Der mittelalterliche Reiterschild: Historische Entwicklung von 975 bis 1350 und Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes 3935616104, 9783935616102

Nach ausführlicher Einleitung in Entwicklung und Geschichte des mittelalterlichen europäischen Reiterschildes, inklusive

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Der mittelalterliche Reiterschild: Historische Entwicklung von 975 bis 1350 und Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes
 3935616104, 9783935616102

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für

meinen Vater

Jan Kohlmorgen

Der mittelalterliche Reiterschild

Historische Entwicklung von 975 bis 1350 und

Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes

Karfunkel Verlag • Wald-Michelbach

© 2002 • Karfunkel-Verlag • Wald-Michelbach

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb tier engen Grenzen des Urhebcrrcchtsgcselzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen Lektorat: Christine Mein Druck: Fuldaer Verlagsagentur ISBN 3-935616-10-4

Vorwort

Dieses Buch entstand im Rahmen meiner langjährigen, hobbymüßigen Beschäftigung mit der Zeit des Mittelalters. Da mein Hauptinteresse dabei von Anfang an besonders dem Rittertum galt, blieb es nicht aus. daß ich mit der Zeit immer mehr Kenntnisse über Waffen. Rüstungen und Schilde sammelte. Weltweit gibt es mittlerweile eine große Zahl historisch interessierter Menschen, die ihre Frei/eit damit verbringen, historische Epochen - insbesondere auch das Mittelalter - nach­ zuerleben. Diese Mittelalterrollenspieler und Re-enactor versuchen dabei immer tiefer in das von ihnen dargestellte Zeitalter einzudringen und ihre Kleidungs- und Ausrüstungs­ gegenstände den Originalen immer ähnlicher werden zu lassen. In erster Linie für diese Leute habe ich dieses Buch geschrieben, und ursprünglich wollte ich damit ausschließlich die Anleitung zur Herstellung eines kampftauglichen ritterlichen Schil­ des für das Re-enactment vermitteln. Bei Beginn der schriftlichen Ausarbeitung wurde mir aber sehr bald bew ußt, daß ich es hierbei nicht belassen konnte, denn der ritterliche Schild war im Laufe der Jahrhunderte, bedingt durch die stetigen Veränderungen im Kriegswesen, ständigen Entwicklungen unterworfen, und da nicht jeder, der sich heute einen solchen Schild selber anfertigen möchte, beabsichtigt, einen Krieger aus der gleichen Epoche darzu­ stellen, hielt ich es für notwendig, auch die militärgeschichtliche Entw icklung des Schildes etwas umfassender darzustellen. Ich habe daher versucht, die historische Entwicklung des Schildes durch die Jahrhunderte hindurch wiederzugeben. Im Hinblick auf die bewußt „unwissenschaftlich" gehaltene Art dieses Buches habe ich da­ rauf verzichtet, im Text Fußnoten und Fundstellen anzuführen. Am Ende des Buches finden sich aber die Bücher und Schriften, die von mir bevorzugt zu Rate gezogen wurden. Hervor­ zuheben sind hierbei insbesondere das 1884 von W'ameke geschriebene W'erk und die 1958 von Helmut Nickel verfaßte Dissertation. Und wie schon Warnecke nehme auch ich zu mei­ nen Gunsten den Satz in Anspruch: Ultra posse nemo obligator. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Schildbau.

Jan Kohlmorgen

INHALT

Kapitel I: Die Entstehungsgeschichte des hochmittelalterlichen Reiterschildes 1.

K in le itu n g ...............................................................................................................................................................................11

2.

Die zwei (Grundformen des Schildes ............................................................................................................................ 12 Der Parierstock..................

12

Die Sch ul/um wicklung des A rm s............................................................................................................................... 12 3.

Krläuterung einiger lieg rifle - Heraldische (» ru n d r e g eln .....................................................................................13

4.

Dir Kntwicklung des Schildes von der Antike bis zum Truhen M ittelalter rtfechter, tun 1300 u Chr. (nach Nickel)

Vorab sollen einige Begriffe und heraldische Grundregeln erläutert werden, die möglicherweise nicht jedem bekannt sind, da dies die anschließen­ den Abschnitte dieses Buchs besser verständlich macht. Bei der Betrachtung der beiden Schaubilder (Abb. 3 und 4) mag es verwirren, daß die räumli­ chen Bezeichnungen der oberen Schildecken nur bei der Betrachtung der Schildrtlckseite richtig zu sein scheinen. Dieser Umstand entstammt aber der traditionellen Heraldik und wird daher von mir so beibehalten. Als Faustregel gilt also: Der Schild wird immer aus der Sicht des Trägers beschrieben. Wird ein Schild als konkav bezeichnet, bedeutet dies, daß die seitlichen Schildränder zum Körper des Schildträgers hin gebogen sind. Ein konvex gebogener Schild ist dementsprechend vom Kör­ per weg gebogen. Die Heraldik ist die Lehre von der Form und

Abb. 3: Vorderansicht eines hochmittelalterlichen Dreieckschildes

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Abb. 4; Rückansicht eines hochmittelaltefliehen Dreieckschildes

dem Gebrauch der Wappen. Sie entstand im 12. Jahrhundert im westeuropäischen Raum durch eine Zusammenfassung und Reglementierung be­ reits bestehender, vornehmlich militärischer Ele­ mente (Schilde. Zeichen, Fahnen, Siegel). Die he­ raldische Fachsprache war ursprünglich franzö­ sisch; die Terminologien anderer Sprachen sind Übernahmen oder (teilweise verunglückte) Über­ setzungen aus dem Französischen. Wichtigster und ursprünglich einziger Bestand­ teil des Wappens ist der Schild, auf dessen Vorder­ seite das Wappenbild aufgemalt ist. Als zweiter wesentlicher Bestandteil gilt der Helm mit der sog. Helmzier (Helmkleinod) und der sog. Helm­ decke. Mitunter treten andere Kopfbedeckungen an die Stelle der Helmzier. Ergänzend zum Wap­ pen können die sog. Prunkstücke hinzutreten, wie Rangkronen. Schildhalter. Ordensketten, Wappen­

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mäntel oder Devisen. ln der Heraldik sind nur neun Farben (sog. Tinkturen) zugelassen. Dieser Umstand beruht in erster Linie auf rein praktischen Gründen, nämlich der einwandfreien optischen Erkennbarkeit, mög­ licherweise aber auch auf der Möglichkeit der Herstellbarkeit der Farben. Von den Tinkturen sind nur fünf eigentliche Farben (frz. émaux), zwei sind Metalle (frz. métaux) und zwei sind Pelzarten (frz. fourrures oder pannes). Als Farben sind zugelassen: rot (frz. gueules, engl. Rules), blau (frz./engl, azure), grün (frz. sinople, engl, vert), schwarz (frz./engl. sable, ei­ gentlich die Bezeichnung für Zobel. In der ältesten Zeit statt dessen auch braun) und purpur (frz. pourpre, engl, purpose), das allerdings im Wap­ penschild selbst gewöhnlich nicht gebraucht wird. Als Metalle sind gold (frz./engl. or) und Silber

(frzVengl. argent) erlaubt. Statt gold und silber kann ohne Bedeutungsunterschied auch gelb und weiß verwendet werden. Einige Wappentrüger (Zi­ sterzienser und teilweise die Ritterorden) lassen als Zeichen der Demut nur gelb und weiß zu. Die Pelze sind Feh (frz./engl. vair) und Hermelin (frz. hennines, engl, ermine). Beim Feh wird der Win­ terpelz verwand, der auf dem Rücken weiß und auf dem Bauch graublau ist. Die Fellstücke kön­ nen in unterschiedlicher Anordnung zusammen­ genäht werden. Vom Hermelin wird der weiße Winterpelz verwendet, auf den die Schwänze mit ihrer schwarzen Spitze aufgenäht werden. Für die Anordnung der Tinkturen gilt die Regel, daß stets Farbe und Metall aneinanderstoßen sol­ len und nicht Farbe an Farbe oder Metall an Me­ tall. Von dieser Regel gibt es allerdings viele Aus­ nahmen (sog. Rätselwappen), insbesondere bei sehr alten Wappen. Außerhalb des Systems kommt die natürliche oder Fleischfarbe (frz. carnation) vor. Ohne heraldische Auswirkung ist die Verzie­ rung einer Farbflache durch Schlangenlinien oder ähnliche Muster, die sog. Damaszierung (frz. dia­ pré). Die Darstellung der Farben durch Schraffu­ ren wurde erst in der Neuzeit festgelegt. Die Einteilung des Wappens in sog. Plätze er­ möglicht es. dieses immer in korrekter Weise auf dem Schildbrett zu plazieren. Die Beschreibung eines Wappens (sog. Blasionierung) verläuft dabei immer von heraldisch rechts nach heraldisch links und von oben nach unten, da die rechten oberen Teile des Schildes als vornehmer gelten als die lin­ ken unteren. Das obere Drittel des Schildes ist das Schild­ haupt (frz. chef), das untere Drittel ist der Schildfuß(frz. champagne). Das rechte und linke Drittel des Schildes sind die Seilen oder Flanken (frz. flanc). Der Punkt genau in der Mitte ist die Herz­ stelle. Ein dort aufgelegter Schild hieße beispiels­ weise Herzschild. Die schmale Außenpartie des Schildes heißt Schildrand. Völlig einfarbige Schilde sind die Ausnahme. Gewöhnlich ist das Feld entweder durch Linien unterteilt, oder es ist eine Figur darauf abgebildet. Die Unterteilungen der Schildfläche werden als Heroldshilder bezeichnet. Ist der Schild von einer senkrechten Linie in der Mitte geteilt, spricht man von einem gespaltenen Schild (frz. parti). Auch eine mehrfache Spaltung ist möglich (frz. palé). Weist bei zweifacher Spaltung die rechte und linke

Seite dieselbe Farbe auf, spricht von dem mittle­ ren Teil als Pfahl (fr/., pal). Ein schmaler Pfahl heißt Stab (frz. vergelte). Verläuft in der Mitte des Schildes eine Linie waagerecht, ist das Wappen geteilt (frz. coupé). Bei zwei waagerechten Linien ist es zweifach geteilt (frz. tiercé), oder es entsteht ein Balken oder eine Binde (frz. face), wenn die Farben der oberen und unteren Hälfte gleich sind. Ein schmaler Balken wird als Leiste (frz. trangle) bezeichnet und eine schmale Leiste als Faden (frz. devise). Ein Schild, der gespalten und geteilt ist. so daß vier gleichgroße Viertel entstehen, heißt quadriert oder geviert (frz. écartelé). Diese Teilung ist sehr häufig, besonders bei zusammengesetzten Wap­ pen. Durch diagonale Linien w ird der Schild schräg­ geteilt. Geht die Linie dabei von der rechten obe­ ren Schildecke aus, ist der Schild schrägrechlsgeteilt (frz. tranché). Geht sie von der linken oberen Schildecke aus. ist der Schild schräglinksgeteilt (frz. taillé). Wie bei den geraden Teilungen gibt es auch hier, bei Dreifachteilungen, einen Schräg­ rechtsbalken (frz. bande) und einen Schräglinksbalken (frz. harre), wenn die Farben außerhalb des Balkens gleich sind. Ist der Schild schrägrechtsund schräglinksgeteilt. spricht man von schrägge­ viert (frz. éccartelé en sautoir). Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen, die Zahl der möglichen Heroldshilder ist groß. Auch müssen die Teilungen nicht gerade sein, sondern können auch gebogen, gewellt, zinnenförmig etc. sein. Die Abbildungen, die in den einfarbigen oder bereits ein Heroldsbild aufweisenden Schild ge­ setzt werden, werden als sog. gemeine Figuren be­ zeichnet. Man unterscheidet natürliche, künstliche und erdichtete Figuren. Natürliche Figuren sind Menschen, Tiere. Pflanzen, Himmelskörper oder Teile von ihnen. Natürliche Figuren werden auch nach ihrer Körperhaltung unterschieden (stehend, schreitend, springend etc.) oder danach, ob sie ein bestimmtes Attribut tragen Die häutigsten natürli­ chen Figuren sind der Adler, der Löwe und Lilien. Der schreitende Löwe heißt - außer in England Leopard. Die künstlichen Figuren sind Bauwerke. Werkzeuge. Kleidungsstücke, Waffen und Kreuze. Zu den erdichteten Figuren gehören die Fabelwe­ sen wie Greife. Drachen. Einhörner. Basilisken. Harpyen etc. Die gemeinen Figuren werden nicht

in ihrer natürlichen Gestalt, sondern in stark ver­ einfachter Form wiedergegeben. Bei mehreren Fi­ guren in einem Wappen ist auch ihre Stellung zu­ einander wesentlich. Die natürlichen Figuren müs­ sen nicht ihre natürliche Farbe aufweisen, sondern können jede heraldisch zulässige Farbe haben. Auch können sie nach Art eines Heroldsbildes mehrfarbig fingiert sein. Kronen oder Krallen (sog. Bewehrung) der natürlichen Figuren sind oft vom Körper abweichend gefärbt. Als sog. Beizeichen bezeichnet man Merkmale, durch die gleich­ förmige Wappen differenziert werden, wie bei­ spielsweise der sog. Tumierkragen oder der Ba­ stardfaden.

4. Die Entwicklung des Schildes von der Antike bis zum frühen Mittelalter (2000 v. Chr.-975 n. Chr.) In antiker und frühmittelalterlicher Zeit wurde das Rückgrat aller Armeen in erster Linie von - meist schwer gerüsteter - Infanterie gebildet. Zwar gab es bei vielen Völkern dieser Zeit - insbesondere auch bei der persischen und der römischen Armee sowie bei den Reitervölkem des Ostens - berittene Einheiten, die Pferde dienten aber, jedenfalls in West- und Mitteleuropa, in der Regel nur dem schnelleren und kräfteschonenderen Vorankom­ men. Vor dem tatsächlichen Zusammentreffen satten die Krieger für den Nahkampf grundsätzlich ab und kämpften zu Fuü. Die Schilde waren dem­ entsprechend in der Regel sehr groß, eben zur vollen Manndeckung eines Infanteristen geeignet. Bis zum späten 3. Jahrtausend v. Chr. lebten die Menschen des heutigen Europa nahezu friedlich nebeneinander. Auch noch nachdem aus den stein­ zeitlichen Jäger- und Sammlerkulturcn seßhafte Bauern geworden waren, denn Lebensraum gab es genug. Etwa um 2000 v.Chr. setzten jedoch die er­ sten Einwanderungen fremder Völker ein und brachten Unruhe in das bäuerliche Europa. Von Osten her zogen indogermanische Völker nach

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Westen, siedelten sich in den bereits besetzten Ge­ bieten an und vermischten sich - zunächst aller­ dings meist friedlich - mit der dortigen Bevölke­ rung. Zwar wird cs auch zu dieser Zeit kämperi­ sche Auseinandersetzungen benachbarter Familien gegeben haben, große kriegerische Auseinander­ setzungen zwischen einzelnen Stämmen oder gar ganzen Völkern waren bis dahin jedoch noch un­ bekannt.

Griechenland - mykenische Kultur - Sparta Ein erster kriegerischer Unruheherd entstand schließlich in dem Gebiet des heutigen Griechen­ lands. Im Zuge der Jndogermanisierung wänderten hier etwa seit 2000 v. Chr. verschiedene Stämme aus Westrußland ein. vermischten sich mit der Ur­ bevölkerung und schufen in den Jahren 1600 bis 1200 v.Chr die mykenische Kultur. Blühende Kö­ nigreiche entstanden. Etwa ab 1200 v. Chr. aber begann die dunkle Epoche. Von Norden her dran­ gen weitere - diesmal kriegerische - Stämme in den Mittelmeerraum ein, die das Land durchzogen und verw üsteten. Die mykenische Kultur zerfiel, als die alten Königreiche begannen, nicht nur die Eindringlinge zu bekämpfen, sondern auch gegen­ einander Krieg zu führen. Während dieser Zeit entwickelte sich in der mykenischen Gesellschaft notgedrungen eine eigene Kriegskultur. In der Kriegsführung setzten die Mykener in der Regel mannshohe, meist achtför­ mige - manchmal auch rechteckige - Schilde ein. die an einem zentralen Haltegriff geführt wurden. Als eine Besonderheit ist hervorzuheben, daß diese Schilde mit einem Riemen versehen waren, der es gestattete, den Schild auch im Kampf über der Schulter hängend zu tragen, um so beide

Abb. 5: Krieger mit umgehängtem Achterschild, Löwenjagddolch von Mykenae (nach Nickel)

Hände frei zu haben. Im Zuge der Weiterentwicklung veränderte sich der sog. Achterschild der Mykener bald folgender­ maßen: Die Einschnürungen in der Mitte des Schildes gingen immer weiter zurück, und der Schild wurde in der Mitte immer breiter und bekam eine länglich, ovale Form mit halbmond­ förmigen Seiteneinschnürungen. Derartige Schilde bezeichnet man als sog. böotische Schilde. Auf­ grund der Verbesserung der Körperpanzerung insbesondere im Bereich der Beine - wurde der Schild dann auch immer kürzer und damit zwangsläufig bald kreisförmig.

Abb. 6: Krieger mit böotischem Schild. Vasendarstellung (nach Nickel)

Auch während der Zeit der kriegerischen Einwan­ derungen vermischten sich zwar einige der Ein­ dringlinge mit der bereits ansässigen Bevölkerung, viele Stämme Griechenlands mußten aber vor dem Druck der Einwanderer ausweichen und flohen ostwärts über das Meer an die Küsten Asiens. In Lakonien setzte sich beispielsweise der eingedrungene. sehr kriegerische Stamm der Spartaner fest und zwang die ansässige Bevölkerung als Sklaven - sog. Heloten - im Land zu bleiben und für die neuen Herren zu arbeiten. Die Spartaner waren ein reines Kriegervolk, dessen ganze Lebensweise nur darauf abzielte, die Sklavenbevölkerung unter Kontrolle zu halten. Jeder spartanische Mann war ab seinem siebten Lebensjahr ein Ganzzeitsoldat, der sein Leben ausschließlich mit Militärübungen verbrachte, für den Fall, daß die Heloten einmal rebellierten. Aber es waren auch die Spartaner, die die Kunst der Kriegsführung perfektionierten und in der Folgezeit einen grundlegenden Wandel in der Kriegstaktik begründeten. Im Kampf setzten sic nämlich auf dichte Schlachtreihen von schwer

gerüsteten und gut bewaffneten Kriegern, die sich in geschlossener Formation bewegten und geord­ net gegen den Gegner vorgingen. Im Gegensatz zu den mykenischen wiesen die von den Spartanern verwendeten Schilde auf der Schildrückseite, in der Nähe des Schildrandes einen Handgriff und in der Schildmitte eine breite Schlaufe für den Unter­ arm auf. Diese Tragweise und die damit verbunde­ ne stabile Befestigung des Schildes am Unterarm war vollkommen neu. Erst diese Entwicklung er­ möglichte das Kämpfen in Phalanx und verschaff­ te den Spartanern bald eine kriegerische Vor­ machtstellung gegenüber ihren Nachbarn. Etwa ab H(X) v. Chr. erholte sich das Land dann langsam von den Einfällen. Die Landbevölkerung verließ ihre Dörfer, wo sie Übergriffen schutzlos ausgesetzt war. und siedelte sich rund um die we­ nigen zentralen Festungen der Adligen an. Auf diese Weise entstanden die Stadtstaaten, und das Zeitalter des klassischen Griechenlands brach an. Im Zuge dieser Entw icklung veränderte sich auch die Art der Kriegsführung, denn da die Felder und Gärten, die der Versorgung der Stadt dienten, außerhalb der Stadtmauern lagen, konnten die Stadtbewohner sich nicht auf eine Belagerung ein­ lassen. Sie zogen es daher vor. dem Feind entgegen/umarschieren und ihm in offener Feldschlacht zu begegnen, um diesen so von ihrer Stadt fernzu­ halten. Im Kampf setzte man bald in ganz Grie­ chenland auf eine Kriegsführung nach Art der spartanischen Eroberer. Abbildungen aus dieser Zeit zeigen die griechi­ schen Krieger grundsätzlich nur noch mit kreis-

Abb. 7: Kämpfender Achilles, Detail einer Keramikbemalung, um 490 v. Chr

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runden Schilden, den sog. argivischen Schilden. Da zu dieser Zeit metallene Beinschienen allge­ mein üblich geworden w aren. war ein Schutz der Beine mittels des Schildes auch entbehrlich ge­ worden. Die Krieger dieser Epoche kennen wir heute als sog. Hopliten. w'obei der kreisrunde Schild (griech. Hoplos) dem Krieger seinen Namen gab. Ein Hoplii war ausgerüstet mit einem den ganzen Kopf umschließenden sog. korinthischen Hehn, einem Oberkörperpanzer, Beinschienen, die bis über die Knie reichten, und eben dem runden argi­ vischen Schild. Die Schilde der Hopliten bestanden aus Holz. Abbildungen zufolge war ihre Fläche leicht kon­ kav gewölbt. Zwar sind keine Funde solcher Schilde erhalten, es ist aber wahrscheinlich, daß sie mit Leder überzogen waren. Auch wird ange­ nommen. daß der Schildrand rundum mit einem Metallstreifen verstärkt war. Der Fund eines dün­ nen, gewölbten Bronzeblechs aus dieser Zeit, das in Schildform gearbeitet ist. legt allerdings auch die Vermutung nahe, daß manche Schilde mögli­ cherweise komplett mit einem solchen Bronzeüberzug versehen waren. In seiner Ilias schrieb Homer: .....zuerst schuf er einen Schild, rund. groß und fest, schmückte ihn iiherall geschickt, dann fügte er einen glanzenden, dreifachen Saum und an den Schild auch einen silberheschlagenen Riemen an. Am Schild seihst waren fü n f Schichten und auf der oberen Fläche schuf er mit klugem Sinn auch zahllose prächtige Verzierungen... " Auch waren es die Schilde der Hopliten. auf denen erstmals in der Geschichte auf der Schild­ fläche aufgebrachte Motive auftauchten. Wahr­ scheinlich dienten diese dazu, die Identität des Kriegers erkennbar zu machen, dessen Gesicht von dem korinthischen Helm verdeckt war. Dane­ ben gab es auch Symbole ganzer Einheiten oder Städte.

Die Etrusker Die Ausrüstung, Bewaffnung und Kampfweise der Hopliten fand ihre Verbreitung im Mittelmeerraum insbesondere durch die auf der italienischen Hal­ binsel lebenden Etrusker. Sie gehörten nicht zu den Urcinw'ohncrn der italienischen Halbinsel, sondern waren hier etwa ab 900 v. Chr. - wahr­

scheinlich aus Kleinasien kommend - eingewan­ dert und hatten sich in dem Gebiet zwischen Tiber und Arno niedergelassen. Die Etrusker waren große Verehrer der Griechen. Sie eiferten ihren hellenischen Vorbildern in allem nach und gelten heute als Kulturmittlcr zwischen Griechenland und Rom. Sehr schnell übernahmen sie daher auch die Ausrüstung und Bewaffnung der Hopliten, ins­ besondere die argivischen Schilde. Auch von den Etruskern ist ein runder Schildbelag aus Bronze­ blech erhalten, der auf das 8. oder 7. Jahrhundert v.Chr. datiert wird. Bei den anderen Völkern Itali­ ens hingegen blieben die ursprünglich üblichen, an einem Mittelgriff geführten Rundschilde aus Holz oder Leder in Gebrauch. Die Etrusker lebten in einem gut organisierten und wohlgerüsteten Städtebund und übten so eine Vormachtstellung gegenüber der unorganisierten Urbevölkerung aus. Als sich aber in ihrer unmit­ telbaren Nachbarschaft am Tiber ein neues starkes Bündnis entw ickelte, änderten sich die Machtver­ hältnisse. Aus einer großen Anzahl kleiner und un­ abhängiger Gemeinschaften von latinischen und sabinischen Hirten entstand um das Jahr 750 v. Chr. das sog. Septimonium - ein Verband von sie­ ben sich gegenseitig unterstützenden Dörfern und später die Stadt Rom. Aufgrund der hiermit cinhergegangcnen erstarkten Stellung der Latiner, waren die Etrusker gezwungen, sich mit diesen zu verbünden und ihre Vormachtstellung abzutreten.

Rom Im 6. Jahrhundert v. Chr. bildete der latinische Heerführer Servius Tullius aus Etruskern. Latinern und Römern eine gemeinsame Armee. Diese Armee ordnete er nach fünf Besitzklassen, wobei die erste Klasse den wohlhabendsten Bürgern Vor­ behalten war. die sich exakt nach Art der griechi­ schen Hopliten bewaffneten und ausrüsteten und in der ersten Schlachtenreihe in Phalanx kämpf­ ten. Die Soldaten der zweiten Klasse trugen kei­ nen Brustpanzer und statt des argivischen Schildes einen neu entwickelten Schild. Hierbei handelte cs sich um einen hohen, rechteckigen Schild (lat. scutum) aus Holz, dessen oberer und unterer Rand so ausgebaucht war, daß der Schild eine leicht ovale Form erhielt. Der Schild war mit Leder überzogen und reichte seinem Träger etwa vom

Kinn bis zu den Knöcheln. In der Mitte des Schil­ des befand sich ein Loch, das von einem querlie­ genden. auf der Schildrückseite befestigten Hand­ griff überspannt wurde. Die Hand schützte ein auf der Schildvorderseite über dein Loch befestigter rechteckiger Buckel aus Metall (lat. umbo). Im Gegensatz zum argivischen Schild wies das scu­ tum keine Unterarmschlaufe auf. Im Zuge der zweiten Reform des römischen Heeres wahrend des 4. Jahrhunderts v. Chr. verschwand die Pha­ lanx mit den argivischen Schilden, und die fünf Besitzklasscn der Armee wurden auf drei redu­ ziert. In allen drei Klassen wurde einheitlich das scutum verwendet. Die gegen finde des 2. Jahr­ hunderts v.Chr. durchgeführte dritte Heeresreform führte schließlich dazu, daß der Staat die Ausrü­ stung der Soldaten übernahm, so daß jeder Le­ gionär, egal ob arm oder reich, nunmehr den glei­ chen Schild erhielt. Etwa zur Zeit des Augustus also um die Zeitwende - wurden die Schilde oben und unten gekürzt, so daß sie eine rechteckige Form bekamen. Grundlegende Erkenntnisse über den Aufbau römischer Schilde finden sich in dem sechsten Buch des griechischen Historikers Polybius, der in Rom lebte und hier etwa um 150 v. Chr. unter an­ derem die Ausrüstung der Römer sehr exakt be­ schrieb. Die römischen Schilde kennzeichnete er so: Die Schilde haben eine gewölbte Oberfläche. Ihre Breite beträgt etwa 75 cm und ihre Höhe etwa 140 cm. Die Wölbung hat eine Höhe von etwa 10cm. Der Schildkorpus besteht aus zwei aufeinandergeleimtcn Schichten Holz und ist auf der Außenseite zunächst mit Leinwand und darüber mit Leder überzogen. Der Schildrand ist an der Ober- und Unterkante mit einem metallenen Schutz versehen, der den Schild vor massiv ge­ führten Schlägen von oben und vor zu hartem Aufsetzen auf der Erde schützen, ln der Schildmit­ te befindet sich ein eiserner Schildbuckel zum Schulz der Hand und zum Abwehren stärkerer Wurfgeschosse. Zwei Funde römischer Schilde sind besonders interessant, da sich anhand dieser der Aufbau des Schildkörpers gut erkennen läßt. Der ältere Schild wird auf das I. Jahrhundert v. Chr. datiert und wurde um 1900 im ägyptischen Fayum gefunden, weswegen er gemeinhin auch als Fayum-Schild bezeichnet wird. Der zweite Schild ist einer von fünf, in der Grenzfeste Dura-Europos in Mesopo­

tamien gefundenen Schilden. Er wird auf das frühe 3. Jahrhundert n. Chr. datiert. Der Fayum-Schild hat eine leicht ovale Form. Er ist 128 cm hoch und 63.5 cm breit. Er besteht aus drei Schichten von etwa 2 bis 3 mm starken, gewölbten Birkenholzbrettchen, die in Sperrholz­ technik Ubereinandergeleimt sind. Die Brettchen der ersten und dritten Lage sind etwa 2.5 bis 5 cm breit und verlaufen quer zur Schildachse, die der zweiten Lage sind etwa 6 bis 10 cm breit und ver­ laufen senkrecht. Sowohl auf der Schildvorder-, als auch auf der Schildrückseite befinden sich Reste eines Überzugs aus Wollfilz.

Abb. 9; Faywn-Schild. liegend

Der andere, in Dura Europos gefundene Schild weist die erwähnte spätere, rechteckige Form auf und ist daher auch nur 105 cm hoch. Er ist eben­ falls gewölbt und in Sperrholztechnik - allerdings aus Flatanenholz - gefertigt. Bei diesem Schild ist sogar der farbig bemalte Lederüberzug erhalten. Bei beiden Funden findet sich in der Schildmit­ te ein Loch, über dem eine Querverstrebung als Handgriff angebracht war. Weitere Funde von Fragmenten römischer Schilde weisen Reste von aufgeleimten Leinenund Lederbespannungen auf, die am Schildrand vernäht waren. Nicht sicher ist, wie es den römischen Schildmachem gelang, die Wölbung der Schilde herzustellen. Teilweise wird vermutet, daß sie die ein­ zelnen Brettchen vor der Verleimung mit Feuch­ tigkeit - möglicherw eise mit Dampf - und unter Spannung stehend in die gewölbte Form brachten. Dies wäre meiner Ansicht nach allerdings eine sehr aufwendige Vorgehe ns weise, bei der außer­ dem zu befürchten gewesen wäre, daß sich die einzelnen Bretter ungleichmäßig bogen, da ge­ wachsenes Holz die Eigenschaft hat. sich unter­ schiedlich stark zu verziehen, je nachdem um wel­ che Art Holz es sich handelt, w ie stark es ist, wie die Maserung verläuft oder aus welchen Bereich des Stammes es stammt. Um ein regelmäßiges Er­ gebnis zu erreichen, hätten die römischen Schild­ bauer also sehr exakt arbeiten müssen, und das bei der Herstellung eines Massenprodukts. Da für den Fayum-Schild eindeutig Bretter von ganz unter­ schiedlicher Breite verwendet wurden, wäre es sehr aufwendig gewesen, dem Schild eine gleich­ mäßige Wölbung zu geben. Es ist meiner Meinung nach eher zu vermuten, daß die Brettchen in unge­ bogenem Zustand zwischen eine Positiv- und eine Negativ-Form gelegt und dann unter Druck wahrscheinlich durch Aufeinanderpressen der bei­ den Formen - mit den anderen Schichten verleimt wurden.

gestreckte Schilde, die allerdings Bach und nicht gewölbt waren. Geführt wurden sie aber ebenso wie die römischen Schilde an einem quer in der Schildmitte liegenden Handgriff. Etwa seit der Zeitwende waren solche Schilde ebenfalls in der römischen Armee gebräuchlich, allerdings nur bei den Truppeneinheiten besiegter Völker, den sog. A uxiliartruppen. Überreste ovaler keltischer Schilde wurden bei­ spielsweise in La Tene/Frankreich. in Hjortspring/Dänemark sowie in Irland gefunden. Die Schilde aus La Tene haben eine durchschnittliche Höhe von etwa 110 cm und sind aus senkrecht ne­ beneinanderstehenden Eichenholzplanken gefer­ tigt. Vorder- und Rückseite der La Têne-Schilde wiesen Überreste von Lederbezügen auf. Da kelti­ sche Schilde nicht gewölbt waren, konnte bei der Herstellung auf die aufwendige Sperrholztechnik der römischen seinen verzichtet werden. Auch die keltischen Schilde waren mitunter vollkommen von einem Belag aus Bronzeblech

Kelten und Germanen - Wikinger Wie aber sahen die Schilde der Gegner Roms aus? Die Schilde der Kelten unterschieden sich nicht grundlegend von denen der Römer. Die Kelten verwendeten - nachweislich etwa seit dem 3. Jahr­ hundert v.Chr. - längliche, ovale oder sechseckig.

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Abb. 10: Wiihatn-Schild, 4. Jh. v. Chr

Überzogen, wie zwei sehr gut erhaltene Funde von Sehildblechen belegen. Der eine Blechfund, der sog. Witham-Schild, stammt aus dem Fluß Witham bei Uncoln/Kngland und wird auf 400 bis 300 v. Chr. datiert. Das Blech ist 109,22 cm (3ft. 7ins) hoch, der Holzkorpus ist nicht erhalten. Der zweite Fund eines Schildblechs, der sog. Haiiersea-Schild, ist ein Themsefund und wird etwas un­ genauer auf 350-50 v. Chr. datiert. Dieses Blech hat eine Höhe von nur 77,5 cm, und auch hier ist der Holzkorpus nicht erhalten. Im Zusammenhang mit diesen beiden Funden w ird allerdings vermu­ tet. daß solche prunkvollen, mit Blech überzoge­ nen Schilde in erster Linie besondere Prachtschil­ de waren, die möglicherweise kultischen Handlun­ gen Vorbehalten waren. Ebenso gefertigt - allerdings kreisrund - waren die Schilde der germanischen Stamme, insbeson­ dere auch die der Wikinger. Obwohl die Schilde der Wikinger keine Reiterschilde waren, lassen sich den erhaltenen Funden doch einige ganz all­ gemeine und interessante Erkenntnisse hinsicht­ lich der Fertigung frühmittelalterlicher Schilde entnehmen, und immerhin waren sie auch die un­ mittelbaren Vorgänger der späteren Reiterschilde. Wikingerschilde waren in der Regel flach mit einem Durchmesser von etwa 80 bis 90 cm. Den Funden nach waren sie stets aus einer einzelnen Lage seitlich nebeneinander verleimter Bretter von etwa 6 bis 10 mm Stärke gefertigt. Zu den Rän­ dern hin wurden sie mitunter etwas dünner. Einen Beleg für eine Fertigung in Sperrholztechnik läßt sich von den erhaltenen Funden nicht ableiten. Ei­ nige Funde belegen die Verwendung von Nadel­ holz. Zur Festigung der Konstruktion und der bes­ seren Stabilität wegen, waren die Wikingerschilde in der Regel mit einem - manchmal beidseiti­ gem - Lederüberzug versehen, der in der Regel bemalt war. Die Tatsache, daß die Schilde im Schiffsgrab von Gokstad in Norwegen eine Bema­ lung direkt auf dem Holz, aufweisen, läßt darauf schließen, daß sie nie einen Lederüberzug hatten. Allerdings w ird in Bezug auf diese Schilde auch vermutet, daß es sich um reine Bestattungsbeigahen und nicht um kampftaugliche Schilde handel­ te. Archäologische Belege für metallene Verstär­ kungsbänder - das sog. Schi läge spiitt ge - scheint es nicht zu geben. Weitere Stabilität erhielt die Schildkonstruktion aber durch einen auf der

.Schildrückseite aufgenagelten Handgriff und den auf der Schildvorderseite aufgesetzten Schild­ buckel. Der Handgriff bestand aus einem hölzer­ nen Stab, der quer zu den Planken verlief und dabei das Griffloch unter dem Schildbuckel in der Schildmitte überspannte. Meist reichte er von einem Schildrand zum anderen und verjüngte sich zu seinen Enden hin. An seinen Enden war dieser Griffstab außerdem entweder stark verbreitet und direkt auf den Schild aufgenagelt, oder die Stab­ enden liefen spitz aus und wurden mittels beson­ derer metallener Halterungen am Schild befestigt. Bei besonders aufwendig hergestellten Schilden war der hölzerne Stab mitunter ganz von einem verzierten, metallenen Überzug abgedeckt. Da Unterarmschlaufen bei den germanischen Schilden nicht üblich waren, kann ein Schildfund aus dem reichen Schiffsgrab (Grabhügel I) von Sutton Hoo, nahe dem Fluß Deben im Südosten Englands, in­ soweit als eine Besonderheit angesehen werden. Der hier gefundene Schild datiert etwa um 625 und weist eine zusätzliche Schlaufe für den Unter­ arm auf. Die Frage, ob die Schilde der Wikinger eine Rand Verstärkung aufw iesen, wird nicht einheitlich beantwortet. Bei den meisten erhaltenen Funden finden sich diesbezüglich überhaupt keine Hinwei­ se, so daß man wohl davon ausgehen muß. daß diese Funde entweder nie eine Randverstärkung hatten, oder daß diese jedenfalls aus vergängli­ chem Material - wie beispielsweise Leder - gefer­ tigt war. In diesem Zusammenhang ist auch anzu­ nehmen. daß die Wikingerschilde wohl jedenfalls keine umlaufende Randverstärkung aus Metall hatten. Meines Wissens gibt es unter all den wikingischen Schildlünden keinen, der eine solche hätte. Die Schildfunde des Gokstad-Schiffs weisen an ihrem Rand kleine regelmäßige Löcher auf. die dort alle 3,5 cm. in einem Abstand von 2 cm vom Schildrand entfernt, gebohrt sind. Es wird vermu­ tet. daß diese als Befestigungslöcher für eine - al­ lerdings nicht erhaltene - Randverstärkung dien­ ten. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, daß bei den Schilden des Gokstad-Schiffs möglicherweise ein lederner Schildrand aufgenäht war. denn je­ denfalls im Bereich des Schildrandes ist kein Me­ tall erhalten. Darüber hinaus gibt es aber auch einige Funde von metallenen Klammern, die möglicherweise dazu dienten, eine - wahrscheinlich lederne -

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Rand Verstärkung am Schild zu befestigen. Leider sind diese Funde aber größtenteils nur Teile von Schildfragmenten. Trotzdem kann man erkennen, daß die Anordnung und Menge dieser Klammern von Schild zu Schild variierte. Der Fund eines Schildfragments aus Birka in Schweden zeigt, daß die Klammern hier so dicht nebeneinander am Schildrand befestigt waren, daß das darunter ver­ mutete Leder vollkommen bedeckt gewesen sein muß und die Klammem dadurch doch so etwas wie einen metallenen Schutz des gesamten Schildrandes bildeten, leider ist der Schild aber nicht komplett erhalten. Die meisten anderen Funde lassen hingegen erkennen, daß in der Regel nur wenige solcher Klammern verwendet wurden - eben genug, um einer Randverstärkung den nöti­ gen Halt zu geben. Auch w ird vermutet, daß sol­ che Klammern mitunter nur dazu verwendet wur­ den. um schadhafte Stellen am Schildrand auszubessem. Die Tatsache, daß die Schilde der kriegerischen Wikinger verhältnismäßig fragil waren und einer besonderen Verstärkung des Schildrandes so wenig Aufmerksamkeit gew idmet wurde, könnte zunächst unverständlich erscheinen, läßt sich aber mit der bevorzugten Kampftechnik der Wikinger begründen. Der Schild diente in erster Linie der Abwehr feindlicher Fernwaffen - insbesondere Pfeilsalven - und war für diesen Zweck allemal stabil genug. Schwerthiebe wurde dagegen in der Regel mit dem Schwert oder dem sehr stabilen Schildbuckel pariert. Diese Kampfweise belegt unter anderem die Auswertung etlicher, im Kampf beschädigter Waffen der Wikingerzeit. Einige der im Schloß Gottorf in Schleswig ausgestellten Schwerter und Lanzeneisen lassen eindeutig Scharten erkennen, die von Parierschlägen herrühren. Schwere Schläge gegen den hölzernen Schildkorpus werden diesen - insbesondere wenn sie mit einer Axt geführt wurden - in der Regel schnell beschädigt oder zerstört haben. Die Leich­ tigkeit der Schildkonstruktion hatte dann aber möglicherweise noch den nutzbaren Vorteil, daß die gegnerische Waffe in den Kerben des sich aufspaltcnden Holzes eingeklemmt und der Gegner so behindert und seiner Waffe beraubt worden wäre. Aber es waren eben nicht die seefahrenden Wi­ kinger, die den mittelalterlichen Reiterschild ent­ wickelten - wenngleich auch ihre Nachfahren, die

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Normannen, letztlich Namensgeber der ersten ech­ ten Reiterschilde werden sollten. Doch auch die Normannen übernahmen nur einen Schild, der zuvor von anderen Völkern entwickelt worden war. Der Blick muß daher noch einmal in der Ge­ schichte zurück gerichtet werden.

Der Aufstieg des Frankenreichs Unter dem Druck der immer stärker nach Süden vordringenden germanischen Stämme war deren Einfluß auf das römische Weltreich ständig ge­ wachsen. Kriege an den Außengrenzen des Reichs, Korruption und Bürgerkrieg im Inneren hatten schließlich im Jahre 395 zur Teilung Roms in eine West- und eine Osthälfte geführt. Rom war dem nicht gewachsen, und der Untergang des Reichs war nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 476 ging das weströmische Reich endgültig unter. Diese politische Entwicklung war zeitlich be­ gleitet von einer weiteren, ganz entscheidenden Veränderung in der Art der Kriegsführung. Der schwergerüstete Infanterist, der spätestens seit der Zeit der griechischen Hopliten das Rückgrat aller Armeen des Mittelmccrraums war. w urde immer stärker verdrängt von berittenen Kriegern. Aller­ dings kam diese Entwicklung nicht über Nacht. Noch im 3. und 4. Jahrhunden hatten berittene Einheiten nur die Aufgabe, die Infanterie zu unter­ stützen. indem sie aufgrund ihrer größeren Beweg­ lichkeit schnell an kritischen Punkten in der Schlacht eingriffen. Spätestens zur Zeit der Kriege des oströmischen Kaisers Justinian gegen die Per­ ser in der Mitte des 6. Jahrhunderts war die Ent­ wicklung der Kavallerie in der römischen Armee aber soweit abgeschlossen, daß berittene Einheiten zum Kernstück der römischen Armee geworden waren. Zwar hatte sich bis dahin der Schild der Reiterei immer wieder gewandelt - es gab recht­ eckige, ovale und runde Formen -. nicht aber ver­ ändert hatte sich seine Tragweise. Auch der römi­ sche Kavallerist führte seinen Schild an dem her­ kömmlichen. quer angebrachten Haltegriff. Mit dem Niedergang des weströmischen Rei­ ches im 4. Jahrhundert strömten etliche germani­ sche Stämme nach Europa, unter denen sich ein Volk besonders hervortat: die Franken. Der Stamm der Franken siedelte ursprünglich nördlich des Rheins, dehnte sein Einflußgebiet

aber bald nach Süden hin aus und schuf schließ­ lich ein gewaltiges Reich. Die meisten Historiker stimmen darin überein, daß das Zeitalter der frän­ kischen Karolinger - also das 8. bis 10. Jahrhun­ dert - einen der wichtigsten Wendepunkte in der europäischen Geschichte sah. Neben der Entwicklung des Feudalwesens - als politische und soziale Umwälzung - kam auch eine neue Kampfweise auf. Im Kampf mit den ri­ valisierenden Kulturen der spanischen Mauren, den asiatischen Reilervölkem und der WikingerKultur Skandinaviens entwickelten die Franken das. was wir heute als typisch mittelalterliche, abendländische Kriegsführung bezeichnen - den ritterliche Reiterkampf. Allerdings machten es erst die Einführung des Steigbügels und des hochbordigen Kriegssattels möglich, mit unter dem Arm eingelegter Lanze und in vollem Galopp gegen den Gegner anz.ureiten. um so die ganze Wucht von Pferd und Reiter in den Angriff zu legen. Es gilt als sicher, daß die frühe fränkische Reiterei noch keine Steigbügel benutzte, denn bis zur Zeit Karls des Großen finden sich keine entsprechen­ den Hinweise. Dies ist insbesondere erstaunlich, da zu dieser Zeit sowohl die östlichen Nachbarn der Franken - die Aw aren - eiserne Steigbügel be­ nutzten und auch die spanischen Mauren eine Art Schlaufen oder Seilsteigbügel aus geflochtenem Leder oder Seilen kannten. Doch auch ohne Steig­ bügel hatte sich - in der kurzen Zeitspanne seit

Abb. II: Darstellung eines Reiters, Reiterstein von Homhausen, 7. Jh.

Abb. 12: Miniatur eines Reiters, Stuttgarter Psalter, um der silberne Wappenfarben wurden durch Vergoldung bzw. Versilberung mit BlattMetallen dargestellt oder einfach durch gelbe bzw'. weiße Farben. Den Funden nach scheint die Anordnung der Handhaben bis in die zweite Hälfte des 14. Jahr­ hunderts nicht einheitlich gewesen zu sein. Die Schilde konnten mit einem oder mit zwei Handrie­ men versehen sein und hatten entw eder einen oder zwei Armriemen. Hatte der Schild zwei Handrie­ men, konnten diese kreuzweise angeordnet sein.

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Mitunter war unterhalb des eigentlichen Handrie­ mens ein weiterer Riemen befestigt, der als alter­ nativer Handgriff dazu diente, es dem Reiter zu er­ möglichen. den Schild zusammen mit den Zügeln zu halten. Nach 1350 reduzierten sich die Riemen - im Zuge der Verkleinerung und dem damit ver­ bundenen Leichterwerden der Schilde - auf einen Hand- und einen Armriemen. Eine Schildfessel, die noch etwa bis 1300 durchaus üblich war. scheint nach dem I. Viertel des 14. Jahrhunderts weggefallen zu sein. Die Enden der Schildfessel waren oftmals beweglich an kleinen Lederbrücken befestigt. Die Handriemen - zum Teil auch die Armrie­ men und die Schildfesselbrucken - waren in der Regel aus mehren Schichten Leder gefertigt und mit zwei Nähten abgesteppt. Sie konnten aber auch aus einfachem, dicken Leder gefertigt sein. Die Anzahl der verwendeten Befestigungsnägel variierte je Schild zwischen vier und maximal 10 Nägeln. Die Nagelenden wurden auf der Schildinnenseite entweder sorgfältig vernietet oder ein­ fach umgeschlagen, ln aller Regel wurden die Rie­ men gegen ein Ausreißen mit runden oder quadra­ tischen. eisernen Unterlegscheiben gesichert. Eine alternative einfache Befestigungsmöglichkeit be­ stand darin, die Riemen mit Schlaufen aus Perga­ ment festzubinden. Die Schilde waren mitunter mit einer Hand­ oder Armpolsterung versehen, dies scheint aber nicht die Regel gewesen zu sein. Häufig waren die Schilde im Bereich der Schildachse mit einem kleinen Befestigungsrie­ men versehen, um sie aufhängen zu können.

Der Schild des Arnold von Bricnz, 1180-1225: Höhe 87 cm (mic Spitze 95-100 cm). Breite: 67/57 cm. 15 mm starkes Erlenholz, vier Bretter. Leimkanten angeschrägt, beidseitig mit einem ungeteilten Stück Pergament überzogen, Kreidegrund, Engobage, Ver­ silberung. Bemalung, acht Befcstigungsnägel für die Handhaben, Abdeckungen über den Nagelenden, Handpolsterung.

Der Schild des Landgrafen Konrad von Thüringen, vor 1240: Höhe: 88 cm (mit Spitze 92 cm), Breite: 72 cm. 10 mm starkes Lindenholz, sieben bis acht Bretter, beid­ seitig mit einem ungeteilten Stück Pergament überzogen, aufgesetztes Wappenbild aus Pergament. Krei­ degrund, Engobage, Vergoldung, Bemalung, sieben Befestigungsnägel für die Handhaben, Abdeckungen über den Nagclcnden.

Der Schild der Vögte von Keseberg, um 1250: Höhe: 86 cm, Breite 68 cm, 12 mm starkes Lindenholz, sechs Bretter, beidseitig mit je einem Stück Perga­ ment überzogen, Kreidegrund. Bemalung, sieben Befestigungsnägel aus Kupfer für die Handhaben. Nägel vernietet, runde Unterlegscheiben, Lederbrücke für die Schildfessel, Befestigungsriemen.

Ein nicht zugeordneter Schild: In rotem Feld ein silberner, gezäunter Schrägrechtsbalken, um 1250: Höhe: 88 cm. Breite 67/65 cm, 7 mm starkes Lindenholz, fünf bis sechs Bretter, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen, Kreidegrund. Versilberung, Engobage. Bemalung, acht Befcstigungsnägel für die Handhaben, Nägel umgeschlagen, eckige Unterlegscheiben, Lederbrücke für die Schildfessel. Be­ festigungsriemen. Der Schild des Deutschordcnskomturs VV. von Liederbach, 1250-13(81: Höhe: 93 cm. Breite: 57 cm, 8 mm starkes Lindenholz, sechs Bretter, beidseitig mit je einem Stück Perga­ ment überzogen. Kreidegrund, Versilberung, Bemalung, neun Befestigungsnägel für die Handhaben, Nägel umgeschlagen, eckige Unterlegscheiben, Lederlasche über den Nägeln, zwei Lederbrücken für die Schildfessel. Befestigungsriemen. Abdeckungen über den Nagelenden.

Der Schild der Herren Nordeck zu Rabenau, 1250-13(81: Höhe: 82 cm. Breite: 54 cm, 10 mm starkes Lindenholz, drei Bretter, eine zusätzliche Querleiste am obe­ ren Schildrand, beidseitig mit einem einzelnen Stück Pergament überzogen, Kreidegrund, Bemalung, neun Befestigungsnägel für die Handhaben. Nägel umgeschlagen, eckige Unterlegscheiben. Lederbrücke für die Schildfessel, eventuell zwei alternative Handriemen.

Der Schild der Grafen von Arnsberg, 1250-1300: Höbe: 94 cm. Breite: 60 cm. 10 mm starkes Lindenholz, fünf Bretter, beidseitig mit Pergament überzogen, Kreidegrund, Engolxige. Versilberung. Bemalung, fünf Befestigungsnägel für die Handhaben. Befestigungsriemen.

Der Schild des Landgrafen Heinrich I. von Hessen, 1292-1308: Höhe: 76 cm. Breite. 56 cm, 15 mm starkes Lindenholz, fünf bis sechs Bretter, beidseitig mit Pergament überzogen. Modellierung aus Leinwand, Kreidegrund, Hngobage, Vergoldung, Versilberung, Bemalung, sechs Befcstigungsnägel für die Handhaben, Nägel vernietet, runde Unterlegscheiben.

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Der Schild von Raron oder Wcingarten-Scfaild, um 1300: Höhe: 80 cm, Breite: 75 cm. mit Pergament überzogen, darüber Leinwand, Modellierung aus Pergament. Kreidegrund, Vergoldung, Bemalung, zehn Befestigungsnägel für die Handhaben.

Der Schild der Burggrafen von Stromberg, um 1300: Hohe: 76 cm, Breite: 53 cm, 12 mm starkes Lindenholz, fünf Bretter, beidseitig mit je einem Stück Perga­ ment überzogen, Kreidegrund. Engobage, Versilberung. Bemalung, sieben Befestigungsnägel für die Handhaben. Nägel vernietet, Unterlegscheiben.

Schild der Herren von Steinau, um 1300: Höhe: 76,5 cm. Breite: 54 cm, 13-14 mm starkes Lindenholz, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen, Kreidegrund, Engobage, Vergoldung, Bemalung, neun Befestigungsnägel für die Handhaben, Nägel umgeschlagen, eckige Unterlegscheiben, Abdeckungen über den Nagelenden, Befestigungsriemen.

Der Schild der Herren von Weifenberg, um 1300: Höhe: 62 cm. Breite: 47/41 cm, 9 mm starkes Lindenholz, beidseitig mit je einem Stück Pergament über­ zogen. Kreidegrund. Engobage, Vergoldung. Bemalung, sieben Befestigungsnägel für die Handhaben, Nägel vernietet, eckige Unterlegscheiben, Abdeckungen über den Nagelenden. Lederbrücke für die Schildfessel, Befestigungsriemen, Handpolsterung.

Der (ältere) Schild der Schenken von Schweinsberg. 1300-1320: Höhe: 54 cm, Breite: 40/37 cm, 7 mm starkes Lindenholz, zwei Bretter. Leimkanten gedübelt, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen. Kreidegrund, Bemalung.

Ein nicht zugeordneter Schild: In rotem Feld ein weißer Löwe, überdeckt von einer gelben, mit drei schwarzen Lilien helegten Schrägrechtsleiste, um 1350: Höhe, 60 cm, Breite: 47/45 cm. Lindenholz, beidseitig mit Lcinw and überzogen, kein Pergament. Kreide­ grund, Bemalung, acht Befestigungsnägel für die Handhaben, Nägel umgcschlagen, keine Unterlegschei­ ben, zw'ei alternative Handriemen.

Der (jüngere) Schild der Schenken von Schweinsberg, um 1350: Höhe: 61.5 cm. Breite: 51.5 cm, 15 mm starkes Lindenholz, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen, Kreidegrund, Versilberung. Bemalung, vier Befestigungsnägel für die Handhaben.

Der Schild der Herren von Vluschenheim, um 1350: Höhe: 61,5 cm, Breite: 46 cm. 8 mm starkes Lindenholz, drei Bretter, beidseitig mit je einem Stück Perga­ ment überzogen. Kreidegrund, Versilberung. Bemalung, vier Befestigungen für die Handhaben mittels Pergamentriemen.

Der Schild des Stadthalters Loew von Steinfurth, um 1380: H ö h e : 5 4 c m , B r e i t e : 4 5 c m , 10 m m s t a r k e s L i n d e n h o l z , b e i d s e i t i g m it L e i n w a n d ü b e r z o g e n , k e i n P e r g a ­ m e n t. K r e id e g r u n d .

Engobage, V e r s i l b e r u n g .

B e m a l u n g , r u n d e U n t e r le g s c h e i b e n .

Der Schild der Herren von Dernbach. 1350-1400: Höhe: 49 cm, Breite: 36 cm. 10 mm starkes Lindenholz, beidseitig mit Leinwand überzogen, kein Perga­ ment. Kreidegrund. Engobage. Bemalung.

Der Schild des Schwarzen Prinzen, vor 1376: Höhe: 73 cm. Breite: 60.5 cm. 15 mm starkes Pappelholz, zwei Bretter. Leinwand. Papier. Leder (Perga­ ment?). aufgesetzte Wappenbilder aus Leder. Kreidegrund. Engobage, Vergoldung. Bemalung, vier Befe­ stigungsnägel für die Handhaben.

Der Schild des Königs Henry V. von Kngiand, vor 1422: Höhe. 69 cm. Breite: 59 cm. Lindenholz, möglicherweise nur ein Brett; Vorderseite: Bast. Leinwand. Kreidegrund. Engobage. Bemalung: Rückseite: Leinwand. Flachsfasern. Kalkgrund. Wolle, Seidenstoff, Stickerei; vier Befestigungsnägel für die Handhaben. Nägel auf der Schildvorderseite umgeschlagen, Annpolsterung.

Ein Schild, der König Edward Hl. von England zugeschriehen wird: Höhe: 94 cm. Breite: 60 cm. Fichtenholz, fünf Bretter, beidseitig mit Leinwand bezogen, schwarzes Leder, vier Befestigungsnägel für die Handhaben.

Ein Schild, der möglicherweise dem Schild des kastilischen (¿rafeo Gonzales Sah adores nachemp­ funden wurde: Höhe: 114 cm, Breite: 61 cm, 15 mm starkes Holz, sechs Bretter, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen, Gips- oder Kreidegrund. Vergoldung. Versilberung. Bemalung, acht Befestigungsnägel für die Handhaben, Unterlegscheiben. Abdeckungen über den Nagelenden, Lederbrücke für die Schildfessel, Handpolsterung.

Ein Schild, der möglicherweise dem Schild des Grafen Rodrigo Gómez nachempfunden wurde: Höhe: 85 cm. Breite: 59 cm. drei Bretter, beidseitig mit je einem Stück Pergament überzogen, Kreide­ grund. Vergoldung. Bemalung, drei Befestigungsnägel für die Handhaben, eckige Unterlegscheiben. Ab­ deckungen über den Nagelenden.

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6. Die Entwicklung des Schildes im hohen und späten Mittelalter (ah 135«) Die Form, die die Dreieckschilde bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts erreicht hatten, veränderte sich seitdem nicht mehr grundlegend. Dafür kam neben den Dreieckschilden eine vollkommen neue Form des Keiterschildes auf, die Toxische. Daneben ent­ stand die Pavese, die in erster Linie vom kämpfen­ den Fußvolk, mitunter aber auch von Berittenen verwendet wurde.

6.1. Die Tartsche Eine namentliche Erwähnung der Tartsche findet sich bereits in der 1279 abgeschlossenen sog. Kn>nika von Sassen. in der die Rede ist von Rittern, die „mid larzen unde mil wapen" ausgerüstet sind.

Abh. 129: Detail vom Grabmal des Grafen Thietmar und seines Sohnes. Schloßkinhe zu Nienburg/Saule, um 1350

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Bildliche Darstellungen von Reitertartschen fin­ den sich jedoch erst etwa um das Jahr 1350, w'ie etwa an dem Grabmal des Grafen Thietmar und seines Sohnes in der Schloßkirche zu Nienburg an der Saale.

H erkunft des Nam ens Die Herkunft des Namens ist bislang ungeklärt und seine Deutungen gehen stark auseinander. Teilweise wird vermutet, die Bezeichnung ..Tart­ sche" sei vom arabischen Wort für Schild daraka bzw. vom maurischen adarga abgeleitet. Tatsäch­ lich hatten orientalische Schilde in der Regel eine runde, ovale oder doppeltovale Form, und durch die Sarazenen wurde in Italien ein kleiner mit Leder bezogener Rundschild eingeführt, der dort larga genannt wurde. Am Rande erwähnenswert sind in diesem Zu­ sammenhang die Quasten, die auf Abbildungen von Adargen häufig auf der Schildvorderseite zu sehen sind. Dies sind die geschmückten Enden von Bändern, mit denen die Handhaben auf der Schildrückseite festgebunden waren. Dies ist eine interessante Parallele zu dem beschriebenen Muschenheim-Schild. bei dem die Riemen auf ähnli­ che Weise mit Pergamentriemen statt mit Nägeln befestigt waren.

Abb. 130: Spanischer Conquistador mit maurischer Adarga, frühes 16. Jh. (nach Nickel)

Nach einer anderen Auffassung leitet sich der Name von dem lateinischen Wort terga, der Be­ zeichnung für Rücken, beziehungsweise von tergum tauric um, der Bezeichnung für Ochsenhaut, ab. Das italienische Wort nirga sei daher eher eine Umbildung von lergum tauricum als von adarga oder daraka. Als dritte Möglichkeit wird der Ursprung des Namens im slawischen Osten gesehen, und tatsächlich könnten die polnischen Worte tarez oder rareza, der Bezeichnung für ein Brett, der Ur­ sprung für ein eingedeutschtes Wort wie „Tartsche“ sein. Aber auch im germanischen Sprachgebrauch finden sich Worte, die als Ursprung in Frage kom­ men könnten, wie etwa das angelsächsische Wort tiarga oder targa. was soviel bedeutete w ie Rand, also möglicherweise auch Schildrand.

E ntw icklung d e r Form Die Form der Tartschc ist von der des Dreieck­ schildes so grundlegend verschieden, daß nicht an­ zunehmen ist, daß es sich hierbei um eine einfache Weiterentwicklung handeln könnte. Die Tausche hat auch nicht den klaren, einfachen Umriß des Dreieckschildes, sondern ist von ihrer Form her sehr wandlungsfähig. Auch wraren Tauschen im Gegensatz zu allen bisherigen Schilden nicht kon­ kav, sondern mit der Zeit immer stärker konvex, also nach außen gewölbt. Die sehr gut erhaltene Marburger Rcnntartsche mit dem landgräflichhessischen Wappen weist gar eine konvexe Wöl­ bung von fast 20 cm auf. Als unverzichtbares Charakteristikum ist jedoch der Einschnitt in der rechten oberen Ecke des Schildes hervorzuheben, der sog. Speerruhe, die zum Einlegen der Lanze diente. Die Bemalung der Tauschen zeigte meist das gesamte Wappen ihres Trägers - mit Helm, Heimzier und Helmdecke und nicht nur das Schildwappen wie bei den Drei­ eckschilden. Gerade im Hinblick auf die nicht eindeutig ge­ klärte Herkunft des Namens und die damit verbun­ dene Ungewißheit, ob die Entwicklung der Tartsche möglicherweise stark maurisch beeinflußt war, läßt sich die Frage nach ihrer möglichen Ab­ leitung von den anderen europäischen Schildfor­ men nur unzulänglich vermuten. Bei der Betrach-

Ahb. ¡31: Umriß der Renntartsehe mit landgrüßieh-hessischem Wappen, um ¡460-1470

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aufgemalt. Auf dem gelben Schildrand befindet sich die Inschrift: clippeus. cum. galea, magistri. (ordi)nis. fratrum; theutonicorum. " (Schild mit Helm des Meisters des Ordens der Deutschen Brüder). Aufgrund dieser Umschrift - die sich in ähnlicher Form auf Siegeln w iederfindet - w ird vermutet, daß cs sich bei diesem Hochmeister­ schild nicht in erster Linie um einen Kampfschild, sondern vielmehr um eine Art Rangabzeichen han­ delte, das entweder der Hochmeister selbst mit sich führte oder, in Abwesenheit des Großmei­ sters, sein Stellvertreter, um zu zeigen, daß er die­ selben Vorrechte genießen dürfe, w ie der Groß­ meister. Die Verwendung von - leichtem - Fich­ tenholz stützt diese These, da solches Holz für die Fertigung mittelalterlicher Kampfschilde in der

Abb. 133; Detail vom Grabmal des Kitters Ekro vom Stern. 1343 (nach Nickel)

tung frühester Beispiele von Tauschen ist zu er­ kennen. daß diese eine nahezu ovale Form hatten, wie etwa hei der Darstellung in der SchloBkirche zu Nienburg oder die auf dem Grabmal des, im Jahre 1343 gestorbenen. Ritters Ekro vom Stern. Als Vorläufer der Tartschen wird in diesem Zu­ sammenhang auch immer wieder der berühmte, um 1320 datierte und sehr gut erhaltene, Schild des Hochmeisters des Deutschritterordens, Karl von Trier, angesehen. Mitunter wird er gar als „Ur-Tartsche“ bezeichnet, obwohl er dies streng­ genommen nicht ist. da er keine Speerruhe hat. Der Hochmeisterschild ist 98,5 cm hoch und mißt 57.5 cm an seiner breitesten Stelle. Er ist aus vier 15 mm starken Holzbrettern zusammengesetzt und beidseitig mit Pergament bezogen. Sein Umriß ist eiförmig. Ganz im Gegensatz zu den übrigen erhaltenen Schilden ist es aus Fichtenholz gefertigt. Auf der Vorderseite ist auf gelbem Grund ein nach rechts gelehnter Dreieckschild mit Manesseform aufgcmalt, der das Hochmeislcrwappen zeigt. Darüber ist ein nach rechts schauender Topjhebn mit sog. Schirmbrett und Helmdecke

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Abb. 134: Schild des Deutschordenshochmeisters Karl von Trier, um 1320 (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck)

Regel nicht verwendet wurde. Von Nickel liegt eine Rekonstruktion der Riemen vor.

Ahb. 136: Mi­ niatur des Esau, Velislav-Bibel, Böhmen, um 1345-1350 (nach NicolleI

Ähnliche ovale Schilde wie der Hochmeisterschild fanden sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhun­ derts stark verbreitet nur in Italien und dem östli­ chen Europa. Wie gesagt, waren die mandelförmi­ gen Normannenschilde in Italien sowieso nie ganz aus der Mode gekommen und bis ins 15. Jahrhun­ dert hinein gebräuchlich geblieben. In der italieni­ schen Heraldik ist der mandelförmige Schild gar bis heute beliebt. Tatsächlich ist der Hochmeister­ schild fast mandelförmig, abgesehen davon, daß er unten nicht in einer Spitze ausläuft, und könnte damit eine Übergangsform vom mandelförmigen Schild zur ovalen Tausche sein. Bei der früher datierten, eingangs erwähnten. Darstellung der Tartsche in der Schloßkirche zu Nienburg ist ebenfalls noch ein stark ovaler Schildumriß erkennbar, der erst sehr leicht zum Viereck hin tendiert. Die Abbildung läßt vermu­ ten. daß der Schild seinem Träger etwa vom Hals bis zur Hüfte reichte. Eine um die Schulter ge­ schlungene Schildfessel ist nicht erkennbar. Die Speerruhe ist noch nicht sehr stark ausgeprägt. Intercssanterweise findet sich auf der Grabplatte zwischen den abgebildeten Personen des Grafen und seines Sohnes, deren Wappen auch auf einem eindeutig dreieckigen Schild mit Manesseform, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, daß neben der neuen Schildform die herkömmlichen Drei­ eckschilde weiterhin in Gebrauch waren. Ungefähr zur gleichen Zeit tauchten weitere ähnliche Abbildungen früher Tauschen mit ovaler Form in Deutschland auf, wie etwa auf dem er­ wähnten Grabmal des Ritters Ekro vom Stern (1343). Im Vergleich mit der folgenden Entwick­ lung waren diese beiden Beispiele früher Tartschen noch recht groß. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts nahmen sie rasch an Größe ab. Gleichzeitig näherte sich der Umriß immer mehr dem eines Rechtecks. Außerdem rückte die Speer­ ruhe immer weiter von der Seite in Richtung des oberen Schildrandes. Ein Beispiel hierfür bietet der gut erhaltene Fund einer Reitertartschc mit dem Wappen der Stadt Degendorf, die auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert wird. Gegen 1380 kam ein weiteres sehr charakteristi­ sches Merkmal hinzu. Viele Tartschen erhielten nun einen scharfen, senkrecht zum Träger hin ge­ knickten Mittelgrat. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde die kon­ vexe Wölbung der Tartschen immer stärker, bis

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Abb. 137: Umriß der Deuendorf-Tartsche, 1400-1450

Abb. 13H: Umriss der Tartsche eines Herrn aus Maißau. um 1400

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die immer kräftiger eingerollten oberen und unte­ ren Schildränder fast nach vorne zeigten. Es wird vermutet, daß die Tartsche nun nicht mehr not­ wendiges Ausrüstungsstück für die Ritterschaft im Felde war, sondern fast nur noch zu Turnieren und ähnlichen festlichen Anlässen geführt wurde. Auch die Formen der Tartschen wurden nun immer vielfältiger. Zum Mittelgral kamen weitere Grate hinzu. Tartschen mit zwei oder drei Graten entstanden. Die einstmals geraden oberen und un­ teren Schildränder erschienen mitunter extrem ge­ zackt. wobei die Entwicklung der bizarrsten For­ men wohl auf das deutsche Einflußgebiet be­ schränkt war. In Italien blieben die Tartschen bis etwa 1400 oval, allenfalls mit einer leichten Nei­ gung zum Rechteck. Die späten Reitertartschen wurden nicht mehr mittels eines Handriemens geführt, sondern nur von einer um den Nacken gelegten Schildfessel und einem Armricmen gehalten. Dabei lagen sie auf dem weit nach vorne gedrückten linken Ober­ arm des Reiters, an dem sic mit dem Armriemen befestigt waren. Der Unterarm ragte dabei weit unter dem Schild heraus und führte unbehindert die Zügel des Pferdes. Dirigiert wurde der Schild nur durch Bewegungen der Schulter und des Ober­ arms, aber nicht mehr mit der Hand. Im 15. Jahrhundert verbreitete sich eine weitere Spielart der Tartsche. die sog. ungarische Tart­ sche, die vor allem in den östlichen, polnischen und moskow irischen. Gebieten beliebt war. Der Schildkorpus der ungarischen Tartsche war etwa einen halben Meter breit und meist stark konvex

gewölbt. Der untere Schildrand verlief geradlinig oder nur mäßig geschweift. Der obere Schildrand war auf der rechten Seite sehr stark abgeschrägt, so daß die linke obere Ecke des Schildes spitz nach oben auslief. Der Vorteil dieser Schildform bestand darin, daß nicht nur der Oberkörper voll abgedeckl war, sondern auch die linke Schulter und die linke Kopfseite, eben die im Lanzenkampf dem Gegner zugewandte Seite.

Abb. 140: Detail einer Kreuziftunftsszene, Wandbemalwifi, Italien, um 1355 (nach Nicolle)

6.2. Die Pavese Im Zuge dieser Entwicklung, mit der die Tartsche zu einem Schild verkümmerte, der für den Kampf im Krieg kaum noch zu gebrauchen war, geriet das kämpfende Fußvolk in die Not, sich nach einer anderen und für ihre Zwecke geeigneteren Schild­ form umzusehen. Hatten ihnen doch seit dem 11. Jahrhundert immer die Reiterschilde als Vor­ bild gedient, waren die Tartschen hierzu nicht mehr tauglich. Die Infanteristen entwickelten daher einen Schild, der ihren Anforderungen bes­ ser entsprach, die Pavese. Die Pavese ist ein rechteckiger Schild mit einer kräftigen, nach außen gewölbten Ausbauchung in der Längsachse, in der der Handgriff liegt. Fine frühe Abbildung eines solchen Schildes findet sich auf der Grabplatte des 1391 gestorbenen Kuno von Licbcnslcin. Der Schild reicht hier seinem Träger etwa von der Hüfte bis zum Fuß. was etwa einer Größe von 90 bis KM) cm entsprechen mag.

Abb. 141 : Detail vom Grabmal Kunos von Liebenstein, ¡391 (nach Nickel)

Da immer wieder angenommen wird. Schilde in Form einer Pavese seien ausschließlich von der In­ fanterie geführt worden, ist in diesem Zusammen­ hang das Reitersiegel des Herzogs Troyden von Masowien interessant, das vor 1341 datiert. Abge­ bildet ist hier der Herzog mit einem rechteckigen Schild, der scheinbar einen in Längsrichtung ver­ laufenden Mittelgrat aufweist, also möglicherwei­ se mit einer Art Pavesenschild.

schilde verwendet, die mittels zweier Eisendomen am unteren Schildrand in den Boden gesteckt und auf der Rückseite des Schildes mit einer Stange abgestützt wurden. So dienten sie der Infanterie als Deckung vor dem Beschuß feindlicher Femwaffen. Insbesondere Bogen- und Armbrustschüt­ zen nutzten Pavesen als Deckung während ihrer Feuerpause.

Abb. 143: Setzschild als Schutz für Annbrustschützen (nach Boeheim)

Abb. ¡42: Detail vom ReiterSiegel des Herzogs Troyden von Masowien, vor 1341

Daß die Pavese allerdings die gleiche Stellung eines ritterlichen Rciterschildes eingenommen hätte wie der Normannenschild, der Dreieckschild oder die frühe Form der Tartsche. geht wohl zu weit, denn immerhin waren die Schilde im Laufe der Zeit für die Berittenen ohnehin immer unwich­ tiger geworden. Folgt man den Beschreibungen der Limburger Chronik (1389), wonach kein Ritter mehr einen Schild führte, darf man annehmen, daß es sich bei diesen Darstellungen um Einzelfälle handelt, die Pavese also tatsächlich der klassische Schutz des Fußvolks war und nur vereinzelt auch von Berittenen geführt wurde. Große Pavesen wurden oft auch als sog. Setz­

Nach dem Unbrauchbarwerden der Reiterschilde für die Infanterie, kamen in Europa neben den großen Pavesen auch kleine Rundschilde als sog. Rondachen. Rondellen oder Rundtartschen auf. die besonders sowohl bei den Schwertkämpfern be­ liebt waren, die zu Fuß fochten, als auch bei Bogen- und Annbrustschützen, die einen solchen kleinen Schild für ..Notfälle“ mit sich führten, falls sie w ider Erwarten in Nahkämpfe verwickelt wurden. Diese kleinen Rundschilde waren als ein­ zige Schilde des Mittelalters meist ganz aus Eisen gefertigt. Mitunter waren sie nicht viel größer als der Schildbuckel vergangener Zeiten. Geführt w urden sie an einem auf der Innenseite der Wöl­ bung liegenden Haltegriff.

6.3. Erhaltene Funde von Tartschen und Pavesen Die erhaltenen Funde von Tartschen und Pavesen sollen hier nicht weiter beschrieben werden, da dies den Rahmen dieses Buches sprengen würde und weil Tartschen und Pavesen für das Re-enact­ ment nur von geringem Interesse sind. Dem Inter­ essierten möchte ich aber einige Museen nennen, in denen solche Schildfunde - soweit mir bekannt - zur Zeit verwahrt sind und besichtigt werden können. Im Zeughaus des Tiroler Landesmuseums in Innsbruck/Österreich befinden sich der beschrie­ bene und um 1320 datierte Hochmeisterschild sowie eine, auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhun­ derts datierte, Pavese in den Farben des öster­ reichischen Balkcnschildes (rot-weiß-rot) und mit einem kleinen, applizierten aber unbekannten Wappen. Im Metropolitan Museum in New York/USA wird die um 1400 datierte Tartsche der Herren von Maißau verwahrt. Im Deutschen Historischen Museum in Berlin befinden sich zwei aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammende Tartschen, nämlich die mit dem Wappen der Stadt Degendorf und eine weitere nicht zugeordnete Tartsche. die etwa um 1460 datiert. Außerdem besitzt das Museum vier Pavesen aus dem 15. Jahrhundert, nämlich eine

Pavese mit dem Wappen der Stadt Konstanz, eine mit Eichenlaub verzierte böhmische Pavese, die um 1450 datiert, eine kleine, um 1480 datierte Pa­ vese mit dem Wappen der Stadt Nürnberg und eine weitere kleine Pavese, auf der der Heilige Georg abgebildet ist. Im Universitätsmuseum von Marburg werden die um 1450 datierte Tartsche des Behaim von Schwarzbach und die von 1490 stammende Tart­ sche des Landgrafen Wilhelm III. von Hessen ver­ wahrt. Im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich befinden sich zwei Schilde mit dem Wappen des St. Georgen Ritterbundes, nämlich eine um 1500 datierte Pavese und ein Bogenschützenschild aus dem 15. Jahrhundert. Im Angermuseum in Erfurt werden zwölf große Setzschilde verwahrt, die alle etwa 160-200 cm hoch sind. Drei von ihnen zeigen das Erfurter Stadtwappen: in rotem Feld ein schwarzes, achtspeichiges Rad. Alle zw'ölf Schilde sind aus Fich­ tenholz gefertigt und lederbezogen. Nach Aus­ kunft des Museums handelt es sich um Schilde der städtischen Bürgerwehr aus dem 14. Jahrhundert. Im British Museum in London/England befin­ det sich der sog. Shield o f Parade, cinc flandrische oder burgundische Tartsche aus dem späten 15. Jahrhundert, von der allerdings angenommen wird, daß sie nicht als Kampfschild diente sondern ausschließlich festlichen Anlässen, möglicherwei­ se auch als Trophäe eines Turniers.

7. Die Entwicklung der Schildformen in graphischer Übersicht 1. Kurzer Normannenschild nach dem Codex aureus Eptemaciensis und der Roda-Bibel 2. „Klassischer" Normannenschild nach dem Teppich von Bayeux 3. Normannenschild mil flacher Ober­ kante 4. Hoher Normannenschild mit Verstär­ kungsbeschlagen 5. Sehr hoher, stark gewölbter Norman­ nenschild mit flacher Oberkante. L’bergangsform zum Dreieckschild 6. Dreieckschild mit stark ausgebauchten Seiten 7. Dreieckschild mit abgerundeten obe­ ren Schildecken

8. Lange, schlanke Form 9. „Klassischer" Dreieckschild 10. Naumburger Form

11. 12. 13. 14.

Frühe Manessefonn Manessefonn Späte Manessefonn Kleiner, später Dreieckschild {petit écu) 15. Großer englischer, spater Dreieck­ schild 16. Kurzer, breiter Normannenschild, mit abgerundeter Schildspitze, Übergangsform zur Tausche

17. Frühe, ovale Tausche 18. 19. 20. 21.

..Klassische" Tartsche Deutsche Spätform der Tartsche

Slawische Reiterpavese Deutsche Reiterpavese

rmen in graphischer Übersicht

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Abb. 145: Sperrholzschild mil Verstärkung des Schildrandes aus Rohleder, Vorderansicht

\bb. 14b: Sperrholzschild mit Verstärkung des Schildrandes aus Rohleder, Rückansicht

Abb. 147: Holzplankenschild, beidseitig mit Pergament bezogen. Vorderansicht

Abb. 148: Holzplankenschild, beidseitig mit Pergament bezogen, Rückansicht

MO

II. Kapitel: R ekonstruktion und N achbau eines hochniittelalterlichen Schildes für das Re-enactm ent 1. Einleitung In diesem Kapitel werde ich versuchen, alle meine bislang über mittelalterliche Schilde gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und eine Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schil­ des zu vermitteln. Aufgrund der im letzten Kapitel wiedergegebe­ nen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, w ird der fertige Schild dann einen Holzkorpus haben und - entweder nur am Schildrand oder vollflächig - mit Pergamentleder verstärkt sein. Eine metallene Randverstärkung wird er nicht haben. Der Armriemen und die Schildfessel werden aus einfachem, starken Leder gefertigt, mit vernieteten Nägeln befestigt und mit eisernen Unterlegschei­ ben gegen Ausreißen gesichert sein. Der Handrie­ men ward alternativ entweder aus demselben star­ ken Leder oder aus mehreren Lagen Leder genäht werden. Im Bereich der Hand oder des Unterarms wird ein ledernes, mit Stoff unterfüttertes Polster befestigt sein. Da die Fertigungstechnik anhand des Nachbaus eines hochniittelalterlichen Schildes erklärt werden soll, werde ich darauf verzichten, den Schild mit einem Schildbuckel und Schildgespänge auszurüsten. Bei der Erklärung der einzelnen Arbeitsschritte gehe ich mehrgleisig vor, indem ich unterschiedli­ che Vorgehensweisen gleichzeitig erkläre, wie bei­ spielsweise die Herstellung des Schildkorpus aus modernem Sperrholz und parallel dazu die authen­ tische Fertigung aus massiven Holzplanken. Eine unterschiedliche Arbeitstechnik setzt beispielswei­ se auch die Anbringung einer einfachen Verstär­ kung des Schildrandes oder die vollständige Um­ mantelung des Schildes mit einer Pergamenthaut voraus. Dasselbe gilt für die Bemalung des Schil­ des, die nämlich direkt auf dem Holz des Schildes ausgeführt werden kann oder auf einem Kreide­ grund. Ich halte diese Vorgehensweise für notwendig, da ich davon ausgehe, daß nicht jeder, der sich an­ hand dieser Anleitung einen Schild nachbauen

möchte, dieselben Ansprüche an das fertige Pro­ dukt stellen wird. Der eine möchte möglicherwei­ se einen einfachen, aber stabilen Schild für das re­ gelmäßige Kampftraining haben, der andere möchte sich vielleicht einen sehr authentischen und möglicherweise sehr prunkvoll verzierten Schild anfertigen, diesen aber nicht unbedingt im Kampf einsetzen. Man kann also für jeden Ar­ beitsschritt die erneute Überlegung anstellen, ob man der ..Sparversion“ zuneigt oder der ..Luxus­ variante“. Aus Gründen der Sicherheit rate ich allerdings dazu, einen Kampf- und Re-enactment-Schild aus hochwertigem Sperrholz herzustelien. Auch wenn dies nicht authentisch ist, hat es doch den Vorteil, daß es fast unmöglich ist. selbst mit einer scharfen Klinge. Sperrholz mit einem Hieb zu durchschla­ gen. Aufgrund seiner mehrschichtigen und kreuz­ weise verleimten Holzstruktur wird - auch bei re­ gelmäßigem Gebrauch - ein plötzliches und zu tiefes Eindringen der gegnerischen Klinge verhin­ dert und so die Verletzungsgefahr erheblich ge­ mindert. Auch unter massiven Trümmerschlägen stumpfer Waffen hält Sperrholz viel länger stand als eine Plankenkonstruktion. Natürlich ist aber auch die authentische Variante aus nebeneinander verleimten Holzbrettern durchaus stabil, wenn der Korpus anschließend komplett mit starkem Perga­ ment überzogen oder wenigstens der Schildrand sorgfältig verstärkt wird. Im Ernstfall w'ürde ich mich jedoch lieber auf das stabilere Sperrholz ver­ lassen. denn man weiß manchmal nicht, wer einem mit einigen Pfund Eisen in der Faust auf dem Schlachtfeld entgegentritt... Ich habe meine Schilde im Kampf mit Schwert und Axt. Speer und Hellebarde getestet, mit einer scharfen Axt malträtiert und mit Stahlspitzen-Pfei­ len eines Langbogens - auch aus kürzester Entfer­ nung - beschossen. Sie halten das ohne weiteres aus. Nun aber genug der Vorrede. Ich wünsche viel Spaß und Erfolg beim Schildbau.... ...carpe diem! Ml

2. Überlegungen zu Form und Große - Musterschild Vor Arbeitsbeginn lautet die erste Frage, welche Epoche dargestellt werden soll, denn danach rich­ tet sich die genaue Materialauswahl, Form und Größe des Schildes. Nicht unwichtig ist es auch, zu wissen, ob der Schild vorwiegend für den Kampf zu Fuß oder zu Pferd eingesetzt werden soll, denn ein Infantcrieschild mag etwas größer ausfallen als ein reiner Reiterschild. Als Entschei­ dungshilfe hierfür kann das erste Kapitel zu Rate gezogen werden. Weiter ist dann zu entscheiden, ob der Schild lediglich zur Zierde an der Wand oder vor dem Zelt hängen, oder ob ein kampftauglicher Schild hergestcllt werden soll, denn auch diese Frage ist für die Auswahl der Materialien und insbesondere für die zu beachtende Sorgfalt bei der Verarbei­ tung von entscheidendem Interesse. Bei den Vorüberlegungen zu Form und Größe ist es sehr hilfreich und materialsparend, sich zunächst einen Masterschild anzufertigen, wenn man noch keinen Schild hat, der als Vorbild die­ nen kann. Um einen Musterschild zu bauen, schneidet man am besten zunächst den Schildum­ riß aus einem großen Bogen Papier (Packpapier, zusammcngeklebtes Zeitungspapier) aus, den man solange variiert, bis die gewünschte Form vorliegt. Diesen Umriß überträgt man dann vorzugsweise auf stabile Pappe - oder auf ein Brett - und schneidet bzw. sägt die Schildform aus. Ist man mit Form und Größe zufrieden, wird der Musterschild provisorisch mit den Riemen versehen, mit denen auch der spätere Schild aus­ gestattet werden soll. Notfalls ist es ausreichend, dickes Paketband zu verwenden. Dabei sollte immer wieder ausprobiert werden, ob der Schild gut am Arm sitzt und sich leicht führen läßt. Auch sollte man bedenken, daß der Arm im Kampf möglicherweise stärker gepolstert sein wird, als beim Werken. Durch Herstellung eines Musterschildes läßt sich am besten ermitteln, wie hoch und breit der individuelle Schild werden muß. um eine volle Manndeckung zu gewährleisten. Es wäre nämlich nicht gut, wenn beispielsweise der Ellenbogen über den Schildrand hinausragen oder die Hand zu nahe am Schildrand liegen würde. Für einen sehr

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großen Menschen müssen die im vorangegange­ nen Kapitel genannten Maße eventuell proportio­ nal ein wenig verändert werden, denn wie gesagt waren die Menschen im Mittelalter durchschnitt­ lich kleiner als heute. Durch frühzeitige Festlegung der Riemenanord­ nung werden spätere Fehler vermieden, etwa daß das Handpolstcr genau an der Stelle befestigt wird, w'o eigentlich ein Riemen hätte angebracht werden müssen. Je sorgfältiger also alle diese Vorüberlegungen angestellt werden, desto pro­ blemloser fällt die anschließende Fertigung des richtigen Schildes aus und desto weniger böse Überraschungen wird es geben, denn nichts ist schlimmer und ärgerlicher als ein zu klein gesäg­ ter Schildkorpus oder zu eng angebrachte Rie­ men...

3. Material- und Werkzeugliste Erklärung einiger Materialien Stehen Form und Größe des Schildes fest, werden die benötigten Materialien - und eventuell fehlen­ des Werkzeug - beschafft. Je nach gewünschter Schildform und -größe sind die folgenden Maßund Mengenangaben - insbesondere die für den Holzzuschnitt - entsprechend zu verändern. Die von mir in den folgenden Abschnitten genannten Maßeinheiten gehen grundsätzlich von einem Schild mit einer Höhe von 90 cm und einer Breite von 70 cm aus. Auch finden sich einige Bezugs­ adressen für schwierig zu beschaffende Materiali­ en.

S p errh o lzp latten ... Soll der Schildkorpus aus Sperrholz gefertigt wer­ den, werden drei Platten Sperrholz mit einer Stär­ ke von je 3 mm (höchstens 4 mm) benötigt. Im Baumarkt bekommt man Sperrholz leider meist erst ab einer Stärke von 4 mm, und in der Regel wird hier auch nur Pappel-Sperrholz von sehr wei­ cher Qualität angeboten. das allerdings auch ver­

hältnismäßig leicht und sehr preisgünstig ist. Wenn der Schild komplett mit Pergament überzo­ gen werden soll, mag diese Qualität notfalls ausreichen. Wesentlich besser geeignet ist jedoch sol­ ches Sperrholz, das in Holzfachmärkten angeboten wird. Von ganz hervorragender Qualität ist BirkeSperrholz. wie es für den Flugzeug-Modellbau verwendet und in verschiedenen Stärken angebo­ ten wird. Hs hat sich bewährt, von diesem Holz drei Platten mit einer Stärke von je 3 mm zu ver­ wenden. Flugzeugsperrholz ist wasserfest verleimt und von extrem harter und stabiler Qualität. Eine einzelne. 3 mm starke Platte besteht aus bis zu 6 (!) verleimten Holzschichten. Der einzige Nach­ teil dieses Holzes ist sein großes Gewicht und der hohe Preis, denn es kostet das drei- bis vierfache des herkömmlichen Baumarktholzes. Sollen die Ausgaben möglichst niedrig gehalten werden, muß man aber nicht auf die Angebote der Baumärkte zurückgreifen, sondern kann auch ein­ faches, 4 mm starkes Birke-Sperrholz aus dem Holzfachmarkt verwenden, das nur unwesentlich teurer ist als die mindere Baumarktqualität, aber doch erheblich stabiler. Je nachdem, welches Sperrholz ausgewählt wird, sollten die Platten möglichst so zurechtgesägt werden, daß die Fasern der äußeren Holzschichten in Längsrichtung ver­ laufen. Dies hat zwar nur optische Gründe, da Sperrholz sowieso aus kreuz und quer verleimten Platten besteht, sieht aber dann besser aus, wenn der Schild nicht komplett mit Pergament überzo­ gen werden soll. Die Größe der Platten sollte in der Höhe und der Breite etw a 5 cm über die späte­ re Schildgröße hinausgehen, da die Verklebung im Randbereich der Platten meist nicht sehr präzise zu machen ist und die Ränder daher später abge­ sägt werden sollten. Außerdem kommt es im Randbereich beim Biegen der Platten oft zu leich­ ten Verformungen durch die Spanngurte. Soll der Schild also 90 x 70cm messen, müssen die Platten 95 x 75 cm groß sein.

...oder Holzplanken Wird der Schild hingegen in historisch authenti­ scher Weise gefertigt, werden einige Holzbretter mit einer Stärke von etwa 10 bis 15 mm benötigt. Historisch belegt ist die Verwendung von Linden­

holz (alle Marburger Schilde), Erlenholz (Brien­ zer-Schi Id) und Pappelholz (Schild des Schwarzen Prinzen). Sind diese Hölzer nicht zu beschaffen, muß mit anderen, kurzfaserigen Laubhölzern ex­ perimentiert werden. Auf keinen Fall sollte Nadel­ holz verwendet werden, da dies zu weich und zu langfaserig ist und sich daher viel zu leicht spalten läßt. Gutes Holz beschafft man sich beim Holz­ großhandel. was in ländlichen Gegenden nicht schwierig ist. Baumärkte führen es in der Regel nicht. In Hamburg bekommt man die verschieden­ sten europäischen Laubhölzer - insbesondere auch Lindenholz - bei der Finna Reese & Meyer in der Schnackenburgallee 181, 22525 Hamburg, Tele­ fon: 040-54 04 037.

Holzleim Zum Verkleben der Sperrholzplatten kann der Ein­ fachheit halber ein moderner, wasserfester Holz­ kleber (Weißleim) verwendet werden. Benötigt werden, je nach Größe der Platten, etwa 500 g. Wird der Schild aus Holzplanken gefertigt, kann entweder derselbe Holzkleber verwendet werden oder besser ein authentischer Leim. Für Holzverbindungen eignen sich besonders sog. Glutinleime, die aus tierischen Kollagenen gewon­ nen werden und auch im Mittelaller verwendet wurden. Je nach Ausgangsmaterial unterscheidet man beispielsweise Knochenleim, Hautleim. Ha­ senleim. Lederleim oder Fischblasenleim. Sie wer­ den im Handel als Granulat oder in Plättchenform angeboten. wobei sich Granulat leichter dosieren und verflüssigen läßt als Plättchen. Knochenleim ist die preiswerteste Alternative und ein guter Tischlerleim für harte Verbindungen. 250 g Kno­ chenleim sollten je nach Bezugsquelle nicht mehr als etwa 10,00 € kosten (Stand 2002). Hautleim ist nur unwesentlich teurer und besonders für ela­ stische Verbindungen geeignet. Hasenleim wird aus den Häuten von Hasen oder Kaninchen ge­ wonnen und ist ein besonders elastischer, etwas zäherer Hautleim. Fischblasenleim ist ein dünn­ flüssiger Leim, der sehr hart und fast durchsichtig aushärtet. Er wird für besonders feste Verklebun­ gen verwendet, ist aber auch der teuerste Leim, denn er kostet etwa das dreißigfache (!) von Haut­ leim. Beim Verleimen von Holz und bei der Her-

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Stellung von Kreidegrund habe ich mit Hautleim die allerbesten Erfahrungen gemacht. Zur Herstel­ lung des Leims wird entweder ein Leimkocher benötigt, oder man behilft sich mit Gerätschaften (Kochtopf, Glas, Thermometer), die in jeder Küche zu linden sein sollten. Das Thermometer muß allerdings eine Temperatur von bis zu 80°C aushalten können. Geeignet ist beispielsweise ein Zuckerthermometer, wie es Konditoren verwen­ den.

Hundekauknochen aus Rohleder - Pergamenthaut - Leinwand Je nachdem, ob der Schild komplett mit Perga­ ment und/oder Leinwand überzogen werden oder nur am Schildrand verstärkt werden soll, werden folgende Materialien benötigt: Für eine einfache, aber sehr stabile Verstärkung des Schildrandes kann das Material von Hunde­ kauknochen aus Rohleder verwendet werden, wie man sie in jeder Tierfutterhandlung bekommt. Gut geeignet sind die etwa 50 cm langen Lederrollen mit Knoten an den Enden. Von diesen werden in der Regel drei Stück benötigt. Bei sehr sparsamer Verarbeitung können zwei Knochen ausreichen. Für sehr große Hunde gibt es aber auch fast einen Meter lange Kauknochen, die allerdings in der Regel bestellt werden müssen. Diese haben den großen Vorteil, daß der Schildrand nicht allzusehr zusammengestückelt werden muß und daß zwei Stück allemal ausreichen. Aus einem Kauknochen lassen sich in der Regel zwei lange Lederstreifen von 6 bis 7 cm Breite schneiden. Soll der Schild komplett mit Pergament überzo­ gen werden, wird eine Tierhaut aus Pergament­ leder benötigt. Authentisch ist Pergament vom Rind. Am besten geeignet ist die Haut eines Jung­ tiers. Kälberhaut ist zu dünn, die eines sehr alten Tieres kann leicht zu dick sein. Im Rückenbereich sollte das Leder im nassen Zustand eine Stärke von etwa 5 mm haben. Im trocknen Zustand wird sich die Stärke dann auf ctw'a 2 bis 3 mm reduzie­ ren. Bei den hier verwendeten Schildmaßen, kann man - je nach Größe der Haut - mindestens zwei bis drei, höchstens aber vier, schildgroße Stücke aus einer Haut schneiden. Pergament (mittcllat. pergamena „Papier aus

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Pergamon“) ist eine besonders zubereitete Mem­ bran aus enthaarter, aber ungegerbter tierischer Haut, insbesondere vom Rind, Schaf. Ziege oder Esel. Pergament wird seit etwa 3000 Jahren in un­ veränderter Form hergestellt. Da die Herstellung bis heute reine Handarbeit ist. ist es nicht einfach, gutes Pergament zu beschaffen. Man bekommt es aber beispielsweise bei der Gerbergemeinschaft Diepholz GmbH. Strothestraße 50. 49356 Diep­ holz. Telefon: 05441-3414. Die Gerbergemein­ schaft stellt auf Wunsch Pergamenthäute in unter­ schiedlichen Stärken her. Allerdings müssen in der Regel mehrere ganze Häute abgenommen werden. Eine Pergamenthaut vom Rind kostet etwa 130,00 bis 150,00 € (Stand 2002). Es ist empfehlenswert, das Leder im feuchten Zustand von der Gerberei entgegenzunehmen, da es sowieso im feuchten Zustand verarbeitet werden muß. Eine Lagerung ist auch in diesem Zustand möglich, wenn das Leder in einer Lösung aus Salzwasser ( 1 kg Salz auf 10 bis 151 Wasser) und Ameisensäure aufbe­ wahrt wird, um Fäulnis vorzubeugen. Kann das Leder nicht vollkommen von der Flüssigkeit be­ deckt sein, muß es regelmäßig gespült und gewen­ det werden, da es sonst fault und verdirbt. Wird das Pergament nur in reinem Wasser aufbewahrt, beginnt cs bereits nach wenigen Tagen zu faulen und wie alter Fisch zu stinken. Dabei ist der Ge­ ruch noch nicht einmal das schlimmste, sondern die Tatsache, daß Bakterien die Haut zersetzen und sie damit wertlos wird. Aber auch bei sach­ gemäßer Lagerung beginnt das Pergament nach etwa einem halben Jahr zu verfaulen, sollte also bis dahin vollständig verarbeitet sein. Amei­ sensäure wird in vielen Bereichen als Konservie­ rungsmittel verwendet und kommt in den Gift­ sekreten von Ameisen und Käfern und in verschie­ denen Ixbcnsmitleln natürlich vor. Ansonsten fällt sic als Nebenprodukt bei der Herstellung von Es­ sigsäure aus Benzin oder Butan an. Ameisensäure ist nur in hohen Dosen schädlich. Soll der Schild mit Leinwand überzogen wer­ den. sollte - zumindest für die äußere Schicht echtes Leinen (Malerleinwand) verwendet werden, insbesondere wenn darüber mit Kreidegrund und Farben gearbeitet werden soll. Am besten geeignet ist belgisches Leinen, wie es in der Malerei ver­ wendet wird und in gut sortierten Künstlerbedarfs­ läden zu haben ist. Soll der Überzug des Schildes aus mehreren textilen Schichten aufgebaut wer­

den. können die unteren Lagen aus minderwertige­ rem Leinen oder anderen Textilien bestehen (Schild des Königs Henry V. von England). Auf jeden Fall sollte dann, wenn der Schild auch bemalt werden soll, als äußere Schicht keine Baumwolle verwendet werden, da diese zu leicht brüchig wird und das Wappenbild dann Gefahr läuft, rissig zu werden und abzufallen.

Lange und kurze Nägel Zum Befestigen der Schildrandverstärkung, des Pergamentüberzugs, der Riemen und des Hand­ polsters werden unterschiedlich lange Eisennägel benötigt. Für die Stellen, wo mit umgebogenen Nägeln gearbeitet werden soll (Riemenbefestigungen. Schildrandverstärkung), sind solche Nägel beson­ ders gut geeignet, deren Stifte ein quadratisches Profil haben, weil sie sich beim Umschlagen nicht so leicht verdrehen wie Nägel mit rundem Stift­ durchmesser. Geschmiedete Ziemägel für den Bau rustikaler Möbel eignen sich hervorragend. Auch sollte ganz allgemein darauf geachtet werden, daß die Nägel große, flache Köpfe haben, damit sic nicht so leicht ausreißen. Stahlnägel sind nicht ge­ eignet, da sie sich nicht biegen oder vernieten las­ sen. sondern beim Umschlagen eher brechen. Sind geschmiedete Nägel nicht zu beschaffen, muß man sich mit einfachen, industriell hergestellten Nä­ geln behelfen, wie sie im Heimwerkermarkt oder besser, in einer gut sortierten Eisenwaren­ handlung - angeboten werden. Als Notlösung kommen insbesondere Fassadenplattennägel, Kammzwecken oder notfalls Dachpappenstifte in Betracht, alles Nägel mit großem flachen Kopf von bis zu 7 bis 10 mm Durchmesser. Bei der Aus­ wahl sollte man allerdings darauf achten, daß die Nägel nicht allzu modern erscheinen, also etwa nicht verzinkt sind, da sie dann unnatürlich silbrig glänzen. Zum Befestigen der Riemen und der Schildfes­ sel werden etwa 4 cm lange, stabile Nägel benötigt, die entweder umgeschlagen oder vernie­ tet werden können. Wird nur der Schildrand mit Rohleder verstärkt, können ebensolche Nägel ver­ wendet werden. Soll der Rand mit Leder benäht werden, braucht man hier keine Nägel.

Für die Befestigung des Handpolsters werden kleinere Nägel benötigt, die nicht länger sein dür­ fen. als der Schildkorpus stark ist. Diese Nägel brauchen nicht flexibel zu sein, da sie nicht gebo­ gen werden. Besonders gut eignen sich beispiels­ weise Täckse. Das sind kleine Nägel mit einer sehr scharfen Spitze, die sich beim Einschlagen ins Holz etwas verbiegen und dadurch einen sehr festen Halt bekommen. Soll der Schild ganz mit Pergament überzogen werden, sollten einige preiswerte, lange Nägel be­ sorgt werden, die als provisorische Fixierungen des Pergaments dienen können und später w ieder entfernt werden. Außerdem benötigt man einige kurze Nägel, um das Pergament auf der Schildrückseite zu befestigen. Auch hierfür sind Täckse hervorragend geeignet, da sie stabil und spitz genug sind, das zähe Pergament zu durchdringen. Sind kurze Nägel nicht in geeigneter Form ver­ fügbar. muß man überlegen, ob notfalls lange Nägel gekürzt werden können.

Dickes Leder - eventuell dünnes Leder Füllmaterial für die Polsterung Für die Herstellung der Riemen wird dickes Leder benötigt, wie es etwa zur Herstellung von Gürteln verwendet wird. Sollen einige oder alle Riemen nach authentischem Vorbild gefertigt werden, wird zusätzlich dünneres Leder benötigt. Dünnes - aber trotzdem festes - Leder wird auch für eine eventuelle Hand- oder Armpolste­ rung benötigt. Für die Unterfütierung des Polsters werden dann außerdem zwei bis vier Stücke eines dicken Stoffs, rohe Wolle. Flachs. Stroh oder ein anderes Füllmaterial benötigt. Dicker Wollstoff. Filz oder notfalls Baumwoll-Molton sind sehr gut geeignet und leicht zu verarbeiten.

Fventuell Schnallen Um die Schildfessel verstellbar zu machen, braucht man eine Schnalle. Auch der Armriemen kann mit einer Schnalle versehen werden.

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Eventuell Eisenblech

Farb en

Sollen die Bcfestigungsnägel der Riemen beson­ ders gegen Ausreißen gesichert werden, wird ein Stück Eisenblech von mindestens 1 mm Stärke zur Herstellung von Unterlegscheiben benötigt.

Die Auswahl der für die Bemalung notwendigen Farben richtet sich nach dem individuellen Wap­ pen. Authentisch sind Farben auf Wasserbasis, keine Lack- oder Latexfarben. Historisch verbürgt ist insbesondere die Verwendung von Kasein- oder Ei-Teniperafarbe. Als einfache und günstige Mög­ lichkeit ist wasserfeste und lichtechte Plakafarbe (Kasein-Emulsionsfarbe) sehr zu empfehlen, da sie leicht zu beschaffen ist und sich sehr einfach verarbeiten läßt. Temperafarbe (lat. temperare - mischen) ist eine Mischung von anorganischen Pigmenten in einer Emulsion aus trocknenden Ölen (Leinöl. Mohnöl. Nußöl) und wäßrigen Bindemitteln (Lösungen von Eigelb oder alkalisch aufgeschlossenem Kasein), die matt und deckend auftrocknet. Kasein (lat. caseus - Käse) ist der wichtigste - zu den Phosphor­ proteinen zählende - Eiw-eißbestandteil der Milch, in der er überwiegend als kolloidales Calciumsalz vorliegt. Bei Ansäuerung o d e r Einwirkung be­ stimmter Enzyme (Pepsin. Labferment) fällt das Kasein als wasserunlösliches Para-Kasein aus (Milchgerinnung). Es dient als Bindemittel für An­ strichfarben und Holzleime. Tempera-Malerei war im 13. Jahrhundert eine bekannte Maltcchnik. In Europa fand sic im 12. Jahrhundert eine starke Verbreitung, als sog. Tafelbilder als Altarschmuck (Altarbilder) aufka­ men. Für die Herstellung von Ei-Temperafarbe, die dann zum einmaligen Bemalen einer Fläche von etwa einem Quadratmeter ausreicht, werden die folgenden Zutaten benötigt, die ebenfalls größten­ teils in gut sortierten Künstlerbedarfsläden besorgt werden können. Soll der Schild mehrere Farben aufweisen, so müssen die Mengen entsprechend verändert werden, denn dann werden zwar mehr Farben, aber von jeder Farbe geringere Mengen, benötigt. Die folgenden Preisangaben stammen aus dem Jahre 2002.

Eventuell Material zur Herstellung von Kreidegrund Zur Grundierung eines mit Pergament oder Lein­ wand bezogenen Schildes wird vor der Bemalung in der Regel ein Kreidegrund aufgetragen. Für die Herstellung des Kreidegrundes - ausreichend zum Grundieren einer Fläche von etwa einem Quadrat­ meter - werden folgende Zutaten benötigt, die al­ lesamt in gut sortierten Künstlerbedarfsläden be­ sorgt werden können: 500 g Kreide (Champagnerkreide) 50 g Knochenleimgranulat (eventuell Haut- oder Hasenleim) 160 g Zinkweiß (Zinkoxyd) ln diesen Mengen sollten die Zutaten insgesamt nicht mehr als etwa I0.00€ kosten (Stand 2002). Das Zinkweiß ist nicht unbedingt notwendig, hellt aber den Grauton der Kreide soweit auf, daß ein späteres Übermalen mit weißer Farbe nicht mehr nötig ist. Haut- und Hasenleim sind, wie gesagt, etwas teurer als Knochenleim. Soll ein besonders flexibler Kreidegrund hergestcllt werden, kann die Leimmenge um bis zu 100 Prozent erhöht werden. Soll der Schild auf beiden Seiten bemalt oder das Wappen in hoher Engobage gearbeitet werden, müssen die jeweiligen Men­ gen entsprechend erhöht werden, da dann wesent­ lich mehr Material benötigt wird. Für engobierte Wappenformen sollte kein Knochenleim, sondern Haut- oder Hasenleim in höherer Dosierung ver­ wendet werden. Wird ein Sperrholzschild lediglich mit einer Randverstärkung versehen, kann der Kreidegrund weggelassen und die Bemalung direkt auf das Holz aufgetragen werden. Insbesondere wenn der Schild ausschließlich und oft für Kämpfe benutzt werden soll, ist dies ratsam, da er dann möglicher­ weise nicht ewig halten wird.

100 g Eigelb (etwa 5 bis 7 Stück) 50 g Leinöl ( 1/2 Liter kostet etwa 5,00 € ) 50 g Balsamterpentinöl ( 1/2 Liter kostet etwa 6,00 € ) 15 g Dammarharz (500 g kosten etwa 7,00 € ) 50 g Farbpigmente ( 100 g kosten etwa 3.00 € ) 50 g Wasser

Terpentinöl (lat. oleum terebinthinae) ist nicht zu verwechseln mit dem herkömmlichen Terpentinöl­ ersatz. einem Lösungsmittelgemisch aus hochsie­ dendem Benzin und Kohlenwasserstoffen. Echtes Terpentinöl hingegen ist ein farbloses bis hellgel­ bes, dünnflüssiges, würzig riechendes ätherisches Öl. Es ist ein Destillationsprodukt aus dem echten Terpentin (griech. terébinthos), welches die richti­ ge Bezeichnung für die beim Anritzen der Rinde harzreicher Kiefemarten austretenden Harze (Bal­ same) ist. Diese Harze lassen sich durch Destillati­ on in 70 bis 85 Prozent feste Bestandteile - vor allem Harzsäuren (Kolophonium) - und in 15 bis 30 Prozent flüchtige Bestandteile - vor allem das aus Terpenkohlenwasserstoffen bestehende Ter­ pentinöl - trennen. Terpentinartige Produkte wur­ den bereits in der Antike - vor allem zum Abdich­ ten von Schiffsböden - benutzt. Später verwendete man Lärchen-Terpentin sowie das Pistazien-Terpentin (Chios-Terpentin) der Terpentinpistazie (lat. terebinthe (Hier pistacia terebinthus) in der Medizin für Pflaster und Salben. Dammarharz ist das Harz der Dammaraflehte. Es ist ein Naturprodukt, das seit der Antike ge­ wonnen wird. Die Dammarafichte ist ein immer­ grünes Araukariengewächs (Nadelholz), das als hoher Baum wächst und in Südostasien vor­ kommt. Aus Gesundheitsgründen ist zu raten, moderne - zugegebenermaßen nicht authentische - Farb­ pigmente zu verwenden, da die meisten Farben früher mittels giftiger Zusätze angemischt wurden. Es kommt bei der Arbeit mit der Farbe immer wie­ der vor, daß man Stäube einatmet oder Farbe an den Mund bekommt.

Schutzfirnis für unbehandeltes Pergament oder bemalte Flächen Ein Schutzfirnis wird benötigt, um die Bemalung und eventuell nicht bemalte Pergamentflächen gegen Feuchtigkeit unempfindlich zu machen. Um gute, dauerhafte und möglichst authenti­ sche Versiegelungsaltemaliven zu finden, habe ich mit verschiedenen Wachsen. Harzen und Lacken einige Versuche gemacht. Dabei habe ich folgen­ des festgestellt: Als authentische, natürliche Versiegclungsalternativen bieten sich in erster Linie

Wachse, Öle und Harze an. Untersucht habe ich die Eignung von flüssigem Wachs und Wachslasur. von Leinöl- und Dammarharzfimis sowie von Schellack. Als moderne Alternativen habe ich mit farblosen Siegellacken auf Kunstharzbasis (Holz­ siegel) und Acrylharz-Sprühfilmen, wie sie in der Malerei zum Schutz von Tusch- oder Kohlezeich­ nungen verwendet werden. Versuche gemacht, und bin dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: Ganz hervorragend zum Versiegeln von rohem Pergament als auch von bemalten Flächen - insbe­ sondere auch bei Ei-Tempera-Bemalungen - eig­ net sich flüssiges, wasserfestes Holzwachs, wie es eigentlich zum Versiegeln roher Hölzer verwendet wird. Es ist leicht zu verarbeiten und kann mit einem Pinsel oder Lappen aufgetragen werden. Außerdem trocknet es innerhalb eines Tages und bildet dann einen leicht gelbstichigen, aber den­ noch durchsichtigen, seidenmatten, leicht gummiartigen, wasserundurchlässigen Film. Die besten Erfahrungen habe ich gemacht mit dem Wachs von der Firma Clou (W1 - flüssiges Holzwachs, wasserfest, auch für den Außenbcrcich geeignet). Leider sind mir die genauen Inhaltstoffc dieses Wachses nicht bekannt, es ist aber wahrscheinlich, daß es auch nicht-natürliche Lösungsmittel ent­ hält. Beim Kauf ist Vorsicht geboten, denn die Firma Clou hat. ebenfalls mit der Bezeichnung W I. ein anderes flüssiges Holzwachs herausge­ bracht, daß nur wasserabweisend, aber nicht was­ serfest ist. Wachslasuren oder -balsame (Bienen- oder Carnaubawachs in Terpentinöl. Holzöl, Leinöl und/oder Leinölfirnis) oder reine Wachse, wie sie eigentlich ebenfalls zum Versiegeln von Holz ver­ wendet werden, eignen sich ebenfalls sowohl zum Versiegeln von rohem Pergament, als auch zum Versiegeln von Ei-Tempera-Bemalungen. Sie trocknen innerhalb weniger Stunden seidenmatl auf und schützen Leder und Bemalung vor Feuch­ tigkeit. Einen zuverlässigen Schutz erreicht man aber erst nach mehreren Aufträgen und einer letz­ ten Trocknungsphase von zwei bis drei Wochen. Bei extremer Nässe werden Wachslasuren leider wieder weich und müssen dann eventuell erneuert werden. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit einer Bienenwachslasur von der Finna Bio Pin gemacht. Diese besteht ausschließlich aus reinen Naturstof­ fen und ist im flüssigen Zustand milchig, trocknet aber nahezu durchsichtig auf. Leider ist sie nur be­

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dingt kratzfest und daher nicht für die Verwen­ dung auf einer bemalten Schild Vorderseite zu empfehlen. Leinölfirnis ist als Schutzüberzug für Holz zwar sehr gut. für Leder aber nur madig geeignet, da er auf diesem Untergrund nur sehr langsam trocknet und mitunter einen leicht klebrigen Film hinter­ läßt. Dasselbe gilt, wenn man eine Ei-TemperaBemalung mit Leinölfirnis überzieht. Entscheidet man sich für einen solchen Schutzüberzug, ist die­ ser in mehreren Schichten aufzutragen, wobei nach jedem neuen Überzug längere Trocknungs­ zeiten in Kauf zu nehmen sind, die mitunter, je nach Untergrund, zwei bis drei Wochen und länger dauern können. Das endgültige Resultat ist aber ein sehr gut schützender Firnis. Die Verwendung von Dammarharzfirnis ist die klassische und authentische Versiegclungsmethode für eine Ei-Tentpera-Bemalung. Eine Beschrei­ bung findet sich oben unter dem Stichwort „Farben“, die Herstellungsanleitung folgt im Ar­ beitsschritt „Bemalung44unter dem Stichwort Be malung mit Ei-Temperafarbe“. Damawuharz kann auch als Schutzüberzug von unbehandeltem Per­ gament verwendet werden. In beiden Fällen trock­ net es allerdings leicht glänzend auf und braucht mehrere Wochen (!), bis es gänzlich durchgetrock­ net ist. Aber auch Dammarharz w ird bei extremer Feuchtigkeit und Nässe wieder weich und schützt dann nicht mehr zuverlässig. Als zwar nicht authentische, aber doch sehr gut geeignete natürliche Alternative kommt Schellack als Versiegelung sowohl für rohes Pergament als auch für bemalte Flächen in Betracht. Insbesonde­ re Ei-Temperafarbe läßt sich mit Schellack sehr gut gegen Feuchtigkeit versiegeln. Schellack hat den großen Vorteil, daß er sehr kratz- und recht feuchtigkeitsbeständig ist. Außerdem trocknet er innerhalb weniger Stunden. Sein Nachteil ist nur, daß er leicht glänzend auftrocknet und im Mittelalter noch nicht verwendet wurde, da er erst seit dem 19. Jahrhundert gewonnen wird. Schellack w ird von der in Süd- und Südostasien lebenden Stocklaus (sog. Lac-Insekl) ausgeschie­ den. Die Laus sticht die Rinde des Wirtsbaumes an und ernährt sich von dem austretenden Saft. Zum Schutz seiner Brut sondert das weibliche Insekt ein Sekret ab, das die Zweige des Baumes umkrustet. Dieses harzige Sekret enthält alle wichtigen Bestandteile des späteren Schellacks. Man erntet

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das Harz, indem man die verkrusteten Zweige des Baumes abschneidet, zermahlt und wäscht. Hier­ bei wird der größte Teil des im Harz enthaltenen Farbstoffs ausgewaschen. Der so entstandene Kör­ nerlack wird getrocknet und anschließend eingeschmolzen und durch Filter gepreßt, um Verunrei­ nigungen zu entfernen. Danach wird er zu einem dünnen Film ausgezogen und getrocknet. Der so hergestellte ßlätterlack hat einen natürlichen Wachsgehalt von 3 bis 5 Prozent. Haupterzeuger­ land von Lac. dem Schellack-Rohstoff, ist Indien. Schellack wird als Bindemittel in Tinten. Tuschen und Druckfarben, in Möbel- und Lederpflegemit­ teln und sogar in der Lebensmittelindustrie als Trenn- und Glanzmittel für Süßwaren und als Bin­ demittel in Lebensmittelfarben eingesetzt. Schellack ist heutzutage nicht mehr leicht zu beschaffen, wohl aber mitunter in gut sortierten Künstlerbedarfsläden zu finden. Dort wird er ent­ weder in gelöster Form (in hochprozentigem Al­ kohol) oder als Rohstoff in Form von Plättchen ungeboten Zur Herstellung von Schellacklösung werden Schellackplättchen und Alkohol benötigt und zwar in einem Verhältnis von etw a 300 g (bis maximal bOOg) Schellack und 1000 g Alkohol. Der Alkohol muß möglichst rein sein. Am besten eignet sich Methylalkohol (auch Holzgeist oder Holzalkohol genannt), da dieser nach detn Aufträgen der Schel­ lacklösung rasch und gänzlich verdunstet. Es kann aber auch handelsüblicher Spiritus verwendet wer­ den. Billiger Spiritus kann zu einer grünstichigen Tönung führen. Bei Verwendung von Spiritus soll­ te jedenfalls darauf geachtet werden, daß dieser keine Teerkohlenbasen (Pyridinbasen) enthält, da diese nach dem Aufträgen nicht gänzlich verdun­ sten und einen leicht klebrigen Film hinterlassen. Wegen des hochprozentigen Alkohols ist bei der Herstellung und beim Umgang mit Schellack auf jeden Fall ein sorgfältiges Arbeiten und ein gefah­ renbewußter Umgang mit der Lösung geboten. Die Lösung darf beispielsweise niemals in einem verschlossenen Gefäß erhitzt werden, da dieses explodieren könnte. Auch ist eine etwa auslretcndc Spirituswolke hoch entzündlich! Für die Zubereitung von Schellacklösung wer­ den zunächst die Schellackplättchen manuell zer­ kleinert. Dann füllt man die Hälfte des zu verwen­ denden Alkohols in ein luftdicht verschließbares Gefäß und läßt dann die SchellackstUckchen lang-

sam in den Alkohol einschweben. Anschließend gibi man den restlichen Alkohol dazu und ver­ schließt das Gefäß sorgfältig. Dann wird die Mi­ schung etwa zehn Minuten lang geschüttelt und muß danach für etwa eine Stunde lang ruhen, bis sie erneut geschüttelt wird. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis sich die Plättchen vollstän­ dig aufgelöst haben. Ist dies der Fall, muß die Mi­ schung ruhen, damit die Schmutzteile in der Lö­ sung auf den Boden des Gefäßes absinken können. Je nach Grad der Verschmutzung der Plättchen kann dies tage- oder gar wochenlang dauern. Anschließend wird die Mischung durch ein sehr feinmaschiges Netz (Nylon-Damenstrumpf) ge­ gossen und in eine saubere Flasche umgefüllt. Sind weiterhin Schmutzteile in der Lösung enthal­ ten. kann der Vorgang - beliebig oft - wiederholt werden. Sehr reiner Schellack ist allerdings nur für die Möbelpolitur notwendig. Für die Behand­ lung der Schildoberflächen muß er nicht so akri­ bisch gereinigt werden. Beim Umfüllen oder Be­ nutzen der Schellacklösung sollte man immer be­ achten. daß der Flaschenhals sauber ist, bevor er verschlossen wird, da der Verschluß sonst leicht verklebt und dann nur mit Mühe wieder zu öffnen ist. Eine nicht authentische - ja nicht einmal natür­ liche -, aber sehr einfach zu verarbeitende und hervorragend kratz- und absolut wasserfeste Alter­ native bieten Siegellacke auf Kunstharzbasis. Bei­ spielsweise Holzsiegellacke können in nahezu jedem Baumarkt beschafft werden und sind ein­ fach mit einem Pinsel aufz.utragen. Sie trocknen seidenmatt auf und härten mit leicht flexibler Oberfläche - aber trotzdem sehr hart (hornhart) aus. Sie sind wetterbeständig und eignen sich sehr gut sowohl zum Schutz von unbehandeltem Perga­ ment als auch zum Versiegeln von mit Plakafarbe und mit Ei-Temperafarbe bemalten Flächen. Matte Acrylharz-Sprühfilme eignen sich in er­ ster Linie zum Versiegeln von Bemalungen mit Plakafarbe. Sie trocknen innerhalb weniger Minu­ ten nahezu unsichtbar auf. Zum Schutz unbehan­ delter Pergamentflächen sind sie zwar ebenfalls gut geeignet, im Hinblick auf ihre nur bedingte Kratzfestigkeit hierzu aber nur bedingt zu empfeh­ len. Ei-Temperafarbe kann mit ihnen nicht versie­ gelt werden, da ihre Lösungsmittel die Farbe wie­ der anlösen und der Film dann nicht mehr richtig trocknet.

Alle benötigten Zutaten für die Herstellung von Kreidegrund. Farben. Glutinleim. Malerleinwand sowie die meisten Firnisse bekommt man bei­ spielsweise im Farbenfachgeschäft für Mal- und Künstlerbedarf, Dierk Müller. Grindelhof 62. 20146 Hamburg, Telefon: 040-45 34 72.

Werkzeug Für die einzelnen Arbeitsschritte werden verschie­ dene Werkzeuge benötigt. Besondere Spezial­ werkzeuge sind grundsätzlich nicht notwendig. Zum Verleimen und Wölben der Sperrholzplat­ ten oder zum Verleimen der Holzplanken werden mehrere (mindestens drei, besser fünf), nicht fle­ xible Spanngurte benötigt, die die Breite der Plat­ ten oder der Bretter umfassen können und sich stufenlos verstellen lassen. Notfalls können einfa­ che, starke Seile verwendet werden. Zum Fixieren der Platten oder Planken beim Verleimen sowie beim Ummanteln des Schildrandes mit einer Verstärkung aus Rohleder werden mehrere Klemmzwingen benötigt. Soll ein gewölbter Plankenschild hergestellt werden, benötigt man einige Formstücke, um die Planken gew'ölbt verleimen zu können. Vergleiche hierzu den Arbeitsschritt „Herstellung des Holz­ korpus“ unter dem Stichwort „Gewölbter Planken­ schild“. Zum Aufträgen des Leims auf den Platten wird einen Zahnspachtel verwendet. Wird mit Glutinleim gearbeitet, benötigt man einen Leimkocher (alternativ einen Kochtopf und ein Glas), ein Thermometer (Zuckerthermometer bis I00°C) und einen Pinsel zum Aufträgen des Leims. Zum Aussägen des Schildkorpus nimmt man eine (elektrische) Stichsäge und zum anschließen­ den Glätten der Ränder Schmirgelpapier oder ein (elektrisches) Schleifgerät. Zum Bohren verschiedener Löcher im Schild­ korpus (Riemenbefestigungen, eventuell Schild­ rand Verstärkung) und in Metall (Unterlegscheiben, eventuell SchUdbuckel und Schildge,spanne) wer­ den entsprechende Bohrer und eine Bohrmaschine benötigt Einen mittelgroßen Hammer braucht man für mehrere Verrichtungen, wie beispielsweise zur Befestigung einer aufgenagelten Schildrandver-

Stärkung oder wenn die Befestigungsnägel für die

Riemen nur umgeschlagen werden sollen. Sollen diese vernietet werden, benötigt man außerdem einen Hammer mit sehr schlanker Finne. Für verschiedene Arbeiten, insbesondere zum Umbiegen der Nägel, ist außerdem eine Zange mit einem schlanken Maul nützlich. Eine kräftige Schere und ein scharfes Messer (notfalls ein Teppichmesser) braucht man zum Schneiden von Rohleder (Schildrandverstärkung). Pergament und Leder (Riemen, Polster). Soll durchgetrocknetes Pergament geschnitten werden, versagen die meisten Werkzeuge. Zu empfehlen sind dann Gärtner- oder Blechscheren. Eine Blechschere braucht man auch, wenn Un­ terlegscheiben hergestellt werden sollen. Bei der Herstellung der Riemen werden zusätz­ lich ein Stanzeisen oder eine Lochzange für Leder benötigt sow ie geeignetes Nühwerkzeug zum Be­ festigen von Schnallen und eventuell zum Nähen mehrlagiger Riemen. Für den Auftrag von Kreidegrund werden breite Pinsel benötigt. Soll das Wappenbild engobiert werden, hraucht man entsprechendes Werkzeug zum Aufträgen der Leim-Kreide-Mischung (.Spritztube oder Plastikbeutel. Modellierwerk­ zeug). Für die Wappenbemalung der Schildvorderseite werden weitere breite und feine Pinsel benötigt. Zum Anmischen von Kreidegrund, Farbe und eventuell zum Herstellen von Glutinleim, Lösen von Dammarharz in Terpentinöl oder zur Herstel­ lung von Schellack eignen sich ausrangierte Glas­ gefäße (Marmeladengläser). Für letztere Herstel­ lungsverfahren braucht man außerdem sehr fein­ maschige Netze (Teesieb. Nylon-Damenstrumpf). Arbeitet man mit Wachsen oder Ölen als Versie­ gelung, sollte man sich einige alte, fusselfreie Tex­ tilien zurechtlegen, da sich Wachs und Öl leichter mit einem Lappen auftragen lassen als mit einem Pinsel. Außerdem braucht man immer wieder einen Zollstock zum Überprüfen von einigen Maßen und einen Bleistift zum Vorzeichnen (Schildumriß, Be­ festigungspunkte. Wappenbild).

ISO

4. Arbeitsschritte Sind alle Materialien besorgt und alle Werkzeuge bereitgelegt, kann die Fertigung des Schildes be­ ginnen. Je nach gewähltem Aufwand, wird sich die Arbeit am Schild mindestens etwa über 8 bis 10 Tage hinziehen, aber von vielen W'artephasen unterbrochen sein, in denen das Werkstück immer wieder trocknen muß. Entscheidet man sich für die absolut authentische Fertigungsweise, wird es dagegen mehrere Wochen dauern, bis der Schild ganz und gar fertiggestellt ist. Das ist aber nicht etwa der Fall, weil die Arbeit schwieriger ist. son­ dern weil die einzelnen Trocknungsprozesse we­ sentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, ln allen Wartephasen können aber immer einige der Ein­ zelteile für die folgenden Arbeitsschritte vorberei­ tet werden. Es empfiehlt sich daher, die folgende Arbeitsanleitung zunächst einmal ganz zu lesen, jedenfalls soweit Vorgänge beschrieben werden, die später nachvollzogen werden sollen, und sich dann selbst einen Ablaufplan kurz zu skizzieren.

4.1. Herstellung des Holzkorpus Im ersten Arbeitsschritt wird der Holzkorpus her­ gestellt. Dieser kann, wie gesagt, entweder aus modernen Sperrholzplatten gefertigt oder in au­ thentischer Weise aus Holzplanken zusammenge­ setzt werden.

Schildkorpus aus Sperrholzplatten Wird der Schild aus Sperrholz gefertigt, müssen im ersten Arbeitsscheu die Sperrholzplatten mit­ einander verleimt werden. Soll der Schild eine Wölbung erhalten, dürfen die Platten vor dem Ver­ kleben noch nicht in Schildform gesägt werden, da sonst eine gleichmäßige W'ölbung des Schildkor­ pus nicht erreicht werden kann. Die Plauen wer­ den auf den innenliegenden Seiten mit Holzleim eingestrichen, von den drei Platten also nur die mittlere Platte beidseitig. Hierzu sollte ein Zahnspachtel verwendet werden. Die Holzplatten werden dann übereinandergelegt, in gleichmäßige Deckung gebracht und gut angedrückt. Dazu kann

Abb. ¡49: Material und Werkzeug zur Herstellung eines gebogenen Schildkorpus aus Sperrholz man sie auf einen ebenen Untergrund legen und ein paarmal auf ihnen herumlaufen. Da ich davon ausgehe, daß für das Verkleben nicht-authentischer Sperrholzplatten ein moderner Weißleim verwendet wird, werde ich die Er­ klärung der Zubereitung von authentischem Glu­ tinleim etwas später, im Zusammenhang mit der Fertigung eines Plankenschildes, erklären. Bevor der Leim antrocknet, muß der Rohling gebogen werden. Hierzu wird er mit mehreren Spanngurten oder Seilen umgurtet, die dann so weit angezogen werden, bis die gewünschte Wöl­ bung erreicht ist. Dabei legt man zuerst einen Gurt um die Mitte der Sperrholzplatten und zieht diesen leicht an. Dann befestigt man jeweils einen Gurt am oberen und am unteren Ende der Platten und zieht beide ebenfalls leicht an. Haben die Platten dann eine gleichmäßige, leichte Wölbung, werden alle Gurte nacheinander so weit angezogen, bis die gewünschte Wölbung erreicht ist. In dieser Stel­ lung werden die Spanngurte dann endgültig fi­ xiert. Je nach Güte des Sperrholzes kann es passie­

ren, daß sich die Seitenkanten der Platten leicht wellig verziehen. In dem Fall sollte man zusätz­ lich zu den drei Gurten noch einige weitere Spannhilfen anbringen, um die seitlichen Ränder des Rohlings wieder geradezuziehen. Werden keine breiten Spanngurle verwendet, sondern ein­ fache Seile, empfiehlt es sich, an den Kanten des Rohlings kleine Unterlagen - etwa aus Lederre­ sten - unter die Gurte zu schieben, um einem übermäßigen Einschneiden der Gurte vorzubeu­ gen. Wichtig ist es, unbedingt darauf zu achten, daß der Abstand von Seitenkante zu Seitenkante des Rohlings überall gleichmäßig weit ist, um eine gleichmäßige Wölbung des späteren Schildes zu erzielen. Die gespannte Wölbung sollte nicht viel stärker sein, als sie für den späteren Schild ge­ wünscht wird, denn nach dem Entfernen der Spanngurte wird der Rohling gar nicht oder nur noch wenig nachgeben. Eine Stichbogenhöhe von etwa 10 bis maximal 15 cm garantiert eine kom­ fortable Wölbung des späteren Schildes, aber hier ist jeder frei, seine individuelle Wölbung herzu­ stellen. Umlaufend werden dann an allen Kanten des Rohlings mehrere Klemmzwingen befestigt - je mehr, desto besser - um das Kleberesultat an den Rändern der Platten zu verbessern. Es ist auch möglich, auf die seitlichen Ränder der Platten zwei U-Profile zu stecken und die Spanngurte um diese herumzuführen. Der Vorteil ist, daß man dabei mit wesentlich weniger Gurten

Abb. ¡50: Sperrholzplatten verleimt und gebogen

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auskommt. Der Nachteil ist. daß sich an den Sei­ tenkanten die Zwingen und Klemmen möglicher­ weise nicht so gut befestigen lassen und die Ver­ klebung hier dann unter geringerem Druck erfolgt. Anschließend muß der Rohling zum Trocknen gelagert werden. Hierbei wird er am besten auf seinen Seitenkanten liegend aufbewahrt, wobei die Wölbung nach oben zeigt, damit er sich nicht ver­ dreht und verzieht. Ist man gezwungen, unter­ schiedliche Zwingen zu verwenden, die ein sol­ ches gleichmäßiges Liegen verhindern, sollte bes­ ser darauf verzichtet werden, den unteren Rand des Werkstücks mit Zwingen zu versehen, und der Rohling gerade und aufrecht stehend gelagert wer­ den. Der Leim muß etwa 2 bis 3 Tage an einem warmen Ort trocknen und aushärten. Anschließend können die Spanngurte entfernt werden. Wurde die Verklebung sorgfältig gemacht, wird die Wöl­ bung nun nicht wieder nachgeben.

dann sogleich auf etwa die gleiche Länge gesägt und geglättet werden. Auch hier sollten die Bretter etwa 5 cm länger sein als die Höhe des späteren Schildes. Anschließend werden die Bretter für etwa eine Woche flach liegend in dem Raum gela­ gert. in dem sie später auch verarbeitet werden. Beim Zusagen des Holzes ist darauf zu achten, daß gewachsenes Holz ständig „arbeitet“ und unter dem Einfluß von wechselnder Feuchtigkeit aufquillt oder sich zusammenzieht. Das dadurch bedingte Verwerfen des Holzes geschieht dabei entgegengesetzt zu der Biegung der Jahresringe im Holz. Man sollte daher darauf achten, daß die Bretter für den Schildkorpus nicht einfach schei­ benweise aus einem Stamm gesägt werden, son­ dern etwa nach Art von Tortenstücken, so daß die Schnittflächen der schmalen oberen und unteren Brettenden einen Querschnitt durch die Jahresrin-

Abb. 151: Gebogener Holzrvhling aus Sperrholz

Schildkorpus aus Holzplanken Soll der Korpus in authentischer Weise aus Holz­ planken gefertigt werden, w ird ebenfalls zunächst ein rechteckiger Holzrohling hergestellt. Hierzu wird das zu verwendende Holz zunächst zu Bret­ tern von 10 bis IS mm Stärke uufgcschnitlcn, die

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Abb. 152: Holzplanken aus dem Stumm einer Linde

ge zeigen. Es ist möglich die Bretter vor dem Verleimen an den Leimkanten zusätzlich mit Holzdübeln zu ver­ sehen. was die Haltbarkeit der Konstruktion stark erhöht und auch historisch belegt ist (älterer Schild der Schenken von Schweinsberg). Für den im Folgenden beschriebenen Planken­ schild habe ich Holz aus dem Stamm einer Linde verwendet. Die einzelnen Bretter haben eine Stär­ ke von 15 mm. Nach den Gegebenheiten des Hol­ zes war ich gezwungen, Bretter von nur etwa 9,5 cm Breite zu verwenden, so daß der Holzroh­ ling des hier gefertigten Schildes aus 8 Brettern zusammengesetzt werden mußte. Die Stichbogen­ höhe beträgt etwa 10 cm.

Holzleim Bevor die Technik erklärt wird, wie die Bretter schließlich miteinander verleimt werden, soll w ie gesagt, zunächst auf den Leim selbst eingegangen werden, denn zum Verleimen der Holzbretter kann zwar ein moderner Weißleim, besser aber ein au­ thentischer Glutinleim (Knochen- oder Hautleim) verwendet werden. Der Vorteil von Glutinleim ist seine hervorra­ gende Klebkraft, der Nachteil, daß er empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert. Wird die verleimte Stelle also nicht vor Feuchtigkeit geschützt, droht der Leim weich zu werden und die Verbindung nach­ zugeben. Aus diesem Grund sollte das Holz eines authentisch verleimten Plankenschildes vollstän­ dig versiegelt werden. Dazu dient der beidseitige Pergament- oder Leinwandüberzug, der seinerseits mit Kreidegrund oder einem schützenden Firnis versiegelt wird. Dieser Problembereich wird spä­ ter noch eingehend behandelt werden. Ich habe al­ lerdings auch ein paar mit Hautleim verleimte und nicht versiegelte Planken probchalber - während einiger regnerischer Tage - für etwa 48 Stunden im Freien aufbewahrt, aber selbst danach war die Verbindung noch ebenso stabil wie zuvor und mit bloßer Hand nicht wieder zu lösen. Alle Glutinleime sind Heißleime. Damit sie ver­ arbeitet werden können, müssen sie erhitzt wer­ den. Beim Erkalten binden sie ab. Zur Herstellung des Leims kann entweder ein doppelwandiger Leimtopf verwendet werden oder ein einfacher Kochtopf. Wichtig ist, daß der Leim nicht ge­

kocht (!), sondern im Wasserbad langsam auf etwa 60 bis maximal 70°C erhitzt wird. Wird der Leim zu heiß, zerfallen die Proteine, und der Leim ver­ liert seine Klebkraft. Steht ein Leimkocher nicht zur Verfügung, gibt man das harte Leimgranulat in ein Glasgefäß - am besten in ein gut ausgewa­ schenes Marmeladenglas - und übergießt es mit Wasser, so daß das Granulat gut überdeckt ist. Das Wasser sollte nicht zu hart sein, am besten eignet sich Regenwasser. Verwendet man Knochenleim, sollte das Granulat etwa 1 bis 2 cm mit Wasser überdeckt sein und kann dann sofort verflüssigt werden. Haut- oder Hasenleim läßt man etwa eine Stunde im Wasser einweichen. Dabei quillt das Granulat sehr stark auf und dehnt sich aus. Wird die Mischung zu trocken und läßt sich nicht mehr verrühren, kann etwas mehr Wasser hinzugegeben werden. Zum anschließenden Erhitzen wird das Glas in einen mit Wasser gefüllten Kochtopf ge­ stellt und so im Wasserbad langsam auf etwa 60°C erhitzt. Um die Temperatur kontrollieren zu kön­ nen, empfiehlt es sich, ein Thermometer (Zucker­ thermometer) in das Wasser zu hängen.

Abb. 153: ,.Leimkocher “

Wenn sich die festen Bestandteile schließlich voll­ ständig aufgelöst haben und der Leim eine Tempe­ ratur von etwa 60°C erreicht hat. ist er fertig zum Verarbeiten. Beim Verleimen selbst muß zügig ge­ arbeitet werden, da der Leim sehr schnell abkühlt, wenn er aufgestrichen wird, und beim Erkalten sehr schnell abbindet. Soll eine große Fläche ein­ gestrichen werden, empfiehlt es sich, mit einem größeren Pinsel zu arbeiten. Besteht die Gefahr.

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daß beim Verleimen nicht schnell genug gearbeitet werden kann, sollten zunächst nur zwei oder drei Planken miteinander verleimt und die weiteren nachträglich, nach dem endgültigen Aushärten des Werkstücks, angesetzt werden. Hs sollte auch nur soviel Leim angesetzt wer­ den, wie man in ein paar Tagen verbrauchen kann. Soll restlicher Leim aufbewahrt werden, tut man dies am besten im Kühlschrank, denn in einer war­ men Umgebung wird der Leim schneller von Bak­ terien zersetzt. Verändert sich der Geruch des Leims, so daß er muffig riecht, oder entsteht gar Schimmel, ist er verdorben und kann nicht weiter verwendet werden. Solange der Leim aber nicht verdorben ist, kann er einfach w ieder im Wasser­ bad verflüssigt werden.

Gewölbter IMankenschild Soll ein gewölbter Schild aus Holzplanken herge­ stellt werden, müssen die vorbereiteten Bretter an den Seitenkanten leicht schräg gehobelt werden, denn nur auf diese Weise erhält der spätere Schild die gewünschte Wölbung. Um das Maß der Wöl­ bung festzulegen, w ird eine Form angefertigt, an­ hand der die Bretter seitlich nebeneinander ange­ paßt werden. Die beste - aber etwas aufwendigere Art - ist dabei die Herstellung einer Negativ- und einer Positiv-Form. Da die Anfertigung einer solchen Form aller­ dings recht aufwendig ist. kann man sich behelfen.

Abb. ¡54: Holzplanken in einer Nenativ-Form

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Abb. ¡55: Holzplanken auf einer Positiv-Form

indem man lediglich zwei (besser drei) halbkreis­ förmige Holzschablonen als Positiv-Form anfer­ tigt, auf die die Bretter gelegt und seitlich zueinan­ der angepaßt werden können. Werden Negativ- und Positiv-Form zusammen verwendet, werden die Bretter mittels Spanngur­ ten (oder langen Zwingen) seitlich so stark gegen­ einander gepreßt, daß der Druck für die Verlei­ mung der Seitenkanten der Holzbretter ausreicht. Die positiven Formstücke verhindern dabei ein Zusammenbrechen des Werkstücks, indem sie es fixieren. Bei der Fertigung geht man folgender­ maßen vor: Die Bretter werden in die Mulde der Negativ-Form eingelegt und seitlich zueinander angepaßt. Wenn feststeht, daß die Seitenkanten der Bretter so gleichmäßig gehobelt sind, daß die Bretter möglichst paßgenau nebeneinander liegen, werden sie an den Seitenkanten mit Leim einge­ strichen. ausgerichtet und - in der Mulde liegend mit zwei oder drei Spanngurten leicht umgurtet. Dann setzt man auf die Innenseite des Werkstücks die Positiv-Formen, die ein Hochwölben der Bret­ ter verhindern sollen, und fixiert diese vorsichtig mit Zwingen. Anschließend zieht man die Spann­ gurte etwas stärker an. Ist hierbei ein leichter Druck erreicht, werden die Zwingen endgültig fi­ xiert und zuletzt die Spanngurte stramm nachge-

Abb. 156: HolzpUinken zum Verleimen in einer Negativ-Form fixiert

Abb. 157: Holzplanken zum Verleimen auf einer Positiv-Form fixiert

zogen. Wird nur die Positiv-Form verwendet, legt man die Bretter auf der Wölbung der Formslücke auf. kontrolliert auch hier die Paßgenauigkeit der Bret­ ter zueinander und streicht deren Seitenkanten ebenfalls mit Leim ein. Dann müssen auch hier die Bretter seitlich gegeneinander gepreßt werden. Dabei empfiehlt sich auch hier die Verwendung von Spanngurten, die genauso um die Seitenkan­ ten des Werkstücks gelegt und gespannt werden wie bei Verwendung einer Negativ-Form. Damit sich die einzelnen Bretter unter der Spannung je­ doch nicht hochwölben und das Werkstück ausein­ anderbricht. muß vor dem Spannen jedes einzelne Brett zusätzlich mit einer Zwinge an den untergelegten Formstücken befestigt werden. Erst danach können die Spanngurte endgültig angezogen wer­ den. Für beide Vorgehensweisen eignen sich beson­ ders gut solche Spanngurte, die mit einer eigenen Spannvorrichtung mit Hebelsystem ausgerüstet sind. Stehen solche nicht zur Verfügung, kann man sich behelfen, indem man unter den nur mit Mus­ kelkraft gespannten Gurt zusätzlich einige Keile schiebt, denn die Stärke des Drucks trägt entschei­ dend zur Güte der Verleimung bei.

Wie gesagt, sollten dann, wenn im Hinblick auf einen schnell abbindenden Leim nicht zügig genug gearbeitet werden kann, zunächst nur ein oder zwei Planken miteinander verleimt und die übrigen später angefügt werden. Genauso geht man vor. wenn die Plankenkonstruktion an einer Stelle wieder auseinanderbricht, weil die Verlei­ mung nicht haltbar genug war. In dem jeweiligen fixierten Zustand muß der Holzrohling dann trocknen. Da er auf die eine oder andere Weise fixiert ist, kann er sich nicht verziehen und verwerfen. Der Leim muß zwei bis drei Tage an einem warnten Ort trocknen und aus­ härten. Anschließend können die Spanngurte ent­ fernt werden. Es ist aber zu beachten, daß der so hergestellte Holzrohling keine absolut stabile Konstruktion ist. Zwar sollte die Verleimung einiges aushalten. da der Holzrohling aber nicht starr fixiert ist, besteht die Gefahr, daß die Konstruktion unter zu großem Druck nachgibt. Diesem Risiko kann man aber, wie gesagt, entgegenwirken durch Ummantelung des Holzes mit einem starren Pergament- oder mehrlagigen Leinwandüberzug oder durch Auf­ bringen eines Schildgespänges. Für einen im Re-enactmcni verwendeten Schild iss

Abb. 15S: Gebogener Holzrohling aus verleimten Planken

sollte man auf jeden Fall darauf achten, daß die Metallbeschlage keine Verletzungsgefahr für den Gegner darstcllen können. Vermag man dies nicht zu gewährleisten, ist dazu zu raten, besser auf ein Schildgespänge zu verzichten.

Flacher Plankenschild Soll der spätere Schild nicht gewölbt, sondern tlach sein, ist die Vorgehensweise ähnlich, aber etwas einfacher. Es kann dann auch so vorgegan­ gen werden wie bei der Verwendung der PositivForm. wobei allerdings nicht einmal die halbrun­ den Formstücke benötigt werden, sondern nur eine flache Platte, die als „Form“ dient. Die Bretter werden an den Seitenkanten im rechten Winkel glatt gehobelt und nebeneinander auf die Platte ge­ legt. Soll das Werkstück mittels Spanngurten ver­ leimt werden, muß die Platte etwas schmaler sein, als der Holzrohling breit sein wird, damit sich die Spanngurtc um das gesamte Werkstück legen las­ sen und an den richtigen Stellen den Druck ausü­ ben. Wird mit großen Zwingen gearbeitet, kann

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die Platte auch größer sein als der Holzrohling. Um zu verhindern, daß die Planken an der Unter­ lage festkleben, kann eine Lage aus dünnem Stoff oder eine Plastikfolie zwischen die Platte und die Planken gelegt werden, die später notfalls leicht wieder vom Holzrohling abgerissen werden kann. Wenn feststeht, daß die Seitenkanten so gleich­ mäßig gehobelt sind, daß die Bretter möglichst paßgenau nebcneinanderliegcn. werden ihre Sei­ tenkanten mit Leim eingestrichen. Damit sich auch hier die einzelnen Bretter beim Spannen nicht hochwölben und das Werkstück auseinanderbricht, muß wieder jedes einzelne Brett zusätzlich mit einer Zwinge an dem untergelegten Brett befe­ stigt werden. Dann werden die seitlichen Zw ingen - oder die Spanngurte - leicht angezogen. 1st ein leichter Druck erreicht, werden zunächst die Zwingen an der Unterlage und dann die seitlichen Fixierungen endgültig festgezogen. Danach muß der Holzrohling auch hier für zwei bis drei Tage an einem warmen Ort trocknen, damit der Leim aushärten kann.

Aussagen und Glätten der Ränder Anschließend wird der Umriß der gewünschten Schildform auf den Holzrohling aufgezeichnet und dann die Schildform mit der Stichsäge ausgesägt. Es empfiehlt sich, die Schildränder sehr sorgfältig zu glätten, denn wenn scharfe Kanten unter dem späteren Überzug stehen bleiben, wird der Schildrand unter den Hieben gegnerischer Waffen eher in Mitleidenschaft gezogen als dies bei abge­ rundeten Schildrändem der Fall ist. Die abgesägten Reste können im Zuge der wei­ teren Arbeitsschritte immer wieder herangezogen werden, um einige Arbeitstechniken (Befestigung der Schildrandverstärkung oder der Riemen) zu üben. Sie eignen sich hierfür besonders gut. da man dann mit genau demselben Material arbeiten kann wie bei der endgültigen Vorgehensweise am Schild.

Abb. 159: Sperrholzrohling nach dem Aussagen Abb. 160: Fertiger Schildkorpus aus Sperrholz

4.2. Vorbereitung der Schildrandverstärkung oder endgültiger Konipletthezug des Schildes mit Pergament und/oder Leinwand

Abh. 161: Fertiger Schildkorpus aus Holzplanken

Um die Stabilität des Schildes zu erhöhen, kann man nun entweder die Schildränder mit einer Ver­ stärkung aus Rohleder ummanteln oder, noch bes­ ser. den Holzkorpus komplett mit einem Überzug aus Pergament und/oder Leinwand versehen. Wie gesagt, empfiehlt es sich, einen Plankenschild aus Stabilitätsgründen auf jeden Fall komplett mit Per­ gament zu überziehen. Bei einem Sperrholzschild ist dies - jedenfalls aus Gründen der Haltbarkeit nicht notwendig.

4.2.1. Schild rundVerstärkung aus Kohleder IHundekauknochen) Gegen Ende der Wartezeit, in der der Holzrohling trocknet, kann damit begonnen werden, die Rand­ verstärkung vorzubereiten. Die einfachste und preiswerteste Lösung ist es, die Schildränder mit dem Rohleder von Kauknochen für Hunde zu um­ manteln. Dieses entfleischte, aber ungegerbte Leder entspricht nahezu echtem Pergament, ist aber von minderer Qualität (Spaltleder). Hat man echtes Pergament zur Verfügung, ist dies die bes­ sere Alternative, da es nach dem Trocknen wesent­ lich härter und zäher ist. Damit das Leder bearbeitet werden kann, müs­ sen die Kauknochen zunächst einige Stunden lang in Wasser einweichen. bis sie ganz weich gewor­ den sind und sich entrollen lassen. Wenn es einmal schnell gehen muß, empfiehlt es sich, warmes Wasser zu verwenden. Ist das Leder weich, wird

es im feuchten Zustand mit einer kräftigen Schere oder einem scharfen Messer in Streifen von etwa 6 bis 7 cm Breite geschnitten. Ist der Holzrohling noch nicht ganz durchgctrocknct, werden die Streifen weiterhin feucht oder im Wasser liegend aufbewahrt. Ist der Schildrohling schließlich ausgesägt und an den Rändern geglättet, wird das Leder gut abgctrocknct und um die Ränder des - noch unbemalten - Schildes gelegt und provisorisch mit ei­ nigen Klemmzwingen fixiert. Um ein Eindrücken der Zw ingen in das Leder zu vermeiden, empfiehlt es sich, kleine Holzplättchen unterzulegen, die al­ lerdings groß genug sein sollten, um nicht ihrer­ seits Abdrücke im Leder zu hintcrlassen. Vom Ab­ lauf her sollte folgendermaßen vorgegangen wer­ den. Beginnend an der Schildspitze, werden zunächst nur die Seiten des Schildes ummantelt und fixiert. An der Schildspitze sollte das Leder Ubereinandergelegt werden, damit beim Trocknen und Zusammen schrumpfen des Leders hier kein Spalt entsteht.

Abb. 162: Material und Werkzeug zur Herstellung einer Schildrandverstärkung aus dem Rohleder von ffundekauknochen

Ahb. 163: Rohlederstreifen

158

Ahb. 164: Rohlederstreifen um die seitlichen Schildränder gelegt und fixiert

Sind die zur Verfügung stehenden Lederstreifen nicht lang genug, um in einem Stück die volle Länge einer Schildseite zu ummanteln, sollte an den Stoßkanlen genauso gearbeitet werden wie an der Schildspitze, die Lederslücke hier also einige Zentimeter Ubereinandergeschoben werden. Am oberen Schildrand sollte das Leder der Schildsei­ ten einige Zentimeter überstehen, damit es beim Trocknen und Zusammenschrumpfen hier nicht zu kurz wird. Während des Trocknens werden die Zw ingen mehrmals nachjustiert und dabei Stück für Stück entfernt, bis man sicher ist, daß das Leder ganz durchgctrocknct ist und sich nicht mehr verzieht. Hat man die Zw ingen zu früh ent­ fernt und verzieht sich das Leder doch wieder, zwingt man es einfach wieder fest. Sind die seitlichen Schildverstärkungen - nach etwa zwei bis drei Tagen - endgültig getrocknet, können die an den oberen Schildecken überstehen­ den Lederenden abgeschnitten und der obere Schildrund auf dieselbe Art und Weise ummantelt

Abb. ¡65: Mit Rohlederstreifen ummantelte Schildränder. Reduzierung der Klemmen nach 4fi Stunden

werden. Stehen Lederstreifen in passender Länge nicht zur Verfügung, kann der Rand natürlich auch be­ liebig oft gestückelt werden. Die Stabilität des Schildes wird dadurch nicht beeinträchtigt. Auch ist es möglich, die oberen Schildecken übergangs­ los zu ummanteln, ln dem Fall werden die Leder­ streifen im Bereich der Schildecken beidseitig etwas eingeschnitten - aber nicht durchgeschnitten - und an den Schnittstellen übereinandergeschoben. Ist die Verstärkung des Schildrandes schließlich komplett fertiggestellt, sollte sic vor der Bemalung kurzfristig wieder entfernt und in demselben Raum aufbewahrt werden, in dem sie getrocknet wurde. Dies hat den Vorteil, daß die Bemalung achtloser und freier erfolgen kann, als wenn gegen das Leder gemalt werden müßte. Der Nachteil ist. daß sich die abgenommene Verstärkungsstücke wieder verziehen könnten, wenn sie zu früh ent­ fernt und wider Erwarten doch noch nicht ganz durchgetrocknet waren oder wenn sich die Luft-

Abb. 166: Rohlederstreifen um den oberen Schildrand gelegt und fixiert

fcuchtigkcit massiv ändert. Sollte dies passieren, können sie vor dem erneuten Anbringen aber wie­ der leicht angefeuchtet werden. Allerdings müssen sie dann auch wieder mit den Klemmzwingen fi­ xiert werden. Will man sich diesen Schritt erspa­ ren und das Risiko nicht eingehen. befestigt man die Verstärkung nun schon endgültig. Dazu mehr im Arbeitsschritt ..Anbringen der Schildrandver­ stärkung**. Dort finden sich auch Hinweise, wie der Schildrand mit einer rohledernen Verstärkung benäht werden kann.

4.2.2. Komplettbespannung des Korpus mit Pergament und/oder Leinwand

Abb. 167: Mil Rohleder ummantelter oberer Schildrand. Reduzierung der Klemmen nach 4R Stunden

Soll der Schild statt mit einer Randverstärkung komplett mit Pergament bespannt werden, gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich den Komplettbezug des gesamten Schildes oder den Bezug nur der Schildvorderseite. Die erste Version bringt einige Schwierigkeiten mit sich, wenn ein gewölbter Schildkorpus verkleidet werden soll. Möchte man diese - im folgenden geschilderten - Probleme umgehen, empfiehlt es sich, den Überzug der Schildrückseite aus Leinwand herzustellen und nur die Schildvorderseite mit Pergament zu be­ spannen oder den Schild lediglich mit Leinwand zu überziehen und eventuell nur die Schildränder mit Rohleder zu verstärken.

Pergamentbespannung

Abb. 168: Fertile Schildrandverstärkung

160

Für einen beidseitigen Pergamentüberzug schnei­ det man mit einer kräftigen Schere aus der noch feuchten Tierhaut zunächst zwei Stücke heraus. Diese Stücke sollten so groß sein, daß sie an allen Seiten die Fläche des Schildes etwa um 5 bis 7 cm überragen. Beim Zuschneiden des Pergaments für die Schi Id Vorderseite ist zu bedenken, daß dieses Stück um die Schildkanten nach hinten umge­ schlagen werden soll und daher entsprechend größer sein muß als das Pergamentstück für die Rückseite. Auch empfiehlt es sich, das Stück für die Schildvorderseite aus dem Rücken- oder

Nackenbereich der Haut zu schneiden, da das Leder hier am stärksten ist. Der Überzug der Rückseite mag dem dünneren Flankenbereich ent­ nommen werden. Beim Verarbeiten ist darauf zu achten, daß die Haut letztendlich stets mit der Fleischseite am Schildkorpus anliegt und die gleichmäßigere Haarseite nach außen zeigt. Sollten bei der ungeübten Arbeit mit dem unge­ wohnten Werkstoff Pergament einmal Fehler auftreten. das Leder etwa viel zu stramm gespannt oder zu lose gelassen werden, kann man es, auch wenn es schon ganz durchgetrocknet ist, noch ein­ mal abnehmen, in warmem Wasser sehr schnell wieder geschmeidig machen und erneut verarbei­ ten.

Ahb. 169: Pergamenlhäule vom Kind

Flacher Schildkorpus mit beidseitiger Pergamentbespannung Das Überziehen eines nicht gewölbten Schildes ist dann relativ unproblematisch. Zunächst nagelt man das noch feuchte Pergamentstück für die Schildrückseite nahe des Schildrandes auf der Rückseite des Schildes mit etlichen kleinen Nä­ geln fest und schneidet dann die überstehenden Reste bündig am Schildrand ab. Dabei ist zu be­ achten. daß das Pergament beim Trocknen und Zusammenschrumpfen erhebliche Zugkräfte ent­ wickelt, die die Nägel aus dem Holz herausziehen können, wenn zu wenig Nägel verwendet werden oder diese zu schwach sind. Dann legt man das. ebenfalls noch feuchte. Pergamentstück für die Schild Vorderseite auf, schlägt es so nach hinten um. daß es das Pergamentstück der Rückseite etwa um 5 cm überlappt, und nagelt es ebenfalls

fest, wobei die Befestigungsnägel des rückseitigen Pergaments von dem Umschlag verdeckt werden sollten. Die hierfür verwendeten Nägel fixieren dabei also sowohl das rückseitige als auch das vordere Pergamentstück. Bei dieser Vorgehensweise ist insoweit Vorsicht geboten, als die beiden Lcdcrstückc auf keinen Fall ungleichmäßig und auch nicht zu stramm ge­ spannt werden dürfen, da sie sich beim Trocknen stark zusammenziehen und dann die Gefahr be­ steht. daß sich der Schild dabei entweder konvex oder konkav wölbt. Das Hautstück, das dabei auf der Innenseite der Wölbung liegt, würde sich näm­ lich wie eine Trommelmembran aufspannen und nicht mehr am Holzkorpus anliegen. Einem flachen Plankenschild kommt diese Um­ mantelungstechnik aber sehr zugute, da die beiden Pergamentstücke dann, wenn sie gleichmäßig trocknen und schrumpfen, die Holzplanken zu­ sätzlich umklammern und fixieren. Selbst wenn sich die Verleimung der Planken später unter star­ ken Hieben einmal lösen sollte, ist der Schild immer noch eine ganze Weile stabil. Bei einem flachen Schild ist es auch möglich, den Holzkorpus mit einem ungeteilten Pergament­ stück zu ummanteln (Brienzer-Schild, Schild des Landgrafen Konrad von Thüringen, RabenauSchild) In einem sehr trocknen und warmen Raum dau­ ert es - je nach Raumtemperatur - etwa zwei bis vier Tage, bis das Pergament vollkommen durch­ getrocknet ist. Stellt man das Werkstück gegen einen warmen Heizkörper oder legt es in die Sonne, geht es schneller. Das Pergament wird dabei seine weißlich-graue Farbe verlieren und bräunlich nachdunkeln.

Gewölbter Schildkorpus mit Pergamentbespannung, Pergamentbezug der Schildrückseite Soll hingegen ein gebogener Holzkorpus beidsei­ tig ummantelt werden, ist es leider nicht möglich, das Pergament für die Schildrückseite einfach feucht auf den Holzkorpus aufzulegen und dort trocknen zu lassen, da es - wie erwähnt - beim Trocknen einschrumpft und sich dabei aufspannt. Um das zu vermeiden, legt man den für die Rück­ seite vorgesehen Bezug zunächst lose und ver-

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Ahh. 170: Pergament für die Schildrückseite, zum Trocknen verkehrtherum auf die SehiUlvorderseite gespannt, Vorderansicht

Ahh. 171: Pergament für die Schildrückseite, zum Trocknen verkehrtherum auf die Schildvorderseite gespannt, Rückansicht

kehrtherum (!) über die Wölbung der Schildvor­ derseite und läßt ihn dort trocknen. Um ein Verzie­ hen und Aufwölben des Pergaments zu vermeiden, wird cs an seinen Rändern auf der Schildrückseite mit einigen Nägeln provisorisch fixiert. Auch bei dieser Vorgehensweise dauert es unter denselben Bedingungen - etwa zwei bis vier Tage, bis das Pergament durchgetrocknet ist. Hat es schließlich überall eine bräunliche Färbung an­ genommen, ist cs gänzlich trocken. Man nimmt es dann wieder vom Holzkorpus ab. schneidet die umgcschlagcnen Kanten ab und paßt es - diesmal richtig herum - auf der Rücksei­ te des Schildes an. Dabei sollte das Pergament so weit zurückgeschnitten werden, daß nach dem Auflegen auf der Schildrückseite an den Rändern des Pergaments noch ein schmaler Streifen Holz zu sehen ist. Das Schneiden des getrockneten Per­ gaments ist ab einer Stärke von 2 mm nur mit einer sehr kräftigen Schere oder einem sehr schar­

fen Messer möglich. Beim Arbeiten mit einem Messer ist größte Vorsicht geboten, da sich die Klinge in dem zähen Material leicht verklemmen und abbrechen kann. Zum Schneiden von getrock­ netem Pergament verwende ich in der Regel eine sehr scharfe, kräftige Gärtnerschere für den Gehölzschnitt oder eine kleine Blechschere. Um ein Ablösen des Pergaments zu verhindern, wird es an seinen Rändern mit einigen kleinen, kurzen Nägeln befestigt, die später von dem Um­ schlag des vorderen Pergamentstücks verdeckt werden. Die Köpfe der verwendeten Nägel sollten wiederum nicht zu massiv sein, da sic sich sonst unter dem Umschlag des vorderen Pergament­ stücks unschön abzeichnen. Die Nägel brauchen aber auch nicht allzu kräftig zu sein, da sie nicht solchen Zugkräften ausgesetzt sind wie bei der Ummantelung eines flachen Schildes. Um ganz sicher zu gehen, daß sich das Perga­ ment nicht wieder ablöst, kann es zusätzlich mit

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Abb. 172: Durchgetrocknetes Pergament fur die Schildrückseite, noch auf der Schildvorderseite, Vorderansicht

Abb. 173: Durchgetrocknetes Pergament auf der Schildrückseite befestigt

einigen kleinen, gleichmäßig über die gesamte Schildrückseite verteilten Nägeln befestigt wer­ den. Einige der erhaltenen Marburger Schilde wei­ sen solche Bcfestigungsnägel auf. auch hat sich diese Vorgehensweise in der praktischen Anwen­ dung sehr bewährt. Hierfür sehr gut geeignet sind Täckse, da sie sich wegen ihrer scharfen Spitze leicht durch das zähe getrocknete Pergament trei­ ben lassen.

Kreidegrund überzogen werden (Beschreibung im Arbeitsschritt „Bemalung“ unter dem Stichwort ..Grundierung mit Kreidegrund“) oder mit einem farblosen Firnis (Beschreibung in der Materialund Werkzeugliste unter dem Stichwort „Schutz­ firnis für unbehandeltes Pergament oder bemalte Flächen"). Aufgrund der dort erwähnten Eigenschaften der Stoffe, verwende ich am liebsten flüssiges, was­ serfestes Wachs oder notfalls eine wasserabwei­ sende Wachslasur (Bienenwachs und Terpentinöl), auch wenn sich das Wachs einer Lasur bei der Be­ nutzung des Schildes mit der Zeit wieder abreibt und dann hin und wieder erneuert werden muß. Wer diesen Aufwand scheut, dem ist die Verwen­ dung von kratz- und wasserfestem Schellack, farb­ losem, matten Kunstharzlack oder farblosem, mat­ tem Acrylharz-Sprühfilm zu empfehlen, wobei letzterer allerdings nicht sehr kratzfest ist. Bei jedweder Verwendung von Wachs, Harz

Schutz des rückseitigen Pergaments vor Feuchtigkeit Bevor man dann das Pergamentslück der Schild­ vorderseite befestigt, muß das rückseitige Perga­ ment gegen Feuchtigkeit isoliert werden, damit es nicht wieder aufquillt und sich verzieht, wenn das feuchte vordere Pergamentstück nach hinten umgcschlagen wird. Hierzu kann cs entweder mit

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oder Lack ist aber immer auch zu bedenken, daß darüber später keine Bemalung mit wasserlösli­ chen Farben mehr möglich ist. Soll also auch die Schildrückscite bemalt werden, muß das Perga­ ment auch hier mit einem Kreidegrund überzogen werden und die Versiegelung erst nach der Bema­ lung erfolgen.

Befestigungsriemen zum Aufhängen des Schildes Soll der Schild mit einem ßefestigungsriemen als Aufhängemöglichkeit versehen werden, ist dieser zweckmäßigerweise vor dem Überziehen der Schildvordcrseite anzubringen, da der vordere Überzug nicht wieder abgenommen wird. Für den

Befestigungsriemen werden im oberen Bereich der Schildachse, etwa 15 cm unterhalb der Oberkante des Schildes, in einem Abstand von etwa 3 bis 4cm zwei nebeneinanderliegende Löcher gebohrt. Durch diese wird ein stabiler Lederriemen ge­ steckt, dessen Enden auf der Schildrückseite her­ ausragen. Dieser Riemen kann aus dem gleichen Leder geschnitten werden, wie es auch für die Rie­ men verwendet wird. Damit der Riemen nicht all­ zusehr gegen den Überzug der Vorderseite drückt und sich ahzeichnet. sollte zwischen den beiden Löchern auf der Schildvordcrseite eine kleine Rinne in das Holz gestemmt oder gefeilt werden, so daß der Riemen mit der Schi IdVorderseite bün­ dig abschließt. Natürlich kann er auch seitlich, nahe einer der Schildcckcn angebracht werden, wenn der Schild „gelehnt“ aufgehängt werden soll (Welfenberg-Schild).

Hand- »der Armpolster Im Gegensatz zu einem Schild, der lediglich mit einer Randverstärkung versehen wird, ist es von Vorteil bei einen gewölbten Schild, der beidseitig mit Pergament überzogen werden soll, vor dem Überziehen der Schildvordcrseite das Arm- oder Handpolster vorzubereiten und gleich endgültig anzubringen (Beschreibung im nächsten Arbeits­ schritt), da dadurch das rückseitige Pergament zu­ sätzlichen Halt bekommt und Nagclspitzcn, die sich durch die Schild Vorderseite bohren, noch vor dem Überziehen der Vorderseite abgekniffen oder umgeschlagen werden können.

Perj»amentl>ezug der Schildvorderseite

Abb. 174: Befestigungsriemen, auf der Schildvorderseite sichtbar

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Ist das Pergament der Rückseite schließlich aus­ reichend gegen Feuchtigkeit geschützt, zusätzlich mit einigen Nägeln befestigt, das Polster und der Befestigungsriemen angebracht, kann als nächstes das Pergamentstück der Schild Vorderseite befe­ stigt werden. Dieses wird ebenfalls in feuchtem Zustand - allerdings richtigherum (!) - lose auf der Vorderseite des Schildes aufgelegt. Dann wird cs soweit zurückgeschnittcn. daß es an den Schildrändem etwa 5 cm breit nach hinten umgeschlagen

Abb. 175: Rückseite des Schildkorpus mit befestig­ tem Pergament, Polster und Befestigungsriemen

Abb. 176: Peryamentbespannun^ der Schildvorderseite, Vorderansicht

Abb. 177: Pergamentbespannung der Schildvorderseite. Rückansicht mit provisorischen Nägeln

Abb. 178: Pergamentbespannung der Schildvor­ derseite, Rückansicht nach z*'ei Tagen - Proviso­ rium durch endgültige Befestigungsnägel ersetzt

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Abb. 179: Durvhgetrocknete Pergament­ bespannung der Schildvonlerseite, Vorderansicht

werden kann. Dieser Umschlag kann dann entwe­ der endgültig festgenagelt oder zunächst proviso­ risch mit einigen Nägeln fixiert werden. Letzteres ist von Vorteil, da nicht von anfang an sicher ist, wie stark das Pergament einschrumpfen wird. Dabei besteht die Gefahr, daß zu schwache oder zu kurze Nägel wieder aus dem Holz heraus­ gezogen werden, was bei einem Provisorium un­ schädlich ist. Erst wenn das Pergament fast ganz durchgetrocknet, aber noch etwas flexibel ist, still­ ten die provisorischen Nägel herausgezogen und durch die endgültigen Befestigungen ersetzt wer­ den. In der Regel ist dies nach etwa zwei Tagen der Fall.

Leimvandbe/.UK Sofern der Schild ausschließlich mit einer oder mehreren Schichten Leinw and überzogen oder je­ denfalls die Schildrückseite mit Leinwand be­

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spannt werden soll, bestehen all diese geschilder­ ten Probleme nicht. Leinwand ist flexibel genug, daß sie - in beliebig vielen Schichten - einfach mit Leim auf den Holzkorpus, auf darunterliegen­ de Leinwandschichten - oder einen darunterlie­ genden Pergamentüberzug - aufgeklebt werden kann. Der äußere Leinwandbezug bekommt einen sehr guten, festen Halt, wenn er auf einen Unter­ grund aufgelegt wird, der dick mit zähflüssigem Kreidegrund eingestrichen ist. und die - leicht angefeuchtete - Leinwand sofort in diesen, noch feuchten Untergrund eingedrückt und dann ihrer­ seits gleich auf ihrer Vorderseite ebenfalls mit Kreidegrund bestrichen wird. Im Gegensatz zum Pergament muß Leinwand stramm aufgespannt und glattgestrichen werden. Bei den leinwandbespannten Marburgcr Schilden ist zu erkennen, daß der jew eils äußere Leinw andbezug der Schildvorderseite zur Schildrückseite hin umgeschlagen ist und den rückseitigen Bezug leicht überlappt. Soll ein Pergamentüberzug zusätzlich mit Lein­ wand überzogen werden, sind zuvor allerdings die vorangegangenen Schritte zu beachten. Auch ist es möglich, einen mit Leinwand bezogenen Schild zusätzlich mit einer Verstärkung des Schildrandes aus Rohleder zu versehen. In diesem Fall ist zu empfehlen, so vorzugehen, wie zu Beginn dieses Arbeitsschritts beschrieben, nämlich erst nach Entfernen der durchgetrockneten Randverstärkung die Leinwand stramm auf den Holzkorpus aufzu­ legen, festzukleben und zu bemalen. Auch sollte die Leinwand dann bündig an den Schildrändem abgeschnitten und nicht über die Schildränder ge­ schlagen werden. Möchte man den Schild allerdings mit sehr vie­ len Lagen Leinwand beziehen, muß andersherum vorgegangen werden und die Leinwand bereits vor dem Anpassen der Randverstärkung aufgeklebt werden, damit das Leder der Verstärkung nicht zu eng wird, ln diesem Fall sollte die Leinwand auch vor dem Anbringen der Verstärkung bereits mit Kreidegrund bestrichen, bemalt und mit einem Schutzfirnis überzogen werden, da sich die Lein­ wand sonst vollsaugen und die Randverstärkung nur sehr langsam trocknen würde. Auch muß die Randverstärkung dann nicht wieder abgenommen werden, sondern kann sogleich befestigt werden.

4.3. Fertigung und Anbringen des Hand- oder Arnipolsters - Bohren der

zwar nur optische Gründe, ist aber auch ein Garant dafür, daß der Arm später wirklich parallel zur Polsterung liegt.

Löcher für die Riemenbefestigungen Polsterung Ist die Schildrandverstärkung durchgetrocknet oder der rückseitige Pergament- oder LeinwandÜberzug fertiggestellt, wird als nächstes ein Hand­ oder Arrnpolster angefertigt und auf der Schildrückseite befestigt. Natürlich ist cs auch möglich, das Polster erst später, zusammen mit den Riemen, anzubringen. Dies ist aber nicht rat­ sam. da das Polster sehr rabiat aufgenagelt wird, wobei der Schild auf seiner Vorderseite liegt und eine bereits vorhandene Bemalung - oder gar Ensabane - Gefahr liefe, beschädigt zu werden. Außerdem werden jetzt die Löcher für die Rie­ menbefestigungen gebohrt.

Stehen alle Positionen fest, beginnt man mit der Vorbereitung des Polsters. Dieses kann entweder so groß bemessen sein, daß es die volle Länge des Unterarms hat. oder so klein, daß es nur den Be­ reich. in dem die Hand liegt, polstert. Je nach ge­ wünschter Größe, wird aus dem dünneren Leder ein entsprechend großes Stück ausgeschnitten. Die hier abgebildeten Polsterungen haben eine Breite von 16 cm. Das Armpolster ist 55 cm lang, das Handpolster ist quadratisch ( 16 x 16 cm). Als Füllung schneidet man dann entweder eini­ ge Stoffstücke aus oder legt sich anderes Füllma­ terial zurecht. Wird sehr dicker Stoff (Wollstoff, Filz, Molton) verwendet, reichen in der Regel zwei bis drei Stücke aus. Die einzelnen Stofflagen sollten so bemessen sein, daß sie immer ein bißchen kleiner zugeschnitten werden als das vor­ herige Stück, damit das Polster später an den Kan-

Abb. 180: Material mul Werkzeug zur Herstellung des Polsters

Als erstes werden die genaue Lage des Polsters und der Riemen auf der Schildrückseite festgelegt, da diese Positionen die Größe des Polsters und später die Länge der Riemen bedingen. Die Posi­ tionen der Riemen wiederum geben auch die Lage der Polsterung vor. Für diesen Arbeitsschritt kann der eingangs vorgeschlagene Musterschild erneut hilfreich sein, da an diesem einige Maße und Posi­ tionen abgelesen werden können. Empfehlenswert ist cs, darauf zu achten, daß die Positionen für die Befestigungen der Hand- und Armriemen mög­ lichst ober- und unterhalb der Polsterung parallel in einer Reihe liegen, da die Nagelköpfe auf der Schildvorderseite zu sehen sein werden. Dies hat

Abb. 181: Unterfütterung und Befestigung des Polsters

167

ten nicht zu wulstig wird. Um ein Verrutschen der einzelnen Stofflagen zu verhindern, kann man diese mit ein paar Stichen grob zusammennähen. Das vorbereitete Polster wird dann zwischen den vorgezeichneten Positionen der Handschlau­ fen und Armriemen angebracht. Es kann dabei mit kleinen, kurzen Nägeln oder mit gekürzten, nor­ mal großen Nägeln aufgenagelt werden. Da die Nägel für die Polsterung in der Regel nicht durch den Schild durchgetrieben werden sollten - jeden­ falls dann nicht, wenn die Schildvorderseite nicht bezogen wird - finden sie meist keinen besonders guten Halt im Holz. Es hat sich daher bewährt, das Polster vor dem Festnageln auch zusätzlich festzu­ kleben. Wird die Schildvorderseite hingegen mit Pergament und/oder Ixinwand bezogen, kann man es auch mit kleinen Nägeln (Täckse) befestigen, deren Spitzen auf der Schildvordcrscile umgcschlagen werden können und dann gefahrlos unter dem Bezug verschwinden. Soll das Polster mit losem Füllmaterial gefüttert werden, nagelt man es, wenn es sehr lang ist. nur Stück für Stück auf und füllt es schrittweise. Han­ delt es sich um ein kleines Polster, nagelt man drei

Abb. 182: F ences Polster

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der vier Seiten fest, stopft das Füllmaterial unter das Leder und nagelt dann die offene Seite zu. Dabei ist zu beachten, daß das Leder mit genügen­ der Weite befestigt wird, damit es sich noch pro­ blemlos füllen läßt, ohne daß die Nägel wieder herausreißen. Zu beachten ist auch. daß. wenn ein Schild­ buckel und/oder Schildgespange vorgesehen sein sollten, diese vor dem Anbringen der Polsterung befestigt werden müssen, damit die auf die Rück­ seite durchgeschlagenen Nägel von der Polsterung abgedeckt werden. Da Schildbuckel und -gespänge jedoch über der Bemalung liegen, ist in dem Fall die Arbeitsreihenfolge derart zu verändern, daß dann nämlich zuerst die Bemalung fertigge­ stellt. dann die Beschläge angebracht und erst da­ nach das Polster befestigent wird.

Löcher für die Riemenbefestigungen Ist das Polster endgültig befestigt, überprüft man noch einmal die vorgezeichneten Positionen der Riemenbefestigungen. Stehen diese nach wie vor in einem guten Verhältnis zueinander und zur Pol­ sterung. werden die Löcher für die Befcstigungsnägcl gebohrt. Diese sollten etwas schmaler sein, als die später zu verwendenden Nägel stark sind. Es empfiehlt sich, das Bohren vor der weiteren Verzierung und Bemalung zu erledigen, um diese nicht später durch unvorsichtiges Bohren zu be­ schädigen. Da von der Rückseite des Schildes her gebohrt wird, sollte auf der Vorderseite ein Holz­ rest gegengehalten werden, um ein Aufsplittern der Schildvorderseite zu verhindern. Da die Löcher, einmal gebohrt, nicht mehr pro­ blemlos zu beseitigen sind, sollte man sich der Po­ sitionen der Bohrlöcher w irklich sicher sein. Als Orientierungshilfe kann dabei ein bereits vorhan­ dener Re-enactment-Schild oder der Musterschild dienen, oder man kann sich einiger mehrfach be­ währter Faustregeln bedienen, deren Einhaltung einen komfortablen Sitz des Schildes am Arm ge­ währleisten: Der Abstand zwischen den Bcfcsiigungslöchcm eines Riemens sollte nicht mehr als 18 bis 20 cm betragen. Die Mitte des Handriemens (zugleich Mitte der Polsterung) sollte etwa 18 bis 20 cm so­ wohl vom oberen als auch vom rechten Schildrand entfernt sein. Die Mitte des Armriemens (zugleich

Mitte der Polsterung) sollte etwa 40cm unterhalb des oberen Schildrandes liegen. Der obere Befesti­ gungspunkt des Armriemens sollte dabei etwa 30 cm unterhalb des oberen Schildrandes liegen. Zwischen der Mitte des Hand- und des Armrie­ mens sollten etwa 25 bis 30 cm liegen. Natürlich sind alle diese Maße nicht zwingend und können beliebig verändert werden. Insbeson­ dere der Abstand der Riemen zu den Schildrän­ dern muß verändert werden, wenn die Maße des zu fertigenden Schildes stark von den hier ange­ nommenen Maßen abweichen. Die Angaben lie­ gen aber den hier gefertigten Schilden (90 x70 cm) zugrunde und haben sich in der praktischen An­ wendung mehrfach bestens bewährt. Die Positionen der Schildfesselenden sind frei bestimmbar. Einer reiterlichen Verwendung des Schildes - insbesondere, wenn dieser notfalls auch ..freihändig“, also etwa nur an der Schildfessel und dem Armriemen ..geführt“ werden soll - kommt es aber entgegen, wenn die linke (hintere) Befesti­ gung des Schildfesselriemens etwa 30 bis 35 cm unterhalb des oberen Schildrandes liegt und die rechte (vordere) Befestigung nahe des oberen Schildrandes angebracht wird. In diesem Fall wäre auch zu überlegen, ob der Schild nicht mit einem zweiten Handriemen ausgerüstet werden sollte, der dann unterhalb des eigentlichen Handriemens anzubringen wäre. Auch bei einem nichtbezogenen Schild kann man überlegen, ob dieser trotzdem mit einem Befestigungsriemen als Aufhängemöglickeit verse­ hen werden soll, auch wenn dieser Riemen dann auf der Schildvorderseite sichtbar wäre, was beim Wellenberg-Schild ebenfalls der Fall ist. Der Rie­ men kann entweder im Bereich der Schildachse oder, wenn er hier das Wappenbild unglücklich stören würde, außerhalb davon, im Bereich einer der Schildecken, angebracht werden.

4.4. Bemalung Grundsätzliches und verschiedene Möglichkeiten Im v o r le t z t e n - a b e r a u c h z e it a u f w e n d ig s t e n - A r b e ils s c h r it t w ir d d e r S c h ild v e r z ie r t u n d b e m a lt , w o b e i d ie F a n t a s ie n u r v o n d e n R e g e ln d e r H e r a l­

dik und den individuellen künstlerischen Fähigkei­ ten des Einzelnen begrenzt wird. Bei einem kom­ plizierten Wäppen empfiehlt es sich, das ge­ wünschte Motiv zunächst als Papierschablone her­ zustellen. Beispielsweise kann man das Motiv zunächst in kleiner handlicher Form zeichnen, es mit einem Fotokopierer vergrößern, als Schablone ausschneiden. diese dann exakt auf den Schildkör­ per auflegen und das Wappen übertragen. Ein Sperrholzschild kann direkt auf dem Holz bemalt werden, wobei aber in jedem Fall die Maße der Schildrandvcrstärkung zu beachten und das Motiv entsprechend vom Rand fernzuhaltcn ist, damit das Wappen später nicht von der Verstär­ kung überdeckt wird. Eine Grundierung ist in die­ sem Fall zwar nicht unbedingt erforderlich, ein vollflächiges Bemalen des rohen Holzes mit weißer Färbe gewährleistet aber ein gleichmäßiges Erscheinungsbild der Wappenfarben. In jedem Fall sollte das Holz vor dem Bemalen auch ganz leicht angeschliffen werden. Außerdem sollten die ver­ wendeten Farben nicht zu dickflüssig sein, damit die ersten Farbschichten tief in das Holz einziehen können. Je nach Grad der Verdünnung der Farben sind mehr oder weniger Anstriche nötig. Je stärker die Färbe verdünnt ist, desto besser färbt sie den Untergrund durch, und das Motiv bleibt auch nach massivem Gebrauch des Schildes noch lange sichtbar. Soll ein kompliziertes Wappenbild aufge­ malt werden, kann man sich die Arbeit sehr er­ leichtern. indem man den Schild zunächst mit der hellsten Wappenfarbe vollflächig anstreicht und nach dem Trocknen die dunkleren Wappenfarben darüber malt. Für die Bemalung eines nichtbezogenen Sperr­ holzschildes verwende ich gerne herkömmliche, wasserlösliche Plakafarben und habe damit beste Erfahrungen gemacht. Ich verdünne die - eigent­ lich streichfertige - Farbe so stark, bis sie etwa die Konsistenz von flüssiger Sahne hat. Dann trage ich fünf bis sechs voll flächige Anstriche mit der hellsten Wappenfarbe auf und male das Wappen­ motiv anschließend mit der dunkleren Wäppenlärbe etwa sechs- bis achtmal darüber. Wurde die Schildrandverstärkung - versehent­ lich oder absichtlich - noch nicht hergestellt, soll­ te die Bemalung nach Fertigstellung unbedingt mit einem schützenden Firnis versehen werden, bevor die Ummantelung der Ränder mit dem feuchten Rohleder nachgeholt wird, um ein Verwischen der

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Abb. 183: Weiß grundierter Sperrholzschild

Bemalung zu verhindern. Wurde die Verstärkung hingegen bereits befestigt, ist beim Bemalen des Schildes Vorsicht geboten, denn die Kapillarspan­ nung zieht wasserlösliche Farbe in den Spalt zwi­ schen Holz, und Leder, was zu unansehnlichen Er­ gebnissen führen kann. Geht man so vor. sollte die Farbe jedenfalls nicht zu dünnflüssig aufgetragen werden. Wurde der Schildkorpus mit Pergament be­ spannt. hat man zwei Möglichkeiten: entweder man trägt zunächst in authentischer Weise einen Kreidegrund als Grundierung auf. der an­ schließend bemalt w ird, oder man malt direkt auf das Pergament. Beides ist historisch belegt. W'enn auch alle erhaltenen mittelalterlichen Schilde immer eine Kreidegrundierung aufweisen, ist bei­ spielsweise der römische Legionärsschild von Dura-Europos mit direkt bemaltem Leder überzo­ gen. Bei dieser Vorgehensweise erzielt man bei Verwendung von Plakafarbe bereits mit etwa fünf bis sechs Anstrichen ein deckendes Ergebnis. Der große Vorteil dieser ..Spartechnik“ liegt darin, daß die Farbe gut in die obere Pergamentschicht einziehen kann und der Schild auch noch nach inten­ sivem Gebrauch Spuren des Wappens erkennen läßt. Man sollte diese Möglichkeit erwägen, wenn man den fertigen Schild im regelmäßigen Einsatz benutzen will. Ein minderwertiger Kreidegrund, der nicht fest sitzt, wird dann nämlich eher abbröckeln und die W'appenbemalung zerstören. Eine Ei-Tempcra-Bemalung ist auf unbehandeltem Pergament allerdings nicht zu empfehlen, da die Farbe in diesen Untergrund nicht gut eindringen kann. W'urde der Holzkorpus mit Leinwand überzo­ gen. ist auf jeden Fall eine Grundierung mit Krei­ degrund aufzutragen, da eine Bemalung sonst nicht möglich ist.

Grundierung mit Kreidegrund

Abb. 184: Fertige Benuüung des Sperrholzschildes

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Kreidegrund wird in historisch belegter Wreise aus den Zutaten Kreide (Champagnerkreide). Olutinleim und Wasser hergestellt. Die Zugabe von Zinkweiß (Zinkoxid) hellt den Grauion der Kreide auf und macht ein nachträgliches Grundieren überflüssig. Zwar gibt es auch moderne Grundierungen.

Abb. 185: Material zur Herstellung von Kreideg rund

Diese haben sich aber in der praktischen Anwen­ dung nicht bew ährt, da sie auf dem nachgiebigen Pergameniuntcrgrund zu leicht brüchig werden. Der Vorteil von Kreidegrund ist, daß er von sei­ nem Leimanteil geschmeidig gehalten wird. Krei­ degrund wird auch heute noch in nahezu unverän­ derter Zusammensetzung in der Malerei verwen­ det. wenn auf Leinwand gemalt wird. Man kann fertigen Kreidegrund daher auch in gut sortierten Künstlerbedarfsläden kaufen. Dieser ist dann zwar aus Gründen der Haltbarkeit nicht mit - organi­ schem - Knochenleim hergestellt sondern mit einem modernen Ersatzstoff, hat aber die gleichen Eigenschaften. Für die anschließende Bemalung des Kreide­ grundes kann später jede der beschriebenen Far­ ben verwendet werden. Für den Überzug einer Fläche von etwa einem halben Quadratmeter mit Kreidegrund werden die Zutaten in folgenden Mengen benötigt, wobei die einzelnen Mengenan­ gaben nicht grammgenau eingehalten werden müssen: 250 g Kreide (Champagnerkreide) 25 g Knochenleimgranulat (eventuell 50 g eventuell Haut- oder Hasenleim) 80 g Zinkweiß Die Herstellung von Kreidegrund ist nicht schwie­ rig. Zunächst wird das Leimgranulat - wie im Ar­ beitsschritt ..Herstellung des Holzkorpus“ unter dem Stichwort ..Holzleim“ beschrieben - verflüs­

sigt. Die Verwendung von Haut- oder Hasenleim erhöht die Elastizität des Kreidegrundes und beugt Rißbildungen und einem Abbröckeln der Kreide vor. Während sich der Leim auflöst, wird die Krei­ de mit der nötigen Menge Wasser angerührt, bis ein leicht zäher, nicht zu dicker Brei entsteht, der etwa die Konsistenz von Speisequark hat und gut streichfähig ist. Das Zinkweiß wird auf die gleiche Weise mit Wasser angerührt und dann mit dem Kreidebrei vermischt. Wenn sich der Leim schließlich vollständig aufgelöst hat, gibt man ihn ebenfalls dazu und vermischt die drei Komponen­ ten gut miteinander. Der fertige Kreidegrund sollte dann etwa die Konsistenz von herkömmlicher Wandfarbe haben. Ist er zu dick geraten und nicht mehr streichfähig, kann nachträglich etwas Wasser hinzugegeben werden. Mit der Zugabe von Wässer sollte allerdings sparsam und vorsichtig umgegan­ gen werden, damit die Mischung nicht zu dünn­ flüssig wird. Ist dies wiederum geschehen, kann mit etwas Kreide vorsichtig nachgedickt werden. Anschließend w ird der Kreidegrund auf das Per­ gament oder die Leinwand aufgestrichen. Je nach­ dem. wie schnell ein deckendes Resultat erzielt wird, sind etwa vier bis sechs Anstriche erforder­ lich. Vor jedem neuen Anstrich sollte der Unter­ grund gut durchgetrocknet sein. Es empfiehlt sich, auf einem Pergament- oder Leinwandrest ein Pro­ bestück herzustellen. In diesem Mischungsverhält­ nis ist der Kreidegrund in einem luftdicht ver­ schlossenen Gefäß etwa eine Woche haltbar. Da­ nach wird er aufgrund seines Leimanteils anfan­ gen zu faulen. Es besteht auch die Möglichkeit, statt Knochen­ leim Haut- oder Hasenleim zu verwenden und/oder den Leimanteil in dem Gemisch zu er­ höhen, oder gar zu verdoppeln, und damit einen noch elastischeren, festeren Kreidegrund herzustellen, der sich auch zum Engobieren eignet. Der Vorteil einer elastischeren Mischung ist, daß sie nicht so leicht brüchig wird, der Nachteil liegt in der etwas schwierigeren Verarbeitung, denn auf­ grund des höheren Leimanteils dickt die Mischung relativ schnell ein und kann dann nicht mehr ver­ arbeitet werden. Bei verdoppeltem Leimanteil stockt der Kreidebrei bereits nach einer Stunde derart, daß er nicht mehr verstrichen werden kann. Bei der Verarbeitung muß daher zügig gearbeitet werden. Der noch heiße Leim wird sofort in den Kreidebrei eingerührt, bis die Mischung etwa sah-

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ne flüssig ist. und dann gleich auf das Pergament aufgetragen. Die etwas flüssigere Konsistenz rührt dabei von dem höheren Leimanteil her, und der erste Anstrich kann dementsprechend fast durch­ sichtig sein. Die folgenden Schichten werden aber immer deckender. Die Mischung sollte nach jedem Anstrich erneut gut durchgerührt werden, damit sie nicht verklumpt. Innerhalb einer Stunde muß die Mischung fertig verarbeitet sein. In der praktischen Anwendung hat es sich sehr bewahrt, direkt auf das Pergament des Schildes, als erste Schicht, einen sehr elastischen Kreide­ grund aufzutragen, der mit Hautleim hergestellt ist und dessen Leimanteil zusätzlich erhöht ist (250 g Kreide - 50 g Hautleim - 80 g Zinkweiß), und darüber einige Schichten eines einfachen Kreidegrundes (250 g Kreide - 25 g Knochenleim - 80 g Zinkweiß) zu ergänzen. Vor dem Bemalen sollte die letzte Kreideschicht auf jeden Fall leicht ungeschliffen werden, um einen glatten Untergrund für die Bemalung zu schaffen. Abb. ¡86: Kreidegrund auf Pergament E n gobage

Abb. 187: Fertige Bemalung auf Kreidegrund

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Ls ist, wie gesagt, auch möglich, den Kreidegrund in Engobage zu arbeiten, wenn er nicht zu dünn­ flüssig und mit einem erhöhten Leimanteil ange­ mischt wird. Sehr gut bewährt hat sich hierbei eine Mischung, die etwa der letztgenannten Mischung entspricht, nämlich 300 g Kreide, gemischt mit mindestens 50 g Haut- oder Hasenleim. Zinkweiß braucht in diesem Fall nicht hinzugefügt zu wer­ den. da engobierte Formen in der Regel nach dem Modellieren bemalt, vergoldet oder versilbert wer­ den. Knochenleim ist weniger gut geeignet als Haut- oder Hasenleim, da er nicht so elastisch ist. Ist die Leimmenge zu gering, werden die model­ lierten Formen reißen und abbröckcln. Für die zur Engidmge verwendete Kreidemischung gilt eben­ falls. daß sie etwa innerhalb einer Stunde verarbei­ tet sein muß, da sie danach stockt und nicht mehr fließend verarbeitet werden kann. Man stellt also jeweils nur so viel Kreidemasse her. wie in dieser Zeit auf den Schild aufgebracht werden kann. Nachdem die Kreidemasse auf die beschriebene Weise hergestellt ist. wartet man, bis sie so weit eingedickt ist. daß sie nicht mehr allzu dünnflüs­

sig. sondern leicht streichfähig geworden ist. und füllt sie in eine Spritztube. Dann streicht man den zu verzierenden Untergrund an den Stellen frisch mit Kreidegrund ein, wo modelliert werden soll, und trägt die Kreidemasse mit der Spritztube in den gewünschten - am besten vorgezeichneten Formen auf den feuchten Untergrund auf. Hat man keine passende Spritztube zur Hand, kann man sich behelfen, indem man beispielsweise eine leere Shampooflasche mit sehr enger Öffnung zweckentfremdet, oder man verwendet einen klei­ nen Plastikbeutel, dem man eine Ecke knapp ab­ schneidet. und preßt die Masse durch diese Öff­ nung.

trocknete Kreideformen können mit feinem Schmirgelpapier nachgeschliffen werden. Möchte man sehr hohe Figuren formen, empfiehlt es sich zunächst ein Gerüst aus Holz- oder Lederstücken auf der Schildvorderseite aufzunageln und den Kreidegrund darüber aufzubauen (Schild des Landgrafen Konrad von Thüringen. Schild des Landgrafen Heinrich 1. von Hessen. Schild von Raronl. Je nach Höhe des Motivs muß in mehre­ ren Schichten gearbeitet werden. Es ist auch hier wieder zu empfehlen, zunächst etwas Leim-Krei­ demischung probeweise herzustellen und mit die­ ser auf einem Probestück einige Versuche zu ma­ chen. da je nach Filigranität der Figuren der Leim­ anteil der Mischung möglicherwiese individuell erhöht tnier verringert werden muß.

Bemalung mit Ki-Temperafarbe Der farbliche Anstrich des Schildes kann - wie ge­ sagt - in authentischer Weise mit Ei-Temperafarbc vorgenommen werden. Dabei erzielt man eben­ falls nach sechs bis acht Anstrichen ein sehr gut deckendes Ergebnis. Die Herstellung und das Ver­ arbeiten von Ei-Temperafarbc ist nicht schwierig. Als Zutaten werden Eigelb. Leinöl, Terpentinöl, Dammarharz. Wasser und Farbpigmente benötigt, und zwar etwa in folgendem Verhältnis: zwei Teile Eigelb, ein Teil Leinöl, ein Teil Terpentinöl-Dam-

Abb. 188: Engobage

Nach dem Aufträgen der Kreidemasse können solange diese noch feucht ist - die Übergänge zwischen Form und Untergrund dort, wo ungleich­ mäßig gearbeitet wurde, vorsichtig mit einem feuchten Pinsel oder einem Modcllicrwerkzeug etwas angeglichen werden. Dies ist allerdings nur kurze Zeit nach dem Aufträgen möglich, da die Kreidemasse in dem hier vorgeschlagenen Mi­ schungsverhältnis. wie gesagt, sehr schnell stockt und durchhärtet. Sie kann dann nicht mehr model­ liert werden, sondern wird reißen. Ist eine Form total verunglückt, sollte sie daher besser sofort wieder entfernt und erneuert werden. Durchge­

Abb. ¡H9: Material zur Herstellung von Ei -Temperafarbe

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marharz-Lösung. ein Teil Farbpigmente, ein bis zwei Teile Wasser. Bevor man jedoch beginnt, mit Ei-Temperafar­ be zu arbeiten, sollte man sich bewußt machen, daß diese Farbe - selbst auf dem sehr saugtahigen Kreideuntergrund - sehr lange braucht, um gänz­ lich durchzutrocknen. Je nach Mischungsverhält­ nis kann dies - etwa bei einem sehr hohen Ölanteil - mehrere Wochen oder gar Monate (!) dauern. Erst danach kann die Bemalung mit einem schüt­ zenden Firnis versiegelt werden und Witterungs­ einflüssen ausgesetzt werden. Für den deckenden Anstrich einer Fläche von etwa einem Quadratmeter werden etwa folgende Mengen benötigt, wobei die einzelnen Mengen auch hier nicht grammgenau eingehalten werden müssen: 100 g 50 g 50 g 15 g 50 g 50-100 g

Eigelb (etwa 5 bis 7 Stück) Leinöl Balsamierpcniinül Dammarharz Farbpigmente Wasser

Hat man nicht die Möglichkeit, die einzelnen Komponenten exakt abzuw iegen, kann man sich behelfen, indem man in Längenmaßen rechnet. Dazu nimmt man ein einfaches Trink- oder Mar­ meladenglas mit möglichst senkrechten Wänden, füllt dieses etwa 2 cm hoch mit dem Eigelb und gibt darüber 1 cm Leinöl, I cm Terpentinöl-Dammarharz-Lösung und 1 bis 2 cm Wasser und gibt dann die Farbpigmente hinzu, die allerdings ge­ wichtsmäßig abgemessen werden müssen. Bei der Herstellung von Ei-Temperafarbe geht man folgendermaßen vor. Man beginnt mit dem Lösen des Dammarharzes in Terpentinöl, da dieser Vorgang etwa zwei Tage dauert. Dabei wird das Harz in einem Verhältnis von 1 : 3 in dem Öl gelöst. Hierzu füllt man etwa 50 g Terpentinöl in ein ausreichend großes Gefäß mit weiter Öffnung. Dann gibt man etwa 15 g Dammarharzbrockcn in ein sehr feinmaschiges Netz - beispielsweise ein Teenetz oder einen ausrangierten Nylon-Damen­ strumpf - und hängt dieses in das Öl. so daß das Harz komplett von dem Öl bedeckt ist. Nach etwa zwei Tagen wird sich das Harz vollständig in dem Öl gelöst haben. Man nimmt dann den Strumpf mit den wenigen ungelösten Harzresten heraus

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und wirft ihn weg. Die Lösung ist der erste Be­ standteil der Farbe. Es empfiehlt sich, diesen Ar­ beitsschritt während einer der vielen Wartephasen vorzunehmen, denn die Lösung kann - gut ver­ schlossen - über einen längeren Zeitraum aufbe­ wahrt werden und verdirbt nicht.

Abb. ¡90: Lösen des Dammarharzes in Terpentinöl

Wird die Farbe schließlich benötigt, werden alle Komponenten in dem genannten Mengenverhält­ nis miteinander vermischt. Man sollte allerdings nur soviel Farbe herstellen. wie innerhalb von zwei bis drei Tagen verarbeitet werden kann, da die Farbe wegen ihres Ei-Anteils danach bald ver­ dirbt. Selbst unter günstigsten Bedingungen wird sie nach spätestens einer Woche verschimmeln. Während der Arbeitspausen wird man beobachten, daß sich Wasser und Öl trennen, man muß die Farbe daher immer wieder mal umrührcn. Zur Zubereitung der Farbe gibt man das Leinöl und die Terpentinöl-Dammarharz-Lösung in das Eigelb und vermischt die drei Komponenten gut miteinander. Anschließend füllt man das W'asser ein und verrührt die Mischung erneut. Das Wasser

wird sich erst nach einigem Rühren mit den Ölen vermischen, wobei das Eigelb als Emulgator dient, damit sich die Öle überhaupt mit dem Wasser ver­ binden können. Ist schließlich eine Emulsion ent­ standen. gibt man die Farbpigmente hinzu und rührt sie unter. Ist die Farbmischung schließlich fertig, sollte sie eine leicht cremige Konsistenz haben. Das Wasser ist ein wichtiger Bestandteil der Farbe. Wird es vergessen, entsteht zwar auch eine streichfähige Paste, die aber nicht gleich­ mäßig auftrocknet, sondern beim Trocknen reißt und brüchig wird. Dadurch entstehen zwar interes­ sante Effekte, zum gleichmäßigen Bemalen eines Schildes taugt sie aber nicht. Ist die Mischung fer­ tig, läßt man sie etwa fünf bis sechs Stunden lang stehen, wobei man etwa stündlich umrührt. Erst nach dieser Wartezeit bekommt die Farbe die rich­ tige Konsistenz und entfaltet ihre ganze Leucht­ kraft. Hat sie schließlich etwa die Konsistenz von flüssiger Sahne, ist sie fertig zum Verarbeiten. Aufgetragen wird sie wie jede Farbe mit einem Pinsel. Um ein deckendes Resultat zu erzielen, sind je nach Güte und Menge der Pigmente etw a sechs bis acht Anstriche nötig. Die einzelnen An­ striche dürfen nicht zu dick aufgetragen werden, sondern müssen gleichmäßig verstrichen werden. Die Pinselstriche der einzelnen Farbschichten soll­ ten sich dabei horizontal, vertikal und diagonal ab­ wechseln, da das Ergebnis dann besser deckt und eine Streifenbildung vermieden wird. Es ist unbe­ dingt erforderlich, daß die obere Farbschicht vor dem nächsten Anstrich gut durchgetrocknet ist. da sie sonst wieder angelöst und beim Überstreichen verwischt wird. Dies ist jeweils nach etwa einer Stunde der Fall.

soll. In dem Fall schützt man die Bemalung am besten, indem man sie mit einem modernen Firnis überzieht, etwa mit einem matten, nicht sichtbaren Acrylharz-Sprühfilm. Eine Bemalung mit Ei-Temperafarbe kann nicht mit einem solchen Schutzfilm überzogen werden, da er auf der leicht öligen Farbe nicht trocknet und die Lösungsmittel die Farbe sogar wieder anlösen. Soll eine Ei-Temperabemalung überzogen werden, muß die Farbe auf jeden Fall ganz durchgetrock­ net sein, was. wie gesagt, mehrere Wochen - oder bei sehr kräftigem Farbauftrag sogar Monate dauern kann, da sie sonst wieder angelöst wird. Der Firnis sollte dann auch immer - zumindest der erste Überzug - ohne viel Hin- und Herstreichen des Pinsels aufgetragen werden, da sonst ebenfalls die Gefahr besteht, daß die Farbe der Bemalung wieder angelöst und verwischt wird. Als Firnis von Ei-Tempera-Bemalungen ist insbesondere flüssiges, wasserfestes Wachs geeignet. Aber auch eine natürliche Wachslasur. Schellack oder notfalls Kunstharzlack eignen sich als Schutzfirnis. Ein Überzug mit Dammarharzfirnis wäre hingegen die authentische Vorgehensweise. Leinölfirnis kann ebenfalls verwendet werden. Genauere Beschrei­ bungen der Eigenschaften einiger Firnismöglichkeiten finden sich in der Material- und Werkzeug­ liste unter dem Stichwort „Schutzfirnis für unbe­ handeltes Pergament oder bemalte Flächen“.

4.5. Anbringen der Schild rand Verstärkung

Firnis Ist die Bemalung fertiggestellt, sollte sie - wie eingangs erwähnt - zum Schutz vor Feuchtigkeit und mechanischen Beschädigungen unbedingt mit einem Schutzfilm überzogen werden. Wurde der Schild mit Plakafarbe bemalt, ist diese Bemalung zwar auch ohne Schutzüberzug nahezu wisch- und wasserfest, trotzdem ist cs rat­ sam. auch eine solche Bemalung zu überziehen, wenn der Schild längere Zeit im Freien benutzt und auch Regen oder Schnee ausgesetzt werden

Wurde der Schild komplett mit Pergament be­ spannt. kann dieser Arbeitsschritt übersprungen werden. Ansonsten wird nun. nach dem Bemalen, die Schildrandverstärkung endgültig befestigt. Dazu wird die vorbereitete Verstärkung wieder um die Schildränder geklemmt. In gleichmäßigen Ab­ ständen (etwa alle 5 bis 10 cm) werden Markie­ rungen für die Befestigungsnägel angezeichnet. Anschließend wird das Leder gut in Position geklopft, bis es ganz am Schildkorpus anliegt. Dann werden - beginnend an der Schildspitze und den oberen Ecken - durch das Leder und das Holz

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Abb. 193: Umschlagen, biegen und umkrampen der Befestigungsnägel der Schildrandverstärkung

Abb. 191: Bemalter Sperrholzschild mit angepaüter Randverstärkung

Abb. 192: Positionierung der Befestigungsnägel der Schildrandverstärkung.

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Abb. 194: Fertige Verstärkung des Schildrandes. Vorderansicht

Abb. 195: Fertige Verstärkung des Schildrandes. Rückansicht

Abb. 196: Schildrand mit Rohleder benäht

hindurch Löcher gebohrt, die etwas zu eng für die Nägel sein sollten. Danach werden die Nägel von der Schildvorderseite her durch die Löcher ge­ steckt und ganz durchgeschlagen. 1st der gesamte Schildrand schließlich komplett mit Nägeln gespickt, beginnt man, die Nägel möglichst alle in eine Richtung - umzuschlagen, bis sie etwa einen 45° Winkel erreicht haben. Dann wird je nach Stärke des Schildes die Nagel­ spitze in einer Länge von etwa 8 bis 10 mm in einem 90° Winkel nach unten umgebogen, so daß eine Art Krampe entsteht, und anschließend die Nagelspitze durch das Leder in das Holz getrie­ ben. Es ist anzuraten, auch diese Arbeitsweise an einem Holzrest zu üben, insbesondere um zu sehen, wie lang die umgebogene Spitze sein darf, um nicht vorne durch den Schildrand durchzustechcn. Soll oder kann die Verstärkung nicht mit Nä­ geln befestigt werden, weil etwa keine geeigneten Nägel zur Verfügung stehen, kann sie auch fest­ genäht werden. Diese Fertigungsweise wird bei­ spielsweise bei einigen wikingischen Schildfun­ den, insbesondere bei denen des Gokstad-Schiffs

vermutet. Will man so vorgehen, bohrt man in einem Abstand von etwa 1 bis 2 cm sehr feine Löcher durch das Leder und den Holzkorpus und näht durch diese hindurch das Rohleder an dem Holz - entweder mit einem kräftigen Garn oder mit dünnen Streifen Rohleder - fest. Werden Roh­ lederstreifen zum Vernähen verwendet, sollten diese nicht mehr allzu feucht und weich sein, denn sie lassen sich leichter durch die Löcher führen, wenn sie, jedenfalls an ihrer Spitze, fast ganz durchgetrocknet sind.

4.6. Fertigung und Anbringen der Riemen Im letzten Arbeitsschritt werden schließlich die Riemen zur Handhabung des Schildes gefertigt und angebracht. Alle Riemen sollten etwa eine Breite von 2.5 bis 3 cm haben. Für diesen Arbeits­ schritt werden dickes und eventuell auch dünneres

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Abb. 197: Material und Werkzeug zur Herstellung und Befestigung der Riemen

Abb. 198: Zwei gekreuzte Handriemen

Leder, eine oder zwei Schnallen und/oder Leder band, Nägel und eventuell Eisenblech benötigt.

Leder geschnitten. Soll der Schild mit zwei ge­ kreuzten Handriemen versehen werden, werden zwei Lederstreifen als Handriemen vorbereitet. Soll der Schild nur einen Handriemen haben, w ird auch nur ein Streifen benötigt. Der Vorteil der kreuzweise angeordneten Griffschlaufen liegt. wrie bereits geschildert, darin, daß die Hand einen sta­ bilen Griff bekommt, da an mehreren Punkten des Schildes Zug- und Druckkräfte entfaltet werden, wodurch sich der Schild präziser führen und leich­ ter in mehreren Positionen stabil halten läßt. Beim Zuschneiden der Handriemen ist darauf zu achten, daß sie nicht zu kurz bemessen werden, denn an ihren Enden gehen einige Zentimeter durch die Befestigung verloren. Auch sollten die angebrachten Griffschlaufen später so weit sein, daß der Schild eventuell auch noch bequem mit Handschuhen gefaßt werden kann. Bei den hier gefertigten Schilden beträgt der Abstand zwischen den oberen und unteren Befestigungspunkten der Handriemen etwa 18 cm. und die Riemen selbst sind 28 cm lang.

Ilandricmen Vor der Fertigung der Riemen ist zu entscheiden, ob für den oder die Handriemen einfache Ledcrstreifen verwendet werden sollen oder ob diese und eventuell auch der Armriemen und die Schild­ fessel - nach historischem Vorbild gefertigt wer­ den sollen. Der Schild kann mit zwei untereinander ange­ brachten, alternativen Handriemen ausgestattet werden, wenn er überwiegend beim Reiten ver­ wendet werden soll (Liederbach-Schild. Schild mit unbekanntem Wappen. In rotem Feld ein weißer Löwe, überdeckt von einer gelben, mit drei schwarzen Lilien belegten Schrägrechtsleiste) Für die schlichtere Handriemen-Variante wer­ den lediglich ein oder zwei Streifen aus dickem

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Abb. IW: Material und Werkzeug zu Herstellung eines mehrlagig genähten Handriemens

Abb. 201: Mehrlagig genähter Handriemen, am Schild befestigt

Abb. 200: Innerer Aufbau eines mehrlagig genähten Handriemens

Soll der Handriemen nach historischen Vorbildern gefertigt werden, muß er aus mehreren Lagen Leder genäht werden, wobei auf unterschiedliche Weise vorgegangen werden kann. Entweder wer­ den aus dickem Leder ein oder zwei Streifen ge­ schnitten und diese mit dünnem Leder ummantelt. (Hier die Riemen werden aus mehreren Lagen dün­ nem Leder gefertigt und anschließend ebenfalls ummantelt. In beiden Fällen werden die Griffstücke mit zwei Nähten abgesteppt, damit die einzelnen Lagen nicht mehr gegeneinander verrutschen kön­ nen. Die Ummantelung kann entweder so hergestcllt werden, daß sie separat vorbereitet, als Schlauch genäht, umgestülpt und dann über den

ein- oder mehrlagigen Griffriemen geschoben wird (Rabenau-Schild), oder so, daß das Umman­ telungsleder etwas angefeuchtet, dann eng um den Griffriemen herumgelegt und erst beim Durch­ steppen mit den inneren Lagen zusammengenäht wird. Bei den hier zugrundeliegenden Abständen der Befestigungsnägel ist für einen solchen einzel­ nen Handgriff ebenfalls eine Länge von 28 cm ausreichend. Entscheidet man sich für die genähte Variante, empfiehlt es sich allerdings, nur einen Handrie­ men anzubringen, insbesondere wenn dieser sehr dick genäht ist. Zwei gekreuzte Riemen wären dann nämlich unbequem zu greifen. Außerdem er­ möglicht ein solcher sehr stabiler Handriemen, auch allein eine gute Führbarkeit des Schildes, da er nicht so nachgiebig ist w ie ein einzelner einfa­ cher Riemen.

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Armriemen Die Armriernen können auf die gleiche Weise hergestelll und aus mehreren Lederschichten genäht werden wie die für die Hand. Insbesondere beim Rabenau-Schild ist sehr gut zu erkennen, daß dort die Armriemen aus mehrlagigem Leder gefertigt sind. Völlig ausreichend ist es allerdings, diese Riemen, die lediglich Stabilisierungsfunktion haben, aus einfachen Lederstreifen zu fertigen (Schild des Landgrafen Heinrich I. von Hessen). Möglich ist cs auch, statt einem, zwei Armriemen anzubringen (Welfenberg-Schild). Es ist zu empfehlen, den Armriemen aus zwei Riemenstücken zu fertigen und ihn verstellbar zu machen, da es dann möglich ist, den Schild auch in unterschiedlicher Ausrüstung effektiv zu führen. Der Armriemen kann dazu mit einer Schnalle oder - wie hier - vorzugsweise mit einem Lederband-Verschluß versehen werden.

Abb. 202: Zweigeteilter, verstellbarer Armriernen, am Schild befestigt

denn der Nachteil einer Schnalle ist, daß sich diese im Kampf im Kettenhemd verhaken könnte. Beim Bemessen der Länge des Armriemens ist zu be­ achten. w ie stark der Unterarm im Kampf gepol­ stert sein wird. Bei den hier abgebildeten Schilden ist der obere Riemen 30 cm und der untere 20 cm lang. Dies sollte in der Regel für jeden Arm aus­ reichen. zumal der Riemen wegen seines Ver­ schlusses individuell angepaßt werden kann.

S ch ild fessel

Die Schildfessel sollte ebenfalls aus zwei Riemen­ stücken gefertigt werden, da sie dann mit einer Schnalle, oder notfalls mit demselben Verschluß wie beim Armriemen, versehen werden kann, damit der Schild je nach An der Verw endung indi­ viduell einstellbar ist. Von den zwei Riemen sollte der vordere allerdings wesentlich kürzer sein, damit die Vcrstellmöglichkeit des Riemens auf der Vorderseite des Körpers und nicht auf dem Rücken liegt. Die Schnalle wird an dem vorderen Stück befestigt. Da die Schildfessel um den Nacken geschlun­ gen wird und der Schild dabei trotzdem beweglich bleiben soll, sollte sie - je nach Körpergröße und Armlänge - mindestens eine Gesamtlänge von etwa 170 bis 190 cm haben. Bei den hier abgebil­ deten Schilden ist das vordere Riemenstück 25 cm lang, das hintere Stück mißt 150 cm. Die Schild­ fesselenden können entweder genauso wie die an­ deren Riemen angebracht werden - also starr auf

Abb. 203: Befestigung der Schildfessel an einer lu’derbrücke

der Schildrückseile -, oder besser mittels einer oder zwei kleiner Lederbrücken (Keseberg-Schild. Liederbach-Schild). Der Vorteil dieser „bewegli­ chen“ Befestigung liegt, wie gesagt, darin, daß zum einen sich die Zugkräfte, die beim Vor­ drücken des Schildes entstehen, auf zwei Befesti­ gungspunkte verteilen und zum anderen keine He­ belkräfte auf die Befestigungsnägel wirken.

gung und Anbringen des Hand- oder Armpolsters - Bohren der Löcher für die Riemenbefestigun­ gen“ unter dem Stichwort „Löcher für die Rie­ menbefestigungen“ einige Faustregeln und Vor­ schläge. Für das Befestigen der Riemen gibt es mehrere Möglichkeiten. Keine der im folgenden vorge­ schlagenen Alternativen kann für sich den An­ spruch ausschließlicher Authentizität erheben.

Anbringen der Riemen Sofern die Löcher der Riemenbefestigungen noch nicht gebohrt wurden, sollte dies nun nachgeholt werden. Um ein Aufsplittcrn des Holzes zu ver­ hindern und um die Bemalung der Vorderseite nicht zu beschädigen, sollte beim Bohren auf der Schildvorderseite unbedingt ein Stück Holz ge­ gengehalten werden. Die gebohrten Löcher sollten etwas schmaler sein, als die verwendeten Nägel stark sind. Für das Festlegen der Positionen der Riemenbe­ festigungen finden sich im Arbeitsschritt „Ferti-

Abb. 205: Riemenbefestigung mittels einer Pergamentschlaufe, Schildvonlerseite

Abb. 204: Verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für die Riemen

Abb. 206: Riemenbefestigung mittels einer Pergamentschlaufe. Schildrückseite

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denn die erhaltenen Schildfunde weisen sowohl vernietete als auch einfach umgeschlagene Befestigungsnägel auf und in einem Fall sogar eine pergamentene Befestigungsschlaufe (Muschenheim-Schild). Die hier vorgestellten Befestigungs­ alternativen sind allesamt möglich, wenn auch die weitaus meisten erhaltenen Schilde eiserne Nägel und Unterlegscheiben zur Sicherung der Riemen aufweisen. Als Schutz vor Verletzungen kann der umge­ schlagene oder vernietete Befestigungsnagel auf der Schildrückseite mit einer ledernen Abdeckung versehen werden. Hierzu kann eine Lederlasche unter dem Riemen so mit in die Befestigung ein­ gearbeitet werden, daß sie nach dem Fixieren des Nagels über das Nagelende gelegt und selbst fest­ genagelt werden kann (Liederbach-Schild, Welfcnberg-Schild). Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine separate Abdeckung anzufertigen, die über das Nagelendc gesetzt und ebenfalls auf der Rückseite des Schildes festgenagelt wird (Brienzer-Schild, Schild des Landgrafen Konrad von Thüringen. Steinau-Schild).

Abb. 207: Abdeckungsmöglichkeiten für die Nagelenden

Abb. 20H: Unterlegscheiben aus Eisenblech

Sollen Unterlegscheiben verwendet werden, kön­ nen diese aus etwa I mm starkem Eisenblech ge­ fertigt werden. Sie sollten so ausgeschnitten wer­ den. daß sie etwas kleiner sind als die Riemenbrei­ te. So w'ird vermieden, daß sic später überstehen und eine Verletzungsgefahr darstellen. Die Ecken und Kanten sollten sehr sorgfältig abgerundet wer­ den, damit das Metall nicht das Leder zerschnei­ det. Quadratische und runde Formen sind histo­ risch verbürgt. In der Mitte der so hergestcllten Scheiben wird ein kleines Loch gebohrt, durch das die verwendeten Befestigungsnägel hindurchge­ steckt werden können. Soll das Nagelendc vernie­ tet werden, darf das Loch nur so weit sein, daß der Nagel stramm hindurchpaßt. Die Befestigungsnägel werden dann von der Schildvorderseite her eingeschlagen, durch das Leder der Riemen geführt und mit einer Unterleg­ scheibe gesichert. Zur endgültigen Befestigung kann der Nagel schließlich entweder einfach um­ geschlagen oder - wenn das Material des Nagels weich genug ist - vernietet werden. Beim Vernie­ ten muß der Nagelkopf auf jeden Fall auf einem festen, metallenen Untergrund - am besten auf einem Amboß - liegen, damit er bei den Niet­ schlägen nicht wieder herausgetrieben wird. Vor dem Vernieten wird das überstehende, spitze Ende des Nagels bis auf eine Länge von etwa 5 mm ab­ gekniffen. Sind Nagel. Leder und Unterlegscheibe dann in der richtigen Position, wird der Nagel ver­ nietet, indem man ihn mit der schlanken Seite des

Hammerkopfes mit vielen kleinen Schlagen lang­ sam aufbördelt, bis er das Loch in der Unterleg­ scheibe pilzartig überdeckt. Für diese Arbeit sollte ein Hammer mit sehr schmaler Finne verwendet und die Technik auch hier wieder an einem Probe­ stück geübt werden. Wird dieser Aufwand gescheut und nach einer haltbaren Alternative gesucht, kann auch anders vorgegangen werden, indem lediglich an allen Riemenenden - etwa in einem Abstand von 1 cm vom Riemenende entfernt - zwei nebeneinanderliegende Löcher gestanzt werden. Der Befesti­ gungsnagel wird dann wiederum von der Schild­ vorderseite her durch das Loch im Holz und durch eins der beiden Löcher im Riemen gesteckt. Die Nagelspitze wird in einem Winkel von 90° umge­ bogen und durch das zweite Loch des Riemens in die Rückseite des Schildes zurückgetrieben, also ebenso umgekrampt wie bei der Befestigung der Randverstärkung. Bei dieser Vorgehensweise ist allerdings einige Vorsicht geboten, denn der Nagel darf dabei auf keinen Fall durch die Schildvorder­ seite hindurchgetrieben werden. Der Abstand der Löcher in den Riemenenden bedingt den Punkt, an dem die Spitze des Nagels umgebogen werden muß. damit die Nagelspitze auch wirklich durch das zweite UK’h getrieben werden kann. 1st der Abstand der Löcher am Riemenende sehr eng und

der Nagel sehr lang, besteht die Gefahr, daß sich der Nagel durch die Schildvorderseite bohrt und die Bemalung aufbricht. Es muß daher unbedingt nachgemessen werden, wie lang die durchzuschla­ gende Spitze des Nagels sein darf. Ist der Nagel zu lang, muß ihm die Spitze abgekniffen werden. Er läßt sich auch stumpf ins Holz treiben. Noch ein­ facher ist es, wenn das Riemenende mit nur einem Loch versehen und der Nagel einfach nach hinten umgeschlagen - oder besser umgekrampt - wird. Dies ist aber die unstabilste Alternative. Will man dennoch so vorgehen, sollte der Nagel wenigstens durch eine Unterlegscheibe gesichert werden. In jedem Fall sollte vor dem „Ernstfall“ der Riemenbefestigung auch hier w ieder ein Probe­ stück angefertigt werden, denn nichts wäre ärgerli­ cher, als den fast fertigen Schild - insbesondere die Wappenbenialung - jetzt noch zu beschädigen. Es ist zu empfehlen, in der gewählten Befesti­ gungsart einen Riemen probeweise an einem Stück Holz zu befestigen und diesen dann extrem zu belasten, um die Haltbarkeit der Befestigung zu testen. Sind die Riemen schließlich angebracht, ist der Schild fertig zum Einsatz... ...Beauséunt alla nscossa !

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Danksagung Besonderen Dank schulde ich meiner Frau - Svenia -, denn ohne sie hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Sie Kar es, die mich immer wieder drängte, meine Kenntnisse über Schilde des Mittelalters und meine Erfahrungen mit dem Bau von Schilden einmal zusammenzutragen und aufzuschreiben. Auch war sie es, die mir während der heißen Schaffens­ phase den Rücken frei hielt. Insbesondere schaffte sie es immer wieder, unsere zweijährige Tochter - Sarah Jasmin Isabel - erfolgreich davon abzuhalten, meine Manuskripte zu er­ obern. Schließlich übernahm sie es, die Fotos von einigen der Murburger Schilde sowie sämtliche für das zweite Kapitel benötigten Fotos anzufertigen. Ebenfalls zum Schreiben gedrängt hat mich unsere gemeinsame Bekannte - Margot Berger -, die selbst Buchautorin ist und mir mit ihren Kenntnissen sehr zur Seite stand, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ich bedanke mich bei dem Direktor des Murburger Universitätsmuseums für Kunst- und Kul­ turgeschichte - Herrn Prof. Dr. Jürgen Wittstock -, der es mir gestaltete, die Marburger Schilde eingehend zu begutachten, und bei dem Restaurator des Museums - Herrn Ulrich Ostendorf -, fü r seine sehr fachliche Unterstützung und freundliche Hilfe hei der äußerli­ chen Untersuchung der Schilde. Meiner sehr guten und langjährigen Freundin - Britta Le une r - danke ich für die Überset­ zung einiger französischer Texte und all meinen weiteren Freunden für ihre Geduld und ihr Interesse, wenn sie mir immer wieder zugehört haben und ihnen meine ,.Schildgeschichten ” nie langweilig wurden. Frau Eloisa Madr de Willig und ihrem Ubersetzerteam f Matilde Dabeistein. Michaela Will, Friedrich Hoppe und Ulrich-Matthias Kath) danke ich für die Übersetzung der spanischen Texte. Sabine und Michael Wolf danke ich da für, daß sie mir die Möglichkeit gaben, mein erstes Buch zu veröffentlichen. Für die sehr freundliche und rege Unterstützung während der Recherche und bei der Be­ schaffung von Bildmaterial und Forschungsberichten bedanke ich mich außerdem bei fo l­ genden Personen und Institutionen (in alphabetischer Reihenfolge): Angermuseum. Erfurt: Herr Karsten Horn Bildarchiv Foto Marburg: Herr Gerd Müller, Frau Susanne Dorier, Frau Annette Otterbach Canterbury Cathedral. Canterbury/England: Frau Angela Prior. Frau Mary Tucker Château de Valere. Sion/Schweiz: Frau Marie Claude Morand. Frau Yvonne Parlier Deutsche Botschaft, Madrid/Spanien: Frau Christiane Botschen

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Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden in Marburg: Herr Pfr. Ralf Hartmann. Frau Lydia Wenz Naumburger Dorn: Herr Prof. Dr. Emst Schubert, Herr Dt: Kunde. Frau Hinder Real Armería. Madrid/Spanien: Herr Alvaro Soler del Campo Royal Academy of Arts. London/Englond: Frau Elisabeth King. Herr Andrew Potter Schweizerisches Landesmuseum. Zürich/Schweiz: Frau Angelica Condrau. Herr Christoph Schreiber Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Innsbruck/Österreich: Herr Dr. Meinrad Pizzinini. Herr Dr. Günther Dankt Westminster Abbey. London/England: Frau Christine Reynolds

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187

Stichwortregister

Codex Manesse 44. 45. 49

Achilles 17 Achterschild 16, 17

Dammarharz --> Temperafarbe

Helmdecke 14. 131. 132

Degcndorf-Tartsche 134

Hclmklcinod 14

Acrylharz-Sprühfilm 147. 144. 163, 175

Dernbach. Herren von 45. 108, 109. 129

Hclmzier 14. 131

Adarga 130, 131 Alsace, Grat Philipp d' 29. 30. 34

Deutsches Historisches Museum 137

Angelsachsen 26

Deutschritterorden 132

Angermuseum 137

Dietmar, Graf 38

Heraldik 13. 14. 34. 36. 37. 43. 133. 169

Argivischcr Schild 18, 19. 27

Dura Eumpos, Schild aus 20

Hermelin --> Pelzartcn

Hautleim —> Leim

Armriemen 122, 123, 126, 134, 141. 145, 167. 168, 169, 178. 180

Edda II

Arnsberg, Graten von 44, 72, 73, 127

Ei-Temperafarbe —> Temperafarbe Eneasroman —> Eneît-Handschrift

Auxiliartruppcn 20 Awaren 23

Encît-Handschnft 33. 39. 40. 49

Edward III . König 46. 111. 118, 119. 129

Hngobage 39. 50. 76. 91. 116. 126. 127. 128. 129. 146. 167. 172. 173 Etrusker 18

Bastardfaden 16 Battersea-Schild 21 Bayern, Herzog Leopold IV. von 29. 36 Bayeux, Teppich von 25. 26, 27, 28. 2 9 .3 1 ,3 2 ,3 4 , 138 Befcstigungsricmen 58. 62, 67, 73, 88,92. 125. 126, 127, 128, 164. 165, 169

Heloten 17 Henry V . König 45. 46. 114, 115, 119,129. 145

Heroldsbilder 15

Armpolster —> Polsterung

Baden, Markgraf Hermann von 4 1, 42

Hasenleim —> Leim

Hessen. Landgraf Heinrich I. von 3 9 .4 4 .5 7 .7 4 . 75. 76.91. 127. 173. 180 Hessen, Landgraf Wilhelm III. von 137 Hjortspring/Dänemark 20 H ochm eister 53. 54. 132

Holzsiegellack 149 Holzwachs 147 Homer 18 Hopliten 18. 22. 36

Farben 14. 15. 146. 147, 148. 149. 170. 171. 173. 174. 175

Hundekauknochen 144. 158

Fayum-Schild 19. 20 Feh ~> Pelzarten

Indogermanen 16

Feirefiz --> Parzival-Epos

Jasomirgott. Herzog von Österreich 39

Franken 22. 23

Jungfraucnspiegel 38

Beinschienen 18, 37

Garcia. Graf 43. 120

Birka 22

Gemeine Figuren 15

Karl der Große 23

Blasionierung 15

Germanen 20

Karolinger 23

Böotischcr Schild 17

Glutinleim --> Leim Gokstad-Schiff 21. 177

Kelten 20 Keseberg, Vögte von 39, 41.56. 5 7 .5 8 .6 2 , 127 Ktsicrilz. Timo von 40

Brehna. Dietrich von 42 Brienz. Arnold von 40. 46. 48, 49. 51, 127

Goliath 33. 37

British Museum 137

Gómez. Rinlrigo 120. 123. 124. 129

Knicbuckel 37

Burgund. Herzog Hudes IV. von 45

Griechenland 16. 17. 18

Knochenleim -•> Leim

Byzanz 25

Große Heidelberger Liederhand­ schrift --> Codex Manesse

Korinthischer Helm 18. 36 Kreidegrund 39. 53, 57, 61.66. 69, 73, 75. 79. 83. 87, 91. 92. 95. 97, 105. 107.109,116,121. 123, 126, 127. 128. 129. 141. 144. 146, 149. 150. 153, 163. 164. 166. 170. 171. 172, 173

Camburg. Wilhelm von 41 Canterbury. Kathedrale von 46. 110. III. 112 Chateau de Valere 46 Clito. Graf Wiliam 35. 121 Codex aureus Epternaciensis 25, 138

Handpolstcr —> Polsterung Handriemen 33. 37. 51, 5 9 ,6 2 ,6 7 , 7 0 ,7 1 .8 0 . 88,97. 116. 122. 123. 126. 127. 128. 134. 141. 168. 169. 178. 179

Kieuspach. Leuthold von 44

Hardanger/Norwegen 30, 3 1

Kronika von Sassen 130

La Tone/Fran krcic h 20 Lcim 49. 50. 53. 143. 144. 146. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 170. 171, 172

122. 126. 127. 128. 129. 141. 142. 145. 150. 164. 165. 167. 168. 169. 181 Polybius 19

45. 94,95. 100. 101. 102. 128, 153 Schweizerisches Landesmuseum 46. 48,51. 137

l.einôl —> Temperafarbe

Prunkstücke 14

Scutum 18. 19

Liebenstein, Kuno von 135 Liederbach. W. von 44. 64. 65. 127 Limburger Chronik 37. 136 Lindenholz 49. 53. 57. 61.65. 69. 7 3 . 75.83,87,91,95.97,101. 105. 107. 109. 115. 127. 128. 129.143 Maciejowski-Bibel 37 Maidau-Tartsche 134 Mancsscform 44. 91.95. 97. 132. 133.138 Masowien, Troyden von 136 Metropolitan Museum 137 Metze. Walther von 45

Seedorf-Schild 49 Rabenau. Nordeck zu 44. 69, 127 Raron-Schild 39, 44. 46, 78. 79. 80. 128 Real Armería 46. 120, 122, 125 Renntartsche 131 Ripoll. Bibel von Santa Maria de 24.31 Roda. Bibel von St. Perc de 24. 25. 31, 138 Rohledcr 140. 144. 145. 149. 150. 157. 158. 159, 160. 166. 169. 177 Röldalkirche 30. 31 Rom 18, 19. 20, 22

Muschenheim. Herren von 45. 104, 105. 128 Mykcnische Kultur 16

Rondachen 136

Nasalhelm 27. 36

Salvadores. Gonzales 120, 121, 122. 129 San Salvador de Ona 46, 120, 121

Naumburgcr Dom 38. 40. 4L 42 Normannen 22. 26, 29 Normannenschild 26. 27. 28. 30. 31.32. 33.36, 3 7 .3 9 ,4 6 . 49. 121. 133. 136. 138 Parierstock 12 Parzival-Hpos 43 Pavese 130, 135. 136, 137, 138 Pelzarten 14. 15 Pergament 26. 28, 32. 39, 47. 49. 50, 53. 5 7 .6 1 .6 5 ,6 9 . 73, 75. 79. 83. 8 7 .9 1 .9 2 . 95.97. 101, 105. 107. 116. 121. 123. 126. 127. 128. 129. 130. 132. 140. 141. 143.144.145. 146. 147. 148. 149. 150. 153. 155. 157. 158, 160. 161. 162. 163. 164. 165, 166, 167. 168. 170. 171, 172, 175, 181 Phalanx 11. 17. 18, 19 Plakafarbe 146, 149. 169, 170. 175 Plantagenct. Geoffrey 29, 30. 34. 36 Polsterung 37, 47. 50, 80. 92, 116,

Rondellen 136 Rundtartsche 136

Scara 23 Schellack 147, 148. 149. 150. 163. 175 Schildbuckel 12. 19, 2 1 .2 2 ,3 3 . 34, 35, 50. 121. 136. 141. 149. 168 Schildfcsscl 32. 33. 37. 51.58. 59, 61,62. 67. 80. 88, 89,98, 102. 113. 122. 126, 127, 128. 129, 133. 134. 141. 145. 169. 178. 180

Septimonium 18 Setzschild 136, 137 Shield of Parade 137 Spanische Schildform 43, 45. 54. 119.123.124 Sparta 16 Speerruhe 131, 132, 133 Sperrholz 140, 141. 142, 143. 146. 150 St. Elisabethkirche 46, 47. 53. 77, 125 St. Etienne. Bibel von 33 St. Gallen. Buch von 24 St. Justina, Kirche von 34, 38 Steigbügel 23. 55 Steinau. Herren von 44, 51, 86, 87, 128 Steinfurth. Stadlhalter Loew von 106. 107. 128 Stem. Ekro von 132. 133 Stifterfiguren --> Naumburgcr Dom Strombcrg, Burggrafen von 44. 82. 83, 128 Stuttgarter Psalter 23 Sutton Hoo 21 Tacitus 11

Schildgespänge 21. 30. 33, 34. 121.141.149.155. 156. 168

Tausche 37. 130. 131. 132, 133. 134. 135. 136. 137. 138 Temperafarbe 146. 147. 148. 149. 150. 163. 173. 174. 175 Terpentinöl - > Temperafarbe

Schildrandverstärkung 31. 32, 145. 149. 150. 156. 157. 158, 160, 167. 169. 175. 176

Thüringen. Landgraf Konrad von 5 1 .5 2 .5 3 . 54.79. 88. 127. 161, 173. 182

Schlafende Wachen am Heiligen Grab 27. 28. 33

Tinkturen 14. 15 Topfhelm 36. 132 Totenschild 46. 47. 51.53. 101. 109. 111. 115. 120. 125

Schwarzbach. Behaim von 137 Schwarzer Prinz 39, 45. 46. 110. 111. 112. 113. 116. 119. 129. 143 Schweinsberg, Schenken von 44,

Trier. Karl von 132 Tullius, Scrvius 18 Turne, Otto von 44. 45 ta»;

Tumierkragen 1ft

Wachen des Hcrodcs —> Codex au­ reus Eptemaciensis

Wikinger 20. 21. 22

Umbo 19

Weingarten-Schild —> Raron, Schild von

Witham-Schild 20. 21

Ungarische Tart.sche 134

Welfenherg, Herren von 44. 90, 91, 128 Vcldckc. Heinrich von 33

Visierhelm 36 Vitré, Robert de 3ft. 190

Wells. Kathedrale von 34. 35 Westminster Abbey 46, 114. 115. 118. 119

Bezugsquellen: l.auhholzer (insbesondere auch Findenholz): Firma Reese & Meyer Schnackenburgallee 18 1 22525 Hamburg Telefon: 040-54 04 037

Pergament: Gerbergeineinschaft Diepholz GmbH

Strothestraße 50 49356 Diepholz Telefon: 05441-3414

Zutaten für die Herstellung von Kreidegrund. Farben, Glutinleini. Malerlein« and sowie die meisten Firnisse: Farbenfachgeschäft für Mal- und Künstlerbedarf Dierk Müller Grindelhof 62 20146 Hamburg Telefon: 040-45 34 72

Wilhelm der Eroberer 2ft, 34

Kc-enactment, Experimentalarchäologie, Museumspädagogik und experimentelles Lernen brauchen know-how. Wer nach solchem Wissen aus Erfahrung und Probieren sucht, stöllt früher oder später auf das kon/.epl der Reihe, in der dieser Band erschienen ist. Nach ausführlicher Einleitung in Entwicklung und Geschichte des mittelalterlichen europäischen Reiterschildes, inklusive zahlreicher Sonderformen, bietet der Experimentalarchäologe Jan kohlmorgen mögliche Interpretationen von Nachhauten solcher Schilde von kampftauglich bis authentisch und lällt auch den Leser hzw. Nutzer bei der Auffindung von Lieferanten ausgefallener Materialien nicht alleine.