Die affirmativen Modalpartikeln doch, ja und schon: Ihre Bedeutung, Funktion, Stellung und ihr Vorkommen 3484301643, 9783484301641

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Die affirmativen Modalpartikeln doch, ja und schon: Ihre Bedeutung, Funktion, Stellung und ihr Vorkommen
 3484301643, 9783484301641

Table of contents :
VORWORT
1. METHODOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN
1.1. Modellbildung
1.2. Die Arbeitshypothese
1.3. Beobachtung, Messung, Experiment
1.4. Auswertung der Untersuchungsergebnisse
2. HYPOTHESEN BEZUGLICH DER AFFIRMATIVEN MODALPARTIKELN doch, ja UND schon
3. ERLÄUTERUNG UND VERIFIZIERUNG DER HYPOTHESEN(H1) bis (H8.4)
3.1. Betonung der Modalpartikeln doch, ja und schon (H1)
3.2. Substituierbarkeit der Modalpartikeln doch, ja und schon (H2)
3.3. Abgrenzung der Modalpartikeln doch, ja und schon gegen homonyme Satzäquivalente (H3)
3.4. Der syntaktische Status der Modalpartikeln doch, ja und schon (H4)
3.5. Die Bedeutung der Modalpartikeln doch, ja und schon
3.5.0. Basisinformation und Ereignis
3.5.1. Bedeutung von doch (H5.1)
3.5.2. Bedeutung von ja (H5.2)
3.5.3. Bedeutung von schon (H5.3)
3.6. Die Funktion der Modalpartikeln doch, ja und schon
3.6.1. Funktion von doch1. (H6.1)
3.6.2. Funktion von dooh2und doch'2 (H6.2)
3.6.3. Funktion von ja (H6.3)
3.6.4. Funktion von schon (H6.4)
3.7. Das Vorkommen der Modalpartikeln doch, ja und schon
3.7.1. Vorkommen von doch1 (H7.1)
3.7.2. Vorkommen von doch2 und doch'2 (H7.2)
3.7.3. Vorkommen von ja (H7.3)
3.7.4. Vorkommen von schon (H7.4)
3.8. Die Stellung der Modalpartikeln doch, ja und schon im Satz
3.8.1. Stellung von doch1 (H8.1)
3.8.2. Stellung von doch2, dooh2 (H8.2)
3.8.3. Stellung von ja; (H8.3)
3.8.4. Stellung von schon (H8.4)
3.8.5. Stellungsunterschiede der Modelle von doch, ja und schon und ihre Integration in die Grundreihenfolge eines Mittelfelds
4. RESULTATE
LITERATUR

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Linguistische Arbeiten

164

Herausgegeben von Hans Altmann, Herbert E. Brekle, Hans Jürgen Heringer, Christian Rohrer, Heinz Vater und Otmar Werner

Dieter Borst

Die affirmativen Modalpartikeln doch Ja und schon Ihre Bedeutung, Funktion, Stellung und ihr Vorkommen

Max Niemeyer Verlag Tübingen 1985

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Borst, Dieter:

Die affirmativen Modalpartikeln doch, ja und schon : ihre Bedeutung, Funktion, Stellung u. ihr Vorkommen / Dieter Borst. - Tübingen : Niemeyer, 1985. (Linguistische Arbeiten ; 164) NE:GT ISBN 3-484-30164-3 ISSN 0344-6727 ©Max Niemeyer Verlag Tübingen 1985 Alle Rechte vorbehalten. Ohne Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus photomechanisch zu vervielfältigen. Printed in Germany. Druck: Weihert-Druck GmbH, Darmstadt.

VORWORT

Die vorliegende Arbeit bildet eine geringfügig veränderte, aus dem Französischen übersetzte Fassung meiner Dissertation, die unter der Leitung von Prof. Dr. B.N. Grünig entstand und am 3. Dezember 1983 an der Universität Paris VIII verteidigt wurde. Die Mitglieder der Jury waren Prof. Dr. H . E . Brekle, Prof. Dr. D. Cläment, Prof. Dr. A. Gresillon und Prof. Dr. B.N. Grünig. Wertvolle Hinweise verdanke ich auch Prüf. Dr. M. Reis und, im Zusammenhang mit der Überarbeitung für die Drucklegung, Prof. Dr. H. Vater. Allen, die mir ihre Hilfe nicht versagten, möchte ich hier sehr herzlich danken.

Dieter Borst

VII

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT 1

1.

METHODOLOGISCHE

•1.1. 1.2.

Modellbildung

1 2

•1.4.

Die Arbeitshypothese Beobachtung, Messung, Experiment Auswertung der Untersuchungsergebnisse

2.

HYPOTHESEN BEZUGLICH DER AFFIRMATIVEN MODALPARTIKELN doch, ja_

1.3.

VORBEMERKUNGEN

3 4

6

UND schon

19

3.

ERLÄUTERUNG UND VERIFIZIERUNG

3.1. 3.2.

Betonung der Modalpartikeln doch, ja und schon ( H 1 )

19

Substituierbarkeit der Modalpartikeln doch, ja und schon (H2) Abgrenzung der Modalpartikeln doch, ja und schon gegen homonyme Satzäguivalente (H3) Der syntaktische Status der Modalpartikeln tJoch, j£ und schon (H4) Die Bedeutung der Modalpartikeln doch, ja und schon Basisinformation und Ereignis Bedeutung von doch (H5.1) Bedeutung von j£ (H5.2) Bedeutung von schon (H5.3) Die Funktion der Modalpartikeln doch, ja und schon Funktion von doch1 (H6.1) Funktion von dochL.0 und "^~"·""~ doch' L0 (H6.2) Funktion von ja ( 6.3) Funktion von schon (H6.4) Das Vorkommen der Modalpartikeln doch, ja und schon Vorkommen von doch- (H7.1)

19

3.3. 3.4. 3.5.

'3.5.0. •3.5.1. '3.5.2. 3.5.3. 3.6.

3.6.1. 3.6.2. 3.6.3. 3.6.4. 3.7.

3.7.1.

DER HYPOTHESEN(H1 ) bis

(H8.4)

20 20 23 24 25 30 34 42 43 47 51 54 66 67

VIII 3.7.1.1. 3.7.1.2. 3.7.1.3. 3.7.1.4. 3.7.2. 3.7.2.1. 3.7.2.2. 3.7.2.3. 3.7.2:4. 3.7.2.5. 3.7.3. 3:7.3.1.· 3.7.3.2. 3:7.3.3. 3.7:4. 3:7.4.1. 3.7.4.2. 3.7.4.3. 3.7.4.4. 3.7.4.5. 3.7.4.6. 3.7.4.7. 3.8. 3.8.1. 3.8.2. 3.8.3. 3.8.4. 3.8.5. 4.

dach., im Aussagesatz doch,, im daß-Satz doch,, im Kausalsatz doch,, im Konzessivsatz Vorkommen von doch,, und doch',, ( 7.2) doch,, im Aussagesatz doch,, im Wunschsatz doch_2 in der V2-Frage doch,, im Imperativsatz doch' ? in der Ergänzungsfrage Vorkommen von ja_ (H7.3) ja_ im Aussagesatz jar im da£-Satz ja_ im Kausalsatz Vorkommen von schon (H7.4) schon im Aussagesatz schon im dajj-Satz schon im Kausalsatz schon im Konsekutivsatz schon im Konzessivsatz schon im durch wenn eingeleiteten Nebensatz schon in der Ergänzungsfrage Die Stellung der Modalpartikeln doch, ja_ und schon im Satz Stellung von doch1 (H8.1) Stellung von doch,,, doch' 2 (H8.2) Stellung von ja· (H8.3) Stellung von schon (H8.4) Stellungsunterschiede der Modelle von doch, j£ und schon und ihre Integration in die Grundreihenfolge eines Mittelfelds

67. 70 74 82 87 87 89 90 92 94 99 99 103 106 110 110 113 116 118 119 121 122 132 138 147 155 164 174

RESULTATE

178

LITERATUR

186

1.

METHODOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN

In dieser Arbeit sollen empirisch gefundene Erfahrungstatsachen bezüglich der Modalpartikeln doch, ja_ und schon zusammengestellt und interpretiert werden. Die zu untersuchenden Modalpartikeln besitzen je eine syntaktische, semantische und pragmatische Komponente, die ihrerseits in weitere Komponenten zerlegbar sind, und bilden daher komplexe Phänomene. Eine globale Untersuchung eines komplexen Phänomens, d.h. die gleichzeitige Betrachtung aller seiner Komponenten, erweist sich nun als äußerst kompliziert und verstößt somit gegen das Prinzip der Einfachheit. Die Untersuchungen setzen daher zwangsläufig bei den Komponenten und Subkomponenten der Partikeln an und werden im Rahmen des induktiven Verfahrens vorgenommen. Für eine Anwendung dieses Verfahrens lassen sich die folgenden Argumente anführen: Das induktive Verfahren schließt das Modell ein. Ein Modell ist sinnvoll, da es den Untersuchungsgegenstand idealisiert, d.h. vereinfacht, dadurch die Untersuchungen erleichtert und zur Erklärung beobachtbarer Tatsachen beiträgt; Das Verfahren setzt die Arbeitshypothese voraus. Diese ist zweckmäßig, da sie eine planvolle Durchführung der Untersuchungen gewährleistet; Es schließt das Experiment ein und macht so den Beobachter vom Zufall unabhängig. Für den Linguisten bedeutet das u.a., daß er sich nicht auf das zeitraubende Sammeln belegter Beispiele beschränken muß, sondern diese auch selbst produzieren kann; Es läßt Verallgemeinerung zu. Damit besteht aber grundsätzlich die Möglichkeit, von einer Teilklasse von Phänomenen, über die Erfahrungstatsachen vorliegen, auf die ganze Klasse dieser Phänomene zu schließen. Die mit der Anwendung des induktiven Verfahrens verbundenen Vorteile sollen in dieser Arbeit nutzbar gemacht und die vier wichtigsten Teilverfahren daher hier kurz erläutert werden. 1.1.

Modellbildung

Ein Modell wird aufgrund von Beobachtungen eines komplexen Phänomens konstruiert

und liefert dessen teilweise Abbildung. Diese erhält man durch eine Auswahl aus der Menge der Komponenten des Phänomens. Die Auswahl der Komponenten wird durch die Zwecke bestimmt, denen ein Modell dienen soll. Ein Modell bewirkt also eine zweckgesteuerte Idealisierung, die bewußt vereinfacht und dadurch eine bestimmte Komponente oder Komponenten des komplexen Phänomens besonders deutlich abbildet, während sie andere unberücksichtigt läßt. Das Modelloriginal, d.h. das komplexe Phänomen, ist Bestandteil des Objektbereichs, d.h. der realen Welt. Es umfaßt meist wesentlich mehr Komponenten als das von ihm angefertigte Modell, das nur seine teilweise Abbildung darstellt. Das Modellsubjekt endlich ist derjenige, der ein Modell baut und/oder benutzt. Baut er es, so schafft er aufgrund von Beobachtungen des Modelloriginals einen geeigneten Rahmen für weitere Beobachtungen an diesem. Benutzt er es, so ist er bestrebt, durch die in seinem Rahmen vorgenommenen Beobachtungen zu Erfahrungstatsachen und Gesetzen bezüglich des Modelloriginals vorzudringen, dem das Modell zugeordnet ist. Ein Modell sollte eigentlich für ein Modelloriginal konstruiert werden, das nicht durch vereinzelte Phänomene, sondern durch eine Klasse von Phänomenen gebildet wird. Diese Forderung ist jedoch nicht ohne weiteres erfüllbar, da das Modell aufgrund von Beobachtung eines Modelloriginals gebaut wird, das selbst nur Teil einer Klasse ist, da Beobachtung in empirischen Wissenschaften nie die ganze Klasse erfassen kann. Das Modell wird also durch Beobachtung einer Teilklasse von Phänomenen hergestellt, einer Teilklasse allerdings, von der man durch Verallgemeinerung auf die ganze Klasse schließt. Daraus folgt aber, daß das Modell nicht nur Analogien zu den Phänomenen einer Teilklasse, sondern auch zu denen der ganzen Klasse aufweist. Es hat daher generellen, aber auch hypothetischen Charakter, denn seine generelle Gültigkeit ist nicht durch Beobachtung abgesichert und bleibt demzufolge hypothetisch. Hieraus ergibt sich, daß ein Modell seinem Original nicht erst dann angemessen ist, wenn es letzteres vollständig abbildet. Vielmehr ist Angemessenheit bereits dann gegeben, wenn es das Original in einfacher und anschaulicher Weise zu beschreiben und beobachtbare Tatsachen zu erklären gestattet. Dies ist indessen häufig erst dann möglich, wenn für ein Original nicht nur eines, sondern mehrere Modelle konstruiert werden. 1.2.

Die Arbeitshypothese

In empirischen Wissenschaften vollzieht sich das Fortschreiten von der Beobachtung über die Erfahrungstatsachen zu deren Auswertung nicht willkürlich und planlos. Vielmehr werden bereits zum Zeitpunkt des Modellbaus oder der Modell-

benutzung gewisse Vorstellungen über das zu beschreibende Modelloriginal entwickelt, die für den weiteren Verlauf der Untersuchungen richtungsweisend sind. Diese Vorstellungen gründen in einer empirischen Wissenschaft auf bereits vorhandener Erfahrung und sind nicht das Ergebnis reiner Spekulation. Solche Vorstellungen stellen eine Arbeitshypothese dar. Sie sind insofern hypothetisch, als sie am Anfang der Untersuchungen bezüglich eines komplexen Phänomens stehen und über ihre Berechtigung erst durch weitere Erfahrung entschieden werden kann. Sie sind jedoch notwendig, da sie die Voraussetzung dafür schaffen, daß Beobachtung und Experiment nicht willkürlich erfolgen, sondern planvoll, d.h. hypothesegeleitet, durchgeführt werden können. Verlaufen Beobachtung und Experiment im Sinne der Arbeitshypothese erfolgreich, so ist davon auszugehen, daß die Hypothese in gewissem Umfang bereits die Auswertung der Beobachtungen vorwegnimmt. 1.3.

Beobachtung, Messung, Experiment

Durch die Arbeitshypothese werden bestimmte Vermutungen über ein komplexes Phänomen, ein Modelloriginal, angestellt, die selbstverständlich überprüft werden müssen. Die Überprüfung der Hypothese erfolgt durch die Erfahrungskontrolle, bei der sie sich bewähren muß. Als Kontrollverfahren werden Beobachtung und Messung herangezogen. Gemessen wird z.B. in dieser Arbeit die relative Stellung der Modalpartikeln im Mittelfeld eines Satzes. Durch fortgesetztes Messen gelangt man zur Meßreihe, die in dieser Arbeit z.B. durch eine bestimmte Anzahl zusammengehörender Stellungspaare gebildet wird. Die Meßreihe enthält also direkt aus dem Objektbereich durch Erfahrung gewonnenes Material, das mit dem Ziel ausgewertet werden muß, die Arbeitshypothese zu verifizieren oder zu falsifizieren. Beobachtung und Messung bilden aber auch gleichzeitig denjenigen Teilabschnitt des induktiven Verfahrens, durch den letztlich Erfahrungstatsachen neu hinzugewonnen werden. Beobachtung und Messung werden in dieser Arbeit häufig im Rahmen von Experimenten vorgenommen. Unter Experiment wird hier die Tatsache verstanden, daß das beobachtete Phänomen nicht vorgefunden, sondern künstlich und planmäßig erzeugt wird. So sind die Sätze in Kapitel (3.8.), in denen die Stellung der Modalpartikeln untersucht wird, nicht belegt, sondern konstruiert. Der Vorteil des Experiments ist einleuchtend: Es befreit den Beobachter von zeitraubender Suche nach Gelegenheiten, bei denen das zu beobachtende Phänomen irgendwo im Objektbereich in Erscheinung tritt.

1.4.

Auswertung der Untersuchungsergebnisse

Das Resultat von Beobachtung und Messung, die häufig im Rahmen von Experimenten vorgenommen werden, sind Erfahrungstatsachen bezüglich eines komplexen Phänomens des Objektbereichs. Solche Erfahrungstatsachen liegen, jedoch zunächst voneinander isoliert und ungeordnet vor und sind folglich nur begrenzt aufschlußreich. Daher muß eine systematische Auswertung der Untersuchungsergebnisse, d.h. der Gesamtmenge der verfügbaren Erfahrungstatsachen, vorgenommen werden. Die Auswertung beginnt mit einer sortierenden Zusammenstellung der gewonnenen Tatsachen. Diese Zusammenstellung ermöglicht es, Vergleiche zwischen ihnen anzustellen. Eine weitere Phase der Auswertung besteht darin, mit Hilfe der durchgeführten Vergleiche eventuell zwischen den Erfahrungstatsachen bestehende besondere Beziehungen zu bestimmen, zu untersuchen und zu beschreiben. Die auf diese Weise erzielten zusätzlichen Kenntnisse gestatten es, das komplexe Phänomen, dem die untersuchten Erfahrungstatsachen zuzuordnen sind, präziser zu erfassen. Dies aber ist z.B. die Voraussetzung für eine sorgfältige Klassifizierung des Phänomens, die anschließend erfolgen kann. Darüber hinaus bildet die Auswertung der Untersuchungsergebnisse den Abschluß der Erfahrungskontrolle, indem sie zeigt ob die Gesamtheit der Arbeitshypothesen mit der Gesamtheit der Erfahrungstatsachen verträglich ist oder nicht. Zum Zwecke der Identifizierung des komplexen Phänomens Modalpartikel werden seine intonatorische, syntaktische, semantische und pragmatische Komponente dem induktiven Verfahren unterworfen. Als Subkomponenten dieser Komponenten werden die Betonung der Partikeln, ihre Substituierbarkeit, ihre Abgrenzung gegen das homonyme Satzäquivalent, ihr syntaktischer Status, ihre Bedeutung, Funktion und ihr Vorkommen, ihre Stellung im Satz sowie ihre Stellung im Mittelfeld (des Stellungsfelderrahmens), da diese Rückschlüsse auf die Mitteilungsrelevanz der Partikeln erlaubt, untersucht. Einer Untersuchung jeder der hier genannten Subkomponenten wird eine Arbeitshypothese vorausgeschickt. Diese Hypothesen werden in Kapitel (2) dieser Arbeit zusammengefaßt. (H1) bis (HB.4) stellen jedoch insofern mehr als nur Arbeitshypothesen dar, als in sie zahlreiche Erfahrungstatsachen eingehen und sie so bereits Resultate formulieren. Sie bilden also gleichzeitig eine Zusammenstellung der Untersuchungsergebnisse. Ihre Voranstellung indessen prädestiniert sie dazu, für den Leser als Arbeitshypothesen zu fungieren, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Erfahrungskontrolle unterworfen werden. Modellvorstellungen gemäß (1.1.) werden z.B. dann herangezogen, wenn die Bedeutung der Modalpartikeln untersucht wird. Werden ihre Stellung im Satz und ihre Stellung im Mittelfeld betrachtet, so erfolgt dies in Sätzen, denen ein

Satzmodell, der Stellungsfelderrahmen, zugrunde gelegt wird. Modellvorstellungen werden aber auch für jede Modalpartikel entwickelt, wenn ihre Stellung im Mittelfeld Gegenstand der Untersuchung ist: Überprüft wird nicht die spezifische Mittelfeldstellung des komplexen Phänomens Modalpartikel, sondern die seines Modells. Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse gemäe(1.4.) endlich erfolgt einmal durch die Zusammenstellung der Hypothesen (H1) bis (H8.4), die bereits Erfahrungstatsachen enthalten. Zum anderen müssen hierzu aber auch die Bestimmung der Beziehungen zwischen Erfahrungstatsachen bezüglich der Modalpartikeln und der Klassifizierungsvorschlag gerechnet werden, die in Kapitel (4) erfolgen und diese Arbeit abschließen.

2.

HYPOTHESEN BEZUGLICH DER AFFIRMATIVEN MODALPARTIKELN doch, ja UND schon

(H1)

Die Modalpartikeln doch, ja und schon sind unbetont.

(H2)

Die Modalpartikeln doch, j£ und schon können durch andere Elemente praktisch nicht substituiert werden.

(H3)

Die Modalpartikeln doch, ja_ und schon können nicht als Satzäquivalente fungieren.

(H4)

Die Modalpartikeln doch, ja_ und schon bilden keine Satzglieder eines Satzes,wenn diese'u.a. dadurch definiert sind, daß sie innerhalb eines Satzes und darüber hinaus beweglich sein müssen, pronominalisierbar sein müssen und nicht zum Verbalkomplex gehören dürfön. Sie bilden auch keine Teile von Satzgliedern, wenn vorausgesetzt wird, daB solche Satzgliedteile gemeinsam mit anderen Elementen verschiebbar sein müssen und eine solche Konstruktion als Satzglied identifizierbar sein mü3.

(H5.1)

Die Modalpartikel doch besitzt zwei Bedeutungskomponenten. Einmal drückt die Partikel, analog zum Satzäquivalent Doch, Affirmation aus, die durch eine Operation entsteht, bei der die Negation (der Negation) des Nichteintretens eines in einem Satz bezeichneten Ereignisses erfolgt, bei der also eine zweifache Negation stattfindet (Beim Satzäquivalent Doch, mit dessen Hilfe die Bedeutung der Modalpartikel doch erklärt wird, verläuft die Affirmation erzeugende Operation der Negation des Nichteintretens des im Satz bezeichneten Ereignisses wie folgt: Kennen Sie diesen Mitarbeiter nicht? Nicht; Ich kenne diesen Mitarbeiter nicht. = Doch (,ich kenne diesen Mitarbeiter.)). Zum anderen enthält die Partikel Spuren eines Widerspruchs, die sich auf das Gegenteil des Eintretens/Nichteintretens des im gleichen Satz bez3ichneten Ereignisses beziehen (In der Konstruktion Auch bin ich kein Offizier, das sehen Sie doch, widerspricht der Sprecher mittels der in doch enthaltenen Spuren eines Widerspruchs dem offenbar vom Hörer demonstrierten Nicht-Erkennen einer Tatsache, wo-

bei dieses Nicht-Erkennen das Gegenteil des im Satz mit doch bezeichneten Eintretens des Ereignisses Erkennen bildet). (H5.2)

Die Modalpartikel ja_ drückt, analog zum Satzäquivalent Ja, Affirmation aus. Und zwar handelt es sich bei j£ um sätzmerkmalspezifische Affirmation, d.h. um Affirmation, die nur in Verbindung mit dem Satzmerkmal [+ konstatativ] zustande kommt (so in: Peter ist ja begabt.).

(H5.3)

Die Modalpartikel schon kann je nach Vorkommen drei spezielle Formen von Affirmation ausdrücken. Die eine Form kann, analog zu der des Satzäquivalents Schon, als intentional eingeschränkte Affirmation charakterisiert werden, da vorstellbar ist, dap ihr eine einschränkende Sprecherbewertung zugrunde liegt. Das Vorkommen dieser Form von Affirmation ist vorwiegend in Aussagesätzen nachweisbar (so in: Peter wird schon kommen. Die Bedeutung der Modalpartikel schon wird in diesem Falle mit Hi-lfe der Bedeutung einer Konstruktion erklärt, die aus dem Satzäquivalent Schon und Ich glaube besteht, wobei Ich glaube eine intentionale Einschränkung der durch Schon ausgedrückten Affirmation bildet: Kommt Hans morgen? Ich glaube schon (,dap Hans morgen kommt.)). Die zweite Form kann, ebenfalls analog zu der des Satzäquivalents Schon, als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des Sprechers) bezeichnet werdon. Sie wird einem Satz (S 1 ) hinzugefügt, in dem ein anderer, meist nicht realisierter, aber bedeutungsähnlicher und daher teilweise in (S 1 ) enthaltener Satz (S) bei eingeschränkter Zustimmung bestätigt wird. Das Vorkommen dieser Form von Affirmation ist auf Sätze beschränkt, die das Merkmal [+ konditional] tragen (so in: Wenn ich schon heirate, dann will ich auch bequem leben. Die Bedeutung der Modalpartikel schon wird hier mit Hilfe der Bedeutung einer Konstruktion erklärt, die aus dem Satzäquivalent Schon und aber besteht, wobei aber der durch Schon ausgedrückten Affirmation einen Hinweis auf die eingeschränkte Zustimmung des Sprechers hinzufügt: Leihst du mir deinen Wagen? Schon (,ich leihe ihn dir). Wenn ich dir aber meinen Wagen leihe, dann mußt du wenigstens die Einkäufe machen.). Die dritte Form von spezieller Affirmation kann, analog zu der des Satzäquivalents Schon, als total eingeschränkte Affirmation des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses (E) bei Affirmation des Gegenteils dieses Eintretens/Nichteintretens von E beschrieben werdon. Sie wird einem Satz (•S 1 ) hinzugefügt, in dem das Gegenteil des Eintretens/Nichteintretens des von einem Satz (S) bezeichneten Ereignisses generalisierend verworfen

wird, wobei (S) und ('S 1 ) bedeutungsähnlich sind und (5) daher in ('S 1 ) teilweise enthalten ist. Das Vorkommen dieser Form von Affirmation ist auf solche Sätze beschränkt, die das Merkmal [+ partiell interrogativ] tragen (so in: Was weiß Hans schon nicht? Die Bedeutung der Modalpartikel schon wird hier wieder mit Hilfe der Bedeutung einer das Satzäquivalent Schon und aber umfassenden Konstruktion erklärt, wobei diese Konstruktion Affirmation des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses ausdrückt und gleichzeitig mittels einer Ergänzungsfrage zu total eingeschränkter Affirmation des Gegenteils dieses Eintretens/Michtei,ntretens von E führt: Kann Hans Gitarre spielen? Schon (·, er kann Gitarre spielen), aber was kann Hans nicht?). (H6.1) Die Modalpartikel doch, ist der Ausdruck einer Sprecherintervention, durch die einem Satz ein Appell hinzugefügt wird, ihn je nach den Umständen als Begründung, Beweis, Widerspruch oder Hervorhebung aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß die Modalpartikel für denjenigen Satz, dem sie zugeordnet wird, aufgrund ihrer zwei Bedeutungskomponenten, d.h. durch Affirmation mittels zweifacher Negation und durch Hinzufügung von Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Eintretens/Nichteintretens des von dem betreffenden Satz bezeichneten Ereignisses, das Merkmal [+ argumentativj signalisiert. [+ argumentativ] ist ein relationales Merkmal, mit dem ein Satz versehen wird, der eine bestimmte Relation zu einem weiteren Ereignis besitzt und sich damit insgesamt auf dieses Ereignis bezieht. [+ argumentafciv] ist ein generelles Merkmal, da es global die zwischen einem Satz und einem weiteren Ereignis bestehenden Relationen Begründung (so in: Frau Rosenthalj ich höre Sie dochv, machen Sie schon a u f . ) , Beweis (so in: Hans ist- übe,rmüdet, das siehat du doch,..), Widerspruch (so in: Du mußt mir heute das Geld geben! Ich habe es dir doch, schon gestern gegeben.) und gemeinsam mit einem anderen Merkmal Hervorhebung anzeigt (so in: Hans klagt über Hungergefühle. D abei hat er doch., gerade gegessen;). Erst der betreffende Satz und das weitere Ereignis selbst, sowie zusätzliche Merkmale erlauben es, jede dieser Relationen zu identifizieren. (H6.2)

Die Modalpartikeln doch? bzw. doch',, sind der Ausdruck einer Sprecherintervention, durch die z.B. einer V2-Frage bzw. einer Ergänzungsfrage mit Verbtempus Vergangenheit ein Appell hinzugefügt wird, diese als Ausdruck eines Wunsches bzw. als Aufforderung zur Gedächtnishilfe aufzu-

fassen. Dies wird dadurch ermöglicht, da doch? bzw. doch' ? in der V2-Frage bzw. in der Ergänzungsfrage mit Verbtempus Vergangenheit aufgrund ihrer zwei Bedeutungskomponenten, d.h. durch Affirmation mittels zweifacher Negation und durch die Hinzufügung von Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Eintretens/Nichteintretens der in den betreffenden Sätzen bezeichneten Ereignisse, die Merkmale [+ erwünscht] bzw. [+ potentiell bekannt] signalisieren. Das durch dochu signalisierte Merkmal [+ erwünscht] ist ein satzinternes Merkmal, durch welches das Eintreten/Nichteintreten des z.B. in einer V2-Frage bezeichneten Ereignisses bewertet wird. Die Bewertung durch dieses Merkmal qualifiziert die V2-Frage für den Gebrauch in einer speziellen Situation, die dann gegeben ist, wenn das der Frage unterworfene Eintreten/Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses vermutlich zu erwarten,: vor allem aber erwünscht ist (so in: Du begleitest uns doch,, noch ein paar Schritte?) . Das durch doch',, signalisierte Merkmal [+ potentiell bekannt] ist ein satzinternes Merkmal, das der gesuchten Komponente des in einer Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses, d.'h. also dem passenden Substitut des Fragepronomens, zugeordnet wiid. Die Zuordnung dieses Merkmals qualifiziert die Ergänzungsfrage für den Gebrauch in einer speziellen Situation, die dann gegeben ist, wenn der Sprecher z.B·, aus Höflichkeit seiner Frage einen Hinweis auf sein tatsächliches oder vorgegebenes Vprwissen bezüglich der gesuchten Komponente des bezeichneten Ereignisses, d.h. bezüglich des passenden Substituts für das Fragepronomen, hinzufügen muB (so in: Wie war doch',, Ihr Name?). (H6.3)

Die Modalpartikel ja ist der Ausdruck einer Sprecherintervention, durch die einem Satz ein Appell hinzugefügt wird, ihn je nach den Umständen als Begründung oder Beweis aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß die Modalpartikel für den Satz, dem sie zugeordnet wird, aufgrund ihrer Bedeutung, d.h. durch sätzmerkmalspezifische Affirmation, das Merkmal [+ argumentativ] signalisiert. [+ argumentativ] ist ein relationales Merkmal, mit dem ein Satz ausgestattet wird, zwischen dem und einem weiteren Ereignis eine bestimmte Relation besteht und das also diesen Satz insgesamt auf das betreffende Ereignis bezieht. [+ argumentativ] ist ein generelles Merkmal, da es global mehrere Relationen Anzeigt, die zwischen einem Satz und einem weiteren'Ereignis bestehen können. Wird [+'argumentativ3 von j£ signalisiert und nicht von doch., so

10

ist es aber insofern weniger generell, als es lediglich auf die Rel^ationen Begründung (so in: Und der Borkhausen kann sich auch nie 'einen Spitzel halten, der hat ja nie Geld.) oder Beweis (so in: Sie wissen ja, ich bin gar nicht so.), nicht jedoch auf Widerspruch oder Hervorhebung hinweist. Der betreffende Satz und das weitere Ereignis selbst, sowie zusätzliche Merkmale erlauben es dann, jede dieser beiden Relationen zu identifizieren. (H6.4)

Die Modalpartikel schon ist der Ausdruck einer Sprecherintervention, die einen Appell enthält, eine in einem Aussagesatz ausgedrückte Vorhersage, der das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet ist, als Konstatation, eine in einem Nebensatz mit wenn formulierte Hypothese als Zugeständnis und eine Ergänzungsfrage als rhetorische Frage aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daB durch schon sowohl der in Vorhersage und Hypothese vorha,ndene Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in diesen bezeichneten Ereignisses, als auch der in der Ergänzungsfrage nachweisbare Mangel an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substitute für das Fragepronomen abgebaut wird, was durch eine Modifizierung des Merkmals · [- gewiß] zu [(-)—» (+) gewiß] konkretisiert werden kahn. Die Modifizierung des satzinternen Merkmals [- gewiß] zu [(-) -* (+) gewiß] signalisiert schon je nach Vorkommen in unterschiedlicher Weise : , - Auf den eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthaltenden Aussagesatz wirkt schon durch seine Bedeutung als intentional eingeschränkte Affirmation ein und verursacht dadurch eine Bekräftigung der Vorhersage des Eintretens/Nichteintretens des im Aussagesatz bezeichneten Ereignisses, wenn sich dieser auf die Zukunft bezieht (so in: Ein dritter Weltkrieg wird schon nicht stattfinden.), oder eine Bekräftigung der vorhergesagten Bestätigung des Eintretens/Nichteintretens von E, wenn sich der Aussagesatz auf Gegenwart oder Vergangenheit bezieht (so in: Sie hat dich schon nicht betrogen^). - Auf den eine Hypothese enthaltenden Nebensatz mit wenn wirkt schon durch seine Bedeutung als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des Sprechers) ein und verursacht dadurch eine Konstatation der Unvermeidbarkeit des Eintretens/Nichteintretens des im Nebensatz mit wenn bezeichneten Ereignisses, wenn dieses Eintreten/Nichteintreten von E nicht explizit mit dem Merkmal [+ erwünscht] ausgestattet ist (so in: Wenn ich schon diese schwierige 'Arbeit übernehme, dann möchte

11

ich wenigstens eine Gehaltserhöhung haben.). - Auf die Ergänzungsfrage wirkt schon durch seine Bedeutung als total eingeschränkte Affirmation des Eintretens/Nichteintretens des bezeichneten Ereignisses bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Eintreten/Nichteintreten von E ein und erzielt dadurch eine NullBewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens des in der Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses, wenn der Sprecher dazu in der Lage ist, unter der Menge der potentiellen Substitute für das Fragepronomen eine Auswahl zu treffen, durch die das Eintreten/ Nichteintreten von E in sein Gegenteil umgewandelt wird, ohne daß die Satznegation Neg hinzugefügt oder getilgt werden muß. Ist diese Bedingung erfüllt, dient die Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens von E dazu, die Zahl der Elemente in der Menge der potentiellen Substitute für das Fragepronomen meist auf 1 zu reduzieren und dem Hörer zu ermöglichen, dieses als Nichts, Niemand, Nirgends, Alle, usw. zu identifizieren (so in: Was hat Inge schon gesehen?). Die in der beschriebenen Weise durch schon signalisierte Modifizierung des Merkmals [- gewiß] zu [(-)—* (+) gewiß] kann dann notwendig sein, wenn die betreffenden Sätze als Relationsglieder in Relationsgefügen verwendet werden sollen und ihnen daher ein weiteres, mit £- gewiß] nicht verträgliches Merkmal zugeordnet werden muß. (H7.1)

Die Modalpartikel doch., kann im Aussagesatz, im nicht .bewerteten daßSatz, im durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatz, im Konzessivsatz und muß im nachgestellten kausalen V1-Satz und im durch wo eingeleiteten Kausalsatz, für die sie konstitutiv ist, vorkommen. Vorkommensbedingung für doch., ist dabei offensichtlich, daß diese Sätze eine Konstatation enthalten, daß in ihnen also kein Mangel an Gewißheit bezüglich eines erwünschten Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses besteht. Ist diese Vorkommensbedingung erfüllt, so kann die Modalpartikel die ihr in (H6.1) zugeschriebenen Funktionen wahrnehmen: - Als Ausdruck einer Sprecherintervention und durch das Merkmal [+ argumentativ] kennzeichnet sie einen Aussagesatz oder nicht bewerteten daßSatz als begründendes, beweisendes oder widersprechendes Relationsglied in einem entsprechenden Relationsgefüge (so in: Ich dachte ge-

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rade daran, dag es doch., geklappt hat. Du solltest dich nicht länger aufregen.); - Als Ausdruck einer Sprecherintervention und durch das Merkmal [+ argumentativ] kennzeichnet sie den nachgestellten V1-Satz und den durch wo eingeleiteten Nebensatz als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge (so in: Er erhielt die Stellung, war er doch,, der einzige Spezialist unter den Bewerbern., Hana sollte Inge lieber nicht reizen, wo sie ihn doch., neulich geohrfeigt hat.); - Als Ausdruck einer Sprecherintervention vor allem liefert sie eine subjektive Rechtfertigung der durch die Konjunktionen da, weil oder zumal erfolgten Kennzeichnung eines Nebensatzes als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge; - Als Ausdruck einer Sprecherintervention und durch das Merkmal [+ argumentativ] verstärkt sie die durch dabei oder eine Konjunktion wie obgleich erfolgte Kennzeichnung eines Satzes als hervorhebendes Relationsglied in einem konzessiven Relationsgefüye. (H7.2)

Die Modalpartikel doch,, kann im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz, im Imperativsatz, in der V2-Frage und muß im Wunschsatz vorkommen, doch'p kann in der Ergänzungsfrage auftreten. Das gemeinsame Kennzeichen dieser Sätze besteht in einem Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses bzw. bezüglich einer Komponente dieses Ereignisses. Gemeinsam ist diesen Sätzen mit Ausnahme der Ergänzungsfrage aber auch, daß mit ihnen offensichtlich das Ziel verfolgt wird, ein besonderes Interesse am Eintreten/ Nichteintreten des in ihnen bezeichneten E auszudrücken oder dieses sogar herbeizuführen. Mit der Eryänzungsfrage endlich wird die Identifizierung der gesuchten Komponente von E unter speziellen Bedingungen angestrebt. Diese Voraussetzungen ermöglichen es doch,, und doch'p, die ihnen in (H6.2) zugeschriebenen Funktionen zu erfüllen: - Als Ausdruck einer Sprecherintervention bewertet doch,, das Eintreten/ Nichteintreten von E im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz, im Wunschsatz, im Imperativsatz und in der V2-Frage durch das Merkmal \+ erwünscht] und qualifiziert diese Sätze damit für den Gebrauch in einer Situation, in der der Sprecher am Eintreten/Nichteintreten von E besonders interessiert ist (so im Aussagesatz: Mit dem wirst du doch,, (noch) fertig werden., oder im Wunschsatz: Wenn er doch,, käme.);

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- Als Ausdruck einer Sprecherintervention ordnet doch' ? der gesuchten Komponente von E in einer Ergänzungsfrage mit Verbtempus Vergangenheit das Merkmal [+ potentiell bekannt] zu und qualifiziert diese so für den Gebrauch in einer Situation, in der der Sprecher z.B. aus Höflichkeit seine Kenntnislücke durch Andeutung eines Vorwissens herunterspielen muß (so in: Wo lag doch' 0 die Akte?)« (H7.3)

Die Modalpartikel ja_ kann im Aussagesatz, im nicht bewerteten daß-Satz und im durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatz vorkommen. Vorkommensbedingung für ja ist dabei meist, daß diese Sätze eine Konstatation enthalten, daß in ihnen also kein Mangel an Gewißheit bezüglich eines erwünschten Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses besteht. Ist diese Vorkommensbedingung erfüllt, so kann die Modalpartikel die ihr in (H6.3) zugeschriebene Funktion wahrnehmen: - Als Ausdruck einer Sprecherintervention und durch das Merkmal [+ argumentativ] kennzeichnet ja^ einen Aussagesatz oder nicht bewerteten da.ß-Satz als begründendes oder beweisendes Relationsglied in einem entsprechenden Relationsgefüge. Das zu beweisende Relationsglied ist dabei sprachlich realisiert (so in: Du weißt ja, daß bei Hans die Liebe durch den Magen geht.). Das zu begründende Relationsglied dagegen kann sprachlich realisiert sein (so in: Hans hat das Examen nicht bestanden, der hat ja kein Gedächtnis.), kann aber auch durch eine sprachlich 'nicht realisierte Sprecheremotion gebildet werden (so in: (Erstaunen, denn) Es schneit ja.), oder aus dem begründenden Relationsglied ableitbar sein (so in: (Ich brauche es dir nicht zu sagen, denn) Du weißt es ja selbst.) - Als Ausdruck einer Sprecherintervention vor allem liefert ja_ eine subjektive Rechtfertigung der durch die Konjunktionen da, weil oder zumal erfolgten Kennzeichnung eines Nebensatzes als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge. Das zu begründende Relationsglied ist sprachlich realisiert.

(H7.4)

Die Modalpartikel schon kann im Aussagesatz, im daß-Satz, im durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatz, im Konzessivsatz, im Konsekutivsatz, im durch wobei eingeleiteten Nebensatz, im durch wenn eingeleiteten Nebensatz und in der Ergänzungsfrage vorkommen. Dabei bestehen für schon die folgenden Vorkommensbedingungen:

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- Im Aussagesatz, im daß-Satz, im Kausalsatz, im Konzessivsatz, im Konsekutivsatz sowie im Nebensatz mit wobei muß erstens bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in diesen Sätzen bezeichneten Ereignisses ein durch eine Vorhersage begründeter Mangel an Gewißheit bestehen. Zweitens muB dem Eintreten/Nichteintreten von E in diesen Sätzen das Merkmal [+ erwünscht3 zugeordnet sein. Für das Vorkommen von schon im daß-Satz bestehen außerdem zwei weitere Bedingungen: Einmal muß der dem Nebensatz zugeordnete Hauptsatz eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens von E im daß-Satz enthalten, die im Bereich von Ich glaube bis Ich versichere dir liegt (so in: Ich versichere diry daß ich dich schon rechtzeitig benachrich7 tiqen werde, vs. Ich weiß, daß Müller uns 'schon keine Schwierigkeiten machen wird.). Zum anderen muß sich der bewertende Sprecher für seine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im daß-Satz verbürgen, was z.B. dann der Fall ist, wenn er mit dem Subjekt des Hauptsatzes identisch ist (so in: Ich bin sicher, daß du diese Erkrankung schon überwinden wirst, vs. Es ist sicher, dag du diese Erkran7 kung 'schon überwinden wirst.). - Im durch wenn eingeleiteten Nebensatz muß erstens bezüglich des Eintretens/Nichteintretens von E ein Mangel an Gewißheit bestehen, der dann gegeben ist, wenn dieser Satz eine Hypothese enthält. Zweitens muß im Nebensatz mit wenn das Merkmal [+ erwünscht] fehlen, während es dem Eintreten/Nichteintreten von E im Hauptsatz meist zugeordnet ist (so in: Wenn er uns schon stört, dann sollte er wenigstens die anderen in Ruhe lassen.). - In der Ergänzungsfrage muß erstens bezüglich des gesuchten Substitute für das Fragepronomen ein Mangel an Gewißheit bestehen. Ein solcher Mangel an Gewißheit ist in diesem Satz aufgrund der in ihm enthaltenen Fragesemantik automatisch gegeben. Zweitens muß der Sprecher dazu in der Lage sein, unter der Menge der potentiellen Substitute für das Fragepronomen eine Auswahl zu treffen, durch die das Eintreten/Nich,teintreten von E in der Ergänzungsfrage in sein Gegenteil umgewandelt wird, ohne daß die Satznegation Neg hinzugefügt oder getilgt werden muß (so in: Wem hilft Hans schon?). Sind diese Vorkommensbedingungen erfüllt, so kann die Modalpartikel die ihr in (H6.4) zugeschriebene Funktion ausüben. Als Ausdruck einer Sprecherintervention und durch das Merkmal [(-)—» (+) gewiß] bewirkt sie

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in den genannten Sätzen einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens von E bzw. bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen. Der Abbau des Mangels an Gewißheit durch schon erfolgt - im Aussagesatz, im dag- Satz, im Kausalsatz, im Konzessivsatz, im Konsekutivsatz sowie im durch wobei eingeleiteten Nebensatz durch eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Eintretens/Nichteintretens von E. Der durch diese Bekräftigung bewirkte Umfang des Abbaus des Mangels an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens von E kann offensichtlich durch den Bereich beschrieben werden, der sich von Ich glaube bis Ich versichere dir erstreckt. Über diesen Bereich geht der Abbau offenbar nicht hinaus; - im durch wenn eingeleiteten Nebensatz durch eine Konstatation der Unvermeidbarkeit des Eintretens/Nichteintretens von E; - in der Ergänzungsfrage durch eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens von E. (H8)

Die Modalpartikeln doch, ja_ und sphon bilden in einem Modell, das den deutschen Satz als Stellungsfelderrahmen abbildet, bereichsspezifische Mittelfeldelemente, d . h . da$ sie weder im Vor-, noch im Nachfeld, noch in der Satzklammer vorkomrtten können.

(H8.1)

Die Modalpartikel - kommt im Mittelfeld eines Satzes nach [- neben] Elementen (Pronomen) vor. Sie kommt also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes vor, in dem [- mitteilungsrelevante] Elemente auftreten, die außer einem Hinweis keinerlei weitere Informationen enthalten; - kommt im Mittelfeld vor [+ neuen] Elementen (und stellungs festen Elementen) vor. Sie tritt also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, in dem [+ mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen, also nicht gegen Ende dieses Feldes. Außerdem kann doch., auch ~~ l nicht im Vorfeld auftreten, das mit Akzent versehene [+ neue] Elemente oder den Satz bewertende Satzadverbien einnehmen; - kommt im Mittelfeld vor der [+ mitteilungsrelevanten] Satznegation Neg vor; - kommt im Mittelfeld nach und vor [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien vor. Sie tritt also in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, der zwischen den Pronomen und [+ neuen]

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Elementen liegt und in dem vorwiegend [- mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen wie die [- neuen] Elemente (NP-Paraphrasen), die neben einem Hinweis meist auch noch eine weitere Information enthalten. Außer mit [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien, die vor und nach doch, vorkommen können, bildet die Modalpartikel wahrscheinlich mit allen in einem Mittelfeld vorkommenden Elementen strikte Abfolgen. NP-Paraphrasen und Satzadverbien können jedoch außer im Mittelfeld auch noch im Vorfeld (NP-Paraphrasen sogar gelegentlich im Nachfeld) vorkommen. Da doch., dagegen auf das Mittelfeld beschränkt ist, besitzt es wahrscheinlich eine eindeutige Stellungscharakteristik. (H8-2)

Die Modalpartikeln doch,, und doch'^ - kommen im Mittelfeld eines Satzes nach [- neuen] Elementen (Pronomen) vor. Sie kommen also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes vor, in dem [- mitteilungsrelevante] Elemente auftreten, die aiSßör einem Hinweis keinerlei weitere Informationen enthalten; - kommen im Mittelfeld vor [+ neuen] Elementen (und stellungsfesten Elementen) vor. Sie treten also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, in dem [+ mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen, also nicht gegen Ende dieses Feldes. Außerdem können sie auch nicht im Vorfeld auftreten, das mit Akzent versehene [+ neue] Elemente oder den Satz bewertende Satzadverbien einnehmen; - kommen im Mittelfeld vor der [+ mitteilungsrelevanten] Satznegation Neg vor; - kommen im Mittelfeld nach und vor [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien vor. Sie treten also in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, der zwischen den Pronomen und [+ neuen] Elementen liegt und in dem vorwiegend [- mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen wie die [- neuen] Elemente (NP-Paraphrasen), die neben einem Hinweis meist auch noch eine weitere Information enthalten. Außer mit [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien, die vor und nach dpch„i. und doch'„i. vorkommen können, bilden die Modalpartikein wahrscheinlich mit allen in einem Mittelfeld vorkommenden Elementen strikte Abfolgen. NP-Paraphrasen und Satzadverbien sind jedoch nicht nur mittelfeld-, sondern auch vorfeldfähig (NP-Paraphrasen gelegentlich sogar nachfeldfähig). Da dochZ0 und doch'L.0 dagegen auf das Mittelfeld beschränkt sind, besitzen sie wahrscheinlich eine eindeutige

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Stellungscharakteristik. (H8.3)

Die Modalpartikel ja - kommt im Mittelfeld eines Satzes nach den [- neuen] Elementen (Pronomen) vor. Sie kommt also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes vor, in dem [- mitteilungsrelevante] Elemente auftreten, die außer einem Hinweis keinerlei weitere Informationen enthalten; - kommt im Mittelfeld vor [+ neuen] Elementen (und stellungsfesten Elementen) vor. Sie tritt also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, in dem [+ mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen, also nicht gegen Ende dieses Feldes. Außerdem kann ja^ auch nicht im Vorfeld auftreten, das mit Akzent versehene [+ neue] Elemente oder den Satz bewertende Satzadverbien einnehmen; - kommt im Mittelfeld vor der [+ mitteilungsrelevanten] Satznegation Neg vor; - kommt im Mittelfeld nach und vor [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien vor. Sie tritt also in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, der zwischen den Pronomen und [+ neuen] Elementen liegt und in dem vorwiegend [- mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen wie die [- neuen] Elemente (NP-Paraphrasen), die neben einem Hinweis meist auch noch eine weitere Information enthalten. Auöer mit [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und Satzadverbien, die vor und nach ja vorkommen können, bildet die Modalpartikel wahrscheinlich mit allen in einem Mittelfeld vorkommenden Elementen strikte Abfolgen. NP-Paraphrasen und Satzadverbien sind jedoch nicht nur mittelfeld-, sondern auch vorfeldfähig (NP-Paraphrasen manchmal sogar nachfeldfähig). Da j£ dagegen nur im Mittelfeld vorkommen kann, besitzt es wahrscheinlich eine eindeutige Stellungscharakteristik.

(H8.4) Die Modalpartikel schon - kommt im Mittelfeld eines Satzes nach [- neuen] Elementen (Pronomen) vor. Sie tritt also nicht in demjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes auf, in dem [- mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen, die außer einem Hinweis keinerlei weitere Informationen enthalten; - kommt im Mittelfeld nach Satzadverbien und vorwiegend auch nach [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) vor. Sie tritt also am Ende desjenigen Bereichs eines komplexen Mittelfeldes auf, der zwischen den

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Pronomen und [+ neuen] Elementen liegt und in dem überwiegend [- mitteilungsrelevante] Elemente vorkommen wie die [- neuen] Elemente (NP-Paraphrasen), die neben einem Hinweis meist auch noch eine weitere Information enthalten; - kommt im Mittelfeld vor und wahrscheinlich auch nach dem [+ neuen] Element Subjekt vor. Sie kann also am Anfang desjenigen Bereichs eines komplexen Mittelfeldes vorkommen, in dem [+ mitteilungsrelevante] Elemente auftreten; - kommt im Mittelfeld, außer bei Subjekt, vor [+ neuen] Elementen (und stellungsfesten Elementen) vor. Sie kann also nicht tiefer in denjenigen Bereich eines komplexen Mittelfeldes eindringen, in dem [+ mitteilungsrelevante] Elemente auftreten. Außerdem kann schon auch nicht das Vorfeld einnehmen, wo mit Akzent versehene [+ neue] Elemente oder den Satz bewertende Satzadverbien vorkommen; - kommt im Mittelfeld vor der [+ mitteilungsrelevanten] Satznegation Neg vor. Außer mit dem [+ neuen] Element Subjekt und eventuell einigen [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen), die vor und nach schon stehen können, bildet die Modalpartikel offensichtlich mit allen in einem Mittelfeld vorkommenden Elementen strikte Abfolgen. [+ neues] Subjekt und NP-Paraphrasen können jedoch außer im Mittelfeld auch noch im Vorfeld (NP-Paraphrasen sogar gelegentlich im Nachfeld) vorkommen. Da schon dagegen auf das Mittelfeld beschränkt ist, besitzt es wahrscheinlich eine eindeutige Stellungscharakteristik.

3.

ERLÄUTERUNG UND VERIFIZIERUNG DER HYPOTHESEN (H1) BIS (H8.4)

3.1.

Betonung der Modalpartikeln doch, ja_ und schon (H1)

Hier werden die Untersuchungsergebnisse von Kriwonossow (1977) herangezogen, die zum Teil durch Engel (1970/71/77) bestätigt werden. In den folgenden Beispielen sind doch, ja und schon keine Modalpartikeln. (3/1) Nun habe ich das mit der Zelle doch ausgeplappert. (Kriwonossow 77) (3/2) Komm j£ pünktlich nach Hause! (Engel 71) (3/3) Möchtest du nicht zu mir kommen? Möchte schon, aba... (Kriwonossow 77) (3/4) Also es kommt schon mehr Geld rein jetzt bei den Bauern. (Engel71) Die Beispiele (3/5), (3/6) und (3/7) dagegen enthalten ein doch, ja oder schon, die von Krowonossow (1977; 126/200/185) als Modalpartikeln eingestuft werden. (3/5) Ich will dir doch bloß mal guten Tag sagen, Eva. (Kriwonossow 77) (3/6) Ich kann ja_ nichts dran ändern! (Kriwonossow 77) (3/7) Ich finde Sie schon. (Kriwonossow 77) In (3/5), (3/6) und (3/7) sind doch, j£ und schon unbetont und bestätigen also die in (H1) getroffene Feststellung. 3.2.

Substituierbarkeit der Modalpartikeln doch, j£ und schon (H2)

Gemäß Kriwonossow (77) bilden doch, j£ und schon in den folgenden Beispielen keine Modalpartikeln. (3/8)

Anders hat man von dir nicht erwartet. Und doch (= dennoch), man erlebt Überraschungen. (Kriwonossow 77) (3/9) Sie brannte nieder. Doch (= jedoch) sie ist wieder errichtet worden. (Kriwonossow 77) (3/10) Es erschien ihr völlig unwahrscheinlich, ja (= mehr noch) beängstigend. (Kriwonossow 77) (3/11) Ich habe schon ( bereits) gegessen. (Kriwonossow 77)

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Abweichend von Kriwonossow soll schon auch in (3/12) nicht als Modalpartikel gelten. (3/12) Nun sage schon (~ endlich), was du sagen willst! (Kriwonossow 77) Dagegen werden doch, ja_ und schon in den Beispielen (3/5), (3/6) und (3/7) in (3.1.) von Kriwonossow als Modalpartikeln angesehen. Hier sind sie nicht substituierbar und bestätigen daher (H2). 3.3.

Abgrenzung der Modalpartikeln doch, ja^ und schon gegen homonyme Satzäquivalente (H3)

Doch und j£ in den folgenden Beispielen werden von Kriwonossow (77) nicht als Modalpartikeln eingestuft. (3/13) Sage, da0 du nicht geschwatzt hast? Doch, ich habe geschwatzt. (Kriwonossow 77) (3/14) Hast du Hunger? Ja, viel Hunger! (Kriwonossow 77) Folgerichtig soll auch Schon in (3/15) nicht als Modalpartikel geltön. (3/15) Geht's Ihnen gut? Schon, aber es könnte mir besser gehen. Da offensichtliche Unterschiede zwischen den von Kriwonossow klassifizierten doch, j£ und schon in (3/5), (3/6) und (3/7) Doch, Ja und Schon in (3/13), (3/14) und (3/15) andererseits die in (H3) vorgenommene Abgrenzung von Modalpartikeln gegen gerechtfertigt. 3.4.

als Modalpartikeln einerseits und bestehen, erscheint Satzäquivalente

Der syntaktische Status der Modalpartikeln doch, ja und schon (H4)

Wenn hier vom syntaktischen Status der Modalpartikeln die Rede ist, so ist damit die Frage gemeint, ob doch, ja_ und schon den Rang von Satzgliedern beanspruchen können. Diese Frage ist nicht unerheblich, da die genaue syntaktische Funktion prinzipiell mehrfunktionaler Elemente oft erst durch ihre Identifizierung als Satzglied ermittelt werden kann, so im Falle prinzipiell mehrfunktionaler Substantivgruppen, wenn sie als Subjekt oder Objekt identifiziert werden. Von den hier behandelten Modalpartikeln ist zumindest doch prinzipiell mehrfunktionäl. Die bisher bekannten Satzglieder weisen bestimmte gemeinsame Kennzeichen auf. Als solche testbaren Kennzeichen sollen hier gelten:

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(3.4.) "I. die Beweglichkeit eines Elements im Satz und darüber hinaus; (3.4.) 2. die Pronominalisierbarkeit des Elements; (3.4.) 3. die Tatsache, daß das betreffende Element kein Teil des Verbalkomplexes ist und auch keinen solchen Teil (z.B. Inf, Part) enthält (Nebensätze sind hiervon ausgenommen). Es ist nun die Frage zu klären, ob auch die hier betrachteten Modalpartikeln diese satzgliedspezifischen Kennzeichen aufweisen. Bezüglich ((3.4.)3.) läßt sich im Zusammenhang mit doch, ja_ und schon feststellen, daß sie keine Komponenten enthalten, die auf ihre Zugehörigkeit zum Verbalkomplex hindeuten. Dies spricht dafür, daß sie Satzglieder sind. Dagegen spricht, daß sie ((3.4.)1.) insofern nicht erfüllen, als sie innerhalb eines Satzes nicht über die geforderte Beweglichkeit verfügen. Ob sie aus dem Satz hinausbewegt werden können und außerdem ((3.4.)2.) genügen, d.h. pronominalisierbar sind, kann durch Herausstellungstests ermittelt werden, die Altmann (1979; 330) vorschlägt. In diesen Tests wird das zu untersuchende Element entweder durch Linksversetzung nach links oder durch Rechtsversetzung nach rechts aus dem Satz hinausbewegt. Dabei hinterläßt es innerhalb des Satzes jeweils ein Pronomen (bzw. eine NP-Paraphrase) wie die folgenden Beispiele zeigen. (3/16) Die Brigitte, die kann ich schon gar nicht leiden (Altmann 79) (3/17) Und haben Sie die bestanden, die Lehre? (Altmann 79) Auf diese Weise werden gleichzeitig sowohl Beweglichkeit als auch Pronominalisierbarkeit des zu untersuchenden Elements getestet. Linksversetzung (3/18) (a) ... dafür zahle ich Ihnen doch die zweitausend Maik. (Kriwonossow 77) (b) *Doch (i Satzäquivalent), deshalb/so/auf diese Weise zahle ich Ihnen dafür die zweitausend Mark. (3/19) (a) ... der hat j£ nie Geld. (Kriwonossow 77) (b) *Ja (£ Satzäquivalent), deshalb/so/auf diese Weise hat der nie Geld. (3/20) (a) Mein Vater wird's schon dem Herrn Major melden. (Kriwonossow 77) (b) *Schon (^ Satzäquivalent), deshalb/so/auf diese Weise wird's mein Vater dem Herrn Major melden.

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Rechtsversetzung (3/21) (a) Dann leg ich mich doch gleich in den Sarg. (Kriwonossow 77) (b) Dann leg ich mich deshalb/so/auf diese Weise gleich in den Sarg, (ich meine) *doch. (3/22) (a) Die Hamelner Kinder werden ja in Zuckmayers Version vom Rattenfänger nicht verführt ... (Thümmel 79) (b) Die Hamelner Kinder werden deshalb/so/auf diese Weise in Zuckmayers Version vom Rattenfänger nicht verführt, (ich meine) *ja. (3/23) (a) Ich hätte den Namen schon aus ihm rausgepreßt. (Kriwonossow 77) (b) Ich hätte den Namen deshalb/so/auf diese Weise aus ihm rausgepreßt, (ich meine) *schon. Wie die Beispiele ((3/18)(b)) bis ((3/23)(b)) zeigen, weisen die Modalpartikeln doch, ja und schon die Satzgliedern gemeinsamen Kennzeichen ((3.4.)1.) und ((3.4.)2.) nicht auf und können daher nicht als Satzglieder angesehen werden. Hierin liegt eine Bestätigung der ersten Hälfte von (H4). Eine Rechtfertigung der zweiten Mälfte von (H4), d.h. der Annahme, daß doch, ja und schon auch keine Teile von Satzgliedern sind, ist noch vorzunehmen. Sieht man von bestimmten, nachgestellten Relativsätzen ab, so können Teile von Satzgliedern im allgemeinen nur gemeinsam mit dem Satzglied, zu dem sie gehören, bewegt werden (siehe Steinitz 1971; 49). Für die Einstufung eines Elements als Teil eines Satzglieds soll daher das folgende testbare Kriterium ausschlaggebend sein : (3.4.) 4. Sind zwei oder mehrere Elemente eines Satzes nur gemeinsam verschiebbar und läßt sich die durch sie gebildete Konstruktion als Satzglied identifizieren, so können diese das Satzglied konstituierenden Elemente als Teile eines Satzglieds gelten. Glinz (1971; 34 f f . ) schlägt in diesem Zusammenhang einen Test vor, den er Vorschiebeprobe nennt und durch den die Zusammengehörigkeit von Elementen im Satz überprüft werden kann. Dieser Verschiebeprobe sollen nun auch die hier untersuchten Modalpartikeln unterzogen werden. Verschiebeprobe (3/24) (a) Das ist dem Kerl doch ganz und gar egal. (Kriwonossow 77)

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(b) (c) (d) (e) (3/25) (a) (b) (c) (d) (e) (3/26) (a) (b) (c) (d) (e)

*Doch ganz und gar egal ist das dem Kerl. Ganz und gar egal *doch ist das dem Kerl. Ganz und gar egal ist das doch dem Kerl. Das ist doch dem Kerl ganz und gar egal. Schließlich ist es trotz allem Wehklagen .ja ein 'geregelter und bejahter Konflikt 1 . (Thümmel 79) Trotz allem Wehklagen *ja ist es schließlich ein 'geregelter und bejahter Konflikt 1 . *Ja trotz allem Wehklagen ist es schließlich ein 'geregelter und bejahter Konflikt 1 . Trotz allem Wehklagen ist es ja_ schließlich ein 'geregelter und bejahter Konflikt'. Ein 'geregelter und bejahter Konflikt 1 ist es ja_ schließlich trotz allem Wehklagen. Die werden dir schon die Hammelbeine lang ziehen. *Schon die Hammelbeine werden die dir lang ziehen. Die Hammelbeine *schon werden die dir lang ziehen. Die Hammelbeine werden die dir schon lang ziehen. Die werden dir die Hammelbeine schon lang ziehen.

Wie sich den Beispielen (3/24) bis (3/26) entnehmen läßt, können die Modalpartikeln doch, ja und schon innerhalb des Satzes nicht gemeinsam mit anderen Elementen bewegt werden. Daraus folgt aber, daß diese Konstruktionen nicht die Voraussetzungen erfüllen, die gemäß ((3.4.)1.) an Satzglieder gestellt werden. Auch im Mittelfeld eines Satzes werden, wie ((3/24) (e)) und ((3/25)(e)) zeigen, die Partikeln nicht gemeinsam mit anderen Elementen verschoben, sondern häufig von diesen getrennt. Darüber hinaus besitzen sie oft keine feste Stellung im Verhältnis zu einem anderen Element, sondern können vor (wie in (3/26) (a)) und nach diesem vorkommen ((3/26)(e)). Die hier betrachteten Modalpartikeln weisen also das für Teile von Satzgliedern charakteristische Kriterium ((3.4.)4.) nicht auf, womit auch die zweite Hälfte von (H4) als bestätigt gelten kartn. 3.5.

Die Bedeutung der Modalpartikeln doch, ja und schon

Wenn hier von der Bedeutung der betrachteten Modalpartikeln die Rede ist, so ist zunächst festzustellen, daß sie keine präzise lexikalische Bedeutung besitzen. Ein Verzicht auf eine Beschreibung ihrer Bedeutung wäre jedoch insofern verhängnisvoll, als diese für eine Bestimmung ihrer Funktion relevant zu sein scheint. Aus diesem Grund wird hier also ihre eher allgemeine Bedeutung dennoch

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untersucht. Dies kann jedoch nur mittels eines Analogieverfahrens erfolgen, dessen Resultate den Status von Modellvorstellungen besitzen. Den in diesem Zusammenhang durchzuführenden Untersuchungen sollen die Einführung und Erklärung zweier Begriffe vorangehen. 3.5.0. Basisinformation und Ereignis Basisinformation und Ereignis sind insofern empirische Begriffe, als sie gewählt wurden, um Beobachtung und Experiment zu vereinfachen und die Formulierung von Erfahrungstatsachen zu erleichtern. Gegeben sei eine Menge von geordneten sprachlichen Elementen und die Information, die durch diese vermittelt wird. Aus dieser Menge wird nun dasjenige Element herausgenommen, das der Untersuchung unterzogen werden soll. Dann wird diejenige Information, die durch die in der Menge verbliebenen Elemente vermittelt wird, global als Basisinformation bezeichnet. Eine Basisinformation kann sich mit der Information decken, die ein ganzer Satz vermittelt, mu6 dies jedoch nicht. Will man etwa im folgenden Beispiel Bedeutung und Funktion der Modalpartikel ja_ untersuchen, so ist es zweckmäßig anzunehmen, daß (a) ohne ja die Basisinformation ist, während sich (b) im Kontext von (a) befindet. (3/27) (a) Ich weiß (ja), (b) daß du es nicht so meinöt. Eine Basisinformation wird also nicht durch die von einer ein für allemal festgelegten Menge von geordneten sprachlichen Elementen vermittelten Information definiert, sondern richtet sich nach den besonderen Bedürfnissen der durchzuführenden Untersuchungen. Der Begriff Basisinformation wird durch den Begriff Ereignis weiter spezifiziert. Und zwar bezeichnet eine Basisinformation immer ein Ereignis. Als Ereignis gilt in diesem Zusammenhang jede nur denkbare Information, die durch die Kombination sprachlicher Elemente vermittelt wird. In dem Beispiel (3/28) Er tritt seinen Hund. ist also das Er - seinen Hund - treten ebenso als Ereignis aufzufassen wie das Wasserstoff - ein chemisches Element - sein im folgenden Beispiel: (3/29) Wasserstoff ist ein chemisches Element. Darüber hinaus wird für jedes Ereignis eigens präzisiert, ob es eintritt oder nicht (letzteres im Falle der Anwesenheit der Satznegation Neg). Eine solche Präzisierung erweist sich insbesondere bei der Untersuchung der Funktion von schon als zweckmäßig. Wird hier also die Wechselwirkung zwischen einer Modal-

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partikel und ihrer Umgebung betrachtet, so wird diese Umgebung stets als das Eintreten (Ein)/Nichteintreten (Nichtein) eines von einer bestimmten Basisinformation (Basisinfo) bezeichneten Ereignisses (E) charakterisiert. 3.5.1.

Bedeutung von doch (H5.1)

Die Bedeutung von doch wird durch ein Analogieverfahren determiniert, bei dem die Modalpartikel mit dem Satzäquivalent Doch verglichen wird. Das Satzäquivalent Doch bildet eine besondere Form von Affirmation. Dieser liegen zwei Operationen zugrunde: (3.5.1.) 1. Die Umwandlung einer Frage, die sich auf das Nichteintreten eines Ereignisses bezieht, in eine Aussage, die sich ebenfalls auf das Nichteintreten des Ereignisses bezieht. Diese Operation ergibt noch keine Affirmation bezüglich des betreffenden Ereignisses. (3.5.1.) 2. Die Negation des Nichteintretens des Ereignisses. Diese Operation ergibt insofern Affirmation, als sie die Konstatation des Eintretens des betreffenden Ereignisses bewirkt, und führt zu einer gültigen Antwort auf die gestellt Frage, wenn die zweifache Negation durch Doch substituiert wird. Das folgende Beispiel soll ((3.5.1.) 1.) und ((3.5.1.) 2.) verständlich machen. (3/30)

Kennen Sie diesen Mitarbeiter nicht? "I. Ich kenne diesen Mitarbeiter nicht. (Ergebnis von ((3.5.1.)!.)) '2. Nicht : Ich kenne diesen Mitarbeiter nicht. (Ergebnis von ((3.5.1.) 2.))

Die Konstruktion ((3/30) 2.) stellt inhaltlich eine gültige, wenn auch noch nicht gebrauchsfertige Antwort auf die Frage (3/30) dar. Diese Antwort wird gebrauchsfertig durch eine Substitution der zweifachen Negation durch Doch. Doch kann aber auch für die gesamte Antwort eingesetzt werden. Daraus folgt nun, daß Doch ein Satzäquivalent ist,

dem sowohl die Operation ((3.5.1.) 1.) als auch

die Operation ((3.5.1.) 2.) zugrunde liegt, denn ((3.5.1.) 2.) enthält als Input den Output von ((3.5.1.) 1.). Affirmation bildet also die eine Bedeutungskomponente des Satzäquivalents Doch. Eine zweite kommt hinzu. Die einer Antwort mit Doch vorhergehende Frage bildet zwar eine Entscheidungsfrage. Diese Entscheidungsfrage enthält aber in gewissem Mase bereits eine Hypothese bezüglich des Nichteintretens des in ihr bezeichneten Ereignisses. Dieser Hypothese wird nun

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mittels der durch Doch ausgedrückten, aus einer zweifachen Negation entstehenden Affirmation widersprochen. Eine Antwort mit dem Satzäquivalent Doch bringt also offenbar einen Widerspruch zum Ausdruck. Aufgrund der hier vorliegenden Beobachtungen zeigt sich bereits, daß es kaum möglich sein wird, die Identität von Satzäquivalent Doch und Modalpartikel doch empirisch zu beweisen (dies wurde bereits in (3.3.) festgestellt). Es ist daher sinnvoller, ihre Ähnlichkeit und ihre Verschiedenheit zu beschreiben. Verschiedenheit wird beispielsweise erkennbar, wenn man Doch und doch in Antwortsätzen vergleicht: (3/31) Weißt du das nicht? Doch (, ich weiß das). i Ich weiß das doch, (i doch) Wenn man den Satz mit doch überhaupt als gültige Antwort akzeptiert, so weicht diese jedoch spürbar von der Antwort mit Doch ab. Verschiedenheit läßt sich auch dann konstatieren, wenn man Doch und doch in Konstruktionen vergleicht, die die Satznegation Neg enthalten. (3/32)

Ist es nicht sicher, daß er das Geld nicht genommen hat? (a) *Doch/Nein, es ist nicht sicher, daß er das Geld nicht genommen hat. (b) Doch, es ist sicher, daß er das Geld nicht genommen hat. (c) Doch, er hat das Geld nicht genommen. (3/33) Es ist doch nicht sicher, daß er das Geld nicht genommen hat.

Wie ((3/32) (a)) zeigt, kann in einem Frage-Antwort-Paar Doch als potentielles Satzäquivalent, d.h. als Element, das für einen Satz einsetzbar ist, diesem Satz nicht zugeordnet werden, wenn er die Satznegation Neg enthält. Dagegen ist die Zuordnung der Modalpartikel doch zu einem solchen Satz unproblematisch, wie sich (3/33) entnehmen läßt. Eine Ähnlichkeit von Satzäquivalent und Modalpartikel läßt sich bezüglich der zweiten Bedeutungskomponente von Doch konstatieren. Es wurde festgestellt, daß Doch einen Widerspruch zum Ausdruck bringt. Einen solchen Widerspruch drückt nun auch die Modalpartikel doch aus, worauf bereits Bublitz (1978; 105,108) hinweist. Diese Annahme läßt sich empirisch beweisen. (3/34) Auch bin ich kein Offizier, (Kriwonossow 77)

das sehen Sie doch!

In (3/34) widerspricht der Sprecher der sprachlich nicht realisierten, aus der

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Situation zu entnehmenden Behauptung des Hörers, daß dieser einen bestimmten Tatbestand (das Kein-Offizier-sein) nicht erkennt. Auch ohne weitere Sätze im Kontext von (3/34), die für die Wahrscheinlichkeit eines Widerspruchs sprechen, wird sein Vorhandensein vor allem durch die Modalpartikel doch deutlich signalisiert. Wie bereits bei Doch, so bildet also der Ausdruck eines Widerspruchs eine Bedeutungskomponente der Modalpartikel doch. Eine weitere Bedeutungskomponente von doch läßt sich gewinnen, wenn man nachfolgende Überlegungen anstellt In diesen Überlegungen wird davon ausgegangen, daß die Modalpartikel doch ein Spezialfall des homonymen Satzäquivalents ist. Und zwar bildet doch den Rest eines sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares, das im Rahmen eines Sprechermonologs entsteht. Dieser Rest wird einer bestimmten Basisinformation (B) zugeordnet und kann in diese als Modalpartikel integriert werden: (3/35) Sprecher: ( T r i f f t es nicht zu, daß) Hans zuverlässig ist? (Doch, es trifft zu, daß) Hans zuverlässig ist. Hans ist doch zuverlässig. Eine allgemeinere Form dieser Konstruktion gibt (D3/1) wieder: (D3/1)

Nicht realisiert

Realisiert

Sprecher: Trifft es nicht zu? Nicht: es trifft nicht zu Doch, (es trifft zu) B mit' doch Damit ist es aber möglich, auch der Modalpartikel die bereits beim Satzäquivalent konstatierte Operation ((3.5.1.) 2.), d.h. die Negation des Nichteintretens eines Ereignisses zugrunde zu legen. Neben dem Ausdruck von Widerspruch besteht also eine weitere Bedeutungskomponente der Modalpartikel doch darin, daß sie Affirmation ausdrückt, die aus einer zweifachen Negation entsteht. Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die hier angestellten Überlegungen Modellvorstellungen sind. Es wird also nicht behauptet, daß (D 3/1) eine mentale, sprachlich nicht realisierte Repräsentation des Sprechers wiedergibt, die mit hinreichend feinen Analysemethoden empirisch beweisbar ist. Eine Rechtfertigung erfahren dieäe ModellVorstellungen dennoch, da sie eine recht gute Erklärung für die eingangs beschriebene Verschiedenheit bzw. Ähnlichkeit von Doch und doch ermöglichen. So hat man für (3/31) mit doch gemäß (D3/1):

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(3/36)

Weißt du das nicht?

1. Ich weiß das nicht. 2. Nicht: Ich weiß das nicht.

(Trifft es nicht zu, ...? Doch, (es trifft zu)) ich weiß das. Ich weiß das doch. Das Ungewöhnliche in (3/36) besteht darin, daß die beiden, der Einführung des Satzäquivalents zugrunde liegenden Operationen ((3.5.1.)"!.) und ( ( 3 . 5 J 1 . 2 . ) durchgeführt werden, daß das Ergebnis von ( ( 3 . 5 . 1 . ) 2.), also die zweifache Negation in ((3.36) 2.) jedoch nicht erwartungsgemäß durch Doch substituiert, sondern getilgt wird. Der so entstandenen, noch nicht gebrauchsfertigen Antwort (Ich weiß das) wird dann ein sprachlich nicht realisierter Sprechermonolog des Antwortenden hinzugefügt. Die Modalpartikel doch in Ich weiß das doch wird hier nun als Rest dieses Sprechermonologs (also von Trifft es nicht zu, ...?

Doch,

(es t r i f f t zujj aufgefaßt und nicht als Substitut der zweifachen Negation in ((3/36) 2 . ) . Hierin kann aber eine Erklärung der Tatsache gesehen werden, daß Ich weiß das doch nicht als eine geeignete Antwort auf die in (3/36) eingangs gestellte Frage Weißt du das nicht? empfunden wird. In (3/33) erhält man gemäß (D3/1): (3/37) ( T r i f f t es nicht z u , . . . ? Doch, (es t r i f f t z u , ) ) es ist nicht sicher, daß er das Geld nicht genommen hat. Es ist

doch nicht sicher, daß er das Geld nicht genommen hat.

Das in (3/37) zur Anwendung gekommene Modell (D3/1) liefert eine Erklärung dafür,

warum die Modalpartikel doch als Spezialfall des Satzäquivalents Doch ei-

nem Satz mit der Satznegation Neg zugeordnet werden kann, während eine solche Zuordnung mit Doch nicht möglich ist,

wie sich ((3/32) ( a ) ) entnehmen läßt.

Eine genauere Analyse zeigt indessen, daß zwei Formen einer Zuordnung von Doch zu unterscheiden sind. Einmal wird Doch als Affirmation und potentielles Satzäquivalent einem Satz wie z.B. es t r i f f t zu in (3/37) zugeordnet, für den es einsetzbar ist.

Dieser Satz darf Neg nicht enthalten. Zum anderen kann Doch

aber auch einem Satz zugeordnet werden, für den es nicht einsetzbar Dies ist

ist.

dann der Fall, wenn Doch für einen Satz A eingesetzt wird, der sich

auf einen Satz B bezieht. Doch ist

dann effektives Satzäquivalent für (A) und

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wird (B) anstelle von ( A ) , dessen Substitut es ist, als affirmatives Element wie z.B. in ((3/32) ( c ) ) zugeordnet, wobei (B) Neg enthalten kann. Diese zweite Form einer Zuordnung liegt nun im Modell (D3/1) auch für die Modalpartikel doch vor. doch bildet in (D3/1) den Rest eines Frage-Antwort-Paares mit Doch und damit den Rest eines Prozesses, bei dem Satzsubstitution, soweit beabsichtigt, bereits erfolgt ist. doch kann also nicht mehr als potentielles Satzäquivalent aufgefaßt werden. Vielmehr wird die Modalpartikel als Rest des Sprechermonologs, genau wie Doch als effektives Satzäquivalent, einem Satz lediglich als affirmatives Element zugeordnet. Folgerichtig kann ein solcher Satz die Satznegation Neg enthalten. Neben der hier beschriebenen Ähnlichkeit der Zuordnung von Modalpartikel und effektivem Satzäquivalent zu einem Satz ist jedoch auch ein empirisch konstatierbarer Unterschied zu verzeichnen: Im Gegensatz zu Doch kann doch in denjenigen Satz, dem es als affirmatives Element zugeordnet wird, integriert werden. In (3/34) erhält man gemäß (D3/1): (3/38) Auch bin ich kein Offizier, (Trifft es nicht z u , 1 : . . ? Doch, (es trifft z u , ) ) das sehen Sie. Das sehen Sie doch. Das Beispiel ist geeignet, eine Präzisierung bezüglich des Widerspruchs vorzunehmen, den Doch und doch ausdrücken. Die in (3/38) zur Anwendung gekommene Modellvorstellung (D3/1) legt den Schluß nahe, daß der Ausdruck des Widerspruchs bei Doch einerseits und doch andererseits unterschiedlich stark iät. Das Satzäquivalent Doch ist Teil eines Frage-Antwort-Paares, in dem die Frage eine Hypothese bezüglich des Nichteintretens des in ihr bezeichneten Ereignisses enthält. Dieser Hypothese wird mittels Doch widersprochen. Die Modalpartikel doch dagegen wird in (D 3/1) lediglich als Rest eines Frage-Antwort-Paares mit Doch aufgefaßt Demnach kann sie aber nur Spuren des durch Doch ausgedrückten Widerspruchs enthalten, denn die Hypothese, der widersprochen wird, wird nicht formuliert. Da sich nun das nicht realisierte Frage-Antwort-Paar auf den Satz, oder genauer auf die Basisinformation als Teil der Antwort bezieht, in die die Modalpartikel integriert wird, kann angenommen werden, daß die in doch enthaltenen Spuren eines Widerspruchs in dieser Basisinformation nutzbar gemacht werden. Und zwar wird hier im Rahmen der Modellvorstellungen und abweichend von Bublitz (78; 105, 108) davon ausgegangen, daß sich die Spuren eines Widerspruchs in doch auf das Gegenteil des Eintretens/Nichteintretens des Ereignisses beziehen, das von der-

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jenigen Basisinformation bezeichnet wird, der doch zugeordnet wiid. Diese Bedeutungskomponente der Modalpartikel doch wird also immer aus der Basisinformation heraus erklärt, der doch jeweils hinzugefügt wird. Dies hat den Vorteil, daß bei der Analyse nicht immer wieder die Faktoren im Kontext oder der Situation untersucht werden müssen, gegen die sich die Spuren eines Widerspruchs jeweils richten können. Die hier gewählten Modellvorstellungen

(D3/1) haben sich als produktiv er-

wiesen, da durch sie einmal der Modalpartikel doch eine Bedeutung zugewiesen werden konnte, die der Intuition nicht widerspricht, und zum anderen empirisch konstatierbare Tatsachen erklärbar wurden. Mit Hilfe dieser Modellvorstellungen wurden zwei Bedeutungskomponenten von doch determiniert. Es handelt sich um diejenigen Komponenten, die bereits in der Hypothese (H5.1) verzeichnet sind. Diese kann daher als bestätigt gelten. 3.5.2.

Bedeutung von ja (H5.2)

Wie bereits bei doch, so wird auch für die Ermittlung der Bedeutung von ja_ wieder das Analogieverfahren herangezogen, bei dem eine Gegenüberstellung der Modalpartikel und des Satzäquivalents ^a_ erfolgt. Das Satzäquivalent Ja bildet eine einfache Form von Affirmation. Ihm liegt höchstwahrscheinlich nur eine Operation zugrunde: (3:5.2.) 1. Die Umwandlung einer Frage, die sich auf das Eintreten eines Ereignisses bezieht, in eine Aussage, die sich ebenfalls auf das Eintreten des Ereignisses bezieht. Als Ergebnis dieser Operation entsteht also eine Konstruktion, in der das Eintreten eines Ereignisses und das Merkmal [+ konstatativ] zusammenfallön. Ahnlich wie bei Doch ergibt aber diese Kombination, wenn sie im Rahmen eines Frage-Antwort-Paares entsteht, gleichzeitig potentielle Affirmation, so daß man als Resultat dieser einen Operation einmal eine Konstruktion erhält, in der das Eintreten eines Ereignisses bezeichnet wird, und zum anderen sprachlich noch nicht konkretisierte Affirmation erzielt, die diesem Ein von E zugeordnet wiid. Hieraus aber ergibt sich bereits eine inhaltlich gültige Antwort, in der allerdings die vorhandene Affirmation sprachlich nicht besonders gekennzeichnet ist. Diese Antwort wird daher erst dann gebrauchsfertig, wenn die sprachliche Kennzeichnung erfolgt, d.h. wenn die potentielle Affirmation durch Ja_ konkretisiert wird. Das folgende Beispiel soll ((3.5.2.) 1.) illustrieren.

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(3/39)

Siehst du das ein? 1. Ich sehe das ein. (Ergebnis von ((3.5.2.) 1.)

Die Konstruktion ((3/39) 1.) stellt eine inhaltlich gültige Antwort auf die Frage (3/39) dar, in der lediglich die spürbar vorhandene Affirmation noch sprachlich zu konkretisieren ist. Dies geschieht offenbar durch eine Zuordnung von Ja, wobei die inhaltlich gültige in eine gebrauchsfertige Antwort übergeführt wird. Jji ist aber auch für die Antwort insgesamt einsetzbar. Daraus kann geschlossen werden, daß Jjj ein Satzäquivalent ist und daß ihm nur eine Operation, nämlich ((3.5.2.) 1.) zugrunde liegt. Die bei dieser Operation entstehende potentielle Affirmation wird durch Ja_ sprachlich konkretisiert. Affirmation bildet also die Bedeutung von Ja, eine weitere Bedeutungskomponente scheint dieses Satzäquivalent im Gegensatz zu Doch nicht zu besitzen. Bevor nun ausgehend von der Bedeutung des Satzäquivalents gewisse Rückschlüsse auf die Bedeutung der Modalpartikel ja_ gezogen werden, soll zunächst die Verschiedenheit von j£ und j£ beschrieben werden. Diese wird z.B. konstatierbar, wenn man Antwortsätze mit Ja. DZW · ja_ vergleicht: (3/40) Kommst du morgen? Ja (, ich komme morgen). i Ich komme ja morgen. Es ist fraglich, ob der Satz mit ja_ überhaupt als gültige Antwort gewertet werden kann. In jedem Fall unterscheidet er sich deutlich von einer Antwort mit Ja. Verschiedenheit ergibt sich auch, wenn man Ja_ und j£ in Konstruktionen vergleicht, die die Satznegation Neg enthalten: (3/41) (a) (b) (c) (3/42)

War bekannt, daß er nicht informiert war? *Ja/Nein, es war nicht bekannt, daß er nicht informiert war. Ja, es war bekannt, daß er nicht informiert war. Ja, er war nicht informiert. Es war ja_ nicht bekannt, daß er nicht informiert war.

Enthält ein Satz wie ((3/41) ( a ) ) in einem Frage-Antwort-Paar die Satznegation Neg, so kann ihm Jja als potentielles Satzäquivalent, d.h. als Element, das für diesen Satz einsetzbar ist, nicht zugeordnet werden. (3/42) zeigt dagegen, daß eine Zuordnung der Modalpartikel doch zu einem solchen Satz unproblematisch ist. (Wird die Frage in (3/41) nur mit Ja_ beantwortet, so ersetzt das Satzäquivalent lediglich den Hauptsatz. Dies läßt sich beweisen, indem man den Nebensatz mit Neg in einen Hauptsatz verwandelt: War er nicht informiert? *Ja (, er

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war nicht informiert). Dieser Satz ist durch j£ nicht ersetzbar. Der Nebensatz in (3/41) wird also durch ^a. nicht ersetzt, sondern zur Vermeidung von Weitschweifigkeit getilgt). Verschiedenheit für J[a_ und jjä ergibt sich ferner aus der folgenden Tatsache: In einem Frage-Antwort-Paar mit Ja enthält die Frage bereits alle wichtigen Elemente der durch j£ substituierbaren Antwort, so daß letztere praktisch als vorerwähnt gelten kann. Für einen Satz mit der Modalpartikel j£ dagegen bildet Vorerwähntheit nicht den Regelfall. Die Verschiedenheit von Satzäquivalent und Modalpartikel läßt sich erklären und die Bedeutung von ja_ festlegen, wenn man die folgenden Modellvorstellungen heranzieht: Die Modalpartikel ja^ ist ein Spezialfall des Satzäquivalents Ja. Und zwar bildet j£ den Rest eines im Rahmen eines Sprechermonologs entstehenden, sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares. Dieser Rest wird einer bestimmten Basisinformation (ß) zugeordnet und kann in (B) als Modalpartikel integriert werden. (3/43) Sprecher: (Trifft es zu,

...?

Ja, es t r i f f t zu, daß) Peter begabt

ist.

Peter ist j£ begabt. Die allgemeinere Form dieser Konstruktion wird in (D3/2) dargestellt: (D3/2)

Nicht realisiert

Realisiert

Sprecher: Trifft es zu? Es trifft zu (+) Affirmation Ja, (es t r i f f t zu) B mit ja

Diese Modellvorstellungen gestatten es nun, der Modalpartikel ja_ eine affirmative Bedeutung zuzuweisen. Eine spezifische, Affirmation erzeugende Operation wie ((3.5.1.) 2.)

im Falle von doch läßt sich jedoch für j£ nicht angeben.

Dafür ist es aber möglich, im Rahmen der hier gewählten Modellvorstellungen Bedeutungsunterschiede bei doch und ja zu konstatieren: Beide sind affirmativ, ja aber liegt im Gegensatz zu doch weder eine zweifache Negation zugrunde, noch lassen sich für diese Modalpartikel Spuren eines Widerspruchs nachweisen. Die hier gewählten Modellvorstellungen liefern eine Erklärung für die weiter

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oben beschriebene Verschiedenheit von Ja_ und ja^ und erfahren dadurch eine gewisse Rechtfertigung. So erhält man für (3/40) mit ja_ mit Hilfe von (D3/2): (3/44)

Kommst du morgen? 1.

Ich komme morgen. (Trifft es zu, ...?

Ja, (es trifft z u , ) ) Ich komme morgen.

Ich komme ja_ morgen. In ((3/44) 1.) wird die durch eine Kombination des Eintretens des bezeichneten Ereignisses mit dem Merkmal [+ konstatativ] entstandene potentielle Affirmation nicht wie erwartet durch Ja konkretisiert. Die Modalpartikel ja_ bildet gemäß (D3/2) den Rest eines ((3/44) 1.) hinzugefügten, sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares und damit auch den Rest einer bereits bei der sprachlich nicht realisierten Antwort vorgenommenen Konkretisierung potentieller Affirmation und steht folglich für die nicht gebrauchsfertige Antwort ((3/44) 1.) zur weiteren Konkretisierung von Affirmation nicht zur Verfügung. So wird erklärbar, dap der Satz mit ja_ in (3/44) nicht als angemessene Antwort auf die eingangs gestellte Frage gelten kann. Für (3/42) hat man laut (D3/2): (3/45) ( T r i f f t es zu, ...?

Ja, (es t r i f f t z u , ) ) es war nicht

bekannt, daß er nicht informiert war. Es war ja nicht bekannt, daß er nicht informiert war. Wie bereits für Doch, so bestehen auch für Ja_ zwei Formen einer Zuordnung zu einem Satz. Bei der zweiten Form von Zuordnung, die in ((3/41) ( c ) ) vorliegt, ist Ja^ effektives Satzäquivalent und für den Satz, dem es zugeordnet wird, nicht einsetzbar, so daß dieser Neg enthalten kann. Diese Form der Zuordnung zu einem Satz besteht im Modell (D3/2) auch für die Modalpartikel ja. ja^ stellt gemäß (D3/2) den Rest eines Frage-Antwort-Paares dar, in dem Satzsubstitution, soweit beabsichtigt, bereits stattgefunden hat, so daß die Modalpartikel nicht mehr als potentielles Satzäquivalent weiterverwendet werden kann. Als Rest eines Sprechermonologs kann ja daher, genau wie 3a^ als effektives Satzäquivalent, einem Satz lediglich als affirmatives Element zugeordnet werden. Daher ist

er-

klärlich, daß ein solcher Satz Neg enthalten kann. In diesem Zusammenhang läßt sich auch erklären, warum ein Satz, der die Modalpartikel ja_ als Spezialfall des homonymen Satzäquivalents enthält, nicht automatisch als praktisch vorer-

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wähnt gelten kann: Gemäß (D3/2) ist ein solcher Satz nicht Teil des ihm hinzugefügten, sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares, in dem die Antwort in der Tat als weitgehend gegenüber der Frage vorerwähnt anzusehen ist. Die in (D3/2) dargestellten Modellvorstellungen erklären nicht nur die Verschiedenheit von Ja und ja, vielmehr machen sie eine solche auch sichtbar: Ja_ kann als effektives Satzäquivalent einem Satz zugeordnet werden, der das Merkmal [+ imperativ] trägt. Eine solche Zuordnung ist für die Modalpartikel nicht möglich. (3/46) (Trifft es zu, ...? Ja, (es trifft z u , ) ) du sollst kommen./komm! 7 Du sollst 'ja kommen. Komm *ja (i ja)!

Wie (3/46) zeigt, kann j£ nur einer Teilmenge von Sätzen zugeordnet werden, bei denen eine Zuordnung von Ja^ als effektivem Satzäquivalent möglich ist. Damit wird aber eine Präzisierung der Bedeutung von ja_ erforderlich: Die Modalpartikel drückt Affirmation nur in Verbindung mit dem Satzmerkmal [+ konstatativ] aus. Es handelt sich also um sätzmerkmalspezifische Affirmation. Auch hier wird wieder ein Unterschied zwischen den Modalpartikeln doch und j£ sichtbar, doch als affirmative Partikel ist wesentlich autonomer als JEJ und kann auch solchen Basisinformationen hinzugefügt werden, die die Merkmale [+ interrogativ] oder [+ imperativ] aufweisen. Mit Hilfe der hier gewählten Modellvorstellungen (D3/2) wurden einmal empirisch konstatierbare Tatsachen erklärbar und konnte zum anderen der Modalpartikel ja eine der Intuition nicht widersprechende Bedeutung zugewiesen werden. Diese Bedeutung deckt sich mit derjenigen, die ja_ bereits in der Hypothese (H5.2) zugesprochen wurde. (H5.2) erfährt daher eine Bestätigung. 3.5.3. Bedeutung von schon (H5.3) Das erneut benutzte Analogieverfahren, bei dem die Modalpartikel schon und das Satzäquivalent Schon einander gegenübergestellt werden, kann bei der Bestimmung der Bedeutung von schon hilfreich sein. Das Satzäquivalent Schon drückt eingeschränkte Affirmation aus. Eine genauere Analyse zeigt jedoch, daß es zweckmäßig ist, zwei Erscheinungsformen des Satzäquivalents zu unterscheiden: (3.5.3.) 1 . Schon, dem immer zwei Operationen zugrunde liegen : (3.5.3.) 1:1. Die Umwandlung einer Frage, die sich auf das Eintreten

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eines Ereignisses bezieht, in eine Aussage, die sich ebenfalls auf das Ein von E bezieht. In der Aussage erhält man also eine Koinzidenz des Eintretens eines Ereignisses und des Merkmals [-1- konstatativ] . (3.5.3.) "l .2. Die Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens des in der Aussage bezeichneten Ereignisses durch Ich glaube. Nach Vollzug von ((3.5.3.) 1.1.) und ((3.5.3.) 1.2.) kann Schon als potentielles Satzäquivalent der Aussage zugeordnet oder aber für diese, nicht aber für deren Bewertung, eingesetzt werden. (3/47)

Kommt Hans morgen? 1. Hans kommt morgen. (Ergebnis von ((3.5.3.) 1.1.)) 2. Ich glaube, daß Hans morgen kommt. (Ergebnis von ((3.5.3.) 1.2.))

Der Konstruktion ((3/47) 2.) kann Schon hinzugefügt werden. Es kann aber auch den durch daß eingeleiteten Nebensatz substituieren. In beiden Fällen entsteht eine gebrauchsfertige Antwort. Schon ist folglich ein Satzäquivalent, dem zwei Operationen zugrunde liegen. Da Schon als potentielles Satzäquivalent einer Basisinformation zugeordnet werden kann, in der wie bereits bei Doch und Ja das Eintreten eines Ereignisses und das Merkmal [+ konstatativ] zusammenfallen und daher potentielle Affirmation vorliegt, die durch Schon konkretisiert wird, kann daraus geschlossen werden, daß auch die Bedeutung dieses Satzäquivalents als Affirmation charakterisierbar ist. Dieser Affirmation wird allerdings eine Sprecherbewertung in Form von Ich glaube hinzugefügt, so daß man von intentional eingeschränkter Affirmation sprechen kann. Von diesem Schon ist das folgende zu unterscheiden: (3.5.3.) 2.

Schon, aber, dem bei den hier interessierenden Fällen ebenfalls zwei Operationen zugrunde liegen:

(3.5.3.) 2.1. Die Umwandlung einer Frage in eine Aussage. (3.5.3.) 2.2. Die Hinzufügung einer Basisinformation ( B 1 ) zu der durch Schon substituierbaren Basisinformation (B) der Aussage, wobei (B 1 ) zu (B) in einer bestimmten, (B) relativierenden Beziehung steht. Nach Vollzug von ((3.5.3.) 2.1.) und ((3:5.3.) 2.2.) kann Schon, aber der dabei

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entstandenen Konstruktion hinzugefügt werden. Schon kann darin als potentielles Satzäquivalent der Aussage (B) zugeordnet oder für diese eingesetzt werden, während aber in (-B 1 ) integriert wird. (3/48)

Leihst du 1. Ich leihe 2. Dann mußt (Ergebnis

mir deinen Wagen? dir meinen Wagen. (Ergebnis von ((3.5.3) 2.1.)) du wenigstens die Einkäufe machen. von ((3.5.3.) 2.2.))

Schon kann ((3/4 ) .) zugeordnet oder für dieses eingesetzt werden und ist daher ein Satzäquivalent. Letzteres gilt nicht für aber, das ((3/48) '2.) lediglich hinzugefügt werden kann. Man erhält also: (3/49) Sprecher 1: Leihst du mir deinen Wagen? Sprecher 2: Schon (, ich leihe ihn dii). Wenn ich dir aber meinen Wagen leihe, dann mußt du wenigstens die Einkäufe machen. Ein weiteres Beispiel für Konstruktionen, in denen die Bedingungen für ein Vorkommen von Schon, aber erfüllt sind, bildet (3/50): (3/50)

Kann Hans Gitarre spielen? 1. Hans kann Gitarre spielen. (Ergebnis von ((3;5.3.) 2:1.))

2. Was kann Hans nicht? (Ergebnis von ((3.5.3.) 2.2.)) Auch hier kann Schon ((3/50) 1.) zugeordnet werden oder ist für dieses einsetzbar und daher ein Satzäquivalent, aber dagegen kann ((3/50) '2.) lediglich hi^nzugefügt werden, ohne es ersetzen zu können: (3/51) Sprecher 1: Kann Hans Gitarre spielen? Sprecher 2: Schon (, er kann Gitarre spielen), aber was kann Hans nicht? Wenn auch das hier betrachtete Schon als potentielles Satzäquivalent nicht nur solchen Basisinformationen zugeordnet werden kann, in denen das Eintreten eines Ereignisses und das Merkmal [+ konstatativ] zusammenfallen und daher potentielle Affirmation vorhanden ist, die durch das entsprechenden Satzäquivalent konkretisiert wird, so ist doch anzunehmen, daß die Bedeutung von Schon grundsätzlich affirmativ ist. Diese Affirmation wird allerdings durch aber und die Basisinformation, der dieses Element zugeordnet ist, eingeschränkt. Die dadurch entstehende spezielle Form von Affirmation kann nun je nach Vorkommen des Satzäquivalents unterschiedlich beschrieben werden: Tritt Schon, aber in einer Konstruktion wie

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(3/49) auf, so kann seine Bedeutung als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des Sprechers) gekennzeichnet werden. Kommt es dagegen in einer Konstruktion wie (3/51) vor, so kann seine Bedeutung als Affirmation es Eintretens/ Nichteintretens eines Ereignisses bei total eingeschränkter Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E (aber was kann er nicht?) aufgefaßt werden. Auf diese Weise läßt sich die Bedeutung der zweiten Erscheinungsform von Schon, d.h. Schon, aber, klar gegen dessen erste Erscheinungsform, 'd:h. Ich glaube schon, abgrenzen. Die Analyse der Bedeutung der beiden Erscheinungsformen des Satzäquivalents verfolgt den Zweck, Rückschlüsse auf die Bedeutung der Modalpartikel schon zu ziehen. Hierzu ist es zunächst erforderlich, einen kurzen Überblick über die Verschiedenheit der beiden Schon einerseits und der Modalpartikel andererseits zu gewinnen. Ein Vergleich von Antwortsätzen mit Schon bzw. schon ist in diesem Zusammenhang aufschlußreich. (3/52) Wird Hans die Prüfung bestehen? Ich glaube schon (, daß er sie bestehen wird). / Er wird sie schon bestehen. (3/53) Bringst du den Abfalleimer runter? Schon, wenn ich den aber runterbringe, dann gehe ich noch ein Bier trinken. i Wenn ich den schon runterbringe, dann gehe ich noch ein Bier trinken. Wie die Beispiele (3/52) und (3/53) zeigen, sind die Antwortsätze mit Ich glaube schon und Schon, aber einerseits und diejenigen mit der Modalpartikel schon andererseits nicht identisch. (3/54) Stimmt es, daß du dich geirrt hast? Ich glaube schon (, daß stimmt), daß ich mich geirrt habe. 9

(3/55) Ich habe mich 'schon geirrt. (dagegen: Ich habe mich schon nicht geirft.) (3/56) Willst du heiraten? Schon, wenn ich aber heirate, dann will ich auch bequem leben. (3/57) Wenn ich schon heirate, dann will ich auch bequem leben. Schon mit intentional eingeschränkter Affirmation kann in (3/54) einer Basi^sinformation als effektives Satzäquivalent (für daß stimmt) zugeordnet werden,

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der die Modalpartikel nicht zugeordnet werden kann, wie (3/55) zeigt. Eine Zuordnung des effektiven Satzäquivalents Schon mit Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung zum Satz mit wenn in (3/56) ist an das Vorkommen von aber in diesam Satz gebunden. Dagegen kann aber fehlen, wenn, wie in (3/57), die Modalpartikel schon einem solchen Satz zugeordnet wird. Bei der Erklärung der konstatierten Verschiedenheit der beiden Erscheinungsformen des Satzäquivalents Schon einerseits und der Modalpartikel schon andererseits sowie bei der Determinierung der Bedeutung von schon erweisen sich wieder Modellvorstellungen als hilfreich: Die Modalpartikel schon ist je nach Vorkommen ein Spezialfall entweder der einen oder der anderen Erscheinungsform des Satzäquivalents Schon. Die Modalpartikel bildet dabei den Rest eines sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares mit Schon, das im Rahmen eines Sprechermonologs entsteht. Dieser Rest wird einer bestimmten Basisinformation (B) zugeordnet und kann in diese als Modalpartikel integriert werden. Die folgenden Beispiele sollen diese Modellvorstellungen veranschaulichen. (3/58) Sprecher: (Ist erfreulicherweise zu erwarten, daß) Hans es schaffen wird? (Ich glaube schon (, daß erfreulicherweise zu erwarten ist), daß) Hans es schaffen wird. Hans wird es schon schaffen. (3/58) enthält das Satzäquivalent Schon mit intentional eingeschränkter Affirmation. Die allgemeinere Form von (3/58) lautet: (D3/3)

Nicht realisiert

Realisiert

Sprecher: Ist erfreulicherweise zu erwarten, daß...? Ich glaube schon (, daß erfreulicherweise zu erwarten ist), daß... B mit schon (3/59) Sprecher : (Besucht uns Hans? Schon (, Hans besucht uns)); wenn Hans uns (aber) besucht, dann soll er wenigstens eine Flasche Wein mitbringen. Wenn Hans uns schon besucht, dann soll er wenigstens

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eine Flasche Wein mitbringen. In (3/59) kommt das Satzäquivalent Schon als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des Sprechers) vor. Die allgemeinere Form von (3/59) lautet : (D3/4)

Nicht realisiert

Sprecher:B? Schon ( , B ) , aber

Realisiert Wenn B, dann B' Wenn B (mit schon), dann B 1

(3/60) Sprecher: (Kennt Hans Peter? Schon (, Hans kennt Peter), aber) wen kennt Hans nicht? Wen kennt Hans schon nicht? Das in (3/60) vorkommende Satzäquivalent Schon kann als Affirmation des Eintretens eines Ereignisses bei total eingeschränkter Affirmation des Gegenteils dieses Ein von E aufgefaßt werden. Die allgemeinere Form von (3/60)lautet : (D3/5)

Nicht realisiert

Realisiert

Sprecher: Ein/Nichtein von E (mit X)? Nichtein/Ein von Schon (,Ein/Nichtein E (Xvon E (mit X)), aber Nichtein/Ein von E W(mit schon) ? X = z.B. Peter in (3/60) W_= z.B. wen in (3/60)

Aufgrund der hier entwickelten Modellvorstellungen liegt es nun nahe, der Modalpartikel schon analog zum Satzäquivalent eine Bedeutung zuzusprechen, die einmal je nach Vorkommen der Partikel als intentional eingeschränkte Affirmation bzw. als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung beschrieben werden kann. Dagegen kommt es in denjenigen Fällen, in denen das Satzäquivalent Schon als Affirmation des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses bei total eingeschränkter Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E aufgefaßt werden kann, zu einer Umkehrung: Die Bedeutung der Modalpartikel schon muß dann aJs total

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eingeschränkte Affirmation des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses bei Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E beschrieben werden. In der Frage Wen kennt Hans schon nicht? drückt demnach schon total eingeschränkte Affirmation bezüglich der Basisinformation Hans Irgendwer Nicht Kennen und Affirmation bezüglich Nicht; Hans Irgendwen Nicht Kennen aus. Die gewählten Modellvorstellungen erweisen sich als vorteilhaft. Wird der Modalpartikel schon als Bedeutung intentional eingeschränkte Affirmation zugeordnet, so wird diese Bedeutung im Modell (D3/3) u.a. durch eine Einführung von Ich glaube plausibel. Wird schon als Bedeutung dagegen Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung bzw. total eingeschränkte Affirmation des Ein/Nichtein von E bei Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein zugesprochen, so findet auch diese Bedeutung in den Modellen (D3/4) und (D3/5) einen sichtbaren Ausdruck, und zwar durch eine Einführung von aber. Durch diese ihr als Bedeutung zugeordneten und in den Modellen plausibel gemachten speziellen Formen von Affirmation läßt sich aber die affirmative Modalpartikel schon sorgfältig gegen die anderen affirmativen Modalpartikeln, also doch und ja, abgrenzen. Ein weiterer Vorzug der Modellvorstellungen besteht darin, daß nun die konstatierten Unterschiede zwischen Schon und schon erklärt werden können. So hat man für (3/52) gemäß (D3/3): (3/61)

Wird Hans die Prüfung bestehen? 1. Hans wird die Prüfung bestehen. 2. 0 (Ist erfreulicherweise zu erwarten, daß) Hans die Prüfung bestehen wird. (Ich glaube schon (, daß erfreulicherweise zu erwarten ist), daß) Hans die Prüfung bestehen wird. Hans wird die Prüfung schon bestehen.

In ((3/61) 1.) besteht eine Koinzidenz des Eintretens eines Ereignisses und des Merkmals [+ konstatativ] und damit potentielle Affirmation. Diese potentielle Affirmation wird jedoch weder durch Schon konkretisiert noch durch eine Zuordnung von Ich glaube zu ((3/61) 1.) intentional eingeschränkt, da die hierfür notwendige Operation ((3.5.3.) 1.2.) nicht stattfindet. Für eine Konkretisierung der p±entiellen Affirmation in ((3/61) 1.) ist die Modalpartikel schon ungeeignet, denn sie bildet gemäß (D3/3) als affirmativer Rest eines sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares, das ((3/61) 1.) hinzugefügt wird, gleich-

41 zeitig auch den Rest einer Konkretisierung intentional eingeschränkter Affirmation in der Antwort des Paares, nicht jedoch in der noch nicht gebrauchsfertigen Antwort ((3/61) 1.). Hieraus ergibt sich eine Erklärung dafür, daß der Satz mit schon in (3/61) keine wirklich angemessene Antwort auf die gestellte Frage bildet. Für (3/53) erhält man gemäß (D3/4) : (3/62)

Bringst du den Abfalleimer runter? 1. Ich bringe den Abfalleimer runter. 2. Ich gehe noch ein Bier trinken. (Bringe ich den Abfalleimer runter? Schon (, ich bringe ihn runter)); wenn ich (aber) den Abfalleimer runterbringe, dann gehe ich noch ein Bier trinken. Wenn ich schon den Abfalleimer runterbringe, dann gehe ich noch ein Bier trinken.

Im Komplex (((3/62) 1.), ((3.62) 2 . ) ) wird in ((3/62) 1.) weder die vorhandene potentielle Affirmation durch Schon konkretisiert, noch eingeschränkte Sprecherzustimmung durch aber ausgedrückt. Die Modalpartikel schon bildet hier zwar ein Amalgam aus konkretisierter potentieller Affirmation und eingeschränkter Zustimmung. Gemäß (D3/4) bezieht sich dieses Amalgam jedoch als Rest eines sprachlich nicht realisierten Frage-Antwort-Paares auf die Antwort in diesem und nicht auf ((3/62) 1.) und kann daher in der aus ((3/62) 1.) und ((3/62)' 2.) bestehenden, noch nicht gebrauchsfähigen Antwort nicht nutzbar gemacht werden. Auf diese Weise erhält man eine Erklärung dafür, daß der Satz mit schon in (3/62) keine geeignete Antwort auf die eingangs gestellte Frage bildet. Auch die Beispiele (3/54) und (3/55) lassen sich mit Hilfe von (D3/3) erklären. So erhält man für (3/55): rp

(3/63) ( ' I s t erfreulicherweise zu erwarten, daß) ich mich geirrt habe? ... Sieht man von situationsbedingten Ausnahmen ab, so ist im Modell bereits durch die Unvereinbarkeit von Haupt- und Nebensatz in der eingangs formulierten Frage des nicht realisierten Frage-Antwort-Paares garantiert, daß eine Zuordnung der Modalpartikel schon zu Ich habe mich geirrt nicht erfolgt. Hier werden Zuordnungsbeschränkungen erkennbar, denen die Modalpartikel, nicht jedoch das Satz-

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äquivalent unterworfen ist. Für das Fehlen des in (3/56) obligatorischen aber in (3/57) erhält man insofern eine Erklärung, als in einem Satz mit der Modalpartikel schon gemäß Modell (D3/4) das Satzäquivalent Schon und aber zu denjenigen Teilen dieses Satzes gehören, die sprachlich nicht realisiert werden und die sprachlich realisierte Modalpartikel als Amalgam dieser Teile aufgefaßt wird. Der durch wenn eingeleitete Nebensatz mit schon in (3/57) braucht daher aber nicht zu enthalten. Die hier gewählten Modellvorstellungen erfahren also durch die aus ihnen ableitbaren Erklärungen eine Rechtfertigung. Nachzutragen ist noch, daß eine Zuordnung von schon als intentional eingeschränkte Affirmation nur bei Aussagesätzen möglich ist. schon als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung dagegen ist an das Satzmerkmal (+ konditional] gebunden. Es kann nur bestimmten, durch wenn eingeleiteten Nebensätzen zugeordnet werden, schon als total eingeschränkte Affirmation des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses bei Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E endlich fällt mit dem Satzmerkmal [+ partiell interrogativ] zusammen. Seine Zuordnung ist auf bestimmte Ergänzungsfragen beschränkt. Die Modellvorstellungen (D3/3), (D3/4) und (D3/5) haben sich bei der Erklärung empirisch konstatierbarer Tatsachen und der Zuweisung einer intuitiv einleuchtenden Bedeutung zu der Modalpartikel schon bewähit. Da diese Bedeutung derjenigen entspricht, die für schon in (H5.3) verzeichnet wird, kann diese Hypothese als bestätigt gelten. Gegenstand von Kapitel (3.5.) war die Verifizierung der Hypothesen (H5.1) bis (H5.3) bezüglich der Bedeutung von doch, ja_ und schon. Diese Verifizierung konnte durchgeführt werden. Als Resultat der in diesem Zusammenhang vorgenommenen Beobachtungen und angestellten Überlegungen läßt sich nun feststellen, daB es im Rahmen der hier gewählten Modellvorstellungen berechtigt ist, von den Modalpartikeln doch, j£ und schon als von affirmativen Modalpartikeln zu sprechen. 3.6.

Die Funktion der Modalpartikeln doch, ja_ und schon

In Kapitel (3.5.) wurde im Rahmen der darin entwickelten Modellvorstellungen festgestellt, daß die Modalpartikeln doch,' ja_ und schon dem Eintreten/Nichteintreten eines in einer Basisinformation bezeichneten Ereignisses wie ein effektives Satzäquivalent zugeordnet werden, was bedeutet, daß die dabei durch die jeweilige Partikel hinzugefügte Information nicht eigentlich Teil des bezeichneten Ereignisses ist. Diese Auffassung ist mit der Annahme Kriwonossows (1977; 87/88) verträglich, in der er davon ausgeht, daß der Sprecher mittels einer

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Modalpartikel einem Ereignis seine Stellungnahme zu diesem zuordnet, wobei dieser Stellungnahme die Überzeugung des Sprechers zugrunde liegt. Demnach aber hätten die Modalpartikeln doch, ja_ und schon insofern eine Funktion gemeinsam, als sie das sprachliche Signal dieser Stellungnahme bzw. Überzeugung des Sprechers bilden. Eine ähnliche Ansicht vertritt auch Brinkmann (1971; 499). Auf diese intuitiv einleuchtende Hypothese Krowonossows soll in dieser Arbeit zurückgegriffen werden, d . h . die Modalpartikeln doch, ja und schon werden als sprachliches Signal einer Sprecherintervention angesehen, die Ausdruck einer Sprecherüberzeugung bezüglich des Eintretens/Nichteintretens eines in einer bestimmten Basisinformation bezeichneten Ereignisses ist. Wie später gezeigt werden soll, besitzt eine solche Annahme den Vorteil, daß durch sie bestimmte Phänomene, wie z.B. das gemeinsame Vorkommen von kausaler Konjunktion und Modalpartikel in kausalen Nebensätzen, erklärt werden können. Neben der soeben beschriebenen gemeinsamen Funktion weisen doch, ja_ und schon aber auch spezifische Funktionen auf, durch die sie sich unterscheiden lassen. Diese Unterschiede sind darauf zurückzuführen, daß die Funktion einer Partikel offenbar aus einer Kombination ihrer Bedeutung (die z.B. für doch und j£ immer gleich ist) mit einem bestimmten Vorkommen resultiert. Unterschiedliches Vorkommen einer Partikel hat also eine unterschiedliche Funktion zur Folge. Eine Unterscheidung aufgrund unterschiedlicher Funktionen führt aber im Falle von doch zu einer weiteren Differenzierung: Es erweist sich als zweckmäßig, drei Erscheinungsformen von doch gegeneinander abzugrenzen. Diese drei Erscheinungsformen, also doch,., doch? und doch' ? , werden daher im folgenden getrennt untersucht und beschrieben. Für die Untersuchung und Beschreibung der spezifischen Funktion von doch,., dochp, doch' ? , ja_ und schon können nun auch die in (3.5.) gewonnenen Kenntnisse bezüglich der Bedeutung dieser Modalpartikeln nutzbar gemacht werden. 3.6.1. Funktion von doch. (H6.1) Bei der Untersuchung der Funktion der Modalpartikel doch, ist es zweckmäßig, sich auf bereits bekannte Größen zu beziehen. Bekannt sind die zwei Bedeutungskomponenten von doch.. Diese Bedeutungskomponenten werden beim Gebrauch der Modalpartikel einem bestimmten Satztyp, einer Konstatation, zugeordnet. Aus der hierbei erzielten Wirkung müßten sich aber Schlüsse auf die Funktion von doch, in einem solchen Satz ziehen lassen. Die folgenden Beispiele sind in dieser Hinsicht aufschlußreich. (3/64) Frau Rosenthal, ich höre Sie doch., machen Sie schon a u f .

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Man erhält zwei Basisinformationen ein und desselben Sprechers : (3/64) (a) Ich höre Sie ( ( a 1 ) doch 1 ). (b) Machen Sie schon auf. ((3/64) ( a ) ) ohne ( a 1 ) , d.h. eine Konstatation, und ((3/64) ( b ) ) , also eine Aufforderung, bilden einen Kontext, der solange zufällig sein kann, solange keine besondere Kennzeichnung vorhanden ist, die ihre Zusammengehörigkeit belegt. Wird ((3/64) ) a ) ) nun ( a 1 ) hinzugefügt, so werden gemäß (H 5.1) die beiden Bedeutungskomponenten von doch,, wirksam: Einmal wird dem Eintreten des in ((3/64) (a)) bezeichneten Ereignisses mittels Sprecherintervention Affirmation durch zweifache Negation zugeordnet. Zum anderen werden dem Ein von E Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils dieses Ein von E hinzugefügt. Das Ergebnis der Zuordnung der zwei Bedeutungskomponenten von doch, zu ((3/64) (a)) ist also eine auffällige Zuweisung von Affirmation zu der in ((3/64) ( a ) ) enthaltenen Konstatation, die dazu führt, daß ((3/64) ( a ) ) mit ( a 1 ) nicht mehr als nur konstatativ und damit kontextneutral angesehen werden kann. Die durch ( a ' ) mittels Affirmation bewirkte besondere Kennzeichnung von ((3/64) ( a ) ) läßt sich als kontextwirksames Merkmal konkretisieren, mit dem diese Konstatation ausgestattet wird. Als ein solches Merkmal wird hier [+ argumentativ] eingeführt. [+ argumentativ] ist insofern ein relationales Merkmal, als es ausdrücklich auf zwischen Ereignissen bestehende Relationen hinweist und anzeigt, daß diese Ereignisse nicht um ihrer selbst willen existieren und, soweit sie sprachlich realisiert sind, nicht rein zufällig aneinandergereiht wurden. Nimmt man nun an, daß das Merkmal [+ argumentativ] dann signalisiert wird, wenn die beiden Bedeutungskomponenten der Modalpartikel doch1 einer Konstatation zugeordnet werden, die eine bestimmte, nicht immer sofort erkennbare Rolle in einem Kontext innehat, so erhält man eine recht gute Erklärung für die Funktion von doch... Für Beispiel (3/64) bedeutet das, daß der Hörer durch das der Konstatation ((3/64) ( a ) ) durch doch., zugeordnete Merkmal [+ argumentativ] auf eine zwischen dieser Konstatation und ((3/64) ( b ) ) etablierte Relation und die Rolle der Konstatation in einem solchen Relationsgefüge aufmerksam gemacht werden soll. Es handelt sich dabei offenbar um die Relation Begründung,. wobei ((3/64) ( a ) ) das begründende Relationsglied bildet: Da der Sprecher den Hörer akustisch wahrnimmt (Ich höre Sie), fordert er ihn auf, die Handlung X auszuführen (Machen Sie schon a u f ) . Zwei Gründe lassen sich dafür angeben, daß die Kennzeichnung von ((3/64) (a)) als Relationsglied nicht durch eine kausale Konjunktion, sondern durch die Modalpartikel doch, erfolgt. Einmal ist hier die Situation (Erregung) sprachlichen

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Äußerungen förderlich, in denen Sprecherinterventionen (deren sprachlicher Ausdruck doch, ist) vorgenommen werden, zum anderen signalisieren kausale Konjunktionen das Merkmal [+ begründend]. Dieses Merkmal ist jedoch für die Kennzeichnung von ((3/64) ( a ) ) nicht ausreichend, da zwischen ihm und einem weiteren Ereignis auch noch die Relation Widerspruch zu bestehen scheint, die durch das Merkmal [+ begründend] nicht erfaßt wird. Dieses weitere, sprachlich nicht realisierte Ereignis besteht in der offensichtlichen Annahme des Hörers, daß der Sprecher ihn nicht hört (und folglich von seiner Anwesenheit nichts weiß). Dieser Annahme widerspricht der Sprecher mit ((3/64) ( a ) ) . ((3/64) (a)) wird also durch die Sprecherintervention mittels doch., gleich zweimal als Relationsglied in Relationsgefügen gekennzeichnet: Einmal als Begründung, zum anderen als Widerspruch, wobei im zweiten Fall insbesondere die zweite Bedeutungskomponente von doch., nutzbar gemacht wird. Signalisiert doch. nun [+ argumentativ] , so ist es also zweckmäßig anzunehmen, daß dieses Merkmal genereller ist als z.B. [+ begründend] und neben der Relation Begründung auch die Relation Widerspruch anzeigen kann, so in Beispiel (3/65), in dem das Ereignis, dessen Eintreten widersprochen wird, sprachlich realisiert ist: (3/65) (a) Sprecher 1: Du mußt mir heute das Geld geben. (b) Sprecher 2: Ich habe es dir ( ( b 1 ) doch..) schon gestern gegeben. Weitere Relationen zwischen einer Basisinformation und einem anderen Ereignis, auf die durch [+ argumentativ] hingewiesen werden kann, sind offenbar Beweis und Hervorhebung. Die Relation Beweis liegt zwischen (a) und (b) in Beispiel (3/66) vor: (3/66) (a) Hans ist übermüdet. (b) Das siehst du ( ( b 1 ) doch.,). In (3/66) wird vom Sprecher die Effektivität des Eintretens des in ((3/66) ( a ) ) bezeichneten Ereignisses durch einen Hinweis in ((3/66) ( b ) ) auf die visuelle Verifizierbarkeit dieses Eintretens durch den Hörer belegt. Zwischen ( ( 3 / 6 6 ) ( a ) ) und (b) muß folglich die Relation Beweis bestehen. Signalisiert ( b 1 ) , d.h. doch., das ((3/66) ( b ) ) besonders kennzeichnet, das Merkmal [+ argumentativ], so muß dieses demnach auch die Relation Beweis anzeigen können. Zwischen (a) und (b) in Beispiel (3/67) besteht die Relation Hervorhebung: (3/67) (a) Hans klagt über Hungergefühle. (b) Dabei hat er ( ( b f ) doch.) gerade gegessen.

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((3/67) ( b ) ) gibt Gegengründe gegen das Eintreten des in ((3/67) ( a ) ) bezeichneten Ereignisses an. Nun soll aber das Eintreten von E in ((3/67) (a)) durch die Angabe von Gegengründen nicht verworfen, sondern besonders hervorgehoben werden. Zwischen ((3/67) ( a ) ) und (b) besteht also die Relation Hervorhebung. Diese Relation wird durch das Merkmal [+ hervorhebend] angezeigt, das in ((3/67) ( b ) ) durch dabei signalisiert wird. Das Merkmal [+ argumentativ] dagegen, das in ((3/67) ( b ) ) durch ( b 1 ) signalisiert wird, bildet allein keinen Hinweis auf diese Relation. Vielmehr scheint es, wie das folgende Beispiel zeigt, die zwischen den beiden Sätzen bestehende geringe Verträglichkeit weiter zu steigern: ? Hans klagt über Hungergefühle. 'Er hat doch, gerade gegessen. Erst wenn durch Elemente wie dabei oder obgleich (im konzessiven Nebensatz) das Merkmal [+ hervorhebend] signalisert wird, ist die Hinzufügung des Merkmals [+ argumentativ] mittels doch, unproblematisch, wie sich ((3/67) ( b ) ) mit ( b 1 ) entnehmen läBt. In konzessiven Relationsgefügen ist also das Merkmal [+ argumentativ] an das dominierende Merkmal [+ hervorhebend] geknüpft. [+ hervorhebend] weist in einem solchen Relationsgefüge auf die zwischen den Relationsgliedern bestehende Relation Hervorhebung hin. Durch das zusätzliche Merkmal [+ argumentativ] dagegen wird dieser Hinweis offensichtlich nur verstärkt. Die hier gemachten Beobachtungen und angestellten Überlegungen lassen nun Rückschlüsse auf die Funktion von doch... zu. Diese Funktion läßt sich allerdings präziser beschreiben, wenn die Wirkung, die eine Sprecherintervention mittels doch., einmal und das durch doch., signalisierte Merkmal [+ argumentativ] zum anderen auf einen Satz ausüben, getrennt beschrieben werden: Durch eine Sprecherintervention mittels doch,, fügt der Sprecher einem Satz einen Appell hinzu, diesen je nach den Umständen als Begründung, Beweis, Widerspruch oder Hervorhebung aufzufassen. Das Merkmal [+ argumentativ], das aufgrund einer Zuordnung der beiden Bedeutungskomponenten von doch,, zu einem eine Konstatation enthaltenden Satz signalisiert wird, zeigt die Existenz einer Relation zwischen diesem Satz und einem weiteren Ereignis an, ohne allerdings einen genauen Hinweis auf die Art der Relation zu enthalten. Erst der betreffende Satz und das weitere Ereignis selbst, sowie zusätzliche, durch bestimmte Elemente signalisierte Merkmale präzisieren, ob es sich um die Relation Begründung, Beweis, Widerspruch oder Hervorhebung handelt. Die Funktion von doch., besteht u.a. also darin, ein relativ generelles relationales Merkmal zu signalisieren. Ist die Relation, deren Existenz es anzeigt, identifiziert, so enthält [+ argumentativ] jedoch auch präzisere Hinweise. Es gibt Aufschluß darüber, welche

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Rolle ein durch es gekennzeichneter Satz in einem Relationsgefüge innehat: bei Begründung bildet der durch [+ argutnentativ] gekennzeichnete Satz das begründende Relationsglied, bei Beweis das beweisende, bei Widerspruch das widersprechende und bei Hervorhebung das hervorhebende. Die in diesem Kapitel vorgenommenen Beobachtungen bezüglich der Funktion von doch., bilden eine Rechtfertigung der Hypothese (H6.1). 3.6.2.

Funktion von doch, und doch' 1

~

m

t.

—^^—

(H6.2) ^

Ist eine Zuordnung ihrer Bedeutungskomponenten zu einem bestimmten Satztyp in einem bestimmten Kontext für die Funktion einer Modalpartikel bestimmend, so müssen sich doch.,1 einmal und doch,,, doch'.,L zum anderen in ihren Funktionen unL terscheiden: doch, einmal und doch,,, doch'^ zum anderen kommen bei gleicher Bedeutung in unterschiedlichen Satztypen und Kontexten vor. doch,, wird einer Konstatation zugeordnet, die insgesamt auf ein weiteres Ereignis bezogen ist. Diesen Tatbestand soll doch., kennzeichnen, doch» dagegen wird u.a. einer Frage zugeordnet. Eine besondere Kennzeichnung der gegenseitigen Bezogenheit in einem Frage-Antwort-Paar ist nun aber nicht erforderlich: Frage-Antwort-Paare sind in dieser Hinsicht bereits durch die Intonation der Frage hinreichend markiert. Wird also doch? einer Frage zugeordnet, so dient deren durch die Bedeutungskomponenten der Partikel bewirkte besondere Kennzeichnung höchstwahrscheinlich nicht als Hinweis auf eine kontextwirksame Relation. Welche Funktion doch,, und doch',, tatsächlich haben, soll aufgrund der folgenden Beispiele gezeigt werden. (3/68) Du begleitest uns ((3/68') doch,,) noch ein paar Schritte? (Kriwonossow 77) '

L.

(3/68) ohne (3/68 1 ) bildet eine Basisinformation, die zweifach gekennzeichnet ist. Einmal enthält sie Frageintonation, wodurch angezeigt wird, daß sie Teil eines Kontextes mit einem Frage-Antwort-Paar ist. Zum anderen wird durch die für eine Frage außergewöhnliche Verbstellung signalisiert, daß das Eintreten des durch sie bezeichneten Ereignisses und dessen Bestätigung durch den Hörer vom Sprecher erwartet wird. Weitere besondere Informationen enthält (3/68) nicht. Nun ist aber eine spezielle Situation denkbar, in der eine Bestätigung des Eintretens des Ereignisses, das der Frage unterworfen ist, nicht nur erwartet wird, sondern darüber hinaus erwünscht ist. In einem solchen Fall ist es für den Sprecher sinnvoll, die Bestätigung des Eintretens des bezeichneten Ereignisses besonders zu bewerten. Für eine solche Bewertung sind z.B. Satzadverbien wenig 7 geeignet, wie das folgende Beispiel zeigt: Du begleitest uns 'hoffentlich/*er-

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freulicherweise noch ein paar Schritte?. Wird (3/68) dagegen (3/68 1 ) hinzugefügt, so können die beiden Bedeutungskomponenten von dochp für (3/68) nutzbar gemacht werden. Dem der Frage unterworfenen Eintreten des in (3/68) bezeichneten Ereignisses werden so Affirmation mittels zweifacher Negation und Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein von E zugeordnet. Die durch die Bedeutungskomponenten von doch 0 bewirkte Kennzeichnung von ~"~~ ' £ (3/68) kann nun nicht als ein kontextwirksames Merkmal konkretisiert werden, da die Rolle von (3/68) im Kontext durch die Intonation hinreichend markiert ist. Mit Hilfe des Modells (D3/1) läßt sich auch zeigen, daß die Wirkung einer Zuordnung der Bedeutungskomponenten von doch,, zu (3/68) und damit die Funktion der Modalpartikel nicht einfach als besondere Form von Affirmation des tatsächlichen Eintretens des bezeichneten Ereignisses interpretierbar ist: Sprecher : (Nicht; Es trifft nicht zu:) Du begleitest uns noch einige Schritte?. Drückt ein Sprecher Affirmation bezüglich des Eintretens eines Ereignisses aus, das er gleichzeitig einer Frage unterwirft, so ist auszuschließen, daß er dieses Ein von E bereits als Tatsache ansieht. Die durch cjoch_„ ausgedrückte Affirmation kann sich in (3/68) also nicht auf das tatsächliche, sondern nur auf das mögliche Ein von E beziehen. Die Affirmation der Möglichkeit des Eintretens eines in einer Frage bezeichneten Ereignisses drückt aber gleichzeitig eine Präferenz des Sprechers für eine Bestätigung des Ein von E aus. Hierin scheint nun die Funktion der Modalpartikel doch,, in (3/68) zu bestehen. Die insbesondere auch durch ihre zweite Bedeutungskomponente signalisierte Präferenz des Sprechers für eine Bestätigung des Ein von E in (3/68) kann nun als das Merkmal [+ erwünscht] konkretisiert werden. [+ erwünscht] ist ein primär satzinternes Merkmal. Es zeigt keine Relation an, sondern bewertet lediglich die Bestätigung des z.B. einer Frage unterworfenen Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses. Den Unterschieden, die bezüglich ihres Vorkommens und ihrer Kontexte zwischen doch., und doch,, nachweisbar sind, entsprechen also auch Unterschiede der Funktion, die für doch,, u.a. darin besteht, das Merkmal [+ erwünscht] zu signalisieren. Die Funktion von doch,, läßt sich noch etwas präziser fassen, wenn man z.B. in (3/68) die Wirkung, die eine Sprecherintervention mittels doch,, erzielt, und diejenige, die durch das durch doch,, signalisierte Merkmal [+ erwünscht] hervorgerufen wird, getrennt betrachtet: Durch eine Sprecherintervention mittels doch0 fügt der Sprecher der V2Frage in (3/68) einen Appell hinzu, diese als Ausdruck eines Wunsches nach einer Bestätigung des der Frage unterworfenen Ein/Nichtein von E aufzufasL·

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sen, zu dessen Erfüllung der Hörer das seine beitragen soll. Durch das durch doch,, signalisierte Merkmal [+ erwünscht} wird (3/68) eine Bewertung hinzugefügt. Diese Bewertung drückt eine Präferenz des Sprechers für eine Bestätigung des der Frage unterworfenen Eintretens von Du-Uns-Noch ein paar Schritte-Begleiten aus. Diese zunächst völlig satzinterne Bewertung kann nun aber über die V2-Frage hinauswirken, indem sie die Entscheidung des Hörers beeinflußt, wenn das Ein von E in der Frage von diesem abhängt. Durch die Modalpartikel cjoch- w*rcl a^so e^-ne V2-Frage für den Gebrauch in einer speziellen Situation umgerüstet, die darin besteht, daß der Sprecher eine Bestätigung des der Frage unterworfenen Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses wünscht. Diesen Tatbestand will er dem Hörer signalisieren. (3/69) Wie war ((3/69') doch',,) Ihr Name? (3/69) ohne (3/69 1 ) ist durch Frageintonation und durch das Fragepronomen hinreichend als Teil eines Kontextes mit einem Frage-Antwort-Paar gekennzeichnet. Darüber hinaus präzisiert das Fragepronomen, daß in (3/69) primär nicht das Eintreten des bezeichneten Ereignisses, sondern lediglich eine Komponente dieses Ereignisses, d.h. das passende Substitut für das Fragepronomen, der Frage unterworfen ist. Frageintonation und Ergänzungsfrage mittels Fragepronomen statten (3/69) für einen Gebrauch in Standardsituationen aus, d.h. für Situationen, in denen die gesuchte Komponente des bezeichneten Ereignisses direkt erfragt werden kann. Für den Gebrauch in einer speziellen Situation dagegen ist (3/69) mangels besonderer Kennzeichnung nicht geeignet. Eine spezielle Situation liegt z.B. dann vor, wenn der Sprecher sein Bedürfnis, eine Kenntnislücke zu schließen, nicht direkt, sondern nur mit Hilfe einer bestimmten Strategie zum Ausdruck bringen kann, wenn er also z.B. aus Höflichkeit zu erkennen geben will, daß ihm die gesuchte Komponente des in der Frage bezeichneten Ereignisses schon einmal bekannt war und daher immer noch potentiell bekannt ist, gleichgültig, ob dieses Vorwissen tatsächlich existiert oder nur vorgegeben ist. Soll (3/69) nun neben seinen herkömmlichen Funktionen auch diese zusätzliche Funktion übernehmen, so muß es mit einer besonderen Kennzeichnung versehen werden. Diese Kennzeichnung kann durch (3/69 1 ), d.h. durch die Modalpartikel doch'., erfolgen, die somit eine für Standardsituationen geeignete Ergänzungsfrage für den Gebrauch in speziellen Situationen umrüstet. Diese Umrüstung erfolgt offenbar durch die beiden Bedeutungskomponenten von doch 1 2 , nämlich durch Affirmation mittels zweifacher Negation und durch Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Eintretens des in (3/69) bezeichneten Ereignisses, die (3/69) durch (3/69') zugeordnet werden. Affirmation und die Zuordnung von Spuren eines Widerspruchs, der sich auf

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das Gegenteil des Eintretens des in (3/69) bezeichneten Ereignisses, d.h. auf das Gegenteil des Eintretens von Ihr-Name-X-War, bezieht, implizieren nun eine Anerkennung des Eintretens dieses Ereignisses. Die Anerkennung des Eintretens eines Ereignisses setzt aber im allgemeinen voraus, daß der Sprecher dieses Ereignis genau kennt, was jedoch nur dann der Fall ist, wenn ihm alle Komponenten dieses Ereignisses bekannt sind. Damit jedoch suggeriert der Sprecher in (3/69) mittels (3/69') ein Vorwissen bezüglich der gesuchten Komponente des bezeichneten Ereignisses. Dieser Umstand läßt sich nun dann in einem Merkmal konkretisieren, wenn in einer Ergänzungsfrage das Verbtempus Vergangenheit vorliegt. Ist dies der Fall, so signalisiert die Modalpartikel doch',, in einer solchen Ergänzungsfrage das Merkmal [+ potentiell bekannt]. [+ potentiell bekannt] ist ein satzinternes Merkmal, das der gesuchten Komponente des in einer Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses, d . h . dem gesuchten Substitut des Fragepronomens, zugeordnet wird. Durch dieses Merkmal wird diese Frage aber für den Gebrauch in speziellen Situationen umgerüstet und deutlich gegen eine Ergänzungsfrage für Standardsituationen abgehoben. Analog zu dpch0 in der V2-Frage wird nun auch hier die Funktion von doch',, i ~~~~~~ £ in der Ergänzungsfrage dadurch angegeben, daß die Wirkung einer Sprecherintervention mittels doch',, und die des Merkmals [+ potentiell bekannt} auf diese Frage getrennt beschrieben werden. Durch eine Sprecherintervention mittels doch',, fügt ddr Sprecher einer Ergänzungsfrage einen Appell hinzu, diese lediglich als Aufforderung zur Gedächtnishilfe aufzufassen. Das durch doch',, signalisierte Merkmal £+ potentiell bekannt] wird dem gesuchten Substitut des Fragepronomens einer Ergänzungsfrage zugeordnet. Auf diese Weise bildet es einen Hinweis auf ein tatsächliches oder vorgegebenes Vorwissen des Sprechers bezüglich dieses Substitute. Die hier angestellten Beobachtungen und Überlegungen bestätigen die bereits in (3.6.1.) eingangs geäußerte Vermutung: Die Zuordnung der immer gleichen Bedeutungskomponenten der Modalpartikel doch zu unterschiedlichen Satztypen determiniert die Funktion der Partikel, die je nach Vorkommen schwankt. Die Kombination dieser Bedeutungskomponenten mit einer Konstatation ergibt das Merkmal [+ argumentativ] , ihre Kombination mit einer speziellen Entscheidungsfrage führt zu dem Merkmal [+ erwünscht] und das Merkmal [+ potentiell bekannt ] wird signalisiert, wenn sie mit einer Ergänzungsfrage kombiniert werden. Wird der Einfachheit halber angenommen, daß diese Merkmale durch doch signalisiert werden, und daß darin die Funktionen der Modalpartikel zu sehen sind, so erscheint eine

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Unterscheidung von doch 1| ,. doch., und doch' £0 als gerechtfertigt. Aber auch eine · ·' i» gruppierende Unterscheidung doch, vs. doch,,, doch',, scheint einleuchtend: Die Funktion von doch,, besteht darin, ein Merkmal zu signalisieren, durch welches das so gekennzeichnete sprachliche Ereignis auf ein weiteres Ereignis bezogen wird. Die durch doch,, und doch' ? signalisierten Merkmale dagegen haben eine primär satzinterne Bedeutung. Sie enthalten also keinen besonderen Hinweis auf eine zwischen dem gekennzeichneten sprachlichen Ereignis und einem weiteren Ereignis bestehende Beziehung. (3.6.2.) bildet eine Bestätigung der Hypothese (H6.2). 3.6.3. Funktion von ja

(H6.3)

Die Modalpartikeln doch., und ja besitzen insofern eine gleiche Bedeutung, als sie beide affirmativ sind. Darüber hinaus weisen sie auch praktisch das gleiche Vorkommen auf, da sie vorzugsweise Konstatationen zugeordnet werden. Da nach der hier vertretenen Auffassung eine Kombination ihrer Bedeutung mit ihrem Vorkommen die Funktion einer Modalpartikel weitgehend determiniert, müßten doch., und j£ daher aber eine ähnliche Funktion besitzen. Dies ist auch der Fall, wie sich anhand von (3/64) und einem weiteren Beispiel experimentell nachweisen läßt: Frau Rosenthal, ich höre Sie doch,, /ja, machen Sie schon auf ; Und der Borkhausen kann sich auch nie einen Spitzel halten, der hat doch., /ja nie Geld. . In den Beispielen kann doch., gegen ja ausgewechselt werden, ohne daß eine augenfällige Bedeutungsänderung bei den Satzkonstruktionen zu verzeichnen wäre. Da, wie unter (3.6.1.) gezeigt wurde, doch., bei seiner Zuordnung zu einer Konstatation wie ((3/64) ( a ) ) das Merkmal [+ argumentativj signalisiert, das u.a. die Existenz der Relation Begründung zwischen den beiden, (3/64) konstituierenden Basisinformationen anzeigt, liegt die Annahme nahe, daß auch ja_ diese Funktion besitzt. Diese Hypothese soll nun anhand der folgenden Beispiele überprüft werden. (3/70) Und der Borkausen kann sich auch nie einen Spitzel halten, der hat ja_ nie Geld. (Kriwonossow 77) Man erhält zwei, von ein und demselben Sprecher gelieferte Basisinformationen: (3/70) (a) Und der Borkhausen kann sich auch nie einen Spitzel halten, (b) der hat ( ( b 1 ) ja) nie Geld. Die Tatsache, daß (b) unmittelbar auf (a) folgt und beide von ein und demselben Sprecher stammen, spricht dafür, daß die in (3/70) enthaltenen Basisinformationen (a) und (b) ohne ( b 1 ) aufeinander bezogen sind. Zwischen ihnen scheint die Relation Begründung zu bestehen: Das Nichteintreten des in ((3/70)(a)) bezeichneten

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Ereignisses wird durch das Nichteintreten des in der Konstatation ((3/70) ( b ) ) ohne (b 1 ) bezeichneten Ereignisses begründet. Eine besondere Kennzeichnung als Relationsglieder enthalten ((3/70) (a)) und (b) ohne (b 1 ) jedoch nicht. Da aber ((3/70) (b)) ohne (b 1 ) das Satzmerkmal [+ konstatativ] enthält, ist in ihm die Voraussetzung für eine Hinzufügung der Modalpartikel ja erfüllt. Durch die Hinzufügung von Ob 1 ) wird gemäß (H5.2) dem Nichteintreten des in ((3/70)(b)) bezeichneten Ereignisses mittels einer Sprecherintervention satzmerkmalspezifische Affirmation zugeordnet. Die durch diese Affirmation bewirkte besondere Kennzeichnung der Konstatation (b) bildet nun, wie sich (3/70) entnehmen läßt, einen zusätzlichen Hinweis auf die zwischen (a) und (b) bestehende Relation Begründung und determiniert gleichzeitig die Rolle von (b) in diesem Beziehungsverhältnis: ((3/70) )b)) mit ( b 1 ) bildet das begründende Relationsglied. Ein Vergleich mit (3/64) oder die Substitution von ja_ in (3/70) durch doch,, zeigt nun, daß die Hinzufügung der Modalpartikel doch., in ((3/64) ( a ) ) bzw. ((3/70) (b)) eine Kennzeichnung dieser Basisinformationen bewirkt, die praktisch das gleiche leistet wie eine durch ja_ verursachte Markierung. Daher liegt der Schluß nahe, daß die Funktion der Modalpartikel j£ nicht anders als die von doch,, darin besteht, in einer Konstatation das in (3.6.1.) eingeführte relationale Merkmal [+ argumentativ] zu signalisieren. Es erhebt sich nun die Frage, ob es nicht zweckmäßig wäre, die durch ja_ bewirkte Kennzeichnung eines Satzes durch das speziellere Merkmal [+ begründend] zu konkretisieren. Hiergegen lassen sich zwei Argumente anführen: Einmal erscheint es als adäguater, eine mittels einer Sprecherintervention bewirkte Kennzeichnung eines Satzes von derjenigen deutlich zu unterscheiden, die durch eine Konjunktion verursacht wird. Dieses Prinzip wurde bereits bei doch., im Falle der Relation Hervorhebung angewandt. Zum anderen bildet eine durch j£ bewirkte Kennzeichnung nicht nur einen Hinweis auf die Relation Begründung, sondern kann mindestens auch noch, wie in Beispiel (3/71), die Relation Beweis anzeigen. Die Annahme, daß die einer Basisinformation zugeordnete Modalpartikel ja_ in dieser das Merkmal [+ argumentativ] signalisiert, erscheint daher als begründet. (3/71) Sie wissen j£, ich bin gar nicht so...

(Kriwonossow 77)

Man erhält zwei Basisinformationen ein und desselben Sprechers: (3/71) (a) Sie wissen ( ( a 1 ) ja), (b) ich bin gar nicht so... Mit einem Hinweis auf den Kenntnisstand des Hörers in ((3/71) (a)) ohne ( a 1 ) beweist der Sprecher dem Hörer das Nichteintreten des in ((3/71) (b)) bezeich-

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neten Ereignisses: Die Kenntnisse, die der Sprecher beim Hörer über sich voraussetzt, begründen nicht, warum der Sprecher bestimmte Eigenschaften nicht besitzt, sondern beweisen dem Hörer, daß der Sprecher sie nicht besitzt. Durch die Zuordnung von ja_ zu ((3/71) ( a ) ) wird eine Kennzeichnung dieser Basisinformation bewirkt, die die zwischen ((3/71) ( a ) ) und ((3/71) ( b ) ) bestehende Relation Beweis anzeigt und ((3/71) ( a ) ) mit ( a 1 ) als das beweisende Relationsglied markiert. Analog zu Beispiel (3/66), in dem die durch doch., verursachte Kennzeichnung von ((3/66) ( b ) ) eine sehr ähnliche Wirkung hat wie die in ((3/71) (a)) durch j£ verursachte, kann hier davon ausgegangen werden, daß die durch j£ in ((3/71) ( a ) ) bewirkte Kennzeichnung ebenfalls als das relationale Merkmal [+ argumentativ] konkretisiert werden kann. Die hier gemachten Beobachtungen und angestellten Überlegungen gestatten nun Rückschlüsse auf die Funktion von ja. Diese Funktion kann dadurch beschrieben werden, daß die auf einen Satz ausgeübte Wirkung einer Sprecherintervention mittels ja_ und die des durch ja signalisierten Merkmals [+ argumentativ] getrennt betrachtet werden. Durch eine Sprecherintervention mittels Ja fügt der Sprecher einem Satz einen Appell hinzu, diesen je nach den Umständen als Begründung oder als Beweis aufzufassen. Das durch ja_ signalisierte relationale Merkmal [+ argumentativ} zeigt die Existenz einer Relation zwischen dem betreffenden Satz mit ja und einem weiteren Ereignis an. [+ argumentativ] ist insofern ein generelles Merkmal, als es, von ja_ signalisiert, mindestens zwei Relationen anzeigen kann, nämlich Begründung oder Beweis. Um welche dieser Relationen es sich handelt, kann nur mit Hilfe des ja_ enthaltenden Satzes und des betreffenden weiteren Ereignisses, sowie durch zusätzliche Merkmale entschieden werden, die z.B. durch Konjunktionen signalisiert werden. Einen präziseren Hinweis liefert [+ argumentativ] bezüglich der Rolle, die der Satz innehat, dem es zugeordnet wurde: Dieser bildet je nach der vorliegenden Relation entweder das begründende oder das beweisende Relationsglied in einem Relationsgefüge. Aufgrund der für ja determinierten Funktion ist es nun möglich, Ähnlichkeit und Verschiedenheit der Modalpartikeln doch., und ja_ gegenüber den eingangs in diesem Kapitel gemachten Feststellungen zu präzisieren. Ihre Ähnlichkeit besteht darin, daß sie gemäß den Modellen(D3/1) und (D3/2) beide affirmativ sind, ein praktisch gleiches Satzvorkommen (in Konstatationen) und ein teilweise gleiches Vorkommen in Relationsgefügen aufweisen. Folgerichtig besitzen sie in denjenigen Relationsgefügen, in denen beide vorkommen können, auch eine gleiche Funktion,

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die darin besteht, daß sie mittels des Merkmals [+ argumentativ] auf die zwischen den Relationsgliedern bestehenden Relationen Begründung oder Beweis hinweisen. Ihre Verschiedenheit liegt dagegen darin begründet, daß die Affirmation bei doch., nach Maßgabe des Modells (D3/1) durch zweifache Negation entsteht, und daß diese Modalpartikel Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Eintretens/Nichteintretens des in demjenigen Satz bezeichneten Ereignisses zum Ausdruck bringt, dem sie zugeordnet wird. j£ dagegen drückt gemäß (D3/2) lediglich einfache, an das Satzmerkmal [+ konstatativ] geknüpfte Affirmation aus und enthält keinerlei Spuren eines Widerspruchs. Außerdem weichen doch,, und j£ in ihrem Vorkommen voneinander ab, wenn zwischen zwei Relationsgliedern die Relationen Widerspruch oder Hervorhebung bestehen. Nur doch 1 , kaum aber ja, kann in solchen Relationsgefügen mittels [+ argumentativ] einen Hinweis auf diese Relationen geben, so in: Hans klagt über Hungergefühle. Dabei hat er doch,. / 7 ' 'ja gerade gegessen.. Wird [+ argumentativ] durch ja signalisiert, so ist dieses Merkmal also weniger generell. Dieser Umstand begründet aber einen wichtigen, empirisch konstatierbaren Unterschied zwischen doch., und ja. Wie Beispiel (3/64) zeigt, kann doch., mittels [+ argumentativ] gleichzeitig mehrere Relationen anzeigen, die zwischen einem Satz und weiteren Ereignissen bestehen, so z.B. Begründung und Widerspruch. Damit kann doch., aber durch [+ argumentativ] Einblick in ein komplettes relationales Netz gewähren, das zwischen einem Satz und weiteren Ereignissen bestehen kann. Dies vermag j£ nicht zu leisten. Fallen also die zwischen doch., und j£ bestehenden Feinunterschiede der Bedeutung mit gewissen Vorkommensunterschieden (in Relationsgefügen) zusammen, so lassen sich für die beiden Modalpartikeln auch gewisse Funktionsunterschiede konstatieren. Die in dieser Arbeit vertretene Auffassung, wonach eine Kombination ihrer Bedeutung und ihres Vorkommens die Funktion der hier untersuchten Modalpartikeln weitgehend determiniert, erfährt also eine weitere Rechtfertigung. Darüber hinaus kann die Hypothese (H6.3) als bestätigt gelten. 3.6.4. Funktion von schon

(H6.4)

Die Modalpartikeln doch, ja einmal und schon zum anderen sind zwar global gesehen affirmativ, weisen jedoch Feinunterschiede bei der Bedeutung auf. Darüber hinaus bestehen für doch,., j£ einmal und schon zum anderen auch deutliche Vorkommensunterschiede: In Sätzen, in denen doch,, und ja vorkommen können, ist schon meist nicht akzeptabel. Entsteht aus einer Kombination ihrer Bedeutung mit ihrem Vorkommen die Funktion einer Modalpartikel, sind also ihre Bedeutung und ihr Vorkommen gleichermaßen beteiligt an der Zuweisung der Funktion zu einer

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Partikel, so folgt aus den konstatierten Unterschieden, daß doch, ja_ einerseits und schon andererseits höchstwahrscheinlich auch unterschiedliche Funktionen aufweisen. Ob gewisse, in (3.5.3.) für schon selbst konstatierte Bedeutungsunterschiede zu Funktionsunterschieden bei dieser Partikel führen, muß nun geprüft werden. Dabei ist es erforderlich, drei Kombinationen von Bedeutung und Vorkommen der Modalpartikel schon getrennt zu betrachten. Die Funktiri, die die Modalpartikel schon in einem Aussagesatz innehat, läßt sich recht gut aus den Vorkommensbedingungen ableiten, denen die Modalpartikel in einem solchen Satz unterliegt. Diese Vorkommensbedingungen bestehen darin, daß im Aussagesatz eine Koinzidenz der dem Eintreten/Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses zugeordneten, satzinternen Merkmale [- gewiß] und [+ erwünscht] vorliegen muß (Ausnahmen wie Es ist schon ein Elend, in denen diese Koinzidenz nicht besteht, werden hier vernachlässigt). Sind diese Bedingungen erfüllt, kann schon dem entsprechenden Satz hinzugefügt werden. Zunächst soll mit Hilfe des einem Aussagesatz zugeordneten Merkmals [- gewiß] versucht werden, Aufschluß über die Funktion von schon in einem solchen Satz zu erlangen. Die folgenden Beispiele zeigen, daß das Vorhandensein dieses Merkmals in der Tat eine Bedingung für das Vorkommen von schon bildet: 7

(3/72) Der Zweite Weltkrieg begann 'schon (i bereits) am 1. September 1939, wie wir wissen. (3/73) Ein dritter Weltkrieg wird schon nicht stattfinden, davon bin ich überzeugt. In (3/72) besteht Gewißheit bezüglich des Eintretens des darin bezeichneten Ereignisses. Eine Hinzufügung der Modalpartikel schon (i bereits) ist kaum akzeptable. In (3/73) dagegen ist dem Nichtein von E a priori das Merkmal [- gewiß] zugeordnet. Die Hinzufügung von schon ist unproblematisch. Das Vorhandensein des Merkmals [- gewiß] kann sich nun in bestimmten Kontexten als störend erweisen. Dies ist in den folgenden Beispielen der Fall: (3/74) Ich hatte nur einen Gedanken: zurück. Ich finde sie schon. (Kriwonossow 77) (3/75) Du kannst im Wohnzimmer schlafen. Ich werde dir schon nichts tun. (Kriwonossow 77)

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Die folgenden Basisinformationen sind in diesem Zusammenhang interessant: (3/74) (a) zurück. (b) Ich finde sie ( O b 1 ) schon). (3/75) (a) Du kannst im Wohnzimmer schlafen. (b) Ich werde dir ( ( b 1 ) schon) nichts tun. Sowohl zwischen ((3/74) (a)) und der Basisinformation ((3/74) ( b ) ) ohne O b 1 ) » als auch zwischen ((3/75) (a)) und der Basisinformation ((3/75) ( b ) ) ohne O b ' ) besteht offenbar eine bestimmte Relation. In (3/74) handelt es sich offensichtlich um die spezielle Form einer Konditionalrelation, die als Bewirken beschrieben werden kann. In (3/75) liegt offenbar eine besondere Kausalrelation vor, die sich als Aufwertung spezifizieren läßt: ((3/75 (a)) bildet einen Vorschlag, ((3/75) ( b ) ) die Bedingung für die Annahme des Vorschlags durch den Hörer, die der Sprecher akzeptiert und damit seinen Vorschlag aufwertet. Die Existenz der genannten Relationen in (3/74) und (3/75) setzt das Vorhandensein von Relationsgliedern voraus, die jeweils eine bestimmte Rolle innehaben. Die Kennzeichnung dieser Rollen kann durch Merkmale erfolgen. Und zwar käme aufgrund der Relation Bewirken ((3/74) ( a ) ) das Merkmal [+ bewirkend] und ((3/74) ( b ) ) ohne Ob 1 ) das Merkmal [+ bewirkt] zu. Nach Maßgabe der Relation Aufwertung dagegen müßte ((3/75) ( a ) ) das Merkmal [+ aufgewertet]und ((3/75) ( b ) ) ohne O b 1 ) das Merkmal [+ aufwertend] tragen. Nun entstehen jedoch für die Zuordnung der Merkmale [+ bewirkt] bzw. [+ aufwertend] zu ((3/74) (b)) ohne O b ' ) bzw. ((3/75 ( b ) ) ohne O b ' ) gewisse Schwierigkeiten: Sowohl ((3/74) ( b ) ) ohne O b ' ) , als auch ((3/75( ( b ) ) ohne O b 1 ) beziehen sich auf die Zukunft, bilden also Vorhersagen und sind folglich durch einen Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/ Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses gekennzeichnet, der als das Merkmal ;[- gewiß] konkretisiert werden kartn. Vorhersagen mit dem Merkmal [- gewiß] sind nun aber kein ideales Mittel, um z.B. die Wirkung des Eintretens des bewirkenden Ereignisses wie in (3/74) zu beschreiben, da sie wegen des ihnen eigenen Mangels an Gewißheit keine gute Motivation für das Eintreten dieses bewirkenden Ereignisses bilden und damit das gesamte Relationsgefüge in Frage stellen. Ebenso wenig eignen sich Vorhersagen mit dem Merkmal [- gewiß] ohne weiteres zur Aufwertung von z.B. Vorschlägen wie in (3/75). Sollen ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) die durch [+ bewirkt] bzw. [+ aufwertend] gekennzeichneten Rollen als Relationsglieder in (3/74) bzw. (3/75) dennoch übernehmen, so ist es zweckmäßig, zunächst den in ihnen bestehenden Mangel an Gewiß-

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heit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses abzubauen. Dieser Abbau kann nun nicht dadurch erfolgen, dag man die betreffenden Basisinformationen einfach in Konstatationen umwandelt, da in ihnen das Ein/Nichtein von E in der Zukunft liegt. Der Mangel an Gewißheit muß also in der vorgefundenen semantischen Form, d.h. in der durch [-gewiß] gekennzeichneten Vorhersage selbst abgebaut werden. Hierfür bestehen offensichtlich zwei Möglichkeiten: Einmal kann der Sprecher ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) mit einer speziellen In·* f * tonation versehen: Ich finde sie bzw. Ich werde dir nichts tun. Die gewählte Intonation wandelt die Vorhersagen nicht in Konstatationen um, sondern fügt ihnen einen Appell des Sprechers hinzu, sie als Konstatationen aufzufassen. Dieser Appell, mit dem sich der Sprecher in gewissem Umfang für das Eintreten/Nichteintreten der in ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) bezeichneten Ereignisse verbürgt, bewirkt nun einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich dieses Ein/Nichtein von E. Wird er durch die Intonation bewirkt, so ist dieser Abbau jedoch im allgemeinen auf die gesprochene Sprache beschränkt. Daher liegt die Annahme nahe, daß dem Sprecher ein weiteres, generelleres Mittel zur Verfügung steht. Man erhält nun eine gute Erklärung für die Funktion der Modalpartikel, wenn man annimmt, daß eine Zuordnung von schon dieses Mittel bildet. Eine solche Zuordnung hat die folgenden Konsequenzen: Zum einen führt sie in ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) zu einer Kombination einer Vorhersage mit einer Sprecherintervention mittels schon. Damit ist aber die durch schon ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) hinzugefügte zusätzliche Information explizit an die Person des Sprechers geknüpft, der sich in gewissem Umfang für sie verbürgt. Zum anderen kann nun die Bedeutung der Modalpartikel in den hier betrachteten, durch [- gewiß] gekennzeichneten Vorhersagen zur Wirkung gelangen. Da es sich bei ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) um Aussagesätze handelt, wird in sie diejenige Bedeutungsvariante von schon eingesetzt, die gemäß (H5.3) als intentional eingeschränkte Affirmation beschrieben werden kann. Es ist nun aber einleuchtend, daß selbst eingeschränkte Affirmation, die dem durch das Merkmal [- gewiß] gekennzeichneten Eintreten/ Nichteintreten eines in einem Aussagesatz bezeichneten Ereignisses zugeordnet wird, direkt auf dieses Merkmal einwirkt und es modifiziert. Diese Modifizierung erfolgt je nach Vorkommen der Modalpartikel in zweierlei Weise: Sind Basisinformationen wie ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) aof die Zukunft bezogen und daher als Vorhersagen deutlich gekennzeichnet, so bewirkt eine Zuordnung der speziellen Form von Affirmation durch schon eine Bekräftigung der Vorhersage des Ein/Nichtein von E und damit einen Abbau des durch das Merkmal [- gewiß] signalisierten

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Mangels an Gewißheit. Ist eine Basisinformation wie z.B. (3/76) weniger deutlich als Vorhersage gekennzeichnet, so erfolgt der Abbau des Mangels an Gewißheit in etwas veränderter Weise. (3/76) Sie hat dich schon nicht betrogen ( , das wirst du sehen). In (3/76) liegt das Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses in der Vergangenheit. Ein Mangel an Gewißheit bezüglich dieses Nichtein von E besteht dennoch insofern, als seine Bestätigung offenbar noch nicht erfolgt ist und lediglich vorhergesagt werden kann. Die Zuordnung von Affirmation mittels schon bewirkt in einem solchen Fall eine Bekräftigung der vorhergesagten Bestätigung des Nichtein von E und damit ebenfalls einen Abbau des Mangels an Gewißheit. Der durch schon bewirkte Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in einem Aussagesatz bezeichneten Ereignisses läßt sich durch ein Merkmal konkretisieren, das durch [(-) -» (+) gewiß] dargestellt werden kann. [(-) -» (+) gewiß] bildet eine Modifizierung von [- gewiß]und ist ein satzinternes Merkmal. Es stellt keinen Hinweis auf eine Relation dar, sondern bewertet die Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses in demjenigen Satz, dem es zugeordnet wird. Dabei charakterisiert dieses Merkmal keinen Zustand, sondern vielmehr einen Prozeß, der von einem geringeren zu einem höheren Grad von Wahrscheinlichkeit verläuft, ohne den Grad uneingeschränkter Gewißheit zu erreichen. Daraus folgt aber, daß auch die Zuordnung von [(-) -* (+) gewiß] Vorhersagen wie ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) nicht in Konstatationen umwandelt. Diese Schlußfolgerung ist gut mit der Tatsache vereinbar, daß mittels schon dem Eintreten/Nichteintreten des in einer Vorhersage bezeichneten Ereignisses gemäß Modell (D3/3) nicht uneingeschränkte, sondern intentional eingeschränkte Affirmation zugeordnet wird und bildet eine weitere Rechtfertigung dieses Modells. Die tatsächliche Auswirkung einer Zuordnung von schon zu Vorhersagen wie ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) läßt sich nun vorteilhaft beschreiben, wenn man die Wirkung der Sprecherintervention und die des Merkmals [(-) —· (+) gewiß), für die schon der sichtbare sprachliche Ausdruck ist, getrennt betrachtet. Durch eine Sprecherintervention mittels schon fügt der Sprecher Vorhersagen, die in Aussagesätzen wie ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) enthalten sind, einen Appell hinzu, diese als Konstatationen aufzufassen, ohne daß er sich uneingeschränkt für das Eintreten/Nichteintreten der in diesen Vorhersagen bezeichneten Ereignisse verbürgt.

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Durch die durch schon signalisierte Modifizierung des Merkmals [- gewiß] zu [(-) —» (+) gewiß] wird in diesen in Aussagesätzen enthaltenen Vorhersagen ein Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bewirkt. Beide, d.h. die Hinzufügung eines Appells zu einer Vorhersage, diese als Konstatation aufzufassen und der durch [(-)-*(+) gewiß] konkretisierte Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bilden nun die Funktion der Modalpartikel schon in zunächst mit dem Merkmal [- gewiß] ausgestatteten Aussagesätzen wie ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) . Aufgrund dieser Funktion qualifiziert schon die Vorhersagen enthaltenden Sätze ((3/74) ( b ) ) und ((3/75) ( b ) ) zum Gebrauch als mit den Merkmalen [+ bewirkt]

bzw. [+ aufwertend] ausgestattete Rela-

tionsglieder in den Relationsgefügen (3/74) und (3/75). Die Tatsache, daß das Vorhandensein des Merkmals [- gewiß] eine Vorkommensbedingung für die Modalpartikel schon in einem Aussagesatz bildet, hat einigen Aufschluß über die Funktion von schon ergeben. Ein weiteres Argument für die hier gegebene Definition der Funktion von schon läßt sich mit Hilfe der zweiten, in einem Aussagesatz meist bestehenden Vorkommensbedingung für die Modalpartikel, dem Vorhandensein des Merkmals [+ erwünscht], aufzeigen. Da diese zweite Vorkommensbedingung für schon tatsächlich existiert, läßt sich an den folgenden Beispielen ablesen: (3/77) (a) Wir bewältigen die Aufgabe schon. 7

(b) Wir bewältigen die Aufgabe 'schon nicht. (3/78) (a) Du überwindest das schon. (b) Du überwindest das 'schon nicht. (3/79) (a) Hasso beißt schon nicht. 7 (b) Hasso beißt 'schon. (3/80) (a) Wir stören dich schon nicht. 7

(b) Wir stören dich 'schon. (3/81) (a) Sie ist schon bestechlich, keine Angst. (b) Sie ist

7

'schon bestechlich, das ist das Problem.

(3/82) (a) Sie ist schon nicht bestechlich, keine Angst. 7

(b) Sie ist "schon nicht bestechlich, das ist das Problem. In ((3/77) ( a ) ) bis ( ( 3 / 8 2 ) ' ( a ) ) ist dem Eintreten/Nichteintreten des jeweils bezeichneten Ereignisses das Merkmal [+ erwünscht] zugewiesen. Eine Zuordnung der Modalpartikel schon zu diesen Sätzen erweist sich als unproblematisch. In ((3/77) ( b ) ) bis ((3/82) ( b ) ) dagegen ist dem Ein/Nichtein von E das Merkmal

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[- erwünscht] zugeordnet und eine Hinzufgung von schon kaum akzeptabel. In den Beispielen ((3/77) ( a ) ) bis ((3/82) ( a ) ) ohne schon ist dem Ein/ Nichtein von E neben dem Merkmal [+ erwünscht] auch noch das Merkmal [- gewiß] zugeordnet. Die Koinzidenz dieser Merkmale in ((3/77) ( a ) ) bis ((3/82) (a)) erzeugt aber einen Typ von Vorhersage, der als im semantischen Sinne inkomplett bezeichnet werden kann. Inkomplett ist er insofern, als in ihm ein Mangel an Gewißheit bezüglich eines vorhergesagten Ein/Nichtein von E besteht, das erwünscht ist, womit die Vorhersage praktisch zum Wunsch reduziert wird. Will der Sprecher nun seiner durch [+ erwünscht] gekennzeichneten Vorhersage ein größeres Gewicht verleihen als das eines bloßen Wunsches, so liegt es für ihn nahe, das Merkmal [- gewiß] zu modifizieren: Wird f_- gewiß] zu [(-) -* (+) gewiß] modifiziert, so wird der Vorhersage damit ein Merkmal zugeordnet, das mit [+ erwünscht] besser verträglich ist und die Vorhersage selbst aufwertet. Nimmt man nun an, daß [(-) — » ( + ) gewiß] durch die Modalpartikel schon signalisiert wird, so erhält man eine Erklärung dafür, warum die Zuordnung der Modalpartikel zu den Beispielen ((3/77) ( a ) ) bis ((3/82) (a)) unproblematisch und zu ((3/77) ( b ) ) bis ((3/82) ( b ) ) wenig akzeptabel ist. Dies bedeutet, daß (3/77) bis (3/82) ein weiteres Argument dafür liefern, daß die Modalpartikel schon in Aussagesätzen diejenige Funktion besitzt, die ihr weiter oben zugeschrieben wurde und zeigt, daß sich diese Funktion recht gut aus den beiden Vorkommensbedingungen, denen die Partikel unterliegt, ableiten läßt. Einem Vorkommen der Modalpartikel schon in Nicht-Aussagesätzen entspricht gemäß (H5.3) immer eine Bedeutungsänderung der Partikel. Es muß nun untersucht werden, ob die für schon im Aussagesatz festgestellte Funktion auch unter diesen veränderten Voraussetzungen fortbesteht. Das folgende Beispiel ist in diesem Zusammenhang aufschlußreich: (3/83) Wenn ich schon diese schwierige Arbeit übernehme, dann möchte ich wenigstens eine Gehaltserhöhung haben. In (3/83) liegt im durch wenn eingeleiteten Nebensatz ohne schon Koinzidenz der Merkmale [- gewiß] und [- erwünscht] vor, die dem Eintreten des in diesem Satz bezeichneten Ereignisses zugeordnet sind. Dem Ein von E im Hauptsatz dagegen ist offensichtlich das Merkmal [+ erwünscht] zugewiesen. Die Zuordnung des Merkmals [+ erwünscht] zum Hauptsatz sowie eine Koinzidenz der Merkmale [- gewiß] und [- erwünscht] im Nebensatz, wobei [- erwünscht] nicht immer so stark wie [+ unerwünscht] ist, bilden nun die Bedingungen für ein Vorkommen der Modalpartikel schon im durch wenn eingeleiteten Nebensatz. Dies läßt sich leicht zeigen.

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schon kann einem Nebensatz mit wenn nur dann hinzugefügt werden, wenn dieser eine Hypothese enthält, was im folgenden Beispiel nicht der Fall ist: ? (3/84) Wenn Hans 'schon den Arm hebt, dann rennst du los. In einer Hypothese nun ist dem Eintreten/Nichteintreten des von ihr bezeichneten Ereignisses immer das Merkmal [- gewiß] zugeordnet, schon kann einer solchen Hypothese allerdings erst dann zugeordnet werden, wenn in ihr das Ein/Nichtein von E zwar das Merkmal [- gewiß], nicht aber das Merkmal [+ erwünscht] trägt, wie das folgende Beispiel zeigt: 7

(3/85) Wenn du 'schon artig bist, bekommst du Bonbons. Daraus folgt aber, daß die Koinzidenz von [- gewiß] und [- erwünscht] Vorkommensbedingung für schon im Nebensatz mit wenn ist. Der Teil der Vorkommensbedingung für schon, in dem die Anwesenheit des Merkmals [- gewiß] gefordert wird, gestattet nun Rückschlüsse auf die Funktion der Modalpartikel im Nebensatz mit wenn. Zu diesem Zweck wird zunächst (3/83) in seine beiden Basisinformationen ((3/86) ( a ) ) und ((3/86) ( b ) ) zerlegt. (3/86) (a) Wenn ich ( ( a 1 ) schon) diese schwierige Arbeit übernehme, (b) dann möchte ich wenigstens eine Gehaltserhöhung haben. Zwischen ((3/86) ( a ) ) und ((3/86) ( b ) ) besteht offensichtlich die Relation Zugeständnis - Gegenleistung. Dem Relationsglied ((3/86) ( a ) ) käme dann das Merkmal [+ zugestehen], dem Relationsglied ((3/86) ( b ) ) das Merkmal [+ ausbedingen] zu. Zwischen dem Merkmal [+ zugestehen] und den Merkmalen [- gewiß] und [- erwünscht] im Nebensatz mit wenn besteht nun eine unterschiedliche Verträglichkeit. Mit [- erwünscht] ist {+ zugestehen] kompatibel: Das vom Sprecher zugestandene Eintreten/Nichteintreten eines Ereignisses wird als Zugeständnis dadurch besonders markiert, daß es für den Sprecher das Merkmal [- erwünscht] trägt. Dagegen ist [+ zugestehen] mit dem Merkmal [- gewiß] wenig verträglich: Ein Ereignis kann nur dann den Rang eines Zugeständnisses beanspruchen, wenn bezüglich seines Eintretens/Nichteintretens ein bestimmtes Maß an Gewißheit besteht. Soll daher ((3/86) ( a ) ) das Merkmal [+ zugestehen] zugewiesen werden, so muß zunächst der in dieser Basisinformation bezüglich des Ein von E bestehende Mangel an Gewißheit abgebaut, d.h. das Merkmal [- gewiß] modifiziert werden. Wird nun ((3/86) ( a ) ) ( a f ) hinzugefügt, so kann in der in diesem Satz enthaltenen Hypothese die Bedeutung von schon zur Wirkung gelangen. Es erfolgt dann eine Sprecherintervention, durch die gemäß (H5.3) dem Eintreten des in ((3/86) ( a ) ) bezeichneten Ereignisses Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung des Sprechers zugeordnet

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wird. Es leuchtet ein, daß diese Affirmation wegen der mit ihr verbundenen eingeschränkten Zustimmung des Sprechers im Nebensatz mit wenn nicht modifizierend auf das Merkmal [- erwünscht] einwirkt. Vielmehr bildet die eingeschränkte Zustimmung des Sprechers eher eine Bestätigung dieses Merkmals. Dagegen liegt es nahe, daß Affirmation, die dem Ein von E in ((3/86) ( a ) ) zugeordnet wird, den bezüglich dieses Eintretens bestehenden Mangel an Gewißheit abbaut und damit zu einer Modifizierung des Merkmals £- gewiß] führt. Die mit der Affirmation verbundene eingeschränkte Zustimmung des Sprechers hat dabei keinen Einfluß auf dieses Merkmal. Es ist nun zu klären, wie die dem Ein von E in ((3/86) (a)) zugeordnete Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung zu einem Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich dieses Ein von E und damit zur Modifizierung von [- gewiß] führt. Denkbar wäre, daß die durch die Sprecherintervention mittels schon zugeordnete spezielle Form von Affirmation im durch wenn eingeleiteten Nebensatz den Abbau wie bereits im Aussagesatz durch eine Bekräftigung des Ein/Nichtein von E bewirkt. Dann müßte schon im folgenden Beispiel akzeptabel sein: 9

(3/87) Wenn du mir das Geld 'schon nicht gibst, dann nehme ich es mir. Eine Bekräftigung mittels schon würde in (3/87) zur Abschwächung der Hypothese im Sinne von Da du mir das Geld nicht gibst,... führen. Das im Hauptsatz durch den Sprecher angekündigte Eintreten von E wäre demnach nur folgerichtig. Da schon jedoch in (3/87) nicht akzeptabel ist, kann seine Bedeutung keine einfache Bekräftigung des Eintretens/Nichteintretens des in der Hypothese des Nebensatzes mit wenn bezeichneten Ereignisses hervorrufen. Man kann nun aber auch annehmen, daß die durch die Sprecherintervention mittels schon zugeordnete spezielle Form von Affirmation zu einer Konstatation der Unvermeidbarkeit des Ein/Nichtein von E im Nebensatz mit wenn führt. Eine solche Annahme hat zwei Vorteile. Einmal kann sie die schlechte Akzeptabilität von (3/87) erklären: Der Sprecher kann nicht das Gegenteil von dem erzwingen wollen, dessen Unvermeidbarkeit er soeben konstatiert hat. Zum anderen kann durch eine Konstatation der Unvermeidbarkeit ebenfalls der im Nebensatz mit wenn bestehende Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E abgebaut und damit das diesem Ein/Nichtein zugeordnete Merkmal [- gewiß] zu [(-) — » ( + ) gewiß] modifiziert werden. Die Funktion der Modalpartikel schon in einem durch wenn eingeleiteten Nebensatz kann nun folgendermaßen aufgefaßt werden: Durch eine Sprecherintervention mittels schon wird einer in einem Nebensatz mit wenn ausgedrückten Hypothese ein Appell hinzugefügt, diese als Zugestand-

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nis aufzufassen, wobei dem Eintreten/Nichteintreten des in diesem Zugeständnis bezeichneten Ereignisses nur die eingeschränkte Zustimmung des Sprechers zugeordnet wird. Aufgrund der durch schon signalisierten Modifizierung des Merkmals [- gewiß] zu [(-) —»(+) gewiß] wird in einer im Nebensatz mit wenn enthaltenen Hypothese ein Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bewirkt und damit die Voraussetzung dafür geschaffen, diese Hypothese in ein Zugeständnis überzuführen. Für ((3/ 6) (a)) bedeutet das, daß eine Hinzufügung von ( a 1 ) aufgrund der hier angenommenen Funktion der Modalpartikel den Nebensatz mit wenn als mit dem Merkmal [+ zugestehen] ausgestattetes Relationsglied in einem Relationsgefüge qualifiziert, dessen zweites Relationsglied das Merkmal [+ ausbedingen] trägt. Es muß noch angemerkt werden, daß der in (3/86) vorliegende Fall die Grundform der hier betrachteten Konstruktionen mit wenn-Satz darstellt. Eine Variante dieser Grundform liegt im folgenden Beispiel vor: (3/88) Wenn du schon den Abfalleimer runterbringst, dann kannst du mir auch noch Zigaretten holen. Dem Eintreten des im Nebensatz mit wenn bezeichneten Ereignisses in (3/88) liegt das Zugeständnis eines Sprechers 1 zugrunde, das von Sprecher 2 wieder aufgenommen und dem die Forderung eines weiteren Zugeständnisses hinzugefügt wird. Zwischen Haupt- und Nebensatz besteht offensichtlich eine kausale Relation. Dennoch besitzt die Modalpartikel schon auch in (3/88) die ihr hier zugeschriebene Funktion, d.h. ihre Zuordnung zu (3/88) bewirkt einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Eintretens des im Nebensatz mit wenn bezeichneten Ereignisses. Daraus folgt aber, daß schon im Aussagesatz und im durch wenn eingeleiteten Nebensatz bei jeweils anderer Bedeutung dennoch praktisch die gleiche Funktion hat. Ob dies auch für das folgende Beispiel gilt, muß nun untersucht werden. (3/89) Was hat Inge schon gesehen? In (3/89) ist dem gesuchten Substitut für das Fragepronomen einmal das Merkmal [- gewiß] zugeordnet. Zum anderen jedoch ist der Sprecher in (3/89) offenbar dazu in der Lage, unter der Menge der für das Fragepronomen potentiell einsetzbaren Substitute eine Auswahl zu treffen. Eine Zuordnung des Merkmals [- gewiß] zum gesuchten Substitut des Fragepronomens, gleichzeitig aber auch die grundsätzliche Fähigkeit des Sprechers, eine Auswahl unter der Menge der potentiellen Substitute für das Fragepronomen zu treffen, bilden nun die Vorkommensbedingungen für die Modalpartikel schon in einer Ergänzungsfrage. Diese Vorkommensbe-

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dingungen können Aufschluß über die Funktion von schon in einer Ergänzungsfrage geben. (3.89) Was hat Inge ((3/B9') schon) gesehen? Potentielle Substitute des Fragepronomens in einer Ergänzungsfrage bilden für den Sprecher normalerweise die k Elemente einer Menge (wobei k = 2,3,4,'...,n). für das Fragepronomen in (3/89) ohne (3/89 1 ) könnte z.B. die Menge (Viel, Eine ganze Menge, Einiges, Wenig, Frankreich) angegeben werden. Bezüglich des gesuchten Substituts für Was, das ein Element dieser Menge sein kann, besteht nun für den Sprecher ein Mangel an Gewißheit, so daß diesem Substitut das Merkmal [- gewiß] zugeordnet und dem Hörer signalisiert wird. Ist der Sprecher jedoch in der Lage, unter der Menge der für das Fragepronomen potentiell einsetzbaren Substitute eine Auswahl zu treffen, so muß er die Modifizierung des Merkmals [~ gewiß] anstreben und dies dem Hörer deutlich machen. Wird zu diesem Zweck (3/89) nun (3/89 1 ) hinzugefügt, so kann die Bedeutung der Modalpartikel schon in dieser Basisinformation wirksam werden. Damit wirkt dann eine Sprecherintervention auf (3/89) ein, durch die gemäß (H5.3) dem Eintreten des in der Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses total eingeschränkte Affirmation bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Eintretens, also des Nichteintretens von E, zugeordnet wird. Eine Zuordnung von total eingeschränkter Affirmation zum Ein/Nichtein von E in einer Ergänzungsfrage bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein führt aber zu einer Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit dieses Ein/Nichtein von E. Zu einer Erklärung der Wirkung einer Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit auf z.B. Was hat Inge gesehen? oder ifen verdächtigt der Kommissar nicht? ist es zweckmäßig, ein Modell der Basisinformationen dieser Ergänzungsfragen zu benutzen, in dem einmal das Nichteintreten eines Ereignisses durch Neg im Inneren der Basisinformation und zum anderen die Menge der potentiellen Substitute für das Fragepronomen durch (Irgendwas) bzw. (Irgendwen) repräsentiert werden. Für Was hat Inge gesehen? erhält man dann: Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit von Inge - (Irgendwas) - Gesehen haben. Daraus folgt aber: Inge-Nichts-Gesehen haben. Bei Wen verdächtigt der Kommissar nicht? hat man: Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit von Der Kommissar-(Irgendwen)-Nicht-Verdächtigen, woraus folgt: Der Kommissar-Alle-Verdächtiqen. Aus der Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens bzw. Nichteintretens des in den beiden Beispielen jeweils bezeichneten Ereignisses folgt also die Wahrscheinlichkeit des Nichteintretens bzw. Eintretens von E, wobei gleichzeitig die Zahl der durch (Irgendwas) bzw. (Irgendwen)

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repräsentierten Elemente in der Menge der potentiellen Substitute für das jeweilige Fragepronomen auf 1 reduziert wird und als Nichts bzw. Alle identifiziert werden kann. Hierdurch erfolgt also in einer Ergänzungsfrage ein Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substitute für das Fragepronomen und damit die Modifizierung des diesem Substitut zugeordneten Merkmals [- gewiß] zu [(-) —» (+) gewiß] . Die Funktion der Modalpartikel schon in einer Ergänzungsfrage kann nun wie folgt interpretiert werden: Durch eine Sprecherintervention mittels schon fügt der Sprecher der Ergänzungsfrage einen Appell hinzu, diese als rhetorische Frage aufzufassen. Durch die durch schon signalisierte Modifizierung des dem gesuchten Substitut des Fragepronomens zugeordneten Merkmals [- gewiß]zu [ ( - ) - + ( + ) gewiß] wird in der Ergänzungsfrage der Mangel an Gewißheit bezüglich dieses Substituts abgebaut, seine Identifizierung ermöglicht und dadurch die Voraussetzung dafür geschaffen, die betreffende Ergänzungsfrage in eine rhetorische Frage überzuführen, schon ist hier also ein echter Satzmodifikator. Für (3/89) bedeutet das, daß diese mittels (3/89') aus einer Ergänzungsfrage entwickelte rhetorische Frage nicht mehr zwangsläufig an ein Frage-Antwort-Paar gebunden ist, sondern als Relationsglied in anders gearteten Relationsgefügen verwendet werden kann. Die bezüglich der Funktion von schon durchgeführten Untersuchungen gestatten die folgende Feststellung: Einer Bedeutungsänderung von schon entspricht global betrachtet keine Funktionsänderung für die Partikel. Ihre Funktion besteht in allen untersuchten Beispielen darin, daß die Modalpartikel eine Modifizierung des Merkmals [- gewiß] zu C(-) ~*(+) gewiß]signalisiert, das dem Ein/Nichtein von E bzw. dem gesuchten Substitut des Fragepronomens zugeordnet wird. Die Zuordnung von [(-) —»· (+) gewiß] zum Ein/Nichtein von E bzw. zum gesuchten Substitut des Fragepronomens konkretisiert einen durch die Hinzufügung von schon angestrebten Abbau eines Mangels an Gewißheit in diesen Beispielen. Die Art und Weise dieses durch schon signalisierten Abbaus eines Mangels an Gewißheit, die selbstverständlich ebenfalls Teil der Funktion von schon ist, vollzieht sich allerdings je nach Bedeutung und Vorkommen der Partikel in unterschiedlicher Weise: Die Kombination von intentional eingeschränkter Affirmation mit der in einem Aussagesatz enthaltenen Vorhersage führt zu einer Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/Nichtein von E in diesem Satz. Wird Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung mit der in einem Nebensatz mit wenn ausgedrückten Hypothese kombiniert, so entsteht dabei eine Konstatation der Unvermeidbarkeit

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des Ein/Nichtein von E im Nebensatz. Eine Kombination von total eingeschränkter Affirmation des Ein/Nichtein von E bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein mit einer Ergänzungsfrage endlich ergibt eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E in der Frage. Resultiert also für schon aus einer Bedeutungsänderung keine deutlich konstatierbare Funktionsänderung, so läßt sich jedoch feststellen, daß die Art und Weise, in der die Partikel ihre Funktion erfüllt, mit jeder Bedeutungsänderung wechselt. Die in diesem Kapitel vorgenommenen Untersuchungen führen zu einer Bestätigung der Hypothese (H6.4). 3.7.

Das Vorkommen der Modalpartikeln doch, j£ und schon

Die Untersuchungsergebnisse von Kapitel (3.6.) legen den Schluß nahe, daß eine Kombination ihrer Bedeutung mit ihrem Vorkommen meist die Funktion der hier betrachteten affirmativen Modalpartikeln determiniert. Hierfür sprechen die folgenden Kombinationstypen mit den sich aus ihnen ergebenden Resultaten: (K1)

Vorkommensgleichheit bei gleicher oder ähnlicher Bedeutung führt sowohl bei gleicher als auch bei unterschiedlicher Form der affirmativen Partikeln zu gleicher oder ähnlicher Funktion (doch.1 vs. Ja);

(K2)

Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsverschiedenheit ergibt bei unterschiedlicher Form der affirmativen Partikeln Funktionsverschiedenheit (dochp, doch',, vs. schon);

(K3)

Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungsgleichheit führt bei gleicher Form der affirmativen Partikeln zu FunktionsVerschiedenheit (doch, vs. dochp vs. doch',,);

(K4)

Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsverschiedenheit ergibt bei gleicher Form der affirmativen Partikeln Funktionsgleichheit, wobei sich allerdings bestimmte Komponenten dieser Funktion unterscheiden (schon);

(K2) und (K4) zeigen, daß bei der Bestimmung ihrer Funktion durch eine Kombination von Bedeutung und Vorkommen auch die Form der affirmativen Partikeln intervenieren kann. (K5)

Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungsverschiedenheit führt bei unterschiedlicher Form der affirmativen Partikeln zu Funktionsverschiedenheit (doch.., ja vs. schon).

(K1) bis (K5) geben bereits einen recht guten Einblick in den Mechanismus der

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Funktionszuweisung zu den hier untersuchten affirmativen Madalpartikeln. Daher können sie aber zu einer Identifizierung der Funktion dieser Modalpartikeln in denjenigen Satztypen herangezogen werden, die in (3.6.) noch nicht untersucht wurden. Hierzu ist es jedoch zunächst notwendig, Begriffe wie Vorkommensgleichheit oder -Verschiedenheit zu präzisieren. Eine für die Funktion affirmativer Modalpartikeln relevante Vorkommensverschiedenheit scheint z.B. bei einem Wechsel von Satzmerkmalen vorzuliegen, so [+ konstatativ} vs. [+ interrogativ] oder [+ konstatativ] vs. [+ vorhergesagt] usw. . Hier müssen nun vertiefende Untersuchungen vorgenommen werden, die dann erfolgen, wenn das Vorkommen der affirmativen Modalpartikeln systematisch betrachtet wird. Eine systematische Untersuchung des Vorkommens von doch., doch,,, cjoch'_, ja und schon in diesem Kapitel verfolgt jedoch nicht nur das Ziel einer Präzisierung von (K1) bis ( K 5 ) , sondern erfolgt vor allem in der Absicht, eine allgemeine Erfahrungskontrolle bezüglich der in (3.6.) erhaltenen Resultate durchzuführen. Zu diesem Zweck werden nicht nur die nichtabhängigen Sätze, sondern auch die Nebensätze betrachtet, in denen die hier untersuchten Partikeln vorkommen. 3.7.1.

Vorkommen von doch.. (H7.1)

Die Modalpartikel doch., kann im Aussagesatz und in Nebensätzen vorkommen. Als Nebensätze mit doch, kommen bestimmte daß-Sätze, Kausalsätze und der Konzessivsatz in Betracht. 3.7.1.1 .doch., im Aussagesatz doch, ist in Aussagesätzen nachweisbar, die das Merkmal [+ konstatativ] tragen. Bei einer Zuordnung der Modalpartikel zu einem solchen Satz findet also eine Kombination eines Satzes mit dem Merkmal [+ konstatativ] mit den beiden Bedeutungskomponenten der Modalpartikel, d.h. mit Affirmation durch zweifache Negation und Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Eintretens/ Nichteintretens des in dem konstatativen Satz bezeichneten Ereignisses, statt. Als daraus resultierende Funktion der Modalpartikel ist gemäß (H6.1) die Tatsache anzusehen, daß doch., das Merkmal [+ argumentativ] signalisiert, das den doch., enthaltenden Satz als begründendes, beweisendes oder widersprechendes Relationsglied in entsprechenden Relationsgefügen ausweist. Mit Hilfe bestimmter Vorkommensbedingungen für doch., kann nun versucht werden, die der Modalpartikel im konstatativen Aussagesatz zugeschriebene Funktion zu verifizieren. (3/90) (a) Du solltest dich nicht aufregen, (b) Es ist doch,, gut gegangen.

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(3/91) (a) Du solltest dich nicht aufregen. 9

(b) Es wird 'doch,, gut gehen. (3/92) (a) Ich habe es dem Kerl gezeigt, (b) Das hast du doch, gesehen. (3/93) (a) Ich werde es dem Kerl zeigen. •p (b) Das wirst du "doch 1 sehen. (3/94) (a) Sprecher 1: Sie haben den Automarder immer noch nicht gefaßt, (b) Sprecher 2: Sie haben ihn doch1 gerade erwischt. (3/95) (a) Sprecher 1: Sie haben den Automarder immer noch nicht gefaßt. 9 (b) Sprecher 2: Sie werden ihn 'doch,. (^ doch) erwischen. In den Beispielen (3/90), (3/92) und (3/94), in denen zwischen (a) und (b) die Relation Begründung bzw. Beweis bzw. Widerspruch besteht, ist die Modalpartikel doch,, jeweils in (b) akzeptabel. In (3/91), (3/93) und (3/95) dagegen ist eine Hinzufügung von doch,, zu (b) problematisch. Der Unterschied zwischen ((3/90) ( b ) ) und ((3/91) ( b ) ) , ((3/92) (b)) und ((3/93) ( b ) ) , ((3/94) (b)) und ((3/95) ( b ) ) besteht darin, daß (b) in (3/90), (3/92) und (3/94) jeweils eine Konstatation enthält, in der bezüglich des Eintretens des bezeichneten Ereignisses ein bestimmtes Maß an Gewißheit besteht. Demgegenüber enthält (b) in (3/91), (3/93) und (3/95) jeweils eine Vorhersage, in der bezüglich des Ein von E Mangel an Gewißheit herrscht und die darüber hinaus das Merkmal [+ erwünscht] trägt. Hieraus läßt sich für doch, im Aussagesatz die folgende Vorkommensbedingung ableiten: doch., kann einem Aussagesatz dann zugeordnet werden, wenn dieser das Merkmal [+ konstatafeiv] trägt. Trägt er dagegen das Merkmal [+ vorhergesagt], besteht folglich in ihm ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E und enthält er darüber hinaus ~.:-, Merkmal [+ erwünscht] , so ist eine Zuordnung von doch,, problematisch. Für diese Vorkommensbedingung gibt es keine Erklärung, wenn man Von der Bedeutung von doch,, unmittelbar auf seine Funktion schließt und annimmt, daß die Modalpartikel einem Aussagesatz lediglich Affirmation zuordnet, die beispielsweise zu einem Abbau des in einem solchen Satz möglicherweise bestehenden Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E führt. Wäre dies der Fall, müßte doch,. in ((3/91) ( b ) ) , ((3/93) ( b ) ) und ((3/95) ( b ) ) akzeptabel sein, da diese Vorher-

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sagen bilden, in denen ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein von E offenkundig ist und ein Abbau dieses Mangels zweckmäßig wäre. Die Vorkommensbedingung für doch., kann dagegen erklärt werden, wenn davon ausgegangen wird, daß die Modalpartikel im Aussagesatz die ihr in (H6.1) zugeschriebene Funktion besitzt. Demnach bildet eine Sprecherintervention mittels doch,, einen Appell an den Hörer, den doch,, enthaltenden Aussagesatz als Begründung bzw. Beweis bzw. Widerspruch aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß doch, aufgrund einer Kombination seiner Bedeutung mit dem hier behandelten Satztyp das Merkmal [+ argumentativ] signalisiert, das je nach den Umständen einen Hinweis auf die zwischen dem Aussagesatz mit doch., und einem weiteren Ereignis bestehenden Relationen Begründung bzw. Beweis bzw. Widerspruch enthält. Damit kann doch, aber im Aussagesatz u.a. eine ähnliche Funktion innehaben wie die kausale Konjunktion weil im Nebensatz. Sieht man nun von einer speziellen Intonation ab, so ist beispielsweise in (3/91) eine Umformung von (b) ohne doch, in einen Nebensatz mit weil ebenso problematisch wie eine Hinzufügung von doch., zu (b): Du " 7 ' ~~ solltest dich nicht aufregen, 'weil es gut gehen wird (dagegen: weil es schon gut gehen wird). Daraus folgt aber, daß ein Aussagesatz, der eine Vorhersage des erwünschten Ein von E enthält, vermutlich wegen des in ihm bestehenden Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein von E, nicht ohne weiteres den Rang eines begründenden Relationsglieds beanspruchen kann, sondern lediglich einem Kontext hinzugefügt wird, in dem ein kausales Relationsgefüge angestrebt wird, ohne daß es realisiert werden kann. Besteht nun die Funktion von doch., ähnlich wie die der Konjunktion weil darin, u.a. das begründende Relationsglied in einem tatsächlich realisierten kausalen Relationsgefüge zu kennzeichnen und muß daher in diesem Relationsglied ein bestimmtes Maß an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bestehen, so ist die Unverträglichkeit von doch1 mit einem Aussagesatz wie ((3/91) ( b ) ) , der die Merkmale [+ vorhergesagt] und [+ erwünscht] enthält, in dem also ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein von E besteht, nur folgerichtig. Auf diese Weise läßt sich die für doch, im Aussagesatz bestehende Vorkommensbedingung durch die Funktion der Modalpartikel erklären. Umgekehrt jedoch kann nun aber auch von der nachweisbaren Vorkommensbedingung von doch. im Aussagesatz auf die Funktion der Modalpartikel geschlossen werden: Die Tatsache, daß doch, ähnlich wie die Konjunktion weil mit Vorhersagen, in denen bezüglich des erwünschten Ein/Nichtein von E ein Mangel an Gewißheit besteht, schlecht verträglich ist, bildet,eine gewisse Rechtfertigung der der Modalpartikel in (H6.1) zugeschriebenen Funktion. Ahnliche Überlegungen können auch

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für Aussagesätze mit doch., in denjenigen Relationsgefügen angestellt werden, die durch die Relationen Beweis oder Widerspruch gekennzeichnet sind. Für ein Relationsgefüge mit der Relation Begründung läßt sich darüber hinaus durch einen einfachen Test zeigen, daß doch,, und die Konjunktion weil in einem solchen Gefüge eine ähnliche Funktion innehaben: Substituiert man in (3/90) das doch, enthaltende Relationsglied (b) durch einen durch weil eingeleiteten Nebensatz, so tritt in dem Relationsgefüge keine spürbare Bedeutungsveränderung ein. ((3/90) (b)) und der Nebensatz mit weil sind bedeutungsähnlich: Du solltest dich nicht aufregen; Es ist doch, gut gegangen / weil es gut gegangen ist. 3.7.1.2. doch., im daß-Satz Ein Vergleich eines doch., enthaltenden daß-Satzes mit einem Aussagesatz mit doch, zeigt, daß für diese Fälle der Kombinationstyp (K1) vorliegt. Vorkommensgleichheit ist für doch, insofern gegeben, als beide Sätze das Merkmal [+ konstatativj tragen. Darüber hinaus besteht für die Modalpartikel in beiden Sätzen Bedeutungsgleichheit (gemäß (H5.1) wird für doch nur eine Bedeutung angenommen) und Gleichheit der Form. Gemäß ( K 1 ) führt nun aber Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsgleichheit und gleicher Form der affirmativen Partikeln zu Funktionsgleichheit. Daraus folgt, daß doch, im daß-Satz die gleiche Funktion innehat wie im Aussagesatz. Ein weiteres Argument für eine Übereinstimmung der Funktion von doch, im Aussagesatz und im daß-Satz bildet die Übereinstimmung der Vorkommensbedingungen, die für die Modalpartikel in beiden Sätzen bestehen, wie die folgenden Beispiele zeigen: (3/96) (a) Ich dachte gerade daran, daß es doch, geklappt hat. (b) Du solltest dich nicht länger aufregen. •7 (3/97) (a) Ich dachte gerade daran, daß es 'doch, klappen wifd. (b) Du solltest dich nicht länger aufregen. (3/98) (a) Ich habe mein Bestes getan. (b) Ich dachte gerade daran, daß du das doch, gesehen hast. (3/99) (a) Ich werde mein Bestes tun. 7 (b) Ich dachte gerade daran, daß du das 'doch, sehen wirst. (3/100)(a) Sprecher 1: Inge wird ihren entlaufenen Dackel bis in alle Ewigkeit suchen. (b) Sprecher 2: Da fällt mir ein, daß sie den doch, im Fundbüro gefunden hat.

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(3/101) (a) Sprecher 1: Inge wird ihren entlaufenen Dackel

bis in alle Ewigkeit suchen.

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(b) Sprecher 2: Da fällt mir ein, daß sie den 'doch,, im Fundbüro finden wird. Wie (3/96) und (3/97) zeigen, kann doch., in prinzipiell als kausale Relationsgefüge angelegten Kontexten nicht einer Vorhersage, sondern nur einer Konstatation zugeordnet werden, die allein sich für eine Realisierung des kausalen Gefüges eignet, wenn sie hinreichend gekennzeichnet ist.

Dies spricht dafür, daß

durch doch., in ((3/96) ( a ) ) die notwendige Kennzeichnung dieser Konstatation als begründendes Relationsglied erfolgt, und daß die Modalpartikel daher wie im Aussagesatz auch hier das Merkmal [+ argumentativ^signalisiert. (3/98) und (3/99) sowie (3/100) und (3/101) gestatten ähnliche Schlußfolgerungen: Sind Kontexte prinzipiell als Relationsgefüge mit den Relationen Beweis oder Widerspruch angelegt, so kann doch., nur einer Konstatation wie in ((3/98) ( b ) ) oder ((3/100) ( b ) ) , nicht jedoch einer Vorhersage wie in ((3/99) ( b ) ) und ((3/101) ( b ) ) zugeordnet werden. Vorhersagen, in denen das Ein von E überdies das Merkmal [+ erwünscht] trägt, eignen sich in der Tat wenig zum Gebrauch als beweisende bzw. widersprechende Relationsglieder in entsprechenden Relationsgefügen. Besteht nun die Funktion von doch., u.a. darin, beweisende und widersprechende Relationsglieder mittels des Merkmals [+ argumentativ] zu kennzeichnen, so leuchtet es nur ein, daß eine Zuordnung der Modalpartikel zu den in den daßSätzen in ((3/99) ( b ) ) und ((3/101) ( b ) ) enthaltenen Vorhersagen ebenso wie zu im Aussagesatz vorhandenen Vorhersagen, die als beweisende oder widersprechende Relationsglieder ungeeignet sind, problematisch ist.

Eine Übereinstimmung

der Funktion von doch, im Aussagesatz und im daß-Satz kann also als sicher gelten. Nachdem nun die Funktion von doch, im daß-Satz identifiziert wurde, soll noch eine neben der bereits behandelten für die Modalpartikel im daß-Satz existierende Vorkommensbedingung betrachtet werden. Die Partikel kann einem daß-Satz nur dann zugeordnet werden, wenn dessen Hauptsatz lediglich eine Einleitung des Ein/Nichtein von E im daß-Satz bildet, so z.B. Da fällt mir ein,... oder Ich dachte gerade daran,.... Wird ein solcher Hauptsatz (HS) einem doch. enthaltenden dqß-Satz zugewiesen, so kennzeichnet die Modalpartikel diesen Nebensatz (NS) als Relationsglied in einem Relationsgefüge, dessen zweites Relationsglied nicht durch den Hauptsatz des da -Satzes, sondern durch ein weiteres

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Ereignis (E) gebildet wird, so im folgenden Beispiel: (3/102) Egon kann nicht kommen.

Mir fällt gerade ein, daß er doch., krank

ist.

(D3/6) bildet das Relationsgefüge in (3/102) ab: (D3/6)

In einem solchen Relationsgefüge erweist sich doch,, der kausalen Konjunktion weil als überlegen, weil kann aufgrund seines Vorkommens nur die Haupt-Nebensatzkonstruktion insgesamt als begründendes Relationsglied kennzeichnen, wie (D3/7) zeigt: (D3/7)

Passen jedoch wie in (3/102) das zu begründende E und HS nicht zusammen, so kann weil, im Gegensatz zu doch^ in NS, seine Funktion nicht erfüllen: Egon kann 7 ' nicht kommen, 'weil mir gerade einfällt, daß er krank ist. Durch weil wird hier nicht das Kranksein, sondern fälschlicherweise das Mir-Das Kranksein-Einfallen

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als begründendes Relationsglied gekennzeichnet. Damit kann aber auch bewiesen werden, daB in einem Beispiel wie (3/102) tatsächlich (D3/6) und nicht (D3/7) vorliegt: Wäre letzteres der Fall, würde also doch., nicht nur NS, sondern (HS + NS) als begründendes Relationsglied kennzeichnen, so wäre das Vorkommen der Modalpartikel in (3/102) genau so problematisch wie das von weil. Andere Verhältnisse treten ein, wenn HS eine Bewertung des Ein/Nichtein von E im daß-Satz enthält, wie z.B. Es ist eine Tatsache, ... . Ein Vorkommen von doch, im daß-Satz einer solchen Konstruktion ist meist problematisch: (3/103) Egon kann nicht kommen. 7 Es ist eine Tatsache, daß er 'doch,, krank

ist.

Schema (D3/6) ist in (3/103) nicht mehr gültig. Die hier etablierte relationale Abfolge HS bewertet NS; bewertetes NS begründet E bildet eine Verschachtelung der Sprachziele, die im Deutschen offensichtlich unzulässig ist. doch,, kann in (3/103) nur dann eine Funktion erfüllen, wenn die relationale Abfolge Hs bewertet NS; HS und bewertetes NS begründen E realisiert wird. Dann darf jedoch die Modalpartikel nicht in NS, sondern muß in HS vorkommen und kennzeichnet so nicht mehr NS, sondern (HS + NS) als begründendes Relationsglied: Egon kann nicht kommen. Es ist doch., eine Tatsache, daß er krank ist. Damit kommt bei bewertendem HS ein Schema zur Anwendung, das (D3/7) ähnelt und Ausdruck einer Verschachtelung von Sprachzielen ist, die, wenn auch nicht unproblematisch, im Deutschen zulässig ist. (D3/8)

Ein Vergleich zeigt, daß in t einer Konstruktion, in der das Relationsgefüge (D3/8) realisiert ist, HS mit doch, und ein NS mit weil bedeutungsähnlich sind: Egon kann nicht kommen; Es ist doch, eine Tatsache / weil es eine Tatsache ist,

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daß er krank ist.Da sich diese Sätze aber praktisch nur durch doch., und weil unterscheiden, muß _____ doch.,| in HS eine ähnliche Funktion innehaben wie weil - " -~ ~ - in NS. Dieses Beispiel liefert eine weitere empirische Rechtfertigung eines Teils von (H6.1), wobei sich diese Rechtfertigung allerdings nur auf die Funktion von doch.j im Aussagesatz beschränkt. 3.7.1.3. doch, im Kausalsatz Für doch, im Kausalsatz und doch, im Aussagesatz liegt der Kornbinationstyp (K1) vor. Ein Kausalsatz enthält normalerweise eine Konstatation, die die Grundlage einer Begründung eines weiteren Ereignisses bildet. Neben spezifischeren Merkmalen trägt ein solcher Satz also das Merkmal [+ konstatativ] und gleicht darin dem Aussagesatz. Daher besteht für doch, in diesen beiden Sätzen Vorkommensgleichheit, zu der Bedeutungsgleichheit bei gleicher Form kommt. Daraus folgt aber für doch, global gesehen Funktionsgleichheit in Kausal- und Aussagesatz. Die Identifizierung der Funktion von doch, im Kausalsatz kann aber auch rein empirisch erfolgen. Ein Kausalsatz ist begründendes Relationsglied in einem Relationsgefüge, das durch die Relation Begründung charakterisierbar ist. Wäre nun der Nachweis möglich, daß die Modalpartikel doch., etwa wie die kausale Konjunktion weil für einen solchen Kausalsatz konstitutiv ist, so könnte vom Vorkommen der Modalpartikel im Kausalsatz auf ihre Funktion in diesem geschloscen werden und man erhielte auf diese Weise eine gute Rechtfertigung eines Teils der doch., in (H6.1) zugeschriebenen Funktion. Dieser Nachweis kann in der Tat am Beispiel des nachgestellten V1 -Satzes mit doch., erbracht werden. (3/104) (a) Er erhielt die Stellung, (b) war er doch, der einzige Spezialist unter den Bewerbein. (Grammatik 81) Bei einer Untersuchung von (3/104) sind Tests aufschlußreich, durch die ein Vergleich zwischen doch, und der Konjunktion weil vorgenommen werden kann. Einmal kann ((3/104) ( b ) ) durch einen Nebensatz mit weil substituiert werden, ohne daß in (3/104) eine nennenswerte Bedeutungsänderung eintritt: Er erhielt die Stellung, weil er der einzige Spezialist unter den Bewerbern war. Daraus folgt aber, daß der nachgestellte V1-Satz mit doch., in (3/104) die gleiche Rolle innehat wie ein Nebensatz mit weil, daß er also begründendes Relationsglied in einem Relationsgefüge mit der Relation Begründung ist. Zum anderen zeigt ein Tilgungstest, daß ((3/104) ( b ) ) erst durch eine Hinzufügung von doch,, aus einer

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nicht gebrauchsfertigen Basisinformation zu einem begründenden Relationsglied in (3/104) entwickelt wird: Er erhielt die Stellung, *war er der einzige Spezialist unter den Bewerbern. Genau wie weil (gemeinsam mit Verb-Endstellung) für einen kausalen Nebensatz, so ist also auch doch., (gemeinsam mit Verb-Spitzenstellung und Nachstellung des Satzes im Relationsgefüge) für ein begründendes Relationsglied wie ((3/104) ( b ) ) konstitutiv. Neben der hier dargestellten Übereinstimmung von doch., und weil besteht für die Modalpartikel und die Konjunktion auch noch eine gemeinsame, bereits bekannte Vorkommensbedingung: Enthält eine Basisinformation eine Vorhersage, d.h. besteht in ihr ein Mangel an Gewißheit bezüglich eines erwünschten Ein/ Nichtein von E, so kann nicht nur weil, sondern auch doch., seine Funktion in einer solchen Basisinformation nicht ausüben. Die Akzeptabilität des Satzes 7 sinkt ab: Karin ist völlig ruhig, 'wird sie ihre Erkrankung doch., überwinden. Das Vorkommen der Modalpartikel doch., in einer Basisinformation, die als begründendes Relationsglied in einem Relationsgefüge angelegt ist und die Tatsache, daß doch,, für dieses begründende Relationsglied konstitutiv ist, erlauben Rückschlüsse auf die Funktion der Modalpartikel in einer solchen Basisinformation. Sie besteht darin, daß doch., den nachgestellten V1-Satz als begründendes Relationsglied in einem Relationsgefüge kennzeichnet, das durch die Relation Begründung charakterisierbar iöt. Die Modalpartikel besitzt also im nachgestellten V1-Satz praktisch die gleiche Funktion wie die Konjunktion weil im Nebensatz. Damit erhält man aber eine gute Rechtfertigung eines Teils von (H6.1). Anders als weil erfüllt doch., seine Funktion gemäß (H6.1) einmal mittels einer Sprecherintervention und zum anderen dadurch, daß es das generelle Merkmal [+ argumentafciv] signalisiert. Wird dieses Merkmal jedoch dem Ein/Nichtein von E in einem nachgestellten V1-Satz zugeordnet, so büßt es seine Generalität ein und weist ausschließlich auf die Relation Begründung hin. Die Autoren der Grammatik (1981; 801) vermuten, daß der nachgestellte V1Satz mit konstitutivem doch, in einem Relationsgefüge die gleiche Rolle innehat wie ein durch zumal eingeleiteter Nebensatz. Diese Annahme ist aus den folgenden Gründen fragwürdig: Einmal enthält der nachgestellte V1-Satz mit doch.., im Gegensatz zum Nebensatz mit zumal, nicht immer eine mehr als zureichende Begründung des Eintretens/Nichteintretens des vom zu begründenden Relationsglied des Gefüges bezeichneten Ereignisses. (3/105) Der Trainer ging am Stock, hatte er sich doch., bei den Übungen eine Fußverletzung zugezogen. / ?'zumal er sich bei den Übungen eine FußVerletzung zugezogen hatte.

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In (3/105) enthalten die nachgestellten Sätze die Begründung, nicht aber eine mehr als zureichende Begründung für das Ein von E im zu begründenden Relationsglied. Im Gegensatz zum Nebensatz mit zumal ist der nachgestellte V1-Satz mit doch., dennoch akzeptabel. Zum anderen ist die Akzeptabilität des nachgestellten V1-Satzes mit doch,., im Gegensatz zu der des Nebensatzes mit zumal, dann gering, wenn das Ein/Nichtein von E im zu begründenden Relationsglied des Gefüges zwar erwartet werden kann, jedoch (noch) nicht realisiert ist. (3/106) Hans könnte seiner Schwester ruhig helfen, 7 'geht es ihm doch,, so gut. / zumal es ihm so gut geht. Diese Beobachtungen legen den Schluß nahe, daß der nachgestellte V1-Satz mit doch,, und der Nebensatz mit zumal in einem kausalen Relationsgefüge keine völlig identische Rolle innehaben. Die Rolle des nachgestellten V1-Satzes mit doch.. in einem kausalen Relationsgefüge scheint ganz allgemein nicht darin zu bestehen, das Ein/Nichtein von E im zu begründenden Relationsglied global zu begründen. Vielmehr ist sie offensichtlich darin zu suchen, daß der nachgestellte V1-Satz mit doch., eine Begründung liefert für die Zuordnung einer bestimmten Komponente des im zu begründenden Relationsglied des Gefüges bezeichneten Ereignisses zu den übrigen Komponenten dieses Ereignisses. Hierfür spricht, daß die Akzeptabilität des nachgestellten V1-Satzes mit doch, immer dann ansteigt, wenn er diese Rolle innehat, während sie absinkt, wenn er zu einer globalen Begründung des Ein/Nichtein von E im zu begründenden Relationsglied des Gefüges herangezogen wird. (3/107) (a) Sie setzte sich in den Garten, war dieser doch, die einzige Freude ihres Alters. 9 (b) Sie setzte sich in den Garten, 'war das Wetter doch, schön. (3/108) (a) Hans erhielt einen Studienplatz, konnte er doch, ein brillantes Abiturzeugnis vorweisen. 9 (b) Hans erhielt einen Studienplatz, 'wurde doch, der Numerus Clausus für Biologie aufgehoben. (3/109) (a) Sie band sich ein Tuch, um den Kopf, schützte sie dieses doch., vor den schlimmsten Folgen des starken Regens. 9 (b) Sie band sich ein Tuch um den Kopf, 'regnete es doch,. In ((3/107) ( a ) ) bis ((3/109) ( a ) ) wird durch den nachgestellten V1-Satz mit doch., die Zuordnung einer bestimmten Komponente zu den übrigen Komponenten des

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im zu begründenden Relationsglied des Gefüges bezeichneten Ereignisses begründet. Diese Komponente wird in ((3/107) (a)) durch eine Adverbialbestimmung, in ((3/108) ( a ) ) durch das Subjekt und in ((3/109) ( a ) ) durch das Akkusativobjekt realisiert, während die übrigen Komponenten durch die restlichen Satzglieder und das Verb des zu begründenden Relationsglieds gebildet werden. In diesen drei Beispielen ist die Akzeptabilität des nachgestellten V1-Satzes mit doch., gut. In ((3/107) ( b ) ) bis ((3/109) ( b ) ) wird durch den nachgestellten V1-Satz mit doch, das Ein von E im zu begründenden Relationsglied des Gefüges global begründet. In diesen drei Beispielen ist die Akzeptabilität des nachgestellten V1Satzes eingeschränkt. Der nachgestellte V1-Satz mit doch, kann also offenbar dann gewählt werden, wenn zwischen ihm und dem begründenden Relationsglied diejenige spezielle Form der Relation Begründung vorliegt, die weiter oben beschrieben wurde. Für den in dieser Rolle verwandten Satz bildet dann die Modalpartikel doch, eine echte Satzkonstituierende, d . h . der Satz ist ohne sie nicht existenzfähig. Es soll noch angemerkt werden, daß sich der nachgestellte V1-Satz mit doch. offensichtlich meist in einen Relativsatz umwandeln läßt, der in das zu begründende Relationsglied eingegliedert werden kann: Sie setzte sich in den Garten, der die einzige Freude ihres Alters war. Dies ist in den Beispielen ((3/107) ( b ) ) bis ((3/109) ( b ) ) nicht möglich. Darüber hinaus ist zu beachten, daß der nachgestellte V1-5atz mit doch« vorwiegend in der Schriftsprache gebraucht wird. Ein weiterer Kausalsatz, in dem doch, gemäß (K1) die gleiche Funktion wie in einem als begründendes Relationsglied benutzten Aussagesatz besitzen müßte, ist der durch die Konjunktion wo eingeleitete, seinem Hauptsatz meist nachgestellte Nebensatz mit doch.. Wie bereits im Falle des nachgestellten V1-Satzes mit doch,) läßt sich dies empirisch beweisen. (3/110) (a) Hans sollte Inge lieber nicht reizen, (b) wo sie ihn doch1 neulich geohrfeigt hat. Zunächst kann durch einen Test gezeigt werden, daß ((3/110) ( b ) ) durch einen Nebensatz mit da substituierbar ist, ohne daß in (3/110) eine spürbare Bedeutungsänderung zu verzeichnen wäre: Hans sollte Inge lieber nicht reizen, da sie ihn neulich geohrfeigt hat. Ein durch wo eingeleiteter Nebensatz mit doch, kann folglich genau wie ein Nebensatz mit JEJ in einem kausalen Relationsgefüge die Rolle des begründenden Relationsglieds übernehmen. Wie der Tilgungstest zeigt, kann jedoch ((3/110) ( b ) ) offenbar erst dann den Rang eines begründenden Rela-

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tionsglieds in (3/110) beanspruchen, wenn es doch., enthält: Hans sollte Inge ? ~~ ' lieber nicht reizen, 'wo sie ihn neulich geohrfeigt hat. Daraus folgt aber, daß die Modalpartikel doch., (gemeinsam mit wo_ und Verb-Endstellung) Satzkonstituierende des kausalen Nebensatzes mit wi ist. Wie bereits beim nachgestellten V1-5atz mit doch,., so erlauben auch hier das Vorkommen von doch, in einem begründenden Relationsglied eines kausalen Relationsgefüges sowie die Tatsache, daß die Modalpartikel für dieses begründende Relationsglied konstitutiv ist, Rückschlüsse auf die Funktion von doch., in einem solchen Relationsglied. Diese Funktion besteht in einer Kennzeichnung des durch wo_ eingeleiteten Nebensatzes als begründendes Relationsglied in einem entsprechenden Relationsgefüge, die durch eine Zuordnung von doch,, bewirkt wird. Zum zweiten Mal kann also derjenige Teil von (H6.1) verifiziert werden, in dem doch, eine Funktion zugeschrieben wird, die darin besteht, das Merkmal [+ argumentativ] zu signalisieren, das einen Hinweis auf die zwischen zwei Relationsgliedern bestehende Relation Begründung enthält. Ein Vorkommen von doch., im durch wo_ eingeleiteten Nebensatz bildet jedoch nicht nur eine Rechtfertigung der der Modalpartikel hier zugeschriebenen Funktion, sondern ist auch im Hinblick auf eine der beiden Bedeutungskomponenten aufschlußreich, die doch., in (H5.1) zugewiesen werden. Ein durch wo eingeleiteter Nebensatz mit doch,, ist meist dadurch gekennzeichnet, dag er das Eintreten/Nichteintreten eines im Hauptsatz bezeichneten Ereignisses zureichend begründet, das zwar erwartet werden kann, jedoch (noch) nicht realisiert ist. Da eine zureichende Begründung für das Ein/Nichtein von E gleichzeitig aber einen gewissen Zwang zum Vollzug des Ein/Nichtein von E bildet, liegt es nahe, diesen Tatbestand in der Sprache besonders zu kennzeichnen Dies ist der Fall, wenn doch., gemäß (H5.1) der im Nebensatz mit wo enthaltenen, zureichend begründenden Konstatation Spuren eines Widerspruchs bezüglich deren Gegenteil hinzufügt und die durch die Konstatation ermöglichte Begründung dadurch besonders hervorhebt. Besitzt nun die Modalpartikel die hier beschriebene Bedeutungskomponente, so wäre ihr Vorkommen im durch wo eingeleiteten Nebensatz doppelt sinnvoll. Umgekehrt bilden das Vorkommen von doch., in diesem Nebensatz sowie die Tatsache, daß es für ihn konstitutiv ist, ein Argument für die Brauchbarkeit der Modellvorstellungen, in deren Rahmen der Modalpartikel die hier behandelte Bedeutungskomponente zugewiesen wurde. Die Autoren der Grammatik (1981; 801) vermuten, daß der durch wp_ eingeleitete Nebensatz mit konstitutivem doch, in einem kausalen Relationsgefüge die glei-

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ehe Rolle innehat wie ein Nebensatz mit zumal, daß reichende Begründung für das Ein/Nichtein von E im glied des Gefüges liefert. Diese Annahm« erscheint in einem Nebensatz mit zumal die Konjunktion nicht stituiert werden kann.

er also eine mehr als zuzu begründenden Relationsindessen als fragwürdig, da immer durch wo...doch, sub-

(3/111) (a) Inge sollte ruhig etwas selbstbewußter sein, wo sie doch„ so gut aussieht. / zumal sie so gut aussieht. ? (b) Inge ist selbstbewußt, 'wo sie doch1 so gut aussieht. / zumal sie so gut aussieht. In ((3/111) ( a ) ) , in dem sowohl der Nebensatz mit wo als auch der mit zumal akzeptabel ist, kann das Ein von E im zu begründenden Relationsglied des Gefüges zwar erwartet werden, ist aber (noch) nicht realisiert. In ((3/111) ( b ) ) dagegen ist dieses Ein von E realisiert. Hier ist als begründendes Relationsglied nur noch der Nebensatz mit zumal akzeptabel. Die Rollen, die ein Nebensatz mit wo.. .doch., und einer mit zumal in einem kausalen Relationsgefüge innehaben, können also nicht völlig identisch sein. Der Irrtum der Autoren der Grammatik (1981) besteht offensichtlich darin, daß sie die dutch den durch wo eingeleiteten Nebensatz mit doch, gelieferte zureichende Begründung und deren Hervorhebung durch die ihr mittels doch, hinzugefügten Spuren eines Widerspruchs bezüglich ihres Gegenteils als eine mehr als zureichende Begründung interpretieren. Fragwürdig ist darüber hinaus auch die in der Grammatik (1981) geäußerte Vermutung, daß ein durch wo eingeleiteter Nebensatz mit doch, in einem kausalen Relationsgefüge die gleiche Rolle innehat wie ein durch da_ eingeleiteter Nebensatz mit doch.. Auch hier läßt sich zeigen, daß in einem begründenden Relationsglied da ... 'doch, dann nicht durch uo ... doch, substituierbar ist, wenn das Ein/Nichtein von E im zu begründenden Rclationsglied realisiert ist. (3/112) (a) Müller könnte ruhig etwas höflicher sein, wo ich doch. sein Vorgesetzter bin. / da ich doch., sein Vorgesetzter bin. (b) Müller ist höflich, ?'wo ich doch, sein Vorgesetzter bin. / da ich doch, sein Vorgesetzter bin. Die Modalpartikel doch, bildet also eine Satzkonstituierende in einem durch wo eingeleiteten kausalen Nebensatz, dessen Besonderheit darin besteht, das(noch) nicht realisierte Eintreten/Nichteintreten eines weiteren Ereignisses zu begründen. Zu erwähnen ist noch, daß der durch wo eingeleitete Nebensatz mit konstitu-

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tivem doch,, meist in der gesprochenen Sprache auftritt. Außer in den eben genannten Sätzen ist doch., auch noch im durch ja, weil oder zumal eingeleiteten Nebensatz nachweisbar, wobei ein solcher Nebensatz dann meist seinem Hauptsatz nachgestellt ist. Neben spezielleren Merkmalen trägt der Nebensatz das Merkmal [+ konstatativ]. Auch hier liegt also wieder für doch1 in einem solchen Nebensatz und für doch., im Aussagesatz (K1) vor, d.h. es müßte Funktionsgleichheit bestehen. Dies kann jedoch nicht empirisch nachgewiesen werden. (3/113) (a) Hans geht Renate aus dem Weg, (b) da sie ihm doch., schon mehrmals einen Korb gegeben hat. (3/114) (a) Inge erwartet (deshalb) schon wieder ein Kind, (b) weil sie doch,, die Pille nicht nehmen will. (3/115) (a) Das Buch war schnell vergriffen, (b) zumal die Auflage doch... klein war. Für (b) in den Beispielen (3/113) bis (3/115) ist die Konjunktion da bzw. weil bzw. zumal konstitutiv. Durch diese Konjunktionen (sowie durch Verb-Endstellung) werden ((3/113) ( b ) ) , ((3/114) ( b ) ) und ((3/115) ( b ) ) als begründende Relationsglieder in den kausalen Relationsgefügen (3/113), (3/114) und (3/115) eindeutig gekennzeichnet. Eine zusätzliche Kennzeichnung der Rolle dieser Nebensätze ist prinzipiell nicht erforderlich und die Modalpartikel doch., wird daher für eine solche Kennzeichnung nicht benötigt. Folgerichtig ist die Zuordnung von doch1 zu den Nebensätzen in den obigen Beispielen fakultativ. Das Vorkommen von doch., in ((3/113) ( b ) ) bis ((3/115) ( b ) ) gibt also keinen unmittelbaren Aufschluß über die Funktion, die die Modalpartikel in diesen kausalen Nebensätzen innehat. Auch die u.a. im Aussagesatz nachgewiesene Vorkommensbedingung für die Modalpartikel kann zur Identifizierung ihrer Funktion in den hier betrachteten Kausalsätzen nicht herangezogen werden, da bereits die kausalen Konjunktionen mit Vorhersagen, in denen das Ein/Nichtein von E erwünscht ist, nur beschränkt verträglich sind. Die Identifizierung der Funktion von doch, in ((3/113) ( b ) ) bis ((3/115) ( b ) ) kann also nicht empirisch, sondern nur über Hypothesen erfolgen. Die folgenden Überlegungen sind in diesem Zusammenhang aufschlußreich: doch,, und die kausalen Konjunktionen können in den hier betrachteten Nebensätzen keine völlig identischen Funktionen innehaben, da in diesen Sätzen sonst Redundanz entstünde. Gelingt es nun, mögliche Unterschiede zwischen den Funktionen von doch, einerseits und den kausalen Konjunktionen an-

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dererseits aufzuzeigen, so erhielte man einen ersten Anhaltspunkt für die Funktion der Modalpartikel in den durch da, weil oder zumal eingeleiteten Nebensätzen. Diese Unterschiede existieren gemäß (H6.1) in der Tat. Laut (H6.1) signalisiert doch, nicht nur das Merkmal [+ argumentativ] und kennzeichnet dadurch denjenigen Satz, dem es zugeordnet wurde, als z.B. begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge. Vielmehr bildet doch,, darüber hinaus auch den sprachlichen Ausdruck einer Sprecherintervention, die einer Basisinformation mit doch, einen Appell hinzufügt, diese als z.B. Begründung aufzufassen. Einer solchen Sprecherintervention liegt aber prinzipiell eine gewisse Überzeugung des Sprechers zugrunde. Das Zusammenwirken von doch, und einer kausalen Konjunktion in den hier betrachteten Nebensätzen kann also wie folgt erklärt werden: Eine kausale Konjunktion wie da, weil oder zumal signalisiert in einem Nebensatz das Merkmal [+ begründend] und kennzeichnet diesen Satz so als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge. Ein durch eine Sprecherintervention mittels doch,, einem solchen Nebensatz hinzugefügter Appell, diesen Satz als Begründung aufzufassen, rechtfertigt nun die Zuordnung des Merkmals [+ begründend] zu diesem Satz, die durch eine der drei kausalen Konjunktionen erfolgt, durch einen Hinweis auf die Überzeugung des Sprechers. Eine Hinzufügung von doch., liefert also eine subjektive Rechtfertigung der durch eine kausale Konjunktion erfolgten Kennzeichnung eines Nebensatzes als begründendes Relationsglied. Dies vermag die Konjunktion, bei der das Merkmal [+ begründend] lexikalisch vorgegeben ist und die keinen besonderen Hinweis auf die Überzeugung des Sprechers enthält, nicht zu leisten. Man erhält auf diese Weise eine gute Erklärung dafür, daß das gemeinsame Vorkommen von doch., und einer kausalen Konjunktion in den hier behandelten Nebensätzen nicht zu Redundanz führt. Darüber hinaus gibt es für die hier doch., in ((3/113) ( b ) ) bis ((3/115) ( b ) ) zugeschriebene Funktion auch eine gewisse empirische Rechtfertigung: (3/116)

Sprecher 1 : Warum fürchtet sich die Kleine? (a) Sprecher 2 : Sie fürchtet sich, 7 (b) weil ihr Vater 'doch, zu Hause ist. / weil ihr Vater sie doch, immer schlägt.

Wie ((3/116) ( b ) ) zeigt, steigt die Akzeptabilität von doch, an, wenn der durch weil eingeleitete Nebensatz eine einleuchtende Begründung des Ein von E im zu begründenden Hauptsatz ((3/116) (a)) bildet. Die Tatsache, daß der durch weil

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eingeleitete Nebensatz eine einleuchtende Begründung des Ein von E im Hauptsatz enthält, erleichtert es dem Sprecher, die durch die Konjunktion erfolgte Kennzeichnung des Nebensatzes subjektiv zu rechtfertigen. Die hier angestellten Überlegungen präzisieren die aufgrund von ( K 1 ) erfolgte Identifizierung der Funktion von doch,, in durch da, weil oder zumal eingeleiteten kausalen Nebensätzen. Völlige Funktionsgleichheit bei doch., in diesen Sätzen einmal und im Aussagesatz zum anderen kann allerdings nicht nachgewiesen werden, da ein Teil der doch., in (H6.1) zugeschriebenen Funktion bereits durch die kausalen Konjunktionen übernommen wird. Insgesamt gesehen konnte sich jedoch ( K 1 ) als Identifizierungshilfe für die Funktion von doch., auch in diesen Fällen bewähren und die Gültigkeit eines Teils von (H6.1) auch hier bestätigt werden. 3.7.1.4. doch.j im Konzessivsatz Ein Konzessivsatz mit doch., enthält eine Konstatation und trägt daher neben spezielleren Merkmalen das Merkmal [+ konstatativ] . Auf doch., im Konzessiv- und im Aussagesatz trifft also ( K 1 ) zu, d.h. es müßte Funktionsgleichheit vorliegen. Eine Überprüfung dieser Frage und damit die definitive Identifizierung der Funktion von doch, im Konzessivsatz kann jedoch nicht rein empirisch erfolgen. " "·— | Vielmehr kann sie wieder nur aufgrund bestimmter Überlegungen vorgenommen werden. Ein Konzessivsatz mit oder ohne doch1 ist hervorhebendes Relationsglied in einem Relationsgefüge mit der Relation Hervorhebung. (3/117) (a) Hans fand Zeit für uns, (b) obgleich er -dpch„ mitten in Reisevorbereitungen steckte. e- — l In (3/117) bildet die Konjunktion obgleich einmal einen Hinweis auf die zwischen den beiden Sätzen bestehende Relation Hervorhebung, zum anderen ist sie für ((3/117) ( b ) ) konstitutiv und kennzeichnet (gemeinsam mit der Verb-Endstellung) diesen Satz eindeutig als hervorhebendes Relationsglied in einem konzessiven Relationsgefüge. Da die wichtigsten Funktionen bezüglich einer Bestimmung von ((3/117) ( b ) ) bereits durch die Konjunktion wahrgenommen werden, gibt das darüber hinaus auch noch fakultative Vorkommen von doch., in diesem Satz nicht ohne weiteres Aufschluß über die Funktion der Modalpartikel in einem konzessiven Nebensatz. Für eine Determinierung der Funktion von doch,, ist es also zunächst notwendig, die für einen Konzessivsatz konstitutiven Elemente zu tilgen. Dies kann

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geschehen, indem man den konzessiven Nebensatz mit obgleich durch einen bedeutungsgleichen nichtabhängigen Konzessivsatz mit dabei substituiert und in diesem dann dabei tilgt. Man erhält (von nur einem Sprecher gesprochen): (3/118) (a) Hans fand Zeit für uris. 7 (b) 'Er steckte doch., mitten in Reisevorbereitungen. Das durch doch., in ((3/118) ( b ) ) signalisierte Merkmal [+ argumentativ] allein enthält keinen Hinweis auf eine zwischen (a) und (b) in (3/118) bestehende Relation Hervorhebung. Darüber hinaus sind (a) und (b) ohne doch,, in (3/118) durch schlechte Verträglichkeit gekennzeichnet, die darauf zurückzuführen ist, daß sich das Eintreten der in den beiden Sätzen bezeichneten Ereignisse in gewissem Umfang gegenseitig ausschließt, da (b) ohne doch., eine zureichende Begründung des Gegenteils des Ein von E in (a) bildet. Eine Hinzufügung von doch.. zu (b) scheint diese schlechte Verträglichkeit noch zu steigern. Die Verträglichkeit der beiden Sätze in (3/118) steigt folgerichtig wieder an, wenn in ((3/118) (a)) das Eintreten des bezeichneten Ereignisses durch das Nichteintreten dieses E ersetzt wird: Hans fand keine Zeit für uns. Er steckte doch., mitten in Reisevorbereitungen. Dieses Satzpaar bildet ein kausales Relätionsgefüge, dessen zweiter Satz durch das durch doch., signalisierte Merkmal [+ argumentativ] als begründendes Relationsglied besonders gekennzeichnet ist. doch,, besitzt also hier diejenige Funktion, die es in dem in (3.7.1.1.) untersuchten Aussagesatz innehat. Diese Beobachtungen ermöglichen aber auch eine Erklärung für die Funktion von doch,, im Konzessivsatz, die am Beispiel von (3/118) vorgenommen werden kann. Das durch doch., signalisierte Merkmal [+ argumentativ] bildet einen Hinweis auf die Relation Begründung, die zwischen ((3/118) ( b ) ) und dem nicht realisierten Eintreten/Nichteintreten eines Ereignisses besteht und kennzeichnet ((3/118) ( b ) ) als begründendes Relationsglied. Dieses nicht realisierte Ein/ Nichtein von E wird aber durch das Gegenteil des in ((3/118) ( a ) ) bezeichneten Ein von E, d.h. durch das Nichtein dieses E gebildet. Wird nun dem prinzipiell begründenden Relationsglied ((3/118) ( b ) ) dabei hinzugefügt, das das Merkmal [+ hervorhebend] signalisiert, so enthält ((3/118) ( b ) ) zwei relationale Merkmale: [+ hervorhebend] und [+ argumentativ]. [V hervorhebend] bildet einen Hinweis auf die Relation Hervorhebung zwischen ((3/118) ( b ) ) und dem Ein von E in ((3/118) ( a ) ) , [+ argumentativj dagegen weist auf die Relation Begründung zwischen (b) und dem Gegenteil des Ein von E in (a), d.h. dem sprachlich nicht

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realisierten Nichtein von E hin. In einem solchen Relationsgefüge sind jedoch die beiden Relationen nicht unverträglich. Das sich vollziehende Eintreten eines Ereignisses wird dann hervorgehoben, wenn es eine zureichende Begründung für sein Gegenteil, d.h. für das Nichteintreten dieses Ereignisses gibt. Wird nun auf die Existenz dieser zureichenden Begründung durch das durch doch,, signalisierte Merkmal [+ argumentativ] besonders hingewiesen, so tritt folgerichtig eine Verstärkung der Hervorhebung des hervorzuhebendeB.-. Eintretens von E ein. Die Kombination der relationalen Merkmale [+ hervorhebend] und (+ argumentativ] führt im konzessiven Relationsgefüge also zu einer verstärkten Kennzeichnung des Konzessivsatzes als hervorhebendes Relationsglied durch die durch [+ argumentativ] sichtbar gemachte Relation Begründung Gegenteil. Hierin besteht nun die Funktion von doch., in den Konzessivsätzen. Der Einfachheit halber ist jedoch auch die Annahme zulässig, daß das durch doch., im Konzessivsatz signalisierte Merkmal [+ argumentativ] eine verstärkte Kennzeichnung dieses Satzes als hervorhebendes Relationsglied bewirkt. Dies jedoch nur dann, wenn es gemeinsam mit dem dominierenden Merkmal [+ hervorhebend! auftritt. Im Konzessivsatz ist [+ argumentativ] also ein abhängiges Merkmal. Die obigen Überlegungen, aufgrund derer die Funktion von doch, im Konzessivsatz präzisiert werden konnte, zeigen, daß die gemäß (K1) vorhersagbare Funktionsgleichheit von doch., in Konzessiv- und Aussagesatz nur zum Teil besteht. Funktionsgleichheit ist insofern gegeben, als eine Kombination der Bedeutungskomponenten von doch„ mit den beiden, das Merkmal [+ konstatativ] enthaltenden 1 ''~" "l Sätzen die Zuordnung des relationalen Merkmals [+ argumentativ] bewirkt. Im Hinweis auf eine Relation, den dieses Merkmal in einem Relationsgefüge liefert, liegt jedoch ein partieller Unterschied der Funktion von doch,, im Konzessivund Aussagesatz begründet. Wird es einem Aussagesatz zugeordnet, so kann das von doch,, signalisierte Merkmal auf die Relation Begründung, Beweis oder Widerspruch, nicht jedoch auf die Relation Hervorhebung hinweisen, da ein solcher Satz, wie ((3/118) ( b ) ) zeigt, nicht das hervorhebende Relationsglied in einem konzessiven Relationsgefüge bilden kann. Mit den bezüglich der Funktion von doch., in (H6.1) gemachten Angaben sind die hier angestellten Überlegungen dagegen gut verträglich. Die Resultate der in (3.7.1.) hinsichtlich des Vorkommens von doch., gemachten Beobachtungen und angestellten Überlegungen bilden insgesamt nicht nur eine Rechtfertigung von (H7.1), sondern auch eine solche von (H6.1) bezüglich der

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Funktion dieser Modalpartikel. Bei der Identifizierung der Funktion von doch.. in den unterschiedlichen Sätzen hat sich auch die Bildung von Kombinationstypen wie (K1) bewährt, die für die Annahme sprechen, daß meist eine Kombination ihrer Bedeutung mit ihrem Vorkommen die Funktion einer affirmativen Modalpartikel determiniert. Auch der in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Vorkammensgleichheit konnte präzisiert werden: Vorkommensgleichhei t ist für doch,. dann gegeben, wenn zwei Sätze, in denen diese Partikel auftritt, je eine Konstatation und damit das Merkmal [+ konstatativ] enthalten und in ihnen daher kein Mangel an Gewißheit bezüglich des bezeichneten Ein/Nichtein von E besteht, folglich also diesem Ein/Nichtein von E nicht das Merkmal [- gewiß} zugeordnet ist. Aufgrund dieser Definition besteht aber für doch., in den in (D3/9) noch einmal zusammengestellten Sätzen Vorkommensgleichheit.

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(D3/9) Satz und Charakteristik des Satzes ohne doch..

Bedeutung von doch..

Funktion von doch., (signalisiertes Merkmal)

Aussagesatz;

Affirmation durch Sprecherinterzweifache Negation vention; Konstatiertes Spuren eines [+ argumentativ] Ein/Nichtein von E Widerspruchs bezüglich Gegen(Fehlen Merkmal teil des Ein/ ; [- gewiß] ) Nichtein von E daß-Satz

Affirm. (2 Neg)

Nicht bewertetes Spuren Widerspruch Konstatiertes Ein/Nichtein von E

Sprecherintef v . [+ argumentativ]

Relation

Begründung Beweis Widerspruch

Begründung Beweis Widerspruch

(Fehlen [- gewiß] ) Kausalsätze;

Affirm. (2 Neg)

Spuren WiderBegründendes spruch Konstatiertes Ein/Nichtein von E

Sprecherinteiv.

Begründung

[+ argumentativ]

(Fehlen [- gewiß] ) Konzessivsätze ;

Affirm. (2 Neg)

Spuren WiderGegengründe spruch anführendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E (Fehlen [- gewiß] )

Sprecherinterv .

(Verstärkung vo

[+ argumentativ] (gebunden an [+ hervorhebend] ]

Hervorhebung

87 3.7.2.

Vorkommen von doch^ und doch',, (H7.2)

Die Modalpartikel doch«i* kommt in bestimmten Aussagesätzen vor. Andere nicht abhängige Sätze, in denen doch- vorkommt, sind der Wunschsatz, die V2-Frage und der Imperativsatz. Die Modalpartikel doch' 0 tritt in bestimmten Ergänzungsfragen auf. -^_-«v-

£

3.7.2.1. dochg im Aussagesatz Beim Vorkommen von doch_„ im Aussagesatz besteht Vorkommensverschiedenheit im Vergleich mit dem Vorkommen von doch, in einem solchen Satz. Vorkommensverschiedenheit ist insofern gegeben, als ein Aussagesatz mit doch., das Merkmal [+ konstativ] bei Fehlen des Merkmals [- gewiß] aufweist, während ein solcher Satz mit doch,, eine Vorhersage und damit die Merkmale [+ vorhergesagt] und [-gewiß] enthält, da in ihm ein Mangel an Gewißheit bezüglich des vorhergesagten Eintretens/Nichteintretens des bezeichneten Ereignisses vorliegt. Da für doch, und doch,, im Aussagesatz also Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungsgleichheit und gleicher Form besteht, ist der Kombinationstyp (K3) gegeben. (K3) aber läßt sich entnehmen, daß für doch, und doch,, im Aussagesatz Funktionsverschiedenheit besteht. Da Beispiel (3/119) die Merkmale [+ vorhergesagt] und [- gewiß] enthält, müßte also die diesem Satz zugeordneta Modalpartikel doch,, von doch, verschieden sein. (3/119) Mit dem wirst du doch,, (noch) fertig werden. Bevor die Funktion von doch,, in (3/119) untersucht wird, soll zunächst noch einmal rein empirisch und ohne Berücksichtigung von (K3) der Nachweis erbracht werden, daß doch,, in diesem Beispiel von doch, verschieden ist, wobei als Verschiedenheit wegen der bestehenden Bedeutungs- und Formgleichheit nur Funktionsverschiedenheit in Frage kommt. In diesem Zusammenhang sind die folgenden Beispiele aufschlußreich: 7

(3/120) Mit dem wirst du doch noch / doch / 'noch / noch einmal / doch'noch einmal fertig werden. (3/121) Mit dem bist du doch ?'noch / doch / ?'noch / noch einmal / doch noch einmal fertig geworden. In (3/120) kann doch mit noch kombiniert werden, muß dies aber nicht, noch dagegen muß mit doch kombiniert werden. Vorkommensbedingung für noch in (3/120)

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ist also das Vorkommen von doch. Diese Vorkommensbedingung ist offensichtlich in (3/121) trotz des Vorkommens von doch nicht erfüllt. Cine Erklärung dafür erhält man, wenn man annimmt, daß doch in (3/120) von doch in (3/121) verschieden ist. Ein weiteres Argument für die Verschiedenheit von doch in (3/120) und doch in (3/121) erhält man durch die Tatsache, daB doch in (3/121), kaum jedoch in (3/120) mit noch einmal kombinierbar ist. Diese Beobachtungen bilden eine Bestätigung der aufgrund von (K3) vorhergesagten (Funktions-)Verschiedenheit von doch., und doch,, bei deren Vorkommen in Aussagesätzen. Nach dieser grundsätzlichen Feststellung kann nun die Identifizierung der Funktion von doch,, im Aussagesatz erfolgen. Zunächst läßt sich zeigen, welche Funktion doch,, in einem solchen Satz vermutlich nicht innehat. (3/122) (a) Mit dem wirst du doch, noch fertig werden. (b) Mit dem wirst du schon noch fertig werden. ((3/122) (a)) und ((3/122) ( b ) ) sind bis auf doch,, und schon identisch. Da die Sätze jedoch nicht bedeutungsgleich sind, müssen doch,, und schon in ihnen unterschiedliche Funktionen ausüben. Geht man nun davon aus, daß schon in ((3/122) ( b ) ) , in dem ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens des bezeichneten Ereignisses besteht, einen Abbau dieses Mangels an Gewißheit bewirkt, so läßt sich feststellen, daß doch,, in ((3/122) ( a ) ) , in dem ebenfalls ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein von E besteht, eine solche Funktion offenbar nicht innehat. Eine weitere Eingrenzung der Funktion von doch,, kann aufgrund der folgenden Beispiele vorgenommen werden. (3/123)

Du solltest dich (a) Mit dem wirst du (b) Mit dem wirst du (c) Mit dem wirst du

(3/124) Sprecher 1: Mit Sprecher 2: (a) (b) (c)

durch Meier nicht einschüchtern lassen. schon noch fertig werden. doch,, noch fertig werden. fertig, sage ich dir.

Meier werde ich nicht fertig Natürlich wirst du mit dem fertig. Mit dem wirst du doch,, noch fertig werden. Mit dem wirst du fertig, sage ich dir.

In (3/123) liegt die Rolle des Satzes mit doch? zwischen der einer Begründung (a) und der einer Aufforderung (c), in (3/124) zwischen der eines Widerspruchs (a) und der einer Aufforderung (c) (der Widerspruch in ((3/124) (a)) enthält allerdings ebenfalls gewisse Aufforderungselemente). Eine Aufforderung ist nun

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normalerweise dadurch gekennzeichnet, daß in ihr ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in ihr bezeichneten Ereignisses besteht, und daß ferner diesem Ein/Nichtein von E das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet ist. Ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein von E besteht aber auch in (b) in (3/123) und (3/124), da dieses prinzipiell eine Vorhersage bildet. In einer Vorhersage ist allerdings das Ein/Nichtein von E nicht automatisch erwünscht. Ist das wie in ((3/123) ( b ) ) und ((3/124) ( b ) ) indessen der Fall, so ist es zweckmäßig, eine solche Tatsache besonders zu kennzeichnen. Dies geschieht in diesen Beispielen, wenn man annimmt, daß doch« aufgrund einer Kombination seiner beiden Bedeutungskomponenten mit der in ((3/123) ( b ) ) und ((3/124) ( b ) ) enthaltenen Vorhersage das Merkmal [+ erwünscht] signalisiert. Dann besitzt die Vorhersage in den Beispielen zwei Kriterien, die auch auf eine Aufforderung zutreffen und die Ähnlichkeit von (b) mit der Aufforderung (c) in (3/123) und (3/124) wird erklärlich. Durch doch? wird also ein eine Vorhersage enthaltender Aussagesatz für den Gebrauch in einer speziellen Situation ausgerüstet. In einer solchen Situation kann die eine Ermutigung für den Hörer enthaltende Vorhersage nach Hinzufügung der Modalpartikel als besondere Form von Aufforderung verwandt werden. Beobachtungen und spezielle Überlegungen führten zu einer Identifizierung der Funktion von doch? im Aussagesatz, die sich mit der dieser Modalpartikel in (H6.2) zugeschriebenen Funktion deckt. Gleichzeitig konnte die mittels (K3) gewonnene Annahme bezüglich der Funktionsverschiedenheit von doch., und doch,, im Aussagesatz verifiziert werden. Darüber hinaus aber ist ein Vergleich dieser beiden Modalpartikeln in dem hier behandelten Satz hinsichtlich einer in (3.7.) einleitend geäußerten Vermutung besonders aufschlußreich: Es konnte gezeigt werden, daß nicht ihre Bedeutung, sondern vielmehr eine Kombination dieser immer gleichen Bedeutung mit unterschiedliche Satzmerkmale enthaltenden Aussagesätzen ([+ konstatativ] vs. O vorhergesagt]) für die Bestimmung der Funktion von doch., und doch,, relevant ist. 3.7.2.2. doch_„ im Wunschsatz Die bei doch,, im Wunschsatz und doch, im Aussagesatz feststellbare, hier interessierende Vorkommensverschiedenheit besteht darin, daß der Wunschsatz das Satzmerkmal [+ hypothetisch] und. folglich [- gewiß] enthält, dem beim Aussagesatz das Satzmerkmal [+ konstatativ] und das Fehlen von [- gewiß] gegenüberstehen.

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Aus Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit folgt für doch,, im Wunsch- und doch, im Aussagesatz gemäß (K3) Funktionsverschiedenheit. Vorkommensgleichheit dagegen ist bei doch,, im Wunschsatz und doch,, im Aussagesatz insofern gegeben, als in diesen Sätzen mit den Satzmerkmalen [+ hypothetisch} bzw. [+ vorhergesagt] ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/ Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses besteht, der durch das dem Ein/Nichtein von E zugeordnete Merkmal [- gewiß] konkretisiert werden kann. Vorkommensgleichheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit ergibt aber für affirmative Modalpartikeln gemäß ( K 1 ) Funktionsgleichheit. (K1) und (K3) ermöglichen also eine Identifizierung der Funktion von doch,, im Wunschsatz. Eine solche Identifizierung kann jedoch auch empirisch erfolgen. Die Aufgabe eines Wunschsatzes besteht darin, die Erwünschtheit des Eintretens/Nichteintretens des in ihm bezeichneten Ereignisses besonders hervorzuheben. Daher kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß ein für einen solchen Satz konstitutives Element das dem Ein/Nichtein von E zugeordnete Merkmal [+ erwünscht] signalisiert. (3/125) Wenn er doch» käme. Ein Tilgungstest zeigt, daß (3/125) erst durch eine Hinzufügung von doch? aus einer nicht gebrauchsfertigen Hypothese zum Wunschsatz entwickelt wird: *Wenn er käme. Die Modalpartikel ist also (gemeinsam mit wenn und Konjunktiv II) für (3/125) konstitutiv. Folglich signalisiert doch,, aufgrund einer Kombination seiner beiden Bedeutungskomponenten mit der im Wunschsatz enthaltenen Hypothese das Merkmal [+ erwünscht]. Dadurch, daß die Modalpartikel f+ erwünscht] signalisiert, qualifiziert sie diese Hypothese, die normalerweise in einem konditionalen Relationsgefüge Verwendung findet, zum Gebrauch in einer speziellen Situation, die dann gegeben ist, wenn der Sprecher die Erwünschtheit des Eintretens/Nichteintretens eines Ereignisses emotional hervorheben will. Das Vorkommen von doch,, im Wunschsatz, für den diese Modalpartikel genau · *£ wie doch, für den nachgestellten V1-Satz oder den durch WD eingeleiteten Kausalsatz eine Satzkonstituierende bildet, stellt ein gutes Argument für die Gültigkeit von (H6.2) dar. 1 m

3.7.2.3. doch,, in der V2-Frage Für doch,, in der V2-Frage und doch, im eine Konstatation enthaltenden Aussagesatz besteht Vorkommensverschiedenheit, die dadurch verursacht wird, daß der

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Aussagesatz durch das Satzmerkmal [+ konstatativ] und ein Fehlen des Merkmals [- gewiß] gekennzeichnet ist, während die V2-Frage das Satzmerkmal [V interrogativ] und [- gewiß] enthält. Vorkommensverschiedenheit für doch, und dochhinsichtlich der V2-Frage kann aber auch empirisch aufgrund der folgenden Beispiele nachgewiesen werden. (3/126) Du hast das geliehene Buch doch wieder abgegeben? (3/127) Sie fühlen sich doch wohl? (3/128) Es wird doch gut gehen? In (3/126) bis (3/128) besteht ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens der darin bezeichneten Ereignisse, weil es sich bei diesen Beispielen um Fragen handelt. Dieser Mangel an Gewißheit ist darüber hinaus in (3/128) besonders offenkundig, weil hier das erwünschte Ein von E in der Zukunft liegt. Gilt für doch., die in (H 7.1) formulierte Vorkommensbedingung, so kann also mit Sicher" " " "' l heit davon ausgegangen werden, daß es sich bei der in (3/126) bis (3/128) vorkommenden Modalpartikel nicht um doch., handelt. Aus VorkommensVerschiedenheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit folgt aber für doch- in der V2-Frage und doch,, im Aussagesatz gemäß (K3) Funktionsverschiedenheit. Für dochL.0 in der V2-Frage und doch-L im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz liegt insofern Vorkommensgleichheit vor, als in beiden Sätzen ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E besteht, der durch das Merkmal [- gewiß] konkretisierbar ist. Gemäß ( K 1 ) führt aber Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsgleichheit und gleicher Form der affirmativen Partikeln zu ihrer Funktionsgleichheit, womit eine Identifizierung der Funktion von doch,, in der V2-Frage erfolgt ist. Die Identifizierung der Funktion dieser Modalpartikel in dem hier betrachteten Satz kann jedoch zur Überprüfung auch durch einen Test vorgenommen werden, bei dem eine Gegenüberstellung einer V2-Frage mit und einer ohne doch,, stattfindet. (3/129) (a) Wir bekommen eine Gehaltserhöhung? (b) Wir bekommen doch,, eine Gehaltserhöhung? Ein Vergleich zwischen (a) und (b) in (3/129) zeigt, daß in (a) eine Bestätigung des Ein von E lediglich erwartet wird, während in ( b ) , in dem doch? vorkommt, diese Bestätigung wahrscheinlich erwartet, vor allem aber mit dem Merk-

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mal [+ erwünscht] versehen wird. Da der Unterschied zwischen (a) und (b) neben gewissen Intonationsnuancen auf eine Zuordnung von doch,, zu (b) beschränkt ist, ist die Annahme berechtigt, daß das Merkmal [+ erwünscht] in (b) durch doch,, signalisiert wird. Eine solche Funktion wird aber doch,, bereits in (H6.2) zugeschrieben, das damit eine weitere Rechtfertigung erfährt. Gemäß (H6.2) ist [+ erwünscht] ein satzinternes Merkmal. Satzintern im strengen Sinne wäre dieses Merkmal in der V2-Frage mit doch,,, wenn es das Ein/ Nichtein von E in ihr direkt bewerten würde. In der Tat zeigen Beobachtungen, daß das Ein/Nichtein von E in den meisten V2-Fragen mit doch,, erwünscht ist. ~' L· Eine Verallgemeinerung dieser Beobachtung erscheint dennoch als verfrüht. Bewertet [+ erwünscht] dagegen die Bestätigung des Ein/Nichtein vom E der doch,, enthaltenden V2-Frage, so bezieht es sich streng genommen nicht auf die Frage, sondern auf die vom Hörer zu liefernde Antwort. Nun ist jedoch das Ein/Nichtein von E in der (erwünschten) Antwort mit dem Ein/Nichtein von E in der doch,, enthaltenden V2-Frage identisch: in dieser Frage ist die erwünschte Antwort potentiell mitenthalten. Daher ist es aber prinzipiell gerechtfertigt, [+ erwünschtj auch in der V2-Frage mit doch,, den Status eines satzinternen Merkmals zuzusprechen. Dies hat den Vorteil, daß die Funktion von doch,, für eine bestimmte Zahl von Sätzen einheitlich beschrieben werden kann. Es bleibt noch zu erörtern, warum doch,, seine Funktion nur in der V2-Frage, nicht aber in der V1-Frage wahrnehmen kann. Die folgende Erklärung wäre denkbar: Im Gegensatz zur V1-Frage gestattet eine V2-Frage ohne doch,, keine echte Entscheidung zwischen Ja^ und Nein. Daraus folgt aber, daß es zweckmäßig ist, eine V2-Frage zu wählen, wenn eine Bestätigung des Ein/Nichtein vom E der Frage erwünscht ist. In gewissem Umfang ist dann nämlich in einer solchen Frage die erwünschte Antwort des Hörers bereits vorherbestimmt. 3.7.2.4. doch,, im Imperativsatz Vorkommensverschiedenheit ergibt sich für doch,, im Imperativsatz und doch.. im eine Konstatation enthaltenden Aussagesatz dadurch, daß der Aussagesatz das Satzmerkmal [+ konstatativ] trägt, wobei [-gewiß] fehlt, während der Imperativsatz mit dem Satzmerkmal [+ imperativ] und' [- gewiß] versehen ist. Vorkommensgleichheit dagegen liegt für ~^~^~^^~£ doch., im Imperativ- und im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz insofern vor, als in diesen Sätzen ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E besteht, beide Sätze also das Merkmal

93 [- gewiß] tragen. Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit bei dochg im Imperativsatz und doch, im Aussagesatz führt gemäß ( K 3 ) zu Funktionsverschiedenheit, Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsgleichheit und gleicher Form für doch- im Imperativ- und Aussagesatz ergibt gemäß (K1) Funktionsgleichheit. Hieraus folgt eine Identifizierung der Funktion von doch,, im Imperativsatz. Die Identifizierung kann jedoch auch aufgrund bestimmter Beobachtungen und Überlegungen durchgeführt werden. (3/130) Komm doch2! (3/131) Sei doch 0 froh, du! (Kriwonossow 77) " '' £Wie bereits in (3.7.2.1.) ausgeführt wurde, können Aufforderungen wie (3/130) ohne doch-L und (3/131) ohne doch,L durch zwei Eigenschaften charakterisiert werden: Einmal besteht in einem solchen Satz bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des bezeichneten Ereignisses ein Mangel an Gewißheit und zum anderen ist dieses Ein/Nichtein von E seitens des Sprechers erwünscht. Bei einer Zuordnung zu einem solchen Satz können die beiden Bedeutungskomponenten von doch,, zwar nicht auf die eine, wohl aber auf die andere Eigenschaft dieser Aufforderung einwirken: Affirmation mittels zweifacher Negation und die Hinzufügung von Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein/Nichtein von E vermögen nicht, den für eine Aufforderung spezifischen Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E abzubauen. Dagegen können sie eine bestimmte Wirkung auf die zweite Eigenschaft der Aufforderung, d.h. auf die latente Erwünschtheit des Ein/Nichtein von E ausüben. Die besondere Form von Affirmation des Ein/ Nichtein von E sowie die Hinzufügung von Spuren eines Widerspruchs bezüglich ihres Gegenteils können diesem Ein/Nichtein von E eine Dringlichkeit verleihen, die als Merkmal [+ erwünscht] konkretisierbar ist. Dieses Merkmal entwickelt dann die in einer Aufforderung bestehende latente Erwünschtheit des Ein/Nichtein von E weiter und bringt sie verstärkt zur Geltung. Ein Test, bei dem (3/130) mit doch,, einer Aufforderung ohne doch? gegenübergestellt wird, illustriert diese Tatsache: Komm! vs. Komm doch,,! . Indem doch., im Imperativsatz das Merkmal [+ erwünscht] signalisiert, stattet also die Modalpartikel auch eine Aufforderung für einen Gebrauch in speziellen Situationen aus. Diese Situationen lassen sich allerdings nicht so präzise beschreiben wie im Falle des Aussagesatzes, Wunschsatzes oder der V2-Frage. Trifft es also zu, daß latente Erwünschtheit des Ein/Nichtein von E eine charakteristische und entwicklungsfähige Eigenschaft einer Aufforderung ist,

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so bildet das unproblematische Vorkommen von doch„ in einem Imperativsatz insgesamt eine Rechtfertigung von (H6.2) mit der der Modalpartikel darin zugeschriebenen Funktion. 3.7.2.5. doch',, in der Ergänzungsfrage Für doch',, in der Ergänzungsfrage und doch., im Aussagesatz besteht Vorkommensverschiedenheit, da der Aussagesatz das Satzmerkmal [+ konstatativ] bei Fehlen von [- gewiß] enthält, während die Ergänzungsfrage das Satzmerkmal [+ partiell interrogativ] und [- gewiß] aufweist. Aus Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit kann aber gemäß (K3) auf Funktionsverschiedenheit der beiden Modalpartikeln in den genannten Sätzen geschlossen werden. Vorkommensverschiedenheit ist jedoch auch für doch' ? in der Ergänzungsfrage und doch,, im Aussagesatz insofern gegeben, als das in beiden Sätzen enthaltene Merkmal [- gewiß] im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz dem Eintreten/Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses zugeordnet ist, während es sich in der Ergänzungsfrage auf das gesuchte Substitut für das Fragepronomen bezieht. Nach Maßgabe von (K3) folgt also auch für doch' Z in der Ergänzungsfrage und doch,,L im Aussagesatz aus Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungsgleichheit und gleicher Form Funktionsverschiedenheit. Damit erhält man einen ersten Hinweis für eine Identifizierung der Funktion von "doch" £ in der Ergänzungsfrage, der in der Erkenntnis besteht, daß diese Modalpartikel vermutlich weder das Merkmal [+ argumentativ] noch das Merkmal [+ erwünscht] signalisiert. Die weitere Identifizierung kann aufgrund der folgenden Beobachtungen und Überlegungen vorgenommen werden. Wie gewisse Beispiele zeigen, gelten für doch'p in der Ergänzungsfrage Vorkommensbedingungen, die weder für doch, noch für doch., z.B. in der V2-Frage nachweisbar sind. (3/132) (a) Wo lag doch' 2 die Akte? (b) Wo liegt ( ? ) doch' 2 die Akte? (3/133) (a) Wann wollte er doch' ? anrufen? (b) Wann wird er ?'doch' anrufen? In (3/132) und (3/133) ist eine Hinzufügung von doch',, dann unproblematisch, wenn das Tempus des Verbs wie in ((3/132) ( a ) ) und ((3/133) ( a ) ) Vergangenheit ausdrückt. Signalisiert das Tempus des Verbs dagegen Gegenwart oder Zukunft wie

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in ((3/132) ( b ) ) und ((3/133) ( b ) ) , so sinkt die Akzeptabilität von doch' 2 in diesen Ergänzungsfragen ab. Diese Vorkommensbedingungen gestatten gewisse Rückschlüsse auf die Funktion von doch' ? in der Ergänzungsfrage. Ein Vergleich von ((3/132) ( a ) ) mit einer Ergänzungsfrage ohne doch',, ist dabei hilfreich: Wo_ lag doch',, die Akte? vs. Wo lag die Akte?.((3/132) ( a ) ) ohne doch_' ist eine einfache Ergänzungsfrage. Sie bezieht sich auf einen Zeitraum in der Vergangenheit, für den sie den Aufbewahrungsort der Akte erfragt. Das Verbtempus gibt diesen Zeitraum korrekt wieder und bildet so die zur Vollständigkeit der Information notwendige temporale Komponente. ((3/132) ( a ) ) mit doch' weicht nicht nur durch die Hinzufügung der Modalpartikel, sondern auch durch die Funktion des Verbtempus von der einfachen Ergänzungsfrage ab. In ihr wird der Aufbewahrungsort der Akte gegenwärtig gesucht. Das Verbtempus bewirkt jedoch, daß er für die Vergangenheit erfragt wird. Es gibt also nicht den relevanten Zeitraum wieder und hat demnach in dieser Ergänzungsfrage nicht seine gewöhnliche Rolle einer zur Vollständigkeit der Information notwendigen temporalen Komponente inne. Die Funktion des Verbtempus besteht in ((3/132) ( a ) ) mit doch' ? also offensichtlich darin, den Zeitraum, auf den sich die Frage bezieht, zurückzuverlegen, wobei allerdings kein Zweifel daran entsteht, das die Suche nach dem Aufbewahrungsort der Akte gegenwärtig erfolgt. Die Funktion des Verbtempus in einer Ergänzungsfrage mit doch' ? steht nun offenbar im Zusammenhang mit der Funktion der Modalpartikel in dieser. Durch doch'g werden in ((3/132) ( a ) ) dem Eintreten des in der Frage bezeichneten Ereignisses die beiden Bedeutungskomponenten der Modalpartikel zugeordnet. Eine Zuordnung von Affirmation mittels zweifacher Negation zum Ein von E sowie Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils dieses Ein von E sind jedoch in ((3/132) ( a ) ) insofern sinnlos, als das in der Ergänzungsfrage bezeichnete E unvollständig ist, da in ihm das Substitut für das Fragepronomen noch gesucht wird. Sinnvoll wird die Zuordnung der Bedeutungskomponenten von doch' ? zu ((3/132) (a)) erst dann, wenn man wie in (3.6.2.) annimmt, dag Affirmation und Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein von E ein Vorwissen des Sprechers hinsichtlich aller Komponenten dieses E, also auch hinsichtlich des gesuchten Substituts des Fragepronomens simulieren. Diesem Vorwissen bezüglich E, das in der Vergangenheit bestand, wird dann folgerichtig das Verbtempus Vergangenheit zugeordnet. In ((3/132) ( a ) ) bezieht sich demnach das Verbtempus auf den Zeitraum des Vorwissens, nicht jedoch auf denjenigen Zeitraum, für den der Aufbewahrungsort der Akte erfragt wird. Durch eine solche Auffassung wird

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die für doch' 2 in der Ergänzungsfrage bestehende Vorkommensbedingung erklärbar und gleichzeitig die Funktion der Modalpartikel in einer solchen Frage plausibel Nun trifft es allerdings nicht zu, daß der durch doch',, und Verbtempus in einer Ergänzungsfrage erzielte Effekt auf eine bewußte Täuschung des Hörers hinausläuft. Auch diesem ist das Zusammenspiel von Modalpartikel und Verbtempus in einer solchen Frage als ein Mittel geläufig, durch das eine Kenntnislücke heruntergespielt, nicht jedoch eine rhetorische Frage gestellt wird, in der das gesuchte Substitut in Wahrheit bekannt ist. Das durch einen impliziten Hinweis auf die Existenz eines Vorwissens bewirkte Herunterspielen einer Kenntnislücke, das in einer Ergänzungsfrage mit doch' 2 erfolgt, kann nun angemessen beschrieben werden, wenn man annimmt, daß doch'g unter Mitwirkung des Verbtempus das satzinterne Merkmal [+ potentiell bekannt] signalisiert. Durch dieses Merkmal wird in eine Ergänzungsfrage eine Konstatation bezüglich eines Vorwissens des Sprechers eingebracht. Die vorhandene Fragesemantik nun verwandelt diese Konstruktion in einen Appell an den Hörer, dieses Vorwissen des Sprechers bezüglich einer bestimmten Komponente des in der Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses zu reaktivieren. Hierdurch unterscheidet sich eine Ergänzungsfrage mit doch!j von einer einfachen Ergänzungsfrage und ist zum Gebrauch in einer speziellen Situation geeignet. Die in (3.7.2.) erzielten Untersuchungsergebnisse bilden eine Rechtfertigung sowohl von (H7.2) als auch von (H6.2), da sie die hierin gemachten Angaben bezüglich des Vorkommens und der Funktion der Modalpartikeln dochz0 und —~ doch'„ —*~ z bestätigen. Darüber hinaus ist ein Vergleich der in (3.7.2.) erzielten mit den in (3.7.1.) erhaltenen Resultaten bezüglich der Funktionszuweisung zu doch aufschlußreich: Funktionsvariationen von doch fallen mit VorkommensVariationen, bei denen sich insbesondere das Fehlen, die Anwesenheit oder die Zuordnung des Merkmals [- gewiß] als relevant erweist, zusammen. Daher kann nunmehr als gesichert gelten, daß nicht seine Bedeutung allein, sondern vielmehr eine Kombination seiner konstanten Bedeutung mit seinem variierenden Vorkommen die Funktion von doch determiniert. Eine Konsequenz dieser Erkenntnis ist die Klassifizierung doch,, vs. doch» vs. doch' 0 . Gleichzeitig läßt sich auch die Tatsache ' ™ l "— L. - -- - L. rechtfertigen, daß doch., und doch,,, doch',, getrennt, doch,, und doch'^ aber gemeinsam beschrieben werden: Während doch, durch das relationale Merkmal [+ argumentativ3 die Brauchbarkeit von Sätzen als Relationsglieder in Relationsgefügen herbeiführt oder verbessert, rüsten doch,,£. und —~— doch' / durch die satzinternen 1

l

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Merkmale [+ erwünscht] bzw.[+ potentiell bekannt] bestimmte Sätze für den Gebrauch in speziellen Situationen zu. Schließlich konnte in (3.7.2.) auch noch eine Präzisierung der Begriffe Vorkommensgleichheit und -Verschiedenheit vorgenommen werden: Vorkommensgleichheit ist für doch z.B. dann gegeben, wenn zwei Sätze mit unterschiedlichen Satzmerkmalen das zusätzliche Merkmal [- gewiß] aufweisen, das dem Eintreten/ Nichteintreten des in diesen Sätzen bezeichneten Ereignisses zugeordnet ist. Ist dieses Merkmal in zwei, doch enthaltenden Sätzen dagegen in einem Satz dem Ein/Nichtein von E, im anderen aber z.B. dem gesuchten Substitut des Fragepronomens zugeordnet, so liegt für doch Vorkommensverschiedenheit vor. Vorkommensverschiedenheit ist endlich auch dann gegeben, wenn von zwei, doch enthaltenden Sätzen mit unterschiedlichen Satzmerkmalen einer das zusätzliche Merkmal [- gewiß] aufweist, während es in dem anderen fehlt. Bei den in (D3/10) zusammengestellten Sätzen besteht für doch also im Aussagesatz, im Wunschsatz, in der V2-Frage und im Imperativsatz Vorkommensgleichheit. Vorkommensverschiedenheit dagegen liegt für doch in der Ergänzungsfrage einmal und dem Aussagesatz, Wunschsatz, der V2-Frage und dem Imperativsatz zum anderen vor.

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(D3/10) Satz und Charakteristik des Satzes ohne doch« / doch' 0

Bedeutung von doch«/ doch '2

Funktion von dochg / dooh ' ,, (signalisiertes Merkmal )

Aussagesatz;

Affirmation durch Sprecherinterzweifache Negation; vention; Vorhergesagtes Spuren eines Wider- [+ erwünscht] Ein/Nichtein von E spruchs bezüglich [- gewiß] zum Gegenteil des Ein/ Ein/Nichtein E Nichtein von E Wunschsatz;

Affirm. (2 Neg)

Hypothetisches Spuren WiderEin/Nichtein von E spruch i[- gewiß] zum Ein/Nichtein E Imperativsatz;

Affirm. (2 Neg)

Gefordertes Spuren Wider(Erwünschtes) spruch Ein/Nichtein von E [- gewiß} zum Ein/Nichtein E V2-Fragej

Affirm. (2 Neg)

Erfragtes Spuren WiderEin/Nichtein von E spruch [- gewiß] zum Ein/Nichtein E Ergänzungs frage ;

Affirm. (2 Neg)

Erfragte Komponente von E [- gewiß] zum Subs ti tu t des Fragepronomens

Spuren Widerspruch

Sprecherinterv . [+ erwünscht ]

Sprecherinterv. [+ erwünscht]

Sprecherinterv. £· erwünscht ]

Sprecherinterv . [V potentiell bekannt]

Relation

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3.7.3.

Vorkommen von ja (H7.3)

Das Vorkommen der Modalpartikel ja_ ist auf den Aussagesatz und einige Nebensätze beschränkt. Diese Nebensätze werden durch bestimmte daB-Sätze und Kausalsätze gebildet. 3.7.3.1. ja_ im Aussagesatz Für ja_ und doch, im Aussagesatz besteht Vorkommensgleichheit: In beiden Fällen trägt der Aussagesatz das Merkmal [+ konstatativ], während das Merkmal [- gewiß] fehlt. Da die beiden Modalpartikeln darüber hinaus Bedeutungsähnlichkeit bei unterschiedlicher Form aufweisen, folgt für sie gemäß (K1) Funktionsähnlichkeit. Aus der Funktionsähnlichkeit von j£ und doch., läßt sich gleichzeitig Funktionsverschiedenheit für j£ einerseits und doch-, jdoch'_ andererseits ableiten, da eine solche Funktionsverschiedenheit für doch., einmal und doch,,, doch'- zum anderen in (3.7.2.) nachgewiesen werden konnte. Für eine Funktionsähnlichkeit beim Vorkommen von j£ und doch., im Aussagesatz sprechen auch gewisse empirisch konstatierbare Tatsachen, die anhand von Beispielen erläutert werden sollen. (3/134) (a) Peter sollte nicht aufgeben. (b) Mit dem größten Teil seiner Konkurrenten ist er ja_ fertig geworden. (3/135) (a) Peter sollte nicht aufgeben. ? (b) Mit dem größten Teil seiner Konkurrenten wird er 'ja fertig werden. (3/136) (a) Inge ist unbelehrbar. (b) Das hast du ja gesehen. (3/137) (a) Inge ist unbelehrbar. •7 (b) Das wirst du 'ja sehen. In (3/134) und (3/135) ist (b) Relationsglied in einem Relationsgefüge, in dem die Relation Begründung, in (3/136) und (3/137) ist (b) Relationsglied in einem Relationsgefüge, in dem die Relation Beweis angestrebt wird. Nun kann wie bereits im Falle von doch, ein Test vorgenommen werden, bei dem z.B. in (3/134) (b) durch einen Nebensatz mit weil substituiert wird: Peter sollte nicht aufgeben. Mit dem größten Teil seiner Konkurrenten ist er ja fertig geworden / weil er mit dem größten Teil seiner Konkurrenten fertig geworden ist. Bei Sub-

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stitution von (b) durch einen Nebensatz mit weil tritt in dem hier betrachteten Relationsgefüge keine nennenswerte Bedeutungsänderung ein; der Hauptsatz mit ja_ und der Nebensatz mit weil sind bedeutungsähnlich. Da sich der Hauptsatz mit ja und der Nebensatz mit weil aber im wesentlichen nur durch die Modalpartikel und die Konjunktion unterscheiden, ist die Schlußfolgerung berechtigt, daß sie in diesen Sätzen eine ähnliche Funktion innehaben. Eine weitere Ähnlichkeit von Modalpartikel und kausaler Konjunktion läßt sich konstatieren, wenn man ihre auch für doch., geltende Vorkommensbedingung vergleicht. Enthält (b) in den Beispielen (3/134) bis (3/137) eine Vorhersage, besteht also in ihm ein Mangel an Gewißheit bezüglich des (erwünschten) Eintretens des bezeichneten Ereignisses, so ist darin das Vorkommen von ja_ problematisch, wie ((3/135)(b)) und ((3/137) (b)) zeigen. Eine solche Vorkommensbedingung besteht aber auch für weil und damit für den gesamten Nebensatz, wenn man z.B. ((3/135) ( b ) ) in einen solchen verwandelt (wobei allerdings von einer speziellen Intonation abgesehen wird): 9 Peter sollte nicht aufgeben, 'weil er mit dem größten Teil seiner Konkurrenten fertig werden wird. Die Funktion von weil besteht nun darin, einen Satz als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge zu kennzeichnen. Die zwischen der Konjunktion und j£ konstatierte Ähnlichkeit läßt aber den Schluß zu, daß auch die Modalpartikel in ((3/134) ( b ) ) , also in einem Aussagesatz, eine solche Funktion innehaben kann, darin also doch., gleicht. Ein vergleichbarer Nachweis läßt sich für den durch ja_ gemäß (H6.3) vermittelten Hinweis auf die Relation Beweisnicht erbringen, da hier keine entsprechende Konjunktion zur Verfügung steht. Ein Argument dafür, daß der hier zuständige Teil von (H6.3) ebenfalls gültig ist, kann aber in der Tatsache gesehen werden, daß ein als beweisendes Relationsglied gekennzeichneter Satz viel von seiner Beweiskraft verliert, wenn er eine Vorhersage enthält. Die Kennzeichnung einer solchen Vorhersage als beweisendes Relationsglied wäre dann aber problematisch und das Absinken der Akzeptabilität eines kennzeichnenden Elementes wie j£ in ((3/137) ( b ) ) ist demnach nur folgerichtig. Die Funktion von j£ im Aussagesatz besteht also normalerweise darin, einen solchen Satz als begründendes bzw. beweisendes Relationsglied in entsprechenden Relationsgefügen zu kennzeichnen. In diesem Zusammenhang lassen sich vier Gruppen von Relationsgefügen unterscheiden:

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Implizite Begründung (1) Das zu begründende Relationsglied wird durch eine Sprecheremotion gebildet (Erleichterung, Erstaunen, Freude des Sprechers, usw.). Dieses Relationsglied ist sprachlich meist nicht realisiert. Die Relation Begründung zwischen dem begründenden Relationsglied mit ja_ und der zu begründenden Emotion ist also nur implizit gegeben. (3/138) (Erstaunen, denn) Es schneit ja. In diesem Zusammenhang laß t sich ein partieller Funktionsunterschied von doch., und jjj im Aussagesatz konstatieren. Offensichtlich weist das Merkmal [+ argumentativ] in einer entsprechenden Situation einen solchen Satz nur dann als implizite Begründung einer Sprecheremotion aus, wenn es durch ja signalisiert wird. Wird es in einer solchen Situation durch doch., signalisiert, so kennzeichnet es den Aussagesatz als widersprechendes Relationsglied in einem Relationsgefüge mit der Relation Widerspruch.' (3/139) Sprecher 1: Ich warte auf Hans. Sprecher 2: (Erleichterung, Freude, denn) •p Da kommt er ja. / ' doch,.. In (3/139) ist die Situation so beschaffen, daß sich für Sprecher 2 der Gebrauch seines Aussagesatzesais implizite Begründung seiner Emotion anbietet. Für die Benutzung dieses Satzes als widersprechendes Relationsglied dagegen besteht offenbar kein besonderer Anlaß. Folgerichtig ist in (3/139) die Hinzufügung von ja_ unproblematisch, die von doch., dagegen nicht. (3/140) Sprecher 1: Ich glaube nicht, daß Hans noch kommt. Sprecher 2: (Erleichterung, Freude, denn) Da kommt er ja. / Da kommt er doch, (entgegen deiner Vorhersage). In (3/140) gibt es für Sprecher 2 Gründe, seinen Aussagesatz sowohl als implizite Begründung seiner Emotion, als auch als widersprechendes Relationsglied zu gebrauchen. Hier ist sowohl die Hinzufügung von ja_ als auch die von doch., unproblematisch. Implizite Begründung (2) Das zu begründende Relationsglied läßt sich leicht aus dem begründenden Relationsglied mit ja_ ableiten. Das zu begründende Relationsglied ist sprach-

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lieh meist nicht realisiert. Die Relation Begründung zwischen den beiden Relationsgliedern ist also nur implizit gegeben. (3/141) (Ich brauche es dir nicht zu sagen, denn) Du weist es ja_ selbst. (3/142) (Wir müssen es hinnehmen, denn) Ich kann ja_ nichts dran ändein. In (3/141) und (3/142) ist ja_ durch doch1 substituierbär. Das Merkmal [+ argumentativ] kann also sowohl durch doch, als auch durch ja signalisiert werden, wenn es einen Aussagesatz als implizite Begründung eines zu begründenden Relationsglieds kennzeichnen soll, das leicht aus ihm abzuleiten ist. Explizite Begründung Das zu begründende Relationsglied ist sprachlich realisiert. Die Relation Begründung zwischen dem begründenden Relationsglied mit ja_ und dem zu begründenden Relationsglied ist explizit gegeben. (3/143) Hans hat das Examen nicht bestanden; der hat ja_ kein Gedächtnis. In (3/143) ist ja_ durch doch,, substituierbar. In diesem Zusammenhang soll noch auf bestimmte Relationsgefüge hingewiesen werden, in denen das zu begründende Relationsglied eine Beschwichtigung bildet und meist sprachlich realisiert ist: (3/144) Beruhige dich doch«. Es wird ja schon werdän. In (3/144) enthält das begründende Relationsglied mit ja_ eine Vorhersage, in der dem Eintreten des in ihr bezeichneten Ereignisses das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet ist und folglich ein Mangel an Gewißheit bezüglich dieses Eintretens offenkundig ist. Damit verstößt dieser Aussagesatz aber gegen die normalerweise für ja_ bestehende Vorkommensbedingurig. Dennoch ist

die

Hinzufügung von ja zu diesem Satz unproblematisch und kennzeichnet ihn als begründendes Relationsglied. Eine Erklärung für diesen Tatbestand erhält man, wenn man annimmt, daß die in (3/144) enthaltene Modalpartikel schon gemäß (H6.4) im begründenden Relationsglied des Gefüges einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein von E bewirkt. Damit wäre die Vorkommensbedingung für ja_ erfüllt. Für eine Hinzufügung von ja scheint hier jedoch noch eine Zusatzbedingung zu bestehen: ja kann einen die Modalpartikel

103

schon enthaltenden Satz nur dann als begründendes Relationsglied ausweisen, wenn das zu begründende Relationsglied eine Beschwichtigung enthält. In diesem Zusammenhang wird ein weiterer partieller Funktionsunterschied zwischen doch., und ja_ erkennbar: ja_ kann in (3/144) nicht durch doch., substituiert werden. Expliziter Beweis Das beweisende Relationsglied mit ja^ drückt meist eine Erfahrung oder eine Wahrnehmung aus. Das zu beweisende Relationsglied ist sprachlich realisiert. Die Relation Beweis zwischen beweisendem und zu beweisendem Relationsglied ist explizit gegeben. (3/145) Du weißt ja, daß bei Hans die Liebe durch den Magen geht. In (3/145) ist j£ durch doch,, substituierbar. Die hier angestellten Beobachtungen und Überlegungen bilden-eine Bestätigung der in (H6.3) gemachten Feststellungen bezüglich der Funktion der Modalpartikel ja. Darüber hinaus zeigen sie, daß nicht nur Vorkommensgleichheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit der affirmativen Partikeln zu Funktionsgleichheit führt, sondern daß, wie im Falle von doch., und ja im Aussagesatz, auch weitgehende Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsähnlichkeit, aber unterschiedlicher Form Funktionsähnlichkeit ergibt. Dies wurde bereits in (K1) festgestellt. Die Tatsache, daß ja eine ähnliche Funktion wie doch hat, wenn es diesem in Vorkommen und Bedeutung ähnelt oder gleicht, spricht dafür, daß auch für die Modalpartikel ja eine Kombination ihres Vorkommens mit ihrer Bedeutung ihre Funktion im Aussagesatz determiniert. 3.7.3.2. j£ im daß-Satz Für ja im Aussagesatz und im daß-Satz besteht insofern Vorkommensgleichheit, als diese Sätze durch das Merkmal [+ konstatativ] und das Fehlen des Merkmals ,[- gewiß] gekennzeichnet sind, wenn sie die Modalpartikel enthalten. Darüber hinaus liegt für ja_ in den beiden Sätzen Bedeutungs- und Formgleichheit vor, woraus sich gemäß ( K 1 ) Funktionsgleichheit ergibt. Bei ja_ und doch., im daß-Satz kann aufgrund des Vorhandenseins von [+ konstatativ] und des Fehlens von [- gewiß] ebenfalls von Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsähnlichkeit aber unterschiedlicher Form gesprochen werden, woraus wieder gemäß (K1) Funktionsähnlichkeit folgt. Eine Indentifizierung der Funktion von ja im daß-Satz kann aber auch

104 aufgrund bestimmter Beobachtungen und Überlegungen durchgeführt werdön. Dabei ist allerdings für ja_ in einer Konstruktion mit daß-Satz die Substituierbarkeit durch weil kein Mittel zur Identifizierung der Funktion der Modalpartikel: Wie (D3/6) und (D3/7) in (3.7.1.2.) zeigen, entspricht ein einen daB-Satz mit affirmativer

Modalpartikel enthaltendes Relationsgefüge nicht vollständig einem Ge-

füge, das einen daß-Satz mit weil enthält. Die Identifizierung der Funktion kann also nur durch eine Analyse des Kontextes, in dem ein daß-Satz mit ja_ gebraucht wird, sowie über die für ja_ bereits im Aussagesatz konstatierte Vorkommensbedingung versucht werden, die für die Modalpartikel auch im dag-Satz gilt. (3/146) (a) Ich suche nicht weiter. (b) Mir fällt gerade ein, daß Hans die Krawattennadel ja_ gefunden hat. (3/147) (a) Ich suche nicht weiter. 7

(b) Mir fällt gerade ein, daß Hans die Krawattennadel 'ja finden wird. (3/148) (a) Ich dachte gerade daran, daß du ja_ gesehen hast, (b) daß Inge auf niemand Rücksicht nimmt. 7

(3/149) (a) Ich dachte gerade daran, daß du 'ja sehen wirst, (b) daß Inge auf niemand Rücksicht nimmt. Die Beispiele (3/146) und (3/147) sind auch ohne ja_ prinzipiell als kausale Relationsgefüge angelegt. Wie durch weil als begründende Relationsglieder eindeutig gekennzeichnete Sätze zeigen, nimmt nun die Akzeptabilität solcher Sätze immer dann ab, wenn sie eine Vorhersage enthalten, in der darüber hinaus das Eintreten/Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses das Merkmal {+ erwünscht] trägt. Offenbar eignen sich Konstatationen mehr zur Realisierung eines kausalen Relationsgefüges als Vorhersagen. Eine Kennzeichnung des eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthaltenden daß-Satzes in ((3/147) ( b ) ) durch ja führt nun ebenfalls zum Absinken der Akzeptabilität dieses Satzes. Dieses Absinken der Akzeptabilität ist jedoch erklärlich, wenn man annimmt, daß ja, ähnlich wie weil den Kausalsatz, den daß-Satz in ((3/147) ( b ) ) als begründendes Relationsglied kennzeichnet. Genau diese Funktion aber wird ja_ in (H6.3) u.a. zugeschrieben. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß j£ im Gegensatz zu weil diese Funktion als Ausdruck einer Sprecherintervention ausübt.

105

Aufgrund der hier angestellten Überlegungen läßt sich nun auch für die zweite Funktion, die ja_ im daß-Satz gemäß (H6.3) innehat, argumentieren. Es ist intuitiv einleuchtend, daß ein als beweisendes Relationsglied benutzter daß-Satz diese Funktion nur dann angemessen erfüllen kann, wenn er eine Konstatation enthält. Demnach müßte die Akzeptabilität eines solchen Satzes absinken, wenn er eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthält und dennoch durch j£ als beweisendes Relationsglied gekennzeichnet wird. Dies ist, wie ((3/149) ( a ) ) zeigt, auch der Fall. In den hier untersuchten daß-Sätzen besteht also die Funktion von j£ offensichtlich ebenfalls darin, diese Sätze als begründende bzw. beweisende Relationsglieder in entsprechenden Relationsgefügen zu kennzeichnen. Dabei lassen sich wie im Falle des Aussagesatzes vier Gruppen von Relationsgefügen unterscheiden. (3/150) (Beunruhigung, Erschrecken, denn) Mir fällt gerade ein, daß Hans ja_ längst hier sein müßte. (3/151) (Ich brauche es dir nicht zu sagen, denn) Da fällt mir ein, daß du es jia selbst weißt. (3/152) Ihr solltet nett zu Egon sein. (Denn) Ich dachte gerade daran, daß er in letzter Zeit ja_ viel durchgemacht hat. (3/153) Wegen Mutter brauchst du dich nicht zu beunruhigen. (Denn) Mir fällt gerade ein, daß Hans ja_ schon für sie sorgen wird. (3/154) Ich dachte gerade daran,, daß du J£ wußtest, daß Alkohol am Steuer gefährlich ist. In (3/150) liegt implizite Begründung (1), in (3/151) implizite Begründung ( 2 ) , in (3/152) und (3/153) explizite Begründung und in (3/154) expliziter Beweis vor. In diesen Relationsgefügen bildet der jeweilige daß-Satz mit ja^ das begründende bzw. beweisende Relationsglied. Dagegen bildet der den daß-Sätzen zugeordnete Hauptsatz kein Relationsglied, sondern lediglich eine Einleitung des Eintretens des im jeweiligen daß-Satz bezeichneten Ereignisses. Seine Existenz in den hier untersuchten Relationsgefügen stellt allerdings eine weitere Vorkommensbedingung für jji in einem da -Satz dar: Bildet der Hauptsatz (HS) keine Einleitung, sondern eine Bewertung des Ein/Nichtein von E im daß-

106

Satz ( N S ) , so ist ein Vorkommen von ja in letzterem problematisch. (3/155) Egon kann die Rolle nicht spielen. ? Es ist eine Tatsache, daß er 'ja stottert. In (3/155) wird analog zu (D3/6) (sieht (3.7.1.2.)) die relationale Abfolge HS bewertet NS; bewertetes NS begründet E unterstellt. Wie jedoch in (3.7.1.2.) gezeigt wurde, ist bei Bewertung eine solche Abfolge im Deutschen unzulässig und daher das Vorkommen von j£ im daß-Satz wenig akzeptabel. Der Sprecher besitzt lediglich die Wahl zwischen HS leitet NS ein; eingeleitetes NS begründet E (siehe (D3/6)) oder HS bewertet NS; HS und bewertetes NS begründen E (siehe (D3/8)). (D3/6) liegt in den Beispielen (3/146) und (3/152) vor. (D3/8) kann in (3/155) etabliert werden, wenn z.B. ja_ nicht mehr in NS, sondern in HS vorkommt (zuzüglich einer speziellen Intonation): Egon kann die Rolle nicht spielen. Es ist ja eine Tatsache, daß er stottert. 3.7.3.3. j£ im Kausalsatz Aufgrund von Vorkommensgleichheit - beide Sätze tragen das Merkmal [+ konstatativ] bei Fehlen des Merkmals [- gewiß]- und Bedeutungsähnlichkeit, wenn auch unterschiedlicher Form, läßt sich bei einem Vorkommen von ja und doch., im Kausalsatz gemäß ( K 1 ) Funktionsähnlichkeit dieser Partikeln vorhersagen. Rein empirisch kann die Identifizierung der Funktion von ja_ im Kausalsatz allerdings nicht erfolgen: Eine hinreichende Kennzeichnung eines Nebensatzes als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge erfolgt durch die für einen solchen Satz konstitutiven kausalen Konjunktionen da, weil oder zumal. Eine Tilgung von ja, dessen Vorkommen in solchen Sätzen möglich ist, kann dagegen zeigen, daß die Modalpartikel für diese Kennzeichnung prinzipiell nicht erforderlich ist. (3/156) (a) Hans geht nicht in Ausstellungen, (b) da er ja_ nichts von Kunst versteht. (3/157) (a) Inge hat (deshalb) viel Arger, (b) weil sie ja_ immer übertreibt. (3/158) (a) Peter nimmt an einer Safari in Afrika teil, (b) zumal Geld für ihn ja keine Rolle spielt. Das Vorkommen von ja in einem dieser kausalen Nebensätze gibt also prinzipiell noch keinen Hinweis auf die Funktion der Modalpartikel in diesem. Darüber hinaus

107

erweist sich auch die für J£ im Aussage- und daß-Satz konstatierte Vorkommensbedingung als unergiebig: Da die Akzeptabilität eines kausalen Nebensatzes absinkt, wenn er eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthält, kann nicht geprüft werden, ob eine Hinzufügung der Modalpartikel die Akzeptabilität dieses Satzes verschlechtert. Wie bereits für ~doch„ im Kausalsatz, so müssen ~ r ~~ ~ ~ l also auch hier bestimmte Überlegungen an den Anfang einer Identifizierung der Funktion von ja_ im Kausalsatz gestellt werden. Da das gemeinsame Vorkommen von j£ und kausaler Konjunktion in den hier untersuchten Nebensätzen nicht zu Redundanz führt, können diese beiden sprachlichen Elemente in diesen Sätzen keine völlig identischen Funktionen innehaben. Besteht grundsätzlich aber ein Unterschied zwischen der Funktion von ja_ und derjenigen der kausalen Konjunktion, so können sich daraus Hinweise auf die Funktion der Modalpartikel im kausalen Nebensatz und damit Anhaltspunkte für eine Rechtfertigung von (H6.3) ergeben. Ein Unterschied läßt sich in der Tat konstatieren, wenn man gemäß (H6.3) davon ausgeht, dag ja den sprachlichen Ausdruck einer Sprecherintervention bildet, durch die einer Basisinformation ein Appell hinzugefügt wird, diese z.B. als Begründung aufzufassen. Dieser Sprecherintervention liegt aber grundsätzlich eine gewisse Überzeugung des Sprechers zugrunde, die für die kausalen Konjunktionen nicht nachweisbar ist. Aus diesem Grunde besteht nun die Möglichkeit, die Funktion der kausalen Konjunktion in einem Nebensatz durch die Funktion der Modalpartikel zu ergänzen, ohne daß Überschneidungen und damit Redundanz entstehen: da, weil und zumal kennzeichnen einen Nebensatz als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge. j£ als Ausdruck einer Sprecherintervention dagegen fügt einem solchen Nebensatz einen Appell hinzu, diesen als Begründung aufzufassen und rechtfertigt dabei die durch die kausale Konjunktion erfolgte Kennzeichnung des Nebensatzes durch einen Hinweis auf die Überzeugung des Sprechers. Damit aber liefert ja in einem solchen Satz eine subjektive Rechtfertigung seiner durch eine kausale Konjunktion erfolgten Kennzeichnung als begründendes Relationsglied. Diese Überlegungen bilden eine hinreichende Erklärung für die Tatsache, daß trotz gemeinsamen Vorkommens einer kausalen Konjunktion und der Modalpartikel in den hier betrachteten Nebensätzen keine Redundanz entsteht. Neben dem konstatierbaren Fehlen von Redundanz gibt es zwei weitere, empirische Argumente für die Gültigkeit von (H6.3) beim Vorkommen von j£ im kausalen Nebensatz. Einmal handelt es sich um eine Vorkommensbedingung: Enthält ein

108 durch weil eingeleiteter Nebensatz keine einleuchtende Begründung des Eintretens des im Hauptsatz bezeichneten Ereignisses, so ist eine Hinzufügung von ja zu einem solchen Nebensatz problematisch. (3/159) (a) Otto meidet den Alkohol, 7 (b) weil er 'ja überängstlich

ist.

(3/160) (a) Otto meidet den Alkohol, (b) weil er ihn ja_ nicht verträgt. Die Vorkommensbedingung von ja im kausalen Nebensatz kann aufgrund der weiter oben angestellten Überlegungen erklärt werden: Das Fehlen einer einleuchtenden Begründung im Nebensatz erschwert es dem Sprecher, die durch die Konjunktion erfolgte Kennzeichnung des Satzes als begründendes Relationsglied subjektiv zu rechtfertigen. Das zweite Argument für die Gültikeit von (H6.3) läßt sich aufgrund der folgenden Beobachtung gewinnen: Die kausalen Konjunktionen, so z.B. weil vs. zumal, signalisieren Feinunterschiede bei der Relation Begründung. j£ dagegen kann sowohl einem Nebensatz mit weil als auch einem solchen mit zumal hinzugefügt werden, was die Vermutung nahelegt, daß die Modalpartikel in diesen Kausalsätzen immer die gleiche Funktion innehat. Diese Vermutung erweist sich als zutreffend, wenn man annimmt, daß die Funktion von ja_ darin besteht, die durch die kausale Konjunktion erfolgte Kennzeichnung eines Nebensatzes subjektiv zu rechtfertigen. Dann hätte die Modalpartikel in der Tat in einem kausalen Nebensatz immer ein und dieselbe Funktion, gleichgültig, ob dieser durch da, weil oder zumal eingeleitet wird. Insgesamt bilden die hier angestellten Beobachtungen und Überlegungen eine Rechtfertigung eines Teils von (H6.3). Darüber hinaus zeigt sich aber auch, daß j£ in einem kausalen Relationsgefüge lediglich eine Auxiliarfunktion innehat. Die Modalpartikel kennzeichnet mittels des Merkmals [+ argumentativ] nur dann einen Satz als begründendes Relationsglied, wenn eine kausale Konjunktion fehlt. Ist die Konjunktion dagegen vorhanden, so bringt ja_ lediglich die Überzeugung des Sprechers bezüglich der durch die Konjunktion erfolgten Kennzeichnung des betreffenden Relationsglieds zur Geltung. Es erhebt sich daher die Frage, ob die generellere Funktion von ja_ oder auch 'doch., nicht darin besteht, eine Sprecherintervention anzuzeigen. Die Untersuchungsergebnisse von (3.7.3.) bestätigen die in (H7.3) und (H6.3) enthaltenen Aussagen bezüglich Vorkommen und Funktion der Modalpartikel ja. Darüber hinaus wird der Mechanismus der Funktionszuweisung zu ja durchschaubar:

109

Werden doch oder ja einem Satz bzw. Relationsgefüge zugeordnet, in dem sowohl die eine als auch die andere Modalpartikel vorkommen kann, so besitzen sie in diesem trotz Formverschiedenheit und nicht-identischer, wenn auch ähnlicher, affirmativer Bedeutung praktisch eine identische Funktion. Hieraus kann aber gefolgert werden, daß offenbar auch für ja erst eine Kombination seiner affirmativen Bedeutung mit seinem Vorkommen seine Funktion determiniert. Da in ihnen für j£ Vorkommensgleichheit besteht, besitzt also die Modalpartikel in den in (D3/11) noch einmal zusammengestellten

Sätzen die gleiche oder weitgehend

gleiche Funktion. (D3/11) Satz und

Bedeutung

Funktion von

Charakteristik

von ja

ja_ (signalisiertes

des Satzes

Relation

Merkmal)

ohne ja_ Aussagesatz; Konstatiertes Ein/Nichtein von E

satzmerkmal-

Sprecherinter-

spezifische

vention;

Affirmation

[+ argumentativ ]

satzmerkmal-

Sprecherinterv.

Begründung Beweis

(Fehlen [- gewiß]) daß-Satz; Nicht bewertetes

spez. Affirm.

Begründung Beweis

[+ argumentativ]

Konstatiertes Ein/Nichtein von E (Fehlen [- gewiß])

Kausalsätze; Begründendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E (Fehlen [- gewiß] )

satzmerkmalspez. Affirm.

Sprecherinterv. ( [+ argumentativ] )

Begründung

110

3.7.4.

Vorkommen von schon (H7.4)

Die Modalpartikel schon kann in nich,t-abhängigen Sätzen und Nebensätzen vorkommen. Als nichtabhängige Sätze mit schon kommen der Aussagesatz und bestimmte Ergänzungsfragen (rhetorische Fragen) in Betracht. Als Nebensätze mit schon sind einige daß-Sätze, Kausalsätze, Konsekutivsätze, Konzessivsätze und einige durch wobei oder wenn eingeleitete Sätze anzuführen. 3.7.4.1. schon im Aussagesatz Ein Vorkommen von schon im Aussagesatz ist u.a. an das Vorhandensein der Merkmale [+ vorhergesagt] und [-gewiß] in diesem gebunden. Dagegen muß ein Aussagesatz, dem doch,, oder ja_ zugeordnet werden sollen, das Merkmal [+ konstatativ] tragen, während das Merkmal [- gewiß] fehlt. Für schon einmal und doch_1, ja zum anderen besteht also bei ihrer Hinzufügung zum Aussagesatz Vorkommensverschiedenheit. Da schon und doch., j£ darüber hinaus durch Bedeutungs- und Formverschiedenheit gekennzeichnet sind, ist für sie im Aussagesatz gemäß (K5) Funktionsverschiedenheit gegeben. Bei einem Vorkommen von schon und dochp im Aussagesatz liegt insofern Vorkommensgleichheit vor, als ein solcher Satz die Merkmale [+ vorhergesagt] und [- gewiß] enthält. Da für diese beiden Partikeln jedoch Bedeutungs- und Formverschiedenheit bestehen, sind sie im Aussagesatz gemäß ( K 2 ) durch Funktionsverschiedenheit gekennzeichnet. Demnach unterscheidet sich also die Funktion von schon im Aussagesatz von der von doch.,, doch„ oder • · —· —- ™- | ———^ ja in einem solchen Satz. Eine Identifizierung der Funktion von schon im Aussagesatz, die die aufgrund von ( K 2 ) und (K5) gewonnenen Aussagen rechtfertigt, wurde mit Hilfe der Vorkommensbedingungen für die Modalpartikel in diesem Satz in (3.6.4.) vorgenommen und soll daher hier nicht weiter behandelt werden. Dagegen erscheint es zweckmäßig, zu prüfen, ob die schon zugeschriebenen Vorkommensbedingungen empirisch nachweisbar sind. Diese Vorkommensbedingungen lauten: (Vb1)

Die Modalpartikel schon kann einem Aussagesatz zugeordnet werden, wenn bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in diesem bezeichneten Ereignisses ein Mangel an Gewißheit, konkretisierbar durch das Merkmal [- gewiß], besteht. Dies ist einmal der Fall, wenn der Aussagesatz eine Vorhersage des Ein/Nichtein von E enthält, was zutrifft, wenn er sich auf die Zukunft bezieht. Zum anderen ist dies der Fall, wenn ein solcher Satz die Vorhersage einer Bestätigung des Ein/Nichtein von E ausdrückt, so wenn er sich auf Gegenwart oder Vergangenheit bezieht;

111

(Vb2)

schon kann einem Aussagesatz meist nur dann hinzugefügt werden, wenn in diesem dem Ein/Nichtein von E das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet

ist. Die Gültigkeit von (Vb1) läßt sich wie folgt nachweisen: Enthält ein Aussagesatz eine Konstatation, in der natürlich kein Mangel an Gewißheit besteht, und kommt in ihm schon vor, so handelt es sich bei diesem Element nicht um die Modalpartikel, sondern um ein durch bereits substituierbares schon, also um schon C= bereits). (3/161) Du bist ( ( a ) ja) ( ( b ) schon)aufgestanden. (3/161) ohne (a) und (b) bildet fraglos eine Konstatation und keine Vorhersage einer Bestätigung des Ein von E. Das Vorkommen von (a) in (3/161) bestätigt diese Einschätzung: j£ kann im allgemeinen einer Basisinformation nur dann zugeordnet werden, wenn diese eine Konstatation enthält. Dies t r i f f t insbesondere für den Fall impliziter Begründung (1) zu, der in (3/161) gegeben ist.

Wie sich

nun zeigt, ist eine Hinzufügung von (b) zu der Konstatation in (3/161) unproblematisch. Dies gilt allerdings nur für ein durch bereits substituierbares schon, das gemäß (H2) nicht mit der Modalpartikel verwechselt werden darf, schon (

bereits) signalisiert keinen Abbau eines Mangels an Gewißheit, sondern macht

eine Angabe darüber, daß das konstatierte Eintreten von E in (3/161) früher erfolgt als erwartet. Dagegen erweist sich eine Hinzufügung der Modalpartikel zu 9

7

(3/161) als nicht akzeptabel: Du bist ja 'schon (X bereits) aufgestanden ( , ' d a s wirst du sehen). Hiermit kann aber (Vb1) als erwiesen gelten. Aufgrund einer Vorkommensbedingung für schon C= bereits) kann nun auch ermittelt werden, wann in einem auf die Vergangenheit bezogenen Aussagesatz ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E besteht und daher eine Hinzufügung der Modalpartikel schon sinnvoll ist.

schon ("= bereits) kann einem

Aussagesatz nur dann hinzugefügt werden, wenn in diesem Nichtkontinuität des Ein/Nichtein von E herrscht. Nichtkontinuität ist z.B. dann gegeben, wenn in einem solchen Satz einer Periode des Nichteintretens das Eintreten des bezeichneten E folgt. Enthält ein Aussagesatz Elemente wie nicht mehr oder wieder, so ist in ihm Nichtkontinuität gewährleistet. Enthält er dagegen die Satzverneinung Neg oder Elemente wie noch immer, so entsteht in ihm Kontinuität, die mit schon (= bereits) nicht verträglich ist.

Herrscht also in einem auf die Vergan-

genheit bezogenen Aussagesatz Kontinuität des Ein/Nichtein von E und ist

in

112

einem solchen Satz das Vorkommen von schon unproblematisch, so besteht in diesem Satz ein Mangel an Gewißheit (bezüglich einer vorhergesagten Bestätigung des Ein/Nichtein von E), der durch die Modalpartikel schon abgebaut wird. (3/162) Inge hat den Likör schon (/ bereits) nicht ausgetrunken. Besteht in einem Aussagesatz mit schon dagegen Nichtkontinuität des Ein/Nich,tein von E, so kann nur aufgrund von Intonation und Kontext entschieden werden, ob in diesem Satz ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E herrscht oder nicht und die Modalpartikel oder schon C= bereits) vorliegt. Umgekehrt bildet die einen Abbau des Mangels an Gewißheit signalisierende Modalpartikel in diesem Fall für den Hörer einen Hinweis auf das ursprüngliche Vorhandensein eines solchen Mangels in dem betreffenden Satz. Die Gültigkeit von (Vb2) wurde bereits in (3.6.4.) empirisch belegt. In der Tat ist in einem Aussagesatz, der nicht das Merkmal [+ erwünscht] enthält, ein Vorkommen der Modalpartikel meist problematisch. (3/163) (a) Du wirst das Examen schon bestehen. 7 (b) Du wirst das Examen 'schon nicht bestehen. Es konnte also gezeigt werden, daß das Vorkommen der Modalpartikel schon im Aussagesatz den Vorkommensbedingungen (Vb1) und (Vb2) unterliegt. Sind nun in einem solchen Satz diese Vorkommensbedingungen erfüllt, so liegt in ihm eine Koinzidenz der Merkmale ;[- gewiß] und [+ erwünscht] vor. Eine solche Koinzidenz besteht indessen auch im Wunschsatz. Im Wunschsatz jedoch ist ein Vorkommen der Modalpartikel (im Gegensatz zu dem von schon (=" bereits)) ausgeschlossen. Daraus folgt aber, daß eine Koinzidenz von [- gewiß] und [+ erwünscht] allein noch kein hinreichendes Kriterium für die Möglichkeit eines Vorkommens der Modalpartikel in einem Satz bildet, und daß eine weitere Präzisierung erforderlich ist. Der Unterschied zwischen einem Wunschsatz und dem hier betrachteten Aussagesatz ist nun u.a. darin zu suchen, daß ersterer eine Hypothese, letzterer dagegen eine Vorhersage enthält. Anders als mit der aus ihrem gewohnten konditionalen Kontext gerissenen Hypothese geht der Sprecher aber mit seiner Vorhersage ein gewisses Engagement bezüglich der Wahrscheinlichkeit des e,rwünschten Ein/Nichtein von E in dieser ein. Diesem Engagement bezüglich der Wahrscheinlichkeit widerspricht jedoch der einer Vorhersage eigene Status und begründet damit den Mangel an Gewißheit in dem betreffenden Satz. Vorkommensbedingung für die Modalpartikel schon im Aussagesatz ist demnach eine Koinzidenz

113

von [+ erwünscht] und des durch eine Vorhersage begründeten Merkmals [- gewiß]. Die Erklärung der Funktion der Partikel ergibt sich aus der präzisierten Vorkommensbedingung: Einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E im Aussagesatz bewirkt der Sprecher offenbar dadurch, daß er der an seine Person geknüpften Vorhersage mangels objektiver Kriterien eine ebenfalls auf seine Person bezogene Sprecherintervention hinzufügt, mit der er auf seine Überzeugung bezüglich der Wahrscheinlichkeit des erwünschten Ein/IMichtein von E in diesem Satz anspielt. Sprachlicher Ausdruck dieser Sprecherintervention ist die Modalpartikel schön. 3.7.4.2. schon im daß-Satz Für schon im daß-Satz und im Aussagesatz besteht insofern Vorkommensgleichheit, als in diesen Sätzen die Merkmale [+ vorhergesagt] und folglich [- gewißj , sowie [+ erwünscht] enthalten sein müssen, wenn ihnen die Modalpartikel zugeordnet werden soll. Da schon im daß-Satz und im Aussagesatz außerdem durch Bedeutungs- und Formgleichheit gekennzeichnet ist, kann gemäß ( K 1 ) davon ausgegangen werden, daß in diesen beiden Sätzen für die Modalpartikel Funktionsgleichheit gegeben ist. Eine Identifizierung der Funktion von schon im daß-Satz kann nun aber auch durch eine Erklärung bestimmter zusätzlicher Vorkommensbedingungen erfolgen, die für die Modalpartikel in einem solchen Satz bestehen. Wie im Aussagesatz, so unterliegt das Vorkommen von schon auch im daß-Satz den Bedingungen (VbD und (Vb2). Enthält der daß-Satz eine Konstatation oder das Merkmal [- erwünscht], so ist in ihm das Vorkommen der Modalpartikel problematisch. (3/164) Ich bin erstaunt, daß du schon (~ bereits) / 7

'schon (# bereits) aufgestanden bist. 7

(3/165) Ich bin sicher, daß du das Examen 'schon nicht bestehen wirst. Aus der Vorkommensbedingung (Vb1) folgen Auswahlbeschränkungen für die Hauptsätze, die einem die Modalpartikel enthaltenden daß-Satz zugeordnet werden können. Diese Auswahlbeschränkungen gehen in weitere Vorkommensbedingungen ein, die für die Modalpartikel in einer Konstruktion mit einem daß-Satz bestehen: (Vb3)

Der einem daß-Satz mit der Modalpartikel schon zugeordnete Hauptsatz muß eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens

114

des im daß-Satz bezeichneten Ereignisses enthalten und diese Bewertung muß sich auf einen Bereich beschränken, der sich von Ich glaube bis Ich versichere dir erstreckt. Die Bewertung muß also der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im daß-Satz eine bestimmte Größe zuweisen, die nicht über- oder unterschritten werden darf. (Vb4)

Der bewertende Sprecher muß sich ausdrücklich für die Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im da,ß-Satz verbürgen, was dadurch geschehen kann, daß er mit dem Subjekt im bewertenden Hauptsatz identisch iöt.

Daraus folgt aber, daß der Nebensatz nicht das Subjekt

der Konstruktion bilden kann. In den folgenden Beispielen sind neben (Vb1) und (Vb2) auch die zusätzlichen Vorkommensbedingungen (Vb3) und (Vb4) erfüllt. Ein Vorkommen der Modalpartikel ist daher unproblematisch. (3/166) Ich glaube, daß die Kleine den Mund schon halten wird. (3/167) Ich denke, daß wir das Problem schon lösen werden. (3/168) Ich versichere dir, daß ich dich schon rechtzeitig benachrichtigen werde. (3/169) In bin überzeugt, daß Hans den Anforderungen schon gewachsen

iöt. (3/170) Ich bin sicher, daß Peter schon nichts zugestoßen ist. Aufgrund weiterer Beispiele kann die Gültigkeit von (Vb3) empirisch verifiziert werden. ·? (3/171) Ich hoffe, daß Inge sich 'schon beruhigen wifd. 7

(3/172) Ich weiß, daß Müller uns 'schon keine Schwierigkeiten machen wifd. Wie diese Beispiele zeigen, ist das Vorkommen der Modalpartikel im daß-Satz problematisch, wenn die durch den Hauptsatz ausgedrückte Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im Nebensatz außerhalb des Bereichs zwischen Ich glaube und Ich bin sicher liegt. Für die vorliegenden Beobachtungen gibt es die folgende Erklärung: In den Beispielen (3/166) bis (3/170) besteht sowohl für die Modalpartikel als auch für den Hauptsatz die Vorkommensbedingung (Vb1), d.h. sie können nur Sätzen

115

hinzugefügt werden, in denen ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E vorliegt. Dies ist auf ihre Funktion zurückzuführen, die für den Hauptsatz leicht verifizierbar ist: Durch eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im daß-Satz, die sich auf den Bereich von Ich glaube bis Ich versichere dir erstreckt, bewirkt der Hauptsatz einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E im Nebensatz. Darüber hinaus signalisiert der Hauptsatz, daß sich der bewertende Sprecher für den Abbau des Mangels an Gewißheit im daß-Satz verbürgt, ohne sich dabei ausdrücklich auf objektive Kriterien zu beziehen. Gemäß (H6.4) besitzt nun die Modalpartikel schon eine ganz ähnliche Funktion. Durch eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/Nichtein von E im daß-Satz verursacht die Modalpartikel in diesem einen Abbau des Mangels an Gewißheit und ist dabei als Ausdruck einer Sprecherintervention an die Person des Sprechers gebunden, der sich dadurch in gewissem Umfang für den Abbau des Mangels an Gewißheit im Nebensatz verbürgt, ohne objektive Kriterien in Rechnung zu stellen. Wie durch den Hauptsatz, so erfolgt auch durch die Modalpartikel der Abbau des Mangels an Gewißheit ohne Distanz zur Person dee bewertenden Sprechers. Gilt (H6.4), so besitzen also die Modalpartikel und die Hauptsätze in (3/166) bis (3/170) eine gemeinsame Funktion, die ihr gleichzeitiges Vorkommen in diesen Beispielen erklären kahn. Stimmen sie dagegen in dieser Funktion nicht mehr überein, so müßte ihr gleichzeitiges Vorkommen in den hier betrachteten Konstruktionen zu einer problematischen Lösung führen. Dies ist auch der Fall. 7 (3/173) Es ist sicher, daß du diese Erkrankung 'schon überwinden wirst. In (3/173) ähneln sich die Modalpartikel und der Hauptsatz nur insofern, als sie beide einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bewirken. Dagegen unterscheiden sie sich durch die Tatsache, daß der bewertende Sprecher bei Es ist sicher eine Distanz zu seiner Person etabliert und sich nicht ausdrücklich für seine Bewertung verbürgt. Mit (3/173) kann darüber hinaus auch die Gültigkeit von (Vb4) empirisch nachgewiesen werden. Die gemeinsame Funktion von Modalpartikel und Hauptsatz in (3/166) bis (3/170) müßte in diesen Beispielen zu Redundanz führen, wenn zwischen ihnen nicht auch ein mehr als nur formaler Unterschied bestünde. Ein solcher Unterschied ist in der Tat nachweisbar. Die Modalpartikel kann einem daß-Satz nur dann zugeordnet werden, wenn in diesem dem Ein/Nichtein von E das Merkmal

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[+ erwünscht] zugeordnet ist. Dieser Bedingung unterliegt der bewertende Hauptsatz nicht, schon fügt also einem dqß-Satz eine zusätzliche Information hinzu und rechtfertigt so sein Vorkommen in diesem Satz, in dem die Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E bereits durch den Hauptsatz bewertet wird. Die hier im Rahmen einer Identifizierung der Funktion von schon im daß-Satz aufgezeichneten Beobachtungen ergeben einmal eine Rechtfertigung, zum anderen eine Erweiterung von (H6.4). Gerechtfertigt erscheint die Annahme, daß die Modalpartikel schon der sprachliche Ausdruck einer Sprecherintervention ist. Dies läßt sich (3/173) entnehmen, in dem das Vorkommen der Partikel problematisch ist und der Sprecher durch den Hauptsatz eine Distanz zu seiner Person etabliert. Die Vorkommensbeschränkung der Modalpartikel in einem solchen Fall ist dann folgerichtig, wenn schon sprachlicher Ausdruck einer Sprecherintervention ist, mit der die Distanz zur Person des Sprechers aufgehoben wird: Der Sprecher kann bei der Bewertung ein und derselben Konstruktion nicht im Hauptsatz eine Distanz zu seiner Person etablieren, die er im Nebensatz mit Hilfe der Modalpartikel wieder aufhebt. Eine Erweiterung von (H6.4) ergibt sich aus den Beobachtungen über den Umfang des Abbaus des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E, der durch die Modalpartikel verursacht wird. Wie gezeigt werden konnte, kann dieser Umfang durch den Bereich beschrieben werden, der sich von Ich glaube bis Ich versichere dir erstreckt. Über diesen Bereich geht in einem Satz der Abbau des Mangels an Gewißheit durch schon offensichtlich nicht hinaus. '3.7:4.3. schon im Kausalsatz Wie bereits einem Aussagesatz, so kann die Modalpartikel schon auch einem Kausalsatz nur dann zugeordnet werden, wenn in diesem eine Koinzidenz der Merkmale [+ vorhergesagt],[- gewiß] und [-t- erwünscht] gegeben ist. Insofern besteht also für schon in diesen Sätzen Vorkommensgleichheit verbunden mit Bedeutungs- und Formgleichheit, woraus gemäß (K1) Funktionsgleichheit folgt. Dagegen ist für doch.., ja^ einmal und schon zum anderen im Kausalsatz insofern Vorkommensverschiedenheit nachweisbar, als dieser Satz das mit schon schlecht verträgliche Merkmal £+ konstatativ] bei Fehlen von [- gewiß] enthalten muß, wenn ihm doch, oder j£ zugeordnet werden sollen. Aus der darüber hinaus konstatierbaren Bedeutungs- und Formverschiedenheit dieser Modalpartikeln folgt gemäß ( K 5 ) Funktionsverschiedenheit von doch.,, schon zum anderen, wenn sie im 1 ja a—einmal und __

117

Kausalsatz auftreten; Die Funktion von schon im Kausalsatz laßt sich also mittels (K1) identifizieren und durch (K5) in gewissem Umfang verifizieren. Eine Identifizierung der Funktion von schon in dem hier betrachteten Nebensatz kann aber auch mit Hilfe bestimmter Überlegungen erfolgen. Einmal gelten für schon im Kausalsatz die Vorkommensbedingungen (Vb1) und (Vb2). Ein solcher Satz darf weder eine Konstatation, noch das Merkmal [- erwünscht] enthalten, wenn ihm die Modalpartikel hinzugefügt werden soll. 7

(3/174) Da du ja schon (? bereits) / 'schon (^ bereits) aufgestanden bist, können wir noch eine Stunde in den Park gehen. (3/175) Wir haben die Opposition nicht gewählt, weil auch sie 7 die Massenarbeitslosigkeit 'schon nicht beseitigen wird. Analog zum Aussagesatz in (3.6.4.) sind auch hier aufgrund der Gültigkeit von (Vb1) und (Vb2) Rückschlüsse auf die Funktion von schon im Kausalsatz gestattet. Weitere Überlegungen lassen sich anschließen. Wie bereits in (3.7.1.3.) angemerkt wurde, kann ein Nebensatz nur im Ausnahmefall als begründendes Relationsglied in einem kausalen Relationsgefüge fungieren, wenn er eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthält. Hierfür sprechen auch die Beispiele ((3/175) ( a ) ) bis ((3/177) ( a ) ) . (3/175) (a) Sie 7 'da (b) Sie wir

sollten sich keine unnötigen Sorgen machen, wir Ihre Tochter finden werden. sollten sich keine unnötigen Sorgen machen, da Ihre Tochter schon finden werden. 7

(3/176) (a) Ihr solltet euch nicht aufregen, 'weil sie Egon nicht erwischen. (b) Ihr solltet euch nicht aufregen, weil sie Egon schon nicht erwischen. 7

(3/177) (a) Die Kriegsgefahr ist gering, 'zumal sich die verhandelnden Großmächte einigen werden, (b) Die Kriegsgefahr ist gering, zumal sich die verhandelnden Großmächte schon einigen werden. Das Vorhandensein einer Vorhersage und des Merkmals [+ erwünscht] in den Nebensätzen von ((3/175) ( a ) ) bis ((3/177) ( a ) ) bildet nun wegen des damit verbünde-

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nen Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E genau die Bedingung, unter der ein Vorkommen der Modalpartikel schon unproblematisch ist. Führt nun die Zuordnung der Modalpartikel zu einem Satz zu einem Abbau des Mangels an Gewißheit, so müßte ihr Vorkommen in (3/175) bis (3/177) grundsätzlich die Voraussetzung dafür schaffen, den in diesen Beispielen enthaltenen Nebensätzen den Rang von begründenden Relationsgliedern in kausalen Relationsgefügen zu verleihen. Dies allerdings nur dann, wenn sich der Abbau des Mangels an Gewißheit auf den Bereich zwischen Ich glaube und Ich versichere dir beschränken kann. Wie die Beispiele ((3/175) ( b ) ) bis ((3/177) ( b ) ) zeigen, in denen die Akzeptabilität der Nebensätze deutlich ansteigt, ist das der Fall. Die Funktion der Modalpartikel ist nun nicht darin zu suchen, daß durch die Partikel die Nebensätze in ((3/175) (b)) bis ((3/177) ( b ) ) als Kausalsätze gekennzeichnet werden. Vielmehr besteht sie lediglich darin, die Voraussetzung für eine solche Kennzeichnung zu schaffen. Die Kennzeichnung selbst erfolgt dann durch eine kausale Konjunktion. Die hier vorgenommenen Beobachtungen und angestellten Überlegungen ergeben eine recht gute Rechtfertigung von (H6.4). '3.7.4.4. schon im Konsekutivsatz Vorkommensgleichheit - in beiden Sätzen muß1 vor einer Zuordnung von schon eine Koinzidenz der Merkmale [·# vorhergesagt] , [- gewiß] und [+ erwünscht] bestehen -, sowie Bedeutungs- und Formgleichheit legen gemäß (K1) den Schluß nahe, daß für die Modalpartikel im Konsekutiv- und im Aussagesatz Funktionsgleichheit besteht. Eine Identifizierung der Funktion von schon im Konsekutivsatz kann aber auch durch die folgenden Beobachtungen und Überlegungen durchgeführt werden: Wie bereits in den anderen hier untersuchten Sätzen, so bestehen für die Modalpartikel schon auph im Konsekutivsatz die Vorkommensbedingungen (Vb1) und ( V b 2 ) . (3/178) Seit zwei Stunden poltert der Nachbar, so daß Inge 7 schon ("= bereits) / 'schon (^ bereits) aufgestanden

ist.

(3/179) Die Opposition hat kein überzeugendes Beschäftigungsprogramm vorzuweisen, so daß auch sie die Massenarbeits? losigkeit 'schon nicht beseitigen wird. Es kann nun gezeigt werden, daß (Vb1) und (Vb2) die Akzeptabilität eines Konsekutivsatzes beeinträchtigen, wobei eine Hinzufügung der Modalpartikel diese Akzeptabilität wieder verbessert.

119 9

(3/180) (a) Meier ist ein ängstlicher Mensch, 'so daß du mit ihm fertig werden wirst. (b) Meier ist ein ängstlicher Mensch, so daB du schon mit ihm fertig werden wiröt. Ein Konsekutivsatz ist folgerndes Relationsglied in einem konsekutiven Relationsgefüge, das durch die Relation Ursache - Folge gekennzeichnet iöt. Wie jedoch der Nebensatz in ((3/180) (a)) zeigt, besitzt ein Satz, der eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthält, in dem also ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E offenkundig ist, nicht immer ideale Voraussetzungen dafür, die Rolle eines folgernden Relationsgliedes in einem konsekutiven Relationsgefüge zu übernehmen. Ein Ereignis, bezüglich dessen Eintreten in der hier beschriebenen Weise ein Mangel an Gewißheit besteht, ist offensichtlich dann wenig geeignet, als Folge eines anderen Ereignisses hervorgehoben zu werden, wenn der Sprecher dabei eine umfassendere Argumentation verfolgt. Die Koinzidenz der Merkmale ,[- gewiß] und [+ erwünscht] in einem Nebensatz wie in ((3/180) ( a ) ) ermöglicht nun aber gemäß (Vb1) und (Vb2) die Hinzufügung der Modalpartikel schon. Besitzt die Modalpartikel dabei die ihr in (H6.4) zugeschriebene Funktion und kann sich der notwendige Abbau des Mangels an Gewißheit auf den Bereich zwischen Ich glaube und Ich versichere dir Beschränken, so müßte ihr Vorkommen die Akzeptabilität des Nebensatzes in einem konsekutiven Relationsgefüge wie ((3/180) ( a ) ) verbessern. Wie ((3/180) (b)) zeigt, ist dies auch der Fall, ermöglicht eine Identifizierung der Funktion von schon im Konsekutivsatz und bildet eine Bestätigung von (H6.4). 3.7.4.5. schon im Konzessivsatz Im Konzessiv- und Aussagesatz besteht für schon insofern Vorkommensgleichheit, als diese Sätze vor einer Zuordnung der Modalpartikel die Merkmale [* vorhergesagt] und demnach [-gewiß], sowie [+ erwünscht] aufweisen müssen. Vorkommensgleichheit bei Bedeutungs- und Formgleichheit für schon im Aussage- und Konzessivsatz haben aber gemäß (K1) Funktionsgleichheit zur Folge. Vorkommensverschiedenheit - ein Konzessivsatz trägt bei Fehlen von [- gewiß] das mit schon schlecht verträgliche Merkmal [+ konstatativ], wenn er doch, enthält - sowie Bedeutungs- und Formverschiedenheit führen für schon und doch., im Konzessivsatz gemäß (K5) zu Funktionsverschiedenheit. Diese mittels ( K 1 ) und (K5) erfolgte Identifizierung der Funktion von schon im Konzessivsatz kann durch eine weitere,

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auf Beobachtung und bestimmten Überlegungen basierende Identifizierung abgesichert werden. Auch im Konzessivsatz bestehen für die Modalpartikel schon die Vorkommensbedingungen (VbD und (Vb2). (3/181) Du hast tief geschlafen, obgleich Hans schon ("= bereits) / 7

'schon (i bereits) seit dem frühen Morgen die Wasserleitung repariert. (3/182) Die Banken gewähren bestimmten Ländern Kredite, obgleich 7

diese die Kredite 'schon nicht zurückzahlen werden. Wie bereits beim Kausal- und Konsekutivsatz, so läßt sich auch hier feststellen, daß (Vb1) und (Vb2) die Akzeptabilität eines Konzessivsatzes beeinträchtigen, während die Hinzufügung der Modalpartikel seine Akzeptabilität wieder verbessert. (3/183) (a) Hans hat sich mit Depressionen in seinem Zimmer ? eingeschlossen, Obgleich er das Examen bestehen wird. (b) Hans hat sich mit Depressionen in seinem Zimmer eingeschlossen, obgleich er das Examen schon bestehen wifd. Ein Konzessivsatz ist Gegengründe anführendes Relationsglied in einem konzessiven Relationsgefüge. Ziel dieser Anführung von Gegengründen ist jedoch nicht, das Eintreten/Nichteintreten eines weiteren Ereignisses zu verwerfen. Vielmehr wird eine besondere Hervorhebung dieses Ein/Nichtein von E angestrebt. Eine Hervorhebung des Ein von E im Hauptsatz durch den Nebensatz stößt jedoch in ((3/183) ( a ) ) auf gewisse Schwierigkeiten. Bezüglich des Ein von E im Nebensatz besteht ein Mangel an Gewißheit, der dadurch begründet wird, daß dieser Satz eine Vorhersage und das Merkmal [+ erwünscht] enthält. Gegengründe, bezüglich deren in der hier beschriebenen Weise ein Mangel an Gewißheit besteht, sind nun offenbar weniger geeignet, das sich dennoch vollziehende Eintreten des vom Hauptsatz bezeichneten Ereignisses besonders hervorzuheben. Depressionen sind angesichts unsicherer Examensaussichten nichts Hervorhebenswertes. Erst ein Abbau des in ihm bezüglich des Ein von E bestehenden Mangels an Gewißheit kann dem Nebensatz in ((3/183) ( a ) ) den Rang eines hervorhebenden Relationsglieds verleihen und die Akzeptabilität des Satzes verbessern. Dieser Abbau des Mangels an

Gewißheit kann mit Hilfe der Modalpartikel schon versucht werden, da deren

Vorkommensbedingungen (VbD und (Vb2) im Nebensatz von ((3/183) ( a ) ) erfüllt sind. Kann sich der Abbau des Mangels an Gewißheit auf den Bereich zwischen

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Ich glaube bis Ich versichere dir beschränken, so müßte die Modalpartikel aufgrund der ihr in (H6.4) zugeschriebenen Funktion die Akzeptabilität des Nebensatzes in dem konzessiven Relationsgefüge ((3/183) (a)) verbessern. ((3/183) ( b ) ) läßt sich entnehmen, daß dies zutrifft. Das Vorkommen der Modalpartikel im Konzessivsatz bildet also eine weiter Bestätigung von (H6.4). Außer in den bisher untersuchten Sätzen kann die Modalpartikel schon gelegentlich auch im durch wobei eingeleiteten Nebensatz vorkommen. In einem solchen Satz gelten für das Vorkommen der Modalpartikel ebenfalls die Bedingungen (VbD und (Vb2). (3/184) Wir werden in Ruhe mit ihm sprechen, wobei wir ihn schon überzeugen werden. Wie in den bereits untersuchten Sätzen, so erfüllt die Modalpartikel offenbar auch im durch wobei eingeleiteten Nebensatz in (3/184) die ihr in (H6.4) zugeschriebene Funktion, d.h. sie bewirkt einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Eintretens des in diesem Satz bezeichneten Ereignisses. 3.7.4.6. schon im durch wenn eingeleiteten Nebensatz Vorkommensgleichheit besteht für schon im Nebensatz mit wenn und im Aussagesatz insofern, als diese einen Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E aufweisen, bevor ihnen die Modalpartikel zugeordnet wird. Bedeutungsverschiedenheit dagegen ist für schon in den oben genannten Sätzen dadurch gegeben, daß schon gemäß (H5.3) im Aussagesatz intentional eingeschränkte Affirmation und im Nebensatz mit wenn Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung ausdrückt. Aus Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsverschiedenheit aber gleicher Form folgt für schon im Aussagesatz und im Nebensatz mit wenn gemäß (K4) Funktionsgleichheit, wobei sich allerdings bestimmte Komponenten dieser Funktion unterscheiden. Die mittels (K4) erfolgte Identifizierung der Funktion von schon in dem hier untersuchten Nebensatz kann durch die folgenden Beobachtungen verifiziert und präzisiert werden. Die Vorkommensbedingungen für die Modalpartikel im durch wenn eingeleiteten Nebensatz weichen partiell von denen in den weiter oben betrachteten Sätzen ab. Sie bestehen darin, daß im Nebensatz mit wenn ein durch eine Hypothese begründeter Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bestehen und das Merkmal [+ erwünscht} fehlen muß (siehe (3/85): Wenn du ?'schon artig bist, bekommst du Bonbons). Aufgrund dieser Vorkommensbedingungen für schon im Nebensatz mit wenn und mit Hilfe des Relationsgefüges, dessen Teil

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ein solcher Satz ist, kann nun die Funktion der Modalpartikel in diesem determiniert und damit (H6/4) gerechtfertigt werden. Dieser Nebensatz bildet normalerweise das zugestehende Relationsglied in einem Relationsgefüge, in dem die Relation Zugeständnis - Gegenleistung besteht. Sind in einem solchen Satz die Vorkommensbedingungen für die Modalpartikel erfüllt, so entsteht häufig eine schwer verständliche Konstruktion, in der die Relation Zugeständnis - Gegenleistung kaum rekonstruierbar ist: ·? (3/185) (a) 'Wenn er uns stört, dann sollte er wenigstens die anderen in Ruhe lassen. (b) Wenn er uns schon stört, dann sollte er wenigstens die anderen in Ruhe lassen. Die geringe Akzeptabilität des Nebensatzes in ((3/185) ( a ) ) ist offenbar darauf zurückzuführen, daß in ihm aufgrund der in ihm enthaltenen Hypothese ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E besteht, und daß er sich daher kaum als Zugeständnis eignet. Eine Verbesserung seiner Akzeptabilität ist erst dann zu erwarten, wenn der in ihm bestehende Mangel an Gewißheit abgebaut wird und er darauf die ihm zukommende Rolle in dem entsprechenden Relationsgefüge übernehmen kann. Gemäß (H6.4) bewirkt nun die Modalpartikel schon in einem Nebensatz mit wenn dadurch einen Abbau des Mangels an Gewißheit, daß sie diesem eine Konstatation der Unvermeidbarkeit des Eintretens/Nichteintretens des in ihm bezeichneten Ereignisses hinzufügt. Trifft dies zu, so müßte aber ein Vorkommen der Modalpartikel im Nebensatz von ((3/185) ( a ) ) die Akzeptabilität dieses Satzes verbessern und ihm den Rang eines Zugeständnisses in einem Relationsgefüge mit der Relation Zugeständnis - Gegenleistung verleihen. Wie ((3/185) ( b ) ) zeigt, ist das der Fall und bestätigt (H6.4) auch für ein Vorkommen von schon im Nebensatz mit wenn. 3.7.4.7. schon in der Ergänzungsfrage Von Vorkommensgleichheit kann man bei schon in der Ergänzungsfrage und im Aussagesatz dann sprechen, wenn man das diesen beiden Sätzen vor einer Hinzufügung der Modalpartikel gemeinsame Merkmal [- gewiß] betrachtet. Dabei ist allerdings zu beachten, daß dieses Merkmal im Aussagesatz dem Ein/Nichtein von E, in der Ergänzungsfrage jedoch dem gesuchten Substitut für das Fragepronomen zugeordnet ist. Bedeutungsverschiedenheit dagegen besteht für schon in den beiden Sätzen dadurch, daß die Modalpartikel gemäß (H5.3) im Aussagesatz intentional

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eingeschränkte Affirmation, in der Ergänzungsfrage aber total eingeschränkte Affirmation des Ein/Nichtein von E bei Affirmation des Gegenteils dieses Ein/ Nichtein ausdrückt. Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsverschiedenheit aber gleicher Form ergibt nun für schon im Aussagesatz und in der Ergänzungsfrage gemäß (K4) Funktionsgleichheit bei gewissen Unterschieden der Komponenten dieser Funktion. Werden sie einer Ergänzungsfrage zugeordnet, so ist auch für schon und doch' ? Vorkommensgleichheit gegeben. Da diese Modalpartikeln jedoch durch Bedeutungs- und Formverschiedenheit gekennzeichnet sind, besteht für sie gemäß (K2) Funktionsverschiedenheit. Damit ist mit Hilfe von (K4) und ( K 2 ) eine Identifizierung der Funktion von schon in der Ergänzungsfrage erfolgt. Eine solche Identifizierung kann aber auch aufgrund der folgenden Überlegungen durchgeführt werden. Wie die Beispiele (3/186) und (3/187) zeigen, ist (Vb2) in einer Ergänzungsfrage für das Vorkommen der Modalpartikel schon nicht relevant. (3/186) Wem hilft Hans schon? (3/187) Wem hilft Hans schon nicht? Vorkommensbedingungen für die Modalpartikel in der Ergänzungsfrage sind dagegen einmal ein Mangel an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen, zum anderen aber die grundsätzliche Identifizierbarkeit dieses Substituts durch den Sprecher. Der Mangel an Gewißheit in einer solchen Frage ist dabei weder auf eine Vorhersage, noch auf eine Hypothese, sondern selbstverständlich auf die auf das gesuchte Substitut bezogene Fragesemantik zurückzuführen. Die Vorkommensbedingungen für schon in einer Ergänzungsfrage gestatten nun Rückschlüsse auf die Funktion der Modalpartikel in einem solchen Satz und führen damit zu einem Nachweis der Gültigkeit von (H6.4). Eine Ergänzungsfrage ist durch einen Mangel an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen gekennzeichnet. Einer solchen Frage kann der Hörer daher häufig nicht ohne weiteres entnehmen, ob der Sprecher mit ihr die rhetorische Frage anstrebt. (3/188) (a) Was hast du heute nachmittag geschafft? (b) Was hast du heute nachmittag schon geschafft? Will der Sprecher zu erkennen geben, daß ihm in ((3/188) (a)) das Substitut für das Fragepronomen bekannt ist, so benötigt er ein besonderes Hilfsmittel, da der Satz sonst vom Hörer als gewöhnliche Ergänzungsfrage aufgefaßt wird. Dieses

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Hilfsmittel muß einen Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substituts bewirken. Ein Abbau des Mangels an Gewißheit bezüglich des Substituts kann nun erfolgen, wenn man annimmt, daß das betreffende Hilfsmittel der Ergänzungsfrage in ((3/188) ( a ) ) eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein von E hinzufügt, wobei dieses Ein in sein Gegenteil verkehrt wird. Für ((3/188) ( a ) ) erhält man dann: Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Du - Heute nachmittag - (Irgendetwas) - Geschafft - haben. Diese Bewertung der in ((3/188) ( a ) ) enthaltenen Basisinformation reduziert in dieser die Zahl der Substitute für das Fragepronomen auf 1 und gestattet, dieses Substitut als Nichts zu identifizieren. Die gleiche Wirkung, d.h. eine Identifizierung des gesuchten Substituts, erzielt aber für den Hörer auch eine Hinzufügung der Modalpartikel schon zu der Ergänzungsfrage in ((3/188) ( b ) ) . Daraus folgt nun, daß die in (H6.4) enthaltene Erklärung für die Funktion von schon in der Ergänzungsfrage angemessen ist. Die Resultate der in (3.7.4.) vorgenommenen Untersuchungen führen insgesamt zu einer Bestätigung der in (H7.4) und (H6.4) enthaltenen Beschreibung des Vorkommens und der Funktion der Modalpartikel schon. Bezüglich der Funktionszuweisung zu schon läßt sich feststellen, daß diese wie bereits bei doch und j£ aus der Kombination des Vorkommens der Partikel mit ihrer Bedeutung resultiert. Dabei ist jedoch die Tatsache verblüffend, daß Vorkommensgleichheit von schon in allen untersuchten Sätzen bei Bedeutungsverschiedenheit der Partikel in Aussagesatz, Nebensatz mit wenn und Ergänzungsfrage zu Funktionsgleichheit führt, obgleich Bedeutungsverschiedenheit bei Vorkomraensgleichheit für schon und doch'^ in der Ergänzungsfrage Funktionsverschiedenheit ergab. Eine Feinanalyse kann hier Aufschluß erbringen: Aus einer Kombination eines eine Vorhersage und folglich des Merkmal [- gewiß] enthaltenden Aussagesatzes mit der Bedeutung von schon, also mit intentional eingeschränkter Affirmation, resultiert als Funktion der Modalpartikel eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/Nichtein von E. Eine Kombination eines eine Hypothese und daher [-gewiß] enthaltenden, durch wenn eingeleiteten Nebensatzes mit der Bedeutung von schon, also mit Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung, ergibt als Funktion der Modalpartikel eine Konstatation der Unvermeidbarkeit des Ein/Nichtein von E in diesem Satz. Und aus einer Kombination einer Fragesemantik und folglich [- gewiß] enthaltenden Ergänzungsfrage mit der Bedeutung von schon, also mit total eingeschränkter Affirmation des Ein/Nichtein von E bei Affirmation des Gegen-

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teils dieses Ein/Nichtein, folgt als Funktion der Modalpartikel eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E in der Frage. Jeder der drei Kombinationen von Vorkommen und Bedeutung der Modalpartikel entspricht also zunächst eine spezifische Funktion von schon, die sich von den weiteren Funktionen der Partikel unterscheidet, so daß also auch bei schon Vorkommensgleichheit bei Bedeutungsverschiedenheit prinzipiell zu Funktionsverschiedenheit führt. (Für schon in Aussagesatz und Nebensatz mit wenn einmal und in der Ergänzungsfrage zum anderen ist es darüber hinaus möglieh, von Vorkommensunterschieden zu sprechen, da in letzterer das Merkmal [- gewiß] nicht dem Ein/Nichtein von E, sondern dem gesuchten Substitut für das Fragepronomen zugeordnet ist. Funktionsverschiedenheit wäre in diesem Falle besonders einleuchted). Da jedoch das Resultat der drei Funktionen von schon bei den ihnen jeweils entsprechenden Vorkommen-Bedeutungs-Kombinationen immer gleich ist, d.h. in einem Abbau eines Mangels an Gewißheit durch Überführung von [- gewiß] in [(-) — » ( + ) gewiß] besteht, läßt sich vereinfachend festlegen, daß für die Modalpartikel in Aussagesatz, Nebensatz mit wenn und Ergänzungsfrage Funktionsgleichheit vorliegt. Hiervon wird auch in (D3/12) ausgegangen, in dem die Untersuchungsergebnisse von (3.7.4.) noch einmal zusammengefaßt werden.

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(D3/12) Satz und Charakteristik des Satzes ohne schon

Bedeutung von schon

intentional Aussagesatz; Vorhergesagtes eingeschränkte (Erwünschtes) Affirmation Ein/Nichtein von E [- gewiß] zum Ein/Nichtein E

durch schon hinzugefügte Information

Funktion von schon (signalisiertes Merkmal)

Bekräftigung einer Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/ Nichtein von E

Sprecherintervention; Abbau eines Mangels an Gewißheit bezüglich Ein/ Nichtein von E; [(-)-»(+) gewiß]

dag-Satz ; intent, eingeschr. Affirm. Bewertetes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß] zum Ein/Nichtein E

Bekräftigung Vorhersage Ein/Nichtein von E

Sprecherinterv . Abbau Mangel an Gewißheit [(-)-»(+) gewiß]

Kausalsatz; Begründendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß ] zum Ein/Nichtein E

intent, eingeschr. Affirm.

Bekräftigung Vorhersage Ein/Nichtein von E

Sprecherinterv. Abbau Mangel an Gewißheit [(_)_»(+) gewiß]

Konzessivsatz; Gegengründe anführendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß] zum Ein/Nichtein E

intent, eingeschr. Affirm.

Bekräftigung Vorhersage Ein/Nichtein von E

Sprecherinterv . Abbau Mangel an Gewißheit [(-)-»(+) gewiß]

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durch schon hinzugefügte Information

Funktion von schon (signalisiertes Merkmal)

Konsekutivsatz; intentional Aus etwas eingeschränkte folgendes Affirmation Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [ -gewiß] zum Ein/Nichtein E

Bekräftigung einer Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/Nichtein von E

Sprecherintervention;

Nebensatz mit intent, einwobei ; geschr. Affirm. Etwas begleitendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß ] zum Ein/Nichtein E

Bekräftigung Vorhersage Ein/Nichtein

Nebensatz mit wenn; Hypothetisches (Nicht erwünschtes Ein/Nichtein von E

Konstatation der Unvermeidbarkeit des Ein/Nichtein von E

Sprecherinterv . Abbau Mangel an Gewißheit [(-)-»(+) gewiß]

Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/ Nichtein von E

Sprecherinterv .

Satz und Charakteristik des Satzes ohne schon

Bedeutung von schon

Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung

von E

Abbau eines Man-

gels an Gewißheit bezüglich Ein/ Nichtein von E; [(-)-»(+) gewiß] Sprecherinterv. Abbau Mangel an Gewißheit [(-)-»(+) gewiß]

[ - gewiß ] zum

Ein/Nichtein E Ergänzungs frage ; Erfragte Komponente von E C- gewiß] zum Substitut des Fragepronomens

total eingeschränkte Affirmation des Ein/ Nichtein von E bei Affirmation des Gegenteils des Ein/Nichtein

Abbau Mangel

an Gewißheit [(-)-»(+) gewiß]

128

Eine Zusammenfassung des Vorkommens der Modalpartikeln doch, ja_ und schon in deutschen Sätzen erfolgt in (D3/13) (D3/13) Satz

Aussagesatz

doch„

+

Aussagesatz

daß -Satz (Subj. oder Obj. )

doch,, ja doon ' p

Konstatiertes Ein/Nichtein von E

+

+

+

schon Charakteristik des Satzes ohne Modalpartikel

+

Nicht bewertetes Konstatiertes Ein/Nichtein von E

+

daß-Satz (Obj.)

Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E; t[- gewifl ]

+

Bewertetes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E C- gewiß ]

Kausalsatz

+

nachgestellter V1-Satz (kausal)

+

Begründendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E

Nebensatz mit wo (kausal)

+

Begründendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E

Kausalsatz

Konzessivsatz

Begründendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E

+

+

Begründendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E I- gewiß ] Gegengründe anführendes Konstatiertes Ein/Nichtein von E

+

Konzessivsatz

+

Gegengründe anführendes Vorherge sagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [ - gewiß ]

Konsekutivsatz

+

Aus etwas folgendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß]

129

Satz

doch.

doch,, doch '0

schon

+

Nebensatz mit wobei

Wunschsatz



+

Nebensatz mit wenn

Charakteristik des Satzes ohne Modalpartikel Etwas begleitendes Vorhergesagtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E t- gewiß ] Hypothetisches (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E (Konjunktiv) C- gewiß ]

+

Hypothetisches (Nicht erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß]

+

Erfragte Komponente von E £- gewiß ]

Ergänzungsfrage

+

V2-Frage

+

Erfragtes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß]

Imperativsatz

+

Gefordertes (Erwünschtes) Ein/Nichtein von E [- gewiß ]

(D 3/13) gestattet eine abschließende Behandlung der Frage, ob ihre Bedeutung und ihr Vorkommen einen entscheidenden Einfluß auf die Funktion der affirmativen Modalpartikeln doch, ja und schon ausüben. Zunächst lassen sich Vergleiche anstellen, bei denen ein Zusammenhang zwischen der Funktion und jeweils einer weiteren Komponente der betrachteten Modalpartikeln feststellbar ist. So kann (03/13) für doch., j£ vs. doch,,, doch 1 - entnommen werden, daß doch,,» doch'p in Sätzen auftreten, in'denen ein Vorkommen von doch., ja_ ausgeschlossen ist. Diese Sätze enthalten das Merkmal [- gewiß], das Ausdruck eines in ihnen bestehenden Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bzw. bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen ist. Neben Vorkommensverschie-

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denheit von doch.., ja_ einmal und doch„, doch' ? zum anderen läßt sich für diese Partikeln Bedeutungsgleichheit (bzw. -ähnlichkeit bei doch vs. ja) sowie gemäß (H6.1), (H6.2) und (H6.3), trotz gleicher Form bei doch, Funktionsverschiedenheit konstatieren. Einer Vorkommensänderung für diese Partikeln entspricht also eine Funktionsänderung, so dap hier mit Sicherheit davon ausgegangen werden kann, daß bei einer Zuweisung der Funktion zu doch^ Ja einmal und doch,,, doch' ? zum anderen das Vorkommen der Partikeln relevant ist. Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch bei dem in (D3/13) nicht berücksichtigten Vorkommen der Modalpartikeln in Relationsgefügen machen: Vorkommensverschiedenheit in Relationsgefügen führt für dochv vs. ja_ trotz Bedeutungsähnlichkeit insofern zu Feinunterschieden der Funktion, als das durch doch.., nicht aber das durch j£ signalisierte Merkmal [+ argumentativj einen Hinweis auf die zwischen zwei Ereignissen bestehende Relation Widerspruch bilden kann. Für doch?, doch'r, vs. schon läßt sich mittels (D3/13) zeigen, daß doch,,, doch'g in Sätzen vorkommen, in denen häufig auch schon nachweisbar ist. Solche Sätze sind durch das Merkmal [- gewiß] gekennzeichnet, das als Ausdruck eines Mangels an Gewißheit entweder dem Ein/Nichtein von E oder dem gesuchten Substitut für das Fragepronomen zugeordnet ist. Neben Vorkommensgleichheit (für doch,, und schon im Aussagesatz; cjooh_' und schon in der Ergänzungsfrage) läßt sich für diese Partikeln jedoch Bedeutungsverschiedenheit und gemäß (H6.2) und (H6.4) Funktionsverschiedenheit bei unterschiedlicher Form feststellen. Einer Bedeutungsänderung bei diesen Partikeln entspricht also eine Funktionsänderung, woraus folgt, daß bei einer Zuweisung der Funktion zu doch™, doch'„ L. ~-- ·- i. einmal und schon zum anderen die Bedeutung der Partikeln relevant ist. Die bisherigen Vergleiche bilden einen Hinweis auf einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen Bedeutung und Funktion oder Vorkommen und Funktion der betrachteten Partikeln. Die folgenden Vergleiche dagegen liefern Argumente für die zu Beginn dieses Kapitels geäußerte Annahme, daß sowohl ihre Bedeutung als auch ihr Vorkommen für die Funktion der Partikeln relevant sind. .So gibt (D3/13) für doch,, vs. ja darüber Aufschluß, daß in Sätzen, in denen ja vorkommt, meist auch doch,, vorkommen kann. Diese Sätze weisen das Merkmal [+ konstatativ] und keinen offenkundigen Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E auf. Neben gleichem Vorkommen besitzen doch, und ja_ auch noch eine ähnliche Bedeutung. Wenn also ihre Bedeutung und ihr Vorkommen für ihre Funktion bestimmend sind, dann müßten doch., und ja trotz unterschiedlicher Form zumindest teilweise in ihrer Funktion übereinstimmen. (H6.1) und (H6.3) läßt sich entnehmen,

131

daß dies auch der Fall ist. Bei doch.. , ja_ vs. schon dagegen ist laut (D3/13) feststellbar, daß in Sätzen, in denen ein Vorkommen von schon möglich ist, doch, und j£ praktisch nicht auftreten können. Solche Sätze tragen das Merkmal [- gewiß] , durch das ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E bzw. bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen konkretisiert wird. Außer Vorkommensverschiedenheit weisen doch... einmal und schon zum anderen auch Bedeutungsverschiedenheit auf. Sind nun ihre Bedeutung und ihr Vorkommen bei der Zuweispng einer Funktion zu den Modalpartikeln relevant, so müßte für doch ,. einmal und schon zum anderen Funktionsverschiedenheit bestehen. Gemäß (H6.1), (H6.3) und (H6.4) trifft dies auch zu. Die vorgenommenen Vergleiche führen bei doch,. , ja_ vs. dochp, doch ' ^ und dochp, doch/ vs. schon zu der Feststellung eines Zusammenhangs von Vorkommen und Funktion bzw. Bedeutung und Funktion dieser Partikeln. Daß ein solcher Zusammenhang aber offenbar nicht nur zwischen zwei Komponenten der Partikeln, sondern vielmehr zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen einmal und ihrer Funktion zum anderen besteht, zeigt eine Betrachtung von dochj vs. Ja und doch,. , j£ vs . schon, wobei die Rekonstruktion dieses Zusammenhangs durch das in (D3/14) noch einmal dargestellte Vergleichssystem erfolgte: (D3/14) Modalpartikel

Bedeutung

B

doch„ vs .

1

Vorkommen

V

1

Wenn

Ja

doch„, ja vs. Wenn schon

Funktion

Dann B

1

V

B

1

V

1

F

1

1

Dann F

2

132

Am Ende der Untersuchungen von Bedeutung, Funktion und Vorkommen der affirmativen Modalpartikeln steht also die Erkenntnis, daß die Funktion von doch, j£ und schon offensichtlich als das Resultat einer Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen beschrieben werden kann. Dagegen ist die Form der Modalpartikeln für die Funktionszuweisung (meist) irrelevant: Trotz gleicher Form besteht bei doch., vs. dochg vs. doch'^ Funktionsverschiedenheit, während für doch., vs. ja Funktionsähnlichkeit trotz unterschiedlicher Form gegeben iöt. Global betrachtet erfahren daher die eingangs in diesem Kapitel angestellten Vermutungen eine Bestätigung. '3.8.

Die Stellung der Modalpartikeln doch, ja und schon im Satz

Im bisherigen Verlauf dieser Arbeit konnte die Gültigkeit der Hypothesen (H1) bis (H7) nachgewiesen und damit Erfahrungstatsachen bezüglich der Modalpartikeln doch,., dochg, dooh'^, ja_ und schon gesichert werdön. Da der Beobachtung nicht alle diese Partikeln betreffenden Details zugänglich waren, konnte nicht die Gesamtheit der Erfahrungstatsachen bezüglich doch., doch,,, dooh' ? , ja und schon erfaßt werdön. Aber selbst unter den bisher gewonnenen Tatsachen befinden sich noch solche, die bei einer Überprüfung der die Stellung der Modalpartikeln behandelnden Hypothesen(H8.1) bis (HB.4) vernachlässigt werden können, so (H2) und (H3). Da aber nur eine Auswahl der doch., doch,,, doch',,, ja_ und schon betreffenden Erfahrungstatsachen relevant zu sein scheint, wenn ihre Stellung im Satz untersucht wird, ist es zweckmäßig, Modelle der Modalpartikeln zu bauen. Folglich soll hier also nicht die Wortstellung von doch.., dochg, doch'p> J£ und schon untersucht werden, sondern die ihrer teilweisen Abbildung, d.h. ihrer Modelle. Für diese Modelle gelten die in (1.1.) angegebenen Kriterien. Die Stellung der Modelle der hier betrachteten Modalpartikeln wird in Sätzen untersucht, denen ein Satzmodell, und zwar der Stellungsfelderrahmen zugrunde gelegt wird. Als Stellungsfelderrahmen wird der von'M. Reis (1980) vorgeschlagene Dreifelderrahmen mit Satzklammer benutzt. Dieser Rahmen besteht aus fünf Bereichen. Den ersten, dritten und fünften Bereich bilden die Stellungsfelder, den zweiten und vierten die Satzklammer. Stellungsfelder sind das Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld. Die Satzklammer wird durch die linke und rechte Klammer gebildet. Linke und rechte Klammer sind die Bereiche diskontinuierlich auftretender Stellungselemente, also des finiten Verbs V _. und der abhängigen Teile des Verbalkomplexes ATV, d.h. des Infinitivs, Partizips (V _. ) und der

133

Verbpartikel. Fehlt ATV bzw. V _. , so wird die rechte bzw. linke Klammer durch (0) realisiert (so in Komm! bzw. Einsteigen?). Die linke Klammer bildet darüber hinaus den Bereich der nicht - koordinierenden Konjunktionen C. (da, ob, als ob, weil, wenn, ...) und C9 (ohne, um, (an)statt). Die Annahme, daß die Satzklammer immer, wenn auch nicht immer sichtbar, vorhanden ist, ist zweckmäßig, denn sie schafft ein brauchbares Instrument für eine genaue Abgrenzung der Stellungsfelder. So kann das Mittelfeld als der Zwischenraum zwischen linker und rechter Klammer, das Vorfeld als Zwischenraum zwischen linker Satzgrenze und linker Klammer und das Nachfeld als Zwischenraum zwischen rechter Klammer und rechter Satzgrenze beschrieben werden. Welche dieser Felder ein deutscher Satz immer besitzt, gleichgültig, ob sie voll oder leer sind, kann aufgrund der folgenden Definition festgelegt werden: Jeder deutsche Satz weist das X-Feld auf oder kann durch dieses erweitert werden. Demnach enthalten alle deutschen Sätze Mittel- und Nachfeld, die selbstverständlich leer sein können. Dagegen gibt es vorfeldlose Sätze: V1- und VLetzt-Sätze besitzen weder ein Vorfeld, noch können sie durch ein solches erweitert werden. Ist ein Vorfeld vorhanden, so hält es normalerweise einen Platz für ein Satzglied oder für andere Elemente bereit. Gelegentlich können jedoch auch mehrere Elemente in diesem Feld vorkommen. Im Mittelfeld stehen prinzipiell n (= 0, 1, 2, 3, :..) Plätze zur Verfügung. Das Nachfeld wiederum enthält nur eine sehr begrenzte Zahl von Plätzen, häufig kommt in ihm nur ein Satzglied vor. Das Diagramm (D3/15) gibt den hier beschriebenen Stellungsfelderrahmen wieder.

^

^^-^^^^

^^^^-^^—

^

—^—^^^

^^^™

^-^-H^··^^·^^·^·«

(D/3/15)

V

+fin ((ATV) (V+fin -. )) . / n Elemente ff j 1(2)Element(e)^· 1 C L ' 2 .0 *··* v_ C

~~V

Vorfeld

V

linke Klammer

1(2)Element(e)^:

V

Mittelfeld

Satz

rechte Klammer

Nachfeld

134

Der Stellungsfelderrahmen stellt ein Modell M dar, dessen Original 0 eine Teilklasse deutscher nicht koordinierter Haupt- oder Nebensätze ist. Das Modell vereinfacht zweckgerichtet das Original insofern, als durch M die grammatischen Relationen in 0 wie Valenz, Rektion, Kongruenz usw. vernachlässigt werden. Herausgestellt dagegen werden durch M bestimmte Reihenfolgebeziehungen in 0, die ihren Niederschlag in modellspezifischen Begriffen wie Vorfeldelement, Klammerelement (links) bzw. (rechts), Mittelfeldelement usw. finden und das Modell für Untersuchungen von Wortstellungsregularitäten besonders geeignet machen. Für die Benutzung von M in dieser Arbeit gibt es darüber hinaus noch einen weiteren Grund. Die Konstruktion des Stellungsfelderrahmens als Modell einer Teilklasse deutscher nicht koordinierter Haupt- und Nebensätze ist wohlbegründet, da sie aufgrund von Stellungsklassen erfolgt, die stets partiell voneinander abweichän. Jede Stellungsklasse, die der Konstruktion eines bestimmten Feldes oder einer Klammer zugrunde liegt, enthält also neben konstitutiven Stellungselementen, die gleichzeitig zu mehreren Stellungsklassen gehören, solche, die konstitutiv und bereichsspezifisch sind, d.h. die in keiner weiteren Stellungsklasse vorkommen. Am Beispiel der Stellungsklasse für das Mittelfeld, in dem in dieser Arbeit eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt werden, soll dieser Tatbestand noch einmal dargestellt werden. (D3/16) Mittelfeld konstitutive Stellungsklasse

nicht bereichsspezifisch

bereichsspezi fisch

Satzglieder; Satzadverbien; Fragepronomen Modalpartikeln, Neg; es_ (Akk); sich; bereits

135

(D3/16) läßt sich entnehmen, daß die Modalpartikeln einer Stellungsklasse angehören, die für das Mittelfeld konstitutiv ist, und daß sie darüber hinaus bereichsspezifisch sind. Diese Feststellung soll nun für doch, ja_ und schon belegt werden (Da doch.,, doch,, und —·— doch' 0^ der gleichen Stellungsklasse angehö" ' "l " " ' £~ ren, werden sie der Einfachheit halber als doch zusammengefaßt). Da auszuschließen ist, daß doch, ja und schon als Modalpartikeln in der Satzklammer vorkommen können, werden sie hier nur auf ihre Vorfeld-, Mittelfeld- und Nachfeldfähigkeit hin untersucht. Ins Vqr- bzw. Nachfeld werden die untersuchten Modalpartikeln sowohl allein als auch gemeinsam mit einem anderen, vorfeldbzw. nachfeldfähigen Element eingeführt. Nach Möglichkeit werden solche Elemente gewählt, mit denen die entsprechenden Partikeln engere Beziehungen unterhalten könnten als mit den übrigen Elementen des Satzes. Auf diese Weise kann geprüft werden, ob die Anwesenheit solcher Elemente die Vor- bzw. Nachfeldfähigkeit der Partikeln verbessert. 1

im Vorfeld (3/189) (a) #:*Doch (^ jedoch)//muß aus dieser albernen Spielerei eines Tages ein furchtbarer Ernst werden. *Doch (ji jedoch) eines Tages *doch//muß aus dieser albernen Spielerei ein furchtbarer Ernst werdön. (3/190) (a) ?£ *Ja//hat sich in den letzten vierzehn Tagen manches verändert. # *Ja manches *ja//hat sich in den letzten vierzehn Tagen verändert. (3/191) (a) #*5chon//werden wir ihm trotz seiner guten Beziehungen seine Unpünktlichkeit austreiben. #*Schon austreiben *schon//werden wir ihm trotz seiner guten Beziehungen seine Unpünktlichkeit. -

im Mittelfeld (3/189) (b) ..- aus dieser albernen Spielerei muß// doch (^ jedoch) eines Tages ein furchtbarer Ernst//werden. (Kriwonossow 77) (3/190) (b) In den letzten vierzehn Tagen hat//sich ja_ manches// verändeit. (Kriwonossow 77)

136

(3/191) (b) Wir werden//ihm trotz seiner guten Beziehungen seine Unpünktlichkeit schon //austreiben. im Nachfeld (3/189) (c) Eines Tages muß aus dieser albernen Spielerei ein furchtbarer Ernst werden//*doch #i Eines Tages muß ein furchtbarer Ernst werden//*doch aus dieser albernen Spielerei *doch ^t (3/190) (c) Manches hat sich in den letzten vierzehn Tagen verändert//* ja #t Manches hat sich verändert//* ja in den letzten vierzehn Tagen *ja #: (3/191) (c) Wir werden ihm trotz seiner guten Beziehungen seine Unpünktlichkeit austreiben//*schon # Wir werden ihm seine Unpünktlichkeit austreiben // *schon trotz seiner guten Beziehungen *schon j£ Wie die Beispiele ((3/189) ( a ) ) , ((3/190) (a)) und ((3/191) ( a ) ) zeigen, können die Modalpartikeln doch, ja_ und schon weder allein noch gemeinsam mit anderen, vorfeldfähigen Elementen im Vorfeld vorkommen. ((3/189) ( c ) ) , ((3/190) ( c ) ) und ((3/191) (c)) belegen, daß doch, ja_ und schon auch im Nachfeld weder allein noch gemeinsam mit einem anderen Element akzeptabel sind. Aus ((3/189) ( b ) ) , ((3/190) ( b ) ) und ((3/191) ( b ) ) läßt sich dagegen entnehmen, daß ein Vorkommen der Modalpartikeln doch, ja und schon im Mittelfeld ungehindert möglich ist, daß die Partikeln also bereichsspezifische Mittelfeldelemente bilden. Dieser Befund stellt einmal eine Rechtfertigung der Hypothese (H8) dar. Zum anderen bildet er eine Rechtfertigung der Tatsache, daß in dieser Arbeit als Satzmodell der Stellungsfelderrahmen gewählt wird, da dieser einen genau abgegrenzten Bereich enthält, auf den das Vorkommen der Modalpartikeln doch, ja und schon beschränkt ist: das Mittelfeld. Eine Untersuchung der Stellung der Modelle von doch,., doch,,, doch'p» ja_ und schon darf gemäß (1.2.) nicht willkürlich erfolgen. Daher wird ihr stets noch eine besondere Arbeitshypothese vorangestellt, die ein planmäßiges Vorgehen gewährleisten soll. Die Untersuchung kann dann im Sinne dieser Hypothese sowie der in Kapitel (2) zusammengefaßten Stellungshypothesen durchgeführt werden.

137

Die bezüglich der Wortstellung der Modelle der hier betrachteten Modalpartikeln durchgeführten Untersuchungen beschränken sich nicht nur auf Beobachtung. Vielmehr beziehen sie auch das Experiment mit ein: Die gewählten Beispiele werden nicht direkt dem Objektsbereich entnommen, sondern konstruiert. Sie besitzen also experimentellen Charakter. Experimentelle Verfahren müssen aber intersubjektiv kommunizierbar und kontrollierbar sein. Im Mittelfeld derjenigen Beispielsätze, in denen die Stellung der Modelle von doch., doch,,, doch 1 -, j£ und schon jeweils untersucht wird, wird daher eine von Haftka (1978; siehe auch Grundzüge 1981; 738/739) vorgeschlagene Grundreihenfolge für nicht neue (vorerwähnte), neue und stellungsfeste Satzglieder etabliert. Diese Grundreihenfolge für das Mittelfeld eines Satzes hat die folgende Form (Pron = Pronomen; Sbg = Substantivgruppe; >= vor): (D3/17) ... > Subj (Pron/Sbg) > Obj/Präd (Pron)>Subj (Sbg) > > DatObj > Temp > Kaus > Lok > Mod/Instr > AkkObj > neue Elemente ^ stellungsfeste Elemente > ... Als nicht neu (vorerwähnt) gelten Satzglieder, die in der näheren Umgebung desjenigen Satzes, in dem das nicht neue Satzglied vorkommt, bereits einmal oder mehrmals aufgetreten sind. Aus diesem Grunde ist in den Beispielen die Umgebung eines Satzes immer enthalten. Nicht neue Satzglieder werden einmal durch Pronomen (Pron), zum anderen durch NP-Paraphrasen (NP-Par) (siehe Bach 68) realisiert. Während das Pronomen meist auf das vorerwähnte Satzglied hinweist, enthält die NP-Paraphrase neben einem solchen Hinweis häufig noch eine zusätzliche Information. Die genaue Ermittlung eines neu in den Text eingeführten Satzgliedes erfolgt experimentell durch verschiedene Tests, so den Widerspruchstest für Sätze mit doch., und den modifizierten Fragetest für Sätze mit ja_ oder schon. Durch sie können beliebig viele Satzglieder des das jeweilige Modell einer Modalpartikel enthaltenden Satzes kontextuell gebunden werden, so daß es möglich ist, neben der Partikel lediglich ein Satzglied neu in den Text aufzunehmen. Dieses Satzglied ist, da markierte Rhematisierung vorliegt (siehe Grundzüge 81; 751 ff.), durch eine besondere Betonung gekennzeichnet. Wie bereits in Kapitel (1.4.) dargelegt wurde, müssen die Resultate der bei den Experimenten durchgeführten Beobachtungen ausgewertet, d.h. geordnet, sortiert und im Zusammenhang betrachtet werden. Zu diesem Zweck werden sie in Listen zusammengefaßt. Bei der Auswertung erweist sich darüber hinaus auch die

138

Benutzung des Stellungsfelderrahmens noch einmal als vorteilhaft: Mit seiner Hilfe kann den Modellen von doch,, doch,,, doch'p, ja_ und schon eine nahezu eindeutige Stellungscharakteristik zugeordnet werden. 3.8.1.

Stellung von docjXj (H8.1)

Das Modell von doch.., dessen Stellung hier untersucht wird, kann wie folgt definiert werden: doch.., das weder den Status eines Satzglieds noch den eines Satzgliedteils besitzt, ist ein unbetontes Mittelfeldelement, das im Mittelfeld eines Aussagesatzes, eines nicht bewerteten daß-Satzes, eines durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatzes und eines Konzessivsatzes vorkommen kann und im Mittelfeld eines nachgestellten kausalen V1-Satzes und eines durch wp_ eingeleiteten Kausalsatzes vorkommen muß, wenn in diesen Sätzen kein Mangel an Gewißheit bezüglich eines erwünschten Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses vorliegt. Die beiden Bedeutungskomponenten der Modalpartikel werden durch Affirmation mittels zweifacher Negation und durch Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein/Nichtein des im Satz mit doch,, bezeichneten E gebildet. Die aus einer Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen resultierende Funktion von doch, besteht nun darin, daß die Modalpartikel als Ausdruck einer Sprecherintervention den aufgezählten Sätzen einen Appell hinzufügt, diese je nach den Umständen als Begründung, Beweis, Widerspruch oder Hervorhebung aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß doch, in dem jeweiligen Satz das Merkmal [+ argumentativ] signalisiert. [+ argumentativ] ist ein relationales Merkmal, mit dem ein Satz versehen wird, der eine bestimmte Relation zu einem weiteren Ereignis besitzt und sich damit insgesamt auf dieses Ereignis bezieht. [+ argumentativ] ist ein generelles Merkmal, da es global die zwischen einem Satz und einem weiteren Ereignis bestehenden Relationen Begründung, Beweis, Widerspruch und Hervorhebung anzeigt, wobei erst der betreffende Satz selbst und das entsprechende weitere Ereignis sowie zusätzliche Merkmale die endgültige Identifizierung jeder dieser Relationen ermöglichen. Im Rahmen einer Arbeitshypothese bezüglich der Stellung des Modells von doch,, soll hier die Annahme gemacht werden, daß, vom Standpunkt der Mitteilungsrelevanz her gesehen, das komplexe Mittelfeld eines deutschen Satzes normalerweise in drei Bereiche unterteilt werden kann: Der eine Bereich enthält Elemente (z.B. Pronomen), die [-mitteilungsrelevant], der andere solche, die [+ mitteilungsrelevant] sind (so [+ neue] Elemente). Zwischen diesen beiden befindet sich

139

der Bereich für Elemente, die [- mitteilungsrelevant], d.h. die von mittlerer Relevanz für die im Satz enthaltene Mitteilung sind. Prinzipiell besteht nun z.B. bei Satzgliedern die Möglichkeit, von ihrer Stellung im Mittelfeld und damit von ihrer Mitteilungsrelevanz auf bestimmte Komponenten ihrer Funktion in einem Satz zu schließen. So entspricht einem [+ mitteilungsrelevanten] bzw. [- mitteilungsrelevanten] bzw. [- mitteilungsrelevanten] Objekt als Funktion die Erstbezeichnung (bei neuem Element) bzw. komplettierende Wiederbezeichnung (bei NP-Paraphrase) bzw. Wiederbezeichnung (bei Pronomen) einer Person oder Sache mit Objektsrolle. Andererseits ist es in einem solchen Fall natürlich auch möglich, von der Funktion auf den Mitteilungswert und damit auf die Stellung im Mittelfeld zu schließen. Sind analog zu den Satzgliedern Rückschlüsse von der Funktion von doch, auf seine Mitteilungsrelevanz erlaubt, so liegt die Annahme nahe, daß die Modalpartikel weder [+ mitteilungsrelevant] noch f_- mitteilungsrelevant] ist. Demnach müßte sich aber das Vorkommen von doch., auf den Bereich für Elemente beschränken, die [imitteilungsrelevant] sind. doch., käme dann im Mittelfeld im Bereich zwischen den Pronomen und den neu in den Text eingeführten Elementen vor. Diese Arbeitshypothese sowie (H8.1) müssen nun durch Beobachtung und Experiment überprüft werden. Die folgenden Beispiele geben Aufschluß über die Stellung des Modells von doch., im Mittelfeld der betrachteten Sätze: £-neue] Elemente (Pronomen) Subj (Pron) er (3/192) Sprecher 1: Warum treibt Hans denn so aufwendig Sport? Sprecher 2: (Er turnt), vieil//*doch er doch zur Fettleibigkeit//neigt. AkkObj (Pron) ihn (3/193) S1: Was war denn im Urlaub mit Hans los? S2: Er badete täglich in einer haifischverseuchten Bucht, obgleich//man *doch ihn doch //gewarnt hatte. DatObj (Pron) ihm (3/194) 51: Was will Karin denn schon wieder von Hans? S2: Sie möchte ihn sehen, weil//sie *doch ihm doch

140

zur bestandenen Prüfung//gratulieren will. Präd (Pron) das (3/195) S1: Wird Hans nicht Arzt? 52: Hans kann nicht Arzt werden, da//er *doch das doch schon//ist. [-neue] Elemente (NP-Paraphrasen) Sub.j (NP-Par)

(3/196) 51: Hat Peter schon seine Schulden bezahlt? S2: Bisher habe ich das Geld nicht eintreiben können. Seit einiger Zeit geht//mir doch der Bursche doch aus dem Weg.

DatObj (NP-Par) (3/197) 51: Hat Hans Arger in der Firma? 52: Er kann sich gegen seinen Kollegen nicht durchsetzen. Er ist//doch dem Kerl doch nicht//gewachsen. Temp (NP-Par) (3/198) S1: Hans hat sich also noch nicht blicken lassen?! 52: Er muß gegen 17 Uhr hier gewesen sein. Ich habe//ihn doch zu diesem Zeitpunkt doch in der Garage//gehört. Kaus (NP-Par) (3/199) S1: Steht eure Firma wegen der desolaten Wirtschaftslage auch schlecht da? 52: Sie steht gut da, obgleich//sie doch aus besagtem Grund doch Absatzprobleme//haben müßte. Lok (NP-Par) (3/200) 51: Komisch, daß Inge sich im Heizungskeller fürchtet. 52: Ich kann sie verstehen. Sie hat//doch in diesem Loch doch eine Ratte//gesehen. Hod (NP-Par) (3/201) 51: Ist Inge nicht "oben ohne" gesehen worden? 52: Sie hat sich eine Anzeige zugezogen, weil//sie doch in diesem Zustand doch an einer Protestkundgebung^teilgenommen hat.

141

AkkObJ (NP-Par) (3/202) Ich war heute mit Hans im Cafe. Der könnte ruhig etwas großzügiger sein, wo//sie doch den Geizhals doch zum leitenden Angestellten // befördert haben. Satzadverbien bekanntlich (3/203) S1: Haben Sie die Berichte nicht gelesen? S2: Sie interessieren mich nicht, weil//sie doch bekanntlich doch //gefälscht sind. erwiesenermaßen (3/204) Der Demonstrant verklagte den Polizisten. Aber der Beamte wurde freigesprochen, obgleich//er den Kläger doch erwiesenermaßen doch//mißhandelt hatte. zweifellos (3/205) S1: Wurden die Untersuchungen wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse eingestellt? S2: Sie wurden fortgesetzt, obgleich//die Messungen aus diesem Grunde doch zweifellos doch //beeinträchtigt wurden. Mittelfeldelemente Modalpartikeln aber, eben, einfach, ja, wohl (3/206) 51: Peter hat unseren Kartengruß aus Griechenland nicht erwähnt. ? S2: - Ich habe//die Ansichtskarte 'doch aber doch selbst // eingesteckt. Er muß sie erhalten haben. ? - Ich habe//'doch die Ansichtskarte aber selbst// eingesteckt .... - Ich habe//aber die Ansichtskarte doch selbst // eingesteckt ...

142

(3/207) S1: Jeder weie, daß Karin Ehebruch begangen hat. Gäbe sie es zu, würde Hans ihr vielleicht verzeihen. S2: Da ist nichts zu machen, 9

- weil//sie den Ausrutscher doch eben 'doch//bestreitet. - weil//sie doch den Ausrutscher eben//bestreitet. 9 - weil//sie eben den Ausrutscher 'doch//bestreitet. (3/208)

Inge muß sich bei den Wettkämpfen furchtbar geärgert haben, - da//sie seit diesem Ereignis doch einfach *doch unerträglich//ist. - da//sie doch seit diesem Ereignis einfach unerträglich// ist.

- da //sie ^einfach seit diesem Ereignis *doch unerträglich //ist. (3/209)

(Überraschung, denn) Die Bibliothek ist//*doch ja doch heute//geschlossen. Wir brauchen gar nicht hinzugehen.

(3/210)

Ich bin zwar nicht über alles informiert, aber dein Streit mit deiner Erau überrascht mich nur wenig, 9

- da//du der Armen doch wohl 'doch etwas zu viel // zugemutet hast. - da//du doch der Armen wohl etwas zu viel//zugemutet hast.

9

- da//du wohl der Armen 'doch etwas zu viel//zugemutet hast. bereits (3/211) 51: Die Direktion bemängelt, daß ihr mit dem Gutachten nicht vorankommt.

2: Die Rüge besteht zu Unrecht, - da//wir die Arbeit doch bereits *doch//abgeschlossen haben. - da//wir doch die Arbeit bereits//abgeschlossen haben. ? - da//wir 'bereits die Arbeit *doch//abgeschlossen haben.

143

Satznegation (3/212) Frau Müller hat mich kürzlich auf der Stra3e angesprochen. Sie fühlt sich von dir übergangen, weil//du diese ehrbegierige Person doch nicht *doch//gegrüöt hast. [+ neue] Elemente Subj (3/213) 51: Müller kam zurück, weil ihm in den Tropen die Haare ausfielen. 52: Aber nein! Er kam zurück, weil//ihm in diesen Breiten doch die Zähne *doch//ausfielen. DatQbj (3/214) 51: Ich habe dem Baby den Milchbrei gegeben. 52: Aber nein! Du hast//das Zeug doch der Katze *doch// gegeben. Temp (3/215) S1: Du mußt mir heute die zweihundert Mark wiedergeben. 52: Aber nein! Ich habe//dir das Geld doch gestern *doch// wiedergegeben. «aus (3/216) 51: Hans ist aus Idealismus zur Bundeswehr gegangen. 52: Aber nein! Er ist//zu diesem Verein doch wegen Geldmangels *doch//gegangen. Lok (3/217) 51: Wir haben den Staubsauger im Keller stehenlassen. 52: Aber nein! Wir haben//das Gerät doch in der Garage *doch//stehenlassen. Mod (3/218) 51: Meier hat in zehn Jahren durch seiner Hände Arbeit ein Vermögen gemacht. 52: Aber nein! Er hat//in diesem Zeitraum doch durch Grundstückspekulationen *doch ein Vermögen//gemacht.

U4

AkkObJ (3/219) 51: Ich hatte meinen Hut in der linken Hand. S2: Aber nein! Du hattest//in dieser Hand doch /» deinen Schirm *doch // Stellungsfeste Elemente •Präd mit Funktionsverb (3/220) Die Voruntersuchungen sind zeitraubend, aber wir werden sie dennoch durchführen, da//sie uns doch von Nutzen *doch//sein können. Die Auswertung der Beobachtungen bezüglich der Stellung des Modells von doch,. im Mittelfeld eines .Satzes basiert auf Diagramm (D3/18). Die Indizes, mit denen darin einige Elemente oben versehen sind, machen eine Angabe darüber, in welchen Bereichen des Stellungsfelderrahmens das betreffende Element vorkommen kann: 1 = Vorfeld; 3 = Mittelfeld; 5 = Nachfeld. So kann z.B. die NP-Paraphrase von Temp im Vor- und Mittelfeld, gelegentlich auch im Nachfeld vorkommen. Für Temp liest sich (D3/18) wie folgt: doch, kann sowohl vor als auch nach [- neuenf) Temp, jedoch nur vor [+ neuen] Temp vorkommen.

145

(D3/18)

l

= strikte Abfolge

doch.

doch*

neu

Subj / Obj / Präd (Pron) aber" Subj.13 DatObj.13 Temp 13(5) Kaus 13(5) Lok Mod

13(5) 13(5)

AkkObj.13 SatzAdv 13 eben' einfach' wohl' bereits' Neg'

Subj DatObj Temp Kaus Lok Mod

AkkObj Präd (mit Funktion; iverb)

146

Aufgrund der in (D3/18) eingetragenen Untersuchungsresultate kann doch., eine bestimmte Stellungscharakteristik zugewiesen werden, wenn man drei Aspekte des hier verwendeten Modells des deutschen Satzes als Rahmen für die Bestimmung dieser Stellungscharakteristik wählt, und zwar: erstens die in (D3/17) dargestellte Grundreihenfolge für nicht neue, neue und stellungsfeste Elemente im Mittelfeld; zweitens die Vorkommensmöglichkeiten eines Elements in den unterschiedlichen Feldern des Satzmodells; drittens die Bereichsspezifität eines Elements, d.h. die Tatsache, daß sein Vorkommen auf nur ein Feld beschränkt ist. Die Annahme einer Grundreihenfolge für das Mittelfeld führt gemäß (D3/18) zu der Feststellung, daß doch,, gegenüber [- neuen] Elementen (Pronomen), [+ neuen] Elementen und bestimmten stellungsfesten Elementen keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzt: doch^ kommt nach den [- neuen] Elementen (Fron) vor und zwar nach Subj (Fron), Obj (Fron) und Präd (Fron), mit denen es strikte Abfolgen bildet; doch., kommt vor [+ neuen] Elementen (Subj, DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und stellungsfesten Elementen wie Präd mit Funktionsverb vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet. Aus der Berücksichtigung der Vorkommensmöglichkeiten eines Elements im Satzmodell resultiert die Feststellung, daß doch., auch gegenüber [- neuen] Elementen (NF-Paraphrasen) keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzt: Zwar kann, wie (D3/18) zeigt, doch, im Bereich zwischen [- neuen] Elementen (Fron) und [+ neuen] Elementen sowohl nach als auch vor [- neuen] Elementen (NP-Par) (Subj (ob dochv vor Subj auftreten kann, ist nicht ganz klar), DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und SatzAdv vorkommen. Diese Elemente können jedoch im Vorfeld und im Mittelfeld, £- neue] Elemente (NP-Par) gelegentlich auch im Nachfeld eines Satzes auftreten, während doch1 bezüglich des Mittelfelds bereichsspezifisch ist, d.h. während sein Vorkommen auf das Mittelfeld beschränkt ist. Im durch Bereichsspezifität gesteckten Rahmen endlich läßt sich feststellen, daß doch., gegenüber anderen für das Mittelfeld bereichsspezifischen Elementen wahrscheinlich ebenfalls keine nich,t-eindeutige Stellungscharakteristik besitzt:

147

doch,, kommt nach £s (Akk) und sich und vor bereits und Neg vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet; doch, kommt nach den Modalpartikeln aber und ja_ und vor den Modalpartikeln eben, einfach und wohl vor, mit denen es ebenfalls strikte Abfolgen bildet (ob doch,, auch nach eben vorkommen kann, ist nicht ganz klar). Die unter Zuhilfenahme von drei Aspekten des hier verwendeten Satzmodells erfolgte Auswertung der Beobachtungen ergibt also, daß das Modell von doch,, im Rahmen dieses Modells eine nahezu eindeutige Stellungscharakteristik besitzt. Gleichzeitig erhält man einen Nachweis der Gültigkeit der Hypothese (H8.1) sowie der diesem Kapitel vorangestellten Arbeitshypothese. 3.8.2. Stellung von doch,,, doch'

(H8.2)

Die Modelle von doch,, und dooh' 2 , deren Stellung zu untersuchen ist, können folgendermaßen beschrieben werden: doch., und doch'g, die weder den Status eines Satzglieds noch den eines Satzgliedteils besitzen, sind unbetonte Mittelfeldelemente, die im Mittelfeld eines Wunschsatzes vorkommen müssen (doch,,) und im Mittelfeld eines eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatzes (doch,,), eines Imperativsatzes (doch,,), einer V2-Frage (doch,,) und einer Ergänzungsfrage (doch 1 ,,) vorkommen können, wobei in diesen Sätzen ein Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses bzw. bezüglich einer Komponente dieses Ereignisses besteht und mit ihnen, sieht man von der Ergänzungsfrage ab, offensichtlich das Ziel verfolgt wird, ein besonderes Interesse am Ein/Nichtein von E auszudrücken. Die beiden Bedeutungskomponenten der Modalpartikeln werden durch Affirmation mittels zweifacher Negation und durch Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein/Nichtein des im Satz mit doch,, bzw. doch',, bezeichneten E gebildet. Die auf eine Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen zurückzuführende Funktion von doch,£ bzw. ^^^^^— doch'„^ besteht nun darin, daß die Modalpartikeln als Ausdruck einer Sprecherintervention den aufgezählten Sätzen einen Appell hinzufügen, diese als Ausdruck eines Wunsches bzw. als Aufforderung zur Gedächtnishilfe aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß die Partikeln in Wunschsatz, Aussagesatz, Imperativsatz und V2-Frage bzw. in der Ergänzungsfrage die Merkmale [+ erwünscht] bzw. [+ potentiell bekannt] signalisieren. [+ erwünscht] ist ein satzinternes Merkmal, durch welches das Ein/Nichtein von E in Wunschsatz, Aussagesatz, Imperativsatz und V2-Frage bewertet wird und diese Sätze für den Gebrauch in speziellen Situationen qualifiziert werden. [+ potentiell bekannt] ist ein satzinternes

14 Merkmal, das der gesuchten Komponente des in einer Ergänzungsfrage bezeichneten Ereignisses zugeordnet wird und den Satz für den Gebrauch in einer speziellen Situation qualifiziert, indem es ihm einen Hinweis auf ein tatsächliches oder vorgegebenes Vorwissen des Sprechers bezüglich der betreffenden Komponente hinzufügt. Im Rahmen einer Arbeitshypothese bezüglich der Stellung der Modelle von dochg und doch'p soll die in (3.8.1.) gemachte Annahme bezüglich einer Unterscheidung dreier Bereiche in einem komplexen Mittelfeld gelten und darüber hinaus von der im gleichen Kapitel ventilierten Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, von der Funktion eines Elements auf dessen Mitteilungswert und damit auf seine Stellung im Mittelfeld zu schließen. Aus der doch,, und doch' L.0 zugeschriebenen ' i. Funktion folgt nun, daß die Modelle der Modalpartikeln nicht [- mitteilungsrelevant] sind. Dagegen lassen sich [+ mitteilungsrelevante] Elemente nachweisen, die das Merkmal [+ erwünscht] signalisieren, so z.B. das Satzadverb glücklicherweise. Solche Elemente bewerten jedoch Tatsachen, die meist für ein weiteres Ereignis von Bedeutung sind: weil sie für dieses Ereignis bedeutsam sind, wird diesen Tatsachen das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet. Außerdem sind diese Elemente wahrscheinlich nur dann wirklich £+ mitteilungsrelevant], wenn sie das Vorfeld einnehmen. Mittels doch,, z.B., das nicht vorfeldfähig ist, werden dagegen nicht Tatsachen, sondern nur Möglichkeiten bewertet und das Eintreten dieser Möglichkeiten ist nicht primär von Bedeutung für ein weiteres Ereignis, sondern entspricht lediglich einem nicht näher begründeten Wunsch des Sprechers. Daher können die Modalpartikeln aber kaum als [+ mitteilungsrelevant J angesehen werden. Folglich muß sich aber das Vorkommen von doch,, und doch' 0 auf den Bereich für Elemente beschränken, die [- mitteilungsrelevant] sind, docho und doch'p kämen dann im Mittelfeld im Bereich zwischen den Pronomen und den neu in den Text eingeführten Elementen vor. Beobachtung und Experiment müssen nun zeigen, ob diese Arbeitshypothese sowie (H8.2) verifizierbar sind. Die folgenden Beispiele sind bezüglich der Stellung der Modelle von doch,, * * i und doch' 0 im Mittelfeld aufschlußreich: ~

-"

L.

[_- neue] Elemente (Pronomen) Subj (Pron) Sie (3/221) Sie behindern unsere Arbeit. Gehen // *doch Sie doch aus dem Weg //

149

AkkObj (Pron) ihn (3/222) 51: Ich habe gestern Hans getroffen. S2: Von mir hast//du *doch ihn doch//gegrüßt? DatObj (Pron) ihm (3/223) S1: Der Kleine hat Durst. 52: Gib//*doch ihm doch etwas//zu trinken! Präd (Pron) das

(3/224) 51: Peter hat sein Studienziel geändert und will jetzt Heilpraktiker werden. 52: Wenn//er *doch das doch schon//wäre. neuej Elemente (NP-Paraphrasen) Subj (NP-Par) (3/225) 51: Inge ist Landesmeisterin im Schwimmen geworden. S2: Einen Glückwunsch hat//doch die strahlende Siegerin doch von uns//erhalten? DatOb.j (NP-Par) (3/226) 51: Wenn ich Müller nur sehe, steigt mir schon das Blut zu Kopfe. 52: Geh//doch dem Kerl doch einfach aus dem Weg// Temp (NP-Par) (3/227) 51: Während deiner Abwesenheit hat es eine Auseinandersetzung mit unserem Geschäftspartner gegeben. 52: Die vertraulichen Papiere hattest // du diesem Menschen doch zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht/gegeben? Kaus (NP-Par) (3/228) 51: Peter hat wegen seiner Anständigkeit viele Freunde. 52: Wenn//er doch aus diesem Grunde doch auch viele Pfrunde//hätte.

150

Lok (NP-Par) (3/229) S1: Was soll ich bloß mit Karin in Freiburg machen? 52: Zeig//der Kleinen doch in diesem Kaff doch das Münster // Mod (NP-Par) (3/230) 51: Der Regierungschef wird vermutlich während seiner gesamten Amtszeit auf die Forderungen der Gewerkschaften mit Härte reagieren. 52: Wenn//er uns in dieser Zeit doch auf diese Weise doch nicht das Sozialsystem//ruinieren würde. AkkOb.j (NP-Par) (3/231) 51: Müllers Taschenrechner hat mir gute Dienste geleistet. 52: Du hast//diesem Menschen doch das Ding ^och //zurückgegeben? Satzadverbien vermutlich (3/232) 51: In drei Wochen habe ich Urlaub. 52: Du wirst//doch vermutlich doch //verreisen? wahrscheinlich (3/233) 51: Hans hat den ganzen Nachmittag wegen des ausgefallenen Mittagessens herumgenörgelt. 52: Der hat//aus diesem Grunde doch wahrscheinlich doch Hunger//? zweifellos (3/234) 51: Bei der Durchführung des Experiments hat es bereits mehrere Unfälle gegeben. 52: Ihr werdet//diesen Versuch doch zweifellos c|och_//abbrechen?

151

Mittelfeldelemente Modalpartikeln aber, einfach, nur (3/235) 51: Hans wäre froh, wenn er Karin endlich los wäre. ? 52: - Er hat//das Mädchen 'doch aber doch //geliebt? 7 , - Er hat//'doch das Mädchen aber//geliebt? - Er hat//aber das Mädchen doch//geliebt? (3/236) 51: Ich freue mich über eure Einladung, aber wo lasse ich meinen Sohn? 52 r, - Bring//den Jungen doch einfach *doch//mit! - Bring//doch den Jungen einfach//mit! - Bring//einfach den Jungen *doch//mit! (3/237) 51: Hans streitet sich ständig mit seinem Nachbarn. 52: - Wenn//er diesem Menschen doch nur *doch aus dem Weg//gehen würde. . - Wenn//er doch diesem Menschen nur aus dem Weg// gehen würde. - Wenn//er nur diesem Menschen *doch aus dem Weg// gehen würde. bereits (3/238) 51: Peter mup seinen Wehrdienst leisten. 52: - Du hast//diesen Krampf doch bereits *doch hinter dir//? - Du hast//doch diesen Krampf bereits hinter dir//? ? - Du hast//'bereits diesen Krampf *doch hinter dir//? Satznegation (3/239) 51: Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns trennen. 52: Geh//doch nicht *doch//weg! [+ neue] Elemente Sub.j (3/240) 51: Irgendwer wird den Schaden schon reparieren. f) 52: Den wird//doch der Hausmeister 'doch//reparieren?

152

DatOb.j (3/241) S1: Irgendwem wird Hans das Schlüsselbund schon gegeben haben. S2: Er wird //das Ding doch der Nachbarin *doch //gegeben haben?

Temp (3/242) S1: Irgendwann werde ich das Examen schon ablegen. S2: Du wirst //diese Prüfung doch in diesem Jahr *doch //

ablegen? Kaus (3/243) S1: Aus irgendeinem Grund wird Hans Karin schon geheiratet haben. S2: Er wird //dieses nette Mädchen doch aus Liebe *doch //ge-

heiratet haben? Lok

(3/244) S1: Irgendwo werden wir Inge schon begegnen. S2: Wir werden //dieser tollen Frau doch im Schwimmbad *doch // begegnen? Mod

(3/245) 51: Irgendwie werde ich Karin schon abschieben. S2: Du wirst //das arme Mädchen doch mit Feingefühl

*doch //abschieben? Akkbbi (3/246) S1: Irgendwen wirst du in der Wohnung schon antreffen. s

S2: Ich werde //in der Bruchbude doch unseren Gewährsmann

*doch //antreffen? Stellungsfeste Elemente Präd mit Funktionsverb (3/247) S1: Ich habe aus der Firma eine Rechenmaschine mitgebracht. S2: Man hat //dir das Gerät doch zur Verfügung *doch // gestellt? Die Auswertung der die Stellung der Modelle von doch,, und dooh'g im Mittelfeld eines Satzes betreffenden Beobachtungen beruht auf Diagramm (D3/19).

153

= strikte Abfolge

(D3/19)

doch_

doch» -

+

neu

>

/"" Subj/Obj/Präd (Pron) aber

^^ ?

>

c Subj

· .13

>

>

DatObj 13

>

>

Temp 13(5)

>

>

Kaus 13(5)

>

>

Lok 1 3 ( 5 )

>

>

Mod 13(5)

>

>

AkkObj 13

>

>

SatzAdv 13

>

einfach

>

nur

>

bereits

>

Neg 3

> ^^" ^^ ^^ ^^

>

Subj

>

DatObj

>

Temp

>

«aus

>

Lok

^^ ^^"

>

Mod

^^"

>

AkkObj

>

Präd (mit Funktion jverb)

^^ ^^ ^^

^^ ^^

154

Die Bestimmung der aus (D3/19) ableitbaren Stellungscharakteristik der Modelle von doch,, und doch',, soll auch hier gemäß der bereits in (3.8.1.) gewählten drei Aspekte des als Modell des deutschen Satzes aufzufassenden Stellungsfelderrahmens erfolgen: Setzt man die Existenz einer Grundreihenfolge für das Mittelfeld voraus, so läßt sich gemäß (D3/19) feststellen, daß doch,,, doch',, gegenüber [- neuen] Elementen (Pronomen), [+ neuen] Elementen und bestimmten stellungsfesten Elementen keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzen: doch,,, doch',, kommen nach den [- neuen] Elementen (Pron) vor und zwar nach Subj (Pron), Obj (Pron) und Präd (Pron), mit denen sie-strikte Abfolgen bilden; doch,,, doch' kommen vor [+ neuen] Elementen (Subj, DatObj, Temp, Kaus, Lok, ~ · — ""Z " ' "" L· Mod, AkkObj) und stellungsfesten Elementen wie Präd mit Funktionsverb vor, mit denen sie strikte Abfolgen bilden. Bezieht man die Vorkommensmöglichkeiten von doch,,, doch',, im Stellungsfelderrahmen bei der Bestimmung ihrer Stellungscharakteristik mit ein, so läßt sich feststellen, daß die Modalpartikeln auch gegenüber [- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzen: zwar läßt sich (D3/19) entnehmen, daß doch,,, doch'g im Bereich zwischen [- neuen] Elementen (Pron) und ["+ neuen] Elementen sowohl nach als auch vor [- neuen] Elementen (NP-Par) (Subj (ob doch,,, doch',, vor Subj vorkommen können, ist nicht völlig klar), DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und SatzAdv vorkommen. Diese Elemente sind jedoch nicht nur mittelfeld-, sondern auch vorfeldfähig, [- neue] Elemente (NP-Par) manchmal auch nachfeldfähig, während doch„, doch' bezüglich des Mittelfelds bereichsspezifisch, d.h. L· —*—"^— ^ lediglich mittelfeldfähig sind. Ein Vergleich mit durch Bereichsspezifität bezüglich des Mittelfelds gekennzeichneten Elementen endlich zeigt, daß doch,,, doch',, wahrscheinlich auch in diesem Rahmen keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzen: doch,,, dooh',, kommen nach es ( A k k ) und sich und vor bereits und Neg vor, mit denen sie strikte Abfolgen bilden; doch,,, doch',, kommen nach der Modalpartikel aber und vor den Modalpartikeln einfach und nur vor, mit denen sie ebenfalls strikte Abfolgen bilden. Die Auswertung der Beobachtungen ergibt also, daß die Modelle von doch^, doch'im Rahmen des hier gewählten Satzmodells eine nahezu eindeutige Stellungscharakteristik besitzen. Darüber hinaus finden die Hypothese (H8.2) sowie die an den Anfang dieses Kapitels gestellte Arbeitshypothese eine Bestätigung. Aufschluß-

155

reich ist ferner, daß sich die Modelle von doch, und doch,,, doch_' nicht durch ihre Stellung unterscheiden. Ihre Verschiedenheit wird vielmehr durch ihr Vorkommen und, damit zusammenhängend, durch ihre Funktion begründet: In demjenigen Mittelfeld, in dem doch.' vorkommen und eine bestimmte Funktion erfüllen kann, sind doch,,, doch 1 « ausgeschlossen und umgekehrt. Eine rein technische Begründung gibt es für die Tatsache, daß doch, und doch,, keine hervorgehobene Position wie etwa Konjunktionen einnehmen, wenn sie die Rolle einer Satzkonstituierenden innehaben: Im Wunschsatz wird die linke Klammer durch die für den Satz ebenfalls konstitutive Konjunktion wenn, die rechte Klammer durch das Verb besetzt, im kausalen Nebensatz mit wo sind es wieder die für den Satz ebenfalls konstitutive Konjunktion und das Verb, die linke und rechte Klammer einnehmen und im nachgestellten V1-Satz befindet sich das finite Verb, dessen Stellung für diesen Satz ebenso konstitutiv ist wie doch., in der linken Klammer, während die rechte Klammer für die nicht-finiten Teile der Verbalgruppe reserviert bleibt. Für doch, und doch- steht also in solchen vorfeldlosen Sätzen nur das Mittelfeld zur Verfügung. 3.8.3. Stellung von j£ (H8.3) Das Modell von ja, dessen Stellung zu überprüfen ist, wird wie folgt definiert: ja, das weder den Status eines Satzglieds noch den eines Satzgliedteils besitzt, ist ein unbetontes Mittelfeldelement, das im Mittelfeld eines Aussagesatzes, eines nicht bewerteten daß-Satzes und eines durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatzes vorkommen kann, wenn in diesen Sätzen kein Mangel an Gewißheit bezüglich eines erwünschten Eintretens/Nichteintretens des in'ihnen bezeichneten Ereignisses vorliegt. Die Bedeutung der Modalpartikel kann als satzmerkmalspezifische Affirmation beschrieben werden. Die aus einer Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen resultierende Funktion von ja_ besteht darin, daß die Modalpartikel als Ausdruck einer Sprecherintervention den aufgezählten Sätzen einen Appell hinzufügt, diese entweder als Begründung oder als Beweis aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß ja in dem jeweiligen Satz das Merkmal \+ argumentativ] signalisiert. [+ argumentativ] ist ein relationales Merkmal, mit dem ein Satz versehen wird, der eine bestimmte Relation zu einem weiteren Ereignis besitzt und sich damit insgesamt auf dieses Ereignis bezieht. [+ argumentativ] ist, wird §s von j£ signalisiert, insofern ein generelles Merkmal, als es global die zwischen einem Satz und einem weiteren Ereignis bestehen-

156

den Relationen Begründung und Beweis anzeigt, wobei erst der betreffende Satz selbst und das entsprechende weitere Ereignis sowie zusätzliche Merkmale die endgültige Identifizierung jeder dieser Relationen ermöglichen. Für die Formulierung einer Arbeitshypothese sei die in (3:8:1.) angenommene Dreiteilung eines komplexen Mittelfelds sowie die Möglichkeit gegeben,' von der Funktion eines Elements auf dessen Mitteilungswert und damit auf seine Stellung im Mittelfeld zu schließen. Die ja_ zugeschriebene Funktion spricht nun dafür, das das Modell der Modalpartikel weder f_- mitteilungsrelevant] noch [_+ mitteilungsrelevant] , sondern vermutlich [- mitteilungsrelevant} ist. Demnach ist aber mit einem Vorkommen von j£ im Mittelfeld im Bereich für L- mitteilungsrelevante] Elemente, d.h. im Bereich zwischen Pronomen und neu in den Text eingeführten Elementen, zu rechnen. Darüber hinaus lassen sich aus der in (3.8.1.) konstatierten strikten Abfolge j£ > doch.. Schlußfolgerungen ziehen, die zum Teil ebenfalls Aufschluß über die Stellung von ja_ im Mittelfeld geben: >

ja_

doch1

>

X

ja

>

X

>

=>

>

doch_1

doch,.

Dabei bezeichnet X irgendein Element im Mittelfeld und die lange geschweifte Klammer eine Alternative. Beobachtung und Experiment müssen nun erweisen, ob diese Arbeitshypothese sowie (H8.3) zu Recht bestehen. Die folgenden Beispiele gestatten es, Tatsachen bezüglich der Stellung des Modells von JEJ im Mittelfeld eines Satzes zu gewinnen: [- neue] Elemente (Pronomen) Subj(Pron) er (3/248) S1: Daß Hans trotz seiner vielen Sorgen nicht trinkt, ist mir unverständlich. 52: Er trinkt nicht, weil //*ja er ja^ kein Geld //hat.

157

AkkObj (Pron)

ihn (3/249) 51: Ich möchte nur wissen, wann der Braten endlich aufgetragen wird. S2: (Freude, denn) Da bringen //sie *ja ihn ja_ // Datubj (Pron) ihm (3/250) 51: Wird Hans demnächst befördert? 52: Ich hoffe es, da //man es *ja ihm ja_ //versprochen hat. Präd (Pron) das

(3/251) S1: Sollte Meier sich nicht lieber einem Rechtsanwalt anvertrauen? 52: Meier benötigt keinen Anwalt, da //er *ja das ja selbst //ist. ;[- neue] Elemente (N|P-Paraphrasen) Subj (NP-Par) (3/252)

Seit Stunden suche ich die Katze. (Freudiges Erstaunen, denn) Da kommt //ja die treulose Tomate j£ //

DatObj (NP-Par) (3/253) S1: Mußte Müller denn unbedingt Abteilungsleiter werden? S2: Er erschien uns als förderungswürdig. Das Institut hat // j£ diesem Mitarbeiter j£ einiges //zu verdanken. Temp (NP-Par) (3/254) Der Elektrokonzern befand sich Ende letzten Jahres in einer schweren Krise. Die Banken hatten

//dem

Unternehmen j£ zu diesem Zeitpunkt j£ keine weiteren Kredite //gewährt.

158

Kaus (NP-Par) (3/255) 51: Inge würde aus Sparsamkeit am liebsten ihren Dackel vergiften. 52: Das 'erstaunt mich nicht, da //sie ja_ aus diesem Grund jii auch ihren Kanarienvogel //erwürgt hat. Lok (NP-Par) (3/256) 51: Karin ist im Hafenviertel von einem Mann angepöbelt worden. 52: Sie sollte sich nicht beklagen, da //sie j£ in dieser berüchtigten Gegend ja_ nichts //verloren hat. Mod (NP-Par) (3/257) Müller ist betrunken in die Firma gekommen. Er hat sich eine Rüge zugezogen, weil //er j£ in diesem Zustand j£ seine Arbeit nicht //verrichten konnte. Akkübj (NP-Par) (3/258) Hans hat beim Kauf seines neuen Fernsehapparates viel Geld gespart. Er hat //ja das Gerät ja über den Großhandel //bezogen. Satzadverbien leider (3/259) 51: Ich bin überzeugt, daß man den Brandstifter bald identifizieren wird. 52: Das glaube ich nicht, zumal //ihr den Täter ja_ leider • ja_ nicht //beschreiben konntet. anscheinend (3/260) 51: Warum will die Firma den Müller verklagen? 52: Sie will ihn verklagen, weil //man ja_ anscheinend ja belastendes Material gegen ihn //gefunden hat. zweifellos (3/261) 51: Inge hat mich gestern einen Hornochsen genannt. 52: Du darfst dir das nicht zu Herzen nehmen. Sie hat // das j£ zweifellos ja_ ohne böse Absicht //gesagt.

159

Mittelfeldelemente Modalpartikeln aber, doch,., eben, einfach, wohl (3/262) 51: Wenn Peter seine Fehler einsehen würde, könnte man ihm helfen. 9 S2r - Er will //seine negativen Eigenschaften 'ja aber ja nicht //wahrhaben. Daher ist jeder Rettungsversuch vergeblich. 7 - Er will / / ' j a seine negativen Eigenschaften aber nicht //wahrhaben. Dahör... - Er will //aber seine negativen Eigenschaften ja^ nicht //wahrhaben. Daher... (3/263)

- (Erstaunen, denn) Das Fenster ist //ja doch, *ja tatsächlich nicht //erleuchtet. Hans kann nicht zu Hause sein. - (Erstaunen, denn) Das Fenster ist //ja tatsächlich doch, nicht //erleuchtet. Hans... - (Erstaunen, denn) Das Fenster ist //doch,, tatsächlich *ja nicht //erleuchtet. Hans...

(3/264) S1: L. ist nicht geflohen, weil er genau weiß, daß er als Diplomat immun ist. S2: Kann man ihn nicht trotzdem hinter Schloß und Riegel setzen? S1: Das ist schwierig. - Man kann //den Spitzbuben ja eben ?'ja nicht ohne weiteres //verhaften. - Man kann //ja den Spitzbuben eben nicht ohne weiteres // verhaften. 9 - Man kann //eben den Spitzbuben 'ja nicht ohne weiteres // verhaften.

160

(3/265) S1: Da sind Leute mit einem neuen Fernseher für Müller, aber der Mensch ist nicht zu Hause. S2: Das ist kein Unglück, - da //sie die Kiste ja^ einfach *ja beim Hausmeister // abliefern können. - da //sie j£ die Kiste einfach beim Hausmeister // abliefern können. - da //sie einfach die Kiste *ja beim Hausmeister //abliefern können. (3/266) 51: Frau Müller hat uns mit dem Einfluß ihres Mannes gedroht. 52: Die macht sich lächerlich, - da //sie ihren Ernährer jja wohl *ja etwas //überschätzt. - da //sie j£ ihren Ernährer wohl etwas //überschätzt. - da //sie wohl ihren Ernährer *ja etwas //überschätzt. bereits (3/267) S1: Müller bemängelt, daß du seinen Taschenrechner benutzt. S2: Er soll sich nicht aufregen. - Ich habe //ihm das Ding ja_ bereits *ja //zurückgegeben. - Ich habe //ihm Ji3 das Ding bereits //zurückgegebön. - Ich habe //ihm bereits das Ding *ja //zurückgegeben. Satznegation (3/268) 51: Inge hatte sich wohl vorgenommen, bei den Ausscheidungswettkämpfen einen Spitzenplatz zu erringen. Seitdem ist sie besonders kratzbürstig. 52: Das ist verständlich, - da //sie ihr Ziel ja nicht *ja //erreicht hat. - da //sie jja ihr Ziel nicht //erreicht hat. - da //sie nicht ihr Ziel *ja //erreicht hat. [+ neue] Elemente SJbj (3/269) 51: Wer hat den Kindern bloß die tote Ratte gegeben? 52: (Beruhige dich, denn) Die hat //den Gören j£ der Biologielehrer *ja //gegebön.

161

Datübj (3/270) S1 Wem hat die Kleine bloß das Schlüsselbund gegebön? 52: (Beruhige dich, denn) Sie hat //das Ding ja_ dem Hausmeister *ja //gegeben. Temp (3/271) 51: Wann trägt Karin denn endlich den Entenbraten auf? 52: (Beruhige dich, denn) Sie trägt //das Prachtstück s ja in fünf Minuten *ja //auf. Kaus (3/272) 51: Warum hat Peter mir nur diese schrecklichen Meerschweinchen geschenkt? 52: (Beruhige dich, denn) Er hat //dir diese Tierchen jji aus Liebe *ja //geschenkt. Lok (3/273) 51: Wo habe ich bloß die tausend Mark versteckt? Ich hab's völlig vergessen. 52: (Beruhige dich, denn) Du hast //das Geld j£ unter X der Wäsche *ja //versteckt.

Mod (3/274) S1 : Wie hat Müller bloß die gute Stellung bekommen? S2: (Beruhige dich, denn) Er hat //den Posten ja_ durch Beziehungen *ja // bekommen. Was hat Müller bloß in meiner Schreibtischschublade gesucht? (Beruhige dich, denn) Er hat //darin j£ seinen Taschenrechner *ja //gesucht. Stellungsfeste Elemente Präd mit Funktionsverb (3/276) Hans will sich in den Ferien ausschließlich mit seiner Dissertation befassen. Er muß //die Arbeit ja zum Abschluß *ja //bringen. Die Auswertung der Beobachtungen bezüglich der Stellung des Modells von j£ im Mittelfeld eines Satzes stützt sich auf (D3/20).

162

(D3/20)

= strikte Abfolge

ja

ja

+

neu

/ /

>

Subj/Dbj/Präd (fron) aber

>

>

Subj13

>

>

DatObj 13

>

>

Tem P 13(5)

>

>

Kaus 13(5)

>

>

Lok 13(5)

>

>

Mod 13(5)

>

>

AkkObj 13

>

>

SatzAdv 13

>

doch.j

iX

>

eben

/

>

einfach

>

wohl3

>

bereits

>

Neg3

> X

// ^ //

>

Sqbj

// ^

>

DatObj

//

>

Temp

//

>

Kaus

//

>

Lok

^X

>

Mod

>

AkkObj

>

Präd (mit Funkti ansverb)

/^ /

s/

163

Die Stellungscharakteristik des Modella von j£ soll aufgrund von (D3/20) wie in (3.8.1.) determiniert werden. Zunächst läßt sich feststellen, daß ja im Rahmen der hier gewählten Grundreihenfolge für das Mittelfeld gegenüber [- neuen] Elementen (Pronomen), [+ neuen] Elementen und bestimmten stellungsfesten Elementen keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik besitzt: ja kommt nach den i[- neuen] Elementen (Pron) vor und zwar nach Subj (Pron), Obj (Pron) und Präd (Pron), mit denen es strikte Abfolgen bildet; ja kommt vor [+ neuen] Elementen (Sgbj, DatQbj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und stellungsfesten Elementen wie Präd mit Funktionsverb vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet. Auch gegenüber ;[- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) besitzt ja_ keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik, wenn man die Vorkommenamöglichkeiten der Elemente im Satzmodell berücksichtigt: ja_ kann zwar, wie (D3/20) zeigt, im Bereich zwischen [- neuen] Elementen (Pron) und [+ neuen] Elementen sowohl nach als auch vor [- neuen] Elementen (NP-Par) (Subj, DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und SatzAdv vorkommen. Diese Elemente sind jedoch mittelfeld- und vorfeldfähig, [- neue] Elemente (NP-Par) gelegentlich sogar nachfeldfähig, während ja_ bezüglich des Mittelfelds bereichsspezifisch ist, d.h. während sein Vorkommen auf das Mittelfeld beschränkt ist. Ein Vergleich von j£ mit anderen bezüglich des Mittelfelds bereichsspezifischen Elementen zeigt endlich, daß das Modell der Modalpartikel vermutlich auch in diesem Rahmen keine nich,t-eindeutige Stellungscharakteristik besitzt: ja kommt nach es (Akk) und sich und vor bereits und Neg vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet; j£ kommt nach der Modalpartikel aber und vor den Modalpartikeln doch,., eben, einfach und wohl vor, mit denen es offenbar ebenfalls strikte Abfolgen bildet. Die Auswertung der Beobachtungen führt also zu der Erkenntnis, daß das Modell von ja im Rahmen des hier benutzten Satzmodells eine nahezu eindeutige Stellungscharakteristik besitzt. Außerdem erhält man eine weitgehende Rechtfertigung der Hypthese (H8.3) sowie der eingangs in diesem Kapitel formulierten Arbeitshypothese.

164

3.8.4. Stellung von schon (H8.4) Das Modell von schon, dessen Stellung zu bestimmen ist, wird folgendermaßen definiert: schon, das weder den Status eines Satzglieds noch den eines Satzgliedteils besitzt, ist ein unbetontes Mittelfeldelement, das im Mittelfeld eines Aussagesatzes, eines daß-Satzes, eines durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatzes, eines Konzessivsatzes, eines Konsekutivsatzes, eines durch wobei eingeleiteten Nebensatzes, eines durch wenn eingeleiteten Nebensatzes und einer Ergänzungsfrage vorkommen kann, wenn folgende Vorkommensbedingungen erfüllt sind: Im Aussagesatz, daß-Satz, Kausalsatz, Konzessivsatz, Konsekutivsatz sowie im wobei-Satz muß erstens bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses ein durch eine Vorhersage begründeter Mangel an Gewißheit bestehen. Zweitens muß dem Ein/Nichtein von E in diesen Sätzen das Merkmal [+ erwünscht] zugeordnet sein; Neben den eben genannten Bedingungen muß beim dqß-Satz einmal der dem Nebensatz zugeordnete Hauptsatz eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/ Nichtein von E im daß-Satz enthalten, die im Bereich von Ich glaube bis Ich versichere dir liegt. Zum anderen muß sich der bewertende Sprecher für seine Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E im Nebensatz verbürgen, was z.B. dann der Fall ist, wenn er mit dem Subjekt des bewertenden Hauptsatzes identisch ist; Im durch wenn eingeleiteten Nebensatz muß erstens bezüglich des Ein/Nichtein von E ein Mangel an Gewißheit bestehen, der dann gegeben ist, wenn dieser Satz eine Hypothese enthält. Zweitens muß im Nebensatz mit wenn das Merkmal [+ erwünscht] fehlen, während es dem Ein/Nichtein von E im Hauptsatz meist zugeordnet ist; In der Ergänzungsfrage muß erstens bezüglich des gesuchten Substitute für das Fragepronomen ein Mangel an Gewißheit bestehen, der in einem solchen Satz aufgrund der in ihm enthaltenen Fragesemantik automatisch gegeben ist. Zweitens muß der Sprecher dazu in der Lage sein, unter der Menge der pote,ntiellen Substitute für das Fragepronomen eine Auswahl zu treffen, durch die das Ein/Nichtein von E in der Ergänzungsfrage in sein Gegenteil umgewandelt wird, ohne daß Neg hinzugefügt oder getilgt werden mUß. Die Bedeutung der Modalpartikel schon kann einmal als intentional eingeschränkte Affirmation, zum anderen als Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des

165

Sprechers) und endlich als total eingeschränkte Affirmation des Eintretens/ Nichteintretens eines Ereignisses bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E aufgefaßt werden. Die aus einer Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen resultierende Funktion von schon be•steht nun darin, daß die Modalpartikel als Ausdruck einer Sprecherintervention den aufgezählten Sätzen einen Appell hinzufügt, die in Aussagesatz, daß-Satz, Kausalsatz, Konzessivsatz, Konsekutivsatz und wobei-Satz ausgedrückte Vorhersage als Konstatation, die im wenn-Satz enthaltene Hypothese als Zugeständnis und die Ergänzungsfrage als rhetorische Frage aufzufassen. Dies wird dadurch ermöglicht, daß durch schon sowohl der in Vorhersage und Hypothese vorhandene Mangel an Gewißheit bezüglich des Eintretens/Nichteintretens des in diesen bezeichneten Ereignisses, als auch der in der Ergänzungsfrage nachweisbare Mangel an Gewißheit bezüglich des gesuchten Substituts für das Fragepronomen abgebaut wird, was durch eine Modifizierung des Merkmals ;£- gewiß] zu [(-)—>(+) gewiß] konkretisiert werden kann. Die Modifizierung des satzinternen Merkmals [- gewiß] zu [(-) —»(+) gewiß] signalisiert schon je nach Vorkommen in unterschiedlicher Weise: Im eine Vorhersage enthaltenden Aussagesatz, daß-Satz, Kausalsatz, Konzessivsatz, Konsekutivsatz und wobei-Satz bewirkt schon durch seine Bedeutung, 'd.h. durch intentional eingeschränkte Affirmation, eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Eintretens/Nichteintretens des in diesen Sätzen bezeichneten Ereignisses. Der durch diese Bekräftigung erzielte Umfang des Abbaus des Mangels an Gewißheit bezüglich des Ein/Nichtein von E kann durch den Bereich beschrieben werden, der sich von Ich glaube bis Ich • versichere dir erstreckt; Im eine Hypothese enthaltenden wenn-Sata verursacht schon durch seine Bedeutung, d.h. durch Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung, eine Konstatation der Unvermeidbarkeit des Ein/Nichtein von E; In der Ergänzungsfrage bewirkt schon durch seine Bedeutung, d.h. durch total eingeschränkte Affirmation des Eintretens/Nichteintretens des bezeichneten Ereignisses bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E, eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Ein/Nichtein von E. Auch hier soll, wie bereits in (3.8.1.), für die Formulierung einer Arbeitshypothese bezüglich der Stellung des Modells von schon die Dreiteilung eines komplexen Mittelfelds gelten. Darüber hinaus sollen Rückschlüsse von der Funktion

166

eines Elements auf seinen Mitteilungswert und damit auf seine Stellung im Mittelfeld zulässig sein. Die schon zugeschriebene Funktion spricht nun dafür, daß das Modell der Modalpartikel nicht [- mitteilungsrelevant] ist. Wahrscheinlich kann es auch nicht zu den [+ mitteilungsrelevanten] Elementen gerechnet werden. Demnach müßte aber schon im Mittelfeld im Bereich für £- mitteilungsrelevantej Elemente, dJh. im Bereich zwischen Pronomen und neu in den Text eingeführten Elementen, anzutreffen sein. Es ist indessen anzumerken, daß die Funktion, die schon in einem Satz'erfüllt, bedeutsamer ist als diejenige, die doch*, doch,,, doch'p oder ja in einem Satz erfüllen. Damit käme aber,1 vom Standpunkt der Mitteilungsrelevanz her betrachtet, der Modalpartikel schon eine größere Bedeutung zu als den Modalpartikeln dochu, doch.,, doch',, und ja. Wirkt sich dieser Tatbestand im Mittelfeld generell auf die Stellung eines Elements aus, so müßte aber die Stellung von schon wenigstens partiell von derjenigen von doch,. bzw. dochp, doah'o bzw. ja_ abweichen. Diese Arbeitshypothese sowie (HB.4) müssen nun durch Beobachtung und Experiment überprüft werdön. Die folgenden Beispiele geben Aufschluß über die Stellung des Modella von schon im Mittelfeld eines Satzes: [- neuej Elemente ('Pronomen) Subj (fron) er (3/277) S1: Hoffentlich legt Hans sich nicht mit diesem Raufbold an. S2: Dem Kerl wird // *schon er schon mit Vorsicht //begegnen. AkkObj ('Pron) ihn (3/278) Sie sollten sich um ihren Papagei keine Sorgen machen. Ich bin sicher, daß // wir *schon ihn schon //finden werden. DatObj (Pron) ihm (3/279) S1: Hoffentlich erfährt der Chef nichts von Inges Bauchtanz. 52: Darauf kannst du dich verlassen, da //wir *schon ihm schon nichts //verraten werden.

167

Präd (Pron) das (3/280) S1: Hoffentlich wird der Junge eines Tages ein fähiger Techniker. S2: Du kannst beruhigt sein. Ich bin überzeugt, daß //er *schon das schon //werden wird. [_- neue] Elemente (NP-Paraphrasen) Sub.j (NP-Par) (3/281) S1: Der Minister hat sich offensichtlich in den Kopf gesetzt, die Grundrechte der Bürger einzuschränken. 7 S2: Warte nur. Eines Tages wird //'schon dieser gefährliche Bursche schon die Quittung für seine dunklen Machenschaften //erhalten. DatObj (NP-Par) (3/282) 51: Der Großaktionär hat die ihm zur Last gelegte Steuerhinterziehung erfolgreich bestritten. 7 S2: Wer kann //'schon diesem Fuchs schon das Wasser //reichen? Temp (NP-Par) (3/283) S1: Karin soll also für vier Wochen in die Nervenheilanstalt? 52: Wir machen uns Sorgen um sie, 7 - obgleich //sie 'schon während dieser Zeit schon zur Vernunft //kommen wird. - obgleich //sie *schon dann schon zur Vernunft //kommen wird. Kaus (NP-Par) (3/284) 51: Wenn Hans wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nur von den Zigaretten loskäme. 52: Du solltest dir keine Sorgen machen. 7 - Er wird //sich 'schon aus diesem Grunde schon das Rauchen //abgewöhnen. - Er wird //sich *schon deshalb schon das Rauchen // abgewöhnen.

168

Lok (NP-Par)

(3/285) S1: Hoffentlich hast du deine Haftschalen hier im Hotelzimmer verloren. 52: Ich habe den ganzen Tag das Bett nicht verlassen, 7 so daß //wir sie 'schon in diesem Rattenloch schon // finden werden. Mod (NP-Par) (3/286) S1: Glaubst du, daß ich meiner Freundin durch gutes Zureden die Angst vor der Entbingung austreiben kann? 7

52: Ich bin überzeugt, daß //du der Kleinen 'schon auf diese Weise schon ihre Befürchtungen //nehmen wirst. AkkOb.j (NP-Par) (3/287) 51: Inge will ihren Trainer trotz seiner Vorliebe für Knaben heiraten. 7 52: Sie wird //dem 'schon diese Unart schon //austreiben. Satzadverbien ohnehin Die Pressekampagne gegen den der Spionage verdächtigen

(3/2 8)

Politiker ist übertrieben. Die Staatsanwaltschaft wird // 7

ihn 'schon ohnehin schon zur Strecke // bringen vermutlich (3/289) 51: Karin hat starke Kopfschmerzen. 52: Mach dir keine Sorgen. Nach Einnahme der Medikamente wird //sie die Beschwerden *schon vermutlich schon // überwinden. zweifellos (3/290) 51: Inge fürchtet, sich in dem Alpendorf zu langweilen. 7

52: Da kann ich nur lachen, weil //sie in dem Nest 'schon zweifellos schon Anschluß //finden wird. Mittelfeldelemente

Modalpartikeln aber, eben, ja, wohl (3/291) Hans hält nichts von unserem neuen Forschungsvorhaben.

169

- Wir werden //den Muffel *schon aber schon von dessen Notwendigkeit //überzeugen. - Wir werden //*schon den Muffel aber von dessen Notwendigkeit //überzeugen. - Wir werden //aber den Muffel schon von dessen Notwendigkeit //überzeugen. (3/292) S1: Seit wir die teure Wohnung gemietet haben, gibt es für uns keine Kinobesuche mehr. 52: Wird euch das Kino nicht fehlen? S1: Wahrscheinlich. Aber wir können es uns nicht leisten und außerdem haben wir ja Fernsehen. - Deshalb werden //wir uns *schon eben schon mit der "Ausgangssperre" //abfinden. - Deshalb werden //wir uns *schon mit der "Ausgangssperre" eben //abfinden. - Deshalb werden //wir uns eben mit der "Ausgangssperre" schon //abfinden. (3/293) 51: Ich bin beunruhigt, weil Peter immer noch nicht zu Hause

ist. 52: Mach dir keine unnötigen Sorgen. Er wird //*schon ja schon //kommen. (3/294) 51: Hoffentlich bekommt Inge die Stelle als Sportlehrerin. 52: Ich bin zwar kein Hellseher, - aber ich glaube, daß //sie den Posten *schon wohl schon //bekommen wird. - aber ich glaube, daß //sie *schon den Posten wohl // bekommen wird. - aber ich glaube, daß //sie wohl den Posten schon // bekommen wird. Satznegation (3/295) 51: Inge will an den Wettkämpfen in Hut und Mantel teilnehmen, um gegen Voyeure zu protestieren. •

52: - Wenn //sie ihre Oberbekleidung schon nicht *schon // ablegen will, dann sollte sie wenigstens ihre Kopfbedeckung entfernen.

170

- Wenn //sie schon ihre Oberbekleidung nicht //ablegen will, ... - Wenn //sie nicht ihre Oberbekleidung *schon //ablegen will, ... [+ neue] Elemente Subj (3/296) S1: Wer wird Onkel Theo bloß die durch die Sturmschäden verursachten Kosten ersetzen? 52: Die wird //dem Geizhals schon die Versicherung 'schon // ersetzen. DatDbj (3/297) 51: Wem wird Onkel Willi bloß sein ansehnliches Vermögen vermachen?

s

^

52: Er wird //die Gelder schon den rechtmäßigen Erben 9

'schon //vermachen. Temp

(3/298) 51: Wann wird Peter bloß das Sorgegeld für das Kind überweisen? 52: Er wird //den Betrag schon zur rechten Zeit 'schon // überweisen. K aus

(3/299) 51: Warum will sich Inge bloß einer Nasenoperation unterziehen? 52: Sie will //sich dieser Prozedur schon aus guten Gründen 9 'schon //unterziehen. Lok

(3/300)51: Wo werde ich bloß Peter finden? 52: Du Du wirst wirs //den Saufkopf schon in der Kneipe 'schon // finden.

Mod (3/301) 51: Wie werde ich Inge bloß zu einer Heirat bewegen können? 52: Du wirst //die Schöne schon durch deine Überredungskünste 9

'schon zu einer Heirat //bewegen können.

171

AkkObj (3/302) 51: Was wird Karin nach ihrer Scheidung blo0 machen? 52: Sie wird //nach diesem Reinfall schon etwas Vernünftiges *schon //machen. X

Stellungsfeste Elemente Präd mit Funktionsverb (3/303) S1: Glaubst du, daß die Regierung für die Abschaffung gewisser Grundrechte eine Mehrheit erhalten wird? 52: Die Opposition kann in dieser Frage mit Stimmen von den Regierungsparteien rechnen, so daß //sie die betreffenden Gesetzesvorlagen schon zu Fall *schon // bringen wird. Die Auswertung der Beobachtungen, die die Stellung des Modells von schon im Mittelfeld eines Satzes zum Gegenstand hatten, basiert auf Diagramm (D3/21).

172 (D3/21)

= strikte Abfolge schon

schon

+

neu χ> χ/

-

>

Subj/Obj/Pr d (fron)

//

aber.

>

//

eben.

>

oa3

>

wohl

>

SatzAdv

>

χ^

^

^ s/ ^

Temp (dann)

>

«aus (deshalb)

>

7

Subj 13

>

7

DatObj 13

>

7

Τ61Φ13(5)

>

?

Kaus 1 3 ( 5 )

>

?

Lok 1 3 < 5 )

>

7

Mod 13(5)

>

?

AkkObj 13

>

>

1

cSubj κ· ^

>

7 Neg

//

>

DatObj

//

>

Temp

>

«aus

>

Lok

>

Mod

>

AkkObj

// //

>

Pr g1 (mit Funkt: onsverb)

/x

/

173

Mittels (D3/21) kann die Stellungscharakteristik des Modells von schon wie in (3.8.1.) bestimmt werden. Im Rahmen der hier gewählten Grundreihenfolge für das Mittelfeld eines Satzes besitzt schon gegenüber [- neuen] Elementen (Pronomen), den [- neuen] Elementen Temp (dann) und Kaus (deshalb), SatzAdv, den meisten [+ neuen] Elementen und bestimmten stellungsfesten Elementen keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik: schon kommt nach den [- neuen] Elementen (Pronomen) vor, und zwar nach Subj (Pron), Obj (Pron) und Präd (Pron), mit denen es strikte Abfolgen bildet; schon kommt nach den [- neuen] Elementen Temp (dann) und Kaus (deshalb) vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet; schon kommt nach SatzAdv vor, mit dem es strikte Abfolgen bildet; schon kommt vor den [+ neuen] Elementen DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj und stellungsfesten Elementen wie Präd mit Funktionsverb vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet. Berücksichtigt man die Vorkommensmöglichkeiten der Elemente im Stellungsfelderrahmen, so besitzt schon auch gegenüber [_- neuen] Elementen (NP-Paraphrasen) und dem [+ neuen] Element Subj keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik: Zwar kann schon nach und ausnahmsweise auch vor den [- neuen] Elementen (NP-Par) (Subj, DatObj, Temp, Kaus, Lok, Mod, AkkObj) und vor und wahrscheinlich auch nach dem [+ neuen] Element Subj vorkommen. Diese Elemente können jedoch sowohl im Mittelfeld als auch im Vorfeld, [- neue] Elemente (NP-Par) sogar im Nachfeld auftreten, während schon ausschließlich mittelfeldfähig, d.h. bezüglich des MittelfeJds bereichsspezifisch ist. Auch gegenüber anderen bezüglich des Mittelfelds bereichsspezifischen Elementen besitzt schon keine nicht-eindeutige Stellungscharakteristik: schon kommt nach es (Akk) und sich und vor Neg vor, mit denen es strikte Abfolgen bildet; schon kommt nach den Modalpartikeln aber, eben, ja_ und wohl vor, mit denen es ebenfalls strikte Abfolgen bildet. Die Auswertung der Beobachtungen ergibt also, daß das Modell von schon im Rahmen des in dieser Arbeit benutzten Satzmodells durch eine praktisch eindeutige Stellungscharakteristik gekennzeichnet ist. Gleichzeitig erfahren die Hypothese (8.4) und die zu Beginn dieses Kapitels aufgestellte Arbeitshypothese eine Bestätigung.

174

3.8.5.

Stellungsunterschiede der Modelle von doch, ja_ und schon und ihre Integration in die Grundreihenfolge eines Mittelfelds

Bezüglich der Stellungsunterschiede zwischen den Modellen der hier behandelten Modalpartikeln lassen sich die folgenden Feststellungen machen: doch1 / dochp / doch',, Stellungsunterschiede zwischen diesen Modalpartikeln sind nicht feststellbar. Dagegen bestehen Vorkommensunterschiede: In demjenigen Mittelfeld, in dem """" doch.,l auftreten kann, ist das Vorkommen von doch»L. ausgeschlossen, und umgekehrt, usw. T

doch,j / ja_ Ein Stellungsunterschied zwischen den beiden Modalpartikeln wird durch die strikte Abfolge j£ > doch, begründet; außerdem: 7 ' doch.j > [- neues] Element (NP-Par (Subj)) > doch.. vs.

ja_

>

[- neues] Element (NP-Par (Subj))

>

ja_ .

doch,,, doch ' ,, / j£ c _ neues ] Elefrient ( N P _p a r

(Süb1))

l 'doch'

l doch ' „ f

V - t.)

vs.

ja_

\ -L l

> [- neues] Element (NP-Par (Subj))

>

ja.

Vieitere Stellungsunterschiede zwischen diesen Modalpartikeln sind nicht feststellbar. Dagegen bestehen Vorkommensunterschiede: In demjenigen Mittelfeld, in dem dochp auftreten kann, ist das Vorkommen von j£ ausgeschlossen, und umgekehrt, usw. doch,. , doch ? , doch '? , j£ / schon Ein Stellungsunterschied zwischen den Modalpartikeln jci und schon wird durch die strikte Abfolge JEJ > schon begründet; außerdem: >

vs .

wohl

wohl

> schon;

175

(· doch ] [JS.

>

SatzAdv

}

vs.

SatzAdv

doch]

doch } ]l > l ja J [Kaus ( deshalb)]

rL- neues] Element. JI Temp^ (dann)

J£ I vs.

.[- neues] Element

>

(dann) 1 > [Kaus (deshalb)]

C- neues] Element (NP-Par)

> /^^ schon;

E- neues] Element (NP-Par)

vs.

schon;

E+ neues] Element (Sub.i) >

vs.

[+ neues] Element (Subj)

>

? 'schon.

Es läßt sich also zeigen, daß zwischen den Modellen von doch., doch,,, dooh'p und j£ keine nennenswerten Stellungsunterschiede bestehen. Dagegen sind Stellungsunterschiede zwischen doch,, doch,,, dooh 1 ^, ja_ einerseits und dem Modell von schon andererseits feststellbar: schon kommt in einem komplexen Mittelfeld weiter hinten vor als doch.., doch,,, doch/» oder j£ und kann offensichtlich sogar in den Bereich für [+ mitteilungsrelevante] Elemente eindringen. Die Integration der Modelle von doch, jia und schon in die Grundreihenfolge des Mittelfeldes eines Satzes soll Kapitel (3.8.) abschließen. Hierfür ist es jedoch zweckmäßig, diese zu Beginn von (3.8.) unter (D3/17) eingeführte Grundreihenfolge verkürzt zu schreiben : (D3/22) > [·_- 'neue] Elemente (Pron) > [- neue] Elemente (NP-Par) > [+ neue] Elemente

y

atellunqsfeste Elemente

>

176

Die Integration der Modelle von doch, ja und schon in diese Grundreihenfolge kann nun wie folgt vorgenommen werden: (D3/23) >

[- neuel Elemente (Pron) f 'doch doch

>

> C- neues] Element (NP-Par (Subj))

l

( »schon > C- neues] Element /^S. ( d a n n > l ' l Kaus (deshalb)] 'schon >

[- neue] Elemente (NP-Par)

>

\

doch schon [+ neue] Elemente

>

[+ neues] Element (Subj)

> ' schon

> *schon

stellungsfeste Elemente Zu (D3/23) bilden (D3/24), (D3/25) und (D3/26) notwendige Ergänzungen. Treten in ein und demselben Mittelfeld doch., und ja, die eine strikte Abfolge formen, auf, so gilt (D3/24): (D3/2A) (NP-Par (Subj)) > {ja, lNP-ParJl)> d o c h 1

(Np . par)

Die kurzen geschweiften Klammern schließen eine Menge ein, deren Elemente in beliebiger Reihenfolge stehen können. Die langen geschweiften Klammern bezeichnen eine Alternative. Die runde Klammer bei (NP-Par) gibt an, daß die Wahl von [- neuem] Element (NP-Par) links automatisch zur Tilgung von C- neuem] Element (NP-Par) rechts führt, und umgekehrt, da die beiden Elemente identisch sind. Treten in ein und demselben Mittelfeld ja_ und schon, die eine strikte Abfolge

177

formen, a u f , so gilt (03/25): (D3/25) >

| j£, (NP-Par) \ > schon

> ? (NP-Par)

>

Treten in ein und demselben Mittelfeld schon und SatzAdv, die eine strikte Abfolge formen, auf, so gilt (D3/26): (D3/26) >

[ SatzAdv, (NP-Par)\ > schon > ? (NP-Par)

>

In (D3/26) wird angenommen, daß SatzAdv mit einem [- neuen] Element (NP-Par) keine strikte Abfolge bildet. Diese Hypothese bedarf einer Verifizierung, die in dieser Arbeit nicht erfolgen kann. Weiterer Untersuchungen bedarf auch die Frage, ob diejenigen Modalpartikeln, die mit doch, j£ oder schon strikte Abfolgen bilden, sowohl vor als auch nach den [- neuen] Elementen (NP-Par) vorkommen können. Daher ist es hier nicht möglich, weitere Ergänzungen zu (D3/23) zu verzeichndn.

4.

RESULTATE

Die vorliegende Arbeit hat die folgenden Resultate erbracht: 4.1.

Die Bedeutung der Modalpartikeln doch, ja und schon konnte durch Modellvorstellungen vermittelt werden, indem im Rahmen eines AnalogieVerfahrens 1

von der Bedeutung der Satzäquivalente Doch, 3a_ und Schon auf die der Modalpartikeln geschlossen wurde. Daraus folgt, daß hier doch, ja_ und schon und die entsprechenden Satzäquivalente als praktisch bedeutungsgleich und erstere als affirmativ angesehen werden, doch besitzt zwei Bedeutungskomponenten: Einmal drückt die Modalpartikel Affirmation durch zweifache Negation aus, die dem Eintreten/Nichteintreten des im doch enthaltenden Satz bezeichneten Ereignisses zugeordnet wird. Zum anderen enthält sie Spuren eines Widerspruchs bezüglich des Gegenteils des Ein/ Nichtein von E im Satz mit doch. ja_ dagegen drückt satzmerkmalspezifische Affirmation aus, d.h. Affirmation, die dem Ein/Nichtein von E in einem Satz zugeordnet wird, der das Satzmerkmal [+ konstatativ] enthält. Die Bedeutung von schon endlich besteht je nach Vorkommen in intentional eingeschränkter Affirmation bzw. Affirmation bei eingeschränkter Zustimmung (des Sprechers) bzw. total eingeschränkter Affirmation des Ein/ Nichtein von E bei gleichzeitiger Affirmation des Gegenteils dieses Ein/Nichtein von E.

4.2.

Im Rahmen des induktiven Verfahrens konnte die Funktion der Modalpartikeln doch, j£ und schon

determiniert werden. Die doch, ja_ und schon

gemeinsame Funktion besteht darin, daß die Partikeln als Ausdruck einer Sprecherintervention aufgefaßt werden können, durch die einem Satz bestimmte Appelle hinzugefügt werden. Diese Appelle indessen unterscheiden sich. doch, und j£ bewirken einen Appell, indem sie aufgrund ihrer Bedeutung für den sie enthaltenden Satz das relationale Merkmal [+ argumentativ], doch_ bzw. das auf die Ergänzungsfrage beschränkte doch'g,

179

indem sie mittels ihrer Bedeutung die satzinternen Merkmale [+ erwünscht] bzw. [+:pptentiell bekannt] signalisieren. Die durch schon vermittelten Appelle endlich entstehen im Zusammenhang mit dem durch die Modalpartikel signalisierten satzinternen Merkmal [(-) —»(+) gewiß], das schon aufgrund seiner Bedeutung und vorkommensbedingt durch eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) bzw. durch eine Konstatation der Unvermeidbarkeit bzw. durch eine Null-Bewertung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens/Nichteintretens des im Satz mit schon jeweils bezeichneten Ereignisses anzeigt. Wird das Merkmal [(-) —»(+) gewiß] durch eine Bekräftigung der Vorhersage (einer Bestätigung) des Ein/Nichtein von E signalisiert, so kann der damit verbundene Abbau des Mangels an Gewißheit durch den Bereich beschrieben werden, der sich von Ich glaube bis Ich versichere dir erstreckt. Es läßt sich also feststellen, daß sich die Funktion der hier betrachteten Modalpartikeln im Gegensatz zur Bedeutung von der der entsprechenden Satzäquivalente unterscheidet. Aber auch untereinander weichen die affirmativen Modalpartikeln in ihrer Funktion partiell voneinander ab. Dabei ist auffällig, daß der unterschiedlichen äußeren Form der Partikeln nicht immer eine unterschiedliche Funktion entspricht: doch und j£ können die gleiche Funktion haben. Gleiche äußere Form andererseits führt nicht notwendig zu Funktionsgleichheit, wie doch.., doch_„ und doch' ? zeigen, für die Funktionsverschiedenheit besteht. Diese Tatsachen werden erklärbar, wenn man annimmt, daS die Funktion von gjoch, ja und schon aus einer Wechselwirkung zwischen ihrer affirmativen Bedeutung und ihrem Vorkommen resultiert. Daraus folgt einmal, daß die Funktion der hier betrachteten Partikeln dann gleich ist, wenn für sie Vorkommens- und Bedeutungsgleichheit (bzw. -ähnlichkeit) gegeben sind, so bei doch> vs. ja für diejenigen Sätze mit ja, in denen diese Modalpartikel durch doch., substituierbar ist. Daraus folgt zum anderen, daß sich die Funktion der Partikeln systematisch ändert, wenn für sie Bedeutungsverschiedenheit und/ oder Vorkommensverschiedenheit bestehen. Dies ist der Fall bei doch., j£ vs. schon, wo Bedeutungs- und Vorkommensverschiedenheit Funktionsverschiedenheit entspricht. Dies ist beschränkt auch für schon nachweisbar. Hier hat ein gewisses Mag an Bedeutungs- und Vorkommensverschiedenheit insofern Funktionsverschiedenheit zur Folge, als sich die Art und Weise,

180

in der diese Modalpartikel das Merkmal [ ( - ) — * ( + ) gewiß] signalisiert, ändert. Dies trifft ferner für doch zu, wo Vorkommensverschiedenheit bei Bedeutungsgleichheit zur Unterscheidung von doch.,, doch0 und doch'„ führt, die durch unterschiedliche Funktionen gekennzeichnet sind. Hier sind auch doch, vs. j£ in Relationsgefügen (z.B. Begründung vs. Widerspruch) zu nennen, bei denen Vorkommensverschiedenheit trotz Bedeutungsähnlichkeit Feinunterschiede der Funktion ergibt. Dies gilt endlich auch für doch«, doch' vs. schon. In diesem Falle hat Bedeutungsverschiedenheit bei partieller Vorkommensgleichheit Funktionsverschiedenheit zur Folge. -^^—^— |

II A

I

l

£

5

^

Da nicht nur die Bedeutung, sondern auch das Vorkommen von doch, ja und schon relevant für die Bestimmung ihrer Funktion ist, gestattet ihre klassifizierende Zusammenfassung noch keine zuverlässigen Vorhersagen auf ihre Funktion. Solche Vorhersagen müßten aber prinzipiell möglich sein, da eine gemeinsame Klassifizierung von sprachlichen Elementen normalerweise aufgrund von relevanten Eigenschaften erfolgt, die diesen Elementen gemeinsam sind. Gemeinsam ist doch, ja und schon ihre Bedeutung insofern, als sie ganz allgemein affirmativ sind. Unterschiedlich dagegen ist meist ihr Vorkommen. Diese Vorkommensunterschiede verhindern für alle verbindliche Vorhersagen bezüglich ihrer Funktion und liefern daher eher ein Argument für eine trennende Klassifizierung. 4.3.

Im Rahmen des induktiven Verfahrens konnte die Bestimmung der Satzstellung der Modalpartikeln doch, ja_ und schon durchgeführt werden. Es konnte festgestellt werden, daß sich die Stellung von doch, ja und schon im Mittelfeld eines Satzes lokalisieren läßt, wo die Partikeln etwa in der Mitte, d.h. im Bereich zwischen den Pronomen und den [+ neuen] Elementen vorkommen. Allerdings lassen sich auch Stellungsunterschiede zwischen doch, ja einerseits und schon andererseits konstatieren: Während doch und ja im Mittelfeld im Bereich zwischen Pronomen und [·+· neuen] Elementen beweglich sind, kommt schon eher am Ende dieses Bereichs vor und kann sogar in denjenigen Teil eines Mittelfeldes eindringen, der für [+ neue] Elemente vorgesehen ist. Durch ihre Stellung unterscheiden sich doch, ja und schon also von den homonymen Satzäquivalenten. Sieht man von den Feinunterschieden ab und beschränkt man sich auf die Tatsache, daß diese Partikeln Mittelfeldelemente sind, so liefert ihre Stellung darüber hinaus ein Argument für ihre gemeinsame Klassifizie-

181

rung. Dagegen sagt ihre Mittel Feldstellung nichts über die zwischen doch,; ja und schon bestehenden Funktionsunterschiede aus. Lediglich durch die Feinunterschiede in der Stellung könnte in einem Spezialfall eine Beziehung zwischen Funktion und Stellung gesehen werden: Kommen ja_ und schon in ein und demselben Satz vor, so entspricht ihrer unterschiedlichen Funktion nicht nur ein Bedeutungs-, sondern auch ein Stellungsunterschied. 4.4.

Aus der konstatierten Satzstellung der Modalpartikeln doch, ja und schon konnten Rückschlüsse bezüglich ihrer Mitteilungsrelevanz gezogen werden. Und zwar müssen diese Partikeln global zu den [- mitteilungsrelevanten] Elementen eines Mittelfeldes gerechnet werden. Einer solchen Einschätzung liegt die Annahme zugrunde, daß im komplexen Mittelfeld eines Satzes für die darin vorkommenden Elemente eine Entsprechung Stellung - Mitteilungsrelevanz besteht und demnach eine unterschiedliche Mitteilungsrelevanz auf Stellungsunterschiede zurückzuführen iöt. Daraus kann aber gefolgert werden, daß bei einer Feinanalyse die Mitteilungsrel'evana von doch, ja einerseits und schon andererseits nicht gleich ist,

da Stellungsunterschiede bestehen, schon, das im Mittelfeld in den

Bereich für [+ mitteilungsrelevante] Elemente eindringen kann, käme eine größere Mitteilungsrelevanz zu als doch oder Ja. Diese Schlußfolgerung ist mit der Intuition nicht unverträglich. Eine Vernachlässigung solcher Feinunterschiede und ihre globale Einschätzung als [- mitteilungsrelevante] Elemente dagegen ergibt ein weiteres Argument für eine gemeinsame Klassifizierung von doch, ja^ und schon. Eine solche Einschätzung liefert indessen keinen Hinweis auf die zwischen den Partikeln bestehenden Funktionsunterschiede. Lediglich in dem in (4.3.) zitierten Spezialfall und unter Beachtung der Feinunterschiede bei der Mitteilungsrelevanz der Partikeln könnte eine Beziehung zwischen Funktion und Mitteilungsrelevanz hergestellt werden: Bei gemeinsamem Vorkommen von j£ und schon in einem Satz entsprechen ihrer unterschiedlichen Funktion nicht nur ein Bedeutungs- und Stellungsunterschied, sondern auch gewisse Unterschiede der Mitteilungsrelevanz. Den soeben aufgezählten Resultaten (4.1.) bis (4.4.) sollen sich Überlegungen zur Klassifizierung der Modalpartikeln doch, ja_ und schon anschließen. Bei her-

182

kömmlicher Klassifizierung erfolgt eine Zusammenfassung von doch, ja und schön. Dagegen werden diese Elemente und die gleichlautenden Satzäquivalente Doch, Ja und Schon getrennt klassifiziert. Eine solche Lösung kann aufgrund der hier zusammengetragenen Erfahrungstatsachen nicht mehr völlig befriedigen. Für eine trennende Klassifizierung von Satzäquivalenten und Modalpartikeln gibt es 'Argumente und Gegenargumente. Für eine trennende Klassifizierung sprechen - ihre unterschiedliche Stellung; - ihr unterschiedliches Vorkommen; - ihre unterschiedliche Funktion. Für eine gemeinsame Klassifizierung dagegen sprechen - ihre gleiche äußere Form, - ihre gleiche Bedeutung gemäß (4.1.). Die partiell begründete 'trennende Klassifizierung von Satzäquivalenten und Modalpartikeln vernachlässigt also die bestehende Übereinstimmung. Für eine gemeinsame Klassifizierung von doch, j£ und schon lassen sich ebenfalls 'Argumente und Gegenargumente anführen. Eine gemeinsame Klassifizierung erscheint gerechtfertigt durch - ihre gleiche Betonung (kein Akzent); - ihre global gesehen gleiche Stellung; - ihre praktisch gleiche Mitteilungsrelevanz, wenn man wie in (4.4.) eine Entsprechung Stellung — Mitteilungsrelevanz gelten läßt. Eine trennende Klassifizierung erscheint dagegen begründet durch - ihre Bedeutungs-, Vorkommens- und Funktionsunterschiede. Die bisherige gemeinsame Klassifizierung von doch, ja und schon bringt diese Unterschiede und die dabei konstatierbaren Zusammenhänge nicht zur Geltung: Da die Funktion der Partikeln das Resultat einer Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung und ihrem Vorkommen ist und daher Bedeutungs- und/oder Vorkommensunterschiede der Partikeln Funktionsunterschiede zur Folge haben,! verwehrt eine durch gemeinsame Klassifizierung erfolgte Verwischung dieser Unterschiede einen Einblick in den Mechanismus der Funktionszuweisuhg. Die hier angeführten Argumente und Gegenargumente können berücksichtigt werden, wenn man neben der herkömmlichen Klassifizierung eine Querklassifizierung, d.h. eine Klassifizierung quer durch die bereits vorhandenen Klassen vornimmt. Bei dieser Querklassifizierung wird die Existenz der Stammformen DOCH, JA_ und SCHON vorausgesetzt. Die Stammform DOCH (wie auch die Stammformen JA_

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und SCHON) ist eine Modellvorstellung. DOCH besitzt nicht gleichzeitig eine syntaktische, semantische und pragmatische Komponente, sondern enthält als Komponenten lediglich das Doch, doch., doch,,, doch' 2 und doch Gemeinsame, also die äußere Form und eine affirmative Bedeutung (doch, also betontes doch, wurde in dieser Arbeit nicht näher beschrieben). Um die für Doch bis doch konstitutiven syntaktischen, semantischen und pragmatischen Komponenten zu erzielen, wird DOCH, d.h. seine Form und seine Bedeutung, mit bestimmten anderen sprachimmanenten Phänomenen kombiniert, so - mit einem bestimmten Satz und/oder Relationsgefüge; - mit einer bestimmten Stellung; - mit einer bestimmten Betonung; - mit einer bestimmten Substitutionsmöglichkeit; - mit einer bestimmten Satzintonation; uöw. Die Zahl der Kombination, die für die Entstehung von Doch bis doch relevant sind, ist unterschiedlich. Eine Vorentscheidung bezüglich der Funktion des gesuchten Elements erfolgt oft bereits bei der Kombination der Stammform mit einem bestimmten Vorkommen (Satz und/oder Relationsgefügö). Die Kombination Stammform - Vorkommen - Stellung präzisiert die Funktion, indem sie beispielsweise eine Entscheidung darüber herbeiführt, ob das gesuchte Element Satzäquivalent oder Mittelfeldelement ist. Aus dieser Kombination folgt auch eine Information über die Mitteilungsrelevanz des Elements. Besitzt das gesuchte Element Mittelfeldstellung, so gibt die Kombination Stammform — Vorkommen - Stellung - Betonung Aufschluß darüber, ob es Modalpartikel oder betontes Homonym ist. Auch ein so hohes Kombinationsniveau erweist sich jedoch als unzureichend, wenn man beispielsweise die Realisierung von schon (/ bereits) oder schon (= bereits) anstrebt. In diesem Falle müssen den erhaltenen Werten noch Informationen über die Substituierbarkeit und manchmal auch über eine bestimmte Satzintonation hinzugefügt werden, so in Er kommt schon (/ bereits) vs. Er kommt schon (= bereits). Der hier dargestellte Kombinationsmechanismus soll durch ein Beispiel illustriert werden: Kombiniert man die Stammform DOCH mit dem eine Hypothese und ein Verb im Konjunktiv II enthaltenden Wenn-Satz, mit Mittelfeldstellung im Bereich zwischen Pronomen und [+ neuen] Elementen und mit Betonung (kein A,kzent), so erhält man die affirmative Modalpartikel doch,, mit ihrer syntaktischen, 1

Z

semantischen und pragmatischen Komponente. doch? gehört also gemeinsam mit

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Doch, doch*, doch'p und doch zu einer Klasse von sprachlichen Elementen, die das Verhalten von Mutanten aufweisen, deren Stammform DOCH ist. (Daß als Stammform die Modellvorstellung DOCH und nicht das Satzäquivalent Doch gewählt wurde, hat u.a. den folgenden Grund: Von der Klassifizierung können so auch solche Modalpartikeln erfaßt werden, denen kein Satzäquivalent entspricht, z.B. einfach). Der Vorteil einer Klassifizierung der hier betrachteten Satzäquivalente und Modalpartikeln als Mutanten, die sich sämtlich von den Stammformen DOCH, J/\ oder SCHON ableiten, ist offenkundig. Es können neben den bei der herkömmlichen Klassifizierung berücksichtigten auch solche Klassifizierungskriterien einbezogen werden, die bisher vernachlässigt wurden, so einmal die Bedeutungsgleichheit aller homonymen Mutanten und zum anderen ihre gleiche äußere Form. Darüber hinaus werden auch solche Phänomene erfaßt, die im herkömmlichen Sinne eher zu einer trennenden Klassifizierung führen, wie die Stellungs- und Vorkommensunterschiede für Satzäquivalent vs. Modalpartikel. Endlich können nun auch diejenigen Erscheinungen einbezogen werden, die mit der bisherigen Klassifizierung wenig vereinbar waren und daher in dieser vernachlässigt wurden, so die Bedeutungs- und/oder Vorkommensunterschiede von Modalpartikeln, denen Funktionsunterschiede entsprechen. Dadurch, daß die hier betrachteten sprachlichen Elemente als Mutanten klassifiziert werden, deren endgültige Realisierung durch einen Kombinationsmechanismus erfolgt, gehen neben dem Gemeinsamen auch ihre Unterschiede in die Klassifizierung ein, ohne daß sie diese stören. Die vorgeschlagene Klassifizierung gewährt also im Gegensatz zur herkömmlichen einen Einblick in die mit dem Gebrauch der hier betrachteten Elemente verbundenen sprachlichen Mechanismen, der für ihre Definition nutzbar gemacht wird. Die Klassifizierung erlaubt einmal eine gesonderte Betrachtung aller Mutanten mit ein und derselben Stammform. Ferner begünstigt sie die Bildung größerer Klassen, so die der affirmativen Stammformen DOCH, JA, SCHON und ihrer Mutanten. In einer solchen Klasse ist dann auch die herkömmliche Klassifizierung von Satzäquivalent vs. Modalpartikel wieder sinnvoll, da sie zu einer zusätzlichen Strukturierung dieser Klasse führt. Endlich gestattet die gewählte Klassifizierung die Zusammenfassung aller Stammformen und ihrer Mutanten und ermöglicht so ihre Abgrenzung gegen andere Klassen. Hier müssen weitere Untersuchungen folgen. Neben den am Anfang dieses Kapitels aufgezählten Resultaten und dem daraus folgenden Klassifizierungsvorschlag konnten in dieser Arbeit auch Erfahrungs-

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tatsachen bezüglich verschiedener Satztypen verzeichnet werden. Hier sind vor allem der nachgestellte V1-Satz, der durch w£ eingeleitete kausale Nebensatz und der Wunschsatz, für die doch., bzw. doch,. Satzkonstituierende, d.h. in d,enen sie obligatorisch sind, sowie der durch wenn eingeleitete Nebensatz mit schon und die rhetorische Frage zu nennen, in denen schon als Satzmodifikator fungieit. Ferner konnten zusätzliche Einblicke in die Strukturen von Relationsgefügen gewonnen werden, so in (3:7:1.2.). Dabei zeigt sich, daß z:B. die Modalpartikel doch., in einem kausalen Relationsgefüge mit eingeleitetem daß-Satz bei der Kennzeichnung des begründenden Relationsgliedes präziser und genereller verwendbar ist als die Konjunktion weil. Ein Ausblick auf eine durch die hier erzielten Ergebnisse ermöglichte genauere Übersetzung soll diese Arbeit abschließen: Wenn z.B. Weis/Mattutat (1973; 803) bei der Übersetzung der Modalpartikel schon ins Französische certainement angeben, so läßt sich nun feststellen, daß certainement im französischen Aussagesatz dem Eintreten/Nichteintreten des bezeichneten Ereignisses auch dann zugeordnet werden kann, wenn dieses das Merkmal Q- erwünscht] trägt. Dies ist; von Ausnahmen abgesehen, für schon im deutschen Aussagesatz nicht möglich.

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