüber der verhältnismäßigen Ärmlichkeit der Grabfunde auf der Insel in den beiden vorangehenden Jahrhunderten recht auffällig.

Zu einem Teil ist er sicher auf die größere Ausdehnung der Skelettbestattung zurückzuführen, die im Verlaufe des 3. Jahrhunderts auch in verschiedenen germanischen Gebieten

des Festlandes die Sitte reicher Beigaben zur Folge hatte42). In der Hauptsache dürfte er aber durch den Handel hervorgerufen sein, wie man aus der Masse des römischen Einfuhrgutes schließen möchte. Bei der Untersuchung der Verbreitung der Messingeimer vom Hemmoorer Typus und der Eimer mit gewellten Kanneluren ließ sich die überragende Stellung Seelands als Umschlagplatz für den Ostseehandel gut erkennen43). Die Verbindungen liefen einerseits zu der ebenfalls sehr reichen germanischen Gruppe im weiteren

Bereich der Weichselmündung und andererseits zu den römischen Handelsplätzen am Niederrhein. Der Verfasser glaubte diese von der Zeit um 200 u. Clir. ab zu beobachtende plötzliche Vermehrung des römischen Gutes auf Seeland und im Weichselmündungsgebiet mit einer Verlagerung der römischen Bernsteinzufuhr vom Land- auf den Seeweg (über Seeland) erklären zu können44). Die Stärke der Verbindungen Seelands zum Niederrhein würde natürlich erst bei einer Behandlung sämtlicher seeländischen Skelettgräber des 3. Jahrhunderts ganz in Erscheinung treten, die in diesem Rahmen nicht gegeben werden kann. Hier seien nur noch zwei reiche Grabfunde, die für die kunstgeschichtliche Einordnung

der Silberkelche von Wichtigkeit sind, aufgeführt: Das im Jahre 1870 gefundene Grab von Thorslunde, A. Kopenhagen4S), welches drei bemalte römische Glasbecher (Taf. 24, 7—9), einen römischen Bronzeeimer mit gewellten Ivannelüren 46), eine niedergermanische

Kelle mit Sieb der Form Willers NU Abb. 52, eine einheimische bronzene Schöpfkelle, eine silberne Gürtelgarnitur, einen Dreilagenkamm und Tongefäßreste enthielt. Es gehört in die Mitte bis zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts. Ferner ein Grab von Varpelev, A. 41) Erst im 4. Jahrhundert treten auf den dänischen Inseln südrussische und südosteuropäische Verbindungen an die Stelle der Beziehungen zu den weströmischen Provinzen. Vermittler waren die Goten Südrußlands und Rumäniens und die Wandalen in Oberungarn und Ostdeutschland. Sichtbarer Niederschlag dieser neuen Kulturbeziehungen sind hohe dickwandige, meist moosgrüne Glasbecher mit rundem Boden und eingeschliffenen Ovalen der von G. Ekholm, ESA 10, 1936, 67ff. zu Abb. 7—10 behandelten Formen (vgl. auch H. Zeiß, Altschlesien 7, 1938, 37f.) und dodekaedrische Karneolperlen oder Perlen aus dunkelblauem Glas. Diese Fundgattungen und gewisse südrussische Fibelformen lassen im Fundstoff der jüngerkaiserzeitlichen Gräber Dänemarks den einheimischen Formenschatz des 4. Jahrhunderts ebenso gut aussondern, wie die Importstücke aus den weströmischen Provinzen denjenigen des 3. Jahrhunderts. 45) Vgl. die mecklenburgische Gruppe bei Beltz, Vorgesch. Altert, d. Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin (1910) und die thüringische Gruppe bei Schulz-Zahn, Das Fürstengrab von Haßleben (1933). 43) J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 406ff. «) A. a. O. 407. 4S) Mem. Ant. Nord 1872/77, 57ff. (C. Engelhardt). m) Vgl. zu dieser Gruppe J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 39511.

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Praestö47), welches einzeln fast 11/2 km von dem bekannten Skelettgräberfeld des 4. Jahrhunderts 48) entfernt gefunden wurde. Aus diesem Grab stammen drei bemalte römische Glasbecher (Taf. 24, 4—6 u. Abb. 10, 1—2), ein Hemmoorer Eimer, eine niedergermanische

Kelle mit Sieb der Form Willers NU Abb. 52, zahlreiche Gläser und Spielsteine, ein einfacher goldener Spiralfingerring, Bronzebeschläge eines Holzeimers und Scherben eines Tongefäßes.

Der Reichtum der Gräber von Nordrup, Vallöby, Himlingöie, Thorslunde und Varpelev, die alle verhältnismäßig dicht beieinander in der Landschaft Stevns an der Ostküste Seelands liegen, läßt aber noch mehr erkennen als die handelsgeschichtliche Bedeutung und Seegeltung dieser Insel. Der Friedhof von Nordrup und der oben erwähnte Friedhof des 4. Jahrhunderts von Varpelev 18) weisen neben einigen reichen Gräbern nämlich auch eine Überzahl von ärmlichen oder sogar beigabenlosen Gräbern auf. In Nordrup stehen 4 reiche 4 armen und 2 beigabenlosen Gräbern gegenüber, während in Varpelev überhaupt nur 2 von 33 Gräbern als reich zu bezeichnen sind49). In dem späten Gräberfeld von Varpelev konnte Engelhardt noch weitere Unterschiede zwischen armen und reichen Gräbern feststellen: während die reichen Gräber bis zu 2,50 m ein getieft waren und Bestattungen in gestreckter Rückenlage mit dem Kopf im Südwesten bargen, waren in den armen Gräbern bis zu 1,25 m Tiefe Hocker mit dem Kopf im Norden des Grabes beigesetzt 50). Engelhardt schloß hieraus mit Recht auf soziale Unterschiede zwischen beiden Gruppen und wies die eine der freien Familie, die andere dem Gesinde zu 51). Da es sich in Nordrup und Varpelev nur um kleine Friedhöfe von 10 bzw. 33 Gräbern handelt, die keiner dörflichen Gemeinde, sondern höchstens einer Hofgruppe, wahrscheinlicher noch einem großen Einzelhof zugehört haben, ist die auch für Nordrup geltende Folgerung Engelhardts sicher zutreffend. Die seeländischen Skelettgräber des 3. und des 4. Jahrhunderts (Grabfeld Varpelev) geben also bei dem Fehlen untersuchter Siedlungsreste auch wertvolle Hinweise für die Art der Besiedlung und für die sozialen Verhältnisse der Insel in der jüngeren Kaiserzeit, die im ganzen denen der Wikingerzeit recht ähnlich gewesen sein müssen. Auf engem Raume beieinander lagen die Herrensitze adeliger oder großbäuerlicher Familien, die jede für sich mit ihrem Gesinde auf eigenem Friedhof ihre Toten bestatteten. Diese Familien waren nach den Beigaben der Gräber zu urteilen sehr begütert. Man wird nicht fehlgehen, wenn

man die Erklärung für ihren Reichtum nur zum geringen Teil im landwirtschaftlichen Besitz und hauptsächlich in ihrer Stellung als Seefahrer und als Inhaber des bedeutendsten Umschlagplatzes für den Ostseehandel sucht. Vallöby, Himlingöie und Varpelev liegen in nächster Nähe der Ostküste Seelands an der Tryggevaelde

Aa, einem kleinen, für Wikingerschiffe schiffbaren Fluß. Hier konnten die Fahrzeuge, mit denen von diesen Herrensitzen aus der Handel über die Ostsee betrieben wurde, günstige Liegeplätze in geschützten

Bu hten finden. P. V. Glob vom Nationalmuseum Kopenhagen stellt über die interessanten örtlichen Verhältnisse die folgenden Ausführungen zur Verfügung: „Die Landschaft Stevns, die sch als breite Halbinsel im Südosten Seelands in die Ostsee hinausschiebt, bildet in der jüngeren Kaiserzeit ein abgegrenztes und sehr reiches Gebiet. Das Bez.Amt Stevns nimmt den Hauptteil der Halbinsel ein, in deren westlichem Teil, gegen Süden zu das Bez.Amt Faxe, und gegen

Norden zu das Be .Amt Bjaeverskov liegt. Heute gehört diese Gegend mit reichen Rittergütern und großen Bauernhöfen zu den fruchtbarsten Dänemarks. Schwerer Moränenlehmboden bildet die Oberfläche des Landes, das sich als eine mäßig gewellte Ebene, deren höchste Erhebung im Südosten am Meere liegt (47 m über NN), langsam, jedoch zwischen Tornby und Himlingöie mit einem mehr zerschnittenen Gelände, gegen Norden und Westen senkt. 47) Annaler for Nordisk Oldkyndiglied 1861, 305ff. (C. F. Herbst), “) Mein. Ant. Nord 1878/83, 3 ff. (C. Engelhardt). 49j In Vallöby und Thorslunde ist das Gelände in der Nähe der bekannten Grabfunde nicht untersucht worden, in Himlingöie stammen die meisten Fundstücke aus unbeobachteten Gräbern. 50) Mem. Ant. Nord 1878/83, 4. 51) Mem. Ant. Nord 1878/83, 4. 24. 35 ff.

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Von der See aus ist die Halbinsel recht unzugänglich, außer von Norden her durch die Tryggevaelde Aa, die tief in das Land einschneidet und die westliche Grenze des Bez.Amtes Stevns bildet. Auf dieser Grenze

vereinigt sich der Fluß mit der Stevns Aa, um von hier aus in west-östlicher Richtung die Grenze der Bez.Ämter Faxe und Bjaeverskov zu bilden. Die Tryggevaelde Aa hat sicher durch die ganze Vorzeit eine bedeutende Rolle gespielt. Als das Wasser in der Litorinazeit in das Flußtal eindrang, bildete es hier einen 12 km langen und ganz schmalen Fjord, dessen Breite einen halben Kilometer nicht überstieg. Die Ablagerungen des Salzwassers aus dieser Zeit werden bis hinauf zum Zusammenfluß der Tryggevaelde

und Stevns Aa gefunden, bis wohin der Fjord recht tief gewesen ist. Da keinerlei nachlitorinazeitliche Hebung nacbgewiesen werden kann, war er sicher während der Vorzeit schiffbar und bildete so die wichtigste Verbindung zwischen Stevns und dem Meere. Allmählich lagerte sich Schlamm ab und der Fjord verlor mehr und mehr a i Tiefe; aber für Ruderboote ist er auch jetzt noch ständig schiffbar. Die reichen Grabfunde von Vallöby, Himlingöie und Varpelev lassen die Landschaft Stevns als eines der reichsten Gebiete des Nordens während der jüngeren Kaiserzeit erscheinen. Die Siedlungen haben sicher innen im Lande gelegen, mit leichtem Zugang zum Meer über die Tryggevaelde Aa, von der aus sich

kleinere Wasserläufe landeinwärts gegen die Grabplätze vorschieben; bei Vallöby nördlich des Grabplatzes, bei Himlingöie südlich am Grabplatze und bei Varpelev die Bachläufe Mcllebaekke im Norden und Krogbaek im Süden. Auch die Flurnamen bezeugen eine dichte Besiedlung in der jüngeren Kaiserzeit, worauf Namen mit der Endung lev hinweisen (vgl. H.V. Clausen, Aarböger 1916,136). So entspricht Vallö, mit dem ältesten, 1346 aufgezeichneten Namen Waleuae, dem Namen Val-lev, und Varpe-lev stimmt mit dem ältesten überlieferten Namen Varpelef von 1370 überein. Der Name des dritten Fundplatzes findet sich 1356 aufgezeichnet als Himlinghow und ist so ein Ortsname mit der Endung hoj, einer Ortsnamenendung, die allgemein in die Wikingerzeit datiert wird (Aarböger 1916, 164), aber unmittelbar südlich des Fundplatzes liegt Enders-lev und etwas weiter ostwärts bei der Tryggevaelde Aa Haar-lev, beides Flurnamen aus der jüngeren Kaiserzeit. Mit dem Siedlungsgebiet von Stevns sind eine Reihe Volkssagen verknüpft, in denen wir eine eigentümliche Wildjägergestalt finden: den Klintekonge (Felsuferkönig) oder Ellekonge (Elfenkönig), das ist der Odinsjäger (vgl. H. Ellekilde, Sydsjaellandske Folkesagn. Aarböger f. Praestö Amt 1920). Der Klintekonge hält sich besonders an die Felsküste am Meer, während der Elfenkönig seine Heimstatt im Elfenhügel unmittelbar ostwärts vom Zusammenfluß der Stevns und der Tryggevaelde Aa hat, einem größeren, nicht untersuchten Grabhügel bei Barup im Kirchspiel Hellested. Vom Elfenhügel aus unternimmt der Ellekonge seine nächtlichen Züge zu Pferde entlang der Tryggevaelde Aa, bis zu deren Mündung in die Köge-Bucht bei Prambro. Während der wilden Jagd stößt er in sein Horn. Es ist der Odinsjäger, der Herr des Hügelvolkes und er herrscht allgewaltig innerhalb seines Gebietes, das gerade die drei reichen Grabplätze von Vallöby, Varpelev und Himlingöie umfaßt."

Auf diesen seeländischen Herrensitzen und großen Höfen dienten die hier behandelten Silberkelche als kostbares Tafelgeschirr. Wie die zahlreichen Silberfibeln und der einheimische Goldschmuck sind sie von einem Goldschmied gefertigt, der nicht als Unfreier zum Gesinde eines einzelnen Hofes gehörte sondern als freier Mann für zahlreiche Familien des einheimischen Adels arbeitete. So hat um die Mitte des 3. Jahrhunderts in der Landschaft Stevns der Meister der Silberkelche seine Werke für die Höfe von Nordrup, Vallöby und Himlingöie geschaffen. Unter ähnlichen Verhältnissen und zur gleichen Zeit entstand auch der Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe. Die Beziehungen zwischen Seeland und der Landschaft Angeln müssen in dieser Periode sehr eng gewesen sein. Im Thorsberger Moorfund gibt es eine Reihe Gegenstände, die in der seeländischen Skelettgräbergruppe die nächsten Analogien besitzen52). Die beiden Thorsberger Scheiben, die wir für römische militärische Dekorationen halten möchten (vgl. oben S. 21 f.), sind aber schwerlich von Seeland nach Angeln gelangt, sondern dürften, wie wir oben dargelegt haben (S. 42), am ehesten mit Kriegern, welche aus den westlichen Provinzen des römischen Reiches in ihre germanische Heimat zurückkehrten, in Verbindung gebracht werden. Die Umarbeitung der zweiten Thorsberger Scheibe wird daher wohl in der Landschaft Angeln oder in benachbarten Gebieten vorgenommen worden sein. 52) Vgl. z. B. den S. 52 Anm. 30 erwähnten Goldarmring und die Fingerringe S. 52 Anm. 38.

Die Tierfriese und Jagdszenen der seeländischen Kelche und der Fries der zweiten Thorsberger Scheibe sind, wie schon eingangs bemerkt wurde, in der germanischen Kunst der

Kaiserzeit ohne Vorläufer. Daß sie selbständig und ohne Vorbild von nordischen Goldschmieden erfunden seien, wird man bei diesen damals bereits Jahrtausende alten und weitverbreiteten Motiven nicht ernsthaft behaupten wollen. Auch die Nachahmung südrussischer, auf skythisch-sarmatische Überlieferungen zurückgehender Einfuhrstücke entbehrt bei deren völligem Fehlen jeder Wahrscheinlichkeit, zumal die nordischen Künstler

auf einem anderen Wege sehr viel leichter mit Darstellungen von Tierfriesen und Jagdbildern bekannt werden konnten. Unter dem zahlreichen Import in den seeländischen Skelettgräbern begegnen mehrere Gefäße aus Glas, Bronze und Sigillata, die alle aus den beiden Provinzen Ober- und Niedergermanien stammen und die mit Tierdarstellungen, Tierfriesen und Jagdszenen verziert sind. In Vallöby fand sich ein derartiges Gefäß, die Rheinzaberner Sigillata-Bilderschüssel des Comitialis, im gleichen Grabe wie die beiden Silberkelche. Um das Verhältnis der Tierfriese auf den germanischen Kelchen und der zweiten Thorsberger Scheibe zu den Tierfriesen auf römischem Einfuhrgut zu klären, seien diese römischen Gefäße hier kurz besprochen. Aus Fundzusammenhängen der seeländischen Skelettgräbergruppe stammen die folgenden figürlich verzierten römischen Einfuhrstücke: Die Sigillata-Bilderschüssel Drag. 37 des Rheinzaberner Töpfers Comitialis aus Vallöby (Taf. 23, 2) zeigt zwar keinen eigentlichen Tierfries, aber doch die Darstellung von Ebern und Hunden, die auf einen in ein Medaillon gesetzten Bogenschützen zuspringen. Das Stück dürfte aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts stammen 53). Es ist das einzige bisher in Skandinavien zutage gekommene ganz erhaltene Sigillatagefäß 54) und scheint sehr lange in Gebrauch gewesen zu sein, ehe es zusammen mit den beiden Silberkelchen

(Taf. 22) seinem Besitzer mit ins Grab gegeben wurde 55). Aus dem Gräberfeld von Himlingöie stammt ein Hemmoorer Eimer mit Bildfries (Taf. 23, 3 u. Abb. 9, 1). Er

ist von H. Willers in seiner Untersuchung über die römischen Bronzeeimer von Hemmoor ausführlich behandelt worden 56). Ein Löwe verfolgt zwei wilde Pferde, ein Panther zwei Steinböcke, ein nicht mehr bestimmbares Tier (Hund ?) jagt ein Hirschpaar. Von den verfolgten Tieren wenden drei den Kopf zurück. Zwischen den Tieren sind Blätter und Bäume wiedergegeben. Der Eimer stammt aus Niedergermanien, wohl aus der Gegend von Gressenich, ist einem Eimer von Grabow in Mecklenburg nahe verwandt und dürfte in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts hergestellt worden sein 57). Von besonderer Wichtigkeit sind in unserem Zusammenhang die bemalten römischen Glasbecher, welche in den Gräbern von Nordrup (Gr. A, 2 Stück), Thorslunde (3 Stück), Varpelev (Gr. von 1861, 3 Stück) und Himlingöie (Gr. von 1894, 2 Stück) zutage kamen und zu denen sich das unverzierte Exemplar gesellt, welches zusammen mit den beiden

Silberkelchen von Himlingöie in einem römischen Ausgußbecken mit Halbdeckel gefunden wurde (vgl. oben S. 52). Diese Gläser sind von E. Krüger ausführlich besprochen worden58). Wir entnehmen seiner Abhandlung die folgende Beschreibung: £3) Die Tätigkeit des Comitialis von Rheinzabern wird von W. Barthel, ORL S (Zugmantel), 126 auf die Zeit von 150—175 n. Chr. angesetzt. Der Stempel der Schüssel entspricht Ludowici V, 240a (links), Bogenschütze Ludow. M99, Hund Ludow. T 201, Wildschwein T 72, Bär T 66, Eierstab Pc 95. 51) Vgl. die Zusammenstellung von D. Selling in Kulturhistoriska Studier tillägnade Nils Aberg (1938) 101 f. 5ä) Einen sehr bewegten Tierfries trägt das Bruohstüok einer Bilderschüssel Drag. 37 aus dem kaiserzeitlichen Urnen -

friedhof von Altenwalde b. Hamburg. Es stammt aus der ostgallischen Töpferei von La Madeleine. Jahrb. d. Hamb, wissenschaftl. Anst. 4, 1887 Taf. 1,1. £8) H. Willers, Die röm. Bronzeeimer von Hemmoor (1901) 154f. £7) Willers a. a. 0.155f.; Werner a. a. O. 398ff. 58) Bonn. Jahrb. 118, 1909, 359ff. Zu den seeländischen bemalten Bechern gesellt sich ein Gegenstück aus Embresin, Prov. Lüttich, Chron. arch. du Pays de Li£ge 3, 1908, 99ff. Zu den schottischen Stücken vgl. Anm. 60. BOm.-Germ. Forschungen 16.

8

57

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Abb. 10. Tierfriese seeländischer Glasbecher. 1, 2 Varpelev. 3, 4 Nordrup. 1. 2 nach Ann. f. Nord. Oldkyndighed 1861. 3, 4 nach Nord. Fortidsminder 1, 1 (1890).

„Zeitlich an erste Stelle zu rücken sind die beiden Gläser von Nordrup (Taf. 24,1—2 u. Abb. 10, 3—4). Das größere hat noch zwei vollständige Tierkämpfe, an deren einem auch noch ein Venator mit Peitsche

und bandagiertem linken Arm teilnimmt; dazu kommt im Hintergrund ein Waffenstilleben, ein Schild auf konsolenartig gezeichnetem Terrain liegend, aber ganz schematisch dreimal wiederholt und fast wie ein Füllornament verwendet. Der kleinere Becher gibt eine Kampfszene mit drei Tieren, darüber bei beiden ein Muster von Strichen und Punkten. Unter den Figuren sind Standlinien gemalt. Die Zeichnung ist noch gut und lebendig. 58

Der Becher von Himlingöie (Taf. 24, 3 u. Abb. 11) ist sicher schon beträchtlich später anzusetzen. Die Zeichnung der drei Tiere, die hier allein vorhanden sind, scheint noch ganz gut zu sein, aber das Randornament bildet nur noch eine Reihe von einfachen Punkten und zwischen die Tiere sind herzförmige Füllornamente verstreut; der Inhalt des Bildes, das Kämpfen der Tiere miteinander, beginnt zurückzutreten, das Bild löst sich in die drei einzelnen Tierbilder auf. Auch das Fehlen der Standlinie mag darin seinen Grund haben. Die herzförmigen Füllornamente sind vielleicht ein Überrest des auf dem größeren Nordruper Becher schematisch verteilten Waffenstillebens. Diese Entwicklung zum rein Ornamentalen, die allmähliche Auflösung der Bildkompositionen zu Einzelstücken, die ohne Rücksicht auf ihren Inhalt verwendet werden, die man im 3. J ahrhundert auch sonst beobachten kann, zeigt sich bei den drei Gläsern von Varpelev (Taf. 24, 4—6 u. Abb. 10,1—2), schon ganz vollzogen. Nr. 6 ist den vorigen noch ganz ähnlich, scheinbar noch ein Kampf von drei Tieren, dazwischen als Füllung wieder die herzförmigen Flecken, die Ausführung der Zeichnung aber schon bedeutend verschlechtert; der Bär ist noch die beste Figur, der Löwe ist ganz steif und schematisch, seine zwei Hinterbeine sind in eins zusammengeflossen. Rein ornamental sind die Tiere auf dem sonst besser gezeichneten Vogelbecher Nr. 4, der einmal ein

anderes Bild darbietet (Abb. 10,1); Vögel, Trauben und Punktrosetten, sicher ein Überrest früherer Bilder, die Vögel in Weinranken versteckt an den Beeren pickend zeigten, Tieridylle, die an unser Eichhörnchen und Schnecke erinnern. Aber hier ist natürlich von einem Inhalt der Szene nicht mehr die Rede. Die

Elemente der Darstellung, Vogel und Traube, sind schematisch steif nebeneinander gestellt. Auch die Inschrift, die hier noch einmal vorkommt, ist schon ganz abgegriffen, es genügt die Andeutung des Inhalts durch die Anfangsbuchstaben D(a) V(inum) B(onum)

P(ie), wie Bohn richtig liest. Eine gleichartige Verzierung mit Vögeln und Trauben gibt es in Trier in Barbotine auf Tongefäßen, die etwa in die Zeit von 250—300 gehören. Auf dem größten, leider sehr zerstörten Becher von

Varpelev (Nr. 5, Taf. 24, 5) sind auch Tiere aus den Kampfszenen als Ornament verwendet, zwei sprin-

gende Löwen, zwischen ihnen ein achtstrahliger Stern, aus zwei Kreuzen, einem mit dünnem, und einem mit breiten Armen zusammengesetzt, dazu

Abb. 11. Glasbecher mit Tierfries von Himlingöie. 3: 4.

Ranken mit zahlreichen kleinen Beeren. Diese Ranken

Nach S. Müller, Ordning:

sind ja nichts ungewöhnliches, aber der Stern

Jernalderen (1888—1895) Nr. 327.

ist ein auffallendes Dekorationsstück. Mit einer ähnlichen Verzierung ist der Schild des schwerbewaffneten Gladiators auf dem Trierer Becher versehen. Vielleicht ist auch dieses dekorative Element, wie oben die herzförmigen Flecken, von den Gladiatorenwaffen hergenommen. Die letzte Gruppe, die drei Becher von Thorslunde (Taf. 24, 7—9) sind hier unmittelbar anzuschließen. Sie werden zeitlich mit den Varpelevern wohl etwa zusammenfallen. Der Gladiatorenbecher gibt allerdings

noch zwei vollständige Kampfszenen von je zwei Schwerbewaffneten, dazu die Wasserorgel, die den Kampf begleitet. Aber die Zeichnung ist flüchtig, die füllenden Herzornamente stehen in großen Dimensionen zwischen den Figuren, die Zeichnung der Wasserorgel ist sehr gedrückt. Die beiden Tierbecher, von deren einem allerdings nur der obere Rand erhalten ist, scheinen von der größten Rohheit der Ausführung zu sein.“

Der Ort der Herstellung dieser kumpfartigen Becher ist in Niedergermanien oder der Belgica zu suchen, wofür u. a. die Verbreitung ganz gleicher unverzierter Glasbecher spricht59). Vom Niederrhein aus sind die bemalten Exemplare dann im 3. Jahrhundert mit S9) Z. B. Bückingen, OBL 22 (Bückingen) Taf. 5, 10; Kastell Zugmantel, Saalburg-Jahrb. 9, 1939 Taf. 10, 7; Stücke von der Saalburg ebda. S. 15; Bemagen, Mus. Bemagen; Wancennes, Mus. Namur; Vanderincourt (Marne), Mus. St. Germain Inv. Nr. 13339; Varennes (Alliers), Mus. St. Germain Inv. Nr. 29478 u. 29480; Poitiers (Vienne), Mus. St. Germain Inv. Nr. 30333 u. 30346. Dazu die Exemplare von Airlie (Schottland) und Westray (Orkney), Proc. Soc. Ant. Scotl. 66, 1932, 291 u. 292 Abb. 3. 8*

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vielem anderen römischen Gut nach Seeland und, wie sich neuerdings nachweisen ließ, auch nach Schottland60) ausgeführt worden. Die Darstellungen auf den 10 seeländischen Glasbechern, Tierfriese, Tierkämpfe und Zirkusszenen, gehören, wie bereits Willers bemerkte61), zu dem gleichen Schatz an Motiven, der auch auf den Hemmoorer Messingeimern wiederkehrt. Er ist gekennzeichnet durch eine seltsame Mischung einfacher Tierdekorationen mit Tierhetzen des römischen Zirkus, deren Darstellung sich während der Kaiserzeit in Gallien ganz besonderer Beliebtheit erfreute 62). Die Tierfriese und Ti erkämpf szenen auf den Hemmoorer Eimern und entsprechend auch auf den bemalten Glasbechern gehen letztlich auf eine sehr alte Wurzel zurück. Ihre Abhängigkeit von der Verzierung des sogenannten „alexandrinischen“ Silbergeschirrs der Kaiserzeit, welches in den Provinzen hergestellt alexandrinische Überlieferung fortsetzte und nicht nur das einfache Bronze- und Messinggeschirr und die Glasgefäße, sondern auch die Sigillata in Form und Verzierung beeinflußte, ist ganz offenkundig und seit langem bekannt63). Die Tierdarstellungen auf den Silbergefäßen konnte F. Drexel über die alexandrinische Kunst und die hellenistische Kunst Kleinasiens auf die Tierfriese der griechischen

Kunst des 6. und 5. Jahrhunderts zurückführen64), die in ihnen Elemente der orientalisierenden Epoche bis in die klassische Zeit hinein bewahrt hat65). Innerhalb der figürlichen Dekoration der Kaiserzeit stellen diese Tierfriese also ein archaisches Element dar, das zu

gewissen Zeiten zwar zurückgedrängt wurde, wie in der früheren Kaiserzeit, späterhin aber, besonders seit der Mitte des 2. Jahrhunderts, wieder stark in den Vordergrund trat. Daß diese Unterströmung der kaiserzeitlichen Kunst eine ganz besondere Bedeutung erlangte, ist eine Folge des Eindringens von Motiven, welche den Zirkusspielen entnommen sind. Die althergebrachten Tierfriese und Tierkampfszenen ließen sich von den provinziellen Handwerkern leicht mit den Tierhetzen und Tierkämpfen des Zirkus verbinden, die ein wesentliches Dekorationselement in der Kleinkunst der westlichen Provinzen des Reiches bildeten. Die Beliebtheit dieser Motive dürfte wiederum damit Zusammenhängen, daß die Zirkusspiele als Belustigung für die provinzialrömische Bevölkerung eine große Rolle spielten66). So nehmen in Gallien und den germanischen Provinzen Tierhetzen, Tierkämpfe, Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen in der figürlichen Dekoration der Tonlampcn, der Sigillaten, der Gläser und des Bronzegeschirrs eine umfangreiche Stellung ein. Neben den Tierfriesen, Tierkampfszenen und Jagddarstellungeu, die eine Verbindung zu den Motiven der Zirkusspiele bilden, gingen aber auch noch andere,

hellenistische Zierelemente des „alexandrinischen“ Silbergeschirrs, wie die Friese bacchischer Masken und phantastischer Seewesen auf die Sigillata, die Lampen und besonders auf die Hemmoorer Messingeimer über 67).

Aus diesem Bereich römischer Provinzialkunst stammen die Einfuhrgegenstände mit Tierdarstellungen in der seeländischen Skelettgräbergruppe. Jene für Gallien und die germanischen Provinzen bezeichnende Mischung von „alexandrinischen“ Tierfriesen und Tierkämpfen mit Motiven, welche den Zirkusspielen entnommen sind, spiegelt sich in dem Einfuhrgut im freien Germanien deutlich wider. Die Tierfriese des Hemmoorer Eimers 0°) Proc. Soc. Ant. Scotl. 66, 1932, 291 ff. mit Abb. 5. 61) A. a. 0. 176f. 83) Vgl. z. B. J. Dechelette, Les vases ceram. ornes de la Gaule rom. 1 (1904) 224ff. 63) Vgl. F. Drexel, Alexandrinische Silbergefäße der Kaiserzeit. Bonn. Jahrb. 118, 1909, 176ff. und Willers a. a. 0. 64) Drexel a. a. 0. bes. 218ff. es) Auch in der skythischen Kunst Südrußlands gehen zahlreiche Tiermotive auf die altjonische Kunst zurück, vgl. hierzu die oben S. 48 Anm. 11 genannten Arbeiten von Minus und Rostovtzeff. Auf diese Tatsache sind die formalen Ähnlichkeiten mit gewissen Tierdarstellungen der altgermanischen Tieromamentik zurückzuführen, die lediglich Konvergenzerscheinungen sind.

M) Vgl. F. Drexel, Venatio bei Friedländer, Sittengesch. und R. Delbrück, Die Consulardiptychen (1929) 74ff. *7) Vgl. Willers a. a. 0. und bes. Drexel, Bonn. Jahrb. 118, 1909, 190 u. 196.

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und des Glasbechers von Himlingöie (Abb. 9, 1 u. Abb. 11) und des einen Glasbechers von

Nordrup (Abb. 10,4) vertreten das „alexandrinische“ Erbe, die Tierkampfbecher von Varpelev mit dem gegürteten Stier (Abb. 10, 2), die Venatio des Bechers von Nordrup (Abb. 10, 3) und der Gladiatorenbecher von Thorslunde (Taf. 24, 8) zeigen die Motive der Zirkusspiele. Den Meistern der seeländischen Silberkelche und der zweiten Thorsberger Scheibe haben nun derartige Gegenstände aus der römischen Provinz als Vorbilder für ihre eigenen Werke Vorgelegen. Das zeigt am besten der Tierfries der zweiten Thorsberger Scheibe (Taf. 2 u. Abb. 2). Wenn man ihn mit dem Fries des Messingeimers von Himlingöie (Abb. 9, 1) vergleicht, so ist bei aller Verschiedenheit im Technischen eine Verwandtschaft unverkennbar. Der Meister der Thorsberger Scheibe suchte die lebendige Bewegtheit eines Vorbildes, das dem Eimer von Himlingöie sehr ähnlich gewesen sein muß, mit gleichen Mitteln nachzuahmen. Aus dem gestreckten Galopp ist ein einfacher Galopp geworden, und um die gleichförmige Reihung der Tiere zu vermeiden, hat er die Einschaltung einzelner Tiere, welche den Kopf zurückwenden, beibehalten. Die Einfügung von Seetieren ist dagegen ungewöhnlich. Sie sind römischen Kompositionen mit Seetierfriesen entnommen, welchen wir ebenfalls auf Hemmoorer Eimern begegnen68).

Die Friese der fünf seeländischen Silberkelche stehen den provinzialrömischen Tierund Jagdfriesen sehr viel ferner als der Fries der zweiten Thorsberger Scheibe. Aber auch sie verdanken römischen Vorbildern ihre Entstehung. Das zeigt die Jagddarstellung der

Abb. 12. a. Bock und Pferd auf Silberkelch 2 von Himlingöie (vgl. Abb. 6, 4). 1:1. b u. c. Steinbock und Pferd auf dem Hemmoorer Eimer von Himlingöie (vgl. Abb. 9,1). 1: 2.

Kelche von Himlingöie, die auf Jagdszenen oder Tierhetzen zurückgeht, wie sie auf Hemmoorer Eimern (Taf. 23, 1) 69) oder auf dem einen Glasbecher von Nordrup (Abb. 10, 3)

Vorkommen. Der Jäger auf den Kelchen von Himlingöie ist kein Skythc mit Baschlyk und Ringknaufschwert, sondern die freie Nachbildung eines Jägers auf einem provinzialrömischen Gegenstand. Das Auftreten von Steinbock und Pferd auf den beiden Kelchen ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, denn beide Tiere sind auch auf dem ebenfalls in Himlingöie gefundenen Hemmoorer Eimer dargestellt (Abb. 12). Aber wie wesentlich verschieden .sind das römische Vorbild und die germanische Arbeit! Auf dem Hemmoorer Eimer ist in der Wiedergabe beider Tiere die handwerkliche Routine unverkennbar, die eine gewisse Höchstform erreicht hat, eine saubere Arbeit im Rahmen des Konventionellen. Dem gegenüber steht das Werk eines nordgermanischen Künstlers, dessen formale Abhängigkeit von römischen Vorbildern zwar offenkundig ist, der aber doch auf eigenen Wegen einen Stoff wohl mythologischen Inhalts zu meistern versuchte. Die wahre Bedeutung der dargestellten „Jagdszene“ bleibt uns freilich verschlossen. Keinesfalls war sie rein dekorativ und kaum gleichbedeutend mit den provinzialrömischen “) Willers a. a. O. Taf. 9 (Häven und Hedd-.inheim), Anfertigung vor 259/60, vgl. J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 399 Anm. 1. 89) Messingeimer von Hemmoor, Kr. Neuhaus (Hann.) im Landesmus. Hannover. Das Stück ist veröffentlicht von H. Willers, Die röm. Bronzeeimer von Hemmoor (1901) 18f. mit Taf. 2, 1 u. 5,2. 61

Jagdbildern, denen bei den Germanen bereits ein anderer Sinn unterlegt sein konnte. So kann nur die künstlerische Leistung beurteilt werden. Hierbei tritt gegenüber der Stärke und Bewegtheit des ganzen Frieses die Unbeholfenheit in Einzelheiten völlig zurück. Die Kraft der Darstellung ist noch auffallender bei den Kelchen von Nordrup und Vallöby, bei denen die Reihung des gleichen Tierbildes eine straffe, übersichtliche und beinahe geometrische Verzierung ergibt. An den fünf seeländischen Silberkelchen läßt sich gut beobachten, daß die Zusammenhänge zwischen dem römischen Vorbild und der germanischen Arbeit — vom Inhaltlichen ganz abgesehen — nur im Formalen und nicht im Stilistischen liegen. Der germanische Künstler bildeteun diesen Kelchen eine einheimische Tongefäß form in Silber nach (vgl. oben S. 48). Daß er den Kelchen eine figürliche Randverzierung gab, dürfte auf die Randverzierung der Hemmoorer Eimer zurückgehen. Die Verzierung selbst aber hat mit dem römischen Vorbild nurmehr das äußerliche Thema des Tierfrieses bzw. der Jagdszenen gemein.

Außer den seeländischen Silberkelchen, dem Tierfriesblech der zweiten Thorsberger Scheibe und den Tierblechen der ersten Thorsberger Scheibe gibt es im germanischen Korden noch zwei weitere Denkmäler, welche die Nachahmung provinzialrömischer Tierfriese des 3. Jahrhunderts in germanischen Werkstätten bezeugen und welche daher in diesem Zusammenhang aufzuführen sind. Sie gehören zum Thorsberger Moorfund, der, wie schon die beiden Zierscheiben mit ihren einheimischen Zutaten zeigten, neben den seeländischen Skelettgräbern für uns die andere wichtige Quelle zur Erkenntnis der frühgermanischen Kunst des 3. Jahrhunderts darstellt70). Es ist zunächst ein länglich-rechteckiges, halbkreisförmig gebogenes Bronzeblech unbekannter Verwendung (Br. 6,4 cm, Gürtelblech?), das auf seiner Vorderseite zwischen den waagerecht umgebogenen Rändern mit vergoldetem Silberblech verkleidet ist (Taf. 25 u. Abb. 13)71). Das rechteckige, von einer gekerbten Leiste umrahmte Mittelfeld mit linksläufigem Tierfries ist gesondert aus vergoldetem Silberblech ausgeschnitten und aufgesetzt.

Im Gegensatz zu den bisher behandelten Arbeiten in Stempeltechnik ist dieser Tierfries nicht eingestempelt, sondern über einer Holzmatrize gearbeitet worden, wie die Verschieden-

artigkeit der als Füllornamente dienenden Fische und die Oberflächenbehandlung der großen Tiere durch Punzeinschläge zeigen. Die großen Tierbilder stellen einen Hippokamp (Taf. 25, a)72), ein gehörntes Seetier (Taf. 25, b), einen Eber (Taf. 25, c), einen Vogel (Taf. 25, c u. d) und einen rückwärts blickenden Tiger (? Taf. 25, d) mit deutlich angegebenen Pranken dar. Schuppen, Fell und Gefieder der Tierleiber sind durch entsprechende Riefelung mittels Punzeinschlägen wiedergegeben. Die Umrisse der Tiere werden meist von eingestanzten Punktreihen begleitet, während die freien Felder des Bleches mit Fischen verschiedener Größe und einem phantastischen wurmartigen Tier ausgef üllt sind. Das Mittelteil

mit dem Tierfries wird an seinen Längsseiten von je einer Reihe nach rechts gewandter 70) Weder in Schweden noch in Norwegen sind bisher Funde des 3. Jahrhunderts zutage gekommen, welche einheimische figürlich verzierte Arbeiten enthalten hätten. Die reichen Grabfunde von Avaldsnes in Rogaland enthalten zwar ein einheimisches Langschwert, dessen Scheide mit in Stempeltechnik verziertem vergoldeten Silberblech verkleidet ist, die Ornamentik ist aber geometrisch. Vgl. zu diesen Funden H. Shetelig, Vestlandske Graver fra Jemalderen (1912) 53 ff. Zur Datierung in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts vgl. J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 400 Anm. 4. Zu dem einzigen hierher gehörigen jütländischen Fund von Brokjaer vgl. Anm. 73. — Die noch unveröffentlichten Scheiben mit der auf Silberblech eingestempelten Darstellung zurückgewandter Tiere vonFredsö b. Mors (Jütland) im Mus. Kopenhagen und von Tangendorf, Kr. Harburg (Nachrichtenbl. f. Deutsche Vorzeit 15, 1939 Taf. 52) zeigen dagegen ein Übergreifen des Stils der Silberkelche auf andere Denkmäler des späten 3. Jahrhunderts im nördlichen germanischen Gebiet. Sie sollen mit den Knöpfen und der Zierscheibe von Häven (Mecklenburg), die ebenfalls in diesen Zusammenhang gehört, vom Verf. gesondert besprochen werden. 71) Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund 45 u. Taf. 11,47. Das Stück ist seitdem oft abgebildet worden, vgl. Fettich,

Acta Arch. 1, 1930 Taf. 20, 1. Im Gegensatz zu Engelhardt, der es für eine Arbeit nach römischem Vorbild hält, wollte es Fettich a. a. O. in südrussische Zusammenhänge einreihen.

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Abb. 13. Gürtelblech (?) von Thorsberg. 2:3. Nach der Zeichnung von C. Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund (1863) Taf. 11, 47.

menschlicher Köpfe eingefaßt, die im Gegensatz zu dem Tierfries in Stempeltechnik her-

gestellt sind. Die mit Kappen bedeckten Köpfe sind im Profil gegeben und stempelgleich. Jeder zweite Kopf ist mit einer rechteckigen Blattgoldlamette überzogen, so daß jeweils ein goldenes auf ein silbernes Feld folgt. Die untere Reihe der Köpfe ist umgekehrt, um eine linksläufige Richtung zu erzielen. Zwischen den Köpfen dienen Punkte und Punktgruppen als Raumfüllung. Über die Abhängigkeit des Tierfrieses von den Friesen der Hemmoorer Eimer und der bemalten römischen Glasbecher kann bei einem Vergleich mit dem Eimer von Hemmoor (Taf. 23, 1) und dem Vogelbecher von Varpelev (Abb. 10, 1) kein Zweifel herrschen. Im Gegensatz zu den Friesen der Silberkelche hat hier der germanische Künstler versucht, die Einzelheiten der Tierkörper, ihr Fell, ihre Hufe, Krallen und Schnäbel wiederzugeben. Dennoch hat er, wie die als gewellte Linie oder als Kamm bis zum Hals geführten ornamentalen Schwänze des Seepferdes, des Ebers und des Tigers (?) zeigen, keine naturalistische Darstellung im Sinne seiner römischen Vorlagen beabsichtigt. So verschieden der Tierfries dieses Bleches von den Friesen der zweiten Thorsberger Scheibe und der Silberkelche ist, so gibt er doch die gleiche Grundhaltung der figürlichen Darstellung gegenüber wieder, eine Grundhaltung, welche derjenigen der provinzialrömischen Werkstätten, aus denen die Vorlagen dieser germanischen Werke stammen, gänzlich widerspricht und völlig wesensfremd ist. Der Grundsatz der Reihung gleicher Bildstempel, hier vertreten durch die beiden Friese aus menschlichen Köpfen, ist derselbe wie bei den Kelchen von Nordrup und Vallöby und wie bei einem Silberblech aus dem jiitländischen Brandgrab vonBrokjaer, A. Ribe73), welches in die Mitte oder zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts gehört. Er scheint also ein wesentliches Merkmal der nordgermanischen Kunst des 3. Jahrhunderts zu sein und dürfte zeigen, wie stark die beginnende figürliche Verzierung in Germanien von der gleichzeitigen geometrischen Ornamentik der gestempelten Bleche abhängt, welche auf den oben S. 23 ff. behandelten Prunkscheibenfibeln und auf dem Schwert von Avaldsnes in

Norwegen (vgl. Anm. 70) zu finden ist. Aus dem Thorsberger Moor stammt endlich das Bruchstück eines Schildbuckels' aus Silberblech (Taf. 27, 1) 74), dessen Rand mit eingestempelten gestielten Buckeln und Punkt-

kreisen verziert ist. Sein konischer Oberteil ist mit einer ausgezackten Goldblattleiste und mit aus hauchdünnem Goldblech ausgeschnittenen Tieren ausgelegt. Es sind die Beine eines nach links gewandten und der rückwärtige Teil eines nach rechts gerichteten Tieres

erhalten. Der Buckel ist zwar nur sehr fragmentarisch erhalten, zählt aber dennoch mit 72) Vgl. das aufgelegte Seetier auf der ersten Thorsberger Scheibe Taf. 7, 7. 73) Das Blech könnte von einem Silberkelch der seeländischen Art stammen, Aarböger 1881, 110 Abb. 2. Zur Da-

tierung vgl. J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 402f. mit Anm. 5.

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Abb. 14. Der Zweite Fund von Osztröpataka. Nach J. Hampel.

Abb. 15. Der Zweite Fund von Osztröpataka. Nach J. Hampel, Böro.-Otrm, Forschungen ie.

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Sicherheit zu unserer von römischen Vorbildern abhängigen Gruppe nordischer Metallarbeiten.

Bevor wir unsere Beobachtungen über das Wesen der germanischen Tierbilder des 3. Jahrhunderts zusammenfassen und ihre Stellung innerhalb der frühgermanischen Kunstentwicklung näher zu umreißen versuchen, müssen wir noch auf das Verhältnis eingehen, in welchem der nordische Werkstättenkreis, dessen Werke hier besprochen wurden, zu

den festlandgermanischen Werkstätten des Schildbuckels von Herpäly und der Bleche von Osztropataka steht. Beide Denkmäler, der Schildbuckel von Herpäly (Nordungarn) und die Bleche von

Osztropataka (Slowakei), sind von Fettich ausführlich behandelt und mit den seeländischen Silberkelchen und dem Gürtelblech ( ?) von Thorsberg in Verbindung gebracht worden75). Sie sind unzweifelhaft germanische Arbeiten und stammen aus dem Siedlungsgebiet der Wandalen78). Die Bleche von Osztropataka (Taf. 26) gehören zu einem reichen Grabfund, dem sogenannten II. Fund von Osztropataka77). Sie bestehen aus vergoldetem Silberblech und sind mit figürlichen und ornamentalen Stempelmustern verziert; ihr Verwendungszweck ist unbekannt. Unter den Beifunden (Abb.14—15) sind ein Aureus der Herennia Etruscilla (249—251), zwei entwickelte Fibeln mit umgeschlagenem Fuß, ein goldener Halsring mit

Ösen Verschluß, ein goldener Armring mit verdickten Enden und zwei Glasbecher mit Facettenschliff78) besonders hervorzuheben. Der Fund gehört in die Zeit um oder bald nach 300 n. Chr. Die Verzierung der Bleche ist in der gleichen Technik ausgeführt wie bei den niedergermanischen Saciro-Blechen, den beiden Thorsberger Scheiben und den hier behandelten nordischen Arbeiten. Die drei figürlichen Stempel, eine Sphinx, das Brustbild eines Jünglings mit Tänie79) und ein „Gryllus“, sind systemlos als Füllmuster und ohne auf die Form des Bleches Rücksicht zu nehmen über die Bleche verteilt. Der freibleibende Raum ist mit garbenbündelartigen Stempeleinschlägen verziert, die entfernt an die Lilienmuster der Kelche von Vallöby (Taf. 20) erinnern. Auch die gedrehte umlaufende Leiste findet sich hier wie dort. So sicher es ist, daß die Bleche selbst einer germanischen Werkstatt entstammen, so unwahrscheinlich erscheint dies bei den verwendeten figürlichen Stempeln. Daß der „Gryllus“ in provinzialrömische Zusammenhänge einzureihen ist, hat bereits A. Alföldi gesehen80). Das bärtige Gesicht dieses apotropäischen Mischwesens ist im Vergleich zu den „Grylli“ des Schildbuckels von Herpäly (Taf. 28) so naturalistisch wiedergegeben, daß der betreffende Stempel römischen Ursprungs sein muß. Das gleiche gilt auch von der Sphinx und der Jünglingsbüste. Man wird also nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Werkstatt, welche die Bleche von Osztropataka anfertigte, auch eingehandelte oder auf anderem Wege erworbene römische Metallstempel oder vielleicht auch Nachgüsse von solchen besaß. Die Werkstatt dürfte in der zweiten Hälfte oder am Ende des 3. Jahrhunderts auf wandalischem Gebiet in der Nähe der römischen Provinz Pannonien gearbeitet 74) Engelhardt, Thorsbjerg Mosefund 34 u. Taf. 8, 18. — Mus. Kiel Inv. Nr. 6215. — Eine Nachbildung unter Inv. Nr. 22151 im Nationalmus. Kopenhagen. 75) Acta Aroh. 1, 1930, 221 ff. 7C) Kossinna, Mannus 16, 1924, 162. ”) J. Hampel, Der Goldfund von Nagy-Szent-Miklos (1885) 154ff. mit Lit. Vgl. neuerdings E. Beninger, Hie gcrman. Bodenfunde in der Slowakei (1937) 1521. 7S) Die Becher stammen nach brieflicher Mitteilung von E. Fremersdorf (Köln) aus einer Kölner Werkstatt der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Sie gehören einem weit verbreiteten Typ an, der in der Slowakei außerdem noch in dem Fürstengrab von Straze bei Pistyan (E. Beninger a. a. O. Taf. 21, 207) und in der thüringischen Skelettgräbergruppe (Leuna b. Merseburg, Trierer Zeitechr. 4, 1929, 104 Abb. 4 b) belegt ist. Auf Seeland findet sich der Typ bezeichnenderweise in dem Friedhof des 4. Jahrhunderts von Varpelev (Mein. Ant. Nord 1878/83, 21), dagegen fehlt er in der Skelettgräbergruppe des 3. Jahrhunderts. 7S) Nicht, wie Fettich a. a. O. 229 angibt, ein weibliches Brustbild. Die Art des Brustabschnitts ist ungewöhnlich, vgl. hierzu etwa den Gesichtshelm von Eodez, Germania 16, 1932, 56 Abb. 3. G6

haben. Ein direkter Zusammenhang mit den nordischen Werkstätten der Silberkelche und der zweiten Thorsberger Scheibe ist bei Osztröpataka unwahrscheinlich, vielmehr scheint hier ein unabhängiges Ubergreifen der figuralen provinzialrömischen Stempeltechnik, die ja auch in Pannonien verbreitet war, auf wandalisches Gebiet zu beobachten zu sein. Das wichtigste Zeugnis für das Bestehen von Goldschmiedewerkstätten auf wandalischem Gebiet, die ähnlich den nordischen Werkstätten in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts

zur figürlichen Verzierung übergingen, ist der Schildbuckel von Herpäly (Taf. 27, 2— Taf. 29), dessen Beifunde leider unbekannt sind. Die ausführliche Behandlung dieses Denkmals durch Fettich enthebt uns einer näheren Beschreibung. Der Schildbuckel gehört zu der bei den Wandalen besonders häufigen ostgermanischen Gruppe der Stangenschild-

buckel81); er besteht aus Bronze und ist mit vergoldetem Silberblech verkleidet82). Die figürlichen Stempelmuster, mit denen er verziert ist, sind im Gegensatz zu denen der Bleche

von Osztröpataka völlig unrömisch. Das lehrt allein schon ein Vergleich der Gryllusdarstellungen auf dem Kragen des Buckels mit dem Gryllus von Osztröpataka. Die Tierkampfszenen, bei denen sich auf dem konischen Teil des Buckels jeweils zwei gegenüberliegende entsprechen, sind einmal mit einem Gryllus, das andere Mal mit einem Seetier mit Greifenkopf kombiniert (Taf. 29). Sie können als Motive gleich dem Gryllus des zylin-

drischen Mittelteils nur auf provinzialrömische Vorlagen zurückgehen, wobei daran erinnert sei, daß in Osztröpataka, dem Fundort der stempelverzierten Bleche, im Zusammen-

hang mit dem „ersten Fund“ auch ein silberner mit Tierkampfszenen verzierter Trinkbecher zum Vorschein kam, den Drexel unter den „alexandrinischen“ Silbergefäßen auf führte83). Daß vom Schildbuckel von Herpäly Beziehungen nach dem Norden Germaniens führen, ist nicht zu leugnen. Ein wichtiges Anzeichen hierfür ist das Schildbuckelbruchstück des Thorsberger Moorfundes (Taf. 27, 1), dessen Oberteil in ähnlicher Weise (wenn auch in anderer Technik) mit Tierkompositionen verziert ist. Beide Schildbuckel sind die einzigen bisher bekanntgewordenen figürlich verzierten Schildbuckel aus dem freien Germanien. Ferner läßt sich eine gewisse Verwandtschaft der Tierbilder von Herpäly mit dem Tierfries des Thorsberger Gürtelbleches (?) (Taf. 25) feststellen; in beiden Fällen ist die Wiedergabe des Fells der Tiere eine ähnliche. Darüber dürfen die grundlegenden Unterschiede aber nicht übersehen werden. Ein Vergleich der Eber von Herpäly und Thorsberg zeigt, daß beide Werke unmöglich aus der gleichen oder aus benachbarten Werk-

stätten hervorgegangen sind. Nichts spricht dafür, daß der Schildbuckel von Herpäly oder gar die Bleche von Osztröpataka im Norden angefertigt und von dort nach dem fernen wandalischen Gebiet in Oberungarn und der Slowakei gelangt sind. Vielmehr dürfen wir in diesen beiden Denkmälern die Erzeugnisse von Werkstätten sehen, welche in der Nähe des römischen Pannonien und in loser Verbindung mit gleichen Bestrebungen im Norden Germaniens selbständig zur figürlichen Verzierung auf Grund römischer Vorlagen gelangten. Der Motivschatz, aus dem diese Werkstätten schöpften, ist nach den beiden ihm bisher

allein zuweisbaren Denkmälern zu urteilen der gleiche wie für den Norden: es ist die provinzialrömische „alexandrinische“ Tierwelt, der sich hier noch der in allen Provinzen 80) Acta Arch. 5, 1934, 115f. mit Hinweis auf die Arbeit von A. Blanchet in Revue des ßtudes Anoiennes 23, 1921, 43 ff.

81) Vgl. K. Tackenberg, Die Wandalen in Niederschlesien (1925) 111 u. bes. Taf. 27, 3 (Kartbaus). 8ä) Fettich brachte den Schildbuckel von Lilla Harg in Östergotland (a. a. O. 223 Abb. 2 u. Fornvännen 1911, 260 Abb. 101) mit dem Schildbuckel von Herpäly in Verbindung. Ein derartiger Zusammenhang ist unwahrscheinlich. Das schwedische Exemplar besteht aus Eisen, ist mit vergoldetem Silberblech verkleidet und trägt, was für die Zeitstellung wichtig ist, blaue Glaseinlagen, genau wie der Schildbuckel aus dem Kriegergrab von Vermand bei J. Pilloy, Etudes sin- d’anciens lieux de sepult. dans 1’Aisno 2 (1895) Taf. hinter S. 52. Dieser nordfranzösische Schildbuckel wurde mit einem Solidus Valentinians I. zusammengefunden und gehört in die zw'eite Hälfte des 4. Jahrhunderts. 83) J. Ameth, Die antiken Gold- und Silber-Monumente des k. k. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien 2 (1850) Taf. S 3 u. 3a; Drexel, Bonn. Jahrb. 118, 1909, 187. 9*

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besonders auf Gemmen verbreitete Gryllus zugesellt. Neben dem Kreis Seeland-Thorsberg haben wir also auf wandalischem Gebiet eine -weitere Berührungszone gefunden, in welcher provinzialrömische Anregungen in völlig neuartiger und eigener Weise von germanischen Kunsthandwerkern aufgegriffen wurden.

Der hier angenommene Vorgang einer etwa gleichzeitigen unabhängigen Aneignung figuraler Verzierungsweise durch zwei weit voneinander entfernte Werkstättenkreise des freien Germanien besitzt, wie unten gezeigt werden soll, auch eine große innere Wahrscheinlichkeit.

Es ist sehr merkwürdig, daß im Norden wie im Süden sich der neue Stil nicht in gleicher Folgerichtigkeit weiterentwickelte. Das frühe 4. Jahrhundert zeigt hier wie dort nur noch

Nachklänge, wie die Schnallen und Beschläge des ersten Sacrauer Fundes mit ihren kümmerlichen Fisch- und Vogeldarstellungen84), oder ein schwedischer Nachläufer der seeländischen Silberkelche (Abb. 16)85), die

Hakenkreuzfibel aus dem späten Friedhof von Varpelev (Taf. 12, 2)86) und ein Bügelfibelpaar von Merseburg87). Die kleinen in Stilisierung erstarrten Vögel dieser Fibeln

lassen nichts mehr von der Stärke und Abb. 16. Silberblech von Lilla Jöred,Bohuslän. 1:1. Nach B. Salin, Altgermanische Tierornamentik Abb. 422.

unmittelbaren Frische der großen Werke des 3. Jahrhunderts ahnen. Nach diesen Nach-

fahren des frühen 4. Jahrhunderts setzt in Skandinavien und auf dem Festland die im

3. Jahrhundert so hoffnungsvoll begonnene Entwicklung aus und es lassen sich bisher keine Verbindungsglieder zu dem späteren germanischen Tierstil auf weisen, der sich nach der

noch immer gültigen Meinung B. Salins erst im Laufe des 5. Jahrhunderts aus den Randtieren der spätrömischen Kerbschnittgarnituren entwickelt hat. Die entscheidende Tat der Künstler des 3. Jahrhunderts, die Einbeziehung der Darstellung von Mensch und Tier in die germanische Kunst, wird in ihrer Bedeutung nicht dadurch geschmälert, daß sie sich innerhalb der frühgermanischen Kunstentwicklung als ein Zwischenspiel ohne unmittelbare Nachwirkungen erweist. Ob sie nicht dennoch den Boden für den späteren Tierstil bereitete, könnte erst durch neue glückliche Funde offenbar werden. Die zweite Thorsberger Scheibe, die seeländischen Silberkelche und die verwandten nordischen Denkmäler bezeugen jedenfalls zusammen mit dem Schildbuckel von Herpäly eine künstlerische Blüte in gewissen Teilen Germaniens, die in den unmittelbar vorangehenden Jahrhunderten nichts Vergleichbares findet. Diese Blüte fällt in die Mitte und in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts, also in eine Periode höchster politischer Stoßkraft der germanischen Stämme und großer Schwäche des römischen Imperiums. Nur scheinen, soweit man nach dem bisher bekanntgewordenen Fundstoff urteilen kann, die Goldschmiedewerkstätten gerade jener Stämme, die an den Kämpfen gegen Rom hervorragend beteiligt waren, wie der westgermanischen Alamannen und Franken und der ostgermanischen Goten, nicht Träger des neuen figürlichen Stils zu sein. Er beschränkt sich vielmehr auf den entlegenen Norden und auf das wandalische Gebiet. Dies mag wohl darin begründet liegen, daß die Entstehung des figürlichen Stils mit friedlichen Handelsbeziehungen zum römischen Reiche zusammenhängt. Seeland erhielt auf dem Seewege 81) Grempler, Der I. Fund von Saokrau (1887) Taf. 5, 12. 15—16. S5) Blech von Lilla Jöred, Bohuslän. Svenska Fomminnesföreningens Tidskr. 9, 1896, 255 Abb. 100 u. B. Salin, Die altgerm. Tieromamentik (1904) 180 Abb. 422. 86) Mem. Ant. Nord 1878/83, 22 Abb. 22. 87) Das Merseburger Land 32, 1937 Taf. hinter S. 24 (Junker); W. Schulz, Vor- u. Frühgesch. Mitteldeutschlands 1939) 193 Abb. 245.

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vom Niederrhein her in reichlichem Maße römisches Einfuhrgut, solange das Wirtschaftsleben der gallischen und der germanischen Provinzen von inneren und äußeren Störungen unberührt blieb. Als aber um die Mitte des 3. Jahrhunderts zahlreiche Gewerbezweige, besonders solche, die an der Ausfuhr ins freie Germanien Anteil hatten, wie die Messingindustrie von Gressenich, die Töpfereien reliefverzierter Sigillata und die Emailwerkstätten, infolge dieser Störungen und des damit verbundenen Absatzrückganges eingingen oder an Bedeutung verloren88), ging entsprechend auch die niederrheinische Ausfuhr nach Skandinavien stark zurück, wie die skandinavischen Funde der Zeit um und nach 300 n. Chr. deutlich zeigen. Es ist daher nicht unmöglich, daß das Versiegen des figürlichen germanischen Stils mit dem Ausbleiben figürlich verzierter Einfuhrgegenstände, die als Vorbilder dienen konnten, in ursächlichem Zusammenhang steht. Dieses Einfuhrgut war um die Mitte des 3. Jahrhunderts noch an den großen seeländischen Adelshöfen vorhanden und folgte im Verlauf der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vielfach seinen Besitzern mit ins Grab. Es bildete allein die Grundlage, auf welcher der neue germanische Stil des 3. Jahrhunderts erwachsen ist. Dieser Stil, vorerst nur in wenigen erlesenen Werken wie der zweiten Thorsberger Scheibe und den seeländischen Silberkelchen faßbar, stellt sich uns als ein Stil der Auseinandersetzung einheimischer Künstler mit fremden, ungewohnten Formen dar. Es ist kein Zufall, daß die Kunstwerke, welche diesen Vorgang verdeutlichen, gerade im 3. nachchristlichen Jahrhundert entstanden. Die Verflechtung des freien Germanien mit den römischen Grenzprovinzen war im 3. Jahrhundert, wie oben an dem besonders kennzeichnenden Beispiel der Prunkscheibenfibeln gezeigt werden konnte, so eng geworden, und die Handelsverbindungen Seelands zu entfeinten Gebieten wie dem Niederrhein waren in der ersten Hälfte des Jahrhunderts so intensiv, daß sie bei den einheimischen

Handwerkern zur Auseinandersetzung mit den römischen Einflüssen führen mußten. Abgesehen von den Kulturbeziehungen, welche der Handel vermittelte, ergab sich dann eine weitere Berührung mit dem provinzialrömischen Kunstgewerbe durch den Kriegsdienst freier Germanen im römischen Heere, dessen Auswirkungen auf die Ausstattung und Bewaffnung der heimkehrender Krieger der Thorsberger Moorfund so gut beobachten läßt. Die zweite Thorsberger Scheibe, die seeländischen Silberkelche und der Schildbuckel von Herpäly als Kunstwerke des ältesten figürlichen Stils auf germanischem Boden verdanken ihre Entstehung jenen Anregungen des antiken Kulturkreises, die durch den Filter des provinzialrömischen Kunstgewerbes den germanischen Norden erreichten. Daß es

antike Motive und nicht östliche aus der Kunst skythisch-sarmatischer Steppenvölker waren, welche den germanischen Meistern des 3. Jahrhunderts als Vorbild für ihre Darstellungen von Mensch und Tier dienten, scheint uns von großer Bedeutung zu sein. Die fremden Vorbilder haben im Norden nicht zu sklavischer Nachahmung, sondern zur Ausbildung eines selbständigen Stils geführt, der die Kraft germanischen Formempfindens in der Auseinandersetzung mit den Einflüssen des klassischen Südens deutlich erkennen läßt. “) Vgl. hierzu J. Werner, Bonn. Jahrb. 140/41, 1936, 398f.

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Verzeichnis der Textabbildungen und Tafeln. Textabbildungen.

Abb. 1 (S. 3). Bronzeknopf von der Saalburg. Abb. 2 (S. 6). Rekonstruktion des Tierfrieses der zweiten Thorsberger Scheibe. Abb. 3 (S. 13). Eierstäbe von Kästchenblechen des Saciro-Kreises: 1 Wiesbaden, 2 Faimingen, 3 Remagen, 4 Bonn, 5 Wiesbaden. Abb. 4 (S. 19). Bronzemedaillon des Septimius Severus. Abb. 5 (S. 25). Aufbau des Fibelpaares von Dienstedt. Abb. 6 (S. 47). Abrollung der Jagdfriese von Himlingöie. Abb. 7 (S. 48). Tonbecher von Thisted. Abb. 8 (S. 51). Grab von Vallöby. Abb. 9 (S. 53). Himlingöie: 1 Hemmoorer Eimer, 2 Bronzeeimer, 3 Kelle mit Sieb, 4 Ausgußbecken mit Halbdeckel. Abb.:10 (S. 58). Tierfriese seeländischer Glasbecher: 1, 2 Varpelev; 3, 4 Nordrup. Abb.:11 (S. 59). Glasbecher mit Tierfries von Himlingöie. Abb.:12 (S. 61). Himlingöie: a Bock und Pferd auf Silberkelch 2; b u. c Steinbock und Pferd auf dem Hemmoorer Eimer. Abb.13 (S. 63). Gürtelblech (?) von Thorsberg. Abb.14 (S. 64). Der zweite Fund von Osztröpataka. Abb.:15 (S. 65). Der zweite Fund von Osztröpataka. Abb.16 (S. 68). Silberblech von Lilla Jöred, Bohuslän. Tafeln.

Tafel A. Tafel 1. Tafel 2. Tafel 3. Tafel 4. Tafel 5. Tafel 6. Tafel 7.

Tafel 8. Tafel 9. Tafel 10. Tafel 11. Tafel 12. Tafel 13.

Tafel 14.

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Scheibe I von Thorsberg. Scheibe I von Thorsberg, Aufsicht und Schrägaufsicht. Scheibe II von Thorsberg, Aufsicht und Schrägaufsicht. Scheibe I von Thorsberg, Ausschnitte: Felder a und c. Scheibe I von Thorsberg, Ausschnitte: Felder b und d. Rückseiten der Scheiben I und II von Thorsberg. Scheibe II von Thorsberg, Ausschnitt. Thorsberg: 1 Kettenpanzer, zusammen gefunden mit Scheibe II; 2—8 Aufgesetzte Tiere der Scheibe I. Scheibe I von Thorsberg (Ausschnitt) und bronzene Kästchenbleche des Werkstättenkreises um Saciro. Bronzene Kästchenbleche des Werkstättenkreises um Saciro (1 Bonn, 2 Köln, 3 Flavion) und Sigillata von Rheinzabern (4 Stil des Augustinus, Ende d. 2. Jhdts.; 5 Spätstil des Comitialis, Ende d. 2. Jhdts.; 6, 7 Späte Töpfer vom Anfang d. 3. Jhdts.). Bronzenes Schmuckkästchen von Ujmajor. Zierbuckel von Jernaker (1), Vimoor (2) und Thorsberg (3). Scheibenübeln von Dienstedt (4), aus Mitteldeutschland (5), von Tunzenhausen (6) und Ostbrook (7). Hakenkreuzfibeln von Häven (1) und Varpelev (2). Silberbeschlag von Nydam (1). Silberne Bügelfibel von Faimingen (2). Scheibenfibeln von Thienen (3), Lovere (4), Stockbronner Hof (5), aus Nordfrankreich (6, 7), Kastell Zugmantel (8—10, 12, 13) und Saalburg (11). Grabfund von Thienen: 1 Augustus-Cameo, 2 goldener Fingerring, 3 Bronzekanne und Patera.

Tafel 15. Silberner Anhänger von Bonn (1) und Pferdegeschirr von Celles-les-Waremmes (2). Tafel 16. Bronzebleche von Szamos-Ujvdr (1) und Traismauer (2). Tafel 17. Bronzener Schildbuckel von Kirkham (Lancashire). Tafel 18. Silberne Schöpfkelle von Wettingen (Kant. Aargau). Tafel 19. 1—3 Relief und Altäre des Mars Thingsus von Borc.ovicium (Housesteads). 4 Relief aus dem Kastell Holzhausen. 5 Relief von Risingham. Tafel 20. Silberkelche von Vallöby, Amt Praestö.

Tafel 21. Silberkelch von Nordrup, Amt Sorö. Tafel 22. Silberkelche von Himlingöie, Amt Praestö. Tafel 23. Messingeimer von Hemmoor (1). Bilderschüssel des Comitialis aus Vallöby (2). Messingeimer von Himlingöie (3). Tafel 24. Bemalte Glasbecher aus Seeland: 1, 2 Nordrup; 3 Himlingöie; 4—6 Varpelev; 7—9 Thorslunde. Tafel 25. Gürtelblech (?) aus dem Thorsberger Moor. Tafel 26. Gestempelte Bleche von Osztröpataka (Slowakei). Tafel 27. Schildbuckelfragment von Thorsberg (1); Schildbuckel von Herpäly, Aufsicht (2). Tafel 28. Schildbuckel von Herpäly, Seitenansicht. Tafel 29. Schildbuckel von Herpäly, Ausschnitte.

Sach- und Personenverzeichnis Aedicula 10. 12. 14f. 17. 19f., 32. 30 Ala I Augusta Thracum 35 II Pannoniorum 35

Bronzeeimer, konischer 52(,36) -eimer, mit Mänadenattaschen 52 -kanne 28

Alaisiagae 37 f.

-keile mit Sieb Typ NU. Abb. 52 (niedergerm.)

Alamannen 68

50(,27). 52. 54f. -pfanne (Patera) 28

Alföldi, A. 66 Almgren, 0. 27. 29 Altar s. Weihaltar Ambiomarcae 41 Ammonskopf 28

Angeln 2 Apotropäisch 21 Armbmstfibel s. Fibel Armbrustkonstruktion 26 Armbrustspiralfibel s. Fibel Armring, goldener 52(,30). 56(,52) mit verdickten Enden 54. 66 Augustinus (Sigillatatöpfer) 21 Aureus 66 Ausgußbecken s. Bronzegeschirr Auszeichnung, militärische s. Dekoration

Auxiliarformation 22(,43) s. ala, cuneus, numerus Auxiliarkohorte 41 s. cohors

Bacchus 13f. 18 s. Tliinsos Bär 58 Baetasier 41

Barthel, W. 27. 30 Basehlyk 49. 61 Bataver 41 Beda 38 Bellerophon (mit Chimaira) 14. 18. 20 Bellona 20,32. 22,42 Berlock s. Eimerberlock Berasteinhandcl 54 Besitzerzeichen 46 Bestattung s. Brandbestattung, Brandgrab, Grabhügel, Grabkammer, Grabstein, Hockergrab, Sarkophag, Skelettbestattung Blattgold 45. 63

Blei 4 Brandbestattung 27. 29 Brandgrab (röm.) 12 Brandgräberfeld (gern.) 24. 36 Bronzefibel s. Fibel Bronzegeschirr 12. 29 -becken (Ausgußbecken mit Halbdeckel) 52(,34). 57 -beoken, gewelltes 52(,31) -steilwandiges 24. 50. 54 -eimer, mit gewellten Kannelüren 50(,27). 52{,31).

-reliefgef&ß 28 -service 28(, 23). 29 -sieb 52 Bronzeindustrie, belgisch-gallische 28,26 kampanische 28 Bronzelateme 28 Bronzemedaillon (des Septimius Severus) 19 Bronzescheibenfibel s. Fibel Bronzestempel 4f. 8. 10. 13. 20. 45f. 66 Bronzetiseh 28

Brukterer 37 Brunnen s. Ziehbrunnen Brustpanzer s. Panzer Bügelfibel s. Fibel Cannenefaten 41

Capricom 7 Centurionengrabstein 21. 36 Chamaven 37 Chauken 37 Cherusker 37

Cohors II Antoniniana 39 IV Gallorum equitata 39 Comitialis (Sigillatatöpfer) 21. 52. 57(,53) Cugemer 41 Cuneus 37(, 12)

Dekoration, militärische 22. 42. 56 Delphin 4—10. 18. 46 Denar 50 Dexter (Sigillatatöpfer) 21 Dienstag 37

Ding, Dingplatz, Dingstätte 1. 37f. 42 Dioskur llf. 18. 19(,31) Disetus (Sigillatatöpfer) 29 Dolichenus s. Jupiter Dolichenus Domaszewski, A. 41 Donar 41 Dreilagenkamm 50. 54

Drexel, F. 35. 60. 67 Durehbruehmuster, peltenförmiges 29 Durchbruchverzierung 33 Eber 62 f. 67

Eichhorn, H. 24 Eierstab 12—14. 17

72

Eimer mit gewellten Kannelüren s. Bronzegesehirr

Glob, P. V. 55

Hemmoorer s. Messingeimer s. Holzeimer Eimerberlock, bronzener 50

Götterverehrung, germanische 41 f.

Einfuhrgut, römisches 41. 50—52. 54. 57. 69 Einzelhof 55 Emailgefäß 28,23 Emailscheibenfibel 30f. Emailwerkstatt, Emailarbeiten 31 f. 69 Engelhardt, C. 1. 8. 10. 21. 45. 48. 51. 55

Eros 4f. 8. 11. 18 Fadenglas s. Glas

Fettich, N. 48f. 67 Eettschminkstab 16 Fibel, Almgren 196: 50. 52. 54 Almgren 203: 50 Almgren 207: 52 mit umgeschlagenem Fuß 30. 66 Armbrustfibel Almgren 175 (silb.) 24 Armbrustspiralfibel 27 Bügelfibel 30f. (röm.). 52. 68 (germ.) Hakenkreuzfibel Almgren 234: 52 Typ Häven (Almgren 235) 24. 26. 30. 32. 50. 68 Kragenfibel 33

Bundfibel 5 Schamierfibel 31f.(,52) Scheibenfibel, bronzene gegossene 31

mit gestanzter Blechauflage 30 f. Typ Thienen-Stockbronner Hof 30—33 s. Emailscheibenfibel Tutulusfibel 31f. Filigranimitation 32 Fimmilena 38 Fingerring, goldener 28f. (röm.) 50. 52. 56,52 (germ.) s. Spiralfingerring Firmalampe 12. 14 Fisch 4. 45. 62. 68 Flasche s. Glasflasche Flurnamen 56 Flußgottheit 18 Franken 43. 68

Friesen 37f.(,lla). 40. 42

Gold s. Blattgold Gorgoneion 18. 21,36. 22 s. Medusenhaupt Goten 48. 54,41. 68 Grab s. Hockergrab Grabhügel (röm.) 27—29. 28,21—23. 32. 34 Grabkammer (röm.) 28 Grabstein s. Centurionengrabstein Greif 67 Gryllus 66—68 Gutenbrunner, S. 37(,12) Gutshof, römischer 27

Hadrianswall 36—38. 40 Hakenkreuzfibel s. Fibel Halsring 24. 49. 66 Helm s. Gesichtshelm Henkel, F. 29 Heraklesknoten 39,21 Hercules 20,32. 41 Herrensitz 55f.

Hippokamp 5(,4). 45f. 62 Hockergrab 55 Holzeimer 55 Holzmatrize 62

Hübner, E. 36. 38 Hund 57

Jankuhn, H. 1. 42 Jagdarstellung, Jagdfries, Jagdszene 46 f. 49 f. 52. 57. 60—62

Inschriften: CIL VII 100119 (Bisingham) 39 XIII 7459 (Bemagen) 41 XIII 7616f. (Holzhausen) 39 Biese 1855 (Housesteads) 36 f. 2440 (Housesteads) 36f.

Dessau 9302 (Venta Silurum) 39,22 auf Bronzeeimer 52 auf Fingerringen 28. 29,30 auf Kästchenblech 12. 16. 41

Gänsezucht 42,32 Ganymed 19(,28). 35 Gefäß s. Bronzegefäße, Emailgefäß Gemme 68 Genius loci 41 Gericht 37 f. Gesichtshelm 66,79

Gladiator 59f. Glas 16. 28. 32f. geschliffenes 29 Fadenglas 29

Schlangenfadenglas, Kölner 50(,27). 52

Trinkhom 52 s. Spiegel, Spielsteine Glasbecher, bemalte 50,27. 52. 54f. 57—60. 57, 58. 63 dickwandige moosgrüne 54,41 mit Facettenschliff 66(,78) zylindrische 50. 52 Glaseinlage, blaue 67 Glasflasche 12 Glaspaste 30,41 Glasperlen, dunkelblaue 54,41 Glaswerkstatt (Kölner) 66,78 Köm.-Germ. Forschungen 16.

s. Bunen

Inschrifttafel 39,21 Interpretatio romana 37 f. Jupiter 18. 19,32 Dolichenus 20,34. 35 Optimus Maximus 41 Kameo 28 Kamm s. Dreilagenkamm Kapitell, korinthisches 10. 12 pflanzliches 10. 12—14 Kameolperlen 54,41 Kelle, niedergermanische s. Bronzegeschirr Kelten 12. 39 Kerbschnittbronzen, spätrömische 49. 68 Kettenpanzer s. Panzer Köpfe, menschliche 63 Kossinna, G. 52 Kragenfibel s. Fibel

Kreuz 7. 23. 46. 59 Krüger, E. 67 Kult, germanischer 40(,25) Kultbild 11 10

73

Kultstätte 1. 42 Kulturstrom, gotischer 48 Lampe s. Firmalampe Landwirtschaft 55 s. Gutshof Laterne s. Bronzelateme Leder 3. 21 Lilienmuster 66 Limes 16. 26f. 29. 40 Limesgebiet 3f. 52,34 Limeskastell 30 Loe, A. de 27 Löwe 57. 59 lorica hamata s. Kettenpanzer Luna 20,34. 35 Lyra (von Panticapaeum) 31 Markomannen 38,17 Mars Lenus 39,22 Thingsus s. Thingsus

Martial 38. 40 Martin (St.) 43(,37f.) Martinsfest 43,38f. Martinsgans 42f.(,34.39) Martinslieder 43 Maske 10(,4). 11 bacehische 60

bärtige 46 Matrize s. Holzmatrize Matronen(verehrung) 41(, 27) Medaillon s. Bronzemedaillon, Tonmedaillon

Medusenhaupt 3. öf. 8. 19,29. 20f. s. Gorgoneion Mercur 41 Messaksudifund 30

Messingeimer vom Hemmoorer Typ 3. 16. 24. 50(,27). 52. 54f. 57. 60—63. 61,69 Messingindustrie 69 Metallindustrie, pontisch-skythische 49 Metallpanzer s. Panzer Metallstempel s. Bronzestempel Minerva 18

Minns, E. H. 48 Mischwesen, apotropäische 66

Opferschmaus 43,39

Opfertier 38. 40 Ordensauszeichnung s. Dekoration Ornamentik, lineargeometrische 44. 62,70. 63 Ostseehandel 54f. Oxi$, A. 41

Palme 11. 20,32 Paludamentum 5. 15. 18f. 35f. Panther 57 Panzer 5. 7. 11. 14. 18. 21,36 Brustpanzer 22 Kettenpanzer 2. 21(,41). 42,33 Muskelpanzer 5. 12 Paraderüstung (röm.) 18f. 31. 35f. 40f. Paradeschild 19 Patera s. Bronzegeschirr Peltenverzierung 29(,30) Perlen s. Glasperlen, Kameolperlen Petersen, H. 48. 50 Pferd 12. 46. 57. 61 Pferdegeschirr 28f. 30. 33 Phalera 21f.(,42) Poppelreuther, J. 29 Punze 5. 45 Quaden 38,17 Quelle, heilige 1

Rädchentechnik 6f. Rankenwerk 32 s. Weinranke Raute 23 Reibplatte (Reibstein) 10. 14—16 Reibschale 12(, 10)

Reiterprotome 11 Reliefgefäß s. Bronzegeschirr

Ring s. Armring, Fingerring, Halsring Ringknaufschwert 46. 49. 61 Ringpanzer s. Panzer Römerstraße 16. 27 Roma 10,2. 18(,27) Romanisierung 41 Romulus 14 Rosette 46

Mithras(relief) 20,34 Möller, F. 36. 39. 42 Montelius, O. 48 Müller, S. 1 Münsterberg, B. 38f. Münzbild 13,12. 18f.(,27) Münze 18f. 28f. s. Aureus, Denar, Silbermünze, Solidus Münzvorlage 13. 19 Muskelpanzer s. Panzer Muttergottheiten s. Matronen

Rostovtzeif, M. I. 48 Rundfibel s. Fibel

Nadelhalter, hoher 27 Neergaard, C. 52 Nehalennia 41 Nodus 45 Numerus 22. 41 Numina Augustorum 39f.

Saxones 37

Runen (Vimoor) 42,33 Säule, korinthische 20

Salin, B. 48f. 68 Salbenreibstein s. Reibplatte Sammelfund 20,34. 28 s. Schatzfund, Silberfund Sarkophag 29(,30) Sarmaten 38,17. 48. 57.. 69 Saxnot 37

Schamierfibel s. Fibel Schatzfund (röm.) 32f. Scheibenfibel s. Fibel Schiefer 15f. Schildbuckel 10. 19(, 29). 36. 40f. 42,33. 49.96.66—69. 67,82

Odinsjäger 56 Okeanosmaske 10,4 Opfer s. Siegesopfer

74

Schildverzierung (Bild) 5,2. 19,30 Schlange 4—6. 12—14. 18. 35 Schlangenfadenglas s. Glas

Schminkstift 16 Schmuckkästchen 10. 13—19. 20,32 Schnuromament 22 Schöpfkelle, bronzene (einheimisch) 54 silberne 35 f. 40 s. Bronzegeschirr Schwan 36(,7) Scylla 35 Seepferd(chen) 4—6. 5,4. 8. 63 Seetier, Seeungeheuer, Seewesen 4f. 7. 21. 61 f. 63,72. 67 Serpentin 15 Service s. Bronzeservice

Shetelig, H. 48f. Siedelung s. Einzelhof, Gutshof, Herrensitz Siegesopfer 1

Sigillata (auch S.-bilderschüssel, S.-schale, S.-töpfer, S.töpferei) 12 (,10). 18. 21. 28. 32. 52. 57(,55). 60. 69 Sigillatatöpfer s. Augustinus, Comitialis, Dexter, Disetus Sigillatatöpferei s. Ortsverzeichnis: Blickweiler, La Madeleine, Lavoye, Rheinzabern Silber s. Versilberung Silberfibel s. Fibel Silberfund 32 Silbergeschirr, alexandrinischesu. gallisch-alexandrinisckes 18. 60. 67 Silbermünze 36

Silberstift 3f. 23—27. 23,1. 32f.

Tierfries 7. 9. 20. 44—48. 50. 56f.(,55). 60. 62f. Tierhetze 60 f. Tierkampf, Tierkampfszene 58—60. 67 Tieromamentik (germ.) 44. 48f. 60,65. 68 skythische 48 Tiger 62 f. Tisch s. Bronze tisch Tiu 37 f. 41—43 Tonmedaillon 18 Treverer 39 Trinkhom 44,1. 52 Tropaion 12. 14. 18 Tuihanti 37 Tumulus s. Grabhügel (röm). Tungrer 41 Tunika 35 Tutulusfibel s. Fibel

Velius Rufus 38 Venatio s. Tierhetze Venator 58 Versilberung 19,32 Verzierung, figürliche 60 Verzinnung 52 Victoria 14. 18f.(,31). 30,34. 35f. 39(,21) Virtus 22,42 Vogel 4. 59

Silen 13. 18 Skelettbestattung 54 Skelettgrab 16 (röm.). 51 (gerrn.) Skelettgräberfeld 50. 52. 55 Skelettgräbergruppe, mecklenburgische 54,42 seeländische 45. 50. 54—57. 60. 62. 66,78 thüringische 24. 54,42. 66,78 Skythen 49. 57. 60,65. 61 Solidus 67 Sphinx 66 Spiegelkapsel 10—12. 15f. 19. 41 Spiegelkasten 20,32 Spielsteine, gläserne 28. 50. 52. 55 Spiralarmband, goldenes 52 s. Armring, goldener Spiralfingerring, goldener 50. 54f. Spiralomament 46 Stab s. Fettschminkstab, Thyrsosstab Stangenschildbuckel 67 Steinbock 46. 57. 61 Stempel (model) s. Bronzestempel

Volkssage 56 Volksversammlung 37

Stift s. Schminkstift, Silberstift

Willers, H. 57. 60

Storch 39 Strahlenkrone 20 (32) Sunucer 41

Wochengott 36. 42 Wodan 41. 43,37 s. Odinsjäger Wölfin (mit Romulus) 14. 18

Tänie 66 Tempel 11 Tempelschatz 36

Terra Sigillata s. Sigillata Thensa Capitolina 20 Thiasos, bacchischer 20

Thingsus 37f.(,ll). 40—12 Thron 5. 11. 14f. Thyrsosstab 14. 18

Votivblech, silbernes 20. 30 Votivrelief s. Weihrelief Waflenstilleben 5Sf. Wagenrennen 60

Wallfahrt 1 Wandalen 54,41. 66—68 Wassergottheit 10 Wasserorgel 59 Weihaltar 36(,8). 38. 41 Weihgabe 1. 22. 42

Weihinschrift s. Inschrift Weihrelief 18. 35f. 39,22. 41 Weinkanne s. Bronzegeschirr Weinranke 14. 59 Weissagung 43,39 Wieseler, F. 11 Wikingerschifi 55 Wikingerzeit 49. 55

Zahn, R. 29 Zaumzeug 12 Zeichen s. Besitzerzeichen Ziehbrunnen 11

Zinn s. Verzinnung Zirkus(szene) 60 Zirkusspiele 60

Ortsverzeichnis Airlie, Angussliire, Schottland 59,59 Altenwalde, Kr. Land Hadeln, Hannover 57,55 Altmark 26 Andernach, Kr. Mayen, Rheinprovinz 20,32 Angeln 1. 42. 56 Aquincum (Ö-Buda [Altofen], Kom. Pest) 31,52 Autun, Dep. Saöne-et-Loire 12,9f. Avaldsnes, Rogaland 62,70. 63 Bala-Hissar (Pessinus), Bulgarien 20,34 Barkway, Hertfordshire 20,34

Bartlow Hills bei Ashdon, Essex 28,23 Bavai, Dep. Nord 16 Belgien (Belgica) 20. 28. 31(,48). 32. 51f. 59 Bleriok (Blariacum), Holl. Limburg 19,29 Blickweiler (Sigillatatöpferei), Kr. St. Ingbert, Saarpfalz 21 Bonn, Rheinprovinz lOf. 10,4. 13—20. 27. 32 f. 35 f. 36,8. 40

Gherla s. Szamos-Ujv&r Grabow, Kr. Ludwigslust, Mecklenburg 57 Graubünden 32 Graz, Steiermark 21,36 Gressenich, Ldkr. Aachen, Rheinprovinz 3,1. 16. 57. 69

Häven, Ivr. Wismar, Mecklenburg 61,68. 62,70 Hannover 24 Haßleben, Kr. Weimar, Thüringen 31,48. 33,63 Heddernheim (heute Stadtgebiet Frankfurt a. M.), HessenNassau 20, 34. 61,68 Hemmoor, Kr.Neuhaus, Hannover 61,69

Herpäly, Kom. Bihar 49. 66—68 Herstal, Prov. Lüttich 28(,23) Hettingen, Kr. Sigmaringen, Hohenzollem 32f. Himlingöie, A. Praestö, Seeland 45—47. 49f. 52. 54—57. 55(, 49). 59. 61 Holland 41 f.

Borcovicium (Housesteads, Northumberland) 36. 38. 40 Bordeaux, Dep. Gironde 12,9 Britannien 20. 36. 39f. Brokjaer, A. Ribe, Jütland 62,70. 63 Brougham Castle, Westmorland 38

Holzhausen (Kastell), Untertaunuskr., Hessen-Nassau

Caerwent s. Venta Silurum Cannstatt (Kastell), Württemberg 33 Carlingwark Lorch, Kirkcudbrightshire, Schottland 21,41 Carnuntum (zwischen Petronell und Deutsch-Altenburg. Niederdonau) 21,41. 31,48

Jernaker, Opland 23. 32

Celles-les-Waremmes, Hennegau 29f. 33

Chätelet bei St. Dizier, Dep. Hte. Marne 19,32 Corstopitum (Corbridge-on-Tyne, Northumberland) 29,30 Corvey (heute Höxter-Corvey), Westfalen 43,38 Cotil-Vert ä Fel, Dep. Orne 31,49 Dänemark 24 Dakien 35 Dahlhausen, Kr. Ostprignitz, Mark Brandenburg 24 Dekumatland 26f.

Dienstedt, Kr. Arnstadt, Thüringen 24. 26f. 29. 31—34 Dijon, Dep. Cöte-d’Or 12,9 Eisenberg, Ldkr. Kirchheimbolanden, Saarpfalz 36,8 Embresin, Prov. Lüttich 57,58

Faimingcn (Vicus), Ldkr. Dillingen, Schwaben 13f. 16— 18. 20. 28. 31. 35. 40 Flavion, Prov. Namur 14—17. 19. 31,48

Fredsö (Insel) bei der Insel Mors, A. Thisted, Jütland 62,70

Gallien 16. 30. 31,48. 54. 60 Vgl. auch Belgien Gbell, Bez. Prag-Ost, Böhmen 24,8

76

39—41. 43,34 Housesteads s. Borcovicium

Italien 48

Kertsch s. Panticapaeum

Keszthelv-Ujmajor, Kom. Zala 14f. 17f. 20. 35. 36,8. 39f.

Kirkham, Lancashire 36. 40f. Kis-Ärpäs, Kom. Györ (Raab) 18,27 Köln, Rheinprovinz 14. 15,19. 16f. 20,32. 41 Kulm, Kant. Aargau 33 Kumbulta, Kaukasus 31,48 Laisacker, Ldkr. Neuburg a. D., Schwaben 26,14 La Madeleine (Sigillatatöpferei), Dep. Allier 21. 57,55 Langres, Dep. Hte. Marne 12,9 Lauersforst, Kr. Mörs, Rheinprovinz 22(,42) Lavoye (Sigillatatöpferei), Dep. Meuse 29(,29) Leuna, Kr. Merseburg, Prov. Sachsen 66,78 Lilla Harg, Östergotland 67,82 Lilla Jöred, Bohuslän 68,85 Lombardei 32 Lovere, Prov. Bergamo 32 f.

Lunnem, Kant. Zürich 33 Mainz, Rheinhessen 33,63 Mecklenburg 24 Merseburg, Prov. Sachsen 68

Metz, Lothringen 10,4 Miltenberg (Kastell), Unterfranken 30,41 Moesien 20 Munningen (Kastell), Ldkr. Nördlingen, Schwaben 22,42

Säuischen bei Novozagora, Bulgarien 19,28 Neumagen, Kr. Bemkastel, Bheinprovinz 10,4 Niederbieber (Kastell), Kr. Neuwied, Rheinprovinz 31,53 Niedergermanien 9. 16f. 19. 34f. 38. 40—42. 51f. 57. 59 Niedersachsen 26

Nimes, Dep. Gard 21,36 Nordrup, A. Sorö, Seeland 45f. 48—50. 52. 54. 57—59. 61—63

Norwegen 23. 62,70 Novaesium (Neuß, Rheinprovinz) 15,19 Nowotscherkask, Dongebiet 49(,15) Nydam bei Ost-Satrup, Nordschleswig 26. 42,33 Obergermanien 52. 57 Öremölla, Schonen 21,41

Ostbrook, Kr. Syke, Hannover 26. 32 Osterburken (Kastell), Kr. Mosbach, Baden 12,9 Osztröpataka, slov. Ostroviany, Bez. Sabinov (KleinZeben), Slowakei 54. 66f. Pannonien 14. 20. 40. 48. 66f. Panticapaeum (Kertsch, Krim) 31 Penteville, Prov. Namur 28(,23—25) Pessinus s. Bala-Hissar

Pfünz (Kastell), Ldkr. Eichstätt, Mittelfranken 30,41. 33 Poitiers, Dep. Vienne 59,59 Praunheim (heute Stadtgebiet Frankfurt a. M.), Hessen-

Stockbronner Hof, Gern. Neckarzimmem, Kr. Mosbach, Baden 27. 29. 33f. Stockstadt (Kastell), Ldkr. Aschaffenburg, Unterfranken 20,34. 31,50 Straze, Bez. Pistyan, Slowakei 66,78 Stree bei Charleroy, Hennegau 20,32 Südrußland 30f. 48f. 54(,41). 60,65. 62,71 Süderbrarup, Kr. Schleswig, Angeln 1 Szamos-Ujvär, rum. Gherla, Kom. Szolnok-Doboka 35. 36,8. 39,21. 40f.

Tangendorf, Kr. Harburg, Hannover 62,70 Thienen, Brabant 27—29. 28,25. 31 f. 34 Thisted, Jütland 48 Thorslunde, A. Kopenhagen, Seeland 52. 54f. 55,49. 57. 59. 61 Thüringen 24

Tirlemont s. Thienen Tislund, Seeland 37 Tongern, Belg. Limburg 27 Traismauer (Kastell'), Kr. St. Pölten, Niederdonau 35. 38. 40f. Trebnitz, Schlesien 33,63 Trier, Rheinprovinz 19,32 Tryggevaelde Aa (Fluß), Seeland 55f. Tunzenhausen, Kr. Weißensee, Prov. Sachsen 26. 32 Twenthe (Landschaft), Prov. Oberijssel 37. 40. 42

Nassau 16

Prignitz 24. 26

Ujmajor s. Keszthely-Ujmajor Ungarn s. Pannonien

Raetien 28. 32

Remagen, Kr. Ahrweiler, Bheinprovinz llf. 14—17. 19. 41. 59,59 Rembrechts, Kr. Tettnang, Württ. 33 Rheinland 30. 33 Rheinzabern (Sigillatatöpferei), Ldkr. Germersheim. Saarpfalz 21. 31,48. 52. 57(,53) Risingham, Northumberland 39—41 Rückingen (Kastell), Kr. Hanau, Hessen-Nassau 59,59 Saalburg (Kastell), Obertaunuskr.. Hessen-Nassau 3. 26f. 29. 31,48. 34. 59,59 Sacrau, Kr. Oels, Schlesien 68 Schottland 60 Schweden 24. 62,70 Seeland 9. 37. 54—56. 60. 66,78. 68f. Simpelveld, Holl. Limburg 29(, 30) Slowakei 66,78. 67

Spielberg bei Erlbach, Ldkr. Gunzenhausen, Mittelfranken 24,8. 33,63 Stanwix, Yorkshire 21,41 Starigrad, Dalmatien 15,19 Stevns (Landschaft), Seeland 55f. Stevns Aa (Fluß) 56

Vallöby, A. Praestö, Seeland 45f. 48. 51 f. 54—57. 55,49. 62

Vanderincourt, Dep. Marne 59 (59) Varennes, Dep. Alliers 59,59 Varpelev, A. Praestö, Seeland 55—57. 59. 61. 66,78 Venta Silurum (Caerwent, Monmouthshire, Wales) 39,22. 43,34

Vermand, Dep. Aisne 31,49. 67,82 Vervoz, Gern. Clavier, Prov. Lüttich 28,22 Vimoor, Fünen 21,41. 23. 32. 42,33 W aneennes, Prov. Namur 59,59

Wechmar, Kr. Gotha, Thüringen 24,6. 26. 32 Weißen bürg (Kastell), Mittelfranken 12,8 Westfalen 41 Westray, Orkney-Inseln 59,59

Wettingen, Kant. Aargau 35f. 36,8. 40. 42 Wiesbaden, Hessen-Nassau 13f. 16—18. 20. 35. 40 Wiggensbach, Ldkr. Kempten, Schwaben 32f.

Zahna, Kr. Wittenberg, Prov. Sachsen 33,63 Zugmantel (Kastell), Gern. Orlen, Untertaunuskr., Hessen-

Nassau 26f. 29f. 59,59

77

I

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Scheibe I von Thorsberg. Aufsicht (i) und Schrägaufsicht (2). 1: 1.

TAFEL i

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Scheibe II von Tliorsberg. Aufsicht (i) und Schrägaufsicht (2). i: t.

TAFEL 2

Scheibe I von Thorsberg.

Ausschnitte. Felder a (i) und c (2).

Scheibe I von Thorsberg.

Ausschnitte. Felder b (i) und d (2).

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

TAFEL 5

Rückseiten der Scheiben 1(1) und II (2) von Thorsberi

CI

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN TAFEL 6

Scheibe II von Thorsberg. Ausschnitt.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

1. Kettenpanzer, zusammen gefunden mit Scheibe 11 von Thorsberg. 1:1. 2—8. Aufgesetzte Tiere der Scheibe I. 1:1,

TAFEL

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16

TAFEL 8

WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

1,3. Scheibe I von Thorsberg.

um Saciro. 1:1.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16

TAFEL q

WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

1—3. Bronzene Kästchenbleche des Werkstättenkreises um Saciro. 1:1.

4—7. Sigillata von Rheinzabern. 1:2. i. Bonn. — 2. Köln. — 3. Flavion. — 4. Stil des Augustinus (Ende d. 2. Jhdts.). — 5- Spätstil des Comitialis (Ende d. 2. Jhdts.). — 6, 7. Späte Töpfer vom Anfang d. 3. Jhdts.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Bronzenes Schmuckkästchen von Ujmajor. 1:1.

TAFEL io

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16

TAFEL ii

WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Zierbuckel von Jernaker (1), Yimoor (2) und Thorsberg (3). 1 : 1. — Scheibenfibeln von Dienstedt (4), aus Mitteldeutschland (5), von Tunzenhausen (6) und Ostbrook (7). I : 1.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN

16

WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Hakenkreuzfibeln von Häven (1) und Yarpelev (2). 1 : 1

TAFEL

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 TAFEL 13 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Silberbesehlag vonNydam (1). — Silberne Bügelfibel von Faimingen (2). — Scheibenfibeln von Thienen (3),

Lovere (4), Stockbronner Hof (5), aus Nordfran kr eich (6, 7), Kastell Zugmantel (8—10, 12, 13) und Saalburg (11). 1:1.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16

TAFEL 14

WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

Grabfund von Thienen: 1. Augustus-Cameo. 1:1. — 2. Goldener Fingerring. 1:1. — 3. Bronzekanne und Patera. oö Nach Annales de la Societe Archeologique de Bruxelles 9, 1895.

RÖMISCH-GERMANISCHE FORSCHUNGEN 16 WERNER, THORSBERGER SCHEIBEN

TAFEL

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