Deutsches Wörterbuch : mit einem Lexikon der deutschen Sprachlehre 9783570065884, 357006588X

Deutsches Worterbuch

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Deutsches Wörterbuch : mit einem Lexikon der deutschen Sprachlehre
 9783570065884, 357006588X

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Hinweise zur Benutzung (Vergleiche auch die ausführliche Darstellung S.17ff.)

a. G.

auf Gegenseitigkeit; als ijast AG, AG., A. G., A.-G. ktiengesellsch ajt 'Aga in der früheren Türkei unterer feudaler u. Offiziersrang; türk. Gutsbesitzer od. Kaufmann [türk. „Herr“] Aga'mie Ehelosigkeit [zu grcn. a „nicht“ + gamein „heiraten“] A'ga'pe 1 die Liebe (Jmtes 2 Liebesmahl mit Ar¬ menspeisung in altchristl. Gemeinden [-= grch. agape „Liebe“] 'Agar-'Agar

'best|ge-haßt am mei¬ sten gehaßt; der ~e Mann ira Staat Qge'ineint sehr gut ge¬ meint, in bester Absicht die Blätter vom mittleren TM der Tabak¬ pflanze ~haupt Abgabe (von Vieh

Die Wörterbuchartikel sind streng nach dem Alphabet angeordnet. (Vgl. S. 17.) %

Ein Punkt unter der Tilde bedeutet Klein¬ schreibung, ein Punkt über derTilde bedeutet Großschreibung des Stichworts. (Vgl. S. 17.)

dar'über|schrei-ben

(oben) über dieses schreiben; eine Überschrift ~ ; er will 'dar¬ über 'schreiben über dieses Thema -r Ste hen überlegen sein ihr

Epa'golge

= Induktion [zu grcTTTepdgein „hinauf-, herbeiführen“] 'T gisch in der Art der Epagoge, induktiv Epak'te ^[-'—] f. 19> Zahl, die angibt.

Eta-blis-se-ment

Stockwerk,

Geiß

weibl. Ziege: fVeibchen von Gems-, Stein- u. Rehwild [< ahd. geiz, engl, goat, got. gaits „Ziege“, idg. *ghaido-; hierzu Kitz) 'Geißjbart Gattung der

Geist I 1 Hauch, Atem (als Träger des Lebens); , das denkende, erkennende Bewußtsein (jeden) ~ ; ein Mann von ~ II 6 Mensch im Hinblick auf seine geistigen Fähigkeiten, sein inneres fVesen; Genius;

Die Silbentrennung wird durch die Zeichen • , 1 oder ' angegeben. (Vgl. S. 18.)

Auf die Betonung wird durch das Zeichen ' vor der zu betonenden Silbe oder innerhalb einer eckigen Klammer in Sprechsilben hin¬ gewiesen. (Vgl. S. 18.)

Die Aussprache wird, wenn sie von den Regeln der deutschen Aussprache abweicht, in der internationalen Transkription angege¬ ben. (Vgl. S. 19 u. S. 27.)

Auf die Deklination verweist eine Zahl. (Vgl. S. 19.) Die Tabelle der Deklinationen steht auf S. 29 ff.

Bei Substantiven wird angegeben, wann sie einen Plural bilden, also zählbar sind, oder nicht in den Plural gesetzt werden können, also unzählbar sind. (Vgl. S. 19f.)

Auf die unregelmäßige Konjugation wird durch eine dreistellige Zahl hingewiesen. (Vgl. S. 20.) Die Tabelle der Konjugationen steht auf S. 35 ff.

Hinweise zum Stil findet man bei den einzel¬ nen Bedeutungen eines Stichwortes. (Vgl. S. 21 f.) Die Angaben zur Etymologie (Wortherkunft) stehen am Ende der Wörterbuchartikel in eckigen Klammern []. (Vgl. S. 20f.)

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LEXIKON DER DEUTSCHEN SPRACHLEHRE Von Dr. Walter Ludewig f

1

2 2.1

2.2

2.5

2.4

3 3.1

3.2

Abhängige Rede -► indirekte Rede Abkürzungen, Wiedergabe häufig vorkommender Wörter oder Wortfolgen in verkürzter Form. Der Zweck der Abkürzungen war ursprünglich eine Ersparnis beim Schreiben. Später wurden auch die Abkürzungen gesprochen. Noch weniger als dem — Kurzwort sieht man einer A. die Herkunft an. Früher wurden fast alle Abkürzungen mit Punkt geschrieben, heute dagegen ist es allgemein üblich, Abkürzungen, die man auch verkürzt spricht oder die den Charakter von Symbolen haben (Maße, chemische Zeichen), ohne Punkt zu schreiben. Im einzelnen kürzt man mit Punkt ab z.B.; in einem Text öfter vorkommende Wörter, be¬ sonders auch Namen, falls dies aus Ersparnisgrün¬ den für sinnvoll gehalten wird: S. (etwa: Shakespeare), S.s Werke (etwa: Schillers Werke); in diesem Artikel: A. = Abkürzungen; mehrfach vorkommende Ortsnamen: Frankfurt a.M. (am Main), Frankfurt a. d. O. (an der Oder); — postalische Vorschriften weichen allerdings häufig^ vQn dieser Schreibweise ab; nichtmetrische oder nicht dem Dezimalsystem zugehörige Maßangaben: Mon. (Monat), Dtzd. (Dutzend), Min. (Minute), Sek. (Sekunde), In. (Inch); aus einer Fremdsprache übernommene A., die man nach deutschem Brauch ohne Punkt schreiben würde, weil man sie verkürzt spricht: cand. jur., stud. phil., Dr. med. (gespr.: Doktor med), k. o. O h n e Punkt schreibt man z. B.: Abkürzungen, die Symbolcharakter haben, wie metrische und auf dem Dezimalsystem aufgebaute Maße und Gewichte, chemische Elemente, Him¬ melsrichtungen, Währungseinheiten, genormte Zeitangaben, wenn sie mit kleinem Anfangsbuch¬ staben geschrieben werden: m (Meter), g (Gramm), H (Wasserstoff), TV (Nor¬ den), SSW (Südsüdwest), DM (Deutsche Mark); S (Schilling), min (Minute), s (Sekunde); Abkürzungen, bei denen jeder Buchstabe einzeln gesprochen wird: BRD (Bundesrepublik Deutschland), CDU (Christ¬ lich-Demokratische Union), AG (Aktiengesell¬ schaft), PKW oder Pkw (Personenkraftwagen). Ausnahmen von dieser Regel sind sehr zahlreich. So werden z. B. Abkürzungen in Firmennamen so geschrieben, wie die Eintragung im Handelsregister lautet. Für Gesellschaft mit beschränkter Haftung sind beispielsweise folgende Abkürzungen geläufig: GmbH, GMBH, GmbH., G.m.b.H.

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Eine Abkürzung sollte nur da verwendet werden, wo beim Leser oder Zuhörer die Kenntnis der A. vorausgesetzt werden kann. Abkürzungen von Maßangaben dürfen nur dann verwendet werden, wenn eine Ziffer vorangeht: 1 m Bleirohr, 10 ha Land, 10 l Wasser. Abkürzungen dürfen nicht verwendet werden, wenn die Maßangabe ohne Ziffer steht: das Meter als Längenmaß; drei Liter Alkohol; wenn eine der allgemein üblichen Abkürzungen am Satzanfang steht: Zum Beispiel erlaubte ich ihm nicht, . . . ; Das heißt . . . Steht eine Abkürzung mit Pimkt am Satzende, so wird kein weiterer Punkt gesetzt: Das geschah in Frankfurt a.M. Abkürzungen werden im allgemeinen im Singular nicht dekliniert. Bei den mit Punkt geschriebenen Abkürzungen wird beim Sprechen sowieso die Beugungsendung ergänzt. Bei den Abkürzungen ohne Punkt (3.2) kann (notfalls!) im Genitiv Singular des Maskulinums und Neutrums und im Plural bei allen drei Genera die Endung -s stehen (->■ Apostroph 3.7), auch wenn im ausgeschriebenen Wort diese Endung gar nicht vorkommt: des Pkw(s), die Pkw(s) ; die AG(s) ; des EKG(s), die EKG(s). Abgekürzte Namen (Apostroph 3.6), die nicht aufs, ß, X, z oder tz enden (Apostroph 2.4), erhalten das Genitiv-s. Die unter 3.1 aufgeführten Abkürzungen und alle anderen Maß- und Mengenangaben werden niemals gebeugt: 20 DM, 8 g, S min, 10 Dtzd. Ablaut, regelmäßiger Wechsel bestimmter Vokale in etymologisch zusammengehörigen Wörtern, die aus der indogermanischen Sprache ererbt sind. Er begegnet im heutigen Deutsch vor allem in der Stammsilbe von Verben und ist das Kennzeichen der starken Konjugation, kommt aber auch in anderen Wortarten vor: ich springe, sprang, bin gesprungen; der Springer, der Sprung ; sprengen (Kausativum = Bewirkungs¬ wort zu springen). Man unterscheidet zwei Arten des Ablauts: 1. den qualitativen Ablaut oder die Abtönung, z. B. den Wechsel i — a — u im obigen Beispiel; 2. den quantitativen Ablaut oder die Abstufung, d. h. den Wechsel von langem und kurzem Vokal, z. B.: — [a:] — [o:]: stehlen — stahl — gestohlen, — [a:] — [a]: nehmen — nahm — genommen, — a:] — [a]: brechen — brach — gebrochen. a ]: bergen — barg — geborgen. Die Bezeichnung Ablaut wurde von Jakob Grimm

[-]

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4

4.1

4.2

5

6

Ablaut geprägt, der für die Möglichkeiten seines Vorkom¬ mens bei der Stammbildung der starken Verben eine Anzahl von Reihen aufgestellt hat. Im gegenwärtigen Deutsch, ist der Ablaut als Mittel der Wortbildimg nicht mehr lebendig. Die Entstehimg des Ablauts hängt mit der - Betonung (3.4) zusammen. Einzelheiten und weitere Beispiele der Ablaut¬ erscheinungen werden im Artikel -► Konjugation (2.1) behandelt.

Ableitung, Derivation. Die Ableitung ist als Mittel der - Wortbildung zu unterscheiden von der Zusammensetzung und der Bildung rrAt -► Präfixen. Sie geschieht entweder durch Ablaut oder durch Suffixe. Der ->■ Ablaut wird auch als innere Ablei¬ tung bezeichnet, weil es sich dabei um einen Vok^wechsel innerhalb des Stammes handelt; er ist beschränkt auf den Bereich der starken Verben (- Konjugation 2.1) und der aus ihnen gebildeten Wörter. Das zweite Ableitungsmittel, die - Suf¬ fixe, waren ursprünglich selbständige Wörter, die ihre Selbständigkeit aber im Laufe der Sprachent¬ wicklung eingebüßt haben. Durch Ableitung las¬ sen sich insbesondere von einem Grundwort, z. B. einem Verb oder Substantiv, auch Wörter anderer Wortarten gewinnen. So wird z. B. von schwingen durch Ablaut Schwang und Schwung abgeleitet, durch Suffixe Schwingung, erschwinglich u. a.

1 begriffliches Substantiv im Unterschied zum Konkretum, dem gegenständlichen Substantiv. 2 Wenn man einen Gegenstand (hier Personen ein¬ begriffen) auf seine kennzeichnenden Eigen¬ tümlichkeiten untersucht, etwa eine Rose auf ihre Form, ihre Farbe, ihren Duft, und eine dieser Eigentümlichkeiten — gedanklich losgelöst — betrachtet, vollzieht man eine Abstraktion; man bezeichnet auch eine solche isolierte Eigentüm¬ lichkeit, etwa den Duft, der nichts Gegenständ¬ liches, nichts Greifbares an sich hat, der nur noch Begriff ist, als Abstraktion und das Wort Duft als Abstraktum. 3 Dabei ist folgendes zu beachten: Manche solcher „Abstrakta“ werden nicht immer nur abstrakt, sondern auch konkret gebraucht. Das Wort Grund z. B. ist ursprünglich ein Konkretum (Meeresgrund, Grund und Bo^n), hat aber auch eine abstrakte Bedeutung angenommen (etwa: Ursache). Um¬ gekehrt ist das Wort Unschuld ursprünglich ein Abstraktum, aber in dem Ausdruck Unschuld vom Lande meint es ein naives, einfältiges Mädchen und bekommt einen konkreten Sinn. Solche Wörter sind mehrdeutig, aber im Zusammenhfing der Rede, die (von Sonderfällen abgesehen) eindeutig sein muß, wird jeweils die Bedeutung als Gegen¬ standsbezeichnung oder Abstraktum bestimmt. Man wird also unter Abstrakta nicht so sehr eine feste Gruppe von Wörtern zu verstehen haben, sondern Wörter,

sofern

sie

einem

bestimmten

Bedeutungsbereich angehören. 4 Unter den Abstrakta sind verschiedene Gruppen ihrer Bildimg nach bemerkenswert: 4.1 Die Satzaussagen 1. der alte Mann ist blind und 2. der alte Mann ist erblindet lassen sich zusammen¬ fassen in den femininen Substantiven 1. die Blind¬ heit bzw. 2. die Erblindung des alten Mannes-, in

51

Dabei wird also 1. von dem Adjektiv blind mit Hilfe des Suffixes -heit das Substantiv Blindheit abgeleitet (es enthält eine Aussage über ein Sem, über etwas Dauerndes), 2. von dem Verb erblinden mit dem Suffix -ung das Substotiv Erblindung (es macht eine Aussage über ein Werden, emen Vorgang, eine Wendimg). Das Prädikat \^d in diesen Fällen verdichtet zu einem Substantiv und das Subjekt der Aussage als Genitivattribut ange¬ schlossen; auch etwaige Ergänzungen zum Prädikat (er haVuias Gesetz übertreten; das Verfahren wncht von der Hegel ab) lassen sich als Attribut anfügen (die Übertretung des Gesetzes; die Abweichung von der Regel). Derartige Substantiva werden als Satzwörter oder als Prädikatsbegriffe (Brinkmann) bezeichnet; sie sind meist in Fachsprachen (Verwaltung, Wissen¬ schaft) zu Hause und von da in die Gemeinsprache übergegangen, in wesentlich geringerem Umfang in die Sprache der Dichtung. Wie weit diese Wörter auf -heit imd -ung als 4.2 Abstrakta zu bezeichnen sind, ist im Einzelfall aus dem Satzinhalt verschieden zu beurteilen; meist sind sie Abstrakta, auf jeden Fall dann, wenn man „abstrahiert“ (von der Person oder Sache absieht, von der das Sein oder Werden ausgesagt wird), also allgemein von der Krankheit, von der

Ableitungssilbe -► Suffix Absichtssatz -► Finalsatz Abstraktum

einzelne

dieser FormuKerung kann die Rede über die aus¬ gesagten Erscheinungen weitergeführt werden.

Gesetzesübertretung spricht. Sie können auch Korfaeta sein, wie z. R.Menschheü, Regierung (wenn die Männer der R. gemeint sind), Nahrung, Wohnung u. a. Abstrakta sind auch meist die substantivischen Ableitungen auf -keit (-igkeit): Ewigkeit, Heiter¬ keit, Sauberkeit; Geschwindigkeit, Helligkeit, Zähig¬ keit; manche dieser Wörter haben jedoch, besonders im Plural, konkrete Bedeutung: Kleinigkeit(en), Flüssigkeit(en), Süßigkeiten. Entsprechendes gilt von Vorgangsbegriffen, die — 4.3 von Verben abgeleitet — ein Geschehen aussagen, ohne — wie die Bildimgen auf -ung — die Umwelt oder die Umstände zu berücksichtigen (sie sind also keine Prädikatsbegriffe): der Raub, die Heirat, der Bruch (gegenüber: Beraubung, Verheiratung, Brechung, die nähere Angaben erfordern); sie haben meist abstrakte Bedeutung (aber z. B. Raub kann auch konkret gebraucht werden: er brachte seinen Raub nach Hause). Abstrakta sind auch in der Regel die substantivier- 4.4 ten Infinitive {das Lesen, das Wachsen, das Lernen; aber mitunter konkret das Schreiben = Brief, das Leiden = Krankheit) sowie substantivierte neutrale Adjektive: das Neue, Wahre, Schöne. Für Abstrakta sind folgende Bedeutungsbereiche 5 zu nennen: Vorstellungen: Gedanke, Seele, Traum; Eigenschaften: Länge, Güte, Sanftmut,

5.1 Klugheit, 5.2

Gerechtigkeit; Handlungen: Lesen, Löten, Arbeit; 5.3 Vorgänge: Schlaf, Beginn, Tod, Krieg, Rückkehr, 5.4 Spielerei; Zustände: Wärme, Freude, Arger, Ruhe, Leben; 5.5 Wissenschaften vmd Künste: Philologie, Physik; 5.6 Musik, Bildhauerei; Triebkräfte: Ursache, Anlaß, Drang, Kraft; Maße

und

Zeitbegriffe:

Meter,

5.7

Kilowattstunde, 5.8

Gramm; Minute, Monat;

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Adjektiv 5.9 Verhältnisse (Beziehungen) : Ehe, Kameradschaft, Feindschaft, Gegensatz;

5.10 auch das Fehlen oder Ausbleiben einer Eigenschaft, Handlung, eines Zustandes, Vorgangs: Treulosig¬ keit, Unruhe, Pause, Streik, Schweigen, Fehltritt.

1

2

2.1

2.1.1

2.1.2

2.1.5

2.1.4

Adjektiv, Adjektivum, Eigenschaftswort, cha¬ rakterisierendes Beiwort (Erben). Das Adjektiv ist eine Wortart, die wie das Substan¬ tiv die Fähigkeit besitzt, die einzelnen Kasus durch besondere Endungen zu kennzeichnen, und deshalb seit der antiken Grammatik mit diesem unter dem Oberbegriff Nomen zusammengefaßt wurde. Es stellt etwa ein Sechstel des gesamten Wortschat¬ zes der deutschen Sprache. Die meisten Adjektive sind Ableitungen von Substantiven, Verben xmd auch anderen Adjektiven mit Suffixen, wie -bar, ~isch, -haft, -lieh, -sam usw., oder Zusammensetzymgen, partizipiale Bildungen u. a. Etwa 200 ),pHmäre*‘, also einfache Adjektive hat H. Ammann zusammengestellt. Als deutsche Bezeichnung für Adjektiv ist E i g e nschaftswort am üblichsten. Dieser Begriff ist jedoch zweifellos einseitig, und so wird neuer¬ dings vielfach die Bezeichnung Beiwort ge¬ braucht; gemeint ist damit, daß das Adjektiv bei Substantiven, Verben und anderen Adjektiven steht (— 5); aber das ist nun wieder nur eine for¬ male Leistung des Adjektivs. Formal tritt das Adjektiv auf 1. in einer unverän¬ derten Grundform und 2. in veränderten Formen, die durch äußere Flexion, d. h. durch Dekli¬ nation jeweils für die einzelnen Kasus, Numeri und Genera mit verschiedenen Endungen gebildet werden. Man urrterscheidet dabei zwei Arten der Deklination, die seit Jakob Grimm als schwach bzw. stark bezeichnet werden. Die schwache Deklination des Adjektivs kommt dann vor, wenn vor der Wortgruppe Adjektiv -|Substantiv der bestimmte Artikel oder ein Pro¬ nomen mit voller Beugung: dieser, jener, jeder, steht : Maskulinum: Singular Plural Nom. der tüchtige Mann die tüchtigen Männer Gen. des tüchtigen Mannes der tüchtigen Männer Dat. dem tüchtigen den tüchtigen Mann(e) Männern Akk den tüchtigen Mann die tüchtigen Männer Femininum: Singular Plural Nom. die schöne Frau die schönen Frauen Gen. der schönen Frau der schönen Frauen Dat. der schönen Frau den schönen Frauen Akk. die schöne FVau die schönen Frauen Neutrum Singular Plural Nom das artige Kind die artigen Kinder Gen. des artigen Kindes der artigen Kinder Dat. dem artigen Kind(e) den artigen Kindern Akk. das artige Kind _ __ die artigen Kinder Diese Deklination lehnt sich an die schwache De¬ klination des Substantivs vom Typus Bote an, bei der außer im Nom. Sing, stets die Endung -(e^n steht; eine Ausnahme bildet hier nur der Akk. Sing, des Fern, und Neutr., der mit dem Nom. formgleich ist. Diese Deklinationsart wird von Brinkmann als attr.ibutierend bezeichnet, weil hier nur ,,die

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unlösbare Zugehörigkeit eines Adjektivs zum folgen¬ den Substantiv“ angezeigt wird, während der Kasus durch den bestimmten Artikel deutlich gemacht wird; Erben nennt diese Deklinationsreihe die de¬ terminierte. Stark dekliniert werden Adjektive nur in dem 2.2 Falle, daß die Wortgruppe Adjektiv -f Substantiv ohne Artikel oder Pronomen mit voller Beugung steht. Hier muß also das Adjektiv dem zugehörigen Substantiv seine Stellung im Satz anweisen; daher spricht Brinkmann hier von der determinie¬ renden Deklinationsreihe; es übernimmt die Endungen des bestimmten Artikels (bzw. des Pro¬ nomens dieser, jener, jeder). Maskulinum: 2.2.1 Singular Plural Nom. edler Wein neue Schuhe Gen. edlen Weines neuer Schuhe Dat. edlem Wein(e) neuen Schuhen Akk. edlen Wein neue Schuhe Femininum: 2.2.2 Singular Plural Nom. reine Seide treue Mütter Gen. reiner Seide treuer Mütter Dat. reiner Seide treuen Müttern Akk. reine Seide treue Mütter Neutrum : 2.2.3 Singular Plural Nom. rotes Blut alte Bücher Gen. roten Blutes alter Bücher Dat. rotem Blut(e) alten Büchern Akk. rotes Blut alte Bücher Nur im Gen. Sing, des Mask. imd Neutr. hat sich, 2.2.4 soweit das Substantiv die Genitivendung -s zeigt, die Endung -en gegenüber der älteren -es durchge¬ setzt; einige Restformen sind erhalten, z. B. gute^ Mutes, keinesfalls (gegenüber jüngerem jedenfalls) u. a. Wenn jedoch das Mask. die schwache Endimg -Ce)n hat, erhält das Adjektiv die ELndung -es: gutes Menschen Leid. Eine gemischte Form der Deklination gibt es 2.3 im S i n g u 1 a r, wenn der unbestimmte, im Nom. Mask. und Neutr. endungslose Artikel ein, ebenso kein sowie die Possessivpronomina mein, dein, sein, unser, euer, ihr vor der Wortgruppe Adjektiv + Sub¬ stantiv erscheinen (bei unser und euer gehört -er zum Stamm, während es z. B. bei dieser Endung ist!). Der Plural dieser Deklinationsreihe mit \mbestimmtem Artikel wird ohne Artikel, also stark gebildet, und steht unter 2.2, während er mit kein oder den Possessivpronomina schwach gebildet wird wie unter 2.1: Maskulinum: 2.3.1 Singular (gemischt) Plural (schwach) Nom. ein neuer Schuh meine neuen Schuhe Gen. eines neuen Schuhes meiner neuen Schuhe Dat. einem neuen Schuh meinen neuen Schuhen Akk. einen neuen Schuh meine neuen Schühe Femininum: 2.3.2 Singular Plural Nom. deine treue Mutter luisere treuen Mütter Gen. deiner treuen unserer treuen Mutter Mütter Dat. deiner treuen vmseren treuen Mutter Müttern Akk. deine treue unsere treuen Mutter Mütter

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Adjektiv 2.5.3 Neutrum: Singular Plural Nom. kein altei Buch keine alten Bücher Gen. keines alten Buches keiner alten Bücher Dat. keinem alten Buch(e) keinen alten Büchern Akk. kein altes Buch keine alten Bücher 2.5.4 Hier tritt beim Maskulinum im Nom. Sing., beim Neutrum im Nom. und Akk. Sing, die starke En¬ dung an das Adjektiv, sonst überall die schwache. i:s zeigt sich ein Grundsatz: Genus, Kasus und Nu¬ merus brauchen nur an einer Stelle, entweder am Artikel (Pronomen) oder am Adjektiv, ausge¬ drückt zu werden. 7. 4 I’olgen mehrere Adjektive aufeinander, so haben sie die gleiche Endung: nach gutem, altem, deutschem Brauche, auch wenn das letzte Adjektiv mit dem folgenden Substantiv eine begriffliche Einheit bil¬ det: mit trefflichem rotem Weine gefüllt. 2.5 Nach unverändertem solch, manch, welch werden die Adjektive im Sing, stark dekliniert: in manch hartem Kampfe, bei solch törichtem Geschwätz, welch großer Künstler!; werden die Wörter solch, manch, welch (bes. im Plural), dazu sämtliche und alle selbst dekliniert, so folgen die Adjektive in schwacher Form: in manchem harten Kampfe, solche großen Künstler, welcher hervorragende Mann!, sämtliche näheren Angehörigen; doch be¬ gegnet neuerdings auch die starke Form: manche große Künstler. 2.6 Grundzahlen sowie die unbestimmten Zahlwörter: viele, einige, andere, einzelne, mehrere, verschiederw, etliche, zahlreiche, unzählige, werden wie Adjektive behandelt, haben also nach - 2.4 mit folgenden Adjektiven die gleichen Endungen: zweier guter Freunde, vieler schöner Tage, verschiedene alte Herren, zahlreiche treffende Beispiele. 2.7 Bei beide kommen zwei Möglichkeiten in Frage, je nachdem, ob es als Zahlwort summiert: beide jün¬ gere Geschwister (also wie 2.6), oder als Zusammen¬ fassung aufgefaßt wird: beide jüngeren Geschwister. 2.8 Nach folgend steht im Sing, ein Adjektiv meist in schwacher Form: folgendes treffende (seltener: treffendes) Beispiel, im Plural gewöhnlich in star¬ ker Form: folgende widersprechende (auch: wider¬ sprechenden) Sätze. 3 Dieser äußeren Flexion steht eine Möglichkeit in¬ nerer Flexion gegenüber, bei der der Stamm verän¬ dert wird: die Komparation, Bildung von Vergleichsformen. In dieser Hinsicht unterscheidet man drei Stufen: 1. die Grundstufe (Positiv), 2. die Vergleichsstufe (Komparativ, auch 1. Steige¬ rungs-, Höher- oder Mehrstufe genannt), 3. die Höchststufe (Superlativ, auch 2. Steigerungs¬ stufe) . 3.1 Auch in der Grundstufe läßt sich ein Vergleich mit Hilfe der Partikeln so und wie anstellen: Fritz ist (nicht) so groß wie Hans. 3.2 Der Komparativ wird durch Anhängen von -er gebildet: schön — schöner, klein — kleiner, neu — neuer. 3.2.1 Dabei ist mancherlei zu beachten: Bei Adjektiven mit dem Stammvokal a, o, u tritt oft Umlaut ein: arm — ärmer, groß — größer, klug — klüger (jedoch: falscher, froher, bunter u. a.; noch andere schwanken); kein Umlaut tritt ein bei Adjektiven mit dem Diphthong au: faul — fauler, mit den Ausgängen -e, -el, -en, -er: lose — loser, dunkel —

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dunkler, offen - offener, wacker - wackerer, sowie mit den Suffixen -bar: dankbarer, -haft: scham¬ hafter, -ig: schattiger, -lieh: stattlicher, -sam: sorg¬ samer, ferner bei Partizipien: überraschender, begab¬ ter, und bei fremdsprachlichen Adjektiven: genia¬ ler, interessanter, grandioser. Gelegentlich fällt in den Wortausgängen auf -el, -en, -er das e aus: dunkler, trockner, finstrer, besonders, wenn in de¬ klinierten Formen noch eine Endung mit e antritt: dunkleres, trocknerem, finstreren. Der Komparativ geht im allgemeinen vom Positiv 3.2.2 des gleichen Wortes aus: älter ist also eine Steigexnng gegenüber alt. Das trifft aber nicht immer zu. eine Charakterisierung als ältere Dame wird im allgemeinen beim Hörer die Vorstellung wecken, daß damit noch keine alte Dame gemeint ist. Die Stufenfolge würde also heißen: jung - älter - alt, d. h. der Komparativ ist vom Gegenpol des Positivs ausgegangen. Das kommt häufiger vor: ein Kranker sagt: es geht mir besser, womit er keineswegs sagen will, daß es ihm schon gut geht, soridem nur, daß es ihm nicht mehr so schlecht geht wie früher; also: schlecht - besser - gut. Zu vielen Adjektiven gibt es einen Gegenpol und damit ein Gegenwort, und die Vergleichsform orientiert sich dann nicht selten an diesem Gegenpol. Von welchem Pol der Ver¬ gleich ausgeht, hängt in der Regel vom Standpunkt des Sprechers ab. Jedenfalls ist die deutsche Be¬ zeichnung Steigerungsstufe für Komparativ, die doch nur Sinn hat, wenn sie zum Positiv desselben Wortes in Beziehung gesetzt wird, lonzureichend und besser durch Vergleichsstufe zu ersetzen. Der Superlativ wird im allgemeinen mit dem 5.5 Suffix -{e)st gebildet; in größte, beste fällt das s aus; in höchste, nächste ist das stammauslautende h (der hohe, der nahe) in ch gewemdelt, weil es hier mit dem voranstehenden Vokal zur selben Sübe gehört (vgl. hoch, adjer nahe). Er bezeichnet das letzte Glied einer nach Größen geordneten Reihe und zeigt damit, übrigens auch in der Formbildung, eine Parallele zu den Ordinal¬ zahlen; wie das größte Haus eine solche Reihe ab¬ schließt, so gilt das auch für das zehnte Haus. Im Unterschied zum Komparativ ist hier eine Steige¬ rung gegenüber dem Gegenpol ausgeschlossen. Außer diesen Vergleichsstufen gibt es noch eine 3.4 Steigerungsform, die einen sehr hohen Grad, aber keinen Vergleich ausdrückt, den Elativ; hierbei wird die Grundstufe durch Wörter wie sehr, höchst, ungemein o. ä. verstärkt: die sehr schnelle Strömung ist außerordentlich gefährlich. Bei einigen Adjektiven werden die Vergleichsfor- 3.5 men von Suppletivstämmen gebildet, d. s. Stämme, die zusammen mit andersstämmigen Grundwörtern eine formale Wortgruppe bilden: viel — mehr — meist; gut — besser — best; gern — lieber — liebst; wenig — minder — mindest (neben weniger — we¬ nigst); bald — eher — ehest (auch baldigst). Prädikativ gebrauchte Superlative (-► 5.2) haben 3.6 im allgemeinen den bestimmten Artikel bei sich: es ist das beste, wenn du ...; Fritz ist der größte unter seinen Mitschülern. Bei adverbialem Gebrauch (-► 5.3) wird der Superlativ mit am oder auf in den entsprechenden Kasus gesetzt: er läuft am schnell¬ sten von allen; er hat seine Familie aufs beste versorgt. Diese Form wird nicht selten auch auf den prädi¬ kativen Gebrauch übertragen: es ist am besten, wenn du ...; er ist am glücklichsten, wenji er .. .

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Adjektiv 4 Es wurde

schon

(-»1)

gesagt, daß

die

deutsche

Bezeichnung Eigenschaftswörter dem Umfang der verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten nicht ge¬ recht wird. Es lassen sich viel mehr Bedeutungsrichtungen aufstellen, je nachdem ob das Adjektiv der Charakterisierung (1-5) oder der Orientierung (6) dient. Brinkmann stellt folgende Gruppen auf: 4.1 Eigenschaftswörter stellen nur einen Teil der Ad¬ jektive, wenn auch einen ansehnlichen, dar: Es können einfache Adjektive sein: blaß, dick, dreist ^ oft sind es Bildungen auf -ig, dabei vielfach Ableitungen von zusammengesetzten Wörtern: lockig, lAondlockig, dickköpfig; oder Partizipien:

für lat. -arius; vegetarisch, solidarisch ; für lat. -alis: musikalisch, physikalisch. Zu einem wertenden Urteil führen auch Ablei¬ tungen mit -haft, das etwa den Sinn hat: behaftet mit . . . Sie können Dinge beurteilen; dauerhaft, mangelhaft; auch nach ihrem Wert für den Men¬ schen: vorteilhaft, nahrhaft; ein Verhalten: se/lhaft, teilhaft; eine Vorgangsweise: sprunghaft, fie¬ berhaft; das Verhalten des Menschen durch Ver¬ gleich einem bestimmten Typ zuordnen: mannhaft, stümperhaft; sittliche Qualitäten zusprechen; tu¬ gendhaft, sündhaft, auch gewissenhaft, zaghaft; Ge¬ fühlsreaktionen feststellen: ekelhaft, schauderhaft. OrientierungsWörter: diese machen 4.6 Angaben über die Stellung in Raum und Zeit; obere, 4.6.1 untere, innere, äußere, vordere, hintere, mittlere, die Vergleichsformen sind und zu denen sich ein Superlativ bilden läßt (-► 5.5); ferner dortig, dies¬ seitig, sofortig, baldig, einmalig; es handelt sich dabei meist um Ableitungen auf -ig von Adverbien, die bei der Überführung verbaler Begriffe in die substantivische Wortart notwendig wurden; ferner gehört hierher: recht(e) und link(e).

behaart, dichtbehaart, schwerverwundet, gestreift; Bildxmgen mit Präfixen: gefleckt, bemoost, be¬ schwingt, angefault (wenn das Ganze noch nicht er¬ griffen ist), entkräftet (zur Bezeichnung eines Verlustes), verrückt (einer Abweichung von der Norm), rundlich (einer Annäherung), kränklich (einer Neivergrößert (einer Veränderung). 4.2 Eindruckswörter sind meist Bildungen auf -ig. Während etwa seiden den Stoff bezeichnet, kenn¬ zeichnet seidig den Eindruck: etwas fühlt sich an wie Seide. So unterscheiden sich manche Wortpaa¬ Angaben über die Herkunft oder Zugehörigkeit zu 4.6.2 re: hölzern — holzig, golden — goldig. Auch anderen Personen oder Personengruppen; sie werden mit Bereichen kommen Eindrücke auf den Menschen dem Suffix -(i)sch abgeleitet: sophokleische Tragözu: aus der Natur: windig, waldig, steinig ; von Din¬ 'die, platonische Liebe, goethische Verse, lessingsche gen: ölig, fettig, schmutzig; von menschlichen Zu¬ Dramatik; bei Zugehörigkeit zu einer Stadt, einem ständen luid Verhaltensweisen: freudig, hungrig, Land oder Erdteil (kölnisch, holländisch, europäisch) ^frig, gelehrig. geht die Ableitung nicht selten von den Bewohner¬ 4.5 Eignungswörter: Eine Eignung desMenschen für ein namen aus: neapolitanisch, französisch, kongole¬ Tun oder Geschehen zeigen vor allem Bildungen sisch, asiatisch ; auch deutsch. auf -sam : gehorsam, duldsam, wachsam, furchtsam ; Angaben über den Stoff, aus dem ein Gegenstand 4.6.5 seltener eine Einung von Dingen: biegsam, heil¬ besteht, werden mit den Suffixen -en oder -ern sam ; für diese gelten mehr die Bildungen auf -bar : gebildet: seiden, golden; eisern, hölzern. benutzbar, lenkbar, trinkbar; auch verneint: unan¬ Adjektive, die über die Zugehörigkeit zu einem 4.6.4 tastbar , ungenießbar; auf -lieh; nützlich, zerbrech¬ Sozialbegnff, oft des politischen Lebens, orientieren, lich; verneint: unvergeßlich, unersprießlich; auch vertreten ein substantivisches Genitiv- oder sonsti¬ 1. Partizipien: erfrischend, reizend, schwerwiegend. ges Attribut: ärztliche Praxis = Pr. eines Arztes, 4.4 Verhaltens Wörter: Hier sind zu nennen: Ablei¬ bäuerlicher Hof = H. eines Bauern, staatliche Prü¬ tungen von Sozialbegriffen: gemeinschaftlich, ver¬ wandtschaftlich, wirtschaftlich; von Bezeichnungen sozialer Rollen: väterlich, gastlich, bäuerlich; für das Verhalten zwischen Menschen: schicklich, or¬ dentlich, versöhnlich; über die Verständigung zwi¬ schen Menschen: sprachlich, schriftlich, eidlich; über die Zeit eines Vollzuges: anfänglich, plötzlich, unaufhörlich; über den Geltungsgrad: möglich, bekanntlich, angeblich; verneint über die Notwendigkeit des Vollzuges; unabänderlich, unausweich¬ lich; über den Erfolg: unsäglich, unverständlich, unübertrefflich; über zeitliche Einordnung eines Geschehens: österlich, sommerlich. Zu Stunde, Tag, Woche, Monat, Jahr gibt es zwei Ableitungsmöglichkeiten: Bildungen auf -ig bezeichnen die

fungen = Pr., die vom Staat angeordnet sind, be¬ hördliche Genehmigung = G. durch eine Behörde. Mitunter orientieren Adjektive über die Art einer 4.6.5 Tätigkeit, die durch a) eine Tätigkeitsbezeichnung (nomen actionis) oder b) eine Täterbezeichnung (nomen agentis) ausgedrückt ist; diese Formulie¬ rungen sind aus dem verbalen Ausdruck hervorge¬ gangen, bei dem an der Stelle des Adjektivs ein Ad¬ verb bzw. eine Umstandsbestimmung stand; a) der Tatort wurde gründlich durchsucht ergibt: eine gründ¬ liche Durchsuchung des Tatorts; der Apparat ist richtig eingestellt: die richtige Einstellung des Appa¬ rats ; b) er raucht stark: der starke Raucher; er schreit laut; der laute Schreier; er schwärmt in politischen Ideen ; der politische Schwärmer. Da das

Dauer: sechswöchige Ferien; auf -lieh die ständige Wiederholung des Vorgangs: vierteljährliche Ra¬ tenzahlung. Eine „vierwöchentliche Trennung‘^ ent¬ spricht nicht den Regeln.

Adverb oder die Umstandsbestimmung sich auf die Tätigkeit bezieht, ist die sprachliche Umformung zu einem substantivischen Begriff im Falle des Nomen actionis (a) ohne weiteres verständlich. Im Falle des Nomen agentis (b) ist zu beachten, daß das Adjektiv nicht etwa eine Eigenschaft des Handelnden aus¬ drückt, sondern nur über das ausgesagte Handeln orientiert; wenn es eine wertende Bedeutung hat,

4.5 Wertwörter; Im Vergleich zu Bildungen auf -lieh geben manche Ableitungen auf -isch ein Werturteil ab; bäuerlich — bäurisch, kindlich — kindisch. Eine Abwertung enthalten: diebisch, sklavisch, höhnisch, abergläubisch; positiv urteilen; schöpferisch, künst¬ lerisch ;. ein Hinwegsetzen über die Wirklichkeit bedeuten: schwärmerisch, träumerisch. -isch begegnet besonders auch bei Fremdwörtern: für lat. -icus: historisch, physisch, politisch;

57

ist es auch zu Vergleichsformen fähig; Hans war von beiden der stärkere Raucher. Die Leistlingen des Adjektivs als eines charakterisie- 5 renden Beiworts lassen sich gliedern, je nachdem es charakterisiert:

58

Adjektiv 1. Größen oder Wesenheiten, wenn es einem Sub¬

verwandt mit. .., wesentlich älter als . . . Auch Mer hat man von adverbialem Gebrauch des Adjektivs

stantiv augeordnet ist; 2. ein Sein; . . , 3. ein Geschehen oder eine Tätigkeit; in beiden Fällen steht es neben einem Verb; 4. Art oder Grad einer Eigenschaft, wenn es au einem Adjektiv hinautritt (Erben). 5.1 Bei der Charakterisierung von Größen oder Wesen¬ heiten tritt das Adjektiv als Attribut neben ein Sub¬ stantiv. In der Regel steht es vor diesem und er¬ scheint dabei mit verihiderten Formen je nach dem Kasus, in dem das Substantiv auftritt; über die Ver¬ schiedenartigkeit der Endungen - 2. In der Stel¬ lung vor dem Substantiv kommt es in einigen ste¬ henden Wendungen auch unverändert vor: ruhig Blut, gut Freund, Jung Siegfried. In besonderen Fäl¬ len, meist gehobener oder dichterischer Sprache, steht das attributive Adjektiv auch nach dem Sub¬ stantiv, und awar unverändert: ein Eimer voll Was-

NkM^ed^e”'Adjektiv ist für jede der vier Aufgaben 6 So körmen z. B. die orientierenden Adjektive (4.6.1 6.1 bis 4 und 4.6.5b) im allgemeinen nicht im Prädikat ein Urteil aussprechen, es sei derin, daß sie eine wertende Aussage machen; also nicht: tiic Thea¬ tervorstellung war damalig, diese Praxis ist ärzt¬

ser; ferner: Der Franz, ein Schüler hochgelehrt, . . . Försters Fritze, blond und kraus, . . . Papa Fittig, treu und friedlich, Mama Fittig, sehr gemütlich, . . . (Busch) In erregter Sprache begegnet das Adjektiv auch in der Nachstellung verändert: Lump, elender!

lich, das Kleid ist seiden; wohl ^er wertend: sein Verhalten war typisch deutsch. Sie sind also zumeist auf die attributive Stellung neben einem Substantiv beschränkt. o Andere wiederum kommen nur in der unveran- 6.2 derten Form im Prädikat vor: schade, leid, schuld ; manche stellen, mit einem „Elementarverbuin“ sein, werden, machen verbunden, einen Zustand. eingedenk, gewärtig; einen Vorgang: ansichtig, ge¬ wahr; eine Handlung: abspenstig, ausfindig, dar. Hierher gehören auch zweigliedrige Ausdrücke wie fix und fertig, klipp und klar und zusammengesetzte Adjektive wie stemhagelvoll, fuchsteuf eiswild (Bnnk-

Schwein, schwarzes I 5.2 Zur Charakterisierung eines Seins tritt das Adjek¬ tiv in der unveränderten Grundform neben ein prädiaierendes Verb, d. i. ein Verb, das einem Be¬ sprochenen ein Prädikatsnomen oder Prädikativum auordnet. Auf das Subjekt beaogen wird das Adjek¬ tiv als Prädikatsnomen bei Verben wie sein, werden, bleiben; das Wetter ist, wird, bleibt schön; (er)schei¬ nen, heißen, verkommen; er scheint kräftiger, als er ist; das heißt aber preiswert; das kommt mir merk¬ würdig vor; auch: er saß stumm dabei. Bei anderen Verben wird das Prädikativum auf das Objekt aus¬ gerichtet : ich finde ihn ganz vernünftig; fühlst du dich gesund?; die Mutter hält die Suppe warm; du kannst das nicht ungeschehen machen; schlag die Wespe tot!; er lacht sich krank. Bei manchen Verben wird das Prädikativum mit als oder für angeschlos¬ sen : ich halte das für richtig; das kann als erledigt gelten. 5.3 Ein Geschehen oder eine Tätigkeit wird im allge¬ meinen durch ein Verb geschildert; der näheren Charakterisierung dieses Geschehens dienen -► Ad¬ verbien: er hat hier, draußen (Ort), gestern, jeder¬ zeit (Zeit), gern, umsonst (Modalität) gearbeitet. An der Stelle solcher Adverbien können aber auch Ad¬ jektive das Geschehen charakterisieren: er hat gut,

mann). . Einige attributiv verwendete Adjektive, die aus 6.3 fremden Sprachen üt)emommen wurden, lassen sich wegen der Lautgestalt — wenigstens in der Hoch¬ sprache - nicht deklinieren, bleiben also unverän¬ dert : ein lila Kleid mit rosa Punkten; umgangssprach¬ lich : die Jungen haben prima Zeugnisse nach Hause gebracht.

Adverb, Umstandswort Es gibt im allgemeinen nähere Bestimmungen zum 1 Verb, und seine Aufgabe ist es, die Umstände des im Satz ausgesagten Geschehens anzugeben. Die neuere Grammatik bezeichnet die Adverbien nicht mehr als besondere Wortart, sondern ordnet sie un¬ ter den Partikeln ein (Duden). Die durch Adverbien ausdrückbaren Umstände las- 2 sen sich in vier Arten gliedern: 1. Umstände des Ortes, 2. Umstände der Zeit, 3. Umstände der Art und Weise, 4. Umstände des Grundes (im weiteren Sinn; Duden). Im folgenden wird eine Auswahl von Beispielen genannt: Die Umstandswörter des Ortes geben Antwort auf 2.1 die Fragen: wo? hier, dort, oben, drinnen, nirgends, rechts; wohin? dorthin, aufwärts, hinunter, überallhin; woher? dorther, von unten, herauf, von draußen. Die Umstandswörter der Zeit geben Antwort auf 2.2

schnell, leise gearbeitet; er hört schwer. Die Gramma¬ tik hat diese unveränderten Adjektivformen frü¬ her auch den Adverbien zugerechnet; sie hatten in den älteren Stufen der sprachlichen Entwicklung auch noch kennzeichnende Endungen (ahd. -o, mhd.

die Fragen: wann? heute, einst, damals, schon, soeben, bald; wie lange? immer, bisher, seitdem, fortan, noch; wie oft? oft, zeitweise, manchmal, mehrmals, wieder. Die Umstandswörter der Art und Weise geben Aus- 2.3

-e), die sie seitdem abgelegt haben. Ein Rest hat sich in der Form lange erhalten: es dauerte lange. Die neuere, inhaltsbezogene Grammatik, die sich bewußt mit dem gegenwärtigen Bestand unserer

kunft über: die Art des Verhaltens (Frage: wie?): gern, anders, vergebens, eilends, derart, glücklicherweise; über Zahl oder Maß: etwas, mehr, meistens, genug,

Sprache befaßt, sieht wegen der Gleichheit mit der unveränderten Grundform des Adjektivs davon ab,

zweimal; über Grad oder Intensität: so, sehr, allzu, besonders ; über Wirklichkeit, Notwendigkeit, Möglichkeit, Ein¬

an den älteren Sprachgebrauch anzuknüpfen und hier noch von Adverbien zu sprechen. 5.4 Das Adjektiv kann in seiner Grundform auch vor

schränkung u. ä.: vielleicht, wohl, sicherlich, nur,

andere Adjektive treten und deren Bedeutung ab¬

schon, durchaus, kaum, nicht. Die Umstandswörter des Grundes eintworten auf 2.4

tönen oder präzisieren: Fritz ist hoch begabt, eng

Fragen wie:

59

60

Akkusativ warum? weshalb? deshalb^ daher, mithin, folglich; wodurch? womit? dadurch, hiermit; unter welcher Bedingung? gegebenenfalls, nötigen¬ falls, sonst;

mit welcher Einräumung? jedenfalls,

trotzdem,

gleichwohl;

zu welchem Zweck? dazu, dafür. Wenn diese Adverbien einen ganzen Satz an einen anderen anschließen, kann man geneigt sein, sie als Konjunktionen anzusehen: er wollte Feuer machen und dazu Holz hacken (Adverb); er wollte Feuer machen; dazu mußte er erst noch Holz hacken

(Konjunktion). 3 Als Adverbien wurden auch die unveränderten Ad¬ jektivformen bezeichnet, wenn sie ein Geschehen charakterisieren (Adjektiv 5.3); im Griechischen und Lateinischen hatten diese Formen besondere adver¬ biale Endungen, auch noch im Alt- und Mittel¬ hochdeutschen C-o bzw. -e). Da im Neuhochdeut¬ schen die Endung weggefallen ist und somit For¬ mengleichheit mit den adjektivischen Grundformen besteht, spricht die neuere Grammatik nur von ad¬ verbialem Gebrauch der Adjektive. Beispiel: du sollst schön schreiben.

4 Adverbien können auch zu Adjektiven treten und Art oder Grad einer Eigenschaft verdeutlichen (-*■ Adjektiv 5.4): das ist durchaus (völlig) richtig. Genaugenommen ist hier also die Bezeichnung Adverb oder adverbialer Gebrauch unzutreffend, da richtig kein Verb ist; die Leistung dieser „Adver¬ bien“ ist aber die gleiche wie im Abschnitt -► 2—3. Adverbiale Bestimmung, Umstandsbestim¬ mung 1 Ein Geschehen ^rd im Satz durch ein Verb aus¬ gedrückt, die besonderen Umstände dieses Gesche¬ hens durch eine adverbiale Bestimmung. Dazu die¬ nen in erster Linie die Adverbien (— Adverb), aber auch Substantive in besonderen syntaktischen Fü¬ gungen können diese Umstände ausdrücken. 2 Die im Artikel -* Adverb aufgeführten Arten der Umstände gelten entsprechend auch hier; einige Beispiele: 2.1 Umstandsbestimmungen des Ortes: Ort: er wohnt in Berlin; es liegt auf dem Tisch; Richtung: er fährt nach Gütersloh ; hänge das in den Schrank;

Herkunft: er kommt aus Frankfurt; nimm die Blu¬ men vom Fensterbrett!

2.2 Umstandsbestimmungen der Zeit: Zeitpunkt: er kam am folgenden Tage ; er war letz¬ ten Sonntag bei uns ;

Zeiterstreckung: er schlief den ganzen Tag; die Sitzung dauerte vom Nachmittag bis in den späten Abend.

2.3 Umstandsbestimmungen der Art und Weise: Art des Verhaltens: er ging mit großer Freundlich¬ keit auf ihn zu;

Zahl und Maß : heute ist es mehrere Grad (um meh¬ rere Grad) wärmer;

Grad und Intensität: das Publikum folgte der Rede mit großem Beifall;

Wirklichkeit, Notwendigkeit u. a.: das kann man mit völliger Sicherheit sagen ; er wollte auf keinen Fäll (keinesfalls) länger bleiben.

2.4 Umstandsbestimmungen des Grundes (im weiteren Sinn): kausal: er kam wegen seiner Erkrankung nicht zur Arbeit;

61

instrumental: er fuhr mit seinem Wagen hinterher ; konditional: ich werde nach Möglichkeit kommen ; konzessiv: trotz der Kälte ging er spazieren; final: er ergriff jede Gelegenheit zu seiner Recht¬ fertigung.

-► Lokalbestimmung, Temporalbestimmung, Modalbestimmung, Finalbestimmung. Adverbialsätze, Umstandssätze Die Bestimmungen näherer Umstände eines Geschehens können durch Adverbien ( -► Adverb) und adverbiale Bestimmxmgen, aber auch durch Gliedsätze ausgedrückt werden, die mit entspre¬ chenden Konjunktionen eingeleitet sind. Für solche Adverbialsätze kommen vor allem UmStandsbestimmungen des Ortes, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes in Betracht. Im folgen¬ den einige Beispiele: Lokalsätze: Ort: bleibe, wo du stehst; Richtung: so

3

1

2

2.1

weit der Blick reicht, sehen wir riesige Wälder; wir wollen hingehen, wo wir hergekommen sind.

Temporalsätze: als ich ihn besuchte, lag er krank im 2.2 Bett; solange ich bei ihm war, unterhielten wir uns angeregt; sooft ich bei ihm war, freute er sich.

Modalsätze: vergleichend: er war interessiert, wie 2.3 man es von einem guten Schüler erwarten durfie;

adversativ: Hans blieb noch länger am Ort, während sein Freund abreiste; einen Grad angebend: soweit ich sehe, hast du deine Sache gut gemacht.

Kausalsätze (im weiteren Sinn): zur Angabe: 2.4 des wirklichen Grundes = kausal: weil ich zu spät kam, habe ich dich nicht mehr getroffen ;

des möglichen Grundes = konditional: wenn nicht artig bist, mußt du zu Hause bleiben;

du

des ,,unzureichenden“ Grundes = konzessiv: ob¬ wohl es regnete, ging er spazieren; des Zwecks = final: lerne fleißig, damit du später etwas kannst; der Folge = konsekutiv: das Wetter war so schön, daß wir Spazierengehen konnten. -*■ Konjunktionalsatz, Lokalsatz, Temporalsatz, 3 Modalsatz, Komparativsatz, Kausalsatz, Konditional¬ satz, Konzessivsatz, Finalsatz, Konsekutivsatz. Adversativ, entgegensetzend. In - Satzverbindungen kann der Fall eintreten, daß 1 der zweite Hauptsatz eine dem Inhalt des ersten ent¬ gegengesetzte Aussage macht, sie beschränkt oder be¬ richtigt. Dann spricht man von einer adversativen Verknüpfung der Sätze. Diese können unverbunden nebeneinander stehen; 2 meist aber werden sie durch eine der folgenden — Konjunktionen miteinander verbunden sein: aber, allein, dagegen, dennoch, dessenungeachtet, doch, gleichwohl, hingegen, hinwiederum, indes(sen), je¬ doch, nichtsdestoweniger, nur, sondern, sonst, trotz¬ dem, vielmehr; oder durch die doppelgliedrigen: ei¬ nerseits — anderseits, nicht sowohl — als vielmehr, zwar — aber: ihr könnt euch amüsieren, aber wir müssen arbeiten.

In -► Satzgefügen wird der adversative Gedanke 3 durch einen Nebensatz ausgedrückt, der durch die Konjunktion während eingeleitet wird: während ihr euch amüsieren könnt, müssen wir arbeiten.

Akkusativ, Wenfall, 4. Fall Die Bezeichnung Akkusativ (der ,,die Anklage be- 1 treffende“ - Kasus) ist eine falsche, schon im 1. Jh. V. Chr. bei Varro begegnende Übersetzung des griechischen Fachworts alnanx^ nr&ats, das „das von der Handlung Bewirkte“ kennzeichnet; eine

62

Akkusativ treffendere Übersetzung wäre deshalb etwa Effektivus gewesen. Jedoch ist auch diese Begriffs estimmung zu einseitig: der Akkusativ bezeichnet nicht nur das Bewirkte (wir bauen ein Haus), son¬ dern auch etwas, was schon vorhanden ist und von der Handlung nur betroffen wird (wir bewoh¬ nen ein Haus) ; in beiden Fällen gibt der Akkusativ Antwort auf die Frage: wen oder was ? und ist ^s Objekt des Satzes ( - Akkusativobjekt) dem Subjekt ,,gegenübergestellt“ 2 Der Akkusativ wird aber auch in ^ Adverbialbe¬ stimmungen verwendet, die eine zeitliche oder räum¬ liche Erstreckung angeben: das Tierchen hat nur einen Tag gelebt; der kleine Junge ist erst einen Mo¬ nat alt; das Figürchen ist einen Fuß hoch; auch in Wertbestimmungen: das ist keinen Pfennig wert; ferner in Zeitangaben auf die Frage: wann? : letzten Sonntag waren wir bei Schulzes zu Besuch; bei der Datumsangabe: IMittwoch, den 2, Oktober ^damit der Akkusativ deutlich wird, sind als Beispiele masku¬ line Substantive im Singular genommen). Akkusativobjekt, Ergänzung im Wenfall. 1 Im Artikel - Akkusativ ist gesagt, daß dieser Kasus im Satz dem Subjekt als Objekt ,,gegenüber¬ gestellt“ wird. 2 Es gibt zwei Arten des Akkusativobjekts: 2.1 das affizierte (oder äußere) Objektdie Tätigkeit trifft den Gegenstand: einen Hund schlagen; 2.2 das effizierte (oder innere) Objekt: die Tätigkeit be¬ wirkt den Gegenstand: 2.2.1 als Ergebnis: eine Münze schlagen; 2.2.2 als Inhalt: eine Schlacht schlagen. 5 Akkusativobjekte sind fibhängig von -► transitiven (d. h. auf ein Objekt zielenden) Verben, die eine Tätigkeit aussagen; Akkusative des Inhalts können aber auch zu - intransitiven Verben treten; er kämpft einen harten Kampf; er schläft den Schlaf des Gerechten. 4 Bei lehren, kosten, nennen u. ä. stehen gelegentlich zwei Akkusativobjekte, von denen das erste eine Person, das andere eine Größe oder Wesenheit nennt: Fritz hat mich einen Trick gelehrt; das kostet dich keinen Pfennig; man nennt ihn einen Meister seines Faches.

Aktionsart 1 Die Aktionsart ist ein sprachliches Mittel, die Art, wie ein Vorgang vor sich geht, genau zu kennzeichnen. 2 Man unterscheidet besonders eine perfektive Aktionsart, die die Vollendung eines Vorgangs oder einer Tätigkeit ausdrückt, eine durative (im¬ perfektive') Aktionsart, die den andauernden Verlauf des Vorgangs ohne Rücksicht auf Beginn oder Vollendung ausdrückt, eine ingressive (inkohative) Aktionsart, die den Beginn einer Handlung, den Eintritt in eine solche ausdrückt, eine intensive Aktionsart, die einen verstärk¬ ten Sinn des Vorgangs oder der Tätigkeit bedeutet. Während in manchen Sprachen besondere Konjuga¬ tionsformen für diese Aktionsarten zur Verfügung stehen, hat das Deutsche einige andere Mittel, um sie zu kennzeichnen. 2.1 Es gibt besondere Verben, die eine perfektive Aktionsart bezeichnen, z. B. treffen (als Vollendung des Schießens oder Schlagens), finden (zu; suchen), fassen (zu: greifen); in anderen Fällen drücken Präfixe die Vollendung aus, z. B.: fliehen — ent¬ fliehen ; steigen — ersteigen; drängen — verdrängen ; blühen — verblühen.

63

Neben Verben, denen eine durative Aktionsart 2.2 eigen ist: schlafen, atmen, rauchen, spielen, wird bei manchen Verben durch Überordnung eines geeigneten Verbs eine besondere durative (imper¬ fektive) Wirkung herbeigeführt: er war beim Fällen des Baumes ; er blieb liegen ; es steht zur Verhandlung. Die ingressive Aktionsart liegt in manchen 2.S Yerben: faulen (= faul werden), sic/i legen (zu: lie¬ gen) ; bei anderen wird sie durch Präfixe erzielt: erblühen, entstehen, einschlafen, los gehen; auch der Zusatz anderer Verben führt zu ingressiver Sinn¬ gebung: anfangen zu reden, in Fahrt kommen, schla¬ fen gehen. Für (Ke intensive

• • o a Aktionsart gibt es einige 2.4

sprachliche Ausdrucksmittel; Konsonantenverschärfung: bücken

(zu;

biegen),

schnitzen (zu: schneiden), schwenken (zu; schwin¬ gen); vielfach auch Suffixbildungen; klappern (zu: klappen), kündigen (zu: künden), schluchzen (zu: schlucken)j hopsen (zu; hoppen = hüpfen), horchen (zu: hören), spendieren (zu; spenden).

Aktiv, Tatform, Tätigkeitsform Das Aktiv ist als Ausdruck einer Verhaltens- oder 1 Handlungsrichtung zu bezeichnen, die mit dem -► Passiv unter dem Oberbegriff -► Genus verbi zusam¬ mengefaßt wird. , In diesem letzteren Artikel wird die Bedeutung des 2 Aktivs als Tätigkeitsform erläutert; jedoch ist zu be¬ achten, daß das Aktiv auch die Formen anderer Verben stellt, durch die keine Tätigkeit, sondern ein Vorgang, ein Verhalten ausgesagt wird und zu dennen es ein Passiv überhaupt nicht gibt, z. B. regnen, gelingen, geschehen, scheinen; bei reflexiven Verben: sich freuen, sich setzen; bei Verben, von denen es höchstens ein ,,unpersönliches“ Passiv gibt: hungern (es wird gehungert),/rieren. Die Konjugationsformen des Aktivs sind im Arti- 5 kel

Konjugation (3) aufgeführt.

Alphabet, der Bestand an Buchstaben und ihre Rei¬ henfolge, besteht aus 2 mal 26 Schriftzeichen für Groß- und Kleinbuchstaben: ü u K k F f A a P P V V L 1 B b G g Q q W w R r M m H h G c X X S s N n I i D d T t 0 o E e Y y J i Dazu kommen 2 mal 3 Zeichen für Umlaute Ä ä ö ö Ü ü und 1 Zeichen zur ausdrücklichen Kennzeichnung des stimmlosen s im In- und Auslaut; ß. Die alphabetische Reihenfolge der Buchstaben ist geschichtlich gewachsen; sie dient vor allem auch dazu, den Wortbestand einer- Sprache übersichtlich aufzuführen, und ist deshalb die Grundlage jedes Wörterbuches.

Anfangsbuchstabe, der erste

— Buchstabe eines

Wortes. Die meisten Wörter werden mit den übli¬ chen ,,kleinen“ Buchstaben angefangen, Substan¬ tive und als Substantiv geltende Wörter anderer Wortarten mit Großbuchstaben (-► Alphabet, Recht¬ schreibung, Groß- und Kleinschreibung). umgangssprachlich

Anführungszeichen,

auch

,,Gänsefüßchen“ genannt, gehören zu den Sonder¬ zeichen (-* Interpunktion), für die es keine unbe¬ dingt bindenden Vorschriften gibt. Durch die Verwendung von Anführungszeichen 1 will der Schreibende ausdrücken, daß der von ihnen umschlossene Satz oder Satzteil nicht seine eigene

64

Apostroph Äußerung ist, sondern die eines anderen; darüber hinaus hat sich der Gebrauch dann ausgeweitet. Die Formen der Anführungszeichen sind in Druck imd Handschrift im Druck auch ». . . (in der Schweiz fast ausschließlich: »...«; in besonde¬ ren Fällen kommen auch „halbe“ Anführungs¬ zeichen vor: 2 Direkte sata zu zeichen 2.1 Stehen werden sen:

(wörtlich wiedergegebene) Rede (im Gegen- indirekter Rede) wird von Anführungs¬ umschlossen. Ankündigungsworte vor der Rede, so sie mit - Doppelpunkt (1.1) abgeschlos¬

Fritz antwortete : „Ich werde das morgen erledigen.“

durch eine andere Schriftart (etwa Kursiv-, seltener Sperrdruck) hervorgehoben: Das Wort Pärchen wird im Gegensatz zu Paar nur mit e i n e m ä geschrieben.

Wenn innerhalb eines von Anführungszeichen um- 8 rahmten Satzes ein weiterer Satz oder ein Wort angeführt wird, so werden diese Redeteile in der Regel von ,,halben“ Anführungszeichen einge¬ schlossen : „Nenne mich ,Sesemi‘, Kind“, sagte sie gleich am ersten Tage zu Tony Buddenbrook. (Th. Mann) „Ja ... so sprach er. Er sagte nicht: ,Das nimmt sich gut aus', oder ; ,Das schmückt das Zimmer', son¬ dern ; ,Das putzt ganz ungemein' ... So albern war er.“ (Th. McUm)

Innerhalb der Rede stehen Punkt, Frage- imd Aus¬ rufezeichen vor dem schließenden Anführungs¬ Anlaut, der erste Laut eines Wortes, Vokal oder zeichen. Konsonant; entsprechend Silbenanlaut. Gegen¬ 2.2 Stehen die Ankündigungswerte innerhalb stücke: — Inlaut, Auslaut. oder h i n t e r der Rede, so gilt folgende Regelung: 'Anrede — Briefschreiben 4 imd 5 2.2.1 Schheßt die vor den Ankündigungs werten ste¬ Anreihend - kopulativ hende Rede mit Frage- oder Ausrufezeichen, so Anschrift -► Briefschreiben 5 setzt man diese Zeichen vor das schließende An¬ Apostroph, Auslassimgszeichen, Häkchen. führungszeichen : Das Zeichen 'deutet an, daß ein unbetonter, kurzer 1 „Genügt das?“ fragte Paul. Vokal (e, i), meist am Anfang oder Ende, selten im „Beeile dich!“ sagte die Mutter. Innern eines Wortes, oder eine imbetonte Lautgrup¬ 2.2.2 Schheßt die Rede mit Punkt oder Komma, so fal¬ pe, unter besonderen Umständen auch der Kon¬ len diese weg; dann steht nach dem schließenden sonant s der Genitivendung ausgelassen wurde. Der A^ührungszeichen ein Komma: „Das glaube ich Apostroph kommt in der Prosa der Schriftsprache nicht“, antwortete Franz. selten vor, weil hier die Wörter meist in ihrer voll¬ „Ich glaube nicht“, sagte Franz, „daß du recht hast.“ ständigen Form ausgeschrieben werden. In der Spra¬ „Wenn du mir nicht glaubst“, erwiderte Paul, „läßt che der Versdichtung entfällt zuweilen ein Vokal du es bleiben.“ um des Rhythmus willen. In der Umgangssprache 5 Auch wörtlich wiedergegebene Gedanken werden dagegen werden häufig Endungen abgeschliffen oder oft in dieser Weise von Anführungszeichen um¬ unbetonte Laute „verschluckt“. Wenn der Schrei¬ schlossen : ber Wert darauf legt, solche umgangssprachliche Dann traf mich ein Blick, in dem mit Riesenbuch¬ Formen lautgetreu wiederzugeben, ersetzt er den staben geschrieben stand; „Habe ich das um dich ver¬ ausgefallenen Laut durch den Apostroph. dient?“ Der Apostroph wird gesetzt: 2 4 Ferner werden angeführte Textstellen (Zitate) von am Wortanfang: 2.1 Anführungszeichen umrahmt: wenn das e des Pronomens es wegfällt: 2.1.1 Hebbels „MariaMagdalena“ schließt mit den Worten Meister Antons; „Ich verstehe die Welt nicht mehr!“

ist's so richtig?, hat’s geregnet?, 's regnet schon wie¬ der;

5 Anfühnmgszeichen charakterisieren auch einzelne Wörter als von anderen ausgesprochen oder ge¬ schrieben :

komm 'rein (aber: der Reirfall) ; du bist mir'n fei¬ ner Kerl; das ist ja 'ne schöne Bescherung;

„Holdselig“, dies veraltete Wort hatten ihre Freunde für sie wieder hervor gesucht. (Storm) Die Base Schlotterbeck und der Schwager Grüne¬ baum hatten eine dumpfe Ahnung von dem Vorhan¬ densein dieses Manuskripts, aber wirklichen Bescheid darum wußte nur die Frau des Poeten. Für sie war es das Wänderbarste, was man sich vorstellen konnte ; es reimte sich ja, „wie's Gesangbuch''^, und ihr Mann hatte es gemacht.

Hier zeigen die Anführungszeichen, daß die Worte „wie's Gesangbuch“ von der Frau (in bewundern¬

dem Ton) gesagt waren. 6 Buch- und Zeitungstitel, Titel von Literaturwerken vuid Gedichten werden meist in Anführungszeichen gesetzt : Er hat kürzlich wieder in Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“ gelesen. In der heutigen „Welt“ steht, daß . . . Habt ihr Schillers ,,Lied von der Glocke“ (oder kurz: Schillers „Glocke“ ; der Titel heißt: ,,Das Lied von der Glocke“) auswendig gelernt?

7 Solche Titel (-► 6) wie auch einzelne Wörter (-► 5) werden öfters unter Verzicht auf Anführungszeichen

65

wenn eine Lautgruppe wegfällt:

2.1.2

am Wortende: 2.2 wenn bei Substantiven das e der Schlußsilbe weff- 2.2 1 fäUt: ® Sorg', Freud'; laß mich in Ruh'!; auch: Greu'l. wenn das Endungs-e bei Verbalformen wegfällt: 2.2.2 ich steh' jetzt auf; das lass' (beachte ss! -► Kon¬ sonant 2.1.2) ich mir nicht gefallen; das Wasser rauscht', das Wasser schwoll; es wär' schön.

im Wortinnem, wenn das i der Ableitcmgssilbe -ig 2.3 weggelassen ist: habgier'ge Menschen; ew'ger Bund.

Beim Genitiv von Eigennamen, die auf s, ß, x, z 2.4 oder tz auslauten, wird das Endungs-s durch Apo¬ stroph ersetzt, wenn kein Artikel davorsteht: Sophokles' (S.’) Tragödien (aber: des Sophokles Anti¬ gone); Rubens' (R.’) Gemälde, Gauß' (G.’) Le¬ benszeit, Marx’ (M.’) Werke, Leibniz' (L.’) Geburts¬ ort, Helmholtz' (H.’) Schriften. Da in der gesprochenen Sprache der Genitiv hier nicht zu Gehör kommt, empfiehlt es sich allerdings, eine andere Formulienmg vorzuziehen, bei antiken Namen durch Zusatz des Artikels (s. o.), bei neue¬ ren Namen etwa durch Umschreibung des Genitivs

66

mit von: Gemälde von Rubens, oder — freilich ver¬ altete — Formulierungen wie Vossens Luise. 5 Nicht mit Apostroph aber wird in folgenden Fällen geschrieben' 3.1 bei Verschmelzung des Artikels mit einer Präposi¬ tion: ins, ans, aufs, vors, übers; im, am, vom, vorm, zum, beim;

3.2 beim Ausfall eines e in einer nachtonigen Stamm¬ oder Ableitungssilbe: ich andre, handle, unsres, ein andrer, wäßrig. Neuste Nachrichten;

3.3 wenn bei Namen das i der Ableitungssilbe -isch wegfällt: Goethesche Lyrih,

Schiller sehe Dramen,

Uhland~

sehe Gedichte ; •

3.4 wenn beim Imperativ das Endungs-e weggelassen wird: bring mir das mit!; sieh dir das an!; sag nichts!;

3.5 in festen Wortpaaren, in denen das erste Wort sonst die Endung -e hat, das zweite einsilbig ist: Freud und Leid, Hab und Gut, Speis und Trank, Lieb und Lust, Müh und Not, öd und leer, müd und matt.

3.6 bei den regelrecht mit -s gebildeten Genitiven von Namen: Lessings (L.s) Dramen, Goethes (G.s) Faust. 3.7 bei Abkürzungen, wenn der Genitiv oder der Plural durch die Endung -s deutlich gemacht werden soll (-► Abkürzungen 6). Appellativum, Gattungsname, durch den eine ein¬ zelne Größe oder Wesenheit einer Gattung gleich¬ artiger Größen zugeordnet wird: Mensch, Mann, Frau,

1

2 2.1 2.2 2.3 2.4 3

4

1

2

1

Tier,

Pflanze,

Baum, Waffe, Buch, Stein,

Haus ; Gegensatz: - Eigenname, Einzelbenennung; doch können auch Eigennamen als Appellativum verwendet werden: da kommt ein Opel angefahren. Apposition, Beisatz ein substantivisches -► Attribut (2.5.1), das im gleichen — Kasus steht wie das Substantiv oder Per¬ sonalpronomen, zu dem es gehört. Es steht vor dem Beziehungswort, wenn es angibt: einen Vornamen: Fritz Schulze; einen Titel, eine Standes- oder Berufsbezeichnung: Professor Dr. Schulze, Klempnermeister Schwarz; einen Verwandtschaftsgrad: Onkel Fritz; eine Maß- oder Mengenbezeichnung: ein Glas Bier; ein Zentner Kartoffeln. Meist steht die Apposition hinter dem Bezie¬ hungswort und wird dann durch -► Kommas (2.3.1) eingeschlossen: Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; am Montag, dem 30. September, reiste er ab; ohne Komma werden stehende Beinamen angefügt: Karl der Große. Gelegentlich wird eine Apposition mit als an das Beziehungswort angeschlossen (Zustandsapposition): Fritz als bester Schüler seiner Klasse hatte Aussicht, . . . ; Herr Dr. Schulze als leitender Arzt des Kran¬ kenhauses gab ein Gutachten ab. Artergänzung Als solche werden nähere Bestimmungen bezeichnet, die vor allem zu Verhaltensverben treten: die Arz¬ nei erwies sich als wirksam; er führte sich auf wie ein Verrückter ; Hans betrug sich anständig. Der Duden spricht auch in folgenden Fällen von Artergänzung: Karl ist gut; die Blätter werden gelb, du bleibst gesund. Artikel, Geleitwort, Geschlechtswort Man unterscheidet zwei Arten des Artikels: 1. den

67

bestimmten Artikel: der, die, das; 2. den unbestimm¬ ten Artikel: ein, eine, ein. Der Artikel hat in manchen Kasus je nach dem -► Genus verschiedene Formen, gibt dann also das Geschlecht an und wurde deshalb seit dem 17. Jahrhundert Geschlechtswort genannt. Diese Bezeichnung ist aber einseitig; denn der Arti¬ kel kennzeichnet ja nicht nur das Genus, sondern — was meist viel wichtiger ist - auch den Kasus und den Numerus, und außerdem wird die Bezeichnung Geschlechtswort nicht seiner Fähigkeit gerecht, die stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten unserer Spra¬ che zu bereichern; darum bürgert sich neuerdings die Bezeichnung Geleitwort mehr und mehr ein. BestiÄimter Artikel: der, die, das. In den älteren Zeiten der indogermanischen Spra¬ chen wurden Genus, Kasus und Numerus durch Endungen kenntlich gemacht. Diese Endimgen sind in den meisten dieser Sprachen im Lauf der Zeit mehr oder weniger abgeschwächt, so daß sie zur Kennzeichnung der Formen nicht mehr aus¬ reichten. Im Deutschen hat man zu diesem Zweck das -► Demonstrativpronomen der, die, das herange¬ zogen, dessen Betonung aber abgeschwächt wurde. Deklination Plural Singular Maskulinum. Femininum Neutrum MF N

IS3 tO

Apostroph

die das die der Nom. der des der des Gen. den dem der dem Dat. die das die den Akk. 3 Unbestimmter Artikel: ein, eine. ein. Er ist vom Zahlwort abgeleitet; auch hier ist die 3.1 Betonung abgeschwächt. 9. Deklination Plural Singular Fern. Neutrum MF N Mask. ein Hier werden eine Nom. ein eines die Substantive einer eines Gen. einem ohne Artikel einer Dat. einem ein gesetzt. eine einen Akk. Über die Anwendung des Artikels; „D e r Herr, der eben vorüberging, war der 4.1 Klavierlehrer unseres Sohnes‘^, sagt die Mutter zu einer Bekannten. Das der vor Herr ist nahezu De¬ monstrativpronomen; die Mutter zeigt mit ihm gewissermaßen auf den Herrn. Und dieser Herr wird nun gleichgesetzt mit dem Klavierlehrer: der bestimmte Artikel wirkt identifizie¬ rend. ,,Der Herr ist ein Lehrer unseres Sohnes.^^ Hier 4.2 wird der Herr hineingestellt in eine Reihe von Lehrern, in der er eine beliebige Stelle einnimmt; die Mutter hätte auch sagen können: „einer der LehreV’; der unbestimmte Artikel wirkt hier klassifizierend. „Der Herr ist ein Freund meines Mannes.'''' Man 4.3 könnte den Artikel ein als klassifizierend auffassen: er gehört zu den Freimden. Es kann aber auch der Sinn darin liegen: ein (wahrer) Freund; dann ent¬ hält der Satz ein Urteil über den Herrn, und der unbestimmte Artikel wirkt hier quali¬ fizierend. ,,Der Herr war früher Lehrer.“ Das Prädikats- 4.4 nomen Lehrer steht hier ohne Artikel. Der Herr wird einer Gruppe von Menschen zugewiesen, die eine besondere Verhaltensweise zeigt: damit keinn ein Amt (Studienrat), ein Beruf (Lehrer), ein Stand (Soldat), eine Weltanschauung (In;lividualist) oder

68

Attribut ein sonstiges Verhalten (Raucher, Weintrinker) ge¬ meint sein; er wird einer sozialen Lehensart, einer Rolle, einer Punktion gleichgesetzt, und diese hleiht als Prädikatsnomen artikellos. 4.5 Darüber hinaus gibt der Artikel an, oh die vorge¬ stellte Person oder Sache hei ihrer ersten Neimimg bekannt oder nicht bekannt ist: „Gestern begegnete ich einem, jüngeren Herrn, der mir gleich bekannt vorkam. Der Herr grüßte mich, und es stellte sich heraus, daß wir einmal bei Bekannten aus Hnlaß eines Dienstjubiläums zusammengetroffen waren. Die Bekannten hatten damals zu der Festlichkeit verschiedene Freunde zu sich geladen.^’’ Der unbestimmte Artikel führt eine bisher nicht genannte Person oder Sache neu ein, die dadurch, daß sie genannt worden ist, bekannt und nun vom bestimmten Artikel geleitet wird; handelt es sich um eine Mehrzahl von Perso¬ nen oder Sachen, so stehen die neu eingeführten Begriffe zunächst ohne Artikel: Der Plural zum un¬ bestimmten Artikel ausgedrückt.

wird

durch

Artikellosigkeit

4.6 Ist eine Person oder Sache dem Sprecher und sei¬ nem Gesprächspartner (dem Schreiber und seinem Leser) von vornherein bekannt, etwa weil sie in ih¬ rer Umgebung oder Gedankenwelt nur einmal vor¬ kommt, so wird auch bei der ersten Nennung der bestimmte Artikel gesetzt: „Darauf trat ein Abge¬ ordneter der X-Partei (der Bundeskanzler) an das Rednerpult.“ Der Abgeordnete war vorher noch nicht genannt worden (also unbestimmter Artikel), wohl aber ist die Partei oder der Bundeskanzler dem Hörer oder Leser bekannt, und daß im Bun¬ destag von einem Rednerpult aus gesprochen wird, weiß auch jeder (also bestimmter Artikel). 4.7 So heißt es auch: die Sonne, der Mond, die Erde ; die Hauptstadt; oft: der Rektor (der Universität), der Chef; oder bei Abstrakta: das Altertum, die Natur, die Schönheit. 4.8 Der bestimmte Artikel wirkt gelegentlich gene¬ ralisierend: „Der alte Mensch erinnert (= alle alten Menschen erinnern) sich eher an Vor¬ fälle in der Jugend als an Ereignisse der jüngsten Zeit.“ 4.9 Namen von Personen (auch Gott und Christus sind Namen geworden). Orten und Ländern stehen im allgemeinen ohne Artikel, es sei denn, daß die Kennzeichnung des Genitivs sonst nicht möglich wäre (die Pfalz, die Tschechoslowakei); Land¬ schaftsnamen (Gebirge, Berge, Flüsse, Seen u. a.) haben den Artikel: der Schwarzwald, der Brocken, die Elbe, der Wannsee, das Eichsfeld, das Schwarza¬ tal. 4.10 Personennamen, besonders aus der Antike, die auf -s (-x) enden, werden, wenn der Kasus, bes. der Genitiv, deutlich gemacht werden soll, mit Artikel versehen, ebenso weibliche Namen, die anderseits sogar die maskuline Genitivendung -s bekommen körmen: der Tod des Achilles; Hektor, der Vater des Astyanax; die Regierung des Augustus; das Geben der Maria (Marias, Mariae). 4.11 Ohne Artikel stehen Stoffbezeichnungen, bei denen es keinen Plural gibt: Seide, Papier, Glas, Blut, Honig, Brot; wenn aber ein Gegenstand aus dem Stoff oder eine (un)bestimmte Menge des Stoffes gemeint ist, wird der bestimmte (identi¬ fizierende) Artikel gesetzt: Seide glänzt — ich habe nun doch die Seide gekauft (= ein Stück von dem

69

besprochenen Seidenstoff); Papier ist geduldig — gib das Papier her! (den Bogen Schreibpapier, den Ausweis); Glas ist meist durchsichtig — das Glas (= ein Weinglas) ist wunderschön (auch Plural: die Gläser sind w.) ; Blut ist ein ganz besonderer Saft — das Blut (sein Blut) ist ihm zu Kopf gestiegen ; Honig ist ein Erzeugnis der Biene — reich mir den Honig (die mit H. gefüllte Schale) herüber!; Brot ist das wichtigste Nahrungsmittel — habt ihr das Brot (die Brote) nicht vergessen (einzukaufen)? Ohne Artikel stehen auch Abstrakta, wenn sie 4.12 eine Eigenschaft, einen Vorgang oder Zustand oder auch einen Zeitbegriff nur allgemein nen¬ nen: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht; Vorsicht ist die Mutter der Weisheit; Geben ist seliger denn Neh¬ men; Alter schützt vor Torheit nicht; er ist Mitte der Vierziger.

Aspirata, Hauchlaut In der indogermanischen Ursprache gab es neben 1 den Verschlußlauten (— Konsonant 1.2.1) auch sol¬ che, an die ein Hauchlaut angetreten ist: ph, bh, th, dh, kh, gh; sie haben sich in einzelnen indogerma¬ nischen Sprachen erhalten, z.B. im Indischen, z. T. auch im Altgnechischen (bei den stimmlosen Ver¬ schlußlauten) . Im heutigen Deutsch werden nur die stimmlosen 2 (-► Konsonant 1.3.2) Verschlußlaute p, t, k aspiriert (-►Konsonant 1.5) gesprochen, ohne daß dies in der Schrift in Erscheinung tritt.

Attribut, Beifügung nach der älteren Grammatik jede nähere Bestim- 1 mung, die zu einem Substantiv tritt. Diese Attribute können in verschiedenen Formen 2 auftreten: als Adjektiv: der gute Schüler;

2.1

als als als als

2.2 2.3 2.4 2.5

Partizip: die blühende Rose; der gedeckte Tisch; Pronomen: dieser Mann, dein Freimd; Zahlwort: zwei Menschen, der dritte Tag; Substantiv:

im gleichen Kasus wie das zu bestimmende Sub- 2.5.1 stantiv: Onkel Fritz, der Bruder meiner Mutter (diese Form des Attributs wird als -► Apposition bezeichnet); im Genitiv: das Haus des Vaters;

2.5.2

mit Präposition: Iphigenie auf Tauris; die Reise 2.5.3 nach Italien; das Wetter in diesem Sommer; die Braut von Messina; der Verbrecher aus verlorener Ehre (Schiller); ein Wink mit dem Zaunpfahl; die Freude über deine Ankunft; als Adverb: der Mann da, das Fußballspiel gestern ; 2.6 als Infinitiv mit zu: die Bemühung zu helfen; das 2.7 Bewußtsein, falsch gehandelt zu haben ; als Gliedsatz: 2.8 Relativsatz: der Platz, wo wir stehen, gewährt eine 2.8.1 gute Sicht; Fragesatz: die Frage, wer recht hat, ist unentschieden; 2.8.2 Konjunktionalsatz: der Tag, als wir zuletzt beisam- 2.8.3 men waren, liegt weit zurück; meine Befürchtung, daß ich zu spät käme, war grundlos; als indirekte Rede: die Behauptung, er sei nicht 2.9 dabeigewesen, konnte sofort widerlegt werden. Die Beispiele unter 2.8 und 2.9 werden als -* Attri¬ butsätze bezeichnet. Als Attribut wird auch eine nähere Bestimmung 3 bezeichnet, die sich auf einen ganzen Satz bezieht (Satzattribut): Fritz behauptete, er sei nicht dabei¬ gewesen, eine Lüge, die konnte.

sofort

widerlegt werden

70

Attribut 4 Neuerdings werden auch nähere Bestimmungen zu Adjektiven und Adverbien als Attribute bezeichnet: 4.1 zu Adjektiven: der drückend heiße Tag; ich war sehr froh; du bist frech wie Oskar; 4.2 zu Adverbien: er kam sehr gern zu uns; wir saßen im Theater ganz vom; er hielt sich eine Woche lang in Paris auf; seht ihr dort am Fenster den kleinen Jungen? 5 Mitunter werden mehrere Attribute aneinander¬ gereiht: das Recht (1:) zur Errichtung (2:) von privaten Schulen; der Versuch (1:) der Gründung (2:) einer slawischen Kirche (5:) im mährischen Raum; die Auswirkungen (1:) der Kürzung (2:) der Bundesmittel (5 :) für die Studienförderung (4:) nach dem Honnefer Modell. Je länger derartige Attributketten sind, um so schwerer sind sie mitunter zu überblicken imd daher besser zu ver¬ meiden, etwa: das Recht, private Schulen zu errich¬ ten; der Versuch, eine slawische Kirche im mähri¬ schen Raum zu errichten. 6 Auch können an e i n Substantiv mehrere Attri¬ bute gleichen Abhängigkeitsgrades (a:, b:) zu einem Attributstrauß angeschlossen werden: in¬ zwischen hat auch .. . der Lieferung (la:) von Last¬ wagen und Traktoren (Ib:) an Kuba zugestimmt, noch dazu (Ic:) mit staatlichen Exportkrediten; eine Sonderung (la:) der Schüler (Ib:) nach den Besitzverhältnissen (2:) der Eltern. 7 Die Häufung der Attribute führt zu einer Substan¬ tivierung des sprachlichen Ausdmcks, die das Ver¬ ständnis der Aussage erschwert. Als Beispiel sei aus Lenins ,,Entwurf einer Resolution über die prole¬ tarische Kultur“ seine Definition der ,,sozialisti¬ schen Kultur“ angeführt (vielleicht gibt das einen Hinweis auf den Ursprung des sprachlichen Mi߬

Resultate (2:) der bestehenden Kultur (Ib:) vom Standpunkt (2:) der marxistischen Weltanschauung und der Bedingungen (3 :) des Lebens und des Kampfes (4a:) des Proletariats (4b;) in der Epoche (5:) seiner Diktatur.

Attributsatz, Beifügungssatz 1 Mitimter geben Gliedsätze eine nähere Bestim¬ mung zu einem Substantiv und zeigen damit die Leistung eines Attributs; Beispiele: -► Attribut 2.8 und 2.9. 2 Auch zu einem ganzen Satz kann ein derartiger Attributsatz treten (Satzattributsatz): wir lobten Fritz für seine Erfolge in der Schule, was ihn hof¬ fentlich zu weiteren guten Leistungen antreibt.

Wunschsatz

1 Er drückt ein Sein oder Geschehen aus, dessen Ver¬ wirklichung der Sprecher wünscht. Eine solche Aufforderung kann der Sprecher an eine oder meh¬ rere angesprochene Personen (2. Person) oder an sich selbst (1. Person) richten, sie kann aber auch in der 3. Person ausgesprochen werden.

71

^ Imperativ, Be- 2.1

fehlssatz) gerichtet. Einer höflichen Form dient die Anrede Sie, ver- 2.2 bunden mit der 3. Plur. des Konjunktivs Präsens in Spitzenstellung des Verbs: Nehmen Sie bitte Platz! Seien Sie mir willkommen!

Eine Reihe von Aufforderungen kann durch Um- 2.3 Schreibungen ausgedrückt werden: ein Wunsch durch mögen; mögest du wieder ganz 2.3.1 gesund werden!; eine Aufforderung durch sollen; du sollst die Wahr- 2.3.2 heit sagen!; ein Gebot (Verbot) durch müssen bzw. nicht dürfen; 2.3.5 du mußt bei der Wahrheit bleiben!; du darfst nicht länger warten!; eine gebieterische Weisung durch einen Infinitiv 2.3.4 mit zu in Verbindung mit haben; du hast zu warten ; in einem passivischen Sinn in Verbindung mit sein, gelten, heißen; jetzt ist noch ein kleiner Rest zu er¬ ledigen (= muß erledigt werden); jetzt gilt es (heißt es), noch einen kleinen Rest zu erledigen; in schroffem Ton durch eine rhetorische Frage mit wollen; willst du endlich vernünftig werden ! oder durch einen Imperativ mit lassen; laß dir das nicht noch einmal ejnfallen! Natürlich kann auch von einem auffordernden Verb 2.4 ein Infinitiv mit zu oder ein mit der Konjunktion daß eingeleiteter Gliedsatz abhängig gemacht wer¬ den: ich bitte Sie, morgen zu mir zu kommen; ich erwarte (muß darum bitten), daß du die Vorschrif¬ ten beachtest. Oft wirkt auch der Indikativ des Präsens oder Fu- 2.5 turs — in bestimmtem Ton gesprochen — als Auf¬ forderung: du gehst jetzt nach Hause und wirst so¬ fort deine Sache erledigen ; wird's bald! Auch in der 1. Person, 3 und zwar im Singular, kann eine Aufforderung aus- 3.1 gesprochen werden, sei es, daß der Sprecher einen Wvmsch anderer „referiert“ (Erben), sei es, daß diese Aufforderung aus eigener Überlegung her¬

brauchs) : Kein Hirngespinst (1:) einer neuen Proletkultur, sondern Entwicklung (lä:) der besten Vorbilder, Traditionen,

Aufforderungssatz, Begehrssatz,

An eine 2. Person ist die sogenannte Befehlsform (

vorgeht : in entschiedener Form durch sollen; ich soll

ihn 3.1.1

besuchen; in einer unentschlossenen, hypothetischen Form: 3.1.2 ich sollte einmal eine Zeitlang ausspannen; in einer Form, die die Unumgänglichkeit der Auf- 3.1.3 forderung ausdrückt, durch müssen; ich muß mich überwinden. Eine Aufforderung an die 1. Plural 3.2 wird ausgesprochen, wenn der Sprecher sich in eine 3.2.1 Personengruppe einreiht und diese zu gemeinsa¬ mem Tun aufruft: seien wir einig!; handeln wir entschlossen!; mehr als einen Vorschlag, der um Zustimmung 3.2.2 bittet: laßt uns entschlossen handeln! (etwa in dem Sinne: laßt es zu, daß wir . . .).; in der Formulierung eines gemeinsamen Willens: 3.2.3 wir wollen uns an die Sache machen! (auch in Frage¬ form) ; mit sollen, müssen, haben zu, wenn der Sprecher 3.2.4 sagen will, daß die Gruppe zu dem Tun verpflichtet ist: wir wollen (müssen) nach Recht und Gesetz handeln; wir haben unsere Pflicht zu erfüllen! Auch an eine 3. Person können Aufforderungen 4 gerichtet sein, und zwar im Konjxinktiv des Präsens, wenn mit der Möglichkeit der Ver- 4.1 wirklichung zu rechnen ist:

man nehme . . .;

es

72

Ausrufezeichen sei darauf hingewiesen; der Herr Vorredner möge darüber nachdenken. 4.2 des Präteritums, wenn mit der Verwirklichung nicht zu rechnen ist; wäre doch nur schon alles vor¬ über ; der Herr Vorredner sollte einmal darüber nachdenken; 4.5 oder des Plusquamperfekts, wenn eine Verwirkli¬ chung nicht mehr möglich ist: der Herr Vorredner hätte lieber (früher) darüber nachdenken sollen! 4.4 Auch hier kann das Begehren von einem auffordemden Verb in Form eines Infinitivs mit zu oder eines Gliedsatzes mit der Konjunktion daß abhängig ge¬ macht werden: ich möchte wünschen, daß der Herr Vorredner sich die Sache nochmals überlege; ich möchte ihn auffordern, sich auch darüber zu äußern; wir wollen wünschen, daß das Wetter besser wird.

Auslassungspunkte (...), Sonderzeichen (-Inter¬ punktion), nicht gibt.

für

die

es

verbindliche

Vorschriften

1 Wird eine Rede oder ein Gedanke nicht bis zum vollständigen Satzende geführt — der Leser soll und kann es ohne Schwierigkeit ergänzen —, so wird der ausgelassene Teil gern durch drei Punkte ersetzt:

Frage, gründet, liegt keine Veranlassung vor, die besondere Art des Ausrufesatzes aufzustellen, des¬ sen Besonderheit lediglich die Affektbedingtheit ist; daher sehen manche Grammatiken auch davon ab. Auch im Artikel — Satz (7) wurde darauf ver¬ zichtet, den Ausruf als eine besondere Leistung des Satzes anzuführen. Die Affektbedingtheit tritt durch die besondere 5 Intonation der Ausrufesätze in Erscheinung, die mitunter durch Zusatz einer Partikel, besonders von aber, ja, unterstützt wird (-►2). Ausrufewort - Interjektion

Ausrufezeichen (!) Es wird gesetzt:

1

nach Aufforderungssätzen (Wunsch-, Befehlssätzen): 1.1 zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den ihr um euer Herz gelegt!; entscheidet euch, ehe es zu spät ist! ; nach Ausrufen (Sätzen oder Einzelwörtern): 1.2 oh!; wie schade!; Ruhe!; das war aber schön!; nein, nein!; nach Ausrufen in Frageform: 1.3 oh, wie ist es kalt geworden

Der Horcher an der Wand . . .

und so traurig, öd und leer! (Hoffmann von Fallers¬ leben)

„Benimm dich endlich anständig, oder ich . . .“ Mitunter liest man anstelle der Auslassungspunkte auch einen — Gedankenstrich ( 8), doch werden neuerdings die Punkte bevorzugt.

schwindet Schönheit und Gestalt! (Hauff);

2 Wird ein Text, eine Rede, ein Brief nur auszugs¬ weise abgedruckt, so wird die Weglassung von Satz¬ teilen, ganzen Sätzen oder auch längeren Textteilen vor, zwischen oder hinter dem abgedruckten Text gern durch Auslassungspunkte angedeutet. Ein stark verkürzles Beispiel aus einer Rede des Reichskanzlers von Bülow: • • • Wir leben nicht in Wölkenkuckucksheim, und wir leben leider auch nicht im Paradies, sondern wir leben auf dieser harten Erde, wo es heißt, Ham¬ mer oder Amboß sein . . . Auslassungssatz - Ellipse

Auslassungszeichen - Apostroph Auslaut, der letzte Laut eines Wortes, Vokal oder Konsonant; entsprechend Silbenauslaut. stücke : — Anlaut, — Inlaut.

Gegen¬

Ausrufesatz 1 Darunter werden Sätze verstanden, die im Affekt gesprochen werden, aus einem irgendwie gearteten Gefühl, einer teilnehmenden Gemütsstimmung heraus, ohne daß damit eine Willensäußerung ver¬ bunden ist; in letzterem Falle würde sich ein — Aufforderungssatz ergeben. 2 Es kann sich z. B. um Äußerungen des Staunens handeln: das war aber ein langer Kerl!; der Freude: oh, wie freut mich das, daß ich Sie endlich einmal wiedersehe ! ; des Zornes: du bist aber ein altes Ekel I; oder ärgerlicher Erregung: das hat aber laut ge¬ knallt ! ; wie oft habe ich dir das schon gesagt!; das könnte dir ja so passen! Die Ausrufesätze werden durch ein — Ausrufezeichen abgeschlossen. 5 Mitunter werden auch Ausrufe ohne Prädikat hier¬ hergerechnet: ein abscheulicher Sturm heute!; welche Freude, Sie zu sehen! Im Grunde sind das aber keine Atisrufe s ä t z e. 4 Der Form nach sind die unter 2 angeführten Bei¬ spiele entweder Aussage- oder Fragesätze. Wenn man die Einteilung der Satzarten auf die drei Lei¬ stungen des Satzes: Aussage — Aufforderung —

73

Ach, wie bald in Briefen nach der Anrede (— Briefschreiben 4): 1.4 Liebe Mutti ! ; Hochverehrter Herr Professor ! Wenn ein Ausrufesatz oder Aufforderungssatz als 1.5 Zitat (in Anführungszeichen eingeschlossen) in einem Aussagesatz enthalten ist, so bleibt der zitierte Satz mit dem Ausrufezeichen versehen (während ein Aussagesatz als Zitat seinen Punkt verliert ( — Punkt 2.1.2): „Nimm dich in acht, Fritz l^’’ rief die Mutter. Ein Ausrufezeichen in Klammem wird mitunter 1.6 einer Aussage beigefügt, um sie hervorzuheben oder die eigene Zustimmung auszudrücken: Das Alter der Eiche wird auf SOO Jahre (!) ge¬ schätzt. (— Klammem 2.5) Das Ausrufezeichen steht nicht nach abhängi- 2 gern Aufforderungssatz; hier ist für die Zeichen¬ setzung die Art des übergeordneten Hauptsatzes maßgebend (— Punkt 2.1.1). Im übrigen sei man sparsam mit der Anwendung 3 des Ausmfezeichens; in vielen Fällen genügt Punkt oder Komma, wenn der Ausmf nicht zu nachdrück¬ lich betont werden soll. Die übertrieben vielen Aus¬ rufezeichen, die Wilhelm Busch in dem folgenden Beispiel setzt, sollen den eindringlichen Ton der Moralpredigt, die Onkel und Tante Nolte der ,,from¬ men Helene“ halten, ironisch zum Ausdruck brin¬ gen: „Helene!“ — sprach der Onkel Nolte — ,,Was ich schon immer sagen wollte! Ich warne dich als Mensch und Christ: Oh, hüte dich vor allem Bösen! Es macht Pläsier, wenn man es ist. Es macht Verdruß, wenn man's gewesen!“ „Ja leider!“ — sprach die milde Tante — „So ging es vielen, die ich kannte! Drum soll ein Kind die weisen Lehren Der alten Leute hochverehren! Die haben alles hinter sich Und sind, gottlob! recht tugendlich! Nun gute Nacht! es ist schon späte ! Und, gutes Lenchen, bete! bete!“

74

Aussage AussagC) eine der drei Leistungen des -*• Satzes: Aussage — Aufforderung — Frage. Die Aussage stellt ein Geschehen oder Sein fest. Dieser Lei¬ stung dient der -► Aussagesatz.

Aussagesatz

s wird teils stimmhaft, teils stimmlos gesprochen: 3.8 stimmhaft am Wortanfang vor Vokal: Sohn; im 3.8.1 Wortinnem zwischen Vokalen: Rasen; nach 1 m n r zwischen Vokalen: Felsen, Amsel, unser, Ferse [z ]; stimmlos am Wortende: das, uns, vors, diaus; und 3.8.2

meist im Wortinnem: beste, höchst [s] 1 Der ersten der drei Leistungen des Satzes: Aussage vor p und t wird s als sch gesprochen: sparen, Split- 3.8.3 _ Aufforderung — Frage, dient der Aussagesatz, der ein Geschehen oder Sein berichtend darstellt. . ter, Staat, Streben [fp, ft] 2 Er bedient sich dabei, wenn er das Geschehen oder V wird als f gesprochen ( -+■ Konsonant 2.2.2); häu- 3.9 figer kommt es in Fremdwörtern vor und wird in Sein als wirklich (real) berichten will, des -► Indi¬ kativs; er kann jedoch auch davon ahsehen, das Geschehen oder Sein als wirklich auszusprechen, sondern es etwa als ungewiß, als bedingt, als mög¬ lich hinstellen oder in einer Weise, die deutlich er¬ kennen läßt, daß es nicht wirklich (irreal) ist oder geschieht; in diesen beiden Fällen wird meist der -► Konjvmktiv gebraucht (oft in Verbindung mit Umschreibungen). 3 Eine Aussage kann auch in einem abhängigen Glied¬ satz gemacht werden; in diesem kann als -► Modus sowohl Indikativ wie Konjunktiv verwendet wer¬ den, je nachdem, in welchem Grade die Wirklich¬ keit oder Nichtwirklichkeit zum Ausdruck gebracht werden soll.

Aussageweise Aussprache

Modus

1 Die — Buchstaben sind die Schriftzeichen der Laute, jedoch ist die Zahl der Buchstaben kleiner als die der Laute, so daß manche Buchstaben die Zeichen für mehrere Laute sind. Hinzukommt noch die in den Dialekten übliche verschiedeneirtige Ausspra¬ che, von der an dieser Stelle abgesehen sein mag; hier soll nur von der hochsprachlichen Lautung oder doch einer gemäßigten Hochlautung die Rede sein, wie sie im Duden-Aussprachewörterbuch (S.

2

3 3.1

3.2

3.3

31 ff. und 39 ff.) behandelt werden. Folgende häu¬ figer vorkommende Einzelheiten seien angeführt (die Zeichen in eckiger Klammer sind Aussprachezei¬ chen der Internationalen phonetischen Umschrift. Vgl. Tcibelle der Aussprachezeichen) : Der Unterschied zwischen der Zahl der Buchstaben und der Laute ist besonders auffälHg bei den -*■ Vo¬ kalen, die kurz oder lang, offen oder geschlossen gesprochen werden (vgl. auch -► offener Laut). Aber auch Konsonanten haben mitunter verschie¬ dene Lautung. So werden z. B. die -► Tenues p t k vielfach aspi¬ riert gesprochen, d. h. mit einer mehr oder weni¬ ger deutlichen Behauchung (h) versehen. Die Mediae b d g werden im Silbenauslaut im all¬ gemeinen stimmlos, also wie -*■ Tenues gesprochen, jedoch meist ohne deren Aspiration. Das h wird im Silbenanlaut gesprochen: hierher, im Silbeninnem oder -auslaut dient es als Deh¬ nungszeichen: Hahn, Reh (-* Vokal 3.2b).

3.4 ch wird nach e und i anders als nach a o u gespro¬ chen :

ich rechne [?]; ach, noch, Wucht [x] anlautend in manchen deutschen Eigennamen (Ortsnamen) als [k]: Cham, Chemnitz, Chiemsee, Chlodwig, Chri¬ stian, Chur. 3.5 sch wird als einheitlicher Reibelaut (-► Konsonant 1.2.5) gesprochen: Hsche. [f] 3.6 g wird im Wortausgang -ig meist als Reibelaut (i)ch [-is] gesprochen: König, außer wenn das Suffix -lieh darauf folgt: königlich. 3.7 ng ist ein einheitlicher velarer Nasal ( -► Konsonant 1.1.5 und 1.2.2): Ring [q]

75

der Regel als w[v] gesprochen (— Das Zeichen des Vokals u wird einem Vokal als w gesprochen: lateinischen Fremdwörtern auch

4.5). zwischen q und 3.10 Quecke [kv], in nach g: Lingui¬

stik [gv]. Zu derartigen Unterschieden zwischen Buchstabe 4 und Lautung kommen in Fremdwörtern noch wei¬ tere hinzu, von denen nur die geläufigsten genannt seien: Fremdwörter aus dem Französischen: Vokale:

4.1 4.1.1

ai, ay wie ä [e]: Quai d’Orsay; au, eau wie o [o]: Haute Couture; Niveau; auslautendes er, 'er wie e [e:], ie [je:]: Diner, Rentier; eu, oeu wie ö [0bzw. ce:] Friseur, Coeur; oi wie oa [wa]: Memoiren, oy wie oa: [waj]

loyal;

ou wie u [u:] Ouvertüre ; u wie ü [y ] Budget; Nasallaute — Nasal 2. Konsonanten: 4.1.2 c vor a o u wie [k]; Camembert; vor e und i wie stimmloses [s]: Centime, Direktrice; g vor e und i wie stimmhaftes sch [3]: Garage, Girokonto; h ist im allgemeinen stumm: Agence Havas ; (i)ll wie [ j ] oder [Ij]: GuiMotine; qu wie [k]: Quiuiue; s bleibt am Wortende oft unausgesprochen: apropos; z wie stimmhaftes s [z]: Gaze. Fremdwörter aus dem Englischen: 4.2 a wird manchmal wie e [e:] gesprochen: Cape, wie kurzes ä [ae]: Camping; ai wie ä [e:]: fair; aw wie offenes o [o:]: Lawn-Tennis; ew wie u [u:]: Review; ou wie au [au]: Roun:^; ow wie au [au]: Clown, wie 5: Bowle; g vor e und i wie stimmhaftes dsch [ds] Gin. Fremdwörter aus dem Italienischen: 4.3 c vor e und i wie tsch [tf] : Cinquecento, entspre¬ chend g wie dsch [ds] Girgenti; ch vor e und i wie [k]: Chianti, entsprechend gh wie [ g ]: Respighi. Fremdwörter aus dem Griechischen: 4.4 ph wie [f]: Philosophie; (r)rh wie [r]: Rhetorik, Aatarrh. Fremdwörter aus dem Lateinischen: 4.5 t vor i -t- Vokal wie z [ts]: konditional, Patient, Nation ; V im allgemeinen wie w [ v ]: ner\ös, am Silbenende wie [f ]: Detektiv, ebenso vor stimmlosen Konsonan¬ ten: des Detektivs. Diese Unterschiede zwischen Buchstaben luid Lau- 5 tung lassen es angebracht erscheinen, die hoch¬ sprachliche Lautung sicherzustellen. Bedingend

durch

eine

-►

Lautschrift

konditional

76

Betonung Bedingungssatz - Konditionalsatz Befehlsform -► Imperativ Befehlssatz Aufforderungssatz Begehrssatz -► Aufforderungssatz Begleiter und Stellvertreter des Substantivs. Zusammenfassende Bezeichnung für die drei Wort¬ gruppen — Artikel, — Pronomen und — Numerale. Begriffliches Substantiv Abstraktum Begründend - kausal

Begründungssatz - Kausalsatz Beifügung -* Attribut Beifügungssatz - Attributsatz Beigeordnet -*■ koordiniert Beiordnend -► koordinierend Beisatz -► Apposition Beistrich -► Komma Berufsbezeichnungen und Titel 1 Für männliche Berufsbezeichnungen gibt es nur wenige Wörter, die nur aus dem Wortstamm be¬ stehen, z. B. Bote, Koch, Knecht, Arzt; auch in Zu¬ sammensetzungen : Staatsanwalt, Bergknappe; die meisten sind Ableitungen von Verben oder Sub¬ stantiven mit dem Siiffix -er: Bauer, Verleger, Fräser, Diener, Handwerker, Schauspieler; auch -Zer; Tischler, Künstler; oder -ner: Schaffner, Klempner, Kellner; ferner Zusammensetzungen mit -mann: Kaufmann, Dienstmann, Bergmann, Amtmann, deren Pl\u-al meist mit -leute, seltener mit -männer üblich ist; auch Amtsbezeichnungen mit -rat: Landgerichtsrat, Medizinalrat, Studien¬ rat. Dazu kommen eine Menge Berufsbezeichnimgen, die aus fremden Sprachen übernommen sind; zum Teil handelt es sich dabei um wissenschaft¬ liche Berufe, zu dmem anderen Teil um solche, die mit der technischen und wirtschaftlichen Entwick¬ lung sich herausbildeten: Philologe, Bibliothekar, Astronom, Doktor, Professor, Jurist; Ingenieur, Fabrikant, Aktionär, Bankier, Mechaniker, Inspek¬ tor, Direktor, Astronaut; aber auch andere Berufe haben fremdsprachliche Bezeichnungen oder we¬ nigstens Endungen: Minister, Masseur, Hornist, Referent, Pilot usw. 2 Auch für weibliche Berufsbezeichnungen gibt es eine kleine Zahl von Stammwörtem: Magd, Heb¬ amme ; den größten Teil machen Ableitungen von männlichen Berufsbezeichnungen mit dem Suffix -in ( -► Suffix 5.1.1.3) aus: Köchin, Ärztin; vor allem ist dieses Suffix an viele Berufsbezeich¬ nungen auf -er angesetzt worden: Lehrerin, Schaff¬ nerin, Schneiderin. Dann gibt es Zusammensetzun¬ gen mit -frau: Reinmachefrau, Zeitungsfrau, Bo¬ tenfrau ; auch Kauffrau kommt vor, wird jedoch meist umgangen; in der Schweiz auch mit -tochter: Saaltochter, Serviertochter (= Kellnerin), Laden¬ tochter (= Verkäuferin). An fremdsprachliche Be¬ rufsbezeichnungen ist auch vielfach das Suffix -in getreten: Ministerin, Philologin, Referendarin, Ger¬ manistin, Professorin, Assessorin, Laborantin; so¬ wie besondere Formen: Friseuse (entsprechend -eur), Balletteuse, Direktrice, Aktrice (Schauspiele¬ rin) (zu -tor). Als Titel hat sich jedoch vielfach die männliche Form erhalten: Frau Doktor, Professor, Minister; wenn eine solche Berufsbezeichnung im weiteren Verlauf der Rede mit einem Pronomen wiederauf¬ genommen wird, verliert sich das Maskulinum, da die Berufsbezeichnung ohnehin nur Apposition ist:

77

Frau Professor Schulze begann mit dem Hinweis, daß sie... — auch Briefschreiben.

ihre

Vorlesung

Besitzanzeigendes Fürwort -► Possessivpronomen Bestimmungswort Im Artikel -► Zusammensetzung (bes. 2.1.1: Deter¬ minativkomposita) wird gesagt, daß bei dieser Art der Komposita in der Regel der zweite Bestandteil (das Grundwort) die allgemeine Begriffskategorie angibt, die durch das erste Glied (das Bestim¬ mungswort) näher bestimmt wird.

Betonung, Akzent Innerhalb der Rede werden durch Betonung ein- 1 zelne Glieder hervorgehoben. Das kann innerhalb eines Satzes, eines Wortes, 2 einer Silbe gemeint sein (1. Satz-, 2. Wort-, 3. Silbenakzent). Den Satzakzent trägt ein bestimmtes Wort im 2.1 Satz: was hast du gesagt? du bist verrückt! Er hebt das Wort hervor, auf das es dem Sprecher beson¬ ders ankommt. Träger des Wortakzentes ist eine Silbe des Wor- 2.2 tes; von ihm ist in diesem Artikel besonders die Rede. Innerhalb einer Silbe ist der Klangträger ein 2.3 Laut, und zwar normalerweise der Vokal: lang, während die Konsonanten — wie ihr Name sagt — meist nur Mit laute sind. Bei Diphthongen ist stets der eine Vokal stärker betont als der andere: in laufen ist das a Träger des Silbenakzents, während das u den Konsonanten nähersteht. Ihrer Natur nach werden zwei Arten der Betonung 3 unterschieden: 1. eine dynamische oder exspiratorische und 2. eine musikalische. Der dynamische Akzent wird dadurch be- 3.1 wirkt, daß das hervorzuhebende Sprachglied mit verstärktem Atemdruck (Exspiration) ausgespro¬ chen wird. Beim musikalischen Akzent wird dieses 3.2 Sprachglied mit größerer Tonhöhe gesprochen. Zumeist kommen beide Arten des Akzents in einer 3.3 Sprache vor, so daß man am besten von ,,überwie¬ gend dynamischer“ oder ,,überwiegend musika¬ lischer“ Betonung spricht. Überwiegend dynamisch ist wohl die lateinische Sprache betont worden, auch manche norddeutschen Mundarten gehören hier¬ her; überwiegend musikalisch ist die Betonung im alten Griechisch gewesen, im deutschen Sprachge¬ biet sagt man u. a. vom Sächsisch-Thüringischen, daß es ,,gesimgen“ wird. Im übrigen scheint die¬ ser Unterschied der Betommg auch verschiedenen Entwicklungsstufen der einzelnen Sprachen zuzu¬ gehören. Mit der verschiedenen Art der Betonung hängt 3.4 auch die Entstehung des — Ablauts zusammen. Der qualitative Ablaut (die Abtönung) wurde durch eine überwiegend musikalische Betonung bewirkt, der quantitative (die Abstufung) durch eine über¬ wiegend dynamische. Werna die beiden Betonungs¬ arten verschiedenen Zeiten angehören, so sind auch die Ablauterscheinungen in den einzelnen Sprachen jeweils auf verschiedenen Stufen ihrer Entwick¬ lung aufge treten. In den Vorstufen der einzelnen indogermanischen 4 Sprachen (man spricht von einer indogermanischen Ursprache, deren Existenz allerdings umstritten ist) war der Wortakzent frei, d. h. er konnte auf jeder Silbe gesetzt sein, gewiß nach bestimmten

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Betonung Regeln. Das Germanische hat das geändert und im Verlauf seiner Entwicklung die Anfangshetonung eingeführt: nunmehr trug die erste Wortsilbe den Ton. Das ist bei einfachen Wörtern die Stamm¬ oder Wurzelsilbe. In zusammengesetzten Wörtern wirkt sich diese Regelung verschieden aus: Nomi¬ nalkomposita (zusammengesetzte Substantive und Adjektive) haben damals offenbar schon ihre feste Verbindung gehabt und den Ton auf die erste Silbe genommen: 'Urteil, 'Urlaub, 'Antwort, 'bieder, während Verbalkomposita erst nach Abschluß die¬ ser Tonverschiehung sich gebildet haben und darum den Ton wieder auf der Stammsilbe tragen können (er'teilen, erlauben). Dabei hat die Anfangsbetonixng der Nominalkomposita die Erhaltung der -► Präfixe (2.2 und 3.2) ur- und ant- bewirkt, während bei den Verbalkomposita die Tonlosigkeit des Prä¬ fixes die Schwächung zu -er verursachte (das Verb antworten ist offenbar erst eine Ableitung vom Sub¬ stantiv) . 5 Bei dieser wechselhaften Betonungsweise ist es nicht verwunderlich, daß es zahlreiche Fälle gibt, die von der in 4 geschilderten Hauptregel ahweichen: 5.1 So gibt es Wörter mit schwebender Betonung, bei der die Glieder gleich stark betont sind: ' stein reich, 'blut'jung. 5.2 In anderen (jüngeren) Wörtern (viele sind -► Zu¬ sammenrückungen) wird der 2. Bestandteil betont: zurück, zu erst, zu'frieden, vor'handen, in dem, lebe'wohl, al'lein, all'mächtig, Jahr'hundert; bei manchen ist das Vorhandensein mitgedachter Ge¬ gensätze der Grund dazu: zuvor, zu letzt, all'gütig, Jahr'tausend u. a. 5.3 In manchen Fällen treten Tonschwankungen auf: will man Nord' ost von Nord'west unterscheiden, so betont man die letzte Silbe; gilt die Unterscheidung gegenüber Südost, dann die erste: 'Nordost —'Südost. Manche Schwankungen sind wohl auch landschaft¬ lich bedingt. Beugung — Flexion Beugungsendung — Flexionsendung Bezügliches Fürwort — Relativpronomen Bezugssatz -► Relativsatz Bindewort Konjunktion

Bindewortsatz -► Konjimktionalsatz Bindestrich 1 Der Bindestrich dient bei bestimmten Wortgefü¬ gen entweder als Ergänzimgszeichen oder zur Er¬ läuterung sonst undeutlicher Zusammensetzungen. 2 Ergänzungsbindestrich: Er vertritt hei Aneinanderreihung mehrerer Zu¬ sammensetzungen, denen ein Bestandteil gemein¬ sam ist, die Stelle des nur einmal genannten, bei den anderen Wörtern zu ergänzenden Bestandteils: Ein- und Ausgang, ab- und zunehmen, Ecke Müller¬ und Schulzestraße; Wareneinkauf und -verkauf, Buchdruckerei und -Verlag; Gepäckannahme- und -ausgabestelle; Bäckerei- und Konditoreimaschinen und -geräte. Stilistisch bedenklich ist die Anwendung bei unselb¬ ständigen Ableitungssilben: Ge- und Verbot; Be- und Entwässerung; hier ist Wiederholung vorzuziehen: Gebot und Verbot; Bewässerung und Entwässerung. 3 Erläuterung sbindestrich: 3.1 Lange, unübersichtliche Wortzusammensetzungen

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zerlegt man gern in zwei oder mehr Bestandteile, die dann durch Bindestrich gekoppelt werden ^ da¬ bei erfolgt die Zerlegung im allgemeinen an der Stelle, wo die Bindung am losesten ist. Zwingende Vorschriften lassen sich dabei nicht geben; daher findet man z. B. folgende Zerlegungen: Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft; Feuer-Ver¬ sicherungs-Anstalt, Unfall- und Schadens-Versicherungs-Gesellschaft; Verpackungsmittel-Kontor; Pol¬ stermöbel-Spezialhaus ; Kraftfahrzeug-Reparatur¬ werkstätten ; Branchen-Fernsprechbuch (aus dem diese und die nächstfolgenden Beispiele entnom¬ men sind). Sind 4ie einzelnen Bestandteile kurz und die gan¬ zen Wörter nicht zu unübersichtlich, so schreibt man auch mehrteilige Zusammensetzungen ohne Bindestrich: Baugrunduntersuchung, Bauhandwerkzeuge, Blech¬ kantenschleifmaschinen, Lohndur chschreibebuchhaltungen, Gummifußbodenbeläge, Glasbetonoberlichte, Kesselsteingegenmittel. Zusammensetzungen mit

einzelnen

Buchstaben, 3.2

Abkürzungen oder kurzen Wörtern, die nicht ohne weiteres verständliche Verbindungen ergäben, wer¬ den durch Bindestrich verdeutlicht: Schluß-s, Dehnungs-h, I-Punkt { — Groß- und Klein¬ schreibung 2.5) ; Filtn-GmbH., LebensversicherungsAG.; Soll-Erfüllung, Ich-Erzählung. Beim Zusammentreffen dreier gleicher Vokale wird 3.3 in Substantiven Bindestrich gesetzt, in Adjektiven aber nicht: Tee-Ernte, Kaffee-Ersatz, See-Elefant, Zoo-Orchester; aber: seeerfahren. Manchmal werden durch Bindestriche Mißverständ- 3.4 nisse vermieden: Druck-Erzeugnis,

Drucker-Zeugnis;

Gründung,

Grün-Dung; Bau-Mast, Baum-Ast. Zweigliedrige Zusammensetzungen mit einem Na- 3.5 men werden mit Bindestrich geschrieben, wenn der Name besonders hervorgehoben werden soll, also besonders bei gelegentlichen Vorkommnissen: Schubert-Konzert, Bach-Fest, Mozart-Abend; aber: Goethehaus, Herderschule, Dieselmotor, Be¬ ringmeer. Mehrgliedrige Bezeichnungen werden mit Binde- 3.6 strich gekoppelt: Goethe-Schiller-Denkmal, JanuarFebruar-Heft, Sturm-und-Drang-Zeit, Vitamin-Chaltig, 20-Pf-Marke, ^f-l-Flasche, 12-mm-Stabeisen. Bei zusammengesetzten Farbenangaben koppelt 3.7 man, wenn einzelne Farben nebeneinandergestellt sind: das grün-weiß-rote Dekor (drei verschiedene Farben), ein blau-rotes Kleid (verschiedene Farbstrei¬ fen oder -muster). Wenn aber eine einheitliche Farbtönung gemeint ist, wird zusammengeschrieben: ein tZaurotes (vio¬ lettes) Kleid, ein gelblichgrünes Gemisch. Ebenso bei heraldischen Farben: die schwarzrotgoldene Fahne. Substantivierte Infinitive mit Zusätzen werden ge- 3.8 koppelt, wenn sie sonst unübersichtlich würden: das Hand-in-Hand-Arbeiten, das Für-gut-Befinden, das Auf-Länge-Schneiden; aber z. B.: das Inkraft¬ treten. Innerhalb einer Zusammensetzung aus mehreren 3.9 Adjektiven steht ein Bindestrich, wenn zwar das Ganze einen einheitUchenBegriff umfaßt, dieBedeutung der einzelnen Adjektive aber erhalten bleibt:

80

Buchstabe nüchtern-kalt,

römisch-katholisch,

öffentlich-recht¬

liche Körperschaft, in nordwest-südöstlicher Richtung. 5.10 Bei mehrgliedrigen Namen von Straßen, Anlagen oder Bauwerken stehen Bindestriche: Johann-Friedrich-Straße, Karl-Marx-Platz, PrinzAlbrecht-Allee, Von-der-Schulenburg-Park, Admiral-Scheer-Brücke, Kaiser-Wilhelm-Turm.

Briefschreiben 1 Briefkopf; In geschäftlichen Briefen, auf Rechmmgen u. a., aber auch auf Privatbriefen an Empfän¬ ger, mit denen man keinen regelmäßigen Brief¬ verkehr hat, ist es zweckmäßig, in der linken oberen Ecke (in Geschäftsbriefen vielfach über die ganze Breite der Briefseite) den Namen, Beruf u. ä. des Absenders anzugeben; dabei stehen, wie in Über¬ schriften, keine Satzzeichen am Schluß; Dr. med. Karl Schulze Praktischer Arzt 2 In die rechte obere Ecke gehören die Angaben über Ort und Zeit der Absendimg; zweckmäßig ist hier für den Fall, daß der Briefumschlag verlorengeht, die Angabe über Straße und evtl. Fernsprecher des Absenders. Dabei wird zwischen Ort und Datum ein Komma gesetzt, aber kein Piinkt an die Zeilen¬ schlüsse : 483 Gütersloh, den 1.1.1963 Eickhoffstr. 14—16 Fernsprecher 26S1 5 In geschäftlichen Briefen steht vor dem Brieftext die genaue Anschrift des Empfängers, d. h. die gleiche Anschrift wie auf dem Briefumschlag; dadurch wird eine einwandfreie Aufbewahrung der Durchschrif¬ ten in der Registratur des Absenders gewährleistet. Auch hier stehen ieine Satzzeichen. Über die Anordnimg der Briefanschrift hat die Deutsche Bundes¬ post Muster vorgeschrieben, z. B.: Herrn Günter Schwabe Drogist 732S Bad BoU

Firma Richard Weiß oder

Papierwarenfabrik 2861 Wallhöfen

Postfach 14

Hauptstr. 4

oder (in der Schweiz

Frau Dr. Rita Scholl Ärztin

bevorzugt;)

466 Gelsenkirchen-Buer Postfach 12

Im letzten Fall müssen Postleitzahl imd Bestim¬ mungsort stets unterstrichen werden. Bei Sendungen ins Ausland ist vor die Postleitzahl das Kraftfahrzeugkennzeichen des betreffenden Landes zu setzen, z.B.; GH = Schweiz, A = Öster¬ reich, F = Frankreich Im Ausland ist es vielfach üblich, die Straßenanga¬ ben über der Ortsangabe zu bringen. 4 Anrede. Private Briefe beginnen mit der Anrede, nach der üblicherweise ein Ausrufezeichen gesetzt wird; Liebe Mutti! — Sehr geehrter Herr Meyer ! o. ä. Neuerdings wird häufig nach der Anrede nur ein Komma gesetzt und dann in der nächsten Zeile der Text mit kleinem Anfangsbuchstaben begonnen; Sehr geehrter Herr, gestern morgen erhielt ich . . . 5 Innerhalb des Brieftextes werden die Anredefür¬ wörter, sowohl die persönlichen, z. B. Du, Dir, Ihr, Euch, Sie, Ihnen usw., wie auch die besitzanzeigen-

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den Dein, Euer, Ihr usw., groß geschrieben (-»Großund Kleinschreibung 2.4). Das reflexive sich wird immer klein geschrieben, auch wenn es sich auf die Höflichkeitsform Sie zu¬ rückbezieht. Vom Text des Briefes wird in der Regel mit einer 6 Grußformel, die ohne Ausrufezeichen geschrieben wird, zur Unterschrift übergeleitet, also etwa; Mit herzlichem Gruß oder Hochachtungsvoll... Auf die Unterschrift folgt kein Punkt; 7 Dein Ihr Fritz

Ihnen sehr ergebener Karl Schulze

Bruchzahl Sie bildet eine Reihe des -► Numerales, in der die 1 -*■ Ordinalzahl von drei an aufwärts mit dem zum Suffix -tel erstarrten Substantiv Teil zusammenge¬ setzt ist; sie gibt an, der wievielte Teil eines Ganzen gemeint ist, ist also ursprünglich ein neutrales Sub¬ stantiv wie Teil; das Drittel, ein Fünftel, sieben Zehntel. Eintel und Zweitel werden vor allem in der mathema- 2 tischen Sprache gebraucht; — = zwei Dreihundert301 undeintel. Im allgemeinen sagt man statt Zweitel substanti- 3 visch die Hälfie, adjektivisch halb: die Hälfte des Huhns = das halbe Huhn. Wenn die Bruchzahl substantivisch verwendet wird, 4 treten die näheren Bestimmungen über das, was gezählt wird, in der Form des Attributs auf; drei Viertel seines Einkommens ; zwei Drittel vom Ertrag seiner Ernte; auch als Apposition; zwei Fünftel Mehl. Wenn die Bruchzahl eds Maßangabe dient, wird 5 sie nicht in den Plural gesetzt, auch dann nicht, wenn die vor ihr stehende Zahl ihn erforderte; ein Gemisch aus einem Fünfiel Wermut imd vier Fünftel Gin. Häufig vorkommende Verbindungen einer Bruch- 6 zahl als Bestimmungswort mit einem Substantiv als Grundwort ergeben Zusammensetzungen; Vier¬ telstunde, Achtelliter, Sechzehntelnote. Bei Maß- und Gewichtsangaben wird die Bruchzahl 7 auch undekhniert und attributiv gebraucht und klein geschrieben; ein achtel Kilo, drei fünftel Me¬ ter. Drei Viertel wird häufig zusammengeschrieben und 8 in verschiedener Weise gebraucht; mit Dreiviertel des Umfangs, ein dreiviertel Jahr, eine dreiviertel Million; auch; ein Dreivierteljahr, halb nach dem Zahlwort ein wird dekliniert und 9 undekliniert gebraucht; zwei und ein halbes Jahr = zwei(Und) einhalb Jahre. Für ein(und)einhalb wird oft anderthalb (= das an- 10 dere [zweite] halb) gesagt; in anderthalb Jahren. Veraltet sind Zusammensetzimgen dritthalb (= das 11 dritte halb = zwei[und]einhalb), vierthalb usw.

Buchstabe, Schriftzeichen. St^ bedeutete hierbei ursprünglich wohl den senkrechten Hauptstrich der meisten Runen, dann die Rune überhaupt; der Buch¬ stabe ist das in Büchern verwendete Schriftzeichen zunächst der lateinischen Sprache zur Unterschei¬ dung von der in Holz, Stein oder Eisen geritzten Ru¬ ne. Die Buchstaben dienen zur Schreibung der -► Laute (Phoneme) einer Sprache ( -► Alphabet); ihre Zahl ist aber kleiner als die der Laute. Es müssen daher manche Buchstaben zur Schreibung mehrerer Laute verwendet werden; das gilt besonders für die

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Buchstabe -*■ Vokale. Dies ist einer der Gründe, weshalb bei der Schreibiing Schwierigkeiten entstehen können, die einer Regelung bedürfen ( -»-Rechtschreibung).

Buchtitel -► Substantiv 4.3 Consecutio temporum -► Zeitenfolge Dativ, Wemfall, 3. Fall 1 Der Dativ, der ,,zum Geben gehörige“ -*• Kasus, ist der Fall, der auf die Frage wem? antwortet; seine Leistung besteht darin, daß er eine Größe angibt, der sich ein Geschehen oder Sein zuwendet (ZuwendgrÖße), oder eine Bezugsrichtung des Gesche¬ hens oder Seins (Erben). 2 Der Dativ steht meist beim Verbum und wird dann als Dativobjekt bezeichnet: ich danke dir ; er ähnelt stark seinem Vater, Das Geschehen wendet sich der im Dafiv genannten Person (der Zuwendgröße) zu. Wenn jemand im Gedränge sagt: tritt nicht auf meinen Fuß!, so empfindet der Hörer nur den Körperteil als in Mitleidenschaft gezogen; sagt er aber: tritt mir nicht auf den Fuß!, so ist ein Kontakt mit dem ganzen Menschen hergestellt: der Dativ zeigt den ganzen Menschen an der Handlung beteiligt, d. h. hier vom Schmerz betroffen. Hast du das Frühstück des Katers gemacht?; hast du dem Va¬ ter das Frühstück gemacht? Das im Dativ genannte Objekt wird in besonderer Weise an dem Ver¬ balvorgang beteiligt und interessiert imd gibt dem Satz dadurch seinen vollen Sinn. Daraus erklärt sich auch, daß im Dativ meist Personenhezeichnungen (Substantive oder Pronomina) stehen. Doch können es auch impersönliche Begriffe sein, die aber häu¬ fig mit einer Person eng verbunden, vielleicht auch persönlich gedacht sind: ein Ei gleicht dem anderen; wir wollen der Vorsehung danken; er folgte den Worten des Redners mit Interesse. 3 Der Dativ kann aber auch eine Ergänzung zu einem Adjektiv bringen: ich bin dir dankbar; es ist mir unmöglich, morgen zu dir zu kommen; er war der Mode seiner Jugend nicht untreu geworden; er dient hier derselben Aufgabe wie neben dem Verb. 4 In volkstümlicher, lebhafter Rede wird gelegentlich durch den Dativ des Personalpronomens mir, dir (euch) eine gefühlsmäßige Anteilnahme des Spre¬ chers ausgedrückt oder des (der) Angesprochenen erstrebt: du bist mir ein toller Knabe!; mach mir keine Dummheiten!; das war dir (euch) gestern ein Fu߬ ballspiel ! Dieser Dativ, der übrigens ohne Nachteil für den Satzbau rmd das Verständnis des Inhalts fehlen könnte, wird Dativus ethicus ge¬ nannt. 5 Der Dativ steht auch bei zahlreichen Präpositionen, um überwiegend, aber durchaus nicht immer eine Ruhelage auszudrücken (während der Akkusativ eher eine Bewegungsrichtung kennzeichnet): ab, an, auf, aus, außer, bei, binnen, dank, entgegen, fern, gegenüber, gemäß, hinter, in, mit, nach, nächst, nahe, neben, nebst, samt, seit, trotz (auch mit Genitiv), über, unter, von, vor, zu, zwischen u. a. Beispiele: für Ruhelage: das Buch liegt auf dem Tisch ; wir sind auf dem Gipfel angekommen; Rich¬ tung: wir gehen zum (= zu dem) Bahnhof; Ausgangs¬

Verb „gegenübergestellt“ und der Inhalt der ver¬ balen Aussage damit ergänzt wird: ich danke dir (meinem Vorredner), so spricht man von einem Dativobjekt.

Dativ 2 und 3, - Objekt.

Deklination, die Formabwandlung (Beugung) der Nomina: Die Deklination der Nomina wird zusammen mit 1 der - Konjugation der Verben unter den Ober¬ begriff - Flexion gestellt. Dekliniert werden Substantive (- auch Tabelle 2 ,,Deklination der Substantive“, S. 29), - Adjek¬ tive und die im Artikel -► Begleiter und Stellvertre¬ ter des Substantivs aufgeführten Wortgruppen: Artikel, -► Pronomen, — Numerale. Die Deklination schafft die verschiedenen Formen, 3 an denen der Kasus (Fall), der - Numerus (die Zahlform) und - wenn möglich - das Genus (gram¬ matische Geschlecht) erkannt werden kann; da¬ durch wird der Hörer in den Stand gesetzt, die Funk¬ tion der genannten Wortarten und -gruppen im Satz richtig zu deuten. Man unterscheidet vier Kasus: ->■ Nominativ, — Ge- 4 nitiv, — Dativ, — Akkusativ, zwei Numeri: — Sin¬ gular und — Plural, und drei Genera (— Genus): Maskulinum, Femininum, Neutrum. Die Substan¬ tive kommen in der Regel nur in einem Genus vor, die anderen WortaHen meist in den drei Genera. Die Formen der Deklination sind in den unter 2 5 aufgeführten Wortarten und -gruppen im einzel¬ nen angegeben.

Demonstrativpronomen, wort

hinweisendes

Für¬

Im Artikel — Pronomen (3.2.1) wird das Demon- 1 strativpronomen als eine Untergruppe der ,,hin¬ weisenden“ Fürwörter angeführt; es ist neben den ,,fragenden“ Fürwörtern im engeren Sinne ,,hin¬ weisend“ : es nimmt meist eine vorher namentlich genannte oder aus der Situation bekannte Größe wieder auf, mitunter weist es aber auch im voraus auf eine Größe hin, die erst später benannt wird. Auf eine Person oder Sache weisen hin: der, die, 2 das; dieser, diese, dieses; jener, jene, jenes. Wie — Pronomen 2 gesagt, werden die Pronomina sowohl substantüdsch-ahsolut wie auch attributiv gebraucht. Am häufigsten werden der, die, das angewendet, 2.1 besonders in der Umgangssprache: substantivisch-absolut: mir ist gestern Herr Schulze 2.1.1 begegnet, kennst du den?; mit dem war ich im Urlaub zusammen; hast du das Kind eben gesehen?; das war ein hübsches Mädchen. Das Neutrum das weist aber nicht nur auf vorgenannte Neutra, son¬ dern es ist ein allgemeines Anschlußwort: Was? der Blitz! Das ist ja die Gustel aus Blasewitz. — Jedoch der schrecklichste der Schrecken, D a s ist der Mensch in seinem Wahn (Schiller); als Hinweis auf einen Gliedsatz: Wie er räuspert und wie er spuckt, das habt ihr ihm glücklich abgeguckt (Schiller); Auch auf etwas Folgendes kann der hinweisen: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß (Goethe);

punkt imd Richtung: von dem Turm haben wir einen Blick nach allen Seiten; Zeit: im nächsten Jahre; Ursache: aus gütigem Herzen; Modalver¬

auf einen Gliedsatz: Das eberi ist der Fluch der bösen Tat,

hältnis : mit gutem Erfolg. Dativobjekt, Ergänzung im Wemfall. Wenn ein Substantiv oder Pronomen im Dativ einem

(Schiller) Auch attributiv wird gelegentlich der als starktoniges 2.1.2 Demonstrativum gebraucht:

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daß sie fortzeugend immer Böses muß gebären.

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Diphthong Der Casus macht mich lachen. — Es tut mir lang’ schon weh, daß ich dich in der Gesellschaft seh’. (Goethe) Meist wird es schwachtonig und damit zum be¬ stimmten -* Artikel; es verliert seinen demonstrati¬ ven und bekommt einen „erinnernden“ Charakter: es leitet vorhergenannte oder aus der Situation be¬ kannte Größen ein. 2.1.3 Deklination der absolut gebrauchten Demonstrativa der, die, das : Mask. Nom. der Gen.

Singular Fern. die

Neutr. das

Plural MFN die

dessen

deren Cderer) dessen deren, derer - 2.1.4

Dat.

dem

Akk.

den

der die

dem das

denen->-2.1.5 die

Bei attributivem Gebrauch treten im Gen. und Dat. einsilbige Formen ein: Gen. Dat.

des dem

der der

des dem

der den

2.1.4 Sein Freund und dessen Frau wünschten dem Kranken gute Besserung; seine Tante und deren Mann, seine Vettern und deren Kinder kamen ofi zu Besuch, dessenjderen weisen auf ein vorangegan¬ genes Beziehimgswort zurück; dessen!derer auf einen folgenden Relativsatz: der Name dessen, der ihm geholfen hatte, war ihm entfallen (doch wird es meist umgangen: des Mannes, der) ; derer als Gen. Plinr.: die Mehrzahl derer, die ihm wohlgesinnt waren, . . . ; kaum als Gen. Sing. Fern.: das Schicksal derer, die diesen Namen trug (Duden); ferner m Wendimgen wie: das Geschlecht derer von .Arnim. 2.1.5 denen weist auf einen folgenden Relativsatz: wir danken denen, die uns geholfen haben. 2.1.6 Bei dessenjderen hat sich in Zusammensetzungen mit -wegen, -halben, um . . . -willen der Gleitlaut -tentwickelt: dessentwegen, derenthalben (auch derethalben). 2.1.7 Erweiterungen des Demonstrativums der sind a) der-, die-, dasjenige, die meist, aber etwas schwer¬ fällig, auf folgende Relativsätze hinweisen: wir bitten diejenigen, die mit unseren Plänen einverstan¬ den sind, um ihre Zustimmung (dafür besser: wir bitten alle, die . . .) ; b) der-, die-, dasselbe, die eine Größe als identisch mit einer vorher genannten kennzeichnen: Hans äußerte seine Meinung, Fritz sagte im wesent¬ lichen dasselbe. Damit ist — ob ausgesprochen oder nicht — stets ein Vergleich verbunden, der 2. Satz des Beispiels könnte vollständig lauten: Fritz sagte dasselbe wie Hans. Fehlt diese Vergleichs¬ möglichkeit mit der Partikel wie, so ist das mitunter gebrauchte der-, die-, dasselbe besser durch dieser, diese, dieses zu ersetzen; also nicht: Hans äußerte seine Meinung; dieselbe..., sondern: diese fand Zustimmung. Gelegentlich wird noch verstärkt in der Form: ebender-, -die-, -dasselbe; einund der-, die-, dasselbe. 2.2 Die Demonstrativpronomina dieser, diese, dieses haben einen stärkeren Ton als der, die, das; sie weisen auf vorher genanntes, räumlich oder zeitlich Naheliegendes hin und werden mehr in der Pro¬ saschriftsprache gebraucht, weil sie diesen Ton schon durch das Schriftbild klarer verdeutlichen.

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Substantivisch-absolut gebraucht: wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen! (Luther); attributiv: Ich denke einen langen Schlaf zu tun, denn dieser letzten Tage Qual war groß. (Schiller) Gelegentlich weist es auch auf Nachgenanntes hin im Sinne von „folgendes'-*': er sprach diese Wor¬ te; .. . Die neutrale Form dieses wird bei substantivisch¬ absolutem Gebrauch oft zur endungslosen Form dies verkürzt: Dies ist die Art, mit Hexen umzugehn. (Goethe) Mitunter wird dies auch attributiv gebraucht, be¬ sonders aus rhythmischen Gründen: Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein! (Goethe) Im allgemeinen ist die volle Form vorzuziehen. Jener, jene, jenes weisen auf räumlich und zeitlich 2.3 Entfernteres hin, besonders in Gegenüberstellung zu diese(r, s) ; der Anblick der beiden Schwestern, Käthe und Lene, setzte die Gäste etwas in Verwir¬ rung ; diese war größer, aber man wußte, jene war die ältere. Zur Formel geworden ist die Wen¬ dung dieser undjoder jener; sie hat die Bedeutung eines Indefinitpronomens angenommen (= einige, manche): dieser und jener mag -vielleicht denken, . . . Der Gegenüberstellung jener — dieser entspricht auch die sprachlich allerdings imbefriedigende Ver¬ wendung der Komparative ersterer — letzterer. Mehr auf die Art und Beschaffenheit weisen fol- 3 gende meist attributiv gebrauchten Demonstrativa hin: Mit derartigen/dergleichen Ausreden kommst du nicht durch. Es muß auch solche Käuze geben. (Goethe) Mit einem solchen (mit solch eine m) Betragen wirst du dir keine Freunde machen. So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig. Es ist eine der größten Himmelsgaben, so ein lieb Ding im Arm zu haben. (Goethe) Dental, Zahnlaut, Konsonant, bei dem der vordere Zungenrand hinter die obere Zahnreihe oder in ihre Nähe gebracht wird: t, d, n, 1, (Zungenspitzen-)r, ß [s], s [z], sch [I] und [3] -► Konsonanten 1.1.3. Derivation -► Ableitung

Diminutiv, Deminutiv, Verkleinerungsform Zu vielen Substantiven werden durch Anfügung der Suffixe -chen oder -lein Verkleinerungsformen ge¬ bildet: Haus — Häuschen, Buch — Büchlein. Über diese und andere Suffixformen -► Suffix 5.1.3. Dingwort -► Substantiv

Diphthong, Zwielaut, Doppelvokal Im Artikel Vokal (1) wurden die vier in der deut- 1 sehen Sprache vorkommenden Diphthonge (mit ih¬ ren Schreibungen) aufgeführt: ;ai] - (ei, ai, ey, ay) au] — (au) ay] - (eu, äu, oy) m] - (ui) Über die Lautung der Diphthonge gehen die Dar¬ stellungen auseinander; sie wird meist in engerer Anlehnung ans Schriftbild als ai, au, oi und ui ge¬ schrieben. Ein Diphthong ist demnach eine Gruppe von zwei kurzen Vokalen, die eine silbische Einheit bilden lind von denen der erste stärker gesprochen wird und deshalb den Klang des Gesamtlautes bestimmt.

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Diphthong Von diesen vier Diphthongen bieten au und das selten (z. B. in hui, pfui) vorkommende ui kerne Rechtschreibschwierigkeiten. Bei den beiden anderen kommt die Schreibvmg mit y nur noch in Fremdwörtern vor; Ausnahmen: Bayern (bayerisch) und Namen wie Mayer, Meyer, Beyer usw. Im übrigen ist auf folgendes hinzuweisen: 2 ei — ai _ Kaiser — Laie — Maid; Leib — In der Schreibung hat sich meist ei durchpsetzt. Bei einigen Wörtern hat sich, wohl mit Rücksicht auf ihre Herkunft, die Schreibung ai gehalten: Mai, Main, Mainz, Bai, Hai, Mais, Taifun, Bala¬ laika, Baikal, Lakai, Tokaier ,* D/Iaische, Rainer, Raiffeisen. In anderen Wörtern werden durch die Schreibung ai Bedeutungsunterschiede gekennzeichnet: Weise - Waise, Seite - Saite, rein - Rain, Leiche — Laich, Hein — Hain, Weide — Waid. Trotz verschiedener Bedeutung werden gleicher¬ weise mit ei geschrieben: Weide (Baum) - Weide (Gras-, Futterland); dazu die meist auf die Jagd bezogenen Ausdrücke: Weid¬ mann, Weidwerk, weidgerecht, ausweiden, Eingewei¬ de, weidwund, weidlich; sich an etwas weiden; Heide (Nichtchrist) - Heide (Sandboden); Eiche (Baum) - eichen (das gesetzliche Maß prüfen; Eichamt) Eichen (kleines Ei). 3 eu — äu I Feuer; Haus — Häuser *) In der Schreibung überwiegt eu: Euter, Reue, Schleuder, Schleuse, teuer, äu wird geschrieben, wenn ein Wortstamm au vor¬ liegt: vorläufig — laufen; Täuschung — tauschen; Fräu¬ lein — Frau; Wiederkäuer — kauen; schäumen — Schaum; betäuben — taub; säumen — saumselig. Doch kommen auch Wörter vor, hei denen im Hochdeutschen ein verwandtes Wort mit au nicht gegeben ist: Säule, räuspern, Räude, sträuben. Im ungebeugten Stamm von Fremd- oder Lehn¬ wörtern kommt äu nicht vor: Abenteuer, Teufel, Rheumatismus; in Wörtern wde Jubiläum, Trochäus sind die beiden Vokale auf zwei Silben geteilt, also kein Diphthong. In einigen Wörtern kennzeichnet verschiedene Schreibung Bedeutungsunterschiede: Beute — Gebäude, Leute — Geläute, greulich — gräu¬ lich, bleuen (schlagen) — bläuen (blau färben), schneuzen — großschnäuzig, heute — Häute, Heuer (Löhnung) — Häuer (Bergmann) — heuer (in diesem Jahr) — das kommt mir nicht geheuer vor — Unge¬ heuer. Direkte Rede, wörtlich wiedergegebene Rede, die der Sprecher selbst oder ein anderer früher einmal gesagt hatte: „Hat auch gar kein Geld gekostet^’’, bemerkte trocken Herr Grätjens. — „Wann ist das Haus noch gebaut worden?‘^ fragte Herr Hoffstede. (Th. Mann). Die direkte Rede wird in -■ Konzessivsatz); 4. konsekutiv: (so) daß; eine nicht einge¬ tretene Folge kennzeichnet ohne daß (-► Konse¬

Sätze ein, und zwar daß einen Gliedsatz, der ein (tatsächliches) Geschehen oder Sein zum Inhalt hat: es ist gut, daß du gekommen bist (der Gliedsatz ist logisches Subjekt des Hauptsatzes) ; ich höre, daß du gekommen bist (Objekt) ; ob leitet einen Gliedsatz ein, der ein unsicheres, fragliches Geschehen oder Sein zum Inhalt hat: es ist ungeklärt, ob das richtig gewe¬ sen ist (Subjekt); ich frage dich {sage mir), ob das richtig ist (Objekt).

Konjunktionalsatz, Bindewortsatz, ein satz, der durch eine subordinierende

Glied¬

Konjunktion

(bes. 2.2) eingeleitet wird.

Konjunktiv,

Möglichkeitsform,

eine der drei als

Heischeform,

Modus bezeichneten Aussage¬

arten des Verbs. 166

Konjunktiv 1 Der Konjunktiv wird vom Sprecher dann ange¬ wendet, wenn er ein Geschehen oder Sein nicht als wirklich, tatsächlich stattfindend oder stattge¬ funden hinstellen will. 2 Es kann sich dabei um einen Wunsch oder eine Aufforderung handeln; möge es dir gut gehen; seien Sie mir willkommen! (daher Heischeform, -«■ Auffor¬ derungssatz) . 3 Oder er dient zum Ausdruck einer Möglich¬ keit: ich dachte, er sei verreist; ich dächte, du müßtest das wissen; angenommen, die Sache sei ein¬ fach, so . . . (Potentialis). Daher ist der Konjxmktiv auch der Modus der -► indirekten Rede, bei der der Sprecher (Berichterstatter) davon ahsieht, sich für die Tat¬ sächlichkeit des Berichteten einzusetzen: Hans er¬ zählte mir, Fritz sei krank gewesen. 4 Ferner wird der Konjunktiv des Präteritums oder des Plusquamperfekts verwendet, um die Nicht¬ wirklichkeit des Ausgesagten durchscheinen zu las¬ sen: wenn du fleißig wärest, hättest du mehr Erfolg (gehabt); wenn du fleißiger gearbeitet hättest, könntest du jetzt zufriedener sein (Irrealis). 5 Gegenstücke zum Konjunktiv: -► Indikativ, -► Im¬ perativ.

Konkretum,

konkretes Substantiv, gegenständ¬ liches Dingwort, im Gegensatz zum -► Abstraktum ein Substantiv, das etwas Gegenständliches nennt bzw. sofern es eine gegenständliche Bedeutung hat, z. B. Haus, Brot, Papier bzw. Jugend, sofern es ,,junge Menschen“ bedeutet im Gegensatz zu ,,Le¬ bensalter“.

Konsekutiv, folgernd, - Konjcmktion 2.1.5.4 imd 2.2.4.4.

Konsekutivsatz, Folgesatz 1 eine Art des -*• Gliedsatzes, und zwar des -► Konjunk¬ tionalsatzes, der eine Folge oder Wirkung des im Hauptsatz ausgesagten Geschehens ausdrückt. 2 Das Einleitewort ist meist (so)daß: ich war müde, so daß mir die Augen zufielen; ich war so müde, daß mir die Augen zufielen. Dabei wird im 1. Satz mit tonschwachem so nur die Tatsache imd ihre Folge festgestellt, im 2. bei betontem so mehr der Grad der Ermüdimg an ihrer Folge erläutert. 3 Unter den koordinierenden— Konjunktionen (2.1.5) wird bei den konsekutiven (4) auch deshalb ange¬ führt. Es leitet u. a. einen Haupt satz ein, der eine Folge des Vorsatzgeschehens darstellt; ent¬ sprechend kann auch weshalb an die Spitze eines Glied Satzes treten; seine Krankheit war nicht mehr zu heilen, weshalb er schließlich seine Tätig¬ keit auf geben mußte. 4 Eine mögliche Folge, die nicht eingetreten ist oder ein treten soll, wird diuch ohne daß eingeleitet: er stellte Überlegungen an, ohne daß er zu einem Ent¬ schluß kam (bei gleichem Subjekt im Haupt- und Gliedsatz meist infinitivisch; ohne zu einem Ent¬ schluß zu kommen); wir werden unsere Meinung vertreten, ohne daß jemand daran Anstoß nehmen kann. 5 Eine Folge, die nicht eintreten konnte oder kann, weil ein überhöhter Grad eines Umstandes — im Hauptsatz mit der Partikel zu angeführt — das ver¬ hindert, wird durch als daß eingeleitet: sein Vor¬ schlag war zu weitgehend, als daß er ohne weiteres Beifall fand. 6 Die Irrealität einer Folge wird oft noch durch den Konjunktiv ausgedrückt: Fritz gab sich viel Mühe, 167

ohne daß er dabei besonderen Erfolg gehabt hätte; sein Vorschlag ging zu weit, als daß er ohne weiteres Beifall gefunden hätte; der Vorschlag geht zu weit, als daß sein Urheber mit Zustimmung rechnen könnte. Konsonant, Mitlaut (zum Unterschied von dem — Vokal). Konsonanten entstehen dadurch, daß die beim 1 Sprechen verwendete Atemluft irgendwie zeitweise gehemmt oder eingeengt wird. Die Unterschiede sind bedingt durch die Stelle der Mundhöhle, an der dem Atemstrom ein Widerstand entgegen¬ gestellt wird, die Artikulationsstelle, sowie durch die Art imd Weise, in der die Hemmung oder Einengung vorgenommen wird, die Artiku¬ lationsart. Schwingen beim Sprechen die Stimmbänder mit, so entstehen stimmhafte Konso¬ nanten, andernfalls stimmlose (Sonorität). Weitere Unterschiede lassen sich nach Inten¬ sität, Aspiration und Dauer feststellen. A r t i k u 1 a t i o n s s t e 11 e 1.1 An folgenden Stellen der Mundhöhle wird dem Atemstrom ein Widerstand geboten; sie werden nach ihrer Lage im Munde von vom nach hinten aufgeführt: Die Lippen: Die beiden Lippen werden mehr 1.1.1 oder weniger kräftig zusammengepreßt: p b m (Lippenlaut«, Labiale oder, weil beide Lippen beteiligt sind. Bilabiale). Untere Lippe und obere Schneide - 1.1.2 zähne: durch Anlegen der Lippe an diese Zähne wird der Atemstrom eingeengt: f w [v] (Lippen¬ zahnlaute, Labiodentale). Die Zähne; der vordere Rand der Zunge wird 1.1.3 hinter die obere Zahnreihe oder in ihre Nähe ge¬ bracht: t d n 1 (Zungenspitzen-)r ß [s] s [z] sch [/] und [3] (Zahnlaute, Dentale). Der vordere Gaumen: die Zunge wird in 1.1.4 seine Nähe gebracht: ch[?]j (Gaumenlaute, Palatale). Der hintere Gaumen, das Gaumensegel: 1.1.5 die Zimge wird mehr oder weniger nach dem hin¬ teren Gaumen zu gelegt: k g ng [r)] ch [x] (Hin¬ tergaumenlaute, Velare). Das Halszäpfchen: es vibriert gegen die 1.1.6 hintere Zunge: (Zäpfchen-)r (Zäpfchenlaut,

Uvular). Der Kehlkopf: durch Hauchen bildet sich 1.1.7 hier das h (Kehlkopflaut, Laryngal). Artikulationsart 1.2 Die angeführten Konsonanten werden auf ver¬ schiedene Art gebildet; danach lassen sich folgende Gmppen aufstellen: Verschlußlaute, Explosivlaute: zu- 1.2.1 nächst wird ein Verschluß der Mundhöhle gebildet, der durch einen Luftstoß gesprengt wird: p b t d kg. Von diesen werden die stimmlosen p t k (— 1.3.2) als Tenuis (Plur. Tenues), die stimmhaften ^ & (-*■ 1.3.1) als Media (Plur. Mediae) bezeichnet. Nasenlaute, Nasale: Dadurch, daß Gau- 1.2.2 mensegel und Zäpfchen lose herabhängen, wird die Nasenhöhle in den Sprechraum einbezogen imd die Resonanzfähigkeit erhöht; m n ng. Ein Seitenlaut, Lateral, bei dem die 1.2.3 Atemluft zu beiden Seiten der Zunge entweicht: 1. Schwinglaute, Vibranten, bei denen 1.2.4 die Zungenspitze oder das Halszäpfchen in Schwin¬ gungen versetzt werden: Zungenspitzen-r, Zäpfchen-r. 168

Konsonant

i “

d) g g

■a

cd

a

II

s

los

Hals¬ zäpf¬ chen-r r

stimm¬

Uvular



kJ M 4) TJ 3 a>

pß -fi o o M

$ ‘»o'p^S e £i c

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^ W p2 i*\

169

3 "gS 2 2 ä ä

I

cd

3 0)

U - Tabelle der Aussprache¬ zeichen) Lateral, Seitenlaut: l (-► Konsonant 1.2.3) Lehnübersetzung, Bedeutungslehnwort, wört¬ liche Übersetzung eines fremdsprachigen Wortes, die auch dessen übertragene Bedeutungen ein¬ schließt; z. B.: Fall nach lat. Casus (= das [Herab-] Fallen, etwa in Wasserfall, aber auch = gramma¬ tischer Fall); verehren nach lat. honorare (= je¬ manden V., aber auch belohnen, beschenken); Menschlichkeit nach lat. humanitas (= Menschen¬ natur, aber auch menschliche Güte); Einfalt nach lat. simplicitas (= das ,,Einmal-gefaltet-Sein“, Ein¬ fachheit, aber auch Schlichtheit, Arglosigkeit). Lehnwort Im Artikel -► Erbwort ist dargelegt, daß ein beträcht- 1 lieber Teil unseres Wortschatzes aus einer Zeit stammt, als unsere Vorfahren noch mit anderen Völkern, die später auseinanderwanderten, zusam¬ menlebten und eine Art indogermanische Urspra¬ che sprachen. Im Lauf der Zeit, als sie sich schon als Germanen vereinzelt hatten, lernten sie dann bei fremden Völkern neue Dinge (Konkreta wie Abstrakta) kennen, die ihnen bis dahin unbekannt gewesen waren, und mit den Dingen die Bezeich¬ nungen; sie übernahmen beides, und so kamen fremde Wörter in ihren Wortschatz. Wenn es sich dabei um Dinge handelte, die gewissermaßen in jedermanns Hand waren und von denen deshalb jeder sprach, wurden allmählich die fremden Wörter in der Lautgestaltung, Aussprache und Betonung immer mehr an die Erbwörter angeähnelt, so daß der heutige Deutsche sie meist gar nicht mehr als -► Fremdwörter empfindet; nur der Fachkundige weiß, daß sie einmal aus einer freniden Sprache entlehnt wurden. 178

Lehnwort 2 So haben die Germanen bereits in voralthoch¬ deutscher Zeit etwa 600 inzwischen eingedeutschte Wörter aus dem Lateinischen übernommen, und zwar aus Lebensgebieten, in denen die römische Kultur ihrer eigenen überlegen war: Militärwesen: Straße (strata), Wall (vallum), Pfeil (pilum); Han¬ del: Kaufmann (caupo), Pfund (pondus), Münze (moneta); Steinbau: iVTauer (murus), 7,iegel (tegula), Kalk (calx); Weinbau: Wein (vinum), Most (mustum), mischen (miscere); Gartenbau: Kohl {caxilis), Rettich (radix), Kirsche (cerasum). Auch das Vordringen des Christentums hat manche griechischen und lateinischen Wörter zu uns ge¬ bracht: Kirche (gr. kyriake), Pfingsten (gr. pente¬ koste); opfern (operari), Kloster (claustrum). 5 Das Entstehen eines Lehnwortes können wir etwa an dem Wort' Kaffee beobachten. Das ursprünglich arabische Wort ist über das französische cafd, worun¬ ter wir heute wohl nur noch Kaffeehaus, -stube ver¬ stehen, zu uns gekommen. Seitdem ist Betonung und Schreibweise dem Deutschen angepaßt wor¬ den; aber die Aussprache des langen geschlossenen e am Wortende zeigt noch das Fremdwort. In man¬ chen Gegenden (von Schlesien her?) hat sich nun umgangssprachlich eine Aussprache kaffe (das e ist ein kurzer Murmelvokal, transkribiert a; -» Vokal) herausgebildet; wenn sich diese einmal allgemein, auch in der Schreibweise, durchsetzen sollte, wird — der Blick in die Zukunft mag erlaubt sein — das Fremdwort cafe über Kaffee zum Lehnwort Kaffe eworden sein. eideform Passiv Lippenlaut -► Labial Liquida, Fließlaut, Dauerlaut, zusammenfassende Bezeichnung für den Lateral: 1 und die Vi¬ branten: Zungenspitzen-r und Zäpfchen-r (-*Konsonant 1.2.5 und 1.2.4). Lokal, örtlich, eine Örtlichkeit bezeichnend Lokaladverb 1 ein Adverb, das einen örtlichen Umstand bezeich¬ net. Man unterscheidet 3 Arten, sie bezeichnen: 2 eine Örtlichkeit auf die Frage wo?: hier,

f

da, dort, obenjunten, draußenjdrinnen, linkslrechts, überall jnirgends; 3 eine Richtung auf die Frage wohin?: hierhin, dahin, dorthin, aufwärtsjabwärts, hinaufjhinunter, hineinjhinaus, nach linksjnach rechts, überallhin, zurück, heim ;

4 eine Herkunft auf die Frage woher?: daher, dorther, von oben = herunter, von unten = herauf, von drinnen = heraus, von draußen = herein, von links, von rechts.

5 Viele der oben genannten Lokaladverbien zählen zu den -► Pronominaladverbien, auch die ange¬ führten Fragewörter. Lokalbestimmung, Umstandsbestimmung des örtes, ausgedrückt entweder durch ein -► Lokaladverh, durch eine präpositionale Wendung (-* Adverbiale Bestimmung 2.1) oder durch einen -► Lokalsatz. Lokalsatz, ein -► Gliedsatz, der einen übergeord¬ neten Satz durch eine Umstandsbestimmung des örtes ergänzt. 1 Es handelt sich also um einen -► Adverbialsatz, der Form nach um einen -> Relativsatz, zumal nicht sel¬ ten durch ein — Lokaladverb auf ihn hingewiesen wird. 2 Angabe eines örtes auf die Frage wo ?: ich habe ihn wieder getroffen, wo wir vor Jahren schon 179

einmal waren; wo bisher Trümmerfelder waren, ist ein neuer Stadtteil entstanden.

Angabe einer Richtung, eines Zieles auf die 3 Frage wohin?: geh, wohin du willst!; geh zurück, woher du gekommen bist!

Angabe der Herkunft auf die Frage woher? : 4 ich komme dorther, wo du früher gewohnt hast.

Angabe der örtlichen Erstreckung (Aus- 5 dehnung) auf die Frage wie weit?: so weit du blicken kannst, siehst du Wiesen und Felder.

Diese Lokalsätze sind als Adverbialsätze zu unter- 6 scheiden von -► Attributsätzen: der Ort, wo wir im Sommer waren, hat nur wenige hundert Einwohner ;

und» von -► Objektsätzen: ich will euch berichten, wo wir im Sommer waren.

Maskulinum, männliches Geschlecht der Sub¬ stantive und Pronomina, nicht im Sinne des natür¬ lichen, sondern des grammatischen Geschlechts (-* Genus); auch ein Nomen männlichen Geschlechts. Maßangaben und Mengenbegriffe Sie werden, soweit sie männlich oder s ä c h - 1 lieh sind, im Singular dekliniert: der Preis eines Pfundes Mehl, eines Zentners Kartoffeln, eines Sackes Zucker; im Plural erscheinen sie oft in der Grundform: 10 Sack, 3 Faß, 2 Paar; in Verbin¬

dung mit einer Präposition werden sie aber oft de¬ kliniert: außer 10 Metern Keinen, mit 3 Zentnern Äpfel.

W eibliche Maß- und Mengenbezeichnungen werden im Plural dekliniert: 2 Tonnen, Kannen, Ellen. Vgl. Geldhezeichnungen. Media, stimmhafter Verschlußlaut: b d g (-► Kon¬ sonant 1.2.1); Gegensatz: -► Tenuis Mehrstufe Komparativ Mehrzahl — Plural Mengenbegriife — Maßangaben und Mengen¬ begriffe Mitlaut Konsonant Mittelwort — Partizip Mittelwortsatz — Partizipialsatz Modal, die ,,Art und Weise“ bezeichnend Modaladverb, Umstandswort, das die Art und Weise eines Geschehens ausdrückt. Man unterscheidet mehrere Unterarten, von denen jeweils einige Bei¬ spiele im Artikel Adverb 2.3 angeführt werden. Modalbestimmung, Umstandsbestimmung, die die Art und Weise eines Geschehens ausdrückt. Wie bei den -► Modaladverbien unterscheidet man auch hier mehrere Unterarten, von denen im Artikel Adverbiale Bestimmung 2.3 einige Beispiele ange¬ führt sind. Modalsatz ein Gliedsatz, der einen übergeordneten Satz din’ch nähere Angaben über die Art imd Weise sei¬ nes Geschehens ergänzt; der Form nach handelt es sich um Konjunktionalsätze. Hinsichtlich der Modalität werden mehrere Arten unterschieden: Der Modalsatz i. e. S. gibt begleitende Umstände des Hauptgeschehens an. Konjunktion: in¬

2

1

2 2.1

dem : indem er sich eine Zigarre ansteckte, fuhr er in seinem Bericht fort.

Der Instrumentalsatz bezeichnet ein 2.2 Mittel zur Durchführung des Hauptsatzgeschehens: indem, dadurch daß: indem er bedürftigen Talen¬ ten half, gewann er sich viele Freunde (Goethe); da¬ durch, daß du die Schraube verstellt hast, geht die Uhr jetzt falsch. 180

Negation 2.5 Das Nichteintreten des ßegleitumstandes und die Nichtanwendung des Mittels wird durch ohne daß ausgedrückt: er ging aus dem Zimmer, ohne daß es den anderen auffiel; der Erfolg war ihm sicher, ohne daß er die Hilfe anderer in Einspruch nahm.

Ist das Subjekt im Haupt- und Gliedsatz das gleiche, so wird der Gliedsatz gern durch den Infinitiv mit zu ersetzt: er ging durch die Menge, ohne nach links und rechts zu blicken; ohne dich anzustrengen, wirst du keinen Erfolg haben.

2.4 Der V ergleichssatz kennzeichnet die Art und Weise des Hauptsatzgeschehens durch einen Vergleich; -* Komparativsatz 2. 2.5 Mit dem Vergleichssatz berührt sich der Propor¬ tionalsatz, in dem das Geschehen oder Sein des Hauptsatzes hinsichtlich des Grades (der Inten¬ sität) durch Gegenüberstellung zu dem des Glied¬ satzes erläutert wird: je ( — desto, um so) ; je nach¬ dem ; -► Konjunktion 2.2.3.4. 2.6 Der Restriktivsatz schränkt die Gültig¬ keit der Hauptsatzaussage ein; (in)sofern, (in)so¬ weit, soviel: soviel ich mich erinnere, hat damals Herr Lehmann die Festrede gehalten.

Modalverb 1 eine Gruppe des Verbs, die in der Regel in Gemein¬ schaft mit einem Infinitiv gebraucht wird. Dieser Infinitiv gibt die eigentliche Handlung, das Ge¬ schehen oder Sein an, das Modalverb die Modalität, die Art und Weise des Geschehens. 2 Die Modalverben und die durch sie ausgedrückte Modalität des infinitivischen Geschehens sind fol¬ gende : 2.1 wollen: ein Wille: ich will nach Hause gehen; ich will noch nicht auf hören;

2.2 sollen: eine Aufforderüng: du sollst endlich den Brief schreiben; du sollst nicht töten ;

2.3 dürfen: eine Erlaubnis: du darfst hier bleiben; ne¬ giert ein Verbot: du darfst nicht mitkommen; 2.4 mögen: ein Wunsch: möge dir gut gehen; das möchte ich nicht noch einmal hören; ich mag nicht zu Hause bleiben; 2.5 müssen: eine durch äußere

Umstände herbeige¬ führte und dadurch zwingende Notwendigkeit: du mußt pünktlich sein; negiert eine im allgemeinen wohl gültige oder zu erwartende, im Einzelfall aber nicht zwingende Notwendigkeit: du mußt nicht denken, daß ich etwas von dir haben will;

2.6 können: eine Möglichkeit: kannst du französisch sprechen?; du kannst nicht länger bleiben;

2.7 lassen: eine Veranlassung, ein Daraufhinwirken: laß dir ein neues Kleid nähen!; ich lasse dich nicht mitfahren.

3 Diese Proben mögen einen knappen Überblick über die vielfältige Verwendung dieser Modalverben geben, die im übrigen auch ohne den Infuutiv als selbständige Verben auftreten können. 4 Von modalem Gebrauch spricht man auch bei ne¬ giertem brauchen, das einen Infinitiv mit zu bei sich hat: du brauchst das nicht zu essen; es berührt sich mit verneintem müssen. 5 Über die Formbildung der unter 2.1 bis 2.6 genann¬ ten Modalverben - Konjugation 2.3.3. 6 Die Perfektformen aller Modalverben werden mit haben zusammengesetzt, jedoch, wenn ein Infini¬ tiv dabeisteht, nicht mit dem 2. Partizip verbimden, sondern mit dem Infinitiv; ich habe das nicht tun wollen, aber: ich habe das nicht gewollt. Entspre¬ chend; du hättest schreiben sollen; ich habe nicht

181

bleiben dürfen; ich hätte lieber den Pudding essen mögen (ich hätte ihn lieber gemocht) ; hast du lange warten müssen?; ich habe nicht laufen können; ich habe ihn das Beet umgraben lassen; er hätte das nicht zu tun brauchen.

Modus, Aussageweise. Beim -► Verb unterscheidet man drei Modi: den -* Indikativ, mit dem der Sprecher etwas als wirklich stattfindend oder stattgefunden aussagt, den -«■ Konjunktiv, durch den etwas als wün¬ schenswert oder möglich, jedenfalls nicht als wirk¬ lich hingestellt wird, und den Imperativ, durch den eine oder mehrere angesprochene Perso¬ nen nachdrücklich zu einem Tun aufgefordert wer¬ den. Möglichkeitsform Konjunktiv Monatsnamen. Der Genitiv wird heute meist ohne -s gebildet: in der Mitte des April(s), in der ersten Hälfte des Juli(s) ; ohne Artikel stets ohne -s: An¬ fang August, Ende Dezember.

Morphem, Wortbestandteil. Man unterscheidet: Wortbildungsmorpheme, und zwar 1 Grundmorpheme {Schön-, glück-, furcht-) und 1.1 Ableitungsmorpheme (-heit, -lieh, -sam), und 1.2 grammatische Morpheme, und zwar 2 bedeutungtragende (sag-, Kind-, Mann-) und 2.1 funktionale (-test, -er, -es). 2.2 Die Bezeichnungen berühren sich mit den Aus¬ drücken -► Stamm und -► Suffix. Nachsatz -► Gliedsatz 6.2 Nachsilbe — Suffix Namen ->- Familiennamen, — Vornamen, -► Per¬ sonennamen, — Gebäuderiamen, -► geographische Namen, Monatsnamen, -► Sprachnamen, -» Völker¬ namen. Nasal, Nasallaut, Nasenlaut Bezeichnung für die ->■ Konsonanten (1.2.2): 1 m n ng [r)], bei denen die Nasenhöhle in den Sprechraum einbezogen wird. Im Französischen, folglich auch in den daher über- 2 nommenen Fremdwörtern, aber auch in anderen Sprachen kennt man auch Nasal vokale. Wäh¬ rend bei den reinen Vokalen das Gaumensegel hoch¬ gezogen ist, so daß der Luftstrom seinen Ausweg nur durch die Mundöffnung findet, hängt bei Nasal¬ vokalen das Gaumensegel herab, so daß auch die Nasengänge in den Sprechraum einbezogen sind; dadurch erscheinen die Laute gegenüber den reinen Vokalen etwas getrübt. Man kennt im Französischen 4 Nasalvokale: nasaliertes a, ä, o, ö; in der Schrift folgt m oder n; für die Vokale gibt es z. T. mehr¬ fache Schreibweisen: [ä] ambassadeur, emblöme; enfant terrible; [g] Impromptu, interieur; faim, Saint-Germain; Reims, teint; [5] fait accompli, Montmartre; [dfe] parfum, Dunkerque. Nebengeordnet — Koordiniert Nebenordnend — Koordinierend Nebensatz — Gliedsatz Negation, Verneinung Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Satz oder ein 1 Wort zu verneinen: Dazu dient in erster Linie die Partikel nicht sowie 2 das Konjunktionspaar weder — noch: Fritz raucht nicht; wir sind auf der Reise weder durch Bonn noch durch Köln gekommen. Eine Verstärkung von nicht wird durch Vorsatz von 3

182

Negation gar oder durchaus erreicht:

ich habe

gar

nicht

auf gepaßt

4 Verstärkte Verneinung geschieht auch durch Ad¬ verbien : keinesfalls, keineswegs; zeitbezogen: nie(mals), nie und nimmer; ortsbezogen: nirgends. 5 Verneinte Pronomina sind: niemandjnichts (zu: jemand/etwas), kein (zu: [irgendjein). 6 An ein verneintes Glied wird eine Steigerung iin Sinne von „noch weniger“ angeschlossen durch geschweige (denn) (zur Konjunktion erstarrte 1. Sing. Ind. Präs, des veralteten Verbs geschweigen) : ich war noch nicht in England, geschweige (denn) in Amerika.

7 Eine ahgeschwächte Verneinung wird durch das Adverb kaum im Sinne von „beinahe nicht, noch nicht ganz, währscheinlich nicht“ ausgedrückt: das glaube ich kaum; kaum hundert Zuhörer waren an¬ wesend; das wird er kaum tun. 8 Eine Verneinung von Nomina (Substantiven, Ad¬

jektiven, Partizipien) wird auch durch das Präfix (2.1) un- erreicht: Unruhe, unangenehm, ungepflegt. (Zu beachten ist dabei, daß un- in einigen Fällen auch eine verstärkende Bedeutung [also nicht ver¬ neinend] haben kann: Unkosten, Unwetter.) Auch durch Zusammensetzung mit nicht- werden Sub¬ stantive und Adjektive, besonders auf Personen bezogene, verneint: Nichtfachmann, Nichtraucher, nichtberufstätig; Nichteinmischung, nichtöffentlich, nichtrostend.

9 Auch einige andere Präfixe bewirken eine Art Negation, wobei oft ein abwertender Sinn anklingt: abhold, Aberglaube, Mißgunst, widerrechtlich. 10 In Fremdwörtern begegnen Präfixe, die ebenfalls eine verneinende Wirkung haben: abnorm, disqualifizieren, impotent, indirekt, Nonkonformis¬ mus; aus dem Griechischen: anomal, anorganisch, antichristlich. 11 Doppelte Verneinung bedeutet in unserer jetzigen

Sprache eine Bejahung, mitunter etwas abge¬ schwächt, manchmal auch verstärkt: es ist nicht unangenehm; nicht unbedenklich; kein Mensch ist unsterblich; nichts für ungut; diesen Vorfall kann man nicht ungeschehen machen (man muß ihn als

geschehen hinnehmen). Nennform Infinitiv Nennformsatz — Infinitivsatz Neutrum, sächliches Geschlecht, das dritte -► Genus (bes. 2); auch Substantiv oder Pronomen sächlichen Geschlechts. Nichtzielend - Intransitiv Nomen 1 Oberbegriff für die deklinierbaren Wörter, bes. für -*■ Substantiv und -► Adjektiv; im weiteren Sinn wer¬ den ihm auch die deklinierbaren -► Numeralia und die Pronomina einschl. -or ihm Knienden; er kam zornig herbei, den Kerzen¬ leuchter hinter sich her schleifend ; er rief, sich nach dem geführten Stoß lebhaft umwendend, . . .; die freie Hand mit zierlichen kleinen Gesten bewegend, sagte er .. . Das P. des Präteritums stellt ein Geschehen oder 4 Sein als vollendet oder vollzogen hin (Vollendungs¬ form). Es wird attributiv gebraucht: 4.1 neben einer Größe, die Träger (Agens) eines ab- 4.1.1 geschlossenen Vorgangs bzw. des dadiurch entstan¬ denen Zustands ist: das erfrorene Glied, das gebor¬ stene Eis, das gefallene Laub, der gelungene Streich ; es handelt sich dabei um -► intransitive Vorgangs¬ verben mit perfektiver Bedeutung; neben einer Größe, die Ziel (Patiens) einer voUzo- 4.1.2 genen Handlung ist, also Objekt eines transitiven Verbs: das gebundene Buch, die gebratene Gans, das gesprochene Wort; der Fisch mit den leicht mit Gold ornamentierten Beinen; die Flucht des überstürzt auf den Thron gesetzten Königs. Oft wird das Attribut mit längeren Ergänzungen auch imflektiert nachge¬ stellt: die Soldaten kehrten heim, erbittert über die unzulängliche Führung, der sie ausgeliefert waren; da waren die bürgerlichen Gruppen, wenig zahl¬ reich und auf die großen Städte beschränkt. Prädikativisch gebraucht wird das P. des Prät. auch 4.2 über die zusammengesetzten Verbalformen hinaus: der Brief liegt in der Schublade auf bewahrt; er sah sich von den Nachbarn getäuscht; ein Vogel kommt geflogen. Die Mittelstellung des P. zwischen Nomen \ind 5 Verb wird deutlich durch seine Verwendung auch als Substantiv : der Vorsitzende, der Sterbende; 5.1 der Abgeordnete, der Geschworene; Adjektiv : ein dringender Brief, ein brennendes 5.2 Interesse, der treffende Ausdruck, eine zuvorkom¬ mende Haltung; ein verblendeter Mensch, ein ge¬ regelter Betrieb, ein gemäßigtes Klima, eine ausge¬ sprochene Abneigung. Gelegentlich kommen wie bei Adjektiven Kompsirativ- und Superlativbildun¬ gen vor: ein treffenderer Ausdruck, die zuvorkom¬ mendste Haltung; geregeltere Arbeit, in bestimmte¬ ster Form ; Adverb: das hast du treffend gesagt, das wird 5.3 dringend gebraucht; das hast du bestimmt falsch gemacht, er sprach gebrochen deutsch. Partizipialsatz, iVlittelwortsatz Der Satz Herr Sch., der pünktlich in Bremen einge^t'offen war, suchte uns sogleich auf läßt sich ver¬ kürzen zu: Herr Sch., pünktlich in B. eingetroffen, suchte uns sogleich auf. Hier hat eine Partizipicdgruppe die Stelle eines Gliedsatzes eingenommen

188

Personalpronomen (in diesem Falle eines Relativsatzes; es könnten aber auch Konjimktionalsätze zugrunde liegen); darum sprechen manche Grammatiken von Partizipial¬ sätzen, eine Bezeichnung, die fragwürdig ist, da kein vollständiger Satz vorliegt (vgl. — Infinitivsatz). Passiv, Leideform 1 Gegensatz zu Aktiv, mit diesem zusammenge¬ faßt unter dem Oberbegriff -► Genus verbi. 2 Bei transitiven Verben bezeichnet das Passiv das Hineingeraten in den Zustand, den das Aktiv schafft. Die Formen werden mit den Hilfsverben werden und sein in Gemeinschaft mit dem Partizip des Präteritums gebildet (-► Konjugation 5). 2.1 Das von der Tätigkeit getroffene Ziel (das Objekt) wird im Passiv als Patiens Träger des Vorgangs (Subjekt), das Agens (Subjekt) des Aktivs kann im Passiv durch eine präpositionale Ergänzung mit von ausgedrückt werden: ich baue (die Firma Meyer baut) ein Haus; das Haus wird von mir (von der Firma Meyer) gebaut.

2.2 Im Perfekt sind zwei Formen zu unterscheiden; 2.2.1 das Vorgangspassiv, das das Hineingeraten¬ sein in den Zustand ausdrückt: das Haus ist gebaut worden;

2.2.2 das Zustandspassiv, das das Ergebnis der Tätigkeit als Zustand schildert: das Haus ist gebaut. 3 Eine Umsetzung ins Passiv ist auch bei transitiven Verben in manchen Fällen nicht möglich, in denen kein echtes Objekt vorliegt, das durch den Vorgang geschaffen oder verändert wird: hier hast du eine Mark; Frau Lehmann bekommt ein Kind; du läufst Gefahr, etwas Falsches zu tun; auch nicht bei re¬ flexiven Verben: er schämt, fürchtet, freut sich.

4 Weim transitive Verben ohne Objekt gebraucht werden, ist iflipersönliches Passiv möglich: zu (Lieder) singen, (Walzer) tanzen: es (gegenüber, heute abend) wird gesungen und getanzt.

5 Elbenfalls ist bei intransitiven Verben ein unper¬ sönliches Passiv möglich: es wird geraten, dies und jenes zu tun; jetzt wird gehorcht, geschlafen!; euch ist geholfen worden.

1

2 3 1

Perfekt, 2. Vergangenheit, ein ^ Tempus (Konjugation 1.1.3) des - Verbs, drückt ein vergan¬ genes, abgeschlossenes Geschehen (Sein) aus im Blick von der Gegenwart her; das vergangene Geschehen ist für die Gegenwart bedeutsam: ich habe recht behalten (habe jetzt noch recht) ; die Mutter hat Kuchen gebacken (wir körmen ihn jetzt essen); heute haben wir eine Mathematik¬ arbeit geschrieben (ich bin gespannt, wie sie ausge¬ fallen ist) ; ich habe das vergessen (weiß es jetzt nicht mehr, gegenüber: ich vergaß das [bald wieder]; wir sind in Italien gewesen (und denken jetzt noch gern daran; gegenüber der Feststellung: wir waren in Italien). Im Hinblick auf diesen Gegenwartsbezug steht das Perfekt in Gegensatz zum Präteritum. -Über die Bildung der Perfektformen - Konjuga¬ tion 2.6. u. 3. Periode, eine aus der antiken Rhetorik übernom¬ mene Bezeichnung für ein nach bestimmten Regeln aufgebautes Satzgefüge, heute ohne Rücksicht auf diese Regeln für ein umfangreiches Satzgefüge, dessen Glieder meist durch Gliedsätze, Infinitivund Partizipialgruppen ausgedrückt werden. Zwei Beispiele:

2 Der Papst hat es immer als eine Selbstverleugnung von seiner Seite angesehen.

189

daß er mit der Stadt Florenz nicht breche, obgleich sie ihn durch den Schutz, den sie einem rebellischen Mönchlein gewähre, beleidigt habe. (Ranke: Savonarola) Als dann Caesar selbst in Kleinasien eintraf

3

und ihm (Pharnakes) sagen ließ, daß der Dienst, den Pharnakes ihm persönlich geleistet, indem er Pompeius keine Hilfe gewährt habe, nicht in Betracht kommen dürfe gegen den dem Reiche zugefügten Schaden und daß vor jeder Unterhandlung er die Pro¬ vinz Pontus räumen und das geraubte Gut zurückstellen müsse, erklärte er sich zwar bereit zu gehorchen; aber wohl wissend, wie guten Grund Caesar hatte, nach dem Westen zu eilen, machte er dennoch keine ernstliche Anstalten zur Räumung. (Mommsen, Röm. Gesch.) Personalpronomen, persönliches Fürwort eine Untergruppe des -► Pronomens (3.1.1), die 1 zusammen mit den — Indefinitpronomina die Grup¬ pe der ,,nennenden“ Fürwörter bildet (Erben): sie ,,nennt“ bestimmte Größen: ich, du, er sie es; wir, ihr, sie; sich. ich, wir bezeichnen die sprechende 1. Person oder 2

eine Gruppe, der sich der Sprecher zugehörig fühlt, du, ihr die £mgesprochene(n) 2. Person(en). Die IDeklination zeigt folgende Formen: 2 ihr du wir Nom. ich euer deiner unser Gen. meiner euch dir mir uns Dat. euch dich uns Akk. mich Das Geschlecht ist bei diesen 1. und 2. Personen nicht gekennzeichnet. Der Gen. Sing, hieß im Mittelhochdeutschen imd noch bei Luther mein, dein (auch: 3. Pers. sein) : Und als der Herre mein ansichtig ward (Schiller, Teil III, 1); im Spätmittel¬ hochdeutschen kam, wohl in Anlehnung an unser, euer, die Form meiner, deiner (seiner) auf; ein Rest der alten Form begegnet im Blumennamen Vergi߬ meinnicht.

Attributiv werden die Genitivformen bei Substan- 2.2 tiven kaum gebraucht, sondern durch das Possessiv¬ pronomen ersetzt, also dein Hut; nur wenn aller dsibeisteht, kommt das Genitivattribut vor: aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. (Luther) Ursprünglich partitiver Genitiv bei Zahlwörtern: unser drei, auch unsereiner.

Für die 2. Pers. Sing, und Plur. tritt als Höflich- 2.3 keitsform die großgeschriebene 3. Plur. der 3. Pers. auf: Nom. Sie, Gen. Ihrer, Dat. Ihnen, Akk. Sie: seien Sie versichert, daß wir Ihrer gedenken wer¬ den, Ihnen vertrauen und Sie hochschätzen.

Ein umgangssprachlicher Gebrauch ist die (im 2.4 Sinnzusammenhang entbehrliche) Verwendimg des Dativs, die in der lat. Grammatik als D a t i v u s e t h i c u s bezeichnet wird und eine gefühls¬ mäßige Anteilnahme des Sprechers oder des Ange¬ sprochenen ausdrückt: paß mir gut auf!; das war dir (euch) ein Spaß!

Die besprochene 3. Person 3 hat folgende Formen, die im Singular nach dem 3.1 Genus unterschieden werden: 190

Personalpronomen sie es sie Nom. er ihrer seiner ihrer Gen. seiner ihnen ihm ihr Dat. ihm sie es Akk. ihn sie 5.2 es erscheint 3.2.1 oft als Vorläufer des eigentlichen Subjekts und er¬ möglicht seine betonte Endstellung; es war einmal ein Müller, der war arm; es führen viele Wege nach Rom; es irrt der Mensch, solang er strebt; das gilt besonders, wenn das Subjekt ein Gliedsatz ist: es ist nicht gilt, daß der Mensch allein sei; es ist Arznei, nicht Gift, was ich dir reiche (Lessing); oder eine Infinitivgruppe mit zu: es ist nicht schön, das mit¬ ansehen zu müssen. 3.2.2 Auch als (entbehrlicher) Vorläufer eines Objektsat¬ zes (Akk.) begegnet es: willst du (es) gar nicht einsehen, daß du unrecht hast? 3.2.3 es nimmt auch ein vorangegangenes Prädikatsno¬ men wieder auf: bist du zufrieden? ich bin es; oder weist auf ein folgendes Prädikatsnomen hin; es ist spät, wird Frühling. 3.2.4 es war im Mittelhochdeutschen auch Genitivform; sie hat sich in Resten erhalten: ich bin es (= dessen) satt, müde, zufrieden; sie haben's (= es = dessen) kein' Gewinn. (Luther) 4 Wenn der Träger (Agens) einer Handlung in der 3. Pers. und die von dieser getroffene Größe (Patiens) die gleiche sind, das Objekt sich also auf das Subjekt zurückbezieht, wird das -► Reflexivprono¬ men sich gebraucht; als Akk.: er wäscht sich, tröstet sich; als Dat.; er kauft sich ein Haus, erhofft sich bessere Zustände. Personennamen Familiennamen Persönliches Fürwort -► Personalpronomen Pilanzennamen werden auf verschiedene Art ge¬ bildet (-► Tiemamen): einfache Bezeichnungen: Ahorn, Akelei, Birke, Dill; Ableitimgen; Getreide, Wegerich, Pfifferling; Zusammensetzungen: Affenbrotbaum, Brennessel, Klatschmohn, Steinbrech ; Substantivienmgen: Beifuß, Herbstzeitlose, Jelän¬ gerjelieber, Vergißmeinnicht; Übertragungen: Ehrenpreis, Männertreu, Finger¬ hut, Goldlack ; Personenbezeichnungen: Königin der Nacht.

Phonem,

die kleinste bedeutungsunterscheidende lautliche Einheit einer Sprache. Anzahl imd Art der Phoneme sind von Sprache zu Sprache verschie¬ den, sind aber stets beschränkt im Unterschied zu den phonetischen Varianten. Im Deutschen sind z. B. der Ich- [ig] und Ach-Laut [ax] Varianten eines Phonems. Auch die verschiedenen Arten des k in den Wörtern Kind, Kern, Koch, Kuchen, dessen Artikulationsstelle jeweils vom folgenden Vokal ab¬ hängt, bilden ein Phonem und werden daher auch in der traditionellen Phonetik als ein einziger „Laut“ angesehen.

drücken, ist durch Sammelbezeichnungen gegeben (-►Kollektivum).

Pluraletantum,

Bezeichnung für deutsch- und fremdsprachige Substantive, die nur (= lat. tantum) im Plural Vorkommen; z. B. Alimente, Aus¬ lagen, Blattern, Diäten, Eingeweide, Ferien, Flitter¬ wochen, Gliedmaßen, Graupen, Kosten, Masern, Nachwehen, Ostern, Pfingsten, Spesen, Tropen.

Plusquamperfekt, 3. Vergangenheit, Vorver¬ gangenheit ein -► Tempus des Verbs, gebildet durch das -► Parti- 1 zip des Präteritums in Gemeinschaft mit den Präteritalformen von haben oder sein; ich hatte gelten, war gegangen. Es bezeichnet eine ,,mehr als vergangene“ Zeit, d. h. 2 es drückt gegenüber einem vergangenen Gesche¬ hen ein zeitlich noch vorausliegendes Geschehen aus: als (nachdem, sobald) er eingetroffen war, stellte er fest, daß ■ ■ ■; kaum war die Sonne auf ge¬ gangen, da bezog sich der Himmel mit Wolken,

Positiv, Grundstufe Die Bildung der Vergleichsstufen (Steigerungsstu¬ fen) der Adjektive geht in der Regel vom Positiv aus; hell — heller — hellste (-► Komparation).

Possessivpronomen, besitzanzeigendes Fürwort eine Untergruppe des -► Pronomens (3.3.1), die 1 zusammen mit detn — Relativpronomen die Grup¬ pe der ,,zuordnenden“ Fürwörter bildet (Erben): sie kennzeichnet eine Größe als einer anderen (Per¬ son oder Sache) zugehörig: mein, dein, sein ihr sein; unser, euer, ihr. Beispiele der Deklination — Adjektiv 2.3. 2 Die Possessivpronomina werden fast nur attributiv 3 gebraucht: mein Vater, deine Mutter, sein Haus. Selten ist absoluter Gebrauch, dann wird das Pro- 4 nomen stark dekliniert; als Subjekt; sie alle ziehen ihres Weges fort an ihr Geschäß — und meines ist der Mord. (Schiller); als Prädikat: wem gehört das Buch? das ist mein(e)s. Mitunter, bes. in gehobener Sprache und in nach¬ drücklicherer Form, wird es mit Artikel versehen und dann schwach dekliniert: das ist das meine, oder in der Form das meinige verstärkt. In Wendungen gehobener Sprache kommt auch die 5 undeklinierte Form als Prädikat vor: alles, was mein ist, das ist dein; denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. (Luther); mein ist der unfruchtbare Weg, den Sorg’ und Mühe trat. (Uhland); denn er war unser! (Goethe) Postalische Vorschriften - Briefschreiben 3, geographische Namen, -► Zahlen und Ziffern 3.2

Prädikat, Satzaussage

Die Phoneme spielen eine Rolle bei der Feststel¬

Im — Satz wird von einer Größe ein Geschehen oder 1 Sein ausgesagt; die Größe, von der etwas ausgesagt wird, ist das -► Subjekt des Satzes, die Aussage geschieht durch das Prädikat. Dieses Prädikat kann in verschiedener Weise in Erscheinung treten.

lung der lautlichen Struktur einer Sprache und sind daher auch bei der Auswahl der Zeichen der Laut¬

Das P. ist ein Verb: der Hahn kräht; der Landvogt 2 kommt.

schrift (- Tabelle S. 27) mit berücksichtigt worden.

Das P. ist ein Nomen (— Prädikatsnomen) im No- 3 minativ; hierfür einige Beispiele aus Simrocks Sammlung deutscher Sprichwörter: Substantiv: Abendrot, Gutwetterrot; Armut, der Künste Mutter ;

für dieses Wörterbuch Laut.

Plural, Mehrzahl. Gegensatz: - Singular; Ober¬ begriff für beide: — Numerus. 1 Bei der -► Deklination der Nomina imd bei der -► Konjugation der Verben werden für die Mehrzahl besondere Formen gebildet. 2 Eine

191

andere Möglichkeit,

eine Mehrzahl

auszu¬

junger Engel, alter Teufel; frische Fische, gute Fische; Adjektiv; je dümmer der Mensch, desto größer das Glück; kein Dorf so klein, es hat jährlich seine Kirmes; die alten Freunde, die besten; Partizip: frisch

192

Präfix begonnen, halb gewonnen. Es handelt sich in diesen Beispielen um Lebensweisheiten, die ohne Rück¬ sicht auf Zeit \nid Reeilisierung allgemeine Gültig¬ keit haben. Vgl. auch die Anordnung: Rauchen ver¬ boten ! 4 Das P. kann auch durch eine Umstands¬ bestimmung (— Adverbiale Bestimmung) aus¬ gedrückt werden; umgangssprachlich oft durch ein Adverb: alles hinüber, aus, vergebens!; wohl euch!; du hier?; wer da?; auch durch präpositionale Wen¬ dungen : Philister über dir! (Luther); aus Simrocks Sammlxmg: Aller Anfang mit Gott; keine Freud ohne Leid; wo dein Herz, da dein Gott; Kotz aus

5 Im Deutschen ist nun im Unterschied zu manchen anderen Sprachen der Typus des Verbalsatzes herr¬ schend; wir finden deshalb in der Regel auch in derartigen allgemeingültigen Sätzen eine Verbal¬ form von sein, werden o. ä., die gern als K o p u 1 a (Satzband) bezeichnet wird, etwa: Abbitte ist die beste Buße; abends wird der Faule fleißig; Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Sammet kleidet; auf einen solchen Topf gehört eine solcher Deckel. D2irum bleiben aber diese Prädikatsnomina und die Umstandsbestimmungen funktional der Aus¬ sagekern (wenn man diese zur Probe wegließe, würde dem Satz jeder Sinn fehlen); die Verbalfor¬ men kann man formal als Satzkern bezeich¬ nen, der din-ch Satzglieder ergänzt wird imd im Satzschema an seiner bestimmten, im Hauptsatz zentralen Stelle steht. 6 Bei Prädikatsnomen und bei prädikativen Umstandshestimmxmgen sind in unserer Schrift- und Um¬ gangssprache solche ,,prädizierende“ Verben im allgemeinen sogar notwendig, weil wir den Aussagekem nach Zeit, Realität und Modalität näher bestimmen wollen. Das Wetter ist, war, wird schön sein: der Aussagekem schön wird durch die Verben in den Zeitablauf eingeordnet. Das Wetter ist, wird, bleibt schön: der Aussagekem schön wird als seiend, eintretend, andauernd modifiziert. Du bist artig; duwärest artig, wenn . ■ sei artig!: der Aussage¬ kem artig wird als real, irreal, gewollt hingestellt: Die Lösung des Rätsels scheint richtig; wär’ ich be¬ sonnen, hieß' ich nicht der Teil; die Aussagekeme richtig und der Teil werden als Eindmck bzw. Name gekennzeichnet. 7 Neben dem Verb, dem Prädikatsnomen und der prädikativen Umstandsbestimmung ist als weitere Art des Prädikats, die allerdings nur in seltenen Wendungen auftritt, ein prädikativer Genitiv zu nennen: du bist des Teufels!; wir waren guter Laune; tu, was deines Amtes ist!; bist du etwa anderer Mei¬ nung?; der Hund wird Addi gerufen, ist aber weib¬ lichen Geschlechts. 8' In gehobener Sprache wird auch jetzt die finite Form von sein bei zusammengesetzten Tempusfor¬ men im Gliedsatz mitunter ausgelassen, besonders wenn der Hauptsatz folgt und mit derselben Ver¬ balform beginnt: was mit dem Blatte diese Nacht geschehn, ist mir nichts weiter als ein schlechter Streich von diesem Illo (Schiller, Picc. V 1); den schreckt der Berg nicht, der darauf geboren. (Teil III

mich gehoben, haben mich gestürzt. (Grillparzer, Ottokar V); was die dunkle Nacht gesponnen, soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen. (Schiller, Teil II 2); die alten Rechte, wie wir sie ererbt von unsern Vätern, wollen wir bewahren, (ebda.); daß du ihn schwach gesehn, vergibt er nie. (III 2) - Prädikat 3, 5 und 6

Prädikatsnomen Prädikativ (um )

Prädikatsteil, ein -► Nomen, das — neben ein ande- 1 res Nomen gestellt — von diesem eine Art, Eigen¬ schaft, Verfassung aussagt, die in bezug auf das im Prädikat ausgesagte Satzgeschehen Gültigkeit hat. Man unterscheidet dabei das Subjekts prädikativ: er sprang erregt auf (erregt, bezogen auf er, gilt für das Aufspringen); so steht's bemerkt in Kaiser Friedrichs Brief; die Nebeldecke, die ewig grau um diese Wildnis hing; seine ew'gen Rechte, die droben hangen unveräu¬ ßerlich und unzerbrechlich; zu weit getrieben, verfehlt Zwecks; und das

die

Strenge

Objekts prädikativ:

wir

ihres

weisen

nennen

ihn 2.2

einen M e i s t e r seines Fachs ; dem Kaiser, der den Herrn sich nennt der deutschen und der welschen Erde; laß die Tür o ff e n !; wir lassen den Vorfall unerörtert; entschieden sehen muß ich mein Geschick. Prädikativ gebrauchte Adjektive und Partizipien werden in undeklinierter Grundform gebraucht. Vom Attribut und von der Apposition ist das Prä di- 3 kativ dadurch zu unterscheiden, daß seine Gültig¬ keit auf den Zusammenhang mit dem Prädikat beschränkt ist; dieses Verhältnis wird oft verdeut¬ licht durch Hinzufügung von als; Fritz ist aus dem Wettkampf als Sieger hervorgegangen; Rechts¬ anwalt Meyer ergriff als Verteidiger das Wort. Drückt das Prädikativ eine Beurteilung einer Person oder Sache aus, so wird heute stets die Prä¬ position/ür davorgesetzt: er gilt für wohlhabend; er liegt für tot da; wir halten ihn für einen Schwindler; etwas für gut, recht halten; er erklärte sich für zu¬ ständig; gab sich für den Vertreter des . . . aus. Bezeichnet das Prädikativ das Ergebnis eines Han¬ delns, so wird dieses Substantiv mit der Präposition zu oder in eingeführt: Die Versammlung hat Herrn M. zum Vorsitzenden gewählt; er hat sein Haus zur Gaststätte ausgebaut; er hat das Land in ein Chaos umgewandelt. Die Bezeichnung Prädikativ wird oft auch auf das 4 -► Prädikatsnomen angewendet.

Prädikativsatz eine seltene Art des — Gliedsatzes, der die Stelle 1 eines Prädikatsnomens einnimmt: er konnte wer¬ den, was er werden wollte; er ist, was man einen Intellektuellen nennt; die Hauptsache ist, daß du gesund wirst. Er kann durch eine Infinitivgruppe mit zu ersetzt werden: seine Aufgabe war, die Voraussetzungen zu schaffen für . . . Ein verbales — Prädikat (2) kann nicht in Form 2 eines Prädikativsatzes erscheinen. Prädizierende Verben, Verben, die einer bespro¬ chenen Größe ein nominales Prädikat (Prädikats¬ nomen) zuordnen (Erben), z. B. sein, werden u. a. (-* Prädikat 6).

1); ein Wunder war's, daß ihr entkommen, (ebd.); auch im Hauptsatz: der Teil gefangen abgeführt

Präfix, Vorsilbe

nach Küßnacht. (IV 1)

„Vom angeheftetes“ Mittel der — Wortbildung,

193

(M

dem Haus, rührt sich die Maus; auf groben Klotz ein grober Keil; Mönch ins Kloster, Fisch ins Was¬ ser, Dieb an'n Galgen!

Auch Formen von haben werden weggelassen: die

194

Präfix 1 Im Artikel Wortbildung wird gesagt, daß vorhande¬ ne Wörter auf 5 Arten weiterentwickelt werden können: 1. durch — Zusammensetzung, 2. durch -* Ablei¬ tung, 3. durch Bildung mit Präfixen. Da es einige Präfixe gibt, die nur bei Nomina Vorkommen, emp¬ fiehlt es sich, die Besprechung der Präfixe zu glie¬ dern nach ihrer Verwendung 1. bei Nomina, 2. bei Verben, 3. bei beiden Wortarten. 2 Nominale Präfixe (bei Substantiven und Adjekti¬ ven). 2.1 un- ist eine Negationspartikel, drückt also einen Gegensatz aus. Das Präfix wurde ursprünglich wohl bei Adjektiven gebraucht, hat aber schon früh auch Substantive ergriffen. Es hat keinen Platz 1. bei Adjektiven, die einen mittleren Grad bedeu¬ ten, wie lau, weil es dazu mehrere Gegensätze gibt (warm, kalt) ; 2. wenn es zum Ausdruck des Gegensatzes ein be¬ sonderes Wort gibt (großjklein, dickjdünn) ; 3. wenn das Wort selbst schon einen negativen Sinn hat: bös, gering, nackt. un- kommt besonders häufig bei Adjektiven vor, die von meist zusammengesetzten Verben abgeleitet sind; manche kommen sogar nur mit dem Präfix vor: unabänderlich, unabdingbar, unabhängig; un¬ aufhaltsam, unaufhörlich, unausbleiblich; vor Parti¬ zipien : unbedeutend, unbefriedigend, ungenügend; unangebracht, unausgesetzt, unberührt; bei Substan¬ tiven: Unlust, Unschuld, Unreife. Nicht immer wirkt un- negierend; mitunter bedeu¬ tet es eine Wendung zum Schlechten: Untat, Un¬ fall, Unkraut, Unrat, Unzucht. Dann hat aber un- auch eine steigernde Bedeutung: Unkosten, Unmenge, Unzahl, auch Untiefe (im Seewesen und in der Erdkunde ist dieses Wort aber nur in der Bedeutung,,seichte Stelle“ gebräuchlich). 2.2 ur-jer-: als nominales Präfix hat sich die Form urerhalten, beim Verb ist es zu er- geworden (-► 3.2.). Aus der Grundbedeutung ,,aus“ ergibt sich die Bedeutung von einem Ausgangszustand, von etwas Anfänglichem: Urzeit, -bild, -mensch, -heimat, -Schrift, -text, -wald, -abstimmung, -aufführung; ur¬ verwandt, -eigen; ähnlich wie un- bekommt auch das Präfix ur- bei manchen Adjektiven eine verstär¬ kende Bedeutung : uralt, urgemütlich, urkomisch, urplötzlich. 3 Verbale Präfixe. Auch diese Präfixe waren ur¬ sprünglich selbständige Wörter. 3.1 be-, mit bei verwandt, hatte anfangs Richtungsbe¬ deutung; daraus entwickelte sich der meist transi¬ tive Gebrauch; die Bedeutung verallgemeinerte sich vielfach auf eine Verstärkung und Bewältigung der verbalen Tätigkeit hin. Das Ausgangsverb war oft transitiv: bedecken, bedrängen, beschließen, be¬ treiben, behindern; aber auch intransitiv: befahren,

sen, erhören, erzielen, erwerben; auch erwidern, er¬ lauben, erwähnen, ersetzen. ent- (vor f: emp-, vor p: ern-) : Sinn ,,(ent)gegen“: 3.3 entgelten, empören; Antwort, Antlitz; es bedeutet demnach oft einen Gegensatz, der die Handlung des Verbs aufhebt: entfalten, entfesseln, entbinden, entladen; eine Trennung, ein Rückgängigmachen der Handlung: entlassen, entführen, enthaupten, entspringen, entfliehen, entfärben, entfetten. Es gibt aber auch andere Entstehungsmöglichkei¬ ten: in inchoativer Bedeutung: entschlafen, entflam¬ men, entzünden liegt in = hinein (mit Gleitlaut) zugrunde; in entbehren die alte Negationsform en (pegenstück zu gebären). ver-: in diesem Präfix sind mehrere Partikeln zu- 3.4 sammengefallen, die ,,vor(bei), weg, (her)aus“ bedeuteten; heute bedeutet ver- vor Verbalstäm¬ men etwa ,,ein Verarbeiten, Verschließen, Zeit¬ verbringen“: verbauen, verbrauchen, verbrennen, verknüpfen; verbinden, verbieten, vertreiben, ver¬ hüten; verlaufen, verschlafen, verbummeln, ver¬ trauern. Mit Adjektivstämraen (oft im Komparativ) bildet es Verben, die ein ,,Machen“ bedeuten (Faktitive): verjüngen, vergüten, verheilen; verbessern, verschönern. Mit Substantiven

entstehen

Bewirkungswörter:

verschalen, verkeildn, vergällen, verehren. Gelegent¬ lich wirkt ver verstärkend: verdeutlichen, ver¬ wässern. zer- bedeutet Sonderung, Trennung, Zerkleine- 3-5 rung: zerstreuen, zerstückeln, zerschlagen, zersetzen, zerpidvern, zerkleinern. Präfixe bei Nomina und Verben: 4 ge- (entspricht dem lat. con-) bezeichnet bei Sub- 4.1 stantiven ein Zusammen(sein): Gebrüder, Gemahl, Gefährte, und ist darum geeignet, Kollektive zu bilden, oft zusammen mit dem Suffix -e: Gebirge (-*- Kollektivurn 4, 5 und 8). Weiterhin können Substantive mit ge- ein Ergebrüs eines verbalen Vorgangs bedeuten: Gebräu, Gebinde, Geschenk, Gewächs, Gemälde; auch den Vorgang selbst: Ge¬ brüll, Geflüster, Geschrei, Geschwätz, Gewühl. Auch bei Adjektiven kommt das Präfix vor: ge¬ mein, geheim, genau, gerade, gesund. Bei Verben ging die Grundbedeutung meist verlo¬ ren ; aber: gerinnen, auch wohl gefallen, gestehen; eine perfektivierende Bedeutung, die sich daraus entwickelte, hat dazu geführt, daß gedas Kennzeichen des 2. Partizips wurde: im übrigen ist dieser Sinn zurückgetreten: gedenken, gebieten, gehorchen, gebären, geschehen, gestalten, gewinnen, miß-, vollere Form in Missetat: Grundbedeutung 4.2 ursprünglich ,,wechselseitig, verschiedenartig“ wie

bedeuten ,,versehen mit“: befruchten, bewölken, beseelen, beurkunden. Intransitiv sind: behagen, beharren, beruhen.

in mißlich (was verschieden ausfallen kann, d. h. auch übel), mißheilig (verschieden tönend, uiieinig); daraus entwickelte sich ,,verkehrt“ : mißbrau¬ chen, mißdeuten ; ,,übel“ : mißhandeln, Mißgeschick, mißgelaunt; ,,Verkehrung ins Gegenteil“: mi߬ achten, mißbilligen. Bei Verben bildet das Präfix feste Zusammensetzungen, weil der Hauptton auf dem Verb liegt; daher die Formen: ich miß-

3.2 er- (-► 2.2): ursprünglich = ur-, durch Tonlosigkeit abgeschwächt; Bedeutung: örtlich ,,(her')aus, em¬

dchtete, habe mißdehtet; weil ich mißachte, zu mißdchten.

por“, zeitlich ,,dem Ende zu“: erbrechen, erziehen, erheben, ernähren; inchoativ (einen Anfang bezeich¬

Bei einigen Verben ist aber die Betonung ins Schwanken geraten, weil die Hervorhebung des Gegenteils die Betonung des Präfixes veraulaßte, wie sie sich bei den meisten Substantiven und Ad¬

beschrciten, bekommen, besitzen, bewachen. Manche der Verben sind von Substantiven abgeleitet und

nend): erblühen, erschrecken; resultativ: in der Bedeutung ,,töten/sterben“: erseht äsen, ertränken, erlegen ; ertrinken, erfrieren, erliegen : ferner erlö¬ 195

jektiven findet: mißbehagen (vonVIißbehagen;, miß-

106

Präsens bilden (Mißbildung), miß gestalten (inlßgestalt[et]), mißverstehen (Mißverständnis); und hat Bildun¬ gen bemrkt wie mißzuachten, miß geachtet (auch

noch bei anderen Verben); anderseits tritt auch die Form gemißbilligt (gegenüber mißbilligt) auf. Diese Formen haben weit um sich gegriffen, sind aber nicht korrekt und sollten vermieden werden. (-► auch Zusammensetzung 3.2.1). 1 Präposition, Verhältniswort, eine Gruppe von Wörtern (— Wortart), die die Aufgabe haben, Sub¬ stantive oder Pronomina mit einem Verb, einem anderen Substantiv oder Adjektiv in Beziehung zu setzen; sie stellen so ein bestimmtes Verhältnis zwischen einer Größe und einer Tätigkeit (einem Vorgang oder Zustand) oder einer anderen Größe oder Eigenschaft her; das Bild hängt an der W and; das Bild an der IV a n d ist nicht deutlich zu sehen; das Bild ist nicht geeignet für diese Wand.

Die Stellung der Präpositionen ist im allgemeinen, wie ihr Name sagt, vor dem von ihnen abhängigen Wort, doch kommt auch Nachstellung oder Um¬ rahmung vor. 2 N a c h gestellt werden: dringender Geschäfte halber, dem Verbot zuwider, dir zuliebe.

2.2 Vor-

und

Nach Stellung sind möglich bei;

entgegen meinem Vorschlag = m. V. entgegen; gegenüber, ungeachtet, wegen.

2.3 Mit dem Stellungswechsel ist ein Wechsel des re¬ gierten Kasus verbimden bei: zufolge des Befehls = dem Befehl zufolge; entlang des Gebirgszuges = dem Gebirgszug entlang liegen die Dörfer (Ruhe), die Bahn fährt den Gebirgszug entlang (Bewegung). 2.4 Mit dem Stellungswechsel ist eine Änderung des Sinnverhältnisses verbunden: über die Brücke gehen (lokales Verhältnis), das ganze Jahr über (temporal); nach München (lokal), nach einem Jahr (temporal), der Bildung (dem Namen) nach (modal). 2.5 Umrahmung kommt vor bei: von Mittag an, um Gottes willen, von Amts wegen.

3 Präpositionen ,,regieren“ verschiedene Kasus, d. h. haben die Substantive (Pronomina) bei sich in verschiedenen -► Kasus: 3.1 Akkusativ ; bis, durch, für, gegen, ohne, son¬ der, um, wider.

3.2 Dativ : aus, außer, bei, binnen (->■ 5.6), entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, mit, nach, nächst, nebst, samt, seit, von, zu, zufolge (2.3), zuwider. 3.3 Dativ zur Bezeichmmg.einer Ruhelage, Akku¬ sativ zur Bezeichnung einer Bewegungsrichtung; an, auf, entlang (— 2.3), hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen: in die Stadt gehen, in der Stadt leben.

3.4 Genitiv: abseits, abzüglich, anläßlich, antwort¬ lich, betreffs, bezüglich, binnen (— 3.6), einschlie߬ lich, entlang (2.3), gelegentlich, oberhalb!unterhalb, halber, hinsichtlich, kraft, längs, laut, mangels, mittels, nördlich! südlich, seitens, diesseitsfenseits, statt, unbeschadet, unerachtet, ungeachtet, unweit, vermöge, während, wegen, zufolge (-► 2.3), zwecks. 3.5 Die Substantive Dank und Trotz sind zu Präpositio¬ nen geworden; dank, trotz. Sie hatten früher den Dativ bei sich, wie er zu Wendungen; Dank sei . . .

und Trotz sei geboten . . . gehörte. Bei dank hat sich im allgemeinen der Dativ gehalten: dank deinem Beistand, als weniger gut gilt: dank eures guten Willens. Dagegen wird trotz heute (außer 197

in der Schweiz) fast immer mit dem Genitiv ver¬ bunden: trotz deines Leugnens; der Dativ hat sich gehalten in trotzdem, trotz allem, begegnet jedoch auch sonst noch gelegentlich; trotz dem Regen, binnen wird heute nur noch zum Ausdruck eines 3.6 Zeitverhältnisses gebraucht, meist mit dem Dativ; binnen drei Jahren, aber auch mit Genitiv: binnen dreier Jahre. a b wird neuerdings mitunter als Präposition ver- 3.7 wendet, und zwar vor undeklinierter Orts- (ab München, ab hier) oder Zeitangabe (ab 1. Januar, ab morgen).

Nach den durch sie gekennzeichneten Verhält-4 n i s s e n lassen sich die Präpositionen unterschei¬ den in: räumliche (örtliche), und zwar bezeichnen sie 4.1 einen Ort: z. B. in Berlin, gegenüber unserem Haus, bei dir;

eine Richtung: nach Berlin, in die Stadt, wider die Feinde;

einen Ausgangspunkt: von (ab) Berlin, aus Köln.

zeitliche:

Zeitpunkt:

am Jahresende, 4.2

in den Ferien;

Zeiterstreckung :

binnen

zwei Monaten,

während einiger Wochen ;

Beginn eines Zeitcibschnitts: seit deinem Ge¬ burtstage ;

modal:

mit Erfolg, um vieles besser, für unsere 4.3 Verhältnisse, dank deiner Hilfe, ohne Zögern; kausal: wegen dieses Vorfalls, mit dem Hammer, 4.4 infolge des Unfalls, bei gutem Willen, trotz meiner Bitte, zur Erholung.

Weitere Beispiele -► Adverbiale Bestimmung. 4.5 In Einzelfällen werden Präpositionen auch vor 5 Adverbien gesetzt: von dort, ab heute; und vor Adjektive; etwas für richtig halten. (--Prädikativ). Präpositionales Objekt, Ergänzung mit Verhält¬ niswort. Präpositionale Fügungen bezeichnen im allgemeinen Umstandsbestimmungen einer Tätig¬ keit oder eines Seins (— Adverbiale Bestimmung). Wenn aber das von der Präposition regierte Sub¬ stantiv eine von der verbalen Tätigkeit betroffene Größe darstellt, wird diese Fügung als präpositiona¬ les Objekt bezeichnet, z. B.: die Mutter sorgt für die Kinder; der Vater denkt (schreibt) an den Sohn; der Schüler hofft auf Versetzung; der Mann fragt nach dem Weg, wartet auf seinen Freund, erinnert sich an den Vorfall, greift zur Feder, bittet um Hilfe.

Präsens, Gegenwart ein -► Tempus des -► Verbs, das der Sprecher an- 1 wendet, um etwas im Augenblick Geschehen¬ des auszudrücken; das Kind spielt (gerade) mit dem Ball; aber auch etwas, was über die unmittelbare Gegenwart hinausgeht: Hans besucht die Oberschule (seit 5 Jahren, und es dauert noch 4 Jahre); etwas, wozu ein Handelnder erfahrungsgemäß jederzeit in der Lage ist: spielst du Skat?; ferner allgemein¬ gültige Tatsachen: zwei mal zwei ist vier; Fett schwimmt oben.

Für vergangenes Geschehen benutzt der 2 Sprecher (Erzähler) gelegentlich das Präsens, um es dem Hörer besonders lebendig und gegenwärtig zu machen (historisches Präsens): Schiller läßt im Teil Baumgarten berichten: ,,Ich hatte Holz ge¬ fällt im Wald, da k o rn mt mein Weib gelaufen in der Angst des Todes . . . Da lief ich frisch hinzu.^^

Auch künftiges Geschehen wird «sehr häufig 3

198

Präsens in das Präsens gesetzt, wodurch einerseits die um¬ ständlichere, zusammengesetzte Form des Fu¬ turs vermieden, anderseits die Realisierung gewis¬ sermaßen vorweggenommen wird; dabei wird oft durch eine — Temporalbestimmung (Adverb) die Zukünftigkeit deutlich gemacht: heute abend ge¬ hen wir ins Theater; meine Frau ist heute abge¬ reist, und ich fahre in drei Tagen nach. Das Prä¬ sens ist dadurch auch geeignet zur Voraussage: ich komme bestimmt; du hast sicher kein Glück mit deinem Vorhaben; und zum Befehl: II. Btl. hält bis 10.00 Uhr als Nachhut die Höhe 1 km südlich . . . und folgt dann dem Regiment.

4 Der Form nach gehört das Präsens zur 1. Grund¬ form (-► Konjugation 2 und 5).

Präteritum, 1. Vergangenheit 1 oft auch als Imperfekt bezeichnet, der Form nach die 2. Grundform (-► Konjugation 2 und 5), ist das -► Tempus der historischen Erzählung und schil¬ dert vergangenes Geschehen in seinem Ablauf: Johannes Unwirrsch tat auch, was er nicht lassen konnte; er legte Löffel, Messer und Gabel nieder, sah den fröhlichen Herrn mehrere Augen¬ blicke starr und bleich an, wischte den kalten Schweiß von der Stirn und goß auf das Gewühl und Rumoren in seinem Innern sehr schnell hinter¬ einander drei Gläser Wein, die ihm bei seinem auf¬ geregten Zustande baldigst zu Kopfe stiegen.

2 Über den Unterschied zur 2. Vergangenheit -* Per¬ fekt.

Pronomen, Fürwort 1 Die Pronomina sind eine kleine Wortgruppe, die die Duden-Grammatik der Wortart ,,Begleiter und Stellvertreter des Substantivs“ zuordnet. Der Name sagt, daß das Pronomen ,,für ein — Nomen“ eintritt, d. h. im allgemeinen für ein Substantiv oder ein Adjektiv, meist, wenn das Nomen selbst schon genannt ist und im weiteren Verlauf der Rede nicht wiederholt werden soll, aber auch, wenn das Nomen selbst nicht bekannt ist oder nach dem Willen des Sprechers nicht gebraucht werden soll. Das Pronomen selbst hat deshalb meist keinen be¬ stimmten Inhalt und wird darum auch als F o r mw o r t (Erben) gekennzeichnet. 3 Die Wortgruppe läßt sich danach untergliedern, ob das vertretene Nomen ein Substantiv oder ein Adjektiv ist. Im ersten Fall ist das Pronomen Stellvertreter eines Substantivs (ich, wer?, niemand, etwas), es wird substantivisch¬ absolut gebraucht; man hat diesen Gebrauch als Hauptfürwort bezeichnet. Im zweiten Fall ist es B e g 1 e i t e r eines Substantivs (mein, dieser, welcher), es wird attributiv gebraucht; man spricht vom Beifürwort. Da aber viele Pro¬ nomina sowohl absolut wie attributiv gebraucht werden, empfiehlt es sich nicht, diese Gliederung zur Grundlage ihrer Aufführung zu machen. 5 Nach der Punktion, die die Pronomina im ein¬ zelnen zu erfüllen haben, werden sie in drei Grup¬ pen mit je zwei Untergruppen gegliedert (Erben): 5.1 Nennende Fürwörter: sie nennen stellvertre¬ tend Größen (Personen und Sachen), und zwar 5.1.1 bestimmte Größen: z. B. ich, du, er sie es; sich Personalpronomen; 5.1.2 unbestimmte Größen: z, R.. irgendwer, jemand, et¬ was, jeder, man— Indefinitpronomen. 3.2 H i n w e i s e n d e Fürwörter: sie weisen den Hörer

199

auf bekannte Größen hin: z. B. der, dieser, jener, derselbe, solch: — Demonstrativpronom en; auf ihm unbekannte Größen und regen ihn durch Einkleidung dieses Hinweises in die Form einer Frage dazu an, sich Aufschluß zu suchen: wer, welcher?; — Interrogativpronomen. (In den alten Zeiten der Entwicklung unserer indo¬ germanischen Sprachen ist das Interrogativprono¬ men identisch mit dem Indefinitpronomen.) Zuordnende Fürwörter: sie ordnen einer Persori oder Sache eine Größe oder ein Geschehen zu: Dem Bereich des Sprechers, Angesprochenen oder Besprochenen (1., 2. oder 3. Person) wird eine Gri^e als zugehörig oder ihn betreffend zugeordnet: z. B. mein Vater, dein Buch, seine (= des Schülers) Versetzung: -► Possessiv pronomen; einer meist vorhergenannten (Bezugs-)Größe wird ein in einem Gliedsatz ausgesagtes Geschehen zuge¬ ordnet: z. B. der Mann, der (welcher) mir begeg¬ nete, . . .; in der Zeitung, die (welche) ich gestern las, . . .; der gute Vorsatz, zu dem (welchem) ich mich durchgerungen hatte, ...: Relativ¬ pronomen. Da die Pronomina an die Stelle von Substantiven treten oder sie attributiv begleiten, nehmen sie zu¬ meist an der Deklination teil und verändern ihre Form nach -► Kasus, — Numerus und — Genus. Einzelheiten über ihre Deklination sind jeweils in den Artikeln über die angeführten Untergruppen angegeben.

3.2.1 3.2.2

3.3 3.3.1

3.3.2

4

Pronominaladjektiv Eine Gruppe von adjektivisch gebrauchten Wör- 1 tem, die in manchen Grammatiken an die Prono¬ mina angeschlossen werden, weil sie oft vorherge¬ nannte — Nomina wiederaufnehmen und an deren Stelle treten; sie charakterisieren teils ihre Art, teils geben sie deren unbestimmte Zahl an. Den -► Pronomina (3.1.2, bes. -►Indefinitprono- 2 mina) näher stehen z. B.: andere, derartige, ein¬ zelne, etwaige, folgende, gewisse, irgendwelche, letz¬ tere, manche, obige, selbige, solche, sonstige, verschie¬ dene, weitere.

Als unbestimmte Zahlwörter stehen sie den — 3 Numeralia näher, z. B.: alle, beide, einige, et¬ liche, kein, mehrere, sämtliche, viele, wenige.

Pronominaladverb, Umstandsfürwort Man versteht darunter Adverbien, die von Pronominal.stämmen abgeleitet sind, und zwar von demonstrativen h-Stämmen: hier, her, hin (der Stamm begegnet auch in heute, heuer), und demon¬ strativen d-Stämmen: da, dort, dann (vgl. der, dieser), und von interrogativen w-Stämmen: wo, wann, wie (vgl. wer, welcher) ; dieser Stamm wird auch relativ und indefinit gebraucht. Sie werden nur sach-, nicht personenbezogen ge¬ braucht. Wie beim -► Adverb lassen sich auch die Pronominaladverbien nach ihrer Funktion gliedern; sie bezeichnen: einen Ort: eine Lage: demonstrativ: da, hier, dort (hier weist auf eine Nähe, dort auf eine Feme, da ist allgemeine Lagebezeichnung); ferner: daneben,

daran,

darauf,

darunter, darüber,

draußen, drinnen, drüben, dazwischen; ent¬ sprechend: hieran, hierauf, hierunter, hüben

u. a;

200

1

2

2.1 2.1.1

Rechtschreibung interrogativ und relativ: wo, woran, worauf, worüber usw.; indefinit: (irgend)wo usw. 2.1.2 eine Richtung: demonstrativ: her (auf den Sprecher zu), hin (vom Sprecher weg) ; hierher, dahin, dorthin; inteiTOgativ und

relativ:

wohin

(veraltet:

dahin) ;

indefinit: (irgend)wohin. 2.1.3 eine Herkunft: demonstrativ: daher, dorther; deutlicher: von da her, von dort her ; veraltet: von dannen, von hinnen;

interrogativ und relativ: woher; indefinit: (irgend)woher. 2.2 eine Zeit: demonstrativ: da, dann; damals, darauf, hier¬ auf, vorher, nachher, hernach, bisher; interrogativ: wann?; relativ: selten: wann, öfter: wo (an dem Tage, wo) ;

veraltet; da; häufig ersetzt durch die Kon¬ junktion: als; indefinit: irgendwann. 2.3 eine Art und Weise: demonstrativ: so; interrogativ: wie, wieso?; relativ: wie; indefinit: irgendwie. 2.4 einen Grund (i. w. S.): demonstrativ: kausal: daher, darum, deshalb, davon; final: dazu, hierzu; konditional: sonst; instrumental: dadurch, damit, hierdurch, hier¬ mit, somit;

interrog^iv: warum, weshalb, wozu, womit, wodurch, worin;

relativ: woher (satzbezogen; meist werden die Präpositionen in Verbindung mit dem Rela¬ tivpronomen gebraucht); indefinit: irgendwozu, -womit, -wodurch. Punkt, das Satzzeichen, das das schwerste Gewicht hat und deshalb geeignet ist, einen Satz abzuschlie¬ ßen. 1 Der Punkt begegnet bereits auf altgriechischen und altrömischen Inschriften und in Handschriften. Er wurde nicht nur wie jetzt unten neben die Buch¬ staben gesetzt, sondern auch oben daneben und in mittlerer Höhe; es gab runde, drei- und viereckige Punkte; es wurden ein oder mehrere Punkte gesetzt. Der Punkt diente zur Trennung von Wörtern, Sätzen, Versen; es gab kein einheitlich geregeltes System der Interpunktion. Erst im 1. Viertel des 16. Jh.s ist der Pimkt in seiner jetzigen Bedeutung als Satzschlußzeichen festgeworden. Über seinen Gebrauch ist folgendes zu sagen: 2 Der Punkt steht: 2.1 am Schluß eines Aussagesatzes: mein Freund ist gestern zu Besuch gekommen.

2.1.1 Wenn in einem Satzgefüge ein abhängiger Frage¬ satz oder auch ein abhängiger Wunsch- oder Be¬ fehlssatz vorkommt, so ist doch der Charakter des Hauptsatzes als Aussagesatz für die Setzung des Schlußpunktes maßgebend: Ich weiß nicht genau, wann unser Freund kommen wird.

Entsprechend beim Hauptsatz als Fragesatz: weißt du, wann unser Freund kommen wird? ; oder als Wunsch- oder Befehlssatz: teile mir sofort mit, wann unser Freund kommen wird!

Ebenso bei abhängigem

201

Wunsch- oder Befehls-

Satz: ich habe ihn dringend auf gefordert, er solle uns doch besuchen.

Wenn ein Aussagesatz als Zitat, das in Anführungs- 2.1.2 Zeichen eingeschlossen ist, in einem anderen Aussa¬ gesatz enthalten ist, so wird der zitierte Aussagesatz nicht mit Punkt abgeschlossen (-► aber Fragezei¬ chen 1.2, Ausrufezeichen 1.5): „Ich möchte nicht in deiner Haut stecken‘\ sagte Paul. „Die Weltge¬ schichte ist das Weltgericht^^ schließt die vorletzte Strophe von Schillers Gedicht ,,Resi^ation“. Ein Punkt kann oft auch anstelle eines Ausrufezei- 2.2 chens am Ende eines W^unsch- oder Befehlssatzes stehen, wenn dieser ohne besonderen Nachdruck gesprochen wird: Sei doch bitte so gut, und hilf mir mal. Ich komme allein nicht zurecht; vergleiche (vgl.)

§ 100; siehe (s.) S. 100; nach Ordnungszahlen: der 3. April; Wilhelm I.; 2.3 nach -*■ Abkürzungen, die im vollen Wortlaut aus- 2.4 gesprochen werden: usw. (und so weiter); u. a. (und andere[s], unter anderem). Der Punkt steht nicht: 3 bei manchen Arten von Abkürzungen; in Briefen hinter dem Datum, bei der Anschrift und der Unterschrift (-► Briefschreiben); bei -► Überschriften (insbesondere auch -► Buchund Zeitungstiteln), selbst wenn sie die Form eines Satzes haben: Der Bundespräsident schaltet sich ein Peking weist Moskaus Führungsanspruch zurück

Rangbezeichnungen, Titel — Berufsbezeichnimgen Rechtlautung - Orthoepie Rechtschreibung, Orthographie Die richtige Schreibung der deutschen Wörter wird 1 durch verschiedene Umstände schwierig: 1. Der Lautbestand ist größer als die Zahl der Buchstaben ( - Alphabet), so daß manche Buchsta¬ ben zur Schreibung mehrerer Laute dienen müssen; 2. die Wirkung der Mundarten färbt oft die Aus¬ sprache der hochdeutschen Umgangssprache und erschwert eine lautgetreue Schreibung; 3. unsere Schrift war geschaffen zur Schreibung der lateini¬ schen Sprache, die in ihrem Lautbestand mit der deutschen Sprache nicht völlig übereinstimmte; 4. die Schreibung strebt nicht nur nach lautgetreuer Wiedergabe des gesprochenen Wortes, sondern oft¬ mals auch danach, verwandte Wörter möglichst gleichartig zu schreiben ; 5. anderseits unterscheidet man mitunter gleichlautende W^örter mit verschie¬ dener Bedeutung durch unterschiedliche Schreib¬ weise. Dazu kommt die Einführung großer An¬ fangsbuchstaben für die Substantive, ein Brauch, dessen Umsichgreifen auf substantivisch gebrauchte Wörter anderer Wortarten eine Fülle von Schwie¬ rigkeiten heraufbeschwor. Diese und andere Gründe machen Regelungen 2 notwendig, wenn man Mißverständnisse aus¬ schließen will. In den ersten Jahrhunderten der Neuzeit lag die Rechtschreibung weniger in den Händen der Schriftsteller als in denen der Buchdrucker; das Auffälligste war damals die Auf¬ blähung der Konsonanten: Marckt, Volck, Ambt, nemblich, auffzuhencken, Kurtzweil, khünfftigen Monatt, unndt, scharpff. Im 17. und 18. Jahrhun¬ dert bemühten sich u. a. Männer wie Schottel, Freyer, Gottsched und Adelung um eine Reform; im 19. Jahrhundert setzte sich Jakob Grimm für eine Schreibung der Wörter auf Grund ihrer Etymo¬ logie und der sprachgeschichtlichen Zusammen-

202

Rechtschreibung hänge ein, ein Grundsatz, der die notwendige Volks¬ tümlichkeit der Schreibweise geradezu ausschließt. Endlich griff 1876 die preußische Regierung ein und berief eine 1. Orthographische Konferenz ein, der 1901 eine zweite folgte, zu der die Regierungen des Deutschen Reiches, Österreichs und der Schweiz eingeladen hatten. Auf diesen Tagungen wurde viel geleistet luid auf der letzten der heute geltende Zustand festgelegt; aber auch dieser läßt noch viele Wünsche offen. 3 Hier weiterzuarbeiten, setzte sich eine ,,Arbeits¬ gemeinschaft für Sprachpflege“ zum Ziel, die sich 1953 aus 24 sachverständigen Männern und Frauen aus der Bundesrepublik, der Sowjetzone, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen und mehrere Male beraten hat; sie schloß ihre Tätigkeit 1954 mit den ,,Stuttgarter Empfehlungen“ ab. 1956 haben dann der Bundesminister des Innern und die Stän¬ dige Konferenz der Kultusminister einen ,,Arbeits¬ kreis für Rechtschreibregelung“ eingesetzt, der viele einschlägige Probleme überprüfte. Von seinen Bemühungen ist besonders der Abschnitt aus den ,,Wiesbadener Empfehlungen“ vom 15.10.1958 bekannt geworden, der die Großschreibung der Substantive durch die sogenannte ,,gemäßigte Kleinschreibung“ ersetzen will. 4 Wenn so das Streben nach einer Reform der Recht¬ schreibung noch nicht über Empfehlungen hinaus gediehen ist, bleibt das Ziel doch bestehen. Es sind zwei Gesichtspunkte, von denen sich die Reform leiten läßt; 1. Vereinfachung ist zum Nutzen des schreibenden Menschen notwendig; 2. diese Ver¬ einfachung darf nicht so weit gehen, daß es für eine künftige Generation, die nur die neue Recht¬ schreibung gelernt hat, unmöglich ist, ältere Bücher zu lesen. Darum sehen auch die Vorschläge von allem Radikalismus ab. 5 Immer noch sind die Worte Jakob Grimms gültig, mit denen er das Kapitel ,,Schreibung und Druck“ iin \ orwort seines ,,Deutschen Wörterbuches“ (1. Band, Leipzig 1854) abschloß (sie seien zugleich als Probe der von ilim geforderten Schreibung hier¬ hergesetzt): ,,liat nur ein einziges geschlecht der neuen Schreib¬ weise sich be([iicint, so wird im nachfolgenden kein haJtn nacli der alten krähen, wem das thun oder lassen in solchen dingen gleichgültig ist und jeder uiibrauch zu einer unabänderlichen eigenthümlichkeit des volks gedeiht, der dürfte gar nichts anrühren und müste in allen Verschlechterungen der spräche wirkliche Verbesserungen sehen, es gibt aber in ihr nichts kleines, das nicht auf das grosze einflösse, nichts unedles, das nicht ihrer angebornen guten art empfindlichen eintrag thäte. lassen wir doch an den häusem die giebel, die vorsprünge der balken, aus den haaren das puder weg, warum soll in der schrift aller unrat bleiben?“ 6 Es sei hier auch des Lebenswerkes eines der Teil¬ nehmer am 1. Kongreß von 1876 gedacht, des

schen ein nicht wegzudenkender Begriff geworden. Die Schwierigkeiten unserer gegenwärtigen Recht¬ schreibung sind unter folgenden Stichwörtern im einzelnen behandelt: Vokal, Diphthong, Konsonant, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Silbentrennung.

Reflexives Verb, rückbezügliches Zeitwort eine Gruppe von Verben, die eine mehr oder weni- 1 ger feste Verbindung mit dem — Reflexivpronomen haban. Man unterscheidet dabei zwei Arten: Echte reflexive Verben sind solche, die n u r in 2 Verbindung mit dem Reflexivpronomen verkom¬ men; dieses steht: im Akkusativ, d. h. das Geschehen bezieht 2.1 sich durch das Reflexivpronomen auf das Subjekt zurück; trotz des Akkusativpronomens gilt das Verb als intransitiv. Meist werden Ergänzungen zum Verb durch Präpositionen angeknüpft, also -► Präpositionalobjekte, z. B. sich bedanken für, sich bescheiden mit, sich besinnen auf, sich entschließen zu, sich freuen über, sich schämen über, sich verlieben in, sich verschwören zu, sich wundern über; es können sich auch adverbiale Bestimmimgen anschließen, etwa des Örtes: sich befinden in, sich umsehen in; manche Verben hatten früher, andere haben noch jetzt ein Genitivobjekt bei sich: sich seines Lebens freuen, sich entsinnen, sich schämen; bei einer geringen Zahl im Dativ. Diese Verben 2.2 sind transitiv: sich etwas aneignen, vornehmen. Demgegenüber sind die unechten reflexiven 3 Verben nur gelegentlich mit einem Refle¬ xivpronomen verbunden; dieses steht; dann ebenso wie ein fremdes Objekt im A k k u s a - 3.1 t i V; die Handlung richtet sich entweder auf das durch das Reflexivpronomen wiederaufgenommene Subjekt oder auf ein fremdes Objekt: er wendet sich (die Seite des Buches) um; er beruhigt sich (mich) ; er hat sich (den ganzen Tag) verschlafen. Mit dem Wechsel des Objekts ändert sich mitunter die Be¬ deutung des Verbs: ich habe mich (das Buch) ver¬ gessen; wir haben das Kind (uns des Kindes) ange¬ nommen ; er hat sein Grundstück vermessen (hat sich vermessen, diesen Tadel auszusprechen) ; im D ati V : die Tätigkeit dieser transitiven Ver- 3.2 ben zielt auf das Akkusativobjekt und wendet sich dem durch das Reflexivpronomen aufgenommenen Subjekt oder einer fremden Größe zu: er holt sich (dem Bruder) ein Glas Wasser; er verspricht sich (mir) Gewinn; er traut sich (dir) allerhand zu. Zu reflexiven Verben gibt es kein Passiv; in 4 einigen Fällen ist reflexiver Gebrauch ein Ersatz für Passivformen: die Lage hat sich verändert; die Ware gut.

verkauft sich reißend;

das Buch liest sich

Reflexivpronomen, rückbezügliches Fürwort

Gymnasialdirektors Konrad Duden (1829-1911), der in seinen Rechtschreibbüchern, die zunächst für seine Schüler und für Buchdrucker gedacht waren, viel zur Vereinheitlichung der Rechtschrei¬ bung beigetragen und dem schreibenden Menschen

Es gehört mit zu den

eine unentbehrlich gewordene Hilfe zur Vermei¬ dung von Schreibfehlern in die Hand gegeben hat; wenn er auch inzwischen Nachfolger gefunden hat, so ist sein Name doch für Millionen deutscher Men¬

Es nimmt im Satz das Subjekt wieder auf; wenn 2 dieses eine 1. oder 2. Person ist, so werden bei re¬

203

Personalpronomina als 1

Untergruppe der ,,nennenden“ Fürwörter (Erben; Pronomen 3.1.1.). Es hat nur die eine Form sich, die sowohl Akkusativ wie Dativ, sowohl Singular wie Plural, und zwar in der 3. Person, darstellt.

flexivem

Gebrauch

die

entsprechenden

Formen

des Personalpronomens gebraucht: ,ic?i/ü/iZe mich

204

Satz wohl; ich habe mir das angeeignet; wir erholen uns gut; wir kaufen uns ein Buch; du hast dich be¬ eilt ; du hast dir geholfen; ihr setzt euch hierhin ; ihr bildet euch etwas ein. In der 5. Person: er irrt sich (Akk.); er nimmt sich (Dat.) viel heraus; sie freuen sich (Akk.) darüber; sie holen sich (Dat.) Hilfe. 3 Wenn das Subjekt eine Mehrzahl darstellt, kann das Reflexivpronomen auch bedeuten, daß die einzelnen Geschehensträger sich „wechselseitig“ beeinflussen; diesen Gebrauch des Reflexivums bezeichnet man als reziprok (es kann dann durch einander ersetzt oder durch Zusatz von gegenseitig verdeutlicht werden); Akk.: sie trösten sich (jeder sich selbst = reflexiv; der eine den anderen = reziprok); sie umarmten sich; die Gruppe begrüßte sich; Dat.: sie standen sich bei; man trank sich zu. 4 Die Stellung des Reflexivpronomens im Satz ist möglichst weit vorn : als sich Fritz mit seinem Freund getroffen hatte, . . . Reibelaut -► Spirant Rektion

Seltener wird das auch als attributives -► Interroga- 3

1 die Fähigkeit eines Wortes, einem von ihm abhän¬ gigen Wort die ,,Richtung“ zu geben, d. h. im 2dlgemeinen seinen -► Kasus zu bestimmen (Ka¬ susrektion).

ginnt dann mit wer/was (= jeder, der; alles, was) usw.: wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, wer ein holdes Weib errungen,

2 Einen Kasus ,,regieren“ vor allem die Verben, die z. T. den Akkusativ regieren können: ich lobe dich, den Dativ; ich rate dir, den Genitiv: wir ge¬ denken deiner, oder eine präpositionale Wendung bei sich haben: wir freuen uns über die Nachricht. 3 Die -► Präpositionen regieren ebenfalls ei¬ nen Kasus, manche auch mehrere. 4 Manche Adj ektive regieren einen Kasus: das ist keinen Pfspnig wert; das ist mir fremd; er ist des Todes würdig; oder eine präpositionale Wen¬ dung: er ist frei von Ehrgeiz. 5 Außerdem spricht man auch von Statusrek¬ tion: manche Verbalformen werden mit Hilfs¬ morphemen gebildet; diese regieren dann infinite Formen der Vollverben, die das eigentliche Geschehen ausdrücken: einen reinen Infinitiv; Fritz will schreiben, einen Infinitiv mit der Präposition zu; er pflegt selten zu schreiben, er hat viel zu schreiben, ein 2. Partizip: er hat geschrieben. Relativadverb, eine Gattung der — Pronominalad¬ verbien, die Relativsätze einleitet und im allgemei¬ nen mit w- beginnt: wo, woran, worüber, womit, wohin, woher, wann, wie. Relativpronomen, Relativum, bezügliches Für¬ wort, eine Untergruppe des -► Pronomens (3.3.2), bildet zusammen mit dem Possessivpronomen die Gruppe der ,,zuordnenden“ Fürwörter (Erben). 1 Mit seiner Hilfe wird das Geschehen eines Glied¬ satzes einer meist vorangestellten (Bezugs-) Größe zugeordnet: der Redner, der heute abend gesprochen hat, . . . 2 Meist wird als Relativpronomen gebraucht das auch als — Demonstrativpronomen (2.1) vielverwendete der die das in seinen absoluten Formen (-* ebd. 2.1.3), d. h. im Genitiv lauten die Formen; Sing. dessen deren dessen, Plur. deren: die Ferien, die heute begonnen haben, dauern bis . ■ ■; Fritz, dessen Brief heute ankam, . . .; die Verwandten, deren Ankunft bevor steht, ... Ist die Bezugsgröße eine 1. oder 2. Person, so wird dem Relativum das Personal¬ pronomen nachgestellt: Ihr, die ihr die Triebe des

tivpronomen (5) verwendete welcher welche welches gebraucht, besonders wenn auf das Relativprono¬ men ein gleichlautender Artikel folgen würde: der Abgeordnete Sch., welcher (statt; der) der Sitzung nicht beiwohnen konnte, ... was (Nominativ und Akkusativ) schließt Relativ- 4 Sätze besonders an pronominale Neutra an: alles, etwas, vieles, was; an Superlative: das beste, was; oder an ganze Satzinhalte: es geht uns gut, was wir auch von euch hoffen. Ortsangaben werden mitunter durch das -► Prono- 5 minaladverb wo relativisch aufgenommen: im obersten Stockwerk, wo die Sonne am längsten hin¬ scheint, . . .; ebenso Zeitangaben: Mittwoch ist der glücklichste Tag, wo deine Briefe ankommen, meine Gabriele. (Caroline von Humboldt) Angaben über die Art und Weise durch wie; die 6 Art, wie er sich benahm, . . . Steht ein Relativsatz ohne Bezugswort vor dem 7 Hauptsatz, so verallgemeinert er den Bezug; er be¬

mische seinen Jubel ein! (Schiller) Denn was man schwarz auf weiß besitzt,

kann

man getrost nach Hause tragen. (Goethe) Wes (= wessen) das Herz voll ist, des geht der Mund über. (Luther)

Relativsatz, Bezugssatz eine Art des -► Gliedsatzes, die mit ->■ Relativpro- 1 nomen eingeleitet wird. Da der Relativsatz meist einer Bezugsgröße zuge- 2 ordnet ist, stellt er seiner Funktion innerhalb des Gesamtsatzes nach ein Attribut zu dieser Größe dar (->- Attributsatz). Fehlt das Bezugswort, so kann er 3 Subjektsatz sein; wer Pech angreifi, besudelt sich ; 3.1 -» Objektsatz: was die Schickung schickt, ertrage! 3.2 (Herder); -

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abblättern

A a ^Zeichen für:> Ar; Tonbez., Grundton der a-Moll-Tonleiter; Tonartbez., — a-MoIl A 1 erster Buch¬ stabe des Alphabetes; das ~ und das O Anfang und Ende [nach Omega, dem

letzten Buchstaben des grch. Alpha¬ bets] ; das ~ und O einer Sache das fVichtigste, fVesentliche; von ~ bis Z von Anfang bis Ende; alles; wer ~ sagt, muß auch B sagen wer mit einer Sache anfängt, muß damit fortfahren 2 Ampere; avance [frz., „vorwärts“] (zeigt an, daß man eine Schraube od. einen Hebel in der bezeichneten Richtung verstellen muß, um ein Schnellergehen der Uhr zu bewirken); Ggs.: R; ^Mus.^ erster Ton der A-Dur-Tonleiter (der Normalod. Kammerton a' ist der Einstimmton für die Instrumente eines Orchesters); Münzbuchstabe der Städte^ Berlin,

S

’aris, Wien k Ifür) je; (zu) je; 20 Stück ~ 5 DM [frz.] iström-Einheit A Anga. am; Neuß ~ Rhein a . .., A . . un . . ., nicht, ohne; z. B. alogisch, amorph [grch.]

a . . ., A . . . * = ab . . ., Ab . . . [lat.] ää ana partes aequalis [grch. -f- lat., ,,zu glei¬ chen Teilen, in gleicher Menge“] AA Auswärtiges Amt Aal 1 langer, schlangenähn¬ licher Fisch: AnguiUa vulgaris 2 amerikan. ~ : Anguüla rostata; gi-üner ~ ungeräucherter ~ ; geschmeidig wie ein ~ außerordentlichewendig od. ge¬ schickt 3 er w indet sich wie ein ~ er versucht (mit allen Mitteln), aus einer unangenehmen od. gefährlichen Lage herauszukommen [-< ahd., asächs. al, aengl. cel, engl, eel; ndrl. aal, anord. all ^ germ. 'ela) ’aa-len 1

Aale fangen 2 sich ~ = Manilahanf [indones. Name der Faser¬ banane Musa textilis] 'Aba-kus Rechen¬ brett; Säulendeckplatte über dem Kapitell [< lat. abacus < grch. abax „Brett“] Ab alielna-ti’on Entfremdung, Veräußerung ~'nicren ent¬ fremden, veräußern [-< lat. abalienare) 'ab-än|der-lich veränderbar ~ dern geklärt;

durch Erfahrung reif geworden 'Ab-geld = Disagio 'ab-ge-lebt hinfällig; alters¬ schwach ’ab'ge'lc'gen entfernt, schwer zugänglich, einsam (Ort) 'ab'gclei'ert durch zu häufigen Gebrauch (eigtl.: zu häufiges Spielen) langweilig, bedeutungs-, inhaltslos ge¬ worden, platt, geistlos 'ab-gel-ten bezahlen; abfinden; eine Schuld, einen Verlust ~ 'ab-ge'macht beschlossen; ~ !; eine ~e Sache 'ab-ge-meS'Sen i(Adj.> genau ma߬ haltend (Takt, Schritt), genau bestimmt; genau überlegt (Rede,Benehmen) ~heit abgemessenes Wesen 'ab'ge-neigt keine Lust habend; einer Sache ~ sein; nicht ~ sein, etwas zu tun willens sein ~heit Un¬ willigkeit 'ab'ge-nutzt jmdm. etwas ~ auf Kosten eines anderen gewin¬ nen; an der Eigenschaft eines anderen Gefallen finden; einer Sache Geschmack ~ an einer S. Gefallen finden; jmdm. einen Vorteil ~ jmdm. zuvorkommen 'abge-wirt-schaf-tet

ver¬ braucht; heruntergekommen 'ab'ge'WÖh|nen jmdm. etwas ~ jmdn. eine Gewohnheit ablegen las¬ sen (durch Beeinflussung); sich etwas ~ eine Gewohnheit ablegen; noch einen zum trinken (Entschuldigung, wenn man weitertrinken will ~nung das Abgewöhnen 'abgezogen kochen; durch Kochen keimfrei machen 2 Nachkomme 'S-men 1 sich entfernen, frei-, loskommen 2 ein aufgelaufenes Schiff kommt ab gelangt wieder in Fahrwasser 3 ~ können sich (von einer Tätigkeit) für eine bestimmte Zeit freimachen können 4 der Schwimmer, Läufer ist gut, schlecht abgekommen hat einen guten, schlechten Start gehabt 5 beim Schuß ~ das Ziel verfehlen; von einer Ansicht ~ seine Ansicht än¬ dern; vom Boden ^ (Flugzeug) sich vom Boden erheben; von einem Brauch ~ einen B. nicht mehr beachten; vom Wege ~ sich verirren, den fVeg ver¬

268

lieren ~ men Vertrag; Verein¬ barung, Übereinkunft; ein ~ treffen, brechen; einem ~ beitreten ~ menschaft Gesamtheit aller Nachkommen 'ab-kömm|lich entbehrlich (von Personen); ich bin zur Zeit nicht ~ kann nicht abkommen, nicht von meiner Arbeit weg ~ling Nachkomme, Nachfahre; = Derivat 'ab-kon-ter-fei-en abbilden, abzeichnen, photographieren 'ab'kop'peln nom Koppel lösen (Pferde, Eisenbahnwagen); den Degen~ ’ab'kra'gen kalt, kälter werden (bes. von Speisen) 3 sich ~ kälter werden;

Aufregung abklingen lassen ~Iung das Abkühlen Ab-kunft Abstammung; Abkommen, Übereinkunft; von adliger, bürgerlicher, hoher, niederer ~ 'ab'kürlzen kürzer machen (Strecke); Kurzform bilden von (Wort); weniger (Zeit) brauchen für ~zuilg Kürzung eines Wortes, z. B. ,,usw.“ ~zungS'Spra"che durch zu viele Abkürzungen verunstaltete Sprache (Aküsprache) ~ zungs-zei-chen

Zeichen, das als Abkürzung od. zu deren Kennzeichnung verwendet wird ’ab'küS'Sen mit Küssen bedekken, lange u. leidenschaftlich küssen 'abTalden 1 entleeren (Wagen); von einem Fahrzeug herunter¬ nehmen (GöXoi) 2 bei jmdm. ~ jmdm. sein Herz aussohütten ~ deplatz ^m.^ Platz, auf dem etwas ab¬ geladen wird ~der jmd., der etwas ablädt 'AbTa'ge ^f. 19> Aufbewahrungsstelle für Schriftsachen, bes. in Büros; Agentur zur Annahme u. Abholung von Gegenständen für be¬ stimmte Zwecke, z. B. chem Reinigung 'ab'lalgern (ff. t.)> abstellen, aifs, ins Lager bringen (Güter); ~ lassen (Nahrungs- u. Genußmittel) zur Verbes¬ serung liegen lassen; Sedimente (= Ablagerungen) bilden ~geTung das Ablagern; das Abgelagerte Ab-lak|ta-ti'on

Vorgang, Tätigkeit des Ablaktierens ~.'tieTeil = abstillen; 3 aufhören 4 von etwas -v auf hören, etwas zu tun; von seinem Vor¬ haben ~ es auf geben 'Ab-laß|hahn Ablauf-, Abflu߬ hahn ~han-del Handel mit Ablaßbriefen ’Ab'la'tlv Kasus der indogerman. Sprachen, der die Bich-

tung „von... weg'’'’ bezeichnet; im Latein erhalten; auch als Instrumentalis ge¬ braucht (~ des Mittels: „womit?'''', „wodurch?“) [verkürzt aus lat. Casus ablativus ,,Fall, der die Entfernung, die Trennung bezeichnet“, zu lat. ablatus ,,fortgetragen, entfernt, getrennt“] AbTa'tivsatz Sterben, Tod; kurz nach, vor seinem ~ ~(s)-ver-si-ch.e-rung Versicherung auf den Todesfall 'ab-lecken mit der Zunge entlanggleiten an; durch wiederhol¬ tes Lecken säubern; sich die Zunge nach etwas ~ etwas heftig begeh¬ ren 'ab'le'dern (fl. t.> mit Leder polieren, glänzend machen (Möbel, Glas, Lack) oder trocknen (Scheiben, Auto) 'ab'leigen 1 weglegen; ausziehen (Mantel, Jacke); bitte legen Sie ab ! (Aufforderung an einen Besucher) 2 ein Bekenntnis, Gelübde ~ bekennen, geloben, versprechen; den Drucksatz ~ einschmelzen oder die einzelnen Typen wieder in den Setzkasten einordnen; einen Eid ~ schwören, leisten; einen Fehler ~ sich abgewöhnen ; seine Kleider ~ sich ausziehen; die Maske ~ aufhören zu heucheln, sich offen u. ehrlich zeigen; eine Probe ~ eine P. als Beispiel seines Könnens, Turp zeigen; eine Prüfung ~ sich einer P. unterziehen; Rechenschaft ~ (über) Auskunft über sein Tun u. Lassen geben; die Trauer ~ rächt mehr trauern; Vorurteile, Ge¬ wohnheiten ~ auf gehen, sich von ihnen freimachen; Zeugnis ~ von etwas, für od. gegen jmdn. über etwas aussagen, für oder gegen jmdn. zeugen 3 sich vegetativ, durch Ableger ver¬ mehren ~ger Pflanzenteil zur vegetativen Vermehrung, Setzling, Senker;

• Zweigunternehmen;

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abonnieren Landw.^ Teil eines Getreidemähers, er die abgeschnittenen Halme in Bündeln neben der Fahrspur ablegt ’ab'lehlnen zurückweisen, nicht annehmen, ausschlagen; mit Dank ~ ~nung das Ablehnen 'ab'lei'ern mit eintöniger Stim¬ me aufsagen ’ab'lei'Sten . leisten, erfüllen; einen Dienst ~ ; seine Militärpflicht ~ seiner M. genügen ’ab-leilten von einer eingeschla¬ genen Richtung abbringen, wegführen, weglenken; die Ursache feststellen von, nachweisen; die sprach}. Verwandtschaft feststellen von; ein Wort von einem anderen ~ es durch Anfügen von Silben, Lauten, durch Ablaut oder Zusammensetzung aus einem anderen Wort bilden; den Differential¬ quotienten {die Ableitung) bilden von; einen Fluß ~ in ein anderes Bett ver¬ legen; eine Flüssigkeit ~ abfließen las¬ sen; Vergünstigungen aus einem Ge¬ setz ~ V. auf Grund eines Gesetzes fest¬ stellen; jmdn. vom Ziel ~ so beeinflus¬ sen, daß er das Ziel nicht erreicht ~tung Vorgang oder Ergebnis des Ableitens ~ tungS'sU'be Nachsilbe od. Vorsilbe, deren Eigenbedeutung nicht mehr erkennbar ist, z. B. ver-, -ung 'ab'lenlkeil in eine andere Rich¬ tung lenken; jmdn. ~ auf andere Ge¬ danken bringen; irreleiten; das Ge¬ spräch ~ vom Thema wegführen; den Verdacht auf jmdn. ~ jmd. anderen verdächtigen; von einem Vorhaben, Ziel ~ wegbringen ~ kung durch elektromagnet. Felder bewirkte Änderung der Bewegungsrich¬ tung elektr. geladener Teilchen ~ kungsma-nö-ver Manöver zur Ablenkung der feindl. Aufmerksamkeit

'ab-le-sen vom beschrie¬ benen,, bedruckten Blatt lesen; die Anzeige auf einer Skala feststellen; vom Strauch abpflücken (Beeren); imdm. etwas an der Miene, am Gesicht die Gefühle^ IVünsche eines anderen erkennen; jmdm. od. von etwas Ungeziefer U. {pi größerer IVIenge) einzeln entfernen 'ab’leuch'ten mit einem Licht¬ strahl absuchen 'ab-leug-nen = leugnen^ bestreiten,, abschwören; den Glauben ; Recht ^ ; Schuld ^ 'ab'lie|fern ab geben, pflichtge¬ mäß überreichen, aushändigen ~feTung Vorgang od. Ergebnis des Ab¬ lief erns; Verkauf landwirtschaftl. Erzeugnisse zu festen Preisen an Staat}. Erfassungsstellen ~ feTungssoll Menge der landwirtschaftl. Erzeugnisse, die verkauft werden muß 'ab-lie-gen weit entfernt sein von; durch Lagern od. Liegen gut od. reif werden; sich nieder¬ legen; vom Thema ~ keinen Zusam¬ menhang mit dem T. haben 'ab'li'Sten jmdm. etwas ~ von jmdm. mit List erlangen 'ab-locken 5«zug von Waren {meist Zeitungen, Zeitschriften, Büchern) auf bestimmte Zeit; Bezug von Theater-, Kino-, Konzertkarten für die Dauer einer Spielzeit, Anrecht; Dauerfahrkarte {Zeit¬ karte) [frz.] ~preis Vorzugspreis für Abonnenten ~VOr-SteMung Theateraufführung für Abonnenten Abonl'nent Inhaber eines Abonnements [zu abonnieren] ~ 'nieren ein Abonnement ab-

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abonnieren schließen, eingehen über; eine Konzert¬ reihe «umg. :)> auf eine K.) ~ ; auf eine Zeitschrift abonniert sein eine Z. im Abonnement beziehen [ -= frz. abonner^ 'ab'Ord|nen (jmdn.) mit einem Auftrag (zu jmdm.) schicken ~nung eine Anzahl Beauftragter Äb'ort' Ort zur Verrichtung der Notdurft, Abtritt, Klosett, Toilette [eigtl. „abgelegener Ort“, zu ab .. . Ort] Ab'ort* eine Gegend ~ in einer bestimmten Gegend patrouillieren 'ab-pfäh-len mit Pfählen bestecken, abgrenzen 'ab-pfei-fen das Ende eines Spieles durch Pfeifen anzeigen 'ab-pflücken pflücken, durch Pflücken wegnehmen, entfernen (Blumen, Früchte) 'ab-placken , 'ab'pla'gen (V. refl.> sich ~ sich dbmühen ’ab-plat-ten platt machen 'ab-plat-zen sich plötzlich (hörbar) lösen (Knopf) 'Abiprall (fedemcUs) Zurück¬ springen ~pral-len beim Auf¬ treffen auf einen Gegenstand zurückge¬ worfen werden; das prallt an ihm ab das macht keinen Eindruck auf ihn ‘ab'preS'Sen durch Pressen entleeren; jmdm. etwas ~ durch Zwang od. Erpressung ab-, wegnehmen 'ab-prot-zen ein Geschütz von der Protze abheben; ab¬ brausen, davonrasen; zur Ver¬ richtung der Notdurft die Hosen herun¬ terlassen; seine Notdurft verrichten 'ab-put-zen gründlich säubern, putzen; mit Putz versehen, verputzen; ein Haus, eine Wand ’ab-quä'len sich ~ große Anstrengungen machen, Qualen erdul¬ den, um etwas zu erreichen 'ab-quet-schen durch Quet¬ schen abtrennen [sicA abarbeiten 'ab-rackern sich ~ 'Abra'ham in ~s Schoß gut aufge¬ hoben, sicher; dort bist du sicher wie in ~s Schoß; leben wie .in ~s Schoß in guten Verhältnissen leben 'ab-rah-men die Milch ~ den Rahm von der Milch ahschöpfen Abra'ka'da'bra sinnloses Gerede, Zauberwort 'ab’ra'SieTen (y. t.> durch Rasieren entfernen (sich od. jmdm.) den Bart, die Augenbrauen ~ Ab'ra'Si'on myst. kVort der Gnostiker, Zauberformel auf Amuletten 'ab-rea-gie-ren (eine Spannung od. Erregung) durch eine Reaktion zum Abklingen bringen; (refl.-, umg.> sich ~ 'ab-rechlnen 1 Rechenschaft oblegen; mit jmdm. ~ Rechen¬ schaft über die Ausgaben oblegen (er¬ halten) u. das nichtverbrauchte Geld zurückgeben (zurückerhalten); (fig.y die moral. Schuld eines anderen feststellen u. ihn zur Rechenschaft ziehen 2 (Schulden u. Guthaben) gegeneinander aufrechnen', eine (endgültige) Rechnung aufstellen u. bezahlen; (etwas von einer Zahl) abziehen, sübtrahiei^en ~ nung das Abrechnen; Rechnung; ~ halten mit jmdm. mit jmdm. abrechnen 'Ab'rech'te linke Tuchseite 'AbTC’de Verabredung, Abkom¬ men; gegen eine ~ handeln eine Ver¬ einbarung nicht einhalten; nach ~ ent¬ sprechend der Vereinbarung; etwas in ~ stellen leugnen, sagen, daß etwas nicht waht sei; das ist wider die ~ ! 'ab'rei|ben durch Reiben entfernen, säubern, (,a\ictiytrocknen;(fig.y scharf tadeln; prügeln; die Schale einer Zitrone ~ mit dem Reibeisen entfernen; sich od. jmdn. mit dem Badetuch ~ frot¬ tieren ~bung tf.ydas Abreiben; scharfe Zurechtweisung; Prügel; kalte ~ Ab¬ reiben mit kaltem, feuchtem Tuch zu Heilzwecken 'Ab'rei|se Verlassen eines Ortes, Antritt einer Reise, Abfahrt ~ sen eine Reise antreten, abfahren 'Ab'reiß'block Block mit Zetteln, die man abreißen kann 'ab'rei'ßen r losreißen; Gebäude ~ niederreißen, abbrechen; Glied ~ durch Verletzung abtrennen; Kleider ~ abnutzen 2 QV. i.> sich von einer Befestigung ablösen, abbrechen, zerreißen, entzweigehen, durchreißen (Faden); sich ablösen, auseinanderfallen (Geleimtes); sich ablösen vom Faden (Knopf); es reißt gar nicht ab es nimmt kein Ende 'Ab’reiß'ka'leii'der Kalender mit abreißbaren Blättern ’ab'rei'ten 1 zu Pferde überprüfen (Front, Platz); ein Pferd ~ beim Ritt überanstrengen; Pferd für Pferderennen ~ vorbereitend zureiten 2 sich ~ sich müde reiten 3 wegreiten Abri geistige Abwesenheit, kurze Bewußtseinstrübung [frz., ,,Abwesen¬ heit“ < lat. abseniia] 'ab -senlden wegschicken, abschicken; jmdn. od. etwas ~ nach ~der (,m.y jmd., der etwas abschickt; Verlader ~ düng das Absenden 'ab'Sen-gen durch Sengen ent¬ fernen (Federn); durch Sengen von Fe¬ derresten befreien (Geflügel) 'ab'senjken mit Senkblei die Vertikale bestimmen von; Grundwasser¬ stand ~ senken; Senk- od. Schwimmkästen ~ für Unterwasser¬ gründungen auf tragfähigen Baugrund bringen; Brunnenmantel ~ nach unten bringen; Pflanzen ~ durch Senker vermehren; sich ~ nach unten sinken (Erdreich) ~ker Senker, Ableger ab'sent

abwesend [-c lat. absens „abwesend“] Ab senlter ständig von seinen Gütern abwesender Grundbesitzer ~ 'tieren sich ~ sich entfer¬ nen [ -< frz. s'absenter „sich entfernen“; zu frz. absent „abwesend“] ~ tis-mus gewohnheitsmä¬ ßige Abwesenheit eines Großgrundbe¬ sitzers von seinen Gütern; Fernbleiben von Arbeitsplätzen, Sitzungen [-c frz. absenteisme „Fernbleiben von der Ar¬ beitsstelle“ -j- engl, absenteeisni „Ab¬ wesenheit des Großgrundbesitzers von seinem Besitz“] Ab 'senz 20; +> Abwesenheit; ^Schweiz.> = Absence [lat. absentia ,, Abwesenheit* * ] 'ab*setz|bar so geartet^ daß man es od. ihn absetzen kann (Waren; Ausgaben von der Steuer, Beamter) ^becketl Becken^ in dem sich Schwebestoffe aus dem Abwasser absetzen 'ab •setlzen I 1 hinstellen, nieder¬ legen; Zwischenraum, Pause einfügen vor (Zeile, Ton); abziehen, annullieren; verkaufen; des Amtes entheben, entlassen, entthronen; abheben, abnehmen (Kopfbe¬ deckung) 2 jmdn. ~ aussteigen lassen (u. weiterfahren) Geweih ~ (Jagdy verlie¬ ren; das Glas (vom Mund) ~ ; den Hut ~ ; einen König ~ ; Kurs ~ auf der Karte einzeichnen; Mauer, Schmiede¬ stück ~ in Absätzen dünner werden las¬ sen; Reiter ~ abwerfen, aus dem Sattel heben; Säugetiere von der Mutter¬ brust entwöhnen; Schlacke ~ ausscheiden, absondern; es wird Schläge, Hiebe ~ geben; es wird gleich etwas ~ !; Schriftsatz ~ herstellen, setzen; Waren ~ verkaufen; eine Zeile ~ einrücken 3 jmdn. an ^jner bestimmten Stelle ~ ; auf den Boden ~ ; beim Spre¬ chen od. Singen usw. ~ kurz pausieren; sich gegen etwas ~ sich abheben, unter¬ scheiden von; ohne abzusetzen ohne Pause, unaufhörlich; vom Amt ~ ent¬ fernen, seines Postens entheben; vom La¬ ger ~ verkaufen; von der Liste ~ streichen, nicht mehr aufführen; einen Posten von der Rechnung ~ abziehen; vom Programm, vom Spielplan ~ rächt mehr aufführen; von der Steuer ~ nicht mit versteuern H sich ~ sich nieder schlagen (Stoff in Flüssigkeit); {heimlich) Weggehen, seinen fVohnsitz verlegen; im Wasser hat sich Eisen abgesetzt; sich nach dem Westen (nach Westdtschl.) ~ ~zer im Braunkohlenhergbau Fördergerät, das den Abraum über den Rand der abge¬ bauten Grube befördert 'Ab'sicht 1 Entschluß, etwas zu tun; Wunsch, Vorsatz; Bewußiheit, klarer Wille; Versuch; Ziel; es war nicht meine ~, das zu tun ich wollte es nicht 2 die ~en des Feindes 3 es be¬ steht die ~ zu ; seine ~ erreichen; '-en haben auf etwas es abgesehen haben auf, seine Wünsche richten auf; er hat ~ en (auf sie) er liebt sie, möchte ihr nähertreten; die ~ hegen etwas zu tun etwas wollen; jmds.' ~en vereiteln 6 er hat ernste ^ en er will heiraten 5 in der , etwas zu tun mit dem Vorsatz, Ziel; in der besten ~ das Beste wollend; in welcher ~ mit ~ absichtlich, vorsätzlich; ohne böse ~ ohne etwas Böses zu wollen [zu absehen, eigtl. ,,worauf man absieht“] ab'sicht'Iicb Enthaltsam¬ keit; Enthaltung von Alkohol; das Fasten \_^ abstinent) ~'nenz'ler = Abstinent ~’nenZ'theorie Ökonom. Lehre des 19. Jh.s, wonach der Zins das Ergebnis der Ent¬ haltsamkeit des Kapitalisten sei 'ab'Stop'pen 1 anhalten, zum Halten bringen; Geschwindigkeit ver¬ mindern von; Zeichen zum Anhalten ge¬ ben für; Geschwindigkeit mit der Stopp¬ uhr messen von 2 anhalten 'ab-stop-peln , ein Feld ~ lie¬ gengebliebene Aihren von einem abgeern¬ teten F. auflesen 'Ab-stoß " ^m.)> Stoßy der von einer Sache weg gerichtet ist; Ab¬ schuß des Balles {vom Tor) 'ab'Stojßen 1 wegstoßen; durch Gegenstoß in Schwung bringen; abnutzen (Möbel); anstoßen (Obst); ausscheiden 2 es stößt mich ab erregt meinen Widerwillen, Ekel, Abscheu 3 einander voneinander wegstreben (Pole); Ball

vom Tor ins Spiel bringen; die Ecken (von) abrmtzen, abseJüagen, abbrechen; (sich) die Hörner abwerfen; ^fig.^ jugendl. Übermut ablegen; Note, Ton (kurz) staccato spielen; die Schnauze von einer Kanne ~ abschlagen; Ware ^ (schnell) verkaufen, {billig) absetzen; Ware mit Verlust verschleudern, unter Preis verkaufen A sich abnutzen 5 Abkochung; durch Abkochung entstan¬ dene Flüssigkeit [eägfV. ,,Abgesottenes“; zu sieden) abl'surd abwegig, widersinnig; unsinnig, unvernünftig [- abgetrennter Baum im Eisenbahnwagen, Coupi; Schrankfach ~kof-fer Schrank¬ koffer mit Schubfächern 'ab'teillen einteilen, trennen; absondern; Haare ~ scheiteln; ein Wort ~ nach Silben trennen; in Portio¬ nen ~ ~lung 1 das Abteilen, Abtrennung, Loslösung, Zer¬ legung 2 Zeichen für die Silbentrennung; Divis 'ab-te-le-gra-phie-ren (jmdm.) telegraphisch absagen 'ab'teu'fen (einen Schacht) senkrecht in die Erde graben [zu mhd. teufe ,,Tiefe“] ’ab'tip'pen mit der Schreibmaschine abschreiben Äb 'tiS'Sin Vorsteherin eines Klosters [ < spätmhd. ebtissin ^ mhd. eppetisse -f weibl. Endung . . . in c ahd., kirchenlat. abbatissa; -» Abt'i ’ab'tö'nen (Töne, Farben) aufeinander abstimmen; mißbräuchlich [zu Abusus] Ab'usus Mi߬ brauch [lat. urspr. ,,Verbrauch“, dann ,, Mißbrauch“] ‘ab'ver'dienen allmählich verdienen, vom Verdienst ersparen; militär. Dienst leisten, der auf einen höheren Grad vorbereitet; den Hauptmann ~ ab-ver-lan-gen jmdm. etwas ~ von jmdm. etwas verlangen, fordern ab-ver-mle-ten (weiter)vermieten ab-vie-ren vierkantig zuschneiden 'ab'Wä'gen bedächtig überlegen, abschätzend erwägen; zwei Dinge gegeneinander ^ die Vorzüge und Nachteile zweier D. vergleichen

'ab-wäg-sam 'ab'Wäl'Zen

bedächtig von sich wälzen, abschieben; Steuern auf den Verbrau¬ cher ~ S. durch Preiserhöhung den V. zahlen lassen; Arbeit, Bürde von sich ~ anderen auferlegen; Schuld, Ver¬ dacht von sich ~ sich von S., V. un¬ berechtigt befreien 'ab'wanjdeln umwandeln, abändern; in verschiedene Formen umwandeln; Substantive ~ beugen, deklinieren; Verben ~ beugen, konjugieren ~de'lung, Ab-wand'lung Umwandlung, Abänderung; Beugung, Konjugation, DeMination 'ab'wanjdern loswandern, abmarschieren; die Arbeitsstelle ver¬ lassen (Arbeitskräfte); an einen anderen Ort ziehen (Bevölkerung); einem Be¬ trieb od. Industriezweig entzogen wer¬ den (Kapital) ~de'rung das Ab¬ wandern

'Ab'wär'me Wärme, die nach einem technischen Prozeß noch zur Ver¬ fügung steht 'Ab'wart Hausmei¬ ster, Heizer 'ab'war|ten 1 etwas ~ auf etwas warten; warten Sie ab ! bleiben Sie geduldig, bis etwas geschieht; war¬ ten Sie noch. Sie werden dann schon sehen; einen günstigen Augenblick ~ ; das bleibt abzuwarten! erst mal sehen, ob es geschieht! ~ und Tee trinken! nur Geduld! ■rtend auf etwas wartend; zögernd; gemächlich, langsam; sich ~ verhalten 'ab'wärts nach unten ; Kinder von 3 Jahren ~ von 3 Jahren u. jünger 292

~be'we'gung Bewegung nach unten -s-fühTen der Diktator wird das Volk ~ ~ge'neii schlechter werden; herun¬ terkommen 'Ab'wasch Geschirreini¬ gung, Aufwasch; schmutziges Geschirr 'ab-wa-schen reinig^, säubern; Geschirr ^ mit Wasser säu¬ bern, spülen, auf waschen; Ufer, Gelände ~ durch Wassereinwirkung wegschwem¬ men; alles in einem ~ erledigen 1 wechselweise handeln, Vorgehen; wechseln 2 einander bei der Arbeit eine Arbeit im re¬ gelmäßigen Wechsel mit einem andern tun; in seiner Beschäftigung _ ~ die Art der B. häufig wechseln; mit etwas od. mit jmdm. ~ ~selnd wechselweise, im Wechsel Ab-wechs'lung, Ab-wech-se-lung 1 unterhaltsame Unterbrechung des Alltags, Zerstreuung 2 in einen Raum od. eine Gesellschaft ~ bringen einen R. vielfältig, bunt usw. gestalten, zur Unterhaltung einer G. beitragen; ~ in eine Sache bringen eine S. auflockem, > unterhaltsam gestalten; der ~ wegen; zur ~ -ySTeich voller Abwechs¬ lung, bunt, vielfältig, vielgestaltig ’Ab'Weg Umweg; Irrweg; falsche Lebensführung; jmdn. auf ~e führen; auf ~ e geraten 'ab-we-gig sonderbar, unwirk¬ lich; falsch, schädlich; das ist gänzUch ~ undenkbar ~keit ab¬ wegige Beschaffenheit [führend 'ab'Weg'Sam vom Wege ab'Ab'Wehr Verteidigung, Schutz ; Widerstand, Zurückweisung; Schutzmittel; ~ einer Krankheit ~be'We'gung (Reßex)bewegung zur Abwehr 'ab'Weh'ren 1 ablenken, parieren 2 Angriff ~ abschlagen; Dank, Lob ~ (bescheiden) zurückweisen, fernhalten; Fliegen ~ fernhalten, verscheuchen; üble Folgen ~ verhindern; Kälte ~ femhalten, sich dagegen schützen 'Ab-wehr|kampf Verteidigungs¬ kampf ~ maß-nah'me Maßnahme zum Schutz gegen einen Angriff, eine befahr ~.stel-lung Verteidigungs¬ stellung ~ Stoff Schutzstoff (gegen eine Krankheit) 'ab'wei'chen* 1 ablösen durch Einweichen 2 sich durch Feuchtigkeit loslösen [zu weich] 'ab-wei|chen‘ 1 sich von der Nordsüdrichtung entfernen (Ma¬ gnetnadel) 2 von jmdm. od. etwas ~ anders, verschieden sein, nicht gleichen; von jmds. Meinung ~ jmds. Meinung nicht teilen; vom Kurs ~ den K. veilassen; von der Regel ~ eine Aus¬ nahme bilden; vom Thema ~ abkommen, nicht bei einem T. bleiben; vom Weg ~ abkommen, abgehen, den W. verlassen; vom rechten Weg ~ etwas Unrechtes tun [zu weichen (wich, gewichen)] 'rchend anders; ~ von im Unterschied zu 'Ab|weich'ler

jmd., der eine andere Meinung vertritt als die Partei ~wei'chung das Abweichen; Verschiedenheit; ~ en fest¬ stellen ‘ab'wei'den dtis Vieh weidet eine Wiese ab frißt das Gras auf der Wiese 'ab-wei|sen 1 ablehnen, zurückweisen 2 Anerbieten ~ ; Angriff ~ Zurückschlagen; Bitte ~ ; Elrbschaft

~ ausschlagen; Klage ~ ; einen Lieb¬ haber ~ ; Wechsel ~ nicht akzeptieren; Zeugen, Richter, Gericht ~ 3 sich nicht ~ lassen 4 jmdn. barsch, höflich, kurz, schroff 5 ein ^ des Gesicht machen; sich ~ d verhalten ~ sung (ein nicht r.jehr betriebsfähiges Schiff) abbauen

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Achsenlo'euz 'Ab'Wurf ^m. > das Abwerfen; ~ von Bomben

'ab'WÜr-gen abschnüren; jmdn. ~ jmdm. die Kehle zudrücken, jmdn. zu ersticken versuchen; ein Unternehmen, eine Sache ~ im Keim er¬ sticken, unmöglich machen; den Motor ~ durch falsche Bedienung x>on Kupplung u. Bremse zum Stillstand bringen abys|'sal, abyslsisch zwickend abtrennen, abkneifen; jmdm. etwas ~ auf unauffällige Weise abnehmen, jmdn. zu kurz kommen lassen [zu zwikken] 'Ab'ZWeig Abzweigung ~do'Se

Verbindungsstelle für mehrere eleklr. Leitungen ’Ab'Zwei'ge abzweigender Weg, Abzweigung 'ab'zweilgen 1 sich gabeln, sich abspalten; der Weg zweigt hier ab 2 etwas für sich ~ heimlich beiseiteschaffen ~ gung Nebenlinie, Nebenleitung, Dopplung, Ga¬ belung (der Straße, Eisenbahn), Zweig¬ bahn 'ab'Zwicken

modisches Zubehör [frz. „Nebensachen, Zubehör“] ac'crc'scen'do Mineral, aus Kieselsäurelösungen entstanden, häufig in Lagen versüdedener Färbung auf¬ gebaut; Edelstein [nach dem Fluß ^chates im südl. Sizilien, in dem der Achat¬ stein zuerst gefunden worden sein soll] ache'ron-tisch unter¬ weltlich [nach dem Fluß Acheron in der Unterwelt der greh. Sage; zu greh. achos „Leid“ + rhein „fheßen“] AcWl'les|fer'se Afrika und Asien betreffend, zu ihnen gehörig, aus ihnen stammend -r-ameri'ka-nisch die Negerbevölke¬ rung Amerikas betreffend, zu ihr gehö¬ rig, von ihr stammend 'Äf-ter Mastdarmöffnung nach außen, Anus [< ahd. aftaro (Adj.), zu aftar (Adv. u. Präp.), engl, after, ndrl. achter, got. aftaro, aftra, afta < idg. *opi-] ~be-red sam keit Gattung der Amaryllisgewächse in Amerika [zu greh. agauos ,,edel, ruhmvoll“] Agen|da Vertreter; Ver¬ mittler; Beauftragter; Spion [< lat. agens ,,der Treibende“] Agent pro-vo-cateur Lockspitzel [frz., ,,Un¬ ruhestifter“ (in fremdem Auftrag)] Agenl'tie Geschäfts¬ stelle ' der Donau-Dampf schiffahrtsgesellschaft [zu Agent] ~ 'tie-ren als Handlungsagent arbeiten Agenitin Vertretung, Geschäfts¬ nebenstelle; Geschäftsstelle eines Agen¬ ten, Vermittlungsstelle [zu Agent] Agen-zi-en Anhäufung, mehr¬ gliedriges Ganzes; (furch -f- od. — verbundene mehrgliedrige Größe; Koppelung mehrerer Maschi¬ nen, bes. von Kraft- u. Arbeitsmaschinen [zu lat. aggregare- „beigesellen“] ~-

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ähnlich ga-ti'on

Vereinigung meh¬ rerer Moleküle zu einem größeren Mo¬ lekül [zu lat. aggregare „beigesellen“] ^ gat'ZU'Stand eine der drei Er¬ scheinungsformen der Materie; gasför¬ miger, flüssiger, fester ~ Ag-gres|sl'on Angriff, Über¬ fall [zu lat. aggredi „hinzugehen, an¬ greifen“] ~ 'siv angreifend; angriffslustig, streitsüchtig [zu Aggres¬ sion^ Ag'gres-sor Angreifer [zu Aggression'\ 'Agha = Aga Agi'de handeln; ~ als wirken als, eine Rolle darstellen [■< lat. agere ,,handeln, treiben, wirken“] agil Aufgeld, Aufschlag; Betrag, um den der Kurs einer Währung od. eines Wertpapiers über dem Nennwert steht; Ggs.: Disagio [< ital. aggio, zu aggiungere „hinzu¬ fügen“ -c lat. adiungere ,,hinzufügen“ ; oder; ^ ital. aggio „BequemUchkeit“] ~ta‘ge Börsenspekulant, der das Agio ausnutzt ~ 'tieTen unter Ausnutzung des Agios an der Börse spekulieren Agi-ta-ti'on aggressive polit. Werbung, polit. Propaganda [-= lat. agitatio „Betreiben, Tätigkeit“] agi'ta-to sehr bewegt, erregt [ital.] Agirta'tor jmd., der {für etwas) agitiert 'r ta'tO'risch die Agitation betreffend, awf ihr beruhend, mit ihrer Hilfe ~ 'tie-ren wer¬ ben, polit. Propaganda treiben; für eine Idee, eine Sache ~ [ -= lat. a^are „in Bewegung setzen“] Ag'lei = Akelei Agnat lebendige Gestaltung eines Musikstückes, im Un¬ terschied zur mechtui.-exakten Wieder¬ gabe (wie bei der Spieldose) [zu grch. agein „führen“] ~ gisch die Agogik betreffend, auf ihr beruhend Agon Verbindungslinie zwischen Orten, an denen die Kom¬ paßnadel keine Mißweisung zeigt A^ol'nie Todeskampf \grch.

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agonia ,,Kampf und Not“] ~ 'nist Wettkämpfer [■< grch. agonistes

,,Kämpfer“] Ago'ra Markt- u. polit. Versammlungsplatz der altgriech. Stadt [grch.] Agraf'fe landwirtschaftlich, Landwirtschafts . . . [< lat. agrarius „zu den Feldern gehö¬ rig“; zu ager ,,Acker, Feld“] Agralri-er «[-'-] m. 3> Landwirt, Gutsbesitzer; ^im kaiserl. Dtschl.^ Ver¬ treter landwirtschaftl. Interessen, bes. des Großgrundbesitzes [— Agrar . . .] -rrisch landwirtschaftlich Agrar |land

Vereinbarung; formlose, aber bindende Übereinkunft [engl., ,,Übereinstim¬ mung“ ■< frz. agrement,,Zustimmung“, zu gre ,,Gefallen“ -< lat. gratum ,,das

Angenehme“] agre'ie-ren genehmigen [-< frz. agreer ,,genehmigen“, zu gre ,,Gefallen“ lat. gratum ,,das .Ange¬ nehme“] Agr6'ment die Zitrusgewächse [< mlat. agrumen

,,säuerlich, scharf schmeckende Früchte“; zu lat. acer ,,scharf“] Agryp'nie Schlaflosig¬ keit [ -c grch. agrypnia] 'Ag'Stein, ’Agt-stein Amperestunde aha! also so ist das!, jetzt verstehe ich {es)!; da haben wir's, ich habe es ja gleich gesagt! ahas'vcrisch

ruhelos um¬ herirrend [zu Ahasver, dem Namen des Ewigen Juden, hebr. Ahaschverosch] 'Ahllbee-re schwarze Johannis¬ beere ~kir-sche Frucht des Faul¬ baums 'Ahle Pfriem{en), Werkzeug zum Löcherstechen in Leder od. Pappe [-< ahd. ala, engl, awl -= germ. *eln idg. *ela] Ahm Ohm, altes Flüssigkeits¬ maß, 120 —ISO l [->- Ohm] 'ah|men (N. t.> eichen, messen [■= mhd. amen ,,ein Faß durchmessen“; — Ohm] -eming Skala der Tiefgangmar¬ ken eines Schiffes [->- ahmen] Ahn Vorfahre; Groß-, Urgroßvater; die ~en, unsere ~en [< ahd. ano ,,Vorfahr“, lat. anus „altes Weib“, grch. armis ,,Großmut¬ ter“ < idg. '*an-, Lallwort für ,,männl. oder weibl. Vorfahren“] 'ahn|den strafen, rächen, strafrechtl. verfolgen [< ahd. anton, anodoti „strafen, rügen“; zu ahd. anto, anado ,,S.rger, Zorn“] ~dung das Ahnden 'Ah-ne Ahn, .dhnin, mänrd. od. weibl. Vorfahr; Groß-, Urgroßvater, Groß-, Urgro߬ mutter 'äh'neln ähnlich sein, ähnlich sehen, ähnlich klingen; so ähnlich aussehen, klingen wie, so ähnlich sein wie; das Bild ähnelt einem anderen, das ich kenne; er ähnelt seinem Vater [< frühnhd. ähnlichen; — ähnlich] 'ah'nen vorher-, vorausfühlen, vermuten; ach, du ahnst es nicht! ^umg.> (Ausruf der unangenehmen Überra¬ schung) ach, du liebe Zeit; ich habe es doch (fast) geahnt, daß du heute kom¬ men würdest; du ahnst nicht, wie schwer es ist; mir ahnt, daß . . . ich vermute, daß . . ., ich fürchte, daß . . .; ich ahne Böses, nichts Gutes; deine Andeutung läßt schon ~, was nun kommt [-= mhd. anen, zur Präp. an; mhd. ez anet mir ,,mich kommt an, überkommt“ 'Ah’nenlbild Bild eines Ahnen od. einer Ahnin ~kult Kult mit den Vorfahren, Ahnenverehrung ~ paß beglaubigter Stammbaum ~pro¬ be = Adelsprobe ~rei'he Reihe, Gesamtheit der {nachweisbaren) Vorfahren ~ stolz Stolz auf die Ahnen, Stolz auf die Abstammung; Abstammungsdünkel ~ta-fel Abstammungstafel, Tafel, auf der die Ahnen einer Person angegeben sind Ahnlfrau Stammutter, weibl. Vorfahr, Ahnin ~herr Stamm¬ vater, Vorfahr, Ahn{e) 'Ah’liin weibl. Ahn{e), Ahnfrau 'ähn-lich 1 in wichtigen Merk¬ malen übereinstimmend, erinnernd an; < Math.; Zeichen: ~y in entsprechenden Winkeln übereinstimmend 2 ein ~ er Fall hat sich kürzlich zugetragen 3 mir geht es ~ mir geht es fast ebenso; ~ klingen, riechen, schmecken wie...: jmdm. ~ sehen od. sein; das sieht ihm ~ das habe ich ihm zugetraut; ~ sein; das Bild ist sehr ~ es entspricht der

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ähnlich Natur, der abgebildeten Person 4 ein¬ ander sprechend, täuschend ~ sehen 5 ich habe nie etwas ~ es erlebt; er heißt Neumeister oder so ~ od. so etwa, ich weiß es nicht mehr genau; und ~es u. anderes, was dem Genannten, Erwähnten entspricht; die Zwilhnge sind einander zum Ver¬ wechseln ~ [< ahd. angelih ,,dem Alinen gleich“; ->- Ahn'] ~keit das Ähnlichsein, Übereinstimmung in wesentl. Merkmalen; er, sie, es hat (einige) ~ mit • • . ; die ~ zwischen beiden ist auffallend, täuschend, ver¬ blüffend 'Ah-nung 1 Vorgefühl, Vermu¬ tung, gefühlsmäßige Erwartung; Begriff, Vorstellung 2 meine ~ hat sich (nicht) erfüllt; hast du eine ~, wo ich meine Brille hingelegt habe? weißt du vielleicht . . hast du eine ~ ! was du dir so (darunter) vor¬ stellst l; ich habe eine ~, als ob . . .; meine ~ hat mich (nicht) getrogen 3 bange, böse, dunkle, schhmme ~ ; ich habe keine blasse ~, wo er ist; keine ~ ! ich weiß es nicht!; du hast ja keine ~, wie schreckhch das ist!; ich habe die leise ~, daß . . . ; ich habe nicht die leiseste ~, ob ..., wie . . .; 4 ich habe keine ~ davon ich weiß es absolut nicht ~S'los ohne Ahnung, völlig unwissend, nichts ahnend; o du ~er Engel! (Anruf eines Schiffes) Boot, Schiff ~ I 'Ahorn Gattung der Ahorn¬ gewächse (Aceraceae) der nördl. Halb¬ kugel; Acer [«; ahd. ahorn < germ. 'ahurna, grch. akarna ,,Lorbeer“ -= idg. *akr-; verwandt mit Ähre, Eck] ' Ähr'Chen Flugverbindung im Nahverkehr [-= engl, air ,,Luft“ 4- OmniZins] Aire-dale-ter-ri-er mittelgroße Hunderasse mit kurzem, gelocktem Fell, hellbraun, Bücken u. Oberseite von Hals u. Kopf schwarz [nach dem Tal (engl, dale) des Flusses Aire in Yorkshire, Nordengland] ais, Ais das um einen halben Ton erhöhte a, A ai-sis, Ai'sis das um zwei halbe Töne erhöhte a, A ä )OUr Durch¬ brucharbeit (Stickerei) [^ ä jour 2] Akalde'mie Vereinigung, Gesellschaft von Gelehrten, Dichtern u. ä. (Dichter~, Sprach~); Arutalt zur Förderung der Wissenschaften, Forschungsanstalt (Berg~, Kunst~, Musik~); literar. od. musikal. Veranstaltung; Mitglied einer ~ sein; ~ der schönen Künste; ~ der Wissen¬ schaften [< grch. akademia, angebl. ein nach einem Heros Akademos benann¬ ter Lusthain bei Athen, wo Plato lehrte] ~ 'de-mi-ker Mitglied einer Akademie; jmd., der auf einer Akademie, bes. auf der Universi¬ tät, studiert hat ~ 'de-mi-ke-rin weibl. Akademiker ~ 'de-misch eine Akademie betreffend, zu ihr gehö¬ rig, auf ihr beruhend; welt¬ fremd, trocken, über Lieferungstreu; eine ~e Bildung haben; ~e Freiheit Frei¬ heit des Studierenden, sich seinen Stu¬ dienplan selbst zusammenzustellen u. sich die Hochschule auszuwählen; die Lehrfreiheit des Dozenten; ~er Grad Stufe in der Laufbahn des Hochschul¬ lehrers nach bestimmten Prüfungen, z. B. Doktor; die ~ e Jugend die Studenten; ~es Viertel Viertelstunde nach der (für den Beginn der Vorlesungen) ange¬ gebenen Zeit; ~ ausgebildet sein ~ de'mis-mus welt¬ fremde, in Begeln erstarrte Ausübung einer Kunst od. Wissenschaft Akan'thit Akanthos, Bärenklau, Gattung der AkarUhusgewächse, deren mediterrane Arten als Zierpflanzen gezogen werden [zu grch. akantha ,,Dorn“; zu idg. “ak,,spitz“] ~blatt Zierform an den Kapitellen der korinthischen Säulen Aka'ro'id'harz gelbes u. rotes Naturharz, das aus den Stämmen von Bäumen der austral. Gattung Xanthorrhoea gewonnen wird; Bohstoff für die Herstellung von Firnissen [zu grch. akari ,,Milbe“] aka'ta'lek-tisch = Schä¬ dellose Akri'bie peihl. Genauig¬ keit, höchste ^or^alt [ < grch. akribeia}

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’akri'tisch unkritisch, kritiklos [zu grch. a ,,nicht“ -|- kritisch} Akrol'bat Turner, der beson¬ dere körperl. Kraft, Gewandtheit u. Be¬ weglichkeit erfordernde Übungen voll¬ bringt; Turnkünstler, Schlangenmensch, Seil-, Trapezkünstler [zu grch. akros ,,zuoberst“ -1- bainein ,,gehen“] ~ 'ba¬ tik besondere körperl. Kraft, Gewandtheit u. Beweglichkeit er¬ fordernde Turnkunst, Kunstturnen; Tra¬ pezkunst [zu Akrobat} ~ ’ba'tin weibl. Akrobat ~ 'baltisch die Akrobatik betreffend, zu ihr gehö¬ rend, auf ihr beruhend Akro'ie'in Akrylaldehyd, ungesättigter, aliphatischer Aldehyd, CHi=CH— CHO; übelriechende, augen¬ reizende Flüssigkeit, zur Herstellung von Parfümen, Lacken, zur Synthese von Glyzerin u. als Tränengas verwendet [zu lat. acer,,scharf “ (olere ,,riechen“?) -|- oleum ,,Ö1“] Akrojme'ga'iie hormonal be¬ dingte Form des Riesenwuchses, die etwa vom 3. Lebensjahr än auftritt u. auf einer Überproduktion des Wachstumshormons der Hypophyse beruht [zu grch. akros ,,zuoberst“ -|megas ,,groß“] ~ 'nym aus den An¬ fangsbuchstaben mehrerer Wörter ge¬ bildetes Kurzwort, z. B. Agfa [zu grch. akros ,,der höchste, äußerste“ -|- onyma

,,Name“] Akro-sti-chon ein chem. Stoff aus einer Gruppe von Kunststoffen, die durch Polymerisation von Derivaten der Akrylsäure CH^ — CH—COOH oder Methakrylsäure CH, = C(CHi)COOH gewonnen werden, klar durchsichtig, ther¬ moplastisch, wetterfest, leicht spanabhe¬ bend zu bearbeiten [Akryl; Kunstwort zu lat. acer „scharf“] ~ glas Plexiglas ~säUTe (i.y ungesättigte, zur Olsäurereihe gehörende Säure, eine Monokar¬ bonsäure, CH^=CH—COOH; polymeri¬ siert, genauso wie ihre Ester, deshalb leicht zu glasartigen Kunststoffen, Lakken. Klebe- u. Bindemitteln zu verarbeiten Akt 1 = Akte; suchen Sie mir bitte den ~ ,, Meyer“ heraus 2 Handlung, Vorgang, Tätigkeit, Tat; Vorführung (Zirkus ■r); Aufzug eines Bühnenwerkes; Darstellung des nackten menschl. Körpers; Koitus, Begattung, Beischlaf (Geschlechts-y); ein ~ der Höflichkeit, Menschlichkeit, Verzweif¬ lung; einen zeichnen, malen; ein feierlicher, symbolischer ~ ; männlicher, weiblicher ~ ; ein Drama mit fünf ~ en; während des ersten, zweiten ~ es [< lat. actus „Antrieb, Bewegung“; zu agere} 'Ak-te schriftl. Unterlagen eines geschäftl. od. gerichtl. Vorgangs (Gerichts-y, Polizeiy, Prozeß'y); jmdn. in den ~ n führen ünterlagen über ihn be¬ sitzen; Schriftstücke zu den ~n legen zu den schon vorhandenen, gesammelten Schriftstücken über den gleichen Vor¬ gang: a.ls erledigt oblegen [-► Acta}

'Ak-tenldeckel einfache Sammelmappe für Akten ohne Vorrichtung zum Abheften o. ä. — map'pc (meist lederne) Mappe mit Traghenkelfür Akten u. a. Schriftstücke, Bücher usw.; Sammelmappe aus Pappe für Akten ~ta'Sche = Aktenmappe ~zei'chen Buchungsnummer; ab¬ gekürztes Namenszeichen zum Unter¬ zeichnen von kurzen internen dienstl. Mitteilungen, von Brief durchschlügen usw. Ak'teur Schauspie¬ lerin [-= frz. actrice ,,Schauspielerin“] Akt'StU'die (f.y Darstellung eines Aktes, eines nackten menschl. Körpers Ak'tujali'tät (f. 20; unz.]> Bedeutung für die Gegenwart, Zeitnähe [c mlat. actualitas, zu actus ,,Handlung“] ~ 'ar Gerichtsangestellter; Schriftführer einer Behörde od. eines Vereins [< lat. actuarius ,,Schreiber bei Verhandlungen“; zu agere ,,handeln“] Cf 'eil für lie Gegenwart be¬

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zeitgemäß (Frage, Theater¬ stück) [< frz. actuel ,,wirklich“ < mlat. actualis; zu lat. actus ,,Handlung“] 'Ak'tus Festlich¬ keit, Feier, öffentl. Schulfeier [< lat. actus ,,Handlung“] 'Akt-zeich-nung Zeichnung eines deutsam,

Aktes,

eines nagten menschl. Körpers jahrtauseruiealtes chines., heute auch in Europa wieder aufgenommendes Heilverfahren, bei dem durch Einstich goldener u. silberner Na¬ deln an lehrmäßig festgelegten Haut¬ punkten erkrankte innere Organe beein¬ flußt werden

Aku-punk'tur

'Akü'spra-che plötzlich auftretend, scharf, heftig; vordringlich; rasch u. heftig verlaufend; Ggs.: chro¬ nisch [ c lat. acutus ,,scharf, spitz“] , Akut bes. wir¬ kungsvoll gestalteter, meist im Handsatz hergestellter Druck, z. B. Zeitungskopf, Werbeanzeige, Geschäfts- od. Privat¬ drucksache ; Nebeneirmahme, Gelegen¬ heitsauftrag; Ver Setzungszei¬ chen Akzidens) ~'denz'druck = Akzidenz ~' denz-drucke rei Aluminium Al. Alinea ä la nach Art von [frz.]; ~ baisse [be :s] spekulieren spekulieren, indem man mit dem Fallen der Kurse rechnet [< frz. baisse,,Sinken, Fallen“];~ bonne heure [-bD'n0:r] recht so! bravo [frz., eigtl. ,,(das kommt) zur rechten Stun¬ de“]; ~ carte [kart] essen nach der Speisekarte essen im Unterschied zum Menü [frz.]; ~ bau.sse [os] spekulieren spekulieren, indem man mit dem Steigen der Kurse rechnet [-= frz. hausse ,,das Steigen“]; sich ~ mode [raod] kleiden sich nach der Mode kleiden [frz.]; er versucht einen Stil ~ Thomas Mann zu schreiben Ala'bajster marmorähnliche, feinkörnige, reinweiße, durchscheinende Abart des Gipses, monoklin; ehern. For¬ mel CaSQ,-2H,Q;

weißer

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Alexie od. gelber, durchscheinender KalksirUer {Kalk~, Onyx~ , Onyxmarmor), härter als Gips. Werkstoff für Schalen, Vasen u. a. Kunstgegenstände [-^ grch. aldbastron, nach der oberägypt. Stadt Alabastron} ~ster‘gips = Alabaster ~ ster-glas wasserhell durchsichti¬ ger Gips, Marienglas, Fraueneis ~ sterpa'pier = Kispapier ~ Stern aus Alabaster

Ala-mode-li-te-ra-tur Gattung der Familie der Korbblütler; Inula [< alid. alant, wahrscheinl. -c vulgärlat. ala, mlat. elna, anulal ~ bit-ter Extrakt aus den Wurzeln des Helenenkrauts {Inula heleniurri), als Volksheilmittel bei Lungen¬ leiden u. zur Magenstärkung Alarm aus, wie Alaun AlaunIscnie-fer Ausscheidung von Eiweiß im Ham ~ 'mo-se Produkt der Eiweißspaltung [zu lat. albus ,,weiß“] 'Al-bus Wei߬ pfennig, vom 14. —19. Jh. in Westu. Südwestdtschld. gebräuchl. Scheide¬ münze. 6 — 10 Pfennig [< lat. albus ,,weiü“] Al-chel mie

Absteckung einer Richtlinie (beim Eisen¬

bahn- od. Straßenbau) [frz. ,,Ausrich,,Linie“] 'rgnie-ren abmessen, abstecken T • . ..ausrichten“; zu ligne ,,Linie“] Äü'ment Unterhaltsöeitrag, Unterhaltspflicht ge¬ genüber unehel. Kindern; ~ e zahlen

(müssen) [< lat. alimentum ,,Nahrung“] Ali-menfta-ti'on Gewährung von Lebensunterhalt, von Alimenten [zu lat. alimentum ,,Nahrung“] ~tati'ons'pflich'tig zur Zahlung von Alimenten verpflichtet ~ 'ticTen jmdn. ~ jmdm. Lebensunter¬ halt gewähren, für jmdn. Alimente zahlen Alilnea allegor. Deu¬ tung eines Textes [zu Allegorie'] ~ 'rie ohne Verwandte ~ver'kauf ?m.^ = Alleinhandel ~ver-tre-ter , Aldo'di'äl'gut 1 eine malvenähnl. Heilpflanze, Eibisch 2 aus deren Wurzel ge¬ wonnenes Hustenmittel [ < frz. althee -< greh. althaia, zu althein ,,heilen“] alt'her] ge-bracht überkom¬ men, seit langem üblich, traditionell; auf ~e Weise ~komm-lieh = althergebracht

Alt'her-ren-schaft Ge¬ samtheit der Alten Herren der Student. Verbindungen 'alt-hoch-deutsch den Zeit¬ raum der ~en Sprache betreffend, zu ihm gehörig, aus ihm stammend; ~e Sprache die mittel- u. oberdt. Mundar¬ ten vom Beginn der schriftl. Überliefe¬ rung {etwa 810) bis etwa 1100 Al-ti|'graph Hö¬ henschreiber, registrierender Höhen¬ messer ~ 'me-ter Hö¬ henmesser 'alt-in-disch den Zeitraum der ~en Sprache betreffend, aus ihm stammend, zu ihm gehörig; ~e Sprache die Sprache der arischen Bewohner Nordindiens in ihrer ältesten Zeit bis etwa zum 9. vorchristl. Jh. All'tist Knabe mit Altstimme, Altsänger ~ 'ti-stin Sängerin mit Altstimme, Altsängerin ' Alt-jahr(s) labend

Silvester¬ abend ~tag Silvester alt'jüng-fer-lich wie eine alte Jungfer aussehend od. sich aufführend, verschroben, absonderlich 'Alt-ka-tho|lik

Angehöriger der kath. Religionsgemeinschaft, die sich 1870 nach Verkündigung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes von Rom lossagte -r-lisch die Altkatholiken betreffend, zu ihnen gehörig ~li-zis-mus Glaubens¬ form der Altkatholiken 'alt-klug frühreif u. vorlaut ' Alt-kunst = Antiquitäten 'ält-lich etwas alt u. etwas ver¬ schroben; ein »-es Fräulein 'Altma-te-ri-al alte Sachen, Schrott 'Alt-mei-Ster Vorsteher einer Innung; ältester u. bedeu¬ tendster Vertreter eines Faches (der Wis¬ senschaft, der Kunst, des Sports); ~ Goethe; ~ der Turner 'Alt-me-tall alte, gebrauchs¬ unfähige Gegenstände aus Metall, aus denen durch Umschmelzen wieder neu¬ wertiges Metall gewonnen wird, Schrott 'alt-mo-disch nicht der augenblickl. Mode entsprechend, unmodern, rückständig, veraltet (Möbel, Kleidung,

Ansichten)

alt'nor-disch

den Zeitraum der ~ en Sprache betreffend, aus ihm stam¬ mend, zu ihm gehörig; ~ e Sprache die nordischen Dialekte {Altisländisch und Altnorwegisch, Altschwedisch und Alt¬ dänisch) in ihrer ältesten Form vom 9. Jh. bis etwa IS90 Al-tol'ku-mu-lus

mittelhohe Haufenwolke ~ 'stra-tus mittel¬ hohe Schichtwolke 'Alt-pa-pier gebrauchtes

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Ambo Papier, das als Rohprodukt bei der Herstellung minderwertiger, grober Pa¬ piere u. Pappen verwendet wird ‘Alt'phi'lo’loIge ^ni.> Kenner, Erfor¬ scher, Lehrer, Student der Altphilologie ~ gie Wissenschaft von den Spra¬ chen des klass. Altertums {Altgriechisch, Latein) 'alt-preu-ßisch den Zeitraum der ~en Sprache betreffend, aus ihm stammend, zu ihm gehörig; ~e Sprache westl. Zweig der halt. Sprachfamilie, seit dem 17. Jh. ausgestorben

'Alt-reichs-kanz-ler aus dem Amt geschiedener, noch lebender Reichskanzler des ehemaligen Dt. Reiches

Al'trul'is-mus

durch Rücksicht auf andere gekenn¬ zeichnete Denk- und Handlungsweise, Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit; Ggs.: Egoismus [-< frz. altruisme „Nächsten¬ liebe“; zu lat. alter „der andere“] ~ 'ist selbstloser, uneigennützi¬ ger Mensch [< frz. altruiste „Men¬ schenfreund“; zu lat. alter „der an¬ dere“] ~ 'istisch selbstlos, uneigennützig; bereit, für andere Opfer zu bringen 'alt'Säcll'Sisch den Zeitraum der ~ en Sprache betreffend, aus ihm stammend, zu ihm gehörig; ~e Sprache die älteste Entwicklungsstufe des Nieder¬ deutschen, etwa von 800 bis 1100 'Ält-sän|ger = Allist ~ge'rin (f.y = Altistin 'Alt'SchlüS'Sel in d'r Noten¬ schrift die beiden C-Schlüssel, Rratschenu. Tenor Schlüssel 'Alt-schrift = Antiqua ‘Alt'sil'ber durch Chemikalien künstlich gedunkeltes Silber 'Alt-sitz = Altenteil 'alt'spa'niscn den Zeitraum der ~ en Sprache betreffend, aus ihm stam¬ mend, zu ihm gehörige Sprache die aus der kastil. Mundart hervorgegan¬ gene spanische Sprache bis zum 15. Jh., noch heule bei einigen Revölkerungsgruppen erhalten ’Alt sprach|ler = Altphilologe 'rlich die Sprachen des Alter¬ tums {Altgriechisch und Latein) betref¬ fend. 'Alt'Stadt (f.y ältester Teil einer Stadt 'Alt'Stein-zeit

älteste Stufe menschl. Kulturentwicklung, vom ersten Auftreten des Menschen am Ende des Tertiärs bis zum Ende der Eiszeit, Paläolithikum ~lich

Vor¬

fahren, Ahnen

'Alt-waren gebrauchte Ge¬ (Kleidung, Möbel usw.) ~händ'ler Kaufmann, der mit

genstände

gebrauchten Waren handelt, Trödler 'Alt’was'ser ehemaliger Flußarm mit stehendem Wasser Alt'wei-berlfast nacht Donners¬ tag vor Aschermittwoch ~knO'ten lie¬ benswürdig, lieblich [ital.]

a ma'io-ri ad 'mi-nus vom

Größeren

aufs

Ama-le'hi'ter Beduinenstamm auf der

Herrschergeschlecht, 555 n. gestorben (lebt fort in den -► Amelun-

nur

Gänsefußgewächsen nahestehende Pflan¬ zengattung Amarantus [-= greh. amarantos ,,unverwelklich“; zu greh. a ,,nicht“ marainein „welken“] ~ 'rantTOt = amaranten Äma'rel-le eine Art Sauer¬ kirsche [< ital. amarello; zu lat. amarus „bitter“; dasselbe: Ammer ,,Sauer¬ kirsche“, Marille) Ama'ryl künstl. her gestellter, hellgrüner Saphir [-= greh. Amaryllis; zu amaryssein „glänzen“] ~lis

Sinaihalbinsel

altmodisch

Ama'nu'en-sis

'alt-väterlich, altvaterisch großväterlich-ehrwürdig, -behag¬

'Alt-vor'dern

silber legieren; mit Quecksilber aus Er¬ zen gewinnen (Gold, Silber) Amant in den Nestern der A. lebendes, mit den Silberfischchen ver¬ wandtes Urinsekt — fres-ser = Ameisenbär - gä-Ste zahlreiche Gliederfüßer verschiedenster Arten, die, teils geduldet, teils gepflegt, in ~nestern Vorkommen: Myrmecophilae — geist = Ameisenspiritus — gril'le Art der Grillen, die in — nestern lebt: Myrmecophila acervorum — haU'fen Bau der Ameisen

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-igel Ordnung der Schnabeligel, stacheliges Kloakentier Australiens, frißt Ameisen: Echidnidae -jung-fer libellenähnl. Netzflügler, dessen Larve im Sand trichterförmige Gruben anlegt u. Ameisen fängt: Myrmeleonidae -krib-beln Hautjucken, ähnlich der Empfindung, wenn Ameisen über die Haut laufen -lö-we Lar¬ ve der Ameisenjungfer — pfian'Zen Pflanzen, deren Samen durch Ameisen verbreitet werden; trop. Pflan¬ zen, die in ihren Höhlen Ameisen beher¬ bergen -säu-re in Ameisen-, Bie¬ nengift u. Brennesseln vorkommende Säure von stechendem Geruch u. blasen¬ ziehender Wirkung, ehern. Formylsäure, Formel HCOOH - spi-ri-tus Mi¬ schung von Wasser, ^thylalkohol u. ~säure ~vO-gel drosselartiger Schreivogel Südamerikas, der den Zügen der Wanderameisen folgt u. sich von ihnen ernährt '. Formicariidae — weS'pe = Spinnenameise Äme-lio|ra-ti'on Verbesserung, bes. des Bodens [< frz. amelioration ,,Verbesserung“; zu lat. melior „besser“] 'rie-ren verbessern, bes. den Boden [< frz. ameliorer ,,(sich) verbessern“; zu lat. melior

der Bevölkerung der USA in Geistes¬ haltung, Lebensstil, Kultur- u. Wirt¬ schaftsformen - 'nist Kenner, Erforscher, Lehrer, Student der Ame¬ rikanistik u. der Sprachen Amerikas - 'ni-stik Lehre von den Sprachen u. der Kultur 1. der indian. Urbevölkerung Amerikas, 2. der USA — 'ni'Stisch die Amerikanistik betreffend, auf ihr beruhend a me'tä zur Hälfte, Gewinn u. Ver¬ lust geteilt; conto a metä, conto metä auf halbe Rechnung [ital., ,,zur Hälfte“]

Ame'ri-zi-um

= Emmer [-C ahd. amar(o) ,,Sommerdinkel“ -|korn ,, Getreide“; dasselbe: Emmer; -► a. Ammer ,,Vogel“] Ame'lim-gen Amaler, die Mannen Dietrichs von Bern [nach den Amalern, Herrschergeschlecht der Ost¬ goten, seit 5. Jh. n. Chr. nachweisbar] 'Amen Zustimmung der Gemeinde zu Bede, Segen, Gebet usw., Gebets-, Segensschluß', aus der israelit. Rechtsordnung in den christl. u. islam. Gottesdienst übernommen; zu allem ja und -r sagen mit allem ein¬ verstanden sein, sich allem fügen;

das ist so sicher wie das — in der Kirche ganz sicher, bestimmt; sein — zu etwas geben sein Einverständnis erklären [< hebr. amen ,,wahrhaftig, gewißlich, so sei es, so geschehe es“] Amen|de-ment Derivat Organ. Säuren, bei dem die Hydroxylgruppe der Karboxylgruppe durch eine Amino¬ gruppe ersetzt ist, z. B. Azet-r,

Berichtigungs¬ Gesetz [frz. ,,Verbesserung“, zu lat. mendum ,,Feh¬ ler“] '5' 'die-ren ein Amende¬ ment einreichen zu; verbessern, berichti¬ gen [< frz. amender ,,verbessern“, zu lat. mendum ,,Fehler“] Ame'nit ein thermoplast. Kunststoff

CH, • CONH, [nach den beiden ersten Buchstaben von Ammoniak] Ami-do'phe-nol mit dem Mikroskop nicht mehr erkennbar [zu grch. a „nicht“ -|- Mikroskop)

Amin amerikan. Rebsorten 'vni'sieTen Sitten und Gebräuche der USA einführen in,bei -'nis-mus Eigentümlichkeit des amerikan. Eng¬ lisch; dem amerikan. Englisch nachgebil¬ dete Spracheigentümlichkeit in einer anderen Sprache; die Eigerutrt

Amil'tO'Se Zell¬ teilung ohne vorhergehende Auflösung der Kernmembran u. ohne gesetzmäßige Verteilung der Chromosomen; Ggs.: Mitose [zu grch. a „nicht“ + mitos „Faden“] — 'tO'tisch die Amitose betreffend, auf ihr beruhend ; Ggs.;

mitotisch 'Am-mann Obmann,

Bezirks-,

Ge-

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amputieren meindevorSteher [«: mhd. amman, Ne¬ benform zu amb(e)tman „Amtmann“] ’Am-me Mutter, die ein fremdes Kind stillt [ -= mhd. amme

„Mutter, insofern das Kind von üir genährt wird, Amme“ < ahd. amrna, vermutl. Lallwort] ~n'mär-cheii unglaubwürdige Geschichte ~n-zeu-gung regelmäßiger Wechsel zwischen einer geschlechtl. u. einer ungeschlechtl. Generation 'Am-mer^ Gattung der Finken¬ vögel: Emberiza ,,Vogel“ [c spätuhd. amaro, verkürzt aus ^amarofogal; zu ahd. amaro ,,Sommerdinkel“; Amelkorn, Emmer'\ 'Am-mer* eine Sauerkirschen¬ sorte; -► Amarelle

Am-mo-nil'ak

Betonung a. ['—o-] n. 11; waz.y farbloses, stechend riechen¬ des Gas, ehern. Formel NH, [< greh. ammoniakon, nach einer Pflanze, die in der Nähe des dem Jupiter Ammon geweihten Tempels in der Oase Siwa (im Altertum Ammonion) in Libyen wuchs] ~aka'lisch =

‘akAm¬

moniumsalz

Am'mo'nit ausgestorbene Kopf¬ füßler mit sehr großen Kalkschalen, als Versteinerungen erhalten; Ammonshorn

[nach den Widderhörnern des ägypt. Gottes Ammon'] Am'mo-ni-um das den Alkalimetallen entspreche'de Ra¬ dikal NH, [zu Ammoniak] ~kar-

bo nat Hirschhornsalz,

Formel {NH,),'CO, Sicherheitsspreng¬ stoff im Kohlenbergbau, ehern. Formel NH,NO, ~salz aus Ammoniak u. einer Säure gebildetes Salz, z. B. Sal¬ miak ~Stxl'fat Düngemittel, ehern. Formel {NH,),'SO, Am-mon'ni'ter den Israeliten verwandter, aber verfein¬ deter semit. Stamm im Ostjordanland 'Am-mons-horn = Ammonit; hornartig gekrümmter Teil im Großhirn der Säugetiere Amne'sie Gedächtnisstörung, {vorübergehender) Gedächtnisverlust [zu greh. a „nicht“ -|- mnesis ,,Erinnerung“; verwandt mit Amnestie] Am-ne'stie Straferlaß, Begna¬ digung für eine ganze Gruppe von Ge¬ fangenen [< greh. amnesteia; zu a „nicht“ -p mnestis ,,Gedenken“; verwandt mit Amnesie] ~ ren durch Gesetz begnadigen, die Strafe erlassen 'Am-ni'on innerste, ge¬ fäßlose Embryonalhülle der höheren Wirbeltiere [zu greh. amnos ,,Lamm“] ~was-ser = Fruchtwasser

~ni'trat

Am-nio|ten Gattung der ein¬ fach gebauten, einzelligen Wurzelfüßer, Wechseltierchen: Amoeboidae, Amoebozoae [-C greh. amojie„Wechsel“] ~bellruhr ,